Decision ID: b82efa52-ec97-4ef8-a0d0-2d2587c2184a
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war als Produktionsmitarbeiter bei der B._ AG
angestellt und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva)
unfallversichert, als er sich am 8. November 2012 anlässlich eines Berufsunfalls am
linken Knie verletzte (Suva-act. 1). Am 21. Dezember 2012 wurde er bei der Diagnose
einer vorderen Kreuzbandruptur links erstmals am Knie operiert (Suva-act. 23). Die
Suva anerkannte ihre Leistungspflicht, erbrachte Taggeldleistungen und kam für die
Kosten der Heilbehandlung auf (Suva-act. 27). Nach einer offenbar im Januar 2013
erfolgten Rückkehr an den Arbeitsplatz mit vollem Arbeitspensum (vgl. Suva-act. 30 f.)
liess der Versicherte der Suva am 9. August 2013 einen Rückfall zum Ereignis vom 8.
November 2012 melden (Suva-act. 32), für den diese ihre Leistungspflicht wiederum
anerkannte (Suva-act. 49). Aufgrund einer beim Versicherten diagnostizierten
komplexen Kniegelenksinstabilität links kam es am 6. Mai 2014 zu einer erneuten
Knieoperation (Suva-act. 107). Ein weiterer operativer Eingriff mit
Osteosynthesematerialentferung, diagnostischer Arthroskopie, arthroskopisch
assistierter Revisionsplastik des vorderen Kreuzbandes und medialer Seitenbandplastik
folgte am 16. April 2015 (Suva-act. 179). Vom 16. bis 24. September 2015 war der
Versicherte zur stationären Rehabilitation in der Rehaklinik Z._. Im Austrittsbericht
vom 29. September 2015 hielten die behandelnden Ärzte fest, die bisherige Tätigkeit
A.a.
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sei dem Versicherten aufgrund zu hoher Anforderungen nicht mehr zumutbar. Eine
leichte, seinen Einschränkungen angepasste Tätigkeit sei ihm jedoch ganztags
zumutbar. Von der Fortsetzung der Behandlung könne keine namhafte Besserung mehr
erwartet werden (Suva-act. 222). Nach einer kreisärztlichen Untersuchung vom 15.
Dezember 2015 (vgl. Suva-act. 242 f.) stellte die Suva mit Schreiben vom 5. Januar
2016 die Übernahme der Heilkosten und die Taggeldleistungen – mit Ausnahme zweier
Serien Physiotherapie pro Jahr – per 31. Januar 2016 ein, da von der Fortsetzung der
medizinischen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes
mehr zu erwarten sei (Suva-act. 251). Mit Verfügung vom 15. Januar 2016 sprach sie
dem Versicherten ab dem 1. Februar 2016 bei einem Invaliditätsgrad von 16 % eine
Invalidenrente in der Höhe von monatlich Fr. 786.10 und bei einer Integritätseinbusse
von 15 % (vgl. dazu die kreisärztliche Beurteilung des Integritätsschadens vom 15.
Dezember 2015; Suva-act. 246-4 f.) eine Integritätsentschädigung von Fr. 18'900.-- zu
(Suva-act. 255).
Gegen diese Verfügung liess der anwaltlich vertretene Versicherte am 17. Februar
2016 Einsprache erheben, mit welcher er die Zusprache einer höheren Invalidenrente
sowie einer höheren Integritätsentschädigung beantragte (Suva-act. 260).
A.b.
Am 31. März 2016 liess der Versicherte der Suva durch die Arbeitslosenkasse ein
neues Unfallereignis vom 22. Februar 2016 melden, bei dem er vorwärts gefallen und
dabei seine Bänder am Fussgelenk gerissen habe. Am 15. April 2016 anerkannte die
Suva ihre Leistungspflicht für die Folgen des Schadenfalls vom 22. Februar 2016 (vgl.
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 14. September 2020,
UV 2019/20, Sachverhalt B.b; Suva-act. 316). Mit einem Schreiben vom 22. April 2016
machte die damalige Rechtsvertreterin einen Einfluss des Unfallereignisses vom 22.
