Decision ID: 75d11488-566f-4e2e-a9c9-dfe70d46ebe6
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Der 1962 geborene B. war vom 1. Oktober 2017 bis am 31. Januar 2021
als Projektleiter und vom 1. Februar 2021 bis am 30. April 2021 als Leiter
Administration und Projektierung angestellt. Am 4. Mai 2021 meldete er
sich beim zuständigen Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur
Arbeitsvermittlung an und beantragte am 5. Mai 2021 Arbeitslosenentschä-
digung ab dem 4. Mai 2021. Per 31. Oktober 2021 wurde er von der Ar-
beitsvermittlung abgemeldet, weil er selber eine Stelle gefunden hatte. Am
20. Dezember 2021 stellte er zusammen mit der Beschwerdeführerin ein
Gesuch um Einarbeitungszuschüsse für die Dauer von zwölf Monaten für
seine Einarbeitung als COO Leiter operatives Geschäft bei der Beschwer-
deführerin mit Stellenantritt am 1. November 2021. Mit Verfügung vom
22. Dezember 2021 lehnte der Beschwerdegegner das Gesuch um Einar-
beitungszuschüsse ab. Die dagegen erhobene Einsprache wies der Be-
schwerdegegner mit Einspracheentscheid vom 20. Januar 2022 ab.
2.
2.1.
Gegen den Einspracheentscheid vom 20. Januar 2022 erhob die Be-
schwerdeführerin mit Eingabe vom 11. Februar 2022 fristgerecht Be-
schwerde und stellte nachfolgende Rechtsbegehren:
"1. Der Einspracheentscheid der Vorinstanz vom 20. Januar 2022 sei ; dem Gesuch um Ausrichtung von Einarbeitungszuschüssen vom 20. Dezember 2021 sei zu entsprechen und die  seien ab dem 1. November 2021 auszurichten;
2. eventualiter sei dem Gesuch um Ausrichtung von Einarbeitungszu-
schüssen vom 20. Dezember 2021 zu entsprechen und die  seien ab dem 20. Dezember 2021 auszurichten;
3. subeventualiter sei der Einspracheentscheid aufzuheben und die Sa-
che zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des ."
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 14. März 2022 beantragte der Beschwerdegeg-
ner die Abweisung der Beschwerde.
2.3.
Mit Replik vom 28. März 2022 hielt die Beschwerdeführerin an den gestell-
ten Anträgen fest.
- 3 -

Considerations:
Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Vorab ist auf die formelle Rüge der Beschwerdeführerin einzugehen, wo-
nach der Beschwerdegegner den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt
habe, indem er im Einspracheentscheid vom 20. Januar 2021 (Vernehm-
lassungsbeilage [VB] 43) neu vorgebracht habe, dass aus dem Einarbei-
tungsplan nicht genügend hervorgehe, worin die ausserordentliche Einar-
beitung liege, ohne dass der Beschwerdeführerin Gelegenheit zur Stellung-
nahme geboten worden wäre (vgl. Beschwerde S. 7 f.; 13).
1.2.
1.2.1.
Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderer-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass
eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein-
greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Er-
lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise
beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan-
trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent-
weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf
rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die
einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Stand-
punkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGE 135 I 279 E. 2.3 S. 282; 135
II 286 E. 5.1 S. 293; 132 V 368 E. 3.1 S. 370 mit Hinweisen).
1.2.2.
Nach der Rechtsprechung kann eine – nicht besonders schwerwiegende –
Verletzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten,
wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwer-
deinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei
überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/aa). Von einer Rückweisung der
Sache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung
des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückwei-
sung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzöge-
rungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Inte-
resse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache
nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis).
1.3.
Es trifft zu, dass der Beschwerdegegner das Gesuch um Einarbeitungszu-
schüsse in der Verfügung vom 22. Dezember 2021 (VB 99) einzig mit der
Begründung einer verspäteten Einreichung des Gesuchs abgelehnt hat.
- 4 -
Erst im Einspracheentscheid vom 20. Januar 2022 ergänzte der Beschwer-
degegner die Begründung, dass anhand des Einarbeitungsplans nicht
nachvollziehbar sei, worin die ausserordentliche Einarbeitung von B. liege
(VB 44 f.). Entsprechend war es der Beschwerdeführerin im vorinstanzli-
chen Verfahren nicht möglich, sich hierzu zu äussern.
