Decision ID: 9a3a1bc1-66bd-4a4d-9ce9-425583f25d60
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1963
geborene X._
war zuletzt von 1998 bis 2015 als M
itarbeiter Office bei der Z._
tätig (Urk. 14/7, Urk. 14/20). Am 1. April 2015 meldete er sich unter Hinweis auf rheumatische Beschwerden und psychische Probleme bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 14/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und wies das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 27. März 2017 (Urk. 14/70) ab. Die dagegen erhobene Beschwerde wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 16. August 2018 ab (Prozess Nr. IV.2017.00550; Urk. 14/77). Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesgericht mit Urteil vom 8. Januar 2019 ab (Urk. 14/83).
1.2
Am 29. Januar 2019 (Urk. 14/84) reichte der Versicherte eine erneu
te Anmeldung ein. Die IV-Stelle
tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und liess den Versicherten insbesondere
bidisziplinär
(Psychiatrie/Neuropsychologie)
begut
achten (Expertisen vom 9. und 22.
Juni 2020; Urk. 14/117
/1-82
, Urk. 14/118). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 14/135, Urk. 14/147) wies sie das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 24. September 2021 (Urk. 14/148
=
Urk. 2) ab.
2.
Mit Schreiben vom 15. November 2021 (Urk. 4) leitete die
IV-Stelle
das Schreiben des
Versicherten
vom 15. Oktober 2021 (Urk. 1) als Beschwerde zuständigkeits
halber dem hiesigen Gerich
t weiter.
Gestützt auf die m
it Verfügung vom 23.
November 2021 (Urk.
6)
angesetzte Frist
zur Beschwerdeverbesserung
bean
tragte der Versicherte mit Eingabe vom 7. Dezember 2021 (Urk. 8) die
Zusprache
der gesetzlichen Leistungen nach IVG. Mit Eingabe vom 10.
Dezember
2021 beantragte der nun vertretene
Versicherte
die
Zusprache
der gesetzlichen Leis
tungen nach IVG. Die IV-Stelle sei zu verpflichten, mit ihm umfassende, zweck
mässige berufliche Massnahmen durchzuführen und im Anschluss neu zu verfü
gen. Eventuell sei der Streitgegenstand an die IV-Stelle zur Neubeurteilung zurückzuweisen
. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Bewilligung der unent
geltlichen Rechtspflege
(Urk. 9
S. 2
). Am 5. Januar 2022 (Urk. 13) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwe
rdeführer mit Verfü
gung vom 27.
Januar 2022 zur Kenntnis gebracht wurd
e (Urk. 17). Mit Replik vom 18.
Januar 2022 (Urk. 15) hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest. Mit Eingabe vom
9.
Februar 2022 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf
eine Duplik (Urk. 18), was dem Beschwe
rdeführer mit Verfügung vom 22.
Februar
2022 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 20).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Vorausset
zungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisions
gesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaub
haft gemachte Ver
änderung des Invaliditätsgrades
auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und her
nach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungs
pflicht auch dem Gericht (
Urteil des Bundesgerichts 9C_351/2020 vom 21. September 2020 E. 3.1, insbesondere mit Hinweis auf
BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
benem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung
hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesund
heitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bun
desgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.6
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu han
deln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f IVV auf dem W
eg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
desgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E.
3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 201
3 E.
3.1.2).
1.
7
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das
heisst
ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss
zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und
die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom 24. September 2021 (Urk.
2) damit, dass in der angestammten Tätig
keit als Mitarbeiter Office sowie in einer angepassten Tätigkeit eine mindestens 70%ige Arbeitsfähigkeit ausgewiesen sei. Die restlichen 30 % seien auf
IV
-fremde Gründe, insbesondere auf die im Gutachten festgestellte Aggravation, zurückzu
führen. Im Vergleich zum damaligen
Entscheidzeitpunkt
März 2017 könne nach wie vor keine erhebliche Veränderung erkannt werden, welche sich auf den Invaliditätsgrad auswirken würde (S. 1 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, er werde bald 60 Jahre alt und benötige aufgrund seines Alters professionelle Unterstüt
zung für die Reintegration i
n den Arbeitsmarkt (Urk. 9
Rz
5). Die Beschwerde
gegnerin hab
e das rechtliche Gehör und Art.
29a
der Bundesverfassung
verletzt, indem sie jegliches Beratungsgespräch betreffend berufliche Massna
hmen verweigert habe (Urk. 9
Rz
7 ff.). Die rechtlichen Voraussetzungen für berufliche Massnahmen sowie Wiedereingliederungsmass
nahmen seien erfüllt (Urk. 9
Rz
23).
Gemäss den behandelnden Fachärztinnen und Psychiater leide er an Krankheiten, die eine Arbeitsfähigkeit
ausschliessen würden (Urk. 9
Rz
16).
Vor
liegend weise die Beschwerdegegnerin die Feststellungen des Gutachtens pau
schal zurück, ohne nachvollziehbare Begründung und ohne inhaltliche Ausei
nandersetzung (Urk. 15
Rz
5).
2.3
Strittig und zu prüfen ist vorliegend, ob sich der anspruchsrelevante Sachverhalt im Vergleichszeitraum seit Erlass der Verfügung vom 27. März 2017 (Urk. 14/70)
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 24. September 2021 erheblich beziehungsweise in einer für den Rentenanspruch massgeblichen Weise verändert hat.
3.
3.1
Die rentenabweisende Verfügung vom 27. März 2017 (Urk. 14/70) basierte in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf dem polydisziplinären Gutachten der Medizinischen Abklärungsste
lle (
Medas
) A._
GmbH vom 23. Mai 2016 zuhanden der Beschwerdegegnerin. Das Gutachten umfasste die Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie, Psychiatrie, Neu
ropsychologie sowie Neurologie (Urk. 14/49/1-23;
Teilgutachten Rheumatologie Urk. 14/49/26-34; Teilgutachten Psychiatrie Urk. 14/49/35-51
; Teilgutachten Neu
ropsychologie Urk. 14/49/52-59; Teilgutachten Neurologie Urk. 14/49/60-63). Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit nannten die Gutachter eine undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0),
DD: dysfunktionale Krankheitsverarbeitung (ICD-10 F54). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie ein chronisches tägliches Schmerzsyndrom, keiner differenzierten Diagnose
zuordbar
,
sowie einen zurzeit nicht klassifizierbaren Schwindel (S. 20).
