Decision ID: 88de1586-6c45-5f36-bdda-45077870dd9e
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Gesuchsteller suchte am 15. August 2017 in der Schweiz um Asyl
nach.
Er machte im Wesentlichen geltend, ein Onkel sei Mitglied der Liberation
Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen. Aus Angst vor Misshandlung durch
das Militär habe sich der Onkel nicht für das vorgeschriebene Rehabilitati-
onsprogramm gemeldet. Seine Eltern hätten den Onkel im Jahr 2009 mit-
tels Bestechung freigekauft und einige Monate beherbergt. Nach dem Ar-
rangieren einer Ehe sei der Onkel weggezogen. Im Jahr 2014 habe sich
der Onkel nochmals für zwei Wochen bei ihnen versteckt und sei schliess-
lich im (...) 2014 aus Sri Lanka ausgereist. Im Jahr 2015 habe er (der Ge-
suchsteller) einen Politiker der (...) ehrenamtlich unterstützt und in der
Wahlkampfzeit von August 2015 Flugblätter verteilt und Plakate geklebt. Er
sei deswegen mehrere Male von Anhängern der (...) geschlagen worden.
Er sei von August 2015 bis Februar 2016 für die (...) tätig gewesen bezie-
hungsweise ab Mai/Juni 2015 für vier Monate respektive bis Ende 2015.
Im Februar 2016 sei er zwei Mal von Beamten des Criminal Investigation
Department (CID) festgenommen worden, weil diese gedacht hätten, er
habe seinem Onkel geholfen. Er sei geschlagen und dann wieder freige-
lassen worden. Respektive er sei nie festgenommen oder befragt oder
misshandelt worden. Das Militär habe ihn ab Anfang 2016 beziehungs-
weise ab Ende Januar/Anfang Februar 2016 respektive ab März 2016 meh-
rere Male zuhause gesucht, er sei jedoch nie anwesend gewesen, wenn
die Beamten – ein Polizist und zwei Militärangehörige – vorbeigekommen
seien. Nebst der Beschuldigung, dem Onkel geholfen zu haben, werde jun-
gen Menschen generell unterstellt, beim Wiederaufbau der LTTE beteiligt
zu sein. Sein Vater habe ihn deshalb im Februar 2016 nach B._
geschickt, wo er sich bei einem Freund versteckt habe. Am (...) 2016 habe
er Sri Lanka mit seinem eigenen Pass auf dem Luftweg verlassen. Auch
nach seiner Ausreise habe das Militär noch einige Male nach ihm gesucht;
letztmals im August oder September 2017. Sein Vater habe wegen der Un-
terstützung des Onkels keine Probleme mit den Behörden gehabt.
B.
Mit Verfügung vom 12. März 2020 stellte das SEM fest, dass der Gesuch-
steller die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Es lehnte das Asylgesuch ab
und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
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Zur Begründung führte es an, die Verfolgungsvorbringen des Gesuchstel-
lers vermöchten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7
AsylG (SR 142.31) nicht standzuhalten, und es sei nicht davon auszuge-
hen, dass er Risiko-Faktoren aufweise, aufgrund derer er bei einer Rück-
kehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit asylrelevanten
Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein würde. Der Wegweisungsvoll-
zug sei als zulässig, zumutbar und möglich zu erachten.
C.
Die vom Gesuchsteller dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundes-
verwaltungsgericht mit Urteil D-2007/2020 vom 14. Juli 2020 ab.
Das Gericht erwog, die vom Gesuchsteller geltend gemachten Probleme
mit der (...) wegen der Tätigkeit für einen (...)-Politiker und mit den Behör-
den wegen des Onkels könnten mangels Realkennzeichen und angesichts
erheblicher Widersprüche und Ungereimtheiten nicht geglaubt werden. Es
sei auch nicht davon auszugehen, dass der Gesuchsteller bei einer Rück-
kehr nach Sri Lanka aus anderen Gründen flüchtlingsrechtlich relevante
Verfolgung zu befürchten hätte. Er weise kein Profil auf, das für ein poten-
tielles Verfolgungsinteresse der heimatlichen Behörden sprechen könnte.
