Decision ID: 90062933-54b1-48b0-970b-c0804d238d27
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
De
r 1965 geborene X._
,
ohne Berufsausbildung und
Vater eines 2000 gebore
nen Kindes,
war zuletzt von Mai 2007 bis Juni 2014 als Lagermitarb
eiter/Rüster bei der Y._
AG tätig (vgl.
Urk.
8/8/1)
. In der Folge bezog er Arbeitslosenentschädigung und
seit 2017
schliesslich
wirtschaftliche Sozialhilfe
(
Urk.
8/14,
Urk.
8/24,
Urk.
3/5
)
.
A
m 2
9.
Juni 20
20 meldete
sich
der Versicherte
unter Hinweis auf eine Pseudoarthrose, ein
Lumbovertebralsyndrom
,
eine
Reflux
krankheit
sowie
den
Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
(Berufliche Integra
tion/Rente)
an (
Urk.
8/11)
; am
8.
September
2020 beantragte er
zudem Hilfsmittel in Form von orthopädisc
hen Schuhzurichtungen (
Urk.
8/20ff.; vgl. auch
Urk.
8/18
f.
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und beruflich-erwerbliche Abklärungen und zog einen Auszug a
us dem i
ndividuellen Konto (IK
-Auszug vom 1
3.
Juli 2020,
Urk.
8/14)
bei
.
Mit Mitteilung vom
4.
D
ezember 2020 erteilte sie
dem Versicherten
Kostengutsprache für Schuhzurichtungen an Konfektionsschuhen (
Urk.
8/38).
Im Übrigen wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/43
f.
,
Urk.
8/49)
mit Verfügung vom
2
1.
Juni 2021 (
Urk.
2)
ab
.
2.
Dagegen erhob X._
am 1
7.
August 2021 (Datum Post
stempel) Beschwerde und beantragte, es sei ihm in Aufhebung der angefochtenen Verfügung eine Rente zuzusprechen; zunächst sei ein
unabhängiges medizi
nisches, insbesondere
orthopädisches, psychiatrisches und neuropsychologisches Gutachten einzuholen. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerde
antwort vom 2
2.
September 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was dem Beschwerdeführer am
7.
Oktober 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
M
it BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grund
sätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeits
fähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unter
ziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Alters
jahres folgt (Abs. 1). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Abs. 3).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Den
Berichten
des
regionalen ärztlichen Dienste (RAD
)
, die zu den sogenannten versicherungsinternen Beurteilungen gehören, kann Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig erschei
nen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin,
der Beschwerde
führer sei
seit Mai 2018 (Beginn des Wartejahrs) erheblich eingeschränkt in seiner bisherigen Tätigkeit. Seit September 2020 bestehe jedoch wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit.
Unter Hinweis auf die Karenzfrist bestehe ein allfälliger Renten
anspruch frühestens ab November 2020 [recte:
1.
Dezember 2020, vgl.
Art.
29
Abs.
1 und 3 IVG
, vgl. E. 1.3
]. Zu jenem Zeitpunkt sei der Beschwerdeführer wieder in der Lage gewesen, das bisherige rentenausschliessende Einkommen zu erzielen. Zudem seien Verdachtsdiagnosen grundsätzlich nicht versichert (
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich auf den Standpunkt, der abschlägige Entscheid fusse auf einer unzureichenden Abklärung des Sachverhalts und willkürlichen
Beweiswürdigung. Damit habe die Beschwerdegegnerin
ihre Abklärungspflicht verletzt.
Zudem habe
sie sich
nicht rechtsgenügend mit dem (ausführlich) begrün
deten Einwand auseinandergesetzt.
Der langjährige Hausarzt habe den Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung festgestellt und darauf hingewiesen, dass die Prognose deshalb schlecht und eine Arbeitstätigkeit lediglich im geschützten Rahmen
möglich
sei. Zudem sei allgemein bekannt, dass sich an Persönlichkeits
störungen leidende
Personen
oftmals nicht behandeln liessen und sich gar nicht behandlungsbedürftig fühlten.
