Decision ID: 693962af-d2c1-53f0-a437-4debd5f5bf0a
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
A._ wurde per 1. Oktober 2017 bei den Schweizerischen Bundes-
bahnen (nachfolgend: SBB) als Aspirant befristet bis 30. September 2018
mit einem Beschäftigungsgrad von 100% angestellt (nachgehend: Aspiran-
tenvertrag). In diesem Zeitraum wurde er zum Transportpolizisten an der
Interkantonalen Polizeischule (...) (nachgehend: [...]) ausgebildet. Betref-
fend die Ausbildungskosten vereinbarten die SBB und A._ mittels
dem vorgefertigten Formular «Antrag und Vereinbarung für die Beteiligung
an einer Zweitausbildung» vom 1. Juni 2017 (nachgehend: Ausbildungs-
vereinbarung), dass die SBB für den auf Fr. 120'000.– bezifferten Betrag
aufkomme. A._ wurde seinerseits verpflichtet, der SBB den er-
wähnten Betrag im Rahmen einer sich monatlich reduzierenden Summe
zurückzuvergüten, sollte er das Arbeitsverhältnis vor Ablauf von drei Jah-
ren nach Abschluss der Ausbildung freiwillig beenden.
B.
Nachdem A._ die Ausbildung als Polizist am 30. September 2018
abgeschlossen hatte, wurde er mittels Arbeitsvertrag vom 12. Septem-
ber 2018 per 1. Oktober 2018 bei der SBB als Transportpolizist mit einem
Beschäftigungsgrad von 100% unbefristet angestellt (nachgehend: Ar-
beitsvertrag). Im Arbeitsvertrag wurde festgehalten, dass die Ausbildungs-
vereinbarung integrierender Bestandteil des Arbeitsverhältnisses darstellt.
C.
Mit Schreiben vom 24. Januar 2020 kündigte A._ seine Stelle bei
der SBB per 30. April 2020. Im Kündigungsschreiben wies er darauf hin,
dass er am 1. Mai 2020 bei der Regionalpolizei (...) eine neue Stelle an-
treten werde.
D.
Gemäss einer handschriftlichen Notiz wurde dem Beschwerdeführer durch
die Vorinstanz am 13. Februar 2020 eröffnet, dass er für die seitens der
SBB übernommene Ausbildung rückzahlungspflichtig werde. Der Notiz ist
auch zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer seine Unterschrift dies-
bezüglich verweigerte.
E.
Mit Schreiben vom 30. März 2020 sowie beigelegter Rechnung forderte
Seite 3
die SBB A._ auf, den betreffend die Ausbildung aufgrund der ge-
kündigten Stelle als Polizist fällig werdenden Betrag von Fr. 56'508.– ein-
zubezahlen.
F.
F.a In der Folge fand zwischen der SBB und A._ ein Briefwechsel
statt, da letzterer die Höhe der in Rechnung gestellten Ausbildungskosten
in Frage stellte. In diesem Rahmen ersuchte er die SBB auch um Auf-
schlüsselung der im Ausbildungsvertrag ausgewiesenen Gesamtkosten.
F.b Die SBB hielt an ihrer Forderung fest und legte Gründe dar, weshalb
sie die von A._ dargelegten Argumente nicht für überzeugend
halte.
F.c Mit Schreiben vom 21. April 2020 verlangte der Beschwerdeführer von
der SBB eine anfechtbare Verfügung.
G.
Mit Verfügung vom 9. Juni 2020 hält die SBB an ihrer Rückforderung aus
der Ausbildungsvereinbarung fest und verpflichtet A._ zur Bezah-
lung des in Rechnung gestellten Betrags. In der Begründung weist sie ins-
besondere auf die im Rahmen der Ausbildungsvereinbarung vereinbarte
Summe von Fr. 120'000.– sowie die anteilsmässige Rückzahlungsver-
pflichtung über einen Zeitraum von drei Jahren hin. Zudem legt sie dar, wie
sich der in Rechnung gestellte Betrag von Fr. 56'508.– entsprechend der
im Vertrag aufgeführten Regelung für den auf 17 Monate entfallenden An-
teil der Ausbildungskosten zusammensetzt. Der Beschwerdeführer habe
dem Rückzahlungsbeitrag zugestimmt und sei über die Modalitäten der
Vereinbarung umfassend informiert worden, wobei er sich mit diesen nicht
nur im Ausbildungs-, sondern auch im Arbeitsvertrag einverstanden erklärt
habe.
H.
Gegen die Verfügung der SBB (nachfolgend: Vorinstanz) erhebt
A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 25. Juni
2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Darin beantragt er, es
sei die Nichtigkeit der Verfügung festzustellen, eventualiter sei die Verfü-
gung vollumfänglich aufzuheben und der Rückforderungsbetrag für die
Kosten der Zweitausbildung des Beschwerdeführers sei neu in noch zu be-
stimmender Höhe festzusetzen, subeventualiter sei die Angelegenheit an
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die Vorinstanz zur Neufestsetzung des Rückforderungsbetrags zurückzu-
weisen. In prozessualer Hinsicht ersucht er betreffend die effektiven Kos-
ten der von ihm absolvierte polizeiliche Grundausbildung an der (...) um
Edition der Belege durch die Vorinstanz.
Zur Begründung führt er im Wesentlichen aus, die Rückzahlungsvereinba-
rung in der Annahme unterzeichnet zu haben, dass die veranschlagten
Kurskosten von Fr. 120'000.– den effektiven Kosten für die Polizeiausbil-
dung entsprechen würden. Er habe nicht davon ausgehen können, dass
darüber hinaus noch weitere Beträge verrechnet worden seien.
I.
In ihrer Vernehmlassung vom 9. September 2020 begründet die Vorin-
stanz, weshalb die Argumente des Beschwerdeführers unzutreffend seien.
J.
In seinen Schlussbemerkungen vom 8. Oktober 2020 hält der Beschwer-
deführer an seinen Anträgen und Ausführungen fest.
K.
Auf die weitergehenden Ausführungen der Parteien und die sich bei den
Akten befindlichen Schriftstücke wird – soweit entscheidrelevant – in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern eine Vorinstanz
im Sinne von Art. 33 VGG entschieden hat und keine Ausnahme nach
Art. 32 VGG gegeben ist.
