Decision ID: b345b591-8730-5bd4-8cd2-b79d039ab188
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführenden verliessen ihren Heimatstaat eigenen An-
gaben zufolge am (...), reisten am 7. Juli 2020 illegal in die Schweiz ein
und suchten gleichentags im BAZ Region um Asyl nach. Am 10. Juli 2020
beauftragten die Beschwerdeführenden die Mitarbeitenden des Rechts-
schutzes für Asylsuchende im BAZ Region F._ mit der Wahrung ih-
rer Interessen im Asylverfahren. Am 14. Juli 2020 fanden die Personalien-
aufnahmen (PA) und am 16. Juli 2020 die persönlichen Dublin-Gespräche
(mit den Beschwerdeführenden 1, 2 und 3) statt. Die Beschwerdeführen-
den 1, 2 und 3 wurden sodann am 3. und 4. August 2020 ausführlich zu
ihren Asylgründen angehört. Nach der Zuweisung ins erweiterte Verfahren
führte das SEM am 15. September 2020 eine ergänzende Anhörung mit
der Beschwerdeführerin durch.
A.b Zur Begründung ihrer Asylgesuche machten die Beschwerdeführen-
den im Wesentlichen Folgendes geltend: Die Beschwerdeführerin habe im
Jahr 2002 G._ (selbe N-Nummer, vgl. D-891/2014) geheiratet und
sei zu ihm nach H._ bei I._ (Provinz Punjab) gezogen. Ob-
wohl sie der (sunnitischen) Glaubensgemeinschaft (...) angehörten, habe
ihr Mann im 2009 eine Stelle als Wächter bei einem schiitischen Gebetsort
in K._ angetreten. Einige Dorfbewohner hätten ihm deshalb vorge-
worfen, kein Muslim mehr zu sein; sie hätten die gesamte Familie be-
schimpft und boykottiert. Ihr Ehemann sei in der Folge von Anhängern der
(sunnitischen) Sipah-e Sahaba (SSP) tätlich angegriffen worden. Aufgrund
dieser Probleme sei ihr Ehemann nach Europa gereist und habe (im Jahr
[...]) in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt. Im Jahr (...) sei er nach Pakis-
tan zurückgekehrt, ein Jahr darauf aber aufgrund anhaltender Verfolgung
erneut ausgereist. Er halte sich seither in Italien auf. Die Beschwerdefüh-
renden seien nach der zweiten Ausreise des Ehemannes/Vaters zur Mutter
der Beschwerdeführerin nach L._ gezogen, und der Beschwerde-
führer 2 habe von dort aus ein College in M._ besucht. Seine Mit-
schüler hätten erfahren, dass er und seine Familie infolge religiöser Anfein-
dungen von H._ nach L._ gezogen seien, und einige Mit-
schüler hätten nach einer Weile damit begonnen, ihn und seine Familie als
Ungläubige zu beschimpfen und ihn zu mobben. Er habe sich beim Schul-
leiter beschwert, und dieser habe den Mitschülern eine Woche Schulverbot
erteilt. In der Folge – ungefähr im April 2019 – sei der Beschwerdeführer 2
von diesen Mitschülern spitalreif geschlagen worden. Die Beschwerdefüh-
rerin habe sich bei der Schule sowie bei der Polizei beschwert, aber die
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Polizei habe den Vorfall bagatellisiert. Die Mitschüler oder deren Eltern hät-
ten dann die SSP respektive die Muslim Students Federation (MSF) kon-
taktiert, und einige Tage später hätten bewaffnete Anhänger der MSF oder
SSP den Schulbus angehalten, dem Beschwerdeführer 2 befohlen auszu-
steigen und ihm Fragen zu seinen Familienmitgliedern, seiner Adresse und
der Telefonnummer gestellt. Zudem hätten sie ihn und seine Familie mit
dem Tod bedroht. Am selben Abend habe die Beschwerdeführerin einen
anonymen Anruf erhalten. Der Anrufer habe nach ihrem Mann gefragt und
gedroht, die Kinder umzubringen. Sie sei daraufhin erneut zur Polizei ge-
gangen, aber diese sei untätig geblieben. In der Folge sei die Beschwer-
deführerin zusammen mit den Beschwerdeführenden 2, 4 und 5 zu ihrer
Schwester nach N._ gegangen, während der Beschwerdeführer 3
aus schulischen Gründen bei den Grosseltern in L._ geblieben sei.
Im Mai 2019 seien die Verfolger in den Hof des grosselterlichen Hauses
eingedrungen, hätten nach der Beschwerdeführerin, ihrem Mann und den
Kindern gefragt und Todesdrohungen ausgestossen. Die Grossmutter
habe keine Informationen preisgegeben. Daraufhin hätten die Eindring-
linge den Beschwerdeführer 3 geschlagen und ihm dabei den Arm gebro-
chen. Nachdem die Nachbarn dazugekommen seien und der Onkel der
Beschwerdeführerin mit der Polizei gedroht habe, seien die Täter geflüch-
tet. Die Grossmutter sowie der Beschwerdeführer 3 seien daraufhin eben-
falls nach N._ gegangen, und kurze Zeit später seien sie alle zu-
sammen zu einer Tante der Beschwerdeführerin nach O._ gezo-
gen. Die Beschwerdeführerin habe sich aus Angst um das Leben der Kin-
der zur Ausreise aus Pakistan entschlossen. Nachdem die Grossmutter
zwecks Finanzierung der Ausreise ihr Haus in L._ verkauft habe,
seien die Beschwerdeführenden im (...) aus dem Heimatland ausgereist.
