Decision ID: 0d3e7952-eec5-500c-aa35-95389d3dd8a4
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1989 geborene
X._
begann
nach
Abschluss der Matura
zwischen 2007 und 2012
verschiedene Studien (Romanistik, Agrarwissenschaft, Geschichte
sowie
Deutsch und Kommunikationswissenschaften), brach diese je
doch allesamt wieder ab
(
Urk.
7/15 S. 3)
.
Am
1.
Dezember 2013 meldete er
sich unter Hinweis auf
seit Geburt bestehende
verminderte Handlun
gs-Intelli
genz sowie
Ve
r
dacht auf
Asperger
-Syndrom
(
Folge:
Depression
)
bei der Inva
liden
ver
sicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/4). Die
Sozialversicherungs
anstalt
de
s Kantons Zürich, IV-Stelle, t
ätigte medizinische und berufliche Abklä
rungen
und teilte
dem Versicherten mit Schreiben vom 10. September 2014 mit, dass keine
beruf
lichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien
(
Urk.
7/31)
. Anschliessend
liess
sie ihn
psychiatrisch begutachten (Expertise vom
5.
Januar
2014;
Urk.
7/41
)
und wies
das
Begehren um Leistungen der Invalidenversicherung
nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/48)
mit Verfügung vom
4
.
Juli 2016
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
1.
September 2016
Beschwerde (Urk. 1) und
beantragte,
die Verfügung vom
4.
Juli 2016 sei au
fzuheben,
es
seien
ihm
Inte
gra
tionsmassnahmen
zu gewähren und/oder es seien berufliche Eingliederungs
massnahmen einzuleiten. Eventualiter sei ihm eine Rente zuzusprechen.
Sub
even
tualiter
sei das Verfahren zur ergänzenden Abklärung und anschliessenden neuen Verfügung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Am
7.
Oktober
2016 bean
tragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwer
deführer mit Verfügung vom 2
4.
Oktober 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art. 4
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit (Abs. 1):
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität
.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung
, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.3
Drohende Invalidität liegt gemäss Art. 1
novies
IVV vor, wenn der Eintritt einer Erwerbsunfähigkeit überwiegend wahrscheinlich ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsunfähigkeit ist unerheblich.
Versicherte, die seit mindestens sechs Monaten zu mindestens 50 %
arbeits
un
fähig (Art.
6 ATSG) sind, haben Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (Integrationsmassnahmen), sofern dadurch die Voraussetzungen für die Durchführung von Massnahmen beruf
li
cher Art geschaffen werden können (
Art.
14a
Abs.
1
IVG
). Als
Integrations
massnahmen
gelten
gemäss Abs. 2
gezielte, auf die berufliche Eingliederung gerichtete Massnahmen zur sozialberuflichen Rehabilitation (
lit
.
a) und
Beschäf
tigungsmassnahmen
(
lit
.
b). Es geht darum, bei denjenigen Versicherten, die aktuell nicht eingliederungsfähig sind oder deren Eingliederungsfähigkeit verlo
ren zu gehen droht, die Eingliederungsfähigkeit herzustellen oder zu erhalten
(
BBl
2005 4521 ff., 4564; Erwin
Murer
, Invalidenversicherung: Prävention,
Früh
erfassung
und Integration, Bern 2009, N. 4 und 31 zu Art. 14a IVG; Silvia Bucher
, Die Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung nach Art.
14a IVG, in: Soziale Sicherheit
–
Soziale Unsicherheit, Festschrift für Erwin
Murer
zum 65.
Geburtstag, 2010, S.
111).
Ist a
ber jemand in einer anderen zumutbaren Tätigkeit arbeitsfähig, so ist er (in dieser anderen Tätigkeit) bereits eingliederungsfähig; er braucht keine
Inte
gra
tionsmassnahmen
mehr, um die Eingliederungsfähigkeit herzustellen. Es gibt keinen Grund, Massnahmen zur Ermöglichung einer beruflichen Eingliederung durchzuführen, wenn auch ohne solche Massnahmen eine berufliche Eingliede
rung bereits umgesetzt werden kann (BGE
137 V 1 E.
7.2.3).
