Decision ID: 44958e34-e392-55da-8777-c81d767e444b
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967, meldete sich am 18. Mai 2005 unter Hinweis auf eine
n erlittenen Unfall mit Teilamputation
en von
Finger
n
der linken Hand
bei der
Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/3).
Die Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, gewährte Arbeitsvermittlung (Urk. 7/34)
und verneinte mit Verfügung vom 11. September 2007 (Urk. 7/46)
einen Anspruch
a
uf eine Invalidenrente.
1.2
Wegen psychischer Probleme ersuchte die Versicherte am 22. September 2009 erneut um Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 7/51).
Die IV-Stelle klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und
sprach ihr mit Verfügungen vom 18. Juli 2011 (Urk. 7/107) bei festgelegter Qualifikation
als zu
75 % Erwerbs
tätige und zu 25 % im Haushalt Tätige und einem resultierenden Invaliditätsgrad von 63 % eine Dreiviertelsrente ab 1. Dezember 2009 zu.
Mit
Mitteilungen vom 24. September 2012 (Urk. 7/114) und 17. Oktober 2014 (Urk. 7/130)
teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, der Rentenanspruch sei un
verän
dert.
1.3
Nach Eingang eines am 22. November 2017 ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk. 7/138) holte die IV-Stelle unter anderem bei
der Medas
Y._
(MEDAS) ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am 15. Januar 2019
(Gutachtenfertigstellung am 29. Dezember 2018)
erstattet wurde (Urk. 7/163).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/165; Urk. 7/166
,
Urk.
7/170
und Urk. 7/175) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 27. Mai 2019 die bisher ausgerichtete Dreiviertelsrente auf (Urk. 7/179 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 27. Juni 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 27. Mai
2019 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr weiter
hin eine Rente auszurichten
; eventuell sei die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen zwecks Durchführung von beruflichen Massnahmen unter Weiter
ausrichtung der bisherigen Rente
(Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 20. August 2019 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 27. August 2019
(Urk. 11)
wurde
n der prozessuale Antrag der Beschwerdeführerin um Wiederherstellung der aufschiebenden Wir
kung der Beschwerde und das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
(vgl.
Urk. 1 S. 2)
abgewiesen sowie ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet.
Mit Eingabe vom 2. September 2019 (Urk. 12) ersuchte die Beschwerdeführerin um
w
iedererwägung
sweise Gutheissung
de
s Ant
r
ags auf
unentgeltliche Rechts
pflege und teilte am 30. September
2019 mit, sie verzichte auf eine Replik (Urk. 14).
Mi
t Gerichtsverfügung vom 1. Oktober 2019 (Urk. 15)
wurde daraufhin
die unent
geltliche Prozessführung und Rechtsvertretung
ab 2. September 2019
bewilligt und der Beschwerdegegnerin de
r
Replikverzicht der Beschwerdeführerin mitge
teilt.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
A
TSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose
und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.2.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
be
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hin
weisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
achtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu han
deln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer mate
riellen Prüfung des
Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit. f
der Verordnung über die Inva
lidenversicherung (IVV)
auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssach
verhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete
in ihrer Verfügung (Urk. 2) die Einstellung der Invalidenrente damit, dass sich die gesundheitliche Situation der Beschwer
deführerin verbessert habe
, was namentlich durch den strukturierten Tagesablauf mit einem hohen Aktivitätsniv
e
au begründet sei.
Darüber hinaus seien die The
rapiemöglichkeiten inklusive Medikation nicht vollständig ausgeschöpft.
Die Rentenleistungen seien darum nicht mehr gerechtfertigt (S. 2).
Ergänzend führte die Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung vom 20. August
2019 (Urk. 6) aus, dass
bei unveränderter Qualifikation (75 % Erwerbs
t
ätigkeit, 25 % Haushalt)
gestützt auf den angeführten Einkommensvergleich selbst bei Annahme einer 50%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit kein ren
tenbegründender Invaliditätsgrad resultiere
(S. 2 ff.).
2.2
Demgegenüber machte
die Beschwerdeführerin beschwerdeweise g
eltend (Urk. 1), das eingeholte Gutachten komme zum Schluss, dass für eine dem Leiden ange
passte, sehr eingeschränkte Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit ausgewiesen
sei. Es bestünden wie bei der Rentenzusprache nach wie vor die gleichen Diag
no
sen, weshalb es sich nur um eine andere Beurteilung des gleichen medizi
ni
schen Sachverhaltes handle, bei grundsätzlich gleichgebliebenem Gesundheits
zu
stand, was jedoch keine Rentenaufhebung rechtfertige (S. 6 f.). Selbst bei Ab
stellen auf einen verbesserten Gesundheitszustand
, was sich aber aus dem Gut
achte
n nicht ergebe, müsste von einem
äusserst eingeschränkten Tätigkeitsfeld ausgegangen werden. Die postulierte Gesundheitsverbesserung wegen Heirat
sei nicht plausibel und überdies ein invaliditätsfremder Faktor. Auch könne dadurch, dass sie sich mit Stricken, Haushalten und Schwimmen beschäftige, nicht auf vorhandene Res
sourcen geschlossen werden und noch weniger auf eine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt (S. 7 f.). Zudem könne – näher dargelegt - nicht auf die vom Gut
achten abweichende Indikatorenprüfung der Beschwerdegegnerin abgestellt wer
den (S. 8
f.
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist die Einstellung der Invalidenrente, mithin ob ein Revi
sionsgrund vorliegt.
Nicht strittig ist vorliegend die Statusfrage
(vgl. hierzu BGE 144 I 28 E. 2.2,
117
V 198 E.
3b)
.
Mit Haushaltabklärungsbericht
vom 13. April
2010 (Urk. 7/76) wurden
die persönlichen Verhältnisse vor Ort abgeklärt und festgehalten, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Angaben und des IK-Auszuges in den Jahren 2007 und 2008 durchschnittlich zu zirka 70 % erwerbstätig gewesen sei (Ziff. 2.4)
und sie bei guter Gesundheit vermutlich im Rahmen zwischen 70 und 80 % ausser
häuslich tätig sein würde (Ziff. 2.5). Daher wurde die Beschwerdeführerin von der Abklärungsperson als zu 75 % im Erwerb und zu 25
%
im Haushaltbereich Tätige qualifiziert (Ziff. 2.5; Ziff. 7.1). Diese Qualifikation wurde
sowohl bei der Renten
zusprache (vgl. Urk. 7/94 und Urk. 7/107) und den
Rentenrevisionen
(vgl. Urk. 7/112
; Urk. 7/129)
als auch im vorliegenden Beschwerdeverfahren
(vgl. Urk. 1)
nicht
bestritten, weshalb sich Weiterungen hierzu erübrigen und weiterhin darauf abgestellt werden kann.
