Decision ID: 76d1115b-4d0f-43a7-8aa2-0e6577e173e5
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der im Jahre 1969 geborene
X._
besuchte im Kosovo die Primarschule sowie das Gymnasium; er verfügt über keine berufliche Ausbildung (Urk.
11
/4). 1993 reiste er als Flüchtling in die Schweiz ein und war in der Folge im Gartenbau erwerbstätig, bis er diese Tätigkeit Ende 1998 infolge Rückenbeschwerden aufge
ben musste (Urk.
11
/9 S. 3, Urk.
11
/6). Ab 2004 übte er leichtere Hilfsarbeiter
tätigkeiten aus, wobei aufgrund der
verabgabten
Einkommen auf ein Teilzeit
pensum geschlossen werden muss (Urk.
11
/6). Ab Mai 2008 war der Versicherte hauptsächlich im Bereich Elektro-Recycling für die Stadt
Y._
tätig (Support, Pensum 50 %, Bruttoeinkommen
Fr.
800.--
pro Monat, Urk.
11
/4 S. 4, Urk.
11
/6). Am 2
6.
Juli 2010 zog er sich bei einer Auffahrkollision eine HWS
Distorsion zu (Urk.
11/30/
133). Mit Verfügung vom 2
1.
Mai 2012 stellte die Suva die bisher erbrachten Versicherungsleistungen per 3
0.
April 2012 ein (Urk.
11/30/
5); auf die dagegen erhobene Einsprache trat sie mit
Einspracheentscheid
vom
9.
August 2012 mangels Rechtzeitigkeit nicht ein (Urk.
11/5/
6)
.
1.2
Aufgrund seit vier Jahren bestehender multipler Beschwerden meldete sich der Versicherte am 1
4.
November 2014 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk.
11
/4 S. 5 f.). Nach erfolgten Abklärungen stellte diese mit Vorbescheid vom 2
7.
April 2015 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk.
11/32
). Mit Mitteilung vom 1
5.
September 2015 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten Kosten
gutsprache für orthopädische Serienschuhe (Urk.
11/52
). In Bestätigung des ergangenen Vor
bescheids verneint
e
sie in der Folge mit Verfügung vom 2
0.
November 2015 einen Anspruch auf Rentenleistungen oder berufliche Massnahmen (Urk.
11/54
).
Der Arbeitsintegrationsversuch im Bereich Elektro-Recycling wurde aufgrund der zahlreichen krankheitsbedingten Absenzen per 3
1.
Juli 2016 beendet (
Urk.
11/85). Die
gegen
die Verfügung vom 2
0.
November 2015
erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 2
8.
März 2017 in dem Sinne gut, dass es die Sache zur polydisziplinären Abklärung des Versicherten an die IV-Stelle zurückwies (
Urk.
11/65).
1.3
Diese holte in der Folge aktuelle medizinische Berichte bei den behandelnden Ärzten ein und klärte die berufliche Situation ab; das polydisziplinäre Gutachten datiert vom
8.
Oktober 2018 (
Z._
-Gutachten;
Urk.
11/95).
Mit Vorbescheid vom 2
5.
Oktober 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
11/98). In der Zeit vom 2
6.
Januar bis 2.
Februar 2019 war der Versicherte im Universitätsspital
A._
(Medizin
bereich Abdomen-Stoffwechsel) hospitalisiert (
Urk.
11/112). In der Folge veran
lasste die
IV-Stelle bei der
Z._
eine Zusatzbegutachtung in
nephrologischer
und psychiatrischer Hinsicht, die ergänzende interdisziplinäre Gesamtbeurteilung datiert vom 1
9.
Dezember 2019 (
Urk.
11/127). Mit Verfügung vom 1
9.
Mai 2020 verneint
e
die IV-Stelle einen A
nspruch auf IV-Leistungen (Urk.
11/140 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter
des Versicherten am
1
8.
Juni 2020
Beschwerde und beantragte, es sei
die angefochtene Verfügung aufzuheben und dem Beschwerde
führer eine Invalidenrente auszurichten; eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zu weiteren Abklärungen zurückzuweisen. Weiter sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen und dem Beschwerdeführer im Falle
des
Unterliegens die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung zu gewähren; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Verwal
tung (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
August 2020 beantragte die Beschwerde
gegnerin unter Hinweis auf die Verfahrensakten die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
1.
