Decision ID: b33a24c6-b15c-578c-bcc2-74df3959697a
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am (...) Mai 2018 in der Schweiz um Asyl
nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 25. Mai 2018 und
der Anhörung vom 22. Oktober 2018 machte er im Wesentlichen Folgen-
des geltend:
Er sei syrischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie und in B._ in
der Provinz C._ geboren und aufgewachsen. Nach Absolvierung
des zwölften Schuljahrs sei er nach Damaskus umgezogen, um in einer
Fabrik für landwirtschaftliche Chemieprodukte zu arbeiten. Dann sei er für
den Wehrdienst eingezogen worden und habe vom (...) 2008 bis zum (...)
2010 in der syrischen Armee gedient. Nach Abschluss der militärischen
Ausbildung sei er als Reservist eingeteilt worden. Danach habe er wieder
angefangen, in derselben Fabrik zu arbeiten, in der er bereits zuvor ange-
stellt gewesen sei. Aufgrund des Krieges habe die Fabrik schliessen müs-
sen; dadurch habe er seinen Arbeitsplatz verloren und sei deshalb wieder
in sein Heimatdorf zurückgekehrt. Jedoch habe es auch dort keine Arbeit
gegeben. Am (...) 2011 habe er ein schriftliches Militäraufgebot erhalten,
welches verlauten lassen habe, dass er sich innert zehn Tagen bei den
Militärbehörden melden solle. Er habe jedoch nicht im Krieg kämpfen wol-
len. Aus Furcht, zur Leistung des Reservedienstes gezwungen zu werden,
sei er im Januar beziehungsweise Februar 2012 in Richtung Türkei ausge-
reist und habe in der Folge dort gelebt. Im selben Jahr habe eine Patrouille
in seinem Heimatdorf nach ihm gefragt. Aufgrund des Krieges sowie aus
Furcht vor einer Reflexverfolgung seien seine Mutter und seine Ehefrau zu
ihm in die Türkei gereist. Im Oktober 2015 hätten sie gemeinsam weiterrei-
sen wollen. Bei der Reise seien sowohl seine Mutter als auch seine Ehe-
frau ertrunken. Er sei in der Folge noch weiterhin in der Türkei geblieben
und am (...) Mai 2018 in die Schweiz eingereist.
Als Beweismittel reichte er seine Identitätskarte, sein Militärbüchlein, sein
Aufgebot zum aktiven Reservedienst, sein Familienbüchlein sowie die To-
desscheine betreffend seine Mutter und seine Ehefrau (alles im Original)
ein.
B.
Mit Verfügung vom 5. März 2020 – eröffnet am 9. März 2020 – verneinte
die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und
lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete sie wegen Unzulässigkeit
des Wegweisungsvollzugs seine vorläufige Aufnahme an.
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C.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 6. April 2020 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung
der vorinstanzlichen Verfügung und die Gewährung von Asyl. Eventualiter
sei seine Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und die vorläufige Auf-
nahme als Flüchtling anzuordnen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um
unentgeltliche Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses und beantragte, das Verfahren auf Deutsch durchzufüh-
ren.
Der Beschwerde legte er einen Internetartikel des arabischen Senders
Al Arabiya vom 3. April 2020 bei. Darin werde über einen syrischen Deser-
teur berichtet, welcher sich den Militärbehörden gestellt habe, daraufhin
inhaftiert worden und dann unter Folter ums Leben gekommen sei.
D.
Mit Instruktionsverfügung vom 8. April 2020 bestätigte das Bundesverwal-
tungsgericht den Eingang der Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101; SR 142.31); für das vorliegende Verfahren gilt das bishe-
rige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
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daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu be-
handeln sind, da deren Gutheissung gegebenenfalls geeignet sind, eine
Kassation der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE
2013/34 E. 4.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal-
tungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.).
4.1 In der Rechtsmitteleingabe wird sinngemäss eine Verletzung der Ab-
klärungspflicht gerügt, indem dem SEM vorgeworfen wird, die Asylgründe
des Beschwerdeführers nicht genügend umfassend und sorgfältig geprüft
zu haben. Ferner habe die Vorinstanz ihren Entscheid auf Mutmassungen
und Spekulationen statt auf konkrete Tatsachen gestützt. Folglich habe sie
ihre Sorgfaltspflicht verletzt. Implizit wird damit auch eine Verletzung der
Begründungspflicht geltend gemacht.
