Decision ID: c3457dae-fd55-42d7-be5f-62e3077109d5
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960, arbeitete vom 10. August 1992 bis zum 30. Sep
tember 2002 beim Stadtspital
Y._
als Spezialarbeiter Reinigung (Urk. 8/5). Wegen Nacken- und Armschmerzen meldete er sich am 23. Oktober 2002 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug (Umschulung auf eine neue Tätigkeit, Rente) an (Urk. 8/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, holte den Arbeitgeberbericht des Stadtspitals
Y._
vom 8. No
vember 2002 (Urk. 8/5) sowie die Arztberichte von Dr. med.
Z._
, FMH
für Rheumaerkrankungen,
vom 10. Dezember 2002 (Urk. 8/
9
/1-3; unter anderem unter Beilage des Berichtes über die Evaluation der arbeitsbezo
genen funktionel
len Leistungs
fähigkeit der Rheumaklinik des Universitätsspitals
A._
vom 16. August 2000, Urk. 8/
9
/4-12), der
Klinik
B._
vom 11./12. Juni 2003 (Urk. 8
/17
), von Dr. med.
C._
,
Allgemeine Medizin FMH,
vom 12. Ok
tober 2003 (Urk. 8/
18
) und von Dr. med.
D._
, Facharzt für Neurologie,
vom 18. Mai 2004 (Urk. 8/
28
) ein. Ausserdem zog sie die Akten der Unfallversi
cherung Stadt Zürich bei (Urk. 8/4/1-43 und Urk. 8
/19
/1-46). Sodann nahm die IV-Stelle die durch die Unfallver
sicherung Stadt Zürich in Auftrag gegebenen Gutachten von Dr. med.
E._
, Spezialärztin FMH für Neurologie, vom 3. Juni 2004 (Urk. 8
/39
)
sowie
der i
ntegrierten Psychiatrie
F._
vom 31. Oktober 2005 (Urk. 8
/47
) zu den Akten und liess das polydisziplinäre Gutachten der Medizi
nischen Abklä
rungsstelle (MEDAS)
G._
vom 31. Januar 2007 (Urk. 8
/68
) erstellen. Mit Vorbescheid vom 16. Mai 2007 teilte die IV-Stelle
X._
mit, die Abklärungen hätten ergeben, dass er unter keinem IV-relevanten Gesund
heitsschaden leide, weshalb sein Leistungs
begehren abgewiesen werden müsse (Urk. 8
/78
). Dagegen liess de
r Versicherte am 18. Juni 2007
(Urk. 8/84)
durch Rechtsanwalt
Dr.
Pierre Heusser Einwand
erheben, wobei er unter ande
rem den Bericht von Dr.
D._
vom 6. März 2007
(Urk. 8/83)
einreichte. Mit Verfügung vom 19. Oktober 2007 wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren ab (Urk. 8/87
). Die gegen diese Verfügung durch Rechtsanwalt
Dr.
Heusser unter anderem unter Beilage des Gutachtens des Insti
tuts
H._
vom 14. November 2007 (Urk. 8/8
8
/35-98) erhobene Beschwerde vom 21. November 2007 (Urk. 8/8
8
/3-9) hiess das
Sozialver
sicherungsgericht des Kantons Zürich
mit Urteil vom 27. Februar 2009 in dem Sinne gut, dass die angefoch
tene Verfügung aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle zurück
gewiesen wurde, damit sie nach erfolgten Abklärungen im Sinne der Erwägungen über den Leistungsanspruch von
X._
neu verfüge (Urk. 8/9
7
).
Das Gericht
gelangte zum Ergeb
nis, dass bezüglich der Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit aus somatisch-medizini
scher Sicht das MEDAS-Gutachten die gestellten Fragen umfassend beantworte. In psychischer Hinsicht würden sich dagegen weitere
Abklärungen als not
wendig erweisen, insbesondere sei eine
stationäre p
sychiatri
sche Begutachtung vorzu
nehmen. In diesem Rahmen werde eine genaue psychiatrische Diagnose zu stellen und deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu beantworten sein. Zu klären seien vor allem auch die Fra
gen, inwieweit psychosoziale Faktoren, insbesondere die familiären Probleme, die Arbeitsfähig
keit des Versicherten beeinflussten und inwieweit es ihm zumutbar sei, die vorhandenen Schmerzen zu überwinden und wieder einer Erwerbstätigkeit nachzugehen
(
Urk.
8/97
/13).
1.2
Die IV-Stelle teilte
X._
am 15. Juli 2009 mit, sie übernehme die Kosten für eine medizinische Abklärung (stationäre psychiat
rische Begut
ach
tung) bei der p
sychiatrischen
Klinik I._
(Urk. 8/100
). Nach
dem die
I._
den Versicherten am 17. und 23. Februar (Gesamtdauer vier Stun
den) und am 8. April 2010 (Dauer eine Stunde) ambulant untersucht hatte, erstellte sie das psychiatrische Gutachten vom 29. Juli 2010 (Urk.
8/114
). Die IV-Stelle kam aber in der Folge zum Schluss, dieses Gutachten genüge nicht, und es seien weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen. Am 29. Septem
ber 2010 teilte sie dem Versicherten mit, sie übernehme die Kosten einer ambu
lanten
bidisziplinären
Abklärung, welche wiederum beim
G._
durch
geführt werde (Urk.
8/119
). Rechts
anwalt Dr. Heusser erhob mit Schreiben vom 6. Oktober 2010 gegen die Anord
nung dieser Begutachtun
g
Einwand
. Einer
seits bezeichnete er die Ärzte des
G._
aufgrund der Tatsache, dass sie be
reits ein Gutachten erstellt hatt
en, als befangen, andererseits sei keine weitere Begut
achtung notwendig, sondern auf die Beurtei
lung
der
I._
abzustellen (Urk. 8/120
). Die IV-Stelle hielt an der Begutachtung durch das
G._
fest, was sie dem Versicherten am 24. November 2010 mitteilte, unter der Androhung, dass sie aufgrund der vorliegenden Akten entscheiden werde, wenn dieser bis am 16. Dezember 2010 der Begutachtung durch da
s
G._
nicht zustimme (Urk. 8/126
). Daraufhin liess der Versicherte mit Schreiben vom 2. Dezember 2010 die Ausstellung einer anfechtbaren Zwischen
verfügung über die Anord
nung der Begutachtung beim
G._
verlangen (Urk.
8/128
). Die IV-Stelle lehnte jedoch die Ausstellung einer Zwischen
verfügung mit Schreiben vom 21. Dezember 2010 ab, da keine formellen
Ausstandsgründe
geltend gemacht worden seien (Urk.
8/129
). In der Folge teilte Rechtsanwalt Dr. Heusser der IV
Stelle am 22. Dezember 2010 mit, er halte daran fest, dass er gegenüber dem
G._
formelle
Ausstandsgründe
geltend mache und deshalb eine beschwerde
fä
hige Zwischenverfügung zu erlassen sei (Urk.
8/132
). Diesem Anliegen kam die IV-Stelle nicht nach, sondern sie teilte dem Versicherten mit Vorbescheid vom 3. Februar 2011 mit, sein Leistungsbegehren müsse abgewiesen werden (Urk.
8/135
). Dagegen liess
X._
am 8. März 2011 Einwand erhe
ben (Urk.
8/137
). Die IV-Stelle wies das Leistungs
begehren mit Verfügung vom
14. April 2011 ab (Urk.
8/140
), wogegen der Versicherte durch Rechtsanwalt
Dr.
Heusser am 2
6.
Mai 2011 Beschwerde erhob (
Urk.
8/142/3-13). Mit Urteil vom 1
2.
November 2012 hiess das Sozialversiche
rungsgericht des Kantons Zürich die Beschwerde in dem Sinne gut, dass es die angefochtene Verfügung von 1
4.
April 2011 aufhob und die Sache an die IV-Stelle zurückwies, damit diese nach erfolg
ter Abklärung im Sinne der Erwägungen neu über den Leistungsanspruch verfüge (
Urk.
8/163). Das Gericht hielt daran fest, dass eine stationäre psychiatrische Begutachtung des Versicher
ten notwendig sei und wies ausserdem darauf hin, dass auch die somatische Beurteilung nicht mehr aktuell sei, weshalb es angezeigt sei, eine
bidisziplinäre
Begutachtung im stationären Rahmen durchzuführen (Urk. 8/163/20-21 E. 4.11).
1.3
Die IV-Stelle holte das Gutachten der Rehaklinik
J._
vom 23. April 2014 ein (
Urk.
8/202). Sodann führte
sie eine Eingliederungsberatung
durch
(
Urk.
8/261)
. Am 1
0.
März 2015 teilte sie dem Versicherten mit, dass sie die Kosten einer Potentialabklärung
bei der
Arbeitsintegration
K._
für die Zeit
vom 17. März
bis zum 1
6.
April 2015 übernehme (
Urk.
8/231).
Am 1
4.
April 2015 erstattete die
K._
den Schlussbericht über die Potentialabklärung (Urk. 8/257). Am 20. April 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie die Kosten eines Aufbautrainings bei der
K._
für die Zeit vom 2
5.
Mai 2015 bis zum 24. November 2015 übernehme (
Urk.
8/259). Am 1
4.
Juli 2015 nahm
Dr.
Z._
zu den Eingliederungsmassnahmen Stellung und gab seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten ab (
Urk.
8/267). Am 1
7.
August 2015 erstattete die
K._
einen Zwischenbericht
über das
Aufbautraining (
Urk.
8/272) und am 2
6.
Oktober 2015 den Schlussbericht (
Urk.
8/281).
Am
4.
Dezember 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass die Eingliederungsmassnahmen abge
schlossen seien (
Urk.
8/284).
In der Folge ho
lte sie den Arztbericht von Dr.
D._
vom 1
1.
Dezember 2015 ein (
Urk.
8/285/6-9).
Mit Vorbescheid vom 13.
