Decision ID: 54e95bde-45e1-5fe7-bc18-0db8b7dc694f
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der
1959
geborene
X._
ist gelernter Gärtner.
Bis Oktober 1987
war er als selbständiger Gartenbauer erwerbstätig (
Urk.
7/2 S. 3).
Wegen
rezidivie
render depressiver und paranoider Zustände
in
folge
einer belastenden
Schei
dungssituation
(
Urk.
7/5,
Urk.
7/8
,
Urk.
7/24,
Urk.
7/29
)
wurde ihm mit Verfü
gungen vom 9. Mai 1990 sowie vom 7. August 1991 jeweils eine befristete ganze Invalidenrente zugesprochen, zunächst von November 1988 bis August
1989 (
Urk.
7/10) und
danach für den Zeitraum August bis Dezember
1990 (
Urk.
7/35).
Mit
Verfügung
vom
7
.
April 1993
wurde ihm mit Wirkung ab 1. April 1992 eine unbefristete ganze Invalidenrente
zugesprochen (
Urk.
7/59
), welche
in der Folge
mehrmals
bestätigt
wurde (
vgl.
Urk.
7/73,
Urk.
7/81,
Urk.
7/92
,
Urk.
7/108,
Urk.
7/
149
,
Urk.
7/153
,
Urk.
7/164
).
1.2
Mit einem Schreiben
einer Drittperson
vom 28. August 2003 wurde die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-
Stelle, darauf aufmerksam
gemacht, dass der Versicherte
mit Unterbrüchen
seit 1984 ein
Gartenbauunter
nehmen
betreibe, womit er vermutlich ein Jahreseinkommen von mindestens
Fr. 70‘000.-- erziele (
Urk.
7/180-181). Die IV-Stelle
stellte dem
Versicherten
daraufhin
ihren
Fragebogen
für Rentenrevisionen
zu, wo dieser a
ngab, nicht erwerbstätig zu sein (
Urk.
7/182),
und holte bei den
Ärzten
d
es
Y._
einen Verlaufsbericht ein
(
Urk.
7/185). Ge
stützt
auf diese
Unterlagen
(vgl.
Urk.
7/187)
erfolgte am 6. Januar 2004 die
Mitteilung der IV-Stelle, dass die ganze Invalidenrente unverändert ausgerichtet werde (
Urk.
7/
188).
Im
Anschluss an ein weiteres Revisionsverfahren
(
Urk.
7/2
01-204)
bestätigte die IV-Stelle die Rente auch mit Mitteilung vom 22.
Februar 2007 (
Urk.
7/205
).
1.3
Nachdem die IV-Stelle
am 18. Januar 2008
darüber informiert worden war, dass der Versicherte ab dem 15. Januar 2008 in Untersuchungshaft
sei (
Urk.
7/211),
verfügte sie am 20. Februar 2008 die Sistierung der Invalidenrente
(mit
Aus
nahme der Kinderrenten)
ab Februar 2008 bis zum Ende
des
Freiheitsentzugs
(
Urk.
7/215
)
. Am
20. März 2008 teilte
die Kantonspolizei d
e
r
IV-Stelle mit, dass gegen den Versicherten ein Strafverfahren wegen Betrugs und Urkundenfäl
schung laufe und der dringende Verdacht bestehe, dass er die Invalidenversi
cherung arglistig irregeführt habe; der
Versicherte
habe
nämlich
selbst angege
ben, bis zur Konkurseröffnung am 21. Juni 2007 ein Gartenbaugeschäft mit einem Jahresumsatz
von Fr. 200‘000.-- bis Fr. 300‘000.
--
betrieben zu haben
(
Urk.
7/226
; vgl
.
auch
Urk.
7/218,
Urk.
7/221
). In der Folge
verfügte die IV-Stelle am 15.
Mai 2008
, dass
die Invalidenrente ab der Haftentlassung im Sinne einer vorsorglichen Massnahme
weiterhin
sistiert bleibe
(
Urk.
7/227).
Am
27. August 2008 wurde in den Tageszeitungen über
den mutmasslichen Betrugsfall berichtet;
diesen Berichten
war
eine Reportage im
Regionalfernse
hen
vorang
e
gangen
(
Urk.
7/361 ff.).
D
ie IV-Stelle
nahm
Einsicht in die Akten des Strafver
fahrens
(
Urk.
7/263-330
; vgl. auch
Urk.
7/240,
Urk.
7/242
)
, liess den Versicher
ten durch ihren Regionalen Ärztlichen Dienst RAD untersuchen (
Urk.
7/256
; vgl. auch
Urk.
7/258
-259
)
und holte das Gutachten von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und medizinischer Leiter des Zentrums für Begutachtung der
A._
, vom 22. September 2011
ein (
Urk.
7/
374
; vgl. auch
Urk.
7/367
,
Urk.
7/388 S. 3
).
Ab
1.
August
2011
arbeitete der Versicherte zu 50
%
und ab 1. Oktober 2011 zu 100
%
bei einem
Getränke
händler
(
Urk.
7/370,
Urk.
7/385
).
Nach
Beizug
einer Stellungnahme
des RAD zum
Gutachten
von
Dr.
Z._
(
Urk.
7/388 S. 4 ff.)
stellte die IV-Stelle dem Ver
sicherten mit
Vorbescheid vom 9. Dezember 2011
die rückwirkende Aufhe
bung der Rente auf den 1. Januar 2003
in
Aussicht
(
Urk.
7/393
; vgl. auch
Urk.
7/416
,
Urk.
7/427
, 7/431-432
,
Urk.
7/437
)
. In der Folge setzte der Versi
cherte die IV-Stelle darüber in Kenntnis, dass ihm die Arbeitsstelle im
Geträn
kehandel
per 21. Dezember 2011 gekündigt
worden war
, da er sich
während des Arbeitsverhält
nisses mehrmals
in die psychiatrische Klinik
hatte
begeben müs
sen und
dies nach Ansicht des Arbeitgebers nicht vereinbar war mit einem ge
ordneten Arbeitsverhältnis (
Urk.
