Decision ID: 450b0759-1ae7-4273-a764-ed93c094d222
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1958 geborene
X._
, Mutter von
fünf
volljährigen
Kindern (
Urk. 8/22 S. 1)
,
meldete sich am
9.
April 2010
unter Hinweis auf
Rückenschmer
zen mit Ausstrahlung ins linke Bein und eine Sehstörung
bei der Invalidenversi
cherung zum Leistungsbezug an (Urk.
8/1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen,
und verneinte mit Verfügung vom
6.
Juli 2010 einen Rentenanspruch (Urk. 8/16).
Am 2
8.
März 2011 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 8/17). Die IV-Stelle tätigte wiederum Abklärungen und
veranlasste
insbe
sondere eine Abklärung
im
Haushalt (vgl. Urk. 8/22). Mit Verfügung vom
6
.
Ok
tober 2011 (Urk. 8/27) verneinte die IV-Stelle bei einem Invaliditätsgrad von 18 % einen Rentenanspruch.
Am 3
0.
März 2012
meldete sich die Versicherte ern
eut zum Leistungsbezug an (Urk.
8/
29
).
Die IV-Stelle tätigte wiederum Abklärungen
und verneinte mit Ver
fügung vom 2
4.
August 2012 (Urk. 8/37) einen Rentenanspruch.
Am 2
9.
Mai 2013 meldete
sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/
38
). Die IV-Stelle
trat
mit Verfügung vom
1
9.
August 2013
(
Urk.
8/
44
)
nicht auf das neue Leistungsgesuch ein
.
Am 1
8.
September 2015 meldete
sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/
51
). Die IV-Stelle
trat
mit Verfügung vom
2
3.
November 2015 (Urk.
8/
56
)
nicht auf das neue Leistungsgesuch ein
.
1.2
Am 1
3.
März 2017 meldete
sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk
. 8/61
).
Mit Schreiben vom
2
0.
März 2017 (Urk. 8/62
) forderte die IV-Stelle die Versicherte auf, bis spätestens am
2
8.
April
2017 entsprechende aktuelle Be
weismittel zur Prüfung des Anspruches einzureichen, unter Androhung, dass an
sonsten auf das Gesuch nicht eingetreten werde.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 8/66, Urk. 8/68) trat die IV-Stelle mit Verfügung vom
9.
November 2017 nicht auf das Leistungsgesuch ein (Urk. 8/72 = Urk. 2).
2
.
Die Versicherte erhob am
3.
Dezember 2017
Beschwerde gegen die Verfügung vom
9.
November 2017
(
Urk.
2) und beantragte
sinngemäss deren Aufhebung (
Urk.
1).
Die bei der IV-Stelle eingereichte Beschwerde wurde dem hiesigen Ge
richt erst am
7.
März 2018
überwiesen (vgl.
Urk.
4
).
Die
IV-Stelle
beantragte mit Beschwerdeantwort
vom
2
6.
April 2018 (Urk. 7)
die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
29. Mai 2018
zu
r Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invali
denversicherung (IVV)
eine neue An
meldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Ver
waltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Verände
rung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich einge
treten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgeset
zes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungsrechts (ATSG)
vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Verän
derung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine an
spruchs
begründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Be
schwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.2
Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prüfung ver
pflichtet, ob die Vorbringen der versicherten Person überhaupt glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Dabei wird sie unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dement
sprechend an
die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anforderungen stellen. Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektieren hat. Daher hat das Gericht die Behandlung der
Ein
tretensfrage
durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist, das heisst wenn die Verwaltung gestützt auf
Art.
87
Abs.
3 IVV Nichteintreten beschlossen hat und die versicherte Person deswegen Beschwerde führt; hingegen unterbleibt eine richterliche Beurteilung der
Eintretensfrage
, wenn die Verwal
tung auf die Neuanmeldung eingetreten ist (BGE 109 V 108 E. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 71 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.3
Mit
Art.
87
Abs.
3 in Verbindung mit
Abs.