Juni 2016 stellte die IV-Stelle
X._
in Aussicht, dass sie seinen Leistungs
an
spruch (Anspruch auf eine Invali
denrente) verneinen werde (Urk.
8/292).
Dagegen erhob der Versicherte durch Rechtsanwalt
Dr.
Heusser am 16. August 2016 Ein
wand (
Urk.
8/296). Die IV-Stelle hol
te die Verlaufsberichte von Dr.
Z._
vom
9.
April 2017 (
Urk.
8/3
06/1-5),
von
Dr.
D._
vom 19. April 2017 (
Urk.
8/307
/4-
6) sowie von
Dr.
med.
L._
, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom
7.
Mai 2017 (
Urk.
8/309) ein. Ausserdem
liess
sie das polydiszi
plinäre Gutachten de
s
Zentrums
M._
vom 5. Februar 2018
erstellen
(
Urk.
8/334).
Am 1
5.
Oktobe
r 2018 nahm das
M._
Stellung zu diversen neu eingegangenen Unterlagen (
Urk.
8/357). Mit Vor
bescheid vom 29.
November 2018 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten an, dass sie ihm ab dem
1.
Juni 2016 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 52
%
eine halbe Invalidenrente ausrichten werde (
Urk.
8/363). Gegen diesen
Vorbescheid erhob
X._
am 1
6.
Januar 2019 Einwand (
Urk.
8/369). Mit Verfügung vom 1
0.
April 2019 sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung ab dem
1.
Juni 2016 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 52
%
eine halbe Invalidenrente zu (
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
X._
durch Rechtsanwalt
Dr.
Heusser am 2
3.
Mai 2019 Beschwerde mit folgenden Anträge
n
(
Urk.
1 S. 2):
«1.
Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 1
0.
April 2019 sei aufzuheben.
2.
Dem Beschwerdeführer sei eine halbe Invalidenrente ab dem
1.
Januar 2003 zuzusprechen.
3.
Eventualantrag: Den Gutachtern sei folgende Ergänzungsfrage zu stellen: Halten sie es für wahrscheinlicher, dass die 50%ige Arbeitsunfähigkeit von Herrn
X._
seit dem
1.
Januar 2003 besteht, oder halten sie es für wahr
scheinlicher, dass diese ab Juni 2015 besteht? Welche dieser beiden Varian
ten ist für sie plausibler? Bitte begründen Sie Ihre Einschätzung.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Gunsten des
Beschwerde
füh
rers.»
Die Beschwerdegegnerin ersuchte am 2
1.
August 2019 um Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was dem Beschwerdeführer am 2
6.
August 2019 mitgeteilt wurde (
Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.4
Den von Versicherung
strägern im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise sprechen (BGE 135 V 465 E.
4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom
11. Juni 2019 E.
2 mit Hinweisen).
1.5
Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglich
keit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung vom 1
0.
April 2019 (
Urk.
2) aus, es sei davon auszugehen, dass beim Beschwer
de
führer in einer angepassten Tätigkeit, ohne repetitive Überkopf
arbeiten, ohne hohen Zeitdruck und ohne Fremdverantwortung eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 50
%
bestehe. Berücksichti
gt sei
dabei
bereits
die aus
neurologisch
er Sicht
bestehen
de leichte kognitive Einschränkung.
Aus psychiatrischer Sicht liege zwar ein
chronifizierter
, therapeutisch schwierig angehbarer Verlauf vor. Es gebe aber noch Therapie-Optionen. Es seien ausserdem zwar Zeichen der Selbstlimitierung und Verdeutlichung vorhanden, diese seien aber nicht einer eigentlichen Aggra
vation zuzuschreiben, sondern einer im Verlauf zunehmenden Schmerz
fehlverar
beitung.
Für die Berechnung der Erwerbs
einbusse sei auf das letzte Einkommen im Spital
Y._
(der Teuerung angepasst) abzustützen und dieses mit dem statis
tischen Einkommen für Hilfsarbeiten zu vergleichen. Ein zusätzlicher leidensbe
dingter Abzug sei nicht begründet. Die Erwerbseinbusse betrage 52
%
, womit der Beschwerdeführer nach Ablauf der Wartezeit per Juni 2016 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente habe. Dem Einwand des Beschwerdeführers, wonach die Invalidenrente rückwirkend ab
1.
Januar 2003 auszurichten sei, sei entgegenzu
halten, dass ein ausführliches Gutachten der Rehaklinik
J._
vom 2
3.
April 2014 v
orliege. Im Gutachten des
M._
vom
5.
Februar 2018 werde der aktuelle Gesundheitszustand mit dem Zeitpunkt desjenigen im Zeitpunkt der Begutach
tung durch die Rehaklinik
J._
verglichen. Es ergebe sich eine Verschlechte
rung.
In der Gesamt
würdigung werde in einer arbiträren (dem Ermessen überlas
senen, willkürlichen) Einschätzung die Einschätzung des Beginns der 50%igen Einschränkung vorgenommen. Im Hinblick auf die Aktenlage, insbesondere das Gutachten der Rehaklinik
J._
, könne darauf nicht abgestellt werden.
2.2
Der Beschwerdeführer macht
e
geltend, er sei mit der
Zusprache
einer halben Invalidenrente einverstanden. Diese entspreche dem Resultat der medizinischen Begutachtung durch das
M._
. Nicht einverstanden sei er aber mit dem von der Beschwerdegegnerin festgesetzten Rentenbeginn. Er sei am
2.
Januar 2002 verunfallt und seither ohne Unterbruch arbeitsunfähig geblieben. Dementspre
chend habe er ab dem
1.
Januar 2003 Anspruch auf eine Invalidenrente. Die Gutachter des
M._
seien nach sorgfältiger und eingehender Prüfung der Indikatoren zum Schluss gekommen, dass der Beschwerdeführer in einer adap
tierten Tätigkeit noch zu 50
%
arbeitsfähig sei. Dies sei von der Beschwerde
gegnerin akzeptiert und dem Beschwerdeführer eine halbe Invaliden
rente zugesprochen worden. Die Gutachter hätten aber auch festgehalten, dass nach ihrer Einschätzung der Beginn der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit auf Januar 2003 anzunehmen sei. Es sei klar, dass
bei einem Fall, welcher sich 17
Jahre dahinschleppe, die Gutach
ter keine vollkommen präzisen Angaben mehr machen könnten. Sie hätten aber doch auf eine den Umständen entsprechen
d
sehr klare Art und Weise und mit dem Grad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit festgehalten, dass davon aus
zugehen sei, dass der Beschwerdeführer nach dem Unfall zunächst ein Jahr lang zu 100
%
und danach ab Januar 2003 durchgehend zu 50
%
arbeitsunfähig
gewesen sei
. Es gebe keinen Grund, von dieser Einschätzung abzuweichen.
Deshalb sei dem Beschwerdeführer ab Januar 2003 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Die Argumentation der Beschwer
degegnerin, dass es sich beim Gutachten des
M._
lediglich um eine andere Einschätzung des Sachverhaltes halte, sei nicht stichhaltig, da es sich vorliegend nicht um ein Revisionsverfahren handle. Ein rechtskräftiger Entscheid, der revidiert werden könne, liege
nicht vor, sondern es handle
sich um die erstmalige
Rentenzusprache
nach einer beinahe 18 Jah
re dauernden Abklärung. Es sei
nicht auf die alten ungenügenden, sondern auf das neuste Gutachten des
M._
abzustellen. Dass die Gutachter den Beginn der Arbeitsunfähigkeit lediglich «arbiträr» festgelegt hätten, bedeute entgegen der Ansicht der Beschwerde
gegnerin nicht, dass ihre Einschätzung völlig willkürlich
sei. Es drücke
einzig
aus, dass man sich nicht sicher sei und die definitive Ein
schätzung dem Leser überlasse, was bei sämtlichen medi
zinischen Gutachten der Fall sei (
Urk.
1).
3
.
3
.1
Dr. med.
N._
, Spezialarzt FMH für Innere Medizin spezi
ell Rheuma
er
krankungen,
gab zu Händen der Unfall
versicherung Stadt Zürich als deren Ver
trauensarzt diverse Beurteilungen über den Beschwerdeführer ab.
3
.1.1
In seinem Gutachten vom 2. Mai 2001 (Urk. 8/4/7-11) hielt Dr.
N._
fest, der Beschwerdeführer leide unter einem
myofascialen
Schmerzsyndrom der oberen Extremität und HWS rechts mit noch ungeklärter C8-Hypästhesie rechts und
myofascial
schmerzhafter Schulter rechts, lumbalem L4
Segmentschmerz bei leichter S-Skoliose ohne neurologische Ausfälle und anamnestisch mehreren Nichtbetriebsunfällen inzwischen beschwerdemässig ausgeheilt (1995: Auto
un
fall mit BWK7/8-Fraktur, Juni 2000: Handwurzelbruch rechts, August 2000: Rippenfraktur rechts, Oktober 2000: Rippenfraktur links mit anschliessender Pneumonie). Derzeit sei der Beschwerdeführer noch zu 20 % teilarbeitsunfähig zur Ermöglichung der ambulanten Physiotherapie, wobei schrittweise die Ange
wöhnung auf die volle Arbeitszeit bis in spätestens sechs Monaten vorge
sehen sei. Ungeeignet seien Überkopfarbeiten und Stossen schwerster Maschi
nen.
3
.1.2
Am 9. Juli 2001 (Urk. 8/4/4-5) gelangte Dr.
N._
zum Schluss, dass gestützt auf die vorhandenen Arztberichte und eine Evaluation der arbeitsbezogenen funkti
onellen Leistungsfähigkeit ab dem 1. Juni 2001 von einer 100%igen Arbeitsfä
higkeit für mittelschwere Arbeiten mit
Belastungslimite
beim Heben von Lasten über 20 kg auszugehen sei. Dies entspreche einer vollen Arbeits
fä
higkeit in der bisher vom Beschwerdeführer ausgeübten Tätigkeit als Haus
an
gestellter am Stadtspital
Y._
.