Im rheumatologischen Teilgut
achten von Dr. med. B._
, Facharzt für Rheumatologie, wurde zusammenfassend ausgeführt, in ausschweifender Aus
füh
rung werde vom Versicherten ein Ganzkörperschmerz an allen Tagen berich
tet, dazu schlafe er nachts nur 2 1⁄2 Stunden. Der Versicherte habe ein Verhalten im Zusammenhang mit auch thematisierten Schwindelerlebnissen demonstriert, das überwiegend geprägt gewesen und einzuordnen sei anhand von zum Teil grotesken Diskrepanzen und unspezifischen Verhaltensmustern. So sei auch die klinische Untersuchung des Bewegungsapparates nicht in allen Teilen aussage
kräftig wegen thematisierten «Schwindelgefühlen». Es lasse sich aber ein ent
zünd
liches spezifisches Leiden oder eine anderweitig differenzierte Störung aus dem rheumatologischen Formenkreis ausschliessen. Die Gegenüberstellung und Wertung des funktionalen Verhaltens des Versicherten vor, während und nach der Expertise zeige auch keine Hinweise auf relevante morphologische Störungen oder Einschränkungen. Die Kriterien für eine Fibromyalgie-Symptomatik seien nicht erfüllt. Es werde ein chronisch erlebtes und auch nicht immer nachvoll
ziehbar demonstriertes Körpererleben diagnostiziert, welches aus rheumatolo
gi
scher Sicht keiner differenzierten Diagnose oder spezifischem Leiden aus dem
rheumatologischen Formenkreis
zuordbar
sei. Für die frühere respektive eine angepasste Verweistätigkeit bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit (S. 16).
Aus dem psychiatrischen Teil
gutachten von Dr. med. C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, geht zusammenfassend hervor, dass der Beschwerdeführer über Krämpfe im Kopf und Vergesslichkeit berichtet habe. In der Familie gebe es öfters Streitigkeiten, er bekomme manchmal Schwindel, «falle dabei um». Er schlafe 2 1⁄2 Stunden pro Nacht. Eine eigentlich psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung habe zu keinem Zeitpunkt stattgefunden. Die Beschwerdeschilderungen seien diffus, auf psychiatrischem Gebiet fehlten
sämt
liche
Details einer spezifischen Störung. Eine Diskrepanz liege zum Beispiel dahingehend vor, dass der Beschwerdeführer nach langer Anfahrt den ganzen Gutachtensnachmittag mit verschiedenen Untersuchungen verbringe mit Gang zum Labor und zurück. Dies sei nicht vereinbar mit der Vorstellung, dass der Beschwerdeführer zu Hause von der Familie gestützt werden müsse beim Duschen oder gar auf dem WC. Konsistenzparameter nach Widder seien in einigen Punkten positiv. Wahrscheinlicher sei Aggravation, nämlich die bewusstseinsnahe, ten
den
ziell überhöhende Darstellung vorhandener Beschwerden zur Erlangung von auch materiellen Vorteilen. Die diffuse Schmerzsymptomatik begleitet von Miss
empfindungen und Schwindelanfällen sei möglicherweise im Rahmen einer
Kon
fliktsituation
am Arbeitsplatz entstanden, zumindest bestehe eine Exazer
bation
in diesem Rahmen. Es werde eine undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10
F45.1) und eine dysfunktionale Krankheitsverarbeitung (ICD-10 F54) diagnos
ti
ziert. Aus diesen Störungsbildern entstehe keine dauerhafte Behinderung von Arbeits- und Erwerbsfähigkeit. Für einfach strukturierte Arbeiten ohne Konflikt
potenzial bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80 % infolge einer qualitativen Leis
tungsminderung (S. 16).
Aus dem neuropsychologischen Teilgutachten von
lic
.
phil. Neuropsychologin D._
geht zusammenfassend hervor, dass vom Beschwerdeführer subjektiv Gedächtnis- und Konzentrationsdefizite beschrieben würden mit Beginn vor zirka 10 Jahren und einer Verschlechterung seit 2-3 Jahren. Des Weiteren würden Schwindel, «Kopfkrämpfe» und Schlafprobleme erwähnt. In Art und Ausprägung bestehe eine nicht authentische kognitive Minderleistung in allen untersuchten kognitiven Bereichen. Bezüglich Glaubwürdigkeit gebe es klare Hinweise auf eine bewusste, grobe Verfälschung der Befunde. Würden die Resultate valide sein, würde der Beschwerdeführer eine kognitiv äusserst schwer eingeschränkte Person sein, was dem Bild einer mittelschweren bis schweren oder schweren Demenz entsprechen würde. Negative Antwortverzerrungen seien belegbar, so dass kein gültiges Testprofil habe erhalten werden können. Ob eine kognitive Störung (zum
Beispiel als Symptom einer psychischen Problematik oder bei Schmerzen) den
noch vorhanden sei, könne aufgrund der eingeschränkten Anstrengungs
bereit
schaft des Beschwerdeführers nicht beurteilt werden. Die Art und Intensität der objektivierten Defizite sei zudem auch nicht mit den in der Literatur zu findenden Störungen bei milden Schädelhirntraumen oder chronischen Schmerzen verein
bar (S. 17 oben).
Aus dem neurologischen Teilgutac
hten von Dr. med. E._
, praktischer Arzt, geht zusammenfassend hervor, dass der Beschwerdeführer seit mindestens 10 Jahren an einem chronischen täglichen Ganzkörperschmerzsyndrom leide. Auf
grund der Anamnese, der Semiologie der Schmerzen und des normalen Neu
ro
status bestünden derzeit keine Anhaltspunkte für eine Läsion des peri
pheren und/oder zentralen Nervensystems als mögliche Ätiologie. Ausserdem leide er an «Schwindel». Aufgrund der sehr schwierig zu erhebenden Anamnese und des nor
malen Neurostatus sei es zurzeit wirklich unmöglich, diesen Schwindel zu klassi
fizieren. Aus neurologischer Sicht liege keine Arbeitsunfähigkeit vor. Es
werde auf ausgeprägte Diskrepanzen bei der Untersuchung verwiesen (S. 17 Mit
te). Der neurologische Gutachter nannte als Diagnosen ein chronisches tägliches Schmerzsyndrom mit Schmerzen im ganzen Körper mit Schwerpunkt im Rücken sowie einen zurzeit nicht klassifizierbaren Schwindel mit anamnestischen häufi
gen Stürzen (Urk.
