Decision ID: 8065c7a0-d401-41ab-9476-7e91dc6bd2e3
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
I. Sachverhalt:
1. A._, geb. am C._, wird seit dem 1. Juni 2021 durch die
Gemeinde B._ öffentlich-rechtlich unterstützt. Im Zeitraum von
Oktober 2021 bis Februar 2022 wurde ihm der Grundbedarf um 15 %
gekürzt, weil er am kommunalen Einsatzprogramm nicht teilgenommen
hatte.
2. In der Folge ersuchte A._ um Verlängerung der öffentlich-rechtlichen
Unterstützung. Mit Verfügung vom 21. März 2022 beschied die Gemeinde
B._ im Dispositiv was folgt:
1. Der Gesuchsteller wird ab dem 01.03.2022 mit CHF 1'720.75  unterstützt. Die Unterstützung ist bis 31.08.2022 befristet.
2. Der Gesuchsteller wird verpflichtet, monatlich bis spätestens am 25. des Monats, der Gemeinde 10 Arbeitsbemühungen vorzuweisen. Andernfalls behält sich die Gemeinde vor, den Grundbedarf zu kürzen.
3. Sofern der Gesuchsteller bis 30.04.2022 keinen Arbeitsvertrag vorweisen kann, wird er verpflichtet bei Dock Graubünden (2. Arbeitsmarkt) einer Teilzeitarbeit, mind. 50 %, nachzugehen. Eine Missachtung dieser Weisung hat zur Folge, dass das erzielbare Einkommen vollumfänglich angerechnet wird. Bei einer 50 % Arbeitsleistung ist mit einem Lohn von mindestens CHF 700.00 zu rechnen.
4. Der Gesuchsteller wird nochmals verpflichtet im kommunalen Einsatzprogramm teilzunehmen. Eine Nichtbefolgung dieser Weisung hat eine Leistungskürzung zur Folge. Der Gesuchsteller hat während des Arbeitseinsatzes Anspruch auf eine Integrationszulage. Der Gesuchsteller wird aufgeboten.
5. (...)
3. Dagegen erhob A._ am 29. April 2022 (Poststempel) mit als
"Einspruch" bezeichneter Eingabe Beschwerde beim Verwaltungsgericht
des Kantons Graubünden und beantragte die Aufhebung der Verfügung
vom 21. März 2022.
4. Mit Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden (VGU) U 22
33 vom 21. Juni 2022 wurde die Beschwerde von A._ gutgeheissen
und Ziffer 3 der angefochtenen Verfügung aufgehoben. In Bezug auf Ziffer
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4 der angefochtenen Verfügung wurde zudem ausdrücklich festgehalten,
dass diesbezüglich keine Rechtswidrigkeit zu erkennen sei und die darin
vorgesehene Kürzung für den Unterlassungsfall – Nichtbefolgung der
Teilnahme am kommunalen Einsatzprogramm – eine zulässige
sanktionelle Kürzung von Leistungen der Sozialhilfe darstelle. Dieses
Urteil ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
5. Mit Verfügung vom 26. September 2022 wurde A._ für den Zeitraum
vom 1. September 2022 bis 28. Februar 2023 eine öffentlich-rechtliche
Unterstützung von monatlich CHF 1'711.65 zugesprochen. Gleichzeitig
wurde er unter anderem verpflichtet, am kommunalen Einsatzprogramm
teilzunehmen; dies unter Androhung, dass ihm im Unterlassungsfall die
Leistungen der Sozialhilfe gekürzt würden.
6. Dagegen erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 3.
November 2022 (Poststempel) mit als "Einsprache" bezeichneter Eingabe
Beschwerde beim Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden und
beantragte sinngemäss die Aufhebung der Verfügung vom 26. September
2022. Er sei der Verpflichtung, am kommunalen Einsatzprogramm
teilzunehmen, nachgekommen. Er habe den Ansprüchen der
Gemeindearbeiter nicht gerecht werden können und der Arbeitseinsatz sei
aufgelöst worden, zumal er sich nicht schikanieren lasse. Die angedrohte
Kürzung von CHF 700.-- sei unverhältnismässig und ungerechtfertigt, da
diese Kürzung 70% seines Grundbedarfs entspreche.