August 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215
E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenen
falls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und dem
nach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurtei
lung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweis
wertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folge
rungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die ange
fochtene Verfügung damit, dass
gestützt auf die Begutachtungen bei der
Z._
von einer vollständigen Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen sei. Eine Invalidität im Sinne des Gesetzes bestehe dabei nicht, was zur Abweisung des Rentenbegehrens führe (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter des Beschwerdeführers im Wesentlichen gel
tend, dass sein Mandant insbesondere an psychischen Beschwerden sowie an einem
capillary
leak
syndrome
leide (
Urk.
1 S. 3).
Das
nephrologische
Teilgutach
ten äussere sich zum
capillary
leak
syndrome
nicht abschliessend, vielmehr sei für eine genügende Beurteilung die genetische Testung am
A._
abzuwarten.
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Innere Medizin, weise denn auch auf die per
manent bestehenden Muskelschmerzen hin; zudem biete die Abklärungsstelle
Z._
ohnehin keine ausreichende Gewä
hr für eine genügende Abklärung und
Dr.
med.
C._
sei als Fachperson nicht SIM
zertifiziert
(S. 5
, S. 7
).
Zu keinem abschliessenden Ergebnis führe auch die psychiatrische Begutachtung. So sei die behandelnde Psychiaterin nicht angefragt worden, was nachzuholen sei. Der Gut
achter habe es unterlassen
,
sich im Hinblick auf das Krankheitsbild über den
Behandlungsabbruch zu erkundigen
(
S. 6). Generell sei das Gutachten nicht schlüssig und die Exploration mit 1.5 Stu
nden äusserst knapp ausgefallen. Dass die
Z._
den hohen Anforderungen an die Beweiskraft einer medizinischen Expertise nicht zu genügen vermöge, zeige auch ein Urteil des St. Galler Versi
cherungsgerichts vom
5.
September 2019
(S. 7).
3.
3.1
Die für das
Z._
-Gutachten vom
8.
Oktober 2018 verantwortlichen Fachärzte (Innere Medizin, Neurologie, Rheumatologie) gingen von den folgenden Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aus (
Urk.
11/95/10):
-
OSG-Arthrose beidseits
-
MT 1-Arthrose rechts
stärker als links, stationärer Z
ustand
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit würden die folgenden Diagnosen bestehen:
-
Anamnestisch rezidivierende Lumbalgien
-
Lichen
ruber
planus
-
Status nach Tinnitus
aureus
beidseits
-
Status nach klinisch-segmentaler Lungenembolie Oberlappen links 04/2017
-
Adipositas Grad II
-
Arterielle Hypertonie, unter Medikation
normoton
-
Nikotinkonsum
-
Aktenkundig HWS-Distorsion am 2
6.
Juli 2010 ohne äussere u
nd innere V
erletzungsfolgen, insbesondere auch nicht auf neurologischem Gebiet
Die Arthrose im Bereich des Sprunggelenks bedinge eine reduzierte Belastbarkeit hinsichtlich körperlich schwerer Arbeiten (
Urk.
11/95/10). Vor allem in der rheumatologischen Untersuchung hätten sich erhebliche Inkonsistenzen bezüg
lich der Schmerzbeeinträchtigung und Bewegungseinschränkung gezeigt. In einer angepassten Tätigkeit sei aus Sicht aller untersuchten Fachgebiete von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen
. Zur Stabilisierung der jetzigen Arbeits
fähigkeit sei eine Gewichtsreduktion zu empfehlen; weiter sei eine Revision der Opioid-Medikation anzuraten, da eine schlüssige und konsistente somatische Genese der reklamierten Schmerzen nicht zu belegen sei und auch aktenkundig nicht schlüssig beschrieben und belegt sei (
Urk.
11/95/11).
3.2
Die für den Austrittsbericht des
A._
(Medizinbereich Abdomen-Stoffwechsel) vom 2
8.
