Decision ID: c2009eba-63cc-5d36-a233-2476502808d1
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin stellte am (...) Dezember 2016 am Flughafen
F._ für sich und ihr Kind D._ Asylgesuche.
A.b Am 3. Januar 2017 wurde am Flughafen die Befragung zur Person
(BzP) durchgeführt. Dabei brachte die Beschwerdeführerin vor, ihre Fami-
lienangehörigen seien bis zum Erlangen der syrischen Nationalität im Jahr
2012 als Ausländer registrierte Kurden (Ajnabi) gewesen; sie hätten zuletzt
in der Region G._ gelebt. Sie habe mit beiden erstgeborenen Kin-
dern und dem Ehemann den Heimatstaat im Jahr 2016 verlassen. Sie
seien zunächst in die Türkei und von dort – nach mehreren erfolglosen
Versuchen – nach Griechenland gelangt, wo man ihnen eine Aufenthalts-
erlaubnis für maximal sechs Monate gegeben habe. In dieser Zeit hätten
sie einen Schlepper gefunden, der ihnen für die Weiterreise falsche Pa-
piere beschafft habe. Die Beschwerdeführerin und (...) hätten am Flugha-
fen passieren können, während der Ehemann und (...) zurückgehalten
worden seien.
A.c Am 17. Februar 2017 beendete das SEM ein zuvor angehobenes
Dublin-Zuständigkeitsverfahren und teilte der Beschwerdeführerin mit, die
Asylgesuche würden in der Schweiz geprüft.
A.d Als Grund für das Verlassen Syriens gab die Beschwerdeführerin in
der BzP und in der am 6. Februar 2018 durchgeführten Anhörung im We-
sentlichen an, sie seien wegen der Probleme des Ehemannes ausgereist.
Nachdem ihnen die "offiziellen Dokumente" (betreffend ihre Nationalität)
ausgehändigt worden seien, habe ihr Mann bei seinen Eltern einen
Marschbefehl für die Armee erhalten. Beziehungsweise es sei kein schrift-
liches Aufgebot gekommen, aber Sicherheitsleute seien zweimal gekom-
men und hätten verlangt, der Ehemann solle sich bei ihnen melden; sie
seien sich sicher gewesen, dass er in den Militärdienst hätte einrücken
müssen. Trotz Wegzugs von Damaskus in die Region von H._ sei
er weiter behelligt worden; dort habe ihn die PYD (Partiya Yekîtiya Demo-
krat), welche die gesamte Region von G._ kontrolliert habe, einbe-
rufen wollen. Zudem habe sie selber keine Ausbildung geniessen können.
Für ihre Kinder habe sie eine gute Ausbildung und eine gute Zukunft ge-
wünscht. Ausserdem sei die Situation in Syrien unerträglich geworden. Sie
selber habe in Syrien keine Probleme gehabt und die Familie habe bis zur
Ausreise auch keine besonderen Vorfälle erlebt; allerdings sei die ganze
Familie in Syrien jeglicher Rechte beraubt gewesen.
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B.
B.a Der Beschwerdeführer stellte am 25. Oktober 2017 für sich und das
Kind C._ in der Schweiz ein Asylgesuch. Am 7. November 2017
fand im Empfangs- und Verfahrenszentrum I._ die Befragung zur
Person (BzP) statt. Dabei brachte er vor, er sei in G._ geboren. Im
Jahr 2006/ 2007 sei er nach Damaskus gegangen und im Jahr 2012 in die
Geburts-region zurückgekehrt. Im Dezember 2015 habe er sich (...) Tage
lang im irakischen Kurdistan aufgehalten, sei anschliessend aber wieder in
seinen Heimatort zurückgekehrt. Im August 2016 habe er mit seiner Frau
und den beiden Kindern Syrien definitiv verlassen. Sie seien in die Türkei
ausgereist und in der Folge über Griechenland und Mazedonien nach Ser-
bien gelangt, wo er mit (...) in einem Lager gewesen sei, bevor sie die
Reise nach Ungarn fortgesetzt hätten; dort habe man ihn und sein Kind
inhaftiert. Nachdem seine Ehefrau ein Gesuch um Familienvereinigung ge-
stellt habe, sei ihnen die Weiterreise in die Schweiz bewilligt worden, wo
sie am (...). Oktober 2017 angekommen seien.
