Decision ID: fff85a6b-98b5-4d82-8da7-04d8c5c88cb0
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
betreffend mehrfache Vergewaltigung etc.
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 1. Abteilung, vom 20. Juli 2017 (DG170068)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 24. Februar 2017
(Urk. 27) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB
− der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbin-
dung mit Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB
sowie
− der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
2. Das Verfahren betreffend den Anklagepunkt der Tätlichkeiten im Sinne von
Art. 126 Abs. 1 StGB wird eingestellt.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 32 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis
und mit heute 2 Tage durch Haft erstanden sind.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 26 Monaten aufgescho-
ben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (6 Monate, abzüg-
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lich 2 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind) wird die Freiheits-
strafe vollzogen.
5. Die Privatklägerin A._ wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin A._ Fr. 6'000.–
zuzüglich 5 % Zins ab 1. Februar 2016 als Genugtuung zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 5'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'000.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. 25'646.60 amtliche Verteidigung
Fr. 12'659.– unentgeltliche Vertretung Privatklägerin
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
8. Rechtsanwalt lic. iur. Y2._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger des Beschuldigten bis 28. März 2017 mit Fr. 15'140.60 (inkl.
Barauslagen und 8% MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
9. Rechtsanwaltin MLaw Y3._ wird für ihre Aufwendungen als amtliche
Verteidigerin des Beschuldigten ab 29. März 2017 mit Fr. 10'506.– (inkl.
Barauslagen und 8% MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
10. Rechtsanwältin Dr. iur. X._ wird für ihre Aufwendungen als unentgeltli-
che Rechtsbeiständin der Privatklägerin mit Fr. 11'520.– (inkl. Barauslagen
und 8% MwSt.) sowie Fr. 1'139.– (Dolmetscherkosten) aus der Gerichtskas-
se entschädigt.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen
Rechtsbeiständin der Privatklägerin, werden dem Beschuldigten auferlegt.
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12. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsbei-
ständin der Privatklägerin werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbe-
halten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 104 S. 2)
1. Die Dispositivziffern 1, 3, 4, 7 und 11 des Urteils des Bezirksgerichts
Zürich vom 20. Juli 2017 seien vollumfänglich aufzuheben und der Be-
schuldigte sei von den Vorwürfen der mehrfachen Vergewaltigung, der
mehrfachen Drohung sowie der Freiheitsberaubung freizusprechen.
2. Eventualiter sei die Sache an das erstinstanzliche Gericht aufgrund un-
vollständiger Beweisabnahmen zurückzuweisen.
3. Subeventualiter sei die Sache an die Anklagebehörde zur Präzisierung
der Anklageschrift zurückzuweisen.
4. Dispositivziffer 6 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 20. Juli
2017 sei aufzuheben und die Genugtuungsforderung der Privatklägerin
A._ sei vollumfänglich abzuweisen.
5. Sämtliche Kosten des Verfahrens seien auf die Staatskasse zu neh-
men.
6. Dem Beschuldigten sei für die ausgestandene Untersuchungshaft eine
angemessene Entschädigung auszurichten.
7. Das Honorar der amtlichen Verteidigung sei gemäss der eingereichten
Honorarnoten gerichtlich festzulegen.
8. Dem zuständigen Bundesamt sei der Auftrag zur Löschung des vom
Beschuldigten erstellten DNA-Profils zu erteilen.
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b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 103 S. 1)
1. Bestätigung des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 20.07.2017 be-
züglich Dispositivziffern 1 und 2
2. Aufhebung der Dispositivziffern 3 und 4 des vorinstanzlichen Urteils
und Bestrafung des Beschuldigten mit einer (unbedingten) Freiheits-
strafe von fünf Jahren
3. Bestätigung des übrigen Urteils (Dispositivziffern 5 bis 14)
4. Kostenauflage für das zweitinstanzliche Verfahren an den Beschuldig-
ten
c) Der Vertreterin der Privatklägerschaft:
(Urk. 106 S. 1)
1. Es seien die Berufungsanträge des Beschuldigten vollumfänglich ab-
zuweisen, insbesondere, was die Zivilansprüche der Privatklägerin be-
trifft.
1. Es sei insoweit der Entscheid der Vorinstanz vom 20.07.2017 (Ge-
schäfts-Nr. DG170068-L/U) zu bestätigen.
2. Die Berufung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl sei gutzuheissen.
3. Es seien die Kosten des Berufungsverfahrens dem Beschuldigten auf-
zuerlegen.
4. Es sei für die Aufwendungen der unentgeltlichen Rechtsvertretung der
Privatklägerin ein Betrag von CHF 1'987.60 (inkl. gesetzlicher MwSt.)
zzgl. der Aufwendungen für die heutige Hauptverhandlung, sowie für
das notwendige Aktenstudium des (begründeten) Urteils und für eine
Nachbesprechung mit der Privatklägerin (zzgl. MwSt.), aus der Staats-
kasse zu entrichten.
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Considerations:
Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksgerich-
tes Zürich, 1. Abteilung, vom 20. Juli 2017 meldeten die Staatsanwaltschaft Zü-
rich-Sihl (fortan Staatsanwaltschaft) am 24. Juli 2017 und die amtliche Verteidi-
gung am 31. Juli 2017 fristgerecht Berufung an (Urk. 65 und 66). Das begründete
Urteil der Vorinstanz wurde ihnen am 3. November 2017 zugestellt (Urk. 75/1 und
3), worauf die Staatsanwaltschaft unter dem 16. November 2017 und die amtliche
Verteidigung mit begründeter Eingabe vom 23. November 2017 je ihre Beru-
fungserklärungen einreichten (Urk. 81 und 82).
1.2. Innert angesetzter Frist gemäss Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO beantragte die
amtliche Verteidigung auf die Berufung der Staatsanwaltschaft nicht einzutreten
(Urk. 87). Die Staatsanwaltschaft ihrerseits liess sich nicht vernehmen, während
die Privatklägerin explizit auf die Erhebung einer Anschlussberufung verzichtete
und beantragen liess, dass dem urteilenden Gericht mindestens ein weibliches
Mitglied angehören soll und dass sie anlässlich einer allfälligen Befragung durch
eine Frau zu befragen sei, wobei hierfür überdies eine Übersetzerin beizuziehen
wäre (Urk. 86).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 9. Januar 2018 wurde auf die Berufung der
Staatsanwaltschaft eingetreten (Urk. 90) und mit solcher vom 24. Juli 2018 ein
Wechsel des amtlichen Verteidigers bewilligt (Urk. 94).
2. Prozessuales
2.1. Der Beschuldigte beantragt einen vollumfänglichen Freispruch sowie die
Abweisung der Genugtuungsforderung der Privatklägerin (Urk. 82), während die
Staatsanwaltschaft ihre Berufung auf die Frage der Strafzumessung beschränkt
hat (Urk. 81).
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Entsprechend ist vorab festzuhalten, dass die Verfahrenseinstellung betreffend
den Vorwurf der Tätlichkeiten (Dispositivziffer 2), die Verweisung des Schadener-
satzbegehrens der Privatklägerin auf den Zivilweg (Dispositivziffer 5) sowie die
Festsetzung der Gerichtskosten (Dispositivziffern 7 - 10) in Rechtskraft erwach-
sen sind (vgl. Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO; BSK StPO-Eugster,
2. Aufl. 2014, Art. 402 N 1 f.). Dispositivziffer 7 wird von der Verteidigung in den
Anträgen zwar als angefochten aufgeführt, indessen erfolgten diesbezüglich kei-
nerlei Beanstandungen, weshalb auch hier die Rechtskraft festzustellen ist.
2.2. Der Beschuldigte lässt mit seiner Berufung eine Verletzung des Anklage-
prinzips geltend machen, indem die Anklageschrift die ihm vorgeworfenen Taten
insbesondere in zeitlicher Hinsicht ungenügend eingrenze. Der betreffend den
Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung als mögliche Tatzeit angegebene Zeit-
raum von sechs Monaten sei zu lang. Auch hinsichtlich des Vorwurfs der mehrfa-
chen Drohung erscheine als fragwürdig, ob die Anklageschrift hinsichtlich der ihr
zukommenden Umgrenzungs- und Informationsfunktion den Ansprüchen genüge
(Urk. 82 S. 19 ff.; Urk. 104 S. 27 f.).
Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des
Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 29
Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK). Das Ge-
richt ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden (Immuta-
bilitätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebe-
hörde (vgl. Art. 350 StPO). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last
gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vor-
würfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Das Ak-
kusationsprinzip bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte der be-
schuldigten Person und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Informations-
funktion; BGE 143 IV 63 mit weiteren Hinweisen). Die beschuldigte Person muss
unter dem Gesichtspunkt der Informationsfunktion aus der Anklage ersehen kön-
nen, wessen sie angeklagt ist. Das bedingt eine zureichende Umschreibung der
Tat. Entscheidend ist, dass der Betroffene genau weiss, welcher konkreter Hand-
lungen er beschuldigt und wie sein Verhalten rechtlich qualifiziert wird, damit er
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sich in seiner Verteidigung richtig vorbereiten kann. Er darf nicht Gefahr laufen,
erst an der Gerichtsverhandlung mit neuen Anschuldigungen konfrontiert zu wer-
den (vgl. BGE 103 Ia 6 E. 1b; Urteile des Bundesgerichtes 6B_492/2015 vom
2. Dezember 2015 E. 2.2, nicht publ. in: BGE 141 IV 437; 6B_1073/2014 vom
7. Mai 2015 E. 1.2; 6B_344/2011 vom 16. September 2011 E. 3; je mit Hinwei-
sen).
Vorliegend bestehen keine Zweifel darüber, welches Verhalten dem Beschwerde-
führer zur Last gelegt wird. Inwiefern betreffend den Vergewaltigungsvorwurf auf-
grund des genannten zeitlichen Rahmens von sechs Monaten in der Anklage-
schrift eine wirksame Verteidigung erschwert oder gar verunmöglicht worden sein
soll, ist nicht ersichtlich. Vielmehr zeigt gerade der Hinweis auf seine in dieser
Phase liegende Hospitalisation, welche ein deliktisches Verhalten, wie in der An-
klageschrift umschrieben, von vornherein ausschliesst, auf, dass eine wirksame
Verteidigung gewährleistet ist. Ohnehin fusst die Verteidigungsstrategie im Übri-
gen darauf, dass die grundsätzlich eingestandenen, regelmässigen sexuellen
Kontakte jeweils einvernehmlich stattgefunden hätten. Mithin kommt dem Delikts-
zeitpunkt vorliegend ohnehin bloss untergeordnete Bedeutung zu. Insgesamt ge-
nügt die Anklageschrift den gesetzlichen Anforderungen.
