Decision ID: 75f35c30-fb46-54ea-bc73-6d30b56fd399
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
Am 6. September 2017 stellte A._ mit Hilfe der Beratungsstelle Opferhilfe der
Kantone B._ und C._ beim Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons
St. Gallen (nachfolgend: SJD) ein Gesuch um Entschädigung und Genugtuung sowie
Vorschuss auf die Entschädigung für Lohnausfall Dezember 2016/Januar 2017. Aus
den beigelegten Strafurteilen vom 29. März 2017 ging hervor, dass der Gesuchsteller
am 16. Februar 2015 Opfer einer versuchten Tötung, begangen von D._, sowie von
Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Nötigung, begangen von D._ und weiteren
Tätern, geworden war (act. G3.1). In der Folge sistierte das SJD das Vorschussgesuch
formlos und sammelte weitere Informationen (vgl. act. G3.2 ff.). Am 12. November 2019
beantragte der Gesuchsteller eine Entschädigung im gesetzlichen Maximalbetrag von
Fr.120'000.-- und eine Genugtuung von Fr. 28'500.-- (act. G3.10).
A.a.
Mit Verfügung vom 5. August 2020 schrieb das SJD das Vorschussbegehren als
gegenstandslos ab und sprach dem Gesuchsteller eine Entschädigung von
Fr. 7'638.10 sowie eine Genugtuung von Fr. 15'000.-- zu. In einer ausführlichen
Begründung führte es im Wesentlichen aus, bis August 2015 sei kein durch die Straftat
verursachter Erwerbsausfall auszumachen. Von September 2015 bis März 2016 sei der
Gesuchsteller neben seiner damaligen Arbeitstätigkeit von 20 % und der
Arbeitsunfähigkeit wegen vorbestehender Rückenschmerzen von 50 % zu 30 %
aufgrund der aus der Straftrat resultierenden psychischen Beeinträchtigungen
arbeitsunfähig gewesen. Für die Zeit nach März 2016 sei eine konkrete, bezifferbare
Beeinträchtigung seiner Arbeitsfähigkeit aufgrund psychischer Beeinträchtigungen
A.b.
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B.
nicht mehr nachgewiesen. Für die sieben Monate von September 2015 bis März 2016
resultiere aufgrund der Straftat ein Lohnausfall von Fr. 9'152.50. Wegen der am
15. Dezember 2016 erfolgten operativen Narbenkorrektur sei der Gesuchsteller vom
15. Dezember 2016 bis 10. Januar 2017 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Diese
Folgeoperation sei aufgrund der erschwerten Heilung der Schussverletzung erforderlich
gewesen. Der Lohnausfall habe Fr. 1'106.85 im Dezember 2016, und Fr. 704.55 im
Januar 2017 betragen. In diesem Umfang sei der Gesuchsteller
entschädigungsberechtigt. Die von ihm geltend gemachten Heilungs- und
Therapiekosten würden keinen Entschädigungsanspruch auslösen und seien ohnehin
nicht ausreichend substantiiert. Aufgrund der finanziellen Verhältnisse des
Gesuchstellers sei die Entschädigung auf Fr. 10'184.10 zu kürzen. Die
opferhilferechtliche Genugtuung werde in der Regel etwa 30 bis 40 % tiefer angesetzt
als die zivilrechtliche Genugtuung, welche vorliegend auf Fr. 30'000.-- (vor der
Herabsetzung wegen Selbstverschulden) beziffert worden sei. Eine Kürzung um einen
Drittel ergebe Fr. 20'000.--, was insgesamt als angemessen erscheine. Der
Gesuchsteller sei im Drogenmilieu tätig gewesen und habe die Schussverletzungen im
Rahmen seiner deliktischen Tätigkeit, für die er sich auch strafrechtlich habe
verantworten müssen, erlitten. Hätte er sich nicht über die Rechtsordnung
hinweggesetzt, wäre er nicht Opfer einer Straftat geworden. Ihn treffe deshalb ein
Selbstverschulden. Vor dem Hintergrund der opferhilferechtlichen Praxis rechtfertige
sich hierfür eine Herabsetzung der Entschädigung und Genugtuung um 25 %. Dem
Gesuchsteller sei demnach eine Entschädigung von Fr. 7'638.10 (75 % von
Fr. 10'184.10) und eine Genugtuung von Fr. 15'000.-- (75 % von Fr. 20'000.--)
auszurichten. Mit dem Entscheid über die Hauptsache sei das Vorschussbegehren
gegenstandslos geworden (act. G1.1).
Gegen die Verfügung vom 5. August 2020 richtet sich der Rekurs vom 27. August
2020. Der Rekurrent beantragt die Zusprache von weitergehenden Entschädigungs-
und Genugtuungsbeiträgen. Zur Begründung bringt er wörtlich vor: "Ich habe mir die
Verfügung und die Begründung für die Genugtuung und die Entschädigung mehrfach
durchgelesen und bin zum Schluss gekommen, dass die Entschädigungen sehr tief
B.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
angesetzt sind und die wahren Umstände in der Begründung nur teilweise
berücksichtigt worden sind. Aus diesem Grund erhebe ich dagegen Rekurs" (act. G1).