1
.4
Gemäss
Art.
15 IVG haben Versicherte, die infolge Invalidität in der Berufswahl oder in der Ausübung ihrer bisherigen Tätigkeit behindert sind,
Anspruch
auf Berufsberatung. Der Leistungsanspruch setzt voraus, dass die versicherte Person an sich zur Berufswahl oder zur beruflichen Neuorientierung fähig ist, infolge ihres Gesundheitszustandes aber darin behindert ist, weil die Kenntnisse über Neigungen, berufliche Fähigkeiten und Möglichkeiten nicht ausreichen, um einen der Behinderung angepassten Beruf wählen zu können (ZAK 1977 S. 191 E.
2; Urteil des Bundesgerichts I 431/99 vom 1
5.
Februar 2000).
Ein
Mindestin
validi
tätsgrad
ist nicht vorausgesetzt (Urteil des Bundesgerichts 9C_373/2009 vom
2.
November 2009 E.
4).
1.
5
Nach Art. 16 Abs. 1 IVG haben Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten der
Versicherten ent
spricht. Als erstmalige berufliche Ausbildung gilt gemäss Art. 5 Abs. 1
der Ver
ord
nung über die Invalidenversicherung (IVV)
die berufliche Grundbildung nach
dem Berufsbildungsgesetz (BBG) sowie, nach Abschluss der
Volks- oder Sonder
schule, der Besuch einer Mittel-, Fach- oder Hochschule und die berufliche Vor
bereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werk
stätte. Der erstmaligen beruflichen Ausbildung gleichgestellt ist laut Art. 16 Abs. 2
lit
. b IVG die berufliche Neuausbildung invalider Versicherter, die nach dem Eintritt der Invalidität eine ungeeignete und auf die Dauer unzumutbare Erwerbstätigkeit aufgenommen haben
,
wobei die Unzumutbarkeit unmittelbar durch das Leiden im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
7 und 8
Abs.
1 ATSG verursacht sein muss (AHI 1998 S.
117 E. 3b). Bei der Über
nahme der Ausbildung als berufliche Neuausbildung wird eine bestimmte
Min
desteinbusse
nicht verlangt. Hier bildet wie bei
Art.
16
Abs.
1 IVG Bezugspunkt der Prüfung nicht die Erwerbstätigkeit, sondern der beabsichtigte Ausbildungs
gang mit seinen spezifischen Anforderungen (Urteil des Bundesgerichts I 159/05 vom 16. März 2006 E. 3.2.2 in
fine
, mit Hinweisen auf Rechtsprechung und Literatur).
Andererseits hat die versicherte Person nach Art. 17 Abs. 1 IVG Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhal
ten oder wesentlich verbessert werden kann.
Für die Abgrenzung der beiden Leistungsarten kommt es entscheidend darauf an, ob die versicherte Person vor Eintritt der Invalidität – im Sinne des für die
Eingliederungsmassnahme spezifischen Versicherungsfalles (Ulrich Meyer-Blaser
, Zum Verhältnismässigkeitsgrundsatz im st
aatlichen Leistungsrecht,
Diss
.
Bern 1985, S.
168, Fussnote 734) – in ökonomisch bedeutsamem Ausmass erwerbs
tätig gewesen ist oder nicht (BGE 121 V
186 E. 5b, 118 V 7, AHI 2000 S.
189, Urteil des Bundesgerichts I 147/04 vom 1
9.
August 2004).
In Präzisie
rung seiner Rechtsprechung hat das Bundesgericht entschieden, dass ein öko
nomisch rele
vantes Erwerbseinkommen als Voraussetzung für einen
Umschu
lungsanspruch
vorliegt, wenn die versicherte Person bereits während sechs Mo
naten drei Viertel der minimalen vollen einfachen ordentlichen Invalidenrente erzielte und dieses Einkommen invaliditätsbedingt verlor (BGE 118 V 7 E. 1c mit Hinweis; AHI 2002 S. 102 E. 4a; Urteil des Bundesgerichts 8C_163/2008 vom 8. August 2008 E. 3.2).