Offen gelassen werden kann die Annahme, wonach
die Beschwerdeführerin, welche
keine Kinder zu betreuen hatte, ihr bisheriges Arbeitspensum
im Umfang von zirka 75 % beibehalten hätte
, um mehr Freizeit zu haben beziehungsweise, um in der zusätzlichen Freizeit ihr Familienleben besser pflegen zu können. Mangels
weiterer persönlicher, familiärer, sozialer oder erwerblicher Umstände, welche überwiegend wahrscheinlich auf eine Erhöhung des erwerblichen Pensums schliessen
liessen,
wäre
daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon aus
zugehen, dass die Beschwerdeführerin im hypothetischen Gesundheitsfall
im
teil
zeitlichen Umfang eines Arbeitspensums von
75
% erwerbstätig gewesen und im restlichen Umfang von
25
% Freizeitaktivitäten nachgegangen wäre
, womit die Beschwerdeführerin im Umfang von 75
% als Erwerbstätige und im restlichen Umfang von
25
% als ohne anerkannten Aufgabenbereich im nicht versicherten Freiz
eitbereich Tätige qualifiziert werden könnte.
Diese Annahme würde
im vor
liegenden Fall
indes zum gleichen Ergebnis
führen
wie die vorgenannte Qualifi
kation als im Erwerb und im Haushaltsbereich Tätige
, wie nachfolgend zu zeigen sein wird (vgl. nachstehend E. 7
.6).
3.
3.1
Die m
it Verfügung
en
vom
18. Juli 2011
(
Urk.
7/107)
mit Wirkung ab 1. Dezember 2009 erfolgte Zusprache einer Dreiviertelsrente erging im Wesentlichen gestützt auf die folgenden Berichte (vgl. Urk. 7/
79
):
3.2
Dr. med.
Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
welche die Beschwerdeführerin seit 26. Januar 2009 alle 14 Tage behandelte,
nannte in ihrem Bericht vom 24. Juni 2009 (Urk. 7/62) die folgenden Diagnosen (Ziff. 1.1)
:
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
somatoforme autonome Funktionsstörung des unteren Gastrointe
stinal
traktes (ICD-10 F45.32)
-
Adipositas
-
akzentuierte emotional instabile Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z.73.1)
-
Probleme bei Gewalt-, Mangel-, Trennungs- und Ausgrenzungser
fah
rungen
seit Kindheit (ICD-10 Z61.1)
-
Status nach Fingeramputation links bei Arbeitsunfall 1991
D
ie Beschwerdeführerin sei seit Juni 2008 arbeitsunfähig wegen Panik und Durchfällen. Sie habe die Kündigung per Ende August 2008 erhalten. Ein Arbeits
versuch in einem Quartierladen sei im Dezember
2008
gescheitert. Die Beschwer
deführerin habe panikartige Angst vor dem Hinausgehen, erleide Panikzustände in Anwesenheit vieler Leute und/oder in engen Räumen (z.B. Zugfahren). Zudem habe sie häufige Durchfälle und Bauchkrämpfe im Kontext der Angstanfälle. Es bestünden eine häufig deprimierte Stimmung und ein erniedrigtes Selbstwertge
fühl sowie ein ausgeprägter sozialer Rückzug (Ziff. 1.4). Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Kassiererin bei
A._
im Pensum von 50 % bestehe mindestens
seit dem Behandlungsbeginn am
26. Januar 2009 bis auf weiteres eine voll
stän
dige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.6).
3.3
Dr. med.
B._
, Facharzt für Innere Medizin, führte in seinem Bericht vom 31. August 2009 (Urk. 7/68/6) bei bekannten Diagnosen aus, erschwerend zu
den
psychiatrischen Störungen komme noch eine erhebliche Adipositas hinzu, welche teilweise durch das psychiatrische Grundleiden begünstigt werde. Durch die Adipositas bestehe eine gewisse Einschränkung der Belastbarkeit.
3.4
Dr.
Z._
änderte mit Bericht vom 22. Januar 2010 (Urk. 7/72) ihre
am
24. Juni 2009 gestellte
n
Diagnosen (vgl. vorstehend E. 3.2) dahingehend, dass anstatt
von
akzentuierten emotional instabilen Persönlichkeitszüge
n
eine emotional instabile
Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (ICD-10 60.31) bestehe und zusätz
lich
eine Essstörung als komorbide Störung mit Panikstörung und Persönlich
keits
störung (ICD-10 F50.9; vgl. Ziff. 1.1).
Die Beschwerdeführerin sei weiterhin voll
ständig
arbeitsunfähig. Ein Arbeitstraining im Arbeitsprojekt der
C._
beginne voraussichtlich im Februar oder März 2010 mit zwei Stunden pro Tag an fünf Tagen pro Woche, was einer Arbeitsunfähigkeit von zirka 70-80 % entspreche (Ziff. 1.6). Die Beschwerdeführerin könne sich derzeit noch nicht vor
stellen, sofort wieder i
n den
Verkauf einzusteigen. Sie habe deshalb der Betreuerin
von der
D._
(Arbeitsprojekt der
C._
) gesagt, dass sie nicht im Laden
beginnen möchte (Ziff. 1.7).
In der laufenden Behandlung seien vermutlich noch Verbesserungen bezüglich Symptomausmass möglich, so dass es im Moment als realistisches Ziel erscheine, eine Eingliederung mit dem Ziel des Erreichens einer Teilarbeitsfähigkeit von zirka 50 % zu versuchen (Ziff. 1.8).
3.5
Dr. med. E._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), nahm am 1. Februar 2010 Stellung (Urk. 7/79/4). Sie hielt fest, es werde weiterhin und nachvollziehbar im psychiatrischen Bericht von Dr.
