Decision ID: 40d52c08-5b43-4642-a1ad-5c461e62917d
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich erstmals im September 2006 wegen Morbus Dupuytren zum
Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 2). Am 17. Oktober 2007 zog er seine Anmeldung
vorbehaltlos zurück (IV-act. 27). Im Juli 2011 meldete sich der Versicherte zum zweiten
Mal zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 29). Er gab an, seit dem 15. April 2011
wegen Lähmungserscheinungen im rechten Bein voll arbeitsunfähig zu sein. Er habe
lediglich die Primarschule besucht und keinen Beruf erlernt. Zuletzt sei er zu 50 bis 100
% als Koch im Hotel B._ tätig gewesen.
A.b Das Hotel B._ berichtete der IV-Stelle am 8. August 2011 (IV-act. 51), dass es
den Versicherten seit September 2009 als Aushilfskoch beschäftige. Dessen Arbeitszeit
sei vor Eintritt des Gesundheitsschadens variabel gewesen. Die allgemeine Arbeitszeit
im Betrieb betrage 42 Stunden pro Woche. Der Versicherte sei seit dem 12. April 2011
zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben. Sein Stundenlohn habe sich auf Fr. 24.02 (inkl.
13. Monatslohn, ohne Ferien- und Feiertagsentschädigung) belaufen.
A.c Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 27.
November 2011 (IV-act. 65), dass der Versicherte seit Jahren an einem
Alkoholabhängigkeitssyndrom (ICD-10: F10.2) und an einer Polyneuropathie,
wahrscheinlich alkoholtoxisch, leide. Der Versicherte befinde sich seit dem 10. Mai
2011 bei ihm in Behandlung. Nach dem Initialkontakt habe er selber einen
Alkoholentzug durchgeführt. Es bestünden Schädigungen/Funktionsstörungen des
Antriebs und des Willens, der Verhaltensmuster, der Merkfähigkeit, des
Kurzzeitgedächtnisses, des Realitätsbewusstseins und der Selbsteinschätzung. Vom
10. Mai 2011 bis 30. August 2011 sei der Versicherte in seiner angestammten Tätigkeit
als Koch zu 100 % und ab dem 31. August 2011 zu 75 % arbeitsunfähig gewesen. Seit
dem 27. Oktober 2011 sei er aus psychiatrischer Sicht wieder voll arbeitsfähig. Die
Stelle als Koch sei aufgrund der Suchtproblematik und der Stressfaktoren sicherlich
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ungünstig. Die neurologische Symptomatik sollte von somatischen Ärzten beurteilt
werden. Erst wenn diese keine Erklärung für die Symptomatik finden würden, wäre an
eine dissoziative Störung zu denken. Dem Bericht von Dr. C._ lag ein Bericht des
Spitals D._ über eine Hospitalisation vom 12. bis 15. April 2011 bei (IV-act. 65-11 ff.).
Die Diagnosen hatten u.a. gelautet:
- Kraft- und Sensibilitätsminderung rechte Hand/rechter Fuss/Bein unklarer Ätiologie;
- Anpassungsstörung mit protrahierter depressiver Episode;
- dissoziative kombinierte Konversionsstörung (Persönlichkeitsstörung mit dissozialen
und narzisstischen Zügen);
- COPD Gold III;
- Status nach Alkoholabusus (sistiert seit 13 Jahren).
Die Klinikärzte hatten erklärt, dass die Zuweisung wegen einer Schwäche und
Sensibilitätsminderung der rechten Hand und des rechten Unterschenkels/Fusses
erfolgt sei. Ein cCT sowie ein cMRI hätten keine relevanten Pathologien gezeigt. Die
sensomotorischen Defizite seien zudem nicht aufgetreten, wenn der Versicherte
abgelenkt worden sei. Aufgrund des Verdachts auf eine psychosomatische
Komponente sei das Psychiatrische Zentrum E._ konsultiert worden, welches einen
Verdacht auf eine psychische Dekompensation angegeben habe. Die
sensomotorischen Defizite hätten beim Austritt nicht mehr bestanden.
A.d Dr. med. F._, Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 10. Januar 2012 (IV-act.
74), dass der Versicherte seit April 2010 auf dem freien Arbeitsmarkt nicht mehr
vermittelbar sei. Eine Besserung der medizinischen Situation sei nicht zu erwarten. Als
einschränkende Faktoren nannte er die psychiatrischen Leiden und die fortgeschrittene
COPD. Einem beigelegten Bericht der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St.
Gallen (KSSG) vom 24. November 2011 (IV-act. 74-7 ff.) war zu entnehmen, dass sich
weder klinisch-neurologisch noch elektrophysiologisch Hinweise auf eine Neuropathie
der zum rechten Bein führenden Nerven hätten finden lassen. Die sockenförmige
Hypästhesie des rechten Beines habe klinisch nicht objektiviert werden können.
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Insbesondere hätten sich in der Einzelkraftprüfung keine Paresen oder Hinweise auf ein
abgelaufenes zentrales Geschehen finden lassen. Der irreguläre Halte- und
Aktionstremor sei eventuell auf den jahrelangen, schädlichen Alkohol- und
Benzodiazepingebrauch zurückzuführen und trete anamnestisch nur bei Nervosität auf.
A.e Am 7. Februar 2012 wurde der Versicherte im Auftrag der IV-Stelle und der
Krankentaggeldversicherung bidisziplinär (orthopädisch und psychiatrisch) untersucht
(Fremdakten). Die orthopädische Gutachterin Dr. med. G._ gab die folgenden
Diagnosen an:
- Fehlstatik der Wirbelsäule, Haltungsinsuffizienz, verschmächtigte Rumpfmuskulatur;
deutlich eingeschränkte Funktionen in allen drei Abschnitten; kein
nervenwurzelbezogenes neurologisches Defizit; beidseits erheblich verkürzte
Ischiokruralmuskulatur;
- Status nach Operation beider Hände bei Morbus Dupuytren; rechts schmerzhaftes
Rezidiv, aber freie Funktionen; beidseits erhaltene grobe Kraft;
- Status nach operativer Versorgung einer Calcaneusfraktur rechts;
- eigentümliches Gangbild ohne orthopädisches Korrelat.
Die Gutachterin erklärte, dass sie bezüglich der Beinproblematik weder ein
eigenständiges Krankheitsbild habe erheben noch ein solches ausschliessen können.