3
.1.3
Am 6. Juni 2002 (Urk. 8/4/26-30) gab Dr.
N._
erneut ein Gutachten über den Beschwerdeführer ab. Als Folge eines Auffahrunfalls vom 2. Januar 2002 sei der Beschwerdeführer bis zum 21. Februar 2002 voll und danach zu 50 % arbeits
un
fähig. Eine Verlaufsbeurteilung sei nach erfolgter stationärer Behand
lung in einer Rheumaklinik vorzunehmen.
3
.1.4
In seinem Bericht vom 12. Juni 2002 (Urk. 8/4/12-14) führte Dr.
N._
aus, der Beschwerdeführer sei derzeit als Folge des am 2. Januar 2002 erlittenen Ver
kehrs
unfalls nicht mehr arbeitsfähig. Er behaupte - was nicht widerlegt wer
den könne -, dass der neuste Unfall seine Beschwerden verstärkt und jetzt zu kon
stanten Sensibilitätsausfällen und Schmerzzunahme im rechten Arm geführt habe.
3
.1.5
Am 23. September 2002 (Urk. 8/4/15-18) hielt Dr.
N._
fest, entgegen der ursprünglichen Annahme habe der Beschwerdeführer sein nach dem Unfall vom 2. Januar 2002 am 21. Februar 2002 wieder zu 50 % aufgenommenes Arbeits
pensum nicht weiter gesteigert, sondern sei nach einem Arztwechsel anhaltend
zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben worden. Begründet werde dies mit reakti
vierten, nun starken tags und nachts beidseits andauernden Nacken
schmerzen. Zudem leide der Beschwerdeführer unter Rückenschmerzen links lumbal mit Ausstrahlung ins rechte Bein. Als Gebäudereiniger sei der Beschwerdeführer bis auf Weiteres nicht einsetzbar, da bereits bei geringem Gewichtheben unter dem geforderten Gewicht eines Wassereimers mit Arbeitsgeräten eine invalidisie
rende Schmerzausstrahlung auftrete. Hingegen sei der Beschwerdeführer ab sofort zu 50 % arbeitsfähig für eine leichte, teils sitzende, teils stehende Tätig
keit ohne Heben von Gewichten über 5 kg wie interner Postkurier und Mitar
beiter in der
Loungerie
. Die Wiederaufnahme einer Arbeit in diesem Umfang sei dringend angezeigt, ansonsten der Beschwerde
führer in ein psychosomatisch mitbedingtes Schmerzverarbeitungssyndrom mit voller Arbeitsunfähigkeit abzugleiten drohe.
3
.2
Der Rheumatologe Dr.
Z._
stellte
in seinem Arztbericht vom 10. Dezember 2002 (Urk. 8/
9
)
die Diagnose
n
(1.) ein
es
chronifizierte
n
Cervicobrachial
-Syn
drom
s
rechts bei Fehlhaltung der HWS und degenerativen Veränderungen,
radi
kuläre
Begleitkomponente
nicht ausgeschlossen, (2.) eines
Verdacht
s
auf Schmerzverar
beitungsstörung sowie (3.) eines
dringenden Verdacht
s
auf depres
sive Verstim
mung. In seiner ange
stammten Tätigkeit als Angestellter für interne Transporte und Reinigung im
Spital
Y._
sei der Beschwerdeführer seit März 2002 bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Er würde gerne eine leichte Arbeit ver
richten (ein Pensum von 30-50 % wäre zumutbar), was nicht zuletzt seinem Selbstbe
wusstsein zuträglich wäre. Dringend angewiesen sei er auf psychiatrische Hilfe.
3
.3
3
.3.1
Vom 22. Oktober bis zum 21. November 2002 befand sich der Beschwerdeführer für einen stationären Aufenthalt in der Rheuma
- und Rehabilitationsklinik
O._
. Laut dem Austrittsbericht dieser Klinik vom 11. Dezember 2002 (Urk. 8/1
9
/30-34)
bestehen beim
Beschwerdeführer
ein
zervikovertebrale
s
und
zervikobrachiale
s
Reizsyndrom rechts C6/7 nach Distorsion der HWS am 2. Ja
nuar 2002 bei degenerativen Veränderungen der HWS sowie ein chronische
s
Lumbovertebralsyndrom
. Aus physiotherapeutischer Sicht habe sich der Thera
pieverlauf zum Teil zufriedenstellend gestaltet: Die Kopfbeweg
lichkeit habe sich verbessert, die Schmerzen seien allerdings unverändert geblieben. Der Tonus in der Nackenmuskulatur habe reduziert werden können. Der Beschwerdeführer sei sehr motiviert gewesen. Er möchte wieder arbeiten gehen. Aus rheuma
tologischer Sicht sei er derzeit zu 30 % arbeitsfähig für eine leichte Tätigkeit mit der Mög
lichkeit der Steigerung auf 100 %.
3
.3.2
Vom 3. Juli bis zum 25. Juli 2003 war der Beschwerdeführer erneut in
O._
hospitalisiert. Im Austrittsbericht vom 22. August 2003 (Urk. 8/1
9
/40-42) konn
ten die Ärzte der Rehaklinik eine beginnende Schmerz
ausweitung mit 2 von 5 positiven
Waddellzeichen
und einen Verdacht auf eine Schmerzverarbeitungs
stö
rung feststellen. Der Beschwerdeführer habe berichtet, dass unter den durchge
führten Therapien die Schmerzen tendenziell nur noch zugenommen hätten. Generell sei er mit der angebotenen Therapie unzufrieden gewesen. Derzeit stehe bei ihm ein geplanter sechswöchiger Ferien
aufenthalt in der Türkei im Vorder
grund, weshalb die Therapie mit der Emp
fehlung, die erlernten Heimübungen täglich durchzuführen, abgeschlossen worden sei.
3
.4
Laut dem Arztbericht der
Klinik
B._
vom 12. Juni 2003 (Urk. 8/1
7
/5
-6
)
bestehen beim
Beschwerdeführer
ein
zervico-radikuläres
Reizsyndrom C6/7 rechts bei Status nach indirekten HWS-Traumen 1992, 1995 und 1/02, Seg
ment
degeneration C5/6, weniger C6/7, muskulärer Irritation und
Dysbalance
am Nacken-Schultergürtel,
chronischem
Lumbovertebralsyndrom
sowie Status nach traumatischer BWK 11-Kompressionsfraktur. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bestehe seit Februar 2002 eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit. Arbeits
versuche zu 50 % seien mehrmals erfolglos abgebrochen worden. Auf längere Sicht dürfte die Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen vom weiteren Beschwerde
verlauf und dem Erfolg der therapeutischen Massnahmen abhängen. Die Aus
übung einer behin
de
rungsangepassten Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer zu 100 % zumutbar.
3
.5
Gemäss dem Arztbericht von Dr.
C._
vom 12. Oktober 2003 (Urk. 8/1
8) beste
hen beim Beschwerdeführer ein chronisches
ze
rviko
- und
lumbo
spondy
loge
nes
Syndrom bei Status nach Autoauffahrunfall am 2. Januar 2002, muskulärer
Dysbalance
, degenerativen Veränderungen der HWS mit
Diskus
protrusion
C4-6 und Spinalsten
ose C4-6 sowie ein
Verdacht auf Schmerz
verarbei
tungsstörung. In seiner angestammten Tätigkeit sei der Beschwerde
führer vom 3. Januar bis zum 10. Februar 2002 zu 100 %, vom 11. bis zum 18. Februar 2002 zu 50 %, vom 19. bis zum 24. Februar 2002 zu 100 %, vom 25. Februar bis zum 28. Mai 2002 zu 50 %, vom 29. Mai bis zum 7. Juli 2002 zu 100 %, vom 8. bis zum 10. Juli 2002 zu 50 % und seit dem 11. Juli 2002 andauernd zu 100 % arbeitsunfähig. Am 2. Januar 2002 habe der Beschwerde
führer erneut einen Autounfall erlitten, und es hätten sich in der Folge chronische Schmerzen im Nacken mit Ausstrah
lung in den Kopf und die Arme gebildet. Verschiedene Behandlungen seien erfolglos gewesen, so auch der stationäre Aufenthalt in
O._
vom 22. Oktober 2002 bis zum 21. November 2002. Eine chirurgische Intervention sei abgelehnt worden.
3
.6
Der Neurologe Dr.
D._
stellte
im Arztbericht vom 20. Mai 2004 (Urk. 8/2
8
)
die Diagnose
eine
r
langanhaltende
n
Depression, mindestens mittelgradig, bei Status nach zweitem Verkehrsunfall (01.01.02) sowie eine
r emotional
-instabile
n
Per
sön
lichkeits
störung impulsiver Typ. Der Beschwerdeführer
klage
über diverse, stets vorhandene Schmerzen, welche ihn angeblich sehr stark stören würden. Die bisherige Therapie habe keine Besserung erbracht. Der Beschwerdeführer nehme hochdosierte Schmerz- und Schlafmittel. In psychischer Hinsicht sei er nach eigenen Angaben stark reizbar, emotional-instabil, stark vergesslich, mit redu
zierter Belastbarkeit und Ausdauer. Er könne nicht einmal die kleinsten Probleme ertragen, habe ausgeprägte Schlafstörungen, sei öfters freud- und lustlos, pessi
mistisch und antriebsarm. Er habe immer wieder Suizidgedanken. Auch bestün
den grosse Probleme mit der ebenfalls psychisch schwer kranken Ehefrau und den Söhnen. Insbesondere mit einem Sohn sei die Beziehung stark gestört und angespannt. Aktuell sei dem Beschwerdeführer keine Arbeits
tätig
keit mehr zumutbar.
3
.7
Gemäss dem neurologischen Gutachten von Dr.
