Decision ID: 6a1ac922-4e02-5225-a325-69684b8f05bc
Year: 2012
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die
Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriften-
wechsel verzichtet wurde,
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es
das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-
prüfen (Art. 32- 35a AsylG), die Beurteilungskompetenz der Beschwerde-
instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5
S. 116),
dass sich demnach die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintre-
tensentscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbstständigen mate-
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riellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sa-
che zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. BVGE
2007/8 E. 2.1 S. 73),
dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs mate-
riell prüft, weshalb dem Gericht diesbezüglich volle Kognition zukommt,
dass der Beschwerdeführer nicht bestreitet, in Italien daktyloskopiert wor-
den zu sein, und die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens für die Durch-
führung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens nicht in Frage stellt,
dass er indessen geltend macht, aufgrund von Art. 7 Dublin II-VO sei
nunmehr die Schweiz für die Prüfung seines Asylgesuches zuständig, da
er mit seinem Sohn einen Familienangehörigen habe, welchem in der
Schweiz als Flüchtling das Recht auf Aufenthalt gewährt worden sei,
dass die Vaterschaft aufgrund des eingereichten DNA-Tests feststeht und
der Beschwerdeführer damit in der Schweiz einen Familienangehörigen
im Sinne von Art. 2 Bst. i Dublin II-VO hat, welchem in der Schweiz das
Recht auf Aufenthalt in seiner Eigenschaft als Flüchtling gewährt wurde,
weshalb die Schweiz nach Art. 7 Dublin II-VO grundsätzlich zuständig wä-
re,
dass jedoch zur Bestimmung des für das Asylverfahren zuständigen Mit-
gliedstaates nach den Kriterien von Art. 6 ff. Dublin II-VO das so genannte
Sachverhaltsversteinerungs-Prinzip gemäss Art. 5 Abs. 2 Dublin II-VO
gilt,
dass nach diesem Prinzip die Situation der asylsuchenden Person zum
Zeitpunkt des erstmaligen Asylantrages in einem Mitgliedstaat massgeb-
lich ist und jede spätere Änderung unberücksichtigt bleibt, ausser ein Mit-
gliedstaat würde der asylsuchenden Person eine Aufenthaltsbewilligung
erteilen (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin II-Verord-
nung: Das Europäische Asylzuständigkeitssystem, 3. Aufl., Wien und
Graz 2010, S. 86),
dass der Beschwerdeführer am 7. Oktober 2008 – und damit vor der Ge-
burt seines Sohnes vom (...) – erstmals in Italien ein Asylgesuch stellte,
weshalb in Anwendung des genannten Sachverhaltsversteinerungs-
Prinzips gemäss Art. 5 Abs. 2 Dublin II-VO grundsätzlich Italien für die
Behandlung des Asylgesuchs zuständig bleibt,
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dass indessen in Abweichung von diesem Prinzip Änderungen insoweit
beachtlich sind, als sie in der Dublin II-VO ausdrücklich geregelt sind,
wobei das Selbsteintrittsrecht jedes Mitgliedstaates nach Art. 3 Abs. 2
Dublin II-VO vorliegend relevant ist,
dass somit zu prüfen bleibt, ob das BFM sein Selbsteintrittsrecht gemäss
Art. 3 Abs. 2 Satz 1 Dublin II-VO hätte ausüben müssen,
dass Art. 3 Dublin II-VO nach der Rechtsprechung des Gerichts nicht di-
rekt anwendbar ist, sondern nur in Verbindung mit einer anderen Norm
angerufen werden kann (vgl. BVGE 2010/45 E. 5),
dass der Beschwerdeführer vorbringt, bereits vor der Ausreise aus Eritrea
mit seiner Partnerin religiös verheiratet gewesen zu sein, seinen Sohn
anerkenne und vorwiegend mit diesem und der Kindsmutter zusammen-
lebe sowie an dessen Betreuung teilnehme,
dass er ausführt, er lebe in einer eheähnlichen Gemeinschaft und das
Kind sei ein Indiz für ein gefestigtes Konkubinat, welches durch Art. 8
EMRK geschützt sei,
dass er weiter vorbringt, die Beziehung zum Sohn und zur Partnerin kön-
ne nur in der Schweiz gelebt werden, weshalb eine Wegweisung nach Ita-
lien Art. 51 Abs. 3 AsylG, Art. 8 EMRK und Art. 7 Abs. 1 sowie Art. 10
Abs. 2 KRK verletzte und die Schweiz zwingend ihr Selbsteintrittsrecht
gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin II-VO auszuüben habe,
dass er keinerlei Beweise für die von ihm geltend gemachte langjährige
Beziehung zur Kindsmutter und die religiöse Trauung in der Heimat vor-
legt und sich gemäss den Akten in Missachtung seiner Mitwirkungspflicht
nach Art. 8 AsylG seit seiner Einreise nicht um die Beibringung von Be-
weismitteln bemüht hat,
dass er zudem eigenen Angaben zufolge erst durch die eritreische Ge-
meinschaft von seinem Kind erfahren hat, womit kein enger Kontakt zwi-
schen ihm und seiner angeblich seit Jahren religiös angetrauten Partnerin
bestanden haben dürfte, was gegen eine ernsthafte Bindung spricht,
dass seine Partnerin und deren Kind daher nicht als Familienangehörige
im Sinne von Art. 2 Bst. i Dublin II-VO gelten und nicht vom Vorliegen ei-
ner gefestigten oder gar eheähnlichen Gemeinschaft ausgegangen wer-
den kann, welche durch Art. 8 EMRK geschützt wäre,
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dass Art. 8 EMRK anwendbar ist, wenn sich ein Vater auf eine intakte fa-
miliäre Beziehung zu seinem Kind berufen kann, mithin eine tatsächliche
und enge Bindung vorliegen muss (vgl. BGE 120 IB 1, E. 1d),
dass der Beschwerdeführer am 16. Januar 2012 in die Schweiz einreiste
und seinen Sohn demnach erst seit wenigen Monaten kennt, hingegen
auch aufgrund des geringen Alters des Sohnes von einer engen Bindung
zur Mutter auszugehen ist, und dies umso mehr, als sie während der ers-
ten neun Lebensmonate dessen einzige Bezugsperson war,
dass die Behauptung, er lebe mehrheitlich bei der Kindsmutter und dem
Sohn in (...), unbelegt und der Beschwerdeführer unverändert als wohn-
haft im (...) verzeichnet ist,
dass daher nicht anzunehmen ist, es bestehe eine intakte familiäre Be-
ziehung zu seinem Kind und das Kindeswohl sei von der Präsenz des
Beschwerdeführers abhängig,
dass dieser somit aus Art. 8 EMRK nichts zu seinen Gunsten ableiten
kann, da es an einer gelebten Beziehung sowohl zur Mutter als auch zum
Kind fehlt,
dass auch Art. 7 Abs. 1 und 10 Abs. 2 KRK einer Ausreise nach Italien
nicht entgegenstehen, zumal regelmässige persönliche Kontakte dadurch
nicht verunmöglicht werden,
dass es demnach keinen Anlass gab, gestützt auf Art. 3 Abs. 2 Dub-
lin II-VO, das Selbsteintrittsrecht auszuüben, und das BFM in Anwendung
von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG zu Recht auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers nicht eingetreten ist,
dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung
aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG) und vorliegend kei-
ne Ausnahme von diesem Grundsatz ersichtlich ist (vgl. BVGE 2008/34
E. 9.2), weshalb diese zu Recht angeordnet wurde,
dass – wie bereits angeführt – die Frage der Zulässigkeit, Zumutbarkeit
und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs in Verfahren nach Art. 34
Abs. 2 Bst. d AsylG bereits Voraussetzung (und nicht erst Regelfolge) des
Nichteintretensentscheides ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2), weshalb all-
fällige Vollzugshindernisse bereits im Rahmen der eventuellen Anwen-
dung von Art. 3 Abs. 2 Dublin II-VO geprüft wurden,
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dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Weg-
weisung zu bestätigen ist,
dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun,
inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechts-
erheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unan-
gemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,
dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ge-
mäss Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG ungeachtet der Bedürftigkeit des Be-
schwerdeführers abzuweisen ist, da die Beschwerdebegehren nach dem
Gesagten als aussichtslos zu bezeichnen sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.–
(Art. 1-3 VGKE) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1
VwVG),
dass mit dem instruktionslosen Direktentscheid in der Hauptsache die
Gesuche um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um
Erteilung der aufschiebenden Wirkung (der Beschwerde) hinfällig werden.
(Dispositiv nächste Seite)
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