Decision ID: e844119e-707e-4999-9252-e15f1cb78a8e
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1961 geborene
X._
arbeitete zuletzt seit
1.
Januar 2009 b
ei der
Z._
als
Deutschlehrerin für Asyl
bewerber
(
Urk.
1 S. 3 und
Urk.
13/14 S. 2). Seit
1.
April 2010 war sie für ein
en
Beschäftigungsgrad von
30
%
bei der Pen
sionskasse
Y._
berufsvorsorgeversichert
; zuvor erfolgte aufgrund des zu kleinen Arbeitspensums noch keine Aufnahme (Urk. 8/1 und
Urk.
10 S. 2).
Per 3
1.
Juli 2012 erfolgte die Auflösung des Arbeitsverhältnisses (
Urk.
8/20) und der Austritt aus der Vorsorgeeinrichtung (
Urk.
8/23).
1.2
Zuvor, am 3
0.
Januar 2012
,
hatte sich
X._
bei der Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an
gemeldet
(
Urk.
13/8). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren sprach ihr die Verwal
tung mit Verfügungen vom 2
4.
September 2014
bei einem Invaliditätsgrad von 55
%
für die Zeit
vom
1.
Januar bis 3
0.
April 201
3 sowie mit Wirkung ab 1.
Oktober 2013 eine halbe Rente zu (
Urk.
13/80 und
Urk.
13/88-101).
Gestützt darauf gewährte ihr die Pensio
nskasse
Y._
ab
1.
Oktober 2013 Leis
tung
en in Form einer Invalidenpension, einer Invalidenzusatzpension und einer Inva
lidenkinderpension (Schrei
ben vom 2
0.
November 2014 [Urk.
8/52]).
Die gegen die IV-Verfügungen gerichteten Beschwerden hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 1
0.
April 2015 in dem Sinne gut, dass die angefochtenen Verfügungen auf
gehoben und die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde, damit diese nach weiteren Abklärungen über den Rentenanspruch der Versicherten neu verfüge
(
Urk.
13/114). In der Folge stellte die Pensionskasse ihre Invalidenleistungen per 3
1.
Juli 2015 ein (
Urk.
8/60).
Nachdem die IV-Stelle bei
Dr.
med.
A._
, Fach
arzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten ein
geholt hatte
(Expertise vom 9.
Januar 2017 [Urk. 13/157])
, sprach sie der Ver
sicherten
nach erneut durchgeführtem Vorbescheidverfahren
mit Verfügung vom
4.
Januar 2018 – nun bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
– vom 1. Oktober 2012 bis 3
0.
April 2013 sowie mit Wirkung ab Oktober 2013 eine ganze Inva
lidenrente zu (Urk.
13/189 und
Urk.
13/221/17-21).
1.3
Mit Schreiben vom
7.
April 20
17 lehnte die Pensionskasse
Y._
eine Leistungspflicht ab (
Urk.
8/69). Das nämliche Schreiben stellte sie auch dem Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV der Stadt
B._
am 3
1.
August 2018 zu, nachdem jenes
im Namen der Versicherten um Ausrichtung von Rentenleistungen ersucht hatte (
Urk.
8/77-78).
2.
Mit Eingabe vom 2
4.
Januar 2019 erhob
X._
Kl
age gegen die Pensionskasse
Y._
und beantragte,
die Versicherung sei zur Ausrichtung der obligatorischen und reglementarischen Leistungen ab
1.
Oktober 2012 zuzüg
lich Zins von 5
%
ab Klageanhebung zu verpflichten. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
(
Urk.
1 S. 2). Mit Klageantwort vom
1.
März 201
9 schloss die Pensionskasse
Y._
auf Ab
weisung der Klage (
Urk.
10). Nachdem mit Verfügung vom
7.
März 2019 die Akten der Invalidenversicherung beigezogen
worden waren (
Urk.
11 und Urk.
