Decision ID: c0ba11b1-be42-5a62-a33e-c5869fa666a4
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – eritreischer Staatsangehöriger tigrinischer Ethnie
– verliess gemäss eigenen Angaben sein Heimatland im April 2015 und
reiste über den Sudan und Libyen nach Italien. Am 9. Juni 2015 sei er in
die Schweiz eingereist und stellte gleichentags ein Asylgesuch.
Am 26. Juni 2015 fand eine verkürzte Befragung zur Person (BzP) statt.
B.
Mit Schreiben des SEM vom 26. Juni 2015 wurde dem zuständigen Kanton
die Zuweisung des Beschwerdeführers als unbegleiteter, minderjähriger
Asylsuchender gemeldet; gleichzeitig wurde der Kanton darum ersucht,
eine gesetzliche Vertretung zu ernennen (Akte SEM A5).
C.
Mit Schreiben vom 18. Februar 2016 zeigte Hanna Kunz, BLaw, (...)
Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not, dem SEM ihre Mandatierung
durch den Beschwerdeführer an. Gleichzeitig wurden eine auf die Mitarbei-
tenden der Rechtsberatungsstelle lautende Vollmacht respektive Substitu-
tionsvollmacht vom 18. Februar 2016 sowie eine «Secondary School Stu-
dent Report Card» aus Eritrea, den Beschwerdeführer betreffend, in Kopie,
zu den Akten gereicht.
D.
Am 20. Oktober 2016 wurde die einlässliche Anhörung des Beschwerde-
führers zu den Asylgründen durchgeführt.
Eingangs der Anhörung gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, seine Ver-
trauensperson respektive Betreuerin habe ihn zur Anhörung nicht begleitet,
weil er sein 18. Lebensjahr inzwischen erreicht habe (vgl. A16, Antworten
9 und 10).
Zur Begründung seines Asylgesuches trug der Beschwerdeführer bei der
BzP und der Anhörung folgenden Sachverhalt vor:
Er sei in B._, Subzoba C._, Zoba D._, geboren und
sei dort bei seinen Grosseltern mütterlicherseits, zeitweise auch mit zwei
Onkeln und einer Tante, aufgewachsen. Er habe die Schule bis zur zehnten
Klasse besucht und diese im April 2015 in der elften Klasse abgebrochen.
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Als Schüler der elften Klasse sei der Militärdienst für ihn noch kein Thema
gewesen. Er sei ledig und habe keinerlei Identitätsdokumente.
Er habe Eritrea verlassen, weil er sich gegen den eritreischen Staat aufge-
lehnt habe. Es seien viele Razzien durchgeführt worden. Er sei mehrmals
anlässlich solcher Razzien angehalten und in die Stadt mitgenommen wor-
den. Im Dezember 2014 sei er zusammen mit weiteren Schülern von Sol-
daten festgenommen und während elf Stunden festgehalten und dabei ge-
fesselt worden. Seine Grossmutter habe jeweils die Soldaten angefleht und
ihn – den Beschwerdeführer – in der Folge mit Geldzahlungen und mit der
Vorlage seines Schulzeugnisses freikaufen können.
Er habe sich gemeinsam mit vier weiteren Personen gegen den eritrei-
schen Staat aufgelehnt. Er sei von seinem Patenonkel namens
«E._» angeheuert worden, um sich für die Gerechtigkeit innerhalb
Eritreas heimlich zu engagieren. Er habe zusammen mit weiteren Perso-
nen von Januar 2015 bis zur Ausreise für die von seinem Patenonkel be-
nannte Bewegung «F._» geheime Propaganda gemacht. Er habe
sich im Monat zwei- bis dreimal mit seinem Patenonkel getroffen, welcher
seinerseits zwischen Äthiopien und Eritrea hin- und hergereist sei. Sie hät-
ten innerhalb der Schule Aufklärungsarbeit gemacht und aktuelle Nachrich-
ten an die Schülerschaft weitergegeben. Die vier Personen, die mit ihm
zusammengearbeitet hätten, seien alle am selben Tag, im April 2015, in-
haftiert worden. In der Folge habe sich der Beschwerdeführer als gefährdet
erachtet und sich deshalb bei seiner Mutter in G._ ein paar Tage
lang versteckt, bis er ausgereist sei. Er sei nie inhaftiert worden. Als Re-
gimegegner könne er nicht nach Eritrea zurückkehren. Er sei weder Schü-
ler noch Soldat und habe deshalb keinen Passierschein und keine Identi-
tätskarte.
Er habe erfahren, dass die Behörden ihn auch im April 2015 in der Schul-
klasse gesucht hätten, während er zufällig nicht anwesend gewesen sei.
Von seiner Grossmutter habe er zudem erfahren, dass er kurz nach seiner
Ausreise in den Sudan auch zu Hause von Soldaten gesucht worden sei;
die Soldaten hätten dabei eine Hausdurchsuchung vorgenommen. Weil der
Beschwerdeführer nicht gefasst worden sei, hätten die Behörden seine
Grossmutter an seiner Stelle mitgenommen und über eine Woche lang in
C._ festgehalten.
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Seine Ausreise aus Eritrea habe er von G._ aus angetreten. Er
habe dabei Unterstützung und finanzielle Hilfe von seiner Mutter und sei-
nem Onkel erhalten. Er sei mit einem Taxi nach (...) gereist und dort von
zwei Personen empfangen worden. Anschliessend seien sie nach einer
dreitägigen Fahrt nach Khartum gebracht worden.
Zu seinen familiären Verhältnissen trug der Beschwerdeführer weiter vor,
seine Eltern hätten sich schon vor seiner Geburt getrennt, weshalb er bei
seinen Grosseltern aufgewachsen sei. Sein Grossvater sei mittlerweile ver-
storben. Nach dessen Tod habe der Beschwerdeführer mit seiner Gross-
mutter alleine gelebt und in der Landwirtschaft gearbeitet. Den Aufenthalts-
ort seines Vaters kenne er nicht. Seine Mutter habe wieder geheiratet und
lebe mit ihrer neuen Familie in G._. Zudem habe er drei Halbge-
schwister im Heimatstaat.
E.
Mit Verfügung vom 21. Juni 2017, dem Beschwerdeführer am 27. Juni 2017
eröffnet, verneinte das SEM das Bestehen der Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab und verfügte – unter gleich-
zeitiger Anordnung des Wegweisungsvollzugs – seine Wegweisung aus
der Schweiz.
Zur Begründung führte das SEM insbesondere aus, die Asylvorbringen
hielten den Anforderungen an die Glaubhaftmachung nicht stand. Den Voll-
zug der Wegweisung befand das SEM als zulässig, zumutbar und möglich.
