Decision ID: 8886ad5d-df21-5954-8612-a2a3e5afeb78
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer (geb. 1984, armenischer Herkunft) am 6. No-
vember 2011 zusammen mit seiner Ehefrau und zwei Kindern in die
Schweiz gelangte und gleichentags in Basel ein Asylgesuch einreichte,
dass das BFM mit Verfügung vom 14. Februar 2012 auf das Asylgesuch
nicht eintrat und ihn zusammen mit seinen Familienangehörigen in An-
wendung des Dubliner Übereinkommens nach Schweden wegwies,
dass dieser Nichteintretensentscheid am 25. Februar 2012 unangefoch-
ten in Rechtskraft erwuchs,
dass der Beschwerdeführer am 5. Februar 2012 – und somit noch vor
Abschluss des Asylverfahrens – anlässlich einer Personenkontrolle durch
die Grenzwacht im Zug von Interlaken nach Basel (Region Olten) Bargeld
im Wert von Fr. 1'400.- auf sich trug,
dass gemäss Rapport der Grenzwacht vom 5. Februar 2012 der Be-
schwerdeführer bei der mündlichen Befragung im Zug gesagt haben soll,
das Geld von Verwandten erhalten zu haben,
dass die Grenzwacht das Bargeld bis auf Fr. 100.- sicherstellte und am
6. Februar 2012 an das BFM überwies,
dass der Beschwerdeführer gegenüber dem BFM mit Schreiben vom
23. Februar 2012 geltend machte, in Schweden zwei Autos besessen zu
haben, wovon eines sein Freund C._ am 25. Januar 2012 für
10'000 Schwedische Kronen einem gewissen D._ verkauft habe,
dass sein Freund C._ ihm das Geld am 5. Februar 2012 in Basel
überreicht habe, worauf er es dort in einem türkischen Laden in Schwei-
zer Franken umgetauscht habe,
dass er bei seiner Rückkehr in Bern bemerkt habe, in Basel einen Koffer
mit Kinderkleidern vergessen zu haben und deshalb ein zweites Mal mit
dem Zug nach Basel gefahren sei, wobei ihm in Olten das Geld von der
Polizei (Grenzwacht) abgenommen worden sei,
dass er diesbezüglich zwei fremdsprachige Beweismittel (Faxkopien einer
Verkaufsquittung und eines Schreibens seines Freundes) einreichte,
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dass die Vorinstanz mit Verfügung vom 15. März 2012 den sichergestell-
ten Betrag von Fr. 1'300.- zugunsten des Sonderabgabekontos des Be-
schwerdeführers einzog,
dass die Vorinstanz zur Begründung ausführte, der Beschwerdeführer
habe die Herkunft des ihm abgenommenen Geldbetrages nicht glaub-
würdig nachweisen können (keine übereinstimmenden Angaben zwi-
schen dem Zeitpunkt der Geldabnahme und der Eingabe vom 23. Febru-
ar 2012),
dass der Beschwerdeführer mit Rechtsmitteleingabe vom 23. März 2012
beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der vorinstanzlichen Ver-
fügung sowie die Rückerstattung des ihm abgenommenen Geldbetrages
beantragt und in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege ersucht,
dass er dabei im Wesentlichen geltend macht, bei der Abnahme des Gel-
des sei kein Übersetzer beigezogen worden und es sei aufgrund seiner
rudimentären Englischkenntnisse zu einem Missverständnis gekommen
(keine Differenzierung zwischen "family" und "friend"),
dass der betreffende Beamte der Grenzwacht im Übrigen auf dem Formu-
lar "Meldung der Abnahme von Vermögenswerten" ausdrücklich fest-
gehalten habe: "Kommunikation nicht möglich",
dass der Beschwerdeführer nach entsprechender Aufforderung durch das
Bundesverwaltungsgericht die ins Recht gelegte Faxkopie (Bestätigungs-
schreiben seines Freundes C._) in eine Amtssprache des Bundes
übersetzen liess und die Übersetzung am 26. April 2012 nachreichte,