Nur auf
diese Weise wird eine Abgrenzung erreicht zwischen der Umschulung gemäss
Art.
17 IVG und der gemäss
Art.
16
Abs.
2
lit
. b IVG einer erstmaligen beruflichen Ausbildung gleichgestellten be
ruflichen Neuausbildung invalider Versicherter, die nach dem Eintritt der Inva
lidität eine ungeeignete und auf die Dauer unzumutbare Erwerbstätigkeit aufge
nommen haben (BGE 118 V 7 E. 1c/cc, Urteile des Bundesgerichts I 147/04 vom 1
9.
August 2004 und I 159/05 vom 16. März 2006 E. 2).
1.
6
Arbeitsunfähige (
Art.
6 ATSG) Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, haben gemäss
Art.
18
Abs.
1 IVG Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes (
lit
. a) und auf begleitende Beratung im Hinblick auf die Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (
lit
. b). Die IV-Stelle veranlasst diese Massnahmen unverzüglich, sobald eine summarische Prüfung ergibt, dass die Voraussetzungen dafür erfüllt sind (
Abs.
2).
1.
7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisen
de Ver
fügung vom
4.
Juli 2016 (Urk. 2) damit, dass lediglich ein vorübergehendes
Leiden vorliege und kein invalidisierender Gesundheitsschaden objektivierbar sei
.
2.2
Der
Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt
(Urk. 1),
aufgrund seiner psychischen Beeinträchtigungen sei es ihm nicht möglich, eine seiner schulischen Ausbildung entsprechende Berufstätigkeit auszuüben. Er sei
vom
3.
Oktober 2013 bis 2
4.
Januar 2014 in der
Y._
AG stationär hos
pitalisiert gewesen. Seit seinem Austritt aus der Klinik wohne er betreut und
arbeite
während 25 Stunden pro Woche im
geschützten Rahmen im
Integrati
ons
betrieb
Z._
. Obwohl er sich damit bereits in einem
Förderprogramm mit dem Ziel der beruflichen Eingliederung befinde,
lehne die
Beschwerdegeg
nerin
die Beteiligung an den Kosten ab.
Die Beschwerdegegnerin lasse unberück
sich
tigt, da
s
s
es nicht Ziel sein
könne
, eine angepasste Tätigkeit in der höheren Bildung
auszu
führen
,
sondern aufgrund der psychischen Be
e
inträchtigung einen
praktischen
Beruf (wie Gärtner) zu erlernen
(S. 2-5).
E
r leide an einer psy
chi
schen Krankheit, welche es ihm nicht erlaube, den direkten Einstieg in die freie Wirtschaft zu finden. Integrationsmassnahmen seien dazu da, solche psy
cho
sozialen Probleme zu beheben, auch wenn diese nicht zu einer Erwerbsun
fähigkeit im Sinne des IVG führen würden. Es sei deshalb unklar, weshalb die
Beschwerdegegnerin von Integrations- beziehungsweise
beruflichen Mass
nahmen
absehe und stattdessen die Rentenfrage prüfe.
Aus ärztlicher Sicht werde eine Unterstützung beim Einstieg in eine berufliche Erstausbildung dringend emp
fohlen (S. 6 f.).
3.
3.1
Im
Austrittsb
ericht der
Y._
AG vom
3.
Februar 2014 (
Urk.
7/15
/7-11) wu
rden folgende Diagnosen festgehalten:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psy
cho
tische Symptome
-
Verdacht auf Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität, DD
Akzentuie
rung der Persönlichkeit (selbstunsicher,
anankastisch
-ängstlich)
-
Anpassungsprobleme an einer Übergangsphase im Lebenszyklus (Herauslö
sung aus dem Elternhaus, Entwicklung von Identität und Autonomie)
-
Probleme in der Lebensführun
g
durch Diskrepanz der Intelligenzquotienten
-
Vitamin B12-Mangelanämie (substituiert
12/2013)
-
Sinustachykardie
Ergänzend
wurde
ausgeführt, dass
es beim
Beschwerdeführer
Geburtskompli
ka
tionen
in Form von Feststecken im Geburtskanal mit dem Risiko eines Sauer
stoffmangels mit nachfolgendem Notfallkaiserschnitt
gegeben habe
. In der früh
kindlichen Entwicklung sei es zu verschiedenen Auffälligkeiten gekommen: Sprachentwicklung erst ab dem Alter von 2 Jahren, kein soziales Spielverhalten oder
shared
attention
im Alter von 4-5 Jahren, sondern repetitives, wenig funk
tionales Spielverhalten, späte motorische Entwicklung.
