Decision ID: 9bfba8f0-2f6d-5542-9284-b5162dbf0c17
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1982, arbeitet
e im Rahmen eines
Temporärarbeitsver
hältnisses
als
Maler
auf einer Baustelle in Y._
(Urk. 8/4). Am 21. November 2019 meldete seine Arbeitgeberin
, die Z._
AG,
der Suva, dass er am 12. November 2019 bei
m Transportieren von Material unte
rhalb eines
Gerüstes
habe
durchkriechen
müssen
. Dabei habe er
beim Aufrichten starke Schmerzen
im
Rücken
verspürt und sei
mit dem Rücken an die Gerüststange gekommen
(Urk. 8/1-2). Der erstbehandelnde Arzt nannte als Diagnose eine
Diskushernie L2/3 links (Urk.
8/21 Ziff. 5). Es erfolgten zwei
Behandlung
en
mittels
epiduraler
Infiltration (
Urk
.
8/29;
Urk. 8/35).
Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht
anfänglich
bis
zum
21. Februar 2020 (Urk. 8/39). Nach erneuter Fallprüfung aufgrund des Heilungsverlaufes stellte die
Suva mit Verfügung vom 2. März 2020 ihre Leistungen per 18. Mai 2020 ein (Urk. 8/48). Die dagegen gerichtete Einsprache des Versicherten vom 29. April 2020 (Urk. 8/54)
wies sie mit
Einspracheentscheid
vom 11. Mai 2020 ab (Urk. 8/60 = Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
11. Mai 2020 (Urk. 2)
erhob der Versicherte am
12. Juni 2020
Beschwerde mit dem Antrag
, es seien ihm
auch
über den
18. Mai 2020 hinaus
Versicherungsleistungen zu erbringen
(Urk. 1 S. 2 Ziff.
2).
Mit Beschwerdeantwort vom
10. August 2020
schloss die Suva auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was dem Beschwerdeführer mit Anordnung eines zwei
ten Schriftenwechsels gemäss Gerichtsverfügung vom 18. August 2020 zur Kennt
nis gebracht wurde (Urk. 10). In der Folge verzichtete dieser auf eine Replik (Urk. 11), was der Gegenpartei am 5. Oktober 2020 mitgeteilt wurde (Urk. 12).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 10 Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfall
folgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steh
t ihr gemäss Art. 16 Abs.
1 UVG ein Taggeld zu
.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des
natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Mög
lichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hin
weisen).
1.3
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheits
schadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfall
fremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesund
heitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Ver
lauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später einge
stellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natür
liche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialver
sicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine
anspruchsaufhebende Tatsache h
andelt, liegt die entsprechende
Beweis
last
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausal
zusammenhang gegeben ist
nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallver
sicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rück
fällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch dieser Zustand noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG Leis
tungen zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.3 mit Hinweisen).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Recht
sprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hi
nweis auf BGE 125 V 351 E. 3b
/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens
entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklä
rungen vorzune
hmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2;
135 V 465 E. 4.4
und E. 4.7
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte ihre Leistungen per 18. Mai 2020 mit der Begrün
dung ein (Urk. 2),
der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers am Rücken
sei
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit schon vor dem Unfall in stummer Weise beeinträchtigt gewesen. Bildgebend hätten keine strukturellen Läsionen, welche nach derzeitigem medizinischen Wissensstand überwiegend wahrscheinlich unfall
kausal seien, dargestellt werden können, womit es sich um bereits vor dem Ereignis vorhandene pathologische Veränderungen handle, welche vorüberge
hend verschlimmert worden seien. Der G
esundheitszustand, wie er auch ohne Unfall vorliegen würde, sei nach v
ier bis sechs Wochen erreicht, mithin d
er
status
quo sine nach einer Zerrung und Prellung (S. 5). Der Beschwerdeführer habe
sich
beim Ereignis von Mitte November 2019
eine simple Rückenkontusion ohne struk
turelle
n
Schädigungen
zugezogen, was die nach gut einem halben Jahr noch anhaltenden Beschwerden nicht
mehr als natürlich kausal zu ebendiesem Ereignis vom November 2019 erscheinen lasse (S. 5 f.).
Mit Beschwerdeantwort machte die Beschwerdegegnerin überdies geltend (Urk.
7),
am 1
3.
