Decision ID: f6ed2261-389b-4e26-911c-0696fc2be194
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1977 geborenen und als Reinigungsangestellte tätig gewesenen (
Urk.
12/8)
X._
wurde
n
von der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
aufgrund eines Tumorleidens
mit Verfügung vom
5.
April 2005 mit Wirkung ab
1.
Oktober 2004 eine ganze Rente der Invalidenversicherung sowie eine Kinderrente zugesprochen (
Urk.
12/21).
Mit
Mitteilungen vom 1
1.
Juli 2007 (
Urk.
12/28) sowie vom 1
8.
Februar 2013 (
Urk.
12/36)
bestätigte die IV-Stelle einen Anspruch der Versicherte
n
auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung
.
1.2
Anfang
2017 leitete die IV-Stelle ein weiteres amtliches
R
evisionsverfahren ein
, in dess
en Rahmen sie Verlaufsberichte der behandelnden Ärzte einholte (
U
rk.
12/46
, 12/5
8
).
Hieraus ergab sich, dass
aus onkologischer Sicht eine (ganze) IV-Rente nicht mehr
zu
begründen
sei
(
Urk.
12/46/9, 12/58),
weshalb
der Versi
cherten
mit Vorbescheid vom
2.
Februar 2018 die Aufhebung der Rente angezeigt
wurde
(Urk.
12/60).
Nach Einwanderheb
ung durch
X._
(Urk.
12/61 und 12/68
) und ergänzender
Einwandbegründung
(
Urk.
12/72) liess die IV-Stelle die Versicherte in der MEDAS
Y._
AG polydiszi
plinär abklären (Gutach
ten vom
3.
Oktober 2019,
Urk.
12/100).
Gestützt hierauf kündigte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 2
2.
November 2019 erneut d
ie Aufhebung der Rente an (Urk.
12/102),
wogegen
die Versicherte wiederum
Einwand
erhob
(Ur
k.
12/105
, 12/109
)
.
Anlässlich eines vorerst
auf den 1
7.
M
ärz 2020 anberaumten
,
pandemie
bedingt auf den 1
7.
Juni (
Urk.
12/1
12) beziehungsweise auf den 12.
August 2020 verschoben
en
(
Urk.
12/113)
Eingliederungsgesprächs
wurden der
Versicherte
n Integrationsmassnahmen bei der
Stiftung
Z._
empfohlen (
Urk.
12/114), die sie indessen aus Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19 erst zu einem späteren Zeitpunkt antreten wollte (
Urk.
12/115-116).
Nachdem die IV-Stelle Integrations
massnahmen für zumutbar erachtet und die Versicherte
in der Folge
bei der Stiftung
Z._
ein Eingliederungsgespräch geführt hatte, sich
die Durch
führung einer Massnahme
indessen nicht vorstellen konnte (
Urk.
12/118/7), auferlegte ihr die IV-Stelle mit
Schreiben vom 2
8.
Oktober 2020,
bis zum 6.
November 2020
einen Eintrittstermin für ein Belastbarkeitstraining zu verein
baren
und
diesen
der IV-Stelle mitzuteilen
, wobei der Start der Massnahme nicht später als
am
16.
November 2020 erfolgen dürfe (
Urk.
12/117).
Mangels Erfüllung der angeordneten
Mitwirkung
spflicht
wurden die beruflichen Massnahmen abge
brochen und hob
die IV-Stelle die Rente der Ver
sicherten mit Verfügung vom 12.
November 2020 auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
1.
Dezember 2020 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung
sei
aufzuheben und die Sache zur Durch
führung von beruflichen Eingliederungsmassnahmen an die IV-Stelle zurückzu
weisen, wobei nach Abschluss der Eingliederungsmassnahmen der Renten
anspruch neu zu beurteilen sei
. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie um Bestellung von Rechts
anwältin Anna Willi als unentgeltliche Rechtsvertreterin
(
Urk.
1).
Mit Eingabe vom
9.
Februar 2021 zog die Beschwerdeführerin ihr Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege zurück (
Urk.
10).
Nach gewährter Fristerstreckung schloss die Beschwerdegegner
in mit Beschwerdeantwort vom 1.
März 2021 (Ur
k.
11) auf Abweisung der Beschwerde, was der Versicherten mit Verfügung vom 1
0.
M
ärz 2021 mitgeteilt wurde (Urk.
13). Mit
Stellungnahme
vom 23.
