Decision ID: 5f6a1f0d-0e9c-5bbd-bc74-d876189c96f7
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1972, ist Handarbeitslehrerin.
Vom
1.
August
2012 bis 3
1.
Juli
2018 war sie an der
Schule
Y._
in einem 60%-Pen
sum
angestellt, wobei sie ab 2
2.
November 2017 in wechselndem Ausmass arbeitsunfähig geschrieben wurde (
Urk.
8/6/8). S
eit
1.
August
2018 ist sie in einem 29%-Pensum an der Primarschule
Z._
beschäftig
(
Urk.
8/1,
Urk.
8/5).
Nebst ihrer Tätigkeit
als Lehrerin betätigt sie sich
als
selbstä
ndige
Ayurveda-Therapeutin
(
Urk.
8/1,
Urk.
8/5). Am 1
7.
August 2018
(Eingangsdatum
)
meldete sie sich bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/1).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizini
sche Abklärungen (
Urk.
8/6,
Urk.
8/13) und zog die Akt
en des zuständigen Kran
kentaggeld
versicherers (
Urk.
8/11)
bei
, welche unter ander
em den versicherungs
internen
Bericht von
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und
Psy
c
hotherapie, vom
1.
Februar 2019 bei
nhalteten (
Urk.
8/11/25-43)
. Nach durch
ge
führtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/18,
Urk.
8/20,
Urk.
8/21,
Urk.
8/24) ver
neinte
die IV-Stelle mit Verfügung vom
4.
Dezember 2019 einen Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
mit Eingabe vom 1
4.
Januar
2020 Be
schwerde erheben und beantragen, es sei ihr eine angemessene Invalidenrente spätestens ab
1.
Februar 2019 auszurichten, eventualiter sei der Sache zur Einho
lung eines psychiatrischen Gutachtens an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1 S.
2). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom
7.
April 2020 auf Ab
weisung der Beschwerde (
Urk.
7), was der Beschwerdeführerin zur Kenntnis ge
bracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 de
s Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit
oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung,
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
a
us (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
ge
hend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht
dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Ab
klärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E.
4.7).
2.
2.1
Im Streit liegt
der Ansp
ruch
der Beschwerdeführerin
auf eine Invalidenrente
.
2.2
Die IV-Stelle erwog
in der angef
ochtenen Verfügung
, frühestmöglicher Renten
beginn sei der
1.
Februar 201
9.
Aus den medizinischen Unterlagen, insbesondere aus dem Bericht von
Dr.
A._
, ergebe sich, dass der Beschwerdeführerin
spätestens ab diesem Zeitpunkt wieder ein v
olles Arbeitspensum (auch in den
bis
herigen Tätigkeit
en
) zumutbar sei. Dementsprechend bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
2).
2.3
Die Beschwerdeführer
in
führte in
der Beschwerde aus, der Bericht von
Dr.
A._
liste die
Vorakten
nicht auf und
erfülle
deshalb
die Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen Gesellschaft für Psy
chiatrie und Psychotherapie (SGPP) nicht. Abzustellen sei vielmehr auf die Beur
teilung ihres behandelnden Psychiaters
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie
. Da sie im Gesundheitsfall ein 100%-Pensum ausüben würde und ihr nach Einschätzung von
Dr.
B._
höchstens ein 50%-Pensum zumutbar sei, wobei die von ihr nun ausgeübte
n
Tä
tigkeit
en
optimal angepasst sei
en
, habe sie Anspruch auf mindestens eine halbe Invalidenrente. Allenfalls sei die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie ein psychiatrisches Gutachten einhole (
Urk.
1).
3.
3.1
Dr.
B._
diagnostizierte
im Bericht vom
7.
Dezember 2018
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F33.1),
und einen Verdacht auf ein traumatisches Störungsbild (ICD-10 F62.0
,
andauernde Persönlich
keits
änderung
nach Extrembelastung
). Dazu erklärte er, zu Beginn der Therapie habe eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) bestanden. Aufgrund der Dauer und Stärke der Symptome sei diese Diagnose durch die Diagnose der rezidivierenden
depressiven Störung ersetzt worden. In Behandlung stehe die Beschwerdeführerin seit 3
0.
