Decision ID: d9aa27c1-79cb-4c11-b00c-0f9db9e5e110
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren am 15. September 2003 in der 27. Schwanger
schaftswoche mit einem Geburtsgewicht von 610 Gramm, wurde durch seine Eltern am 7. Oktober 2003 (Eingangsdatum) bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet (Urk. 5/1-2
; vgl. auch das Zusatzgesuch vom 1. April 2004 [Eingangsdatum] betreffend operative Versorgung einer Leistenhernie links
bei Status nach
Frühgeburt
lichkeit
[Urk. 5/8-10
]
).
Mit Verfügungen vom 20.
u
nd
21. Januar 2004
sowie
4. Mai 2004 erteilte die IV-Stelle Kostengut
spra
chen für
medizinische Massnahmen im Zusammenhang mit den
G
eburtsge
bre
chen
Ziffer
494
, 247, 321 und 303 des Anhangs zur Verordnung über Geburts
ge
bre
chen
(
GgV
-Anhang;
Urk. 5/4-6 und Urk. 5/13)
.
Auf Gesuch der Eltern vom 28. März 2007 (Eingangsdatum) hin (Urk. 5/14)
er
teilte die IV-Stelle am 17. April 2007 sodann Kostengutsprache für Sonderschulmassnahmen (Sprachheilbehand
lung vom 2. August 2007 bis 31. Juli 2008
[
Urk. 5/16
]
).
1.2
Am 15. Februar 2021
(Eingangsdatum)
wurde
der Versicherte
von seinem Vater
bei der IV-Stelle
unter dem Hinweis auf die
bekannten
Geburtsgebrechen
im Zu
sammenhang mit der
Frühgeburtlichkeit
, eine schwere Spracherwerbsstörung sowie ein Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS)
für die berufliche Eingliederung
für
Minderjährige an
gemeldet
(Urk. 5/20).
Die IV-Stelle tätigte
medizinische
Abklärungen. Im Rahmen dieser Abklärungen stellte der behandelnde Kinderarzt Dr. med.
Z._
, Facharzt FMH für Kinder- und
Jugendmedizin,
Schwerpunkt Entwicklungspädiatrie,
mit Schreiben vom 27. Februar
2021
das Gesuch um Übernahme
der Kosten für Psychotherapie (Urk. 5/26/5; vgl. auch den Vorschlag des Psychotherapeuten
A._
vom 3. Februar 2021
[Urk. 5/26/7]). Die IV-Stelle erkundigte sich daraufhin mit Schreiben vom 24. März 2021 beim Vater des Versicherten, ob er mit dem Antrag
auf Kostenübernahme
für
Psychotherapie einverstanden sei (Urk. 5/27), was dieser
am 29. März 2021 unterschriftlich bestätigte (Urk. 5/29).
Am 28. April
2021
er
teilte die IV-Stelle dem Versicherten Kostengutsprache für eine erstmalige be
ruf
liche Ausbildung als Unterhaltsprakt
i
ker EBA vom 16. August
2021 bis 15. August 2023 bei der Stiftung
B._
(Urk. 5/33).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 16. April 2021 [Urk. 5/30]; Einwand
des Psychotherapeuten
A._
per E-Mail
vom 16. Mai 2021
, nachträglich von diesem sowie von Dr.
Z._
sowie separat auch vom Vater des Versicherten unter
zeichnet
[Urk.
5/36-39
]
) wies sie das Leistungsbegehren betreffend Kostenüber
nahme für
Psychotherapie mit Verfügung vom 31. Mai 2021 hingegen ab (Urk. 2 [= Urk. 5/41]).
2.
Dagegen erhob der Vater des Versicherten am 2. Juni 2021 Beschwerde und beantragte sinngemäss, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei K
o
stengutsprache für eine
zweijährige
Psychotherapie zu erteilen
(Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 12. Juni 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 4), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 14. Juli 2021 angezeigt wurde (Urk. 6).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Dr.
