Decision ID: eff157ec-d179-4e9c-8d5d-9efe045aad15
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1983, war vom
1.
September 2011 bis 3
1.
Mai 2016 als
Bauspengler
bei der
Z._
, tätig und über diese bei der
Suva, Luzern, gemäss dem Bundes
gesetz über die Unfallversicherung (UVG) gegen
Unfälle, unfallähnliche Körper
schädigungen und Berufskrankheiten versichert (
Urk.
7/1), als er am
6.
April 2016 beim Aufräumen des Lagers unter Rücken
schmerzen litt und deswegen am 1
1.
April 2016 einen Arzt konsultierte (
Urk.
7/7). Mit Verfügung 1
6.
Januar 2017 (
Urk.
7/36) verneinte die Suva einen Anspruch des Versicherten auf Ver
si
cherungsleistungen für die Folgen des Ereignisses vom
6.
April 201
6.
Die vom Versicherten am 2
7.
Januar 2017 dagegen erhobene Ein
sprache (
Urk.
7/37) wies die Suva mit Entscheid vom 2
6.
Juni 2017 (
Urk.
7/43 =
Urk.
2) ab.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 2
6.
Juni 2017 (
Urk.
2) erhob der Versicherte am 2
4.
August 2017 Beschwerde und beantragte, dieser sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen (Urk 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
6.
September 2017 beantragte die Suva, die Be
schwe
r
de sei abzuweisen (
Urk.
6 S.
1),
wovon dem Beschwerdeführer am 13
.
Dezem
ber 2017 eine Kopie zugestellt wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Auf den
1.
Januar 2017 sind die mit Bundesgesetz vom 2
5.
September 2015 re
vi
dierten Bestimmungen des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
in Kraft getreten (AS 2016 4375; Botschaft vom 3
0.
Mai 2008 zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung,
BBl
2008 5395; Zusatzbotschaft vom 1
9.
September 2014 zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallver
sicherung,
BBl
2014 7911). Auf den gleichen Zeitpunkt sind die Änderungen vom
9.
November 2016 der
Verordnung über die Unfallversicherung (UVV)
in Kraft getreten
(AS 2016 4393).
1.2
Gemäss
Abs.
1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung
des UVG vom 2
5.
September 2015 werden
Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem Inkrafttreten der Änderung ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt.
Gemäss der Rechtsprechung (BGE
143 V 341
E.
3.1
und Urteil des Bundesgerichts
8C_483/2017 vom
3.
November 2017
)
hat diese Bestimmung indes zum Inhalt, dass
Versicherungsleistungen für Ereignisse, die sich vor dem Inkrafttreten der revi
dierten Bestimmungen zugetragen haben, und für Berufskrankheiten, die vor die
sem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden. Mit
hin ist
der Wortlaut dieser Bestimmung
indes
nicht so zu verstehen, dass darin lediglich die Anwendung des neuen Rechts für die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten geregelt wäre
. Vielmehr umfasst
Abs.
1 der
Übergangs
be
stim
mungen zur Änderung
des UVG vom 2
5.
September 2015
auch die unfall
ähn
li
che
n
Körperschädigungen
.
1.3
Da vorliegend
Ansprüche auf
Versicherungsleistungen für
die Folgen eines
Er
eig
nis
ses
vom
6.
April 2016 im Streite stehen,
gelangen die
am
1.
Januar 2017 in Kraft getretenen revidierten, materiellen Bestimmungen des UVG und der UVV
nicht zur Anwendung. Bei den im Folgenden zitierten Gesetzes- und Verord
nungsbestimmungen handelt es sich deshalb - soweit nichts
A
nderes vermerkt wird - um die Fassungen, wie sie bis
3
1.
Dezember 2016 in Kraft
standen
.
1.4
Gemäss
Art.
6 UVG, in der bis 3
1.
Dezember 2016 geltenden Fassung, werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Be
rufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (
Abs.
3).
