Decision ID: d657ef0f-fe76-5041-923f-e4cfe3464e38
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer (geb. [...]) ist serbischer Staatsangehöriger. Noch
in seinem Geburtsjahr reiste er mit seinen Eltern in die Schweiz ein. Nach
einem erfolglos durchlaufenen Asylverfahren tauchte die Familie Ende
1999 unter. Im Frühjahr 2000 stellte sie erneut Asylgesuche, auf welche
das Bundesamt für Flüchtlinge (BFF, heute: SEM) am 11. Mai 2000 nicht
eintrat. Nach dem Einlegen verschiedener Rechtsmittel hiess die Schwei-
zerische Asylrekurskommission (ARK) die Beschwerde gegen eine Wie-
dererwägungsverfügung des Bundesamtes für Migration (BFM) betreffend
Wegweisungsvollzug mit Urteil vom 19. Oktober 2006 gut und wies die Vor-
instanz an, die Familie vorläufig aufzunehmen. Am 25. Juni 2008 stimmte
das BFM der Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an den Beschwerde-
führer wegen Vorliegens eines Härtefalles zu. Die Aufenthaltsbewilligung
wurde, letztmals mit Wirkung bis zum 23. Juni 2013, verlängert.
B.
Seit dem Erreichen des elften Lebensjahres (2006) trat der Beschwerde-
führer hierzulande wiederholt strafrechtlich in Erscheinung und fiel auch
anderweitig durch negatives Verhalten auf.
B.a Mit Strafbefehl vom 9. Februar 2011 wurde er von der Jugendanwalt-
schaft Basel-Landschaft wegen versuchter Nötigung, mehrfacher Tätlich-
keiten, geringfügigen Diebstahls und mehrfacher Widerhandlung gegen
das Betäubungsmittelgesetz mit jugendstrafrechtlichen Massnahmen
sanktioniert.
B.b Im Mai/Juni 2011 beteiligte er sich an einer Serie von zum Teil massi-
ven Übergriffen (mehrfacher Angriff mit einhergehender Körperverletzung,
mehrfacher Raub, mehrfache Tätlichkeiten), derentwegen er vorüberge-
hend in Haft genommen wurde. Aufgrund seines höchst problematischen
Sozialverhaltens, der damit verbundenen Notwendigkeit der Förderung der
beruflichen und persönlichen Entwicklung sowie zur Verhinderung einer
deliktischen Rückfallgefahr ordnete die Jugendanwaltschaft Basel-Land-
schaft am 8. Februar 2012, im Sinne einer vorsorglichen stationären Mas-
snahme, die umgehende Unterbringung des Betroffenen im Jugendheim
B._ in C._/BL an.
B.c Mit Urteil vom 10. Juli 2012 sprach das Jugendgericht Basel-Land-
schaft den Beschwerdeführer des versuchten Raubes, des mehrfachen
Angriffs, der versuchten einfachen Körperverletzung und der mehrfachen
F-5596/2016
Seite 3
teilweise versuchten Nötigung schuldig und bestrafte ihn mit einer unbe-
dingten Freiheitsstrafe von sieben Monaten.
B.d Am 31. Oktober 2012 wurde er vom Amt für Migration des Kantons
Basel-Landschaft (nachfolgend: Migrationsamt) verwarnt, wobei dieses
ihm mitteilte, dass er mit der Wegweisung aus der Schweiz zu rechnen
habe, falls er erneut straffällig werden sollte oder weitere bereits began-
gene Straftaten bekannt würden.
B.e Mit Strafbefehl vom 26. September 2013 sanktionierte die Jugendan-
waltschaft Basel-Landschaft den Beschwerdeführer wegen Diebstahls so-
wie Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz erneut mit jugend-
strafrechtlichen Massnahmen. Am 24. Oktober 2013 verfügte die gleiche
Behörde seine kurzfristige Umplatzierung in einem Untersuchungsgefäng-
nis, da er wiederholt aus der Erziehungseinrichtung B._ entwichen
war.
B.f Mit Vollzugsverfügung vom 24. März 2014 beendete die Jugendanwalt-
schaft Basel-Landschaft die stationäre Schutzmassnahme mit der Begrün-
dung, dass sie keine erzieherische oder therapeutische Wirkung mehr zu
entfalten vermöge.
C.
Am 20. Januar 2014 verfügte das Migrationsamt die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers und wies diesen auf den
Zeitpunkt der (bedingten) Entlassung aus dem Strafvollzug resp. der Mass-
nahme aus der Schweiz weg. Dagegen im Kanton eingereichte Rechtsmit-
tel blieben erfolglos (Rekursentscheid des Regierungsrats des Kantons
Basel-Landschaft vom 28. Oktober 2014, Urteil des Kantonsgerichts Basel-
Landschaft vom 17. Juni 2015). In letzter Instanz wies das Bundesgericht
eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten am 24. März
2016 ebenfalls ab, soweit es darauf eintrat (Urteil 2C_833/2015).
Unter Bezugnahme auf das bundesgerichtliche Urteil vom 24. März 2016
forderte das Migrationsamt den Beschwerdeführer am 15. April 2016 in der
Folge auf, die Schweiz bis zum 15. Mai 2016 zu verlassen. Nach einem
abgewiesenen Fristerstreckungsgesuch und einem kurzen stationären Auf-
enthalt in einer psychiatrischen Klinik hat er die Schweiz in der Folge ver-
lassen.