Z._
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit dargestellt. Eingliederungsmass
nahmen seien ab Februar/März 2010 geplant. Aus versicherungsmedizinischer Sicht könne eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in freier Wirtschaft weiterhin seit 26. Januar 2009 nachvollzogen werden. Sollten die nun geplanten Mass
nahmen am geschützten Arbeitsplatz erfolgreich während zirka 3-4 Monaten um
gesetzt werden können, wären Integrationsmassnahmen durch die IV zu evalu
ieren. Aktuell müsse jedoch die Prognose betreffend raschem Wiederreichen einer rententangierenden Arbeitsfähigkeit eher noch verhalten gestellt werden. Eine erneute medizinische Beurteilung sei in 12 Monaten empfohlen.
4.
4.1
Nach Erlass der Rentenverfügung sind im Rahmen der ersten und zweiten Ren
ten
revision (vgl. Urk. 7/111; Urk. 7/119) unter anderem folgende Arztberichte einge
gangen:
4.2
Dr.
B._
berichtete am 27. Juni 2012 (Urk. 7/110)
von einer unveränderten psy
chischen Situation und einer
wohl
weiterhin bestehenden vollständigen Arbeits
unfähigkeit. Um sicher zu gehen, müsste die Beschwerdeführerin psychiatrisch beurteilt werden. Weil sie ihre Rechnungen
nicht
bezahlt habe, sei sie nicht mehr in psychiatrischer Behandlung (Ziff. 5.5).
4.3
Mit Stellungnahme vom 26. Juli 2012 (Urk. 7/112/2) führte
RAD-Ärztin
Dr.
E._
aus, es sei empfohlen, weiterhin von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in freier Wirtschaft auszugehen und von der Beschwerdeführerin die Wiederauf
nahme einer regelmässigen
,
fachärztlichen psychiatrischen Behandlung zu ver
langen, um ein Eingliederungspotential zu erhalten.
4.4
Die Ärzte der
F._,
welche die Beschwerdeführerin seit dem 20. August 2012 behandelten,
nannten in ihrem Bericht
vom
3. Dezember 2013 (Urk. 7/122) die folgenden Diagnosen (Ziff. 1.1):
-
e
motional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderlinetyp (ICD-10 F60.31)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
n
icht näher definierte Essstörungen, Wechsel zwischen restriktivem Ess
verhalten und Essa
t
tacken (ICD-10 F50.9)
,
bestehend seit 26. Januar 2009
Anamnestisch sei die Beschwerdeführerin nie in einer psychiatrischen Klinik hospitalisiert gewesen. Nach einem Unfall am Arbeitsplatz im Jahr
1990 (richtig:
199
1
)
habe sie zwei Finger an ihrer rechten
(richtig: linken)
Hand verloren und seither habe sie immer wieder psychische Probleme.
Sie hätte oft Bezieh
ungs
probleme gehabt und Phasenweise unter Essattacken gelitten und innert kürzester Zeit viel an Gewicht zugenommen. Bereits in der Kindheit und Jugend habe sie unter Angstzuständen gelitten, vor allem, wenn sie habe
r
eisen müssen. Draussen
fühle sie sich unsicher und habe Angst, von anderen Menschen wegen ihres Übergewichtes und der rechten
(richtig: linken)
Hand angesprochen zu werden, da sie selbst nicht wisse, wie sie reagieren würde. Aus diesem Grund sei sie oft innerlich unruhig und angespannt. Sie habe am 19. November 2012 eine Magen-Operation durc
hführen lassen (vgl. Bericht
G._
vom 21. November 2012; Urk. 7/124/5-6)
und seither 40 kg abgenommen (Ziff. 1.4).
Aktuell befinde sich die Beschwerdeführerin einmal monatlich in sozialpsy
chia
trischer Behandlung (Ziff.1.5).
Die psychische Belastbarkeit und Leistungsfähig
keit
seien
krankheitsbedingt
deutlich reduziert.
Die Beschwerdeführerin
reagiere auf Veränderungen und Belastungen jeweils mit Angst und innerer Unruhe. Dieser
Zustand halte schon seit einigen Jahren an. Es sei deswegen nicht damit zu rechnen, dass sich die Arbeitsfähigkeit in der nächsten Zeit wesentlich ver
bessern werde.
Eine 50%ige Arbeitsbelastung wäre aus ärztlicher Sicht in einem geschützten Rahmen,
in
welchem die Beschwerdeführerin nicht unter starkem Leistungsdruck stehe, realistisch (Ziff. 1.4 am Schluss). Die Beschwerdeführerin sei in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Hilfsarbeiterin seit 2009 vo
llständig arbeitsunfähig (Ziff.1.6).
In einer behinderungsangepassten Tätigkeit bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit im geschützten Rahmen (Ziff. 1.7).
4.5
Dem Bericht der Ärzte der
H._
vom 29. November
2013 (Urk. 7/124/7-8) ist zu entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin wiederholt mit post-brandialen paraumbilikalen Schmerzen vorgestellt habe. Nach erfolgter Magenbypass-Operation habe sie ihr Gewicht hervorragend von über 150 kg bis auf zirka 82 kg reduzieren können
, bevor im September 201
3
ein Gewichtsplateau erreicht worden sei.
Es wurde die Diagnose einer symptomatischen para- und umbilicalen Hernie gestellt (S. 1 f.).
Sodann wurde mit Bericht vom 25. August 2014 (Urk. 7/128/6-7) ausgeführt, Reduktion der Arbeitsfähigkeit von 50 % (weniger hebende Tätigkeiten möglich) und weniger Sport
bei
Nabelbruch sei das Gewicht der Beschwerdeführerin um 5
kg angestiegen.
4.6
RAD-Ärztin Dr.
E._
führte in ihrer Stellungnahme vom 10. September 2014 (Urk. 7/129/4) aus, es liege keine gesundheitliche Veränderung vor. Trotz Ge
wichtsreduktion nach bariatrischer Operation persistierten die psychischen/
funk
tionellen Einschränkungen im Rahmen einer emotional instabilen Persönlich
keitsstörung vom Borderlinetyp (ICD-10 F60.3
) sowie
einer Panikstörung (ICD-10 F41.0)
. D
ie Anpassungsfähigkeit werde als mittel- bis schwergradig
und die Be
lastbarkeit werde als schwergradig
eingeschränkt beurteilt. Falls die einge
schrä
nkte Arbeitsfähigkeit noch besser do
kumentiert werden möchte, wäre bei der Stelle «
geschützter Arbeitsplatz
»
nachzufragen, wie sich die Situation bei der Beschäf
tigung darstelle, ob und unter welchen Umständen eine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt möglich erscheine und wenn nein, wieso nicht. Diese Fragen könnten auch bei der nächsten Evaluation in 2-3 Jahren zur Ergänzung der Arzt
berichte gestellt werden. Die aktuelle psychiatrische Behandlung sei fortzusetzen.
