Decision ID: a1551ef3-a8ec-5622-9d1b-2dc266df934c
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschwerdeführerin, eine sri-lanki-
sche Staatsangehörige tamilischer Ethnie, aus dem Distrikt Jaffna (Nord-
provinz) stammend, Ende Oktober, respektive am 20. Dezember 2015 ihr
Heimatland.
B.
B.a Am 1. Februar 2016 ersuchte die Beschwerdeführerin am (...) um Asyl.
Gleichentags wurde ihr per Verfügung die Einreise in die Schweiz vorläufig
verweigert.
B.b Die Beschwerdeführerin wurde am 4. Februar 2016 im Empfangs- und
Verfahrenszentrum (EVZ) (...) zu ihrer Person, ihrem Reiseweg und sum-
marisch zu ihren Asylgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]).
B.c Am 18. Februar 2016 wurde der Beschwerdeführerin die Einreise in
die Schweiz bewilligt und sie wurde dem Kanton D._ zugewiesen.
B.d Mit Verfügung vom 29. Februar 2016 trat das SEM auf das Asylgesuch
der Beschwerdeführerin gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG nicht ein,
dies, nachdem die deutschen Behörden dem Ersuchen um Rücküber-
nahme am 22. Februar 2016 zugestimmt hatten.
B.e Der Aufenthaltsort der Beschwerdeführerin galt seit dem 28. Juli 2016
als unbekannt.
C.
Mit Eingabe des damaligen Rechtsvertreters vom 23. August 2017 reichten
die Beschwerdeführerin und ihr am (...) geborenes Kind B._ ein
zweites Asylgesuch ein. Die Beschwerdeführerin machte im Wesentlichen
geltend, sie und ihre Tochter hätten die Schweiz nie verlassen, weshalb die
Frist der Überstellung von 18 Monaten nach Deutschland überschritten
worden und die Zuständigkeit zur Prüfung ihres Asylgesuchs – seit dem
22. August 2017 – auf die Schweiz übergegangen sei.
D.
Mit Verfügung des SEM vom 13. September 2017 wurde der Nichteintre-
tensentscheid vom 29. Februar 2016 aufgehoben und das nationale Asyl-
verfahren wurde aufgenommen.
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Seite 3
E.
E.a Am 12. März 2018 fand die Anhörung zu den Asylgründen statt.
E.b Die Beschwerdeführerin brachte zu ihrem Lebenslauf vor, sie habe die
Schule bis zum O-Level besucht, sei danach, ab 2005, zu Hause geblieben
und habe bei ihren Eltern gewohnt. Sie habe eine Tochter, welche 2007
geboren sei. Im Jahr 2008 sei sie nach Frankreich gereist, um ihren jetzi-
gen Ehemann im Rahmen einer arrangierten Ehe zu heiraten.
E.c Zu ihren Asylgründen führte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen
aus, sie habe nach einer Vergewaltigung durch Angehörige der sri-lanki-
schen Armee im Jahr 2007 eine Tochter geboren, welche sie bei ihren El-
tern in Obhut gelassen habe. Seit Kriegsende im Jahr 2009 habe sie jedoch
weder mit ihren Eltern und ihrer Tochter, noch mit ihrem Bruder oder ihrer
Schwester Kontakt gehabt, welche beide bei den LTTE (Liberation Tigers
of Tamil Eelam) aktiv gewesen seien, da sie seither verschollen seien. Als
sie 2008 nach Frankreich gereist sei, um die arrangierte Ehe mit ihrem jet-
zigen Ehemann einzugehen, habe sie festgestellt, dass dieser über keinen
Aufenthaltsstatus verfügte, und deshalb ein Asylgesuch gestellt. Zwischen
2008 und 2014 hätten sie und ihr Ehemann in Frankreich gelebt, ihre Asyl-
gesuche seien jedoch abgelehnt worden. Sie habe auch 2010 und 2014 in
Deutschland Asylgesuche eingereicht, man habe sie jedoch nach Frank-
reich zurückgeschickt. Im August 2014 sei sie und ihr Ehemann von den
französischen Behörden erwischt worden, als sie versucht hätten, über Pa-
ris mit einem gefälschten Reisepass und einem Boardingpass für
E._ nach F._ zu reisen. Man habe sie nach E._ de-
portiert und die dortigen Behörden hätten sie in der Folge während elf Mo-
naten inhaftiert. Nach Beendigung der Haft sei sie gemeinsam mit ihrem
Ehemann im Juli 2015 nach Sri Lanka zurückgebracht worden und sie hät-
ten sich in G._ aufgehalten. Anfang Oktober 2015 habe ihr Ehe-
mann sie in der Gemeinde beim Dorfvorsteher und bei der Polizei anmel-
den wollen. Bereits zwei Tage danach, abends, seien vier Beamte in einem
Van bei ihnen zu Hause aufgetaucht und hätten sie in ein naheliegendes
Camp mitgenommen, wo man sie und ihren Ehemann separiert und in der
Folge befragt habe. Zuerst sei sie auf ihre Geschwister, welche bei den
LTTE aktiv gewesen seien und ihren Ehemann, welcher früher Mitglied ei-
nes Studentenvereins der LTTE gewesen sei, angesprochen worden. Wei-
ter habe man von ihr wissen wollen, weshalb sie ins Ausland gereist sei
und ob sie dort Geld für die LTTE gesammelt habe. Während der Befra-
gung sei sie zuerst geschlagen und mit einem Eisen am Rücken verbrannt
und später von einem der Beamten vergewaltigt worden. Am nächsten
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Abend habe man sie und ihren Mann wieder freigelassen. Bereits am da-
rauffolgenden Tag, respektive drei bis vier Wochen später hätten sie ihre
Ausreise geplant und seien über Mannar mit dem Schiff nach Indien aus-
gereist.
