Decision ID: ddd78a17-d569-4107-b3e5-0b415969f8b4
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1959
, war seit
Juli 1986 in einem 80
%
-Pensum
als
Pro
duktionsmitarbeiterin
tä
tig
(
Urk.
6/13/2-3
)
und meldete sich
am 1
9.
November 2007
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6
/2
)
.
D
ie Sozi
alversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte
erwerbliche und medizi
nische Abklärungen
und
holte
insbesondere
ein psychiatrisches Gutachten ein, welches am 3
0.
Dezember 2009
erstattet wurde (
Urk.
6/45)
. I
m Auftrag der IV-Stelle
fand
eine
orthopädische
Untersuchung durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD
) statt
(
Urk.
6/60). Mit Verfügung vom 1
0.
September 2010 vernein
te die IV-Stelle einen Renten
anspruch (
Urk.
6/62).
Mit Mitteilu
ng vom
4.
März 2011 (
Urk.
6/76)
gewährte die IV-Stelle die
mit Schreiben vom
1
5.
Oktober 2010 beantragte Arbeitsvermittlung (
Urk.
6/65), in deren Rahmen vom
2
9.
März 201
1
bis
2
8.
März 2012
eine
arbeitsmarkt
liche
Mass
nahme
stattfinden sollte, welche vorzeitig abgebrochen wurde (
Urk.
6/80
,
Urk.
6/85
).
1.2
Am
7.
September 2011 meldete sich die Versicherte erneut bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/82).
Am
9.
November 2012 fand im Auftrag der
IV-Stelle eine orthopädische und psychiatrische Untersuchung
durch den RAD statt
(
Urk.
6/101,
Urk.
6/102). Mit Verfügung vom 1
2.
Februar 2013 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch (
Urk.
6/113).
1.3
Auf eine erneute
Anmeldung am
1
3.
April 2015 (
Urk.
6/116)
trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
9.
Mai 2015
nicht
ein (
Urk.
6/122).
1.4
Am 1
4.
November 2016 meldete sich die Versicherte erneut bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/125).
Nach
erwerblichen und medizini
schen
Abklärungen
s
stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 2
8.
April 2017 in Aussicht, das Leistungsbegehren ab
zuweisen (
Urk.
6/135). Mit Einwä
nd
en
vom 2
6.
Juni 2017 beantragte die Versicherte, es sei eine polydisziplinäre Begutach
tung von der IV-Stelle in die Wege zu leiten (
Urk.
6/139). In der Folge holte
die IV-Stelle
bei der
Y._
AG, ein polydisziplinäres Gutachten ein, welches am 1
1.
Ja
nuar 2018 erstattet wurde (
Urk.
6/155).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/159,
Urk.
6/162,
Urk.
6/164
), verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
5.
Juni 2018 einen Rentenanspruch (
Urk.
2 =
Urk.
6/168).
2.
Die Versicherte erhob am 2
7.
August 2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
5.
Juni 2018 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und die IV-Stelle sei zu verpfl
ichten, sie
psychiatrisch begutachten zu lassen und
über den Anspruch auf eine
Rente
neu
zu verfügen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
3.
Oktober 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5).
Mit Eingabe vom 2
6.
Oktober 2018 (
Urk.
10) reichte die Beschwerdegegnerin einen Arztbericht ein (
Urk.
11). Das Sozialversicherungsge
richt ersuchte die
Y._
AG
am
1.
November 2018
um eine vertiefte
psychiat
rische
Stellungnahme (
Urk.
13), welche am
3.
Dezember 201
8 e
rstattet (
Urk.
14) und
der Beschwerdeführeri
n am
6.
Dezember 2018 zur Kenntnis gebracht wurde
(
Urk.
16).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 %
arbeitsunfähig gewesen
sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Stan
dardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1
.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt
jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.6
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung ist von Amtes wegen zu prüfen, ob seit der ersten Rentenverfügung zwischenzeitlich eine erneute materielle Prüfung des Rentenanspruchs stattgefunden hat. War dies nicht der Fall, so ist auf die Entwicklung der Verhältnisse seit der ersten Ablehnungsverfügung abzustellen; wie im Revisionsverfahren bleiben allfällige, vorangehende
Nichteintretensverfü
gungen
aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summarischen Begrün
dungsaufwandes der Verwaltung unbeachtlich. Erfolgte dagegen nach einer ers
ten Leistungsverweigerung eine erneute materielle Prüfung des geltend gemach
ten Rentenanspruchs und wurde dieser nach rechtskonformer Sachverhaltsabklä
rung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) abermals rechtskräftig verneint, muss sich die leistungsan
sprechende Person dieses Ergebnis – vorbehältlich der Rechtsprechung zur Wie
dererwägung oder prozessualen Revision (vgl. BGE 127 V 466 E. 2c mit Hinwei
sen) – bei einer weiteren Neuanmeldung entgegenhalten lassen (BGE 130 V 71 E. 3.2.3; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.3 f.).
1.7
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.8
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.9
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die abweisende Leistungsverfügung damit
(
Urk.
2), das im Januar 2018 erstellte
Gutachten
beantworte
die gestel
lten Fragen umfassend
und es bestehe aus ihrer Sicht weiterhin keine Arbeitsunfähigkeit. Der nachgereichte psychiatrische und rheumatologische Bericht erwähne keine neuen Diagnosen. Der Gesundheitszustand habe sich nicht verändert
,
weshalb sie an ihrem Entscheid festhalte (S. 2 oben).
2.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin ein (
Urk.
1)
, das psychiatrische T
eilgut
achten sei keine materiell schlüssige medizinische Entscheidungsgrundlage für die Beurteilung, ob von einer psychisch bedingten Leistungseinschränkung aus
zugehen sei, weshalb sich eine psychiatrische Neubegutachtung aufdränge
. Ihr psychischer Gesundheitszustand habe sich seit der letzten umfassenden Beurtei
lung objektiv verschlechtert, weshalb ein Revisionstatbestand gegeben sei (S. 4 oben).
Eine rezidivierende depressive Störung sei ausgewiesen (S. 8 oben).
2.3
Strittig und zu prüfen ist,
ob
der medizinische Sachverhalt
rechtsgenüglich
abgeklärt
wurde
beziehungsweise ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf Leis
tungen der Invalidenversicherung hat. Dabei steht fest, dass die Beschwerdegeg
nerin auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom 1
4.
November 2016 eingetreten ist (
Urk.
6/125). Zu prüfen ist somit, ob sich der massgebliche Sach
verhalt zwischen
der
letzten materiellen Prüfung, welcher der abweisenden Ver
fügung vom
1
2.
Februar 2013
zugrunde lag
(
Urk.
6/113)
,
und der angefochtenen Verfügung vom 2
5.
Juni 2018 (
Urk.
2) in einer für den Leistungsanspruch erheb
lichen Weise geändert hat.
3.
3.1
Med.
pract
.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in seinem Bericht vom 1
4.
September 2011
(
Urk.
6/88/1-2)
aus
, dass er die Beschwerdeführerin
seit 1
5.
März 2011 behandle (S. 1 oben)
,
und nannte die fol
genden Diagnosen (S. 2 oben):
-
Depression, Erstdiagnose (ED) 2007
-
Knieschmerzen beidseitig, seit 4 Jahren
-
Arthroskopie links
,
2007 im Spital
A._
-
lumbospondylogenes
bis
radi
k
uläres
Syndrom
-
substituierte Hypothyreose bei aktenanamnestisch
Thyroidetomie
, 2006
-
Ostechondrose
L3/4, auf Höhe L3/4 und L4/5 Kontakt zu Nervenwurzel L4 und L5 links, 2009
-
rechtskonvexe
thorakolumbale
Skoliose
-
Polyarthrose
-
Pangonarthrose
beidseitig mit Streckdefizit
-
Fingerpolyarthrose beidseitig
-
Periarthritis
humeroscapularis
beidseitig
-
cervikospondylogenes
Syndrom
-
Vitamin D3 Mangel, ED 2010
-
Adipositas
-
Depression im Rahmen der rheumatischen Beschwerden
-
Metatarsalgie
bei Knickfüssen beidseitig
-
Throphibildung
Zehengrundgelenk links (
Gichtarthristis
), 2008
-
Status nach HWS Distorsionstrauma, Autounfall 2004
-
erosive
Antrumgastritis
, HP positiv axiale
Hiatushernie
, 2009
-
Empty
S
ella
Syndrom
-
Vertebralis Hypop
lasie links, 2005
-
Hornersyndrom
links am ehesten im Rahmen von Unfall
im
2004,
com
motio
cerebri
Im Vordergrund stünden vor allem die Polyarthrose und Rückenbeschwerden (S.
