Decision ID: 7938a727-8d78-4be0-93e4-818dd455f06b
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1985, war vom
26. Mai 2006 bis 3
1
. Mai 2008
als
Sach
bearbeiterin Buchhaltung bei der
Y._
AG angestellt und im
Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei der
Profond
Vorsorgeeinrichtung
vorsorgeversi
chert
. Während der Zeit vom 1. Juni 2008 bis 31. Mai 2009 war
sie
bei der
Z._
AG als Junior Sachbearbeiterin im Bereich
Fi
nance
/
Contro
l
ling/
Risk
-Bonus
tätig
und dabei bei der AXA Stiftung Berufliche Vorsorge, Winterthur
(AXA)
berufsvorso
r
geversichert
(
Urk.
2/2B6 S. 2)
.
Am 2
3
. April 20
09 meldete sich
X._
unter Angabe von Einschränkun
gen aufgrund
gestörter
Magen-Darmfunktionen, Stoffwechsel
-
beschwerden sowie einer
Endometriose
bei der IV-Stelle des
Kantons
A._
zum Bezug von Leistungen an
(
Urk.
2/2F
8)
. Mit Verfügung vom 19. August 2011 sprach die IV-Stelle ab dem 1. Oktober 2009 eine ganze IV-Rente auf
grund eines Invaliditätsgrades von 70
%
zu und hielt den Beginn des
Warte
jahrs
am 19. August 2008 fest
(
Urk.
2/2F141 S. 5 und
Urk.
2/2F131)
.
Am 24. November 2011 lehnte die AXA ihre Leistungspflicht aus beruflicher Vorsorge ab. Die dagegen erh
obene Klage vom 6. Februar 2012
wies das Ver
waltungsgericht des Kantons
A._
mit Urteil vom 23. Oktober 2012
(
Urk.
2/2B6)
ab, nachdem im betreffenden Gerichtsverfahr
en die
Profond
Vor
sorgeeinrichtung
beigeladen w
orden war
.
Das Urteil erwuchs un
angefochten in Rechtskraft.
2.
Am 18. Juli 2013
erhob
X._
beim
Verwaltung
sgericht des Kantons
A._
mit folgenden Rechtsbegehren Klage gegen die
Profond
Vorsorge
einrichtung
(
Urk.
2/1 S. 2)
:
„
1.
D
ie Beklagte sei
zu verpflichten, der Klägerin
ab 19. August 2010 eine
IV-Rente von jährlich mindestens Fr. 14‘118.00
auszurichten
.
2.
Der Klägerin sei d
ie Möglichkeit einzuräumen, ihr
Rechtsbegehren nach
Einsicht in die reglementarischen Best
immungen der Beklagten und in
Kenntnis des beim Austritt massgebl
ichen Versicherungsausweises
abzu
-
ändern bzw. zu ergänzen.
3.
Unter Kosten
-
und
E
ntschädigungsfolge zulasten der Beklagten.“
Die
Profond
Vorsorgeeinrichtung
ersuchte am 7. Oktober 2013 um – kosten- und entschädigungspflichtige - Abweisung der gegen sie gerichteten Klage
(
Urk.
2/2A2). Auf Antrag der
Parteien
sistierte das
Verwaltungsgericht des Kantons
A._
das Verfahren
bis zum Vorliegen
eines von der
IV-Stelle des
Kantons
A._
in Auftrag geg
eben
en
bidisziplinären
Gutachtens
(
Urk.
2/2D6)
.
Nach Eingang des
Gutachten
s
des
I._
vom 2.
Dezember 2015
(vgl.
Urk.
2/2F
214)
wurde die Sistierung aufgehoben und den
Parteien
Gelegenheit zur Stellung
na
hme
zum Gutachten
ge
ge
ben
(
Urk.
1
S. 2
Ziff.
2
).
Hierzu äusserte
n
sich
die
Parteien am
20.
Januar 2016 (
Urk.
2/2A5)
und
1
8. Februar 2016 (
Urk.
2/2A6).
In
einem weiteren Schriftenwechsel
hielten die Parteien an den gestellten An
trägen fest
(
Urk.
2/2A7
-8
)
und verzichteten sowohl auf eine Einsichtnahme als auch auf eine Stellungnahme zu de
n gerichtlich
eingeholten
IV-Akten (
Urk.
2/2A
8-10
).
Am
17. Oktober 2016 (
Urk.
1)
überwies das Verwaltungsgericht des Kantons
A._
die
Sache
zuständigkeitshalber an das hiesige
Sozialversiche
rungsgericht
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 24
Abs.
1
des Bundesgesetz
es
über die berufliche Alters-, Hinterlasse
nen und Invalidenvorsorge
(BVG)
hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er min
destens zu 40 % invalid ist. Gemäss
Abs.
1 von Art. 26 BVG gelten für den Be
ginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (Art. 29 IVG).
Die Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen
Vorsorgeein
richtung
geschuldet, welcher die den Anspruch erhebende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses angeschlossen war. Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl. Art. 23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähigkeit (nach einer Wartezeit von ei
nem Jahr gemäss Art. 28
Abs.
1
lit
. b IVG in Verbindung mit Art. 26 BVG) in
valid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschieden ist und daher
nicht mehr dem
Obligatorium
unterstanden hat (BGE 123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.2
Die Versicherteneigenschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gege
ben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Ein
klang mit Sinn und Zweck der Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehme
rinnen und Arbeitnehmern Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später invalid werden. Für eine einmal aus
während der Versicherungsdauer aufgetretene
Arbeitsunfähigkeit geschuldete Invalidenleistung bleibt die
Vor
sorgeeinrichtung
somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft kein Erlöschungsgrund (Art. 26
Abs.
3 BVG e
contrario
; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E. 5).
1.3
Art. 23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer
Vorsorgeeinrich
tungen
gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Ar
beitsfähigkeit bereits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der In
validenversicherung zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach Art. 23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen
Vorsorge
einrichtung
, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitneh
mer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzu
kommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Inva
lidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130
V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invalidität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder ar
beitsfähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krankheit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten. Demnach darf nicht bereits eine Unterbre
chung des zeitlichen Zusammenhangs angenommen werden, wenn die Person bloss für kurze Zeit wieder an die Arbeit zurückgekehrt ist. Ebenso wenig darf die Frage des zeitlichen Zusammenhangs zwischen Arbeitsunfähigkeit und In
validität in schematischer (analoger) Anwendung der Regeln von Art. 88a
Abs.
1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) beurteilt werden, wonach eine anspruchsbeeinflussende Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in je
dem Fall zu berücksichtigen ist, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich andauern wird. Zu berücksichtigen sind vielmehr die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognostische ärztliche Beurteilung und die Beweggründe, die die versicherte Person zur Wiederaufnahme der Ar
beit veranlasst haben (BGE 123 V 262 E.
lc
, 120 V 112 E. 2c/
aa
und 2c/
bb
mit Hinweisen).
1.4
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invalidenversi
cherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der berufli
chen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (Art. 6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund ei
ner gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurtei
lungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die
Vorsorgeein
richtung
beziehungsweise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bun
desgerichts 9C_49/2010 vom 23. Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(Art. 73
ter
IVV
) einbezogen und ihr die
Rentenverfü
gung
formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts 9C_81/2010 vom
16. Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-rechtliche Festsetzung des
Invaliditätsgra
des
(grundsätzlich,
masslich
und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht ver
bindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Klägerin führt zur Klagebegründung aus, im Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons
A._
vom 23. Oktober 2012
habe da
s Verwaltungsg
ericht ausführlich dargelegt
, dass und weshalb die Arbeitsunfähigkeit, die letztlich zur Invalidität
ge
führt
habe
, bereits zu einem Zeitpunkt begonnen habe, als
s
ie noch bei der Vorsorgeeinrichtung ihres vormaligen Arbeitgebers, der
Profond
Vorsorgeeinrichtung
,
versichert gewesen sei. Das Urteil sei der heutigen Be
klagten im damaligen Verfahren als Beigeladene ebenfalls eröffnet worden und unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Durch die Beiladung sei das Urteil damit auch für die Beklagte verbindlich. Angesichts der Bindungswirkung des Urteils seien Einwände nur eingeschränkt zulässig. Verbindlich festgelegt sei, dass die Arbeitsunfähigkeit, die schliesslich zur Invalidität geführt hab
e, vor dem
am 1. Juni
2008 erfolgten Wechsel der Arbeitgeberin eingetreten
sei. Damit verblieben der Beklagten nur noch die
Einwände
, die Klägerin sei vor Beginn des Vorsorgeverhältnisses, d.h. vor dem 26. Juni 2006
,
arbeitsunfähig geworden und diese damalige Arbeitsunfähigkeit
habe
schliesslich zur Invalidität geführt oder die Klägerin sei ab 19. August 2008 in ihrer Arbeitsfähigkeit nicht erheb
lich, d.h. nicht im rentenbegründendem Masse eingeschränkt
gewesen
. Für be
reits früher bestehende Gesundheitsschädigungen, die für die jetzige Invali
dität verantwortlich sein könnten
, g
e
be es keine Be
lege und für eine
rentenbegrün
dende
Arbeitsunfähigkeit sei auf die umfangreichen
medizinischen Akten der Invalidenversicherung abzustellen, wonach gestützt auf eine 70%ige Arbeits
unfähigkeit eine ganze IV-Rente verfügt worden sei (
Urk.
