Decision ID: cec3ff82-9417-511a-b16c-f3767b3754ca
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ist österreichischer Staatsangehöriger. Gestützt auf
eine Kurzaufenthaltsbewilligung hielt er sich von Oktober 2002 bis Frühjahr
2003 in der Schweiz auf. Im Oktober 2003 erteilte ihm der Kanton Zürich
eine EU/EFTA-Aufenthaltsbewilligung zur Aufnahme einer Erwerbstätig-
keit. Diese wurde im Juni 2005 vom Migrationsamt des Kantons Zürich wi-
derrufen. Im Juli 2006 zog er in den Kanton Luzern, wo ihm im Juli 2011
eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA ausgestellt wurde.
B.
Mit Verfügung vom 26. Oktober 2011 wurde der Beschwerdeführer auf-
grund zahlreicher strafrechtlicher Verfehlungen vom Migrationsamt des
Kantons Luzern (nachfolgend Migrationsamt LU) ausländerrechtlich ver-
warnt. Zwischen April 2004 und September 2011 waren gegen ihn über 15
Strafbefehle bzw. Strafverfügungen u.a. wegen Hausfriedensbruchs, Sach-
beschädigung, Tätlichkeiten, Diebstahls, Gewalt und Drohung gegen Be-
amte, Widerhandlungen gegen das Personenbeförderungsgesetz vom
20. März 2009 (PBG; SR 745.1) und das BetmG (SR 812.121) ergangen,
mit welchen er jeweils zu Geldstrafen und Bussen verurteilt worden war.
C.
In der Folge wurde der Beschwerdeführer erneut straffällig. Zwischen April
2012 und April 2014 wurde er über ein Dutzend Mal u.a. wegen Hausfrie-
densbruchs, geringfügigen Diebstahls, Tätlichkeiten, Sachbeschädigung
und Drohung zu jeweils kurzen Freiheitsstrafen oder Geldstrafen und Bus-
sen verurteilt.
D.
Mit Urteil des Kriminalgerichts des Kantons Luzern vom 6. August 2014
wurde der Beschwerdeführer wegen mehrfacher versuchter räuberischer
Erpressung, versuchter Erpressung, Diebstahls, versuchten Diebstahls
und mehrfachen Hausfriedensbruchs zu einer unbedingten Freiheitsstrafe
von 18 Monaten, aufgeschoben zu Gunsten einer stationären Massnahme,
verurteilt.
Am 17. März 2014 trat der Beschwerdeführer den vorzeitigen Straf- bzw.
Massnahmenvollzug an.
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Seite 3
E.
Mit Verfügung vom 11. Mai 2015 widerrief das Migrationsamt LU die Auf-
enthaltsbewilligung B EU/EFTA des Beschwerdeführers und wies ihn für
den Zeitpunkt seiner Entlassung aus dem Strafvollzug bzw. der stationären
Massnahme aus der Schweiz weg.
F.
Die dagegen erhobenen Beschwerden wurden über alle Instanzen hinweg
abgewiesen (Entscheid des Justiz- und Sicherheitsdepartments des Kan-
tons Luzern vom 5. Juli 2016, Urteil des Kantonsgerichts Luzern vom
6. März 2017 und Urteil des Bundesgerichts 2C_401/2017 vom 26. März
2018).
G.
Mit Verfügung vom 25. November 2015 ernannte die Kindes- und Erwach-
senenschutzbehörde B._ (nachfolgend KESB) Rechtsanwalt Peter
Wicki als Vertretungsbeistand des Beschwerdeführers.
H.
Am 6. April 2018 hob der Vollzugs- und Bewährungsdienst des Kantons
Luzern die gegenüber dem Beschwerdeführer angeordnete stationäre
Massnahme wegen Aussichtslosigkeit auf.
I.
Mit Schreiben vom 1. Mai 2018 gab das Migrationsamt LU dem Beschwer-
deführer Gelegenheit, sich zu einer allfälligen Verhängung eines Einreise-
verbotes bis zum 9. Mai 2018 zu äussern. Dieser ersuchte mit Schreiben
vom 9. Mai 2018 um Fristerstreckung bis zum 18. Mai 2018 (Akten der
Vorinstanz [SEM-act.] 6/132), welches beim Migrationsamt LU am 15. Mai
2018 einging.
J.
Mit Strafbefehl vom 2. Mai 2018 wurde der Beschwerdeführer wegen Hin-
derung einer Amtshandlung und Verstosses gegen das BetmG, begangen
am 19. April 2018, verurteilt (Akten des Migrationsamtes LU [kant.-act.]