B.b Als Gründe für das Verlassen Syriens gab der Beschwerdeführer in
der BzP und der Anhörung vom 6. Februar 2018 im Wesentlichen an, ein
Grund sei das Baath-Regime und der Krieg in Syrien. Obwohl er von der
syrischen Seite formell vom Militär- und Reservedienst befreit worden sei,
sei er stets Gefahr gelaufen, trotzdem verhaftet und einberufen zu werden.
Er habe zwar keinen Marschbefehl erhalten, jedoch sei während seines
Aufenthalts in Damaskus die Polizei zweimal nach Hause gekommen und
habe gesagt, er müsse nun doch in die Armee einrücken. Auch nach seiner
Rückkehr in die Region J._ habe er keine Einberufung erhalten, da
dort die PYD die Kontrolle innegehabt und das syrische Regime nur die
Administration geführt habe. Indessen hätten die verschiedenen militäri-
schen Milizeinheiten jeweils ihre eigenen Kontrollpunkte gehabt und diese
hätten jederzeit und überall jemanden anhalten können. Zudem sei die
PYD zweimal gekommen und habe ihn – über seinen Vater – mündlich
aufgefordert, in ihre Truppen einzurücken. Er habe sich da jeweils in der
Umgebung versteckt.
Das syrische Regime habe ihn seit 30 Jahren aller seiner Bürgerrechte be-
raubt. Er wolle vermeiden, dass seine Kinder dasselbe erdulden müssten,
zumal sein Erstgeborener die Schule nicht habe besuchen können. Er
habe bei den Milizen in Syrien nicht mitgewirkt, sei jedoch Mitglied der Par-
tiya Demokrata Kurdistan a Sûriye (PDK-S) gewesen. Für diese habe er
zwei bis zweieinhalb Jahre vor der Ausreise gewisse Aktivitäten ausge-
führt; bereits vorher habe er – wie die ganze Familie – mit der Partei sym-
pathisiert.
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Seite 4
C.
Zum Beleg reichten die Beschwerdeführenden ihre Identitätsausweise, das
Familien- sowie das Militärbüchlein und einen Parteiausweis zu den erst-
instanzlichen Akten.
D.
Am (...) wurde das (...) Kind der Beschwerdeführenden in der Schweiz ge-
boren.
E.
In seiner Verfügung vom 23. Mai 2019 (eröffnet am Folgetag) stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführenden würden die Flüchtlingseigenschaft
nicht erfüllen, lehnte die Asylgesuche ab und verfügte die Wegweisung aus
der Schweiz. Zufolge Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung ord-
nete das SEM die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden in der
Schweiz an.
F.
Mit Eingabe vom 24. Juni 2019 an das Bundesverwaltungsgericht liessen
die Beschwerdeführenden gegen die Verfügung vom 23. Mai 2019 eine
Beschwerde einreichen.
F.a Durch ihren Rechtsvertreter stellten sie die Rechtsbegehren, die ange-
fochtene Verfügung sei aufzuheben und zur vollständigen und richtigen Ab-
klärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neu-
beurteilung zurückzuweisen; eventualiter sei die Verfügung aufzuheben
und es sei die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden festzustel-
len und ihnen Asyl zu gewähren; subeventualiter sei die Verfügung aufzu-
heben und die Beschwerdeführenden seien als Flüchtlinge anzuerkennen.
F.b In formeller Hinsicht liessen sie beantragen, es sei ihnen vollumfäng-
lich Einsicht in die A-Akten sowie in die B-Akten und in die Akten C11/2,
C15/3, C19/2, C25/4 sowie in sämtliche Beweismittel zu gewähren; even-
tualiter sei das rechtliche Gehör zu den genannten Akten zu gewähren und
ferner nach Gewährung von Akteneinsicht und rechtlichem Gehör eine an-
gemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung zu setzen.