November
201
7.
Damals habe sie berichtet, dass sie vor zwei bis drei Monaten eine sehr stressige
Phase gehabt habe mit Umzug, Umbau und mehr Belastung an der Arbeitsstelle
. In dieser Zeit sei sie in zwei Autounfälle verwickelt gewesen, wobei zum Glück nichts Schlimmeres passiert sei.
Seither habe sie ein
mal eine Panikattacke am Steuer gehabt und sei auch stark ermüdet, nervös und erschöpft. Auch leide sie unter Schlafstörungen. Zudem habe die Beschwerde
führerin in ihrer Kindheit eine emotionale Verwahrlosung erlebt. Von beiden Elternteilen sei sie nicht ernst genommen und nicht respektiert worden. Es sei zu sexuellen und körperlichen Übergriffen gekommen. Dies zeige sich heute in einer erhöhten Schreckhaftigkeit und
der Schwierigkeit
, sich abgrenzen zu können. Ab dem 2
0.
Altersjahr habe sie sich mehrmals in Traumatherapien begeben. Im Rah
men einer solchen sei es
durch den
damaligen
Therapeuten
erneut zu einem sexuellen Missbrauch gekommen. Weiter sei für die Beschwerdeführerin die Aus
übung einer 100%-Stelle undenkbar. Bereits mit 29 Jahren habe sie deshalb aus gesundheitlichen Gründen das Pensum auf 70
%
und ab 2012 auf 60
%
re
du
zi
eren müssen. Die Tätigkeit als Ayurveda-Therapeutin
bereite der Beschwerde
führerin nach eigenen Angaben Freude.
Zur Zeit
könne sie aber maximal ein
en
Kunde
n
pro Tag behandeln. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit hielt
Dr.
B._
fest, aufgrund der Dauer und der Schwere der Symptome sowie mit Rücksicht auf die Ressourcenlage gehe er längerfristig von einer 50%igen Arbeit
sfähigkeit (be
zogen auf ein 100%
-Pensum) aus. Aktuell bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 40
%
, nämlich 30
%
als Handarbeitslehrerin und 10
%
als Therapeutin (
Urk.
8/6).
3.2
Dr.
A._
hielt im (als psychiatrische Kur
z
beurteilung/
second
opinion
be
zeichneten) Bericht vom
1.
Februar 2019 zuh
anden des Kranken
taggeld
ver
si
che
rers mit Auswirkung auf die Arbe
itsfähigkeit eine
Anpassungsstörung mit
einer längeren depressiv-ängstlichen Reaktion im Rahmen von belastenden Arbeit
sum
stände
n
, gegenwärtig weitgehend remitt
iert (ICD-10 F43.22), und eine
Neur
a
s
thenie (ICD-10
F48.0) fest. Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit mass sie den von ihr zudem diagnostizierten akzentuierten Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73) bei
(
Urk.
8/11/39)
.
Dazu führte sie aus, die Beschwerdeführerin sei an verschie
denen Schulen als Primarlehrerin angestellt gewesen, meistens in einem redu
zierten Pensum. Zuletzt sei sie in einem 60%-Pensum bei der
Schule
Y._
beschäftigt gewesen. Das Arbeitsverhältnis sei aufgrund einer Arb
eits
platzproblematik
aufgelöst worden. Die Beschwerdeführer
in habe erklärt
, seit ihre
r Jugend immer wieder unter depressiven Episoden zu leiden. Diese hätten sich
auch infolge sexuellen Missbrauchs in der Kindheit und einem späteren Miss
brauc
h im Rahmen einer therapeutischen Beziehung entwickelt. Die Beschwerde
füh
rerin
befinde sich bereits seit Jahren immer wieder
in therapeu
tischen Behand
lungen. Anlässlich der Untersuchung vom 1
1.
Januar 2019 habe sie über diverse Unzu
länglichkeiten im Sinne von Schlafstörungen berichtet. Darüber hinaus habe sie über eine bedrückte affektive Lage, teilweise auftretende Angstzustände, eine erhöhte Ermüdbarkeit und Gefühle der Erschöpfung geklagt. Im objektiven psy
chopathologischen Befund
in Anlehnung an die AMDP-Richt
linien hätten inso
weit psychopathologische Auffälligkeiten bestanden, als die Beschwerdeführerin bedrückt gewirkt habe mit Verschiebung der affektiven Lage zum depressiven Pol. Im Weiteren habe der Eindruck bestanden, dass die Be
schwerdeführerin sehr hohe Ansprüche an sich stelle und teilweise auch zwang
hafte Züge aufweise (
Urk.