A.c Die Beschwerdeführenden reichten im Rahmen des vorinstanzlichen
Verfahrens folgende Unterlagen zu den Akten: die Identitätskarte der Be-
schwerdeführerin (Kopie), die Geburtsurkunden der Beschwerdeführen-
den 2-5 (Kopien), eine Invaliditätsbestätigung vom 3. November 2016 be-
treffend den Beschwerdeführer 4, zwei Schuldokumente betreffend die Be-
schwerdeführenden 2 und 3 sowie mehrere Unterlagen betreffend die me-
dizinischen Probleme der Beschwerdeführenden 1, 2 und 4.
B.
Das SEM stellte mit Verfügung vom 12. Februar 2021 fest, die Beschwer-
deführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte die Asylge-
suche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Voll-
zug der Wegweisung an.
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C.
Die Beschwerdeführenden fochten diesen Entscheid mit Beschwerde vom
12. März 2021 beim Bundesverwaltungsgericht an. Sie beantragten die
Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Anerkennung als Flücht-
linge sowie die Gewährung von Asyl. Eventuell sei infolge Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen, subeven-
tuell sei die Sache zur vollständigen Abklärung des Sachverhalts an die
Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung (inklusive Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses) und unentgeltliche Verbeiständung.
Der Beschwerde lagen folgende Unterlagen bei (alle in Kopie): die ange-
fochtene Verfügung (inkl. Empfangsbestätigung), Vollmachten vom 20. Au-
gust 2020, eine Honorarnote vom 12. März 2021, eine Fürsorgebestäti-
gung vom 3. März 2021 sowie mehrere medizinische Dokumente betref-
fend die Beschwerdeführenden 1, 2 und 4.
D.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
15. März 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG). Glei-
chentags bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Be-
schwerde.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 16. März 2021 hielt die Instruktionsrichterin
fest, die Beschwerdeführenden könnten den Abschluss des Verfahrens in
der Schweiz abwarten. Ausserdem hiess sie die Gesuche um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung und unentgeltliche Verbeiständung
gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, ordnete den
Beschwerdeführenden ihre Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeistän-
din bei und lud das SEM ein, innert Frist eine Vernehmlassung einzu-
reichen.
F.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 29. März 2021 vollumfäng-
lich an seiner Verfügung fest.
G.
Die Beschwerdeführenden replizierten darauf mit Eingabe vom 15. April
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2021 und reichten in der Beilage eine Mitteilung betreffend Kostengutspra-
che für sonderpädagogische Massnahmen vom 23. März 2021 sowie ein
Schreiben der (...) vom 1. April 2021 (Kopien) zu den Akten.
H.
Mit Eingabe vom 19. April 2021 reichten die Beschwerdeführenden einen
ärztlichen Bericht vom 9. April 2021 sowie ein Bestätigungsschreiben der
Stiftung (...) vom 16. April 2021 ein.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer
Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das
Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt.
Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung
von Beschwerden gegen Entscheide des SEM auf dem Gebiet des Asyls,
und entscheidet in diesem Bereich in der Regel – und so auch vorliegend
– endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist demnach einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
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3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentli-
chen aus, das Asylgesuch des Ehemannes respektive Vaters der Be-
schwerdeführenden sei mit Verfügung vom 27. März 2014 abgelehnt wor-
den, da seine Asylgründe sowohl als unglaubhaft als auch als flüchtlings-
rechtlich nicht relevant erachtet worden seien. Bereits aus diesem Grund
sei nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden bei einer
Rückkehr nach Pakistan einer Reflexverfolgung im Zusammenhang mit
G._ ausgesetzt wären. Im Übrigen stünden die Aussagen der Be-
schwerdeführerin betreffend die Asylgründe des Ehemannes im Wider-
spruch zu dessen eigenen Vorbringen; der Beschwerdeführerin sei dazu in
der ergänzenden Anhörung das rechtliche Gehör gewährt worden, es sei
ihr dabei jedoch nicht gelungen, die Widersprüche aufzulösen. Die Zweifel
an der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Reflexverfolgung würden
dadurch erhärtet. Die Ausführungen der Beschwerdeführerin seien ferner
stereotyp und oberflächlich ausgefallen und würden kaum Realkennzei-
chen enthalten, zudem sei nicht in der Lage gewesen, detaillierte Auskunft
zur SSP zu geben. Der Beschwerdeführer 2 habe seinerseits einmal von
der SSP, ein anderes Mal dagegen von der MSF gesprochen. Den Vorfall
im Haus der Grossmutter hätten die Beschwerdeführenden 1, 2 und 3 na-
hezu identisch geschildert, obwohl die Beschwerdeführenden 1 und 2 da-
mals gar nicht anwesend gewesen seien. Aufgrund dessen sei davon aus-
zugehen, dass die Beschwerdeführenden nicht tatsächlich Erlebtes, son-
dern vielmehr einen konstruierten und einstudierten Sachverhalt wiederge-
geben hätten. Aufgrund der unlogischen Aussagen der Beschwerdeführen-
den sei im Weiteren nicht nachvollziehbar, weshalb die SSP den Ehe-
mann/Vater im Jahr 2019 erneut hätten suchen und die ganze Familie mit
dem Tod bedrohen sollen. Insgesamt sei die geltend gemachte Verfolgung
durch die SSP nicht glaubhaft. Demnach sei die Flüchtlingseigenschaft zu
verneinen und die Asylgesuche abzulehnen. Die Vorinstanz legte im Wei-
teren dar, der Wegweisungsvollzug nach Pakistan sei zulässig, zumutbar
und möglich. Hinsichtlich der Frage der individuellen Zumutbarkeit des Voll-
zugs verwies das SEM insbesondere auf das im Heimatland bestehende
familiäre Beziehungsnetz, die gesicherte Wohnsituation und den Umstand,
dass von dem offenbar in Italien lebenden Ehemann, zu welchem die Be-
schwerdeführerin in Kontakt stehe, zumindest eine finanzielle Unterstüt-
zung erwartet werden könne. Ferner erwog die Vorinstanz, es sei aufgrund
der eingereichten ärztlichen Berichte weder bei der Beschwerdeführerin
noch beim Beschwerdeführer 4 von einer die Unzumutbarkeit begründen-
den medizinischen Notlage auszugehen. Schliesslich sei der Vollzug der
Wegweisung auch unter Berücksichtigung des Kindeswohls als zumutbar
zu erachten.