1.5
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren F
aktors auf den menschlichen Kör
per, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sund
heit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
1.6
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das Be
griffsmerkmal der Ungewöhnlich
keit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Le
bensbereich Alltäg
lichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Unge
wöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 mit Hinweis).
1.7
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung (RKUV 2000 Nr. U 368 S. 100 E. 2d
mit Hinweisen; Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, S.
176
f.) be
stehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt be
gründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam
«programmwidrig»
beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Ver
änderung zwischen Körper und Aussenwelt – ist wegen der erwähnten Pro
-
grammwidrigkeit
zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1; RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183 E. 4.1, Nr. U 510 S. 275, Nr. U 523 S. 541 E. 3.1).
Ohne besonderes Vorkommnis ist bei einer Sportverletzung das Merkmal der Un
ge
wöhnlichkeit und damit das Vorliegen eines Unfalls zu verneinen (BGE 130 V 117 E. 2.2; RKUV 2004 Nr. U 523 S. 541 E. 3.2).
1.8
Die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens sind von der versicherten Person glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser For
derung nicht nach, indem sie un
voll
ständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Beste
hen eines unfallmässigen Schadens als unglaubhaft erscheinen las
sen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen.
Ist aufgrund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenig
stens mit Wahrscheinlichkeit erstellt – die blosse Möglichkeit genügt nicht –,
so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der versicherten Person aus
wirkt (BGE 116 V 136 E. 4b, 114 V 298 E. 5b, 111 V 201 E. 6b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50).
1.
9
Die leistungsansprechende Person hat daher
das Vorliegen eines Unfalles bezie
hungsweise die Unfreiwilli
gkeit der Schädigung nachweisen, wobei ihr
in dem
vom Untersuchungsgrundsatz beherrschten Sozialversicherungsprozess keine sub
jek
tive Beweisführungslast im Sinne von
Art.
8
des Zivilgesetz
buches (
ZGB
) ob
liegt
. Eine Beweislast besteht nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zuungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen ge
bliebenen Sachverhalt Rechte ableiten will. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungs
grundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entspre
chen. Als Indizien, mit welchen
ein
behauptete
r, von keinen
Zeugen beobach
tete
r
Unfall nachge
wie
sen werden kann, fallen vorab der Zeitpunkt und das Motiv der Unfall
meldung, die Zeitspanne zwischen Ereignis und Meldung sowie die Anamnese, namentlich
ob diese frühere gleiche oder analoge Gesund
heits
störungen enthält, die erfah
rungsgemäss auch als alleinige Folge von Krank
heiten auftreten können, in Be
tracht. Von erheblicher Bedeutung für die Be
weiswürdigung ist auch, ob die erste Schilderung des Unfallgeschehens mit späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überle
gungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können, in wesentlichen Punkten übereinstimmt.
1.10
Der mangelnde Nachweis eines die Merkmale des Unfalles erfüllenden Ereignis
ses lässt sich nur selten durch medizinische Feststellungen ersetzen.
Den m
edi
zini
schen Erkenntnissen bezüglich der traumatischen oder pathologischen Ursa
chen eines Gesundheits
schadens kommt im Rahmen der Beweiswürdigung von unkla
ren Unfallsach
verhalten
indes
die Bedeutung von Indizien zu (Urteile des Bundes
gerichts 8C_727/2007 vom 2
6.
August 2008 E. 2.2 f.
,
U 161/04 vom 3
0.
Novem
ber 2004
und U 117/02 vom 9. Mai 2003 E. 1; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 51 E
. 2). Dabei
gilt es
zu beachten, dass sich der medizinische Begriff des Traumas nicht mit dem Unfallbegriff deckt. Ein traumatisches Ereignis schliesst zwar eine patho
logische Ursache aus, umfasst jedoch neben dem eigentlichen Unfall im Rechts
sinne auch Ereignisse, denen der Charakter der Ungewöhnlich
keit und/oder der
Plötzlichkeit abgeht (Urteil des Bundesgerichts U 236/98 vom 3. Januar 2000 E.
2d).
1.11
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG, in der bis 3
1.