1 oben). Bezüglich einer Beurteilung des Krankheitsverlaufs sei eine Stellung
nahme
schwierig, da er die Beschwerdeführerin
erst seit kurzem behandle. Insge
samt sei jedoch nach de
n Erläuterungen der Beschwerdeführerin
eher von einer Verschlechterung die Rede.
Der weitere Verlauf sei noch unklar und es frage sich, in wie weit eine definitive Beurteilung in der noch aktuellen postoperativen Phase Sinn mache.
Für eine Objektivierung der Arbeitsunfähigkeit beziehungsweise des Krankheitsverlaufs sei eine unabhängige medizinische und psychiatrische Beur
teilung wahrscheinlich sinnvoller (S. 1 Mitte).
3.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Neurologie, führte in seinem Bericht vom
7.
Oktober 2011
(
Urk.
6/87)
aus, dass er die Beschwerdeführerin seit Februar 2007 neuro-psychiatrisch behandle (S. 1 Mitte). Die psychischen Beschwerden und Symptome hätten in den letzten Jahren allmäh
lich zugenommen. Die Beschwer
deführerin
sei seit Jahren diversen belastenden Ereignissen ausgesetzt (S. 1 unten).
Beim therapieresistenten chronischen
Lumbovertebralsyndrom
habe sie sich im Mai 2011 einer Diskushernien-Operation unterzogen, welche die Beschwerden im Rücken- und Beinbereich nicht erheblich reduziert habe. Auch die erneute
O
peration der seit Jahren bestehenden Knieproblematik habe keine nennenswerte Besserung gebracht. Diese missglückten Operationen hätten eine eindeutige zusätzliche Verschlechterung des Gesundheitszustands verursacht
(S.
2 oben). Unter diesen Umständen bestehe seit mindestens einem Jahr eine ein
deutige Verschlechterung des psychischen Zustands. Die Belastbarkeit und Aus
dauer seien deutlich reduzierter. Sie sei vermehrt zerstreut, vergesslich und habe vermehrt Konzentrationsstörungen. Sie sei antriebsarm, freudlos, wirke äusserst ängstlich, unsicher, ratlos, affektlabil und habe
eine
deutlich reduzierte Vitalkraft. Bei diesen Beschwerden handle es sich um eine langdauernde sich verschlech
ternde mindestens mittelgradige depressive Störung (S. 2 Mitte).
Aus neuropsychiatrischer Sicht seien ihr seit einem Jahr in der freien Wirtschaft einfache, leichte und ihrem Gesundheitszustand entsprechende Tätigkeiten im Umfang von höchstens 30-40
%
zumutbar. Unter Berücksichtigung der Markt
verhältnisse sei sie für die freie Wirtschaft praktisch nicht mehr vermittlungsfähig (S. 2 unten).
3.3
Dr.
med.
C._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates
, führte in seinem Bericht vom
8.
November 2011 aus (
Urk.
6/91), er
habe die Beschwerdeführerin
vom
1.
Februar 2006 bis 2
6.
September 2011 ambulant behandelt (
Ziff.
1.2)
,
und nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach
arthroskopischem
S
having
bei fortgeschrittener
bik
ompartimentaler
Chondropathie
sowie medialer und lateraler
Teilmeniskektomie
und Entfernung von freien Gelenkskörpern bei
Synovitis
links. In wie weit die Migräne und Depression eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe, könne er nicht beurteilen (
Ziff.
1.1).
Am
1.
April 2007 sei eine Arthroskopie des linken Kniegelenks durchgeführt wor
den. Trotzdem bestünden therapieresistente Schmerzen
antero
-medial.
A
m 1
9.
August 2011 sei nochmals ein
arthroskopisches
Shaving
bei
Chondropathie
mit medialer und lateraler
Teilmeniskektomie
und Entfernung von freien Gelenkskörpern links vorgenommen worden. Postoperativ hätten die Schmerzen im linken Kniegelenk zugenommen und seien therapieresistent. Aufgrund des bisherigen Verlaufs und der fraglichen Schmerzverarbeitungsstörung sei die Prognose ungünstig (
Ziff.
1.4).
Vorwiegend stehend
e
und gehende Tätigkeiten mit Laufen auf unebenem Boden, Treppen, Le
itern und schrägen Ebenen,
häufigem Knien
,
sowie Heben und Tragen von Lasten von 5-10 Kilogramm seien nicht mehr vollumfänglich zumutbar.
Die Arbeitsfähigkeit müsse gutachterlich beur
teilt werden, da die Beschwerdeführerin
auch über Rückenschmerzen klage und offenbar wegen einer Migräne und Depression behandelt werde
(
Ziff.
1.7)
.
3.4
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.1
)
nannte in seinem Bericht vom 2
1.
November 2011 (
Urk.
6/92/6-8) die folgenden Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit (
lit
. A
Ziff.
1
):
-
Depression, ED 2007
-
lumbospondylogenes
bis
radi
ku
läres
Syndrom bei degenerativen Verän
derungen
-
Status nach
Fenestrierung
und Diskektomie L3/4 und L4/5 links am
3.
Mai 2011
-
rechtskonvexe
thorakolumbale
Skoliose
-
Polyarthrose
-
Pangonarthrose
beidseitig, Status nach wiederholter Arthroskopie zuletzt 2011
-
Fingerpolyarthrose beidseitig
-
Periarthritis
humeroscapularis
beidseitig
-
cervikospondylogenes
Syndrom
Die Beschwerdeführerin
leide unter
chronifizierten
Rücken- und Kniebeschwer
den sowie an einer zunehmenden depressiven Entwicklung. Die Prognose bezüg
lich der vollen Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sei wegen der Gesamtsituation (schlechte Ausbildung, geringe Deutschkenntnisse, mangelnde Berufsidentität, tiefe Eigenaktivität und
chronifiziertes
Leiden) weiterhin ungünstig. Aufgrund einer starken sub
jektiven Krankheitsüberzeugung und
unzureichender Deutsch
kenntnisse seien die Möglichkeiten für erfolgversprechende berufliche
Massnah
men eher ungünstig (S. 3
oben).
3.5
Dr.
med.
D._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates
, RAD, nannte in seinem Bericht vom
4.
Dezember 2012 (
Urk.
6/101) zur orthopädischen Untersuchung vom 1
9.
November 2012
,
die folgenden Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit
(S. 6 Mitte):
-
s
chmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung der LWS
-
ubiquitäre degenerative Veränderungen (MRI LWS vom
6.
Oktober und
5.
April 2011) mit
-
spinale
r
Stenose L4/5 mehr als L5/S1
-
Protrusionen
L4/5 mehr als L5/S1
-
geringer
Listhese
L3/4
-
Nervenwurzelirritation im
Foramen
L3/4 links
-
geringe rechts-konvexe LWS Skoliose
-
s
chmerzhafte Bewegun
gs- und Belastungseinschränkung, mehr des linken als des rechten
Kniegelenk
s
-
medial und retropatellar betonte Gonarthrose
,
links mehr als rechts (Röntgen vom
2.
Mai 2012)
-
Status nach therapeutischer Arthroskopie 2007 und 2010 linkes Knie
gelenk,
Omalgie
beidseits
-
AC-Gelenks-Arthrose beidseits mit intraartikulärer Verkalkung beid
seits, Mikroverkalkungen
Musculus
supraspinatus
beidseits und
Mus
culus
subscapularis
rechts (Sonographie vom 2
0.
September 2010)
-
cervikospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
leichte degenerative Veränderung der unteren HWS, diskrete
Retro
listhesis
C4/5
-
Fingergelenkspolyarthrose beidseits
-
diskrete degenerative Veränderungen beidseits (Röntgen vom 3
1.
August 2010)
-
Senk-Spreiz-Fuss beidseits mit
Hallux
Valgus
-
Adipositas per
magna
Das Ausmass der geklagten Schmerzen korreliere teilweise mit den Untersu
chungsbefunden. Es bestehe eine Einschränkung der Beweglichkeit und Druck
schmerzhaftigkeit beider Kniegelenke bei Gonarthrose. Die eingeschränkte
Belastbarkeit und Bewegungsfähigkeit der LWS sei aufgrund der Spinalkanalste
nose (Operation am
3.