2.3. Sodann stellte die amtliche Verteidigung den Beweisantrag, sämtliche Un-
terlagen der Stadtpolizei betreffend die Meldung des Beschuldigten wegen des
Verschwindens seiner Ehefrau, der Privatklägerin, beizuziehen (Urk. 82 S. 3;
Urk. 104 S. 3).
Dass der Beschuldigte die Privatklägerin polizeilich als vermisst meldete, als sie
nach der Auseinandersetzung am Karfreitag, 25. März 2016, nicht mehr nach
Hause zurückkehrte, wurde vom Beschuldigten bereits anlässlich seiner ersten
polizeilichen Einvernahme geltend gemacht (Urk. 4 S. 6, vgl. auch Urk. 5 S. 4)
und im weiteren Prozessverlauf soweit ersichtlich weder von der Privatklägerin
noch von der Staatsanwaltschaft in Zweifel gezogen. Diese Behauptung erscheint
denn auch ohne weiteres als glaubhaft (vgl. auch die bereits eingereichte Hand-
notiz, Urk. 20/5/2). Inwiefern diesbezügliche polizeiliche Akten hinsichtlich der ge-
nerellen Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten bzw. der Privatklägerin
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etwas Zusätzliches beitragen sollen (so die Begründung des Antrags, Urk. 82
S. 18 f., vgl. auch Urk. 104 S. 24 f.), ist nicht erfindlich. Entsprechend ist der Be-
weisantrag abzuweisen.
2.4. Bei Drohung gemäss Art. 180 StGB handelt es sich grundsätzlich um ein
Antragsdelikt, welches jedoch von Amtes wegen zu verfolgen ist, wenn die Tatbe-
gehung – wie vorliegend geltend gemacht – gegenüber dem Ehegatten erfolgte
(Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB). Damit ist das Vorliegen eines Strafantrages hinsicht-
lich der geltend gemachten mehrfachen Drohungen gemäss Anklageschrift S. 5 f.
nicht erforderlich bzw. bleibt der explizite Verzicht der Privatklägerin auf einen
Strafantrag (Urk. 2) ohne Belang.
3. Sachverhalt
3.1. Der Beschuldigte bestritt von Anfang an (Urk. 4 und 5 passim) und auch
anlässlich der Berufungsverhandlung (Prot. II S. 13 ff.), die ihm vorgeworfenen
Taten begangen zu haben. Der für das Urteil massgebende Sachverhalt ist damit
zunächst im Rahmen der gerichtlichen Beweiswürdigung zu erstellen.
3.2. Hinsichtlich der dabei zu beachtenden Grundsätze kann auf die Erwägun-
gen im angefochtenen Urteil verwiesen werden (Urk. 80 S. 12 f.; Art. 82 Abs. 4
StPO). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es am Staat liegt, dem Beschul-
digten seine Schuld nachzuweisen, ohne dass daran vernünftige Zweifel verblei-
ben. Ist dies nicht möglich, ist er freizusprechen. Liegen – wie hier – keine Sach-
beweise bei den Akten und existieren auch keine Aussagen von Drittpersonen,
kommt der Würdigung der Aussagen der beiden involvierten Personen entschei-
dendes Gewicht zu. Die Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen hängt zu-
nächst einmal davon ab, ob die Aussagen grundsätzlich überprüfbar sind (formel-
le Validität), ob sie mit anderweitig im Verfahren erhobenen Fakten übereinstim-
men/in Einklang zu bringen sind (externe Validität) und ob sie in sich konsistent
sind (interne Validität). Schliesslich vermag auch die von der Vorinstanz bereits
erwähnte inhaltliche Analyse der einzelnen Aussagen auf das Vorliegen von Rea-
litätskriterien und Lügensignalen Anhaltspunkte für deren Glaubhaftigkeit zu lie-
fern.
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3.3. Die Vorinstanz hat bei ihrer Beurteilung auf die bereits bei den Akten lie-
genden Beweismittel abgestellt sowie die Privatklägerin und den Beschuldigten
anlässlich der Hauptverhandlung befragt (Urk. 62 und Prot. I S. 10 ff.). Wie bereits
oben dargelegt, sind die für das Berufungsverfahren (erneut) gestellten Beweisan-
träge des Beschuldigten abzuweisen (Ziff. 2.3 hiervor). Andere Beweisanträge
wurden von keiner Seite gestellt. Mithin ist festzuhalten, dass sich die unmittelba-
ren Beweismittel auf die Aussagen des Beschuldigten und der Privatklägerin be-
schränken. Zeugen oder Auskunftspersonen waren in keinem Moment zugegen.
Neutrale Sachbeweise fehlen ebenfalls.
Wie bereits die Vorinstanz zutreffend erkannt hat, sind sämtliche protokollierten
Einvernahmen des Beschuldigten und der Privatklägerin vorliegend verwertbar.
Auf die entsprechenden Ausführungen kann verwiesen werden (Urk. 80 S 13 f.;
Art. 82 S. 4 StPO).
3.4. Mit Blick auf die generelle Glaubwürdigkeit der Parteien ist vorab anzumer-
ken, dass sie bisher in keine Rechtspflegedelikte oder dergleichen verwickelt wa-
ren. Jedoch kann nicht übersehen werden, dass beide ein Interesse daran haben,
dass das vorliegende Strafverfahren zu ihren Gunsten ausgeht. Beim Beschuldig-
ten ist selbstredend davon auszugehen, dass er mit einer weissen Weste aus der
Untersuchung herauskommen will, bestreitet er doch jegliches strafbares Verhal-
ten kategorisch. Demgegenüber stehen seitens der Privatklägerin nicht bloss die
geltend gemachten finanziellen Interessen (heute insb. noch ihre Genugtuungs-
forderung) auf dem Spiel. Überdies hängt auch ihr migrationsrechtliches Bleibe-
recht ausschlaggebend vom Ausgang des Verfahrens ab, da sie nur bei einer An-
erkennung als Opfer häuslicher Gewalt Aussicht auf einen weiteren legalen Ver-
bleib in der Schweiz hat (Art. 50 AuG in Verbindung mit Art. 77 VZAE; vgl. auch
die bereits laufenden Abklärungen des Migrationsamtes, Urk. 14/6/71, 86 und 87).
Damit ist evident, dass nicht nur der Beschuldigte, sondern insbesondere auch
die Privatklägerin ein gewichtiges Interesse daran haben, das Gericht von ihrer
jeweiligen Version der Geschehnisse zu überzeugen. Bei dieser Sachlage sind
die Aussagen von beiden Beteiligten mit äusserst grosser Vorsicht zu würdigen.
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3.5. Übereinstimmend schilderten der gesundheitlich stark angeschlagene Be-
schuldigte und die deutlich jüngere Privatklägerin ihre im Juni 2011 in Pakistan
geschlossene Ehe als durch die Familien arrangiert, wobei die Privatklägerin zu-
nächst in Pakistan verblieben sei, wo der Beschuldigte sie regelmässig besuchte.
Auf ihren Wunsch (Urk. 8 S. 4) bzw. aufgrund grösser werdenden Pflegebedarfs
des Beschuldigten (vgl. Urk. 14/6/57) erfolgte im Januar 2015 der Familiennach-
zug der Privatklägerin in die Schweiz, wobei beide Ehegatten in der Folge auf
Nachwuchs gehofft hätten und diesbezüglich sogar ärztliche Beratung in An-
spruch nahmen (vgl. Urk. 61/1, Schreiben der Klinik für Reproduktions-Endokrino-
logie des Universitätsspitals Zürich vom 16. Februar 2016; später sei eine Be-
handlung allerdings abgelehnt worden, Urk. 62 S. 4 f.). Dass der Beschuldigte –
IV-Rentner sowie Ergänzungsleistungsbezüger (Urk. 9 S. 14) – auch im Alltag auf
mehr Unterstützung bzw. eigentliche Pflegeleistungen der Privatklägerin ange-
wiesen war, als von dieser aufgrund ihrer Erfahrungen in Pakistan erwartet, wird
sodann auch aus ihren diesbezüglichen Aussagen deutlich (Urk. 8 S. 5 und
Urk. 62 S. 8). Hinzu kommt, dass auch die Wohnsituation durch die Privatklägerin
zu keinem Zeitpunkt als befriedigend angesehen wurde (zunächst Wohngemein-
schaft bzw. Untermiete, offenbar mit Berührungspunkten zum Drogenmilieu, an-
schliessend Zusammenleben in einer sehr kleinen Einzimmerwohnung). Vor die-
sem Hintergrund zeichnet sich bereits ein Bild einer durch vielerlei Belastungen
(Altersunterschied, gesundheitliche Probleme des Beschuldigten, Wohnsituation,
Armut etc.) strapazierten Ehe.
3.6. Nach Wiedergabe der einzelnen Aussagen des Beschuldigten (vgl. Urk. 80
S. 15 ff.) würdigte die Vorinstanz diese als betreffend die Bestreitungen der Kern-
vorwürfe wenig ausführlich, aber stets gleichbleibend und konstant. Sobald er
aber gehalten gewesen sei, seine Ehe und sein Verhalten in der Ehe genauer zu
beschreiben oder darzulegen, erschienen seine Aussagen ausweichend, wider-
sprüchlich und in sich unstimmig. Sie seien daher als wenig glaubhaft einzustu-
fen. Festgemacht wird diese Einschätzung primär an den Aussagen des Beschul-
digten im Zusammenhang mit seiner Konfrontation der Privatklägerin mit ihm zu-
getragenen Untreuevorwürfen und hinsichtlich seiner Schilderung seines Ehe-
und Sexuallebens (Urk. 80 S. 29 ff., insb. S. 31). Dies erscheint wenig überzeu-
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gend. Einerseits ist nachvollziehbar, nicht unüblich und somit nicht grundsätzlich
verdächtig, wenn intime Fragen nach dem Ehe- oder gar Sexualleben zunächst
eher vage und überdies positiver als effektiv gelebt beantwortet werden. Hinzu
kommt, dass der Beschuldigte von Beginn an zugestand, dass er und die Privat-
klägerin aufgrund extern an ihn herangetragener Untreue-Verdächtigungen in der
Nacht vom 24. auf den 25. März 2016 eine Auseinandersetzung hatten (Urk. 4
S. 4; Urk. 5 S. 2 ff.). Auch zu seinem Sexualleben machte er überdies durchaus
konkrete, authentisch und nachvollziehbar wirkende Aussagen (so bspw. in Urk. 4
S. 7 und Urk. 6 S. 6 f.). Wiederholt und konstant machte er sodann geltend, dass
ihm die Privatklägerin nie gesagt habe, dass er mehr Sex wolle, als sie ertragen
könne. Er habe sie nie bedrängt und sie habe deutlich gemacht, wenn sie keinen
Sex haben wollte (Urk. 4 S. 8; Urk. 6 S. 7). Die vorinstanzlich festgestellten, oh-
nehin bloss graduellen Unterschiede in den Aussagen können sodann als Aus-
druck von durch das Strafverfahren ausgelösten Zweifeln und Hinterfragen des
Erlebten interpretiert werden, womit der Beschuldigte jedenfalls weder als Lügner
noch als Täter überführt wird.
