Decision ID: e2aab802-ebba-4ab7-aba1-bc0cc30b26ec
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin – eine afghanische Staatsangehörige und ethni-
sche Hazara – verliess gemäss eigenen Angaben ihr Herkunftsland Iran
zusammen mit ihrem minderjährigen Bruder B._ (N [...]), geboren
am (...), und suchte am 16. Oktober 2021 in der Schweiz um Asyl nach.
B.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Eurodac)
ergab, dass die Beschwerdeführerin und B._ am 26. November
2019 in C._ und am 27. Juli 2021 in Kroatien Asylgesuche gestellt
hatten.
C.
Am 25. Oktober 2021 nahm das SEM die Personalien der Beschwerdefüh-
rerin auf; am 28. Oktober 2021 führte es das persönliche Gespräch ge-
mäss Art. 5 Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah-
ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei-
nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat ge-
stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend:
Dublin-III-VO) mit der Beschwerdeführerin durch. Dabei gewährte es ihr
das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der
Möglichkeit einer Überstellung nach Kroatien. Gleichentags ersuchte die
Vorinstanz die kroatischen Behörden um ihre Wiederaufnahme gemäss
Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO.
D.
Am 3. November 2021 führte die Vorinstanz mit B._, dem Bruder
der Beschwerdeführerin, eine Erstbefragung für unbegleitete Minderjährige
durch. Dabei gab dieser unter anderem an, dass sich mit D._
(N [...]), geboren am (...), eine weitere Schwester in der Schweiz aufhalten
würde. Diese war bereits am (...) 2018 vorläufig aufgenommen und dem
Kanton E._ zugewiesen worden.
E.
Dem Gesuch um Wiederaufnahme der Beschwerdeführerin stimmten die
kroatischen Behörden am 8. November 2021 zu.
F.
Am 16. Dezember 2021 ersuchte die Vorinstanz die kroatischen Behörden
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im Rahmen eines take-charge-Verfahrens auch um Übernahme von
B._. Im Standardformblatt hielt das SEM die kroatischen Behörden
an, gestützt auf Art. 8 i.V.m. Art. 11 und Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-III-VO
sowie den Umstand, dass die kroatischen Behörden der Wiederaufnahme
seiner Schwester – der Beschwerdeführerin – bereits stattgegeben hätten,
dem Aufnahmegesuch betreffend den Bruder der Beschwerdeführerin
ebenfalls zuzustimmen.
G.
Die kroatischen Behörden teilten dem Schweizer Dublin-Office am 15. Feb-
ruar 2022 mit, dem Ersuchen betreffend den Bruder der Beschwerdeführe-
rin könne gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO nicht entsprochen werden.
Unter Verweis auf Art. 6 Abs. 1 und Art. 11 Bst. a und b Dublin-III-VO führ-
ten sie an, eine Trennung von D._ würde dem Kindeswohl von
B._ zuwiderlaufen, zumal er vor den kroatischen Behörden ange-
geben habe, zu seiner Schwester in die Schweiz gehen zu wollen.
H.
Mit Eingabe vom 19. November 2021 stellte die Beschwerdeführerin beim
SEM einen Antrag auf humanitären Selbsteintritt, welchen sie mit der äus-
serst engen Beziehung zu ihrem jüngeren Bruder begründete.
I.
Mit Verfügung vom 10. März 2022 trat das SEM auf das Asylgesuch der
Beschwerdeführerin nicht ein und wies sie aus der Schweiz weg, da Kroa-
tien gemäss der Dublin-III-VO für die Behandlung ihres Asylgesuchs zu-
ständig sei. Gleichzeitig stellte das SEM fest, einer allfälligen Beschwerde
gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu.
J.
Mit Eingabe vom 17. März 2022 erhob die Beschwerdeführerin mit Hilfe
ihrer Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Darin
beantragte sie, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und auf das
Asylgesuch sei einzutreten; eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung
an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragte sie
einen superprovisorisch anzuordnenden Vollzugsstopp, die Herstellung
der aufschiebenden Wirkung, den Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses und die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung.