5.
5.1
Im vorliegenden Revisionsverfahren sind die folgenden relevanten medizinischen Berichte aktenkundig:
5.2
Die Ärzte des
G._
berichteten am 3. Oktober 2017 über die Sprechstunde Ba
triatrische Chirurgie (Urk. 7/145). Sie nannten als Diagnosen einen Status nach lapa
roskopischem Verschluss der Mesolücke bei innerer Hernie und simultaner Ope
ration einer Umbilikalhernie (IPOM) vom
2.
Februar 2017, einen Status nach
laparoskopischem Magenbypass vom 19. November 2012, einen Status nach la
pa
roskopischer Cholezystektomie vom Februar 2007, eine APC-Resistenz, ho
mo
zygoter Faktor V
Leiden
Mutation, ein Reizdarmsyndrom sowie eine
Lactose- und Fructoseintoleranz
(S. 1).
Bei der Beschwerdeführerin zeige sich seit ihrer letzten Vorstellung ein guter Verlauf mit einem Verschwinden der gastrointestinalen Beschwerdeproblematik. Das Gewicht sei seit längerer Zeit stabil (S. 2).
5.3
Hausarzt Dr.
B._
führte in seinem Schreiben zuhanden der Beschwerdegegnerin vom 19. Dezember 2017 (Urk. 7/144) aus, es bestehe aus rein somatischer Sicht keine Einschränkung, welche eine Berentung der Beschwerdeführerin recht
fer
ti
gen würde. Eine Berentung beziehungsweise eine Weiterführung einer solchen wäre nur aus psychischen Gründen zu rechtfertigen, weshalb er in diesem Falle eine psychiatrische Beurteilung empfehle.
5.4
Die Beschwerdeführerin wurde
seit August
2014
im Rahmen einer zweimal monatlich stattfindenden delegierten psychotherapeutischen Behandlung
in der
Praxis von Dr. med.
univ
.
I._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
therapie,
therapiert. Lic. phil.
J._
nannte in ihrem Bericht vom 6. Juni 2018 (Urk. 7/152)
, unterzeichnet von Dr.
I._
, als Diagnosen mit Aus
wir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig schwergradige Episode (ICD-10 F33.2), eine Somatisierungsstörung (ICD-10
F45.0) sowie eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.31)
und attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.3; Ziff. 2.5). Die Beschwer
deführerin leide an einer schwer ausgeprägten Somatisierungsstörung einhergeh
end mit Angstzuständen, erhöhter Ermüdbarkeit, Freud- und Lustlosigkeit, Zu
kunftsängsten, emotionaler Instabilität und herabgesetztem Antrieb. Im Fokus der Symptomatik stünden die körperlichen Schmerzen sowie der Reizdarm,
welche
sich vor allem in ausserhäuslichen Situationen bemerkbar machten (Ziff. 2.2).
Aus
psychiatrischer-psychotherapeutischer Sicht und in Anbetracht des bishe
rigen Verlaufs sei eine Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zum aktuellen Zeit
punkt sowie längerfristig nicht denkbar. Die Prognose diesbezüglich sei als sehr ungünstig zu betrachten (Ziff. 2.7).
Die
Beschwerdeführerin werde weiterhin alle
zwei
Wochen die ambulante psychotherapeutische Behandlung mit einem kogni
tiv-verhaltenstherapeutischen Ansatz aufsuchen. Aktuelles Ziel der Thera
pie sei es, dass sie eine teilzeitige Arbeit im geschützten Rahmen, wie
sie zum Beispiel die
K._
anbiete, allmählich wieder aufnehmen könne (Ziff. 2.8).
5.5
Am 15. Januar 2019 (Urk. 7/163) erstatteten die Ärzte der MEDAS
Y._
ein polydisziplinäres Gutachten (allgemein-internistisch, chirurgisch und psychia
trisch). Die Gutachter nannten folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 5 Ziff. 4.2):
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
c
hronische Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen
Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
d
ysfunktionale Krankheitsverarbeitung (ICD-10 F54.0)
-
v
ormals postulierte, aber weitgehend remittierte emotional-instabile Per
sönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.31);
Differentialdiagnose
auffällige Per
sön
lichkeitszüge (ICD-10 Z73)
-
Amputation des Mittel- und Ringfingers der linken Hand bei schwerer Handverletzung (Arbeitsunfall vom 1
2.
Dezember
1991)
-
Adipositas
mit/bei
-
Status nach laparoskopischer Roux-en-Y-Magen-Bypass-Operation am 1
9.
November 2012
-
p
ersistierende Bauchschmerzen und plötzlich unvorhersehbarer starker Stuhlgang, vor allem im Zusammenhang mit Panik-Symptomatik, schon vor der Magen-Bypass-Operation bestehend
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie einen Vitamin D-Mangel, Spreizfüsse beidseits, eine tiefe Venenthrombose, einen Status nach Cholezystektomie (August 2007), einen Status nach Metacarpale III bis V-Fraktur links mit offener Reposition (4. März 2005), einen Status nach Umbili
kalhernien-Operation (Oktober 2015), einen Status nach Rezidiv-Nabelhernie, laparoskopischer Bauchdecken-Plastik (Oktober 2016), einen Status nach Re-Laparoskopie mit Verschluss der inneren Hernie (Mesolücke) und Re-Operation der Nabelhernie (Februar 2017) sowie anamnestisch eine Laktose- und Fructose-Intoleranz (S. 5 Ziff. 4.2).
