Decision ID: ddeb37dd-e297-4d1b-beb1-062babc27355
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1984,
war
seit dem 18. November 2009 bei der
Y._
angestellt und damit bei der Schweizerischen
Unfallversiche
rungsanstalt
(SUVA) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am 30.
September 2010 klemmte er sich
den linken Daumen bei der Montage einer Farbspritzkabine zwischen dem Eingangselement und der
Spritz
kabine
ein
(
Urk.
8/1)
. Im Spital
Z._
wurden am selben Tag
am
linken Dau
men
ein Quetschtrau
ma mit Nagelluxation, ein
subung
uales
Hämatom sowie eine dislozierte Quetschfraktur der Endphalanx diagnostiziert
; die Fraktur und der
Nagel
wurden
reponiert
und es wurde eine Nagelbettnaht
vorgenommen
(
Urk.
8/13)
.
Am 26. April 2011 untersuchte der SUVA-Kreisarzt Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Chirurgie, den Versicherten (Urk. 8/29).
Die SUVA
richtete bis zum 6. Mai 2011 ein
Taggeld
aus (
Urk.
8/42)
und
kam für die
Kosten der
Heil
behandlung
auf
.
1.2
Mit Schreiben vom 3. Mai 2013
beantrag
t
e
X._
die
Zusprechung
einer Integritätsentschädigung
(
Urk.
8/52)
. Die SUVA lehnte diesen Antrag nach Einholung einer
Stellungnahme
des
Dr.
A._
(vgl. Kurzbeurteilung vom 2
2.
Oktober 2013,
Urk.
8/63)
mit Verfügung vom
2
2.
Oktober 2013
ab
(
Urk.
8/64)
.
Zur Begründung wurde ausgeführt, es liege keine erhebliche Schä
digung der körperlichen Integrität vor.
Die vom Versicherten
hiegegen
am
11. November 2013
erhobene Einsprache
(
Urk.
8/69)
wurde gestützt auf eine er
neute kreisärztliche Beurteilung
(
vgl. der Bericht von
Dr.
A._
vom 5. Mai 2014
Urk.
8/77)
mit Entscheid vom 7. Mai 2014 abgewiesen (
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 7. Mai 2014
(
Urk.
2)
erhob
X._
am 10.
Juni 2014 Beschwerde mit
folgendem
Rechtsbegehren (
Urk.
1 S. 2):
1.
Der
Einspracheentscheid
vom 7.5.2014 sei aufzuheben;
2.
Es sei durch das Gericht ein Gutachten zum Ausmass
des aus dem Unfallereignis vom 30.09.2010 resultierenden Integritätsschadens in Auftrag zu geben, bzw. es seien die Akten zwecks Einholung eines solchen Gutachtens an die
Beschwerdegeg
nerin
zurückzuweisen, worauf gerichtlich über das Ausmass des Integritätsschadens zu entscheiden bzw. durch die Beschwerdegegnerin erneut zu verfügen sei,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Der Beschwerde legte er eine handchirurgische Beurteilung des behandelnden Arztes zum Ausmass des Integritätsschadens vom 5. Juni 2014 bei (
Urk.
3/6).
Am 23. Juli 2014 erstattete die SUVA ihre auf Abweisung
der Beschwerde
schliessende Beschwerdeantwort (
Urk.
7) unter Beilage einer
c
hirurgischen Be
urteilung von
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Chirurgie FMH,
Ärz
tin bei der
SUVA Versicherungsmedizin
,
vom 2
2.
Juli 2014
(
Urk.
9
).
Der Be
schwerdeführer verzichtet mit Eingabe vom 31. Juli 2014
unter Festhalten an den gestellten Anträgen
auf eine erneute
Stellungnahme
(
Urk.
12), was der
Be
schwerdegegnerin
am 6. August 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
13).
