Decision ID: 22311af1-40b1-4be5-b0f1-734eb1d146f2
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1977, arbeitete seit dem
1.
September 2000 bei der
Y._
AG.
Ab März 2003
war sie als Client
Advisor
Privat Clients Basis
(Kundenberaterin)
tätig und übte
zuletzt
ein Pensum von 40
%
aus (
Urk.
7/15
,
Urk.
7/17
). Ausserdem widmete sie sich der Betreuung ihrer im Jahr 2011 geborenen Tochter. Wegen de
r
Folgen eines am 2
0.
März 2017 erlittenen Schlaganfalls meldete sich
X._
am 2
6.
Juli 2017 (Eingangsdatum) bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2).
Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, holte die Arztberichte der Z._
AG,
Dr.
med. A._
, vom 11. August 2017 (
Urk.
7/8/1-5, unter Beilage des Austritts
berichts vom
7.
Juli 2017,
Urk.
7/8/6-13), der Klinik für Neurologie des Univer
sitätsspitals B._
vom 2
4.
August 2017 (
Urk.
7/10/1-5)
und
von
Dr.
med. C._
, Fachärztin FMH Allgemeine Innere Medizin, vom
25. Sep
tember 2017 (
Urk.
7/14)
sowie den Arbeitgeberbericht der
Y._
AG vom
3.
Oktober 2017 (Urk. 7/15) ein. Am 2
0.
Dezember 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die Kosten eines Belastbarkeitstrainings
für die Zeit
vom
9.
Januar 2018 bis zum 8. Apri
l
2018
im Zentrum
D._ in E._
übernehme (
Urk.
7/20). Am 1
5.
Mai 2018 erstattete das
D._
den Bericht über das Belastbar
keitstraining (
Urk.
7/39). Am 1
8.
Mai 2018 sprach die IV-Stelle der Versicherten die Über
nahme der Kosten
einer wirtschaftsnahen Integration mit Support am Arbeits
platz (WISA) inkl. Jobcoaching zu (
Urk.
7/40). Diese Mass
nahme ver
längerte die IV-Stelle am 12. Juli 2018 zunächst
bis am 2
0.
November 2018 (Urk.
7/46), hob
sie
dann aber am 1
5.
August 2018 aufgrund der gesund
heitlichen Situation der Versicherten auf (
Urk.
7/50) und schloss die Massnahmen zur
beruflichen Integra
tion am 27.
August 2018 ab (
Urk.
7/51). Am
4.
September 2018 erstattet
e
das
D._
den Bericht über die wirtschaftsnahe Integration mi
t Support am Arbeits
platz (Urk.
7/55). In der Folge holte die IV-Stelle den Verlaufs
bericht von
Dr.
C._
vom 2
0.
September 2018 (
Urk.
7/57) ein und liess das
polydisziplinäre Gutachten de
s F._
vom 14.
März 2019 erstellen (
Urk.
7/68).
Dr.
med. G._
, Facharzt für Chirurgie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle nahm am 16. April 20
19 zum Gutachten Stellung (Urk.
7/72/4-
6
).
Am 2
0.
Mai 2019 führte die IV-Stelle eine Abklärung im Haushalt der Versicherten durch (vgl. Abklärungsbericht über die beeinträchtigte Arbeitsfähigkeit in Beruf und
Haus
halt vom 2
2.
Mai 2019, Urk.
7/70). Mit Vorbescheid vom 1
6.
Juli 2019 kündigte die IV-Stelle
X._
an, dass ihr ab August 2018 eine
Viertels
rente
und ab August 2019 eine halbe Invalidenrente ausgerichtet werde (Urk.
7/74).
Gegen diesen Vorbescheid erhoben die Pensionskasse der
Y._
(
Urk.
7/80) und die Ver
sicherte durch Rechtsanwalt Marco Unternährer unter Beilage des Arztberichts von
Dr.
med. H._
, Facharzt für Neurologie, vom 1
9.
November 2019 (
Urk.
7/87)
,
Einwand
(
Urk.
7/88). Die IV-Stel
le holte den Bericht
von I._
, Psychotherapeutin ASP, vom 2
8.
April 2020 ein (
Urk.
7/100).
Am 19. November 2020 teilte
sie
der Versicherten mit, dass sie die Kostengut
sprache für eine
Konsiliaruntersuchung
durch
Dr.
H._
ablehne. Die medizi
nischen Akten seien vollständig, weitere Abklärungen seien nicht nötig (
Urk.
7/114). Mit Vorbescheid vom 1
5.
Dezember 2020 stellte die IV-Stelle der Versicherte
n
erneut die Ausrichtung einer
Viertelsrente
ab August 2018 und einer halben Invaliden
rente ab August 2019 in Aussicht (
Urk.
7/119).
Dagegen erhob
X._
durch Rechtsanwalt Unternährer am 1
1.
Januar 2021 Einwand (
Urk.
7/126). Mit neuem Vorbescheid vom 2
2.
März 2021 kündigte die IV-Stelle der Versicher
ten die Ausrichtung einer halben Invalidenrente ab August 2018 und einer
Dreiviertelsrente
ab August 2019 an (
Urk.
7/131). Dagegen erhob
X._
durch Rechtsanwalt Unternährer am 2
0.
April 2021 Einwand (Urk. 7/132).
Mit Verfügung vom 2
3.
September 2021 sprach die IV-Stelle
X._
basierend au
f einem Invaliditätsgrad von 57
% mit Wirkung ab dem
1.
August 2018 eine hal
be Invalidenrente und basierend
auf einem Inva
lidi
tätsgrad von 68
% mit Wirkung ab dem
1.
A
ugust
2019 eine
Dreiviertelsrente
samt akzessorischen Kinderrente
n
zu (
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
X._
durch Rechtsanwalt Unternährer am 1
8.
Oktober 2021 Beschwerde mit folgenden Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
«1.
Die Verfügung der SVA Zürich vom 2
3.
September 2021 sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei ab August 2018 mindestens eine 3⁄4-Rente inklu
sive Kinderrenten sowie ab 0
1.
August 2019 eine ganze IV-Rente zuzüglich Kinderrenten auszurichten.
2.
Die Beschwerdegegnerin habe der Beschwerdeführerin sämtliche zusätz
lichen medizinischen Abklärungs- und Berichtskosten durch
Dr.
H._
, Neurologe zurückzuerstatten.
3.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde
geg
nerin.»
Die Beschwerdegegnerin ersuchte am 1
1.