Februar 2016 auf die Arbeitsfähigkeit geltend (Suva-act. 275). Nach der Einholung einer
kreisärztlichen Aktenbeurteilung informierte die Suva den Versicherten in einer
Mitteilung vom 3. August 2016 darüber, dass weitere Behandlungsmassnahmen
gemäss dem medizinischen Dienst nicht mehr zu einer namhaften Verbesserung des
Gesundheitszustandes führen könnten. Daher würden die Versicherungsleistungen per
31. August 2016 eingestellt. Im Rahmen der Rente werde per 1. September 2016 von
einer vollen Erwerbsfähigkeit ausgegangen. Zumutbar seien Tätigkeiten gemäss der
Verfügung vom 15. Januar 2016 (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des
A.c.
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Kantons St. Gallen vom 14. September 2020, UV 2019/20, Sachverhalt B.b; Suva-
act. 316).
Mit Einspracheentscheid vom 25. Januar 2019 wies die Suva die Einsprache des
Versicherten vom 17. Februar 2016 gegen die Verfügung vom 15. Januar 2016 ab
(Suva-act. 300).
A.d.
Eine gegen diesen Einspracheentscheid, der auch die Auswirkungen des
Unfallereignisses vom 22. Februar 2016 zum Gegenstand hatte, am 25. Februar 2019
erhobene Beschwerde (vgl. Suva-act. 305) hiess das Versicherungsgericht mit
Entscheid vom 14. September 2020 teilweise gut. Es hob den angefochtenen
Einspracheentscheid auf und wies die Streitsache zu ergänzenden medizinischen
Abklärungen und anschliessend neuer Verfügung über die Ansprüche auf Rente und
Integritätsentschädigung für die Folgen der Unfälle vom 8. November 2012 und 22.
Februar 2016 an die Beschwerdegegnerin zurück (Suva-act. 316).
A.e.
Am 9. Oktober 2020 ersuchte die Klinik C._ die Suva um Kostengutsprache für
eine aufgrund einer posttraumatischen Gonarthrose Kniegelenk links am 3. September
2020 durchgeführte Kniegelenksarthroskopie (Suva-act. 317; zum Operationsbericht
und Austrittsbericht vgl. Suva-act. 322 und 325).
A.f.
Mit Schreiben vom 11. Januar 2021 informierte die Suva den Versicherten
darüber, dass sie aufgrund des Rückweisungsentscheides des Versicherungsgerichtes
die Rentenfrage per 1. September 2016 unter Berücksichtigung der beiden Unfälle vom
8. November 2012 und 22. Februar 2016 nochmals prüfen werde und für den Zeitraum
vom 1. Februar bis 31. August 2016 rückwirkend Taggeldleistungen für beide Unfälle
erbringe (Suva-act. 330).
A.g.
In einer kreisärztlichen Aktenbeurteilung vom 5. Februar 2021 nahm Dr. med.
D._, Facharzt für Chirurgie, speziell Allgemeinchirurgie und Traumatologie, zu
verschiedenen von der Suva gestellten Fragen Stellung (Suva-act. 345).
A.h.
Am 12. Februar 2021 erteilte die Suva Kostengutsprache für die Spitalbehandlung
vom 3. September 2020 (Suva-act. 349).
A.i.
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Mit Verfügung vom 17. Februar 2021 lehnte die IV-Stelle aufgrund eines bei der
MEDAS eingeholten polydisziplinären (orthopädischen, allgemein-internistischen,
psychiatrischen und neuropsychologischen) Gutachtens vom 28. Januar 2020 (Suva-
act. 313) einen Anspruch auf eine Invalidenrente ab (Suva-act. 352; zum Vorbescheid
vgl. Suva-act. 314).
A.j.
Mit Schreiben vom 9. März 2021 anerkannte die Suva gegenüber dem
Versicherten ihre Leistungspflicht für die Folgen des Rückfalls vom 21. Juli 2020 zum
Unfall vom 8. November 2012 (vgl. Suva-act. 357; zur am 16. April 2021 erfassten
Rückfallmeldung vgl. Suva-act. 348 und 374 [act. 374 ist vor Suva-act. 319
eingeheftet]; zur aufgrund des Rückfalls erteilten Kostengutsprache für die
Spitalbehandlung vom 3. September 2020 vgl. oben A.i).
A.k.
