Decision ID: 72075876-997d-4de9-ac86-401084017ce9
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
B._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich im Februar 2017 für berufliche
Massnahmen und Rentenleistungen bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
(nachfolgend: IV-Stelle) an (IV-act. 1). Er war zuletzt bis 31. Januar 2017 als Z._ in
einem Pensum von 100 % bei der C._ AG tätig gewesen (vgl. IV-act. 1-4 und 8-2).
Vom 28. November bis 13. Dezember 2016 hatte er sich stationär in der
Psychiatrischen Klinik D._ aufgehalten. Im entsprechenden Austrittsbericht vom 16.
Januar 2017 waren als Diagnosen eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig
manische Episode ohne psychotische Symptome, Störungen durch Cannabinoide:
Abhängigkeitssyndrom: Mit ständigem Substanzgebrauch, Kokainmissbrauch und
Alkoholmissbrauch genannt worden. Weiter war im Bericht ausgeführt worden, der
Versicherte habe angegeben, die erste depressive Episode mit 13 Jahren und die erste
manische Episode vor knapp einem Jahr erlebt zu haben. Dann sei er wieder in ein
depressives Loch gefallen und sei jetzt wieder manisch. Vor ca. zwei Monaten habe er
bemerkt, dass er fast keinen Schlaf mehr brauche. Er habe das Gefühl, ein spezieller
Mensch und hochintelligent zu sein. Sein Gehirn arbeite schneller als dasjenige von
anderen. Bei ihm sei vor einem Jahr ein Tumor im Gehirn festgestellt worden und daher
rauche er Marihuana. Von anderen Schmerzmitteln halte er nichts. Auch konsumiere er
A.a.
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Drogen und täglich ca. acht Liter Bier. Die behandelnden Ärzte hatten weiter
ausgeführt, dass der Versicherte im Gespräch sehr angetrieben, im formalen Denken
sprunghaft und logorrhoisch gewirkt habe. Er habe deutlich gesteigerte
Selbstwertgefühle gezeigt und als Ziel des Aufenthaltes angegeben, dass er einen IQ-
Test sowie verschiedene andere Tests zur Prüfung der Gehirnleistung durchführen
lassen wolle. Im Verlauf der Behandlung sei es ihm gelungen, seine Impulse besser zu
kontrollieren und das Schlafverhalten habe sich zunehmend normalisiert. Die
Grössenideen seien jedoch geblieben und im Verlauf habe sich eine unzureichende
medikamentöse Adhärenz, die dem Behandlungsvertrag widersprochen habe, gezeigt.
Aus diesem Grund sei ein Timeout vereinbart worden und der Eintritt in ein ambulantes
Behandlungssetting erfolgt. Der Versicherte sei bei Austritt nicht arbeitsfähig gewesen
(IV-act. 15; zum Bericht der Behandelnden des Ambulatoriums vgl. IV-act. 10; zu einem
Telefonat des regionalen ärztlichen Dienstes [RAD] mit der behandelnden Psychiaterin
vgl. ferner IV-act. 12).
Vom 23. August bis 13. Oktober 2017 wurde der Versicherte in der
Psychiatrischen Tagesklinik E._ teilstationär behandelt. Im Austrittsbericht vom 6.
November 2017 wurden als Diagnosen eine bipolare affektive Störung (bei Eintritt
leichte oder mittelgradige depressive Episode), Störungen durch Alkohol: schädlicher
Gebrauch, anamnestisch Störungen durch Kokain: schädlicher Gebrauch, und
Störungen durch Cannabinoide: Abhängigkeitssyndrom: Mit ständigem
Substanzgebrauch genannt. Weiter wurde von den behandelnden Ärzten festgehalten,
dass der Versicherte Mühe bekundet habe, sich auf die Therapie einzulassen, wobei
gerade in der Abschlussphase eine fehlende Krankheitseinsicht im Vordergrund
gestanden habe. Im weiteren Verlauf habe sich neben einer unzureichenden
medikamentösen Adhärenz (der Versicherte habe jegliche Medikation abgelehnt) und
den deutlichen Grössenideen eine eingeschränkte Selbstreflexionsfähigkeit gezeigt,
was die Therapiefähigkeit zusätzlich begrenzt habe. Aus diesem Grund sei mit dem
Versicherten die vorzeitige Beendigung der Therapie vereinbart worden, was er schwer
habe nachvollziehen und akzeptieren können. Den Vorschlag zur stationären
Behandlung habe er abgelehnt, wobei bei fehlender akuter Selbst- oder
Fremdgefährdung kein Anlass zur Einweisung per fürsorgerischer Unterbringung
bestanden habe. Es werde eine weitere enge psychiatrisch-psychotherapeutische
A.b.
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Behandlung empfohlen. Durch med. pract. F._, Psychiatrische Tagesklinik E._, sei
diese vorerst sichergestellt. Als wichtig empfunden werde die weitere Überprüfung
bzw. Besprechung der Compliance hinsichtlich der medikamentösen Behandlung zur
Rückfall/Phasenprophylaxe. In Bezug auf eine berufliche Eingliederung und sinnvolle
Tagesstruktur werde die Aufgleisung beruflicher Massnahmen unter Rücksichtnahme
auf die Belastbarkeit und Stabilität, beginnend mit einem Pensum von 20 %, empfohlen
(IV-act. 18). In einer Stellungnahme vom 17. Januar 2018 gab der RAD die vorläufige
Einschätzung ab, wonach sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten
Tätigkeit eine Präsenzzeit von 50 % bei noch offener Leistungsfähigkeit möglich sei;
bei günstigem Verlauf steigerbar und mindestens mittelfristig unterjährig auch im ersten
Arbeitsmarkt umsetzbar. Eine weitere versicherungsmedizinische Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit und der Rahmenbedingungen (erster oder zweiter Arbeitsmarkt) werde
unter Einbezug der eingliederungsfachlichen Angaben erfolgen (IV-act. 20).
