Decision ID: 1e44791f-6dfa-443e-9d08-e2e8e2b6850b
Year: 2012
Language: de
Court: BL_KG
Chamber: BL_KG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A. Mit Strafbefehl vom 12. Oktober 2011, zugestellt am 17. Oktober 2011, erklärte die
Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Liestal, A._ der mehrfachen Zuwider-
handlung gegen die Verordnung über die Arbeits- und Ruhezeit der berufsmässigen Motorfahr-
zeugführer und -führerinnen (ARV 1) schuldig und verurteilte ihn zu einer Busse von
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CHF 400.00 beziehungsweise bei Nichtbezahlen der Busse zu einer Ersatzfreiheitsstrafe von
vier Tagen.
B. Dagegen erhob A._ am 26. Oktober 2011 (Datum Poststempel: 29. Oktober 2011) Ein-
sprache und beantragte sinngemäss, es sei der Strafbefehl vom 12. Oktober 2011 gegen ihn
aufzuheben.
C. Mit Schreiben vom 25. November 2011 bestätigte die Staatsanwaltschaft Basel-
Landschaft den Erhalt der Einsprache und zeigte die aus ihrer Sicht verspätete Eingabe an. Es
wurde A._ angeboten, das von ihm zugesandte Schreiben als Kostenerlassgesuch zu be-
handeln. Die Staatsanwaltschaft räumte jenem Frist bis zum 30. Dezember 2011 zur Bestäti-
gung eines solchen Kostenerlassgesuchs ein.
D. Am 5. Dezember 2011 bat A._ aufgrund seiner finanziellen Situation erneut um Einstel-
lung des Verfahrens bei der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft. Zudem machte er darauf
aufmerksam, dass er vom 15. bis 28. November 2011 bei einem Freund untergekommen sei,
da er seine Familienwohnung für eine Zeit habe verlassen müssen.
E. Aufgrund dieses nicht eindeutigen Schreibens gewährte die Staatsanwaltschaft A._ mit
Schreiben vom 12. Dezember 2011 nochmals die Möglichkeit, zwischen Kostenerlassgesuch
und Einsprache zu wählen. Dabei wurde A._ über die direkten Folgen der beiden Optionen
aufgeklärt. Mit Schreiben vom 15. Dezember 2011 beharrte dieser auf seiner Einsprache und
bat erneut um Verfahrenseinstellung.
F. Die Staatsanwaltschaft überwies am 2. Januar 2012 die Akten dem Strafgericht Basel-
Landschaft. Dabei stellte die Staatsanwaltschaft den Antrag, es sei auf die Einsprache zufolge
Verspätung nicht einzutreten.
G. Mit Verfügung des Präsidenten des Strafgerichts vom 10. Januar 2012 wurde A._ Frist
bis zum 3. Februar 2012 eingeräumt, um dem Strafgericht mitzuteilen, ob seine Schreiben vom
26. Oktober und 15. Dezember 2011 als Einsprache gegen den Strafbefehl vom 12. Oktober
2011 zu behandeln seien.
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H. Mit Schreiben vom 25. Januar 2012 bestätigte A._, dass seine Schreiben als Einspra-
che zu behandeln seien und bat erneut inständig, das Verfahren sei einzustellen. Der Strafge-
richtspräsident Basel-Landschaft verfügte am 17. Februar 2012, dass auf die verspätete Ein-
sprache nicht eingetreten wird und somit der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-
Landschaft, Hauptabteilung Liestal, vom 12. Oktober 2011 rechtskräftig sei.
I. Gegen diese Verfügung erhob A._ mit Eingabe vom 27. Februar 2012 "Einsprache"
(recte: Beschwerde) beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, und beantrag-
te sinngemäss die Einstellung des Verfahrens. Zur Begründung machte er im Wesentlichen
geltend, dass er die Frist für die Einsprache gegen den Strafbefehl nicht habe einhalten können,
weil er zu dem besagten Zeitpunkt im Oktober 2011 und nicht - wie vom Strafgericht behauptet
- im November 2011 ausser Haus gewohnt und seine Frau ihn über das Schreiben nicht infor-
miert habe. Des Weiteren führte er aus, dass er keine finanziellen Mittel für die Begleichung der
Busse zur Verfügung habe und er aufgrund seiner Krankheit auch nicht hafttauglich sei.
J. Mit Verfügung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 5. März
2012 wurde das schriftliche Verfahren angeordnet.
