Decision ID: c08e84d5-7c4d-5d39-9d2e-9e41cba34750
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer zusammen mit seiner Ehefrau B._ in
den Sudan reiste, wo der gemeinsame Sohn C._ am 22. Januar
2015 geboren wurde,
dass sich der Beschwerdeführer und seine Ehefrau aufgrund unterschied-
licher finanzieller Situationen getrennt in die Schweiz begeben hätten, wo
es wegen anhaltender Streitigkeiten zur endgültigen Trennung gekommen
sei,
dass das SEM mit Entscheid vom 23. Dezember 2016 die Asylgesuche von
B._ und deren Sohn C._ vom 16. September 2015 ablehnte
und deren Wegweisung aus der Schweiz anordnete, sie indessen wegen
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz auf-
nahm,
dass das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-476/2017 vom 10. No-
vember 2017 eine gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde abwies,
womit die Verfügung des SEM vom 23. Dezember 2016 in Rechtskraft er-
wuchs,
dass das SEM mit Entscheid vom 10. September 2018 das Asylgesuch des
Beschwerdeführers vom 5. August 2015 abwies, dessen Wegweisung aus
der Schweiz anordnete und den Vollzug als zulässig, zumutbar und mög-
lich erachtete,
dass die damalige Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers am 11. Okto-
ber 2018 eine auf den Vollzug der Wegweisung beschränkte Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht einreichte und in verfahrensrechtlicher
Hinsicht die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und die Beiordnung einer amt-
lichen Rechtsbeiständin beantragte,
dass das Bundesverwaltungsgericht mit Schreiben vom 17. Oktober 2018
den Eingang der Beschwerde bestätigte,
dass mit Eingabe vom 24. Oktober 2018 ein Kurzbericht eines Mitarbeiters
des D._ vom 23. Oktober 2018 hinsichtlich der Beziehung des Be-
schwerdeführers zu seinem Sohn eingereicht wurde,
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dass mit Zwischenverfügung vom 5. November 2018 die damals zustän-
dige Instruktionsrichterin die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und der amtlichen Rechtsverbeiständung nach Art. 110a
Abs. 1 AsylG guthiess und E._ dem Beschwerdeführer als amtliche
Rechtsbeiständin beiordnete,
dass das SEM in seiner Vernehmlassung vom 14. November 2018 die Ab-
weisung der Beschwerde beantragte,
dass die Rechtsvertretung mit vorab per Telefax eingereichter Replik vom
4. Dezember 2018 zur Argumentation der Vorinstanz Stellung bezog,
dass mit Eingabe vom 16. Januar 2019 unter anderem eine Arbeitsbestä-
tigung vom 12. Dezember 2018 und – nach Eingang einer als Beschwer-
deergänzung bezeichneten Eingabe vom 5. März 2019 – mit Eingabe vom
25. Juli 2019 unter anderem eine beglaubigte Anerkennungserklärung
nach der Geburt und eine Erklärung über die gemeinsame elterliche Sorge
nach der Geburt, beide vom 24. Juli 2019, eingereicht wurden,
dass die amtliche Rechtsbeiständin mit Schreiben vom 12. November 2019
mitteilte, sie werde ihr Arbeitsverhältnis mit der Caritas Schweiz per Ende
November 2019 beenden und es sei ihr nicht möglich, das Mandatsverhält-
nis fortzuführen, da sie eine neue Ausbildung antreten werde,
dass sie deshalb darum ersuchte, sie sei als amtliche Rechtsbeiständin zu
entlassen und es sei Rechtsanwältin Eliane Schmid, welche hauptberuflich
bei der Caritas Schweiz angestellt sei, per 20. November 2019 als neue
amtliche Rechtsbeiständin einzusetzen,
dass mit Zwischenverfügung vom 19. November 2019 E._ per
19. November 2019 aus ihrem Amt als Rechtsbeiständin des Beschwede-
führers entlassen und Rechtsanwältin Eliane Schmid dem Beschwerdefüh-
rer per 20. November 2019 als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet
wurde,
dass diese mit Eingabe vom 21. August 2020 auf die Bemühungen ihres
Mandanten hinwies, regelmässigen Kontakt zu seinem Sohn zu haben
(Beilagen: Bestätigungsschreiben der zuständigen Sachbearbeiterin des
F._ vom 17. August 2020, nach eigenen Angaben im Auftrag seines
Sohnes verfasstes Schreiben des Beschwerdeführers), und sich nach dem
Stand des Verfahrens erkundigte,
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Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM entschei-
det, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor
welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG
[SR 142.31] i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht
vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet,
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG richten (vgl.
