Decision ID: f06e95b1-8fb7-40c2-9c9b-f9fef972d404
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass die Beschwerdeführerin am 24. August 2022 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte,
dass ein Abgleich der Fingerabdrücke mit dem zentralen Visa-Informati-
onssystem (CS-VIS) unter anderem ergab, dass ihr von der französischen
Botschaft in B._ (Türkei) am 26. Juli 2022 ein Schengen-Visum mit
Gültigkeit vom 30. Juli 2022 bis 13. September 2022 ausgestellt worden
war,
dass die Beschwerdeführerin am 29. August 2022 die gemäss Art. 102h
Abs. 1 AsylG (SR 142.31) zugewiesene Rechtsvertretung zur Vertretung
ihrer Interessen im Asylverfahren bevollmächtigte,
dass der Beschwerdeführerin im Rahmen des Dublin-Gesprächs vom
12. September 2022 das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Frankreichs
für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu einer all-
fälligen Wegweisung dorthin sowie zum medizinischen Sachverhalt ge-
währt wurde,
dass sie hierbei vorbrachte, sie sei am 11. August 2022 aus dem Heimat-
land mit einem Schengen-Visum nach Deutschland geflogen und von dort
aus später in die Schweiz gereist, wo sie ein Asylgesuch gestellt habe,
dass sie wegen drohender Zwangsheirat vor ihrer Familie geflohen sei und
in Deutschland ein Asylgesuch habe stellen wollen, was sie dann aber un-
terlassen habe, da ihre Familie von ihrem dortigen Aufenthalt erfahren
habe,
dass in Deutschland und Frankreich viele Verwandte lebten und sie be-
fürchte, von diesen gefunden und getötet zu werden, wohingegen sie in
der Schweiz keine Familienangehörigen habe,
dass sie als Beweismittel mehrere Ausdrucke von WhatsApp-Chatverläu-
fen zur Suche nach ihr einreichte,
dass sie in Bezug auf den medizinischen Sachverhalt vorbrachte, sie sei
wegen (...) und (...) beim Psychiater gewesen, zudem habe sie einen (...)
gehabt, leide an (...) und nehme entsprechende Medikamente ein,
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dass das SEM die französischen Behörden am 13. September 2022 um
Übernahme der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 12 Abs. 2 der Verord-
nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), ersuchte,
dass die französischen Behörden das Übernahmeersuchen am 10. No-
vember 2022 gemäss Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO guthiessen,
dass das SEM Abklärungen zum medizinischen Sachverhalt vornahm und
unter anderem ein Bericht von (...) vom 19. Oktober 2022 vorliegt, wonach
ein (...) vor dem Hintergrund der bekannten (...) zur Abklärung der unklaren
(...) durchgeführt und eine psychiatrische Überweisung sowie eine kardio-
logische Vorstellung zur (...) zur Abklärung der (...) anberaumt worden
seien,
dass das SEM mit Verfügung vom 14. November 2022 – eröffnet am
17. November 2022 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf
das Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach
Frankreich anordnete und die Beschwerdeführerin aufforderte, die
Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen,
dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-
scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten an die Beschwerdeführerin verfügte,
dass die zugewiesene Rechtsvertreterin das SEM mit Schreiben vom
17. November 2022 über die Niederlegung des Mandats informierte,
dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 24. November 2022 gegen
diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und
dabei beantragte, die vorinstanzliche Verfügung des SEM sei aufzuheben
und die Vorinstanz sei anzuweisen, aus humanitären Gründen das Recht
zum Selbsteintritt auszuüben und sich für das Asylverfahren für zuständig
zu erklären,
dass eventualiter die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache
zur erneuten Sachverhaltsfeststellung und erneuten Beurteilung zurückzu-
weisen sei,
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dass der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen sei und
die Vollzugsbehörden anzuweisen seien, auf Vollzugsmassnahmen zu ver-
zichten, bis über die aufschiebende Wirkung entschieden sei,
dass auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die un-
entgeltliche Prozessführung zu gewähren sei,
dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am
25. November 2022 in elektronischer Form vorlagen,

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Verfahren sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel
– so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen
(Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 VGG;
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass die Beschwerdeführerin am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist
(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
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dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Beschwerdein-
stanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,
dass sich das Bundesverwaltungsgericht – sofern es den Nichteintretens-
entscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen materiellen
Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zur
neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. dazu BVGE
2012/4 E. 2.2 m.w.H.),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass das Verfahren zur Bestimmung dieses Staates eingeleitet wird, so-
bald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20
Abs. 1 Dublin-III-VO) und im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens
(«take charge») die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Krite-
rien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zustän-
digkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden sind, wobei
von der Situation im Zeitpunkt, in dem die betreffende Person erstmals ei-
nen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen ist (Art. 7 Abs. 2
Dublin-III-VO),
dass in dem Fall, dass ein Antragsteller ein gültiges Visum besitzt, gemäss
Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO in der Regel – so auch vorliegend – derjenige
Mitgliedstaat für die Prüfung des Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist, der das Visum erteilt hat,
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dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ih-
ren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45
E. 8.3),
dass die Beschwerdeführerin mit einem von der Französischen Botschaft
in (...) ausgestellten Schengen-Visum (gültig vom 30. Juli 2022 bis zum 13.
September 2022) auf dem Luftweg nach Deutschland reiste und von dort
aus in die Schweiz, wo sie erstmals ein Asylgesuch eingereicht hat,
dass die französischen Behörden dem Gesuch um Übernahme der Be-
schwerdeführerin gestützt auf Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO zugestimmt ha-
ben,
dass die Zuständigkeit Frankreichs für die Durchführung des Asyl- und
Wegweisungsverfahrens der Beschwerdeführerin somit grundsätzlich ge-
geben ist,
dass gemäss Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO der die Zuständig-
keit prüfende Mitgliedstaat für die Durchführung des Asylverfahrens zu-
ständig wird, falls es sich als unmöglich erweist, einen Antragsteller in den
eigentlich zuständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche
Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-
bedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grund-
rechte der Europäischen Union (ABl. C 364/1 vom 18.12.2000, nachfol-
gend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, und nach den Regeln der
Dublin-III-VO kein anderer zuständiger Mitgliedstaat bestimmt werden
kann,
dass die Beschwerdeführerin vorbringt, es fehle in Frankreich an Unter-
bringungsplätzen, weshalb ihr die Gefahr von Obdachlosigkeit und un-
menschlichen Lebensbedingungen drohen würde,
dass es keine Hinweise für die Annahme gibt, Frankreich würde der Be-
schwerdeführerin nach Einreichung eines Asylgesuchs dauerhaft die ihr
gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen
vorenthalten, wobei sie sich bei einer allfälligen vorübergehenden Ein-
schränkung des Unterbringungs- und Betreuungsangebotes nötigenfalls
an die französischen Behörden wenden und die ihr zustehenden Aufnah-
mebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern könnte (vgl. Art. 26 Auf-
nahmerichtlinie),
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dass das Bundesverwaltungsgericht trotz der Kritik am französischen Asyl-
system davon ausgeht, dass Asylsuchende in Frankreich die von der Auf-
nahmerichtlinie garantierten Grundleistungen erhalten und dort keine un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK zu
befürchten haben (vgl. etwa Urteile des BVGer F-4121/2020 vom 25. Au-
gust 2020 E. 5.2, E-3733/2020 vom 31. Juli 2020 E. 6.3 oder F-282/20202
vom 23. Januar 2020 E. 7.3),
dass es keine Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-
nahmebedingungen in Frankreich wiesen systemische Schwachstellen im
Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf (vgl. statt vieler
Urteil des BVGer F-1675/2022 vom 12. April 2022 E. 4.2),
dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-
schliessen kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder
Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch
wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die
Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO),
dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)
konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-
mung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür
gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre,
dass auf die Ausübung des Selbsteintrittsrechts ein einklagbarer Anspruch
besteht, wenn die Überstellung des Antragstellers in den an sich zuständi-
gen Mitgliedstaat übergeordnetes Recht, namentlich eine Norm des Völ-
kerrechts verletzen würde (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.2; ferner Urteil des
BVGer F-3457/2019 vom 11. Juli 2019 E. 4.4, je m.H),
dass die Beschwerdeführerin geltend macht, sie würde durch eine Weg-
weisung nach Frankreich in eine lebensbedrohliche Lage geraten und die
Wegweisung verstosse gegen Art. 3 EMRK,
dass die Beschwerdeführerin durch die Weigerung, ihren Cousin ersten
Grades zu heiraten, ihre ganze Familie gegen sich aufgebracht habe und
nunmehr um ihr Leben fürchten müsse, wobei sie vom Vater und Onkel mit
dem Tod bedroht werde,
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dass sich ihre Gefährdungssituation durch eine Übergabe an die französi-
schen Behörden schwerwiegend verschärfen würde, da der Verlobte in
Frankreich zwei Brüder habe, die sie ausfindig machen würden,
dass die Gefahr, dass ihre Familie sie tatsächlich auffinde, nicht zu unter-
schätzen sei, da es sich die Familie als traditioneller (...) Clan zur Aufgabe
gemacht habe, sie zu töten, weshalb ihr Leben bei einer Wegweisung nach
Frankreich, wo die meisten und nächsten ihrer Familienmitglieder lebten,
in höchster Gefahr sei,
dass sich ihr psychischer und physischer Gesundheitszustand angesichts
der bedrohenden Umstände massiv mit mehreren (...) Anfällen verschlech-
tert habe und sie sich seit dem 23. November 2022 in stationärer psychiat-
rischer Behandlung befinde,
dass bei einer Überstellung nach Frankreich eine weitere Gesundheitsver-
schlechterung drohen würde und gemäss aktuellen Berichten für Asylsu-
chende der Zugang zu einer psychiatrischen und psychologischen Be-
handlung in Frankreich nicht gewährleistet sei,
dass dazu festzuhalten ist, dass es der Beschwerdeführerin nach der Über-
stellung nach Frankreich offensteht, dort um Asyl nachzusuchen und damit
Zugang zu den asylrechtlichen Aufnahmestrukturen zu erhalten,
dass Frankreich Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nachkommt,
dass auch davon ausgegangen werden darf, Frankreich anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom
26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben,
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dass zwar die Vermutung, Frankreich halte seine völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen ein, im Einzelfall widerlegt werden kann, es hierfür aber kon-
kreter und ernsthafter Hinweise bedarf, die gegebenenfalls vom Betroffe-
nen glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.; Urteil des BVGer
D-5698/2017 vom 6.3.2018 E. 5.3.1),
dass die Ausführungen der Beschwerdeführerin, wonach die Wegweisung
gegen Art. 3 EMRK verstossen würde, dieser Anforderung nicht genügen,
dass den Akten keine Gründe für die Annahme zu entnehmen sind, Frank-
reich werde in ihrem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten
und sie zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder
ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder
in dem sie Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwun-
gen zu werden,
dass die Beschwerdeführerin nicht glaubhaft dargetan hat, die sie bei einer
Rückführung erwartenden Bedingungen in Frankreich könnten zu einer
Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3
FoK führen,
dass sich die Beschwerdeführerin hinsichtlich ihrer Furcht vor Zwangshei-
rat und vor Übergriffen durch Familienangehörige an die französische Po-
lizei wenden und um Schutz ersuchen kann, zumal Frankreich ein Rechts-
staat ist, der über ein funktionierendes Justiz- und Polizeisystem verfügt,
dass keine Hinweise vorliegen, wonach die Sicherheitsbehörden der Be-
schwerdeführerin den allenfalls nötigen Schutz verwehren würden,
dass die Beschwerdeführerin sich ferner darauf beruft, ihr Gesundheitszu-
stand stehe einer Überstellung nach Frankreich entgegen,
dass eine Überstellung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur
dann einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen kann, wenn die be-
troffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheits-
stadium und bereits in Todesnähe befindet (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hin-
weisen auf die Praxis des EGMR),
dass angesichts der Abklärungen des SEM und der vorliegenden Berichte
von den gesundheitlichen Problemen der (...), unklaren (...), (...) und (...)
