Decision ID: bf6e4110-b494-5790-9166-8ab608a4412e
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ bezog seit frühester Kindheit Leistungen der Invalidenversicherung (siehe z.B. IV-
act. 1, 9). Als Diagnosen waren in den Feststellungsblättern der IV-Stelle jeweils eine
Entwicklungsverzögerung unklarer Aetiologie, eine ausgeprägte kongenitale
Rumpfataxie (Geburtsgebrechen [GG] 390), rezidivierende Krampfanfälle unklarer
Aetiologie (GG 387), ein IQ/EQ 75, eine paroxysmale sterile Hyperpyrexie (Anfälle mit
hohem Fieber) und ein frühkindlicher Autismus festgehalten worden (siehe z.B. IV-act.
164).
Mit Verfügung vom 30. März 2009 sprach die IV-Stelle der Versicherten mit
Wirkung ab 23. September 2007 eine Entschädigung bei einer Hilflosigkeit leichten
Grades und mit Wirkung ab dem 1. Juni 2008 bis 28. Februar 2011 (Revision) eine
Entschädigung bei einer Hilflosigkeit mittleren Grades zu (IV-act. 104). Mit Verfügung
vom 26. Januar 2012 sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Wirkung ab dem 1. Juni
A.a.
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2011 (revisionsweise) eine Entschädigung bei einer Hilflosigkeit schweren Grades und
(neu) einen Intensivpflegezuschlag bei einem massgebenden täglichen Mehraufwand
von mindestens sechs Stunden zu (IV-act. 174).
Im August 2016 füllten die Eltern der Versicherten einen Fragebogen zur
Überprüfung der Hilflosenentschädigung aus (IV-act. 255). Sie gaben an, der
Gesundheitszustand ihrer Tochter sei unverändert geblieben. Im Vergleich zu gesunden
Gleichaltrigen habe die (behinderungsbedingte) Hilfsbedürftigkeit der Versicherten
zugenommen. Der Kinderarzt Dr. med. B._ berichtete am 27. September 2016 (IV-
act. 260), die Schere zu den Gleichaltrigen gehe bezüglich den kognitiven Fähigkeiten
und der Selbständigkeit immer weiter auseinander. Immer noch komme es zu
unerwarteten Aggressivitätsaktionen. Neu sei ein Aicardi-Goutières-Syndrom
diagnostiziert worden. Nach wie vor sei die Versicherte konstant hilfsbedürftig. Die
Probleme seien insgesamt weniger im physischen, sondern mehr im psychischen und
kognitiven Bereich zu verorten.
A.b.
Am 11. Januar 2017 fand eine Abklärung der Hilfsbedürftigkeit in der Wohnung der
Eltern statt (IV-act. 284). Anlässlich dieser Abklärung gab die Mutter der Versicherten
an, diese sei auf Anordnung der KESB wegen der „ungünstigen familiären Situation“
teilweise fremdplatziert worden (IV-act. 266). Sie besuche tagsüber weiterhin die
Heilpädagogische Schule (HPS) und übernachte viermal pro Woche in der Stiftung
C._. Die Abklärungsbeauftragte der IV-Stelle notierte in ihrem Abklärungsbericht (IV-
act. 284-1 ff.), dass die Versicherte beim An- und Auskleiden weiterhin keine
Eigenleistung erbringe. Der behinderungsbedingte Mehraufwand betrage 30 Minuten
pro Tag. Die Versicherte könne selbständig aufstehen und absitzen. Am Morgen müsse
sie weiterhin zum Aufstehen ermuntert, angeleitet und teilweise überredet werden.
Essen und trinken könne sie weitgehend selbständig. Kurze verbale Aufforderungen
und Anleitungen könnten höchstens im Rahmen der allgemeinen Betreuung bzw. der
Überwachung berücksichtigt werden. Bei der Körperpflege erbringe die Versicherte
weiterhin keine Eigenleistung. Der behinderungsbedingte Mehraufwand belaufe sich
auf 42 Minuten pro Tag. Die Versicherte könne die Notdurft inzwischen weitgehend
selbständig verrichten. Die Reinigung nach dem Stuhlgang müsse aber von einer
Drittperson durchgeführt werden. Ausserdem benötige die Versicherte einmal pro
Woche einen Einlauf. Der durchschnittliche tägliche Mehraufwand betrage 8.5 Minuten.
A.c.
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Für die Begleitung zu Therapien und Arztbesuchen falle ein behinderungsbedingter
Mehraufwand von durchschnittlich 1.3 Minuten pro Tag an. Die Behandlungspflege
erfordere durchschnittlich 6 Minuten pro Tag. Da die Versicherte nicht mehr so intensiv
wie früher überwacht werden müsse, sei nur noch eine Überwachungspauschale von
zwei Stunden zu berücksichtigen. Der gesamte behinderungsbedingte Mehraufwand
belaufe sich somit auf drei Stunden und 28 Minuten pro Tag. Die Mutter der
Versicherten machte am 20. März 2017 geltend (IV-act. 284-8 ff.), der
Abklärungsbericht entspreche nicht in allen Punkten den tatsächlichen Gegebenheiten.
Bezüglich des An- und Auskleidens habe sich seit der letzten Abklärung nichts
geändert; der Mehraufwand betrage mindestens 20 bis 30 Minuten pro Tag. Auch die
Mobilität sei nicht dauerhaft gut. Die Bewegungsabläufe der Versicherten seien oft
unkontrolliert. Sie falle oft hin, wenn sie müde, überfordert oder angespannt sei. Bei der
Nahrungsaufnahme habe sich ebenfalls nichts geändert. Nach der Schule sei jeweils
eine zusätzliche Intimpflege von 20 Minuten notwendig. Die Abendtoilette nehme 45
Minuten in Anspruch. Nach dem Verrichten der Notdurft müssten der Versicherten die
Kleider geordnet werden. Zudem reinige sich die Versicherte auch nach dem
Wasserlösen oft nur ungenügend. Der Mehraufwand belaufe sich auf durchschnittlich
auf 28.5 Minuten pro Tag. In Bezug auf die Begleitung zu Therapien und Ärzten habe
sich seit der letzten Abklärung nichts verändert. Die Behandlungspflege nehme neu
zwei Minuten pro Tag mehr in Anspruch, da öfter Fieber gemessen werden müsse. Und
schliesslich sei weiterhin eine Überwachungspauschale von vier Stunden zu
berücksichtigen. Die Abklärungsbeauftragte hielt am 18. April 2017 fest (IV-act. 287),
für das An- und Auskleiden seien 15 Minuten weniger (als bei der letzten Abklärung
vom 27. Oktober 2011) zu berücksichtigen, weil die Versicherte keine Windeln mehr
trage. Die Intimpflege nach dem Schulbesuch müsse lediglich fünfmal pro Woche
vorgenommen werden; sie dauere nach der allgemeinen Erfahrung nur fünf bis zehn
Minuten. Der angerechnete Mehraufwand von 42 Minuten sei deshalb korrekt.
„Kulanterweise“ könne für die Reinigung nach dem Wasserlösen ein Mehraufwand von
sechs Minuten pro Tag berücksichtigt werden, weshalb der behinderungsbedingte
Mehraufwand in Bezug auf die Verrichtung der Notdurft insgesamt 14.5 Minuten pro
Tag betrage. Hinsichtlich des Überwachungsaufwandes sei massgebend, dass keine
ständige Interventionsbereitschaft mehr erforderlich sei.
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Mit Vorbescheid vom 25. April 2017 teilte die IV-Stelle der Rechtsvertreterin der
Versicherten mit, dass sie die Herabsetzung der Hilflosenentschädigung auf eine
Entschädigung bei einer Hilflosigkeit mittleren Grades und die Aufhebung des
Intensivpflegezuschlages vorsehe (IV-act. 288). Dagegen liess die Versicherte am 24.
Mai 2017 einen Einwand erheben (IV-act. 293). Die zuständige Betreuungsperson der
Stiftung C._ gab am 12. Juni 2017 an (IV-act. 295–2 f.), die Versicherte benötige bei
diversen alltäglichen Lebensverrichtungen eine regelmässige indirekte Hilfe. Am
22. Juni 2017 verfügte die IV-Stelle die Herabsetzung der Hilflosenentschädigung auf
eine Entschädigung bei einer Hilflosigkeit mittleren Grades und die Aufhebung des
Intensivpflegezuschlages (IV-act. 297).
A.d.
Gegen diese Verfügung liess die Versicherte Beschwerde erheben (IV-act. 303).
Ihre Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der Verfügung, die weitere
Ausrichtung einer Entschädigung bei einer Hilflosigkeit schweren Grades und eines
Intensivpflegezuschlages für einen Betreuungsaufwand von mindestens sechs Stunden
sowie eventualiter die Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle.
Am 15. Mai 2018 (IV 2017/298) hiess das Gericht die Beschwerde teilweise gut, hob die
angefochtene Verfügung vom 22. Juni 2017 auf und wies die Sache zur weiteren
Abklärung im Sinne der Erwägungen an die IV-Stelle zurück (IV-act. 327). Das Gericht
erwog, im vorliegenden Verfahren sei ausschliesslich zu prüfen, ob sich die Hilflosigkeit
und der für den Intensivpflegezuschlag massgebende Betreuungsaufwand seit dem 26.
Januar 2012 in einer anspruchserheblichen Weise verändert hätten (Erw. 1).
