Decision ID: cd9fbbbc-58b6-4718-a64c-f22daa90bf6a
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1953 geborene
X._
arbeitet als Katechetin beim
Y._
und ist über den Arbeitgeber bei den AXA Versi
cherungen AG obligatorisch unfallversichert. Am 2
2.
Oktober 2012 liess sie einen Unfall vom selben Tag melden, bei welchem sie bei einem brüsken Bremsmanöver ihres Ehemannes
im Fahrzeug
herumgeschleudert worden sei (
Urk.
7/A1). Der am selben Tag konsultierte
Dr.
med.
Z._
,
Facharzt für All
gemeine Innere Medizin FMH
,
stell
te die vorläufige Diagnose einer
Distorsion der Halswirbelsäule
(HWS)
Grad II
(
Urk.
7/M1). Mit Verfügung vom 20. Dezem
ber 2012
verneinte
die Unfallversich
erung einen Leistungsanspruch
, da beim Ereignis vom 2
2.
Oktober 2012 kein ungewöhnlicher äusserer Faktor eine ursächliche Rolle gespielt habe und somit kein Unfall im Rechtssin
ne vorliege (
Urk.
7
/A8). Die Einsprache der Versicher
ten vom 31. Dezember 2012 (
Urk.
7
/A12) wies die AXA Versicherungen AG mit Entscheid vom 3. April 2013 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 29. April 2013 Beschwerde mit
dem
sinngemässen Antrag auf Verpflichtung der Unfallversicherung zur Leistungserbringung (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin schloss in der Beschwerdeantwort vom 30. Mai 2013 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Strittig ist, ob die Beschwerdeführerin als Folge des Vorfalls vom 2
2.
Oktober 2012 Anspruch auf Versicherungsleistungen hat. In Fra
ge steht in diesem Zusammenhang
, ob es sich
beim
besagten Ereignis um einen Unfall im Sinne von Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversiche
rungsrechts
(ATSG) handelt
.
1.2
Die hierfür einschlägigen Rechtsgrundlagen, etwa die Definition des Unfalls gemäss Art. 4 ATSG und die Rechtsprechung zum unfallbegrifflichen Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors (BGE 118 V 59 E. 2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 V 117 E. 2.1) wurden im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2 E. 2.2) und
in
der Verfügung vom 20. Dezember 2012 (
Urk.
7
/8A) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
1.3
Weiter
hat
die Beschwerdegegnerin
zutreffend auf die
höchstrichterliche
Recht
sprechung
(Urteil des Bundesgerichts 8C_325/2008 vom 17. Dezember 2008)
verwiesen, wonach
die Hyperflexionsbewegung der Halswirbelsäule bei
einer
Vollbremsung eines Autos ohne Kollision für sich allein genommen keinen ungewöhnlichen äusseren Faktor und damit keinen Unfall im Rechtssinne dar
stellt
, denn es handelt sich um einen im betreffenden Lebensbereich alltäglichen und üblichen Vorgang. Die Annahme eines Unfalls im Rechtssinn setzt ein schadenspezifisches Zusatzgeschehen voraus (
BGE 134 V 74
E. 4.3.2.1 mit Hin
weisen).
1.4
Ebenfalls
als
richtig erweisen sich die Darlegungen zu den unfallähnlichen
Kör
perschädigungen
gemäss Art. 9
Abs.
2 der Verordnung über die Unfallversi
cherung (UVV).
Auch darauf wird verwiesen.
1.5
Zu ergänzen ist, dass die Verwaltung als verfügende Instanz und
im
Be
schwe
r
defall
das Gericht eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen dürfen, wenn sie von ihrem Bestehen über
zeugt sind. Im
Sozialversicherungs
recht
hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abwei
chendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der über
wiegenden Wahr
scheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglich
keit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanfor
derungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener
Sachver
halts
dar
stel
lung
, die es von allen möglichen
Ge
schehensabläu
fen
als die wahrschein
lichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b S. 360 mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3 S. 324 f.).
2.
2.1
Über den Vorfall vom 2
2.
Oktober 2012 ist den Akten zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin Beifahrerin eines Personenwagens war. Der Fahrer, ihr Ehemann, musste beim Rückwärtsmanövrieren aus einem
Parkfeld
wegen eines anderen Fahrzeugs
offenbar ab
rupt abbremsen. Die Beschwerdeführerin wurde gemäss
Schilderung
in der Unfallmeldung vom selben Tag i
m Auto herumge
schleudert (
Urk.
7/A1, vgl. auch Angaben in
Urk.
7
/A2).
Gemäss Angaben
der Beschwerdeführerin im von
Dr.
Z._
erfassten Dokumentationsbogen
für
Erst
konsultation
nach
kranio
-zervikalem Beschleunigungstrauma
vom selben Tag hat
bei gerader Kopfstellung und aufrechter Sitzposition ein Kopfanprall stat
t
gefunden (
Urk.
7
/M2). Im Bericht vom 6. November 2012 zur Erstkonsult
at
ion vom 1
2.
Oktober 2012 notierte
Dr.
Z._
dagegen,
die Beschwerdeführerin habe angegeben, sie sei
durch die abrupte Bremsung vom Gurt am Hal
s rechts geprellt worden (
Urk.