E._
vom 3. Juni 2004 (Urk. 8/3
9
)
bestehen beim
Beschwerdeführer
ein
cervikoverte
bra
le
s
,
cephale
s
und
brachiale
s
Syndrom beidseits bei degenerativen Verände
rungen und Status nach Distorsion der HWS (2.1.2002), eine Depression im Sinne einer depressiven Entwicklung und Anpa
ssungsstörung, eine somatoforme
Schmerzverarbei
tungs
störung und ein
lumbovertebrales
Syndrom. Der Beschwerdeführer sei zu 100 % arbeitsunfähig in jeder beruflichen Tätigkeit. Eine wesentliche Besserung des Gesundheitszustands sei weder durch physi
ka
lische Therapie noch durch Ein
nahme von
nichtsteroidalen
Antirheumatika zu erwarten. Allenfalls wäre eine Besserung durch eine Psychotherapie zu errei
chen, wobei das Ausmass schwierig abzuschätzen sei und nicht allzu optimis
tisch eingeschätzt werden dürfe, da es dem Beschwerdeführer möglicher
weise an der Motivation fehle.
3
.8
Die Ärzte der
F._
hielten im psychiatrischen Gutachten vom 31. Oktober 2005 (Urk. 8/4
7
) fest, dass die diagnostische Zuordnung des psychischen Zustands des Beschwerdeführers nicht einfach sei. Auf der einen Seite seien - mittlerweile
chro
nifiziert
- deutliche Symptome einer depressiven Erkrankung vorhanden. Wenn man diese betrachte, würde man von einer Depression mittleren Schwe
regrades (ICD-10 F32.11) sprechen. Schwierig sei aber die Abgrenzung zum deutlich im Vordergrund stehenden Zustand einer resignativ-gereizten Grund
stimmung. Die Schilderung des Beschwerdeführers von häuslichen Aggressions
ausbrüchen passe gar nicht zum üblichen Krankheitsbild einer Depression, wel
che eher durch eine deutliche Hemmung von Affektivität und Antrieb gekenn
zeichnet sei. Hinweise auf Simulation oder Aggravation seien nicht vorhanden, auffällig sei jedoch die nahezu vollständige Passivität, mit der der Beschwerde
führer seinem Befinden
gegenüberstehe. Ausserdem liege ein chronisches Schmerz
syndrom vor, das aber nicht als psychiatrisches Krankheits
bild bezeich
net werden könne. Es sei beim Beschwerdeführer eine im Wesent
lichen psy
chisch bedingte Schonhaltung im Bereich Nacken und Hals zu beobachten, hin
gegen sei seine Schmerzbeschrei
bung auffällig vage und beiläufig geblieben. Die Kriterien für eine somatoforme Schmerzstörung seien nicht erfüllt, da es keine Hinweise für emotionale Konflikte oder psychosoziale Probleme gebe. Ebenso wenig liege ein Schleudertrauma vor und es deute nichts auf eine im Alltag relevante Beeinträchtigung der hirnorga
nischen Leistungs
fähigkeit hin. In Anbetracht der depressiven Symptomatik sei eine volle Arbeitstätigkeit sicher nicht möglich. Dennoch sei der Beschwerdefüh
rer nicht so durchgehend einge
schränkt, dass es ihm nicht mehr möglich wäre, gesunde Willenskraft aufzu
bringen, sich konstruktiver und aktiver mit seinem Zustand auseinanderzuset
zen. Aus rein psychiatrischer Sicht sei eine Arbeitstä
tigkeit zu einem Pensum von ca. 50 % möglich. Zur Verbesserung des Zustands sei eine stationäre psy
chiatrische Behandlung zu empfehlen.
3
.9
Gemäss dem
polydisziplinären
Gutachten
des
G._
vom 31. Januar 2007 (Urk. 8/6
8/16
)
besteht beim Beschwerdeführer
mit Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit
(1.) ein unklares psychisches Zustandsbild (DD: Affektstörung, Per
sönlich
keitsstörung, Simulation?). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünden ausserdem (2.) ein Ganzkörper-Schmerzsyndrom mit Keildeformation von BWK 11 nach Kompressionsfraktur 1995, Status nach bezüglich
Pathome
chanik
unklarem Strassenverkehrsunfall vom 2. Januar 2002, anamnestisch Rippen
frak
tur rechts im August 2000 und links im Oktober 2000, fehlendem objektivierba
rem pathologisch-anatomischem Korrelat und alterskonformen degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule, (3.) eine Adipositas Grad I nach WHO (BMI von 30 kg/m
2
) sowie (4.) eine chronische Prostatitis (anam
nestisch). Anlässlich der aktuellen orthopädisch-chirurgischen und rheumatolo
gischen gutachterli
chen Abklärungen gebe der Beschwerdeführer ein diffuses, den ganzen Körper
stamm betreffendes Schmerz
bild an, für welches sich weder klinisch noch radio
logisch ein plausibles und pathologisch-anatomisch defi
niertes Korrelat finden lasse. Die vom Beschwerde
führer vorgeführten Bewe
gungseinschränkungen seien unter gesprächsweiser Ablen
kung nicht mehr sichtbar, die Angaben blieben
unkonstant
. Objektiv lasse sich keine Funktions
behinderung der Wirbelsäule oder Extremitäten feststellen. Es verbleibe ledig
lich die leichte Keilwirbeldeformation des 11. Brustwirbel
körpers, welche dem Unfallereignis von 1995 anzulasten sei und keine nennenswerte Beein
trächti
gung der Wirbelsäulenstatik hervorrufe. Aus rheuma-orthopädischer Sicht könne dem Beschwerdeführer im zuletzt ausgeüb
ten Beruf eines Haus
dienstan
gestellten keine Arbeitsunfähigkeit attestiert werden.
Bei der psychiat
rischen Exploration fänden sich keine Zeichen für eine Bewusst
seinstrübung respektive mnestische oder kognitive Defizite. Allerdings mache der Beschwer
deführer widersprüchliche Angaben, welche sich nicht klären liessen. Er bleibe eingeengt auf seine somatischen Beschwerden und präsentiere eine
dysphori
sche
, gereizte Affektlage. Trotz aller Bemühungen habe keine ab
schlies
sende Diagnose gestellt werden können. Es dränge sich eine Abklärung unter statio
nä
ren Bedingungen auf, um Klarheit über die psychiatrische Situation zu bekom
men. Zusammen
fassend lasse sich unter Würdigung aller Gegeben
heiten und Befunde aus somatisch-medizinischer Sicht beim Beschwer
deführer im zuletzt ausgeübten Beruf eines Hausdienstangestellten im Spitalbereich keine Arbeitsun
fähigkeit erkennen. Aus psychiatrischer Sicht könne keine abschlies
sende Stel
lungnahme zur Arbeits
fähigkeit getätigt werden.
3
.10
Laut der Stellungnahme von Dr. med.
P._
vom Regionalen Ärzt
li
chen Dienst (RAD) der
IV-Stelle
vom 14. März 2007 (Urk. 8/7
6
/7)
bestehen beim Beschwerdeführer eine
Schmerzstörung ohne
orga
nisches Korrelat und eine psychische
Störung ohne Krankheitswert. Der Schmerzstörung fehle der Charak
ter der Dauerhaftigkeit (Reversibilität nach Entfernen/Verändern diverser IV-fremder Faktoren und psychosozialer Umstände), weshalb sie nicht IV-relevant sei. Eine erhebliche psychische Komorbidität, welche ausnahmsweise zu einer Unüberwindlichkeit der Schmerz
störung führen könnte, sei mithin nicht ausge
wiesen. Dem Beschwerdeführer sei somit seine bisherige Tätigkeit weiterhin zu 100 % zumutbar. Weitergehende medizinische Abklärungen würden sich erübri
gen, da aus versicherungs
medizi
nischer Sicht nicht allein die Diagnose
stellung wichtig sei, sondern die Auswir
kung der Symptome auf die Arbeitsfähig
keit. Dies könne anhand der erhobenen Befunde abgeschätzt werden. Beim Beschwerde
füh
rer sei der Psychostatus bis auf eine Gereiztheit und schlechte Kooperation unauffällig.
3
.11
Gemäss dem Gutachten des
H._
vom 14. November 2007 (Urk. 8/
88
/35-98)
bestehen beim
Beschwerdeführer
ein chronisches
zervikozephales
, -brachi
ale
s
und
zephale
s
Schmerzsyndrom und
ungerichtete
r
Schwindel bei Status nach mehreren Unfällen (1992, 1995, 2000 und 2002), vorbestehend
em
chroni
schem
Lumbovertebralsyndrom
und weiteren negativ interagierenden Sympto
men und Nebenfolgen. Die MR-tomographische Untersuchung des Schädels habe ein voll
ständig unauffälliges Bild ergeben. Hingegen lägen typische Beschwerden nach HWS-Distorsionstrauma vor. Ebenso sei eine psychische Fehlentwicklung vorhanden. Die Anteile der psychischen und physischen Beschwerden am gesam
ten Beschwerdebild liessen sich nicht mit ausreichender Sicherheit abschät
zen. Es sei jedoch zu vermuten, dass psychische und auch psychosoziale Umstände am Gesamtbeschwerdebild massgeblich mitwirkten. Die Arbeits
unfä
higkeit als Folge
des Unfalles vom 2. Januar 2002 könne aktuell aufgrund des komplexen Gesamt
bildes mit Status nach mehreren Unfällen und weiteren möglicherweise unfall
fremden Faktoren nicht mit ausreichender Sicherheit eingestuft werden. Ausser
dem sei der Beschwerde
führer noch nicht aus
thera
piert.
3
.12
Die Beschwerdegegnerin hat nach der Rückweisung der Sache durch das hiesige Gericht
(Urteil vom 27. Februar 2009)
das psychiatrische Gutachten der
I._
vom 29. Juli 2010 (Urk. 8/11
4
) eingeholt. In diesem
stellten
die Ärzte der
I._
die Diagnose
eine
r
schwere
n
depressive
n
Episode, ohne psychotisch
e Symptome (ICD-10: F32.2, Urk.
