Decision ID: 48ec02c6-78d6-4d73-90ec-a490b7fa6b40
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1971 geborene
X._
meldete sich am 29. März 2012 (Ein
gangs
datum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 6/12). Nach Vornahme erwerblicher und medizi
ni
scher Abklärung und Durchführung
des
Vorbescheidverfahrens
(Urk.
6/27) ver
neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 25. September 2012 einen Anspruch der Versicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 6/29).
1.2
Am
16. Februar 2021
(Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte
, welche seit
Juli
2013
als Betriebsmitarbeiterin
für die
Y._
AG tätig war,
erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 6/3
2
, Urk. 6/43
)
. Mit Schreiben vom 3. März 2021 wies die IV-Stelle die Versicherte darauf hin, dass auf ihren
An
trag nur eingetreten werden könne, wenn
sie
glaubhaft mache, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit Erlass der letzten Verfügung wesentlich verändert hätten.
Die IV-Stelle
forderte
die Versicherte
auf, bis spätestens am
19. April 2021
entsprechende aktu
elle Beweismittel nachzureichen (Urk. 6/38). Die Versicherte reichte daraufhin
je
einen Bericht von Dr. med. Z._
,
Oberarzt i.V., und Dr. med. A._
, Assistenzärztin,
von der Klinik für Rheumatologie des
Univer
sitätsspitals B._ (B._
;
Urk. 6/39/1-6) und
von
dipl.
Ärztin
C._ und Dr. med. D._
von den
E._
(Urk. 6/39/7-13) ein.
Nachdem Dr. med. F._
, Facharzt für Orthop
ädische Chirurgie und Tr
aumatologie, und Dr. med. G._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle zu den Akten Stellung genommen hatten (Urk. 6/48/
2-3)
, stellte die IV-Stelle m
it Vor
bescheid vom 3. September 2021 in Aussicht, einen Leistungsanspruch der Ver
sicherten zu verneinen
(Urk. 6/49)
. Dagegen erhob
die Versicherte
Einwand (Urk.
6/59
, Urk. 6/61
).
Mit Verfügung vom 22. Oktober 2021 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten ab (Urk.
2
).
2.
Dagegen liess die Versicherte mit Eingabe vom 22. November 2021 (Urk. 1) Be
schwerde erheben und beantragen, es
sei
ihr eine Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von mindestens 40 % auszurichten. Die Beschwerde
geg
nerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 10. Dezember 2021 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was der Beschwerd
eführerin mit Verfügung vom 13.
Dezember 2021 angezeigt wurde (Urk. 7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfol
gend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraus
set
zungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revi
sions
gesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versi
cherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der ver
sicherten Person glaubhaft gemachte Ver
änderung des Invaliditätsgrades
auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Inva
lidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (
Urteil des Bundesgerichts 9C_351/2020 vom 21. September 2020 E. 3.1, insbesondere mit Hinweis auf
BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erklärte zur Begründung ihres Entscheids
(Urk. 2)
, die Beschwerdeführerin sei als Betriebsmitarbeiterin in einer Bäckerei in einem Pen
sum von 30 % tätig. Aufgrund der ih
r
vorliegenden medizinischen Abklärung habe sich die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin seit der letzten Prüfung im Jah
r 2012 nicht verändert. Sie gehe
weiterhin davon aus, dass die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei. Es lägen keine Beschwerden vor, die eine dauerhafte gesundheitliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
begründeten.
2.2
Die B
eschwerdeführerin wendete dagegen
im Wesentliche
n
ein
(Urk. 1)
,
die Be
schwerdegegnerin stütze ihren Entscheid auf die Einschätzung
e
n von Dr.
F._
und Dr.
G._
vom RAD.
Dr.
F._
widerspreche de
r Einschätzung der Ärzte des B._
, begründe aber nicht ausführlich
weshalb
. Warum Dr.
F._
keine Funk
tionseinschränkung als nachvollz
iehbar erachte, sei unklar. Es frag
e
sich
,
wie er das Belastungsprofil der angestammten Tätigkeit beurteilen
könne
,
fänden sich doch zu diesem
in den Akten keinerlei Angaben.