2/1 S. 5 ff.).
Das eingeholte
I._
-Gutachten
zeige, dass die Klägerin an einem komplexen Beschwerdebild leide und
sich die Beschwerden unterschiedlich manifestier
ten und
die rh
eumatologischen entzündlichen Störung
en einerseits und die ent
zündliche
Darmproblematik andererseits
Ausprägungen ein und derselben
Krankheit
sei
en
, die
erstmals im
Jahre 2007
in Form von
Abdominalbeschwer
den
aufgetreten sei
en
und seither ihren Charakter
beibehalten
h
ätte
n
.
Damit
stehe fest, dass die Ursache der
erneut
bestätigten Dauerinvalidität während des Ver
sicherungsverhältnisses mit der Bek
lagten
entstanden
sei
(
Urk.
2/2
A5 S. 9)
.
Es sei
auch
nicht wesentlich, dass
die Krankheit medizinisch noch nicht klassifi
ziert sei und entweder eine primäre chronisch-entzündliche Darmerkrankung oder eine Begleitentzündung im Rahmen der rheumatischen Erkrankung vor
liege
.
Es
sei
einzig
entscheidend
, dass die Gutachter von einer Krankheit aus
gingen, welche die Klägerin in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtig
e
,
und diese Krankheit spätestens im April und Mai 2008 begonnen habe, als ihre Beschwer
den rüc
kblickend fäl
schlicherweise als zweimonatige „Magen-Darm-Grippe"
gefasst
worden sei
en
(
Urk.
2/2A7 S. 2)
.
2.2
Die Beklagte stellt sich
demgegenüber
auf den Standpunkt
, dass
für sie als Beige
ladene im damaligen Verfahren
vor dem Verwaltungsgericht des Kantons
A._
einzig
das Urteilsd
ispositiv verbindlich sei
, wonac
h die AXA nicht verpflichtet werde
, Rentenleistungen zu erbringen.
Dies
anerkenne sie, weshalb
damals
ein Vorgehen
gegen
das Urteil
nicht
zur Diskussion
gestanden
habe
.
Einwendungen gegen die Begründung des
Ur
teils
seien ihr damit
verwehrt
ge
blieben und
somit
für sie auch
die
Erwägungen im Urteil
nicht verbindlich
.
Aufgrund des Urteils
könne sie
nicht mehr vor
bringen,
dass
der zeitliche Kon
nex zwischen einer während der Versicherungszeit bei
der Beklagten
eingetre
tenen Arbeitsunfähigkeit und
einer
später eingetretene
n Invalidität nicht mehr bestehe
.
D
iese Einwendung
werde
auch
nicht
geltend gemacht und auch nicht
, dass
eine
relevante Arbeitsunfähigkeit
schon vor dem Versicherungsverhältnis bei der Beklagten eingetreten
sei
.
Hingegen
werde
geltend
gemacht
,
dass
ein
sachlicher Konnex
nicht
aus
gewiesen
sei
und auch keine
Invalidität
bestehe
.
Es stehe fest
, dass mehrere gesundheitliche Beschwerden seit dem Ja
hre 2007 eingetreten seien
,
für die
Bestimmung der Leistungspflicht
jedoch nur
jene
Ge
sundheitsschädigungen
relevant
seien
, die während dem
Versicherungsverhält
nis
vom 26. Juni 2006 bis zum 31. Mai 2008 zu einer Arbeitsunfähigkeit ge
führt h
ätten.
W
ährend der Versicherungszeit bei der Beklagten
h
abe
einzig
eine
Magen-Darm-Grippe
zu einer Arbeitsunfähi
gkeit geführt. Ein Stil
lsyndrom sei
im Juli 2009
und eine mittelgradige depressive Episode
erst
im April/Mai 2010 ei
ngetreten.
Die angeblich vorher bestandene Anpassungsstörung mit Ang
st und Depression gemischt könn
e nicht zu einer Arbeitsunfähigkeit und auch nicht zu einer Invalidität führen.
Die Invalidenversicherung gehe
davon aus, dass i
nfolge der gemäss dem Gutach
ten
angegebenen Verdachtsdiagnose eines adulten Stillsyndroms und der unk
laren
Abdominalbeschwerden
und schliessl
ich der psychischen Beschwerden
eine Invalidität
bestehe
. Ein Zusammenhang mit dem
grippalen
Infekt bestehe
damit
nicht
. Selbst
wenn
davon ausgegangen werde
, die unklaren
Abdominal
beschwerden
hätten während dem Versicheru
ngsverhältnis mit der Beklagten
zu einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20
%
geführt, müsste festgestellt wer
den, dass kein Zusammenhang mit der heute von der Invalidenversicherung bestätigten Invalidität bestehe, denn diese
Beschwerden
seien
weder genügend
spezifiziert
noch objektiviert und auch nicht nach ICD-10 klassifiziert. Die nicht objektivierbaren
Abdominalbeschwerden
könnten daher ni
cht zu einer Invali
dität führen
(
Urk.
2/2A
2 S. 5 ff.).
Das
I._
-Gutachten
bestätige
, dass die P
olyarthritis erst seit dem Jahr 2009 be
stehe und aus
rheumatologischer Sicht sei bis und mit Mai 2008 keine Erkran
kung eingetreten, die eine Arbeitsunfähigkeit verursacht haben könnte.
Bis
in
s
Jahr
2010 hätten auch keine Hinweise für eine organische Erkrankung des
Ma
gendarmtrakts
vorgelegen, deren Ursache heute zu einer Invalidität führe
n könnte
(
Urk.
2/2A6 S. 3 f.).
2.3
Strittig
ist ein
erseits ein
sachlicher Zusammenhang zwischen
de
r
attestierten Arbeitsunfähigkeit
im Zeitraum
, als
die Klägerin
bei der
Y._
AG ange
stellt
war (
26. Mai 2006 bis 3
1
. Mai 2008
) und der
in der Folge eingetretenen
In
validität.
Anderseits ist das Vorliegen einer
Invalidität
strittig
in
dem
S
inne,
ob überhaupt ein
invaliditätsrelevanter Gesundheitsschaden
vorlieg
t
.
3.
3.1
Die Frage des
sachlichen Zusammenhangs
erläuterte das
Verwaltungsgericht des Kantons
A._
im Urteil vom 23. Oktober 2012
unter Bezugnahme
auf die folgenden
medizinischen Akten
(vgl.
Urk.
2/2B6 S. 15 ff.)
:
„
Arztzeugnis des Hausarztes
Dr.
med.
B._
, FMH Innere Medizin, vom 20.
Oktober 2008:
Die Klägerin habe am 14. Juni 2008 wegen Zahnschmerzen seine Praxis aufge
sucht. Am 17. Juni 2008 sei eine weitere Konsultation wegen Zahnschmerzen erfolgt. Dabei sei
die Patientin
dermassen allgemein beeinträchtigt gewesen, dass sich daraus vom 16. Juni 2008 bis am 26. Juni 2008 eine Arbeitsunfähig
keit von 100
%
ergeben habe.
Die Klägerin
habe von
Dr.
med.
dent
.
C._
erhalten, worauf sie aufgrund einer Unverträglichkeit habe erbrechen müssen. Darauf habe er das
C._
mit dem Antibiotikum
Avalox
ersetzt und gegen d
as Erbrechen
I
tinerol
B6 Dragees gegeben. Am 24. Juni 2008 habe er wiederum wegen Zahnschmerzen 36 Tabletten
Ponstan
abgeben müssen. Am 27. Juni
2008 habe sich die Klägerin über eine ausgeprägte Müdigkeit und ge
neralisierte Gliederschmerzen nach Zahnextraktion beklagt, worauf er ihr statt
Ponstan
Dafalgan
verabreicht habe. Danach sei die Klägerin wegen Zahn
schmerzen nicht mehr bei ihm in der Konsultation gewesen.
Austrittsbericht des Reg
ionalspitals
D._
vom 17. Dezember 2008:
Diagnosen:
Chronische
Abdominalbeschwerden
unklarer
Ätiologie und
leichtgra
dige
Endometriose
. Die
Klägerin
sei be
i seit vier Monaten bestehenden
Abdominalbeschwerden
, die
epi
ga
strisch
lokalisiert würden, zur
weiteren Ab
klärung mittels
Laparoskopie zugewiesen worden.
Arztber
icht
Dr.
med.