7/395-396).
A
m 22. Mai 2012
verfügte die IV-Stelle
wie angekündigt
die
rückwirkend
e Aufhe
bung der Rente
auf den
1. Januar 2003 wegen unrechtmässigen
Leistungsbe
zugs
und Verletzung der Meldepflicht. Gleichzeitig teilte sie mit, das
s
über die Rückerstattung der zu viel bezahlten Renten noch separat verfügt werde
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der
Versicherte
, vertreten durch Rechtsanwalt Daniel
Christe
, mit Eingabe vom 25. Juni 2012 Beschwerde
und beantragte die
Aufhebung der Verfügung vom 22. Mai 2012 und die Weiterausrichtung der
ganzen Rente ab 1. Januar 2003, eventualiter die Rückweisung der Sache zu ergänzender Abklärung und neuem Entscheid an die IV-Stelle. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Bewilligung der unentgeltli
chen Prozessführung und Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters in der Person von Rechtsan
walt Daniel
Christe
(
Urk.
2 S. 2)
.
Mit
Beschwerdeant
wort
vom 20. August 2012 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
Mit Verfügung vom 23. August 2012 hiess der Referent das Gesuch um unentgelt
liche Prozessführung gut und bestellte dem Beschwerdeführer Rechts
anwalt Daniel
Christe
als unentgeltlicher Rechtsvertreter (
Urk.
8).
Am 25. Sep
tember 2012 reichte die IV-Stelle dem Gericht die Anklageschrift der zuständi
gen Staatsanwaltschaft vom 20. September 2012 ein (
Urk.
11)
, welche dem Beschwerdeführer zur Kenntnisnahme zugestellt wurde (
Urk.
13 S. 3)
.
Das Ver
fahren wurde anschliessend bis zum Eingang des
im Strafverfahren eingeholten
Gutachtens
von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 21. Juni 2013 (
Urk.
16)
sistiert
(
Urk.
13,
Urk.
17-19)
. Die IV-Stelle
äusserte sich
am 8. Oktober 2013 zum Gutachten und reichte
die
Stellungnahme
von
dipl.
med.
C._
, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
,
vom 7. Oktober 2013 ein (
Urk.
18 S. 3). Hierzu liess sich der Beschwerdeführer am 4. November 2013 vernehmen (
Urk.
21).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden
Sachverhalt
es Geltung haben
(BGE 127 V 466 E. 1)
.
Die angefochtene Verfügung ist am 22. Mai 2012 ergan
gen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der
bis zum
1. Januar 2003
zu
rückgeht
. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln
d
er materielle Anspruch auf eine Invalidenrente für die Zeit
vom 1. Januar 2003
bis 31. Dezember 2003 aufgrund der
bis zum 31. Dezember 2003
gültig gewesenen
Normen zu prü
fen (BGE 130 V 447 E
. 1.2.1, 127 V 467 E. 1).
Für den Renten
anspruch ab dem 1. Januar 2004 sind die Än
derungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) und der Verordnung über die Invalidenversi
cherung (IVV), die im Zuge der 4. Revision der In
va
lidenver
sicherung in Kraft getreten sind, zu beachten.
A
b
1. Januar 2008 und a
b
1. Januar 2012 sind die im Zuge der Revisionen 5 und 6a geänderten
und am 1. Januar 2008 respektive 1. Januar 2012 in Kraft getretenen
Bestimmungen des IVG, der IVV und des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
massgeblich
.
Die Gesetzesbestimmungen werden im Folgenden in der seit dem 1. Januar 2008 geltenden und mit der Revision 6a unverändert gebliebenen Fassung
zitiert, soweit diese Revisionen keine substanziellen Änderungen gegenüber der vorher gültig gewesenen
materiellen
Rechtslage gebracht haben.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG (in der bis zum 31. Dezember 2003 gültig gewesenen Fassung) haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindes
tens zu 66
2
/
3
Prozent, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 Prozent oder auf eine
Viertelsrente
, wenn sie mindestens zu 40 Prozent invalid sind. In Härtefällen
besteht
gemäss Art. 28
Abs.
1
bis
IVG bereits bei einem
Invaliditäts
grad
von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente.
Die massgeblichen neuen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem
Invali
ditätsgrad
von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
1 IVG in der seit dem 1. Januar 2004 in Kraft stehen
den Fassung).
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen).
Insbe
sondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesund
heitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom
11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
Gemäss Art. 88
bis
Abs.
2 IVV erfolgt die Herabsetzung der Renten rückwirkend vom Eintritt der für den Anspruch erheblichen Änderung, wenn die unrichtige Ausrichtung einer Leistung darauf zurückzuführen ist, dass der Bezüger sie un
rechtmässig erwirkt hat oder der ihm gemäss Art. 77 IVV zumutbaren Melde
pflicht nicht nachgekommen ist. Art. 77 IVV bestimmt, dass die berechtigte Person jede für den Leistungsanspruch wesentliche Änderung, namentlich eine solche des Gesundheitszustandes, unverzüglich der IV-Stelle anzuzeigen hat.
Zur Annahme einer Verletzung der Meldepflicht genügt gegebenenfalls auch ein bloss leicht schuldhaftes Verhalten. Die Meldepflichtverletzung muss Kausal für den unrechtmässigen Leistungsbezug sein, ansonsten keine rückwirkende
Leis
tungskorrektur
vorgenommen werden darf (
Ulrich Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über
die Invaliden
versicherung, 2. Auflage
,
Zürich 2010, S. 405 ff.).
2.
2.1
Die Zusprechung der befristeten Renten 1990 und 1991
wegen 100%iger Arbeits
unfähigkeit
erfolgte aufgrund der vom
damals
behandelnden Psychiater
Dr.
med.