Damit ist an dieser Stelle festzuhalten, dass die Aussagen des Beschuldigten
zwar tatsächlich eher wenig zur Sachverhaltserstellung oder dessen Widerlegung
beitragen, diese jedoch keineswegs als unglaubhaft erscheinen. Da es jedoch
ohnehin nicht die Pflicht des Beschuldigten ist, seine Unschuld zu beweisen, än-
dert dies nichts daran, dass die ihm vorgeworfenen Tathandlungen positiv nach-
gewiesen sein müssen, bevor ein Schuldspruch ergehen kann.
3.7. Anders als beim Beschuldigten kam die Vorinstanz mit Blick auf die Aus-
sagen der Privatklägerin zum Schluss, diese seien aufgrund ihrer Spontanität, Au-
thentizität, Detailliertheit und Konsistenz und ebenso aufgrund ihrer Zurückhaltung
als überaus glaubhaft zu qualifizieren. Es könne damit ohne Weiteres auf sie ab-
gestellt werden (Urk. 80 S. 35).
Bei dieser Beurteilung fällt vorweg auf, dass die Vorinstanz gewisse, diesen
Schluss nicht stützende Aussagen der Privatklägerin in ihrer Wiedergabe dersel-
ben (Urk. 80 S. 20 bis 28, worauf im Übrigen zwecks Vermeidung von Wiederho-
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lungen verwiesen wird; Art. 82 Abs. 4 StPO) unbeachtet lässt. Entsprechend sind
die fehlenden Aussagen nachfolgend wiederzugeben:
a) So erklärte die Privatklägerin im Rahmen ihrer ersten polizeilichen Einvernah-
me auf die Frage nach dem Grund ihres Aufenthalts in einer geschützten Instituti-
on konkret, der Beschuldigte konsumiere viele Drogen (er schnupfe weisses Pul-
ver, früher habe er auch gespritzt, er nehme Tabletten, Dormicum, Methadon und
Valium), er verkaufe die vom Arzt erhaltenen Tabletten an andere Personen, die
konsumierten. Er drohe ihr auch und sage, dass sie mit verschiedenen Männern
Beziehungen habe. Er lasse sie nicht zur Arbeit gehen, weil er meine, dass sie
dort mit anderen Männern Kontakt habe. Er meine, sie solle lieber Sozialhilfe be-
ziehen statt zu arbeiten. Als sie in die Schweiz gekommen sei, habe der Beschul-
digte in einer Wohnung mit verschiedenen Männern gewohnt, die alle Drogen
konsumiert hätten und ihr besoffen vorgekommen seien. Dann habe sie zufällig
jemanden auf der Strasse getroffen, durch den sie eine Arbeit gefunden habe. Er
und seine Frau hätten ihr empfohlen, einen sicheren Ort aufzusuchen (Urk. 3
S. 3).
Weiter ist die Wiedergabe der polizeilichen Aussagen der Privatklägerin im ange-
fochtenen Urteil dahingehend zu ergänzen, dass die Privatklägerin auch erklärte,
sie hätte am 25. März 2016 um 7.00 Uhr zur Arbeit erscheinen müssen (Urk. 3
S. 4).
Wenn er jeweils gedroht habe und sie ihm gesagt habe, dass er es tun solle, dann
habe er die Hand gehoben. In solchen Situationen habe sie häufig geweint und
dann habe der Beschuldigte mitgeweint (Urk. 3 S. 5).
Auf Nachfrage, sie habe angegeben, dass es auch zu sexuellen Übergriffen ge-
kommen sei [wo sie dies angegeben hat, ist dem Protokoll der Einvernahme nicht
zu entnehmen], erklärte sie, am Anfang sei es normal gewesen. Es sei schön und
ruhig verlaufen. Am Anfang sei sie bereit und einverstanden gewesen. Dazumal
habe er auch nicht Viagra verwendet. Sie hätten ja ein gemeinsames Kind ge-
wollt. Seit ca. 6 Monaten nehme er Viagra und sprühe sein Geschlechtsteil ein. Er
habe sehr viel gemacht, das sie gar nicht habe ertragen können. Es sei mehr ge-
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wesen, als sie habe ertragen können. Und deswegen habe es auch häufig Kon-
flikte gegeben. Als sie ihm mitgeteilt habe, dass sie nicht mehr könne, dann habe
sie sich gewehrt und er sei sehr wütend geworden. Dann habe er seine Schwes-
ter und Cousins angerufen und ihre Eltern, dass seine Frau keinen Geschlechts-
verkehr mit ihm mache und viele weitere Vorwürfe. Er habe behauptet, dass sie
andere Männer hätte und daher keinen Geschlechtsverkehr wolle. Als er begon-
nen habe, Viagra zu nehmen, habe er mehr Bedürfnisse gehabt. Sie habe dann
aber keinen Sex gewollt. Da sei er jeweils zum Telefon gegangen und habe sei-
nen Verwandten telefoniert und den Lautsprecher laut gestellt. Er habe dann
schlecht über sie geredet und sie habe nicht schlafen können. Irgendwann habe
sie dann eingewilligt, dass er endlich Ruhe gebe und sie schlafen konnte. Sie ha-
be gar keinen Sex gewollt, aber erst dann habe er Ruhe gegeben. Er sei immer
nackt in der Wohnung gestanden oder gesessen. Das sei jedes Mal vorgekom-
men, wenn er Viagra genommen habe. Sie habe es aber nicht gewollt. Sie habe
ihre Ruhe gewollt. Pro Woche sei dies zwei Mal vorgekommen. Wenn sie frei ge-
habt habe, habe er sie sehr unter Druck gesetzt. Körperliche Gewalt habe er nie
angewendet. Er sei jeweils vaginal eingedrungen, der Geschlechtsverkehr habe
ca. 10 bis 12 Minuten gedauert. Sie habe das Gefühl gehabt, es höre nie auf. Sie
habe ihn dann weggestossen. Manchmal sei er zum Orgasmus gekommen,
manchmal nicht. Sie bestätigte auf Nachfrage, dass in den letzten sechs Monaten
kein Geschlechtsverkehr einvernehmlich gewesen sei (Urk. 3 S. 5-6).
Schliesslich ist korrigierend darauf hinzuweisen, dass die Privatklägerin erklärte,
die Familie des Beschuldigten habe diesem geraten, er solle sagen, dass er mit
ihr nach Mekka gehen möchte und so könne er sie nach Pakistan mitbringen und
so könne sie, die Familie [nicht wie in der vorinstanzlichen Wiedergabe der Be-
schuldigte, vgl. Urk. 80 S. 22], sie umbringen (Urk. 3 S. 8).
b) Auch die vorinstanzliche Wiedergabe der Aussagen der Privatklägerin bei der
Staatsanwaltschaft (vgl. Urk. 80 S. 22-25; Art. 82 Abs. 4 StPO) ist ergänzungsbe-
dürftig. So erklärte die Privatklägerin anlässlich ihrer Einvernahme vom 11. Juli
2016 zunächst, über Geschlechtsverkehr keine Antworten geben zu wollen, zu
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welcher Aussageverweigerung sie ohne weiteres berechtigt war (vgl. Art. 169
Abs. 4 StPO; Urk. 8 S. 4).
Zu ihrer Ehe ab Ankunft in der Schweiz bis zur Trennung erklärte sie, sie habe ein
Gefühl gehabt, dass sie nicht so ein Paar seien, das einander respektiere und auf
einander stehen könne. Und auch die Gefühle der anderen respektieren könne.
Er habe ihr häufig falsche Anschuldigungen gemacht. Seit sie miteinander verhei-
ratet seien, habe sie den Beschuldigten gepflegt, wie ein Kind, gekocht, geduscht,
alles habe sie gemacht. In Pakistan habe sie ihn auch gepflegt, als er in einem
Spital gewesen sei, und hier sei es genau so weiter gegangen. Als er im Spital
gewesen sei, sei sie von der Arbeit ins Spital gegangen und habe ihn gepflegt.
Auf die Frage, ob es manchmal zu Streit gekommen sei, antwortete sie: "Seit im-
mer und ewig haben wir nur Streit." Meistens bezüglich ihrer Arbeit, der Beschul-
digte habe nicht gewollt, dass sie zur Arbeit gehe. Er habe ihr häufig gesagt, sie
dürfe nicht an den Arbeitsplatz gehen, er habe von anderen mitbekommen, ihr
Charakter sei nicht so gut. Zu Handgreiflichkeiten sei es nicht gekommen. Er sei
sehr laut gewesen (Urk. 8 S. 5 f.).
In der Folge beantwortete sie entgegen ihrer Absichtserklärung betreffend Aussa-
geverweigerung gleichwohl entsprechende Fragen zu ihrem Intimleben. So erklär-
te sie, zwischen ihr und dem Beschuldigten sei es sowohl zu einvernehmlichen
wie auch zu Geschlechtsverkehr, den sie nicht wollte, gekommen. Von Januar
2015 bis März 2016 sei es vielleicht 4-5 Mal zu nicht einvernehmlichem Ge-
schlechtsverkehr gekommen. In der Folgeantwort schränkte sie den Zeitraum die-
ser ungewollten Kontakte sodann auf Oktober 2015 bis März 2016 ein. Seitdem
sie angefangen habe zu arbeiten [August 2015, vgl. Urk. 8 S. 4], sei die Situation
dann schlimm gewesen. Sie wisse nicht, was der Beschuldigte gehabt habe. Sie
hätten jeden Tag Streit gehabt. Er habe nicht gewollt, dass sie zur Arbeit gehe.