Ausserdem sei für das Beschwerdeverfahren auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses zu verzichten und die Beschwerdeführenden seien von der
Bezahlung von Verfahrenskosten zu befreien; eventualiter sei eine ange-
messene Frist zur Bezahlung des Gerichtskostenvorschusses zu setzen.
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Seite 5
G.
In seiner Zwischenverfügung vom 4. Juli 2019 hiess der Instruktionsrichter
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und
verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Mit gleicher Verfü-
gung lud er die Vorinstanz zum Einreichen einer Vernehmlassung ein und
forderte sie auf, den Beschwerdeführenden innert gleicher Frist gegebe-
nenfalls auch Einsicht in die eigenen (erstinstanzlichen) Akten zu gewäh-
ren.
H.
H.a Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 9. August
2019 die Abweisung der Beschwerde.
H.b Die vorinstanzliche Vernehmlassung wurde den Beschwerdeführen-
den am 15. August 2019 unter Ansetzen einer Frist zur Replik zur Kenntnis
gebracht.
H.c Die Beschwerdeführenden liessen am 30. August 2019 ihre Replik zu
den Akten reichen und sinngemäss an ihren Rechtsbegehren festhalten.
I.
Mit Eingaben vom 5. November und 3. Dezember 2019 liessen die
Beschwerdeführer auf verschiedene Vorfälle in ihrem Heimatstaat sowie
darauf hinweisen, dass kurdische Kämpfer das Haus der Eltern des
Beschwerdeführers besetzt hätten; sie hielten dazu fest, die Situation in
Syrien habe sich gemäss diesen Vorfällen dramatisch verschlimmert.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
3.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, die
vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation
der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. So rügen die Beschwerdefüh-
renden zur Hauptsache die Verletzung des Rechts auf Akteneinsicht, eine
fehlerhafte Aktenführung sowie die Verletzung ihres rechtlichen Gehörs
und der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts.
3.2 Was die gerügte Verletzung des Rechts auf vollständige Akteneinsicht
betrifft, wurde die Vorinstanz im Rahmen des Schriftenwechsels angehal-
ten, die im Rechtsmittel aufgeführten Aktenstücke gegebenenfalls den Be-
schwerdeführenden noch zur Kenntnis zu bringen. In ihrer Vernehmlas-
sung vom 9. August 2019 räumte die Vorinstanz Fehler bei der Gewährung
von Akteneinsicht und Aktenführung ein. Sie stellte den Beschwerdefüh-
renden die ausstehenden Aktenstücke ebenso wie ein korrigiertes Akten-
führungsverzeichnis einschliesslich des Beweismittelumschlags (mit den
von den Beschwerdeführenden eingereichten Dokumenten in Kopie, vgl.
Sacherhalt Bst. C) zur Kenntnisnahme zu. Den Beschwerdeführenden
wurde in der Folge seitens des Instruktionsrichters die Gelegenheit zur
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Replik gewährt. Sie reichten am 30. August 2019 ihre Stellungnahme zu
den Akten und konnten sich entsprechend zu dieser Sachlage äussern und
ihre Beschwerde ergänzen. Damit sind diese gerügten Mängel – nicht er-
folgte, umfassende Akteneinsicht und unsorgfältige Aktenführung aufgrund
der nicht leicht nachvollziehbaren Paginierung – nunmehr als geheilt zu
beurteilen. Es bleibt festzuhalten, dass allein durch die mangelhafte Akten-
führung noch nicht auf eine unterlassene inhaltliche Würdigung dieser Do-
kumente geschlossen werden kann. Das SEM hat diese Beweismittel im
Sachverhalt der angefochtenen Verfügung aufgelistet, und aus den Erwä-
gungen wird ohne Weiteres ersichtlich, dass die Authentizität der Doku-
mente nicht bezweifelt wurde. Weitere explizite Ausführungen mussten da-
her nicht zwingend erfolgen.
