Decision ID: 508d3c13-b337-511f-bf2c-5623e445f9c9
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 20. November 2015 in der Schweiz um
Asyl nach. Am 3. Januar 2018 erfolgte die vertiefte Bundesanhörung (BA)
durch die Vorinstanz.
B.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, er sei afghanischer Staatsbürger und der Ethnie der
B._ zugehörig. Seit seiner Geburt bis zu seiner Ausreise habe er im
Dorf C._ im Distrikt D._ in der Provinz E._ gelebt.
Weil sein Vater befürchtet habe, er sei vom Glauben abgekommen, habe
er ihn in die Obhut eines Mullahs in eine Moschee geschickt. In der Mo-
schee habe er verschiedene Arbeiten verrichten müssen und mit dem Mul-
lah über den Koran diskutiert. Der Mullah habe ihm auf seine Fragen, wes-
halb im Koran zur Gewalt, insbesondere gegen Frauen, aufgerufen werde,
keine Antwort geben können. Der Mullah sei verärgert gewesen und habe
junge Leute geschickt, die ihn geschlagen hätten. Er habe zu seiner
Schwester fliehen können, wo er sich versteckt habe. Zwei Tage später, als
er von seiner Schwester wieder nach Hause gegangen sei, sei er von vier
Männern auf zwei Motorrädern aufgehalten, zusammengeschlagen, mit
Benzin übergossen und anschliessend angezündet worden. Passanten
hätten ihm geholfen und seine Angehörigen benachrichtigt, die ihn ins Spi-
tal in C._ gebracht hätten. Dort sei er verarztet und anschliessend
zur weiteren Behandlung ins Spital F._ in E._ überstellt wor-
den. Während seines Spitalaufenthalts sei er von seinem Cousin besucht
worden, der ihm zum Verlassen Afghanistans geraten habe. Es bestehe
eine ernsthafte Gefahr, dass er von diesen Leuten umgebracht würde.
Nach einem fast zweijährigen Aufenthalt im G._ sei er via
H._, I._ und J._ in die Schweiz gelangt.
Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen der Anhörung eine Tazkera im
Original, einen USB-Stick sowie Fotos zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 21. September 2018 – eröffnet am 24. September 2018
– stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht (Dispositivziffer 1), lehnte sein Asylgesuch ab (Dispositivziffer
2) und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3) an.
Weil der Vollzug der Wegweisung zurzeit nicht zumutbar sei, wurde die
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vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers verfügt (Dispositivziffern
4 – 6).
D.
Mit Eingabe vom 18. Oktober 2018 reichte der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte die Aufhebung
der Ziffern 1 bis 3 im Dispositiv der angefochtenen Verfügung, die Feststel-
lung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter
sei das Verfahren zur weiteren Bearbeitung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeistän-
dung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 25. Oktober 2018 forderte die Instruktionsrich-
terin den Beschwerdeführer zur Leistung eines Kostenvorschusses oder
Einreichung einer Fürsorgebestätigung auf und hiess das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung unter Vorbehalt der rechtzei-
tigen Nachreichung einer Fürsorgebestätigung gut. Gleichzeitig hielt sie
fest, über das Gesuch um Beiordnung einer unentgeltlichen Rechtsvertre-
tung werde nach Ablauf der angesetzten Frist entschieden.
F.
Am 31. Oktober 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Fürsorgebestäti-
gung zu den Akten.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 5. November 2018 hiess die Instruktionsrich-
terin das Gesuch um Gewährung der amtlichen Rechtsverbeiständung gut
und ordnete den damaligen Rechtsvertreter als unentgeltlichen Rechtsbei-
stand bei. Die Akten wurden dem SEM zur Vernehmlassung übermittelt.
H.
In ihrer Vernehmlassung vom 20. November 2018 schloss die Vorinstanz
sinngemäss auf Abweisung der Beschwerde.
I.
Die vorinstanzliche Stellungnahme wurde dem Beschwerdeführer am
22. November 2018 zur Kenntnis gebracht.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 5. März 2019 wurde der eingesetzte amtliche
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Rechtsbeistand, K._, antragsgemäss von seinem Amt entbunden
und die neu einzusetzende amtliche Rechtsbeiständin, Katarina Socha
aufgefordert, innert 7 Tagen ab Erhalt der Verfügung eine schriftliche Voll-
macht einzureichen.
K.
Mit Zwischenverfügung vom 18. März 2019 erfolgte die Beiordnung von
Katarina Socha als amtliche Rechtsbeiständin.