Mai 2011) ebenfalls nachvollziehbar, sensomotorische Ausfälle bestünden jedoch nicht. Eine Bewegungseinschränkung der Schulterge
lenke habe bei dieser Untersuchung nicht festgestellt werden können. Eine leichte Belastungseinschränkung sei aufgrund der Arthrose der AC-Gelenke und der dis
kreten Kalkablagerungen möglich. Ein die Altersnorm übersteigender Befund liege jedoch nicht vor. Ebenso seien die morgendlichen Schmerzen und Mor
gensteifigkeit der Finger bei der röntgenologisch nachgewiesenen Arthrose plau
sibel und altersentsprechend
(
S. 6 unten, S. 7 oben).
B
ei der Beschwerdeführerin
sei ein Gesundheitsschaden ausgewiesen, der die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige. In ihrer bisherigen sitzenden Tätigkeit als
Waa
genmonteurin
bestehe weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. In angepasster Tätigkeit (mit körperlich leichter wechselbelastender Tätigkeit, ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastungen über 5 kg bis 10 kg, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufiges Treppensteigen, ohne wirbelsäulenbelastende und knie
gelenksbelastende Zwangshaltungen und Tätigkeiten
(
Bücken, Hocken, Knien, Überkopfarbeit, andauerndes Sitzen
)
, ohne häufiges Gehen auf unebenem Gelände, ohne andauernde Nässe-/Kälteexposition) bestehe eine quantitativ unveränderte Arbeitsfähigkeit (S. 7 unten). Es bestehe im Vergleich zu 2012 eine weitere qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, jedoch keine weitere quantitative Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit (S. 8 oben).
3.6
Dipl. med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Neurologie, RAD, nannte in seinem Bericht vom
4.
Dezember 2012 (
Urk.
6/102) zur
psychiatrischen
Unt
ersuchung vom 1
9.
November 2012
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 3 unten) eine chronische Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.20).
Zusätzlich bestün
den die somatischen Diagnosen nach Aktenlage, eine Migräne ohne Aura, Prob
leme in der Beziehung zum Ehepartner, Trennung, Scheidung und Schwierigkei
ten bei der kulturellen Eingewöhnung mit Ablehnung durch die
Schwiegerfamilie
(S. 3 unten, S. 4 oben).
Während der Exploration falle keine deutlich depressive St
immungslage bei der Beschwerdeführerin
auf. Sie
berichte
über verschiedene psychosoziale Probleme und über zeitweiliges
Traurigsein
infolge der Schmerzen und infolge der Ausei
nandersetzungen mit ihrem Ehemann. Diese
s
halte jedoch nur zirka 15 Minuten an, dann würde die Stimmung wieder in einen normalen Zustand zurückkehren, sodass nicht von einer länger dauernden depressiven Stimmungslage ausgegan
gen werden könne. Auffallend seien jedoch die seit vielen Jahren angegebenen
Schmerzen, welche scheinbar nicht auf die bisherigen therapeutischen Interven
tionen genügend angesprochen hätten. Eine psychische Komorbidität von erheb
licher Dauer und Schwere lasse sich jedoch auch im Verlauf nicht feststellen. Es lägen verschiedenste psychosoziale Belastungen vor. Ein primärer Krankheitsge
winn werde im Rahme
n
der Exploration nicht ersichtlich. Ein ausgeprägter sozi
aler Rückzug könne nicht festgestellt werden. Einzig seien die bisherigen Behand
lungen scheinbar nicht erfolgr
eich gewesen, um die Beschwerdeführerin
schmerz
frei zu bekommen. Auf der a
nderen Seite sei die Beschwerdeführerin
durchaus in der Lage, ihren Haushalt zu bewerkstelligen und längere Spaziergänge zu unter
nehmen. Beeinträchtigend wirke die fixierte Krankheitsüberzeugun
g der Beschwerdeführerin
, welche sicherlich neben der fehlenden Introspektionsfähig
keit bei unterdurchschnittlicher Intelligenz die Überwindbarkeit erschwere
. Auf
grund des niedrigen Medikamentenspiegels sei weder eine ausreichende analge
tische noch psychopharmakologische Behandlung vorhanden (S. 5 oben).
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei sicherlich auch im Rahmen der körperlichen Befunde eine leichte Verschl
echterung eingetreten. Es könne
nun von einer chro
nischen Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.20) gesprochen werden, da das Ausmass der Schmerzen nicht nachvollzieh
bar bleibe und eine Schmerzausweitung bestehe. Hinweise für eine depressive Störung hätten sich nicht finden lassen, das gezeigte Verhalten sei als normale Reaktion auf Schmerzen und psychosoziale Belastungen anzunehmen. Infolge der Schmerzstörung könne ein Leistungsabzug von 20
%
wegen vermehrten Pausen in angepasster Tätigkeit ge
währt werden. Da die Beschwerdeführerin
die Medika
mente nicht nach Vorschrift einnehme, sei durch eine Verbesserung der Therapie theoretisch eine Verbesserung
zu erwarten, da die Beschwerdeführerin
jedoch eine ausgeprägte und fixierte Krankheitsüberzeugung habe, sei dies nicht wahr
scheinlich (S. 5 unten).
3.
7
Die IV-Stelle stellte auf die von den RAD-Ärzten
Dr.
D._
und
Dr.
E._
(vor
stehend E. 3.5 und E. 3.6
) beurteilte Arbeitsfähigkeit ab (
Urk.
6/104 S. 7-9). In der angestammten Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin/
Waagenmonteurin
bestehe seit April 2007 und weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
In angepasster Tätigkeit (mit körperlich leichter wechselbelastender Tätigkeit, ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastungen über 5 kg bis 10 kg, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufiges Treppensteigen, ohne wirbelsäulenbelastende und knie
gelenksbelastende Zwangshaltungen und Tätigkeiten (Bücken, Hocken, Knien, Überkopfarbeit, andauerndes Sitzen), ohne häufiges Gehen auf unebenem Gelände
,
ohne andauernde Nässe-/Kälteexposition
)
bestehe eine quantitativ unveränderte Arbeitsfähigkeit
von
80
%
bei vollem Stundenpensum. Es bestehe im Vergleich zu 2010 eine weitere qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit,
jedoch keine weitere quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Den Inva
lidi
tätsgrad ermittelte sie anhand e
ines Einkommensvergleichs. Für die Ermitt
lung des
Valideneinkommens
stützte sie s
ich auf das von der Beschwerdeführerin
im 80
%
-Pensum erzielte Einkommen unter Berücksichtigung der Einkommens
entwicklung. Das Invalideneinkommen berechnete sie anhand des Tabellenlohns des Bundesamtes für Statistik für Hilfsarb
eiten in dem für die Beschwerdeführerin
zumutbaren 80
%-Pensum. Da davon ausgegangen werde, dass auf dem ausgegli
chenen Arbeitsmarkt ein genügend breites Spektrum an Verweistätigkeiten bestehe, seien keine leidensbedingten Abzüge möglich. Im Ergebnis errechnete sie einen Invaliditätsgrad von rund 20
%
und wies das Leistungsbegehren ab (S. 8).
4.
4.1
Med.
pract
.
F._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie,
G._
,
nannte in ihrem Bericht vom 2
7.
Januar 2016 (
Urk.
6/140/3-4) zu dem am Vortag erfolgten Vorgespräch
,
die folgenden Diagnosen (S. 4 unten):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10 F33.2)
-
Verdacht auf eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit somati
schen und psychischen Anteilen (ICD-10 F45.4)
-
Verdacht auf eine Persönlichkeitsakzentuierung, Persönlichkeitsstörung mit vermeiden selbstunsicheren und abhängigen Anteilen (ICD-10 F61.0)
Es zeige sich eine schwer leidende und schwer kranke Frau mit einer rezidivie
renden depressiven Symptomatik im Vordergrund stehend, wobei mittlerweile von einer
Chronifizierung
auszugehen sei. Zusätzlich lägen multiple somatische Beeinträchtigungen vor, mit dem Verdacht auf eine Schmerzstörung. Zugrunde
liegend sei jedoch ein strukturelles Defizit zu vermuten aufgrund von frühere
r Deprivation und Aufwachsen in
schwierigen Lebensverhältnissen.
Die Persön
lichkeitsstruktur sei mit abhängigen und vermeidend selbstunsicheren Anteilen zu vermuten und müsse im weiteren Verlauf genauer abgeklärt werden.
Aufgrund der sprachlichen Schwierigkeiten wie auch einer eingeschränkten Reflexions- wie auch Introspektionsfähigkeit mit einer mittlerweile deutlichen
Chronifizie
rung
und auch teilweiser Aggravation sei ein aktueller Aufenthalt auf einer Psy
chotherapiestation eher unrealistisch
(S. 4 unten).
4.2
Die Fachpersonen der
P
sychiatrischen Klinik
H._
nannten in ihrem Kurzaustrittsbericht vom
8.
Juni 2016 (
Urk.
6/140/5-7) zur stationären Behand
lung vom 1
5.
März 2016 bis
7.
