Decision ID: 8a4625ed-d1cb-4ee7-8c91-0d00939a755a
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1955 geborene
X._
war zuletzt als Leiter Inspektorat, Aus- und Weiterbildung beim
0._
Verband Schweiz
tätig
(Urk. 6/18)
. Am 1
5.
April 2016 (Eingangsdatum) meldete er sich bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle unter Hinweis auf Depressionen zum Leistungsbezug an (Urk. 6/4).
Diese tätigte in der Folge medi
zinische (Urk. 6/16, Urk. 6/22) und erwerbliche (Urk. 6/18) Abklärungen und zog die Akten des Taggeldversicherers (Urk. 6/13, Urk. 6/21, Urk. 6/31) bei. Mit Vor
bescheid vom
3.
März 2017 (Urk. 6/33) stellte sie die Abweisung des Leistungs
begehrens in Aussicht, wogegen der Versicherte am 2
1.
März 2017
(Urk. 6/34) sowie ergänzend am
5.
Mai 2017 (Urk. 6/40) Einwand erhob und mehrere medi
zinische Akten auflegen liess (Urk. 6/37-39, Urk. 6/43).
Am 2
8.
Juni 2017 ver
fügte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens (Urk. 2 [=Urk. 6/45]).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 1
1.
August 2017 Beschwerde
(Urk. 1)
und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei eine psychi
atrische Begutachtung durchzuführen. Eventualiter sei ihm eine ganze Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen.
Die Beschwerdegegnerin schloss in der Beschwerdeantwort vom 1
8.
September 2017 (Urk.
5) auf Abweisung der Beschwerde
. Mit Replik vom
3.
Oktober 2017 (Urk. 9) hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest
.
Mit Schreiben vom
2.
November 2017 (Urk. 11) verzich
tete die Beschwerdegegnerin
auf die Erstattung einer Duplik, was dem Beschwer
deführer am
3.
November 2017 angezeigt wurde (Urk. 12).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1
.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar
unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturel
len Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklä
rung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «
funktioneller Schweregrad
»
(E. 4.3)
-
Komplex «
Gesundheitsschädigung
»
(E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «
Persönlichkeit
»
(Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «
Sozialer Kontext
»
(E. 4.3.3)
-
Kategorie «
Konsistenz
»
(Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
Von einem strukturierten Beweisverfahren kann aus Gründen der Verhältnismäs
sigkeit dort abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist (BGE 143 V 409 E. 4.5.3).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben,
warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete ihre leistungsabweisende Verfügung (
Urk.
2) damit, es bestehe keine
gesundheitliche Einschränkung, die sich längerfristig auf die Erwerbsfähigkeit auswirken würde
. Die Beschwerden des Beschwerdeführers, insbesondere die Erschöpfungsdepression, würden durch äussere Umstände ver
ursacht. Es bestehe ein Arbeitsplatzkonflikt. Bei einem anderen Arbeitgeber könne eine Tätigkeit ohne Einschränkungen verrichtet werden. In der Beschwer
deantwort
(Urk. 5)
ergänzte sie, der Zustand des Beschwerdeführers habe im sta
tionären Aufenthalt verbessert werden können. Der Gesundheitszustand könne demnach therapeutisch angegangen und verbessert werden.
Da keine Therapiere
sistenz bestehe
,
sei kein langdauernder Gesundheitsschaden ausgewiesen, welcher zum Bezug von Leistungen berechtigen würde.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer zusammen
gefasst
geltend (Urk. 1), diverse Konflikte und Stress am Arbeitsplatz hätten bei ihm ab dem
5.
Oktober 2015 zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit geführt.
Nachdem er durch seine behandelnden Ärzte zunächst 100 % arbeitsunfähig geschrieben worden sei, habe die Gutachterin der Taggeldversicherung im Dezember 2016 eine mutmassliche Verbesserung ab Februar 2017 prognostiziert. Ohne den prognostischen Verlauf zu überprüfen, habe die Beschwerdegegnerin den Vorbescheid erlassen. Sein Gesundheitszustand habe sich jedoch keineswegs gebessert, weshalb er im März
2017
eine stationäre Rehabilitation angetreten habe. Die Beschwerdegegnerin
habe es auch in der Folge unterlassen, den Gesundheitszustand fachärztlich abklären zu lassen. Ihre ablehnende Verfügung gründe lediglich auf der fach
fremden Beurteilung des Arztes des regionalen ärztlichen Dienstes (RAD)
, welcher in Abweichung zu den fachärztlichen Berichten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
attestiert
e
.
