Decision ID: 2e5f907d-f112-53e4-9e5b-a3824b3bbdac
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der am (...) 1957 geborene, schweizerische Staatsangehörige
A._ (nachfolgend: Versicherter oder Beschwerdeführer) ist gelern-
ter Werkzeugmacher. Als Angestellter bzw. Selbständigerwerbender (Ak-
ten der Vorinstanz gemäss Aktenverzeichnis vom 3. Mai 2019 [nachfol-
gend: Dok.] 38 S. 17 ff., 59) entrichtete er in den Jahren 1975 bis 31. März
2011 mit Unterbrüchen Beiträge an die schweizerische Alters- und Hinter-
lassenenversicherung (AHV; Dok. 7, 34, 39, 40, 51 S. 3, 59, 72 S. 4 und
74 S. 5 ff.). Danach war er bis Ende 2013 bzw. bis zu seinem Ausschluss
der freiwilligen Versicherung angeschlossen (Dok. 5, 55, 59, 65). Ferner
entrichtete er von Juli bis Oktober 2015 Beiträge als Nichterwerbstätiger
(Dok. 72 S. 2).
A.b Am 31. März 2011 verlegte er zusammen mit seiner Ehefrau
C._, einer am (...) 1967 geborenen, thailändischen Staatsangehö-
rigen, seinen Wohnsitz nach Thailand (Dok. 1, 4, 40 S. 11). Dort bauten sie
zusammen eine Seniorenresidenz auf ("D._"). Vom 13. Juni 2015
bis zum 31. Oktober 2015 hielt sich der Beschwerdeführer zur Behandlung
einer Krankheit vorübergehend in der Schweiz auf (Dok. 41, 50 und 57).
Seit dem 1. Juli 2016 bezieht er bei einem Invaliditätsgrad von 100 % ab
dem 22. Juni 2016 eine ganze Rente der schweizerischen Invalidenversi-
cherung (Dok. 70 f. und 74).
B.
B.a Am 23. September 2016 teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer
bezugnehmend auf das Telefonat mit ihm mit (Dok. 75), dass er zur Prü-
fung des Anspruchs auf Kinderrenten folgende Unterlagen einzureichen
habe: eine von der Schweizer Vertretung beglaubigte Geburtsurkunde der
Pflegekinder, den Fragebogen betreffend Pflegekinder, eine aktuelle
Wohnsitzbestätigung des Versicherten, seiner Ehefrau und den Pflegekin-
dern, eine Einkommensbestätigung des Ehegatten, Kopien allfälliger Ur-
teile bezüglich der Unterhaltspflicht der Eltern, eine Kopie des Mietvertrags
sowie Belege, aus denen hervorgehe, dass er finanziell für die Kinder auf-
komme.
B.b Am 5. Mai 2017 (Eingang Vorinstanz, Dok. 78 und 79) reichte der Ver-
sicherte die entsprechenden Unterlagen sowie ergänzend eine Bestäti-
gung der Nationalität und des Wohnsitzes des Versicherten und seiner
Ehefrau der Schweizer Botschaft vom 18. April 2017 (Dok. 78 S. 3), eine
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"Bescheinigung über die Ausübung der Sorge" des Vorstehers der Ge-
meinde (...), Bezirk E._, Provinz F._ (Dok. 78 S. 10) und
Vornamensänderungsurkunden der Knaben G._, geboren am (...)
2009, und H._, geboren am (...) 2012, zu den Akten (Dok. 78 S. 21
und 30). Im Fragebogen betreffend Pflegekinder gab er an (Dok. 78 S. 1
Ziff. 4.3), die Pflegekindverhältnisse bestünden seit der Geburt. In seinem
Begleitbrief führte er aus, der Sohn seines Schwagers lebe seit 2011 in
ihrem Haushalt und im Jahr 2013 hätten sie den Sohn einer Nichte bei
ihnen aufgenommen (vgl. Akten im Beschwerdeverfahren [nachfolgend:
BVGer act.] 1 Beilage 1).
B.c Die Vorinstanz sprach dem Versicherten für die Knaben G._
und H._ mit Verfügung vom 8. Juni 2017 (Dok. 82) ordentliche Kin-
derrenten ab 1. Juli 2016 zu.
B.d Mit Vorbescheid vom 12. November 2018 (Dok. 92) stellte die
Vorinstanz dem Versicherten die wiederwägungsweise Aufhebung der Kin-
derrenten in Aussicht, mit der Begründung, die Pflegekinder seien erst seit
dem 5. August 2016 unter der Adresse des Versicherten wohnhaft. Dies
sei ein Indiz dafür, dass vor Eintritt der Invalidität am 22. Juni 2016 zwi-
schen dem Versicherten und den Kindern kein Pflegerechtsverhältnis be-
standen habe.
