Decision ID: 602a3c0b-e297-4190-8ae1-24d8f8fb063f
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich wegen Hüftbeschwerden und Rückenschmerzen (als Folgen
einer beidseitigen Hüftgelenksarthrose) bei der Invalidenversicherung (IV) am 19. Mai
2010 zur Früherfassung (IV-act. 56) und am 8. Juni 2010 zum Leistungsbezug (IV-
act. 61) an.
A.a.
Der im B._ tätige Versicherte hatte bereits am 14. Oktober 2008 wegen der
Folgen einer Osteochondrose/Spondylose im Bereich der HWS und LWS um
Leistungen der IV ersucht (IV-act. 7). Es war im Wesentlichen ein zervikoradikuläres
Schmerz- und diskretes sensomotorisches Ausfallsyndrom bei Diskushernien im
Bereich HWS 6 bis BWS 1 rechtsseitig mit Kompression vor allem der Nervenwurzel C7
rechts beschrieben worden (zervikale Kernspintomographie vom 16. September 2008,
IV-act. 3; Bericht Dr. med. und Dr. sc. nat. ETH C._, Innere Medizin FMH, speziell
Rheumaerkrankungen, vom 16. Oktober 2008, IV-act. 18; Bericht Dr. med. D._,
Fachärztin für Neurologie FMH, vom 21. Oktober 2008, IV-act. 25-8 ff.; Bericht
Dr. med. E._, Facharzt für Neurochirurgie, vom 29. Oktober 2008, IV-act. 26-3 f.).
Weiter waren an der rechten Schulter eine Teilruptur des Bizepssehnenpulley und eine
medial-Luxation der Sehne aus dem Sulcus intertubercularis sowie weitere
degenerative Veränderungen festgestellt worden (MRI Arthro Schulter rechts vom
13. September 2008, IV-act. 8). Am 1. Dezember 2008 hatte sich der Versicherte einer
ventralen Spondylodese HWS 6 bis BWS 1 unterzogen (Operationsbericht, IV-
act. 28-3 f.; Kurzaustrittsbericht Spital F._ vom 27. November 2008, IV-act. 28-1 f.).
Die IV-Stelle hatte am 10. Juni 2009 das Gesuch bezüglich beruflicher Massnahmen
und Rentenleistungen abgewiesen, da der Versicherte wieder zu 100 % arbeite, der
A.b.
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bisherige Arbeitsplatz gesichert und er somit angemessen eingegliedert sei (Mitteilung,
IV-act. 52; Feststellungsblatt vom 5. Juni 2009, IV-act. 52). MRI-Untersuchungen der
LWS vom 4. Mai 2010 (IV-act. 81-18) und der Hüfte vom 17. Mai 2010 (IV-act. 81-12)
hatten im Wesentlichen mässiggradige degenerative Veränderungen im Bereich L1/L2
sowie L3 bis S1 und beidseitige Hüftkopfnekrosen, links Stadium III, rechts Stadium II,
gezeigt. Klinisch hatte Dr. med. G._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, eine deutliche
Bewegungseinschränkung und ein schmerzhaftes Schonhinken erhoben (Bericht vom
17. Mai 2010, IV-act. 81-19), worauf dem Versicherten am 7. Juni 2010 eine
zementfreie Hüft-TEP links implantiert worden war (Operationsbericht, IV-act. 80-8 f.;
Austrittsbericht Spital H._ vom 17. Juni 2010, IV-act. 80-10 f.).
Hinsichtlich des rechten Hüftgelenks erfolgte nach einer erneuten MRT-
Untersuchung vom 2. August 2010 (IV-act. 92-13) am 23. August 2010 vorerst eine
Anbohrung des Hüftkopfs und Spongiosaplastik vom Beckenkamm rechts
(Operationsbericht, IV-act. 92-9 f.; Austrittsbericht Spital H._ vom 29. August 2010,
IV-act. 101-20 f.). Dr. med. I._, Innere Medizin FMH, hielt im Arztbericht vom
24. Dezember 2010 fest, am linken Hüftgelenk sei das Bewegungsausmass deutlich
verbessert. Es bestünden nur noch geringe Schmerzen bei endgradigen Bewegungen.
Zurzeit sei aufgrund des Status nach Hüft-TP links und radiologisch zunehmender
Nekrose am rechten Hüftkopf nicht an eine Arbeitsaufnahme zu denken (IV-
act. 101-7 ff.). Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 3. Januar 2011 mit, aufgrund
der bevorstehenden und am 16. Februar 2011 durchgeführten Implantation einer
zementfreien Hüft-TEP rechts seien berufliche Massnahmen nicht möglich bzw.
angezeigt (Mitteilung vom 3. Januar 2011, IV-act. 96; Stellungnahme RAD-Ärztin
Dr. med. J._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, vom 27. Januar 2011, IV-
act. 102; Operationsbericht, IV-act. 108-9 f.). Dr. G._ führte im Verlaufsbericht vom
17. Mai 2011 aus, aufgrund des Zustandes nach Implantation von zementfreien
Hüftendprothesen beidseits seien dem Versicherten im Wesentlichen schwere
körperliche Arbeiten wie Heben und Tragen von Lasten über 10 kg nicht mehr
zumutbar. In vorwiegend Schreibtischtätigkeiten mit geringer körperlicher Belastung
ohne schweres Heben und Tragen sei eine vollschichtige Tätigkeit möglich (IV-
act. 109-2 f.). RAD-Ärztin Dr. J._ nahm am 4. Juli 2011 Stellung: Beim Versicherten
A.c.
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bestehe Eingliederungspotential. Gegenwärtig könne eine Arbeitsfähigkeit von
mindestens 50 % bestätigt werden, die je nach dem weiteren Verlauf auf 100 % erhöht
werden könne (IV-act. 111).
Vom 19. September bis 9. Oktober 2011 absolvierte der Versicherte ein
leistungsorientiertes Ergonomietrainingsprogramm in der Klinik Valens. Dort wurde
festgehalten, die Selbsteinschätzung der Leistungsfähigkeit im Vergleich zur getesteten
Leistungsfähigkeit sei nahezu realistisch. Die Leistungsbereitschaft und Konsistenz bei
den arbeitsbezogenen Tests seien gut gewesen. Der Versicherte habe sich bereits in
der Eintrittsuntersuchung gut belasten lassen, es hätten keine wesentlichen negativen
prädikativen Faktoren bestanden und es sei eine gute Motivation zur Besserung der
bestehenden Beschwerden sichtbar gewesen. Aufgrund des konsistenten Verhaltens
habe festgestellt werden können, dass die bisherige schwere Arbeit als Tunnelbauer
nicht mehr durchgeführt werden könne. Der Versicherte sei unter Berücksichtigung
seiner ergonomischen Leistungsfähigkeit für eine (weiter spezifizierte) leichte bis
mittelschwere Arbeit mit seltenen Gewichtsbelastungen bis 20 kg in einem 50 %
Pensum arbeitsfähig (IV-act. 120).
A.d.