Juni 2016 die folgenden Diagnosen (S. 5 Mitte):
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.4)
Die Beschwerdeführerin habe sich während der stationären Behandlung gut psy
chisch stabilisieren können, bei Austritt bestehe eine aufgehellte Stimmungslage sowie eine deutliche Reduktion der Schmerzen (S. 6 unten).
4.3
Die Fachpersonen des
I._
nannten in ihrem Bericht vom 1
2.
Oktober 2016 (
Urk.
6/123/6-12)
die folgenden, hier ver
kürzt aufgeführten, Diagnosen
(S. 6 f.):
-
posttraumatisches
cervikozephales
Syndrom
-
lumbovertebrales
und
lumboradikuläres
Syndrom
-
Periarthropathia
humeroscalpularis
beidseitig
-
Periarthropathia
Genu
-
Fingergelenkspolyarthrose
-
Druckschmerzhaftigkeit und leichte Schwellung des Zehengrundgelenks links (Gichtarthritis) ohne erkennbare
Trophi
-Bildung an den klassischen Orten
-
Metatarsalgien
-
Migräne
-
Status nach tubulärem Adenom
-
Status nach
Thyroidektomie
, August 2006
-
Status nach Varizenoperation, 2005
-
Status nach
Nasenseptumplastik
, April 2006
-
Gastroösophageale
Refluxkrankheit
-
Vitamin D-Mangel
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1)
-
Adipositas
Aus psychiatrischer Sicht bestehe subjektiv
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, auch in angepasster Tätigkeit. Das positive Leistungsbild beinhalte Sitzen für zirka 30 Minuten, nur leichte Mithilfe im Haushalt (Geschirrspüler
ein- und aus
räumen)
. Das negative Leistungsbild beinhalte Autofahren maximal 2 bis 3 Minuten zum Laden, Spazieren zirka 400 Meter (nur flach, langsamer werdend), Stehen nur mit Anlehnen, Treppenlaufen nach unten schmerzhaft, kein Bücken, kein Knien, keine Überkopfarbeiten (Schwindel), nur kurze Konzentration (werde aggressiv und nervös), kein Stress (wenig Mens
chen, kein Lärm). Die objektiv
e Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ergebe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für angepasste Tätigkeiten aufgrund der neuropsychologisch bestätigten Depression,
der restlichen Diagnosen und aufgrund des positiven und negativen Leistungs
bild
es sowie der Fremdanamnese (S. 11 unt
en).
Aus orthopädisch-chirurgischer Sicht könne für leichte Arbeit keine Arbeitsun
fähigkeit attestiert werden (S. 11 unten)
.
Aus Wirbelsäule-chirurgischer Sicht könne der Patientin aufgrund der komplexen Problematik mit multiplen Problemen am Bewegungsapparat zurzeit und bis auf weiteres keine Tätigkeit zugemutet werden (S. 11 unten).
Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, auch für angepasste Tätigkeiten. Aus psychiatrischer Sicht sei kein Rehabilitationspotenzial ersichtlich. Aus somati
scher Sicht wäre für die Kniegelenke eine Gewichtsreduktion entscheiden
d
(S. 12 oben).
4
.4
Die Fachpersonen des
I._
führten in ihrem Bericht vom 2
3.
Januar 2017
(
Urk.
6/132)
aus
, dass sie die Beschwerdeführerin
seit
3.
Januar 2017 behandelt hätten
(
Ziff.
1.2), und nannten aus somatischer Sicht dieselben Diagnosen wie im Bericht vom Oktober 2016 (vor
stehend E. 4.3
) sowie
eine arterielle Hypertonie. Aus psychiatrischer Sicht nannten sie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10, F33.1) bei einem Zustand nach schweren Depressionen mit Suizidversuch 2016 und eine Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01
;
S. 6 f.).
Die
Beschwerdeführerin
könne höchstens 30 Minuten sitzen, zirka 400 Meter Spa
zierengehen, Stehen nur mit Anlehnen, kein Bücken, kein Hochheben, kein Über
kopf-Arbeiten (Schwindel), nur kurze Konzentrationsfähigkeit (werde aggressiv und nervös), kein Stress (Lärm mache sie aggressiv, nervös und führe zu Kopf
schmerzen), Angst vor vielen Menschen (sozialer Rückzug, sie gehe kaum aus dem Haus
)
. Es bestünden keine geistigen Einschränkungen (S. 8 unten).
Aufgrund der neuropsychologisch bestätigten Depression und der restlichen Diagnosen bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit auch für angepasste Tätig
keiten (S. 9 oben).
4.5
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Chirurgie, führte in seinem Bericht vom 2
7.
Januar 2017
aus (
Urk.
6/130), dass er die Beschwerdeführerin
seit
6.
Juli 2016 behandle (
Ziff.
1.2), und nannte die folgen
den, hier verkürzt aufgeführten
Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
posttraumatisches und weitgehend therapieresistentes,
cervicocephales
Schmerzsyndrom, mit wiederholten Exazerbationen in Migräne-
Kopf
schmerzen, bei Status nach Au
tounfall 2004
-
Migräne
-
cervicocephales
Syndrom
-
lumbovertebrales
und
lumboradikuläres
Syndrom
-
Periarthropathia
humeroscalpularis
beidseitig
-
Periarthropathia
Genu
-
Fingergelenkspolyarthrose
-
Metatarsalgien
-
Status nach tubulärem Adenom
-
Status nach
Thyroidektomie
, August 2006
-
g
astroösophageale
Refluxkrankheit
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1)
-
Adipositas
-
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung
Aufgrund der vor allem belastungsunabhängigen Beschwerden einerseits sowie der gehäuft auftr
etenden Migräneattacken (bis 3 M
al pro
Woche) bei chronischer Migräne
und der Tatsache, dass die Beschwerden bis jetzt trotz intensiver kon
servativer Behandlung und Medikation therapieresiste
nt seien, könne der Beschwerdeführerin
zurzeit und bis auf weiteres keine Tätigkeit zugemutet wer
den (
Ziff.
1.7).
4.6
Dr.
med.
K._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Rheu
matologie, nannte in ihrem Bericht vom 1
6.
Oktober 2017 (
Urk.
6/165) zur rheu
matologischen Untersuchung vom 2
2.
September 2017 die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
chronisches
cervico
-und
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
-
Status nach Distorsionstrauma der HWS mit Commotio cerebri am
2.
Dezember 2010
-
segmentale Dysfunktion der HWS und BWS
-
Iliosakralgelenk
-Dysfunktion rechts
-
Myogelosen
-
d
egenerative Veränderungen der HWS mit
Discusprotrusionen
und
Unkovertebralarthrosen
C4-C6 mit Spinalkanalenge ohne Anhalt
für
Myelonkompression
. Mässige bis schwere
N
eurofor
aminale
am linken C5-C6 beidseitig mit Verdacht auf
Nervenwurzelkompression C6 links. Fortgeschrittene degenerative Veränderungen
auf Höhe LWK 3 - LWK 5 mit
rezessale
r
Einengung und möglicher Affektion der
Nervenwurzel L4 und L5 rechts.
-
c
hronische Polyarthralgien unklarer Genese
-
Differenttialdiagnose
(DD)
bei Diagnose 3
-
Polyarthrosen
-
c
hronisches generalisiertes Schmerzsyndrom, DD Fibromyalgie
-
c
raniomandibuläre
Dysfunktion
-
chronische Knieschmerzen beidseitig
linksbetont
-
Status nach Arth
roskopie Kniegelenk links vom 2
5.
April
2007
-
Status
nach Arthroskopie Knie links vom
2.
Dezember
2010
-
f
ortgeschrittene
Varusgonarthrose
rechts betont
-
Verdacht auf
Schlafapnoesyndrom
-
Migräne
-
r
ezidivierende depressive Störung gegenwärtig mittelgradige depressive Episode
-
Adipositas
-
Hypothyreose bei
Status nach
Thyreoidektomie
vom August
2006
Bei der Beschwerdeführerin bestehe eine multifaktorielle Schmerzsymptomatik. Die Ursache der chronischen Polyarthralgien sei unklar. Klinisch bestehe ein Ver
dacht auf ein chronisches generalisiertes Schmerzsyndrom, am ehesten Fibromy
algie (S. 3 oben).
4
.7
Die Ärzte der
Y._
AG erstatteten im Auftrag der Beschwerdegegnerin am 1
1.
Januar 2018 ein polydisziplinäres Gutachten (
Urk.
6/155/3-
74
). Sie stützten sich auf die ihnen überlassenen Akten (S.
2
ff.), die Angaben der Beschwerdefüh
rerin (S.
18
ff.) und ihre am 4., 1
6.
und 1
8.
