Decision ID: ceacc468-9c49-46a6-a071-bb850a542a0f
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
betreffend mehrfache sexuelle Handlungen mit einem Kind
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - , vom 4. Juni 2021 (GG210108)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 30. März 2021
(Urk. 16) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte B._ ist der mehrfachen sexuellen Handlungen mit ei-
nem Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB nicht schuldig und wird von die-
sem Vorwurf freigesprochen.
2. Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin wird auf den Zivilweg
verwiesen.
3. Der Antrag auf Anordnung der Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung
eines DNA-Profiles im Sinne von Art. 5 des DNA-Profil-Gesetzes wird abge-
wiesen.
4. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten inkl. diejenigen
der amtlichen Verteidigung und diejenigen der unentgeltlichen Rechtsver-
beiständung werden auf die Gerichtskasse genommen.
5. Die Höhe der Entschädigung der amtlichen Verteidigung und der unentgeltli-
chen Rechtsverbeiständung werden mit separaten Verfügungen festgesetzt.
Berufungsanträge:
a) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(Urk. 51 S. 2; Urk. 61 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit ei-
nem Kind i.S.v. Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.
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2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten - im Zu-
satz zu den Urteilen vom 30. Mai 2012 und 14. Februar 2013 des Mi-
nistère public du canton de Genève - zu bestrafen.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung ei-
ner Probezeit von 2 Jahren.
4. Es sei der Beschuldigte zur Abnahme einer DNA-Probe zwecks Erstel-
lung eines DNA Profils i.S.v. Art. 5 des DNA-Profil-Gesetzes zu ver-
pflichten.
5. Die Kosten des Verfahrens seien dem Beschuldigten vollumfänglich
aufzuerlegen.
b) Der Vertreterin der Privatklägerschaft:
(Urk. 50 S. 1; Urk. 62 S. 1 f.)
1. Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklageschrift wegen mehrfachen
sexuellen Handlungen mit einem Kind i.S.v. Art. 187 Ziff. 1 StGB
schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen.
2. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin eine angemes-
sene Genugtuung von Fr. 10'000.– zzgl. Zins von 5 % seit dem
1. September 2009 zu bezahlen.
3. Die Verfahrenskosten für die Gerichtsverfahren inklusive der Kosten für
die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin seien dem Be-
schuldigten aufzuerlegen, wobei letztere vorab aus der Gerichtskasse
zu bezahlen seien.
4. Eventualiter seien die Verfahrenskosten für die Gerichtsverfahren in-
klusive der Kosten für die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privat-
klägerin auf die Staatskasse zu nehmen.
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c) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 63 S. 2)
1. Es sei das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen und der Beschuldigte
freizusprechen.
2. Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin sei abzuweisen.
3. Von der Anordnung der Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung ei-
nes DNA-Profils sei abzusehen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. MwSt.).
_

Considerations:
Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksge-
richtes Zürich, 10. Abteilung – Einzelgericht, vom 4. Juni 2021 meldeten sowohl
die Privatklägerin als auch die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat (fortan Staats-
anwaltschaft) innert Frist Berufung an (Urk. 39 und 40). Das begründete Urteil der
Vorinstanz wurde ihnen am 30. August 2021 (Staatsanwaltschaft) bzw. 3. Sep-
tember 2021 (Privatklägerin) zugestellt (Urk. 47/1 und 3). Die Privatklägerin reich-
te sodann am 17. September 2021 und die Staatsanwaltschaft am 20. September
2021 rechtzeitig ihre Berufungserklärung ein (Urk. 50 und 51, je Datum Poststem-
pel).
1.2. Innert angesetzter Frist gemäss Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO wurde keine
Anschlussberufung erhoben. Ebenso wenig reichte der Beschuldigte innert ange-
setzter Frist das Datenerfassungsblatt samt Unterlagen betreffend seine finanziel-
len Verhältnisse ein (vgl. Urk. 52).
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1.3. Mit Eingabe vom 12. Oktober 2021 beantragte die Privatklägerin, dass dem
urteilenden Gericht mindestens eine Frau angehören solle, welche auch ihre all-
fällige Befragung durchführen solle (Urk. 55).
1.4. Am 9. September 2021 und am 3. Juni 2022 wurde je ein neuer Strafregis-
terauszug über den Beschuldigten eingeholt (Urk. 49 und 59).
1.5. Zur Berufungsverhandlung sind Staatsanwältin lic. iur. Zbinden, die Privat-
klägerin in Begleitung ihrer unentgeltlichen Rechtsbeiständin Rechtsanwältin
lic. iur. X._, sowie der Beschuldigte, seine amtliche Verteidigerin Rechtsan-
wältin lic. iur. Y1._ und deren Substitutin BLaw Y2._, erschienen (Prot. II
S. 5).
2. Umfang der Berufung
Die Staatsanwaltschaft beschränkte ihre Berufung nicht und auch die Privatkläge-
rin verlangt mit ihrer Berufung die Verurteilung des Beschuldigten samt Zuspre-
chung einer Genugtuung (Urk. 50 und 51; Urk. 61 und 62). Entsprechend ist das
erstinstanzliche Urteil bisher in keinem Punkt in Rechtskraft erwachsen.
3. Sachverhalt
3.1. Der Beschuldigte bestreitet, die Privatklägerin zu kennen, geschweige
denn die ihm zur Last gelegten Delikte begangen zu haben (Urk. 5/1-3, Prot. I
S. 16 ff., Prot. II S. 12 ff.). Entsprechend ist zu prüfen, ob sich der der Anklage
zugrundeliegende Sachverhalt anhand der vorliegenden Beweismittel rechtsge-
nügend erstellen lässt.
3.2. Wie bei der Sachverhaltserstellung vorzugehen ist und welche Grundsätze
dabei zu beachten sind, wurde im angefochtenen Urteil zutreffend dargelegt
(Urk. 48 S. 6 f.). Hierauf kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Zusam-
menfassend ist festzuhalten, dass es am Staat liegt, dem Beschuldigten seine
Schuld nachzuweisen, ohne dass daran vernünftige Zweifel verbleiben. Nebst der
Würdigung von Sachbeweisen und Aussagen Dritter kommt dabei auch den Aus-
sagen der direkt involvierten Personen entscheidendes Gewicht zu. Die Beurtei-
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lung der Glaubhaftigkeit von Aussagen hängt zunächst einmal davon ab, ob die
Aussagen grundsätzlich überprüfbar sind (formelle Validität), ob sie mit anderwei-
tig im Verfahren erhobenen Fakten übereinstimmen bzw. in Einklang zu bringen
sind (externe Validität) und ob sie in sich konsistent sind (interne Validität).
Schliesslich vermag auch die von der Vorinstanz erwähnte inhaltliche Analyse der
einzelnen Aussagen auf das Vorliegen von Realitätskriterien (und Lügensignalen)
Anhaltspunkte für deren Glaubhaftigkeit zu liefern.