1245).
K.
Am 15. Mai 2018 erliess die Vorinstanz gegen den Beschwerdeführer ein
neunjähriges Einreiseverbot (vom 17. Mai 2018 bis zum 16. Mai 2027) und
entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung.
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Seite 4
L.
Am 17. Mai 2018 wurde der Beschwerdeführer nach Österreich ausge-
schafft (SEM-act. 9/137).
M.
Mit Schreiben vom 18. Mai 2018 informierte das Migrationsamt LU den Be-
schwerdeführer, dass die Vorinstanz ohne Kenntnis seines Gesuchs um
Fristerstreckung verfügt habe. Ihm werde jedoch die Fristerstreckung ge-
währt und nach Erhalt seiner vollständigen Stellungnahme werde diese
dem SEM weitergeleitet, damit allenfalls eine neue Verfügung erlassen
werden könnte (SEM-act. 6/133).
N.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 15. Juni 2018 gelangte der Beschwerdefüh-
rer an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der
vorinstanzlichen Verfügung, eventualiter die Befristung des Einreiseverbo-
tes auf zwei bzw. fünf Jahre. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Beiordnung des rubrizier-
ten Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand.
O.
Mit Zwischenverfügung vom 21. September 2018 wies das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche
Rechtspflege ab.
P.
Am 1. Oktober 2018 leitete die Vorinstanz dem Bundesverwaltungsgericht
einen Bericht der Kantonspolizei St. Gallen vom 13. September 2018 wei-
ter, wonach der Beschwerdeführer am Tag davor trotz bestehendem Ein-
reiseverbot in die Schweiz eingereist sei. In der Folge befand sich dieser
bis zum 22. September 2018 im Strafvollzug und wurde am 24. September
2018 nach Österreich überstellt.
Q.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 8. November 2018
die Abweisung der Beschwerde und reichte zwei Strafbefehle (vom 21. Au-
gust 2018 und vom 9. Oktober 2018), mit welchen der Beschwerdeführer
jeweils wegen rechtswidriger Einreise am 12. September 2018 bzw. 6. Au-
gust 2018 zu je einer unbedingten Freiheitsstrafe von 90 Tagen verurteilt
wurde, sowie einen Bericht der Kantonspolizei St. Gallen vom 7. August
2018 ein.
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Seite 5
R.
Mit Replik vom 30. Mai 2019 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträ-
gen und deren Begründung fest.
S.
Neben den vorinstanzlichen Akten zog das Bundesverwaltungsgericht
auch die den Beschwerdeführer betreffenden Akten des Migrationsamtes
LU bei.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des SEM, die ein Einreiseverbot nach Art. 67 des Bun-
desgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer vom 16. Dezember
2005 (AuG; SR 142.20, seit 1. Januar 2019: AIG [die Beschwerde wurde
vor der Änderung erhoben]; vgl. dazu E. 3.1 hiernach) zum Gegenstand
haben, unterliegen der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht
(Art. 112 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Adressat des angefochtenen Entscheids
zur Erhebung der Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auch die
übrigen Sachurteilsvoraussetzungen (Rechtsmittelfrist [Art. 50 Abs. 1
VwVG], Form der Beschwerde [Art. 52 VwVG] und Bezahlung des Kosten-
vorschusses [Art. 63 Abs. 4 VwVG]) sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49
VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren
das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG
nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Be-
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Seite 6
schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-
sen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeit-
punkt des Entscheids (BGE 139 II 534 E. 5.4.1; BVGE 2014/1 E. 2).
3.
Am 1. Januar 2019 hat das Ausländergesetz (vgl. E. 1.1 hiervor) eine Teil-
revision und Namensänderung erfahren (Änderung vom 16. Dezember
2016, AS 2018 3171). Es heisst nunmehr «Bundesgesetz über die Auslän-
derinnen und Ausländer und über die Integration» vom 16. Dezember 2005
(AIG). Ebenfalls mit Wirkung ab 1. Januar 2019 ist die Verordnung über
Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007 (VZAE;
SR 142.201) revidiert worden (Änderung vom 15. August 2018, AS 2018
3173).
Die streitige Verfügung datiert vom 15. Mai 2018. In materieller Hinsicht
gelangen somit die einschlägigen Bestimmungen der erwähnten Erlasse in
der bis am 31. Dezember 2018 gültig gewesenen Fassung zur Anwendung.
Weitere Bemerkungen zum Übergangsrecht erübrigen sich, da die betref-
fenden Bestimmungen nur redaktionelle Änderungen erfahren haben.