Nach Abschluss der Matura
habe der Beschwerdeführer zwischen 2007 und 2012
vier Studien be
gonnen und wieder abgebrochen, dazwischen seien zwei Sprachaufenthalte in Italien erfolgt.
Nach Abbruch des zweiten Studiums sei es 2008 zu einer ersten depressiven Episode gekommen, vor Beginn des vierten Studiums 2010 zu einer zweiten. Seither sei er in psychiatrischer Behandlung. Nach Abbruch des vierten Studiums sei er zu seinen Eltern zurückgekehrt und habe auf dem elterlichen Hof mitgearbeitet. Die Beziehung zum Vater (Beamter, Gymnasiallehrer) und zur Mutter (Lehrerin, Landwirtin) sei gut und sehr eng, diejenige zu den bei
den Ge
schwistern ebenfalls gut (S.
1 f.). Die Ergebnisse der neuropsychologischen Unter
suchungen sprächen gegen die Diagnose einer Autismus-Störung oder eines verwandten Beschwerdebildes.
Der Beschwerdeführer leide jedoch unter einer mittelschweren neuropsychologischen Störung mit deutlichen Einschrän
kungen in Teilbereichen der Aufmerksamkeits-, Exekutiv- und mnestischen Funk
tionen
(S.
3). Es sei ein Ü
bertritt in das betreute Wohnheim
„
Z._
“
organi
siert worden,
eine Unterstützung beim Einstieg in eine Erstaus
bildung werde dringend empfohlen (S. 4).
3.
2
Dr.
med. univ.
A._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
sowie praktische Ärztin
, und
Dr.
med.
B._
von
der
Y._
AG führten in ihrem Bericht vom 2
2.
September 2014 (
Urk.
7/35) folgende Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit a
n
:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode
;
DD
Schizo
af
fektive
Störung
;
DD Akzentuierung der Persönlichkeit (selbstunsicher,
anan
kastisch-ängstlich
)
-
Anpassungsprobleme an einer Übergangsphase im Lebenszyklus (Herauslö
sen aus dem Elternhaus, Entwicklung von Identität und Autonomie)
Ergänzend hielten sie fest, dass der Beschwerdeführer alle 14 Tage in
psychia
trisch-psychotherapeutischer Behandlung sei. Die im „
Z._
“ bestehende
Wohn
situation
und Tagesstruktur
zeigt
en bisher einen sehr positiven Einfluss auf
seine
Entwicklung
. Eine weitere Unterbringung dort werde aus medi
zinischer Sicht für dringend notwendig gehalten, ebenso werde die Unterstüt
zung beim Einstieg in eine Erstausbildung aus ärztlicher und therapeutis
cher Sicht dringendst empfohlen
(S.
2
).
3.
3
Dr.
med.
C._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
stellte
in seinem psy
chiatrischen Gutachten vom
5.
Januar 201
5
(
Urk.
7/41)
folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
S
. 8)
:
-
Depressive Episode, gegenwärtig
grossteils
remittiert
Dazu führte er folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf:
-
Akzentuierte Persönlichkeitszüge mit selbstunsicheren und etwas ängstlichen Anteilen
-
Schwierigkeiten bei der Loslösung aus dem Elternhaus
Ergänzend hielt er fest, dass der Beschwerdeführer
nach Abbruch des letzten Studiums nach Hause zurückgekehrt sei. Auf dem elterlichen Bauernhof habe er sich unwohl und eingeschlossen gefühlt. Das Loslösen vom Elternhaus sei ihm jedoch wegen der engen Beziehung zu seinen Eltern grundsätzlich schwer
gefallen. Im Januar 2014 sei er in die betreute Wohngemeinschaft „
Z._“
einget
reten. Seit Februar 2014 arbeite
er dort täglich fünf
Stunden in der Küche des angegliederten Restaurants. Vorerst wolle er dort bleiben. Sobald er sich genügend stabilisiert und endgültig vom Elternhaus gelöst habe, könne er an eine weit
e
re berufliche Eingliederung denken. Eine akademische Ausbildung sei aber wahrscheinlich nicht das Richtige für ihn
(S. 4 f.)
