Decision ID: c113a7a3-de6f-5454-b53e-8b253c331c4a
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 18. April 2017 in der Schweiz um
Asyl nach und wurde per Zufallsprinzip dem Testbetrieb in B._ zu-
gewiesen. Am 25. April 2017 mandatierte er die Mitarbeitenden der
Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende für seine Rechtsvertretung im
Rahmen des Testverfahrens. In der Folge nahm das SEM am 26. April
2017 seine Personalien auf und befragte ihn summarisch zu seinem Rei-
seweg (MIDES Personalienaufnahme). Es folgten am 23. Mai 2017 die
Erstbefragung gemäss Art. 16 Abs. 3 der Verordnung vom 4. September
2013 über die Durchführung von Testphasen zu den Beschleunigungs-
massnahmen im Asylbereich (TestV, SR 142.318.1) und am 13. Juni 2017
die Anhörung nach Art. 17 Abs. 2 Bst. b TestV.
A.b Der Beschwerdeführer machte zur Begründung seines Asylgesuches
im Wesentlichen Folgendes geltend: Er sei türkischer Staatsangehöriger
kurdischer Ethnie und habe sein ganzes Leben in C._ (Provinz
C._) verbracht mit Ausnahme der Jahre 2012 bis 2014, als er in
D._ gearbeitet habe. Er sei seit (...) verheiratet und habe (...) Kin-
der. Als ausgebildeter (...) habe er in einem (...) gearbeitet. Zum Zeitpunkt
seiner Ausreise sei er zusätzlich in der Ausbildung zum (...) gewesen.
Sein Bruder habe sich im Jahre (...) der PKK (Partiya Karkerên Kurdistanê,
deutsch: Arbeiterpartei Kurdistans) angeschlossen und sei im darauffol-
genden Jahr während eines Gefechts getötet worden. Auch zwei Ge-
schwister seiner Ehefrau seien seit (...) beziehungsweise (...) bei der PKK,
wobei man vermute, dass der Bruder tot sei. Ferner seien zwei seiner
Cousins bei der PKK. Er selber hege zwar Sympathien für die PKK, lehne
jedoch Gewalt ab. Angeschlossen habe er sich nie. Seine Ehefrau sei Mit-
glied der DBP (Demokratik Bölgeler Partisi, deutsch: Demokratische Partei
der Regionen). Eine Zeit lang sei sie im (...) tätig, nach der Heirat jedoch
nur noch ein einfaches Mitglied gewesen. In der Türkei stehe man politisch,
sozial und kulturell unter Druck. Jederzeit könne man geschlagen oder be-
schimpft werden. Er sei hunderte Male geschlagen worden. Bei Identitäts-
kontrollen sei er befragt und, nachdem er stundenlang habe warten müs-
sen, wieder freigelassen worden. Seine Sprache sei in der Türkei verboten,
die Kultur dürfe man nicht ausleben und sie könnten die Kinder nicht in eine
kurdische Schule schicken. Er vermute auch, dass der türkische Staat we-
gen seines Bruders oder den Geschwistern seiner Frau, die sich der PKK
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angeschlossen hätten, Druck auf ihn ausgeübt habe. Seit 2013 sei er Mit-
glied der Gewerkschaft (...), welche zur Gewerkschaftskonföderation (...)
gehöre. Eine Zeit lang habe er dem (...) der (...) angehört und zuletzt sei
er (...) der (...) gewesen. Er habe in den Jahren 2012 bis 2016 an rund (...)
bis (...) Veranstaltungen teilgenommen, welche von der Gewerkschaft or-
ganisiert worden seien. Oft sei es bei den Veranstaltungen auch zu per-
sönlichen Beschimpfungen und Bedrohungen durch die Behörden gekom-
men. Irgendwann zwischen 2012 und 2014 habe die Leitung des (...) eine
Untersuchung gegen ihn eingeleitet, weil er an einem (...) teilgenommen
habe. Da ihm kein Delikt habe vorgeworfen werden können, sei die Unter-
suchung abgeschlossen worden und habe keine weiteren Folgen nach sich
gezogen. Im Jahre 2015 habe es im Rahmen von bewaffneten Auseinan-
dersetzungen zwischen dem Staat und der "Guerilla" täglich viele Verletzte
gegeben. Auf die Bevölkerung, die lediglich gegen die Geschehnisse de-
monstriert habe, sei geschossen worden. Nur die verletzten Polizisten
seien in den Spitälern behandelt worden. Auf Bitten eines Freundes habe
er (...). In (...) 2016 habe die Polizei eine Hausdurchsuchung bei ihm zu
Hause durchgeführt. Die Polizisten hätten das Haus – vermutlich nach (...)