März 2021 präzisierte die Beschwerdeführerin ihre Anträge dahingehend, dass während der Durchführung
der
beantragten Eingliederungsmassnahmen die ganze Invali
denrente weiter auszurichten sei (
Urk.
14).
Hierzu liess sich die Beschwerde
gegn
erin nicht mehr vernehmen (Urk.
16), wovon die Beschwerdeführerin in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
17). Am 1
4.
Januar 2022 erkundigte sich die Beschwerdeführerin
nach dem
Verfahrensstand (
Urk.
18).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen
wird, soweit
für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachfo
lgenden Erwägungen einge
gangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf
den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des
geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung
im Wesent
lichen
damit,
gestützt auf
die medizinische Abklärung
sei von
e
inem
seit Anfang 2017 stark verbesserten Gesundheitszustand der Versicherten
auszugehen
.
Nach
dem aus ärztlicher Sicht in der bisherigen Tätigkeit als Raumpflegerin höchstens noch eine Arbeitsunfähigkeit von 30
%
bestehe,
erreiche der Invaliditätsgrad kein rentenbegründendes Ausmass mehr.
Was die von der Beschwerdeführerin bean
tragten Massnahmen in beruflicher Hinsicht anbelange, so hätten solche aufgrund fehlender Mitwirkung der Versicherten nicht fortgeführt werden
können; diese sei auch nach korrekter Durchführung des Mahn- und
Bedenk
zeitverfahrens
ihrer Schadenminderungspflicht innert Frist nicht nachgekommen, weshalb auf eine mangelnde Motivation der Beschwerdeführerin zu schliessen gewesen sei, was zum Abbruch der beruflichen Massnahmen geführt habe. Mangels rentenbegründenden Invaliditätsgrades von 30
%
sei die Rente einzu
stellen (
Urk.
2 und
11).
2.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin insbesondere entgegen, es
treffe nicht zu
, dass sie ihre Mitwirkungspflicht verletzt habe, sei doch die ihr gesetzte Frist zu knapp bemessen und die Formulierung missverständlich gewesen
. Sie sei motiviert, an beruflichen Massnahmen teilzunehmen. Es sei jedoch zu berücksichtigen, dass sie hinsichtlich Covid-19 zur Risikogruppe gehöre und sie ohnehin unter starken Ängsten auch anderweitig leide. Um das Risiko einer
Coronaerkrankung
zu minimieren habe sie versucht, wenig Kontakt zu Menschen zu haben, was natür
lich auch die beruflichen Massnahmen erschwere. Trotz ihrer grossen Ängste habe sie sich bestmöglich um
die
Wahrnehmung ihrer Mitwirkungspflichten bemüht und sich für das Belastbarkeitstraining angemeldet. Die Verweigerung der Fort
führung der beruflichen Massnahmen und die Renteneinstellungen seien demzu
folge nicht rechtmässig.
Sollte dennoch von einer Verletzung ihrer Mitwirkungs
pflicht ausgegangen werden, so könne ihr Rentenanspruch nicht gestützt auf das MEDAS-Gutachten beurteilt werden. Entgegen den Ausführungen der Gutachter leide sie sehr wohl an einer psychischen E
rkrankung und sei
weit mehr einge
schränkt, als von den G
utachtern angenommen, was sich aus der E
inschätzung ihres
behandelnden
Psychiaters klar ergebe: neben einer
Fatigue
habe er eine schwere depressive Episode diagnostiziert, was insgesamt zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 70
%
führe
(
Urk.
2).
3.
3.1
Am 14., 1
9.
und 2
8.
März 2019 wurde die Beschwerdeführerin polydisziplinär (Innere Medizin,
Psychia
trie, Neurologie) in der MEDAS
Y._
AG
abgeklärt (Expertise vom 3. Oktober 2019,
Urk.
12/100).
Im Rahmen
des
im Jahr 1999 diagnostizierten
siegelringzelligen
Adenokarzinoms
des Kolons
wurde als
einzige
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine tumorassoziierte
Fatigue
aufgeführt
(
Urk.
12/100/16).
3.2
3.2.1
Aus internistischer Sicht ergab sich keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit
,
wobei
der Gutachter zu den Heilchancen des Karzinoms
- wenn auch bislang ohne
Rezidivnachweis
-
keine klare S
tellung beziehen konnte (U
rk.
12/100/14)
.
3.2.2
Der neurologische Gutachter berichtete
von einem Verdacht auf eine Neuralgie des
Nervus
occipitalis
rechts, einer leichtgradigen peripheren Polyneuropathie sowie von einem sensiblen
Hemisyndrom
rechts, funktionell
(ohne organische Grundlage,
Urk.