Die Einzelrichterin

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Nach Art. 24 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemessene
Integritätsentschädi
gung
, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der kör
perlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleidet. Die
Integritätsentschä
digung
wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwe
re des Integritätsschadens abge
stuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädi
gung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36
der Verordnung über die Unfallver
sicherung (UVV)
Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich
während des gan
zen Lebens minde
stens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, au
genfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemes
sung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhanges 3. Fallen meh
rere körperliche oder geistige Integritätsschäden aus einem oder mehreren Un
fällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der
gesamten Be
einträchtigung fest
gesetzt (Abs. 3).
1.
3
Im Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der
Inte
gritätsschäden
aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) wichtige und typi
sche Schäden prozentual gewichtet (RKUV 2004 Nr. U 514 S. 416). Für die darin genannten Integritätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem
angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (Ziff. 1
Abs.
1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte
Integritäts
schäden
wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (Ziff. 1
Abs.
2). Integritätsschäden, die gemäss der Skala 5 % nicht erreichen, geben keinen Anspruch auf Entschädigung (Ziff. 1
Abs.
3). Die völlige
Gebrauchsunfä
higkeit
eines Organs wird dem Verlust gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und teilweiser Gebrauchsunfähigkeit wird der Integritätsschaden entsprechend ge
ringer, wobei die Entschädigung jedoch ganz entfällt, wenn der
Integritätsscha
den
weniger als
5
%
des
Höchstbetrages des versicherten Verdienstes ergäbe (
Ziff.
2).
1.
4
Die Medizinische Abteilung der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) hat in Weiterentwicklung der
bundesrätlichen
Skala weitere
Bemes
sungsgrundlagen
in tabellarischer Form (sog. Feinraster) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für die Parteien nicht verbindlich, umso mehr als
Ziff.
1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, dass der in der Skala angegebene Prozentsatz des
Integri
tätsschadens
für den «Regelfall» gilt, welcher im Einzelfall Abweichungen nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthal
ten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE
134 V 231 E. 5.1,
125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Auch den Berichten und Gutachten ver
sicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, wel
che das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begrün
det erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gutachterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen
(RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE
135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/
ee
,
122 V 157 E. 1c; vgl. auch 123 V 331 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren anspruchsverneinenden Entscheid mit der B
eurteilung
ihres
Kreisarztes
Dr.
A._
vom 5. Mai 2014. Diese
Stel
lungnahme
habe
sich auf die
persönliche Untersuchung vom 26.
April 2011 und zudem auf aktuelle bildgebende Abklärungen
gestützt
. Ein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung bestehe laut der
SUVA-
Feinrastertabelle
3
l
ediglich bei Verlust eines oder mehrer
er
Daumenglieder
. Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Funktionseinschränkungen und Dauerschmerzen begründeten dem
gegenüber keinen Anspruch auf eine Integritätsentschädigung
(
Urk.
2
Ziff.
2
S. 4)
.
In ihrer Vernehmlassung vom 23.
Juli 2014 führte die Beschwer
-
degegnerin
aus,
der Zustand des Daumenendgliedes des Beschwerdeführers könne nicht
mit dessen Verlust gleichgesetzt werden
. Der Integritätsschaden liege demnach klar unter der
Erheblichkeit
sgrenze
von 5
%
. Zu diesem Schluss sei auch
Dr.
B._
in ihrer c
hirurgischen Beurteilung vom 2
2.
Juli 2014 (
Urk.
9) gelangt
(
Urk.
7 S. 3)
.
2.2
Der Beschwerdeführer rügte, dass die SUVA bei der Anspruchsprüfung keine ärztliche Untersuchung veranlasst habe. Unterblieben seien insbesondere Ab
klärungen betreffend eine verminderte Lebensqualität durch Schmerzen und Funktionseinschränkungen (
Urk.
1 S. 5). Er
wies
auf die
zusammen mit der Be
schwerde eingereichte
Beurteilung
von
Dr.
med.
C._
,
Facharzt FMH Handchirurgie und Chirurgie
, vom 5. Juni 2014 hin. Diese vermöge erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der Aktenbeurteilung durch Dr.
A._
zu begründen, weshalb das Ausmass der Beeinträchtigung durch ein unabhängiges Gutachten geklärt werden müsse
(S. 4 und 6).