– durchsucht und ihn beschimpft, erniedrigt und bedroht. Sowohl er als
auch seine Frau hätten sich auf den Boden legen müssen. Als er nach dem
Grund für die Durchsuchung gefragt habe, sei er geschlagen worden. Nach
diesem Vorfall habe er mit (...) aufgehört. Im (...) 2016 habe die Polizei ihn
beim Verlassen des (...) drei oder vier Male angehalten und seine Tasche
gründlich durchsucht. Nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 habe
der Staat viele Dekrete erlassen und angekündigt, dass diejenigen, welche
die Terroristen unterstützt hätten, zur Rechenschaft gezogen würden. Er
sei sehr beunruhigt gewesen und habe Angst vor einer Inhaftierung gehabt.
Viele Leute – und auch er – seien aufgrund eines Dekretes von ihrer Ar-
beitsstelle entlassen worden. Der (...) 2016 sei sein letzter Arbeitstag ge-
wesen. (...) 2016 sei erneut eine Hausdurchsuchung bei ihm durchgeführt
worden. Er habe sich mit dem Gesicht zur Wand stellen müssen und sei
durchsucht worden. Danach sei er am Nacken gepackt und auf den Boden
gezerrt worden. Seine Frau sei an den Haaren gezerrt und gestossen wor-
den und habe sich auch hinlegen müssen. Ebenfalls im (...) 2016 habe er
in Istanbul an einer (...) Protestkundgebung teilgenommen, bei welcher die
Demonstrierenden von der Polizei geschlagen und bedroht worden seien.
Am (...) 2016 habe er auf dem Polizeipräsidium ein Gesuch um Erneue-
rung seines Reisepasses gestellt. Da dieses Gesuch abgelehnt worden
sei, gehe er davon aus, dass er einem Ausreiseverbot unterstehe, und es
sei ihm klar gewesen, dass die Untersuchungen gegen ihn noch nicht ab-
geschlossen seien. Er habe sich zu seiner eigenen Sicherheit zur Ausreise
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entschlossen und die Türkei am (...) 2017 verlassen. Ein (...), der in Istan-
bul lebe, sei wegen eines Vorfalls in C._ zu (...) verurteilt worden.
Dies zeige, mit welcher Willkür man es in der Türkei zu tun habe.
A.c Der Beschwerdeführer reichte im Verlaufe des vorinstanzlichen Ver-
fahrens folgende Identitätsnachweise und Beweismittel ein:
- Abgelaufener Reisepass
- Nüfus
- Arbeitsausweis
- Gewerkschaftsausweis der (...)
- Auszug aus dem (...)
- Gesuch um Ausstellung eines Reisepasses vom (...) 2016
- Mitteilung des Passamtes von C._ vom (...) 2016
- Bestätigung der Staatsanwaltschaft von C._ vom (...) 1996 den Tod
des Bruders betreffend
- Diverse Fotoaufnahmen von Kundgebungen
- Antrag eines Staatsanwaltes an das Friedensstrafgericht betreffend Erlass ei-
nes Hausdurchsuchungsbefehls und Erlaubnis für Verhaftungen, Konfiszie-
rungen und Untersuchungen
B.
Am 19. Juni 2017 verfügte das SEM die Zuweisung des Beschwerdefüh-
rers in das erweiterte Verfahren sowie in den Kanton E._ als Auf-
enthaltskanton.
C.
Mit Schreiben vom 22. Juni 2017 erklärte die mandatierte Rechtsvertretung
das Mandatsverhältnis als beendet.
D.
Das SEM stellte mit Verfügung vom 25. Februar 2020 – eröffnet am
26. Februar 2020 – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
E.
Der Beschwerdeführer erhob durch den rubrizierten Rechtsvertreter mit
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Eingabe vom 26. März 2020 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen und ihm sei
Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht beantragte er, es sei ihm die
unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses zu verzichten.
Der Beschwerde lag eine Bestätigung des Fürsorgeamts F._ vom
(...) 2020 bei.
F.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 27. März
2020 den Eingang der vorliegenden Beschwerde.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 22. April 2020 stellte der Instruktionsrichter
fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten, wies die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses ab und setzte dem Beschwerdeführer eine Frist zur Leistung eines
Kostenvorschusses in der Höhe von Fr. 750.– an.