Januar 2022 um Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin am 1
7.
Januar 2022 mitgeteilt wurde (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 IVV per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstä
tigen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2
Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätigkeit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teiler
werbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die pro
zentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads, den die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäftigungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.6
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
1.
7
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfah
rungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patien
tinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander
seits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräfte zu anderslau
ten
den Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
1.
8
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach Massgabe des Art. 69 Abs. 2 IVV; vgl. auch
Rz
. 3081 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH, gültig ab 1. Januar 2015) stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der gesundheitlichen Einschränkung im Haushalt dar.
Hinsichtlich des Beweiswerts der entsprechenden Berichterstattung ist wesentlich, dass sie durch eine qualifizierte Person erfolgt, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich erge
benden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plau
sibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschrän
kungen
sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen.
Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haushalt mass
gebend, sondern gelten analog für jenen Teil eines Abklärungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von teilerwerbstätigen Versi
cherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts
I 236/06 vom 19. Juni 2006 E. 3.2
).
Einer ärztlichen Fachperson, die sich zu den einzelnen Positionen der Haushalt
führung unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat, bedarf es nur in Ausnahmefällen, namentlich bei unglaubwürdigen Angaben der versicher
ten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen. Zwar ist der Abklärungsbericht seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Ausmasses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten, weshalb seine grundsätzliche Massgeblichkeit unter Umständen Einschränkungen erfahren kann, wenn die versicherte Person an psychischen Beschwerden leidet. Prinzipiell jedoch stellt er auch dann eine beweistaugliche Grundlage dar, wenn es um die Bemessung einer psychisch bedingten Invalidität geht, das heisst wenn die Beur
teilung psychischer Erkrankungen im Vordergrund steht. Widersprechen sich die Ergebnisse der Abklärung vor Ort und die fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, ist aber in der Regel den ärztlichen Stellungnahmen mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsabklärung, weil es der Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen (zum Ganzen: Urteil des Bundes
gerich
ts 8C_
8
1
7/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung vom 2
3.
September 2021 (
Urk.
2) aus, die medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit seit März 2017 nicht mehr arbeitsfähig sei. Die Beschwerdeführerin habe frühestens ab August 2018 Anspruch auf eine Invalidenrente, da sie bis zu diesem Zeitpunkt in Eingliederungsmassnahmen gestanden sei und Taggelder erhalten habe. In einer angepassten Tätigkeit sei sie zu 50
%
arbeitsfähig. Nach Abzug eines leidens
bedingten Abzugs von 10
%
könnte sie ein Einkommen von
Fr.
24'793.-- erzie
len. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ab August 2018 zu
8
0
%
erwerbstätig gewesen wäre.
Aufgerechnet auf ein 100%-Pensum betrage die Einkommensein
busse 68
%
, womit bei einem
8
0%-Pensum ein Teilinvalidi
täts
grad von
54.4
%
entstehe.
Die restlichen 20
%
entfielen auf die Erledigung des Haushaltes und die Kinderbetreuung. Darin sei die Beschwerdeführerin zu 14.5
%
eingeschränkt, was einem Teilinvaliditätsgrad von 2.9
%
entspreche. Gesamthaft belaufe sich der Invaliditätsgrad auf 57.3
%
, womit die Beschwerde
führerin ab August 2018 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente habe. Ab August 2019 sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei voller Gesundheit zu 100
%
erwerbstätig wäre. Der Invaliditätsgrad belaufe sich damit auf 68
%
, womit die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
habe. Das
Validen
einkommen
sei aufgrund des Durchschnitts
der Einkommen der letzten drei Jahre vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung festgelegt und der
Teuerung angepasst worden. Beim
Invalideneinkommen sei ein Abzug von mehr als 10
%
nicht gerechtfertigt.
2.2
Demgegenüber macht
e
die Beschwerdefüh
rerin in der Beschwerde vom 18.
Ok
to
ber 2021 (
Urk.
1) geltend,
es könne nicht auf die Einschätzung der Arbeits
fähig
keit des
F._
-Gutachtens abgestellt werden. Sowohl der
D._
-Bericht als auch die Ausführungen von
Dr.
H._
und der Psychologin
I._
zeigten unisono auf, dass die Beschwerdeführe
rin nicht arbeitsfähig sei. Dr.
H._
und die Psychologin
I._
würden ausserdem auch aufzeigen, dass die Einschränkungen der Beschwerdeführerin im Haushalt von der
Beschwerde
gegnerin
nicht richtig gewichtet worden seien. Soweit die Beschwerdegegnerin von der Beurteilung des
F._
-Gutachtens ausgehe, habe sie ausser Acht gelas
sen, dass die dort postulierte Arbeitsfähigkeit von einem neuropsycho
logischen Training sowie einem Arbeitstraining im geschützten Rahmen abhän
gig gemacht werde, mithin auch nach dem Gutachten gar noch keine Arbeits
fähigkeit vorliege. Die minimale Restarbeitsfähigkeit sei auf dem freien Arbeits
markt nicht verwert
bar.
Die
Beschwerdeführerin könne aufgrund ihrer einge
schränkten Reisefähig
keit die meisten Arbeitsplätze gar nicht erreichen.
3.
3.1
Laut dem Bericht
des
D._
vom 1
5.
Mai 2018 (Urk. 7/39)
über das Belastungs
training
vom
8.
Januar bis zum
8.
April 2018
präsentierte
n
sich die gesundheit
lichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin sehr ausgeprägt. Bereits nach einer Stunde konzentrierten Arbeitens sei
eine
eintretende Müdigkeit zu erkennen gewesen. Diese habe sich in einem zunehmend unsicheren Gangbild geäussert. Nebst leichtem Schwindel habe die Beschwerdeführerin das rechte Bein leicht nachgezogen. Ebenso habe sie vermehrt Schwierigkeiten gehabt, mit der rechten Hand zu schreiben. Die von der Ataxie betroffene linke Hand sei schwieriger zu kontrollieren gewesen.
Mit der eintretenden Müdigkeit sei auch die Konzentration schneller geschwunden. Nebst schneller Ermüdung und schwindender Konzent
rationsfähigkeit habe die Beschwerdeführerin auch immer wieder Verspannungen in Nacken und Schultern beschrieben. Es seien ergono
mische Anpassungen des Arbeitsplatzes vorgenommen und der Beschwer
deführerin Empfehlungen zur progressiven Muskelentspannung abge
geben wor
den. Dank dem grossen Willen der Beschwerdeführerin, so schnell wie möglich wieder an ihren Arb
eitsplatz zurückzukehren
, habe trotz tiefer Belastbar
keit die Arbeitsz
eit von anfänglich drei
auf fünf Arbeitsstunden erhöht werden können. Mit zunehmender Präsenz habe die Beschwerdeführerin aber müder und er
schöpfter gewirkt.
