Decision ID: 484531c9-31bd-5c28-b893-67d1fbd22b9f
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin stellte am 26. November 2018 im damaligen Emp-
fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel ein Asylgesuch. Anlässlich der
dort durchgeführten Befragung zur Person (BzP) vom 29. November 2018
und der im Beisein der Vertrauensperson für unbegleitete Minderjährige
durchgeführten Anhörung vom 13. Dezember 2018 zu den Asylgründen
machte sie im Wesentlichen Folgendes geltend:
Sie sei ethnische Tschetschenin, in B._ (Inguschetien) geboren und
noch im Vorschulalter mit ihrer Familie nach C._ gezogen, wo sie
bis zur Ausreise im Elternhaus gelebt habe. Sie habe (...) in C._ die
Matura abgeschlossen, aber nie gearbeitet. Im März 2018 habe sie in ei-
nem Kaffeehaus einen Jungen (D._) kennengelernt und sie seien
nach etwa zwei Monaten ein Paar geworden. Ab Oktober 2018 habe
D._ ein verändertes Verhalten entwickelt und sich von ihr eher dis-
tanziert, ohne ihr hierfür den Grund zu nennen; sie hätten sich nicht mehr
so oft getroffen. Sie habe das Gefühl gehabt, dass ihre Telefongespräche
von Unbekannten abgehört würden. Anfang beziehungsweise Mitte No-
vember 2018 habe sie sich mit D._ in einem Park getroffen. Dieser
habe nach seiner Ankunft einen Telefonanruf erhalten und sofort wieder
gehen müssen. Seither habe sie D._ nicht wiedergesehen und kei-
nen Kontakt mehr gehabt. Rund fünf Tage später sei auf ihrem Handy ein
Anruf eingegangen, den ihre Mutter entgegengenommen habe. Der unbe-
kannte Anrufer habe gesagt, dass sie (Beschwerdeführerin) so schnell wie
möglich verschwinden solle. Sie und ihre Mutter hätten Angst bekommen.
Am nächsten Tag seien Militärs zu ihnen nach Hause gekommen und hät-
ten nach D._ gefragt. Die Militärs seien nach der Befragung fortge-
gangen und hätten ihre Rückkehr in Aussicht gestellt. Aus Furcht vor die-
sen Leuten hätten ihre Eltern am selben Abend entschieden, dass sie sich
bei einer Tante beziehungsweise bei der Schwester der Frau ihres Onkels
verstecken solle. Maskierte Militärs seien kurz darauf auch dort vorbeige-
kommen, hätten ihr Handschellen angelegt, das Haus und die Umgebung
abgesucht und sie mitgenommen. In einem Auto habe man sie dann zu
einem Haus gefahren, dort in einem Zimmer eine Nacht lang festgehalten
und unter Einschüchterungen und Todesdrohungen abermals nach dem
Aufenthaltsort von D._ befragt. Die Leute seien aggressiv gewesen
und hätten ihr Foltervideos gezeigt, mit dem Hinweis, dass so mit Syrien-
reisenden umgegangen werde. Einer der Militärs habe ihr eine Pistole an
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den Kopf gehalten, ein anderer habe sie einmal geohrfeigt. Einer der Mili-
tärs sei dann von einer anderen Person an die Türe gerufen worden, wo-
raufhin sie freigelassen und von ihrem Vater, der zuvor Lösegeld bezahlt
habe, abgeholt worden sei. Aus Furcht vor einer weiteren Begegnung mit
den Militärs und vor Kadyrows Leuten sei sie daraufhin am 23. November
2018 in Begleitung eines Freundes ihres Vaters ausgereist und in drei Ta-
gen via Weissrussland, unbekannte weitere Länder und Österreich illegal
in die Schweiz gelangt, ohne unterwegs jemals behördlich kontrolliert wor-
den zu sein. Seit ihrer Freilassung sei sie nicht mehr gesucht worden, je-
doch hätten ihre Peiniger ihr versichert, dass sie sie jederzeit finden wür-
den. In D._ habe sie sich wohl getäuscht und sie vermute, dass
dieser sie gegen ihren Willen nach Syrien hätte mitnehmen wollen. Ander-
weitige Probleme habe sie in ihrer Heimat keine gehabt; es sei ihnen gut
gegangen. In ihrer Heimat lebten nach wie vor ihre Eltern und zwei Ge-
schwister sowie viele Verwandte. In der Schweiz lebten bereits (...) (mit
Aufenthaltsbewilligung) und (...) (mit Niederlassungsbewilligung), zu der
sie eine gute Beziehung habe. Auf entsprechende Frage hin erklärte sie,
im Jahre 2016 ein Touristenvisum für Italien beantragt zu haben, was ihr
aber verweigert worden sei. Ihren (...) russischen Reisepass habe sie auf
der Reise in die Schweiz irgendwo verloren.
Als Beweismittel gab die Beschwerdeführerin ihren Inlandpass zu den Ak-
ten.
B.
