Decision ID: 7fef37f7-8c0b-4019-91b6-9254dd705ec5
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, afghanischer Staatsangehöriger, suchte am
12. August 2021 in der Schweiz um Asyl nach. Abklärungen des SEM in
der Europäischen Fingerabdruckdatenbank (Eurodac) ergaben, dass er
am 18. Dezember 2018 in Griechenland um Asyl ersucht und ihm Grie-
chenland den Flüchtlingsstatus gewährt hatte.
B.
Am 24. August 2021 ersuchte das SEM die griechischen Behörden um
Rückübernahme des Beschwerdeführers. Die griechischen Behörden
stimmten der Übernahme am 25. August 2021 zu, wobei sie erklärten, der
Beschwerdeführer verfüge seit 30. Dezember 2019 über den Flüchtlings-
status und eine bis 29. Dezember 2022 gültige Aufenthaltsbewilligung.
C.
Am 25. August 2021 und ergänzend am 3. September 2021 führte das
SEM persönliche Gespräche mit dem Beschwerdeführer durch, hierbei
wurde ihm des rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Grie-
chenlands gewährt.
D.
Mit Eingabe vom 15. September 2021 reichte der Beschwerdeführer einen
Austrittsbericht des Universitätsspitals B._ vom 18. August 2021
ein. Im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens wurden seitens des SEM
weitere medizinische Abklärungen den Beschwerdeführer betreffend abge-
wartet. Es wurden verschiedene ärztliche Berichte zu den Akten gereicht,
datierend vom 15. Dezember 2021, 22. Dezember 2021 und 4. Januar
2022. Anfragen des SEM an die Pflege im Bundesasylzentrum wurden mit
E-Mails vom 21. September 2021, 27. September 2021 sowie vom 11. Ja-
nuar 2021, unter Beilage eines weiteren Arztberichts vom 30. Dezember
2021, beantwortet.
E.
Am 18. Januar 2022 stellte die Vorinstanz der zugewiesenen Rechtsver-
tretung des Beschwerdeführers den Entscheidentwurf zur Stellungnahme
zu. Die Rechtsvertretung nahm am 19. Januar 2022 hierzu Stellung.
F.
Mit Verfügung vom 20. Januar 2022 trat das SEM auf das Asylgesuch des
Beschwerdeführers nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz
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an, beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung
und händigte die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus.
G.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 27. Januar 2022
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Das Bundesverwaltungsge-
richt wies die Beschwerde mit Urteil E-420/2022 vom 8. Februar 2022 ab.
H.
Mit Eingabe vom 20. Mai 2022 reichte der Beschwerdeführer beim SEM
ein als Wiedererwägungsgesuch bezeichnetes Gesuch ein. Hierbei
machte er geltend, mit dem inzwischen ergangenen Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts vom 28. März 2022 (E-3427/2021, E-3431-2021) sowie
der Verschlechterung seines psychischen Zustandes lägen Wiedererwä-
gungsgründe vor. Vom 18. März bis 12. April 2022 sei er in stationärer Be-
handlung in der psychiatrischen Klinik C._ gewesen. Er sei auf-
grund seines Gesundheitszustands (schwere depressive Episode und Su-
izidalität) als äusserst vulnerable Person zu qualifizieren, die auf eine si-
chere Umgebung angewiesen sei.
I.
Mit Verfügung vom 21. Juni 2022 nahm das SEM das Gesuch vom 20. Mai
2022 als Wiedererwägungsgesuch entgegen, wies dieses ab, erklärte die
Verfügung vom 20. Januar 2022 als rechtskräftig sowie vollstreckbar, erhob
eine Gebühr und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine
aufschiebende Wirkung zu.
J.
