Decision ID: 736b5264-e8be-5b4d-8898-8c39f2592f99
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer gelangte im Rahmen des europäischen Umver-
teilungsprogramms (Relocation) von B._ herkommend am (...) in
die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte.
A.b Am 29. September 2017 fand die Befragung zur Person (BzP) statt
und am 22. Februar 2018 wurde der Beschwerdeführer vom SEM ausführ-
lich angehört.
Dabei brachte er vor, er stamme aus C._, Zoba D._ und
habe dort bis zu seiner Ausreise gelebt. Er sei vorerst nicht in den Militär-
dienst einberufen worden, weil die Behörden gewusst hätten, dass all seine
Brüder sich bereits im Militär befänden, und er nebst der Tatsache, sich um
seine Familie und um die seiner Brüder zu kümmern, auch Probleme an
den Beinen gehabt habe. Im (...) habe er schliesslich doch eine Vorladung
zum Militärdienst erhalten. Weil er bei der Zustellung nicht zu Hause ge-
wesen sei, hätten die Militärs seine Mutter mitgenommen und gefangen
gehalten. Einen Monat später sei das Militär erneut gekommen und habe
ihn festgenommen, worauf seine Mutter freigelassen worden sei. Er sei zur
Militärausbildung nach E._ gebracht worden, wo er (...) Monate ge-
blieben sei. Er habe dort gesundheitliche Probleme gehabt, nachdem er
ein paar Mal im Militär verprügelt worden sei und deshalb nicht in der Lage
gewesen sei, die Militärausbildung korrekt zu erfüllen. Deshalb sei er als
Milisha (nachfolgend: Milizeinheit) in seinem Dorf, C._, eingesetzt
worden, wobei er nachts Wachtdienst habe leisten und tagsüber Arbeiten
beim Strassenbau oder an der Staumauer habe ausführen müssen. Paral-
lel dazu habe er auch noch als Hirte und Bauer auf seinem Familiengrund-
stück auf dem Land gearbeitet. Im (...) habe das Militär die Häuser auf dem
Land und die Felder der Einwohner von C._ zerstört, darunter auch
seines. Das Militär habe nicht mehr gewollt, dass sie als Bauern und Hirten,
sondern nur noch für die Regierungsverwaltung arbeiteten. Seine Frau und
seine Töchter seien gezwungen worden, bei seiner Mutter zu wohnen, weil
sie kein Haus mehr gehabt hätten. Weil sie ihre Sachen nicht mehr zur
Verfügung und nichts mehr zu essen gehabt hätten, habe er (...) Wochen
später beschlossen, sein Land zu verlassen. Er sei zusammen mit einem
Freund am (...) ausgereist.
A.c Der Beschwerdeführer reichte als Beweismittel das Original seiner
Identitätskarte ein.
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B.
Das SEM stellte mit Verfügung vom 29. Januar 2020 (eröffnet am 1. Feb-
ruar 2020) fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Vollzug an.
C.
Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 2. März 2020 gegen den
Entscheid des SEM beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er be-
antragte, es sei die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben, seine Flücht-
lingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei
seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und er vorläufig aufzunehmen,
subeventualiter sei die Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit
des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihm die vorläufige Aufnahme
zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung samt Erlass eines Kostenvorschusses sowie
um Beiordnung einer amtlichen Rechtsverbeiständung.
Der Beschwerde war eine Liste der bisherigen Aufwendungen des Rechts-
vertreters beigelegt.
D.
Die zuständige Fürsorgebehörde des Kantons F._ bestätigte mit
Schreiben vom 3. März 2020 die Unterstützungsbedürftigkeit des Be-
schwerdeführers.
E.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dem Beschwerdeführer am
11. März 2020 den Eingang seiner Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG
[SR 142.31] in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bis-
herige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
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entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1
sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
1.4 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der
Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21
Abs. 1 VGG).
1.5 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Der Beschwerdeführer beantragt in der Beschwerdebegründung (vgl. Be-
schwerde, Ziff. II 4.5, S. 8) für den Fall, dass das Gericht weitere Sachver-
haltsabklärungen als notwendig erachten sollte, das Verfahren an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Damit rügt er eine Verletzung des Untersu-
chungsgrundsatzes. Er begründet indessen nicht, inwiefern der Sachver-
halt nicht vollständig festgestellt sei und die Vorinstanz den Untersu-
chungsgrundsatz verletzt haben sollte. Solches ist auch aus den Akten
nicht ersichtlich. Es besteht deshalb keine Veranlassung, die Sache aus
formellen Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der
Antrag ist abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
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4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1).
5.
5.1 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, die Anga-
ben des Beschwerdeführers zur Begründung seiner Ausreise seien wider-
sprüchlich. Er habe an der Anhörung erklärt, ausgereist zu sein, weil er
nach der Zerstörung seiner Grundstücke und seines Hauses «nichts mehr
zu essen» gehabt habe. Diese Vorbringen stünden im Widerspruch zu
dem, was er in der BzP gesagt habe, wonach seine Frau gegenwärtig Bäu-
erin sei und sich um das Vieh kümmere. Auf die Frage nach den Eigen-
tumsverhältnissen am Haus, in dem seine Frau lebe, habe er geantwortet,
das Land gehöre seinem Vater und er (Beschwerdeführer) habe darauf ein
Haus gebaut. Die Umstände, die ihn zur Ausreise veranlasst hätten, seien
somit nach seinen eigenen Aussagen nicht aktuell und das Haus, von dem
er gesagt habe, es sei zerstört worden, sei anscheinend noch ganz. Aus-
serdem sei einer der Gründe für seine Ausreise die Tatsache gewesen,
wenig Zeit gehabt zu haben, um auf seinen Feldern zu arbeiten, weil er als
Milizeinheit habe arbeiten müssen. Diese Aussage stehe im offensichtli-
chen Widerspruch mit dem vorher Gesagten und sei auch in zeitlicher Hin-
sicht widersprüchlich, weil er im Zeitpunkt seiner Ausreise gemäss seinen
Angaben kein kultivierbares Land mehr besessen habe. Insgesamt seien
seine Vorbringen bezüglich der Gründe, die zu seinem Beschluss geführt
hätten, sein Land zu verlassen, und bezüglich seiner Zugehörigkeit zur Mi-
lizeinheit alles andere als nachvollziehbar, weshalb sie nicht glaubhaft
seien.
Seine Aussagen und Antworten seien im Allgemeinen mager und sehr we-
nig detailliert ausgefallen. Insbesondere seien seine Angaben zur Art und
Weise seiner Ausreise vage, inkonsistent und teils widersprüchlich geblie-
ben. Auf die spezifischen Fragen hin sei er nicht in der Lage gewesen, zu
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schildern, wie er und sein Freund sich auf die Reise vorbereitet hätten, und
auch nicht, wie sich die Reise abgespielt habe. Er habe sich darauf be-
schränkt, extrem vage Angaben zu machen und wenige sowie magere Er-
klärungen zur Aufbruchszeit und zu der von ihnen eingeschlagenen Rich-
tung zu wiederholen. Hinzu komme, dass er an der BzP gesagt habe, es
seien (...) Stunden Reisezeit bis zur Grenze zu G._, wogegen er
an der Anhörung von (...) Stunden gesprochen habe. Tatsächlich habe er
zugegeben, dass seine Flucht nicht schlagartig geschehen sei, weshalb
vernünftigerweise erwartet werden könne, dass er in der Lage wäre, dies-
bezüglich mehr Einzelheiten zu liefern. Seine Vorbringen bezüglich der
Umstände seiner Reise und illegalen Ausreise seien als unglaubhaft zu be-
trachten.