Januar 2019 verantwortlichen Fachärzte stellten die folgenden Diagno
sen (
Urk.
11/112 S. 1 f.):
-
Hochgradiger Verdacht auf intermittierendes idiopathisches systemisches
capillary
leak
syndrome
EM 2010
-
Glomerulopathie
unklarer Ätiologie
-
Polyglobulie
-
Metabolisches Syndrom
-
Rezidivierende Kopfschmerzen und Myalgien
-
Lichen
ruber
planus
-
Intermittierendes
lumbovertebrales
und
thorakovertebrales
Schmerz
syndrom, EM seit 2000
-
Langjähriger Nikotinkonsum
-
Kein Nachweis einer hereditären und erworbenen
Thrombophilie
Die stationäre Aufnahme sei nach notfallmässiger Selbstvorstellung bei diffusen Myalgien erfolgt. Aufgrund des initial dunklen Urins hätten sie eine unzu
reichende Flüssigkeitsaufnahme im Vorfeld vermutet. Differentialdiagnost
i
sch hätten sie ursächlich an ein
capillary
leak
syndrome
oder ein CPT II Defizit
gedacht. Nach Etablierung einer Volumentherapie zum Ausschwemmen der
Kreatininkinase
und im Verlauf bei progredienter Gewichtszunahme unter
Lasix
seien die muskulären Schmerzen deutlich
regredient
gewesen, sodass der Beschwerdeführer nach Gewichtsreduktion unter Diuretika ins häusliche Umfeld habe entlassen werden können (
Urk.
11/112 S. 2).
3.3
Die für das
bidisziplinäre
Gutachten vom 1
9.
Dezember 2019 verantwortlichen Fachärzte konnten aus
nephrologischer
und psychiatrischer Sicht mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit keine Diagnose feststellen. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei von den folgenden Diagnosen auszugehen (
Urk.
11/127/42
-43
):
-
Chronische Niereninsuffizienz im Stadium G1A3
, Ätiologie unklar (Her
leitung: hiesiges Labor)
-
Arterielle Hypertonie (Herleitung: anamnestisch und aufgrund eigener Messung)
-
Adipositas Grad II nach WHO (Herleitung: Anamnestisch und aufgrund eigener Messung mit Waage)
-
Nikotinkonsum (Herleitung: Fragebogen und Anamnese)
-
Status nach
Rhabdomyolyse
nach viralem Infekt 04/2017 (Herleitung Anamnese)
Für eine Persönlichkeitsstörung würde kein Anhalt bestehen, da die ICD
10
Achsen
kriterien einer in Kindheit und Jugend einsetzenden, psychischen und das Verhalten schwerwiegend störenden Auffälligkeit fehle.
Soziale oder familiäre Belastungsfaktoren mit funktioneller Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit wür
den nicht vorliegen. Die Anamnese und die objektiven Befunde würden auf eine nicht namhaft limitierte Selbständigkeit, Selbstversorgungs
fähigkeit und soziale Aktivitätsfähigkeit hindeuten. Die vorgetragenen Beschwerden fänden zumindest hinsichtlich der reklamierten Ausprägung kein ausreichendes Befundkorrelat. In einer angepassten Tätigkeit sei sowohl aus
nephrologischer
wie auch psychiatri
scher Sicht von einer 100%igen Arbeits
fähigkeit auszugehen (
Urk.
11/127/43).
4.
4.1
Die
Z._
-Gutachten vom
8.
Oktober 2018 sowie 1
9.
Dezember 2019 legen den medizinischen Sachverhalt in einer schlüssigen und nachvollziehbaren Weise dar, insbesondere erfolgte auch im Rahmen der ergänzenden Begutachtung vom 1
9.
Dezember 2019 eine interdisziplinäre Gesamtbeurteilung (
Urk.
11/127/36). Hinzuweisen ist dabei insbesondere, dass den
von
Versicherung
strägern im Ver
fahren nach Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezialärzte (sogenannte Administrativ
gutachten) Beweiskraft zuzuerkennen
ist
, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise sprechen (BGE 135 V 465 E.
4.4; Urteil des Bun
desgerichts 9C_823/2018 vom
11. Juni 2019 E.
2 mit Hinweisen
).