Es lägen zahlreiche Befunde bei Dekonditionierung vor. Bei freien Funktionen der
grossen und kleinen Gelenke der oberen/unteren Extremitäten und weitgehend
altersentsprechenden Einschränkungen der Wirbelsäule in allen drei Abschnitten ohne
nervenwurzelbezogenes neurologisches Defizit bestehe ab sofort eine 100 %ige
Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten, bestenfalls sitzenden Tätigkeit. Im Laufe
der Zeit werde auch eine wechselbelastende, mittelschwere Tätigkeit wieder möglich
sein. Die ausschliesslich gehende/stehende Tätigkeit (als Kochaushilfe) mit nach vorne
geneigtem Körper sei dem Versicherten auf Dauer nicht mehr zumutbar. Aufgrund des
kurzschrittigen und unsicheren Gangbildes seien auch Arbeiten in Räumen mit
Rutschgefahr zu vermeiden. Der psychiatrische Gutachter Dr. med. H._ erklärte, dass
der Versicherte bei der Untersuchung psychopathologisch unauffällig gewesen sei. Es
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lägen keine Anhaltspunkte für ein psychiatrisches Leiden von Krankheitswert vor. Der
Versicherte leide an einer chronischen Alkoholkrankheit (F10.25) und an einer
Gehstörung mit Verdacht auf alkoholbedingte (neurotoxische?) Spätfolgen. Eigentlich
habe er gute emotionale Ressourcen. Seine gute affektive Grundstimmung ziehe sich
durch sein Leben. Der Versicherte bezeichne sich als Optimist und sei zu starken
Willensanstrengungen fähig. Ferner habe er ein gutes soziales Beziehungsnetz und sei
fähig, langjährige und gute partnerschaftliche Beziehungen zu führen. In den letzten
zwei, drei Jahren habe er nur noch einen mässigen, sozial verträglichen
Gelegenheitsalkoholkonsum betrieben. Aus rein psychiatrischer Sicht sei der
Versicherte in seiner Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt.
A.f RAD-Arzt Dr. med. I._ notierte am 29. März 2012 (IV-act. 78), gestützt auf das
Gutachten könne nachvollzogen werden, dass der Versicherte in seiner angestammten
Tätigkeit als ungelernter Koch zu 100 % und in einer adaptierten Tätigkeit zu 0 %
arbeitsunfähig sei. Eine neurologische Begutachtung der Beinsymptomatik sei
aufgrund der klaren Auskunft der Klinik für Neurologie des KSSG nicht notwendig. Das
Suchtgeschehen werde auf niedrigem Niveau ohne relevante Auswirkung
weiterbetrieben, weshalb keine Auflage notwendig sei. Am 17. April 2012 teilte die IV-
Stelle dem Versicherten mit, dass er keinen Anspruch auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen habe, da er bei der Stellensuche aus gesundheitlichen
Gründen nicht eingeschränkt sei (IV-act. 86).
A.g Auf Nachfrage erklärte das Hotel B._ am 16. Juni 2012, dass der Versicherte
heute ohne gesundheitliche Beeinträchtigung in einem 100 %-Pensum brutto Fr.
4‘172.-- pro Monat verdienen würde (IV-act. 92).
A.h Mit Vorbescheid vom 30. Juli 2012 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten bei
einem IV-Grad von 0 % die Abweisung des Rentengesuchs an (IV-act. 99). Zur
Begründung führte sie an, dass der Versicherte in seiner angestammten Tätigkeit zwar
zu 100 % arbeitsunfähig sei. In einer adaptierten, leichten Tätigkeit sei er jedoch voll
arbeitsfähig und in der Lage, das bisherige Einkommen von Fr. 54‘236.-- zu erzielen
(vgl. IV-act. 94). Am 5. August 2012 liess der Versicherte einen Einwand gegen den
Vorbescheid erheben (IV-act. 104). Am 27. September 2012 reichte sein
Rechtsvertreter einen Bericht von Dr. med. J._, Facharzt für Psychiatrie und
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Psychotherapie FMH, vom 17. August 2012 ein (IV-act. 109). Dieser hatte als
Diagnosen eine leichte kognitive Störung (F06.7), vermutlich als dementieller Prozess
nach langjährigem Alkoholabusus, eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
dissozialen, unreifen und narzisstischen Anteilen (F61.0), ein larviertes (sich über den
Körper zeigendes), mittelgradiges depressives Zustandsbild (F32.11) und einen
anamnestisch langjährigen Alkoholabusus, zurzeit Konsum mit Mass (F10.24),
angegeben. Dr. J._ hatte erklärt, es sei merkwürdig, dass Dr. H._ von einer
somatischen Ursache der Gangstörungen ausgehe, während die somatischen Ärzte die
Ursache im psychiatrischen Bereich sähen. Für eine psychiatrische Ursache spreche,
dass schon einmal eine psychogene Lähmungserscheinung aufgetreten sei. Zudem
seien die Gangbeschwerden nach einer „Mobbingsituation" am Arbeitsplatz
aufgetreten. Bei einer oberflächlichen Befunderhebung zeige sich der Versicherte
psychiatrisch tatsächlich unauffällig. Dieser Befund stehe jedoch in krassem
Widerspruch zur Gangstörung, zur sozialen Situation und zur Anamnese. Psychogene
Lähmungserscheinungen im Sinne einer Konversionsstörung seien selten und könnten
unterschiedliche Ursachen haben. Beim Versicherten sehe er die Konversionsstörung
als seltenen Ausdruck einer larvierten Depression. Hierbei handle es sich um eine
Hilflosigkeit, die sich über den Körper ausdrücke. Das Gutachten von Dr. H._ sei
oberflächlich und unprofessionell. Schon die Art und Weise, wie er beim Versicherten
die gesunden Anteile fast überdeutlich betont habe, lasse vermuten, dass es sich hier
um ein Gegenübertragungsphänomen handle: Dr. H._ habe sich von den
Schilderungen des Versicherten hinreissen lassen und dabei die fachlich objektive
Sicht vernachlässigt. So habe er beispielsweise erklärt, der Versicherte habe keinerlei
psychosozialen Probleme. Von aussen betrachtet bestünden jedoch ganz viele
psychosoziale Probleme, beispielsweise die Arbeitsunfähigkeit, die finanziellen
Probleme, die körperlichen Einschränkungen, die ungewisse gesundheitliche und
berufliche Zukunft und die grosse „Patchwork-Familie“, die hohe soziale
Anforderungen stelle. Diese Fakten deuteten darauf hin, dass der Versicherte seine
Probleme gut verleugnen, verdrängen oder abspalten könne. Wenn diese
„psychologischen Abwehrstrategien“, die im kleinen Rahmen ganz normal seien, derart
mächtig würden, dass die Diskrepanz zwischen dem Gesagten und den Fakten oder
der Handlung offensichtlich sei, spreche man von einer schweren
Wahrnehmungsstörung. Diese gehe beim Versicherten in Richtung dissozial, unreif und
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narzisstisch. Diese Annahme decke sich mit der Anamnese. Der Versicherte sei
jahrelang obdachlos gewesen, habe von der Sozialhilfe gelebt und daneben Kinder und
eine geschiedene Ehefrau gehabt. Auch die langjährige Alkoholsucht sei ein deutlicher
Hinweis für eine gestörte Wahrnehmung im Sinne einer Persönlichkeitsstörung.
Schliesslich seien im Mini-Mental-Test kognitive Defizite nachgewiesen worden (25 von
30 Punkten). Alle Diagnosen zusammen ergäben ein psychiatrisch höchst auffälliges
Bild. Da wegen der kognitiven Defizite und der Persönlichkeitsstörung mit der
Uneinsichtigkeit über die Depression keine Compliance gegeben sei, sei die Krankheit
nicht behandelbar. Der Versicherte sei auch in einer leidensadaptierten Tätigkeit
mindestens zu 70 % arbeitsunfähig. Die kognitive Störung und die
Wahrnehmungsstörung im Sinne einer Persönlichkeitsstörung seien willentlich nicht
beeinflussbar.