7. Mit Vernehmlassung vom 24. November 2022 beantragte die Gemeinde
B._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin) die kostenfällige Abweisung
der Beschwerde, soweit darauf überhaupt einzutreten sei. Es sei in der
angefochtenen Verfügung keine Leistungskürzung von monatlich CHF
700.-- angedroht worden, weshalb auf die Beschwerde mangels
Rechtsschutzinteresse nicht eingetreten werden könne. In materieller
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Hinsicht sei zu berücksichtigen, dass die Verpflichtung, am kommunalen
Einsatzprogramm teilzunehmen, nicht angefochten worden sei. Diese
Verpflichtung sei auch nicht zu beanstanden. Die Teilnahme an einem
Beschäftigungsprogramm sei für den Beschwerdeführer ohne Weiteres
zumutbar, was im VGU U 22 33 vom 21. Juni 2022 festgestellt worden sei.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtschriften sowie
in der angefochtenen Verfügung wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) beurteilt das
Verwaltungsgericht Beschwerden gegen Entscheide von Gemeinden,
soweit diese nicht bei einer anderen Instanz angefochten werden können
oder nach kantonalem oder eidgenössischem Recht endgültig sind. Die
angefochtene Verfügung vom 26. September 2022, mit welcher die
Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer unter anderem zur
Teilnahme am kommunalen Einsatzprogramm verpflichtet und für den
Unterlassungsfall gleichzeitig eine (sanktionelle) Kürzung von Leistungen
der Sozialhilfe angedroht hat, ist weder endgültig noch kann sie bei einer
anderen Instanz angefochten werden. Die Beurteilung der Beschwerde
fällt demzufolge in die Zuständigkeit des angerufenen Gerichts.
2.1. In formeller Hinsicht ist strittig, ob auf die Beschwerde vom 3. November
2022 überhaupt eingetreten werden kann. Gemäss Art. 50 Abs. 1 VRG ist
zur Beschwerde legitimiert, wer durch den angefochtenen Entscheid
berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an seiner Aufhebung oder
Änderung hat. Als formeller und materieller Adressat der angefochtenen
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Verfügung ist der Beschwerdeführer davon berührt. Die Frage des
"Berührtseins" gibt somit zu keinen Beanstandungen Anlass, was von der
Beschwerdegegnerin auch nicht beanstandet wird. Die
Beschwerdegegnerin beanstandet hingegen, dass der Beschwerdeführer
kein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung der angedrohten
Leistungskürzung habe, weil in der angefochtenen Verfügung – entgegen
der Auffassung des Beschwerdeführers – überhaupt keine
Leistungskürzung von monatlich CHF 700.-- für den Unterlassungsfall
verfügt worden sei. Ob diese Beanstandung verfängt, kann hier
offengelassen werden, zumal selbst dann, wenn auf die Beschwerde
eingetreten werden würde, sie ohnehin in materieller Hinsicht abzuweisen
wäre (vgl. nachstehende E.4.1. f).
3.1. Gemäss Art. 43 Abs. 3 VRG entscheidet das Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden in einzelrichterlicher Kompetenz, wenn der
Streitwert CHF 5'000.-- nicht übersteigt oder ein Rechtmittel offensichtlich
unzulässig oder offensichtlich begründet oder unbegründet ist. Die
Teilnahme des Beschwerdeführers am kommunalen Einsatzprogramm
erweist – wie nachfolgend aufgezeigt wird – sich ohne Weiteres als
möglich und zumutbar. Auch ist in der angedrohten Kürzung von
Leistungen der Sozialhilfe im Unterlassungsfall keine Rechtswidrigkeit zu
erkennen. Beides ist im VGU U 22 33 vom 21. Juni 2022 bereits
rechtskräftig entschieden worden. Vor diesem Hintergrund erweist sich die
Beschwerde vom 3. November 2022 als offensichtlich unbegründet,
weshalb die Zuständigkeit der Einzelrichterin gegeben ist.
4.1. Der Beschwerdeführer beantragt in seiner Beschwerde die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 26. September 2022, eventuell eine
verhältnismässige Reduktion der angedrohten Leistungskürzung. Im
Lichte der vom Beschwerdeführer vorgetragenen Begründung ist dieses
Rechtsbegehren nach Treu und Glauben dahingehend auszulegen, dass
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er sich gegen Ziffer 4 der angefochtenen Verfügung wehrt (zur Auslegung
der Rechtsbegehren nach Treu und Glauben, insbesondere im Lichte der
dazu gegebenen Begründung, vgl. Urteile des Bundesgerichts
4A_462/2017 vom 12. März 2018 E.3.2 und 9C_8/2012 vom 12. März
2012 E.1.1 mit diversen Hinweisen). Vorliegend ist somit streitig und zu
prüfen, ob die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer zu Recht zur
Teilnahme am kommunalen Einsatzprogramm verpflichtet und ihm für den
Unterlassungsfall eine Kürzung von Leistungen der Sozialhilfe angedroht
hat. Dabei ist der Beschwerdeführer vorweg darauf hinzuweisen, dass ihm
in der angefochtenen Verfügung zwar eine Leistungskürzung dem
Grundsatz nach angedroht worden ist, allerdings nicht – wie vom
Beschwerdeführer fälschlicherweise angenommen – eine solche von
monatlich CHF 700.--.