Hinsichtlich der Hilflosigkeit der Versicherten in den Bereichen An- und Auskleiden,
Körperpflege, Verrichtung der Notdurft und Fortbewegung sei eindeutig keine relevante
Veränderung eingetreten. Auch bezüglich der allmorgendlichen Problematik habe sich
bis am 22. Juni 2017 augenscheinlich nichts geändert: Die Versicherte könne weiterhin
kaum zum Aufstehen bewegt werden. Ob in Bezug auf die Fähigkeit der Versicherten,
selbständig abzusitzen und aufzustehen, eine massgebliche Veränderung des
relevanten Sachverhalts eingetreten sei, lasse sich anhand der Akten nicht eruieren. Im
Verfügungszeitpunkt (22. Juni 2017) habe die Versicherte nur noch bei "groben" oder
"zähen" Nahrungsmitteln eine direkte Hilfe benötigt; diesbezüglich habe sich der
relevante Sachverhalt also massgeblich verändert. Die Frage, ob die Versicherte eine
Anleitung und Überwachung beim Essen und Trinken benötige und dies als eine
A.e.
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regelmässige und erhebliche indirekte Dritthilfe zu qualifizieren sei, lasse sich anhand
der vorhandenen Akten jedoch nicht beantworten. Auch in Bezug auf den für den
Intensivpflegezuschlag massgebenden behinderungsbedingten Mehraufwand sei nur
zu prüfen, ob sich dieser seit dem 26. Januar 2012 massgebend verändert habe.
Hinsichtlich der einzelnen Hilfestellungen habe sich der relevante Sachverhalt in der
Zeit zwischen dem 26. Januar 2012 und dem 22. Juni 2017 in verschiedener Hinsicht
verändert: Beim An- und Auskleiden entfalle ein Teil des Aufwandes, weil die
Versicherte keine Windeln mehr trage. Umgekehrt bestehe aber keine Rechtfertigung
mehr für einen "altersentsprechenden Abzug" von vier Minuten. Da der bisherige
Aufwand für das Windelwechseln unklar sei, lasse sich der massgebende
behinderungsbedingte Mehraufwand nicht feststellen. Da nicht feststehe, ob der
Aufwand hinsichtlich des Aufstehens, Absitzens und Abliegens unverändert geblieben
sei, lasse sich auch der diesbezügliche behinderungsbedingte Mehraufwand nicht
zuverlässig ermitteln. Ob die Versicherte im Bereich Essen hilflos sei, stehe noch gar
nicht fest, weshalb ein allfälliger behinderungsbedingter Mehraufwand ebenfalls noch
nicht beziffert werden könne. Die Angabe der Mutter, dass sie zusätzlich 20 Minuten
pro Tag für die Intimwäsche nach der Schule und abends 45 statt 30 Minuten für die
Körperpflege benötige, sei grundsätzlich glaubwürdig. Wie hoch der
behinderungsbedingte Mehraufwand aber tatsächlich sei, lasse sich anhand der Akten
nicht beantworten. Hinsichtlich der Verrichtung der Notdurft habe sich der
behinderungsbedingte Mehraufwand seit Januar 2012 erheblich reduziert, denn der
Toilettengang müsse nicht mehr geübt werden. Neu beschränke sich der Aufwand auf
die Nachreinigung nach dem Stuhlgang und nach dem Wasserlösen. Wie hoch der
gesamte behinderungsbedingte Mehraufwand im Zusammenhang mit der Verrichtung
der Notdurft genau sei, lasse sich angesichts der divergierenden Angaben in den Akten
nicht bestimmen. Hinsichtlich des Mehraufwandes im Zusammenhang mit der
Begleitung der Versicherten zu Arztbesuchen oder Therapien sowie der
Behandlungspflege sei keine relevante Sachverhaltsveränderung ersichtlich. Im
Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung vom 22. Juni 2017 sei ein
deutlich geringerer Überwachungsbedarf in Bezug auf eine mögliche Selbstgefährdung
erforderlich gewesen. Eine Überwachung sei hauptsächlich noch wegen der
Fremdgefährdung notwendig gewesen. Diese könne gesamthaft nicht mehr als
besonders intensiv, sondern nur noch als dauernd erforderlich qualifiziert werden, was
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eine Reduktion der Überwachungspauschale auf zwei Stunden zur Folge habe. Die IV-
Stelle werde zur Vervollständigung der Sachverhaltsabklärung systematisch alle
massgebenden Akten sammeln, d.h. namentlich entsprechende Angaben von
Dr. B._, von der behandelnden Physiotherapeutin, von der Schule und vom Heim
einholen und anschliessend den Sachverhalt erneut an Ort und Stelle abklären. Im
entsprechenden Abklärungsbericht werde die Abklärungsbeauftragte ihre Fragen und
die Antworten der Auskunftsperson wortwörtlich festhalten.
Am 30. Mai 2018 holte der Fachberater der IV-Stelle verschiedene Akten ein (IV-
act. 329). Die Stiftung C._ hatte im Bericht vom 3. Juli 2017 festgehalten (IV-act.
330), die Versicherte sei in Bezug auf das "Waschen", Ankleiden und Zähneputzen
selbständiger geworden. Beim Wasserlassen benötige sie keine Hilfe und sie reinige
sich gründlich. Nach dem Stuhlgang übernehme die Betreuerin die Reinigung. Beim
Essen sei die Versicherte sehr selbständig. Positionen wechseln wie zum Beispiel
Aufstehen und Absitzen bereiteten ihr keine Mühe. Selbst das Ein- und Aussteigen aus
dem Schulbus meistere sie problemlos alleine.
A.f.
Die HPS X._ hatte im Lernbericht des Schuljahres 2016/2017 vom Juni 2017
festgehalten (IV-act. 332), dass sich die Versicherte sowohl in der Turnhalle als auch im
Hallenbad selbständig umziehe. Im Lernbericht des Schuljahres 2017/2018 vom Juni
2018 stand (IV-act. 331), dass die Versicherte beim C._ selbständig aus dem Taxi
aussteige und auf die Wohngruppe gehe.
A.g.
Die Teamleiterin der Wohngruppe "D._" hielt im Bericht 2017/2018 der Stiftung
C._ vom 21. November 2018 fest (IV-act. 352), dass die Betreuungspersonen auf den
Umgang mit Kindern, die an Autismus litten, spezialisiert seien. Dieser Umstand und
die Situation in der Gruppe mit einer ausgeprägten Dynamik der Anpassung führe mit
Sicherheit dazu, dass ein Kind wie die Versicherte sich teilweise anders verhalte als im
familiären Umfeld. Die Versicherte benötige jeweils eine Aufforderung zum Ankleiden.
Zudem müsse kontrolliert werden, ob ihre Kleidung der Witterung angemessen sei.
Beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen benötige sie keine Hilfestellung. Beim Essen habe
sie grosse Fortschritte gemacht. Für die Körperpflege benötige sie immer Anleitung
und Kontrolle. Nach dem Stuhlgang sei eine Nachreinigung nötig. Während des
A.h.
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Aufenthalts in der Wohngruppe habe die Versicherte nicht speziell überwacht werden
müssen.
Der Fachberater der IV-Stelle notierte am 7. Juni 2018 unter anderem (IV-act. 359),
dass gemäss den Arztrechnungen im Jahr 2016 lediglich eine und im Jahr 2017 keine
Konsultation (bei Dr. B._) im Zusammenhang mit dem Gebrechen erfolgt sei. Im
Kinderspital habe im Jahr 2016 nur eine Konsultation stattgefunden. Bei Dr. E._ seien
seit dem Jahr 2016 keine Konsultationen mehr abgerechnet worden. Die Einschätzung
von 1.5 Minuten pro Monat für Arzt- und Therapiebesuche stimme somit.
A.i.
Am 26. Februar 2019 erfolgte die vom Gericht geforderte zweite Abklärung an Ort
und Stelle (IV-act. 360). Die Abklärungsperson hielt im Bericht vom 13. März 2019 fest,
dass die Versicherte von Januar 2017 bis Januar 2019 in der Regel fünf Nächte pro
Woche im Wohnheim verbracht habe. Seit Februar 2019 sei sie noch zwei Nächte pro
Woche im Wohnheim. Ab den Sommerferien 2019 solle die Versicherte wieder
vollumfänglich zu Hause wohnen. Im Abklärungsbericht waren Fragen und die
dazugehörigen Antworten aufgelistet. Welcher Elternteil (Mutter und Vater waren bei
der Abklärung anwesend) diese Antworten gegeben hat, geht aus dem
Abklärungsbericht jedoch nicht hervor (nachfolgend wird deshalb von den "Eltern"
gesprochen). Die Abklärungsperson führte hinsichtlich des behinderungsbedingten
Mehraufwandes bei den alltäglichen Lebensverrichtungen folgendes aus: Aktuell
benötige die Versicherte für die tägliche Kleiderwahl 1-2 Minuten, für Inputs und
Handreichungen morgens und abends 8-12 Minuten und für Inputs und einzelne
Handreichungen zwischendurch 3 x 2-3 Minuten. Insgesamt betrage der Mehraufwand
beim An- und Auskleiden somit 20 Minuten. In der Verrichtung Aufstehen, Absitzen und
Abliegen anerkannte die Abklärungsperson keinen Bedarf nach regelmässiger
erheblicher Hilfe. Sie hielt fest, dass die Versicherte für gewöhnlich alle Transfers selber
vornehmen könne. Nicht als Teilverrichtung des Bereichs Aufstehen, Absitzen und
Abliegens qualifizierte die Abklärungsperson die allmorgendliche Problematik des
Aufstehens: Gemäss den Eltern müsse die Versicherte am Morgen während einer
Zeitspanne von 20 Minuten mindestens drei Mal geweckt werden, ehe sie aufstehe.