4.2
4.2.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ih-
rer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich
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ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-
einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt
(vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Dem verfassungsmässigen Grundsatz des
rechtlichen Gehörs erwachsen behördliche Pflichten, wie unter anderem
die Untersuchungspflicht (vgl. E. 4.2.2) sowie die Begründungspflicht (vgl.
E. 4.2.3). Das AsylG als lex specialis zum VwVG sieht für das Asylverfah-
ren besondere Verfahrensbestimmungen vor (Art. 6–17 AsylG).
4.2.2 Im Asylverfahren – wie in anderen Verwaltungsverfahren – gilt der
Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Danach muss
die entscheidende Behörde den Sachverhalt von sich aus abklären, das
heisst sie ist verantwortlich für die Beschaffung der für den Entscheid not-
wendigen Unterlagen und das Abklären sämtlicher rechtsrelevanter Tatsa-
chen (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 142; KRAUSKOPF/EMMENEG-
GER/BABEY, Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016,
Rz. 20 ff. zu Art. 12 VwVG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn
der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt
wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie,
wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände be-
rücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren
und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). Der
Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der
asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG).
4.2.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als verfahrensrechtliche
Garantie die Begründungspflicht (Art. 35 VwVG), welche der rationalen und
transparenten Entscheidfindung der Behörden dient und die Betroffenen in
die Lage versetzen soll, den Entscheid sachgerecht anzufechten. Die Be-
hörde hat daher kurz die wesentlichen Überlegungen zu nennen, von de-
nen sie sich leiten liess und auf die sie ihren Entscheid stützt. Je weiter der
Entscheidungsspielraum, je komplexer die Sach- und Rechtslage und je
schwerwiegender der Eingriff in die Rechtsstellung der betroffenen Person,
desto höhere Anforderungen sind an die Begründung zu stellen (vgl. zum
Ganzen BVGE 2012/24 E. 3.2.1 f. m.w.H.; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal-
tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, N
629 ff.).
4.3
4.3.1 In der Beschwerdeschrift wird ausgeführt, die Vorinstanz sei in ihrem
Entscheid von hypothetischen Feststellungen ausgegangen, welche der
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Realität im Kulturkreis des Beschwerdeführers nicht entsprächen. In ihrer
Annahme, nur Personen mit einem politischen Hintergrund würden bei
Dienstverweigerung mit einer Verfolgung rechnen müssen, liege sie falsch.
Der blosse Umstand, dass der Beschwerdeführer die Beurteilung seiner
Ausführungen und der Lage in Syrien durch das SEM nicht teilt, stellt in-
dessen keine formelle Frage dar, sondern ist im Rahmen der materiellen
Würdigung der Argumente durch das Gericht zu berücksichtigen. Überdies
ist festzuhalten, dass sich die Vorinstanz mit den wesentlichen Sachver-
haltselementen des Beschwerdeführers differenziert auseinandersetzte.
Sie befasste sich mit seiner konkreten Situation als Wehrdienstverweigerer
unter Berücksichtigung der von ihm vorgebrachten Umstände. Die Rüge,
wonach das SEM das vorliegende Asylgesuch nicht genügend umfassend
und sorgfältig geprüft und damit seine Abklärungspflicht verletzt haben soll,
erweist sich aufgrund der vorstehenden Erwägungen als unbegründet.
