Decision ID: e497e785-4ffb-4258-99ea-02754603d2c4
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1965 geborene
X._
bezog infolge einer
Krebs
erkran
kung
ab 2003 Leistungen der Invalidenversicherung. Am 16. April 2009 meldete sie sich
unter Hinweis auf eine seit 26. Juli 2008 bestehende
krank
heitsbedingte
Arbeitsunfähigkeit
erneut bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/18). Nachdem die IV
Stelle mit Verfügung vom 15. Juni 2010
(Urk. 7/63)
einen Leistungsanspruch der Versicherten verneint hatte, ho
b
das hiesige Gericht m
it Urteil IV.2010.00717 vom 9. September 2011 (Urk. 7/69) die rentenablehnende
Verfü
gung
auf und wies die Sache
zur Ergänzung der medizinischen Abklärungen
an die Verwaltung
zurück. Daraufhin holte die IV-Stelle aktuelle Berichte der behandelnden Ärzte ein und liess
die Versicherte psychiatrisch b
egutachten (
Ex
pertise
von med.
pract
.
Y._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH sowie zertifizierte medizinische Gutachterin SIM, vom 27. September 2012; Urk. 7/85).
Gestützt darauf stellte sie mit
Vorbescheid vom 15. November 2012 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/87 f.). Nach Eingang der Stellungnahme der Versicherten vom 13. Februar 2013 zog sie aktuelle Berichte der behandelnden Ärzte bei, wozu sich die Versicherte am 15. Juli 2013 äusserte (Urk. 7/103). Mit Verfügung vom 19. Juli 2013 verneinte die IV-Stelle
den Anspruch
auf eine Invalidenrente (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 9. September 2013 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren um Zusprechung einer ganzen Inva
lidenrente ab April 200
8.
Ferner
ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung von
Rechtsanwalt Michael
Ausfeld
als unentgeltlichen Rechts
beistand (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 16. Oktober 2013 schloss die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerde
führerin mit
Verfügung vom 22. Oktober 2013
mitgeteilt wurde
;
gleichzeitig wurde ihr die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt
(Urk. 8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Hinsichtlich der vorliegend massgebenden gesetzlichen Bestimmungen und Grund
sätze kann auf die Erwägungen 1.1 bis 1.5 des Urteils IV.2010.00717 des hiesigen Gerichts vom 9. September 2011 verwiesen werden.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründet die Rentenablehnung dami
t, dass
aus soma
ti
scher Sicht eine 30%ige Einschränkung bestehe,
ind
e
s
aus psychiatri
scher Sicht zu keinem Zeitpunkt eine andauernde Arbeitsunfähigkeit von min
destens 20 % vorgelegen
habe
, weshalb das Wartejahr nicht habe erfüllt werden können (Urk. 2, Urk. 6).
2.2
Demgegenüber stellt sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, dass
sie bereits
im Jahr
2005 nur noch zu 50 % habe arbeiten können, weshalb ihre An
meldung zum Leistungsbezug vom 16. April 200
9 verspätet erfolgt sei (Urk. 1
S. 4).
Sodann rügt
sie
eine
Verletzung des
rechtliche
n
Gehör
s
(Urk. 1
S. 5
f.)
und ver
neint die Verwertbarkeit des
psychiatrische
n
Gutachten
s
(Urk. 1 S. 6 ff.).
3.
3.1
Aus somatischer Sicht ist aufgrund der vo
rliegenden Akten ausgewiesen und auch
unbestritten gebliebe
n, dass die Beschwerdeführerin
auf Grund eines Lymphödems des rechten Armes in
der angestammten Tätigkeit als kaufmänni
sche Angestellte zu 30 % arbeitsunfähig ist (Urk. 1 S. 3 und S. 9, Urk. 2 S. 1
,
Bericht
e
von Dr. med.
Z._
, Oberärztin an der Klinik für Gynäkologie des
A._
, vom 27. Juli 2009
und 2. Mai 2012
[Urk. 7/31
und
Urk. 7/82
]; vgl. auch
Urteil IV.2010.00717
des hiesigen Gerichts
vom 9. September 2011 E. 3.2.1 [Urk. 7/69]).
