Decision ID: c8a7508e-e1b3-4709-9395-7a8193cf0c7c
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 30. September 2021 beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) B._ zur Arbeitsvermittlung an. Die Versicherte gab
bei ihrer Anmeldung an, eine Vollzeitstelle zu suchen (act. G 5.1/A7). Zuvor war die
Versicherte seit dem 16. September 2021 bei der C._ AG als
Detailhandelsangestellte tätig gewesen (act. G 5.1/A3). Ihre Arbeitgeberin hatte ihr am
26. September 2021 noch während der Probezeit gekündigt (act. G 5.1/A5). Gemäss
den Angaben der Versicherten sei die Kündigung ausgestellt worden, da sie aufgrund
eines Unfalls während zwei Tagen nicht habe arbeiten können (act. G 5.1/A55).
A.a.
Die Personalberaterin forderte die Versicherte beim Erstgespräch am 11. Oktober
2021 auf, bis zum 20. Oktober 2021 ihren Lebenslauf zu ergänzen und ihr diesen
zusammen mit noch fehlenden Arbeitszeugnissen als eine zusammenhängende PDF-
Datei per E-Mail einzureichen (act. G 5.1/A55, S. 4 f.; vgl. auch act. G 5.1/A13). Beim
Beratungsgespräch vom 5. November 2021 wies die Personalberaterin die Versicherte
darauf hin, dass sie kein E-Mail von ihr erhalten habe. Die Versicherte machte geltend,
sie habe die Unterlagen bereits mit E-Mail vom 12. Oktober 2021 eingereicht, und
offerierte diesbezüglich das E-Mail nochmals zuzustellen. Mit E-Mail vom 5. November
2021 sendete sie die Unterlagen an die Personalberaterin. Sie brachte vor, das E-Mail
vom 12. Oktober 2021 finde sie leider nicht mehr, es sei aber am 12. Oktober 2021
versendet worden (act. G 5.1/A12). Weil die Versicherte nicht in der Lage war, aus
mehreren Dokumenten eine PDF-Datei zu erstellen (vgl. act. G 5.1/A42, S. 6), und ihr
A.b.
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Kind im Lebenslauf zuletzt unter "spezielle Kenntnisse" eingefügt hatte (vgl. act. G 5.1/
A12, S. 6 f.), meldete sie die Personalberaterin beim Kurs "Bewerbungscoaching+" an.
Sie eröffnete ihr dies mit E-Mail vom 5. November 2021 und stellte ihr die formelle
Einladung zum Kurs am gleichen Tag zu (act. G 5.1/A12 und act. G 5.1/A15). Die
Versicherte brachte darauf vor, sie brauche kein Bewerbungscoaching, da sie fast ein
Jahr in einem Temporärbüro gearbeitet habe. Sie habe keine Probleme bei der
Erstellung von Bewerbungsdossiers (act. G 5.1/A12). Die Personalberaterin hielt jedoch
an der Anmeldung fest. Die Versicherte brachte daraufhin zusätzlich vor, sie könne die
Betreuung ihres Kindes nicht organisieren. Ihr ebenfalls arbeitsloser Mann, welcher die
Tochter normalerweise betreue, sei in einem Kurs, und eine Anmeldung bei der
Kindertagesstätte sei kurzfristig nicht möglich. Des Weiteren könne sie die Kosten für
die Fahrt und die Betreuung nicht vorschiessen. Die Personalberaterin antwortete
darauf, sie werde den Kurs annullieren, falls die Kinderbetreuung nicht geregelt sei. Sie
sei in diesem Fall jedoch verpflichtet, die Angelegenheit an die Rechtsabteilung
weiterzuleiten, damit die Vermittlungsfähigkeit der Versicherten überprüft werden
könne. Die Personalberaterin führte diesbezüglich aus: "Vielleicht können Sie ja über
das Wochenende die Kinderbetreuung doch noch regeln und somit den Kurs
besuchen, der Start ist ja erst am Dienstag" (act. G 5.1/A12).
