Decision ID: ba16f471-a0d2-4fd9-b737-d06622a1add9
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- die Staatsanwaltschaft Berlin gegen den deutschen Staatsangehörigen A. und weitere Personen ein Strafverfahren wegen Betrugs führt;
- in diesem Zusammenhang die deutschen Behörden mit Rechtshilfeersuchen
vom 14. März 2022 und Ergänzung vom 12. und 25. April 2022 die Schweiz unter anderem um Sperrung der Vermögenswerte von A. auf dem Konto IBAN 1 bei der Bank B. in Z. SG sowie allfälliger weiterer Konten von A. bei der genannten Bank im Umfang von EUR 1,5 Mio. ersuchten;
- mit Eintretens- und Zwischenverfügung vom 3. Mai 2022 die Staatsanwalt-
schaft II des Kantons Zürich (nachfolgend «Staatsanwaltschaft») in Disp. Ziff. 1 auf das deutsche Rechtshilfeersuchen eintrat und in Disp. Ziff. 2 die Bank B. zur Herausgabe diverser Bankunterlagen betreffend A. ;
- die Staatsanwaltschaft in Disp. Ziff. 3 und 4 alle von der Bank B. festgestell-
ten Vermögenswerte und Schliessfächer, die auf A. lauten oder an welchen dieser formell oder zumindest wirtschaftlich berechtigt erscheint, bis zu einer Höhe von EUR 1,5 Mio. beschlagnahmte und die Bank B. anwies, das Konto IBAN 1 sowie sämtliche weitere Konti, Depots und Bankschliessfächer, die auf A. lauten oder an denen dieser zumindest mitverfügungsberechtigt oder wirtschaftlich berechtigt ist, unverzüglich zu sperren (act. 1.1);
- die Eintretens- und Zwischenverfügung vom 3. Mai 2022 dem Bundesamt
für Justiz als Aufsichtsbehörde sowie der Bank B. und dem zweiten von der Rechtshilfeverfügung betroffenen Bankinstitut zugestellt wurde (act. 1.1 S. 8); gestützt auf die Angaben der deutschen Behörden die  davon ausging, dass A. in Deutschland wohnhaft ist;
- A. gegen die Eintretens- und Zwischenverfügung vom 3. Mai 2022 mit Ein-
gabe vom 12. Dezember 2022 bei der Beschwerdekammer des  Beschwerde erhebt (act. 1);
- der Beschwerdeführer erklärt, sich selber mit seiner Rechtsvertretung beauf-
tragt zu haben; der Beschwerdeführer eine Wohnadresse in der Schweiz  und im Briefkopf Rechtsanwaltsbüros in der Schweiz, Hannover, , Russland, Österreich und Italien aufführt (act. 1 S. 1);
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- in der Sache der Beschwerdeführer unter anderem kritisiert, die  hätte ihn über die Kontosperren informieren müssen; stattdessen die Bank ihm die Kontosperre mitgeteilt habe (act. 1 S. 24);
- der Beschwerdeführer sodann vorbringt, sein Vermögen sei im Mai 2022 blo-
ckiert worden (act. 1 S. 23); zu diesem Zeitpunkt sich auf den Konten  keine CHF 10'000.-- befunden hätten; es aktuell CHF 4'955.-- seien (act. 1 S. 24);
- der Beschwerdeführer geltend macht, seine Sache sei dringend; er mangels
Bankkontos als Rechtsanwalt weder Mandantengelder empfangen noch auszahlen könne; er weder in der Lage sei, seine anwaltlichen Bürokosten zu bezahlen, noch seine privaten Ausgaben bestreiten könne; er auch nicht in der Lage sei, seinen Unterhaltsverpflichtungen, die gegenüber seiner  bestünden, nachzukommen oder öffentliche Abgaben wie Steuern zu zahlen (act. 1 S. 24);
- der Beschwerdeführer argumentiert, «aufgrund der späten Bekanntmachung
der Kontosperre» die Staatsanwaltschaft ihn daran gehindert habe, seine Rechte wirksam geltend zu machen; er ausführt, ihm seien dadurch seit Mai erhebliche Schäden entstanden, denn er habe sich – insbesondere mangels Bargeld – in der ersten Zeit nach der Sperre nur durch peinliches Ausleihen von Bargeld durch Freunde am Leben erhalten; dadurch zusätzlich sein Ruf als erfolgreicher Rechtsanwalt erheblich und dauerhaft geschädigt worden sei (act. 1 S. 25);
- der Beschwerdeführer die Wiederherstellung der Beschwerdefrist verlangt;
er geltend macht, ihm sei die angefochtene Verfügung erst am 12. Dezember 2022 mit der Einladung zur Einigungsverhandlung bekannt gemacht worden; er bis am 10. Dezember 2022 in Italien im Jahresurlaub gewesen sei (act. 1 S. 26); die Beschwerdefrist wiederherzustellen sei, weil ihm kein Vorwurf  werden könne; er wegen Urlaubs aus hinreichenden objektiven oder subjektiven Gründen davon abgehalten gewesen sei, fristgerecht zu handeln oder eine Vertretung zu bestellen; er nach dem Verlauf des  in Deutschland nicht damit habe rechnen müssen, dass ihm ein  Verfahren in der Schweiz mitgeteilt werden würde, nachdem seit der Kontosperre bereits ein halbes Jahr vergangen gewesen sei (act. 1 S. 26);
- vorliegend kein Schriftenwechsel durchgeführt wurde (vgl. Art. 57 Abs. 1
VwVG e contrario).