K. Mit Stellungnahme, datiert vom 9. März 2012, liess sich der Strafgerichtspräsident dahin-
gehend vernehmen, dass er die kostenfällige Abweisung der Beschwerde beantragte. Darauf-
hin wurde der Schriftenwechsel mit Verfügung des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, vom
12. März 2012 geschlossen.

Considerations:
Erwägungen
1.1 Gemäss Art. 20 Abs. 1 lit. a StPO beurteilt die Beschwerdeinstanz Beschwerden gegen
Verfahrenshandlungen und gegen nicht der Berufung unterliegende Entscheide der erstinstanz-
lichen Gerichte. Die Funktion der Beschwerdeinstanz übt gemäss § 15 Abs. 2 EG StPO die
Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, aus. Ist die Beschwerdeinstanz ein
Kollegialgericht, so beurteilt deren Verfahrensleitung die Beschwerde allein, wenn diese aus-
schliesslich Übertretungen zum Gegenstand hat (Art. 395 lit. a StPO). Im vorliegenden Fall wird
dem Beschwerdeführer eine Verletzung von Art. 21 Abs. 1 ARV1 (in Verbindung mit Art. 5 Abs.
1, Art. 8 Abs. 1 und Abs. 4 ARV1) vorgeworfen. Dabei handelt es sich um eine Übertretung im
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Sinne von Art. 103 ff. StGB. Dies führt zur Zuständigkeit der Verfahrensleitung, d.h. des Präsi-
denten des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Einzelrichter.
1.2 Die Beschwerde ist gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO zulässig gegen Verfügungen und
Beschlüsse sowie Verfahrenshandlungen der erstinstanzlichen Gerichte. Sie ist gemäss
Art. 396 Abs. 1 StPO innert zehn Tagen bei der Beschwerdeinstanz schriftlich und begründet
einzureichen. Die angefochtene Verfügung des Präsidenten des Strafgerichts vom 17. Februar
2012 wurde dem Beschwerdeführer am 27. Februar 2012 eröffnet. Es liegt somit ein taugliches
Beschwerdeobjekt vor und die Beschwerde vom 27. Februar 2012 (Postaufgabe: 28. Februar
2012) erweist sich als rechtzeitig erhoben.
1.3 Die Beschwerde stellt gestützt auf die in Art. 393 Abs. 2 StPO aufgezählten Beschwer-
degründe ein umfassendes ordentliches Rechtsmittel dar. Mit der Beschwerde können alle
Mängel des angefochtenen Entscheids geltend gemacht werden (vgl. BSK StPO-
STEPHENSON/THIRIET, Art. 393 N 15). Gemäss Art. 393 Abs. 2 lit. a StPO können zunächst
Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechts-
verweigerung und Rechtsverzögerung, gerügt werden. Lit. b sieht die unvollständige oder un-
richtige Feststellung des Sachverhalts und lit. c schliesslich die Unangemessenheit als Be-
schwerdegrund vor. Vorliegend rügt der Beschwerdeführer die unrichtige Feststellung des
Sachverhaltes mit der Begründung, dass er im Oktober 2011 und nicht - wie vom Strafgericht
vorgebracht - im November 2011 bei einem Freund gewohnt habe und es ihm daher nicht mög-
lich gewesen sei, die Frist für die Einsprache einzuhalten. Der Beschwerdeführer erfüllt damit
die Anforderungen einer Beschwerde für Laien. Auf die vorliegende Beschwerde ist somit auf-
grund der vorangehenden Erläuterungen einzutreten.
2.1 Fristen, welche durch eine Mitteilung oder den Eintritt eines Ereignisses ausgelöst wer-
den, beginnen gemäss Art. 90 Abs. 1 StPO am folgenden Tag zu laufen. Fällt der letzte Tag der
Frist auf einen Samstag, einen Sonntag oder einen vom Bundesrecht oder vom kantonalen
Recht anerkannten Feiertag, so endet sie am nächstfolgenden Werktag. Massgebend ist das
Recht des Kantons, in dem die Partei oder ihr Rechtsbeistand den Wohnsitz oder den Sitz hat
(Art. 90 Abs. 2 StPO). Die Frist ist gemäss Art. 91 Abs. 2 StPO eingehalten, wenn die Eingabe
spätestens am letzten Tag der Frist bei der Strafbehörde abgegeben oder zu deren Handen der
Schweizerischen Post, einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung
oder, im Falle von inhaftierten Personen, der Anstaltsleitung übergeben wird.