Der Beschwerdeführer habe ohne zwingenden Grund einige Vorbringen
erst im späteren Verlauf des Verfahrens vorgetragen. So habe er bei der
BzP lediglich von einer Person namens «E._» gesprochen. Bei der
Anhörung habe er dabei ausschliesslich von seinem Patenonkel gespro-
chen. Es erscheine merkwürdig, dass er die zentrale Person seiner angeb-
lichen politischen Aktivitäten nicht durchgehend gleich bezeichnet und
nicht offengelegt habe, dass dieser zur Familie gehöre. Zudem habe der
Beschwerdeführer bei der BzP auf die Frage nach Hinweisen für eine per-
sönliche Verfolgungssituation angegeben, dass er erfahren habe, dass die
Behörden in seiner Klasse nach ihm gesucht hätten. Gemäss seinen An-
gaben bei der Bundesanhörung habe er jedoch nur davon erfahren, dass
seine vier Mitstreiter mitgenommen worden seien; den Umstand, dass
auch nach ihm persönlich gesucht worden sei, habe er demgegenüber
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nicht erwähnt. Auch diese Uneinheitlichkeit in einem zentralen Aspekt sei-
ner Fluchtgeschichte sei irritierend und lasse Zweifel an der Richtigkeit sei-
ner Angaben aufkommen.
Hinzu komme, dass der Beschwerdeführer die bei der Anhörung vorgetra-
gene Verhaftung seiner Grossmutter und die Konfiszierung seiner Aus-
weise bei der BzP nicht geltend gemacht habe, obwohl er bereits zum frag-
lichen Zeitpunkt von der Haft seiner Grossmutter Kenntnisse gehabt habe.
Bei der Anhörung habe er vorgetragen, von den Behörden festgenommen
und dabei misshandelt worden zu sein. Diese persönlich erlittene Verhaf-
tung und die sonstigen Razzien habe er bei der BzP jedoch mit keinem
Wort erwähnt. Dort habe er vielmehr die Frage, ob er jemals verhaftet wor-
den sei, verneint. Bei der ihm bei der BzP gestellten Frage nach der Nach-
reichung von Identitätspapieren habe er nicht darauf hingewiesen, dass die
Behörden die meisten dieser Dokumente angeblich beschlagnahmt hätten.
Die entsprechenden Vorbringen müssten daher als nachgeschoben und
folglich unglaubhaft eingestuft werden.
Im Weiteren würden die Angaben des Beschwerdeführers zu den Umstän-
den, wie er dazu gekommen sei, sich politisch gegen das eritreische Re-
gime zu engagieren, äusserst mysteriös anmuten. Auf die Frage zur Per-
son seines Patenonkels habe er nur sehr dürftige Informationen zu Proto-
koll gegeben. Die Schilderung, wie der Beschwerdeführer seinen Patenon-
kel getroffen habe, wirke platt und wenig originell. Es fehlten überra-
schende Einzelheiten und subjektiv geprägte Eindrücke. Seine Angaben,
der Patenonkel sei «auf einem Berg gestanden», der Beschwerdeführer
habe ihn gesehen und sei «erschrocken», sie hätten sich gegrüsst und ge-
fragt, ob «alles in Ordnung sei», wirkten wenig authentisch und zu abstrakt,
als dass diese Angaben geglaubt werden könnten. Zudem erscheine auch
fraglich, weshalb sein Patenonkel den Beschwerdeführer rekrutiert und da-
nach regelmässig getroffen haben solle, nach der Verhaftung seiner Kolle-
gen aber auf geisterhafte Weise wieder aus seinem Leben verschwunden
sei. Es wäre diesbezüglich zu erwarten gewesen, dass der Patenonkel als
äthiopischer Exilant dem Beschwerdeführer wenigstens mit Ratschlägen
zum eigenen Schutz und zur sicheren Ausreise beigestanden wäre. Auch
zur Organisation und zu seiner Tätigkeit innerhalb derselben habe der Be-
schwerdeführer kaum überzeugende Informationen abzugeben vermocht.
Seine Antworten seien zumeist wiederholend ausgefallen und hätten sich
auf die Anzahl Mitglieder und die Angst bei der Kontaktierung der Mitschü-
ler beschränkt. Konkrete und einleuchtende Einzelheiten fehlten gänzlich
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in den Darlegungen. Es erstaune insbesondere, dass der Beschwerdefüh-
rer selbst zu den notwendigen Vorsichtsmassnahmen kaum Einzelheiten
habe präsentieren können. Er habe angegeben, dass er anhand des Ge-
sichts einer Person habe ablesen können, ob diese vertrauenswürdig sei
oder nicht. Die Angaben wirkten reichlich unbeholfen und verwiesen nicht
auf eine reflektierte Praxis eines von langer Hand geplanten konspirativen
Unternehmens. Auch dazu, wie die Behörden auf den Beschwerdeführer
aufmerksam geworden seien, habe dieser keine schlüssigen Angaben zu
machen vermocht; seine Angaben seien äusserst dürftig ausgefallen.
Der Beschwerdeführer habe schliesslich auch seine aus Eritrea erfolgte
Ausreise insgesamt uneinheitlich und zu unsubstanziiert geschildert, als
dass diese geglaubt werden könnte.
In Eritrea herrsche heute weder ein Krieg noch Bürgerkrieg oder eine Situ-
ation allgemeiner Gewalt im Sinne eines Wegweisungsvollzugshindernis-
ses. Aus den Akten würden sich auch keine individuellen Gründe ergeben,
die den Wegweisungsvollzug als unzumutbar erscheinen liessen. Der Be-
schwerdeführer sei jung, gesund und verfüge über eine 11-jährige Schul-
bildung. Im Heimatland habe er ein intaktes und tragfähiges Beziehungs-
netz, mit welchem er auch von der Schweiz aus telefonischen Kontakt
pflege. Ausserdem habe er einen Onkel, welcher ihn mit einem namhaften
Geldbetrag unterstützt habe. Es sei deshalb davon auszugehen, dass
seine Familie ihn bei einer Rückkehr unterstützen werde.
F.
Mit Eingabe seiner damaligen Rechtsvertreterin vom 27. Juli 2017 erhob
der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und
beantragte die Aufhebung der Verfügung des SEM vom 21. Juni 2017, die
Anerkennung seiner Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl.
Eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, den Beschwerdeführer als
Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei die vorläufige Auf-
nahme wegen Unzulässigkeit respektive Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzuges anzuordnen.
In prozessualer Hinsicht wurde um die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses er-
sucht. Eine Fürsorgebestätigung wurde mit Eingabe vom 21. August 2017
nachgereicht.
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Zur Begründung wurde in der Beschwerde ausgeführt, die BzP habe vor-
liegend lediglich 30 Minuten inklusive Rückübersetzung gedauert. Inner-
halb dieser kurzen Zeit habe der Beschwerdeführer zwischen 50 und 60
Angaben zu seiner Person machen müssen. Gemäss Entscheidungen und
Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission (EMARK) 2005
Nr. 7 E. 6.2.1 und der weiterhin diesbezüglich gültigen Rechtspraxis
komme den Aussagen einer asylsuchenden Person im Empfangszentrum
angesichts des summarischen Charakters nur ein beschränkter Beweis-
wert zu. Der Beschwerdeführer habe die zentralen Elemente seiner Asyl-
gründe bereits an der BzP vollständig vorgebracht. Angesichts der verkürz-
ten BzP sei davon auszugehen, dass kein Raum für weitere Vorbringen
vorhanden gewesen sei. Es gehe nicht an, dass die Vorinstanz die Befra-
gung aus organisatorischen Mängeln verkürze und die daraus resultieren-
den Missverhältnisse dem Beschwerdeführer anlaste. Dies gelte nament-
lich für den Vorhalt, wonach die Vorbringen zur Verhaftung seiner Gross-
mutter nachgeschoben und daher unglaubhaft seien.