Auch im Bereich des Essens sah die Abklärungsperson aufgrund der Angaben des
Heimes und der Schule keinen regelmässigen und erheblichen Hilfsbedarf. Die Eltern
hatten demgegenüber angegeben, dass die Versicherte in die Verrichtung des Essens
A.j.
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nicht "reinfinde". Sie wisse nicht, mit welcher Handlung sie beim Frühstück beginnen
solle. Daher werde das Frühstück gerichtet und sie werde zu Tisch begleitet. Danach
seien weitere Inputs oder der Hinweis auf ein spezifisches Piktogramm nötig, damit sie
das Frühstück einnehme. Zudem habe sie kein Sättigungsgefühl. Zwar könne sie den
Wunsch äussern zu trinken. Ohne Kontrolle wisse man jedoch nicht, ob sie wirklich
getrunken habe. Für die Körperpflege anerkannte die Abklärungsperson einen aktuellen
Mehraufwand von 40 Minuten: 10 Minuten für Hilfestellungen morgens (Inputs,
Handreichungen, Nachreinigungen) und 20-30 Minuten für Hilfestellungen abends
(Ganzkörperpflege mit Unterstützungen, alle 2 Tage Haare waschen). Für die
Verrichtung der Notdurft ermittelte die Abklärungsperson einen Mehraufwand von 6
Minuten (richtig: 7.5 Minuten): Für die Reinigung nach dem Stuhlgang berücksichtigte
sie zweimal 2 Minuten, für Hinweise/Erinnerungen/Kontrollen einen pauschalen
Mehraufwand von 2 Minuten und für die Hilfestellung beim Einlauf einen Mehraufwand
von 1.5 Minuten (45 Minuten pro Monat). Die Eltern hatten angegeben, dass die
Versicherte teilweise daran erinnert werden müsse, die Toilette aufzusuchen. Das
Urinlassen gelinge ihr in aller Regel selbständig. Allerdings müsse sie im Anschluss
aufgefordert werden, die Hände zu reinigen und die Spüle zu betätigen. Für die
Begleitung zum Arzt und zu Therapiegesprächen berücksichtigte die Abklärungsperson
einen Mehraufwand von 3 Minuten. Für die dauernde Hilfe im Rahmen der
Behandlungspflege erachtete sie einen Zeitaufwand von 2 Minuten pro Tag als
ausgewiesen (Temperaturmessungen und Medikamentenabgabe). Zuzüglich einer
Überwachungspauschale von 120 Minuten resultierte ein anrechenbarer Mehraufwand
von 3 Stunden 11 Minuten.
Die Rechtsvertreterin der Versicherten teilte der IV-Stelle am 17. April 2019 mit (IV-
act. 363), dass die Eltern mit der Abklärung nicht einverstanden seien und das
Abklärungsprotokoll deshalb nicht unterschreiben würden. Sie machte ausserdem
geltend, es sei zu einer wesentlichen Verschlechterung gekommen, die eine besonders
intensive Überwachung erfordere.
A.k.
Am 26. April 2019 holte die IV-Stelle weitere Informationen bei den Behandlern ein
(IV-act. 364 ff.). Dr. B._ teilte der IV-Stelle am 29. April 2019 mit, dass er die
Versicherte letztmals im April 2016 in seiner Praxis gesehen habe und deshalb zum
aktuellen Zustand keine Auskunft geben könne (IV-act. 369). Dr. med. F._ vom
A.l.
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Ostschweizer Kinderspital erklärte am 26. April 2019, dass er zu einer allfälligen
Verschlechterung seit dem 26. Februar 2019 keine Stellung nehmen könne, da der
letzte Kontakt mit der Versicherten im Oktober 2018 stattgefunden habe (IV-act. 372-1).
Derselbe Arzt hatte in einer ärztlichen Bescheinigung vom 5. April 2019 festgehalten
(IV-act. 372-7 f.), dass sich seit der letzten Abklärung im Januar 2017 sowie dem
Gerichtsentscheid vom 15. Mai 2018 eine weitere Progredienz der Grunderkrankung
mit fieberassoziierten zerebralen Krampfanfällen, ausgeprägter Verhaltensstörung,
zunehmender Hilflosigkeit, psychotischen Schüben, starker Unruhe und deutlichem
Leidensdruck gezeigt habe. Schübe dieser Art träten aktuell 3-4 Mal pro Jahr auf. Aus
medizinischen Gründen sei ein erhöhter, ständig vorzuhaltender intensiver
Betreuungsaufwand notwendig. Aufgrund der Schwere der Erkrankung sei eine
ständige Interventionsbereitschaft der beaufsichtigenden Person nötig.
Am 16. Mai 2019 reichte die Rechtsvertreterin der Versicherten einen Bericht der
Autismushilfe Ostschweiz vom 25. April 2019 ein (IV-act. 370). M. Sc. G._ hatte darin
festgehalten, dass von den Bezugspersonen eine überdurchschnittliche
Aufmerksamkeit und eine ständige Interventionsbereitschaft verlangt werde, da nicht
vorauszusehen sei, wie die Versicherte reagiere, wenn sie einen kurzen Moment allein
gelassen werde. Auch zeige die Versicherte ein aggressives Verhalten gegenüber ihrem
Bruder und ihren Eltern. Nach dem letzten Krankheitsschub habe sich die Situation
noch einmal verschärft. Seit einigen Wochen müsse die Familie sieben Tage pro
Woche 24 Stunden Bereitschaft leisten.
A.m.
Dr. H._ von den KJPD St. Gallen informierte die IV-Stelle am 18. Juni 2019
darüber, dass die Versicherte am 24. März 2019 notfallmässig vorgestellt worden sei
(IV-act. 374). Im Vordergrund habe die Schlaflosigkeit gestanden. Am 23. April 2015
(gemeint wohl: 2019) habe die Kindsmutter erneut notfallmässig für eine
Krisenintervention angerufen. Derzeit finde eine engmaschige Begleitung durch die
KJPD statt.
A.n.
Die Stiftung C._ teilte der IV-Stelle auf telefonische Anfrage am 27. Juni 2019
mit, dass die Versicherte seit dem 3. Mai 2019 nicht mehr ins Wohnheim komme (IV-
act. 375). Sie gelte als "krankgeschrieben". Per Ende Juli 2019 werde sie wohl
A.o.
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"ordentlich" aus der Wohngruppe austreten. Im Wohnheim sei im Jahr 2019 in Bezug
auf den Hilfebedarf keine wesentliche Veränderung aufgefallen.
Der RAD-Arzt I._ notierte am 24. Juli 2019, dass sich den medizinischen Akten
keine anhaltende Verschlechterung des gesundheitlichen Zustandes mit einem
entsprechend gesteigerten Betreuungsbedarf entnehmen lasse (IV-act. 378). Verglichen
mit den Ergebnissen der letzten Abklärung vom Oktober 2011 sei davon auszugehen,
dass sich der Betreuungsaufwand in den Bereichen Aufstehen/Absitzen/Abliegen,
Essen und persönliche Überwachung relevant reduziert habe. Aus RAD-ärztlicher Sicht
könne die Herabsetzung des Grades der Hilflosigkeit und die Einstellung des
Intensivpflegezuschlages bestätigt werden.
A.p.
Mit Vorbescheid vom 20. August 2019 (IV-act. 279) kündigte die IV-Stelle an, dass
sie den Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung per 31. Juli 2017 auf den mittleren
Grad herabsetzen und den Intensivpflegezuschlag per 31. Juli 2017 aufheben werde.
Zur Begründung hielt sie fest, die Abklärungen hätten ergeben, dass ein Hilfebedarf in
vier der sechs alltäglichen Verrichtungen (ausser Aufstehen/Absitzen/Abliegen und
Essen) vorliege. Bezüglich des Intensivpflegezuschlages betrage der zeitliche
Mehraufwand an Betreuung weniger als vier Stunden (120 Minuten
Überwachungspauschale plus 71 Minuten Grund- und Behandlungspflege). Gegen
diesen Vorbescheid vom 20. August 2019 wendete die Rechtsvertreterin der
Versicherten am 20. September 2019 ein (IV-act. 386), der Abklärungsbericht vom 26.
Februar 2019 wie auch der Vorbescheid verletzten den Anspruch auf das rechtliche
Gehör, weil nicht nachvollziehbar sei, mit welcher Begründung und in welcher Höhe die
Zeiten für den Intensivpflegezuschlag in den jeweiligen Lebensbereichen gekürzt
worden seien. Des Weiteren habe die IV-Stelle verkannt, dass sich die Versicherte
aufgrund der gesundheitlichen Verschlechterung in regelmässiger Behandlung im
KJPD befinde. Im Jahr 2017 seien es 19 Konsultationen, im Jahr 2018 25 und im Jahr
2019 bisher 29 Konsultationen gewesen. Hinzu komme eine dreiwöchige stationäre
Krisenintervention in der Kinderpsychiatrie. Der Bericht der Autismushilfe Ostschweiz
vom 25. April 2019 sei nicht thematisiert worden. Den neuen Arztberichten könne
entnommen werden, dass die motorische Koordination der Versicherten sukzessive
abnehme, sodass sie auch in motorischer Hinsicht, insbesondere beim Aufstehen,
wieder Hilfe benötige. Dr. F._ hatte in einem "Zeugnis zur Vorlage bei der
A.q.
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B.
Invalidenversicherung" vom 4. September 2019 angegeben (IV-act. 386-7 f.), aus
medizinischer Sicht könne die Versicherte die körperlichen Funktionen wie z.B.
