Decision ID: 1ec0e436-428c-46ee-82b2-fdebc698987a
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1961, erlernte den Beruf der Servicefachangestellten, erlangte den Fähigkeitsausweis für das Gastgewerbe und absolvierte verschie
dene Weiterbildungen. Ab 1997 war sie als
Aussendienstmitarbeiterin
bei der
Y._
beschäftigt, wo sie im folgenden Jahr zur Verkaufsleiterin auf
stieg (
Urk.
8/4/4-5 und
Urk.
8/12). Am
8.
Oktober 2000 erlitt sie einen Ver
kehrs
unfall, als ein vor ihr fahrender Lenker auf der Autobahn einen Schwenker nach rechts machte, worauf sie instinktiv nach rechts lenkte, die
Fahrbahnbe
grenzung
berührte, ins Schleudern geriet und in eine Betonwand prallte (
Urk.
8/15/2). Dabei zog sie sich nebst einer Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) eine dorsale Ellbogenluxation rechts zu (
Urk.
8/15/43). Aufgrund eines verbliebenen Streckdefizits im rechten Ellbogengelenk wurde ihr eine vollum
fängliche Arbeitsunfähigkeit attestiert (
Urk.
8/16
lit
. B und
lit
. A
Ziff.
1). Hierauf
wurde das Arbeitsverhältnis per
3.
Mai
2001 aufgelöst (
Urk.
8/12/1 und
Urk.
8/12/5)
und die Versicherte trat gleichzeitig eine neue Stelle als Sachbear
beiterin Verkauf (inkl.
Aussendienst
) bei der
Z._
an (
Urk.
8/14
Ziff.
1).
1.2
Am 2
5.
Mai 2002 (
Urk.
8/8
Ziff.
7.2) meldete sie sich unter Hinweis auf die
Un
fallrestfolgen
(Bewegungseinschränkung des rechten Ellbogens,
Nervenschädi
gung
in Fingern und einem Teil der Hand) bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die (damals zuständige) IV-Stelle des Kantons Aargau zog die Akten des Unfallversicherers bei, tätigte berufliche sowie medizinische Ab
klärungen und sprach der Versicherten mit Verfügung vom 2
4.
März 2003 (
Urk.
8/28) mit Wirkung ab
1.
Oktober 2002 und basierend auf einem
Invalidi
tätsgrad
von 42.7
%
eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung zu. Die dage
gen erhobene Einsprache (
Urk.
8/33/1-6) wurde mit Entscheid vom 2
1.
Oktober 2004 (
Urk.
8/67) abgewiesen und die Ausrichtung der Rente – bei Errechnung eines Invaliditätsgrades von unter 40
%
- per 3
0.
November 2004 eingestellt. Die dagegen erhobene Beschwerde (
Urk.
8/68/3-15)
hiess
das
Versicherungsge
richts
des Kantons Aargau mit Urteil vom
8.
November 2005 (
Urk.
8/84) in dem
Sinne gut, dass der angefochtene
Einspracheentscheid
aufgehoben und die Sa
ch
e zwecks Abklärung beruflicher
Eingliederungsmassnahmen
sowie
Neuent
scheid
(betreffend
Eingliederungsmassnahmen
oder Rente) an die Verwaltung
zurück
ge
wiesen
wurde.
Mittlerweile hatte die Versicherte per
1.
August 2005 eine neue Stelle im Pen
sum von 80
%
im Anzeigenverkauf bei der
A._
angetreten (
Urk.
8/114
Ziff.
2.1). D
ie IV-Stelle Aargau
sprach
der Versicherten - unter Be
zugnahme auf die Ausführungen des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau - mit
Verfügungen vom 2
7.
März 2006 (
Urk.
8/88) mit Wirkung ab
1.
Oktober 2002 eine
Viertelsrente
(IV-Grad 43
%
) und ab
1.
Juni 2005 eine halbe Rente (IV-Grad 53
%
) zu. Die dagegen erhobene Einsprache (
Urk.
8/90)
hiess
die IV-Stelle Aargau mit Entscheid vom 2
8.
September 2007 (
Urk.
8/103) teilweise gut
und sprach ihr mit Wirkung ab
1.
Oktober 2001 eine
Viertelsrente
, ab
1.
Juni 2003
eine halbe und ab
1.
Januar 2004 eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenver
sicherung zu. Die entsprechenden (vollziehenden) Rentenverfügungen ergingen am
1
8.
Januar 2008 (
Urk.
8/106).
1.3
Am
5.
Dezember 2008 (
Urk.
8/111) leitete die – nach Umzug der Versicherten neu zuständige – Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, ein Rentenrevisionsverfahren ein, zog die Akten des Unfallversicherers bei (bein
hal
tend das Gutachten der
B._
vom
6.
Januar 2011,
Urk.
8/130/7-78) und tätigte
weitere
Ab
klä
rungen, namentlich
zog
sie
das vom Unfallversicherer veranlasst
e
weitere Gut
achten der
Medizinische
n
Abklärungsstelle (MEDAS)
C._
bei
(Exper
tise vom 2
2.
Januar 2014,
Urk.
8/137).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/140) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
0.
Juni 2014 (
Urk.
2) die Rente nach Zustellung der Verfügung auf Ende des folgenden Monats auf.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 2
2.
August 2014 Beschwerde mit den An
trägen, es sei die angefochtene Verfügung vom 2
0.
Juni 2014 aufzuheben und die
Beschwerdegegnerin
zu verpflichten, der
Beschwerdeführerin
weiterhin eine Invalidenrente nach Gesetz, d.h. auch über den 3
1.
Juli 2014 hinaus, zu ge
währen (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss am 2
6.
September 2014 (
Urk.
7) auf
Abweisung der Beschwerde, was der
Beschwerdeführerin
am 2
9.
September 2014
zur Kenntnis gebracht wurde.
Am 1
9.
November 2015 (
Urk.