3.2
Was die psychiatrische
Seite
angeht,
führte das hiesige Gericht im
Urteil
IV.2010.00701 vom 9. September 2011
E. 3.2.2
Folgendes aus:
Nach dem am 27. März 2009 erfolgten Austritt aus der
B._
-Klinik attestierten die dort tätigen Fachärzte der Beschwerdeführerin noch bis am 3. April 2009 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Sie hielten sodann dafür, dass aus psychi
atrischer Sicht wenige Wochen nach Klinikaustritt wieder eine 100%ige Ar
beitsfähigkeit gegeben sein sollte; sie würden von einer 80-100%igen Belast
barkeit sowohl für den zeitlichen Rahmen als auch für die tatsächliche Leis
tungsfähigkeit ausgehen. Die Einschränkung von anfänglich 20 % in den Berei
chen Konzentrations- und Auffassungsvermögen, Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit könne nach einigen Wochen aufgehoben werden (vgl. oben E. 3.1.4). Für diese Einschätzung stützten sich die Facharzte der
B._
-Klinik auf den Verlauf der stationären Behandlung: Wie in ihrem Bericht erwähnt, hat sich die Beschwerdeführerin insbesondere im Verlauf des zweiten stationären Auf
enthalts psychisch stabilisiert; bei
Klinikaus
tritt
bestand bloss noch eine
leichtgradige
depressive Störung (Urk. 8/27 S. 6-8). Die im August 2008 festge
stellte depressive Episode schweren Grades war unter adäquater Behandlung somit bis im März 2009 abgeklungen. Nach Klinikaustritt wurde die Beschwer
deführerin von ihrem Hausarzt betreut und es fand eine dele
gierte psychothera
peutische Behandlung statt. Wie sich diese entwickelte, kann den Akten nicht entnommen werden; namentlich geht daraus nicht hervor, ob sich der Gesund
heitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Versicherten entspre
chend der Ver
mutung der Fachärzte der
B._
-Klinik nachhaltig verbesserte oder ob eine er
neute Verschlechterung des psychischen Zustandes erfolgte, so wie dies die Be
schwerdeführerin am 3. Dezember 2009 gegenüber der
Eingliederungsbera
tung
der IV
Stelle erklärte, indem sie ausführte, nach einem Zusammenbruch nehme sie zwei bis drei Therapietermine pro Woche wahr (Urk. 8/51 S. 2 f.). Da die be
handelnde Psychologin die IV
Stelle auf Anfrage hin für die Berichterstat
tung an den delegierenden Hausarzt verwiesen hat, wäre es naheliegend gewesen, bei diesem einen Verlaufsbericht einzuholen und danach allenfalls weitere Abklä
rungen vorzunehmen.
3.3
3.3.1
Den früheren medizinischen Akten lässt sich entnehmen, dass die Beschwerde
führerin
vom
9.
bis 29. Oktober 2007 im
C._
zwecks Alkoholentzug (
Urk.
7/26 S. 13 ff.) hospitalisiert war. V
om 26. Juli bis 28. August 2008
erfolgte wiederum ein stationärer Alkoholentzug
im
D._
(
Urk. 7/
26 S. 8 f.). Am 8. Septe
mber 2008 trat sie in die
B._
Klinik ein, wechselte am 15. Oktober 2008 ins
C._
und kehrte anschliessend vom 5. Januar bis 20. März 2009 in die
B._
-Klinik zurück (Urk. 7/26 S. 5 ff., Urk. 7/28).
3.3.
2
Med.
pract
.
E._
,
damals
Assistenzarzt
im
F._
, stellte
im Bericht vom 16. Oktober 2010 (Urk. 7/69 S. 17 f.) an den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin folgende psychiatrische Diagnosen:
-
Mittelgradig depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
Verdacht auf emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ (ICD-10 F60.31)
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom (ICD-10 F10.23)
-
Status nach Cannabisabhängigkeitssyndrom (ICD-10 F12.21)
-
Status nach
Benzodiazepinabhängigkeitssyndrom
(ICD-10 F13.21)
-
Status nach
Bulimia
nervosa
, anamnestisch (ICD-10 F50.2)
Weiter führte
er
aus, die Beschwerdeführerin sei erstmalig am 19. Mai 2009 zu einer sozialpsychiatrischen A
bklärung im
F._
in
G._
vorstellig geworden. Daraus habe sich ab dem 6. Oktober 2009 eine die externe Psychotherapie begleitende, psychiatrische Behandlung im Hause entwickelt. Ab April 2010
sei
auch die psychotherapeutische Behand
lung i
m Hause
erfolgt
und die zunächst 10-tägigen Termine seien
hin zu
wöchent
liche
n
Therapiegespräche
n
intensiviert worden. Die Beschwerdeführerin zeige
seit Janua
r 2010 mittelgradige Konzentrat
ions- und Merkfähigkeitsstö
rungen sowie ein mittelgradiges Grübeln. Sie sei im Affekt deprimiert, innerlich unruhig und habe Insuffizienzgefühle. Sie leide an Schlafstörungen, häufigen Stimmungseinbrüchen mit Traurigkeit sowie raschen Stimmungsschwankungen im Rahmen einer emotionalen Instabilität. Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit resultierten hieraus wesentliche Beeinträchtigungen, wie unter anderem eine deutlich reduzierte Arbeitsgeschwindigkeit, eine verminderte Anpassungsfähig
keit im Arbeitsumfeld, eine stark reduzierte Belastbarkeit in Stresssituationen sowie
eine rasche Erschöpfbarkeit
.