Der Wegweisungsvollzug sei als durchführbar zu erachten.
D.
Mit Eingabe vom 17. September 2020 (Datum Poststempel; Schreiben da-
tiert vom 9. September 2020) reichte der Gesuchsteller beim Bundesver-
waltungsgericht ein Revisionsgesuch ein. Er beantragte, das Beschwerde-
urteil vom 14. Juli 2020 sei aufzuheben und im wiederaufgenommenen Be-
schwerdeverfahren sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm
Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzulässigkeit und/oder Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und er vorläufig aufzuneh-
men. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Sistierung des dro-
henden Wegweisungsvollzugs sowie um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Er berief sich auf den Revisionsgrund von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG (neue
Beweismittel) und reichte folgende Dokumente (jeweils in Kopie) ein:
- Schreiben des Onkels C._ vom 5. Juni 2020 (mit Übersetzung);
- (...) des Onkels C._;
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- (undatierter) Antrag des Vaters auf Entfernung des Gesuchstellers aus
dem Familienbüchlein und (undatierte) Bestätigung des Bezirkssekre-
tärs von D._, dass der Gesuchsteller am (...) wegen Ausland-
aufenthalts aus dem Familienbüchlein entfernt worden sei (mit Über-
setzung);
- (undatierter) Auszug aus dem Familienbüchlein mit handschriftlicher
Streichung des Namens des Gesuchstellers (mit Übersetzung);
- Schreiben mit Briefkopf "Divisional Secretariat D._" und Datie-
rung vom 2. September 2016 (Betreff: "Familienbüchlein 2015" [Dank
an Vater des Gesuchstellers für Unterstützung beim Sammeln der Fa-
milieninformationen und Bitte um Einreichung eines Familienfotos und
um Abholung des Familienbüchleins]; handschriftlicher Vermerk am
Blattende: "E._ – Entfernung (Ausland) – [...]") (mit Überset-
zung);
- Schreiben von F._ (Parlamentsmitglied aus [...]) vom 27. Feb-
ruar 2020 (in Englisch);
- Ausdruck eines Tagesschau.de-Beitrags vom 7. August 2020 (zu Par-
lamentswahlen in Sri Lanka von anfangs August 2020).
Er machte im Wesentlichen geltend, die neuen Beweismittel würden seine
Asylvorbringen untermauern und das Bestehen eines Risikoprofils bele-
gen. Sein Onkel schildere übereinstimmend die Unterstützung durch die
Familie (Freikauf aus Flüchtlingslager, zweimaliges Verstecken, Arrangie-
ren einer Ehe) und bestätige, dass er (der Gesuchsteller) wegen der An-
schuldigung, die LTTE unterstützt zu haben, festgenommen worden sei.
Der Onkel sei in G._ als Flüchtling anerkannt worden, so dass da-
von auszugehen sei, dass dessen LTTE-Vergangenheit als erstellt gelte.