Dezember 2016 geltenden Fassung, kann der Bundesrat Körper
schädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in Art. 9 Abs. 2 UVV, in der bis 3
1.
Dezember 2016 geltenden Fassung, Gebrauch gemacht und folgende Körperschädigungen, so
fern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurück
zu
führen sind, auch ohne ungewöhn
liche äussere Einwirkung den Unfällen gleich
gestellt:
a.
Knochenbrüche;
b.
Verrenkungen von Gelenken;
c.
Meniskusrisse;
d.
Muskelrisse;
e.
Muskelzerrungen;
f.
Sehnenrisse;
g.
Bandläsionen;
h.
Trommelfellverletzungen.
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körper
schädigungen ist ab
schliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schwei
ze
risches Unfall
versicherungsrecht, 2. Aufl., 1989, S. 202).
1.12
Bei den unfallähnlichen Körperschädigungen genügt es für die Begründung der
Leistungspflicht, wenn mit Ausnahme der Ungewöhnlichkeit sämtliche Merk
male
des Unfallbegriffs erfüllt sind.
Für das Vorliegen einer unfallähnlichen Körper
schädigung ist tatbestandsmässig ein ausserhalb des Körpers liegender, objektiv
feststellbarer, sinnfälliger, eben unfallähnlicher Vorfall erforderlich. Wo ein sol
ches Ereignis mit Einwirkung auf den Körper nicht stattgefunden hat, und sei es auch
nur als Auslöser eines in
Art.
9
Abs.
2
lit
. a-h UVV aufgezähl
ten Gesund
heits
schadens, ist eine eindeutig krankheits- oder degenerativ be
dingte Gesund
heits
schädigung gegeben (Urteil des Bundesgerichts 8C_696/2009 vom 12. No
vem
ber 2009 E. 6.1). Besondere Bedeutung kommt hierbei der Vo
raussetzung des
äusseren Ereignisses zu, das heisst eines ausserhalb des Körpers liegenden, ob
jek
tiv fest
stell
baren, sinnfälligen, eben unfallähnlichen Vorfalles (BGE 129 V 466
E. 2.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 2
6.
Juni
2017 (
Urk.
2) davon aus, dass das Ereignis vom
6.
April 2016 den Unfallbegriff nicht erfülle, und dass dieses mangels einer entsprechenden Diagnose auch keine unfallähnliche Körperschädigung darstelle (S. 6).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte
hiegegen
vor, dass er anlässlich des Ereignisse
s
vom
6.
April 2016 Treppenwangen in dafür nicht geeignete Regale habe ver
stauen müssen, und dass es dabei infolge einer
Verkantung
zu einem planwid
ri
gen, abrupten Unterbruch des Hebevorgangs gekommen sei, weshalb der Unfall
-
begriff von
Art.
4 ATSG erfüllt und eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für die Folgen des Ereignisses vom
6.
April 2016 zu bejahen sei (
Urk.
1 S. 4).
3.
3.1
Vorerst gilt es zu prüfen
, ob es sich beim Ereignis vom
6.
April 2016
um einen Unfall im unfallversicherungsrechtlichen Sinne ge
han
delt hat.
3
.2
Die
Z._
erwähnte im
Formular
«Schadenmeldung UVG»
vom
1
2.
April 2016
(Urk.
7
/1)
, dass beim Ereignis vom
6.
April 2016 eine
«
Wange
»
(Treppenwange = tragendes, schrägliegendes Bauteil links und rechts der Treppen
stufe
einer Wangentreppe)
beteiligt gewesen sei und beschrieb den Ereignis
her
gang folgen
dermassen
:
«
Beim Aufräumen des Lagers, hat sich der Mitarbeiter verletzt
»
.
3
.3
Der Beschwerdeführer führte im Fragebogen zum Unfallbegriff am
9.
Mai 2016 zum Ereignishergang sinngemäss das Folgende aus
(Urk.
7/9/1-2
Ziff.
1
):
Wir mussten
am
6.