Mit Mitteilung vom 25. April 2018 bejahte die IV-Stelle einen Anspruch des
Versicherten auf Integrationsmassnahmen und erteilte Kostengutsprache für ein vom
16. April bis 15. Juli 2018 dauerndes Belastbarkeitstraining bei der G._ AG mit einer
anfänglichen Präsenzzeit von zwei Stunden pro Tag (IV-act. 32; zum entsprechenden
Eingliederungsplan vgl. IV-act. 30). Mit Mitteilung vom 19. Juli 2018 verlängerte die IV-
Stelle das Aufbautraining bis zum 15. November 2018 mit dem Ziel, die erreichte
Präsenzzeit von vier Stunden pro Tag kontinuierlich zu steigern (IV-act. 40; zum
Eingliederungsplan vgl. IV-act. 38). Da die zuletzt vereinbarten Ziele innerhalb der
gesetzten Frist noch nicht erreicht werden konnten, verlängerte die IV-Stelle mit
Mitteilung vom 10. Oktober 2018 das Aufbautraining bis zum 15. Februar 2019 mit dem
Ziel, die erreichte Präsenzzeit von fünf Stunden auf sechs bis acht Stunden an fünf
Tagen pro Woche zu erhöhen und die Arbeitsfähigkeit zu steigern (IV-act. 49; zum
Eingliederungsplan vgl. IV-act. 47). Da der Versicherte am 5. November 2018 erneut in
einer psychiatrischen Klinik hospitalisiert werden musste (vgl. IV-act. 62 und 73), wurde
die Integrationsmassnahme per 6. November 2018 beendet (vgl. Mitteilung vom 21.
November 2018; IV-act. 55; vgl. ferner IV-act. 52). Im Schlussbericht der G._ AG vom
16. November 2018 wurde festgehalten, dass die Arbeitsfähigkeit aktuell bei 20-30 %,
dem Niveau, wies es kurz vor der aktuellen Hospitalisation gewesen sei, liege (IV-act.
59). Am 20. Dezember 2018 wurde der Versicherte aus der stationären Behandlung
A.c.
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entlassen. Im Austrittsbericht der Psychiatrie H._ vom 18. Januar 2019 wurde als
Hauptdiagnose eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig manische Episode mit
psychotischen Symptomen, genannt. Weiter wurde festgehalten, dass der Versicherte
aufgrund optischer Halluzinationen (er habe Blut an den Wänden gesehen und Angst
gehabt) auf Zuweisung der ambulanten Psychiaterin im Kantonsspital St. Gallen
(KSSG) vorstellig geworden sei. Nach einer somatischen Abklärung im Spital sei der
Versicherte in Begleitung seiner Verlobten und seines Vaters bei ihnen erschienen.
Fremdanamnestisch sei zu erfahren gewesen, dass der Versicherte seit ca. einer
Woche nicht mehr er selbst sei. Er schlafe kaum, sei angetrieben und konsumiere
Alkohol. Auch konsumiere er Marihuana, Kokain und MDMA. Während des
Eintrittsgesprächs sei der zunächst ruhig und ratlos erscheinende Versicherte
zunehmend agitiert, logorrhoisch und verbal aggressiv geworden. Kurz nach Eintritt in
die Klinik habe der Versicherte ohne Absprache das Klinikgelände verlassen und sei im
KSSG auffällig angetroffen worden, sodass eine erneute Zuweisung mit amtsärztlicher
fürsorgerischer Unterbringung erfolgt sei. Rückblickend sei die Eintrittssituation, an die
sich der Versicherte kaum mehr habe erinnern können, im Rahmen einer manischen
Episode mit psychotischen Symptomen interpretiert worden. Aufgrund bizarren
Verhaltens (der Versicherte habe z.B. eine Überschwemmung verursachen wollen) sei
zunächst die Unterbringung im Isolierzimmer zur Reizabschirmung erfolgt. Mit Hilfe des
Sozialdienstes seien Belastungsproben erfolgt, wobei vor allem
Konzentrationsstörungen und eine rasche Erschöpfung aufgefallen seien, sodass
zunächst unklar gewesen sei, ob das Aufbautraining bei der G._ AG fortgeführt
werden könne. Insgesamt habe sich der Versicherte mässig krankheitseinsichtig und
teilweise externalisierend gezeigt. Er sei schliesslich auf eigenen Wunsch nach Hause
entlassen worden (IV-act. 73).
Mit Mitteilung vom 24. April 2019 erteilte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für
ein vom 2. April bis 30. September 2019 dauerndes Aufbautraining (IV-act. 82) mit dem
Ziel, bei positivem Verlauf die Präsenzzeit von anfänglich drei auf vier Stunden und
anschliessend monatlich weiter zu steigern (vgl. IV-act. 79). Mit Mitteilung vom 4.
Oktober 2019 wurde das Aufbautraining bis zum 31. Dezember 2019 verlängert (IV-act.
97) mit dem Ziel, die erreichte Präsenzzeit von 50 % weiter zu erhöhen und wenn
möglich auch die Arbeitsfähigkeit zu steigern (vgl. IV-act. 95). In einem Bericht vom 22.
A.d.
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Oktober 2019 erklärte med. pract. F._, dass der Versicherte seit dem 27. September
2016 im Rahmen einer hypomanischen Episode im Vorfeld seiner ersten
psychiatrischen Hospitalisation krankgeschrieben worden sei. Nach einer Phase des
Krankentaggeldbezugs befinde er sich in einer beruflichen Eingliederung mit einem
aktuellen Arbeitspensum von ca. 50 %, was seiner reellen Arbeitsfähigkeit entspreche.
Bei weiterer Abstinenz bezüglich psychotroper Substanzen und weiterhin zuverlässiger
Medikamenteneinnahme, der Aufrechterhaltung eines regelmässigen Lebensrhythmus
sowie der Einhaltung der persönlichen Leistungsgrenze bzw. dem Einplanen von
ausreichend Regenerationszeit zeichne sich eine gute Prognose ab (IV-act. 102).
Vom 18. bis 29. November 2019 wurde der Versicherte aufgrund einer hypomanen
Phase der bipolaren Störung in der Klinik I._ hospitalisiert (IV-act. 111). In einer
Aktennotiz vom 29. November 2019 bekundete die IV-Eingliederungsberaterin ihre
Zweifel, ob eine berufliche Integration auf dem ersten Arbeitsmarkt realistisch sei,
nachdem solche hypomanischen bzw. manischen Episoden innerhalb eines Jahres
bereits zum zweiten Mal aufgetreten seien (IV-act. 104). Mit Mitteilung vom 2.
Dezember 2019 hob die IV-Stelle die Mitteilung vom 4. Oktober 2019 sodann
rückwirkend per 18. November 2019 auf (IV-act. 107). Im Austrittsbericht der Klinik
I._ vom 9. Dezember 2019 wurde festgehalten, dass der Versicherte vom 18. bis 29.
November 2019 hospitalisiert worden sei mit dem Ziel der medikamentösen Einstellung
und Stimmungsstabilisation. Diagnostisch gehe man von einer hypomanen Entgleisung
im Rahmen der bipolaren Störung und einem schädlichen Gebrauch von
Cannabinoiden und Kokain aus. Bei Austritt habe noch eine regrediente
Angetriebenheit bestanden. Anhaltspunkte für eine akute Selbst- oder
Fremdgefährdung hätten indessen keine mehr vorgelegen (IV-act. 111).