Auch seine Vorbringen bezüglich seiner Einberufung zur Militärausbildung
und Zuteilung zur Milizeinheit seien wenig substanziell und vage geblieben.
Er habe keine Einzelheiten zu seiner Festnahme durch das Militär geliefert,
ebenso wenig zum Zeitraum von (...) oder (...) Monaten, den er in der Mi-
litärausbildung in E._ verbracht habe. Er habe sich darauf be-
schränkt, zwei Prügeleien zu erwähnen, denen er zum Opfer gefallen sei,
ohne jedoch relevanten Einzelheiten freien Lauf zu lassen. Dabei habe er
hinzugefügt, dass ausser diesen zwei Vorfällen im ganzen Verlauf dieser
Monate nichts anderes passiert sei. Vor allem habe er gesagt, keine mili-
tärische Einteilung erhalten zu haben, und habe nur erwähnt, zur (...) ge-
hört zu haben. Auch die Beschreibung, die er bezüglich seiner Aufgaben
als Milizeinheit gegeben habe, sei mager, stereotyp und wenig ausführlich.
Der Mangel an objektiven Einzelheiten trage dazu bei, den Eindruck zu
vermitteln, dass er weder die Militärausbildung noch den darauffolgenden
Einsatz als Milizeinheit selber erlebt habe. Er habe ausserdem erklärt, nur
deshalb nicht nach Eritrea zurückkehren zu können, weil alles, was er be-
sessen habe, zerstört worden sei, ohne seine angebliche Desertion in ir-
gendeiner Weise zu erwähnen. Die Tatsache, dass er zur Militärausbildung
einberufen worden sei und in der Folge der Milizeinheit zugeteilt worden
sei, werde stark angezweifelt. Seine Aussagen würden die Glaubhaftig-
keitsvoraussetzungen von Art. 7 AsylG nicht erfüllen.
5.2 Der Beschwerdeführer entgegnet in der Rechtsmitteleingabe, die Vor-
instanz habe die Vorbringen zu Unrecht als unglaubhaft beurteilt. Seine
Frau lebe nun mit den Kindern vorwiegend auf dem Grundstück in
C._, das seinem Vater gehöre und auf welchem er bereits vor sei-
ner Flucht ein einfaches Haus gebaut habe. Diese Behausung sei damals
aber nur dann benutzt worden, wenn er nicht auf dem Land gearbeitet und
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gelebt habe. Vorwiegend habe er auf dem Land gelebt, wo sich auch das
gesamte Essen der Familie und alles Material zum Leben befunden habe.
Das sei die Existenzgrundlage der Familie gewesen, die dann, wie von ihm
dargelegt, von der Regierung zerstört worden sei. Seit (...) habe seine Frau
wieder die Möglichkeit, auf dem Land zu arbeiten und könne auf diese
Weise knapp für den Lebensunterhalt der Familie sorgen. Insofern handle
es sich bei den von der Vorinstanz beanstandeten Angaben um keine wi-
dersprüchlichen Schilderungen. Er habe an seinen Befragungen vielmehr
von zwei verschiedenen Häusern gesprochen.
Er habe bereits anlässlich seiner Anhörung erklärt, dass es keine Vorberei-
tung zur Ausreise gegeben habe. Der Freund, mit dem er ausgereist sei,
habe zusammen mit ihm in derselben Milizeinheit in C._ gedient
und ebenfalls sein Haus auf dem Land durch die Zerstörungen verloren.
Auch wegen des grossen Stresses, den er gehabt habe, habe er keine
besonderen Vorbereitungen getroffen. Ihm sei seine Existenzgrundlage
von einem Tag auf den anderen entzogen worden. Es treffe zu, dass er
unterschiedliche Zeitangaben gemacht habe. Bei der Anhörung habe er
aber die Zeit klar mit «ungefähr» angegeben. Weiter habe er keine Uhr bei
sich gehabt, weshalb die Zeitangaben geschätzt gewesen seien.
Entgegen der Auffassung der Vorinstanz habe er anlässlich der BzP teil-
weise sehr ausführliche Angaben gemacht. So habe er etwa die gesund-
heitlichen Folgen der erlittenen Schläge während seiner Zeit in E._
genau geschildert. Er habe Rippenschmerzen davongetragen und stets an
Husten gelitten. Da er so geschwächt gewesen sei, habe man ihn nach
Hause geschickt, um dort Militärdienst zu leisten. Auch habe er den Grund
für die Schläge (Kollektivstrafen infolge Fehlverhaltens seiner Kollegen)
geschildert. Beim zweiten Mal sei er mit schweren Schuhen getreten wor-
den. Er habe auch den präzisen Namen desjenigen Mannes nennen kön-
nen, der ihn schliesslich zur Miliz nach C._ geschickt habe.
Es habe seines Wissens während seiner Zeit in E._ keine Eintei-
lung gegeben, denn dabei habe es sich lediglich um eine Ausbildung ge-
handelt. Erst als man ihn zur Milizeinheit nach C._ geschickt habe,
sei ihm von der Gemeinde gesagt worden, dass er in der (...) eingeteilt sei.
Dies habe er anlässlich der BzP und der Anhörung so ausgeführt. Er habe
zwar den Inhalt seiner Arbeiten für die Miliz nicht ausführlich geschildert,
habe aber doch die wesentlichen Tätigkeiten (Wachehalten, Strassenbau,
Anfallen weiterer Aufgaben) genannt. Da es sich um eine Art Zwangsarbeit
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gehandelt habe, könne von ihm nicht notwendigerweise erwartet werden,
davon in aller Ausführlichkeit zu berichten.
Er habe die drohenden Probleme wegen seiner Desertion wohl auch des-
wegen nicht besonders erwähnt, weil es für alle Eritreer klar sei, was mit
Deserteuren bei einer Rückkehr passiere, nämlich, dass sie Gefängnisstra-
fen zu gewärtigen hätten oder getötet würden. Die Vorinstanz habe bei der
Prüfung der Glaubhaftigkeit Aussagen, welche seine Glaubwürdigkeit be-
legen würden, gänzlich unbeachtet gelassen. Sowohl anlässlich der BzP
als auch der Anhörung habe er ausführlich Gründe geschildert, die ihn zu
seiner Flucht veranlasst hätten. Er habe glaubhaft geschildert, in Eritrea in
einem Camp in E._ Opfer von physischer Gewalt geworden zu sein
und dass sein Haus sowie seine Felder von Soldaten der (...) zerstört wor-
den seien, weshalb er aus seinem Dienst desertiert sei. Insbesondere
seine Wahrnehmung im Zusammenhang mit der Zerstörung der Felder und
Häuser auf dem Land seien detailreich und anschaulich. Es gelte auch,
sein tiefes Bildungsniveau nicht unberücksichtigt zu lassen. Er habe eine
Schulbildung von lediglich knapp drei Jahren vorzuweisen und immer als
Hirte und Bauer gearbeitet.