12/100/17)
, hielt indessen dafür, erhebliche Funktionseinschrän
kungen hätten nicht festgestellt werden können. Die körperliche Untersuchung habe sich etwas erschwert gestaltet, da die Beschwerdeführerin ausgesprochen langsam reagiert und die Aufgaben jeweils nur halbherzig ausgeführt habe, weshalb die A
uf
forderungen mehrmals hätten wiederholt werden müssen (
Urk.
12/100/14-15).
Sie habe angegeben, auf der ganzen rechten Körperseite Berührungen und Schmerz weniger zu spüren, während aber das Vibrations
empfinden am
Zeigfingergrundgelenk
und am Grosszehengrundgelenk objektiv beidseits gleich und unauffällig
gewesen sei
. Paresen
hätten
sich nicht objekti
vieren
lassen
,
Reflexausfälle oder -differenzen
seien
nicht zu erheben
gewesen
und die Stand- und Gangprüfungen
habe die Beschwerdeführerin
mit Ausnahme
eines leicht unsicheren Blindstrichganges ohne Auffälligkeiten absolviert (
Urk.
12/100/113).
Der Gutachter schloss, aus neurologischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (Urk. 12/100/113).
3.2.3
Anlässlich der
psychiatrische
n
Exploration zeigte
sich
eine bewusstseinsklare und allseits orientierte Patientin. Anhaltspunkte für Konzentrations- oder Aufmerk
samkeitsstörungen liessen sich nicht erheben. Der Gutachter notierte, die Beschwerdeführerin sei stets in der Lage gewesen, die gestellten Fragen rasch aufzunehmen und situationsadäquat ohne Latenz zu beantworten. Bei plötzli
che
m
Themenwechsel habe sie keinerlei Schwierigkeiten
bekundet
sich rasch anzupassen. Einfache Rechnungsaufgaben habe sie rasch aufnehmen und korrekt durchführen können. Das formale Denken sei systematisch und geordnet, jedoch eingeengt auf die gesundheitlichen B
eschwerden gewesen. D
ie Beschwerde
führerin sei mit einer beschwerde- und defizitorientier
t
en Schilderungsweise aufgefallen. Sie habe Angst, dass erneut ein Tumorrezidiv festgestellt werde, sowie auch Angst vor weiteren möglichen gesundheitlichen Problemen. Eine anhaltende depressive Affektivität habe nicht erhoben werden können. Die affek
tive M
odulationsfähigkeit sei erhalt
en, der Antrieb in der Untersuchungssituation nicht gemindert gewesen. Eine rasche Erschöpfung habe in der Untersuchungs
situation ebenso wenig wie eine psychomotorische Verlangsamung festgestellt werden können.
Ein Interessenverlust, welcher alle Belange des alltäglichen Lebens betreffen würde, sei nicht auszumachen gewesen.
Die Beschwerdeführerin habe
zwar eine Einschränkung der Freudfähigkeit geltend gemacht,
sie
sei aber auch in der Lage gewesen, auf freudige
E
reignisse adäquat
zu
reagieren (
Urk.
12/100/80-81).
Der Gutachter hielt fest, es habe sich
weder eine affektive Störung, noch eine Schmerzverarbeitungsstörung, eine Persönlichkeitsstörung oder -akzentuierung erheben
lassen
.
J
edoch
bestehe
eine maladaptive Krankheits
überzeugung und eine inadäquate Passivität zum Teil als Folge der tumorassozi
ierten
Fatigue
-Symptomatik, zum Teil aufgrund der
Dekonditionierung
. Gleich
zeitig habe eine defizitorientierte Schilderungsweise, insbesondere zu den Alltagsaktivitäten,
imponiert
.
Aus psychiatrischer Sicht sei als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine tumorassoziierte
Fatigue
zu nennen. Dieses Syndrom habe seit der Diagnose der Krebserkrankung vorgelegen. Nach nun
10-jährigem
rezidivfreiem
Krankheitsverlauf
sei - wie auch von der Onkologie
beschrieben - von einer Verbesserung des Gesundheitszustandes der Beschwer
deführerin auszugehen.
Infolge der
tumorassoziierten
Fatigue
bestehe eine eingeschränkte psychische Belastbarkeit, eine rasche Ermüdbarkeit, aber auch eine eingeschränkte Fähigkeit, die vorhandenen Ressourcen adäquat ausschöpfen zu können, zumal auch infolge der maladaptiven Krankheitsüberzeugung
(Urk. 10/100/17).