Z._
beantragte
mit
Schreiben vom 27. Februar 2021
,
im Rahmen der beruf
lichen Eingliederungsmassnahmen
sei auch
Kostengutsprache für
eine
psycholo
gische Begleitung
beziehungsweise Psychotherapie
zu erteilen
. Diese sei dringend indiziert und diene einer Verbesserung der Selbstkontrolle, Selbststeuerung und
Impulskontrolle. Beim
Beschwerdeführer
seien infolge der Geburtsgebrechen schwere
Entwicklungsstörungen aufgetreten. Er leid
e
an einer schweren Sprach
erwerbsstörung, die auditive Merkfähigkeit sei stark vermindert und das Konzen
tra
tionsvermögen deutlich eingeschränkt. Im September 2010 habe er (Dr.
Z._
) anlässlich einer entwicklungspädiatrischen Abklärung die Diagnose eines
ADHS
gestellt. Eine Medikation mit Ritalin sei eingeleitet worden, eine Anmeldung bei der IV-Stelle für das Geburtsgebrechen Ziff. 404
GgV
-Anhang
sei jedoch nicht
erfolgt
. Die Schullaufbahn sei schwierig verlaufen. Der
Beschwerdeführer
habe eine Sprachheilschule, eine Sonderschule und die Tagesschule
C._
in
D._
besucht. Schliesslich habe er die Sekundarschule B mit knappen bis ungenü
gen
den Noten abgeschlossen. Eine Lehre als Montageelektriker habe wegen ungenü
gender Leistungen in den Berufsschulfächern abgebrochen werden müssen. Heute besuche der
Beschwerdeführer
ein Motivationsjahr und
suche
eine neue Lehr
stelle. Die berufliche Eingliederung werde durch die
e
xtreme
Frühgeburtlichkeit
,
die
Spra
cherwerbsstörung und
das
ADHS stark erschwert (Urk. 5/26/5).
1.2
Der Psychotherapeut
A._
hielt in seinem Konsiliarbericht an Dr.
Z._
vom 3. Februar 2021 fest, der
Beschwerdeführer
habe ihn am 29. Januar 2021 angerufen und sich nach einem Therapieplatz erkundigt. Er
sei bereits von Juli 2016 bis Juli 2017 während eines Jahres bei ihm in psychotherapeutischer Behandlung gewesen, als er die Tagesschule
C._
,
D._
, besucht habe. Damals
sei die Tagesschule für die Therapiekosten aufgekommen. Der Grund für die da
malige Therapie sei gewesen, dass der
Beschwerdeführer
in der Tagesschule starke Abweichungen in seinem Sozial- und Lernverhalten gezeigt habe. Er habe sich selten kooperativ verhalten und habe bei Konflikten kaum seine eigenen Fehler gesehen und sei nicht im Stande gewesen, sein impulsives Verhalten zu kon
trol
lieren. So sei eine angemessene Selbstbehauptung häufig misslungen. Da der
Beschwerdeführer
oft in Konflikte verwickelt gewesen sei, habe seine Konzen
tration bei der Bewältigung der schulischen Aufgaben darunter gelitten. Mit der Zeit habe er seine Abwehrhaltung und die Drohgebärden etwas beiseitelegen können. Er habe an Sicherheit und Selbstvertrauen gewonnen und seine schuli
schen Leistungen hätten sich derart verbessert, dass ihm ein Wechsel in die öffentliche Sekundarschule ermöglicht worden sei. Am 29. Januar 2021 habe sich der
Beschwerdeführer
wieder bei ihm gemeldet. Aus seinen Äusserungen gehe
hervor, dass er unter der familiären Situation leide,
insbesondere
,
dass seine M
utter psychisch krank sei und seine Geschwister nicht mehr mit ihm zusam
men
wohn
ten. In der Lehre habe er sich häufig nicht verstanden und nicht ge
mocht gefühlt.
Es
bestehe
der Eindruck, der
Beschwerdeführer
sei stark ver
un
sichert und psy
chisch labiler und es hätten sich alte Muster wieder eingeschlichen. Es scheine verständlich, dass die möglichen Spätfolgen (Frühgeburt
,
AD[H]S) zu Erschwer
nis
sen bei der beruflichen Eingliederung führen könnten. Er schlage daher vor, ein Gesuch um Kostenübernahme der Psychotherapie als medizinische Massnah
me zur Unterstützung der beruflichen Integration (Art. 12
des Gesetzes über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
) zu stellen. Die Behandlung habe am 29. Januar 2021 begonnen und finde einmal wöchentlich statt (Urk. 5/26/6-7
; vgl. auch Urk. 5/38, wonach die Therapie mindestens 14-täglich stattfinden soll
e
).
