Decision ID: 8c653be4-2ccd-4a6c-a464-82087d335ab4
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1963, meldete sich am 5. März 2002 bei der Invali
den
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 9/1). Die Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach dem Versicherten nach getätig
ten Abklärungen mit Ver
fügungen vom 7. April 2006 (Urk. 9/47) sowie 27. Oktober 2006 (Urk. 9/54) ab 1. April 2002 eine ganze Rente zu.
Am 28. Oktober 2011 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, der Renten
an
spruch sei unverändert (Urk. 9/78).
1.2
Am 11. November 2011 beantragte die Pensionskasse des Versicherten gestützt auf ein von ihr veranlasstes psychiatrisches Gutachten (Urk. 9/79) eine Neuprüfung der Rente (Urk. 9/80). Daraufhin holte die IV-Stelle ein psych
iatrisches Gutachten ein, welches am 3. Dezember 2012 erstattet wurde (Urk. 9/103 = Urk. 3/3). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 9/136, Urk. 9/139, Urk. 9/144-146, Urk. 9/150-151, Urk. 9/154) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 19. November 2015 (Urk. 9/155 = Urk. 2) die bisherige ganze Rente auf Ende des folgenden Monats nach Zustellung der Verfügung auf.
2.
Der Versicherte erhob am 5. Januar 2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom 19. November 2015 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm auch über den verfügungsweise festgelegten Einstellungszeitpunkt hinaus eine ganze Rente zuzusprechen (Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 26. Februar 2016 (Urk. 7) die Abweisung der Beschwerde. Am 20. Juni 2016 reichte der Beschwerdeführer die Replik (Urk. 13) ein und beantragte, eventuell sei der bisherige Rentenanspruch nach Durchführung eines durch das Gericht in Auftrag gegebenen medizini
schen Gutachtens zu bestätigen. Mit Schreiben vom 21. Juli 2016 (Urk. 15) verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die Duplik, was dem Beschwerde
führer am 22. August 2016 (Urk. 16) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Drei
viertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Renten
bezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgeho
ben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invalidi
tätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesund
heitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesent
li
chen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditäts
bemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.4
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fallen leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie erwiese
nermassen therapieresistent sind (statt vieler:
BGE 140 V 193
E.
3.3 mit Hin
weis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut angehbar sind - gesetzlich verlangten Konstellation ist den no
rmativen Anforderungen des Art. 7 Abs.
2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (
BGE 141 V 281
E. 3.7.1 bis 3.7.3
). Ein solcher Sachverhalt muss überwiegend wahrscheinlich und darf nicht lediglich nicht auszuschliessen sein. Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konse
quent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stationären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausge
C._
t wurden (
BGE 140 V 193
E. 3.3
;
BGE
137 V 64
E.
5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bun
desgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E.
4.1).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rück
weisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensent
scheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheidrelevante Sachverhalt unge
nügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. Sep
tember 2003 E. 5.2).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betreffende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der – anschliessend reformatorisch entscheidenden – Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurückzuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.4, publiziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S. 3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in ihrer Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sowohl auf der Symp
tom- als auch auf der Aktivitätsebene verbessert habe. Dr. Y._ habe im psychiatrischen Gutachten eine Arbeitsfähigkeit von mindestens fünf, möglicherweise sieben bis acht Stunden aufgeführt. Als Diagnosen habe er ein dysfunktionales, maladaptives Verhalten ohne Krankheitswert, eine soge
nannte Symptomausweitung sowie eine mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom genannt. Was die mittelgradige depressive Epi
sode betreffe sei festzuhalten, dass der Versicherte einige Restaktivitäten aufweise. Weshalb nun lediglich eine Arbeitsfähigkeit von fünf Stunden und dies auch nur im sekundären Arbeitsmarkt möglich sein solle, sei nicht nachvollziehbar. Dass die Arbeitsfähigkeit erst nach einer sozialpsychiatri
schen Rehabilitation umsetzbar sei, bleibe unbeachtlich, denn diese Rehabi
litation sei auf die vorliegende Dekonditionierung zurückzuführen. Diese stelle keinen Gesundheitsschaden dar und müsse als invaliditätsfremder Faktor unberücksichtigt bleiben. Deshalb gingen sie von einer vollschichtig verwertbaren Arbeitsfähigkeit aus (S. 2). Aufgrund der medizinischen Beur
teilung sei die angestammte Tätigkeit nicht mehr zumutbar. Eine leichte kör
perliche Arbeit sei hingegen zu einem vollen Pensum zumutbar (S. 3).