Mit Verfügung vom 19. Februar 2019 – eröffnet am 22. Februar 2019 –
stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, und lehnte deren Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es ihre
Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 25. März 2019 (und Ergänzung vom 30. Dezember 2019)
erhob die (...) Beschwerdeführerin gegen diese Verfügung Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht. Darin beantragt sie die Aufhebung der
Verfügung, die Feststellung ihrer Flüchtlingseigenschaft, die Gewährung
von Asyl, eventualiter die Gewährung der vorläufigen Aufnahme unter Fest-
stellung der Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzu-
ges sowie subeventualiter die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz
zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung. In ver-
fahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Gewährung der unentgeltli-
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chen Prozessführung mit Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses und die Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als amtlichen
Rechtsbeistand.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 2. April 2019 stellte die Instruktionsrichterin
den legalen Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der Schweiz während
des Beschwerdeverfahrens fest. Weiter hiess sie die Gesuche um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung, Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses und Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als
amtlichen Rechtsbeistand gut.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
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und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder
zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen von Asylvorbringen
in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis;
darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11
E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.), soweit nicht in den nachfolgenden
Erwägungen noch spezifisch darauf Bezug zu nehmen ist.
4.2 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
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4.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
5.
5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte das SEM aus,
die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen würden den Anforderungen
von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftigkeit nicht genügen. Nach einer äusserst
knapp gehaltenen Schilderung der Gesuchgründe bei der BzP habe die
Beschwerdeführerin anlässlich der Anhörung im ausführlicheren freien Be-
richt zwar weiträumig ihre Beziehung zu D._ dargelegt, betreffend
ihre Aufsuchung, ihre Befragung und ihre Freilassung durch die Militärs in
den entscheidenden Momenten aber die erforderliche Tiefe vermissen las-
sen, mithin insbesondere betreffend die fluchtauslösenden Ereignisse.
Diese Schilderungen seien oberflächlich und es fehlten die persönlichen
Eindrücke. Die Ereignisse wirkten nicht selbsterlebt und der Sachverhalt
erscheine konstruiert. Fragen und Nachfragen betreffend den ersten Be-
such der Militärs seien nicht substantiell beantwortet worden. In Anbetracht
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der bedrohlichen Lebenssituation hätten insbesondere ihre Schilderungen
in Bezug auf die Reaktion ihrer Mutter erfahrungsgemäss erlebnisgepräg-
ter und substantieller ausfallen müssen. Jene betreffend die Mitnahme
durch die Militärs, die Zeit, als sie sich bei ihrem Onkel versteckt gehalten
habe, sowie betreffend die Örtlichkeiten und die Konversationsinhalte wirk-
ten nicht lebensnaher. Der betreffende Bericht sei vielmehr allgemein, sub-
stanz- und detailarm geblieben und weise keine Spontaneitäten auf. Die
ihr gewährte Möglichkeit zur ausführlicheren Schilderung habe sie nicht zu
nutzen vermocht. Auf Vertiefungsfragen zur Rollenverteilung der Leute un-
tereinander sowie zu ihrer Reaktion, als sich die Situation zu ihren Gunsten
geändert habe, habe sie mit undifferenzierten und oberflächlichen Darle-
gungen reagiert. Der Sachverhalt präsentiere sich somit gesamthaft be-
trachtet konstruiert und stereotyp. Zusammenfassend habe sie nicht sub-
stantiiert darzulegen vermocht, wie sie vom Militär wegen D._ auf-
gesucht und deswegen später festgenommen worden sei. Aufgrund der
somit bestehenden Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen könne auf eine
Prüfung ihrer Asylrelevanz verzichtet werden. Die gesetzliche Regelfolge
der Ablehnung des Asylgesuchs sei die Wegweisung aus der Schweiz. De-
ren Vollzug sei mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft unter dem As-
pekt von Art. 5 Abs. 1 AsylG sowie mangels Anhaltspunkten für eine nach
Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung völkerrechtlich zulässig.
Es bleibe zu prüfen, inwieweit sich die Beschwerdeführerin auf das Über-
einkommen über die Rechte des Kindes vom 20. November 1989 (KRK)
berufen können. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung könne auf
eine entsprechende Bestimmung nur dann direkt Bezug genommen wer-
den, wenn die Norm inhaltlich hinreichend bestimmt und klar sei, um im
Einzelfall die Grundlage eines konkreten Entscheides zu sein. Die ver-
schiedenen in der KRK enthaltenen Bestimmungen über den Schutz und
die Unterstützung des Kindes seien im Allgemeinen zu wenig präzis, um
einen gerichtlich durchsetzbaren Anspruch zu begründen. In diesem Zu-
sammenhang sei der Vollzug der Wegweisung nur dann unzulässig, wenn
er auf einer Bestimmung des schweizerischen Rechts oder auf einer Be-
hördenpraxis beruhe, die mit den allgemeinen Richtlinien der KRK nicht
vereinbar sei. Die Behörden seien folglich gehalten, die Tragweite der er-
wähnten Verpflichtungen im innerstaatlichen Recht zu konkretisieren. Zum
einen seien diese Verpflichtungen im Rahmen gewisser gesetzlicher und
reglementarischer Normen im Ausländer- und Asylrecht und im Zivilgesetz-
buch geregelt und präzisiert (insb. Art. 83 AuG [heute AIG]; Art. 46 AsylG;
Weisung SEM 111/1.3). Gestützt darauf erweise sich der Vollzug der Weg-
weisung somit als zulässig. Er sei unter Berücksichtigung der politischen
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Situation im Heimatstaat und mangels gegenteiliger, insbesondere indivi-
dueller Gründe ebenso zumutbar. Es könne von einem intakten und guten
familiären Verhältnis ausgegangen werden und gemäss ihren eigenen Aus-
sagen bestehe via ihre (...) Kontakt zu ihrer Familie, auch aktuell; der Kon-
takt sei auch künftig herstellbar. Dass die Beschwerdeführerin persönlich
keinen direkten Kontakt zu den Eltern habe, sei insofern nicht glaubhaft,
als der angeführte Grund einer möglichen Telefonabhörung durch die Be-
hörden nach dem zuvor Erwogenen wegfalle. Mithin sei davon auszuge-
hen, dass sie auch nach einer Rückkehr von ihrer Familie aufgenommen
werde und in ihr vertrautes Umfeld zurückkehren könne. Schliesslich lägen
weitere begünstigende Umstände vor, die ebenfalls eine Rückkehr als zu-
mutbar erscheinen liessen. Beide Eltern seien noch arbeitstätig und bis zur
Ausreise der Beschwerdeführerin für ihren Lebensunterhalt aufgekommen.