Zudem verwies
der Beschwerdeführer
hinsichtlich der
erlittenen
Beeinträchtigung auf die Ausfüh
rungen in seiner Einsprache vom 11.
November 2013 (
Urk.
1 S. 6). In der Ein
sprache
hatte der Beschwerdeführer
im Wesentlichen
geltend gemacht, das
In
terphalangealgelenk
(= IP-Gelenk)
des linken Daumens sei praktisch unbeweg
lich. Daraus
ergebe
sich eine massive Funktionseinschränkung in praktisch allen täglichen Verrichtungen,
die beidhändig ausgeführt
würden
. Im Weiteren sei er
bei der Arbeit
und auch bei Freizeitbetätigungen
erheblich
beeinträchtigt und teilweise massiv v
erlangsamt. Regelmässig zu tätigende
Verrichtungen
,
wie beispielsweise kleine Reparatur-
oder Installationsarbeiten
,
könne er sogar gar nicht mehr au
s
führen.
Zudem leide er unter einem Dauerschmerz im Daumen,
ausstrahlend bis in den Unterarm.
Da der ganze Daumen in Mitleidenschaft ge
zogen worden sei, sei die Funktionseinschränkung grösser als sie bei einer voll
ständigen Amputation des Endgliedes
wäre
(
Urk.
8/69
).
3.
3.1
Am 30. September 2010
hatte
sich der Beschwerdeführer den linken Daumen bei der Montage einer Farbspritzkabine zwischen dem Eingangselement und der Spritzkabine ein
geklemmt
(
Urk.
8/1). Am Unfalltag wurden im Spital
Z._
an
der linken Hand
ein Quetschtrau
ma mit Nagelluxation, ein
subung
uales
Häma
tom sowie eine dislozierte Quetschfraktur der Endphalanx
Dig
. I diagnostiziert und eine Reposition der Fraktur vorgenommen
sowie eine Nagelbettnaht
und
Nagelreposition durchgeführt
(
Urk.
8/13).
3.2
Am 14. Dezember 2010
berichtete
Dr.
C._
, der Beschwerdeführer habe sich
am 30. September 2010
ein schweres Quetschtrauma am Daumenendglied der
adominanten
linken Hand zugezogen. Es bestehe ein erhebliches
Rehabilita
tionsdefizit
mit praktisch unbeweglichem IP-Gelenk. Die angegebenen starken Schmerzen seien glaubhaft, der Beschwerdeführer mache aber nichts, um dies zu ändern. Rein
von der Fraktur her könne die Hand beziehungsweise der Dau
men voll belastet werden
(
Urk.
8/20/2-3). Am 17.
Februar 2011
berichtete
Dr.
C._
von einer deutlichen Verbesserung des schweren
Rehabilitations
defizites
. Er gab an
, der Beschwerdeführer besuche zweimal wöchentlich die Handergotherapie. Dadurch habe er erreicht, dass man das
Endglied
des Dau
mens
jetzt
berühren könne. Die Schmerzen seien deutlich besser. Die Hand könne aber noch nicht eingesetzt werden.
Es sei alles reizlos verheilt. Das
End
glied
sei immer noch etwas glänzend und mit glasiger Haut trophisch verändert.
Eine Flexion des
IP-Gelenkes sei bis 30
°
möglich. Es bestehe eine intakte Sensi
bilität und Durchblutung. Der
Pi
nchgriff
sei kraftlos
(
Urk.
8/20/4).
3.3
Dr.
A._
erklärte nach der kreisärztlichen Untersuchung vom 26. April 2011
(
Urk.
8/29)
, dass
am
linken Daumen des Versicherten eine verminderte
Trophik
bestehe.
Er gab zudem ein fehlendes Hautrelief über dem IP-Gelenk, ein dystro
phes Nagelwachstum, eine starke
Druckdolenz
über de
r
Endphalanx nur schon bei sanfter Palpation sowie eine
Druckdolenz
über dem IP-Gelenk und wenig
Druckdolenz
über dem Grundphalanx
an
. Bezüglich der Funktion des IP-Gelen
kes bemerkte er, die Extension/
Flextension
betrage links 4-0-8°
.
Der
Pinzetten
griff
sei zu allen Langfingern möglich.
Dr.
A._
führte aus, bald sieben Mo
nate nach dem Unfallereignis persistiere am linken Daumen eine massiv einge
schränkte Funktion im IP-Gelenk sowie eine verminderte Belastbarkeit. Die
Tro
phik
sei sichtbar vermindert. Die erhebliche
Druckdolenz
über der Endphalanx könne er
sich
jedoch in diesem Ausmass nicht vollumfänglich erklären. Das Funktionsdefizit dürfte nach seiner Einschätzung weichteilbedingt sein und lasse sich rein
arthrogen
nicht
begründen
.
Es stelle sich die Frage, was dem Versicherten sieben Monate nach dem Unfall noch angeboten werden könne. Zwecks einer umfassenden Beurteilung werde er ihn für eine stationäre Rehabi
litation in der
D._
anmelden.
Aufgrund der aktuellen Befunde an der
adominanten
linken Hand sei dem Versicherten zumindest eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit mit maximal zu hantierenden Lasten von 15 Kilo
gramm den ganzen Tag zumutbar. Für feinmotorische Tätigkeiten bestünden keine Einschränkungen, zumal diese ohnehin mit der rechten dominanten Ha
nd durchgeführt würden
.
3.4
Am 3. August 2011
berichtete
Dr.
med.
E._
, Spezialärztin FMH für Anäs
thesie, Schmerz- und Komplementärmedizin, Spital
F._
, der Beschwerde
führer leide unter persistierenden, intermittierenden Schmerzen am linken Daumen mit einer verminderten Beweglichkeit des IP-Gelenkes, welche mit Me
dikamenten und
(unregelmässig)
Ergotherapie behandelt würden. Sie gab weiter an, ein möglicher bleibender Nachteil sei eine persistierende Versteifung des IP-Gelenkes
Dig
. I der linken Hand (
Urk.
8/48).
3.5
Am 10. Mai 2011 verfasste
Dr.
A._
einen Nachtrag zu seinem
Kreisarztbe
richt
vom 26. April 2011
(Urk. 8/67). Er führte aus, der Arbeitgeber habe dem Versicherten eine leichte Arbeit zugewiesen, worauf dieser noch am selben Tag den Arbeitsplatz verlass
en und fristlos gekündigt habe
.
Dr.
A._
gab an, auf
grund des Angebotes einer alternativen
,
zumutbaren Tätigkeit habe er entschie
den, dass ein stationärer Rehabilitationsaufenthalt nicht mehr indiziert sei. Der Versicherte hätte sich bei der angebotenen leichten Tätigkeit selber therapiert.
Die SUVA werde noch für zwei
Ergotherapiezyklen
à 12 Sitzungen aufkommen.
3.
6
Der SUVA-Kreisarzt
Dr.
A._
erklärte am 2
2.
Oktober 2013, es bestehe kein
Anspruch auf eine Integritätsentschädigung, da der Referenzwert erst bei voll
ständiger Amputation des Endgliedes am Daumen bei 5
%
liege (
Urk.
8/63).
3.
7
Am 5. Mai 2014 führte
Dr.
A._
aus, die am 18. März 2014
im
G._
angefertigten
aktuellen Röntgenaufnahmen des linken Daumens do
kumentierten eine konsolidierte
extraartikuläre
Endphalanxfraktur
des Dau
mens. Eine Arthrose im
IP-Gelenk
liege
nicht vor. Selbst bei einer
Fingerge
lenksarthrose
betrage
der Referenzwert gemäss
der SUVA-
Feinrastertabelle 5.2 für Integr
itätsentschädigungen gemäss UVG
0
%
. Dr.
A._
wiederholte
, dass erst bei einem Verlust des Daumenendgliedes der Referenzwert
gemäss der
SUVA-
Feinrastertabelle 3.2 Fig. I bei 5 % liege
und merkte an, der Versicherte verfüge jedoch am linken Daumen sowohl über das Grundglied als auch über das
Endglied
(Urk.
8/77).
3.
8
Auf Ersuchen des Beschwerdeführers hin, nahm
Dr.
C._
am 5. Juni 2014 eine Beurteilung des Integritätsschadens vor (
Urk.
3/6). Er diagnostizierte einen erheblichen Funktionsverlust des linken Daumens sowie ein persistierendes Schmerzsyndrom bei einem Status nach einem am 30. September 2010 erlitte
nen schweren
Quetschtrauma
mit Fraktur der Endphalanx und Nagelausriss. Er gab an, das IP-Gelenk des linken Daumens sei, wie anlässlich der Voruntersu
chung durch seinen Kollegen
Dr.
med.
H._
beschrieben, aktiv nicht flektierbar und die passive Flexion schmerze. Das Grundgelenk sei voll
extendierbar
und zeige eine Flexion von 40°. Die Kraft im Daumenstrahl sei wie gemessen mini
mal. Nach seiner Einschätzung liege klinisch eine persistierende grosse
Funkti
ons
un
fähigkeit
des linken Daumenstrahles vor. Bei einem
Ampuationsverlust
des D
aumengrund- und Endgliedes würde der Integritätsschaden 20
%
betragen. Laut Gesetz werde die völlige Gebrauchsunfähigkeit ein
e
s Organs dem Verlust gleichgestellt. Es bestehe sicherlich keine völlige Gebrauchsunfähigkeit
,
aber der linke Daumenstrahl könne doch in einem weitgehenden Mass nicht funktions
gerecht eingesetzt werden, so dass er der Meinung sei, dass der
Integritätsscha
den
irgendwo zwischen mehr
als 5
%
(Verlust des Endgliedes)
und
20
%
(
Ver
lust des Grund- und Endgliedes
)
liege. Zur genauen Festlegung e
mpfehle er ein handchirurgisches
Gutachten.
3.
9
Dr.
B._
, SUVA Versicherungsmedizin, erstatte am 2
2.
Juli 2014 eine chirurgische Aktenbeurteilung (
Urk.
9). Sie fasste
die medizinische
Akten
lage
zusammen
(S. 1 ff.)
und stellte fest, dass der Unfall
am Daumenendglied folgende Verletzungen verursacht habe:
eine dislozierte Querfraktur, eine
Na
gelluxat
ion
und ein
subunguales
Hämatom
. Die Fraktur sei vollständig verheilt.
Dr.
B._
gab im Weiteren an, die erlittene
Daumen
d
gliedquerfrak
tur
habe nicht die Gelenksf
läche des IP-Gelenkes
betroffen
und
deshalb
keine Arthrose in diesem Gelenk verursachen können. Die Röntgenbilder des linken Daumens vom 18. März 2014 zeigten auch keine Arthrose, weder im
IP-Gelenk, noch im Grundgelenk.
Dr.
B._
erklärte, e
s bestehe auch keine Instabilität im Bereich des linken Daumens; die durch den Unfall vom 30. September 2010 verursachte Querfraktur des Daumenendglieds habe nicht gleichzeitig eine Luxation im IP-Gelenk verursachen können. Dies sei infolge des Verletzungsmusters nicht möglich. Die Nagelluxation besage, dass sich der Nagel auf Höhe des Nagel
brettes durch die Haut hindurch verschoben habe. Mit der dokumentierten
Na
gelbrettnaht
am Unfalltag sei der Nagel an seine ursprüngliche Stelle reponiert worden
(S. 4)
. Die Nagelverhältnisse seien somit wieder stabil gewesen.
Dr.
B._
erläuterte im Weiteren die
Fotodokumentation beider Daumen vom 26. April 2011
und gab diesbezüglich
an, es sei ersichtlich, dass der Nagel vollständig erhalten sei
(S. 5)
.
Im Seitenvergleich sei eine Narbenbil
dung sichtbar; dies sei sieben Monate nach dem Unfall ein Normalbefund. Das Daumenendglied sei erhalten (S. 6).