Die Versicherte beschwerte sich mit E-Mail vom 5. November 2021 beim Leiter
des RAV und verlangte wiederum, sie sei vom Kurs abzumelden. Zudem sei ihr eine
andere Personalberaterin zuzuteilen. Der Leiter des RAV antwortete mit E-Mail vom
9. November 2021 und stimmte einem Wechsel der zuständigen Personalberaterin zu.
Allerdings erwarte er ihre Teilnahme am Kurs "Bewerbungscoaching+" ab dem
darauffolgenden Tag. Die Versicherte meldete sich noch am gleichen Tag beim Leiter
des RAV und brachte vor, ihre Personalberaterin habe ihr bereits am Freitag mitgeteilt,
dass sie sie vom Kurs abgemeldet habe, da ihr die Unterbringung ihres Kindes nicht
möglich sei (act. G 5.1/A23).
A.c.
Mit Verfügung vom 8. November 2021 stellte das RAV die Versicherte ab
6. November 2021 für 5 Tage in ihrer Anspruchsberechtigung ein. Es führte aus, die
Versicherte sei am 11. Oktober 2021 angewiesen worden, die vollständigen
Bewerbungsunterlagen bis spätestens 20. Oktober 2021 einzureichen. Dieser
Anweisung sei sie nicht gefolgt. Die Versicherte behaupte zwar, sie habe die
A.d.
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B.
Unterlagen bereits am 12. Oktober 2021 eingereicht, sie könne dies jedoch nicht
belegen. Insbesondere habe sie den von ihr offerierten Zustellnachweis nicht erbracht
(act. G 5.1/A20).
Am 10. November 2021 hob das RAV die Einladung zum Kurs
"Bewerbungscoaching+" auf, nachdem die Versicherte den Kurs nicht angetreten hatte
(act. G 5.1/A25).
A.e.
Das RAV verfügte am 18. November 2021 16 Einstelltage ab 10. November 2021
wegen Nichtantritt eines Kurses. Es begründete die Verfügung damit, die Versicherte
habe den angeordneten Kurs "Bewerbungscoaching+" nicht angetreten. Der Kurs
diene dazu, die Vermittlungsfähigkeit zu verbessern, unter anderem durch das
Trainieren von Bewerbungstechniken und Vorstellungsgesprächen. Die
Bewerbungsunterlagen zu vervollständigen, sei nur ein kleiner Teil des Kurses. Die von
der Versicherten dargelegten Gründe, den Kurs nicht besuchen zu können, seien nicht
entschuldbar. Das Kriterium der Vermittlungsfähigkeit setze voraus, dass
Stellensuchende jederzeit bereit seien, eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an
Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Von Personen mit Kindern würden die
gleichen Voraussetzungen erwartet. Zudem habe bei der Versicherten berücksichtigt
werden müssen, dass es sich bereits um die dritte Beanstandung handle (act. G 5.1/
A33).
A.f.
Am 24. November 2021 erhob die Versicherte Einsprache gegen die Verfügung
vom 18. November 2021 bezüglich Nichtantritt des Kurses und stellte sinngemäss den
Antrag, die Verfügung sei aufzuheben. Sie brachte vor, ihr sei von der
Personalberaterin zugesichert worden, dass sie vom Kurs abgemeldet werde. Sie habe
nach Erhalt des E-Mails des RAV-Leiters vom 9. November 2021 nicht einmal 24
Stunden Zeit gehabt, um die Betreuung ihres Kindes sicherzustellen. Zudem sei sie
während des Kurses krank gewesen. Sie sei deshalb mit triftigem Grund vom Kurs
ferngeblieben (act. G 5.1/A37). Die Versicherte reichte ein Zeugnis ihrer Hausärztin vom
22. November 2021 ein, welche ihr eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 16. November
2021 bis zum 24. November 2021 attestierte (act. G 5.1/A34).
B.a.
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C.
Am 30. November 2021 reichte die Versicherte Einsprache auch gegen die
Verfügung vom 8. November 2021 bezüglich Nichtbefolgen einer Weisung ein. Sie
machte geltend, es sei schon einmal vorgefallen, dass sie ihrer Personalberaterin
Angaben bzw. Dateien gesendet habe und diese danach behauptet habe, sie habe
nichts erhalten. Sie könne den besagten E-Mailverkehr bei Bedarf vorweisen. Das E-
Mail vom 12. Oktober 2021 habe sie leider nicht mehr, sie müsse es wohl beim
Aufräumen ihres Postfachs gelöscht haben (act. G 5.1/A42).