Unter Berücksichtigung der gesamten medizinischen Befunde und der eigenen Angaben
der B
eschwer
deführerin
sei aus psychiatrischer Sicht eine Leistungsminderung von 30
%
bei 8.5-stündiger Präsenz zu attestieren. Mit diesen Einschränkungen sei die bisherige Tätigkeit als Raumpflegerin zumutbar. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als Hausfrau
bestehe
nicht. Hinsichtlich therapeutischer Optionen führte der Gutachter aus, diese seien nicht vollumfänglich ausgeschöpft. Nebst der Weiterführung der antidepressiven Behandlung empfehle sich die Einleitung einer Ressourcenaktivierung sowie die Durchführung einer
psychoedukativen
kognitiv-
verhaltenstheraupeutischen
Behandlung, um die maladaptive Einstellung der Explorandin aufzuzeigen und auch ihre Ängste im Zusammenhang mit körperlichen Aktivitäten abzubauen (
Urk.
12/100/15).
3.3
Aus interdisziplinärer Sicht schlossen die Gutachter auf eine 30%ige Leistungs
minderung in
bisheriger
Tätigkeit als Reinigungsangestellte bei einer täglichen Präsenz von 8.5 Stunden.
Eines besonderen Tätigkeitsprofils bedürfe es nicht. Im Haushalt bestehe keine Einschränkung (
Urk.
12/100/15-16).
Unter Berücksichti
gung der gesamten Daten könne
, wie von der Onkologie beschrieben,
im Verlauf nach 10-jähriger
Rezidivfreiheit
grundsätzlich eine Verbesserung des Gesund
heitszustandes in Bezug auf die
Fatigue
-Symptomatik attestiert werden.
Bereits im Jahr 2004 sei eine tumorassoziierte
Fatigue
-Symp
tomatik beschrieben,
die Diagnose
jedoch in den früheren medizinischen Beurteilungen kaum konkret erwähnt worden.
Trotz vorliegender tumorassoziierter
Fatigue
-Symptomatik und der subjektiven Angaben der Explorandin zu ihren
Aktivitätenniveaus
, welche im Rahmen der aktuellen Begutachtung stark defizitorientiert ausgefallen seien, werde aufgrund der objektivierbaren Befunde von einem höheren Leistungs
niveau als früher ausgegangen und aus versicherungspsychiatrischer Sicht spätestens ab Anfang 2017 eine verwertbare Arbeitsfähigkei
t attestiert (Urk.
12/100/20).
4.
4.1
Dass ein Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17 ATSG ausgewiesen ist, wurde von der Beschwerdeführerin zu Recht nicht in Frage gestellt. Während der
Verfügung vom
5.
April
2005
, mit welcher der Beschwerdeführerin eine ganz
e
Rente der Invalidenversicherung zugesprochen
worden war
,
eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit zugrunde lag (
Urk.
12/17/3, 19),
was
anlässlich der nachfolgenden zwei amtlichen R
evisionen
unverändert
bestätigt wurde
(Urk.
12/26/5,
12/34/2), hielt die behandelnde Onkologin mit Bericht vom 3
1.
Januar 2017 fest, es bestehe nunmehr
ein krankheitsfreies Intervall
von 10 Jahren (
Urk.
12/46/3)
.
E
ine vollstän
dige Arbeitsunfähigkeit
lasse sich
aus onkologischer Sicht
daher
nicht mehr begründen
(
Urk.
12/46/9).
Mit Bericht vom
8.
November 2017 (
Urk.
12/58) bestä
tigte
sie
, dass Hinweise für ein Rezidiv fehlten, womit in onkologischer Hinsicht Gründe für eine IV-Rente nicht mehr gegeben seien.
Dass sich eine Verbesserung eingestellt hat, ergibt sich
au
ss
erdem aus dem Gutachten der MEDAS (E. 3.3)
und bestätigt
e
implizit auch der
behandelnde Psychiater
der Beschwerdeführerin, wenngleich er bloss von einer R
estarbeitsfähigkeit von 3
0
bis 40
%
ausgeht (U
rk.
12/108
).
4.2
4.2.1
Was die Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin anbelangt, welche der Anspruchsprüfung
im vorliegenden Revisionsverfahren
zugrunde zu legen ist, sind sich die Parteien
indessen
uneins.