Sie habe mitgeteilt, dass sie die Tage zähle, bis sie jeweils am Mittwoch wieder nach Hause gehen könne
,
und
dass sie
auch unter der Trennung von ihrer Tochter leide. Trotz der Empfehlung, die Massnahme in Form einer beruflichen Abklärung weiterzu
führen, habe sich die Beschwerdeführerin dage
gen entschieden. Sie wolle einen schnellen Wiedereinstieg in die bisherige Arbeit in Form eines Arbeitsversuchs.
3.2
Am
4.
September 2018 (
Urk.
7/55) erstattete das
D._
Bericht über den Wieder
eingliederungsversuch am bisherigen Arbeitsplatz, welche
r
im Rahmen einer wirtschaftsnahen Integration mit Support am Arbeitsplatz durchgeführt wurde. Im ersten Monat habe die Beschwerdeführerin die vereinbarten Arbeitszeiten von 2 mal 4 Stunden pro Woche selten einhalten können. Vielfach sei sie vorzeitig ermüdet und habe den Arbeitsplatz bereits zwischen 11.00 Uhr und 11.30 Uhr (statt erst um 12.00 Uhr) verlassen. Obwoh
l die vereinbarte Präsenzzeit im
ersten Monat nicht habe eingehalten werden können, sei im zweiten Monat eine Stei
gerung auf 2 mal 6 Stunden pro Woche versucht worden. Dieser Versuch sei aber nach einer Woche wieder abgebrochen worden, da die Beschwerdeführerin den Arbeitsplatz
wegen starker Ermüdung jeweils nach drei bis dreieinhalb Stunden wieder habe verlassen müssen.
Der dritte Monat
des Arbeitsversuchs sei
in der Folge gar nicht mehr
durchgeführt worden
, da die Arbeitgeberin unter den gege
benen gesundheitlichen Einschränkungen keine Möglichkeiten für eine berufliche Wiedereingliederung mehr gesehen habe.
Die Beschwerdeführerin habe die Ziele nicht nur hinsichtlich der Präsenzzeit, sondern auch inhaltlich nicht erreichen können. Sie habe sich im Umgang mit direkten Kundenkontakten massiv über
fordert und überlastet gezeigt. Das Telefonieren sei ihr schwer gefal
len und habe sie stark ermüdet. Sie sei auch nicht in der Lage gewesen, während Kunden
gesprächen den PC zu bedienen. Sie habe deshalb nach einer Testphase mit direkten Kundenkontakten wieder ausschliesslich in admi
nistrativen Aufga
ben eingesetzt werden müssen.
3.3
Die Hausärztin
Dr.
C._
führte im Verlaufsbericht vom 20. Septem
ber 201
8
(
Urk.
7/57) aus,
es bestehe bei der Beschwerdeführerin ein S
tatus nach isch
ämischen Insult Pons paramedian und
cerebellär
links am 18. März 2017,
(
aetiologisch
: spontane Dissektion
Arteria
vertebralis beidseits
;
klinisch:
Hemi
syndrom
rechts,
Facialisparese
rechts, Ataxie, neuropsychologische Defizite
)
. Der Arbeitsversuch bei der
Y._
sei leider gescheitert. Wegen rascher Überforderung und Ermüdung sei eine andere, angepasste Tätigkeit nicht mög
lich. Die Beschwer
deführerin sei zu 100
%
arbeitsunfähig.
3.4
Gemäss dem polydisziplinären Gutachten des
F._
vom 1
4.
März 2019 (Urk. 7/68) bestehen bei der Beschwerdeführerin folgende Diagnosen (Urk. 7/68/5):
Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
1.
Status nach Hirninfarkt im hinteren Stromgebiet im März 2017
2.
leichte bis mittelgradige neuropsychologische Funktionsstörung
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
1.
Untergewicht (BMI 16.6 kg/m
2
)
Die Beschwerdeführerin habe am 1
8.
März 2017 einen ischämischen Insult erlit
ten. Trotz stationärer Rehabilitationsmassnahme hätten sich
die
neuro
logische
n
und neuropsychologische
n
Beeinträchtigungen nicht vollständig zurückgebildet.
Als Folgen des Schlaganfalles bestünden eine eingeschränkte motorische Belast
barkeit des rechten Beines, eine eingeschränkte Feinmotorik der linken Hand, eine Einschränkung im bimanuellen Hantieren, eine leichte Störung im Gehvermögen, Einschränkungen bei Zielbewegungen mi
t
der linken Hand, Störungen in den Aufmerksamkeitsfunktionen, im Gedächtnis, in den visuell-konstruktiven Fähig
keiten und in den exekutiven Funktionen sowie eine deutlich verminderte Belast
barkeit. Hinweise für eine Persönlichkeitsstörung oder eine Persönlich
keits
ände
rung lägen nicht vor.
Die Beschwerdeführerin könne
, was das Belastungsprofil anbelange,
keine Tätig
keiten auf Gerüsten oder Leitern oder in Dunkelheit ausüben. Schwere Arbeiten seien nicht zumutbar, mittelschwer
e
Tätigkeiten seien intermittierend möglich, leichte in vollem Umfang. Es sollten keine Ansprüche an die Feinmotorik und an das bimanuelle Hantieren gestellt werden. Arbeiten, bei den
en die Beschwerde
führerin viel s
chreiben oder eine Tastatur schnell bedienen müsse, seien nicht möglich. Ungeeignet sei auch eine Tätigkeit mit längeren Kundenkontakten. Die Ausdauer und die Fähigkeit, unter Zeitdruck zu arbeiten, seien reduziert. Es bestehe ein vermehrter Pausen- und Regenerationsbedarf. Ebenso bestehe Mehr
aufwand bei Vorbereitung und Planung. Multitasking sei ungeeignet. Bei zuneh
mender Inanspruchnahme der Konzentration bestehe unter Umständen ein Selbst- und Fremdgefährdungsrisiko (zum Beispiel bei der Bedienung von verlet
zungsträchtigen Maschinen).
