Decision ID: b69207e9-5b3f-573e-827f-7bfdee8ac8f0
Year: 2016
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der 1956 geborene, deutsche Staatsangehörige X._ (nachfolgend:
Beschwerdeführer) arbeitete seit Oktober 1982 als Grenzgänger in der
Schweiz. Im August 1984 trat der gelernte Koch bei der Z._ (vor-
mals W._) als Betriebsmitarbeiter ein, wo er bis Oktober 2012 ar-
beitete (Akten der IV-Stelle Aargau, [nachfolgend: IV-act.] 4, 5; 9; 21). Wäh-
rend dieser Zeit leistete er Beiträge an die schweizerische Alters-, Hinter-
lassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV).
B.
Am 7. Oktober 1992 wurde der Beschwerdeführer von seiner Arbeitgeberin
bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: SUVA)
wegen einem Sturz vom Balkon angemeldet (Akten der SUVA, [nachfol-
gend: SUVA-act.] 1). Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen
(Taggeld und Heilungskosten). Am 20. Mai 2003 meldete der Beschwerde-
führer der SUVA einen Rückfall aufgrund Thorakolumbovertebralsyndroms
(SUVA-act. 14). Die SUVA verneinte ihre Leistungspflicht mit Verfügung
vom 31. Juli 2003, da es sich bei den Beschwerden nicht um Folgen eines
versicherten Unfalls oder einer unfallähnliche Körperschädigung handle
(SUVA-act. 23). Mit Verfügung vom 11. Januar 2013 sprach sie dem Be-
schwerdeführer für die verbliebene Beeinträchtigung aus dem Unfall vom
4. Oktober 1992 bei einem Invaliditätsgrad von 69% eine Invalidenrente
von Fr. 5'159.75 ab 1. Januar 2013 sowie eine Integritätsentschädigung zu
(IV-act. 29 S. 8 ff.).
C.
Am 21. Juni 2012 meldete sich der Beschwerdeführer aufgrund von
Rückenproblemen bzw. 11 gebrochenen und davon 4 schlecht zusammen-
gewachsenen Rippen bei der IV-Stelle des Kantons Aargau (nachfolgend
IV-Stelle Aargau) zum Leistungsbezug an (IV-act. 4). Am 6. August 2012
teilte die IV-Stelle Aargau dem Beschwerdeführer mit, aufgrund seines Ge-
sundheitszustands seien derzeit keine Eingliederungsmassnahmen mög-
lich und es werde ein Rentenanspruch geprüft (IV-act. 18). Nach Einholung
eines bidisziplinären Gutachtens, Konsultierung des Regionalen Ärztlichen
Dienstes (RAD) und durchgeführtem Vorbescheidverfahren wies die IV-
Stelle für Versicherte im Ausland (nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz) das
Leistungsbegehren mit Verfügung vom 28. März 2014 ab, da die Gegen-
überstellung des Validen- und Invalideneinkommens einen Invaliditätsgrad
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von lediglich 16% ergebe, welcher keinen Rentenanspruch begründe (Ak-
ten im Beschwerdeverfahren, [nachfolgend: BVGer-act.], Beilage zu
BVGer-act. 1).
D.
Hiergegen liess der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 12. Mai 2014 Be-
schwerde erheben und beantragen, es sei ihm eine ganze Rente der Inva-
lidenversicherung auszurichten; eventuell sei die angefochtene Verfügung
aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, unter Kos-
ten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Vorinstanz (BVGer-act. 1).
Es sei nicht auf das eingeholte rheumatologische Gutachten abzustellen.
Zudem sei die von den Abklärungen der SUVA abweichende Berechnung
des Invaliditätsgrads unkorrekt und beruhe auf tatsachenwidrigen Annah-
men.
E.
Am 20. Mai 2014 leistete der Beschwerdeführer den angeforderten Kos-
tenvorschuss von Fr. 400.– in Höhe der mutmasslichen Verfahrenskosten
(BVGer-act. 2; 4).
F.
Mit Vernehmlassung vom 19. Juni 2014 beantragte die Vorinstanz die Ab-
weisung der Beschwerde und die Bestätigung der angefochtenen Verfü-
gung (BVGer-act. 6). Zur Begründung verwies sie auf die Stellungnahme
der IV-Stelle Aargau vom 19. Juni 2014 (Beilage zu BVGer-act. 6), worin
wiederum auf den Vorbescheid vom 10. April 2013 (IV-act. 28) und die an-
gefochtene Verfügung vom 28. März 2014 verwiesen wurde.
G.
Mit Verfügung vom 23. Juni 2014 wurde der Schriftenwechsel abgeschlos-
sen (BVGer-act. 7).
H.
Am 7. Mai 2015 (BVGer-act. 8) wurden bei der SUVA Basel die Akten edi-
tiert, welche am 15. Mai 2015 beim Bundesverwaltungsgericht eingingen
(BVGer-act. 9).
I.
Mit Instruktionsverfügung vom 8. April 2016 (BVGer-act. 11) teilte das Bun-
desverwaltungsgericht dem Beschwerdeführer mit, dass weder eine
Schichtzulage von 16.7% noch eine solche von 21.2% aktenkundig sei. Er
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Seite 4
wurde aufgefordert bis zum 26. April 2016 Lohnausweise und Lohnabrech-
nungen einzureichen.
J.
Mit Schreiben vom 22. April 2016 (BVGer-act. 12) sandte der Beschwerde-
führer die Salärabrechnungen von 1997 bis 2007 (exklusiv Juni 2001) und
von 2010 bis 2012, Lohnausweise für 2008, 2009 und von 2013 bis 2015
und drei Salärbriefe inklusive einem Brief „Auskauf Abschiedsgeschenk"
dem Bundesverwaltungsgericht zu. Am 25. April 2016 (BVGer-act. 13)
reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme des Werkarztes Dr.
med. A._ vom 13. April 2016 nach, wonach der Beschwerdeführer
seit 1. Januar 2004 aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr für Schicht-
arbeit eingesetzt werden könne, dass er seit dem 2. Januar 2013 nicht
mehr arbeite und eine weitere Beschäftigung bei der Z._ nicht mehr
möglich sei. Weiter wurden die Lohnausweise für die Monate Januar 2016
bis März 2016 beigelegt.
Der Beschwerdeführer wiederholte die bisherigen Ausführungen und
brachte ergänzend vor, da der Wegfall der Schichtpauschale ab 1. Januar
2004 für die Invalidenversicherung nicht relevant gewesen sei (zu geringe
Einkommensminderung) und eine entsprechende Verweistätigkeit zeitnah
habe gefunden werden können, sei auf eine Anmeldung bei der Invaliden-
versicherung verzichtet worden.
Weiter wurde ausgeführt, die Schichtpauschale werde je nach
Schichtrhythmus angepasst. So habe er am 31. Dezember 2003 eine
Schichtpauschale von 16.45% erhalten. Heute arbeite derselbe Bereich im
Schichtturnus, wo 21.2% als Schichtpauschale vergütet werde.
Lohnabrechnungen für die Jahre 1992 und 1993 würden nicht mehr vorlie-
gen.
K.
Die Schreiben vom 22. April 2016 und vom 25. April 2016 inklusive Unter-
lagen wurden der Vorinstanz zugestellt, jedoch antwortete diese nicht sel-
ber, sondern die IV-Stelle Aargau nahm am 10. Mai 2016 ausführlich zu
den Schreiben des Beschwerdeführers Stellung und beantragte, das Attest
des Werkarztes vom 13. April 2016 sei zurückzuweisen (BVGer-act. 15).
Die Vorinstanz reagierte nicht auf die Aufforderung des Bundesverwal-
tungsgerichts (BVGer-act. 16), sich zu den Schreiben des Beschwerdefüh-
rers und der kantonalen IV-Stelle zu äussern.
C-2573/2014
Seite 5
L.
Am 25. Mai 2016 (BVGer-act. 17) nahm der Beschwerdeführer einlässlich
zum Schreiben der kantonalen IV-Stelle Stellung und legte unter anderem
diverse ärztliche Unterlagen aus den Jahren 2002 und 2003, Salärabrech-
nungen von Januar 2008 bis Dezember 2009 und von Januar 2013 bis
März 2014 sowie Kopien des internen Mailverkehrs des Arbeitgebers aus
der Zeit von 3. Juni 2003 bis 27. November 2003 ins Recht.
M.
Auf die Ausführungen der Parteien und die vorgelegten Beweismittel ist –
soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
den Vorschriften des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32), des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021
[vgl. auch Art. 37 VGG]) sowie des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1
[vgl. auch Art. 3 Bst. dbis VwVG]).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG, sofern – wie
vorliegend – keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Als Vor-in-
stanzen gelten die in Art. 33 VGG genannten Behörden. Zu diesen gehört
auch die IV-Stelle für Versicherte im Ausland (Art. 33 Bst. d VGG; vgl. auch
Art. 69 Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die In-
validenversicherung [IVG, SR 831.20]). Das Bundesverwaltungsgericht ist
somit zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.3 Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men; er ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung, sodass er im
Sinne von Art. 59 ATSG beschwerdelegitimiert ist (vgl. auch Art. 48 Abs. 1
VwVG). Da die Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht eingereicht
und auch der einverlangte Kostenvorschuss geleistet wurde (Art. 38 Abs. 4
ATSG; Art. 60 ATSG; Art. 52 VwVG), ist auf die Beschwerde einzutreten.
C-2573/2014
Seite 6
1.4 Gemäss Art. 40 Abs. 2 IVV (SR 831.201) ist bei Grenzgängern die IV-
Stelle, in deren Tätigkeitsgebiet der Grenzgänger eine Erwerbstätigkeit
ausübt, zur Entgegennahme und Prüfung der Anmeldung zuständig. Dies
gilt auch für ehemalige Grenzgänger, sofern sie bei der Anmeldung ihren
ordentlichen Wohnsitz noch in der benachbarten Grenzzone haben und der
Gesundheitsschaden auf die Zeit ihrer Tätigkeit als Grenzgänger zurück-
geht. Die Verfügungen werden von der IVSTA erlassen.
Der Beschwerdeführer war zuletzt als Grenzgänger im Kanton Aargau er-
werbstätig und wohnte, namentlich auch im Zeitpunkt der Anmeldung, in
Deutschland, wo er noch heute lebt. Er macht einen Gesundheitsschaden
geltend, der auf den Zeitpunkt seiner Tätigkeit als Grenzgänger zurück-
geht. Unter diesen Umständen war die IV-Stelle Aargau zur Entgegen-
nahme und Prüfung der Anmeldung zuständig und wurde die angefochtene
Verfügung vom 28. März 2014 zurecht von der IVSTA erlassen.
2.
2.1 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens können die Verletzung von
Bundesrecht einschliesslich der Überschreitung des Ermessens, die un-
richtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts sowie die Unangemessenheit des Entscheids gerügt werden (Art. 49
VwVG).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der Rechts-
anwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der Begehren der
Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Im Rahmen seiner Kognition
kann es die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten
Gründen gutheissen oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit
einer Begründung bestätigen, die von jener der Vorinstanz abweicht (vgl.
BGE 128 II 145 E. 1.2.2, 127 II 264 E. 1b).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft und
wohnt in Deutschland, sodass vorliegend das am 1. Juni 2002 in Kraft ge-
tretene Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft ei-
nerseits und der Europäischen Gemeinschaft andererseits über die Freizü-
gigkeit vom 21. Juni 1999 (Freizügigkeitsabkommen, im Folgenden: FZA,
SR 0.142.112.681) anwendbar ist (Art. 80a IVG).
3.2 Nach Art. 1 Abs. 1 des auf der Grundlage des Art. 8 FZA ausgearbeite-
ten und Bestandteil des Abkommens bildenden (Art. 15 FZA) Anhangs II
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("Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit") des FZA in Verbin-
dung mit Abschnitt A dieses Anhangs wenden die Vertragsparteien unter-
einander insbesondere die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom
14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Ar-
beitnehmer und Selbstständige sowie deren Familienangehörige, die in-
nerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern, und die Verordnung Nr.
574/72 oder gleichwertige Vorschriften an. Diese sind am 1. April 2012
durch die Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der so-
zialen Sicherheit sowie (EG) Nr. 987/2009 des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 16. September 2009 zur Festlegung der Modalitäten
für die Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über die Koordi-
nierung der Systeme der sozialen Sicherheit abgelöst worden.
3.3 Nach Art. 4 der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 haben Personen, für die
diese Verordnung gilt, die gleichen Rechte und Pflichten aufgrund der
Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats wie die Staatsangehörigen dieses
Staates. Dabei ist im Rahmen des FZA auch die Schweiz als "Mitgliedstaat"
im Sinne dieser Koordinierungsverordnungen zu betrachten (Art. 1 Abs. 2
Anhang II des FZA).
3.4 Nach Art. 46 Abs. 3 der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 ist die vom Trä-
ger eines Staates getroffene Entscheidung über die Invalidität eines An-
tragstellers für den Träger eines anderen betroffenen Staates nur dann ver-
bindlich, wenn die in den Rechtsvorschriften dieser Staaten festgelegten
Tatbestandsmerkmale der Invalidität in Anhang VII dieser Verordnung als
übereinstimmend anerkannt sind. Dies trifft im Verhältnis der Schweiz zu
den einzelnen EU-Mitgliedstaaten nicht zu, weshalb die Frage des Anspru-
ches auf Leistungen der schweizerischen Invalidenversicherung allein auf-
grund der schweizerischen Rechtsvorschriften zu beurteilen ist (vgl. BGE
130 V 253 E. 2.4).
4.
4.1 In zeitlicher Hinsicht sind - vorbehältlich besonderer übergangsrechtli-
cher Regelungen - grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die
bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führen-
den Tatbestandes Geltung haben (BGE 132 V 220 E. 3.1.1; 131 V 11 E. 1).
Ein allfälliger Leistungsanspruch ist für die Zeit vor einem Rechtswechsel
aufgrund der bisherigen und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen
zu prüfen (pro rata temporis; vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2.1).
C-2573/2014
Seite 8
4.2 Nach der Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei der
Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des
Erlasses der streitigen Verwaltungsverfügung (hier: 28. März 2014) einge-
tretenen Sachverhalt ab (BGE 129 V 1 E. 1.2). Tatsachen, die jenen Sach-
verhalt seither verändert haben, sollen grundsätzlich Gegenstand einer
neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b; Urteil des BGer
9C_803/2009 vom 25. März 2010 E. 5).
4.3 In materiell-rechtlicher Hinsicht ist auf jene Bestimmungen des IVG und
der IVV (SR 831.201) respektive des ATSG und der ATSV (SR 830.11) ab-
zustellen, die für die Beurteilung eines Rentenanspruchs jeweils relevant
waren und in Kraft standen. Vorliegend ist der Anspruch auf eine Invaliden-
rente ab dem 1. Januar 2004 strittig, weshalb insbesondere das IVG in
Kraft ab dem 1. Januar 2004 in der Fassung vom 21. März 2003 [4. IV-
Revision; AS 2003 3837], ab dem 1. Januar 2008 in der Fassung vom 6.