In ihrer Beurteilung führten sie aus,
die Beschwerdeführerin klage über wieder
holten und imperativen Stuhlgang, welcher auftrete, wenn sie ausser Haus einen ungewohnten Termin wahrnehmen müsse. Diese Symptomatik sei kombiniert mit Angst, ausser Haus plötzlich unvorhersehbar starken Stuhlgang zu bekommen und
unmittelbar eine Toilette aufsuchen zu müssen. Die Symptomatik sei begleitet von paraumbilikalen Bauchschmerzen, welche durch die oben genannte Symp
tomatik verstärkt werde und stundenlang anhalte. Die beschriebene Symptomatik trete nicht auf, wenn
die
Beschwerdeführerin zu Hause bleibe oder wenn sie ausser Haus gewohnte Tätigkeiten wie Einkaufen oder Schwimmbadbesuchen nachgehe. Angesichts der genannten anamnestischen Angaben scheine eine somatische Ätiologie der Beschwerden unwahrscheinlich. Gegen eine somatische Ätiologie spreche auch, dass die Symptomatik schon vor der Magen-Bypass-Operation bestanden habe (S. 4
Ziff.
4.1).
Aus somatische
r
Sicht bestehe eine verminderte Kraft für den Faustschluss an der linken Hand durch die Amputation des Mittel- und Ringfingers. Im Weiteren bestünden Einschränkungen für körperlich belastende Tätigkeiten aufgrund der massiven Adipositas. Auf der psychischen Ebene sei
en
aufgrund der diagnosti
zierten Panikstörung,
der chronischen
Schmerzstörung und
der
dysfunktionale
n
Krankheitsverarbeitung die Flexibilität- und Umstellungsfähigkeit erheblich ein
geschränkt.
Mittelgradig eingeschränkt seien die Anpassung an Regeln und Rou
tinen, die Durchhaltefähigkeit (aber auch im Rahmen von körperlicher Dekondi
tionierung), die Selbstbehauptungs- und Durchsetzungsfähigkeit, die Gruppen
fähigkeit, die Spontanaktivitäten und die Mobilität (S. 5 Ziff. 4.3).
Diskutiere man das aktuelle Persönlichkeitsbild und die biographische Persönlichkeits
entwick
lung sowie persönliche Ressourcen, so liessen sich keine erwerbsrelevanten Defi
zite objektivieren. Die früher beschriebene Persönlichkeitsstörung sei gegenwärtig nicht mehr in dieser Form zu beschreiben. Die Beschwerdeführerin befinde sich in einer stabilen Ehe und berichte über eine Ausgeglichenheit im Privatleben (S. 6 Ziff. 4.4).
Als Ressourcen seien das selbständige Führen des Haushaltes inklusive dem Erledigen von Einkäufen, die stabile Ehebeziehung sowie die regelmässigen ausserhäuslichen Tätigkeiten wie Velofahren und Aqua-Jogging im Hallenbad zu nennen. Als Belastungsfaktoren für eine Integration zählten die lange Abwesen
heit vom ersten Arbeitsmarkt, das Alter der Beschwerdeführerin und die
geringe Vorbildung (S. 6 Ziff.
4.5).
Hinsichtlich Konsistenzprüfung anerkannten die Gutachter einen bestehenden Leidensdruck durch die Gesundheitsstörungen, führten aber aus, es bestehe den
noch eine deutliche Diskrepanz zwischen der 100%igen Einschränkung im Be
reich der Arbeit (gemäss Einschätzung der Beschwerdeführerin) und der Funk
tionsfähigkeit im Alltag (Führung des Haushaltes, Erledigung von Einkäufen, Heirat im Jahr 2017, tägliches Aqua-Jogging im Hallenbad usw.).
Es bestehe auch eine Diskrepanz
bezüglich der geschilderten Symptome der Beschwerdeführerin
(ständig die Toilette aufsuchen zu müssen), aber andererseits mehrstündige Explo
rationen und Untersuchungen anlässlich der aktuellen Begutachtungen zu be
ste
h
en, ohne das gehäufte Toilettengänge notwendig gewesen seien. Darüber hin
aus bestünden zudem wesentliche Diskrepanzen zwischen der aktuellen psychia
tri
schen Beurteilung und den Beurteilungen in der Aktenlage. Entgegen den vor
liegenden Arztberichten sei momentan weder klinisch noch testpsychologisch das Bild einer depressiven Störung erkennbar.
Dies stehe im Gegensatz zum Bericht der behandelnden Psychologin vom Juni 2018, welche eine rezidivierende de
pressive Störung, gegenwärtig schwergradige Episode
,
diagnostiziert und die seit Jahren diagnostizierte Panikstörung
hingegen
nicht aufgeführt habe
. Das Stö
rungsbild der vormals diagnostizierten Persönlichkeitsstörung habe als weitgeh
end remittiert zu gelten
(S. 6
f.
Ziff. 4.6).
Hinsichtlich Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, da die Beschwerde
führerin seit fast zehn Jahren keiner Arbeitstätigkeit im ersten Arbeitsmarkt nachgegangen sei, könne nicht mehr von einer bisherigen Tätigkeit ausgegangen werden. Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
A._
-Kassiererin, wobei sie auch Regale habe auffüllen müssen mit Lastenheben bis maximal 10 kg, sei im inter
disziplinären Konsens eine volle Arbeitsunfähigkeit zu attestieren. Aufgrund der oben beschriebenen grossen Diskrepanzen in der Aktenlage sei es nicht möglich, für einen weiter zurückliegenden Zeitraum die Arbeitsfähigkeit
zuverlässig zu beurteilen. Entsprechend der Aktenlage gelte die Beurteilung zumindest seit
der eingeleiteten Rentenr
evision (S
.
7 Ziff. 4.7). Für eine dem Leiden angepasste Tätigkeit bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Aufgrund der beschriebenen
Funktionseinschränkung sei es zumutbar, dass die Beschwerdeführerin vormittags
und nachmittags je etwa zwei Stunden einer leidensangepassten Tätigkeit nach
gehen könne. Die Kriterien für eine der Behinderun
g
optima
l angepassten Tätig
keit seien: K
eine gefährlichen Maschinen bedienen, keine besonderen Konzen
trationsanforderungen zu bewältigen, keine besonderen Anforderungen an die Teamfähigkeit, eher Tätigkeit in Einzelarbeit. Keine besonderen Anforderungen an die Stresstoleranz, Möglichkeit der Inanspruchnahme erhöhten Pausenbedarfs. Kein ständiger Wechsel von anderen Menschen oder gar Kunden. Strukturierte Tätigkeit. Begrenzte Verantwortung, keine Führungsaufgaben. Keine Schicht
ar
beit. Zudem sei die verminderte Funktionsfähigkeit der linken Hand zu berück
sichtigen und schwer belastende Tätigkeiten seien wegen der Adipositas nicht möglich. Auch diese Beurteilung gelte aufgrund der Divergenzen in der Aktenlage zumindest seit der
eingeleiteten Rentenr
evision (S. 7 Ziff. 4.8).
