Decision ID: 2506eb37-22b0-4481-87d0-a0cb55a9d55e
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 21. Juni 2022 in der Schweiz um
Asyl nach.
A.b Bei der Gesuchseinreichung gab er nebst einem italienischen Reise-
dokument im Original folgende Dokumente in Kopie zu den Akten:
- F-Ausweise von B._ (nachfolgend: B.), (...), C._ (nach-
folgend C.), (...), und D._ (nachfolgend: D.), (...), alle Somalia;
- Urteil des Bezirksgerichts E._ betreffend Feststellung der Vater-
schaft des Beschwerdeführers von C._ und Unterhalt vom (...)
2021;
- Geburtsregisterauszug betreffend D._ vom (...) 2022;
- Mitteilung Kindesanerkennung des Zivilstandsamts F._ durch
den Beschwerdeführer betreffend D._ vom (...) 2021;
- somalische Geburtsurkunden und Identitätsbestätigungen betreffend
B._ und den Beschwerdeführer vom 14. Februar 2022.
A.c Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der euro-
päischen Fingerabdruck-Datenbank (Eurodac) vom 23. Juni 2022 ergab,
dass dieser am (...) 2017 in Italien, am (...) 2018 in G._ und am (...)
2018 in H._ um Asyl nachgesucht hatte.
A.d Anlässlich des persönlichen Gesprächs vom 19. Juli 2022 gemäss
Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah-
ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei-
nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat ge-
stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend:
Dublin-III-VO) erklärte der Beschwerdeführer, er habe in Italien eine Auf-
enthaltsbewilligung erhalten. Später sei er einmal in G._ aufgegrif-
fen worden. Dabei seien ihm die Fingerabdrücke abgenommen worden. Er
habe eigentlich nicht beabsichtigt, in G._ ein Asylgesuch einzu-
reichen. Dort habe er eine erste Anhörung gehabt. Einen Entscheid habe
er jedoch nicht erhalten. In H._ habe er mehrmaIs um Asyl nachge-
sucht und bisher zwei Entscheide erhalten. In Italien habe er weder Arbeit
noch Unterkunft gehabt. Er könnte weiterhin in Italien leben, es sei ihm
jedoch wichtig, mit seinen Kindern zusammenzuleben. Seine Kinder, ein
Sohn (C._) und eine Tochter (D._), lebten in I._ im
Kanton J._. Seine Frau (B._) lebe seit dem Jahr 2018 in der
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Schweiz. Sie erhalte Geld vom Sozialamt. Seine Kinder seien in der
Schweiz geboren. Seine Frau bräuchte, auch wenn sie eine Arbeitsstelle
fände, finanzielle Unterstützung mit den Kindern, damit sie unabhängig
werden könnte. Er möchte für seine Frau da sein. Er habe auch eine Ver-
antwortung für die Kinder. Am (...) 2019 habe er seine Frau nach somali-
scher und islamischer Tradition geheiratet. Er warte auf einen Termin für
eine zivile Eheschliessung beim Zivilstandsamt der Wohngemeinde seiner
Frau. Da er in Italien keine Unterkunft gehabt habe, könnte er dort nicht mit
seinen Kindern zusammenleben.
Zum medizinischen Sachverhalt gab er an, er habe in Italien auf der
Strasse schlafen müssen, sei unterkühlt gewesen und habe deshalb ein
Problem am (...) ([...]) bekommen. Er sei deswegen beim Arzt gewesen.
Dabei seien ihm Blutproben abgenommen worden und er warte auf die
Antwort. Wegen der Kälte habe er auch Probleme im (...). Eine Untersu-
chung sei geplant. Er warte noch auf einen Termin für eine Röntgenauf-
nahme des (...). Andere Beschwerden habe er nicht.
