Decision ID: 54042006-acf7-509a-afad-1f3818c6c2ec
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der aus der Republik Kosovo stammende Beschwerdeführer (geb. 1985)
kam im Jahr 1992 im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz. Er
besuchte hier die Schulen, verliess jedoch die Oberstufe nach zweiein-
halb Jahren vorzeitig. Danach absolvierte er ein Arbeitstraining und be-
gann eine Schreinerlehre, die er im Frühling 2004 abbrach. In der Folge
arbeitete er temporär auf dem Bau und in einer Wäscherei, war teilweise
arbeitslos und half seinen Eltern beim Hausbau. Er befand sich vom
3. Juni bis 19. August 2005, vom 22. Oktober bis 23. Dezember 2005 und
ab dem 14. November 2006 in Untersuchungshaft. Am 1. Oktober 2007
trat er in ein Massnahmenzentrum für junge Erwachsene ein, wo er eine
Malerlehre begann. Nachdem er vom 19. Januar bis 3. Februar 2008 so-
wie vom 28. August bis 22. September 2009 aus dem Zentrum entwichen
war, ersuchte er nach der zweiten (freiwilligen) Rückkehr um Abbruch der
Massnahme. Mit Beschluss des Bezirksgerichts Zürich vom 27. Januar
2010 wurde er vorzeitig aus der Massnahme entlassen (vgl. Akten des
Migrationsamts des Kantons Zürich [ZH act.] 16; 26).
B.
Der Beschwerdeführer trat ab dem 16. Altersjahr wiederholt strafrechtlich
in Erscheinung. Mit Entscheid der Jugendanwaltschaft Zürich vom
27. November 2001 wurde er wegen mehrfachen Raubs, betrügerischen
Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage und Übertretung des Be-
täubungsmittelsgesetzes zu einer Arbeitsleistung verpflichtet; zudem
wurde eine Erziehungshilfe angeordnet (vgl. Akten des Bundesamts für
Migration [BFM act.] 1 S. 15). Die Bezirksanwaltschaft Zürich verurteilte
ihn mit Strafbefehl vom 5. Oktober 2004 wegen Vergehen gegen das
Waffengesetz und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu einer
Busse von Fr. 250. (vgl. ZH act. 1). Mit Strafbefehl der Staatsanwalt-
schaft Zürich-Sihl vom 13. Januar 2005 wurde er wegen Diebstahls,
Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs zu einer bedingten Gefäng-
nisstrafe von drei Monaten verurteilt (vgl. ZH act. 2). Das Bezirksgericht
Zürich verurteilte ihn am 16. August 2007 wegen gewerbsmässigen Dieb-
stahls, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs,
mehrfacher grober Verletzungen der Verkehrsregeln, verschiedener wei-
terer Verkehrsdelikte und mehrfacher Übertretungen des Betäubungsmit-
telgesetzes zu einer Freiheitsstrafe von 33 Monaten als Gesamtstrafe,
wobei der Vollzug zugunsten einer Massnahme für junge Erwachsene
aufgeschoben wurde (vgl. ZH act. 4/I). Das Bezirksgericht Zürich verur-
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teilte ihn am 11. September 2008 wegen gewerbs- und bandenmässigen
Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedens-
bruchs, mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern, Widerhandlung
gegen das Waffengesetz, verschiedener Verkehrsdelikte und mehrfacher
Übertretungen des Betäubungsmittelgesetzes zu 15 Monaten Freiheits-
strafe als Zusatzstrafe, die ebenfalls zugunsten einer Massnahme für
junge Erwachsene aufgeschoben wurden (vgl. ZH act. 6).
C.
Das Migrationsamt des Kantons Zürich (nf.: kantonales Migrationsamt)
widerrief mit Entscheid vom 27. Mai 2010 die Niederlassungsbewilligung
des Beschwerdeführers und hielt ihn an, die Schweiz zu verlassen. Zur
Begründung wurde auf die zahlreichen, immer schwerer gewordenen De-
likte und eine negative Legalprognose verwiesen (vgl. ZH act. 17). Der
Regierungsrat des Kantons Zürich, das kantonale Verwaltungsgericht
sowie das Bundesgericht bestätigten diesen Entscheid (vgl. ZH act. 26;
30; 36; Urteil des BGer 2C_453/2011 vom 28. November 2011). Der Be-
schwerdeführer reiste in der Folge am 26. Februar 2012 innert der ihm
gesetzten Frist aus der Schweiz aus (vgl. ZH act. 37 f.).
D.
Das Bundesamt für Migration (BFM, Vorinstanz) gewährte dem Be-
schwerdeführer mit Schreiben vom 29. Mai 2012 die Möglichkeit, sich zu
einer allfälligen Fernhaltemassnahme zu äussern (vgl. BFM act. 6 S. 48
f.). Dieses Schreiben wurde dem damaligen Rechtsvertreter des Be-
schwerdeführers zugestellt (vgl. BFM act. 7 S. 50), der jedoch keine Stel-
lungnahme einreichte (vgl. BFM act. 8 S. 51).
E.
Mit Verfügung vom 17. Juli 2012 verhängte das BFM gegen den Be-
schwerdeführer ein auf unbestimmte Zeit gültiges Einreiseverbot. Ange-
sichts schwerer Verstösse gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung
und der damit einhergehenden Gefährdung sei der Erlass dieser Fernhal-
temassnahme im Sinne von Art. 67 des Ausländergesetzes (AuG, SR
142.20) angezeigt. Private Interessen, die das öffentliche Interesse an
künftigen kontrollierten Einreisen überwiegen könnten, seien keine er-
sichtlich. Gleichzeitig wurde der Beschwerdeführer darüber informiert,
dass das Einreiseverbot zu einer Ausschreibung im Schengener Informa-
tionssystem (SIS) führt und damit ein Einreiseverbot für sämtliche Schen-
gen-Staaten bewirkt. Zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit und Ord-
nung wurde einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung ent-
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zogen. Das Einreiseverbot wurde dem Beschwerdeführer am 20. Juli
2012 zugestellt (vgl. BFM act. 10 S. 54).
F.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 14. September 2012 beantragt der Be-
schwerdeführer, das Einreiseverbot sei aufzuheben, eventualiter sei es
auf die Dauer von zwei Jahren zu befristen. Die Vorinstanz habe nicht be-
rücksichtigt, dass er in der Schweiz aufgewachsen sei und sein gesamtes
Beziehungsnetz in der Schweiz und in Deutschland habe. Das BFM habe
dies nicht geprüft und deshalb seinen Anspruch auf rechtliches Gehör
verletzt. Vor allem habe es sich darüber hinweggesetzt, dass der Widerruf
der Niederlassungsbewilligung damit gerechtfertigt worden sei, dass er
den Kontakt zu seiner Familie aufrecht erhalten könne, was nun nicht
mehr möglich sei. Zudem habe er sich seit der bedingten Entlassung
nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Angesichts der einschneiden-
den Massnahme und der fehlenden Verhältnismässigkeitsprüfung sei der
Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Dies gelte umso
mehr, als die Vorinstanz deren Entzug nicht begründet habe.