BVGE 2014/26 E. 5),
dass am 1. März 2019 die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 in Kraft getreten ist und für das vorliegende Verfahren
das bisherige Recht gilt (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-
derung des AsylG vom 25. September 2015),
dass die Verfügung des SEM vom 10. September 2018, soweit sie die
Flüchtlingseigenschaft und die Ablehnung des Asylgesuchs betrifft (Ziff. 1
und 2 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung) in Rechtskraft er-
wachsen ist,
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dass das SEM in der angefochtenen Verfügung im Wegweisungspunkt
festhielt, dass der Umstand, dass die Ehefrau und der Sohn des Beschwer-
deführers in der Schweiz lebten, nicht gegen den Vollzug der Wegweisung
spreche,
dass sich gemäss Art. 8 EMRK eine Person nur dann auf den Schutz des
Familienlebens berufen könne, wenn ein Familienmitglied in der Schweiz
über ein gefestigtes Aufenthaltsrecht verfüge und es sich dabei um eine
tatsächliche gelebte und gefestigte Beziehung handle,
dass die Ehefrau und der Sohn in der Schweiz bloss vorläufig aufgenom-
men und somit über kein gefestigtes Aufenthaltsrecht verfügten,
dass der Beschwerdeführer zudem seit mehreren Jahren getrennt von sei-
ner Ehefrau und dem Sohn lebe, womit die in Eritrea arrangierte Ehe nicht
mehr gelebt werde,
dass in der Beschwerde geltend gemacht wurde, das SEM habe sowohl
den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG) als auch das Kindes-
wohl nicht berücksichtigt, weshalb eine unvollständige Sachverhaltsfest-
stellung vorliege,
dass es das SEM bereits anlässlich der Anhörung versäumt habe, nähere
Abklärungen zum Verhältnis des Beschwerdeführers mit seinem Sohn vor-
zunehmen und auch die Begründungspflicht verletzt habe, indem es sich
nur äusserst knapp mit der familiären Situation auseinandergesetzt habe,
dass das SEM in seiner Vernehmlassung darauf verwies, dass die «Cari-
tas-Vertretung» im Beschwerdeverfahren hinsichtlich der Kindsmutter noch
von einer Zwangsehe geschrieben habe, aus der sich die Kindsmutter be-
reits im Sudan habe lösen können, und im vorliegenden Verfahren nun von
einer bestehenden Familie ausgehe, die bloss getrennt sei,
dass das SEM in der Anhörung vom 15. Dezember 2016 den Aspekt der
Vater-Sohn Beziehung berücksichtigt habe, wobei nicht der Eindruck einer
engen Vater-Kind-Beziehung entstanden sei (u.a. keine schriftliche Rege-
lung des Besuchsrechts),
dass das Argument des SEM, der Beschwerdeführer könne aus der Be-
stimmung von Art. 8 EMRK mangels eines gefestigten Anwesenheitsrechts
nichts zu seinen Gunsten ableiten, zwar nicht unzutreffend ist,
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dass die Vorinstanz indessen offenbar übersehen hat, dass gemäss Art. 44
AsylG auch bei der Anordnung der Wegweisung aus der Schweiz und de-
ren Vollzugs der Grundsatz der Einheit der Familie zu berücksichtigen ist,
dass das SEM seiner Abklärungspflicht bezüglich der Vater-Sohn-Bezie-
hung nicht genügend nachkam und folglich auch den Aspekt des Kindes-
wohls nicht hinreichend berücksichtigte,
dass es schliesslich mit den äusserst knapp formulierten und überwiegend
bloss allgemeinen Feststellungen seine Begründungspflicht verletzte,
dass bei dieser Sachlage in Gutheissung der Beschwerde die angefoch-
tene Verfügung aufzuheben und die Sache zur vollständigen Feststellung
des Sachverhalts hinsichtlich Vater-Sohn-Beziehung und zu neuer Ent-
scheidung zurückzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten zu erheben sind
(Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG),
dass gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 37 VGG die Be-
schwerdeinstanz der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes
wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für die ihr erwachsenen not-
wendigen und verhältnismässig hohen Kosten zusprechen kann (vgl. für
die Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung ausserdem Art. 7
ff. des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]),
dass seitens der Rechtsvertretung mit Eingabe vom 12. November 2019
eine «Liste getätigter Aufwendungen» eingereicht wurde,
dass der darin aufgeführte zeitliche Aufwand von 575 Minuten (rund 10
Stunden) zu hoch erscheint und auf 8 Stunden zu reduzieren ist. Hinzu
kommt ein geschätzter zeitlicher Aufwand für das Verfassen der Eingabe
vom 21. August 2020 von 0,5 Stunden. Das SEM ist daher anzuweisen,
der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, Rechtsanwältin Eliane
Schmid, Caritas Schweiz, von einem Stundenansatz von Fr. 200.– ausge-
hend, eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1'700.- (inkl. Auslagen
und allfälligen Mehrwertsteuerzuschlag) zuzusprechen.
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