.
Psychisch gehe es ihm seit dem Aufenthalt im
„
Z._
“
recht gut. Es bestünden kaum noch Ver
stimmungen und keine unbegründeten Ängste mehr.
Gerate er allerdings stark unter Druck, komme es zu einer Verschlechterung seiner psychischen Ver
fassung. Insbesondere während des Studiums beziehungsweise dem häufigen Scheitern der Studienbemühungen habe er sich unsicher und verängstigt ge
fühlt. Diese psychischen Probleme hätten sich gebessert. Auch in der Konzent
ra
tion sei er nicht mehr eingeschränkt, er grüble weniger und mit dem Ge
dächt
nis gehe es gut (S. 6).
Gemäss
Dr.
C._
wies
der Beschwerdeführer nie eindeutige s
chizophrene
Symptome auf
. Auch eine
Aufmerksamkeits
störung
dürfte nicht bestanden haben, ebenso
wenig
habe ein
Asperger
-Syn
drom nachgewiesen werden können
. Die depressive Episode erkläre bis heute die Symptomatik des Beschwerde
führers
genügend, so dass sich zusätzliche Ab
klärungen erübrigen würden. Die Loslösung vom Elternhaus habe er
grossteils
geschafft. Der Beschwerdeführer befinde sich jedoch im
„
Z._
“
in einem ge
schützten Milieu. Es sei mit einem Rezidiv der depressiven Episode zu rechnen, wenn er bereits jetzt den normalen
Lebensbelastungen ausgesetzt würde.
Der Beschwerdeführer solle sich im
„
Z._
“
noch weiter aufbauen, dies im Sinne eines Aufbautrainings. Nach einer genü
genden Stabilisierung könne an eine berufliche Massnahme gedacht werden. E
r
solle
sich beruflich nicht mehr im akademischen Bereich bewege
n
. Als sinnvoll erscheine dagegen die Einarbei
tung in einen praktischen Beruf. In diesem Sinne
würden entsprechende berufli
che Eingliederungsmassnahmen empfohlen (S. 9 f.).
Der Beschwerdeführer gehe alle zwei bis drei Wochen zu einer Nachbetreuung an die
Y._
, das therapeutische Setting sei damit genügend.
Die medikamentöse Compliance des Beschwerdeführers sei hingegen teilweise unge
nü
gend (S. 10).
In Bezug auf ein Universitätsstudium sei der Beschwerdeführer seit 2012 zu circa 50
%
einge
schränkt. Absolviere er eine Lehre und werde dann
beruflich tätig, bestehe eine Einschränkung von circa 20 % seit Januar 201
4.
Bei dieser Einschätzung werde mitberücksichtigt, dass eine Rückfallgefahr bestehe, wenn er zu früh hohen Be
lastungen ausgesetzt werde (S. 13).
3.4
Im Verlaufsbericht der
Y._
AG
vom 1
7.
August 2016
(
Urk.
3/18)
wurde
ausgeführt, dass sich die depressive Symptomatik des Beschwerdeführers weitestgehend
regredient
zeige. Die Einschränkungen in der sozialen Interaktion im Rahmen der Akzentuierung der Persönlichkeit würden jedoch persistieren. Daneben
zeigt
en sich kognitive Defizite im Sinne einer verminderten Auf
merk
samkeit und Konzentration sowie eine starke psychomotorische Unruhe. Der formale Gedankengang sei beschleunigt mit Ideenflucht und teil
weise Vor
beireden. Diese Einschränkungen seien dauerhaft, es sei jedoch davon auszu
gehen, dass sie sich mit Hilfe der psychiatrisch-psychotherapeutischen Therapie langfristig zumindest teilweise modifizieren lassen würden.