Damit sei auch sein Vorbringen, der LTTE-Unterstützung beschuldigt wor-
den zu sein, als glaubhaft zu erachten. Zumindest lege das Verwandt-
schaftsverhältnis ein (Reflex-)Verfolgungsinteresse der sri-lankischen Be-
hörden dar. Der Bezirkssekretär von D._ bestätige, dass er (der
Gesuchsteller) auf Antrag seines Vaters aus dem Familienbüchlein entfernt
worden sei. Der Vater habe dies zum Schutz der Familie beantragt, weil
diese auch noch nach seiner Ausreise behelligt und zu seinem Aufenthalts-
ort befragt worden sei. Der Auszug aus dem Familienbüchlein und das da-
zugehörige Begleitschreiben würden die Authentizität des Streichungsan-
trags des Vaters respektive des Bestätigungsschreibens des Bezirkssek-
retärs belegen. Durch die Streichung aus dem Familienbüchlein sei für ihn
ein Leben in Sri Lanka unmöglich geworden. Seine Existenz sei dort wort-
wörtlich gestrichen worden. Der Parlamentarier F._ bestätige, dass
er (der Gesuchsteller) die (...) ehrenamtlich unterstützt habe und deswegen
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von "unknown militants and armed forces" bedroht worden sei und gesucht
werde. Trotz entsprechender Bemühungen habe er die vorgelegten Doku-
mente nicht bereits im Beschwerdeverfahren besorgen können. Insbeson-
dere die Corona-Pandemie, welche die Postzustellung blockiert habe,
habe eine frühere Beibringung verunmöglicht. Die Dokumente seien ihm
erst Ende Juli 2020 zugegangen und hätten danach noch übersetzt werden
müssen. Des Weiteren weise er auf die veränderte Sicherheitslage in Sri
Lanka nach den Parlamentswahlen vom 5. August 2020 hin. Angesichts
des Wahlausgangs sei mit Verfassungsänderungen und einem noch här-
teren Vorgehen gegen Personen mit einer LTTE-Vergangenheit zu rech-
nen. Sollte die Flüchtlingseigenschaft verneint werden, sei der Wegwei-
sungsvollzug als unzulässig zu erachten. Es sei davon auszugehen, dass
jeder zurückgeschaffte tamilische Asylsuchende jederzeit Opfer von Ver-
haftungen und Verhören werden könne. Darüber hinaus könne aufgrund
der verheerenden wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie auch
nicht davon ausgegangen werden, dass er sich bei einer Rückkehr nach
Sri Lanka gesellschaftlich und wirtschaftlich integrieren könnte, weshalb
der Wegweisungsvollzug auch als unzumutbar zu erachten sei.
E.
Am 18. September 2020 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der
Wegweisung im Sinne einer vorsorglichen Massnahme einstweilen aus.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 AsylG auf
dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig über Beschwerden gegen
Verfügungen des SEM (vgl. zur Ausnahme Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Es
ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die es in seiner
Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE 2007/21 E. 2.1).
1.2 Gemäss Art. 45 VGG gelten für die Revision von Urteilen des Bundes-
verwaltungsgerichts die Art. 121–128 BGG sinngemäss. Nach Art. 47 VGG
findet auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesuchs Art. 67 Abs. 3
VwVG Anwendung.
1.3 Der Gesuchsteller versucht mit der Nachreichung von Beweismitteln
die im vorangegangenen Beschwerdeverfahren vorgebrachte Verfolgung
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zu belegen und macht damit die ursprüngliche Fehlerhaftigkeit des Be-
schwerdeentscheids vom 14. Juli 2020 geltend.
1.4 Der Gesuchsteller ist durch das betreffende Beschwerdeurteil vom
14. Juli 2020 besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an
dessen Aufhebung oder Änderung. Er ist daher zur Einreichung des Revi-
sionsgesuchs legitimiert (Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG in analogiam).
2.
2.1 Mit dem ausserordentlichen Rechtsmittel der Revision wird die Unab-
änderlichkeit und Massgeblichkeit eines rechtskräftigen Beschwerdeent-
scheids angefochten, im Hinblick darauf, dass die Rechtskraft beseitigt
wird und über die Sache neu entschieden werden kann (vgl. BVGE 2012/7
E. 2.4.2 mit Verweis auf BVGE 2007/21).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus
den in Art. 121–123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG).
Nicht als Revisionsgründe gelten Gründe, welche die Partei, die um Revi-
sion nachsucht, bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren hätte gel-
tend machen können (Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG e contrario; sinngemäss
Art. 46 VGG).
2.3 An die Begründung ausserordentlicher Rechtsmittel werden erhöhte
Anforderungen gestellt. Reine Urteilskritik genügt den gesetzlichen Anfor-
derungen an die Begründung eines Revisionsgesuchs nicht. Das Gesetz
umschreibt die Revisionsgründe eng, die Rechtsprechung handhabt sie
restriktiv (vgl. ELISABETH ESCHER, in: Niggli/Uebersax/Wiprächtiger [Hrsg.],
Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl. 2011, Art. 121 N 1;
NICOLAS VON WERDT in: Seiler/von Werdt/Güngerich/Oberholzer, Stämpflis
Handkommentar SHK, Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl. 2015, Art. 121 N 9).