Und dann habe es auch oft gegeben, dass sie ohne ihr Einverständnis Ge-
schlechtsverkehr gehabt hätten. Sie habe den ganzen Tag gearbeitet, sie habe
sehr oft unterschiedliche Arbeitszeiten gehabt. Von 15.00-23.00 Uhr. Wenn sie
nach Hause gekommen sei, habe sie sich ausruhen wollen und er habe jeweils so
schlimm ausgesehen wegen seiner Medikamente. Er habe die Medikamente
- 16 -
durch seine Nase geschnupft, Dormicum auch. Er habe dann unbedingt mit ihr
Sex haben wollen. Sie habe dann gesagt, dass sie morgens früh aufstehen müs-
se, um zur Arbeit zu gehen. Sie könnten auch an einem anderen Tag Sex haben,
wenn sie frei habe. Die ganze Nacht habe er sie gestört. Er habe auch seine
Schwestern und Cousins angerufen und ihnen erzählt, dass sie nicht mit ihm
schlafen würde. Er habe auch ihren Bruder und ihre Mutter angerufen. Ihre Fami-
lie habe zu ihm gesagt, er solle seine Privatsphäre für sich behalten, es sei nicht
schön, wenn er über solche intimen Dinge mit ihnen spreche. Der Beschuldigte
habe ja die Medikamente durch die Nase geschnupft und habe sie die ganze
Nacht nicht in Ruhe schlafen lassen. Weil sie habe schlafen wollen, habe sie häu-
fig aufgegeben und gesagt, ok, er dürfe das. Das Zimmer sei so klein gewesen,
das Licht an, er habe immer sehr laut mit seinen Schwestern am Telefon gespro-
chen. Sie habe nicht in Ruhe schlafen können. Seine Schwestern hätten gesagt,
bring doch diese Frau wieder zurück nach Pakistan. Sie habe alles mitbekommen,
immer diese Gespräche. Seine Schwestern hätten ihm empfohlen, dass er ihr sa-
gen solle, dass sie zusammen nach Mekka gehen würden und er sie dann in
Wahrheit nach Pakistan zurückbringen würde. Er habe zu seinen Schwestern ge-
sagt, er sei ja so krank, wenn er sie umbringen würde, würde er nicht so eine
strenge Strafe bekommen. Meistens hätten sie Streit und Konflikte, weil der Be-
schuldigte gesagt habe, sie müsse den Arbeitsplatz verlassen und dürfe nicht
mehr arbeiten und sie müssten nach Pakistan gehen. Er habe auch einmal das
Migrationsamt angerufen, wie er sie wieder nach Pakistan zurückschicken könne.
Er habe die Information bekommen, dass das nur gehe, wenn er sie verlassen
würde. Seine Freunde würden sagen, sie habe andere Beziehungen zu Männern.
Er habe auch gesagt, er habe Beweise und Videos. Seitdem sie hier in der
Schweiz sei, habe ihr Mann mit zwei anderen Personen in der Wohnung gelebt.
Die anderen Personen hätten auch Drogen konsumiert. Sie habe sehr grosse
Angst vor diesen Personen. Dann habe sie sich selber bemüht, dass sie eine Ar-
beit bekomme, dann habe sie nach einer eigenen Wohnung geschaut und be-
kommen. Dann seien sie umgezogen, es sei eine kleine Wohnung gewesen. Ihr
Mann sei die ganze Nacht sehr laut. Die Nachbarn seien vorbeigekommen und
hätten an die Türe geklopft. Sie hätten gesagt, sie bräuchten Ruhe und müssten
- 17 -
schlafen. Sie habe Angst gehabt, dass sie die Wohnung verlieren könnte, es sei
ja sehr schwierig, eine Wohnung zu finden. Nach häufigen Streitereien habe sie
jeweils einfach die Wohnung verlassen und danach habe der Beschuldigte jeweils
sehr viel Alkohol konsumiert. Die Leute hätten sich dann bei der Verwaltung be-
schwert. Deswegen habe sie die Kündigung bekommen. Die ganze Sache, dass
die Wohnung gekündigt worden sei, sei während der Trennung gewesen (Urk. 8
S. 6 ff.).
Der Beschuldigte habe sie nicht zum Widerstand unfähig gemacht, um den Ge-
schlechtsverkehr zu vollziehen. Aber sie habe grosse Angst gehabt, weil er immer
sehr laut gewesen sei und sie nicht gewollt habe, dass die Nachbarn nochmals an
ihre Türe klopfen müssten. Sie habe die Wohnung nicht verlieren wollen. Deswe-
gen habe sie häufig nachgegeben, damit er nachher ruhig war. Die ganze Nacht
habe er bei sich ein Messer in seinem T-Shirt getragen und sei auf dem Sofa ge-
sessen. Die ganze Nacht habe sie nicht mehr schlafen können, weil er entweder
sie oder sich selber verletzt habe. Dies sei nicht nur diese 4-5 Vorfälle so gewe-
sen, er sei jeden Tag so gewesen, wie sie es gesagt habe (Urk. 8 S. 10).
Auf Nachfrage, was sie unter "laut geworden" verstehe, erklärte die Privatklägerin,
es sei früh morgens um 02.00 oder 03.00 Uhr gewesen und er habe geschrien:
"Ich bin alt geworden und du bist mit mir nicht glücklich. Du willst kein Kind gebä-
ren. Wir gehen nach Pakistan. Warum möchtest du nicht wieder nach Pakistan
gehen?" (Urk. 8 S. 10).
Auf die Frage, weshalb sie nicht nach Pakistan gehen möchte, erklärte sie, sie
fühle sich dort nicht sicher. Sie habe grosse Schwierigkeiten mit seiner Familie
und möchte deshalb nicht zurückgehen. In Pakistan sei die Ehe viel besser ver-
laufen. Nach ihrer Heirat habe sie mitbekommen, dass der Beschuldigte Drogen
konsumiere. Das habe sie vorher nicht gewusst. Sie habe trotzdem versucht, die
Ehe aufrecht zu erhalten. Er habe ihr ein Haus in Pakistan geschenkt, das Haus
laute auf ihren Namen. Seine Familie habe das Haus jetzt fälschlicherweise auf
den eigenen Namen umgeschrieben (Urk. 8 S. 10 f.). An die Zeitpunkte, in wel-
chen der Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen stattfand, könne sie sich nicht so
genau erinnern. Auf die Frage, in welchen Abständen der Geschlechtsverkehr
- 18 -
gegen ihren Willen stattgefunden habe, sagte sie, von Januar 2016 bis März
2016, als sie die Wohnung verlassen habe. Es habe schon begonnen, als sie im
Oktober 2015 in diese Wohnung gezogen seien, aber die meisten Fälle seien
zwischen Januar bis März 2016 gewesen. Ihr Mann habe Viagra verwendet, blaue
Tabletten und einen Spray und Tropfen mit Wasser oder Milch aufgelöst. Danach
habe er unbedingt mit ihr Geschlechtsverkehr haben wollen. Auf die Frage, wie
sich die Staatsanwältin den Geschlechtsverkehr konkret vorstellen müsse, ant-
wortete die Privatklägerin: "Dann hatte er Sex mit mir." Sie habe ihm gesagt, dass
sie im Unterleib Schmerzen habe. Sie habe sehr geweint und gesagt, sie möchte
das nicht, sie könne es auch nicht. Er habe ihr immer wieder gesagt, nur ganz
kurz, nur ganz kurz. Früh morgens habe sie zur Arbeit gehen wollen, und er habe
immer die Wohnungsschlüssel versteckt. Der Geschlechtsverkehr habe ca. 5-7
Minuten gedauert. Es treffe zu, dass sie von Oktober 2015 bis März 2016 auch
mehrmals einvernehmlich Geschlechtsverkehr gehabt hätten. Sie hätten gemein-
sam ein Kind haben wollen. Auf die Frage, was "mehrmals" heisse, erklärte sie,
wenn sie frei gehabt habe und auch gewillt gewesen sei, dann würde sie sagen,
zwei Mal pro Woche. Nach dem Geschlechtsverkehr, den sie nicht wollte, habe
der Beschuldigte ja Tabletten eingenommen gehabt. Das heisse, er sei immer
noch nicht fertig gewesen. Nach 5-6 Minuten habe sie gesagt, "ich möchte das
nicht mehr, ich kann das nicht mehr" und geweint. Dann sei er sehr laut gewesen
und habe sich zurückgezogen. Und dann habe er immer begonnen zu telefonie-
ren. Sie habe seine Gespräche mitbekommen, es sei seelisch sehr schwierig ge-
wesen. Es habe beides gegeben, dass er mal vor, mal nach dem Sex die Ver-
wandten angerufen habe (Urk. 8 S. 11 ff.). Auf die Frage, ob der Beschuldigte sie
unter psychischen Druck gesetzt habe, um den Geschlechtsverkehr mit ihr zu
vollziehen, erklärte sie, die Frage nicht so ganz zu verstehen. Auf die Folgefrage,
ob er sie "derart unter Druck gesetzt" habe, dass sie "wie keine andere Möglich-
keit mehr" sah, "den Geschlechtsverkehr mit ihm zu vollziehen?", antwortete sie
mit "Ja." (Urk. 8 S. 13). Die Telefongespräche des Beschuldigten mit den Ver-
wandten habe sie mitbekommen, weil er diese auf seinem Handy geführt habe.
Es sei ein Telefon von Samsung und es sei auf maximale Lautstärke eingestellt
- 19 -
gewesen, nicht auf Lautsprecher. Das Zimmer sei sehr klein gewesen, weshalb
sie alles habe mithören können (Urk. 8 S. 17 f.).
c) Was schliesslich ihre Aussagen in der vorinstanzlichen Beweisaufnahme –
wiedergegeben im angefochtenen Urteil, Urk. 80 S. 25-28 – angeht, so bleibt zu
ergänzen, dass die Privatklägerin ausdrücklich bestätigte, sich um eine Wohnung
beworben und hierfür im Mai 2016 den Beschuldigten um Unterstützung gebeten
zu haben. Sie habe aber – anders als im Wohnungsbewerbungsformular und da-
mit auch gegenüber dem Beschuldigten (vgl. Urk. 40/2) insinuiert – nicht beab-
sichtigt, wieder mit ihm zusammenzuziehen (Urk. 62 S. 4).