B.e Am 27. November 2018 (Dok. 95) erhob der Versicherte dagegen Ein-
wand und führte aus, das Pflegeverhältnis bestehe seit April 2011, dem
Zeitpunkt ihrer Auswanderung. Sie hätten damals im Haus seiner Schwie-
gereltern gewohnt. Die Wohnsitzbestätigungen seiner Pflegekinder würden
das Datum 5. August 2016 tragen, weil seine Ehefrau und er damals an
dieser Adresse gebaut hätten und am Schluss die Papiere auf diese Ad-
resse umgeschrieben hätten. Er habe in seinem Gesuch auf Leistungen
der Invalidenversicherung vom 5. Januar bzw. 22. Februar 2016 die Pfle-
gekinder nicht erwähnt, weil ihm nicht in den Sinn gekommen sei, dass er
ein Anrecht auf Kinderrenten habe. Er sei damals krank und nicht in der
Lage gewesen, Dokumente richtig zu lesen.
B.f Mit Verfügung vom 19. Februar 2019 hob die IVSTA ihre Verfügung
vom 8. Juni 2017 betreffend Kinderrenten auf und entzog einer gegen
diese Verfügung gerichteten Beschwerde die aufschiebende Wirkung
(Dok. 97). Zur Begründung führte sie aus, es habe kein Anspruch auf Aus-
richtung von Kinderrenten bestanden. Die Pflegekinder seien nicht die Kin-
der der Ehefrau des Beschwerdeführers und vor Eintritt der Invalidität habe
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Seite 4
kein Pflegerechtsverhältnis bestanden. Die Verfügung betreffend Zuspra-
che von Kinderrenten sei zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung auch
von erheblicher Bedeutung.
C.
C.a Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
7. März 2019 (Eingang BVGer: 14. März 2019) Beschwerde beim Bundes-
verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Ver-
fügung sowie die Fortzahlung der Leistungen, sobald "das mit der IV" ge-
klärt sei. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, die Vorinstanz
berufe sich lediglich auf Vermutungen. Die beiden Knaben hätten immer in
seinem Haushalt gewohnt (BVGer-act. 1 samt Beilagen).
C.b Mit Verfügung vom 29. März 2019 hob die Vorinstanz die Invaliden-
rente des Beschwerdeführers auf. Dagegen erhob er am 23. Mai 2019 eine
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht (vgl. im Beschwerdeverfah-
ren C-2483/2019 BVGer-act. 1). Dieses Beschwerdeverfahren ist noch
hängig.
C.c Der mit Zwischenverfügung vom 14. August 2019 vom Beschwerde-
führer eingeforderte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.- (BVGer
act. 18) wurde am 20. August 2019 fristgerecht geleistet (BVGer-act. 20).
C.d Die Vorinstanz stellte dem Beschwerdeführer mit Vorbescheid vom
13. September 2019 (BVGer-act. 24 Beilage 2) die Abrechnung und Rück-
forderung der zu Unrecht gesprochenen Kinderrenten in der Höhe von
CHF 40'020.- in Aussicht.
C.e Mit Vernehmlassung vom 27. September 2019 beantragte die
Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung der ange-
fochtenen Verfügung (BVGer-act. 22).
C.f Der Beschwerdeführer hielt mit Replik vom 29. Oktober 2019 an seinen
Begehren in der Beschwerde fest und monierte, dass er von der Vorinstanz
bereits einen Vorbescheid betreffend Rückforderung und Abrechnung der
Renten für die beiden Knaben erhalten habe, obwohl das Bundesverwal-
tungsgericht noch nicht entschieden habe (BVGer-act. 24).
C.g Mit Duplik vom 12. Dezember 2019 hielt die Vorinstanz an der Abwei-
sung der Beschwerde fest und führte ergänzend aus, der Vorbescheid be-
treffend Rückerstattung von Kinderrenten habe trotz bestehendem Be-
schwerdeverfahren erlassen werden müssen, damit die vorgesehene Frist
C-1273/2019
Seite 5
für die Rückerstattung unrechtmässig bezogener Leistungen habe einge-
halten werden können (BVGer-act. 26).
C.h Mit Verfügung vom 17. Dezember 2019 wurde der Schriftenwechsel
vorbehältlich weiterer Instruktionsmassnahmen abgeschlossen (BVGer-
act. 27).
D.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Beweismit-
tel ist, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen einzugehen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden
Beschwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG [SR 173.32]; Art. 69
Abs. 1 Bst. b IVG [SR 831.20]). Aufgrund von Art. 3 Bst. dbis VwVG (SR
172.021) findet das VwVG keine Anwendung in Sozialversicherungssa-
chen, soweit das ATSG (SR 830.1) anwendbar ist. Gemäss Art. 1 Abs. 1
IVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die Invalidenversicherung
(Art. 1a bis 26bis IVG und 28 bis 70 IVG) anwendbar, soweit das IVG nicht
ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht.
1.2 Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochtenen Verfügung
durch diese besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb er zur Erhebung der Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG; Art. 59 ATSG). Nachdem der
Beschwerdeführer den Kostenvorschuss fristgerecht geleistet hat (BVGer-
act. 4), ist auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom
7. März 2019 einzutreten (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG; Art. 60
ATSG).