September 2017
erhobenen
internis
tischen (S.
18 ff.
), neurologischen (S.
23
ff.), rheumatologischen (S.
33
ff.) und psychiatrischen (S.
43
ff.) Befunde. Sie nannten
die folgenden Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 5
8
unten
Ziff.
III 1
):
-
medial betonte Gonarthrose beidseits
, mit Knorpelglatzen
,
Kellgren
-Law
rence Grad 3-4 beidseits
-
degenerative Veränderungen
MTP
beidseits im Sinne einer Grosszehen
arthrose
und degenerative Veränderungen des
Lisfranc
-Gelenkes rechts bei Überlastung im Rahmen der Adipositas
-
degenerative spinale Veränderungen ohne ausreichendes klinisches Kor
relat
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine
Mig
räne ohne Aura und
ein
en
Ana
lgetika-induzierte
n
Kopfschmerz, ein mögliches
Restless
-
Legs
-Syndrom, eine arterielle Hypertonie, eine Adipositas Grad II und ein
en
Diabetes mellitus Typ 2
(S. 59 oben).
Die Beschwerdeführerin trage keine namhaften internistischen Beschwerden vor.
S
ie reklamiere im Vordergrund stehend Beschwerden der Gelenke sowie psychi
atrische Beschwerden. Die bei der internistischen Untersuchung erhobene Diskre
panz zwischen reklamierter nahezu maximaler Schmerzintensität und der nicht namhaft gestörten spontanen Mobilität sowie dem klinisch nicht namhaft schmerzgeplagten Eindruck spreche für eine Aggravation. Aus internistischer Sicht sei zumindest in körperlich leichten Tätigkeiten, wechselbelastenden oder überwiegend sitzenden Tätigkeiten somit keine Arbeitsunfähigkeit zu attestieren (S. 22 unten)
.
Der neurologische Befund sei ohne behinderungsrelevante Auffälligkeit
. Die spontane Mobilität imponiere regelrecht und widerspreche der reklamierten Beeinträchtigung
(S. 30 Mitte). Zusammengefasst seien aus neurologischer Sicht bei Status nach lumbaler Operation berufliche Tätigkeiten, welche mit dem Heben und Tragen schwerer Lasten und
lumbovertebralen
Zwangshaltungen verbunden seien, nicht geeignet. Für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ohne häufige Zwangshaltungen der Wirbelsäule bestehe aus neurologischer Sicht keine Min
derung der Arbeitsfähigkeit. Notwendig sei eine Gewichtsreduktion zur Entlas
tung der Wirbelsäule (S. 31 Mitte).
In der klinisch-rheumato
logischen Untersuchung hätten sich eine gute spontane Mobilität und kein konsistent schmerzgeplagter Eindruck gezeigt.
D
ie
Wadde
l
l
-Zeichen (Zeichen einer nicht plausiblen Präsentation von Einschränkungen und Beschwerden) seien positiv
(
S. 42 oben). Im MRI der Gelenke hätten sich ausge
prägte Gonarthrosen und degenerative Zeichen der Mittelfuss- und Grosszehen
gelenke gezeigt. Notwendig sei somit vorrangig die Gewichtsreduktion (S. 42 Mitte). Die degenerativen spinalen und die genannten Gelenke betreffenden Alte
rationen seien nicht umkehrbar (eine Progredienz jedoch durch eine Gewichtsre
duktion aufhaltbar) und würden eine qualitative Minderung der Arbeitsfähigkeit mit einem Ausschluss körperlich schwerer Arbeit und von überwiegend gehend und stehend oder kniend ausgeübten Tätigkeiten bedingen. Darüber hinaus wür
den sich keine Limitationen ergeben. Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Waa
genmonteurin
sei eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
aus rheumatologischer Sicht zu attestieren (S. 42 unten)
.
In der psychiatrischen Untersuchung habe die Beschwerdeführerin vorrangig von einem Ganzkörperschmerzsyndrom mit höchster Schmerzintensität und daneben
von Freud-, Lust- und Antriebslosigkeit, affektive
r
Irritabilität, Ängste
n
, Unruhe sowie weitere
r
kognitive
n
und vegetative
n
Beeinträchtigung
en
berichtet. Deutlich diskrepant zum Beschwerdevortrag seien im erhobenen psychiatrischen Befund keine erheblichen Beeinträchtigungen zu objektivieren, insbesondere seien Stim
mung, Antrieb und affektive Schwingungsfähigkeit weitgehend unbeeinträchtigt, sodass ein depressives Syndrom nicht (zumindest nicht mehr) zu diagnostizieren sei. Die Beschwerdeführerin habe diesbezüglich einen nicht rezidivierenden Ver
lauf seit 2007 berichtet und Phasen von Remission verneint. Ein rezidivierendes Erkrankungsgeschehen sei somit nicht nachzuzeichnen (S. 47 unten). Auch eine somatoforme Schmerzstörung sei nicht mit der gebotenen Wahrscheinlichkeit zu diagnostizieren. So sei ein den reklamierten Schmerzen zu Grunde liegender erheblicher unbewältigter seelischer oder psychosozialer Konflikt anamnestisch nicht herauszuarbeiten und eine ICD-10-konforme Diagnosestellung somit nicht möglich. Auch wirke die Beschwerdeführerin in der Untersuchung nicht namhaft schmerzgeplagt. Die berichtete Angst in öffentlichen Verkehrsmitteln sei ohne erkennbaren namhaft behindernden Effekt
und ehedem einfach behandelbar (S. 48 oben).
Aktenkundig sei im J
anuar 2017 (vgl. vorstehend E. 4.4
) eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig mittelgradiger depressiver Episode sowie eine Agoraphobie mit Panikstörung diagnostiziert worden. Angesichts des jetzi
gen Befunds sei die im Bericht erwogene mittelgradige depressive Episode nicht mehr zu bestätigen und es sei von einem guten Therapieerfolg auszugehen. 2016 sei eine
schwergradige
depressive Symptomatik mit
Chronifizierung
beschrie
ben worden (vgl. vorstehend E. 4.1
). Ein erhebliches depressives Syndrom sei aber nicht mehr zu objektivieren, da die geforderten ICD-10 Achsenkriterien (vitale Traurigkeit, Antriebs- und Interessenverlust) nicht erfüllt seien. Dementsprechend sei auch die Annahme einer
Chronifizierungstendenz
der aktenkundig diagnosti
zierten depressiven Störung
nicht aufrechtzuerhalten und eher von einem guten Therapieerfolg aus
zugehen (S. 48 f.
).
In Zusammenfassung aller Teilgutachten seien die Gutachter gemeinsam zu dem Schluss gekommen, die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten sowie jedweder vergleichbaren Tätigkeit oder auch einer anderen, körperlich leichten, wechselbelastend oder überwiegend sitzend ausgeübten Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarkts sei nicht als überwiegend wahrscheinlich limitiert anzusehen, da die hierfür notwendigen objektiven klinischen Störungs
befunde sowohl somatisch als auch psychiatrisch fehlen würden. Die spontane Mobilität wirke gut erhalten, die Beschwerdeführerin nicht namhaft schmerzge
plagt und der psychiatrische Befund belege keine namhafte Depressivität oder anderweitige invalidisierende psychische Beeinträchtigung. Anamnestisch
scheine zudem eine erhaltene Aktivität, soziale Einbindung, Selbstversorgung und Selbständigkeit vorhanden zu sein, was die Annahme einer Arbeitsfähigkeit auf der Ebene alltagsrelevanter Indikatoren stütze (S. 49 unten).
Die Diskrepanz zwischen der reklamierten maximalen ubiquitären Schmerzinten
sität und dem nicht konsistent schmerzgeplagten Eindruck sowie die Diskrepanz zwi
schen den formalen Bewegungsprob
en dargebotenen Einschränkungen und der deutlich besseren spontanen Beweglichkeit spreche für eine erhebliche, bewusstseinsnahe demonstrative Darbietung von Einschränkungen und Besc
hwerden (S. 49 f.
).
Des Weiteren machten die Gutachter auf die seit 2007 uneinheitlichen und strei
tigen Bewertungen der psychiatrischen Beeinträchtigung
aufmerksam
(S. 50 oben), so dass sich kein ausreichendes Bild hinsichtlich des Ausmasses einer mög
lichen früheren depressiven Beeinträchtigung und deren Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit ergebe (S. 62 oben).
Der jetzige Befund korreliere mit dem Entlassungs
befund vom
Juni 2016 (vgl. vorstehend E. 4.2
). Es dürfe hier also durchaus auch aktenkundig von einer Besserung ausgegangen werden (S. 53 oben).