Die Bestimmungen über das Dienstverhältnis des Bundespersonals finden
auch auf das Personal der SBB Anwendung (vgl. Art. 15 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes vom 20. März 1998 über die Schweizerischen Bundesbahnen
[SBBG, SR 742.31] und Art. 2 Abs. 1 Bst. d des Bundespersonalgesetzes
vom 24. März 2000 [BPG, SR 172.220.1]). Der Vorinstanz kam hinsichtlich
der vorliegend streitigen Frage Verfügungsbefugnis zu (vgl. Art. 34
Abs. 1 BPG und Art. 180 Abs. 1 des am 1. Mai 2019 in Kraft getretenen
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und im Zeitpunkt des Verfügungserlasses geltenden Gesamtarbeitsver-
trags der Vorinstanz vom 26. November 2018 [nachfolgend: GAV-SBB]).
Ihr Entscheid ist eine Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG und stammt von
einer Vorinstanz gemäss Art. 33 Bst. h VGG. Eine Ausnahme nach Art. 32
VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist somit zur Beurtei-
lung der vorliegenden Beschwerde zuständig (vgl. auch Art. 36 Abs. 1 BPG
und Art. 182 GAV-SBB).
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes vorsieht (Art. 37 VGG und
Art. 180 Abs. 2 GAV-SBB).
1.3 Zur Beschwerde ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer am Ver-
fahren vor der Vorinstanz teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teil-
nahme erhalten hat (Bst. a), durch die angefochtene Verfügung besonders
berührt ist (Bst. b) und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung
oder Änderung hat (Bst. c).
Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen
und ist als Adressat der angefochtenen Verfügung, worin er zur Bezahlung
von Fr. 56'508.– verpflichtet wird, sowohl formell als auch materiell be-
schwert. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz besteht auch ein schutzwür-
diges Interesse an der Aufhebung oder Änderung der Verfügung. Er ist
demnach zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG).
1.4 Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (vgl.
Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 VwVG) ist einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf
Rechtsverletzungen, einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger Fest-
stellung des rechterheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der Aus-
übung des Ermessens (Art. 49 Bst. a und b VwVG). Zudem prüft es die
Verfügung auf Angemessenheit hin (Art. 49 Bst. c VwVG). Es wendet das
Recht von Amtes wegen an und ist an die Begründung der Parteien nicht
gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer bestreitet, dass die angefochtene Verfügung
von der zuständigen Stelle erlassen worden sei. So sei der Arbeitsvertrag
Seite 6
sowie die Ausbildungsvereinbarung mit den «Schweizerischen Bundes-
bahnen mit Sitz in Bern» abgeschlossen worden, hingegen sei die Verfü-
gung von der «SBB AG, (...) Olten» ergangen. Die Verfügung sei mangels
Zuständigkeit nichtig.
3.2 Bei der Vorinstanz handelt es sich um eine spezialgesetzliche Aktien-
gesellschaft und sie ist, wie zuvor in E. 1.1 ausgeführt, grundsätzlich zum
Erlass von Verfügungen zuständig. Der Gesamtarbeitsvertag hält in allge-
meiner Weise fest, dass die SBB bei Uneinigkeit über eine Vertragsände-
rung oder bei anderen Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis eine Verfü-
gung erlässt (vgl. Art. 180 Abs. 1 GAV-SBB), ohne diese Kompetenz einer
spezifischen Stelle innerhalb des Unternehmens zu übertragen. Der Be-
schwerdeführer weist zwar zutreffend darauf hin, dass bei den Arbeits- und
Aspirantenverträgen die SBB mit Sitz in Bern explizit als Vertragspartei ge-
nannt wird, ähnlich wie bei der Verfügung ist als Adressierungselement je-
doch einmal die Personalabteilung der SBB in Fribourg und einmal jene in
Zollikhofen aufgeführt. Die Verfügung wurde von B._, (...) der
Transportpolizei, sowie C._, (...) der Personalabteilung, unter-
zeichnet. Letzterer hat neben dem (...) der Region Deutschschweiz auch
die Ausbildungsvereinbarung unterzeichnet. Es sind den Akten keine An-
haltspunkte zu entnehmen – und der Beschwerdeführer legt solche auch
nicht dar –, dass diese Personen für die Ausstellung der Verfügung nicht
unterzeichnungsberechtigt gewesen wären. Selbst wenn die Adressierung
der Verfügung auf die Personalabteilung in Olten lautet, ist diese ohne Wei-
teres der SBB AG mit Hauptsitz in Bern zuzuordnen. Es ist demnach nicht
ersichtlich, dass die Verfügung von einer unzuständigen Stelle erlassen
worden wäre, weshalb sich die Rüge des Beschwerdeführers als unbe-
gründet erweist.
4.
4.1 Das Arbeitsverhältnis des Beschwerdeführers untersteht gemäss Art. 1
Abs. 1 Bst. d BPG dem Bundespersonalgesetz sowie ergänzend dem GAV-
SBB (Art. 6 Abs. 3 i.V.m. Art. 38 Abs. 2 BPG). Soweit dieses und andere
Bundesgesetze nichts anderes bestimmen, gelten sodann die einschlägi-
gen Bestimmungen des Obligationenrechts (OR, SR 220; Art. 6 Abs. 2 BPG
und Art. 1 Abs. 3 GAV-SBB). Darüber hinaus sind für die vorliegende Ar-
beitsstreitigkeit der Arbeitsvertrag sowie weitere Vereinbarungen zwischen
der Vorinstanz und dem Beschwerdeführer massgeblich. Nicht zur Anwen-
dung gelangt dagegen die Bundespersonalverordnung vom 3. Juli 2001
Seite 7
(BPV, SR 172.220.111.3; vgl. statt vieler Urteil des BVGer A-2372/2019
vom 31. Januar 2020 E. 3 m.H.).
Gemäss Art. 4 Abs. 2 BPG setzen die Arbeitgeber ihr Personal auf zweck-
mässige, wirtschaftliche und sozial verantwortbare Weise ein. Sie treffen
geeignete Massnahmen zur persönlichen und beruflichen Entwicklung, zu
Aus- und Weiterbildung und zur Motivierung ihres Personals sowie zu des-
sen vielseitiger Einsetzbarkeit (Art. 4 Abs. 2 Bst. b BPG). Personen mit ab-
geschlossener Ausbildung, die eine zusätzliche interne Ausbildung bei der
Vorinstanz absolvieren, gelten gemäss dem GAV-SBB als Mitarbeitende in
Zweitausbildung (vgl. Anhang 1, Art. 3 GAV-SBB). Gemäss interner Wei-
sung der Vorinstanz fallen darunter auch Personen, welche sich bei der
Vorinstanz zu Transportpolizisten und Transportpolizistinnen ausbilden las-
sen (vgl. Ziff. 1.4 Regelwerk SBB, Weisung K.152, Aus- und Weiterbildung
[nachgehend: Weisung der Vorinstanz]).