D.
Am 8. Juni 2016 gewährte das Migrationsamt dem Beschwerdeführer im
F-5596/2016
Seite 4
Hinblick auf die Anordnung einer Fernhaltemassnahme das rechtliche Ge-
hör. Mit Schreiben vom 8. Juni 2016 ersuchte der Parteivertreter um Erläu-
terung der Gründe für ein allfälliges Einreiseverbot und nahm ein erstes
Mal hierzu Stellung. Am 14. Juni 2016 räumte ihm die kantonale Migrati-
onsbehörde nochmals die Möglichkeit ein, sich zum Antrag auf Erlass einer
entsprechenden Fernhaltemassnahme zu äussern, wovon er am 4. Juli
2016 Gebrauch machte.
E.
Mit Verfügung vom 18. Juli 2016 verhängte die Vorinstanz über den Be-
schwerdeführer ein Einreiseverbot für die Dauer von acht Jahren. Gleich-
zeitig ordnete sie die Ausschreibung dieser Massnahme im Schengener
Informationssystem (SIS II) an und entzog einer allfälligen Beschwerde die
aufschiebende Wirkung. Zur Begründung verwies das SEM zur Hauptsa-
che auf die vom Betroffenen erwirkten Vorstrafen sowie die im Aufenthalts-
verfahren ergangenen Entscheide und hielt fest, weder strafrechtliche
Sanktionen noch ambulante, erzieherische Massnahmen und die auslän-
derrechtliche Verwarnung hätten ihn vor weiteren Straftaten abhalten kön-
nen. Der Beschwerdeführer habe über Jahre hinweg ein erschreckendes
Mass an Gewaltbereitschaft gezeigt und mit seiner Delinquenz hochwer-
tige Rechtsgüter verletzt. In solchen Fällen rechtfertige sich im Rahmen
der vorzunehmenden Interessenabwägung ein strenger Massstab und es
dürfe nur ein geringes Restrisiko eines Rückfalles in Kauf genommen
werde. Aufgrund der sehr grossen Wiederholungsgefahr, der schlechten
Legalprognose und der damit einhergehenden Gefährdung der öffentlichen
Sicherheit und Ordnung erscheine eine Fernhaltemassnahme im Sinne
von Art. 67 Abs. 3 des Ausländer- und Integrationsgesetzes (AIG, SR
142.20; Name des Erlasses bis 31.12.2018: Ausländergesetz [AuG]) ange-
zeigt. Da der Beschwerdeführer eine Vielzahl von Gelegenheiten unge-
nutzt gelassen habe, sein Leben in den Griff zu bekommen und sich delikt-
frei hierzulande aufzuhalten, wäre eigentlich ein zehnjähriges Einreisever-
bot gerechtfertigt. Angesichts seines Alters sowie der damit verbundenen
Hoffnung, dass die betreffende Person sich dereinst einsichtig zeigen
werde, erachte das SEM jedoch ein Einreiseverbot für die Dauer von acht
Jahren als verhältnismässig. Ein Verzicht auf die Ausschreibung im SIS
falle, da der Betroffene nicht im Besitze eines Aufenthaltstitels eines
Schengener Staates sei, ausser Betracht. In Bezug auf die geltend ge-
machten familiären Gründe bestehe zu gegebener Zeit die Möglichkeit, die
zeitweilige Suspension der Fernhaltemassnahme (Art. 67 Abs. 5 AIG) zu
beantragen.
F-5596/2016
Seite 5
F.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 14. September 2016 an das Bundesverwal-
tungsgericht stellt der Beschwerdeführer die Begehren, die angefochtene
Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben; eventualiter sei das Einreisever-
bot teilweise aufzuheben und bis zum 17. Juli 2019 zu befristen. In formel-
ler Hinsicht ersucht er (eventualiter) um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung. Dazu lässt er im Wesentlichen vorbringen, die Vor-
instanz habe die sich gegenüberstehenden privaten und öffentlichen Inte-
ressen nicht korrekt miteinander abgewogen und dadurch das Verhältnis-
mässigkeitsprinzip verletzt. In diesem Zusammenhang gelte es zu berück-
sichtigen, dass er sich zeitlebens in der Schweiz aufgehalten habe, Eltern
und Geschwister allesamt hierzulande lebten und er beabsichtige, seine
derzeitige deutsche Freundin zu heiraten. Mit in Betracht zu ziehen sei so-
dann, dass sich das ihm zum Hauptvorwurf gemachte Verhalten Mitte 2011
zugetragen habe, als er ein noch nicht ausgereifter junger Mann gewesen
sei. Hinzu kämen die damaligen spezifischen Tatumstände der Gruppen-
dynamik. Vor diesem Hintergrund erweise sich die negative Legalprognose
als nurmehr theoretischer Natur. Er sei nie zu einer längerfristigeren Frei-
heitsstrafe im Sinne der bundesgerichtlichen Praxis verurteilt worden. Sein
Verhalten als Jugendlicher dürfe somit auch nicht dahingehend interpretiert
werden, dass von ihm als volljähriger Person künftig eine schwerwiegende
Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgehe. Das Ausschöp-
fen der Höchstdauer von Art. 67 Abs. 3 AIG erweise sich jedenfalls als un-
verhältnismässig. Dem Zeitablauf und dem seither an den Tag gelegten
Wohlverhalten sei im Sinne des Eventualantrags zumindest mit einer Ver-
kürzung des Einreiseverbots auf drei Jahre zu begegnen.