Gemäss Aussage der Beschwerdeführerin hätten sie in materieller Hinsicht
fast alles gehabt. Mithin sei davon auszugehen, dass die Familie in der
Lage sei, ihre Bedürfnisse als Minderjährige abzudecken, weshalb sie
nach Ihrer Rückkehr nicht in eine existenzielle Notlage geraten werde. Be-
zugnehmend auf das Kindswohl sei weiter zu bemerken, dass diese Fami-
lienangehörigen als wichtigste Bezugspersonen nicht in der Schweiz, son-
dern in C._ lebten. Eine Rückkehr in den Heimatstaat sei daher
nicht nur zumutbar, sondern vielmehr anzustreben. In der Schweiz halte
sie sich noch nicht besonders lange auf, so dass die hiesige Integration
äusserst gering erscheine. Es stehe ihr frei, die Beziehung zur (...) weiter-
hin zu pflegen. Aufgrund des Erwogenen bestünden somit klare Anhalts-
punkte für das Vorhandensein tragfähiger Anknüpfungspunkte im Heimat-
staat, weshalb praxisgemäss auf weitergehende Abklärungen verzichtet
werden könne. Im Zeitpunkt des Vollzugs werde die Beschwerdeführerin
im Übrigen (...) sein. Dennoch stehe es ihr angesichts ihres jungen Alters
offen, Begleitmassnamen – eventuell in Zusammenarbeit mit der Internati-
onalen Organisation für Migration (IOM) – zu beantragen. Der Vollzug der
Wegweisung sei somit zumutbar.
5.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe bekräftigt die Beschwerdeführerin im We-
sentlichen den vorgetragenen Verfolgungssachverhalt und ergänzt diesen
dahingehend, dass ihre Freilassung dank einer zufälligen Bekanntschaft
des Vaters zu einer Person mit guten Beziehungen zum Sicherheitsdienst
möglich geworden sei, wodurch ihr Aufenthaltsort hätte ausfindig gemacht
und eine Geldzahlung ausgelöst werden können. Sodann seien Anfang
März 2019 wieder Angehörige der Sicherheitstruppen bei den Eltern vor-
beigekommen, um nach D._ zu suchen. Weiter macht sie darauf
aufmerksam, dass sie derzeit psychisch sehr belastet und geschwächt sei
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und eine psychologische Behandlung anstehe. Die Feststellungen des
SEM betreffend die erkannte Unglaubhaftigkeit ihrer Vorbringen träfen
nicht zu. Sie habe die fluchtauslösenden Ereignisse durchaus ausführlich
geschildert; die anderslautende Behauptung des SEM sei schlichtweg ak-
tenwidrig. Der Vorwurf eines konstruierten Sachverhalts sei ebenso wenig
gerechtfertigt. Dabei sei zu beachten, dass ihre Muttersprache Tschetsche-
nisch sei, die Anhörung aber auf Russisch durchgeführt worden sei. Ihr
Wortschatz in dieser Sprache sei eingeschränkt und es sei zu sprachlichen
Schwierigkeiten gekommen. Sodann illustriert sie mittels einer Grundriss-
beschreibung, wie die Militärs bei ihrem unerbetenen Besuch zu Hause
scheinbar problemlos und unbemerkt in das Gebäude hätten eindringen
können. Hier wäre es Sache des SEM gewesen, den Sachverhalt näher
abzuklären. Im Weiteren widersetzt sie sich dem vorinstanzlichen Vorwurf
phasenweise zu wenig konkreter, detaillierter und differenzierter Schilde-
rungen. Das SEM lasse hierbei ihr damaliges Alter von (...) Jahren, ihre
Angst und Nervosität bei den Befragungen, ihre verschlossene und ver-
schwiegene Art, ihren traumatischen Erlebnishintergrund sowie ihre Uner-
fahrenheit im Asylverfahren unberücksichtigt, obwohl solche Aspekte bei
Minderjährigen praxisgemäss zu beachten seien. Sie habe die Befragun-
gen möglichst rasch hinter sich bringen wollen und meist nur knappe Ant-
worten auf gestellte Fragen gegeben, wogegen sie aber die fluchtauslö-
senden Ereignisse im freien Bericht ausführlicher geschildert habe. Das
SEM differenziere bei seiner Behauptung oberflächlicher Aussagen nicht
nach Themenbereichen. Im Vorfeld der Befragungen habe sie übrigens
vernommen, dass Russisch-Dolmetscher teilweise Informationen an die
russischen Behörden weiterleiten würden, was sie verunsichert habe. Es
sei aber festzuhalten, dass sie grundsätzlich widerspruchsfreie, plausible
und glaubhafte Aussagen gemacht habe. Der freie Bericht zu den flucht-
auslösenden Ereignissen weise verschiedene Realkennzeichen auf (z.T.
direkte Rede und Detailerwähnungen) und präsentiere sich erlebnisecht.