3.
3.1
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
, führte in sei
nem Bericht vom 1
7.
November 2015 (Urk. 6/13/12) zuhanden der Taggeldversi
cherung aus, beim Beschwerdeführer bestehe eine zunehmend depressive Ver
stimmung bei Arbeitsplatzproblematik
mit
Dekompensation am 5. Oktober 201
5.
Die weitere Behandlung erfolge durch die
Z._
. Es bestehe seit dem
5.
Oktober 2015 und bis auf weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %.
3.2
Im Bericht der
Z._
vom 1
9.
Januar 2016 (Urk. 6/13/5-7) wurde eine Anpassungs
störung mit vorwiegender Störung anderer Gefühle (ICD-10 F43.23) diagnosti
ziert, welche die Arbeitsfähigkeit zu 100 % einschränke. Die Ärzte führten aus, der Beschwerdeführer sei infolge Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen
,
Überforderungserleben und seines depressiven Syndroms bei der Arbeit nicht mehr belastbar. Die Prognose wurde als mittel bis gut eingeschätzt.
3.3
Mit
Bericht vom 2
9.
April 2016 (Urk. 6/16/6-7) hielt
Dr.
Y._
fest, es bestehe über Wochen eine chronische depressive Verstimmung
bei Arbeitsplatzüberlas
tung
. Der Beschwerdeführer sei seit dem
5.
Oktober 2015 und bis auf weiteres 100 % arbeitsunfähig. Befunde und Prognosen seien beim Psychiater
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, zu erfragen.
3.
4
Am
2.
Mai 2016 (Urk. 6/22) berichteten die Ärzte der
Z._
, beim Beschwerdeführer bestünden Anpassungsstörungen
(ICD-10 F43.2) und eine leichte depressive Epi
sode (ICD-10 F32.0). Bis zum 1
9.
Januar 2016 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestanden. Nach Rekonvaleszenz und in der Folge gutem Verlauf bestehe mutmasslich ein maximales Arbeitspensum von 50 % bei einer Belastbarkeit von 80 %, worüber aber aufgrund der Beendigung der Behandlung am 1
9.
Januar 2016 keine Kenntnis bestehe.
3.5
Mit Bericht vom 2
5.
Juli 2016 (Urk. 6/31/19-21) führte
Dr.
A._
aus, beim Beschwerdeführer bestehe eine initial schwere, gegenwärtig mittelschwere, depressive Episode (ICD-10 F32.2). Initial hätten eine ausgesprochene Unruhe, Grübeln, Ein- und Durchschlafstörungen, sozialer Rückzug und Suizidalität
bestanden. Aktuell sei
en
eine beginnende Aufhellung der Stimmung, weiter aus
geprägte Antriebshemmung und sozialer Rückzug, eine Rückbildung der Suizi
dalität und eine beginnende Distanz zur Arbeitssituation feststellbar. Aufgrund der Besserungstendenz bei fluktuierendem Verlauf mit einigen Rückschlägen, sei aufgrund der guten Motivation und der bisherigen Lebensbewährung des Beschwerdeführers eine günstige Prognose zu stellen.
Bei weiterer Besserung und Stabilisierung erscheine ein Wiedereinstieg in die angestammte Tätigkeit (nicht aber an den vormaligen Arbeitsplatz) möglich.
3.6
In ihrem Gutachten vom 1
6.
Dezember 2016 (Urk. 6/31/2-10) zuhanden der Tag
geldversicherung
stellte
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
die Diagnose
Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2). Dazu führte sie aus, der Becks Depression Test habe Hinweise auf depres
sive Symptome und dysfunktionale Überzeugungen geliefert. Die erreichten 34 Punkte entsprächen knapp einer schweren depressiven Symptomatik, was sich klinisch aber nicht bestätige
n lasse
und damit zu erklären sei, dass die Schnitt
menge depressiver Symptome mit anderen Störungen (z.B. der Kategorie F4
)
gross sei
. Es bestehe ein dysfunktionaler Umgang mit dem Thema Selbstbehauptung und Abgrenzung vom Arbeitsplatz. Vor dem Hintergrund der Persönlichkeits
struktur (hohe Loyalität und berufliches Engagement) sei die psychophysische Reaktion auf die schrittweise Abwertung durch den Arbeitgeber (Lohnkürzungen, Stellenveränderung, Konkurrenz auf Kaderebene) nachvollziehbar
(Urk. 6/31/
7)
.