D._
gestellten Diagnose rezidivierender depressiver und paranoider Zustände im Rahmen einer belastenden
Scheidungssituation
(Bericht vom
28. Oktober 1988,
Urk.
7/5)
beziehungsweise
gestützt auf das
von den
Ärzten des
Y._
diagnostizierte depressive Zustandsbild bei anamnestisch chronisch verlaufender Schizophrenie
und
mit der
Differenti
aldi
agnose einer Persönlichkeitsstörung (Bericht vom 13. Februar 1991,
Urk.
7/24
;
Urk.
7/8,
Urk.
7/29
).
Die mit Verfügung vom
7
.
April 1993
ab
1. April 1992
zugesprochene unbefris
tete
Rente
basierte auf dem
Bericht von
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Psychi
atrie und Psychotherapie, vom
4. August 1992, wonach der Beschwerdeführer wegen einer paranoid-depressiven Psychopathie, differentialdiagno
stisch wegen eines beginnenden R
esidualzustandes einer paranoiden Schizophrenie
,
ab dem 9. Februar 1992 bis auf W
eiteres zu 100
%
arbeitsunfähig sei (
Urk.
7/51;
vgl
.
auch
Urk.
7/52-54).
Die
folgenden R
entenr
evisionen
führten
die IV-Stelle
zum Schluss, der
Gesund
heitszustand und die Arbeitsfähigkeit seien unverändert
. Massgeblich waren dabei die Berichte
von
Dr.
E._
vom 19. Juli 1993
, welche
eine paranoid-de
pressive Psychopathie diagnostizierte und als Differentialdiagnose einen
Resi
dualzustand
einer paranoiden Schizophrenie erwog
(
Urk.
7/70)
, des
Y._
vom 8. März 1995
,
dessen Ärzte
inzwischen in diagnos
tischer Hinsicht von psychotischen Episoden im Rahmen einer
Borderline
-Persönlichkeitsstörung ausgingen
und erwähnten,
bei einer Stabilisierung d
es psychischen Zustandes wäre eine spätere Beschäftigung durchaus denkbar
(
Urk.
7/85),
von
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie, vom 31. Dezember 1996,
der
als
Diagnosen sich wiederholende psy
chotische Episoden und eine
Persönlichkeitsstörung
erwähnt
e
(
Urk.
7/104) sowie
die Berichte
des
Y._
vom 8. Januar 2001, wonach der Gesundheitszustand stationär sei und sich eine eher stabile Phase abzeichne, so dass von einer wahrscheinlich schwankenden Arbeitsunfähigkeit zwischen 25 und 100
%
auszugehen sei (
Urk.
7/152)
.
Der
Beschwerdeführer
war in den Jahren 1992 bis 1999
wegen wiederholter
psychotischer Dekompensationen im Zusammenhang mit Belastungssituationen
, welche mit Selbst- und Fremdgefährdung einhergingen
(
vgl.
Urk.
7/85 S. 2,
Urk.
7/374 S. 12)
,
unter anderem 14 Mal im
Y._
hospitalisiert
. Dabei wurde er mehrmals notfallmässig eingewiesen, unter ande
rem auch durch die Polizei
(
Urk.
3/3/1-13
; vgl. auch
Urk.
7/374 S. 30 ff.
).
Das
Kantonsgericht
G._
sprach
den Beschwerdeführer
im Jahr 1994 der mehrfachen einfachen Körperverletzung und mehrfachen Verletzung der Fürsorge und der Erziehungspflicht, begangen zwischen Frühsom
mer 1989 und
Ende 1990, schu
l
dig
. Mit einem weiteren Urteil sprach
es
den Beschwerdeführer
im Jahr 2001
der qualifizierten mehrfachen Widerhandlung gegen das
Betäu
bungsmittelgesetz
, des mehrfachen Betrugs, des gewerbsmässigen Wuchers, der Drohungen, der mehrfachen Urkundenfälschung
und der Gewalt
und Drohung gegen Beamte für schuldig
(vgl.
Urk.
16 S. 10 ff.).
2.2
Der
Mitteilung der IV-Stelle vom 6. Januar 2004
,
gemäss welcher
die ganze Invalidenr
ente unverändert ausgerichtet wu
rde (
Urk.
7/188)
,
lag zum einen der
vom Beschwerdeführer am
28. September 2003
beantwortete
Revisionsfragebo
gen
zugrunde.
Gemäss seinen
dortigen
Angaben hatte sich am Gesundheitszu
stand
nichts geändert und er war weiterhin nicht erwerbstätig
(
Urk.
7/182)
. In medizinischer Hinsicht stützte sich die IV-Stelle für ihre Einschätzung auf den Verlaufsber
icht vom 18. November 2003 des
Y._
. Darin hielten die behandelnden Psychiater fest, anlässlich der letzten Untersu
chung vom 31. Oktober 2003 habe der Beschwerdeführer angegeben, unter der gegenwärtigen Medikation mit
Zyprexa
sei es zu einer recht zufriedenstellenden Stabilisierung seines Erlebens gekommen. Dessen ungeachtet hab
e
sich bei ihm bezüglich
Belastbarkeit, Leistungsfähigkeit sowie Arbeitsfähigkeit seit Ja
nuar 2001 nichts W
esentliches geändert (
Urk.
7/185 S. 3).
Im der
Mitteilung vom 22. Februar 2007
, mit
welcher die Rente von der IV-Stelle erneut bestätigt worden war
(
Urk.
7/205)
, zugrunde liegenden Revisions
fragebogen
gab der Beschwerdeführer am
28. November 2006
erneut an, bei
unverändertem Gesundheitszustand weiterhin nicht erwerbstätig zu sein (
Urk.
7/201
)
.
Im von der IV-Stelle zuvor eingeholten Verlaufsbericht
führte der den Beschwerdeführer bereits im
Y._
behandelnde
Dr.
med.
H._
am 29. Januar 2007 aus, der Gesundheitszustand sei unverän
dert
und es bestehe prognostisch auch zukünftig keine Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/203).