4.
Zu prüfen ist vorab, ob die Vorinstanz – wie vom Beschwerdeführer geltend
gemacht – den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt hat.
4.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 VwVG) umfasst das Recht
des Betroffenen, sich vor Erlass eines in seine Rechtsstellung eingreifen-
den Entscheids zur Sache äussern zu können (Art. 30 VwVG). Er verlangt
von der Behörde, dass sie die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört,
ernsthaft prüft und in ihrer Entscheidfindung angemessen berücksichtigt.
Dies gilt für alle form- und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und An-
träge, die zur Klärung der konkreten Streitfrage geeignet und erforderlich
erscheinen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene
den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz
die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat
leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist,
dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-
nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
4.2 Eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs kann ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person
http://links.weblaw.ch/AS-2018/3171 http://links.weblaw.ch/AS-2018/3173 http://links.weblaw.ch/AS-2018/3173
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Seite 7
die Möglichkeit erhält, sich vor einer Rechtsmittelinstanz zu äussern, die
sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen kann. Un-
ter dieser Voraussetzung ist darüber hinaus – im Sinne einer Heilung des
Mangels – selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Anspruchs
auf rechtliches Gehör von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz
abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen
Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem
Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der
Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 137 I 195 E. 2.3.2; 136 V 117
E. 4.2.2.2; 133 I 201 E. 2.2).
4.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe ihm keine
Gelegenheit zur Stellungnahme vor Erlass der angefochtenen Verfügung
gegeben.
Der Beschwerdeführer hat mit Eingabe vom 9. Mai 2018 – also dem letzten
Tag der Frist – beim Migrationsamt LU um Erstreckung der Frist zur Stel-
lungnahme im Hinblick auf den Erlass der angefochtenen Verfügung er-
sucht. Dieses Ersuchen ging beim Migrationsamt LU erst am 15. Mai 2018
ein und wurde folglich von der Vorinstanz beim Erlass der angefochtenen
Verfügung am selben Tag nicht berücksichtigt (vgl. Sachverhalt Bst. I und
M). Es trifft somit zu, dass es dem Beschwerdeführer nicht möglich war,
sich vorgängig zur angefochtenen Verfügung zu äussern. Seitens des Mig-
rationsamtes LU wurde ihm mit Schreiben vom 18. Mai 2018 – also dem
Tag des Ablaufs der von ihm beantragten Frist – die Möglichkeit gegeben,
bis zum selben Tag Stellung zu nehmen, was faktisch unmöglich war, zu-
mal ihm dieses Schreiben nicht an diesem Tag zugestellt worden war. Zu-
dem hat zu einer solchen Stellungnahme – nachdem die angefochtene Ver-
fügung erlassen und die Beschwerdefrist ausgelöst worden war – kein An-
lass mehr bestanden. Die Rüge des Beschwerdeführers, er habe erst vor
Bundesverwaltungsgericht seine Stellungnahme nachholen können und
damit eine Instanz verloren, ist somit berechtigt. Von einer Rückweisung
der Sache an die Vorinstanz ist dennoch abzusehen, da es ihm im Rahmen
der Replik möglich war, sich zu den Darlegungen der Vorinstanz umfas-
send zu äussern und eine Rückweisung einem formalistischen Leerlauf
gleichkommen würde. Der Mangel ist der Heilung zugänglich, da das Bun-
desverwaltungsgericht vorliegend mit voller Kognition urteilt (vgl. E. 2
oben). Bei dieser Sachlage ist der Verfahrensmangel als geheilt zu be-
trachten.
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Seite 8
4.4 Der Beschwerdeführer führt ferner an, die Vorinstanz habe nicht be-
gründet, weshalb eine Einreisesperre von neun Jahren angemessen sei.
Das Bundesverwaltungsgericht hat verschiedentlich darauf hingewiesen,
dass das SEM bei einem Einreiseverbot von mehr als fünf Jahren Dauer
eine Gefährdungsprognose zu erstellen und nachvollziehbar darzulegen
hat, weshalb von einer aktuellen und schwerwiegenden Gefahr auszuge-
hen ist (vgl. Urteil des BVGer C-4898/2012 vom 1. Mai 2014 E. 3.3; vgl.