Es bestehe in der Synthese von Testung und klinischem Eindruck eine leicht bis mittelgradig depressive Symptomatik neben einer ängstlich-vermeidenden Kon
fliktverarbeitung. Seit Oktober 2015 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit, welche schätzungsweise noch weitere vier Monate anhalten werde. In einer angepassten Tätigkeit könne ab Februar 2017 mit einer 50%igen und ab März 2017 mit einer 80%igen Arb
eitsfähigkeit gerechnet werden (Urk. 6/31/8-9).
3.
7
In der Stellungnahme des RAD vom 1
0.
Februar 2017 (Urk. 6/32/4-6) führte
Dipl.-med.
C._
, Fachärztin für Innere Medizin, Prävention und Gesundheitswesen
,
aus, es bestehe keine Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers.
Es bestünden
ein Arbeitsplatz
konflikt und psychosoziale Belastungsfaktoren im familiären Umfeld. Der behan
delnde Psychiater habe die Arbeitsfähigkeit nicht objektiv bewertet, sondern von äusseren Faktoren (z.B. Einschätzung der Ehefrau oder Aktivitäten der Invaliden
versicherung) abhängig gemacht. Es seien äussere Umstände gewesen, welche zur Erkrankung und deren Fortbestand geführt hätten, welche jedoch invalidenversi
cherungsrechtlich nicht relevant sei
en
. Es handle sich dabei um vorübergehende und überwindbare Faktoren und es resultiere daraus keine dauerhafte Unfähigkeit
zur Ausübung der bisherigen Tätigkeit. Aus versicherungsmedizinisch-theoreti
scher Sicht habe von Oktober 2015 bis Juni 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %, von Juli bis September 2016 eine solche von 50 % und ab Oktober 2016 eine vollständige Arbeitsfähigkeit bestanden.
3.8
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie,
berichtete am
9.
März 2017 (Urk. 6/37/1-2)
von
eine
r
rezidivieren
de
n
depressive
n
Episode mit gegenwärtig mittelschwerer Ausprägung.
Einen Befund erhob er nicht.
Aus psychiatrischer Sicht hielt er eine stationäre psycho
somatische Rehabilitation für indiziert.
3.9
Am 1
3.
März 2017 (Urk. 6/37/3) bestätigte das
F._
den Eintritt des Beschwerdeführers auf den 2
3.
März 2017 zum stationären Auf
enthalt. Im Austrittsbericht vom
1
5.
Mai
2017 (Urk. 6/
43
)
nannten die Ärzte ins
besondere eine Erschöpfung sowie eine rezidivierende depressive Episode gegen
wärtig mittelschwerer Ausprägung und attestierten eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 2
4.
März 2017 bis 3
1.
Mai 201
7.
Der Beschwerdeführer sei im Affekt depressiv verstimmt bei eingeschränkter Schwingungsfähigkeit und im Antrieb vermindert. Suizidpläne würden bei gelegentliche
n
Todeswünschen verneint.
Bei Klinikeintritt habe er einen Zustand von Verunsicherung und Erschöpfung gezeigt. Durch grossen Einsatz und Willen sei eine physische und psychische Ver
besserung erzielt worden, welche aber kurz vor Austritt wieder zusammenzufallen drohte. Ein Wiedereinstieg in eine erwerbsmässige Arbeit sei zurzeit nicht abseh
bar, zuerst müsse die Tagesstruktur und Leistungsfähigkeit im häuslichen Rahmen aufgebaut und stabilisiert werden.
3.10
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens wurde
das Schreiben
von
Dr.
med.
G._
, Chefärztin
F._
Davos, vom 2
0.
Juli 2017 (Urk. 3) aufgelegt. Darin hält diese fest, dass sie den Beschwerdeführer seit dessen Austritt aus der Klinik am 2
6.
April 2017 monatlich einmal gesehen habe.
Dessen Zustand habe sich seit seinem Austritt im April nur wenig verändert. Zurzeit sei eine Arbeitsfähigkeit nicht
gegeben
.