10) holte das Ge
richt einen schriftlichen Bericht bei der ehemaligen Arbeitgeberin der Be
schwer
deführerin ein. Zum entsprechenden Bericht vom 3
0.
November 2015, (
Urk.
13) nahm einzig die Beschwerdeführerin Stellung (
Urk.
16-17). Mit Verfü
gung vom
5.
Januar 2016
(
Urk.
19) wurde die Swiss Life zum Prozess beigela
den, welche
am 1
9.
Januar 2016 (
Urk.
21) auf eine Stellungnahme verzichtete.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
träch
tigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sach
te
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den aus
geglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heit
li
chen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem
nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
),
in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE
130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei
gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszu
stan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheent
scheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
bemessung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
2.
2.1
Das Versicherungsgericht des Kantons Aarau fasste die medizinische Situation (vorliegend massgebend für den relevanten Vergleichszeitpunkt der
abgestuften
Rentenzusprache
mit zuletzt
unbefristeter
Dreiviertelsrente
[mit
Einspracheent
scheid
vom
2
8.
September 2007,
Urk.
8/103] per
1.
Januar 2004) wie folgt zu
sammen (
Urk.
8/84 S. 8 f.):
Die
Beschwerdeführerin
erlitt am
8.
Oktober 2000 einen Unfall (Selbstunfall auf der Autobahn), der zu einer
Hospitalisation
bis 1
0.
Oktober 2000 im Spital
D._
führte. Im Austrittsbericht vom 1
7.
Oktober 2000 wurde
n
der
Be
schwerdeführerin
die Diagnosen „traumatische dorsale Ellbogenluxation rechts“ sowie HWS-Distorsion gestellt (
Urk.
8/15/43). Beim Heil
ungs
verlauf stand vor
erst offenbar die Ellbogensymptomatik im Sinne einer massiven
Bewegungsein
schränkung
im Vordergrund, weshalb am 1
8.
Dezember 2000 und
5.
Februar 2001 zwei
Gelenksmobilisationen
in Narkose durchgeführt wurden (vgl.
Opera
ti
onsberichte
von
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Chirurgie,
Urk.
8/15/20-22).
Nach der zweiten Mobilisation trat eine mit Lähmungserscheinungen ver
bun
dene Parese des
Nervus
ulnaris
auf, die sich in der Folge bis auf
Dysästhe
sien
zu
rückbildete (Formularbericht von
Dr.
E._
vom 3
1.
August 2002,
Urk.
8/17/5-8). In seinem Bericht vom 3
0.
Juni 2003 qualifizierte
Dr.
E._
den
Befund am Arm als seit gut zwölf bis 18 Monaten stationär: Die Beweglich
keit sei im Bereich der Beugung und der Streckung deutlich eingeschränkt; die Läsion des
Nervus
ulnaris
habe sich erholt, soweit dies möglich gewesen sei,
doch bestehe ein gewisser Restschaden (
Urk.
8/46/2). Daneben klagt die
Be
schwer
deführerin
über ein buntes Beschwerdebild nach einer Distorsion der
Halswirbelsäule (Schleudertrauma), nämlich wiederkehrende Kopfschmerzen, schnelle
Ermüdbarkeit, Konzentrationsschwäche, Vergesslic
hkeit; diese Proble
matik scheint
im Verlaufe der Zeit zunehmend in den Vordergrund getreten zu
sein (vgl. insbesondere den Formularbericht von
Dr.
E._
vom 1
0.
Juli [rich
tig:
3
1.
August] 2002 [
Urk.
8/17/5-8] und Bericht von
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Neurologie, vom 2
1.
April 2004 [
Urk.
8/55/2-3]). Allerdings hatte die
Beschwerdeführerin
schon im Mai 2001 gegenüber dem Schadeninspektor der Zürich-Versicherung fast tägliche Kopfschmerzen („selten zwei bis drei Tage
ohne Kopfweh“), in beide Schultern ausstrahlende Nackenbeschwerden, erheb
lich verminderte Belastbarkeit, gelegentliche Wortfindungsstörungen unter Druck
so
wie schlechtes Ertragen von Menschenansammlungen geschildert (
Urk.
8/15/4-6).
2.2
Dr.
E._
diagnostizierte am 3
1.
August
2002 (
Urk.
8/17/5-8) einen Status nac
h PW-Selbstunfall mit schwerer Commotio cerebri und Ellbogenluxation rechts, Status nach notfallmässiger Reposition des rechten Ellbogens, Status nach zwei
maliger Mobilisation des rechten Ellbogens in Narkose, Status nach iatrogener
Ulnarisparese
am rechten Arm nach Ellbogenmobilisation, ein
HWS-Schmerz
syndrom
mit chronisch rezidivierenden Kopfschmerzen, Konzentrati
ons
schwäche
und verminderter Belastbarkeit (Ad 1). In Bezug auf die Ein
schränkung am Ellbogengelenk erachtete er die
Beschwerdeführerin
als voll ar
beitsfähig in ihrer Tätigkeit und machte für die Einschränkungen (Ermüdbarkeit, Konzentrations
schwäche, Kopfschmerzen) die Folgen des Schleudertraumas und der Commotio cerebri verantwortlich (Beiblatt A). Er ging von einer Arbeitsfä
higkeit von vier bis fünf Stunden – mithin 50 bis 75
%
- aus (Beiblatt Ad 2.2 und Ad C).
2.3
Am 2
1.
April 2004 (
Urk.
8/55/2-3) berichtete
Dr.
F._
über drei wesentliche von
der
Beschwerdeführerin
– anlässlich der Konsultation vom 1
4.
Oktober 2003
–
ge
klagte Probleme: (1) Ein
Zervikalsyndrom
mit Nackenschmerzen, Ausstrah
lung
en in die Schulter und Arme, abhängig auch von Belastungen und
Arbeits
positionen
, daran habe sie sich gewöhnt, jedoch versuche sie immer wie
der möglichst wenig Medikamente zu nehmen; die Schmerzen seien einfach da. (2)
Neurovegetative Symptome mit vor allem Müdigkeit, am Abend sei sie er
schöpft,
schlafe vor dem Fernseher ein. (3) Neuropsychologische Probleme: Sie verliere den Faden im Gespräch, vergesse, müsse aufschreiben; dies sei am meisten beun
ruhigend und ihr Partner sage, sie habe sich verändert.
Dr.
F._
führte aus, die
Beschwerdeführerin
habe zwar Einsicht in ihr Leiden, jedoch falle es ihr manch
mal sehr schwer, sich damit abzufinden angesichts ihres rela
tiv jungen Alters. Sie habe ihr ganzes Leben lang gearbeitet und möchte gerne weiterarbeiten und produzieren, jedoch mit der jetzigen Arbeit bzw. mit 80
%
Arbeitsfähigkeit sei sie auch am Limit, würde aber dieses Pensum weiterhin so behalten.
Im Rahmen der Konsultation vom 3
1.
März 2004 schilderte die
Beschwerde
füh
re
rin
einen wellenförmigen Verlauf und verwies auf die durch
geführte Physio
therapie,
sie sei jedoch an und für sich t
herapiemüde, möchte Pause machen, etwas die ganze Angelegenheit mal auf die Seite tun. Bei der Arbeit gehe es ihr am Vormittag sehr gut, sie beginne um 09.00 Uhr, habe um 12.00 Uhr Pause bis 12.15 Uhr, dann arbeite sie bis ca. 17.00 Uhr, wobei ab 15.30 Uhr eine Müdig
keit eintrete und sie sich Mühe gebe, durchzuhalten.
Dr.
F._
attestierte nach wie vor eine Arbeitsfähigkeit
(richtig wohl: Arbeits
unfähigkeit)
von 20
%
.
3.
3.1
Zum Zeitpunkt der rentenaufhebenden Verfügung vom 2
0.
Juni 2014 ergab sich folgender medizinischer Sachverhalt:
3.2
3.2.1
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation,
Dr.
med.
H._
, Facharzt FMH Neurologie,
Dr.
I._
, Facharzt FMH Orthopädie, und Prof.
Dr.
J._
, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, von der
B._
fassten im Gutachten vom
6.
Januar 2011 (
Urk.
8/130/7-78) zu
Handen
des Unfallversicherers die anamnestischen Anga
ben in dem Sinne zusammen, dass gemäss den zur Verfügung stehenden,
zeit
echten
Dokumenten die
Beschwerdeführerin
beim Selbstunfall am
8.
Oktober 2000 mit mutmasslich komplexem Unfallmechanismus ohne
jeden Zweifel eine dorsale Ell
bogenluxation rechts erlitten habe. Andere relevante Verletzungen, insbesondere am Kopf und an der HWS, liessen sich nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit annehmen. Inwiefern die nun angegebenen Verletzungen ins
besondere am Kopf vom Erstbehandlungsspital nicht detailliert aufgenom
men worden seien, lasse sich im Nachhinein nicht beurteilen. Betreffend den Aspekt einer allfälligen traumatischen Hirnverletzung präsentiere sich die
Da
tenlage
widersprüchlich: Während im Erstbehandlungsspital und vom Hausarzt keine Symptome einer Hirntraumatisierung dokumentiert worden seien, gebe die
Be
schwer
deführerin
aktuell an, eine Bewusstseinsstörung erlitten zu haben sowie im weiteren Verlauf nach dem Unfall unter Symptomen, welche auf trau
ma
tische Hirnbeteiligung hindeuten könnten, gelitten zu haben.
Es
sei anhand der verfügbaren Informationen darauf hinzuweisen, dass sich im Verlauf der ersten Monate nach dem Unfall keine (Residual)Symptome einer traumatischen Hirnbeteiligung fänden. So seien keine Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen dokumentiert worden und auch nicht die aktuell von der Pa
tientin angegebenen, unmittelbar nach dem Unfall aufgetretenen und persi
stie
renden Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Hingegen sei eine
Ulnaris
neu
ropathie
im
Sulcus
rechts bei Status nach Reposition der Ellbogenluxation und zweimaliger Ellbogenmobilisation nachgewiesen. Darüber hinaus ein spor
adisch auftretender linksbetonter
Pfeifftinnitus
, welcher auf das Knalltrauma durch den Airbag zurückgeführt worden sei. Erst im
Bericht der Physiotherapie vom
1.
April 2001 sei neben Ellbogenschmerzen rechts auf Kopfschmerzen im Hin
terkopf und frontal, Verspannungen okzipital, Nackenschmerzen beidseits, Blo
ckaden im Bereich der oberen und mittleren HWS, Schwindelattacken, inter
mit
tierendes Augenflimmern, grössere Ermüdbarkeit und reduzierte Belastbar
keit hingewiesen worden. Dabei sei im Besonderen darauf hingewiesen worden, dass sich die späte Aufnahme der Therapie bezüglich Nacken- und Kopf
schmer
zen zu Ungunsten des gesamten Heilungsprozesses auswirken würde. Fest stehe, dass sich therapeutische Interventionen im weiteren Verlauf primär auf die Proble
matik des rechten Ellbogens (Bewegungseinschränkung und Läsion des
Nervus
ulnaris
) ausgerichtet hätten. Ende 2001 sei explizit auf ständig vor
handene
Na
ckenschmerzen
mit Verstärkung bei Belastung (z.B. unter „Stress" oder beim Autofahren) hingewiesen worden. Gleichzeitig habe der dokumen
tierte klinische Befund an der HWS keine relevanten
Bewegungseinschrän
kungen
bei Verspan
nungen der Nacken-
und Schultermuskulatur und der
nuchalen
Muskel
ansätze
mit
Druckdolenzen
insbesondere über den Dorn
fort
sätzen der oberen und mit
t
leren HWS gezeigt (S. 49 f.).
Im weiteren Verlauf ab ca. Ende 2001 seien gemäss verfügbarer Dokumentation die Nackenbeschwerden begleitet von Kopfschmerzen und Schwindelgefühl im Vordergrund gestanden. Die native Radiographie der HWS (vom 2
9.
November 2002) habe gemäss dem entsprechenden Bericht bei normalem Alignement der HWS-Segmente keine vorzeitigen degenerativen Veränderungen und keine Hin
weise auf durchgemachte Frakturen gezeigt. Auch in diesem Bericht seien somit chronische Nackenbeschwerden und assoziierte Symptome (so Kopf
schmerzen mit Ausstrahlung nach frontal) ohne strukturelle Läsion an der HWS hervor
ge
hoben worden (S. 50 f.).
Den Akten seien im weiteren Verlauf nach 2003 keine nennenswerten Ände
rungen des Zustandes zu entnehmen. Auffallend sei, dass sich nach der ersten, nicht auf die Akten bezugnehmenden Erwähnung einer
Hirnverletzung im Bericht vom
4.
Dezember 2002 diese Diagnose (einmal als
Contusio
cerebri, ein anderes Mal als Commotio cerebri) in den Akten wiederholt
habe
und immer wieder auf neuropsychologische, d.h. kognitive Beschwerden hingewiesen wor
den
sei
(S. 51).
3.2.2
Im Rahmen der Schilderung der Untersuchungsbefunde verwiesen die Gutachter auf die geklagten Beschwerden im Sinne von Nacken- und Schulterschmerzen, welche (gemäss Ausführungen dem neuropsychiatrischen Experten gegenüber) auf der rechten Seite lokalisiert seien. Hingegen würden gegenüber dem ortho
pädischen und rheumatologischen Experten die Beschwerden wechselseitig aber vorwiegend auf der linken Seite angegeben. Die Ausstrahlung der Schmerzen finde insbesondere zum rechten Schulterblatt statt. Dazu würden gelegentliche, offenbar periodisch auftretende Kopfschmerzen in unterschiedlicher Intensität angegeben, welche primär hinten im Kopf lokalisiert seien und oft zum rechten Auge ausstrahlten. Die
Beschwerdeführerin
klage sodann über eine erhöhte Er
müdba
rkeit und eine regelrechte
Energielosigkeit („die Batterien nie voll"), wo
bei sie den Energieverlust als Folge der kognitiven Anstrengungen insbesondere des beruflichen Alltags empfinde, was sie zwinge, die Arbeit über die Woche entsprechend dem subjektiven Energiezustand einzuteilen. Weiter werde aktuell eine reduzierte Belastbarkeit angegeben. Sehr stark leide sie unter subjektiven kognitiven Beschwerden (in erster Linie Konzentrationsprobleme und „Vergess
lichkeit"). Weiter würden die als „Nervenschmerzen" empfundenen Beschwerden
im rechten Ellbogen angegeben, die zum Ring- und Kleinfinger (Finger IV und V)
der rechten Hand ausstrahlten. Aufgrund dieser Beschwerden bestünden subjek
tiv deutliche Einschränkungen der Aktivitäten, welche den Einsatz des rechten Ellbogens und der rechten Hand erforderten (S. 52).
In neurologischer Hinsicht führten die Experten aus, die
Beschwerdeführerin
klage einerseits über Beschwerden von Seiten der Ellbogenluxation rechts (ein
g
e
schränkte Beweglichkeit, belastungsabhängige Schmerzen am proximalen Unter
arm), andererseits über die iatrogene
Ulnarisläsion
, die allerdings für sie kein grosses Problem darstelle. Auch sei die motorische Einschränkung der rechten Hand subjektiv offensichtlich nicht bedeutend. Die
Beschwerdeführerin
beklage sich des Weiteren über gehäufte Kopfschmerzen. Die aktuelle klinisch-neuro
logische Untersuchung zeige lediglich eine Hyposensibilität an der rechten Hand
exakt im Versorgungsgebiet des
Nervus
ulnaris
. Die übrigen Zeichen einer
Ulna
ris
läsion
seien nicht vorhanden. Insbesondere komme eine Parese oder Atrophie der rechten Hand nicht zur Darstellung. Dementsprechend sei die
Ul
narisneu
rographie
rechts ebenfalls weitgehend normal. Lediglich sei die moto
rische
Leit
geschwindigkeit
im
Sulcusbereich
relativ gesehen etwas verlangsamt und das sensibel-
antidrome
Potenzial etwas schwierig zu reproduzieren. Im Üb
rigen er
gä
ben sich in Bezug auf die
zervikozephalen
Schmerzen aktuell in der klinisch-neurologischen Untersuchung keine Hinweise für eine traumatisch be
dingte Schädigung des zentralen oder peripheren Nervensystems. Aus neurolo
gischer
Sicht resultiere dementsprechend auch keine Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit im Beruf als Büroangestellte oder als Aussendienstmitarbeiterin (S. 53).
Die orthopädische Untersuchung ergab bei Zustand nach traumatischer
Ell
bo
gen
luxation
eine reproduzierbare Bewegungseinschränkung leichten Gra
des in Extension und Flexion, diskret ebenfalls in Pro-/
Supination
. Es sei zu nur geringen Verkalkungen gekommen, typischerweise des
ulnaren
Anteils. Eine blei
bende Instabilität sei klinisch nicht nachweisbar. Dass es im Rahmen der
Mobi
lisationen
, wahrscheinlich aber schon im Zusammenhang mit dem Unfall zu einer gewissen Irritation des
Nervus
ulnaris
im
Sulcus
nervi
ulnaris
gekom
men sei, sei wahrscheinlich. Der aktuell
e Zustand am rechten Ellbogen kö
nn
e
bezüglich der Funktion und der Residuen als günstig beurteilt werden. Die
Be
wegungseinschränkung
dürfte im Alltag kaum relevant sein, insbesondere unter Berücksichtigung, dass die berufliche Tätigkeit vorwiegend am PC ausgeübt werde und dabei keine relevanten Belastungen anzunehmen seien. Im Bereich der HWS könne aktuell klinisch lediglich ein leichtes
myofasziales
Schmerzsyn
drom
diagnostiziert werden. Zeichen einer segmentalen Instabilität bestünden klinisch nicht. Ebenso könnten (in Übereinstimmung mit dem neurologischen und rheumatologischen Experten) keine
radikulären
Reiz- oder Ausfallserschei
nungen erkannt werden (S. 53 f.).
In rheumatologischer Hinsicht schilderten die Ärzte eine
auffällige
Tonusdiffe
renz
der Nackenmuskulatur, vor allem am
Oberrand
des
Trapeziusmuskels
und
Musculi
scaleni
, die links deutlich verspannt s
e
i
e
n. Die diffuse
Druckdolenz
des Nackens von der Dornfortsatzreihe über die dorsalen und lateralen bis zu den ventralen Nackenmuskeln
sei auffällig und stehe im Zusammenhang mit einer
Schmerzchronifizierung
samt
entsprechender Vergrösserung des
nozizeptiven
Areals oder
sei
als Hinweis auf eine gewisse Schmerzverarbeitungsstörung zu deuten
.
Auffällig
sei
zudem die sta
rke vegetative Reaktion mit Nau
sea und ein
deutigem Blutdruckanstieg ohne Schwindel
.
Die (passive) Beweglichkeit der H
WS sei
symmetrisch und im altersentsprechenden Normbereich. Hinweise für ein
radikuläres
Kompressionssyndrom
oder
eine andere neurologische
Kom
pressionssymptomatik
fä
nden sich nicht
(S. 54)
.
Die radiolo
g
ischen Befunde des
Neurokraniums
und der Halswirbelsäule
ergä
ben
vereinzelte unspezifische
subcorticale
Marklagen
v
eränderungen in beiden
Gross
hi
rn
hemisphären
frontal. Zugleich w
e
rd
e
insbesondere beim Fehlen von fokalen
Hämosiderinablageru
ngen
im Hirnparenchym kein Nach
weis einer ty
pischen
postkontusionellen
Läsion des Hirnparenchyms erbracht. Zudem
hätten
sich keine Mikroblutungen
gefunden
. Eine r
elevante Traumatisierung des
Hirn
paren
chyms
sei
somit ausgeschlossen
(S. 54 f.)
.
In
neuropsychologischer
Hinsicht wurde auf gewisse Hinweise
auf ein (im weites
ten Sinne) „frontales" neurokognitives Defizit
verw
ie
sen
. Hier handl
e
es sich zwar in vieler
lei
Hinsicht um eine ätiologisch unspezifische Problematik, die insbesondere bei diversen psychischen Proble
m
en manifest werden k
ö
nn
e. Doch finde
sich der Schwerpunkt der neuropsychologischen Störungen tenden
zie
l
l im Bereich der frontalen (exekutiven) Funktionen, wozu auch das Ver
halten der Patientin in den Untersuchungen pass
e
. Damit stimm
t
en auch die radiologi
schen (unspezifischen) Befunde überein. Angesichts der dokumen
tier
ten
Unfall
parameter
, welche gegen eine relevante traumatische Hi
rn
beteiligung spr
ä
chen und der aktuellen neuroradiologischen Befunde s
e
i
e
n die
neuroko
gni
tiven
Stö
rungen möglicherweise auf die unspezifische strukturelle Veränderung i
n
den
ent
sprechenden Hirnarealen zur
ückzuführen. Sie dürften
unter anderem
durch
die
Anpassungsproblematik (im Sinne einer gemischten affektiven Stö
rung mit im Vordergrund stehender Depressivität) verstärkt sein
(S. 55)
.
3.2.3
Die
B._
-Ärzte stellten (als Folge des Autounfalls) folgende Diagnose (S. 56):
-
Statu
s nach Ellbogenluxation rechts
-
Belastungsabhängige Armschmerzen u
nd reproduzierbare
Bewegungsein
schränkung
leichten Grades in Extension und Flexion, diskret ebenfalls in Pro-/
Supination
bei radiologisch nachweisbaren geringen Verkalkungen, typischerweise des
ulnaren
Anteils
-
Hyposensibilität der rechten Hand bei Status nach wahrscheinlich iatroge
ner (allenfalls primär traumatischer)
Nervus
ulnaris
rechts Läsion
-
Spannungskopfschmerzen Status nach HWS-Distorsion am 23.11.2004 (Heckkollision)
-
Kein Nachweis struktureller HWS-
Läsionen
(MRI vom 09.11.2010)
-
Chronisches, linksbetontes (wechselseitiges)
myofasziales
Schmerzsyndrom des Nackens
-
Leichtes, unspezifisches
Thorakovertebralsyndrom
-
Anpassungsstörung mit Depressivität und Beeinträchtigung der anderen Emo
tionen, aktuell leicht ausgeprägt
-
Multikausale kognitive Beeinträchtigung leichter bis mittlerer Ausprägung bei:
-
Vereinzelten unspezifischen
subcorticalen
Marklagerveränderungen in bei
den Grosshi
rn
hemisphären fronta
l
beidseits (MRI vom 09.11.2010); Differenzialdiagnostisch neurasthenisches Syndrom
Reduziert auf die durch den Unfall hervorgerufenen Probleme (Ellbogen rechts
und Verletzung des
Nervus
ulnaris
rechts) befanden die Gutachter die Be
schwer
deführerin als nennenswert eingeschränkt bei Tätigkeiten, welche mit besonders schwerer Belastung oder
frequentem
repetitivem Einsatz der rechten oberen
Extremität verbunden seien und besondere Sensibilität aller Teile der rechten Hand erforderten. Für alle anderen Tätigkeiten, insbesondere für die aktuell
ausgeführte
Arbeit, liessen sich keine relevanten Beeinträchtigungen postulieren (S. 62
Ziff.
8).
3.3
3.3.1
Das Gutachten der MEDAS
C._
vom 2
2.
Januar 2014 (
Urk.
8/137/2-56) wurde von Prof.
Dr.
med.
K._
, Facharzt Neurologie sowie Facharzt Psychi
a
trie und Psychotherapie, Dipl.-
Psych.
L._
, Fachpsychologin Neuropsycho
logie FSP und med. prakt.
M._
, Facharzt Psychiatrie und Ps
ychotherapie, er
stellt (S. 2).
Die Ärzte führten aus, die Beschwerdeführerin habe anlässlich der Untersuchun
gen
zahlreiche Beschwerden auf
gezählt
:
I
m Vordergrund stünden Nacken- und Schulterschmerzen, die l
i
nksbetont seien und in den
Musculus
trapezius
und das linke Schulterblatt ausstrahl
t
en. Auch sei der Hinterkopf betroffen. Diese Beschwerden seien inzwischen permanent vorhanden. Als b
isher nicht in den Akten berich
tete Beschwerden g
e
b
e sie
zudem eine zweite Kopfschmerzart an, die seit dem Unfall best
ehe
. Es k
om
me zu
fronto
-temporalen, heftigen
Cephal
gien
mit deutlicher Rechtsbetonung, die von Attacke zu Attacke die Seite wechseln könnten. Des Weiteren best
ehe
seit dem Unfall ein beidse
i
tiger
Tinni
tus. Zudem sei bis heute ihre Streckfähigkeit im rechten Arm eingeschränkt. Im Bereich der
ul
naren
11⁄2
Finger best
ehe
permanent eine Gefühlsstörung mit Verminderung der Berührungs- und Schmerzempfindlichkeit
(S. 46)
.
3.3.2
In
d
er
n
eurologischen Untersuchung
habe
eine Hyposens
i
bilität im
Ulnarisver
sor
gungsgebiet
rechts unverändert zu den Voruntersuchungen gefun
den werden
können
. Dort finde sich auch ein
endgradiges
Streckdefizit im Ell
bogengelenk. Dieser Befund
sei
unverändert zu den Vorbefunden. Zudem be
st
ünden
musku
läre Anspannungen im Schulter-Nackenbereich. Die
Beschwer
deführerin
klage des Weiteren über Beschwerden, die gemäss
I
HS-Klassifikation einer Migräne ohne Aura zuzuordnen s
e
i
e
n
(S. 46)
.
3.3.3
Im Psychischen k
ö
nn
e
die Diagnose einer Anpassungsstörung nicht mehr ge
stellt werden,
v
ielmehr
sei
anhand psychodynamischer Überlegungen von einer akzentuierten Persönlichkeit mit leistun
gsorientierten Anteilen auszugeh
en. Die früher beschriebenen Symptome einer Perseveration und Blockade könn
t
en im aktuellen Explorationsgespräch nicht nachgewiesen werden. Auch die Angaben bezüglich der starken Erm
ü
dbarkeit gegen den Abend s
e
i
e
n nur begrenz
t
nach
zuvollziehen, da die Versicherte gleichzeitig ang
e
b
e
, dass die Heimfahrt im Stoss
verkehr rund um
N._
bezüglich Aufmerksamkeit anspruchsvoll
sei
und von 35 Min
uten
bis auf
11⁄4 S
t
unden
verlängert w
e
rd
e
und sie damit „überhaupt keine Probleme" habe. Aus psychiatrischer Sicht ha
be
sich seit der letzten Be
gutachtung in der
B._
auf der affektiven Ebene eine Verbesserung eingestellt
(S. 46)
.
3.3.4
Im Neuropsychologischen
hätten
sich aktuell und im Vergleich zu den Voruntersu
chungen folgende Befunde
gefunden
: Aus der Zusammenschau der aktuellen Befunde, der testpsychologischen Vorbefunde sowie der Bildungs- und Tätigkeitsanamnese
sei
von einem prämorbiden intellektuellen
Begabungs
niveau
im Normbereich auszugeben. Aus der
Zusammenschau des kognitiven Profils, der Verhaltensbeobachtung und den Ergebnisse
n
der
Symptomvalidie
rung
sei
von einer nicht ausreichenden
A
nstrengungsbereitschaft auszugehen.
Die Ergebnisse der neuropsycho
logischen Untersuchung
seien
daher insgesamt als nicht valide einzuschätzen. In der aktuellen neuropsychologischen Untersu
chung erbring
e die Beschwerdeführerin
unterdurchschnittli
c
he Leistungen in den Bereichen Aufmerksamkeit,
I
nformationsverarbeitungsgeschwindigkeit und verbale
pi
sodisches Gedächtnis
.
Die erbrachten verbalen Gedächtnisleistungen s
e
i
e
n in sich nicht konsistent und l
ägen
zum Teil
auf dem Niveau von Patienten mit beginnendem Alzheimer
.
Derart stark gestörte Gedächtnisfähigkeiten, wie sie die Versicherte in der Untersuchung präsentier
e
, s
e
i
e
n nicht mit einer HWS-Distorsion, einer leichten depressiven Störung oder einer chronischen
Schmerz
erkrankung
erklärbar. Ebenso besteh
e
eine deutliche Diskrepanz zwi
schen dem Funktionsniveau im Alltag und den in der Untersuchung gezeigten
Aufmerk
samkeits
- und Gedächtnisproblemen. Zur Erklärung des inkonsistenten
Leis
tungs
profil
s
sei
am ehesten eine suboptimale, möglicherweise schwankende Leis
tungs
motivation anzunehmen. Dabei k
ö
nn
e
nicht geschlossen werden, dass gar keine kognitiven Einbussen best
ünden
, die Abschätzung ev
en
t
uel
l tatsäch
lich vorhan
dener Le
i
stungseinbussen
sei
auf Grundlage der vorliegenden
Test
ergebnisse
jedoch nicht möglich.
E
ine relevante Einschränkung der
Arbeitsfä
higkeit auf
grund kognitiver Leistungsminderungen
sei
aber unwahrscheinlich.
Zum
Abgleich mit den neuropsychologischen Vorbefunden
sei
festzuhalten
, dass
in
der neuropsychologischen Untersuchung vom 2
4.
Juli
2008 eine leichte neu
ropsychologische Funktionsstörung nach
dem Unfall
festgestellt
worden sei
mit
weit im Vordergrund stehender reduzierter Konzentration/Auf
m
erksamkeit, redu
zierter kogn
i
tive
r
Dauerbelastbarkeit, reduziertem Erfassen und elementa
rem Lernen
.
In der aktuellen Untersuchung zeig
ten sich
Abweichungen von den damals beschriebenen Auffälligkeiten. Beispielsweise zeig
t
en sich aktuell keine Auf
fälligkeiten in der Perseverati
on, Konfabulation und Fehlerkontrolle, dafür best
ünd
en eher Verlangsamungen bei komplexen Anforderungen. Insgesamt
sei
das Leistungsprofil vom Ausmass und Schwerpunkten der Defizite her jedoch vergleichbar.
In der neuropsychologischen Untersuchung vom
2.
November
2010
sei
das
Leis
tungsprofil
als mittelschwer beeinträchtigt beurteilt
worden.
Auch
hätten
nicht alle vorgesehenen Tests durchgeführt werden
können
, da die
Beschwerdeführe
rin über
Ermüdung
und
Übelkeit
ge
klagt
habe und wegen des Stresses, den ih
r die Testung bereite
.
Der Vergleich der Testbefunde zeig
e
, dass sich in der aktu
e
l
len Testung sowohl auf der Verhaltensebene als
auch
auf der Testebene Ver
besserungen zeig
t
en. Hinsichtlich des Ver
l
aufs der kognitiven Leistungsfähigkeit mit teils Verbesserungen, teils Verschlechterungen in den Test
l
eistungen über die drei Testzeitpunkte hinweg
sei
zu vermuten, dass es sich hier vor al
l
em um Schwankungen
i
n der Testleistungsmotivation und nicht um tatsächli
c
he
Leis
tungsveränderungen
handl
e
(S. 47)
.
3.3.5
Die Gutachter stellten zusammenfassend folgende Diagnosen (S. 49):
-
St
atus
n
ach
Ellenbogenluxation rechts nach Autoselbstunfall
vom
8.
Oktober 2000
mit
-
endgradige
m
Streckdefizit im Ellenbogengel
enk rechts ohne funktionelle Einschränkungen und
-
sensiblem
Sulcus
ulnaris
-Restsyndrom bei wahrscheinlich iatrogener (a
l
l
fällig primär traumatischer) Läsion des
Ne
rv
us
u
l
naris
rechts
-
St
atus
n
ach
HWS-Distorsion vom 2
3.
November
2004 (Heckkollision) mit
-
chronifiziertem
myofaszialem
cervicocephalem
Schmerzsyndrom
-
ohne Nachweis struktureller HWS-Läsionen (MRI vom 0
9.
November 2010)
-
St
atus
n
ach
Anpassungsstörung
-
Akzentuierte Persönlichkeit mit leistungsorientierten Zügen (ICD-10: Z73.0
)
-
Tinnitus
aurium
-
Migräne ohne Aura
Die Gutachter attestierten eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit
in der bisheri
gen Tätigkeit unter dem Hinweis, dass aufgrund der Einschränkung der
Ellbo
genbeweglichkeit
keine schweren Arbeiten ausgeführt werden sollten und
auch keine
Arbeiten, welche repetitive Armbewegungen im rechten Ellbogengelenk
oder
eine uneingeschränkte Sensibilität der rechten Hand erforderten (S.
50
Ziff.
8).
4.
4.1
Die gesundheitlichen Beschwerden der Beschwerdeführerin gehen auf den Unfall vom
8.
Oktober 2000 zurück, bei welchem sie sich eine HWS-Distorsion so
wie eine Ellbogenluxation zuzog (
Urk.
8/15/43). Bei der
Rentenzusprache
(abgestufte Renten ab
1.
Oktober 2001 mit zuletzt unbefristeter
Dreiviertelsrente
ab
1.
Januar 2004,
Urk.
8/103) ging die Invalidenversicherung
- entsprechend den Ausführungen im Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau vom
8.
November 2005 (
Urk.
8/84 E. 4c/
bb
) -
von einer 80%igen Arbeits
fähig
keit in der effektiv ausgeübten Tätigkeit als
Verkaufssachbearbeiterin
aus und legte im Rahmen des Einkommensvergleichs das in diesem Pensum tatsächlich erzielte Einkommen als Invalideneinkommen zu Grunde (
Urk.
8/103
; vgl. auch
Urk.
8/84/16
).
Das Attest der genannten Arbeitsfähigkeit von 80
%
stammt von
Dr.
F._
und wurde mit dem
Zervikalsyndrom
, neurovegetativen Symptomen und neuropsy
chologischen Problemen begründet. In befundmässiger Hinsicht schilderte der Neu
rologe Nackenschmerzen, Müdigkeit und Vergesslichkeit
. Namentlich er
müde
die Beschwerdeführerin - bei Arbeitsbeginn um 09.00 Uhr - bereits ab 15.30 Uhr
(E. 2.3).
Weitere Grundlage für die Einschätzung der Invalidenversicherung bildeten so
dann die
Feststellungen des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau, wonach die Beschwerdeführerin ihrer ursprünglichen Tätigkeit bei der
Y._
nicht mehr gewachsen gewesen sei und sich nach der vollzeitlichen Arbeitsaufnahme bei der
Z._
herausgestellt habe, dass sie dieses
Vollpen
sum
auf Dauer nicht zu erbringen vermöge, sondern vielmehr ihr Pensum per März 2003 auf 80
%
habe reduzieren müssen, nachdem schon ab Oktober 2002 eine Lohnreduktion erfolgt sei
. Seit
1.
August 2005 arbeite sie im selben Um
fang bei der
A._
(
Urk.
8/84 E. 4c/
bb
und E. 4c/
aa
).
4.2
In faktischer Hinsicht gestaltet sich der Sachverhalt als seither
unverändert
: Die Beschwerdeführerin wird von den behandelnden Ärzten nach wie vor als zu 20
%
arbeitsunfähig beurteilt (zuletzt durch
Dr.
med.
O._
, Spezialarzt FMH für Chirurgie, am
6.
Juni 2010 [
Urk.
8/137/18 f.; vgl. auch
Urk.
8/115) und sie arbeitet auch unverändert im Umfang von 80
%
bei der
A._
. De
ssen Inhaber
bestätigte
am
9.
April 2014 (
Urk.
3/
5), dass keine Genesung ein
getreten sei, die Beschwerdeführerin lange Pausen mache und nur 80
%
(verteilt auf fünf Tage) arbeite. Dennoch stosse sie an ihre Belastungsgrenzen und könne zusätzlich je nach ihrer gesundheitlichen Verfassung später zur Arbeit kommen oder den Arbeitsplatz früher verlassen.
Währenddem
sich die Gutachter der
B._
einzig über die Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in unfallkausaler Hinsicht äusserten (E. 3.2.3), gingen die Ärzte der MEDAS
C._
von einer - sämtlichen Aspekten Rechnung tragenden - vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit aus
(E.
3.3.5) und erkannten demgemäss eine Verbesserung von 80
%
auf 100
%
. Die Begründung
hierfür ist indes nicht nachvollziehbar, schilderten doch die Ärzte eine praktisch
identische Befundlage. So vermerkten sie die nach wie v
or bestehende
n
Na
cken
schmerzen
(E.
3.3.1) wie auch
ein
unveränderte
s
neuropsychologische
s
Leis
tungs
profil
(E.
3.3.4). Die
erwähnte
Verbesserung bezog sich auf die Testung an
lässlich des
B._
-Gutachtens, welches vorliegend indes
- da nach der ur
sprüng
lichen
Rentenzusprache
ergangen -
nicht als Vergleich herangezogen werden kann. Die MEDAS-Gutachter schlossen
auf eine Verbesserung der
Müdigkeits
problematik
hauptsächlich wegen
der Fähigkeit der Beschwerdefüh
rerin, auch bei Stau motorisiert den Heimweg zu bewältigen,
sowie den schwankenden Leistungen bei den Testungen, was sie als Motivationsproblem und nicht als Leistun
g
sveränderung fassten
(E.
3.3.3
f.
). Dies
e Umstände können
- nicht zu
letzt
wegen
der
diesbezüglich
eher dürftigen Abklärungen bei der
Renten
zu
sprache
- angesichts sämtlicher übriger Umstände, namentlich den Feststel
lungen des Arbei
tgebers (vgl. hierzu auch Urteil des Bundesgerichts 9C_91/2013 vom 1
7.
Juni 2013 E.
4.1.2), nicht
als
ausreichend für die Annahme einer rele
vanten Verbesserung der gesundheitlichen Situation erachtet werden.
Im Gegen
teil zeigt die Beschwerdeführerin ein im
Wesentlichen
unverändertes
Leistungs
bild
.
4.3
Die Problematik liegt vorliegend
denn auch
vielmehr darin begründet, dass die ursprüngliche
Rentenzusprache
gestützt auf nicht vollumfänglich nachweisbare Gesundheitsbeeinträchtigungen erfolgte. Dies hat indes nicht die Beschwerde
führerin zu vertreten und rechtfertigt keine Revision der Rente, auch wenn nach heutigen Massstäben eine
vertieftere
Prüfung der
medizinisch
-theoretischen Relevanz der geklagten Beschwerden Platz greifen würde (vgl. in Bezug auf die geänderte Rechtsprechung
zu den
somatoformen
Schmerzstörungen bzw. äqui
va
lenten Beschwerdebildern
:
BGE 141 V 585
E. 5.3).
Eine Wiedererwägung fällt sodann schon deshalb
ausser
Betracht, weil die
Rentenzusprache
basierend auf einem Gerichtsurteil erfolgte.
4.4
Damit steht fest, dass kein Revisionsgrund gegeben ist,
nachdem sich auch in erwerblicher Hinsicht keine
massgeblichen
Veränderungen eingestellt haben.
Hierzu ist zu bemerken, dass die Angabe des aktuell zu erzielenden
Durch
schnittslohnes
der Beschwerdeführerin von
Fr.
180‘000.--
gemäss
Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin (
Urk.
13)
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Veränderung der erwerblichen Verhältnisse darzulegen vermag. Die
Zu
spra
che
einer (zuletzt)
Dreiviertelsrente
basierte
auf einem
Valideneinkommen
von
Fr.
205‘326.-- (
Urk.
8/103). Wenn die Arbeitgeberin aktuell einen etwas tieferen Lohn nennt und diesen als „Durchschnittslohn eines Regionalleiters“ bezeichnet, kann daraus nicht abgeleitet werden, dass die Beschwerdefü
hrerin, welche mittlerweile ein
massgebliches
Dienstalter erreicht hätte, sich mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit damit zu
begnügen
gehabt hätte. Bei einem nach
wie vor in ähnlichem Umfang zu erwartenden Einkommen in gleicher Tätigkeit beim gleichen Arbeitgeber können solche kleineren Schwankungen nicht als Revisionsgrund gefasst werden (so zu
Änderungen statistischer Daten
:
BGE 133 V 545)
.
Damit hat
die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung, weshalb die Beschwerde
gutzuheissen
ist.
5.
5.1
Die
Verfahrenskosten
gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 800.-- fe
stzule
gen und
ausgangsgemäss
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
D
ie Beschwerdegegnerin
ist sodann
gestützt auf § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) zu verpflichten, de
r
Beschwer
deführer eine Prozessentschädigung zu entrichten, wobei ein Betrag von
Fr. 2‘800.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen er
scheint.