Sie arbeite zudem aus gesund
heitlichen Gründen lediglich zu 30 %.
Es sei aktenkundig, dass nicht nur die somatischen Beschwerden limitierend se
ien, sondern auch
psychische
Einschränkungen vorlägen, welche
die
Arbeits
fähigkeit einschränkten. Das Bundesgericht verlange in solchen Fällen eine ressourcen
be
zogene Expertise, das
heisse ein
mind
e
stens
bidisziplinäres
Gutachten in den
Fachdisziplinen
Psychiatrie und Orthopädie/Rheu
m
a
tologie. Es reiche nicht aus, wenn Dr.
G._
festhalte, es könne eine psychisch bedingte arbeitsrelevante Dia
gnose nicht erkannt werden.
Zu dieser Schlussfolgerung sei Dr.
G._
ohnehin nur gelangt
, weil sie kei
ne Unterlagen
einverlangt
habe,
obwohl die Ärzte der
E._
in
ihrem
B
ericht vom 22.
Februar 2021 darauf
hingewiesen hätten
, dass Detailberichte aus den Fachbereichen angefordert werden könn
t
en
.
Das Bundesgericht verlange zudem, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien.
Dies sei vorliegend nicht getan worden.
Die Beschwerde
geg
nerin stütze
ihren Entscheid
somit
auf unvollständige Akten bzw. auf nicht sc
hlüssige Beurteilungen des RAD.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin
hatte
mit Verfügung v
om 25. September 2012 (Urk.
6/
29
) erstmal
s einen Leistungsanspruch
der Beschwerdeführerin verneint. Sie war dabei davon ausgegangen
, dass keine strukturellen Befunde und Diagnosen
vorlägen
, die längerfristig eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten (vgl. auch Urk.
6/26).
3.2
3.2.1
Im aktuellen Neu
anmeldeverfahren wurden die folgenden Berichte eingereicht:
3.2.2
Die
Dres
.
Z._
und
A._
von der
Klinik für Rheumatologie des B._
erklärten mit Austrittsbericht vom 8. Februar 2021 (Urk. 6/39/1-6), d
ie Beschwerdeführerin
sei
vom 26. Januar bis 9. Februar
2021
bei ihnen
hospitalisiert gewesen. Als Dia
gnosen nannten sie
:
-
c
hronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren Erstdiagnose 2020 mit/bei
-
k
linisch:
Panvertebralschmerzen
(HWS und LWS) mit Ausstrahlung in
s
Bei
n
und
in den
Arm links mit
fibromyalgieformer
Ausweitung bei 12/18 positiven Tender
points
,
Widespread
-
P
a
in
-Index von 7/18 Punkten, Symptom-
Severity
-
Scale
von 5/12 Punkten
-
s
omatische Faktoren
-
m
yofasziale
Befunde
-
a
llgemeine
Dekonditionierung
-
Haltungsinsuffizienz
-
Hyperlaxität
(
Beigton
Score auf 7/9)
-
p
sychische Faktoren
-
s
chmerzbezogene Ängste
-
d
ysfunktion
a
le Durchhalt
e
strategien
-
m
aladaptive Kognitionen
-
a
usgeprägte emotionale Belastungen
-
Diagnostik
-
MRI HWS + BWS 11. November 2020
-
m
ässige
Osteochond
rose
der unteren HWS, leichte
Ba
nd
scheiben
protrusion
C6/7 mit kleiner
rechtsforaminaler
Hernie und
Unco
vertebralarthrose
-
m
ässige
O
steochondrose
der unteren BWS/am
thorako
-lumbalen Übergang bei Status nach Morbus Scheuermann mit
Band
schei
benprotrusion
en
ohne Nervenwurzelkompressionen
-
MRI LWS (9. Juli 2020):
Annulus
Fibrosus
Riss L4/L5 sow
ie Facettengelenksarthrosen LWK
4/5, LWK5
/
SWK1, keine Nerven
wurzel
kompression
-
Therapie
-