Der Versicherte trat am 13. Januar 2012 in die Tagesklinik des Psychiatrischen
Zentrums K._ ein. Dr. med. L._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
diagnostizierte eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom
(ICD-10: F32.11). Die mit der Arbeitsunfähigkeit verbundenen existentiellen Ängste
hätten dazu beigetragen, dass der Versicherte an einer Depression erkrankt sei. Er
habe sich sozial komplett zurückgezogen und sei nicht mehr in der Lage gewesen,
seinen alltäglichen Verpflichtungen nachzugehen. Es zeigten sich sämtliche Symptome
einer depressiven Erkrankung. Im Gespräch würden Konzentrations- und
Gedächtnisstörungen deutlich. Im formellen Denken sei der Versicherte eingeengt auf
die momentane Arbeitsunfähigkeit und (die) damit verbundenen finanziellen Sorgen
sowie Existenzängste. Im Affekt sei er deutlich depressiv verschoben. Er sei
niedergeschlagen, kraft- und antriebslos und berichte, dass ihm nichts mehr Freude
bereite. Ebenfalls klage er über vegetative Symptome wie Ein- und
Durchschlafstörungen und eine ausgeprägte Appetitlosigkeit. Aufgrund der
depressiven Erkrankung bestünden ausgeprägte Konzentrationseinbussen sowie eine
ausgeprägte Leistungsbeeinträchtigung. Der Versicherte sei nicht in der Lage, sich
A.e.
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kontinuierlich einer Aufgabe zu stellen. Es seien immer wieder Pausen nötig, damit er
wieder neue Kraft schöpfen könne. Er sei schnell ermüdet und wenig belastbar
(Arztbericht vom 17. April 2012, IV-act. 139).
Die Eingliederungsverantwortliche schloss am 28. März 2012 den Fall ab, da sich
der Gesundheitszustand des Versicherten verschlechtert habe und er in eine
psychiatrische Tagesklinik eingetreten sei (IV-act. 133 f.). Mit Mitteilung vom 11. April
2012 wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche Massnahmen ab, da solche zurzeit
nicht möglich seien (IV-act. 138).
A.f.
Der Versicherte trat am 30. Juli 2012 aus der Tagesklinik in eine ambulante
Behandlung über. Dr. L._ hielt im Verlaufsbericht vom 16. August 2012 fest, aus
psychiatrischer Sicht seien dem Versicherten adaptierte Tätigkeiten zumutbar;
limitierend seien die körperlichen Beeinträchtigungen (IV-act. 146). Dr. I._ attestierte
mit Arztzeugnis vom 8. September 2012 ab 1. September 2012 eine Arbeitsunfähigkeit
von 20 % bis 30 % bei im Ausmass nicht eindeutig zu beziffernder Reduktion der
Leistungsfähigkeit (Fremdakten, act. 3-2 f.) und berichtete am 8. Oktober 2012, der
Gesundheitszustand habe sich eher verschlechtert (IV-act. 153-1 ff.). Am 6. November
2012 begann der Versicherte ein bis 30. April 2013 dauerndes Einsatzprogramm bei
der M._ (IV-act. 181-4).
A.g.
In der Folge liess die IV-Stelle den Versicherten polydisziplinär begutachten
(Gutachten vom 30. März 2013, Zentrum für interdisziplinäre medizinische
Begutachtungen AG [ZIMB]; Dr. med. N._, Innere Medizin; Dr. med. O._,
Psychiatrie; Dr. med. P._, Rheumatologie; Untersuchungen 8., 27. und 28. Februar
2013; IV-act. 165). Der Versicherte berichtete, seit seiner Entlassung aus der Tagesklink
sei er während zwei Halbtagen pro Woche in einem Beschäftigungsprogramm des
RAV. Es handle sich um eine leichte Montagearbeit (Zusammenfalten von Kartons; IV-
act. 165-18). Der rheumatologische Gutachter diagnostizierte als
Gesundheitsbeeinträchtigungen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches,
klinisch vorwiegend tendomyotisches zervikospondylogenes Syndrom rechts bzw.
zervikospondylogenes bzw. zervikozephales Syndrom rechts bei Zustand nach
Spondylodese C 6 bis Th 1, eine Periarthropathia coxae bei Zustand nach Implantation
von beidseitigen Hüftendprothesen wegen Femurkopfnekrose sowie ein
A.h.
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Lumbovertebralsyndrom bei radiologisch geringen spondylophytaeren degenerativen
Veränderungen (IV-act. 165-28). Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe ein
Sulcus ulnaris Syndrom links (IV-act. 165-29). Der psychiatrische Gutachter erhob eine
leichte depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F32.00), welche die
Arbeitsfähigkeit nicht einschränke (IV-act. 165-35). Unter Berücksichtigung aller
Gegebenheiten und Befunde sei dem Versicherten aus rheumatologisch-somatischer
Sicht aufgrund seiner Veränderungen am Bewegungsapparat dauerhaft keine
Arbeitstätigkeit im angestammten Beruf als Tunnelbauer mehr zumutbar. Aufgrund des
Zustandes nach Implantation von zementfreien Hüftendoprothesen beidseits seien
schwere körperliche Arbeiten wie Heben und Tragen von Lasten über 10 kg nicht mehr
möglich. Das Steigen auf Leitern, häufiges Treppensteigen sowie körperlich belastende
Tätigkeiten seien aufgrund der muskulären Defizite und der Koordinationsproblematik
nicht mehr zumutbar. Aufgrund der aktuellen klinischen und radiologischen Befunde sei
medizinisch-theoretisch in einer angepassten, körperlich leichten bis gelegentlich
mittelschweren Tätigkeit mit häufig möglichem Wechsel der Körperposition (sitzend,
gehen) und weiteren umschriebenen Adaptionskriterien aus interdisziplinärer Sicht
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gegeben (IV-act. 165-41, 43).
RAD-Ärztin Dr. J._ befand am 23. April 2013, auf das Gutachten könne
abgestützt werden (IV-act. 168).
A.i.
Mit Vorbescheid vom 20. Juni 2013 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Zusprache einer ganzen Rente ab 1. April 2011 und
einer Dreiviertelsrente vom 1. Februar 2012 bis 31. Mai 2013 (IV-act. 174). Hiergegen
erhob der Versicherte am 19. August 2013 Einwand (IV-act. 181). Gestützt auf den
Bericht der M._ (IV-act. 181-4 ff.), wonach er nicht vermittelbar sei und lediglich
zweimal vier Stunden wöchentlich gearbeitet habe (Schlussbericht vom 30. April 2013,
IV-act. 181-8), machte er geltend, mit diesem Pensum sei er an seine Grenzen
gestossen. Aufgrund der andauernden Schmerzen sei er nicht in der Lage, während
längerer Zeit zu sitzen oder zu stehen. Die rheumatologische Begutachtung habe
lediglich 15 Minuten gedauert. Es würden keine Eingliederungsmassnahmen in
Betracht gezogen, obwohl dies im Gutachten empfohlen werde. Er sei seit 19. April
2010 nicht mehr im Arbeitsprozess und habe keine anderen beruflichen Erfahrungen
A.j.
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als im Tunnelbau. Das angenommene Invalideneinkommen von Fr. 61'776.-- sei zu
hoch. Es sei ein Leidensabzug von 25 % zu berücksichtigen (IV-act. 181-1 ff.).