A.e.
Da man sich aufgrund der Neueinstellung der Medikation eine bessere Kontrolle
der psychischen Schwankungen erhoffte (vgl. IV-act. 114), erteilte die IV-Stelle am 18.
Dezember 2019 erneut Kostengutsprache für ein vom 16. Dezember 2019 bis 15. Mai
2020 dauerndes Aufbautraining zu Beginn mit einem Pensum von 4.5 Stunden pro Tag
und mit dem Ziel, dieses zu steigern (IV-act. 115; zum Eingliederungsplan vgl. IV-act.
113). Im Schlussbericht der G._ AG vom 10. Juni 2020 wurde ausgeführt, dass die
Medikation des Versicherten laufend in Absprache mit med. pract. F._ an die
jeweiligen Phasen der bipolaren Erkrankung angepasst worden sei. Je nach Phase der
A.f.
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Erkrankung sei das Aktivitätsniveau des Versicherten stark schwankend gewesen. In
den manischen Phasen habe der Versicherte vor Energie gestrotzt, sei überaus aktiv
gewesen und habe nur sehr wenig geschlafen. In den depressiven Phasen sei es genau
umgekehrt gewesen. Aufgrund der unvorhersehbaren manischen und depressiven
Phasen sei es für den Versicherten schwierig, eine konstant verwertbare Leistung im
ersten Arbeitsmarkt zu erbringen (IV-act. 123).
Per _ 2020 trat der Versicherte eine selber gefundene neue Anstellung als
technischer Verkaufsinnendienstmitarbeiter in einem Pensum von 100 % an (IV-act.
127), was der RAD als nicht zielführend erachtete, da im Längsschnitt höchstens eine
Arbeitsfähigkeit von 50 % angenommen werden könne (vgl. dazu IV-act. 125). In einem
Telefonat vom _ 2020 informierte der Versicherte die IV-Stelle darüber, dass er an
diesem Tag die Kündigung erhalten habe (vgl. IV-act. 130-21). Die IV-
Eingliederungsberaterin hielt in ihrem Schlussbericht vom 15. Oktober 2020 fest, dass
der Versicherte bereits am Tag vor dem Stellenantritt am Telefon auf sie manisch und
sehr angetrieben gewirkt und sich super gefühlt habe. Er habe dem Stellenantritt locker
entgegengesehen. Sie hätten vereinbart, in regelmässigem Kontakt zu bleiben. Im
Anruf vom _ 2020 habe der Versicherte ohne Punkt und Komma und inhaltlich nicht
mehr in der Realität geredet. Er habe berichtet, dass er gehackt worden sei und ein
sehr mächtiger Mann ihn kontrolliere. Alle Menschen seien schizophren; nur er sei
normal. Er schlafe aktuell noch ca. drei Stunden. Auch habe er wieder eine Freundin
und die Frauen würden bei ihm Schlange stehen. Alle hätten das Gefühl, er sei
manisch. Aber weder seine Eltern noch seine Behandlerin hätten einen Plan. Ihm gehe
es endlich wieder gut und er habe Energie ohne Ende. Er habe die Medikation
abgesetzt, kiffe wieder und konsumiere viel Alkohol. Die Eingliederungsberaterin hielt
weiter fest, sie habe ihm zu erklären versucht, dass die Rentenprüfung eingeleitet
werde. Er habe abgewinkt und behauptet, er könne arbeiten und wolle keine Rente. Die
Eingliederungsverantwortliche kam zum Schluss, dass keine verwertbare
Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehe. Sollte es gelingen, dass die
Erkrankung nicht solchen starken Schwankungen unterworfen sei, bringe der
Versicherte viele Ressourcen mit. Es habe sich jedoch über die lange Zeit der
beruflichen Eingliederung hinweg gezeigt, dass keine längere Phase der Stabilität
erreicht worden sei (IV-act. 130-21 f.). In einem Telefonat vom 16. Oktober 2020
A.g.
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B.
informierte der Vater des Versicherten die IV-Stelle darüber, dass sein Sohn erneut per
fürsorgerischer Unterbringung in die Klinik D._ eingeliefert worden sei (IV-act. 131;
zum entsprechenden Austrittsbericht vgl. IV-act. 137). Mit Mitteilung vom 19. Oktober
2020 wies die IV-Stelle einen Anspruch auf weitere berufliche Massnahmen ab (IV-act.
133). In einer Aktenbeurteilung vom 7. Januar 2021 kam der RAD zum Schluss, dass
eine nachhaltig belastbare und verbindlich abrufbare Arbeitsfähigkeit unter den
Bedingungen des ersten Arbeitsmarktes sowohl in der angestammten als auch in einer
angepassten Tätigkeit für die nächsten ein bis zwei Jahre nicht zu erkennen sei,
weshalb die Arbeitsunfähigkeit 100 % betrage (IV-act. 140-4).
Mit Vorbescheid vom 26. Januar 2021 stellte die IV-Stelle dem Versicherten bei
einem Invaliditätsgrad von 100 % die Zusprache einer ganzen Rente für die Zeit ab
dem 1. Januar 2018 in Aussicht (IV-act. 143).
A.h.
Dagegen erhob die Pensionskasse A._, bei welcher der Versicherte während
seiner Anstellung bei der C._ AG vom _ 2011 bis 31. Januar 2017
berufsvorsorgerechtlich versichert gewesen war (vgl. IV-act. 8), vertreten durch
Rechtsanwalt A. Gnädinger, Zürich, am 19. März 2021 einen Einwand (IV-act. 146).
A.i.
Nach Einholung einer Stellungnahme ihres Rechtsdienstes (vgl. IV-act. 152) sprach
die IV-Stelle dem Versicherten mit mehreren Verfügungen vom 17. September 2021 für
die Zeit ab dem 1. Januar 2018 – abgesehen von den Zeiten des IV-Taggeldbezugs –
bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Invalidenrente zu (IV-act. 153 f. und
158 ff.).
A.j.
Gegen diese Verfügung(en) erhob die weiterhin durch Rechtsanwalt Gnädinger
vertretene Pensionskasse A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 27. Oktober
2021 Beschwerde. Sie beantragte, die Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) vom 17. September 2021 sei aufzuheben und es sei die Sache
an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Untersuchung zurückzuweisen; alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin (act. G 1).