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
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Seite 6
2.2 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 19. Februar 2019) eingetretenen Sachverhalt
ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither
verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwal-
tungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
2.3 Weiter sind in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze
massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbe-
standes Geltung hatten (BGE 141 V 657 E. 3.5.1). Deshalb finden Vor-
schriften Anwendung, die spätestens beim Erlass der Verfügung vom
19. Februar 2019 in Kraft standen, weiter aber auch Vorschriften, die zu
jenem Zeitpunkt bereits in Kraft getreten waren, die aber für die Beurteilung
allenfalls früher entstandener Leistungsansprüche von Belang sind.
2.4 Sowohl das Verwaltungsverfahren wie auch der erstinstanzliche Sozi-
alversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht
(vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG; Art. 61 Bst. c ATSG; Art. 12 VwVG). Danach hat
die Verwaltung und im Beschwerdeverfahren das Gericht von Amtes we-
gen für die richtige und vollständige Abklärung des erheblichen Sachver-
halts zu sorgen (vgl. BGE 136 V 376 E. 4.1.1). Der Untersuchungsgrund-
satz gilt indessen nicht unbeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwir-
kungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2 m.w.H.). Das ATSG sieht
hierzu präzisierend vor, dass wer Versicherungsleistungen beansprucht,
unentgeltlich alle Auskünfte erteilen muss, die zur Abklärung des An-
spruchs und zur Festsetzung der Versicherungsleistungen erforderlich sind
(Art. 28 Abs. 2 ATSG).
2.5 Im Sozialversicherungsrecht und somit auch im Bereich der IV gilt, so-
fern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, das Beweismass der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 143 V 168 E. 2; 138 V 218 E. 6).
Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweis-
anforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstel-
lung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die
wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b, 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen). Führen die von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen
die Verwaltung oder das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur
Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend wahr-
scheinlich zu betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen an
diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so ist auf die Ab-
nahme weiterer Beweise zu verzichten (antizipierte Beweiswürdigung; UELI
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Seite 7
KIESER, Das Verwaltungsverfahren in der Sozialversicherung, 1999,
S. 212, Rz. 450; vgl. auch BGE 122 V 157 E. 1d).
2.6 Die Festlegung einer (allfälligen) Rückerstattung von Leistungen erfolgt
in einem mehrstufigen Verfahren: In einem ersten Entscheid ist über die
Frage der Unrechtmässigkeit des Bezuges der Leistung zu befinden (in der
Regel mittels Wiedererwägung oder Revision, vgl. Art. 53 ATSG bzw. Art.
17 ATSG). Daran schliesst sich zweitens der Entscheid über die Rücker-
stattung an, in dem zu beantworten ist, ob – bei der festgestellten Unrecht-
mässigkeit des Leistungsbezugs – eine rückwirkende Korrektur gemäss
Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG erfolgt. Schliesslich ist drittens, ein entspre-
chendes Gesuch vorausgesetzt, über den Erlass der zurückzuerstattenden
Leistung gemäss Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG zu entscheiden (vgl. UELI KIE-
SER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., 2020, Art. 25 Rz. 17 ff.), wobei die Erlass-
frage erst dann zu prüfen ist, wenn die Rechtsbeständigkeit der Rückfor-
derungsverfügung feststeht (Urteil des BGer 9C_466/2014 vom 2. Juli
2015 E. 3.1 m.H.; vgl. auch Art. 4 Abs. 4 ATSV [SR 830.11]).
2.7 Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstands bildet
vorliegend die Verfügung vom 19. Februar 2019, in welcher die Vorinstanz
auf ihre Verfügung vom 8. Juni 2017 zurückgekommen ist, da sie nachträg-
lich (im Rahmen des Revisionsverfahrens der IV-Rente, vgl. Dok. 91) be-
merkt hat, dass die Pflegekindverhältnisse erst nach Eintritt der Invalidität
des Beschwerdeführers entstanden seien. Eine allfällige Rückerstattung
von Leistungen ist vorliegend nicht Streitgegenstand.
3.
Zunächst sind im Folgenden die gesetzlichen Grundlagen sowie die mass-
gebenden Grundsätze der Rechtsprechung darzulegen.
3.1
3.1.1 Artikel 53 Abs. 2 ATSG bestimmt, dass der Versicherungsträger auf
formell rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheentscheide zurückkom-
men kann, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung
von erheblicher Bedeutung ist (Wiedererwägung; vgl. etwa die Urteile des
BGer 8C_235/2019 vom 20. Januar 2020 E. 2.2 m.H. auf BGE 140 V 77
E. 3.1 und 9C_835/2017 vom 13. August 2018 E. 2 m.w.H.). Der Entscheid
über die Vornahme der Wiedererwägung ist in das Ermessen des Versi-
cherungsträgers gestellt (vgl. UELI KIESER, a.a.O., Art. 53 Rz. 69). Aus die-
sem Grund kann dieser grundsätzlich auch über die zeitliche Wirkung der
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Seite 8
Wiedererwägung bestimmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_572/2007
vom 5. August 2008 E. 2.2; UELI KIESER, a.a.O., Art. 25 Rz. 15).