K.
Mittels superprovisorischer Massnahme vom 18. März 2022 verfügte die
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Instruktionsrichterin gestützt auf Art. 56 VwVG, der Vollzug der Überstel-
lung sei per sofort einstweilen auszusetzen.
L.
Am 21. März 2022 hörte die Vorinstanz B._ nach Art. 29 AsylG an.
M.
Mit Verfügung vom 24. März 2022 wies die Vorinstanz das Asylgesuch von
B._ ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, ordnete je-
doch die vorläufige Aufnahme aufgrund der Unzumutbarkeit des Vollzugs
an.
N.
Mit Instruktionsverfügung vom 25. März 2022 verfügte die Instruktionsrich-
terin, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen.
Gleichzeitig hiess sie die Gesuche um Verzicht auf einen Kostenvorschuss
und um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von
Art. 65 Abs. 1 VwVG gut.
O.
Am 6. April 2022 meldete die Beschwerdeführerin unter Vorlage eines Arzt-
berichts vom 18. März 2022, sie bedürfe dringend der psychiatrischen Be-
handlung, es seien bereits weitere Termine vereinbart worden.
P.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
18. März 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
Q.
Mit Eingabe vom 22. April 2022 teilte die Beschwerdeführerin der Instruk-
tionsrichterin mit, sie sei weiterhin auf engmaschige psychiatrische Be-
handlung angewiesen.
R.
Am 18. Mai 2022 leitete die Beschwerdeführerin die Kopie eines Schrei-
bens an das zuständige kantonale Sozialamt vom 18. Mai. 2022 weiter, in
dem sie aufgrund ihrer psychischen Probleme um Verlegung in eine andere
Unterkunft ersuchte.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsge-
richt zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zuständig
und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig
(vgl. Art. 83 Bst d Ziff. 1 BGG). Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungs-
adressatin zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf
die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108
Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Die Begründung der Begehren bindet die Beschwerdeinstanz in kei-
nem Fall (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Im Rahmen seiner Kognition kann das
Gericht die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten
Gründen gutheissen oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit
einer Begründung bestätigen, die von jener der Vorinstanz abweicht (vgl.
BVGE 2009/61 E. 6.1; 2007/41 E. 2).
2.3 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
2.4 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
2.5 Das Bundesverwaltungsgericht berücksichtigt die Verfahrensakten von
B._ (N [...]), des Bruders der Beschwerdeführerin, von Amtes we-
gen.
3.
3.1 In seiner Verfügung begründete das SEM den Nichteintretensentscheid
mit der grundsätzlichen Zuständigkeit Kroatiens, das Asylverfahren der Be-
schwerdeführerin durchzuführen; sie habe dort ein Asylgesuch eingereicht.
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An dieser Einschätzung ändere auch der Umstand nichts, dass sich ihr
minderjähriger Bruder und ihre Schwester in der Schweiz aufhielten, die
beiden würden nicht als Familienangehörige im Sinne von Art. 2 Bst. b
Dublin-III-VO gelten.
Die kroatischen Behörden hätten dem Aufnahmegesuch betreffend ihren
minderjährigen Bruder nicht zugestimmt, da dieser den kroatischen Behör-
den mitgeteilt habe, er wolle in die Schweiz zu seiner anderen Schwester
D._. Das Kindeswohl erlaube daher keine Trennung ihres Bruders
von ihrer Schwester. Aus der Anwesenheit ihrer Geschwister lasse sich so-
mit kein Zuständigkeitskriterium ableiten.