3.3 Zu den Rügen der Verletzung der Begründungspflicht und der unvoll-
ständigen Sachverhaltsfeststellung ist weiter Folgendes festzuhalten:
3.3.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung
ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Be-
weise falsch gewürdigt werden; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den
Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden.
Die Begründungspflicht, welche sich aus dem Anspruch auf rechtliches Ge-
hör gemäss Art. 29 VwVG ergibt, verlangt, dass die Behörde ihren Ent-
scheid so begründet, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls sach-
gerecht anfechten kann und sich sowohl sie als auch die Rechtsmittel-
instanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl.
BVGE 2007/30 E. 5.6; LORENZ KNEUBÜHLER / RAMONA PEDRETTI, in: Auer/
Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal-
tungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 35 N. 7 ff.). Dabei kann sich die
verfügende Behörde auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken,
hat jedoch wenigstens die Überlegungen kurz anzuführen, von denen sie
sich leiten liess und auf welche sie ihren Entscheid stützt (vgl. BVGE
2008/47 E. 3.2; Entscheide und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl-
rekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 24 E. 5.1).
Die Beschwerdeführenden rügen, das SEM habe nicht erwähnt, dass die
PYD konkret mehrere Male erschienen sei und den Beschwerdeführer zum
Leisten von Militärdienst aufgefordert habe. Sie habe ebenfalls nicht er-
kennbar gewürdigt, dass er jahrelange politische Aktivitäten vorzuweisen
habe. Ebenfalls unerwähnt gelassen habe die Vorinstanz, dass zahlreiche
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Verwandte in ganz Europa als Flüchtlinge anerkannt seien, womit fest-
stehe, dass diese Verwandten in Syrien gezielt asylrelevant verfolgt und
ihnen deshalb Asyl gewährt worden sei. In diesem Zusammenhang sei
auch auf die einschlägige Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-
richts zu verweisen. Hätte das SEM die Dossiers der Angehörigen tatsäch-
lich beigezogen, wäre dies zudem zwingend im Aktenverzeichnis aufzufüh-
ren gewesen.
Eine weitere Verletzung der Abklärungspflicht sei darin zu sehen, dass die
Vorinstanz die Durchführung der Anhörungen "über ein Jahr jahrelang ver-
schleppt" habe (vgl. Beschwerde S. 11).
3.3.2 Das SEM hat in seiner Verfügung die massgeblichen Sachverhalts-
elemente – insbesondere das geltend gemachte Rekrutierungsgebaren
seitens der PYD – und auch den Parteiausweis des Beschwerdeführers
erwähnt. Allein der Umstand, dass in diesem Zusammenhang nicht jedes
Aussagedetail erneut aufgeführt worden ist, lässt nicht auf einen unvoll-
ständig erstellten und folgend unberücksichtigten Sachverhalt schliessen.
Es ist, wie erwähnt, nicht erforderlich, dass die Begründung sich mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor-
bringen ausdrücklich widerlegt. Bei der Würdigung der Sachverhalts-
elemente geht es im Übrigen um materiell-rechtliche Fragen, die nicht mit
der prozessualen Betrachtungsweise zu vermengen sind (vgl. entspre-
chend die nachfolgenden Ausführungen in E. 4 ff.).
3.3.3 Was die Verwandten betrifft, die in verschiedenen europäischen
Staaten Asyl erhalten haben sollen, trifft zu, dass das SEM diese in der
Verfügung vom 23. Mai 2019 nicht explizit aufgeführt hat. Das SEM hat zu
dieser Rüge in seiner Vernehmlassung vom 9. August 2019 jedoch Stel-
lung bezogen und festgehalten, dass allein dieser Kontext nicht die Zuer-
kennung von Asyl rechtfertige, zumal jede Situation einzigartig sei und als
solche jeweils individuell behandelt werde. In der Replik konnten sich die
Beschwerdeführenden dazu vernehmen lassen. Zudem hat namentlich der
Beschwerdeführer diese Familienangehörigen zwar in den Befragungen
erwähnt, jedoch nie geltend gemacht, deswegen im Heimatstaat eine
(Reflex-) Verfolgung erlitten zu haben oder eine solche im Fall einer – an-
gesichts der vorläufigen Aufnahme hypothetischen – Rückkehr befürchten
zu müssen. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist in diesem Kontext
nicht ersichtlich. Im Übrigen hatte das SEM gar keinen Zugriff auf die aus-
ländischen Asylakten und konnte diese nicht einfach konsultieren und in
seinen Akten ablegen; die diesbezüglichen Verweise auf andere Urteile
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des Gerichts – mit den jeweils individuellen Konstellationen von Angehöri-
gen mit schweizerischen Asylakten – erweisen sich damit als unbehelflich.