8/11
4
/15). Der Beschwerdeführer habe bei allen drei (ambu
lanten) Explora
tionen stets affektiv verarmt und nicht schwingungsfähig impo
niert. Es sei zu keiner Zeit ein affek
tiver Rapport herstellbar gewesen. Der Beschwerdeführer selber beschreibe
Anhedonie
, Schlafstörungen, eine fehlende Tagesstruktur und sexuelle Lustlo
sigkeit. Er erlebe sich zunehmend dünnhäutiger und emotional nicht belastbar, so dass er aus der gemeinsamen ehelichen Woh
nung in ein Zimmer gezogen sei. Es hätten beim Beschwerdeführer eindeutig eine Nieder
geschlagenheit, eine Verzagtheit und Mutlosigkeit in Bezug auf seine Lebens
situation beobachtet werden können. Er schildere sich als enttäuscht, fühle sich unverstanden, habe sich frei
willig von seiner Ehefrau getrennt und alle wich
tigen Bezugspersonen verloren. Eine depressive Verstimmung, völliger Interesse
verlust und Freudlo
sigkeit würden glaubhaft geschildert. Auffallend sei lediglich die fehlende Vari
ation der Erzählungen, er erzähle seine Geschichte nahezu wort
gleich. Der Appetit habe sich trotz eines leichten Übergewichts verschlechtert. Zudem beschreibe der Beschwerdeführer eine fehlende Tages
struktur, die er meist mit Schlafen und Fernsehen ausgleichen würde. Er schildere auch einen vermin
der
ten Antrieb, Gefühle der Wertlosigkeit sowie Schuldgefühle sich selbst und der Familie gegenüber. Ebenso klage er über Konzentrations
störungen. Zudem beschreibe er verstärkt Suizidgedanken, wobei er aber aktuell keine Suizidab
sich
ten habe. Es liessen sich ein vermindertes Selbstwertgefühl und das völlige Fehlen von Selbstvertrauen beobachten. Es präsentiere sich ein deutlich depres
sives Zustandsbild, so dass zum jetzigen Zeitpunkt eine Wieder
eingliederung in den Arbeitsprozess unrealistisch erscheine. Zur Verbesserung der Prognose werde die Einweisung in eine psychiatrische Klinik, beziehungsweise auf eine psychiatri
sche Abteilung mit Spezialangebot für Menschen mit depressiven Störungen empfohlen. In einem stationären Setting sollten mit dem Beschwer
deführer auch die Schmerzproblematik mit
Antikonvulsiva
(eventuell
Lyrica
) und besonders die depressive Symptomatik mit Psychopharmakologie verbessert werden. Es sollte zudem in einem stationären Rahmen die Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit erfol
gen, da derzeit eine Beschäftigung nicht sinnvoll sei. Erst bei einem stationären psychiatrischen Aufenthalt und einer psychiatrischen Diagnostik in stationärem
Rahmen könnten die prognostischen Möglichkeiten des Beschwerdeführers besser evaluiert werden. Um die Lebens
qualität zu ver
bessern, sei eine rasche Einwei
sung in eine psychiatrische Klinik unbedingt erforderlich. Die derzeitige Situation mit fehlender Tagesstruktur, selbstaufer
legter Trennung von der Familie, Resig
nation und Hoffnungslosigkeit könnte zu einer weiteren Verschlechterung des Zustandsbildes führen (Urk. 8/11
4
/13-15).
Es liege eine depressive Episode mit mehreren Symptomen wie Verlust der Freude, Früherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Appetit
ver
lust und
Libidoverlust
vor. Es könne nicht mit Sicherheit gesagt wer
den, wann der Gesundheitsschaden eingetreten sei. Es sei denkbar, dass dies seit dem Jahr 2002 der Fall sein könnte. Es könne davon ausgegangen werden, dass sich die Symptome eher verschlechtert hätten. Der Beschwerde
führer sei derzeit beschäf
tigungslos und lebe von Sozialgeldern. Der derzeitige Grad der Arbeits
unfähigkeit liege bei 100 %. Auch eine angepasste Tätigkeit sei dem Beschwer
deführer nicht zumutbar. Die Arbeitsfähigkeit liesse sich jedoch durch eine sta
tionäre Psycho
therapie verbessern (
Urk.
8/11
4
/15).
4
.
Nach der erneuten Rückweisung durch das hiesige Gericht
(Urteil vom 12. No
vember 2012)
hat die Beschwerdegegnerin folgende medizinische Abklärungen getätigt:
4
.1
Im Rahmen der stationären Begutachtung in der Rehaklinik
J._
(Dezember 2013 und Januar 2014)
wurde der Beschwerdeführer psychiatrisch, rheumatolo
gisch und neuropsychologisch untersucht und
es wurden
weitere Abklärungen (ergotherapeutische Testung, physiotherapeutische Abklärung, Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit) vorgenommen, wobei die rheumatologische Begutachtung extern erfolgte
(vgl.
Urk.
8/191 ff.)
.
Gemäss dem Gutachten der Rehaklinik
J._
vom 2
3.
April 2014
(
Urk.
8/202)
finden sich einzig im soma
tischen Bereich Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit, namentlich liege ein chronisches panvertebrales Schmerz
syndrom bei
/mit
leichten degenera
tiven Wirbelsäulenveränderungen, Status nach mehreren Autounfällen 1992/1995/2002 (mit Status nach Kompressionsfraktur BWK11 1995), Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule bei diffuser idiopathischer
Skeletthyper
ostose
(DISH), Haltungsinsuffizienz und muskulärer
Dysbalance
, beginnender
Gonarthrose beidseits mit Zeichen der
Osteochondrosis
dessecans
links,
Epicon
dylopathia
humeri
beidseits, Diabetes mellitus Typ 2, Nierenzyste
links, bilateraler
Pleuraplaques
sowie Status nach Hepatitis B vor (
Urk.
8/202/6-
7).
Aus dem Bereich der Psychiatrie bestünden dagegen angesichts der Diagnose einer
Dysthymie
(ICD-10 F34.1) keine Störungen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähig
keit (
Urk.
8/202/11).
Die Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht in der bisherigen Tätigkeit als Hausdienstmitarbeiter in einem Spital sei seit dem Unfall vom Januar 2002 nicht mehr gegeben. Die in der ersten Phase nach dem Unfall wiederholt aus somatischer Sicht attestierte 100%ige Arbeits
unfähigkeit auch in angepasster Tätigkeit sei mit den dokumentierten
zerviko-radikulären
Beschwerden und Aus
fällen bis im Juni 2003 gut vereinbar. Spätestens ab August 2003 sei jedoch diese Symptomatik nicht mehr nachweisbar gewesen, so dass seither keine Befunde mehr vorliegen würden, welche aus rheumatologischer Sicht eine ganztägige Arbeitsunfähigkeit erklären würden. Zumutbar sei eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit mit einer
Belastungslimite
von 15 kg und ohne Notwendigkeit der län
ger dauernden Einnahme von Zwangshaltungen des Rückens und der Kniege
lenke (beim Knien, Kauern oder in der Hocke), dies ganztags. Allerdings bestehe eine Leistungsreduktion vom 15
%
aufgrund der Notwendigkeit von vermehrten Pausen, langsamerem Arbeitstempo und wegen sich kumulierenden Beschwerden im Tagesverlauf. Daraus ergebe sich eine zumutbare Arbeitsfähigkeit in ange
pas
ster Tätigkeit von aktuell etwa
85
%
.
Diese Arbeitsfähigkeit erscheine aufgrund der dokumentierten somatischen Befunde auch plausibel für die Zeit zwischen September 2003 und dem aktuellen Zeitpunkt (
Urk.
8/202/7). Die erzielten Testresultate seien insbesondere im Bereich der Neuropsychologie und der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit, ebenfalls im Rahmen der Abklärungen in der Ergotherapie und Physiotherapie von erheblichsten Inkonsis
tenzen geprägt gewesen, für die sich kein medizini
scher Erklärungsansatz finden lasse und die als bewusstseinsnahe Verzerrungen des Verhaltensmusters und des Antwortverhaltens gewertet werden müssten (
Urk.
8/202/10).
4
.2
Gemäss der Stellungnahme von
Dr.
Z._
vom 1
4.
Juli 2015
(
Urk.
8/267)
hat eine kürzlich durchgeführte MR-Untersuchung gezeigt, dass an der Halswirbel
säule fortgeschrittene degenerative Veränderungen mit dem Hauptbefund eine
r
schweren Spinalkanalstenose C3/4, C4/5 und C5/6 bestehen. Dies bestätige defi
nitiv, dass die Beschwerden im Nackenbereich eindeutig Folge degenerativer Veränderungen seien.
Laut seiner Einschätzung sollte der Beschwerdeführer zwar stundenweise einer Tätigkeit nachgehen können, dies sei aber nur in einem geschützten Rahmen möglich. Die Arbeitsfähigkeit betrage dabei höchstens 30
%
.
4
.3
Gemäss dem Schlussbericht Aufbautraining der
Arbeitsintegration
K._
vom 2
6.
Oktober 2015 (
Urk.
8/281) erschien der Beschwerdeführer zuverlässig und motiviert zur Arbeit. Die Absenzen hätten sich im Rahmen gehalten. Seine Arbeitsweise sei sorgfältig gewesen und er habe gute Arbeitstechniken gezeigt. Die Effizienz sei hingegen bei sämtlichen Tätigkeiten aufgrund der körperlichen Beschwerden und der eingeschränkten Konzentrationsfähigkeit stark reduziert
gewesen.
Zudem sei die Belastbarkeitsgrenze mit knapp vier Stunden erreicht oder gar überschritten worden, da der Beschwerdeführer oft nach zwei Stunden unter heftigen Schmerzen gelitten habe, Schmerzmittel habe einnehmen und ver
mehrt Pausen machen müssen. Aufgrund des kühleren Herbstwetters hätten die Schmerzen zugenommen und sich die Leistung weiter reduziert. Psychisch habe sich der Beschwerdeführer gegen das Ende des Arbeitstrainings durch Zukunfts
ängste belastet gefühlt, da er befürchtet habe, nicht mehr arbeiten zu können und sich dadurch wieder wertlos zu fühlen. Bezüglich der Deutschkennt
nisse und des Sozialverhaltens habe
er
Fortschritte gemacht. Eine Steigerung der Arbeitsfähig
keit sei nicht realistisch. Vielmehr wäre es eine grosse Leistung, wenn der Beschwerdeführer die derzeitige Arbeitsfähigkeit längerfristig aufrechter
halten könnte. Der gescheiterte Versuch auf dem ersten Arbeitsmarkt sei ein klarer Hin
weis, dass ein reguläres Anstellungsverhältn
is nicht mehr realistisch sei.