Dezember 2019
habe der Beschwerdeführer
präzisierend
ange
geben, dass er mit der unteren Rüc
kenpartie gegen eine Querstrebe
des Gerüsts gestossen sei, als er sich habe aufrichten wollen. Im zeitlich ersten Bericht des behandelnden Arztes werde dagegen eine Kontusion mit keinem Wort erwähnt
, immerhin das getragene Gewicht aber mit rund 10 kg angegeben
(S. 2 f.).
Bei einem getragenen Gewicht von rund 10 kg sei das behauptete
Verhebetrauma
offen
sichtlich
zu verneinen
und
es sei
von einer banalen Kontusion auszugehen (S. 3 oben). Ausserdem seien beim Beschwerdeführer degenerative Vorschädi
gungen aktenkundig (S. 4).
2.2
Dagegen brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor (Urk. 1),
es stehe auf
grund der medizinischen Beurteilung fest, dass zwischen dem versicherten Ereig
nis und den Beschwerden ein rechtserheblicher Kausalzusammenhang bestehe und vorliegend von einer traumatischen und nicht degenerativen D
is
kushernie auszugehen sei (S. 5 Ziff. 16). Die Beschwerdegegnerin habe rund sechs
Monate lang Leistungen erbracht. Das sei angesichts der anhaltenden Beschwer
den selbst unter der bestrittenen Annahme, dass es sich vorliegend bloss um eine vorübergehende Verschlimmerung eines degenerativen Vorzustandes handle, im konkreten Fall zu wenig lang. Die sechs Monate seien vorliegend weder ausrei
chend, den
status
quo ante beziehungsweise den
status
quo sine z
u erreichen. Gemäss bildgebendem Befund vom 24. April 2020 sei
nach wie vor im Bereich L2/3 eine unveränderte Diskushernie
feststellbar
(S. 5 Ziff. 18).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Leistungen per
18. Mai 2020
zu Recht eingestellt hat.
3.
3.1
Der den Beschwerdeführer am 19. November 2019 erstbehandelnde Arzt
,
Dr. med. A._
, Facharzt für Neurochirurgie, berichtete der Beschwerde
gegnerin am 8. Januar 2020 (Urk. 8/21) und nannte
gestützt auf die bildgebende U
ntersuchung der Lendenwirbelsäule vom 28. November 2019 (
vgl. Bericht der Radiologie
B._
,
Urk. 8/30)
als Diagnose eine Diskushernie L2/3 links nach Trauma vom 12. November 2019 am Arbeitsplatz (Ziff. 5).
3.2
Am 4. Dezember 2019 (Urk. 8/29) und 15. Januar 2020 (Urk. 8/35
) erfolgten in der Radiologie
B._
bei bekannter Diskushernie L2/3 links mit motorischen Ausfällen der Wurzeln L2-L3 links jeweils
eine Lendenwirbelsäule
n
(LWS)-Infilt
ration.
3.3
Der Vertrauensarzt der Besch
werdegegnerin, Dr. med.
C._
, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates, erachtete in seiner Aktenbeurteilung vom 13. Februar 2020 (Urk. 8/37) die multisegmentalen
Osteo
chondrosen
und
die
leicht nach kaudal zunehmende
n
Facettenarthrosen, die nach kranial sequestrierte medio-laterale Diskushernie L2/3 links mit einer möglichen Reizung der L2-Wurzel links am
Forameneingang
und der L3-Wurzel links
rezessal
ohne eine spinale Einengung sowie leichtgradige
,
nicht komprimierende
Protrusionen
L1/2 links und L3-S1 als dem Unfallereignis vorbestehend (Ziff. 1.1).
Er führte aus, bildgebend hätten keine strukturellen Läsionen, welche nach derzeitigem medizinischen Wissensstand überwiegend wahrscheinlich unfall
kausal seien, dargestellt werden können. Es handle sich um bereits vor dem Ereignis vorhandene pathologische Veränderungen, welche vorübergehend ver
schlimmert worden seien. Der Gesundheitszustand, wie er auch ohne Unfall vor
liegen würde, mithin der Status quo sine nach Zerrung und Prellung, wäre nach vier bis sechs Wochen erreicht (Ziff. 3).
3.4
Die am 18. Februar 2020
in der Radiologie B._
erstellte Magnet
resonanztomographie (MRI) der LWS ergab eine
n
weitgehend
unveränderten Befund.