Die geklagten neurologischen/neuropsychologischen Symptome und Funktions
einbussen seien konsistent und plausibel. Die Untersuchungsbefunde seien valide und nachvollziehbar. Es bestehe eine gleichmässige Einschränkung des Aktivi
tätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen. Eine Diskrepanz zwischen den Bereichen Haushalt, Freizeitgestaltung, Benützung von Verkehrs
mitteln und Führ
ungs- und Kontrollfunktionen sei
nicht feststellbar. Hinsichtlich der Wahr
nehmung von Therapien bestehe eine gute Kooperation. Dass das Belastbar
keits
training gescheitert sei, erscheine aufgrund
d
er aktuellen Begutach
tung, insbe
sondere der neuropsychologischen Testergebnisse, nachvoll
ziehbar. In der ange
stammten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin nicht mehr arbeitsfähig. Eine leidensangepasste Tätigkeit könne sie zu 50
%
(4.25 Stunden täglich) ausüben.
3.5
Gemäss der Stellungnahme von RAD-Arzt
Dr.
G._
vom 1
6.
April 2019 (
Urk.
7/72/5-6) sind die Befunde des
F._
-Gutachtens plausibel und nachvoll
ziehbar, weshalb auf das Gutachten abgestellt werden könne. Es sollte unbedingt ein erneuter Versuch der Wiedereingliederung durchgeführt werden. Die Beschwerdeführerin benötige dabei einen stressfreien Arbeitsplatz mit einfachen administrativen Tätigkeiten ohne enge Taktung oder Kundenkontakte, mit der Möglichkeit zur freien Arbeitseinteilung und Pausengestaltung und ohne er
mü
denden Arbeitsweg. Zudem wäre eine Entlastung der Alltagsanforderungen zu organisieren (wie aktuell durch Familienangehörige). Vorgängig wäre eine stun
denweise Mitarbeit im geschützten Rahmen, z.B. bei einer sozialen Einrich
tung, sinnvoll zur Tagesstrukturierung.
3.
6
Laut dem Abklärungsbericht über die beeinträchtigte Arbeitsfähigkeit im Haus
halt vom 2
2.
Mai 2019 (
Urk.
7/70) führte die Beschwerdeführerin anlässlich des Hausbesuchs vom 2
0.
Mai 2019 aus, dass sich die gesundheitliche Situation seit dem Hirninfarkt stark gebessert habe. Unmittelbar nach dem Vorfall sei sie nur noch im Rollstuhl mobil gewesen, habe sich aber im Vergleich zu damals gut erholen können. Momentan stag
niere der Gesundheitszustand. Es
sei aber auch wetterabhängig, bei schönem Wetter ginge es ihr besser. Am
meisten zu schaffen machten ihr
der Schwindel, die Müdigkeit und das Zittern der linken Hand. Die rechte Hand sei auch betroffen gewesen, habe sich aber gut erholt. Mit der linken Seite könne
sie
nicht machen, was sie möchte. Die Ataxie sei auch weiterhin vorhanden. Im Haushalt erledige sie die Aufgaben so gut
,
wie es gehe, die Müdig
keit sei aber manchmal extrem. Nach einer Tätigkeit müsse sie eine halbe Stunde abliegen und könne je nach Kraft und Energie erst am nächsten Tag
weiter
machen
. Sie werde von ihren Eltern tatkräftig unterstützt. Die allgemeine Belast
barkeit habe abgenommen, in Menschenmassen sei sie schnell überfordert. Sie sei eine Person, welche nie habe ruhig sein können. Sie müsse immer etwas zu tun haben. Das versuche sie immer noch, werde aber von ihrer Müdigkeit ausge
bremst.
Sie ziehe etwas durch
,
bis es nicht mehr gehe. Es sei ihr nicht wohl, Hilfe anzunehmen.
Die Beschwerdeführerin habe fast 18 Jahre bei der
Y._
gearbeitet. Der Wieder
einstieg habe leider nicht geklappt, worüber sie sehr enttäuscht gewesen sei.
Sie
sei nicht verheiratet und alleinerziehend. Der Vater ihrer Tochter habe
die Beschwerdeführerin
nach dem Schlaganfall nach 11jähriger Beziehung verlassen. Wegen der Tochter habe sie noch Kontakt zu ihm. Sie habe Kontakt zu ihren Eltern, zu ihren Schwestern und zu einigen Kolleginnen. Auch habe sie gute Kontakte in der Nachbarschaft. Wegen der
Betreuung ihrer Tochter habe sie
Teil
zeit gearbeitet. Ihr Ziel sei gewesen, ihr Pensum auf 60
%
aufzustocken, wenn die To
chter in die erste Klasse komme
und auf 80
%
ab der dritten Klasse. Dies wäre seitens des Arbeitgebers möglich gewesen.
Die Betreuung der Tochter hätte von ihrer Familie sichergestellt werden können. Ihre Eltern hätten Betreuungs
auf
gaben übernommen, seit die Tochter auf der Welt sei.
Die Beschwerdeführerin fahre nur noch kurze Strecken mit dem Auto. Längere Strecken fahre sie nur noch in Begleitung. Velofahren könne sie ebenfalls noch, aber auch nur in Begleitung. Reisen mit dem öffentlichen Verkehr seien anstren
gend, da
sie die Geräusche stören
und sie nervös und kribbelig machen würden.
Im Bereich Ernährung, welcher mit 35
%
zu gewichten sei, sei die Beschwerde
führerin zu 20
%
eingeschränkt. Seit ihrer Erkrankung hätten ihre Eltern das Kochen für sie übernommen und am Wochenende koche ihr
e
Schwester für sie. Wenn die
Beschwerdeführerin anderweitig beschäftigt sei, fehle ihr die Energie zum Kochen
. An sich könne sie es aber schon noch.
Weil sie sich konzentrieren müsse, dürfe sich die Toch
ter während des Kochens nicht in der Küche befinden.
Es wäre der Beschwerdeführerin zumutbar, über Mittag etwas Einfaches zuzu
be
reiten, wenn ihre Eltern das Kochen nicht übernehmen würden
,
und am Abend etwas Warmes zu kochen. Mit den nötigen Anpassungen sei sie in der Küche selbständig. Auf Unterstützung angewiesen sei sie einzig bei den schwereren Reinigungs
tätigkeiten.