H.
Der eingeforderte Kostenvorschuss wurde innert Frist am 7. Mai 2020 ein-
bezahlt.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 VGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
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(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m.
Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Nachdem der einverlangte Kosten-
vorschuss innert angesetzter Frist bezahlt wurde, ist auf die Beschwerde
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachfolgend
aufgezeigt wird, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb auf
einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Beschwerdeentscheid nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-
lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land,
in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zu-
gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-
schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-
dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1
AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-
bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-
lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.
5.1 Das SEM führte in seiner Verfügung aus, der Beschwerdeführer habe
aufgrund seiner Angaben und dem eingereichten Auszug aus dem (...) of-
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fenbar zum Kreis der Personen gehört, die per Dekret (...) entlassen wor-
den seien. Diese Entlassung reiche für sich genommen nicht aus, um eine
Furcht vor asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen durch den türkischen
Staat objektiv zu begründen. Es würden keine konkreten Hinweise vorlie-
gen, dass die türkischen Behörden seit seiner Entlassung Ermittlungen
aufgenommen oder ein Verfahren gegen ihn wegen Unterstützung einer
terroristischen Organisation eingeleitet hätten. Seine Erklärung, weshalb
er nicht versucht habe, in Erfahrung zu bringen, ob ein Strafverfahren ge-
gen ihn eingeleitet worden sei, überzeuge nicht, zumal in der Türkei ver-
fahrensrelevante Akten, allenfalls auch mit Hilfe eines Anwaltes, in der Re-
gel zugänglich seien. Zudem sei davon auszugehen, dass eine Person, die
staatliche Verfolgung zu befürchten habe, in aller Regel darum bemüht sei,
darüber Kenntnis zu erlangen und sich entsprechende behördliche Doku-
mente zu beschaffen.
Was die geltend gemachte Mitgliedschaft bei der Gewerkschaft (...) be-
treffe, so könnten seinen diesbezüglichen Angaben keine Hinweise ent-
nommen werden, dass er deshalb ins Visier der türkischen Behörden ge-
raten wäre oder deshalb staatliche Massnahmen asylrelevanten Ausmas-
ses zu befürchten hätte. Zwar bestehe mithin auch für Gewerkschaftsan-
gehörige ein Risiko, wegen ihrer Mitgliedschaft entlassen oder verhaftet zu
werden, der Beschwerdeführer habe jedoch bei der Gewerkschaft (...)
keine exponierte Rolle gehabt. Auch unter Berücksichtigung der aktuellen
Lage in der Türkei sei nicht anzunehmen, dass sein Profil für die Behörden
von Interesse sei.
Sein Vorbringen, dass sein Pass nicht erneuert worden sei, vermöge eine
behördliche Verfolgung ebenfalls nicht zu begründen, zumal aufgrund sei-
ner Angaben nicht davon auszugehen sei, dass ein Ausreiseverbot für ihn
bestehe. Auch das Antwortschreiben des Gouverneuramts von C._
vom (...) 2016 sei kein Hinweis darauf, dass der Beschwerdeführer asylre-
levante Nachteile zu befürchten hätte. Da er sich nach der zweiten Haus-
durchsuchung sicher gewesen sei, dass er überprüft oder ins Gefängnis
kommen würde, sei es nicht verständlich, dass er in seinem Passantrag
die Polizeidirektion von C._ über sein Vorhaben, das Land zu ver-
lassen, informiert habe. Sein geltend gemachtes Verhalten entspreche
nicht demjenigen einer Person, welche behördlicher Verfolgung ausgesetzt
sei oder diese zu befürchten habe.