3.3. Nebst diversen Einvernahmen des Beschuldigten (Urk. 5/1-3, Schriftproto-
kolle; Prot. I S. 10 ff.; Prot. II S. 12 ff.), der Privatklägerin (Urk. 6/1-3, Schriftproto-
kolle und Urk. 6/4, Videoaufzeichnung der Einvernahme vom 17. Juli 2020
[Urk. 6/3]; Prot. I S. 21 ff.), und verschiedener Zeugen (Urk. 7/1-4), liegen ein Fo-
tobogen des vorinstanzlichen Augenscheins der Tattoos des Beschuldigten (Urk.
29), Auszüge eines Chatdialogs zwischen der Privatklägerin und der Zeugin
C._ (Urk. 6/3 Anhang S. 1-3) sowie Angaben der unentgeltlichen Rechtsbei-
ständin der Privatklägerin betreffend Identifizierung des Beschuldigten (Urk. 2/4-5
und Urk. 4/1) als Beweismittel bei den Akten.
Entgegen der Ansicht der Vorinstanz (Urk. 48 S. 8) sind auch die Aussagen der
Privatklägerin bei der Polizei (Urk. 6/1-2) voll verwertbar, denn sie erfolgten noch
im Rahmen des polizeilichen Ermittlungsverfahrens (vgl. zum Ermittlungsauftrag
Urk. 2/1), wo dem (damals noch gar nicht namentlich bekannten) Beschuldigten
noch kein Teilnahmerecht zukam (Art. 147 Abs. 1 StPO e contrario; Urteile des
Bundesgerichts 6B_14/2021 vom 28. Juli 2021 E. 1.3.2. und 6B_1080/2020 vom
10. Juni 2021 E. 5.2), wobei der Beschuldigte im späteren Verfahren mit der Pri-
vatklägerin konfrontiert wurde und Gelegenheit hatte Ergänzungsfragen zu stellen
(vgl. Urk. 6/3). Dass er diese Gelegenheit – bewusst – nicht genutzt hat (Urk. 6/3
S. 10), ändert an der Verwertbarkeit der früheren Aussagen der Privatklägerin
nichts.
3.4. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, ist bei der Sachver-
haltserstellung primär auf den Inhalt der Aussagen der befragten Personen abzu-
stellen und zu prüfen, ob die Aussagen glaubhaft sind oder nicht. Die allgemeine
Glaubwürdigkeit der aussagenden Personen spielt demgegenüber eine unterge-
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ordnete Rolle. Gleichwohl ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass – nebst
der üblichen Interessenlage eines Beschuldigten an einem Freispruch bzw. einer
(allenfalls Zivilforderungen stellenden) Privatklägerin an einem Schuldspruch –
vorliegend in Erinnerung zu behalten ist, dass der Zeuge D._, genannt
E._, ein enger und langjähriger Freund des Beschuldigten ist, was seine
Aussagen zu Gunsten des Beschuldigten beeinflussen könnte. Auch dessen Le-
benspartnerin C._ steht als Cousine der Privatklägerin wohl in einem gewis-
sen Loyalitätskonflikt (vgl. hierzu auch die Erwägungen der Vorinstanz in Urk. 48
S. 14 f.). Demgegenüber erscheinen die Zeuginnen F._ und G._ unbe-
einflusst und grundsätzlich (vgl. nachstehend: E. 3.8.4 / 3. Absatz) glaubwürdig.
3.5. Den sachlichen Beweismitteln ist folgendes zu entnehmen:
− der Beschuldigte hat ein auffälliges, grossflächiges Tattoo am hinteren ...-bereich, verlaufend vom Haaransatz bis zum Übergang ...-Rumpf sowie von der rechten ...-seite, ab Höhe des ...-ansatzes bis zur linken ...-seite Richtung ... (vgl. Fotobogen Augenschein, Urk. 29 Foto 3 und 4); gemäss seiner – unwiderlegbaren – Darstellung liess er dieses noch im Kongo machen (Prot. I S. 16; Prot. II S. 13), mithin vor seiner Einreise in die Schweiz im Jahr 2000 (Prot. I S. 11; Prot. II S. 9),
− der Beschuldigte hat an den Oberarmen keine Tätowierungen, jedoch am linken Oberarm eine ..., welche teilweise ... eingefärbt ist; eventuell die Narbe einer Pockenimpfung (vgl. Fotobogen Augenschein, Urk. 29 Foto 2),
− die Zeugin C._ schickte der Privatklägerin via Instagram am 29. Januar 2020 drei Fotos des an den Beschuldigten gerichteten, den Namen der Privatklägerin nennenden Schreibens vom 22. Januar 2020 betreffend Notwendigkeit der Bestellung einer Verteidigung (vgl. Urk. 10/2), mit dem Hinweis, H._ habe sie gesucht, er habe dies erhalten (Urk. 6/3, Anhang: "C'est H._ qui cherchait à te joindre il a reçu ça chez lui"),
− sodann hakte sie am 2. Februar 2020 nach mit der Frage, ob sie (die Privatklägerin) es sei, die sich beschwert habe, ob dies ein Irrtum sei und wo sie sich treffen würden (Urk. 6/3, Anhang: "... Alors tu m'as pas donner suite c'est toi qui avait porté plainte?", "C'est une erreur?", "Ou vous allez aller au rendez-vous?"),
− schliesslich verfügt der Beschuldigte offenbar über eine eigene  (www.I._.com, vgl. Urk. 4/1) und veröffentlicht auch auf  Beiträge (Urk. 2/4 in Verbindung mit Urk. 6/1 S. 8 und Anhang), wobei sein Künstlername "H._" lautet (Urk. 2/4).
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3.6. Die Aussagen des Beschuldigten geben zur Sachverhaltserstellung wenig
her, bestreitet er doch konsequent, die Privatklägerin, weitere von ihr genannte
Personen und Orte überhaupt zu kennen (Prot. II S. 12 ff.; Prot. I. S. 16 ff.; Urk.
5/1-3 passim). Einzig E._ kenne er, das sei ein Kollege von ihm (Urk. 5/1 S.
4; Urk. 5/2 S. 5; Prot. II S. 14). Er habe zwar tatsächlich einmal eine Freundin in
Zürich gehabt, ungefähr zur besagten Zeit für ca. zwei Monate, bis seine Ehefrau
es bemerkt habe. Diese Freundin sei aber nicht minderjährig gewesen. Sie habe
selbst auch bereits Kinder gehabt und habe sich J._ genannt (Urk. 5/1 S. 2
ff.). Anlässlich der zweiten Einvernahme konnte er den richtigen Namen von
J._ beibringen. Diese habe K._ geheissen und sei vor fast zwei Jahren
verstorben. Er habe dies von ihrem Bruder erfahren, nachdem er nach der ersten
Einvernahme zu recherchieren begonnen habe (Urk. 5/2 S. 3 f. in Verbindung mit
Urk. 8/1). Entgegen den Vorbringen der Staatsanwaltschaft (Urk. 61 S. 6; Prot. II
S. 16) ist es verständlich, dass der Beschuldigte an der zweiten Einvernahme
diesbezüglich besser vorbereitet war als bei der ersten, als er noch nicht wusste,
um was es ging, zumal sich Personen in der ... Gemeinschaft, wie von der
Staatsanwaltschaft selbst auch ausgeführt (Urk. 61 S. 7), üblicherweise vor allem
mit Spitznamen kennen. Gemäss Ermittlungen der Staatsanwaltschaft verstarb
K._, geb. 1973, am tt.mm. 2019 und war wohnhaft in L._ (Urk. 8/1-2).