Dr. I._ führte in einem Arztzeugnis vom 16. September 2013 aus, der Versicherte
leide seit Herbst 2012 und insbesondere seit März 2013 wieder an verstärkten
Schmerzen der HWS sowie lumbal mit Muskelverspannungen und zeitweise
Parästhesien der oberen Extremitäten. Er sei sehr kooperativ und leistungsbereit und
habe trotz ärztlicher Bedenken nach der Operation der zervikalen Diskushernie die
Arbeit als Tunnelbauer wieder aufgenommen. Die in der Klinik Valens ermittelte
ergonomische Leistungsfähigkeit von 50 % sei für ihn nachvollziehbar (IV-act. 183).
RAD-Ärztin Dr. J._ äusserte am 19. Dezember 2013, das Ergebnis des
Einsatzprogrammes sei aus medizinischer Sicht nicht nachvollziehbar. Aus dem
Schreiben von Dr. I._ gingen keine neuen medizinischen Sachverhalte hervor, welche
den Gutachtern nicht schon bekannt gewesen seien. Es könne weiterhin auf die
gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit abgestützt werden (IV-act. 185).
A.k.
Dr. I._ attestierte gegenüber dem RAV am 1. Februar 2014 eine Arbeitsfähigkeit
von 20 % bis 25 % (IV-act. 194).
A.l.
Ab 19. Januar 2015 durchlief der Versicherte eine bis 17. April 2015 dauernde
berufliche Abklärung im Q._, wobei ein anfängliches Pensum von 50 % mit
Steigerung im Verlauf vorgesehen war (Antrag vom 12. Januar 2015, IV-act. 195;
Mitteilung vom 21. Januar 2015, IV-act. 197). Dr. med. R._, Facharzt für
Rheumatologie FMH, berichtete am 25. März 2015, nach dem Beginn der Massnahme
habe sich die Schmerzsituation wieder verschlechtert. Es sei unbestritten, dass der
Versicherte in seiner angestammten Arbeit als Tunnelbauer zu 100 % arbeitsunfähig
bleibe. Die attestierte Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer adaptierten Tätigkeit
erscheine zu hoch. Aus medizin-theoretischen Überlegungen sei eine 50 %-ige
Arbeitsfähigkeit (leichte bis mittelschwere Belastung) jedoch zumutbar (IV-
act. 222-8 ff.). Im Schlussbericht berufliche Eingliederung vom 16. April 2015 wurde
ausgeführt, es gelinge dem Versicherten nicht, sich für eine neue berufliche Perspektive
zu öffnen. Bei einer Präsenz von 45 % und einer Leistung von durchschnittlich 56 %
ergebe sich eine Arbeitsfähigkeit von 25 % bezogen auf den ersten Arbeitsmarkt. Trotz
der vielfältigen adaptierten Tätigkeiten habe weder eine Erhöhung der Präsenz noch
A.m.
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der Leistungsfähigkeit und somit der Arbeitsfähigkeit beobachtet werden können (IV-
act. 209). Die Eingliederungsverantwortliche hielt im Schlussbericht vom 30. April 2015
fest, trotz seiner Eignung im handwerklichen Bereich seien mit einer Arbeitsfähigkeit
von 25 % und den körperlichen Einschränkungen des Versicherten die Chancen weder
für eine Anschlusslösung im ersten Arbeitsmarkt noch für eine Umschulung als
realistisch einzuschätzen. Somit seien keine beruflichen Massnahmen angezeigt (IV-
act. 217). Mit Mitteilung vom gleichen Tag wurde dem Versicherten der Abschluss
beruflicher Massnahmen eröffnet, da sie aufgrund des Gesundheitszustandes aktuell
nicht möglich seien (IV-act. 220). Dr. I._ befand im Bericht vom 27. Mai 2015, der
Arbeitsversuch im 50 %-Pensum habe zu verstärkten Schmerzen, erhöhtem
Schmerzmittelbedarf und Müdigkeit geführt. Seiner Ansicht nach sei eine 50 %ige
Arbeitsfähigkeit nicht realisierbar. Die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit liege in
der Grössenordnung von eher 30 % als 40 % (IV-act. 222-1 ff.). RAD-Ärztin Dr. J._
nahm am 18. Juni 2015 Stellung: Gestützt auf die aktuelle medizinische Befundlage,
insbesondere den fachärztlichen Bericht von Dr. R._, welcher sich seinerseits auf die
Einschätzung der Klinik Valens stütze, sei medizinisch-theoretisch von einer
Arbeitsfähigkeit adaptiert von weiterhin 50 % auszugehen (IV-act. 225).
Mit Vorbescheid vom 23. November 2015 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Zusprache einer ganzen Rente ab 19. April 2011 und einer Dreiviertelsrente ab
1. Februar 2012 in Aussicht (IV-act. 232). Am 25. Januar 2016 erliess sie die
entsprechende Verfügung (IV-act. 237) und widerrief diese am 13. Februar 2016 wegen
Verletzung des rechtlichen Gehörs bzw. nicht rechtswirksamer Zustellung an die
Pensionskasse des Versicherten (S._ Vorsorge; Zustellung stattdessen
irrtümlicherweise an T._ AG an gleicher Postadresse; IV-act. 241). Diese erhob am
19. Februar 2016 Einwand hinsichtlich des Vorbescheids vom 23. November 2015 und
rügte im Wesentlichen, es sei unzulässig, aufgrund von hausärztlichen Berichten von
einem beweiskräftigen, fachlich breit abgestützten Gutachten abzuweichen (IV-
act. 243).
A.n.
Die IV-Stelle beauftragte die ZIMB AG mit einer Verlaufsbegutachtung (Gutachten
vom 24. September 2016; Dr. med. N._, Innere Medizin FMH; Dr. med. U._,
Rheumatologie; Dr. med. O._, Psychiatrie; Untersuchungen 17./18. Mai 2016; IV-
act. 260). Der rheumatologische Gutachter diagnostizierte ein chronisches
A.o.
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zervikospondylogenes Schmerzsyndrom rechts und ein chronisches
Lumbovertebralsyndrom bei degenerativen Bandscheibenveränderungen und
spondylophytär bedingten degenerativen Veränderungen (IV-act. 260-33). Der
psychiatrische Experte formulierte die Diagnose einer Anpassungsstörung mit
depressiver Symptomatik (ICD-10: F43.21) als Reaktion auf die schon zugesprochene
und dann wieder sistierte Rente (IV-act. 260-41). Die Gutachter kamen zum Schluss, in
einer dem körperlichen Leiden optimal angepassten Verweistätigkeit sei der Versicherte
aus interdisziplinärer Sicht unverändert zu 100 % arbeitsfähig (IV-act. 260-52).
RAD-Arzt Dr. med. V._, Facharzt für Chirurgie, befand am 4. Oktober 2016, aus
versicherungsärztlicher Sicht könne die administrative Entscheidung auf das
Verlaufsgutachten abgestützt werden (IV-act. 261).
A.p.