NSAR,
Novalgin
-
Amitryptillin
nicht gut vertragen
-
Physiotherapie,
Triggerpunkttherapie
, TENS
-
a
ktuell
: multimodale Schmerztherapie (
93.A2.45) vom 26. Januar bis 9. Februar 2021
-
Cymbalta
30 mg ab 3. Februar 2021: gutes Ansprechen
Die Beschwerdeführerin sei ihnen zur stationären multimodalen Schmerztherapie aufgrund
Panvertebralschmerzen
mit Ausstrahlung ins Bein und Arm links bei Versagen der bisherigen ambulanten Therapiemassnahmen mit ambulanter Phy
sio
therapie mit aktiven und passiven Massnahmen, diversen pharmakologischen Therapieansätzen (u.a. mit NSAR, Paracetamol,
Amitryptillin
), TENS und
T
r
igger
punkt
t
herapie
zugewiesen worden. Als somatische Befunde bestünden
myofas
zia
le
Befund
e, allgemeine
Dekonditionierung
,
Haltungsinsuffizienz sowie
Hyper
laxität
mit
Beigton
Score auf 7/9. Im MRI hätten Facettengelenksarth
ro
sen LWK4/5,
LWK5/SWK1,
Bandscheibenprotrusionen
ohne Nervenwurzelkompres
sion und
ein
Status nach Morbus Scheuermann objektiviert werden können. Ausserdem läge
das kl
i
nische Bild eine
s
fibromya
l
g
ischen
Syndroms vor bei 12/18 positiven T
e
n
d
er
points
mit
uner
holsamem
Schlaf, Tagesmüdigkeit,
verminderter Leistungs
fähig
keit sowie einem
Wid
e
spread
-
Pain
-Index von 7/18 Punkten und
einer
Symptom-
Severity
-
Scale
von 5/12 Punkten. Zusätzlich sei auch eine psychologisch-psy
chiatrische Beurteilung erfolgt, wobei hier von einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren ausgegangen werde. Als psychi
sche/
psychosoziale Faktoren zu nennen seien schmerzbezogene Ängste, dysfunk
tio
nale Durchhaltestrategien, maladaptive Kognitionen und ausgeprägte emotionale Belastungen. Unter Zusammenschau der Befunde gingen sie von einer chroni
schen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren aus, wobei die psychischen Faktoren im Vordergrund stünden.
Der Verlauf
während des Aufenthaltes
sei erfreulich
gewesen
. Die Schmerzen hätten abgenommen (von NRS 8/10 auf 4-5/10), die Gehstrecke habe erhöht (von 355 m auf 450 m im 6-Minutengehtest) und die Haltung verbessert werden können. Insgesamt habe sich eine sehr zufriedene Beschwerdeführerin gezeigt. Bezüglich Arbeitsfähigkeit sei kein Arbeitsplatz-basiertes Assessment erfolgt. Ins
gesamt sähen sie die Beschwerdeführer
in
aber an einem angepassten Arbeitsplatz mit wechselseitiger Belastung ohne repetitives Heben von mittelschweren oder schweren Lasten etc. zu 50 % arbeitsfähig, wobei sie mittel- bis langfristig eine vollständige berufliche Wiedereingliederung in der angestammten Tätigkeit als unrealistisch erachteten. Sie fänden die Eva
lu
ation einer Umschulung in eine Tätigkeit mit geringerem körperlichen Belastungsprofil sinnvoll. Sie hätten die Beschwerdeführerin am 9. Februar 2021 in gebessertem Allgemeinzustand
in die
E._
, Klinik H._
,
entlassen können.
Die
Dres
.
Z._
und
A._
attestierten der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit
für die
Dauer
des stationären Aufenthaltes in ihrer Klinik vom
26. Januar bis 9. Februar 2021
.