A.i RAD-Arzt Dr. med. K._ notierte am 20. Februar 2013 (IV-act. 119-3), auf die
Ausführungen von Dr. med. J._ könne nicht abgestellt werden, da er die geltend
gemachte kognitive Einschränkung ausschliesslich als Folge des Alkoholkonsums mit
gar dementieller Entwicklung betrachte, ohne eine differentialdiagnostische Abwägung
beispielsweise gegenüber dem Benzodiazepineinfluss vorgenommen zu haben.
Dementielle Symptome seien von keinem anderen Psychiater beschrieben worden.
A.j Am 9. Juli 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act. 125), dass sie eine
Begutachtung durch die ABI Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH (ABI) vorsehe. Der
Versicherte lehnte eine Begutachtung durch diese Gutachterstelle ab (IV-act. 126). Mit
Zwischenverfügung vom 18. Juli 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie
am ABI als Abklärungsstelle festhalte (IV-act. 130). Der Versicherte erhob eine
Beschwerde gegen diese Verfügung, zog diese aber am 4. Juni 2014 zurück (IV-act.
151-3). Am 22. und 27. Oktober 2014 wurde der Versicherte durch das ABI
polydisziplinär (allgemein-internistisch, orthopädisch, psychiatrisch, neurologisch,
neuropsychologisch und pneu¬mologisch) begutachtet (Gutachten vom 18. November
2014, IV-act. 171). Die Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit lauteten:
• Leichte Alkoholabhängigkeit, ständiger Substanzgebrauch (F10.25);
− Polyneuropathie (toxisch, G62.1);
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− leichte kognitive Beeinträchtigung (toxisch, F06.7);
• COPD, Dg 2008 (J44.9).
Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gaben die Gutachter unter anderem
eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41),
funktionelle Gangstörung (R26.8), an. Prof. L._, Allgemeine Innere Medizin, erklärte,
dass er aus allgemeininternistischer Sicht keine Diagnose mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit stellen könne. Der psychiatrische Gutachter Dr. med. M._ gab an,
dass das Ausmass der geklagten Beschwerden (Beine, Gangunsicherheit,
Schwächegefühl) und die subjektive Krankheitsüberzeugung, aufgrund der körperlichen
Beschwerden nicht mehr arbeitsfähig zu sein, durch die somatischen Befunde nicht
hinreichend objektiviert werden könnten, sodass eine psychische Überlagerung
angenommen werden müsse. Der Versicherte habe angegeben, dass an seiner letzten
Arbeitsstelle als Koch eine grosse Hektik geherrscht und dass er sich überfordert
gefühlt habe. Der Versicherte lebe seit fünf Jahren mit seiner Partnerin zusammen, die
seit Jahren berentet sei. Er habe subjektiv mit der Arbeitswelt abgeschlossen. All dies
könne dazu beitragen, dass er allfälligen körperlichen Symptomen mehr Gewicht
beimesse, als es den objektivierbaren Befunden entspreche. Mit der Verdeutlichung
seiner Symptome demonstriere der Versicherte die subjektive Krankheitsüberzeugung,
nicht mehr arbeiten zu können. Ob das pathologische Gangbild im Rahmen einer
Ausweitungstendenz bei chronischer Schmerzstörung oder als eigenständige
dissoziative Störung beurteilt werde, sei für die Arbeitsfähigkeitsschätzung von
untergeordneter Bedeutung. Jedenfalls bestünden keine Hinweise auf unbewusste
Konflikte, die sich im Symptom einer Gangstörung eine Bedeutung verschafft hätten.
Bei der psychiatrischen Untersuchung habe der Versicherte einen zufriedenen und
ausgeglichenen Eindruck gemacht. Den Alkoholkonsum habe er bagatellisiert. Diese
Verhaltensweise sei für einen chronischen Alkoholiker typisch, wobei keine Hinweise
auf eine organische Schädigung durch einen langjährigen Alkoholkonsum gefunden
worden seien. Auch hätten keinerlei Zeichen für das Vorliegen einer depressiven
Erkrankung bestanden. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit. Die Alkoholabhängigkeit sei moderat ausgeprägt und habe keinen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Es handle sich um eine primäre Alkoholabhängigkeit.
Hinweise auf irreversible geistige oder psychische Schäden nach langjähriger
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Alkoholabhängigkeit bestünden keine. Die chronische Schmerzstörung habe ebenfalls
keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, da keine erhebliche psychiatrische
Komorbidität vorliege und die Foerster-Kriterien nicht erfüllt seien. Aus psychiatrischer
Sicht könne es dem Versicherten zugemutet werden, trotz der geklagten Beschwerden
die nötige Willensanstrengung aufzubringen, um ganztags einer beruflichen Tätigkeit
nachgehen zu können. Bezüglich des Berichts von Dr. J._ führte Dr. M._ aus, dass
mit Sicherheit keine depressive Störung vorliege. Auch eine Persönlichkeitsstörung
könne nicht diagnostiziert werden. Der Versicherte habe an zahlreichen Arbeitsstellen
gearbeitet und dabei keine nennenswerten Probleme gehabt. Erst infolge der
Scheidung und aufgrund der massiven Alkoholabhängigkeit sei es zu Schwierigkeiten
an den Arbeitsplätzen gekommen. Der Versicherte lebe seit fünf Jahren mit seiner
Partnerin zusammen, mit der er sich sehr gut verstehe. All dies deute darauf hin, dass
er nicht an einer Persönlichkeitsstörung leide. Eine solche hätte nämlich sowohl die
Arbeitsfähigkeit als auch die sozialen Beziehungen ab dem Eintritt ins
Erwachsenenalter massiv beeinträchtigt. Die Diagnose einer Konversionsstörung als
Ausdruck einer larvierten Depression erscheine als weit hergeholt. Das Konzept der
larvierten Depression sei überholt und habe keinen Eingang in die ICD-10-Klassifikation
gefunden. Da keine Depression vorhanden sei, könne eine Konversionsstörung nicht
als Folge einer larvierten Depression angesehen werden. Abschliessend erklärte Dr.
M._, dass er das Gutachten von Dr. H._ im Wesentlichen bestätigen könne. Der
orthopädische Gutachter Dr. med. N._ führte aus, dass sich das vom Versicherten
inkonstant demonstrierte Gangbild auf rein orthopädischer Ebene in keiner Weise
nachvollziehen lasse. Der Versicherte sei in seiner angestammten Tätigkeit als Koch,
aber auch in jeder anderen körperlich leichten und mittelschweren Tätigkeit unter
Wechselbelastung uneingeschränkt arbeitsfähig. Das wiederholte Heben und Tragen
von Lasten über 25 kg sowie die Einnahme von Zwangshaltungen sollte vermieden
werden. Aufgrund der allgemeinen körperlichen Konstitution seien ausschliesslich
körperlich schwere Tätigkeiten ungeeignet. Der neurologische Gutachter Dr. med.