Mit Vernehmlassung vom 23. September 2020 beantragt die Vorinstanz unter
Verweis auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung die Abweisung des
Rekurses (act. G3).
B.b.
Jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körperlichen, psychischen oder
sexuellen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist (Opfer) hat Anspruch auf
Unterstützung nach dem Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer von Straftraten (OHG;
SR 312.5). Der Rekurrent ist unstreitig Opfer einer Straftat geworden, sodass die
Bestimmungen des OHG vorliegend Anwendung finden.
1.1.
Das zunächst sistierte Vorschussgesuch (vgl. Art. 21 OHG; der Rekurrent hatte von
seiner Arbeitgeberin einen Vorschuss erhalten, act. G3.7 f.) schrieb die Vorinstanz mit
der Verfügung vom 5. August 2020 als gegenstandslos geworden ab. Streitgegenstand
ist einzig noch die Höhe der im Grundsatz anerkannten Entschädigung und
Genugtuung.
1.2.
Der Rekurrent hat den Rekurs nur damit begründet, die zugesprochenen
Leistungen seien angesichts der Umstände sehr tief, ohne darzulegen, inwiefern die
Ausführungen der Vorinstanz unzutreffend sein sollten. Dennoch ist der angefochtene
Entscheid umfassend zu prüfen, denn dem Versicherungsgericht kommt freie
Überprüfungsbefugnis zu (vgl. Art. 29 Abs. 3 OHG). Im Rahmen dieser freien
Überprüfungsbefugnis kann das Gericht in Ermessensfragen sowohl sein eigenes
Ermessen anstelle desjenigen der unteren Instanz setzen als auch einen
Entscheidungsspielraum der Vorinstanz respektieren. Betreffend
Genugtuungsentscheide kann es sich damit begnügen, die Angemessenheit der von
der Verwaltungsbehörde zugesprochenen Summe zu kontrollieren und, soweit diese
der Billigkeit entspricht, von einer Änderung des angefochtenen Entscheides absehen,
auch wenn es selbst, hätte es als erstinstanzliche Behörde entschieden,
möglicherweise nicht die gleiche Summe bestimmt hätte (vgl. Peter Gomm, SHK-
Opferhilferecht, 4. Aufl., Art. 29 OHG N 21).
1.3.
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2.
Der Rekurrent beantragt die Zusprache einer höheren Entschädigung. Das Opfer
hat Anspruch auf eine Entschädigung für den erlittenen Schaden. Der Schaden wird
nach Art. 46 (Schadenersatz bei Körperverletzung) des Bundegesetzes betreffend die
Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht;
OR; SR 220) festgelegt. Nicht berücksichtigt werden Sachschaden sowie Schaden,
welcher Leistungen der Soforthilfe oder der längerfristigen Hilfe nach Art. 13 OHG
auslösen kann (Art. 19 OHG). Die Entschädigung deckt den Schaden ganz, wenn im
Sinne von Art. 6 Abs. 1 und 2 OHG die anrechenbaren Einnahmen der
anspruchsberechtigten Person den massgebenden Betrag für den allgemeinen
Lebensbedarf nicht übersteigen. Sie deckt den Schaden anteilsmässig, wenn im Sinne
von Art. 6 Abs. 1 und 2 OHG die anrechenbaren Einnahmen der anspruchsberechtigten
Person zwischen dem einfachen und dem vierfachen massgebenden Betrag für den
allgemeinen Lebensbedarf liegen. Die Entschädigung beträgt höchstens Fr. 120'000.--
(Art. 20 Abs. 2 und Abs. 3 erster Teilsatz OHG). Liegen die anrechenbaren Einnahmen
der anspruchsberechtigten Person zwischen dem massgebenden Betrag für den
allgemeinen Lebensbedarf (Betrag ELG) und dem Vierfachen dieses Betrags, so wird
die Entschädigung wie folgt berechnet: Entschädigung = Schaden – ([anrechenbare
Einnahmen – Betrag ELG] x Schaden) / 3 x Betrag ELG (Art. 6 der Verordnung über die
Hilfe an Opfer von Straftaten [OHV; SR 312.51]).
2.1.
Der Begriff des Schadens ist im Opferhilferecht der gleiche wie im Haftpflichtrecht.
Schaden ist demnach die Differenz zwischen dem gegenwärtigen, nach dem
schädigenden Ereignis festgestellten Vermögensstand und dem Stand, den das
Vermögen ohne das schädigende Ereignis hätte, bzw. die Differenz zwischen den
Einkünften, die nach dem schädigenden Ereignis tatsächlich erzielt worden sind und
denjenigen, die ohne dieses Ereignis zugeflossen wären (BGE 131 II 217 E. 4.2 und
BGE 129 II 49 E. 4.3.2).
2.2.
Der Rekurrent bezog bis zum 10. Dezember 2014 Sozialhilfe. Von ca. September
2014 bis zum Überfall vom 16. Februar 2015 war er für eine monatliche Abgeltung von
Fr. 10'000.-- im Drogenmilieu tätig. Wegen der im Rahmen der Straftat erlittenen
schweren Verletzungen war der Rekurrent bis zum 10. März 2015 hospitalisiert. Ab
dem 18. Mai 2015, d.h. nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft am 7. Mai
2015, bezog er wiederum Sozialhilfe. Ab September 2015 arbeitete er zunächst
unregelmässig und auf Abruf bei der E._ AG (nachfolgend: E._), weshalb im
Oktober 2015 nur noch die Miete und die Gesundheitskosten von der Sozialhilfe
finanziert werden mussten (vgl. act. G3.10.7, G3.6.2, G3.3.8.3 und G3.4). Danach
2.3.