Dem Gesuch wurden eine Kopie der sri-lankischen Identitätskarte des Ehe-
mannes sowie eine Kopie dessen Geburtsregisterauszugs, eine Kopie der
Heiratsurkunde vom 12. Juli 2015 der Victory Life Church (in H._),
ein Boardingpass und ein Gepäckschein der Turkish Airlines vom 31. Ja-
nuar 2016, Kopien zweier Internetauszüge von Hotels in Kuala Lumpur,
eine Kopie einer Visitenkarte eines Transportunternehmens aus E._
und ein Boardingpass eines Fluges von Kuala Lumpur via Istanbul nach
Zürich zu den Akten gelegt. Zudem liegt ein Rückkehrhilfegesuch aus
Frankreich, eine Vorladung der französischen Behörden für die Rückkehr
des Ehemannes aus dem Jahr 2010 sowie weitere Buchungsunterlagen
den Ehemann betreffend im Dossier des Ehemannes (vgl. D-268/2019).
Auf die weiteren Ausführungen der Beschwerdeführerin wird, soweit we-
sentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
F.
Die Verfügung des SEM vom 10. Dezember 2018 wurde nicht abgeholt und
nach Fristablauf retourniert. Mit neu adressierter Verfügung vom 18. De-
zember 2019 – eröffnet am 19. Dezember 2018 – stellte das SEM fest, die
Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte
ihre Asylgesuche ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie
deren Vollzug.
G.
Die Beschwerdeführenden fochten mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin
vom 14. Januar 2019 die Verfügung des SEM beim Bundesverwaltungsge-
richt an und beantragten, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben, sie
seien als Flüchtlinge anzuerkennen und ihnen sei Asyl zu gewähren oder
eventualiter seien sie als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen. Als Subeven-
tual- respektive Subsubeventualantrag stellten sie das Begehren, sie seien
als Ausländer vorläufig aufzunehmen, respektive die Sache sei zur erneu-
ten Abklärung und Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In pro-
zessualer Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses.
Weiter beantragten sie die Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin
als amtliche Rechtsbeiständin gemäss aArt. 110a Abs. 1 Bst. a und Abs. 3
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AsylG (SR 142.31) sowie, dass für die Beurteilung der Sache die Be-
schwerde des Ehemannes (I._ [D-268/2019]) beigezogen werde.
Es wurde ausserdem eine Kostennote zu den Akten gereicht.
H. In der Beschwerde ihres Ehemannes befinden sich verschiedene Fotos,
eine Bestätigung des Teaching Hospitals in J._ über einen Aufent-
halt vom 30. Juli 2015, ein Screenshot einer Nachricht auf Facebook sowie
ein Foto der Todesanzeige der Mutter des Ehemannes der Beschwerde-
führerin.
I.
Mit Eingabe vom 21. Januar 2019 reichte die Beschwerdeführerin eine Be-
schwerdeergänzung ein und legte den Kurzbericht der Hilfswerksvertre-
tung (HWV), datiert vom 12. März 2018, bei.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 24. Januar 2019 hiess die damalige Instrukti-
onsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und erhob keinen Kostenvor-
schuss. Nora Maria Riss wurde antragsgemäss als amtliche Rechtsbei-
ständin beigeordnet. Gleichzeitig wurde das SEM eingeladen, eine Ver-
nehmlassung einzureichen.
K.
Die Vorinstanz äusserte sich in ihrer Vernehmlassung vom 6. Februar 2019
insbesondere zu den auf Beschwerdeebene eingereichten Beweismitteln.
L.
Die Beschwerdeführenden replizierten mit Eingabe vom 25. Februar 2019.
M.
Das vorliegende Verfahren wurde aus organisatorischen Gründen auf die
im Rubrum aufgeführte vorsitzende Richterin umgeteilt.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
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Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26, E.5).
3.