Danach befragt, ob der Beischlaf immer unfreiwillig gewesen sei, oder "nur"
manchmal, erklärte die Privatklägerin, manchmal sei es einvernehmlich gewesen.
Dies aber nur, weil er sie nicht in Ruhe gelassen habe. Sie habe in der Nacht
schlafen wollen, weil sie arbeiten gehen musste. Er habe Drogen genommen und
sie nicht in Ruhe schlafen lassen. Sie habe gedacht, wenn sie einwillige, lasse er
sie in Ruhe. Eigentlich habe sie nicht mit ihm schlafen wollen. Es habe aber Situa-
tionen gegeben, bei denen sie mit dem Beschuldigten habe intim werden wollen
(Urk. 62 S. 5).
Zur Nacht vom 24. auf den 25. März 2016 erklärte die Privatklägerin, der Be-
schuldigte habe die ganze Nacht mit seiner Schwester telefoniert. Er habe zu ihr
gesagt, dass er nicht wolle, dass die Privatklägerin arbeite. Seine Schwester habe
dies auch nicht gewollt und habe gewollt, dass der Beschuldigte sie, die Privat-
klägerin, nach Pakistan zurückschicke. Doch das habe sie, die Privatklägerin,
nicht gewollt. Deshalb habe ihr Mann zu ihr gesagt, dass sie nach Mekka gehen
würden. Er habe sie diesbezüglich mehrmals unter Druck gesetzt, bis sie
schlussendlich eingewilligt habe. Sie habe zufälligerweise das Telefonat mit der
Schwester mithören können. Er habe gesagt, dass er sie nach Pakistan nehmen
werde. Der Beschuldigte habe gefragt, ob sie, die Schwester, mit einem Mann al-
les Notwendige erledigt hätte. In dieser Nacht habe sie nicht schlafen können,
weil er das Licht angelassen habe. Er sei neben ihr auf dem Bett gesessen und
habe Drogen konsumiert. Der Rauch habe sie gestört. Er habe auch Dormicum
eingenommen. Dabei habe er ein Messer in seiner Hemdtasche getragen. Seit-
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dem sie mit ihm verheiratet sei, habe sie ihn wie ein Kind gepflegt. Sie habe ihm
beim Duschen geholfen. Sie hätten eine 1-Zimmer-Wohnung gehabt und das Ba-
dezimmer sei nicht in der Wohnung gewesen. Ihr Mann habe nicht aufs WC ge-
konnt. Sein Geschäft habe er in eine Cola-Flasche erledigt. Wenn sie von der Ar-
beit zurückgekommen sei, habe sie diese Flaschen mit Urin ins WC leeren müs-
sen. Sie habe ihn sehr gepflegt und ihn rasiert. Auch in seinem Intimbereich. Sie
verdiene dieses Verhalten nicht. Sie habe ihn auch sehr viel gepflegt, als er im ...-
Spital gewesen sei. Sie sei einen Monat dort geblieben und habe ihn gepflegt. Er
sei auch im ...-Spital in ... [Ort] gewesen und sie habe ihm das Mittagessen mit-
gebracht. Danach sei die Situation nicht besser geworden. Sie habe sich von ihm
trennen wollen. Als er im Spital gewesen sei, habe er von ihr verlangt, dass sie zu
seinen Freunden gehen solle und ihm Drogen ins Spital bringen solle. Sie habe
dies abgelehnt, weshalb es zu vielen Auseinandersetzungen gekommen sei
(Urk. 62 S. 8).
Im Zusammenhang mit der angeblichen Aussage des Beschuldigten gegenüber
seiner Schwester, dass er Dormicum nehme und mit wenig Konsequenzen rech-
nen müsse, falls er die Privatklägerin umbringe, erklärte sie, der Beschuldigte ha-
be nicht gewusst, dass sie dies habe mithören können. Er sei nicht in der Woh-
nung gewesen, aber im Wohngebäude. Es sei am Abend gewesen und er habe
das Telefon auf Lautsprecher gehabt. Auch in anderen Situationen habe sie seine
Telefonate mithören können, weil sein Telefon auf Lautsprecher gewesen sei
(Urk. 62 S. 10). Am Morgen [des 25. März 2016] habe er sie, nachdem sie ihm in
der Nacht gesagt habe, dass sie ihn verlasse, wenn er sie weiter so behandle,
nicht die Wohnung verlassen lassen. Er habe die Türe abgeschlossen, obwohl sie
zur Arbeit habe gehen müssen. Sie habe ihm gesagt, er solle aufschliessen, doch
er habe nein gesagt. Sie habe gesagt, sie müsse zur Arbeit gehen, sonst würde
sie ihre Arbeitsstelle verlieren. Er habe dann mit ihrem Bruder telefoniert, welcher
ihm gesagt habe, sie würde wieder zurückkehren. Sie hätten zwei Schlüssel. Ih-
ren habe ihr ihr Mann weggenommen und versteckt. Auf Nachfrage, wie lange der
Streit gedauert habe, erklärte sie, den Beschuldigten um 5.00 Uhr morgens ge-
fragt zu haben. Kurz vor 10.00 Uhr habe sie mit ihrem Bruder telefoniert und dann
den Schlüssel erhalten. Gemäss Plan habe sie von 10.00-18.00 Uhr in der Kanti-
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ne arbeiten müssen. Sie habe so früh die Wohnung verlassen wollen, weil sie ge-
plant habe, dass sie ihn und die Wohnung verlassen möchte. Sie habe zur Arbeit
gehen müssen, doch gedacht, dass sie an diesem Tag nicht zur Arbeit gehen
könnte. Sie habe mit ihrem Chef telefoniert und ihm gesagt, dass es ihr nicht gut
gehen würde, doch sie habe ihm gesagt, sie würde kommen, weil sie mit ihm
sprechen möchte. Sie habe mit ihrem Chef dann ihre Situation besprochen und er
habe ihr für diesen Tag frei gegeben (Urk. 62 S. 12 f.). Sodann bat sie das Gericht
darum, nicht nach Pakistan zurück zu müssen. Sie sei selbständig und arbeite.
Sie könne die Last selber tragen und könne ihr Leben auch ohne Mann weiterfüh-
ren (Urk. 62 S. 14). Erst auf Vorhalt ihrer polizeilichen Aussagen erklärte die Pri-
vatklägerin sodann, ihr Mann habe, wenn er sehr wütend gewesen sei, die Hand
gehoben. Aber er habe sie nie geschlagen (Urk. 62 S. 15; ungenau zitiert im erst-
instanzlichen Urteil, vgl. Urk. 80 S. 27). Auf die Frage, was sich beim Ge-
schlechtsverkehr verändert habe, seit der Beschuldigte Viagra nahm, erklärte die
Privatklägerin, vorher habe sie ein wenig Schmerzen gehabt. Nachher habe sie
sehr viele Schmerzen gehabt. Ihr Intimbereich habe gebrannt und sie habe nicht
auf die Toilette gekonnt. Er habe häufiger Sex gewollt und es habe länger gedau-
ert. Sie habe dies aber nicht mehr machen können und ihn weggestossen und
angefangen zu weinen. Dann habe er jeweils telefoniert (Urk. 62 S. 18).
3.8. Wie bereits oben unter Ziff. 3.5 angedeutet, kristallisiert sich aus den Aus-
sagen der Privatklägerin das Bild einer für diese enttäuschend verlaufenen Ehe
heraus. Der Ehegatte, durch seine Krankheit und die Medikamente, allenfalls
auch anhaltenden Drogen-, Medikamenten- und Alkoholmissbrauch körperlich
eher unansehnlich, bedurfte in hohem Masse Pflege und war gleichzeitig nicht
damit einverstanden, dass sie ausser Haus berufstätig war, was offenbar regel-
mässig zu Streitereien führte. Davon unbeeindruckt gelang es ihr trotzdem, Kon-
takte zu Aussenstehenden zu knüpfen, sich mit deren Hilfe eine Arbeitsstelle zu
besorgen (die sie bis heute innehat) und in der Folge gar eine eigene Wohnung
zu mieten. Auch zu Geschlechtsverkehr mit dem Beschuldigten war sie – entge-
gen ihren ersten polizeilichen Aussagen – grundsätzlich und bis März 2016 bereit.
Schliesslich hofften beide Ehegatten auf ein Kind. Allerdings zerschlug sich diese
Hoffnung spätestens im März 2016, kurz vor der Anzeige, als die Reproduktions-
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klinik des Universitätsspitals eine Behandlung ablehnte (Urk. 62 S. 4 f.). Indes ist
auch nicht zu übersehen, dass sie in dieser Ehe aus migrationsrechtlichen Grün-
den gleichsam gefangen war, zumindest sofern sie in der Schweiz bleiben wollte
(was offensichtlich der Fall ist, vgl. Urk. 62 S. 14), denn eine einvernehmliche
Trennung hätte den Verlust ihres Aufenthaltstitels begründet, was ihr offensicht-
lich bekannt war.
Darüber hinaus vermögen die Aussagen der Privatklägerin aber wenig zu über-
zeugen. Nicht nur fehlen – was Vier-Augen-Delikten allerdings in der Regel im-
manent ist – formelle und externe Validität. Auch die interne Validität ist kaum ge-
geben, denn ihre Aussagen variieren, was den Kern der angeblich erlittenen De-
likte angeht, von Aussage zu Aussage derart stark bzw. bleiben inhaltlich betref-
fend die Schilderung konkreter Einzelfälle derart vage, dass kaum eine verbindli-
che Feststellung getroffen werde kann, zumal ein Hang zu Übertreibungen bzw.
Verallgemeinerungen ("immer") nicht zu übersehen ist.