Umso wichtiger er
schienen
supportive
Massnahmen im Hinblick auf die beruflichen Perspek
tiven.
4.
Das Gutachten von
Dr.
C._
vom
5.
Januar 2015 (E.
3.3) beruht auf den erforderlichen psychiatrischen Untersuchungen und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten
Vorakten
erstellt. Der Gutachter legte die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar und setzte sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten des Beschwerdeführers ausei
n
ander.
Insbesondere legte er dar, dass die depressive Episode die Symptomatik des Beschwerdeführers genügend erklärt und dass sich
weder die Differential
diagnose
einer
schizoaffektiven
Störung
noch
der Verdacht auf eine
Aufmerk
samkeitsstörung
oder
ein
Asperger
-Syndrom verifizieren lassen.
Der Gutachter
gelangte sodann zur Schlussfolgerung,
dass
der Beschwerdeführer
durch die psy
chischen Beschwerden daran gehindert
wurde
, ein Studium abzuschliessen.
Seit 2012 ist er in Bezug auf die Absolvierung eines Universitätsstudiums zu 50
%
eingeschränkt, beruflich sollte er sich
deshalb
nicht mehr im akademi
schen Bereich bewegen.
Zudem legte
d
er
Gutachter
überzeugend
dar, dass der Beschwerdeführer
aufgrund
einer
Rückfallgefahr
trotz der
gegenwärtig
lediglich
mässigen psychischen Störungen auch in einer angepassten Tätigkeit zu circa 20
%
eingeschränkt ist.
Das Gutachten entspricht damit den
rechtsprechungs
gemässen
Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische
Entscheidungs
grundlage
(vgl. E. 1.
7
hievor
)
.
5.
5.1
5.1.1
Der Beschwerdeführer schloss 2007 das Gymnasium ab
.
Daraufhin war er während des Studi
ums während drei Monaten in einem Teilzeitpensum erwerbs
tätig (
Urk.
7/3 S. 2). Der Beschwerdeführer brach seine Studien im Jahre 2012 aufgrund von psychischen Beschwerden ab (E.
3.3), war
vom
3.
Oktober 2013 bis
2
4.
Januar 2014
in der
Y._
AG stationär hospitalisiert
und arbeitet und wohnt seither im betreuten Rahmen im „
Z._“
.
5.1.2
Aus den vorliegenden medizinischen Akten ist ersichtlich, dass sich der psy
chische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit seinem Eintritt in das „
Z._
“ erheblich verbessert hat. Die
zuvor
diagnostizierte schwere Episode
der
rezidivierenden depressiven Störung ist gegenwä
rtig
grossteils
remittiert. Dr.
C._
wies jedoch darauf hin, dass sich der
Beschwerdeführer im „
Z._
“ in einem geschützten Milieu befindet.
Wird er zu früh hohen Belastun
gen ausgesetzt, besteht die Gefahr eines
Rezidiv
s.
Ein IV-relevanter
Gesund
heitsschaden
ist damit ausgewiesen
.
Zwar hält der Gutachter fest, dass dieser nicht definitiv ist. Solange sich der Beschwerdeführer jedoch in
der derzeitigen
beruflich ungewissen Situation befindet, ist
bei zu hoher Belastung
mit einem Rückfall zu rechnen. Der Gesundheitsschaden ist damit von
voraussichtlich län
gerer
Dauer
.
Wegen
der
Rückfallgefahr
ist
d
er
Beschwerdeführer
seit Ja
nuar 2014
in
e
iner angepassten Tätigkeit
zu
circa 20
%
eingeschränkt
.
In Bezug auf ein Universitätsstudium
besteht
seit
2012
eine Einschränkung von circa
50
%
(E. 3.3).
5.1.3
De
n
aktuellsten Verlaufsbericht
en
der
Y._
AG vom
12. Mai 2015 (
Urk.
3/15) und vom
1
7.