13) hielten die Parteien replicando (
Urk.
15) und duplicando (
Urk.
18) an ihren Rechtsbegehren fest.
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
24
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinter
lasse
nen- und Invalidenvorsorge (BVG)
hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine Viertelsrente, wenn er mindestens zu 40 % invalid ist. Gemäss
Abs.
1 von
Art.
26 BVG gelten für den Beginn des An
spruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
Art.
29 IVG). Die Invaliden
leistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den Anspruch erhebende Person bei Eintritt des versicherten Ereig
nisses angeschlossen war. Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach
IVG
, sondern mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität ge
führt hat (vgl.
Art.
23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähigkeit (nach einer Wartezeit von einem Jahr gemäss
Art.
28
Abs.
1 lit. b IVG in Verbindung
mit
Art.
26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invalidi
täts
risiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Arbeits
verhältnis ausgeschieden ist und daher nicht mehr dem Obligatorium unter
standen hat (BGE 123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.2
Nach
Art.
23 BVG versichertes Ereignis ist einzig der Eintritt der relevanten Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem Masse daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die Versicher
ten
eigenschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimme
rung der Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit Sinn und Zweck der Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitneh
mern Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krank
heit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später invalid werden. Für eine einmal aus
während der Versicherungsdauer aufgetre
tene
–
Arbeits
unfähigkeit geschuldete Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrichtung somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft kein Erlöschungsgrund (
Art.
26
Abs.
3 BVG e contrario; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E. 5).
1.3
Art.
23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorge
ein
richtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit be
reits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invaliden
versiche
rung zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach
Art.
23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidi
sierenden Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Been
digung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Inva
lidität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeitlichen
Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krank
heit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten. Demnach darf nicht bereits eine Unterbrechung des zeitlichen Zusam
menhangs angenommen werden, wenn die Person bloss für kurze Zeit wieder an die Arbeit zurückgekehrt ist. Ebenso wenig darf die Frage des zeitlichen Zusam
menhangs zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität in schematischer (ana
lo
ger) Anwendung der Regeln von
Art.
88a
Abs.
1 der Verordnung über die Inva
lidenversicherung (IVV) beurteilt werden, wonach eine anspruchsbeeinflussende Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in jedem Fall zu berücksichtigen ist, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich andauern wird. Zu berücksichtigen sind vielmehr die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prog
nostische ärztliche Beurteilung und die Beweggründe, die die versicherte Person zur Wiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben (BGE 123 V 262 E. lc, 120 V 112 E. 2c/aa und 2c/bb mit Hinweisen).
1.4
Die Arbeitsunfähigkeit ist relevant, wenn sie mindestens 20
% beträgt und sich
auf das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirkt oder ausgewirkt hat. Es muss ar
beits
rechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person im bisherigen
Beruf an Leistungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leis
tungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitge
bers oder durch gehäufte, gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Der Zeitpunkt des
Eintritts der berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit muss mit dem
im Sozial
versicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit grundsätzlich echtzeitlich nachgewiesen sein. Dieser Nach
weis darf nicht durch nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden
(Urteil des Bundesgerichts 9C_91/2013 vom 17. Juni 2013 E. 4.1.2 mit Hinweisen)
.
1.5
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Inva
liden
versicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (
Art.
6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer
gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (
BGE 126 V 309 E. 1 in fine). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die O
rgane der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklä
rung
en freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festle
gung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorgeeinrichtung beziehungs
weise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesgerichts 9C_49/2010 vom 2
3.
Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins Vorbescheidverfahren (a
Art.
73
bis
IVV
;
seit
1.
Juli 2006:
Art.
73
ter
IVV) ein
be
zogen und ihr die Rentenverfügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundes
gerichts 9C_81/2010 vom 1
6.
Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Ver
sicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-recht
liche Festsetzung des Invaliditätsgrades (grundsätzlich, masslich und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrach
tungsweise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, soweit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entschei
dend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfahren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invaliditäts
bemessung der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1).