3.1 Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung im Wesentlichen damit, dass
die Schilderungen der Beschwerdeführerin den Anforderungen an die
Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG nicht genügen würden und hielt
fest, dass ihre Biographie Lücken aufweise und die angebliche Abschie-
bung nach E._ durch die französischen Behörden nicht habe belegt
werden können. Dies erstaune vor dem Hintergrund, da sie Bordkarten und
Gepäckscheine für verschiedene andere Flüge, jedoch nicht für den betref-
fenden Ausschaffungsflug nach E._, habe einreichen können. Auch
allfällige Belege für ihre geltend gemachte elfmonatige Haft habe weder sie
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noch ihr Ehemann vorweisen können, obwohl Dokumente, wie etwa Ent-
lassungspapiere, vorliegen müssten. Des Weiteren gebe es keine Beweis-
mittel dafür, dass sie von Juli bis Oktober 2015 tatsächlich in Sri Lanka
verbracht habe. Bei der eingereichten Kopie der Heiratsurkunde vom
12. Juli 2015 einer Kirche in K._ handle es sich weder um ein amt-
liches Dokument, noch sei dieses fälschungssicher, weshalb mit diesem
ihr Aufenthalt in Sri Lanka nicht belegt werden könne. Sodann sei es zu
einigen Widersprüchen in ihren Aussagen gekommen. In der BzP habe sie
angegeben, im Juli 2015 nach Sri Lanka eingereist und im November 2015
von Mitarbeitenden des Criminal Investigation Department (CID) während
zwei Tagen einmal verhört worden zu sein, um am 20. Dezember 2015 mit
ihrem Ehemann Sri Lanka mit dem Schiff in Richtung Indien zu verlassen.
Diese Schilderungen stünden im Widerspruch zu ihren Aussagen während
der Anhörung, anlässlich welcher sie darlegte, im Oktober 2015 von der
sri-lankischen Armee vier- bis fünfmal verhört und im selben Monat aus
dem Land ausgereist zu sein. Die Erklärung, dass sie anlässlich der BzP
einen Aufenthalt in Deutschland habe verheimlichen wollen und deshalb
ein falsches Ausreisedatum angegeben habe, überzeuge nicht. Weiter
habe sie die Abläufe nach ihrer Haftentlassung unterschiedlich geschildert.
Aus diesem Grund sei davon auszugehen, dass es sich bei ihren Schilde-
rungen um ein Konstrukt handle und sie im Jahr 2015 nicht nach Sri Lanka
zurückgekehrt und behördlich einvernommen worden sei. Auch erscheine
es im länderspezifischen Kontext als unwahrscheinlich, dass sie und ihr
Ehemann angesichts der eingestandenen Verbindungen zu den LTTE des
Ehemannes, respektive der Mitgliedschaft ihrer Geschwister bei den LTTE
trotz fortbestehendem Verdacht bereits nach zwei Tagen Haft wieder frei-
gelassen worden sei. Zudem sei festzuhalten, dass ihre beiden Geschwis-
ter seit 2007 als verschollen gelten und deshalb davon ausgegangen wer-
den müsse, dass nach Ablauf von über zehn Jahren das behördliche Inte-
resse an ihnen nicht mehr vorhanden sein könne und deshalb auch nicht
eine begründete Furcht vor zukünftiger Reflexverfolgung vorliegen würde.
Betreffend die angeblichen Verbindungen ihres Ehemannes zu den LTTE
sei auf die Begründung in dessen Verfügung zu verweisen. Angesichts die-
ser Gründe könne ihr nicht geglaubt werden, dass sie 2015 tatsächlich
nach Sri Lanka zurückgekehrt sei sowie während zwei Tagen verhört,
misshandelt, vergewaltigt und im Verdacht der Behörden gestanden zu ha-
ben, Verbindungen zu den LTTE zu pflegen oder diese zu unterstützen.
Ihre vorgebrachte Vergewaltigung im Jahr 2005 (recte 2006) durch einen
sri-lankischen Soldaten sei insofern nicht asylrelevant, als dass dieses Er-
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eignis als abgeschlossen zu betrachten sei und kein kausaler Zusammen-
hang mit ihrer ersten Ausreise aus Sri Lanka im Jahr 2008 und dem Asyl-
gesuch von 2016 bestehe. Sodann bestehe auch im Fall einer Rückkehr
keine begründete Furcht vor einer künftigen Verfolgung im Sinne von Art. 3
AsylG. Weiter bleibe es unklar, wann sie letztmals tatsächlich in Sri Lanka
gewesen sei. Vor dem Hintergrund, dass sie unglaubhafte sowie wider-
sprüchliche Angaben zu ihrer persönlichen Biographie gemacht habe,
habe sie ihre Mitwirkungspflicht verletzt, weshalb nur beschränkte Möglich-
keiten bestünden, ihre Vorbringen auch auf eine künftige asylrelevante
Verfolgung hin zu prüfen.