1.3
Die Beschwerdegegnerin wies das Begehren um Kostengutsprache für
Psycho
-
therapie
in der angefochtenen Verfügung
mit der Begründung ab, eine Kosten
übernahme könne frühestens ein Jahr ab Beginn der Psychotherapie, also frühes
tens ab 29. Januar 2022, erfolgen.
Die
psychotherapeutische Behandlung
von
Juli 2016 bis Juli 2017
könne
nicht
berücksichtigt
werden,
da der Anspruch auf medizinische Massnahmen frühestens zwölf Monate vor der Geltendmachung des Leistungsanspruchs entstehe
und die Anmeldung am 8. März 2021 eingegangen sei
(Urk. 2)
.
1.4
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber vor,
er
habe
im Juli 2017
die The
rapie
beim Psychotherapeuten
A._
nach einem Jahr beendet, da
er von der Tagesschule
C._
,
D._
, in die öffentliche Sekundarschule nach
E._
gewechselt habe und
die
psychotherapeutische Behandlung bei einem orts
nahen Therapeuten habe fortsetzen wollen. Zu diesem Z
eitpunkt habe niemand
ihn
beziehungsweise seinen Vater
darüber informiert, dass ein Gesuch um Kos
ten
übernahme bei der IV-Stelle gestellt werden könn
t
e. Erst als
er
sich anfangs des Jahres
2021
nach dem Lehrabbruch wieder beim Psychotherapeuten
A._
gemeldet habe, sei
er
auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht worden. Er stelle daher den Antrag auf erneute Prüfung seines Gesuches um Kos
tengutsprache für Psychotherapie für zwei Jahre unter Berücksichtigung von Art. 48 Abs. 2
lit
. a und b IVG
(Urk. 1)
.
2.
2
.1
Versicherte haben gemäss Art.
12 IVG bis zum vollendeten 20. Altersjahr An
spruch auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähig
keit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu ver
bessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren (
Abs.
1).
Der Bundesrat ist bef
ugt, die Massnahmen gemäss Abs.
1 von jenen, die auf die Behandlung des Leidens an sich gerichtet sind, abzugrenzen. Er kann zu diesem
Zweck insbesondere die von der Versicherung zu gewährenden Massnahmen nach
Art und Umfang näher umschreiben und Beginn und Dauer des Anspruchs regeln (
Abs.
2)
2.2
Die medizinischen Massnahmen umfassen gemäss Art. 14 Abs. 1 IVG die Behand
lung, die vom Arzt oder von der Ärztin selbst oder auf ihre Anordnung durch medizinische Hilfspersonen in Anstalts- oder Haus
pflege vorgenommen wird
, mit Ausnahme von logopädischen und psychomotorischen Therapien
(
lit
. a)
sowie die Abgabe der vom Arzt oder der Ärztin verordneten Arzneien (
lit
. b).
2.3
Als medizinische Massnahmen im Sinne von
Art
.
12 IVG gelten
gemäss Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
namentlich chirurgi
sche, physiotherapeutische und psychotherapeutische Vorkehren, die eine als Folge
zustand eines Geburtsgebrechens, einer Krankheit oder eines Unfalls einge
tretene Beeinträchtigung der Körperbewegung, der Sinneswahrnehmung oder der Kontaktfähigkeit zu beheben oder zu mildern trachten, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher
Beeinträchtigung zu bewahren.
Die Mass
nahmen müssen nach be
währter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft an
ge
zeigt sein und den Eingliederun
gserfolg in einfacher und zweckmässiger Weise an
streben.