Es mache den Anschein, als versuche die Vorinstanz, alle Aussagen gegen
ihn zu verwenden. Damit verletze sie die ihr gebotene staatliche Neutralität
bei der Prüfung der Glaubwürdigkeit. Er habe aufgrund einer objektiven
Betrachtungsweise sowie einer Gesamtbeurteilung aller Elemente seine
Desertion aus dem Militär- bzw. Milizdienst glaubhaft machen können. Je-
denfalls könne aufgrund der vorliegenden Aktenlage nicht ausgeschlossen
werden, dass sich der Sachverhalt wie von ihm dargelegt ereignet habe.
Da die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen hergestellt sei, stehe auch fest,
dass er den eritreischen Militär- bzw. Milizdienst unerlaubt verlassen und
sein Heimatland deshalb verlassen habe. Er werde von Seiten seines Hei-
matlandes dafür mit grösster Wahrscheinlichkeit eine unverhältnismässig
harte Bestrafung zu gewärtigen haben.
6.
6.1 Die Vorinstanz hat die vorgebrachten Ausreisegründe des Beschwer-
deführers (Militärausbildung, Einteilung in die Milizeinheit, Zerstörung sei-
nes kultivierbaren Landes und des dortigen Hauses) als nicht glaubhaft er-
achtet. Nach Prüfung der Akten kann sich das Bundesverwaltungsgericht
den diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz zur Glaubhaftmachung
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nicht vollständig anschliessen. Im Ergebnis ist die vorinstanzliche Verfü-
gung jedoch zu bestätigen.
6.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei als Milizeinheit in seinem
Dorf, C._, als Wache, im Strassenbau und bei weiteren Aufgaben
eingesetzt gewesen. Er habe sich seiner Dienstpflicht durch die Ausreise
aus Eritrea entzogen. Dies hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfü-
gung als unglaubhaft erachtet, weil sie die Beschreibung seiner Aufgaben
für die Milizeinheit als mager, stereotyp und wenig ausführlich erachtet.
Dieser Mangel an objektiven Einzelheiten trage dazu bei, dass der Ein-
druck vermittelt werde, der Beschwerdeführer habe die Zeit in der Milizein-
heit nicht selber erlebt (Verfügung Ziff. II 2., S. 5). Dieser Auffassung kann
sich das Bundesverwaltungsgericht nicht anschliessen. Der Beschwerde-
führer legte hinreichend substanziiert den Grund für die Einteilung in die
Milizeinheit dar, wonach er im Militärdienst gesundheitliche Beschwerden
gehabt habe (vgl. SEM act. A6 Ziff. 7.02; A15 F121 und F127). Er führte
zudem sowohl an der BzP als auch an der Anhörung übereinstimmend und
– insbesondere im Hinblick auf sein tiefes Bildungsniveau von lediglich drei
Schuljahren – ebenfalls genügend detailliert aus, in der Milizeinheit (...)
Jahre lang nachts Wachtdienst und tagsüber Arbeiten wie Strassen- und
Dammbau und andere Tätigkeiten, welche die Regierung von ihm ver-
langte, ausgeführt zu haben (vgl. SEM act. A6 Ziff. 7.01 f.; A15 F133).
Das Gericht erachtet es deshalb entgegen der Vorinstanz durchaus als
glaubhaft, dass der Beschwerdeführer nach einer kurzen Militärzeit in die
Milizeinheit eingeteilt worden ist und dabei in seinem Heimatdorf Wacht-
aufgaben und die vorgebrachten Tätigkeiten für die Verwaltung hat über-
nehmen müssen.
6.3 Soweit der Beschwerdeführer weiter geltend macht, die eritreischen
Behörden hätten im (...) die Felder von (...) Familien zerstört, wobei auch
seine Felder und sein dortiges Haus und damit die Lebensgrundlage und
die Wohnung seiner Familie zerstört worden seien, hat die Vorinstanz seine
diesbezüglichen Angaben zutreffend als unstimmig erachtet. So vermochte
der Beschwerdeführer dieses für seine Ausreise angeblich auslösende Er-
eignis (vgl. SEM act. A15 F157) nicht substanziiert darzulegen und keine
schlüssigen Angaben zum Hergang und zum Ausmass der Zerstörung zu
machen (vgl. SEM act. A15 F83 ff.). Es bleibt unklar, welche Felder von
den eritreischen Behörden zerstört worden seien, namentlich vermochte
der Beschwerdeführer nicht glaubhaft darzulegen, dass auch sein eigenes
Haus und sein eigenes Feld zerstört worden sind. Seine diesbezüglichen
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Angaben blieben oberflächlich (vgl. SEM act. A15 F91, 95, 97f.). Es er-
scheint auch keineswegs plausibel, dass der Beschwerdeführer die angeb-
liche Zerstörung gar nie gesehen haben und bloss vom Hörensagen davon
wissen soll (vgl. SEM act. A15 F91). Dass er sich vor seiner Ausreise nicht
persönlich vom Ausmass der Zerstörung seiner Lebensgrundlagen hätte
überzeugen wollen, ist nicht nachvollziehbar, zumal er zu jenem Zeitpunkt
keine Verfolgung befürchtete und sich ohne Weiteres zu den Feldern hätte
begeben können. Zweifel an der Zerstörung der Lebensgrundlage des Be-
schwerdeführers ergeben sich auch daraus, dass seine Frau seit (...), mit-
hin nur (...) Monate nach seiner Ausreise, wieder auf dem Land zu arbeiten
und «gerade so» für den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen vermochte
(vgl. Beschwerde, Ziff. II 4.1, S. 5). Weiter ist das Aussageverhalten des
Beschwerdeführers bei der Frage, wie der Zustand der Felder zwischen-
zeitlich sei, auffällig ausweichend (vgl. SEM act. A15 F98 ff.). Auch er-
staunt, dass er sich bei den zwischenzeitlichen Kontakten mit seiner Frau
nie nach dem Schicksal des angeblich zerstörten Landes erkundigt haben
will. Es wäre bei Wahrunterstellung seiner Angaben jedenfalls zu erwarten,
dass er sich bei seiner Frau nach den Möglichkeiten eines Wiederaufbaus
seines Hauses wie auch der Häuser der anderen zahlreichen Betroffenen
und einer allenfalls zwischenzeitlich wieder möglichen Bewirtschaftung des
Landes erkundigt hätte. Bezeichnenderweise räumt der Beschwerdeführer
diese Unstimmigkeit anlässlich der Anhörung selbst ein, ohne dass er al-
lerdings eine überzeugende Erklärung für sein angebliches Desinteresse
vorzubringen vermag (vgl. SEM act. A15 F106). An dieser Stelle wäre bei
Wahrunterstellung auch zu erwarten gewesen, dass die Ehefrau über die
angeblich zerstörten Felder, welche offenbar die Lebensgrundlage des ge-
samten Heimatdorfes bildeten, dem Beschwerdeführer von sich aus über
das eigene Land oder auch jenes der übrigen Dorfbewohner berichtet hätte
– selbst wenn der Beschwerdeführer nicht explizit über den aktuellen Zu-
stand der Zerstörung nachgefragt hätte. Überhaupt ist kein unmittelbarer
Zusammenhang zwischen der angeblichen Zerstörung der Existenzgrund-
lage des Beschwerdeführers und seiner damaligen Tätigkeit für die Miliz-
einheit ersichtlich, nachdem der Beschwerdeführer an jener Sitzung der
Dorfbewohner mit den Behörden (bei welcher die Dorfbewohner die Auf-
gabe ihrer Landwirtschaftstätigkeit verweigert haben sollen, was schliess-
lich zum Zerstörungsakt geführt habe) gar nicht teilgenommen habe, weil
er Wachtdienst gehabt habe. Auch im Zeitpunkt der Zerstörung der Felder
sei er auf der Wache gewesen (vgl. SEM act. A15 F91).