E._ gab diesbezüglich in seiner Einvernahme zu Protokoll, nur von einer
ausserehelichen Beziehung des Beschuldigten in Zürich mit einer "..." (wohl pho-
netische Wiedergabe von "K._") zu wissen, das sei aber schon lange her
(Urk. 7/3 S. 7).
Weiter führte der Beschuldigte gegenüber der Staatsanwaltschaft aus, als er ei-
nen Brief erhalten habe, dass er in diesem Verfahren einen Verteidiger brauche,
sei E._ bei ihm zuhause gewesen. Er habe ihm das Schreiben gezeigt.
E._ habe es angeschaut und ein Foto gemacht. Dann habe er gesagt, er
kenne diesen Namen, den er (der Beschuldigte) nicht kenne, und er werde seine
Freundin fragen. E._ habe ihm aber nicht gesagt, wer das sei, dessen Name
im Schreiben genannt wurde. Die Freundin kenne er nicht (Urk. 5/3 S. 4). Vor Vor-
instanz schilderte er dies gleich und erklärte zudem neu, C._ zu kennen
(Prot. I S. 18 f.). E._ und C._ stützten in ihren Einvernahmen diese Dar-
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stellung (Urk. 7/3 S. 4 ff. und Urk. 7/4 S. 3 ff.). Das diesbezügliche Vorbringen der
Privatklägervertretung, dass der Beschuldigte C._ direkt um Kontaktaufnah-
me mit deren Cousine, der Privatklägerin, gebeten und er die Privatklägerin dem-
nach sicher gekannt haben müsse, da die Fotos nicht als weitergeleitet gekenn-
zeichnet seien (Urk. 62 S. 7), erweist sich nicht als zwingende Schlussfolgerung.
Fotos können ebenso gut beim Empfang (automatisch) abgespeichert und dann
neu versandt werden.
3.7. Die Privatklägerin verwies in ihren Aussagen mehrfach auf ihre schwierige
Jugend, in deren Kontext es zu den geschilderten Sexualkontakten gekommen
sei. So habe sie durch ihren Vater häusliche Gewalt erleben müssen, sei mehr-
fach von zuhause abgehauen und dann im M._ und später bei Pflegefamilien
bzw. in der Jugendwohngruppe N._ untergebracht gewesen, wo sie – nach
den angeklagten Ereignissen, aufgrund welcher in der Gemeinschaft Gerüchte
über sie erzählt worden seien – den Vater ihres Kindes kennengelernt habe. Die-
ser habe sie jedoch während der Schwangerschaft geschlagen und hernach ver-
lassen, sodass sie als Teenager-Mutter alleinerziehend gewesen sei. Erst seit
wenigen Jahren habe sie nun einen Partner, dem sie vertrauen könne, was ihr die
Aufarbeitung der früheren Erlebnisse erlaubt und zur Strafanzeige geführt habe
(Urk. 6/1 S. 2 ff., Urk. 6/3 S. 16 f.). Diese Einbettung in die persönliche Biogra-
phie, welche auch in der Schilderung der einzelnen Vorfälle immer wieder aufge-
nommen wird, bspw. wenn sie versucht, sich chronologisch richtig zu erinnern,
vermag nachvollziehbar zu erklären, wieso es erst rund zehn Jahre nach Ab-
schluss der Beziehung zu einer Strafanzeige gekommen ist. Inhaltlich kann dar-
aus jedoch für die Sachverhaltserstellung und insbesondere für die Täteridentifi-
kation nichts abgeleitet werden.
Die Privatklägerin verfügte weder über alte Chatnachrichten noch eine frühere Te-
lefonnummer oder Adresse des Beschuldigten, identifizierte ihn jedoch zunächst
über eines seiner öffentlich zugänglichen Videos (Urk. 2/3 S. 2 und Urk. 6/2 S. 3)
bzw. einen Screenshot daraus (Urk. 6/1 S. 8 in Verbindung mit 6/1 Beilage) und
hernach im ihr vorgelegten Fotowahlbogen (Urk. 6/2 Beilage). Letzteres ist jedoch
kaum von Wert, nachdem sie sich bereits über das Video auf den Beschuldigten
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als Täter festgelegt und dieses und damit das Gesicht des Beschuldigten aktuell
in Erinnerung hatte (Urk. 6/2 S. 3). Hinzu kommt nun aber folgendes: wie die
meisten befragten Personen aus der ... Community ausgeführt haben, ist der Be-
schuldigte darin wohlbekannt bzw. kommt ihm aufgrund seiner Social-Media-
Präsenz und journalistischer Tätigkeit in/für die ... Diaspora ein gewisser Promi-
nentenstatus zu, zumal die ... Szene offenbar ohnehin überschaubar ist und je-
de(r) jede(n), zumindest flüchtig, kennt (Urk. 5/3 S. 3, Urk. 7/2 S. 5; Urk. 7/3 S. 4
und Urk. 7/4 S. 3 und 7). Vor diesem Hintergrund und da der Beschuldigte seinen
Künstlernamen "H._" seit 2009 unverändert benutzt, eine eigene Webseite
betreibt, auch auf Youtube aktiv ist und über seinen Freund E._ eine Verbin-
dung zur Cousine der Privatklägerin besteht, überrascht vielmehr, dass der Be-
schuldigte nicht bereits in der Strafanzeige klarer bezeichnet werden konnte, zu-
mal sie zuletzt 2013 mit ihm über einen Facebook-Anruf kommuniziert haben will
(Urk. 6/1 S. 8 und Urk. 6/3 S. 13). Ihr Erstaunen, dass auf dem ihr anlässlich der
ersten polizeilichen Einvernahme vorgelegten Ausdruck des von ihrer Rechtsver-
treterin genannten Youtube-Videos der mutmassliche Täter zu sehen ist, wirkt in
diesem Kontext wenig natürlich. Hinzu kommt, dass die Privatklägerin einerseits
gegenüber der Polizei erklärte, bei der Suche nach dem Täter helfen zu wollen
(und in der Folge, allerdings erst nach der ersten Einvernahme, selbstständig im
Internet recherchierte), anderseits aber augenfällig unkooperativ war, als es da-
rum ging, ihre familiären Verbindungen zu nutzen, um die Identität bzw. Kontakt-
daten ihrer Cousine und von E._, deren Lebenspartner, zu ermitteln
(Urk. 11/8-16). Das von der Privatklägerin in der ersten Einvernahme angegebene
Signalement des Beschuldigten erweist sich hinsichtlich seines Wohnortes
(O._), der Herkunft (P._) und der Tatsache, dass er verheiratet ist und
(damals) ein Kind hatte, als zutreffend. All dies war aber wohl in der ... Gemein-
schaft grundsätzlich bekannt. Ebenso war er offenbar – wie von ihr angegeben –
auch schon in Diebstähle verwickelt, allerdings nicht in der Zeit der zu untersu-
chenden Vorfälle (Urk. 15/4 S. 2; Urk. 19b/1), weshalb sich entgegen den Vor-
bringen der Privatklägervertretung (Urk. 62 S. 10 f.) auch kein Beizug weiterer
Strafakten aufdrängt. Im Übrigen kann nicht ausgeschlossen werden, dass die
Privatklägerin auch über die Diebstähle von der ... Community Kenntnis erlangte.