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finanzierte der Rekurrent seinen Lebensunterhalt durch seine Erwerbstätigkeit bei der
E._ vollumfänglich selbst (vgl. act. G3.10, S. 2).
Der Rekurrent macht nicht geltend, dass er ohne das schädigende Ereignis rascher
eine Erwerbstätigkeit ausserhalb des Drogenmilieus aufgenommen hätte. Dies wäre
angesichts dessen, dass er sich selbst aufgrund einer Rückenproblematik als
eingeschränkt arbeitsfähig betrachtete, vor dem Überfall bereits eine IV-Anmeldung
vorgenommen hatte (vgl. hierzu auch E. 2.8 ff. nachfolgend) und durch die deliktische
Tätigkeit ein sehr hohes Einkommen erzielte, wohingegen er zuvor und danach auf
Sozialhilfe angewiesen war, auch wenig glaubhaft. Ohne das schädigende Ereignis
hätte der Rekurrent demnach bis September 2015 kein Erwerbseinkommen aus einer
legalen Tätigkeit erzielt. Bei der Schadensberechnung hat ein aus einem rechtswidrigen
Erwerb erzieltes Einkommen unberücksichtigt zu bleiben (vgl. Willi Fischer/Fabian
Gähwiler [Hrsg.], Haftpflichtkommentar, Kommentar zu den schweizerischen
Haftpflichtbestimmungen, Zürich/St. Gallen 2016, Art. 46 OR N 53). Für das Entgelt aus
seiner deliktischen Tätigkeit hat der Rekurrent deshalb keinen Anspruch auf Ersatz.
Demnach ist dem Rekurrenten bis Ende August 2015 in Übereinstimmung mit der
Vorinstanz keine Entschädigung für Lohnausfall zuzusprechen. Ein
entschädigungsfähiger Einkommensausfall konnte somit frühestens ab September
2015 entstehen.
2.4.
Der Rekurrent ist seit September 2015 bei der E._ angestellt. Obwohl nach
Stunden abgerechnet wurde, betrug sein Monatslohn von Mai bis Juli 2017 jeweils
konstant Fr. 2'400.60 brutto bzw. Fr. 2'179.20 netto, was offenbar einem 50%-Pensum
entsprach (vgl. act. G3.1.9 und G3.3.1). Massgebend für die Schadensberechnung ist
das Nettoeinkommen, selbst dann, wenn die Arbeitsunfähigkeit bloss vorübergehend
ist und deswegen – wie das vorliegend der Fall ist – kein Rentenschaden berechnet
wird (vgl. Fischer/Gähwiler, a.a.O., Art. 46 OR N 45 f.).
2.5.
Der Rekurrent bringt nicht vor, dass er, wäre er nicht Opfer einer Straftat
geworden, seit September 2015 einer wesentlich besser bezahlten legalen
Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Die Vorinstanz hat für das hypothetische
Einkommen im Gesundheitsfall folglich zu Recht das tatsächlich erzielte Einkommen
des Rekurrenten gemäss den von ihm eingereichten Lohnabrechnungen der E._ als
Ausgangspunkt herangezogen.
2.6.
Beim Rekurrenten bestand bereits vor der Straftat eine Rückenproblematik (vgl.
act. G3.3.8.5, G3.15.5 und G3.17). Die Vorinstanz ging davon aus, dass der Rekurrent
aufgrund dieser Rückenproblematik, wegen welcher schon vor der Schussverletzung
2.7.
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eine IV-Anmeldung erfolgte (vgl. hierzu act. G3.17), im hier interessierenden Zeitraum
auch ohne die im Rahmen des Überfalls erlittenen Gesundheitsschädigungen zu nicht
mehr als 50 % gearbeitet hätte. Der Rekurrent bestreitet dies nicht. Demnach
beschränkt sich ein Entschädigungsanspruch für erlittenen Einkommensausfall auf ein
50%-Pensum bzw. einen 50%-Lohn.
Bereits im Juni 2015 war der Rekurrent betreffend die Verletzungen aus dem
Überfall in somatischer Hinsicht weitgehend beschwerdefrei bei nur noch vereinzelt
Schmerzen aufgrund von Schonhaltung und Fehlbelastung. Ärztlicherseits wurde ihm
damals mitgeteilt, er könne "wieder alles machen, müsse sich nicht schonen" (vgl.
act. G3.3.8.5). Demnach bestand in somatischer Hinsicht ab September 2015
grundsätzlich keine Arbeitsunfähigkeit aufgrund der gegen den Rekurrenten verübten
Straftat mehr. Die vorbestehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der
Rückenproblematik ist bei der Berechnung des Entschädigungsanspruchs nicht zu
berücksichtigen.
2.8.