April 2016
auf Anweisung des Geschäftsführers
(der
Z._
)
die ungefähr 50 bis 90 Kilogramm schweren Treppenwangen auf ein drei Meter hohes, nicht für die Wangen vorgesehenes Gestell heben. Beim Heben der Wangen auf
das Gestell zwickte es mir von der Schulter her in den Rücken.
Die Frage, ob sich anlässlich des Ereignishergangs etwas Besonderes, wie beispiels
weise ein Ausgleiten, ein Sturz, ein Anschlagen oder Ähnliches, ereignet
e
bejahte der Beschwerdeführer und führte dazu aus, dass er ein Zwicken und ein Knallen im Schulter- und Rückenbereich empfunden habe (Urk 7/9/1-2
Ziff.
3).
3
.4
Dr.
A._
,
Chiropraktor
, beschrieb in seinem Bericht vom 1
8.
Mai 2016
(Urk. 7/10) auf Grund der Angaben des Beschwerdeführers den folgenden Ereig
nishergang:
«
Am 6.4.2016 hat sich der Patient verhoben, seither Schulter- und Nacken
be
schwerden rechts
»
.
3
.5
I
n seinem Schreiben an die Beschwerdegegnerin vom 2
2.
September 2016 (Urk. 7/25/1-2)
nahm der
von der
AXA-ARAG Rechtsschutz AG
vertretene Be
schwer
deführer
Stellung
zum Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 2
5.
Juli 2016
(
Urk.
7/20/1), worin
ihm
mitgeteilt wurde, dass
für die Folgen des
Ereig
nis
ses
vom
6.
April 2016
keine Versicherungsleistungen ausgerichtet
würden
. Zum
Unfallbegriff
führte
der Beschwerdeführer darin
aus
:
«
Die Wangen wurden zuerst zu d
ritt und im Zeitpunkt als sich unser Klient di
e Verletzung zuzog nur noch zu z
weit vom Gabelstapler über die überragenden Längsstangen auf die obere Ablage gehoben. Die Arbeit gestaltete sich zum einen schwierig, da der Stand auf dem (grünen) Regal äussert unstabil war und zum anderen, da die Wangen, aus welchen noch Schrauben ragten, beim Hochheben immer wieder ineinander verhakten.
Beim Hochheben einer Wange verletzte sich unser Klient, als
sich diese verhakte und der Hebevorgang abrupt, wegen des höheren Gewichtes der verhakten zwei
ten Wange, gebremst wurde. Die Schmerzen verspürte unser Klient umgehend nach dem Vorfall. Er musste die
Arbeit unterbrechen und schmerzbedingt eine Pause
machen.»
3
.
6
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Chirurgi
e, Leitender Arzt des
C._
, erwähnte
in seinem Bericht vom
2
9.
November 2016
(Urk.
7/34/1-2
), dass
der Beschwerde
führer
den folgenden Ereig
nishergang angegeben habe:
«
Der Patient berichtet, dass er beim Abfangen einer verrutschten Last aus einem Regal über Kopfhöhe einen Stich in der rechten Schulter mit Ausstrahlung in den Hals und in den Rücken erlitt. Er konnte dann initial den Arm nicht mehr heben
.
»
4
.
4
.1
Die erwähnten Schilderungen des Ereignishergangs
weich
en in Bezug auf die Einzelheiten des Ereignisablaufs teilweise
voneinander
a
b. Einerseits sagte der
Beschwerdeführer
am
9.
Mai 2016 (
vorstehend E.
3.3
)
aus, dass er
beim Heben von
50
bis 90 Kilogramm schwere
r
Treppenwangen auf ein Gestell
ein schmerz
haftes
Zwicken
in den Bereichen der
Schulter
und des
Rücken
s
erlitten habe
,
und dass sich
ausser
dem
erwähnten
Zwicken im Schulter- und Rückenbereich nichts Besonderes, insbesondere kein
Ausgleiten,
kein Sturz und k
ein Anschlagen
ereig
net habe.