Die therapeutischen Optionen seien nicht erschöpft. Die bisherige Therapie sei nicht lege artis im Sinne der Leitlinien der Fachgesellschaften, aber auch nicht ganz angemessen und konsequent. Dies gelte sowohl für die Pharmakotherapie, die Psychotherapie wie auch die Sozialtherapie. Die Kooperation der Beschwerde
führerin bei bisher erfolgten Therapien sei als ausreichend zu bezeichnen. Der Umfang des zu erwartenden Erfolges könne bei konsequenter und motivierter Nutzung der zur Verfügung stehenden therapeutischen Optionen auf der Basis versicherungsmedizinischer Erwägungen mit Erwarten des Erreichens einer etwa 60%igen Arbeitsfähigkeit innerhalb von 6 bis 12 Monaten formuliert werden (S. 8 Ziff. 4.10).
Zusammenfassend habe sich der Gesundheitszustand verändert, indem die Be
schwerdeführerin trotz beziehungsweise unter Berücksichtigung der mit der psy
chischen Krankheit verbundenen Funktionseinschränkungen in einer leidensan
gepassten Tätigkeit etwa vier Stunden täglich anwesend sein und entsprechende Leistungen zeigen
könne
. In der Haushalttätigkeit bestünden keine Einschrän
kungen (S. 8 f.).
5.6
RAD-
Arzt Dr. med.
L._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
the
rapie, erachtete in seiner Stellungnahme vom 23. Januar 2019 (Urk. 7/164/4-5) das MEDAS-Gutachten als schlüssig und nachvollziehbar. Die vorbestehenden Berichte hätten den Gutachtern vorgelegen und seien gewürdigt worden. Ebenso sei die Anamnese erhoben und auf die Klagen der Beschwerdeführerin einge
gangen worden. Die in der Untersuchung erhobenen Befunde würden nachvoll
ziehbar dargestellt. Die gezogenen Schlussfolgerungen, insbesondere zur Arbeits
fähigkeit, seien nachvollziehbar (Urk. 7/164/4).
6.
6.1
Da im Rahmen der im Juni 2012 (vgl. Urk. 7/111) und Oktober 2013 (vgl.
Urk. 7/119) eingeleiteten Rentenrevisionen mit am 24. September
2012 (Urk. 7/114
)
und 17. Oktober 2014 (Urk. 7/130)
jeweils
erfolgter Bestätigung der unveränderten Invalidenrente keine eingehende materielle Prüfung des Sachver
haltes vorgenommen wurde, indem lediglich Berichte
des Hausarztes, der be
handelnden Fachärzte sowie Stellungnahmen des RAD
eingeholt wurden, ist als Vergleichszeitpunkt, ob eine revisionsrelevante Veränderung de
s gesundheitli
chen Zustandes der
Beschwerdeführerin
eingetreten ist, auf die erstmalige Ren
tenzusprache
abzustellen (vgl. vorstehend E.
1.3
f.
).
6.2
Die erstmalige Rentenzusprache mit Verfügungen vom 18. Juli 2011 (Urk. 7/197) stützten sich vor allem auf die Beurteilung der behandelnden Ärztin Dr.
Z._
vom Januar 2010 (vgl. vorstehend E.
3.4
) und der RAD-Einschätzung von Dr.
E._
vom Februar 2010 (vgl. vorstehend E.
3.5
), wonach die Beschwerde
führerin im Wesentlichen an einer instabilen Persönlichkeitsstörung vom Bor
derline-Typ (ICD-10 F60.31) mit komorbider Störung in Form einer Ess- und Panikstörung leide
.
6.3
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) in medizinischer Hinsicht auf das polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 15. Ja
nuar 2019 (vgl. vorstehend E.
5.5
), ging indes bei der Beurteilung
in
Abwei
chung
der gutachterlichen Einschätzung
und des RAD
(vgl. vorstehend E. 5.6)
von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit aus.
Vorab ist festzustellen, dass dieses
Gutachten
auf den
notwendigen internistischen, chirurgischen und psychia
tri
schen
Untersuchungen de
r Beschwerdeführerin
beruht und in Kenntnis der Vor
akten erging. Die Gutachter berücksichtigt
en die
geklagten Beschwerden und setzten sich mit diesen sowie dem Verhalten
der Beschwerdeführerin
auseinander. Die medizinischen Zusammenhänge und Schlussfolgerungen sind in einer Weise begründet, dass sie prüfend nachvollzogen werden können. Das
MEDAS
-Guta
chten erfüllt daher die praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert eines Arztberichts (
vgl. vorstehend E. 1.
5
) vollumfänglich.
6.4
Im MEDAS-Gutachten wurde aus somatischer Sicht
die Amputation des Mittel- und Ringfingers der linken Hand sowie die ausgeprägte Adipositas als die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende Diagnosen genannt.
Es wurde
bei stabilem klinischen Befund im Vergleich zum Gesundheitszustand im Zeitpunkt der Ren
tenverfügung vom
Juli 2011
keine
revisionserhebliche Veränderung festgestellt.
Ebenfalls wurde festgehalten, dass keine Einschränkungen im Haushaltbereich resultierten.
Diese Beurteilung deckt sich auch mit
derjenigen des Hausarztes Dr.
B._
, welcher keine somatischen Einschränkungen erhob (vgl. vorstehend E. 5.3).
6.5
In psychiatrischer Hinsicht
wurde im MEDAS-Gutachten eine Panikstörung, eine chronische Schmerzstörung, eine dysfunktionale Krankheitsverarbeitung sowie eine weitgehend remittierte emotional-instabile Persönlichkeitsstörung genannt
, wobei den beiden letztgenannten Störungsbildern keine dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zugeordnet werden könnten (vgl. vorstehend
E. 5.5
).