Es sei von einer längerfristigen Arbeitsunfä
higkeit von mindestens 50 % bis 100 % auszugehen.
3.3.3
Am 16. Februar 2011
wurde
die Beschwerdeführerin
in alkoholisiertem Zustand
im
D._
hospitalisiert
. Laut Austrittsbericht vom 9. März 2011
wies
sie Biss- und Kratzwunden an den Armen auf
(Urk. 7/78 S. 9 ff.)
.
Vom 8. bis 15. April
2011 musste sie zu
stationärem
Alkoholentzug und
Kriseninter
vention
bei latenter Suizidalität erneut hospitalisiert werden (Urk. 7/78 S. 12
ff.). Infolge von Schnittverletzungen in suizidaler Absicht und
Alkohol
intoxi
ka
tion
war
die Beschwerdeführerin vom
5.
bis 7. Dezember 2011
abermals
im
D._
hospitalisiert
(Urk. 7/78 S. 15 f.)
.
3.3.4
Seit September 2011
erfolgt die psychiatrische Behandlung der Beschwerde
führe
rin
durch den Sozialpsychiatrischen Dienst
des Kantons
H._
.
Zu
ständiger Arzt ist weiterhin med.
pract
.
E._
, der i
m Bericht vom 31. Januar 2012
(Urk. 7/77) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit
stellte
:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig depressive Epi
sode (ICD-10 F33.1)
-
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ (ICD-10 F60.31)
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom, derzeit abstinent (ICD-10 F10.20)
-
Status nach Mamma-
Carcinom
rechts mit operativer Ablation und postoperati
ver Chemotherapie und
Radiatio
-
Chronisches Lymphödem des rechten Armes als Operationsfolge
Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
mass er
dagegen dem Status nach
Bulimia
nervosa
(ICD-10 F50.2) sowie dem Status nach schädlichem Gebrauch von Cannabis (ICD-10 F12.1) bei
. Weiter berichtete
med.
pract
.
E._
über mittelgradige Konzentrationsstörungen, mittelgradiges Gr
übeln, leicht- bis mit
telgradig bedrückten
Affekt, mittelgradige Zukunftsängste, deutliche innere Unruhe mit häufigem Gedankenkreisen, Erschöpfungs- und
Überforderungsge
fühle
, Ein- und Durchschlafstörungen, häufige Stimmungsschwankungen mit derzeit gelegentlichen selbstverletzenden Handlungen zur Spannun
gsregulation (Schneiden und R
itzen der Arme) sowie gelegentliche Suizidgedanken oder passive Todeswünsche. Aufgrund der bereits langjährig bestehenden Kombina
tion psychiatrischer Erkrankungen und der bisher geringen Verbesserung durch diverse ambulante und stationäre
psychiatrische therapeutische Massnahmen sei von einem eher stati
onären Zustandsbild auszugehen.
Abschliessend
attestierte
der berichtende
Arzt
eine Arbeitsunfähigkeit
als Sekre
tä
rin
von 50 %
ab Sep
tember 2011, von 100 %
im Dezember 2011
und von 75 %
ab Januar 201
2.
Davor sei von einer längerfristigen Arbeitsunfähig
keit von mindestens 50 % auszugehen. Aufgrund vor allem der reduzierten Stress
belastbarkeit und Ausdauer sowie
der
raschere
n
Ermüdbarkeit sei die Be
schwerde
führerin derzeit nur in einem stressreduzierten und wohlwollenden
Arbeits
um
feld
mit einem maximalen Tagespensum von 25 % einsatzfähig und brauche zwingend häufigere Pausen und Erholungsmöglichkeiten.