Dem Rechtsmittel lagen u.a. ein vom 1. Juni 2016 datierender Austrittsbe-
richt der Psychiatrie D._ und eine Kopie des Personalausweises
der deutschen Freundin bei.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 14. November 2016 wies das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung ab.
H.
In seiner Vernehmlassung vom 12. Januar 2017 spricht sich das SEM un-
ter Erläuterung der bisher genannten Gründe für die Abweisung der Be-
schwerde aus.
F-5596/2016
Seite 6
I.
Replikweise lässt der Beschwerdeführer am 16. Februar 2017 am einge-
reichten Rechtsmittel und dessen Begründung festhalten.
J.
Auf den weiteren Akteninhalt – einschliesslich der beigezogenen Akten des
Migrationsamtes des Kantons Basel-Landschaft – wird, soweit rechtser-
heblich, in den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG, sofern keine
Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33
VGG genannten Behörden. Dazu gehört auch das SEM, das mit der An-
ordnung eines Einreiseverbotes eine Verfügung im erwähnten Sinne und
daher ein zulässiges Anfechtungsobjekt erlassen hat. Eine Ausnahme
nach Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-
gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. c Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht kann vorliegend die Ver-
letzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch
des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit gerügt werden
(vgl. Art. 49 VwVG). Das BVGer wendet das Bundesrecht von Amtes we-
gen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der
Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den
geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgeblich ist
F-5596/2016
Seite 7
grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE
2014/1 E. 2 m.H.).
3.
Am 1. Januar 2019 ist die Teilrevision des Ausländergesetzes vom 16. De-
zember 2005 (AuG) abschliessend in Kraft getreten (AS 2018 3171). Dabei
wurde der Titel des Gesetzes in „Ausländer- und Integrationsgesetz“ (AIG)
umbenannt. Das Gericht wendet ab diesem Zeitpunkt die neue Bezeich-
nung an, mit dem Hinweis, dass die in diesem Urteil behandelten wesent-
lichen Bestimmungen nicht geändert wurden. Gleiches gilt für die Bestim-
mungen der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt
und Erwerbstätigkeit (VZAE, SR 142.201).
4.
In formeller Hinsicht rügt der Parteivertreter, dass ihm das rechtliche Gehör
vor Erlass des Einreiseverbots nur unzureichend gewährt und die darauf-
hin verhängte Fernhaltemassnahme mangelhaft begründet worden sei.
4.1 Konkret beanstandet der Rechtsvertreter, der Gehörsgewährung lasse
sich nicht entnehmen, aus welchen Gründen ein allfälliges Einreiseverbot
beantragt und von welcher Dauer dieses sein werde. Hierbei verkennt er,
dass der Anspruch auf rechtliches Gehör nicht verlangt, dass die verfah-
rensbeteiligte Partei Gelegenheit erhalten muss, sich zu jedem möglichen
Ergebnis, das von der entscheidenden Behörde ins Auge gefasst wird, zu
äussern. Die Behörde hat der Partei mithin nicht ihre Begründung vorweg
zur Stellungnahme zu unterbreiten. Vielmehr genügt es, dass sich die Par-
tei zu den Grundlagen des Entscheids, insbesondere zum Sachverhalt so-
wie den anwendbaren Rechtsnormen, äussern kann (vgl. dazu etwa BGE
132 II 257 E. 4.2 oder BGE 132 II 485 E. 3.2 und 3.4). Dies ist vorliegend
geschehen. Dem Beschwerdeführer wurde einerseits die Grundnorm von
Art. 67 AIG zur Kenntnis gebracht, andererseits verwies das Migrationsamt
in seiner Faxmitteilung vom 14. Juni 2016 ausdrücklich darauf, dass die
Gründe für den Erlass eines Einreiseverbots bereits in der Wegweisungs-
verfügung des entsprechenden Aufenthaltsverfahrens aufgeführt seien
(zum Ganzen siehe Akten der Vorinstanz [SEM act.] 6 bzw. act. 2). Einer
wirksamen Wahrung seiner Parteirechte stand unter diesem Gesichtspunkt
nichts entgegen.