2.2
Der Beschwerdeführer vertrat aus näher genannten Gründen (S. 4 ff. Ziff. 9 ff.) die Ansicht, dass die Beschwerdegegnerin zu Unrecht die bisher laufende ganze Rente entzogen habe, indem sie ohne rechtliche Befugnis von Aussa
gen im psychiatrischen Gutachten zu seinen Lasten abgewichen sei und die nachgewiesenen somatischen Probleme im Resultat einfach negiert worden seien (S. 9 Ziff. 23).
2.3
Strittig ist die revisionsweise Aufhebung der bisher ausgerichteten ganzen Rente, wobei namentlich zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers derart verbessert hat, dass nunmehr in einer leichten kör
perlichen Tätigkeit eine vollständige Arbeitsfähigkeit besteht.
Die letztmalige Rentenüberprüfung fand mit Mitteilung vom 28.
Oktober 2011 (
Urk.
9/78) ihren Abschluss. Dazu holte
die Beschwerdegegnerin
Arzt
berichte ein und legte diese dem RAD zur Beurteilung vor. Damit liegt eine materielle Leistungsüberprüfung vor und es ist zu prüfen, ob
zwischen der Rentenbestätigung vom
2
8.
Oktober 2011 und
der hier angefochtenen Verfü
gung vom 19. November 2015
eine
anspruchsrelevante
Veränderung des Gesundheitszustands eingetreten ist.
3.
3.1
Der Rentenbestätigung vom 28. Oktober 2011 (Urk. 9/78) lagen die folgenden Berichte zugrunde.
3.2
Dr. med. Z._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Gastro
enterologie, A._, K
linik für Ga
stroenterologie und Hepatologie
,
führte mit Bericht vom 28. Juni 2011 (Urk. 9/74) aus, der Beschwerdeführer erhalte eine Rente bei Status nach Polytrauma (Gabel
stapler-Unfall) im Jahr 2000. Aktuell werde er wegen mehrmonatigen bluti
gen Durchfällen betreut. Es habe sich die Diagnose einer distalen Colitis ulcerosa gezeigt, welche nun medikamentös in Remission habe gebracht werden können (Ziff. 2). Wenn die Therapie konsequent fortgeführt werde, könne erwartet werden, dass zurzeit keine Beschwerden auftreten würden. Eine Colitis ulcerosa sei allerdings eine möglicherweise schubweise verlau
fende Krankheit, eine Prognose sei deshalb schwierig (Ziff. 4).
3.3
Dr.
med.
B._
,
praktischer Arzt, führte mit Bericht vom 29.
Juli 2011
(Urk. 9/75/1-4) aus, er behandle den Beschwerdeführer seit 2001 (S. 1 Ziff. 1.2) und nannte die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 Ziff. 1.1):
-
chronische schwere Depression
-
sensomotorische Ulnarisparese rechts bei Status nach mehrmaliger Ope
ration im Ellbogenbereich rechts
-
Status nach Radiusköpfchenfraktur rechts 1995
-
Status nach Ellbogenkontusion im Juli 2000
-
distale Colitis ulcerosa
Der Beschwerdeführer sei aus somatischer wie auch aus psychischer Sicht massiv eingeschränkt. Es bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten in der freien Wirtschaft (S. 2 Ziff. 1.7).
3.4
PD Dr. med. C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte mit Bericht
vom 1
7.