Mit Vorbescheid vom 16. März 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Zusprache einer ganzen Rente vom 1. April 2011 bis 30. Juni 2013 in Aussicht (IV-
act. 269). Hiergegen liess der Versicherte am 27. April 2017 Einwand erheben (IV-
act. 276). Die Gutachter gingen, ohne sich auf die Ergebnisse aus praktischer
Erprobung (Belastbarkeitstraining Klinik Valens vom 19. September bis 9. Oktober
2011, Arbeitstraining vom 19. Januar bis 17. April 2015) stützen zu können, von einer
100 %igen Arbeitsfähigkeit aus. Die Gutachter hätten hinsichtlich der Arbeitsbelastung
keine weiteren Abklärungen und Tests durchgeführt. Die Abweichung der
Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit (100 % gegenüber 25 %) sei zu gross. Das
angenommene Invalideneinkommen sei nicht mit den gutachterlich bestätigten
gesundheitlichen Einschränkungen vereinbar. Aufgrund des eingeschränkten
Tätigkeitsprofils sowie der beschränkten persönlichen und beruflichen Ressourcen sei
ein Leidensabzug von 10 % vorzunehmen (IV-act. 276).
A.q.
Mit Verfügung vom 20. Juli 2017 sprach die IV-Stelle dem Versicherten vom
1. April 2011 bis 30. Juni 2013 eine ganze Rente zu. Die Voraussetzungen für einen
Leidensabzug seien vorliegend nicht erfüllt. Die 100 %ige Arbeitsfähigkeit sei aufgrund
einer umfassenden Begutachtung unter Berücksichtigung aller Aktenstücke attestiert
worden. Weitere Abklärungen seien von den Gutachtern nicht als notwendig befunden
worden. Der Versicherte fühle sich subjektiv nicht arbeitsfähig und es fehle ihm die
Motivation, an beruflichen Eingliederungsmassnahmen mitzuwirken. Solche machten
A.r.
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B.
daher keinen Sinn. Das Invalideneinkommen sei aufgrund von Durchschnittslöhnen
bestimmt worden, welche unter Würdigung sämtlicher Gegebenheiten auf dem
Schweizerischen Arbeitsmarkt festgelegt worden seien. Am bemessenen
Invalideneinkommen werde festgehalten. Bezüglich beruflicher Massnahmen wies sie
das Gesuch mangels subjektiver Leistungsfähigkeit ab (IV-act. 280).
Mit Beschwerde vom 9. September 2017 (Postaufgabe, datiert 14. September
2017) beantragt A._, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es seien ihm
Leistungen der IV zuzusprechen in Form von beruflichen Massnahmen oder einer
Rente. Es seien zusätzliche Abklärungen durchzuführen. Sodann sei ihm die
unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Vom 19. September bis 9. Oktober 2011
habe er in der Klinik Valens ein Belastbarkeitstraining absolviert, welches für adaptierte
Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 50 % ergeben habe. Vom 1. November 2012 bis
30. April 2013 habe er an einem RAV-Einsatzprogramm teilgenommen. Obwohl er
überall gut mitgewirkt habe, habe ihn das RAV als nicht vermittelbar eingestuft, da er
schmerzbedingt nur während 2 x 4 Stunden habe arbeiten können. Bei einer
beruflichen Abklärung vom 19. Januar bis 17. April 2015 habe er nur eine
Arbeitsfähigkeit von 25 % bezogen auf den ersten Arbeitsmarkt erreichen können,
obwohl er grosse Motivation und Willen gezeigt habe. In seinem fachärztlichen Bericht
vom 25. März 2015 stütze sich der Rheumatologe Dr. R._ auf die Beurteilung der
Klinik Valens und gehe von einer medizin-theoretischen Arbeitsfähigkeit von weiterhin
50 % für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten aus. Der RAD sei davon ausgegangen,
dass die Arbeitsfähigkeit von 100 % zu optimistisch gewesen sei. Da die
Verlaufsbegutachtung wiederum durch die ZIMB erfolgt sei, erscheine "nur logisch",
dass diese wiederum von einer 100 %igen Arbeitsfähigkeit im adaptierten Bereich
ausgegangen sei. Während er im Rahmen der BEFAS über Monate beobachtet und
beurteilt worden sei, hätten ihn die Gutachter insgesamt nur während ein paar Stunden
gesehen. Das Gutachten setze sich mit den Feststellungen der BEFAS überhaupt nicht
auseinander. Es bestehe somit weiterhin eine nicht nachvollziehbare Diskrepanz
zwischen den Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die
IV-Stelle Abklärungen der beruflichen Arbeitsfähigkeit anordne und deren Ergebnisse
anschliessend ignoriere (act. G 1).
B.a.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/24
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Mit Beschwerdeantwort vom 9. November 2017 beantragt die
Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen. Das ZIMB-Gutachten
entspreche den Anforderungen der Rechtsprechung und es könne darauf abgestellt
werden. Die Gutachter hätten die Berichte von Dr. R._ und Dr. I._ berücksichtigt
und seien auf deren Ausführungen eingegangen. Sie hätten allerdings deren
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehen können. Die 100 %ige
Arbeitsfähigkeit ab dem 30. März 2013 (Zeitpunkt der ersten Begutachtung) werde
durch ein zweites Gutachten bestätigt. Die Berichte der behandelnden Ärzte und die
Ergebnisse der beruflichen Abklärung vermöchten an der medizinisch-theoretischen
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit nichts zu ändern. Die
objektive Befundlage und die Diagnosen seien seit der Begutachtung 2013 gleich
geblieben bzw. die rheumatologischen Befunde seien sogar weniger stark ausgeprägt
gewesen. Es sei daher davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand ab dem
Begutachtungszeitpunkt im März 2013 gebessert habe und der Beschwerdeführer in
einer angepassten Tätigkeit wieder zu 100 % arbeitsfähig sei (act. G 5).
B.b.
Mit Schreiben vom 14. November 2017 lehnt die Verfahrensleitung das Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege mangels Prozessarmut ab (act. G 6).
B.c.
Mit Replik vom 7. Dezember 2017 macht der Beschwerdeführer geltend, es sei
nicht nachvollziehbar, wie sich seine Einschränkungen und deren Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit in einer Begutachtung von zwei Stunden einschätzen lasse. Die
behandelnden Ärzte attestierten klar eine Arbeitsfähigkeit von 50 % für leichte bis
mittelschwere Tätigkeiten. Es erscheine fragwürdig, dass die Beschwerdegegnerin
Abklärungen über einen Zeitraum von mehreren Monaten habe durchführen lassen und
ihnen doch kein Gewicht beimesse (act. G8).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 10).B.e.
Dr. I._ reicht am 11. Mai 2018 Berichte des Spitals H._, Orthopädische Klinik,
vom 17. April 2018 (act. G 11.1), vom 8. Mai 2018 (act. G 11.2) und vom 7. Mai 2018
(act. G 11.3) ein. Danach wurde beim Beschwerdeführer eine Subscapularisruptur und
Pulleyläsion mit Bicepsluxation sowie SLAP-Läsion der Schulter links mit SSP
Vorderrandläsion diagnostiziert und am 4. Mai 2018 operativ versorgt (SAS rechts,
B.f.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/24
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Considerations:
Erwägungen
1.
1.1. Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2. Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.3. Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Bicepstenodese, Naht M. Subscapularis, Refixation Vorderrand SSP Bursektomie und
Acromioplastik).
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Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
1.4. Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE
126 V 360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
2.
2.1. Medizinische Grundlage der angefochtenen Verfügung bilden insbesondere das
Verlaufsgutachten der ZIMB AG vom 16. März 2016 (IV-act. 260) und das
Erstgutachten dieser Institution vom 30. März 2013 (IV-act. 165). Es ist deren
Beweistauglichkeit zu beurteilen.