L.
Das Bundesverwaltungsgericht räumte dem Beschwerdeführer mit Zwi-
schenverfügung vom 12. März 2020 Frist zur Darlegung seiner aktuellen
finanziellen Verhältnisse ein. Die angesetzte Frist verstrich ungenutzt.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft
getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, er
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und
aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
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3.
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fragen
der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung. Der Wegwei-
sungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Be-
schwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläu-
fig aufgenommen hat.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie-
hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss
entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; vielmehr müssen
konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch
und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss gemäss Art. 7 AsylG die Flüchtlingsei-
genschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Abs. 1). Glaub-
haft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhan-
densein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2).
Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu
wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht
entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit-
tel abgestützt werden (Abs. 3).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
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5.
5.1 Das SEM kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vor-
bringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Glaub-
haftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, weshalb deren Asylrelevanz
nicht geprüft werden müsse.
5.2 Den abweisenden Entscheid begründet das SEM damit, dass es im
Verlauf des Verfahrens zu unvereinbaren Angaben zur Person des Be-
schwerdeführers gekommen sei. So habe er unterschiedliche Angaben
zum Namen seiner Mutter gemacht und die Erklärung, wonach er bei der
Erstregistrierung aus Müdigkeit seine Schwester L._ als seine Part-
nerin angegeben habe, vermöge wenig zu überzeugen. Seine Asylkernvor-
bringen habe er aufgrund der unsubstantiierten Darlegungen, der Vielzahl
an Ungereimtheiten und logischen Lücken nicht zu plausibilisieren ver-
mocht. Seine Ausführungen seien allgemein äusserst oberflächlich und de-
tailarm ausgefallen. Sodann habe er keinerlei Initiative gezeigt, seine Aus-
reisegründe von sich aus zu Protokoll geben zu wollen, vielmehr hätten die
für den Asylentscheid massgeblichen Fakten durch ständiges Nachfragen
seitens der befragenden Person in Erfahrung gebracht werden müssen.
Insbesondere lasse die Herleitung seiner Abkehr vom Glauben «jegliche
Ausführungen zu allfälligen Gedanken- und Gefühlsvorgängen missen».
Die diesbezüglichen Darlegungen würden auch deshalb nicht überzeugen,
da er sich, entgegen seinen späteren Behauptungen in der Anhörung, im
Rahmen der Erstregistrierung sehr wohl dem islamischen Glauben zuge-
ordnet habe. Sodann sei auch unter Berücksichtigung seines jungen Alters
schleierhaft, weshalb er sich trotz der aussagegemäss in der Heimatregion
vorherrschenden fundamental islamischen Parteien wie von ihm geschil-
dert verhalten hätte. Insbesondere bleibe offen, wie genau er seine Abkehr
vom Glauben publik gemacht hätte. Im Übrigen sei schleierhaft, weshalb
der Vater – angesichts der mutmasslichen Abkehr vom Glauben – hätte
riskieren sollen, dass, indem er diese dem einflussreichen und fundamen-
talen Mullah zur Kenntnis gebracht hätte, damit auch die Familie in Gefahr
bringen würde. Die Angabe, dass er sich bei der Schwester in C._
während zweier Tage versteckt gehalten habe, vermöge wenig zu überzeu-
gen. Er habe nicht zu begründen vermocht, weshalb ihn die Verfolger im
Nachbardorf bei der Schwester nicht hätten suchen beziehungsweise fin-
den können, hätte man seiner tatsächlich habhaft werden wollen. Sodann
stellte die Vorinstanz bei den Zeitangaben weitere Unstimmigkeiten fest.
Bezüglich des Vorbringens, wonach er mit Benzin übergossen und ange-
zündet worden sei, sei festzustellen, dass ein Unfall beziehungsweise ein
Überfall nicht gänzlich in Abrede gestellt werde. Jedoch habe er die in der
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Anhörung vorgebrachten Umstände seiner Verletzungen beziehungs-
weise, dass ihm diese im Rahmen der vorgebrachten gezielten Verfolgung
seiner Person zugefügt worden seien, nicht glaubhaft machen können. Die
Vorbringen hielten insgesamt den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit
gemäss Art. 7 AsylG nicht stand.