Die geltend gemachten Untersuchungsmassnahmen der (...) aufgrund sei-
ner Teilnahme an seinem (...) seien zu geringfügig und hätten auch keine
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weiteren Folgen gehabt. Auch die vorgebrachten Vorkommnisse bei De-
monstrationen seien zu wenig intensiv und seine diesbezüglichen Angaben
sehr allgemein und kaum differenziert. Er habe sodann zunächst ausge-
führt, es sei nach der zweiten Hausdurchsuchung bis zu seiner Ausreise
zu keinen weiteren Vorkommnissen gekommen, jedoch anschliessend be-
hauptet, danach noch an ein bis zwei Kundgebungen teilgenommen zu ha-
ben und bedroht worden zu sein. Er habe sich jedoch zur geltend gemach-
ten Bedrohungslage nicht konkreter äussern können und habe sich auf die
Nennung von Allgemeinplätzen beschränkt. Zudem sei nicht verständlich,
dass er sich nach der zweiten Hausdurchsuchung noch an Kundgebungen
beteiligt haben wolle, obwohl er damals befürchtet habe, überprüft und in-
haftiert zu werden. Es handle sich somit bei den geltend gemachten Teil-
nahmen an diversen Kundgebungen und Demonstrationen um Aktivitäten,
welche keine gezielte und asylrelevante Verfolgung seiner Person nach
sich gezogen hätten. Daran vermöchten auch die eingereichten Fotoauf-
nahmen nichts zu ändern.
Die beiden Hausdurchsuchungen und Kontrollen seien weder intensiv ge-
nug gewesen, um Asylrelevanz zu entfalten, noch seien sie genügend, um
von einer begründeten Furcht ausgehen zu können. Ausserdem wären Er-
mittlungen im Zusammenhang mit (...) legitim. Die Vermutung des Be-
schwerdeführers, dass die Polizei nach (...) bei ihm gesucht habe, sei nicht
geeignet, um von einer künftigen Verfolgung auszugehen. Hätten die Be-
hörden ihn tatsächlich der (...) und der (...) verdächtigt, hätten sie mit Si-
cherheit Untersuchungsmassnahmen eingeleitet und ihn eingehend dazu
befragt. Er habe zudem ausgeführt, dass er sich gegenüber den (...) nie
zu erkennen gegeben habe. Abgesehen davon seien seine Angaben hierzu
äusserst rudimentär und oberflächlich ausgefallen und würden nicht darauf
schliessen lassen, dass er sich tatsächlich an einen heftig umkämpften Ort
begeben und (...) habe. Da es sich dabei um einschneidende Erlebnisse
handle, müssten seine Aussagen auch von persönlicher Betroffenheit ge-
prägt sein, was nicht der Fall sei.
Aus dem eingereichten Antrag eines Staatsanwalts betreffend einen Haus-
durchsuchungsbefehl für (...) auf einer Liste namentlich genannte (...) Per-
sonen wegen ihrer Verbindung zur PKK könne er nichts zu seinen Gunsten
ableiten. Sein Name sei auf der Liste nicht aufgeführt und der Antrag stehe
auch in keinem direkten Bezug zu seinen Vorbringen.
Sodann sei nicht davon auszugehen, dass die Behörden ihn aufgrund sei-
nes Bruders, der bereits (...) verstorben sei, zum heutigen Zeitpunkt noch
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behelligen würden. Auch sei kaum wahrscheinlich, dass er wegen der bei-
den Geschwister seiner Ehefrau im Fokus der Behörden stehe, zumal auch
der Bruder seiner Ehefrau vor acht bis zehn Jahren vermutlich verstorben
sei. Zudem würden sich seine Ehefrau und seine Geschwister offenbar un-
behelligt in der Türkei aufhalten. Im Übrigen würden behördliche Nachfor-
schungen gegenüber Familienangehörigen von politisch missliebigen Per-
sonen bezüglich ihrer Intensität in der Regel kein asylbeachtliches Aus-
mass annehmen.
Es sei sodann allgemein bekannt, dass Angehörige der kurdischen Bevöl-
kerung in der Türkei Schikanen und Benachteiligungen verschiedenster Art
ausgesetzt sein könnten. Dabei handle es sich nicht um ernsthafte Nach-
teile im Sinne des Asylgesetzes, die einen Verbleib im Heimatland verun-
möglichen oder unzumutbar erschweren würden. Seine Vorbringen würden
in ihrer Intensität nicht über die Nachteile hinausgehen, welche weite Teile
der kurdischen Bevölkerung in der Türkei in ähnlicher Weise treffen könn-
ten.