4.2 Was die Begründungspflicht gemäss Art. 35 VwVG anbelangt, so soll
sie den Betroffenen in die Lage versetzen, den Entscheid sachgerecht an-
zufechten. Die Behörde hat daher kurz die wesentlichen Überlegungen zu
F-5596/2016
Seite 8
nennen, von denen sie sich leiten liess und auf die sie ihren Entscheid
stützt (BGE 141 V 557 E. 3.2.1; 136 I 229 E. 5.2; Urteile des BGer
2D_14/2018 vom 13. August 2018 E. 3.1 sowie 2C_633/2017 vom 2. Mai
2018 E. 3.2 je m.H.). Je weiter der Entscheidungsspielraum, je komplexer
die Sach- und Rechtslage der betroffenen Person, desto höhere Anforde-
rungen sind an die Begründung zu stellen (vgl. etwa BGE 137 II 266 E. 3.2
und BGE 136 I 229 E. 5.2 oder BVGE 2012/24 E. 3.2). Das Bundesverwal-
tungsgericht hat in seiner Rechtsprechung verschiedentlich darauf hinge-
wiesen, dass die Vorinstanz bei einem Einreiseverbot von mehr als fünf
Jahren Dauer eine Gefährdungsprognose zu erstellen und nachvollziehbar
darzulegen hat, weshalb von einer aktuellen und schwerwiegenden Gefahr
auszugehen ist (vgl. Urteil des BVGer F-5350/2016 vom 6. März 2017
E. 3.4 m.H.oder auch KILIAN MEYER, Anforderungen an die erstinstanzliche
Begründung von Einreiseverboten, in: dRSK, publiziert am 9. Juli 2015).
4.3 Aus der angefochtenen Verfügung geht klar hervor, weshalb das SEM
über den Beschwerdeführer ein langjähriges Einreiseverbot verhängte. Mit
der Fokussierung auf die wiederholte Straffälligkeit, die damit zusammen-
hängende Rückfallgefahr, die Gewaltbereitschaft des Betroffenen und die
tangierten hochwertigen Rechtsgüter wird, unter ausdrücklicher Bezug-
nahme auf Art. 67 Abs. 3 AIG, ein bestehendes, erhebliches öffentliches
Fernhalteinteresse aufgezeigt. Auch hat die Vorinstanz spezifische schüt-
zenswerte Interessen (insbesondere die familiären Verhältnisse) ersichtlich
gemacht und sich damit eingehender auseinandergesetzt. Schliesslich
wird auf die Verfügung der kantonalen Migrationsbehörde vom 20. Januar
2014 betreffend Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung verwiesen.
In der Vernehmlassung hat das SEM überdies weitere Elemente (Aspekt
der Delinquenz als Jugendlicher, langer Voraufenthalt) miteinbezogen. Un-
ter den dargelegten Umständen war für den Beschwerdeführer durchaus
erkennbar, von welchen Motiven sich die Vorinstanz bei ihrem Entscheid
leiten liess. Er war damit ohne weiteres in der Lage, seine Parteirechte
sachgerecht wahrzunehmen.
4.4 Die erhobenen formellen Rügen erweisen sich somit als unbegründet.
5.
5.1 Das SEM kann gestützt auf Art. 67 Abs. 2 Bst. a–c AIG gegenüber aus-
ländischen Personen Einreiseverbote verfügen, die gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen haben
oder diese gefährden (Bst. a), Sozialhilfekosten verursacht haben (Bst. b),
F-5596/2016
Seite 9
oder in Vorbereitungs-, Ausschaffungs- oder Durchsetzungshaft genom-
men worden sind (Bst. c). Das Einreiseverbot wird für eine Dauer von
höchstens fünf Jahren verfügt. Es kann für eine längere Dauer angeordnet
werden, wenn die betroffene Person eine schwerwiegende Gefahr für die
öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AIG). Aus hu-
manitären oder anderen wichtigen Gründen kann die zuständige Behörde
ausnahmsweise von der Verhängung eines Einreiseverbots absehen oder
ein Einreiseverbot endgültig oder vorübergehend aufheben (Art. 67 Abs. 5
AIG).
5.2 Das in Art. 67 AIG geregelte Einreiseverbot stellt keine Sanktion für
vergangenes Fehlverhalten dar, sondern eine Massnahme zur Abwendung
einer künftigen Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (siehe
Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom
8. März 2002 [im Folgenden: Botschaft] BBl 2002 3813). Die öffentliche
Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG bildet den
Oberbegriff für die Gesamtheit der polizeilichen Schutzgüter. Sie umfasst
unter anderem die Unverletzlichkeit der objektiven Rechtsordnung und der
Rechtsgüter Einzelner (vgl. Botschaft, a.a.O. S. 3809). In diesem Sinne
liegt ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung unter an-
derem dann vor, wenn gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügun-
gen missachtet werden (vgl. Art. 80 Abs. 1 Bst. a VZAE). Demgegenüber
müssen bei Annahme einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und
Ordnung konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Aufenthalt der
betroffenen Person in der Schweiz mit erheblicher Wahrscheinlichkeit zu
einem Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung führen wird
(Art. 80 Abs. 2 VZAE). Bestand ein solches Verhalten in der Vergangenheit,
so wird die Gefahr entsprechender künftiger Störungen von Gesetzes we-
gen vermutet (vgl. BVGE 2017 VII/2 E. 4.4 oder Urteil des BVGer
F-4405/2016 vom 28. Juni 2017 E. 4.2 je m.H.).
5.3 Eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AIG setzt mehr voraus als
eine einfache Gefährdung nach Art. 67 Abs. 2 Bst. a zweiter Halbsatz AIG.