Oktober 2006 [5. IV-Revision; AS 2007 5129] und ab dem 1. Januar 2012
in der Fassung vom 18. März 2011 [6. IV-Revision; AS 2011 5659] mit den
entsprechenden Fassungen der IVV [AS 2003 3859, 2007 5155, 2011
5679] massgebend sind.
5.
5.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde,
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit oder Unmöglichkeit, sich im bis-
herigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 8 Abs. 1 und 3 ATSG). Nach
Art. 4 IVG kann die Invalidität Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder
Unfall sein (Abs. 1); sie gilt als eingetreten, sobald sie die für die Begrün-
dung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und
Schwere erreicht hat (Abs. 2). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beein-
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be-
dingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufga-
benbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die
zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berück-
sichtigt (vgl. Art. 6 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom-
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. Art. 7 ATSG). Für die Beurtei-
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol-
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er-
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
C-2573/2014
Seite 9
5.1.1 Der Begriff der Invalidität ist demnach nicht nach medizinischen Kri-
terien definiert, sondern nach der Unfähigkeit, Erwerbseinkommen zu er-
zielen oder sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (vgl. BGE 110
V 273 E. 4a und BGE 102 V 165). Dabei sind die Erwerbs- bzw. Arbeits-
möglichkeiten nicht nur im angestammten Beruf bzw. in der bisherigen Tä-
tigkeit, sondern – wenn erforderlich – auch in zumutbaren andern Berei-
chen, in sog. Verweisungstätigkeiten zu prüfen. Der Invaliditätsgrad ist also
grundsätzlich nach wirtschaftlichen und nicht nach medizinischen Grunds-
ätzen zu ermitteln. Bei der Bemessung der Invalidität kommt es somit ein-
zig auf die objektiven wirtschaftlichen Folgen einer funktionellen Behinde-
rung an, und nicht allein auf den ärztlich festgelegten Grad der funktionel-
len Einschränkung (vgl. BGE 110 V 273; ZAK 1985 S. 459).
5.1.2 Der Invaliditätsbegriff in der Invalidenversicherung stimmt mit demje-
nigen in der obligatorischen Unfallversicherung überein (BGE 129 V 222
E. 4.2 mit Hinweisen). Der Grundsatz der Koordination der Invaliditätsbe-
messung in der Invaliden- und Unfallversicherung hat zum Zweck, unter-
schiedliche Festlegungen des Invaliditätsgrades durch verschiedene Sozi-
alversicherungsträger zu vermeiden, was der Rechtssicherheit dient und
damit sowohl im Interesse der Versicherer als auch der betroffenen Bürger
liegt (BGE 131 V 120 E. 3.3.3).
5.1.3 Mit Blick auf die in Rechtskraft erwachsene Verfügung der SUVA vom
11. Januar 2013 (SUVA-act. 56) ist in koordinationsrechtlicher Hinsicht
vorab festzuhalten, dass die IV-Stellen und die Unfallversicherer die Inva-
liditätsbemessung in jedem Einzelfall selbstständig vorzunehmen haben.
Keinesfalls dürfen sie sich ohne weitere eigene Prüfung mit der blossen
Übernahme des IV-Grads des Unfallversicherers bzw. der IV-Stelle begnü-
gen (BGE 126 V 288 E. 2d). Die Invaliditätsschätzung der Invalidenversi-
cherung entfaltet gegenüber dem Unfallversicherer keine Bindungswirkung
(vgl. BGE 131 V 362), was auch in umgekehrter Hinsicht gilt (BGE 133 V
549 E. 6). Aufgrund dieser bundesgerichtlichen Rechtsprechung war die
Vorinstanz beim Erlass der angefochtenen Verfügung vom 28. März 2014
grundsätzlich nicht an die von der SUVA vorgenommene Invaliditätsbe-
messung gebunden. Jedoch sind rechtskräftig abgeschlossene Invalidi-
tätsschätzungen als Indiz für eine zuverlässige Beurteilung in den Ent-
scheidungsprozess erst später verfügender Versicherungsträger einzube-
ziehen. Eine abweichende Festlegung der Invalidität ist zu begründen
(BGE 126 V 288 E. 2d). Auch wenn die Invaliditätsbemessung für jeden
Versicherungszweig grundsätzlich selbstständig vorzunehmen ist, hat die
Schätzung der Invalidität mit Bezug auf den gleichen Gesundheitsschaden
C-2573/2014
Seite 10
im Regelfall zum selben Ergebnis zu führen (BGE 126 V 288 E. 2a). Vor-
liegend bestehen mehrere Gesundheitsschäden, in dem Sinne, dass drei
Unfälle und eine krankheitsbedingte Gesundheitsbeeinträchtigung vorlie-
gen. Die SUVA als Unfallversicherung berücksichtigte zurecht nur die ge-
sundheitlichen Beeinträchtigungen aufgrund der Unfälle. Es liegt somit auf
der Hand, dass die Schätzung des Invaliditätsgrades der SUVA von derje-
nigen der IV-Stelle (bzw. vorliegend dem Bundesverwaltungsgericht), wel-
che auch die krankheitsbedingten Leiden zu berücksichtigen hat, abwei-
chen wird.
5.2 Nach den Vorschriften der 4. IV-Revision entsteht der Rentenanspruch
frühestens in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person mindestens zu
40% bleibend erwerbsunfähig (Art. 7 ATSG) geworden ist oder während
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
zu 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen war (Art. 29 Abs. 1 Bst. a
und b IVG in der von 2004 bis Ende 2007 geltenden Fassung). Gemäss
Art. 28 Abs. 1 IVG in der ab 1. Januar 2008 geltenden Fassung haben jene
Versicherten Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können (Bst. a), und die zusätzlich während eines Jahres ohne wesentli-
chen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6
ATSG) gewesen sind und auch nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. b und c).
5.3 Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG (in der von 2004 bis Ende 2007 geltenden
Fassung) bzw. Art. 28 Abs. 2 IVG (in der ab 2008 geltenden Fassung) be-
steht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person
mindestens 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindes-
tens 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% be-
steht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein solcher auf eine Viertelsrente. Laut Art. 28 Abs. 1ter
IVG (in der von 2004 bis Ende 2007 geltenden Fassung) bzw. Art. 29 Abs. 4
IVG (in der ab 2008 geltenden Fassung) werden Renten, die einem Invali-
ditätsgrad von weniger als 50% entsprechen, nur an Versicherte ausge-
richtet, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in
der Schweiz haben, soweit nicht völkerrechtliche Vereinbarungen eine ab-
weichende Regelung vorsehen. Eine solche Ausnahme gilt seit dem 1. Juni
2002 für Staatsangehörige eines Mitgliedstaates der EU und der Schweiz,
sofern sie in einem Mitgliedstaat der EU Wohnsitz haben (BGE 130 V 253
E. 2.3 und 3.1).
C-2573/2014
Seite 11
6.
6.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu be-
urteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich
welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind
ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden kön-
nen (BGE 140 V 193 E. 3.2; 132 V 93 E. 4). Sache des (begutachtenden)
Mediziners ist es zunächst, den Gesundheitszustand zu beurteilen und
wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, d.h. mit
den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung
der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf
die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine
Aufgabe, wofür Verwaltung und Gerichte nicht kompetent sind. Bei der Fol-
genabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für
die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson hingegen keine abschliessende
Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr nimmt die Arztperson zur Arbeitsun-
fähigkeit Stellung, d.h. sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer
Sicht so substanziell wie möglich begründet. Schliesslich sind die ärztli-
chen Angaben eine wichtige Grundlage für die juristische Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden kön-
nen. Nötigenfalls sind, in Ergänzung der medizinischen Unterlagen, für die
Ermittlung des erwerblich nutzbaren Leistungsvermögens die Fachperso-
nen der beruflichen Integration und Berufsberatung einzuschalten (BGE
140 V 193 E. 3.2). Demgegenüber fällt es nicht in den Aufgabenbereich
des Arztes oder der Ärztin, sich zur Höhe einer allfälligen Rente zu äussern,
da der Begriff der Invalidität nicht nur von medizinischen, sondern auch von
erwerblichen Faktoren bestimmt wird (vgl. Art. 16 ATSG).
6.2 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das
Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unab-
hängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These
abstellt (SVR 2010 IV Nr. 58 S. 178 E. 3.1; AHI 2001 S. 113 E. 3a).
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Seite 12
6.2.1 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel
zu würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfah-
ren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versi-
cherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h.
ohne förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu wür-
digen (BGE 125 V 351 E. 3a).
6.2.2 Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, so-
fern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Dieser Grad übersteigt
einerseits die Annahme einer blossen Möglichkeit bzw. einer Hypothese
und liegt andererseits unter demjenigen der strikten Annahme der zu be-
weisenden Tatsache. Die Wahrscheinlichkeit ist insoweit überwiegend, als
der begründeten Überzeugung keine konkreten Einwände entgegenstehen
(UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 43 Rz. 50; THOMAS LO-
CHER, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70, Rz. 58
ff.). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Be-
weisanforderungen hingegen nicht. Der Richter und die Richterin haben
vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von allen mögli-
chen Geschehensabläufen als die Wahrscheinlichste würdigen (vgl. BGE
126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen).
6.2.3 Führen die von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen die Ver-
waltung oder das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Über-
zeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend wahrscheinlich
zu betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem fest-
stehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so ist auf die Abnahme weiterer
Beweise zu verzichten (antizipierte Beweiswürdigung; UELI KIESER, Das
Verwaltungsverfahren in der Sozialversicherung, 1999, S. 212, Rz. 450;
vgl. auch BGE 122 V 157 E. 1d; BGE 122 II 464 E. 4a; BGE 120 Ib 224
E. 2b).
6.2.4 Bezüglich des Beweiswertes eines Gutachtens ist entscheidend, ob
es für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-
ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet
sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder
die Herkunft des Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten
C-2573/2014
Seite 13
oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder als Gutachten
(vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1; BGE 125 V 351 E. 3a).
Gleichwohl erachtet es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar, Richtlinien für die Beweiswürdigung in Be-
zug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten aufzu-
stellen (vgl. hierzu BGE 125 V 351 E. 3b; AHI 2001 S.114 E. 3b; Urteil des
EVG I 128/98 vom 24. Januar 2000 E. 3b).
6.2.4.1 Dem im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutach-
ten externer Spezialärzte (vgl. Art. 44 ATSG), welche aufgrund eingehen-
der Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Er-
gebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzu-
erkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der
Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4; BGE 125 V 351 E. 3b/bb, mit
Hinweisen).
6.2.4.2 Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt
Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be-
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre
Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in ei-
nem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht
schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es be-
darf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar-
teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hin-
blick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialver-
sicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters aller-
dings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572;
BGE 122 V 157 E. 1c; 123 V 331 E. 1c; zur Beweiskraft von Stellungnah-
men der Regionalen Ärztlichen Dienste (RAD) vgl. Urteil des BGer
9C_323/2009 vom 14. Juli 2009 E. 4; BGE 137 V 210 E. 1.2.1).
Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens ent-
schieden werden, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu
stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4; Urteil des
BGer 8C/879/2014 vom 26. März 2015 E. 5.3).
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=8c_879%2F2014&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-V-465%3Ade&number_of_ranks=0#page465
C-2573/2014
Seite 14
6.2.4.3 Bei der Beurteilung von Leistungsansprüchen kann auch auf die
formalisierte Berichterstattung durch behandelnde Ärztinnen und Ärzte so-
wie Spitäler abgestellt werden, da auch diese der freien Beweiswürdigung
unterliegen. Sind daher keine konkreten Anhaltspunkte ersichtlich, welche
die Glaubwürdigkeit der Atteste eines Hausarztes oder einer Hausärztin zu
erschüttern vermögen, ist es unzulässig, deren Angaben bei der Beweis-
würdigung unter Hinweis auf ihre Stellung und unter Berufung auf die fach-
liche Kompetenz der Ärztinnen und Ärzte ausser Acht zu lassen (unveröf-
fentlichtes Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute:
BGer] I 498/89 vom 19. April 1990; URS MÜLLER, Das Verwaltungsverfah-
ren in der Invalidenversicherung, 2010, § 25, Rz. 1741, 1747 mit weiteren
Hinweisen). In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und -ärzten darf und
soll das Gericht aber der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese
Arztpersonen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens-
stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten
aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Dies gilt nicht nur für die allgemein
praktizierenden Hausärztinnen und -ärzte, sondern auch für die behan-
delnden Spezialärztinnen und -ärzte (vgl. z.B. Urteil des EVG I 655/05 vom
20. März 2006 E. 5.4 mit Hinweisen). Im Streitfall dürfte deshalb eine di-
rekte Leistungszusprache einzig gestützt auf die Angaben der behandeln-
den Arztpersonen kaum je in Frage kommen (BGE 135 V 465 E. 4.5). Al-
lerdings dürfen im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdi-
gung auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärztinnen
und Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Ein-
schätzung von der behandelnden Arztperson stammt, darf nicht dazu füh-
ren, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren
Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärz-
tinnen und Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse hervor (Urteil des BGer
9C_24/2008 vom 27. Mai 2008 E. 2.3.2). Auf der anderen Seite lässt es die
unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen
(Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten
fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des
EVG I 506/00 vom 13. Juni 2001 E. 2b) nicht zu, ein Administrativ- oder
Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Ab-
klärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärztinnen und Ärzte zu an-
derslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in de-
nen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden
Arztpersonen wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation
entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung un-
erkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des EVG I 514/06 vom 25.
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Seite 15
Mai 2007 E. 2.2.1 mit Hinweisen) oder wenn die Schlüssigkeit der Feststel-
lungen der versicherungsinternen Fachpersonen durch einen nachvollzieh-
baren Bericht eines behandelnden Arztes in Zweifel gezogen wird (BGE
135 V 465 E. 4.6).
7.
Anfechtungsobjekt bildet vorliegend die Verfügung der Vorinstanz vom 28.
März 2014, mit welcher der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine In-
validenrente verneint wurde. Strittig und zu prüfen ist insbesondere, ob die
Vorinstanz den Sachverhalt in medizinischer sowie erwerblicher Hinsicht
rechtsgenüglich abgeklärt und gewürdigt hat.
7.1 Der Beschwerdeführer erlitt zwischen 1992 und 2010 drei Unfälle (IV-
act. 11; 16; 19; 23; 46.1). Am 4. Oktober 1992 stürzte er vom Balkon und
zog sich eine Fraktur des zweiten lumbalen Wirbelkörpers zu. 2003 wurde
nach Meldung eines Rückfalls wegen Thorakolumbovertebralsyndroms
eine mediale Bandscheibenprotrusion L4/L5 diagnostiziert. Am 3. August
2009 stürzte er bei der Arbeit von einem Bahnwagen und zog sich eine
Rippenserienfraktur 7-11 links dorsolateral zu. Am 8. Februar 2010
rutschte er auf Glatteis aus und erlitt eine Kontusion der Lendenwirbelsäule
sowie der rechten Schulter. Im April 2010 wurde mittels Spiral-Computer-
tomographie (CT) des Thorax festgestellt, dass die Rippenfrakturen nur
teilweise knöchern konsolidiert waren und sich Pseudarthrosen gebildet
hatten. Im Februar 2011 zeigten sich die ehemaligen Rippenfrakturen in
bildgebenden Abklärungen in guter Stellung knöchern konsolidiert. Als Zu-
fallsbefund wurde eine Grundplattenfraktur am 7. Brustwirbelkörper ent-
deckt und bei gleichzeitig osteopenen Knochendichtewerten eine Osteo-
porose diagnostiziert. Bei einem weiteren Rehabilitationsaufenthalt von
März bis Mai 2012 wurden ein chronisches rezidivierendes Lumboverteb-
ralsyndrom mit Ausstrahlung ins rechte Bein, ein Cervico- und Thorakover-
tebralsyndrom sowie eine Osteopenie festgestellt.