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Die Vorbringen der Privatklägervertretung, die Privatklägerin könne nur vom Be-
schuldigten selbst Kenntnis über dessen Familiensituation und dessen Vorstrafen
erhalten haben, überzeugen deshalb nicht (Urk. 62 S. 11; Prot. II S. 17). Nicht
passend war demgegenüber die Umschreibung seines damaligen Alters – der
Beschuldigte sei nicht älter als 23 Jahre gewesen, effektiv war er damals aber 34-
jährig und damit ganze 11 Jahre älter, was sich kaum noch mit der von der
Staatsanwaltschaft zitierten allgemeinen Verschätzungstendenz vereinbaren
lässt, vgl. Urk. 61 S. 3 –, seiner Grösse (einen Kopf grösser, effektiv ist der Be-
schuldigte augenscheinlich nur etwa einen Drittel Kopf grösser) und seiner Tat-
toos (vgl. Urk. 6/1 S. 5 f.). Während sich die Privatklägerin an eine – nicht beste-
hende – schwarze Oberarmtätowierung erinnerte, blieb das grossflächige und au-
genscheinlich auffallende ...-tattoo unerwähnt bzw. verweigerte die Privatklägerin
hierzu auf Nachfrage des Vorrichters die Aussage (Prot. I S. 32). Diese Tätowie-
rung, welche entgegen den Vorbringen der Privatklägervertretung (Urk. 62 S. 4)
auch beim Tragen eines Pullovers oder Hemdkragens ersichtlich ist, hätte ihr aber
auffallen und in Erinnerung bleiben müssen, wenn zwischen den beiden eine der-
art intensive Beziehung bestanden hätte, wie von ihr geschildert, denn sie ist je-
denfalls einprägsamer als dunkle Pigmentflecken bzw. eine Impfnarbe am Ober-
arm. Eine solche Erinnerungslücke lässt sich deshalb auch schwerlich mit einer
Fragmentierung erklären.
Mithin ist im Sinne eines Zwischenfazits festzuhalten, dass alleine aufgrund der
Identifikation durch die Privatklägerin nicht mit rechtsgenügender Sicherheit er-
stellt werden kann, dass sie und der Beschuldigte sich im Jahr 2009 kannten und
mehrfache sexuelle Kontakte hatten. Daran ändert auch die während der Unter-
suchung erfolgte Chat-Kontaktaufnahme durch ihre Cousine C._ nichts, da
nicht widerlegt werden kann, dass E._ den Namen der Privatklägerin im
Schreiben der Staatsanwaltschaft erkannte und seine Freundin C._ abklären
liess, was der Hintergrund der Strafuntersuchung sein könnte.
Allerdings verbinden nicht nur die Aussagen der Privatklägerin den Beschuldigten
mit den Ereignissen von 2009. So hat die Zeugin F._ den Beschuldigten
gleichzeitig mit der Privatklägerin in Q._ in einem R._ Club/Bar gesehen
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(Urk. 7/1 S. 3 ff.). Insbesondere aber bestätigte die Zeugin G._, dass der Be-
schuldigte einmal zusammen mit der Privatklägerin bei ihr in S._ zu Besuch
gewesen war (Urk. 7/2 S. 3). Jedoch kann einzig daraus, dass der Beschuldigte
offenbar doch näher mit der Privatklägerin bekannt war, als von ihm eingestan-
den, nicht auf den vollen Beweis des Anklagesachverhalts geschlossen werden,
denn die beiden genannten Zeuginnen haben einerseits von den Aussagen der
Privatklägerin stark abweichende Darstellungen deponiert (vgl. die Ziff. 3.8.1 und
3.8.4 nachfolgend) und anderseits haben sowohl die Zeugin F._ wie auch die
Zeuginnen G._ und C._ (teilweise sinngemäss) erklärt, dass die Privat-
klägerin damals mit mehreren Männern zusammen gewesen sei (Urk. 7/1 S. 4,
Urk. 7/2 S. 5 und Urk. 7/4 S. 6). Damit ist weiter zu prüfen, ob dem Beschuldigten
die einzelnen, anklagegegenständlichen Kontakte mit der Privatklägerin rechtsge-
nügend nachgewiesen werden können. Hierzu ist ihre Darstellung anhand der
Aussagen der Zeugen auf äussere Bestätigung zu überprüfen und soweit nötig
auch deren innere Konsistenz kritisch zu hinterfragen.
3.8. Einzelne Treffen
3.8.1. Die Privatklägerin schilderte ihr erstes Treffen wie folgt: sie habe den Be-
schuldigten im Ausgang kennengelernt, in einer R._ Bar in Q._. Es sei-
en Sänger aus Frankreich dort gewesen und der Beschuldigte habe sich als de-
ren Manager ausgegeben. Er habe sie angemacht. Sie sei damals zuhause ab-
gehauen und mit einer Kollegin unterwegs gewesen. Sie hätten dann zusammen
getrunken, es sei ihr erster Ausgang gewesen. Sie sei dann am gleichen Abend in
ein Hotel in T._ mit ihm gegangen. An diesem Abend sei dann aber nichts
passiert. Am nächsten Tag seien sie zusammen essen gegangen, es sei dann
schon Mittag gewesen. Nach dem Essen seien sie in ein anderes Hotel gegan-
gen, in
Q._. Dort sei es zum ersten Geschlechtsverkehr gekommen. Auf Nachfrage
präzisierte sie, sie seien um ca. 06.00 Uhr in T._ ins U._ gegangen.
Dort hätten sie nur zusammen gesprochen. Um die Mittagszeit hätten sie an der
V._-strasse in einem R._ Restaurant gegessen. Danach seien sie ins
Hotel W._ in Q._ gegangen und hätten zusammen geschlafen. Es sei
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ihr erstes Mal gewesen, sie habe danach auch geblutet. Das Bett sei voller Blut
gewesen, es sei so wässerlich-helles Blut gewesen, ein ca. 20x20 cm grosser
Blutfleck auf dem Bettlaken. Er habe sie nicht gezwungen. Sie hätten nicht verhü-
tet. Er habe sie im Intimbereich wie ein Gynäkologe angeschaut und betatscht.
Danach habe er sie zu Fuss bis fast nach Hause begleitet (Urk. 6/1 S. 4 und S. 9
ff.). Bei der Staatsanwaltschaft schilderte sie, dass sie nach dem Ausgang ins Ho-
tel in der Nähe von T._ gegangen seien. Sie, ihre Kollegin [F._], der Be-
schuldigte und E._. Dort sei nichts passiert, sie seien nur rumgehangen. Da-
nach seien sie an die V._-strasse essen gegangen. F._ habe damals in
AA._ gewohnt und sie seien mit dem Auto zu ihr gegangen. Danach seien
sie ins Hotel nach
Q._ gegangen (Urk. 6/3 S. 5). Vor Vorinstanz gab sie schliesslich zu Proto-
koll, den Beschuldigten 2009 in einer Bar in Q._ kennengelernt zu haben.