2.2
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2.2.1. Anlässlich der Erstbegutachtung im Februar 2013 gab der Beschwerdeführer an,
er leide seit 30 Jahren unter Rückenschmerzen. Nach der Operation der
Halswirbelsäule (Spondylodese HWS 6 bis BWS 1, IV-act. 28) habe er seine Arbeit trotz
schmerzhafter Verspannungen im Nacken und Schulterbereich bald wieder aufnehmen
können. Nach den beiden Hüftgelenksimplantationen (links 7. Juni 2010, IV-
act. 80-8 ff.; rechts 16. Februar 2011, IV-act. 108-9 f.) sei er an Krücken gegangen,
weshalb sich wieder Rücken- und Nackenschmerzen entwickelt hätten, die trotz
Physiotherapie nicht besser geworden seien (IV-act. 165-21). Hauptbeschwerden seien
nach wie vor chronische Schmerzen im Nacken, Schultergürtel und Beckengürtel. Die
Nackenschmerzen seien dauerhaft und strahlten belastungsabhängig in den rechten
Arm und den Hinterkopf aus. Er habe Kribbelparästhesien und häufig Krämpfe in der
rechten Hand bzw. in den Fingern, aber nicht mehr die früheren
Schmerzausstrahlungen vom Nacken her. Die Kreuzschmerzen strahlten entlang des
Beckenkamms bis in die Leisten, links auch teilweise bis in den lateralen Ober- und
Unterschenkel bis etwa auf Knöchelhöhe aus. Bezüglich der Hüftschmerzen äusserte
er einerseits, diese hätten sich durch die Hüftoperation gebessert (IV-act. 165-27),
andererseits bezeichnete er diese als nach wie vor stark (IV-act. 165-31). Auf der
visuellen Schmerz-Analogskala betrage die Schmerzintensität zwischen 4/10 und 7/10,
mit den Medikamenten komme es zu einer gewissen Besserung, die allerdings nicht
lange anhalte. Aufgrund der Schmerzen sei er im Alltag eingeschränkt, könne nicht
mehr lange sitzen, stehen und gehen, nicht mehr schwer heben und tragen und seinen
geliebten Beruf als Tunnelbauer nicht mehr ausüben. Er erwache regelmässig gegen
03.00 Uhr nachts (IV-act. 165-23, 27, 31). Die Therapie in der Klinik Valens (vom
19. September bis 9. Oktober 2011, IV-act. 120) sei streng gewesen (noch "schlimmer
als im Militär"), habe aber nicht geholfen. Im Gegenteil sei er depressiv geworden, habe
sich zunehmend zurückgezogen und sei ständig nervös und aggressiv gewesen. Er sei
von der im März 2012 erhaltenen Kündigung überrascht gewesen und in ein "Loch
gefallen" und habe auch Suizidgedanken gehabt. In der Tagesklinik (13. Januar bis
30. Juli 2012, IV-act. 139, 146) habe er gelernt mit der Situation umzugehen und sei
etwas ruhiger geworden (IV-act. 165-21, 31). Die aktuelle Behandlung umfasse
ambulante Gesprächstherapie alle drei bis vier Wochen und 1 Tbl. Valdoxan abends
(IV-act. 165-31). Zur seit 1. November 2012 ausgeübten Tätigkeit im Rahmen des
Einsatzprogramms bei der M._ (vgl. IV-act. 181-4 ff.) äusserte der Beschwerdeführer,
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es handle sich um eine leichte Montagearbeit (Falten von Kartons; IV-act. 165-18), die
ihn nervös mache, weil er kein Ergebnis sehe und sie nicht als richtige Arbeit
wahrnehme. Er habe immer schon gerne gelesen, wobei nach längerer Dauer die
Konzentration nachlasse. Er habe auch berufsbedingt wenig Kollegen und lose
Kontakte zu ihnen. Er treffe sich jetzt vor allem mit Familienmitgliedern, gehe
regelmässig nach draussen. Seit er nicht mehr arbeite, fühle er sich wertlos, habe
weniger Kraft als früher und fühle sich schneller erschöpft (IV-act. 165-32).
2.2.2. Anlässlich der Verlaufsbegutachtung vom 17./18. Mai 2016 schilderte der
Beschwerdeführer, seit der letzten Begutachtung vor dreieinhalb Jahren gehe es ihm
deutlich schlechter. Nach verschiedenen Arbeitsversuchen habe er deutlich mehr
Beschwerden im Nacken und im Beckengürtel (IV-act. 260-26). Im Jahr 2015 habe er
trotz der Schmerzen einen Arbeitsversuch unternommen (berufliche Abklärung Q._,
vom 19. Januar bis 17. April 2015, IV-act. 197, IV-act. 209). Er habe in dieser Zeit sehr
viel Schmerzmittel einnehmen müssen, um die Schmerzen auszuhalten. Nach einer bis
eineinhalb Stunden seien die Schmerzen stark geworden und er habe meist nach drei
bis vier Stunden nach Hause gehen müssen (IV-act. 260-27). Mit der sehr leichten,
"kleinen" Arbeit habe er keine Geduld gehabt, er sei sich solche nicht gewohnt (IV-
act. 260-36). Auch wenn er jetzt nichts tue, habe er Schmerzen, sogar im Sitzen. Diese
nähmen, sobald er sich körperlich belaste, zu, vor allem im Kreuz und im
Schultergürtel. Vor Schmerzen beginne er dann zu zittern. Auf der visuellen
Analogskala betrage die Schmerzintensität in Ruhe 4 bis 5, nach einer Stunde Arbeit 7
bis 8. Er könne sich dann nicht konzentrieren, müsse sich hinlegen (IV-act. 260-27). Er
wache wegen der Schmerzen, aber auch wegen seiner Nervosität auf. Er vergesse
immer wieder Sachen, habe Mühe, sich zu konzentrieren und sei insgesamt seit 2013
deutlich nervöser geworden. Das Hin und Her um die Rente und finanzielle Situation
belaste ihn. Seit der Sistierung der zunächst zugesprochenen Rente ergehe es ihm
schlechter und er könne sich weniger freuen (IV-act. 260-36). Er lese gerne, habe dies
aber in letzter Zeit wegen seiner Nervosität und fehlender Freude nicht mehr getan. Er
fahre nur noch kurze Strecken Auto (IV-act. 260-37). Sein Tagesablauf sei strukturiert;
er koche Frühstück und Mittagessen, da die Ehefrau zur Arbeit gehe. Sie koche das
Nachtessen. Er gehe häufig spazieren, schaue fern und treffe sich mit Kollegen (IV-
act. 260-31 f.). Er habe einmal monatlich Therapie, an Medikamenten erhalte er Palexia
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retard 2 x 100 mg, Sertralin 100 mg, Valdoxan 25 mg und Temesta 1 - 2 x 1 mg (ein-
bis dreimal pro Woche; IV-act. 260-27, 37).