3.3.
5
Im psychiatrischen Gutachten vom 27. September 2012
(Urk. 7/85)
diagnosti
zierte
med.
pract
.
Y._
eine sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkende
r
ezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig allenfalls zeitweilig leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0)
.
Folgenden weiteren Diagnosen mass die Gutachterin dagegen keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bei (Urk. S. 23):
-
Akzentuierte Persönlichkeitszüge mit emotional instabilen Anteilen (ICD-10 Z73.1)
-
Atypische
Bulimia
nervosa
(ICD-10 F50.3)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch
Cannabioide
,
Abhängigkeitssyn
drom
, gegenwärtig ständiger Substanzgebrauch (ICD
10 F12.2)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom ge
genwärtig abstinent (ICD-10 F10.20)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Benzodiazepine,
Abhängigkeits
syn
drom
, gegenwärtig abstinent (ICD-10 13.20)
Weiter führte sie aus, gemäss der Aktenlage seien bei der Beschwerdeführerin im Längsschnittverlauf leichte und mittelgradige depressive Episoden bei einer rezidivierenden depressiven Störung beschrieben worden. Unter einer adäquaten antidepressiven Behandlung habe eine Remission der depressiven Symptome er
zielt werden können
(S. 21)
.
Hinsichtlich der Diagnose einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung,
Borderline
Typus, seien einige aber nicht alle erforderlichen Kriterien erfüllt. Insbesondere hätten keine Störungen und Unsicherh
eit bezüglich Selbstbild, Ziele und innerer
Präferenzen und keine Neigung
festgestellt werden können
, sich in intensive aber instabile Beziehungen einzulassen, oft mit d
er Folge von emotionalen Krisen
. Die Beschwerdeführerin verfüge über ein recht stabiles Selbstbild. Es sei ihr bisher möglich gewesen, langjährige Arbeitsverhältnisse und langjährige Paarbeziehungen aufrechtzuerhalten. Eine voll ausgebildete emotional instabile Persönlichkeitsstörung liege demna
ch nicht vor. Es sei von akzentuierten Persönlichkeitszügen mit emotional instabilen Anteilen auszuge
hen. Es lasse sich ein mässiges strukturelles Integrationsniveau in den Bereichen der Selbstwahrnehmung, der Objektwahrnehmung, der Kommunikation und der Bindung feststellen, während im Bereich der Selbststeuerung ein eher geringes Strukturniveau bestehe. Anamnestisch liessen sich bei eingeschränkter Fähigkeit zur Selbststeuerung Spannungszustände mit dem daraus resultierenden gestör
ten Essverhalten, beziehungsweise mit dem Gebrauch von psychotropen Sub
stanzen (Cannabis, Alkohol, Benzodiazepine) und zuletzt auch mit einem
auto
aggressiven
Verhalten zum Spannungsabbau eruieren. Es sei davon aus
zugehen, dass belastende Erlebnisse, vor allem Verlusterlebnisse und
Verlust
ängste
, zur
Labilisierung
der strukturellen Vulnerabilität beigetragen und die Entwicklung depressiver Episoden begünstigt hätten
(S. 22).
Die persönlichkeitsstrukturellen Auffälligkeiten hätten für sich alleine keine quanti
tativen Einschränkungen der Arbeitsunfähigkeit zur Folge. Der Beschwer
deführerin sei es möglich gewesen, einen Beruf zu erlernen und über viele Jahre der beruflichen Tätigkeit in Vollzeit nachzugehen. Es liessen sich qualitative Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit im Sinne einer etwas verminderten Stress- und Frustrationstoleranz sowie in Form von etwas verminderten sozia
len Kompetenzen feststellen. Eine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähig
keit habe
dagegen
während der depressiven Episoden bestanden, die bisher
leicht und mittelgradig ausgeprägt gewesen und im Verlauf unter einer adäquaten Behandlung mindestens teilremittiert seien
. Die seit vielen Jahren vor
liegende atypische
Bulimia
nervosa
habe keine Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit. Die Suchtproblematik mit einem
Alkohol
abhängig
keits
syn
drom
, ei
nem A
bhängigkeitssyndrom von
Cannabi
oiden
sowie mit einem
Abhängig
keitssyndrom
von Benzodiazepinen stelle eine sekundäre Sucht
dar
. Der Be
schwerdeführerin sei es nach absolvierten Entgiftungen und
Alkoholent
wöhnungstherapien
gelungen, in Bezug auf Alkohol und Benzodiazepine weit
gehend abstinent zu leben. So sei es ihr möglich gewesen, nach einem mehr
monatigen stationären Behandlungszyklus 2008/2009 einschliesslich einer adäquaten psy
chopharmakologischen Behandlung
eine deutliche und langan
dauernde psychische Stabilität zu erreichen. Die Klinikaufenthalte 2011/2012 seien im Sinne von kurzen Kriseninterventionen bei Alkoholrückfällen und psy
chosozialen Belastungen erfolgt
(S. 22 f.)