sowie von psychischen Gesundheitsproblemen auszugehen ist,
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dass in der Beschwerde neu vorgebracht wird, die Beschwerdeführerin be-
finde sich seit dem 23. November 2022 in stationärer psychiatrischer Be-
handlung,
dass die geltend gemachte Verschlechterung des psychischen Gesund-
heitszustands offenbar in einem engen Zusammenhang mit der Furcht der
Beschwerdeführerin vor einer Überstellung nach Frankreich steht (vgl. Be-
schwerde, S. 5),
dass jedoch weder ein entsprechender Arztbericht eingereicht noch in Aus-
sicht gestellt wurde,
dass es bei dieser Sachlage nicht zu beanstanden ist, wenn das SEM den
medizinischen Sachverhalt als ausreichend erstellt erachtete,
dass sich aus den aktenkundigen Arztberichten und Diagnosen ergibt,
dass sich die Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht nicht zwingend
in der Schweiz aufhalten muss, sondern eine adäquate Behandlung der
festgestellten Leiden in Frankreich möglich ist,
dass Frankreich im Übrigen über eine ausreichende medizinische Infra-
struktur verfügt und die Mitgliedstaaten verpflichtet sind, den Antragstellern
die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversor-
gung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und
schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19
Abs. 1 Aufnahmerichtlinie) und den Antragstellern mit besonderen Bedürf-
nissen die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich
nötigenfalls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren
(Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie),
dass es der Beschwerdeführerin überdies zugemutet werden kann, in
Frankreich ihre Rechte in Bezug auf die medizinische Versorgung und
sonstige Unterstützung gemäss Art. 19 Aufnahmerichtlinie gegebenenfalls
bei den zuständigen staatlichen Stellen einzufordern,
dass keine Hinweise vorliegen, wonach Frankreich der Beschwerdeführe-
rin eine adäquate medizinische Behandlung (konkret Fortführung entspre-
chender Medikation und allenfalls psychotherapeutische Betreuung) ver-
weigern würde,
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dass darüber hinaus anzumerken gilt, dass die schweizerischen Behörden,
die mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftragt sind, den me-
dizinischen Umständen bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der
Überstellung der Beschwerdeführenden Rechnung zu tragen und die fran-
zösischen Behörden vorgängig in geeigneter Weise über die spezifischen
medizinischen Umstände zu informieren sind (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO),
dass dies vorliegend geschehen ist, sind die jeweiligen Diagnosen («...»)
in den Überstellungsmodalitäten doch aufgelistet (SEM act. 24/1),
dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen
zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine
gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG)
durch die Vorinstanz zu entnehmen sind, weshalb sich das Bundesverwal-
tungsgericht unter diesen Umständen weiterer Ausführungen zur Frage ei-
nes Selbsteintritts enthält,
dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten ist
und in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach Frankreich an-
geordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),
dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen ist,
dass mangels Verletzung der Begründungpflicht und der Untersuchungs-
pflicht durch die Vorinstanz auch der Eventualantrag auf Rückweisung der
Sache zur erneuten Sachverhaltsfeststellung und zu neuer Beurteilung ab-
zuweisen ist,
dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist,
weshalb sich der Antrag um Aussetzung des Vollzugs sowie um Gewäh-
rung der aufschiebenden Wirkung als gegenstandslos erweist,
dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung ebenfalls abzuweisen ist, da die Begehren – wie
sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu be-
zeichnen waren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG
nicht erfüllt sind,
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dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1‒
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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