14
/49/60-63 S. 4 Ziff. 5).
Interdisziplinär werde festgestellt, dass die Begutachtungen von
Aggravationen
und auch mangelnder Kooperation geprägt gewesen seien. Trotzdem lasse sich festhalten, dass sich keine Hinweise auf ein wesentliches somatisches Leiden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit finden liessen. Dies decke sich durchaus mit den Vorbefunden und einer 2015 durchgeführten Begutachtung. Die Diagnose einer undifferenzierten Somatisierungsstörung gründe sich auf die diffuse Schmerz
symptomatik, begleitet von Missempfindung und Schwindelanfällen, einem subjektiven Schmerzsyndrom über Jahre bestehend, möglicherweise
exa-zer
biert
im Rahmen der Arbeitsplatzsituation. Alleine aus dem psychiatrischem Krankheitsbild könne eine qualitative Leistungseinschränkung von 20 % ange
geben werden bei einer vollen zeitlichen Präsenz (S. 20).
Bei der bisherigen Tätigkeit handle es sich um eine einfach strukturierte Tätigkeit in Wechselpositionen, somit eine angepasste Tätigkeit. Hierfür bestehe eine volle Leistungsfähigkeit mit einer qualitativen Minderung von 20 %. Retrospektiv könne diese Arbeitsfähigkeit ab Oktober 2014 angesetzt werden, als es nach Arbeitsplatzkonflikt vermutlich zur Exazerbation der subjektiven Schmerz
symp
to
matik gekommen sei (S. 22).
3.2
Dr.
med. F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte mit Stellun
gnahme vom 11. Juni 2016 (Urk. 14
/59/4-5) aus, es werde emp
foh
len, auf das Gutachten der
Medas
abzustellen. Es sollte von einem leichten bis mässigen psychiatrischen für die Arbeitsfähigkeit relevanten Gesundheitsschaden mit Beurteilung/Belastungsprofil gemäss Gutachten ausgegangen werden.
3.3
Nach Verfügungserlass führte med.
pract
.
G._
,
praktischer Arzt und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
mit Bericht vom 6.
September
2017 (Urk. 14/74/4-5
) aus, er behandle den Beschwerdeführer seit dem 16. Juni 2017
,
und nannte als Diagnose eine schwere depressive Episode, mit Verdacht auf bereits langjährige
Chronifizierung
(ICD-10 F32.2) mit somatischen Symptomen. Der Beschwerdeführer werde in Konsultationen zu mindestens einer Stunde Dauer im Abstand von etwa zwei Wochen behandelt. Bisher habe keine nennenswerte Zustandsveränderung erreicht werden können. Mittelfristig (in den nächsten Monaten) werde es wohl kaum zu einer Zustandsverbesserung kommen (S. 2).
3.4
Med.
pract
.
G._
nannte mit Bericht vom 5. April 2018 (Urk.
14/75/4-5
) als Diagnosen eine schwere depressive Episode, mit Verdacht auf bereits langjährige
Chronifizierung
(ICD-10 F32.2) mit somatischen Symptomen sowie einen Status nach mehreren Schädelhirntraumen mit deutlichen neuropsychologischen Defi
ziten. Den Beschwerdeführer sehe er in einem engmaschigen Behandlungssetting zirka alle zehn Tage. Die Konsultationen würden von einem Übersetzer begleitet und dauerten zirka eine Stunde. Der Beschwerdeführer sei aufgrund starkem Antriebs
mangel, deutlichen Konzentrationsstörungen u
nd fehlender psychischer Belast
bar
keit zu 100
%
in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Er nehme moti
viert mit Übersetzer eine engmaschige ambulante Behandlung wahr. Da er gemäss neuro
psychologischem Gutachten nichts Neues mehr lernen könne und aufgrund von Schmerzen und Schwindel würde ein (teil-)stationärer Aufenthalt mit einem strukturierten Ganztagsprogramm für ihn nicht zumutbar sein (S. 1).
3.5
Die Beschwerdegegnerin verneinte
mit
Verfügung vom 27.
März 2017
einen Ren
tenanspruch
mit der Begründung, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht weder eine psychiatrische noch eine körperliche Einschränkung mit relevanter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege.
3.6
Das hiesige Gericht erwog, dass sich die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers der
Medas
-Gutachter als schlüssig erweist (Urk. 14/77/20 E. 4.8).
Bei einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 20 % habe die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch zu Recht verneint (Urk. 14/77/23 E. 5.3 f.).
3.7
Das Bundesgericht schützte diesen Entscheid mit Urteil vom
8. Januar 2019
(Urk. 14/83)
.
4.
4.1
Seither sind die folgenden, wesentlichen Berichte zu den Akten genommen worden:
Die Fachpersonen des Sanatoriums
H._
berichteten am 5. Februar
2019 (Urk. 14/87/8-10) über eine stationär-psychiatrische Behandlung des Beschwe
r
deführers vom 3. Januar bis 5.
Februar 2019 und nannten als Hauptdiagnose eine rezidivierende depressive Störung
, gegenwärtig schwere Episode ohne psycho
tische Symptome (S. 1).
Von medikamentöser Seite sei eine
Aufdosierung
von
Lamotrigin
erfolgt. Aufgrund der Sprachbarriere seien längere Gespräche nur mit Hilfe eines Dolmetschers möglich gewesen.
Der Beschwerdeführer habe ein sehr passives Verhalten mit einem externalisierenden Krankheitsverständnis gezeigt. Er sei auf seine somatischen Beschwerden fixiert gewesen, habe immer wieder von Schwindelgefühlen und thorakalen Beschwerden berichtet. Die im Hause durchgeführten
Troponin
-
und EKG-Untersuchungen seien unauffällig gewesen, sodass die thorakalen Schmerzen am ehesten im Rahmen der bereits bestehenden Schmerzstörung interpretiert worden seien (S. 2 oben).
4.2
Med.
pract
.
G._
nannte mit Bericht vom 13. März 2019 (Urk. 14/87/2-6) fol
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.5):
-
rezidivierende depressive Störung mit schwerer depressiver Episode, mit Verdacht auf bereits langjährige
Chronifizierung
(ICD-10 F32.2) mit somatischen Symptomen seit mindestens 2017
-
Status nach mehreren Schädelhirntraumen mit deutlichen neuropsycho
logischen Defiziten
-
ICD-10
F06.8 seit mehreren Jahren
-
chronischer Schwindel sowie Kopfschmerzen
S
eit 15. Juni 2017
bestehe
in jeder Tätigkeit
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(Ziff. 1.3).