Hinsetzen, Aufstehen und Hinlegen ausführen. Bei Aktivitäten müsse sie jedoch ständig
begleitet und unterstützt werden. Sie reagiere unvorhersehbar impulsiv und zum Teil
fremd- und autoaggressiv. Für diese gezielten Aktivitäten sei seines Erachtens ein
Mehraufwand von mehr als vier Stunden pro Tag notwendig. Die Krankheit habe sich
im Vergleich zum Jahr 2017 deutlich verschlechtert. Dies zeige sich sowohl bei den
motorischen als auch bei den kognitiven Funktionen.
Am 27. September 2019 reichte die Rechtsvertreterin diverse Rechnungen der
Jahre 2017, 2018 und 2019 von Konsultationen bei den KJPD ein (IV-act. 388).
Demnach hatte die Versicherte im Jahr 2017 11, im Jahr 2018 12 und im Jahr 2019
bisher 11 Termine wahrgenommen; bei den anderen Leistungen ging es, soweit
ersichtlich, um telefonische Konsultationen oder um Leistungen in Abwesenheit der
Versicherten.
A.r.
Mit Verfügung vom 1. Oktober 2019 setzte die IV-Stelle die Hilflosenentschädigung
wie angekündigt per 31. Juli 2017 auf den mittleren Grad herab und hob den Intensiv
pflegezuschlag auf (IV-act. 387). Zum Einwand hielt sie fest, dass keine neuen
Erkenntnisse eingebracht worden seien.
A.s.
Gegen die Verfügung vom 1. Oktober 2019 liess die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) am 4. November 2019 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihre
Rechtsvertreterin beantragte die Zusprache einer Hilflosenentschädigung schweren
Grades und eines Intensivpflegezuschlages. Eventualiter sei die Angelegenheit zu
weiteren Abklärungen an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
zurückzuweisen. Die Rechtsvertreterin machte ergänzend zu den Einwänden im
Vorbescheidverfahren geltend, dass eine gesundheitliche Verschlechterung durch den
Bericht von Dr. F._ vom 4. September 2019 ausgewiesen sei. Diesen Bericht habe
die Beschwerdegegnerin nicht zur Kenntnis genommen. Dr. F._ habe darin
ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin auch in motorischer Hinsicht wieder Hilfe
beim Aufstehen benötige. Die Versicherte sei also im Bereich Aufstehen, Absitzen und
Abliegen wieder auf direkte Dritthilfe angewiesen. Bezüglich der Verrichtung des
B.a.
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Essens verkenne die Beschwerdegegnerin, dass die Eltern insbesondere mit Hilfe von
Piktogrammen eine klare Struktur vorgäben. Bezüglich des Intensivpflegezuschlages
sei darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdegegnerin die Zeitangaben der Eltern im
Abklärungsbericht ohne Begründung gekürzt habe. Auf eine entsprechende Rüge im
Vorbescheidverfahren sei die Beschwerdegegnerin nicht eingegangen. Damit habe sie
den Anspruch auf rechtliches Gehör in schwerwiegender Weise verletzt. Einer
Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur Heilung des
Verfahrensmangels stehe die Beschwerdeführerin allerdings kritisch gegenüber, da sie
an einer progredienten Erkrankung leide und der Wille der Beschwerdegegnerin zur
Umsetzung des vormaligen Gerichtsurteils bei ihren Abklärungen in weiten Teilen nicht
vorhanden gewesen sei. Eine vollständige Aufhebung des Intensivpflegezuschlages
könne nicht nachvollzogen werden, da sich der betreuerische Mehraufwand in
gewissen Teilfunktionen minimiert, dafür aber in anderen erhöht habe. Die
Beschwerdegegnerin habe die eingereichten Rechnungskopien in der angefochtenen
Verfügung nicht erwähnt. Mit diesen sei nachgewiesen worden, dass die Eltern in
gleichem Masse Zeit für die Begleitung der Beschwerdeführerin zu Ärzten und
Therapien hätten aufwenden müssen wie im Jahr 2011. Schliesslich bedürfe die
Beschwerdeführerin seit der Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes einer
besonders intensiven Überwachung. Die Teamleiterin und Bezugsperson der Stiftung
C._ hatte den Sozialen Diensten am 28. April 2019 über einen Vorfall vom 21. März
2019 berichtet (act. G 1.6). Sie wies ausserdem darauf hin, dass sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin schnell ändern könne und dann eine
rasche ärztliche Versorgung benötigt werde. Ende Mai 2018 habe sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verschlechtert; damals sei es zu einem
Aufenthalt in der Klinik J._ gekommen. Seither habe es auf der Gruppe keine Vorfälle
mehr gegeben.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 17. Dezember 2019 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung verwies sie auf eine Stellungnahme des Fach
bereichs Hilflosenentschädigung Minderjährige (IV-act. 398). Zwei Mitarbeiter des
Fachbereichs hatten am 10. Dezember 2019 notiert, dass aus den eingereichten
Arztberichten keine relevante Verschlechterung der Hilfsbedürftigkeit abgeleitet werden
B.b.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/27
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könne. Des Weiteren sei das Schreiben der Autismushilfe vom 25. April 2019 wenig
fundiert und gebe ausschliesslich die Sichtweise der Kindsmutter wieder.
In ihrer Replik vom 2. März 2020 machte die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin ergänzend geltend (act. G 10), dass sich die Beschwerdegegnerin
zu wenig mit den Ausführungen der Eltern zu den einzelnen Lebensbereichen
auseinandergesetzt habe. Die Abklärung sei nicht sachlich, objektiv und ergebnisoffen
gewesen. Die Eltern der Beschwerdeführerin hatten der Beschwerdegegnerin in einem
− von der Mutter unterzeichneten − Schreiben vom 29. Februar 2020 unter anderem
vorgeworfen (act. G 10.1), dass sie diejenigen Berichte, in denen klar erwähnt sei,
welche Unterstützung und Betreuung die Beschwerdeführerin benötige, mit keinem
Wort erwähnt habe. Selbst das Heim und die Schule seien an ihre Grenzen gekommen.
Seit dem Sommer 2019 werde die Beschwerdeführerin von der Kinderspitex betreut.
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).B.d.
Das Gericht forderte am 27. November 2020 bei der Beschwerdegegnerin die seit
dem 10. Dezember 2019 aufgelaufenen IV-Akten an (act. G 14). Diese gingen am 17.
Dezember 2020 beim Gericht ein (act. G 15). Den Akten war zu entnehmen, dass die
Eltern bei der Pflege der Beschwerdegegnerin seit dem 29. Juni 2019 von der
Kinderspitex unterstützt wurden (act. G 15.1, act. 19). Dr. med. A. H._ von den KJPD
hatte der Beschwerdegegnerin am 30. Juli 2020 berichtet (act. G 15.1, act. 22), dass
die KJPD die Beschwerdeführerin seit dem 25. September 2019 begleite (vorher:
Spezialsprechstunde EULE für Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsstörungen und
Intelligenzminderung, siehe act G 15.1, act. 22-4). Aufgrund des Älterwerdens
bestünden zwischen der körperlichen und der sozio-emotionalen sowie der kognitiven
Entwicklung immer grössere Diskrepanzen, die sich auf die Bewältigung von Krisen
auswirkten. Körperlich sei die Beschwerdeführerin altersentsprechend entwickelt.
Emotio-sozial habe sie den Entwicklungsstand eines drei- bis vierjährigen Mädchens.
Aufgrund des komplexen Krankheitsbildes seien die Coping-Strategien vermindert.
Krisen, akute Krankheitsschübe und Stress führten zu desintegrierten
Verhaltensstörungen mit einer besonderen Anfälligkeit für Angststörungen,
Depressionen, Schlafstörungen, dissoziative Störungen und einem psychotischen
Zustandsbild. Die sozio-emotionale Entwicklungsverzögerung erfordere klar
B.e.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 15/27
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Considerations:
Erwägungen
1.
vorgegebene Strukturen und eine validierende Haltung. In einer Empfehlung für den
Einsatz der Kinderspitex vom 27. Juni 2019 hatte Dr. H._ festgehalten (act. G. 15.1,
act. 23), vor dem Hintergrund der Grunderkrankung und bei einer erschwerten
Verarbeitungskapazität bei komplexen Situationen und Zusammenhängen sei derzeit
nur der Schulbesuch, und auch dieser nur noch mit einer intensiven 1:1-Betreuung,
durchführbar. Derzeit erfolgten regelmässig Kriseninterventionen durch den KJPD. Die
Beschwerdeführerin lasse sich durch ihr erethisches Verhalten im Alltag zuhause
schwer strukturieren. Die Kindseltern kämen bei der derzeit erforderlichen 1:1-
Betreuung an ihre Grenzen.
Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Stellungnahme
zu den neu eingeholten Akten (act. G 17).
B.f.
Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, dass die
Beschwerdegegnerin den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör
verletzt habe, indem sie sich weder mit der Stellungnahme zum Abklärungsbericht (IV-
act. 363) noch mit den Einwänden im Rahmen des Vorbescheidverfahrens (IV-act. 386)
auseinandergesetzt habe. Namentlich könne nicht nachvollzogen werden, gestützt auf
welche Grundlage die Zeitangaben der Betreuungsperson(en) zum
behinderungsbedingten Mehraufwand bei der Betreuung der Beschwerdeführerin
gekürzt worden seien.
1.1.