3.2.3
Vom 9.
b
is
am
26. Februar 2021 weilte die Beschwerdeführerin stationär in den
E._
, Klinik H._
. Mit Austrittsbericht vom 22. Februar 2021 (
U
rk. 6/39/7-13) nannten Dr.
D._
und
dipl.
Ärztin
C._
dieselben Dia
gnosen wie die
Dres
.
Z._
und
A._
in ihrem Bericht vom 8. Februar 2021
(vgl. E.
3.2.2)
. Die Beschwerdeführerin sei
ihnen von der Klinik für Rheumato
logie, B._
, zur Rehabilitation überwiesen worden.
Sie
habe einen guten Einsti
e
g
in den Stations- und Therapieall
tag gefunden und immer regelmässig und motiviert an den angebotenen Therapien teilgenommen. Im Vordergrund hätten konstante Schmerzen im Lumbalbereich gestanden, die ins linke Bein gestrahlt hätten. Die Beschwerdeführerin habe sich stet
s
normoton
und
afebril
präsentiert. In der Physiotherapie habe der Fokus auf Analgesie,
Detonisation
und körper
li
che
m
Aufbau gelegen. Die sehr motivierte Beschwerdeführerin habe gut mit
ma
chen, die Schmerzen am Anfang reduzieren und gute Fortschritte
erzielen
könn
en. Kurz vor dem Austritt hätten
sich
die Schmerzen
jedoch
wieder verstärkt. In der Physiotherapie habe die Beschwerdeführerin Schmerzbewältigungsstrategien erlernt und besseren Umgang mit der Situation finden können.
Die Beschwerdeführerin habe im Rahmen der psychotherapeutischen Behandlung an drei verhaltenstherapeutisch- und ressourcenorientierten Einzelgesprächen so
wie an einer Schmerzbewältigungsgruppe teilgenommen. Der Schwerpunkt der Einzelgespräche habe auf der Exploration und Würdigung der Belastungen und Ressourcen der Beschwerdeführerin gelegen. Weiter seien der Umgang mit den Schmerzen, da
s
Pausenmanagement sowie die Sorgen um die Arbeitsfähigkeit vertieft angesehen worden. In den Gesprächen habe sich die Beschwerdeführerin
interessiert
eingebracht. Sie habe sich verunsichert gezeigt, wie es mit ihren Schmerzen und der Berufstätigkeit weitergehen könne. Eine Weiterführung der Therapie im ambulanten Setting wünsche
sie
aktuell nicht. Es
sei
ihr empfohlen
worden, bei
Verschlechterung ihres Befindens oder einer Zunahme der Sorgen
ein
e Psychotherapie aufzusuchen
.
Sie hätten die Beschwerdeführerin a
m 26.
Februar 2021 bei stabilem Allgemeinzustand nach Hause entlassen. Sie würden die Fort
führung der Physiotherapie inklusive MTT
im ambulanten Setting empfehlen
.
Sie hätten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis 14. März 2021 ausgestellt. Dann sei eine Neubeurteilung durch die behandelnden Ärzte empfohlen.
4.
4.1
D
i
e Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 22. Oktober 2021 (Urk. 2)
sowohl gemäss Dispositiv als auch gemäss Erwägungen
das Leis
tungs
begehren der Beschwerdeführerin
materiell geprüft und dieses
abgewiesen.
Das heisst, die Beschwerdegegnerin ist auf das neue Leistungsbegehren der Be
schwerdeführerin eingetreten.
Es gilt daher im vorliegenden Verfahren zu prüfen,
ob gestützt auf die von der Beschwerdegegnerin vorgenommenen Abklärungen mit
dem Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit von einer in revi
sions
rechtlicher Hinsicht massgeblichen
Veränderung des Sachverhalts
auszugehen ist oder nicht.
Hierbei ist
der Sachverhalt s
oweit zu ermitteln, dass über den Leis
tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit entschieden werden kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_815/2012 vom 21.
Oktober
2013 E.
3.2.1).
Ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das Leis
tungsbegehren eingetreten ist, ist hingegen nicht zu überprüfen (vgl. Urteil des Bundesgericht
s
9C_351/2020 vom 21. September 2020 E. 3.2.2).