Vorliegend entscheidet das hiesige Versicherungsgericht jedoch mit voller
tatsächlicher und rechtlicher Kognition und die Beschwerdeführerin konnte
sich anlässlich des Beschwerdeverfahrens ausreichend äussern. Demge-
genüber würde eine Rückweisung der Sache aufgrund der geltend ge-
machten Verletzung des rechtlichen Gehörs zu einem formalistischen Leer-
lauf und damit zu unnötigen Verzögerungen des Verfahrens führen, die mit
dem Interesse an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu ver-
einbaren wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_393/2017 vom 20. Sep-
tember 2017 E. 4.2. mit Hinweis). Die Verletzung des rechtlichen Gehörs
ist daher vorliegend als geheilt zu betrachten.
2.
Streitig und zu prüfen ist, ob das Gesuch um Einarbeitungszuschüsse zu
Recht mit Einspracheentscheid vom 20. Januar 2022 (VB 43) abgewiesen
wurde.
3.
3.1.
Nach Art. 1a Abs. 2 AVIG gehört zu den Zielen des Gesetzes, drohende
Arbeitslosigkeit zu verhüten und bestehende zu bekämpfen sowie die ra-
sche und dauerhafte Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu fördern. Diesem
Zweck dienen die in Art. 59 ff. AVIG geregelten arbeitsmarktlichen Mass-
nahmen (Präventivmassnahmen).
3.2.
Zu den Präventivmassnahmen bzw. den speziellen Massnahmen im Sinne
von Art. 59 Abs. 1bis AVIG zählt unter anderem die in Art. 65 AVIG gere-
gelte Gewährung von Einarbeitungszuschüssen. Nach dieser Bestimmung
können erschwert vermittelbaren Versicherten, die in einem Betrieb einge-
arbeitet werden und deshalb einen verminderten Lohn erhalten, Einarbei-
tungszuschüsse gewährt werden, wenn der verminderte Lohn mindestens
der während der Einarbeitungszeit erbrachten Arbeitsleistung entspricht
(lit. b) und wenn die versicherte Person nach der Einarbeitung mit einer
Anstellung zu orts- und branchenüblichen Bedingungen, allenfalls unter
Berücksichtigung einer dauernd verminderten Leistungsfähigkeit, rechnen
kann (lit. c). Diese Massnahme soll die konkrete dauerhafte Wiedereinglie-
derung einer arbeitslosen Person an einem bestimmten Arbeitsplatz för-
dern (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_363/2014 vom 23. September
2014 E. 5.2).
- 5 -
3.3.
Die Vermittlung einer versicherten Person gilt nach Art. 90 Abs. 1 AVIV als
erschwert, wenn sie bei der herrschenden Arbeitsmarktlage besonders
grosse Schwierigkeiten hat, eine Stelle zu finden, weil sie in fortgeschritte-
nem Alter steht (lit. a), körperlich, psychisch oder geistig behindert ist
(lit. b), ungenügende berufliche Voraussetzungen mit sich bringt (lit. c), be-
reits 150 Taggelder bezogen hat (lit. d) oder in einer Zeit erhöhter Arbeits-
losigkeit nach Art. 6 Abs. 1ter AVIV mangelnde berufliche Erfahrungen auf-
weist (lit. e). Diese Aufzählung ist abschliessend (BGE 112 V 248 E. 3c
S. 252 f.).
3.4.
Die Einarbeitungszuschüsse müssen an strenge Voraussetzungen gebun-
den und begrenzt werden, damit sie weder Lohndrückerei noch Subventio-
nierung von Arbeitgebern zur Folge haben (vgl. Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts C 371/99 vom 22. September 2000 E. 1b mit Hin-
weisen). Sie können nur gewährt werden, wenn die Vermittelbarkeit einer
versicherten Person stark erschwert ist und eine arbeitsmarktliche Indika-
tion vorliegt. Diese beiden Voraussetzungen sollen verhindern, dass Leis-
tungen zu Zwecken in Anspruch genommen werden, die nicht mit der Ar-
beitslosenversicherung in Zusammenhang stehen. Es ist nicht Sache der
Arbeitslosenversicherung, generell die durch die Einarbeitung eines Arbeit-
nehmers entstandenen Kosten zu übernehmen, welche normalerweise je-
dem Arbeitgeber erwachsen (BGE 112 V 248 E. 3b S. 251).