Dr. med. D._
, Facharzt für Radiologie, berichtete von einer deut
lich
grössenregrediente
n
Diskushernie mit noch minimalem Residuum und per
sis
tierend breitem
Anulusriss
ohne Irritation der neuralen Struktur
en und ohne Spinalkanalstenose; e
benso von stationären Befunde
n
der restlichen Segmente mit leichtgradigen
Bandscheibenprotrusionen
/-
herniationen
ohne Irritation der neu
ralen Strukturen (Urk. 8/69).
3.5
Mit Beurteilung vom 25. Februar 2020 (Urk. 8/45) hielt Dr.
C._
an seiner Beurteilung (vgl. vorstehend E. 3.3) vollumfänglich fest.
3.6
Der am 24. April 2020
in der Radiologie B._
erhobene bildgebende Befund der LWS ergab im Vergleich zur Voruntersuchung vom Februar 2020 (vgl. vor
stehend E. 3.4) keine
Verä
nderung, insbesondere kein
Diskushernienrezidiv
L2/3 oder eine neu aufgetretene Diskushernie L3/4 bis L4/5 beziehungsweise eine volu
menprogrediente Diskushernie L5/S
1.
Es wurde auch kein Hinweis auf eine Irrita
tion der neuralen Strukturen gefunden (Urk. 8/68
=
Urk.
3
).
3.7
Dr.
A._
nahm am 27. April 2020 zuhanden der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers Stellung (Urk. 8/54
/9
)
und hielt fest, dass er die Meinung der Beschwerdegegnerin nicht teile
.
Infolge des Unfallereignisses am Arbeitsort am 12. November 2019 sei es zu akuten Rückenschmerzen mit Ausstrahlung ins linke Bein gekommen, begleitet von sensomotorischen, neurologischen Ausfällen im linken Bein. Im MRI der LWS vom 28. November 2019 habe sich ein frischer Band
scheibenvorfall auf Höhe L2/3 links mit Kompression der Nervenwurzel L3 gezeigt. Die Schmerzsymptomatik und die neurologischen Ausfälle persistierten bis heute. Das Ende der Behandlung sei noch nicht absehbar, zumal eine operative Therapie zur Diskussion stehe.
3.8
Schliesslich erfolgte am 5
. Mai 2020 in der Radiologie B._
eine
neuerliche
und komplikationslose
epidurale
Infiltration L2/3 links (
vgl.
Bericht vom 5. Mai 2020, Urk. 8/67).
4.
4.1
Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallver
sicherungsrechts, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Band
scheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahms
weise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskushernie betrachtet werden,
wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädi
gung der Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (ver
tebrales oder
radikuläres
Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsun
fä
hig
keit auftreten. So muss eine entsprechende richtunggebende Verschlim
merung insbesondere auch röntgenologisch ausgewiesen sein und sich von der alters
übl
ichen Progression abheben (Urteil des Bundesgerichts 8C_552/2020 vom 16. Dezember 2020 E. 3.2).
Bezüglich der Verschlimmerung eines vorbestehenden Gesundheitsschadens gelten dieselben Kriterien, was dazu führt, dass eine Unfall
kausalität nur ausnahmsweise und insbesondere nur dann in Frage kommt, wenn der Unfall auch geeignet gewesen wäre, eine gesunde Bandscheibe zu verletzen (Urteile des Bundesgerichts U 555/06 vom 1
0.
Dezember 2007 E. 4.2.2; U 163/05 vom
3.
Oktober 2005 E. 3.1; U 441/04 vom 1
3.
Juni 2005 E. 3.1).
Ist hingegen die Diskushernie bei (stummem) degenerativem Vorzustand durch den Unfall nur aktiviert, nicht aber verursacht worden, liegt eine vorübergehende Verschlimmerung vor.
Diesfalls
hat die Unfallversicherung nur Leistungen für das
unmittelbar im Zusammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erbringen. Nach derzeitigem medizinischem Wissensstand kann in solchen Fällen das Erreichen des Status quo sine bei posttraumatischen Lumbalgien und
Lumboischialgien
nach drei bis vier Monaten erwartet werden. Im Allgemeinen ist bei einer Prellung, Verstauchung oder Zerrung der Wirbelsäule die vorüber
gehende Verschlimmerung nach sechs bis neun Monaten und bei Vorliegen eines erheblich degenerativen Vorzustandes spätestens nach einem Jahr als abge
schlos
sen zu betrachten (vgl. Urteile
des Bundesgerichts 8C_408/2019 vom 26. August 2019 E. 3.3; 8C_834/2018 vom 19.
März 2019 E.
3.3; SVR 2009 UV Nr. 1 S. 1, 8C_677/2007 E.
2.3 und 2.3.2 mit Hinweisen).
4.2
Laut Unfallmeldung
musste der Beschwerdeführer Material von A nach B schaffen und dabei unter einer Querverstrebung
eines
Gerüst
s
durchkriechen
.
Im Moment des Aufrichtens habe es einen starken Schmerz im Rücken gegeben und er sei dabei
noch mit dem Rücken an die Gerüststange gekommen. Er habe den Schmerz nicht einordnen können und bis zum Mittag (planmässiger Arbeits
schluss) weitergearbeitet. Das Ziehen im Rücken sei bis zum Abend schlimmer geworden, weshalb er am nächsten Tag einen Chiropraktiker aufgesucht habe (Urk. 8/2
/2
).
Dieser bescheinigte vier Tage später, am 15. November 2019, und für lediglich eine Woche eine vollständige Arbeitsunfähigkeit rückwirkend seit dem 13. November 2019 (vg
l. Ärztliches Zeugnis E._
,
Dr.
der Chiro
praktik; Urk. 8/3).
Gemäss Frageblatt hielt der Beschwerdeführer am 13. Dezem
ber 2019 sodann eigenhändig fest, dass er sich den Rücken am Gerüst ange
schlagen habe, als er sich habe aufrichten wollen (Urk. 8/12 Ziff. 3 und Beiblatt).
Sodann sind
aus medizinischer Sicht neben der Diskushernie
keine weiteren traumaassoziierte
n
Verletzun
gen der Wirbelsäule aktenkundig (vgl. vor
ste
hend E. 3).
4.3
Im Lichte dieser Ausführungen
hande
lte es sich jedenfalls nicht um ein besonders schweres Unfallereignis, welches geeignet gewesen wäre, eine Diskushernie zu verursachen. Denn nach der Rechtsprechung ist ein Unfall nur in Ausnahmefällen geeignet
,
eine Bandscheibenverletzung hervorzurufen, zumal eine gesunde Band
scheibe derart widerstandsfähig ist, dass unter Gewalteinwirkung eher die Wirbel
knochen brechen, als dass die Bandscheibe verletzt würde. Im medizi
nischen Ver
such konnte die isolierte Verletzung einer Bandscheibe durch einen Unfall lediglich bei rein axialer Belastung der Wirbelsäule, nicht aber bei
Rota
tions
-, Hyperextensions- oder Hyperflexionsbewegungen herbeigeführt werden (Urteil des Bundesgerichts U 3/06 vom
6.
September 2006 E. 1.2 mit Hinweisen).
Eine rein axiale Belastung fand
gemäss Unfallschilderung
nicht statt
beziehungs
weise scheinen die biomechanischen Kräfte des geschilderten Ereignisses nicht ausrei
chend zu sein.
Auch sind die Symptome einer Diskushernie nicht unver
züglich nach dem Ereignis aufgetreten, und der Beschwerdeführer war in der Lage, seine Tätigkeit
bis Arbei
tsschluss am Mittag auszuführen
.
Er begab sich auch
erst eine Woche später
in
ärztliche Behandlung, nachdem er
sich
zuvor bei einem Chiro
praktiker
hatte behandeln lassen
.
Damit ist nicht wahrscheinlich, dass sich der Beschwerdeführer eine unfallbedingte Diskushernie zugezogen hat
, was auch der
Ver
si
cherungsmediziner der Beschwerdegegnerin
, Dr.
C._
,
entspre
chend beur
teilte
und
nachvollziehbar von einer Zerrung beziehungsweise
Prellung aus
ging bei vorbestehender Pathologie
(vgl. vorstehend E. 3
.3 und E 3.5
).
Dass eine solche vorbestand
,
zeigt sich auch im Umstand, dass der Beschwerdeführer
akten
kundig
bereits
im Oktober 2008
beim Aufbauen eines Rollgerüstes
eine Lumbago
erlitt (vgl. Urk. 9/1-4).
4.4
Daran änder
t auch die Einschätzung von Dr.