1.6
Auf dem Gebiet der weitergehenden beruflichen Vorsorge gilt die Bindung an die Rentenverfügung der Invalidenversicherung
,
soweit das einschlägige Vorsorge
regle
ment ausdrücklich oder unter Hinweis auf das Gesetz vom selben Invalidi
tätsbegriff ausgeht (Urteil des Bundesgerichts 9C_435/2019 vom 17. Oktober 2019 E. 2 mit weiterem Hinweis).
1.7
Die Annahme einer offensichtlichen Unhaltbarkeit der Feststellungen der Inva
lidenversicherung ist rechtsprechungsgemäss an strenge Voraussetzungen ge
kn
üpft. Es bedarf einer qualifizierten Unrichtigkeit des IV-Entscheides. Dieser muss geradezu willkürlich sein. Willkür in der Rechtsanwendung liegt aber nur vor, wenn der angefochtene Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tat
sächlichen
Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unum
strittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtig
keitsgedanken zuwiderläuft; dabei ist erforderlich, dass der Entscheid nicht nur in der Begründung, sondern auch im Ergebnis willkürlich ist. Willkürlich ist ein
Entscheid jedoch nicht schon dann, wenn eine andere Lösung ebenfalls als
vertretbar oder gar zutreffender erscheint (Urteil des Bundesgerichts 9C_30
/2014
vom 6. Mai 2014 E. 2.3 mit Hinweis auf BGE 140 III 16 E. 2.1; Hürzeler, BVG und
FZG – Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invali
den
ver
sicherung sowie über die Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, Bern 2010, Art. 23 N 14; Hürzeler, Invaliditäts
prob
lematiken in der beruflichen Vorsorge, Basel 2006, S. 202 f. und Moser, Die
berufsvorsorgerechtliche Bindungswirkung von IV-Entscheiden: „Ruhekissen“
oder „Pro
krustes
bett“?,
in: AJP 2002 S. 927).
2.
2.1
Die Klägerin führte zur Klagebegründung aus,
der zeitliche
und sachliche Zu
sammenhang sei
gegeben. Die Beklagte sei gehörig in die IV-Verfahren ein
ge
bunden gewesen. Es liege kein Fall einer verspäteten Anmeldung vor und der Entscheid der IV-Stelle sei auch nicht offensichtlich unrichtig. Die von der Ver
waltung festgestellte Invalidität und Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit Januar 2012 sei daher für die Beklagte verbindlich, weshalb sie zur Leistung zu ver
pflichten sei (
Urk.
1 S. 7). Aus den Akten gehe sodann nicht hervor, dass vor der Anstellung bei der
Z._
eine iv-relevante Arbeitsunfähigkeit vorhanden gewesen sei. Diesbezüglich relevante Arbeitsunfähigkeiten während der Anstellung bei der
Z._
seien hingegen beleg- und nachvollziehbar (
Urk.
15 S. 2).
2.2
Die Beklagte begründete die Leistungsverweigerung damit,
die IV-Stelle habe in der Verfügung vom
4.
Januar 2018 festgestellt, dass eine invaliditätsrelevante Arbeitsunfähigkeit lange vor Eintritt in die Pensionskasse eingetreten sei. Dass bereits seit längerer Zeit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe,
würden
auch das von der IV-Stelle in Auftrag gegebene Gutachten vom Januar 2017
wie auch die IK-Auszüge bestätigen
. Aus der Erwerbsbiographie sei sodann ersicht
lich, dass die Klägerin bereits seit Jahren nicht oder nur in einem kleinen Pensum eine Arbeitslei
s
tung zu erbringen
vermocht habe. Auch bei der
Z._
sei sie nur in einem Pensum von circa 30
%
im Durchschnitt tätig gewesen. Damit sei fest
zustellen, dass der zeitliche und sachliche Zusammenhang zwischen den vorbe
stehenden, erheblichen Einschränkungen
und der heutigen Invalidität bereits bei Eintritt in die
Pensionskasse bestanden habe und auch während der Dauer des Vorsorgeverhältnisses nicht unterbrochen worden sei. Es bestehe damit kein An
spruch auf Invalidenleistungen (
Urk.