Im Revisionsgesuch ist darzulegen, welcher gesetzliche Revisionsgrund
angerufen und welche Änderung des früheren Entscheids beantragt wird.
Die in Art. 121–123 BGG enthaltene Aufzählung der Revisionsgründe ist
abschliessend. Für die Zulässigkeit eines Revisionsbegehrens ist nicht er-
forderlich, dass der angerufene Revisionsgrund tatsächlich besteht, son-
dern es genügt, wenn der Gesuchsteller dessen Bestehen behauptet und
hinreichend begründet.
2.4 Der Gesuchsteller ruft mit der Nachreichung von Beweismitteln den ge-
setzlichen Revisionsgrund von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG an. Sein Revisi-
onsgesuch ist damit grundsätzlich hinreichend begründet (vgl. E. 2.3).
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2.5 Gemäss Art. 124 Abs. 1 Bst. d BGG ist das Revisionsgesuch innert
90 Tagen seit Kenntnis der nachträglich erfahrenen Tatsache oder des auf-
gefundenen Beweismittels einzureichen. Bezüglich der vom Gesuchsteller
vorgebrachten Parlamentswahlen in Sri Lanka anfangs August 2020 und
des diesbezüglich eingereichten Beweismittels (Tagesschau-Beitrag vom
7. August 2020) ist die Revisionseingabe vom 17. September 2020 recht-
zeitig erfolgt. Hinsichtlich der anderen Beweismittel (Schreiben des Onkels
vom 5. Juni 2020, Schreiben eines Parlamentsmitglieds vom 27. Februar
2020 und undatierte Dokumente zur Streichung aus dem Familienbüchlein
am [...]) machte der Gesuchsteller geltend, diese erst Ende Juli 2020 er-
halten zu haben. Konkrete Angaben und Belege, wann genau ihm die be-
sagten Beweismittel zugegangen seien, fehlen. Grundsätzlich erscheint es
fraglich, ob das alleinige Behaupten für den Nachweis der Rechtzeitigkeit
zu genügen vermag, indes kann angesichts der nachfolgenden Ausführun-
gen offenbleiben, wie es sich vorliegend hinsichtlich der besagten Beweis-
mittel mit der in Art. 124 Abs. 1 Bst. d BGG festgehaltenen Frist für die Ein-
reichung eines Revisionsgesuchs verhält.
3.
3.1 Gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG kann in öffentlich-rechtlichen An-
gelegenheiten die Revision eines Urteils verlangt werden, wenn die ersu-
chende Partei nachträglich erhebliche Tatsachen erfährt oder entschei-
dende Beweismittel auffindet, die sie im früheren Verfahren nicht beibrin-
gen konnte, unter Ausschluss der Tatsachen und Beweismittel, die erst
nach dem Entscheid entstanden sind.