A.e Den Akten ist zu entnehmen, dass sich B._ seit dem (...) 2018
in der Schweiz aufhält und hier seit dem (...) 2020 über eine vorläufige Auf-
nahme verfügt. Am 4. November 2021 anerkannte der Beschwerdeführer
die Vaterschaft betreffend C. In Bezug auf die Anerkennung von D. teilte
der Beschwerdeführer mit, er habe die nötigen Papiere bei der Gemeinde
eingereicht. Beide Kinder leben gemeinsam mit ihrer Mutter und sind in der
Schweiz vorläufig aufgenommen.
A.f Mit Schreiben vom 5. Oktober 2022 gewährte das SEM dem Beschwer-
deführer das rechtliche Gehör zu einem Nichteintretensentscheid gemäss
Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) und zu einer Wegweisung nach
Italien. Die Stellungnahme der zugewiesenen Rechtsvertretung datiert vom
17. Oktober 2022. Darin wurde im Wesentlichen geltend gemacht, eine
Wegweisung des Beschwerdeführers nach Italien würde einen unverhält-
nismässigen Eingriff in dessen Recht auf Familienleben gemäss Art. 8
EMRK darstellen. Zudem würde eine Trennung von den Kindern dem Kin-
deswohl zuwiderlaufen, welches im Rahmen der lnteressenabwägung vor-
rangig berücksichtigt werden müsse. Eine Wegweisung nach Italien sei
demnach als nicht zulässig sowie nicht zumutbar zu qualifizieren.
A.g Gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und
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Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Dritt-
staatsangehöriger ersuchte das SEM die italienischen Behörden am
13. Oktober 2022 um Rückübernahme des Beschwerdeführers.
A.h Am 21. Oktober 2022 stimmten die italienischen Behörden dem Rück-
übernahmeersuchen des SEM zu und bestätigten, dass dem Beschwerde-
führer in Italien internationaler Schutz gewährt und ihm eine Aufenthaltsbe-
willigung für subsidiären Schutz ausgestellt worden war.
A.i Am 7. November 2022 reichte die Rechtsvertretung eine ergänzende
Stellungnahme ein. Darin wurde im Wesentlichen ausgeführt, ein telefoni-
scher Kontakt mit dem Zivilstandsamt I._ vom 27. Oktober habe er-
geben, dass sowohl das Ehevorbereitungs- als auch das Vaterschaftsan-
erkennungsverfahren aufgrund von Problemen bei der Erfassung der per-
sönlichen Daten von B. stagnierten.
A.j Am 6. Dezember 2022 unterbreitete das SEM den Entscheidentwurf
der Rechtsvertretung zur Stellungnahme. Die Rechtsvertretung führte in
ihrer Stellungnahme vom 8. Dezember 2022 im Wesentlichen aus, am (...)
2022 finde auf dem Zivilstandsamt ein Termin statt. Dabei werde es um die
Anerkennung der Vaterschaft betreffend D._ und die Übernahme
der gemeinsamen elterlichen Sorge gehen. Bezüglich des Eheschlies-
sungsverfahrens sei kein weiterer Termin bekannt.
B.
Mit Verfügung vom 9. Dezember 2022 – eröffnet am selben Tag – trat das
SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch
des Beschwerdeführers nicht ein, wies ihn aus der Schweiz weg und for-
derte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft der Verfü-
gung zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das SEM den zuständigen
Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung nach Italien und händigte dem
Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten aus.
C.
Am 9. Dezember 2022 teilte die zugewiesene Rechtsvertretung mit, dass
das Mandat beendet sei.
D.
