Decision ID: 43cb90e3-e3ca-4fa2-bed3-8621b91a8667
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie, reichte am 13. Juni 2022 in der Schweiz ein Asylgesuch ein. Ein
Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der «Eurodac»-Datenbank ergab, dass
er am 30. September 2021 in Italien aufgegriffen und dort am 2. Oktober
2021 daktyloskopisch erfasst worden war.
B.
Am 5. Juli 2022 fand die Personalienaufnahme (PA) des Beschwerdefüh-
rers statt und am 11. Juli 2022 gewährte das SEM ihm – im Rahmen des
persönlichen Gesprächs gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013
des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Fest-
legung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der
für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen
in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) und im Beisein seiner Rechtsver-
tretung – das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Italiens für die Durchfüh-
rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu einer allfälligen Rückkehr
dorthin sowie zum medizinischen Sachverhalt.
Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine
Fotokopie seines sri-lankischen Identitätsausweises zu den Akten.
C.
Ebenfalls am 11. Juli 2022 ersuchte die Vorinstanz die italienischen Behör-
den um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-
III-VO. Dieses Gesuch blieb innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vor-
gesehenen Frist unbeantwortet.
D.
Mit Verfügung vom 13. September 2022 (eröffnet am 14. September 2022)
trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR
142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte
seine Überstellung nach Italien und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag
nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das
SEM den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte
dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenver-
zeichnis aus und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen den
Entscheid keine aufschiebende Wirkung zukomme.
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E.
Mit Schreiben vom 14. September 2022 teilte die damalige Rechtsvertre-
tung die Beendigung des Mandats mit dem Beschwerdeführer mit.
F.
Mit Eingabe vom 21. September 2022 erhob der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die Verfügung des
SEM sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf sein Asylge-
such einzutreten und das Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen,
eventualiter sei die angefochtenen Verfügung aufzuheben und die Angele-
genheit zur weiteren Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er den Erlass eines superpro-
visorischen Vollzugsstopps, die Erteilung der aufschiebenden Wirkung der
Beschwerde und die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung in-
klusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
G.
Am 22. September 2022 ordnete die Instruktionsrichterin einen superpro-
visorischen Vollzugsstopp an. Gleichentags lagen dem Bundesverwal-
tungsgericht die vorinstanzlichen Akten in elektronischer Form vor (vgl.
Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von
Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33
Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und
so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwür-
diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist da-
her zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105 AsylG und
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Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1
VwVG).
1.4 Der Beschwerdeführer beantragt die Ansetzung einer Nachfrist zur Be-
gründung seines Rechtsmittels. Er habe aufgrund der kurzen Frist keine
Möglichkeit gehabt, sich von einer Beratungsstelle oder einem Anwalt be-
raten beziehungsweise vertreten zu lassen. Weiter führt er aus, nach Italien
könne er nicht zurückkehren. Vorab ist festzuhalten, dass Beschwerden
gegen Nichteintretensentscheide auf dem Gebiet des Asyls innerhalb von
fünf Arbeitstagen seit Eröffnung der Verfügung einzureichen sind (Art. 108
Abs. 3 AsylG). Diese kurz gesetzliche Frist von lediglich fünf Arbeitstagen
lässt erkennen, dass entsprechende Angelegenheiten nach Ansicht des
Gesetzgebers a priori keinen aussergewöhnlichen Umfang oder eine be-
sondere Schwierigkeit aufweisen. Der Beschwerdeführer verfügte im vor-
instanzlichen Verfahren über eine zugewiesene Rechtsvertretung, welche
das Mandat am Tag der Eröffnung – in Kenntnis der nunmehr angefochte-
nen Verfügung des SEM – niedergelegt hat. Geleichentags wurden ihm
sämtliche editionspflichtigen Akten ausgehändigt. Die vorliegende Be-
schwerde ist in einwandfreiem Deutsch verfasst, sämtliche Rechtsbegeh-
ren sind präzise gestellt und auf die angefochtene Verfügung abgestimmt.
Es ist daher davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer entsprechen-
den Support (mit Kenntnis der Aktenlage) erhalten hat. An dieser Stelle ist
sodann darauf hinzuweisen, dass bei bewusst und geplant eingebauten
Mängeln nicht mit einer Nachfrist zur Verbesserung gerechnet werden darf.