September 2011 (
Urk.
9/76
/5-9
)
aus, er habe den Beschwerdeführer am 28. Mai 2011 erstmals untersucht (S. 1 Ziff. 1.2) und nannte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit die folgenden Diagnosen (S. 1 Ziff. 1.1):
-
chronifizierte schwere Depression (ICD-10 F32.2)
-
Persönlichkeitsveränderung nach langer und dauernder psychischer Störung (ICD-10 F62.1) und nach chronischen Schmerzen (ICD-10 F62.8)
Die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung sei nicht gegeben, weil das Kriterium der „Verbindung mit emotionalen Konflikten und psychosozialen Faktoren“ nicht aufgezeigt werden könne. Der Beschwerdeführer sei aus psychischen Gründen (Depression, Persönlichkeits
veränderung) seit 2006 zu 100 % arbeitsunfähig. Nicht berücksichtigt sei die somatische Komponente der Beschwerden und ihre Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 4 Ziff. 1.6).
3.5
Dr. med. D._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, führte mit Stellungnahme vom 13. Oktober 2011 (Urk. 9/77/2-3) aus, g
estützt auf
den Arztbericht von Dr. C._ sei davon auszugehen
, dass der
Beschwerdeführer
weiterhin in erheblicher Weise in seiner psychofunk
tionellen Leistungsfähigkeit eingeschränkt sei und dass hieraus unverändert eine
vollständige
Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt resultier
t
e (S. 3).
4.
4.1
Im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 19. November 2015 (Urk. 2) lagen im Wesentlichen die folgende Berichte vor:
4.2
Am 3. Dezember 2012 erstattete Dr. med. Dr. rer. nat. Y._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, das von der Beschwerdegegne
rin in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten (Urk. 9/103 = Urk. 3/3). Er führte aus, dass sich die Frage stelle, ob es sich bei den vom Beschwerde
führer beklagten Schmerzen um eine reine Symptomausweitung oder eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD
10 F45.41) handle (S. 18 unten). Gesamthaft würden die Argumente, die für eine reine Symptomausweitung sprächen, deutlich überwiegen. Zwar lägen beim Beschwerdeführer durchaus klinisch relevante Beeinträchti
gungen in sozialen und beruflichen Funktionsbereichen vor, diese seien aber nur zu einem kleinen Teil in der Schmerzproblematik begründet und viel eher in der affektiven Symptomatik mit Gereiztheit, Dysphorie, Scham- und vermutlich auch Insuffizienzgefühlen, wenig Frustrationstoleranz gegenüber anderen Menschen und schliesslich auch vermindertem Antrieb, Müdigkeit und Mangel an Lebensenergie. Es seien also vorwiegend depressive Symp
tome, die zur Beeinträchtigung führten, nicht die Schmerzen (S. 19 unten).
Was die von PD Dr. C._ diagnostizierte Persönlichkeitsveränderung (ICD
10 F62.1 oder 62.8) betreffe, so liessen sich aus seiner Sicht die beim Beschwerdeführer zu beobachtenden psychosozialen Einschränkungen hin
reichend aus der chronischen Depression und dem damit verbundenen Ver
lust an Selbstwirksamkeit erklären, sodass eine andauernde Persönlichkeits
veränderung, die eine Anschlussdiagnose darstelle, nicht bemüht zu werden brauche (S. 26 Ziff. 9.7).
Durch den Gutachter Dr. E._
sei
im Februar 2006 aufgrund der psychi
schen Problematik eine
vollständige
Arbeitsunfähigkeit
mit diesbezüglich schlechter Prognose
festgestellt
worden. Dr. E._
habe
den Exploranden als seit dem
14. Dezember
2001 (d
as heisse
seit der Operation) "100
%
generell arbeitsunfähig"
beurteilt
. Therapeutische Optionen
habe
er keine
gesehen
, berufliche Massnahmen
seien
wegen der Schwere der Symptomatik als nicht indiziert beurteilt
worden. Würden die von Dr. E._
erhobenen Befunde mit dem jetzigen Untersuchungsstatus verglichen, zeig
e
sich, dass die Schmerzen den Exploranden damals wesentlich stärker beeinträchtigten und auch die psychischen einschliesslich psychovegetativer Beschwerden
gravierender gewesen seien. Insofern sei die damalige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar (S. 26 Ziff. 9.7).