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Dem Gesagten zufolge hat die Vorinstanz das Vorbringen des Beschwer-
deführers, es seien sein Haus und sein Feld zerstört worden, zu Recht als
unglaubhaft erachtet.
6.4 Die Glaubhaftigkeit seines Vorbringens, dass er seinen Dienst in der
Milizeinheit unerlaubterweise beendet beziehungsweise aus seinem
Dienst desertiert sei, kann schliesslich offengelassen werden. Auch bei un-
terstellter Glaubhaftigkeit der Desertion geht das Gericht – wie nachfolgend
dargelegt (vgl. E. 7.2 ff.) – nicht davon aus, dass er deswegen asylrele-
vante Konsequenzen zu befürchten hat.
7.
7.1 Asyl wird schutzbedürftigen Personen gewährt und kann nicht als
Schadenersatz für erlittenes Unheil verstanden werden (vgl. KÄLIN, Grund-
riss des Asylverfahrens, 1990, S. 127). Der Umstand, dass der Beschwer-
deführer im Rahmen seines (abgeschlossenen) Militärdienstes in einem
Camp in E._ Opfer von physischer Gewalt worden war, ist deshalb
nicht asylrelevant.
7.2 Soweit der Beschwerdeführer – erstmals auf Beschwerdeebene – aus-
führt, bei einer Rückkehr befürchte er als Deserteur asylrelevante Nach-
teile, ist Folgendes festzuhalten:
Dienstverweigerung und Desertion werden in Eritrea unverhältnismässig
streng bestraft. Die Furcht vor einer Bestrafung wegen Dienstverweigerung
oder Desertion ist dann begründet, wenn die betroffene Person in einem
konkreten Kontakt zu den Militärbehörden stand. Ein solcher Kontakt ist
regelmässig anzunehmen, wenn die betroffene Person im aktiven Dienst
stand und desertierte. Darüber hinaus ist jeglicher Kontakt zu den Behör-
den relevant, aus dem erkennbar wird, dass die betroffene Person rekru-
tiert werden sollte (z.B. Erhalt eines Marschbefehls). In diesen Fällen droht
grundsätzlich nicht allein eine Haftstrafe, sondern eine Inhaftierung unter
unmenschlichen Bedingungen und Folter, wobei Deserteure regelmässig
der Willkür ihrer Vorgesetzten ausgesetzt sind. Die Desertion wird von den
eritreischen Behörden als Ausdruck der Regimefeindlichkeit aufgefasst.
Demzufolge sind Personen, die begründete Furcht haben, einer solchen
Bestrafung ausgesetzt zu werden, als Flüchtlinge im Sinne von
Art. 1A Abs. 2 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 3 Abs. 1–3 AsylG anzuerkennen
(vgl. zum Ganzen beispielsweise Urteil des BVGer
E-1740/2016 vom 9. Februar 2018 E. 5.1).
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7.3 In Eritrea existiert parallel zum Nationaldienst die sogenannte Volksar-
mee (people’s army in Englisch; hizbawi serawit in Tigrinisch; auch Miliz-
einheit genannt), welche in ihrer heutigen Form im Jahr 2012 nach zwei
äthiopischen Angriffen auf eritreisches Territorium entstand und deren
Zweck wohl darin besteht, die durch zahlreiche Desertionen geschwächte
eritreische Armee als kostengünstige Kompensation zu stärken. Die
Dienstpflicht in der Volksarmee beruht im Gegensatz zu derjenigen im Na-
tionaldienst auf keiner gesetzlichen Grundlage (vgl. European Asylum Sup-
port Office EASO, EASO-Bericht über Herkunftsländerinformationen,
Länderfokus Eritrea, Mai 2015, S. 44; Landinfo, Country of Origin Informa-
tion Centre, Report National Service, 20. Mai 2016, S. 25; SEM, Fokus
Eritrea, Volksarmee "Volksmiliz", 31. Januar 2017, S. 4 f. und 8; SFH,
Eritrea: Nationaldienst, Themenpapier der SFH-Länderanalyse, 30. Juni
2017, S. 19; UN Human Rights Council, Report of the detailed findings of
the Commission of Inquiry on Human Rights in Eritrea, 5. Juni 2015,
< https://www.ohchr.org/Documents/HRBodies/HRCouncil/CoIEritrea/A_
HRC_29_CRP-1.pdf >, abgerufen am 15. Juni 2020). Unklar ist, ob die
Volksarmee zum Nationaldienst gehört. Die Einberufung zur Volksarmee
stellt allerdings  gemäss SFH  seitens der Regierung einen Teil der Na-
tionaldienstpflicht dar, ohne sie offiziell als solche zu erklären. Nach Mai
2014 wurde sie dem Generalstabchef unterstellt und damit wohl Teil der
regulären Armee (vgl. SEM, Volksarmee, a.a.O., S. 12; SFH, Fokus Eritrea,
Die Volksarmee  Hizbawi Serawit, Länderanalyse vom 6. Oktober 2016).
Die Volksarmee kann folglich als eine Verlängerung der militärischen
Dienstpflicht qualifiziert werden (vgl. Urteil des BVGer D-2311/2016 vom
17. August 2017 als Referenzurteil publiziert E. 12.5, vgl. auch SEM,
Volksarmee, a.a.O., S. 6; Landinfo, a.a.O., S. 25). Sie setzt sich aus (noch)
nicht eingezogenen, demobilisierten und aus dem Nationaldienst entlasse-
nen sowie über 54-jährigen, nicht mehr der Reserve angehörenden Perso-
nen zusammen (vgl. EASO-Bericht, a.a.O., S. 44; Landinfo, a.a.O., S. 25;
SEM, Volksarmee, a.a.O., S. 6 und 12; SFH, Die Volksarmee, a.a.O.; SFH,
Themenpapier, S. 17 f.; UN Human Rights Council, a.a.O., S. 428,
Rz. 1450). Eine Rekrutierung ist noch bis ins Alter von circa 70 Jahren,
gemäss vereinzelten Quellen sogar bis circa 75 Jahren möglich (vgl.