Am 11. März 2021 berichtete Dr. med. E._, Facharzt Orthopädie / Traumatologie,
F._ AG, über die postoperative Untersuchung vom 23. November 2020. Er erklärte,
dass der Versicherte von der partiellen Kniegelenksstabilisierung nicht habe profitieren
können. Eine nochmalige Stabilisierung sei bei bereits mässigen Chondropathien und
diversen Voroperationen nicht mehr sinnvoll, sodass er dem Versicherten trotz jungen
Alters eine Rotating-hinge-Totalendoprothese im Sinne einer primären
Revisionsarthroplastik anbieten könne. Der Versicherte wolle den Verlauf noch
abwarten und die Therapieoption überdenken. Ein halbes Jahr postoperativ werde
nochmals eine Kontrolle durchgeführt (Suva-act. 366; vgl. ferner Suva-act. 365).
A.l.
Mit Verfügung vom 19. März 2021 sprach die Suva dem Versicherten ab dem 1.
September 2016 eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 16 %
sowie eine Integritätsentschädigung für eine Integritätseinbusse von 15 % zu (Suva-
act. 371).
A.m.
Mit Schreiben vom 16. April 2021 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass er für
den Rückfall vom 21. Juli 2020 zum Unfall vom 8. November 2012 keinen Anspruch auf
Taggeldleistungen habe, da er im Zeitpunkt des Rückfalls keiner Erwerbstätigkeit
nachgegangen sei (vgl. Suva-act. 378; vgl. ferner Suva-act. 363 und 377).
A.n.
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B.
C.
Gegen die Verfügung vom 19. März 2021 erhob der anwaltlich vertretene
Versicherte am 22. April 2021 Einsprache (Suva-act. 380).
B.a.
Am 26. April 2021 berichtete Dr. E._ darüber, dass der Versicherte den
endoprothetischen Kniegelenksersatz aktuell nicht wünsche, die Situation jedoch
überdenken werde. Abhängig von der Entscheidung des Versicherten werde aufgrund
der hochgradigen Instabilität eine aktenkonsiliarische Zweitmeinung eingeholt. Sollte
sich der Versicherte gegen eine Operation entscheiden, könnte als Interimslösung eine
angepasste Orthese diskutiert werden, welche die Kniegelenkssituation extern partiell
stabilisieren könne, aber wahrscheinlich keine Auswirkung auf die Schmerzsituation
habe (Suva-act. 384).
B.b.
Mit Einspracheentscheid vom 29. April 2021 wies die Suva die Einsprache des
Versicherten ab (Suva-act. 390).
B.c.
In einer kreisärztlichen Stellungnahme vom 1. Juni 2021 hielt Dr. D._ fest, dass
die Vornahme eines Fallabschlusses betreffend Rückfall noch zu früh sei, nachdem die
letzte Operation am 3. September 2020 erfolgt sei. Er empfehle, die Verlaufskontrolle
abzuwarten. Sollte sich der Versicherte erneut gegen eine Operation entscheiden,
könne der Fall noch immer abgeschlossen werden. Aufgrund der Gonarthrose werde
es früher oder später zu einer Knietotalendprothese kommen (Suva-act. 393).
B.d.
Am 21. Juni 2021 erhob der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer),
vertreten durch Rechtsanwalt M. Loher, Zürich, gegen den Einspracheentscheid vom
29. April 2021 Beschwerde. Er beantragte, der angefochtene Einspracheentscheid sei
aufzuheben und die Sache sei mittels Gutachtens weiter abzuklären; alsdann sei neu
über die Rente und Integritätsentschädigung zu urteilen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin). Weiter
beantragte er die Gewährung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes (act. G 1).
C.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 20. Juli 2021 beantragte die durch Rechtsanwalt
C. Leupi, Luzern, vertretene Beschwerdegegnerin, die Beschwerde vom 21. Juni 2021
C.b.
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Considerations:
Erwägungen
1.
sei vollumfänglich abzuweisen, der Einspracheentscheid vom 29. April 2021 sei zu
bestätigen und die Kosten seien bei Kostenlosigkeit des Verfahrens wettzuschlagen
(act. G 3).
Am 22. Juli 2021 entsprach die verfahrensleitende Richterin dem Gesuch um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Verfahren vor Versicherungsgericht (act.
G 4).
C.c.