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3.2 In der Beschwerde wird hinsichtlich der Frage der Glaubhaftigkeit der
Asylvorbringen eingeräumt, es sei nicht von der Hand zu weisen, dass es
in den Aussagen der Beschwerdeführerin sowie ihres Ehemannes zu Dis-
krepanzen gekommen sei. Allerdings sei zu berücksichtigen, dass in Pa-
kistan eine traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau herr-
sche, der Fokus der Beschwerdeführerin auf der Betreuung der Kinder ge-
legen und sie die rund zehn Jahre zurückliegenden Verfolgungsereignisse
betreffend ihren Ehemann nicht selber erlebt habe. Dies erkläre, weshalb
sie keine detaillierten Kenntnisse darüber habe. Die Beschwerdeführerin
habe auch die geltend gemachten Fluchtgründe überwiegend nicht selbst
erlebt, weshalb der Mangel an Realkennzeichen nur folgerichtig sei. Die
eigenen Erlebnisse (Drohanruf) habe sie indessen detailliert und plausibel
schildern können. Die Vorfälle im Haus der Mutter der Beschwerdeführerin
in L._ seien in der Familie ausgiebig besprochen worden, weshalb
nicht erstaune, dass die entsprechenden Schilderungen der Beschwerde-
führenden ähnlich ausgefallen seien. Aussagen von Kindern könnten im
Übrigen nicht mit demselben Massstab gemessen werden wie Aussagen
von Erwachsenen. Ausserdem seien vorliegend beide Kinder nur kurz be-
fragt worden. Die Vorbringen des Beschwerdeführers 2 zu der von ihm er-
lebten Verfolgung enthielten jedenfalls zahlreiche Realitätskennzeichen.
Insgesamt hätten die Beschwerdeführenden ihre Fluchtgründe glaubhaft
dargelegt. Ihre Vorbringen würden sich mit der politischen Lage in Pakistan
sowie dem bekannten Vorgehen der SSP decken. Die Beschwerdeführen-
den seien von der SSP aus religiösen Gründen verfolgt und mit dem Tod
bedroht worden, und der Staat sei nicht schutzwillig gewesen. Sie seien
daher als Flüchtlinge anzuerkennen, und es sei ihnen Asyl zu gewähren.
Eventuell sei die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen.
Diesbezüglich sei insbesondere auf den medizinischen Sachverhalt zu ver-
weisen: Der Beschwerdeführer 4 leide seit Geburt an einer Behinderung.
Seine Erkrankung habe in Pakistan nicht diagnostiziert werden können.
Bisherige Untersuchungen in der Schweiz hätten einen Verdacht auf das
(...) ergeben, einer seltenen Erbkrankheit. In Pakistan habe die Familie
keine medizinische oder anderweitige staatliche Hilfe für den behinderten
Knaben erhalten. Die Krankheit erfordere eine interdisziplinäre Behand-
lung. Betroffene Personen hätten eine verminderte Lebenserwartung und
seien lebenslänglich auf Pflege angewiesen. Der Beschwerdeführer 4 leide
an (...). Er habe zudem schon mehrfach fieberassoziierte (...) erlitten und
sei anfällig für Krämpfe. Er benötige eine engmaschige medizinische Be-
treuung, insbesondere regelmässige Kontrolluntersuchungen, eine spezi-
elle Hautpflege sowie Physiotherapie. Er sei auf einen (...) und die Hilfe
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Dritter (aktuell: Angehörige sowie Spitex) angewiesen. In der heilpädago-
gischen Sonderschule (...) werde er nun erstmals adäquat gefördert. Die
Beschwerdeführerin ihrerseits leide unter (...). Sie sei mit der Betreuung
der vier Kinder überfordert und benötige selber ärztliche Behandlung. Der
Beschwerdeführer 2 werde wegen Verdachts auf (...) medikamentös be-
handelt. Auch der Aspekt des Kindeswohls stehe dem Vollzug der Wegwei-
sung entgegen. In Pakistan könnte der Beschwerdeführer 4 nicht adäquat
behandelt werden, und auch ein Schulbesuch wäre nicht möglich. Behin-
derte Menschen würden in Pakistan von der Gesellschaft ausgeschlossen.