Mit Eingabe vom 16. Dezember 2022 erhob der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragte, die Verfügung des
SEM vom 9. Dezember 2022 sei vollständig aufzuheben und die Vorin-
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stanz sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und das Asylverfah-
ren in der Schweiz durchzuführen; es sei die Unzulässigkeit respektive die
Unzumutbarkeit der Wegweisung nach Italien festzustellen; eventualiter
sei der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben und die Angelegenheit zu
weiteren Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. In
verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Erteilung der aufschieben-
den Wirkung, Sistierung des Vollzugs der Wegweisung, Anweisung der Vo-
rinstanz und der kantonalen Vollzugsbehörden mittels vorsorglicher Mass-
nahmen, bis zum Entscheid über die Beschwerde von jeglichen Vollzugs-
handlungen abzusehen, um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
und insbesondere Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Der Beschwerde lag neben angefochtenen Verfügung eine Kopie eines
"Circular Letter" der italienischen Dublin-Einheit vom 5. Dezember 2022
bei.
E.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
19. Dezember 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
Am gleichen Tag bestätigte dieses den Eingang der Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
– unter Vorbehalt nachfolgender Erwägung – einzutreten (Art. 108 Abs. 3
AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Der Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu
(Art. 55 Abs. 1 VwVG) und das SEM hat der Beschwerde die aufschie-
bende Wirkung nicht entzogen (Art. 55 Abs. 2 VwVG). Auf das Gesuch, der
Beschwerde sei aufschiebende Wirkung zu erteilen und die weiteren dies-
bezüglichen Verfahrensanträge, ist daher mangels Rechtsschutzinteres-
ses nicht einzutreten.
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3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
4.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
4.2 Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem
Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt.
5.
Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt –
als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer
zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schrif-
tenwechsels und mit summarischer Begründung, zu behandeln (Art. 111a
Abs. 1 und 2 AsylG).
6.
6.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein-
getreten, wenn die asylsuchende Person in einen sicheren Drittstaat nach
Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren kann, in welchem sie sich vorher
aufgehalten hat.
6.2 Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellun-
gen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG
besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Durch den
Beschluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche
Länder der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandels-
assoziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet.
7.
7.1 Das SEM hielt in der angefochtenen Verfügung fest, der Bundesrat
habe Italien als sicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG
bezeichnet. Der Beschwerdeführer habe dort subsidiären Schutz erhalten
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und das Land habe sich am 21. Oktober 2022 bereit erklärt, ihn zurückzu-
nehmen. Zwar bestünden vorliegend Anzeichen, dass er die Bedingungen
für eine vorläufige Aufnahme nach Art. 83 Ausländer- und Integrationsge-
setzes (AIG, SR 142.20) erfüllen würde, da er in Italien subsidiären Schutz
erhalten habe. Für ein allfälliges Ersuchen um Wiedererwägung seines
Asylentscheids sei jedoch nicht die Schweiz, sondern Italien zuständig. Ge-
mäss Art. 25 Abs. 2 VwVG sei einem Begehren um Feststellung der Flücht-
lingseigenschaft in der Schweiz nur dann zu entsprechen, wenn ein schutz-
würdiges Interesse nachgewiesen werde. Dieser Nachweis könne aber
nicht gelingen, wenn bereits ein Drittstaat einen Schutzstatus erteilt habe.
Dies sei vorliegend der Fall. Deshalb könne der Beschwerdeführer nach
Italien zurückkehren, ohne eine Rückschiebung in Verletzung des Non-Re-
foulement-Prinzips zu befürchten.
Was die gesundheitlichen Beschwerden des Beschwerdeführers angeht,
erachtete das SEM den medizinischen Sachverhalt in Würdigung der Aus-
sagen und der vorliegenden Arztberichte als erstellt. Diese ermöglichten
ein umfassendes Bild der gesundheitlichen Beschwerden und liessen ins-
besondere den Schluss zu, dass vorliegend kein dringlicher medizinischer
Behandlungsbedarf bestehe. Des Weiteren sei nicht davon auszugehen,
dass anlässlich weiterer ärztlicher Untersuchungen oder Behandlungen –
welche dem SEM nicht bekannt seien – beim Beschwerdeführer derart
schwerwiegende Diagnosen gestellt werden könnten, welche an der Ein-
schätzung hinsichtlich der Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Verhältnismäs-
sigkeit der Wegweisung nach Italien etwas zu ändern vermöchten.