E._
, FMH Gynäko
logie und Geburtshilfe, vom 21.
Mai 2009:
Diagnose mit Auswirkungen auf
die
Arbeitsfähigkeit:
Unklare Oberbauchschmerze
n bestehend seit dem Jahr 2007,
Endometriose
mini
malen Grades seit November 2008
.
Die Klägerin
leide an rezidivierenden Unt
erbauch- und Oberbauchschmerzen
seit
dem Jahr
2007.
Seit Ap
ril 2008 stehe sie bei
Dr.
B._
in
Behandlung.
Arztbericht
des Hausarztes
Dr.
med.
B._
vom 1
2.
August 2009:
Bereits im November 2007 sei bei
Dr.
med.
F._
eine
eingehende abdominelle Abkläru
ng bei unbestimmten Beschwerden
mit Diarrhoe, Obstipa
tion, Krämpfen, Erbrechen und Unverträglichkeit von
sehr vielen Nahrungsmit
teln durchgefüh
rt worden. Diese Untersuchungen hätten keine fassbaren Be
fund
e ergeben.
Arztzeugnis
des Hausarztes
Dr.
med.
B._
vom 29. März 2010:
•
100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 21. Apri
l bis 30. April 2008, Diagnose: Infekt nach Zahnbehandlung;
100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 14. April
bis 31. Mai 2008, Diagnose:
Un
klare
Abdominalbeschwerden
(Obstipation/Diarrhoe/Krämpfe/Fieber);
100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 16. Ju
ni bis 27. Juni 2008, Diagnose: In
fekt nach Zahnbehandlung;
100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 19. August 2008 bis heute
und weiter,
wegen gleichen unbestimmten
Abdominalbeschwerden
und Gelenk
schmerzen.
Gutachten des
Universitätsspitals G._
vom 27. Dezember 2010:
Diagnosen mit Auswirk
ungen auf die Arbeitsfähigkeit:
Chronische
Abdominalbeschwerden
mit Krämpfen, Obstipati
on und Diar
rhoe, am ehesten im
r
ahmen eines Colo
n
irritabile
nach verschiedenen
Infekten im Jahre 2007/2008 und pro
trahierter Antibiotikatherapie,
N
SAR induzierte
Colitis
möglich;
Undifferenzierte Polyarthritis mit schub
förmigem Verlauf, aktuell nicht
de
struktiv ES 08/2009;
Mittelgradig depressive Episode (ICD-10:
F32.1) in aktueller partieller
Re
mission,
bestehend seit April/Mai 2010;
St. n. Anpassungsstörung mit Angs
t und Depression gemischt (ICD-
10: F43.2).
“
3.2
3.2.1
Gestützt auf die
se
medizin
ischen Unterlagen erachtete das Verwaltungsg
ericht
des Kantons
A._
einen
sachliche
n
Zusammenhang zwischen den in der Endphase der Anstellung bei der
Y._
AG aufgetretenen
Magen-Darm
problemen
mit einer eineinhalb monatigen Arbeitsunfähigkeit der Klägerin und dem der Invalidität zugrunde liegenden Gesundheitsschaden
für gegeben
. Ins
besondere
Dr.
B._
habe bestätigt
,
dass es sich bei den ab
19. August 2008
zu einer dauerhaften Arbeitsunfähigkeit führenden un
bestimmten
Abdo
minalbeschwerden
um die selben unkl
aren Beschwerden
ge
handelt
habe
wie diejenigen
, welche
vom 14.
April 2008 bis 31. Mai 2008 zu einer Ar
beitsunfä
higkeit geführt hätten
. Überdies erscheine
eine eineinh
alb monatige Arbeitsun
fähigkeit
allein aufgrund einer Mag
en-Darmgrippe auch als unüblich
lange
. D
ie verschiedenen ärztlichen Abklärungen der geklagten
Abdominalbeschwerden
hätten auch
im gesamte
n Verlauf zu keinen schlüssigen
Befunden und keiner eindeutigen Diagnose nach eine
m anerkannten
Klassifikationssystem geführt
.
Das R
eizdarmsyndrom Colon
irritabile
sei
erstmals im Gutachten des
Universitätsspitals G._
erwähnt worden. Des Weiteren könne
den medizinischen Ak
ten entnommen
werden, dass die Klägerin anam
nestisch bereits im Jahr 2007 über
Abdominalbeschwerden
ge
klagt und
sich deswegen auch wiederho
lt in ärztliche Behandlung begeben habe
.
Aufgrund
der Tatsac
he,
dass zwischen der Krankheit, die
der Arbeitsunfähigkeit zugrunde liege, und dem Leiden, das die Invalidität zur Folge habe
, kein adä
quater
Kausalzusammenhang, sondern le
digli
ch eine Wechselwirkung im Sinne
der natürli
chen Kausalität erforderlich sei
,
sei das
Verwaltungsg
ericht zur Überzeugung
gelangt, dass der sachliche Konnex z
wischen den in der Endphase der
Anstellung bei der
Y._
AG aufge
tretenen Magen-Darmproblemen
mit einer eineinhalb monatigen Arbeits
u
nfähigkeit und dem
de
r Invalidität zugrunde liegende
n
Gesundheitsschaden gegeben sei
. Insbesondere l
iessen
sich
di
e Magen-Darmbeschwerden während
der Arbeitstätigkeit bei der
Y._
AG n
icht von denjenigen Beschwerden
nach
dem späteren
Stellenantritt bei der
Z._
AG abgrenzen.
Wie den medi
zinischen Akten zu entnehmen sei, sei
en
die der Invalidität
zu
grunde liegenden
Abdominalbeschwerden
vielmehr dieselben, w
elche
auch zur Arbeitsunfähigkeit während der
Tätigkeit bei der
Y._
AG geführt hätten
. Dementsprechend
sei
der sachliche Konnex vorliegend
zu bejahen (
Urk.
2/2B6 S. 17 ff.)
.
3.2
.2
Zur Frage des engen zeitliche Zusammenhangs
zwischen den in der Endphase d
er Anstellung bei der
Y._
AG aufgetretenen Magen-Darmpr
oblemen und dem der Invalidität
zugrunde liegenden Gesundheitsschaden
wurde im Ur
teil
festgehalten
,
der zeitliche Konnex
sei
durch die
Aufnahme der
Arbeitstätig
keit
per 1
. Juni 2008
bei
m neuen
Arbeitgeber
nicht unterbrochen worden
.
I
n
Würdigung sämtl
icher Umstände unter Einschluss
der Art der un
bestimmten
Abdominalbeschwerden
sei
die dauerhafte Wiedererlangung der Erwerbs
fähig
keit objektiv prognostisch eher unwahrscheinlich gewesen und d
ur
ch die nicht einmal drei Monate
andauernde Arbeitsfähigkeit bei
m neuen Arbeitgeber
sowie
bei
objektiv
unwahrscheinliche
r
Wiedererlan
gung der Erwerbstätigkeit
der zeit
liche Konnex nicht unterbrochen
worden
(S. 20)
.
3.3
Zusammenfassend
ergebe
sich
, dass weder der sachliche
noch der zeitliche Kon
nex zwischen der BV
G-relevanten Arbeitsunfähigkeit
während der
Arbeitstätig
keit
der Klägerin bei der
Y._
AG
unterbrochen worden sei
.
Vor dem Hintergrund, dass die
Vorsorgeeinrichtung der vormaligen Ar
beitgeberin zur Ausrichtung von Leistungen verpflichtet bleibe
, wenn die In
validität erst nach dem Wechsel
des Arbeitgebers beziehungsweise der Vo
rsorgeeinrichtung ein
trete und
die Arbeitsunfähigkeit
zu einem Zeitpunkt begonnen habe
, als die
Klägerin
noch der Vorsorgeeinrichtung des vor
maligen Arbeitgebers angehört
habe
,
habe sich
die
Klägerin nicht
an die
Vorsorgeeinrichtung der
Z._
AG, sondern vielm
ehr
an
die Vorsorgeeinrichtung der
vormal
igen Ar
beitgeberin
,
nämlich an die im
Verfahren beig
eladene
Profo
nd
Vorsorgeein
richtung
zu halten
(S. 21)
.
4.
4.1
4.1.1
Da die Beklagte nicht ins Verfahren der IV-Stelle einbezogen wurde, ist die IV-rechtliche Festsetzung der Invalidität im vorliegenden berufsvorsorgerechtlichen Verfahren nicht verbindlich und es sind grundsätzlich sämtliche Leistungsvor
aussetzungen frei zu
überpr
üfen (E. 1.4 hiervor).
Als Beigeladene
im
Beschwer
deverfahren
vor dem Verwaltungsgericht des Kantons
A._
entfaltet
je
nes
Urteil in der Sache
gegenüber
der
Beklagten im vorliegenden Verfahren
in
sofern Bindungswirkung, als
im Urteilsdispositiv die Leistungspflicht der AXA verneint wurde
.