Sie verweise denn auch auf einen der Beschwerde beiliegenden, ausführ-
lichen Bericht (russisch, mit deutscher Übersetzung) über die Gescheh-
nisse und ihre Erlebnisse. Das SEM habe den herabgesetzten Beweisan-
forderungen nach Art. 7 AsylG nicht genügend Rechnung getragen und die
Glaubhaftigkeitsprüfung zu restriktiv vorgenommen. Die Schlüssigkeit und
Plausibilität des geschilderten Vorgehens der Sicherheitskräfte ergebe sich
auch aus dem Umstand, dass verhältnismässig viele Tschetschenen sich
dem IS (sogenannter «Islamischer Staat») anschlössen und zum Kampf-
einsatz nach Syrien reisten. Die Intervention des Vaters zu ihrer Freilas-
sung passe zudem zur weit verbreiteten Korruption in Tschetschenien. Sie
selber sei im Übrigen generell glaubwürdig. Der Vorwurf oberflächlicher,
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undifferenzierter und unsubstanziierter Aussagen sei, wie bereits erwähnt,
nicht gerechtfertigt und angesichts ihres nun vorgelegten schriftlichen Be-
richts ohnehin nicht mehr haltbar. Ihre Vorbringen seien somit in einer Ge-
samtbetrachtung als glaubhaft einzustufen. Sie seien unter dem Aspekt
von Art. 3 AsylG auch asylrechtlich beachtlich. Zahlreiche Quellen bestä-
tigten denn auch, dass es im Nordkaukasus, insbesondere in Tschetsche-
nien unter dem Kreml-treuen Präsidenten Kadyrow, regelmässig zu groben
Menschenrechtsverletzungen komme, namentlich zu rechtswidrigen Inhaf-
tierungen, Folter und Musshandlungen bis hin zu aussergerichtlichen Hin-
richtungen und Verschwindenlassen von Personen. Im Visier seien insbe-
sondere Dschihadisten, Salafisten und IS-Kämpfer oder entsprechend Ver-
dächtige, so auch der vermeintliche Islamist D._ und mittelbar eben
sie selber, zumal die Behörden nicht hätten ausschliessen können, dass
sie als Freundin von D._ ebenfalls Islamistin sei. Das Bundesver-
waltungsgericht weise im Referenzurteil D-1658/2015 und D-1660/2015
vom 29. März 2016 denn auch darauf hin, dass die Reflexverfolgung von
Familienangehörigen (mutmasslicher) Widerstandskämpfer im tschetsche-
nischen Kontext nach wie vor aktuell sei. Solche Reflexverfolgungen und
Kollektivbestrafungen von Angehörigen gingen ebenso aus Berichten der
Schweizerischen Flüchtlingshilfe und Human Rights Watch hervor. Sie
habe selber bis zur Ausreise asylrelevante Verfolgung in Form ihrer Aufsu-
chung, Mitnahme, Verhörung, Ohrfeigung, Bedrohung mit einer Pistole,
Vorführung von Foltervideos sowie Todesbedrohungen durch Sicherheits-
kräfte erfahren und befürchte begründeterweise weitere Benachteiligun-
gen, wie die kürzliche Suche nach ihr zu Hause zeige. Die Furcht sei an-
gesichts ihrer Kooperationsverweigerung mit den Behörden auch weiterhin
aktuell, zumal das Verfolgungsinteresse an ihr durch ihre Abwesenheit
noch zugenommen haben dürfte. Im Falle einer erzwungenen Wegweisung
nach Tschetschenien würde sie direkt den heimatlichen Sicherheitsbehör-
den übergeben, die sie höchstwahrscheinlich inhaftieren, foltern und töten
würden; dabei handle es sich um geschlechtsspezifische Verfolgung. In-
nerstaatliche Schutzalternativen in Tschetschenien hätte sie angesichts
der von staatlicher Seite ausgehenden Verfolgung durch Kadyrows Sicher-
heitstruppen keine und eine Niederlassung ausserhalb Tschetschenien sie
ihr als junger Frau klar nicht zuzumuten. Sie sei somit in ihrer Heimat an
Leib und Leben und in ihrer Freiheit gefährdet, womit sie Anspruch auf die
Flüchtlingseigenschaft und Asyl, zumindest aber auf Feststellung der Un-
zulässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges mit entspre-
chender Gewährung der vorläufigen Aufnahme habe, zumal auch ihre in
der KRK verbrieften Rechte bei einer Wegweisung verletzt wären. Allenfalls
sei die Sache aus den oben erwähnten Gründen (Nichtberücksichtigung
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verschiedener Aspekte wie Alter, Verschlossenheit, Erzählstil, traumati-
sche Belastung, Sprachkenntnisse, örtliche Situation im Elternhaus) zur
vollständigen Sachverhaltsherstellung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Das SEM hätte nun auch abzuklären, ob sie von den tschetschenischen
Behörden weiterhin zu Hause gesucht werde beziehungsweise ob sie als
vermisst gemeldet sei, denn ihr selber seien solche Abklärungen aufgrund
ihrer dortigen Verfolgungslage nicht zuzumuten. Hinzu kämen unter dem
Aspekt des Untersuchungsgrundsatzes praxisgemäss zwingend vorzuneh-
mende Abklärungen im Zusammenhang mit der Gewährleistung des Kin-
deswohls, da sie eine unbegleitete Minderjährige gewesen und nach wie
vor jung sei, keinen Kontakt mit den Eltern habe und angesichts gesund-
heitlicher Probleme ihrer Mutter der Rückgriff auf ein familiäres Umfeld
nicht gewährleistet sei.