2 IVV soll verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Leistungsverweige
rung immer wieder mit
gleich lautenden
und nicht näher begründeten, das heisst keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE 109 V 108 E. 2a, 262 E. 3). Hingegen kann diese
Eintretensvorschrift
nicht da
hingehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Änderung gerade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechtskräftigen Leistungsabweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Person zumindest die Änderung eines Sachverhalts aus dem gesamten für die Rentenberechtigung erheblichen Tatsachenspektrum glaubwür
dig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungs
begehren einzutreten und es in tatsächlicher (wie selbstverständlich auch in rechtlicher) Hinsicht allseitig zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3a und E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 71 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.4
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tatsachen
änderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheb
lichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2 mit Hinweisen). Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts
8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3 mit Hinweisen auf 8C_1009/2010 vom
7.
April 2011 E. 2.2 und 9C_838/2011 vom 2
8.
Februar 2012 E. 3.3.2).
1.5
Da die versicherte Person im Rahmen der Neuanmeldung die massgebliche Tat
sachenänderung glaubhaft zu machen hat, spielt der Untersuchungsgrundsatz, wonach das Gericht (oder die Verwaltung) für die richtige und vollständige Ab
klärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen hat, insoweit nicht. Mithin kommt der versicherten Person ausnahmsweise eine Beweisführungslast zu. Wird in der Neuanmeldung kein
Eintretenstatbestand
glaubhaft gemacht, sondern bloss auf ergänzende Beweismittel, insbesondere Arztberichte hingewiesen, die noch beigebracht würden oder von der Verwaltung beizuziehen seien,
ist der ver
sicherten Person eine angemessene Frist zur Einreichung der Beweismittel anzu
setzen.
Diese Massnahme setzt voraus, dass die ergänzenden Beweisvorkehren geeignet sind, den entsprechenden Beweis zu erbringen. Sie ist mit der Andro
hung zu verbinden, dass ansonsten gegebenenfalls auf Nichteintreten zu erken
nen sei. Dasselbe gilt, wenn der Neuanmeldung zwar ärztliche Berichte beigelegt sind, diese indessen so wenig
substanziiert
sind, dass sich eine neue Prüfung nur aufgrund weiterer Erkenntnisse allenfalls rechtfertigen würde.
Diesfalls
ist die IV-Stelle zur Nachforderung weiterer Angaben nur verpflichtet, wenn den – für sich allein genommen nicht Glaubhaftigkeit begründenden – Arztberichten konkrete Hinweise entnommen werden können, wonach möglicherweise eine mit weiteren Erhebungen erstellbare rechtserhebliche Änderung vorliegt. Ergeht eine
Nichtein
tretensverfügung
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens, das den Erfordernissen betreffend Fristansetzung und Androhung der Säumnisfolgen genügt,
legen die Gerichte ihrer beschwerdeweisen Überprüfung den Sachverhalt zu Grunde, wie er sich der Verwaltung bot. Für das Beibringen neuer Beweismittel bleibt im an
schliessenden Gerichtsverfahren kein Raum mehr
(BGE 130 V 64 E. 5.2.5, Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.1-2.2).
1.6
Zeitliche Vergleichsbasis für die Glaubhaftmachung einer anspruchserheblichen Änderung nach
Art.
87
Abs.
3 IVV und gegebenenfalls der Prüfung, ob eine sol
che tatsächlich eingetreten ist und sich auf den Invaliditätsgrad beziehungsweise die Rente auswirkt, bildet die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsab
klärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 2
6.
März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) fest, es hätten keine
wesentlichen
Veränderungen festgestellt werden können
(S. 1)
.
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin
sinngemäss
auf den Stand
punkt (
Urk.
1),
aus einem aktuellen Arztbericht, der leider etwas zu spät verfasst worden sei, gehe die Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes hervor.
2.
3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin – mangels einer glaubhaft gemachten Veränderung des Gesundheitszustandes seit der letztmaligen materi
ellen Prüfung – zu Recht nicht auf das neue Leistungsbegehren eingetreten ist.
3.
3.1
Vorliegend gilt
für die Prüfung, ob mit der Neuanmeldung vom 1
3.
März 2017 eine Veränderung glaubhaft gemacht wurde,
der
2
4.
August 2012
als zeitliche Vergleichsbasis. Damals wurde nämlich letztmals eine Verfügung (
Urk.
8/37) er
lassen, die auf einer umfassenden Sachverhaltsabklärung beruhte. Die Verfügun
gen der Beschwerdegegnerin vom
1
9.
August 2013 (
Urk.
8/44) und vom 23. No
vember 2015 (
Urk.