Im Bereich Wohnung
s
- und Hauspflege, Haustierhaltung
,
auf welchen 25
%
entfielen, bestehe eine Einschränkung von 30
%
. Es sei der Beschwerdeführerin zumutbar, die Wohnung in Etappen zu reinigen. Bei den leichteren Reinigungs
tätigkeiten sei sie selbständig. Für schwerere Tätigkeiten benötige sie Unter
stüt
zung. Hilfe brauche sie
beim Betten beziehen, da die Matratzen zu schwer und die Duvets zu gross seien. Die Fenster kö
nne sie nicht selber putzen, da
sie nicht zu lange nach oben schauen könne.
Der Bereich Einkauf und weitere Besorgungen sei mit 10
%
zu gewichten. Einkaufen könne die Beschwerdeführerin selbständig. Beim wöchentlichen Grosseinkauf werde sie von ihrer Schwester begleitet. Die Rechnungen könne die Beschwerdeführerin selber über E-
B
anking bezahlen. Insgesamt könne ihr in diesem Bereich keine Einschränkung angerechnet werden.
Der Bereich Wäsche und Kleiderpflege sei mit 20
%
zu gewichten. Die Beschwer
deführerin könne selber waschen und die Wäsche im Tumbler trocknen. Die Wäsche könne sie zusammenlegen, wegen der Ataxie aber nicht ganz so schön. Sie bügle selten wegen Bedenken bezüglich der Sicherheit. Bei pflegeleichter Klei
dung könne aber auf das Bügeln verzichtet werden, womit insgesamt in diesem Bereich keine Einschränkung bestehe.
Auf die Betreuung der Tochter entfielen 10
%
.
Die Beschwerdeführerin erleide dabei keine Einschränkung. Sie könne mit der Tochter nicht mehr so viel machen wie früher. Sie könne aber nach wie vor mit ihr spielen und basteln, einfach nicht mehr so lange. Anziehen könne sich die Tochter selbständig. Es sei der Beschwer
deführerin zumutbar, ihre Ressourcen so einzuteilen, dass sie die Tochter bei der Erledigung der Hausaufgaben optimal unterstützen könne.
Gesamthaft erleide die Beschwerdeführerin damit im Haushalt eine Ein
schrän
kung von 14.5
%
(Ernährung: 20
%
von 35
%
= 7
%
, Wohnungs- und Haus
pflege, Haustierhaltung: 30
%
von 25
%
= 7.5
%
; keine Einschränkung in den übrigen Bereichen).
3.7
Gemäss dem Bericht von
Dr.
H._
vom 1
9.
November 2019 (
Urk.
7/
87) beste
hen bei der Beschwerdeführerin eine armbetonte sensomotorische, ataktische Hemiparese rechts, eine ataktische Störung an der linken oberen Extremität, eine Gangataxie, eine Aufmerksamkeitsstörung, eine Gedächtnis
störung, eine Kon
zentrationsstörung mit visuell-konstruktiver und exekutiver Funktions
beein
trächtigung und eine Post
Stroke
Depression infolge eines infra
tentoriellen is
ch
ä
mischen Insults in der Pons paramedian und zerebellär links (1
8.
März 2017) auf
grund einer
Spontandissektion
der
Arteria
vertebralis beidseits (TOAST4).
Aus neurologischer Sicht bestehe eine Arbeitsunfähigkeit für die zuletzt durchgeführte Tätigkeit als Kundenberaterin bei einer Bank. Auch eine Tätigkeit mit rein tele
fonischer Beratung sei nicht möglich. Ebenso sei die Beschwerdeführerin im früher erlernten Beruf als
Coiffeuse
zu 100
%
arbeitsun
fähig. Leichte körperliche Arbeiten, welche eine Anforderung an Stand- und Gang-Stabilität oder gar das Benutzen von Treppen und Leitern erforderten, könne die Beschwerdeführerin auf dem normalen Arbeitsmarkt nicht mehr ausüben.
Die berufliche Nutzung eines Computers mit normal gefordertem Arbeitstempo und hand
schriftliche Aufzeich
nungen sei
en der Beschwerde
führerin nicht möglich. Hinzu komme, dass die durch den Schlaganfall verursach
te depressive Störung nicht ausreichend berück
sichtigt worden sei. Aus neuro
logischer Sicht sei festzuhalten, dass der überwie
gende Teil der Störung organisch bedingt sei. Dass diese zum Ende der stationären Rehabilitation anders eingeschätzt worden sei, sei durch die im Rahmen der Therapie fest etablierte Tagesstruktur und häufiger erfolgten äusseren Anwei
sungen zu erklären. Das
F._
-Gutachten betrachte die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von neurologischer Seite vergleichbar hochgradig, wie es auch von ihm –
Dr.
H._
– dargestellt werde. Um ergänzend zum Gutachten Stel
lung nehmen zu können, müsste er aber E
insicht in die gesamte
Aktenlage bekommen.
3.8
Laut dem Bericht der Psychotherapeutin
I._
vom 2
8.
April 2020 (Urk. 7/100) sei bereits anlässlich der nur kurzen Begegnung mit der Beschwer
deführerin (zwei Konsultationen) zu erkennen gewesen, dass
sie
deutlich einge
schränkt und an eine Arbeitsfähigkeit vorläufig nicht zu denken sei.
Sie
habe grosse Mühe, sich über längere Zeit zu konzentrieren. Arbeiten am Computer könne sie für 30 Minuten erledigen, anschliessend ermüde sie stark und müsse sich teilweise liegend ausruhen. Bei der Unterstützung der Tochter im
Home
schooling
müsse die Beschwerdeführerin nach 30 Minuten pausieren. Bei den Rechenaufgaben könne sie die Tochter gar nur während 15 Minuten begleiten und ebenfalls könne sie nicht länger lesen. Die Beschwerdeführerin leide auch an Schlafstörungen. Sobald die Tochter in die Schule gegangen sei, lege sie sich nochmals
für eine Stunde ins Bett. Wenn
sie aufstehe, empfinde sie ein «Schwan
ken im Kopf». Das Wetter spiele auch
eine Rolle. Wenn es kalt sei, würden sich die Muskeln verspannen. Die Bewegung des r
echten Beins sei eingeschränkt, d
ie Beschwerde
führerin ziehe es nach.
Im Haushalt werde
sie
von ihrer Familie unterstützt. Schwere Einkäufe könne sie nicht bewältigen. Sie brauche auch Hilfe beim Betten beziehen und teilweise beim Kochen am Mittag. Der Aufenthalt in grösseren Läden mache sie nervös und unsicher. Die Hausarbeiten müsse sie in Etappen erledigen, sie könne z.B
.
nicht zwei Bäder nacheinander reinigen. Da ihre linke Hand zittere, sei sie beim Hantieren mit Töpfen in der Küche oder beim Tragen einer Tasse mit Kaffee unsicher.
