Decision ID: d87b2415-73d4-446d-8a5c-d52fe86b362a
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am 25. Juni 2022 in der Schweiz ein Asyl-
gesuch ein. Ein Abgleich mit dem zentralen Visa-Informationssystem (CS-
VIS) ergab, dass die belgische Botschaft in B._ ihm – im Auftrag
Luxemburgs – am 24. Mai 2022 ein Schengen-Visum mit Gültigkeitsdauer
28. Mai 2022 bis 21. Juni 2022 ausgestellt hatte.
B.
Am 30. Juni 2022 bevollmächtigte der Beschwerdeführer seine damalige
Rechtsvertretung.
C.
Am 1. Juli 2022 fand die Personalienaufnahme (PA) des Beschwerdefüh-
rers statt und am 19. Juli 2022 gewährte das SEM ihm – im Rahmen des
persönlichen Gesprächs gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013
des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Fest-
legung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der
für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen
in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) und im Beisein seiner Rechtsver-
tretung – das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Luxemburgs für die
Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu einer allfälligen
Rückkehr dorthin sowie zum medizinischen Sachverhalt.
D.
Am 26. Juli 2022 ersuchte die Vorinstanz die luxemburgischen Behörden
um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 12 Abs. 4 Dublin-III-
VO. Dieses Gesuch hiessen die luxemburgischen Behörden am 9. August
2022 gut.
E.
Mit Verfügung vom 11. August 2022 (eröffnet am 12. August 2022) trat die
Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf
das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte seine Überstel-
lung nach Luxemburg und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf
der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das SEM den
zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte dem Be-
schwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus
und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid
keine aufschiebende Wirkung zukomme.
E-3568/2022
Seite 3
F.
Mit Schreiben vom 15. August 2022 teilte die damalige Rechtsvertretung
die Beendigung des Mandats mit dem Beschwerdeführer mit.
G.
Mit fremdsprachiger Eingabe vom 18. August 2022 erhob der Beschwer-
deführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde, welche nicht in ei-
ner Amtssprache des Bundes verfasst worden war.
H.
Am 19. August 2022 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovisori-
schen Vollzugsstopp an. Gleichentags lagen dem Bundesverwaltungsge-
richt die vorinstanzlichen Akten in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109
Abs. 3 AsylG).
I.
Mit Zwischenverfügung vom 23. August 2022 forderte das Bundesverwal-
tungsgericht den Beschwerdeführer auf, innert Frist eine Beschwerdever-
besserung einzureichen, im Unterlassungsfall werde auf die Beschwerde
nicht eingetreten.
J.
Der Beschwerdeführer reichte am 29. August 2022 fristgerecht seine Be-
schwerdeverbesserung ein und beantragte sinngemäss, die Verfügung
vom 11. August 2022 sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen,
ihre Pflicht zum Selbsteintritt auszuüben und sich für zuständig zu erklären.
Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte er ein Schreiben der (...), ein
Arztzeugnis aus dem Jahr 2014 sowie mehrere Diplome zu den Akten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
E-3568/2022
Seite 4
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch-
führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu
behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
E-3568/2022
Seite 5
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) –wie
vorliegend – sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kri-
terien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zu-
ständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es
ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen
Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dub-
lin-III-VO). Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take
back) findet demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeits-
prüfung nach Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und
8.2.1 m.w.H.).
4.3 Besitzt eine antragstellende Person einen oder mehrere Aufenthaltsti-
tel, die mehr als zwei Jahre zuvor abgelaufen sind, oder ein oder mehrere
Visa, die seit mehr als sechs Monaten abgelaufen sind, aufgrund deren sie
in das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats einreisen konnte, und hat sie die
Hoheitsgebiete der Mitgliedstaaten nicht verlassen, so ist gemäss Art. 12
Abs. 4 Dublin-III-VO der Mitgliedstaat zuständig, in dem der Antrag auf in-
ternationalen Schutz gestellt wird.
5.
5.1 Ein Abgleich mit dem CS-VIS ergab, dass die belgische Botschaft in
B._ dem Beschwerdeführer – im Auftrag Luxemburgs – am 24. Mai
2022 ein Schengen-Visum mit Gültigkeitsdauer 28. Mai 2022 bis 21. Juni
2022 ausgestellt hatte (SEM-Akte 1178576-7/2; 1178576-8/1; 1178576-
9/2). Das SEM ersuchte die luxemburgischen Behörden deshalb am
16. Juni 2022 um Übernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 12
Abs. 4 Dublin-III-VO (SEM-Akte 1178576-18/7). Diese stimmten dem Ersu-
chen mit Schreiben vom 9. August 2022 ausdrücklich zu (SEM-Akte
1178576-19/1). Die grundsätzliche Zuständigkeit Luxemburgs ist somit ge-
geben.
E-3568/2022
Seite 6
5.2 Nachfolgend ist im Licht von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu prüfen, ob
es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die
Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Luxemburg würden systemi-
sche Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen
oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-
rechtecharta mit sich bringen würden und ob nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-
VO das Selbsteintrittsrecht auszuüben ist.
6.
6.1 Luxemburg ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR
0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne
und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien
des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni
2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung
des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Per-
sonen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) er-
geben.