B.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Mit Schreiben vom 17. Januar 2022 wurde der Versicherte (nachfolgend:
Beigeladener) seitens des Versicherungsgerichts als mitinteressierte Partei zum
Prozess beigeladen (act. G 4).
B.b.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 14. Februar 2022 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 7). Sie reichte eine
weitere RAD-Beurteilung vom 25. Januar 2022 ein (vgl. act. G 7.1).
B.c.
In ihrer Replik vom 28. März 2022 hielt die Beschwerdeführerin an den in der
Beschwerde gestellten Anträgen fest (act. G 9).
B.d.
Mit Schreiben vom 7. April 2022 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die
Erstattung einer ausführlichen Duplik und hielt an dem in der Beschwerdeantwort
gestellten Antrag vollumfänglich fest (act. G 11).
B.e.
Die Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung der Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 17. September 2021, ohne anzugeben, welche der
gleichentags erlassenen Verfügungen sie meint (vgl. act. G 1). Angesichts dessen, dass
sich die Verfügungen lediglich auf unterschiedliche Zeiträume beziehen, alle jedoch die
Zusprache einer ganzen Invalidenrente zum Gegenstand haben (vgl. IV-act. 158 ff.) und
ihnen derselbe Beschluss der Beschwerdegegnerin zu Grunde liegt (vgl. IV-act. 153 f.),
liegt materiell nur eine Verfügung vor (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.2 und 2.3), sodass der
Rentenanspruch ab 1. Januar 2018 Streitgegenstand bildet.
1.1.
Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdeführerin ein schutzwürdiges Interesse an
der Aufhebung oder Abänderung der angefochtenen Verfügungen, da diese für sie
infolge Einbezugs in das invalidenversicherungsrechtliche Vorbescheidverfahren
hinsichtlich des festgelegten Invaliditätsgrades und des Beginns der einjährigen
Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) Bindungswirkung entfalten können (vgl. Art. 59 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]; BGE 133 V
69 E. 4.3.2 und 129 V 75 f. E. 4.2.2; Urteil des Bundesgerichts vom 16. November
2018, 9C_431/2018, E. 3.2; Ulrich Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 49 zu Art.
1.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/20
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2.
59). Sie ist demnach zur Beschwerde legitimiert. Nachdem auch die übrigen
Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
Zwischen den Parteien umstritten und vorliegend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beigeladenen gegenüber der Beschwerdegegnerin.
2.1.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist gemäss Art.
8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der
durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichen Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG).
2.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der
medizinischen Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis). Praxisgemäss kann
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/20
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3.
auch auf versicherungsinterne ärztliche Feststellungen abgestellt werden. Bestehen
jedoch auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit, sind weitere
Abklärungen vorzunehmen (Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juli 2020, 8C_322/2020,
E. 3, mit vielen Hinweisen).
Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, dass aufgrund der aktenkundigen Berichte
der behandelnden Ärzte sowie der Beurteilungen des RAD kein erheblicher
invalidisierender Gesundheitsschaden überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen sei
(vgl. act. G 1 S. 11 ff.). In der angefochtenen Verfügung sei festgehalten worden, dass
in den medizinischen Berichten durchgehend die Diagnose einer bipolaren Störung
gestellt worden sei. Aus den medizinischen Berichten sei aber auch zu erkennen, dass
der Beigeladene zumindest vor einem gesundheitlichen Einbruch die Medikamente
jeweils abgesetzt und sich der Drogenkonsum massgeblich verstärkt habe. Es sei nicht
eingehend geprüft worden, ob eine Abstinenz im Rahmen der
Schadenminderungspflicht angezeigt respektive möglich wäre. Unklar sei somit,
welchen Einfluss der Drogenkonsum auf die psychische Störung und die
Arbeitsfähigkeit habe und ob eine Therapie respektive eine Drogenabstinenz als
zumutbar gelten müsse (act. G 1 S. 13 f.; vgl. ferner act. G 1 S. 12). Insbesondere sei
übersehen worden, dass die behandelnde Institution dem Beigeladenen mit Bericht
vom 22. Oktober 2019 noch eine gute Prognose gestellt habe, falls eine Abstinenz von
psychotropen Substanzen und eine gute Medikamentencompliance bestehe. Die
Meinung des RAD, wonach der Substanzgebrauch krankheitsbedingt erfolge, sei
aufgrund der vorliegenden Unterlagen nicht ausgewiesen (act. G 1 S. 14).
3.1.
Was das Vorliegen eines Gesundheitsschadens betrifft, ist mit der
Beschwerdegegnerin festzuhalten, dass sich die Diagnose einer bipolaren affektiven
Störung in den aktenkundigen Berichten der behandelnden Ärzteschaft durchgehend
finden lässt (vgl. act. 10, 15, 18, 73, 102, 111 und 137). Mehrere Berichte betreffen
stationäre Behandlungen, in denen die behandelnden Fachärztinnen und Fachärzte den
Beigeladenen über einen längeren Zeitraum erlebt haben, weshalb anzunehmen ist,
dass sein Störungsbild relativ gut überprüfbar gewesen ist. Dies gilt erst recht, weil der
RAD in der im Beschwerdeverfahren eingereichten Stellungnahme vom 25. Januar
2022 dargelegt hat, dass die diagnostizierte bipolare affektive Störung Typ I im
spezifischen Ausprägungsmuster der Symptome pathognomonisch hochsignifikant
und hinsichtlich des syndromalen Musters auch vom Allgemeinmediziner zumindest in
akuten Phasen kaum zu verwechseln sei (vgl. act. G 7.1 S. 1 f.). Nachdem die Diagnose
von mehreren Arztpersonen verifiziert worden ist und keine medizinischen Berichte
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/20
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ersichtlich sind, in welchen ernsthafte Zweifel an dieser Diagnosestellung geäussert
worden sind, ist es nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin von einem
ausgewiesenen psychischen Gesundheitsschaden ausgegangen ist und diesbezüglich
keinen weiteren Abklärungsbedarf gesehen hat.
Neben der bipolaren affektiven Störung liegt gemäss der medizinischen Aktenlage
auch ein Abhängigkeitssyndrom vor (vgl. z.B. IV-act. 15 und 18). In BGE 145 V 215 ist
das Bundesgericht zum Schluss gekommen, dass auch fachärztlich einwandfrei
diagnostizierten Abhängigkeitssyndromen bzw. Substanzkonsumstörungen nicht zum
vornherein jede invalidenversicherungsrechtliche Relevanz abgesprochen werden
könne, sondern diese als invalidenversicherungsrechtlich beachtliche psychische
Gesundheitsschäden in Betracht fielen (BGE 145 V 226 f. E. 5.3.3 und 6 mit Hinweisen).