EASO-Bericht, S. 44; Landinfo, a.a.O., S. 25; SFH, Die Volksarmee, a.a.O.;
SFH, Themenpapier, a.a.O., S. 18; SEM, Volksarmee, a.a.O., S. 8 und 12;
UN Human Rights Council, a.a.O., S. 428, Rz. 1451). Gemäss Quellen von
Amnesty International sind ab dem Jahr 2015 auch Frauen mit Kindern re-
krutiert worden (vgl. Amnesty International, Just Deserters: Why indefinite
national service in Eritrea has created a generation of refugees, Dezember
2015, < https://www.amnesty.org/en/documents/afr64/2930/2015/en/ >,
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S. 8, abgerufen am 15. Juni 2020). Die Angehörigen der Volksarmee
durchlaufen zunächst eine militärische Grundausbildung (Waffenausbil-
dung) und werden anschliessend für Bewachungsaktivitäten oder ver-
schiedene Arbeitseinsätze, so beispielsweise in öffentlichen Entwicklungs-
projekten oder in der Landwirtschaft, aufgeboten. Die Einsätze werden an
einzelnen Tagen oder über einige Wochen hinweg ohne Bezahlung und
ohne Entschädigung für den Erwerbsausfall an ihrer üblichen Arbeitsstelle
geleistet (vgl. EASO-Bericht, a.a.O., S. 44; Danish Immigration Service,
Eritrea: Drivers and Root Causes of Emigration, National Service and the
Possiblity of Return, August und Oktober 2014, < https://www.nyidan-
mark.dk/NR/rdonlyres/B28905F5-5C3F-409B-8A22-0DF0DACBDAEF/0/
EritreareportEndeligversion.pdf >, abgerufen am 15. Juni 2020, S. 1 f.;
Landinfo, a.a.O., S. 25; SEM, Volksarmee, a.a.O., S. 8 ff.; SFH, Die Volks-
armee, a.a.O.; SFH, Themenpapier, a.a.O., S. 18; UN Human Rights Coun-
cil, a.a.O., S. 428, Rz. 1455 ff.). Für die Verwaltung und die Umsetzung der
Volksarmee sind die Lokalverwaltungen zuständig. Sie (teils auch die Ar-
beitgeber) rekrutieren die Bevölkerung in die Volksarmee, indem die Be-
troffenen aufgefordert werden, sich zu einer bestimmten Zeit an einem be-
stimmten Ort zu melden, wobei dies auf sehr unterschiedliche Arten erfol-
gen kann, beispielswiese durch einen schriftlichen Brief der Lokalverwal-
tung oder durch Aushänge an öffentlichen Plätzen (vgl. Landinfo, a.a.O.,
S. 26; SEM, Volksarmee, a.a.O., S. 8 und 13 f.; UN Human Rights Council,
a.a.O., S. 428, Rz. 1452 ff.).
7.4 Hinsichtlich der Konsequenzen bei Nichtbefolgung einer Aufforderung
zum Eintritt in die Volksarmee existieren unterschiedliche Informationen.
Ausweislich der (freilich dünnen) Quellenlage kommt als Bestrafung eine
Ermahnung, der Verlust von Lebensmittelcoupons und Identitätspapieren,
ein Entzug der Geschäftslizenz, die Beschlagnahmung von Eigentum oder
gar eine Inhaftierung in Frage (vgl. Amnesty International, a.a.O., S. 34 f.;
EASO-Bericht, a.a.O., S. 44; SEM, Volksarmee, a.a.O., S. 7 und 15 f.; SFH,
Die Volksarmee, a.a.O.; SFH, Themenpapier, a.a.O., S. 19). Aus den ver-
fügbaren Quellen geht sodann vereinzelt hervor, dass inhaftierte Volksar-
meeverweigerer, wie bereits Militärdienstverweigerer, einer unverhältnis-
mässig harten Bestrafung ausgesetzt seien. So würden Betroffene  wel-
che sich nicht durch Bestechung freikaufen könnten  in Einzelzellen ohne
Tageslicht inhaftiert, nicht genügend Wasser und Essen erhalten und ge-
foltert werden (vgl. SFH, Themenpapier, a.a.O., S. 19; UN Human Rights
Council, a.a.O., S. 428, Rz. 1463 ff.). Teils würden auch Ehefrauen von
Verweigerern verhaftet werden (vgl. SEM, Volksarmee, a.a.O., S. 15). Ver-
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einzelt wird auch die Meinung vertreten, dass Personen, die sich der Ein-
berufung zur Volksarmee durch Flucht ins Ausland entziehen, als Deser-
teure betrachtet und wie Deserteure bestraft würden (vgl. SFH, Die Volks-
armee, a.a.O.).
Es kann demnach nicht allgemein von einer asylrelevanten Bestrafung
ausgegangen werden. Es ist vielmehr im Einzelfall zu prüfen, ob bei De-
sertion und Dienstverweigerung asylrelevante Konsequenzen zu befürch-
ten sind (vgl. Urteil des BVGer E-7155/2017 vom 5. Dezember 2019 E. 7.5
m.H. auf E-6670/2017 vom 1. November 2019 E. 5.2.3 und E-1970/2016
vom 2. Oktober 2018 E. 4.3).
7.5 In Bezug auf die Frage einer begründeten Furcht des Beschwerdefüh-
rers vor einer Bestrafung infolge dargelegter Desertion aus der Volksarmee
gestalten sich die Umstände des vorliegenden Einzelfalles wie folgt:
Der heute (...)-jährige Beschwerdeführer unterstand seinen Angaben nach
ab (...) der Dienstpflicht in der Milizeinheit, nachdem er aus gesundheitli-
chen Gründen aus dem Militärdienst entlassen worden war. Er wurde wäh-
rend der rund (...) jährigen Dienstzeit in der Milizeinheit mehrmals wegen
Verfehlungen – namentlich weil er seinen Dienst wegen Arbeiten auf dem
Feld nicht rechtzeitig antreten konnte – bestraft, wobei er jeweils eine län-
gere Wachtablösung (Turnus am Stück von (...) Tagen Arbeit tagsüber in
der Garage der Verwaltung und Wachestehen nachts) leisten musste. Wei-
tere Konsequenzen, namentlich die Verbüssung einer Gefängnisstrafe,
hatten seine Verfehlungen nicht, wie er auf Nachfrage hin ausdrücklich er-
klärte (vgl. SEM act. A6 Ziff. 7.02). Er erwähnte bei dieser Nachfrage im
Übrigen auch keine anderweitigen asylbeachtlichen Bestrafungen, welche
etwa seinen Dienstkollegen zugefügt worden wären. Darüber hinaus sind
den Akten keinerlei Hinweise zu entnehmen, dass die Ehefrau des Be-
schwerdeführers nach dessen Ausreise irgendwelche Nachteile durch die
Behörden erfahren hätte, namentlich wurde sie weder aufgesucht, mitge-
nommen noch inhaftiert. Den Akten ist vielmehr zu entnehmen, dass die
Ehefrau des Beschwerdeführers das Land jedenfalls ab (...) (wieder) be-
stellen konnte. Offensichtlich haben auch die übrigen Dorfbewohner, wel-
che mit dem Beschwerdeführer in der Volksarmee Dienst zu leisten hatten,
zwischenzeitlich keine nennenswerten Nachteile erfahren, darf doch ange-
nommen werden, dass der Beschwerdeführer andernfalls von seiner Frau
davon gehört und im vorliegenden Verfahren berichtet hätte. In diesem Zu-
sammenhang erachtet es das Gericht als nicht plausibel und daher un-
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glaubhaft, dass der Beschwerdeführer seinen früheren Dienst- und Dorf-
kollegen nicht nachgefragt haben soll, dies gilt insbesondere im Zusam-
menhang mit jenem Kollegen, welcher mit ihm ausgereist war (und der an-
geblich sein Haus auf dem Land durch die Zerstörungen ebenfalls verloren
hatte; vgl. Beschwerde, Ziff. II 4.1, S. 5).