Auch lägen keine wesentlichen Gründe für eine Annahme im Sinne von
Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO vor, wonach das Asylverfahren und die Aufnah-
mebedingungen für Antragsteller in Kroatien systemische Schwachstellen
aufweisen würden. Von der Problematik sogenannter «Push-backs» seien
nur Personen betroffen, welche illegal in das Hoheitsgebiet der Dublin-
Staaten einreisen, von den kroatischen Polizei- und Grenzbehörden ange-
halten und sich dabei keine Fingerabdrücke abnehmen lassen würden; bei
Rückführungen nach Kroatien gestützt auf die Dublin-III-VO bestehe diese
Problematik hingegen nicht. Es sei daher auch nicht davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin bei einer Überstellung nach Kroatien gravie-
renden Menschenrechtsverletzungen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dub-
lin-III-VO und Art. 3 EMRK ausgesetzt wäre, in eine existenzielle Notlage
geraten oder ohne Prüfung ihres Asylgesuchs unter Verletzung des Non-
Refoulement-Gebots in ihren Heimat- oder Herkunftsstaat überstellt wer-
den würde.
Ferner seien die Voraussetzungen von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO nicht
erfüllt. Es sei kein besonderes Abhängigkeitsverhältnis der Beschwerde-
führerin zu ihrem minderjährigen Bruder oder ihrer Schwester ersichtlich,
weshalb die Schweiz nicht verpflichtet sei, das Asylgesuch zu prüfen.
Schliesslich liege kein Grund vor, die Souveränitätsklausel im Sinne von
Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO i.V.m. Art. 29 Abs. 3 AsylV1 anzuwenden.
3.2 Demgegenüber berief sich die Beschwerdeführerin in ihrer Be-
schwerde auf Art. 10 i.V.m. Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO und machte geltend,
sie habe eine besonders affektive Beziehung zu ihrem minderjährigen Bru-
der, schliesslich habe sie für ihn in Abwesenheit der Mutter während der
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gesamten Flucht die Verantwortung übernommen, weshalb sie als Fami-
lienangehörige im Sinn des Art. 2 Bst. g in Verbindung mit Art. 10 Dublin-
III-VO gelte. Die Zuständigkeit der Schweiz sei daher gegeben.
Zudem bestehe ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihr und ihrem min-
derjährigen Bruder im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO. Hinweise da-
rauf hätten seit der Stellung der Asylgesuche vorgelegen. Im Verfahren sei
mehrfach zum Ausdruck gebracht worden, dass zwischen ihnen eine äus-
serst enge und elementare Beziehung bestehe; die getrennte Unterbrin-
gung habe sie psychisch belastet. Die gegenseitige Unterstützung be-
gründe die Zuständigkeit der Schweiz, weshalb auf ihr Asylgesuch einzu-
treten sei.
Auch Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO begründe die Zuständigkeit der Schweiz.
Sie benötige psychologische Hilfe; diese sei jedoch schon für kroatische
Staatsangehörige kaum zugänglich. Für Personen ohne Kenntnisse der
kroatischen Sprache sei die Möglichkeit einer dauerhaften Behandlung mi-
nimal, weshalb die Schweiz unter Anwendung des Selbsteintrittsrechts ihr
Asylgesuch materiell zu behandeln habe. Durch den Nichteintretensent-
scheid würde ferner auch das Kindswohl ihres jüngeren Bruders verletzt.
4.
4.1 In formeller Hinsicht rügte die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe
den Untersuchungsgrundsatz nach Art. 12 VwVG verletzt, indem der me-
dizinische Sachverhalt, ihre Beziehung zu ihrem Bruder und dessen Kin-
deswohl nicht rechtsgenügend abgeklärt worden seien.
4.1.1 Im Verwaltungsverfahren gelten der Untersuchungsgrundsatz und
die Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen
Sachverhalts (Art. 12 VwVG; vgl. auch Art. 49 Bst. b VwVG; für das Asyl-
verfahren ausserdem Art. 6 AsylG). Mithin ist die zuständige Behörde ver-
pflichtet, den für die Beurteilung eines Asylgesuchs relevanten Sachverhalt
von Amtes wegen festzustellen (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1). Unrichtig ist
die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und
aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt
wurde. Unvollständig ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsma-
xime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für
die Entscheidung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl.
dazu AUER/ BINDER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal-
tungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 N 16).