4.2. Im rechtkräftigen VGU U 22 33 vom 21. Juni 2022 wurde festgehalten,
dass es sich beim Beschwerdeführer um einen jungen Mann handelt, der
bei guter Gesundheit ist. Daran hat sich seit Erlass dieses Urteils nichts
geändert, was sich dem Schreiben des Kantonalen Sozialamtes
Graubünden vom 15. September 2022 entnehmen lässt
(beschwerdegegnerische Beilage [Bg-act.] 3). Vor diesem Hintergrund ist
nicht einzusehen, weshalb ihm die Teilnahme am kommunalen
Einsatzprogramm nicht möglich und zumutbar sein sollte; dies umso
weniger, als keinerlei Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der
Beschwerdeführer – wie von ihm behauptet – in der Vergangenheit
schikaniert worden ist. Auch sind keine in den persönlichen Verhältnissen
liegende Umstände bekannt, aufgrund welcher er nicht in der Lage sein
sollte, am kommunalen Einsatzprogramm teilnehmen zu können. Insofern
erweist sich die verfügte Teilnahme an diesem Integrationsprogramm als
zumutbar und verhältnismässig. Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die
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Ausführungen im VGU U 22 33 vom 21. Juni 2022 E.3.2. verwiesen
werden.
4.3. Zu prüfen bleibt somit noch die Frage, ob die Beschwerdegegnerin für den
Unterlassungsfall zu Recht eine Leistungskürzung angedroht hat. Auch
diese Frage ist im VGU U 22 33 vom 21. Juni 2022 bereits beantwortet
worden. Darin ist nämlich erwogen worden, dass die Androhung einer
sanktionellen Kürzungen von Leistungen der Sozialhilfe für den
Unterlassungsfall – Nichtbefolgung der Teilnahme am kommunalen
Einsatzprogramm – zulässig ist. Nichts Anderes hat auch bezüglich der
mit der angefochtenen Verfügung angedrohten Leistungskürzung zu
gelten. Es ist darauf hinzuweisen, dass der Grundbedarf für den
Lebensunterhalt bei ungenügenden Integrationsanstrengungen gemäss
Art. 11 der Ausführungsbestimmungen zum kantonalen
Unterstützungsgesetz (ABzUG; BR 546.270) um 5 bis 30 Prozent gekürzt
werden kann, wobei eine Kürzung von 20 bis 30 Prozent auf maximal
sechs Monate und eine solche bis 19 Prozent auf maximal zwölf Monate
zu befristen ist (vgl. SKOS-Richtlinien, Kapitel F.2. Abs. 1, 2 lit. a und 3).
Eine zulässige Kürzung der Sozialhilfe setzt weiter voraus, dass die
Verfügung, welche die Sanktion begründet, vollstreckbar ist und der
Grundsatz der Verhältnismässigkeit beachtet wurde. Weiter gilt, dass
Sanktionen regelmässig erst nach vorgängiger Androhung verhängt
werden dürfen (VGU U 22 1 vom 22. Februar 2022 E.3.2, U 19 98 vom 7.
Januar 2020 E.4.2, U 19 19 vom 10. September 2019 E.2.3; HÄNZI, Die
Richtlinien der schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe, Entwicklung,
Bedeutung und Umsetzung der Richtlinien in den deutschsprachigen
Kantonen der Schweiz, Diss. Basel 2011, S. 149).
5.1. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die Beschwerde als
offensichtlich unbegründet erweist, weshalb sie abzuweisen ist, soweit
darauf überhaupt eingetreten werden kann. Bei diesem Ausgang des
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Verfahrens müssten die Gerichtskosten grundsätzlich dem unterliegenden
Beschwerdeführer auferlegt werden, zumal das Beschwerdeverfahren in
Sozialhilfesachen nicht kostenlos ist und er auch kein Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege gestellt hat (vgl. Art. 73 Abs. 1 und Art. 76
Abs. 1 VRG). Angesichts der besonderen Umstände dieses Einzelfalls,
der dem Gericht ausserdem nur einen bescheidenen Aufwand verursacht
hat, wird hier aber ausnahmsweise auf die Erhebung einer Gerichtsgebühr
verzichtet.
Der Beschwerdegegnerin wird gemäss der Regel in Art. 78 Abs. 2
VRG keine Parteientschädigung zugesprochen.