Eine Rückzahlungsvereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer
betreffend die Kostentragung von Ausbildungen, deren Übernahme insbe-
sondere bei betriebsnotwendigen Ausbildungen nicht ohnehin geschuldet
ist, ist grundsätzlich zulässig, soweit sie den vom Arbeitnehmer zurückzu-
vergütenden Betrag und den Zeitraum fixiert, innert welchem die Kündi-
gung eine Rückzahlungspflicht auslöst. Unzulässig ist eine Rückzahlungs-
klausel, wenn sie einseitig auf die Interessen des Arbeitsgebers gerichtet
ist. Schranken bilden dabei insbesondere die für den Arbeitnehmer auch
im öffentlichen Recht geltende Kündigungsfreiheit (vgl. Art. 170 Abs. 1
GAV-SBB) sowie die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers (vgl. Art. 6 Abs. 2
BPG i.Vm. Art. 328 Abs. 1 OR; zum Ganzen vgl. insb. FADRI BRUNOLD, Die
Arbeitsauslagen im schweizerischen Individualarbeitsrecht, 2013, S. 89 ff.,
STREIFF/VON KAENEL/RUDOLPH, Arbeitsvertrag, Praxiskommentar, 7. Aufl.
2012, Art. 327a OR N 7; ANDRÉ LERCH, Arbeitsrechtliche Rückzahlungs-
vorbehalte für Aus- und Weiterbildungskosten, Anwaltsrevue 1/2012, S. 24,
THOMAS GEISER, Weiterbildung und Arbeitsrecht, Recht: Zeitschrift für ju-
ristische Weiterbildung und Praxis, 2011, S. 118-129, N 2.33 f., RAOUL
BUSSMANN, Rückzahlungsklauseln bei freiwilligen Leistungen des Arbeit-
gebers, 1977, S. 44 ff.).
4.2 Der Beschwerdeführer führt zur Begründung seiner Rechtsmittelein-
gabe im Wesentlichen aus, dass der ihm in Rechnung gestellte Betrag für
die Ausbildungskosten deutlich überhöht ausfalle. Im Vertrag sei vereinbart
worden, dass sich die Übernahme der Kosten auf die Kurskosten be-
schränke und sich diese auf Fr. 120'000.– belaufen würden. Von seinem
Seite 8
neuen Arbeitgeber habe er allerdings in Erfahrung gebracht, dass die Kos-
ten für die polizeiliche Grundausbildung an der Polizeischule in (...) deut-
lich tiefer ausfallen würden als der Betrag, den die Vorinstanz von ihm als
Kurskosten zur Rückzahlung fordere. So würden sich die Kosten gemäss
dem Drittpartnervertrag seines neuen Arbeitgebers und der (...) lediglich
auf Fr. 46'500.– pro Ausbildungsjahr belaufen. Es sei zwar zutreffend, dass
der Beschwerdeführer die Ausbildungsvereinbarung in Kenntnis der veran-
schlagten Kurskosten von Fr. 120'000.– unterzeichnet habe. Dass dieser
Betrag nicht den effektiven Kurskosten entspreche, wie dies in der Verein-
barung festgehalten worden sei, habe er nicht annehmen können. Er sei
auch zu keiner Zeit darauf aufmerksam gemacht worden. Obwohl er bei
der Vorinstanz mehrfach die Aufschlüsselung der Ausbildungskosten ver-
langt habe, habe diese den in Rechnung gestellten Betrag nicht offenlegen
wollen, sondern einzig darauf verwiesen, dass dies so vereinbart worden
sei.
4.3 Die Vorinstanz weist in der Vernehmlassung darauf hin, dass zwischen
ihr und dem Beschwerdeführer eine zulässige Rückzahlungsvereinbarung
vorliege und es nicht ersichtlich sei, weshalb er sich entsprechend dem
fundamentalen Rechtsgrundsatz «pacta sunt servanda» nicht an die im
Vertrag vereinbarten Pflichten zu halten habe.
Dass die Rückzahlung der Ausbildung einzig die Kurskosten für die (...)
umfassen würden, sei nicht vereinbart worden und der Beschwerdeführer
habe davon in guten Treuen auch nicht ausgehen können. Vielmehr ergebe
sich aus dem Vertragsinhalt sowie dessen Bestandteilen (insbesondere
der Weisung der Vorinstanz), dass sich die Rückzahlung auf die Ausbil-
dungskosten insgesamt und damit nicht nur auf die seitens der (...) der
Vorinstanz als Vertragspartnerin in Rechnung gestellten Dienste beziehen
würden. Dies widerspreche nicht nur dem Gelebten in der Aus- und Wei-
terbildungslandschaft, sondern es sei jedem Aspiranten klar und aufgrund
der dem Beschwerdeführer zur Verfügung stehenden Informationen auch
für ihn erkennbar gewesen, dass nebst den Kosten für die Schule unab-
hängig vom Lohn und der Arbeitszeit noch diverse weitere Aufwände an-
fallen würden, welche der Aus- und Weiterbildungsanbieter bei einem vor-
zeitigen Abgang nicht gewillt sei, zu bezahlen. Namentlich kämen etwa Be-
treuungskosten hinzu, zumal der Beschwerdeführer im Rahmen des Aus-
bildungsjahres während rund eineinhalb Monate bei der Vorinstanz zum
Einsatz gekommen und von erfahrenen Mitarbeitenden betreut worden sei.
Es sei zudem gerichtsnotorisch, dass durch den Gebrauch und die (Ab-)
Nutzung von Ausrüstungs- und lnventargegenständen über den Zeitraum
Seite 9
von mindestens einem Jahr entsprechende lnstandhaltungsarbeiten oder
Ersatzkosten entstehen würden, welche Teil der Weiterbildungskosten der
Vorinstanz darstellten. Weshalb derartige Kosten nicht Teil der Weiterbil-
dungskosten seien und in den entsprechend vereinbarten Betrag von
Fr. 120'000.– nicht einfliessen könnten, habe der Beschwerdeführer in kei-
ner Weise substanziiert. Bei der Rückzahlungspflicht des Arbeitnehmers
handle es sich um eine Wahlschuld des Arbeitnehmers und nicht um eine
Konventionalstrafe. Entweder der Arbeitnehmer arbeite die eingegangene
Schuld durch Verbleiben in den Diensten des Arbeitgebers ab, oder er er-
statte die Kosten.
