Decision ID: 4c5b8fb4-a05c-4603-b650-a78e4a9ff667
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 23. August 2022 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte,
dass ein am 26. August 2022 durchgeführter Abgleich mit der europäischen
Fingerabdruck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass der Beschwerdeführer
am 17. Juli 2022 in Österreich ein Asylgesuch gestellt hatte,
dass am 31. August 2022 die Personalienaufnahme und am 6. September
2022 das persönliche Gespräch (nachfolgend: Dublin-Gespräch) gemäss
Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 vom 26. Juni 2013 zur Festlegung
der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die
Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen ge-
stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend:
Dublin-III-VO), stattfand,
dass dem Beschwerdeführer im Rahmen des Dublin-Gesprächs das recht-
liche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Österreichs zur Durchfüh-
rung seines Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zum beabsichtigten Nicht-
eintreten auf sein Asylgesuch, zur Wegweisung nach Österreich sowie zum
medizinischen Sachverhalt gewährt wurde,
dass das SEM gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO die österrei-
chischen Behörden am 6. September 2022 um Wiederaufnahme des Be-
schwerdeführers ersuchte und die österreichischen Behörden das Gesuch
am 13. September 2022 guthiessen,
dass das SEM mit Verfügung vom 13. September 2022 – eröffnet am
15. September 2022 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG
(SR 142.31) – auf das Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der
Schweiz nach Österreich anordnete und den Beschwerdeführer auffor-
derte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu
verlassen,
dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-
scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den
Beschwerdeführer verfügte,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 20. September 2022 gegen
diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und
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dabei beantragte, die Verfügung des SEM sei aufzuheben, es sei ihm als
Flüchtling in der Schweiz Asyl zu gewähren, es sei festzustellen, dass der
Wegweisungsvollzug unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei, weshalb
er vorläufig aufzunehmen sei,
dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, es sei auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ihm die unentgeltliche
Prozessführung sowie die amtliche Rechtsverbeiständung zu gewähren,
eventualiter sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu gewähren,
dass er geltend machte, in Österreich kein Asylgesuch eingereicht zu ha-
ben,
dass er ferner das Gericht wegen seines Gesundheitszustands um eine
zweite Chance ersuchte, in der Schweiz bleiben zu dürfen,
dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am
21. September 2022 in elektronischer Form vorlagen (vgl. Art. 109 Abs. 3
AsylG),

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
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dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), die Beurteilungskompetenz des Gerichts grund-
sätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das
Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4
E. 2.2, je m.w.H.),
dass die Fragen der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und der Ge-
währung von Asyl demgegenüber nicht Gegenstand des angefochtenen
Nichteintretensentscheides und damit auch nicht des vorliegenden Verfah-
rens bilden, weshalb auf die entsprechenden Beschwerdeanträge nicht
einzutreten ist,
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass diesbezüglich die Dublin-III-VO zur Anwendung kommt,
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ein-
geleitet wird, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt
wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23-25 Dublin-III-
VO) grundsätzlich keine erneute Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel
III Dublin-III-VO mehr stattfindet (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2
und 8.2.1),
http://links.weblaw.ch/BVGE-2017%20VI/5
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dass der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat verpflichtet ist,
Antragstellende, die während der Prüfung ihres Antrags in einem anderen
Mitgliedstaat einen Antrag gestellt haben oder sich im Hoheitsgebiet eines
anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhalten, nach Massgabe der
Artikel 23, 24, 25 und 29 wiederaufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-
III-VO),
dass der Beschwerdeführer grundsätzlich zwar bestreitet, in Österreich ein
Asylgesuch eingereicht zu haben, die österreichischen Behörden innert der
in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO festgelegten Frist dem Wiederaufnahmege-
such der Vorinstanz im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO jedoch
zugestimmt haben,
dass das Vorbringen, der Beschwerdeführer habe in Österreich gar kein
Asylgesuch stellen wollen und man habe ihm einfach seine Fingerabdrü-
cke abgenommen, unbehilflich ist und nichts daran ändert, dass die öster-
reichischen Behörden ein Asylverfahren den Beschwerdeführer betreffend
eröffnet haben,
dass demnach die Zuständigkeit Österreichs grundsätzlich gegeben ist,
dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-
schliessen kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder
Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch
wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die
Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO),
dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)
konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-
mung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür
gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre,
dass der Selbsteintritt zwingend ist, sofern individuelle völkerrechtliche
Überstellungshindernisse vorliegen (vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1),
dass es keine wesentlichen Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfah-
ren und die Aufnahmebedingungen für Antragstellende in Österreich wür-
den systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und
dritter Satz Dublin-III-VO aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen
oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art. 4 der EU-Grund-
rechtecharta mit sich bringen,
http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/9
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dass unter diesen Umständen die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Satz 2
Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt ist,
dass die Vorinstanz sodann auch die Anwendung des Selbsteintrittsrechts
im Sinne von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu
Recht verneint hat,
dass der Beschwerdeführer im Dublin-Gespräch äusserte, er habe in sei-
nem Heimatland Tunesien Morddrohungen erhalten, Österreich sei ein of-
fenes Land und deshalb würde er auch dort Angst vor diesen Leuten haben
müssen,
dass der Beschwerdeführer damit aber kein konkretes und ernsthaftes Ri-
siko dargetan hat, die österreichischen Behörden würden in seinem Fall
ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommen,
dass der Beschwerdeführer vorbrachte, er leide an Schlafstörungen,
nehme aber keine Medikamente, sei diesbezüglich im Asylzentrum bei der
Pflege gewesen und man ihm einen Termin beim Psychiater in Aussicht
gestellt habe,
dass deshalb jedoch von einer Überstellung nicht Abstand genommen wer-
den muss, da kein Grund zur Annahme besteht, dass ihm in Österreich die
notwendige medizinische Behandlung verweigert werden würde und zu-
dem – wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung bereits aufge-
zeigt hat – die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der ange-
fochtenen Verfügung beauftragt sind, den medizinischen Umständen bei
der Bestimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung Rechnung
tragen und die slowenischen Behörden vorgängig in geeigneter Weise über
die spezifischen Gegebenheiten informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO)
werden,
dass bei dieser Sachlage ein Selbsteintritt aus humanitären Gründen nicht
angezeigt war,
dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und
in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach Österreich ange-
ordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),
dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen ist, soweit darauf
einzutreten ist,
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dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist,
weshalb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als
gegenstandslos erweist,
dass die mit der Beschwerde gestellten Gesuche um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung und amtlichen Rechtsverbeiständung abzu-
weisen sind, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägun-
gen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen waren, weshalb die Vorausset-
zungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1‒
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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