Die Beschwerdegegnerin stellte hie
rfür auf das Gutachten der MEDAS
und mithin auf eine A
rbeitsfähigkeit von 70
%
ab (E.
2.1), währenddessen die Beschwerdeführerin darüberhinausgehende Einschränkung
en
geltend macht
e
(E. 2.2).
4.2.2
Entgegen dem Dafürhalten der Beschwerdeführeri
n vermag das Gutachten der MEDAS
vom
3.
Oktober 2019
die an eine beweiskräftige Expertise gestellten An
forderungen
(E. 1.5)
vollumfänglich zu erfüllen.
Die Gutachter tätigten umfas
sende Abklärungen, berücksichtigten die geklagten Beschwerden und begrün
de
ten ihre Einschätzung in nachvollziehbarer Weise
(
Urk.
12/100/17-19)
sowie in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
(
Urk.
12/100/26-43, 82).
Was die Beschwerdeführerin dagegen einwendet, rechtfertigt
keine andere Betrachtungs
weise. Der
von ihr angerufene Bericht des
dipl.
Arztes
A._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie
, vom 2
2.
Januar 2020
(
Urk.
12/108)
nennt
keine Befunde, die den Gutachtern verborgen geblieben
wären. Vielmehr
beschränkte
sich der Behandler
darauf
, seine
eigene
Einschät
zung der Beurteilung der Gutachter entgegenzustellen, was nicht genügt
, hatten die
Gutachter
doch
Kenntnis von
dessen
abweichende
r
Einschätzung
(
Urk.
12/100/74)
und
legten
nachvollziehbar
dar, weshalb eine affektive Störung nicht zu bestätigen sei
(
Urk.
12/100/82).
Wichtige Aspekte, welche bei der Begut
achtung unerkannt geblieben wären, sind mithin nicht auszumachen.
Ebenso we
nig ist zu bemängeln, dass die Gutachter die Fortführung der antidepressiven Therapie - diese habe zu einer Verbesserung der Schlafproblematik sowie der ängstlichen Wahrnehmungen der Beschwerdeführerin geführt (
Urk.
12/100/84) - empfahlen,
hielten
sie doch eine darüberhinausgehende medikamentöse Therapie nicht für erforderlich, während sie psychotherapeutische
Behandlungsmass
nahmen
sowie die Einleitung einer Ressou
r
cenaktivierung
zur
Behandlung der tumorassoziierten
Fatigue
-Symptomatik für vordringlich erachteten (
Urk.
12/100/85).
Schliesslich
ist hervorzuheben, dass
eine neuropsychologische Abklärung lediglich eine Zusatzuntersuchung darstellt, und es grundsätzlich Auf
gabe des psychiatrischen - oder allenfalls des neurologischen - Facharztes bleibt, die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung allfälliger neuropsycholo
gischer De
fizite einzuschätzen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_299/2019 vom 2
7.
Juni 2019 E. 4).
Da
der psychiatrische Gutachter keine Anhaltspunkte für
Konzentra
tions
- oder Aufmerksamkeitsstörungen erheben konnte (vgl.
Urk.
12/100/8, E. 3.2)
,
ist nicht zu beanstanden, dass er diesbezüglich auf weiter
führende Untersu
chungen verzichtete.
Was den
Vorhalt der Beschwerdeführerin anbelangt,
Kon
zentrations
- oder Aufmerksamkeitsstörungen könnten nicht ohne weiteres von der Hand gewiesen werden, habe sie sich doch nicht einmal an ihre Tätigkeit bei der
B._
zu er
innern vermocht (
Urk.
1 S. 14)
, vermag sie
auch
damit das Gutachten nicht zu erschüttern
.
Zum einen haben die Gutachter ausdrücklich auf diesen unauflöslichen Widerspru
ch hingewiesen (
Urk.
12/100/85);
zum andern ist
an
die
anlässlich der Begutachtung
dargebotene
defizitorientierte Schilderungs
weise durch die Beschwerdeführerin (
Urk.
12/100/85)
sowie die a
nderweitig in
konsistent
en Angaben
(
Urk.
12/100/83) zu erinnern. Auf jeden Fall
bot
dieser von den Gutachtern kenntlich gemachte Widerspruch für sie offenkundig nicht An
lass, um an
hinreichenden
kognitiven Fähigkeiten der Beschwerdeführerin zu zweifeln und eine neuropsychologische Abklärung zu veranlassen.
Ein Versäum
nis der Gutachter ist nicht zu erkennen.