G.
Das Bundesverwaltungsgericht wies das Gesuch des Beschwerdeführers
um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung mit Zwischenverfü-
gung vom 23. Oktober 2012 ab.
H.
Die Vorinstanz beantragt mit Stellungnahme vom 23. November 2012 die
Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer verkenne, dass Ein-
reiseverbote lediglich allfällige künftige Einreisen einem besonderen Be-
willigungsvorbehalt unterstellten.
I.
Der Beschwerdeführer teilte mit Eingabe vom 8. August 2013 mit, dass er
neu von Rechtsanwalt Sven Gretler vertreten werde, und ersuchte um Ak-
teneinsicht. Zudem brachte er vor, dass er seine in der Schweiz nieder-
lassungsberechtigte Partnerin im Dezember 2012 geheiratet habe. Sie
erwarteten ein gemeinsames Kind. Diese Umstände unterstrichen sein In-
teresse und dasjenige seiner Familie an der Aufhebung, zumindest aber
an einer zeitlichen Beschränkung des Einreiseverbots.
J.
Das Bundesverwaltungsgericht entsprach dem Akteneinsichtsgesuch des
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Beschwerdeführers mit Zwischenverfügung vom 12. August 2013 und er-
suchte die Vorinstanz sowie das kantonale Migrationsamt darum, das
Gesuch betreffend die ihrer Hoheit unterliegenden Akten zu behandeln.
Die Vorinstanz und das kantonale Migrationsamt gewährten die Aktenein-
sicht am 19. August 2013 bzw. am 4. Oktober 2013. Das Bundesverwal-
tungsgericht gab dem Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung vom
12. Dezember 2013 Gelegenheit, den Sachverhalt zu aktualisieren. Der
Beschwerdeführer teilte mit Eingabe vom 7. Januar 2014 mit, seine Toch-
ter sei am 20. Oktober 2013 in der Schweiz geboren worden (vgl. den
beiliegenden Familienausweis). Das BFM hatte das gegen den Be-
schwerdeführer bestehende Einreiseverbot zwecks Besuchs der Familie
resp. zwecks Anwesenheit bei der Geburt für den Zeitraum vom 13. Ok-
tober 2013 bis am 12. November 2013 suspendiert (vgl. ZH act. 49).
K.
Die Vorinstanz hielt mit ergänzender Vernehmlassung vom 4. Februar
2014 fest, die Heirat und die Vaterschaft des Beschwerdeführers ver-
möchten am Entscheid nichts zu ändern. Es gehe nicht um eine Wohn-
sitznahme in der Schweiz, sondern darum, ob seine Einreisen einem be-
sonderen Bewilligungsvorbehalt unterstellt bleiben sollten. Daran bestehe
ein erhebliches öffentliches Interesse. Private Interessen hätten zurückzu-
treten. Dies gelte umso mehr, als es für den Beschwerdeführer nicht be-
sonders aufwändig sei, zusammen mit dem Antrag auf Erteilung eines Vi-
sums gleichzeitig ein Suspensionsgesuch einzureichen. Darüber hätte er
sich bereits bei der Heirat bewusst sein müssen. Der Beschwerdeführer
verzichtete mit Eingabe vom 12. Februar 2014 auf eine Stellungnahme
zur ergänzenden Vernehmlassung der Vorinstanz.
L.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit erheblich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Vom BFM erlassene Einreiseverbote sind mit Beschwerde beim Bun-
desverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG).
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1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts an-
deres bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde
legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Ange-
legenheit endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des
Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhaltes sowie – falls nicht eine kantonale Behörde als
Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Gericht wendet das Bundesrecht von Amtes wegen
an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren
nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den gel-
tend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist
grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE
2013/33 E. 2 sowie BVGE 2012/21 E. 5.1 je mit Hinweisen).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht eine Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV sowie Art. 29 ff.
VwVG). Die Vorinstanz habe ihre Prüfungspflicht nicht wahrgenommen,
wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt und die Verfügung nur man-
gelhaft begründet.
3.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst eine Anzahl verschiede-
ner verfassungsrechtlicher Garantien (vgl. etwa MICHELE ALBERTINI, Der
verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsver-
fahren des modernen Staates, 2000, S. 202 ff: JÖRG PAUL MÜLLER/MAR-
KUS SCHEFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl., 2008, S. 846 ff.).
Gleichsam das Kernelement des rechtlichen Gehörs ist das Recht auf
vorgängige Äusserung und Anhörung, welches den Betroffenen einen
Einfluss auf die Ermittlung des wesentlichen Sachverhalts sichert. Die
Behörde muss diese Äusserungen zur Kenntnis nehmen, sie würdigen
und sich damit in der Entscheidfindung und -begründung sachgerecht
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auseinandersetzen (vgl. Art. 30 und Art. 32 Abs. 1 VwVG; BERNHARD
WALDMANN/JÜRG BICKEL, in: Praxiskommentar VwVG, 2009, Art. 29 N 80
ff., Art. 30 N 3 ff. u. Art. 32 N 7 ff.; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN
BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bun-
des, 3. Aufl., 2013, N 214 ff. u. N 546 f.). In engem Konnex hiermit steht
die Begründungspflicht (Art. 35 VwVG), welche der rationalen und trans-
parenten Entscheidfindung der Behörden dient und die Betroffenen in die
Lage versetzen soll, den Entscheid sachgerecht anzufechten. Die Behör-
de hat daher kurz die wesentlichen Überlegungen zu nennen, von denen
sie sich leiten liess und auf die sie ihren Entscheid stützt. Je weiter der
Entscheidungsspielraum, je komplexer die Sach- und Rechtslage und je
schwerwiegender der Eingriff in die Rechtsstellung der betroffenen Per-
son, desto höhere Anforderungen sind an die Begründung zu stellen
(vgl. zum Ganzen BGE 137 II 266 E. 3.2; BGE 136 I 229 E. 5.2; BVGE
2012/24 E. 3.2; BVGE 2009/35 E. 6.4.1; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O.,
N 629 ff.; LORENZ KNEUBÜHLER, Die Begründungspflicht, 1998, S. 26 ff. u.
S. 178 ff.; RENÉ WIEDERKEHR, Die Begründungspflicht nach Art. 29 Abs. 2
BV und die Heilung bei Verletzung, ZBl 9/2010 S. 484 ff.).