Damals sei auch E._ dabei gewesen. Es habe in der Bar ein Konzert gege-
ben, der Beschuldigte sei mit vielen Leuten dagewesen. Nach dem Ausgang,
frühmorgens, seien F._, E._, der Beschuldigte und die Privatklägerin
zusammen ins U._ in T._ gegangen. Gegen Mittag seien sie in ein
R._ Restaurant an der V._-strasse gegangen, danach hätten sie
F._ nach Hause begleitet. Sie sei dann mit den anderen weiter nach
Q._ gefahren. Dort seien sie ins Hotel W._ gegangen. Bis nach
Q._ seien E._, sie und der Beschuldigte gefahren. Sodann eine weitere
Frau und zwei Männer. Alle sechs seien sie in
Q._ ausgestiegen und sie sei dann mit dem Beschuldigten ins Hotel gegan-
gen. Das Auto sei dann weitergefahren, es sei ein Minibus gewesen (Prot. I S. 25
f.). Kurz darauf erklärte sie – im Widerspruch zu diesen Aussagen – in Q._
seien nur sie, der Beschuldigte und E._ ausgestiegen (Prot. I S. 27).
Gemäss der Zeugin F._ war sie damals, kurz nach der Geburt ihres ersten
Kindes, mit der Privatklägerin in einem R._ Club. Auch der Beschuldigte sei
mit einem Kollegen dort gewesen. Sie erinnere sich deshalb, weil an dem Tag ein
Star gekommen und sie noch ein paar Bilder im Kopf habe. Sie wisse, dass die
Privatklägerin jemanden kennengelernt habe, wisse aber nicht mehr, was genau
passiert sei. Sie könne sich nicht erinnern, an jenem Abend zusammen mit der
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Privatklägerin, dem Beschuldigten und dessen Kollegen E._ unterwegs ge-
wesen zu sein. Sie habe auch nie in AA._ gewohnt, sondern am AB._ in
einem Mutter-Kind-Heim. Sie habe den Beschuldigten einfach gesehen, nicht
kennengelernt. Die Privatklägerin habe Kontakt mit mehreren Männern gehabt, es
habe viele Leute gehabt. Sie wisse auch nicht, wo die Privatklägerin die nächste
Nacht verbracht habe. Sie sei nicht dabei gewesen. Sie glaube, die Privatklägerin
habe mit jemandem geschlafen, aber genaueres wisse sie nicht. Es stimme aber
nicht, dass dies ihr erster Geschlechtsverkehr gewesen sei. Sie habe es ihr zu-
mindest so erzählt. Sie habe schon Freunde gehabt. Auch bei ihr zuhause im
AC._, als sie schwanger gewesen sei, habe die Privatklägerin vorgehabt, mit
jemandem in ihrem (der Zeugin) Zimmer Geschlechtsverkehr zu haben. Aber da
sie (die Zeugin) immer ans Zimmer geklopft habe, hätten sie nicht weitermachen
können (Urk. 7/1; vgl. dazu die uneinheitlichen Aussagen der Privatklägerin vor
Vorinstanz, Prot. I S. 29).
E._ erklärte als Zeuge, er habe den Beschuldigten noch nie zusammen mit
der Privatklägerin, welche eine Cousine seiner Freundin sei, gesehen. Er könne
sich erinnern, die Privatklägerin einmal an einem Konzert in Zürich, wo ein Freund
von ihm Musik gemacht habe und er für die Sicherheit der Künstler zuständig ge-
wesen sei, kennengelernt zu haben. Es seien auch Freunde aus Paris dagewe-
sen. Der Beschuldigte sei aber nicht dort gewesen. Später habe er die Privatklä-
gerin in O._ bei seiner Freundin zuhause wieder getroffen und bemerkt, dass
sie sich schon einmal gesehen haben. Sonst habe er sie nie getroffen (Urk. 7/2 S.
3 ff.). Wann diese beiden Treffen waren, spezifizierte der Zeuge nicht, wurde aber
auch nicht danach gefragt. Gemäss den – nachvollziehbaren – Aussagen der
Zeugin C._ kannte sie E._ 2009 noch nicht bzw. hatte noch keine Be-
ziehung mit ihm. Sie war damals auch erst 14 Jahre alt. Sie habe E._, mit
dem sie ein (bei ihrer Einvernahme im Februar 2021) fünfjähriges Kind habe, spä-
ter kennengelernt und dann habe ihre Cousine das mitbekommen, dass sie sich
kennen (Urk. 7/3 S. 5 und 7). Entsprechend kann zumindest das Treffen bei sei-
ner Freundin zuhause nicht bereits 2009 gewesen sein.
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In Würdigung obiger Aussagen ist festzuhalten, dass die Angaben der Privatklä-
gerin insofern inhaltliche Widersprüche aufweisen, als unklar bleibt, wer alles
nach der Nacht im Club/der Bar mit ihr zusammen weiter nach T._ und dann
nach Q._ gefahren sein soll, da sich der Personenkreis ständig erweiterte.
Hinzu kommt nun aber, dass sich ihre Angaben mit den Angaben der von ihr be-
zeichneten Zeugen E._ und F._ nicht in Vereinbarung bringen lassen.
E._ bestätigte zwar, die Privatklägerin einmal an einem Konzert in Zürich
kennengelernt zu haben. Dass der Beschuldigte auch dabei war, verneinte er
aber ausdrücklich. Und dass er nachher mit beiden den nächsten Morgen ver-
bracht hätte, ist seiner Schilderung – zwangsläufig – ebenfalls nicht zu entneh-
men. Zwar sind E._s Aussagen mit Vorsicht zu würdigen, war er doch recht
offensichtlich bestrebt, zu Gunsten seines Freundes, des Beschuldigten, Stellung
zu nehmen. Indes hat auch die Zeugin F._, deren Glaubwürdigkeit uneinge-
schränkt und ein Motiv für Falschaussagen nicht erkennbar ist, den von der Pri-
vatklägerin geschilderten Ablauf bestritten. Entgegen den Vorbringen der Privat-
klägervertretung (Urk. 62 S. 9) konnte die Zeugin F._ gerade nicht bestäti-
gen, dass die Privatklägerin an jenem Abend den Beschuldigten persönlich ken-
nengelernt hat. Zudem sei sie damals nicht mit der Privatklägerin und dem Be-
schuldigten, den sie selber im Club nur gesehen, aber nicht kennengelernt habe,
noch in ein Hotel in T._ gefahren. Hinzu kommt, dass sie im damaligen Zeit-
punkt auch nicht in AA._ – wohin sie gemäss Privatklägerin nach dem Mit-
tagessen begleitet worden sein soll – wohnhaft gewesen ist, sondern als Teena-
ger-Mutter mit Säugling in einer Mutter-Kind-Einrichtung am AB._ unterge-
bracht war. Ohnehin scheint wenig authentisch, dass die frisch gebackene Mutter
ihr Kind sogleich für eine Nacht und mindestens den halben Folgetag im Mutter-
Kind-Heim zurückgelassen haben soll. Selbst wenn in diesem Zusammenhang
ein Missverständnis bei der schriftlichen Protokollierung vorliegen sollte (gemäss
Videomitschnitt der Einvernahme ergänzte die Privatklägerin – unprotokolliert –,
F._ "bzw. deren Mutter" habe damals in AA._ gewohnt, was aber durch
die Aussagen der Zeugin F._, nie in AA._ gewohnt zu haben, ebenfalls
als bestritten anzusehen ist), kann dieses erste Treffen nicht wie von der Privat-
klägerin geschildert erstellt werden. Zwar enthält ihre Schilderung des eigentli-
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chen Geschlechtsverkehrs durchaus originelle Elemente und erscheint lebensnah
und selbsterlebt, zumal auch die Zeugin F._ davon ausgeht, dass die Privat-
klägerin damals mit jemandem Geschlechtsverkehr gehabt hat. Jedoch kann kei-
ne rechtsgenügende Verbindung mit dem Beschuldigten und den geschilderten
Aufenthalten in Hotels in T._ und Q._ hergestellt werden.