4.2.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E
. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
4.2.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
4.2.5
Vorliegend begründete der psychiatrische Gutachter seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin unter Beachtung der Indikatoren hinrei
chend und nachvollziehbar; er hielt die Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen der Beschwerdeführerin fest, äusserte sich zur Konsistenz und zum Behandlungs
erfolg ebenso wie zur Persönlichkeitsdiagnostik und schlug den Bogen zum vorausgehenden Gutachtensteil
(
Urk.
12/100/84-85)
. Er legte insbesondere dar, aus welchen Gründen er von einer um 30 % eingeschränkten Arbeitsfähigkeit ausging (Urk. 12/100/17-19); angesichts dieser Umstände kann aus Gründen der Verhältnismässigkeit von der Durchführung eines strukturierten Beweisverfah
rens abgesehen werden. Dies gilt umso mehr, als eine höhere Arbeitsunfähigkeit als die gutachterlich attestierte auch aus einer
Indikatorenprüfung
nicht resul
tieren kann (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_629/2019 vom 8. November 2019 E. 4.2.4 und 8C_270/2019 vom 5. September 2019 E. 4.2.3). Nachdem die Gutachter im Rahmen
der interdisziplinären
Gesamtbeurteilung
die Indikatoren
insbesondere unter Darlegung der funktionellen Auswirkungen der Befunde und Diagnosen
ebenfalls
einlässlich
diskutierten
(Urk. 11/100/17-18
),
ist
ihre Arbeits
fähigkeitseinsch
ätzung auch unter Beachtung der
massgebenden Indikatoren
nachvollziehbar begründet.
4.3
Zusammenfassend wird der Beweiswert des Gutachtens weder durch Wider
sprüche geschmälert, noch werden Tatsachen dargetan, die unerkannt geblieben wären.
Die funktionellen Auswirkungen
der psychiatrischen Diagnose
wurden zudem anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei
dargelegt
.
Damit
ist auf das Gutachten der MEDAS
abzustellen, wonach die Beschwerdeführerin in bisheriger Tätigkeit zu 70
%
arbeitsfähig ist.
5.
5.1
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Einglie
derungsmassnahmen durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der
diesfalls
grund
sätzlich («vermutungsweise») anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbstein
gliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versicherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist
oder
wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufserfah
rungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (BGE 145 V 209 E. 5.1, Urteil des Bundesgerichts 8C_233/2021 vom 7. Juni 2021 E. 2.3 mit Hinweisen)
.
5.2
Im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 1
2.
November 2020 bezog die Beschwerdeführerin seit dem
1.
Oktober 2004 eine ganze Rente der I
nvaliden
versicherung.
Eine revisions
weise
Aufhebung der Rente ist damit gemäss zitierter bundesgerichtlicher Praxis grundsätzlich nur zulässig, wenn die Beschwerdegeg
nerin zuvor Eingl
iederungsmassnahmen durchführte.
Anlässlich der Begutach
tung brachte die Beschwerdeführerin allerdings zum Ausdruck, sie habe das G
efühl, s
ie werde nicht mehr arbeiten können (
Urk.
12/100/46). Eine Beschäfti
gung im angestammten Beruf in der Reinigung erachtete sie wegen Müdigkeit, Schwarzwerden
s
vor Augen und Schwindelproblematik für nicht mehr möglich (
Urk.
12/100/45).
In ihrem Einwand gegen den Vorbescheid vom
2
.
Februar 2018 liess die Beschwerdeführerin insbesondere vortragen, es sei davon auszugehen, dass sie ungefähr zu 70
%
arbeitsunfähig sei; infolge von Ängsten, Erschöpfung und Schwäche sei sie nicht einmal in der Lage, den Haushalt zu bewältigen. Bloss im Eventualstandpunkt ersuchte sie um Durchführung von Eingliederungsmass
nahmen zur Abklärung ihrer Eignung und Belastungsfähigkeit (
Urk.
12/109).
Ein erstes, von der Beschwerdegegnerin auf den 1
7.
März 2020 angesetzte
s
, Gespräch musste pandemiebedingt verschoben werden (
Urk.
12/111) und fand nach einer weiteren Verschiebung am 1
2.
August 2020 in den Räumlichkeiten der Beschwer
degegnerin statt. Auch hier zeigte sich, dass sich die Beschwerdeführerin die Durchführung eines Belastbarkeitstrainings nicht vorstellen konnte (
Urk.
12/118/3).