Verlangt wird eine qualifizierte Gefährdungslage, über deren Vorliegen
nach Massgabe aller Umstände des Einzelfalles zu befinden ist. Eine sol-
che Gefährdungslage darf nicht leichthin angenommen werden. Nach der
Rechtsprechung kann sie sich beispielsweise aus der Hochwertigkeit des
deliktisch bedrohten Rechtsguts ergeben (z.B. Leib und Leben, körperliche
und sexuelle Integrität, Gesundheit), aber auch aus der Zugehörigkeit des
F-5596/2016
Seite 10
drohenden Delikts zur besonders schweren Kriminalität mit grenzüber-
schreitender Dimension (z.B. Terrorismus, Menschen- und Drogenhandel,
organisierte Kriminalität), aus der wiederholten Delinquenz und ihrer zu-
nehmenden Schwere oder aus der Abwesenheit einer günstigen Prognose
(vgl. BGE 139 II 121 E. 6.3; Urteil des BGer 2C_270/2015 vom 6. August
2015 E. 4.2; BVGE 2013/4 E. 7.2.4; Urteil des BVGer F-4314/2015 vom
17. Oktober 2017 E. 4.4 m.H.).
5.4 Wird gegen eine Person, die nicht die Staatsangehörigkeit eines Mit-
gliedstaates der EU oder der EFTA besitzt, ein Einreiseverbot verhängt, so
wird sie nach Massgabe der Bedeutung des Falles im SIS II zur Einreise-
verweigerung ausgeschrieben (vgl. Art. 21 und 24 der Verordnung [EG]
Nr. 1987/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. De-
zember 2006 über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des
Schengener Informationssystems der zweiten Generation, Abl. L 381/4
vom 28. Dezember 2016 sowie Art. 20–22 der Verordnung vom 8. März
2013 über den nationalen Teil des Schengener Informationssystems [N-
SIS] und das SIRENE-Büro [N-SIS-Verordnung, SR 362.0]).
6.
6.1 Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer ab seinem elf-
ten Lebensjahr (2006) regelmässig zu Klagen Anlass gegeben hat und ab
dem darauffolgenden Jahr auch strafrechtlich immer wieder in Erscheinung
trat (siehe Auflistung in der Verfügung des Migrationsamtes vom 20. Januar
2014 i.S. Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung
[SEM act. 2]). So wurde er von der Jugendanwaltschaft Basel-Landschaft
am 9. Februar 2011 wegen versuchter Nötigung, mehrfacher Tätlichkeiten,
geringfügigen Diebstahls und mehrfacher Widerhandlung gegen das Be-
täubungsmittelgesetz zu einer teilbedingten persönlichen Leistung (bei ei-
ner Probezeit von zwölf Monaten) verurteilt. Gleichzeitig ordnete die Ju-
gendanwaltschaft Basel-Landschaft eine ambulante Behandlung betref-
fend Gewaltprävention an. Am 10. Juli 2012 sprach ihn das Jugendgericht
Basel-Landschaft des versuchten Raubes, des mehrfachen Angriffs, der
versuchten einfachen Körperverletzung und der mehrfachen, teilweise ver-
suchten Nötigung schuldig, was eine unbedingte Freiheitsstrafe von sieben
Monaten nach sich zog. Zugleich wurden die Unterbringung in einer Erzie-
hungsanstalt sowie die Fortsetzung der Gewaltpräventionsbehandlung an-
geordnet. Laut diesem Urteil hat der Beschwerdeführer besagte Delikte na-
hezu ausnahmslos vorsätzlich begangen. Es bestehe bei ihm ein erhebli-
ches Ausmass an Brutalität und Gewaltbereitschaft. Er sei ohne jeglichen
F-5596/2016
Seite 11
Grund bzw. einzig aus der Lust heraus, jemanden zu verprügeln, gewalttä-
tig geworden und habe trotz einschlägiger Vorstrafen und Gewaltpräven-
tion weiter delinquiert. Selbst anlässlich der Hauptverhandlung habe er
sein Verhalten noch zu bagatellisieren versucht (vgl. hierzu Akten des Mig-
rationsamtes [BL act.] pag. 655 - 769). Auch eine am 31. Oktober 2012
gegen den Beschwerdeführer ausgesprochene ausländerrechtliche Ver-
warnung (BL act. 923 - 925) hielt ihn nicht vor weiterer Straffälligkeit ab. So
sanktionierte ihn die Jugendanwaltschaft Basel-Landschaft mit Strafbefehl
vom 26. September 2013 wegen Diebstahls sowie Widerhandlungen ge-
gen das Betäubungsmittelgesetz erneut mit jugendstrafrechtlichen Mass-
nahmen (BL act. 613 - 621). In Anbetracht dieser Verhaltensweisen sowie
der Deliktserie, mit welcher zum Teil hochwertige Rechtsgüter verletzt bzw.
gefährdet wurden, kann kein ernsthafter Zweifel daran bestehen, dass von
ihm eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AIG ausgeht. Die Regelma-
ximaldauer eines Einreiseverbots von fünf Jahren gelangt daher nicht zur
Anwendung.
6.2 Bei der Frage, wie es sich zum heutigen Zeitpunkt mit der Gefahr einer
künftigen Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung verhält, kommt
es wesentlich auf das Rückfallrisiko an. In den Augen des Parteivertreters
ist die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalles im Falle seines Mandanten rein
theoretischer Natur.