4
.
4
Laut dem Arztbericht von
Dr.
D._
vom 1
1.
Dezember
2015 (
Urk.
8/285/6-9) kann der Beschwerdeführer
von medizinischer Seite nicht wirksam therapiert werden.
Erträglicher
könne man die Schmerzen machen, indem
man den Beschwerdeführer versicherungsrechtlich gebührend entschädige, damit er ein möglichst sorgenfreies Leben führen könne. Es bestünden
chronifizierte
beein
trächtigende Schmerzen im Hintergrund eines
chronifizierten
Panvertebral
syn
droms
mit multisegmentalen degenerativen Veränderungen, bestehend seit Jah
ren, eine mindestens mittelgradige langdauernde Depression bei diversen Belas
tungen, Perspektivlosigkeit und langdauernden Unsicherheiten und Rechts
streit sowie eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung,
zur Zeit
leicht kom
pensiert durch sorgfältige Betreuungen.
Für die übrigen Diagnosen werde auf die behan
delnden Ärzte verwiesen.
Dem Beschwerdeführer seien seit mindestens zwei Jahren auf dem freien Arbeitsmarkt keine Tätigkeiten mehr zumutbar. Man könne ihn höchstens in geschütztem Rahmen beschäftigen im Umfang von 50
%
. In einer solchen Beschäftigung sei seine Leistung reduziert um etwa 30 bis 40
%
. Die Bemühungen des Beschwerdeführers um eine Stelle in der freien Wirtschaft seien ohne Chancen gewesen.
4
.
5
Laut dem Bericht von
Dr.
Z._
vom
9.
April 2017 (
Urk.
8/306/1-5) bestehen beim Beschwerdeführer ein chronisches
Zervikozephal
-,
Zervikovertebral
- und
Zervikospondylogen
-Syndrom (
radikul
äre
Begleitsymptomatik mög
lich) bei Mehrsegmentdegeneration der HWS mit schwerer Spin
alkanal
stenose C3/4, C4/5 und
C5/6 sowie Kniebeschwerden links bei medialer Gonarthrose sowie Status nach
Osteonekrose
am medialen
Femurkondylus
. Internistisch sei neu ein Diabe
tes mellitus Typ II bekannt. Zudem werde eine neurogen hyperaktive Blase vermutet. Im Frühjahr 2015 sei eine Potentialabklärung durchgeführt worden.
Gemäss deren Schlussbericht bestehe eine Einschränkung von 50-70
%
. Eine definitive Stellungnahme dazu liege nicht in
Dr.
Z._
s
fachlicher
Kompetenz.
4
.
6
Im Bericht vom 1
9.
April 2017 (
Urk.
8/307/4-6) führte
Dr.
D._
aus, der Beschwerdeführer sei seit Jahren aus dem Erwerbsleben entfernt lebend. Medizi
nisch-theoretisch könne er angepasste Tätigkeiten (leichtere, einfache körperliche Tätigkeiten) im Umfang von 30-40
%
nicht unter den Arbeits
marktbedingungen, sondern im geschützten Rahmen ausüben. Seine Leistungs
fähigkeit wäre in einer angepassten Tätigkeit etwas vermindert, möglicherweise im Umfang von etwa 40-50
%
. Die Prognose sei ungünstig. Das klinische Bild sei seit Jahren
chronifi
ziert
, es
bestehe versicherungsrechtlich
seit etwa zwei Jahren eine gewisse Ver
schlechterung. Die Arbeitsfähigkeit könne durch medizinische Massnahmen nicht verbessert werden. Der Beschwerdeführer habe eine hohe Motivation zum Arbei
ten. Sein Gesundheitszustand verhindere aber, dass er diese in der Praxis umset
zen könne.
Er
habe auch immer wieder gewisse familiäre Probleme und trage eine grosse Verantwortung für seine Grossfamilie.
4
.
7
Gemäss dem
Arztbericht von
Dr.
L._
vom
7.
Mai 2017 (
Urk.
8/309) bestehen
beim Beschwerdeführer
ein
e
undifferenzierte
seronegative
Spondyl
ar
thropathie
,
ein chroni
sches
cervicospondylogenes
Syndrom rechts sowie ein rezidivierendes
Lumbo
vertebralsyndrom
bei
/mit
DH C3/4, C4/5, C5/6, BWK11
Fx
alt., schwere Spinal
kanalstenose anamnestisch nach Autounfall 1995 und 2002 und Gonarthrose links. Die Schmerzen seien
chronifiziert
. Bis jetzt habe nur eine Stabilisation erreicht werden können. Der Beschwerdeführer sei bis auf Weiteres zu 70
%
arbeitsunfähig.
4
.
8
Gemäss dem polydisziplinären Gutachten des
M._
vom
5.
Februar 2018 (Urk. 8/334)
bestehen beim Beschwerdeführer folgende Diagnosen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
8/334/113-114):
1.
Beginnende Gonarthrose links und
osteochondrale
Läsion am medialen
Femurkondylus
links (Erstdiagnose 2011) mit belastungsabhängigen Knie
schmerzen
Genua
vara
von 6° beidseits
ICD-10 M17.5
2.
Depressive Störung in leicht- bis mittelgradigem Ausmass schwankend (ICD-10 F32.1)
3.
Chronisches und im Verlauf progredientes Ganzkörperschmerzsyndrom
Status nach Verkehrsunfall (Heckkollision) vom 02.01.2002 mit
kraniozervikalem
Beschleunigungs
t
rauma
mit HWS-Distorsion
ohne MTBI (keine leichte traumatische Hirnverletzung)
degenerative HWS-Veränderungen
schwere Spinalkanalstenose C3/4, C4/5 und C5/6
begleitende muskuläre
Dysbalance
am Schultergürtel beidseits
(
Trapezius
rechts mehr als links;
Rhomboidei
rechts und
Ste
r
nocleidomastoideus
rechts)
schwere
Foraminalstenosen
C3/4 links und C4 – C6 rechts
Verdacht auf intermittierende
radiculäre
Irritation
aktuell klinisch kein sicherer Nachweis eines
radikulären
Reiz- und Ausfallssyndroms
aktuell klinisch kein sicherer Nachweis einer zervikalen
Myelopathie
Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MÜKS)
Verdacht auf Schmerzfehlverarbeitung
Chronisches
Lumbovertebralsyndrom
, radiologisch nur initiale
degenerative Veränderungen, klinisch im Vordergrund
Ansatztendinose
im medialen Beckenkamm links mit
pseudoradikulärer
Ausst
r
ahlung ins
linke Bein
ICD-10 M54.5
4.
Neurogene hyperaktive Harnblase mit
Detrusorhyperaktivität
Differentialdiagnose bei zervikaler Spinalkanalstenose?
Sodann bestehen folgende
Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit
(
Urk.
8/334/114)
:
5.
Diffuse idiopathische
skelettale
Hyperostose
(DISH)
6.
Status nach BWK11-Fraktur anlässlich Autounfall 1995
7.
Spreizfüsse
8.
Hallux
valgus
beidseits
9.
Verdacht auf akzentuierte Persönlichkeitszüge mit narzisstischen Zügen (ICD-10 Z73.1)
10.
Mehrfaktoriell
bedingte geringe Testleistungen
11.
Status nach Verkehrsunfall 1995
mit
Rippenfrakturen und BWK11-Fraktur
12.
Status nach
Thoraxkontusionstrauma
mit Rippenfrakturen 2000
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer aus rheuma
tologi
scher Sicht arbeitsunfähig, da diese die zumutbare Belastung über
schreite. In einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit mit einer
Belastungslimite
von 15 kg, die adaptiert sei bezüglich der morphologischen Veränderungen an der Halswir
belsäule und am linken Kniegelenk
,
werde eine
höhergradige
Arbeitsfähig
keit
bestätigt. Tätigkeiten längerdauernd oder wiederholt in
reklinierter
oder flektier
ter Haltung der Halswirbelsäule sowie auch Belastungen des linken Kniegelenkes, im Sinne
von Zwangshaltungen, flektiert
oder in der Hocke oder verbunden mit wiederholtem Treppensteigen oder Arbeiten auf Leitern oder Gerüsten seien dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar. In einer entsprechend diesen Angaben adaptieren leichten bis mittelschweren Tätigkeit, mit einer
Belastungslimite
von 15 kg, bestehe aus gutachterlicher rheumato
logischer Sicht, unter Berücksichti
gung eine
r
Leistungseinschränkung, noch eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
.
Die höhere Einschränkung gegenüber dem rheumato
logischen Teilgutachten vom 2
0.
März 2014 begründe sich daher, dass entspre
chend der MRI-Abklärung vom 2
2.
Juni 2015 erhebliche degenerative Veränderungen gefunden worden seien, die als somatischer Kern der Beschwer
den zu werten seien. Es handle sich im Vergleich zu früheren Aufnahmen um eine Progredienz, weshalb dies aus rheu
matologischer Sicht auch eine entsprechende Berücksichtigung bei der Beurtei
lung der Arbeits- und Leistungs
fähigkeit finde. Nicht berücksichtigt sei dabei die Schmerzfehl
verarbeitung. Entsprechend den Angaben im rheumatologischen Teilgutachten vom 2
0.
März 2014, die auch aus aktueller Sicht bestätigt werden könnten, sei von einer Arbeitsfähigkeit von 85
%
in einer adaptieren Tätigkeit auszugehen (unter Berücksichtigung der eingeschränkten Leistungsfähigkeit) bis zur erwähnten MRI-Untersuchung im Juni 2015, seither gelte die höhere Ein
schränkung im Sinne einer noch zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 70
%
in einer adaptierten Tätigkeit (
Urk.