In psychischer Hinsicht wurde dem Rekurrenten eine Arbeitsfähigkeit von 20 % ab
September 2015 und von 50 % ab April 2016 attestiert (act. G3.3.8.6; vgl. auch
act. G3.3.8.7). In weitergehendem Ausmass hatte sich der Rekurrent bereits vor der
gegen ihn verübten Straftat aufgrund der ihn einschränkenden Rückenproblematik
nicht als arbeitsfähig betrachtet. Er hätte demnach mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auch ohne dieses Ereignis nicht mehr als 50% gearbeitet. In seiner
Anstellung bei der E._ erzielte der Rekurrent in einem 50%-Pensum einen
Monatslohn von Fr. 2'179.20. Bei einem 100%-Pensum betrüge der Lohn demnach
Fr. 4'358.40. 30 % davon sind Fr. 1'307.50. Auf sieben Monate (September 2015 bis
März 2016) hochgerechnet resultierte somit ein Lohnausfall von Fr. 9'152.50.
2.9.
Im Übrigen wäre eine über den März 2016 hinausdauernde Arbeitsunfähigkeit
anhand der vorliegenden Akten ohnehin nicht hinreichend ausgewiesen. Zwar
schilderten die Behandler, der Rekurrent leide unter Ängsten, sich aufdrängenden
Erinnerungen und Schlafstörungen, schrecke bei Knall und lauten Geräuschen auf und
sei lärmempfindlich. Die Symptome würden einer posttraumatischen
Belastungsstörung entsprechen (vgl. beispielhaft act. G3.3.8.6 f.). Inwiefern diese
Symptomatik die Arbeitsfähigkeit in einer – allenfalls angepassten, beispielsweisen
lärmarmen – Erwerbstätigkeit ab April 2016 einschränkt, wird jedoch nicht eingehend
erörtert. Gestützt auf die im Recht liegenden Behandlerberichte erscheint ein
weitergehender Erwerbsausfall wegen psychisch bedingter Arbeitsunfähigkeit nach
März 2016 daher weder belegt noch überwiegend wahrscheinlich.
2.10.
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Am 15. Dezember 2016 unterzog der Rekurrent sich einer partiellen
Narbenkorrektur, welche in Folge der im Rahmen der Straftat erlittenen Verletzungen
notwendig geworden war. Danach war er bis zum 10. Januar 2017 zu 100%
arbeitsunfähig und erlitt damit, wie die Vorinstanz korrekt feststellte, einen
Erwerbsausfall von Fr. 1'106.85 im Dezember 2016 und Fr. 704.55 im Januar 2017 (vgl.
act. G3.1.8, G3.3.1 und G3.3.8.8).
2.11.
Der Rekurrent macht Heilungs- und Therapiekosten geltend, ohne diese jedoch
zu beziffern und zu belegen. Die Behandlung zur Überwindung von Verbrechensfolgen
gilt als Hilfeleistung im Sinne von Art. 13 OHG. Solange die psychotherapeutische
Behandlung der Verbesserung des Gesundheitszustands dient, fällt sie unter die
Hilfeleistungen nach Art. 13 OHG. Ist hingegen das Behandlungsziel eines nicht mehr
veränderlichen Gesundheitszustandes erreicht und bezweckt die Psychotherapie,
sporadisch auftretende Verschlechterungen des Gesundheitszustands aufzufangen,
stellen deren Kosten entschädigungsberechtigten Schaden dar. Transportkosten, die
für die Behandlung anfallen, folgen jeweils der Zuordnung der Heilbehandlung (Gomm,
a.a.O., Art. 19 OHG N 19 und N 21 f.).
2.12.
Vorliegend war der Rekurrent, wie vorstehend ausgeführt, aus psychiatrischer
Sicht ab April 2016 wieder zu 50% arbeitsfähig, sodass kein Erwerbsausfall als Folge
der gegen ihn verübten Straftat mehr resultierte. Er war zu diesem Zeitpunkt aber noch
nicht austherapiert (vgl. act. G3.3.8.6). Das Departement Gesundheit und Soziales
B._ hat daher unter dem Titel der Hilfeleistungen nach Art. 13 OHG bis zum 18. Juli
2019 medizinische Kosten, namentlich auch die Kosten für Psychotherapie,
übernommen (act. G3.10.5.3). Demnach käme eine Entschädigung grundsätzlich erst
für den Zeitraum ab 19. Juli 2019 in Frage.
2.13.
Das Departement Gesundheit und Soziales B._ war der Auffassung, dass per
18. Juli 2019 ausreichend Unterstützung im Rahmen der längerfristigen Hilfe geleistet
und eine Stabilisierung erreicht worden sei (act. G3.10.5.3), was vom Rekurrenten,
soweit aus den Akten ersichtlich, nicht bestritten wurde. Ziel der Psychotherapie ist es
gemäss dem Arztbericht der behandelnden Psychiaterin vom 13. August 2018, die
Symptome der erlittenen posttraumatischen Belastungsstörung weiter zu reduzieren,
wobei diese davon ausging, dass bleibende Schädigungen physischer und psychischer
Art verbleiben würden (act. G3.10.3). Diese geltend gemachte bleibende
Beeinträchtigung der Gesundheit des Rekurrenten wird bei der Bestimmung der
Genugtuung berücksichtigt (vgl. hierzu E. 3 nachfolgend). Anhand des Arztberichts vom
13. August 2018 ist hingegen ebenso wenig wie gestützt auf die weiteren im Recht
liegenden Akten ausgewiesen, dass die Fortsetzung der psychotherapeutischen
2.14.