Ein solches Vorgehen verdient keinen Schutz (SEETHALER/PORTMANN, in:
Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 52 N. 109). Da die Be-
schwerde nach dem Gesagten den gesetzlichen Anforderungen genügt
und es dem Beschwerdeführer trotz der im Dublin-Verfahren vorgegebe-
nen kurzen Rechtsmittelfrist möglich gewesen wäre, sich an die kantonale
Rechtsberatungsstelle zu wenden beziehungsweise vorliegend davon aus-
zugegangen werden kann, dass er juristischen Support erhalten hat, ist
dem Gesuch um Ansetzung einer Nachfrist nicht stattzugeben.
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
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Seite 5
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch-
führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu
behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) – wie
vorliegend – sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kri-
terien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zu-
ständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es
ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen
Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dub-
lin-III-VO). Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take
back) findet demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeits-
prüfung nach Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und
8.2.1 m.w.H.).
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4.3 Wenn eine antragstellende Person, aus einem Drittstaat kommend, die
Land-, See- oder Luftgrenze eines Mitgliedstaates illegal überschritten hat,
ist dieser Mitgliedstaat gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO für die Prüfung
des Antrags auf internationalen Schutz zuständig. Die Zuständigkeit endet
gemäss dieser Norm zwölf Monate nach dem Tag des illegalen Grenzüber-
tritts.
5.
5.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Eu-
rodac»-Datenbank ergab, dass er am 30. September 2021 in Italien aufge-
griffen und dort am 2. Oktober 2021 daktyloskopisch erfasst worden war
(SEM-Akte 1176212-6/1). Das SEM ersuchte die italienischen Behörden
deshalb am 11. Juli 2022 um Übernahme des Beschwerdeführers gestützt
auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO (SEM-Akte 1176212-19/7). Diese liessen
das Ersuchen innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist
unbeantwortet, womit sie ihre Zuständigkeit implizit anerkannten (Art. 22
Abs. 7 Dublin-III-VO).
5.2 Nachfolgend ist im Licht von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu prüfen, ob
es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die
Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Italien würden systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-
rechtecharta mit sich bringen würden und ob nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-
VO das Selbsteintrittsrecht auszuüben ist.
6.
6.1 Italien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-
kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben.
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6.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Rechtsprechung da-
von aus, dass das italienische Asylsystem – trotz punktueller Schwachstel-
len – keine systemischen Mängel im Sinn von Art. 3 Abs. 2 zweiter Satz
Dublin-III-VO aufweist (vgl. statt vieler Referenzurteile des BVGer
D-4235/2021 vom 19. April 2022 E. 10; F-6330/2020 vom 18. Oktober
2021 E. 9 und E-962/2019 vom 17. Dezember 2019 E. 6.3). An dieser
Rechtsprechung ist festzuhalten, zumal der Beschwerdeführer nichts Ge-
genteiliges vorbringt. Für eine Übernahme der italienischen Zuständigkeit
gestützt auf Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO besteht daher kein Anlass.
7.
Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat be-
schliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staaten-
losen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er
nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung
zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte Selbstein-
trittsrecht wird durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August
1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss dieser Bestimmung
kann das SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen auch dann be-
handeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig ist.
Liegen individuelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vor, ist der
Selbsteintritt zwingend (BVGE 2015/9 E. 8.2.1).
8.
8.1 Der Beschwerdeführer stützte sich in seiner Beschwerdeschrift sinnge-
mäss auf seine im vorinstanzlichen Verfahren gemachten Ausführungen:
Er habe sein Heimatland am (...) Mai 2022 zum ersten Mal verlassen. Mit
dem Flugzeug sei er von B._, Sri Lanka, nach C._,
D._, und dann weiter E._ geflogen. Von E._ aus, sei
er zusammen mit einer Familie per Fahrzeug durch mehrere ihm unbe-
kannte Länder in die Schweiz gelangt. Die Schweiz sei immer sein Zielland
gewesen. Italien sei für Tamilen kein gutes Land.