Zusammenfassend führte
Dr.
B._
aus, das Daumenendglied sei nicht amputiert und der Nagel erhalten. Die Beweglichkeit im Endgelenk um
fasse gemäss dem
Eintrag in der Krankengeschichte
vom 15. Februar 2011 (Dr.
C._
) eine Flexion/Extension von 30°/0° (bei einem Normalwert Fle
xion/Extension von 80°/0°). Die Beweglichkeit im Grundgelenk habe Dr.
C._
am 5. Juni 2014 mit Flexion/Extension 40°/0° beschrieben (bei einem Normalwert von 50°/0°). Es
bestehe
somit im Daumenen
dgelenk ein
Beu
gedefizit
von 50
°
und im Daumengrundgelen
k ein Beugedefizit von 10
°, wobei der letzte Wert im Rahmen eines natürlichen Messfehlers als normal gelte. Eine Arthrose liege im IP-Gelenk nicht vor und wäre sicherlich nicht auf eine
extra
artikuläre
(= nicht das Gelenk betreffende) Querfraktur zurückzuführen.
Im Weiteren
sei
weder radiologi
sch noch klinisch dokumentiert
eine Instabilität in einem der Daumengelenke
(Daumenendgelenk, Daumengrundgelenk und
Dau
mensattelgelenk
)
vor
handen
.
Was die Einschätzung eines Integritätsschadens betreffe
,
liege kein Verlust des Daumen
s
, auch nicht des Daumenendgliedes vor gemäss
der
SUVA-Feinraster
tabelle
3 zum Integritätsschaden bei einfache
n
oder kombinierte
n
Finger-, Hand- und Armverlusten
. Die Tabelle 6 (Gelenkinstabilitäten) könne nicht be
rücksichtigt werden, da keine Instabilität
bestehe
. Als weitere Referenz werde die Tabelle 5 (Arthrosen) beigezogen: Der Referenzwert für eine Fingergelenk-Arthrose betrage ungeachtet der Schwere 0
%. Hierzu sei
anzufügen
, dass bei einer schweren Arthrose das betroffene Fingergelenk deutlich bis vollständig in seiner Beweglichk
eit eingeschränkt
sein
könne
. Der Referenzwert bei
Verlust ei
nes Daumenendgliedes
(Amputation)
werde mit 5
% angegeben. Beim Versi
cher
ten sei ein Beugedefizit von 50
° im Daumenendgelenk dokumentiert. Es handle sich zwar nicht um eine komplette Funktionslosigkeit des
Daumenend
gliedes
(eine Beugun
g von 30
° sei noch möglich), jedoch um eine Einschrän
kung des Bewegungsausmasses. Hingegen sei die Beweglichkeit im Daumen
grundgelenk nicht eingeschr
änkt, da der Unterschied von 10
° zum Normalwert für die Funktion des Gelenkes bedeutungslos sei. Somit sei einzig das Dau
menglied massgebend für die Integritätsschätzung
. Wie bereits der Kreisarzt
Dr.
A._
ausgeführt habe, liege erst bei einem Verlust des Daumenendgliedes der Referenzwert der Feinrastertabelle 3.2 Fig. I bei 5
%
,
und ein
Daumenend
gliedverlust
liege beim Versicherten nicht vor (S. 7). Schlussfolgernd bestehe beim Versicherten aus chirurgischer Sicht unter Beachtung aller Faktoren kein Integritätsschaden, der erheblich sei (S. 8).
Dr.
B._
nahm zudem zum Bericht von
Dr.
C._
vom 5. Juni 201
4
Stellung. Sie gab
an, dass das Daumenendglied des
Versicherten bei de
r dokumentierten Beugung von 30
° nicht völlig gebrauchsunfähig sei. Die wichtigsten Bewegungen (Opposition) würden mit dem Sattelgelenk ausgeführt und für beispielsweise den Pinzetten- oder Schlüsselgriff sei eine Beugung von 30° im IP-Gelenk ausreichend.
4.
4.1
Nach Lage der Akten hat
sich
der Beschwerdeführer beim Unfall vom 30.