2.4
2.4.1
Gemäss
Rz
645-647
/845-847.3 des ab 1. Januar 2021
gültigen Kreisschreibens d
es Bundesamtes für Sozialversicherungen über die medizinischen Eingliede
rungs
massnahmen der Invalidenversicherung (KSME) kann die Invalidenversi
che
rung bei Vorliegen erworbener psychischer Leiden, die mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einem erheblichen, schwer korrigierbar
en stabilen Defekt führen
, der die spä
tere Ausbildung und Erwerbstätigkeit wesentlich behindert oder verunmöglicht, die erforderliche Psychotherapie übernehmen.
Die Voraussetzungen zur Kostenübernahme sind gemäss
Rz
645-647/845-847.5 KSME
dann
gegeben, wenn nach intensiver fachgerechter Behandlung von einem Jahr Dauer keine genügende Besserung erzielt wurde und gemäss spezialärzt
licher Feststellung bei einer weiteren Behandlung erwartet werden kann, dass der drohende Defekt mit seinen negativen Wirkungen auf die Berufsausbildung und Erwerbsfähigkeit zu einem grossen Teil verhindert wird.
Vor Erteilu
ng der Kos
tengutsprache zur psy
chotherapeuti
schen Behandlung wird vom behan
delnden Leistungserbringer zwecks Beurteilung der Indikation und der
Angemessenheit ein Bericht ein
geholt. Dieser enthält Angaben zur Diagnose, zu den Befunden mit Auswirkung auf Arbeit oder Schule, zum bisherigen Verlauf, zur vorgesehenen Behandlungsmet
hode, zum Ziel und zum Zweck so
wie zur geplanten Dauer der Behandlu
ng (Anzahl Sitzungen). Die medizinische Nachvoll
ziehbarkeit und Re
le
vanz dieser Angaben sind sorg
fälti
g zu überprüfen. Die IV-
Stelle verfügt danach,
o
b die Kostenübernahme ab dem zweiten
Behandlungsjahr erfolgen soll oder ni
cht. Die Psy
chotherapie ist da
bei jeweils für maximal zwei
Jahre zu verfügen
. Psycho
therapeutische Massnahmen gehen nicht zu Lasten der Invalidenversicherung, wenn die Prognose unbestimmt ist und/oder die Behandlung eine medizinische Vorkehr von zeitlich unbegrenzter Dauer darstellt.
2.4.2
Bei einem Kreisschreiben handelt es sich um eine von der Aufsichtsbehörde für richtig befundene Auslegung von Gesetz und Verordnung. Die Weisung ist ihrer Natur nach keine Rechtsnorm, sondern eine im Interesse der gleichmässigen Ge
setzesanwendung abgegebene Meinungsäusserung der sachlich zuständigen Auf
sichtsbehörde. Solche Verwaltungsweisungen sind wohl für die Durchführungs
or
gane, nicht aber für die Gerichtsinstanzen verbindlich (BGE 118 V 206 E. 4c, vgl. auch 123 II 16 E. 7, 119 V 255 E. 3a mit Hinweisen). Das Gericht soll sie bei seiner Entscheidung mitberücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen
zulassen. Es weicht anderseits insoweit von den Weisungen ab, als sie mit den
anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen nicht vereinbar sind (BGE 123 V 70 E. 4a mit Hinweisen).
2.5
Gemäss der vorstehenden rechtlichen Erwägung besteht eine Wartezeit von einem Jahr bis zum Beginn einer allfälligen Kostenübernahme der Psychotherapie durch die Invalidenv
ersicherung (vgl. vorstehend E. 2.4
.1
). Diese Frist hat das Bundes
gericht als
sachlich
gerechtfertigt
und gesetzeskonform erachtet
(Urteil des Bun
des
gerichts 9C_354/2016 vom
18. Juli 2016 E.
4.2
mit Hinweis insbesondere auf Urteil I
372/05
vom
12.
Januar
2006 E.
2
.
8 und 2
.
9
). Diese
einjährige
Karenzfrist
war zum
Zeitpunkt der
angefochtenen
Verfügung vom
31. Mai 2021
(Urk.
2) noch nicht erfüllt
, wurde doch die aktuelle Behandlung unbestrittenermassen erst am 29. Januar 2021 aufgenommen
.