2.3
Von Anfang 2008 bis März 2012 war der Beschwerdeführer wegen psychischer Dekompensationen, hauptsächlich im Zusammenhang mit einer gegen ihn ge
führten Strafuntersuchung mit zeitweiliger Inhaftierung (vgl.
Urk.
7/374 S. 58), insgesamt neun Mal für bis zu 40 Tage im
Y._
hospitalisiert (
Urk.
3/4/1-9).
Die Staatsanwaltschaft
gelangte aufgrund ihrer Ermittlungen
zum Schluss, dass der Beschwerdeführer
ab dem 9. September 2003 verschiedene Personen in seiner Gartenbaufirma zu krass übersetzten Löhnen an
gestellt habe
, von ihnen fingierte Lohnzahlungsbelege über
diese
nicht ausbezahlte
n
Löhne
habe unter
zeichnen lassen
, die Personen veranlasst
hab
e, sich von Ärzten durch Vortäu
schung eines Gesundheitsschadens arbeitsunfähig schreiben zu lassen, und als
dann mithilfe dieser Belege für diese Personen Sozialversicherungsleistungen und Taggelder privater Versicherungen erwirkt
hab
e (
Urk.
11 S. 3 ff.). Weiter
ging die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Beschwerdeführer a
b d
em Ein
trag ins Handelsregister a
m 14. März
2005 bis zur Konkurseröffnung am
21. Juni 2007
als
Inhaber
und Geschäftsführer für die
Einzelfirma „
I._
“
ge
arbeitet
hab
e, diverse Angestellte beschäftigt
und
Lehrlinge aus
gebildet
habe
und so Jahresumsätze von Fr. 200‘000.-- bis
Fr. 300‘000.
--
generiert
hab
e (
Urk.
11 S. 24 ff., S. 27).
Mit Anklageschrift vom 20. September 2012 beantragte die Staatsanwaltschaft beim zuständigen Bezirksgericht die Verurteilung und Bestrafung des Be
schwerdeführers wegen Betrugs, Urkundenfälschung, Unterlassung der Buch
führung, Sachbeschädigung sowie Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (
Urk.
11).
2.4
Am 28. Juni 2011 wurde der Beschwerdeführer im Auftrag der IV-Stelle in der
A._
von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie, begutachtet
, wobei
d
as Gutachten am
22. September 2011
fertigge
stellt
wurde
(
Urk.
7/374).
Dem
gemäss
machte der Beschwerdeführer a
ufgrund des
Untersuchungsge
sprächs
beim Gutachter den Eindruck einer körperlich kräftigen und mit vie
l innerer Energie ausgestatteten
Person, welche einen auffällig misstrauischen, reizbaren Charakter mit einer gewissen manipulativen Schlauheit habe, entspre
chend einer Persönlichkeitsstörung.
H
ingegen
machte er
zu keiner Zeit einen psychotischen Eindruck.
D
er
Expertise
ist zu entnehmen, dass der
Beschwerde
führer
angab, momentan
seien
in seiner Sache etliche Gerichtsverfahren
hängig
und
auch
Verwaltungsverfahren bei der Vormundschaftsbehörde, der Invaliden
versicherung, der Krankenkasse und dem Bezirksrat
, welcher
ihn wegen Geis
teskrankheit bevormunden wolle.
Er sei bereit, eine „Halbarbeit unter Aufsicht“ zu machen, da er sich mindestens ab dem frühen Vormittag bis in die Abend
stunden hinein arbeitsfähig fühle, beispielsweise in einer Gartenarbeit. Morgens sei
er wegen der Medikamente noch m
üde und deshalb nicht vollwertig ein
satzfähig.
Anstellen wolle ihn aber wegen seiner negativen Bekanntheit in der ganzen weiteren Wohngegend niemand.
Er lebe offiziell von seiner (vierten) Ehefrau getrennt, damit diese von den Fürsorgebehörden der Gemeinde finanzi
ell unterstützt werde. Wegen der schwierigen finanziellen Situation
wohne
er
bei seinen Schwieg
ereltern in der
J._
, wo
das Preisniveau tief sei. Tagsüber beschäftige er sich dort
,
indem
er brachliegendes Land, das einem Onkel der Familie gehöre, bebaue. Dank der Einnahme des Medikaments
Zyprexa
sei er seit mindestens 2004 durchwegs psychisch stabil
, die letzten zehn Jahre seien eigentlich die besten seines Lebens gewesen
.
Grundsätzlich sei er „Gärtner mit Leib und Seele“, sein ehemaliges Gärtnerei-Geschäft habe er aber nur betrieben,
um dem Sohn den erfolgreichen Abschluss der Gärtnerlehre zu ermöglichen. Die Firma sei ein Defizit-Geschäft gewesen und sei schliesslich Konkurs gegangen. Mehrere frühere Arbeitsstellen im Aussendienst bei einer Versicherung und
in
anderen Branchen habe er nach wenigen Monaten wegen Nichterreichens der Umsatzziele verloren. Er sei auch einmal Leiter eines
Gar
tencenters
gewesen, sei dann aber zum Stapelfahrer degradiert worden, nach
dem die Personalabteilung von seinen psychischen Problemen erfahren habe
(
Urk.
7/374 S. 43-49)
.
In
der abschliessenden
Beurteilung
der Befunde
legte
Dr.
Z._
dar
, gestützt auf die
älteren
Klinikkrankengeschichten
könne davon ausgegangen werden
, dass in früheren Jahren eine schwere psychische Störung mit jeweils akuten Schüben
vorgelegen habe
im Sinne eines Mischbildes von Persönlichkei
tsstörung und
schizophrenieähnlicher
sowie affektiver, vorwiegend depressiver Symptomatik, kombiniert mit Erregungszuständen.