Das Bundesverwaltungsgericht gelangt daher in einer Gesamtbetrachtung
zum Schluss, dass der Beschwerdeführer entgegen seiner Auffassung auf-
grund der dargelegten Desertion aus der Milizeinheit beziehungsweise
Volksarmee keine asylrelevanten Konsequenzen zu befürchten hat, zumal
er solches bei seinen Befragungen auch nicht dargelegt hat. Der Be-
schwerdeführer erwähnte trotz Nachfragen seitens der Hilfswerksvertre-
tung anlässlich der Anhörung, was er bei einer Rückkehr in sein Heimat-
land befürchtete, auch nicht ansatzweise eine Furcht vor einer Bestrafung,
sondern brachte ausschliesslich vor, seine Felder und sein Haus, mithin
seine Lebensgrundlagen, seien zerstört worden (vgl. SEM act. A15
F156 f.).
7.6 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer in
Eritrea aufgrund von Ereignissen vor der Ausreise keine Verfolgung im
Sinne von Art. 3 AsylG drohte oder bei einer Rückkehr droht. Die Vorinstanz
hat die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft insoweit zu Recht verneint.
8.
8.1 Im Weiteren bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer infolge illegaler
Ausreise aus Eritrea die Flüchtlingseigenschaft erfüllt.
8.2 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – etwa durch ein illegales Verlassen
des Landes – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht
sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG gel-
tend. Diese begründen die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3
AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls.
Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nach-
weisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenom-
men (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
Art. 3 Abs. 4 AsylG hält zwar fest, dass Personen, die Gründe geltend ma-
chen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden und weder
Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat
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bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, nicht als Flüchtlinge gel-
ten können. Diese einschränkende Feststellung wurde vom Gesetzgeber
allerdings durch den ausdrücklichen Hinweis auf den Vorbehalt der Gel-
tung der Flüchtlingskonvention relativiert (vgl. Art. 3 Abs. 4 in fine AsylG).
8.3 Im Urteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Referenzurteil publi-
ziert) gelangte das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass im Kon-
text von Eritrea die illegale Ausreise allein zur Begründung der Flüchtlings-
eigenschaft nicht ausreicht. Vielmehr bedarf es hierzu zusätzlicher An-
knüpfungspunkte, welche die asylsuchende Person in den Augen der erit-
reischen Behörden als missliebige Person erscheinen lassen und dadurch
zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsgefahr führen könnten
(vgl. a.a.O. E. 5.1).
8.4 Das Vorliegen solcher zusätzlicher Faktoren ist im Falle des Beschwer-
deführers zu verneinen. Er hat in Eritrea im Jahr (...) rund (...) Monate lang
Nationaldienst geleistet und es ist seinen Angaben zufolge (vgl. «dolori al
costato e avevo sempre la tosse», SEM act. A6 Ziff. 1.17.04 und Ziff. 7.02
sowie «Probleme mit meinen Beinen», A15 F114 und F126 f.) davon aus-
zugehen, dass er aus gesundheitlichen Gründen aus dem Militärdienst ent-
lassen und anschliessend zum Dienst in die Milizeinheit aufgeboten wor-
den ist. Zwar ist er diesem durch seine Ausreise im (...) nicht mehr nach-
gekommen. Gleichwohl ist nach den vorstehenden Ausführungen nicht da-
von auszugehen, dass ihm deswegen eine Verfolgung im Sinne von Art. 3
AsylG drohte oder bei einer Rückkehr droht (vgl. oben E. 7.4–7.6) und sol-
ches hat er trotz Nachfragen der Vorinstanz bei der BzP (vgl. SEM act. A6
Ziff. 7.02 S. 10 f.) und der Anhörung (vgl. SEM act. A15 F158) auch nicht
dargelegt. Dies ist mangels Hinweisen in den Akten wie auch mit Blick da-
rauf, dass wie vorstehend ausgeführt seine Ehefrau in der Zwischenzeit nie
verhaftet oder anderweitig von den eritreischen Behörden belangt worden
wäre und jedenfalls seit (...) das Land wieder bestellen kann, auch nicht
anzunehmen. Andere Anknüpfungspunkte, welche ihn in den Augen des
eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könnten,
sind ebenfalls nicht ersichtlich. Die illegale Ausreise allein vermag somit
keine Furcht vor einer zukünftigen asylrelevanten Verfolgung zu begrün-
den. Die Frage ihrer Glaubhaftmachung kann daher mangels Asylrelevanz
offenbleiben.
Der Beschwerdeführer erfüllt damit die Flüchtlingseigenschaft gemäss
Art. 3 AsylG auch unter dem Aspekt subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54
AsylG) nicht.
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Seite 17
8.5 Aus diesen Erwägungen folgt, dass die Vorinstanz die Flüchtlingsei-
genschaft des Beschwerdeführers auch im Hinblick auf die illegale Aus-
reise zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt hat.
9.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt die Vorinstanz in der Regel die Wegweisung
aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf ein-
tritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4). Die Wegweisung wurde zu Recht ange-
ordnet.
10.
10.1 Der Vollzug der Wegweisung ist nach Art. 83 Abs. 3 AIG unzulässig,
wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der
Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen
Drittstaat entgegenstehen. So darf keine Person in irgendeiner Form zur
Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder
ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder
in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu
werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden. Gemäss Art. 4 EMRK darf niemand in Skla-
verei oder Leibeigenschaft gehalten (Abs. 1) oder gezwungen werden,
Zwangs- oder Pflichtarbeit zu verrichten (Abs. 2).
10.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
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10.3 In der Beschwerde wird die Auffassung vertreten, der Wegweisungs-
vollzug sei angesichts der drohenden Einziehung in den eritreischen Nati-
onaldienst und einer damit verbundenen Verletzung von Art. 3 und Art. 4
EMRK als unzulässig zu betrachten.