Es bestünden neben körperlichen Einbussen auch Einbussen des Antriebes, der Konzentration, der Wachheit und kognitiven Einbussen
(Ziff. 3.4)
.
Med.
pract
.
G._
nannte mit Bericht vom 2.
Oktober 2019 (Urk. 14/97) diesel
ben Diagnosen wie im vorherigen Bericht (Ziff. 1.2). Der Zustand des Beschwer
deführers habe sich trotz einer intensiven verhaltenstherapeutisch orientierten Psychotherapie sowie einer maximalen ausgebauten Psychopharmakotherapie
kaum verändert. Ihm müsse eine schlechte Prognose gestellt werden (Ziff. 3.3). Es bestehe keine Arbeitsfähigkeit mehr (Ziff. 4).
4.3
Die Fachpersonen des Sanatoriums
H._
nannten mit vorlä
ufigem Austritts
bericht vom 11.
Oktober 2019 (Urk. 14/117/83-84)
als Hauptdiagnose
eine rezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
(ICD-10 F33.1)
,
mit
histr
i
onischer
Persönlichkeitsakzentuierung (S. 1
Mitte
).
V
om 4.
bis 14.
Oktober 2019 habe eine stationäre Behandlung stattgefunden (S. 1 oben).
Die Fachpersonen des Sanatoriums
H._
nannten mit vorläufigem Austritts
bericht vom
3. Februar 2020 (Urk. 14/117/85-86
)
als Hauptdiagnose
eine rezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1; S. 1).
4.4
4.4.1
Am 22. Juni 2020 erstattete
n
Dr.
med. I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
und
d
ipl.
psych. J._
, Fachpsychologin für Neu
ropsychologie und für Psychotherapie FSP,
ihr
bidisziplinäres
Gutachten
in den Fachrichtungen Psychiatrie und Neuropsychologie
zuh
anden der Beschwerdegeg
nerin
. Dabei nannten sie
i
n ihrer Konsensbeurteilung
folgende
psychiatrische
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk. 14/117/
15 Ziff. 4.2.1
):
-
Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1) mit
histrionischen
und impulsiven Zügen bei Verdacht einer kombinierten Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61) mit
histrionischen
und impulsiven Anteilen
-
iatrogen schädlicher Gebrauch von Benzodiazepinen (ICD-10 F13.1) mit differentialdiagnostischer Erwägung einer entsprechenden Abhängigkeit (ICD-10 F13.2)
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien die Simulation (ICD-10 Z76.5) von Erinnerungslücken, welche auch unter erheblichem und fortgesetztem
Gebrauch von Sedativa oder Hyp
notika nicht plausibel seien und auch nicht durch das Vorliegen eines Persönlichkeitsakzents (ICD-10 Z73.1) oder einer Persönlichkeits
störung (ICD-10 F61) erklärbar w
erden würden (
Urk.
14/117/15
Ziff. 4.2.2
). Eine Simulation beschreibe das bewusstseinsnahe (ICD-10 Z76.5) Vortäuschen von Krankheitssymptomen aus offensichtlicher Motivation (Rentenbegehren). Erkennbar werde eine Simulation durch die während der Untersuchung beobacht
bare Steuerbarkeit (
Urk.
14/117/
1
4 oben).
Eine neuropsychologische Diagnose hielten sie nicht fest. Sie führten aus, es sei keine Differenzierung möglich. Es würden qualitativ und quantitativ
nicht
authentische neurokognitive Störungen in allen untersuchten Domänen
vorlie
gen. Es
sei von Aggravation, teilweise auch von Simulation kognitiver Einschrän
kungen (quantitativ und qualitativ) au
szugehen
(
Urk. 14/117/15 Ziff. 4.2.3
)
.
Die aktenkundige Diagnose einer undifferenzierten Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.1) lasse sich aufgrund im Vordergrund stehender Schmerzäusserungen des Beschwerdeführers und aufgrund des Fehlens häufig wechselnder körperlicher Symptome nicht bestätigen. Die aktenkundige Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren lasse sich nicht nachvollziehen, weil sich eine andernorts klassifizierbare Krankheit weder inter
nistisch noch neurologisch oder rheumatologisch bestätigen lasse. Aufgrund einer fehlenden Beschreibung von Verhaltensmerkmalen lasse sich die aktenkun
dige Diagnose einer schweren (oder mittelgradigen) depressiven Episode (ICD-10 F32.2) nicht begründen. Da weder symptomfreie noch symptomarme Intervalle aktenkundig seien, sei auch kein episodisches Krankheitsgeschehen im Sinne einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F33) ausgewiesen (
Urk.
14/117/
15 Ziff. 4.2.4
).
Zur Gesamtarbeitsfähigkeit wurde ausgeführt, u
nter Berücksichtigung der Beur
teilungen der Arbeitsfähigkeit aus
neuropsychologisch
er
und
p
sychiatrisch
er Sicht sei derzeit - und nach Bereinigung
simulativer
Effekte (ICD-10 Z76.5) - von einer leichten Einschränkung der Partizipation und Teilhabe auszugehen, ent
sprechend einer mindestens 70%igen Arbeitsfähigkeit (5-6 normproduktive Arbeitsstunden täglich bei einer uneingeschränkten Fähigkeit zur Anwesenheit, entsprechend 8 Stunden täglich).
Diese Beurteilung sei auch retrospektiv bis zum massgeblichen Zeitpunkt vom 15. Juni 2017 anzuwenden (Urk.
14/117/
19 Ziff. 4.9).
Eine angepasste Tätigkeit sei
als
eine einfach strukturierte Hilfstätigkeit ohne Publikumsverkehr und ohne hohe Teamabhängigkeit der Arbeitsprozesse zu definieren. Es sei davon auszugehen, dass die letzte, angestammte Tätigkeit die genannten Kriterien einer angepassten Tätigkeit erfülle (
Urk.
14/117/
19 Ziff. 4.8.1
).
4.4.2
I
m Rahmen des psychiatrischen Gutachtens führte Dr.