B
ei der Störung handle
es sich
über den gesamten Krankheitsverlauf betrachtet in
diagnostischer Hinsicht
um eine Ab
folge von akuten Episoden
im Sinne einer akuten vorübergehenden psychoti
schen Störung mit Symptomen einer Schizophrenie (ICD-10: F23.1). Zudem be
stehe eine gemischte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.8).
Die zahlreichen psychotischen Episoden hätten den Beschwerdeführer in den Jahren 1982 bis 1999 wiederholt
in unterschiedlichem Ausmass bei relativ erra
tischem Verlauf
in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt und zu längeren Perioden vollständ
iger Arbeitsunfähigkeit geführt, was für solche Störungen typisch
sei.
S
eit rund 10 Jahren
sei er
nun
ohne psychotische Symptomatik. Die Angaben des Beschwerdeführers über die positive Wirkung von
Zy
prexa
und den positi
ven Verlauf
seines psychischen Zustandes seit rund 10 Jahren
würden durch die Akten erhärtet
.
Rückblickend müsse er ab dem Jahr 2002 als
praktisch
voll
schichtig
arbeitsfähig eingeschätzt werden, und zwar auch für körperlich belas
tende Arbeiten im
Gartenbereich.
Dies müsse er mindestens ab dem Jahr 2003 gewusst haben
. Die Anlaufschwierigkeiten am Morgen hätten wahrscheinlich mit der an sich ungeeigneten
Schlafmittelmedikation mittels
Dormicum
zu tun. Durch eine Umstellung der Schlafmedikation könnte eine Umgewöhnung des Tagesrhythmus mit Einsetzbarkeit ab dem Morgen erreicht werden. Aufgrund seiner
Persönlichkeitsstörung sei es
jedoch
wahrscheinlich
, dass er in einem Angestelltenverhältnis bald in interpersonelle Konflikte gerate
n würde
.
Der Beschwerdeführer sei nämlich aufgrund seines mit Neuroleptika einigermassen, aber nicht vollständig stabilisierten Leidens weniger stresstolerant. Auch impli
ziere die Persönlichkeitsstörung qualitative Einschränkungen hinsichtlich der Fähigkeit, komplexe zwischenmenschliche Beziehungen
im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses dauerhaft aufrech
tzuerhalten. Dadurch bleibe er a
nfällig für
Kurzhospitalisationen
nach sozialen Verwerfungen; bei den
Hospitalisationen
habe es sich in der Vergangenheit vermutlich nicht um rein manipulative Ver
suche, sich unangenehmen Situationen zu entziehen, gehandelt.
Das Misstrauen des Beschwerdeführers bilde einen weiteren Persönlichkeitszug, welcher in einem Arbeitsverhältnis zu Problemen auf der Beziehungsebene führen könne.
Als selbständiger Gartenbauunternehmer dürfte er wegen seiner negativen Bekanntheit in der weiteren Umgebung keine Chancen mehr auf einen realisti
schen Wiederbeginn haben. Infolge der Komplexität einer solchen selbständigen Tätigkeit dürfte zudem seine Persönlichkeitsstörung zur Überforderung führen. Zumutbar seien praktisch ganztägige Arbeiten im Gartenunterhalt, welche vom Beschwerdeführer mehrheitlich alleine ausgeführt werden können. Es sei durch
aus vorstellbar, dass geeignete Privatpersonen den Beschwerdeführer für den Unterhalt ihrer Gärten anstellen könnten und er dabei gute Arbeit leisten könnte
(
Urk.
7/374 S. 52 ff.)
.
2.5
In Würdigung des Gutachtens von
Dr.
Z._
gelangte
Dr.
med.
K._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie vom RAD, zur Einschätzung, der Beschwerdeführer
sei
ab dem Jahr 2002 in der bisherigen Tätigkeit im Garten
bau bei reduzierter Stressbelastung und reduzierten Anforderungen hinsichtlich zwischenmenschlicher Kontakte
zu 100
%
arbeitsfähig
. Aufgrund
seiner
Anfäl
ligkeit für psychische Dekompensationen sei mit erneuten stationären Aufent
halten – am
ehesten im Sinne von Kriseninterventionen – zu rechnen, während welcher eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jedwede Tätigkeit anzunehmen sei (
Urk.
7/388 S. 6 f.).
2.6
Im Auftrag des mit der
Anklage gegen den Beschwerdeführer
befassten Bezirksge
richts verfasste
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie und zertifizierter forensischer Psychiater SGFP, das Gutachten vom
21. Juni 2013.
Dr.
B._
diagnostizierte eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
histrionischen
, emotional-instabilen und dissozialen Zügen (ICD-10: F61.0), eine akut vorübergehende psychotische Störung mit Symptomen einer Schizo
phrenie
(ICD-10: F23.1) sowie ein
en schädlichen
Gebrauch von Sedativa (ICD-10: F13.1)
.
Die dissozialen Persönlichkeitszüge seien bei der Tatbegehung zum Tragen ge
kommen.
Bezüglich der Betrugsdelikte
könne trotzdem
weder
auf
eine Ein
schränkung der Einsichtsfähigkeit noch
auf
eine solche der Steuerungsfähigkeit
erkannt werden
, der Beschwerdeführer sei uneingeschränkt schuldfähig. Bezüg
lich Drohung und Sachbeschädigung
sei bei gegebener Einsichtsfähigkeit wegen einer durch die Persönlichkeitsdefizite bedingten
leichtgradigen
Minderung der Steuerungsfähigkeit eine leichte Minderung der Schuldfähigkeit gegeben.