Mit Eingabe vom 22. Juli 2022 reichte der Beschwerdeführer unter Beilage
eines Arztberichts (Variabler Arztbrief der D._ vom 21. Juli 2022)
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, es sei
die Verfügung vom 21. Juni 2022 aufzuheben und das SEM anzuweisen,
auf das Asylgesuch einzutreten und dieses materiell zu prüfen. Eventualiter
sei festzustellen, dass sich der Vollzug der Wegweisung nach Griechen-
land als unzulässig beziehungsweise unzumutbar erweise und er sei vor-
läufig aufzunehmen. Subeventualiter sei die Verfügung aufzuheben und
zur weiteren Sachverhaltsabklärung an das SEM zurückzuweisen. In pro-
zessualer Hinsicht sei mittels einer superprovisorischen Verfügung bezie-
hungsweise einer vorsorglichen Massnahme der Beschwerde die aufschie-
bende Wirkung zu erteilen beziehungsweise diese wieder herzustellen. Die
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zuständigen Behörden seien umgehend anzuweisen, von einer Überstel-
lung nach Griechenland abzusehen, bis das Gericht über die Erteilung der
aufschiebenden Wirkung entschieden habe. Es sei zudem die unentgeltli-
che Rechtspflege zu gewähren, auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses zu verzichten und der rubrizierte Rechtsvertreter beizuordnen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie-
dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung
auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist
das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Vorab ist festzustellen, dass die Vorinstanz den medizinischen Sachverhalt
vollständig festgestellt hat. Sie hat in dieser Hinsicht bereits im ordentlichen
Verfahren mit dem Entscheidentwurf zugewartet, bis der Beschwerdefüh-
rer ärztlich und psychiatrisch begutachtet war und hierzu verschiedene
ärztliche Berichte erstellt wurden. Auch im Rahmen des vorliegend zu be-
urteilenden Wiedererwägungsverfahrens hat sie vor Erlass der angefoch-
tenen Verfügung mit Schreiben vom 24. Mai 2022 einen aktuellen Arztbe-
richt eingefordert und diesen abgewartet. Die ärztlichen Berichte geben
umfassend Auskunft über den gesundheitlichen und psychischen Zustand
des Beschwerdeführers. Weitere Abklärungen zum medizinischen Sach-
verhalt waren daher nicht angezeigt. Die Feststellung des Sachverhalts ist
auch sonst nicht zu beanstanden. Sofern die Vorinstanz zu einer anderen
Einschätzung gelangt, als vom Beschwerdeführer erwartet, betrifft dies ma-
terielle Fragen, welche im Nachfolgenden zu erörtern sind.
Die Vorinstanz hat sich sodann in der Beurteilung, ob eine Rücküberstel-
lung nach Griechenland zulässig und zumutbar ist, eingehend mit den ak-
tenkundigen ärztlichen Zeugnissen sowie der neuesten Rechtsprechung
des Bundesverwaltungsgerichts auseinandergesetzt und ausreichend be-
gründet, weshalb sie einen Vollzug der angeordneten Wegweisung nach
Griechenland in casu nach wie vor für zulässig und zumutbar hält. Die
Vorinstanz hat auch ihrer Begründungspflicht genüge getan. Die oberfläch-
lich dargelegten formellen Rügen erweisen sich insgesamt als unbegrün-
det (vgl. insb. Beschwerde S. 8). Für eine Aufhebung der Verfügung und
die Rückweisung des Verfahrens an die Vorinstanz besteht mithin kein
Grund. Das Subeventualbegehren ist abzuweisen.
5.
Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich geregelt
(vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM innert
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30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schriftlich und
begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG).
In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungs-
gesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine
nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.).
Das SEM hat den Anspruch des Beschwerdeführers auf Behandlung sei-
nes Wiedererwägungsgesuchs nicht in Abrede gestellt. Im vorliegenden
Beschwerdeverfahren ist somit zu prüfen, ob die Vorinstanz in zutreffender
Weise das Bestehen von Wiedererwägungsgründen verneint und an ihrer
ursprünglichen Verfügung vom 20. Januar 2022 festgehalten hat, wobei
praxisgemäss der sich präsentierende Sachverhalt im Urteilszeitpunkt
massgebend ist.
6.
6.1 Bei Griechenland handelt es sich um einen verfolgungssicheren Dritt-
staat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG. Den vorinstanzlichen Akten
ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer dort als Flüchtling anerkannt
wurde und die griechischen Behörden seiner Rückübernahme ausdrück-
lich zustimmten. Es gibt nach wie vor keine hinreichenden Anhaltspunkte
dafür, dass sich Griechenland nicht an seine völkerrechtlichen Verpflich-
tungen halten würde. Zudem kann der gesundheitliche Sachverhalt – wie
nachfolgend aufgezeigt – nicht als medizinische Notlage qualifiziert wer-
den.