A._
(vgl. vorstehend E. 3.1; Urk. 3.7
) nichts, welcher davon ausging, dass das Ereignis durchaus geeignet gewesen sein soll, eine Diskushernie zu verursachen. Seine Einschätzung grün
dete auf das veranlasste MRI vom
28. November 2019, in welchem nebst der
Diskushernie L2/3 multisegmentale
Osteochondrosen
und leicht nach kaudal zuneh
mende Facettenarthrosen sowie leichtgradige nicht komprimierende
Protru
sionen
L1/2 links und L3-S1 bildgebend erhoben wurden (Urk. 8/30). Weder begründete er, wie sich die Kräfte auf die Wirbelsäule ausgewirkt haben sollen, um eine Diskushernie als Unfallereignis
auszulösen
, noch ging er auf die
übrigen
degenerativ bedingten Befunde
(
Osteochondrosen
, Facettenarthrosen und
Protrusionen
)
ein.
Seine lediglich gestützt auf die zeitliche Korrelation gestützte
Unfall
kausalität
läuft
auf eine unzulässige Post-hoc-ergo-
propter
-hoc-Argumen
tatio
n hinau
s
(BGE 136 V 395 E.
6.5
; SVR 2016 UV Nr. 24 S. 75
).
Aufgrund der
Untersuchungsbefunde
, wonach bereits
vor dem Unfall degenera
tive Veränderungen an der
LWS
bestanden
haben, kann folglich
daraus nicht direkt geschlossen werden, dass die Diskushernie im Sinne der Rec
htsprechung unfallbedingt ist.
Ausserdem hielt der spätere Radiologe die
am 28. November 2019 gestellte
Verdachtsdiagnose der möglichen Reizung der L2-Wurzel links am
Forameneingang
und der L3-Wurzel links
rezessal
ohne spinale Einengung in
den
späteren Beurteilungen nicht mehr
aufrecht (vgl. vorstehend E. 3.3; E 3.6
).
Auch ist
Dr.
A._
s
Stellungnahme vom 27. April 2020 nicht nachvollziehbar, wonach es gemäss MRI vom 28. November 2019 um einen frischen Bandschei
benvorfall handel
n soll (vgl. vorstehend E. 3.7), lässt sich doch aus den bildge
b
enden Befunden der Radiologie
B._
diese Feststellung nicht erheben (vgl. vorstehend E. 3.4; E. 3.6).
4.5
Aber auch eine unfallbedingte richtunggebende Verschlimmerung eines Vorzu
standes ist nicht anzunehmen, gelten doch dafür dieselben Kriterien wie für eine unfallbedingte Diskushernie (
vgl. vorstehend E. 4.1
). Diese sind wie dargelegt (
vgl. vorstehend
E.
4.3
) nicht erfüllt. Daher kann vorliegend höchstens davon ausgegangen werden, dass die Diskushernie bei degenerativem Vorzustand durch das Ereignis aktiviert worden ist. Rechtsprechungsgemäss kann das Erreichen des
Status quo sine nach drei bis vier Monaten erwartet werden (
vgl.
vorstehend
E. 4.1
).
Da
die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen nach sechs Monaten einge
stellt hat, ist sie damit ihrer Leistungspflicht nachgekommen.
Selbst bei Annahme einer traumatischen Verschlimmerung eines klinisch stum
men Vorzustandes an der Wirbelsäule, welche sich von der altersüblichen Pro
gression ab
h
ebt, wäre
die vorübergehende Verschlimmerung
gemäss de
m
in der Rechtsprechung dargelegten medizinischen Wissensstand in der Regel nach sechs bis neun Monaten, und nur bei Vorliegen eines erheblich degenerativen Vorzu
standes spätestens nach einem Jahr, abgeklungen (
vgl. vorstehend E. 4.1
). Der Beschwerdeführer legt
e
denn auch nicht dar, weshalb von diesem zeitlichen Rahmen abzuweichen wäre. Eine längere Zeitspanne bis zum Erreichen des Status quo sine
wäre
nicht gerechtfertigt, da die medizinischen Akten keine Hinweise ent
halten, wonach die Wirbelsäule bereits vor dem Unfall vom
12. November 2019
massiv
im Sinne der Rechtsprechung
vorgeschädigt gewesen wäre.
Eine Leistungseinstellung sechs Monate nach dem Ereignis ist folglich nicht zu beanstanden.
Daran ändert auch nichts, dass
die Schmerzsymptomatik
gemäss Beurteilung
durch
Dr.
A._
weiterhin
persistieren soll
(vgl. vorstehend E. 3.7).
5.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen.