Decision ID: c44b6c7b-d984-56c8-a500-98668ef81dc0
Year: 2015
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – gemäss Aktenlage ein Mann kurdischer Ethnie
aus Syrien – ersuchte am 16. November 2010 in der Schweiz um die Ge-
währung von Asyl. Anlässlich seiner Kurzbefragung am 30. November
2010 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._ trug der Be-
schwerdeführer – für das vorliegende Verfahren wesentlich – Folgendes
vor:
Er sei Ajnabi und stamme aus C._ in der Provinz Al-Hasaka. Er
habe nie eine Identitätskarte besessen und verfüge lediglich über eine
Ajanib-Bestätigung. Syrien habe er anfangs Oktober 2010 illegal ohne jeg-
liche Identitätsdokumente auf dem Landweg verlassen. Die Ajanib-Bestä-
tigung sei bei ihm Zuhause, er werde versuchen diese zu beschaffen.
B.
Am 1. Dezember 2010 ersuchte das BFM die Schweizer Vertretung in
D._ um Auskunft, ob der Beschwerdeführer einen syrischen Pass
besitze und Angaben darüber gemacht werden könnten, ob er Syrien legal
verlassen habe und, ob er von den syrischen Behörden gesucht werde.
C.
In der Abklärung der Schweizer Vertretung in D._ vom 5. Januar
2011 wurde unter anderem festgestellt, dass der Beschwerdeführer syri-
scher Staatsangehöriger sei und einen syrischen Pass beantragen könne.
D.
Im Rahmen der einlässlichen Anhörung am 25. Februar 2011 zu seinen
Ausreise- und Asylgründen durch das BFM wurde dem Beschwerdeführer
zum Abklärungsergebnis der Schweizer Vertretung das rechtliche Gehör
gewährt. Der Beschwerdeführer führte aus, er sei Ajnabi und besitze die
syrische Staatsangehörigkeit nicht. Er werde demnächst seine Ajanib-Be-
stätigung einreichen.
E.
Mit Eingabe vom 20. April 2011 reichte der Beschwerdeführer eine Ajanib-
Bestätigung zu den Akten.
F.
Mit Verfügung vom 28. November 2013 stellte das BFM fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte dessen
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Asylgesuch ab, verbunden mit der Anordnung der Wegweisung aus der
Schweiz. Anstelle des Wegweisungsvollzuges ordnete das Bundesamt je-
doch wegen Unzumutbarkeit des Vollzuges die vorläufige Aufnahme des
Beschwerdeführers in der Schweiz an, wobei es auf die in Syrien herr-
schende Sicherheitslage verwies. Die vom Beschwerdeführer eingereichte
Ajanib-Bestätigung wurde – da diese im Widerspruch zum Abklärungser-
gebnis der Schweizer Vertretung stehe – als gefälschtes Dokument ge-
stützt auf Art. 10 Abs. 4 AsylG (SR 142.31) eingezogen. Dieser Entscheid
ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
G.
Mit Eingabe vom 8. Oktober 2014 ersuchte der Beschwerdeführer um An-
erkennung der Staatenlosigkeit. Zur Begründung wurde im Wesentlichen
angeführt, da Einbürgerungen ausserhalb von Syrien nicht möglich seien,
sei vorliegend von einem Härtefall auszugehen. Auch habe er seine Ajanib-
Bestätigung bereits im Asylverfahren eingereicht, womit sich der Nachweis
seiner Staatenlosigkeit bereits in den Akten befinde.
H.
Mit Schreiben vom 20. Oktober 2014 stellte das BFM fest, aufgrund der
Akten sei vorliegend davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer kein
staatenloser syrischer Kurde sei. Die Abklärung der Schweizer Vertretung
vom 1. Dezember 2010 bestätige, dass er ein syrischer Staatsbürger sei.
In der Verfügung vom 28. November 2013 sei festgehalten worden, dass
seine Aussage, er sei Ajnabi, nicht glaubhaft sei, zumal eine Ajanib-Bestä-
tigung auch leicht käuflich erworben werden könne. Im Sinne des rechtli-
chen Gehörs wurde dem Beschwerdeführer Gelegenheit eingeräumt, in-
nert Frist Stellung zu nehmen.
I.
Mit Eingabe vom 10. November 2014 zeigte der damalige Rechtsvertreter
seine Mandatsübernahme an und ersuchte um Akteneinsicht sowie Fris-
terstreckung zwecks Einreichung einer Stellungnahme. Der Eingabe war
eine Vollmacht beigelegt.
J.
Mit Schreiben vom 12. November 2014 gewährte das BFM Akteneinsicht
und hiess das Ersuchen um Fristerstreckung gut.
K.
Der Rechtsvertreter ersuchte erneut um Fristverlängerung, wobei ihm
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diese letztmalig bis am 16. Dezember 2014 gewährt wurde. Diese Frist ist
ungenutzt verstrichen.
L.
Mit Verfügung vom 6. Januar 2015 lehnte das SEM das Gesuch um Aner-
kennung der Staatenlosigkeit ab. Auf die Begründung wird – sofern ent-
scheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen.
M.
Mit Eingabe vom 7. Februar 2015 (Poststempel) erhob der Beschwerde-
führer dagegen Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und bean-
tragte im Wesentlichen die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids, die
Anerkennung der Staatenlosigkeit und die Regelung seines Aufenthalts im
Sinne von Art. 31 und Art. 83 AuG (SR 142.20). In verfahrensrechtlicher
Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne
von Art. 65 Abs. 1 VwVG ersucht und auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses sei zu verzichten. Zudem wurde um Ansetzung einer 30-tägigen
Nachfrist zwecks Beibringung von Beweismitteln ersucht. Auf die Begrün-
dung wird, sofern entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
N.
Am 16. Februar 2015 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-
gang der Beschwerde.
O.
Mit Verfügung vom 18. Februar 2015 hiess die Instruktionsrichterin das Ge-
such um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG
unter der Voraussetzung des Nachreichens einer Fürsorgebestätigung gut.
Dem Beschwerdeführer wurde eine Frist zur Nachreichung einer Fürsor-
gebestätigung oder zur Überweisung eines Kostenvorschusses angesetzt.
P.
Am 27. Februar 2015 ging fristgerecht zu Gunsten der Gerichtskasse ein
Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– ein.
Q.
Mit Eingabe vom 2. März 2015 reichte der Beschwerdeführer zwei Be-
scheinigungen – beide jeweils in Kopie und mit beglaubigter Übersetzung
– zu den Akten, wonach bestätigt werde, dass der angebliche Vater des
Beschwerdeführers E._ als Ajnabi und die angebliche Mutter
F._ als Maktum im Ausländerregister des Verwaltungsdistrikts Al-
Hasaka registriert seien.
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R.
Mit Verfügung vom 24. März 2015 wies die Instruktionsrichterin das Ge-
such um Ansetzung einer 30-tägigen Nachfrist zur Beibringung von weite-
ren Beweismittel unter Hinweis auf Art. 32 Abs. 2 VwVG ab. Der Vorinstanz
wurde Gelegenheit eingeräumt, innert Frist eine Vernehmlassung zu den
Akten zu reichen.
S.
In seiner Vernehmlassung vom 31. März 2015 hielt das SEM vollumfäng-
lich an seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Be-
schwerde.
T.
Mit Verfügung vom 2. April 2015 wurde dem Beschwerdeführer Gelegen-
heit eingeräumt, innert Frist eine Replik einzureichen.
U.
Mit Eingabe vom 15. April 2015 replizierte der Beschwerdeführer. Der Ein-
gabe war eine Kopie und Übersetzung der bereits aktenkundigen Ajanib-
Bestätigung beigelegt.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 Verwaltungsgerichtsgesetz (VGG, SR 173.32) beurteilt
das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach
Art. 5 VwVG, welche von den in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlas-
sen wurden, vorbehältlich der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen. Das
Gericht ist damit auch zuständig für die Beurteilung der vorliegende Be-
schwerden gegen die Verfügungen des SEM vom 6. Januar 2015 betref-
fend die Verweigerung der Anerkennung der Staatenlosigkeit.
1.2 Sofern das VGG nichts anderes bestimmt, richtet sich das Verfahren
vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG).
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1.3 Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochtenen Verfügung
zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG) und seine Be-
schwerde erfolgte frist- und formgerecht (Art. 50 und Art. 52 VwVG), womit
auf die Beschwerde einzutreten ist.
2.
Mit Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von
Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermes-
sens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(vgl. Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwer-
deverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Unter Bundesrecht ist
auch das direkt anwendbare Völkerrecht zu verstehen (ZIBUNG/HOFSTET-
TER, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 2009,
Art. 49 N 7 f.), zu dem das hier in Frage stehende Übereinkommen vom
28. September 1954 über die Rechtsstellung der Staatenlosen (StÜ,
SR 0.142.40) zu zählen ist. Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss
Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und
kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Grün-
den gutheissen oder abweisen; massgebend sind grundsätzlich die tat-
sächlichen Verhältnisse zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. zum Gan-
zen BVGE 2014/5 E. 2 mit weiteren Hinweisen).