O._ führte aus, als Folge des Alkoholabusus bestehe eine Polyneuropathie, die sich
in geminderten ASR und einer Pallhypästhesie manifestiere. Die Polyneuropathie sei
bei erhaltenen ASR und fehlenden motorischen Störungen als leicht zu beurteilen. Die
Gangstörung sei neurologisch-organisch nicht erklärbar. Aufgrund der beschriebenen
Eigenheiten sei von einer funktionellen Störung auszugehen. Möglicherweise bestehe
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ein kleiner organischer Kern in Form von leichten Hüftbeschwerden. Allerdings sei dies
im Vorgutachten verneint worden. Zur Gangstörung beitragen könnte eine leichte,
durch die Polyneuropathie bedingte Unsicherheit. Allerdings seien die
Gleichgewichtstests regelrecht ausgefallen. Tätigkeiten mit besonderen Anforderungen
an das Gleichgewichtsvermögen oder an die intellektuelle Wendigkeit und Arbeiten mit
wechselnden Arbeitszeiten oder intensivem Publikumsverkehr seien dem Versicherten
nicht zumutbar. Für alle übrigen körperlich leichten Tätigkeiten bestehe bei einer
ganztägigen Präsenz eine Leistungsfähigkeit von 80 %. Lic. phil. P._ gab im
neuropsychologischen Teilgutachten an, das neuropsychologische Testprofil habe eine
im Bereich der Intelligenz durchschnittliche Leistungsfähigkeit gezeigt. Die
Merkfähigkeit für Texte, Instruktionen, Zahlen und Gegenstände sei erhalten gewesen,
die Merkfähigkeit für Bewegungsabläufe und für sinnunverbundene Wörter hingegen
nicht. Die Leistung im Bereich der selektiven Aufmerksamkeit sei kaum noch innerhalb
der Normtabelle gewesen. Die kognitive Geschwindigkeit sei reduziert gewesen.
Wegen des aktiven Substanzgebrauchs müsse das neuropsychologische Testprofil als
nicht valide angesehen werden. Die Arbeitsfähigkeit könne daher aus
neuropsychologischer Sicht nicht abschliessend beurteilt werden. Es sei jedoch
anzunehmen, dass sich die neuro-psychologischen Leistungen durch die Sistierung
des Alkoholkonsums erheblich erholen würden. Die heutigen Resultate im Mini-Mental-
Test seien deutlich besser gewesen als jene aus dem Jahr 2012. Damals seien 25,
heute 28 von 30 Punkten erreicht worden. Der pneumologische Gutachter Dr. med.
Q._ erklärte, dass bei dem seit dem 14. Lebensjahr bestehenden Nikotinabusus von
insgesamt ca. 80 pack years im August 2008 erstmals ein zentrilobuläres
Lungenemphysem nachgewiesen worden sei. Anlässlich einer Hospitalisation im April
2011 habe sich spirometrisch ein schwer eingeschränktes forciertes exspiratorisches
Volumen (FEV1) von 34 % gezeigt. Unter einer Inhalationstherapie mit langwirksamen
beta-2 Mimetika und topischen Steroiden habe sich in der Plethysmographie vom
Oktober 2014 nur noch eine leichte obstruktive Ventilationsstörung bei chronisch
obstruktiver Lungenkrankheit gefunden. Gemäss den Kriterien der American Medical
Association bestehe aufgrund der lungenfunktionellen Befunde eine medizinisch
theoretische Ateminvalidität der Klasse 2 bzw. ein Impairment von 10-25 %. Aufgrund
der Anstrengungsdyspnoe und des chronischen Auswurfs sei der Versicherte in seinem
angestammten Beruf als Koch und in allen anderen vorwiegend mittelschweren bis
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schweren körperlichen Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig. In körperlich vorwiegend
leichten Tätigkeiten ohne Exposition mit Rauch, Kälte und Nässe sei der Versicherte zu
100 % arbeitsfähig. Jedoch müsse bei COPD-Exacerbationen mit Arbeitsausfällen
gerechnet werden. In polydisziplinärer Hinsicht erklärten die Gutachter, dass dem
Versicherten sämtliche körperlich schweren und mittelschweren Tätigkeiten oder
Tätigkeiten mit Nässe-, Rauch- oder Kälteexpositionen, Tätigkeiten mit besonderen
Anforderungen an das Gleichgewichtsvermögen, mit besonderen Anforderungen an die
intellektuelle Wendigkeit und Arbeiten mit ständig wechselnden Arbeitszeiten oder
intensivem Publikumsverkehr nicht mehr zumutbar seien. Für alle übrigen, körperlich
leichten, adaptierten Tätigkeiten bestehe bei ganztägiger Präsenz eine Arbeits- und
Leistungsfähigkeit von 80 %.
A.k RAD-Arzt Dr. med. R._ notierte am 8. Dezember 2014 (IV-act. 173), das ABI-
Gutachten sei umfassend und schlüssig, weshalb auf es abgestellt werden könne.
A.l Am 31. Dezember 2014 (IV-act. 176) teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter des
Versicherten mit, dass sie am bisherigen Entscheid festhalte. Sie räumte ihm
Gelegenheit zur Stellungnahme ein. Mit Verfügung vom 9. Februar 2015 (IV-act. 180)
wies die IV-Stelle das Rentengesuch bei einem IV-Grad von 9 % ab. Das
Valideneinkommen wurde anhand des zuletzt erzielten Einkommens als Koch ermittelt
und auf Fr. 54‘236.-- festgesetzt. Das Invalideneinkommen entsprach 80 % des
durchschnittlichen Lohns eines Hilfsarbeiters im Jahr 2011 gemäss der
Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (Fr. 49‘421.--, IV-act. 177).
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
13. März 2015 Beschwerde erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der Verfügung und die Zusprache mindestens einer halben Rente.
Eventualiter sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die IV-Stelle
(Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Zur Begründung machte der Rechtsvertreter
geltend, dass der Praxistest im S._ die Arbeitsfähigkeitsschätzung der ABI-Gutachter
klar widerlegt habe. Die S._ hatte am 4. Februar 2015 berichtet (act. G 1.2), dass der
Beschwerdeführer am 4. Februar 2015 in der Stuhllehnenfabrikation sowie in der
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Werkstatt für kleinere Entgratarbeiten eingesetzt worden sei. Nach ca. fünf Minuten
habe er sich wegen Schmerzen hinsetzen müssen. Beim Überziehen der Stuhllehnen
hätten seine Hände nach kurzer Zeit stark zu zittern begonnen. Auch die Konzentration
habe eine Weiterbeschäftigung nicht zugelassen. Der Versuch, den Beschwerdeführer
in der Baulattenmalerei einzusetzen, sei wegen des Geruchs der wasserlöslichen
Farben, den er wegen seiner Lungenprobleme nicht vertragen habe, gescheitert. Der
Beschwerdeführer könne daher auch keine leidensangepasste Tätigkeit ausüben. Am
10. September 2015 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers die
Beschwerdeergänzung ein (act. G 9). Er beantragte neu die Zusprache einer ganzen
Rente. Zur Begründung brachte er vor, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung der ABI-
Gutachter vor den neu durchgeführten medizinischen Untersuchungen nicht
standhalte. Der Beschwerdeführer sei wegen der progredienten COPD auch in
leichteren Tätigkeiten nicht mehr arbeitsfähig. Dr. med. T._, Fachärztin für
Neurologie, hatte am 11. März 2015 berichtet (act. G 9.2), dass die beidseitige,
rechtsbetonte Beinschwäche und die Schmerzen im Oberschenkelbereich aetiologisch
unklar geblieben seien. Weder klinisch noch elektro-diagnostisch hätten sich Hinweise
auf eine Polyneuropathie gefunden. Die neurologische Untersuchung habe einige
Diskrepanzen gezeigt, die auf eine nicht organische Ursache der Problematik
hindeuteten. Am 1. April 2015 hatte Dr. T._ erklärt (act. G 9.3), dass die
neuropsychologische Screening-Untersuchung keine relevanten Auffälligkeiten/
Pathologien gezeigt habe. Im Gegensatz zur Untersuchung am Vormittag Ende Februar
2015 habe der Beschwerdeführer bei der jetzigen Untersuchung am Nachmittag eine
massive Dyspnoe gezeigt, die die Aufmerksamkeit beeinträchtigt habe. Die COPD
(Gold III) dürfte die täglichen Aktivitäten schwer beeinträchtigen. Die pulmonale
Erkrankung resp. deren Therapie könnte auch den Tremor erklären. Diverse bei einer
COPD eingesetzte Präparate wiesen als Nebenwirkung einen Tremor auf. Ihres
Erachtens könne die COPD durchaus eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur
Folge haben. Am 16. April 2015 hatte Dr. T._ berichtet (act. G 9.4), dass auch die
kernspintomographischen Befunde keine Hinweise auf eine primär neurogene
organische Pathologie als Ursache der Paraparese, der Schmerzen sowie der
allgemeinen Müdigkeit und der Leistungseinbusse ergeben hätten. Dr. med. U._,
Psychiatrie und Psychotherapie, Chefarzt Klinik V._, hatte in seinem Bericht vom 28.