8/56)
sind hingegen nicht relevant, da diese nicht auf einer neuen Abklärung des Sachverhalts gründeten, sondern lediglich ein Nichteintre
ten auf die jeweilige Neuanmeldung zum Inhalt hatten.
Die massgebende medizinische Aktenlage stellte sich bei der le
tztmaligen mate
riellen Prüfung
wie folgt dar:
3.2
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Neurochirurgie,
Z._
, nannte mit Bericht vom 3
1.
Januar 2012 (Urk. 8/33/9-10) als Diagnose ein
lumbospondylo
genes
und
radikuläres
Schmerz- und Reizsyndrom L5 links mit/bei
kleinvolumi
gem
rezessalem
Rezidiv einer im April 2010 operierten Diskushernie L4/5 links.
Die vorliegende MRI-Bildgebung zeige, dass allenfalls Restsymptome durch leichtgradige Nervenwurzelreizungen vorliegen könnten. Insgesamt scheine die Symptomatik jedoch eher multifaktoriellen Ursprungs zu sein. Eine operative Therapie sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt sicher nicht indiziert. Die
Beschwer
deführerin
lehne weitere operative Eingriffe kategorisch ab. Aus diesem Grund sei eine Konsultation in der
A._
empfohlen worden, um eine Linderung der Schmerzsymptome auf konservative
Art herbeizuführen und um allenfalls die Möglichkeit eines psychosomatischen Rehabilitationsaufenthaltes zu evaluieren (S.1).
3.3
Dr.
med.
B._
, Oberarzt, Facharzt für
Anästhesiologie
, nannte mit Bericht vom
1
4.
März 2012 (Urk. 8/33/6-8)
folgende Diagnosen
(S. 2)
:
-
zentral
sensitisiertes
chronisch persistierendes neuropathisches
radikulä
res
Schmerzsyndrom L5
l
inks
-
chronisches
lumbo-spondylogenes
Schmerzsyndrom beidseits
-
Opioidsensibilität
der Schmerzen
Die Beschwerdeführerin habe ausgeführt,
die aktuell bestehenden Schmerzen
hät
ten
sich seit der Operation
nicht verändert. Aktuell nehme die Beschwerdeführerin ein
Tramadolpräparat
, welches die Schmerzen deutlich, um zirka 40 %
,
verbesser
e
(S. 1).
Dr.
B._
machte verschiedene medikamentöse Therapievorschläge (vgl. S. 2 f.).
3.
4
Dr.
med.
C._
, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin
,
nannte
mit Bericht vom 2
3.
April 2012 (Urk.
8/33
/1-5
)
folgende Diagnosen (Ziff. 1.1):
-
Status nach operativer Dekompression einer Spinalkanalstenose
-
Status nach rezidivierenden Lumbalgien
-
Post-
Rü
ckenoperations-Syndrom
Eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit habe vom 2
2.
Oktober bis 3
0.
November 2009 bestanden und bestehe seit dem
8.
April 2010 bis auf Weiteres (Ziff. 1.6). Die Beschwerdeführerin habe in allen Lagen und Positionen auch ohne Belastung Schmerzen. Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zumut
bar (Ziff. 1.7).
4.
Im Rahmen der
Neuanmeldungen vom
Mai 2013
(
Urk.
8/38)
und
September 2015 (Urk. 8/51)
wurden
bis auf ein ärztliches Zeugnis vom 1
1.
September 2013 (Urk. 8/50)
keine
medizinische
n
Berichte
eingereicht.
5.
5.1
Bei der vorliegenden Neuanmeldung lag der Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt des Verfügungserlasses am
9.
November 2017
(
Urk.
2) folgende
r
Bericht vor:
5.2
Die Fachpersonen des
D._
nannten mit Bericht vom 19. Mai 20
17 (
Urk.
8/64 =
Urk.
8/74 =
Urk.
8/75/5-16 =
Urk.
3/2)
folgende, hier gekürzt aufgeführte Diagnosen (S. 1 f.):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
lumbovertebrales
Syndrom
-
Augenoperation beidseits am 1
7.
Februar 2010
-
Verdacht auf Asthma bronchiale
-
Mikrohämaturie
-
Ekzem Hände
-
Vitamin D-Mangel
-
leicht erhöhte Blutsenkungsreaktion (BSR)
Aus internistisch-kardiologischer und rheumatologischer Sicht sei die Beschwer
deführerin vollständig arbeitsfähig. Aus orthopädischer Sicht sei die Beschwer
deführerin nur in einer wirtschaftlich nicht verwertbaren Arbeit in einem redu
zierten Pensum noch arbeitsfähig. Aus wirbelsäulen-chirurgischer, schmerzthe
rapeutischer und neurologischer Sicht sei der Beschwerdeführerin keine Arbeit mehr zumutbar. Auch aus psychiatrischer Sicht sei sie vollständig arbeitsunfähig. Im Haushalt bestehe eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit. Für eine Erwerbstätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Eine Verweistätigkeit sei aufgrund des Alters der Beschwerdeführerin und der Tatsache, dass sie nie gearbeitet habe, kaum vorstellbar (S. 11).
6.
Nach Verfügungserlass wurde folgender Bericht zu den Akten gereicht:
Die Fachpersonen des
D._
nannten mit Bericht vom 1
7.
November 2017
(
Urk.
8/73 =
Urk.
8/75/1-4 =
Urk.
3/1)
dieselben Diagnosen wie im Vorbericht und führten aus
, di
e Beschwerdeführerin sei aufgrund der Diagnosen, des positi
ve
n und negativen Leistungsbildes sowie
der Fremdanamnese auch für ange
passte Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig. Im Haushalt sei
sie
ebenfalls voll
ständig arbeitsunfähig. Insgesamt sei seit 2011 eine deutliche Veränderung ein
getreten (die Beschwerdeführerin würde im Gesundheitsfall 100 % arbeiten). Der Gesundheitszustand habe sich seit 2011 deutlich verschlechtert, dazu deutlich
e
psychische Komponente (S. 3).
7.
7.1
Vor dem Hintergrund, dass der Untersuchungsgrundsatz bei einer Neuanmeldung keine Geltung und die versicherte Person die massgebliche Tatsachenänderung mit der Neuanmeldung glaubhaft zu machen hat (vgl. vorstehend E.
1.4
f.
), ist die
Eintretensfrage
gestützt auf die Aktenlage, wie sie sich der Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt des Verfügungserlasses am
9.
November 2017 (
Urk.
2) präsentierte, zu beantworten. Das Verwaltungsverfahren genügte dabei den Erfordernissen be
treffend Fristansetzung und Androhung der Säumnisfolgen, wurde de
r
Beschwer
deführer
in
doch die Gelegenheit gegeben, noch ausstehende Arztberichte einzu
reichen; und
sie
wurde auch auf die Säumnisfolgen
hingewiesen
(vgl. Schreiben vom 2
0.
März 2017
;
Urk.
8/62
). In der Folge wurde der Bericht des
D._
von Mai 2017 eingereicht. Gestützt auf den Vorbescheid vom 2
7.
Juli 2017 (Urk. 8/66) erhob die Beschwerdeführerin Einsprache und kündigte das Nachreichen einer Begründung an. Trotz
einer Fristverlängerung von 30
Tagen (vgl. Urk. 8/70) wur
den weder eine Begründung noch Beweismittel eingereicht.
Der erst
nach Verfü
gungserlass
erstellte
Bericht
d
es
D._
vom 17.
November 2017
(vgl. vorstehend E. 6
)
ist für die Beurteilung der
Eintretensfrage
daher nicht zu beachten.
7.2
Zur Beurteilung der Frage, ob eine
anspruchsrelevante
Veränderung des Gesund
heitszustandes
glaubhaft gemacht worden ist, lag der Beschwerdegegnerin damit im Verfügungszeitpunkt einzig der Bericht der Fachpersonen des
D._
von Mai 2017 vor (vgl. vorstehend E. 5.2).
7.3
Im
Bericht des
D._
wurde
erstmals
eine rezidivierende depressive Störung, ge
genwärtig mittelgradige Episode, diagnostiziert
.
Zwar wurden schon in früheren Berichten Symptome und Befunde festgehalten, die auf eine psychische Beein
trächtigung deuten. Diag
nostiziert wurde eine solche jedoch bis dahin nicht.
Dies dürfte
vor allem
dem Umstand geschuldet sein, dass
es sich
primär
um
somatisch orientierte Berichte
handelte
.
Im
Haushaltabklärungsbericht
vom 2
3.
August 2011
(Urk. 8/22)
wurde festgehal
ten, die Beschwerdeführerin habe angegeben, sie könne nachts infolge der Schmerzproblematik kaum
schlafen
. Sie besuche regelmässig Therapien, welche bis anhin jedoch noch zu keiner Linderung der Schmerzproblematik geführt hät
ten. Für die Fortbewegung benutze sie eine Krücke, sie schildere, dass sie nur noch wenige Meter
frei gehen
könne. Zudem fühle sie sich aufgrund der Medika
menteneinnahme immer
müde
und sei
kraftlos
, müsse sich tagsüber viel hinlegen (S. 2 oben).
Sie
verrichte keinerlei Haushaltarbeiten mehr. Dies infolge der Rückenproblematik, sie könne nicht mehr lange Zeit stehen und auch sitzend keinerlei Tätigkeiten mehr ausführen, da jede Bewegung
schmerze
. Auch fühle sie sich aufgrund der Medikamenteneinnahme immer müde und kraftlos, sie müsse sich tagsüber oft hinlegen. Sämtliche Haushaltarbeiten erledigten ihr Ehe
mann und die beiden Söhne. Eine Tochter wohne in der Nachbarschaft, sie komme täglich vorbei und erledige bei ihrem Besuch anfallende Haushaltarbeiten (S. 4 Ziff. 6). Die Beschwerdeführerin gebe auf die Frage hin, weshalb sie die Ar
beiten im Haushalt nicht mehr zu erledigen vermöge, Schmerzen im Rücken und im linken Bein sowie
Kraft- und Energielosigkeit
an (S. 5 Ziff. 6.3).
Dr.
med.
B._
erwähnte in seinem Bericht von März 2012 (vorste
hend E. 3.3) Anhaltspunkte für deutliche
Katastrophisierungs
-, Angst- und
De
pressionskomponente
n
bei starker schmerzbedingter Einschränkung der Wirbel
säulen- und Allgemeinfunktionen.
Im
Bericht des
D._
vom 1
9.
Mai 2017
(vorstehend E. 5.2)
wurden aus psychoso
matischer Sicht folgende aktuelle Beschwerden genannt:
Seit 2006 Schlafstörung (Durchschlaf
zwei
Stunden), Appetitverminderung (67 kg bei 160 cm), Müdigkeit, Lust- und Interesselosigkeit,
Gedankenkreisen, Aggressionen, Sinnlosigkeitsge
danken, Rückzug, Antriebslosigkeit (nur wenig spazieren), Traurigkeit
.
Während 2011
von Schlafproblemen, Müdigkeit und Kraftlosigkeit
die Rede war
,
2012 lediglich
Anhaltspunkte für deutliche
Katastrophisierungs
-, Angst- und De
pressionskomponenten
festgestellt wurden,
leidet die Beschwerdeführerin g
e
stützt auf den Bericht
des
D._
neu zudem an Appetitverminderung, Lust- und Interesselosigkeit, Gedankenkreisen, Aggressionen, Sinnlosigkeitsgedanken, Rückzug, Antriebslosigkeit und Traurigkeit. Zudem
wurde nunmehr
erstmals eine
rezidivierende depressive Störung
diagnostiziert
und eine vollständige Arbeits
unfähigkeit
attestiert
.
7.
4
Am
2
4.
August 2012 wurde letztmals eine Verfügung (
Urk.
8/37) erlassen, die auf einer umfassenden Sachverhaltsabklärung beruhte.
Nachdem
diese
rund
fünf
Jahre vor der
hier
angefochtenen Verfügung vom
9. November 2017 (Urk.
2) er
gangen ist, sind an die Glaubhaftmachung weniger hohe Anforderungen zu stel
len (vgl. vorstehend E. 1.2).
Insgesamt
bestehen zumindest gewisse Anhaltspunkte für eine mögliche versicherungsmedizinisch relevante Verschlechterung, was zur Glaubhaftmachung ausreicht (vgl. vorstehend E.
1.4
). Die Beschwerdegegnerin ist
somit mit Verfügung vom
9.
November 2017
(Urk.
2) zu Unrecht nicht auf die Neuanmeldung eingetreten, weshalb die diesbezügliche Beschwerde gutzuheissen und die Sache zur materiellen
Beurteilung zurückzuweisen ist.
7.5
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf Fr.
6
00.-- festzusetzen und aus
gangsgemäss
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.