8/11
/
40).
Unter diagnostischen Überlegungen
führte
Dr.
A._
aus, die Beschwer
deführerin weise ein komplexes p
sychisches
Zustandsbild bereits seit i
hrer Jugend auf. Jüngst
se
i
es im Rahmen eines überfordernden Arbeits
verhältnisses offenbar zu einer
psychischen Dekompensation und zur Entwicklung eines ängstlich-de
pressiv anmutenden Zustandsbild
gekommen
, das als Anpassungsstörung inter
pretiert werden könne
(
Urk.
8/11/41).
Zum
Zeitpunkt der Begutachtung sei
dieses
Zustandsbild
jedoch nicht mehr man
ifest im Vordergrund gestanden.
Inzwischen habe
die Beschwerdeführerin
wieder eine anderweitige Anstellung gefunden.
A
us der Anamnese sei a
llerdings eine langjährige psychiatrische Symptomatik be
kannt mit diversen Beschwerden wie einer verstärkten Ermüdbarkeit, Gefühlen der
Erschöpfung vor allem nach geistiger Anstrengung, körperlicher Schwäche, emo
tionaler Instabilität und einer erhöh
t
en Verletzbarkeit. Insgesamt sei davon aus
zu
gehen, dass die Beschwerdeführerin neben anamnestisch bestehenden depressi
ven
Episoden eine Neurasthenie aufweise. Sie
sei
besorgt über abnehmendes geis
tiges oder körperli
ches Wohlbefinden und weise
Schlafstörungen auf. Der Beschwerde
komplex sei auch körperlich fokussiert. Diese Symptomatik
werde negativ mit
unterhalten durch die akzentuierten Persönlichkeitszüge der Beschwer
deführerin, die mit hohen Ansprüchen v
ergesellschaftet seien und auch
zwangha
ft anmu
te
ten. Anderseits verfüge
die Beschwerdeführerin über ein erhebliches Ressourcen
po
tential,
sie
habe
m
ehrere Ausbildungen
absolviert
und sei
derzeit in der Lage, einer kombinierten Tätigkeit als Lehrerin und T
herapeutin nachzugehen. A
us psychiatrischer Sicht
seien somit keine Hinweise vorhanden, anhand welcher sich schwere Defizite respektive eine Unzumutbarkeit ihrer Überwindung begründen liessen
(
Urk.
8/11/41).
Zur Arbeitsfähigkeit erklärte
Dr.
A._
, die Beschwerdef
ührerin sei in der
Tätigkeit als Primarlehrerin in ihrem ursprünglichen Pensum
von 60
%
als arbeitsfähig anzusehen.
Zum
indest ab dem
Zeitpunkt der Begut
achtung bestünde
keine
weitere Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit
mehr
. Im Rahmen der Beant
wortung der einzelnen Fragen des Fragekatalogs hielt
Dr.
A._
sodann fest, dass sowohl in der bisherigen als
auch
in einer anderweitigen angepassten Tätigkeit bezogen auf ein 100%-Pensum eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe (
Urk.
8/11/41-42).
Die aktuelle Therapie (delegierte Psychotherapie in der Praxis
von Dr.
B._
) sollte weitergeführt werden, diese sei derzeit aufgrund des Mut
terschaftsurlaubs der Therapeutin unterbrochen (
Urk.
8/11/32+43
)
.
3.3
Dr.
B._
hielt im Verlaufsbericht vom
1
4.