I._
aus
, a
ufgrund der Mini-ICF-APP Erhebung sei nach Bereinigung der Simulation (ICD-10 Z76.5) und des Aggravationsverhaltens in der Gesamtschau von einer maximal leichten, persönlichkeitsdeterminierten Einschränkung in leidensangepasster Tätigkeit auszugehen. Gemäss Konsens entspreche eine leichte funktionelle Einschränkung einer Reduktion der Produktivität um einen Drittel (medizinisch zumutbare
Fähigkeit zur uneingeschränkten Anwesenheit bei leichtgradiger Verminderung der Produktivität, 70%ige Arbeitsfähigkeit;
Urk.
14/117/
64).
4.4.3
Dipl. psych.
J._
nannte im neuropsychologischen Teilgutachten vom 9. Juni
2020 (Urk. 14/11
8
) als Diagnose (S. 23 oben) nicht authentische neurokognitive Störungen in allen untersuchten Domänen. Ätiologisch würden sich gewisse neu
rokognitive Auffälligkeiten im Rahmen zweier leichter Schädel-Hirn-Traumata, des fragwürdigen Medikamentengebrauchs, bei chronischen Schmerzen und Schwindelsymptomatik sowie psychischen Störungen problemlos einordnen lassen. Leich
t
e bis in einzelnen Funktionen auch mittelschwere neurokognitive Defizite wären somit durchaus plausibel gewesen. Leider könnten sie aufgrund des Testverhaltens aber nicht differenziert beurteilt werden (S. 23
Mitte). Inner
halb der Testergebnisse zeigten sich deutliche Inkonsistenzen und die Befunde würden grösstenteils nicht plausibel erscheinen (S. 24 Ziff. 2.6). Die Arbeitsfähig
keit sei aufgrund der eingeschränkten Brauchbarkeit der Testbefunde nicht beur
teilbar (S. 24 Ziff. 7.1).
4.
5
MSc
UZH psych. K._ und Dr. med.
F._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, RAD, führten mit Stellungnahme vom 29.
Juli 2020 (Urk. 14/134/4-5) aus, es werde empfohlen auf das Gutachten abzustellen (S. 2).
4.
6
Die Ärzte der psychiatrischen Klinik L._
berichteten am 8. Januar 2021 über eine stationäre Behandlu
ng vom 28. Juli bis 22. Oktober
2020 (Urk. 14/131) und nannten folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.5):
-
rezidivierende depressive Störung, schwere Episode (ICD-10 F33.2)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.40)
-
Schwindel und Taumel
Zum psychischen Befund wurde
F
olgendes ausgeführt: Wacher, bewusstseins
klarer Patient, altersentsprechend gekleidet, psychomotorisch ruhig. Die neuro
kognitiven Fähigkeiten seien im Eintrittsgespräch unauffällig. Affektiv niederge
schlagen, traurig, aber ausreichend vorhandene Schwingungsfähigkeit und Auslenkbarkeit. Keine Hinweise auf psychotisches Erleben in Form von Halluzi
nationen, Wahnvorstellungen oder Ich-Störungen vorhanden. Keine spezifischen Ängste oder Zwänge
eruierbar
. Keine akute Suizidalität vorhanden. Absprache
fähigkeit vorhanden. Kompromissbereitschaft ebenfalls vorhanden. Keine Fremdaggression vorliegend (Ziff. 2.4).
Die bisherige Tätigkeit sei nicht zumutbar. Währen des stationären Aufenthalts habe
der Beschwerdeführer
keiner längeren Beschäftigung nachgehen können (Ziff. 4.1). Eine tägliche Beschäftigung von 2-
3 Stunden im geschützten Rahmen zur Förderung der Etablierung und Aufrecht
erhaltung einer Tagesstruktur werde als sinnvoll erachtet (Ziff. 4.2). Die Prognose zur Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit sei negativ (Ziff. 2.7).
4.7
M
ed.
pract
.
G._
nannte mit Bericht vom 16.
Juni 2021 (Urk. 14/133) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.40)
Dem Beschwerdeführer würde maximal eine Struktur im geschützten Rahmen für zwei Stunden täglich in einer Institution nahe des Wohnortes zumutbar sein. Für eine Steigerung dieses Zeitumfangs bestehe eine schlechte Prognose (Ziff. 2.1).
4.
8
Dr. med. M._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie
,
RAD, führte mit Stellungnahme vom 4. August 2021 (Urk. 14/134/9-11) aus, in allen Gutach
ten seien keine relevanten Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt worden. Zusätzlich werde in allen Gutachten Aggravation beschrieben. In allen Berichten des Behandlers wie auch bezüglich des Klinikaufenthalte seien die Diagnose einer schweren depressiven Störung gestellt worden, die allerdings jeweils aufgrund der psychopathologischen Befunde nicht nachvollzogen werden konnten. Insgesamt zeige sich beispielhaft, dass die Behandler auf subjektive Angaben des Beschwerdeführers abstellten (S. 3).
5.
5.1
Das hiesige Gericht erkannte dem
Medas
-Gutachten
vom 23. Mai 2016
mit Urteil vom 16. August 2018 vollen Beweiswert zu, was vom Bundesgericht geschützt wurde
(vgl. vorstehend E. 3.6 f.)
. Deshalb ist für die Beurteilung, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit dem Erlass der Verfügung vom 27. März 2017 (Urk. 14/70) erheblich beziehungsweise in einer für den Renten
anspruch
massgeblichen Weise verändert
hat
, das
Medas
-Gutachten als Vergleichsbasis heranzuziehen.
Der psychiatrische
Medas
-Gutachter
Dr.
C._
diagnostizierte eine undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.1) und eine dysfunktionale Krankheitsverarbeitung (ICD-10 F54). Diese gründe sich auf die diffuse Schmerz
symptomatik, begleitet von Missempfindung und Schwindelanfällen, einem sub
jektiven Schmerzsyndrom über Jahre bestehend, möglicherweise
exazer
biert
im Rahmen der Arbeitsplatzsituation. Interdisziplinär gingen die
Medas
-Gutachter aufgrund des psychiatrischen Krankheitsbildes von einer 20%igen Leistungsein
schränkung infolge einer qualitativen Leistungsminderung bei voller zeitlicher
Präsenz aus, dies seit Oktober 2014. Sie hielten fest, dass es sich bei der bisherigen Tätigkeit um eine einfach str
ukturierte Tätigkeit in Wechsel
positionen handle, somit eine angepasste Tätigkeit. In psychiatrischer Hinsicht wurde Aggravation vermutet.