10 S. 4 und
Urk.
18 S. 2).
3.
Für die Beurteilung der strittigen Fragen ist insbesondere das psychiatrische Gutachten von
Dr.
A._
vom
9.
Januar
2017
einschlägig (
Urk.
13/157). Der Experte stellte darin nachstehende Diagnosen
(S. 22):
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (ICD-10 F60.31)
-
rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom, ständiger Substanzkonsum (ICD-10 F10.25
)
Er berichtete, medizinisch sei die Aktenlage komplex. Es seien durch verschiedene involvierte Behandler verschiedene psychiatrische Diagnosen
gestellt worden, wobei die Vorgeschichte hinsichtlich einer möglichen Störungsentwicklung in Kindheit und Jugend anhand von Echtzeitakten nicht beziehungsweise
sehr schlecht dokumentiert sei
(S. 19). Im Zusammenhang mit der psychischen Be
schwerdeentwicklung sei
es
ab spätestens 2010 zu einer zunehmenden Inkon
stanz und Destabilisierung mit wiederholten stationär-psychiatrischen Behand
lungen in der
Klinik C._
, der
Klinik
D._
und der
E._
ge
kommen. Die wiederholten stationären Entzugsbehandlungen in der
Klinik C._
hätten keine Konstanz hinsichtlich
einer angestrebten fortgesetzten Alkoholab
stinenz gebracht; vielmehr sei die Versicherte immer wieder in die alten Verhal
tens- und Konsummuster im Rahmen ihrer psychopathologischen Grundstörung zurückgefallen und berichte aktuell über einen täglichen Alkoholkonsum von bis zu fünf Litern Bier ohne trinkfreie Tage. Die persönliche Situation sei völlig in
stabil (S. 20).
Die von der Versicherten jahrzehntelang entwickelte schwere Alkoholabhängigkeit sei aufgrund der vorliegenden Informationen, der explorier
ten Angaben sowie der objektivierten Befunde wie auch der gewonnen
en
Persön
lichkeits- und Verhaltenseindrücke als mit erhöhter Wahrscheinlichkeit im Rah
men der zu Grunde liegenden persönlichkeitsstrukturellen Erkrankung sekundär im Sinne einer Selbstmedikation
entstanden einzuordnen
(S. 23). Die Versicherte sei – so der Gutachter weiter – als nicht ausreichend stabil und belastbar für eine erfolgreich umsetzbare Arbeitsleistung unter Anstellungsbedingungen der freien Wirtschaft entsprechend einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit bezogen auf das angestammte Tätigkeitsprofil oder denkbare Verweistätigkeiten zu qualifizieren. Im Längsverlauf sei die
Arbeitsunfähigkeit von 100
%
nachvollziehbar seit der ersten Hospitalisation in der
E._
ab Dezember 2010 bis Austritt im
April 2011 dokumentiert.
Bis Juli 2011 sei eine vorübergehende Teilbelastbarkeit für den Abschluss eines Weiterbildungskurses vorgelegen. Ab erneuter Hospitalisati
on im Oktober 2011 in der
Klinik C._
bis zum aktuellen Zeitpunkt sei eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit nachvollziehbar. Für die Zeit vor Dezember 2010 würden
keine für eine seriöse versicherungsmedizinische Bewertung verwendbaren medi
zinischen Echtzeitakten vorliegen. Aufgrund der explorierten Angaben und Infor
mationen in den Vorberichten müsse aber von einem in der Kindheit/Jugendzeit einsetzenden psychischen Erkrankungsbeginn mit Auswirkungen auf die Ausbil
dungs- und Arbeitsfähigkeit seit Eintritt
in das Erwerbsalter ausgegangen werden
(S. 24)
.