3.3 Die angefochtene Verfügung enthält eine angesichts der Tragweite
der angeordneten Massnahme sehr knappe Begründung. Das BFM ver-
wies auf die begangenen Straftaten sowie den Widerruf der Niederlas-
sungsbewilligung und führte aus, dass infolge dieser schweren Verstösse
und der damit einhergehenden Gefährdung der öffentlichen Sicherheit
und Ordnung der Erlass einer Fernhaltemassnahme erforderlich sei. Pri-
vate Interessen, die das öffentliche Interesse an künftigen kontrollierten
Einreisen überwiegen könnten, seien nicht ersichtlich. Damit benennt das
BFM zwar kurz die Überlegungen, von denen es sich bei seinem Ent-
scheid leiten liess. Dem Beschwerdeführer musste angesichts der Art und
Anzahl der von ihm begangenen Delikte (vgl. Sachverhalt Bst. B) sodann
bewusst sein, dass die Vorinstanz von einer schwerwiegenden Gefahr für
die öffentliche Ordnung und Sicherheit gemäss Art. 67 Abs. 3 AuG aus-
ging. Auch dass das BFM nur summarisch auf die betroffenen privaten In-
teressen des Beschwerdeführers einging, ist in casu nicht zu beanstan-
den, nachdem der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers die Frist, sich
zur angedrohten Fernhaltemassnahme vorgängig zu äussern, unbenützt
hat verstreichen lassen (vgl. Sachverhalt Bst. D) und aus der Begründung
geschlossen werden kann, dass eine Interessenabwägung vorgenommen
wurde. Zu berücksichtigen ist überdies, dass das Einreiseverbot zu den
quantitativ häufigsten Anordnungen der schweizerischen Verwaltungs-
praxis zählt und das BFM als erstinstanzliche Behörde gestützt auf den
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Seite 8
Effizienzgrundsatz speditiv zu entscheiden hat. Die Begründungsdichte
der erstinstanzlichen Entscheide kann und muss daher nicht derjenigen
der höheren Instanzen entsprechen (vgl. KNEUBÜHLER, a.a.O., S. 179; kri-
tisch ANDREAS JÖRGER/PATRICK SUTTER, Einreiseverbot nach Art. 67
AuG, in: Sicherheit&Recht 2/2013, S. 81 ff., insb. S. 93). Freilich gilt für
das Einreiseverbot eine Regelhöchstdauer von fünf Jahren, die nur unter
qualifizierten Voraussetzungen überschritten werden darf, d.h. wenn eine
aktuelle und schwerwiegende Gefahr vorliegt (vgl. Art. 67 Abs. 3 AuG;
BGE 139 II 121 E. 6.3; BVGE 2013/4 E. 7.2.4; Urteil des BVGer
C-4221/2011 vom 24. Januar 2014 E. 5.3). In der angefochtenen Verfü-
gung wird auf Art. 67 Abs. 3 AuG nicht Bezug genommen und nicht dar-
gelegt, weshalb von einem schwerwiegenden Fall resp. einer aktuellen
und schwerwiegenden Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung
ausgegangen wird. Ein längerfristiges oder unbefristetes Einreiseverbot
wiegt jedoch schwer und der Ermessensspielraum der Behörde ist erheb-
lich. Das BFM hat daher im Einzelfall eine Gefährdungsprognose zu
erstellen und muss diese nachvollziehbar darlegen, d.h. es muss sorgfäl-
tig begründen, weshalb es von einer aktuellen und schwerwiegenden Ge-
fahr ausgeht (i.d.S. JÖRGER/SUTTER, a.a.O., S. 93; vgl. auch MARC SPE-
SCHA, Neuprüfung des Aufenthaltsrechts nach Straftat, in: dRSK, publi-
ziert am 8. Juli 2013, insb. Ziff. 22). Die Vorinstanz hat dies nicht getan
und ist daher ihrer Begründungspflicht nur ungenügend nachgekommen,
weshalb sich die diesbezügliche Rüge als begründet erweist (vgl. auch
die Urteile des BVGer C-6389/2012 vom 5. September 2013 E. 3.1.2;
C-3091/2011 vom 16. August 2013 E. 6.1.5; C-3202/2011 vom 19. April
2013 E. 3.3 sowie C-970/2010 vom 11. März 2013 E. 3.3 mit Hinweisen).
3.4 Betreffend die Rüge der Verletzung der Prüfungspflicht (Art. 32 Abs. 1
VwVG) ist festzuhalten, dass das kantonale Migrationsamt dem BFM mit
Schreiben vom 18. Mai 2012 das Dossier des Beschwerdeführers zwecks
Prüfung von Fernhaltemassnahmen zukommen liess (vgl. BFM act. 5
S. 47), und dass der Beschwerdeführer von der ihm – resp. seinem da-
maligen Rechtsvertreter – gewährten Möglichkeit, sich zur angedrohten
Fernhaltemassnahme vorgängig zu äussern, keinen Gebrauch machte
(vgl. Sachverhalt Bst. D). Das BFM durfte daher entsprechend seiner
vorgängigen Ankündigung gestützt auf die ihm vorliegenden Akten ent-
scheiden und hat seine Prüfungspflicht nicht verletzt (vgl. auch Urteil des
BVGer C-970/2010 E. 3.5).
3.5 Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (vorliegend in
Form einer Verletzung der Begründungspflicht gemäss Art. 35 VwVG)
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führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache
selbst grundsätzlich zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Darauf
kann in nicht besonders schwerwiegenden Fällen verzichtet werden,
wenn die unterlassene Verfahrenshandlung im Rechtsmittelverfahren
nachgeholt wird und das rechtliche Gehör vom Betroffenen nachträglich
wahrgenommen werden kann. Dies setzt auch voraus, dass der Rechts-
mittelbehörde dieselbe Kognition zukommt wie der Vorinstanz. Des Wei-
teren darf der von der Verletzung betroffenen Partei durch den Verzicht
auf die Kassation kein unzumutbarer Nachteil entstehen. Durch eine sol-
che «Heilung» einer Gehörsverletzung sollen prozessuale Leerläufe und
unnötige Verzögerungen im Verfahren vermieden werden, die nicht mit
dem Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung
der Sache in Einklang gebracht werden könnten (vgl. BGE 137 I 195
E. 2.2 und E. 2.3.2 sowie BVGE 2012/24 E. 3.4 je mit Hinweisen).
3.6 Das Bundesverwaltungsgericht verfügt über die gleiche Kognition wie
die Vorinstanz und ist zur freien Prüfung aller Sachverhalts- und Rechts-
fragen befugt. Es handelt sich sodann nicht um eine besonders schwer-
wiegende Gehörsverletzung, zumal der Beschwerdeführer das Einreise-
verbot in rechtsgenügender Weise anfechten konnte. Die Vorinstanz hat
die Gründe ihrer Entscheidung anlässlich des Schriftenwechsels zwar er-
gänzt, zum Kriterium der schwerwiegenden Gefahr gemäss Art. 67 Abs. 3
AuG jedoch auch im Rechtsmittelverfahren nicht ausdrücklich Stellung
genommen. Allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass das Bundesver-
waltungsgericht in der Zwischenverfügung vom 23. Oktober 2012 (E. 4.4)
noch davon ausging, die angefochtene Verfügung sei hinreichend be-
gründet. Überdies hat der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer zwar in
allgemeiner Weise vorgebracht, die Verfügung sei mangelhaft begründet,
dabei freilich in keiner Weise auf das Kriterium der schwerwiegenden Ge-
fahr Bezug genommen. Es ist daher nachvollziehbar, dass die Vorinstanz
keinen Anlass dazu sah, sich nachträglich noch ausdrücklich zum Kriteri-
um der schwerwiegenden Gefahr zu äussern. Zwecks Vermeidung einer
unnötigen Verlängerung des Verfahrens wird daher trotz der festgestellten
Verletzung der Begründungspflicht von einer Rückweisung der Angele-
genheit abgesehen.