4.2
Die Abklärungen der Beschwerdegegnerin beschränk
t
en sich
darauf, die beiden von der Beschwerdeführerin eingereichten Bericht
e
der Ärzte des B._
vom 8.
Februar 2021 (vgl. E. 3.2.2) und
der Ärzte der
E._
vom 22.
Februar 2021 (vgl. E. 3.2.3)
dem RAD
vorzulegen.
RAD-Arzt
Dr.
F._
hielt dabei fest
, dass die somatischen Faktoren nicht zu spezifischen Funktionsein
schränkungen führten. Aus somatischer Sicht seien Einschränkungen der Leis
tungsfähigkeit in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit nicht zu begründen (U
r
k. 6/48
/2
).
RAD-Ärztin
Dr.
G._
erklärte, eine psychisch bedingte arbeitsrele
vante Diagnose könne nicht erkannt werden, ein echter Leidensd
ruck
s
cheine nicht vorhanden zu sein
. Ein langanhaltender psychisch bedingter Gesundheits
schaden sei nicht ausgewiesen
(Urk. 6/48/2-3). G
estützt
auf diese Einschätzungen ging die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 22. Oktober 2021
davon aus, dass die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit zu 100
% arbeitsfähig sei
(Urk. 2).
4.3
Die Beschwerdeführerin
hatte
auf ihrer Anmeldung zum Leistungsbezug an
gegeben
, dass sie als Betriebsmitarbeiterin für die
Y._
AG tätig sei (Urk. 6/32/6). Die Beschwerdegegnerin hat keine Abklärungen dazu getroffen, welche konkrete
n
Tätigkeiten die Beschwerdeführerin bei dieser
Arbeit
verrichtet
.
Dr.
F._
hat
in seiner Stellungnahme
– wie dargelegt
(E. 4.2)
– erklärt,
dass Einschränkungen der Leistungsfähigkeit in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit nicht zu begründen seien.
Zur Arbeitsfähigkeit in einer anderen als einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit äussert
e
er
sich
jedoch
nicht.
Da nicht klar ist, ob
es sich bei der von der Beschwerdeführerin zuletzt ausgeübten Tätigkeit um eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit handelt,
ist auch nicht klar, in wel
chem Umfang die Beschwerdeführerin diese
Tätigkeit nach Ansicht von Dr.
F._
noch ausüben kann.
Die Beschwerdeführerin selbst scheint
jedenfalls
davon auszugehen, dass sie bei der
Y._
AG eine schwere
T
äti
gkeit
ver
richtet habe
, ergibt sich doch aus den Berichten der
behandelnden Ärzte, dass die Beschwerdeführerin zuletzt eine schwere Tätigkeit ausgeübt habe (Urk. 6/39/4,
U
r
k. 6/39/10)
.
Es
ist gestützt auf die Akten jedoch nicht nur unklar, welche konkrete Tä
tigkeit
die Beschwerdeführerin zuletzt ausübte, sondern auch in welchem Pensum sie diese
verrichtete.
Die Beschwerdegegnerin ging von einem 30%-Pensum aus
(Urk.
2)
. Sie dürfte sich dabei auf die Angaben der Beschwerdeführerin auf
der
Anmeldung zu Leistungsbezug gestützt haben,
mit welcher
diese ein 30%-Pen
sum deklariert hatte
(Urk. 6/32/6)
. Diese Angabe steh
t
jedoch im Widerspruch zu den
übrigen Akten
.
So gab die Beschwerdeführerin den behandelnden Ärzten gegenüber an, dass sie in einem 100%-Pensum gearbeitet habe (Urk. 6/39/4).
A
u
s dem Indi
viduellen Konto
der Beschwerdeführerin
ergibt sich
zudem
für das Jahr
2018 ein Einkommen von Fr.
34’
844.--
, für
das Jahr
2019 von Fr. 34'094.