Die Beschwerdeführerin
fahre nach wie vor mit dem Auto, jedoch nur an Tagen, wo sie sich sicher fühle, auf bekannten und kurzen Strecken. All diese Massnahmen dürften nicht darüber hinweg
täuschen, dass die Beschwerdeführerin unter Leistungsdruck in einem Arbeits
umfeld kaum funktionieren könnte. Ein derartig einschneidender Eingriff in ein zuvor intaktes Leben hinterlasse einfühl
bar gravierende Spuren in der Psyche eines Menschen. Grosse Motivation, um jeden Tag ihre Aufgaben in Angriff zu nehmen und an der Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation festzuhalten, sei ihre Tochter.
Es bestehe bei der Beschwerdeführerin eine längere depressive Reaktion infolge eine
r
länger anhal
tenden Belastungssituation (ICD
-
10 F43.21).
4.
4.1
Das
polydisziplinäre Gutachten des
F._
vom
1
4.
März 2019 (
Urk.
7/68
) vermag die an eine beweiskräftige ärztliche Expertise gestellten Anforderungen vollum
fänglich zu erfüllen (E. 1.
5
). Es beruht auf sorgfältigen, umfassenden
neurolo
gischen, internistischen, psychiatrischen
und neuropsychologischen
Unter
su
chungen und wurde unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden sowie in Auseinandersetzung mit der medizinischen Aktenlage abgegeben. Die Gutach
ter legten die medizinischen Zusammenhänge und die medizinische Situation einleuchtend dar und begründeten ihre Schlussfolgerungen nachvoll
ziehbar. Dem Gutachten kommt daher grundsätzlich volle Beweiskraft zu
(vgl. E 1.6)
.
Wie bereits festgehalten (vgl. E. 1.
7
) ist in Bezug auf die Berichte der behan
deln
den Ärzte die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen
, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen.
4.2
Es ist festzuhalten, dass selbst ein regelmässiger Beizug eines Gutachters durch den Versicherungsträger, die Anzahl der beim selben Arzt in Auftrag gegebenen Gutachten und Berichte oder das Honorarvolumen nach gefestigter bundes
gerichtlicher Rechtsprechung für sich allein genommen keine Zweifel an der Unabhängigkeit eines Gutachters zu erwecken vermögen (Urteil des Bundes
gerichts
9C_96/2018 vom 1
9.
März 2018 E. 3.2.1 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 1.3.3). Es ist nicht ersichtlich und dargetan, inwiefern die Kenntnis sämt
licher von der Gutachtensstelle
F._
in anderen Fällen attestierten Arbeits
un
fähigkeiten den Beweiswert
ihrer
hier interessierenden gutachterlichen Einschät
zung in Frage stellen würde. Auch wenn sich bei der Auswertung der Häufig
keitsverteilung von attestierten Arbeitsunfähigkeiten eine starke Ab
weichung nachweisen liesse, wäre damit noch nicht ausgewiesen, worauf dies zurückzu
führen wäre. Denn Begutachtungen sind allein aufgrund der indivi
duellen Sach
lage vorzunehmen, so dass allfällige allgemeine Tendenzen nicht geeignet sind, den Beweiswert der vorliegenden Einschätzung in Frage zu stellen. Es rechtfertigt sich daher, in antizipierter Beweiswürdigung auf
die
im Zusammen
hang mit der gutachterlichen Ergebnisoffenheit
von der Beschwerdeführerin
verlangte Beweis
massnahme zu verzichten (vgl. auch die Urteile des Bundesgerichts 8C_25/2020 vom 2
2.
April 2020 E. 5.1.2.2, 9C_582/2018 vom
7.
Januar 2019 E. 2.1 und 8C_627/2016 vom 1
7.
November 2016 E. 4.3).
4.3
Dem
F._
-Gutachten ist auch nicht
deshalb
der Beweiswert abzusprechen, weil
Dr.
H._
im Bericht vom 1
9.
November 2019 (
Urk.
7/87)
eine vom Gutachten abweichende Diagnose gestellt hat.
Es ist
in diesem Zusammenhang
festzuhalten, dass das
F._
in der neurologischen Teilbeurteilung zwar zusammenfassend einen Status nach Hirninfarkt im hinteren Stromgebiet festhält, diesen Status aber unter dem Titel «Diagnosen» ausführlich umschreibt. So wurden bei der Beschwerdeführerin gering ausgeprägte Paresen im rechten Bein und relativ gering ausgeprägte Sensibilitätsstörungen in der rechten Gesichtshälfte, in der rechten Hand und im rechten Unterschenkel festgestellt. Darüber hinaus bestün
den Kribbelparästhesien im rechten Bein. Im Vordergrund stehe die Ataxie, die sich sowohl beim Gehen als auch bei feinmotorischen und koordinativen Bean
spruchungen der linken Hand zeige. Sodann seien auch Störungen der Aufmerk
samkeitsfunktionen, des Gedächtnisses, der visuell-konstruktiven Fähigkeiten und der exekutiven Funktionen sowie darüber hinaus eine deutlich verminderte konzentrative Belastbarkeit feststellbar (
Urk.
7/68/24).
Die Diagnose von
Dr.
H._
umschreibt die durch den Hirninfarkt verursachten Einschrän
kungen, es handelt sich aber nicht um eine grundsätzlich andere Diagnose
(
Urk.
7/87/1)
.
4.4
Es ist im Weiteren festzuhalten, dass aus dem Bericht von
Dr.
H._
nicht hervorgeht, dass er die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin wesentlich anders einschätzt als die Ärzte des
F._
.
Dr.
H._
nimmt keine eigentliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit vor, sondern er hält lediglich fest, welche leichteren körperlichen Tätigkeiten der Beschwerdeführerin nicht mehr möglich seien, da sie diese auf dem freien Arbeitsmarkt nicht verwer
ten könne (
Urk.
7/87/3).
Die Frage, ob die medizinisch attestierte Restarbeits
fähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt verwertbar ist, obliegt jedoch nicht der Beurteilung der medizinischen Fachpersonen. Soweit
Dr.
H._
moniert, im
F._
-Gutachten sei die durch den Schlaganfall verursachte depressive Störung nicht ausreichend berücksichtigt worden, und er deshalb zusätzliche Abklärungen für notwendig hält, ist festzuhalten, dass das
F._
-Gutachten eine psychiat
rische Beurteilung von
Dr.
med. J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychiatrie sowie für Neurologie, enthält (
Urk.