Demzufolge empfahl ihr die Beschwerdegegnerin, über das Angebot nachzudenken und einen Besichtigungstermin bei der in Aussicht genommenen Stiftung
Z._
zu vereinbaren. Überdies riet sie der Beschwer
deführerin, das Angebot mit ihrer Rechtsvertreterin zu besprechen und infor
mierte
sie
auch dahingehend, dass ein Mahn- und
Bed
enkzeitverfahren
einzuleiten sei
, falls es nicht möglich sein werde, berufliche Massnahmen durchzu
führen (vgl. Eintrag der Eingliederungsberatung vom 1
2.
August 2020,
Urk.
12/118/3-4).
Obwohl die Eingliederungsberatung eine Rückmeldung erbeten hatte, liess sich die Beschwerdeführerin n
icht mehr vernehmen. Erst nach entsprechender Aufforderung vom 2
3.
September 2020 (
Urk.
12/114)
zeigte sich
die Beschwerdeführerin
zwar
bereit, eine Integrationsmassnahme zu absolvieren,
ersuchte aber, da sie unter
grosse
r
Angst vor einer Ansteckung mit Co
vid-19 leide, gleichzeitig
darum, die berufliche
n
Massnahmen erst später - sinnvoller
weise Anfang des neuen Jahres - einzuplanen (
Schreiben vom
1.
Oktober 2020,
U
rk.
12/115-116).
Auf Drängen der Beschwerdeführerin setzte sich die Beschwer
degegnerin sodann am
2.
Oktober 2020 telefonisch mit dem behandelnden Psychiater in Verbindung, welcher erläuterte, die Beschwerdeführerin bitte darum die Massnahme zu verschieben, bis sich die Corona-Situation beruhigt habe. Ferner erklärte er, es bestehe ein selbstlimitierendes Verhalten, weshalb er beruf
liche Massnahmen befürworte (
Urk.
12/118/4
).
Mit Mail-Nachricht vom 1
3.
Oktober 2020 informierte die Tochter der Beschwerdeführerin, sie sei bereit, die Integrationsmassnahme anzutreten und erwarte daher einen Terminvorschlag seitens der Beschwerdegegnerin (
Urk.
12/118/5). Nachdem diese e
rklärt
hatte, die Beschwerdeführerin müsse selber aktiv werden, fand
schliesslich
am 2
7.
Oktober 2020 ein Gespräch
in
der Stiftung
Z._
statt. Gemäss den Ausführungen des Verantwortlichen liess sich zur Beschwerdeführerin kein K
ontakt herstellen und erklärte die Beschwerdeführerin, sie könne sich derzeit keine Massnahme vorstel
len, zu Zeiten von Corona schon gar nicht. Die Stiftung
Z._
war in der Folge daher nicht mehr bereit, eine Massnahme mit der Beschwerdeführerin durchzuführen (
Urk.
12/118/7).
Am
2
8.
Oktober 2020 forderte die Beschwerde
gegnerin die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf die Folgen mangelnder Wahrnehmung der Mitwirkungspflicht dazu auf, bis spätestens am
6.
November 2020 einen Eintrittstermin für ein Belastbarkeitstraining bei der
C._
AG zu vereinbaren, wobei der Start der Massnahme nicht später als am 1
6.
November 2020 zu erfolgen habe (
Urk.
12/117)
. Mit Mail-N
achricht vom 5.
November 2020 zeigte die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin an, sie werde am 1
7.
November 2020 in der
C._
«antreten» (
Urk.
12/118/9).
Da an diesem Termin einzig ein
(erstes)
Besichtigungsgespräch angesetzt war, ohne dass
bereits
eine Massnahme gestartet würde, erachte
te
die Beschwerdegegnerin die aufer
legte Mitwirkungspflicht als nicht erfüllt und eine Motivation für Eingliederungs
massnahmen
für
nicht erkennbar (
Urk.
12/119/3,
Urk.
2).
5.3
Der Vorwurf der Beschwerdeführerin, die ihr mit Schreiben vom 2
8.
Oktober 2020 gesetzte Frist sei zu knapp bemessen und der Inhalt des Schreibens missverständ
lich gewesen (E. 2.2), ist unbegründet. Bereits am 1
2.
August 2020 erlangte die Beschwerdeführerin davon Kenntnis, dass ein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
durchgeführt
werde, sollte sich eine Eingliederung als nicht möglich
erweisen
(E.