.
Zusammenfassend liessen sich aktuell
nur
noch leichte Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit feststellen. Es handle sich
um eine leicht verminderte Stress- und Frustrationstoleranz sowie eine leichte Einschränkung der sozialen Kom
petenzen mit Einschränkung der emotionalen Belastbarkeit. Es sei anzunehmen, dass im Rahmen einer adäquaten und konsequenten psychiatrisch-psychothera
peutischen Behandlung und unter Abstinenz von psychotropen Substanzen (Cannabis) eine weitere Verminderung der aktuellen Arbeitsunfähigkeit erzielt werden könne.
Folgende psychosoziale Belastungsfaktoren beeinflussten den Behandlungsverlauf: subjektives Krankheitskonzept, Arbeitsplatzverlust, er
schwerte Bedingungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, schwankender, dabei derzeit eher geringer beruflicher Ehrgeiz, partnerschaftliche Konflikte, finanzi
elle Probleme, IV-Berentung des Bruders und eigener Rentenwunsch
(S. 23).
Gestützt darauf kam die Gutachterin zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin in der angestammten und leidensadaptierten Tätigkeit als kaufmännische An
gestellte beziehungsweise Verwaltungssekretärin aus psychiatrischer Sicht zu 20 % arbeitsunfähig sei. Eine weitere Reduktion der noch bestehenden Arbeits
unfähigkeit
im
angestammten Beruf auf unter 10 % sei unter adäquater psychi
atrisch-psychotherapeutischer Behandlung anzunehmen beziehungsweise zu erwarten. Retrospektiv könne aus psychiatrischer Sicht davon ausgegangen werden, dass eine andauernde Arbeitsunfähigkeit
von mehr als 20 %
im
invali
den
versicherungsrechtlichen
Sinne noch nie vorgelegen habe (S. 24).
3.3.
6
Med.
pract
.
E._
wiederholte im Bericht vom 7. Mai 2013 (Urk. 7/101) im Wesentlichen die in seiner früheren Stellungnahme
(
Bericht vom 31. Januar 2012
[
Urk. 7/77
]
)
gestellten Diagnosen und gemachten Angaben
und ging
weiterhin
von einem eher stationären Zustandsbild aus. Daneben
berichtete er über regelmässige intermittierende starke
Stimmungsschwankungen mit
An
spannungszuständen
(und
teilweise schwereren Selbstverletzungen). Aufgrund vor allem der reduzierten Stressbelastbarkeit und Ausdauer, der fehlenden An
pas
sungsfähigkeit sowie der rascheren Ermüdbarkeit attestierte er der Be
schwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit Februar 201
2.
Im Verlauf
sei
die Beschwerdeführerin
nur in einem stressreduzierten und wohl
wollenden Arbeitsumfeld mit einem maximalen Tagespensum von 25 %,
mit
häufigeren Pausen und Erholungsmöglichkeiten
,
als einsatzfähig zu sehen.
4.
4.1
Das psychiatrische Gutachten von med.
pract
.
Y._
vom 27. September 2012 er
füllt die Anforderungen an eine
beweiskräftige medizinische
Entschei
dungs
grundlage
(
vgl. dazu
BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E.
3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der S
ozialversicherung, BJM 1989, S.
30 f.
; derselbe in H.
Fredenhag
en
, Das ärztliche Gutachten, 3. Aufl. 1994, S.
24 f.).
Es enthält eine
ausführliche
,
nachvollziehbare
und
die
gestellte
n
Fragen beant
wortende
Beurteilung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin
aus psychiatrischer Sicht
. Das Gutachten
beruht
auf einer
eingehenden
psychiatri
schen
Untersuchung
.