Der psychiatrische MEDAS-Gutachter setzte
sich eingehend mit den Stand
ard
indikatoren (
vgl.
vorstehend E.
1.2
.3
)
auseinander (vgl. Urk. 7/163/83-90
).
Seine
Beurteilung umfasste das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleich
sam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen un
d Ressourcen» (BGE 141 V 281 E.
3.4.2.1) abgeleitet wurde. Der psychiatrische Gutachter ist bei der Beantwortung der Frage, wie er das Leistungsvermögen einschätze, den einschlä
gigen Indikatoren gefolgt, er hat ausschliesslich funktionelle Ausfälle berück
sichtigt, welche Folge der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind, und
seine
versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung ist auf objektivierter Grund
lage erfolgt. Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob er sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsver
mögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist klar zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich an
hand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen, weshalb auf das
psychiatrische (Teil-)
Gutachten abzustellen ist.
D
ementsprechend ist im Vergleich zum Zeitpunkt
der Rentenzusprache im Jahr 2011
bei damals noch bestehender
Persönlichk
eitsstörung und dysfunktionaler
Krankheitsverarbeitung
(vgl. vorstehen
d E. 3.4 f.
)
entgegen der Einschätzung der
Beschwerdeführerin
von einer revisionsrelevanten wesentlichen Verbesserung d
es Gesundheitszustandes auszugehen, zumal die
MEDAS
-Gutachter objektivierbare Befunde
nannten
, welche eine wesentliche Verbesserung auszuweisen vermögen.
Folglich
besteht keine Veranlassung, die im Gutachten attestierte und vom RAD bestätigte
(vgl. vorstehend E.
5.6
)
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um
50
%
ausser Betracht zu lassen. Dass ein invalidisierender Gesundheitsschaden unter der geltenden Rechtsprechung zu verneinen sei, weil die
Therapiemöglichkeiten nicht ausgeschöpft seien
,
eine Komorbidität nicht ausgewiesen sei,
angeblich ein hohes Aktivitätsniveau im Freizeitbereich bestehe und
die Beschwerdeführerin
über
einen uneingeschränkten Tagesablauf verfüge (
Urk. 2 S. 2; Urk. 6 S. 2
), zielt am zentralen Punkt des strukturierten Beweisverfahrens, wonach Defizite und Ressourcen abzuwägen sind, vorbei und ist als Ausdruck einer in dieser Form nicht mehr zulässigen juristischen Parallelüberprüfung (vgl. BGE 141 V 281 E.
5.2.3 und 143 V 418 E. 6) nicht geeignet, zu einem anderen Schluss zu führen.
6.6
Auch der
medizinische Bericht
der behandelnden
Psychologin
, unterzeichnet von Dr.
I._
(vgl. vorstehend E. 5.4)
, ver
mag
die im MEDAS-Gutachten gestellten psychiatrischen Diagnosen nicht in Zweifel zu ziehen, zumal im psychiatrischen Teilgutachten ausführlich und schlüssig begründet wurde, weshalb die
Persön
lichkeitsstörung remittiert sei und keine schwere depressive Störung vorliege.
Schliesslich ist in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc). Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Be
gutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Expert
en anderseits (BGE 124 I 170 E.
4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätz
ungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beur
teilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Be
gutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundes
ge
richts 8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]).
6.7
Nach dem Gesagten kann festgehalten werden, dass die aus psychiatrischer Sicht und
-
untergeordnet aus somatischer Sicht
-
festgestellten Einschränkungen im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die MEDAS-Gutachter voll
umfänglich berücksichtigt wurden. Weitere Abklärungen sind nicht zu tätigen.
Der medizinische Sachverhalt ist dahingehend erstellt, dass für die bisherige Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und für eine näher umschrieb
ene adaptierte Tätigkeit eine 50
%ige Arbeitsfähigkeit ausgewiesen ist.
Im Haushalt
bereich bestehen keine gesundheitlichen Einschränkungen.
Im Vergleich zum Verfügungszeitpunkt am 18. Juli 2011 ist eine anspruchs
rele
vante Verbesserung der Arbeitsfähigkeit eingetreten, weshalb ein Revisionsgrund
gemäss Art. 17 ATSG
vorliegt.
7.
7.1
Im Folgenden sind die erwerblichen Auswirkungen zu prüfen.
7.2
7.2.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
Validen- und Invalideneinkommen
sind
auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige rentenwirksame Ände
rungen der Vergleichseinkommen
sind
bis zum Verfügungserlass zu berücksich
tigen (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174).
7.2.2
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 IVV per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbs
tä
ti
gen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbs
tätigkeit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3 lit. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Be
schäftigungsgrads, den die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid ge
worden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3 lit. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem
Beschäf
ti
gungsgrad nach Absatz 3 lit. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
7.3.
7.3.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
einkommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1,
134 V 322 E. 4.1).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das Valideneinkommen auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) be
rechnet werden, wobei die für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls rele
vanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen
sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2;
Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014, Rn 55 f. zu Art.
28a
).
Rechtsprechungsgemäss sind die im Verfügungszeitpunkt jeweils aktuellsten veröffentlichen Tabellen zu verwenden (vgl. z.B. Urteil des Bu
ndesgerichts 9C_699/2015 vom 6.
Juli 2016 E.
5.2).
7.3.2
Es ist davon auszugehen, dass
die Beschwerdeführerin
im Gesundheitsfall weiter
hin
als
Verkäuferin
erwerbstätig wäre
, zumal sie eine Anlehre als Schuhver
käuferin absolviert hatte (vgl. Urk. 7/1/9) und hernach – nebst Aushilfetätigkeit an der Kasse in einem Schwimmbad (vgl. Urk. 7/11)
- vom
1. Oktober 2006 bis 31. August 2008 als Verkäuferin bei
A._
arbeitstätig gewesen war (vgl. Urk. 7/65).