Nicht mehr zu hören sind
damit
sämtliche
Einwendungen
,
die
darauf hinaus laufen, dass
die
Leistungspflicht
der
damaligen Beklagten (AXA)
zu bejahen wäre,
bei der die Klägerin
ab
1. Juni 2008
vorsorgeversichert war
.
4.1.2
Die Frage nach dem Zeitpunkt des Eintritts der relevanten Arbeitsunfähigkeit sowie dem zeitlichen und sachlichen Zusammenhang zur späteren
Invalidität
stellt sich nur dann, wenn ein rentenbegründender Erwerbsunfä
higkeitsgrad er
stellt ist (
E. 1.2
hie
r
vor). Dabei ist mangels abweichender Bestimmungen im Reglement der
Beklagten
vom Invaliditätsbegriff der Invalidenversicherung aus
zugehen
(vgl.
Urk.
2/2C3
Art. 32
)
.
4.2
4.2.1
Die IV-Stelle stützte ihr
en Entscheid
auf das als beweiskräftig
erachtete Gutach
ten des
Universitätsspitals G._
vom 27.
Dezember 2010
(
Urk.
2/2F80)
sowie
die Stellungnahme
n
ihres Regional
ä
rztlichen Dienstes (RAD),
Dr.
med.
H._
,
vom 20. Januar und 21. Juni 2011 (
Urk.
2/2F130 S. 15.
f
f
.
)
. Auf dieser Basis wurde
ab
19. August 2008 bi
s Ende August 2010 eine 100%ige und
ab Septem
ber 2010
ein
e
70%ige Arbeitsunfähigkeit festgelegt und
unter
Hinweis auf die verspätete
Anmeldung
vom
24. April 2009
und eines ermittelten
Invaliditäts
grad
es
von 70
%
eine ganz
e Rente
mit Wirkung ab
1. Oktober 2009 zugespro
chen
(
Verfügungsteil 2;
Urk.
2/2F131).
4.2.2
Die Ärzte des
G._
stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit (
Urk.
2/2F80 S. 9):
-
c
hronische
Abdominalbeschwerden
mit Krämpfen, Obstipation und Diarrhoe
-
am ehesten im Rahmen eines Colon
irritabile
nach verschiedenen Infek
ten im Jahre 2007/2008 und protrahierter Antibiotikatherapie, NSAR induzierte
Colitis
möglich
-
anamnestisch, klinisch und im Labor keine Hinweise auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung
-
u
ndifferenzierte Polyarthritis mit schubförmigem Verlauf, aktuell nicht de
struktiv ES 08/2009
-
ANA Titer 1:160, Rheumafaktoren, Anti-CCP-AK: negativ
-
Therapien
-
Methotrexat
bis ma
x
. 15mg/Woche
s.c
. 09/2009 bis 02/2010, ge
stoppt wegen
prog
. Nausea,
Vomitus
und
Abdominalschmerzen
-
einmalig Enbrel, gestoppt wegen
Pruritus
und
Vertigo
-
aktuell
Arava
20mg/d seit Mai 2010
-
m
ittelgradig depressive Episode in aktueller partieller Remission, bestehend seit April/Mai 2010
-
Status nach Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt
Die Experten hielten fest, die Klägerin habe erstmalig im Jahr 2007 unter leichte
ren
Abdominalbeschwerden
, Obstipation mit
Abdominalkrämpfen
gelit
ten, welche anfangs durch Anpassung der Ernährung und gelegentliche Ab
führmittel gut behandelbar gewesen seien. Im Verlauf habe die Frequenz und Ausprägung der
Abdominalbeschwerden
stetig zugenommen. Nach einer zahn
ärztlichen Behandlung sei aufgrund persistierender erhöhter Entzündungswerte und vor allem zu Beginn klinischer Zeichen einer systemischen Infektion eine prolongierte Antibiotikatherapie mit vier verschiedenen Präparaten über insge
samt 40 Tage erfolgt. Während dieser Zeit
sei
es zu einer ausgeprägten Exazer
bation der
Abdominalbeschwerden
gekommen und umfassende Abklärungen im
H
inblick auf eine entzündliche, autoimmune, infektiöse, toxische oder metabo
lische Genese der Beschwerden seien erfolglos geblieben.
Zusätzlich habe zum damaligen Zeitpunkt eine vermehrte berufliche und soziale Belastung bestanden, da die Klägerin zusammen mit ihrem Lebenspartner ihr ursprüngliches soziales Umfeld verlassen und eine neue Arbeitsstelle in Chur angetreten habe. Die Symptome hätten einerseits subjektiv durch die anfängli
che Antibiotikatherapie und durch Untersuchungen
getriggert
, anderseits unbe
einflusst an Ausprägung und Häufigkeit, zugenommen.
Ernährungstherapeuti
sche
Massnahmen hätten keine Besserung gezeigt. Trotz der
Verdauungs
probleme
habe die Klägerin in diesem Zeitraum ca. 20 kg an Gewicht zuge
nommen.
Parallel sei rezidivierend eine Erhöhung der humoralen Entzündungsparameter aufgefallen und am 19. Juli 2009 habe die Klägerin erstmalig zusätzlich unter Gelenk- und Weichteilschmerzen symmetrisch an den Füssen, den Kniegelen
ken, im Verlauf an beiden Schulter-, Ellbogen- sowie Hand- und Fingergelen
ken mit Morgensteifigkeit gelitten. Seither seien dies
e
Symptome schubförmig (Schubdauer drei bis vier Tage mit
Symptomregredienz
) vorhanden und von ei
ner erhöhten Körpertemperatur (38-39°) begleitet. Eine postulierte Borreliose
sei
mittels Antibioti
ka korrekt behandelt worden, wod
u
r
ch auf die
Gelenkbe
schwerden
kein Einfluss
habe
genommen werden können und die
Abdominal
beschwerden
nochmals verstärkt worden seien. Im Verlauf sei die Klägerin be
züglich der Gelenkbeschwerden verbunden mit Allgemeinsymptomen und
Haut
efflo
r
eszenzen
von zwei verschiedenen Rheumatologen beurteilt worden. Ob
jektiv sei eine
Synovitis
der MCP III beidseits sowie PIP II rechts und III links
festgestellt worden. Die immunologischen Abklärungen seien bis auf einen ein
malig grenzwertig erhöhten Rheumafaktor unauffällig ausgefallen. Ein Still-Syndrom sei in die differenzialdiagnostischen Überlegungen einbezogen worden bei allerdings erhöhtem
Ferritin
, Leberenzymerhöhung,
Hepatosplenomegalie
oder einer Leukozytose. Durch die Behandlung mit
Methotrexat
habe sich keine Verbesserung erreichen lassen. Eine Behandlung mit
Arava
habe die Anzahl der Schübe pro Monat reduzieren können. Differenzialdiagnostisch sei eine begin
nende rheumatoide Arthritis in Frage gekommen. Bis anhin sei der Verlauf kon
ventionell radiologisch
anerosiv
(S. 9 f.).
Die chronische
Abdominalsymptomatik
mit Krämpfen, Obstipation und Diarrhoe
wurde als eindeutig im Vordergrund stehend beurteilt und in Bezug auf diese Beschwerden aus internistischer Sicht
in angestammter kaufmännische
r
Tätig
keit
ein Arbeitspensum von vier Stunden pro Tag
bei freier Zeiteinteilung und ohne Termindruck
a
ls zumutbar erachtet (S. 12,
S. 14
und S. 24
)
.
Aus rheuma
tologischer Sicht wurde darauf hingewiesen, dass seit Beginn der schubweise auftretenden Polyarthritiden im August 2009 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit während de
n
aufgetretenen Krankheitsschübe
n
bestehe. Ausserhalb eines Schu
bes bestehe auch retrospektiv rein rheumatologisch eine volle Arbeitsfähigkeit einzig mit der Notwendigkeit für Pausen alle zwei Stunden von je
zehn Minu
ten
.
Aus psychiatrischer Sicht sei die Klägerin zwischen drei bis
vier
Stunden am Tag arbeitsfähig, mit einem Gesamtpensum von circa 17 Stunden pro Wo
che und retrospektiv
bestehe
eine medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20
%
seit Bestehe
n der Anpassungsstörung im Jahr
2008.
Zu
sammengenommen sei bei einem Pensum von 40
%
von einer unverminderten Leistungsfähigkeit auszugehen, es sei denn, es liege ein Schub der Polyarthritis vor, bei welchem eine vorübergehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorliege (S. 14 f.).
4.2.
3
Das Gutachten erfüllt sämtliche Kriterien, die an die Beweiswertigkeit von Gut
a
chten gestellt werden (E. 1.5
) und insbesondere
ergeben sich
in Bezug auf die medizinische
Einschätzung der fun
ktionellen Restarbeitsfähigkeit
trotz um
fangreicher Untersuchungen
keine andere
n
abweichende
n
medizinischen
Beur
teilung
en
.