5.3 In der Rechtsmitteleingabe wird im Wesentlichen an der Glaubhaf-
tigkeit seiner Angaben festgehalten und ausgeführt, er habe seine Asyl-
gründe frei und umfangreich geschildert. Seine Ausführungen würden zahl-
reiche Realkennzeichen aufweisen wie beispielsweise Weinen, Gestikulie-
ren und das Wiedergeben von Gesprächen in indirekter Rede. Sodann
werden verfahrensrechtliche Rügen geltend gemacht. Aus dem Entscheid
sei nämlich nicht ersichtlich, weshalb im vorliegenden Fall keine Befragung
zur Person (BzP) durchgeführt worden sei. Zu den Hauptaufgaben einer
BzP gehörten die umfassende Erhebung der Personalien der asylsuchen-
den Person (inklusive Identitätsdokumente), der Identität und Herkunft so-
wie der Lebensumstände. Dem Beschwerdeführer sei aufgrund der nicht
durchgeführten BzP die Möglichkeit genommen worden, die Eintragungen
im Personalienblatt, welche allein oder mit Hilfe anderer Asylsuchenden
vorgenommen würden, im Rahmen der BzP unter Beisein eines professio-
nellen Dolmetschers zu korrigieren und zu erklären. Ob damit ein formeller
Fehler vorliege oder ob die durchgeführte Anhörung als Beurteilungsgrund-
lage für das Asylverfahren ausreiche, sei durch das Bundesverwaltungs-
gericht zu entscheiden. In der angefochtenen Verfügung sei sodann mit
keinem Wort auf die von der Hilfswerksvertretung gemachten Bemerkun-
gen eingegangen worden, wonach der Beschwerdeführer starke Anzei-
chen einer Traumatisierung durch die Vorfälle in Afghanistan zeige, wes-
halb ein medizinisches Gutachten angeregt werde. Eine entsprechende
Begutachtung der psychischen Situation sei nun durch das M._ in
Auftrag gegeben worden. Sobald erste Ergebnisse vorlägen, würden diese
nachgereicht.
6.
6.1 Vorab sind die formellen Rügen zu prüfen, da sie allenfalls geeignet
sein könnten, eine Kassation der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken
(vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren
und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff.
m.w.H.).
6.2 Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte und in den Art. 26–33 VwVG kon-
kretisierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs umfasst unter anderem das
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Recht, mit eigenen Begehren gehört zu werden und zu den für die Ent-
scheidung wesentlichen Punkten Stellung nehmen zu können. Dazu gehört
die Pflicht der Behörden, die Begründung eines Entscheides so abzufas-
sen, dass der Betroffene ihn sachgerecht anfechten kann. Deshalb müssen
die für den Entscheid bedeutsamen Überlegungen zumindest kurz genannt
werden (vgl. Urteil des BVGer D-383/2015 vom 17. Januar 2017 E. 5.1).
Nicht erforderlich ist dagegen, dass sich die Begründung mit allen Partei-
standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
Zudem stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 12
VwVG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein
falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird, unvollständig
ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachum-
stände berücksichtigt werden.
6.3 Aus der Tatsache, dass die Vorinstanz im vorliegenden Fall keine se-
parate Befragung zur Person (BzP) durchgeführt hat, ergibt sich keine Ver-
letzung der Untersuchungspflicht. Im vorliegenden Fall hat das SEM den
Beschwerdeführer im Rahmen der Anhörung vom 3. Januar 2018 in einem
ersten Teil ausführlich zu seiner Person, seiner Herkunft, seinen Lebens-
umständen (A11/24 S. 3 – 9) und in einem zweiten Teil zu seinen Asylgrün-
den (A11/24 S. 9 ff.) angehört. Sodann ist anzumerken, dass Asylsuchende
keinen Anspruch auf die Durchführung einer separaten BzP haben; die
Durchführung derselben liegt vielmehr im Ermessen der Vorinstanz
(aArt. 26 Abs. 2 AsylG). Dem Beschwerdeführer war es sodann möglich
und zumutbar, allfällige Abänderungen beziehungsweise Korrekturen im
Zusammenhang mit dem Personalienblatt anzubringen, weshalb ihm aus
dem Umstand der Nichtdurchführung einer BzP kein Nachteil erwachsen
ist.
6.4 Bezüglich der gesundheitlichen Situation ist festzuhalten, dass dem
Protokoll nicht zu entnehmen ist, der Beschwerdeführer hätte Mühe bekun-
det, sich zu konzentrieren oder sonst aufgrund gesundheitlicher Probleme
die Anhörung nicht zu bewältigen vermocht. Es sind aus dem Protokoll
keine Auffälligkeiten erkennbar, die auf krankheitsbedingt herabgesetzte
Konzentrations- und Verständigungsschwierigkeiten hinweisen würden.