8/334/116-117).
Bei der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) seien infolge beobachteter erheblicher Symptomausweitung die Resultate der physischen Leis
tungstests für die Beurteilung der zumutbaren Belastbarkeit nur teilweise verwertbar gewesen. Es sei davon auszugehen, dass bei gutem
Effort
eine etwas bessere Leistung erbracht werden könnte. Die gezeigten Leistungen hätten in keiner Art und Weise den Anforderungen der Tätigkeit im Hausdienst entspro
chen, welche als mittelschwer eingeschätzt werde.
Sie
entsprächen knapp einer sehr leichten bis leichten Arbeit. Eine abschliessende Beurteilung der Zumutbar
keit sei aufgrund der erheblichen Symptomausweitung nicht möglich. Grundsätz
lich sei dem Beschwerdeführer zu empfehlen, seine körperlichen Aktivitäten zu verstärken, um einer weiteren
Dekonditionierung
vorzubeugen (
Urk.
8/334/117-118).
Aus psychiatrischer Sicht habe sich ergeben, dass der Beschwerdeführer aufgrund des depressiven Zustands vermindert belastbar sei. Die Affektivität schwanke allerdings im Ausmass. Es habe bisher nie ein schwerer depressiver Zustand bestanden. Es würden Schwankungen in leicht bis mittelstarkem Ausmass ange
nommen. Es sei deshalb davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer nicht in
der Lage sei, Tätigkeiten
unter
hohem Zeitdruck auszuüben.
Er könne keine Ver
antwortung übernehmen und benötige längere Erholungsphasen, da er schneller erschöpft und kognitiv stärker beeinträchtigt sei. Es sei daher in einer derartigen Tätigkeit von einer 40%igen Einschränkung auszugehen. Der Beginn der Beein
trächtigung sei schwierig festzuhalten. Es sei bereits in der beruflichen Abklärung im Jahre 2015 eine Beeinträchtigung angenommen worden, weswegen der August 2015 als Beginn angenommen werden könne. Es könne keine angepasste Tätigkeit genannt werden, in der der Beschwerdeführer eine höhere Leistung erbringen könne. Im Vergleich zur Begutachtung der Rehaklinik
J._
wirke der Beschwerdeführer stärker depressiv. Der Verlauf zeige aber Schwankungen, weshalb der heutige Zustand im Rahmen des Verlaufs interpretiert werden könne (
Urk.
8/334/119).
Eine eigenständige neuropsychologisch bedingte Einschränkung der Arbeits
fä
higkeit könne dem Beschwerdeführer nicht attestiert werden. Die verminderte Leistungsfähigkeit sei Ausdruck des körperlich und psychisch beeinträchtigten Befindens (
Urk.
8/334/120).
Aus neurologischer Sicht
sei dem Beschwerdeführer aufgrund der schweren degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule, welche zeitweise wahr
schein
lich auch zur Irritation der austretenden Nervenwurzeln
geführt hätten
, eine kör
perlich schwere bis mittelschwere Arbeit nicht zumutbar. Die ange
stammte Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer grundsätzlich nicht mehr zumutbar.
Der chronologische Verlauf der Arbeitsunfähigkeit in der angestamm
ten Tätigkeit sei retrospektiv schwierig zu beurteilen. Die Heterogenität der Beurteilungen hänge wahrscheinlich von der unterschiedlichen Beurteilung der Leistungs
fähigkeit des Beschwerdeführers ab. Auch anlässlich der aktuellen neurologischen Abklärung habe sich ein uneinheitliches Bild gezeigt, mit zweifellos vorhandenen Zeichen der Selb
stlimitierung und Verdeutlichung. Diese seien aber nicht einer eigentli
chen Aggravation zuzuschreiben, sondern einer im Verlauf zunehmenden Schmerzfehlverarbeitung. Arbiträr müsse davon ausgegangen werden, dass die angestammte Tätigkeit seit dem Unfall vom
2.
Januar 2002 nicht mehr zumutbar sei, wobei anfänglich unfallkausale Faktoren wohl massgeblich gewesen seien. Die von Anfang an als unfallfremder Faktor vorhandenen degenerativen Verän
derungen der Halswirbelsäule seien als massgeblicher Faktor für die Arbeitsunfä
higkeit in der angestammten Tätigkeit im Verlauf zunehmend in den Vordergrund getreten.
Zumutbar sei aus neuro
logischer Sicht eine körperlich
angepasste Tätigkeit, mit Begrenzung auf intermittierende leichte Trage- und Hebebelastun
gen ohne repetitive Überkopf
stellung der Arme und ohne Körperzwangshaltun
gen (wechsel
belastende Arbeit im Sitzen, Stehen und Gehen). Eine solche Tätig
keit sei aus neurologischer Sicht zu 60
%
zumutbar, wobei eine zusätzliche Leis
tungseinschränkung zu berücksichtigen
sei, so dass sich gesamthaft eine zumut
bar
e
Arbeits-/Leistungsfähigkeit von 50
%
in angepasster Tätigkeit ergebe. Die Leistungseinschränkung begründe sich mit einem beschwerdebedingt vermehrten Pausenbedarf. Der chronologische Verlauf der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit sei schwierig rekonstruierbar. Arbiträr könne für eine angepasste Tätig
keit aus neurologischer Sicht eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit nach dem Unfall vom
2.
Januar 2002 für die Dauer eines Jahr
e
s angenommen werden. Danach (ab Januar 2003) sei der genannte Grad einer 50%igen Arbeits-/Leistungsfähigkeit anzunehmen. Diese Einschätzung sei naturgemäss mit
Unschärfen
behaftet, bezüglich der degenerativen Verände
rungen sei im Verlauf der Jahre von einer langsamen Zustandsver
schlechterung auszugehen. Andererseits dürfte sich auch die Schmerzverar
beitungsstörung im Verlauf verfestigt und verschlechtert haben.
Möglicherweise habe anfänglich (ab Januar 2003) rein somatisch noch eine höhere Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit bestanden, die
s
könne retrospek
tiv nicht differenziert werden. Aus
gehend von der jetzigen Befunderhebung gelte die genannte Einschätzung einer Arbeits-/Leistungsfähigkeit von 50
%
in ange
passter Tätigkeit, arbiträr sei
der
Beginn derselben ab Januar 2003 anzunehmen (
Urk.
8/334/121-123).
Gesamtmedizinisch sei festzuhalten, dass eine komplexe medizini
sche Situation bestehe. Aktuell
sei aufgrund der schweren degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule eine körperlich schwere bis mittelschwere Arbeit nicht mehr zumutbar.
In einer adaptierten Tätigkeit bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Arbiträr sei der Beginn derselben ab Januar 2003 anzunehmen (
Urk.
8/334/124-125).
4
.
9
Gemäss der Stellungnahme von RAD-Arzt
Dr.
med.
Q._
, Orthopädische Chirurgie FMH, vom 2
6.
Februar 2018 (
Urk.
8/360/7-8) beruht das Gutachten des
M._
auf eigenen Untersuchungen, erscheine schlüssig, umfas
send und berücksichtige die gesamte Aktenlage. Es könne deshalb darauf abge
stellt werden.
4
.
10
Am 1
5.
Oktober 2018 (
Urk.
8/357) nahmen die Ärzte des
M._
Stellung zu wei
teren
neu
eingegangenen Arztberichten. Der Neurologe
Dr.
med.
R._
führte aus, aufgrund der zwischenzeitlich durchgeführten MRI-Verlaufsuntersuchung der HWS ergebe sich aus neurologischer Sicht keine Veränderung der im Gutachten vorgenommenen Beurteilung. Es sei daran fest
zuhalten, dass dem Beschwerdeführer eine leidensangepasste Tätigkeit zu 50 % zumutbar sei. Da das Risiko einer Verschlechterung bestehe, seien Verlaufsunter
suchungen notwendig. Diese seien aber Gegenstand der ärztlichen Behandlung und nicht der
gutachterlichen Beurteilung. Falls eine Verschlech
terung ersichtlich wäre, sei bei Bedarf eine gutachterlich
e
Reevaluation
vorzu
nehmen.
5.
5.1
Die Parteien gehen übereinstimmend davon aus, dass der Beschwerdeführer Anspruch auf eine halbe Invalidenrente hat. Dies
es Ergebnis
stimmt mit der Aktenlage überein, insbesondere mit dem Gutachten des
M._
vom
5.
Februar 2018 (Urk. 8/334)
, welches
die
Anforderungen erfüllt und auf das abgestellt wer
den kann
(vgl. E. 1.3 und 1.4)
. Strittig und zu prüfen ist die Frage, ab welchem Zeitpunkt der Beschwerdeführer Anspruch auf die halbe Invalidenrente hat. Die Beschwerde
gegnerin stellt sich auf den Standpunkt, der Anspruch bestehe erst ab dem
1.
Juni 2016, während der Beschwerdeführer geltend macht, d
ie Rente sei ihm ab dem 1.
Januar 2003 zuzusprechen.
5.2
Es ist festzuhalten,
dass
ü
ber den Verlauf der Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers
seit dem Unfall vom
2.
Januar 2002
unterschiedliche Einschätzungen bestehen
, wobei sich die Ärzte vor allem bezüglich der Frage nicht einig sind, wie das Verhalten des Beschwerdeführers
in Bezug auf den Umgang mit seinen Schmerzen
zu beurteilen ist bzw. war.
Immerhin
ist in diesem Zusammenhang
festzuhalten, dass die Beurteilungen insofern grösstent
eils einhellig sind, als
im Verhalten des Beschwerdeführers gewisse Inkonsisten
zen bestehen und Selbst
li
mitierungen zu beobachten
sind
.
Ebenso
zeigte der Beschwerdeführer
bezüglich der Schmerzen demonstrative Verhaltensweisen.
5.3
Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich hat im Urteil vom
2
7.