B.b.
Mit Entscheid vom 2. Dezember 2021 wies das RAV die Einsprache der
Versicherten gegen die Verfügung vom 18. November 2021 wegen Nichtantritt eines
Kurses ab. Die Versicherte sei telefonisch am 5. November 2021 über den Kurs
informiert worden. Ihr habe somit genügend Zeit zur Verfügung gestanden, die
Kinderbetreuung zu regeln. Die Betreuung ihres Kindes stelle zudem keinen
entschuldbaren Grund für die Nichtteilnahme an einem Kurs dar. Die Versicherte müsse
grundsätzlich jederzeit in der Lage sein, eine Stelle anzutreten. Es sei ihre Aufgabe,
eine Ersatzbetreuung zu organisieren, falls die normalerweise mit der Kinderbetreuung
betraute Person verhindert sei. Das Arbeitsunfähigkeitszeugnis stelle zudem keinen
Grund für den Nichtantritt des Kurses dar, da die Versicherte erst 6 Tage nach
Kursbeginn krankgeschrieben worden sei. Die Sanktionshöhe von 16 Tagen sei
ebenfalls nicht zu beanstanden, insbesondere da die Versicherte bereits durch das
Kantonale Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit Basel-Landschaft (KIGA) für einen
ähnlichen Sachverhalt in ihrer Anspruchsberechtigung eingestellt worden sei
(act. G 5.1/A48).
C.a.
Mit Entscheid vom 7. Dezember 2021 wies das RAV die Einsprache der
Versicherten gegen die Verfügung vom 8. November 2021 bezüglich Nichtbefolgung
einer Weisung ab. Das RAV führte aus, die Versicherte habe die Weisung zur
Einsendung ihres überarbeiteten Lebenslaufs samt Arbeitszeugnissen nicht
eingehalten. Sie bringe zwar vor, mit E-Mail vom 12. Oktober 2021 die Unterlagen
eingesendet zu haben, könne jedoch den Zustellnachweis nicht erbringen. Sie habe
deshalb die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen. Die verfügten 5 Einstelltage seien
C.b.
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D.
nach dem Einstellraster des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) bestimmt worden
und lägen somit im Ermessensspielraum der verfügenden Behörde (act. G 5.1/A47).
Gegen die Einspracheentscheide vom 2. und 7. Dezember 2021 richtet sich die
vorliegende Beschwerde vom 8. Dezember 2021. Die Beschwerdeführerin beantragt
sinngemäss deren Aufhebung. Sie macht geltend, sie habe die Dateien mit Sicherheit
versendet. Es sei bereits öfters vorgefallen, dass ihre E-Mails durch die zuständige
Personalberaterin nicht gelesen worden seien. Ihr sei von der Personalberaterin
versichert worden, dass sie vom Kurs abgemeldet werde, da sie die Betreuung ihres
Kindes nicht habe organisieren können. Erst mit E-Mail vom 9. November 2021 sei sie
durch den Leiter des RAV darauf aufmerksam gemacht worden, dass sie am
darauffolgenden Tag den Kurs besuchen müsse. Innerhalb dieser kurzen Zeit sei es ihr
nicht möglich gewesen, eine Kinderbetreuung zu organisieren. Ihr Mann habe in
diesem Zeitpunkt eine Weiterbildung besucht und die Betreuung in einer Kita könne sie
sich nicht leisten. Zusätzlich sei sie während des Kurses krank gewesen, was sie
mittels Arztzeugnis belegen könne. Bezüglich der verhängten Einstelltage sei sie
ebenfalls nicht einverstanden, sie sei insbesondere nicht durch das KIGA in ihrer
Anspruchsberechtigung eingestellt worden, wie dies der Beschwerdegegner vorbringe
(act. G 1).
D.a.
Die Beschwerdeführerin reicht mit Schreiben vom 3. Januar 2022 eine Ergänzung
der Beschwerde ein. Sie macht zusätzlich geltend, der neue Personalberater stimme ihr
zu, dass sie keinen Kurs zum Schreiben ihres Lebenslaufs benötige (act. G 3).