3.8.2. Das zweite Treffen sei gemäss Schilderung der Privatklägerin kurz darauf
in O._ zustande gekommen. Sie sei mit ihrer Mutter bei ihrer Tante gewesen
und hätte den Beschuldigten angerufen. Er habe gesagt, er sei nicht weit weg. Sie
sei mit ihrer Cousine dann draussen herumgelaufen und habe ihn dann auf der
Strasse getroffen. Er sei mit seinem Kollegen E._ unterwegs gewesen, habe
aber keine Zeit für sie gehabt (Urk. 6/1 S. 11). Dies schilderte sie in der Folge
gleichbleibend bei der Staatsanwaltschaft (Urk. 6/3 S. 6; vgl. auch die Schilderung
vor Vorinstanz, Prot. I S. 32). Weder E._ noch C._, die Cousine, bestä-
tigten diese Angaben als Zeugen. Zwar bestätigte E._, die Privatklägerin
einmal in O._ getroffen zu haben. Dies sei aber bei seiner Freundin,
C._, zuhause gewesen und der Beschuldigte sei nicht dabei gewesen (Urk.
7/3 S. 3 f.). Nachdem er und C._ sich 2009 noch nicht kannten (vgl. vorste-
hend Ziff. 3.8.1), geschweige denn eine Beziehung unterhielten, kann dieses
zweite Treffen nicht bereits in der Folgewoche nach dem Konzert (so die Privat-
klägern, Urk. 6/3 S. 6) gewesen sein. Die Zeugin C._ erklärte in diesem Zu-
sammenhang, sie habe die Privatklägerin und den Beschuldigten nie zusammen
gesehen (Urk. 7/4 S. 3 und 5 f.). Mithin lässt sich auch dieser Kontakt nicht durch
weitere Beweismittel erhärten.
3.8.3. Das dritte Treffen, anlässlich welchem es zum zweiten Geschlechtsverkehr
gekommen sei, habe ein bis zwei Monate später im Juni 2009 (Urk. 6/1 S. 11)
bzw. im April 2009 (Urk. 6/3 S. 6) in Zürich beim AD._-platz stattgefunden.
Wie dem Videomitschnitt dieser Einvernahme (Urk. 6/4) entnommen werden
kann, war sich die Privatklägerin über längere Zeit unsicher, ob nicht sogar das
Treffen in S._ zuerst stattgefunden hat. Nachfolgend sollen gleichenorts ver-
schiedene weitere Treffen stattgefunden haben. Dabei hätten sie zweimal das
Zimmer eines Kollegen des Beschuldigten namens AE._ und – wenn besetzt
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– dreimal die Gemeinschaftstoilette in dessen Asylunterkunft für Sex benützt. Bei
der ersten Einvernahme schilderte sie noch, dass sie zum ersten Treffen dort auf
telefonische Wegbeschreibung hin alleine gelangt sei und der Beschuldigte sie für
das dritte Treffen dort (den fünften Geschlechtsverkehr) von der Schule abgeholt
habe (Urk. 6/1 S. 11 und 15). Demgegenüber machte sie später bei der Staats-
anwaltschaft geltend, der Beschuldigte habe sie schon für das erste diesbezügli-
che Treffen bei ihrem Schulhaus abgeholt (Urk. 6/3 S. 7). Während die Privatklä-
gerin die einzelnen Treffen bei AE._ im Rahmen der polizeilichen Einver-
nahme zumindest teilweise recht detailliert schilderte (bspw. Urk. 6/1 S. 14 F/A
105 ff., S. 15 F/A 117, S. 16 F/A 123), verkürzte sie dies in späteren Wiedergaben
spürbar bzw. äusserte sich erst auf Nachfragen, allerdings auch dann nur zum
unmittelbaren Kernbereich der Vorwürfe und ohne eine eigenständige inhaltliche
Schilderung (Urk. 6/3 S. 8 ab F/A 40; Prot. I S. 34 ff.). Chronologisch blieb sie –
abgesehen von den unterschiedlichen Angaben, wann das erste Treffen in
AD._ war und zu welchem Treffen sie der Beschuldigte in der Schule abholte
– in der Darstellung recht konstant und widerspruchsfrei. Aufgrund der späteren
Verknappung wirkt das Erzählte allerdings in weiten Teilen recht stereotyp und
blass, mithin austauschbar. Hinzu kommt, dass AE._ nicht ermittelt werden
konnte, weshalb die Schilderung der Privatklägerin einer externen Validierung
nicht offen steht. Jedenfalls kann daraus nichts zugunsten der zweifelsfreien Iden-
tifikation des Beschuldigten abgeleitet werden.
3.8.4. Ein weiteres Treffen, bei dem sie zum dritten Mal mit dem Beschuldigten
Geschlechtsverkehr gehabt habe, habe in S._ stattgefunden. Es sei be-
stimmt an einem Freitag gewesen, irgendwann im Juli. Sie habe ein Gleis 7-
Abonnement gehabt und sei mit dem Zug nach S._ gefahren. Dort habe sie
der Beschuldigte mit einem Kollegen, der AF._ genannt werde, abgeholt. Sie
seien dann mit dem Auto in S._ herumgefahren und spät bei G._
[G._] angekommen. Sie, die Privatklägerin, sei wieder von zuhause abge-
hauen gewesen und habe sich noch überlegt, ob sie nach Hause fahren solle. Sie
sei dann aber geblieben. Es habe sich um eine 2-Zimmer-Wohnung gehandelt.
G._ habe noch ein Kind gehabt. Die Privatklägerin und der Beschuldigte hät-
ten im Schlafzimmer von G._ übernachtet. Sie habe sich ein bisschen ge-
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schämt, weil sie in einem fremden Zimmer gewesen sei, das einer Person gehöre,
die jederzeit zurück ins Zimmer kommen könnte. Sie hätten sich nicht komplett
ausgezogen, nur die Hose und Unterhose. Sie hätten zusammen geschlafen, nur
vaginaler Geschlechtsverkehr ohne Verhütung. Dann seien sie eingeschlafen
(Urk. 6/1 S. 12 ff.; vgl. auch Urk. 6/3 S. 7 und Prot. I S. 35 f.).
G._ bestätigte als Zeugin, dass sie sowohl den Beschuldigten – über einen
Kollegen – als auch die Privatklägerin – von Festen und Hochzeiten etc. – kenne.