Der Beschwerdeführer habe zu keinem Zeitpunkt der BzP oder der Anhö-
rung Zweifel aufkommen lassen, dass Unklarheiten bezüglich der Person
«E._», seinem Patenonkel, bestehen würden. Der Umstand, dass
er bei der BzP den Namen «E._» genannt und an der Bundesan-
hörung zuerst von seinem Patenonkel gesprochen und auf Nachfrage hin
dessen Namen genannt habe, erscheine völlig unproblematisch.
Im Weiteren habe er angesichts der Festnahme seiner Mitstreiter davon
ausgehen müssen, dass die Behörden auch nach seiner Person gesucht
hätten. Seine Ausführungen an der Bundesanhörung stellten eine Spezifi-
zierung seiner Angaben in der BzP dar. Die Verhaftung seiner Mitstreiter
sei die Erklärung und Herleitung, weshalb er selbst behördlich gesucht wor-
den sei. Es liege deshalb kein Widerspruch vor.
Die Vorbringen zur Verhaftung seiner Grossmutter seien detailliert und le-
bensnah geschildert worden. Auch zum politischen Engagement, insbe-
sondere zu seiner Beziehung zum Patenonkel und seinen Treffen mit die-
sem habe er in freier Rede einlässliche und nachvollziehbare Schilderun-
gen zu Protokoll gegeben. Die entsprechenden Schilderungen seien des-
halb als glaubhaft zu würdigen. Zudem sei bekannt, dass die Rekrutierung
junger Eritreer durch Oppositionsparteien respektive durch Oppositionelle
in Äthiopien erfolge, wozu auf zwei Berichte der H._ und der EASO
(European Asylum Support Office: Länderfokus Eritrea vom Mai 2015) ver-
wiesen werde. Der Umstand, dass der Patenonkel nach der Inhaftierung
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der Mitstreiter dem Beschwerdeführer nicht mehr zur Seite gestanden
habe, begründe sich damit, dass dieser Patenonkel im fraglichen Zeitpunkt
in Äthiopien gewesen sei. Der Beschwerdeführer habe in der Folge seine
Ausreise aus Eritrea organisiert und sich bei seiner Mutter versteckt gehal-
ten. Es leuchte deshalb nicht ein, weshalb er angesichts der bestehenden
Bedrohungslage hätte versuchen sollen, seinen Patenonkel zu kontaktie-
ren, anstatt schnellstmöglich Eritrea zu verlassen,
Der Beschwerdeführer habe bereits bei seiner Anhörung darauf hingewie-
sen, dass der Begriff «Haft» für ihn einen Gefängnisaufenthalt bedeute. Er
sei nie im Gefängnis gewesen; deshalb habe er in der BzP die entspre-
chende Frage verneint. Er sei von Soldaten festgehalten und seiner Bewe-
gungsfreiheit beraubt worden, sei jedoch nicht in ein Gefängnis gebracht
worden.
Der Vorinstanz sei es insgesamt nicht gelungen, überzeugend darzulegen,
dass seine Vorbringen unglaubhaft ausgefallen seien. Die positiven Glaub-
haftigkeitselemente würden überwiegen.
Die heimatlichen Behörden hätten über die politischen Tätigkeiten des Be-
schwerdeführers und seiner Mitstreiter Kenntnisse gehabt und in der Folge
die vier Mitstreiter inhaftiert. Zudem sei seine Grossmutter von den Behör-
den mitgenommen und festgehalten worden. Es würden hinreichende An-
haltspunkte für eine konkrete, asylrelevante Bedrohungslage vorliegen.
Der Beschwerdeführer habe seine politischen Tätigkeiten in der Schweiz
fortgesetzt. Er sei nach wie vor aktives Mitglied der «H._», die auch
in der Schweiz eine Gruppe führe. Er nehme auch an Demonstrationen teil,
organisiere Events und informiere Landsleute und Schweizer über die Or-
ganisation und deren Ziele. Es sei im Moment nicht bekannt, inwieweit das
eritreische Regime oppositionelle Parteien und exilpolitische Aktivitäten in
der Schweiz überwachen lasse. Der Beschwerdeführer müsse jedoch da-
von ausgehen, dass flächendeckende Überwachungsaktivitäten vorge-
nommen würden, um exilpolitische Tätigkeiten gegen das eritreische Re-
gime genau zu beobachten und die politische Kontrolle über die eritreische
Diaspora zu gewährleisten. Deshalb gelte er bei den heimatlichen Behör-
den als missliebige Person.
Der Beschwerdeführer habe seit dem Kleinkindesalter bei seiner Gross-
mutter gelebt, die bereits alt und gesundheitlich angeschlagen sei. Zu sei-
ner Mutter habe er höchst selten Kontakt. Aufgrund der Gesamtumstände,
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insbesondere der drohenden Rekrutierung in den eritreischen National-
dienst und der bevorstehenden Bestrafung als Rückkehrer mit ungeregel-
tem Status, sei der Wegweisungsvollzug als unzulässig und unzumutbar
zu betrachten.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 24. August 2017 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
H.
In seiner Vernehmlassung vom 15. September 2017 hielt das SEM an sei-
nen bisherigen Erwägungen fest. Ergänzend wurde ausgeführt, es müsse
aufgrund des Profils des Beschwerdeführers nicht davon ausgegangen
werden, dass eine drohende Einberufung in den eritreischen National-
dienst eine unmittelbare Gefahr im Sinne eines Wegweisungshindernisses
darstellen würde. Der Beschwerdeführer habe kein «real risk» im Sinne der
völkerrechtlichen Rechtsprechung darlegen können.
I.
Mit Eingabe vom 4. Oktober 2017 verzichtete die damalige Rechtsvertre-
terin des Beschwerdeführers explizit auf die Einreichung einer Replikein-
gabe.
J.
Mit Schreiben vom 20. August 2018 liess der Beschwerdeführer das Ge-
richt darüber in Kenntnis setzen, dass er eine Lehre als (...) angetreten
habe.
Dieser Eingabe wurde ein Lehrvertrag beigelegt, gemäss welchem die
Ausbildung des Beschwerdeführers am 31. Juli 2020 abgeschlossen sei.
K.
Am 2. Dezember 2019 erkundigte sich der Beschwerdeführer nach dem
Stand seines Beschwerdeverfahrens.
Die Anfrage wurde vom Gericht am 19. Dezember 2019 beantwortet.
Gleichzeitig wurde dem Beschwerdeführer respektive seiner Rechtsvertre-
tung mitgeteilt, dass ab 1. Dezember 2019 Richterin Christa Luterbacher
neu als Instruktionsrichterin für das vorliegende Beschwerdeverfahren zu-
ständig sei.
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Seite 10
L.
Am 31. März 2020 teilte MLaw Denise Baltensperger, Rechtseratungsstelle
für Menschen in Not, dem Gericht mit, dass die bisherige Rechtsvertreterin,
Lara Jaggi, die Rechtsberatungsstelle verlassen habe und sie ab sofort das
Vertretungsmandat des Beschwerdeführers übernommen habe.