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Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 VwVG) umfasst als Mitwir-
kungsrecht sodann alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, da-
mit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen
kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörs-
anspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu
hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu
berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sie eine
sachgerechte Anfechtung ermöglicht. Nicht erforderlich ist, dass sich die
Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65
E. 5.2).
4.1.2 In Bezug auf den gesundheitlichen Zustand der Beschwerdeführerin
stellte die Vorinstanz fest, dass mehrere Austritts- und Arztberichte vorlä-
gen, dass diesen keine Auffälligkeiten zu entnehmen seien und dass eine
interne Anfrage ebenfalls keine neuen Erkenntnisse ergeben habe. Gleich-
zeitig betrachtete die Vorinstanz es zwar als erstellt, dass die Beschwerde-
führerin an einer Depression ohne psychotypische Symptome mit Verdacht
auf eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) leiden würde, dass
aber Kroatien über eine ausreichende Gesundheitsversorgung verfügen
würde, um eine adäquate Behandlung zu gewährleisten. Damit hat die Vor-
instanz den Sachverhalt rechtsgenügend aufgeklärt und die wesentlichen
Punkte in ihrer Würdigung berücksichtigt.
4.1.3 Betreffend das geltend gemachte Verhältnis zu ihrem jüngeren Bru-
der B._ und dessen Kindeswohl stellte die Vorinstanz fest, dass we-
der ihr jüngerer Bruder noch ihre ältere Schwester als Familienangehörige
im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO gelten würden, dass kein Abhän-
gigkeitsverhältnis gemäss Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO vorliegen würde und
dass B._ vor den kroatischen Behörden dargelegt habe, er wolle zu
seiner anderen Schwester, D._, in die Schweiz gehen.
Das SEM hat den Sachverhalt betreffend die zu beachtenden Familienbe-
ziehungen der Beschwerdeführerin in der Schweiz rechtsgenügend er-
stellt. Der Umstand, dass die Ausführungen der Vorinstanz betreffend das
bestehende enge Verhältnis der Beschwerdeführerin zu ihrem Bruder, wie
sie es im Aufnahmegesuch betreffend den Bruder gegenüber den kroati-
schen Behörden dargelegt hatte – namentlich, dass beide Geschwister ex-
plizit angegeben hätten, nicht voneinander getrennt werden zu wollen,
dass bereits im Iran eine enge Beziehung bestanden habe, dass diese Be-
ziehung auf dem schwierigen Reiseweg noch verstärkt worden sei, dass
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die Beschwerdeführerin die nächste Vertrauensperson ihres jüngeren Bru-
ders sei und sie gar, in Abwesenheit der Mutter, deren Mutterrolle über-
nommen habe (SEM-eAkte [...]-22/7) –, nicht den geringsten Niederschlag
in der Begründung des Entscheids gefunden haben, stellt keine Verletzung
des rechtlichen Gehörs, sondern eine unterschiedliche rechtliche Würdi-
gung des Sachverhalts, dar.
Gleiches gilt für die Aussagen des Bruders der Beschwerdeführerin anläss-
lich dessen Erstbefragung UMA und der Anhörung nach Art. 29 AsylG, in
welchen er darlegte, dass seine Schwester – die Beschwerdeführerin – be-
reits im Iran für einen Teil seines Lebensunterhalts aufgekommen sei
(N [...], SEM-eAkte [...]-19/11 Ziff.1.17.05), dass er sich in Griechenland
als 15-Jähriger ausgegeben habe, damit er nicht von seiner Schwester ge-
trennt werden würde (N [...], SEM-eAkte [...]-19/11 Ziff. 2.06), dass er sich
jeweils eingemischt habe, als die Eltern seine Schwester misshandelt hät-
ten (N [...], SEM-eAkte [...]-19/11 Ziff. 7.01) und dass es ihm wichtiger
wäre, in der Nähe der Schwester A._ (der Beschwerdeführerin) als
bei seiner anderen Schwester zu sein (N [...], SEM-eAkte [...]-30/7 F43).