auch KILIAN MEYER, Anforderungen an die erstinstanzliche Begründung
von Einreiseverboten, in: dRSK, publiziert am 9. Juli 2015). Dieser Ver-
pflichtung ist die Vorinstanz – wenn auch in knapper Form – nachgekom-
men. Die in der Begründung enthaltene Darstellung der Deliktsserie des
Beschwerdeführers, die ungeachtet der ausländerrechtlichen Verwarnung
und der Androhung der Wegweisung in einer Verurteilung wegen mehrfa-
cher versuchter räuberischer Erpressung, versuchter Erpressung, Dieb-
stahls, versuchten Diebstahls und mehrfachen Hausfriedensbruchs mün-
dete, spricht für sich. Zudem verwies die Vorinstanz auf die Berichte des
Verlaufs der stationären Massnahmen, aus welchen sie – im Übrigen zu
Recht – auf das Bestehen einer Rückfallgefahr schloss. Folglich war es für
den Beschwerdeführer erkennbar, aus welchen Gründen eine qualifizierte
Gefährdung nach Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG bejaht wurde. Die Rüge
der Verletzung der Begründungspflicht erweist sich damit als unbegründet.
5.
Der Beschwerdeführer ist Staatsangehöriger Österreichs und damit einer
Vertragspartei des Abkommens vom 21. Juni 1999 zwischen der Schwei-
zerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemein-
schaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (Frei-
zügigkeitsabkommen, FZA, SR 0.142.112.681). Gemäss Art. 2 Abs. 2 AuG
ist daher das ordentliche Ausländerrecht – bestehend aus dem AuG und
seinen Ausführungsverordnungen – nur soweit anwendbar, als das FZA
keine abweichenden Bestimmungen enthält oder die Bestimmungen des
ordentlichen Ausländerrechts günstiger sind.
6.
6.1 Das SEM kann Einreiseverbote gegenüber Ausländerinnen und Aus-
ländern verfügen, die gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der
Schweiz oder im Ausland verstossen haben oder diese gefährden (Art. 67
Abs. 2 Bst. a AuG). Ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung liegt insbesondere vor bei einer Missachtung von gesetzlichen Vor-
schriften oder behördlichen Verfügungen (aArt. 80 Abs. 1 Bst. a VZAE).
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Seite 9
Eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung liegt vor, wenn
konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Aufenthalt der betroffe-
nen Person in der Schweiz mit erheblicher Wahrscheinlichkeit zu einer
Nichtbeachtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung führt (aArt. 80
Abs. 2 VZAE). Das Einreiseverbot wird (grundsätzlich) für eine Dauer von
höchstens fünf Jahren verfügt (Art. 67 Abs. 3 erster Satz AuG). Es kann für
eine längere Dauer verfügt werden, wenn die betroffene Person eine
schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt
(Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG).
Eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung
i.S.v. Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG setzt eine qualifizierte Gefährdungs-
lage voraus. Sie darf nicht leichthin angenommen werden und kann sich
beispielsweise aus der Hochwertigkeit der deliktisch bedrohten Rechtsgü-
ter (insbesondere Leib und Leben, körperliche und sexuelle Integrität, Ge-
sundheit), aus der Zugehörigkeit der Tat zur Schwerkriminalität mit grenz-
überschreitendem Charakter (z.B. Terrorismus, Menschen- und Drogen-
handel, organisierte Kriminalität), aus der mehrfachen Begehung - unter
Berücksichtigung einer allfälligen Zunahme der Schwere der Delikte - oder
aus dem Fehlen einer günstigen Prognose ergeben. Die zu befürchtenden
Delikte müssen einzeln oder in ihrer Summe das Potenzial haben, eine
aktuelle und schwerwiegende Gefahr zu begründen (BGE 139 II 121
E. 6.3; BVGE 2014/20 E. 5.2).
6.2 Der Bestand und die Dauer des Einreiseverbots sind in jedem Fall unter
dem Blickwinkel der Verhältnismässigkeit staatlichen Handelns (Art. 5 Abs.
2 BV, Art. 96 Abs. 1 AuG) zu überprüfen. Eine Prognose, für welchen Zeit-
raum die Sicherungsmassnahme notwendig sein wird, ist naturgemäss
nicht möglich. Abstufungen betreffend die Dauer ergeben sich aus der wer-
tenden Abwägung zwischen dem öffentlichen Interesse an der Fernhaltung
und den privaten Interessen, welche die betroffene Person an der zeitli-
chen Beschränkung der Massnahme hat (BVGE 2016/33 E. 9.2; 2014/20
E. 8.1). Ausgangspunkt der Überlegungen bilden die Stellung der verletz-
ten oder gefährdeten Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidri-
gen Verhaltens und die persönlichen Verhältnisse der betroffenen auslän-
dischen Person (Art. 96 AuG; ferner statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 555 ff.).