3.1.2 Die für die Wiedererwägung rechtskräftiger Verfügungen vorausge-
setzte zweifellose Unrichtigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn kein vernünf-
tiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung falsch war. Die Unrich-
tigkeit kann sich sowohl auf die Rechtsanwendung als auch auf die Sach-
verhaltsfeststellung beziehen (vgl. Urteil 8C_235/2019 E. 2.2). Die Wieder-
erwägung darf jedoch nicht zu einer voraussetzungslosen Überprüfung zu-
gesprochener Leistungen führen. Es darf nur ein einziger Schluss – derje-
nige auf die Unrichtigkeit der Verfügung – möglich sein (vgl. Urteil des BGer
8C_360/2017 vom 5. Oktober 2017 E. 4.2.1 m. H. auf BVGE 140 V 77).
Die Prüfung der Unrichtigkeit bezieht sich auf die Rechts- und Sachver-
haltsverhältnisse im Zeitpunkt der ursprünglichen Verfügung (vgl. Urteil des
BGer I 803/06 vom 21. Februar 2007 E. 4.2; vgl. auch UELI KIESER, Recht-
sprechung des Bundesgerichts zum AHVG [1996] zu Art. 97 AHVG,
S. 296). Grundlage der Wiedererwägung bildet also zwar der Sachverhalt,
wie er im Zeitpunkt des Erlasses der ursprünglichen Verfügung bestand.
Dass erst aufgrund späterer Abklärungen eine Unrichtigkeit festgestellt
wird, schliesst eine Wiedererwägung praxisgemäss aber nicht aus (vgl. Ur-
teil des BGer 8C_572/ 2007 vom 5. August 2008 E. 2.2).
3.1.3 Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt,
wenn eine Leistungszusprache aufgrund falscher Rechtsregeln erfolgt ist
oder massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt worden
sind. Darunter fällt eine unvollständige Sachverhaltsabklärung aufgrund ei-
ner klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (vgl. Urteil
8C_235/2019 E. 2. m.H.). Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwä-
gungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren
Beurteilung notwendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Be-
urteilung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvoraus-
setzungen (z.B. Beweiswürdigungen, Zumutbarkeitsfragen) vor dem Hin-
tergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechts-
kräftigen Leistungszusprechung darboten, als vertretbar, scheidet die An-
nahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (vgl. Urteil 9C_835/2017 E. 2).
3.1.4 Im Weiteren kann die Wiedererwägung nur vorgenommen werden,
wenn die infrage stehende Korrektur erheblich ist. Dies wird von der Recht-
sprechung so verstanden, dass mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erstellt sein muss, dass eine korrekte Beurteilung hin-
sichtlich der konkreten Frage zu einem anderen Ergebnis geführt hätte.
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Seite 9
Nach der bisherigen Rechtsprechung ist eine erhebliche Bedeutung jeden-
falls dann noch nicht anzunehmen, wenn ein Betrag von wenigen Hundert
Franken auf dem Spiel steht. Das Kriterium der Erheblichkeit findet sich
auch in Art. 49 Abs. 1 ATSG; dort wird die Grenze des Erreichens der Er-
heblichkeit ebenfalls bei einigen Hundert Franken angenommen (vgl. UELI
KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., 2020, Art. 49 Rz. 29 und Art. 53 Rz.
66). Praxisgemäss liegt die Grenze bei einmaligen Leistungen bei ungefähr
Fr. 500.– (vgl. Urteil des BGer 8C_18/2017 vom 4. Mai 2017 E. 3.2.2 m.H.
auf 9C_828/2008 vom 25. Februar 2009 E. 6). Für die Beantwortung der
Frage, ob die Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist, sind die gesam-
ten Umstände des Einzelfalls massgebend (Urteil des BGer 8C_18/2017
vom 4. Mai 2017 E. 3.2.2 m.w.H.).
Die Berichtigung periodischer Dauerleistungen ist regelmässig von erheb-
licher Bedeutung (vgl. BGE 119 V 475 E. 1c; Urteil des BGer 9C_507/2009
vom 29. Januar 2010 E. 6.1). Bei periodisch wiederkehrenden Leistungen
wird die Erheblichkeit deshalb in der Regel schon bei einer geringfügigen
Korrektur angenommen (UELI KIESER, a.a.O., Art. 53 Rz. 66). In der Folge
wird die Erheblichkeit der Berichtigung bei solchen Leistungen praktisch
immer bejaht (vgl. Urteil 9C_828/2008 E. 6).