April 2015 (act. G 9.5) als vorläufige Diagnosen eine dissoziative Bewegungsstörung
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(F44.4) und einen schädlichen Gebrauch von Alkohol (F10.1) angegeben. Dr. med.
W._, Chirurgie, hatte am 12. Mai 2015 aufgrund einer interdisziplinären Beurteilung
vom 21. Januar/8. Mai 2015 (act. G 9.1) als Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit eine COPD und eine dissoziative Bewegungsstörung angegeben. Der
anamnestische Aethylabusus habe keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Die
zwischenzeitlich durchgeführten Untersuchungen hätten relevante Ergänzungen zum
ABI-Gutachten aufgezeigt. Insbesondere bestünden keine Polyneuropathie mit
toxischer Schädigung und keine kognitive Beeinträchtigung toxischer Art. Der
Beschwerdeführer sei bereits beim Ausfüllen des Mini-Mental-Tests durch die COPD
eingeschränkt gewesen. Daher sei davon auszugehen, dass ihm auch leichtere
Tätigkeiten wegen der progredienten COPD nicht mehr zumutbar seien. Dies habe
auch der Arbeitsbericht des S._ bestätigt.
B.b Am 13. Oktober 2015 nahm Dr. R._ vom RAD Stellung zur Beschwerdeschrift
(IV-act. 191). Er erklärte, dass es sich bei der Tätigkeit im S._ nicht um eine
wechselbelastende Tätigkeit gehandelt habe. Die Arbeit in der Baulattenmalerei sei
wegen der COPD nicht adaptiert gewesen. Dr. U._ habe die Gangstörung als
dissoziative Bewegungsstörung eingeordnet. Es handle sich hierbei lediglich um eine
andere diagnostische Klassifizierung, die nichts an der gutachterlichen
Arbeitsfähigkeitsschätzung ändere. Die Beurteilung von Dr. T._ stimme mit jener der
ABI-Gutachter überein. Aus versicherungsmedizinischer Sicht seien weder der
Arbeitsbericht noch die neu vorgelegten medizinischen Berichte geeignet, etwas an der
Beurteilung des ABI zu ändern. Allenfalls ergäben sich aus dem Bericht von Dr. T._
vom 1. April 2015 Hinweise auf eine mögliche Verschlechterung der COPD zwischen
Ende Februar 2015 und März 2015. Eine mögliche Verschlechterung wäre also erst
nach Verfügungserlass eingetreten.
B.c Die Beschwerdegegnerin beantragte am 25. Oktober 2015 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 11). Zur Begründung führte sie an, dass die Arbeitsfähigkeit
ausschliesslich medizinisch-theoretisch zu bestimmen sei. Demnach sei nicht
entscheidend, dass der Beschwerdeführer beim Arbeitsversuch keine brauchbare
Leistung gezeigt habe. Aufgrund der subjektiven Krankheitsüberzeugung des
Beschwerdeführers seien Arbeitsversuche von Vornherein zum Scheitern verurteilt. Es
sei nicht möglich, den Anteil allfälliger Motivationsmängel vom willentlich nicht
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steuerbaren Unvermögen, eine volle Leistung zu erbringen, abzugrenzen. Der
Beschwerdeführer sei vom ABI umfassend begutachtet worden. Das Gutachten sei
ausführlich und die Schlussfolgerungen sowie die Arbeitsfähigkeitsschätzung seien in
jeder Hinsicht nachvollziehbar. Der RAD habe in seiner Stellungnahme vom 13.
Oktober 2015 erklärt, dass sich aus den neu eingereichten medizinischen Berichten
keine neuen Aspekte ergäben. Der Beschwerdeführer sei somit in einer adaptierten
Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig.
B.d Der Beschwerdeführer verzichtete auf eine Replik (act. G 17).
B.e Am 22. März 2016 räumte das Gericht dem Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers Gelegenheit ein, zur Rechtsprechungsänderung bei der
invalidenversicherungsrechtlichen Behandlung diagnostizierter anhaltender
somatoformer Schmerzstörungen und vergleichbarer Leiden Stellung zu nehmen (act.
G 19).
B.f Am 15. Juni 2016 (act. G 26) erklärte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers,
dass im ABI-Gutachten ausdrücklich auf das Fehlen einer erheblichen psychiatrischen
Komorbidität hingewiesen worden sei. Dieses Kriterium bestehe heute nicht mehr.
Insgesamt vermöge das ABI-Gutachten einer ergebnisoffenen, symmetrischen
Beurteilung des tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens nicht einmal im Ansatz
zu genügen. Eine solche sei nachzuholen. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf
eine Stellungnahme hierzu (act. G 27).

Considerations:
Erwägungen
1.
1.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 9. Februar 2015 hat die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers verneint. Strittig
ist demnach, ob der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat oder
nicht.
1.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
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durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere
Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der
durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
2.
2.1 Um das Invalideneinkommen und damit den IV-Grad festlegen zu können, muss
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen.