M.
Mit Instruktionsverfügung vom 31. März 2020 wurde der Beschwerdeführer
aufgefordert, das Gericht über den Stand seiner Ausbildung zu orientieren
und allfällige Ergänzungen zum Beschwerdeverfahren nachzureichen.
N.
Mit Eingabe vom 20. April 2020 liess sich der Beschwerdeführer zum der-
zeitigen Stand seiner Ausbildung vernehmen. Insbesondere führte er aus,
er habe den praktischen Teil seiner Lehrabschlussprüfung als (...) im März
2020 absolviert. Wann und in welcher Form die übrigen Prüfungsteile
durchgeführt würden, sei seinem Berufsbildner am 2. April 2020 auf-
grund der Vorkommnisse rund um den Corona-Virus noch nicht bekannt
gewesen. Gemäss Medienmitteilung des Bundesrates vom 16. April 2020
im Zusammenhang mit der ausserordentlichen Lage infolge des Corona-
Virus würden die schulischen Prüfungen durch die Erfahrungswerte er-
setzt. Demzufolge werde er seine Lehre im Sommer 2020 abschliessen
können. Er beabsichtige, sich gleich nach der Lehrabschlussprüfung wei-
terzubilden. Er habe sich in seinem jetzigen Lehrbetrieb auf eine offene
Lehrstelle beworben. Aufgrund der ausserordentlichen Lage habe sein Ar-
beitgeber ihm noch keine verbindliche Rückmeldung geben können. Sollte
er die Lehrstelle nicht bekommen, werde er eine Anstellung als (...) su-
chen.
Dieser Eingabe wurden ein Zeugnis der Berufsfachschule (...) vom 24. Ja-
nuar 2020, eine Bestätigung der Lehrabschlussprüfung vom 2. April 2020
sowie ein Bewerbungsschreiben vom 24. März 2020 beigelegt.
O.
Mit Instruktionsverfügung vom 4. Juni 2020 wurde der Beschwerdeführer
vom Bundesverwaltungsgericht aufgefordert, anzugeben und zu belegen,
ob er bei der zuständigen kantonalen Behörde ein Gesuch um Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung im Sinne von Art.14 AsylG gestellt habe.
P.
Mit Eingabe vom 2. Juli 2020 orientierte der Beschwerdeführer das Gericht
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über das von ihm gleichentags beim Migrationsdienst des Kantons (...) ein-
gereichte Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung.
Q.
Am 15. September 2020 ersuchte die zuständige Instruktionsrichterin des
Bundesverwaltungsgerichts den Migrationsdienst des Kantons (...) um Mit-
teilung des Verfahrensstands betreffend Gesuch um Erteilung einer Auf-
enthaltsbewilligung.
R.
Mit Schreiben vom 22. September 2020 teilte der Migrationsdienst des
Kantons (...) dem Gericht mit, dass die kantonale Härtefallkommission (...)
dem Beschwerdeführer eine Frist bis zum 3. Dezember 2020 zur Nachrei-
chung von zusätzlichen Informationen angesetzt habe, bevor die kantonale
Behörde über das diesbezügliche Gesuch entscheide.
S.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 25. November 2020 orientierte
der Beschwerdeführer das Gericht – unter Beilage der entsprechenden Un-
terlagen – über den aktuellen Stand seines Verfahrens vor dem Migrations-
dienst des Kantons (...): Er sei aufgefordert worden, sowohl seine eritrei-
sche Identitätskarte als auch einen aktuellen Arbeitsvertrag einzureichen.
Die Rechtsvertretung habe den Migrationsdienst darauf hingewiesen, dass
während des hängigen Asylverfahrens keine Ausweispapiere über die erit-
reische Botschaft beschafft werden könnten. Der Beschwerdeführer sei
zurzeit auf Stellensuche und werde demnächst erfahren, ob er im Sommer
2021 eine Lehrstelle habe.
T.
Mit Zwischenverfügung vom 13. Januar 2021 forderte das Gericht den Be-
schwerdeführer auf, den aktuellen Stand seines Verfahrens um Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung darzulegen.
U.
Mit Eingabe vom 20. Januar 2021 führte die Rechtsvertretung aus, das
diesbezügliche Verfahren sei nach wie vor beim kantonalen Migrations-
dienst hängig. Der Beschwerdeführer habe auf den 1. August 2021 eine
neue Lehrstelle gefunden. Bis zum Antritt der Lehre beziehe der Beschwer-
deführer Leistungen der Arbeitslosenkasse, sei aber auf der Suche nach
einer passenden Temporärstelle.
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Im Weiteren teilte MLaw Baltensperger mit, dass sie per Ende Januar 2021
die Beratungsstelle verlasse und ihr Arbeitskollege Marc Arnold die Rechts-
vertretung im vorliegenden Verfahren übernehme.
V.
Gemäss telefonischer Anfrage des Gerichts beim kantonalen Migrations-
amt vom 27. Januar 2021 hat die zuständige kantonale Behörde die wei-
tere Behandlung des Verfahrens um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung
sistiert bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Asyl- und Wegweisungs-
entscheides.
W.
Mit Eingabe vom 11. Februar 2021 reichte der Beschwerdeführer ein
Schreiben des Migrationsdienstes des Kantons (...) vom 3. Februar 2021
nach, in welchem diesem die Sistierung seines Härtefallgesuchs mitgeteilt
wird.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG, Art. 6 AsylG).
1.3 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
E-4259/2017
Seite 13
1.5 Aus gerichtsinternen, organisatorischen Gründen im Geschäftsbetrieb
der Abteilung V ist Instruktionsrichterin Christa Luterbacher seit 1. Dezem-
ber 2019 für das vorliegende Beschwerdeverfahren neu zuständig und am-
tet daher als vorsitzende Richterin (vgl. Sachverhalt oben, Bst. K).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Glaubhaft gemacht
ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2). Unglaubhaft
sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig be-
gründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen
oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt
werden (Abs. 3).
Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit wird eine Gesamtbeurteilung aller
Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes,
Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdig-
keit usw.), die für oder gegen die gesuchstellende Person sprechen, vor-
genommen. Glaubhaftmachen im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet
‒ im Gegensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und
lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen
der gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die
Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen,
überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-
E-4259/2017
Seite 14
len. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftigkeit eines Verfol-
gungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanti-
ierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der
dargelegten Vorkommnisse. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erleb-
nissen insbesondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten
oder nachgeschobenen Vorbringen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11
E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
3.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – etwa durch ein illegales Verlassen
des Landes – eine Gefährdungssituation erst oder zusätzlich geschaffen
worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von
Art. 54 AsylG geltend. Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss
Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss-
bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden
Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft
machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE
2009/28 E. 7.1).
4.
Nach Prüfung der Akten kommt das Gericht zum Schluss, dass die Vo-
rinstanz die vom Beschwerdeführer vorgetragenen Fluchtgründe zu Recht
und mit zutreffender Begründung als nicht glaubhaft befunden und in der
Folge deren Asylrelevanz nicht weiter geprüft hat.