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3.
Behandlung zur Aufrechterhaltung des Heilungserfolgs und der Erwerbsfähigkeit
erforderlich ist. Folglich hat der Rekurrent hierfür keinen Entschädigungsanspruch.
Die Vorinstanz hat den opferhilferechtlichen Schaden damit korrekt auf
Fr. 10'963.90 beziffert (Fr. 9'152.50 + Fr. 1'106.85 + Fr. 704.55) und die Entschädigung
anhand der obenerwähnten Formel (siehe E. 2.2 vorstehend) korrekt berechnet. Diese
beträgt Fr. 10'184.10 (vgl. act. G3.18).
2.15.
Sofern der Rekurrent einen Rentenschaden geltend macht (vgl. act. G3.10, S. 2),
ist festzuhalten, dass ein längerfristiger Minderverdienst als Folge der Straftat aus den
Akten nicht hergeleitet werden kann und bei bloss kurzfristiger Erwerbsunfähigkeit kein
Rentenschaden berücksichtigt wird (vgl. hierzu Fischer/Gähwiler, a.a.O., Art. 46 OR
N 96 ff.). Insbesondere war der Rekurrent vor der Straftat für längere Zeit von der
Sozialhilfe abhängig bzw. übte eine rechtswidrige Tätigkeit aus. Demnach hätte er,
auch wenn er nicht Opfer der Straftat geworden wäre, im hier massgebenden Zeitraum
keine nennenswerten rentenbildenden Sozialversicherungsbeiträge geleistet. Soweit
der Rekurrent, abgesehen vom Zeitraum vom 15. Dezember 2016 bis zum 10. Januar
2017, über den 1. April 2016 hinaus nicht mehr als 50% arbeitsfähig war, ist dies, wie
bereits dargetan, nicht auf die Auswirkungen der anlässlich der Straftat erlittenen
Verletzungen zurückzuführen, sondern auf die vorbestehende Rückenproblematik.
Demnach hätte der Rekurrent auch dann keine wesentlich höheren rentenbildenden
Sozialversicherungsbeiträge geleistet, wenn er nicht Opfer einer Straftat geworden
wäre.
2.16.
Der Rekurrent beantragt eine höhere Genugtuung. Das Opfer hat Anspruch auf
eine Genugtuung, wenn die Schwere der Beeinträchtigung es rechtfertigt; Art. 47 und
Art. 49 OR sind sinngemäss anwendbar (Art. 22 Abs. 1 OHG). Die Genugtuung wird
nach der Schwere der Beeinträchtigung bemessen. Sie beträgt höchstens Fr. 70'000.--
für das Opfer (Art. 23 OHG).
3.1.
Die opferhilferechtliche Genugtuung stellt eine staatliche, von der öffentlichen
Hand finanzierte Unterstützung an das Opfer einer Straftat dar. Eine umfassende und
bedingungslose Wiedergutmachung des erlittenen Schadens wird durch sie nicht
gewährt. Genugtuungen gestützt auf das OHG sollen zwar wie zivilrechtliche
Genugtuungen primär immaterielle Unbill abgelten, wobei zur Bemessung die von den
Zivilgerichten entwickelten Grundsätze sinngemäss heranzuziehen sind. Sie sind
jedoch generell tiefer als die gestützt auf das Privatrecht zugesprochenen Beträge.
Namentlich täterbezogene Faktoren wie etwa das Verschulden des Täters oder eine
3.2.
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besonders skrupellose Vorgehensweise sind bei der Bemessung der Genugtuung nach
OHG – anders als im Straf- und Zivilrecht – nicht zu berücksichtigen. Der Höchstbetrag
von Fr. 70'000.-- für das Opfer ist für die schwersten Leiden vorgesehen (vgl. Gomm,
a.a.O., Art. 22 OHG N 6 f.; BGE 129 II 312 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts vom
28. Januar 2016, 1C_542/2015, E. 3.2; Empfehlungen der Schweizerischen
Verbindungsstellenkonferenz zur Anwendung des Opferhilfegesetzes [SVK-OHG] vom
21. Januar 2010, Ziff. 4.7.2 [nachfolgend: Empfehlungen]).
Verwaltungs- und Strafbehörden sind nicht gegenseitig an ihre Erkenntnisse
gebunden. Im Interesse der Rechtssicherheit und Rechtseinheit weicht die
Verwaltungsbehörde aber nicht ohne sachlichen Grund vom Entscheid der
Strafbehörde ab. Von den tatsächlichen Feststellungen des Strafgerichts darf sie
abweichen, wenn sie aufgrund eigener Beweiserhebungen Tatsachen feststellt, die
dem Strafgericht unbekannt waren oder die es nicht beachtet hat, wenn neue
entscheiderhebliche Tatsachen vorliegen, wenn die Beweiswürdigung des Strafgerichts
feststehenden Tatsachen klar widerspricht oder wenn das Strafgericht bei der
Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht alle Rechtsfragen abgeklärt hat. In reinen
Rechtsfragen ist die Verwaltungsbehörde dagegen nicht an die Beurteilung durch das
Strafgericht gebunden. Die Unabhängigkeit vom Erkenntnis der Strafbehörde folgt hier
auch aus der unterschiedlichen Zwecksetzung der von der Verwaltungsbehörde
anzuwendenden Normen. Die Verwaltungsbehörde ist jedoch dann an die rechtliche
Qualifikation des Sachverhalts durch das Strafurteil gebunden, wenn die rechtliche
Würdigung sehr stark von der Würdigung von Tatsachen abhängt, die das Strafgericht
besser kennt als die Verwaltungsbehörde (Urteil des Bundesgerichts vom
30. November 2007, 1C_45/2007, E. 4.3).
3.3.