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6.3 Die verfügende Behörde kann ausnahmsweise aus humanitären oder
anderen wichtigen Gründen von der Verhängung eines Einreiseverbots ab-
sehen oder ein Einreiseverbot endgültig oder vorübergehend aufheben
(Art. 67 Abs. 5 erster Satz AuG).
7.
7.1 Im Anwendungsbereich des Freizügigkeitsabkommens stellt ein Einrei-
severbot nach Art. 67 AuG eine Massnahme dar, welche die Ausübung ver-
traglich zugesicherter Rechte auf Freizügigkeit – hier des Rechts auf Ein-
reise (Art. 3 FZA i.V.m. Art. 1 Abs. 1 Anhang I FZA) – einschränkt. Solche
Massnahmen sind gemäss Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA nur zulässig, wenn
sie aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit ge-
rechtfertigt sind (Ordre-Public-Vorbehalt). Die Konkretisierung des Ordre-
Public-Vorbehalts erfolgt durch die drei Richtlinien 64/221/EWG
(ABl. Nr. 56/850 vom 4.4.1964), 72/194/EWG (ABl. Nr. L 121/32 vom
26.5.1972) und 75/35/EWG (ABl. Nr. L 14/14 vom 20.1.1975) in ihrer Fas-
sung zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des Freizügigkeitsabkommens
(Art. 16 Abs. 1 FZA i.V.m. Art. 5 Abs. 2 Anhang I FZA) und die vor diesem
Zeitpunkt bestandene, einschlägige Rechtsprechung des Gerichtshofs der
Europäischen Gemeinschaft (EuGH; Art. 16 Abs. 2 FZA). In diesem Sinne
schränkt das Freizügigkeitsabkommen die ausländerrechtlichen Befug-
nisse nationaler Behörden bei der Handhabung ausländerrechtlicher Mas-
snahmen wie des Einreiseverbots ein.
7.2 Abweichungen vom Grundsatz des freien Personenverkehrs sind nach
der Rechtsprechung eng auszulegen. Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA setzt aus-
ser der Störung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, wie sie jede Ge-
setzesverletzung darstellt, eine tatsächliche und hinreichend schwere Ge-
fährdung voraus, die ein Grundinteresse der Gesellschaft berührt. Ob das
der Fall ist, beurteilt sich gemäss Art. 3 Abs. 1 der Richtlinie 64/221/EWG
ausschliesslich nach dem persönlichen Verhalten der betreffenden Person,
wobei gemäss Abs. 2 der genannten Bestimmung eine strafrechtliche Ver-
urteilung für sich allein nicht genügt. Sie kann nur insoweit herangezogen
werden, als die ihr zugrundeliegenden Umstände ein persönliches Verhal-
ten erkennen lassen, das eine gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen
Ordnung und Sicherheit darstellt. Art. 5 Anhang I FZA steht mit anderen
Worten Massnahmen entgegen, die im Sinne eines Automatismus an ver-
gangenes Fehlverhalten anknüpfen, und solchen, die aus Gründen der Ge-
neralprävention angeordnet werden. Insoweit kommt es im Unterschied
zum Landesrecht auf das Rückfallrisiko an, wobei die in Kauf zu nehmende
F-3508/2018
Seite 11
Rückfallgefahr desto geringer ist, je schwerer die möglichen Rechtsgüter-
verletzungen wiegen (vgl. BGE 139 II 121 E. 5.3).
7.3 Hingegen stellt Art. 5 Anhang I FZA keine strengeren Anforderungen an
eine Fernhaltemassnahme als das nationale Recht, soweit es um das Er-
fordernis einer schwerwiegenden Gefahr für die öffentliche Sicherheit und
Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 3 AuG geht. Liegt eine solche vor, ist
ein Einreiseverbot mit einer Dauer von mehr als fünf Jahren zulässig, un-
abhängig davon, ob der Betroffene sich auf das Freizügigkeitsabkommen
berufen kann oder nicht (BGE 139 II 121 E. 5.1 – E. 5.4; Urteil des BGer
2C_270/2015 vom 6. August 2015 E. 4.1).
8.