So wurde a
uch
im späteren
bidisziplinären
Gutachten des Kan
tonsspital
s
K._
vom 17. September 2014
mit rheu
matologischem Gut
achten und E
valuation der Funktionellen Leistungsfähigkeit (E
FL
)
betreffend die Erhebung der
Funktionseinschränkungen auf eine nahezu identische
Beschwer
dekonstellation
wie in der gutachterlichen
Exploration im Jahre 2010
hinge
wiesen
(
Urk.
2/2F
183 S. 16)
.
A
uch i
m Gutachten des
I._
vom
2.
Dezember 2015
wurden
keine Diskrepanzen zum Vorgutachten
des
Universitätsspitals
G._
gesehen
,
wobei
aus rheumatologisch-internistisch
er
und
gastroenterologi
scher
Sicht
ein
seit dem interdisziplinären Gutachten des
Universitätsspitals G._
im Jahr 2010 im Wesentlichen unveränderte
r
Gesundheitszustand
beschrie
ben
wurde
(
Urk.
2/2F
214 S. 59 f.).
4.2.4
Zwar ist mit
der Beklagten
festzustellen
, dass die
zahlreichen
ärztlichen Abklärun
gen
,
insbesondere
im
Zusammenhang mit den
geklagten
Abdominal
beschwerden
,
im gesamten Ver
lauf zu keiner
eindeutigen Diagnose nach einem anerkannten Klassifikationssystem geführt
haben. Ins Gewicht fällt aber, dass
die
Konsistenz der
Beschwerden
und deren Auswirkungen auf die funktionelle Leistungsfähigkeit
von Seiten der behandelnden Ärzte wie auch
in den Exper
tisen
stets bestätigt w
u
rden und sich aus der gesamten Aktenlage
und den um
fangreichen medizinischen Untersuchungen
keine
Anhaltspunkte für
Zweifel
ergeben
(vgl. etwa
Konsistenz-
und Leistungsbereitschaft
sprüfung
im Rahmen der EFL,
Urk.
2/2F/
183 S. 29).
4
.3
Zusammenfassend hat d
ie IV-Stelle
zu Recht die Restarbeitsfähigkeit der Kläge
rin
gestützt auf das
Gutachten des
Universitätsspitals G._
vom 27.
Dezember 2010
und
die Stellungnahmen ihre
s RAD
festgelegt
.
Richtig ist auch d
ie Er
mittlung des Invaliditätsgrades
,
nachdem
sich
die
zumutbare
Restarbeitsfähig
keit
in angepasster Tätigkeit auf eine
reduzierte Tätigkeit im angestammten Be
reich bezieht und die Klägerin die Restarbeitsfähigkeit
verwertet.
Nach dem Gesagten
ist die
ab dem 1. Oktober 2009 zugesprochene
ganze Rente
durch die IV-Stelle
jedenfalls
nicht zu beanstanden.
5.
5.1
Zum sachlichen und zeitlichen Konnex liegen weiter folgende ärztliche Einschät
zungen vor:
Im Gutachten des Kantonsspitals
K._
vom 17. September 2014 (
Urk.
2/2F183) führten die Gutachter in anamnestischer Hinsicht zur
Krank
heitsentwicklung
aus, die gastrointestinalen Beschwerden liessen sich ins Jahr 2007 zurückverfolgen. Hier sei es zu rezidivierenden Episoden einer Obstipation gekommen. Die Klägerin habe damals eine Koloskopie durchführen lassen, das Resultat sei unauffällig gewesen. Durch die Einnahme von Leinsamen-Präpara
ten seien die Beschwerden gebessert gewesen. Anfang 2008 habe sie erneut eine Magendarmgrippe durchgemacht, welche wohl mit Antibiotikum behandelt worden sei. Danach seien die Beschwerden sistiert. Im Juni 2008 habe sie eine Extraktion der Zähne 4.7 und 4.8 durchführen lassen müssen. Dies habe die Kaskade von Beschwerden wohl ausgelöst. Auch sei wohl ein Nerv verletzt wor
den. Wegen sehr starker Schmerzen und Allgemeinsymptomen wie Schüttelfrost sei bei dem Verdacht auf eine Blutvergiftung – von der Zahnbehandlungsstelle ausgehend – eine Antibiotika-Behandlung über insgesamt 40 Tage durchgeführt worden. Der erhöhte Entzündungswert sei nie ganz weg gewesen. Seit dieser Zeit würden die gastrointestinalen Beschwerden wie Erbrechen, Wechsel zwi
schen Durchfall und Verstopfung sowie Blähungen und Schwellungen im Bauchbereich sowie Bauchkrämpfe zunächst mit einem Intervall von 2-5 Tagen, jetzt alle 14 Tage auftreten. Sämtliche durchgeführten Untersuchungen und Be
handlungen hätten die Beschwerdesymptomatik nicht positiv beeinflussen kön
nen.
Hinsichtlich der Gelenkbeschwerden sei zunächst unter der Arbeitsdiagnose ei
ner chronischen Borreliose eine
Doxyzyklin
-Behandlung durchgeführt worden. Die initial sich bessernden Gelenkbeschwerden seien jedoch wiederkehrend. Aufgrund des Symptomkomplexes sei unter dem Verdacht auf ein adultes Still-Syndrom eine rheumatologische Basistherapie durchgeführt worden. Auch hier habe die gesamte Konstellation nicht positiv beeinflusst werden können.
Aufgrund der
Chronifizierung
der Beschwerdekonstellation habe die Klägerin zwischenzeitlich eine Depression entwickelt, welche erfolgreich habe stabilisiert werden können. Eine Anpassungsstörung sei diesbezüglich verblieben (S. 8).
Die Gutachter hielten fest, aufgrund der nahezu identischen
Beschwerdekonstella
tion
wie zur rheumatologischen gutachterlichen Beurtei
lung im Jahr 2010 bestünden differenziert nach schubfreiem Intervall und Schubsituation die gleichen Beeinträchtigungen wie zur damaligen Gutachten-Situation. Während eines Schubes bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, in schubfreiem Intervall sei aufgrund der langen Krankengeschichte und der all
gemein verminderten körperlichen und konsekutiv auch psychischen Leis
tungsfähigkeit eine Limitation gegeben. Die Arbeitsfähigkeit bemassen sie iden
tisch wie die
G._
-Gutachter im Jahr 2010 (S. 16 f.).
5.2
5.2.1
Die Ärzte des
I._
berichteten im Gutachten vom
2.
Dezember 2015 (
Urk.
2/2F214) über geklagte schubförmige Beschwerden ca. alle 2 Wochen (Dauer: 1-5 Tage). Wenn der Schub anfange, bekomme sie häufig gegen den Abend einen Ausschlag
a
n den Beinen mit Beginn an den Unterschenkeln beidseits, dann den ganzen Unterschenkel betreffend immer medial mit Aus
breitung bis zum distalen Oberschenkel beidseits medial. Zuerst trete nur eine leichte Rötung auf, dann im Verlauf ein starker Juckreiz. Anschliessend ver
spüre sie ein Kratzen und Halsschmerzen mit Jucken und Schluckbeschwerden,
der Hals werde dann leicht geschwollen und auch das Gesicht in den
Kieferge
lenkregionen
würde etwas aufschwellen. Auch das Abdomen schwelle leicht an mit abdominellen Blähungen und Krämpfen. Als drittes Symptom bekomme sie Fieber mit Werten zwischen 38 und 39°, zum Teil auch nur erhöhte Temperatur. Das Fieber oder die erhöhte Temperatur würden wenige Stunden bis 24 Stunden anhalten. Als viertes Symptom würden dann Gelenkschmerzen auftreten. Zuerst verspüre sie Gliederschmerzen und stechende Schmerzen am ganzen Körper. Anschliessend trete immer eine leichte Schwellung schleichend auf vom
Vor
derarm
, oberen Handgelenk, Handrücken und alle Finger betreffend. Meist ver
spüre sie nicht isolierte Gelenkschmerzen, zum Teil selten nur Handgelenks- oder Daumensattelgelenkschmerzen, die Hände seien am häufigsten betroffen. Im Schub verspüre sie häufig auch Kiefergelenksschmerzen oder Schmerzen im Oberkiefer und Unterkiefer, dann habe sie Mühe mit Nasenatmung, wie wenn sie starken Schnupfen hätte. Intermittierend würden leichte Schwellungen im Bereich der Knie beidseits oder auch einseitig und den Sprunggelenken beidseits oder einseitig auftreten. Auch im Bereich der Schulter könnten Schmerzen auf
treten (S. 47 f.).