dass die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 12. Juni 2012 auf Ab-
weisung der Beschwerde schliesst,
dass der Beschwerdeführer von dem ihm mit Instruktionsverfügung vom
14. Juni 2012 gewährten Recht auf Einreichung einer Replik innert dazu
angesetzter Frist (13. Juli 2012) keinen Gebrauch machte,
dass der Beschwerdeführer und seine Familie am 26. Juni 2012 im Rah-
men des Dublin-Verfahrens nach Schweden (Flug Zürich – Stockholm)
überstellt wurde,
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dass auf den weiteren Akteninhalt – soweit erheblich – in den Erwägun-
gen eingegangen wird,

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht zur Behandlung der vorliegenden
Beschwerde zuständig ist (Art. 31 ff des Verwaltungsgerichtsgesetzes
vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]),
dass sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem
Verwaltungsverfahrensgesetz vom 20. Dezember 1968 (VwVG,
SR 172.021) richtet, sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts ande-
res bestimmt (Art. 37 VGG),
dass der Beschwerdeführer zur Erhebung des Rechtsmittels legitimiert,
und auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten
ist (Art. 48 ff. VwVG),
dass gemäss Art. 85 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG,
SR 142.31) Sozialhilfe-, Ausreise- und Vollzugskosten sowie Kosten des
Rechtsmittelverfahrens soweit zumutbar zurückzuerstatten sind,
dass die Rückerstattung bei erwerbstätigen Asylsuchenden und Schutz-
bedürftigen ohne Aufenthaltsbewilligung durch eine Sonderabgabe aus
dem Erwerbseinkommen erfolgt (Art. 86 Abs. 1 AsylG),
dass Asylsuchende und Schutzbedürftige ohne Aufenthaltsbewilligung
Vermögenswerte, die nicht aus ihrem Erwerbseinkommen stammen, of-
fenlegen müssen (Art. 87 Abs. 1 AsylG),
dass die zuständigen Behörden solche Vermögenswerte zum Zwecke der
Rückerstattung nach Art. 85 Abs. 1 AsylG sicherstellen können, wenn der
Betroffene nicht nachweist, dass die Vermögenswerte aus Erwerbs- oder
Erwerbsersatzeinkommen oder aus öffentlichen Sozialhilfeleistungen
stammen (Art. 87 Abs. 2 Bst. a AsylG), ihre sonstige Herkunft nicht nach-
weist (Art. 87 Abs. 2 Bst. b AsylG) oder die Herkunft der Vermögenswerte
zwar nachweisen kann, diese aber einen vom Bundesrat festzusetzenden
Betrag übersteigen (Art. 87 Abs. 2 Bst. c AsylG),
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dass der Betrag nach Art. 87 Abs. 2 Bst. c AsylG Fr. 1'000.- beträgt
(Art. 16 Abs. 4 Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzie-
rungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]),
dass die Vermögenswertabnahme nebst Aufnahme einer Erwerbstätigkeit
die Sonderabgabepflicht begründet (Art. 10 Abs. 1 AsylV), in vollem Um-
fang an sie angerechnet wird (Art. 17 AsylV 2) und mit ihrem Wegfall
ebenfalls dahinfällt (Art. 87 Abs. 4 AsylG),
dass als Vermögenswerte nach Art. 87 AsylG Geldbeträge, geldwerte
Gegenstände und unkörperliche Werte wie Bankguthaben gelten (Art. 16
Abs. 1 AsylV 2), soweit sie der von der Vermögenswertabnahme betroffe-
nen Person unter Ausschluss anderer Rechtsgenossen zustehen, wie es
bei absoluten Rechten wie dem Eigentum der Fall ist (vgl. zum letzteren:
Urteil des Bundesgerichts 2A.697/2005 vom 29. März 2006 E. 3.2),
dass an den Nachweis der Herkunft der sichergestellten Vermögenswerte
strenge Anforderungen zu stellen sind (vgl. z.B. Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts C-1975/2007 vom 12. November 2008 E. 3.3 mit Hinweisen