In seiner Replik vom 25. Oktober 2021 hielt der Beschwerdeführer an den in der
Beschwerde gestellten Rechtsbegehren fest (act. G 10).
C.d.
In ihrer Duplik vom 10. Januar 2022 erneuerte die Beschwerdegegnerin ihren
Antrag auf Abweisung der Beschwerde (act. G 14).
C.e.
Anfechtungsgegenstand in diesem Beschwerdeverfahren bildet der
Einspracheentscheid vom 29. April 2021 (Suva-act. 390), dem die Verfügung vom 19.
März 2021 zu Grunde liegt (Suva-act. 371). In dieser Verfügung hat die
Beschwerdegegnerin die Ansprüche des Beschwerdeführers auf Rente und
Integritätsentschädigung für die Unfälle vom 8. November 2012 und 22. Februar 2016
aufgrund des Rückweisungsentscheides des Versicherungsgerichtes vom 14.
September 2020 (Suva-act. 316) neu geregelt.
1.1.
Die Beschwerdegegnerin hat sich bei der Festsetzung des Rentenanspruchs sowie
des Anspruchs auf Integritätsentschädigung im Wesentlichen auf die nach der
Rückweisung eingeholte kreisärztliche Aktenbeurteilung von Dr. D._ vom 5. Februar
2021 gestützt (Suva-act. 345), wonach dem Versicherten im Zeitpunkt des Beginns des
Rentenanspruchs vom 1. September 2016 optimal angepasste Tätigkeiten zu 100 %
zumutbar gewesen seien und der Integritätsschaden aufgrund der Situation am linken
Knie damals 15 % betragen habe, während die Situation am rechten Fuss die
Erheblichkeitsgrenze für eine Integritätsentschädigung nicht erreicht habe. Die
Beschwerdegegnerin hat Dr. D._ explizit nach der Gesundheitssituation im Zeitpunkt
vom 1. September 2016 befragt (vgl. Suva-act. 345-1 f.) und diese dem angefochtenen
Einspracheentscheid zu Grunde gelegt (vgl. Suva-act. 390-3). Die Beschwerdegegnerin
stellt sich auf den Standpunkt, dass für die im Einspracheentscheid vorgenommene
1.2.
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Prüfung des Rentenanspruchs nur der Gesundheitszustand, wie er sich bis zum Beginn
des Rentenanspruchs vom 1. September 2016 eingestellt habe, relevant sein könne
bzw. höchstens noch die gesundheitliche Situation, wie sie sich bis zum Erlass des
ersten Einspracheentscheides vom Januar 2019, der durch das Versicherungsgericht
aufgehoben worden sei, entwickelt habe. Der weitere gesundheitliche Verlauf sei nicht
beachtlich (vgl. act. G 3 S. 4 Ziff. 21).
Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer mit Hinweis auf einen
bundesgerichtlichen Entscheid aus dem Bereich der Invalidenversicherung auf den
Standpunkt, dass die Beschwerdegegnerin bei der erstmaligen rückwirkenden
Festsetzung der Invalidenrente die bereits in diesem Zeitpunkt eingetretenen
Tatsachenänderungen, die zu einer Erhöhung, Herabsetzung oder Aufhebung des
Anspruchs führen könnten, Rechnung zu tragen gehabt hätte. Er beanstandet mit
anderen Worten, dass die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt, wie er sich nach dem
1. September 2016 zugetragen hat, nicht in die Beurteilung des Rentenanspruchs
miteinbezogen hat (Suva-act. 380-2).
1.3.
Zwar ist es richtig, dass für die Festsetzung der Höhe des Rentenanspruchs
grundsätzlich auf die Verhältnisse im Zeitpunkt des Beginns des Rentenanspruchs
abzustellen ist (vgl. BGE 129 V 222). Dies ändert aber nichts daran, dass die nach dem
Beginn des Rentenanspruchs eingetretenen gesundheitlichen Veränderungen bei der
erstmaligen Rentenzusprache zu berücksichtigen sind, was unter Umständen zu einem
abgestuften Rentenanspruch führt (vgl. BGE 129 V 222; Urteil des Bundesgerichts vom
22. Januar 2020, 8C_759/2019, E. 2.2). Gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung ist nämlich grundsätzlich derjenige Sachverhalt zu berücksichtigen,
wie er sich bis zum Erlass des Einspracheentscheides ereignet hat (BGE 142 V 341 E.