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4.
4.1 Das BFM verfügt Einreiseverbote gegenüber weggewiesenen Aus-
länderinnen und Ausländern, wenn die Wegweisung nach Art. 64d Abs. 2
Bst. a – c AuG sofort vollstreckt wird (Art. 67 Abs. 1 Bst. a AuG) oder die
betroffene Person der Ausreiseverpflichtung nicht innert Frist nachge-
kommen ist (Art. 67 Abs. 1 Bst. b AuG). Es kann sodann nach Art. 67
Abs. 2 AuG Einreiseverbote gegen ausländische Personen erlassen, die
gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Aus-
land verstossen haben oder diese gefährden (Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG),
Sozialhilfekosten verursacht haben (Art. 67 Abs. 2 Bst. b AuG) oder in
Vorbereitungs-, Ausschaffungs- oder Durchsetzungshaft genommen wor-
den sind (Art. 67 Abs. 2 Bst. c AuG). Das Einreiseverbot wird grundsätz-
lich für eine Dauer von höchstens fünf Jahren verhängt. Es kann für eine
längere Dauer verfügt werden, wenn die betroffene Person eine schwer-
wiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt
(Art. 67 Abs. 3 AuG). Schliesslich kann die verfügende Behörde aus hu-
manitären oder anderen wichtigen Gründen von der Verhängung eines
Einreiseverbots absehen oder ein Einreiseverbot vollständig oder vorü-
bergehend aufheben (Art. 67 Abs. 5 AuG).
4.2 Das in Art. 67 AuG geregelte Einreiseverbot bildet eine Massnahme
zur Abwendung einer künftigen Störung der öffentlichen Sicherheit und
Ordnung (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und
Ausländer vom 8. März 2002 [nachfolgend: Botschaft], BBl 2002 3813).
Die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a
AuG bildet den Oberbegriff für die Gesamtheit der polizeilichen Schutzgü-
ter; sie umfasst u.a. die Unverletzlichkeit der objektiven Rechtsordnung
und der Rechtsgüter Einzelner (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 3809). Ein Ver-
stoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung liegt u.a. vor, wenn
gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügungen missachtet wer-
den (vgl. Art. 80 Abs. 1 Bst. a der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über
Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE, SR 142.201]). Die
Verhängung eines Einreiseverbots knüpft an das Bestehen eines Risikos
einer künftigen Gefährdung an. Es ist gestützt auf die gesamten Umstän-
de des Einzelfalls eine entsprechende Prognose zu stellen. Dabei ist na-
turgemäss in erster Linie das vergangene Verhalten der betroffenen Per-
son zu berücksichtigen (vgl. das Urteil des BVGer C-820/2009 vom
9. März 2011 E. 5 mit Hinweisen).
4.3 Wird gegen eine Person, die nicht das Bürgerrecht eines EU-
Mitgliedstaates besitzt, ein Einreiseverbot verhängt, so wird diese nach
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Seite 11
Massgabe der Bedeutung des Falles im Schengener Informationssys-
tem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben (vgl. Art. 21 u.
Art. 24 SIS-II-VO [ABl. L 381 vom 28. Dezember 2006, S. 4-23], in
Kraft seit 9. April 2013, vgl. Beschluss des Rates 2013/158/EU vom
7. März 2013 [Abl. L 87 vom 27. März 2013, S. 10-11] i.V.m. Art. 52
Abs. 1 SIS-II-VO). Damit wird dem Betroffenen grundsätzlich die Ein-
reise in das Hoheitsgebiet aller Schengen-Mitgliedstaaten verboten
(vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. d sowie Art. 13 Abs. 1 Schengener Grenzkodex
[SGK, Abl. L 105 vom 13. April 2006, S. 1-32]). Die Mitgliedstaaten
können dem Betroffenen aus wichtigen Gründen oder aufgrund in-
ternationaler Verpflichtungen die Einreise in ihr Hoheitsgebiet gestat-
ten bzw. ihm ein Schengen-Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit
ausstellen (vgl. Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK; Art. 25
Abs. 1 Bst. a [ii] Visakodex, Abl. L 243 vom 15. September 2009).
5.
5.1 Die Vorinstanz stützte das von ihr auf unbestimmte Dauer ausgespro-
chene Einreiseverbot allgemein auf Art. 67 AuG und verwies zur Begrün-
dung auf die vom Beschwerdeführer begangenen Straftaten, den Wider-
ruf der Niederlassungsbewilligung und die Wegweisung (vgl. Sachverhalt
Bst. B und C). Dass der Beschwerdeführer während seiner Anwesenheit
in der Schweiz mehrfach straffällig geworden ist, geht aus den Akten her-
vor und wird nicht bestritten. Der Beschwerdeführer hat mithin klarerwei-
se wiederholt und erheblich gegen die öffentlichen Sicherheit und Ord-
nung verstossen und damit unter dem Gesichtspunkt von Art. 67 Abs. 2
Bst. a AuG hinreichenden Anlass für die Verhängung eines Einreisever-
bots gegeben. Die Einwendungen des Beschwerdeführers beziehen sich
denn auch primär auf die Verhältnismässigkeit der angefochtenen Mass-
nahme und werden später geprüft (s. hinten, E. 6).
5.2 Das Vorbringen des Beschwerdeführers, der Widerruf der Niederlas-
sungsbewilligung sei namentlich vom Regierungsrat des Kantons Zürich
damit gerechtfertigt worden, dass der Kontakt zur Familie mit gegenseiti-
gen Besuchen aufrecht erhalten werden könne (vgl. ZH act. 26 E. 5c),
was durch das Einreiseverbot nun verunmöglicht werde, ist sodann kla-
rerweise unbehelflich. Der Kontakt zur Familie kann auch während der
Geltungsdauer des Einreiseverbots bis zu einem gewissen Grad mit kon-
trollierten befristeten Besuchsaufenthalten in der Schweiz aufrechterhal-
ten werden (ein erstes Suspensionsgesuch hat das BFM im Oktober
2013 bewilligt, vgl. ZH act. 49). Zudem kann die Familie den Beschwerde-
führer im Kosovo besuchen und den Kontakt auch mittels Telefon und
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modernen Kommunikationsmitteln aufrechterhalten (vgl. BVGE 2013/4
E. 7.4.3). Die im Entscheid des Regierungsrates betreffend Widerruf der
Niederlassungsbewilligung vorgenommene Interessenabwägung wurde
mithin durch die angefochtene Verfügung nicht «ausgehebelt». Im Übri-
gen hat das Bundesgericht am 28. November 2011 letztinstanzlich über
den Widerruf der Niederlassungsbewilligung entschieden und hierbei ein-
zig festgehalten, der Beschwerdeführer werde die familiären Beziehun-
gen zu seinen Eltern und seinen Geschwistern «von der Heimat aus le-
ben können» (vgl. Urteil des BGer 2C_453/2011 E. 2.2.4).