Juni 2019 (Eingangsdatum) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode (ICD-10 F 33.0, 33.1), eine Panikstörung
(ICD-10 F41.0)
und einen Verdacht auf
ein traumatisches Störungsbild (andauernde Persönlichkeitsänderung nach Ex
trem
belastung, ICD-10 F62.0) fest. Er attestierte eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit von 60
%
und wies darauf hin, dass die Beschwerdeführerin
in
einem 29%-Pensum als Handarbeitslehrerin und maximal vier Stunden die Woche als selbständige Therapeut
in tätig sei. Dazu erklärte er
, seit Beginn der Therapie habe sich die Beschwerdeführerin
dahingehend
stabilisieren
können
, dass ein Funk
tionieren im Alltag wieder möglich sei. Eine Teilremission der Angst-, Panik- und depressiven Symptomatik und dadurch eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit seien möglich gewesen. Trotz der Stabilisierung bestehe
jedoch
eine anhaltende Rest
symptomatik. Es persistierten insbesondere Schlafstörungen, phasenweise Panik
at
tacken, psychosomatische Beschwerden
, Erschöpfung und eine deutlich redu
zierte Belastbarkeit (
Urk.
8/13).
3.4
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom Regio
nalen Ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle, hielt in ihrer Stellungnahme vom 2
1.
August 2019 fest, den medizinischen Unterlagen sei zu entnehmen, dass be
lastende Umstände (Arbeit, Umzug, Umbau) Ende 2017 zu einer Anpas
sungs
störung geführt hätten. Zudem bestehe ein
e
langjährige psychische Symptomatik
im Sinne einer Neurasthenie und akzentuierten Persönlichkeitszügen. Die in den Berichten von
Dr.
B._
vom
7.
Dezember 2018 und 1
4.
Juni 2019 geschilderte Symptomatik stimme weitgehend überein mit
jener
,
die
Dr.
A._
im Bericht
vom
1.
Fe
bruar 2019 erwähnt habe
. Es handle sich um eine andere Beur
teilung des im Wesentlichen gleichen Sachverhalts. Die Beurteilung von
Dr.
A._
sei umfassend und nachvollziehbar. Darauf könne abgestellt werden. Dementsprechend sei eine Einschr
änkung der Arbeitsfähigkeit ab
dem
1.
Februar 2019 nicht mehr ausgewiesen (
Urk.
8/17/3).
3.5
Dr.
B._
nahm i
n
Form
eines
Einwands gegen den Vorbescheid vom 2
2.
August
2019 nochmals Stellung und kritisierte dabei die Beurteilung von
Dr.
A._
. Sie habe den Fokus auf
die
sich wiederholenden depressiven Dekompen
sationen
gelegt,
jedoch
nicht
die diesen Dekompensationen zugrundeli
ege
n
de strukturelle Problematik aufgrund multipler Traumata
er
fasst. Es sei vor allem diese Problematik
, welc
he zu der inzwischen als chronisch einz
ustufenden Rest
symptomatik geführt habe
und aufgrund derer die Beschwerdeführerin trotz Teil
remission der depressiven sowie Angst-/Paniksymptomatik keine volle Arbeits
fähigkeit erreiche (
Urk.
8/21).
Sodann verfasste
Dr.
B._
in Hinblick auf das vorliegende Beschwerdeverfahren einen ergänzenden anamnestischen Bericht (Bericht vom 1
9.
Dezember 2019). Darin
schilderte er Traumatisierungen,
welche die Beschwerdeführerin erlitten hatte
,
und bestät
igte die von ihm in den früheren Berichten
gestellten Diagnosen (
Urk.
3).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin hat
die Beschwerdeführerin als
(überwiegend wahr
schein
lich
)
Vollerwerbstätige qualifizier
t
(Urk. 8/17/3)
.
Anlässlich des Standort
gesprächs vom 2
9.
August 2018
gab die Beschwerdeführerin an
, sie habe bei der
Schule
Y._
in einem 60%-Pensum gearbeitet. Zusammen mit der Erwerbstätigkeit als selbständige Therapeutin sei sie etwa auf ein 80%-Pensum gekommen (
Urk.
8/5/3). Am
1.
Februar 2019 p
räzisierte sie im Rahmen einer telefonischen Unterredung mit der IV-Stelle, im Gesundheitsfall würde sie einem 100%-Pensum nachgehen. Die Reduktion auf 60
%
sei aus gesundheitlichen Gründen erfolgt (
Urk.
8/7/1,
Urk.
8/17/2).