Bei der final konzipierten Invalidenversicherung besteht keine Grundlage dafür, das
Herbeiführen einer Suchterkrankung durch den willentlichen Konsum von Suchtmitteln
zum Anlass zu nehmen, einen versicherten Gesundheitsschaden zum vornherein zu
verneinen und mit der Begründung eines Selbstverschuldens auf die Prüfung der
funktionellen Einschränkungen zu verzichten. Allerdings kommt der versicherten
Person bei Vorliegen eines Abhängigkeitssyndroms eine Schadenminderungspflicht zu,
sodass von ihr die aktive Teilnahme an einer zumutbaren medizinischen Behandlung
verlangt werden kann. Kommt sie den ihr auferlegten Schadenminderungspflichten
nicht nach, sondern erhält willentlich den krankhaften Zustand aufrecht, ist eine
Verweigerung oder Kürzung von Leistungen möglich (BGE 145 V 225 f. E. 5.3.1 mit
Hinweisen). Damit von einer willentlichen Herbeiführung bzw. Aufrechterhaltung oder
Verschlimmerung eines Gesundheitsschadens ausgegangen werden kann, die zu einer
Kürzung oder Verweigerung von Leistungen führt (vgl. Art. 21 Abs. 1 ATSG), müssen
der versicherten Person die entsprechenden Auflagen sowie die bei deren Missachtung
drohenden Rechtsfolgen aber gehörig angedroht werden (vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG).
Eine solche Androhung ist im vorliegenden Fall gerade nicht aktenkundig, was dem
Beigeladenen nicht zum Nachteil gereichen darf. Selbst wenn die Beschwerdegegnerin
dem Beigeladenen zu Unrecht keine Auflagen hinsichtlich des Suchtmittelkonsums
gemacht hätte, dürfte dies nach dem Gesagten grundsätzlich nicht zu einer sofortigen
Leistungsverweigerung bzw. -kürzung führen. Eine solche käme erst nach Androhung
der Auflagen und Ablauf einer Bedenkzeit in Frage (vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG).
3.3.
Vorliegend ist denn aber auch nachvollziehbar, dass die Beschwerdegegnerin auf
Auflagen verzichtet hat. Der Beigeladene ist nämlich mehrfach (teil-)stationär behandelt
worden (IV-act. 15, 18, 62, 73, 111, 131 und 137). Er hat auch an ambulanten
Behandlungen teilgenommen (vgl. IV-act. 10, 12 und 102) und sich aktiv über lange Zeit
3.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/20
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an Eingliederungsversuchen beteiligt (vgl. IV-act. 30, 32, 38, 40, 47, 49, 52, 55, 59, 79,
82, 95, 97, 104, 107, 113 ff., 123 und 130-22). Er hat sogar selbständig nach einer
Anstellung gesucht, womit er seinen Arbeitswillen bekräftigt hat, wenn er dabei auch
seine Leistungsfähigkeit überschätzt hat (vgl. IV-act. 127 und 125). Zwar ist es richtig,
dass aus den Berichten der stationären Aufenthalte hervorgeht, dass der Beigeladene
bei Einweisung häufig Substanzen konsumiert hat, und es wird vom RAD auch nicht in
Abrede gestellt, dass dieser Substanzkonsum die psychischen Auffälligkeiten
verstärken kann (vgl. z.B. act. G 7.1 S. 2 und IV-act. 140-3 f.). Dass der Beigeladene
nur dann psychisch auffällig ist, wenn er Substanzen konsumiert, lässt sich daraus
jedoch nicht ableiten. Vielmehr ergibt sich aus den Akten, dass seine Leistungsfähigkeit
krankheitsbedingt schwankend gewesen ist und ihn psychische Auffälligkeiten auch in
stabileren Phasen begleitet haben (vgl. dazu z.B. IV-act. 130). So hat denn auch die
Medikation ständig an die Phasen der bipolaren Störung angepasst werden müssen
(vgl. IV-act. 123). Im Übrigen ist anzunehmen, dass der Beigeladene während der
stationären Aufenthalte keine Drogen hat konsumieren können, gleichwohl hat die
Therapie teilweise aufgrund mangelnder Therapiefähigkeit abgebrochen werden
müssen und es ist später zu erneuten psychischen Entgleisungen gekommen (vgl. z.B.
IV-act. 15 und 73; zum Abbruch der tagesklinischen Behandlung vgl. ferner IV-act. 18).
Gerade vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, wenn der RAD in seiner
Beurteilung vom 25. Januar 2022 zum Schluss kommt, dass der Suchmittelkonsum in
jedem Fall nachrangig sei. Auch bei Annahme einer Suchtmittelabstinenz sei mit
wiederkehrenden Phasen schwergradiger, die Arbeitsfähigkeit ausschliessender
psychopathologischer Symptomatik zu rechnen, welche zudem die Compliance der
Behandlung der manisch-depressiven Erkrankung krankheitsbedingt in hohem Masse
beeinträchtigte. Der Beigeladene sei im Wesentlichen durch die manisch-depressive
Erkrankung nicht in der Lage, Behandlungsauflagen über einen längeren Zeitraum zu
folgen. Daran würden auch kürzere Phasen relativer Stabilität nichts ändern (vgl. act. G
7.1 S. 2). Dass die Therapiefähigkeit beeinträchtigt ist, ergibt sich namentlich auch aus
dem Bericht der Psychiatrischen Tagesklinik E._ vom 6. November 2017. Darin ist
ausgeführt worden, dass der Beigeladene Mühe bekundet habe, sich auf die Therapie
einzulassen, wobei gerade in der Abschlussphase die fehlende Krankheitseinsicht im
Vordergrund gestanden habe. Im weiteren Verlauf habe sich neben einer
unzureichenden medikamentösen Adhärenz und den deutlichen Grössenideen eine
eingeschränkte Selbstreflexionsfähigkeit gezeigt, was die Therapiefähigkeit zusätzlich
begrenzt habe (IV-act. 18). Für eine eingeschränkte Steuerbarkeit spricht auch, dass
der Beigeladene gemäss Austrittsbericht der Psychiatrie H._ vom 18. Januar 2019
ohne Absprache das Klinikgelände verlassen hat und auffällig angetroffen worden ist,
weshalb er mit amtsärztlicher fürsorgerischer Unterbringung erneut zugewiesen worden
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 14/20
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4.
ist. Im gleichen Bericht ist auch festgehalten worden, dass sich der Beigeladene
mässig krankheitseinsichtig und teilweise externalisierend gezeigt habe (vgl. IV-act. 73).