Gerade auch wenn man die Kernaussagen der Privatklägerin betreffend die gel-
tend gemacht Fälle von unfreiwilligem Geschlechtsverkehr vergleicht (Anklage-
sachverhalt Urk. 27 S. 3-5), ist augenscheinlich, wie wenig Substanz und auch
Konstanz enthalten sind. So machte sie zunächst geltend, seit ca. Oktober 2015
sei kein Geschlechtsverkehr freiwillig erfolgt, vielmehr sei sie zweimal pro Woche, was für die Zeit von Oktober 2015 bis März 2016 rund 45 Übergriffe ausmachen
würde, zu Sex gezwungen worden. In der folgenden Einvernahme durch die
Staatsanwältin reduziert sie dies dann aber ohne weitere Erklärung auf  4-5 Vorfälle seit Oktober 2015, wobei diese mehrheitlich in die Zeit ab  2016 bis März 2016 gefallen seien (vgl. Urk. 104 S. 18). Dies stellt eine Re-
duktion um den Faktor 10 dar. Zu einer datumsmässig genaueren Fixierung und
inhaltlich konkreten Schilderung dieser einzelnen, in ihrer Anzahl nun überschau-
baren Vorfälle war die Privatklägerin nicht in der Lage. Vielmehr blieb sie betref-
fend den Ablauf durchwegs vage und pauschal. Zu dieser fehlenden Konkretisier-
barkeit passt, dass sie bei der Polizei nicht die erlittenen Vergewaltigungen, son-
dern den Drogen- und Medikamentenkonsum, Auseinandersetzungen betreffend
ihre Arbeitstätigkeit sowie Drohungen als Grund für das Aufsuchen einer ge-
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schützten Institution angab und erst auf separate Aufforderung hin überhaupt auf
das Thema sexueller Übergriffe zu sprechen kommt (Urk. 3 S. 3). Dass sie den
Beschuldigten sodann in ihren Einvernahmen mehrfach und jeweils im Kontext
der Aussage ohne Bezug auf die ihm vorgeworfenen Delikte beschuldigt, Drogen
zu konsumieren bzw. mehrere Medikamente (Valium, Dormicum) sowie Methadon
zu schnupfen etc., kann als Indiz dafür, dass sie den Beschuldigten in einem be-
sonders schlechten Licht darstellen will, gewertet werden.
Weiter ist aufgrund der späteren Aussagen der Privatklägerin erneut festzuhalten,
dass sie durchaus auch nach Oktober 2015 zu einvernehmlichem Geschlechts-
verkehr bereit war, bzw. es gemäss eigenen Angaben Situationen gab, bei denen
sie (zweimal wöchentlich) mit dem Beschuldigten intim werden wollte. Offenbar
aber ungern an Arbeitstagen bzw. wenn sie am nächsten Tag auch wieder früh
zur Arbeit musste. Diese Aussage deckt sich auffallend mit den Angaben des Be-
schuldigten (vgl. Urk. 4 S. 6 f. und Urk. 6 S. 6). Betreffend die vorgenannten 4 bis
5 Mal machte sie in den Einvernahmen zwar geltend, dem Beschuldigten gesagt
zu haben, sie wolle keinen Sex, sie könnten an einem anderen Tag Sex haben,
wenn sie frei habe. Dann aber – und dies erscheint mit Blick auf den Vergewalti-
gungsvorwurf entscheidend – willigte sie, zumindest nach aussen hin, gemäss ei-
genen Aussagen offenbar jeweils trotzdem explizit in den Geschlechtsverkehr ein,
wenn auch bloss, um ihre Ruhe zu haben. Dies, weil der Beschuldigte ansonsten
das Licht angelassen und laut mit Verwandten telefoniert und sich über sie be-
schwert habe, sodass sie nicht habe schlafen können. Allerdings ist auch dieser
Ablauf nicht völlig klar. An anderer Stelle schilderte sie nämlich, dass er erst dann,
wenn ihr der Geschlechtsverkehr zu lange ging und ihr starke Unterleibsschmer-
zen verursachte, weshalb sie ihn dann weggestossen habe, was er offenbar ak-
zeptierte, zum Telefon griff und sich bei Verwandten beschwerte. Ob er diese Te-
lefonate schliesslich extra in ihrer Gegenwart und mit Lautsprecher (wie zunächst
behauptet, Urk. 3 S. 5) oder ausserhalb der Wohnung (mit Lautsprecher, wobei
sie aber nur zufälligerweise mitgehört habe, Urk. 62 S. 8 und 10) oder in der
Wohnung, aber nicht via Lautsprecher (Urk. 8 S. 17 f.) führte, ist ihren diesbezüg-
lich widersprüchlichen Aussagen auch nicht mit zureichender Sicherheit zu ent-
nehmen. Dass er – ausser diesen Telefonaten und dem brennenden Licht – auch
- 24 -
regelmässig in der Wohnung herumgeschrien hätte, lässt sich ihren Aussagen
nicht entnehmen. Sie schilderte dies erst anlässlich der staatsanwaltschaftlichen
Einvernahme anhand eines Einzelfalles im Zusammenhang mit der Angst, ihre
Wohnung zu verlieren und im Übrigen als nach der Trennung passiert. Die dies-
bezügliche Abmahnung der Verwaltung datiert denn auch erst vom 1. April 2016
und nimmt konkret Bezug auf einen Vorfall in der Nacht vom 27. auf den 28. März
2016 und damit von nach der Trennung (Urk. 10; vgl. auch Urk. 104 S. 14). Der
Beschuldigte erklärte hierzu, er habe damals in der Wohnung geschrien, weil er
nicht gewusst habe, wo seine Frau ist. Er habe sie damals zwei Tage gesucht und
auch bei der Polizei eine Anzeige gemacht. Er sei durchgedreht. Er habe sich
hilflos gefühlt und sei dann zu einem Arzt gegangen, welcher ihn dann sofort in
den Notfall geschickt habe (Prot. I S. 25; vgl. auch den Austrittsbericht des Uni-
versitätsspitals betreffend die Hospitalisierung des Beschuldigten vom 30. März
bis 5. April 2016, Urk. 17/1). Dass es bereits zu einem früheren Zeitpunkt mehrfa-
che Reklamationen wegen nächtlichen Herumschreiens und damit ernsthaften
Anlass, eine Kündigung zu befürchten, gegeben hätte, ist den Akten nicht zu ent-
nehmen bzw. durch die vorliegende Abmahnung der Verwaltung sogar positiv wi-
derlegt.
Dass die Privatklägerin trotz der behaupteten Einwilligung in der Folge dann wäh-
rend dieser 4-5 sexuellen Kontakte durchgehend geweint und dem Beschuldigten
gesagt hätte, dass sie dies nicht wolle und nicht könne und er daraufhin trotzdem
weitergemacht hätte, ist ihren Aussagen schliesslich ebenfalls nicht zu entneh-
men. Vielmehr machte sie deutlich, dass sie nach 4-5 minütigem Geschlechtsver-
kehr, was für den Beschuldigten, wenn er Viagra genommen hatte, offenbar nicht
genug war, gesagt habe, dass sie nicht mehr könne und nicht mehr wolle bzw. ihn
weggestossen habe, worauf der Beschuldigte sehr laut gewesen sei und sich zu-
rückgezogen habe (Urk. 8 S. 13 und Prot. I S. 7). Diese Aussage lässt nur den
Schluss zu, dass der Beschuldigte den Geschlechtsverkehr beendete, sobald sie
ihre Ablehnung ausdrückte, auch wenn er darüber offensichtlich nicht weiter er-
freut war. Was die Vorinstanz der Privatklägerin im Übrigen als originelle Schilde-
rungen zugute hält (Schilderung des Viagra- und Spraygebrauchs, Urk. 80 S. 32),
hat mit den Übergriffen im engeren Sinn nicht zwingend zu tun und lässt sich
- 25 -
problemlos auch mit nach anfänglicher Ablehnung schliesslich akzeptiertem Sex
in Einklang bringen.
Was schliesslich ihre geplante "Rückbeförderung" nach Pakistan, samt vorge-
täuschter Pilgerfahrt nach Mekka angeht, so führte die Privatklägerin hierzu vor
Vorinstanz aus, dies sei (erst) in der Nacht vom 24. auf den 25. März 2016 und
damit unabhängig von sexuellen Avancen des Beschuldigten ein Thema gewe-
sen. Zudem habe sie nur zufällig von den Plänen erfahren, habe der Beschuldigte
das entsprechende Gespräch doch ausserhalb der Wohnung geführt. Solches
schliesst nun aber gezielten "Psychoterror" seitens des Beschuldigten von vorn-
herein aus.
Auch dass sie nach ihrer Flucht in eine geschützte Institution und während bereits
laufender Strafuntersuchung wegen mehrfacher Vergewaltigung den Beschuldig-
ten um Unterstützung bei der Wohnungssuche bzw. um eine gemeinsame Woh-
nungsbewerbung bat (Urk. 10), lässt ihre Aussagen insgesamt nicht glaubhafter
oder klarer erscheinen. Mithin kann aufgrund der wenig konstanten Aussagen der
Privatklägerin nur erstellt werden, dass sie offenbar nicht immer zu sexuellen
Kontakten mit dem Beschuldigten bereit war, auf sein Insistieren, allenfalls auch,
weil er – im begrenzten Raum der 1-Zimmerwohnung – das Licht anliess und sich
telefonisch bei ihren und seinen Verwandten über sie beschwerte, was ihr peinlich
war, dann jedoch erkennbar einwilligte. Weiter ist festzuhalten, dass der Beschul-
digte, wenn sie während des Geschlechtsverkehrs ausdrückte, dass sie nun nicht
mehr wolle und könne, seine Handlungen beendete.
Vor diesem Hintergrund kann mit Blick auf den nötigen subjektiven Vergewalti-
gungswillen, welcher ebenfalls Teil der Sachverhaltsermittlung ist, nicht rechtsge-
nügend davon ausgegangen werden, dass dem Beschuldigten die ohnehin nur si-
tuativ vorhandene innere Mentalreservation der Privatklägerin bekannt war und er
trotzdem Sex mit ihr hatte. Für ihn musste es vielmehr so aussehen, als habe er
die Privatklägerin trotz ursprünglichem Unwillen in der Folge davon überzeugen
können, mit ihm zu schlafen. In dieser Überzeugung durfte er sich auch dadurch
bestärkt sehen, dass auch die Privatklägerin anerkanntermassen auf ein Kind
hoffte – die Parteien hatten hierfür ja sogar noch im Februar 2016 medizinische
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Beratung in Anspruch genommen – und sie auch gemäss eigenen Ausführungen
grundsätzlich zu regelmässigem Geschlechtsverkehr mit ihm bereit war, was sich
ja auch darin zeigte, dass sie seine Avancen gemäss eigenen Worten jeweils
nicht kategorisch abwies, sondern ihn zunächst auf ihre arbeitsfreien Tage ver-
tröstete.