Aus den Rügen des Vertreters des Beschwerdeführers bezüglich der Länge der psychiatrischen Untersuchung, der mangelnden SIM-Zertifizierung von PD
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin und Nephrologie, sowie der gene
rellen Unverwertbarkeit von Gutachten der
Z._
, kann demnach nicht auf eine ungenügende Begutachtung im konkreten Einzelfall geschlossen werden.
4.2
4.2.1
Hinsichtlich der konkreten Rügen ist anzumerken, dass
Dr.
C._
sich aus
drücklich zur Verdachtsdiagnose des
capillary
leak
syndrome
äussert. Aus
nephrologischer
Sicht bleibe die Ursache für die bestehende chronische Nieren
insuffizienz und für die rezidivierenden Episoden mit
Creatin
Kinase
Erhöhung und
Ödembildung
offen. Das sehr seltene idiopathische systemische
capillary
leak
syndrome
sei als Verdachtsdiagnose formuliert worden,
welche
anhand der vor
gelegten Befunde nicht
habe bestätigt werden können
. Sollten nachgehend neue Befunde, auch Ergebnisse einer Nierenbiopsie beigezogen werden, könnten diese gerne nochmals beurteilt werden (
Urk.
11/127/97). Vor diesem Hintergrund kann
Dr.
C._
nicht vorgeworfen werden, sich mit den medizinischen
Vorakten
nicht genügend auseinandergesetzt zu haben.
Hinzuweisen ist weiter, dass die diagnostische Einordnung für die Beurteilung des Leistungsanspruches in der Invalidenversicherung nicht massgebend ist, sondern allein deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urteil des Bundesgerichts 9C_786/2009 vom 24. Februar 2010 E. 4.2.3).
Die Einschätzung der Leistungsfähigkeit durch
Dr.
C._
erfolgte aber in Kenntnis des massgebenden Sachverhalts und ist demnach nicht zu beanstanden.
Anzufügen bleibt, dass die aktenkundigen funktionellen Ein
schränkungen der Einschätzung des
Dr.
C._
nicht entgegenstehen, sondern diese vielmehr zu seinem formulierten Ergebnis führten. So schlägt sich die chro
nische Niereninsuffizienz sowie die rezidivierenden Episoden mit
Creatinkinase
-Erhöhung nicht in einschneidenden Beschwerden nieder. Der Beschwerdeführer klagte über Schmerzen an verschiedenen Körperstellen (Zehengrundgelenke, Ferse, Augen, Rücken, Daumen, Handgelenk), ein Schweregefühl des ganzen Körpers,
Visusminderung
(
Urk.
11/127/76). Diese Beschwerden wurden vom Gut
achter als nicht
nephrologischen
Ursprungs taxiert, da keine einschlägigen Limi
tationen oder Funktionsstörungen erhoben werden konnten (
Urk.
11/127/94). In diesem Sinne ist das allfällige Vorliegen eines
capillary
leak
syndrome
nicht relevant, da es (einstweilen) keine einschneidenden klinisch
erhebbaren
Aus
wirkungen hat.
4.2.2
Weiter ist auch die Einschätzung der Sachlage im psychiatrischen Teilgutachten nicht zu beanstanden. So erfolgte diese in Kenntnis der Beurteilung der in der Zeit vom September 2018 bis März 2019 behandelnden Fachärztin (Urk. 11/127/101,
Urk.
11/127/145). Weiter war der Gutachter über den Abbruch der ambulanten Behandlung im Bilde (
Urk.
11/127/138,
Urk.
11/127/145), auch erfolgte eine Auseinandersetzung mit den von der behandelnden Fachärztin gestellten Diagnosen (
Urk.
11/127/147).
Bei unauffälligen Untersuchungs
be
funden ist das Verneinen einer psychiatrischen Diagnose zwanglos nachvoll
ziehbar. Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Rügen (
Urk.
1 S. 6 ff.) verfan
gen allesamt nicht. Für eine Rückfrage bei der behandelnden Psychiaterin bestand bei den
blanden
Befunden keine Veranlassung, zumal ihre Berichte vorlagen. Der Psychostatus wurde detailliert erhoben, welche Testverfahren angewendet werden, liegt im Ermessen des Gutachters. Angesichts der klaren Rechtsprechung ist auf die Untersuchungsdauer von eineinhalb Stunden nicht weiter einzugehen, zumal die Erhebungen ausführlich wiedergegeben wurden und eine eingehende Auseinandersetzung mit den
Vorakten
stattfand. Dass Gutachten der
Z._
nicht ausreichend Gewähr für eine medizinische Beurteilung bilden sollten, ist vorliegend nicht erkennbar. Im Gegenteil erscheinen die Schlussfolgerungen allesamt als begründet und nachvollziehbar.
4.3
Zusammenfassend kann auf die
Z._
-Gutachten vom
8.
Oktober 2018 sowie 1
9.
Dezember 2019 abgestellt werden. Unter Berücksichtigung, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Sprunggelenkbeschwerden keine schweren Arbeiten mehr verrichten kann (
Urk.
11/95/10) ist damit zumindest in einer behinderungsangepassten Tätigkeit von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszu
gehen.
5.
5.1
Aufgrund des beruflichen Werdegangs des Beschwerdeführers bietet der IK
Aus
zug keine verlässliche Grundlage für die Ermittlung des
Validenein
kommens
. Vielmehr erscheint es dabei
zugunsten des Beschwerdeführers ange
zeigt, sowohl das Validen- als auch da
s Invalideneinkommen anhand statistischer Durch
schnitts
werte zu ermitteln. Dabei kann rechnerisch ein Prozentvergleich erfolgen;
diesfalls
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berück
sichtigung eines (allfälligen) Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. etwa Bundes
gerichtsurteil 9C_532/2016 vom 25. November 2016 E. 3.1 mit Hinweis;
Meyer/
Reich
muth
,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl. 2014 N
35 f. zu Art. 28a).
5.2
Dabei drängt sich im vorliegenden Fall kein leidensbedingter Abzug auf. Auszu
gehen ist dabei zumindest in einer angepassten Tätigkeit von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit.
Selbst d
er Umstand, dass nur noch leichte Tätigkeiten zumutbar sind, ist indes kein Grund für einen leidensbedingten Abzug, zumal der Tabellen
lohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittel
schweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_447/2019 vom 8. Oktober 2019 E. 4.3.2).
Auch eine
psychisch bedingt verstärkte Rücksicht
nahme seitens Vorgesetzter und Arbeitskollegen kann nach der Gerichtspraxis in der Regel nicht als eigenständiger Abzugsgrund anerkannt werden, ebenso wenig etwa das Risiko von vermehrten gesundheitlichen Absenzen, ein grösserer Betreuungsaufwand oder weniger Flexibilität, was das Leisten von Überstunden etwa bei Verhinderung eines Mitarbeiters anbetrifft (Urteil des Bundesgerichts 9C_266/2017 vom 29. Mai 2018 E. 3.4.2).
Selbst wenn man aufgrund der bestehenden Niereninsuffizienz von einem
deutlich
erhöhten
Absenzenbedarf
ausginge und einen leidensbedingten Abzug von 10
%
anerkennen würde
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_17
9/2018 vom 2
2.
Mai 2018 E. 4.2), würde sich dies nicht rentenrelevant auswirken.
5.3
Zusammenfassend führt dies in Abweisung der Beschwerde zur Bestätigung der angefochtenen Verfügung.
6.
Da es
im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen,
jedoch, da die Voraussetzungen erfüllt sind,
infolge Bewilligung der unentge
ltlichen Rechts
pflege (
Urk.
3/7
) einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
Bei diesem Ausgang
des Verfahrens ist d
er
als
unentgeltliche
r
Rechtsvertreter des Bes
chwerdeführers
zu bestellende
Rechtsanwalt
Dr.
Felix Frey
, Zürich,
nach Ein
sicht in die Honorarnote vom
9.
September 2020
0
(
Urk.
14)
mit
Fr.
1'688.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer
) aus der Gerichtskasse
zu entschädi
gen
. Der Beschwerdeführer wird auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hingewiesen.