Aus dem Umstand, dass die behandelnde Ärztin med. pract. F._ in ihrem Bericht
vom 22. Oktober 2019 bei Abstinenz psychotroper Substanzen, zuverlässiger
Medikamenteneinnahme und Aufrechterhaltung eines regelmässigen Lebensrhythmus
sowie der Einhaltung der persönlichen Leistungsgrenze bzw. dem Einplanen von
ausreichend Regenerationszeit, von einer guten Prognose ausgegangen ist (vgl. IV-act.
102), lässt sich sodann - entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin - nicht ableiten,
dass eine Drogenabstinenz und Medikamentencompliance zumutbar und möglich ist.
Zur Frage der Zumutbarkeit hat sich med. pract. F._ in diesem Bericht gerade nicht
geäussert. Auch hat sie keine Entzugsbehandlung oder Auflagen empfohlen (vgl. IV-
act. 102). Schliesslich dürfte sich auch durch eine Begutachtung kaum gesichert
feststellen lassen, inwieweit der Drogenkonsum die psychische Erkrankung effektiv
beeinflusst und inwiefern er durch die Erkrankung bedingt ist (vgl. dazu auch die
Stellungnahme des RAD, wonach die Frage einer Triggerung der Erkrankung durch den
Drogenkonsum und einer Stabilisierung durch einen Verzicht darauf ein Streit um
Kaisers Bart sei; act. G 7.1). Deswegen und aufgrund der in den ärztlichen Berichten
festgestellten mangelnden Therapiefähigkeit des Beigeladenen sowie dessen
psychischer Problematik trotz anzunehmender Abstinenz im Rahmen der stationären
Aufenthalte ist die Zumutbarkeit von Auflagen, wie vom RAD schlüssig festgestellt (vgl.
act. G 7.1), nicht ausgewiesen. Folglich ist es nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin auf entsprechende Auflagen verzichtet hat.
Weiter kritisiert die Beschwerdeführerin, dass die Beschwerdegegnerin zur
Beurteilung der funktionellen Einschränkungen und der Arbeitsfähigkeit des
Beigeladenen kein strukturiertes Beweisverfahren unter Berücksichtigung dessen
erheblicher persönlicher Ressourcen durchgeführt habe (vgl. act. G 1 S. 12). Die
Vornahme eines strukturierten Beweisverfahrens sei gestützt auf die vorliegende
Aktenlage nicht möglich (act. G 1 S. 13, oben), weshalb die Sache zur weiteren
Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen sei (vgl. act. G 1, insbesondere
S. 16, unten). Ausserdem seien die behandelnde Medizinerin sowie die
Eingliederungsverantwortlichen der Beschwerdegegnerin ursprünglich davon
ausgegangen, dass eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bestehe. Die Annahme des RAD,
wonach beim Beigeladenen eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorliege, sei somit nicht
nachvollziehbar (act. G 1 S. 12 und 14). Bei versicherungsinternen Beurteilungen wie
derjenigen des RAD genügten schon geringe Zweifel, um weitere Abklärungen
4.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 15/20
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vornehmen zu müssen. Bei behandelnden Medizinern sei zudem der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte in Zweifelsfällen eher
zu Gunsten der Patienten aussagen würden (act. G 1 S. 13). Einzig auf deren Berichte
könne somit ebenfalls nicht abgestellt werden. Es dränge sich folglich die Einholung
eines psychiatrischen Gutachtens auf (act. G 1 S. 15).
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind grundsätzlich sämtliche
psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281
zu unterziehen (vgl. BGE 143 V 429 E. 7.2 und 145 V 215; je mit Hinweisen). Dabei ist
das Vorliegen einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit anhand von
systematisierten Indikatoren zu beurteilen, die - unter Berücksichtigung von
leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerseits und von
Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits - erlauben, das tatsächlich
erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (vgl. BGE 141 V 281 und 143 V 418;
Urteil des Bundesgerichts vom 22. Juni 2018, 9C_680/2017, E. 5.1; je mit Hinweisen).
Bei diesen Indikatoren handelt es sich aber nicht um eine abhakbare Checkliste.
Vielmehr ist die Handhabung des Katalogs den Umständen des Einzelfalls anzupassen
(vgl. BGE 141 V 297 E. 4.1.1 mit Hinweisen). Im Übrigen kann nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung aus Gründen der Verhältnismässigkeit von einem
strukturierten Beweisverfahren abgesehen werden, wenn ein solches nicht nötig oder
gar nicht geeignet ist, wobei sich die Notwendigkeit nach dem konkreten Beweisbedarf
beurteilt (vgl. BGE 143 V 428 f. E. 7.1; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2018,
8C_564/2017, E. 3.1; je mit Hinweisen; vgl. ferner act. G 7 S. 6).
4.2.
Vorliegend hat der RAD zwar keine Aktenbeurteilung erstellt, in welcher sämtliche
Indikatoren chronologisch abgehandelt werden. Aus seiner Schlussbeurteilung vom 7.
Januar 2021 (IV-act. 140-4) sowie aus der im Beschwerdeverfahren eingereichten
Aktenbeurteilung vom 25. Januar 2022 (act. G 7.1) ergibt sich gleichwohl, dass er die
von der Rechtsprechung genannten, für den vorliegenden Fall relevanten Indikatoren
bei seiner Beurteilung berücksichtigt hat. Jedenfalls lässt sich aufgrund des
Gesamtbildes der medizinischen sowie der eingliederungsrelevanten Akten ein
konsistentes und schlüssiges Bild über das Leistungsvermögen des Beigeladenen
ableiten. Unter dem von der Rechtsprechung entwickelten Komplex
"Gesundheitsschädigung" fällt vorliegend namentlich das Kriterium des
Behandlungserfolgs bzw. der Behandlungsresistenz ins Gewicht. Wie bereits erwähnt,
hat der Beigeladene an zahlreichen Therapien teilgenommen. Teilweise haben die
Therapien aufgrund mangelnder Therapiefähigkeit abgebrochen werden müssen (vgl.
IV-act. 15 und 18). Auch haben die stationären Aufenthalte den Beigeladenen nicht vor
4.3.
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erneuten psychischen Einbrüchen bewahren können. Der Beigeladene leidet neben der
bipolaren affektiven Störung nachweislich auch an psychischen Komorbiditäten aus
dem Kreis der Suchterkrankungen, was das Krankheitsbild, wie vom RAD einleuchtend
dargelegt (vgl. IV-act. 140-1 ff.; vgl. ferner act. G 7.1), zusätzlich verkompliziert.