Die Prognose hinsichtlich seiner persönlichen Entwicklung sei daher im
Falle der Rückkehr nach Pakistan schlecht. Auch das Wohl der anderen
Kinder spreche gegen den Vollzug der Wegweisung. Der Beschwerdefüh-
rer 3 besuche seit August (...) eine Integrationsklasse, der Beschwerde-
führer 4 den Kindergarten. Alle Kinder seien integriert und verfügten bereits
über Deutschkenntnisse. Die älteren Söhne zeigten ein hohes Mass an
Verantwortung. Im Weiteren treffe es nicht zu, dass sich die Beschwerde-
führenden auf die Unterstützung durch den Ehemann/Vater verlassen
könnten. Dieser habe schon in der Vergangenheit keine Verantwortung für
die Familie übernommen. Die Eltern der Beschwerdeführerin hätten zur Fi-
nanzierung der Flucht ihr Haus verkauft und lebten nun in einer kleinen
Mietwohnung. Es sei fraglich, ob sie zukünftig in der Lage wären, die Be-
schwerdeführenden zu unterstützen. Die Beschwerdeführerin wäre bei ei-
ner Rückkehr lebenslänglich mit der Betreuung des Beschwerdeführers 4
beschäftigt und könnte sich weder um die anderen Kinder kümmern noch
einer Arbeit nachgehen. Der Vollzug der Wegweisung müsse daher insge-
samt als unzumutbar erachtet werden. Schliesslich wird gerügt, die Vorin-
stanz habe den rechtserheblichen Sachverhalt ungenügend abgeklärt und
die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ungenügend ge-
prüft, weshalb die Sache allenfalls zu kassieren sei.
3.3 Das SEM führt in seiner Vernehmlassung aus, aufgrund der Aktenlage
sei im Falle des Beschwerdeführers 4 keine interdisziplinäre medizinische
Behandlung erforderlich. Den eingereichten medizinischen Berichten zu-
folge seien ihm lediglich Duschöle und Lotions sowie eine Physiotherapie
verordnet worden. Im ärztlichen Bericht vom 29. Dezember 2020 werde
ausserdem eine Hilfsmittelanpassung sowie ein Medikament zur Behand-
lung von allfälligen Krämpfen erwähnt. Zudem benötige D._ einen
(...). Weitere Behandlungen seien nicht aktenkundig. Es stehe den Be-
schwerdeführenden frei, diesbezüglich medizinische Rückkehrhilfe zu be-
antragen. Die aktuell beanspruchten Leistungen der Spitex seien nicht ab-
solut notwendig. Ein im Vergleich zur Schweiz schlechterer medizinischer
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Betreuungsstandard in Pakistan stelle kein Vollzugshindernis dar. Der Be-
schwerdeführer 2 habe ein Medikament für die vermutete (...) erhalten, zu-
dem sei eine urologische Vorstellung sowie eine Verlaufskontrolle empfoh-
len worden. Die gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin ([...])
seien ebenfalls nicht geeignet, die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
in Frage zu stellen.
3.4 In der Replik wird entgegnet, die Vorinstanz verkenne die Tragweite der
Erkrankung des Beschwerdeführers 4. Aus dem ärztlichen Bericht vom
29. Dezember 2020 gehe hervor, dass eine Verschlechterung der Sympto-
matik bis zur Pubertät möglich sei. Bei längeren Krampfanfällen müsse ein
Arzt aufgesucht werden. Es seien verschiedene weitere Kontrolluntersu-
chungen ([...]) sowie eine Hilfsmittelanpassung und Physiotherapie not-
wendig. Der Beschwerdeführer 4 besuche eine Sonderschule für Kinder
mit (...). Die Aussage des SEM, eine interdisziplinäre Behandlung sei nicht
indiziert, sei unter diesen Umständen unverständlich. Gemäss telefoni-
scher Auskunft von Dr. med. M. R. benötige der Beschwerdeführer 4 mög-
licherweise zukünftig auch eine (...). Die Beschwerdeführerin leide unter
einer starken psychischen Belastung und sei zwischenzeitlich in die
Sprechstunde für Transkulturelle Psychiatrie überwiesen worden. Dieser
Umstand spreche ebenfalls für die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs und sei bisher sowohl im Rahmen der Glaubhaftigkeitsprüfung als
auch bei der Prüfung von Vollzugshindernissen unberücksichtigt geblie-
ben.
4.
Die Beschwerdeführenden rügen, das SEM habe den rechtserheblichen
Sachverhalt unrichtig beziehungsweise unvollständig festgestellt respek-
tive ungenügend abgeklärt und ihre Vorbringen ungenügend geprüft. Diese
formellen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie unter Umständen geeignet
sein könnten, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
4.1 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden den
Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Dabei
muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter-
lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber
ordnungsgemäss Beweis führen (vgl. auch Art. 30–33 VwVG). Der Unter-
suchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asyl-
suchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfest-
stellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder
nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig
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ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz Untersuchungs-
maxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder wenn
nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände berücksichtigt
wurden (vgl. dazu BVGE 2016/2 E. 4.3). Die Behörde ist dabei jedoch nicht
verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschun-
gen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann vorzu-
nehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als angezeigt erscheinen (vgl.
dazu KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 629 ff.; CHRISTOPH AUER, in:
Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das
Verwaltungsverfahren, 2. Aufl., 2019, Rz. 17 zu Art. 12; BENJAMIN SCHIND-
LER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], a.a.O., Rz. 29 ff. zu Art. 49). Aus dem
Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG) sowie
Art. 35 Abs. 1 VwVG folgt sodann, dass alle erheblichen Parteivorbringen
zu prüfen und zu würdigen sind (vgl. dazu BVGE 2016/9 E. 5.1).
4.2 Die Beschwerdeführenden rügen, das SEM habe den rechtserhebli-
chen Sachverhalt betreffend die medizinischen Probleme des Beschwer-
deführers 4 sowie bezüglich des Kindeswohls ungenügend abgeklärt. Aus-
serdem habe sich das SEM mit ihren Asylvorbringen nicht wirklich ausei-
nandergesetzt, sondern diese pauschal als unglaubhaft bezeichnet und
dabei auch die aktuelle politische Lage in Pakistan nicht berücksichtigt.