Auf die Frage der Hilfswerkvertretung nach seinem Gesundheitszustand
antwortete der Beschwerdeführer «Zurzeit geht es mir sowohl körperlich
als auch geistig gut». Auf die Anschlussfrage nach seinem psychischen
Zustand, erklärte der Beschwerdeführer, keine besonderen Probleme zu
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haben, und fügte an, dass er auf Anraten eines Allgemeinarztes in Bezug
auf allfällige N._ in ein Spital für weitere Untersuchungen geschickt
worden sei. Dabei sei ihm attestiert worden, dass keine besonderen Prob-
leme vorlägen, er jedoch noch einen weiteren Untersuchungstermin wahr-
zunehmen habe (A11/24 S. 9). Die anwesende Hilfswerkvertretung wies
zwar auf die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers hin, ohne
jedoch zu bemängeln, dieser sei in seiner Fähigkeit, bei der Anhörung
sachgerecht mitzuwirken, nachhaltig beeinträchtigt. Bei dieser Sachlage
sah die Vorinstanz keine Notwendigkeit, sich ausdrücklich zu dieser An-
merkung zu äussern. Sodann ist anzumerken, dass es der Beschwerde-
führer denn auch bis dato unterlassen hat, das auf Beschwerdeebene –
Rechtsmitteleingabe vom 18. Oktober 2018 – in Aussicht gestellte Gutach-
ten zur gesundheitlichen Situation einzureichen.
6.5 Nach dem Gesagten erweisen sich die geltend gemachten verfahrens-
rechtlichen Rügen als unbegründet. Es besteht somit keine Veranlassung,
die Verfügung des SEM aufzuheben und die Sache zur Abklärung und
Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachver-
halts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das ent-
sprechende Begehren ist abzuweisen.
7.
7.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob das SEM die Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 AsylG gestützt auf die geltend ge-
machten Vorfluchtgründe zu Recht verneint hat.
7.2 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach dem Aktenstudium zum
Schluss, dass die Vorinstanz die vom Beschwerdeführer vorgebrachten
Asylgründe zu Recht als unglaubhaft beurteilt hat.
7.3 Die asylbegründenden Schilderungen sind insgesamt vage, detailarm
und teilweise widersprüchlich ausgefallen. Die Einschätzung der Vorin-
stanz, wonach der Eindruck entsteht, er versuche eine Verfolgungsge-
schichte in allgemein bekannte Umstände in seinem Heimatland einzubet-
ten, ohne jedoch selbst in genannter Form und mit den vorgebrachten Fol-
gen davon betroffen gewesen zu sein, ist zu bestätigen. Insbesondere ver-
mag der Beschwerdeführer seine Abkehr vom Glauben nicht überzeugend
darzulegen. Entgegen seinen Ausführungen in der Beschwerdeschrift ver-
mag er die behaupteten Übergriffe nicht authentisch und mit Realkennzei-
chen versehen – so insbesondere Detailreichtum der Schilderung, freies
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assoziatives Erzählen, Interaktionsschilderung sowie inhaltliche Besonder-
heiten – darzulegen. Seine entsprechenden Erklärungen erweisen sich als
wenig substanziiert und überzeugen nicht. Wohl zeigte sich der Beschwer-
deführer – wie in der Beschwerdeschrift angeführt – im Zusammenhang
mit den Ausführungen zum Übergriff auf dem Nachhauseweg emotional
berührt (so ist dem Protokoll zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
weinte, worauf vom Befrager ein kurzer Unterbruch der Anhörung ange-
setzt wurde), jedoch vermag diese Feststellung noch keinen Beleg für die
Glaubhaftigkeit seiner gesamten Schilderungen darzustellen. Bezüglich
des ersten Übergriffs gab der Beschwerdeführer sodann lediglich zu Pro-
tokoll, es seien fünf oder sechs Leute gewesen, welche, ohne etwas zu
sagen, angefangen hätten, ihn zu schlagen, worauf er weggerannt sei. Auf
wiederholtes Nachfragen, wie ihm in dieser Situation die Flucht gelungen
sei, führte er aus, er sei weggerannt und sie hätten ihn nicht erwischt (vgl.