3.1.1 Der Revisionsgrund der nachträglich erfahrenen Tatsache beinhaltet
zum einen, dass sich diese bereits vor Abschluss des Beschwerdeverfah-
rens verwirklicht haben muss; als Revisionsgrund sind somit lediglich so-
genannte unechte Noven zugelassen. Zum anderen verlangt Art. 123
Abs. 2 Bst. a BGG, dass die gesuchstellende Partei die fragliche Tatsache
respektive das entsprechende Beweismittel während des vorangegange-
nen Verfahrens, das heisst bis zur Urteilsfällung, nicht gekannt hat und
deshalb nicht geltend machen konnte. Ausgeschlossen sind damit auch
Umstände und Beweismittel, welche die gesuchstellende Partei bei pflicht-
gemässer Sorgfalt hätte kennen können, ebenso, wenn die Entdeckung
der erheblichen Tatsachen oder Beweismittel auf Nachforschungen beruht,
die bereits im früheren Verfahren hätten angestellt werden können, denn
darin ist eine unsorgfältige Prozessführung der gesuchstellenden Partei zu
erblicken (vgl. zum Ganzen ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEU-
BÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013,
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S. 306 Rz. 5.47). Dass es einer gemäss Art. 123 BGG um Revision ersu-
chenden Partei nicht möglich war, Tatsachen und Beweise bereits im frühe-
ren Verfahren vor- beziehungsweise beizubringen, ist nur mit Zurückhal-
tung anzunehmen. Der Revisionsgrund der unechten Noven dient nicht
dazu, bisherige Unterlassungen in der Beweisführung wiedergutzumachen
(vgl. ELISABETH ESCHER, a.a.O., Art. 123 N 8). Revisionsweise eingereichte
Beweismittel sind nur dann als neu zu qualifizieren und beachtlich, wenn
sie entweder neue erhebliche Tatsachen erhärten oder geeignet sind, dem
Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt
gewesen, aber zum Nachteil der gesuchstellenden Partei unbewiesen ge-
blieben sind, respektive wenn sie bei Vorliegen im ordentlichen Verfahren
vermutlich zu einem anderen Entscheid geführt hätten. Es genügt nicht,
wenn sie zu einer neuen Würdigung bereits bekannter Tatsachen führen
sollen; für eine andere Würdigung des Sachverhalts besteht im Rahmen
eines Revisionsverfahrens kein Raum.
3.1.2 Auf Revisionsgesuche, die auf erst nach Abschluss des Beschwer-
deverfahrens entstandenen Tatsachen oder Beweismitteln gründen, ist –
unabhängig von der Frage der Erheblichkeit der neuen Tatsachen oder Be-
weismittel – nicht einzutreten (vgl. BVGE 2013/22 E. 13).
3.2 Vorliegend ist somit zu prüfen, ob der Gesuchsteller nach Erlass des
Beschwerdeurteils vom 14. Juli 2020 erhebliche Tatsachen erfahren oder
Beweismittel aufgefunden hat, die vor dem Entscheid entstanden sind, er
aber im vorangegangenen Verfahren nicht hatte geltend machen respek-
tive nicht beibringen können. Weiter ist zu prüfen, ob die neuen Vorbringen
und Dokumente bei zumutbarer Sorgfalt bereits im früheren Verfahren hät-
ten geltend gemacht respektive beigebracht werden können, und ob sie für
die Tatbestandsermittlung entscheidend sind, das heisst, ob sie geeignet
sind, die tatbeständliche Grundlage des Beschwerdeurteils vom 14. Juli
2020 zu ändern und zu einem anderen Ergebnis zu führen.
3.2.1 Soweit sich der Gesuchsteller auf die erst nach dem Beschwerdeur-
teil vom 14. Juli 2020 erfolgten Parlamentswahlen in Sri Lanka von anfangs
August 2020 beruft, ist festzustellen, dass dieses Ereignis gemäss Art. 123
Abs. 2 Bst. a in fine BGG aufgrund seiner Datierung revisionsrechtlich un-
beachtlich ist und auf das Revisionsgesuch diesbezüglich nicht einzutreten
ist (vgl. die vorstehenden Ausführungen unter E. 3.1.2). Die Erheblichkeit
des besagten Ereignisses und des diesbezüglich vorgelegten Beweismit-
tels (Tagesschau-Beitrag vom 7. August 2020) ist vorliegend nicht zu prü-
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fen, da – wie ausgeführt – nach Abschluss des Beschwerdeverfahrens vor-
gefallene Ereignisse respektive entstandene Beweismittel, selbst wenn sie
erheblich sind, nicht im Rahmen eines Revisionsgesuchs entgegenzuneh-
men und zu prüfen sind (vgl. BVGE 2013/22 E. 13).