Dieser Auffassung kann indes nicht gefolgt werden. In Bezug auf den Be-
schwerdeführer 4 lagen dem SEM mehrere Arztberichte vor, welche sich
zu den Diagnosen sowie den indizierten Behandlungen äusserten (vgl. na-
mentlich die beiden Arztberichte des [...] vom 22. Oktober und 19. Novem-
ber 2020) und es dem SEM erlaubten, sich ein Bild über die Schwere der
beim Beschwerdeführer 4 bestehenden Krankheiten sowie die benötigten
Behandlungen zu machen. Bei dieser Sachlage konnte die Vorinstanz
ohne weiteres darauf verzichten, von Amtes wegen weitere Abklärungen
zu tätigen. Angesichts dessen, dass sich die Beschwerdeführenden im
Zeitpunkt des vorinstanzlichen Entscheids erst seit einem halben Jahr in
der Schweiz befanden, ist ferner auch nicht zu beanstanden, dass das
SEM im Hinblick auf die Frage des Kindeswohls keine Abklärungen betref-
fend eine allfällige Sozialisierung in der Schweiz getätigt hat. Der rechtser-
hebliche Sachverhalt wurde demnach richtig und vollständig festgestellt.
Die Vorinstanz hat sich sodann in ihren Erwägungen mit allen relevanten
Vorbringen der Beschwerdeführenden auseinandergesetzt und dabei ins-
besondere ausgeführt, weshalb die geltend gemachte Verfolgung durch die
SSP nicht glaubhaft und aus welchen – generellen und individuellen –
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Gründen der Vollzug der Wegweisung als zumutbar zu erachten sei. Eine
Verletzung der Prüfungspflicht ist somit ebenfalls nicht erkennbar.
4.3 Die formellen Rügen erweisen sich nach dem Gesagten als unbegrün-
det. Der (subeventualiter gestellte) Kassationsantrag ist abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politi-
schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder
begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rech-
nung zu tragen (Art. 3 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
6.
6.1 Die Beschwerdeführenden machen geltend, sie seien im Heimatland
von der SSP verfolgt worden. Dieses Vorbringen ist indessen aus nachfol-
genden Gründen als unglaubhaft zu erachten:
6.1.1 Gemäss Aussagen der Beschwerdeführenden basiert die von ihnen
angeblich erlittene Verfolgung durch die SSP auf der Verfolgung ihres Ehe-
mannes/Vaters, G._. Wie das SEM in der angefochtenen Verfügung
zutreffend festgestellt hat, wurden die von G._ geltend gemachten
Asylgründe sowohl als unglaubhaft als auch als nicht asylrelevant erachtet
(vgl. N [...], Asylentscheid vom 22. Januar 2014 [A21]). Bereits deswegen
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ist zu bezweifeln, dass die Beschwerdeführenden im April/Mai 2019 im Zu-
sammenhang mit der angeblichen früheren Verfolgung von G._ von
der SSP verfolgt worden sind.
6.1.2 Aufgrund der diesbezüglich detaillierten und realitätsnahen Schilde-
rungen des Beschwerdeführers 2 (vgl. A48 F49 ff.) ist zwar nicht auszu-
schliessen, dass er Probleme in der Schule hatte und von Mitschülern ge-
mobbt und geschlagen wurde. Sein Vorbringen, er sei daraufhin von der
SSP verfolgt worden, kann jedoch nicht geglaubt werden, zumal er dazu
widersprüchliche und tatsachenwidrige Angaben machte: Während er zu-
nächst aussagte, der Schulbus sei von einem Auto der SSP verfolgt wor-
den (vgl. A48 F37), machte er im weiteren Verlauf der Anhörung geltend,
es habe sich um ein Auto der MSF gehandelt (vgl. A48 F92 f.). Entgegen
seiner Aussage (vgl. A48 F75) trifft es ausserdem keineswegs zu, dass es
sich bei der SSP und der MSF und dieselbe Organisation handelt. Die MSF
ist die Studentenorganisation der Pakistan Muslim League (PML), die SSP
dagegen eine sektenähnliche, anti-schiitische militante Organisation. Auch
das Logo der beiden Organisationen ist völlig unterschiedlich. Der Be-
schwerdeführer erklärte, er habe am Auto der angeblichen Verfolger die
Flagge der MSF gesehen, wobei er diese zutreffend beschrieb (vgl. A48
F93). Nach dem Gesagten erscheint es demnach auch gestützt auf die
Vorbringen des Beschwerdeführers 2 als unglaubhaft, dass er und seine
Familie im Frühjahr 2019 von der SSP verfolgt wurden.
6.1.3 Wie ferner bereits das SEM zu Recht festgestellt hat, haben die Be-
schwerdeführenden insbesondere den angeblichen Vorfall vom Mai 2019
im Haus der Mutter der Beschwerdeführerin auffallend gleichartig geschil-
dert (vgl. A42 F107, A48 F105, A49 F25 f.), weshalb der Verdacht nahe-
liegt, dass es sich dabei um einen konstruierten und auswendig gelernten
Sachverhalt handelt. Dies spricht ebenfalls gegen die Glaubhaftigkeit der
dargelegten Verfolgung.