Verfügungen sind zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll
entsprechen (Art. 49 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1). Die Begründungspflicht ist ein
wesentlicher Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör. Die Begründungspflicht
soll zum einen verhindern, dass sich die Verwaltungsbehörde von unsachlichen
Motiven leiten lässt, und zum anderen soll sie es der betroffenen Person ermöglichen,
die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. In der Begründung müssen
deshalb wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die
Verwaltungsbehörde hat leiten lassen und auf die sich die Verfügung stützt. Dies
bedeutet indessen nicht, dass die Begründung sich ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen
1.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 16/27
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2.
muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte
beschränken (vgl. etwa BGE 124 V 180 E. 1a mit Hinweisen).
Der angefochtenen Verfügung ist zu entnehmen, in welchen alltäglichen
Lebensverrichtungen die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin noch als hilflos
erachtet und von welchem zeitlichen Mehraufwand an Betreuung sie im Rahmen der
Abklärung des Anspruchs auf einen Intensivpflegezuschlag ausgegangen ist
(Überwachungspauschale von 120 Minuten plus 71 Minuten für die Grund- und
Behandlungspflege). Die Beschwerdegegnerin hat auch dargelegt, dass sie sich bei der
Beurteilung der Hilflosigkeit der Beschwerdeführerin insbesondere auf die
Abklärungsberichte vom 11. Januar 2017 und 13. März 2019 gestützt habe. Des
Weiteren hat sie darauf hingewiesen, dass das Abklärungsergebnis nicht allein auf den
Angaben der Eltern beruhe, sondern verschiedenste Aussagen miteinbezogen und alle
Angaben kritisch gewürdigt worden seien. Diese in der Verfügung enthaltenen
Informationen haben ausgereicht, um die Verfügung vom 1. Oktober 2019 sachgerecht
anfechten zu können. Die Beschwerdegegnerin hat ihre Begründungspflicht somit nicht
verletzt.
1.3.
Als Nächstes ist zu klären, was der Streitgegenstand des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens ist. Die Beschwerdegegnerin hat den Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Hilflosenentschädigung mit Verfügung vom 22. Juni 2017
per 1. August 2017 auf den mittleren Grad herabgesetzt und den
Intensivpflegezuschlag aufgehoben. Das Gericht hat diese Verfügung am 15. Mai 2018
aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückgewiesen. Mit Verfügung vom 1. Oktober 2019 hat die Beschwerdegegnerin
dann den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Hilflosenentschädigung erneut
per 1. August 2017 auf den mittleren Grad herabgesetzt und den
Intensivpflegezuschlag aufgehoben. Diese Verfügung bildet den
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens. Nach der Auffassung des
Bundesgerichts bleibt Streitgegenstand im Rahmen einer Rückweisung, ob die
Verwaltung den Anspruch auf eine Rente, eine Hilflosenentschädigung oder einen
Assistenzbeitrag zu Recht reduziert oder aufgehoben hat. Bestätigen die auf eine
Rückweisung hin erfolgten weiteren Abklärungen der IV-Stelle die in der ursprünglichen
Revisionsverfügung getroffenen Feststellungen zum Zeitpunkt des Eintritts und den
Umfang der anspruchserheblichen Änderung, war letztere korrekt und zwar auch
insoweit, als sie die Leistungsherabsetzung/-aufhebung in Anwendung von Art. 88
Abs. 2 lit. a IVV auf den ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden
2.1.
bis
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Monats anordnete. Die neue Revisionsverfügung erschöpft sich diesfalls in einer
Bestätigung der aufgehobenen ersten Verfügung (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
21. Januar 2011, 9C_301/2010 E. 3.2 mit Hinweisen). Gestützt auf diese Auffassung
bliebe der Revisionszeitpunkt − wie von der Beschwerdegegnerin verfügt − also der 1.
August 2017. Zwar ist diese Argumentation des Bundesgerichts juristisch wenig
überzeugend. Seine Schlussfolgerung ist aus den folgenden Gründen trotzdem korrekt:
Die Zusprache einer Dauerleistung für die Zukunft stützt sich stets auf eine Prognose
über die zukünftige Sachverhaltsentwicklung ab. Diese Prognose lautet in aller Regel,
dass der Sachverhalt – für eine bestimmte Periode oder auch auf unbestimmte Zeit –
unverändert bleiben werde. Mit dem Korrekturinstrument der Revision kann eine
Dauerleistung angepasst werden, wenn sich der Sachverhalt später ändert, so dass die
der ursprünglichen Verfügung zugrunde gelegte Sachverhaltsprognose nun falsch ist
und durch eine neue Prognose ersetzt werden muss. Die neue Prognose lautet wieder:
Der Sachverhalt wird sich nicht ändern. Mit der Revisionsverfügung wird dieser neuen
Sachverhaltsprognose Rechnung getragen (vgl. Ralph Jöhl, Die Revision nach Art. 17
ATSG, in: JaSo 2012, S. 153 ff.). Dem Wesen der Revision entsprechend muss die
Anpassung deshalb auf den Zeitpunkt erfolgen, in dem sich der Sachverhalt und damit
der Leistungsbedarf verändert haben, denn ab diesem Zeitpunkt kann die verfügte
Leistung nicht mehr dem Leistungsbedarf entsprechen, sie wäre ganz oder teilweise im
Sinne von Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG unrechtmässig. Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV weicht
hinsichtlich des Wirkungszeitpunkts vom Art. 17 ATSG ab (während Art. 88 Abs. 2 lit.
b IVV auf den in Art. 17 Abs. 1 ATSG geregelten Wirkungszeitpunkt, also den Zeitpunkt
des Eintritts der revisionsrelevanten Sachverhaltsveränderung, abstellt). Für diese
Abweichung von Art. 17 Abs. 1 ATSG gibt es jedoch einen sachlichen Grund, nämlich
die Schutzwürdigkeit des Vertrauens des Leistungsbezügers in die bisherige
Leistungshöhe (Art. 9 BV). In Fällen wie dem vorliegenden, in denen die erste
Aufhebungs- oder Herabsetzungsverfügung durch das Gericht aufgehoben worden ist
und nach der Durchführung des Verwaltungsverfahrens eine Verfügung erlassen
worden ist, deren Dispositiv demjenigen der aufgehobenen ersten Verfügung
entspricht, hat der Leistungsbezüger jedoch kein schutzwürdiges Vertrauen darin, dass
die bisherige Leistung erst im Anschluss an die Zustellung dieser zweiten Verfügung
herabgesetzt oder aufgehoben wird. Der Leistungsbezüger hat in diesen Fällen nämlich
schon mit der Zustellung der ersten Verfügung Kenntnis davon erhalten, dass er
unrechtmässige Leistungen beziehen könnte. Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV weist somit eine
echte Lücke auf. Diese muss gefüllt werden, indem Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV um den
folgenden (Halb-)Satz ergänzt wird: "Wenn eine erste leistungsherabsetzende oder -
aufhebende Verfügung durch das Gericht aufgehoben wurde und das Dispositiv der
nach dem durchgeführten Verwaltungsverfahren erlassenen zweiten Verfügung mit
bis
bis
bis
bis
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demjenigen der ersten, aufgehobenen Verfügung identisch ist, richtet sich der
Wirkungszeitpunkt der Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung nach der ersten
Verfügung."
Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, dass aufgrund
der mittlerweile verschlechterten Situation wieder ein besonders intensiver
Überwachungsbedarf bestehe. Dies wirft die Frage auf, ob der Streitgegenstand nicht
nur den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Hilflosenentschädigung und einen
Intensivpflegezuschlag ab 1. August 2017 umfasst, sondern darüber hinaus den
Sachverhalt bis und mit dem Erlass der angefochtenen Verfügung, das heisst bis und
mit 1. Oktober 2019. Dies würde bedeuten, dass der angefochtenen Verfügung zwei
Revisionsverfahren zugrunde lägen. Darauf deutet weder das Verfügungsdispositiv
noch die Verfügungsbegründung hin. Die Beschwerdegegnerin wird das von der
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin am 17. April 2019 sinngemäss gestellte
Gesuch um eine Wiederausrichtung des Intensivpflegezuschlags also noch prüfen
müssen. Hier ist lediglich zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung zu Recht per 31. Juli 2017 auf den mittleren Grad herabgesetzt
und den Intensivpflegezuschlag aufgehoben hat.
2.2.
Das Gericht hat sich bereits in seinem Entscheid vom 15. Mai 2018 (IV 2017/298)
mit der Reduktion der Hilflosenentschädigung und der Aufhebung des Intensivpflege
zuschlags per 31. Juli 2017 auseinandergesetzt. Damals hat es die Sache zur weiteren
Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. Die nachfolgende
Anspruchsprüfung beschränkt sich daher auf diejenigen Punkte, die im Entscheid vom
15. Mai 2018 unbeantwortet geblieben sind.
2.3.
Unumstritten und im Entscheid vom 15. Mai 2018 bestätigt worden ist, dass in den
Bereichen An- und Auskleiden, Körperpflege, Verrichtung der Notdurft und
Fortbewegung ab dem 22. Juni 2017 weiterhin eine Hilflosigkeit der
Beschwerdeführerin ausgewiesen ist.
2.4.
Das Gericht hat in seinem Entscheid vom 15. Mai 2018 (Erw. 2.2) festgehalten,
dass sich bezüglich der allmorgendlichen Problematik − die Beschwerdeführerin könne
morgens kaum zum Aufstehen bewegt werden − bis zum 22. Juni 2017
augenscheinlich nichts geändert habe. Da die Rechtmässigkeit einer
Revisionsverfügung zu prüfen sei, sei allein das entscheidend. Nicht massgebend sei
also, ob es ursprünglich richtig gewesen sei, die Notwendigkeit der morgendlichen
Anleitung und Ermunterung als eine regelmässige und erhebliche Dritthilfe zu
qualifizieren. Obwohl das Gericht also zum Schluss gekommen ist, dass für den
2.5.