Hinsichtlich des geltend gemachten Familienverhältnisses zwischen dem
Beschwerdeführer, B._ und den beiden Kindern verneinte die Vor-
instanz im Wesentlichen eine kontinuierliche Führung eines gemeinsamen
Haushalts. Zwar lebten der Beschwerdeführer, B._ und die beiden
Kinder seit August 2022 in familienähnlicher Konstellation zusammen (Be-
willigung für Privatunterbringung während des Asylverfahrens) bezie-
hungsweise gemäss den Aussagen des Beschwerdeführers seit bereits
bald einem Jahr. Dieser Zeitraum sei jedoch nicht ausreichend lange, als
daraus ein Anspruch gemäss Art. 8 EMRK abgeleitet werden könnte. Am
(...) 2021 habe der Beschwerdeführer die Vaterschaft betreffend
C._ rechtlich anerkannt. Des Weiteren mache er geltend, um die
Anerkennung der Vaterschaft für D._ bemüht zu sein. Eine solche
sei beim SEM bisher jedoch nicht aktenkundig. Insofern stelle die Bezie-
hung zwischen ihm und C._ eine schützenswerte verwandtschaftli-
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che Beziehung dar. Den Akten seien hingegen keine Hinweise zu entneh-
men, dass zwischen ihm, B._ und D._ eine schützenswerte
Beziehung im Sinne von Art. 8 EMRK vorliege.
Betreffend das von der Rechtsvertretung geltend gemachte de facto Anwe-
senheitsrecht von B._ und den Kindern in der Schweiz und die da-
mit allenfalls verbundene Öffnung des Schutzbereichs von Art. 8 EMRK
hielt das SEM unter Hinweis auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
E-7092/2017 vom 25. Januar 2021 (E. 13.4) fest, dass das Bundesgericht
bisher in Ausnahmefällen, bei denen mindestens ein Familienmitglied be-
reits einen mehrjährigen Aufenthalt in der Schweiz nachweisen konnte, ein
de facto Anwesenheitsrecht bejaht habe. Vorliegend handle es sich nicht
um einen solchen Ausnahmefall, bei welchem ein faktisches Anwesen-
heitsrecht gegeben wäre. So sei das Asylgesuch von B._ abgelehnt
und diese aus der Schweiz weggewiesen worden, wobei der Vollzug der
Wegweisung aufgrund Unzumutbarkeit ausgesetzt worden sei. Seit etwas
mehr als zwei Jahren lebe B._ nun mit einer vorläufigen Aufnahme
in der Schweiz. Dasselbe gelte bezüglich der beiden Kinder. Von einer Ge-
fährdung des Kindeswohls und somit von einer Verletzung des Überein-
kommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR
0.107) sei nicht auszugehen, da die beiden mit ihrer Mutter zusammenblie-
ben, mit welcher sie seit Geburt zusammenlebten. Folglich seien weitere
Abklärungen zum Kindeswohl nicht notwendig.
Selbst wenn die Beziehung zu B._ und den beiden Kindern als
schützenswert im Sinne von Art. 8 EMRK subsumiert werden würde bezie-
hungsweise im Falle von C._ werde, wäre ein mit einer Wegwei-
sung verbundener Eingriff in diese Beziehungen – basierend auf einer um-
fassenden Interessenabwägung – gerechtfertigt. Den Ausführungen des
Beschwerdeführers sei zu entnehmen, dass das Hauptanliegen nicht in der
Behandlung des Asylverfahrens liege, sondern in der Familienzusammen-
führung.