10.3.1 Ob die Gefahr einer (erneuten) Rekrutierung in den Nationaldienst
und einer darauf beruhenden Verletzung von Art. 3 und Art. 4 EMRK tat-
sächlich besteht, kann aufgrund nachfolgender Erwägungen offengelassen
werden. Angesichts des Umstandes, dass der Beschwerdeführer (offenbar
aus gesundheitlichen Gründen) nicht in der Lage war, seine Militärausbil-
dung korrekt zu erfüllen und deshalb bereits regulär aus dem National-
dienst entlassen und in die Milizeinheit eingeteilt worden ist, erscheint eine
Neurekrutierung als höchst unwahrscheinlich. Doch selbst bei einer erneu-
ten Einziehung in den Militärdienst könnte gemäss Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts nicht von der Unzulässigkeit des Wegwei-
sungsvollzugs ausgegangen werden.
10.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich mit dem Koordinations-
entscheid BVGE 2018 VI/4 mit der Frage befasst, ob der Vollzug der
Wegweisung auch angesichts einer drohenden Einziehung in den
eritreischen Nationaldienst als zulässig (Art. 83 Abs. 3 AIG) und zumutbar
(Art. 83 Abs. 4 AIG) qualifiziert werden könne. Beides hat das Gericht mit
den folgenden Erwägungen bejaht:
Die Verpflichtung eritreischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, Natio-
naldienst zu leisten, kann nach Auffassung des Gerichts nicht als Aus-
übung quasi-eigentumsrechtlicher Befugnisse gegenüber der betreffenden
Person durch den eritreischen Staat bezeichnet werden. Zudem kann,
auch wenn der Nationaldienst formal nicht befristet ist und sich teilweise
über Jahre erstreckt, nicht von jenem dauerhaften Zustand ausgegangen
werden, der für die Annahme von Leibeigenschaft vorausgesetzt wäre.
Beim eritreischen Nationaldienst handelt es sich demnach weder um Skla-
verei noch um Leibeigenschaft im Sinne von Art. 4 Abs. 1 EMRK (vgl.
BVGE 2018 VI/4 E. 6.1 insbes. 6.1.4).
In seiner heutigen Ausgestaltung (namentlich angesichts seiner Zweckent-
fremdung als Mittel zur Arbeitskraftbeschaffung für das gesamte Wirt-
schaftssystem und der unabsehbaren Dauer) kann der eritreische Natio-
naldienst nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts zwar nicht als
"übliche Bürgerpflicht" im Sinn von Art. 4 Abs. 3 Bst. d EMRK verstanden
werden. Die Bedingungen im Nationaldienst sind folglich grundsätzlich als
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Zwangsarbeit im Sinn von Art. 4 Abs. 2 EMRK zu qualifizieren. Für die An-
nahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs reicht diese Ein-
schätzung jedoch nicht aus. Vielmehr wäre hierfür erforderlich, dass durch
die Einziehung das ernsthafte Risiko einer flagranten Verletzung von Art. 4
Abs. 2 EMRK bestünde, der eritreische Nationaldienst mithin diese Bestim-
mung ihres essenziellen Inhalts berauben würde. Eine solche Situation
liegt indessen – auch unter Berücksichtigung der Dienstdauer, der niedri-
gen Besoldung und der Berichte über Misshandlungen und Übergriffe wäh-
rend der Dienstzeit – nach Auffassung des Gerichts nicht vor (vgl. a.a.O.
E. 6.1 insbes. 6.1.5).
In der Folge befasste sich das Bundesverwaltungsgericht in seinem Koor-
dinationsentscheid mit der Frage, ob bei einer Rückkehr nach Eritrea auf-
grund der Verhältnisse im Nationaldienst oder im Zusammenhang mit einer
allfälligen Inhaftierung – beispielsweise aufgrund einer illegalen Ausreise –
eine Verletzung des konventionsrechtlichen Verbots von Folter oder un-
menschlicher Behandlung (Art. 3 EMRK) drohen könnte. Auch in diesem
Zusammenhang ging das Gericht davon aus, dass in Eritrea Misshandlun-
gen und sexuelle Übergriffe während der Dienstzeit oder im Fall einer In-
haftierung nicht derart flächendeckend sind, dass jede nach Eritrea zurück-
kehrende dienstpflichtige Person dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre,
selbst solche Übergriffe zu erleiden. Es besteht daher auch insoweit kein
ernsthaftes Risiko von Folter oder einer unmenschlichen Behandlung (vgl.
a.a.O. E. 6.1 insbes. 6.1.6 und E. 6.1.8).
10.3.3 Es ergeben sich sodann weder aus den Aussagen des Beschwer-
deführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall
einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be-
handlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Ge-
richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folter-
ausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real
risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rück-
schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Ur-
teil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies gelingt ihm nicht.
10.3.4 Zwar hat sich der Beschwerdeführer durch seine Ausreise dem
Dienst in der Milizeinheit entzogen. In solchen Fällen kann eine Inhaftie-
rung in Betracht kommen und wurde auch von Folter berichtet (vgl. SEM,
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Volksarmee, a.a.O., S. 15; SFH, Themenpapier, a.a.O., S. 19). Diese Be-
richte sind allerdings anekdotisch, die Strafen sind uneinheitlich und wer-
den nicht systematisch angewandt (vgl. Urteil des BVGer D-7417/2016
vom 2. Mai 2018 E. 10.2.4). Der Beschwerdeführer hat keine Umstände
dargelegt, aus denen auf eine harte Bestrafung wegen Desertion geschlos-
sen werden könnte, welche noch dazu die Anforderungen an das Vorliegen
einer Verletzung von Art. 3 EMRK erfüllen würde. Vielmehr ist in Anbetracht
seiner Entlassung (aus gesundheitlichen Gründen) aus dem Militär und un-
ter Berücksichtigung der familiären Situation davon auszugehen, dass er
gerade keine Haftstrafe zu gewärtigen hätte. Weitere mögliche Sanktionen
wie der Entzug von Lebensmittelcoupons oder Identitätskarten (vgl. eben-
falls SEM, Volksarmee, a.a.O., S. 15 f.; SFH, Themenpapier, a.a.O., S. 19)
sind wiederum nicht gravierend genug, um eine Verletzung von Art. 3
EMRK anzunehmen. Schliesslich besteht ein „real risk“ einer unmenschli-
chen Behandlung vorliegend auch dann nicht, wenn von einer illegalen
Ausreise auszugehen wäre, weil – bei einer freiwilligen Rückkehr – deswe-
gen nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit eine damit zusammenhän-
gende Verhaftung droht (vgl. oben E. 8). Auch die allgemeine Menschen-
rechtssituation in Eritrea lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeit-
punkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen.
10.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne
der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
10.5
10.5.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Aus-
länderinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).