September 2010
bei der Montage einer Farbspritzkabine
den linken Daumen zwischen dem Eingangselement und der Spritzkabine eingeklemmt und dabei eine dislozierte Querfraktur
des Daumenendgliedes
, eine Nagelluxation und ein
subunguales
Hämatom erlitten. Erstellt und unbestritten ist sodann, dass das
Daumenendglied
einschliesslich des Nagels nach der Abheilung vollständig er
halten geblieben ist. Der Heilungsverlauf entwickelte sich
allerdings
ungünstig. Es bestand bereits im Dezember 2010 ein
grosses Rehabilitationsdefizit,
der Be
schwerdeführer klagt
e
über
starke
Schmerzen
.
Zudem ist die aktive
Beweglich
keit des IP-Gelenk
es
erheblich eingeschränkt
.
4.2
Dr.
B._
zog bei ihren
Überlegungen
hinsichtlich eines
Integritäts
schaden
s
– wie bereits zuvor
Dr.
A._
–
den
Referenzwert
bei voll
ständigem Verlust des Daumenendgliedes und
den Referenzwert
bei
Fingerge
lenksarthrosen
heran
.
Diese Vorgehensweise ist
schlüssig
, einleuchtend und nicht zu beanstanden.
Der Verlust eines Daumenendgliedes
wird
laut
der
Skala
in
Anhang 3 zur UVV
und auch laut der von den SUVA-Ärzten zitierten
Fein
rastertabelle
3
(
Integritätsschaden bei einfa
chen oder kombinierten Finger-,
Hand- und Armverlusten
, Tabelle 3.2
)
mit einer
Integritätsentschädigung
von 5 %
abgegolten
.
Dem Beschwerdeführer
, dessen
Daumenendglied
an sich
erhal
ten geblieben ist,
stünde
demnach
nur
dann ein Anspruch auf eine
Integritäts
entschädigung
wegen der
bei
m
IP-Gelenk
verbl
ie
benen
Einschränkungen
zu, wenn
diese
zu einer völligen Gebrauchsunfähigkeit
des Daumenendgliedes
führ
t
en
(vgl. E. 1.
3
und
Ziff.
2 des Anhangs 3 zur UVV)
.
Dr.
B._
wies
in diesem Zusammenhang
auf
den
Referenzwert
für eine
Fin
gergelenks
a
rthrose
(vgl. die Feinrastertabelle 5 zum Integritätsschaden bei Arthrosen)
hin
, der
ungeachtet der Schwere 0
%
betr
ägt
. Die
s
legt
den Schluss nahe
, dass
Be
wegungseinschränkungen
beim Daumenendglied
regelmässig nicht zu einer vollständigen Funktionslosigkeit führen
.
Diese Überlegungen relativieren auch die
nicht
vollständig
geklärte Frage nach dem Umfang
des
fortwährenden
Beu
gedefizites
beim IP-Gelenk
: I
m Dezember 2010 ging
Dr.
C._
v
on einem Bewegungsumfang von 30
° aus
(E. 3.2)
,
Dr.
A._
berichtete im April 2011 von
einem Bewegungsradius von 4-0-8° (E. 3.3)
,
und
im Bericht vom
5.
Juni 2014 gab
Dr.
C._
an, das IP-Gelenk des linken Daumens sei aktiv nicht flek
tierbar
und die passive Flexion schmerze (E. 3.
8
)
.
Führt
e
nach dem Gesagten
selbst eine vollständige Versteifung des Daumenendgliedes infolge Arthrose
re
gelmässig
zu keinem Anspruch auf eine Integritätsentschädigung, kann auch
beim Beschwerdeführer
nicht eine völlige Gebrauchsunfähigkeit des linken Daumengliedes angenommen werden. Der
Pinzettengriff
ist
beispielsweise wei
terhin
möglich.
4.3
Die Einschätzung von
Dr.
B._
, die mit den kurzen Stellungnah
men des Kreisarztes
Dr.