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Die Zustellung von Mitteilungen erfolgt gemäss Art. 85 Abs. 2 StPO durch eingeschriebene
Postsendung oder auf andere Weise gegen Empfangsbestätigung, insbesondere durch die Po-
lizei. Die Zustellung ist gemäss Art. 85 Abs. 3 StPO erfolgt, wenn die Sendung von der Adres-
santin oder dem Adressaten oder von einer angestellten oder im gleichen Haushalt lebenden,
mindestens 16 Jahre alten Person entgegengenommen wurde. Kann eine eingeschriebene
Postsendung nicht direkt übergeben werden, stellt die Post eine Abholungseinladung aus und
deponiert diese im Briefkasten beziehungsweise im Postfach des Empfängers (BSK StPO-
ARQUINT, Art. 85 N 9). Wird eine eingeschriebene Postsendung dennoch nicht abgeholt, gilt die
Zustellung am siebten Tag nach dem erfolglosen Zustellungsversuch als erfolgt, sofern die Per-
son mit einer Zustellung rechnen musste (Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO).
2.2 Vorliegend wurde der Strafbefehl dem Beschwerdeführer am 17. Oktober 2011 an sei-
nem Wohnsitz in B._ zugestellt. Wie aus den vorangehenden Erläuterungen ersichtlich ist,
gilt eine eingeschriebene Postsendung gemäss Art. 85 Abs. 3 StPO auch als zugestellt, wenn
sie von einer im gleichen Haushalt lebenden (mindestens 16 Jahre alten) Person entgegenge-
nommen wurde. Die Zustellung des Strafbefehls an die Ehefrau des Beschwerdeführers erfolg-
te somit rechtmässig. Durch den Empfang am 17. Oktober 2011 wurde auch die zehntägige
Einsprachefrist bis zum 27. Oktober 2011 ausgelöst. Der Beschwerdeführer übergab seine Ein-
sprache vom 26. Oktober 2011 der Post jedoch erst am 29. Oktober 2011 und somit verspätet.
An der verspäteten Einreichung der Einsprache würde sich im Übrigen nichts ändern, selbst
wenn der Beschwerdeführer - wie er in der Beschwerde vom 27. Februar 2012 ausführt - im
Oktober 2011 für die Dauer von zwei Wochen bei einem Freund übernachtet hätte. Diese De-
position steht allerdings im Widerspruch zur Angabe des Beschwerdeführers in seiner Einspra-
che vom 5. Dezember 2011 an die Staatsanwaltschaft, wonach er vom 15. bis zum 28. Novem-
ber 2011 bei einem Freund gelebt habe.
3.1 Hat eine Partei gemäss Art. 94 StPO die Frist versäumt, kann sie ein Gesuch um Wie-
derherstellung der Frist stellen. Dabei muss ihr aber aufgrund der verpassten Frist ein erhebli-
cher und unersetzlicher Rechtsverlust entstanden sein. Weiter muss sie glaubhaft machen,
dass sie an dem Säumnis kein Verschulden trifft.
3.2 In der Einsprache beruft sich der Beschwerdeführer nicht auf die Möglichkeit einer
Wiederherstellung der Frist. Selbst wenn er jedoch ein solches Gesuch gestellt hätte, würde
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das von ihm hervorgebrachte Ereignis den Anforderungen an ein unverschuldetes Versäumnis
nicht genügen.
4. Aus diesen Gründen erweist sich der Nichteintretensentscheid des Präsidenten des
Strafgerichts vom 17. Februar 2012 aufgrund verspäteter Einsprache als rechtlich korrekt, wes-
halb die Beschwerde abzuweisen ist.
5. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend gehen die Verfahrenskosten in Anwendung
von Art. 428 Abs. 1 StPO zu Lasten des unterliegenden Beschwerdeführers. Die dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegende Gerichtsgebühr ist gestützt auf § 13 Abs. 2 der Verordnung
über die Gebühren der Gerichte (Gebührentarif, GebT, SGS 170.31) auf CHF 500.00 festzule-
gen. Auslagen in der Höhe von CHF 100.00 gehen ebenfalls zu Lasten des Beschwerdeführers,
welcher ausserdem seine eigenen Parteikosten selbst zu tragen hat.