5.2
Mit diesem Sachverhalt ist derjenige zu vergleichen, welcher der hier angefoch
tenen Verfügung zugrunde liegt. Zur Beurteilung des aktuellen Gesundheitszu
stands des Beschwerdeführers stützte sich die Beschwerdegegnerin auf das
bidis
ziplinäre
Gutachten
von Dr.
I._
und
d
ipl.
psych.
J._
und ging von keiner erheblichen Veränderung aus (vorstehend E. 2.1).
Der Beschwerdeführer machte geltend,
g
emäss den behandelnden Fachärztinnen und Psychiater leide er an Krankheiten, die eine Arbeitsfähigkeit ausschliessen würden
(vorstehend E. 2.2).
Das von der Beschwerdegegnerin eingeholte
bidisziplinäre
Gutachten
von Dr
.
I._
und
d
ipl.
psych.
J._
(vorstehend E.
4.
4
) wurde unter Berücksich
tigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung umfassender Abklärungen erstattet und vermag den Anforderungen an den Beweiswert einer medizinischen Expertise (vgl. vorstehend E. 1.
7
)
vollumfänglich
zu genügen.
Die Gutachter
nannte
n
nach genauer und sorgfältiger Abklärung
als Diagnosen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1) mit
histrionischen
und impulsiven Zügen bei Verdacht einer kombinierten Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61) mit
histrionischen
und impulsiven Anteilen sowie einen iatrogen schädlichen Gebrauch von Benzodiazepinen (ICD-10 F13.1) mit differentialdiagnostischer Erwägung einer entsprechenden Abhängigkeit (ICD-10 F13.2).
Insbesondere vermochte Dr.
I._
genau aufzuzeigen, auf
grund welcher Beobachtungen von Simulation ausgegangen werden müsse (vgl.
S. 49 ff. des psychiatrischen Teilgutachtens).
Sie kamen
zum Schluss, es sei von einer
mindestens 70%igen Arbeitsfähigkeit angestammt und angepas
s
t auszuge
hen (bei Anwesenheit 8
h täglich
; vorstehend E. 4.4.1
).
5.3
Die
Berichte der behandelnden Ärzte vermögen
das Gutachten nicht in Zweifel zu ziehen
.
Zur von den
Fachpersonen des Sanatoriums
H._
und des behandelnden Psychiaters genannten
Diagnose einer schweren (oder mittelgradigen) depres
siven Episode hielt Dr.
I._
nachvollziehbar fest, da weder symptomfreie noch symptomarme Intervalle aktenkundig seien, sei auch kein episodisches Krankheitsgeschehen im Sinne einer rezidivierenden depressiven S
törung (ICD-10 F33) aus
gewiesen (vgl. vorstehend E. 4.4.1
). Zudem seien von den
Fachperso
nen des Sanatoriums
H._
ausschliesslich subjektive Beschwerden aufgelis
tet worden, die Beschreibung einer depressionskongruenten Verhaltensbeobach
tung
fehle. Da der Diagnose einer schweren depressiven Episode grundsätzlich eine vorwiegende Fremdbeurteilung zugrunde liege, lasse sich die Hauptdiagnose der ICD-10 F32.2 Störung nicht nachvollziehen. Ferner bleibe unklar, wie Anam
nese und Befund erhoben wurden, ein Dolmetscher
werde
erwähnt, gleichzeitig aber nicht dargelegt, ob es sich um eine professionelle und daher unparteiliche Übersetzung gehandelt habe. Zwei erwähnte suchterzeugende Präparate (
Alprazolam
und
Clonazepam
) w
ü
rden n
icht diskutiert (Urk. 14/117/
36).
Auch die von den Ärzten der
L._
nach der Begutachtung diagnostizierte schwere depres
sive Episode wurde nicht hinreichend begründet. So waren die einzigen auffälli
gen Befunde, dass der Beschwerdeführer affektiv niedergesc
hlagen und traurig gewesen sei (vgl. vorstehend E. 4.6
).
Zudem legten die Gutachter
zutreffend dar, dass die in einem Bericht der Fach
personen des Sanatoriums
H._
erwähnte
histrionische
Persönlichkeitsak
zentuierung
(vgl. vorstehend E. 4.3)
sich zwar übereinstimmend mit dem vorlie
genden Gutachten darstelle, aber im dortigen Bericht nicht durch Befundangaben beziehungsweise durch Angaben des Kontaktverhaltens begründet werde (vgl.
Urk. 14/117/16 Ziff. 4.4).
Weiter
lagen die Gutachten den beha
n
delnden Fach
personen nicht vor.
Soweit me
d.
pract
.
G._
wie bereits im letzten Verfahren eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (vgl. E. 3.13 und E. 3.15 des
Urteil
s des hiesigen Gerichts
vom 16. August 2018
, IV.2017.00550),
erscheint dies wiederum nicht nachvollziehbar. Dr.
I._
nahm auch zu den Berichten von me
d.
pract
.
G._
umfassend Stellung (vgl. Urk. 14/117/37-38) und erwähnte insbesondere den Umstand, dass vorwiegend subjektiv geäusserte Beschwerden und normab
weichende psychopathologische Items ohne angem
e
ssene Differenzierung zwi
schen Selbst- und Fremdbeur
teilung dargelegt worden seien
(Urk. 14/117/37 unten)
.
Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versicherten Person stehen und sich zudem in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren haben. Ihre Berichte verfolgen daher nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des Gesundheitszu
standes und erfüllen deshalb kaum je die materiellen Anforderungen an ein Gut
achten. Aus diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Haus
ärzte – beziehungsweise regelmässig behandelnde Spezialärzte (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 551/06 vom 2. April 2007 E. 4.2) – mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifels-fall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, kommt im Streitfall ein direktes Abstellen einzig gestützt auf
die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte nur selten in Frage (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1055/2010 vom 17. Februar 2011 E. 4.1).
5.4
Vorliegend
stellt sich die Frage, ob es überhaupt zu einer
Veränderung
des Gesundheitszustandes gekommen ist, da
im psychiatrischen Teilgutachten von
Dr.
C._
vom Jahr 2016
im Wesentlichen derselbe Gesundheitszu
stand beschrieben
wird wie im
bidisziplinären
Gutachten von Dr.
I._
und
d
ipl.
psych.
J._
vom Jahr 2020.
Während 2016 eine Einschränkung von 20 % angenommen wurde, kamen die Gutachter nun zum Schluss, es liege eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 70 % vor.
Dr.
C._
(vgl. Urk. 14/49/42-43) als auch Dr.