Diese Tathandlungen seien nämlich bedingt durch die Persönlichkeitsdefizite im Sinne
einer verminderten Fähigkeit, Stress konstruktiv zu verarbeiten
,
und einer Ten
denz, sich hineinzusteigern und impulsiv aggressiv zu reagieren. Aus der kom
binierten Persönlichkeitsstörung ergäben sich mehrere prognoserelevante Defi
zite wie eine verminderte
Empathiefähigkeit
, Defizite in der
Beziehungsfähig
keit
, der
Stressresilienz
beziehungsweise
der
psychischen Belastbarkeit, zudem eine
ausgeprägtere
Impulsivität, die sich gerade reaktiv unter Belastung zeige, eine mangelnde Bereitschaft
,
sich an Regeln und Normen zu halten, eine ge
wisse Selbstüberschätzung und ausgeprägte Denkverzerrungen wie Legitimie
rungen, Bagatellisierungen und Externalisierungen.
Die Rückfallgefahr für erneute Betrugsdelikte und Drohungen sei als deutlich zu b
ezeichnen, für Tät
lichkeiten sei sie
moderat bis deutlich. Die Ausführungsgefahr für ausgespro
chene Drohungen sei hingegen gering bis moderat.
Wegen schwankender Behandlungsmotivation und bestenfalls geringer
Verände
rungsbereitschaft
könne keine klare Empfehlung für eine Massnahme ausgesprochen werden. Eine ambulante Massnahme sollte
bei einem forensisch erfahrenen Therapeuten erfolgen, welcher eng mit dem Fallführer
zusa
mmenar
beite
.
Zudem sollten Blutspiegelkontrollen bezüglich der verabreichten
Medika
tion und Benzodiazepinen
durchgeführt werden und die Einsichtnahme in die Kontobewegungen des Beschwerdefüh
r
ers möglich sein. Es sei zu erwarten, dass
er
sich weiterhin
zeitweise psychisch instabil und
hospitalisationsbedürftig
zei
ge
n werde
(
Urk.
16).
3.
3.1
Die IV-Stelle führt als Begründung für die Aufhebung der Rente an, aufgrund des überzeugenden medizinischen Gutachtens
von
Dr.
Z._
vom 22. September 2011 könne angenommen werden, dass dem Beschwerdeführer die Ausübung seines Berufs als Gärtner ab 2002 bei reduzierter Stressbelastung wieder zu 100
%
zumutbar
gewesen sei. Der Umstand, dass möglicherweise einem grossen Teil der mit seiner Gartenbauunternehmung erzielten Erwerbseinkünfte illegale Machenschaften zugrunde gelegen hätten, spreche nicht gegen diese Einschät
zung
,
sondern weise vielmehr auf ein hohes Aktivitätsniveau und beachtliche intellektuelle Fähigkeiten hin; diese Ressourcen wären zweifellos auch in lega
len Erwerbstätigkeiten verwertbar gewesen. Die wiedererlangte Arbeitsfähigkeit habe dem Beschwerdeführer spätestens seit dem Jahr 2003 bewusst sein müs
sen. Deshalb hätte er der IV-Stelle damals den veränderten Sachverhalt melden müssen. Wegen dieser Meldepflichtverletzung müsse die Rente rückwirkend per 1. Januar 2003 revidiert werden. Gemäss der medizinischen Beurteilung wäre ihm die bisherige Tätigkeit als Gärtner im Gartenbau ab 2002 wieder zu 100
%
zumutbar gewesen. Die
vom
Psychiater
Dr.
K._
vom RAD in seiner Stel
lungnahme
vom 18. Oktober 2011 g
enannten fortbestehenden psychischen Be
einträchtigungen schränkten die auf dem Stellenmarkt in Frage kommenden Tätigkeiten allerdings etwas ein, was als lohnmindernder Faktor durch Reduk
tion des hypothetisch ohne Gesundheitsschaden erzielbaren Einkommens um 10
%
zu berücksichtigen sei. Gestützt auf die Tabellenlöhne der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE)
sei von einem Invalideneinkommen für das Jahr 2003 von Fr. 51‘722.-- und bei einer Erwerbseinbusse von Fr. 5‘752.-- von einem Invaliditätsgrad von 10
%
auszugehen. Damit bestehe ab 1. Januar 2003 kein Rentenanspruch mehr (
Urk.
2,
Urk.
6; vgl. auch
Urk.
18).
3.2
Der Beschwerdeführer
führt
aus, die medizinische Abklärung habe gezeigt, dass ab 2002 zwar eine gewisse Stabilisierung des psychischen Zustandsbildes ein
getreten sei, womit indessen die für eine Revision nötige Verbesserung respek
tive Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit noch nicht ausgewiesen sei. Mit der Eröffnung der Strafuntersuchung im Jahr 2008 sei zudem die erreichte Stabili
sierung ungünstig beeinflusst worden. Nach wie vor sei die
Persönlichkeitsstö
rung
manifest. Diese beeinflusse das Sozialverhalten entscheidend. Es müsse davon ausgegangen werden, dass er trotz physisch erhaltener Leistungsfähigkeit nicht in der Lage sei, längerfristig ein Arbeitsverhältnis aufrecht zu erhalten. Ein entsprechender Versuch sei auch gescheitert. Im August 2011 habe er eine Stelle im Getränkehandel angetreten, wobei der Arbeitgeber das Arbeitsverhält
nis bereits im November 2011 wieder gekündigt habe. Als Kündigungsgrund sei angegeben worden, mit einem geordneten Arbeitsverhältnis seien wiederholte Klinikeinweisungen und die Zwangsbehandlung mit Psychopharmaka nicht ver
einbar. Auch mit der selbständigen Erwerbstätigkeit als Gartenbauer sei es rückblickend ab 2003 nicht gelungen, auf legale Art und Weise ein
rentenaus
schliessendes
Einkommen zu erzielen (Urk. 1 S. 7 ff.
Ziff.
5 f.,
Urk.
21 S. 2 f.).
4.
4.1
Die IV-Stelle
hob
die Rente mit der angefochtenen Verfügung vom 2
2.
Mai 2012 wegen
der Annahme,
dass
der Beschwerdeführer infolge einer Verbesse
rung seines Gesundheitszustandes
bereits
ab 2002 in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig
gewesen
sei,
revisionsweise (im Sinne von Art. 17 ATSG
; vorstehend E. 1.4
) auf
, und zwar
aufgrund
einer Verletzung der Meldepflicht rückwirkend ab
1.