Für das Vorliegen einer psychi
schen Erkrankung spreche auch der Bericht
des psychiatrisch-p
sychologischen Dienstes des
Amtes für
Justizvol
lzug
des Kantons Zürich vom 1.
September 200
8.
Zudem sei dem Beschwerdeführer gestützt auf die Berichte des
Z._
seit 2015 immer wieder für längere Perioden eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Der RAD-Chirurg habe zunächst dafürgehalten, beim instabilen Gesundheitszustand
liesse sich eine medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit nicht beziffern. Alsdann sei er zum Schluss gekommen, eine leidensangepasste Tätigkeit sei zumutbar. Letzteres sei nicht haltbar. Eine Stabilisierung oder Verbesserung des Gesund
heitszustandes sei nicht ausgewiesen. Im Gegenteil gehe es dem Beschwerde
führer schlechter. Er leide an Gicht in beiden Füssen.
Der rechte
Fuss
sei bereits operiert worden
; die Operation des zweiten Fusses stehe noch bevor. Aus diesem Grund sei
der Beschwerdeführer weder
in der Lage, an Eingliederungsmassnahmen teil
zunehmen
,
noch
könne von einer Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ausgegangen werden. Zudem ergebe sich aus den Berichten des
Z._
nicht, ab wann und in welchem Umfang eine angepasste Tätigkeit möglich sei. Bei alle dem müsse sowohl der psychiatrische als auch der somatische Gesundheits
zustand sowie die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einem unabhän
gigen medizinischen Gutachten abgeklärt werden (
Urk.
1).
3.
3.1
In den Jahren 2013/2014
hielt
die behandelnde Ärzteschaft des Universitäts
spitals A._
als Diagnosen
(1) atypische,
multifaktiorell
-bedingte
Thoraxschmer
zen
, (2)
eine
erosive
Antrumgastritis
(1
2.
Juni 2014), (3)
ein
tubuläres Adenom des Kolons mit
low
grad Dysplasie (
Kolonoskopie
vom 1
2.
Juni 2014), (5)
eine
arterielle Hypertonie, (6) Übergewicht, (7) eine leichtgradige, passagere Nierenin
suffizienz, DD
prärenal
,
sowie (8) ein
lumbospon
d
ylogenes
Schmerz-S
yndrom links fest
. Der Beschwerdeführer habe thorakale und gastrointestinale Beschwer
den
beklagt. Die Ärzte interpretierten diese als multifaktoriell im Rahmen einer bestehenden Trichterbrust resp.
muskuloskelettal
mit psychischer Überlagerung; eine
Refluxerkrankung
sei aufgrund der Untersuchungen sehr unwahrscheinlich.
Weiter verordneten sie
eine medikamentöse Behandlung mit Paracetamol und
E
somep
40 mg und empfahlen
eine Re-
Kolonoskopie
in fünf J
ahren
(
vgl. Berichte vom
3.
Oktober 2013 und 1
4.
Juli 2014,
Urk.
8/6/5 ff.)
; seither erfolgten
diesbe
züglich
keine weiteren Konsult
ationen oder Behandlungen im A._
(vgl. T
elefon
notiz vom 24.
August 2020,
Urk.
8/17).
3.2
Im Bericht vom 1
9.
September 2020 hielt der seit 2013 behandelnde
Dr.
med. B._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, (1) den dringenden Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung, (2) eine Läsion des F
usses
/O
beren
Sprunggelenk
s
rechts und (3) ein
Lumbovertebralsyndrom
bei Wirbelsäulen
fehlform fest (
Urk.
8/26/3).
Der Beschwerdeführer sei anamnestisch infolge einer pädophilen Straftat verurteilt worden. Seines Erachtens
(
Dr.
B._
)
liege eine Persönlichkeitsstörung vor. Bis dato wolle sich der Beschwerdeführer
aber
nicht psychiatrisch behandeln lasse
n
. Dies erhärte den Verdacht auf eine Persönlich
keitsstörung.