4.1 Zutreffend ist zunächst, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen
ist, überzeugende und nachvollziehbare Angaben zu den geltend gemach-
ten politischen Aktivitäten und den angeblich daraus resultierenden be-
hördlichen Behelligungen zu machen.
4.1.1 Der Beschwerdeführer hat keinerlei Beweismittel zu den politisch mo-
tivierten Kontakten zu seinem angeblichen Patenonkel «E._» oder
zu seinem politischen Engagement innerhalb der Organisation
«F._»
oder «H._» zu den Akten gereicht. Wie das SEM zutreffend fest-
hielt, sind seine Angaben hierzu äusserst vage und stereotyp ausgefallen.
Namentlich seine Angaben zur Person «E._» fielen sehr dürftig aus
(vgl. A16, Antwort 93 und 94 sowie 155-157). In der Beschwerdeeingabe
wird nichts Schlüssiges vorgetragen, was an dieser Einschätzung etwas zu
ändern vermag. Der Beschwerdeführer schildert zwar seine Begegnungen
E-4259/2017
Seite 15
mit seinem Patenonkel; diese Angaben vermögen jedoch das von ihm be-
hauptete politische Profil respektive das damit angeblich zusammenhän-
gende Interesse der eritreischen Behörden an seiner Person nicht als über-
wiegend wahrscheinlich darzutun.
4.1.2 Hingegen mag der vom SEM vorgehaltene Umstand, wonach der Be-
schwerdeführer in der BzP nicht darauf hingewiesen habe, dass es sich bei
der Person namens «E._» um seinen Patenonkel handle, zwar zu-
nächst erstaunen. In diesem Zusammenhang muss dem SEM entgegen-
gehalten werden, dass die BzP, bei welcher die Asylgründe des Beschwer-
deführers nur summarisch erfragt wurden, in abgekürzter Form durchge-
führt wurde (vgl. A4, Ziffer 9.02). Die blosse Nennung des Namens
«E._» durch den Beschwerdeführer ohne Verweis auf dessen Fa-
milienzugehörigkeit beziehungsweise Eigenschaft als Patenonkel ist für
sich alleine nicht geeignet, ein ausschlaggebendes Unglaubhaftigkeitsele-
ment für die Beurteilung des Asylgesuchs darzustellen.
4.1.3 Der Umstand, dass der Beschwerdeführer anlässlich der BzP die
Frage nach allfälligen Inhaftierungen unmissverständlich verneint hat (vgl.
A4, Ziffer 7.01, letzte Frage), während er in der Bundesanhörung eine elf-
stündige Festnahme durch Soldaten im Dezember 2014, eine damit ein-
hergehende Fesselung seiner Hände (vgl. A16, Antworten 180-185) sowie
weitere Mitnahmen nach Razzien vortrug (vgl. A16, Antworten 126-128),
muss jedoch trotz der verkürzt durchgeführten BzP als erhebliches Un-
glaubhaftigkeitselement gewürdigt werden. Wie das SEM zutreffend fest-
hielt, bleibt nicht nachvollziehbar, weshalb die elfstündige Festnahme und
Fesselung, ein zentrales Element innerhalb der Asylbegründung des Be-
schwerdeführers, bei der BzP nicht ansatzweise erwähnt wurde und dieser
die Frage nach einer erlittenen Haft explizit verneint hat. Seine Erklärung,
er habe unter dem Begriff «Inhaftierung» nur einen Gefängnisaufenthalt
verstanden (vgl. A16, Antwort 178 sowie Beschwerde, Ziffer 2.2, S. 7), ver-
mag nicht zu überzeugen. Gemäss seinen eigenen Angaben wurde er von
den Soldaten abgeführt und zu einer Örtlichkeit gebracht, wo er zusammen
mit den weiteren Festgenommenen vom Vorgesetzten dieser Soldaten in
Empfang genommen und in der Folge gefesselt worden sei (vgl. A16, Ant-
wort 180). Es bleibt deshalb unverständlich, weshalb der Beschwerdefüh-
rer dieses für ihn zweifellos persönlich einschneidende Ereignis bei der
BzP nicht erwähnt und eine elfstündige Festnahme nicht als "Haft" emp-
funden hat.
E-4259/2017
Seite 16
4.1.4 Der Beschwerdeführer gab zu dieser Festnahme und seiner Fesse-
lung durch Soldaten weiter an, seine Grossmutter habe die Soldaten, die
ihren Enkel – den Beschwerdeführer – festgenommen hätten, angefleht
und durch die Zahlung einer Geldsumme freikaufen können (vgl. A16, Ant-
worten 128, 184 und 185). Auch dieser Sachverhaltsvortrag muss als un-
realistisch und lebensfremd qualifiziert werden. Wenn die eritreischen Be-
hörden den Beschwerdeführer wegen politisch missliebiger Oppositionstä-
tigkeit gesucht hätten, ist davon auszugehen, dass sie diesen nach seiner
Festnahme nicht bloss dank des Flehens der Grossmutter und der Zahlung
einer Geldsumme wieder freigelassen hätten.
4.1.5 Der Beschwerdeführer will sich bei seiner Mutter einige Tage lang
versteckt haben, nachdem er von der angeblichen Suche der Behörden
nach seiner Person erfahren habe (vgl. A16, Antworten 134 und 135). Die-
ses Verhalten spricht zusätzlich gegen die Glaubhaftigkeit der behaupteten
behördlichen Suche. Wenn die eritreischen Sicherheitskräfte den Be-
schwerdeführer aus den geltend gemachten Gründen und im behaupteten
Ausmass tatsächlich gesucht hätten, ist einerseits davon auszugehen,
dass sie ihn am Wohnsitz einer nahen Verwandten, bei seiner Mutter in
G._, – etwa 13 km Luftlinie ohne direkte Strassenverbindung von
seinem eigenen Wohnort B._ entfernt – ebenfalls gesucht hätten.
Andererseits hätte sich der Beschwerdeführer mutmasslich nicht ausge-
rechnet am Wohnsitz seiner eigenen Mutter einige Tage lang versteckt,
wenn er sich tatsächlich als von den eritreischen Behörden verfolgt erach-
tet hätte. Das vom Beschwerdeführer geschilderte eigene Vorgehen spricht
somit gegen die geltend gemachte Verfolgung aufgrund angeblicher politi-
schen Aktivitäten.
4.1.6 Auch das weitere Verhalten des Beschwerdeführers, insbesondere
der Umstand, dass er, trotz der Drohung eines Soldaten mit einer Waffe,
dessen Befehle missachtet haben soll (vgl. A16, Frage 178), erscheint nicht
plausibel und wirkt lebensfremd. Die diesbezügliche Einschätzung des
SEM ist deshalb ebenfalls zu bestätigen.
