Decision ID: 3dee613d-e123-4b9e-9110-fb8d588bce9c
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der im Jahr 2
008 geborene
X._
wurde durch seine Eltern
unter Hinweis auf eine
am linken Augenlid bestehende
Lähmung
am 4. Juni 2009
bei der Invalidenversicherung angemeldet (
Urk.
6/2/6). In der Folge sprach ihm die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle,
gemäss Mitteilung vom
2
1.
August 2009
die Kosten für die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziffer 412
(
Ptosis
palpebrae
congenita
)
für die Zeit vom
2
2.
Mai 2009 bi
s
zum
3
1.
Mai 2019
zu (
Urk.
6/12
). Eine zusätzliche Kostenübernahme
unter dem Titel
Geburtsge
brechen
Ziffer 397
(richtig:
Ziffer 428
,
kongenitale Paresen
der Au
genmuskeln
)
lehnte
sie
mit Verfügung vom 5. Oktober 2009
bei der Diagnose einer
Augen
motilitätsstörung
(Double Elevator-
Palsy
)
mit der Begründung ab, die Voraus
s
etzungen dafür seien aktuell nicht erfüllt (
Urk.
6/18/1
, 6/13/2
).
Zwischenzeitlich hatte
die Kinderärztin
Dr.
med.
Z._
wegen einer neurologischen Auffälligkeit mit motorischem Entwicklungsrückstand
am 15. Septem
ber 2009
die Kostenübernahme der weiterhin regelmässig durchzu
führenden Physiotherapie
beantragt
(
Urk.
6/16/1, 6/19/1).
Die
IV-Stelle
über
nahm
die Kosten für die Physiotherapie
zur
Behandlung des Geburtsgebrechens
Ziffer 395 (leichte
cerebrale
Bewegungsstörungen) für die Zeit vom 1
9.
März 2009
bis 3
1.
Mai 2010 (Mitteilung vom
1.
Dezember 2009,
Urk.
6/22).
Am
6.
Mai 2013 erfolgte eine operative Korrektur der linksseitigen
Augenlid
lähmung
,
d
e
ren
Kosten die
IV-Stelle
als Behandlung des
Ge
burtsgebrechens
Ziffe
r 412 übernahm (vgl.
Urk.
6/31 bis
6/35).
1.2
Am 21
. Januar 2014
ersuchte
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Medizin
FMH
, Manuelle Medizin SAMM,
um Kostenübernahme
von
Ergotherapie (
Urk.
6/36/1).
Die
IV-Stelle
holte den Bericht von
Dr.
A._
vom 2
8.
Januar 2014
(
Urk.
6/38/1-6)
ein
sowie die Stellungnahme von Prof
.
B._
, Facharzt für
Pädiatrie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD)
vom 1
9.
März 2014
(
Urk.
6/40/2
).
Am
3.
April 2004 erliess die
IV-Stelle
den Vorb
escheid (
Urk.
6/41
).
Mit der Einsprache reichte der
Vater des Versicherten
de
n Bericht von Ergo
the
ra
peutin
C._
vom 2
4.
März 2014 ein (
Urk.
6/44
/1-2).
Mit
Verfügung vom 2
4.
Juni 2014 (
Urk.
2) lehnte
die
Sozialversicherungsanstalt
die beantragte Kostenübernahme
für
d
i
e Er
gotherapie ab.
2.
Gegen die
se
Verfügung
erhob der Vater des Versicherten am 9. Juli 2014 Be
schwerde mit dem Rechtsbegehren, die Kosten der Ergotherapie und weiterer
nöti
ger
therapeutischer und ärztlicher Unterstützungen seien zu übernehmen (
Urk.
1
S. 2)
. Sodann beantragte er, die entstandenen Kosten im Zusammenhang mit der Behandlung des Geburtsgebrechens Ziffer 412 seien -
soweit noch nicht erfolgt - zu erstatten (
Urk.
1 S. 2)
. Die
IV-Stelle
schloss in der
Beschwer
de
ant
wort
auf Beschwerdeabweisung (
Urk.
5).
Auf Aufforderung des Gerichts mit Verfügun
g vom 1
4.
August 2014 (Urk. 11) hin
reichte der Vater des Versicherten weitere Unterlagen ein (
vgl.
Urk.
14/1-2).
Die
Beschwerdegegnerin
erklärte am
9.
September 2015
,
auf Stellungnahme da
zu zu verzichten (
Urk.
16).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Be
handlung von Geburtsgebrechen (
Art.
3
Abs.
2
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
) notwendigen medizi
ni
schen
Massnahmen (
Art.
13
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenver
sicherung [
IVG
]
). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Massnahmen gewährt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (
Art.
13 Abs. 2 IVG).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt
bestehen (
Art.
3
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 Satz 1
der Ver
ord
nung über Geburtsgebrechen,
GgV
). Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeitpunkt, in dem ein
Geburts
ge
brechen
als solches erkannt wird, ist unerheblich (
Art.
1
Abs.
1
GgV
). Die
Ge
burts
gebrechen
sind in der Liste im Anhang aufgeführt. Das Eidgenössische Departement des Innern kann die Liste jährlich anpassen, sofern die Mehraus
gaben einer solchen Anpassung für die Versicherung insgesamt drei Millionen Franken pro Jahr nicht übersteigen (
Art.
1
Abs.
2
GgV
). Als medizinische Mass
nahmen, die für die Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, ge
lten sämtliche Vor
kehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissen
schaft ange
zeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweck
mässiger Weise anstreben (
Art.
2
Abs.
3
GgV
).
1.
1.
2
Nach der Rechtsprechung erstreckt sich der Anspruch auf medizinische Mass
nah
men nach
Art.
13 IVG in Verbindung mit
Art.
3
Abs.
2 ATSG ausnahms
weise auch auf die Behandlung sekundärer Gesundheitsschäden, die zwar nicht mehr zum Symptomenkreis des Geburtsgebrechens gehören, aber nach medizi
nischer Erfahrung häufig die Folge dieses Gebrechens sind. Zwischen dem
Ge
burtsge
brechen
und dem sekundären Leiden muss demnach ein qualifizierter adäquater
Kausalzusammenhang bestehen. Nur wenn im Einzelfall dieser quali
fizierte ursäch
liche Zusammenhang zwischen sekundärem Gesundheitsschaden und
Geburts
gebrechen
gegeben ist und sich die Behandlung überdies als not
wendig
erweist, hat die Invalidenversicherung im Rahmen des
Art.
13 IVG in Verbin
dung
mit
Art.
3
Abs.
2 ATSG für die medizinischen Massnahmen aufzu
kommen (
Pra
1991 Nr. 214 S. 906 E.
3b; Urteile des Bundesgerichts I 220/05 vom 2. August 2005
und I 108/02 vom 9. Dezember 2002).
D
abei
bedarf es einer Abgrenzung von limitierten Geburtsgebrechen im Ver
hältnis zur Rechtsprechung, die sich auf nicht limitierte Geburtsgebrechen be
zieht und deren Behandlung
gemäss
Art.
3
GgV
am Ende des Monats, in dem die versicherte Person das 2
0.
Altersjahr zurückgelegt hat, erlischt. Somit ist zwi
schen zeitlich limitierten und nicht limitierten Geburtsgebrechen zu unter
schei
den, da sich bei Geburtsgebrechen, bei welchen der Verordnungsgeber die
Leis
tung für das Geburtsgebrechen selbst beschränkt hat, die Frage der
Leis
tungs
pflicht
der Invalidenversicherung für sekundäre Folgen nur im Rahmen der dort festgeschriebenen zeitlichen Limitierung stellt
(BGE 129 V 207 E. 3.3)
.
1.2
1.2.1
Versicherte haben gemäss
Art.
12 IVG bis zum vollendeten 20. Altersjahr An
spruch auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens
an sich, sondern unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den
Aufgabenbereich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähig
keit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu ver
bessern oder vor wesentlicher Beeint
rächtigung zu bewahren (
Abs.
1
)
.
1.2
.2
Art. 12 IVG bezweckt namentlich, die Aufgabenbereiche der Invalidenversiche
rung einerseits und der sozialen Kran
ken
und Unfallversicherung anderseits gegeneinander abzu
grenzen. Diese Abgrenzung beruht auf dem Grundsatz, dass die Behandlung einer Krankheit oder einer Verletzung ohne Rücksicht auf die Dauer des Leidens primär in den Aufgaben
bereich der Kranken
und Unfallver
sicherung gehört (BGE 104 V 79 E. 1, 102 V 40).
1.2.3
Behandlung des Leidens an sich ist rechtlich jede medizinische Vorkehr, sei sie auf das Grundleiden oder auf dessen Folgeerscheinungen gerichtet, solange la
biles pathologisches Geschehen vorhanden ist. Eine solche Vorkehr bezweckt nicht unmittelbar die Eingliederung. Durch den Ausdruck labiles pathologisches Geschehen wird der juristische Gegensatz zu wenigstens relativ stabilisierten Verhältnissen hervorgehoben. Dagegen hat die Invalidenversicherung eine Vor
kehr, die der Behandlung des Leidens an sich zuzuzählen ist, auch dann nicht z
u
übernehmen, wenn ein wesentlicher Eingliederungserfolg vorausgesehen werden
kann. Der Eingliederungserfolg, für sich allein betrachtet, ist im Rahmen von
Art.
12 IVG kein taugliches Abgrenzungskriterium, zumal praktisch jede ärzt
liche Vorkehr, die medizinisch erfolgreich ist, auch im erwerblichen Leben eine entsprechende Verbesserung bewirkt (BGE 120 V 277 E.
3a mit Hinweisen; AHI
2003 S.
104 E.
2, 2000 S.
64 E.
1, S.
295 E.
2a und S.
298 E. 1a je mit Hin
weisen).
1.2.4
Nach der Rechtsprechung hat die Invalidenversicherung nicht nur medizinische Massnahmen zu übernehmen, die unmittelbar auf die Beseitigung oder Korrek
tur stabiler Defektzustände oder Funktionsausfälle gerichtet sind, sondern auch solche, die bei einstweilen noch labilem Leidenscharakter einen die berufliche Ausbildung oder die künftige Erwerbsfähigkeit beeinträchtigenden
Defektzu
stand
vorbeugen. Dies ist der Fall, wenn ohne die betreffende Vorkehr in abseh
barer Zeit eine Heilung mit Defekt oder ein sonst wie stabilisierter Zustand ein
träte, wodurch die Berufsbildung oder die Erwerbsfähigkeit oder beide beein
trächtigt würden (Urteil des Bundesgerichts 9C_393/2012 vom 20. August 2012 E. 3 mit Hinweisen). Die entsprechenden Kosten werden bei Minderjährigen also
von der Invalidenversicherung getragen, wenn das Leiden mit hinreichender Wahr
scheinlichkeit zu einem schwer korrigierbaren, die spätere Ausbildung und Erwerbsfähigkeit erheblich behindernden stabilen pathologischen Zustand füh
ren würde (BGE 131 V 9 E. 4.2 mit Hinweisen).
1.2.5
Die Leistungspflicht der Invalidenversicherung bei verschiedenen Arten von Mass
nahmen hat das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) im
Kreisschrei
ben
über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen (KSME) näher um
schri
eben: Gemäss
Rz
1017 KSME in den
ab
1.
März 2012 beziehungsweise 1. März
2014
geltenden Fassung
en
besteht eine Leistungspflicht der Invaliden
versicherung nur
für eine ärztlich verordnete Ergotherapie. Die Indikation zur Therapie muss durch
neurologisch oder neuropsychologisch fassbare Störungen begründet sein, die mit entspre
chenden Befunden dokumentiert sein müssen und welche sich auf den Erwerb von Fähigkeiten und Fertigkeiten auswirken. Aus dem Antrag zur Ergotherapie müssen die Ziele der Behandlung hervorge
hen.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der Verfügung vom 2
4.
Juni 2014 davon aus, es liege kein weiteres von der Invalidenversicherung anerkanntes
Geburtsge
brechen
vor,
welches eine Kostenübernahme der
Ergotherapie
ermögliche
. Eben
so fehlten die Anspruchsvoraussetzungen für eine Kostengutsprache nach
Art.
12
IVG
. Dementsprechend wies sie das Leistungsbegehren ab
(
Urk.
2).
Der Vater des Versicherten macht
dagegen
in der Beschwerde geltend, sein Sohn weise seit Geburt verschiedene Defizite auf, die
sich nun auch im Kinder
garten auswirkten. Er beantrage die Kostenübernahme der Ergotherapie und al
ler
weiterer nötiger therapeutischer und ärztlicher Unterstützungen, damit sein Sohn
die Chance erhalte, mit den verschiedenen Geburtsgebrechen besser zu le
ben oder diese allenfalls auszublenden (
Urk.
1 S. 2).
Strit
tig und zu prüfen ist
somit
, ob
der Versicherte
wegen eines
Geburtsgebre
chens
nach
Art.
13 IVG Anspruch
auf medizinische Massnahmen in
sbesondere in
Form von Ergotherapie hat
,
oder
allenfalls gestützt auf Art. 12
IVG.
2.2
Der Vater des Versicherten liess in der Beschwerde zudem Kostenerstattungen im Zusammenhang mit der Behandlung
des Geburtsgebrechens Ziffer 412
gel
tend machen (
Urk.
1 S. 2).
Im verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfah
ren
sind grund
sätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beur
teilen, zu denen die zustän
dige Verwaltungs
behörde vorgän
gig verbindlich - in Form einer Verfü
gung be
ziehungsweise eines
Einspracheentscheids
- Stellung genom
men hat. Insoweit
be
stimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den
beschwer
dewei
se
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem
Anfechtungsgegenstand und somit an einer
Sach
urteilsvoraussetzung
, wenn und
insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
er
gangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Die Frage, ob alle Leistungen erbracht wurden, die für die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziffer 412 geschuldet sind, ist nicht Gegenstand der ange
foch
tenen Verfügung vom 2
4.
Juni 2014 (
Urk.
2). Insoweit ist auf die Beschwer
de vom
9.
Juli 2014
somit
nicht einzutreten.
3.
3
.1
Prof.
Dr.
med.
D._
von der Neurologischen Abteilung der Uni-Kinderkli
nik
E._
(heute:
Universitäts-
Kinderspital
E._
) dia
gnostizierte im Bericht vom 24.
Juni 2009 eine
kongenitale
linksseitige
Ptose
und eine kongenitale
linksseitige
Augenmotilitätsstörung im Sinne einer Double-Elevator-
Palsy
. Weiter
hielt er einen Verdacht auf Bestehen einer Skelettdysplasie fe
st (
Urk.
6/9/
5-6;
vgl. auch
den Bericht vom 1
6.
Juni 2009,
Urk.
6/11/8-9
sowie
die
Angaben
der Ärzte der Augenklinik des Universitätsspitals
E._
,
Urk.
6/10/1-4
).
Nach den Angaben von
Dr.
Z._
vom
3.
November
2009
zeigte
sich
zum
damaligen Zeitpunkt
eine verzögerte psychomotorische Entwicklung, ein
dys
tones
Bewegungsmuster mit Überstreckung sowie ein
Opisthotonus
(
Urk.
6/19/2
;
vgl. auch
Urk.
6/21/2
).
Prof.
Dr.
D._
führte im Bericht vom
9.
November 2009
als weitere Diag
nosen
einen bereits pränatal bestehenden Kleinwuchs mit
Mikrocephalie
und kurzen Zehen und Fingern, eine ausgeprägte Obstipation sowie eine m
us
kuläre Hypotonie an
. Der Verlauf sei gut.
Er
g
ehe
von einer bestehenden
syn
dro
malen
Erkrankung aus, wobei die Ergebnisse der Humangenet
ik noch aus
ste
hend seien (
Urk.
6
/35/14-15).
Der Verdacht auf Bestehen eines Feingold-
Syn
droms (ODED-Syndrom) konnte im Rahmen der nachfolgend durchge
führ
ten
genetischen Abklärung vom 2
3.
November 2010 nicht
erhärtet werden (vgl.
Urk.
6/35/
4).
Am
6.
Mai 2013 erfolgte die operative Korrektu
r der linksseitigen
Ptose
(Urk.
6/
35/
1-3).
3
.
2
Dr.
A._
führte im Kostenübernahmegesuch vom 2
1.
Januar 2014 aus, im Zu
sammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziffer 395, wofür bis zum 3
1.
Mai 2010
Therapieleistungen übernommen worden seien, habe er dem Versicherten erneut Ergotherapie verordnet (
Urk.
6/36/1). Im Bericht vom 2
8.
Januar 2014
stellte
er
die bereits bekannten
Diagnosen
(
Urk.
6/38/
4, 6/38/6). Der
Gesund
heitszustand wirke sich auf den Schulbesuch beziehungsweise die berufliche Ausbildung aus (
Urk.
6/38/
1, 6/38/
4); der Versicherte benötige wegen seines Geburtsgebrechens mehr Aufmerksamkeit und Hilfe als Gleichaltrige (
Urk.
6/38/6
und 10/2
, vgl. auch
Urk.
6/38/4).
RAD-Arzt Prof.
Dr.
B._
hielt am 1
9.
März 2014 fest, es sei kein
Geburts
gebrechen
ausgewiesen. Die Ergotherapie sei nicht auf die spätere berufliche Integration ausgerichtet und als Leidensbehandlung zu betrachten (
Urk.
6/40/2).
Nach den Angaben von Ergotherapeutin
C._
vom
2
4.
März 2014
hatte
der Versicherte Schwierigkeiten
,
seinen Körper zu spüren und damit ge
schickt und effizient umzugehen. Die unzureichende Verarbeitung
vestibulärer
Reize
(Informationen vom Gleichgewichtsorgan an die Muskulatur) beeinträch
tige seine
Körperhaltung, wodurch er schnell ermüde und seine Konzentration leide. Die Schwäche der Oberflächen- und Tiefensensibilität (taktil-kinästheti
sche Wahr
neh
mung) behindere die Entwicklung eines präzisen Körperschemas und führe
zu Unsicherheiten im praktischen Handeln wie auch
zu Schwierig
keiten
in der
Persönlichkeitsentwicklung. Ein unpräzises Körperschema behin
dere eine genaue
Bewegungsplanung, w
as
vor allem bei den feinen Bewe
gungen der Daumen/
Finger sowie der Zunge/Li
ppen zu beobachten sei (
Urk.
6/44/1
).
Die ergothera
peutische Behandlung könne
ihm
helfen, seinen Körper besser zu spüren und damit spontaner und rationeller umzugehen. Seine Persönlichkeit solle durch erfolgreiches und lustvoll erlebtes Ha
ndeln gestärkt werden (
Urk.
6/44
/
2
).
Gemäss den Angaben der Kindergärtnerin des Versicherten im Bericht vom 12. Mai 2014 zeigten sich im Unterricht eine Entwicklungsverzögerung und Schwierigkeiten im motorischen und visuellen Bereich
.
Sie empfahl eine mög
lichst bald durchzuführende Entwicklungsabklärung
(
Urk.
6/54/17
).
Diese
in der
Kinderklinik des Kantonsspitals
F._
durchgeführte Abklärung (vgl. Be
richt
vom 1
0.
September 2014,
Urk.
14/10)
ergab ein diskrepantes kognitives
Ent
wic
k
lungsprofil
mit relativen Stärken in der expressiven und rezeptiven Sprach
ent
wicklung im unteren Bereich sowie Leistungen im
wahrnehmungsge
bun
de
nen
logischen Denken an der unteren Grenze zur Altersnorm, eine unter
durch
schnitt
liche Verarbeitungsgeschwindigkeit, eine verzögerte motorische Entwick
lung (
ICD-10:
F82) bei eher
extremitätenbetonter
muskulärer Hypotonie,
bei
Hyper
laxität
in den grossen Gelenken und feinmotorischer
Dyskoordination
, eine unterdurchschnittliche auditive Wahrnehmung und Merkfähigkeit und vi
suelle
Wahrnehmungsschwierigkeiten im Rahmen der Grunddiagnose (
Urk.
14/10 S. 2).
Verschiedene Testergebnisse seien deutlich durch
die
visuellen und moto
rischen Fähigkeiten
des Versicherten
geprägt, so auch die vielen
vi
suomotorisch
beein
flussten Aufgaben
(
Urk.
14/10 S. 4)
.
Die Ärzte empfahlen insbesondere die Wei
ter
führung der Ergotherapie mit Arbeit insbesondere an der Bewegungsplanung
,
um dem Versicherten Sicherheit
zu vermitteln
sowie
-
anstelle eines dritten Kindergartenjahres
-
die integrierte Sonderschulung im Rahmen
der Regelklasse (
Urk.
14/10 S. 4 f., vgl. auch
Urk.
14/11
).
4
.
4
.1
Dr.
A._
st
ellt im Bericht vom 2
8.
Januar 2014
(
Urk.
6/38/1-6) weder neue
Diagnosen
noch
macht er das Bestehen eines zusätzlichen
Geburtsgebrechen
s geltend
. Er sieht den
nun
im Vergleich mit Gleichaltrigen erneut sichtbar ge
wordenen Entwicklungsrückstand
als
Teil
oder Folge
des bereits früher diag
nos
tizierten Geburtsgebrechens Ziffer 395
, welches bereits eine Leistungspflicht der Invalidenversicherung begründet hatte
(vgl.
Urk.
6/36)
.
Nach der massgeblichen Verordnung ist
die Leistungspflicht für das
Geburtsge
brechen
Ziffer 395 zeitlich limitiert
, nämlich für Behandlungen bis
zum
Ende
des
2.
Lebensjahres.
Nach Erreichen des
2.
Lebensjahres besteht somit selbst bei Fortbestehen der leichten
cerebralen
Bewegungsstörungen kein Anspruch auf medizinische Massnahmen gestützt auf
Art.
13 IVG.
Diese Limitierung gilt auch für allfällige sekundäre Folgen, die sich wegen der
cerebralen
Bewe
gungs
stö
rung
en ergeben haben.
4.2
Was die kongenitale Augenmotilitätsstörung betrifft, so erfüllt diese die Voraus
setzung gemäss
Z
iffer 428
GgV
-Anhang
nach Aktenlage
nicht.
Gemäss dem Bericht der Kinderklinik des Kantonsspitals
F._
vom 10. September 2014 steht der Versicherte deswegen weiterhin unter regelmässiger
opht
h
a
e
mo
lo
gi
scher
Kontrolle (
Urk.
10/14 S. 4; vgl. auch
Urk.
6/13/2).
Als Geburtsgebrechen
aner
kannt sind kongenitale Paresen der Augenmuskeln nur, sofern Prismen, eine
Operation oder eine
orthoptische
Behandlung notwendig sind. Ansonsten be
steh
t wegen Geringfügigkeit kein Anspruch aus
Art.
13 IVG (vgl. Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG,
3.
Auflage,
Zürich 2014,
Art.
13
Rz
3, S.
159 f.).
Ein Zusammenhang zwischen der zwischenzeitlich operativ behandelten
Ptose
des linken Auges
(Geburtsgebrechen Ziffer 412)
und dem festgestellten diskre
panten Entwicklungsprofil wurde
ärztlicherseits
sodann
nicht hergestellt
(vgl.
Urk.
6/38/1-6,
Urk.
6/44/1-2
, 14/10
S
.
2 und S.
4
).
Weitere Geburtsgebrechen fallen nicht in Betrac
ht. Unter dem Titel des
Art.
13
IVG kann die beantragte Ergotherapie damit nicht übernommen werden.
5.
5.1
Im Rahmen einer Kostenübernahme nach
Art.
12 IVG muss
prognostisch erstellt sein, dass ohne die vorbeugende Behandlung in naher Zukunft eine bleibende Beeinträchtigung eintreten würde. Gleichzeitig muss ein ebenso stabiler Zustand herbeigeführt werden können, in welchem vergleichsweise erheblich verbesserte Voraussetzungen für die spätere Ausbildun
g und Erwerbsfähigkeit besteh
en
.
Da
r
aus folgt, dass eine therapeutische Vorkehr, deren Wirkung sich in der
Unter
drückung von Symptomen erschöpft, nicht als medizinische Massnahme im
Sinne des
Art.