Zusammenfassend führte der Gutachter aus, es lägen nicht genügend klinisch relevante Beeinträchtigungen durch körperliche Beschwerden vor, als dass eine anhaltende Schmerzstörung (ICD-10 F45.4x) diagnostiziert werden könne. Vielmehr müsse von einem dysfunktionalen, maladaptiven Verhalten ohne Krankheitswert, einer sogenannten Symptomausweitung, ausgegangen werden. Darüber hinaus bestehe eine mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.10; S. 24 Ziff. 9.1).
In der bis 2000 ausgeführten Arbeit als Vorlader
müsse
aufgrund der depressi
ven Symptomatik mit erheblicher Chronifizierung un
d Dekon
di
tionierung von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausge
gangen werden
(S. 24 Ziff. 9.2)
.
Aus der Synthese von Beschwerdebi
l
d, rapportierten Alltagsaktivitäten und so
zialer Partizipation
lasse
sich ableiten, dass
der Beschwerdeführer
sehr wahr
scheinlich in der Lage
sei, mindestens 5, mögli
cherweise sogar 7 - 8 Stun
den täglich einer Tätigkeit nachzugehen, die überwiegend aus leichten körperlichen Aktivitäten besteh
e
. Dabei
gelte
es aber zu beachten, dass Flexi
bilität, Anpassungsf
ähig
keit an vorgegebene Regeln und Routinen, Frustra
tions
toleranz sowie Durchhalteve
rm
ögen und Selbstbehauptungs
fähigkeit durch jahrelange Dekonditionierung wahrscheinlich deutlich ein
geschränkt
seien
. Das genannte medizinisch-theoretisch mögliche Arbeits
pensum
lasse
sich zunächst ausschliesslich im sekundären Arbeitsmarkt erreichen, wobei auch hier eine sozialpsychiatrische Rehabilitation vorge
schaltet werden sollte
(S. 24 Ziff. 9.3)
.
Bei
dem Beschwerdeführer habe
während des über zehnjährigen Verlaufs eine
beträchtliche psychische, wahr
scheinlich auch körperliche Dekondi
tionierung stattgefunden. In
diesem Zusammenhang sei erstaun
lich, dass der Explorand nie in einer sozialpsychiatrischen rehabilitativen
Einrichtung (zum Beispiel in einem Tages-
Zentrum) in Behandlung
gewesen sei (d
ie vorge
schlagene stationäre Rehabilitation in der SUVA-Klinik in Bellikon
habe der Beschwerdeführer
abgelehnt). Auch eine regelmässige psychiatrische Behandlung
habe
erst vor relativ kurzer Zeit, nämlich Anfang 2012, etabliert werden
können
, obwohl bereits 2004 ein depressives Zustandsbild be
schrieben worden
sei
. Die bestehende ambulant-psychiatrische Behandlung bei med. pract.
F._
soll
e fortgeführt werden. A
ls weitere Mass
nahme
empfehle
sich der Besuch eines sozialpsychiatrischen Tageszentrums
(S. 25 Ziff. 9.5)
.
4.3
Dr. G._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Gastro
enterologie, A._,
Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie
, führte mit Bericht vom 27. Juni 2014 (Urk. 9/118/5-6) aus, der Beschwerdeführer habe angegeben, mit der Colitis gehe es sehr gut, seit einem Jahre habe er kein Blut mehr gesehen. Auf Nachfrage habe er jedoch angegeben, dass zwischendurch noch ein milder imperativer Stuhldrang bestehe (S. 1 unten). Im Vergleich zur letzten Vorstellung sei das Befinden besser. Prinzipiell sei klinisch von einer guten Kontrolle der Colitis auszuge
hen. Allerdings weise die Anamnese darauf hin, dass doch noch eine gewisse Restinflammation bestehe (Calprotein werde bestimmt; S. 2 Mitte).