3.2.2 Dem Gesuchsteller ist es im Rahmen des vorangegangenen Asyl-
und Beschwerdeverfahrens nicht gelungen, eine flüchtlingsrechtlich rele-
vante Verfolgung seiner Person wegen des Onkels oder wegen der Tätig-
keit für einen (...)-Politiker nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu ma-
chen. Eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG wegen des Bestehens
eines Risikoprofils aus anderen Gründen vermochte er ebenfalls nicht dar-
zulegen. Daran vermögen die nun auf Revisionsebene vorgelegten Be-
weismittel, die vor dem Beschwerdeurteil vom 14. Juli 2020 entstanden
seien, nichts zu ändern. Vorab ist festzustellen, dass es sich dabei grund-
sätzlich um verspätete Vorbringen handeln dürfte (Art. 123 Abs. 2 Bst. a
BGG e contrario; sinngemäss Art. 46 VGG), da er nicht überzeugend dar-
zulegen vermag, dass und weshalb es ihm nicht möglich gewesen sein
sollte, diese früher zu beschaffen und einzureichen. Insbesondere hinsicht-
lich des Schreibens des in G._ lebenden Onkels vom 5. Juni 2020
ist nicht ersichtlich, weshalb eine Beibringung nicht bereits im vorangegan-
genen Beschwerdeverfahren möglich gewesen wäre, zumal nicht bekannt
ist, dass die Corona-Pandemie die Postzustellung von G._ in das
Nachbarland Schweiz im Juni 2020 verunmöglicht hätte. Aber unabhängig
von der Frage der verspäteten Geltendmachung vermögen die besagten
Dokumente keine Relevanz zu entfalten. Sie sind nicht geeignet, die
Glaubhaftigkeit der im vorangegangenen Beschwerdeverfahren als un-
glaubhaft qualifizierten Fluchtvorbringen des Gesuchstellers zu bewirken
respektive eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung des Gesuchstel-
lers seitens der heimatlichen Behörden oder von Drittpersonen zu belegen.
Für die Echtheit der Dokumente besteht keine Gewähr, zumal diese nur in
Kopie vorliegen. Kopien wie die vorliegenden vermögen grundsätzlich nur
eine geringe Beweiskraft zu entfalten. Aber auch bei Annahme der Authen-
tizität sind sie nicht geeignet, zu einer Neueinschätzung des Risikoprofils
des Gesuchstellers zu führen. Die Schreiben des Parlamentariers
F._ vom 27. Februar 2020 und des Onkels C._ vom 5. Juni
2020 vermögen keine Beweisrelevanz zu entfalten, wiederholen diese
doch lediglich die Schilderungen des Gesuchstellers und sind als Gefällig-
keitsschreiben einzustufen. Diese Einschätzung wird dadurch bekräftigt,
dass der Onkel bestätigt, der Gesuchsteller sei im Februar 2016 in Sri
Lanka festgenommen worden, obwohl der Onkel Sri Lanka bereits Mitte
2014 verlassen habe und somit eine dort im Jahr 2016 erfolgte Festnahme
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des Gesuchstellers – die der Gesuchsteller im Rahmen seiner Anhörung
zu den Asylgründen vom 2. März 2020 notabene selbst in Abrede gestellt
hatte – gar nicht selbst zu bezeugen vermag. Allein die Verwandtschaft zu
einem ehemaligen Anhänger der LTTE vermag – wie im Beschwerdeurteil
vom 14. Juli 2020 bereits festgestellt – nicht zur Annahme einer für den
Gesuchsteller bestehenden flüchtlingsrechtlich relevanten (Reflex-)Verfol-
gungsgefahr zu führen. Auch mit dem Vorbringen, er sei im Jahr 2019 auf
Antrag seines Vaters aus dem Familienbüchlein gestrichen worden, ver-
mag der Gesuchsteller nicht darzulegen, dass ihm bei einer Rückkehr nach
Sri Lanka Verfolgungsmassnahmen flüchtlingsrechtlich relevanten Aus-
masses seitens der heimatlichen Behörden (oder der [...]) drohen würden.