I._
(Urk. 14/117/58-60)
verneinten Bewusstseins- und Orientierungsstörungen.
Auch
Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen konnten beide nicht beobachten. Das
f
ormale Denken beurteilte Dr.
C._
als geordnet, keine Störun
gen im Sinne von gehemmt, im Gespräch nicht verlangsamt erscheinend, selten umständlich, wenig eingeengt, nicht perseverierend. Dr.
I._
hielt formale Denkstörungen im Sinne einer leichten Gehemmtheit, Verlangsamung, Umständ
lichkeit und Einengung und Perseveration («laut» sprechen) fest. Befürchtungen und Zwänge stellte Dr.
C._
keine fest, soweit dies
explorierbar
war. Dr.
I._
konnte Befürchtungen und Zwänge aufgrund eines nicht authenti
schen Antwortverhaltens des Exploranden nicht beurteilen. Dr.
C._
hielt fest, Wahnerleben sei nicht nachweisbar, es gebe keinen Hinweis auf Sin
nestäuschungen und kein Hinweis auf Ich-Störungen. Dr.
I._
gelangte zum selben Schluss. Dr.
C._
hielt zur Affektivität fest, der Beschwerde
führer sei in ihrer Untersuchung weniger gereizt und leicht
klagsam
, jedoch nicht
jammerig
. Dr.
I._
stellte eine zeitweilig auftretende und rasch fluktuierende
dysphorische
Gereiztheit sowie eine
Klagsamkeit
(Beschwerdeäusserungen und selbstdeklarierte funktionelle Einschränkungen) in mittelgradiger Ausprägung fest. Gemäss Dr.
C._
bestand keine Affektlabilität, gemäss Dr.
I._
war eine solche in leichter Ausprägung vorhanden. Beide hielten Insuffi
zienzgefühle fest. Unter Antriebs- und psychomotorische Störungen erwähnten beide Gutachter einzig theatralisches Verhalten. Beide Gutachter stellten keine zirkadianen Besonderheiten fest. Beide Gutachter erwähnten sozialen Rückzug. Dr.
C._
verneinte Aggressivität, Suizidalität und Selbstverletzun
gen. Dr.
I._
beobachtete eine Aggressivität, und ihm wurde von Suizidalität und Selbstverletzungen berichtet. Beide verneinten Hinweise auf Mangel an Krankheitsgefühl und Mangel an Krankheitseinsicht.
Im
Medas
-Gutachten
von 2016 wurde Aggravation des Beschwerdeführers erwähnt (vgl. vorstehend E. 3.1). Auch im Rahmen der
neusten Begutachtung
wurde Aggravation und
teilweise auch
Simulation
kognitiver Einschränkungen
festgestellt
(vorstehend E. 4.4.1)
.
Der psychiatrische Gutachter Dr.
I._
ging auch vom selben medizinischen Sachverhalt wie noch 2016 aus.
Zum psychiatri
schen
Medas
-
Gutachten hielt Dr.
I._
fest, es beschreibe Persönlichkeitsmerkmale, welche zumindest mit einem
Persönli
c
h
keitsakzent vereinbar seien (ICD-10 Z73.1), ein
solcher
welcher werde diagnostisch aber nicht festgehalten. In Übereinstimmung mit seinem Gut
achten gelange das
Medas
-Gutachten zur Beurteilung einer nicht massgeblich eingeschränkten Leistungs- und Arbeitsfähigkeit. Es zeige Abweichungen bezüg
lich Diagnostik und funktioneller Herleitung der Leistungs- und Arbeitsfähigkeit Abweichungen zur Beurteilung des vorliegenden Gutachtens auf. Diese Abwei
chungen erklärten sich wiederum durch eine unterschiedliche Interpretation des gleichen medizinischen Sachverhalts (Urk. 14/117/34).
Der behan
delnden Psychiater med.
pract
.
G._
nannte im März 2019 mit der Diagnose einer schweren depressiven Episode mit Verdacht auf bereits langjäh
rige
Chronifizierung
(ICD-10 F32.2) mit somatischen Symptomen
(vgl. vorstehend E. 4.2)
dieselbe Diagnose wie bereits
2017 und 2018 (vorstehend E. 3.3 f.)
und ging wiederum von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus. Auch dieser Um
stand
- soweit überhaupt darauf abgestellt werden kann -
spricht für einen unveränderten Sachverhalt. Angesichts der im Juni 2021
nur
noch als mittelgra
dig eingestuften depressiven Episode und de
s
Umstand
es
, dass er dem Beschwer
deführer nun immerhin eine Tätigkeit im geschützten Rahmen für zwei Stunden täglich zutraute (vgl. vorstehend E. 4.
7
)
,
bestehen sogar Hinweise, dass er von einem verbesserten psychischen Zustand ausging.
Dementsprechend ist ein Revi
sionsgrund zu verneinen.
Hinzuzufügen ist, dass auf ein strukturiertes
Beweis
verfahren verzichtet werden kann:
Steht fest, dass eine anspruchsausschliessende Aggravation oder ähnliche Konstellation im Sinne der Rechtsprechung gegeben ist, erübrigt sich die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_520/2019 vom 22. Oktober
2019 E. 6.1 und 9C_371/2019 vom 7. Oktober
2019 E. 5.1.2).
5.5
Aber selbst wenn eine Verschlechterung zu bejahen wäre,
wäre
nach wie vor gestützt auf das Gutachten von
Dr.
I._
von einer mindestens 70%igen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und einer angepassten Tätigkeit auszugehen
, was
sich, wie nachfolgend zu zeigen ist, nicht anspruchsrelevant auswirkt
.
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen
ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenom
men, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veran
schlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog.
Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs. 2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (Urteil des Bundes
gerichts
9C_492/2018 vom 24. Januar 2019 E. 4.3.2 mit Hinweis auf Urteil
8C_333/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
ent
spricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichti
gung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentver
gleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundes
gerichts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
Bei
einer mindestens 70%igen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und einer ange
passten Tätigkeit
resultierte demnach ein
Invaliditätsgrad von 30 %
und es
bestünde nach wie vor kein Rentenanspruch.
6.
6.1
Der Beschwerdeführer
machte geltend
, er werde bald 60 Jahre alt und benötige aufgrund seines Alters professionelle Unterstützung für die Reintegration in den Arbeitsmarkt
(vorstehend E. 2.2).