3.2
3.2.1 Die Kinderrente ist dann geschuldet, wenn der (unterhaltspflichtige)
Vater oder die (unterhaltspflichtige) Mutter noch lebt (vgl. Art. 35 Abs. 1
IVG; Art. 22ter Abs. 1 AHVG [SR 831.10]); sie ersetzt dem Kind nicht den
Wegfall des Elternteils wie bei der Waisenrente, sondern dient der Erleich-
terung der Unterhaltspflicht des invalid gewordenen oder im AHV-Alter ste-
henden Unterhaltsschuldners und soll dessen (durch Alter oder Invalidität
bedingte) Einkommenseinbusse ausgleichen. Mit anderen Worten soll sie
dem invaliden oder im AHV-Alter stehenden Elternteil ermöglichen, seiner
Unterhaltspflicht nachzukommen, aber nicht der Bereicherung des Unter-
haltsempfängers dienen. Der Anspruch steht daher dem Rentenempfänger
zu, nicht direkt dem Kind (BGE 134 V 15, E. 2.3.3). Nach Art. 35 IVG i.V.m.
Art. 25 Abs. 4 AHVG erlischt der Kinderrentenanspruch unter anderem mit
der Vollendung des 18. Altersjahres. Für Kinder die noch in Ausbildung
sind, dauert der Rentenanspruch bis zu deren Abschluss, längstens aber
bis zum vollendeten 25. Altersjahr (Art. 35 IVG i.V.m. Art. 25 Abs. 5 AHVG).
C-1273/2019
Seite 10
3.2.2 Männer und Frauen, denen eine Invalidenrente zusteht, haben für je-
des Kind, das im Falle ihres Todes eine Waisenrente der Alters- und Hin-
terlassenenversicherung beanspruchen könnte, Anspruch auf eine Kinder-
rente (Art. 35 Abs. 1 IVG). Für Pflegekinder, die erst nach Eintritt der Inva-
lidität in Pflege genommen werden, besteht ein Anspruch jedoch nur, wenn
es sich um die Kinder des anderen Ehegatten handelt (Art. 35 Abs. 3 IVG).
3.2.3 Pflegekindschaft im weiten Sinne liegt vor, wenn ein Unmündiger in
der Obhut von Personen lebt, die nicht seine Eltern sind. Sie ist kein selbst-
ständiges Rechtsinstitut, sondern ein faktisches Familienverhältnis, dem
das Recht einzelne Wirkungen des Kindesverhältnisses beilegt (Urteil EVG
H 123/02 vom 24. Februar 2003 E. 2 mit Hinweis auf CYRIL HEGNAUER,
Grundriss des Kindesrechts, 5. Aufl.1999, S. 76 N 10.04 sowie Urteil des
BVGer C-5523/2009 vom 9. Mai 2012 E. 3.3.1 m.H. auf TUOR/SCHNY-
DER/SCHMID/JUNGO, ZGB, das Schweizerische Zivilgesetzbuch, 14. Aufl.,
2015, § 43 Rz. 1 ff. und 25 und PETER MÖSCH PAYOT, Rechtsstellung der
Pflegeeltern, Zeitschrift für Kindes- und Erwachsenenschutz [ZKE] 2011,
S. 87 ff., S. 89).
3.2.4 Nach der Rechtsprechung zu Art. 49 der Verordnung über die Alters-
und Hinterlassenenversicherung (AHVV, SR 831.101) gilt als Pflegekind im
Sinne dieser Bestimmung ein Kind, das sich in der Pflegefamilie tatsächlich
der Lage eines ehelichen Kindes erfreut und dessen Pflegeeltern die Ver-
antwortung für Unterhalt und Erziehung wie gegenüber einem eigenen
Kind wahrnehmen. Das sozialversicherungsrechtlich wesentliche Element
des Pflegekindverhältnisses liegt in der tatsächlichen Übertragung der Las-
ten und Aufgaben auf die Pflegeeltern, die gewöhnlich den leiblichen Eltern
zufallen; auf den Grund dieser Übertragung kommt es nicht an (BGE 140
V 458 E. 3.2; Urteil BGer 9C_603/2016 vom 30. März 2017 E. 3.2 m.H.).
3.2.5 Die Pflegekindschaft erscheint in zahlreichen Formen, die sich in
Zweck, Dauer, Beschaffenheit der aufnehmenden Stelle, in der finanziellen
Ausgestaltung und den rechtlichen Grundlagen unterscheiden; insoweit
können die von den Pflegeeltern eingegangenen öffentlich-rechtlichen
Pflichten nicht von vornherein unberücksichtigt bleiben, wenn Letztere die
Deckung des mit Kinderrenten pauschal abzugeltenden Lebensunterhalts
betreffen (UELI KIESER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AHVG
[1996] zu Art. 22ter, Rz. 3 m.H. auf ZAK 1992 124 E. 3b).
C-1273/2019
Seite 11
3.2.6 Pflegekinder müssen unentgeltlich zu dauernder Pflege und Erzie-
hung aufgenommen sein. Die Unentgeltlichkeit des Pflegekindverhältnis-
ses wird bejaht, wenn die von dritter Seite erbrachten Leistungen weniger
als einen Viertel der so ermittelten Unterhaltskosten ausmachen (vgl. Weg-
leitung über die Renten [RWL] in der Eidgenössischen Alters-, Hinterlasse-
nen- und Invalidenversicherung [Gültig ab 01.01.2003; Stand: 01.01.2019]
Rz. 3310; ZAK 1958 S. 335; ZAK 1973 S. 573; sowie KIESER, a.a.O., Art.