4.4
Dr. B._ nannte mit Bericht vom 2. August 2014 (Urk. 9/118/1-4) diesel
ben Diagnosen wie mit Bericht vom 29. Juli 2011 (vgl. vorstehend E. 3.3; S. 1 Ziff. 1.1). Die Prognose sei ungünstig. Im aktuellen Zustand sei der Beschwerdeführer weder arbeits- noch eingliederungsfähig. Es sei ihm kurz- und mittelfristig weiterhin im Rahmen des bisherigen Invaliditätsgra
des eine Arbeitsunfähigkeit zu attestieren. Eine Reduktion der Arbeitsunfä
higkeit sei aktuell nicht realistisch (S. 2 Ziff. 1.4). Seine Belastbarkeit sei von somatischer und psychischer Seite massiv eingeschränkt. Es bestehe eine bei
nahe vollständige Arbeitsunfähigkeit für die Tätigkeiten in der freien Wirt
schaft (S. 2 Ziff. 1.7).
4.5
Med. pract. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und praktischer Arzt, führte mit Bericht vom 22. September 2014 (Urk. 9/121/5-9 = Urk. 3
/4)
aus, er behandle den Beschwerdeführer seit 2012 (Ziff. 1.2) und nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine anhal
tende mittelgradige depressive Episode, ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.10; Ziff. 1.1). Eine stationäre Psychotherapie wäre indiziert, aufgrund der Sprachbarriere des Beschwerdeführers aber höchstwahrscheinlich von gerin
gem Nutzen. Daher sei bisher davon abgesehen worden (Ziff. 1.3). Die Prog
nose sei als schlecht zu bewerten. Es habe durch die Behandlung keine Reduktion der psychiatrischen Symptomatik erreicht werden können. Sie sei eher leicht verschlechtert (Ziff. 1.4). Aktuell bestehe aus psychiatrischer Sicht eine vollständige Arbeitsunfähigkeit auch für adaptierte Tätigkeiten (Ziff. 1.6). Aktuell sei eine Tätigkeit auf dem realen Arbeitsmarkt in der angestammten Tätigkeit als Vorlader weiterhin nicht zumutbar, aufgrund des sich weiterhin chronisch zeigenden Beschwerdebildes. Ebenfalls trage die jahrelange Dekonditionierung und die nur sehr geringe Durchhaltefähigkeit und geringe Frustrationstoleranz dazu bei (Ziff. 1.7 und 1.8).
4.6
Dr. med. H._, Facharzt für Chirurgie, nannte mit Bericht vom 5. Dezember 2014 (Urk. 9/127) die folgenden Diagnosen (S. 1 Ziff. 1):
-
cervical und lumbal betontes Panvertebralsyndrom
-
lumbovertebrales Syndrom bei degenerativen Veränderungen mit mul
tisegmentaler Diskopathie der Lendenwirbelsäule (LWS)
-
Periarthritis humeroscapularis
(PHS) rechts
-
Schulter- und Armschmerzen rechts bei Status nach Ellbogenfraktur rechts
-
Senk-Knick-Spreizfüsse beidseits
-
Hallux valgus beidseits mit Hammerzehe digitus II beidseits
-
Achillodynie rechts betont beidseits
-
Diabetes mellitus Typ 2
-
Polyneuropathie
Angaben zur Arbeitsfähigkeit machte er nicht.