Die somatischen Bewertungen der Arbeitsfähigkeit seien widersprüchlich und würden nicht erkennbar ausreichend auf objektiven klinischen Befunden fussen
.
Die Bewertung gelte somit spätestens ex
nunc
(S. 62 Mitte).
Der aktenkundigen somatischen Einschätzung hätten sich die Gutachter nicht anschliessen können, da die letzte Tätigkeit bei der Begutachtung als körperlich leicht und überwiegend
sitzend ausgeübt angegeben worden sei
(S. 55 oben). Die vormals auf 80
%
redu
zierte Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten lasse sich schwerlich nachvoll
ziehen. Aus Sicht der Gutachter seien die degenerativen spinalen und die Gelenke betreffenden bildgebenden Befunde zweifelsfrei gegeben, jedoch schon aufgrund der bekannten schwachen Korrelation mit klinischen Befunden mit eben diesen kritisch abzugleichen. Hier ergebe sich eher eine lediglich qualitative Eingrenzung der Arbeitsfähigkeit (S. 54 oben).
Zu den von der Beschwerdegegnerin gestellten Fragen äusserten sich die Gutach
ter dahingehend, dass die Arthrosen
und degenerativen spinalen Veränderungen
e
ine reduzierte Belastbarkeit für körperlich schwere und überwiegend gehend und stehend auszuübende sowie kniende Arbeiten
bedingen würden
(S. 56 unten).
Anamnestisch bestünden eine erhaltene Selbständigkeit, Selbstversorgung, sozi
ale Integration und Aktivität. Die Ressourcen für eine angepasste Arbeitstät
igkeit seien also gegeben (S. 57
unten).
Des
Weiteren wiesen sie bezüglich des Gesichts
punkt
s
der Konsistenz erneut auf die bereits erwähnten Diskrepanzen hin (S. 60 unten). Aufgrund der uneinheitlichen und streitigen Bewertungen einer mögli
chen früheren depressiven Beeinträchtigung und der widersprüchlichen, nicht
erkennbar ausreichend auf objektiven klinischen Befunden gründenden somati
schen Bewertungen sei eine retrospektive Bestimmung der Arbeitsfähigkeit seit 2012 nicht ausreichend wahrscheinlich möglich (S. 64 oben).
Bereits vor 2012 sei eine derart erhebliche Uneinheitlichkeit zu erkennen, dass auch nach 2012 keine definitive invalidisierende Depressivität mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen werden könne. Es sei aktenkundig jedoch letztlich auch eine lang
fristige psychiatrische Behandlung unter der Diagnose einer depressiven Episode erfolgt, was zumindest eine passagere psychiatrische Erkrankung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit als möglich erscheinen lasse. Eine vor der jetzigen Begutach
tung bestehende, erhebliche depressive Störung sei also ebenso möglich wie die Annahme eines objektiv unveränderten Zustands, der nunmehr insbesondere unter Berücksichtigung der Indikatoren sowie einer Plausibilitätsprüfung der reklamierten Beschwerden lediglich anders bewertet werde (S. 69 unten, S. 70 oben).
4.8
RAD-
Arzt
Dr.
D._
(vorstehend E. 3.5
)
führte in seiner Stellungnahme vom 2
9.
Januar 2018 (
Urk.
6/166 S. 4 f.) aus, die von der Beschwerdegegnerin gestell
ten Fragen seien im polydisziplinären
Y._
-Gutachten umfassend beantwortet worden
,
und
er bestätigte die im Gutachten attestierte volle
Arbeitsfähigkeit in angestammt
er und angepasster Tätigkeit (S. 4 f.).
4.9
Die Fachpersonen
des
I._
erstatteten am 2
3.
Mai 2018 (
Urk.
11) einen Bericht und nahmen Stellung zum psychiatrischen Teilgutachten der
Y._
AG. Als psychiatrische Diagnose (S. 1 oben) nannten sie eine rezidivierende Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1).
Der psychiatrische Gutachter habe Schmerzen, Freudunfähigkeit, Traurigkeit, Rückzug, Empfindlichkeit, Reizbarkeit, Gedankenkreisen und Vergesslichkeit als Symptome festgestellt (vgl.
Urk.
6/155/3-74
S. 43). Schlussendlich habe er diese subjektiven Angaben in den psychiatrischen Befund
en
dann aber negiert. Mit der anekd
otischen, invaliden Methode des 3-Begriffe-Tests sowie des Subtraktions
tests werde keine Gedächtnisstörung und keine Konzentrationsstörung behauptet. Im Alltag verlege die Beschwerdeführerin
allerdings viele Gegenstände, finde die Medikamente nicht, vergesse
Namen von Kolleginnen, vergesse
den Herd aus
zuschalten und kontrolliere die Türe 5 bis 6 Mal. Woher die Meinung, dass keine Fehlhandlungen mit Schadensfolgen vorhanden seien (
vgl.
Urk.
6/155/3-74
S.
43)
,
komme, sei unklar. In der Zeitung könne sie wegen den Konzentrationsstö
rungen nur Bilder anschauen, TV sei nur kurze Zeit nachvollziehbar und der Inhalt werde nicht richtig verstanden. Dazu seien die Leitsymptome der Depres
sion gar nicht erfragt worden (depressive Stimmung, Lust- und Interessenlosig
keit, Antriebslosigkeit). Mit dieser oberflächlichen Befragung und den dazu fal
schen Behauptungen könne daher keine psychiatrische Diagnose gestellt werden (S. 1). Des Weiteren führten sie die im Bericht vom
Oktober 2016
genannten somatischen Dia
gnosen auf (vgl. vorstehend E. 4.3
). Die rezidivierende depressive Episode bestehe seit 2007, wobei es anfangs noch Remissionen
gegeben habe. Es lägen
eine deutliche depressive Stimmung, deutlicher Interessenverlust und eine deutliche Antriebsminderung sowie ein vollständiger Verlust von Selbstver
trauen
, Schuldgefühle, Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit vor (S. 3 oben).
Die Beschwerdeführerin leide unter chronischen Schmerzen und verfüge kaum über Bewältigungsmöglichkeiten
,
um die Schmerzen zu überwinden. Die Störung sei seit Jahren
chronifiziert
, die Beschwerdeführerin resigniere unter Verlust vie
ler vitaler Funktionen und kleinste Anforderungen würde
n
eine Überforderung im Alltag darstellen, so dass die Belastbarkeit praktisch nicht mehr vorhanden sei (S. 4 oben).
Der psychiatrische Gutachter habe sich ungenügend um die Symptomatik der Beschwerdeführerin gekümmert und diese nur sehr rudimentär erfasst und habe dann vor allem in seinem Gusto interpretiert. Die gutachterliche Sichtweise sei selektiv, beschönigend und in den Schlussfolgerungen nicht valide (S. 4 Mitte).
Die Ressourcen der Beschwerdeführerin seien bis auf die Körperhygiene praktisch erloschen, sie liege vor allem durch den Tag, fahre kein Auto und habe keine Aussenkontakte ausser zur Schwester. Das Denken sei stark
pers
evierend
,
abulisch
und regressi
v. Daher seien die Ressourcen selten und nur unter sehr grossen Anstrengungen verfügbar und würde
n
sich auf das Wenigste beschränken
S. 4 unten).
4.
10
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Y._
AG,
erstattete am
3.
Dezember 2018 (
Urk.
14) im Auftrag des Gerichts eine
gutacher
liche
Stellungnahme
zu den kritischen Anmerkungen der Fachpersonen des
I._
(
S. 1 Mitte).
Dr.
L._
führte aus
,
er habe eine ausführliche und detailreiche Anamnese sowie ein
en
de
n AMDP-Regularien entsprechenden
Befund erhoben. Insoweit vom behandelnden Psychiater und Psychotherapeuten nunmehr andere, ergänzende oder abweichende Angaben gemacht werden, ändere dies aus
seiner
Sicht nichts an seiner seinerzeit erfolgten ausführlichen Erhebung (S. 2 unten). Der wesentli
che Vergleichspunkt
subjektiver Klagen sei der Befund des Untersuchers. Er habe dabei in seiner Beurteilung aus seiner Sicht auch eine dementsprechende tren
nende und übersichtliche Gegenüberstellung von subjektiven Klagen und erho
benen Befunden vorgenommen und seine Konklusionen auf diesem Vergleich
aufgebaut. Die Einwendung seitens des
behandelnden Psychiaters und Psycholo
gen scheine dieses für eine versicherungsmedizinische Bewertung ei
gentlich als zentral angesehene
Vorgehen durch eine Vermischung von anamnestischen und Befunddaten eher zu vermischen
(S.
3 oben)
.