5.2). Dass die Beschwerdegegnerin an der Durchführung von Eingliederungs
massnahmen festhalten würde, machte sie
auch
in der Folge
unmissverständlich klar. Es war denn der Beschwerdeführerin auch möglich, bereits vor dem
5.
November 2020 sich mit der
C._
AG in Verbindung zu setzen. Dass sie sich aber erst für einen Termin am 1
7.
November 2020 entschied, ist alleine der Beschwerdeführerin zuzuschreiben, wären doch auch frühere Termine verfügbar gewesen (
Urk.
12/118/8).
Belege dafür, dass sie aus objektiver Sicht verhindert gewesen wäre, einen früheren Termin wahrzunehmen, legte die Beschwerde
führerin keine vor.
Unabhängig davon
, wie sie das Schreiben vom 28.
Oktober 2020
und das Ziel des für den 1
7.
November 2020 vereinbarten Termins bei der
C._
AG
verstanden hatte,
ist die Beschwerdeführerin damit
ihrer Mitwirkungs
pflicht
nicht rechtzeitig nachgekommen
.
Angesichts de
s
Dargelegten und insbe
sondere vor dem Hintergr
und, dass das Schreiben vom 28.
Oktober 2020 am Ende diverser Gespräche, Mail-Nachrichten und Aufforderungen stand, lässt sich der Vorwurf des überspitzten Formalismus nicht halten.
Im Übrigen ist aus dem Vorstehenden eine überzeugende Bereitschaft der Beschwerdeführerin zur Teilnahme an beruflichen Eingliederungsvorkehren nicht abzuleiten. Auch wenn solche Massnahmen unter anderem dazu dienen können, subjektive Eingliederungshindernisse im Sinne einer Krankheitsüberzeugung der versicherten Person zu beseitigen, bedarf es auch
diesfalls
eines Eingliederungs
willens beziehungsweise einer entsprechenden Motivation der versicherten Per
son (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_797/201
8
vom 10. September 2019 E.
5.1).
Hieran fehlte es offenkundig im relevanten
Zeitraum
, spätestens jedoch zum Zeit
punkt des Gesprächs bei der Stiftung
Z._
vom 2
7.
Oktober 2020
;
zwar hat
ten
die Gutachter erklärt,
die maladaptive Überzeugung führe zu einer Selbst
limitierung, weshalb die Beschwerdeführerin aktuell eingeschränkt in der Lage sei, die vorhandenen Ressourcen vollumfänglich auszuschöpfen (Urk. 12/100/85). Gleichzeitig hielten sie
aber
dafür, bei ausreichender Willensanstrengung sei es der Beschwerdeführerin möglich, längere zielgerichtete Aktivitäten durchzu
führen
(vgl. beispielsweise
Urk.
12/100/83, wonach die Beschwerdeführerin nach wie vor ein Fahrzeug lenken kann)
; möglicherweise werde sie in der von ihr be
schriebenen Hilflosigkeit in der Familie maladaptiv unterstützt (Urk. 12/100/
17,
18).
S
owohl der Regionale Ärztliche Dienst (U
rk.
12/118/5) als auch der behan
delnde Psychiater (
Urk.
12/118/4)
hielten
berufliche
Massnahmen
für zumutbar
.
Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fehlt es
mithin
infolge der subjektiven Krankheitsüberzeugung an einem Eingliederungswillen, welcher indes für die Durchführung von beruflichen Massnahmen unabdingbar ist.
Folg
lich
hätte
der Abbruch der beruflichen Massnahmen unter Einstellung der Inva
lidenrente
gar
ohne die Durchführung
eines
Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
erfolgen dürfen
(
vgl.
vorstehend genanntes
Urteil
des Bundesgerichts
9C_797/201
8
und 8C_752/2019 vom
4.
Februar 2020 E. 2.3.2
).
6.
Da der Beschwerdeführerin ihre angestammte Tätigkeit in der Reinigun
g zu 70
%
zumutbar ist (E. 4.3) und
Anhaltspunkte für einen - über die bereits mit 30
%
berücksichtigte Leistungseinschränkung hinaus - leidensbedingten Abzug (BGE
146 V 16 E. 4.1) nicht auszumachen sind
,
fehlt es zum Vornherein an einem rentenbegründenden Invaliditätsgrad (E. 1.3). Weiterungen zur Statusfrage sind damit entbehrlich.
Die Aufhebung der bisher ausgerichteten Rente auf Ende des der Zustellung der Verfügung vom 1
2.
November 2020 folgenden Monats erweist sich damit rech
tens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), auf Fr. 800.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.