Decision ID: 86a0f8a7-8642-519e-b5e0-25bea21cd52f
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer (algerischer Staatsangehöriger, geb. 1994) er-
suchte am 28. November 2020 in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich seiner
Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentral-
einheit Eurodac) ergab, dass er am 5. Februar 2020 in Spanien registriert
worden war.
B.
Im Rahmen des Dublin-Gesprächs am 7. Dezember 2020 führte der Be-
schwerdeführer aus, ungefähr im Sommer 2020 von Marokko aus illegal
nach Spanien eingereist zu sein. Er habe in Spanien kein Asylgesuch ge-
stellt. Nach ungefähr einem halben Jahr sei er über Frankreich in die
Schweiz gelangt. Das SEM gewährte ihm das rechtliche Gehör zu einem
allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit der Überstellung
unter anderem nach Spanien, dessen Zuständigkeit für die Behandlung
des Asylgesuchs grundsätzlich in Frage komme. Der Beschwerdeführer
machte geltend, nicht dorthin zurückkehren zu wollen, da er in Madrid von
den Brüdern einer Algerierin verfolgt werde. Ferner habe er in Spanien
keine Unterkunft. Zu seinem Gesundheitszustand führte er aus, an Zahn-
schmerzen zu leiden.
C.
Die spanischen Behörden hiessen das Gesuch des SEM um Übernahme
des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 13 Abs. 1 der Verordnung (EU)
Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni
2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-
gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen
oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-
nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) am 15. Dezember
2020 gut.
D.
Mit Verfügung vom 15. Dezember 2020 (eröffnet am 18. Dezember 2020)
trat das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ver-
fügte dessen Überstellung nach Spanien und forderte ihn auf, die Schweiz
am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig ver-
fügte es die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, ei-
ner allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschie-
bende Wirkung zu.
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E.
Mit einer an das SEM adressierten Beschwerde vom 28. Dezember 2020
(Postaufgabe) beantragte der Beschwerdeführer, die angefochtene Verfü-
gung sei aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen und
es sei ihm Asyl zu gewähren. Es sei festzustellen, dass der Vollzug der
Wegweisung unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei und die vorläufige
Aufnahme sei anzuordnen. Ferner ersuchte er um unentgeltliche Prozess-
führung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um
Einsetzung eines amtlichen Rechtsbeistands. Eventualiter sei die aufschie-
bende Wirkung der Beschwerde wiederherzustellen.
Die vom SEM weitergeleitete Beschwerde ging beim Bundesverwaltungs-
gericht am 5. Januar 2021 ein.
F.
Am 5. Januar 2021 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovisori-
schen Vollzugsstopp an. Gleichentags lagen dem Bundesverwaltungsge-
richt die vorinstanzlichen Akten in elektronischer Form vor.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2. Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 31 ff.
VGG). Die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs.
1 VwVG], Frist [Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 VwVG]) sind erfüllt.
Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten, so-
weit damit die Aufhebung des Nichteintretensentscheids beantragt wird
(Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 52 VwVG). Die Feststellung der Flüchtlingsei-
genschaft, die Gewährung von Asyl oder die Anordnung einer vorläufigen
Aufnahme bilden demgegenüber nicht Gegenstand der angefochtenen
Verfügung und damit auch nicht des vorliegenden Verfahrens. Auf die ent-
sprechenden Beschwerdebegehren ist deshalb nicht einzutreten.
2.
2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
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2.2. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb
sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines
zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e
AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-
scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
3.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8 - 15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-
gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals
ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
3.3. Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-
nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert
und das SEM kann das Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung «aus hu-
manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-
VO ein anderer Staat zuständig wäre.
3.4. Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, illegal nach Spanien eingereist
zu sein. Die spanischen Behörden hiessen das Gesuch der Vorinstanz um
Aufnahme (take charge) gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO am
15. Dezember 2020 ausdrücklich gut. Die Zuständigkeit Spaniens steht so-
mit grundsätzlich fest, was der Beschwerdeführer nicht bestreitet.
4.
4.1. Nachfolgend ist zu prüfen, ob das Selbsteintrittsrecht nach Art. 17
Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO, konkretisiert in Art. 29a Abs. 3 der Asyl-
verordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311), auszuüben ist.
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4.2. Der Beschwerdeführer macht sinngemäss geltend, in Spanien an Leib
und Leben gefährdet zu sein. Aus den vorinstanzlichen Akten geht hervor,
dass er befürchtet, in Madrid von den Brüdern einer Algerierin verfolgt zu
werden.
Die Ausführungen des Beschwerdeführers sind äusserst vage und er hat
keine Vorkommnisse aufgezeigt, welche den Schluss auf eine konkrete
Verfolgungsgefahr erlauben würden. Zudem hat er kein konkretes und
ernsthaftes Risiko dargetan, dass die spanischen Behörden ihm, sollte er
tatsächlich einer Gefährdung ausgesetzt sein, den nötigen Schutz verwei-
gern würden. Wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, ist Spanien ein Rechts-
staat, der über eine schutzwillige und schutzfähige Polizeibehörde sowie
über ein funktionierendes Justizsystem verfügt. Sollte der Beschwerdefüh-
rer sich in Spanien vor Übergriffen Dritter fürchten, steht es ihm frei, sich
an die dafür zuständigen staatlichen Stellen zu wenden.
4.3. Somit liegt kein Grund für die Anwendung der Ermessensklausel von
Art. 17 Dublin-III-VO oder von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 vor. Spanien bleibt
zuständiger Mitgliedstaat gemäss Art. 13 Dublin-III-VO. Die Vorinstanz ist
demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat die Überstellung
nach Spanien angeordnet.
5.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
5.1. Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 5. Januar 2021 angeordnete
Vollzugsstopp dahin. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wir-
kung der Beschwerde ist gegenstandslos geworden.
5.2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65
VwVG) ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden
Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Verfahrens-
kosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG)
und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
6.
Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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