Februar 2009 (
Proz.Nr
. IV.2007.01440,
Urk.
8/97) festgehalten, dass das Gutach
ten des
G._
vom 3
1.
Januar 2007
(
Urk.
8/68) bezüglich der Beurteilung der Arbeits
fä
higkeit aus somatisch-medizinischer Sicht die gestellten Fragen umfassend beantworte und es angesichts des vorhandenen Beschwerdebildes und den medi
z
inischen
Vorakten
nicht zu beanstanden sei, dass bei der Begutachtung auf ein
e
spezialärztliche neurologische und neuropsychologische A
bklärung verzichtet worden sei (
Urk.
8/97/12 E. 3.1).
Das Gericht teilte mithin die Ansicht der Gut
achter des
G._
, dass das Ganzkörperschmerzsyndrom
(aus somatischer Sicht)
keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. Die Ärzte des
G._
hatten
fest
ge
halten
, der Beschwerdeführer
gebe ein diffuses, den ganzen Körperstamm betref
fendes Schmerzbild an, für welches sich weder klinisch noch radiologisch ein plausibles und pathologisch-anato
misch definiertes Korrelat finden lasse. Die vom Beschwerdeführer vorge
führten Bewegungseinschränkungen seien unter gesprächsweiser Ablen
kung nicht mehr sichtbar, die Angaben blieben inkonstant.
Objektiv lasse sich keine Funktions
behinderung der Wirbelsäule oder der Extre
mitäten feststellen
(Urk.
8/68/17-18).
Laut des im Rahmen der polydisziplinären Begutachtung durch die Rehaklinik
J._
erstellten rheumatologischen Teil
gutachtens von
Dr.
med.
S._
, FMH Rheumatologie und FMH Innere Medi
zin, leitender Arzt der Klinik für Rheumatologie des Universitätsspitals
A._
, vom 2
0.
März 2014 (Urk. 8/202/94-202)
bestand
für eine leichte bis mittel
schwere Tätigkeit mit einer
Belastungslimite
bei 15 kg und ohne Notwendigkeit der längerdauernden Einnahme von Zwangshaltungen des Rückens und der Knie
gelenke eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Allerdings müsse aufgrund von vermehr
ten Pausen, langsa
merem Arbeitstempo und wegen sich kumulierenden Beschwerden im Tages
verlauf eine Leistungsreduktion von 15
%
geltend gemacht werden. Daraus ergebe sich eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 85
%
. Dieser Grad der Arbeitsfähigkeit erscheine aufgrund der dokumentierten somatischen Befunde auch plausibel für die Zeit zwischen September 2003 und jetzt (
Urk.
8/202/110-111).
Das
M._
-Gutachten vom
5.
Februar 2018 widerspricht in seinem rheumatologischen Teil der Einschätzung von
Dr.
S._
nicht. Es attestiert dem Beschwerdeführer aber eine höhere Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit
, welche auf 70
%
für adaptierte leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit einer
Belastungslimite
von 15 kg beziffert wird. Die höhere Einschränkung im Vergleich zu den Angaben im rheumatologischen Teilgutachten vom 2
0.
März 2014 begründe sich daher, dass entsprechend der MRI-Abklärung der Halswirbel
säule vom 2
2.
Juni 2015 erhebliche degenerative Veränderungen gefunden wor
den seien, die als somatischer Kern der Be
schwerden zu werten seien (Urk.
8/224/45-46). Demgegenüber wird im neurologischen Teil des
M._
-Gutachtens festgehalten,
die
Einschätzung
im Gutachten der Rehaklinik
J._
könne nicht bestätigt werden. In dieser Einschätzung seien wohl wesentlich die beobachteten Inkonsistenzen
mit Hinweisen auf Verdeutlichungstendenz miteingeflossen. Diese dürften aber nicht über den namhaften organischen Beschwer
de
kern hinwegtäuschen; die schweren degenerativen Veränderungen der Hals
wirbelsäule, mit schwerer Spinalkanalstenose und
Ne
uroforami
nalste
nosen
, welche z
eitweise auftretende Nervenwurzelirritationen plausibi
lisierten (wenn
gleich im Rahmen der Begutachtung nicht nachweisbar), führten auch in einer angepassten Tätigkeit zu einer Einschränkung der Arbeits-/Leistungs
fähigkeit von insgesamt 50
%
.
5.4
Übereinstimmend mit der Beschwerdegegnerin ist festzuhalten, dass sich auf
grund der Beurteilung im Gutachten des
M._
vom
5.
Februar 2018 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darauf schliessen lässt, dass der Beschwerde
führer seit dem
1.
Januar 2003 in behinderungsangepasster Tätigkeit lediglich zu 50
%
arbeitsfähig gewesen ist.
Laut dem Gutachten ist der Beginn der von ihnen
auf 50
%
eingeschätzten Arbeitsfähigkeit in behinderungs
angepasster Tätigkeit
«
a
r
biträr
»
ab Januar 2003 anzunehmen (
Urk.
8/334/123). Der Sinn des Wortes «arbiträr» bedeutet tatsächlich
-
wie von der Beschwerdegegnerin ausgeführt
–
«
dem Ermessen überlassen, beliebig; nach Ermessen, willkürlich
» und zeugt von den
von den
Gutachtern
selber
festgestellten Unsicher
heiten und Unklarheiten bezüglich des Verlaufs der Arbeitsfähigkeit.
Aus dem
Gutachten geht hervor, dass mit
arbiträr wohl auch gemeint ist, dass damit ein Mittelweg zwischen den ver
schied
enen
im Verlauf der Zeit erstellten
Beurteilungen gewählt wird, welche teil
weise von einer höheren und teilweise von einer geringeren Einschränkung der Arbeits
fähigkeit ausgehen.
Mit der Einschätzung einer dauerhaften Arbeitsunfä
higkeit von 50
%
in behinderungsangepassten Tätigkeit seit dem
1.
Januar 2003 setzen sich d
ie Gutachter des
M._
aber insoweit
zur eigenen Beurteilung in einen Widerspruch, als
sie an verschiedenen Stellen festhalten, dass eine Verschlechterung des Gesundheitszustands eingetreten
sei
und sie ausserdem auch im Jahr 2002 noch nicht gestellte Diagnosen in die Gesamteinschätzung der Arbeitsfähigkeit einfliessen lassen.
Für eine während all den Jahren gleich gebliebene Arbeitsunfähigkeit spricht sodann auch, dass laut der Einschätzung der Gutachter des
M._
die festgestellten degenerativen Veränderungen an der Halswirbelsäule eine wesentliche Rolle spielen, degeneratives Geschehen aber nicht für einen während Jahren unveränderten, sondern einen sich kontinuierlich verschlechternden Gesundheitszustand spricht.
5.5
Das Gutachten der
M._
enthält nach dem Gesagten keine
konkrete
n
Indizien
, welche
(rückblickend)
gegen die Zuverlässigkeit
des Gutachtens der Rehaklinik
J._
vom 23. April 2014 sprechen.
Es ist daher davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
damals
zwar in seiner angestammten Tätigkeit als Hausdienst
mitarbeiter in einem Spital nicht mehr arbeitsfähig
war
, ihm aber
die Ausübung
eine
r
leichte
n
bis mittelschwere
n
Tätigkeit
entsprechend dem definierten Belas
tungsprofil (E. 4.1) zu 85 % zumutbar war.
Ab Juni 2015 kann die Verschlechte
rung des Gesundheitszustandes als erstellt gelten.
5.6
Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass es nicht zu beanstanden ist
und mit der Aktenlage übereinstimmt
, dass die Beschwerdegegnerin
den Eintritt der 50%igen Arbeitsunfähigkeit in behinderungsangepasster Tätigkeit auf Juni 2015 festgelegt
hat.
Dabei hat sie jedoch offenbar übersehen, dass der Beschwerdefüh
rer in seiner angestammten Tätigkeit
spätestens seit der rheumatologischen Untersuchung von Dr.
S._
am 17. Januar 2014
nicht mehr arbeitsfähig ist
, weshalb das Wartejahr (Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG) bereits abgelaufen war.
Die
Anspruch
ssetzungen
für
eine halbe Invalidenrente
wären
in Anwendung von
Art.
28
Abs.
1 IVG
somit bereits ab Juni 2015 erfüllt. Gemäss Art. 29 Abs. 2 IVG
entsteht der Rentenanspruch jedoch nicht, solange die versicherte Person
im Rah
men von Eingliederungsmassnahmen ein Taggeld (Art. 22 IVG) beanspruchen kann.
Der Beschwerdeführer bezog bis zum Abschluss des Aufbautrainings bei der
K._
am 24. November 2015 ein IV-Taggeld (vgl. Urk. 8/262, 8/281 und 8/283). In Anwendung von Art. 29
Abs. 2 und Abs. 3
IVG besteht demnach ab dem 1. November 2015 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
In diesem Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
6.
6.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist abweichend
von Art. 61
lit
. a ATSG das Be
schwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige
rung von IV-Leistungen vor dem kan
to
nalen Versicherungsgericht kosten
pflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert im Rahmen von 200
1000 Franken festgelegt.
Der Beschwerdeführer obsiegt im Vergleich zum angefochtenen Entscheid in dem Sinne, dass er ab
1.
November 2015 (anstatt
1.
Juni 2016
) Anspruch auf eine Rente hat. Mit seinem Antrag auf eine Rente bereits ab
1.
Januar 2003
unterliegt er hingegen
zu einem grossen Teil
. Die Gerichtskosten sind den Parteien anteils
mässig aufzuerlegen. Es rechtfertigt sich daher, sie dem Beschwerdeführer zu
sieben Achteln (
Fr.
7
00.--)
und
der Beschwerdegegnerin zu
einem Achtel (Fr.
1
00.--)
aufzuerlegen.
6.2
Dem
anwaltlic
h vertretenen Beschwerdeführer
steht gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG und
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht eine entsprechend reduzierte Prozessentschädigung zu, welche ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen und auf
Fr.
500
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwert
steuer) festzusetzen ist.