Hinsichtlich allfälliger Wegweisungshindernisse sei festzustellen, dass die
Beschwerdeführerin angegeben habe, zuletzt in L._ in der Nordpro-
vinz gelebt zu haben. Obwohl sie ausser einer Tante keine familiären Ver-
bindungen im Heimatland aufweise, verfüge ihr Ehemann über ein beste-
hendes Beziehungsnetz und stamme aus einer reichen Familie, besitze ein
eigenes Haus und sei (...). Diese Voraussetzungen seien hinreichend, um
sich eine neue Existenz in Sri Lanka aufbauen zu können. Trotz ihrer lan-
gen Landesabwesenheit sei sie in Sri Lanka aufgewachsen und habe auch
während ihrer Ehe die kulturellen Gepflogenheiten ausgeübt, weshalb die
langjährige Landesabwesenheit nicht zu Nachteilen führen würde. Auch
ihre Kinder seien noch zu jung, als dass eine Verwurzelung in der Schweiz
angenommen werden könne.
3.2 Dagegen wendete die Beschwerdeführerin ein, die vorinstanzliche Ar-
gumentation, dass sie ihre Abschiebung durch die französischen Behörden
nach E._, ihre anschliessende Haft sowie den darauffolgenden Auf-
enthalt in Sri Lanka nicht habe belegen können, widerlaufe dem Grundsatz
der Glaubhaftmachung und dem geltenden reduzierten Beweismass in
Asylverfahren. Im Sinne der bundesverwaltungsrechtlichen Rechtspre-
chung dürften nebensächliche Widersprüche nicht ausschlaggebend sein,
die Glaubhaftigkeit von Vorbringen zu bezweifeln. Ihre Schilderungen zu
den zentralen Ereignissen habe sie substanziiert, schlüssig sowie mit Re-
alkennzeichen versehen vorbringen können. Zudem sei es unbehelflich,
dass im Zusammenhang mit der eingereichten Heiratsurkunde vom 12. Juli
2015 pauschal auf die leichte Fälschbarkeit des nicht amtlichen Dokuments
hingewiesen werde, ohne diese einer Dokumentenprüfung unterzogen zu
haben. Im Zusammenhang mit den widersprüchlichen Angaben zu ihrer
Ausreise sei zu bemerken, dass sie sich lediglich um einen Monat geirrt
habe, was angesichts der zwei Jahre, welche zwischen der BzP und der
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Anhörung liegen würden, vernachlässigbar sei. Zudem würden sich ge-
mäss dem Handbuch des SEM Asylsuchende schwer an präzise Daten
erinnern können, weshalb auf die gesamte Chronologie des Sachverhalts
Bezug genommen werden solle. Die von ihr gemachte ungenaue Zeitan-
gabe spreche deshalb nicht gegen die Glaubhaftigkeit ihrer Verhaftung.
Der Vorhalt der Vorinstanz, sie habe die Abläufe nach ihrer Haftentlassung
unterschiedlich dargestellt, erweise sich als unbegründet, zumal sie nie da-
nach gefragt worden sei, was zwischen der Haftentlassung und ihrer Aus-
reise geschehen sei. Zudem sei es nicht besonders widersprüchlich, dass
sie einmal angegeben habe, nach rund fünf bis sechs Tagen nach der Haft-
entlassung ausgereist zu sein, und ein anderes Mal, im Dezember ausge-
reist zu sein, was einen Höchstaufenthalt von drei Wochen nach der Haft-
entlassung ausmachen würde. Ihre widersprüchlichen Aussagen zur An-
zahl der Verhöre während ihrer Haft seien damit zu erklären, dass ihr die
diesbezüglichen Fragen unpräzise gestellt worden seien und sie diese des-
halb auch lediglich ungenau habe beantworten können, wobei zu beachten
sei, dass die Verhöre eng mit ihrer Vergewaltigung, also einem traumati-
schen Erlebnis zusammenhängen würden und sie deshalb auch nicht klar
habe antworten können. Des Weiteren habe es die Vorinstanz unterlassen
aufzuzeigen, weshalb es im länderspezifischen Kontext unwahrscheinlich
erscheine, dass sie trotz unterstellter Verbindungen zu den LTTE bereits
nach zwei Tagen wieder aus der Haft entlassen worden sei, zumal sie er-
klärt habe, aufgrund von Bestechungsgeldern freigekommen zu sein. Es
sei darauf hinzuweisen, dass Korruption in Sri Lanka üblich sei. Sodann
sei weder sie noch ihr Ehemann zu ihrer Deportation nach E._ und
der anschliessenden elfmonatigen Haft befragt worden. Insgesamt falle
auf, dass kein Bezug auf ihre substanziierten Aussagen die Inhaftierung
betreffend sowie ihre emotionalen Reaktionen während der Anhörung ge-
nommen worden sei. Schliesslich sei auf die neuen Beweismittel, welche
sich bei der Beschwerde des Ehemannes befinden würden, zu verweisen.
In der Beschwerdeergänzung reichte die Beschwerdeführerin den Kurzbe-
richt der HWV ein und wies darauf hin, dass diese im Bericht diverse Emo-
tionen der Beschwerdeführerin während der Anhörung festgehalten habe.