Januar 2003 (
Urk.
2). Zu prüfen ist, ob die medizinischen Akten
die Sichtweise
der IV-Stelle
stützen.
4.2
Aufgrund der Gutachten von
Dr.
Z._
und
Dr.
B._
und der versicherungs
-
medizi
nischen Stellungnahme von
Dr.
K._
vom RAD
steht fest
, dass der
Beschwerdeführer
an
einer psychotischen Störung mit Symptomen einer Schizophrenie sowie einer gemischten Persönlichkeitsstörung
leidet.
Wei
ter kann aufgrund der medizinischen Akten davon ausgegangen werden,
dass es ab dem Jahr 2002, nachdem sich der Beschwerdeführer
auf eine regelmässige am
bulante psychiatrische Therapie und die medikamentöse Behandlung mit
Zyprexa
eingelassen
hatte
,
durch das Ausbleiben der
früher häufigen
akuten psychotischen Schübe
zu
eine
r
Stabilisierung des
Gesundheitszustandes gekommen
war
.
Auf den Zeitraum 2000 bis 2007 fiel denn auch keine der
ins
gesamt
zahlreichen stationären psychiatrischen
Hospitalisationen
.
A
uf eine relativ stabile Zeit ohne psychiatrische
Hospitalisationen
von 2000 bis 2007
folgten
in den Jahren 2008 bis 2012 neun
Hospitalisationen
im
Y._
für bis zu 40 Tage, welche
hauptsächlich im Zusam
menhang mit der gegen den Beschwerdeführer geführten Strafuntersuchung standen. Der Beschwerdeführer weist zu Recht auf diese erneute Destabilisie
rung hin.
Bei dieser Aktenlage kann der Einschätzung der IV-Stelle, der Beschwerdeführer sei ab
1.
Januar 2003 in einer leidensangepassten Tätigkeit ohne Unterbruch zu 100
%
arbeitsfähig gewesen, nicht gefolgt werden.
4.3
Das von
Dr.
Z._
für die Zeit ab 2002
d
efinierte
Profil zumutbarer Arbeiten
–
unselbständige Erwerbstätigkeit
mit Arbeiten, die vorwiegend alleine und ohne „komplexe Beziehungssituationen“ ver
richtet werden können
sowie selbständige
Arbeit
en
im Gartenunterhalt für „geeignete
“
Privatpersonen
-
entspricht einer in qualitativer Hinsicht deutlich eingeschränkten Arbeitsfähigkeit
.
Dieses
Zumut
barkeitsprofil
ist angesichts
der
kombinierten
Persönlichkeitsstörung sowie
der psychotischen Störung mit Symptomen einer Schizophrenie
nachvollziehbar
.
Zudem
wird
es
durch die
Erwerbsbiographie des Beschwerdeführers
gestützt, welche keine Phase unselbständiger Erwerbstätigkeit aufweist, die länger als ein paar Monate andauerte,
primär
durch die Tätigkeit als selbständig erwerbender Gärtner
gekennzeichnet wa
r
, welche
aber
mit einem
Konkurs sowie einem
Strafverfahren wegen Wirtschafts- und Vermögensdelikten
endete
.
Dr.
K._
legte
ferner
überzeugend
dar, dass eine zusätzliche
(quantitative)
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus den – gemäss
Dr.
Z._
und
Dr.
B._
auch
zukünftig zu erwartenden - Dekompensationen mit
Hospitalisation
und 100%iger Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit während dieser Zeit
resultiert.
Schliesslich dürfte sich auch
der sowohl von
Dr.
Z._
als auch von
Dr.
B._
erwähnte schädliche Ge
brauch von Sedativa
– solange dieser
f
ortbestand und insofern die von
Dr.
Z._
in seinem Gutachten
empfohlenen Massnahmen nicht umgesetzt worden waren - auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt haben.
D
ie
Kündigung der
Stelle bei
m
Getränke
händler
nach wenigen Monaten
per 2
1.
Dezember 2011
erfolgte de
n
n auch
mit der Begründung
des Arbeitgebers, die stationären Aufenthalte in der psychiatrischen Klinik alle paar Wochen
und die Zwangsbehandlung mit Psychopharmaka
seien mit einem geordneten Arbeitsverhältnis nicht vereinbar (
Urk.
7/395
).
In Anbetracht
des
eingeschränkten
zumutbaren Tätigkeitsprofils
aus medizini
sch
er
Sicht
und
unter Berücksichtigung
der von
Dr.
B._
festgestellten
Rück
fallgefahr
betreffend erneute Straftaten
, welche Ausdruck der
Persönlichkeits
störung
ist
(vgl. vorsteh
e
nde
Erw
. 2.5)
,
stellt sich die Frage
, ob dem Beschwer
defüh
r
er die Verwertung
s
einer
Arbeitskraft
auf dem
in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt im Sinne von Art. 7 ATSG (vorstehend E. 1.2)
in der
von der angefochtenen Verfügung
abgedeckten Zeitspanne vom
1.
Januar 2003 bis
2
2.
Mai 2012
überhaupt
möglich und zumutbar war.
4.4
Hinsichtlich der Frage, ob eine zumutbare Restarbeitsfähigkeit in der freien Wirt
schaft, also auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
,
oder demgegenüber nur noch in geschützte
m Rahmen
verwertet werden kann, ist in Abgrenzung zum Leistungsbereich der Arbeitslosenversicherung von einem ausgegliche
nen Arbeitsmarkt auszugehen. Dieser kennzeichnet sich durch ein Gleichgewicht zwischen Angebot von Stellen und Nachfrage nach solchen; dabei muss zudem ein Fächer verschiedenartiger Stellen vorliegen.
Es geht beim ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht um reale, geschweige denn offene Stellen, sondern um (gesundheitlich zumutbare) Beschäftigungsmöglichkeiten, welche der Arbeits
markt von seiner Struktur, jedoch abstrahiert von den konjunk
turellen Verhält
nissen, umfasst
.
Nach der Rechtsprechung umfasst der ausgeglichene Arbeits
markt auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Von der versicherten Person können nur Vor
kehren verlangt werden
, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind. Von einer Arbeitsgelegenheit kann nicht
mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit
nurmehr
in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgegli
chene Arbeitsmarkt
praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteile des Bundesgerichts
9C_124/2010 vom 2
1.
September 2010,
E. 2.2, sowie I 210/04 vom 2
7.
September 2004, E. 3.3). Zur Annahme einer durch einen geistigen Gesundheitsschaden verursachten Erwerbsunfähigkeit
ist ent
scheidend
, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei der ver
sicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative
Voraussetzung – sogar
für die Gesellschaft untragbar (Urteil des Bundesgerichts I 401/01 vom
4.
April 2002, E. 2b/
aa
mit Hinweisen).
4.5
Mit Blick auf die Vorstrafen
des Beschwerdeführers
und
die durch
Dr.
B._
fest
gestellte,
therapeutisch kaum angehbare
Persönlichkeitsstörung
mit deutlicher
Rückfallgefahr für erneute Betrugsdelikte und Drohungen
wird klar, dass
der Beschwerdeführer aufgrund seines Leidens, das in erheblichem Mass nachteilige Auswirkungen auf sein soziales Verhalten hat, einer engmaschigen Betreuung und Überwachung durch einen Arbeitgeber bedarf respektive der Beschwerde
führer mit verschiedenen Aufgaben im vornherein gar nicht betraut werden kann. Bei objektiver Betrachtung ist es aus sozialpraktischer Sicht aber unklar, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang die sowohl physisch als auch kog
nitiv vorhandene Arbeitskraft des Beschwerdeführers auf dem freien Arbeits
markt verwertet werden kann. Dem steht die durch das psychische Leiden bedingte Unberechenbarkeit des Verhaltens des Beschwerdeführers entgegen. Hinzu kommen phasenweise sich häufende stationäre Klinikaufenthalte. Das Gesagte betrifft selbständige und unselbständige Tätigkeiten gleichermassen. Von konkreten Schwierigkeiten, wieder eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, berichtete der Beschwerdeführer anlässlich der Abklärung bei
Dr.
Z._
. Er gab an, wo man ihn und seine Probleme kenne, sei niemand bereit ihn anzustellen (vgl.
Urk.
7/374/46). Somit ergibt sich, dass ein Revisionsgrund nicht eindeutig bejaht werden kann.
4.6
Trotz der genannten Einschränkungen bestehen aufgrund der Akten Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer
möglicherweise
im relevanten Beurteilungs
zeitraum
zumindest phasenweise
, etwa als selbständiger Gartenbauunternehmer,
ein Erwerbseinkommen erzielte
.
D
a
er unter einer komplexen, Schwankungen unterliegenden psychischen Störung leidet, welche zur Folge hat, dass nicht nur die daraus resultierenden
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit schwierig zu bestimmen sind, sondern
zusätzlich
schwer zu
sagen
ist, inwiefern
eine verbliebene (Teil-)Arbeitsfähigkeit erwerblich verwertbar ist, ersc
heint es für die Bestimmung der
Erwerbsfähigkeit
in der Zeit ab
1.
Januar 2003
als un
abdingbar
zu prüfen, ob
und gegebenenfalls in welchen Zeiträumen und in wel
cher
betraglichen
Höhe
der Beschwerdeführer im relevanten Zeitraum vom
1.
Januar 2003 bis 2
2.
Mai 2012 ein Erwerb
s
einkommen erzielt hat
und, soweit erforderlich, um weitere Abklärungen zur Frage durchzuführen, wie sich das psychische Leiden des Beschwerdeführers in Bezug auf die Einordnung in eine fremdbestimmte Arbeitsorganisation (unselbständige Erwerbstätigkeit) respek
tive auf die Fähigkeit der Bewältigung einer selbstbestimmten Betriebsorganisa
tion (selbständige Erwerbstätigkeit) auswirkt.
Die IV-Stelle – an welche die Sache zurückzuweisen ist – wird die
s
nachzuholen haben. Allenfalls bietet es
sich an, den Ausgang des laufenden Strafverfahrens abzuwarten und auf die in diesem Rahmen getroffenen Feststellungen zu allfälligen Erwerbseinkünften des Beschwerdeführers abzustellen, falls diese für die Invalidenversicherung rele
vant sind.
Danach
wird die IV-Stelle zu bestimmen haben,
für welche Zeiträume
und
in welchem Umfang
die Rente
gegebenenfalls
revisionsweise
anzupassen
ist
,
unter Berücksichtigung der Sistierung der Rente während den
Haftaufent
-
halten
.
Eine
Meldepflichtverletzung, welche gemäss Art.
88
bis
Abs.
2 IVV
für eine rückwir
kende Leistungsanpassung vorausgesetzt wird,
ist
zu bejahen
.
D
er Beschwerdeführer
gab in den Revisionsfragebogen vom
2
8.
September 2003 (
Urk.
7/182)
und vom
2
8.
November 2006 (
Urk.
7/201)
nämlich wahrheitswidrig
an
,
nicht
erwerbstätig gewesen zu sein
.
5
.
5
.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2).
5
.2
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von
Fr.
1000.-- zulasten der unterliegenden IV-Stelle (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG).
5
.3
Nach Einsicht in die Honorarnote vom
2
4.
Januar 2014
(
Urk.
24)
hat die IV-
Stelle dem unentgeltliche
n Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt
Daniel
Christe
, für seine Bemühungen (inklusive Mehrwertsteuer und Auslagen für
Porti
und Kopien)
eine Entschädigung von
Fr.
5‘042.--
zu bezahlen.