10.5.2 Zur Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Eritrea
hat das Bundesverwaltungsgericht im Rahmen des bereits erwähnten län-
derspezifischen Koordinationsentscheids auch zu dieser Frage eine aktu-
alisierte Lageanalyse vorgenommen (Urteil des BVGer D-2311/2016 vom
17. August 2017 E. 16 f. [als Referenzurteil publiziert]). Zusammenfassend
gelangte das Gericht dabei zum Schluss, dass in Bezug auf Eritrea zum
heutigen Zeitpunkt weder von einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situa-
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Seite 21
tion allgemeiner Gewalt auszugehen ist, noch sonstige Gründe für eine ge-
nerelle Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorliegen (ebd.,
E. 17.2). Die Annahme einer konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83
Abs. 4 AIG rechtfertigt sich in der Regel nicht schon deshalb, weil die wirt-
schaftliche Situation und damit die allgemeinen Lebensbedingungen im be-
treffenden Staat schwierig sind und dort beispielsweise Wohnungsnot oder
hohe Arbeitslosigkeit herrschen (vgl. BVGE 2014/26 E. 7.6). Zwar ist die
wirtschaftliche Lage in Eritrea nach wie vor schwierig. Die medizinische
Grundversorgung, die Ernährungssituation, der Zugang zu Wasser und
auch der Zugang der Bevölkerung zu Bildung haben sich aber stabilisiert.
Der kriegerische Konflikt mit dem Nachbarland Äthiopien ist seit vielen Jah-
ren faktisch beendet, und auch im Inneren sind keine ernsthaften ethni-
schen oder religiösen Konflikte zu verzeichnen. Zu erwähnen sind des Wei-
teren die umfangreichen Zahlungen aus der eritreischen Diaspora im Aus-
land, von denen ein grosser Teil der Bevölkerung profitiert. Das Bundes-
verwaltungsgericht zieht aus diesen Umständen den Schluss, dass die er-
höhten Anforderungen an den Wegweisungsvollzug, wie sie gemäss der
früheren Praxis vor dem Hintergrund der damaligen wirtschaftlich und ge-
sellschaftlich prekären Lage in Eritrea Bedingung waren (vgl. EMARK 2005
Nr. 12), nicht mehr gerechtfertigt sind. Dabei vermag auch die Situation in
Bezug auf die anhaltende Überwachung der Bevölkerung nicht zur Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu führen. Angesichts der schwieri-
gen allgemeinen Lage des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie
vor von einer Existenzbedrohung ausgegangen werden, wenn besondere
Umstände vorliegen. Die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs bleibt im
Einzelfall zu prüfen.
10.5.3 Entgegen der in der Beschwerdeschrift vertretenen Auffassung lässt
sich aus dieser Lageeinschätzung ableiten, dass sich die Situation in Erit-
rea in mehreren Lebensbereichen zum Besseren verändert hat. Unbehelf-
lich ist auch der Hinweis in der Beschwerdeschrift auf den Bericht der UN-
Sonderberichtserstatterin zur Menschenrechtssituation, auf Bemühungen
des schweizerischen Aussenministers mit Eritrea ein Rückübernahmeab-
kommen abzuschliessen oder das Vorbringen, dass der Schutzbedarf von
eritreischen Flüchtlingen im internationalen Konflikt immer noch generell
anerkannt sein soll. Diese allgemeinen Ausführungen weisen keinen kon-
kreten Bezug zur Situation des Beschwerdeführers auf, weshalb er daraus
nichts zu seinen Gunsten abzuleiten vermag.
10.5.4 Somit ist danach zu fragen, ob vorliegend besondere Umstände vor-
liegen, aufgrund derer von einer Existenzbedrohung ausgegangen werden
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Seite 22
müsste. Diesbezüglich kann auf die überzeugende Erwägung der Vor-
instanz in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. Verfügung
Ziff. III 2., S. 6). Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen (...)-
jährigen und arbeitsfähigen Mann, der seinen Lebensunterhalt und denje-
nigen seiner Familienangehörigen durch Mithilfe in der Landwirtschaft und
als Hirte verdiente (vgl. SEM act. A6 Ziff. 1.17.04). Es ist deshalb davon
auszugehen, dass er bei einer Rückkehr erneut Einkommensmöglichkeiten
schaffen kann. Seine Ehefrau, seine (...) Kinder, (...) seiner Brüder sowie
(...) Schwestern leben den Angaben zufolge in Eritrea (vgl. SEM act. A15
F18 und F48). Es ist davon auszugehen, dass er bei einer Wiedereinglie-
derung auf die Unterstützung seiner Verwandtschaft zählen kann, zumal
ihn seine zahlreich im Ausland (H._, I._ und J._) le-
benden Verwandten ebenfalls finanziell unterstützen können.
10.5.5 Der Beschwerdeführer gab zwar anlässlich der BzP an, einen Abs-
zess (Eiteransammlung, Anmerkung BVGer) am (...) erlitten zu haben und
darüber hinaus an Schmerzen im (...) zu leiden (vgl. SEM act. A6
Ziff. 8.02), doch blieben diese gesundheitlichen Beschwerden in seiner
Rechtsmitteleingabe unerwähnt. Es ist deshalb davon auszugehen, dass
gemäss den unbestritten gebliebenen und im Übrigen zutreffenden Erwä-
gungen der Vorinstanz keine nennenswerten gesundheitlichen Beeinträch-
tigungen vorliegen. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Weg-
weisung auch als zumutbar.
10.6 Zwar ist derzeit die zwangsweise Rückführung nach Eritrea generell
nicht möglich. Die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr spricht jedoch pra-
xisgemäss für die Feststellung der Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs
im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG. Es obliegt daher dem Beschwerdeführer,
sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rück-
kehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegwei-
sung auch als möglich zu erachten ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich betrachtet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
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Seite 23
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
12.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist der Antrag, es sei auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, gegenstandslos gewor-
den.
12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da die Rechtsbe-
gehren jedoch nicht als aussichtslos zu betrachten waren und aufgrund der
Akten von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist, sind
die mit der Beschwerde gestellten Gesuche um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im Sinne von
aArt. 110a Abs. 1 AsylG gutzuheissen. Bei dieser Sachlage sind dem Be-
schwerdeführer keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Rechtsanwalt Mi-
chael Adamczyk ist als amtlicher Rechtsbeistand einzusetzen.
12.3 Dem amtlichen Rechtsbeistand ist ein Honorar auszurichten (vgl. für
die Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung Art. 7 ff. VGKE).
Der dargelegte zeitliche Aufwand von sechseinhalb Stunden und die ein-
malige Pauschale für Auslagen Fr. 50.– erscheinen angemessen. Aller-
dings erweist sich das vereinbarte Stundenhonorar von Fr. 250.– (inkl.
Mehrwertsteuer) als nicht angemessen (vgl. Beschwerdebeilage 6). Amt-
lich eingesetzte Rechtsvertreter mit Anwaltspatent, und um einen solchen
handelt es sich hier, entschädigt das Bundesverwaltungsgericht praxisge-
mäss zu einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.–. Gestützt auf die
in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 und Art. 14
Abs. 2 VGKE) ist Rechtsanwalt Michael Adamczyk demnach ein amtliches
Honorar zulasten des Gerichts von insgesamt Fr. 1'594.– (inkl. Auslagen
und Mehrwertsteueranteil) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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