Die Höhe der Summe, die als Abgeltung immaterieller Unbill in Frage kommt, lässt
sich naturgemäss nicht errechnen, sondern nur schätzen. Bei der Bemessung der
Genugtuung hat die Behörde in erster Linie die Schwere der Beeinträchtigung zu
gewichten. Unter Beeinträchtigung ist dabei, wie im Zivilrecht, die Verletzung der
persönlichen Verhältnisse bzw. das konkrete Ausmass des Eingriffs in die
Persönlichkeitsrechte zu verstehen. Abgestellt wird auf die objektive Schwere und die
subjektiven Auswirkungen des Eingriffs in das verletzte Rechtsgut. Dabei werden die
Umstände des konkreten Ereignisses und des Einzelfalls berücksichtigt (Gomm, a.a.O.,
Art. 23 OHG N 6). Ein Hilfsmittel für die kantonalen Behörden ist der "Leitfaden zur
Bemessung der Genugtuung nach Opferhilfegesetz" des Bundesamtes für Justiz,
welcher im Oktober 2008 erstellt und per Oktober 2019 aktualisiert wurde (abrufbar
unter www.bj.admin.ch, nachfolgend: Leitfaden). Im Sinne eines Richtwertes kann von
3.4.
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60 bis 70 % der durchschnittlichen zivilrechtlichen Genugtuung in Vergleichsfällen bzw.
der im konkreten Einzelfall straf- oder zivilgerichtlich zugesprochenen Genugtuung
ausgegangen, mithin eine Kürzung von 30 bis 40 % vorgenommen werden (vgl. Gomm,
a.a.O., Art. 22 OHG N 8 f.; Empfehlungen, Ziff. 4.7.2).
Der Leitfaden sieht Bandbreiten für Verletzungen der physischen, der sexuellen
und der psychischen Integrität vor. Ist das Opfer in mehreren Integritäten betroffen, so
ist die Genugtuung anhand der Bandbreite für die schwerste Beeinträchtigung zu
bemessen und angemessen zu erhöhen, um den Gesamtumständen Rechnung zu
tragen. Geht die schwere Beeinträchtigung der psychischen Integrität einher mit einer
Beeinträchtigung der körperlichen Integrität, ist sie also eine Folge oder ein
erschwerender Umstand einer Körperverletzung, richtet sich die Bemessung der
Genugtuung nach der Bandbreite für physische Beeinträchtigungen (vgl. Leitfaden,
S. 10 und S. 16).
3.5.
Für nicht unerhebliche, verheilende körperliche Beeinträchtigungen (z.B.
Knochenbrüche, Gehirnerschütterungen) sieht der Leitfaden eine Genugtuung bis
Fr. 5'000.-- vor. Für körperliche Beeinträchtigungen mit längerem, komplexem
Heilungsverlauf (Operationen, lange Rehabilitation, Verminderung der Sehkraft,
Darmlähmungen, erhöhte Infektanfälligkeit) liegt die Bandbreite bei Fr. 5'000.-- bis
Fr. 10'000.--. Bei körperlichen Beeinträchtigungen mit dauerhaften Folgen (Verlust der
Milz, eines Fingers, des Geruchs- oder Geschmackssinnes) kann eine Genugtuung von
Fr. 10'000.-- bis Fr. 20'000.-- gesprochen werden. Bei schweren körperlichen
Beeinträchtigungen mit lebenslangen Folgen und schwerem psychischem Trauma
nach aussergewöhnlich eindrücklichen Gewaltereignissen (entstellende Narben,
schweres Schädel-Hirn-Trauma, Verlust eines Auges, eines Armes oder eines Beines,
sehr starke und schmerzhafte Verletzungen der Wirbelsäule, Verlust des Gehörs) ist
eine Bandbreite von Fr. 20'000.-- bis Fr. 50'000.-- vorgesehen. Bei schwersten
körperlichen Beeinträchtigungen mit lebenslanger Arbeitsunfähigkeit (Tetraplegie,
schwerste Hirnschädigung, Verlust beider Augen) kann eine Genugtuung von bis zu
Fr. 70'000.-- in Betracht gezogen werden (Leitfaden, S. 12, auch wiedergegeben in
Gomm, a.a.O., Art. 23 OHG N 12). Kriterien für die Bemessung der Genugtuung sind
namentlich Intensität, Ausmass und Dauer der physischen und psychischen Folgen
(Schmerzen, Operationen, Narben), der Behandlung, der Arbeitsunfähigkeit und der
Auswirkungen auf das Privat- und Berufsleben, Lebensgefahr oder Art der
Tatbegehung (Grausamkeit, Verwendung von Waffen oder anderen gefährlichen
Gegenständen, gemeinsame Tatbegehung, etc.; Leitfaden, S. 13; siehe zur Kasuistik
Gomm, a.a.O., Art. 23 OHG N 35).