Diese Aussage ist indessen nicht durch echtzeitliche medizinische Atteste belegt.
Ob
die Beschwerdeführerin
im Gesund
heitsfall
in einem Pensum von
100 % oder – wie vor der psychischen Dekom
pen
sation Ende 2017
– etwa 80 % erwerbstätig wäre,
kann, wie sich aus den nach
folgenden Ausführungen ergibt, offenbleiben
.
4.2
I
nvalidenversicherungsrechtlich
kommt es
grundsätzlich nicht auf die Diagnos
e, sondern einzig darauf an
, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Arbeits
fähigkeit ha
t (BGE 136 V 279 E. 3.2.1
, vgl. auch
BGE 140 V 193 E. 3.1).
Mass
gebend ist in erster Linie der lege
artis
erhobene psychopathologische Befund und der Schweregrad der Symptomatik sowie die damit verbundenen F
unktionsein
schränkungen (Urteil des Bundesgerichts vom 2
8.
Juni 2018 9C_273
/2018 E. 4.2 mit Hinweisen). Der
RAD-Ärztin
Dr.
C._
ist beizupflichten
, dass
Dr.
A._
und
Dr.
B._
im Wesentlichen
vom gleichen Sachverhalt ausgehen. Ihre unterschiedliche diagnostische Einordnung des Beschwerdebilds fällt daher nicht weiter ins Gewicht.
Dr.
A._
listet die
relevanten
Vorakten
in ihrem Bericht auf
(
Urk.
8
/11/26-28). Die
entsprechende
Rüge der Beschwerdeführerin
geht daher fehl.
Inwiefern die
Expertise von
Dr.
A._
im Übrigen die Qualitäts
leitlinien der SGPP nicht erfüllen soll, ist nicht ersichtlich, vielmehr legt die Gut
achterin ihrem Bericht sowohl die erwähnten Leitlinien als auch die Anforde
rungen des Bundesgerichts gemäss BGE 141 V 281 zugrunde (vgl. Urk. 8/11/26).
Abgesehen davon schreibt weder das Gesetz noch die Rechtsprechung den Psy
chiatern eine Begutachtung nach den entsprechenden Richtlinien vor (Urteil des Bundesgerichts 8C_734/2016 vom 1
2.
Juli 2017 E. 3.9). Massgebend ist vielmehr, dass die Schlussfolgerungen so dargelegt und begründet werden, dass sie nach
vollziehbar und unter Berücksichtigung der Ge
samtumstände überzeugend sind (E. 1.4 hiervor
). Das ist
, wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt,
in Bezug auf die Beurteilung von
Dr.
A._
- auf welche sich die IV-Stelle stützt -
, soweit
vorliegend relevant,
der Fall.
4.3
Zur psychischen Dekompensation und Krankschreibung
ab Ende November 2017
führte
, wie
Dr.
B._
auch im August 2018
bestätigte, die
Arbeitsplatz
proble
matik an der
Schule Y._
(
Urk.
8/11/27)
. Das
ängstlich-depressive Zustandsbild
,
welches damit einherging, war
indessen
im Zeitpunkt der Explo
ration durch
Dr.
A._
am 1
1.
Januar 2019 weitgehend remittiert
(
Urk.
8/11/41).
Eine Verbesserung des Gesundheitszustands ergibt sich auch aus den Berichten von
Dr.
B._
.
Im Bericht vom
7.
Dezember 2019 hielt er eine mittelgradige und im Bericht vom 1
4.
Juni 2019 sodann eine leichte bis mittelgradige Aus
prägung der depressiven Störung fest (
Urk.
8/6,
Urk.
8/13). Niederschlag fand dies
e Verbesserung in den von ihm attestierten Arbeitsfähigkeiten indessen nicht. Stets bestätigte er eine Arbeitsfähigkeit von 30
%
als Handarbeitslehrerin und
vo
n 10
%
als Therapeutin. Damit orientierte er sic
h somit offensichtlich an dem
vo
n der Beschwerdeführeri
n effektiv ausgeübten
Pensen
statt
an der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit. Dabei
gilt
es
der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte nicht nur in der Funktion als Ha
usärzte (BGE 135 V 465 E. 4.5.
