Decision ID: 80ca5728-0d9c-46ae-bc8f-9d465354c17f
Year: 2001
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
I. Die A AG mit Sitz in V (Kanton W) verfolgt nach Art. 2 ihrer Statuten "öffentliche Zwecke durch Übernahme von wirtschaftlich gefährdeten Immobilien, welche mit eidgenössischer oder kantonaler Wohnbauhilfe erstellt worden sind". Zudem bezweckt sie die Förderung des preisgünstigen Wohnungsbaus sowie die Verhinderung der Spekulation auf dem Wohnungsmarkt. Dazu nimmt die Gesellschaft nach Möglichkeit die von der öffentlichen Hand angebotenen Massnahmen zur Förderung und Verbilligung des Wohnungsbaus sowie des Erwerbs von Wohnungs- und Hauseigentum in Anspruch. Die öffentliche Hand (Bund und Kantone) soll gemäss Art. 3 der Statuten zu mindestens 90 % am Aktienkapital beteiligt sein. Zurzeit ist die Schweizerische Eidgenossenschaft Alleinaktionärin der A AG.
In Ziff. 4.1 und 4.2 des von der Schweizerischen Eidgenossenschaft der A AG erteilten "Leistungsauftrags" wird festgehalten:
"Die A AG wird beauftragt, im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten und entsprechend ihrer von der Auftraggeberin [der Eidgenossenschaft] noch näher zu genehmigenden Geschäftspolitik Not leidende WEG-Grundstücke [...] sowie Beteiligungen an WEG-Objekten zu übernehmen, zu verwalten und wieder zu veräussern. [...] Bei all diesen Tätigkeiten steht für die Beauftragte [die A AG] die Verlustminderung zugunsten des Bundes im Vordergrund.
Das BWO [das Bundesamt für Wohnungswesen] orientiert die Beauftragte über WEG-finanzierte Objekte, welche schwer gefährdet oder bereits der Zwangsverwertung angemeldet sind. Es liefert ihr dazu eine Zusammenstellung der auf dem Objekt liegenden Belastungen. Die Beauftragte lässt unmittelbar danach durch von ihr mandatierte Liegenschaftsexperten eine unabhängige Schätzung durchführen. Die Geschäftsleitung legt im Einzelfall die Steigerungslimite entsprechend ihrer Geschäftspolitik fest. [...]
Die Beauftragte informiert das BWO unverzüglich über alle relevanten Daten im Zusammenhang mit dem Erwerb von WEG-Objekten."
Am 30. März 2001 erwarb die A AG von der Genossenschaft Z sieben Wohnhäuser am P-weg in der Gemeinde X (Kat.Nrn. 1-2, 3, 4 und 5) zum Preis von Fr. 9'000'000.-. Diese Liegenschaften waren auf der Grundlage des Wohnbau- und Eigentumsförderungsgesetz vom 4. Oktober 1974 (WEG) mit Bundesmitteln erstellt und mit Grundpfandverschreibungen zugunsten der Schweizerischen Eidgenossenschaft belastet worden. Im Rahmen des Grundstückerwerbs trat die A AG in den öffentlichrechtlichen Vertrag mit dem Bundesamt für Wohnungswesen bzw. der Schweizerischen Eidgenossenschaft ein und verpflichtete sich des Weiteren zur Übernahme des hälftigen Anteils der auf die Verkäuferschaft fallenden Handänderungssteuer.
Aus Anlass dieser Handänderungen bezog das Grundbuchamt Y am 30. März 2001 von der A AG eine Handänderungssteuer von Fr. 90'000.-. Die Gemeinde X bestätigte diese Steuereinschätzung mit Einspracheentscheid vom 3. Mai 2001.
II. Die Steuerrekurskommission III wies den hiergegen erhobenen Rekurs am 11. Juli 2001 ab
III. Mit Beschwerde vom 20. August 2001 liess die A AG dem Verwaltungsgericht beantragen, sie sei von der Handänderungssteuer zu befreien und die Steuerauflage sei aufzuheben. Ausserdem beantragte sie, die Beschwerde bis zum Vorliegen der Antwort der Eidgenössischen Steuerverwaltung bezüglich ihrer Unterstellung unter die Steuerbefreiungsbestimmung des Garantiegesetzes zu sistieren.
Die Steuerrekurskommission III und die Gemeinde X verzichteten auf Vernehmlassung bzw. Beschwerdeantwort.

Considerations:
Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1. Von der Handänderungssteuer sind laut § 229 Abs. 3 lit. a des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) Handänderungen an Grundstücken befreit, die veräussert oder erworben werden durch den Bund und seine Anstalten, nach Massgabe des Bundesrechts.
Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. März 1934 über die politischen und polizeilichen Garantien zugunsten der Eidgenossenschaft (Garantiegesetz; GarG) sind die Eidgenossenschaft sowie ihre Anstalten, Betriebe und unselbständigen Stiftungen von jeder Besteuerung durch die Kantone und Gemeinden befreit; ausgenommen sind Liegenschaften, die nicht unmittelbar öffentlichen Zwecken dienen.
Die Beschwerdeführerin ist eine Aktiengesellschaft und damit privatrechtlich organisiert. Sie ist infolgedessen weder eine (selbständige oder unselbständige) Anstalt noch ein Betrieb oder eine unselbständige Stiftung des Bundes (vgl. dazu ausführlich Marco Greter, in Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/2a, Basel/Genf/München 2000, Art. 56 DBG N. 4 ff.; Peter Agner/Beat Jung/Gotthard Steinmann, Kommentar zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, Zürich 1995, Art. 56 N. 2). Dem Umstand, dass der Bund Alleinaktionär der Beschwerdeführerin ist, kommt keine Bedeutung zu, denn die Steuerbefreiung gestützt auf Art. 10 Abs. 1 GarG setzt die Inkorporation in eine der in dieser Bestimmung abschliessend aufgezählten Rechtsformen des öffentlichen Rechts voraus.
Angesichts dieser klaren Rechtslage rechtfertigt sich die von der Beschwerdeführerin beantragte Sistierung des Verfahrens bis zum Vorliegen der Antwort der Eidgenössischen Steuerverwaltung (EStV) bezüglich ihrer Unterstellung unter die Steuerbefreiungsbestimmung des Garantiegesetzes nicht. Hiervon abgesehen wäre die Rechtsauffassung der EStV für das Verwaltungsgericht nicht verbindlich.
b) Da die Beschwerdeführerin schliesslich auch nicht kraft anderweitiger bundesgesetzlicher Grundlage steuerbefreit ist (vgl. etwa die Beispiele bei Greter, Art. 56 DBG N. 7), entfällt die Befreiung der Beschwerdeführerin von der Handänderungssteuer im Sinn von § 229 Abs. 3 lit. a StG.
Das führt zur Abweisung der Beschwerde.
2.
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