6.
6.1
6.1.1 Das SEM ist nach korrekter und vollständiger Sachverhaltsfeststel-
lung mit einlässlicher und überzeugender Begründung sowie hinlänglicher
Aktenabstützung in seinen Erwägungen zur zutreffenden Erkenntnis ge-
langt, die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen der Beschwerdefüh-
rerin vermöchten den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftma-
chung eines asylbegründenden Sachverhalts nicht zu genügen. Zur Ver-
meidung von Wiederholungen ist auf die betreffenden Erwägungen ge-
mäss angefochtener Verfügung (dort E. II) und die Zusammenfassung
oben (E. 5.1) zu verweisen. Die Erwägungen geben, abgesehen von nach-
folgend punktuell zu erörternden Einschränkungen und Relativierungen, zu
keinen Beanstandungen Anlass und das SEM ist den praxisgemässen Leit-
linien der Glaubhaftigkeitsprüfung (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11
E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.) im Wesentlichen nachgekommen.
Insbesondere hat es die Unglaubhaftigkeitserkenntnisse nicht pauschal,
sondern sachverhaltsthematisch differenziert (z.B. Beziehung zu
D._; fluchtauslösende Ereignisse) sowie ausgewogen im Rahmen
einer Gesamtbetrachtung gewonnen und dabei verschiedene Aspekte der
Glaubhaftigkeit (Substanz- und Detailgehalt, Erlebnisechtheit und Lebens-
nähe, Plausibilität und Nachvollziehbarkeit, Spontaneitäts- und Konstruk-
telemente, Stereotypizitäten, Differenzierungsgrad) miteinbezogen. Nicht
gänzlich von der Hand zu weisen ist der Hinweis der Beschwerdeführerin
auf ihr minderjähriges Alter im Zeitpunkt der BzP und der Anhörung inso-
weit, als dieser Umstand in der Würdigung der Glaubhaftigkeit als anforde-
rungsrelativierendes Element durchaus hätte erwähnt werden dürfen. An
der letztlich korrekten Glaubhaftigkeitswürdigung durch das SEM ändert
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dies indessen nichts. Dabei ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin
in jenen Zeitpunkten zwar minderjährig, aber doch schon (...) Jahre alt war
und sich dadurch das Anforderungsprofil betreffend die Glaubhaftmachung
jenem von Erwachsenen annäherte. Zudem wies sie bei ihrer Einreise in
die Schweiz bereits einen Maturaabschluss auf. Die BzP und die Anhörung
wurden im Übrigen durchaus altersangepasst und einfühlsam sowie in
freundlicher Atmosphäre durchgeführt; Beanstandungen gab es damals
von keiner Seite. Von Amtes wegen ist immerhin festzuhalten, dass die
Hilfswerksvertretung erst mit Verspätung zur Anhörung eingetroffen ist. An
der Verwertbarkeit des Protokolls ändert dies indessen nichts, zumal dieser
Umstand bis auf Beschwerdeebene nie beanstandet worden ist und die
Beschwerdeführerin zudem von ihrer Vertrauensperson an die Anhörung
begleitet wurde. Das Bundesverwaltungsgericht sieht sich zudem im Rah-
men ihrer über das Rügeprinzip hinausgehenden Prüfungsbefugnis zur
Feststellung veranlasst, dass die Schilderung der Gesuchgründe der Be-
schwerdeführerin in der BzP entgegen der beiläufigen Erwähnung des
SEM in der angefochtenen Verfügung nicht als «äusserst knapp gehalten»
bezeichnet werden kann. Zwar präsentiert sich der freie Bericht dort tat-
sächlich sehr kurz, wogegen sie die zahlreichen Nachfragen aber allesamt
befriedigend zu beantworten imstande war; der Verfolgungssachverhalt
nimmt denn auch im BzP-Protokoll fast zwei Seiten ein. Zudem ist klarzu-
stellen, dass die Erstellung des Verfolgungssachverhalts nicht der Haupt-
zweck einer BzP ist, sondern diese in erster Linie der Personalienauf-
nahme sowie der Erfassung der Familien- und Lebensverhältnisse, des
Reiseweges, früherer Auslandaufenthalte und vorhandener Dokumente
dient. Immerhin hat das SEM seine Wahrnehmung eines in der BzP nur in
äusserst kurzer Form deponierten Verfolgungssachverhalts der Beschwer-
deführerin im Rahmen der Glaubhaftigkeitsprüfung nicht zur Last gelegt.