Die von Juli 2016 bis Juli 2017 durchgeführte (in den Akten nicht näher dokumentierte) Psychotherapie kann in diesem Zu
sammenhang
mit Blick auf Sinn und Zweck der
Rz
645-647/845-847.5 KSME (vgl. dazu ausführlich das erwähnte Urteil des Bundesgerichts I 372/05 vom 12. Januar 2006 E. 2.8)
nicht berücksichtigt werden.
Folglich hat die Beschwerde
gegnerin den Anspruch auf Kostenübernahme
der Psychotherapie gemäss Art.
12 IVG zu Recht (
zumindest
vorerst) verneint.
Ausführungen zu den weiteren Vor
aus
setzungen für eine Leistungszusprechung erübrigen sich damit.
2.6
Soweit der Beschwerdeführer
eine Übernahme der Kosten der psychothera
peu
tischen Behandlung von Juli 2016 bis Juli 2017 durch die Invalidenversicherung beantragt
–
worauf
der Verweis auf Art. 48 Abs. 2 IVG und das Vorbringen, er sei zu diesem Zeitpunkt nicht darüber informiert worden, dass die Möglichkeit bestehe, bei der IV-Stelle ein Gesuch um Kostengutsprache stellen zu können, hindeuten –,
vermag er
ebenfalls
nicht durchzudringen
.
Abgesehen davon, dass zweifelhaft erscheint, ob diese Frage überhaupt Gegenstand der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) bildet,
ist der Beschwerdeführer auf Folgendes hinzuweisen:
Macht eine versicherte Person ihren Anspruch auf medizinische Massnahmen mehr als zwölf Monate nach dessen Entstehung geltend, so wird die Leistung ge
mäss Art. 48 Abs. 1 IVG in Abweichung von Art. 24 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) nur für die zwölf
Monate nachgezahlt, die der Geltendmachung vorangehen.
Gemäss Art. 48 Abs.
2 IVG wird die Leistung für einen längeren Z
eitraum nachgezahlt, w
enn die ver
sicherte Person den anspruchsbegründenden Sachverhalt nicht kennen konnte
(
lit
. a)
und den Anspruch spätestens zwölf Monate, nachdem sie davon Kenntnis erhalten hat, geltend macht
(
lit
. b)
.
Aufgrund der am 8. März 2021 erfolgten
Geltendmachung
(Urk. 5/
26/5
) fällt eine Nachzahlung für medizinische
Massnahmen für die Zeit vor dem 8. März 2020
gestützt auf Art. 48 Abs. 1 IVG
ausser Betracht.
Die Voraussetzungen von
Art. 48 Abs. 2 IVG
sind nicht
erfüllt: Eine rechtzeitige Anmeldung scheiterte gemäss den
Angaben des Beschwerdeführers an der notwendigen Rechtskenntnis; eine Rechts
unkennt
n
is
fällt indessen nicht unter die in Art. 48 Abs.
2
lit
. a IVG geforderte
Unkenntnis über den anspruchsbegründenden Sachverhalt
(vgl. BGE
139 V 289
E. 6.3)
.
Im Übrigen
kam nach Angaben des Psychotherapeuten
A._
damals «die Tagesschule für die Therapiekosten auf» (Urk. 5/26/6
, vgl. auch Urk. 5/38
), womit fraglich erscheint,
inwiefern
der Beschwerdeführer
durch einen
allfälligen abschlägigen Entscheid der Beschwerdegegnerin beschwert sein könnte
.
Alsdann
fällt e
ine Verletzung der Aufklärungspflicht nach Art. 27 ATSG durch die Beschwerdegegnerin ausser Betracht.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin liess die Frage, ob allenfalls gestützt auf Art. 13 IVG bereits ab Behandlungsbeginn (
Art. 2 Abs. 1
GgV
; Meyer/
Reichmuth
, Bundes
ge
setz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014, N 11 und 13 ff. zu Art. 13 IVG)
Anspruch auf Übernahme der Psychotherapie durch die Invalidenver
siche
rung besteht, offen.
3.2
Aufgrund der Akten steht fest, dass der Kinderarzt Dr.