5.3 Nachdem die Vorinstanz gegen den Beschwerdeführer ein unbefriste-
tes Einreiseverbot ausgesprochen hat, ist im Folgenden – ungeachtet des
Fehlens einer diesbezüglichen substantiierten Rüge des anwaltlich vertre-
tenen Beschwerdeführers – noch vor der später vorzunehmenden Inte-
ressenabwägung von Amtes wegen zu prüfen, ob das Kriterium der
schwerwiegenden Gefahr gemäss Art. 67 Abs. 3 AuG erfüllt ist.
5.4 Gemäss Art. 67 Abs. 3 AuG wird die Fernhaltemassnahme in der Re-
gel für maximal fünf Jahre angeordnet. Nur wenn die betroffene Person
eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung
darstellt, kann eine längere Dauer verfügt werden. Eine schwerwiegende
Gefahr kann sich aus der Hochwertigkeit der deliktisch bedrohten
Rechtsgüter (insb. Leib und Leben, körperliche und sexuelle Integrität
und Gesundheit), aus der Zugehörigkeit der Tat zur Schwerkriminalität mit
grenzüberschreitendem Charakter (z.B. Terrorismus, Menschenhandel,
Drogenhandel oder organisierte Kriminalität), aus der mehrfachen Bege-
hung – unter Berücksichtigung einer allfälligen Zunahme der Schwere der
Delikte – oder auch aus der Tatsache, dass keine günstige Prognose ge-
stellt werden kann, ergeben. Die zu befürchtenden Delikte müssen ein-
zeln oder in ihrer Summe das Potenzial haben, um eine aktuelle und
schwerwiegende Gefahr zu begründen (vgl. BGE 139 II 121 E. 6.3; BVGE
2013/4 E. 7.2.4; Urteile des BVGer C-760/2012 vom 24. Juli 2013
E. 9.4.1 und C-3091/2011 E. 6.1.5)
5.5 Der Beschwerdeführer wurde während seiner Anwesenheit in der
Schweiz seit dem Jugendalter, wiederholt und in erheblichem Mass straf-
fällig. Bereits im Alter von 16 Jahren (Jahr 2001) wurde er wegen mehrfa-
chen Raubs, betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanla-
ge und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu einer Arbeitsleis-
tung verpflichtet (vgl. Sachverhalt Bst. B). Im Jahr 2004 wurde er wegen
Vergehens gegen das Waffengesetz (Besitz eines Springmessers ohne
C-4898/2012
Seite 13
Bewilligung) und wegen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes (Be-
sitz von ca. 2,3 Gramm Haschisch) mit einer Busse von Fr. 250.– bestraft
(ZH act. 1). Im Jahr 2005 wurde er wegen Diebstahls, Sachbeschädigung
und Hausfriedensbruchs zu einer dreimonatigen bedingten Gefängnis-
strafe verurteilt (vgl. ZH act. 2). In den Jahren 2007 und 2008 wurde er
vom Bezirksgericht Zürich u.a. wegen gewerbs- und bandenmässigen
Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedens-
bruchs, mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand und ohne Führer-
ausweis, Widerhandlung gegen das Waffengesetz, mehrfacher Übertre-
tung des Betäubungsmittelgesetzes sowie mehrfacher sexueller Hand-
lungen mit Kindern zu Freiheitsstrafen von 33 Monaten (als Gesamtstra-
fe) bzw. 15 Monaten (als Zusatzstrafe) verurteilt. Das Bezirksgericht wer-
tete das Verschulden des Beschwerdeführers in seinen Urteilen nament-
lich betreffend die Verurteilung wegen gewerbs- und bandenmässigen
Diebstahls als erheblich: Er habe mit grosser krimineller Energie eine
Vielzahl von Einbruchsdiebstählen begangen, wobei sein Vorgehen von
einer gewissen Professionalität und Rücksichtslosigkeit zeuge (vgl. ZH
act. 4/I S. 25 f. sowie ZH act. 6 S. 75). Der Beschwerdeführer ist dem-
nach in der Schweiz über längere Zeit hinweg in uneinsichtiger Weise
straffällig geworden. Weder Untersuchungshaft, hängige Strafverfahren
und bereits erfolgte Verurteilungen noch die Beziehungen zu seinen El-
tern und Geschwistern hielten ihn davon ab, immer wieder die öffentliche
Sicherheit und Ordnung in schwerer Weise zu beeinträchtigen (vgl. Urteil
des BGer 2C_453/2011 E. 2.2.2). Namentlich die zahlreichen, vom Be-
schwerdeführer in banden- und gewerbsmässiger Weise begangenen
Einbruchdiebstähle stellen in ihrer Gesamtheit eine gravierende Delin-
quenz dar. Sodann wurde er als 16-jähriger wegen mehrfachen Raubs
und damit wegen Delikten gegen ein besonders schützenswertes
Rechtsgut, die körperliche Integrität, verurteilt (vgl. BFM act. 1 S. 15). Das
Verschulden bezüglich der begangenen Verkehrsdelikte wurde vom Be-
zirksgericht als erheblich gewertet, weil andere Verkehrsteilnehmer ge-
fährdet wurden (vgl. ZH act. 6 S. 76), und auch das Verschulden betref-
fend die Widerhandlung gegen das Waffengesetz war erheblich (Besitz
eines Sturmgewehrs inkl. Munition, vgl. ZH act. 6 S. 76). Zu seinen Guns-
ten ins Gewicht fällt, dass er «nur» wegen Drogenkonsums gebüsst, nicht
aber wegen Drogenhandels verurteilt wurde (vgl. Sachverhalt Bst. B),
dass er seit langer Zeit keine Delikte gegen die körperliche Integrität mehr
begangen hat (vgl. ZH act. 16 S. 12) und dass das Verschulden mit Be-
zug auf die Verurteilung wegen sexuellen Handlungen mit einem Kind als
leicht eingestuft wurde (er hatte als junger Erwachsener eine ca. zweijäh-
rige Beziehung mit einer sich teilweise noch im Schutzalter befindlichen
C-4898/2012
Seite 14
Teenagerin, vgl. ZH act. 6 S. 76). Dennoch spricht die langjährige, gravie-
rende und an Intensität zunehmende deliktische Tätigkeit des Beschwer-
deführers grundsätzlich dafür, von einer schwerwiegenden Gefahr für die
öffentliche Sicherheit und Ordnung auszugehen.