6.1.4 Schliesslich erscheint es ohnehin nicht plausibel, dass die Beschwer-
deführenden im Jahr 2019 erneut in den Fokus der SSP hätten geraten
sollen. Angeblich war die SSP primär am Ehemann/Vater der Beschwerde-
führenden interessiert; dieser befand sich aber offenbar seit dem Jahr 2015
(wieder) im Ausland. Das Vorbringen, die SSP sei dennoch weiterhin be-
strebt gewesen, G._ zu finden, und habe zu diesem Zweck im Jahr
2019 die – nota bene einer sunnitischen Glaubensrichtung angehörenden
– Beschwerdeführenden behelligt, muss als realitätsfremd bezeichnet wer-
den. Im Übrigen hätte die SSP die Beschwerdeführenden mit Sicherheit
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bereits zu einem früheren Zeitpunkt ausfindig machen können, wenn sie
dies gewollt hätte, da davon auszugehen ist, dass den Einwohnern von
H._ bekannt war, dass die Mutter der Beschwerdeführerin in
L._ lebte, und die SSP somit bestimmt in L._ nach den Be-
schwerdeführenden gesucht hätte, falls sie ernsthaft an ihnen interessiert
gewesen wäre.
6.1.5 Nach dem Gesagten kann insgesamt nicht geglaubt werden, dass die
Beschwerdeführenden in Pakistan durch die SSP verfolgt worden sind.
6.2 Im Übrigen könnten die Asylvorbringen – selbst wenn sie als glaubhaft
erachtet würden – auch nicht als asylrelevant erachtet werden. Die angeb-
lich erlittenen Nachteile sind nicht intensiv genug, um als ernsthaft im Sinne
von Art. 3 Abs. 2 AsylG qualifiziert zu werden. Ausserdem konnten sich die
Beschwerdeführenden vor der Ausreise ungefähr ein halbes Jahr unbehel-
ligt bei Familienangehörigen in N._ und O._ aufhalten, was
zeigt, dass sie offensichtlich keiner landesweiten Verfolgung ausgesetzt
waren.
6.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asyl-
gründe nicht geeignet sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrechtlich rele-
vante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG beziehungsweise eine entspre-
chende Verfolgungsfurcht glaubhaft zu machen. Demnach hat die
Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden
verneint und die Asylgesuche abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG).
7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
D-1128/2021
Seite 14
In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge-
mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be-
weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu
beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.1.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
8.1.2 Das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot schützt nur Personen,
welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführen-
den nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung
nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG veran-
kerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine
Anwendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist demnach unter
dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
8.1.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdefüh-
renden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer
Ausschaffung nach Pakistan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müssten
die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen
oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kam-
mer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde
D-1128/2021
Seite 15
Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, m.w.H.). Dies ist ihnen – wie die vorstehenden
Erwägungen im Asylpunkt zeigen – nicht gelungen. Die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Pakistan lässt den Wegweisungsvollzug im heuti-
gen Zeitpunkt ebenfalls nicht als unzulässig erscheinen.
8.1.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.2.1 In Pakistan herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situa-
tion allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumut-
bar wäre (vgl. dazu beispielsweise das Urteil des BVGer D-2534/2019 vom
7. April 2021 E. 8.4.2, m.w.H.).
8.2.2 In individueller Hinsicht ist zunächst festzustellen, dass die Be-
schwerdeführenden in Pakistan über ein tragfähiges familiäres Bezie-
hungsnetz verfügen. Mangels anderweitiger Hinweise ist insbesondere da-
von auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr erneut – wie bereits vor der
Ausreise – bei der Schwester der Beschwerdeführerin in O._ oder
ihrer anderen Schwester in N._ wohnen und von diesen unterstützt
werden könnten. Laut Angaben der Beschwerdeführerin leben ihre Eltern
sowie ihr Bruder aktuell in einer Mietwohnung in M._. Da die Be-
schwerdeführenden vor der Ausreise mehrere Jahre lang bei den Eltern
der Beschwerdeführerin (damals noch in [L._]) lebten, ist davon
auszugehen, dass sie bei Bedarf auch von ihnen Hilfe erhalten würden.
Weitere Verwandte der Beschwerdeführerin leben in L._ und
P._ (je ein Onkel). Schliesslich ist auch eine (finanzielle) Unterstüt-
zung durch den Ehemann/Vater, welcher sich offenbar aktuell in Italien auf-
hält, nicht undenkbar, da sich dieser entgegen der Aussage in der Be-
schwerde durchaus für seine Kinder zu interessieren scheint, hat er sich
doch laut Angaben der Beschwerdeführerin mehrmals telefonisch nach
den Kindern erkundigt und den Kontakt zur Beschwerdeführerin gesucht
(vgl. A58 F92, F99 f.). Es ist daher insgesamt nicht davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr nach Pakistan aus wirt-
schaftlichen Gründen in eine existenzielle Notlage geraten würden.
D-1128/2021
Seite 16
8.2.3 Die aktenkundigen gesundheitlichen Probleme der Beschwerdefüh-
renden führen ebenfalls nicht zur Annahme der Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs. Die Beschwerdeführerin leidet beziehungsweise litt den
eingereichten ärztlichen Schreiben zufolge unter (...). Die (...) wurde im
Dezember 2020 nach erfolgter (...) mittels (...) behandelt. Zudem erhielt
die Beschwerdeführerin Medikamente zur Behandlung von Verstopfungen
sowie Schmerzmittel. Im Februar 2021 wurde ausserdem eine (...) behan-
delt. Aus der Replik geht sodann hervor, dass die Beschwerdeführerin zu
einem Abklärungsgespräch in der Sprechstunde für Transkulturelle Psychi-
atrie angemeldet wurde, da sie unter starker psychischer Belastung leide.