4.
4.1
Der die Rentenleistung betreffende Vorbescheid der IV-Stelle vom 1
0.
Februar 2017 (
Urk.
13/161) sowie die Verfügung vom
4.
Januar 2018 (
Urk.
13/189 und
Urk.
13/199) wurden der Beklagten zugestellt.
Die
Verfügung wurde von ihr
als
dann
nicht angefochten.
Die
darin
getroffenen Feststellungen sind damit für die Beklagte – wie auch für die Klägerin – verbindlich,
soweit sie für die Leistungs
zusprache relevant waren und
sofern sie nicht off
ensichtlich unhaltbar sind (E.
1.5
hievor
), zumal auch im Vorsorgereglement der Beklag
ten der Invaliditäts
begriff und
das versicherte Risiko nicht abweichend von der Invaliden
versiche
rung definiert werden (
vgl. insbesondere
Art.
39 f. Vorsorgereglement 2012 [
Urk.
8/83
]
, siehe auch
Urk.
10 S. 4).
Wäre die Beschwerdeführerin seit längerer Dauer im Umfang von mindestens 20 % arbeitsunfähig gewesen, wie dies die Beklagte vorbringt, wäre ihr Rentenanspruch am 1. August 2012 und nicht erst am 1. Oktober 2012 entstanden. Denn das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG hätte mit einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit längst zu laufen begonnen und nach Eintritt der vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit von Januar 2010 bis April 2011 respektive ab Oktober 2011 wäre eine durchschnittliche mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit im Laufe des Oktobers 2011 eingetreten (2 Monate à 20 % [November bis Dezember 2010] + 4 Monate à 100 % [Januar bis April 2011] + 5
Monate à 20 % [Mai bis September 2011] + 1 Monat à 100 % [Oktober 2011] = 560 % : 12 = 46.67 %). Angesichts der Anmeldung bei der Invalidenversicherung, welche im Februar 2012 einging (Urk. 13/8), wäre der Rentenanspruch nach sechs Monaten und damit im August 2012 entstanden. Damit spielte der Eintritt der relevanten Arbeitsfähigkeit eine leistungsrelevante Rolle und wäre die Beklagte beschwerdelegitimiert gewesen mit dem Antrag um Zusprache der Invalidenrente ab 1. August 2012.
4.2
Zu prüfen bleibt damit, ob die Organe der Invalidenversicherung eine offen
sicht
lich unhaltbare Invaliditätsbemessung vorgenommen haben
.
In medizinischer Hinsicht stellte die
IV-Stelle auf
die Beurteilung im
psy
chia
trische
n
Gutachten von
Dr.
A._
ab
(vgl.
Urk.
13/179 S. 5)
, der von einer im Oktober 2011 dauerhaft eingetretenen vollständigen
Arbeitsunfähigkeit in jegli
cher Tätigkeit
ausging (
Urk.
13/157 S. 24; vgl. auch
Urk.
13/179 S. 4). Gestützt darauf eröffnete
die IV-Stelle – auch wenn sie von einer seit der Jugend be
stehenden gesundheitlichen Beeinträchtigung ausging (
Urk.
13/179 S.
6 und
Urk.
13/221/17-21 S. 1) –
das Wartejahr per
1.
Oktober 2011 (Urk. 13/179 S. 7). Vor dem Hintergrund, dass
die
Z._
in ihrem Arbeitgeberbericht vom
2
2.
Februar 2021 (richtig: 2012) den Lohn
der Klägerin
als der Arbeitsleistung e
ntsprechend qualifizierte (Urk.
13/14 S. 2)
, es der Versicherten möglich war, von Februar bis etwa Juni 2011
das SVEB-Zertifikat als Kursleiterin zu erlangen (
Urk.
13/8 S. 4) und der Experte
Dr.