Die Ausbildung zum Transportpolizisten stelle schliesslich eine Ausnahme
in der polizeilichen Ausbildungslandschaft dar, welche eisenbahnspezifi-
sche Spezialitäten aufweise. Entsprechend sei es nicht naheliegend, dass
sich die Kosten des neuen Arbeitgebers des Beschwerdeführers mit jenen
der Vorinstanz decken würden, zumal nicht dargelegt worden sei, was die-
ser für Rahmenbedingungen mit der (...) vereinbart habe und wieviel er
einem Polizeiaspiranten letztlich tatsächlich als Rückforderungskosten in
Rechnung stelle.
4.4 In den Schlussbemerkungen hält der Beschwerdeführer diesen Aus-
führungen insbesondere entgegen, dass die in der Ausbildungsvereinba-
rung genannte Weisung unmissverständlich festhalte, was unter den Aus-
bildungskosten zu verstehen sei. Die Vorinstanz bestätige mit ihrer Ver-
nehmlassung, dass sie im Rückforderungsbetrag über die in der Ausbil-
dungsvereinbarung und der Weisung enthaltenen Positionen hinaus Kos-
ten verrechnet habe und damit von ihm mehr fordere, als vertraglich abge-
macht worden sei. Insbesondere sei nicht vereinbart worden, dass der
Rückforderungsbetrag nebst den Kurskosten der (...) auch Betreuungs-
kosten oder Aufwände für die Ausrüstung und Instandhaltungskosten ent-
halte.
5.
5.1 Vorliegend ist unbestritten, dass die Parteien am 1. Juni 2017 eine Aus-
bildungsvereinbarung abgeschlossen haben, worin sich die Vorinstanz als
Arbeitgeberin des Beschwerdeführers diesem gegenüber verpflichtete, die
Kosten für die Ausbildung an der (...) zum Transportpolizisten vollständig
zu tragen. Der Beschwerdeführer verpflichtet sich demgegenüber, diese
Kosten bei einem Austritt vor Ablauf von drei Jahren seit Abschluss der
Ausbildung anteilsmässig zurückzubezahlen. Der Beschwerdeführer stellt
Seite 10
die Gültigkeit dieser Ausbildungsvereinbarung nicht per se in Frage und
bestreitet insbesondere nicht, dass die Vorinstanz aufgrund seiner vorzei-
tigen Kündigung grundsätzlich einen Rückforderungsanspruch hat. In Be-
zug auf die grundsätzliche Rückzahlungspflicht sowie die in der Vereinba-
rung festgehaltenen Modalitäten ist zwischen den Parteien demnach von
einem übereinstimmenden Vertragswillen auszugehen.
5.2 Nicht einig sind sich die Parteien hingegen darüber, in welchem Um-
fang sich der Beschwerdeführer zur Rückzahlung verpflichtet hat. Die Aus-
bildungsvereinbarung, welche als verwaltungsrechtlicher Vertrag zu quali-
fizieren ist (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht,
8. Aufl. 2020, Rz. 1286 ff.; Urteil des BVGer A-3396/2017 vom 8. Ja-
nuar 2018 E. 4), ist nachgehend hinsichtlich dieser Uneinigkeit auszule-
gen.
6.
6.1 Für die Auslegung verwaltungsrechtlicher Verträge ist wie bei einem
privatrechtlichen Vertrag in erster Linie auf den übereinstimmenden wirkli-
chen Willen der Parteien abzustellen (subjektive Vertragsauslegung). Die
subjektive Vertragsauslegung bezieht sich auf den Willen der Vertragspar-
teien im Zeitpunkt des Vertragsschlusses. Nachträgliches Parteiverhalten
kann berücksichtigt werden, wenn es Rückschlüsse auf den tatsächlichen
Willen der Parteien zulässt. Lässt sich ein übereinstimmender Parteiwille
nicht feststellen, ist der Vertrag so auszulegen, wie er nach dem Vertrau-
ensgrundsatz verstanden werden durfte und musste (normative oder ob-
jektive Vertragsauslegung). Dabei ergibt sich der wahre Sinn eines Vertra-
ges nicht allein aus dem Wortlaut, sondern kann sich auch aus anderen
Elementen wie dem verfolgten Ziel, der Interessenlage der Parteien oder
aus den Gesamtumständen ergeben. Von einem klaren Vertragswortlaut
ist jedoch nur abzuweichen, wenn sich ernsthafte Anhaltspunkte dafür er-
geben, dass dieser nicht dem Willen der Parteien entspricht. Im Zweifel
und zur Füllung von Lücken in einem Vertrag sind die dispositiven Bestim-
mungen der einschlägigen Gesetze heranzuziehen, soweit sich nicht ge-
nügend klar aus dem Vertrag ergibt, dass davon abgewichen werden soll.
Bei der Auslegung öffentlich-rechtlicher Verträge ist zudem in Zweifelsfäl-
len zu vermuten, dass die Verwaltung nicht bereit ist, etwas anzuordnen
oder zu vereinbaren, was mit den von ihr zu wahrenden öffentlichen Inte-
ressen und der einschlägigen Gesetzgebung im Widerspruch steht. Indes-
sen wäre es verfehlt, in allen Fällen der dem öffentlichen Interesse besser
dienenden Auslegung den Vorzug zu geben. Die Wahrung des öffentlichen
Seite 11
Interesses findet ihre Schranke vielmehr gerade im Vertrauensprinzip, d.h.
sie darf nicht dazu führen, dass dem Vertragspartner des Gemeinwesens
bei der Vertragsauslegung Auflagen gemacht werden, die er beim Ver-
tragsschluss vernünftigerweise nicht voraussehen konnte (vgl. insb.