sowie Vollzugsweisungen des BFM vom 1. Januar 2008 über die Sonder-
abgabe für Personen des Asylrechts, Ziffer 8.5.3.4, abrufbar unter
www.bfm.admin.ch > Dokumentation > rechtliche Grundlagen > Weisun-
gen und Kreisschreiben > III. Asylgesetz > 8 Sonderabgabe [Stand
1. März 2012, besucht im Januar 2014]),
dass – soweit die Herkunft der Vermögenswerte nicht unmittelbar durch
Dokumente nachgewiesen werden kann – praxisgemäss vorausgesetzt
wird, dass die betroffene Person bereits anlässlich der Abnahme klare,
schlüssige und mit allfällig später erhobenen Beweismitteln übereinstim-
mende Angaben betreffend Herkunft der sich bei ihr befindlichen Vermö-
genswerte macht,
dass die Angaben des Beschwerdeführers anlässlich der Personenkon-
trolle vom 5. Februar 2012, soweit damals überhaupt eine verständliche
Kommunikation zustande kam, nicht im Widerspruch zur Eingabe vom
23. Februar 2012 stehen,
dass die Erklärung des Beschwerdeführers bezüglich der Person, die ihm
das Geld übergeben hat, es sei aufgrund seiner rudimentären Englisch-
kenntnisse zu einem Missverständnis gekommen (Freund statt Verwand-
ter bzw. "friend" statt family"), nachvollziehbar ist,
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dass ferner der Beamte der Grenzwacht, der den Beschwerdeführer einer
Personenkontrolle unterzogen hat, auf dem Formular "Meldung der Ab-
nahme von Vermögenswerten" unter der Rubrik "Angaben der obgenann-
ten Person über die Herkunft der Vermögenswerte" selbst festhielt, dass
eine Kommunikation nicht möglich gewesen sei,
dass demnach dem Beschwerdeführer nicht vorgeworfen werden kann,
anlässlich der Geldabnahme keine klaren, schlüssigen und mit allfällig
später erhobenen Beweismitteln übereinstimmenden Angaben betreffend
Herkunft der sich bei ihm befindlichen Vermögenswerte gemacht zu ha-
ben,
das bei dieser Sachlage in Bezug auf das ins Recht gelegte Beweismittel
der Person, die das Auto des Beschwerdeführers verkauft habe, auch
nicht von einem Gefälligkeitsschreiben unter Freunden gesprochen wer-
den kann,
dass somit nichts gegen die Version des Beschwerdeführers spricht,
bzw. vom Nachweis der (legalen) Herkunft der Geldsumme auszugehen
ist, weshalb lediglich die den Freibetrag von Fr. 1'000.- (vgl. Art. 87 Abs. 2
Bst. c AsylG i.V.m. Art. 16 Abs. 4 AsylV 2) übersteigende Summe von
Fr. 400.- (und nicht Fr. 1'300.-) zugunsten seines Sonderabgabekontos
hätte eingezogen werden dürfen,
dass demzufolge die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt
(Art. 49 VwVG), weshalb die Beschwerde gutzuheissen und die Vorin-
stanz anzuweisen ist, dem Beschwerdeführer den zu viel eingezogenen
Betrag von Fr. 900.- zurückzuerstatten,
dass bei diesem Verfahrensausgang dem Beschwerdeführer keine Ver-
fahrenskosten aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 e contrario und Abs. 2
VwVG), womit das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege gegenstandslos geworden ist,
dass von einer Parteientschädigung abgesehen werden kann, da die
Kosten des nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführers verhältnis-
mässig gering sind (Art. 7 Abs. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-
richt [VGKE, SR 173.320.2]),
dass das vorliegende Urteil endgültig ist (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bun-
desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
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