22ter, Rz. 4)
3.2.7 Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Rechtsprechung
davon aus, dass für ein auf Dauer begründetes Pflegeverhältnis aus-
schlaggebend ist, dass die Pflegeeltern im gemeinsamen Haushalt mit dem
Pflegekind leben (vgl. anstelle Vieler: Urteil des BVGer C-5877/2018 vom
2. September 2019 E. 3.7; C-4405/2017 vom 20. Februar 2019 E. 6.3.1
und C-6920/2016 vom 8. Oktober 2018 E. 4.6; Urteil des BGer
9C_603/2016 vom 30. März 2017 E. 3.2 f.; 8C_336/2014 vom 20. August
2014 E. 2.1 und 2.5; RWL Rz. 3308).
3.2.8 Die Kinderrente für Pflegekinder ist somit anhand von drei Kriterien
zu prüfen (Urteil des BVGer C-651/2019 vom 16. November 2020 E. 5):
– Bestehen einer Hausgemeinschaft;
– Bestreitung des Lebensunterhalts;
– Unentgeltlichkeit des Pflegeverhältnisses, insbesondere Uneinbringlich-
keit der Unterhaltsbeiträge des leiblichen Vaters.
Diese drei Kriterien müssen kumulativ vorliegen.
4. Vorliegend ist strittig, ob vor Eintritt der Invalidität des Beschwerdefüh-
rers (22. Juni 2016) zwischen ihm und den beiden Knaben eine Hausge-
meinschaft bestanden hat.
4.1 Die Vorinstanz führte in ihrer Verfügung aus, dass die beiden Knaben
nicht die Kinder der Ehefrau des Beschwerdeführers seien. Deshalb müsse
das Pflegerechtsverhältnis zwischen den Kindern und dem Beschwerde-
führer vor Eintritt seiner Invalidität (22. Juni 2016) bereits bestanden haben.
Im am 27. April 2017 ausgefüllten "Fragebogen betreffend Pflegekinder"
habe er ein seit der jeweiligen Geburt der Kinder bestehendes Pflege-
rechtsverhältnis bezeichnet, obwohl hierfür keine Nachweise erbracht wor-
den seien. Gemäss den thailändischen Wohnsitzbestätigungen seien die
C-1273/2019
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beiden Knaben erst seit dem 5. August 2016 unter der Adresse des Be-
schwerdeführers wohnhaft. Dies sei ein Indiz dafür, dass vor Eintritt der
Invalidität kein Pflegerechtsverhältnis bestanden habe. In den Leistungs-
gesuchen des Beschwerdeführers für eine Invalidenrente, unterzeichnet
am 5. Januar und 22. Februar 2016, seien die Kinder nicht als Pflegekinder
erwähnt, obwohl die Kategorie "Pflegekinder" vorgegeben sei und er auf-
gefordert gewesen sei, alle Kinder anzugeben. Im "Fragebogen für die im
Haushalt tätigen Versicherten" vom 28. März 2016 habe er angegeben,
dass sein Haushalt lediglich aus zwei Personen (Versicherter und Ehefrau)
bestehe. Die Rubriken "Anzahl Kinder im Haushalt und Wohnung" sowie
"Kinderbetreuung" habe er durchgestrichen. Deshalb sei es überwiegend
wahrscheinlich, dass vor Eintritt der Invalidität kein Pflegerechtsverhältnis
bestanden habe. Somit sei die Verfügung betreffend Zusprache von Kin-
derrenten zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung auch von erheblicher
Bedeutung. Hätte bereits damals tatsächlich ein Pflegerechtsverhältnis be-
standen, hätten die beiden Knaben trotz schwieriger gesundheitlicher Situ-
ation des Beschwerdeführers Eingang in die Fragebogen gefunden und
wären nicht "vergessen" gegangen. Bereits Ende Oktober 2014 sei er mit
seiner Ehefrau in ihr neu erbautes Haus gezogen. Ab diesem Zeitpunkt
hätten sie nicht mehr bei den Schwiegereltern gewohnt und zu zweit (ohne
die Kinder) ihren eigenen Haushalt gehabt. Selbst wenn der Beschwerde-
führer gegebenenfalls den finanziellen Part übernehme, gebe es keine An-
haltspunkte dafür, dass der Erziehungspart tatsächlich auch von ihm über-
nommen werde und nicht etwa von den leiblichen Eltern, Schwiegereltern
oder sonstigen Familienangehörigen.
4.2 Dagegen brachte der Beschwerdeführer vor, die beiden Knaben wür-
den seit ihrer Auswanderung (2011 und Geburt) mit ihnen zusammenleben.