4.
4.1.
4.1.1.
Zu prüfen ist, ob die Vermittelbarkeit von B. auf Grund fortgeschrittenen
Alters (Art. 65 AVIG i.V.m. Art. 90 Abs. 1 lit. a AVIV), ungenügender beruf-
licher Voraussetzungen (Art. 65 AVIG i.V.m. Art. 90 Abs. 1 lit. c AVIV), we-
gen bereits erfolgten Bezugs von 150 Taggeldern (Art. 65 AVIG i.V.m.
Art. 90 Abs. 1 lit. d AVIV) und/oder mangelnder beruflicher Erfahrung
(Art. 65 AVIG i.V.m. Art. 90 Abs. 1 lit. e AVIV) erschwert ist (vgl. Be-
schwerde S. 5 ff.). Demgegenüber steht nach der Aktenlage fest und ist im
Übrigen unbestritten, dass er die in Art. 90 Abs. 1 lit. b AVIV geregelte (al-
ternative) Voraussetzung (körperliche, psychische oder geistige Behinde-
rung) nicht erfüllt.
Hinzuweisen ist darauf, dass Einarbeitungszuschüsse nicht davon abhän-
gig sind, wie gut oder schnell sich eine versicherte Person bei der konkre-
ten neuen Arbeitsstelle einarbeiten kann, sondern massgebend sind einzig
und allein die objektiven Faktoren, welche Voraussetzung für die Gewäh-
rung von Einarbeitungszuschüssen sind. Es ist namentlich nicht die Arbeit-
geberin, welcher ein Anspruch auf Einarbeitungszuschüsse zusteht, son-
- 6 -
dern die versicherte Person, welche aufgrund ihrer erschwerten Vermitt-
lungsfähigkeit eine Chance erhalten soll, bei einer neuen Arbeitsstelle neu
anzufangen. Entsprechend kann ein Betrieb, welcher bereit ist, eine fach-
fremde Person bei sich anzustellen und in die neue Materie einzuarbeiten,
keine Einarbeitungszuschüsse verlangen, wenn die einzustellende Person
nicht erschwert vermittelbar ist. Nachfolgend ist daher lediglich zu prüfen,
ob B. als erschwert vermittelbar gemäss Art. 90 Abs. 1 AVIV zu beurteilen
ist.
4.1.2.
Für das in Art. 90 Abs. 1 lit. a AVIV festgehaltene fortgeschrittene Alter als
Anspruchsvoraussetzung für Einarbeitungszuschüsse sind mit Blick auf die
im Rahmen der vierten AVIG-Revision vom 19. März 2010 verfolgte gesetz-
liche Konzeption der Unterstützung von älteren Arbeitslosen (vgl. Art. 59
Abs. 3bis, Art. 66 Abs. 2bis AVIG) darunter Versicherte zu verstehen, die das
50. Altersjahr vollendet haben oder kurz davor stehen (THOMAS NUSSBAU-
MER, Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Bd. XIV, Soziale Sicherheit, 3. Aufl.
2016, Rz. 740 S. 2488). Massgebend ist jedoch jeweils die individuelle Si-
tuation der versicherten Person im Einzelfall (vgl. AVIG-Praxis AMM Rz. J5
[in der ab 1. Januar 2022 geltenden Fassung]).
Vorliegend war der am 24. Januar 1962 geborene B. im Zeitpunkt des mas-
sgebenden Einspracheentscheides vom 20. Januar 2022 (VB 43) knapp 60
Jahre alt und befand sich daher bereits in einem fortgeschrittenen Alter in
Sinne von Art. 90 Abs. 1 lit. a AVIV. Die Frage nach einer erschwerten Ver-
mittlungsfähigkeit aufgrund des Alters ist indes, wie bereits erwähnt, an-
hand der konkreten Situation im Einzelfall zu beurteilen. Gemäss bundes-
gerichtlicher Rechtsprechung kann in grundsätzlicher Hinsicht bei einer im
Anstellungszeitpunkt 62-jährigen versicherten Person die erschwerte Ver-
mittlungsfähigkeit auf Grund des Alters auch verneint werden (Urteil des
Bundesgerichts 8C_363/2014 vom 23. September 2014 E. 5.2). Ein ge-
wichtiges Indiz gegen eine erschwerte Vermittlungsfähigkeit von B. auf
Grund seines Alters stellt der Umstand dar, dass er bereits nach einer re-
lativ kurzen Zeit seit Beginn der Arbeitslosigkeit am 1. Mai 2021 (VB 165)
am 11. Oktober 2021 per 1. November 2021 (VB 115; 117) auf Grund ei-
gener Stellenbemühungen für eine mit Blick auf die beiden letzten Arbeits-
stellen (VB I 50 f., 60 f.) vergleichbare Arbeitsstelle als COO Leiter operati-
ves Geschäft (VB 115) angestellt wurde. Zudem wurde er in dieser Zeit
auch zu anderen Vorstellungsgesprächen eingeladen (VB 76).