D
ie AMDP-Befund-Kriterien
definierten
die unterliegenden Einzelparameter teils als «subjektiv», teils als «objektiv» und teils auch - dual/bivalent - als «su
bjektiv und objektiv»
, was der dem Fachgebiet der Psychiatrie eigenen Besonderheit einer im Vergleich zu somatischen Fachgebieten schwierigeren Abgrenzung «rein objektiver Befund» zuzurechnen sei. Das Mass der Übereinstimmung zwischen verschiedenen Untersuchern sei in der Psychiatrie notorisch niedrig, sodass selbst für wesentliche psychiatrische Diagnosen (wie z.B. depressive Episoden) derart unbefriedigende Übereinstimmungswerte berichtet seien, dass eine Vergleichbar
keit von Befunden erschwert werde und es zumindest wenig ratsam oder sachlich erscheine, Befunde anderer Untersucher als falsch oder mangelhaft gründlich zu qualifizieren, nur weil sie sich nicht
mit
dem eigenen Befund in Einklang bringen lassen würden
. Es sei darauf hinzuweisen, dass die wesentlichen AMDP-Befund-Einzelparameter depressiver und anderer wesentlicher Syndrome zumindest dual/bivalent definiert seien, sodass in wesentlichen Kernkriterien auch ein eigenständige
r
eigene
r
Eindruck des Untersuchers als relevant angesehen werde. Würde man sich allein auf den subjektiven Beschwerdevortrag stützen oder die
sen lediglich passiv protokollieren, wäre eine eigenständige psychiatrische Beur
teilung schliesslich überflüssig, was kaum ernsthaft in Betracht kommen könne (S. 3 Mitte).
Der Vergleich der
Befunde ergebe auch Übereinstimmungen. Die Beschwerdefüh
rerin werde übereinstimmend als unruhig und angespannt beschrieben und eine bedrückte Stimmung und Insuff
izienzerleben werde referiert. I
m Befund des behandelnden Psychiaters und Psychologen werde keine Prüfung des Antriebs referiert, was verwundere, da diese zu den drei Achsenkriterien depressiver Syn
drome gehöre. Ebenso wenig würden die im Befund beschriebenen Ängste refe
riert (S. 4 oben).
Die in dem Einwand berichtete diagnostische Schlussfolgerung einer
chronifizier
ten
, nicht mehr besserbaren mittelgradigen depressiven Episode sei aus Sicht von
Dr.
L._
nicht ausreichend gestützt, insbesondere auch nicht ein fa
st kompletter Funktionsverlust
, da hierfür im AMDP-Befund eine gravierende Antriebshem
mung zu fordern gewesen wäre
, um die Angaben plausibel zu machen. Psycho
pathologisch objektivierbare Einschränkungen, die den anamnestisch von der Beschwerdeführerin berichteten Funktionsverlust mit der gebotenen Wahrschein
lichkeit stützen könnten, hätten sich in den Befunddaten nicht finden lassen. Hier
liege eine erhebliche Diskrepanz vor, die durch die Stellungnahme der Behandler auch nicht aufgelöst werde (S. 4 Mitte).
Ebenso sei der belegte niedrige Serumspiegel der als eingenommen angegebenen Medikamente oder die von der Beschwerdeführerin selbst im Rahmen des Gut
achtens berichtete positive Wirksamkeit der eingenommenen Medikamente im Gutachten der Behandler nicht aufgegriffen. Eine unterdosierte Medikation belasse qua Definition eine fortbestehende und bislang ungenutzte Behand
lungsoption (
Aufdosierung
), gleichrangig wahrscheinlich lasse der Laborbefund die Überlegung einer
Malcompliance
aufgrund eines geringen Leidensdrucks zu
. Es sei auch zu fragen, ob die Behandler angesichts ihrer negativen prognostischen Einschätzung und der Annahme einer fortbestehenden erheblichen Depressivität selber eine Compliance-Prüfung vorgenommen hätten. Die negative Prognose bilde sich zusammenfassend also nicht ausreichend beg
ründet ab (S. 4 f.
). Aus
serdem seien die beschriebene Anamnese und der beschriebene Befund nicht datiert und es lasse sich nicht erkennen, ob die Exploration ärztlich erhoben wor
den sei. Auch aus diesem Grund scheine die Beiziehung der vollständigen echt
zeitlichen Behandlungsdokumentation erwägenswert (S. 5 Mitte).
Nach jetzigem Erkennt
n
isstand ergebe sich zusammenfassend kein Anhalt für eine Änderungsnotwendigkeit der dem Gericht vorliegenden gutachterlichen Bewertung. Die im Rahmen des Einwands nachgereichten anamnestischen Anga
ben würden den gutachterlichen psychiatrischen Befund nicht ändern und die seitens der Behandler berichteten Befunde liessen noch keine ausreichende Abgrenzung von
schwerergradigen
objektiven Beeinträchtigungen und keine ausreichende vergleichende Darstellung von subjektiven Klagen und erhobenen Befunden erkennen (S. 5 unten).
5.
5.1
Die IV-Stelle wies das Leistungsbegehren im Februar 2013
gestützt
auf die von den RAD-Ärzten
Dr.
D._
und
Dr.
E._
beurteilte Arbeitsfähigkeit ab
(vor
stehend E. 3.5 und E. 3.6
).
Dr.
D._
diagnostizierte
aus somatischer Sicht eine schmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung der LWS, eine schmerz
hafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung des Kniegelenks (links mehr als rechts), eine
Omalgie
beidseits, ein
z
ervikospondylogenes
Schmerzsyndrom und eine Fingergelenkspolyarthrose beidseits. Damit sei ein Gesundheitsschaden aus
gewiesen, der die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige. In der angestammten Tätigkeit als
Waagenmonteurin
bestehe daher weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
und
eine unveränderte Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
unter Berück
sichtigung des Belastungsprofils
(vorstehend E. 3.7
)
.
Aus psychiatrischer Sicht
könne von einer chronischen Schmerzstörung mit kör
perlichen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.20) gesprochen werden, da das Ausmass der Schmerzen nicht nachvollziehbar bleibe und eine Schmerzauswei
tung bestehe. Hinweise für
eine depressive Störung hätten
sich nicht finden
las
sen
, das gezeigte Verhalten sei als normale Reaktion auf Schmerzen und psycho
soziale Belastungen anzusehen. Eine psychische Komorbidität von erheblicher Dauer und Schwere lasse sich auch im
Verlauf nicht feststellen und auch ein
ausgeprägter sozialer Rückzug könne nicht festgestellt werd
en. E
inzig seien die bisherigen Behandlungen scheinbar nicht erfolgreich gewesen, um die Beschwer
deführerin schmerzfrei zu bekommen. Sie sei jedoch durchaus in der Lage, ihren Haushalt zu bewerkstelligen und längere Spaziergänge zu unternehmen. Infolge der Schmerzstörung könne ein Leistungsabzug von 20
%
wegen vermehrter Pau
sen in angepasster Tätigkeit gewährt werden. Da die Beschwerdeführerin die Medikamente nicht nach Vorschrift einnehme
,
sei durch eine Optimierung
der Therapie theoretisch eine Verbesserung zu erwarten, da die Beschwerdeführerin jedoch eine ausgeprägte und fixierte Krankheitsüberzeugung habe, sei dies nicht wahrscheinlich
(vorstehend E. 3.6
).
Zusammenfassend bestehe i
n angepasster T
ätigkeit
für körperlich leichte wech
selbelastende Tätigkeiten, ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastungen über
5
kg bis 10 kg, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufiges Treppen
steigen, ohne wirbelsäulenbelastende und kniegelenksbelastende Zwangshaltun
gen und Tätigkeiten (Bücken, Hocken, Knien, Überkopfarbeit, andauerndes Sit
zen), ohne häufiges Gehen auf unebenem Gelände, ohne andauernde
Nässe-/Käl
teexposition
eine 80%ige Arbeitsfähigkeit
bei vollem Stundenpensum
.
Der Ein
kommensvergleich ergab einen Invaliditätsgra
d von rund 20
%
(vorstehend E. 3.7
).
5.2
Zur Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin stellte die Beschwerdegegnerin
- der Stellungnahme
des RAD folgend (vorstehend E. 4.8
) - auf das polydisziplinäre
Y._
-
Gutachten
vom Januar 2018 (vorste
hend E. 4.7
) ab.
Im polydisziplinären
Y._
-Gutachten vom Januar 2018
(vorstehend E. 4.7)
wurden aus somatischer Sicht die fol
genden Diagnosen mit dauerhafter
Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit genannt: eine medial betonte Gonarthrose beidseits mit Knorpelglatzen,
Kellgren
-Lawrence Grad 3-4 beidseits, degenerative Verän
derungen MTP 1 beidseits im Sinne einer Grosszehenarthrose und degenerative Veränderung des
Lisfranc
-Gelenkes rechts bei Überlastung im Rahmen der Adi
positas und degenerative spinale Veränderungen ohne ausreichendes klinisches Korrelat
.