Dass nunmehr auf Beschwerdeebene erstmals die Gefahr einer solchen
Reflexverfolgung geltend gemacht wird, lässt im Übrigen den Eindruck ent-
stehen, die Beschwerdeführenden würden versuchen, ihren Asylvorbrin-
gen nachträglich zusätzliches Gewicht zu verleihen.
3.3.4 Die Beschwerdeführenden haben ihr Asylgesuch am (...) Dezember
2016 (Beschwerdeführerin mit einem Kind) respektive 25. Oktober 2017
(Beschwerdeführer und ein Kind) eingereicht. Die Befragungen zur Person
fanden am 3. Januar 2017 (Beschwerdeführerin) und 7. November 2017
(Beschwerdeführer) jeweils zeitnah statt. Zwischen Stellen der Asylgesu-
che, den Erstbefragungen sowie den anschliessenden eingehenden Anhö-
rungen – beide am 6. Februar 2018 – sind Zeitspannen von gut einem Jahr
respektive drei bis vier Monaten auszumachen. Abgesehen davon, dass es
keine zwingende, mit Rechtsfolgen versehene gesetzliche Verpflichtung
des SEM gibt, die Anhörung innerhalb eines gewissen Zeitraums nach der
BzP durchzuführen, ist festzuhalten, dass die zeitlichen Abläufe vorliegend
offenbar auch darin begründet waren, dass die Eheleute ihre Asylgesuche
unabhängig voneinander im Abstand von mehreren Monaten gestellt ha-
ben. Von einer jahrelangen Verschleppung der Anhörungen kann jedenfalls
keine Rede sein.
3.3.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass das SEM den Sachverhalt
insgesamt rechtsgenüglich festgestellt hat. Es ist auch der Begründungs-
pflicht hinreichend nachgekommen, zumal sich schon aus der 18-seitigen
Beschwerdeschrift ergibt, dass die Beschwerdeführenden ihren Asylent-
scheid sachgerecht anfechten konnten.
3.3.6 Das SEM muss sich allerdings eine gewisse Unsorgfalt in der Akten-
führung sowie ein Nichterwähnen der verschiedenen Verwandten des Be-
schwerdeführers im Sachverhalt vorwerfen lassen. Immerhin hat die Vor-
instanz dies in der Vernehmlassung nachgeholt, und die Akten wurden
nachpaginiert sowie den Beschwerdeführenden die ausstehenden Akten-
stücke zugestellt. Die Beschwerdeführenden konnten replikweise dazu
Stellung beziehen. Aufgrund dessen, dass das SEM die Aussagen der Be-
schwerdeführenden als solche nicht in Zweifel gezogen hat und im erstin-
stanzlichen Verfahren von den Beschwerdeführenden in Bezug auf Ange-
hörige mit Asyl und Aufenthalt in verschiedenen Staaten in Europa auch
keine Reflexverfolgung geltend gemacht worden ist (vgl. hiervor E. 3.3.3)
erachtet das Gericht eine Kassation im vorliegenden Verfahren als nicht
erforderlich.