Hinsichtlich der geltend gemachten Drohungen (Anklagesachverhalt Urk. 27
S. 5 f.) ist ebenfalls festzuhalten, dass der Beschuldigte das Gespräch mit seiner
Familie in der Nacht vom 24. auf den 25. März 2016 offenbar ausserhalb der
Wohnung führte und die Privatklägerin dieses nur zufällig mithören konnte. Damit
kann offen bleiben, was inhaltlich genau gesprochen wurde, fehlt es bei dieser
Konstellation doch offensichtlich am in der Anklageschrift geschilderten Drohen im
Beisein der Privatklägerin und damit auch am Vorsatz. Was sodann das drohende
Erheben der Hand angeht, hat die Privatklägerin dies jeweils erst auf Nachfragen
geschildert und nicht mit konkreten Vorkommnissen in einen logischen und zeitli-
chen Zusammenhang stellen können. Er habe, wenn er sehr wütend gewesen
sei, die Hand gehoben, sei jedoch niemals tätlich geworden. Vor diesem Hinter-
grund ist nicht ersichtlich, wieso die Privatklägerin um ihre körperliche Unver-
sehrtheit hätte fürchten müssen, zumal angesichts des Zustands des Beschuldig-
ten – übergewichtig, auf ein Sauerstoffgerät angewiesen und generell gesundheit-
lich stark angeschlagen (vgl. die Schilderung in der Anklageschrift, Urk. 27 S. 2
und den Austrittsbericht des Universitätsspitals, Urk. 17/1). Der Sachverhalt ist
nicht erstellt.
Mit Blick auf den Anklagesachverhalt Urk. 27 S. 6 f. ist sodann anzumerken, dass
aufgrund der Angaben beider Ehepartner zwar erstellt ist, dass die ausserhäusli-
che Berufstätigkeit der Privatklägerin und allenfalls auch Verdächtigungen, dem
Beschuldigten untreu zu sein, Anlass zu wiederkehrenden Diskussionen und
Streitereien gab. Nachdem dem Beschuldigten an diesem Tag (24. März 2016)
aber offenbar konkrete Untreue-Hinweise zugetragen worden waren, provozierte
er nach der Heimkehr der Privatklägerin von der Arbeit eine Aussprache, in wel-
chem Rahmen die Privatklägerin auf den Koran schwor, keine Drittbeziehung zu
haben (so übereinstimmend von beiden geschildert; Urk. 3 S. 4 und Urk. 4 S. 3).
- 27 -
Dass der Beschuldigte nun aber angesichts eines sehr konkreten Verdachts eine
Aussprache verlangte, sich dabei durch einen Schwur auf den Koran beschwich-
tigen liess und offenbar auch eine Ehetherapie anbot (Urk. 4 S. 5 und 10, Urk. 5
S. 6), lässt sich nicht mit dem Vorwurf, ansonsten regelmässig ohne konkrete
Veranlassung Todesdrohungen ausgestossen und dies am 24. März 2016 noch
durch das In-der-Brusttasche-Tragen eines Küchenmessers verstärkt zu haben,
für den Fall, dass die Privatklägerin ihn verlassen würde, in Einklang bringen.
Auch was die mutmassliche Freiheitsberaubung angeht, sind die Darstellungen
der Privatklägerin wenig konstant. Zunächst befremdet bereits, dass sie am
30. März 2016 offenbar nicht in der Lage war, ihren geplanten Arbeitsbeginn vom
25. März 2016 korrekt anzugeben. Damals erklärte sie, sie hätte um 07.00 Uhr bei
der Arbeit erscheinen müssen. Dies korrigierte sie vor Vorinstanz und erklärte,
gemäss Einsatzplanung hätte sie von 10.00 bis 18.00 Uhr arbeiten müssen, was
sich, was den Arbeitsbeginn angeht, mit den Angaben des Beschuldigten bei der
Polizei (Urk. 4 S. 3) deckt. Gemäss ihren ersten Aussagen habe der Beschuldigte
sie sodann um 08.00 Uhr, nach dem Telefongespräch mit ihrem Bruder (der Be-
schuldigte habe den Bruder angerufen) aus dem Haus gelassen. Wieso sie es
davor nicht verlassen konnte bzw. wieso sie nicht mit ihrem Wohnungsschlüssel
aufgeschlossen hat, hat sie nicht ausgeführt. Sie wurde aber auch nicht danach
gefragt. Bei der Staatsanwaltschaft wurde der Vorfall ohnehin nur gestreift (Urk. 8
S. 12 und 16). Vor Vorinstanz will sie das Haus dann plötzlich bereits um
05.00 Uhr verlassen haben wollen, wobei sie der Beschuldigte, ebenfalls nach ei-
nem Gespräch mit ihrem Bruder (der Beschuldigte habe ihn angerufen, Urk. 62
S. 12 oben oder allenfalls doch die Privatklägerin selber, Urk. 62 S. 12 Mitte), um
10.00 Uhr habe gehen lassen. Vorher habe er ihr ihren Schlüssel weggenommen
und versteckt. Der Beschuldigte seinerseits bestätigte lediglich, dass die Parteien
am Morgen eine weitere Diskussion bzw. Streit gehabt hätten, da er befürchtet
habe, dass sie nicht zur Arbeit gehe und auch nicht wieder nach Hause zurück-
kehre. In diesem Zusammenhang habe er ihren Bruder angerufen. Ihren Schlüs-
sel habe er der Privatklägerin aber nicht weggenommen (Urk. 4 S. 5 und Urk. 5
S. 4). Angesichts der widersprüchlichen Angaben der Privatklägerin kann vorlie-
gend lediglich mit Sicherheit erstellt werden, dass die Parteien am Morgen eine
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Diskussion bzw. einen Ehestreit hatten und sie sodann, nachdem der Beschuldig-
te mit ihrem Bruder gesprochen hatte, die Wohnung verlassen hat. Wie lange und
ob sie überhaupt effektiv daran gehindert war, die Wohnung zu verlassen, kann
demgegenüber nicht mit der notwendigen Sicherheit festgestellt werden.
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Den Tatbestand der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 StGB erfüllt,
wer eine Frau zur Duldung des Beischlafs nötigt, namentlich in dem er sie be-
droht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand
unfähig macht.
Die Tatbestandsvariante des Unter-psychischen-Druck-Setzens – und nur diese
kommt vorliegend in Frage – wird dann als gegeben betrachtet, wenn vom Täter
für das Opfer eine Zwangssituation geschaffen wird, in welcher dem Opfer keine
zumutbaren Selbstschutzmöglichkeiten mehr zur Verfügung stehen und eine kon-
krete Gefahr für sein sexuelles Selbstbestimmungsrecht besteht. Dass der Täter
mithin eine Zwangssituation schafft, welche das Opfer kapitulieren lässt bzw. es in
seiner Willensentschliessung in einschränkender Weise beeinflusst, so dass das
Opfer sich in einer ausweglosen Situation befindet, in der es ihm nicht zuzumuten
ist, sich dem Vorhaben des Täters zu widersetzen.
Vorliegend sahen die Anklagebehörde und die Vorinstanz die ausweglose
Zwangslage der Privatklägerin dadurch gegeben, dass der Beschuldigte das Licht
brennen liess, Telefongespräche mit Verwandten führte (wobei seine Schwester
ihm sagte, er solle sie nach Pakistan zurückbringen bzw. er der Schwester sagte,
weil er so krank sei, werde er nicht so streng bestraft, wenn er die Privatklägerin
umbringe und die Privatklägerin auch bei seinem Cousin verhöhnte), mitten in der
Nacht herumschrie und der Privatklägerin vorwarf, keinen Sex zu wollen, weil sie
andere Männer habe. Dadurch sei sie in Todes- und Existenzangst versetzt wor-
den (Urk. 27 S. 3 f. und Urk. 80 S. 37 f.).
Wie oben dargestellt, konnte nicht erstellt werden, dass der Beschuldigte die Te-
lefongespräche bewusst derart führte, dass die Privatklägerin sie mitbekommen
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(und sich deshalb ängstigen) musste. So machte sie bei der Staatsanwaltschaft
explizit geltend, diese seien nicht über Lautsprecher geführt worden. Und vor Vor-
instanz führte sie sogar aus, er habe ausserhalb der Wohnung telefoniert, sie ha-
be es (nur) zufälligerweise gehört. Ohnehin scheint eine Rückkehr der Privatklä-
gerin nach Pakistan erst beim letzten Streit, in Nacht des 24. März 2016, ein
Thema gewesen zu sein, ohne Konnex zu sexuellen Ansprüchen des Beschuldig-
ten. Auch dass er während des Zusammenlebens regelmässig herumgeschrien
hätte, worauf die Nachbarn interveniert und sich bei der Verwaltung beschwert
hätten, weshalb sie eine Kündigung befürchtete, blieb unbewiesen. Dass er das
Licht brennen liess, kann sodann nicht als ausweglose Zwangssituation qualifi-
ziert werden, wäre dem doch bereits durch eine Schlafmaske (allenfalls in Verbin-
dung mit Ohrenstöpseln gegen die lauten Geräusche des Sauerstoffgeräts bzw.
das Telefonieren des Beschuldigten) Abhilfe zu verschaffen gewesen. Hinzu
kommt, dass die Privatklägerin bei anderen Auseinandersetzungen offenbar ohne
weiteres in der Lage war, sich der Konfrontation durch Verlassen der Wohnung zu
entziehen (Urk. 8 S. 8) bzw. sich gegen die Wünsche des Beschuldigten durchzu-
setzen (betreffend ausserhäusliche Arbeitsstelle/Arbeitspensum, Wohnungssu-
che, Drogen ins Spital bringen etc.). Gemäss eigenen Aussagen willigte sie über-
dies jeweils in den Sex ein, um Ruhe zu haben bzw. Schlafen zu können. Nicht
aus Todesangst. Die entsprechende Bejahung einer aussichtslosen Situation
musste der Privatklägerin denn auch gleichsam durch die Staatsanwältin in den
Mund gelegt werden (Urk. 8 S. 13). Insgesamt kann damit aus dem erstellten
Sachverhalt keine für die Privatklägerin ausweglose Situation im Sinne der Recht-
sprechung gesehen werden.
Scheitern würde eine Verurteilung aber auch daran, dass dem Täter subjektiv
bewusst sein oder er zumindest in Kauf nehmen muss, dass sein Opfer den Bei-
schlaf nur wegen der Nötigung erduldet. Genau dies konnte vorliegend aber nicht
erstellt werden (vgl. Ziff. 3.8 vorstehend). Geht der Täter – wenn auch irrtümlich –
davon aus, das Opfer sei mit dem Beischlaf einverstanden, schliesst dies die
Strafbarkeit aus (Art. 13 StGB).
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Nachdem nicht erstellt werden konnte, dass die Privatklägerin nur infolge psychi-
scher Nötigung in den Geschlechtsverkehr eingewilligt hat bzw. dass sie ihr feh-
lendes Einverständnis mit dem Geschlechtsverkehr dem Beschuldigten erkennbar
gemacht hätte, ist er vom Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von
Art. 190 Abs. 1 StGB freizusprechen.
4.2. Was die behauptete Freiheitsberaubung angeht, hat die Beweiswürdigung
nicht erstellen können, dass der Beschuldigte der Privatklägerin ihren Wohnungs-
schlüssel abgenommen hat und dass sie über Stunden entgegen ihrem Willen da-
ran gehindert gewesen wäre, die Wohnung zu verlassen. Jedoch ist davon aus-
zugehen, dass die Parteien am Morgen eine Diskussion darüber führten, ob die
Privatklägerin nun zur Arbeit geht oder nicht und ob sie hernach wieder zurück-
kehrt. Aus diesem Anlass rief einer der Ehegatten sodann – wie dies in diesem
patriarchal geprägten Kulturkreis offenbar weit verbreitet ist – den Bruder der Pri-
vatklägerin an, welcher in diesem Zusammenhang namens der Privatklägerin Zu-
sagen machte, wobei die Privatklägerin die Wohnung erst nach Abschluss jenes
Gesprächs verlassen hat. Selbst wenn man davon ausgehen wollte, dass die Pri-
vatklägerin das Ende des Gesprächs im Sinne der Befolgung einer sittlichen
Pflicht, aber eigentlich unfreiwillig abgewartet hat, kann darin höchstens eine
bloss vorübergehende Hinderung ihrer freien Fortbewegung gesehen werden,
womit es jedenfalls an der nötigen Intensität und Dauer einer Freiheitsberaubung
im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB fehlt. Damit ist der Beschuldigte auch
von diesem Vorwurf freizusprechen.
Wie gesehen konnte auch der Sachverhalt betreffend mehrfache Drohungen im
Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB nicht
erstellt werden. Den ursprünglich ebenfalls angeklagten Tatbestand der Nötigung
gemäss Art. 181 StGB hat im Übrigen bereits die Vorinstanz in zutreffender Weise
aus rechtlichen Überlegungen verworfen, darauf ist nicht weiter einzugehen (vgl.
Urk. 80 S. 42).
Vor diesem Hintergrund bzw. mangels erstelltem Sachverhalt ist der Beschuldigte
entsprechend auch von den Vorwürfen der mehrfachen Drohung gegen die Ehe-
gattin im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 180 Abs. 2 lit. a
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StGB sowie der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 StGB freizuspre-
chen.
5. Genugtuungsforderung der Privatklägerin
Nachdem hinsichtlich der angeklagten Delikte aufgrund nicht zweifelsfrei erstell-
barem Sachverhalt ein vollumfänglicher Freispruch auszufällen ist, ist die in die-
sen Delikten fussende Forderung der Privatklägerin nach Zusprechung einer fi-
nanziellen Genugtuung (Urk. 51) auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen
(Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO).
6. Kosten- und Entschädigungsfolgen
6.1. Die Verfahrenskosten werden vom Bund oder dem Kanton getragen, der
das Verfahren geführt hat, soweit sie nicht dem Beschuldigten auferlegt werden
können. Letzteres ist der Fall bei einer Verurteilung (Art. 423 und 426 Abs. 1
StPO). Wird der Beschuldigte freigesprochen, so können ihm dann Kosten aufer-
legt werden, wenn er die Einleitung des Verfahrens rechtswidrig und schuldhaft
bewirkt oder die Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO). Die Kosten
des Berufungsverfahrens sind sodann den Parteien nach Massgabe ihres Obsie-
gens und Unterliegens aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO).
Nachdem der Beschuldigte heute vollumfänglich freizusprechen ist, sind die Kos-
ten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens vor beiden Instanzen,
einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Ver-
tretung der Privatklägerin, auf die Gerichtskasse zu nehmen, da er die Einleitung
des Verfahrens weder rechtswidrig und schuldhaft bewirkt noch dessen Durchfüh-
rung erschwert hat.
6.2. Gemäss Art. 436 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO hat
die beschuldigte Person, wenn sie freigesprochen wird, Anspruch auf Entschädi-
gung für ihre Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrens-
rechte. Die Entschädigung der amtlichen Verteidigung richtet sich nach den
Grundsätzen der Verordnung über die Anwaltsgebühren (AnwGebV). Bei der Be-
rechnung des angemessenen Honorars im Rechtsmittelverfahren können Pau-
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schalen zugesprochen werden oder die Honorarnoten eingehend betrachtet und
aufgrund einzelner Posten Kürzungen vorgenommen werden. Es werden nur
Aufwendungen entschädigt, die zur Wahrung der Rechte im Strafverfahren not-
wendig und verhältnismässig sind.
6.2.1. Die Verteidigung hat für ihre Aufwendungen diverse Honorarnoten einge-
reicht und stellt für die amtliche Verteidigung vom 24. Juli 2017 bis 15. August
2017 Rechnung über Fr. 636.30 (Urk. 98/3), für den Zeitraum vom 15. November
2017 bis 20. Juli 2018 Fr. 9'813.80 (Urk. 97/3), für den Zeitraum vom 6. August
2018 bis 16. November 2018 Fr. 9'205.81 (Urk. 101) sowie für den Zeitraum ab
dem 19. November 2018 inklusive der antizipierten Dauer der Berufungsverhand-
lung Fr. 2'557.15 (Urk. 105). Dies ergibt einen Gesamtbetrag von Fr. 22'213.06.
Die Rechnungen betreffen sowohl den aktuellen amtlichen Verteidiger, Rechts-
anwalt lic. iur. Y1._, also auch dessen Vorgänger, Rechtsanwältin lic. iur.
Y3._ und Rechtsanwalt lic. iur. Y4._. Aufgrund der Abtretungserklärun-
gen von Rechtsanwältin lic. iur. Y3._ und Rechtsanwalt lic. iur. Y4._
(Urk. 97/2, 98/2 und 98/4) ist deren Honorar der C._ AG zuzusprechen.
6.2.2. In der Rechtsanwältin lic. iur. Y3._ betreffenden Honorarnote wird ein
Zeitaufwand von 2.6 Stunden geltend gemacht (Urk. 98/3). Dieser ist nicht zu be-
anstanden.
6.2.3. In den weiteren eingereichten Honorarnoten fällt jedoch ein übermässiger
Aufwand auf, welcher in der Art als nicht angemessen erscheint. Insbesondere ist
darauf hinzuweisen, dass das Rechtsstudium (mit Ausnahme aussergewöhnlicher
Rechtsfragen) nicht zum notwendigen Aufwand gehört (vgl. dazu Merkblatt Amtli-
che Mandate in Strafuntersuchungen gegen Erwachsene der Oberstaatsanwalt-
schaft des Kantons Zürich). Zudem sind nur die notwendigen Auslagen, welche
auch bezahlt wurden, zu vergüten (§ 22 Abs. 1 AnwGebV) und keine Pauschalen,
worauf die Verteidigung im Vorfeld der Berufungsverhandlung explizit aufmerk-
sam gemacht wurde (Urk. 100). Somit ist das geltend gemachte Honorar um die
Zeit für rechtliche Abklärungen zu kürzen (Urk. 97/3: 21.11.2017 – 3.9 h). Weiter
erscheint der für die Berufungserklärung geltend gemachte Aufwand als deutlich
überhöht. So schreibt Art. 399 Abs. 3 StPO vor, was der erforderliche Inhalt einer
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solchen Berufungserklärung sein soll, nämlich die Bezeichnung, ob das Urteil
vollumfänglich oder nur in Teilen angefochten wird, welche Abänderungen des
erstinstanzlichen Urteils sie verlangt und welche Beweisanträge sie stellt. Die Ver-
teidigung reichte hingegen eine umfangreiche Rechtsschrift ein, die einem Plädo-
yer gleichkommt. Dieser Aufwand ist somit zu kürzen, zumal für das eigentliche
Plädoyer für den Zeitraum vom 8. bis 16. November 2018 erneut ein Aufwand von
24 Stunden geltend gemacht wird (Urk. 101). Schliesslich erscheint auch der gel-
tend gemachte Aufwand im Zusammenhang mit dem beantragten Nichteintreten
auf die Berufung der Staatsanwaltschaft (in der Honorarnote mit "Berufungsant-
wort" bezeichnet) als unnötig. Die Honorarnote Y1._ Y4._ (Urk. 97/3) ist
deshalb insgesamt um knapp 8 Stunden zu kürzen. Die Auslagenpauschale ist
nicht zu vergüten, da die Auslagen – auch nach entsprechendem Hinweis
(Urk. 100) – nur mit einer Spesenpauschale von 3 Prozent aufgelistet wurden.
Insgesamt ist das der C._ AG zuzusprechende Honorar auf Fr. 9'200.– (inkl.
MwSt.) festzusetzen.
6.2.4. Sodann ist bei den durch Rechtsanwalt lic. iur. Y1._ erbrachten Leis-
tungen für die amtliche Verteidigung nur eine geringe Kürzung vorzunehmen. Es
sind die in Urk. 101 aufgeführten Aufwände für die Abtretungserklärung und Ent-
schädigung der amtlichen Verteidigung vom Honorar in Abzug zu bringen, zumal
bereits in der Honorarnote Urk. 97/3 3 Posten für den Mandatswechsel aufgeführt
sind. Insgesamt rechtfertigt sich die Festsetzung des Honorars von Rechtsanwalt
lic. iur. Y1._ auf Fr. 12'000.– (inkl. MwSt.).
6.3. Das Honorar von Rechtsanwältin Dr. X._ für die unentgeltliche
Rechtsvertretung der Privatklägerin ist aufgrund ihrer eingereichten Honorarnoten
(Urk. 107/1-2) zuzüglich des Aufwands für die Berufungsverhandlung sowie einer
Nachbesprechung auf Fr. 3'600.– (inkl. MwSt.) festzusetzen.
6.4. Dem freigesprochenen Beschuldigten ist sodann für den erlittenen Frei-
heitsentzug von Amtes wegen eine Genugtuung von Fr. 200.– (Haft von rund ei-
nem Tag) zuzusprechen (Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO in Verbindung mit Art. 431
Abs. 2 StPO).
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