Es ist davon auszugehen, dass sowohl die psychischen Probleme der Be-
schwerdeführerin als auch die Kopfschmerzen und anhaltenden Verdau-
ungsprobleme im Zusammenhang mit dem Stress stehen, welchem sie seit
der Ausreise aus dem Heimatland ausgesetzt ist. Da sie vor der Ausreise
offenbar nie alleine mit ihren Kindern lebte, sondern immer zusammen mit
weiteren Verwandten respektive der Schwieger-Familie, ist es nachvoll-
ziehbar, dass sie mit ihrer aktuellen Lebenssituation in einem fremden kul-
turellen und sprachlichen Umfeld und insbesondere auch mit der Betreu-
ung ihrer vier Kinder überfordert ist, auch wenn sie dabei durch die Spitex
unterstützt wird. Es ist daher davon auszugehen, dass eine Rückkehr in
die vertraute Umgebung zu den Verwandten nach Pakistan (vgl. dazu vor-
stehend E. 8.2.2) diese Probleme nicht verschlimmern, sondern vielmehr
lindern werden. Im Übrigen sind die medizinischen Probleme der Be-
schwerdeführerin nicht als besonders schwerwiegend zu erachten, und die
medizinische Grundversorgung in Pakistan ist gewährleistet. Mangels an-
derweitiger konkreter Hinweise ist ferner auch nicht davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer 2, welcher im Februar 2021 aufgrund von
Oberbauchschmerzen ärztlich untersucht und wegen Verdachts auf (...)
mit Pantoprazol behandelt worden ist (vgl. den Arztbericht vom 16. Februar
2021), im heutigen Zeitpunkt unter einer schwerwiegenden Krankheit lei-
det, die zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs führen könnte.
Beim Beschwerdeführer 4 wurden den aktenkundigen ärztlichen Berichten
zufolge (...) diagnostiziert (bei Verdacht auf [...]). Ab und zu treten ausser-
dem fieberassoziierte (...) auf, zuletzt im Jahr 2019. Gemäss Praxis des
Bundesverwaltungsgerichts kann nur dann aus medizinischen Gründen
auf die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden,
wenn eine notwendige Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung
steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährlichen Beein-
trächtigung des Gesundheitszustands der betroffenen Person führt. Dabei
wird diejenige allgemeine und dringende medizinische Behandlung als re-
levant erachtet, die zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz
D-1128/2021
Seite 17
absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls nicht bereits dann
vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsland nicht eine dem hohen schweize-
rischen Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist
(vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2). Der Beschwerdeführer 4 benötigt den akten-
kundigen ärztlichen Unterlagen zufolge (...). Zur Fortbewegung ist er auf
einen (...) angewiesen. Aufgrund einer Fussfehlstellung wurden ihm aus-
serdem (...) angepasst. Wie bereits vorstehend erwähnt, ist die medizini-
sche Grundversorgung in Pakistan gewährleistet. Aufgrund des aktenkun-
digen «disability certificate» hätte der Beschwerdeführer 4 zudem – bei Be-
darf – grundsätzlich Anspruch auf finanzielle Unterstützung (vgl. dazu Pun-
jab Bait-Ul-Maal, Government of the Punjab: «Financial Assistance for
Needy/Disable Persons, abgerufen unter <https://baitulmaal.pun-
jab.gov.pk/financial_assistance#:~:text=Financial%20As-
sistance%20for%20Needy%2FDisab-
led,is%20PKR%2010%2C000%20per%20individual>; zuletzt besucht am
30. Juni 2021). Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer 4 die
von ihm benötigten Medikamente (gegen Juckreiz und allfällige Krämpfe)
und Hautpflegemittel in einer Apotheke und/oder beim Dorfarzt beziehen
könnte, bei welchem er schon früher in Behandlung war (vgl. A42 F96). Zur
Überbrückung einer möglichen Versorgungslücke könnte er ausserdem
medizinische Rückkehrhilfe beantragen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG
i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung 2 über Finanzierungsfragen (AsylV 2,
SR 142.312). Ferner bestehen in der Heimatregion des Beschwerdefüh-
rers 4 mehrere physiotherapeutische Einrichtungen, welche zweifellos in
der Lage wären, ihn adäquat zu behandeln, namentlich in Lahore und
Faisalabad, aber auch in Mureedkay und Sheikhupura. Schliesslich ist da-
von auszugehen, dass der Beschwerdeführer 4 die in der Schweiz erhal-
tenen medizinischen Hilfsmittel ([...]) behalten und bei einer Rückkehr nach
Pakistan mitnehmen kann. Da der Beschwerdeführer 4 in Begleitung sei-
ner Mutter und Geschwister nach Pakistan zurückkehren und dort – wie
erwähnt – wiederum bei Verwandten leben könnte, ist eine angemessene
Betreuung im Alltag als gesichert zu erachten. Auch unter Berücksichtigung
der Tatsache, dass sich die Symptome bis zur Pubertät möglicherweise
noch verschlechtern, besteht nach dem Gesagten kein Grund zur An-
nahme, dass die absolut notwendige Behandlung des Beschwerdeführers
4 in Pakistan nicht gewährleistet wäre und sich sein Gesundheitszustand
bei einer Rückkehr dorthin rasch und in lebensgefährlicher Weise ver-
schlechtern würde. Somit ist auch mit Blick auf den Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers 4 von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
auszugehen.