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4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz hielt einleitend fest, sich aus Krieg oder allgemeiner Ge-
walt ergebende Nachteile würden nicht eine Verfolgung im Sinn von Art. 3
AsylG darstellen. Soweit die Beschwerdeführerin geltend mache, wegen
des Kriegs und aus Angst um die Zukunft der Kinder ausgereist zu sein –
selber habe sie weder mit Dritten noch von staatlicher Seite Probleme ge-
habt – würden diese Vorbringen den Anforderungen von Art. 3 AsylG nicht
genügen.
5.2 Der Beschwerdeführer mache geltend, die Yekîneyên Parastina Gel
(YPG, Volksverteidigungseinheiten; der militärische Arm der PYD), habe
ihn zu rekrutieren versucht. Jedoch hätten diese ihn nicht persönlich kon-
taktiert und seien – im Abstand von einem Jahr – nur zweimal in seiner
Abwesenheit zu seinem Haus gekommen, mithin könne diesbezüglich
nicht von einer Verfolgung im Sinn des Asylgesetzes die Rede sein. Es
treffe zwar zu, dass in den von der PYD und den YPG kontrollierten Regi-
onen Nordsyriens Aufrufe zur Erfüllung der Dienstpflicht ergangen seien
und die kurdischen Behörden im Juli 2014 für in der Region wohnhafte
Männer zwischen 18 und 30 Jahren den Militärdienst für obligatorisch er-
klärt hätten. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
würden indessen weder Rekrutierungsmassnahmen noch Sanktionen als
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Folge einer Dienstverweigerung zur Annahme einer asylrechtlichen Verfol-
gungssituation führen.
5.3 Soweit der Beschwerdeführer befürchtet habe, jederzeit an einem Kon-
trollpunkt rekrutiert werden zu können und ausführe, es seien auch Mitglie-
der der syrischen Armee zu Hause vorbeigekommen, um ihn zu rekrutie-
ren, sei festzuhalten, dass er im Jahr 2012 vom Militärdienst befreit worden
sei. Darüber hinaus habe er keinen persönlichen Kontakt mit diesen Sol-
daten gehabt und auch nie einen Marschbefehl erhalten. Nachdem er Da-
maskus verlassen habe und in seine originäre Heimatregion zurückgekehrt
sei, habe er keine weiteren Kontakte mit syrischen Behörden mehr gehabt.
5.4 Insgesamt könnten die Vorbringen nicht zur Anerkennung der Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG führen. Die Asylgesuche der Be-
schwerdeführenden seien daher abzuweisen.
6.
6.1 In der Beschwerde monieren die Beschwerdeführenden inhaltlich ein-
leitend, das SEM habe die Glaubhaftigkeit der Vorbringen zwar nicht for-
mell, implizit indessen durchaus faktisch in Frage gestellt.
6.2 Es sei glaubhaft vorgebracht worden, dass dem Beschwerdeführer Ein-
zug in den Militärdienst einerseits und die Verfolgung durch die PYD ande-
rerseits drohe. Mehrere Personen der Familie des Beschwerdeführers (von
denen mit der Beschwerde Scans von Ausweisschriften und Asylentschei-
den eingereicht worden sind) seien in anderen europäischen Staaten als
Flüchtlinge anerkannt worden, mithin sei auch eine asylrelevante Re-
flexverfolgung zu bejahen. Der Beschwerdeführer sei zudem Sympathisant
(recte: Mitglied) der PDK-S gewesen. Solche politischen Aktivitäten seien
von der PYD verboten worden, und der Beschwerdeführer werde deswe-
gen von ihr gesucht; dies habe die Vorinstanz nicht gewürdigt. Die Weige-
rung, der PYD beizutreten und für diese Dienst zu leisten, könne gemäss
Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR)
schwerwiegende Konsequenzen haben, besonders für Anhänger der zur
PYD in Opposition stehenden PDK-S. Damit drohe dem Beschwerdeführer
seitens der PYD asylrechtlich relevante Verfolgung.