6.1.2 Die Rügen und Einwände auf Beschwerdestufe betreffend die – ge-
mäss vorstehenden Erwägungen rechtskonform erfolgte – Glaubhaftig-
keitsprüfung führen zu keiner anderen Betrachtung. Soweit sie sich nicht
in blossen Wiederholungen, Bekräftigungen, Gegenbehauptungen, Mut-
massungen oder offensichtlich unbehelflichen Erklärungsversuchen er-
schöpfen, geben sie im Einzelnen zu folgenden Erwägungen Anlass: Zwar
trifft es zu, dass die Beschwerdeführerin den angeblichen fluchtauslösen-
den Ereignissen eine gewisse quantitative Substanz zu verleihen ver-
mochte. Das SEM hat jedoch seine zutreffende Einschätzung auf die feh-
lende qualitative Substanz und Erlebnisechtheit «in den entscheidenden
Momenten» abgestützt und sich insbesondere auf Antworten auf gezielte
Nachfragen bezogen, mit entsprechenden Aktenabstützungen. Der weitere
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Erklärungsversuch mit dem Hinweis auf ihre tschetschenische Mutterspra-
che (mit eingeschränktem Wortschatz), wogegen die Anhörungssprache
Russisch gewesen sei und es so zu sprachlichen Schwierigkeiten gekom-
men sei, stellt eine Schutzbehauptung dar. Weder von ihr noch von anderer
Seite wurden solche sprachlichen Schwierigkeiten bislang erwähnt. Sie hat
mit ihrer Unterschrift unter die beiden Protokolle deren Richtigkeit bestätigt,
auch dass sie die Dolmetscherin gut verstanden habe. In Ziff. 1.17.02 hat
sie ausdrücklich erwähnt, Russisch gut zu beherrschen und ihren der Be-
schwerde beigelegten Bericht hat sie ebenfalls in Russisch verfasst. Auch
der Hinweis, wonach sie im Vorfeld der Befragungen vernommen habe,
dass Russisch-Dolmetscher teilweise Informationen an die russischen Be-
hörden weiterleiten würden, was sie verunsichert habe, ist nicht nur un-
plausibel, sondern erfolgt auf Beschwerdestufe zu spät. Zudem wurde die
Beschwerdeführerin bereits an der BzP auf die unparteiische und neutrale
Rolle der Dolmetschenden und auf die Gewährleistung aufmerksam ge-
macht, dass sämtliche involvierten Personen die gemachten Aussagen
vertraulich behandeln und diese nicht den heimatlichen Behörden zugäng-
lich machen würden. Der weitere an das SEM gerichtete Vorwurf, wonach
dieses die Angst und Nervosität bei den Befragungen, ihre verschlossene
und verschwiegene Art, ihren traumatischen Erlebnishintergrund sowie ihre
Unerfahrenheit im Asylverfahren unberücksichtigt belassen habe, er-
scheint haltlos, zumal die Akten und insbesondere die Protokolle keine sol-
chen Anhaltspunkte liefern und entsprechende Hinweise bis zur Beschwer-
deerhebung dem SEM nicht zugänglich gemacht wurden. Eine gewisse
Nervosität und Unerfahrenheit im Asylverfahren sind Eigenschaften, die
fast allen Asylsuchenden zukommen. Dass sie die Befragungen möglichst
rasch hinter sich habe bringen wollen und meist nur knappe Antworten auf
gestellte (Nach-)Fragen gegeben habe, erstaunt schon deshalb, weil sie
es ist, die um Schutz vor Verfolgung ersucht, zur Teilnahme an der BzP
und an der Anhörung eingeladen (und nicht gezwungen) wurde und sie
schliesslich insoweit dem Kernpunkt der ihr obliegenden und hinlänglich
zur Kenntnis gebrachten Mitwirkungspflicht unterliegt, als sie gemäss Art. 8
Abs. 1 Bst. c AsylG die Gründe für ihr Schutzersuchen darzulegen hat. We-
der in diesem Zusammenhang noch anderweitig ist ersichtlich, inwiefern
das SEM seine Abklärungspflicht über die gezielten Nachfragen hinaus
hätte ausdehnen müssen; die Rüge einer darauf basierenden Verletzung
des rechtlichen Gehörs ist mithin nicht stichhaltig. Ebenso wenig ist einzu-
sehen, weshalb das Gericht einen erst nach Ergehen der angefochtenen
Verfügung verfassten ausführlichen Bericht der Beschwerdeführerin über
ihre Asylgründe – mit einigen Sachverhaltsmodifikationen – nunmehr als
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massgebliche Sachverhaltsbasis anerkennen und gar höher als die erstin-
stanzlich deponierte Version gewichten sollte. Augenfällig wenig hilfreich
für eine erhöhte Plausibilitätswirkung betreffend die behauptete Freilas-
sungsintervention des Vaters erscheint der nachgeschobene Hinweis auf
eine zufällige Bekanntschaft des Vaters zu einer Person mit guten Bezie-
hungen zum Sicherheitsdienst, wodurch ihr Aufenthaltsort erst hätte aus-
findig gemacht und eine Geldzahlung ausgelöst werden können. Als unbe-
achtlicher Nachschub wesentlicher Sachverhaltselemente ist gleichsam
der Hinweis zu werten, wonach Anfang März 2019 – bezeichnenderweise
kurz nach Ergehen der angefochtenen Verfügung – wieder Angehörige der
Sicherheitstruppen bei den Eltern vorbeigekommen seien, um nach
D._ zu suchen; entsprechende Beweismittel liegen denn auch dies-
bezüglich keine vor.