Zumindest die Aussagen im Rahmen der Erstbefragung UMA vom 3. No-
vember 2021 waren dem SEM bekannt, als es auf das Gesuch der Be-
schwerdeführerin nicht eintrat. Das SEM begründete mit diesen Informati-
onen zwar das Aufnahmegesuch betreffend den Bruder gegenüber den
kroatischen Behörden (vgl. SEM-eAkte [...]-22/7), würdigte sie jedoch im
angefochtenen Entscheid anders.
4.2 Zusammenfassend kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Vorinstanz den Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne
von Art. 29 Abs. 2 BV nicht verletzt hat. Der entsprechende Eventualantrag
auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung ist ab-
zuweisen.
5.
5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
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5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
5.3 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an-
deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet
eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe
der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b
Dublin-III-VO).
5.4 Im Rahmen eines – wie vorliegend – sogenannten Wiederaufnahme-
verfahrens (engl.: take back) findet grundsätzlich keine (erneute) Zustän-
digkeitsprüfung nach Kapitel III der Dublin-III-VO statt (vgl. zum Gan-
zen BVGE 2019 VI/7 E. 4 bis 6; 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). Die
zuständigen Behörden sind in den in Art. 23 Abs. 1 und in Art. 24 Abs. 1
der Dublin-III-VO genannten Fällen nicht verpflichtet, vor der Vorlage eines
Gesuchs um Wiederaufnahme in einem anderen Mitgliedstaat auf der
Grundlage der in dieser Verordnung festgelegten Zuständigkeitskriterien
zu bestimmen, ob dieser letztgenannte Mitgliedstaat für die Prüfung des
Antrags zuständig ist (vgl. BVGE 2019 VI/7 E. 4 bis 6 mit Hinweis auf das
Urteil des Europäischen Gerichtshofs [EuGH] vom 2. April 2019, Grosse
Kammer, verbundene Rechtssachen C-582/17 und C-583/17 H. und
R./Niederlande, veröffentlicht in der digitalen Sammlung [Allgemeine
Sammlung] unter <http:curia.europa.eu). Art. 18 Abs. 1 Bst. b bis d Dublin-
III-VO erlege dem «zuständigen Mitgliedstaat» Verpflichtungen auf. Aller-
dings sind die in diesen Bestimmungen vorgesehenen Verpflichtungen zur
Wiederaufnahme nur anwendbar, wenn das in der Verordnung vorgese-
hene Verfahren zur Bestimmung des für die Prüfung des Antrags zuständi-
gen Mitgliedstaats zuvor in dem ersuchten Mitgliedstaat zum Abschluss
gebracht wurde und dazu geführt hat, dass dieser seine Zuständigkeit für
die Prüfung des Antrags anerkennt (vgl. Urteil des EuGH vom 2. April 2019
C-582/17 und C-583/17 H. und R./Niederlande, Rn. 65, 66). Dies setzt
voraus, dass das Verfahren korrekt durchgeführt wurde.
5.5 Ein Wiederaufnahmegesuch gestützt auf Art. 23 Dublin-III-VO ist so
bald wie möglich, auf jeden Fall aber innerhalb von zwei Monaten nach der
Eurodac-Treffermeldung im Sinne von Art. 9 Abs. 5 der Verordnung (EU)
Nr. 603/2013 zu stellen (Art. 23 Abs. 2 Unterabs. 1 Dublin-III-VO). Erfolgt
http://links.weblaw.ch/BVGE-2019%20VI/7 http://links.weblaw.ch/BVGE-2019%20VI/7
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Seite 11
das Wiederaufnahmegesuch nicht innerhalb der in Abs. 2 festgesetzten
Frist, so ist der Mitgliedstaat für die Prüfung des Antrags auf internationalen
Schutz zuständig, in dem der neue Antrag gestellt wurde (Art. 23 Abs. 3
Dublin-III-VO; vgl. Urteil des BVGer F-1328/2020 vom 18. Mai 2020 E. 5.2).