Dessen ungeachtet ist festzustellen, dass das Bundesverwaltungsgericht
den Akten auch sonst keinerlei Hinweise dafür entnehmen kann, dass die
Vorinstanz den Sachverhalt nicht ausreichend erstellt hätte, womit das Ge-
richt folglich in der Sache zu entscheiden hat (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
4.3.2 Soweit der Beschwerdeführer sinngemäss eine Verletzung der Be-
gründungspflicht rügt, ist festzustellen, dass sich auch diese Rüge als un-
begründet erweist. Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid alle we-
sentlichen Vorbringen berücksichtigt und diese sodann einer Würdigung
unterzogen. Wie bereits erwähnt, muss sich die verfügende Behörde nicht
ausdrücklich mit jeder tatbestandlichen Behauptung und jedem rechtlichen
Einwand auseinandersetzen, sondern darf sich auf die wesentlichen Ge-
sichtspunkte beschränken (vgl. E. 4.2.1). Alleine der Umstand, dass die
Vorinstanz nach Würdigung der Parteivorbringen respektive der aktuellen
Situation in der Heimat des Beschwerdeführers zu einem anderen Schluss
als dieser kam, stellt keine Gehörsverletzung dar, sondern beschlägt die
Frage der materiellen Würdigung. Schliesslich hat die Vorinstanz in ihrer
Verfügung die wesentlichen Überlegungen genannt, von denen sie sich hat
leiten lassen, so dass eine sachgerechte Anfechtung möglich war, wie die
vorliegende Beschwerde zeigt. Mithin liegt auch keine Verletzung der Be-
gründungspflicht vor.
4.4 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erweisen sich die formellen
Rügen insgesamt als unbegründet, weshalb keine Veranlassung besteht,
die Sache aus formellen Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. Die diesbezüglichen Rechtsbegehren sind abzuweisen.
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5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung
oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete
Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhal-
tung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG).
5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Zur Begründung ihres Asylentscheids führte die Vorinstanz aus, die
Vorbringen des Beschwerdeführers zur allgemein prekären Sicherheits-
lage aufgrund des Bürgerkriegs in Syrien seien nicht asylrelevant. Eine
Wehrdienstverweigerung alleine führe nicht zur asylrelevanten Verfolgung.
Vorliegend seien keine Risikofaktoren ersichtlich, die ein politisches Profil
begründen könnten. Allenfalls drohende Strafmassnahmen aufgrund sei-
ner Wehrdienstverweigerung würden daher keine Verfolgung im Sinne von
Art. 3 AsylG darstellen. Deshalb erfülle er die Flüchtlingseigenschaft nicht.
6.2 Der Beschwerdeführer hält diesen Erwägungen vor Bundesverwal-
tungsgericht entgegen, der vorinstanzliche Entscheid habe sich ungenü-
gend mit der Lage in Syrien und insbesondere mit der behördlichen Suche
nach Reservisten befasst. Er sei zum aktiven Reservedienst einberufen
worden und werde aufgrund der Nichtbefolgung des Aufgebots bis heute
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gesucht. Die ethnische Zugehörigkeit könne bei einer Militärdienstverwei-
gerung unter Umständen asylrelevant sein. Er gelte als Wehrdienstverwei-
gerer und somit als politischer Gegner des Regimes. Die Gefahr, welche
seine Mutter und Ehefrau durch ihre Ausreise auf sich genommen hätten,
und die schliesslich zu ihrem Tod geführt habe, zeige auf, dass ihnen eine
konkret drohende Reflexverfolgung bevorgestanden habe. Die Situation
von Wehrdienstverweigerern in Syrien müsse gründlich, pragmatisch und
rational analysiert werden und nicht nur auf eine hypothetische, oberfläch-
liche und allgemeine Weise. Die Gefahr, welche einem Wehrdienstverwei-
gerer drohe, hänge nicht alleine von dessen politischem Hintergrund ab.
Wehrdienstverweigerer würden generell als politische Gegner des syri-
schen Regimes betrachtet.
7.
7.1 Was die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Wehrdienstverwei-
gerung betrifft, ist auf die diesbezüglichen Feststellungen des Bundesver-
waltungsgerichts in seinem Grundsatzurteil BVGE 2015/3 (insbesondere
dortige E. 5) zu verweisen. Demnach vermag eine Wehrdienstverweige-
rung oder Desertion nicht allein, sondern nur verbunden mit einer Verfol-
gung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG die Flüchtlingseigenschaft zu be-
gründen. Mit anderen Worten muss die betroffene Person aus einem in
dieser Norm genannten Grund (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörig-
keit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauungen)
wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine Behandlung zu
gewärtigen haben, die ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG
gleichkommt. In Bezug auf die spezifische Situation in Syrien erwog das
Gericht, die genannten Voraussetzungen seien im Falle eines syrischen
Refraktärs erfüllt, welcher der kurdischen Ethnie angehöre, einer oppositi-
onell aktiven Familie entstamme und bereits in der Vergangenheit die Auf-
merksamkeit der staatlichen syrischen Sicherheitskräfte auf sich gezogen
habe (BVGE 2015/3 E. 6.7.3; bestätigt im Urteil des BVGer D-2391/2019
vom 9. März 2020 E. 7.1 ff.).