Aufgrund der langen Abwesenheit vom ersten Arbeitsmarkt
und
der unregelmässigen Einkommen als Verkäuferin bei
A._
(vgl. Urk. 7/
65
)
recht
fertigt es sich
,
das Valideneinkommen gemäss dem Tabellenlohn
des
Bun
desamtes für Statistik für den Detailhandel anhand der Daten der LSE 2018 zu bestimmen. Der monatliche Bruttolohn für Frauen in der Berufsgruppe «Detail
handel» und
im
Kompetenzniveau 2 betrug im Jahr 2018 Fr. 4'511.-- (LSE 2018, Tabelle TA1 tirage skill level, Ziff. 47, Frauen
Kompetenzniveau 2
). Unter Be
rücksichtigung der betri
ebsüblichen Arbeitszeit im Detailhandel von 41.8
Stun
den im Jahr 2018
(www.bfs.admin.ch, dort: Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, T 03.02)
ergibt dies hochgerechnet auf ein 100%-Pensum ein Va
lideneinkommen von Fr. 56'568
.--
(Fr. 4'511.-- : 40 x 41.8
x 12).
7.4
7.4.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl.
BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage 2014, Rn 55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
7.4.2
Da es
der
Beschwerdeführer
in
möglich ist, einer
angepassten Tätigkeit in einem 50
%-Pensum nachzugehen (
vgl.
vorstehend
E. 6.7
), wird für die Ermittlung des Invalideneinkommens die
LSE
201
8
, Tabelle TA1
tirage skill level
, Kompe
tenz
niveau 1 herangezogen, was einem von
Frauen
im Jahr 201
8
für Hilfsarbeiten durchschni
ttlich erzielten Lohn von Fr. 4’371
.-- entspricht. Daraus resultiert unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Wochenarbeitsz
eit von 41.7
Stun
den (
www.bfs.admin.ch
, dort: Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsab
tei
lungen, T 03.02)
aufgerechnet auf ein Jahr und bei der attestierten
Arbeitsfähig
keit von 50
% ein Invalideneink
ommen
im Jahr 2018
von
rund
Fr. 27’341.-- (
Fr.
4’371
.-- : 40 x 41.7 x12 x 0.5
).
Vorliegend ist kein Abzug vom Tabellenlohn
(vgl. hierzu BGE 124 V 321 E.
3b/aa
)
zu gewähren. Ein Leidensabzug nach der Rechtsprechung ist
nicht gerechtfertigt, wenn die gesundheitlichen Einschränkungen oder die eingeschränkte Leistungs
fähigkeit beziehungsweise das eingeschränkte Rendement vom medizinischen Experten in der von ihm attestierten Arbeitsunfähigkeit bereits berücksichtigt wurden (Urteil des
Bundesgerichts
8C_20/2012 vom
4.
April 2012 E.
3.2 und 3.3)
, was vorliegend beim MEDAS-Gutachten
(vgl. vorstehend E. 5.5)
der Fall ist
. So
dann rechtfertigt der Umstand, dass eine grundsätzlich vollzeitlich arbeitsfähige versicherte Person gesundheitlich bedingt lediglich reduziert leistungsfähig ist, nach der Rechtsprechung keinen Abzug vom Tabellenlohn (Urteile des Bun
des
gerichts 8C_827/2009 vom 26. April 2010 E.
4.2.1, 9C_980/2008 vom 4.
März 2009 E.
3.1.2, 8C_765/2007 vom 11.
Juli 20
08 E.
4.3.3, 9C_344/2008 vom 5.
Juni 2008 E. 4 und I 69/07 vom 2. November 2007 E.
5.1).
7.5
Bei einem Validenei
nkommen in der Höhe von Fr. 56'568
.
-- (vgl. vorstehend E. 7.3.2)
und einem
Invali
deneinkommen von Fr. 27'341.--
(vgl. vorstehend E. 7.4.2)
ergibt sich eine Erwerbseinbusse von Fr. 29'2
27
.--, was einer Einschrän
kung im Erwerbsbereich von
51.66
% entspricht.
Der Gesamtinvaliditätsgrad berechnet sich mittels Addition der Teilinvalidi
täts
grade. Bei einem Anteil d
es erwerblichen Bereichs von 75
% und einer Einsch
rän
kung im Erwerbsbereich von 51.66
% ergibt dies anteilig einen Teilinvalidi
täts
grad von
38.75
% (75
%
x 0.5
1
66
). Bei einem Anteil des Haushaltsbereichs von 25
%
und einer Einschränkung im Haushaltsbereich von
0
% (vgl. vorstehend E.
6.4 und E. 6.7
) ergibt dies anteilig einen Teilinvaliditätsgrad von
0 %
.
Demnach resultiert bei einem Teilinvaliditätsgrad im Erwerbsbereich von
38.75
% und einem solchen von
0
%
im Haushaltsbereich ein Gesamtinvaliditätsgrad von ge
rundet
39
%, was
k
einen Anspruch
(mehr)
auf eine
Invalidenrente
begründet.
7.6
Bei diesem Ergebnis kann offen bleiben, ob die Beschwerdeführerin nicht als Teil
zeitarbeitnehmerin ohne Aufgabenbereich zu qualifizieren
wäre
(vgl. vorstehend E. 2.3)
, denn bei Annahme einer
hypothetischen Teilzeitbeschäftigung ohne
Auf
gabenbereich
(vgl. Rechtsprechung zum Einkommensverg
lei
ch
, BGE 142 V 290)
im Umfang von 75
%
würde ebenfalls
ein gewichteter Invaliditätsgrad von
(ge
rundet)
39
%
(75
%
x 0.8)
begründet
.
7.7
Schliesslich resultiert auch
gestützt auf den von der Beschwerdegegnerin im Rahmen der Vernehmlassung vom 20. Aug
ust
2019 erstellte
n
Einkommens
ver
gleich (vgl. Urk. 6)
, welcher von der Beschwerdeführerin
im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels
nicht bestritten wurde
,
ein rentenausschliessender (Gesamt-)Invaliditätsgrad von 37.50 %.
7.8
Die angefochtene Verfügung vom 27. Mai 2019 (Urk. 2) erweist sich somit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
8.
8.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig v
om Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr. 9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzu
erlegen
, zufolge
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einst
weilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
8.2
Nach Einsicht in die
Honorarnote vom 23. April 2020
, in welcher die unent
gelt
liche Rechtsvertreterin
einen Aufwand von insgesamt 8 Stunden und 50 Minuten und Barauslagen von Fr. 58.30 (zuzüglich Mehrwertsteuer) geltend
machte (Urk. 17), ist sie unter Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) mit
Fr.
2'155.80 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.