In diesem Zusammenhang ist auf die Rechtsprechung des EuGH zu ver-
weisen, wonach Aufnahme- und Wiederaufnahmeverfahren nach der Dub-
lin-III-VO unter Beachtung einer Reihe zwingender Fristen durchgeführt
werden müssen, darunter namentlich der Anfragefristen von Art. 21 Abs. 1
Unterabs. 1 und 2 Dublin-III-VO. Der Unionsgesetzgeber habe für den Fall
der Nichteinhaltung dieser Frist in Art. 21 Abs. 1 Unterabs. 3 Dublin-III-VO
die Rechtsfolge des Übergangs der Zuständigkeit vorgesehen, was in Ein-
klang stehe mit dem im fünften Erwägungsgrund der Dublin-III-VO erwähn-
ten Ziel einer zügigen Bearbeitung der Asylanträge. Eine Überstellungsent-
scheidung könne daher nicht wirksam ergehen, wenn die festgelegten Fris-
ten nicht eingehalten würden (vgl. Urteil des EuGH vom 26. Juli 2017
C-670/16 Mengesteab/Deutschland, veröffentlicht in der digitalen Samm-
lung [Allgemeine Sammlung] unter <http:curia.europa.eu>, Rn. 49-
54; BVGE 2018 VI/2 E. 7 [S. 8], 2017 VI/9 E. 5.2.3 [S. 97], je mit Hinweis
auf Urteil des EuGH vom 26. Juli 2017 C-670/16 Mengesteab/Deutsch-
land).
5.6 Das Bundesverwaltungsgericht hat bereits im Urteil D-1787/2013 vom
8. August 2013 E. 5 (bezüglich des damaligen Art. 17 Abs. 3 Dublin-II-VO)
festgehalten, das mit dem Formblatt gestellte Übernahmeersuchen müsse
alle Informationen enthalten, anhand derer die Behörden des ersuchten
Staats prüfen können, ob ihr Staat gemäss den in der Verordnung definier-
ten Kriterien zuständig ist (vgl. auch Urteil des BVGer D-2446/2021 vom
31. Mai 2021). Diese Feststellung gilt auch in Bezug auf Art. 23 Abs. 4 Dub-
lin-III-VO (vgl. Urteil des BVGer D-6935/2016 vom 24. Januar 2017 E. 5.3.2
m.w.H.). Eine Verletzung dieser Informationspflicht kann dazu führen, dass
die Zustimmung des ersuchten Mitgliedstaates nicht rechtswirksam ist (vgl.
Urteile des BVGer F-1696/2019 vom 10. Mai 2019 E. 7.2 m.w.H. und
D-2033/2021 vom 18. Juni 2021 E. 3.2).
6.
6.1 Unbestritten hat die Beschwerdeführerin am 27. Juli 2021 in Kroatien
ein Asylgesuch eingereicht. Auch haben die kroatischen Behörden dem
vom SEM gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO gestellten Gesuch
vom 25. Oktober 2021 um Wiederaufnahme am 8. November 2022 statt-
gegeben. Fraglich ist jedoch, ob diese Erklärung der Zuständigkeit Kroati-
ens wirksam zustande gekommen ist.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2018%20VI/2
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Seite 12
6.2 Festzustellen ist, dass das SEM die Gesuche der Beschwerdeführerin
und ihres minderjährigen Bruders nach deren Einreise in die Schweiz zu-
nächst getrennt behandelt hat, obwohl diese zusammen in die Schweiz
einreisten und gemeinsam – am gleichen Tag und gleichen Ort – Asylge-
suche einreichten (vgl. N [...], SEM-eAkte [...]-1/2; SEM-eAkte [...]-1/2).