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Bereich Aufstehen, Absitzen und Abliegen weiterhin eine Hilflosigkeit angenommen
werden müsse, hat die Beschwerdegegnerin eine solche in der angefochtenen
Verfügung verneint. Zwar hat das Gericht die Angaben der Mutter, dass die
Bewegungsabläufe der Beschwerdeführerin (nach wie vor) unkontrolliert seien, dass die
Beschwerdeführerin, gerade wenn sie müde sei, oft hinfalle, und dass sie im Schnitt
weniger mobil sei, als nachvollziehbar und überzeugend erachtet. Die Frage nach einer
relevanten Sachverhaltsveränderung in Bezug auf die Fähigkeit der
Beschwerdeführerin, selbständig abzusitzen und aufzustehen, hat es gestützt auf die
Akten jedoch nicht beantworten können. Dem Abklärungsbericht vom 13. März 2019 ist
zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin rein motorisch selber aufstehen könne (IV-
act. 360-8). Gezielte und gewollte Positionswechsel (insbesondere auf einen Stuhl
sitzen und wieder aufstehen) gelängen ihr in der Regel. Abends könne eine grössere
Müdigkeit festgestellt werden. Um nach einem Sturz aufzustehen, fehle ihr die
Handlungsfähigkeit. Die Beschwerdeführerin schaffe es auch nicht, einem plötzlich
auftauchenden Hindernis rechtzeitig auszuweichen. Nach einem Hinweis könne sich
die Beschwerdeführerin selber ins Bett "pflatschen". Danach müsse sie je nachdem
nochmals angehoben werden, um die Bettdecke unter ihr wegzuziehen. Im Erstbericht
vom 29. März 2017 der Stiftung C._ ist festgehalten worden, dass der
Beschwerdeführerin Positionswechsel (wie zum Beispiel das Aufstehen oder Absitzen)
keine Mühe bereiteten. Selbst das Ein- und Aussteigen aus dem Schulbus meistere sie
problemlos alleine (IV-act. 330-2). Die Lehrpersonen der HPS haben im Lernbericht
Schuljahr 2017/2018 bestätigt, dass die Beschwerdeführerin den Schulbus beim Z._
selbständig verlassen könne (IV-act. 331-6). Dr. F._ hat am 4. September 2019
berichtet, dass die Beschwerdeführerin die körperlichen Funktionen (wie z.B.
Hinsetzen, Aufstehen und Hinlegen) selber ausführen könne (IV-act. 386-7). Aus den
neu einholten Berichten geht somit übereinstimmend hervor, dass die
Beschwerdeführerin im Bereich des Aufstehens, Absitzens und Abliegens mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht mehr auf regelmässige und erhebliche direkte
Dritthilfe angewiesen ist. Da sich jedoch bezüglich der morgendlichen Problematik
nichts geändert hat, ist für den Bereich des Aufstehens, Absitzens und Abliegens
weiterhin von einem regelmässigen und erheblichen indirekten Hilfebedarf auszugehen.
Mit Bezug auf den Bereich des Essens hat das Gericht im Entscheid vom 15. Mai
2018 festgehalten, der Sachverhalt habe sich seit der Verfügung vom 26. Januar 2012
insoweit geändert, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Eröffnung der
Verfügung vom 22. Juni 2017 nur noch beim Zerkleinern "grober" und "zäher"
Nahrungsmittel direkte Hilfe benötige. Die Beschwerdeführerin ist bei der
Nahrungsaufnahme somit nicht mehr auf direkte Dritthilfe angewiesen. Die Frage, ob
2.6.
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die Beschwerdeführerin bei der Verrichtung des Essens neu eine Anleitung und
Überwachung benötige, die als eine regelmässige und erhebliche indirekte Dritthilfe zu
qualifizieren sei, hat das Gericht anhand der ihm vorliegenden Akten nicht beantworten
können. Die Eltern haben anlässlich der Abklärung vom 13. März 2019 angegeben,
dass die Beschwerdeführerin in die Verrichtung nicht hineinfinde; sie wisse nicht, mit
welcher Handlung sie beim Frühstück beginnen solle. Während des Essens seien
Inputs oder Hinweise auf spezifische Piktogramme nötig, damit die
Beschwerdeführerin das Frühstück einnehme. Sie habe kein Sättigungsgefühl, d.h. sie
erkenne das Ende der Verrichtung nicht. Auch müsse kontrolliert werden, dass sie
trinke (IV-act. 360). Die Stiftung C._ hat im Bericht vom 29. März 2017 festgehalten,
dass die Beschwerdeführerin beim Essen sehr selbständig sei. Am Morgen richte sie
sich ihr Essen selbst und am Mittag schöpfe sie sich ihr Essen selbst. Die Betreuerin
achte aber auf die Grösse der Portionen, da die Beschwerdeführerin diese nicht immer
einschätzen könne. Während dem Essen rede die Beschwerdeführerin sehr gerne; sie
müsse immer wieder daran erinnert werden, dass sie am Essen sei. Sie empfinde ein
Durstgefühl und könne dieses kommunizieren (IV-act. 330). Dem Wohngruppenbericht
2017/2018 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin im Bereich des Essens
grosse Fortschritte gemacht habe. Sie spüre, wenn sie Durst habe und nehme selber
etwas zu trinken. Sie nehme sich bei Tisch zu essen und esse eine normale Portion. Die
Beschwerdeführerin sei während der Mahlzeiten aber immer in einer begleiteten
Situation. Laut dem Lernbericht des Schuljahres 2018/2019 trinkt die
Beschwerdeführerin selbständig Wasser, wenn sie durstig ist (IV-act. 383-7). Während
die Beschwerdeführerin im Heim also in Anwesenheit einer Betreuungsperson in der
Lage ist, selbständig zu essen und zu trinken, benötigt sie gemäss den Eltern zu Hause
regelmässige und erhebliche indirekte Hilfestellungen. Das Gericht hat in seinem
Entscheid vom 15. Mai 2018 darauf hingewiesen, dass die Situation im Heim nicht mit
jener zuhause verglichen werden könne, denn im familiären Kontext stelle sich die
"Esssituation" in aller Regel nicht so strukturiert dar wie in einem Heim. Dies bedeutet
allerdings nicht, dass das Verhalten der Beschwerdeführerin im Heim bei der
Beurteilung der Hilflosigkeit gar nicht berücksichtigt werden darf. Der zuständige
Fachberater des Fachbereichs Hilflosenentschädigung Minderjährige hat in seiner
Stellungnahme vom 7. Juni 2018 zu Recht angemerkt, dass der Hilfebedarf zu Hause
zwar womöglich etwas anders sei als im Heim, jedoch nicht völlig anders ausfallen
sollte. Da die Familie durch die sozialpädagogische Familienhilfe (Autismushilfe)
beratend unterstützt werde, könnten Strukturvorgaben (ähnlich wie im Heim) durchaus
eingefordert werden (IV-act. 359). Zwar ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin auf die Anwesenheit einer Betreuungsperson beim Essen
angewiesen ist. Eine über die familienübliche Präsenz am Tisch hinausgehende
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regelmässige und erhebliche indirekte Dritthilfe beim Essen ist gestützt auf die neu
eingegangenen Berichte des Heims jedoch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht
notwendig, d.h. die Beschwerdeführerin ist beim Essen nicht in einem
anspruchsbegründenden Ausmass hilflos.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin ab dem 22. Juni
2017 in den Bereichen An- und Auskleiden, Aufstehen, Absitzen und Abliegen,
Körperpflege, Verrichten der Notdurft und Fortbewegung weiterhin auf regelmässige
und erhebliche Dritthilfe angewiesen gewesen ist. Hingegen hat im Bereich des Essens
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein regelmässiger und erheblicher Hilfebedarf
mehr bestanden. Die Beschwerdeführerin hat daher ab dem 1. August 2017 lediglich
noch Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung mittelschweren Grades (Art. 37 Abs. 2
IVV).
2.7.
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin den Intensivpflegezuschlag per 31.
Juli 2017 zu Recht aufgehoben hat. Das Gericht hat in seinem Entscheid vom 15. Mai
2018 festgehalten, dass im Bereich des An- und Auskleidens ein Teil des Aufwandes
entfalle, weil die Beschwerdeführerin keine Windeln mehr trage. Umgekehrt bestehe
aber keine Rechtfertigung mehr für einen "altersentsprechenden Abzug" von 4
Minuten. Die Beschwerdegegnerin habe den Aufwand für den (nicht mehr
notwendigen) Windelwechsel auf 15 Minuten geschätzt. Den Akten lasse sich nicht
entnehmen, worauf diese Schätzung beruhe. Zuverlässigere Angaben hierzu fänden
sich in den Akten nicht. Der für das An- und Auskleiden massgebende
behinderungsbedingte Mehraufwand lasse sich deshalb nicht feststellen. Im
Abklärungsbericht vom 14. November 2011 ist festgehalten, dass die
Beschwerdeführerin für das An- und Auskleiden bei jedem Kleidungsstück der
vollständigen Hilfe benötige. Von sich aus mache die Beschwerdeführerin einfach gar
nichts; sie "hält einfach hin". Die Mutter der Beschwerdeführerin hat anlässlich der
Abklärung an Ort und Stelle vom 11. Januar 2017 angegeben, dass sich beim An- und
Auskleiden nichts geändert habe; die Beschwerdeführerin übernehme beim An- und
Auskleiden weiterhin keine Eigenleistung und interessiere sich nicht für die Verrichtung.