Damit übereinstimmend umschrieb
Dr.
A._
am 1
8.
Mai 2016 (
vorste
hend E.
3.4
)
das Ereignis damit, dass sich der Beschwerdeführer
verhoben
habe.
Andererseits gab der
Beschwerdef
ührer
am
2
2.
September 2016 (
vorstehend E.
3.5
)
an, dass die Schmerzen aufgetreten seien, als
sich eine Treppenwange
beim Heben (zu zweit, zusammen
mit einem
anderen
Mitarbeitenden der
Z._
)
verkeilt habe, wodurch es zu
e
inem abrupten Brems
en
des
Hebe
vorgang
es gekommen sei.
Schliesslich
schilderte der Beschwerdeführer gegenüber
Dr.
B._
einen Ereignis
hergang, bei welchem stichartige, ausstrahlende Schmerzen im Bereich der Schul
ter
beim Abfangen einer verrutschten Last aus einem Regal
aufgetreten seien
(vorstehend E.
3.6
).
4
.2
Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicheru
ngsrechts in der Regel auf die «Aussagen der ersten Stunde»
ab, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbe
wusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
Wenn die versicherte Person ihre Darstellung im Laufe der Zeit
ändert
, kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht hat, meistens
ein
grösseres
Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des Versicherers (BGE 121 V 45 E. 2a mit Hinweisen).
Der Grundsatz, wonach die ersten Aussagen nach einem schädigenden Ereignis in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, stellt eine im Rahmen der freien Beweiswürdigung zu berücksichtigende Entscheidungshilfe dar. Sie kann
indes
nur zur Anwendung gelangen, wenn von zusätzlichen Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zu er
war
ten sind (RKUV 2004 Nr. U 524 S. 546 f.,
Urteile des Bundesgerichts
U 236/03
vom 1
9.
Mai
2004 E.
3.3.4; 8C_637/2016
vom 1
3.
Dezember
2016
E.
3.2:
8C_648/2013 vom 1
8.
Februar 2014 E. 3.2
und
8C_696/2013 vom 1
4.
November 2013 E. 2).
4
.
3
Vorliegend
widersprechen
die nachträglichen Ausführungen des Beschwerde
führers vom 2
2.
September 2016 (vorstehend E.
3.5
)
und gegenüber
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.6)
den
ursprünglichen Angaben
des Beschwerdeführers
zum Geschehensablauf vom
9.
M
ai
2016 (vorstehend E.
3.3
)
. Während der Be
schwer
deführer in seiner ursprünglichen Schilderung des Ereignisses
angab, dass die fraglichen Schmerzen beim Heben von Treppenwangen aufgetreten seien und
dabei
besondere Vorkommnisse
, abgesehen von einem schmerzhaften Zwick im Schulter- und Rückenbereich,
insbesondere ein Ausgleiten, ein Sturz, ein An
schla
gen oder Ähnliches ausdrücklich
verneinte
(vorstehend E. 3.3)
,
seien die Schmerzen
gemäss
den Angaben des Beschwerdeführers vom 2
2.
September 2016 durch ein abruptes Bremsen des Hebevorganges infolge eines Verkeilens einer Treppenwange ausgelöst worden
(vorstehend E. 3.5)
.
Gegenüber
Dr.
D._
gab der Beschwerdeführer sodann an, dass er
beim
Abfangen einer verrutschten Last aus einem Regal
stichartige Schmerzen verspürt habe (vorstehend E.
3.6
).
4
.4
Demzufolge steht fest, dass
die in den Akten enthaltenen Angaben
des Beschwer
deführers
zum
Ereignis
hergang voneinander abweichen
,
und
dass
mit zu
neh
men
dem Zeitablauf eine Dramatisierung in der Darstellung des Ereignisses festzu
stellen ist.
Die späteren Angaben
vom 2
2.
September 2016
sowie diejenigen
ge
genüber
Dr.
D._
zum Ereignishergang stellen daher nicht lediglich Ergän
zun
gen beziehungsweise Präzisierungen der ursprünglichen Ereignisschil
de
rung durch den Beschwerde
führer vom
9.