A._
von einer im Zusammenhang mit dem Stellen
ver
lust bei der
Z._
stehenden psychischen Dekompensation
samt erstmaliger statio
närer
Behandlung
berichtete (
Urk.
13/157 S.
21), erscheint die betreffende
Fest
stel
lung der IV-Stelle zumindest nicht offensichtlich unhaltbar.
Im Einklang damit steht,
dass sich auch in den
Akten für die Zeit vor der An
stellung bei der
Z._
respektive bevor die Klägerin bei der Beklagten
vorsorge
versichert
war
keine echtzeitlich ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit
findet respektive für den betreffenden Zeitrahmen Angaben fehlen, wonach sich eine gesundheitliche Beeinträchtigung der Klägerin sinnfällig auf
die eingegangenen
Arbeitsverhältnis
se a
usgewirkt hat
.
4.3
Der Beklagten ist
insofern zuzustimmen (vgl.
Urk.
10 S. 4), dass die IV-Stelle von einer bei der Klägerin seit der Jugend bestehenden gesundheitlichen Beein
trächtigung ausging. Zwar kann gestützt darauf nicht ausgeschlossen werden, dass die psychischen Beschwerden die Arbeitsfähigkeit der Klägerin bereits vor der Versicherungsdauer bei der
Beklagten in relevantem Ausmass
einschränkten
. Hinsichtlich des Eintritts der berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähig
keit darf indes nicht auf einen klaren Nachweis verzichtet werden. Er darf
ins
besondere
nicht durch spekulative Annahmen und Überlegungen ersetzt werden.
Auch in der Aussage des Gutachters, wonach deutliche Hinweise für eine früh entwickelte Bindungsstörung b
ei der Klägerin bestünden (Urk.
13/157 S. 22), ist kein rechtsgenüglicher Nachweis
zu sehen.
In diesem Zusammenhang ist zudem in Erinnerung zu rufen, dass es für eine offensichtliche Unhaltbarkeit des Ent
scheids der IV-Stelle nicht genügt, wenn eine andere Lösung – auch der Eintritt der massgeblichen Arbeitsunfähigkeit zu einem früheren, so zum Beispiel im frühen
Erwachsenenalter liegenden Zeitpunkt – ebenfalls als vertretbar oder sogar zutreffender erscheint.
Was die
Annahme des Experten
Dr.
A._
, wonach
bei der Klägerin
mit min
destens erhöhter Wahrscheinlichkeit ein limitierender Einfluss auf die Ausbil
dungs- und Arbeitsfähigkeit
seit Störungsbeginn in der Kindheit/Jugendzeit an
genommen werden müsse (
Urk.
13/157 S. 26), betrifft,
ist darauf hinzuweisen, dass der
Überprüfung
der Feststellungen der
Invalidenversicherung
nicht das Be
weismass der überwiegenden Wahrsc
heinlichkeit zugrunde zu legen ist, sondern es bedarf – zur Abweichung – einer offensichtlichen Unhaltbarkeit. Zudem ist es jedenfalls nicht abwegig, dass eine berufsvorsorgerechtlich massgebliche Arbeits
unfähigkeit der Klägerin
erst
während der Versicherungszeit bei der Beklagten eingetreten ist. Eine solche Annahme steht sodann mit der tatsächlichen Situation nicht in klarem Widerspruch
und verletzt auch weder eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass noch läuft sie in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwider. Geradezu willkürlich ist diese Annahme nicht (vgl. E. 1.7 hievor), weshalb sie nicht korrigiert werden kann.
4.4
Nach dem Gesagten ist die Zusprache einer ganzen Rente vom 1. Oktober 2012 bis 3
0.
April 2013 sowie mit Wirkung ab Oktober 2013 durch die IV-Stelle jeden
falls nicht unhaltbar.
5.