6.3 Nach Ausführungen zur Entwicklung der Situation lassen die Be-
schwerdeführenden geltend machen, die Voraussetzungen zur Anerken-
nung ihrer Flüchtlingseigenschaft und zur Asylgewährung seien bei ihnen
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Seite 12
erfüllt. Sollte die Flüchtlingseigenschaft im Zeitpunkt der Flucht des Be-
schwerdeführers verneint werden, wäre diese zwingend im heutigen Zeit-
punkt festzustellen, zumal die Beschwerdeführenden die Schwelle der Ex-
poniertheit und asylrelevanten Gefährdung längst überschritten hätten und
eine Rückführung aufgrund der anzunehmenden asylrelevanten Verfol-
gung nicht verantwortet werden könnte.
7.
7.1 Vorweg ist auf den unbegründeten Vorwurf nicht weiter einzugehen, die
Vorinstanz habe implizit die Asylgründe der Beschwerdeführenden als
nicht glaubhaft qualifiziert (vgl. Beschwerde S. 12): Der Verfügung ist
unmissverständlich zu entnehmen, dass ihre Vorbringen als den Anforde-
rungen von Art. 3 AsylG nicht genügend beurteilt worden sind (vgl. Ver-
fügung S. 3 f.).
7.2 Was die in Syrien herrschende politische und menschenrechtliche
Lage betrifft, wurde diese durch das Bundesverwaltungsgericht in BVGE
2015/3 ausführlich gewürdigt. Von den durch die Bürgerkriegssituation her-
vorgerufenen Nachteilen, namentlich von der schlechten Sicherheitslage
und von den auch in anderer Hinsicht prekären Lebensbedingungen ist der
Grossteil der syrischen Bevölkerung betroffen. Solchen Nachteilen ist die
asylrechtliche Gezieltheit abzusprechen (vgl. hierzu statt vieler WALTER
STÖCKLI, Asyl, in: Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, Rz. 11.16 m.w.H.), teil-
weise auch die flüchtlingsrechtliche Motivation oder die Intensität der Nach-
teile im Sinn von Art. 3 Abs. 2 AsylG. Soweit die Beschwerdeführenden
sich auf solche aus Bürgerkrieg ergebenden Nachteile, namentlich auch
die Zukunftsperspektiven der Kinder betreffend, beziehen, ist folglich
praxisgemäss nicht von einer gezielten flüchtlingsrechtlich relevanten Ver-
folgung auszugehen. Namentlich die Beschwerdeführerin bringt mit ihren
Schilderungen der schlechten Situation, der verunmöglichten Schulbildung
und der fehlenden Perspektiven für die Kinder nach dem Gesagten keine
individuellen Fluchtgründe im Sinn des Asylgesetzes vor.
7.3 Was die niederschwelligen Aktivitäten des Beschwerdeführers für die
PDK-S betrifft, ist festzuhalten, dass sich aus seinen diesbezüglichen
Schilderungen weder eine besondere Exponiertheit noch Hinweise auf
eine daraus resultierende, individuell erfolgte (oder mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit in absehbarer Zukunft drohende) Verfolgung im Sinn von
Art. 3 AsylG ergeben. Die geschilderten Sympathiebekundungen und Tä-
tigkeiten für die PDK-S sind nicht geeignet, auf eine flüchtlingsrechtlich re-
levante Verfolgungssituation zu schliessen, zumal sich den Akten keine
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konkreten Anhaltspunkte für die Annahme entnehmen lassen, dieses ge-
ringfügige politische Engagement sei potenziellen Verfolgern überhaupt
bekannt geworden.
7.4 Es ist sodann den entsprechenden Ausführungen in der vorinstanzli-
chen Verfügung zuzustimmen, dass aus der vom Beschwerdeführer ge-
schilderten Haltung der YPG, welche Aktivitäten für die PDK-S verbiete,
keine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung abgeleitet werden
kann. Es genügt nicht, eine Furcht lediglich mit Umständen zu begründen,
die irgendwann allenfalls eintreten könnten. Vielmehr müssen anhand ei-
ner objektiven Betrachtungsweise hinreichende Anhaltspunkte für eine
konkrete Bedrohung vorhanden sein. Solche objektiven Anhaltspunkte sind
hier nicht gegeben.