Was die Heirats- und Vaterschaftsanerkennungsabsichten in der Schweiz
anbelange, sei es nicht Aufgabe der Asylbehörde, die dafür notwendigen
Voraussetzungen zu schaffen. Ein Ehevorbereitungsverfahren sowie auch
das Verfahren um Vaterschaftsanerkennung von D._ setze zudem
nicht zwingend die Anwesenheit des Beschwerdeführers in der Schweiz
voraus. Es stehe diesem offen, von Italien aus eine Zusammenführung mit
B._ und den Kindern in der Schweiz zu beantragen. Zudem sei es
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ihm aufgrund der Schutzgewährung in Italien möglich, mit den entspre-
chenden Dokumenten von Italien in die Schweiz zu reisen und sich hier für
eine Dauer von 90 Tagen legal aufzuhalten. Dies ermögliche ihm und
B._ die Fortführung der Partnerschaft beziehungsweise ihm und
den Kindern eine Beziehungspflege auch von Italien respektive von der
Schweiz aus. Bei vorübergehender räumlicher Trennung bleibe überdies
beispielsweise die Kontaktpflege mittels moderner Kommunikationsmittel.
Eine solche stelle eine verhältnismässige Lösung dar, um aus der Distanz
– in der Zeit zwischen allfälligen Besuchen seinerseits in der Schweiz –
sowohl die Partnerschaft mit B._ als auch eine Vater-Kind-Bezie-
hung mit C._ und D._ zu pflegen und den gemeinsamen
Kontakt zu ermöglichen.
Unabhängig davon, ob in casu eine schützenswerte Beziehung vorliege,
sei der Schutzbereich von Art. 8 EMRK aufgrund des fehlenden gefestigten
Aufenthaltsrechts beziehungsweise aufgrund des Nichtvorhandenseins ei-
nes de facto Aufenthaltsrechts von B._ und den beiden Kindern
nicht betroffen. Demzufolge könne sich der Beschwerdeführer nicht auf
Art. 8 EMRK berufen. Entsprechend erübrigten sich weitergehende Aus-
führungen zu den Vorbringen betreffend die geltend gemachte schützens-
werte Beziehung zu B._ und den beiden Kindern.
Die materiellen Voraussetzungen für den Nichteintretensentscheid seien
zusammenfassend sowohl bezüglich des Gesundheitszustands des Be-
schwerdeführers als auch in Achtung dessen Privat- und Familienlebens
gegeben. Auf das Asylgesuch sei somit nicht einzutreten.
7.2 Die Beschwerdeschrift beschränkt sich im Wesentlichen auf eine sinn-
gemässe Wiederholung der bisherigen Vorbringen und Ausführungen in
den Stellungnahmen der Rechtsvertretung. Zudem habe B._ ge-
sundheitliche Probleme. Sie (...). Aufgrund ihrer Krankheit sei es notwen-
dig, dass der Beschwerdeführer während der Spitalaufenthalte zu den Kin-
dern schauen und sich um B._ kümmern könne. Auch C._
habe gesundheitliche Probleme, und zwar (...). Er gehe deshalb zu einem
Spezialisten (...). Sodann wird unter Hinweis auf den "Circular Letter" aus-
geführt, Italien habe in einer Mitteilung vom 5. Dezember 2022 an die an-
deren Mitgliedsstaaten erklärt, dass es aufgrund fehlender Unterbrin-
gungsmöglichkeiten keine Dublin-Überstellungen mehr annehmen würde.
Dies lasse auch für den Beschwerdeführer Zweifel an einer Unterbringung
aufkommen, insbesondere da er Obdachlosigkeit in Italien bereits erlebt
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habe. Wie er bereits erläutert habe, habe er in Italien keine Unterstützung
bekommen und auf der Strasse leben müssen.
7.3 Nach Durchsicht der Akten hat das SEM zutreffend festgestellt, dass
die Voraussetzungen für einen Nichteintretensentscheid nach Art. 31a
Abs. 1 Bst. a AsylG grundsätzlich erfüllt sind. Es kann deshalb vorab im
Wesentlichen auf die entsprechenden Erwägungen in der angefochtenen
Verfügung verwiesen werden (vgl. E. 7.1). Das SEM hat demzufolge zu
Recht ein schutzwürdiges Interesse des Beschwerdeführers an der Durch-
führung eines Asylverfahrens in der Schweiz verneint und ist gestützt auf
Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten.