Der inzwischen 16-jährige Bruder war demnach nicht als «unbegleiteter
Minderjähriger» in die Schweiz eingereist, sondern zusammen mit seiner
älteren Schwester, die für ihn die Verantwortung übernommen hatte, mit
der er auch gemeinsam geflüchtet und sich zuerst in C._ und dann
auf der Balkanroute durchgeschlagen hatte (vgl. N [...], SEM-eAkte
[...]-19/11 Ziff. 5.02, Ziff. 1.17.05).
6.3
6.3.1 Vorliegend hat das SEM am 28. Oktober 2021 die kroatischen Behör-
den um Wiederaufnahme der Beschwerdeführerin ersucht. Aus dem ver-
wendeten Standardformular geht hervor, dass die Vorinstanz gegenüber
den kroatischen Behörden unter dem Titel «Other useful information» an-
gab, die Beschwerdeführerin habe in der Schweiz am 16. Oktober 2021
um Asyl ersucht; zuvor sei sie in Kroatien am 10. September 2020 und er-
neut am 27. Juli 2021 eingereist und habe in Kroatien am 27. Juli 2021 ein
Asylgesuch gestellt (vgl. SEM-eAkte [...]-14/5). Aufgrund dieser Informati-
onen stimmten die kroatischen Behörden am 8. November 2021 dem Ge-
such um Wiederaufnahme der Beschwerdeführerin zu.
6.3.2 Im Aufnahmegesuch an die kroatischen Behörden vom 16. Dezem-
ber 2021 betreffend den Bruder der Beschwerdeführerin – im Nachgang
an die bereits erfolgte Zustimmung zur Wiederaufnahme der Beschwerde-
führerin – stützte sich die Vorinstanz auf Art. 8 i.V.m. Art. 11 und Art. 18
Abs. 1 Bst. c Dublin-III-VO und führte aus:
«Separating sister and brother is not in the best interest of the applicant,
especially since both explicitly expressed the wish not to be separated
from each other. According to the statements of the legal representative,
the sister A._ [...] and the applicant had already a close rela-
tionship in Iran, which became even stronger during the difficult journey.
Today, considering the absence of his mother, his sister is the closest
person of trust, who now even has a mother function for him. That is why
they do not want to be separated from each other. Separating both, sis-
ter and brother, would run counter to the applicant’s best interest of a
child [...]. Under these circumstances, and as you accepted already the
D-1282/2022
Seite 13
responsibility for the applicant's sister, we kindly ask the Croatian Au-
thorities to take charge of the applicant according to Art. 8 in connection
with Art. 11 und 18.1 c of the Dublin Regulation.» (N [...], SEM-eAkte
[...]-22/7).
Diese Ausführungen können nur so verstanden werden, dass das SEM da-
von ausgeht, dass zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem Bruder
eine enge familiäre Bindung im Sinne einer Mutter-Kind-Beziehung (ge-
mäss SEM: «his sister ist the closest person of trust, who now even has a
mother function for him») besteht.
6.3.3 Nach Aktenlage lagen die Eurodac-Treffermeldungen sowohl betref-
fend die Beschwerdeführerin als auch betreffend den Bruder beim SEM am
21. Oktober 2021 vor (vgl. SEM-eAkte [...]-9/1 und N [...], SEM-eAkte
[...]-9/1). Auf die aus seiner Sicht bestehende familiäre Bindung hat die
Vorinstanz die kroatischen Behörden jedoch erst im Rahmen des Aufnah-
megesuchs betreffend den Bruder der Beschwerdeführerin vom 16. De-
zember 2021 unter Verwendung eines Standardformblatts hingewiesen
und die damit einhergehende Problematik einer allfälligen Trennung und
möglichen Verletzung des Kindeswohls aufgeworfen. Zudem wählte das
SEM für die Anfrage betreffend den Bruder ein nur ihn betreffendes Auf-
nahmeverfahren und bezog ihn nicht bereits in das Wiederaufnahmever-
fahren der Beschwerdeführerin ein. Auch deshalb zogen die kroatischen
Behörden aus der später erfolgten Anfrage betreffend den minderjährigen
Bruder keine Rückschlüsse auf eine mögliche Verbindung zwischen die-
sem und der Beschwerdeführerin.