4.7
Mit Bericht vom 24. März 2015 (Urk. 9/146 = Urk. 3/6
)
führte Dr. H._ aus, er behandle den Beschwerdeführer seit 2014 (Ziff. 1.2) und nannte nebst den bereits mit Bericht vom 5. Dezember 2014 genannten Diagnosen (vgl. vorstehend E. 4.6) eine Fasciitis plantaris rechts betont beidseits (Ziff. 1.1). In der angestammten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer aufgrund der belas
tungsabhängigen Beschwerden zurzeit und bis auf weiteres voll
ständig arbeitsunfähig. Es bestehe eine verminderte Belastbarkeit des Achsen
organs. Zumutbar erschienen körperlich leichte Tätigkeiten in wirbel
säulen
adaptier
ten Wechselpositionen mit der Möglichkeit zum Wechseln zwischen Sitzen, Stehen und Gehen, insbesondere kein Heben von schweren Lasten, nicht mehr als fünf Kilogramm kurz- und zwei Kilogramm länger
fristig. In einer solchen behinderungsangepassten Tätigkeit bestehe aus somati
scher Sicht eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.7). Durch Physio
therapie, physikalische Massnahmen, Rückenschule könnten die Beschwerden vermindert und die Arbeitsunfähigkeit dementsprechend erhöht werden (Ziff. 1.8).
4.8
PD Dr. med. I._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Gastroenterologie, A._, Klinik für Gastro
enterologie und Hepatologie, führte mit Bericht vom 11. März 2015 (Urk. 9/144 = Urk. 3/5) aus, der Beschwerdeführer leide an einer Colitis ulcerosa, einer chronischen entzündlichen Darmerkrankung. Aktuell bestün
den blutiger Durchfall und Bauchschmerzen. Meist müsse innerhalb kurzer Zeit das WC aufgesucht werden können, was zu deutlichen Alltagein
schränkungen führe. Weiterhin bestehe aufgrund der Darmentzündung eine chronische Müdigkeit. Die Beschwerden rechtfertigten eine 50%ige Arbeits
unfähigkeit aus gastroenterologischer Sicht.
4.9
Dr. J._, Fachärztin für
Orthopädische Chirurgie und Trauma
tolo
gie des Bewegungsapparates
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte mit Stellungnahme vom 26. Februar 2011 (Urk. 8) aus, die Colitis ulcerosa sei eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die oftmals in Schüben ver
laufe. Zwischen den Schüben könne vollkommene Symptomfrei
heit ein
treten. Die Häufigkeit von Schüben und die Aktivität der Krankheit variierten stark, sodass anhand eines einzigen Berichts nicht auf die Arbeitsfähigkeit im Allgemeinen und auf längere Sicht geschlossen werden könne (S. 1 unten). Medizinisch sei nachvollziehbar, dass im Schub, wie von Dr. I._ 2015 dargelegt, eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bestehe. Eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Colitis sei aber nicht aus
gewiesen (S. 2 oben). Eine angepasste Tätigkeit sei vollschichtig zumutbar (S. 3 unten).
5.
5.1
Dem Beschwerdeführer wurde 2006 rückwirkend per 2002 eine ganze Rente zugesprochen. Die Rentenzusprache erfolgte in erster Linie gestützt auf ein psychiatrisches Gutachten von Dr. E._ vom 20. Februar 2006 (Urk. 9/41). Dr. E._ hatte eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie eine chronische schwere Depression (ICD-10 F32.2) diagnosti
ziert und eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert (S. 8 Ziff. 4; S.10 Ziff. 5).
2011 wurde nach wie vor eine chronische schwere Depression (ICD-10 F32.2) sowie neu eine Persönlichkeitsveränderung nach langer und dauernder psychischer Störung (ICD-10 F62.1) und nach chronischen Schmerzen (ICD
10 F62.8) diagnostiziert. Eine somatoforme Schmerzstörung wurde nunmehr verneint. Dem Beschwerdeführer wurde noch immer eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit attestiert, sodass ein unveränderter Renten
anspruch ange
nommen wurde (vgl. vorstehend E. 3.1 ff.).
5.2
Die Beschwerdegegnerin vertrat in der angefochtenen Verfügung die Ansicht, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verbessert habe und nunmehr von einer vollschichtig verwertbaren Arbeitsfähigkeit auszugehen sei (vgl. vorstehend E. 2.1).