7.5 Hinsichtlich des Militärdiensts – der Beschwerdeführer sei sowohl von
syrischer Seite als auch von der YPG ein paar Mal zum Dienst in der (je-
weiligen) Armee angehalten worden und habe bei jedem Kontrollpunkt in
der von der YPG kontrollierten Region mit Einberufung rechnen müssen –
ist Folgendes festzuhalten:
7.5.1 Der Beschwerdeführer hat dargelegt, dass er mit dem Erlangen der
syrischen Nationalität vom syrischen Militär- und Reservedienst befreit
worden sei. Er sei in der Folge zwar zweimal in Damaskus trotzdem zum
Leisten von Militärdienst aufgefordert worden, diesem jedoch durch Weg-
zug in die Region G._ erfolgreich entgangen. Dort sei er aber, nun-
mehr von Seiten der YPG – indirekt über seinen Vater – ebenfalls zum
Dienstantritt aufgefordert worden. Das Risiko, angehalten und zum Dienst
eingezogen zu werden, habe auch an Kontrollposten der verschiedenen
Milizen bestanden.
7.5.2 Diese Aussagen müssen nicht auf ihre Glaubhaftigkeit hin überprüft
werden, zumal gemäss Rechtsprechung im Grundsatzurteil BVGE 2015/3
vom 18. Februar 2015 – seither in zahlreichen Urteilen bestätigt – festge-
stellt worden ist, dass eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion auch
im Syrienkontext die Flüchtlingseigenschaft nicht per se zu begründen ver-
mag, sondern nur dann, wenn damit eine Verfolgung im Sinn von Art. 3
Abs. 1 AsylG verbunden wäre (vgl. ausführlich BVGE 2015/3 E. 6.7.3). Der
Beschwerdeführer war im Zeitpunkt der Ausreise keiner Verfolgung im Sinn
von Art. 3 AsylG ausgesetzt, und es fehlen objektive Hinweise darauf, dass
er in Syrien respektive seiner Heimat- und Wohnregion G._ wegen
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allfälliger Aktivitäten für die PDK-S überhaupt in den Fokus der YPG ge-
langt sein soll. Was die auf Beschwerdeebene gemachten Hinweise auf
drohende Reflexverfolgung betrifft, ist festzuhalten, dass allein der Um-
stand, dass Verwandte in verschiedenen europäischen Ländern unter un-
bekannten Umständen Zuflucht gefunden haben, nicht bereits auf eine dro-
hende flüchtlingsrechtlich relevante Reflexverfolgung schliessen lässt,
wenn die asylsuchende Person – wie der Beschwerdeführer in seinen Be-
fragungen – eine solche zur Begründung des Asylgesuchs gar nie geltend
gemacht hat.
7.6 Für die in der Schweiz vorläufig aufgenommenen Beschwerdeführen-
den ist nach dem Gesagten festzuhalten, dass sie in der Vergangenheit
keine flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteile erlitten und solche auch bei
einer (hypothetischen) Rückkehr nach Syrien nicht mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft zu gewärtigen hätten. An diesen
Feststellungen vermögen auch die Ausführungen zur Veränderung der Si-
tuation in Syrien und ihrer Heimatregion (vgl. Eingaben vom 5. November
und 3. Dezember 2019) nichts zu ändern. Die Vorinstanz hat demnach zu
Recht ihre Flüchtlingseigenschaft verneint und die Asylgesuche abgewie-
sen.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 23. Mai 2019 angesichts der
Lage in Syrien die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festgestellt
und die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden angeordnet hat,
erübrigen sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit und
Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs.
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10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Zwischenverfügung
vom 4. Juli 2019 wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung gutgeheissen und die Beschwerdeführenden wurden vom
Leisten von Verfahrenskosten befreit. Gemäss aktueller Aktenlage besteht
die Fürsorgeabhängigkeit der Beschwerdeführenden weiterhin, weshalb
für das Gericht keine Veranlassung besteht, auf diesen Punkt der Zwi-
schenverfügung zurückzukommen.
(Dispositiv nächste Seite)
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