Weiter sei dem Bericht in Bezug auf die Glaubhaftigkeit zu entnehmen,
dass ihre Schilderungen zwar eher knapp ausgefallen seien, dies jedoch
damit zu tun habe, dass sie nicht viel über die Aktivitäten ihrer Geschwister
bei den LTTE gewusst habe. Zudem würden die ausführlichen Aussagen
des Ehemannes mit den ihren übereinstimmen. Obwohl einer HWV im Ver-
fahren keine Parteirechte zukommen würden, seien ihre Beobachtungen
während der Anhörung im Rahmen der Glaubhaftigkeitsprüfung dennoch
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Seite 10
miteinzubeziehen, insbesondere, wenn sie zweimal auf die emotionalen
Reaktionen der Beschwerdeführerin aufmerksam gemacht und hervorge-
hoben habe, dass die teilweise nebensächlichen Details mit denen ihres
Ehemannes übereinstimmen würden.
3.3 Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung an ihren Erwägungen fest
und erklärte, dass trotz eines herabgesetzten Beweismasses im Asylver-
fahren die Rückkehr sowie die Ereignisse der Beschwerdeführerin nach Sri
Lanka unklar bleiben würden. Die vom Ehemann eingereichten Fotos wür-
den keine konkrete örtliche Zuordnung ermöglichen. Dasselbe gelte für
den eingereichten Operationsbericht des Teaching Hospitals in J._
vom August 2015, worin zwar ihr Name figuriere, jedoch keine eindeutige
Identifizierung ihrer Person und einen unzureichenden Hinweis auf ihren
damaligen Aufenthalt in Sri Lanka zulasse. Zudem erstaune es in diesem
Zusammenhang, dass weder sie noch ihr Ehemann erwähnt hätten, dass
sie (die Beschwerdeführerin) kurz nach ihrer Einreise in Sri Lanka habe
operiert werden müssen. Des Weiteren sei erneut festzustellen, dass we-
der sie noch ihr Ehemann hätten glaubhaft darzulegen vermögen, in Sri
Lanka einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt gewesen zu sein. Fer-
ner sei darauf hinzuweisen, dass sie mit dem Unterlassen des Einreichens
von Identitätsdokumenten ihre Mitwirkungspflicht verletzt habe.
3.4 In der Replik wurde bemängelt, dass sich die Vorinstanz auch in ihrer
Vernehmlassung nicht mit den Glaubhaftigkeitselementen der Schilderun-
gen der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt und den Kurzbericht der
HWV unberücksichtigt gelassen habe, weshalb sie ihrer Untersuchungs-
pflicht erneut nicht nachgekommen sei. Hinsichtlich der fehlenden Identi-
tätsdokumente und der ihr damit vorgeworfenen Verletzung der Mitwir-
kungspflicht sei auf ihre ausführlichen Erklärungen in der BzP zu verwei-
sen, wo sie dargelegt habe, weshalb sie über keine solchen verfüge. Zu-
dem wäre es der Vorinstanz möglich gewesen, sich bei den französischen
Behörden nach ihrer Identitätskarte und ihrer Geburtsurkunde zu erkundi-
gen. Die Operation im Spital in J._ im August 2015 sei an der An-
hörung nie zur Sprache gekommen, weil weder sie noch ihr Ehemann zu
ihrem Aufenthalt in Sri Lanka befragt worden seien und es ausserdem kei-
nen Grund gegeben habe, diese zu erwähnen. Auch sei zu bemängeln,
dass ihre Anhörung zu kurz gedauert habe, dies sei auch ein Grund, wes-
halb sie sich nicht zu ihrem Aufenthalt habe äussern können. Weiter müss-
ten, obwohl keine konkrete Lokalisierung der eingereichten Aufnahmen er-
folgen könne, diese als Hinweise auf die Glaubhaftigkeit ihrer Schilderun-
gen berücksichtigt werden. Auch sei erneut zu erwähnen, dass die Vor-
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Seite 11
instanz es unterlassen habe auszuführen, welche Unklarheiten zu ihrem
Aufenthalt und ihrer Ausreise bestehen würden.
4.
4.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu
behandeln sind, da sie allenfalls geeignet sein könnten, eine Kassation der
vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. E 3.2.1).