6.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Rechtsprechung da-
von aus, dass das luxemburgische Asylsystem keine systemischen Mängel
im Sinn von Art. 3 Abs. 2 zweiter Satz Dublin-III-VO aufweist (vgl. Urteil des
BVGer F-6285/2020 vom 17. Dezember 2020 und F-2059/2019 vom 7. Mai
2019). An dieser Rechtsprechung ist festzuhalten, zumal der Beschwerde-
führer nichts Gegenteiliges vorbringt. Für eine Übernahme der luxembur-
gischen Zuständigkeit gestützt auf Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO besteht daher
kein Anlass.
7.
Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat be-
schliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staaten-
losen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er
nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung
zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte Selbstein-
trittsrecht wird durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August
1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss dieser Bestimmung
E-3568/2022
Seite 7
kann das SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen auch dann be-
handeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig ist.
Liegen individuelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vor, ist der
Selbsteintritt zwingend (BVGE 2015/9 E. 8.2.1).
8.
8.1 Der Beschwerdeführer machte in seiner Beschwerdeschrift geltend, er
habe noch in keinem anderen Land Asyl beantragt und glaube, er werde
sterben, wenn er die Schweiz verlassen müssen. Seine übrigen Ausfüh-
rungen beziehen sich auf seine Situation in Äthiopien und sind für das vor-
liegende Dublin-Verfahren irrelevant.
8.2 Der Beschwerdeführer verfügte über ein seit rund zwei Monaten abge-
laufenes Visum für Luxemburg (SEM-Akte 1178576-8/1). Klarzustellen gilt
es an dieser Stelle, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein
Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen
(vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). Dem Beschwerdeführer steht es nach erfolg-
ter Überstellung nach Luxemburg offen, dort um Asyl nachzusuchen und
damit Zugang zu den asylrechtlichen Aufnahmestrukturen zu erhalten. Er
hat in diesem Zusammenhang kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar-
getan, die luxemburgischen Behörden würden sich weigern, ihn aufzuneh-
men und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Re-
geln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine
Gründe für die Annahme zu entnehmen, das Land werde in seinem Fall
den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in
ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr
laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden.
Nach eigenen Angaben hatte der Beschwerdeführer noch gar keinen Kon-
takt mit den luxemburgischen Asylbehörden und hat auf die Stellung eines
Asylantrags verzichtet.
8.3 Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, so kann eine zwangs-
weise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur
ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Dies
ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene Person sich in einem
fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todes-
nähe befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rechnen
müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten könnte (vgl.
BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des Europäi-
schen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine weitere vom
E-3568/2022
Seite 8
EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch die Ab-
schiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel-
staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, raschen
und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands
ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen
Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR
Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer
41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
Eine solche Situation ist vorliegend nicht gegeben. Gemäss den im Recht
liegenden medizinischen Unterlagen leidet der Beschwerdeführer aktuell
unter einer (...), einer (...) und einem (...). Er erhält gegen sämtliche Be-
schwerden Medikamente (SEM-Akte 1178576-20/5; 1178576-21/2;
1178576-22/2; 1178576-23/6). Die von ihm vorgebrachten (...) sind nicht
ausgewiesen, obwohl er diese bereits anlässlich des Dublin-Gesprächs
geltend machte und behauptete, deswegen einen Arzttermin vereinbart zu
haben (SEM-Akte 1178576-14/3; 1178576-24/1) Weitere gesundheitliche
Beschwerden lassen sich den Akten nicht entnehmen. Sodann gelingt es
dem Beschwerdeführer nicht, aus dem auf Beschwerdeebene neu zu den
Akten gereichten Arztbericht aus dem Jahr 2014 etwas zu seinen Gunsten
abzuleiten. Dieser attestierte ihm lediglich (...) sowie eine (...). Es liegen
keine Hinweise vor, wonach Luxemburg dem Beschwerdeführer eine all-
fällige adäquate medizinische Behandlung für seine derzeit bestehenden
gesundheitlichen Probleme verweigern würde. Es ist allgemein bekannt,
dass Luxemburg über eine medizinische Infrastruktur verfügt, die der
schweizerischen in jeder Hinsicht gleichwertig ist (vgl. Urteil
F-6285/2020). Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellern die
erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung
und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schwe-
ren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1
Aufnahmerichtlinie); den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist
die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigen-
falls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19
Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Die schweizerischen Behörden, die mit dem
Vollzug der angefochten Verfügung beauftragt sind, werden den medizini-
schen Umständen bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der
Überstellung des Beschwerdeführers Rechnung tragen und die luxembur-
gischen Behörden vorgängig in geeigneter Weise über die spezifischen
medizinischen Umstände informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO).
E-3568/2022
Seite 9
8.4 Zusammenfassend liegt kein Grund für die Anwendung der Ermes-
sensklausel von Art. 17 Dublin-III-VO beziehungsweise Art. 29a Abs. 3
AsylV 1 vor. Weder ist die Schweiz verpflichtet, auf das Asylgesuch einzu-
treten, noch liegen humanitäre Gründe vor, welche einen Selbsteintritt na-
helegen würden. Das SEM ist daher zu Recht auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers nicht eingetreten. Da er nicht im Besitz einer gültigen Auf-
enthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach
Luxemburg in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeord-
net (Art. 32 Bst. a AsylV 1).
9.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen. Der angeordnete Vollzugsstopp fällt mir vorliegen-
dem Urteil dahin.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
E-3568/2022
Seite 10