5.1
Da seitens der Klägerin kein beziffertes Klagebegehren vorliegt, ist die Klage gemäss ständiger Praxis in dem Sinne gutzuheissen, dass die Beklagte zu ver
pflichten ist, der Klägerin ab
1.
Oktober 2012 die gesetzlichen und reglemen
tarischen Leistungen
auszurichten
.
Die genaue ziffernmässige Berechnung der einzelnen Rentenbetreffnisse ist der Beklagten zu überlassen; in einem allfällig diesbezüglich sich ergebenden Streit
fall stünde der Klägerin erneut der Klageweg offen (vgl. BGE 129 V 450).
5.2
Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen geschuldet, wobei grundsätzlich Art. 105
Abs.
1 des Obligationenrechts anwendbar ist
. Danach ist der Verzugszins vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an geschul
det. Der Zinssatz beträgt 5
%
, sofern das Reglement der Vorsorgeeinrichtung keine andere Regelung kennt (BGE 119 V 131 E. 4 und E. 4c). Der Klägerin sind folglich für die bis zur Klageerhebung am 2
4.
Januar 2019 (
Urk.
1) fällig gewor
denen Rentenbetreffnisse ab diesem Zeitpunkt und für die weiteren Renten
leis
tungen ab
deren jeweiligem Fälligkeitsdatum – angesichts des Fehlens einer ab
weichenden reglementarischen Bestimmung – Verzugszinsen von 5
%
zuzu
sprech
en.
6.
6.1
Ausgangsgemäss
ist die Beklagte gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) zu verpflichten, der anwaltlich vertre
tenen Klägerin
eine Prozessentschädigung zu entrichten. Die Rechtsvertreterin der Klägerin reichte sowohl am 2
9.
März 2019 (
Urk.
16) wie auch am 1
0.
Oktober 2019 (
Urk.
21) eine Kostennote ein. Erstere umfasst Leistungen vom 2
0.
Septem
ber 2018 bis 2
9.
März 2019 und weist einen Betrag über
Fr.
5'546.55 aus; Letztere enthält Leistungen vom 1
5.
März 2017 bis 10. Oktober 2019 und lautet auf
Fr.
3'692.6
5.
Im beide Kostennoten übereinstimmenden
Zeitrahmen – d.h. vom 2
0.
September 2018 bis 2
9.
März 2019 – finden sich sodann keine datums
gleichen, gleichlautenden Leistungen. Angesichts
dessen, dass die Klage am 2
4.
Januar 2019 eingereicht wurde, rechtfertigt es sich, die Kostennote vom 2
9.
März 2019 (
Urk.
16) genauer zu prüfen und – soweit nötig – die zusätzlich bis am 1
0.
Oktober 2019 angefallenen Leistungen hinzuzurechnen.
Der d
a
rin
geltend gemachte Aufwand von
16.67
Stunden und
Fr.
150.
--
Bar
auslagen ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen
.
Namentlich erscheint ein Aufwand von
8.25
Stunden für die
Klage
schrift
samt nicht separat ausgewiesenen Aufwendungen für Briefe und Telefonate
und von
3.25
Stunden für die Replik als überhöht.
Gleiches gilt für die je geltend gemachten 15 Minuten für das Studium der (Standard)Ge
richts
ver
fügungen vom 2
9.
Januar 2019 und 1
4.
März 2019
.
Angesichts der
Anzahl der
zu studierenden Aktenstücke der
Beklagten
wie auch der IV-Akten,
der etwa
7
- und
1
.5
-
seitigen Rechtssch
riften, des
nach dem 29. März 2019 zusätzlich angefallenen Aufwands
sowie der in ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträgen ist di
e
Prozessentschädigung
bei Anwendung des ge
richtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
220.-- (zuzüglich
Mehrwertsteuer) auf
Fr.
3'
5
00.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer
) festzusetzen,
welche
von der Beklagten zu entrichten ist.
6.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens und da dieses kostenlos ist, erweist sich das gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (
Urk.
1 S. 2)
als obsolet.