Seit einigen Monaten sei der Beschwerdeführer wegen Fussopera
tionen nicht mehr
arbeitsfähig bei der C._
AG
. Dabei
handle es sich
um einen ge
schützten Arbeitsplatz
. Es sei mit Blick auf die Persönlichkeitsstörung fraglich, ob ausserhalb des geschützten Rahmens je wieder
eine Arbeitsfähigkeit bestehe
; der Beschwerdeführer dürfe
nicht in der Nähe von Kindern arbeiten (
Urk.
8/26
/2
ff.
).
3.3
Im Bericht vom 2
6.
November 2020
hielt
Dr.
med. D._
, Fachärztin FMH für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates sowie Ober
ärztin,
Universitätsklinik
Z._
(nachfolgend:
Z._
),
f
olgende
Diagnose
n
fest (
Urk.
8/34/5):
-
straffe Pseudoarthrose PIP DII und DIII bei Status nach Revision Hohmann DII und Verkürzungsosteotomie MT-II, Hohmann DIII, Fuss rechts am 1
4.
Juni 2016 bei
-
schmerzhafter, hypertropher Pseudoarthrose PIP DII rechts bei Status nach Hohmann-Prozedur und MTP II-Release (3
0.
Mai 2018)
-
Krallenzehe DIII rechts
-
Status nach anatomischer lateraler Bandrekonstruktion OSG rechts,
Tabulisierung
Peroneus
brevis
-Sehne
-
Releas
e
MTP II-Gelenk und Hohmann-
Prozedur DII Fuss rechts am 30.
Mai 2018 bei
-
Chronischer lateraler OSG-Instabilität rechts mit/bei
-
Status nach dreimalige
r Bandplastik, zuletzt ca. 2004
(Privat
klinik E._, F._
,
fecit
Dr.
G._
)
-
Tendinopathie
Peroneus
brevis
-Sehne
-
Polyneuropathie bei Folsäuremangel
Der
Beschwerdeführer
sei
infolge einer schmerzhaften, hypertrophen Pseudoarth
rose des rechten oberen und unteren Sprunggelenks am 1
0.
Februar 2015 erst
mals in der Fusssprechstunde vorstellig geworden und seither in dreimonatigen Abständen in ambulanter Behandlung; stationäre Behandlungen hätten vom 30. Mai 2018 bis
2.
Juni 2018 sowie vom 1
4.
b
is 18.
Juni 2019 stattgefunden. Im August 2020 habe der Beschwerdeführer zudem Kribbelempfindungen und Taub
heitsgefühle im Bereich der Füsse berichtet. Klinisch zeigten sich ein flüssiges Gangbild
und eine intakte Motorik
. Jedoch bestünden an den Füssen verschiedentlich diffuse Druck- und ausgeprägte Dehnungsschmerzen, eine aufgehobene Sensibilität am zweiten Zehen
rechts
und eine diffuse Hypästhesie am gesamten rechten Fuss.
Klinisch-neurologisch habe sich eine
Polyneuro
pathie-S
ymptomatik sowie
ein
relevante
r
Folsäuremangel ergeben (
vgl. auch die Berichte vom
3.
und 2
2.
September 2020,
Urk.
8/30/9 f.
,
Urk.
8/
3
1/1 ff.
).
B
isher seien
folgende
Arbeitsun
fähigkeit
en
attestiert worden (
Urk.
8/31/2
):
-
100
%
vom 3
0.
April 2020
bis 3
0.
Mai 2020
-
100
%
vom 1
4.
Juni 2019 bis
8.
Oktober 2019
-
100
%
vom 2
7.
Dezember 2018 bis 2
1.
Februar 2019
-
100
%
vom
2.
Oktober 2018 bis 2
8.
Oktober 2018
-
100
%
vom 1
0.
Juli 2018 bis 2
1.
August 2018
-
100
%
vom 3
0.
Mai 2018 bis 1
0.
Juli 2018
-
100
%
vom 1
0.
Februar 2015 bis 1
0.
Mai 2015
Für welche Tätigkeit
diese Arbeitsunfähigkeit
en
attestiert worden sei
en
, könne nicht
beantwortet werden
.