August 2016 (E. 3.4) lassen sich keine Hinweise auf eine höhere Arbeitsunfähigkeit entnehmen, gehen doch auch die behandelnden Ärzte von einer weitestgehend
regredienten
depressiven Symptomatik aus.
Die
neuropsychologischen Störungen sind lediglich als leicht- bis mittelgradig ein
zu
stufen (
Urk.
7/67/11), eine Reduktion der Arbeitsfähigkeit um 50
%
(Urk. 7/67/1
1) ist damit nicht nachvollziehbar.
Die
im Bericht
zusätzlich
er
wähnte Z-Diagnose (Persönlichkeitsakzentuierung, ICD-10 Z73.1)
fällt zudem
rechtsprechungsge
mäss
nicht unter den Begriff des rechtserheblichen
Gesund
heitsschadens
(vgl.
etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März
2016 E.
4.2.5 mit Hinweisen).
5.1.4
Es ist damit weiterhin von einer
80%ige
n
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
und
einer
50%ige
n
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
auszugehen. B
ei einer Arbeitsunfähigkeit in diesem Umfang
und dem fach
ärzt
lich festgestellten Risiko eines Rückfalls
ist
der Beschwer
deführer von einer Invalidität bedroht. Er hat deshalb Anspruch auf Eingliede
rungsmassnahmen im Sinne von
Art.
8 IVG
, soweit diese
notwendig
und
geeig
net
sind
, seine Erwerbs
fähigkeit wieder herzustellen.
Der Beschwerdeführer be
antragte
diesbezüglich
die
Ausrichtung von Integrationsmassnahmen und von Massnahmen beruflicher Art
.
5.2
Anspruch auf Integrationsmassnahmen besteht
nicht, wenn
eine
Arbeits
fähig
keit in einer angepassten Tätigkeit
besteht
(E. 1.3). Wie bereits dargelegt, ist der Beschwerdeführer
seit Januar 2014
in einer angepassten Tätigkeit zu 80
%
arbeitsfähig, ein eventueller Rückfall aufgrund einer
zu frühen hohen Belastung ist dabei bereits mitberück
sichtigt. Die Voraussetzungen für die Gewährung von Integrationsmassnahmen sind damit nicht erfüllt.
5.3
Die Massnahmen
beruflicher Art
nach
Art.
15, 16 und 18 IVG verlangen
eine leistungsspezifische Invalidität (BGE 126 V 242 E.
4). Da die konkret
anbe
gehrte
(n) Massnahme(n) unklar bleibt
,
kann der Leistungsanspruch nicht ab
schlies
send geprüft werden.
So ist
namentlich
unklar, wie sich der Be
schwerde
führer seine berufliche Zukunft vorstellt.
E
r
sprach
von einer mögli
chen
Aus
bildung im Zusammenhang mit Topfpflanzen-Schnittblumen,
einer solchen
als Gärtner, Koch
,
im Büro (
Urk.
7/33 S. 5 f.) oder in der
Epilepsie-Kli
nik (
Urk.
7/
4
1 S. 5)
.
Die Einarbeitung in einen praktischen Beruf scheint vorliegend zwar sinnvoll. Welche
Ausbildung
jedoch den Fähigkeiten des Beschwerde
führers
entspricht, kann
aufgrund der Akten
ebenso wenig
ent
schieden
werden, wie die Frage, ob ihm durch die Ausbildung
invaliditätsbe
dingt
in wesentlichem Umfang zusätzliche Kosten entstehen.
Damit drängen sich weitere Abklärungen au
f.
5.4
Zusammenfassend führt dies zur Gutheissung der Beschwerde in dem Sinne, dass die angefochtene Verfügung vom
4.
Juli 2016 aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit sie nach Prüfung der
in Betracht fallenden
Massnahmen
beruflicher Art
und deren Voraus
setzungen
über den
diesbezüglichen
Anspruch
des Beschwerdeführers
erneut
verfüge.
6
.
6
.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
7
00.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6
.2
Dem Beschwerdeführer steht eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festge
setzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das
Sozialversicherungs
gericht
,
GSVGer
). Entsprechend ist ihm eine Prozessentschädigung von Fr. 2‘
2
00.-- (inkl
. Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.