5.2 Dem wird in der Beschwerde entgegengehalten, in der Türkei reiche
bereits ein Verdacht, um jemanden zu schikanieren, und es könne ohne
Begründung irgendetwas verboten werden – wie etwa die Ausstellung ei-
nes Reisepasses. Zu Beginn seien von den Aktionen der Regierung Hun-
derttausende betroffen gewesen. Es sei dann aber eine Selektion durch-
geführt worden. Er (der Beschwerdeführer) gehöre zu denjenigen, welche
die Regierung immer noch als gefährlich beziehungsweise als Feind be-
trachte, weshalb er seine Arbeitsstelle nicht wiederbekommen habe. Er
habe sodann bei den Anhörungen der Vorinstanz nicht richtig erklären kön-
nen, was er bis jetzt alles durchgemacht habe. Wenn jedoch in der Türkei
das Kurdenproblem oder zumindest das Problem mit seiner Arbeitsstelle
gelöst werde, wolle er zurück zu seiner Familie. Die Regierung habe seine
finanzielle Existenz ruiniert. Wenn jemand bei den staatlichen Institutionen
nicht arbeiten dürfe, würden ihn auch private Unternehmen nicht anstellen,
weil diese Angst hätten vor der Regierung. Sie wüssten, dass eine solche
Anstellung schwerwiegende Konsequenzen hätte. Es könne ausserdem je-
derzeit durch einen Beweis oder durch Augenzeugen ans Licht kommen,
dass er (...) habe. Die Regierung beschatte Verdächtige, belaste diese
durch geheime/vertrauliche Augenzeugen und bestrafe sie. Er habe unter
diesen Umständen kein sicheres Leben in der Türkei. Er fürchte sich vor
Verfolgung sowie vor legalen und illegalen Aktionen der Regierung. Er
werde innert der nächsten zwei Wochen zwei Referenzschreiben einrei-
chen, welche seine Asylgründe untermauern würden.
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6.
6.1 Die Vorinstanz hat die Vorbringen des Beschwerdeführers in der ange-
fochtenen Verfügung mit ausführlicher und überzeugender Begründung als
nicht asylrelevant qualifiziert. Auf diese kann zur Vermeidung von Wieder-
holungen vollumfänglich verwiesen werden.
6.2 Was den Einwand anbelangt, der Beschwerdeführer könne sich, "wenn
die Sache zum ihm" komme, leider nicht richtig äussern, und er habe bei
den Anhörungen nicht richtig erklären können, was er alles bis jetzt durch-
gemacht habe, wird in der Beschwerde nicht weiter ausgeführt, inwiefern
dies der Fall gewesen sein soll. Es werden auch keine entsprechenden
Ergänzungen angebracht. Soweit er mit diesem Vorbringen allenfalls impli-
zit eine Verletzung des rechtlichen Gehörs oder die Durchführung einer
weiteren Anhörung beantragt, ist festzuhalten, dass er zu Beginn der Be-
fragungen bestätigte, den Dolmetscher beziehungsweise die Dolmetsche-
rin gut zu verstehen (vgl. Akten SEM A20/15 F1 und A24/21 F1). Er war
auch offenkundig in der Lage, sich ausführlich zu seinen Asylgründen zu
äussern. Einzig zu Beginn der Anhörung brachte er eine gewisse Sorge
wegen der bevorstehenden Befragung zum Ausdruck: "Es ist schwierig,
sich selbst gut auszudrücken, wenn es übersetzt wird" beziehungsweise
"Gefühle kann man manchmal nicht richtig übergeben, damit man es richtig
versteht. Ich kann Kurdisch und Türkisch, aber wenn ich von einer Sprache
in die andere Sprache übersetzen muss, dann kann ich es manchmal nicht
so gut und verständlich rübergeben" (vgl. Akten SEM 24/21 F2 f.). Es sind
jedoch den Befragungsprotokollen keine Hinweise zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer Mühe gehabt hätte sich auszudrücken oder anderwei-
tige Verständigungsschwierigkeiten bestanden hätten. Die Protokolle wur-
den dem Beschwerdeführer sodann rückübersetzt und er bestätigte deren
Inhalt unterschriftlich als richtig und vollständig. Sie können demnach dem
vorliegenden Entscheid zu Grunde gelegt werden, und es besteht kein An-
lass, eine erneute Anhörung durchzuführen.
6.3 Bis heute liegen keine konkreten Hinweise vor, dass die türkischen Be-
hörden seit der Entlassung im (...) 2016 gegen den Beschwerdeführer Er-
mittlungen aufgenommen oder ein Verfahren eingeleitet hätten. Der Be-
schwerdeführer hat keine Bemühungen unternommen, entsprechende In-
formationen – allenfalls über einen türkischen Anwalt – erhältlich zu ma-
chen. Es existieren demnach keine Anhaltspunkte, wonach die türkische
Regierung den Beschwerdeführer als Staatsfeind betrachten würde. So-
dann reicht die blosse Befürchtung, die angeblichen (...) und (...) könnten
jederzeit ans Licht kommen, nicht aus, um eine asylrelevante Furcht zu
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begründen. Auch aus der zweifellos nicht einfachen Arbeitssituation des
Beschwerdeführers in der Türkei und dem Vorbringen, die Regierung habe
seine finanzielle Existenz ruiniert und er würde bei privaten Unternehmen
keine Anstellung finden, lässt sich keine Asylrelevanz ableiten. Schliesslich
ist festzuhalten, dass die in Aussicht gestellten weiteren Beweismittel bis
heute nicht beim Gericht eingegangen sind.
6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch des Beschwerdefüh-
rers abgelehnt hat.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Das SEM hielt in der angefochtenen Verfügung fest, es würden sich
aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass dem Beschwerde-
führer im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung
drohe. Sodann herrsche auch nach der Niederschlagung des Militärputsch-
versuches vom 15./16. Juli 2016 in der Türkei keine landesweite Situation
allgemeiner Gewalt. Ein Wegweisungsvollzug in die Provinz C._ sei
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Seite 12
als zumutbar zu erachten. Zudem würden auch keine individuellen Fakto-
ren gegen eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat spre-
chen. Gemäss Aktenlage sei er gesund, verfüge über eine Ausbildung als
(...) und mehrjährige Arbeitserfahrung. Zudem würden an seinem Her-
kunftsort seine Ehefrau mit den (...) Kindern sowie seine Geschwister und
zahlreiche weitere Verwandte leben. Er müsse deshalb auch nicht damit
rechnen, nach seiner Rückkehr in eine existenzielle Notlage zu geraten.
8.2.2 Der Beschwerdeführer wandte dagegen ein, der Wegweisungsvoll-
zug würde gegen das Refoulementverbot im Sinne von Art. 3 EMRK
verstossen. Ihm drohe im Falle einer Rückkehr in sein Heimatland eine
ernsthafte und aktuelle Gefährdung von Leib und Leben. Unter diesen Um-
ständen sei festzustellen, dass der Wegweisungsvollzug unzumutbar und
zugleich unzulässig sei.
8.3 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein
Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr
läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (flüchtlings-
rechtliches Refoulementverbot; Art. 33 Abs. 1 FK und Art. 5 Abs. 1 AsylG).
Zudem darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden (menschenrechtliches Refou-
lementverbot; Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 EMRK und Art. 3 des Übereinkom-
mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]).
Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich
relevante Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, findet das
flüchtlingsrechtliche Refoulementverbot vorliegend keine Anwendung. So-
dann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch
aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung
in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in der Türkei
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen. Entsprechend ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der flüchtlingsrechtlichen als auch der menschenrechtlichen Bestim-
mungen zulässig.
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Seite 13
8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
Gemäss konstanter Praxis und selbst unter Berücksichtigung der Entwick-
lungen im Nachgang des Putschversuchs vom Juli 2016 ist nicht davon
auszugehen, dass in der Türkei eine landesweite Situation allgemeiner Ge-
walt herrscht. Auch in den vorwiegend von Kurden besiedelten Provinzen
im Osten und Südosten des Landes ist nicht von einer flächendeckenden
Situation allgemeiner Gewalt oder bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen
auszugehen (vgl. Urteil des BVGer E-3042/2017 vom 28. Juli 2017 E. 6.2.2
sowie das Referenzurteil E-1948/2018 vom 12. Juni 2018 E. 7.3). Ausge-
nommen sind die Provinzen Hakkari und Sirnak; den Wegweisungsvollzug
dorthin erachtet das Bundesverwaltungsgericht aufgrund einer anhalten-
den Situation allgemeiner Gewalt als unzumutbar (vgl. BVGE 2013/2
E. 9.6). Demnach ist der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers
in die Provinz C._ als generell zumutbar zu erachten.
Aus den Akten ergeben sich auch keine Hinweise darauf, dass der Be-
schwerdeführer im Falle seiner Rückkehr in die Türkei aus individuellen
Gründen in eine existenzbedrohende Situation geraten könnte. In der Be-
schwerde wird den diesbezüglichen zutreffenden Ausführungen des SEM
nichts Stichhaltiges entgegengehalten. Demnach erweist sich der Vollzug
der Wegweisung auch nicht als unzumutbar.
8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
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Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-
zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der am 7. Mai 2020 in gleicher Höhe geleistete Kosten-
vorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
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