Die von der Beschwerdeführerin beklagten Beschwerden
in den Gelenken
,
insbe
sondere die Gonarthrosen und degenerativen Zeichen der Mittelfuss-
und Grossze
hengelenke
,
konnten durchweg
klinisch und
radiologisch objektiviert werden
. Ebenso liessen sich degenerative spinale Veränderungen radiologisch feststellen. Es wurde im Gutachten nachvollziehbar aufgezeigt, dass die Arthrosen und degenerativen spinalen Veränderungen eine reduzierte Belastbarkeit für körper
lich schwere und überwiegend gehend und stehend auszuübende sowie kniende Arbeiten bedingten.
Des Weiteren wurden erhebliche Diskrepanzen zwischen den in den formalen Bewegungsproben dargebotenen Einschränkungen und der deut
lich besseren spontanen Beweglichkeit, sowie positive
Waddel
l
-Zeichen doku
mentiert.
Das zumutbare Be
lastungsprofil
erscheint
daher
unter Berücksichtigung der rele
vanten Befunde als
umfassend dargelegt und schlüssig begründet.
Die 100%ige Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit ist nachvollziehbar, handelt es sich bei der letzten Tätigkeit doch um eine körperlich leichte und überwiegend sitzend ausgeübte Tätigkeit, welche sich im Rahmen des
aktuellen
Belastungsprofils bewegt.
Insgesamt sind die internistischen, neurologischen und rheumatologi
schen
Teilgutachten des polydisziplinären
Y._
-Gutachtens nachvollziehbar und plausibel begründet, in ihren Schlussfolgerungen überzeugend und erfüllen die praxisgem
äs
sen Kriterien (vorstehend E. 1.9
), sodass darauf abgestellt werden kann.
5.3
5.3
.1
Im psychiatrischen Teilgutachten vom Januar 2018 wurde ausgeführt, es bestehe kein ausreichender Anhalt für eine anhaltende depressive Störung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, weshalb keine psyc
hiatrische Diagnose gestellt werden könne
.
Die Beschwerdeführerin erachtet
e
das psychiatrische Teilgutachten als nicht verwertbar und macht
e
dabei insbesondere geltend
, die medizinischen Akten würden erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit des psychiatrischen Teilgutachtens wecken.
5.3
.2
Dem ist entgegenzuhalten, dass sich
Dr.
L._
vertieft mit den medizinisc
hen Akten auseinandergesetzt hat und auf die diversen uneinheitlichen und streitigen Bewertungen der psychiatrischen Beeinträchtigungen aufmerksam machte und diese detailliert aufführte. Soweit er zu einer abweichenden Einschätzung gelangte, zeigte er nachvollziehba
r auf, weshalb er die vom behandelnden Psy
chiater und Psychologen erwogene
mittelgradige depressive Episode angesichts seines jetzigen Befunds nicht mehr bestätigen könne, respektiv
e
allenfalls
von einem guten Therapieerfolg auszugehen sei.
In seiner ergänzende
n Stellung
nahme (vorstehend E. 4.8
) verdeutlichte er, dass er eine trennende Gegenüber
stellung von subjektiven Klagen und erhobenen Befunden vorgenommen habe und seine Konklusionen auf diesem Vergleich aufgebaut habe.
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die
funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen
Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren
(vgl. vorstehend E. 1.4)
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen sind
.
Aus den Angaben von
Dr.
L._
ergeben sich die notwendigen Hinweise, welche eine
sinngemässe
Prüfung anhand der eins
chlägigen Indikatoren ermöglichen.
In Bezug auf die Kategorie «funktioneller Schweregrad»
wurde im Gutachten
nachvollziehbar auf
gezeigt
, dass die diagnos
tische Schlussfolgerung einer
chronifizierten
, nicht mehr besserbaren mittelgra
digen depressiven Episode sachlich nicht ausreichend gestützt sei und der von dem behandelnden Psychiater und Psychologen angegebene komplette Funkti
onsverlust der Beschwerdeführerin psychopathologisch nicht mit der gebotenen Wahrscheinlichkeit objektiviert werden könne. Ausserdem machte er auf den im Gutachten belegten, niedrigen Serumspiegel der eingenommenen Medikamente aufmerksam und damit auf eine fortbestehende und bislang nicht genutzte Behandlungsoption. Unter dem Gesichtspunkt der «Persönlichkeit» ist anzumer
ken, dass
die Beschwerdeführerin
durchaus
über persönliche Ressourcen verfügt. Sie lebt zusammen mit ihrem Ehemann, besorgt den Haushalt
gemeinsam
mit ihm und pflegt regelmässige Kontakte zu ihrer Familie, insbesondere zu ihrer Schwester.
Zu der
Kategorie der «Konsistenz» kann festgehalten werden
, dass deutlich diskrepant zum Beschwerdevortrag im erhobenen psychiatrischen Befund keine erheblichen Beeinträchtigungen objektiviert werden konnten
. I
ns
besondere waren Stimmung, Antrieb und affektive Schwingungsfähigkeit weit
gehend unbeeinträchtigt
, und die Beschwerdeführerin wirkte nicht schmerzge
plagt
. Zusammenfassend ist in Anbetracht der Standardindikatoren und der
Gesamtwürdigung festzuhalten,
dass mit Blick auf
den funktionellen Schwere
grad,
auf
die vorhandenen Ressourcen und
auf erhebliche
Inkonsistenzen eine Arbeitsunfähigkeit nicht überwiegend wahrscheinlich nachgewiesen ist.
5.3
.3
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfah
rungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander
seits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Ein
schätzungen gelangen.
A
uch die Klinik
berichte
(vorstehend E. 4.1
und
E. 4.2
) vermögen die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch
Dr.
L._
nicht in Frage zu stellen, zumal die Kliniken nicht den Auftrag verfolgen, die Arbeitsfähigkeit rechtsverbindlich zu beurteilen.
5.3
.4
Die Beschwerdeführerin führte aus, RAD-Arzt
Dr.
E._
habe im November 2012 das Vorliegen einer chronischen Schmerzstörung mit körperlichen und psy
chischen Faktoren bestätigt.
Auch diesbezüglich begründete
Dr.
L._
schlüssig, weshalb er im Zeitpunkt seiner Begutachtung und unter Berücksichtigung der Standardindikatoren zu einer anderen Einschätzung gelangte.
So sei insbesondere ein den reklamierten Schmerzen zu Grunde liegender erheblicher unbewältigter seelischer oder psychosozialer Konflikt anamnestisch nicht herauszuarbeiten.
Die Nennung der Diagnose eines chronischen generalisierten Schmerzsyndroms im Berich
t von
Dr.
K._
(vorstehend E. 4.6
) vermag das
Y._
-Gutachten nicht in Frage zu stellen, zumal es sich bei der chronischen Schmerzstörung um eine psy
chiatrische Diagnose handelt.
Es gilt auch zu berücksichtigen, dass die diagnos
tische Einordnung eines Gesundheitsschadens alleine für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht entscheidend ist, sondern rechtsprechungsgemäss ist viel
mehr zu prüfen, ob auf einen funktionellen Schweregrad der psychischen Störung zu schliessen ist, der sich nach dessen konkreten Auswirkungen und insbesondere danach beurteilt, wie stark die versicherte Person in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen dadurch beeinträchtigt ist (Urteil des Bun
desgerichts 9C_228/2013 vom 2
6.
Juni 2013 E. 4.1.
4.
mit Hinweis, BGE 143 V418 E. 5.2.2 f.).
5.3
.5
Nach dem Gesagten kann festgehalten werden, dass das psychiatrische Teilgut
achten alle beweisrechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht vollum
fänglich erfüllt, in seiner Argumentation schlüssig und nachvollziehbar ist, wes
halb darauf abzustellen ist.
5.4
Der med
izinische Sachverhalt ist
dahingehend erstellt, dass keine relevante Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit ausgewiesen ist.
Eine anspruchsrelevante Verschlechterung seit Februar 2013 (vgl. vorstehend E. 2.3) ist zu verneinen.
Damit erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens, womit die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
6.
6.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
I
VG sind ermessensweise auf
Fr.
9
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerle
gen.
6.2
Die Kosten von
Fr.
1’071.60 (
Urk.
15) für die ergänzende Stellungnahme von
Dr.
L._
(
Urk.
14) sind von der Beschwerdegegnerin der Gerichtskasse zu erset
zen.