Bezüglich "Konsistenz" ist zu erwähnen, dass der Beigeladene, soweit
krankheitsbedingt möglich, therapeutische Optionen wahrgenommen (vgl. IV-act. 10,
12, 15, 18, 62, 73, 102, 111; vgl. ferner IV-act. 131 und 137) und sich aktiv am
Eingliederungsprozess beteiligt hat (vgl. IV-act. 30, 32, 38, 40, 47, 49, 52, 55, 59, 79,
82, 95, 97, 104, 107, 113 ff., 123 und 130). Dass es nicht am Willen zur Therapie
mangelt, hat sich beispielsweise daran gezeigt, dass er den Abbruch der
tagesklinischen Behandlung nur schwer hat akzeptieren können (vgl. IV-act. 18). Auch
hat er sich aus eigenem Antrieb aktiv um eine Stelle bemüht und diese mit Elan
angetreten (vgl. IV-act. 127 und 130-21 f.). Bezeichnend ist denn auch, dass er sich
gegenüber der IV-Eingliederungsverantwortlichen selber als arbeitsfähig bezeichnet
und eine Rente als nicht erforderlich erachtet hat (vgl. IV-act. 130-22). Die den
Beigeladenen belastenden Einschränkungen zeigen sich denn auch konsistent in
verschiedenen Lebensbereichen. Sowohl im therapeutischen Kontext als auch im
Rahmen der beruflichen Eingliederung hat der Beigeladene teils skurrile
Verhaltensweisen an den Tag gelegt und entsprechend den krankheitsbedingten
Schwankungen auch schwankende Leistungen gezeigt (vgl. z.B. IV-act. 18, 73 und
123). Die psychische Instabilität hat sich auch im Rahmen von Telefonaten und
Gesprächen mit der IV-Eingliederungsverantwortlichen offenbart (vgl. namentlich IV-
act. 130-21 f.). Überdies ist der Beigeladene teils per fürsorgerischer Unterbringung
stationär in Kliniken eingewiesen worden (vgl. IV-act. 73, 131 und 137). Auch der
Leidensdruck wird durch die arbeitsrelevanten Bemühungen des Beigeladenen
deutlich, wobei er seine Fähigkeiten nicht richtig einordnen kann (vgl. dazu namentlich
IV-act. 125 und 130-21 f.). Soweit die Beschwerdegegnerin geltend macht, den
Ressourcen des Beigeladenen sei nicht ausreichend Beachtung geschenkt worden, ist
ihr entgegenzuhalten, dass diese sowohl von der Ärzteschaft als auch von den
Eingliederungsverantwortlichen durchaus erkannt worden sind, weshalb auch mehrere
Versuche betreffend Eingliederung unternommen worden sind (vgl. dazu z.B. IV-act.
114, 125-2 und 130-22). Offensichtlich ist es dem Beigeladenen aber trotz dieser
Ressourcen krankheitsbedingt nicht gelungen, eine stabil abrufbare Arbeitsleistung zu
erreichen.
Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, wenn der RAD keine auf dem
ersten Arbeitsmarkt verwertbare Arbeitsfähigkeit angenommen hat (vgl. IV-act. 140-4
und act. G 7.1). Der Umstand, dass der RAD sowie die behandelnde Ärztin med. pract.
4.4.
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F._ im Rahmen des Eingliederungsprozesses teilweise noch die Prognose gestellt
hatten, dass sich im Längsschnitt möglicherweise eine Arbeitsfähigkeit von 50 %
ergeben könnte (vgl. IV-act. 102 und 125), lässt die Schlussbeurteilung des RAD nicht
als unzutreffend erscheinen. Eine Prognose ist stets ungewiss. Ausserdem hat med.
pract. F._ die Einschätzung von zahlreichen Bedingungen abhängig gemacht, die
sich teilweise nicht bewahrheitet haben bzw. nicht erfüllen liessen (vgl. IV-act. 102).
Zudem haben gerade diejenigen Phasen, in denen eine allfällig höhere
Leistungsfähigkeit bestanden hat (vgl. dazu namentlich den Bericht der G._ AG vom
10. Juni 2022; IV-act. 123), eine Einschätzung für die Zukunft erschwert. Es ist
nachvollziehbar, wenn im Rahmen der Eingliederungsbemühungen teilweise die
Hoffnung vorgeherrscht hat, es möge allenfalls gelingen, die leistungsstarken Zustände
zu stabilisieren. Der RAD ist aber bereits in seiner Beurteilung vom 17. Januar 2018
lediglich von einer anfänglichen Präsenzzeit von 50 % ausgegangen, wobei die
Leistungsfähigkeit noch zu eruieren sei. Er hat schon damals klar zum Ausdruck
gebracht, dass es ungewiss sei, ob eine stabile Leistungsfähigkeit auf dem ersten
Arbeitsmarkt erreicht werden könne (vgl. IV-act. 20). Nachfolgend hat sich im Rahmen
der Integrationsmassnahme gezeigt, dass selbst eine Präsenzzeit von 50 % und vor
allem eine entsprechende Leistungsfähigkeit nicht zu erreichen gewesen sind (IV-act.
48, 59 und 80). Die Beurteilung des RAD vom 7. Januar 2021, wonach eine nachhaltig
belastbare und verbindlich abrufbare Arbeitsfähigkeit unter den Bedingungen des
ersten Arbeitsmarktes sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten
Tätigkeit für die nächsten ein bis zwei Jahre nicht zu erkennen sei, weshalb die
Arbeitsunfähigkeit 100 % betrage (IV-act. 140-4), ist nach dem Gesagten
nachvollziehbar und schlüssig, zumal die Einschätzung auch von der IV-
Eingliederungsverantwortlichen sowie der G._ AG geteilt wird (vgl. IV-act. 123 und
130-22).
Inwiefern von einer medizinischen Begutachtung bessere Erkenntnisse hinsichtlich
der Leistungsfähigkeit des Beigeladenen zu erwarten wären, ist nicht ersichtlich.
Vielmehr ist es zweifelhaft, ob die psychische Störung, die gemäss Aktenlage starken
Schwankungen unterworfen ist, im Rahmen einer einmaligen Begutachtung
ausreichend erfasst werden kann. Die medizinischen sowie die
eingliederungsrelevanten Akten, die den gesundheitlichen Verlauf des Beigeladenen
über einen längeren Zeitraum dokumentieren, dürften ein besseres Bild über das
funktionelle Leistungsvermögen geben als eine einzelne Begutachtung. Auch ist es
fraglich, ob sich der Beigeladene aufgrund seiner Suchtproblematik und seiner
psychischen Störung im Rahmen einer einzelnen Begutachtung überhaupt ausreichend
öffnen könnte. Schliesslich gilt es zu berücksichtigen, dass sich der RAD gerade nicht
4.5.