8.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylgesuch ablehnt
oder darauf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je
m.w.H.). Die Wegweisung wurde somit zu Recht angeordnet.
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshin-
dernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche
Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst,
sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls
wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). Vor-
liegend ist einzig der Vollzug der Wegweisung nach Italien einer Prüfung
zu unterziehen.
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
9.3 Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten die Ver-
mutung, dass sie ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen, darunter im We-
sentlichen das Refoulement-Verbot und grundlegende menschenrechtli-
che Garantien (vgl. das Urteil des BVGer D-1006/2022 vom 9. März 2022
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E. 9.1), einhalten. Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Ver-
mutung, dass eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel
zumutbar ist (vgl. Anhang 2 der Verordnung über den Vollzug der Weg- und
Ausweisung sowie der Landesverweisung von ausländischen Personen
[VVWAL, SR 142.281]). Es obliegt der betroffenen Person, diese beiden
Legalvermutungen umzustossen. Damit dies gelingt, hat sie ernsthafte An-
haltspunkte dafür vorzubringen, dass die Behörden des in Frage stehen-
den Staates im konkreten Einzelfall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den
notwendigen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen Lebensum-
ständen aussetzen würden respektive dass sie im in Frage stehenden
Staat aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder
gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. statt
vieler das Urteil des BVGer E-2617/2016 vom 28. März 2017 E. 4).
9.4 Das SEM hat die Vorbringen des Beschwerdeführers in der angefoch-
tenen Verfügung ausführlich gewürdigt und dargelegt, weshalb seine Über-
stellung nach Italien völkerrechtlich zulässig und zumutbar ist. In Bezug auf
den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seien gegenwärtig keine
weiteren Abklärungen vorgesehen. Italien habe die Richtlinie 2011/95/EU
des europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2011 (so-
genannte Qualifikationsrichtlinie) umgesetzt. Diese regle unter anderem
die Ansprüche von Personen mit internationalem Schutzstatus hinsichtlich
Sozialleistungen sowie deren Zugang zu Wohnraum, Beschäftigung und
medizinischer Versorgung. Namentlich gewährten Mitgliedstaaten gemäss
Art. 30 Qualifikationsrichtlinie Personen, denen internationaler Schutz ge-
währt worden sei, unter denselben Voraussetzungen wie ihren eigenen
Staatsangehörigen eine angemessene medizinische Versorgung. Entspre-
chend habe der Beschwerdeführer notfalls einklagbare Ansprüche in Be-
zug auf Sozialleistungen, Wohnraum und medizinische Versorgung. Es lä-
gen keine Hinweise vor, wonach Italien ihm zustehende Leistungen, seien
es notwendige medizinische Behandlungen oder anderweitige Sozialleis-
tungen, verweigert hätte oder zukünftig verweigern würde. Er sei gehalten,
die ihm zustehenden Leistungen bei den italienischen Behörden geltend
zu machen. Die medizinische Versorgung, einschliesslich der Behandlung
von psychischen Krankheiten, sei in Italien gewährleistet. Sollte Italien sei-
nen Verpflichtungen ihm gegenüber nicht nachkommen, stünde es ihm of-
fen, den Rechtsweg zu beschreiten. Italien sei ein Rechtsstaat mit funktio-
nierendem Justizsystem. In Anbetracht dieser Ausführungen stelle ein Voll-
zug der Wegweisung nach Italien keine Verletzung der völkerrechtlichen
Verpflichtungen der Schweiz dar. Der Vollzug der Wegweisung nach Italien
sei somit zulässig. Was den unverhältnismässigen Eingriff in das Recht auf
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Seite 12
Familienleben gemäss Art. 8 EMRK und die Verletzung des Kindeswohls
anbelange, lägen unter Berücksichtigung des Gesundheitszustands des
Beschwerdeführers sowie der geltend gemachten Lebensumstände in Ita-
lien keine ausreichenden Hinweise vor, um die Regelvermutung, wonach
der Vollzug der Wegweisung nach Italien zumutbar sei, umzustossen. Es
sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rück-
kehr nach Italien einer existenziellen Notlage ausgesetzt wäre. Zusam-
menfassend sprächen weder die in Italien herrschende Situation noch an-
dere Gründe gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung in diesen Staat.