8.1 Die Vorinstanz verweist zur Begründung ihres Entscheids auf die Viel-
zahl von Verurteilungen des Beschwerdeführers und führt aus, sein bishe-
riges Verhalten lasse eine zukünftige schwerwiegende Gefährdung der öf-
fentlichen Sicherheit und Ordnung befürchten. Aus dem Entscheid der
KESB vom 11. April 2018 gehe hervor, dass das Rückfallrisiko durch einen
weiteren Verbleib im klinisch-psychiatrischen Setting nicht wesentlich zu
verändern sei. Er sei mehrmals aus der Klinik entwichen und habe Sucht-
mittel konsumiert. Zudem habe er sich bedrohlich gegenüber Mitgefange-
nen und Mitarbeitenden der Klinik verhalten. Des Weiteren sei dem Ent-
scheid der KESB zu entnehmen, dass ein offenes Setting ihn überfordern
würde und das Risiko erneuter Delinquenz in sich berge. Es bestehe somit
eine Rückfallgefahr, welche eine Fernhaltemassnahme von neun Jahren
zur Vermeidung künftiger Delikte rechtfertige. Die daraus resultierende Be-
schränkung des Familienlebens – Eltern und Schwester lebten in der
Schweiz – sei aufgrund der schwerwiegenden Delikte hinzunehmen. Die
Dauer des Einreiseverbotes sei verhältnismässig und angemessen.
Schliesslich verweist die Vorinstanz auf die nach Erlass des Einreisever-
bots erfolgten Einreisen des Beschwerdeführers in die Schweiz und folgert,
dass dieser nicht gewillt sei, sich an die Rechtsordnung zu halten.
Der Beschwerdeführer führt dagegen an, die von ihm begangenen gering-
fügigen Delikte im Zusammenhang mit der Beschaffung von Drogen wür-
den keine relevante Gefährdung darstellen. Ferner sei nicht zu erwarten,
dass ausserhalb der Klinik, in der er sich nicht habe aufhalten wollen, eine
Gefährdung von ihm ausgehen würde. Das einzige relevante Delikt, für
welches er mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten bestraft worden sei,
habe sich ausschliesslich gegen seine Eltern gerichtet. Zudem sei er psy-
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Seite 12
chisch schwer krank und auf intensiven Kontakt zu seiner Familie ange-
wiesen. Seine Einreisen in die Schweiz trotz des Einreiseverbotes würden
seine enge Bindung zu seinen Eltern belegen. Eine Einreisesperre sei folg-
lich auch im Hinblick auf Art. 67 Abs. 5 AuG nicht gerechtfertigt.
9.
9.1 Der Beschwerdeführer wurde seit seiner Einreise in die Schweiz im
Jahr 2002 über 30 Mal verurteilt. Weder die ausgesprochenen Strafen noch
die ausländerrechtliche Verwarnung im Jahr 2011 hielten ihn davon ab,
weitere Straftaten zu begehen. Deren Schwere nahm sogar zu, wurde er
doch mit Urteil des Kriminalgerichts des Kantons Luzern vom 6. August
2014 wegen mehrfach versuchter räuberischer Erpressung, versuchter Er-
pressung, Diebstahls, versuchten Diebstahls sowie mehrfachen Hausfrie-
densbruchs zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten (aufge-
schoben zu Gunsten einer stationären Massnahme) verurteilt. Dabei war
er mehrfach gegen seine Eltern tätlich vorgegangen und hatte ihnen im
Hinblick auf den Erhalt von Geld zum Erwerb von Drogen und Alkohol ge-
droht. Gemäss dem Kriminalgericht sei es mehr glücklichen Umständen
als dem Willen des Beschwerdeführers zuzuschreiben, dass es bei seinen
Opfern bislang noch zu keinen schwerwiegenden Verletzungen gekommen
sei. Das Gericht berücksichtigte die diagnostizierte Drogenabhängigkeit
und stellte eine in leichtem Grade verminderte Schuldfähigkeit fest. Es
stufte das Verschulden des Beschwerdeführers dennoch als mittelschwer
ein, wobei es negativ wertete, dass dieser bereits mehrmals vorbestraft
war und weder Reue zeigte noch erkennen liess, dass er sich in Zukunft
anders verhalten würde. Die Rückfallgefahr sei als sehr hoch zu werten,
wobei es auch zu schwereren Verletzungen als bis anhin kommen könnte
(kant.-act. 600 ff.).
9.2 Der lange Zeitraum und die Delikte, welche in der bisher schwersten
Verurteilung vom 6. August 2014 kulminierten, und die der Beschwerdefüh-
rer trotz vorangegangener Verurteilungen und der Verwarnung durch die
Migrationsbehörde beging, lassen auf seine Unwilligkeit oder Unfähigkeit
schliessen, sich an die Rechtsordnung zu halten. Insbesondere kann nicht
gesagt werden, der Beschwerdeführer habe nur «ein einziges relevantes
Delikt» begangen. Ferner richtete sich sein gewaltbereites Verhalten so-
wohl gegen seine Eltern und seine Schwester als auch gegen Dritte und
erfolgte – entgegen seiner Vorbringen – unabhängig von einem Aufenthalt
in einer Klinik (vgl. bspw. kant.-act. 423 f. i.V.m. 405 ff.; 116 ff.; 1128 ff.).