Als funktionelle Einschränkung
bestehe eine
(aufgrund der Schmerzen und Sensibilitätsstörungen) herabgesetzte Belastbarkei
t im Bereich des rechten Fusses. Ob die bisherige oder eine angepasste Tätigkeit zumutbar sei, könne nicht beantwortet werden
(
Urk.
8/31/2
f.
).
3.4
Mit Schreiben vom 1
6.
Februar 2021 gelangte die
Beschwerdegegnerin an Dr.
med.
H._
, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates und Ärztlicher Leiter der Fusschirurgie,
Z._
, und ersuchte
diesen um konkretere Angaben zur
Arbeitsfähigkeit des Beschwer
deführers
hinsichtlich der
angestammten
Tätigkeit
als Lagermitarbeiter sowie einer angepassten Tätigkeit im zeitlichen Verlauf
(vgl.
Urk.
8/40)
.
Daraufhin hielt
Assistenzärztin
Dr.
med. I._
mit Bericht vom
24.
Februar 2021
erneut die bisher genannten
Arbeits
un
fähigkeiten fest
(vgl.
Urk.
8/31/2
,
vorstehend E. 3.3),
wobei sie präzisierte, vom 2
7.
Dezember bis
17.
Januar
2019 sowie vom 10.
September bis
8.
Oktober 2019 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für körperliche
Tätigkeiten bestanden
.
Aktuell
werde eine wechselhaft stehende sowie sitzende Tätigkeit empfohlen.
Zusätz
lich wies sie darauf hin, dass
[im Zusammen
hang mit der Neuropathie]
eine Substitution mit Folsäure veranlasst worden
sei
. Hiervon sei eine Verbesserung der Beschwerden zu erwarten.
Auch
sei eine Schuhzurichtung mit Sohlenversteifung in die Wege geleitet worden.
Schliesslich
werde die Physiotherapie weitergeführt. Insgesamt sei mit einer möglichen Verbesserung des Gesund
heitszustandes zu rechnen (Urk.
8/41/
3 f.
).
3.5
RAD-Ärztin
Dr.
med.
J._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psycho
therapie, hielt auf Vorlage des Berichts von
Dr.
B._
vom 1
9.
September 2020
(vgl.
Urk.
8/26/
2f
f., vorstehend E. 3.2
)
in der internen Stellungnahme vom 1
5.
Oktober 2020 fest, es bestehe kein Leidensdruck für eine psychotherapeu
tische Behandlung. Persönlichkeitsstörungen bestünden seit der Kindheit/Adoleszenz. Gleichwohl sei der Beschwerdeführer in der Lage gewesen, langjährige Beschäf
tigungen auszuüben. Ein dauerhafter Gesundheitsscha
den sei nicht ausgewiesen (Urk.
8/42/4).
3.6
Am 1
8.
März 2021 nahm
RAD-Arzt
Dr.
med. K._
, Facharzt für Chirurgie,
zur somatischen Aktenlage
Stellung und kam dabei
zum Schluss,
die vorlie
genden Arztberichte seien schlüssig und nachvollziehbar. Es könne darauf abge
stellt werden.
Betreffend die bisherige
Tätigkeit als L
agermitarbeiter sei der Beschwerdeführer
analog der vom
Z._
attestierten Arbeitsunfähigkeit
en arbeitsunfähig
.
Diesbezüglich
bestünden funktionelle Einschränkungen für Tätig
keiten mit Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, Ersteigen von Treppen, Leitern und Gerüsten, Gehen auf unebenem Grund sowie für eine überwiegende Geh- und Stehbelastung.
Solche
Tätigkeiten seien zu vermeiden.
Hinsichtlich einer angepassten, wechselbelastenden, teils sitzend
(wenn möglich ca. 50
%
)
, teils ebenerdig gehend oder st
ehend auszuführenden Tätigkeit
mit sporadischem Anheben von mittelschweren Gewichten (10-15 Kg)
sei der Beschwerdeführer vom 1
0.
Februar 2015 bis 1
0.
Mai 2015, vom 3
0.