Am Rande bleibt darauf hinzuweisen, dass neben den erwähnten Sub-
stanzdefiziten und Ungereimtheiten verschiedene weitere solche aufgetre-
ten sind, so beispielsweise betreffend die (Aus-)Reiseumstände; diese ent-
behren weitgehend der geforderten Plausibilität und Realitätsnähe. Dies
und die Beschreibung des Verlustes ihres russischen Reisepasses liefern
zum einen Anhaltspunkte dafür, dass sie einerseits den schweizerischen
Behörden bedeutsame Tatsachen verschweigt. Zum andern bestätigen sie
die oben gestützte Erkenntnis des SEM, wonach es sich beim deponierten
Verfolgungssachverhalt um ein Konstrukt handeln muss. Die gesamten
Umstände deuten darauf hin, dass sie nach der verweigerten Visumsertei-
lung im Jahre 2016 mit ihrem jetzigen Asylgesuch in Umgehung ausländer-
rechtlicher Bestimmungen und mit organisatorischer Unterstützung durch
ihren Vater einen weiteren Versuch der Migration (...) in die Schweiz unter-
nehmen wollte.
6.1.3 Rechtslogisch konsequent verzichtete das SEM nach seiner zu stüt-
zenden Feststellung der Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen auf eine Prü-
fung deren Asylrelevanz nach Massgabe der gesetzes- und praxisgemäs-
sen Anforderungen von Art. 3 AsylG, zumal es nunmehr an einem unter
diese Bestimmung subsumierbaren und der Würdigung der flüchtlings-
rechtlichen Beachtlichkeit zugänglichen Sachverhalt fehlt. Unter Bezug-
nahme auf die betreffenden Ausführungen in der Beschwerde bleibt – unter
hypothetischer Annahme der Wahrheit ihrer Vorbringen – dennoch im Rah-
men einer summarischen Prüfung festzuhalten, dass selbst aus einer ob-
jektivierten Perspektive der tschetschenischen Behörden die Einstufung
der Beschwerdeführerin als Dschihadistin beziehungsweise Salafistin mit
beabsichtigtem Kampfeinsatz in Syrien oder auch nur als entsprechend
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Verdächtige offensichtlich fern liegen muss, da sie keinerlei darauf hindeu-
tende Indizien für ihre Person lieferte. Die blosse und zudem erst kurze
Beziehung zu einem möglichen Verdächtigen reicht dazu noch nicht.
Ebenso offensichtlich konnte sie auch nicht im Entferntesten als Wider-
standskämpferin gegen das Kadyrow-Regime eingestuft werden. Der Hin-
weis auf die Praxis des Bundesverwaltungsgerichts mit dem Referenzurteil
vom 29. März 2016 (betreffend Reflexverfolgung von Familienangehörigen
von Widerstandskämpfern im tschetschenischen Kontext) bleibt daher un-
behelflich. Weiter ist schwer nachvollziehbar, inwiefern der angeblichen
Verfolgungslage der Beschwerdeführerin ein geschlechtsspezifisches Mo-
tiv zugrunde liegen sollte. Schliesslich könnte selbst unter Annahme einer
nicht bestehenden Ausweichmöglichkeit innerhalb Tschetscheniens nicht
nachvollzogen werden, weshalb die Inanspruchnahme eines Niederlas-
sungsrechts ausserhalb Tschetscheniens – aber in Russland – für sie we-
der möglich noch zumutbar sein sollte. Das weibliche Geschlecht und das
junge Alter vermögen dies nicht zu begründen.
6.1.4 Das SEM hat somit das Bestehen einer Verfolgungssituation der Be-
schwerdeführerin und mithin ihre behauptungsgemässen Ansprüche auf
Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung des Asyls nach
rechtsgenüglicher Abklärung des relevanten Sachverhalts und unter Wah-
rung ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör zu Recht verneint.
6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dies wird
in der Beschwerde auch nicht bestritten.
6.3 Die Vorinstanz hat im Weiteren den Wegweisungsvollzug zu Recht als
zulässig und zumutbar erkannt. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann
hierzu auf die umfassenden und zu bestätigenden Ausführungen des SEM
in der angefochtenen Verfügung (dort E. III) sowie auf die vorstehende Zu-
sammenfassung (vgl. E. 5.1) verwiesen werden. Die Beschwerde öffnet
auch diesbezüglich keinen neuen Blickwinkel. Dabei ist vorab festzuhalten,
dass die KRK seit dem Erreichen der Volljährigkeit der Beschwerdeführerin
([...]) nicht mehr zum Tragen kommt und die betreffenden Argumentations-
teile in der Verfügung und in der Beschwerde nicht mehr zu würdigen sind.