2.2 In somatischer Hinsicht hat der Beschwerdeführer erklärt, unter konstanten
stechenden bis brennenden Schmerzen im rechten Bein zu leiden, die von der Leiste
rechts in den rechten Oberschenkel ausstrahlten und die er auch im rechten Fuss
verspüre. Am Morgen verspüre er am wenigsten Beschwerden. Im Laufe des Tages
nähmen die Schmerzen zu, sodass er gegen Abend nur noch mit dem Rollator
spazieren gehen könne. Im letzten Jahr seien im Bereich des linken Beines ähnliche
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Beschwerden aufgetreten, wobei die Symptomatik im rechten Bein eindeutig im
Vordergrund stehe. Der Beschwerdeführer hat ausserdem angegeben, dass er bei
schnellem Gehen in der Ebene und beim Bergaufgehen unter Atemnot leide. Weder die
orthopädischen Gutachter Dr. G._ (Gutachten vom Februar 2012) und Dr. N._ (ABI-
Gutachten vom 18. November 2014) noch der neurologische Gutachter Dr. O._ (ABI-
Gutachten) haben ein organisches Korrelat für die Schmerzen in den Beinen bzw. die
Gangstörung gefunden. Auch die Klinik für Neurologie des KSSG und die Neurologin
Dr. T._ haben keine organische Ursache der Beinschwäche und der Schmerzen im
Oberschenkelbereich erheben können. Die Beinbeschwerden sind somit mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht auf eine somatische Ursache
zurückzuführen. Der Beschwerdeführer leidet unbestrittenermassen an einer chronisch
obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Im Zeitpunkt der Begutachtung durch das ABI
haben die lungenfunktionellen Befunde eine Ateminvalidität der Klasse 2 ergeben. Der
pneumologische Gutachter Dr. Q._ hat die Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit als Koch und in jeder vorwiegend mittelschweren bis schweren körperlichen
Arbeit auf 0 % geschätzt. In körperlich vorwiegend leichten Tätigkeiten ohne Exposition
mit Nässe-, Rauch- oder Kälte bestehe hingegen aus rein pneumologischer Sicht eine
volle Arbeitsfähigkeit. Angesichts der erhobenen lungenfunktionellen Befunde und der
Angaben des Beschwerdeführers, wonach er lediglich bei schnellem Gehen geradeaus
oder beim Bergaufgehen unter Atemnot leide, überzeugt diese Einschätzung. Zu prüfen
bleibt, ob sich die Atembeschwerden zwischen der Begutachtung (Oktober 2014) und
dem Verfügungserlass (9. Februar 2015) verschlechtert haben. Die Neurologin Dr. T._
hat in ihrem Bericht vom 1. April 2015 von einer schweren COPD (Gold III) gesprochen.
Sie hat zudem erklärt, dass der Beschwerdeführer im Gegensatz zur Untersuchung am
Vormittag Ende Februar 2015 am 23. März 2015 an einer massiven Dyspnoe gelitten
habe. Der Beschwerdeführer hat bei der Untersuchung durch Dr. T._ Ende Februar
2015 noch keine Anzeichen für eine Verschlechterung der COPD gezeigt. Da die
Verfügung am 9. Februar 2015 erlassen worden ist, wäre eine allfällige
Verschlechterung der COPD im vorliegenden Verfahren nicht zu berücksichtigen. Im
Übrigen vermag die Schlussfolgerung von Dr. W._, der als Chirurg nicht über
pneumologisches Fachwissen verfügt, dass der Beschwerdeführer wegen der COPD
auch in jeder körperlich leichten Tätigkeit voll arbeitsunfähig sei, weil er an einem
Nachmittag Atemprobleme beim Ausfüllen eines Tests gehabt habe, nicht zu
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überzeugen. Es kann sich hierbei nämlich auch um eine vom ABI-Gutachter
umschriebene, vorübergehende COPD-Exacerbation gehandelt haben. Der
neurologische ABI-Gutachter Dr. O._ hat als Folge des Alkoholabusus eine leichte
Polyneuropathie festgestellt, welche sich in geminderten ASR (Achillessehnenreflex)
und einer Pallhypästhesie (Verminderung des Vibrationsempfindens) manifestiere. Dr.
O._ hat die Arbeitsfähigkeit in quantitativer Hinsicht wegen einer verminderten
Leistungsfähigkeit aus rein neurologischer Sicht auf 80 % geschätzt. Im Gegensatz zu
Dr. O._ hat Dr. T._ bei ihrem neurologischen und elektrodiagnostischen Untersuch
vom 26. Februar 2015 keine Hinweise für eine Polyneuropathie gefunden. Sie hat
erklärt, dass die neurologische Untersuchung einige Diskrepanzen gezeigt habe, die
auf eine nichtorganische Ursache der Problematik hindeuteten. Diese Beurteilung wird
durch den Bericht der Klinik für Neurologie des KSSG vom 24. November 2011
gestützt. Die Untersuchungen hatten damals weder klinisch-neurologisch noch
elektrophysiologisch Hinweise auf eine Neuropathie der zum rechten Bein führenden
Nerven ergeben. Zwar ist der Bericht des KSSG im Verfügungszeitpunkt bereits über
drei Jahre alt gewesen. Die gesundheitlichen Beschwerden des Beschwerdeführers
haben aber bereits damals bestanden. Demzufolge ist mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
nicht an einer Polyneuropathie leidet. Dr. O._ und der Neuropsychologe lic. phil.
P._ haben sodann angegeben, dass leichte kognitive Beeinträchtigungen die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers beeinflussten. Dr. T._ hat am 23. März 2015
eine kurze neuropsychologische Screening-Untersuchung durchgeführt und erklärt,
dass die Untersuchung, ausser einer massiven Atemnot, die die Aufmerksamkeit des
Beschwerdeführers beeinträchtigt habe, keine relevanten Auffälligkeiten/Pathologien
gezeigt habe. Lic. phil. P._ hat im Gutachten ausgeführt, dass das Testprofil wegen
des aktiven Substanzgebrauchs (der Beschwerdeführer hatte am Morgen vor der
neuropsychologischen Untersuchung 30 Tropfen Tramal eingenommen und es sei ein
leichter Foetor alcoholicus wahrnehmbar gewesen, siehe S. 26 des Gutachtens) als
nicht valide angesehen werden müsse. Die Arbeitsfähigkeit aus neuropsychologischer
Sicht könne daher nicht abschliessend beurteilt werden. Dass die Gutachter trotzdem
eine leichte kognitive Beeinträchtigung diagnostiziert haben, leuchtet nicht ein. Hinzu
kommt, dass diese Diagnose gemäss dem Klassifikationssystem ICD-10 (F06.7) nur in
Verbindung mit einer körperlichen Krankheit gestellt und bei Vorliegen einer anderen
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psychischen oder Verhaltensstörung aus dem Abschnitt F10-F99 nicht verwendet
werden sollte. Im vorliegenden Fall hat der psychiatrische ABI-Gutachter jedoch eine
chronische Schmerzstörung (F45.41) diagnostiziert. Somit überzeugt auch die von den
ABI-Gutachtern gestellte Diagnose einer leichten kognitiven Beeinträchtigung nicht. Mit
Dr. T._ ist somit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht an kognitiven Beeinträchtigungen leidet. Da der
Beschwerdeführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit weder an einer
Polyneuropathie noch an kognitiven Beeinträchtigungen leidet, kann aus
neurologischer Sicht nicht von einer um 20 % verminderten Leistungsfähigkeit
ausgegangen werden.
2.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer wegen der COPD
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als ungelernter Koch zu 100 % arbeitsunfähig ist. In
einer körperlich vorwiegend leichten Arbeit ohne Rauch-, Kälte- und Nässeexposition
besteht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit. Wie
nachfolgend aufzuzeigen sein wird, hätte der Beschwerdeführer auch keinen Anspruch
auf eine Invalidenrente, wenn mit den ABI-Gutachtern von einer 20 %igen
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht ausgegangen würde.