5.6 Die letzte strafrechtliche Verurteilung liegt mittlerweile rund sechs
Jahre und die Entlassung aus der Massnahme über vier Jahre zurück.
Seither hat sich der Beschwerdeführer strafrechtlich – jedenfalls soweit
aktenkundig – nichts mehr zu Schulden kommen lassen (vgl. BVGE
2013/4 E. 7.4.6; BVGE 2008/24 E. 6.2; Urteil des BVGer C-794/2011 vom
14. Mai 2013 E. 7.3). Der Massnahmenbericht vom 11. Dezember 2009
hielt jedoch fest, dass von ihm – trotz gewisser Fortschritte – «aufgrund
der fehlenden Therapiemotivation weiterhin ein deutliches strukturelles
Rückfallrisiko für einschlägige Delinquenz bei geringer bis moderater Be-
einflussbarkeit» bestehe (vgl. ZH act. 15 S. 3). Auch das Bezirksgericht
hielt im Entscheid betreffend Aufhebung der Massnahme vom 27. Januar
2010 fest, neuerliche Fehltritte seien «nicht auszuschliessen» (ZH act. 16
S. 12). Das Bundesgericht berief sich primär auf diese Einschätzungen,
als es den Widerruf der Niederlassungsbewilligung als verhältnismässig
einstufte (vgl. Urteil des BGer 2C_452/2011 E. 2.2.4). Der Massnahmen-
vollzug wurde als «insgesamt eher positiv» bewertet, obwohl der Be-
schwerdeführer mehrmals disziplinarisch mit Arrest bestraft werden
musste und wiederholt aus der Massnahme entwichen war (wobei er je-
weils freiwillig zurückkehrte). Während der Massnahme konsumierte er –
nach anfänglichen Schwierigkeiten – keine illegalen Substanzen mehr
(vgl. ZH act. 15 S. 3). Dies ist insofern relevant, als ihm ein psychiatri-
sches Gutachten im Jahr 2007 «an sich gute soziale Fähigkeiten» attes-
tierte, die aber «durch den langjährigen Konsum von Cannabis gemin-
dert» worden seien (vgl. ZH act. 6 S. 82). Die verübten Delikte standen
allerdings nicht nur in Zusammenhang mit seinem Cannabis-Konsum,
sondern auch «mit seinem ungestillten Geltungsbedürfnis, seinem star-
ken Wunsch, einer Gruppe anzugehören, seiner Suche nach Abenteuern
und Nervenkitzel und seiner stark emotional retardierten Entwicklung»
(vgl. ZH act. 30 S. 11 sowie ZH act. 6 S. 83). Während der Massnahme
war der Beschwerdeführer nur beschränkt bereit, sich mit den begange-
nen Delikten auseinanderzusetzen. Dass er die Massnahme und die Ma-
lerlehre frühzeitig abgebrochen hat, wirkt sich negativ auf die Legalprog-
nose aus (vgl. ZH act. 15 f. u. 26 E. 5b). Der Verlauf der Probezeit (bis
Ende Januar 2011) wurde von der Bewährungshilfe als positiv bewertet
(vgl. ZH act. 29; der Beschwerdeführer hielt Termine und Vereinbarungen
ein und arbeitete im Kiosk seines Bruders). Dieses Wohlverhalten ist je-
C-4898/2012
Seite 15
doch nur beschränkt aussagekräftig, zumal der Beschwerdeführer wäh-
rend der Dauer der Massnahme, der Probezeit und auch bis zum Ent-
scheid des Bundesgerichts Ende November 2011 (ZH act. 36) unter dem
Eindruck der drohenden Wegweisung aus der Schweiz stand (vgl. auch
Urteil des BVGer C-3091/2011 E. 6.1.4). Sicherlich kann davon ausge-
gangen werden, dass er mittlerweile eine gewisse Entwicklung gemacht
hat, ist er doch heute ein 29-jähriger Familienvater, der sämtliche Delikte
als Jugendlicher oder junger Erwachsener begangen hat (vgl. ZH act. 6
S. 81 ff.). Allerdings kann zum heutigen Zeitpunkt namentlich aufgrund
des frühzeitigen Abbruchs der Massnahme noch nicht von einer gefestig-
ten Wandlung ausgegangen werden. Der Beschwerdeführer hat während
seiner Anwesenheit in der Schweiz über Jahre hinweg mit zunehmender
Intensität und in insgesamt gravierender Weise (Freiheitsstrafen von ins-
gesamt 48 Monaten) gewerbs- und bandenmässig delinquiert und sich
noch nicht hinreichend lange eigenständig in Freiheit bewährt. Es besteht
weiterhin ein erhebliches Risiko, dass er in frühere Verhaltensmuster ver-
fällt, mithin ein strukturelles Rückfallrisiko. Es ist daher nach wie vor da-
von auszugehen, dass der Beschwerdeführer eine schwerwiegende Ge-
fahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt. Dies rechtfertigt
grundsätzlich eine Überschreitung der fünfjährigen Regelhöchstdauer des
Einreiseverbots gemäss Art. 67 Abs. 3 AuG (s. vorne, E. 5.4).
6.
6.1 Es bleibt zu prüfen, ob die Massnahme in richtiger Ausübung des Er-
messens ergangen und angemessen ist. Der Grundsatz der Verhältnis-
mässigkeit steht dabei im Vordergrund. Vorzunehmen ist eine wertende
Abwägung zwischen dem öffentlichen Interesse an der Massnahme und
den beeinträchtigten privaten Interessen des Betroffenen. Die Stellung
der verletzten oder gefährdeten Rechtsgüter, die Besonderheiten des
ordnungswidrigen Verhaltens und die persönlichen Verhältnisse des Ver-
fügungsbelasteten bilden dabei den Ausgangspunkt der Überlegungen
(vgl. statt vieler ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allge-
meines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., 2010, Rz. 613 ff.).
6.2 Vom Beschwerdeführer geht wie dargetan (s. vorne, E. 5.4 ff.) nach
wie vor eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und
Ordnung aus, weshalb klarerweise ein grosses öffentliches Fernhalteinte-
resse besteht. Zu berücksichtigen ist, dass er über Jahre hinweg in ge-
werbs- und bandenmässiger Weise Einbruchsdiebstähle (vgl. Sachverhalt
Bst. B) und damit eine der in Art. 121 Abs. 3 BV genannten Anlasstaten
begangen hat, welche nach dem Verfassungsgeber dazu führen sollen,
C-4898/2012
Seite 16
dass der Täter aus der Schweiz ausgewiesen und mit einem Einreisever-
bot von fünf bis fünfzehn Jahren belegt werden (vgl. Art. 121 Abs. 5 BV).