5.2.2
Die Gutachter stellten folgende rheumatologische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 40 f.):
-
Undifferenzierte chronisch rezidivierende Polyarthritis unklarer Ätiologie ED: 2009
-
chronisch rezidivierender schubförmiger Verlauf mit
-
polyartikulärem
Befall der
Extremitätengelenke
mit
Synovitiden
und
peri
artikulären
Weichteilschwellungen
-
initial im Schub deutlich erhöhte humorale Entzü
n
dungsparameter, aktuell normale Entzündungsparameter im Schub
-
RF schwach positiv, ANA und Anti-CCP negativ, ANA 2010
leichtgradig
erhöht
-
konventionellradiologisch
bisher
anerosiver
Verlauf
-
begleitende schubförmige
Abdominalbeschwerden
-
multiple Medikamentenunverträglichkeiten
-
aktuelle Medikation: Spiralgin 500mg in Reserve
-
ICD-10: M13.9 (Arthritis, nicht näher bezeichnet)
Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit massen sie folgenden Diagnosen bei:
-
intermittierendes selbstlimitiertes panvertebrales Schmerzsyndrom
-
leichtgradige
Endometriose
im Douglas mit Status nach
laparoskopischer
Koa
gulation 11/08
-
Atopieneigung
mit unter anderem allergischer Rhinitis
-
anamnestisch chronisch rezidivierende
Rhinosinusitis
-
chronische Tubenentlüftungsstörung
-
chronische Paukendrainage mit Langzeit-T-
Tubes
beidseits
-
Tendenz zur vegetativen Dystonie
-
moderater
Hallux
valgus
mit
Sklerosierungszeichen
im
Grosszehengrundge
lenk
beidseits
In
gastroenterologischer
Hinsicht diagnostizierten sie - neben einer Adipositas - mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Reizdarmsyndrom (ICD-10: K58.0
)
, eine mögliche chronisch-entzündliche Darmkrankheit, noch nicht klassifiziert (Differenzialdiagnose: primäre chronisch-entzündliche Darmerkrankung; Diffe
renzialdiagnose: Begleitentzündung im Rahmen einer rheumatischen Krankheit) sowie den ICD-10-Code K52.9 (n
ichtinfektiöse Gastroenteritis und Kolitis, nicht näher bezeichnet).
5.2.3
In ihrer Einschätzung hielten die Ärzte fest (S. 50 ff.), aus rheumatologischer Sicht bestehe eine komplexe Vorgeschichte mit seit 2009 persistierender rezidi
vierender schubförmig verlaufender Polyarthritis mit
Synovitiden
,
periartikulä
ren
Weichteilschwellungen, Entzündungen im Bereiche der Sehnenscheiden, Hautaus
s
chlägen und Phar
y
ngitiden sowie eine im Schub begleitende abdomi
nelle Symptomatik. A
u
fgrund der nun wiederholt objektivierbar nachgewiese
nen
Synovitiden
,
periartikulären
Schwellungen und Ergüssen im Bereiche von Sehnenscheiden könne die Diagnose einer schubförmig verlaufenden undiffe
renzierten Polyarthritis der kleinen und grossen Gelenke eindeutig bestätigt werden. Die in der Vorgeschichte wiederholt fehlenden klinischen Hinweise auf eine Arthritis sowie eine 2012 unauffällig ausgefallene Skelettszintigraphie seien sehr wahrscheinlich dadurch zu erklären, dass die Untersuchungen im asymptomatisch bis
oligosymptomatischen
Intervall zwischen zwei
Entzün
dungsschüben
erfolgt seien.
Die Ursache der Polyarthritis bleibe weiterhin unklar. Ein Zusammenhang mit einer 2008 vermuteten Borreliose sei aufgrund der Symptomatologie und der anamnestisch mehrwöchigen Antibiotikatherapie unwahrscheinlich. In der Vor
geschichte werde aufgrund der Symptomatik durch den Rheumatologen
Dr.
J._
ein Still
-
Syndrom des Erwachsenen vermutet. Die Symptomatik der
Klägerin
könnte zu einem Morbus Still des Erwachsenen passen, bisher habe aber keine
Hepatosplenomegalie
nachgewiesen werden können und aktuell fehlten stark erhöhte Entzündungsparameter im Schub und die typischen
Blut
bildveränderungen
. In der rheumatologischen Beurteilung der Uniklinik
G._
vom 2010 und der rheumatologischen Beurteilung des Kantonsspitals
K._
von 2014 sei die Diagnose eines Morbus Still als unwahrscheinlich beurteilt.
In den anlässlich der Begutachtung veranlassten Laboruntersuchungen seien die Entzündungsparameter jeweils im Normbereich gewesen, die
Immunologiewerte
- bis auf einen grenzwertig erhöhten
Titter
für den Rheumafaktor - normal. In der Uniklinik
G._
sei eine undifferenzierte Polyarthritis, im Kantonsspital
K._
der Verdacht auf rezidivierende reaktive Arthritiden bei unklarem Focus mit diversen möglichen
Foci
diagnostiziert worden. Aus Sicht des rheumatolo
gischen Referenten könne weiterhin von einer undifferenzierten Polyarthritis ausgegangen werden. Sollte im Verlauf der Rheumafaktor anhaltend ansteigen, könnte man eine Rheumafaktor positive Polyarthritis diagnostizieren. Eine re
aktive Arthritis sei möglich, die im Gutachten des Kantonsspitals
K._
vermuteten
Foci
erschienen jedoch eher als unwahrscheinlich. Ein
Hyperim
munglobulin
IgD
-Syndrom sei in der
Uniklink
G._
2012 ausgeschlossen worden. Soweit ersichtlich nicht sicher ausgeschlossen worden sei das Vorliegen eines Morbus Whipple, welche
r
sowohl abdominelle als auch
Gelenkbeschwer
den
verursachen könne. Dies erscheine aber als eher unwahrscheinlich, da wichtige Leitsymptome (wie Gewichtsverlust und ein Malnutritionssyndrom bei rezidivierenden Durchfällen) fehlten. Die Gutachter empfahlen weitere medika
mentöse Therapien.
5.2.4
In
gastroenterologischer
Hinsicht führten die Gutachter aus (S. 38 f.), alle klini
schen, endoskopischen und Laboruntersuchungen, welche sich auf Organe des Magendarmtraktes beziehen, hätten bis 2010 keine Hinweise für eine organische Erkrankung ergeben. Im internistischen Teilgutachten der Universitätsklinik
G._
vom September 2010 sei schlussendlich ein Reizdarm-Syndrom diagnos
tiziert worden. Differentialdiagnostisch sei ein postinfektiöser
Reizdarm
in Be
tracht gezogen worden. In einer
lleo
-Koloskopie vom November 2010 in Spital
L._
, welche als unauffällig beurteilt worden sei, habe histologisch praktisch im gesamten Colon eine nach distal
zunehmende chronisch aktive mittelschwere
Entzündung nachgewiesen werden können. Der akute Entzündungsanteil habe aus
neutrophi
l
en
und
eosinophilen
Granulozyten bestanden. Somit habe eine diskrete chronische, teils akute Entzündung vorgelegen, welche nicht habe klassifiziert werden können.
Die Differenzialdiagnose sei breit, von der Frühform einer chronisch entzündli
chen Darmerkrankung bis zu einer passageren infektiösen oder unspezifischen
Colitis
oder einer NSAR bedingten
Colitis
. Nachdem am 5. März 2015 der
Cal
protectinwert
mit 179 (Norm<50) mässig erhöht gewesen sei, sei dem Hausarzt
Dr.
B._
eine Wiederholung der Messung der
Calprotectinwerte
empfoh
len
worden, da bei anhaltend erhöhten Werten von einer anhaltenden Entzün
dung im
Gastrointestinaltrakt
ausgegangen werden müsse und weitere Abklä
rungen notwendig würden. Der
Calprotectinwert
sei am 8. Oktober 2015 im Stuhl normal gewesen, so dass praktisch mit Sicherheit Anfang Oktober im
Gastroinstestinaltrakt
keine klinisch relevante Entzündung vorgelegen habe. Im März 2015 sei aber wegen des erhöhten
Calprotectinwertes
von einer
Entzün
dungsaktivität
im
Gastrointestinaltrakt
auszugehen. Ein schubförmiger Verlauf der Entzündungen im
Gastrointestinaltrakt
sei möglich.
Zusammenfassend hätten aus
gastroenterologischer
Sicht Anfang Oktober 2015 keine sicheren Hinweise für eine Entzündung im unteren Magendarmtrakt be
standen. Auf Grund der Anamnese sowie der Befunde der
lleo
-Koloskopie von 2010, insbesondere der Histologie und des im März erhöhten
Calprotectin
im Stuhl, sei eine Beteiligung des Colon im Rahmen einer rheumatologischen Er
krankung oder eine intermittierend aktive chronisch entzündliche Darmkrank
heit möglich. Eine weitere Eingrenzung sei nicht möglich. Ein Reizdarmsyndrom liege aufgrund der anamnestischen Angaben sehr wahrscheinlich vor. Ob sich das Reizdarmsyndrom sekundär aufgrund einer entzündlich bedingten Darmer
krankung oder unabhängig davon entwickelt habe (die Magendarmbeschwerden seien vor den Gelenkbeschwerden aufgetreten), lasse sich nicht beurteilen.