7/68/42-55), zu welcher sich
Dr.
H._
nicht äussert. In diesem psychiatrischen Teilgutachten wird nachvollziehbar eine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit verneint (
Urk.
7/68/50-51). Diese Einschätzung vermag
Dr.
H._
schon aufgrund seiner fehlenden Spezialisierung in Psychiatrie nicht in Zweifel zu ziehen.
4.5
Das neuropsychologische
Teilgutachten
des
F._
(
Urk.
7/68/56-68)
ist entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin vereinbar mit dem Berufsabklärungsbericht des
D._
vom
4.
September 2019 (
Urk.
7/55)
.
Das Gutachten bestätigt die im Rahmen der Wiedereingliederungsbemühungen erlangte Erkenntnis
, dass
der Beschwerdeführerin die Ausübung der
bisherige
n
Tätigkeit als Kundenberaterin bei einer Bank nicht mehr möglich ist.
Auf Wunsch der Beschwerdeführerin wurde eine wirtschaftsnahe Integration mit Support am Arbeitsplatz durchge
führt. Die Bemühungen
konzentriert
en sich mithin
darauf, die Beschwerde
führerin in die bisherige Tätigkeit wiedereinzugliedern. Den Anforderungen dieser Stelle zeigte sich die Beschwerdeführerin
aus gesundheit
lichen Gründen jedoch
nicht mehr gewachsen.
Entgegen der von der Beschwerdeführerin vertretenen Auffassung steht ihr mit Blick auf die gutachterliche Einschätzung und das aus medizinischer Sicht objek
tiv vorhandene Leistungspotenzial eine genügend breite Palette von zumutbaren Erwerbsmöglichkeiten offen, welche der ausgeglichene Arbeitsmarkt kennt. Nicht
massgebend
ist in diesem Zusammenhang, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würde. Zu berücksichtigen ist zudem, dass der ausgeglichene Arbeitsmarkt auch sogenannte Nischenarbeitsplätze umfasst, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Namentlich bestehen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt durchaus einfache, geistig wenig anspruchsvolle Überwachungs-, Prüf- und Kontrolltätigkeiten, welche keine Stressbelastungen enthalten (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_514/2013 vom 29. August 2013 E. 4.2 mit Hinweisen).
4.6
Es ist damit gestützt auf das
F._
-Gutachten davon auszugehen, dass d
er
Beschwerdeführerin
eine leichte, intermittierend mittelschwere Tätigkeit, ohne Arbeiten auf Gerüsten oder Leitern und in Dunkelheit, ohne spezifische Ansprü
che an die Feinmotorik
und das bimanuelle Hantieren, ohne viel Schreibarbeit und schnelles Bedienen einer Tastatur, ohne längere Kunden
kontakte, ohne grossen Zeitdruck und unter vermehrtem Pausen- und Rege
nerationsbedarf
zu 50
% zumutbar ist.
Der Einwand der Beschwerdeführerin, in Tat und Wahrheit würden die
F._
-Gutachter von einer vollen Arbeitsunfähigkeit ausgehen, da sie die 50%ige Arbeitsfähigkeit erst nach Durchführung eines neuropsycholo
gischen Trainings als realisierbar erachten würden (
Urk.
1 S. 9), verfängt nicht. Die Gutachter empfahlen zwar eine neuropsychologische Therapie und erachteten dadurch eine weitere Steigerung der Arbeitsfähigkeit als möglich. Als Vorausset
zung für die Umsetzung der von ihnen attestieren Arbeitsfähigkeit betrachteten sie diese Massnahme jedoch nicht (
Urk.
7/68/8, vgl. auch
Urk.
7/68/28).
4.7
Der Beschwerdeführerin steht mit Blick auf die gutachterliche Einschätzung und das aus medizinischer Sicht objektiv vorhandene Leistungspotenzial eine genü
gend breite Palette von zumutbaren Erwerbsmöglichkeiten offen, welche der aus
geglichene Arbeitsmarkt kennt. Nicht massgebend ist in diesem Zusammenhang, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirt
schaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würde. Zu berücksichtigen ist zudem, dass der ausge
glichene Arbeitsmarkt auch sogenannte Nischenarbeitsplätze umfasst, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entge
genkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Namentlich bestehen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt durchaus einfache, geistig wenig anspruchsvolle Überwachungs-, Prüf- und Kontrolltätigkeiten, welche keine Stressbelastungen enthalten (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_514/2013 vom 2
9.
August 2013 E. 4.2 mit Hinweisen).
Die Beschwerdeführerin ist 45 Jahre alt und befindet sich damit nicht in einem fortgeschrittenen Alter, welches die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit erheblich erschwert. Die Absolvierung eines längeren Arbeitsweges ist ihr aufgrund der Einschränkungen in der Reisefähigkeit zwar nicht zumutbar. Auf dem ausgegli
chenen Arbeitsmarkt ist aber eine genügende Anzahl von Stellen vorhanden, welche sie erreichen kann. Es ist ihr möglich, kürzere Strecken sowohl mit dem Auto als auch mit dem öffentlichen Verkehr zurückzulegen. Von einer wirtschaft
lichen Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit kann daher nicht gesprochen werden.
5.
5.1
In Bezug auf den Haushaltsbereich liegt der Bericht
vom 2
2.
Mai 2019 (
Urk.
7/70, vgl. E. 3.5)
über die beeinträchtigte Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt vor. Dieser erfüllt die massgeblichen Kriterien hinsichtlich des Beweiswertes eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt (vgl. E. 1.
8
) und vermag zu überzeugen. Aus dem Haushaltsabklärungsbericht ergibt sich insgesamt eine Einschränkung im Haushalt im Umfang von
14.
5
%
.
5.2
Es
ist festzuhalten, dass die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklä
rung vor Ort für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestim
mung der gesundheitlichen Einschränkung im Haushalt darstellt. Einer ärztlichen Fachperson, die sich zu den einzelnen Positionen der Haushaltführung unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat, bedarf es nur in Ausnahme
fällen, namentlich bei unglaubwürdigen Angaben der versicherten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen. Dies ist vorliegend nicht der Fall. Soweit die Beschwerdeführerin etwas
Anderes
behauptet, ist ihr nicht zu folgen. Auf den Haushaltsabklärungsbericht vom
22.
Mai 2019
kann somit abgestellt werden.