D-1128/2021
Seite 18
8.2.4 Unter dem Gesichtspunkt des Kindeswohls im Sinne von Art. 3 Abs. 1
des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kin-
des (KRK, SR 0.107) sind im Rahmen der Prüfung der Zumutbarkeit des
Vollzugs sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im Hin-
blick auf eine Wegweisung wesentlich erscheinen. Dabei können nament-
lich folgende Kriterien im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung von
Bedeutung sein: Alter und Reife des Kindes, Abhängigkeiten, Art (Nähe,
Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Eigenschaften seiner Be-
zugspersonen (insbesondere Unterstützungsbereitschaft und -fähigkeit),
Stand und Prognose bezüglich Entwicklung/Ausbildung, sowie der Grad
der erfolgten Integration bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz. Ge-
rade letzterer Aspekt, die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz, ist im
Hinblick auf die Prüfung der Chancen und Hindernisse einer Reintegration
beziehungsweise Integration im Heimatland bei einem Kind als gewichtiger
Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne guten Grund aus einem einmal ver-
trauten Umfeld herausgerissen werden sollten. Dabei ist aus entwicklungs-
psychologischer Sicht nicht nur das unmittelbare persönliche Umfeld des
Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) zu berücksichtigen, sondern auch dessen
übrige soziale Einbettung. Die Verwurzelung in der Schweiz kann eine re-
ziproke Wirkung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
haben, indem eine starke Assimilierung in der Schweiz eine Entwurzelung
im Heimatstaat zur Folge haben kann, welche unter Umständen die Rück-
kehr dorthin als unzumutbar erscheinen lässt (vgl. dazu BVGE 2009/51
E. 5.6; 2009/28 E. 9.3.2).
Das jüngste Kind der Beschwerdeführerin (E._) ist erst (...). In die-
sem Alter sind Kinder noch stark an ihre Eltern, insbesondere die Mutter,
gebunden und haben noch keine selbständigen Aussenkontakte erworben.
Angesichts des erst kurzen (knapp einjährigen) Aufenthalts in der Schweiz
ist auch nicht davon auszugehen, dass die beiden anderen minderjährigen
Beschwerdeführenden 3 und 4 (C._ und D._) schon signifi-
kante soziale Bindungen in der Schweiz eingegangen sind; dies wird denn
auch nicht geltend gemacht. Ferner lassen auch die bisherigen Integrati-
onsbemühungen der drei Kinder (Einschulung, Erlernen der deutschen
Sprache) nicht auf eine fortgeschrittene Assimilation in der Schweiz
schliessen. Da demnach nicht von einer bereits erfolgten Verwurzelung der
drei Kinder in der Schweiz gesprochen werden kann, ist auch nicht zu be-
fürchten, dass im Falle ihrer Rückkehr nach Pakistan eine tiefgreifende
Entwurzelung stattfinden würde. Angesichts des kurzen Aufenthalts in der
Schweiz ist im Weiteren davon auszugehen, dass die drei Kinder nach wie
vor gut mit der heimatlichen Kultur und Sprache vertraut sind und ihnen die
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Seite 19
Reintegration in Pakistan im bekannten Umfeld und mit der Unterstützung
ihrer Verwandten (vgl. dazu vorstehend E. 8.2.2) ohne weiteres gelingen
wird. Ihre schulische Ausbildung können sie auch im Heimatland fortset-
zen; insbesondere besteht den Akten zufolge für den Beschwerdeführer 4
auch in Pakistan die Möglichkeit, eine Sonderschule zu besuchen, da eine
solche offenbar existiert (vgl. A42 F94 f.) und er über das notwendige
«disability certificate» verfügt. Wie bereits vorstehend erwähnt (vgl.
E. 8.2.3), hätte er aufgrund seiner Behinderung grundsätzlich Anspruch auf
finanzielle Unterstützung, womit beispielsweise auch der Transport in die
Sonderschule bezahlt werden könnte. Nach dem Gesagten ist festzustel-
len, dass den drei Kindern auch bei einer Rückkehr nach Pakistan ange-
messene Entwicklungs- und Bildungsmöglichkeiten offenstehen. Das Kin-
deswohl spricht demnach ebenfalls nicht gegen die Annahme der Zumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs.
8.2.5 Der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden nach Pakis-
tan ist nach dem Gesagten sowohl in genereller als auch in individueller
Hinsicht als zumutbar zu erachten.
8.3 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12 S. 513–515), weshalb der Vollzug der Wegweisung
auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
Die aktuelle Corona-Pandemie steht dem Wegweisungsvollzug ebenfalls
nicht entgegen; denn es handelt sich dabei – wenn überhaupt – um ein
bloss temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im Rahmen der Voll-
zugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist,
indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatland ange-
passt wird.
8.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei-
sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat.
Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht
(Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
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Seite 20
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten den Be-
schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch
das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessfüh-
rung mit Zwischenverfügung vom 16. März 2021 gutgeheissen worden ist,
werden keine Verfahrenskosten erhoben.
10.2 Mit derselben Zwischenverfügung wurde ferner auch das Gesuch um
amtliche Verbeiständung gutgeheissen. Die Festsetzung des amtlichen
Honorars erfolgt in Anwendung der Art. 8–11 sowie Art. 12 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). In der gleichzeitig mit der
Rechtsmittelschrift eingereichten Kostennote vom 12. März 2021 wird ein
Aufwand von 20 Stunden sowie Auslagen von Fr. 30.30 geltend gemacht.
Der verlangte Stundenansatz von Fr. 220.– bewegt sich im Rahmen der
vom Gericht festgelegten Praxis bei amtlicher Vertretung (vgl. dazu bereits
die Ausführungen in der Zwischenverfügung vom 16. März 2021). Der ver-
anschlagte Zeitaufwand, namentlich die 15 Stunden für das Verfassen der
Beschwerdeschrift, erscheint indes als unangemessen hoch und ist zu kür-
zen. In Anbetracht der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff.
VGKE) und unter Berücksichtigung der weiteren Eingaben des Beschwer-
deführers vom 15. und 19. April 2021 ist von einem zeitlichen Gesamtauf-
wand von 17 Stunden auszugehen und der amtlichen Vertreterin demnach
zu Lasten des Bundesverwaltungsgerichts ein Honorar von insgesamt
Fr. 3’770.30 zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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