6.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Referenzurteil
E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 einlässlich mit der Situation
in Griechenland auseinandergesetzt und an seiner bisherigen Rechtspre-
chung festgehalten, wonach der Vollzug der Wegweisung nach Griechen-
land für Personen, die dort einen Schutzstatus erhalten haben, grundsätz-
lich zulässig ist. In Griechenland ist – auch unter Berücksichtig dieser
jüngsten Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts – nicht von ei-
ner Situation auszugehen, in der jeder Person mit Schutzstatus eine unan-
gemessene und erniedrigende Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK
droht. Trotz der schwierigen Verhältnisse geht das Gericht davon aus, dass
schutzberechtigte Personen grundsätzlich in der Lage sind, ihre existenzi-
ellen Bedürfnisse abzudecken (a.a.O. E. 11.2). An dieser Einschätzung
vermögen die Ausführungen in der Beschwerde nichts zu ändern.
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6.3 Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine
Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist
(a.a.O. E. 11.3). Die Legalvermutung der Zumutbarkeit des Vollzugs der
Wegweisung gilt bezüglich Griechenland grundsätzlich auch für vulnerable
Personen, wie zum Beispiel Schwangere oder Personen, die an gesund-
heitlichen Problemen leiden, die nicht als schwerwiegende Erkrankung ein-
zustufen sind (vgl. a.a.O. E. 11.5.1).
Es obliegt der betroffenen Person, diese Legalvermutungen umzustossen.
Dazu hat sie ernsthafte Anhaltpunkte dafür vorzubringen, dass die Behör-
den im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen
Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen aus-
setzen würden respektive, dass sie in Griechenland aufgrund von individu-
ellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in eine
existenzielle Notlage geraten würde (vgl. a.a.O. E. 11.4).
6.4
6.4.1 Als Schutzberechtigter kann sich der Beschwerdeführer auf die Ga-
rantien in der Richtlinie 2011/95/EU des europäischen Parlaments und des
Rates vom 13. Dezember 2011 (Qualifikationsrichtlinie) berufen (insbeson-
dere die Regeln betreffend den Zugang zu Beschäftigung [Art. 26], zu Bil-
dung [Art. 27], zu Sozialhilfeleistungen [Art. 29], zu Wohnraum [Art. 32] und
zu medizinischer Versorgung [Art. 30]), auf die sich Griechenland als EU-
Mitgliedstaat behaften lassen muss. Aufgrund der Akten liegen auch keine
Anhaltspunkte dafür vor, dass er für den Fall einer Rückkehr nach Grie-
chenland dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK
oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre.
6.4.2 Es ist unbestritten, dass die Lebensbedingungen in Griechenland
schwierig sind; dennoch ist unter diesen Umständen im heutigen Zeitpunkt
nicht von einem «real risk» auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei
einer Rückkehr nach Griechenland einer menschenrechtswidrigen Be-
handlung ausgesetzt wäre. Auch unter Berücksichtigung der Schwächen
des griechischen Aufnahmesystems vermag die blosse Möglichkeit, in
nicht absehbarer Zeit aus nicht voraussehbaren Gründen in eine missliche
Lebenssituation zu geraten, die einer Aussetzung einer existenziellen Not-
lage und andauernden menschenrechtswidrigen Behandlung gleichkäme,
die hohe Schwelle zu einem entsprechenden «real risk» nicht zu erreichen.
6.4.3 Es trifft zwar zu, dass gemäss Praxis des EGMR der Vollzug der
Wegweisung beim Vorliegen von gesundheitlichen Problemen im Einzelfall
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einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen kann; hierfür sind jedoch
ganz aussergewöhnliche Umstände Voraussetzung (vgl. Urteil Paposhvili
gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, 41738/10, § 183).
Gemäss dem im Rahmen des Wiedererwägungsgesuchs erstellten Arzt-
bericht vom 7. Juni 2022 der behandelnden Ärztin des (...) wurde beim
Beschwerdeführer eine schwere depressive Episode ohne psychotische
Symptome im Sinne einer Traumafolgestörung diagnostiziert. Zudem sei
bei einer Rückschaffung nach Griechenland von einem sehr hohen Risiko
der Ausführung von Suizidhandlungen auszugehen. Weiter ist dem Bericht
zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer in einer ambulanten psy-
chiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung in einmal wöchentlicher
Frequenz und in einer Psychopharmakotherapie (Sertralin bis 200mg/Tag,
Quetiapin 25mg-weise) befindet. Gemäss dem auf Beschwerdeebene ein-
gereichten Arztbrief vom 21. Juli 2022 wurde der Beschwerdeführer inzwi-
schen aufgrund akuter Suizidalität am 28. Juni 2022 von der behandelnden
Ärztin des (...) der D._ zur stationären Behandlung zugewiesen.