4.1.7 Schliesslich vermochte der Beschwerdeführer insgesamt nur äussert
vage Angaben zu seinem angeblichen politischen Engagement im Rahmen
einer Organisation namens «F._» oder «H._» und zu der
dadurch ausgelösten behördlichen Verfolgung zu machen. Die diesbezüg-
lichen Erwägungen des SEM sind zu bestätigen (vgl. Verfügung des SEM
vom 21. Juni 2017, Ziffer II/3 mit Verweis auf die Protokollstellen: A16, Fra-
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Seite 17
gen 84-89, 93, 94, 110, 111, 119 und 155-157). Die Tätigkeiten des Be-
schwerdeführers für die Organisation haben sich gemäss eigenen Anga-
ben auf die Orientierung der Schülerschaft beschränkt (vgl. A16, Antwort
116), weshalb nicht plausibel erscheint, dass die heimatlichen Behörden
im behaupteten Ausmass an seiner Person interessiert gewesen sein sol-
len. Auch seine Schilderungen der Funktion sowie der Ziele der Bewegung
(A16, Antworten 89 ff. sowie 113) müssen als stereotyp gewürdigt werden
und vermögen deshalb nicht ein politisches Engagement gegen den eritre-
ischen Staat glaubhaft zu machen. Die Behauptung in der Rechtsmittelein-
gabe, der Beschwerdeführer habe das Augenmerk der eritreischen Behör-
den auf sich gelenkt und habe sich in der Folge verstecken müssen, wird
durch keinerlei schlüssige Angaben untermauert. Er wurde vom SEM
mehrmals gebeten, konkrete Hinweise für seine aktive politische Rolle ge-
gen den eritreischen Staat und die von ihm abgeleitete Verfolgungssitua-
tion zu Protokoll zu geben. Seine diesbezüglichen Antworten sind insge-
samt bloss oberflächlich und ausweichend geblieben (vgl. A16, Antworten
67-69 sowie 119-121).
4.1.8 Die vom Beschwerdeführer vorgetragene behördliche Suche wegen
oppositionellen Polittätigkeiten kann nach dem Gesagten nicht geglaubt
werden. Bei dieser Sachlage bleibt auch das Vorbringen, die eritreischen
Sicherheitskräfte hätten auch nach der Ausreise den Beschwerdeführer
gesucht, ohne glaubhafte Grundlage.
4.2 Hinzu kommt, dass die Angaben des Beschwerdeführers zu einem we-
sentlichen Teil auf blossem Hörensagen und Vermutungen basieren.
4.2.1 So will er die eigene behördliche Suche alleine von der Vermutung
ableiten, dass er von einer Drittperson, einem Mitschüler, von der angebli-
chen Inhaftierung seiner vier politischen Mitstreiter erfahren habe (vgl. A16,
Antworten 62 und 120). Weitere, konkrete Hinweise, dass er persönlich aus
einem irgendwie gearteten Grund ins Visier der eritreischen Behörden ge-
riet, vermochte er nicht vorzutragen. Auf die ihm in der Anhörung gestellte
Frage nach konkreten Hinweisen für die vom ihm behauptete behördliche
Verhaftungsabsicht der Sicherheitskräfte gab der Beschwerdeführer in-
haltsleer und nichtssagend zu Protokoll, er habe «mit Gottes Hilfe sehr viel
Glück» gehabt, dass er nicht erwischt worden sei (vgl. A16, Antwort 69).
Auch auf Beschwerdeebene wurden keine Ausführungen oder Beweismit-
tel vorgebracht, die auf eine spezifische Verfolgung des Beschwerdefüh-
rers hindeuten würden. Die in der Beschwerdeschrift deponierte Annahme,
E-4259/2017
Seite 18
der Beschwerdeführer habe durch die Festnahme seiner Mitstreiter von ei-
ner behördlichen Suche nach seiner Person ausgehen müssen (vgl. Ziffer
2.2, S. 5), stellt eine nicht weiter fundierte Behauptung dar und vermag die
vom Beschwerdeführer vermutete Verfolgungslage nicht als überwiegend
wahrscheinlich darzutun.
4.2.2 Auch von der angeblichen behördlichen Suche nach seiner Person
nach seiner Ausreise will der Beschwerdeführer lediglich von seiner Gross-
mutter erfahren haben (vgl. A16, Antwort 73ff.) Diesbezügliche Spezifizie-
rungen oder Dokumente, die dieses Vorbringen untermauern würden, wur-
den nicht nachgereicht. Insgesamt beruhen alle Vorbringen des Beschwer-
deführers im Zusammenhang mit einer behördlichen Suche nach seiner
Person auf blossen Mutmassungen respektive auf den Angaben von Dritt-
personen und nicht auf Ereignisse, die der Beschwerdeführer persönlich
erlebt hat.
4.3 Wie bereits festgehalten, brachte der Beschwerdeführer vor, er habe
nach seiner Ausreise aus Eritrea und während seines Aufenthaltes im Su-
dan von seiner Grossmutter erfahren, dass er von den eritreischen Sicher-
heitskräften gesucht worden sei und dass die Soldaten eine Hausdurchsu-
chung vorgenommen, die Grossmutter abgeführt und eine Woche lang
festgehalten hätten, nachdem der Beschwerdeführer an seinem Wohnort
nicht habe behördlich angehalten werden können.
4.3.1 In diesem Zusammenhang hat das SEM zutreffend darauf hingewie-
sen, dass nicht nachvollziehbar bleibt, weshalb der Beschwerdeführer we-
der die behördliche Suche nach seiner Person kurz nach seiner Ausreise
aus Eritrea und die damit einhergehende Hausdurchsuchung bei seiner
Grossmutter in Eritrea, noch den Umstand, dass seine Grossmutter wäh-
rend einer Woche an seiner Statt festgenommen worden sei, bei der BzP
ansatzweise erwähnte. Nachdem er bei der Anhörung zu Protokoll gab, er
habe während seines Aufenthaltes im Sudan von der Verhaftung seiner
Grossmutter erfahren (vgl. A16, Antwort 73) und er somit diesen Umstand
im Zeitpunkt der BzP kannte, bleibt nicht nachvollziehbar, weshalb er erst
im Rahmen der Anhörung diese Festnahme erwähnte und zur weiteren
Stützung seiner angeblichen Gefährdungslage geltend machte.
4.3.2 An diesen Ereignissen bestehen auch aus anderweitigen Gründen
erhebliche Zweifel: Der Beschwerdeführer trug nämlich vor, die Sicher-
heitskräfte hätten anlässlich der behördlichen Vorsprache und Hausdurch-
E-4259/2017
Seite 19
suchung am Wohnsitz der Grossmutter sämtliche Schulunterlagen und Do-
kumente des Beschwerdeführers mitgenommen (vgl. A16, Antworten 71
und 79). Bei dieser Sachlage bleibt nicht nachvollziehbar, weshalb es dem
Beschwerdeführer dennoch gelungen sein kann, den Schweizer Asylbe-
hörden Kopien seines Schulzeugnisses einzureichen. Mit dieser Unstim-
migkeit wurde der Beschwerdeführer während der Anhörung konfrontiert.
Seine diesbezüglichen Erklärungen, die Behörden hätten das Schulzeug-
nis «zufällig» nicht gefunden respektive er habe das Schulzeugnis sorgfäl-
tig in einer Tasche aufbewahrt (vgl. A16, Antwort 81), vermögen angesichts
der vorgenommen behördlichen Hausdurchsuchung nicht zu überzeugen,
weshalb am Wahrheitsgehalt dieser behördlichen Vorsprache zusätzliche
erhebliche Zweifel bestehen.