Ergänzend ist an dieser Stelle auf mehrere Polizeiinterventionen in der
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Wohnung der Eltern des Beschwerdeführers oder beim Sozialamt hinzu-
weisen, da sich dieser gewalttätig verhalten und Drohungen ausgespro-
chen haben soll (vgl. bspw. kant.-act. 39 ff.; 65 f.; 262 f.). Die zu befürch-
tende Fremdgefährdung ist somit nicht zu relativieren. Zu Gunsten des Be-
schwerdeführers ist immerhin zu berücksichtigen, dass die meisten seiner
Straftaten sich gegen das Vermögen gerichtet haben und die BetmG-De-
likte im Zusammenhang mit dem Konsum und nicht dem Handel von Be-
täubungsmitteln standen. Gleichzeitig ist aber nicht aus dem Blick zu ver-
lieren, dass er im Verlauf der Zeit auch Delikte gegen die Freiheit (Drohung)
und gegen Leib und Leben (wenn auch nur in Form von Tätlichkeiten) be-
gangen hat. Wie bereits erwähnt und vom Kriminalgericht des Kantons Lu-
zern festgehalten, erscheinen künftig noch schwerere Rechtsgutverletzun-
gen nicht unwahrscheinlich. Der Beschwerdeführer ist schwer drogenab-
hängig und leidet an [psychische Erkrankung] (vgl. statt vieler: Therapie-
abschlussbericht vom 7. Februar 2018, kant.-act. 1128 ff.). Die therapeuti-
schen Massnahmen haben zu keinem Erfolg geführt, weshalb eine positive
Entwicklung nicht in Aussicht gestellt werden kann. Die Rückfallgefahr ist
somit als hoch einzuschätzen, was im Übrigen auch im vorerwähnten The-
rapieabschlussbericht bestätigt wird.
9.3 Angesichts dieser Umstände ist von einer gegenwärtigen, tatsächli-
chen und hinreichend schweren Gefahr für die öffentliche Sicherheit und
Ordnung auszugehen, die im Lichte von Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA ein
Einreiseverbot zu rechtfertigen vermag. Mit Blick auf die schlechte Legal-
prognose erscheint die Massnahme geeignet und erforderlich, um die öf-
fentliche Ordnung und Sicherheit zu schützen. Sie ist auch zumutbar, wie
sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt.
9.4 In Anbetracht der kriminellen Vorgeschichte des Beschwerdeführers,
seiner Motive, der zunehmenden Schwere der Delikte, der fehlenden Ein-
sicht und Reue sowie der hohen Rückfallgefahr ist eine schwerwiegende
Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs.
3 zweiter Satz AuG zu bejahen. Hinweise, wonach sich die Situation im
heutigen Zeitpunkt anders darstellen würde, bestehen keine. Im Gegenteil:
Der Beschwerdeführer wurde während der kurzen Zeit, in welcher er sich
nach Verhängung des Einreiseverbotes und seiner Ausschaffung nach Ös-
terreich in Freiheit befand, erneut straffällig, indem er mehrmals versuchte,
illegal in die Schweiz einzureisen (vgl. Sachverhalt Bst. Q). Entsprechend
erscheint ein die Regelmaximaldauer von fünf Jahren übersteigendes Ein-
reiseverbot gerechtfertigt.
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10.
Bei der Festlegung der Dauer des Einreiseverbots kommt dem Grundsatz
der Verhältnismässigkeit zentrale Bedeutung zu (vgl. E. 6.2).
10.1 Vom Beschwerdeführer geht eine schwerwiegende Gefahr für die öf-
fentliche Sicherheit und Ordnung aus. Dies wurde unter dem Gesichts-
punkt der Eingriffsvoraussetzungen ausführlich dargelegt (vgl. E. 9), so-
dass an dieser Stelle auf Wiederholungen verzichtet und auf die genannten
Ausführungen verwiesen werden kann. Es besteht somit ein erhebliches
öffentliches Interesse an einer langfristigen Fernhaltung des Beschwerde-
führers.
10.2 Den öffentlichen Interessen sind die privaten Interessen des Be-
schwerdeführers gegenüberzustellen. Er führt an, er sei aufgrund seiner
psychischen Erkrankung auf engen Kontakt zu seinen Eltern angewiesen.