Der Gesuchsteller hatte die besagte Streichung seines Namens aus dem
Familienbüchlein bereits bei der Anhörung vom 2. März 2020 erwähnt (vgl.
vorinstanzliche Akten A19 S. 15 F127). Es handelt sich dabei somit nicht
um ein neues Vorbringen. Den nun in diesem Zusammenhang vorgelegten
Dokumenten lässt sich kein Hinweis auf eine behördliche Verfolgung des
Gesuchstellers entnehmen. Laut Angaben des Gesuchstellers sei er letzt-
mals im Sommer 2017 vom Militär gesucht worden (vgl. A15 S. 15 F125),
wohingegen sein Name erst rund zwei Jahre später – am (...) – aus dem
Familienbüchlein gestrichen worden sei. Als Grund für die Streichung ist in
den eingereichten Dokumenten "Auslandaufenthalt" vermerkt und es ist
nicht ersichtlich, dass dem Gesuchsteller deswegen eine Rückkehr nach
Sri Lanka verunmöglicht wäre. Die auf Revisionsebene vorgelegten, vor
dem Beschwerdeurteil vom 14. Juli 2020 datierenden Beweismittel sind
damit nicht als beweistauglich und somit auch nicht als erheblich im Sinne
von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG zu erachten. Mangels revisionsrechtlicher
Erheblichkeit im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG vermögen sie somit
auch kein Wegweisungsvollzugshindernis zu begründen.
3.2.3 In Bezug auf die Ausführungen des Gesuchstellers in der Revisions-
eingabe zum allgemeinen Gefährdungspotential abgewiesener tamilischer
Gesuchstellender ist festzuhalten, dass diese Thematik im Beschwerdeur-
teil vom 14. Juli 2020 geprüft und berücksichtigt wurde. Die Rüge des Ge-
suchstellers auf Revisionsebene, ein Risikoprofil seiner Person sei zu Un-
recht verneint worden, läuft damit auf eine appellatorische Kritik am Be-
schwerdeurteil vom 14. Juli 2020 beziehungsweise auf eine Beanstandung
der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts hinaus. Dafür besteht im Rah-
men eines Revisionsverfahrens indes kein Raum. Eine andere Sachver-
halts- oder Beweiswürdigung ist einem Revisionsverfahren, das an enge
formelle Voraussetzungen gebunden ist, nicht zugänglich, da die Revision
kein ordentliches Rechtsmittel darstellt. Auch die Corona-Pandemie wurde
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im Beschwerdeurteil vom 14. Juli 2020 thematisiert und in die Beurteilung
der Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs miteinbezogen. Allfällige
nach dem 14. Juli 2020 pandemiebedingt aufgetretene wirtschaftliche
Schwierigkeiten sind gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a in fine BGG revisions-
rechtlich unbeachtlich, und auf das Revisionsgesuch ist diesbezüglich nicht
einzutreten (vgl. E. 3.1.2). Die erst anfangs August 2020 erfolgten Parla-
mentswahlen in Sri Lanka sind – wie vorstehend unter E. 3.2.1 ausgeführt
– ebenfalls nicht Gegenstand des vorliegenden Revisionsverfahrens.
4.
Dem Gesuchsteller ist es damit nicht gelungen, Gründe darzulegen res-
pektive relevante Beweismittel vorzulegen, die eine Revision des Be-
schwerdeurteils D-2007/2020 vom 14. Juli 2020 rechtfertigen würden. Das
Revisionsgesuch ist demzufolge abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
5.
Mit dem vorliegenden Entscheid ist das Revisionsverfahren abgeschlos-
sen, womit der Antrag um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht ge-
genstandslos geworden ist.
6.
6.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, da die Begehren, wie sich
aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, als aussichtslos zu bezeichnen
waren, womit die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG ungeachtet
der behaupteten Bedürftigkeit des Gesuchstellers nicht erfüllt sind.
6.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 1500.–
dem Gesuchsteller aufzuerlegen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG;
Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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