Es kann damit trotz seines Alters nicht von einer altersbedingten besonde-
ren Schwierigkeit zum Finden einer Stelle die Rede sein. Demzufolge erfüllt
B. die Voraussetzung einer erschwerten Vermittelbarkeit auf Grund fortge-
schrittenen Alters im Sinne von Art. 90 Abs. 1 lit. a AVIV nicht.
- 7 -
4.1.3.
Der Begriff der ungenügenden beruflichen Voraussetzungen gemäss
Art. 90 Abs. 1 lit. c AVIV ist weit auszulegen; er erfasst unter anderem feh-
lende berufliche Ausbildung, mangelnde berufliche Erfahrung, arbeits-
marktlich nicht mehr verwertbare Ausbildung oder Berufe, lange Absenz im
erlernten Beruf sowie mangelnde berufliche und sprachliche Fertigkeiten
(BGE 112 V 248 E. 3c S. 252 f.; THOMAS NUSSBAUMER, a.a.O., Rz. 740
S. 2488).
B. hat ausweislich der Akten im Jahr 1982 die Ausbildung zum Maschinen-
schlosser EFZ abgeschlossen, danach als Maschinenschlosser und Me-
chaniker gearbeitet, bis er in den Jahren 1990 und 1991 das Handelsdiplom
absolvierte und danach als Personalbearbeiter, als Sachbearbeiter Verkauf
Innendienst, als Verkaufsberater Aussendienst und wiederum als Mecha-
niker angestellt war. Ab 1995 bis 2017 war er dann in verschiedenen Tätig-
keiten bei der C. angestellt im Verkauf Stahl/Metalle, als Abteilungsleiter,
im Verkauf Spenglerei Produkte und als Leiter Produktmanagement Was-
serversorgung und Tiefbau. Von Januar 2002 bis Januar 2003 hatte er
noch eine Weiterbildung an der School for Leadership absolviert. Von Ok-
tober 2017 bis Januar 2021 war er dann als Projektleiter und von Februar
bis April 2021 als Leiter Administration und Projektierung in zwei weiteren
Unternehmen angestellt (VB 72 f.; I 50). B. weist damit langjährige berufli-
che Erfahrung auf und es liegen weder eine lange Absenz vom Arbeits-
markt noch mangelnde berufliche Fertigkeiten vor. Überdies wurde im Ge-
such um Einarbeitungszuschüsse ausgeführt, eine intensivere Einarbei-
tung sei notwendig, da es für B. eine neue Branche bzw. ein neues Fach-
gebiet sei (VB 109). Auch dem Einarbeitungsplan ist zu entnehmen, dass
die im Rahmen der Einarbeitung geplanten Massnahmen (November 2021
bis Ende Januar 2022: Kennenlernen des Betriebes, Heizungstechnische
Einführung, Grundkenntnisse, Lüftungstechnische Einführung, Grund-
kenntnisse, Klima- und Kältetechnische Einführung, Grundkenntnisse,
Baustellenbesuche / Besichtigungen; Februar bis Ende April 2022: Kurs
Grundlagen des Personalwesens, Seminare Personalrecht; Mai bis Ende
Juli 2022: Seminare SUVA, Seminare / Weiterbildungen Kurs SiBe; August
bis Ende Oktober 2022: Seminare zum Qualitätsmanagement, überarbei-
ten / neu erarbeiten der Dokumente; VB 110) nicht etwa wegen allfälliger
schlechter beruflicher Voraussetzungen erforderlich sind, sondern auf-
grund des Umstands, dass B. sich entschieden hat, eine Beschäftigung in
einer für ihn neuen Branche aufzunehmen (vgl. Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts C 371/99 vom 22. September 2000 E. 3a). Bei den
im Einarbeitungsplan vorgesehenen Einführungen handelt es sich im Übri-
gen teilweise um Einführungen, welche die Beschwerdeführerin jeder neu
angestellten Person in der für B. vorgesehenen Funktion hätte gewähren
müssen, so insbesondere beim Kennenlernen des Betriebes und bei den
Baustellenbesuchen sowie den Besichtigungen (VB 110). Dabei handelt es
- 8 -
sich um generelle Einarbeitungskosten, die normalerweise jedem Arbeitge-
ber erwachsen (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
C 371/99 vom 22. September 2000 E. 3b).