A11/24 S. 14). Seinen Schilderungen kann indes nicht entnommen werden,
wie es ihm gelungen sein soll, sich den Schlägen der sich in der Überzahl
befindlichen Täter (fünf oder sechs Personen) zu entziehen, sich von ihnen
loszulösen und anschliessend zu fliehen. Sodann erscheinen seine Anga-
ben bezüglich seiner Glaubensabkehr wenig plausibel. Der Beschwerde-
führer begründete diese unter anderem damit, dass er Gewalt gegen
Frauen erlebt habe und «wie die Mullahs sich verhielten». Er unterliess es
vollständig, die von ihm pauschal angeprangerte Gewalt gegen Frauen mit
tatsächlich erlebten Vorkommnissen, Erzählungen oder sonstigen Schilde-
rungen zu untermauern bzw. zu erläutern und aufzuzeigen, welche realen
Vorkommnisse ihn schlussendlich zur Glaubensabkehr bewogen hätten.
Ebensowenig lässt sich aus seinen Aussagen erschliessen, welche kon-
kreten Verhaltensweisen der Mullahs ihn zur Glaubensabkehr bewogen
hätten. So führte der Beschwerdeführer lediglich aus, alle Moscheen wür-
den von Mullahs verwaltet, diese hätten grosse Macht und könnten tun,
was sie für richtig hielten. Die Mullahs würden von den Leuten respektiert
und würden als geistliche Führungspersönlichkeit anerkannt. Das von den
Mullahs Gesagte werde von den Menschen akzeptiert und die Mullahs wür-
den als Vorbildinstanz dienen. Menschen wie er, welche sich von der Reli-
gion abgewendet hätten, würden bestraft (vgl. A11/24 S. 13). Sowohl seine
Ausführungen zur geltend gemachten Gewalt an Frauen als auch zur Ver-
haltensweise der Mullahs sind frei von persönlich Erlebtem und konkreten
Schilderungen von Vorkommnissen, aus welchen der Beschwerdeführer
seine Beweggründe zu seiner Abkehr vom Glauben nachvollziehbar zu er-
klären beziehungsweise herzuleiten vermag. Gleichermassen unsubstan-
ziiert sind auch seine Aussagen betreffend den geltend gemachten Aufent-
halt beim Mullah ausgefallen, wohin ihn sein Vater zur Festigung seines
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Glaubens geschickt haben soll. So erklärte er einerseits, fast Tag und
Nacht bei diesem Mullah gelebt zu haben, und andererseits erschöpfen
sich seine Angaben zum Tagesablauf in rudimentären Angaben. So habe
er für den Mullah Tee und Essen zubereitet und die Moschee geputzt. Wäh-
renddessen hätten sie über den Koran diskutiert (vgl. A11/24 S. 10). Im
Weiteren erscheint realitätsfremd, dass er – in Kenntnis der drakonischen
Strafen, welche einem Ungläubigen drohen würden, und in Anbetracht sei-
ner Aussage, dass es niemanden gegeben habe, mit dem er offen und
ohne Schwierigkeiten über seine Zweifel in Bezug auf die Religion habe
sprechen können – dem Mullah gegenüber erklärt habe «Du kannst meine
Fragen nicht beantworten. Vielleicht ist deine Religion falsch» (vgl. A11/24
S. 10 und 15). Auch seine Schilderung, wonach ihn sein Vater aufgrund
seiner Abkehr vom Glauben zu einem mehrwöchigen Aufenthalt bei einem
Mullah geschickt haben soll, erscheint wenig nachvollziehbar. So wird denn
auch auf Beschwerdeebene auf die hohen gesellschaftlichen und straf-
rechtlichen Strafen für Apostasie verwiesen und angeführt, dass sogar eine
Enthauptung angeordnet werden könne. Dass ein Vater vor diesem Hinter-
grund die Glaubensabkehr seines Sohnes publik machen würde, indem er
seinen Sohn zur Glaubensbekräftigung zu einem Mullah schickt, erscheint
eher unwahrscheinlich. Bezeichnenderweise sind seine diesbezüglichen
Schilderungen denn auch rudimentär, oberflächlich und frei von Detailschil-
derungen ausgefallen. Insgesamt vermögen die blossen Hinweise auf vor-
gebrachte Details (und damit sinngemäss auf vorhandene Realkennzei-
chen) die mangelnde Substanz und die fehlenden Ausführungen hinsicht-
lich der oben erwähnten Sachverhaltselemente nicht aufzuwiegen, zumal
ein Asylgesuchsteller grundsätzlich nur eigene Erlebnisse zu schildern hat
und nicht komplizierte theoretische oder abstrakte Erörterungen anzustel-
len braucht. Ergänzend ist festzuhalten, dass aufgrund der auf den einge-
reichten Fotos (...). Allerdings muss die tatsächliche Ursache dieser Ver-
letzungen angesichts der überwiegenden Zweifel an der Darstellung des
Beschwerdeführers offen bleiben.