7.2 Aus den beigezogenen Akten der SUVA, der Vorinstanz und des Be-
schwerdeführers bzw. seines Rechtsvertreters ergibt sich zu den Erkran-
kungen und Unfallfolgen im Wesentlichen was folgt:
7.2.1 Bericht Dres. med. B._ und C._ vom 19. Juli 1991
(SUVA-act. 7), Diagnosen: Hyperlordose der Lendenwirbelsäule (LWS)
ohne Nachweis entzündlicher oder degenerativer Veränderungen; angebo-
rener Blockwirbel Brustwirbelkörper (BWK) 12/ Lumbalwirbelkörper (LWK)
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Seite 16
1; CT bei Wurzelreizsymptomatik indiziert; Ausschluss lumbaler Prolaps;
Protrusion L3/L4 und L4/L5.
7.2.2 Entlassungsbericht Kreiskrankenhaus D._ vom 14. Oktober
1992 (SUVA-act. 5), Schlussdiagnose: LWK 2- Fraktur.
7.2.3 Bericht Dres. med. E._, F._ und G._ vom
9. November 1992 (SUVA-act. 6): Am 4. Oktober 1992 sei der Versicherte
aus 2 Metern Höhe auf den Rücken gefallen. Diagnose: LWK 2- Fraktur.
7.2.4 Bericht Dr. med. H._, Arzt für Allgemeinmedizin und Arbeits-
medizin, vom 9. Januar 1993 (SUVA-act. 11), Diagnose: Wirbelbruch durch
Sturz über Balkongeländer. Guter Heilverlauf. Wiederaufnahme der Arbeit
zu 100% vorgesehen auf den 14. [unleserlich] 1993.
7.2.5 Bericht Dr. med. I._, Radiologe, vom 6. August 2002 (Beilage
1 zu BVGer-act. 17): Es liege eine mediane Bandscheibenprotrusion
LWK4/LWK5 ohne radikuläre Kompression vor, jedoch mit nachweisbarem
Knochenmarködem in LWK4 und LWK5, sowie ein Zustand nach Deckplat-
tenimpressionsfraktur von LWK2 und Fehlhaltungen zwischen BWK7 und
BWK12.
7.2.6 Dr. med. J._, Hausarzt und Allgemeinmediziner, empfahl mit
Schreiben vom 21. November 2002 an den Werkarzt eine stationäre ortho-
pädische Rehabilitationsbehandlung (Beilage 2 zu BVGer-act. 17) und be-
antragte am 1. April 2003 gegenüber der Krankenversicherung des Be-
schwerdeführers die Durchführung einer stationären Rehabilitationsmass-
nahme in einer orthopädischen, neurologisch orientierten Fachklinik, da ein
schweres Thorakal- und Lumbalsyndrom vorliege (Beilage 3 zu BVGer-act.
17). In den letzten Monaten sei es zu einer kontinuierlichen Zunahme des
Beschwerdebildes, insbesondere von Seiten der LWS, gekommen, was zu
einem zunehmenden Einsatz von Analgetika und nicht steroidalen An-
tirheumatika geführt habe. Es erscheine zunehmend fraglich, ob der Be-
schwerdeführer am Arbeitsplatz noch die volle Leistung zu erbringen in der
Lage sei.
7.2.7 Kurzbericht der Rehaklinik D._ vom 22. Mai 2003 (Beilage 4
zu BVGer-act. 17) und Austrittsbericht vom 21. Juni 2003 (SUVA-act. 15,
16; Beilage 6 zu BVGer-act. 17): Der Beschwerdeführer klage seit einem
halben Jahr über zunehmende wechselhafte Schmerzverstärkung in der
Lendenwirbelsäule. Er sei seit 28. März 2003 zu 100% krankgeschrieben.
Diagnosen: Schweres Thorakovertebralsyndrom bei Status nach LWK2-
C-2573/2014
Seite 17
Fraktur bei Sturz vom Balkon 1992; mediale Bandscheibenprotrusion LWK
4/5; Fehlhaltung untere Brustwirbelsäule (BWS) und LWS; muskuläre Dys-
balance; Kieferabszess. Es sei der Wunsch des Patienten, seine 100%-ige
Beschäftigung fortzusetzen, daher sei eine intensive, stationäre Rehabili-
tation weiterhin dringend indiziert. Der behandelnde Physiotherapeut hielt
am 23. Mai 2003 (Beilage 5 zu BVGer-act. 17) fest, es bestehe eine allge-
meine Abschwächung der haltungsstabilisierenden Muskulatur. Der Versi-
cherte würde die Therapie sehr motiviert mitmachen.
7.2.8 Bericht Rheumaklinik K._ vom 29. Juli 2003 (Beilage 7 zu
BVGer-act. 17). Es wurde ein degeneratives Lumbovertebralsyndrom mit
begleitender Gefügelockerung und begleitender Tendomyosen im LWS-
Bereich diagnostiziert. Die vorausgegangene Fraktur LWK2 habe Starter-
funktion hinsichtlich der Entwicklung des chronischen Schmerzsyndroms
gehabt. Es wurden krankengymnastische Übungen empfohlen.
7.2.9 Aus den Schreiben der Ö._ vom 13. August 2003 (Beilage 8
zu BVGer-act. 17) und der SUVA vom 27. August 2003 (Beilage 9 zu
BVGer-act. 17) geht hervor, dass die Ö._ zunächst gegen die ab-
weisende Verfügung vom 31. Juli 2003 der SUVA betreffend Rückfall Ein-
sprache erhob, diese jedoch nach Rücksprache mit ihrem Vertrauensarzt
wieder zurücknahm.
7.2.10 Der Werkarzt Dr. med. A._ teilte den Vorgesetzten des Be-
schwerdeführers mit Mail vom 3. Juni 2003 mit (Beilage 10 zu BVGer-act.
17), dass der Beschwerdeführer ab 13. Juni 2003 wieder arbeiten möchte
und erklärte aus medizinischer Sicht, unter welchen Bedingungen eine
Schichtarbeit möglich wäre. Dem Mail vom 13. Juni 2003 (Beilage 11 zu
BVGer-act. 17) ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer die Arbeit
wieder aufnahm, jedoch diese wegen starken Schmerzen kurz vor Schich-
tende abbrechen musste. Aus dem Mail vom 16. Juni 2003 (Beilage 11 zu
BVGer-act. 17) ist ersichtlich, dass der Vorgesetzte aufgrund der starken
Schmerzen des Beschwerdeführers, trotz Ausklammerung von Heben von
schweren Lasten, einen Wechsel zu 50% Normalarbeitszeit (NAZ) als not-
wendig erachtete. Gemäss Mail vom 27. November 2003 (Beilage 12 zu
BVGer-act. 17) wurde der Beschwerdeführer per 1. Dezember 2003 von
der Schichtgruppe 1 in die Gruppe der Flurtransporte versetzt, womit der
Wechsel zur Normalarbeitszeit vollzogen wurde. Die Schichtzulage entfiel
per 1. Januar 2004.
C-2573/2014
Seite 18
7.2.11 Bericht Dr. med. L._, Facharzt für Allgemeinmedizin,
Rehaklinik D._, vom 13. Januar 2008 (IV-act. 11 S. 78), Diagnosen:
Ausgeprägte Schmerzen bei Zustand nach Rippenserienfraktur mit Hei-
lungsstörung; Deckplattenimpressionsfraktur LWK1; LWK2-Fraktur; Block-
wirbelbildung BWK 11/12.
7.2.12 Berichte SUVA-Kreisarzt Dr. med. M._, Facharzt für Chirur-
gie, vom 8. Februar und 29. Juni 2010 (SUVA-act. 31; IV-act. 11 S. 2 ff.),
Diagnosen: Status nach Kompressionsfraktur L2 am 4. Oktober 1992, nach
Thorax-Kontusion mit Rippenserienfraktur 6-12 links am 3. August 2009
sowie nach Sturz mit Kontusion der rechten Schulter und der Lendenwir-
belsäule am 8. Februar 2010. Die aktuellen Beschwerden im Bereich der
linksseitigen Rippen seien Folge der Thoraxkontusion vom 3. August 2009.
Die Frakturen seien teilweise nicht durchgebaut und wiesen Pseudarthro-
sen auf. Durch die Schmerzen sei der Beschwerdeführer nach wie vor in
seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Er sei in einer rein administrati-
ven Tätigkeit im Umfang von 50% arbeitsfähig, eine höhere Arbeitsleistung
insbesondere in körperlich anstrengender Tätigkeit sei nicht zumutbar.
7.2.13 Bericht Dr. med. N._, Kantonsspital O._, vom 16.
Februar 2011 (IV-act. 11 S. 23 f.): Frischerer zentraler Einbruch der Grund-
platte BWK 7 mit Nachweis eines Knochenmarködems, möglicherweise
auch als Folge einer Osteochondrose; alte Deckplatteneinsenkung LWK2;
Osteochondrose LWK 4/5; Bandscheibenprotrusion LWK 3/4, 4/5; kein
Nachweis einer Nervenwurzelkompression; mässige Facettengelenksarth-
rose der unteren LWS-Segmente.
7.2.14 Orthopädisches Konsilium Rehaklinik P._, Dr. med.
Q._, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Be-
wegungsapparates, vom 21. Februar 2011 (IV-act. 11 S. 39 ff.), Diagnosen:
Leichte, ventral betonte BWK7-Fraktur, möglicherweise als Ursache einer
Osteoporose.
7.2.15 Bericht Dr. med. R._, Kantonsspital O._, vom
22. Februar 2011 (IV-act. 11 S. 26 f.): Normale Knochendichtewerte im Be-
reich der LWS, vermutlich verfälscht durch den degenerativ hypersklero-
sierten LWK4; Osteopenie im Bereich der linken Hüfte mit erhöhtem Frak-
turrisiko.
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Seite 19
7.2.16 Bericht Dr. med. R._, Kantonsspital O._, vom
16. März 2011 (SUVA-act. 33 S. 6 f.): Osteopenie mit leicht erhöhtem Frak-
turrisiko im Bereich des linken Unterarms.
7.2.17 Austrittsbericht Rehaklinik P._ vom 23. März 2011 (IV-act. 19
S. 26 ff.), Diagnosen: (A) Nach Unfall vom 4. Oktober 1992 LWK2-Fraktur,
vorbestehende Bandscheibenprotrusion L4/5, Blockwirbelbildung Thorax
(TH) 11/12, alte Deckplattenimpressionsfraktur L1, thorakolumbovertebra-
les Syndrom; (B) nach Unfall vom 3. August 2009 Rippenserienfraktur 5-
12 links dorsolateral, linksseitige thorakale Schmerzen; (C) Grundplatten-
fraktur Th7 2011 ohne adäquates Trauma; Einbruch der Grundplatte Th7
mit Knochenmarködem, alte Deckplatteneinsenkung LWK2, Osteochond-
rose L4/5, Bandscheibenprotrusion L3/4/5, mässige Facettengelenksarth-
rose in den unteren LWS-Segmenten; (D) Osteopenie mit etwas erhöhtem
Frakturrisiko; (E) Status nach pulmonalen Veränderungen; (F) Struma no-
dosa; (G) nach Unfall vom 8. Februar 2010 LWS-Kontusion mit vorüberge-
hender Exazerbation der lumbalen Schmerzen; Schulterkontusion rechts.
Es bestehe eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten, körperlich
leichten bis mittelschweren und wechselbelastenden Tätigkeit im Sinne ei-
nes Schonarbeitsplatzes ohne rein gehend oder stehend zu verrichtende
Tätigkeit, ohne längeres Sitzen oder Stehen am Stück (über 60 Minuten),
häufig vorgeneigte Rumpfhaltung, wiederholende Drehbewegungen des
Oberkörpers und Vibrationsbelastung der Wirbelsäule.
7.2.18 Bericht Dr. med. S._, Kantonsspital Baden, vom 20. Juni
2011 (IV-act. 19 S. 19 f.), Diagnosen: Manifeste Osteoporose der Lenden-
wirbelsäule; Deckplatteneinbruch BWK7 ohne adäquates Trauma; LWK2-
Fraktur; multiple Rippenfrakturen; gemäss Osteodensitometrie diverse De-
fizite in der Knochendichte.
7.2.19 Bericht Dr. med. L._, Facharzt für Allgemeinmedizin, vom
5. September 2011 (SUVA-act. 34), Diagnose: Zustand nach LWK2-Fraktur
1992; vorbestehende Bandscheibenprotrusion L4/5. Zunehmende Be-
schwerdesymptomatik mit zeitweiliger Arbeitsunfähigkeit. 50%-ige Arbeits-
fähigkeit seit 26. August 2011.
7.2.20 Bericht Dr. med. T._, Facharzt für Diagnostische Radiologie,
vom 12. September 2011 (IV-act. 11 S. 44), Diagnosen: Degenerative Dis-
copathie C5-C7; aktive Osteochondrose C6/C7; gering ausgeprägte Un-
carthrosen C4-C7; geringgradige Einengung der Neuroforamina C5/C6
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Seite 20
rechtsbetont; keine Spinalstenose; Myelopathie oder posttraumatische
Veränderungen.
7.2.21 Berichte Dr. med. L._ vom 8. November 2011 und 27. Feb-
ruar 2012 (IV-act. 11 S. 49 f., S. 61), Diagnosen: Zustand nach LWK2-Frak-
tur 1992 mit zunehmender Beschwerdesymptomatik; manifeste Osteopo-
rose. Seit September 2011 zunehmende Schmerzsymptomatik lumbal;
Wiederaufnahme der Arbeit nicht absehbar.
7.2.22 Am 22. Februar 2012 besichtigte der Werkarzt Dr. med. A._
den Arbeitsplatz des Beschwerdeführers hinsichtlich den von der Rehakli-
nik P._ gestellten Anforderungen an einen angepassten Arbeits-
platz: Einschränkung für Tätigkeiten mit häufig vorgeneigter Rumpfhaltung
sowie für wiederholte Drehbewegungen des Oberkörpers und Vibrations-
belastung bzw. Schläge bezüglich Wirbelsäule. Leichte bis mittelschwere
Arbeit (5kg bis 10kg, selten 15kg) ganztags zumutbar i.S. von wechselbe-
lastender Tätigkeit (keine rein stehende, gehende Tätigkeit) ohne langes
Sitzen am Stück (>60min.), ohne längeres Stehen am Stück (>60min.). Dr.
med. A._ stellte fest, dass die medizinischen Vorgaben am Schon-
arbeitsplatz des Beschwerdeführers umsetzbar waren (IV-act. 19 S. 22f.).