Hinweise für eine
unangemessene, die Explorandin über
fordernde
Untersuchungsdauer (Urk. 1 S. 6
, Urk. 7/95 S. 2, Urk. 7/103 S. 3
)
finden sich weder im
Gutachten
so habe sich die Beschwerdeführerin an der mehrstündigen Untersuchung aktiv beteiligt (
Urk. 7/85 S. 17)
n
och in nach
träglich erstatteten
Berichten der behandelnden Ärzte
(vgl. insbesondere den
bei der Beschwerdegegnerin am 7. März 2013 eingegangenen
Bericht des
prakti
schen Arztes
I._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
(Urk. 7/99)
,
sowie den Bericht von med.
pract
.
E._
vom 7. Mai 2013 [Urk. 7/101])
.
4.2
Weiter
berücksichtigt
e
d
ie Gutachterin
die geklagten Beschwerden, setzt
e
sich mit diesen
,
mit
den
weiteren Angaben
der Beschwerdeführerin
und
mit
deren
Ver
halten
auseinander.
Zu Recht wies sie
dabei
auf sich widersprechende An
gaben der Bes
chwerdeführerin über ihr Trink- sowie
Leseverhalten
hin
(Urk. 7/85 S. 14 u
nd S. 15 f.; vgl. Urk. 1 S. 6).
Der
von
der Beschwerdeführerin erhobene
Einwand, dass die Gutachterin wesentli
che Lebensumstände nicht berücksichtigt beziehungsweise als irrelevant bezeichnet habe (Urk. 1 S. 6),
geht ins Leere. D
ie
Gutachterin
zählte
die belas
tenden Erlebnisse, vor allem die Verlusterlebnisse
(
und Verlustängste
) der Be
schwerdeführerin
ausdrücklich zu den zur
Labilisierung
der strukturellen Vul
nerabi
lität beitragenden und die Entwicklung depressiver Episoden begüns
ti
gen
den Faktoren (Urk.
7/85
S. 22).
4.3
Darüber hinaus ist es Aufgabe
eines Gutachters
, bestehende psychosoziale
Belas
tungsfaktoren
aufzuzeigen. Denn
rechtsprechungsgemäss sind
von der soziokul
turellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstständigte
psych
ische Störungen mit Auswirkung
auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabdingbar, damit überhaupt von Inv
alidität gesprochen werden kann
(BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 2
3. März 2009 E.
2).
Daher sind die diesbezüglichen Ausführungen im Gut
achten (Urk. 7/85 S. 23) entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 7) nicht zu beanstanden.
4.4
Sodann
leuchtet d
as Gutachten
in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein.
Insbesondere erscheinen die Schlussfolgerungen von
med.
pract
.
Y._
hinlänglich begründet
.
Hinsichtlich der Einschätzung des Verlaufs der Arbeitsfähigkeit ist festzuhalten, dass die Gutachterin zwar vorübergehende 100%ige Arbeitsunfähigkeiten
an
erkannte
und diese
auf die wiederholten
Hospitalisationen
zurück
führ
t
e,
aus gutachterlicher Sicht
jedoch nachvollziehbarerweise
eine langandauernde Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit von mehr als 20 % verneinte
und die Errei
chung dieser Arbeitsleistung
wie bereits die Ärzte der
B._
-Klinik im Bericht vom 27. Mai 2009 (Urk. 7/28 S. 8)
im Rahmen eines stufenweisen beruflichen Wiedereinstiegs als zumutbar erachtete
(Urk. 7/85 S.
23
, S. 25
).
Dies
e Einschätzung
steht mit der festgestellten wesentlichen Remission der de
pressiven Symptomatik nicht in
Widerspruch (vgl. Urk. 1 S. 8). D
ie
Besserung
äussert
e
sich offensichtlich nicht in einer
weitergehenden
Arbeitsfähigkeit
, son
dern
sie ist
darin zu erblicken
, dass die Beschwerdeführerin
seit Entlassung aus der
B._
-
Klinik im März 2009
erst wieder 2011 und lediglich
im Rahmen von
kürzeren
Kriseninterventionen hospitalisiert werden musste
.
4.5
Weiter ist zu berücksichtigen, dass sich
die behandelnden Ärzte in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren
haben, weshalb
deren Berichte nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des Gesundheitszustandes
verfolgen
und
daher
kaum je die von der Rechtsprechung aufgestellten materiellen Anforde
rungen an ein Gutachten erfüllen. Sodann ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass sie mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer
Patienten aussagen (BGE 135 V
465 E. 4.5).
Dadurch lässt sich
die Diskrepanz zu
den Einschätzungen
der
psy
chiat
rischen Gutachterin
erklären.