4.
4.1
Den aufliegenden medizinischen Berichten kann entnommen werden, dass
der
Beschwerdeführer
über
Beschwerden
aus dem depressiven Formenkreis klagte. Während der Hausarzt,
Dr.
Y._
, zu Beginn eine depressive Stimmung fest
stellte (E. 3.1)
,
lautete die erste fachärztliche Diagnose durch die
Z._
auf eine Anpassungsstörung mit vorwiegender Störung anderer Gefühle (E. 3.2), was sie später mit
der Diagnose
einer leichten
depressiven Episode
ergänzte (E. 3.4).
Im
weiteren Verlauf berichtete auch der behandelnde Psychiater
Dr.
A._
über eine mittelschwere depressive Episode (E. 3.5). Demgegenüber charakterisierte die Gutachterin
Dr.
B._
die Beschwerden als Angst und depressive Störung gemischt (E. 3.6).
Das
F._
nannte letztlich die Diag
nosen einer Erschöpfung sowie einer rezidivierenden depressiven Episode mittel
schwerer Ausprägung (E. 3.9).
Das Gutachten von
Dr.
B._
erging in Kenntnis der
Vorakten
(Urk. 6/31/2 ff.) und beruht auf einer allseitigen psychiatrischen Untersuchung des Beschwerde
führers (Urk. 6/31/6 f.). Die Gutachterhin erhob eine ausführliche Anamnese (Urk. 6/31/4 f.) und berücksichtigte die geklagten Beschwerden (Urk. 6/31/6).
Das Gutachten genügt daher den an eine beweiskräftige Expertise gestellten Anfor
derungen (E. 1.5), weshalb grundsätzlich darauf abgestellt werden kann.
Die
im Gutachten
gestellte Diagnose von Angst und depressiver Störung gemischt soll nach ICD-10 (F41.2) bei gleichzeitigem Bestehen von Angst und Depression Verwendung finden, jedoch nur, wenn
keine der beiden Störungen ein
Ausmass erreicht, das
eine entsprechende Diagnose rechtfertigen würde. Patienten mit die
ser Kombination verhältnismässig milder Symptome werden
gemäss den
klinisch-diagnostischen Leitlinien
in der Primärversorgung häufig gesehen. Noch viel häufiger finden sie sich in der
Bevölkerung, ohne je in medizinische oder psychiatrische Behand
lung zu gelangen
(
Weltgesundheitsorganisation [WHO],
Internationale
Klassifi
kation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leit
linien,
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.], 10. Aufl. 2015, Ziff. F
41.2
S.
199
).
Die
ser Diagnose ist
mithin
ein leichter Schweregrad inhärent und die dazugehörigen lediglich milden Symptome dürften kaum je einen Einfluss auf die
funktionelle Leistungsfähigkeit
der betroffenen Person
zeitigen
.
Soweit
Dr.
B._
dennoch auf eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
schloss,
kann ihr aufgrund der nach
folgenden Ausführungen in invalidenversicherungsrechtlicher Hinsicht nicht gefolgt werden.
4.2
Unabhängig davon, welche Diagnose die jeweiligen medizinischen Fachpersonen stellten, führten sie diese
a
uf die Arbeitssituation
respektive auf ein belastendes Umfeld
zurück.
So schrieb Dr.
Y._
von
eine
r
depressive
n
Verstimmung bei Arbeitsplatzproblematik (Urk. 6/13/12) respektive Arbeitsplatzüberlastung (Urk. 6/16/6).
Die Ärzte des
Z._
hielten fest, dass es zwischen dem Beschwerde
führer und seinem Vorgesetzten zu Konflikten mit unklarer Rollenverteilung und
Kompetenzbereichen gekommen sei (Urk. 6/22/2).
Dr.
A._
als behandelnder Psychiater stellte im Juli 2016 eine gute Prognose und begründete dieselbe mit einer beginnenden Distanz zur Arbeitssituation (E. 3.5
).
Zudem notierte er, dass
im Frühjahr 2016 Gespräche über eine weiterdauernde Anstellung des Beschwer
deführers gescheitert seien, wodurch dieser in seiner gesundheitlichen Situation zurückgeworfen worden sei
(Urk. 6/31/20), was die Abhängigkeit des Gesund
heitszustandes von der beruflichen Situation verdeutlicht.
Dr.