), sondern auch als spezialärztlich behandelnde
Medizinalpersonen
im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (
Urteil des Bundesgerichts 8C_900/2017 vom 3
0.
Mai 2018 E. 4.2.2). Davon ist vorliegend umso mehr auszugehen als
Dr.
B._
einen Einwand zum Vorbescheid ver
fasste. Damit nahm er einen Rollenwechsel weg v
on der ärztlichen Tätigkeit vor. Auch aus diesem Grund erscheint seine Stellungnahme ungeeignet,
auch nur
ge
ringe Zweifel an der Richtigkei
t der Schlussfolgerungen von
Dr.
A._
zu wecken (vgl. Bundesgerichtsurteil 8C_588/2019 vom 2
6.
November 2019 E. 4.3).
4.4
Bei der Beschwerdeführerin besteht aufgrund von Missbrauchserfahrungen
offen
bar
eine langjährig
e psych
ische Symptomatik. Unter Hinweis darauf, dass die
Beschwerdeführerin über ein erhebliches Ressourcenpotential verfüge
und
schwere
Defizite zu verneinen seien
, attestierte
Dr.
A._
nicht nur für
das
vor der Dekompensation ausgeführte Pensum als Primarlehrerin von 60
%
, sondern auch für ein 100%-Pensum eine volle Arbeitsfähigkeit (
Urk.
8/11/41-42).
Diese
Ein
schätzung überzeugt zumindest
in
soweit
, als sie sich
auf
das
vor der Dekom
pensa
tion
ausgeübte Pensum als Handarbeitslehrerin und Ayurveda-Therapeutin bezieht. Nachdem in etwa wieder der gleiche Gesundheitszustand besteht wie vor
der Dekompensation, ist nicht einsichtig, weshalb nun eine weitergehende Arbeits
unfähigkeit
bestehen soll.
Dr.
B._
bleibt eine nachvollziehbare Erklärung dafür schuldig, weshalb nach Besserung der vorübergehend eingetretenen Verschlechterung des Gesundheits
zustands nicht wieder eine Arbeitsfähigk
eit im gleichen Ausmass
wie zuvor
vor
liegen
soll.
Dies mag auch damit zusammenhängen, dass er die Beschwerde
füh
rerin
erst seit dem 30. November 2017 behandelt und die frühere Situation nur aus den Schilderungen seiner Patientin kennt.
Seine Argumentation zielt denn auch primär darauf
ab
, darzulegen, dass der Beschwerdeführerin k
ein 100%-Pen
sum zumutbar ist. Selbst wenn dem so ist und somit davon ausge
gan
gen wird, dass die Reduktion des Arbeitspensums vor der Dekompensation auf gesund
heitliche Gründe zurückzuführen war (vgl. dazu E. 4.1 hiervor), besteht kein Ren
tenanspruch. Ein solcher ist ab einem Invali
dit
ätsgrad von 40
%
gegeben (E.
1.3 hervor)
.
I
n
den
bisherige
n
Tätigkeit
en ist die Beschwerdeführer
noch arbeitsfähig, womit
der Grad der Arbeitsfähigkeit
dem
I
nvaliditätsgrad gleich
zusetzen ist
(vgl. dazu BGE 114 V 310 E. 3a, Bundesgerichtsurteil 8C_506/2008 vom
5.
März 2009 E. 5.1).
Da die Beschwerdeführerin als Handarbeitslehrerin
(mindestens)
als zu 60
%
arbeitsfähig anzusehen ist
und zudem zusätzlich ein Einkommen als selb
stä
ndige Therapeutin generiert, liegt
der Invaliditätsgrad zwangsläufig unter 40
%
. Bei dieser Ausgangslage kann auch auf eine
Indika
torenprüfung
verzichtet wer
den, denn eine grössere Arbeitsunfähigkeit
als die anzunehmende, wie vor der psychischen Dekompensation bestandene Arbeits
fähigkeit von 60
%
als Handar
beitslehrerin und 20
%
als selbständige Thera
peutin kann daraus nicht resultieren (Bundesgerichtsurteil
8C_629
/2019
vom
8.
November 2019 E. 4.2.4
).
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig und sind die Gerichtskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ermessensweise auf
Fr.
700
.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen.