Decision ID: df1b7fb2-4ddb-4ded-a56a-f590699f62ec
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1962 geborene
X._
war seit 1990 als Verkäuferin bei der
Y._
angestellt. Am 2
0.
September 2000 meldete sie sich bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
-
Stelle, unter Hinweis auf Beinschmerzen (Krampfadern) sowie Schmerzen im Brustbereich zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Am
2.
April 2001 erlitt sie bei einem Auffahrunfall ein HWS-Schleudertrauma. Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistungen, bis sie diese mit Verfügung vom 2
8.
März 2003 rück
wirkend per 2
8.
Februar 2003 einstellte.
Die IV-Stelle klärte ihrerseits die medizinischen Verhältnisse ab und zog die Akten der Suva - einschliesslich der von dieser veranlassten polydisziplinären Expertise des Zentrums
Z._
vom 2
8.
November 2002 - bei. Mit Verfügung
en
vom
8.
Januar und 1
7.
März 2003 verneinte sie einen Anspruch auf Hilfsmittel (Kompressionsstrümpfe) und
auf eine
Invaliden
rente. Die gegen die ablehnende Rentenverfügung vom 1
7.
März 2003 erhobene Einsprache wies
sie mit Entscheid vom 1
4.
August 2003 ab (
Urk.
7/68
). Die dagegen erhobene Beschwerde wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 2
7.
Dezember 2004 ab (Urk. 7/75); dieser Entscheid wurde vom Bundesgericht mit Urteil vom 11.
August 2005 bestätigt (
Urk.
7/78).
1.2
Am
6.
Juli 2020 meldete sich die Versicherte bei der IV-Stelle – insbesondere wegen Kiefer- und Fussproblemen - erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/89). Diese holte bei den behandelnden Fachärzten aktuelle Berichte ein und leitete die polydisziplinäre Abklärung der Versicherten in die Wege
. Das
Gutachten
der
Medas
A._ (
Medas
)
datiert
vom 1
8.
Mai 2021
(
Urk.
7/113). Mit Vorbescheid vom
1.
September 2021 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/116) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom 2
5.
November 2021 fest (Urk. 7/130 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter der Versicherten am 1
1.
Januar 2022 Beschwerde und beantragte, es sei der Beschwerdeführerin eine Rente auszurichten, eventua
liter sei das Verfahren zur Ergänzung des medizinischen Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. Weiter sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und
Prozessverbeiständung
zu gewähren; unter Kosten und Entschädigungsfolgen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
9.
Februar 2022 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin mit Verfü
gung vom 2
2.
Februar 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerun
gen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass von einem unveränderten Gesundheitszustand auszugehen sei. Die Beschwerde
führe
rin sei in der bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin weiterhin zu 100 % arbeitsfähig (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass von keinem Gutachter untersucht worden sei, ob die anlässlich der Untersuchung festgestellten Widersprüche krankheitsbedingt seien, wenngleich die Fixierung auf die Unfälle offensichtlich sei. Ebenso wenig sei die fehlende Krankheitseinsicht abgeklärt worden (
Urk.
1 S. 4). Der Bericht von
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Neurologie
, sei vom
Regionalen Ärztlichen Dienst der IV-Stelle (
RAD
)
nicht ausreichend gewürdigt worden; zudem stelle
Dr.
B._
nicht die gleichen Diagnosen wie die Gutachter. Zumindest eine beginnende Arthrose im Fuss erkläre die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Schmerzen. Unbeachtet seien auch die Beschwerden im Kiefer- und Becken
bereich geblieben (S. 5).
2.3
Vergleichsbasis im vorliegenden Neuanmeldeverfahren bildet der Einspracheent
scheid vom 1
4.
August 2003, welcher sich in medizinischer Hinsicht im Wesent
lichen auf das
Z._
-Gutachten vom 2
8.
November 2002 stützte. Die dafür verantwortlichen Fachärzte diagnostizierten dannzumal eine
histrionische
Persönlichkeitsstörung und eine somatoforme Störung (DD: dissoziative Störung gemischt beziehungsweise Angabe von körperlichen Symptomen aus psychischen Gründen), einen Status nach Heckauffahrunfallkollision am
2.
Apr
il
2001 sowie eine
Varikosis
beidseits mit Status nach Venenstripping. In ihrer zuletzt ausge
übten Tätigkeit als Verkäuferin sei von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszu
gehen (
Urk.
7/75 S. 5 f
f
.).
3.
3.1
Die für das
Medas
-Gutachten vom 1
8.
Mai 2021 verantwortlichen Fachärzte konnten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit keine Diagnosen feststellen. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei von den folgenden Diagnosen aus
zugehen
(
Urk.
7/113/8)
:
-
Chronisches
zervikozephales
Schme
rzsyndrom und
zervikobetontes
Pa
nvertebralsyndrom
-
Bei Status nach HWS-Trauma am
2.
April 2001 und
Rekontusion
2006
-
Subjektive
Hypästhesien
in rechter oberer und unterer Extre
mität und leichte Schwäche in ob
erer und unterer Extremität, neurologisch nicht erklärbar, kein elektrophysiolo
gisches Korrelat, keine seitendi
fferente
n
Muskelathrophien
-
Radiologisch leichtgradige
degenerative Veränd
erungen am
atlanto
dentalen
Gelenk bei ansonsten regelrechter Darstellung des
kraniozer
vikalen
Übergangs
-
Fortgeschrittene
Osteochondrose
und
Unkovertebralarthrose
bei HWK5/6, leichte
Unkovertebralarthrose
bei HWK4/5 und HWK6/7
-
Neuroradiologisch fortgeschrittene
Fazettengelenksarthrosen
in der unteren LWS linksbetont (1/2020)
-
Dysfunktionale Störungsverarbeitung (ICD-10 F54)
-
Fussschmerzen rechts
-
Status nach
Metatarsale
-II-Schaftfraktur, ED 2/2013, konservative Therapie
-
Status nach Korrektur-Osteotomie
Metatarsale
II am
5.
November 2018 bei Verdacht auf
Malunion
und
Hallux
-Korrektur rechts
-
Status nach Fussoperation links bei
Hallux
valgus
am 1
7.
Juni 2019
-
Status nach Einlagenversorgung bei Senkfuss beidseits
-
Restbeschwerden im Gesicht rechts b
ei Verdacht auf Läsion
Nervus
ma
ndibularis
rechts nach dreimaligen kieferchirurgischen Eingriffen 2014, 2015, 2016
-
Nicht authentische kognitive Minderleistungen in mehreren Bereichen mit/bei:
-
Primär bewusster negativer Leistungsverzerrung (Aggravation, DD: Simulation)
-
Adipositas, BMI 34.3 kg/m
2
-
Varikosis
beidseits
-
Status nach Varizenstripping 1999, Kompressionstherapie seit 1991
Im Rahmen der
dysfunktionalen
Störungsverarbeitung beharre die Beschwerde
führerin darauf, dass ihre Beschwerden auf den Unfall von 2001 zurückzuführen seien und sich durch das Bagatelltrauma von 2006 verschlechtert hätten. Die gezeigten kognitiven und körperlichen Beschwerden seien in diesem Ausmass nicht objektivierbar und grösstenteils auf Selbstlimitierung und
Dekonditionie
rung
zurückzuführen. Sowohl in somatischer als auch in psychiatrischer Hinsicht hätten sich anlässlich der Untersuchung Inkonsistenzen gezeigt (
Urk.
7/113/9). Sowohl in der bisherigen Tätigkeit als auch einer anderen körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen (Urk. 7/113/10).
3.2
In seinem Bericht vom
6.
Oktober 2021 ging
Dr.
B._
von den folgenden Diagnosen aus:
-
Chronisches und therapieresistentes
cervico-cephales
Schmerzsyndrom, bei Status nach HWS-Trauma am
2.
April 2001 und Status nach Sturz im Bus im Dezember 2006
-
Persistierende Gefühlsstörung im Versorgungsgebiet des
N.
mandibularis
rechts, bei Status nach zwei kieferchirurgischen Eingriffen mit Unter
kieferkorrektur mit
Beckenkamminterponat
im Oktober 2014 und am 2
2.
August 2016
-
Verminderte Belastbarkeit des linken Fusses, bei Status nach Osteotomie an der linken Grosszehe am 1
7.
Juni 2019 bei beginnender Arthrose
und
symptomatischem
Hallux
valgus
sowie chronische
M
e
tatarsalgie
der zweiten Zehe rechts, bei Verdacht auf
Malunion
; Status nach
Kallusresek
tion
und distaler Korrektur-Osteotomie MT II und temporärer Trans
fixa
tion MTP II rechts am
5.
November 2018
Das seit dem HWS-Trauma von 2001 bestehende
cervio-cephale
Schmerzsyn
drom habe sich weiter
chronifiziert
, zudem habe der Sturz im Bus 2006 – aus der Sicht der Patientin – bis heute zu einer anhaltenden Verschlechterung geführt. Als solches lasse sich diese Verschlechterung auch heute nicht objektivieren. Neben den therapieresistenten Nacken- und Schulterbeschwerden leide die Beschwerdeführerin an Schmerzen am rechten Fuss mit eingeschränkter Geh
fä
higkeit. Auch im Kieferbereich sowie am Beckenkamm rechts, an der Stelle der Knochenentnahme für die Kieferoperation, leide sie an Beschwerden. Unter Berücksichtigung all dieser Aspekte sei eine Arbeitsfähigkeit unverändert unrea
listisch. Seit mindestens 2008 sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (
Urk.
7/127).
4.
4.1
Die für das
Medas
-Gutachten verantwortlichen Fachärzte legen den medizi
nischen Sachverhalt in einer schlüssigen und nachvollziehbaren Weise dar. Dabei werden auch die Beschwerden am rechten Fuss diagnostisch erwähnt und eine allenfalls leichte funktionelle Einschränkung anerkannt (
Urk.
7/113/10).
Weiter haben die Gutachter die Restbeschwerden im Gesicht rechts bei Verdacht auf Läsion
des
Nervus
mandibularis
rechts nach dreimaligen kieferchirurgischen Eingriffen im Rahmen der gutachterlichen Einschätzung berücksichtigt.