7
/M1
). In der Einsprache vom
31. Dezember 2012 konkre
tisierte die Beschwerdeführerin dies dahingehend, dass der Sicherheitsgurt den Hals stark zur Seite geschlagen habe, also nicht nur der Kopf hin und her geschlagen worden sei (
Urk.
7
/12
)
.
2.2
Unbestritten und aufgrund der Aktenlage erstellt ist der Unfallhergang inso
weit
, als dass keine Kollision stattgefunden hat. Angesichts der höchstrichterlichen Rechtsprechung, wonach das Merkmal der Ungewöhnlichkeit - und damit der Unfallbegriff – bei starkem und unerwartetem Abbremsen eines Autofahrers, ohne dass es zu einer Kollision mit einem anderen Verkehrsteilnehmer gekom
men wäre, zu verneinen ist (Urteil des Bundesgerichts U 491/06 vom 20. August 2007 E.
2.2),
bedürfte es für die Annahme eines Unfalls im Rechtssinn ein schadensspezifisches Zusatzgeschehen, welches den natürlichen Ablauf der
Kör
perbewegung
gleichsam programmwidrig beeinflusst hat.
2.3
Was den lediglich im Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach
kranio
-zervikalem Beschleunigungstrauma erwähnten Kopfanprall an
die Kopfstütze anbelangt (
Urk.
7
/M2), ist ein solches Zusatzgeschehen zu verneinen, kommt es doch im Anschluss an eine Vollbremsung keineswegs selten vor, dass die betroffene Person zunächst nach vorne und anschliessend nach hinten gewor
fen wird. Der Zweck der Kopfstütze besteht gerade darin, eine weitere
Schleu
derbewegung
der Halswirbelsäule zu verhindern. Der Aufprall als solcher ist daher nicht ungewöhnlich
, was
vom Bundesgericht
in vergleichbaren Fällen wiederholt
bestätigt wurde
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts
C_325 /2008
vom
17. Dezember 2008
E. 2.2 mit Hinweis), zumal zu berücksichtigen ist, dass aus der Bewegung der HWS resultierende Verletzungen nicht die Folge des Auf
-
pralls auf der Kopfstütze, sondern bereits der vorangehenden Bewegung bilden wür
den.
2.4
Letzteres gilt auch hinsichtlich der Behauptung der Beschwerdeführerin, wonach der Sicherheitsgurt den Hals stark zur Seite geschlagen habe, also nicht nur der Kopf hin und her ge
schlagen worden sei (vgl.
Urk.
7
/12
)
.
Was die Glaubwürdig
keit dieser Sachverhaltsschilderung anbelangt, erscheint es zunächst unwahr
scheinlich, dass selbst ein brüskes Abbremsen beim Rückwärtsmanövrieren aus einem
Parkfeld
bei der wohl sehr geringen Geschwindigkeit zu starken physika
lischen Kräften
und damit einem eigentlichen Hin- und
Herschleudern
des Kopfes oder übriger Körperteile
führte
.
Eine seitliche Schleuderbewegung ist zu
dem weder aufgrund des Rückwärtsmanövers mit abruptem Abbremsen noch aus der geraden Körper- und Kopfhaltung der
Beschwerdeführerin
(vgl.
Urk.
7
/M2 S. 1 Angaben unter Ziffer 2b) erklärbar
und mit dem zunächst behaupteten Kopfanprall an der Kopfstütze schwer vereinbar.
Selbst wenn d
er Sachverhaltsdarstellung
der Beschwerdeführerin
zu folgen wäre, gilt es zu beachten
,
dass
Dr.
Z._
einzig eine HWS-
Distorsion
Grad II diagnostizierte (
Urk.
7
/M1)
, mithin eine aus der Schleuderbewegung der HWS und nicht
aufgrund eines
Aufpralls auf den Sicherheitsgurt folgende Verlet
zung. Weder in seinem Befund noch
in
der Diagnosestellung findet sich der Hinweis auf eine Prellmarke am Hals oder eine sonstige
infolge
des Kontakts mit dem Sicherheitsgurt
resultierende Verletzung, welche es erlauben würde, eine besondere Programmwidrigkeit zu erkennen. Der für die Beschwerdeführe
rin massgebliche Bewegungsablauf war somit mit überwiegender Wahrschein
lichkeit durch das abrupte Abbremsen und nicht durch den Kontakt mit dem Sicherheitsgurt geprägt.
Die Beschwerdegegnerin sprach dem fraglichen Ereignis damit zu Recht das Merkmal der Ungewöhnlichkeit
und damit den Unfallcharakter im Rechtssinn
ab.
2.5
Anhaltspunkte für
das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperverletzung
im Sinne von Art. 6
Abs.
2 UVG in Verbindung mit Art.
9
Abs.
2 UVV
fehlen.
Dem Einwand der Beschwerdeführerin, wonach eine HWS-Verletzung eine – wenn auch schwer nachweisbare - Gelenks- oder Sehnenverletzung sei (
Urk.
1), ist entgegenzuhalten,
dass die in
Art.
9
Abs.
2 UVV enthaltene Auf
listung
un
fallähnlicher
Körperschädigungen
abschliessend ist, weshalb Erweiterungen durch Analogieschlüsse nicht zulässig sind (BGE 114 V 303 E. 3e).
Damit erweist sich der angefochtene Entscheid als zutreffend. Die Beschwerde ist abzuweisen.