Im Jahr 2009 habe sie in S._ gelebt, zusammen mit ihrer Tochter in einer 2.5
Zimmer-Wohnung. Es sei möglich, dass einmal der Beschuldigte und die Privat-
klägerin zu Besuch gekommen seien. Sie wisse nicht mehr, wann. Aber die bei-
den seien einmal zusammen bei ihr gewesen. Sie hätten nicht übernachtet, dies
sei unmöglich. Im Schlafzimmer schlafe sie zusammen mit ihrer Tochter. Ihre Sa-
chen seien dort drin, die Türe sei immer zu, wenn Besuch komme. Dort drin seien
ihre Privatsachen. Soweit sie sich erinnern könne, seien sie eventuell 40 Minuten
oder eine Stunde geblieben. Sie hätten geschwatzt. Sie seien glaub einkaufen
gewesen und hätten viele Kleider dabei gehabt. Dann seien sie wieder gegangen.
Das sei tagsüber gewesen. Sie sei etwas schockiert gewesen, sie habe circa
schätzen können, wie alt die Privatklägerin gewesen sei, sie habe recht jung und
der Beschuldigte habe älter ausgesehen. Sie habe nach ihrem Verhältnis gefragt.
Beide hätten verneint, dass da etwas sei, es sei Freundschaft. Sie habe zuerst
gedacht, die Privatklägerin wolle ihn ausnützen. Sie habe sehr Freude an den ge-
kauften Sachen gehabt, sie sei glücklich gewesen. Der Beschuldigte habe ein se-
xuelles Verhältnis verneint. Danach habe sie diese beiden nie mehr gesehen
(Urk. 7/2 S. 3).
Die Privatklägerin macht geltend, die Zeugin G._ habe sie nach deren Zeu-
geneinvernahme via Instagram kontaktiert und mittels Sprachnachricht beschimpft
(Prot. I S. 43; Urk. 62 S. 10). Nachdem diese Sprachnachricht aber gemäss Dar-
stellung ihrer Rechtsbeiständin mit einer alten SIM-Karte verknüpft war, die be-
reits vor Vorinstanz und damit wenige Monate nach der besagten Zeugeneinver-
nahme nicht mehr greifbar war (Prot. I S. 10), kann dies nicht überprüft und dar-
aus jedenfalls zulasten des Beschuldigten nichts abgeleitet werden. Damit bleibt
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festzuhalten, dass sich die Darstellung der Privatklägerin nicht mit derjenigen der
Zeugin G._ in Übereinstimmung bringen lässt. Beide Darstellungen erschei-
nen nicht a priori unglaubhaft. Das Vorbringen der Privatklägervertretung, dass
die Zeugin G._ eine Übernachtung verneint habe, weil sie sonst ein bewuss-
tes Begünstigen eines sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen eingestehen
würde (Urk. 62 S. 10), erweist sich zwar durchaus als plausible Möglichkeit. Aller-
dings wäre es wohl einfacher, jeglichen Kontakt zu den Beteiligten generell zu
verneinen. Zudem ist mit der Verteidigung (Urk. 63 S. 12; Prot. II S. 18) nicht aus-
ser Acht zu lassen, dass die Zeugin unter Ermahnung der Wahrheitspflicht aus-
sagte. Schliesslich überzeugt bzw. erscheint sehr lebensnah, dass die Zeugin
nicht ihr und ihrer minderjährigen Tochter (einziges) Schlafzimmer flüchtigen Be-
kannten für die ganze Nacht zur Verfügung gestellt hätte. Vor diesem Hintergrund
kann der Besuch in S._ nicht derart, wie in der Anklageschrift geschildert, er-
stellt werden.
3.8.5. Das letzte Treffen mit dem Beschuldigten habe im Juli 2009 bei AG._
in AH._ stattgefunden. Bei der Polizei grenzte sie dieses Treffen auf die Zeit
kurz vor dem Sekundarschulabschluss und dem Erhalt der Zeugnisse ein. Sie
hätten zusammen mit AG._ ihren Schulabschluss gefeiert und der Beschul-
digte habe ihr einen Rock geschenkt. Sie habe Alkohol getrunken und es sei zum
letzten Mal zum Geschlechtsverkehr gekommen, denn kurz vorher habe sie erfah-
ren, dass er mit der grossen Schwester einer Kollegin von ihr etwas gehabt hatte.
Er habe dies bestritten, dann hätten sie zusammen im Schlafzimmer von
AG._ auf dem Bett geschlafen. Sie habe viel Alkohol getrunken gehabt und
sei gut drauf gewesen (Urk. 6/1 S. 17). Demgegenüber scheinen ihre Aussagen
bei der Staatsanwaltschaft ein anderes Treffen zum Inhalt zu haben. Zwar schil-
dert sie auch da, dass der Beschuldigte sie nach AH._ bestellt und ihr sogar
ein Geschenk, einen Jupe, mitgebracht habe. Neu wird dann vorgebracht, ihre
Freundin AI._ und ein Kollege des Beschuldigten seien auch dabei gewesen.
AG._ habe ihnen ihr Wohnzimmer zum Übernachten gegeben. Sie habe den
Beschuldigten dann konfrontiert und endlich den Mut gehabt, ihm zu sagen, wie
sie sein Verhalten gefunden habe. Den Sex auf dem WC und sein Verhalten habe
sie angesprochen. Er habe das alles nicht so ernst genommen. Es sei dann trotz-
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dem wieder zu Sex gekommen, er sei halt trotz allem wie ihr Vertrauter gewesen.
AG._ und ein Kollege von ihm seien da auch in der Wohnung gewesen.
AI._ sei schon gegangen. Sie sei dann ein bis zwei Tage bei AG._ ge-
wesen und danach nach AJ._ gegangen. Danach sei herausgekommen, was
er alles so mit anderen Frauen gemacht habe. Also während er mit ihr zusammen
gewesen sei, habe er auch andere Frauen gehabt. Auf die Frage, warum und wie
dann diese Beziehung abgebrochen worden sei, antwortete die Privatklägerin, sie
habe auch andere Freundeskreise gehabt. Sie habe ihm zwar vertraut, aber sie
habe sich nie richtig wohl gefühlt und seit sie ihn damit konfrontiert habe, habe sie
schon gemerkt, dass er sie niemals ernst genommen habe. Und eben, im Nach-
hinein habe sie gehört, dass es noch andere gegeben habe (Urk. 6/3 S. 12 f.). Auf
Frage, ob es stimme, dass sie bei AG._ ihren Schulabschluss gefeiert hät-
ten, bestätigte sie, sie hätten im Schulhaus die Abschlussfeier gehabt und sie ha-
be dem Beschuldigten sogar ihr Schulzeugnis gezeigt (Urk. 6/3 S. 15). Die Dar-
stellung vor Vorinstanz fiel deutlich knapper aus: sie habe dort die Beziehung be-
endet. Details nannte sie nicht (Prot. I S. 41 f.).
AG._ und auch AI._ konnten nicht ermittelt werden, weshalb die Dar-
stellung der Privatklägerin nicht durch weitere Beweismittel untermauert werden
kann. Sodann fällt auf, dass ihre Aussagen zu diesem angeblich letzten Treffen
inhaltlich stark abweichen, was den Zeitpunkt des Treffens (vor oder nach Erhalt
des Schulabschlusszeugnisses), die anwesenden Personen und den Anlass bzw.