7.2.23 Bericht SUVA-Kreisarzt Dr. med. M._ vom 5. März 2012 (IV-
act. 19 S. 11 ff.), Diagnosen mit Unfallkausalität: Status nach Kompressi-
onsfraktur L2 am 4. Oktober 1992, nach Thoraxkontusion mit Rippenseri-
enfraktur 6-12 links am 3. August 2009 sowie nach Sturz mit Kontusion der
rechten Schulter und der LWS am 8. Februar 2010. Nebendiagnosen un-
fallfremder Natur: Grundplattenfraktur Th7 im Rahmen einer Osteopenie;
Cervicalsyndrom bei degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule
(HWS). Aufgrund der zunehmenden Schmerzen im Bereich der BWS und
LWS sowie der Funktionseinschränkung der Wirbelsäule sei eine statio-
näre Behandlung in einer Rehaklinik angezeigt; bis dahin betrage die Ar-
beitsfähigkeit 50% in einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätig-
keit, wie sie am Schonarbeitsplatz vorliege. Nach erfolgter Rehabilitation
sollte eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 100% versucht werden.
7.2.24 Berichte Rehaklinik D._ vom 18. April, 5. Mai und 10. Mai
2012 (IV-act. 19 S. 8 f.; act. 11 S. 81 ff.), Diagnosen: (1) Chronisch rezidi-
vierendes lumbovertebrales und lumbospondylogenes Schmerzsyndrom
bei Status nach LWK2-Fraktur 1992 sowie nach LWS-Kontusion 2010; fri-
scher Einbruch Grundplatte BWK7, alte Deckplatteneinsenkung LWK2,
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Seite 21
Osteochondrose L4/5, Bandscheibenprotrusion L3/4 und L4/5, kein Nach-
weis einer Nervenwurzelkompression, mässige Fazettengelenksarthrose
in den unteren LWS-Segmenten; (2) chronisches Thorakovertebralsyn-
drom bei Status nach Rippenserienfraktur links 7-11 2009 und Grundplat-
tenfraktur Th7 im Rahmen einer Osteopenie; (3) Zervikalsyndrom bei de-
generativen Veränderungen der HWS; (4) Osteopenie mit leicht erhöhtem
Frakturrisiko; (5) Hordeolum rechtes Unterlid.
7.2.25 Bericht Dr. med. A._ vom 17. August 2012 (Datum des Ein-
gangs), Werkärztlicher Dienst Z._ (IV-act. 19 S. 1 ff.): Am Schonar-
beitsplatz habe die gewünschte Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 100%
wegen Dekompensation und Schmerzzunahme nicht erzielt werden kön-
nen; die gesundheitlichen Einschränkungen liessen sich durch medizini-
sche Massnahmen nicht dauerhaft vermindern. In der angestammten Tä-
tigkeit sei der Beschwerdeführer vollständig arbeitsunfähig; die Arbeitsfä-
higkeit an einem adaptierten Schonarbeitsplatz betrage maximal 25 - 30%.
In diesem Umfang sei eine wechselbelastende (max. 2 Stunden) oder vor-
wiegend im Gehen ausgeübte Tätigkeit (max. 2 Stunden), eingeschränkt
auch eine rein sitzende oder stehende Tätigkeit (max. 1⁄2 Stunde) mit einer
vereinzelten Gewichtsbelastung von 5-10 kg und ohne Bücken, Knien,
Kauern, Treppensteigen und ohne Arbeit über Kopf oder auf Leitern und
Gerüsten zumutbar. Mit einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit über 30% hin-
aus könne nicht gerechnet werden.
7.2.26 Beurteilung SUVA-Kreisarzt Dr. med. M._ vom 13. Novem-
ber 2012 (SUVA-act. 47), Befund: Status nach Kompressionsfraktur L2. Die
Fraktur sei in einem Kyphosewinkel von 14° konsolidiert. Es verbleibe eine
Minderbelastbarkeit der Wirbelsäule. Die Beschwerden seien unfallbe-
dingt, dauernd und erheblich.
7.2.27 Kreisärztliche Untersuchung SUVA-Kreisarzt Dr. med. M._
vom 13. November 2012 (SUVA-act. 46), Diagnosen: Status nach Kom-
pressionsfraktur L2 am 4. Oktober 1992, nach Thoraxkontusion mit Rip-
penserienfraktur 6-12 links am 3. August 2009 sowie nach Sturz mit Kon-
tusion der rechten Schulter und der LWS am 8. Februar 2010. Nebendiag-
nosen: Grundplattenfraktur Th7 im Rahmen einer Osteopenie; Cervical-
syndrom bei degenerativen Veränderungen der HWS; degenerative Band-
scheibenproblematik L4/5 und L5/S1. Es bestehe eine zunehmende
Schmerzhaftigkeit in Verbindung mit zunehmenden Myogelosen im Be-
reich der unteren BWS und LWS, rechtsbetont. Aufgrund des bisherigen
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Verlaufs mit zweimaliger stationärer Rehabilitation, welche jeweils nur ei-
nen kurz dauernden Effekt gezeigt habe, müsse von einem Endzustand
ausgegangen werden. Aufgrund der Unfallfolgen seien dem Beschwerde-
führer sehr leichte, wechselbelastende Tätigkeiten mit jeweils frei wählba-
rer Arbeitsposition halbtags zumutbar.
7.2.28 Stellungnahmen RAD-Arzt Dr. med. U._ vom 11. Januar und
17. Juni 2013 (IV-act. 23, 37): Es liege ein IV-relevanter Gesundheitsscha-
den vor, der eine bleibende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der an-
gestammten Tätigkeit als Chemiearbeiter begründe und sich seit dem Un-
fall vom 3. August 2009 auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. In der ange-
stammten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer nicht mehr arbeitsfähig. Seit
3. August 2009 arbeite der Beschwerdeführer an einem Schonarbeitsplatz,
an welchem er nicht die volle Arbeitsfähigkeit habe erreichen können und
nie über 50% arbeitsfähig gewesen sei. Er sei von starken Rückenschmer-
zen mit Ausstrahlung ins rechte Bein geplagt gewesen. Mehrere Rehabili-
tationsaufenthalte hätten die Arbeitsfähigkeit nicht verbessern können. Auf-
grund Osteopenie sei es zu einem Bruch der Grundplatte des 7. BWK ge-
kommen. Seit August 2012 bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 30%; der Be-
schwerdeführer könne eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit
mit einer gelegentlichen Gewichtsbelastung von 5-10 kg und ohne Bücken,
Knien, Kauern, Neigen des Oberkörpers, Treppensteigen und ohne Arbeit
über Kopf, auf Leiter und Gerüst oder unebenem Boden 2-3 Stunden pro
Tag ausüben. Die geringe Arbeitsfähigkeit sei jedoch medizinisch nicht
nachvollziehbar, weshalb eine rheumatologische und psychiatrische Be-
gutachtung indiziert sei.
7.2.29 Im bidisziplinären Gutachten, das von der IV-Stelle Aargau eingeholt
wurde, hielt Dr. med. V._, Facharzt für Rheumatologie, physikali-
sche Medizin und Rehabilitation im rheumatologischen Teil vom 17. No-
vember 2013 (IV-act. 46.1) fest, somatisch seien deutliche angeborene,
posttraumatische, degenerative und zufolge Osteoporose bestehende Ver-
änderungen im Wirbelsäulenbereich objektivierbar. Die gesundheitlichen
Probleme hätten sich im Lauf der Jahre kumuliert. Die Wirbelsäulenbelast-
barkeit sei eingeschränkt. Der Beschwerdeführer leide zudem unter chro-
nischen Schmerzen, die nicht nur unter Bewegung und Belastung, sondern
auch im Rahmen monotoner Belastungssituationen exazerbieren würden.
Infolge Osteoporose mit Einbruch des 7. thorakalen Wirbelkörpers, hypo-
mobiler Funktionsstörung im Bereich des thorakolumbalen Übergangs bei
Blockwirbel Th12/L1 und dem Status nach traumatischer LWK2-Fraktur mit
C-2573/2014
Seite 23
anhaltenden Schmerzen im Bereich der linken Thoraxwand, wie auch in-
folge degenerativer Wirbelsäulenveränderungen in den unteren Cervika-
len- und Lendenwirbelsäulensegmenten, einer Wirbelsäulenfehlstatik und
einer muskulären Dysbalance sei die Wiederaufnahme der angestammten
Tätigkeit als Chemiefacharbeiter ausgeschlossen. Es bestehe eine 70%-
ige Arbeitsfähigkeit in einer leichten, wechselbelastenden Verweistätigkeit.
Dabei seien monotone Belastungssituationen zu vermeiden, da diese um-
gehend zu einer Schmerzexazerbation führen würden. Aufgrund des lang-
jährigen chronischen Beschwerdeverlaufs und den objektivierten gesund-
heitlichen Problemen sei nicht mit relevanten Verbesserungen und der
Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen.
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
(1) Aktuell exazerbierte rechtsbetonte vertebrale bis lumbospondyloge
Symptomatik bei Segmentdegeneration L4/L5 mit Osteochondrose, Spon-
dylose und Retrolisthese, Diskusherniation L3/L4 links paramedian sowie
Wirbelsäulenfehlstatik teils zufolge Impressionsfraktur von LWK2;
(2) chronische, multifaktoriell bedingte linksseitige Thoraxwandschmerzen,
zufolge Zustand nach mehreren Rippenfrakturen thorakal 7-11, osteoporo-
tischer Grundplattenfraktur thorakal 7 und hypomobiler Funktionsstörung
im Bereich des thorakolumbalen Übergangs bei Blockwirbel Th12/11;
(3) Osteoporose, Zustand nach Einbruch der BWK7 Grundplatte 2011.
Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
(1) Nikotinabusus; (2) schubweise exazerbierende Kopfschmerzen; (3) re-
zidivierende zervikovertebrale Symptomatik bei degenerativen Verände-
rungen hauptsächlich der Segmente C5/C6 und C6/C7.
7.2.30 Dr. med. St._, Psychiatrie und Psychotherapie, hielt im psy-
chiatrischen Teilgutachten vom 28. Oktober 2013 (IV-act. 45) fest, es hätten
keine psychopathologischen Befunde erhoben werden können und der Be-
schwerdeführer sei psychisch gesund; eine Einschätzung, die dieser selbst
teile. Lediglich von November 2012 bis Juli 2013, als der Beschwerdefüh-
rer seine Arbeit habe niederlegen müssen, habe eine leichtgradige depres-
sive Episode bestanden. Der Beschwerdeführer würde im Grunde eine
Normalisierung des Alltags anstreben und sei motiviert; andererseits sei er
in Bezug auf die Einschätzung seiner Arbeitsfähigkeit verunsichert und
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Seite 24
halte sich aufgrund seiner Schmerzen zu 100% arbeitsunfähig. Aus psy-
chiatrischer Sicht bestehe eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit; während der
leichtgradigen depressiven Episode sei die Arbeitsfähigkeit im Umfang von
10% eingeschränkt gewesen. Als Synthese der Teilgutachten sei von einer
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30% auszugehen.
7.2.31 Stellungnahme RAD-Arzt Dr. med. U._ vom 22. November
2013 (IV-act. 47): Am 1. Januar 2004 sei aus medizinischer Sicht ein Ge-
sundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eingetreten, da
der Beschwerdeführer seither nur noch in der Tagesschicht hätte arbeiten
können. Schichtarbeit sei wegen Exazerbation der chronischen lumbalen
Beschwerden nicht möglich gewesen. In der angestammten Tätigkeit sei
er seit 3. August 2009 nicht mehr arbeitsfähig. Seither arbeite der Be-
schwerdeführer an einem Schonarbeitsplatz und sei in einer körperlich
leichten Tätigkeit mit Möglichkeit des Positionswechsels, mit einer Ge-
wichtsbelastung von 5 bis maximal 10 kg und ohne Arbeit auf Leiter, Gerüst
oder unebenem Boden oder in Zwangshaltung im Umfang von 70% ar-
beitsfähig. Der erste Unfall von 1992 habe keine bleibenden gesundheitli-
chen Einschränkungen zur Folge gehabt. Der Sturz am 3. August 2009 von
einem Bahnwagen mit Rippenfrakturen links und verzögertem Heilungs-
verlauf habe eine Reduktion der Arbeitsfähigkeit auf 50% ab August 2009
respektive 30% seit August 2012 notwendig gemacht.
8.
8.1
Die Vorinstanz stützte ihre Verfügung vom 28. März 2014 vorwiegend auf
die hiervor erwähnten interdisziplinären Gutachten, psychiatrischen Teil-
gutachten vom 28. Oktober 2013 (IV-act. 45) und insbesondere rheumato-
logischen Teilgutachten vom 17. November 2013 (IV-act. 46.1), sowie auf
die Stellungnahmen ihres regionalen ärztlichen Dienstes vom 11. Januar
2013, 17. Juni 2013 und 22. November 2013, welcher den Versicherten
untersuchte und dessen Berichten damit Gutachterstellung zukam (IV-act.
23, 37 und 47). Mit den von der SUVA eingeholten medizinischen Akten
und den kreisärztlichen Untersuchungsbefunden setzte sie sich hingegen
in koordinationsrechtlicher Hinsicht nicht auseinander. Da die SUVA zuvor
ihre umfangreichen medizinischen Abklärungen abgeschlossen und über
die Invaliditätsbemessung des Beschwerdeführers bereits am 11. Januar
2013 rechtskräftig entschieden hatte, wäre die Vorinstanz verpflichtet ge-
wesen, die Auswirkungen dieses SUVA-Entscheids auf die Invaliditätsbe-
messung in der IV abzuklären. Dabei stellt sich in diesem Zusammenhang
C-2573/2014
Seite 25
auch die Frage, inwieweit der Entscheid der Unfallversicherung Bindungs-
wirkung auf die Invaliditätsbemessung der Vorinstanz entfaltete (zum Gan-
zen vgl. die bundesgerichtliche Rechtsprechung vorne E. 7.2). Dieser
Problematik ist nachfolgend näher nachzugehen.
8.2 Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers wurde von der SUVA
seit dem Unfall im Jahr 1992 dokumentiert. Dr. med. M._, Chirurg,
war mindestens seit 3. Juli 2003 der beurteilende Facharzt (vgl. Stempel
auf der Rehaklinik D._, SUVA-act. 15) und untersuchte den Be-
schwerdeführer am 29. Juni 2010 (SUVA-act. 31), 5. März 2012 (IV-act.