4.3.3 Das dargelegte unstimmige Aussageverhalten des Beschwerdefüh-
rers muss auch unter Mitberücksichtigung seines jugendlichen Alters im
Zeitpunkt seiner Befragung und Anhörung als insgesamt unplausibel ge-
wertet werden. Die blosse Behauptung, er sei von den Behörden am
Wohnsitz seiner Grossmutter gesucht worden, vermag für sich alleine kei-
nen asylbeachtlichen Sachverhalt als überwiegend wahrscheinlich darzu-
tun.
4.4 Andere Asylgründe hat der Beschwerdeführer nicht vorgetragen. Er
hat insbesondere unmissverständlich zu Protokoll gegeben, dass er als
Schüler der elften Schulklasse nie mit dem Thema einer Militärdienstpflicht
konfrontiert worden sei (vgl. A4, Ziffer 7.01, S. 7).
4.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass das SEM mit zutreffender
Begründung die Schlussfolgerung gezogen hat, dass es dem Beschwer-
deführer nicht gelungen ist, seine Fluchtgründe glaubhaft darzutun.
In der Beschwerdeeingabe wird nichts Stichhaltiges vorgetragen und es
wurden keine Beweismittel eingereicht, die an dieser Einschätzung etwas
zu ändern vermöchten.
Es ist dem Beschwerdeführer daher nicht gelungen, eine im Zeitpunkt sei-
ner Ausreise aus dem Heimatstaat bestehende asylbeachtliche Verfol-
gungssituation glaubhaft zu machen. Wie bereits festgehalten, gab er ex-
plizit zu Protokoll, er sei im Eritrea nie mit dem Thema einer Militärdienst-
pflicht konfrontiert worden (vgl. A4, Ziffer 7.01, S.7). Es ist deshalb festzu-
stellen, dass er im Zeitpunkt seiner Ausreise keine konkreten Kontakte zu
E-4259/2017
Seite 20
den eritreischen Militärbehörden im Zusammenhang mit einer Rekrutie-
rung in den National Service im Sinne der Rechtsprechung (vgl. unter vie-
len: Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom 5. März 2020 E-115/2018
E. 6.3, mit Verweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri-
schen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 3 E. 4.7 und 4.10) gehabt
hat. Es ist daher auch nicht davon auszugehen, dass er wegen Regime-
feindlichkeit (Refraktion) ins Visier der eritreischen Behörden geraten ist
und eine diesbezüglich begründete Furcht vor flüchtlingsrechtlich relevan-
ten Bestrafung zu bejahen ist.
Dass der Beschwerdeführer heute im militärpflichtigen Alter ist, führt nicht
zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft. Die Militärpflicht in Eritrea
knüpft nicht an flüchtlingsrechtlich relevante Faktoren an und beruht nicht
auf einem relevanten Verfolgungsmotiv im Sinne von Art. 3 AsylG.
4.6
4.6.1 Im Zusammenhang mit der vom Beschwerdeführer geltend gemach-
ten illegalen Ausreise aus Eritrea ist – ohne auf die vom SEM festgestellten
Unstimmigkeiten innerhalb der diesbezüglichen Schilderungen des Be-
schwerdeführers näher einzugehen (vgl. Ziffer II/5 der angefochtenen Ver-
fügung) – auf das Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts
D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 zu verweisen. Das Gericht geht nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass sich eritreische
Staatsangehörige aufgrund einer illegalen Ausreise mit Sanktionen ihres
Heimatstaates konfrontiert sehen, welche bezüglich ihrer Intensität und der
politischen Motivation des Staates ernsthafte Nachteile im Sinne des Asyl-
gesetzes darstellen (vgl. D-7898/2015, a.a.O. E. 5.1). Nach dieser Recht-
sprechung ist nur dann von einer begründeten Furcht vor intensiven und
flüchtlingsrechtlich begründeten Nachteilen auszugehen, wenn zur illega-
len Ausreise weitere Faktoren hinzukommen, welche die asylsuchende
Person in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige Person er-
scheinen lassen (vgl. zitiertes Referenzurteil, E. 5.1, letzter Absatz). Ent-
sprechende zusätzliche Anknüpfungspunkte im Sinne einer Profilschär-
fung sind beim Beschwerdeführer – im Gegensatz zu den anderslautenden
Ausführungen in der Rechtsmittelschrift – zu verneinen, zumal sich die vor-
getragenen behördlichen Suchen wegen seiner angeblichen politischen
Aktivitäten als nicht glaubhaft erwiesen haben.
4.6.2 In der Beschwerdeeingabe wird zwar vorgetragen, der Beschwerde-
führer habe sich in der Schweiz exilpolitisch betätigt und insbesondere an
E-4259/2017
Seite 21
einer Demonstration in (...) teilgenommen. Hierzu wird eine Fotokopie ei-
ner Bildschirmaufnahme auf einem Mobiletelefon eingereicht. Dieses Vor-
bringen stellt für sich alleine keinen zusätzlichen Anknüpfungspunkt im
Sinne der dargelegten Rechtsprechung dar, nachdem in der Beschwerde-
eingabe keine weiterführenden Spezifizierungen hierzu gemacht werden.
4.7 Nach dem Gesagten hat das SEM mit zutreffender Begründung zu
Recht festgestellt, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft
nicht erfüllt. Die Abweisung des Asylgesuchs ist demnach zu Recht erfolgt.
5.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die
Wegweisung wurde demzufolge zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37
E. 4.4).
6.
6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
6.2
6.2.1
Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrechtli-
che Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder
des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-
stehen. Vorliegend erfüllt der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft
nicht. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1
des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwendbar. Die Zuläs-
sigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfas-
sungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK,
SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
E-4259/2017
Seite 22
6.2.2 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 FoK und Art. 3 EMRK darf niemand
der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behand-
lung unterworfen werden.
6.2.3 Angesichts des Alters des Beschwerdeführers ist es durchaus mög-
lich, dass er bei einer Rückkehr in sein Heimatland in den Nationaldienst
eingezogen würde.
Die Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs bei anstehender Ein-
ziehung in den eritreischen Nationaldienst ist vom Bundesverwaltungsge-
richt in einem Grundsatzurteil geklärt worden (vgl. BVGE 2018 VI/4).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Zulässigkeit des Wegweisungsvoll-
zugs im genannten Urteil sowohl unter dem Gesichtspunkt des Zwangsar-
beitsverbots (Art. 4 Abs. 2 EMRK) als auch unter jenem des Verbots der
Folter und der unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung (Art. 3
EMRK) geprüft und bejaht (vgl. BVGE 2018 VI/4 E. 6.1). Es kann auf die
Ausführungen im genannten Urteil verwiesen werden. Vorliegend ist nicht
ersichtlich, weshalb im Falle des Beschwerdeführers eine allfällige Einzie-
hung in den Nationaldienst diese Bestimmungen verletzen sollte.