Insgesamt wurde die Einarbeitung damit nicht zufolge schlechter berufli-
cher Voraussetzungen notwendig, womit keine erschwerte Vermittelbarkeit
im Sinne von Art. 90 Abs. 1 lit. c AVIV vorliegt.
4.1.4.
Die Vermittlung einer versicherten Person gilt ebenfalls als erschwert, wenn
sie bereits 150 Taggelder bezogen hat (Art. 90 Abs. 1 lit. d AVIV). B. mel-
dete sich per 4. Mai 2021 zum Leistungsbezug an (VB I 34, 89). Mit Melde-
blatt vom 18. Oktober 2021 meldete er sich per 1. November 2021 wieder
ab (VB 113). Gemäss der vorliegend relevanten Taggeldabrechnung von
Oktober 2021 hatte er zu diesem Zeitpunkt erst 114 Taggelder bezogen
(VB I 8). Da er somit per 1. November 2021 noch keine 150 Taggelder be-
zogen hatte, gilt er auch nicht als erschwert vermittelbar im Sinne von
Art. 90 Abs. 1 lit. d AVIV.
4.1.5.
Die in Art. 90 Abs. 1 lit. e AVIV aufgeführten "mangelnde[n] berufliche[n]
Erfahrungen" wurden mit dem Zweck eingeführt, dass jungen arbeitslosen
Personen ebenfalls ein Anspruch auf Einarbeitungszuschüsse zukommt,
sofern Zeiten erhöhter Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 6 Abs. 1ter AVIV
herrschen (THOMAS NUSSBAUMER, a.a.O., Rz. 740 S. 2488). Eine erhöhte
Arbeitslosigkeit liegt vor, wenn die durchschnittliche Arbeitslosenquote der
vergangenen sechs Monate in der Schweiz 3.3 Prozent übersteigt (vgl.
Art. 6 Abs. 1ter AVIV). Die Arbeitslosenquote lag von Mai bis Oktober 2021
zwischen 2.5 % (Oktober 2021) und maximal 3.1 % (Mai 2021; abrufbar
unter https://www.seco.admin.ch/seco/de/home/Arbeit/Arbeitslosenversi-
cherung/arbeitslosenzahlen.html; zuletzt besucht am 14. Juli 2022) und da-
mit klar unter 3.3 %. B. ist daher nicht erschwert vermittelbar im Sinne von
Art. 90 Abs. 1 lit. e AVIV.
4.2.
Schliesslich ist aus dem unbefristet abgeschlossenen Arbeitsvertrag vom
11. Oktober 2021 und dem Gesuch um Einarbeitungszuschüsse auch nicht
ersichtlich, dass nach der Einarbeitungszeit von zwölf Monaten eine Ände-
rung des Lohnes vorgesehen war (VB 109, 115), was indessen gemäss
Art. 65 lit. c AVIG Voraussetzung für Einarbeitungszuschüsse ist.
4.3.
Nach dem Dargelegten können mangels erfüllter Voraussetzung einer er-
schwerten Vermittelbarkeit und eines verminderten Lohns keine Einarbei-
tungszuschüsse im Sinne von Art. 65 AVIG gewährt werden. Damit kann
- 9 -
offenbleiben, ob das Gesuch verspätet eingereicht wurde bzw. welche Fol-
gen die verspätete Einreichung hätte (vgl. Beschwerde S. 9 ff.). Der Ein-
spracheentscheid vom 20. Januar 2022 (VB 43) erweist sich folglich im Er-
gebnis als rechtens.
5.
5.1.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2.
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG).
5.3.
Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens
(Art. 61 lit. g ATSG) und dem Beschwerdegegner aufgrund seiner Stellung
als Sozialversicherungsträger (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-
spruch auf Parteientschädigung zu.