Z._
im Rahmen der ent
wicklungspädiatrischen Abklärung
vom
17. September 2010 und damit bei Voll
endung des 7. Altersjahres des Beschwerdeführers ein
ADHS
diagnostizierte (vgl. den Bericht vom 4. Oktober 2010 [Urk. 5/24/4 f.]). Darauf
ver
wies er auch in sei
nem
Schreiben vom 27. Februar 2021
an die Beschwerdegegnerin
(Urk.
5/26/5)
.
Er
hielt fest, er
habe im September 2010 die Diagnose eines ADHS gestellt
und eine Medikation mit Ritalin eingeleitet
. E
ine Anmeldung für ein Geburtsge
bre
chen gemäss Ziff. 404
GgV
-Anhang
sei
jedoch
nicht
erfolgt
(Urk. 5/26/5).
Dem
entsprechend beantragten w
eder
Dr.
Z._
noch der behandelnde
Psychotherapeut
A._
eine
Kostenübernahme der
psychotherapeutische
n
Behand
lung
gestützt auf Art. 13 IVG.
3.3
Ei
n Geburtsgebrechen gemäss Ziff. 404
GgV
-
Anhang
(
Störungen des Verhaltens bei Kindern mit normaler Intelligenz, im Sinne krankhafter Beeinträchtigung der Affektivität oder Kontaktfähigkeit, bei Störungen des Antriebes, des Erfassens, der perzeptiven Funktionen, der Wahrnehmung, der Konzentrationsfähigkeit sowie der Merkfähigkeit, sofern sie mit bereits gestellter Diagnose als solche vor der Vollendung des
9.
Altersjahres auch behandelt worden sind
)
ist nur dann
anzuerkennen und die entsprechend notwendigen medizinischen Massn
ahmen sind nur dann nach Art.
13 IVG von der Invalidenversicherung zu übernehmen, wenn zusätzlich zur diagnostizierten Verhaltensstörung des normal intelligenten Kindes auch sämtliche Teilleistungsstörun
gen kumulativ ausgewiesen sind (vgl. Ziff. 2.1 des Anhangs 7
zum KSME
)
.
Die
Definition des Gebur
tsgebrechens im Sinne von Ziff. 404
GgV
-
Anhang
geht
damit
weit über das
Vorliegen eines ADHS hinaus
, indem zusätzlich weitere Teilleistungsstörungen diagnostiziert werden müssen
(Urteil des Bundesgerichts
8C_316/2018
vom 23. Oktober 2018
E.
5.2 und
5.2.1 mit Hinweisen; vgl. auch
das IV-Rundschreiben Nr. 298 vom 14. April 2011)
.
Beim Beschwerdeführer wurden nebst dem ADHS zwar eine schwere Spracher
werbsstörung, eine auditive Merkfähigkeits- und Wahrnehmungsschwäche sowie leichte motorische Auffälligkeiten festgestellt (
Bericht des schulpsychologischen Dienstes vom 30. Juni 2015 [
Urk. 5/24/2
]
und
Bericht von Dr.
Z._
vom 4. Okto
ber 2010 [
Urk. 5/24/4
]
).
D
as gesamte Spektrum
der Teilleistungsstörungen im Sinne
eines Geburtsgebrechens gemäss Ziff. 404
GgV
-A
nhang wurde damit jedoch nicht abgedeckt. Dies erklärt auch, weshalb vom Kinderarzt keine entsprechende Anmeldung bei der Beschwerdegegnerin
veranlasst wurde
, worauf dieser selbst hinwies
(vgl. vorstehend E. 3.2)
.
Dementsprechend besteht
auch kein Anspruch auf Kostenübernahme der Psychotherapie gestützt auf Art. 13 IVG.
4.
Nach dem Ausgeführten erweist sich
Beschwerde
als unbegründet
.
S
ie
ist daher
abzuweise
n, soweit auf sie einzutreten ist
.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewil
ligung oder Verweigerung von
Leistungen
der Invalidenversicherung
geht, ist das Ve
rfahren kostenpflichtig
. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig v
om Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr.
5
00.-- anzusetzen. Entsp
re
chend dem Ausgang sind sie dem
u
nterliegenden Beschwerdeführer
auf
zu
e
rlegen.