5.3
Aufgrund der Akten liegen tatsächlich Hinweise für eine Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes vor. Während der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der erstmaligen Rentenzusprache im Jahr 2006 und der Rentenbe
stätigung im Jahr 2011 an einer schweren Depression gelitten hatte, wurde nunmehr vom psychiatrischen Gutachter Dr. Y._ eine mittelgradige Depression diagnostiziert. Indes erscheint seine Einschätzung der Arbeitsfä
higkeit widersprüchlich. So ging er einerseits medizinisch-theoretisch von einer Arbeitsfähigkeit von mindestens fünf möglicherweise sogar sieben bis acht Stunden pro Tag in angepasster Tätigkeit aus, andererseits führte er aus, durch die langjährige Abwesenheit vom Arbeitsmarkt sei eine Dekondi
tionierung eingetreten, weshalb die Arbeits
fähigkeit vorerst erst nach der Teilnahme an einem sozial
psychiatrischen Reha
bili
tationsprogramm und nur im Rahmen von Beschäf
ti
gungs
mass
nahmen im sekundären Arbeitsmarkt realisierbar sei, was faktisch einer voll
ständigen Arbeitsunfähigkeit entsprä
che.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin handelt es sich bei der Dekondi
tionierung vorliegend nicht um einen invaliditätsfremden Faktor, war doch der Beschwerdeführer wegen der psychischen Erkrankung nicht mehr im Arbeitsprozess. Soweit die Beschwerdegegnerin unter Zuhilfenahme des strukturierten Beweisverfahrens eine vollständige Arbeitsfähigkeit ange
nommen hat, kann ihr ebenfalls nicht gefolgt werden. Da nunmehr keine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert worden ist, gelangt die diesbe
zügliche Rechtsprechung vorliegend nicht zur Anwendung.
Der behandelnde Therapeut des Beschwerdeführers, med. pract. F._, nannte ebenfalls die Diagnose einer mittelgradigen Depression und ging von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus. Er hat jedoch nicht begründet, weshalb er nicht nur in Bezug auf eine angestammte, sondern auch bezüglich einer angepassten Tätigkeit von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus
geht.
Dr. B._ diagnostizierte
wie bereits 2011 eine schwere Depression
und ging von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus. Die von Dr. B._ gestellte Diagnose vermag angesichts dessen, dass zwei psychiatrische Fach
ärzte eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert haben, nicht zu überzeugen.
Zusammenfassend erweist sich die Einschätzung des psychiatrischen Gutach
ters als widersprüchlich. Gleichzeitig kann gestützt auf die vorliegende Aktenlage aber auch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine voll
ständige Arbeitsfähigkeit in psychischer Hinsicht angenommen werden. Zwar hat der psychiatrische Gutachter Dr. Y._ nach einem Vergleich der von Dr. E._ 2006 erhobenen Befunde mit dem durch ihn erhobenen Untersuchungsstatus eine Verbesserung der Beschwerden festgestellt. Zudem gilt eine mittelgradige depressive Episode in der Regel als therapeutisch angehbar (vgl. vorstehend E. 1.4), und laut dem psychiatrischen Gutachter Dr. Y._ lässt sich der Beschwerdeführer erst seit 2012 regelmässig in ambulanter Psychotherapie behandeln und wurde noch nie stationär behan
delt (vgl. vorstehend E. 4.2), weshalb eine Therapieresistenz demnach nicht bejaht werden kann.
Alles in allem lassen sich aber der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und insbesondere seine Arbeitsfähigkeit nach dem Gesagten nur ungenügend beurteilen.
Eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) und Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin erweist sich daher schon
aus diesem Grund
als angezeigt.