Auch
ist anzumerken, dass auch
Dr.
B._
mit Ausnahme einer verminderten Belastbar
keit des linken Fusses, welchen er keine spezifische Bedeutung zumisst,
keine anderen Diagnosen stellt
,
als sie dem Gutachten zu entnehmen sind. Als zusätz
liche Schmerzquelle erwähnt
Dr.
B._
sodann
einzig den Beckenkamm rechts, an der Stelle der Knochenentnahme, wobei unklar bleibt, wie sich die diesbezüg
lichen Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit auswirken sollen. Ohnehin kann fest
gehalten werden, dass die diesbezüglichen Beschwerden nicht im Vordergrund stehen können, da sie im Rahmen der orthopädischen Untersuchung etwa nicht geklagt wurden (U
rk.
7/113/113) und auch von
Dr.
B._
im Rahmen der Diagnosen nicht erwähnt werden. Selbst wenn auch am Beckenkamm rechts von einer gewissen Schmerzhaftigkeit auszugehen wäre, darf mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass sich dies nicht auf die A
rbeitsfähigkeit auswirken würde
.
Zuletzt ist anzumerken, dass die Gutachter
das Vorliegen einer psychischen Krankheit
und
allfälli
ge
r
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sorgfältig
geprüft haben
. Der dabei einzig diagnostizierten
dysfunktionale
n
Störungsverarbeitung
wird
keine Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
zuerkannt
(Urk. 7/113/8,
Urk.
7/113/104)
.
Nach gutachterlicher Einschätzung vermag die festgestellte P
sychopathologie die namentlich im Rahmen
der neuro
psychologischen Untersuchung
aufgetretene
Leistungsverzer
rung
nicht zu erklären
(
Urk.
7
/113/9,
Urk.
7/113/
91
ff.,
Urk.
7/113/100
-102,
Urk.
7/113/104
,
Urk.
7/113/149
)
.
V
o
n
einer
krankheitsbedingten
und damit unausweichlichen Inkonsistenz
ist
nach nachvollziehbarer gutachterlicher Prüfung
nicht
aus
zugehen
(vgl.
Urk.
1 S. 4).
Da keine relevante Psychopathologie festgestellt wurde, wurden aus psychiatrischer Sicht auch keine medizinischen Behandlungen als nötig erachtet
und
der von der Beschwerdeführerin aufgewor
fenen Frage einer möglicherweise fehlenden Krankheitseinsicht
kommt
keine Bedeutung zu
(
vgl.
Urk.
1 S. 4; Urk. 7/113/107
).
Nicht nachzuvollziehen ist die Gesamteinschätzung von Dr.
B._
, dass
unter Berücksichtigung aller Aspekte schon seit längerem von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Auch wenn gegenüber der Leistungsbeurtei
lung im August 2003 einige Beschwerden dazugekommen sind, erreichen diese
– insbesondere bei einer objektivierten Betrachtung – kein Ausmass, welches die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
längerdauernd vermindert hat oder
vermindern würde. In B
ezug auf Berichte von Hausärztinnen und Haus
ärz
ten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapie
kräften ist
dabei
auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifels
fällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Insgesamt ist entsprechend den Ausführungen im
Medas
-Gutachten bezüglich der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit weiterhin von einer uneingeschränk
ten Arbeitsfähigkeit auszugehen, was bei weitgehend unveränderter Sachlage zur Abweisung des Leistungsbegehrens führt.
4.2
Selbst
wenn man etwa aufgrund der objektivierbaren Fussbeschwerden sowie der Summe der weiteren Beschwerden davon ausginge, dass der Beschwerdeführerin nur noch eine leichte Tätigkeit zuzumuten wäre, würde sich dies nicht anspruchs
relevant auswirken.
Nachdem die Beschwerdeführerin spätestens seit 2007 nicht mehr erwerbstätig war (
Urk.
7/92 S. 3), ist sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen anhand statistischer Durchschnittswerte zu ermitteln. Dabei kann rechnerisch ein Prozentvergleich erfolgen;
diesfalls
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines (allfälligen) Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. etwa Bundes
gerichtsurteil 9C_532/2016 vom 25. November 2016 E. 3.1 mit Hin
weis; Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl. 2014
,
N 35 f. zu Art. 28a).
Selbst wenn man nun vom Invalideneinkommen den maximal möglichen leidensbedingten Abzug von 25
%
vornähme,
was vorliegend nicht angezeigt ist,
würde sich dies bei einem Invaliditätsgrad von 25
%
nicht rentenrelevant auswirken.
4.3
Zusammenfassend sind die Ausführungen der Beschwerdegegnerin nicht zu beanstanden, was in Abweisung der Beschwerde zur Bestätigung der angefoch
tenen Verfügung führt.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen, infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 3,
Urk.
8,
Urk.
11 f.) jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist der unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin nach Einsicht in die Honorarnote vom
2
0.
Juni 2022
(U
rk.
14)
mit
Fr. 1‘379.30
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.