Mai 2016 dar. Vielmehr handelt es sich hier
bei um
in Bezug auf
massgebliche
Sachverhaltselemente erheblich
von
einander abweichende
Sachverhaltsschilderungen.
4
.5
In Bezug auf die Einzelheiten des Hergangs des fraglichen Ereignisses vom
6.
April 2016
gilt es vorliegend die
Erfahrungstatsache
zu beachten
, dass das menschliche Erinnerungs
vermögen in Bezug auf
Einzelheiten eines Geschehens re
lativ rasch verblasst. Aus diesem Grunde wäre selbst, wenn feststünde, dass
weitere
Personen
beim fraglichen Ereignis anwesend waren, von einer
Einver
nahme
dieser Personen
als Zeugen
keine neue
n Erkenntnisse zum Ereignisher
gang zu erwarten
.
Da von
weiteren
Beweismassnahmen
zum Ereignis vom
6.
April
201
6
daher
keine neue
n Erkenntnisse zu erwarten sind, ist davon
abzu
sehen
(antizipierte B
eweiswürdigung; BGE 124 V 90 E.
4b).
4
.6
Der Beschwerdeführer hat den Hergang des Ereignisses vom
6.
April 2016
erst
mals
im Fragebogen zum Unfallbegriff
am
9.
Mai 2016
(vorstehend E.
3.3
) schrift
lich festgehalten.
Diese Schilderung hat der Beschwerdeführer verhältnis
mässig kurze Zeit nach dem Ereignis vom
6.
April 2016 verfasst, weshalb die
darin ent
haltenen Angaben beweismässig als spontane Aussagen der ersten Stunde
zu wer
ten sind. Es kommt diesen Angaben daher ein vorrangiger Beweiswert zu. Sodann stimmen die
se
Angaben
inhaltlich mit den in der Unfallmeldung vom 1
2.
April
2016 (vorstehend E.
3.2
) und im Bericht von
Dr.
A._
vom 1
8.
Mai
2016 (
vor
stehend E.
3.4
)
enthaltenen Schilderungen des Ereignisher
gangs, wonach sich der Beschwerdeführer beim Aufräumen des Lagers verletzt habe beziehungsweise, wonach er sich verhoben habe, überein.
Zudem
g
ilt es zu berücksichtigen, dass der Versicherte die ausdrückliche Frage
, ob sich während des Geschehensablaufs etwas Besonders zugetragen habe, am
9.
Mai 2016
bejahte und
mit
den Worten
umschrieb:
«
Zwicken,
Knallen im Schulter- und Rücken
bereich»
. Es ist daher
da
von auszugehen, dass
der Beschwerdeführer derart wesentliche
Sachverhaltsele
ment
e
wie
ein abruptes Bremsen des Hebevorganges infolge eines Verkeilens einer Treppenwange
oder
ein
Abfangen einer ver
rutschten Last
im Fragebogen zum Unfallbegriff erwähnt hätte, wenn sich der Sachverhalt so zugetragen hätte.
Die Aussage des Beschwerdeführers im Frage
bogen
zum Unfallbegriff vom
9.
Mai 2016 (vorstehend E
3.3
)
stellen
daher ein gewichtiges Indiz, welches gegen die spätere
n
,
erst
nach Kenntnis des
die
Leis
tungspflicht verneinenden Schreibens der Beschwerdegegnerin vom 2
5.
Juli 2016 (
Urk.
7/20) verfassten
Version
en
spricht.
4
.7
Ergänzend gilt es
zudem
zu berücksichtigen, dass nach der Rechtsprechung
eine Darlegung des
entsprechenden Sachverhalt
s
durch die versicherte Person
nach
einer Verneinung des Leistungsanspruchs
nicht
überzeugt
,
wenn
der Unfallver
sicherer in Nachachtung seiner Verpflichtung zur richtigen und vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
vorher
eine detaillierte Erhebung der tatsächlichen Verhältnisse mittels Fragebogen durch
geführt hat
(
Urteile des Bundesgerichts 8C_696/2013 vom 1
4.