4.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) und die Parteien
eines Verfahrens haben Anspruch auf rechtliches Gehör. Demnach hat die
Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-
digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-
klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Der Anspruch auf
rechtliches Gehör verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen
des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der
Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheid-
begründung niederschlagen muss (vgl. dazu ausführlich BVGE 2015/10,
E. 3 m.w.H.).
4.3 Die Beschwerdeführenden vermögen mit ihrem Antrag, die angefoch-
tene Verfügung sei aufzuheben weil das SEM den Untersuchungsgrund-
satz und das rechtliche Gehör verletzt habe, nicht durchzudringen. Soweit
geltend gemacht wird, die Aussagen und Beweismittel seien ungenügend
beziehungsweise falsch gewürdigt worden, wird im Wesentlichen die ma-
terielle Einschätzung des SEM kritisiert, worauf nachfolgend einzugehen
ist. Ebenso kann der Rüge der Beschwerdeführerin, die eingereichten Be-
weismittel seien von der Vorinstanz nicht geprüft worden, nicht gefolgt wer-
den, zumal in der Verfügung und der Vernehmlassung Bezug auf die ein-
gereichten Dokumente genommen und begründet wurde, weshalb es sich
dabei um nicht beweiskräftige Unterlagen handelt. Auch dem Vorwurf, die
Anhörung sei zu kurz ausgefallen oder zu gewissen Sachverhalten sei zu
wenig gefragt worden, kann insofern nicht gefolgt werden, als dass die Vor-
instanz die relevanten Sachverhaltselemente erfragt und sich in ihrer Ver-
fügung damit auseinandergesetzt hat. Auch zu weiteren Abklärungen zur
Deportation von Frankreich nach E._ bei den französischen Behör-
den war das SEM nicht angehalten, zumal dies in Bezug auf die Frage des
Aufenthaltes in Sri Lanka und einer Verfolgungssituation kaum Klärung ge-
bracht hätte.
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Seite 12
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend
substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in
vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich
sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder
der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-
suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere
dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann,
wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im
Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet
nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-
wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz
zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus
Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch-
stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge-
richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für
wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma-
chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen
zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche
und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar-
stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob
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Seite 13
die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen,
überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-
len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
6.2 Den Beschwerdeführenden ist demnach insofern Recht zu geben, als
der Sachverhalt im Asylverfahren lediglich glaubhaft gemacht werden
muss. Dies liegt darin begründet, als sich im Ausland zugetragene Sach-
verhalte oft gar nicht durch Beweis belegen lassen. Daran vermag jedoch
nichts zu ändern, dass als Indiz gegen die Glaubhaftigkeit zu sprechen ver-
mag, wenn Beweismittel, die grundsätzlich vorhanden sein sollten oder be-
schafft werden können, trotzdem nicht eingebracht werden. In diesem
Sinne hat die Vorinstanz überzeugend ausgeführt, dass grundsätzlich da-
von auszugehen wäre, dass zu einigen der geltend gemachten Ereignissen
Beweismittel vorhanden sein sollten. Dies betrifft insbesondere die Ab-
schiebung durch die französischen Behörden nach E._, ihre dortige
elfmonatige Haft sowie die Reise nach Sri Lanka und dem dortigen Aufent-
halt von Juli bis Oktober 2015. Das Fehlen entsprechender Unterlagen er-
staunt umso mehr, als dass die Beschwerdeführenden einen Boardingpass
sowie einen Gepäckschein der Turkish Airlines vom Januar 2016 sowie
Unterlagen der französischen Behörden aus den Jahren 2010 bis 2012
aufbewahrte und zu den Akten legte. Obwohl kein strikter Beweis für die
Glaubhaftmachung im Asylverfahren verlangt wird, wäre es also durchaus
zu erwarten gewesen, dass Nachweise, respektive insbesondere Flugun-
terlagen hierzu wie auch zu ihrer geltend gemachten Haft in E._
hätten eingereicht werden können. Das Fehlen solcher Beweismittel muss
deshalb als gewichtiges Unglaubhaftigkeitsindiz gewürdigt werden. Daran
vermögen die stattdessen eingereichten Beweismittel nichts zu ändern, zu-
mal die Kopie der Heiratsurkunde einer Kirche in K._ wenig Beweis-
wert aufweist. Einerseits verfügen Kopien an sich über einen geringen Be-
weiswert und es sich anderseits – wie bereits von der Vorinstanz zutreffend
festgestellt – um kein amtliches Dokument handelt. Ausserdem ist kein
Grund ersichtlich, weshalb die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann zwei-
mal kirchlich getraut worden sein sollen, zumal sie angab, bereits in einer
Kirche in M._ in Frankreich getraut worden zu sein (vgl. act. A81/15,
F93). Wenig Aussagekraft hat auch die erst auf Beschwerdeebene einge-
reichte Anamnese-Evaluation des J._ Teaching Hospitals vom
30. Juli 2015. Und schliesslich lässt sich auch aus den eingereichten Fotos
nicht belegen, dass die Beschwerdeführerin, wie von ihr geschildert, sich
2015 in Sri Lanka aufgehalten hat, zumal aus diesen weder eine örtliche
noch eine zeitliche Zuordnung erstellt werden kann.
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6.3 Die erwähnten Zweifel werden sodann durch die teilweise widersprüch-
lichen Aussagen zur Ausreise aus Sri Lanka bestätigt. Zwar trifft es zu,
dass Details von Erlebnissen mit der Zeit verblassen können, insbeson-
dere, wenn, wie vorliegend, zwischen den Anhörungen zwei Jahre liegen.