Mai 2018 bis 2
1.
A
ugust 2018
und
vom 2.
Oktober bis 2
6.
Dezember
2018 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen;
seit dem 27.
Dezember 2018
bestehe gemäss diesem Belastungsprofil
bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (
Urk.
8/42/7).
3.7
Im beschwerde
weise eingereichten Bericht
vom
1.
S
eptember 2008 hielten
lic
.
phil.
L._ und M._
vom p
sychiatrisch-psychologischen
Dienst des
Amtes für
Ju
stizvollzug
des Kantons Zürich (1)
eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1),
(2)
anamnestisch bekannter Alkohol
missbrauch (ICD-10: F10.1),
(3)
massiver Koffeinmissbrauch (ICD-10: F15.1),
(4)
akzentuierte schizoide Persönlichkeits
züge sowie
(5)
eine
knapp durchschnittlich
e
Intelli
genzleistung fest
(
Urk.
3/3).
Der
Beschwerdeführer sei infolge zweier Suizi
dereignisse während
seiner früheren Tätigkeit als Rangierarbeiter traumatisiert.
Er sei von wiederkehrenden Bildern und Erinnerungen im Alltag belastet. Sein emotionaler und psychovegetativer Zustand wechsle zwischen Taubheit, Abge
stumpftheit, Gleichgültigkeit und Rückzug sowie Übererregtheit, Angst
empfinden, Reizbarkeit und Aggressivität.
Zudem seien Defizite im Arbeits
gedächtnis, in den
visuomotorischen
Leistungen, der Aufmerksamkeit, Fehler
kontrolle, Interferenzunterdrückung und Ideenproduktion festgestellt worden.
Aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur und neuropsychologischen Defizite sei ein kontinuierlicher Therapieprozess nicht möglich gewesen. Der Beschwerde
führer habe in den Einzeltherapiesitzungen wiederholt grundlegend erlernte Fähigkeiten vergessen oder sie seien für ihn nicht zugänglich gewesen. Zur Verbesserung der Nachhaltigkeit und Effektivität der therapeutischen Interven
tionen nehme der Beschwerdeführer seit März dieses Jahres zusätzlich an einem ambulanten Gruppentherapie-Setting teil. Dabei erlebe er wichtige Formen der Unterstützung und Kommunikation.
Aktuell
nehme der
B
eschwerdefüh
rer
wöchentlich an Gruppen- und Einzeltherapiesitzungen teil. Der Fokus der Behandlung sei störungs- und persönlichkeitszentriert und basiere auf einer Kombination aus körperpsychotherapeutischen, imaginativen, verhaltens
therapeutischen und
psychoedukativen
Interventionen. Es sei von einem noch mindestens sechs- bis achtmonatigen Behandlungsbedarf i
m aktuellen Setting auszugehen
(
Urk.
3/3)
.
4.
4.1
Aufgrund der medizinischen Akten kann nicht abschliessend beurteilt werden, ob beim Beschwerdeführer ein versicherungsrelevanter Gesundheitsschaden besteht.
4
.
2
Zunächst lag der
angefochtenen Verfügung vom
2
1.
Juni 2021
weder mit dem Bericht von
Dr.
B._
vom
1
9.
September 2020 (vgl.
Urk.
8/26/2ff., vgl. vorste
hend E. 3.2)
noch
mit den Berichten
der Behandler
des
Z._
vom
3.
und
2
2.
September
2020, 26.
November 2020 und 2
4.
Februar 2021
(
Urk.
8/30
f
.
,
Urk.
8/34/5,
Urk.
8/41/3 f.)
ein
in somatischer Hinsicht
hinreichend abgeklärter Sachverhalt
zugrunde, welcher eine abschliessende und rechtskonforme Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit erlaubt hätte.
Insbesondere verblieben die Ausfüh
rungen zur Arbeitsfähigkeit – wenn überhaupt - durchwegs vage
.
Zudem bleibt
offen
, ob sich die im Zuge der verordneten Hilfsmittel und Massnahmen erwartete Verbesserung der Belastbarkeit des rechten Fusses eingestellt hat.