Im Oktober 2014 seien sie in ihr Haus gezogen. Damals hätten sie auf-
grund seiner Erkrankung andere Sorgen gehabt, als sich um die Wohnsitz-
papiere der beiden Kinder zu kümmern. Deshalb hätten sie die Wohnsitz-
bestätigungen erst im August 2016 beantragt. Es sei für ihn normal, dass
er für die Knaben "aufkomme". Er habe die zwei Knaben in seinem Leis-
tungsgesuch für die Invalidenversicherung nicht erwähnt, da ihm nicht "in
den Sinn" gekommen sei, dass er für sie eine Rente bekommen könnte. Er
sei von einem anderen Schweizer Bürger darauf aufmerksam gemacht
worden, der in der gleichen Situation gewesen sei. Er habe alle Belege
eingereicht (Schulgelder, Transportkosten und beglaubigte Urkunden). Die
Vorinstanz gehe lediglich von Vermutungen aus. Er dagegen verlange
klare Beweise. Die gesetzlichen Voraussetzungen seien klar gegeben,
denn sie hätten die beiden Knaben immer in ihrem Haushalt gehabt.
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4.3 In ihrer Vernehmlassung führte die Vorinstanz ergänzend aus, dass
dem Versicherten nicht in den Sinn gekommen sein soll, die beiden Kinder
anzugeben, überzeuge nicht, da die Leistungsgesuche im Übrigen voll-
ständig und korrekt ausgefüllt worden seien. Hätte im Zeitpunkt, als die
Fragebögen ausgefüllt worden seien, ein dauerhaftes Verhältnis, welches
die Verantwortung für Unterhalt und Erziehung wie gegenüber einem eige-
nen Kind voraussetze, zu den beiden Knaben bestanden, so hätte er die
Kinder nicht "vergessen" können. Eine klare Verletzung des Untersu-
chungsgrundsatzes könne ein Wiederwägungsgrund sein. Die Zusprache
der Kinderrenten sei aufgrund offensichtlich widersprüchlichen Angaben in
den Akten erfolgt.
4.4 Replicando brachte der Beschwerdeführer vor, den Unterhalt der bei-
den Knaben habe er seit ihrer Geburt bezahlt. Das Pflegerechtsverhältnis
bestehe aber erst seit ihrer Auswanderung im Jahr 2011. Bei der IV-Anmel-
dung habe er nicht an seine Neffen gedacht, denn sie hätten "einfach" bei
ihnen gelebt. Die Knaben seien erst nach seiner Erkrankung an seiner Ad-
resse gemeldet worden. Doch sie hätten seit April 2011 zusammengelebt.
Auf die Bestätigung des Bügermeisters, dass die beiden Knaben bei ihm
und seiner Ehefrau wohnen würden, sei die Vorinstanz nicht eingegangen.
Die beigelegten Bilder würden die Kinder zeigen, als sie offiziell von ihrem
alten Wohnort der Grosseltern zu ihnen gezogen seien. Es gäbe genügend
Zeugen, die seine Ausführungen bestätigen könnten.
5. Den Akten kann folgender Sachverhalt entnommen werden:
5.1 Bei seiner Anmeldung für eine Invalidenrente vom 5. Januar 2016 er-
wähnte der Beschwerdeführer seine drei volljährigen Kinder, geboren
1980, 1982 und 1986, sowie seine ebenfalls volljährige Stieftochter, gebo-
ren 1986 (vgl. Dok. 51 S. 2 f.). Die Rubrik 3.3 "Pflegekinder" liess er leer.
Auch im Formular "Anmeldung für Erwachsene: Berufliche Integra-
tion/Rente" vom 22. Februar 2016 erwähnt er wieder seine leiblichen Kin-
der und sein Stiefkind, Pflegekinder hingegen keine (Dok. 60 S. 3). Im "Fra-
gebogen für die im Haushalt tätigen Versicherten", ausgefüllt am 28. März
2016, gab er an (Dok. 64), sein Haushalt setze sich aus zwei Personen
zusammen (Ehefrau und Beschwerdeführer). "Kinder" und "Alter der Kin-
der" hat er durchgestrichen. Unter der Rubrik Betreuung hat er unter "Die
Kinder betreuen und pflegen?" nichts angegeben. Dass der Beschwerde-
führer seine Pflegekinder in den Formularen nicht aufführt hat, spricht in
Übereinstimmung mit der Vorinstanz tatsächlich dafür, dass sie damals
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noch nicht im seinem Haushalt gelebt haben. Das Argument, er sei auf-
grund seiner Krankheit nicht fähig gewesen, Dokumente richtig zu lesen,
verfängt nicht, da er auch in der Lage war, seine leiblichen Kinder sowie
seien Stieftochter in den Formularen anzugeben.
5.2 Im Fragebogen betreffend Pflegekinder gab der Beschwerdeführer am
27. April 2017 an, die Pflegekindverhältnisse würden "seit Geburt" beste-
hen. Auf Beschwerdeebene führte er aus, die Kinder würden seit ihrer Aus-
wanderung im Jahr 2011 bzw. ihrer Geburt bei ihnen wohnen. Dies würde
bedeuten, dass G._, geboren am (...) 2009, seit 2011 und
H._, geboren am (...) 2012, seit September 2012 in ihrem Haushalt
leben sollen. Gemäss einer undatierten "Bescheinigung über die Ausübung
der Sorge" des Vorstehers der Gemeinde (...), ausgestellt vom Bezirksamt
E._, gültig bis zum 22. Dezember 2023 (Dok. 78 S. 10) sollen der
Beschwerdeführer und seine Ehefrau die "Erziehungs-/Sorgeberechtigten"
der Knaben G._ und H._ sein. Aus dieser Bescheinigung ist
jedoch nicht ersichtlich, seit wann die Erziehungs-/Sorgeberechtigung be-
stehen soll.
5.3 Die Ehefrau des Beschwerdeführers zog gemäss einer Wohnsitzbe-
scheinigung am 14. Dezember 2010 von der Adresse 9 Sektor 6, Ge-
meinde (...), Bezirk E._, Provinz F._ an die Adresse 99 Sek-
tor 6, Gemeinde (...), Bezirk E._, Provinz F._ (vgl. Dok. 78
S. 6). Der Beschwerdeführer lebt gemäss einer Wohnsitzbescheinigung
seit dem 25. April 2011 ebenfalls an dieser Adresse (vgl. Dok. 78 S. 4). Den
Angaben des Beschwerdeführers zufolge sollen sie im Jahr 2014 in ihr
neues Haus an dieser Adresse gezogen sein. Den Wohnsitzbestätigungen
der beiden Kinder kann entnommen werden, dass sie am 5. August 2016
von der Adresse 9 Sektor 6 der Gemeinde (...) an die Adresse 99 Sektor 6
der Gemeinde (...) und somit an die Adresse des Beschwerdeführers und
seiner Ehefrau gezogen sind (vgl. Dok. 78 S. 12 und 14). Gemäss Wohn-
sitzbestätigungen habe die Knaben bis zum 4. August 2016 an derselben
Adresse gewohnt wie die Ehefrau des Beschwerdeführers vor ihrem Um-
zug an die neue Adresse. Laut Beschwerdeführer muss es sich dabei um
die Adresse seiner Schwiegereltern handeln (Dok. 14). Des Weiteren lebte
auch der Vater von G._, I._(Bruder der Ehefrau des Be-
schwerdeführers, vgl. Bst. B.b), zum Zeitpunkt der Geburt seines Sohnes
an dieser Adresse (vgl. Dok. 78 S. 16 und S. 21). Daher ist anzunehmen,
dass G._ bis zu seinem Umzug bei seinem Vater und/oder seinen
Grosseltern gelebt hat. Der Vornamensänderungsurkunde von H._
kann entnommen werden, dass der Junge in Übereinstimmung mit der
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Wohnsitzbestätigung am 10. Mai 2016 ebenfalls noch an der früheren Ad-
resse ("Haus 9 Sektor 6") bzw. bei den Schwiegereltern des Beschwerde-
führers gewohnt hat (vgl. Dok. 78 S. 30). Ferner sind die eingereichten Fo-
tos der Knaben, welche den Umzug an die Adresse des Beschwerdefüh-
rers dokumentieren sollen, nicht datiert (BVGer-act. 24 Beilage 1) und Zeu-
genaussagen betreffend den Umzug finden sich auch keine in den Akten.
5.4 Da die Knaben nachweislich nicht die Kinder der Ehefrau des Be-
schwerdeführers sind (vgl. Bst. B.b) und vor Eintritt der Invalidität des Be-
schwerdeführers am 22. Juni 2016 an einer anderen Adresse als der Be-
schwerdeführer gewohnt haben, bestand zwischen den Kindern und dem
Beschwerdeführer keine Hausgemeinschaft und folglich auch kein Pflege-
kindverhältnis. Dabei erübrigt es sich, die weiteren Voraussetzungen eines
Pflegekindverhältnisses zu prüfen (vgl. E. 3.2.8). Die Verfügung betreffend
Zusprache einer Kinderrente vom 8. Juni 2017 erweist sich somit als zwei-
fellos unrichtig. Die infrage stehende Korrektur ist mit einem Betrag von
Fr. 40'020.- auch erheblich (vgl. E. 3.1.4).
6.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass in Anwendung der vorstehend
wiedergegebenen gesetzlichen Normen und der einschlägigen, höchstrich-
terlichen Rechtsprechung kein Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Kinderrente bestanden hat und die Vorinstanz ihre Verfügung vom 8. Juni
2017 aufgrund zweifelloser Unrichtigkeit zu Recht wiedererwägungsweise
aufgehoben hat.
7.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
7.1 Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer
die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind auf
Fr. 800.– festzusetzen. Der einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Bezah-
lung der Verfahrenskosten zu verwenden.
7.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Begehren
eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig
hohe Kosten zugesprochen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Als Bundesbe-
hörde hat die obsiegende Vorinstanz jedoch keinen Anspruch auf eine Par-
teientschädigung (Art. 7 Abs. 3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
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[VGKE, SR 173.320.2]). Dem unterliegenden Beschwerdeführer ist ent-
sprechend dem Verfahrensausgang keine Parteientschädigung zuzuspre-
chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).
(Für das Dispositiv wird auf die nächste Seite verwiesen.)
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