7.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen ist, eine im Zeitpunkt der Ausreise aus Afghanistan bestehende
oder unmittelbar drohende asyl- respektive flüchtlingsrechtlich relevante
Verfolgung gemäss Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest glaubhaft
zu machen. Gleichzeitig liegen keine konkreten Anhaltspunkte für eine für
die Flüchtlingseigenschaft relevante Verfolgung vor, welche ihm heute bei
einer (hypothetischen) Rückkehr nach Afghanistan mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft drohen würde. Die Vorinstanz hat
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Seite 12
demzufolge zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylge-
such abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Der Be-
schwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthalts-
bewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die
Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl.
BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.2 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich nicht der Schluss, der
Beschwerdeführer sei im heutigen Zeitpunkt in seinem Heimatstaat nicht
gefährdet. Eine solche Gefährdung ist aber nur unter dem Aspekt von
Art. 83 Abs. 3 oder 4 AIG zu prüfen, wonach der Wegweisungsvollzug für
ausländische Personen nicht zulässig ist, wenn völkerrechtliche Verpflich-
tungen der Schweiz einer Weiterreise in den Heimat-, Herkunfts- oder in
einen Drittstaat entgegenstehen, beziehungsweise unzumutbar sein kann,
wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie
Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret
gefährdet sind. Der Gefährdung des Beschwerdeführers aufgrund der ak-
tuellen Situation in Afghanistan hat das SEM mit der Anordnung der vor-
läufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
Rechnung getragen. Da die Vollzugshindernisse alternativer Natur sind
(vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4), ist vorliegend die Frage der Zulässigkeit des
Wegweisungsvollzugs nicht zu prüfen. Im Rahmen einer allfälligen späte-
ren Aufhebung der vorläufigen Aufnahme wäre ex nunc zu prüfen, ob der
Vollzug der Wegweisung völkerrechtlich zulässig, zumutbar und möglich ist
(vgl. Art. 84 Abs. 2 i.V.m. Art. 83 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
10.
10.1 Mit Zwischenverfügung vom 25. Oktober 2018 wurde – unter Vorbe-
halt der rechtzeitigen Nachreichung einer Fürsorgeabhängigkeitsbestäti-
gung – das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
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(Art. 65 Abs. 1 VwVG) gutgeheissen. Am 31. Oktober 2018 reichte der Be-
schwerdeführer die entsprechende Bestätigung seiner Mittellosigkeit zu
den Akten. Aus dem Zentralen Migrationssystem (Zemis) geht hervor, dass
der Beschwerdeführer seit dem 1. September 2019 einer Erwerbstätigkeit
als O._ nachgeht. Entsprechend wurde er mit Zwischenverfügung
vom 12. März 2020 zur Darlegung seiner finanziellen Verhältnisse aufge-
fordert. Zwar äusserte er sich innert angesetzter Frist nicht, dennoch er-
scheint es unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände nicht gerechtfer-
tigt, Ziffer 2 des Dispositivs der Instruktionsverfügung vom 25. Oktober
2018 aufzuheben. Dem Beschwerdeführer sind keine Kosten aufzuerle-
gen.
10.2 Mit Zwischenverfügung vom 5. März 2019 wurde der damalige
Rechtsbeistand (...) – seinem Gesuch vom 27. Februar 2019 entsprechend
– von seinem Amt als amtlicher Rechtsbeistand enthoben. Gleichzeitig hielt
die Instruktionsrichterin fest, dass ein allfälliges amtliches Honorar an seine
Nachfolgerin Katarina Socha beziehungsweise an die Caritas Schweiz, Ab-
teilung Anwaltschaft, zu übertragen sei.
Die Rechtsvertretung machte im Rahmen der Beschwerdeschrift (S. 16)
einen zeitlichen Aufwand von 5 Stunden geltend. Dieser erscheint ange-
messen, wobei für den Aufwand seit Beschwerdeerhebung zusätzlich 0.5
Stunden hinzuzurechnen sind. Der Stundenansatz ist entsprechend den
Ausführungen in der Zwischenverfügung vom 5. November 2018 auf
Fr. 150.– festzusetzen. Auslagenersatz wird nicht geltend gemacht. Kata-
rina Socha ist somit zulasten der Gerichtskasse ein amtliches Honorar von
gerundet insgesamt Fr. 890.– (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von
Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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