--
und für
das Jahr
2020 von Fr. 30'566.--
(Urk. 6/43)
. Die Beschwerdeführerin
erhielt
gemäss ihren eigenen Angaben
bei der
Y._
AG
einen Stundenlohn von
Fr. 19.-- (Urk. 6/32/6)
.
Dies entspricht bei einer 100%igen Erwerbs
tätigkeit einem Einkommen von etwas mehr als Fr. 40'000.-- (Fr. 19.— x
8,4 [Arbeitsstunden pro Tag] x 21,75 [Arbeitstage pro Monat] x 12 [Monate] = Fr. 41'665.60)
.
Der von der Beschwerdeführerin zuletzt erzielte Lohn würde somit einem weit höheren als einem 30%-Pensum entsprechen.
4.
4
RAD-Ärztin Dr.
G._
kam
– wie dargelegt
(E. 4.2)
– zum Schluss, dass ein psychisch bedingter Gesundheitsschaden nicht ausgewiesen sei (Urk. 6/48/3). Diese Einschätzung stützt
e
sie auf die
Berichte
der Ärzte des B._
vom 8.
Februar 2021 (vgl. E. 3.2.2) und
der
E._
vom 22. Februar 2021 (vgl. E.
3.2.3)
.
Wie Dr.
G._
selbst
festhielt
, enthalten diese beiden Berichte keine psy
chiatrischen Befunde. Es erweist sich daher als schlüssig, dass
sie
gestützt auf die
se Berichte keine psychiatrische Diagnose nachvollziehen konnte (Urk. 6/48/
2-
3). Es ergibt sich aus der Stellungnahme von Dr.
G._
jedoch nicht, ob sie lediglich gestützt auf die aktenkundigen Berichte keine Diagnose nachvollziehen oder eine solche verneinen konnte. Da die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung ein
getreten ist, hatte sie
– wie dargelegt (vgl. E. 4.
1
) -
den rechtserheblichen Sach
verhalt so abzuklären, dass er mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist. Ein Leistungsbegehren, auf das eingetreten wurde, kann daher nicht alleine mit der Begründung abgewiesen werden, gestützt auf die eingereichten Berichte sei kein Gesundheitsschaden ausgewiesen.
Vielmehr hat die Beschwerdegegnerin den rechtserheblichen Sachverhalt so abzuklären, dass
über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschie
den werden kann
(vgl. E. 4.1).
Bei
einem Entscheid über ein
en
V
ersicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens
sind
dabei
an die Beweiswürdigung s
trenge Anforderungen zu stellen und auch bei nur geringen Zweifeln
an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststel
lungen
sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen
(
BGE 145 V 97 E. 8.5,
142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen
).
4.5
Aus dem Gesagten ergibt sich, die Beschwerdegegne
rin sowohl den erwerblichen als auch den medizinischen
Sachverhalt ungenügend abgeklärt hat.
Das Vor
gehen der Beschwerdegegnerin erweist sich
denn
auch als widersprüchlich, hat sie doch einerseits gestützt auf die von der Beschwerdeführerin eingereichten Unterlagen eine relevante Sachverhaltsänderung als glaubhaft erachtet, anderer
seits aber gestützt darauf und ohne Vornahme weiterer Abklärungen eine rele
vante Sachverhaltsänderung verneint.
D
ie Sache ist deshalb an
die Beschwer
de
gegnerin
zurückzuweisen, damit sie
den relevanten Sachverhalt rechtsgenügend
abklärt und hernach
über den Leistungsanspruch de
r
Beschwerdeführer
in
neu befindet.
5
.
5.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unab
hän
gig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.
festgelegt. Vorlie
gend sind sie auf Fr.
6
00.-- festzusetzen.
Die Rückweisung an die Verwaltung gilt nach ständiger Rechtsprechung als voll
ständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
5
.2
Die vertretene Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine Prozessentschädigung (§ 34 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Die der Beschwerdeführerin von der Beschwerdegegnerin aus
zu
rich
tende Prozessentschädigung ist unter Berücksich
tigung der genannten Kriterien ermessensweise auf Fr.
1’200
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.