November 2013 E. 4.2 und
8C_436/2009 vom 2
2.
Oktober 2009 E. 6.2).
4
.
8
Gestützt auf die Angaben des Beschwerdeführers zum Geschehensablauf vom
9.
Mai 2016 (vorstehend E.
3.3
) ist daher davon auszugehen, dass der Beschwer
de
führer am
6.
April 2016
beim Heben
zu zweit
von
Treppenwangen
mit
eine
m Gewicht
von
ungef
ähr 50 bis 90 Kilogramm
auf
ein
Gestell
einen Zwick bezieh
ungsweise einen Knall im Bereich der
Schulter
und des
Rücken
s verspürte und anschliessend am nächsten Tag (vgl.
Urk.
7/9/1
Ziff.
4) unter Schmerzen litt.
Ab
gesehen vom erwähnten
Zwick oder
Knall im
Rücken- und Schulterbereich
hat sich gemäss den Aussagen des
Beschwerdeführers
vom
9.
Mai 2016
anlässlich des Ereignisses vom
6.
April 2016
indes
nichts Unge
w
öhnliches zugetragen
.
Dem
zufolge ist eine
Beeinträchtigung
des natürlichen Ab
laufs der Körperbewegung
en
durch etwas Programmwidriges oder Sinnfä
lliges
, insbesondere
ein Ausgleiten, ein Stolpern
,
ein
reflexartiges Abwehren eines Sturzes
oder etwas Ähnliches nicht
mit dem massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt
.
4
.9
Etwas Ungewöhnliches lässt sich ferner auch nicht im Kraftaufwand erkennen, welcher beim Heben
der
ungef
ähr 50 bis 90 Kilogramm schweren
Treppenwangen
zu zweit
erfor
derlich war. Denn einerseits ist davon auszugehen, dass es sich da
bei um eine Verrichtung han
delte, welche zum ge
wöhnlichen Arbeitsalltag des Beschwerdeführers gehörte. Andererseits handelte es sich hierbei schon deshalb nicht um ein ungewöhnli
ches Ereignis, weil
der Beschwerdeführer
dabei lediglich
einer tatsächlichen Gewichtsbelastung von 25 bis 45 Kilogramm ausgesetzt war
. Dabei handelte es sich indes um eine zu geringe Gewichtsbelastung
, um eine Überanstrengung anzu
neh
men. Denn eine den Unfallbegriff erfüllende Überan
stren
gung wurde bisher bei Lasten vo
n mehr als 100 Kilogramm bejaht
(
vgl. Urteile des Bundesgerichts
U 222/05 vom 21. März 2006 E. 3.2 und U 360/02 vom 9. Oktober 2003 E. 3.4).
4
.10
Die Einwendungen des
Be
schwerdeführers
vermögen an d
iesem Ergebnis nichts zu ändern.
Nach Gesagtem steht demnach fest, dass es dem Ereignis vom
6.
April 2016
an einem für den Unfallbegriff vorausgesetzten unge
wöhnlichen äusseren Faktor fehlt.
5
.
5
.1
Zu prüfen bleibt, ob unter dem Titel der unfallähnlichen Körperschädigung eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für die Folgen des Ereignisses vom
6.
April 2016
besteht
.
5
.2
Dr.
med.
E._
, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin
, stellte mit Zwischen
bericht vom
3.
Mai 2016 (
Urk.
7/7/2) fest, dass der Beschwerdeführer unter Schul
ter- und Rückenschmerzen rechts nach einem
Verhebetrauma
leide, wobei die Motorik und die Schulterbeweglichkeit beim Heben und bei der Rota
tion des rech
ten Armes verringert sei. Vom 1
1.
April bis
3.
Mai 2016 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit.
5
.3
Dr.
A._
diagnostizierte in seinem Bericht vom 1
8.
Mai 2016 (
Urk.