Der Wertung dieser nicht direkt anwendbaren Verfassungsnorm
(vgl. BGE 139 I 16 E. 4.3) ist anlässlich der Interessenabwägung insoweit
Rechnung zu tragen, als dies zu keinem Widerspruch zum Völkerrecht
oder anderen Verfassungsbestimmungen führt (vgl. BGE 139 I 31
E. 2.3.2 sowie Urteil des BVGer C-4568/2012 vom 6. September 2013
E. 7.4 je mit Hinweisen). Das Einreiseverbot soll weiteren Straftaten des
Beschwerdeführers in der Schweiz entgegenwirken. Das Hauptaugen-
merk der Massnahme liegt in der spezialpräventiven Zielsetzung, wonach
sie den Beschwerdeführer dazu anhalten soll, bei einer allfälligen künfti-
gen Wiedereinreise in die Schweiz resp. in den Schengen-Raum nach
Ablauf der Dauer des Einreiseverbots keine weiteren Verstösse gegen
die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu begehen (vgl. Urteil des BVGer
C-3213/2013 vom 31. Januar 2014 E. 6.4). Als gewichtig zu betrachten ist
auch das generalpräventiv motivierte Interesse, die öffentliche Sicherheit
und Ordnung durch eine konsequente Massnahmenpraxis zu schützen
(vgl. Urteil des BGer 2C_948/2011 vom 11. Juli 2012 E. 3.4.2).
6.3 Den öffentlichen Interessen sind die privaten Interessen des Be-
schwerdeführers und seiner Familie gegenüberzustellen. Der Beschwer-
deführer bringt vor, er sei in der Schweiz aufgewachsen und habe sein
gesamtes Beziehungsnetz hier und in Deutschland. Sowohl seine Eltern
als auch seine Geschwister lebten in der Schweiz (vgl. ZH act. 26 E. 5c).
Er beruft sich insbesondere darauf, dass er im Dezember 2012 seine in
der Schweiz niederlassungsberechtigte Partnerin geheiratet hat und im
Oktober 2013 Vater einer Tochter geworden ist, und bringt vor, diese Um-
stände unterstrichen sein Interesse und dasjenige seiner Ehefrau und
seines Kindes an der Aufhebung, zumindest aber an einer zeitlichen Be-
schränkung des Einreiseverbots. Er beruft sich damit sinngemäss auf das
Recht auf Familienleben gemäss Art. 8 EMRK und Art. 13 BV.
6.3.1 Hervorzuheben ist, dass Einschränkungen des Privat- bzw. Famili-
enlebens vorliegend aufgrund sachlicher und funktioneller Unzuständig-
keit des Bundesverwaltungsgerichts nicht Verfahrensgegenstand sein
können, soweit sie auf das Fehlen eines dauerhaften Aufenthaltsrechts in
der Schweiz zurückzuführen sind. Der Beschwerdeführer musste die
Schweiz nach dem Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung im Februar
2012 verlassen (vgl. Sachverhalt Bst. C) und verzichtete – jedenfalls so-
weit ersichtlich – bis anhin darauf, ein neuerliches Aufenthaltsverfahren
anzustrengen. Die Wohnsitznahme in der Schweiz wie auch die Pflege
C-4898/2012
Seite 17
regelmässiger persönlicher Kontakte zur hier lebenden Familie scheitern
mithin bereits an der nicht mehr vorhandenen Aufenthaltsberechtigung
des Beschwerdeführers. Eine allfällige neue Bewilligung im Rahmen des
Familiennachzugs ist nicht Gegenstand dieses Verfahrens. Hierfür ist der
Kanton zuständig (vgl. dazu BVGE 2013/4 E. 7.4.1).
6.3.2 Nach dem Gesagten stellt sich im Folgenden nunmehr einzig die
Frage, ob die über die Verweigerung des Aufenthaltsrechts hinausgehen-
de, durch das Einreiseverbot zusätzlich bewirkte Erschwernis vor Art. 8
Ziff. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV standhält. Bei dieser Prüfung ist zu
berücksichtigen, dass dem Beschwerdeführer durch das Einreiseverbot
Besuchsaufenthalte bei seinen Familienangehörigen in der Schweiz nicht
schlechthin untersagt werden. Es steht ihm offen, aus wichtigen Gründen
die zeitweilige Suspension der angeordneten Fernhaltemassnahme zu
beantragen (Art. 67 Abs. 5 AuG). Diese Suspension wird freilich praxis-
gemäss jeweils nur für eine kurze und klar begrenzte Zeit gewährt. Die
Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer im Oktober 2013 ein erstes Sus-
pensionsgesuch zwecks Anwesenheit bei der Geburt der Tochter bewilligt
(vgl. Sachverhalt Bst. J), und sowohl deshalb wie auch aufgrund ihrer
Ausführungen im Rahmen des Schriftenwechsels kann davon ausgegan-
gen werden, dass – weiteres Wohlverhalten des Beschwerdeführers vor-
ausgesetzt – der Kontakt zwischen ihm und seiner Familie während der
Dauer des Einreiseverbots bis zu einem gewissen Grad mit kontrollierten
befristeten Besuchsaufenthalten in der Schweiz aufrechterhalten werden
kann. Zudem kann die Familie des Beschwerdeführers diesen im Kosovo
besuchen und den Kontakt auch mittels Telefon und modernen Kommuni-
kationsmitteln aufrechterhalten. Allerdings darf ein Einreiseverbot nicht
mittels Suspensionen ausgehöhlt werden. Selbst wenn die Vorinstanz
dem Wunsch nach Kontaktpflege relativ grosszügig nachkommt, kann
mithin ein Familienleben lediglich in erheblich eingeschränktem Rahmen
stattfinden (vgl. BVGE 2013/4 E. 7.4.3 mit Hinweisen)
6.3.3 Die Angaben des Beschwerdeführers betreffend seine in der
Schweiz lebende Familie sind allesamt belegt oder aktenkundig. Sowohl
seine Eltern und Geschwister als auch seine niederlassungsberechtigte
Ehefrau (brasilianische Staatsangehörige, geb. 1987) und die kürzlich zur
Welt gekommene Tochter (brasilianische Staatsangehörige, geb. 2013)
leben in der Schweiz. Es ist sodann – obwohl sich der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers diesbezüglich nicht substantiiert geäussert hat –
davon auszugehen, dass die familiären Beziehungen des Beschwerde-
führers grundsätzlich intakt sind und die Kontakte soweit möglich gepflegt
C-4898/2012
Seite 18
werden (vgl. auch ZH act. 49). Der Beschwerdeführer und seine Familie
haben daher ein ausgeprägtes privates Interesse an einer Aufhebung
bzw. Beschränkung der Dauer des Einreiseverbots, zumal dieses das
Familienleben erheblich erschwert (s. vorne, E. 6.3.2 in fine).