5.2.5
Zur Arbeitsfähigkeit führten die Experten aus, aufgrund der abdominellen Be
schwerden sei eine 40-50%ige Arbeitsunfähigkeit im akuten Schub aus
gastro
enterologischer
Sicht vertretbar. Im schubfreien Intervall sei von einer höchs
tens 10-20%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, dies aufgrund einer allgemei
nen leichten leistungsverminderten Belastbarkeit (S. 39). Aus rheumatologischer Sicht bestehe in der aktuellen Tätigkeit als Arztsekretärin während eines
Ent
zündungsschubes
im Bereich des Bewegungsapparates jeweils eine vollumfäng
liche Arbeitsunfähigkeit. Zwischen den Schüben bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
. Aufgrund des schubförmigen Verlaufs mit unterschiedlich langer Schubdauer könne eine globale Angabe einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit in Prozenten nicht gemacht werden. Je nach Frequenz und Dauer der Schübe sei von einer schwankenden Arbeitsfähigkeit auszugehen (S. 57).
6.
6.1
Die Klägerin leidet an einer Polyarthritis sowie an einem Reizdarmsyndrom. Bei der
Rentenzusprache
am 19. August 2011 (ganze Rente ab 1. Oktober 2009,
Urk.
2/2F141) standen dabei die abdominalen Beschwerden im Vordergrund. Laut Gutachten des
G._
klagte die Klägerin damals über turnusartige
Adbomi
nalbeschwerden
mit subjektiven Durchfallepisoden für ein bis vier Tage und anschliessenden Episoden mit Verstopfung, Übelkeit und Erbrechen. Tage mit subjektiv normalem Stuhlgang erlebte sie nicht mehr. Gelenkschmerzen hatte sie damals etwa alle eineinhalb Wochen, wobei auch während den Schüben feinmotorische Tätigkeiten durchführbar waren (
Urk.
2/2F80/10). Weiter be
stand damals eine ausgeprägte psychiatrische Pathologie im Sinne einer mittel
gradig depressiven Episode (in aktuell partieller Remission,
Urk.
2/2F80/11). Die Arbeitsfähigkeit wurde als wie folgt eingeschränkt erachtetet: Aus psychiatri
scher Sicht gingen die
G._
-Gutachter von einer Arbeitsfähigkeit von noch drei bis vier Stunden pro Tag aus, aus internistischer Sicht von einer solchen von vier Stunden pro Tag und aus rheumatologischer von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit, abgesehen von
Schubsitutionen
(100%ige Arbeitsunfähigkeit). Gesamthaft schlossen sie auf eine Restarbeitsfähigkeit von 40
%
(
Urk.
2/2F80/14). Die
Rentenzusprache
erfolgte dann aber aufgrund der ergän
zenden Einschätzung des RAD-Arztes, welcher im Anschluss an eine berufliche Integrationsmassnahme und nach Einsicht in den entsprechenden Bericht auf eine verwertbare Arbeitsleistung von lediglich 30
%
schloss (
Urk.
2/2F130/16-17).
6.2
6.2.1
Die während der Versichertenzeit bei der Beklagten aufgetretene Arbeitsunfähig
keit war einzig durch die abdominale Problematik begründet. Die Beklagte hat unter dem Gesichtspunkt des sachlichen Zusammenhangs nur für die Erwerbsunfähigkeit einzustehen, welche aus dieser Erkrankung folgte. Den Erwägungen des Verwaltungsgerichts des Kantons
A._
im Urteil vom 23. Oktober 2012 (
Urk.
2/2B6) ist dabei insoweit zu folgen, als der Eintritt der relevanten Arbeitsunfähigkeit auf den Zeitpunkt der Versichertenzeit bei der Beklagten festgelegt wurde. Wohl erfolgte dannzumal noch keine detaillierte Diagnosestellung, doch der Ablauf der gesundheitlichen Entwicklung zeigt, dass die damalige Erkrankung nicht als abgeschlossenes Ereignis zu betrachten ist, sondern in der nachfolgenden langanhaltenden Problematik seine Fortsetzung fand. Die Ätiologie der objektivierbaren Erkrankung konnte einstweilen nicht geklärt werden, weshalb der Hinweis der Beklagten auf die fehlende diagnosti
sche Einschätzung nicht verfängt. Dass die knapp zwei Monate nach dem Aus
tritt aus der Beklagten wiederum einsetzende Arbeitsunfähigkeit in einem Zu
sammenhang zur sechswöchigen Absenz - aus den identischen Gründen - steht, ist aufgrund der medizinischen Aktenlage nicht zu bezweifeln.
6.2.2
Die psychiatrische Erkrankung folgte erst lange nach dem Ende des
Versiche
rungsverhältnisses
mit der Beklagten. Im
G._
-Gutachten wurde auf eine de
pressive Erkrankung seit April/Mai 2010 verwiesen und einen Zustand nach Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt in den Jahren 2008/2009 (
Urk.
2/2F80/79). Für allfällige Folgen hat demgemäss nicht die Be
klagte einzustehen.
6.2.3
Näher zu beleuchten ist die Frage des Zusammenhangs zwischen dem Reizdarmsyndrom und der Polyarthritis. Die Klägerin fasste die
Beschwer
deproblematik
als ein
en
Krankheitskomplex auf,
währenddem
die Beklagte von unabhängigen Pathologien ausging.
Eine Durchsicht der Akten zeigt, dass weder die Ätiologie der Darmproblematik noch der Polyarthritis geklärt ist. Zuletzt legten die Gutachter des
I._
ihre
Un
tersuchungsresultate
dar und referierten die umfangreichen
Vorakten
. Als Ursa
che der Polyarthritis konnten sie verschiedene - anamnestisch geäusserte mögli
che Ursachen - ausschliessen und fassten die Pathologie schlussendlich als un
differenzierte Polyarthritis. Eine reaktive Arthritis befanden sie als unwahr
scheinlich (E. 5.2.3). Auch aus
gastroenterologischer
Sicht fanden die Gutachter keine eindeutige Genese vor. Nachdem im Rahmen der ersten Abklärungen gar keine Hinweise für eine organische Erkrankung vorgelegen hatten und auch im internistischen Teilgutachten des
G._
lediglich ein Reizdarm-Syndrom diag
nostiziert worden war, sprachen erstmals die Ärzte des Spitals
L._
von einer Entzündung im Colon, welche jedoch nicht klassifiziert werden konnte. Eine Beteiligung des Colon im Rahmen einer rheumatologischen Erkrankung oder eine intermittierend aktive chronisch entzündliche Darmkrankheit erachteten die Ärzte lediglich als möglich. Eine weitere Eingrenzung erachteten sie als nicht möglich (E. 5.2.4).
Bei dieser medizinischen Aktenlage ist nicht erstellt, dass die während der
Versi
chertenzeit
bei der Beklagten aufgetretenen Magen-Darm-Beschwerden auch die Ursache der sich erst über ein Jahre später manifestierenden (Austritt aus der Beklagten Mai 2008, Erstdiagnose August 2009) Polyarthritis bildeten. Auch wenn die Polyarthritis mit Entzündungen der Gelenke einhergeht und das Reizdarmsyndrom (teilweise) mit Entzündungen vergesellschaftet war, erscheint es als hypothetisch, einen entsprechenden Zusammenhang herstellen zu wollen. Die Ärzte konnten
s
olches gerade nicht bestätigen und bezeichneten eine Betei
ligung des Colon im Rahmen der rheumatologischen Erkrankung nur als mög
lich, nicht aber als wahrscheinlich
,
geschweige denn überwiegend wahrschein
lich.
Die Folgen der Beweislosigkeit dieses anspruchsbegründenden Umstandes (mit dem erforderlichen Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit) hat die Kläge
rin zu tragen, die daraus Rechte für sich ableitet (Urteil des Bundesgerichts
8C_492/2012 vom 16. August 2012
E. 5.2.2; BGE 117 V 261 E. 3b).
6.3
Damit steht fest, dass die Beklagte einzig für die Folgen der Reizdarm
-
symptoma
tik
einzustehen hat, besteht doch nur diesbezüglich ein sachlicher (wie auch ein zeitlicher; vgl. hierzu die zutreffenden Ausführungen des Verwaltungsgerichts des Kantons
A._
,
Urk.
2/2B6 E. 3d) Zusam
menhang.