3.
3.1 Art. 1 Abs. 1 StÜ hält fest, dass im Sinne des Übereinkommens eine
Person dann staatenlos ist, wenn kein Staat sie auf Grund seiner Gesetz-
gebung (im englischen bzw. französischen Originaltext: "under the opera-
tion of its law", "par application de sa législation") als seinen Angehörigen
betrachtet. Staatenlosigkeit bedeutet nach dieser Begriffsumschreibung
das Fehlen der rechtlichen Zugehörigkeit zu einem Staat (sog. "de iure"-
Staatenlose). Das Abkommen bezieht sich dagegen nicht auf Personen,
die zwar formell noch eine Staatsangehörigkeit besitzen, deren Heimat-
staat ihnen aber keinen Schutz mehr gewährt (sog. "de facto"-Staatenlose;
vgl. YVONNE BURCKHARDT-ERNE, Die Rechtsstellung der Staatenlosen im
Völkerrecht und Schweizerischen Landesrecht, 1977, S. 1 ff. mit Hinwei-
sen; BGE 115 V 4 E. 2b; Urteil des BVGer C-7134/2010 vom 9. Juni 2011
E. 3.1. mit Hinweisen).
3.2 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann eine Person nur
dann als staatenlos angesehen werden, wenn sie sich das Fehlen der
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Staatsangehörigkeit nicht zurechnen lassen muss. Dies ist der Fall, wenn
sie noch nie über eine Staatsangehörigkeit verfügt bzw. eine frühere ohne
ihr Zutun verloren hat oder wenn es ihr nicht möglich ist, eine Staatsange-
hörigkeit zu erwerben bzw. wiederzuerwerben. Wird eine Staatsangehörig-
keit freiwillig abgelegt oder unterlässt es die betreffende Person ohne trifti-
gen Grund, sie zu erwerben oder wieder zu erwerben, verdient dieses Ver-
halten keinen Schutz (vgl. statt vieler: Urteile des BGer 2C_36/2012 vom
10. Mai 2012 E. 3.1, 2C_621/2011 vom 6. Dezember 2011 E. 4.2,
2A.78/2000 vom 23. Mai 2000 E. 2b und 2c sowie 2A.65/1996 vom 3. Ok-
tober 1996 E. 3c, auszugsweise publiziert in: VPB 61.74, je mit Hinweisen).
Damit wird verhindert, dass der Status der Staatenlosigkeit den ihm im
Übereinkommen zugedachten Auffang- und Schutzcharakter verliert und
zu einer Sache der persönlichen Präferenz wird. Es kann nicht Sinn und
Zweck des Staatenlosen-Übereinkommens sein, die Staatenlosen gegen-
über den Flüchtlingen, deren Status sich nicht nach dem Willen der Be-
troffenen richtet, besser zu stellen, zumal die Völkergemeinschaft seit lan-
gem versucht, die Zahl der Staatenlosen zu reduzieren. Das Staatenlosen-
Übereinkommen wurde nicht geschaffen, damit Einzelne nach Belieben
eine privilegierte Rechtsstellung erwirken können. Es dient in erster Linie
der Hilfe gegenüber Menschen, die ohne ihr Zutun in eine Notlage geraten
(vgl. Urteil des BGer 2C_763/2008 vom 26. März 2009 E. 3.2 mit Hinwei-
sen; vgl. zum Ganzen BVGE 2014/5).
4.
4.1 Zur Begründung seiner abweisenden Verfügung vom 6. Januar 2015
führte das SEM im Wesentlichen aus, aus der Abklärung der Schweizer
Vertretung vom 1. Dezember 2010 gehe hervor, dass der Beschwerdefüh-
rer syrischer Staatsbürger sei. Zudem sei in der unangefochten in Rechts-
kraft erwachsenen Verfügung des BFM vom 28. November 2013 festge-
halten worden, dass die Aussage, er sei Ajnabi, nicht glaubhaft sei, zumal
die eingereichte Ajanib-Bestätigung auch leicht käuflich erhältlich gemacht
werden könne. Die Bestätigung vermöge die Abklärungen der Schweizer
Vertretung nicht in Zweifel zu ziehen, weshalb das Gesuch um Anerken-
nung der Staatenlosigkeit abzulehnen sei.
4.2 In der Beschwerdeschrift vom 7. Februar 2015 wird dem im Wesentli-
chen entgegengehalten, 1962 sei etwa 150'000 Kurdinnen und Kurden im
Zuge der Arabisierung die syrische Staatsangehörigkeit aberkannt worden,
wobei die fehlende Staatsangehörigkeit diverse Diskriminierungen zur
Folge habe. Er sei in Syrien aufgewachsen, ohne Identitätspapiere sei es
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ihm nicht einmal möglich gewesen, im Bus ins Nachbarland zu fahren. Er
sei ständig diskriminiert worden.
4.3 In der Vernehmlassung vom 31. März 2015 führte das SEM im Wesent-
lichen aus, bezüglich der neu eingereichten Bescheinigungen, wonach
seine Eltern im Ausländerregister verzeichnet seien, gelte es festzustellen,
dass beide nicht im Original sondern lediglich in Kopie eingereicht worden
seien, mithin nicht überprüft werden könne, ob es sich um Fälschungen
handle oder nicht. Überdies gelte es auch einzuwenden, dass die beiden
Dokumente selbst bei unterstellter Authentizität nicht geeignet seien, die
vom Beschwerdeführer geltend gemachte Staatenlosigkeit zu beweisen,
sei den genannten Dokumenten doch nirgends ein Ausstellungsdatum zu
entnehmen. Die Möglichkeit, dass der angebliche Vater des Beschwerde-
führers als Ajnabi später die syrische Staatsbürgerschaft erhalten habe,
bleibe demnach bestehen.
4.4 In seiner Replikeingabe vom 15. April 2014 führte der Beschwerdefüh-
rer im Wesentlichen aus, angesichts der gegenwärtigen politischen Lage
in seinem Heimatstaat sei es nicht möglich, die Originale dieser Beschei-
nigungen aufzutreiben, da seine Eltern danach ohne jegliche Papiere Ge-
fahr liefen, bei einer Polizeikontrolle verhaftet zu werden. Anlässlich seines
Asylverfahrens habe er das Original seiner Ajanib-Bestätigung eingereicht,
womit bewiesen sei, dass er die syrische Staatsbürgerschaft nicht besitze.
5.
5.1 Die Kurden in Syrien sind als grösste nicht-arabische Minderheit gene-
rell Diskriminierungen ausgesetzt. Die syrischen Kurden werden aufgrund
ihres Rechtsstatus in drei Gruppen eingeteilt: Diejenigen mit syrischer
Staatsangehörigkeit; die als Ajanib bezeichneten, die im entsprechenden
Personenstandsregister ihres Heimatortes eingetragen sind und über ei-
nen Ausländerausweis verfügen; schliesslich die Maktumin, die über kei-
nerlei offiziellen Status verfügen (BVGE 2014/5 E. 5.2).
5.2 In der Provinz Al-Hasaka im Nordosten von Syrien wurde nach einer
aussergewöhnlichen Volkszählung im Jahr 1962 Teilen der kurdischen Be-
völkerung die syrische Staatsbürgerschaft entzogen. Gemäss Schätzun-
gen – verlässliche Zahlen existieren nicht – gab es 2008 in der Provinz
rund 300'000 Personen, welche nicht über die syrische Staatsangehörig-
keit verfügten, wobei rund die Hälfte als Ausländer (Ajanib) bei den Behör-
den registriert war (vgl. Landinfo, Temanotat, Syria: Identitetsdokumenter
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Seite 9
og pass, vom 11. November 2015, S. 15, gefunden auf <http://land-
info.no/asset/3244/1/3244_1.pdf> [zuletzt besucht am 13. November
2015]). Diese Zahl ist allerdings in der Zwischenzeit deutlich gesunken. Auf
der Basis des Dekretes Nr. 49 vom 7. April 2011 wird denjenigen Ajanib,
die in der syrischen Provinz Al-Hasaka registriert sind, die syrisch-arabi-
sche Staatsangehörigkeit (Art. 1) gewährt, wobei das Innenministerium mit
der Umsetzung (Art. 2) beauftragt wird (vgl. zum Ganzem BVGE 2014/5
E. 11.2). Auf der Basis des Dekretes Nr. 49 sei bereits bis ins Jahr 2012
rund 70'000 Ajanib die syrische Staatsangehörigkeit erteilt worden (vgl.
dazu UNHCR, Statistical Yearbook 2011 – Annex, 2012). Gemäss UNHCR
dürfte es gegenwärtig rund 160'000 syrische Staatenlose geben (vgl. UN-
HCR, Statistical Yearbook 2013 - Annex). Demnach besitzt eine grosse An-
zahl der syrischen Kurden die syrische Staatsangehörigkeit und nur eine
Minderheit ist Ajanib oder Maktumin. Der Frage nach der Echtheit der ein-
gereichten Dokumente beziehungsweise der Glaubhaftigkeit der entspre-
chenden Angaben kommt damit entscheidende Relevanz zu.
5.3 Im Rahmen des Asylverfahrens reichte der Beschwerdeführer eine
Ajanib-Bestätigung lautend auf seinen Namen und mit seinem im Rahmen
des Asylverfahrens angegebenen Geburtsdatum ein. Im Laufe des vorlie-
genden Verfahrens reichte der Beschwerdeführer Kopien von Bescheini-
gungen ein, wonach seine Eltern im Ausländerregister der Provinz Al-Ha-
saka verzeichnet seien. Die Originale könne er nicht beibringen, da seine
Eltern ohne Identitätspapiere Gefahr liefen, bei einer Polizeikontrolle ver-
haftet zu werden. Hinsichtlich der eingereichten Dokumente vertritt das
SEM die Ansicht, dass diese als Fälschung zu qualifizieren seien (Ajanib-
Bestätigung) respektive, dass die Echtheit nicht überprüft werden könne
(Kopien der Bescheinigungen), wobei diese – selbst bei unterstellter Echt-
heit – nicht geeignet seien, die Staatenlosigkeit des Beschwerdeführers zu
beweisen, da den beiden Bescheinigungen kein Ausstellungsdatum zu ent-
nehmen sei. Es sei völlig offen, ob die Registrierung als Ausländer – im
Lichte obenstehender Erwägung – noch der aktuellen Situation entspre-
che, oder ob der Vater als Ajnabi nunmehr über die syrische Staatsange-
hörigkeit verfüge. Die eingereichten Dokumente seien nicht geeignet, am
Abklärungsergebnis der Schweizer Vertretung in D._ vom 1. De-
zember 2010 (recte: 5. Januar 2011) etwas zu ändern.
5.4 Das Gericht erachtet die vorinstanzlichen Erwägungen im vorliegenden
Fall als zutreffend und nicht zur Beanstandung Anlass gebend. Die einge-
reichten Bescheinigungen über die Registrierung der Eltern des Beschwer-
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Seite 10
deführers im Ausländerregister des Verwaltungsdistrikts Al-Hasaka vermö-
gen mangels Ausstellungsdatum keine Aussagen über den aktuellen Sta-
tus der Eltern in Syrien zu machen, weshalb diese nicht geeignet sind, die
Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers zu untermauern.
Andererseits steht die eingereichte Ajanib-Bestätigung im Widerspruch zu
der im Jahr 2010 durchgeführten Abklärung der Schweizer Vertretung in
D._, welche unmissverständlich festhält, dass der Beschwerdefüh-
rer die syrische Staatsangehörigkeit besitzt. Für das Gericht besteht vor-
liegend kein Anlass, am Ergebnis dieser vor Ort getätigten Abklärungen zu
zweifeln, zumal in der Zwischenzeit auch keine Ereignisse eingetreten
sind, welche zum Schluss führen müssten, der Beschwerdeführer habe
seine Staatsangehörigkeit mittlerweile verloren. Deshalb ist auch das Ge-
richt der Ansicht, dass die Ajanib-Bestätigung nicht geeignet ist, das Abklä-
rungsergebnis der Schweizer Vertretung in einem anderen Licht erschei-
nen zu lassen, mithin als gefälschtes Dokument zu qualifizieren ist. Das
Dokument wurde bereits mit Verfügung vom 28. November 2013 gestützt
auf Art. 10 Abs. 4 AsylG eingezogen, weshalb sich diesbezüglich weitere
Ausführungen erübrigen.
6.
Im Ergebnis ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die Vorausset-
zungen zur Anerkennung der Staatenlosigkeit nicht erfüllt. Die angefoch-
tene Verfügung ist nicht zu beanstanden und als rechtmässig im Sinne von
Art. 49 VwVG zu bestätigen. Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten des Verfahrens dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der am 27. Feb-
ruar 2015 zugunsten der Gerichtskasse einbezahlte Kostenvorschuss in
der Höhe von Fr. 800.– wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten in der
Höhe von Fr. 800.– verwendet.
(Dispositiv nächste Seite)
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