3.2.2). Dass nicht nur die gesundheitlichen Verhältnisse zu Beginn des
Rentenanspruchs massgebend sind, sondern es die gesamte Entwicklung bis zum
Zeitpunkt des Entscheides über den Rentenanspruch zu berücksichtigen gilt, ergibt
sich im Übrigen auch aus der dem Einspracheentscheid zu Grunde liegenden
Verfügung vom 19. März 2021. In dieser ist nämlich folgendes zu lesen: "Die Rente
berücksichtigt die Verhältnisse im heutigen Zeitpunkt. Tritt eine erhebliche Veränderung
des unfallbedingten bzw. berufskrankheitsbedingten Gesundheitszustandes oder der
wirtschaftlichen Auswirkungen ein, wird sie bis zum AHV-Alter jederzeit revidiert" (vgl.
Suva-act. 371-4). Folglich hat die Beschwerdegegnerin die gesundheitliche
Entwicklung, wie sie sich nach dem 1. September 2016 bis zum Erlass des
Einspracheentscheides zugetragen hat, zu Unrecht ausser Acht gelassen.
1.4.
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Dr. D._ hat in seiner Beurteilung vom 5. Februar 2021 die Frage, ob die als
Rückfall geltend gemachten Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf
das Ereignis vom 8. November 2012 zurückzuführen seien, bejaht. Auch hat er
bestätigt, dass seit dem letzten Fallabschluss per 1. September 2016 eine
unfallbedingte objektivierbare Verschlimmerung eingetreten sei und er hat den am 3.
September 2020 operierten Schaden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als
unfallbedingt eingestuft (vgl. Suva-act. 345). In der Folge hat die Beschwerdegegnerin
einen "Rückfall" anerkannt (Suva-act. 357) und ist für die Kosten der Operation vom 3.
September 2020 aufgekommen (vgl. Suva-act. 349). Wie aus weiteren Arztberichten
erhellt (vgl. z.B. Suva-act. 365 f., 384 und 393), steht zwischenzeitlich eine weitere
Operation bzw. gar eine Knietotalendoprothese zur Diskussion. Schliesslich ist Dr.
D._ in einer Aktenbeurteilung vom 1. Juni 2021 zum Schluss gekommen, dass ein
Abschluss des Rückfalls noch zu früh sei (vgl. Suva-act. 393). Nach dem Gesagten liegt
ein instabiler Gesundheitszustand vor, der keine abschliessende Beurteilung des
Rentenanspruchs bzw. der Abstufungen der Rentenansprüche zulässt (vgl. Art. 19 Abs.
1 UVG; zur Neufestsetzung des Rentenanspruchs nach einem Rückfall vgl. BGE 144 V
255 E. 6.4). Nachdem ohnehin weitere Abklärungen vorzunehmen sind, erübrigen sich
weitere Ausführungen zum Beweiswert einzelner medizinischer Aktenstücke wie der
kreisärztlichen Beurteilung vom 5. Februar 2021 (Suva-act. 345), die der
Beschwerdeführer als mangelhaft kritisiert hat (vgl. act. G 1).
1.5.
Zusammenfassend ist der angefochtene Einspracheentscheid in Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes (vgl. Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 832.20]) ergangen. Er ist
deshalb aufzuheben und an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung sowie –
nach Erreichen eines genügend stabilen Zustandes – zur neuen Prüfung des
Rentenanspruchs (inklusive allfälliger Rentenabstufungen) bezüglich der Unfälle vom 8.
November 2012 und 22. Februar 2016 bzw. der entsprechenden Rückfälle
zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin wird dabei nicht nur den Sachverhalt
abzuklären und zu berücksichtigen haben, wie er sich bis zum 29. April 2021 ereignet
hat, sondern auch denjenigen, wie er sich bis zum Erlass der neuen Verfügung bzw.
des neuen Einspracheentscheides einstellt. Da die Integritätsentschädigung zusammen
mit der Invalidenrente festzusetzen ist, wird die Beschwerdegegnerin auch den
Anspruch auf Integritätsentschädigung neu prüfen müssen (vgl. dazu Art. 24 Abs. 2
ATSG).
1.6.
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2.