7/10) ein akutes
zervikospondylogenes
Syndrom rechts sowie ein
lumbovertebrales
Syn
drom median nach
Verhebetrauma
und stellte eine günstige Prognose mit lang
samem,
regredienten
Schmerzverlauf.
5
.4
Die Ärzte der
F._
,
erwähnten in ihrem Bericht vom 2
8.
April 2016 (
Urk.
7/17), dass eine
gleichentags durchgeführte
Magnetreso
nanz
tomographie (MRI) der Halswirbelsäule (HWS) des Beschwerdeführers eine Fehlstreckhaltung zervikal mit geringen Degenerationen ohne Nachweis einer Hernie beziehungsweise
einer Nervenwurzelkompression
ergeben habe.
5
.5
Dr.
B._
stellte in seinem Bericht vom 2
9.
November 2016 (Urk. 7/34) die fol
gende Diagnose (S. 1):
-
prolongierter Verlauf bei Status nach
Verhebetrauma
am
6.
April 2016 mit
zervikospondylogenem
Schmerzsyndrom rechts und
lumboverte
bra
lem
Schmerzsyndrom
Er erwähnte, dass der Beschwerdeführer unter Schmerzen im Bereich seiner rech
ten Schulter
und seines rechten Armes leide, dass deswegen
der Verdacht auf eine
Rotatorenmanschettenläsion
bestanden
habe, weshalb
die
Arthro
-
MRI
der Schul
ter
durchgeführt worden sei. Diese Untersuchung
habe jedoch kein
e entspre
chende Läsion ergeben (S. 1).
6
.
6
.1
Den obenerwähnten medizinischen
Akten ist zu entnehmen
, dass der Beschwer
deführer nach dem Ereignis vom
6.
April 2016 unter Schulter- und Rücken
schmerzen im Sinne eines
zervikospondylogenen
Schmerzsyndrom
s
rechts und
eines
lumboverte
bralem
Schmerzsyndrom
s
litt (vorstehend E.
5.2
)
, wobei
eine am 2
8.
April 2016 durchgeführte
MRI der HWS lediglich geringe Degenerationen und weder eine Hernie noch eine Nervenwurzelkompression
zeigte (vorstehend E. 5.4)
. Sodann hat eine
Arthro-MRI
der Schulter des Beschwerdeführers keine
Rotato
ren
manschettenläsion
und damit keinen Sehnenriss ergeben (vorstehend E.
5.5
).
6
.2
In Würdigung der medizinischen Akten ist daher mit dem Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerde
führer nach dem Ereignis vom
6.
April 2016 unter
Schulter- und Rückenschmerzen im
Rahmen
eines
zervikospondylogenen
und eines
lumboverte
bralen
Schmerz
syn
droms litt
. Dieses Leiden fällt indes nicht unter
die in
Art.
9
Abs.
2
UVV
aufge
listeten unfallähnlichen Körperschädigungen (
vorstehend E.
1.1
1
). Demzu
folge fällt eine Leistungspflicht der
Beschwerde
gegenerin
für die Folgen des Ereig
nisses vom
6.
April 2016 unter dem Titel der unfallähnlichen Körperschädigung schon deshalb ausser Betracht, weil nach Lage der medizinischen Akten keine Hinweise dafür bestehen, dass sich der Beschwerdeführer
dabei
eine der in
Art.
9
Abs.
2
lit
. a bis h UVV abschliessend aufgezählten Körperschädigungen zuge
zogen hätte (
vgl.
BGE 134 V 72 E. 4.3.2.2
und
123 V 43 E. 2b).
7
.
Nach Gesagtem steht fest, dass
ein Leistungsanspruch des Beschwerdeführers für die Folgen des Ereignisses
vom
6.
April 2016
weder unter dem Titel des Unfalls noch unter dem
jenigen der unfallähnlichen Körperschädigung ausgewiesen ist,
weshalb
die ge
gen
den angefochte
nen
Einspracheentscheid
vom
2
6.
Juni 2017
(Urk. 2) erho
bene Be
schwerde abzuweisen
ist
.