5.3
Anzumerken ist,
dass unstrittig davon auszugehen ist, dass die Beschwerde
führerin bei voller Gesundheit ab August 2018 zu 80
%
und ab August 2019 zu 100
%
erwerbstätig wäre. Der Umfang der gesundheitsbedingten Einschrän
kungen bei der Erledigung der Aufgaben im Haushalt spielt damit für die Festle
gung des Invaliditätsgrades ab August 2019 keine Rolle mehr, da ab diesem Zeit
punkt die Invaliditätsbemessung ausschliesslich aufgrund eines Einkommens
vergleichs für Erwerbstätige und nicht mehr nach der gemischten Methode vorzunehmen ist.
6.
6.1
Laut dem Arbeitgeberbericht der
Y._
AG vom
3.
Oktober 2017 (
Urk.
7/15) erzielte die Beschwerdeführerin im Jahr 2017 mit einem Arbeitspensum von 40
%
einen AHV-pflichtigen Bruttolohn von
Fr.
2'223.-- pro Monat
bzw.
Fr.
26'680.-- pro Jahr. Die Beschwerdegegnerin berücksichtigte zu Recht den Umstand, dass die
Beschwerdeführerin
jedes Jahr einen variierenden Bonus erhielt und legte das Einkommen deshalb
gestützt auf den
gemäss IK-Auszug (
Urk.
7/7)
in den Jahren 2014 bis 2016
durchschnittlich erzielten AHV-p
flichtigen Bruttolohn
, angepasst an die Nominallohnentwicklung bis 2018, auf
Fr.
30'703.80 fest (
Urk.
7/71)
.
Bei einem 100%-Pensum beläuft s
ich das Einkommen auf
Fr.
76'759
.
9
5.
6.
2
Zur Bestimmung des Invalideneinkommens ist au
f die Tabellenlöhne abzustellen. G
emäss
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) betrug der Durchschnittslohn für die mit einfachen und repetitiven Tätigkeiten beschäftigten Frauen im Jahr 20
18
pro Monat
Fr.
4‘
371
.-- (LSE 20
18
TA1_tirage_skill_level
1
) bzw.
Fr.
52’452
.-- (
Fr.
4‘
371
.-- x 12) pro Jahr. Bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit im Jahr 20
18
von 41,
7
Stunden (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Woche [T 03.02.03.01.04.01]) resultiert ein mutmassliches Einkommen von
Fr.
54'681.20
pro Jahr. Bei einem Pensum von
5
0
%
bel
äuft sich das Einkommen auf Fr. 27'340.60
.
6.
3
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf
die Lohnhöhe haben können (BGE
124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen ges
amthaft zu schätzen und darf 25
% nicht übersteigen (
vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2,
134 V
322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsf
ähigkeit eingeschränkt ist (BGE
126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (
BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemä
ss BGE
126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliege
nder erscheinen lassen (BGE 137 V
71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den
Abzug gesam
thaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgericht
s
9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
6.
4
Die Beschwerdegegnerin hat den zusätzlich bestehenden leidensbedingten Einschränkungen mit einem Abzug von 10
%
angemessen Rechnung getragen
(vgl.
Urk.
7/117/3). Dabei fällt im Rahmen der Gesamtwürdigung auch ins Gewicht, dass sich die Merkmale Lebensalter, Nationalität und Beschäftigungs
grad tendenziell lohnerhöhend auswirken (vgl. dazu auch Urteile des Bundes
gerichts 8C_799/2021 vom
3.
März 2021 E. 4.3.3, 8C_558/2017 vom
1.
Februar 2018 E. 5.3.2) und das Merkmal Dienstalter beim Kompetenzniveau 1 ohne rele
vante Bedeutung bleibt (Urteil des Bundesgerichts 9C_874/2015 vom
2.
Septem
ber 2015 E. 3.3.2).
Das Invalideneinkommen ist demnach für ein Pensum von
5
0
%
mit
Fr.
24'606.55
(
Fr.
27'340.60
x 0.9) zu bemessen. Verglichen mit dem
Valideneinkommen
von
Fr. 76’759
.
95
ergibt sich damit eine Einkommens
einbusse von
Fr.
52'
152
.95
bzw. für den Erwerbsbereich ein Invaliditätsgrad von rund
68
%
.
6.
5
Für die Zeit bis Ende Juli 2019 ist der Invaliditätsgrad nach der gemischten Methode zu bemessen (Erwerbstätigkeit: Anteil 80
%, Haushalt: Anteil 20
%
).
Insgesamt resultiert
damit
ein In
validitätsgrad von 57
%
(
68
%
von
8
0
%
=
54.4
% im Erwerbsbereich und
14.5
%
von
20
%
=
3
%
im Haushalt), womit
ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente besteht.
6.
6
Ab August 2019 ist die Beschwerdeführerin als zu 100
%
Erwerbstätige zu qualifizieren. Der Invaliditätsgrad beläuft sich auf 68
%
und die Beschwerde
führerin hat damit Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
.
7.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 2
3.
September 2021 (
Urk.
2) als rechtens erweist, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
8.
8.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist abweichend von Art. 61
lit
. a ATSG das
Be
schwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
weige
rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kosten
pflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200
1000 Franken festgelegt.
Die Gerichtskosten sind auf Fr. 800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss de
r
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.
8.2
Nach der Rechtsprechung sind unter dem Titel Parteientschädigung auch die Kosten privat eingeholter Gutachten zu vergüten, soweit die Parteiexpertise für die Entscheidfindung unerlässlich war (BGE 115 V 62 E. 5c S. 63; RKUV 2000 Nr. U 362 S. 44 E. 3b, U 360/98, Nr. U 395 S. 322 E. 7a, U 160/98; Urteil des ehema
ligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 591/06 vom 15. Dezember 2006, E. 5.1). Dieser Grundsatz ist für das Verwaltungsverfahren ausdrücklich in Art. 45 Abs. 1 ATSG bzw. Art. 78 Abs.
3
IVV festgehalten.
D
er
von der Beschwerdeführerin
veranlasste Bericht
von Dr.
H._
vom 19. November 2019 (
Urk.
7/87) sowie weitere von ihm vorgenommene Abklä
rungen erweisen
sich nach Gesagtem für die Entscheidfindung nicht als unerläss
lich, weshalb das Gesuch um Übernahme der Kosten
für die Berichte
von
Dr.
H._
, deren Höhe im Übrigen von der Beschwerdeführerin nicht beziffert worden sind,
abzuweisen ist.