Zu beachten ist freilich, dass die vorstehend aus dem publizierten Grund-
satzurteil BVGE 2018 VI/4 zitierten Erwägungen respektive Schlussfolge-
rungen lediglich die Situation von freiwilligen Rückkehrerinnen und Rück-
kehrern betreffen, zumal die eritreischen Behörden keine Zwangsrückfüh-
rungen aus der Schweiz akzeptieren, und sich an diesem Umstand bis zum
allfälligen Abschluss eines Rückführungsabkommens zwischen der
Schweiz und Eritrea auch nichts ändern dürfte. Insofern kann offen bleiben,
wie sich die Situation für Personen gestalten würde, die unter Zwang nach
Eritrea zurückgeführt werden und bei denen davon auszugehen ist, dass
sie keine Möglichkeiten hatten, ihr Verhältnis zum eritreischen Staat vor
einer Rückkehr zu regeln.
6.2.4 Aus den Akten ergeben sich keine weiteren Gründe für die Annahme
der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. Gemäss Praxis des Euro-
päischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-
Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführenden eine konkrete
Gefahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall
einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen
würde (vgl. Urteil EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse
E-4259/2017
Seite 23
Kammer 37201/06, § 124 ff. m.w.H.). Dies ist ihm nicht gelungen. Der Weg-
weisungsvollzug ist folglich als zulässig zu betrachten.
6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
6.3.1 Die drohende Einziehung in den eritreischen Nationaldienst führt
mangels einer hinreichend konkreten Gefährdung auch nicht generell zur
Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs gemäss
Art. 83 Abs. 4 AIG (vgl. BVGE 2018 VI/4 E. 6.2).
6.3.2 Gemäss aktueller Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von einem
Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungs-
weise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausge-
gangen werden. In jüngster Zeit haben sich die Lebensbedingungen in ei-
nigen Bereichen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor
schwierig. Die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssituation,
der Zugang zu Wasser und zur Bildung haben sich aber stabilisiert. Der
Krieg ist seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse Kon-
flikte sind nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch
die umfangreichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil
der Bevölkerung profitiert. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage
des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenz-
bedrohung ausgegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen.
Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung sind begünstigende
individuelle Faktoren indes nicht mehr zwingende Voraussetzung für die
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil D-2311/2016
vom 17. August 2017 E. 16 f.).
6.3.3 Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen jungen Mann, wel-
cher die Schule bis zur elften Klasse besucht hat (vgl. A4, Ziffer 1.17.04).
In seiner Heimat verfügt er über ein familiäres Beziehungsnetz (Grossmut-
ter, die gesundheitlich angeschlagen sei, sowie Mutter und mehrere Halb-
geschwister, die alle in Eritrea leben; vgl. A4, Ziffer 3.01). Er ist im Dorf
B._, Subzoba C._, Zoba D._, aufgewachsen und hat
bis zu seiner Ausreise mit seinen Grosseltern, Onkel und Tanten zusam-
mengelebt (vgl. A16 Antwort 21). Er hat vor seiner Ausreise in der Land-
wirtschaft gearbeitet (vgl. A4, Ziffer 7.01 und A16, Antworten 30ff.). Er hat
ferner in der Schweiz eine Lehre abgeschlossen und verfügt daher über
E-4259/2017
Seite 24
entsprechende Berufserfahrungen. Er hat von der Schweiz aus den Kon-
takt zu seiner in G._, 13 km von seinem ursprünglichen Wohnort
B._ entfernt lebenden Mutter unterhalten, die – gemeinsam mit ei-
nem Onkel – auch mitgeholfen hat, seine Ausreise aus Eritrea zu organi-
sieren und zu finanzieren (vgl. A16, Antworten 14, 15, 35, 131, 158).
Es ist deshalb davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer
Rückkehr nach Eritrea wieder bei seiner Grossmutter oder bei der Familie
seiner Mutter wird leben können und er bei der sozialen und wirtschaftli-
chen Wiedereingliederung von seiner Familie unterstützt wird. Nachdem
die Ausreise des Beschwerdeführers mit einem namhaften Betrag (über Fr.
3000.-; vgl. A16, Antwort 160) seitens seiner Verwandten finanziert wurde,
ist davon auszugehen, dass er bei Bedarf auch weiterhin auf eine entspre-
chende Unterstützung wird zählen können. Medizinische Probleme, die
den Wegweisungsvollzug unter Umständen als unzumutbar erscheinen
lassen könnten, ergeben sich aus den Akten nicht. Der Vollzug der Weg-
weisung erweist sich somit auch in individueller Hinsicht als zumutbar.
6.4 Zwar ist darauf hinzuweisen, dass derzeit die zwangsweise Rückfüh-
rung nach Eritrea generell nicht möglich ist. Die Möglichkeit der freiwilligen
Rückkehr steht aber praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit des
Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG entgegen. Es ob-
liegt daher dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung
des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu
beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12),
weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist
(Art. 83 Abs. 2 AIG).
6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
6.6 Wie aus dem Sachverhalt oben, Bst. O. bis W. hervorgeht, reichte der
Beschwerdeführer am 2. Juli 2020 beim Migrationsamt des Kantons (...)
ein Gesuch um Erteilung einer Härtefallbewilligung im Sinne von Art. 14
AsylG ein. Aus den Verfahrensakten geht weiter hervor, dass dieses Ge-
such von der zuständigen Härtefallkommission des Kantons entgegenge-
nommen wurde und dort in Behandlung ist; die zuständige kantonale Be-
hörde hat entsprechende Instruktionsmassnahmen (Einholung von weite-
ren Dokumente) vorgenommen. Dass die zuständigen kantonalen Behör-
den mit der Prüfung des Gesuchs um Erteilung einer Härtefallbewilligung
E-4259/2017
Seite 25
befasst war, hat das Gericht im Rahmen seiner Beschwerdeinstruktion mit-
berücksichtigt.
Am 27. Januar 2021 wurde dem Gericht seitens des Migrationsamtes des
Kantons (...) mitgeteilt, dass die Prüfung des beim Kanton hängigen Här-
tefallgesuches sistiert werde bis zum Vorliegen eines Asyl- und Wegwei-
sungsentscheides des Bundesverwaltungsgerichts; nach der Fällung eines
entsprechenden Entscheides werde die Behandlung des Gesuchs des Be-
schwerdeführers um Erteilung einer Härtefallbewilligung wieder aufgenom-
men. Der Beschwerdeführer hat mit seiner Eingabe vom 11. Februar 2021
das Schreiben des Migrationsamts vom 3. Februar 2021 nachgereicht, in
welchem ihm die Sistierung des Härtefallgesuches mitgeteilt wurde.
Die Prüfung der Erteilung einer Härtefallbewilligung liegt einzig in der Kom-
petenz der kantonalen Behörden.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Ein mit der Beschwerde ge-
stelltes Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wurde jedoch mit Instruktionsverfügung
vom 24. August 2017 gutgeheissen. Nachdem aufgrund der sich bei den
Akten befindlichen Unterlagen davon auszugehen ist, dass der Beschwer-
deführer zur Zeit Leistungen der Arbeitslosenversicherung bezieht, muss
nach wie vor von seiner prozessualen Bedürftigkeit ausgegangen werden.
Folglich sind keine Verfahrenskosten zu erheben.
(Dispositiv nächste Seite)
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