Jedoch überzeugt die Argumentation der Beschwerdeführerin nicht, es
handle sich hierbei um nebensächliche Details. Vielmehr stellen ihre Fest-
nahme, die anschliessende Freilassung sowie die Ausreise einschnei-
dende Erlebnisse dar und es wäre zu erwarten gewesen, dass sie sich
daran erinnert, ob sie unmittelbar nach der Freilassung oder erst Wochen
später ihr Heimatland verlassen hat. So gab sie in der BzP an, rund drei
Wochen nach ihrer Freilassung ausgereist zu sein (vgl. BzP, F5.01, F7.01),
wo hingegen sie in der Anhörung darlegte, nach der Freilassung noch zwei
Nächte in Sri Lanka verbracht zu haben (vgl. act. A81/15, F37). Folglich
handelt es sich bei den unterschiedlichen Angaben zum Ausreisedatum
nicht um einen Unterschied von drei oder vier Wochen, sondern um eine
Diskrepanz von fast zwei Monaten, wobei sie als Ausreisedatum in der BzP
den 20. Dezember 2015 (vgl. BzP, F5.01) und in der Anhörung Ende Okto-
ber angab (vgl. act. A81/15, F38). Derartige Widersprüche können nicht als
nebensächlich qualifiziert werden. Auch die erste Erklärung der Beschwer-
deführerin, sie habe verheimlichen wollen, im November 2015 in Deutsch-
land gewesen zu sein und deshalb angegeben, erst im Dezember ausge-
reist zu sein, überzeugt nicht beziehungsweise wirft diese Aussage weitere
Fragen zu ihren Aufenthalten auf. Ferner ist festzustellen, dass die Vorbrin-
gen zu ihrer Verhaftung und ihrer Haft im Jahr 2015 äusserst detailarm und
substanzlos ausgefallen sind und jegliche Realkennzeichen vermissen las-
sen. Die gewichtigen Widersprüche und Ungereimtheiten können sodann
auch nicht durch einige durchaus vorhandenen Details und eine zum Teil
emotionale Erzählweise aufgewogen werden, zumal sich daraus der Zeit-
punkt von Übergriffen nicht festlegen lässt und nicht ausgeschlossen wer-
den kann, dass die Beschwerdeführerin, wie von ihr geltend gemacht, im
Jahre 2006 Übergriffe erlebt hatte. Insofern vermögen auch die Feststel-
lungen der Hilfswerkvertretung in ihrem Kurzbericht zu keinem anderen Er-
gebnis zu führen.
6.4 Vor diesem Hintergrund und in Einklang mit der Vorinstanz kommt das
Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass es den Beschwerdeführen-
den nicht gelungen ist, die geltend gemachten Ereignisse im Jahr 2015
glaubhaft zu machen. Folglich ist es ihnen nicht gelungen, eine asylrele-
vante Verfolgung im Sinne von Art. 3 und Art. 7 AsylG glaubhaft zu ma-
chen.
D-266/2019
Seite 15
7.
7.1 Weiter bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin über ein erhöhtes
Risikoprofil verfügt und ihr bei einer Wiedereinreise ins Heimatland eine
asylrelevante Verfolgung im Sinne von Nachfluchtgründen droht oder dro-
hen könnte.
7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri
Lanka vorgenommen und festgestellt, dass aus Europa respektive der
Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer
ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien
(vgl. a.a.O. E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Ri-
sikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaf-
tung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei han-
delt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintli-
chen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um die Teil-
nahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen und um das Vorlie-
gen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicher-
weise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbin-
dung zu den LTTE (sogenannte stark risikobegründende Faktoren,
vgl. a.a.O., E. 8.4.1–8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und
überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erfor-
derlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangs-
weise zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation
für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut
sichtbaren Narben (sogenannte schwach risikobegründende Faktoren,
vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die
konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante
Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht,
dass insbesondere jene Rückkehrenden eine begründete Furcht vor ernst-
haften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-
lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den ta-
milischen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1).
7.3 Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsi-
denten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka
kehrt der Rajapaksa-Clan an die Macht zurück, 17.11.2019;
https://www.theguardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-
candidate-rajapaksa-premadas-count-continues, abgerufen am 5. März
2020). Gotabaya Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehema-
ligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht
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war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen ge-
gen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben.
Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverletzungen und
Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigun-
gen (vgl. Human Rights Watch [HRW]: World Report 2020 – Sri Lanka,
14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bru-
der Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Cha-
mal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda
und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusam-
men zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. vgl.
https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-
brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state 20191127174753,
abgerufen am 4. März 2020). Beobachter und ethnische oder religiöse Min-
derheiten befürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte
Überwachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalis-
tinnen und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Perso-
nen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt
Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Am 5. August 2020 fanden Parla-
mentswahlen statt mit dem Resultat, dass der Rajapaksa-Clan seine Macht
in Sri Lanka ausweiteten konnte (vgl. Sri Lanka: Rajapaksa-Clan weitet
seine Macht weiter aus [nzz.ch] vom 7. August 2020).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-
gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind
beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des
Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri
Lanka: Families of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt
es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein-
zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen
zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 und den Parlaments-
wahlen vom 5. August 2020 respektive deren Folgen besteht.