D.b.
Mit Beschwerdeantwort vom 24. Januar 2022 beantragt der Beschwerdegegner
die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
D.c.
Die Beschwerdeführerin nimmt mit Replik vom 31. Januar 2022 nochmals
Stellung. Die Personalberaterin sei seit dem Erstgespräch unfreundlich und abweisend
gewesen. Es sei offensichtlich, dass diese etwas gegen sie habe. Der neue
Personalberater erachte den Kurs nicht mehr als notwendig. Dass zwei Berater mit
gleicher Ausbildung die Situation so unterschiedlich beurteilten, sei nicht in Ordnung,
ihr dürfe daraus kein Nachteil erwachsen. Die Krankmeldung vom 16. November 2021
D.d.
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Considerations:
Erwägungen
1.
sei zudem nicht Grund für ihr Nichterscheinen zum Kurs gewesen, sondern sei einfach
erschwerend zu den Problemen mit dem RAV dazugekommen (act. G 7).
Mit Schreiben vom 11. Mai 2022 fordert das Versicherungsgericht beim
Beschwerdegegner die Einstellungsverfügung des KIGA an (act. G 10). Der
Beschwerdegegner stellt die Verfügung dem Versicherungsgericht mit E-Mail vom
12. Mai 2022 zu (act. G 11). Am 12. Mai 2022 stellt das Versicherungsgericht der
Beschwerdeführerin die beigezogene Verfügung des KIGA vom 13. März 2020 zur
Stellungnahme zu (act. G 12). Mit Schreiben vom 18. Mai 2022 nimmt die
Beschwerdeführerin dazu Stellung (act. G 13).
D.e.
Die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, muss mit
Unterstützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um
Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Sie ist verpflichtet, Arbeit zu suchen,
nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes, und muss ihre Bemühungen
nachweisen können (Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]). Sie ist zur
Mitwirkung beim Vollzug verpflichtet. Insbesondere muss sie unentgeltlich alle
Auskünfte erteilen, die zur Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der
Versicherungsleistungen erforderlich sind (Art. 28 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
1.1.
Mit arbeitsmarktlichen Massnahmen soll die Eingliederung von Versicherten, die
aus Gründen des Arbeitsmarktes erschwert vermittelbar sind, gefördert werden (Art. 59
Abs. 2 erster Satz AVIG). Solche Massnahmen sollen gemäss Art. 59 Abs. 2 zweiter
Satz AVIG insbesondere die Vermittlungsfähigkeit der Versicherten verbessern, damit
diese rasch und dauerhaft wieder eingegliedert werden können (lit. a), die beruflichen
Qualifikationen entsprechend den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts fördern (lit. b), die
Gefahr von Langzeitarbeitslosigkeit vermindern (lit. c) oder die Möglichkeit bieten,
Berufserfahrungen zu sammeln (d).
1.2.
Gemäss Art. 30 Abs. 1 AVIG ist eine versicherte Person bei Vorliegen eines in lit. a
bis g genannten ihr vorwerfbaren Verhaltens in der Anspruchsberechtigung
einzustellen. Die versicherte Person ist unter anderem dann in der
1.3.
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2.
Anfechtungs- und Streitgegenstand der vorliegenden Beschwerde bildet einerseits der
Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie Kontrollvorschriften und Weisungen der
zuständigen Amtsstelle nicht befolgt oder eine arbeitsmarktliche Massnahme ohne
entschuldbaren Grund nicht antritt, abbricht oder deren Durchführung oder Zweck
durch ihr Verhalten beeinträchtigt oder verunmöglicht (Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG). Das
Gesetz zählt in exemplarischer, nicht abschliessender Weise zwei Weisungen auf, die
von der versicherten Person unbedingt befolgt werden müssen. Eine Einstellung von
finanziellen Leistungen setzt daher nicht notwendigerweise die Erfüllung einer dieser
aufgezählten Tatbestände voraus. Diese geben aber einen Hinweis darauf, dass nicht
jede Verletzung einer Kontrollvorschrift oder Weisung eine Einstellung in der
Anspruchsberechtigung zu rechtfertigen vermag. Sie ist nur dort angezeigt, wo die
Nichtbefolgung einer Kontrollvorschrift oder Weisung, welche die
Vermittlungsförderung bezweckt, die Dauer der Arbeitslosigkeit beeinflusst. Das ist
besonders der Fall, wenn durch deren Nichtbefolgung die Vermittlung der versicherten
Person erschwert oder vereitelt wird (Jacqueline Chopard, Die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung, 1998, S. 87 und 146 mit Verweis auf Gerhard Gerhards, AVIG-
Kommentar, Bd I, Art. 30 Rz 29).