19.11) und 13. November 2012 (SUVA-act. 46) persönlich. Aus diesem
Grund war er mit der Aktenlage und den Leiden des Beschwerdeführers
bestens vertraut. Der Hinweis des Rheumatologen auf Seite 11 in seinem
Teilgutachten vom 17. November 2013 (IV-act. 46.1), wonach der SUVA-
Arzt in seinem Bericht vom 5. März 2012 die Vorgeschichte knapp zusam-
mengefasst habe, trifft zwar zu, ist jedoch, da Dr. med. M._ wie er-
örtert, dokumentiert war, kein Grund, um den Beweiswert des Untersu-
chungsberichtes in Frage zu stellen. Die SUVA-Untersuchungsberichte
vom 29. Juni 2010 (SUVA-act. 31), 5. März 2012 (IV-act. 19 S. 11) und
13. November 2012 (SUVA-act. 46) erfüllen die an den vollen Beweiswert
eines ärztlichen Gutachtens gestellten Kriterien. Insbesondere sind sie für
die streitigen Belange umfassend, beruhen auf allseitigen Untersuchun-
gen, berücksichtigen die geklagten Beschwerden und wurden in Kenntnis
der Vorakten (Anamnese) abgegeben. Sie sind zudem in der Darlegung
der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizini-
schen Situation einleuchtend und in den Schlussfolgerungen begründet. In
den nach der Thoraxkontusion vom 3. August 2009 folgenden Untersu-
chungen legte SUVA-Kreisarzt Dr. med. M._ nachvollziehbar dar,
der Beschwerdeführer sei durch die zunehmenden Schmerzen sowie die
Funktionseinschränkung der Wirbelsäule in seiner Bewegungsfreiheit ein-
geschränkt, weshalb er in einer rein administrativen, wechselbelastenden
Tätigkeit in einem Umfang von nicht über 50% arbeitsfähig sei (SUVA-act.
31; IV-act. 11 S. 2 ff.) Dem SUVA-Untersuchungsbericht kommt somit hin-
sichtlich der unfallbedingten Einschränkung Beweiswert zu.
8.3 Das rheumatologische Gutachten von Dr. med. V._ vom 17. No-
vember 2013 (IV-act. 46.1) entspricht nicht den von der Rechtsprechung
entwickelten Anforderungen an medizinische Gutachten (vgl. E. 6.2 hier-
vor), weshalb für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit nicht darauf abge-
stellt werden kann. So ist augenfällig, dass sich Dr. med. V._ weder
mit den Vorakten auseinandersetzt noch die davon abweichende eigene
C-2573/2014
Seite 26
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit begründet. In selektiver Auswahl und
ohne konkrete Benennung von Arztberichten stellt er aktenwidrig fest, es
sei in den Jahren 2011 und 2012 eine Arbeitsfähigkeit von 100% postuliert
worden. Dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nach
dem Rehabilitationsaufenthalt in der Klinik P._, welche ihm im März
2011 eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit attestierte (IV-act. 19 S. 26 ff.), zuneh-
mend verschlechtert hat, bleibt unerwähnt. Zudem wird nicht berücksich-
tigt, dass SUVA-Kreisarzt Dr. med. M._ im Bericht vom 5. März
2012 eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit keineswegs feststellte, sondern als er-
strebenswertes Ziel nach notwendigem Rehabilitationsaufenthalt setzte
und vielmehr von einer Arbeitsfähigkeit von 50% ausging (IV-act. 19 S. 11
ff.). Unerwähnt bleiben sodann nachfolgende Beurteilungen desselben
Arztes, der die Steigerung der Arbeitsfähigkeit nach mehreren Rehabilita-
tionsaufenthalten bei zunehmender Schmerzsymptomatik als gescheitert
einschätzte (SUVA-act. 46). Der einfache Hinweis des Gutachters auf die
Möglichkeit einer Schmerzmedikation mit ergänzender schmerzdistanzie-
render Psychopharmaka zwecks Leistungssteigerung vermag die Diskre-
panz zu den medizinischen Vorakten nicht aufzulösen.
8.4 Die Stellungnahmen von RAD-Arzt Dr. med. U._ vermögen
nichts Entscheidrelevantes zur Einschätzung der Arbeitsfähigkeit beizutra-
gen, da sie widersprüchlich sind. So legte Dr. med. U._ den Eintritt
des Gesundheitsschadens einmal auf den 3. August 2009 (IV-act. 23), ein-
mal auf den 1. Januar 2004 (IV-act. 47) fest, ohne die Abweichung zu be-
gründen. Sodann äusserte er sich insofern widersprüchlich zur Arbeitsfä-
higkeit, als er in der Stellungnahme vom 21. November 2013 (IV-act. 47)
wie auch in den vorhergehenden Stellungnahmen (IV-act. 23, 37) einer-
seits ausführte, der Sturz am 3. August 2009 von einem Bahnwagen mit
Rippenfrakturen links und verzögertem Heilungsverlauf habe eine Reduk-
tion der Arbeitsfähigkeit auf 50% ab August 2009 respektive 30% seit Au-
gust 2012 notwendig gemacht, in derselben Stellungnahme anderseits die
im rheumatologischen Gutachten festgestellte Arbeitsfähigkeit von 70%
seit 3. August 2009 bestätigte. Aufgrund der widersprüchlichen Angaben
genügen auch die RAD-Stellungnahmen den allgemeinen beweisrechtli-
chen Anforderungen an ärztliche Berichte nicht, weshalb sie nicht als Ent-
scheidgrundlage heranzuziehen sind (vgl. Urteil des BGer 9C_1063/2009
vom 22. Januar 2010 E. 4.2.3).
8.5 Das Gutachten von Dr. med. V._ vom 17. November 2013 sowie
die Stellungnahmen von RAD-Arzt Dr. med. U._ weisen nicht nur
C-2573/2014
Seite 27
inhaltliche Mängel auf, sondern wurden auch in Verletzung des Koordina-
tionsgrundsatzes (vgl. E. 5.1.2 hiervor) durch die Vorinstanz eingeholt. Of-
fensichtlich hat es die Vorinstanz unterlassen, das IV-Verfahren und die
medizinischen Abklärungen mit dem Verfahren der SUVA zu koordinieren.
Gründe für das Abweichen von der Invaliditätsbemessung durch die SUVA
sind nicht ersichtlich und wurden im Übrigen auch nicht geltend gemacht.
Insbesondere fehlt eine Begründung, weshalb die Vorinstanz ein eigenes
Gutachten in Auftrag gab. Aus der Auftragsvergabe geht nicht hervor, dass
der medizinische Sachverhalt von der SUVA unvollständig oder fehlerhaft
abgeklärt worden wäre (IV-act. 40, 46.1 S. 1). Es ging somit nicht an, die
Invalidität völlig unabhängig vom Entscheid der SUVA festzulegen (vgl.
BGE 126 V 288 E. 2d). Auch aus diesem Grund müssen das Gutachten
von Dr. med. V._ und die Stellungnahmen von RAD-Arzt Dr. med.
U._ unbeachtlich bleiben.
8.6 Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass das externe Teilgutachten
vom 28. Oktober 2013 und die Stellungnahmen des RAD vom 11. Januar
2013, 17. Juni 2013 und 22. November 2013 teilweise widersprüchlich und
weder schlüssig noch nachvollziehbar sind, womit ihnen kein voller Be-
weiswert zukommt.
9.
9.1
Zur Arbeitsfähigkeit bzw. Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers äus-
serte sich der SUVA-Kreisarzt ausschliesslich aus unfallrechtlicher Sicht,
das heisst, er berücksichtigte bei seiner Schätzung die drei Unfälle, jedoch
korrekterweise nicht auch die krankheitsbedingten degenerativen Verän-
derungen und damit unfallfremden Gesundheitsbeeinträchtigungen. Beim
Beschwerdeführer wurde insbesondere im Jahr 2003 eine mediale Band-
scheibenprotrusion L4/L5 bzw. ein degeneratives Lumbovertebralsyndrom
diagnostiziert, im Jahr 2011 eine Grundplattenfraktur Th7 festgestellt und
im Jahr 2012 auf ein Cervikalsyndrom bei degenerativen Veränderungen
der Halswirbelsäule hingewiesen (vgl. E. 7.2 hiervor). Daher fragt sich, ob
gestützt auf die aktenkundigen medizinische Akten, ein lückenloser medi-
zinischer Befund vorliegt, welcher neben den unfallbedingten und auch die
unfallfremden Gesundheitsschäden und die sich daraus ergebenden funk-
tionellen Einschränkungen und die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers berücksichtigt.
9.2
C-2573/2014
Seite 28
9.2.1 Hinsichtlich der Bandscheibenprotrusion legte der Beschwerdeführer
im vorliegenden Verfahren insbesondere den Arztbericht von Dr. med.
J._ vom 1. April 2003 (Beilage 3 zu BVGer-act. 17), den Physiothe-
rapiebericht der Rehaklinik D._ vom 23. Mai 2003 (Beilage 5 zu
BVGer-act. 17), den Austrittbericht der Rehaklinik D._ vom 21. Juni
2003 betreffend den stationären Aufenthalt vom 24. April 2003 bis 22. Mai
2003 (Beilage 6 zu BVGer-act. 17) und den Bericht der Rheumaklinik
K._ vom 29. Juli 2003 (Beilage 7 zu BVGer-act. 17) ins Recht. Hier-
bei handelt es sich um Behandlungsberichte, welche als solche die Anfor-
derungen an externe Gutachten (vgl. E. 6.2.4.1 hiervor) naturgemäss nicht
erfüllen, haben sich doch einen anderen Zweck, nämlich die Behandlung
und nicht die Begutachtung des Patienten, jedoch sind sie entscheidrele-
vante Akten (vgl. E. 6.2.4.3), wenn sie wie vorliegend über den gesundheit-
lichen Verlauf und die funktionellen Einschränkungen Auskunft geben.
9.2.2 Aus den im Beschwerdeverfahren eingereichten Unterlagen geht
hervor, dass der Beschwerdeführer im März 2003 wegen einem schweren
Thorakal- und Lumbalsyndrom seine Arbeit als Schichtarbeiter niederlegen
musste. So berichtete Dr. med. J._, Allgemeinmediziner, am 1. April
2003, es erscheine zunehmend fraglich, ob der Beschwerdeführer am Ar-
beitsplatz noch die volle Leistung erbringen könne und empfahl einen
Reha-Aufenthalt (Beilage 3 zu BVGer-act. 17), der vom 24. April 2003 bis
22. Mai 2003 in der Rehaklinik D._ durchgeführt wurde (Beilage 4
und 6 zu BVGer-act. 17). Der Beschwerdeführer war bis zum 9. Juni 2003
zu 100% arbeitsunfähig geschrieben (Beilage 4 zu BVGer-act. 17). Die be-
handelnden Ärzte wiesen darauf hin, es sei der Wunsch des Patienten,
seine 100% Beschäftigung fortzusetzen (Beilage 6 zu BVGer-act. 17). Dem
E-Mail vom Werkarzt, datierend 3. Juni 2003 (Beilage 10 zu BVGer-act.
17), ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer seine Arbeit per 13. Juni
2003 wiederaufnehmen wollte. Dr. med. A._ erachtete dies als
möglich unter der Voraussetzung, dass Hebe- und Tragearbeiten von über
10-15kg ausgeklammert würden. Dieser Arbeitsversuch scheiterte wegen
zu starken Schmerzen, da der Beschwerdeführer bis zu 25kg heben und
tragen musste. Das Arbeitspensum wurde auf 50% gesenkt und Heben
und Tragen ausgeklammert. Der Beschwerdeführer hatte dennoch
Schmerzen (vgl. Arztbericht vom 29. Juli 2003 der Rheumaklinik
K._, Beilage 7 zu BVGer-act. 17), so dass schliesslich auch dieser
Arbeitsversuch beendet werden musste und ein Wechsel in die Tagespro-
duktion notwendig wurde (Beilage 12 zu BVGer-act. 17). Die SUVA lehnte
die Kostenübernahme für die Behandlungen mit Verfügung vom 31. Juli
C-2573/2014
Seite 29
2003, wegen der krankheitsbedingten Diskusproblematik (Bandscheiben-
protrusion LWK 4/5), ab (SUVA-act. 23). Die Kosten wurden von der Kran-
kenversicherung (Ö._) getragen (Beilage 8 zu BVGer-act. 17).
9.2.3 Aus den medizinischen Unterlagen geht somit hervor, dass der Be-
schwerdeführer die Schichtarbeit wegen den Unfall- und insbesondere
Krankheitsfolgen niederlegen musste. Der Umstand, dass der Beschwer-
deführer und sein Arbeitgeber während einem halben Jahr nach einer Lö-
sung suchten, um den bisherigen Arbeitsplatz zu erhalten, und der Be-
schwerdeführer daher erst per 1. Dezember 2003 bzw. 1. Januar 2004 in
die Tagesproduktion wechselte, ändert nichts daran, dass dieser Wechsel
gesundheitsbedingt erfolgte. Aus den im Beschwerdeverfahren eingereich-
ten Akten (BVGer-act. 17) ist ersichtlich, dass sich die krankheitsbedingten
Leiden, die Bandscheibenprotrusion LWK 4/5, auf die Arbeitsfähigkeit aus-
wirkte, da es dem Beschwerdeführer nicht mehr möglich war, die mit der
Schichtarbeit zusammenhängenden schweren Hebe- und Tragearbeiten
auszuführen. Es leuchtete ein, dass schwere Arbeiten bei einer medialen
Bandscheibenprotrusion L4/L5 nicht mehr möglich bzw. zumutbar sind. Mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ist daher davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer aufgrund der krankheitsbedingten Leiden von der
Nachtschicht in die Tagesschicht wechselte, wo er nicht mehr schwere Las-
ten zu heben und zu tragen hatte.
9.2.4 Es stellt sich die Frage, ob der Beschwerdeführer zu 100% in der
Tagesproduktion arbeitete oder, wie dies im Mail vom 16. Juni 2003 (Bei-
lage 11 zu BVGer-act. 17) von seinem damaligen Vorgesetzten vorgeschla-
gen worden war, nur zu 50%. Der Ziffer 2.9 des Fragebogens für Arbeitge-
bende vom 15. November 2012 (IV-act. 21) ist zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer sowohl als Betriebsmitarbeiter im Schichtbetrieb als
auch im Normalarbeitszeitbetrieb, 8 Stunden pro Tag und 40 Stunden pro
Woche arbeitete, was einem 100%-Pensum entspricht. Ausserdem gab
der Beschwerdeführer anlässlich der bidisziplinären Untersuchung, psychi-
atrisches Teilgutachten vom 28. Oktober 2013 (IV-act. 45 S. 12), an, er
habe bis zum zweiten Unfall im August 2009 immer ein Arbeitspensum von
100% gehabt. Daraus ergibt sich, dass der Beschwerdeführer ab dem 1.
Dezember 2003 bis zum Unfall vom 3. August 2009 mit einem 100%-Pen-
sum arbeitete.
9.3 Der Beschwerdeführer war vom 2. Februar 2011 bis zum 23. März 2011
in der Rehaklinik P._ hospitalisiert (IV-act. 19 S. 26) und wurde um-
C-2573/2014
Seite 30
fassend radiologisch und orthopädisch untersucht. Das CT vom 11. Feb-
ruar 2011, welches zur Kontrolle der Rippenserienfraktur angefertigt wor-
den war, zeigte als Zufallsbefund eine frische Grundplattenfraktur an Th7.