2.3. Bildgebend zeigten sich an der HWS und an der LWS degenerative
Veränderungen: So fanden sich an der HWS Unkovertebralarthrosen und foraminale
Stenosen (MRI vom 19. Juli 2011, IV-act. 153-5 f.) sowie Osteochondrosen und
Spondylosen (IV-act. 165-27 f.; IV-act. 222-8 ff.; IV-act. 260-33). An der LWS liessen
sich eine Diskushernie LWK 1/2, Bandscheibenprotrusionen ohne laterale
Wurzelkompression sowie polysegmentale Degenerationen mit ausgeprägten
spangenbildenden Spondylophyten (MRI vom 19. Juli 2011; IV-act. 153-5 f.) sowie
zunächst lediglich Spondylosen (Erstgutachten, IV-act. 165-27 f.), später Chondrosen
mit teilweise ausgeprägter Spondylose (Dr. R._, IV-act. 222-10) bzw. eine
spondylotische Reaktion (Verlaufsgutachten, IV-act. 260-33) feststellen. Klinisch-
funktionell wurden sowohl an der HWS als auch an der LWS Endphasenschmerzen bei
den untersuchten Bewegungen erhoben, wobei Dr. R._ zusätzlich jeweils eine um
einen Drittel eingeschränkte Beweglichkeit notierte (Erstgutachten vom 30. März 2013,
IV-act. 165-27 f.; Bericht Dr. R._ vom 25. März 2015, IV-act. 222-8 ff.,
Verlaufsgutachten vom 24. September 2016, IV-act. 260-32).
2.4. Im Erstgutachten vom 30. März 2013 hielt der rheumatologische Gutachter Dr.
P._ fest, aufgrund der aktuellen klinischen und auch radiologischen Befunde sei in
einer angepassten, körperlich leichten bis gelegentlich mittelschweren Tätigkeit mit
häufig möglichem Wechsel der Körperposition (sitzend, gehend) ohne
Zwangshaltungen der Wirbelsäule ohne wiederholte Arbeiten über Kopf und ohne
häufiges Treppensteigen aus rein rheumatologischer Sicht keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit gegeben (IV-act. 165-30). Aufgrund der Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (EFL) ist in der Klinik Valens eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %
attestiert, jedoch nicht näher begründet worden (IV-act. 165-29 f.). Der Bericht der
Klinik Valens vom 3. November 2011 (IV-act. 120) hob eine gute Leistungs- und
Belastungsbereitschaft und Konsistenz bei den arbeitsbezogenen Tests hervor. Es
wurde ausgeführt, das relevante Problem seien verminderte Belastbarkeiten der
Lendenwirbelsäule, beider Hüftgelenke und des Nackens, welche sich beim Hantieren
von Lasten sowie beim Einnehmen von länger andauernden statischen
Körperpositionen zeigten. Beim Gehen sei noch ein geringes Entlastungshinken
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sichtbar. Der Versicherte sei unter Berücksichtigung seiner ergonomischen
Leistungsfähigkeit für eine im Wesentlichen leichte bis mittelschwere Arbeit mit
seltenen Gewichtsbelastungen bis 20 kg in einem 50 % Pensum arbeitsfähig (IV-
act. 120-5). Woraus genau die immerhin hälftige Einschränkung resultiert, wurde nicht
ausgeführt. Auch wurden seltene Gewichtsbelastungen bis 20 kg immerhin als
zumutbar erachtet. Im Verlaufsgutachten vom 24. September 2016 führte der
rheumatologische Gutachter Dr. U._ aus, insgesamt seien die Befunde verglichen mit
denjenigen des Gutachtens von Anfang 2013 weniger schlimm. Insbesondere sei die
LWS-Beweglichkeit deutlich besser und die periartikulären Schmerzen im Bereich der
Hüfte seien quasi verschwunden. Die damalige Diagnose einer Periarthropathie coxae
rechts könne nicht mehr gestellt werden. Aus rheumatologischer Sicht sei der
Versicherte für die schwere und harte Arbeit als Tunnelbauer nicht mehr arbeitsfähig. In
einer wechselbelastenden, stehenden, gehenden und eventuell sitzenden Tätigkeit
ohne repetitives Heben von Lasten über 5 bis 7 kg und ohne einmaliges Heben von
über 15 kg sowie ohne Arbeiten in Zwangshaltung, vor allem ohne Extension von HWS
und LWS, sei jedoch eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit zumutbar (IV-act. 260-35, 48).
2.5. Der psychiatrische Gutachter führte im Erstgutachten vom 30. März 2013 aus, der
Versicherte leide an einer leichten depressiven Episode ohne somatisches Syndrom
(ICD-10: F32.00; IV-act. 165-35). Aus versicherungspsychiatrischer Sicht bestehe eine
100 %ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 165-35). Die von Dr. L._ gemäss Bericht vom
17. April 2012 (IV-act. 139) diagnostizierte mittelgradige depressive Episode sei
aufgrund der berichteten Psychopathologie nachvollziehbar. Die (von ihr ab 23. Januar
2012 [IV-act. 139-2] attestierte) 100 %ige Arbeitsunfähigkeit könne nachvollzogen
werden, der Versicherte sei zu diesem Zeitpunkt auch in der Tagesklinik gewesen (IV-
act. 165-35 f.). Im Bericht vom 16. August 2012 (IV-act. 146) berichte sie von einer
Stabilisierung des psychischen Zustandes, sodass davon auszugehen sei, dass sich
die mittelgradige depressive Episode gebessert habe, was mit der aktuellen
Untersuchung übereinstimme (IV-act. 165-36). Die vom Versicherten angegebenen
Schmerzen seien vollumfänglich somatisch erklärbar, sodass keine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung oder andere somatoforme Störung vorliege (IV-
act. 165-34). Im Verlaufsgutachten vom 24. September 2016 hielt der psychiatrische
Experte fest, die Schmerzen stünden nicht im Hauptfokus der Aufmerksamkeit des
Versicherten, das inhaltliche Denken sei nicht auf die Schmerzsymptomatik fixiert.
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Hinweise für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung fänden sich nicht, der
Versicherte mache bezüglich der Schmerzen auch aktuell keine Therapie. Ein
Leidensdruck bezüglich der Schmerzen sei während des Gesprächs mit Ausnahme
eines einmaligen schmerzbedingten Positionswechsels nicht erkennbar. Auch eine
Einschränkung im Alltag durch die Schmerzen sei nicht erkennbar. Der Versicherte
könne eine Tagesstruktur aufrecht erhalten, gehe regelmässig einkaufen, treffe
Kollegen und sei im Vorjahr drei Wochen im Heimatland gewesen (IV-act. 260-40, 49,
51).