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30
Abs. 3 AVIG) und beträgt je Einstellungsgrund 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30
Tage bei mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3
der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und
Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Wird die versicherte Person wiederholt in
der Anspruchsberechtigung eingestellt, ist die Einstelldauer angemessen zu verlängern,
wobei für die Verlängerung die Einstellungen der letzten zwei Jahre zu berücksichtigen
sind (Art. 45 Abs. 5 AVIV).
1.4.
Im Sozialversicherungsrecht gilt das Beweismass der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit. Hiernach ist ein bestimmter Sachverhalt nicht bereits dann
bewiesen, wenn er bloss möglich ist; hingegen genügt es, wenn das Gericht aufgrund
der Würdigung aller relevanter Sachumstände zur Überzeugung gelangt ist, dass er der
wahrscheinlichste aller möglichen Geschehensabläufe ist (Urteil des Bundesgerichts
vom 20. Oktober 2009, 9C_717/2009, E. 3.3 mit Hinweisen). Die Beweislast (d.h. die
Folgen einer allfälligen Beweislosigkeit) für die Einhaltung einer Frist trägt jene Partei,
die daraus Rechte ableiten will (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Auflage, 2020,
Art. 39 N 10 mit Hinweisen).
1.5.
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Einspracheentscheid vom 7. Dezember 2021 bezüglich Einstellung wegen
Nichtbefolgung einer Weisung (siehe nachfolgende E. 3) und andererseits der
Einspracheentscheid vom 2. Dezember 2021 bezüglich Einstellung wegen Nichtantritt
eines Kurses (siehe nachfolgende E. 4).
3.
Es ist vorliegend unbestritten, dass die Beschwerdeführerin beim Erstgespräch am
11. Oktober 2021 von ihrer Personalberaterin angewiesen wurde, ihren Lebenslauf inkl.
die Arbeitszeugnisse ihres letzten Arbeitgebers bis am 20. Oktober 2021 einzureichen.
Unbestritten ist auch, dass dem Lebenslauf und den Arbeitszeugnissen bei der
Eingliederung in den Arbeitsmarkt ein hoher Stellenwert zukommt. Ohne aufbereitete
Bewerbungsunterlagen ist die Vermittlung der versicherten Person erschwert. Die
Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe die Bewerbungsunterlagen, wie von ihrer
Personalberaterin am 11. Oktober 2021 gefordert, am darauffolgenden Tag per E-Mail
zugestellt. Den Nachweis für diese Zustellung könne sie allerdings nicht mehr
erbringen. Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie habe das E-Mail vermutlich beim
Aufräumen des Postfachs gelöscht. Der E-Mailverlauf zwischen ihr und der
Personalberaterin zeige jedoch, dass es schon mehrmals vorgekommen sei, dass ihre
E-Mails durch die Personalberaterin nicht richtig gelesen worden seien (vgl. act. G 1
und G 5.1/A42). Gemäss den Ausführungen in E. 1.5 liegt die Beweislast für die
Einhaltung von Fristen bei der Partei, die daraus Rechte ableiten will. Entsprechend
trifft die Beschwerdeführerin die Beweislast für die rechtzeitige Einreichung der
Bewerbungsunterlagen. Die Beschwerdeführerin ist somit insofern beweisbelastet, als
sie die Folgen einer allfälligen Beweislosigkeit zu tragen hat. Die Beschwerdeführerin
konnte innerhalb des Verfahrens den Zustellnachweis nicht erbringen. Aus dem
Umstand, dass die zuständige Personalberaterin angeblich bereits frühere E-Mails
nicht richtig gelesen haben soll, kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten
ableiten, zumal aus dem E-Mail-Verkehr vom 6. Oktober 2021 nicht hervorgeht, ob die
Personalberaterin das E-Mail tatsächlich nicht bzw. falsch gelesen hat oder ob die
Beschwerdeführerin aufgrund der schlechten Verbindung nicht erreichbar war. Aus
dem E-Mail Verlauf ist vielmehr ersichtlich, dass die Kommunikation per E-Mail
weitgehend funktioniert hat und die Personalberaterin auf E-Mails der
Beschwerdeführerin jeweils zeitnah antwortete (vgl. act. G 5.1/A42, S. 6 ff.). Es ist
folglich nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die
Beschwerdeführerin der Weisung nachgekommen ist und, wie von ihr behauptet, die
Unterlagen bereits am 12. Oktober 2021 eingereicht hat. Die Beschwerdeführerin hat
3.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/15
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St.Galler Gerichte
4.