Da kein adäquates Trauma erhoben werden konnte, wurde der Verdacht
einer Knochendichteminderung postuliert, was sich bei den Untersuchun-
gen im Kantonsspital Baden vom 15. Februar 2011 (IV-act. 11 S. 24), 18.
Februar 2011 (IV-act. 11 S. 26) und vom 14. März 2011 (IV-act. 11 S. 29)
bestätigte. Am 21. Februar 2011 fand ein orthopädisches Konsilium in der
Rehaklinik P._ statt (IV-act. 19 S. 35). Dr. med. Q._ diagnos-
tizierte eine leichte ventral betonte BWK7-Fraktur, vor allem im Grundplat-
tenbereich mit anamnestisch sehr wenigen und klinisch mässigen Be-
schwerden. Der Beschwerdeführer dürfe keine schweren Lasten heben.
Aus dem ausführlichen und umfassenden ärztlichen Austrittsbericht vom
23. März 2011 (IV-act. 19 S. 26) geht hervor, dass der Beschwerdeführer
im Zeitpunkt der Entlassung immer noch an belastungsverstärkten
Schmerzen im Bereich der Fraktur Th7, ruhe- und belastungsverstärkte
Schmerzen im Bereich der LWS und leichten atem- bzw. belastungsabhän-
gigen Schmerzen im linken Hemithorax litt und diese mit den klinischen
und radiologischen Befunden erklärbar waren. Es wurde zusammenfas-
send festgehalten, bei guter Kooperation und Leistungsbereitschaft des
Beschwerdeführers habe eine mässige Verbesserung der Schmerzproble-
matik erreicht werden können. Die körperliche Leistungsfähigkeit und Be-
lastbarkeit habe deutlich gesteigert werden können. Die arbeitsrelevanten
Probleme seien die BWS und die LWS. Der Beschwerdeführer sei aus me-
dizinisch-theoretischer Sicht für Tätigkeiten mit häufig vorgeneigter Rumpf-
haltung sowie für wiederholende Drehbewegungen des Oberkörpers und
für Vibrationsbelastung bzw. Schläge bezüglich der Wirbelsäule einge-
schränkt. Der Beschwerdeführer arbeite an einem Schonarbeitsplatz im
Betrieb. Ab 27. März 2011 werde er diese angepasste Tätigkeit wieder
ganztags aufnehmen. Die Prognose für eine erfolgreiche berufliche Wie-
dereingliederung sei bei diesem leistungsbereiten und motivierten Patien-
ten als durchaus günstig zu betrachten. Der Beschwerdeführer habe selber
angegeben, er wolle zu 100% arbeiten (vgl. S. 6 des Berichtes).
Der Austrittsbericht der Rehaklinik P._ vom 23. März 2011 (IV-act.
19 S. 26) entspricht den an den vollen Beweiswert eines ärztlichen Gut-
achtens gestellten Kriterien. Insbesondere ist er umfassend, beruht auf all-
seitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden und
wurde in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben. Er ist zudem in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung
C-2573/2014
Seite 31
der medizinischen Situation einleuchtend und in den Schlussfolgerungen
begründet.
9.4 Aus den Berichten der Physiotherapie der Rehaklinik D._ vom
3. Mai 2012 (IV-act. 19 S. 10) und dem Austrittsbericht vom 5. Mai 2012
(IV-act. 19 S. 8 [Seite 1], IV-act. 19 S. 21 [Seite 2]) geht hervor, dass der
Beschwerdeführer vom 26. März 2012 bis 5. Mai 2012 wegen lumbalen,
thorakalen und cervikalen Schmerzen hospitalisiert war. Zusätzlich zu den
bisherigen Diagnosen wird ein Cervikalsyndrom bei degenerativen Verän-
derungen der Halswirbelsäule angegeben. Aus physiotherapeutischer
Sicht wurde auf die verminderte Belastbarkeit lumbal bzw. thorako-cervikal
hingewiesen und die Arbeitsunfähigkeit auf 50% festgelegt, mit dem Ziel
eine vollständige Arbeitsfähigkeit zu erlangen, wobei diesbezüglich darauf
hingewiesen wurde, dass der Beschwerdeführer teilweise sehr stark dissi-
mulierte, um den Arbeitsplatz nicht zu verlieren. Die Abteilungsärztin attes-
tierte dem Beschwerdeführer seit Oktober 2011 eine 50%-ige Arbeitsunfä-
higkeit. Sie schlug vor, der Beschwerdeführer solle nach dem Spitalaustritt
bis 13. Mai 2012 für eine Woche zu 50% arbeiten, danach zwei Wochen
Ferien machen und anschliessend das Arbeitspensum auf 100% steigern,
bei einer Leistung von 50%.
Wie bereits erörtert (vorne E. 6.2.4.3 und E. 9.2) sind Behandlungsberichte
hinsichtlich dem Beweiswert mit externen Gutachten nicht vergleichbar, je-
doch können sie für den Verlauf einer gesundheitlichen Veränderung bei-
gezogen werden. Die Arzt- und Physiotherapieberichte der Jahre 2011 und
2012 geben die lumbalen, thorakalen und cervikalen Beschwerden und die
damit einhergehenden funktionellen Einschränkungen im Verlauf nachvoll-
ziehbar wieder.
9.5 Der Werkarzt, Dr. med. A._, hielt in seinem undatierten Formu-
larbericht fest (Eingang bei kant. IV-Stelle am 17. August 2012, IV-act. 19
S. 2), der wiederholte Arbeitsversuch am Schonarbeitsplatz habe nicht die
gewünschte Steigerung auf 100% Präsenzzeit gebracht. Es habe jeweils
nach ein bis zwei Wochen im Arbeitsprozess eine Dekompensation und
Schmerzzunahme resultiert. Der Beschwerdeführer sei motiviert mit einer
Tendenz zur Selbstüberforderung, dennoch hätten die im Anschluss an den
Reha-Aufenthalt postulierten Pläne zur zukünftigen Rückkehr in den Ar-
beitsprozess nicht umgesetzt werden können. Aus Warte Betriebsarzt liege
die residuelle Arbeitsfähigkeit auch für einen adaptierten Schonarbeitsplatz
unter 30%. Hinsichtlich der Zumutbarkeit hielt Dr. med. A._ fest, der
Einsatz am adaptierten Schonarbeitsplatz zu 25-30% sei grenzwertig. Er
C-2573/2014
Seite 32
attestierte bis 8. August 2012 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit und hielt
eine Arbeitsfähigkeit von 25-30% an einem Schonarbeitsplatz für möglich
(IV-act. 19 S. 3). Damit weicht der Werkarzt von der von Dr. med.
M._, SUVA-Arzt, attestierten Arbeitsfähigkeit von 50% ab.
Während der SUVA-Arzt nur die unfallbedingten Leiden zu berücksichtigen
hatte und hinsichtlich der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit natur-
gemäss eine Schätzung vornahm, konnte der Werkarzt, Dr. med.
A._, die funktionellen Einschränkungen aufgrund der Unfall- und
Krankheitsfolgen unmittelbar verfolgen, hatte er doch die Möglichkeit, den
Beschwerdeführer im akuten Schmerzstadium nach Verlassen der Arbeit
zu untersuchen. Bei den Angaben von Dr. med. A._ handelt es sich
somit nicht um eine Schätzung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähig-
keit, sondern um die am Schonarbeitsplatz effektiv umsetzbare Leistungs-
fähigkeit. Die Diskrepanz zwischen der theoretischen 50% und effektiven
30% Arbeitsfähigkeit lässt sich auch damit erklären, dass der Beschwerde-
führer dissimulierte, um den Arbeitsplatz nicht zu verlieren (vgl. Bericht
Reha D._ IV-act. 19 S. 9). Dieser Umstand kann ihm aber nicht vor-
geworfen werden, denn er hielt sich an die Anweisungen der behandelnden
Ärzte, nahm an den Therapien motiviert teil und hielt regen Kontakt zum
Werkarzt, welcher die Voraussetzungen für die konkreten Arbeitseinsätze
aus medizinischer Sicht festlegte. Die Tätigkeit am Schonarbeitsplatz gilt
als leidensangepasste Verweisungstätigkeit. Aus dem im vorliegenden Be-
schwerdeverfahren eingereichten Mailverkehr (vgl. Beilage 10ff. zu BVGer-
act. 17) geht hervor, dass der Arbeitgeber des Beschwerdeführers Ver-
ständnis für die Situation des Beschwerdeführers hatte und entsprechende
Anpassungen am Arbeitsplatz sicherstellte. Aus diesem Grund kann nicht
davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer an einem ande-
ren Arbeitsplatz eine höhere Arbeitsfähigkeit hätte erzielen können. Trotz
Anstrengungen des Beschwerdeführers und Bemühungen seitens des Ar-
beitgebers vermochte der Beschwerdeführer die 50% Arbeitsfähigkeit nicht
umzusetzen, vielmehr folgte auf Zeiten mit 50%-Pensum eine volle Arbeits-
unfähigkeit. Es leuchtet ein, dass dies, wie von Dr. med. A._ er-
wähnt, auf eine Dekompensation zurückzuführen ist. Daraus folgt, dass
von der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. M._, welcher nur
die Unfallfolgen zu berücksichtigten hatte, abzuweichen ist, hingegen er-
scheint die von Dr. med. A._ attestierte Arbeitsfähigkeit von 30%,
unter Berücksichtigung der unfall- und krankheitsbedingten Rückenbe-
schwerden, als zutreffend. Daher ist davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer ab 9. August 2012 nur noch zu 30% arbeitsfähig war.
C-2573/2014
Seite 33
Daran ändern nichts, dass die SUVA am 23. November 2012 (SUVA-act.
49) dem Beschwerdeführer mitteilte, an einen Fortbestand der Tätigkeit im
Betrieb sei aus Gründen der Arbeitssicherheit nicht mehr zu denken, da er
an neurologischen Ausfällen am Bein leide, denn es gibt Verweisungstätig-
keiten, bei welchen diese Einschränkung nicht ausschlaggebend ist.
Dem Einwand der kantonalen IV-Stelle, wonach es sich beim Werkarzt um
einen Hausarzt handle und deshalb von einem Vertrauensverhältnis aus-
zugehen sei, womit dem Bericht kein voller Beweiswert zukomme (BVGer-
act. 15), kann nicht gefolgt werden. Dr. med. A._ nahm als Werkarzt
keine Behandlungen vor (vgl. IV-act. 19 S. 2). Ein weiterer Unterschied zu
einem Hausarzt oder behandelnden Spezialisten besteht darin, dass Dr.
med. A._ nicht vom Beschwerdeführer beauftragt, sondern von der
Z._ angestellt worden war. Zwar besteht ein gewisses Abhängig-
keitsverhältnis zwischen dem Werkarzt und der Arbeitgeberin des Be-
schwerdeführers, was aber den Beweiswert dessen Arztberichte nicht
schmälert.
9.6 Der medizinische Sachverhalt erweist sich somit aufgrund der detail-
lierten und nachvollziehbaren Arztberichte und den Stellungnahmen des
Werkarztes genügend abgeklärt. Die Aktenlage ist vollständig und erlaubt
eine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Entsprechend besteht
kein Bedarf nach zusätzlichen medizinischen Abklärungen, weshalb in an-
tizipierter Beweiswürdigung auf die Einholung weiterer Gutachten zu ver-
zichten ist (vgl. BGE 124 V 94 E. 4b; 122 V 162 E. 1d).
10.
10.1 Die angefochtene Verfügung vom 28. März 2014 ist hinsichtlich der
Höhe der Arbeitsunfähigkeit widersprüchlich. Einerseits wird auf Seite 2
angenommen, der Beschwerdeführer sei ab 3. August 2009 zu 50% ar-
beitsfähig gewesen und ab 9. August 2012 sei von einer Arbeitsfähigkeit
von 30% auszugehen, anderseits wird auf Seite 3 festgehalten, es werde
auf die interdisziplinäre Beurteilung von Dres. med. St._ und
V._ abgestellt, wonach eine Restarbeitsfähigkeit in angepasster Tä-
tigkeit von 70% bestehe. Diese Diskrepanz lässt sich weder aus der Be-
gründung der angefochtenen Verfügung, noch aus der Vernehmlassung
vom 19. Juni 2014 (BVGer-act. 6) erklären.
10.2 Der Beschwerdeführer bringt demgegenüber vor, er habe den ange-
stammten Schichtbetrieb bereits per 1. Januar 2004 aufgeben müssen, wo-
C-2573/2014
Seite 34
mit eine empfindliche Lohneinbusse verbunden gewesen sei. Sodann ver-
kenne die Vorinstanz, dass sie final leistungspflichtig sei. Entsprechend
habe sie auch für die Folgen des Rückfalls aufgrund des Thorakolumbover-
tebralsyndroms vom April 2003 aufzukommen, welche die SUVA nicht als
Folge des Unfalls von 1992 anerkannt habe.
10.3 Aus den Akten ergibt sich zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
was folgt (SUVA-act. 13, 16, 18, 36, 38, 40, 46, 49, 52, IV-act. 10 S. 34, 11
S. 74ff., 19, 21): Nach dem ersten Unfall vom 4. Oktober 1992 nahm er die
Schichtarbeit am 18. Januar 1993 vollumfänglich wieder auf. Wegen der
Bandscheibenproblematik erfolgte vom 24. April bis 22. Mai 2003 ein Re-
habilitationsaufenthalt. Vom 28. März bis 9. Juni 2003 war er zu 100%
krankgeschrieben. Vom 13. Juni bis 6. Juli 2003 arbeitete der Beschwer-
deführer in einem 100%-Pensum, ab 7. Juli 2003 in einem 50%-Pensum.
Am 1. Januar 2004 wurde er wegen anhaltender Rückenprobleme von der
Schichtarbeit in die Tagesproduktion mit Normalarbeitszeit versetzt. Am 3.
August 2009 erfolgte der zweite Sturz. Vom 2. November 2009 bis 3. Ja-
nuar 2010 arbeitete er in einem 50%-Pensum, vom 4. Januar bis 7. Februar
2010 in einem 100%-Pensum an einem Schonarbeitsplatz. Am 8. Februar
2010 folgte der dritte Sturz. Am 1. März 2010 nahm er die Arbeit zu 50%
am Schonarbeitsplatz wieder auf, legte diese aber bereits am 8. März 2010
schmerzbedingt wieder nieder. Vom 29. Juni 2010 bis 1. Februar 2011 ar-
beitete der Beschwerdeführer in einem 50%-Pensum. Vom 2. Februar bis
23. März 2011 erfolgte ein Rehabilitationsaufenthalt. Ab 27. März 2011
wurde eine volle Arbeitsfähigkeit am Schonarbeitsplatz attestiert. In der
Folge kam es zu mehreren – tage- und wocheweisen – Arbeitsausfällen,
sodass der Beschwerdeführer spätestens ab 26. August 2011 nur ein 50%-
Pensum wahrnahm. Vom 5. Oktober bis 27. November 2011 war er voll
arbeitsunfähig. Ab 28. November 2011 arbeitete er erneut in einem 50%-
Pensum. Vom 26. März bis 5. Mai 2012 erfolgte ein weiterer Rehabilitati-
onsaufenthalt. Ab 7. Mai 2012 nahm der Beschwerdeführer die Arbeit wie-
der auf. Mit vorübergehenden Phasen von Arbeitsunfähigkeit arbeitete er
bis 8. August 2012 in einem 50%-Pensum, seither in einem 30%-Pensum.