2.4 In psychiatrischer Hinsicht hat der ABI-Gutachter Dr. M._ eine
Alkoholabhängigkeit, ständiger Substanzgebrauch (F10.25), und eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41) mit einer
funktionellen Gangstörung (R26.8) diagnostiziert. Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung führt eine Alkoholabhängigkeit als solche nicht zu einer Invalidität im
Sinne des Gesetzes. Sie wird im Rahmen der Invalidenversicherung erst relevant, wenn
sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder
geistiger, die Erwerbfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist,
oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist,
dem Krankheitswert zukommt (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Oktober 2015,
8C_582/2015 E. 2.2.1). Dr. M._ hat der Alkoholabhängigkeit an sich daher zu Recht
keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen. Dr. med. U._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, hat in seinem Bericht vom 28. April 2015 als vorläufige
Diagnose eine dissoziative Bewegungsstörung (F44.4) (und einen schädlichen
Gebrauch von Alkohol) angegeben. Dr. M._ und RAD-Arzt Dr. R._ haben erklärt,
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dass für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit unerheblich sei, ob die geklagten
Gangstörungen nun im Rahmen einer Symptomverdeutlichung bei einer
Schmerzstörung oder als eigenständige dissoziative Störung klassifiziert würden (S. 16
des Gutachtens und RAD-Stellungnahme vom 13. Oktober 2015). Diese Einschätzung
leuchtet ein, da nicht die Diagnose an sich, sondern die Befunde und funktionellen
Einschränkungen für die Arbeitsfähigkeitsschätzung entscheidend sind. Es kann somit
offengelassen werden, ob der Beschwerdeführer an einer chronischen Schmerzstörung
oder an einer dissoziativen Bewegungsstörung leidet.
2.4.1 Mit BGE 141 V 281 vom 3. Juni 2015 hat das Bundesgericht seine Praxis zur
Beurteilung des Anspruchs auf eine Invalidenrente wegen somatoformer
Schmerzstörungen und vergleichbarer psychosomatischer Leiden geändert (vgl. z.B.
IV-Rundschreiben Nr. 334). Nach dem alten Verfahrensstandard eingeholte Gutachten
haben durch die Praxisänderung nicht per se ihren Beweiswert verloren. Vielmehr ist im
Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen
Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes
Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält. In jedem
einzelnen Fall ist zu prüfen, ob die beigezogenen administrativen und/oder
gerichtlichen Sachverständigengutachten ‒ gegebenenfalls im Kontext mit weiteren
fachärztlichen Berichten ‒ eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen
Indikatoren erlauben oder nicht (BGE 141 V 281 E. 8). Nachfolgend ist somit zu prüfen,
ob das ABI-Gutachten mit Bezug auf die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung
mit somatischen und psychischen Faktoren eine schlüssige Beurteilung der
verbleibenden Arbeitsfähigkeit im Lichte der neuen Rechtsprechung erlaubt.
2.4.2 Das Bundesgericht hat mit BGE 141 V 281 die bisherige Vermutung, dass der
versicherten Person eine Willensanstrengung zuzumuten sei, mit welcher die Folgen
einer somatoformen Schmerzstörung oder eines vergleichbaren psychosomatischen
Leidens überwunden werden könnten, aufgegeben. Neu muss eine ergebnisoffene
symmetrische Beurteilung anhand eines Kataloges von Indikatoren des tatsächlich
erreichbaren Leistungsvermögens erfolgen. Die Handhabung des Katalogs muss stets
den Umständen des Einzelfalls gerecht werden; es handelt sich nicht um eine
"abhakbare Checkliste". Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren sind:
1. Funktioneller Schweregrad:
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- Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome;
- Behandlungserfolg oder -resistenz;
- Komorbiditäten;
- "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychische
Funktionen);
- sozialer Kontext.
2. Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens):
- Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen (sozialer Rückzug, Ressourcen);
- Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen;
- Verhalten im Rahmen der beruflichen (Selbst-)Eingliederung.
Der Beschwerdeführer hat anlässlich der ABI-Begutachtung über Schmerzen in den
Beinen und Mühe beim Gehen geklagt. Psychisch gehe es ihm gut. Der
Beschwerdeführer hat erklärt, dass er am Morgen − nach der Einnahme von 30 Tropfen
Tamal − relativ beschwerdefrei gehen könne. Seinen Tagesablauf hat er wie folgt
geschildert: Er gehe um 23 Uhr ins Bett und stehe um 7:30 Uhr auf. In der Regel könne
er gut schlafen. Nach dem Frühstück mache er einen zirka einstündigen Spaziergang
mit den Hunden und erledige die Einkäufe. Er koche leidenschaftlich gerne. Vor allem
am Wochenende nehme er sich Zeit, ein gutes Essen zu kochen. Auch nachmittags sei
er mit den Hunden unterwegs. Wegen seiner Beinbeschwerden lege er sich am
Nachmittag hin. Zudem fische er regelmässig. Mit seinem Leben sei er zufrieden. Der
Beschwerdeführer gestaltet seinen Tagesablauf also sehr aktiv. Mit Ausnahme des
Umstandes, dass er sich am Nachmittag jeweils eine Zeitlang hinlegt, ist nicht
ersichtlich, dass ihn die Gehstörung im Alltag wesentlich beeinträchtigen würde.
Insbesondere fällt auf, dass der Beschwerdeführer trotz der Gehstörung jeden Tag
längere Spaziergänge unternimmt und Haushaltsaufgaben erledigt (Einkäufe, Kochen).
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Die Ausprägung der geltend gemachten Gangstörung ist daher nicht als erheblich
einzustufen. Der orthopädische ABI-Gutachter Dr. N._ hat erklärt, dass das vom
Beschwerdeführer demonstrierte Gangbild inkonstant gewesen sei (S. 21 des
Gutachtens). Der psychiatrische Gutachter hat von einer Symptomverdeutlichung
gesprochen. Bereits das Spital D._ hatte in seinem Bericht vom 15. April 2011
angegeben, dass die sensomotorischen Defizite nicht aufgetreten seien, wenn der
Beschwerdeführer abgelenkt worden sei. Es bestehen somit Inkonsistenzen im
Verhalten des Beschwerdeführers. Eine chronische körperliche Begleiterkrankung liegt
nicht vor. Die Ärzte haben auch keine relevante psychische Komorbidität ausmachen
können. Der Beschwerdeführer hat bis zum Verfügungserlass nie eine adäquate
psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung absolviert. Die Behandlung bei Dr.