Für eine Rückwei
sung spricht im Übrigen auch der Umstand, dass der behandelnde Therapeut eine eher leicht verschlechterte psychiatrische Symptomatik erwähnte (vor
stehend E. 4.5) und vor allem auch die Tatsache, dass die psychiatrische Untersuchung im Rahmen der Begutachtung durch Dr. Y._ im Ver
fügungszeitpunkt bereits mehr als drei Jahre zurück lag (27. August 2012; Urk. 9/103 S. 3 Ziff. 3).
5.4
Weiter erlaubt auch der medizinische Sachverhalt hinsichtlich einer anspruchs
erheblichen Veränderung des
somatischen
Gesundheitszustandes kein schlüssiges Bild.
Die Ärzte des A._ diagnostizier
ten erstmals 2011 eine Colitis ulcerosa (vgl. vorstehend E. 3.2), danach auch 2014 (vorstehend E. 4.3) und 2015 (vorstehend E. 4.8). Während die Colitis ulcerosa 2011 und 2014 klinisch gut kontrolliert war, berichtete der Beschwerdeführer 2015 erneut von blutigem Durchfall und Bauchschmerzen. Diese Darmerkrankung schränke ihn auch insofern ein, als eine chronische Müdigkeit bestehe. Dr. I._ vom A._ attestierte im März 2015 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (vorstehend E. 4.8). Die RAD
Ärztin Dr. J._ erachtete es zwar als nachvollziehbar, dass im Schub, wie von Dr. I._ 2015 dargelegt, eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bestehen könne, sah eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Colitis aber nicht als ausgewiesen an (vgl. vorstehend E. 4.9).
Auch bezüglich der von Dr. H._ festgestellten verminderten Belastbar
keit des Achsenorgans (vgl. vorstehend E. 4.7) bestehen Unklarheiten. Während Dr. H._ eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in näher dargelegter angepasster Tätigkeit attestierte, kam die RAD-Ärztin gestützt auf die Akten zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer eine angepasste Tätigkeit voll
schichtig zumutbar sei.
Gestützt auf die vorliegenden ärztlichen Unterlagen kann somit auch die Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht nicht abschliessend beurteilt werden. Soweit die Beschwerdegegnerin - der reinen Aktenbeurteilung der RAD
Ärztin folgend - davon ausging, dass der Beschwerdeführer in einer ange
passten Tätigkeit vollschichtig arbeitsfähig sei (vgl. vorstehend E. 2.1), liegt dieser Einschätzung keine verlässliche medizinische Beurteilung zugrunde.
5.5
Die vorliegende medizinische Aktenlage lässt
somit
keine abschliessende Beur
teilung des strittigen Rentenanspruchs zu, weshalb sich eine
polydis
ziplinäre
Begutachtung de
s
Beschwerdeführer
s
aufdrängt. Hierfür ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, ist es doch im Rahmen der ihr obliegenden Abklärungspflicht ihre Aufgabe, die medizinische Grund
lage für die Entscheidfin
dung zu schaffen (vorstehend E.
1.
7). Dem Eventual
a
ntrag de
s
Beschwerdeführer
s
um Einholung eines Gerichtsgutach
tens (vgl.
Urk.
1
3
S. 2)
kann demnach nicht gefolgt werden
.
5.6
Zusammenfassend erweist sich die vorliegende Aktenlage für eine abschlies
sende Beurteilung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den Gesundheitszu
stand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers als unvollständig, wes
halb die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit
diese nach ergänzenden Abklärungen über den Leistungsanspruch de
s
Beschwerdeführer
s
neu ver
füge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen
. Damit erübrigt sich eine Prüfung der vom Beschwerdeführer gerügten Verletzung des rechtlichen Gehörs (vgl. Urk. 13 S. 2 Ziff. 2 f.).
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Prozessentschädigung ist gemäss
Art.
61 lit. g ATSG in Verbindung mit
§
34 GSVGer – ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierig
keit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien und beim ab
Januar 2015 für Rechtsanwälte gerichtsüblichen Stundenansatz von
Fr.
220.-
- (zuzüglich MWSt) ist die Prozessentschädigung vorliegend auf
Fr.
2‘
3
00.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) festzusetzen
.