Da die
Rentenzusprache
der Invalidenversicherung aus verschiedenen gesundheit
lichen Gründen erfolgte, ist der Anteil der Reizdarmsymptomatik zu ermitteln, für welchen die Beklagte zuständig ist. Aus den bei der
Rentenzu
sprache
vorliegenden medizinischen Akten ist auf eine Arbeitsunfähigkeit we
gen der Reizdarmsymptomatik im Umfang von 60
%
zu schliessen, attestierten die
G._
-Ärzte doch eine Restarbeitsfähigkeit von 40
%
in Bezug auf diese Pa
thologie (E. 6.1). Die Festlegung einer 70%igen Arbeitsunfähigkeit gründete ei
nerseits in der depressiven Symptomatik (Arbeitsfähigkeit drei bis vier Stunden pro Tag) sowie in der Rückmeldung seitens der Eingliederungsstelle, welche auf eine lediglich 30%ige Arbeitsfähigkeit schloss. Dies hatte den Grund indes nicht in der Darmpathologie, sondern den Entzündungsschüben mit Befall der Finger- und Handgelenke (
Urk.
2/2F130/16). Die Beklagte hat damit für eine Arbeits
unfähigkeit von 60
%
einzustehen.
6.4
Die Invalidenversicherung ermittelte den Invaliditätsgrad mittels eines
Prozentver
gleichs
und schloss aufgrund der angenommenen 70%igen Arbeits
unfähigkeit auf einen eben solchen Invaliditätsgrad. Dies ist nicht zu beanstan
den. Die
Klägerin
ist gelernte Kauffrau mit erweiterter Grundausbildung (kauf
männische Angestellte,
Urk.
2/2F9 und
Urk.
2/2F8
Ziff.
6.2). Sie verweilte nach ihrem Berufsabschluss im Jahr 2004 jeweils nur kurz an jeweils verschiedenen Stellen (
Urk.
2/2F13). An der letzten Arbeitsstelle bei der
Z._
GmbH erzielte sie im Jahr 2009 ein Einkommen von
Fr.
57‘200.-- und damit ein solches, welches einiges unter den Durchschnittslöhnen für eine Tätigkeit als Sachbearbeiterin Buchhaltung (vgl. Lohnstrukturerhebung 2008 Tabelle T7S
Ziff.
23) lag, welche Aufgabe sie zuletzt inne hatte (
Urk.
2/2F8
Ziff.
6.3.1;
Urk.
2/2F16
Ziff.
2.7 und
Ziff.
2.10). Nach dem Verlust dieser Anstellung (
Urk.
2/2F10), welche sowohl wegen der krankheitsbedingten Abwesenheit als auch aus wirtschaftlichen Gründen erfolgte (
Urk.
2/2F16
Ziff.
2.2), ist eine
In
validitätsgradermittlung
mittels Prozentvergleichs nicht zu beanstanden.
6.5
Bei einer 60%igen Arbeitsunfähigkeit resultiert ein eben solcher
Invaliditäts
grad
. Laut Art. 32
Abs.
2 des Vorsorgereglements der Beklagten (
Urk.
2/2C3) hat die versicherte Person Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie im Sinne der IV mindestens zu 60
%
invalid ist. Der Anspruch auf Invalidenrente beginnt (nach
Abs.
3
1.
Satzteil derselben Bestimmung) mit dem Anspruch auf eine Rente der IV. Damit steht der Klägerin ab
1.
Oktober 2009 eine
Dreiviertelsrente
der Beklagten zu. Da die Beklagte in ihrem Reglement den Anspruch auf die reglementarischen Leistungen von der Versicherteneigenschaft bei Eintritt der massgebenden Arbeitsunfähigkeit abhängig macht (nicht jedoch vom Eintritt der Invalidität während laufendem Versicherungsverhältnis, Art. 32
Abs.
1 des Reglements), schuldet sie die reglementarischen Leistungen.
6.6
6.6.1
Gemäss Art. 32
Abs.
6 des Reglements ziehen Änderungen des
Invaliditätsgra
des
eine Überprüfung und gegebenenfalls eine Anpassung des
Leistungsanspru
ches
nach sich.
6.6.2
Nachdem im Zeitpunkt der
Rentenzusprache
(in organischer Hinsicht) die Reizdarmsymptomatik im Vordergrund gestanden hatte, verschob sich die Problematik bis zur Begutachtung durch die
I._
im Jahre 201
5.
Die Ärzte er
kannten
nurmehr
eine 40-50%ige Arbeitsunfähigkeit und zwar lediglich wäh
rend entsprechenden Schubepisoden; ansonsten gingen sie (aufgrund einer all
gemeinen leichten leistungsverminderten Belastbarkeit, insbesondere wegen den Reizdarmsyndrom bedingten Beschwerden) von einer Arbeitsunfähigkeit von
10 bis 20
%
aus. Im Gegensatz dazu attestierten sie eine vollumfängliche Arbeits
unfähigkeit während den arthritischen Schüben aus rheumatologischer Hinsicht (
Urk.
2/2F214/57).
Diese Verbesserung erklärt sich zwanglos mit dem Umstand, dass die Klägerin bei der
Rentenzusprache
praktisch täglich unter Reizdarmsymptomen litt (drei bis vier mal erbrechen pro Tag,
Urk.
2/2F76/12), neu indes nur noch alle zwei Wochen ein Polyarthritis-Schub vorkommt (Dauer: ein bis fünf Tage) und dieser nur teilweise von Reizdarmsymptomen begleitet ist. Die (abdominalen) Auswir
kungen bestehen in fünf bis sechs
Defäktionen
pro Tag (
Urk.
2/2F214/37). Da
mit lag ab Frühsommer 2015 (vgl. dazu
Urk.
2/2F214/59), mithin ab Juni 2015, eine verbesserte Arbeitsfähigkeit vor. Die Ärzte des
I._
nannten keine pau
schale Arbeitsfähigkeit, sondern eine spezifizierte für Tage mit/ohne Schübe. Angesichts der Häufigkeit der Beeinträchtigungen erscheint eine Verwertung der 80 bis 90%igen Arbeitsfähigkeit in schubfreier Zeit indes nicht als möglich, wäre doch dafür ein Verständnis eines Arbeitgebers vonnöten, welches auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht zu erwarten ist (jederzeitiger Ausfall von
40 bis 50
%
möglich). Damit resultiert eine anrechenbare Arbeitsunfähigkeit von 40 bis 50
%
, mithin 45
%
. Bei diesem Ergebnis hat die Klägerin ab
1.
Oktober 2015 (Art. 88a der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV)
nurmehr
Anrecht auf eine
Viertelsrente
.
7.
7.1
Damit ist die Klage teilweise gutzuheissen mit der Feststellung, dass die Kläge
rin ab
1.
Oktober 2009 Anspruch auf eine Dreiviertels- und ab
1.
Oktober 2015 auf eine Viertels-Invalidenrente der Beklagten hat.
7.2
Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen geschuldet, wobei grundsätzlich Art. 105
Abs.
1 des Obligationenrechts anwendbar ist (BGE 119 V 131 E. 4). Danach ist der Verzugszins vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der ge
richtlichen Klage an geschuldet. Der Zinssatz beträgt 5
%
, sofern das Reglement der Vorsorgeeinrichtung keine andere Regelung kennt (BGE 119 V 131 E. 4c). Der Klägerin sind folglich für die bis zur Klageerhebung am 1
8.
Juli 2013 (vgl.
Urk.
2/1) fällig gewordenen
Rentenbetreffnisse
ab diesem Zeitpunkt und für die weiteren Rentenleistungen ab deren jeweiligem Fälligkeitsdatum – angesichts des Fehlens einer abweichenden reglementarischen Bestimmung – Verzugszin
sen von 5
%
zuzusprechen.
8.
8.1
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
8.2
Der von Rechtsanwalt Christian
Thöny
mit Eingabe vom 1
4.
April 2016 (
Urk.
2/2E1) geltend gemachte Aufwand von 28.3 Stunden zu einem
Stunden
satz
von
Fr.
240.-- sowie Barauslagen von 3
%
ist der Bedeutung der Streitsa
che und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen. Knapp die Hälfte des Stundenaufwandes (ca. 13 Stunden) entfällt hierbei auf Korrespondenzen mit der Klientin, Ärzten und IV-Stelle, deren Notwendigkeit für das vorliegende Verfahren nicht erkennbar ist. Sodann war der Grossteil der Akten bereits auf
grund des Verfahrens im Zusammenhang mit dem Urteil des Verwaltungsge
richts
A._
bekannt.
Angesichts der notwendigen Instruktion, der zu studierenden 221 Aktenstücke der Invalidenversicherung sowie des pendente
lite
erstellten Gutachtens des
I._
(von 71 Seiten), der acht-, neun- und zweiseitigen Rechtsschriften sowie unter Berücksichtigung des bloss teilweisen Obsiegens ist die der Klägerin zustehende - um die Hälfte gekürzte - Prozessentschädigung bei Anwendung des
gerichts
üblichen
Stundensatzes von
Fr.
200.-- (bis 3
1.
Dezember 2014) bzw.
Fr.
220.-- (ab
1.
Januar 2015, jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2‘400.-- festzuset
zen.