BGE 144 V 84 E. 6.2.1; Urteil des BVGer A-3396/2017 vom 8. Januar 2018
E. 5 m.w.H.; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 1343 ff.).
6.2 Die Vorinstanz stellt sich auf den Standpunkt, dass der Beschwerde-
führer über den Vertragsinhalt vollständig informiert worden sei und damit
dem Rückzahlungsbetrag von Fr. 120'000.– ausdrücklich zugestimmt
habe. Sinngemäss macht sie damit geltend, dass in Bezug auf den Rück-
forderungsbetrag von einem übereinstimmenden Parteiwillen im Zeitpunkt
des Vertragsschlusses auszugehen ist. Es trifft zwar zu, dass der Betrag
von Fr. 120'000.– in der Ausbildungsvereinbarung explizit genannt wird,
dieser ist unter dem Titel «Kosten der Zweitausbildung» jedoch unmittelbar
unter dem Kostenpunkt «Kurskosten» aufgelistet. Der Beschwerdeführer
macht denn auch geltend, er sei davon ausgegangen, dass der Betrag den
Kurskosten der Ausbildung an der (...) entspreche. Der Umstand, wonach
er bei der Eröffnung der Rückforderung seine Unterschrift verweigerte und
sich umgehend bei der Vorinstanz beschwerte, als er von seinem neuen
Arbeitgeber erfuhr, dass dies offenbar nicht der Fall sei, spricht für die gel-
tend gemachte Auffassung im Zeitpunkt des Vertragsschlusses. Aufgrund
der Akten ist sodann nicht erkennbar, dass die Vorinstanz ihn spezifisch
darüber aufgeklärt hat, dass der angegebene Betrag unter Umständen
nicht den Kurskosten entspricht. Damit erscheint es glaubhaft, dass der
Wille des Beschwerdeführers auf die eigentlichen Kurskosten der Polizei-
schule gerichtet war und nicht auf den festgesetzten Betrag von
Fr. 120'000.–, zumal keine weiteren persönlichen Umstände oder Motive
ersichtlich sind, die einen anderen Rückschluss auf die subjektive Willens-
bildung zuliessen. Ein tatsächlich übereinstimmender Parteiwille hinsicht-
lich des Rückforderungsbetrag kann demnach nicht rechtsgenüglich fest-
gestellt werden. Vielmehr scheinen die Parteien im Zeitpunkt des Vertrags-
schlusses von unterschiedlichen Auffassungen ausgegangen zu sein.
6.3 Die Ausbildungsvereinbarung ist demnach objektiv, nach Vertrauens-
prinzip auszulegen.
6.3.1 Auszugehen ist vom Wortlauft der Vereinbarung, welche hinsichtlich
der Kosten der Ausbildung und der Rückerstattungspflicht Folgendes fest-
hält:
Seite 12
«3. Angaben über die Zweitausbildung und deren Beteiligung: (...)
Kosten der Zweitausbildung (Kurskosten, Prüfungsgebühren, Kosten für obligato-
rische Lehrmittel):
 Kurskosten: Fr. 120'000.–
 Prüfungsgebühren: Fr. 0.–
 Kosten für oblig. Lehrmittel: 0.–
 Weitere Kosten (falls vorhanden): 0.–
 Total Kosten: 120'000.–
Gesamtbeteiligung der SBB:
 in %: 100%
 in Fr.: Fr. 120'000.–
4. Bestimmungen für Beteiligungen an einer Zweitausbildung
4.1. Leistungen der SBB
4.1.1. Kostenbeteiligung
Die SBB beteiligt sich mit dem in Kapitel 3 beschriebenen Frankenbetrag an den
Kosten der Zweitausbildung. Dieser Betrag beinhaltet Kurskosten, allfällige Prü-
fungsgebühren sowie das Kursmaterial (wie z. B. Bücher).
4.1.2. Zeitbeteiligung
Die Ausbildungszeit erfolgt während der Arbeitszeit und ist nicht rückerstattungs-
pflichtig. Die Ausbildungszeit ist durch die reguläre Arbeitszeit abgegolten.
4.2. Pflichten der Mitarbeiterin / des Mitarbeiters
4.2.1 Rückerstattungsverpflichtung
(...) Eine anteilsmässige Rückerstattungspflicht der von der SBB vergüteten Aus-
und Weiterbildungskosten besteht, wenn die Mitarbeiterin bzw. der Mitarbeiter die
SBB vor Ablauf von drei Jahren nach Abschluss der Zweitausbildung verlässt, mit
der Ausnahme eines Wechsels zu SBB Cargo (gemäss Ziffer 2.4 der Weisung [der
Vorinstanz]). Die Frist beginnt mit dem ersten Tag des auf die abgeschlossene
Zweitausbildung folgenden Monats. Ist die Frist von drei Jahren nicht eingehalten,
so ist für jeden verbleibenden vollen Kalendermonat ein Anteil von 2,77% der ins-
gesamt vergüteten Zweitausbildungskosten zurückzuerstatten, gerechnet vom
letzten Tag des Arbeitsverhältnisses mit der SBB bis zum Ablauf der Frist. Bei
Zweitausbildungen ist die betroffene Person nur für die Weiterbildungskosten,
nicht aber für den in dieser Zeit bezogenen Lohn sowie die Ausbildungszeit, rück-
erstattungspflichtig (gemäss Ziffer 4.3 der Weisung [der Vorinstanz]).»
Seite 13
6.3.2 Die Ausbildungsvereinbarung hält klar fest, dass der Beschwerdefüh-
rer für die «Weiterbildungskosten», nicht aber für den in dieser Zeit bezo-
genen Lohn oder die Ausbildungszeit, rückerstattungspflichtig ist (vgl. Ziff.
4.2.1 Ausbildungsvereinbarung), wobei die Begriffe für «Weiterbildungs-
kosten», «Ausbildungskosten» und «Kosten für Zweitausbildung» syno-
nym verwendet werden (nachgehend: Ausbildungskosten). Nebst den
«Kurskosten» fallen unter die Ausbildungskosten gemäss Vereinbarung
auch «allfällige Prüfungsgebühren» sowie «das Kursmaterial (wie z.B. Bü-
cher)» (vgl. ebd. Ziff. 3 und Ziff. 4.1.1.). Die Weisung der Vorinstanz, welche
Vertragsbestandteil bildet, zählt bei der Definition der Ausbildungskosten
über die genannten Kostenpunkte hinaus noch «Spesen für die Unterbrin-
gung am Kursort» hinzu (vgl. ebd. Ziff. 2.1.6). Dies legt nahe, dass die
Rückzahlung auf diejenigen Aufwände gerichtet ist, welche der Vorinstanz
unmittelbar aus der einjährigen polizeilichen Grundausbildung an der (...)
entstanden sind.
Die Weisung der Vorinstanz weist sodann darauf hin, dass anstelle der «ef-
fektiven Kosten» ebenso eine «Pauschale pro Ausbildungsmonat» festge-
legt werden kann (vgl. ebd. Ziff. 4.3). Eine Pauschale pro Ausbildungsmo-
nat wird in der Vereinbarung nicht explizit erwähnt, weshalb es im Gesamt-
kontext naheliegend ist, dass die Rückzahlung der effektiven Kosten der
Ausbildung vereinbart wurde. Selbst im Fall, dass ein Rückforderungsbe-
trag als Pauschalbetrag ausgestaltet wird, hat sich dieser sodann an den
tatsächlichen Kosten zu orientieren. So bezweckt eine Rückzahlungsver-
einbarung in der Regel die Bindung eines Arbeitnehmers an den Betrieb
respektive, falls dies nicht gelingt, den Ausgleich des wirtschaftlichen
Nachteils, welcher dem Arbeitgeber durch die freiwillige Übernahme der
Ausbildungskosten und der Nichtamortisation seiner Investition entsteht
(vgl. BRUNOLD, a.a.O., S. 87 f.; SANTORO, Die Konventionalstrafe im Ar-
beitsvertrag, 2001, S. 99, 101; BUSSMANN, a.a.O., S. 23). Eine Rückzah-
lungsklausel darf einen Arbeitgeber jedoch weder übermässig binden noch
darf ihr eine Art Strafcharakter zukommen. Die Vereinbarung eines Rück-
forderungsbetrags, welcher die tatsächlichen Kosten übersteigt, könnte an-
sonsten eine unzulässige Kündigungserschwerung darstellen (vgl. SAN-
TORO, a.a.O., S. 102). Stossend wäre es sodann, wenn der Vorinstanz als
öffentlich-rechtliche Institution, mit dem in Rechnung gestellten Betrag ein
Gewinn resultieren würde. Demnach gilt die Vermutung, dass es nicht im
Interesse der Parteien war, einen Rückforderungsbetrag zu vereinbaren,
welcher die tatsächlichen Kosten der Ausbildung übersteigt.
Seite 14
Vielmehr konnte der Beschwerdeführer nach dem Gesagten in guten
Treuen davon ausgehen, dass der Rückforderungsbetrag von
Fr. 120'000.– den tatsächlichen Ausbildungskosten entspricht. Selbst wenn
die Aufstellung der Kosten suggeriert, dass die Summe einzig aus den
Kurskosten besteht, war es für ihn demnach nicht unerwartet, dass darin
unter Umständen auch Kosten für allfällige Prüfungsgebühren oder für
Kursmaterial mitenthalten sein könnten. Nicht zu erwarten hatte er jedoch,
dass der Betrag die tatsächlichen Kosten übersteigt. Ob der vereinbarte
Rückforderungsbetrag – wie die Vorinstanz vorbringt – dabei als Wahl-
schuld oder als andere rechtliche Schuld einzuordnen ist, vermag an dieser
Feststellung im Übrigen nichts zu ändern.
6.3.3 Es stellt sich die Frage, ob unter die tatsächlichen Kosten auch Auf-
wände fallen können, welche nicht Bestandteil der zuvor dargelegten Kos-
tenpunkte darstellen respektive, ob der Beschwerdeführer auch damit
rechnen musste, dass im Rückforderungsbetrag Aufwände enthalten sind,
welche im Vertrag nicht explizit genannt wurden.
Die in der Vereinbarung vorgenommene Aufschlüsselung der Gesamtkos-
ten enthält nebst den als Ausbildungskosten definierten Aufwänden zudem
den Kostenpunkt «weitere Kosten» und lässt damit an sich Raum für nicht
näher präzisierte Ausgaben. Der Kostenpunkt wurde jedoch explizit mit
«Null» beziffert. Ausserdem wurde er nicht etwa dahingehend näher be-
schrieben, dass damit unter Umständen auch Aufwände gemeint sein kön-
nen, welche nur indirekt mit der Ausbildung an der (...) im Zusammenhang
stehen. Dies steht der in der Ausbildungsvereinbarung enthaltenen eindeu-
tigen Umschreibung der Ausbildungskosten entgegen. Auch die Natur der
dort definierten Kostenpunkte weist darauf hin, dass unter «weitere Kos-
ten» nur solche Aufwände fallen, die einen nahen Zusammenhang mit der
Ausbildung an der (...) aufweisen und damit mit den in der Definition expli-
zit genannten Kosten vergleichbar sind. Als Beispiel könnten etwa die zwar
in der Weisung, nicht aber in der Vereinbarung genannten Kosten für die
Unterbringung am Kursort genannt werden. Der Vertragswortlaut spricht
damit nicht für die Auslegung der Vorinstanz, wonach der vereinbarte Rück-
zahlungsbetrag auch Kosten für die Abnützung der Kleider und weiterer
Gegenstände sowie für die interne Betreuung des Beschwerdeführers be-
inhaltet.
Auch darüber hinaus ergeben sich keine hinreichenden Anhaltspunkte,
dass solche Aufwände vorliegend als Bestandteil der Ausbildungskosten
zu betrachten sind. Zunächst ist überhaupt fraglich, ob die seitens der Vor-
Seite 15
instanz geltend gemachten Aufwände von der Rückzahlungspflicht umfasst
sein können und nicht – wie etwa für Berufskleidung grundsätzlich üblich –
als betriebsnotwendige Auslagen zu qualifizieren wären (zum Ganzen
siehe BRUNOLD, a.a.O., S. 5 ff., S. 61 ff., STREIFF/VON KAENEL/RUDOLPH,
a.a.O., Art. 327a OR N 7; GEISER, a.a.O., N. 2.28 ff., insb. 2.32). Unabhän-
gig von der Beantwortung dieser Frage vermag die Ansicht der Vorinstanz,
wonach es gerichtsnotorisch sei, dass solche Aufwände in den Ausbil-
dungskosten enthalten seien, bereits deshalb nicht zu überzeugen. Auch
aus den von ihr angebrachten Hinweisen auf das Handbuch der (...) oder
auf weitere Internetseiten lässt sich nicht schliessen, dass es für den Be-
schwerdeführer hätte erkennbar sein sollen, dass der Rückforderungsbe-
trag entsprechende Kosten enthält. Vielmehr ist festzustellen, dass solche
Aufwände explizit in der Vereinbarung als Kostenpunkt hätten präzisiert
werden müssen, um sie später im Rahmen des vereinbarten Rückforde-
rungsbetrags vom Beschwerdeführer zurückzufordern (vgl. auch Entscheid
des Personalrekursgericht des Kantons Aargau vom 26. Mai 2010, AGVE
2010 Nr. 84).
6.4 Eine Auslegung nach dem Vertrauensprinzip ergibt damit, dass die Ver-
einbarung auf die Rückzahlung der tatsächlichen Ausbildungskosten ge-
richtet war und sich der Rückzahlungsbetrag nebst den Kurskosten der
Schule aus den Prüfungsgebühren, dem Kursmaterial sowie – in engen
Grenzen – damit vergleichbaren Aufwänden zusammensetzt. Der Be-
schwerdeführer musste weder davon ausgehen, dass die Rückzahlungs-
forderung die tatsächlichen Kosten der Ausbildung übersteigt noch, dass
der festgesetzte Betrag Aufwände enthält, welche nicht in der Vereinba-
rung aufgeführt respektive nicht zumindest mit diesen vergleichbar sind.
Damit hat er erwarten können, dass die zurückgeforderte Summe im Fall,
dass die tatsächlichen Ausbildungskosten tiefer ausfallen als der im Ver-
trag festgesetzte Betrag von Fr. 120'000.–, entsprechend angepasst
würde.
7.
7.1 Nach dem Gesagten stellt sich die Frage, von welchen tatsächlichen
Ausbildungskosten vorliegend auszugehen ist. Die Vorinstanz bestreitet,
dass für sie durch die Ausbildung des Beschwerdeführers nicht Kosten im
Umfang von Fr. 120'000.– entstanden seien, legt indessen nicht näher dar,
wie sich der Betrag zusammensetzt. Der Beschwerdeführer bringt hinge-
gen vor, die Ausbildungskosten würden deutlich unter dem Betrag von
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Fr. 120'000.– liegen. Gemäss einer von ihm eingereichten Kostendarle-
gung sowie dazugehörigem E-Mail-Verkehr stellte die (...) der Regional-
stelle (...) für die Grundausbildung eines Polizeiaspiranten oder einer Poli-
zeiaspirantin im Jahr 2018 im Rahmen einer Leistungspauschale für Dritt-
partner einen Betrag von Fr. 46'500.– in Rechnung.
7.2 Dem Bundesverwaltungsgericht ergibt sich aufgrund von Informationen
aus öffentlich zugänglichen Quellen folgendes Bild: Dem Jahresbericht der
(...) von 2020 ist zu entnehmen, dass sich die durchschnittlichen Pro-Kopf-
Kosten im Bereich der polizeilichen Grundausbildung – unter anderem be-
dingt durch unterschiedliche Absolventenzahlen – von Jahr zu Jahr unter-
scheiden. In den für den vorliegenden Fall relevanten Jahren 2017 und
2018 beliefen sie sich auf durchschnittlich Fr. 73‘446.– respektive auf
Fr. 58‘918.– pro auszubildende Person. Zwischen 2014 und 2020 ist im
Durchschnitt sodann von pro-Kopf-Kosten von Fr. 59’728.– pro auszubil-
dende Person auszugehen (vgl. (...), Jahresbericht 2020, 7. Mai 2021, ab-
zurufen unter: < (...) > [besucht am 15.7.2021], S. 5).
Diese Zahlen lassen sich in die der Regionalstelle (...) als Drittpartnerin
der (...) in Rechnung gestellte Leistungspauschale einfügen, wobei die Vo-
rinstanz zu Recht daraufhin weist, dass dies noch kein Schluss darüber
zulässt, welche Kosten von einem frühzeitig ausscheidenden Polizeiaspi-
ranten oder einer Polizeiaspirantin letztlich tatsächlich zurückerstattet wer-
den. Beispielhaft lässt sich dies an den Kantonen Bern und Schwyz aufzei-
gen, welche als Konkordatsmitglieder ihr Polizeipersonal ebenfalls an der
(...) ausbilden lassen. Bei der Kantonspolizei in Bern beträgt der maximale
Rückerstattungsbetrag für die polizeiliche Ausbildung Fr. 18'000.–, bei der
Kantonspolizei Schwyz 40’000.– (vgl. < http://www.police.be.ch > Über uns
> Karriere > Polizeiausbildung > Anstellungsbedingungen; < http://www.
sz.ch > Behörden > Sicherheit, Polizei > Kantonspolizei > Ausbildung >
Häufig gestellte Fragen [beide Seiten besucht am 15.7.2021]).
Es ist nicht ausgeschlossen, wie die Vorinstanz vorbringt, dass sich die
Beitragszahlungen der Vorinstanz als Drittpartnerin der (...) anders gestal-
ten als jene der Regionalstelle (...), welche ebenfalls eine Drittpartnerin ist.
Naheliegend ist auch, dass sich die Beitragsleistungen der Drittpartner von
den Beiträgen der Kantone als Konkordatsmitglieder unterscheiden und
die pro-Kopf-Kosten für eine auszubildende Person bei Drittpartnern unter
Umständen höher ausfallen als die zuvor beispielhaft genannten Rückzah-
lungsbeträge. Denkbar ist es schliesslich, dass die Vorinstanz der (...) ei-
nen jährlichen Pauschalbetrag für die Zulassung des auszubildenden
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Transportpolizeipersonals bezahlt und sich die Kosten für die jeweiligen
Aspiranten oder Aspirantinnen nicht exakt beziffern lassen, da sie je nach
Anzahl Auszubildende von Jahr zu Jahr variieren können. Dennoch müsste
es der Vorinstanz möglich sein, die tatsächlichen Kosten, welche ihnen
durch die Ausbildung ihrer Polizeiaspirantinnen und -aspiranten durch-
schnittlich entstehen und konkret durch die Ausbildung des Beschwerde-
führers entstanden sind, zu beziffern. Allerdings vermochte sie bisher in
keiner Weise aufzuzeigen, wie sich der in Rechnung gestellte Rückforde-
rungsbetrag von Fr. 120'000.– zusammensetzt und, ob er in etwa den tat-
sächlich anfallenden Ausbildungskosten entspricht. Zudem macht sie auf
Beschwerdeebene Kosten geltend, welche – wie zuvor dargelegt – nicht
von der Rückforderungspflicht umfasst sind.
7.3 Unter den dargelegten Umständen bestehen Anhaltspunkte, dass der
geforderte Rückforderungsbetrag im Umfang von Fr. 120'000.– von den
effektiven Ausbildungskosten des Beschwerdeführers abweicht und allen-
falls sogar in einem Missverhältnis zu diesen stehen könnte.
8.
8.1 Im Verwaltungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Die Be-
hörde stellt den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich hierfür
der erforderlichen Beweismittel (Art. 12 VwVG). Die Vorinstanz hat demzu-
folge für die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts zu sorgen. Den Parteien obliegen unter Umständen Mitwir-
kungspflichten (Art. 13 VwVG). Eine eigentliche Beweisführungslast trifft
sie dagegen – anders als im Zivilprozess – nicht (vgl. MOSER/BEUSCH
/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Auf-
lage 2013, Rz. 3.149). Dies ändert nichts an der (objektiven) Beweislast,
wonach grundsätzlich diejenige Partei die Folgen der Beweislosigkeit eines
Sachumstands zu tragen hat, die daraus Vorteile ableitet. Demzufolge trägt
bei begünstigenden Verfügungen grundsätzlich der Ansprecher die Be-
weislast, während bei belastenden Verfügungen die Verwaltung beweisbe-
lastet ist (vgl. Art. 8 ZGB, welcher mangels spezialgesetzlicher Grundlage
auch im öffentlichen Recht analog anzuwenden ist; Urteile des BVGer
A-2718/2016 vom 16. März 2017 E. 2.3, A-4312/2016 vom 23. Feb-
ruar 2017 E. 4.1.3 und A-2080/2016 vom 26. Januar 2017 E. 2.4).
8.2 Art. 61 Abs. 1 VwVG sieht für das Beschwerdeverfahren im Allgemei-
nen vor, dass die Beschwerdeinstanz in der Sache selbst entscheidet oder
Seite 18
diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zu-
rückweist. Bei der Wahl zwischen den beiden Entscheidarten steht dem
Gericht grundsätzlich ein weiter Ermessensspielraum zu. Liegen sachliche
Gründe vor, ist eine Rückweisung regelmässig mit dem Untersuchungs-
grundsatz und dem Prinzip eines einfachen und raschen Verfahrens ver-
einbar. Zur Rückweisung führt insbesondere eine mangelhafte Abklärung
des Sachverhalts durch die Vorinstanz, die ohne eine aufwändigere Be-
weiserhebung nicht behoben werden kann. Die Vorinstanz ist mit den tat-
sächlichen Verhältnissen besser vertraut und darum im Allgemeinen bes-
ser in der Lage, die erforderlichen Abklärungen durchzuführen. Ebenso ist
eine Rückweisung angezeigt, wenn der Vorinstanz ein Ermessen zu-
kommt, bei dessen Überprüfung sich das Gericht Zurückhaltung auferlegt.
Schliesslich bleibt der betroffenen Partei dergestalt der gesetzlich vorge-
sehene Instanzenzug erhalten (vgl. statt vieler BGE 131 V 407 E. 2.1.1;
BVGE 2012/21 E. 5.1; Urteile des BVGer A-5766/2016 vom 20. Feb-
ruar 2017 E. 10.2 und A-1063/2014 vom 25. März 2015 E. 3.6; MO-
SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.194).
8.3 Vorliegend besteht über die tatsächlichen Kosten der Ausbildung des
Beschwerdeführers Unklarheit. Wie zuvor ausgeführt, müsste es der Vor-
instanz jedoch möglich sein, diese zu beziffern. Da nur sie den diesbezüg-
lichen Sachverhalt vervollständigen kann und die Bezifferung der Ausbil-
dungskosten als Ausgangspunkt für die Berechnung des zurückzubezah-
lenden Betrags dient, obliegt es ihr im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht,
diese Kosten darzulegen. Ihre Ansicht, wonach der Rückforderungsbetrag
mit dem Betrag von Fr. 120'000.– vertraglich vereinbart worden sei, wes-
halb sie diesen auch nicht näher aufzuschlüsseln habe, hält angesichts des
zuvor Dargelegten nicht stand.
Demzufolge ist der Entscheid aufzuheben und die Sache zu neuem Ent-
scheid zurückzuweisen. Die Vorinstanz wird im Rahmen einer neuen Ver-
fügung die tatsächlichen Ausbildungskosten darzulegen und anhand des-
sen den zurückzubezahlenden Betrag gemäss den im Vertrag vereinbarten
Modalitäten festzulegen haben. Nach dem Gesagten erübrigt es sich, auf
den Antrag des Beschwerdeführers um Offenlegung der Kosten näher ein-
zugehen, da diesem im Rahmen der Kassation entsprochen wird.
9.
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Das Beschwerdeverfahren ist in personalrechtlichen Belangen grundsätz-
lich kostenlos (Art. 34 Abs. 2 BPG), weshalb keine Verfahrenskosten zu er-
heben sind.
10.
10.1 Der obsiegenden Partei ist von Amtes wegen oder auf Begehren eine
Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten zuzusprechen
(vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Entschädigung umfasst die Kos-
ten der Vertretung sowie allfällige weitere Auslagen der Partei
(vgl. Art. 8 ff. VGKE). Der Stundenansatz für die anwaltliche Vertretung be-
trägt mindestens Fr. 200.– und höchstens Fr. 400.– (vgl. Art. 10
Abs. 2 VGKE). Wird keine Kostennote eingereicht, setzt das Gericht die
Entschädigung aufgrund der Akten fest (Art. 14 Abs. 2 VGKE).
10.2 In der Verwaltungsrechtspflege des Bundes gilt die Rückweisung der
Sache an die Vorinstanz zu weiteren Abklärungen und neuem Entscheid
(mit noch offenem Ausgang) praxisgemäss als volles Obsiegen der be-
schwerdeführenden Partei (vgl. BGE 137 V 210 E. 7.1, 132 V 215 E. 6.1;
Urteil des BVGer A-1063/2014 vom 25. März 2015 E. 5). Der anwaltlich
vertretene Beschwerdeführer gilt demnach als obsiegend und hat An-
spruch auf eine Parteientschädigung. Diese ist in Anbetracht des mutmass-
lichen Arbeits- und Zeitaufwands für das vorliegende Beschwerdeverfah-
ren auf Fr. 5‘500.– (inkl. Auslagen) festzusetzen und der Vorinstanz zur
Zahlung aufzuerlegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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