Die Stiftung C._ hat im Bericht vom 29. März 2017 angegeben, dass die
Beschwerdeführerin die Kleider zusammen mit der Bezugsperson am Abend für den
nächsten Tag richte. Die Betreuungsperson achte auf wettergerechte Kleider, da die
Beschwerdeführerin dies selber nicht einschätzen könne. Am Morgen kleide sich die
Beschwerdeführerin meistens alleine an. Teilweise benötige sie für die einzelnen
Schritte eine verbale Anleitung durch eine Betreuungsperson. Die Leiterin der
Wohngruppe "D._" hat im Bericht vom 21. November 2018 festgehalten, dass die
2.8.
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Beschwerdeführerin jeweils eine Aufforderung beim Ankleiden sowie eine Kontrolle
benötige, da es fraglich sei, ob sie sich ohne diese Hilfestellung der Witterung
angemessen ankleiden würde. Sie kenne aber die Handlungsabläufe zum An- und
Auskleiden und könne diese selbständig ausführen. Dem Lernbericht des Schuljahres
2016/2017 (IV-act. 332) ist zu entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin sowohl in
der Turnhalle als auch im Hallenbad selbständig umziehe. Dabei lege sie ihre Kleider
säuberlich zusammen. Die Angaben der Eltern zum Hilfebedarf der Beschwerdeführerin
beim An- und Auskleiden decken sich nicht mit den Angaben des Heimes und der
Schule. Aus den Berichten des Heimes und der Schule erschliesst sich, dass die
Beschwerdeführerin beim Aus- und Ankleiden nicht mehr auf direkte Dritthilfe
angewiesen ist. Die Beschwerdeführerin muss also auch zu Hause in der Lage sein,
sich (unter Anleitung und Kontrolle) selbständig anzukleiden. Der Mehraufwand für das
An- und Auskleiden hat sich seit dem Jahr 2011 somit deutlich reduziert, zumal auch
das Windeln wechseln morgens und abends wegfällt. Im Jahr 2011 war der
Mehraufwand auf 45 Minuten geschätzt worden, im Abklärungsbricht vom 31. März
2017 auf 30 Minuten (IV-act. 284-3) und im aktuellen Abklärungsbericht vom 13. März
2019 noch auf 20 Minuten. Die Beschwerdegegnerin hat im Bericht vom 13. März 2019
festgehalten, dass die Beschwerdeführerin lediglich noch Hilfe bei der täglichen
Kleiderwahl sowie Inputs und Handreichungen benötige. Die Beschwerdegegnerin hat
im Abklärungsbericht vom 27. Oktober 2011 im Bereich Verrichten der Notdurft für das
Wechseln der Windeln je 5 Minuten berücksichtigt (IV-act. 163-6). Auch im KSIH
werden für das Windelwechseln fünf Minuten eingesetzt (Anhang IV, S. 221). Da das
An- und Auskleiden im Jahr 2011 noch zweimal Windelwechseln berücksichtigt hat,
muss damals für das An- und Auskleiden an sich also ein Mehraufwand von 35
Minuten berücksichtigt worden sein. Zwischenzeitlich hat die Beschwerdeführerin beim
An- und Auskleiden allerdings so grosse Fortschritte gemacht, dass sie lediglich noch
auf Anleitung und Kontrolle, jedoch nicht mehr auf direkte Hilfe, angewiesen ist. Vor
diesem Hintergrund erscheint der von der Beschwerdegegnerin ermittelte
Mehraufwand im Rahmen der Abklärung vom 26. Februar 2019 von 20 Minuten
realistisch. Wie nachfolgend aufgezeigt wird, würde aber auch unter Berücksichtigung
eines zeitlichen Mehraufwandes von 30 Minuten pro Tag für das An- und Auskleiden
kein Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag resultieren. Bezüglich der Verrichtung
des Aufstehens, Absitzens und Abliegens steht inzwischen fest, dass die
Beschwerdeführerin seit dem 22. Juni 2017 lediglich noch indirekte Hilfe benötigt, und
zwar beim morgendlichen Aufstehen. Die Eltern haben bei der Abklärung an Ort und
Stelle vom 26. Februar 2019 angegeben, dass hierfür eine Zeitspanne von 20 Minuten
vorgesehen sei. Die Beschwerdeführerin könne letztlich nach dreimaliger Weckhilfe
selber aufstehen. Die Beschwerdeführerin hat bereits im Jahr 2011 einer intensiven
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verbalen Aufmunterung und Begleitung beim Aufstehen am Morgen bedurft. Ein
zeitlicher Mehraufwand ist hierfür jedoch nicht angerechnet worden; beim
angerechneten Mehraufwand von 20 Minuten hat es sich um einen Pauschalbetrag für
die Transfers gehandelt (IV-act. 163-4). Da sich die Situation bezüglich der
allmorgendlichen Problematik zwischenzeitlich nicht wesentlich verändert hat, ist für
das morgendliche Wecken weiterhin kein Mehraufwand beim Intensivpflegezuschlag
anrechenbar. Das Gericht hat in seinem Entscheid vom 15. Mai 2018 festgehalten,
dass für die Körperpflege ein höherer behinderungsbedingter Mehraufwand als noch im
Januar 2012 berücksichtigt werden müsse: Zum einen benötigten gesunde zwölfjährige
Kinder − anders als siebenjährige Kinder − keine Unterstützung mehr bei der
Körperpflege, und zweitens gestalte sich die Körperpflege eines zwölfjährigen Kindes in
jedem Fall aufwendiger als jene eines siebenjährigen Kindes (z.B. häufigeres Duschen).
Die Beschwerdegegnerin hat bei der Abklärung an Ort und Stelle vom 11. Januar 2017
einen Mehraufwand von 42 Minuten statt bisher 25 Minuten berücksichtigt. Das Gericht
hat die Aussage der Mutter, dass sie zusätzlich noch 20 Minuten pro Tag für die
Intimwäsche nach der Schule und abends 45 Minuten statt 30 Minuten benötige, als
grundsätzlich glaubwürdig erachtet. Wie hoch der genaue behinderungsbedingte
Mehraufwand tatsächlich sei, hat das Gericht anhand der Akten jedoch nicht
bestimmen können. Im Abklärungsbericht vom 13. März 2019 hat die
Beschwerdegegnerin noch einen zeitlichen Mehraufwand von 40 Minuten
berücksichtigt, also zwei Minuten weniger. Die Eltern haben bei der Abklärung an Ort
und Stelle vom 26. Februar 2019 angegeben, dass zweimal täglich (wenn die
Beschwerdeführerin zu Hause sei) die Zähne nachgereinigt würden. Da im
Abklärungsbericht vom 11. Januar 2017 drei Mal zwei Minuten für das Nachreinigen
der Zähne berücksichtigt worden waren, hat die Beschwerdegegnerin den
Mehraufwand zu Recht um zwei Minuten pro Tag reduziert. Bezüglich der von der
Mutter geltend gemachten zusätzlichen Intimpflege von 20 Minuten tagsüber liegen
widersprüchliche Angaben vor. Während im Abklärungsbericht vom 11. Januar 2017
davon gesprochen wird, dass diese nach dem täglichen Schulbesuch notwendig sei,
steht im Abklärungsbericht vom 13. März 2019, dass diese lediglich nach der Rückkehr
vom Wohnheim notwendig gewesen sei (IV-act. 360-11). Jedenfalls aber erscheint der
angegebene Aufwand von 20 Minuten täglich als zu hoch. Mit der zuständigen IV-
Sachbearbeiterin ist davon auszugehen, dass für die zusätzliche Intimpflege 5-10
Minuten reichen müssten, und dass diese höchstens an fünf Tagen pro Woche zu
berücksichtigen ist (IV-act. 287-2). Ausgehend von 10 Minuten pro Tag sind
durchschnittlich somit höchstens 7 Minuten pro Tag für die zusätzliche Intimpflege zu
berücksichtigen (10 Minuten x 5 / 7). Ob überhaupt ein Mehraufwand für die zusätzliche
Intimpflege anzurechnen ist, kann offen gelassen werden, da dies, wie nachfolgend
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aufgezeigt wird, keinen Einfluss auf den Anspruch der Beschwerdeführerin auf einen
Intensivpflegezuschlag hat. Die Beschwerdegegnerin hat gestützt auf die aktuelle
Abklärung vom 26. Februar 2019 für Hilfestellungen bei der Körperpflege morgens 10
Minuten und abends 20-30 Minuten (alle 2 Tage Haare waschen) ermittelt.