3.6.
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4.
Vorliegend wurden die Täter, namentlich D._, rechtskräftig verurteilt (vgl.
act. G3.12). Aufgrund des Gewaltentrennungsprinzips ist die Verwaltungsbehörde zwar
nicht an die Erkenntnisse des Strafgerichts gebunden. Im Interesse der
Rechtssicherheit und Rechtseinheit weicht sie aber nicht ohne sachlichen Grund von
deren Entscheid ab (vgl. E. 3.3 vorstehend). Das Kantonsgericht St. Gallen erliess am
10. September 2018 einen einlässlich begründeten, 118 Seiten umfassenden Entscheid
und setzte sich darin ausführlich mit der Vorgeschichte der Parteien, dem Tatvorgang,
den Anträgen und Vorbringen der Beteiligten und insbesondere mit den Forderungen
des Rekurrenten auseinander. Es setzte eine Genugtuung – vor Berücksichtigung des
Selbstverschuldens des Rekurrenten – von Fr. 30'000.-- fest (vgl. act. G3.12.1,
insbesondere S. 90 ff.). Die Höhe der Genugtuung hängt stark von der Würdigung der
Tatsachen ab. Das Kantonsgericht war mit diesen umfassend vertraut, sodass dessen
Einschätzung ein entsprechendes Gewicht zukommt. Es hat auch die Rechtsprechung
in vergleichbaren Fällen berücksichtigt (vgl. act. G3.12.1, S. 90), sodass die
durchschnittliche Genugtuung in Vergleichsfällen in seine Entscheidfindung miteinfloss.
Die opferhilferechtliche Genugtuung kann daher an die im Strafrecht festgesetzte
Summe angelehnt werden, wobei sie um 30 bis 40 % zu kürzen ist (vgl. zur Bedeutung
von Vergleichsfällen und zur Kürzung E. 3.4 vorstehend).
3.7.
Die Vorinstanz ging denn auch von der im Strafverfahren festgesetzten
Genugtuung aus und kürzte diese um einen Drittel auf Fr. 20'000.-- (vgl. act. G 1.1).
Dieses Vorgehen ist mit Blick auf den Ermessensspielraum der Vorinstanz nicht zu
beanstanden. Die so ermittelte Genugtuung liegt am obersten Rand des im Leitfaden
vorgesehenen Rahmens für körperliche Beeinträchtigungen mit dauerhaften Folgen.
Sie trägt damit der Schwere der Verletzungen, dem Heilungsverlauf mit mehreren
Operationen und bleibenden Narben sowie der zusätzlichen psychischen Belastung
des Rekurrenten genügend Rechnung.
3.8.
Zu prüfen bleibt, ob die Vorinstanz die Entschädigung und Genugtuung zu Recht
wegen Mitverschuldens des Rekurrenten um 25 % herabgesetzt hat.
4.1.
Die Entschädigung und Genugtuung des Opfers können herabgesetzt oder
ausgeschlossen werden, wenn das Opfer zur Entstehung oder zur Verschlimmerung
der Beeinträchtigung beigetragen hat (Art. 27 Abs. 1 OHG). Der Bundesrat hielt in der
Botschaft zur Totalrevision des OHG fest, die Opferhilfebehörden dürften strenger sein
als das Zivilgericht. Dies wird im Leitfaden, welcher im Oktober 2019 aktualisiert wurde,
bestätigt (Leitfaden, S. 4). Gomm argumentiert hingegen, der Einbezug des
4.2.
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Verschuldens des Opfers bedeute auch nach den zivilrechtlichen Grundsätzen nichts
anderes als eine Gewichtung der Mitverursachung der Schädigung durch das Verhalten
des Opfers im Verhältnis zum Tatbeitrag des Täters. Deshalb sei es sinnvoll, für die
Massgeblichkeit des Verhaltens des Opfers auf die Rechtsprechung zum zivilen
Haftpflichtrecht abzustellen und das Ausmass des Verschuldens des Opfers als
Kürzungskriterium beizubehalten (Gomm, a.a.O., Art. 27 N 5).
Selbst ein leichtes Mitverschulden des Opfers kann im Opferhilferecht einen
Herabsetzungsgrund bilden (vgl. Gomm, a.a.O., Art. 27 N 7). Ein bewusster
regelmässiger Aufenthalt in einem gefährlichen Milieu, insbesondere im Umfeld der
Drogenkriminalität kann ebenso wie die Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation
einen Reduktionsgrund darstellen. So hatte das Bundesgericht etwa eine Kürzung
wegen Mitverschuldens im Umfang von 50 % bei illegaler Einreise, Aufenthalt auf
einem Drogenumschlagplatz und Verwicklung in eine gewalttätige Auseinandersetzung
als zulässig erachtet, ohne dass dem Opfer eine aktive Teilnahme an
Drogengeschäften oder an der gewalttätigen Auseinandersetzung angelastet worden
wäre. Bei leichtem bis mittlerem Verschulden können Kürzungsansätze von 20 bis
35 % in Betracht gezogen werden. In der Praxis wurden bei Fällen von leichtem
Selbstverschulden schon Kürzungen von 20 bis 25 % vorgenommen (vgl. Gomm,
a.a.O., Art. 27 N 9 und N 11; Urteil des Bundesgerichts vom 30. März 2000, 1A.