Dem Beschwerdeführer wurde die Aufenthaltsbewilligung entzogen,
wodurch er das Aufenthaltsrecht in der Schweiz verloren hat. Allfällige Ein-
schränkungen des Privat- und Familienlebens sind somit in erster Linie die-
sem Umstand geschuldet. Diese sind jedoch nicht Gegenstand des vorlie-
genden Verfahrens. Es stellt sich einzig die Frage, ob die durch das Einrei-
severbot zusätzlich bewirkte Erschwernis vor Art. 8 Ziff. 1 EMRK und
Art. 13 Abs. 1 BV standhält (vgl. zum Ganzen auch BVGE 2013/4 E. 7.4.1
und 7.4.2).
Wenn auch der Kontakt zu seiner Familie für den Beschwerdeführer von
nicht zu vernachlässigender Bedeutung sein mag, ist nicht zu verkennen,
dass die Beziehung zu seinen Eltern stark belastet ist. Wie bereits erwähnt,
kam es an deren Wohnort wiederholt zu Polizeiinterventionen, weil der Be-
schwerdeführer tätlich gegen seine Eltern vorgegangen war und sie be-
droht hatte. Gemäss dem Leumundsbericht vom 27. Februar 2014 wurde
am 13. März 2012 gegen ihn sogar ein Hausverbot für den Wohnort der
Eltern und der Schwester verfügt (BVGer-act. 6). Aus der Einvernahme
vom 26. Februar 2014 geht sodann hervor, dass er während seiner Haft in
C._ während über einem Monat keinen Kontakt zu seinen Eltern
hatte (kant-act. 578). Im Therapieabschlussbericht vom 7. Februar 2018
wird festgehalten, die Familie des Beschwerdeführers sei als potentielles
Opfer vor erneutem deliktischem Verhalten zu schützen (kant.-act. 1128
ff.). Zudem befand er sich wiederholt und über längere Zeit in stationärer
psychiatrischer Betreuung, wobei die Kontaktmöglichkeiten zu seiner Fa-
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milie stark eingeschränkt waren. Nachdem das Einreiseverbot schon auf-
grund der Beendigung des Aufenthalts nicht zu einer fundamentalen Ver-
änderung der familiären Verhältnisse führt, ist der Einschnitt mit Blick auf
die sporadischen Trennungen zusätzlich zu relativieren, zumal seine Eltern
und seine Schwester ihn im Nachbarland Österreich besuchen können.
Ferner kann das Einreiseverbot zur Wahrnehmung von Besuchen von Fa-
milienangehörigen auf begründetes Gesuch hin für eine kurze Zeitspanne
suspendiert werden (vgl. E. 6.3). Nicht beeinträchtigt wird ferner die Pflege
der Kontakte auf andere Weise als durch persönliche Treffen, namentlich
mittels moderner Kommunikationsmittel. Die nachteiligen Auswirkungen
des Einreiseverbots auf die Möglichkeiten, mit der Familie den Kontakt zu
pflegen, sind daher in einer Konstellation wie der vorliegenden begrenzt.
Weitere besondere Verbindungen zur Schweiz liegen nicht vor. Der Be-
schwerdeführer war während der rund 16 Jahre, welche er in der Schweiz
gelebt hat, nur wenige Tage erwerbstätig. Er hat sich während dieser Zeit
weder sozial noch wirtschaftlich integriert.
10.3 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Interesse
des Beschwerdeführers, ungehindert in die Schweiz einreisen zu können,
aufgrund seiner familiären Verbindungen nicht unbedeutend ist. Es vermag
jedoch das gewichtige öffentliche Interesse am Schutz der öffentlichen Si-
cherheit vor weiteren Straftaten angesichts der starken Rückfallgefährdung
bei Weitem nicht zu überwiegen. Die Dauer des Einreiseverbots von neun
Jahren erweist sich in einer Gesamtbetrachtung als verhältnismässig.
10.4 Schliesslich bestehen entgegen der Auffassung des Beschwerdefüh-
rers keine humanitären oder anderen wichtigen Gründe, welche rechtferti-
gen könnten, von der Verhängung eines Einreiseverbots ganz abzusehen
(Art. 67 Abs. 5 AuG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im
Ergebnis – nach Heilung des Verfahrensmangels – im Lichte von Art. 49
VwVG rechtmässig ist. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
12.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten, welche sich
vorliegend auf CHF 800.– belaufen, dem Beschwerdeführer aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar
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2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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