Berücksichtigt hat sie insgesamt einen Mehraufwand von 40 Minuten, d.h. sie hat für
die Hilfestellungen abends 30 Minuten angerechnet. Verglichen damit, dass der für die
Körperpflege von Kindern ab 10 Jahren anrechenbare zeitliche Maximalwert gemäss
dem KSIH grundsätzlich 60 Minuten beträgt (Anhang IV des Kreisschreibens, S. 221),
erscheint der von der Beschwerdegegnerin berücksichtigte Zeitaufwand realistisch,
zumal die Beschwerdeführerin nicht in allen Teilverrichtungen auf direkte Hilfe
angewiesen ist, sondern lediglich Anleitung benötigt. Für die Körperpflege ist somit ein
täglicher zeitlicher Mehraufwand von höchstens 47 Minuten zu berücksichtigen (40
Minuten gemäss Abklärungsbericht vom 13. März 2019 plus maximal 7 Minuten für die
Intimpflege tagsüber). Das Gericht hat in seinem Entscheid vom 15. Mai 2018
festgehalten, dass sich der behinderungsbedingte Mehraufwand hinsichtlich des
Verrichtens der Notdurft seit Januar 2012 erheblich reduziert habe, da der
Toilettengang nicht mehr geübt werden müsse. Neu beschränke sich der Aufwand auf
die Nachreinigung nach der Verrichtung der Notdurft. Der Aufwand im Zusammenhang
mit dem wöchentlichen Einlauf sei dagegen unverändert geblieben. Zudem stehe fest,
dass im Zeitpunkt der Eröffnung der Verfügung vom 22. Juni 2017 auch eine Reinigung
nach dem Wasserlösen erforderlich gewesen sei. Wie hoch der gesamte
behinderungsbedingte Mehraufwand im Zusammenhang mit der Verrichtung der
Notdurft genau gewesen sei, lasse sich dagegen angesichts der divergierenden
Angaben in den Akten nicht bestimmen. Die Beschwerdegegnerin hat bei der
Abklärung im Jahr 2017 einen Mehraufwand von 14.5 Minuten angenommen: 2
Minuten für das Nachreinigen nach dem Stuhlgang, 6.5 Minuten für den wöchentlichen
Einlauf und 6 Minuten für das Nachreinigen nach dem Wasserlösen (IV-act. 284-5 und
IV-act. 287-2). Im Abklärungsbericht vom 13. März 2019 sind für das Nachreinigen
nach dem Stuhlgang 2 x 2 Minuten berücksichtigt worden und für Hinweise/
Erinnerungen/Kontrollen pauschal 2 Minuten (insgesamt 6 Minuten). Zwar kann das
Abklärungsergebnis aus dem Jahr 2019 nicht ohne weiteres für das Jahr 2017
übernommen werden, da sich der Hilfebedarf in der Zwischenzeit verändert hat: Im
Jahr 2019 ist nur noch ein Einlauf pro Monat notwendig gewesen (statt bisher einmal in
der Woche) und das Nachreinigen nach dem Wasserlösen ist entfallen. Die aktuelle
Abklärung bestätigt jedoch, dass der im Jahr 2017 ermittelte Mehraufwand von 14.5
Minuten pro Tag durchaus realistisch gewesen ist. Hinsichtlich des Mehraufwandes im
Zusammenhang mit der Begleitung der Beschwerdeführerin zu Arztbesuchen oder
Therapien hat das Gericht im Entscheid vom 15. Mai 2018 festgehalten, dass keine
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relevante Sachverhaltsveränderung ersichtlich sei, weshalb dafür nach wie vor ein
Mehraufwand von 20 Minuten pro Tag zu berücksichtigen sei. Bei der Abklärung im
Jahr 2011 hatte die Beschwerdegegnerin die folgenden Termine berücksichtigt: 1 Mal
monatlich Kinderarzt, 1 Mal monatlich Autismushilfe St. Gallen, 1 Mal monatlich
Medikamente abholen, 6 Mal jährlich Kinderspital St. Gallen und 2 Mal pro Jahr Dr.
E._ (Autismus). Die Abklärungen der Beschwerdegegnerin nach dem Gerichtsurteil
vom 15. Mai 2018 haben allerdings ergeben, dass die Beschwerdeführerin inzwischen
weniger Termine beim Kinderarzt und im Kinderspital hat, und bei Dr. E._ offenbar
gar keine Termine mehr wahrgenommen worden sind. Die Termine bei den KJPD sind
wohl erst ab August 2017 dazugekommen (siehe IV-act. 388-43 f.), weshalb sie
vorliegend nicht zu berücksichtigen sind. Die Beschwerdegegnerin hat den
Zeitaufwand für die Medikamentenbesorgung (1 x mtl. 30 Minuten, IV-act. 163-7) und
für die Termine bei der sozialpädagogischen Familienbegleitung (Autismushilfe, 40 x 60
Minuten im Jahr) neu nicht mehr angerechnet, obwohl sie bisher berücksichtigt worden
sind (siehe IV-act. 163-7). Auch wenn deren bisherige Anrechnung ein Fehler gewesen
sein sollte, so könnte er nicht im Rahmen des vorliegenden Revisionsverfahrens, in
welchem es nur um Sachverhaltsveränderungen geht, korrigiert werden. Die
Beschwerdegegnerin hat für die Begleitung zu Arztbesuchen oder Therapien noch
einen Mehrbedarf von insgesamt 3 Minuten angenommen. Werden die Termine bei der
Autismushilfe St. Gallen (40 x 60 Minuten im Jahr, d.h. 6.5 Minuten pro Tag) und das
Abholen der Medikamente (30 Minuten pro Monat, d.h. 1 Minuten pro Tag) weiterhin
berücksichtigt, beläuft sich der Mehraufwand auf rund 10.5 Minuten pro Tag. Laut dem
Gerichtsentscheid vom 15. Mai 2018 ist mit Bezug auf die Behandlungspflege
zwischen dem 26. Januar 2012 und 22. Juni 2017 keine Sachverhaltsveränderung
eingetreten. Die Beschwerdegegnerin hat im Abklärungsbericht vom 14. November
2011 einen Mehraufwand von pauschal 10 Minuten pro Tag für therapeutische
Massnahmen berücksichtigt (Verabreichung von Medikamenten, inkl.
Notfallmedikamente und Sauerstoff bei einem epileptischen Anfall). Im
Abklärungsbericht vom 31. März 2017 hat sie für diagnostische Massnahmen 2
Minuten (regelmässiges Kontrollieren der Körpertemperatur) und für therapeutische
Massnahmen 4 Minuten angerechnet, d.h. insgesamt 6 Minuten. Im Abklärungsbericht
vom 13. März 2019 hat sie dann lediglich noch 1 Minute für das tägliche
Temperaturmessen und 1 Minute für therapeutische Massnahmen (4 x täglich 2
Medikamente, 4 x 0.25 Minuten) berücksichtigt. Der Mehraufwand für die Grund- und
Behandlungspflege würde auch unter Berücksichtigung des bisherigen Mehraufwandes
für die Behandlungspflege von 10 Minuten pro Tag weniger als 120 Minuten pro Tag
betragen, nämlich höchstens 102 Minuten (20 Minuten für das An- und Auskleiden,
höchstens 47 Minuten für die Körperpflege, 14.5 Minuten für das Verrichten der
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3.
Notdurft und 10.5 Minuten für Arzt- und Therapiebesuche), weshalb auf die Ermittlung
des exakten Zeitaufwands für die Behandlungspflege verzichtet werden kann.
Das Gericht hat in seinem Entscheid vom 15. Mai 2018 festgehalten, dass sich der
Sachverhalt bezüglich der persönlichen Überwachung im Zeitraum zwischen dem 26.
Januar 2012 und dem 22. Juni 2017 massgebend verändert habe, denn die Häufigkeit
der epileptischen Anfälle habe infolge der optimalen medikamentösen Einstellung
erheblich abgenommen. Im Januar 2012 habe noch von einer besonders intensiven
Überwachung ausgegangen werden müssen, weil die Beschwerdeführerin immer
wieder Krampfanfälle mit Bewusstlosigkeit und Sauerstoffmangel erlitten habe, bei
denen eine sofortige Intervention notwendig gewesen sei. Bereits damals habe auch
die Fremdgefährdung insbesondere des Bruders einen Überwachungsbedarf
begründet, aber diese habe nur einen Teil des gesamten Überwachungsbedarfs
ausgemacht. Im Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung vom 22. Juni
2017 sei ein deutlich geringerer Überwachungsbedarf in Bezug auf eine mögliche
Selbstgefährdung erforderlich gewesen. Eine Überwachung sei hauptsächlich noch
wegen der Fremdgefährdung notwendig gewesen. Diese könne gesamthaft nicht mehr
als besonders intensiv, sondern nur noch als dauernd erforderlich qualifiziert werden,
was eine Reduktion der Überwachungspauschale auf zwei Stunden zur Folge habe. Bei
einem Mehraufwand für die Grund- und Behandlungspflege von höchstens 102
Minuten pro Tag und einer Überwachungspauschale von 120 Minuten beträgt der
anrechenbare Mehraufwand höchstens 222 Minuten und damit weniger als 4 Stunden
resp. 240 Minuten. Die Beschwerdegegnerin hat somit einen Anspruch auf einen
Intensivpflegezuschlag ab dem 1. August 2017 zu Recht verneint.
2.9.
Schliesslich bleibt festzuhalten, dass, wie die Rechtsvertreterin der Beschwerde
führerin zu Recht kritisiert hat, auch der Abklärungsbericht vom 13. März 2019 in
qualitativer Hinsicht gewisse Mängel aufweist. In der Gesamtschau und insbesondere
unter Berücksichtigung der neu eingeholten Berichte sind die Abklärungen der
Beschwerdegegnerin nun jedoch als genügend zu erachten, um über den Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Hilflosenentschädigung und auf einen
Intensivpflegezuschlag ab 1. August 2017 entscheiden zu können.
2.10.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin den Anspruch
auf eine Hilflosenentschädigung zu Recht per 31. Juli 2017 auf den mittleren Grad
herabgesetzt und den Intensivpflegezuschlag aufgehoben hat.
2.11.
Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.2.12.
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Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen. Die Gerichtsgebühr ist durch den von ihr geleisteten Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- gedeckt. Die Beschwerdeführerin hat bei diesem Verfahrensausgang
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.