Ablauf ihrer Beendigung der Beziehung angeht. Insgesamt scheint die Privatklä-
gerin keine klare bzw. eindeutige Erinnerung an jenen letzten Kontakt zu haben,
oder sie vermischt allenfalls verschiedene Ereignisse. Bei dieser Sachlage kann
aber jedenfalls nicht zulasten des Beschuldigten zweifelsfrei erstellt werden, dass
sich ein derartiges Treffen, wie in der Anklageschrift geschildert, effektiv ereignet
hat.
3.9. Damit ist zusammenfassend festzuhalten, dass aufgrund ihrer zumindest
teilweise detaillierten, lebensnahen und durchaus selbstkritischen Schilderungen
zwar davon auszugehen ist, dass die Privatklägerin in jugendlichem Alter bereits
gewisse sexuelle Erfahrungen gemacht bzw. Grenzverletzungen erlebt hat. Indes
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kann die Täterschaft des Beschuldigten nicht mit der nötigen Sicherheit validiert
werden, da sie mit den weiteren im Verfahren erhobenen Fakten – Zeugenaussa-
gen, Signalement und Tätowierungen des Beschuldigten – nicht in Einklang zu
bringen ist. Insbesondere weichen die Darstellungen der Zeuginnen F._ und
G._, welche nicht von vornherein unglaubhaft erscheinen, derart stark von
den Aussagen der Privatklägerin ab, dass allein auf Basis Letzterer keine rechts-
konforme Sachverhaltserstellung begründet werden kann. Gewisse inhaltliche
Diskrepanzen und Stereotypien in den Aussagen der Privatklägerin, insbesondere
was die Treffen in Zürich-AD._ und AH._ angeht – sind bei dieser Sach-
lage nicht mehr abschliessend zu klären, da jedenfalls rechtserhebliche Zweifel
daran verbleiben, dass der Beschuldigte mit der Privatklägerin im in der Anklage-
schrift geschilderten Sinn intim war, auch wenn er sie offensichtlich damals näher
kannte, als er im Laufe der Untersuchung zuzugeben gewillt war.
3.10. Im Übrigen ist festzuhalten, dass selbst wenn die Täterschaft des Beschul-
digten erstellt werden könnte, die Privatklägerin selber ausführte, dass sie ihm
damals gesagt habe, sie sei 18 Jahre alt (Urk. 6/1 S. 5). Unter diesen Umständen
wäre es äusserst fraglich, ob eine Inkaufnahme des Schutzalters durch den Be-
schuldigten erstellbar wäre. Daran ändert auch nichts, dass die Privatklägerin
damals die 3. Sekundarschule besucht bzw. gerade abgeschlossen habe, zumal
Schüler in diesem Schuljahr nicht selten bereits 16-jährig sind. Aufgrund der be-
reits nicht rechtsgenügend erstellbaren Täterschaft kann diese Frage letztlich je-
doch offen bleiben.
4. Rechtliche Würdigung
Nachdem rechtserhebliche Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten verblei-
ben, ist er vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind im
Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB freizusprechen.
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5. DNA-Probe
Da sich der Beschuldigte keiner Straftat schuldig gemacht hat, ist der Antrag auf
Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils im Sinne von Art. 5
des DNA-Profil-Gesetzes abzuweisen.
6. Zivilansprüche
Das von der Privatklägerin gestellte Genugtuungsbegehren (Urk. 50 und 62) ist
ausgangsgemäss auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen (Art. 126 Abs. 2
lit. d StPO).
7. Kosten- und Entschädigungsfolgen
7.1. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfah-
rens (wozu auch die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen
Geschädigtenvertretung gehören, vgl. die Definition der Verfahrenskosten in
Art. 422 StPO) werden vom Bund oder dem Kanton getragen, der das Verfahren
geführt hat, soweit sie nicht der beschuldigten Person auferlegt werden können.
Letzteres ist der Fall bei einer Verurteilung (Art. 423 und 426 Abs. 1 StPO). Wird
die beschuldigte Person freigesprochen, so können ihr dann Kosten auferlegt
werden, wenn sie die Einleitung des Verfahrens rechtswidrig und schuldhaft be-
wirkt oder die Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO).
Die Kosten des Berufungsverfahrens sind sodann den Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Auch eine
im Berufungsverfahren unterliegende Privatklägerin hat demnach die Kosten
(ev. anteilig, vgl. Art. 418 Abs. 1 StPO) zu tragen. Das betrifft auch Opfer im Sinne
des Opferhilfegesetzes, zumindest soweit sie sich gegen einen erstinstanzlichen
Freispruch wenden (so ausdrücklich BGE 143 IV 154 E. 2.3.5). Wurde der Privat-
klägerschaft die unentgeltliche Prozessführung gewährt, sind die sie treffenden
Kosten einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, und ist in analoger Anwen-
dung von Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO die Rückzahlung vorzubehalten (Urteil des
Bundesgerichts 6B_370/2016 vom 16. März 2017 E. 1.2; BGE 141 IV 262 E. 2.2).
- 24 -
7.2. Die Vorinstanz hat zufolge Freispruchs auf Erhebung einer Entscheidge-
bühr verzichtet und die übrigen Kosten, inklusive diejenigen der amtlichen Vertei-
digung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung der Privatklägerin definitiv
auf die Gerichtskasse genommen. Zudem hat sie mit den separaten Verfügungen
vom 21. Juni 2021 die Entschädigungen der amtlichen Verteidigung und der un-
entgeltlichen Rechtsverbeiständung der Privatklägerin festgesetzt (Urk. 48 Dispo-
sitivziffern 4 und 5; Urk. 41/1 und 43/1). Nachdem der Freispruch zu bestätigen ist
und die Entschädigungen angemessen erscheinen, erweist sich die vorinstanzli-
che Kosten- und Entschädigungsregelung als korrekt und ist entsprechend zu be-
stätigen.
7.3. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von
Art. 424 Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14 Abs. 1 lit. a GebV
OG auf Fr. 3'000.– festzusetzen. Sodann ist ausgehend von den eingereichten
Honorarnoten (Urk. 58 und 60) der amtlichen Verteidigerin eine Entschädigung
von Fr. 4'200.– und der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der Privatklägerin eine
Entschädigung von Fr. 4'000.– zuzusprechen (§ 17 Abs. 1 lit. a und § 18 Abs. 1
AnwGebV).
Im Berufungsverfahren unterliegen die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin
mit ihren Berufungen je vollumfänglich, weshalb die Kosten – inklusive diejenigen
der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung – je zur
Hälfte der Privatklägerin aufzuerlegen und auf die Gerichtskasse zu nehmen sind.
Da der Privatklägerin die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde (Urk. 11/3)
und diese die Befreiung von den Verfahrenskosten umfasst (Art. 136 Abs. 2 lit. b
StPO), ist ihr Kostenanteil einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. In ana-
loger Anwendung von Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO ist die Privatklägerin indessen
zur Rückzahlung zu verpflichten, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse er-
lauben (Urteil des Bundesgerichts 6B_370/ 2016 vom 16. März 2017 E. 1.2).