2.6. In der Konsensbeurteilung führten die Gutachter aus, das alleinige
schmerzbedingte Scheitern der beruflichen Massnahmen, insbesondere des
dreimonatigen Arbeitstrainings im Frühjahr 2015, legitimiere per se bei unveränderten
(sogar gebesserten) Befunden und Diagnosen keine andere Einschätzung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit. Diesbezüglich sei zu vermerken, dass sich der Versicherte
nur mit dem Beruf eines Tunnelbauers identifizieren könne und daher wenig motiviert
sei, einer anderen Tätigkeit nachzugehen. Ferner sei davon auszugehen, dass der
Versicherte, der seit 2010 nicht mehr gearbeitet habe, inzwischen erheblich
dekonditioniert und sich wahrscheinlich nicht mehr gewöhnt sei, regelmässig zu
arbeiten. Dass es in diesem Zustand zu einem raschen Auftreten von Schmerzen bei
der Wiederaufnahme einer regelmässigen, wenn auch körperlich leichten Tätigkeit
kommen könne, sei durchaus verständlich, rechtfertige aber keine Invalidität (IV-
act. 260-51). Dies lässt sich anhand des Aktenverlaufs gut nachzeichnen: Nachdem
sich der Versicherte in der Klinik Valens nach Kräften um die Wiedererlangung seiner
Gesundheit bemüht hatte, musste er erkennen, dass eine Rückkehr in seinen geliebten
Beruf als Tunnelbauer nicht mehr möglich war. Er entwickelte eine Depression. Zum
vom 6. November 2012 bis 30. April 2013 absolvierten Einsatzprogramm bei der M._,
wo er nach eigener Aussage mit einem Pensum von zwei Halbtagen an seine Grenze
gekommen sei (IV-act. 181-1 ff.), gab er anlässlich der Erstbegutachtung an, diese
Arbeit mache ihn nur nervös, er sehe kein Ergebnis, es sei für ihn "keine richtige
Arbeit" (IV-act. 165-32). Auch im Schlussbericht betreffend die berufliche
Eingliederungsmassnahme im Q._ vom 19. Januar bis 17. April 2015 wurde
ausgeführt, es gelinge dem Beschwerdeführer nicht, sich für eine neue berufliche
Perspektive zu öffnen. Zu verhärtet sei sein Blick auf seine berufliche Vergangenheit
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und zu gross die Enttäuschung, in seinem geliebten Beruf nicht mehr arbeiten zu
können, weil "sein Körper kapituliere" (IV-act. 209-6).
2.7. Der Beschwerdeführer erwähnte während der Verlaufsbegutachtung, es gehe ihm
insbesondere nach der zunächst verfügten und ausbezahlten, dann aber
überraschender Weise erfolgten Einstellung der Zahlung und Aberkennung des
Anspruchs deutlich schlechter (IV-act. 206-39). Offenbar haben nicht vermehrte
Schmerzen zu einer Verschlechterung der subjektiven Befindlichkeit geführt. Hinzu
kommt, dass der Beschwerdeführer während der Verlaufsbegutachtung mehrfach
erwähnte, regelmässig die verordneten Medikamente einzunehmen (IV-act. 260-36
Ende oberes Drittel, IV-act. 260-31 unten). Im Gegensatz dazu konnte im erhobenen
Medikamentenspiegel nur eine Substanz nachgewiesen werden (Sertralin, gemäss
www.compendium.ch ein antidepressiver Wirkstoff) und auch diese nur in einem weit
unter dem Therapeutischen liegenden Bereich (IV-act. 260-30). Zusammenfassend
ergibt sich, dass die somatischen Befunde betreffend Schultern, Hüften, HWS und
LWS allesamt keine objektivierbaren schwerwiegenden Defekte zeigten, keine
Entzündungswerte festgestellt wurden und sich auch der Beschwerdeführer selbst
nicht schmerzgeplagt präsentierte (vgl. IV-act. 206-40 Mitte). Dies korreliert auch mit
dem von ihm angegebenen, durchaus strukturierten Tagesablauf, den Interessen, dem
Unternehmen von Autofahrten sowie Reisen ins Heimatland (IV-act. 206-40 Mitte) und
nicht zuletzt auch mit der Nichteinnahme von Medikamenten sowie der
Nichtinanspruchnahme von Physiotherapie oder ähnlichem. Dass sich die Schmerzen
bei einer Tätigkeit verstärken würden und dass dies nicht zuletzt auch durch die
Dekonditionierung bedingt ist, ist plausibel, spricht jedoch nicht gegen die
Zumutbarkeit einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für optimal angepasste
Tätigkeiten. Nicht zuletzt gibt der Beschwerdeführer selbst an, gut sitzen und ca. eine
Stunde laufen zu können (IV-act. 260-31, 34).
2.8. Gesamthaft sind die aktuellen sowie die früheren gutachterlichen Einschätzungen
überzeugend. Auch der RAD bestätigte in der Stellungnahme vom 19. Dezember 2013
eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten (IV-act. 185). Zudem
bemerkte er zur Frage, ob das Ergebnis des Einsatzprogrammes mit den Resultaten
der medizinischen Begutachtung vereinbar sei, es sei nicht bekannt, ob dem
Versicherten anlässlich der Begutachtung diese Einschätzung auch mitgeteilt worden
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sei (IV-act. 185). In der Stellungnahme vom 18. Juni 2015 zum Schlussbericht zur
später im Q._ durchgeführten beruflichen Eingliederung vom 10. April 2015 (IV-
act. 209) sowie zum Untersuchungsbericht von Dr. R._ vom 25. März 2015 (IV-
act. 222) erklärte die RAD-Ärztin jedoch plötzlich, dass medizinisch-theoretisch
weiterhin von einer adaptierten Arbeitsfähigkeit von 50% auszugehen sei. Dass und
warum die früher von ihr bestätigte 100%-ige Arbeitsfähigkeit nicht mehr gelten solle,
führte sie nicht aus. Insbesondere nahm sie dazu auch nicht im Kontext der
Einschätzung der Gutachter Stellung (IV-act. 225). Dr. R._ schloss sich – offenbar
ohne Kenntnis vom aktuelleren Gutachten zu haben – der Einschätzung der Klinik
Valens aus dem Jahre 2011 an (IV-act. 222). Seine Beurteilung erfolgte nach dem
Beginn der beruflichen Massnahme, während welcher auch die Gutachter eine
vorübergehende Verstärkung der Schmerzwahrnehmung für nachvollziehbar hielten (IV-
act. 260-51).
2.9. Insgesamt erscheinen die gutachterlichen Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit
schlüssig und nachvollziehbar. Die Gutachter hatten Kenntnis der Einschätzung der
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Klinik Valens (Bericht vom 3. November 2011, IV-
act. 120), der Ergebnisse des Einsatzprogramms bei der M._ (Bericht vom 30. April
2013, IV-act. 181-4 ff.) sowie der beruflichen Eingliederungsmassnahme im Q._
(Schlussbericht vom 16. April 2015, IV-act. 209) und legten dar, weshalb von diesen
Einschätzungen aus versicherungsmedizinischer Sicht abzuweichen sei. Auch die
bundesgerichtliche Rechtsprechung betont, dass die Beurteilung der sich aus einem
Gesundheitsschaden ergebenden funktionellen Leistungsfähigkeit in der Hauptsache
den ärztlichen Fachkräften obliege (Urteil vom 16. März 2017, 9C_646/2016, E. 4.2.2),
dass berufliche Massnahmen nicht die Leistungseinschätzung zum Ziel hätten und auf
ein Gutachten abzustellen sei, sofern sich dieses sowohl mit den Resultaten des
Aufbautrainings als auch mit den verschiedenen Diagnosen der medizinischen
Vorakten einlässlich auseinandersetzt gesetzt habe (vgl. Urteil vom 20. November
2013, 8C_142/2013, E. 3.5); zudem setze die Infragestellung des Gutachtens einen
einwandfreien Arbeitseinsatz voraus (Urteile vom 15. Dezember 2015, 9C_554/2015,
E. 3.4 und vom 25. Juni 2014, 8C_362/2014, E. 5.1.2), wovon vorliegend aufgrund der
fehlenden Motivation des Beschwerdeführers, eine andere Tätigkeit als diejenige des
Tunnelbauers auszuüben, für die Arbeitseinsätze des Beschwerdeführers nach dem
Aufenthalt in der Klinik Valens nicht ausgegangen werden kann. Auf die Ergebnisse der
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Gutachten ist somit abzustellen und der Beschwerdeführer ist spätestens ab 1. März
2013 (gutachterliche Untersuchungen am 8., 27. und 28. Februar 2013) zu 100 %
arbeitsfähig für dem Leiden angepasste Tätigkeiten.