12 IVG gelten kann, selbst wenn sie im Hinblick auf die schuli
sche und erwerbliche Eingliederung unabdingbar ist. Denn sie ändert am Fort
dauern eines labilen Krankheitsgeschehens nichts und dient dementsprechend nicht der Verhinderung eines stabilen pathologischen Zustandes. Deswegen ge
nügt auch eine günstige Beeinflussung der Krankheitsdynamik allein nicht, wenn
eine spontane, nicht kausal auf die therapeutische Massnahme zurückzu
füh
rende Heilung zu erwarten ist, oder wenn die Entstehung eines stabilen De
fekts
mit Hilfe von Dauertherapie lediglich hinausgeschoben werden soll (
Urteil
des Bundesgerichts
I 501/06 vom 2
9.
Juni 2007, E
. 5.2 mit Hinweisen)
.
5.2
Bei der Ergotherapie
(
zur Behandlung von neuromotorischen Störungen
)
geht es
darum, die Auswirkungen des Leidens zu neutralisieren und in wesentlichen Le
ben
s
bereichen eine Handlungsfähigkeit zu erlangen. Insofern beeinflusst die Vorkehr die ausbildungsmässige und letztlich auch die erwerbliche Eingliede
rung (vgl. Urteil
e
des Bundesgerichts
9C_372/200
7 vom
3.
Januar 2008, E. 5, und I 501/06
vom
2
9.
Juni 2007, E.
6)
.
Gemäss den A
usführungen der Ergotherapeutin
C._
zielt die Behand
lung des Versicherten
auf
die
Verbesserung der Körper
wahrnehmung
und
der
Bewegungsplanung sowie
auf
eine Stärkung der Persönlichkeit durch erfolgrei
ches und lustvoll erlebtes Handeln
(
Urk.
6/44/
2).
Die Ärzte der Kinderklinik des Kantonsspitals
F._
empfahlen
,
die Ergotherapie
in jedem Fall
weiterzu
führen, und hierbei insbesondere an der Bewegungsplanung zu arbeiten um dem Versicherten Sicherheit zu vermitteln (
Urk.
14/
10 S. 4
).
Die Ergotherapie ist
sodann
dauernde
Begleitmassnahme
zur integrativen Sonderschulung mit
r
ele
vanter
heilpädagogischer
Förderung und Begleitung (
vgl.
Urk.
14/11).
Aufgrund der Akten
,
insbesondere aufgrund des Berichts der Ärzte der Kinderklinik des Kantonsspitals
F._
vom 10.
September 2014
bestehen jedoch keine An
haltspunkt
e
dafür
,
dass
die
die Auswirkungen des Leidens lediglich neutralisie
ren
de
Ergotherapie
zur Vermeidung eines stabilen Defektzustandes nötig wäre
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_372/2007 vom
3.
Januar 2008, E. 5
,
und I 501/06
vom 29.
Juni 2007, E. 6; vgl. Müller/
Reichmuth
, a.a.O.,
Art.
12
Rz
34, S.
143)
.
Ebensowenig
ist anzunehmen, dass mit der Ergotherapie ein stabiler Zu
stand herbeigeführt werden kann, in welchem vergleichsweise erheblich ver
besserte Voraussetzungen für eine spätere Ausbildung und Erwerbsfähigkeit be
stehen. Die beim Versicherten durchgeführte Ergotherapie zielt aktuell
weder
auf
die Verbesserung konkreter schulischer Fähigkeiten beziehungsweise einzel
ner
Aspekte ab, noch soll sie den Sonderschulstatus obsolet machen
(vgl. Urteil des
Bun
desgerichts 8C_269/2010 vom 1
2.
August 2010
, E.
5.2.2
). Viel
mehr bezweck
t sie eine Verbesserung der Gesamtentwicklung des Versicherten und wurde für
unbestimmte Zeit als nötig erachtet.
Damit ist der überwiegende
Einglie
de
rungs
charakter
der Massnahme
nicht erstellt. Die Beschwerde ist ab
zuweisen.
6
.
Da der Streitgegenstand die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungs
leistungen betrifft, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
I
VG), ermessensweise auf
Fr.
500.--
anzusetzen und entspre
chend
dem Ausgang des Verfahrens dem Vater des Versicherten
aufzuerlegen.