Hierzu gilt es vorweg festzuhalten, dass Straf- und Ausländerrecht unter-
schiedliche Ziele verfolgen, andere Interessen schützen und unabhängig
voneinander sind. Während der Straf- und Massnahmenvollzug neben der
Sicherheitsfunktion eine resozialisierende bzw. therapeutische Zielsetzung
hat, steht für die Migrationsbehörden der Schutz der öffentlichen Sicherheit
und Ordnung vor (weiteren) Straftaten im Vordergrund, woraus für die Le-
galprognose ein im Vergleich mit den Straf- und Strafvollzugsbehörden
strengerer Beurteilungsmassstab resultiert (vgl. BGE 137 II 233 E. 5.2.2
oder Urteil des BGer 2C_516/2014 vom 24. März 2015 E. 4.3.2 je m.H.).
Das ausländerrechtliche Verschulden ergibt sich vorliegend aus den weiter
vorne geschilderten Straftaten und Verhaltensweisen. Selbst die familiären
Banden zur Schweiz vermochten den Beschwerdeführer weder von regel-
mässiger Delinquenz noch von sonstigen Regelverstössen abzubringen.
6.3 Das Bundesverwaltungsgericht übersieht bei der Bejahung der schwer-
wiegenden Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von
Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG nicht, dass die gravierendsten Taten (Mitte
F-5596/2016
Seite 12
2011) zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung schon
rund fünf Jahre zurücklagen. Für die Berechnung der Dauer des klaglosen
Verhaltens ist allerdings nicht auf den Begehungs- oder Urteilszeitpunkt
abzustellen. Von vorrangiger Bedeutung erscheint stattdessen, wie lange
sich eine straffällig gewordene Person nach ihrer Entlassung aus der Haft
in Freiheit bewährt hat (vgl. BVGE 2014/20 E. 5.4 m.H.). Anders als die
Ausführungen auf Beschwerdeebene vermuten liessen, hat der Beschwer-
deführer aber auch nach 2011 Straftaten begangen und sich keineswegs
wohlverhalten. Es genügt an dieser Stelle der Verweis auf den bereits er-
wähnten Strafbefehl vom 26. September 2013. Gemäss einem Rapport der
Stadtpolizei Zürich hat er am 25. Mai 2014 mit zwei Mittätern überdies ei-
nen Personenwagen gestohlen, wobei er sich geständig zeigte (BL
act. 1913 – 1917). Die seither verstrichene Zeit erscheint angesichts des
belasteten Vorlebens und der verletzten Rechtsgüter als viel zu kurz, als
dass bereits von einer grundsätzlichen persönlichen Wandlung ausgegan-
gen werden könnte. Dies gilt umso mehr, als bei Gewaltdelikten, denen
sich der Beschwerdeführer u.a. schuldig machte, auch bei jugendlichen
Straftätern selbst ein möglicherweise geringes Restrisiko eines Rückfalles
nicht in Kauf genommen werden muss (vgl. BGE 139 I 31 E. 2.3.3 oder
Urteil des BGer 2C_445/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 2.5 m.H.). Dass
keine «längerfristige Freiheitsstrafe» im Sinne von Art. 62 Abs. 1 Bst. b AIG
vorliegt, ändert im dargelegten Kontext nichts. Abgesehen davon ist im Ju-
gendstrafrecht nicht so sehr auf das Strafmass, sondern vielmehr auf die
Art der Straftaten und die deliktischen Vorfälle als solche abzustellen.
6.4 Nicht ausser Acht zu lassen ist ferner, dass nicht nur die strafrechtli-
chen Sanktionen ihre Wirkungen verfehlten, sondern auch schulische und
erzieherische Massnahmen, ambulante Behandlungen betreffend Gewalt-
prävention sowie stationäre therapeutische Massnahmen erfolglos blieben
(z.B. wiederholte Flucht aus der Erziehungseinrichtung B._). Symp-
tomatisch hierfür erklärte die Jugendanwaltschaft Basel-Landschaft die
fragliche stationäre Massnahme mit Vollzugsverfügung vom 24. März 2014
mangels Aussicht auf Erfolg für beendet (vgl. BL act. 1775 - 1789). Als un-
behelflich erweist sich in diesem Zusammenhang der Hinweis auf das ju-
gendliche Alter und die noch nicht ausgereifte Persönlichkeit, zumal der
Beschwerdeführer als Volljähriger, wiewohl in geringerem Masse, wiede-
rum mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Auch im therapeutischen Bereich fiel
er nach Erreichen des 18. Lebensjahres weiterhin negativ auf (SEM act. 2,
pag. 17und 18). Analoges gilt mit Blick auf die spezifischen Tatumstände,
agierte der Beschwerdeführer doch nur in der Deliktserie im Jahre 2011 als
F-5596/2016
Seite 13
Teil einer festen Gruppe. Die diesbezüglichen Relativierungen des Rechts-
vertreters in der Replik hinsichtlich der Anwendung von Gewalt seitens sei-
nes Mandanten entbehren im Übrigen jeglicher Grundlage. Alles in allem
liegen denn keine Anhaltspunkte für eine gute Legalprognose vor. Es kann
in dieser Hinsicht ergänzend auf das im Aufenthaltsverfahren ergangene
bundesgerichtliche Urteil 2C_833/2015 (insbesondere E. 3.5) verwiesen
werden. Aufgrund dessen kann eine schwerwiegende Rückfallgefahr bis
auf weiteres als nicht gebannt betrachtet werden.