8.2 Der Beschwerdeführer wurde in Italien – entgegen seiner Behauptung,
er habe Sri Lanka zum ersten Mal am (...) Mai 2022 verlassen – bereits
am 2. Oktober 2021 daktyloskopisch erfasst. Trotz eindeutiger daktylosko-
pischer Erfassung und Gewährung des rechtlichen Gehörs zu diesem Wi-
derspruch, hielt der Beschwerdeführer während des ganzen Verfahrens
beharrlich an seiner Version – er habe Sri Lanka erst am (...) Mai 2022
verlassen – fest. Dies trägt eindeutig nicht zur Glaubhaftigkeit seiner Aus-
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sagen bei und lässt darüber hinaus auch ihn selbst als unglaubwürdig er-
scheinen. Klarzustellen gilt es an dieser Stelle zudem, dass die Dublin-III-
VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfen-
den Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). Die Abnahme
der Fingerabdrücke von illegal einreisenden ausländischen Personen und
Asylsuchenden stützt sich auf die Eurodac-Verordnung und erweist sich
als legitim. Dem Beschwerdeführer steht es nach erfolgter Überstellung
nach Italien offen, dort um Asyl nachzusuchen und damit Zugang zu den
asylrechtlichen Aufnahmestrukturen zu erhalten. Er hat in diesem Zusam-
menhang kein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan, die italienischen
Behörden würden sich weigern, ihn aufzunehmen und seinen Antrag auf
internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie
zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu
entnehmen, das Land werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Re-
foulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem
sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3
Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden.
8.3 Der Beschwerdeführer führte zwar aus, dass er Herzpatient sei und
deswegen früher Spritzen benötigt hätte, machte aber aktuell keine gravie-
renden gesundheitlichen Probleme geltend (SEM-Akte 1176212-17/2). Me-
dizinische Berichte lassen sich den Akten keine entnehmen. Sodann ist
darauf hinzuweisen, dass Italien grundsätzlich über eine ausreichende me-
dizinische Infrastruktur verfügt (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E-
4930/2021 vom 18. November 2021 E. 6.3 m.w.H.). Es darf davon ausge-
gangen werden, dass dieser Dublin-Mitgliedstaat die sich aus der Aufnah-
merichtlinie ergebenden Rechte nach Einreichung eines Asylgesuches an-
erkennt und schützt. Es liegen keine Hinweise vor, wonach Italien dem Be-
schwerdeführer eine allenfalls notwendig werdende adäquate medizini-
sche Behandlung verweigern würde. Der Zugang für asylsuchende Perso-
nen zum italienischen Gesundheitssystem über die Notversorgung hinaus
ist derzeit grundsätzlich gewährleistet, auch wenn es in der Praxis zu zeit-
lichen Verzögerungen kommen kann (vgl. Urteil E-962/2019 E. 6.2.7). Der
Beschwerdeführer könnte sich im Übrigen nötigenfalls an die italienischen
Behörden wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf
dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie).
8.4 Zusammenfassend liegt kein Grund für die Anwendung der Ermes-
sensklausel von Art. 17 Dublin-III-VO beziehungsweise Art. 29a Abs. 3
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-962/2019
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AsylV 1 vor. Weder ist die Schweiz verpflichtet, auf das Asylgesuch einzu-
treten, noch liegen humanitäre Gründe vor, welche einen Selbsteintritt na-
helegen würden. Das SEM ist daher zu Recht auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers nicht eingetreten. Da er nicht im Besitz einer gültigen Auf-
enthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach
Italien in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet
(Art. 32 Bst. a AsylV 1). Es besteht nach dem Gesagten keine Veranlas-
sung zur Rückweisung der Sache an die Vorinstanz im Sinne des Eventu-
albegehrens.
9.
Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2
m.w.H.).
10.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen. Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem
Urteil abgeschlossen, weshalb sich der Antrag auf Gewährung der auf-
schiebenden Wirkung als gegenstandslos erweist. Der angeordnete Voll-
zugsstopp fällt mir vorliegendem Urteil dahin.
11.
Die mit der Beschwerde gestellte Gesuche um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den
vorstehenden Erwägungen ergibt – aussichtlos waren, weshalb die Vor-
aussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind. Das Gesuch um
Befreiung von der Kostenvorschusspflicht wird mit dem vorliegenden Ent-
scheid in der Sache gegenstandslos.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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