B._ im Jahr 2011 sei auf Anraten des KSSG erfolgt und lediglich vorübergehend
gewesen. Dr. M._ hat angegeben, dass das Scheitern aller therapeutischer
Bemühungen im Wesentlichen damit zusammenhänge, dass der Beschwerdeführer
aufgrund der ausgeprägten subjektiven Krankheitsüberzeugung wenig Motivation
zeige, sich trotz allfälliger Restbeschwerden aktiv um seine Genesung zu bemühen und
sich den Belastungen der Arbeitswelt wieder auszusetzen. Auch fänden sich keine
schweren, lebensgeschichtlichen Belastungen. Dr. M._ hat ausserdem keine
Persönlichkeitsstörung diagnostizieren können, da eine solche sowohl die
Arbeitsfähigkeit als auch die sozialen Beziehungen ab Eintritt ins Erwachsenenalter
massiv beeinträchtigt hätte. Der Beschwerdeführer habe jedoch erst infolge der
Scheidung und der massiven Alkoholabhängigkeit Schwierigkeiten an den
Arbeitsplätzen bekommen. Zudem lebe er seit fünf Jahren mit seiner Partnerin
zusammen, mit der er sich sehr gut verstehe (S. 17 des Gutachtens). Der
Beschwerdeführer kann sich aufgrund der Beinstörung allenfalls eine einstündige
sitzende Tätigkeit pro Tag vorstellen. Diese Einschätzung steht in Widerspruch zu
seinem aktiven Tagesablauf. Eine Gangstörung schränkt eine Person beim Gehen und
nicht beim Sitzen ein. Deshalb fehlt der Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers
(sitzende Tätigkeit eine Stunde pro Tag) offensichtlich jede Objektivität. Insgesamt
überzeugt die Einschätzung von Dr. M._, dass es dem Beschwerdeführer aus
psychiatrischer Sicht zugemutet werden kann, trotz der geklagten Beschwerden die
nötige Willensanstrengung aufzubringen, um ganztags einer beruflichen Tätigkeit
nachzugehen, auch unter Berücksichtigung der gemäss der neuen bundesgerichtlichen
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Rechtsprechung relevanten Indikatoren. Der Beschwerdeführer leidet also mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht an einer die Arbeitsfähigkeit beeinflussenden
somatoformen Störung.
2.4.3 Dr. J._ hat in seinem Bericht vom 17. August 2012 unter anderem angegeben,
dass der Beschwerdeführer an einem larvierten (sich über den Körper zeigenden)
mittelgradigen depressiven Zustandsbild leide. Es handle sich hierbei um eine
Hilflosigkeit, die sich über den Körper ausdrücke. Dr. M._ hat hierzu ausgeführt, dass
ihm diese Diagnose weit hergeholt scheine. Das Konzept der larvierten Depression sei
überholt und habe bei der ICD-10 keinen Einzug gefunden. Da keine Depression
vorhanden sei, könne eine Konversionsstörung nicht als Folge einer larvierten
Depression angesehen werden. Zudem fehlten Hinweise auf unbewusste Konflikte, die
sich im Symptom einer Konversionsstörung Geltung verschafft hätten. Die von Dr.
M._ angeführten Argumente überzeugen, zumal auch Dr. H._ anlässlich seiner
Untersuchung im Februar 2012 keine depressiven Symptome erhoben hat. Folglich ist
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer nicht an einem larvierten
mittelgradigen depressiven Zustandsbild leidet.
2.4.4 Dr. M._ hat die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht folgerichtig auf 100
% geschätzt. Sie überzeugt, da keine psychiatrischen Erkrankungen mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit vorliegen. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. M._ stimmt
auch mit jener von Dr. H._ im Gutachten vom Februar 2012 überein, welcher keine
Anhaltspunkte für ein psychiatrisches Leiden von Krankheitswert gefunden und eine
100 %ige Arbeitsfähigkeit in jeglicher Tätigkeit attestiert hatte.
2.4.5 Zum Arbeitsversuch des Beschwerdeführers ist folgendes anzumerken:
Einerseits hat es sich, worauf der RAD-Arzt zu Recht hingewiesen hat, zumindest bei
der Tätigkeit in der Baulattenmalerei nicht um eine adaptierte Tätigkeit gehandelt.
Andererseits sind bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung lediglich diejenigen
Einschränkungen zu berücksichtigen, die objektivierbar sind. Die Beinbeschwerden, die
den Beschwerdeführer subjektiv in seiner Arbeitsfähigkeit am meisten beeinträchtigen,
sind dies gerade nicht. Daher ist die vom Beschwerdeführer gezeigte Leistung im
Rahmen des Arbeitsversuchs nicht geeignet, etwas über seine objektive
Arbeitsfähigkeit auszusagen.
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2.4.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in seiner
angestammten Tätigkeit als ungelernter Koch aus somatischen Gründen nicht mehr
arbeitsfähig ist. In einer körperlich adaptierten Tätigkeit hat aber nie eine länger
andauernde Arbeitsunfähigkeit bestanden.
3.
3.1 Somit bleibt noch der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
Einkommensvergleich zu überprüfen. Der Beschwerdeführer hat sich im Juli 2011 zum
Leistungsbezug angemeldet. Er hätte somit gestützt auf Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens
ab dem 1. Januar 2012 Anspruch auf eine IV-Rente. Der Beschwerdeführer hat keinen
Beruf erlernt. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Aushilfskoch kann er
gesundheitsbedingt nicht mehr ausüben. Die Tätigkeit als Aushilfskoch hat der
Beschwerdeführer in einem unregelmässigen Pensum (50-100 %) verrichtet. Der
Stundenlohn (inkl. 13. Monatslohn, ohne Ferien- und Feiertagsentschädigung) hat Fr.
24.02 betragen. Die ehemalige Arbeitgeberin hat im Juni 2012 mitgeteilt, dass der
Beschwerdeführer heute ohne gesundheitliche Beeinträchtigung in einem 100 %-
Pensum einen Bruttolohn von Fr. 4'172.-- verdienen würde. Unter Berücksichtigung
eines 13. Monatslohnes hätte das Jahreseinkommen 2012 somit Fr. 54'236.--
betragen. Ein Hilfsarbeiter hat im selben Jahr, aufgerechnet auf eine betriebsübliche
wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden, durchschnittlich Fr. 61'910.-- verdient
(Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik, siehe Anhang 2 der IVG-
Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2015). Der Beschwerdeführer hat an
seinem letzten Arbeitsplatz somit ein unterdurchschnittliches Einkommen erzielt. Es ist
davon auszugehen, dass er nicht freiwillig zu einem unterdurchschnittlichen Lohn
gearbeitet hat, sondern aufgrund der Wirtschaftslage keine besser bezahlte
Arbeitsstelle gefunden hat. Dem Valideneinkommen ist daher nicht das zuletzt erzielte,
unterdurchschnittliche Erwerbseinkommen als Aushilfskoch zugrunde zu legen,
sondern der Lohn, den der Beschwerdeführer bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
hätte erzielen können, nämlich der durchschnittliche Lohn eines Hilfsarbeiters. Der
Beschwerdeführer hat keinen Beruf erlernt, weshalb als Invalidenkarriere ebenfalls nur
eine Hilfsarbeit in Frage kommt. Da das Validen- und das Invalideneinkommen anhand
des durchschnittlichen Einkommens eines Hilfsarbeiters zu ermitteln sind, erübrigt sich
deren genaue Ermittlung, da der Invaliditätsgrad in solchen Fällen dem Grad der
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Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzuges vom Tabellenlohn
entspricht (sog. Prozentvergleich; vgl. etwa BGE 114 V 310 E. 3a). Bei einem
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 0 % beträgt der IV-Grad ebenfalls 0 %. Würde auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des ABI abgestellt und von einer 20 %igen
Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ausgegangen und zudem ein 10 %iger
Tabellenlohnabzug gewährt, würde mit 28 % immer noch kein rentenauslösender IV-
Grad resultieren (20 % + [80 % x 0.1]).
3.2 Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
4.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Diese ist durch den von ihm geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.-- gedeckt. Der
Beschwerdeführer hat bei diesem Verfahrensausgang keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.