6.5 Als Zwischenergebnis ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer
den qualifizierten Fernhaltegrund der schwerwiegenden Gefährdung der
öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter
Satz AIG erfüllt. Das gegen ihn verhängte Einreiseverbot darf damit die
Dauer von fünf Jahren überschreiten.
7.
7.1 Den Entscheid darüber, ob ein Einreiseverbot anzuordnen ist und wie
es zeitlich auszugestalten ist, legt Art. 67 Abs. 2 AuG in das pflichtgemässe
Ermessen der Behörde. Zentrale Bedeutung kommt dabei dem Grundsatz
der Verhältnismässigkeit zu, der eine wertende Abwägung zwischen den
berührten öffentlichen und privaten Interessen verlangt. Ausgangspunkt
der Überlegungen bilden die Stellung der verletzten oder gefährdeten
Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die
persönlichen Verhältnisse der betroffenen ausländischen Person (Art. 96
AuG; ferner statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwal-
tungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 555 ff.).
7.2 Die vom Beschwerdeführer ausgehende Gefahr für die öffentliche Si-
cherheit und Ordnung (vgl. E. 6.1 - 6.4) spricht für ein nach wie vor grosses
öffentliches Fernhalteinteresse (vgl. BVGE 2013/4 E. 5.2 und 7.2). Das
Hauptaugenmerk der Fernhaltemassnahme liegt in ihrer spezialpräven-
tiven Zielsetzung. Das Einreiseverbot soll weiteren Straftaten des Be-
schwerdeführers in der Schweiz und im Schengen-Raum entgegenwirken
und ihn überdies anhalten, bei einer allfälligen künftigen Wiedereinreise
nach Ablauf der Dauer des Einreiseverbots keine weiteren Verstösse ge-
gen die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu begehen. Als gewichtig zu
erachten ist ebenfalls das generalpräventiv motivierte Interesse, die öffent-
liche Sicherheit und Ordnung durch eine konsequente Massnahmenpraxis
zu schützen (vgl. BVGE 2014/20 E. 8.2 m.H.).
F-5596/2016
Seite 14
7.3 Den vorstehenden Interessen stellt der Beschwerdeführer seine priva-
ten Interessen gegenüber. Er habe sich zeitlebens in der Schweiz aufge-
halten, wo auch seine Eltern und Geschwister lebten. Zudem beabsichtige
er, seine derzeitige Freundin, eine deutsche Staatsangehörige, welche
auch dort wohnhaft sei, zu heiraten. All diese Kontakte würden durch die
angefochtene Verfügung verunmöglicht.
7.4 Dem Beschwerdeführer ist vorweg zu entgegnen, dass Einschränkun-
gen in seinem Privat- und Familienleben aufgrund sachlicher und funktio-
neller Unzuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts nicht Verfahrens-
gegenstand sein können, soweit sie auf das Fehlen eines dauerhaften Auf-
enthaltsrechts hierzulande zurückzuführen sind. Der Beschwerdeführer
musste die Schweiz nach der durch das Bundesgericht in letzter Instanz
bestätigten Nichtverlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung (Urteil
2C_833/2015) verlassen. Die Pflege regelmässiger Kontakte zu den in der
Schweiz ansässigen nahen Verwandten (Eltern, Geschwister) scheitert da-
her bereits an einem fehlenden Aufenthaltsrecht. Die junge deutsche Frau,
zu welcher er laut Eingabe vom 4. Juli 2016 ein freundschaftliches Verhält-
nis pflegt und sie dereinst in Deutschland heiraten möchte (SEM act. 6,
pag. 75/76), verfügt derweil über kein Anwesenheitsrecht in der Schweiz
(siehe dazu E. 8 hiernach).
7.5 Wie eben angetönt, hat das über den Beschwerdeführer verhängte Ein-
reiseverbot – über den Entzug des Aufenthaltsrechts hinaus – zur Folge,
dass er seine hier lebenden Angehörigen nicht mehr beliebig besuchen
darf. Entgegen der Auffassung des Parteivertreters wird die Verhältnismäs-
sigkeit der Massnahme an sich dadurch nicht in Frage gestellt, wäre das
Instrument des Einreiseverbots doch ansonsten gegenüber allen Personen
mit Familienangehörigen in der Schweiz per se unzulässig (vgl. Urteil des
BGer 2C_270/2015 vom 6. August 2015 E. 8.2). Unter den konkreten Be-
gebenheiten kann sich der Beschwerdeführer ohnehin nicht auf den Schutz
des Familienlebens berufen, besteht zu den in der Schweiz lebenden El-
tern und Geschwister doch kein besonderes Abhängigkeitsverhältnis (sie-
he dazu wiederum Urteil 2C_833/2015 E. 3.5). Der Schutzbereich der Ga-
rantie des Familien- und Privatlebens nach Art. 13 BV und Art. 8 EMRK
wäre nur dann tangiert, wenn es keine andere Möglichkeit gäbe, besagte
Beziehungen zu pflegen. Dies trifft vorliegend nicht zu. Dem Beschwerde-
führer steht es – wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung und
der Vernehmlassung festgehalten hat – vielmehr offen, aus wichtigen
Gründen mittels begründeten Gesuchs die zeitweilige Suspension der an-
geordneten Fernhaltemassnahme zu beantragen (Art. 67 Abs. 5 AIG).