6.4.4 Von einem gravierenden Krankheitsbild, welches die Annahme der
Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne der oben zitierten
Rechtsprechung rechtfertigen würde, kann indessen nicht ausgegangen
werden. Art. 3 EMRK verpflichtet einen Konventionsstaat nicht dazu, bei
einer Konfrontation mit suizidalen Neigungen von einer zu vollziehenden
Weg- oder Ausweisung Abstand zu nehmen. Solange der Konventions-
staat Massnahmen ergreift, um die Umsetzung der Suiziddrohung zu ver-
hindern, vermag die Ausschaffung nicht gegen Art. 3 EMRK zu verstossen
(vgl. den Unzulässigkeitsentscheid des EGMR vom 7. Oktober 2004 i.S. D.
und andere gegen Deutschland, Nr. 33743/03, angeführt in Entscheidun-
gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 2005 Nr. 23 E. 5.1 S. 212). Auch gemäss konstanter Praxis des
Bundesverwaltungsgerichts steht Suizidalität einem Vollzug der Wegwei-
sung nicht entgegen, solange konkrete Massnahmen zur Verhütung der
Umsetzung getroffen werden, was vorliegend gemäss dem auf Beschwer-
deebene eingereichten Arztbrief offensichtlich geschieht (vgl. statt vieler
das Urteil des BVGer D-2644/2021 vom 28. Januar 2022 E. 7.3.4.6, vgl.
auch die Rechtsprechung des Bundesgerichts: Urteil des BGer
2C_856/2015 vom 10. Oktober 2015 E. 3 m.w.H., BGE 139 II 393 E. 5.2.2).
Allenfalls weiterhin bestehenden oder sich gar akzentuierenden suizidalen
Tendenzen ist im Hinblick auf einen zwangsweisen Wegweisungsvollzug
durch geeignete medizinische Massnahmen und Betreuung entgegenzu-
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wirken. Eine sorgfältige Vorbereitung der Rückkehr des Beschwerdefüh-
rers in den Drittstaat Griechenland – allenfalls mit den ihn behandelnden
Fachpersonen – wird es ihm ermöglichen, die hinsichtlich seiner Gesund-
heitsprobleme allenfalls benötigte ärztliche Versorgung zu organisieren
respektive einzufordern.
6.4.5 Sodann ist die Wegweisung des Beschwerdeführers auch weiterhin
zumutbar. Es trifft zwar zu, dass sowohl Asylsuchende als auch anerkannte
Flüchtlinge und Personen mit subsidiärem Schutzstatus in Griechenland
schlechten Bedingungen ausgesetzt sein können. Griechenland ist aber,
wie erwähnt, an die Qualifikationsrichtlinie gebunden. Es ist durchaus mög-
lich, dass dem Beschwerdeführer der Zugang zu innerstaatlichen Instan-
zen nicht mühelos alleine gelingt. Aber auch in Griechenland existieren
Nichtregierungsorganisationen, die ihm in dieser Hinsicht behilflich sein
können. Bei einer Rückkehr nach Griechenland kann er sich um Zugang in
ein Unterstützungsprogramm bemühen (vgl. Urteil des BVGer
E-1002/2022 vom 7. Juli 2022 E. 6.6.1).
In Bezug auf den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ist festzu-
stellen, dass gemäss konstanter Praxis aus medizinischen Gründen nur
dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu schliessen ist,
wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Zielstaat nicht zur Ver-
fügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden
Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes der betroffenen Person füh-
ren würde. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende medi-
zinische Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer men-
schenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jeden-
falls noch nicht vor, wenn im Zielstaat eine nicht dem schweizerischen
Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE
2011/50 E. 8.3, 2009/52 E. 10.1, 2009/51 E. 5.5, 2009/28 E. 9.3.1, 2009/2
E. 9.3.2).
Die psychischen Leiden des Beschwerdeführers (vgl. hierzu E. 6.4.3) sind
zwar nicht zu unterschätzen. Entgegen der Auffassung in der Beschwerde
sind sie aber nicht als eine schwerwiegende Erkrankung im Sinne des Re-
ferenzurteils E-3427/2021, E-3431/2021 einzustufen. Beim Beschwerde-
führer handelt es sich somit nicht um eine besonders vulnerable Person,
für die sich der Wegweisungsvollzug grundsätzlich als unzumutbar erwei-
sen würde. Bei dieser Sachlage besteht denn auch kein Anlass zur Einho-
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lung individueller Garantien betreffend adäquate Unterbringung und medi-