7.2 Übereinstimmend mit dem SEM hat das Bundesverwaltungsgericht
grundsätzlich weder Zweifel an der Echtheit des Aufgebots vom (...) 2011
noch daran, dass der Beschwerdeführer dem Aufgebot zum Reservedienst
keine Folge leistete und deshalb als Wehrdienstverweigerer gilt.
Indessen hat der Beschwerdeführer weder im Rahmen seiner Befragungen
noch auf Beschwerdeebene geltend gemacht, je irgendwelche Probleme
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mit den Behörden gehabt oder sich politisch betätigt zu haben beziehungs-
weise diesen in irgendeiner Weise aufgefallen zu sein. Alleine der Um-
stand, dass gemäss den Aussagen des Beschwerdeführers eine Patrouille
im Jahr 2012 einmalig nach ihm gesucht habe, führt nicht zu einer anderen
Einschätzung. Weitere Repressalien durch die syrischen Sicherheitskräfte
machte er nicht geltend. Zudem ergibt sich aus den Akten, dass sich keines
seiner Familienmitglieder politisch betätigt hat. Es bestehen somit keinerlei
Indizien dafür, dass die syrischen Sicherheitsbehörden den Beschwerde-
führer als Regimegegner identifiziert hätten und er als solcher bei einer
Rückkehr nach Syrien eine über die Bestrafung der Wehrdienstverweige-
rung hinausgehende Behandlung zu erwarten hätte. Auch der Hinweis auf
seine kurdische Ethnie vermag diese Einschätzung nicht umzustossen, zu-
mal er abgesehen davon keine weiteren Risikofaktoren aufweist. Mit Blick
auf die oben genannte Praxis (vgl. E. 7.1) kann daher nicht mit überwie-
gender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, der Beschwerde-
führer werde aufgrund der Nichtbefolgung des Aufgebots zum aktiven Re-
servedienst der syrischen Armee als Regimegegner betrachtet und habe
als solcher eine politisch motivierte Bestrafung im Sinne von Art. 3 AsylG
zu befürchten. Der in der Beschwerdeschrift ausgeführten allfälligen Be-
strafung wegen der Wehrdienstverweigerung liegt vorliegend kein asylre-
levantes Verfolgungsmotiv zugrunde. Allenfalls drohende Strafmassnah-
men sind deshalb in casu – wie von der Vorinstanz korrekt erkannt wurde
– im Wegweisungsvollzugspunkt zu berücksichtigen.
Nach dem Gesagten bestehen insgesamt keine konkreten Anhaltspunkte
dafür, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Syrien
einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt war oder dass im heutigen
Zeitpunkt eine begründete Furcht vor einer solchen Verfolgung im Zusam-
menhang mit der geltend gemachten Wehrdienstverweigerung zu bejahen
wäre.
7.3 Auch andere Gründe, die auf eine asylrelevante Verfolgungsgefahr hin-
deuten könnten, liegen nicht vor. Eine illegale Ausreise allein führt zu keiner
Verfolgungsgefahr (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-2357/2018 vom
25. März 2020 E. 6.3). Schliesslich ist festzustellen, dass weite Teile der
Beschwerde blosse Wiederholungen und Bekräftigungen von Vorbringen
im vorinstanzlichen Asylverfahren sowie Kritik an der Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts darstellen.
7.4 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
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glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat daher sein Asylgesuch zu Recht
abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Da das SEM in seiner Verfügung vom 5. März 2020 die vorläufige Auf-
nahme des Beschwerdeführers angeordnet hat, erübrigen sich praxisge-
mäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des
Wegweisungsvollzugs.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung (vgl. Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist unbesehen der finanziellen
Verhältnisse des Beschwerdeführers abzuweisen, da die Beschwerde ge-
mäss den vorstehenden Erwägungen als aussichtslos zu bezeichnen ist
und es daher an einer gesetzlichen Grundlage zu deren Gewährung fehlt.
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