Seit dem 24. Oktober 2012 arbeitet der Beschwerdeführer nicht mehr.
10.4 Zusammengefasst ergibt sich, dass der Beschwerdeführer aufgrund
des Unfalls vom 3. August 2009 an einen Schonarbeitsplatz versetzt wer-
den musste, an dem er nicht – oder nur vorübergehend – in einem 50%
übersteigenden Arbeitspensum einsetzbar war. Die drei Unfälle 1992, 2009
und 2010, sowie die Bandscheibenprotrusion L4/5 2003, Grundplattenfrak-
tur Th7 2011 und das Cervicalsyndrom bei degenerativen Veränderungen
C-2573/2014
Seite 35
der HWS 2012 führten dazu, dass sich die Gesundheitsbeschwerden mit
der Zeit zunehmend intensivierten, was eine entsprechenden Verminde-
rung der Arbeitsfähigkeit von 50% ab 3. August 2009 bis zu 70% ab 9. Au-
gust 2012 zur Folge hatte.
11.
11.1 Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art. 16 ATSG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu
wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der
Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und all-
fälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invaliden-
einkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzie-
len könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes Validen-
einkommen). Konnte eine versicherte Person dank Hilfsmitteln und Um-
schulung erfolgreich beruflich eingegliedert werden, ist für die Ermittlung
des Valideneinkommens in einem späteren Zeitpunkt der vor der invalidi-
tätsbedingt erfolgten beruflichen Eingliederung erzielte Verdienst heranzu-
ziehen (SVR 2009 IV 34, 95). Der Einkommensvergleich hat in der Regel
in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkom-
men ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüber ge-
stellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts-
grad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs;
BGE 130 V 343 E. 3.4.2; 128 V 29 E. 1). Dabei sind die Vergleichseinkom-
men so konkret wie möglich zu bestimmen.
11.2 Für die Ermittlung des Valideneinkommens, also des Einkommens,
welches die versicherte Person nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte, wird in der Re-
gel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkom-
mensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft (BGE 134 V 322 E.
4.1; 129 V 222 E. 4.3.1). Der massgebende Lohn umfasst auch Teuerungs-
und andere Lohnzulagen, Provisionen, Gratifikationen, Naturalleistungen,
Ferien- oder Feiertagsentschädigungen und ähnliche Bezüge, ferner Trink-
gelder, soweit diese einen wesentlichen Bestandteil des Arbeitsentgeltes
darstellen (Urteil des BGer 8C_465/2009 vom 12. Februar 2010 E. 2.2). In
zeitlicher Hinsicht ist bei sehr starken und verhältnismässig kurzfristig in
Erscheinung tretenden Einkommensschwankungen für den Validenlohn
auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten Durchschnittsver-
dienst abzustellen (ZAK 1985 464).
C-2573/2014
Seite 36
11.3 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der be-
ruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Per-
son konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesund-
heitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Er-
werbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung Ta-
bellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch heraus-
gegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE
126 V 75 f. E. 3b, vgl. BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Es gilt zu berücksichtigen,
dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen im Gegensatz zu voll leis-
tungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig
benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurchschnittlichen
Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit einem Abzug vom
Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 124 V 321 E. 3b/bb). Der Umfang
der Herabsetzung hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Um-
ständen des konkreten Einzelfalles ab und ist auf maximal 25% zu be-
schränken (BGE 124 V 472 E. 4.3.2; 126 V 75 E. 5b).
12.
Vor der Berechnung des Invaliditätsgrades ist zu klären, ob der Beschwer-
deführer im Anspruchszeitpunkt, 1. Dezember 2012, ohne gesundheitliche
Beeinträchtigung bei der Z._ als Schichtmitarbeiter zu 100% tätig
gewesen wäre und wie hoch die Schichtpauschale ausfallen würde.
12.1 Der Beschwerdeführer brachte vor, es habe eine Schichtuntauglich-
keit vorgelegen (BVGer-act. 12). Nach dem Aufenthalt vom 24. April 2003
bis zum 22. Mai 2003 in der Rehaklinik in D._ habe er einen Ar-
beitsversuch gemacht, der wegen Schmerzen habe eingestellt werden
müssen (BVGer-act. 17). Die Schichtgruppe, in welcher er heute ohne ge-
sundheitliche Probleme arbeiten würde, erhalte eine Schichtpauschale von
21.2%.
12.2 Die kantonale IV-Stelle hielt mit Schreiben vom 10. Mai 2016 dagegen
(BVGer-act. 15), der Werkarzt bestätige, dass der Beschwerdeführer ab 1.
Januar 2004 aus gesundheitlichen Gründen keine Schichtarbeit mehr habe
leisten dürfen, jedoch sei in den Lohnabrechnungen vom Juni 2005, August
2005 und Mai 2007 Feiertagsarbeit, Samstags- und Sonntagsarbeit geleis-
tet worden. Weiter sei die Schichtpauschale von früher 16.45% bzw. 16.7%
gemäss den Lohnabrechnungen für einige Monate zutreffend, für andere
nicht. Es bestehe keine Grundlage für die Annahme, dass aus der früheren
C-2573/2014
Seite 37
Zulage von 16.45% eine Hochrechnung auf 21.2% vorgenommen worden
sei.
12.3
12.3.1 Die Begründung des Beschwerdeführers bzw. seines Arbeitgebers,
wonach es sich bei den Zulagen von Juni 2005 und August 2005 um Eins-
ätze von wenigen Stunden handelte, deckt sich mit den Angaben auf den
Lohnausweisen. Die Erklärung, bei der Lohnabrechnung von Juni 2005
handle es sich um eine Schichtzulage, jedoch sei nicht Schichtarbeit wie
am angestammten Arbeitsplatz geleistet worden, denn der Einsatz sei nicht
mit körperlicher Anstrengung verbunden gewesen, sondern aufgrund der
Umstellung auf das neue SAP-System habe alles in kürzester Zeit inven-
tarisiert werden müssen, leuchtet ein (BVGer-act. 17).
12.3.2 Aus den im Beschwerdeverfahren eingereichten Lohnabrechnun-
gen ergeben sich neben dem Grundlohn insbesondere die folgenden Zu-
schläge:
– Schichtpauschale: von Januar 1994 bis Dezember 2003
– Umgebungszulage: ab Januar 1998
– Nachtzuschlag: Januar 1994, Juli 1994, August 1994, Dezember 1996,
Februar 2001,
– Samstagszuschlag: Januar 1994, Juli 1994, August 1994, Mai 2007
– Sonntagszuschlag: Dezember 1996, August 2005, Mai 2007
– Feiertagszuschlag: Juni 2005
– Überzeit: Januar 2000, Februar 2001, November 2001, Januar 2002,
März 2002, April 2002, Juni 2002, Juli 2002, Sep-
tember 2002, Februar 2003, April 2003
Diese Aufstellung zeigt, dass es sich bei den Zulagen von Juni 2005, Au-
gust 2005 und Mai 2007 nicht um eine Entschädigung für das Arbeiten in
der Nachtschicht handelt, da keine Schichtpauschale entrichtet wurde,
sondern um einmalige Zulagen für das Arbeiten an Feiertagen und Wo-
chenenden. Auch während der Arbeit im Schichtbetrieb erhielt der Be-
schwerdeführer zusätzlich sporadisch Zulagen für Samstags- und Sonn-
tagsarbeit. Allein der Umstand, dass der Beschwerdeführer an drei Mona-
ten nicht ausschliesslich Werktags arbeitete, lässt nicht bereits den
Schluss zu, dass er Schicht gearbeitet hätte, was mit Heben und Tragen
von schweren Lasten verbunden gewesen wäre. Eine Schichtpauschale
wurde nur bis Dezember 2003 entrichtet. Dem E-Mail vom 27. November
2003 (Beilage 12 zu BVGer-act. 17) ist zu entnehmen, dass der Beschwer-
C-2573/2014
Seite 38
deführer per Dezember 2003 in die Tagesproduktion Gruppe der Flurtrans-
porte versetzt werden sollte. Aufgrund der Karenzzeit von einem Monat
sollte die Schichtzulage bis Ende Dezember 2003 bezahlt werden. Der Ar-
beitgeber gab im Fragebogen vom 15. November 2012 an (Beilage 14 zu
BVGer-act. 17), der Beschwerdeführer habe ab 1. Januar 2004 als Be-
triebsmitarbeiter mit Normalarbeitszeit gearbeitet. Somit ist erstellt, dass
der Beschwerdeführer längstens bis Ende Dezember 2003 im Schichtbe-
trieb arbeitete und spätestens per 1. Januar 2004 zur Tagesproduktion
wechselte.
12.3.3 Im rheumatologisches Teilgutachten vom 17. November 2013 (IV-
act. 46.1 S. 8), wurde angegeben, der Beschwerdeführer arbeite im
Schichtbetrieb und bevorzuge wegen verbesserter Einkommensmöglich-
keiten Nachtarbeit. Dies führte dazu, dass der Beschwerdeführer obwohl
er nach dem Unfall im Jahr 1992 nicht beschwerdefrei geworden war
(SUVA-act. 30), weiterhin die körperlich anspruchsvolle Schichtarbeit ver-
richtete, jedoch auf die Einnahme von Schmerzmitteln angewiesen war (IV-
act. 46.1 S. 9). Aus finanziellen Gründen wollte er die Schichtarbeit trotz
Schmerzen weiter ausüben (IV-act. 46.1 S. 9). Es leuchtet ein, dass der
Beschwerdeführer aus finanziellen Gründen lieber in der Nacht als am Tag
arbeitete. Die Schichtarbeit bedeutet eine Zulage auf dem Basislohn von
16.7%, das heisst, der Basislohn der Schichtarbeit ist um 16.7% höher als
der Basislohn bei der Tätigkeit in der Tagesproduktion. Wie wichtig ihm die-
ser höhere Lohn war, zeigt sich daran, dass er in Kauf nahm, die Arbeit nur
unter teilweisen Schmerzen ausführen zu können, und deswegen auf
Schmerzmittel angewiesen zu sein.
Ausserdem geht aus den gesamten Akten im Zusammenhang hervor, dass
der Beschwerdeführer bemüht war, die Schichtarbeit nicht zu verlieren, so
versuchte er denn auch während einem mehrere Monate dauernden Ar-
beitsversuch, zurück zur Schichtarbeit zu finden (vgl. Mailverkehr Beilage
10ff. zu BVGer-act. 17).
Der Beschwerdeführer war seit Eintritt in die Firma im August 1984 als
Schichtmitarbeiter tätig. Gesundheitsfremde Gründe für den Wechsel von
der Schichtarbeit zur Normalarbeitszeit im Jahr 2003 bzw. 2004 wurden
von der Vorinstanz nicht substantiiert vorgebracht und sind aus den Akten
auch nicht ersichtlich.
C-2573/2014
Seite 39
12.3.4 Hingegen kann dem Beschwerdeführer nicht gefolgt werden, wenn
er vorbringt, die SUVA habe das Valideneinkommen des Beschwerdefüh-
rers inklusive Schichtzulage anerkannt, denn aus der Zusammenfassung
für die Entscheidungsgrundlagen für die Rentenfestsetzung (SUVA-act.
53) geht hervor, dass die SUVA die Schichtzulage beim Validenlohn nicht
berücksichtigt hat, da sie davon ausging, auch ohne Unfallfolgen würde der
Beschwerdeführer heute keine Schichtarbeit leisten. Dies ist eine konse-
quente Schlussfolgerung, denn da sie den Wechsel von der Schichtarbeit
zur Normalarbeitszeit nicht als unfall- sondern krankheitsbedingt betrach-
tete, hatte sie als kausale Versicherung die Schichtzulage bei der Berech-
nung des Valideneinkommens dementsprechend auch nicht zu berücksich-
tigen. Das Vorbringen der kantonalen Vorinstanz, wonach die SUVA Leis-
tungen erbracht hätte, wenn eine Schichtuntauglichkeit vorgelegen wäre,
geht somit ins Leere.
12.3.5 Als Zwischenergebnis ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit da-
von auszugehen, dass der Beschwerdeführer ohne Krankheits- und Unfall-
folgen auch heute noch als Schichtmitarbeiter bei der Z._ tätig ge-
wesen wäre.
12.4
12.4.1 Hinsichtlich der Höhe der Schichtzulage ist aus den eingereichten
Lohnabrechnungen ersichtlich, dass diese in den Jahren 1994 bis 1996
22.6% betrug, im Jahr 1997 bis September 25.0%, von Oktober 1997 bis
Juli 1998 37.6% und von August 1998 bis Dezember 2003 16.7%. Hierbei
ist festzustellen, dass der Lohnausweis für den Monat Juni 2001 nicht ak-
tenkundig ist, jedoch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszu-
gehen ist, dass die Schichtzulage auch in diesem Monat 16.7% betragen
hätte. Zuletzt war die Höhe der Schichtzulage 16.7%. Der Arbeitgeber des
Beschwerdeführers gab an, im Verfügungszeitpunkt hätte die Schichtzu-
lage 21.2% betragen. Es liegen jedoch keine Belege vor, welche diese Aus-
sage stützen würden. Es ist nicht einzusehen, weshalb die Schichtzulage,
statt wie von August 1998 bis Dezember 2003 16.7%, heute 21.2% betra-
gen soll, zumal der Beschwerdeführer nicht substantiiert vorbrachte, die
Zulage für die damalige Schichtarbeit sei im Jahr 2004 oder später erhöht
worden.
12.4.2 Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass der Beschwerde-
führer im gesunden Zustand im Jahr 2004 bis heute eine Schichtzulage
von 16.7% erhalten hätte.
C-2573/2014
Seite 40
12.5 Im Ergebnis gilt als mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt,
dass der relevante Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 28 Abs. 1 Bst. b
IVG am 3. August 2009 eintrat und der Beschwerdeführer ab 3. August
2009 an seinem Schonarbeitsplatz bzw. in einer rein administrativen Tätig-
keit im Umfang von 50%, ab 9. August 2012 im Umfang von 30% arbeits-
fähig war. Weiter ist es überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwer-
deführer ohne gesundheitliche Beeinträchtigung bei der Z._ als
Schichtmitarbeiter zu 100% tätig wäre und eine Schichtpauschale von
16.7% erhalten würde.
13.
13.1 Die Vorinstanz berechnete das Valideneinkommen auf Basis des ge-
mäss IK-Auszug im Jahr 2008 ausgewiesenen und per 2010 indexierten
Lohnes, da es sich hierbei um den zuletzt vor Eintritt des Gesundheitsscha-
dens erzielten Lohn handle. Auf die übrigen Angaben der Arbeitgeberin
könne wegen Widersprüchlichkeiten und mangels Abrechnung von Sozial-
beiträgen nicht abgestellt werden.