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Considerations:
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- die Verfügung der ausführenden kantonalen Behörde oder der ausführenden Bundesbehörde, mit der das Rechtshilfeverfahren abgeschlossen wird,  mit den vorangehenden Zwischenverfügungen der Beschwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts unterliegt (Art. 80e Abs. 1 IRSG);
- der Schlussverfügung vorangehende Zwischenverfügungen nur selbständig
angefochten werden können, sofern sie durch die Beschlagnahme von  und Wertgegenständen (Art. 80e Abs. 2 lit. a IRSG) einen unmittelbaren und nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken;
- die Beschwerdefrist gegen die Schlussverfügung 30 Tage beträgt, gegen
eine Zwischenverfügung zehn Tage ab der schriftlichen Mitteilung der  (Art. 80k IRSG);
- eine Verpflichtung zur Zustellung von Verfügungen an die Berechtigten nur
besteht, wenn diese einen Wohnsitz oder zumindest ein Zustellungsdomizil im Inland haben (Art. 80m Abs. 1 IRSG);
- Art. 9 IRSV präzisiert, dass eine Partei oder ihr Rechtsbeistand, die im Aus-
land wohnen, ein Zustellungsdomizil in der Schweiz bezeichnen müssen;  sie dies, kann die Zustellung unterbleiben;
- im letztgenannten Fall die Verfügung – zumindest in Verfahren, in denen es
um die Übermittlung von Bankunterlagen geht – der Bank zur Kenntnis  wird; diese nach Art. 80n Abs. 1 IRSG berechtigt und aufgrund des Vertrags mit ihrem Kunden verpflichtet ist, diesen über das Vorliegen des Rechtshilfeersuchens und alle damit zusammenhängenden Tatsachen zu , sofern die zuständige Behörde dies nicht ausnahmsweise unter Hinweis auf Art. 292 StGB und dessen Strafandrohung ausdrücklich  hat (vgl. BGE 124 II 124 E. 2d S. 127); vom Kontoinhaber zu vertreten ist, wenn die Bank den Kontoinhaber nicht rechtzeitig über die Eintretens- und Zwischenverfügung informiert hat oder dies allenfalls mangels gültiger Adresse nicht tun konnte (vgl. hierzu auch Urteil des Bundesgerichts 1A.54/2000 vom 3. Mai 2000 E. 2a);
- der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben aktuell über Anwaltsbüros
in verschiedenen Ländern verfügt, unter anderem in der Schweiz; er auch angibt, in der Schweiz zu wohnen (s.o.);
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- der Beschwerdeführer allerdings vorliegend nicht geltend macht, er habe die Bank über seine Wohnadresse in der Schweiz informiert, was in den edierten Bankunterlagen ersichtlich sei; er bringt ebenso wenig vor, gegenüber der Beschwerdegegnerin oder der Bank eine Zustelladresse in der Schweiz  zu haben; mit Blick auf Art. 80m Abs. 1 IRSG insofern kein  auszumachen ist, wenn in den Bankunterlagen kein Hinweis auf eine Wohnadresse oder Zustelladresse eines Rechtsvertreters in der Schweiz besteht;
- ungeachtet dessen der Beschwerdeführer sodann selber geltend macht, ihm
seien seit Mai 2022 aufgrund der Kontosperren Schäden entstanden (s.o.); demnach seinen eigenen Angaben zufolge er seit diesem Zeitpunkt von der streitigen Anordnung Kenntnis hat; ihm somit aus der geltend gemachten fehlenden Eröffnung keine Nachteile entstanden sind;
- seine Beschwerde vom 12. Dezember 2022 somit offensichtlich verspätet
erhoben wurde;
- die Frist wiederhergestellt wird, wenn der Gesuchsteller oder sein Vertreter
unverschuldeterweise abgehalten worden ist, binnen Frist zu handeln, sofern er unter Angabe des Grundes innert 30 Tagen nach Wegfall des  darum ersucht und die versäumte Rechtshandlung nachholt (Art. 24 Abs. 1 VwVG);
- im Interesse der Rechtssicherheit und eines geordneten Verfahrens ein Hin-