B._
hielt fest,
es bestehe
ein dysfunktionaler Umgang mit dem Thema Selbstbehauptung und Abgrenzung vom Arbeitsplatz (E. 3.6)
. Ausserdem notierte sie, dass
Dr.
A._
im Dezember 2016
von
eine
r
erneute
n
Verschlechterung des Gesundheitszustan
des aufgrund
von
Rückschläge
n
in der Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber
berichtet habe
(Urk. 6/31/8).
Und auch das
F._
schrieb von einem
sehr belastende
n
Alltagsumfeld
,
von welchem im Rahmen der Rehabilita
tion eine Distanzierung angestrebt werde (Urk. 6/43/1).
Dr.
A._
gab
sodann
anlässlich eines Telefongesprächs mit dem Taggeldversicherer
am 1
7.
November 2016
an, dass die Auseinandersetzung mit der Pensionskasse und dem vormali
gen Arbeitgeber den Beschwerdeführer hinsichtlich einer Wiedereingliederung blockiere. Allerdings sei diese Situation nun geklärt, weshalb ab der
darauffol
genden
Woche eine Wiedereingliederung sinnvoll (und damit auch möglich) sei (Urk. 6/31/13). Eine angepasste Tätigkeit schien nach Ansicht von
Dr.
A._
denn auch nicht notwendig zu sein, da
ein Wiedereinstieg im angestammten Auf
gabenbereich möglich sei (Urk. 6/31/21).
Schliesslich verdeutlicht außerdem der Hinweis im Gutachten von Dr.
B._
, wonach sich der von Dr.
A._
beschriebene gesundheitliche Verlauf vom Stand der Verhandlungen mit dem Arbeitgeber abhängig gezeigt habe (Urk. 6/31/9), dass sich das beim Beschwerdeführer vorliegende Beschwerdebild in psychosozi
alen Faktoren erschöpft. So war gemäss behandelndem Psychiater aufgrund von erneuten Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeber eine Verschlechterung des gesundheitlichen Zustandes zu verzeichnen, während bei Klärung der Situation mit der Pensionskasse und dem Arbeitgeber eine berufliche Wiedereingliederung in den Augen des behandelnden Psychiaters sinnvoll erschien (vgl. vorstehend).
Das psychosozial bedingte Beschwerdebild vermag zwar
eine
medizinisch
e
Diag
nose
,
jedoch
keine Invalidität zu begründen (vgl. E. 1.3).
Die auf psychosozialen Faktoren beruhende psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit ist kein invalidisie
render Gesundheitsschaden im Sinne der Rechtsprechung nach BGE 127 V 294 E. 5a. Soweit soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen zeitigen, bleiben sie mithin ausser Betracht (Urteil des Bundesgerichts 8C_329/2018 vom
7.
September 2018 E. 5.2.3.2).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ändert daran auch nichts, dass nach BGE 143 V 409 und 418 sämtliche psychi
schen Erkrankungen grundsätzlich einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_858/2017 vom
1
7.
Mai 2018 E. 3.2).
Da kein
im Sinne des Invalidenversicherungsrechtes rele
vanter Gesundheitsschaden vor
liegt
, erübrigt sich eine
indikatorengeleitete
Über
prüfung des geltend gemachten Leidens
(vgl. 8C_858/2017 E. 3.2).
Mithin hat der RAD richtig erkannt, dass es an einer dauerhaften, invalidenver
sicherungsrechtlich relevanten Einschränkung der Leistungsfähigkeit mangle und (spätestens ab Oktober 2016) eine vollständige Arbeitsfähigkeit bestehe (E. 3.7). Hieran vermögen auch die nachträglich ergangenen Berichte nichts zu ändern. Vielmehr bestätigen diese, dass vorwiegend psychosoziale Belastungsfaktoren den vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden zugrunde liegen (E. 3.9) oder es mangelt an einer Befunderhebung (E. 3.10) beziehungsweise wurde von einem weitgehend unauffälligen Befund berichtet (E. 3.8).
5.
In Anbetracht der
Erwägungen
ist die Verfügung der Beschwerdegegnerin
nicht zu beanstanden, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
6
.
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenver
siche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens
aufwand und
unab
hän
gig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
legt
.
Die Kost
en des Verfahrens sind auf Fr. 7
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss de
m Beschwerdeführer
aufzu
erlegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).