13.2 Der Beschwerdeführer bringt demgegenüber vor, die Gesundheitsbe-
schwerden hätten bereits am 4. Oktober 1992 ihren Anfang genommen.
Entsprechend sei darauf abzustellen, was er heute verdienen würde, wenn
er keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen erlitten hätte.
13.3 Aus den Akten ergibt sich nach dem Gesagten, dass die Gesundheit
des Beschwerdeführers nach dem Unfall 1992 und dem Rückfall wegen
Thorakolumbovertebralsyndroms im Jahr 2003 bereits derart stark beein-
trächtigt war, dass er nicht mehr in der Lage war, die körperlich anstren-
gende Schichtarbeit als Chemiemitarbeiter zu leisten. Entsprechend wurde
er per 1. Dezember 2003 bzw. 1. Januar 2004 in die Tagesproduktion mit
Normalarbeitszeit versetzt (vgl. E. 12.3.2 hiervor). Somit kann zur Bestim-
mung des Valideneinkommens nicht auf das unmittelbar vor dem Unfall
vom 3. August 2009 erzielte Einkommen abgestellt werden, da es sich hier-
bei nicht um das ohne jegliche Gesundheitsbeeinträchtigung erzielte Ein-
kommen handelt.
13.4 Aus koordinationsrechtlichen Gründen sind die Berechnungen der
SUVA wie folgt beizzuziehen:
13.4.1 Am 10. Januar 2013 berechnete die SUVA zunächst den versicher-
ten Verdienst indem sie, das Einkommen vom 4. Oktober 1991 bis 3. Ok-
tober 1992 beizog. Der Betrag enthielt sowohl das erzielte Einkommen bei
C-2573/2014
Seite 41
der W._ (heute Z._, Fr. 82'503.-), als auch dasjenige bei der
Ha._ AG (Fr. 283.40 und Fr. 2'760.90; vgl. SUVA-act. 54, IV-act. 9),
insgesamt Fr. 85'5547.30, welches die SUVA der Teuerung bis 2012 an-
passte und so inklusive Kinderzulagen auf einen versicherten Verdienst
von Fr. 112'169.- kam.
Aus dem individuellen Konto des Beschwerdeführers (IV-act. 9) ist ersicht-
lich, dass die Einsätze bei der Ha._ AG sehr unterschiedlich waren
und der Beschwerdeführer diesbezüglich ein Einkommen zwischen
Fr. 190.- und Fr. 5'838.- erzielte. Ausserdem arbeitete er in den Jahren
1997, 1998, 2004 und ab 2007 nicht mehr bei dieser Unternehmung. Hier-
für sind keine gesundheitlichen Gründe aktenkundig und wurden vom Be-
schwerdeführer auch nicht geltend gemacht, weshalb davon auszugehen
ist, dass invaliditätsfremde Gründe zur Niederlegung dieser Tätigkeit führ-
ten. Daher kann bei der Berechnung des invalidenrechtlichen Validenein-
kommens nicht auf die Einkünfte bei der Ha._ AG abgestellt werden
und damit auch nicht auf die Berechnungen der SUVA vom 10. Januar
2013.
13.4.2 Die SUVA errechnete das Valideneinkommen (Einkommen ohne
Unfälle) in der Verfügung vom 11. Januar 2013 auf der Basis des Jahres
2013. Es stellt sich die Frage, ob auch invalidenrechtlich darauf abgestellt
werden kann.
13.4.2.1 In der Invalidenversicherung sind für den Einkommensvergleich
die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothetischen) Beginns des Rentenan-
spruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeit-
identischer Grundlage zu erheben und allfällige rentenwirksame Änderun-
gen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichti-
gen sind (BGE 129 V 222 E. 4). Der Rentenanspruch entsteht nach Art. 29
Abs. 1 IVG frühestens 6 Monate nach Geltendmachung des Leistungsan-
spruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG. Da sich der Beschwerdeführer erst am
21. Juni 2012 und somit verspätet, bei der IV-Stelle Aargau zum Leistungs-
bezug anmeldete (IV-act. 4), entstand sein Rentenanspruch am 1. Dezem-
ber 2012 (Art. 29 Abs. 1 IV; vgl. BGE 138 V 475 E. 2.2). Somit sind auf die
Verhältnisse im Jahr 2012 und nicht 2013 abzustellen.
13.4.2.2 Die SUVA zog die Angaben des Arbeitgebers des Beschwerdefüh-
rers vom 3. Dezember 2012 (SUVA-act. 51) bei, welcher für das Jahr 2013
einen Grundlohn von Fr. 83'500.-, eine Umgebungszulage von Fr. 1'080.-
und einen Target-Bonus von Fr. 5'700.- angab. Die Umgebungszulage in
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Seite 42
der Höhe von Fr. 1'080.- entspricht dem auf den Lohnabrechnungen aus-
gewiesenen Betrag in Höhe von je Fr. 90.- (Fr. 90 x 12 = Fr. 1'080.-, BVGer-
act. 12; 17) und beträgt auch für das Jahr 2012
Fr. 90.-. Hierauf ist abzustellen.
13.4.2.3 Beim Target-Bonus in der Höhe von Fr. 5'700.- handelt es sich
wohl um eine Schätzung des Arbeitgebers, denn dieser Betrag kann nicht
nachvollzogen werden. Gemäss den Lohnausweisen betrug der Bonus im
Jahr 2010 Fr. 3'680.- (Beilage 186 zu BVGer-act. 12), im Jahr 2011
Fr. 3'180.- (Beilage 201 zu BVGer-act. 12), im Jahr 2012 Fr. 5'620.- (Bei-
lage 215 zu BVGer-act. 12), im Jahr 2013 Fr. 6'160.- (Beilage 217 zu
BVGer-act. 12) und im Jahr 2014 Fr. 5'690.- (Beilage 219 zu BVGer-act.
12). Der Target-Bonus ist somit Schwankungen unterworfen und war in den
Jahren 2010 und 2011 deutlich kleiner als in den Jahren 2012 bis 2014.
Die Annahme eines durchschnittlichen Target-Bonus von Fr. 5'700.- für das
Jahr 2012 ist verhältnismässig und vorliegend in dieser Höhe zu berück-
sichtigten.
13.4.2.4 Aus den Lohnbriefen vom 4. April 2011 (Beilage 223 zu BVGer-
act, 12), 2. April 2013 (Beilage 225 zu BVGer act. 12) und vom 30. März
2015 (Beilage 226 zu BVGer-act. 12) geht hervor, dass das jährliche Ba-
sissalär im Jahr 2011 Fr. 82'200.- und in den Jahren 2012 bis 2015
Fr. 83'100.- betragen würde. Dieselben Beiträge gab der Arbeitgeber im
Schreiben vom 3. Juli 2012 an die SUVA (SUVA-act. 41) an. Im Schreiben
vom 3. Dezember 2012 (SUVA-act. 51) schätzte der Arbeitgeber das hy-
pothetische Einkommen für das Jahr 2013 auf Fr. 83'500.-.
Aus den Lohnabrechnungen des Jahres 2012 ergeben sich die folgenden
Basislöhne: Januar bis März Fr. 6'324.- (korrigiert im April um monatlich Fr.
69.-) und April bis Dezember Fr. 6'393.- plus 13. Monatslohn von Fr. 6'393.-
(Beilagen 202-214 zu BVGer-act. 12). Das ergibt ein Jahresbasissalär im
Jahr 2012 von insgesamt rund Fr. 83'100.- (6'393 x 13 = 83'109).
13.4.2.5 Entgegen der Annahme des Beschwerdeführers (BVGer-act. 17)
berücksichtigte die SUVA, wie in Erwägung 12.3.4 hiervor erörtert, die
Schichtzulage nicht, da der Wechsel zur Normalarbeitszeit nicht unfallbe-
dingt war. Anders als die Unfallversicherung ist die Invalidenversicherung
keine kausale sondern eine finale Versicherung, das heisst, invalidenrecht-
lich sind auch gesundheitliche Schäden zu berücksichtigen, welche krank-
heitsbedingt sind. Wäre der Beschwerdeführer nicht verunfallt, könnte er
heute dennoch keine Schichtarbeit leisten, womit die Leistungspflicht der
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SUVA entfällt. Wäre er jedoch auch nicht erkrankt, könnte er diese Tätigkeit
ausüben. Die Erkrankung zusammen mit den Unfallfolgen führte somit zur
Schichtuntauglichkeit, was invalidenrechtlich relevant ist. Für das invali-
denrechtliche Valideneinkommen ist zusätzlich zu den von der SUVA an-
genommenen Lohnbestandteilen eine Schichtzulage von 16.7% zu berück-
sichtigen (vgl. E. 12.5 hiervor). Die Schichtzulage erfolgt auf dem Grund-
lohn, das heisst, 16.7% von Fr. 83'100.-, das sind Fr. 13'877.70.
13.4.3 Zusammenfassend ergibt sich unter Berücksichtigung eines Basis-
salärs von Fr. 83'100.-, einer Schichtzulage von Fr. 13'877.70, einer Um-
gebungszulage von Fr. 1'080.- und einem Bonus-Target von Fr. 5'700.- ein
Valideneinkommen von insgesamt rund Fr. 103'758.- (Fr. 83'100.- + Fr.
13'877.70 + Fr. 1'080.- + Fr. 5'700.- = Fr. 103'757.70).
14.
14.1 Beim Invalideneinkommen ging die Vorinstanz von den Angaben der
Arbeitgeberin vom 15. November 2012 (IV-act. 21) aus, wonach der Be-
schwerdeführer seit 3. August 2009 in einem 100%-Pensum ein Jahresein-
kommen von Fr. 83'100.– erzielte. Die mit der Versetzung an den Schon-
arbeitsplatz nach dem Unfall vom 3. August 2009 verbundene Lohnkür-
zung sei nicht umgesetzt, sondern der Differenzbetrag zum bisher erzielten
und tatsächlich der Arbeitsleistung entsprechenden Lohn als Soziallohn
weitergezahlt worden. Nach Abzug des Soziallohnanteils von Fr. 18'100.–
errechnete die Vorinstanz ein Invalideneinkommen von Fr. 65'000.–.
14.2 Der Beschwerdeführer rügt, entgegen der Annahme der Vorinstanz
hätte die Ausübung einer Verweistätigkeit nicht zum gleichen Invalidenein-
kommen geführt. Vielmehr habe der Beschwerdeführer sein Einkommen
nur dank dem Soziallohn des Arbeitgebers erzielt. Mit all seinen gesund-
heitlichen Defiziten habe er ausser dem ihm von seiner Arbeitgeberin an-
gebotenen Schonarbeitsplatz mit Soziallohn kaum Chancen auf dem aus-
geglichenen Arbeitsmarkt in der Schweiz gehabt.
14.3 Angesichts der Tatsache, dass dem Beschwerdeführer unbestrittener-
massen ein Soziallohn ausgezahlt wurde, rechtfertigt sich zur Ermittlung
des Invalideneinkommens – in Übereinstimmung mit der korrekten Berech-
nung der SUVA (SUVA-act. 56) – die Bezugnahme auf die vom Bundesamt
für Statistik herausgegebene Schweizerische Lohnstrukturerhebung
(LSE). Anders als bei der Berechnung der SUVA ist vorliegend nicht das
Jahr 2013, sondern das Jahr 2012 massgebend (vgl. E. 13.4.2.1). Weiter
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ist vorliegend beachtlich, dass der Validenlohn auf der Basis von 40 Stun-
den pro Woche errechnet wurde, da diese wöchentliche Arbeitszeit bei der
Z._ üblich ist. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die
dem statistischen Lohn zugrunde liegende wöchentliche Arbeitszeit von 40
Stunden auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit umzurechnen,
selbst wenn die versicherte Person in einem Betrieb mit 40-Stunden-Wo-
che beschäftigt war (Urteil des BGer 8C_1030/2009 E. 7.1). Ausgehend
vom monatlichen Bruttolohn (Zentralwert) von Arbeitnehmern in privaten
Sektor für Tätigkeiten im Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tä-
tigkeiten) von Fr. 4'901.– (LSE 2010, Tabelle TA1, Schweiz), umgerechnet
auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden und in-
dexiert mit 1% Nominallohnentwicklung für das Jahr 2011 und 1% für das
Jahr 2012 ergibt sich ein Jahreseinkommen von Fr. 62'543.90 (4'901 x 12
/ 40 x 41.7 + 1% = 61'924.62 + 1% = 62'543.87).
14.4 Die SUVA ging bei ihrer Berechnung von einer verbleibenden Arbeits-
fähigkeit von 50% aus. Wie unter Erwägung 10 hiervor erörtert, war der
Beschwerdeführer aufgrund der zusätzlichen, neben den Unfallfolgen be-
stehenden krankheitsbedingten Einschränkungen ab 9. August 2012 nur
noch zu 30% arbeitsfähig. Aufgrund der verspäteten Anmeldung entstand
vorliegend der Rentenanspruch am 1. Dezember 2012. Zu diesem Zeit-
punkt war der Beschwerdeführer bereits während mehr als einem Jahr zu
50% und seit mehr als drei Monaten zu 30% arbeitsunfähig (vgl. E. 10 hier-
vor). Die Arbeitsfähigkeit änderte sich somit bereits vor dem Rentenan-
spruch, womit beim Invalideneinkommen ein 30%-Pensum zu berücksich-
tigen ist. Das errechnete invalide Jahreseinkommen ist auf ein 30%-Pen-
sum umzurechnen (Fr. 18'763.16). Ein leidensbedingter Abzug von 10% ist
vorliegend angemessen. Im Ergebnis resultiert ein Invalideneinkommen
von rund Fr. 16'887.-.
15.
Die Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen ergibt einen Invaliditäts-
grad von 84% (103'758 - 16'887 x 100 / 103'758), womit der Beschwerde-
führer Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat (Art. 28 Abs. 2 IVG). Die
Beschwerde ist im Ergebnis gutzuheissen und die angefochtene Verfügung
aufzuheben. Die Vorinstanz ist anzuweisen, die Rentenbetreffnisse im
Sinne vorstehender Erwägungen neu zu berechnen und rückwirkend ab 1.
Dezember 2012 auszurichten.
16.
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16.1 Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige
Parteientschädigung.
16.2 Weder dem obsiegenden Beschwerdeführer noch der Vorinstanz als
Bundesbehörde sind Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2
VwVG). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 400.– (BVGer-act. 4) ist
dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
16.3 Grundsätzlich kann die Beschwerdeinstanz der ganz oder teilweise
obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädi-
gung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten
zusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Kein Anspruch auf Parteientschädigung
bei nichtanwaltlicher Vertretung besteht jedoch, wenn zwischen der be-
schwerdeführenden Partei und dem Vertreter – wie vorliegend dem bei der
Arbeitgeberin tätigen Sozialberater Alfred Kurt – ein Arbeitsverhältnis be-
steht (Art. 9 Abs. 2 VGKE). Folglich wird keine Parteientschädigung zuge-
sprochen.
Es folgt das Urteilsdispositiv.
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