Darüber hinaus
vermögen die Aus
führungen
von med.
pract
.
E._
im Bericht vom 7. Mai 2013
(Urk. 7/101)
nicht zu über
zeugen,
wenn
er zwar
von einem
eher stationären Zustandsbild aus
geht,
jedoch
die
im Bericht vom 31. Januar 2012 (Urk. 7/77) attestierte
Arbeitsunfähigkeit von 75 % ab Januar 2012 auf 100 % ab Februar 2012
erhöht
,
ohne
darzulegen, weshalb
der Beschwerdeführerin
bei stationärem Zustandsbild
keine Ar
beitsleistung mehr zumutbar sein soll
.
4.6
Schliesslich besteht kein
Anspruch auf die Addition
der somatisch und psy
chiat
risch begründeten
Einschränkungen (Urk. 1 S. 9 f.
; vgl.
etwa
auch
Bun
des
gerichtsurteil
I
584/04
vom 28.
Dezember 2004
E. 3.4)
.
Vorliegend fehlt es an
Anhaltspunkten, die darauf hindeuten
würden
, dass die
aus somatischer Sicht
um
30
% eingeschränkte Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der
psy
chischen
Beeinträchtigungen zusätzlich vermindert wäre.
4.7
Zusammenfassend hat d
ie Beschwerdegegnerin zu Recht
auf das psychiatrische Gutachten von med.
pract
.
Y._
vom 27. September 2012
abgestellt und ist davon ausgegangen, dass
die Beschwerdeführerin aus somatischen
und psy
chiatrischen
Gründen
nie
während eines Jahres
ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
zu mindestens 40 % arbeitsunfähig war
,
weshalb die
renten
ablehnende
Verfügung vom
19. Juli 2013
nicht zu beanstanden ist (Art. 28 Abs. 1 IVG).
Unter diesen Umständen erübrigt es sich, auf die Ausführungen in der Be
schwerde über
die verspätet erfolgte Anmeldung und über
den
Einkommensver
gleich
(Urk. 1
S. 4,
S. 6 und S. 10) einzugehen.
5
.
Aus Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV) ergibt sich nach ständiger Recht
sprechung kein Anspruch auf Einsicht in rein interne Akten, die für die interne Meinungsbildung bestimmt sind und denen kein Beweischarakter zukommt (
BGE 129 V 472
E. 4.2.2, 125 II 473 E. 4a, 115 V 297 E. 2g/
aa
).
Demgemäss
be
steht auch im Rahmen einer Begutachtung grundsätzlich kein Anspruch auf Einsicht in die der internen Meinungsbildung dienenden Notizen des Gutachters oder generell das Gutachten vorbereitende Arbeitsunterlagen, wie Hilfsmittel für die Erstellung eines Gutachtens, z.B. schriftliche Aufzeichnungen über
Test
ergebnisse
oder andere Befunde (vgl. auch Niklaus Schmid, Einige Aspekte der naturwissenschaftlichen Gutachten aus der Sicht der Schweizerischen Strafpro
zessordnung, AJP 2010 819 ff., 826
; ferner Bundesgerichtsurteil 8
C
_215/2012 vom 1
1.
Juli 2012 E. 5.2
). Das Gericht kann indessen zum
Beizug
verpflichtet sein, wenn dies im Einzelfall zur Überprüfung des Sachverständigengutachtens in seinen Grundlagen und Schlussfolgerungen angezeigt erscheint (
vgl. etwa Bundesgerichtsurteil 9
C_
591/2010 vom 20. Dezember 2010 E.
5.1.2 mit Hinweis auf
Urteil 1P.544/2003 vom 12. November 2003 E. 5.3).
Dies ist vorliegend nicht der Fall, weshalb der Beschwerdeführer auch mit der Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs (Urk. 1 S. 5 f.) nicht durchdringt.
6
.
Ausgangsgemäss sind
die Gerichtskosten von Fr.
600.
der Beschwerdefüh
rer
in
auf
zuerlegen
, jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung e
instweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen
.
Zudem ist der unentgeltliche Rechtsvertreter Rechtsanwalt
Michael
Ausfeld
für seine Bemühungen gemäss der Honorarnote vom
26. November 2013
(Urk.
10
) mit Fr.
1‘9
60
.
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.