Das
trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung
zumutbarerweise
erzielbare Ein
kommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln (Art. 16 ATSG; BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweis). Dabei ist nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten auszugehen. Es können nur Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind. An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten si
nd jedoch rechtsprechungsgemäss
keine übermässigen Anforderungen
zu stellen (Urteil des Bundesgerichts 9C_910/2011 vom 30. März 2012 E. 3.1 mit Hinweis; vgl. BGE 138 V 457 E. 3.1). Der ausgeglichene Arbeits
markt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeits
angebote, bei denen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Von einer Arbeitsgelegenheit kann nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur noch in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (vgl. statt vieler: Urteile des Bundesge
richts 8C_434/2017 vom 3. Januar 2018 E. 7.
2.1 und 9C_253/2017 vom 6. Juli
2017 E. 2.2.1, je mit weiteren Hinweisen).
Für die Invaliditätsbemessung ist nicht massgebend, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage nach Arbeitsplätzen bestünde (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_645/2017 vom 23. Januar 2018 E. 4.3.2 mit Hinweis; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
132 zu Art. 28a).
6.2
Das
bidisziplinäre
Gutachten
datiert vom 22. Juni 2020. Ab
diesem Zeitpunkt erlaubten die medizinischen Unterlagen eine zuverlässige Sachverhaltsfest
stellung zur Frage nach der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit bei vorge
rücktem Alter. Damals war der am
4. Juli 1963
geborene Beschwerdeführer
rund 57 Jahre
alt
und damit noch nicht in einem Alter, in dem eine Verwertbarkeit nicht mehr als realistisch erscheint:
Selbst e
ine verbleibende Aktivitätsdauer von rund fünf Jahren bis zum Erreichen des AHV-Pensionsalters schliesst die Ver
wertbarkeit der verbleibenden Restarbeitsfähigkeit für sich alleine nicht aus (vgl. BGE 143 V 431 E. 4.5.2 mit Hinweis; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_28/2017
vom 19. Juni 2017 E. 5.2 mit Hinweis).
Zudem ist
auch aufgrund der
hochpro
zentigen
Arbeitsfähigkeit in
der bisherigen und
einer behinderungsangepassten Tätigkeit eine Selbsteingliederung zumutbar. Die bundesgerichtliche Rechtspre
chung hat wiederholt darauf hingewiesen, dass körperlich leichte und wechsel
belastende Tätigkeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt durchaus vorhan
den sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_469/2016 vom 22. Dezember 2016 E. 3.2 und 6.3 mit Hinweisen).
6.3
In Bezug auf die beantragten beruflichen Massnahmen ist festzuhalten
, dass
der Beschwerdeführer bis zum Erlass des Vorb
escheids vom 11.
August 2021 keine Eingliederungsmassnahmen
, sondern eine Rente
beantragt hat. Erst nach Ablauf der
Einsprachefri
st
hat er mit Schreiben vom 17.
Oktober 2019 (
Urk. 14/147; Datum falsch, Eingang bei der Beschwerdegegnerin am 24. September 2021, vgl. Aktenverzeichnis zu Urk. 14/147
) solche beantragt.
Mit Schreiben vom 11. November 2021 (Urk. 14/152) nahm die Beschwerdegegnerin zum Antrag auf berufliche Massnahmen Stellung.
Damit präsentiert sich der Sachverhalt anders als in der Beschwerde dargelegt (vgl. Urk. 9
Rz
7) und eine Verletzung des recht
lichen Gehörs und von Art.
29a
der Bundesverfassung durch die Beschwerdegeg
nerin
(vgl. vorstehend E. 2.2) ist nicht ersichtlich.
Nachdem seitens des
behandelnden Psychiaters eine Eingliederungsfähigkeit ver
neint w
urde
(vorstehend E. 4.7)
und der Beschwerdeführer auch gegenüber dem Gutachter Dr.
I._
grosse Einschränkungen bezüglich seiner Arbeitsfähigkeit äusserte
(Urk. 14/117/41, Urk. 14/117/45,
Urk. 14/117/49)
, hat die Beschwerde
gegnerin zu Recht keine Eingliederungsmassnahmen durchgeführt.
6.4
In Bezug auf die vom Beschwerdeführer im Eventualstandpunkt beantragte
Rück
weisung zur Neubeurteilung
bleibt festzuhalten, dass angesichts der umfassenden medizinischen Aktenlage einschliesslich eines beweiskräftigen und psychiatri
schen Gutachtens nicht davon auszugehen ist, dass weitere Abklärungen neue, für die Beurteilung des vorliegenden Falles entscheidende Erkenntnisse liefern könnten. Auf weitere Abklärungen ist demnach im Sinne der antizipierten Beweiswürdigung zu verzichten (BGE 122 V 157 E. 1d).
6.5
Nach dem Gesagten besteht kein Anspruch auf eine Rente. Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7
.
7
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.
7
.2
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche Vertretung notwendig oder doch geboten ist (Art. 29 Abs. 3 BV; BGE 135 I 1 E. 7.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_686/2020 vom 11. Januar 2021 E. 1).
Mit Eingabe vom 10. Dezember 2021 (Urk. 9) beantragte der Beschwerdeführer die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (S. 2).
Da der vorliegende Pro
zess nicht als von vornherein aussich
tslos bezeichnet wer
den kann und
der
Beschwerdeführer bedürftig ist (
Urk. 9, Urk.
16/1-
2), ist ihm antragsgemäss (Urk. 9
) die unentgeltliche Prozessführung zu b
ewilligen. Die dem Beschwerde
führer
auferlegten Gerichtskosten sind demnach einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Der
Beschwerdeführer wird auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) aufmerksam gemacht.
Sofern der Beschwerdeführer mit seinem
Gesuch um Bewilligung der unentgelt
lichen Rechtspflege
auch die
unentgeltliche Rechtsvertretung
verlangt
,
ist darauf hinzuweisen,
dass
das Sozialversicherungsgericht nach seiner bundesgerichtlich bestätigten Praxis nur patentierte Anwältinnen und Anwälte zur unentgeltlichen Rechtsvertretung zulässt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C
_246/2012 vom 17.
August 2012). Da
d
er Rechtsvertreter des Beschwerdeführers nicht üb
er das Anwaltspatent
verfügt
(vgl.
den Briefkopf in
Urk.
9
S. 1
, wonach der Rechtsver
treter nicht als Anwalt zugelassen ist
)
,
ist eine unentgeltliche Rechtsvertretung des Beschwerdeführers nicht möglich.