A._
übereinstimmt
und einen vollständigen Über
blick über die medizinische Aktenlage enthält
,
erweist sich als umfassend und
sorgfältig
und vermag auch inhaltlich zu überzeugen
. Die Versicherungsärztin
zog
zusätzlich
die Möglichkeit einer
Gelenks
instablität
, die einen Anspruch auf eine Integritätsentschädigung begründen könnte, in Betracht, verneinte
aber
auch
deren Vorliegen
in
nachvollziehbar
er Weise
.
Zudem
setzte sie sich mit der
abweichenden Einschätzung des beh
andelnden Arztes Dr.
C._
auseinan
der
.
Sie hielt dessen Beurteilung überzeugend entgegen
, dass die Beweglichkeit im Daumengrundgelenk nicht eingeschränkt sei
, da der Unterschied von 10
° zum Normalwert für die Funktion des Gelenkes bedeutungslos sei
. Für die
In
tegritätsschätzung
sind dementsprechend
einzig
die Defizite beim
Daumen
dglied massgebend
.
4.4
Soweit der Beschwerdeführer schliesslich
aus der
Schmerzproblematik
einen Anspruch auf eine Integritätsentschädigung
ableitet
(vgl. auch
Urk.
8/46 und
Urk.
8/52)
ist festzuhalten, dass die in Frage kommenden Tabellen keine Ab
stufung nach dem Schmerzempfinden ausweisen, wie das etwa bei der Tabelle 7 (Integritätsentschädigung bei Wirbelsäulenaffektionen) der Fall ist. Demgemäss besteht grundsätzlich kein Raum für eine Berücksichtigung der Schmerz
en. Zu beachten ist sodann
,
dass die Schwere des
Integritätsschadens
nach dem medi
zinischen Befund zu beurteilen ist und dass der
Integritätsschaden
mit Rück
sicht auf eine abstrakte und egalitäre Beme
ssung bei gleichem medizinischem
Befund für alle Versicherten gleich ist. Es lassen sich ähnliche Unfallfolgen mit
einander vergleichen und auf medizinischer Grundlage allgemeingültige Regeln
zur Bemessung des
Integritätsschadens
aufstellen; spezielle Behinderungen des Betroffenen durch den
Integritätsschaden
bleiben dabei unberücksichtigt. Die Bemessung des
Integritätsschadens
hängt somit nicht von den besonderen Um
ständen des Einzelfalles ab; auch geht es bei ihr nicht um die Schätzung erlitte
ne
n
Unbill
s
, sondern um die medizinisch-theoretische Ermittlung der Beein
trächtigung der körperlichen oder geistigen
Integrität
, wobei subjektive Fakto
ren grundsätzlich
ausser
Acht zu lassen sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_49/2014 vom 2
3.
April 2014 E. 4.3 mit Hinweisen).
4.5
Da die aktenkundigen ärztlichen Unterlagen
nach dem Gesagten
eine zuverläs
sige Beurteilung de
r Frage nach dem
abzugeltenden Integritätsschaden erlau
ben, erübrigt sich die in der Beschwerde beantragte Einholung einer medizini
schen Expertise (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 131 I 153 E. 3 S. 157; 124 V 90 E. 4b S. 94).
Es trifft zwar zu, dass die SUVA-Ärzte und der behandelnde Arzt
,
was
das Ausmass des
Integritätsschadens
betrifft, zu einem anderen Schluss gelang
t
en. Die erhobenen Befunde sind aber grundsätzlich unbestritten. Die SUVA-Ärzte haben ihr Ermessen bei der konkreten Bestimmung des
Inte
gritätsschadens
nach dem Gesagten recht
s
fehlerfrei ausgeübt. Es besteht keine Veranlassung
an dessen Stelle
das Ermessen des behandelnden Arztes zu setzen.
4.
6
Die Verneinung eines erheblichen Integritätsschadens von 5
%
ist angesichts des vollständig erhaltenen Daumenendgliedes trotz des erheblichen
Beugedefi
zits
nicht zu beanstanden
,
weshalb es beim
anspruchsverneinenden
Entscheid bleibt
.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.