6.4 Indem die Vorinstanz die Ersuchen um Wiederaufnahme der Be-
schwerdeführerin und um Aufnahme ihres Bruders zeitlich gestaffelt stellte
und im zuerst gestellten Wiederaufnahmegesuch betreffend die Beschwer-
deführerin die familiäre Beziehung unerwähnt liess, fehlten den kroati-
schen Behörden wichtige sachdienliche Informationen, um ihre Zuständig-
keit vor dem Hintergrund aller bekannten Fakten zu prüfen. Das Wieder-
aufnahmegesuch des SEM enthielt somit nicht alle sachdienlichen Anga-
ben aus der Erklärung der betroffenen Person, anhand deren die kroati-
schen Behörden ihre Zuständigkeit hätten prüfen können (vgl. Art. 23
Abs. 4 Dublin-III-VO). Mit diesem Vorgehen hat die Vorinstanz ihre sich aus
Art. 23 Abs. 4 i.V.m. Art. 22 Abs. 3 Dublin-III-VO ergebende Informations-
pflicht verletzt.
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6.4.1 Das SEM hat den kroatischen Behörden nach seinem Ersuchen um
Wiederaufnahme vom 28. Oktober 2021 die für die Zuständigkeitsprüfung
sachdienlichen Informationen bezüglich die Beschwerdeführerin – nament-
lich die vom SEM selbst festgestellte enge familiäre Beziehung zu ihrem
minderjährigen Bruder, welche gemäss seiner Argumentation im Aufnah-
megesuch des Bruders einer Trennung der Geschwister nach den Bestim-
mungen der Dublin-Verordnung entgegenstehe, – bis zum Urteilszeitpunkt
nicht übermittelt und damit die Frist nach Art. 23 Abs. 3 Dublin-III-VO nicht
eingehalten.
6.4.2 Nach dem Gesagten stellt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass
die Vorinstanz ihre Informationspflicht nach Art. 23 Abs. 4 i.V.m. Art. 22
Dublin-III-VO verletzt hat und kein vollständiges Gesuch um Wiederauf-
nahme an die kroatischen Behörden gestellt hat. Die Zustimmung Kroati-
ens konnte daher nicht rechtsgültig erfolgen. Weil das SEM die nötigen
Informationen nicht innerhalb der Frist des Art. 23 Abs. 3 Dublin-III-VO wei-
tergeleitet hat, wird es für die Prüfung des Asylgesuchs der Beschwerde-
führerin zuständig. An dieser Schlussfolgerung vermag der Umstand, dass
Kroatien sich bereit erklärt hat, die Beschwerdeführerin wiederaufzuneh-
men, nichts zu ändern (vgl. F-1328/2020 E. 5.3; BVGE 2017 VI/9 E. 5.3.2
unter Verweis auf Urteil des EuGH vom 26. Juli 2017 C-670/16 Men-
gesteab/Deutschland).
7.
7.1 Die Beschwerde ist infolgedessen gutzuheissen, die angefochtene Ver-
fügung aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch
der Beschwerdeführerin einzutreten.
7.2 Angesichts dieses Verfahrensausgangs kann die Frage, ob das SEM
gestützt auf Art. 10, Art. 16 Abs. 1 oder Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO für die
Prüfung des Asylgesuchs der Beschwerdeführerin zuständig wäre, offen-
gelassen werden; desgleichen erübrigt es sich, auf die weiteren Vorbringen
in der Beschwerde näher einzugehen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
8.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist keine Parteientschädigung
auszurichten, da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche
Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen
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vom Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl.
auch Art. 111ater AsylG).
(Dispositiv nächste Seite)
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