251/1999, E. 3c f.).
4.3.
Dass ein Abzug wegen Selbstverschuldens erfolgen kann, wird vom Rekurrenten
grundsätzlich nicht bestritten und ergibt sich ohne Weiteres daraus, dass er einer
illegalen Tätigkeit im Drogenmilieu nachging. Er war regelmässig im Einsatz ("Ich war
immer dort, ausser Sonntag und Montag"; act. G3.12.1, S. 85) und bezeichnete seine
Aufgabe als harten Job. Er wusste um die Gefahr von bewaffneten Überfällen. Er selbst
war anlässlich eines früheren Einbruchs alleine als Bewacher anwesend gewesen. Ihm
war zudem bekannt, dass in der Vergangenheit schon mehrmals eingebrochen worden
war und dass bei einem früheren Einbruch Pfefferspray und eine Schusswaffe zum
Einsatz gekommen waren. Er selbst trug bei seinen Einsätzen oft eine Schusswaffe
(Pump-action). Er kannte somit das Milieu, in welchem er sich bewegte. Damit konnte
er die Risiken seines Tuns sachgerecht abwägen. Insofern erwies sich der Überfall
D._s und der übrigen Täter weder als unerwartet noch als aussergewöhnlich. Als der
Rekurrent und ein zweiter Bewacher davon über das Überwachungssystem Kenntnis
erhielten, alarmierten sie denn auch nicht die Polizei, sondern kontaktierten ihre
Ansprechpersonen aus dem Drogenmilieu. Statt die Flucht zu ergreifen,
verbarrikadierten sie sich in einem dunklen Raum. Als die Angreifer die Tür zu diesem
4.4.
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5.
Raum aufbrachen und eindrangen, setzte der Rekurrent Pfefferspray gegen sie ein (vgl.
zum Ganzen act. G3.12.1, S. 92 f.). Der Rekurrent wurde wegen Vergehen und
Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie Gehilfenschaft zu Vergehen
gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten bedingt
sowie zu einer Busse von Fr. 1'000.-- verurteilt (act. G3.6.3). Ihn trifft zumindest ein
leichtes Mitverschulden.
Zwar setzte das Kantonsgericht die Genugtuung für den Rekurrenten aufgrund
seines Selbstverschuldens lediglich um 5 % herab (act. G3.12.1, S. 93). Bei der Herab
setzung handelt es sich jedoch nicht um eine tatsächliche Feststellung des
Strafgerichts, sondern um eine von Ermessen und der Zwecksetzung des Straf- bzw.
Opferhilferechts geprägte Rechtsfrage. Die Vorinstanz war deshalb in diesem Punkt
nicht an den Entscheid des Kantonsgerichts gebunden (vgl. E. 3.3 vorstehend).
4.5.
Vorliegend wog das Verschulden der Täter, insbesondere D._s, schwer (vgl.
act. G3.12.1, S. 90 und S. 92), sodass das Selbstverschulden des Rekurrenten
gegenüber dem von D._ gezeigten Verhalten im Entscheid des Kantonsgerichts in
den Hintergrund rückte (vgl. act. G3.12.1, S. 93). Anders als im Strafrecht sind die
täterspezifischen Faktoren im Opferhilferecht jedoch bei der Festsetzung der
Genugtuung nicht zu berücksichtigen. Sie dürfen daher auch bei der Beurteilung eines
allfälligen Mitverschuldens des Opfers nicht in den Vordergrund treten, wenn sie damit
die Höhe der Genugtuung indirekt beeinflussen würden. Im Opferhilferecht können, wie
erwähnt, bereits bei leichtem bis mittleren Verschulden des Opfers Kürzungsansätze
von 20 bis 35 % in Betracht gezogen werden. Mit Blick auf diese Kürzungsansätze und
darauf, dass das Bundesgericht in einem Fall mit Bezug zum Drogenmilieu (Urteil des
Bundesgerichts vom 30. März 2000, 1A.251/1999) eine Kürzung von 50 % als zulässig
erachtete (vgl. E. 4.2 vorstehend), durfte die Vorinstanz von der Einschätzung des
Kantonsgerichts abweichen und die Genugtuung weitergehend herabsetzen. Ihr stand
in diesem Zusammenhang ein Ermessensspielraum offen. Die Herabsetzung um 25 %
ist nach dem Gesagten nicht zu beanstanden. Dem Rekurrenten ist demnach, wie die
Vorinstanz korrekt festhielt, eine Entschädigung von Fr. 7'638.10 (75 % von
Fr. 10'184.10) und eine Genugtuung von Fr. 15'000.-- (75 % von Fr. 20'000.--)
auszurichten.
4.6.
Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Höhe der Entschädigung wie auch der
Genugtuung nachvollziehbar und in Einklang mit den rechtlichen Grundlagen bestimmt
sowie in vertretbarem Ausmass herabgesetzt.
5.1.
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