derungsgrund nicht leichthin angenommen werden darf; als unverschuldet i.S.v. Art. 24 Abs. 1 VwVG ein Versäumnis nur dann gelten kann, wenn dafür objektive Gründe vorliegen und der Partei bzw. der Vertretung keine  vorgeworfen werden kann; als erheblich mit anderen Worten nur solche Gründe zu betrachten sind, die der Partei auch bei Aufwendung der üblichen Sorgfalt die Wahrung ihrer Interessen verunmöglicht oder  erschwert hätten (vgl. Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts A-7384/2008 vom 20. November 2008 E. 2);
- den Ausführungen des Beschwerdeführers (s.o.) nichts zu entnehmen ist,
weshalb er im Mai 2022 unverschuldeterweise davon abgehalten worden sein soll, innert Frist zu handeln, weshalb das Gesuch um Wiederherstellung der Frist abzuweisen ist;
- folgerichtig auf die Beschwerde nicht einzutreten ist;
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- auf die Beschwerde des Beschwerdeführers im Übrigen ohnehin nicht  gewesen wäre, wie aus den nachfolgenden Erwägungen  wird:
- die beschwerdeführende Person nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung mit konkreten Angaben glaubhaft machen muss, inwiefern die  Beschlagnahme von Vermögenswerten zu einem nicht wieder gutzumachenden Nachteil führt, wenn sich die Beschwerde, wie vorliegend, gegen eine Zwischenverfügung richtet;
- in Betracht insbesondere drohende Verletzungen von konkreten vertragli-
chen Verpflichtungen, unmittelbar bevorstehende Betreibungsschritte, der drohende Entzug von behördlichen Bewilligungen oder das Entgehen von konkreten Geschäften kommen;
- der drohende unmittelbare und nicht wieder gutzumachende Nachteil glaub-
haft gemacht werden muss; die blosse Behauptung eines solchen Nachteils genügt nicht (zum Ganzen BGE 130 II 329 E. 2 S. 332; 128 II 353 E. 3 S. 354, je m.w.H.; Urteile des Bundesgerichts 1A.81/2006 vom 21. Juli 2006 E. 2 und 1A.183/2006 vom 1. Februar 2007 E. 1.2);
- ein unmittelbarer und nicht wieder gutzumachender Nachteil sodann in Be-
tracht kommen kann, wenn die Beschlagnahme Mittel betrifft, die eine  für ihren Unterhalt benötigt (s. Urteile des Bundesgerichts 1A.265/2000 vom 28. November 2000 E. 2.c/cc; 1A.183/2006 vom 1. Februar 2007 E. 2.2); auch hier allerdings konkret glaubhaft gemacht werden muss, dass der Betroffene angesichts der Kontensperre seine Lebenshaltungskosten nicht mehr decken kann (a.a.O.);
- gestützt auf die Darstellung des Beschwerdeführers (s.o.) bereits im Ansatz
keine Rede von einem drohenden unmittelbaren und nicht wieder  Nachteil im Dezember 2022 angesichts der seit Mai 2022  Kontosperren sein kann;
- dessen ungeachtet es sich ohnehin bei den Ausführungen des Beschwerde-
führers, wonach er über keine anderen als die gesperrten Vermögenswerte in der Höhe von CHF 4'955.-- verfügen soll, um eine reine Behauptung , die durch nichts belegt ist (z.B. Auszug der aktuellen Steuererklärung des Beschwerdeführers);
- es damit bei einer blossen Behauptung eines unmittelbaren und nicht wie-
dergutzumachenden Nachteils bleibt, was jedoch unter Hinweis auf die
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zitierte Rechtsprechung für die selbständige Anfechtung einer  nicht genügt;
- die Gerichtskosten bei diesem Ausgang des Verfahrens dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG);
- die Gerichtsgebühr auf Fr. 2‘000.-- festzusetzen ist (Art. 63 Abs. 5 VwVG
i.V.m. Art. 73 StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. b des Reglements des  vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und  in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]).
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