6.3.4 Mit Bezug auf die Gründung einer eigenen Familie ist festzuhalten,
dass der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Heirat (Dezember 2012)
und der Geburt der Tochter (Oktober 2013) nicht mehr in der Schweiz
aufenthaltsberechtigt war und die Vorinstanz das angefochtene Einreise-
verbot bereits erlassen hatte (im Juli 2012). Die Ehegatten mussten sich
deshalb im Klaren sein darüber, dass ein Zusammenleben der Familie in
der Schweiz für eine lange Dauer nicht möglich sein würde (vgl. Urteil des
BGer 2C_249/2012 vom 7. Dezember 2012 E. 3.7 mit Hinweisen). Zudem
vermittelt das verfassungs- und konventionsrechtlich garantierte Recht
auf Achtung des Familienlebens keinen Anspruch auf freie Wahl des für
das Familienleben am geeignetsten erscheinenden Orts. Muss eine aus-
ländische Person das Land verlassen, haben dies ihre Familienangehöri-
gen hinzunehmen, wenn es ihnen ohne Schwierigkeiten möglich ist, mit
auszureisen. Erscheint die Ausreise nicht ohne Weiteres zumutbar, ist ei-
ne Interessenabwägung resp. eine Einzelfallbetrachtung geboten (vgl.
BGE 137 I 247 E. 4.1.1 f. mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer hat nicht
substantiiert dazu Stellung genommen, weshalb ein Zusammenleben der
Familie in einem der beiden Herkunftsländer der Ehegatten nicht möglich
wäre. Eine Familienzusammenführung ausserhalb der Schweiz erscheint
im vorliegenden Fall nicht von vornherein unmöglich oder unzumutbar,
zumal die in der Schweiz niederlassungsberechtigte Ehefrau des Be-
schwerdeführers erst im Alter von 15 Jahren in die Schweiz eingereist ist
(erste Einreise am 27. Dezember 2002; Information gemäss dem Zentra-
len Migrationssystem des Bundes [ZEMIS]), sich mithin noch nicht sehr
lange Zeit hier aufhält. Die Tochter des Beschwerdeführers ist sodann als
Kleinkind in einem ohne Weiteres noch anpassungsfähigen Alter. Es kann
demnach nicht von einer Verwurzelung in der Schweiz ausgegangen
werden, welche eine Ausreise in eines der Heimatländer als unzumutbar
erscheinen liesse (vgl. indes z.B. BVGE 2013/4 E. 7.4.4 betreffend eine in
der Schweiz geborene und aufgewachsene Ehefrau und Kinder mit
Schweizer Bürgerrecht). Klar ersichtlich ist aber auch, dass die Inte-
gration in Brasilien oder im Kosovo für die Familie aus familiären, wirt-
schaftlichen und sprachlichen Gründen mit erheblichen Schwierigkeiten
und Härten verbunden wäre.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2013/4
C-4898/2012
Seite 19
6.3.5 Gemäss Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November
1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) gilt es das Kindeswohl
vorrangig zu berücksichtigen. Die Tochter hat ein Recht auf Kontakt auch
zu ihrem Vater, wobei zu vermeiden ist, das Kind gleichsam für eine Wahl
seiner Eltern zu bestrafen (vgl. BVGE 2013/4 E. 7.4.4 mit Hinweis). Im
vorliegenden Fall ist aufgrund der Ausführungen des Beschwerdeführers
davon auszugehen, dass die Ehegatten aus familiären und wirtschaftli-
chen Gründen ein künftiges Zusammenleben der Familie in der Schweiz
anstreben. Diese Wahl der Eltern führt dazu, dass die Tochter während
der Dauer der Fernhaltemassnahme nur einen stark eingeschränkten
Kontakt zu ihrem Vater haben wird, womit sie – im Gegensatz zur Ehefrau
des Beschwerdeführers – offensichtlich nicht rechnen konnte. Primär weil
das Kindeswohl gemäss Art. 3 Abs. 1 KRK vorrangig zu berücksichtigen
ist, aber auch weil die privaten Interessen des Beschwerdeführers insge-
samt erheblich ins Gewicht fallen, ist das Einreiseverbot zu befristen und
auf eine angemessene Dauer von sechs Jahren festzulegen. Eine weiter
gehende zeitliche Beschränkung oder eine Aufhebung des Einreisever-
bots, wie dies beantragt wird, ist jedoch angesichts des ausgeprägten öf-
fentlichen Fernhalteinteresses (s. vorne, E. 6.2) nicht geboten.
6.4 Eine wertende Gewichtung der sich entgegenstehenden Interessen
führt das Bundesverwaltungsgericht zusammenfassend zum Schluss,
dass das Einreiseverbot dem Grundsatz nach zu bestätigen ist, in der
ausgesprochenen unbefristeten Dauer jedoch unverhältnismässig ist. In
Würdigung der gesamten Umstände ist davon auszugehen, dass dem öf-
fentlichen Interesse an der Fernhaltung des Beschwerdeführers mit ei-
nem auf sechs Jahre befristeten Einreiseverbot hinreichend Rechnung
getragen wird. Auf diese Weise wird berücksichtigt, dass der Beschwer-
deführer seit mehreren Jahren keine Straftaten mehr begangen hat, mitt-
lerweile 29-jährig ist und eine eigene Familie gegründet hat, deren Inte-
ressen – namentlich dasjenige der Tochter – ebenfalls zu beachten sind.
Der Beschwerdeführer muss sich indes darüber im Klaren sein, dass die
Perspektive eines Zusammenlebens mit der Familie in der Schweiz zwin-
gend ein vollumfängliches Wohlverhalten voraussetzt (und zwar sowohl
während des Aufenthalts im Kosovo als auch anlässlich der Besuche in
der Schweiz). Nicht zu beanstanden ist aufgrund der langjährigen, gravie-
renden Delinquenz des Beschwerdeführers, dass ihm die Vorinstanz die
Einreise in das Hoheitsgebiet sämtlicher Schengen-Staaten verboten hat
(vgl. Art. 21 i.V.m. Art. 24 SIS-II-VO sowie Art. 5 Abs. 1 Bst. d und Art. 13
Abs. 1 SGK; s. auch vorne, E. 4.3), zumal die Schweiz auch deren Inte-
ressen zu wahren hat (vgl. BVGE 2011/48 E. 6.1).
http://links.weblaw.ch/BVGE-2013/4
C-4898/2012
Seite 20
7.
Aus diesen Erwägungen folgt, dass das unbefristete Einreiseverbot Bun-
desrecht verletzt (vgl. Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher teilweise
gutzuheissen und das gegen den Beschwerdeführer verhängte Einreise-
verbot auf sechs Jahre, d.h. bis zum 16. Juli 2018, zu befristen.
8.
Die ermässigten Verfahrenskosten sind bei diesem Verfahrensausgang
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie
Art. 1 ff. des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem
Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR
173.320.2]). Im Umfang seines Obsiegens ist dem Beschwerdeführer ei-
ne gekürzte Parteientschädigung in gerichtlich festzusetzender Höhe zu-
zusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 ff. VGKE).
Dispositiv S. 21
C-4898/2012
Seite 21