3.
3.1. Die zur zweiten Anmeldung führende Hüftgelenksnekrose verursachte im April
2010 erstmals aktenkundig Beschwerden, die zu einer Krankschreibung führten
(Arztbericht Dr. I._ vom 30. Juli 2010, IV-act. 81-5 ff.), womit das Wartejahr im Sinne
von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG begann. Bei Anmeldung am 8. Juni 2010 besteht somit ein
allfälliger Rentenanspruch frühestens ab 1. April 2011.
3.2. Aus somatischer Sicht bestand aufgrund der Hüftoperationen und der
Rehabilitation eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit bis zum Austritt aus der Klinik Valens
bzw. bis 30. Oktober 2011. Die Klinik Valens attestierte zwar eine 50 %ige
Arbeitsfähigkeit (Bericht vom 3. November 2011, IV-act. 120), jedoch war der
Beschwerdeführer ab 23. Januar 2012 bis 16. August 2012 erneut zu 100 %
arbeitsunfähig (psychiatrisches Gutachten, IV-act. 165-36; Berichte Dr. L._ vom
17. April 2012, IV-act. 139, und vom 16. August 2012, IV-act. 142). Da die
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit von 0 % auf 50 % lediglich vom 30. Oktober 2011
bis 23. Januar 2012 dauerte, ist gemäss der nicht gegebenen Dauer von drei Monaten
laut Art. 88a Abs. 1 IVV für den Rentenanspruch von einer durchgehenden 100 %igen
Arbeitsunfähigkeit bis zum 30. November 2012 auszugehen.
3.3. Ab 1. Dezember 2012 bestand aus somatischen Gründen gemäss der Klinik Valens
wiederum eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit. Die Beschwerdegegnerin geht jedoch in der
angefochtenen Verfügung vom 20. Juli 2017 davon aus, dass die 50 %ige
Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der gesamten Konstellation nicht verwertbar
gewesen sei (IV-act. 280-5). Mit Blick auf das Bestehen sowohl somatischer als auch
psychischer Einschränkungen, die Abwesenheit vom Arbeitsmarkt und vor allem die
Tatsache, dass der Beschwerdeführer vom 1. November 2012 bis 30. April 2013 ein
Einsatzprogramm über das RAV absolvierte, ist dies nicht zu beanstanden. Somit ist
bis zur Kenntnis der gutachterlichen Einschätzung mit Gutachten vom 30. März 2013
von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % auszugehen. Der Beschwerdeführer hat daher
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unter Berücksichtigung von Art. 88a Abs. 1 IVV vom 1. April 2011 bis 30. Juni 2013
einen befristeten Anspruch auf eine ganze Rente.
3.4. Ab 30. März 2013 ist von einer 100 %igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Nach
Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin hätte der Beschwerdeführer ab 1. Januar 2010
ein Jahreseinkommen von 13 x Fr. 6'321.-- = Fr. 82'173.-- erzielt (Angaben vom 5. Juli
2010, IV-act. 71-3). Dabei handelt es sich jedoch um den Grundlohn, zu welchem
weitere für das Valideneinkommen zu berücksichtigende Lohnbestandteile
hinzukommen. So wies der Beschwerdeführer in seiner Anmeldung vom 8. Juni 2010
auf einen "Zusatzlohn (Spesen)" in der Höhe von Fr. 2'000.-- monatlich hin (IV-
act. 61-6) und erwähnte Zulagen für Nachtschicht, Reisespesen und Tunnelbau von
Fr. 1'500.-- bis Fr. 2'000.-- im Gesprächsprotokoll Früherfassung vom 1. Juni 2010 (IV-
act. 59-2). Dem Auszug aus dem individuellen Konto (IK) sind für die Jahre 2003 bis
2007 vor Eintritt des erstmaligen Gesundheitsschadens folgende Einkommen zu
entnehmen, die jeweils um die Nominallohnerhöhung bis zum Jahr 2013 (Indices
gemäss Lohnentwicklung des Bundesamtes für Statistik [BFS], T39, Männer)
aufzurechnen sind:
2003
Fr. 90'608.-- : 1958 x 2204
Fr. 101'992.--
2004
Fr. 86'528.-- : 1975 x 2204
Fr. 96'561.--
2005
Fr. 86'226.-- : 1992 x 2204
Fr. 95'403.--
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2006
Fr. 106'500.-- : 2014 x 2204
Fr. 116'547.--
2007
Fr. 95'184.-- : 2047 x 2204
Fr. 102'484.--
Im Durchschnitt ergibt sich ein indexiertes Jahreseinkommen von Fr. 102'597.--. Da
anzunehmen ist, dass der Beschwerdeführer dieses im hypothetischen Gesundheitsfall
weiterhin erzielt hätte, entspricht dies dem Valideneinkommen. Basis der Bemessung
des Invalideneinkommens bildet das Durchschnittseinkommen gemäss BFS,
Lohnstrukturerhebung (LSE) 2013, Männer, Kompetenzniveau 1 von Fr. 65'654.--
(Informationsstelle AHV/IV, IV 2019, Bern 2019, Anhang 2). Dass der Beschwerdeführer
seine ehemalige körperliche Schwerarbeit nicht mehr ausführen kann, rechtfertigt einen
Tabellenlohnabzug von mindestens 10 % (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 20. April
2018, 9C_833/2017, E. 3). Somit resultiert ein Invaliditätsgrad von 42,4 %
([Fr. 102'597.-- - {0,9 x Fr. 65'654.--}] : Fr. 102'597.--). Der Beschwerdeführer hat somit
ab 1. Juli 2013 Anspruch auf eine Viertelsrente.
4.
Zu befinden bleibt über den ebenfalls zum Streitgegenstand gehörenden Anspruch auf
berufliche Massnahmen. Diese müssen zur Erfüllung des Eingliederungsziels geeignet
sein, was unter anderem voraussetzt, dass sich die versicherte Person subjektiv
eingliederungsfähig fühlt (vgl. S. Bucher, Eingliederungsrecht der
Invalidenversicherung, Bern 2011, N 124, mit Verweisen auf die Rechtsprechung).
Aufgrund der wie dargelegt fehlenden Motivation, einen anderen Beruf als den
bisherigen des Tunnelbauers zu ergreifen und der subjektiven Arbeitsunfähigkeit ist
aktuell nicht von einer Eignung beruflicher Massnahmen auszugehen. Der
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Beschwerdeführer kann sich jedoch diesbezüglich jederzeit bei der
Beschwerdegegnerin neu anmelden, worauf sie den Anspruch neu zu prüfen hätte.
5.
5.1. Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung in Gutheissung der
Beschwerde aufzuheben und dem Beschwerdeführer mit Wirkung vom 1. April 2011
bis 30. Juni 2013 eine ganze Rente und ab 1. Juli 2013 eine Viertelsrente
zuzusprechen. Die Sache ist zur Festsetzung und Ausrichtung der geschuldeten
Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer
zurückzuerstatten.