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5.
detailliert zur medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit in den einzelnen Phasen der
Erkrankung ausgesprochen, sondern gestützt auf die gesamte Aktenlage
nachvollziehbar dargelegt hat, weshalb keine nachhaltig belastbare und verbindlich
abrufbare bzw. verwertbare Arbeitsfähigkeit anzunehmen ist (vgl. IV-act. 140-3 f. und
act. G 7.1). Ob die theoretische Arbeitsfähigkeit in den einzelnen Leistungsphasen
beispielsweise bei 20 % oder 50 % liegt, spielt letztlich keine Rolle, wenn gesamthaft
gesehen keine nur annähernd stabile Leistung erzielt werden kann und der Beigeladene
aufgrund seiner psychischen Einbrüche mit ausgesprochenen Verhaltensauffälligkeiten
einem Arbeitgeber nicht zumutbar ist. Bei der Frage der Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit handelt es sich sodann ohnehin auch um eine rechtliche Frage
(vgl. dazu E. 5), die in einem medizinischen Gutachten nicht abschliessend geklärt
werden kann.
Aus juristischer Sicht ist die Zumutbarkeit der Ausschöpfung der verbleibenden
Arbeitsfähigkeit unter Annahme eines ausgeglichenen Arbeitsmarktes zu bestimmen.
Der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes gemäss Art. 16 ATSG ist ein
theoretischer und abstrakter Begriff, welcher die konkrete Arbeitsmarktlage nicht
berücksichtigt (BGE 134 V 71 E. 4.2.1 mit Hinweis). Er umschliesst einerseits ein
gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebot von Stellen und der Nachfrage nach
solchen. Andererseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her
einen Fächer verschiedenartiger Stellen offenhält, und zwar sowohl bezüglich der dafür
verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des
körperlichen Einsatzes (BGE 110 V 276 E. 4b; Urteil des Bundesgerichts vom 28.
November 2014, 9C_485/2014, E. 2.2; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 3. Dezember 2003, I 349/01, E. 6; je mit Hinweisen).
Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also
Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen mit einem sozialen Entgegenkommen von
Seiten des Arbeitgebers gerechnet werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 28.
November 2014, 9C_485/2014, E. 2.2, mit Hinweis auf Urteil des Bundesgerichts vom
29. August 2007, 9C_95/2007, E. 4.3). Von einer Arbeitsgelegenheit kann allerdings
nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur in so
eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch
nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines
durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden
Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundesgerichts
vom 28. April 2010, 8C_1050/2009, E 3.3 mit Hinweisen).
5.1.
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Aus juristischer Sicht kann der Einschätzung des RAD, wonach im Zeitpunkt des
Erlasses der angefochtenen Verfügung keine stabil verwertbare Arbeitsfähigkeit auf
dem ersten Arbeitsmarkt bestanden hat (vgl. IV-act. 140-4 und act. G 7.1), ebenfalls
gefolgt werden. Aus den Akten ergibt sich ein schwankender Verlauf mit mehrfacher
psychischer Entgleisung einhergehend mit stationären Behandlungen (vgl. dazu oben
E. 3.4) und teilweise seltsamen Verhaltensweisen. Im Austrittsbericht der Psychiatrie
H._ vom 18. Januar 2019 ist beispielsweise festgehalten worden, dass der
Beigeladene aufgrund optischer Halluzinationen (er habe Blut an den Wänden gesehen)
zugewiesen worden sei. Aufgrund bizarren Verhaltens (der Beigeladene habe z.B. eine
Überschwemmung verursachen wollen) sei er zur Reizabschirmung zunächst in ein
Isolierzimmer gebracht worden (vgl. IV-act. 73). Im Schlussbericht der G._ AG vom
10. Juni 2020 heisst es sodann, dass der Beigeladene sich in den manischen Phasen
auffällig vorwiegend in der Farbe Neongelb gekleidet habe. Aufgrund des
schwankenden Gesundheitszustandes schwanke seine Arbeitsleistung von adäquat in
den stabilen Phasen, völliger Überdrehtheit in den manischen Phasen bis hin zur
Handlungsunfähigkeit in depressiven Phasen (IV-act. 123-8). Dem Austrittsbericht der
Psychiatrie H._ vom 6. November 2017 ist sodann zu entnehmen, dass der
Beigeladene im Verlauf ein deutlich vermindertes Schlafbedürfnis, eine hypomane
Stimmung, eine gesteigerte Aktivität, Gesprächigkeit und Geselligkeit entwickelt habe.
Sein Verhalten habe in der Patientengruppe und im Stationsalltag wiederholt zu
Irritationen und Störungen geführt. Der Beigeladene habe sich zunehmend teils
inadäquat witzig und theatralisch verhalten. Auch sein Erscheinungsbild sei auffällig
gewesen, z.B. habe er in der Morgenrunde einen Auftritt in einer Pelzjacke gehabt oder
ein nicht der Temperatur angemessenes weit ausgeschnittenes ärmelloses
neonfarbiges T-Shirt angezogen (IV-act. 18-4). Die IV-Eingliederungsberaterin hat in
ihrem Schlussbericht vom 15. Oktober 2020 festgehalten, dass der Beigeladene im
Anruf vom _ 2020 ohne Punkt und Komma und inhaltlich nicht mehr in der Realität
geredet habe. Er habe berichtet, dass er gehackt worden sei und ein sehr mächtiger
Mann ihn kontrolliere. Alle Menschen seien schizophren, nur er sei normal. Er fühle sich
richtig gut, schlafe aktuell noch ca. drei Stunden und es gehe ihm blendend. Er habe
wieder eine Freundin und die Frauen würden bei ihm Schlange stehen. Alle hätten das
Gefühl, er sei manisch. Aber weder seine Eltern noch seine Behandlerin hätten einen
Plan. Ihm gehe es endlich wieder gut und er habe Energie ohne Ende. Die
Eingliederungsverantwortliche ist sodann ebenfalls zum Schluss gekommen, dass
keine verwertbare Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehe (vgl. IV-act.
130-22). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass aufgrund des schwankenden
Verlaufs mit mehrfachen psychischen Dekompensationen und den teilweise seltsam
anmutenden Verhaltensweisen eine verwertbare Arbeitsfähigkeit zu verneinen ist, da
5.2.
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