F-5596/2016
Seite 15
Wohl wird die Suspension praxisgemäss nur für eine kurze und klar be-
grenzte Zeit gewährt und sie darf das Einreiseverbot nicht aushöhlen
(BVGE 2013/4 E. 7.4.3); die damit verbundenen bzw. verbleibenden Ein-
schränkungen sind jedoch hinzunehmen, zumal diese zur Verhütung von
Straftaten und zum Schutze der öffentlichen Sicherheit erforderlich sind
(vgl. Art. 8 Ziff. 2 EMRK).
7.6 Zu den privaten Interessen ist ausserdem zu bemerken, dass sich der
Beschwerdeführer seit 1995 in der Schweiz aufhielt, faktisch hat er bis zu
seiner Wegweisung im Frühjahr 2016 fast sein ganzes bisheriges Leben
(also 21 Jahre) hierzulande verbracht. Ein Einreiseverbot ist aber auch in
derartigen Konstellationen zulässig (BGE 135 II 110; E. 2.1; 130 II 176
E. 4.2.2; Urteil des BGer 2C_109/2016 vom 15. Februar 2016 E. 2.1). Ab-
gesehen davon kann angesichts der Missachtung der hiesigen Rechtsord-
nung sowie der aktenkundigen übrigen Regelverstösse, die sich über einen
Zeitraum von rund acht Jahren erstreckten, nicht von einer erfolgreichen
Integration gesprochen werden (vgl. Art. 4 Bst. a der inzwischen aufgeho-
benen Verordnung vom 24. Oktober 2007 über die Integration von Auslän-
derinnen und Ausländer [VIntA, SR 142.205] bzw. Art. 58a Abs. 1 Bst. a
und b AIG). Wie schon erwähnt, vermochte ihn selbst die Präsenz der
nächsten Angehörigen nicht von seiner Delinquenz abzuhalten.
7.7 Trotz der vorstehenden Einschränkungen und Relativierungen ist nicht
zu verkennen, dass das mit dem Einreiseverbot verbundene besondere
Kontrollregime den Beschwerdeführer erheblich trifft. Diese Betroffenheit
vermag jedoch das öffentliche Interesse an einer längerfristigen Fernhal-
tung des Beschwerdeführers nicht entscheidend zurückzudrängen. Eine
wertende Gewichtung der sich gegenüberstehenden Interessen führt das
Bundesverwaltungsgericht vielmehr zum Ergebnis, dass das von der Vor-
instanz verhängte Einreiseverbot von acht Jahren auf einem angemesse-
nen Ausgleich der sich widerstreitenden Interessen beruht und eine ver-
hältnismässige und angemessene Massnahme zum Schutz der öffentli-
chen Sicherheit und Ordnung darstellt.
8.
Zu prüfen bleibt die von der Vorinstanz angeordnete Ausschreibung des
Einreiseverbots im SIS (siehe E. 5.4 weiter vorne). Der Beschwerdeführer
ist nicht Bürger eines Mitgliedstaates der Europäischen Union oder der
EFTA. Aufgrund der Ausschreibung im SIS II ist es ihm untersagt, den
Schengen-Raum zu betreten. Der darin liegende Eingriff wird durch die Be-
deutung des Falles gerechtfertigt (vgl. Art. 21 und Art. 24 der Verordnung
F-5596/2016
Seite 16
[EG] Nr. 1987/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
20. Dezember 2006 über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des
Schengener Informationssystems [SIS-II-Verordnung], Abl. L 381 vom
28. Dezember 2006, S. 4–239]). Zum einen ist aufgrund des Verhaltens
des Betroffenen – wie oben ausgeführt – von einer nicht unbeachtlichen
Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auszugehen, zum an-
deren hat die Schweiz die Interessen der Gesamtheit aller Schengen-Staa-
ten zu wahren (vgl. BVGE 2011/48 E. 6.1). Es bleibt diesen jedoch unbe-
nommen, der ausgeschriebenen Person bei Vorliegen besonderer Gründe
die Einreise ins eigene Hoheitsgebiet zu gestatten bzw. ein Visum mit
räumlich beschränkter Gültigkeit zu erteilen (Art. 13 Abs. 1 der Verordnung
[EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [Visakodex], Abl. L
243/1 vom 15. September 2009 i.V.m. Art. 6 Abs. 5 SGK; Art. 25 Abs. 1
Bst. a Ziff. ii Visakodex; siehe ferner die Erläuterungen des Bundesverwal-
tungsgerichts in der Zwischenverfügung vom 14. November 2016 [BVGer
act. 5]).
9.
Aus diesen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte
von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist demnach
abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege hat das Bundesverwaltungs-
gericht mit Zwischenverfügung vom 14. November 2016 (BVGer act. 5) ab-
gewiesen. Wohl hält der Parteivertreter in der Replik, insbesondere mit
Blick auf den gestellten Eventualantrag auf Beschränkung der Fernhalte-
massnahme auf drei Jahre, daran fest. Aufgrund des bisher Gesagten be-
steht indes kein Grund, darauf zurückzukommen.
Dispositiv Seite 17
F-5596/2016
Seite 17