zinische Betreuung (vgl. statt vieler Urteil des BVGer E-319/2021 vom
27. Januar 2021 E. 5.5).
Zudem stehen dem Beschwerdeführer als Begünstigter subsidiären Schut-
zes in Griechenland die Rechte aus der Richtlinie 2011/95/EU (Qualifikati-
onsrichtlinie) zu. Gemäss Art. 30 dieser Richtlinie haben die Mitgliedstaa-
ten dafür zu sorgen, dass Personen, denen internationaler Schutz zuer-
kannt worden ist, Zugang zu medizinischer Versorgung erhalten. Es ist
nicht ersichtlich, inwiefern es dem Beschwerdeführer konkret nicht möglich
sein sollte, eine griechische Sozialversicherungsnummer (sog. AMKA-
Nummer) zu beantragen, die Zugang zum griechischen Gesundheits- und
Versicherungswesen gewährt. Entsprechendes wird auch nicht geltend ge-
macht. Vielmehr führte der Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfah-
ren aus, hinsichtlich seiner psychischen Probleme in Griechenland bereits
Zugang zu psychotherapeutischer Behandlung gehabt zu haben. Er hat
diese Behandlung einzig aus eigenem Entschluss abgebrochen. Im Übri-
gen ist festzuhalten, dass in lebensbedrohlichen Situationen alle Personen,
unabhängig von ihrem rechtlichen Status, in Griechenland Zugang zu Not-
fallstationen haben (vgl. zit. Referenzurteil E. 9.8.2).
6.4.6 Dass ein unausweichlich bevorstehender Wegweisungsvollzug bei
den damit konfrontierten ausländischen Personen zu einer nicht unerheb-
lichen psychischen Belastung führt, ist nachvollziehbar. Vorliegend könnte
für die Zeit vor und während der Rückreise nach Griechenland einer allfäl-
ligen zeitweiligen Verschlechterung des psychischen Zustandes des Be-
schwerdeführers medikamentös und mit einer persönlichen Betreuung be-
gegnet werden. Die mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragten schwei-
zerischen Behörden werden sodann die griechischen Behörden vor der
Durchführung der Wegweisung über die besonderen medizinischen Be-
dürfnisse des Beschwerdeführers zu informieren und diesen Umständen
bei der Bestimmung geeigneter Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen
haben. Der Beschwerdeführer ist seinerseits gehalten, bei der Vorberei-
tung seiner Rückkehr mit den Vollzugsbehörden zu kooperieren. Es steht
ihm zudem frei, von den Möglichkeiten der Rückkehrhilfe Gebrauch zu ma-
chen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der der Asylverordnung 2
vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]).
6.4.7 Aufgrund der Aktenlage ist somit nicht davon auszugehen, der Be-
schwerdeführer gerate bei einer Rückkehr nach Griechenland in eine seine
Existenz gefährdende Situation. Zur Vermeidung von Wiederholungen
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kann im Übrigen auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen
Verfügung verwiesen werden.
6.5 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass auch die nach Einschätzung
des Gerichts in der Schweiz deutlich besseren Lebensumstände für
schutzberechtigte Personen für die Bejahung von Wegweisungsvollzugs-
hindernissen nicht ausreichen. Insbesondere steht es den um Schutz er-
suchenden Personen nicht frei, ihren Aufenthaltsstaat selbst zu wählen.
6.6 Zusammenfassend kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass der Wegweisungsvollzug nach Griechenland zulässig, zu-
mutbar und möglich (die griechischen Behörden haben der Rücküber-
nahme ausdrücklich zugestimmt) ist, weshalb die Anordnung der vorläufi-
gen Aufnahme ausser Betracht fällt (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). Das Eventual-
begehren ist abzuweisen.
7.
Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz zu Recht das Vorliegen einer wie-
dererwägungsrechtlich relevanten Veränderung der Aktenlage verneint.
Die Beschwerde ist abzuweisen.
Damit ist der Antrag betreffend superprovisorische Massnahme mit ent-
sprechender Anweisung an die Vollzugsbehörden und Erteilung der auf-
schiebenden Wirkung der Beschwerde gegenstandslos geworden.
8.
Aufgrund der Aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren sind die Gesuche um
unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung abzuweisen.
Die Kosten von Fr. 1‘500.– sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen
(Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 und Art. 68 Abs. 2 VwVG; Art. 1–3 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch
um Befreiung von der Vorschusspflicht ist mit dem Entscheid in der Sache
gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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