7.4 Die Beschwerdeführerin konnte nicht glaubhaft darlegen, 2015 nach
Sri Lanka eingereist und in der Folge von den sri-lankischen Behörden in
Verbindung mit den LTTE gebracht worden zu sein. Weiter werden keine
https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state
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exilpolitischen Aktivitäten vorgebracht, welche ein Risiko ernsthafter Nach-
teile oder ein Verfolgungsrisiko bergen würden. Zwar ist nicht auszuschlies-
sen, dass ihre Geschwister tatsächlich bei der LTTE waren. Allein daraus
lässt sich jedoch kein Verfolgungsrisiko ableiten, zumal diese bereits seit
vielen Jahren verschollen sind. Die von der Beschwerdeführerin gemäss
eigenen Angaben erlittene Vergewaltigung im Jahre 2006 war für ihre Aus-
reise im Jahr 2008 offenbar nicht fluchtauslösend, weshalb diese Ereig-
nisse auch aus heutiger Sicht nicht zu einem erhöhten Risiko zu führen
vermögen. Ferner befinden sich ihre vorhandenen Narben am Rücken so-
wie eine kleine Narbe am linken Unterarm (vgl. BzP, F7.02), somit an nicht
offensichtlichen Stellen am Körper und sind daher nicht ohne weiteres
sichtbar. Es ist deshalb davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka keiner Gefahr ausgesetzt ist, deswegen einer vertieften Be-
fragung unterzogen zu werden. Sodann ist davon auszugehen, dass sie ihr
Heimatland letztmals 2008 legal mit einem Pass verlassen hat und ihr –
auch unter Berücksichtigung ihrer langen Landesabwesenheit – deshalb
keine Konsequenzen drohen (vgl. BzP, F4.01).
7.5 Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, dass die Beschwerdeführen-
den bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einem erhöhten Verfolgungsrisiko
ausgesetzt wären und ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3
Abs. 2 AsylG befürchten müssten. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flücht-
lingseigenschaft verneint und ihre Asylgesuche abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisungen wurden demnach zu Recht angeordnet
(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
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Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.3 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement schützt nur
Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Be-
schwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden
nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs-
sig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste sie eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft
machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche
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Seite 19
Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien
28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch
die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegwei-
sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.
Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der
asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.4 Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine
EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä-
ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst
(vgl. Urteil R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, Beschwerde
Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien vom 31. Mai 2011, 41178/08;
T.N. gegen Dänemark vom 20. Januar 2011, 20594/08; P.K. gegen Däne-
mark vom 20. Januar 2011, 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien vom
17. Juli 2008, 25904/07). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in
genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilinnen und
Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung
müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. ge-
gen Frankreich vom 19. September 2013, Nr. 10466/11; Rechtsprechung
zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14). Aus
den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass die Be-
schwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so
genannten „Background Check“ (Befragung und Überprüfung von Tätigkei-
ten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass sie persönlich ge-
fährdet wäre.
9.5 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.6 In Sri Lanka herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Ge-
walt. Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. In den beiden Referenzur-
teilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D-3619/2016 vom 16. Oktober
2017 hat das Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Einschätzung der
Lage in Sri Lanka vorgenommen. Dabei stellte es fest, dass der Wegwei-
sungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter
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Einschluss des sogenannten Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorlie-
gen von individuellen Zumutbarkeitskriterien bejaht werden kann. Zu den
individuellen Zumutbarkeitskriterien gehören insbesondere das Vorhan-
densein eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes so-
wie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation
(vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 E. 13.2 ff. und Urteil des
BVGer D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5).
9.7 Die Beschwerdeführerin stammt aus der Nordprovinz, ist eine junge
gesunde Frau mit einem Schulabschluss. Ihr Ehemann war in Sri Lanka
als (...) tätig. Obwohl sie über keine engen Familienangehörigen mehr ver-
fügt, stammt ihr Ehemann aus einer sehr reichen Familie, welche im selben
Distrikt lebt (vgl. BzP, F5.02, F7.01). Es ist davon auszugehen, dass diese
der Beschwerdeführerin, ihrem Ehemann und den beiden gemeinsamen
Kindern bei der Reintegration behilflich sein können und sie auch bei einem
finanziellen Engpass adäquat unterstützen würden.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
9.8 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.9 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch das mit
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Seite 21
der Beschwerde eingegangene Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege mit Verfügung vom 20. März 2020 gutgeheissen wurde,
werden keine Verfahrenskosten auferlegt.
12.
Die Kostennote vom 13. Januar 2019 weist einen Aufwand von 5 Stunden
auf. Dabei ging die Rechtsvertreterin von einem Stundenansatz von
Fr. 200.– aus. Mit Zwischenverfügung vom 24. Januar 2019 war darauf auf-
merksam gemacht worden, dass bei einer nicht-anwaltlichen Vertretung
bei einer amtlichen Rechtsvertretung in der Regel von einem Stundenan-
satz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– ausgegangen werde (vgl. Art. 12 i.V.m.
Art. 10 Abs. 2 VGKE). Das Honorar ist entsprechend zu kürzen, der Stun-
denansatz auf Fr. 150.– herabzusetzen und der amtlichen Rechtsbeistän-
din ein Honorar von Fr. 1’100.– (inklusive Auslagen) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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