Auch die Stellungnahme von RAD-Facharzt
K._
(Urk.
8/42/7, vgl. auch
Urk.
8/42/5
), welche ohne eigene fachärztliche Untersuchungen lediglich gestützt auf die (unzulängliche) Aktenlage erfolgte, vermag den Anforderungen an eine
ausreichende medizinische Entscheidungsgrundlage nicht zu genügen.
Darüber hinaus
liess er unbegründet, weshalb
aus seiner Sicht
ab dem 2
7.
Dezember 2018 hinsichtlich einer angepassten Tätigkeit eine
100 %
ige
A
rbeitsfähig
keit
bestehe
.
4.3
In
psychiatrischer Hinsicht
liegen zwar
kei
ne fachärztlichen Berichte vor und
nannte
Dr.
B._
im
Bericht vom 2
1.
September 2020
– ausserhalb seiner Fach
kompetenz – lediglich den dringenden Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung
. Alsdann
stammt der beschwerdeweise eingereichte Bericht der behandelnden Psychologen im
Rahmen des
Justizvollzug
s
aus dem Jahr 2008,
womit er per se untauglich ist,
Auskunft über den aktuellen Gesundheitszustand, geschweige denn
über eine allfällige
aktuelle psychische Erkrankung
des Beschwerdeführers
mit massgeblichem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
zu liefern.
Gleichwohl beste
hen bei der vorliegenden Aktenlage hinreichende Anhaltspunkte darauf, dass
beim Beschwerdeführer ein versicherungsrelevanter psychischer Gesundheits
schaden vorliegen und er infolgedessen nicht vollständig arbeitsfähig sein kö
nnte. Soweit letzteres von
RAD-Ärztin
Dr.
med.
J._
unter Hinweis auf das Fehlen einer
adäquaten Behandlung
und
den
damit
ausbleibenden
Lei
densdruck verneint, kann ihr nicht gefolgt werden. Insbesondere
bleibt
bei der dürftigen Aktenlage
fraglich
, ob
die fehlende psychiatrische (und ggf. adäquate medikamentöse) Behandlung klarerweise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurückzuführen
ist
, was dennoch auf einen beachtliche
n Leidensdruck hindeuten würde
(BGE 141 V 281 E. 4.4.2).
4.4
Nach dem Gesagten
ist
eine sämtliche Aspekte des vorliegenden Falls umfassende (das
heisst
somatische und psychiatrische) medizinische Abklärung
angezeigt
,
allenfalls unter
Beizug
der Strafakten und
unter Einschluss der Frage, inwiefern sich ein allenfalls beim Beschwerdeführer vorliegender psychischer Gesundheits
schaden mit Krankheitswert auf seine Arbeitsfähigkeit im zeitlichen Verlauf ausg
ewirkt hat und aktuell auswirkt
. Dabei wird sich der
psychiatrische
Facharzt auch zu den Indikatoren
gemäss
BGE 141 V 281 zu
äussern
haben (vgl. E. 1.2).
Die Rückweisung zur weiteren Abklärung steht auch im Einklang damit, dass in erster Linie die IV-Stelle für die richtige und vollständige Sachverhaltsabklärung zu sorgen hat (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG).
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuh
eissen und der angefochtene Ent
scheid aufzuheben
.
5
.
5
.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 700.-- festzulegen und (aufgrund der rechtsprechungsgemäss ebenfalls als vollständiges Obsiegen geltenden Rückwei
sung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung) ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
Damit erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Prozess
führung (Urk. 1 S. 2) als gegenstandslos.
5
.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Parteientschädigung
(
Art. 34 Abs. 3 des Gesetzes über
das Sozialversicherungs
gericht,
GSVGer
)
und ist auch sein Ges
uch um unentgeltliche Rechtsver
tretung vom
1
7.
August 2021
(Urk. 1 S. 2) obsolet geworden. Rechtsanwalt
Dr.
iur
. P
eter
Stadler
ist von der Beschwerdegegnerin
ermessensweise
mit Fr. 2’
000.--
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.