Die Beschwerdeführerin moniert immerhin zurecht, dass ihr noch junges
Alter dennoch bei der Zumutbarkeitsprüfung mitzuberücksichtigen sei. Das
SEM hat diesem Umstand in seinen Erwägungen aber bereits hinreichend
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Rechnung getragen. Weitere Abklärungen hinsichtlich Zulässigkeit und Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzuges drängen sich nicht auf. Es wäre
vielmehr für die Beschwerdeführerin ein Leichtes und in Anbetracht der ihr
obliegenden Mitwirkungspflicht auch erforderlich und zumutbar gewesen,
allfällige vollzugshinderliche Aspekte abzuklären (beispielsweise das Be-
stehen einer Vermisstmeldung für ihre Person oder mögliche gesundheitli-
che Probleme der Eltern). Das Bundesverwaltungsgericht stützt das SEM
in seiner Auffassung, dass die angeblich seit ihrer Ausreise bestehende
und mit Sicherheitsaspekten (Gefahr einer Abhörung) begründete Kontakt-
losigkeit der Beschwerdeführerin zu ihren Eltern nicht glaubhaft und offen-
sichtlich als Schutzbehauptung zu werten ist. Selbst wenn dem so wäre,
bliebe sie eine Erklärung dafür schuldig, weshalb ihrer (...) Schwester ein
solcher Kontakt mit Gesprächsinhalten über die Beschwerdeführerin den-
noch möglich sein soll. Zudem könnten die Beschwerdeführerin und ihre
Eltern den Kontakt beidseitig ohne weiteres mit einem anderen Kommuni-
kationsgerät aufnehmen, um das angebliche Gefährdungsmoment einer
Abhörung zu umgehen. Angesichts der vorliegend zahlreich bestehenden
vollzugsbegünstigenden Umstände und ebenso unter Berücksichtigung ih-
rer nun zwar über zweieinhalbjährigen, aber dennoch nicht zu einer eigent-
lichen Entwurzelung führenden Landesabwesenheit, wird die heute
(...)-jährige Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in ihre Heimat nicht mit
einer existenziellen Notlage irgendwelcher Art konfrontiert sein. Dabei ist
der Vollständigkeit halber festzuhalten, dass die in der Beschwerde vage
angetönte, zuvor aber nie geltend gemachte psychische Belastung der Be-
schwerdeführerin offenbar weder gravierend noch aktuell ist, zumal im Ver-
laufe des über zweijährigen Beschwerdeverfahrens keinerlei Berichte oder
Belege betreffend eine tatsächliche Aufnahme einer psychologischen oder
psychiatrischen Behandlung oder über deren Verlauf und Ausgang vorlie-
gen; insbesondere wurden diese angeblichen psychischen Probleme auch
in der Beschwerdeergänzung vom 30. Dezember 2019 nicht mehr thema-
tisiert. Dabei ist festzuhalten, dass beim Geltendmachen von Wegwei-
sungsvollzugshindernissen gemäss Praxis des Bundesverwaltungsge-
richts der gleiche Beweisstandard gilt wie bei der Prüfung der Flüchtlings-
eigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis
möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE
2011/24 E. 10.2 m.w.H.). Die Frage der Möglichkeit des Wegweisungsvoll-
zuges (vgl. Art. 83 Abs. 2 AIG) schliesslich wurde in der angefochtenen
Verfügung nicht explizit geprüft. Sie ist aber offensichtlich zu bejahen, da
keinerlei gegenteilige Anhaltspunkte irgendwelcher Art auszumachen sind
oder auf Beschwerdestufe geltend gemacht werden. Es obliegt der
Beschwerdeführerin, einen allfällig in ihrem Besitz befindlichen russischen
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Reisepass vorzulegen oder sich bei der zuständigen Vertretung des Hei-
matstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu be-
schaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12).
Der Vollzug der Wegweisung ist nach dem Gesagten als zulässig, zumut-
bar und möglich zu bezeichnen. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme
fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin – wie
vom SEM zutreffend erkannt – aus den im Asylgesuch geltend gemachten
Gründen weder einen Anspruch auf Feststellung der Flüchtlingseigen-
schaft oder Gewährung des Asyls noch einen solchen auf Verzicht auf die
Wegweisungsanordnung als solche oder auf Gewährung der vorläufigen
Aufnahme unter Feststellung der Undurchführbarkeit des Wegweisungs-
vollzuges ableiten kann. Ebenso wenig besteht Anlass zur Rückweisung
der Sache an die Vorinstanz aus formellen Gründen.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Es erübrigt sich, auf die weiteren Inhalte
der Beschwerde und die vorgelegten Beweismittel näher einzugehen, da
sie am Ergebnis nichts zu ändern vermögen. Die Beschwerde ist abzuwei-
sen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Be-
schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf deren Erhe-
bung ist jedoch in Berücksichtigung des mit Zwischenverfügung vom 2. Ap-
ril 2019 gutgeheissenen Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung zu verzichten.
8.2 Dem mit Zwischenverfügung vom 2. April 2019 amtlich beigeordneten
Rechtsbeistand ist ein amtliches Honorar für seine notwendigen Aufwen-
dungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Dieser präsentiert mit Ein-
gabe vom 30. Dezember 2019 seine Honorarnote. Der ausgewiesene Zeit-
aufwand von rund 9.2 Stunden erscheint dabei leicht überhöht. In Berück-
sichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE)
und des auf maximal Fr. 220.– reduzierten Stundenansatzes bei amtlich
bestellten Rechtsbeiständen (vgl. die erwähnte Zwischenverfügung S. 3)
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ist das Honorar für das vorliegende Verfahren demnach auf insgesamt
Fr. 2’000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von
Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzusetzen.
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