Auch diesbezüglich ist die angefochtene Verfügung nicht zu beanstanden,
weshalb zwecks Vermeidung von Wiederholungen vollumfänglich auf die
vorstehenden Ausführungen verwiesen werden kann.
Sodann gelingt es dem Beschwerdeführer auch mit den erstmals in der
Beschwerde und pauschal geltend gemachten gesundheitlichen Be-
schwerden von B._ und C._, dem Hinweis auf die laufenden
Ehevorbereitungen und das Verfahren betreffend Vaterschaftsanerken-
nung und Sorgerechtsregelung nicht, die in Art. 6a AsylG und Art. 83 Abs. 5
AIG enthaltenen Legalvermutungen umzustossen. Ebenso wenig vermag
er aus seinem Hinweis, Italien habe in einer Mitteilung vom 5. Dezember
2022 an die anderen Mitgliedsstaaten erklärt, dass es aufgrund fehlender
Unterbringungsmöglichkeiten keine Dublin-Überstellungen mehr anneh-
men würde, nichts zu seinen Gunsten abzuleiten, zumal die italienische
Regierung diese Äusserung offenbar bereits wieder zurückgezogen hat
(vgl. Online-Artikel "L'Italie ne suspend finalement pas le règlement de
Dublin" vom 7. Dezember 2022 auf www.rtbf.be; < http://www.rtbf.be/ar-
ticle/l-italie-ne-suspendfinalement-pas-le-reglement-de-dublin-
11119216 >, abgerufen am 22. Dezember 2022).
Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach als zulässig und zu-
mutbar.
9.5 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die
Vermutung umzustossen, dass Italien seinen völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nachkommt und eine Wegweisung in diesen Staat auch zumutbar
ist. Da die italienischen Behörden seiner Rückübernahme zugestimmt ha-
ben, ist der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen. Die
Vorinstanz ist somit zu Recht von der Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Mög-
lichkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen. Eine Anordnung der vor-
läufigen Aufnahme fällt ausser Betracht (vgl. Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
http://www.rtbf.be/ http://www.rtbf.be/article/l-italie-ne-suspendfinalement-pas-le-reglement-de-dublin-11119216 http://www.rtbf.be/article/l-italie-ne-suspendfinalement-pas-le-reglement-de-dublin-11119216 http://www.rtbf.be/article/l-italie-ne-suspendfinalement-pas-le-reglement-de-dublin-11119216
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9.6 Nach dem Gesagten erweist sich auch der Vorwurf, die Vorinstanz
habe den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig erhoben und ge-
prüft und insbesondere die drohende Verletzung von Art. 3 EMRK, Art. 8
EMRK und Art. 3 KRK nicht ausreichend berücksichtigt, als unbegründet.
Es besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus diesem
Grund aufzuheben und die Sache zu weiteren Sachverhaltsabklärungen
an das SEM zurückzuweisen. Das diesbezügliche, eventualiter gestellte
Rechtsbegehren ist daher abzuweisen.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit auf diese
einzutreten ist.
11.
11.1 Mit dem vorliegenden Urteil wird das Gesuch um Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos.
11.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich
aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeich-
nen waren.
11.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
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D-5822/2022
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