somit eine Weisung der zuständigen Amtsstelle nicht befolgt und wurde zu Recht in
ihrer Anspruchsberechtigung eingestellt.
Das SECO empfiehlt bei Nichtbefolgen von Weisungen des RAV, z.B. bei der
Beschaffung von Unterlagen, eine Sanktion von 3 - 10 Einstelltagen bei erstmaligem
Vorkommen (AVIG-Praxis ALE/D79). Die Beschwerdeführerin wurde bereits zuvor
durch das KIGA in ihrer Anspruchsberechtigung eingestellt (siehe act. G 11). Die
Beschwerdeführerin legt in ihrer Stellungnahme vom 18. Mai 2022 zwar dar, weshalb
sie die Einstellung für ungerechtfertigt hielt. Dass die Einstellungsverfügung vom
13. März 2020 in Rechtskraft erwachsen ist, bestreitet sie aber nicht. Sie wurde mit
angefochtenem Einspracheentscheid vom 7. Dezember 2021 für 5 Tage in ihrer
Anspruchsberechtigung eingestellt. Die verfügten Einstelltage liegen innerhalb der
Richtlinie des SECO und erscheinen unter den gegebenen Umständen als
angemessen.
3.2.
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin unentschuldigt vom Kurs
"Bewerbungscoaching+" ferngeblieben ist. Die Beschwerdeführerin bringt sinngemäss
vor, der Kurs "Bewerbungscoaching+" sei bei ihr aus einer arbeitsmarktlichen
Perspektive nicht angezeigt gewesen, da sie bereits über fundierte Kennnisse für das
Erstellen von Bewerbungsunterlagen und das Führen von Bewerbungsgesprächen
verfüge. Ihr neuer Personalberater habe ihr diesen Umstand auch bestätigt, weshalb er
sie nicht mehr zu einem Kurs angemeldet habe. Vorweggenommen werden muss, dass
arbeitsmarktliche Massnahmen entgegen der Annahme der Beschwerdeführerin auch
ohne Zustimmung der versicherten Personen verfügt werden können. Für die Annahme
von Unzumutbarkeit einer arbeitsmarktlichen Massnahme ist insbesondere nicht
massgebend, ob die betroffene Person die Massnahme für nötig hält oder nicht (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 6. Oktober 2020, 8C_471/2020 E. 4.4 und E. 4.5.3 mit
Verweis auf Urteil des Bundesgerichts vom 14. September 2006, C127/06, E. 4.1). Der
Kurs "Bewerbungscoaching+" dient gemäss den Angaben des Anbieters dazu,
Arbeitsmarkttauglichkeit herzustellen und Barrieren für den Eintritt in den ersten
Arbeitsmarkt zu beheben. Inhalt des Kurses ist eine Standortbestimmung der
Kursteilnehmenden, die Vermittlung von Bewerbungsstrategien und
Bewerbungsformen, das Erlernen der üblichen Umgangsformen für Stellensuchende
und den Arbeitsplatz. Auch das Einüben von authentischen Bewerbungssituationen
und das Vervollständigen von Bewerbungsunterlagen bilden Teil des Kurses (siehe
Kursbeschrieb; abrufbar unter <https://www.sah-zh.ch/fileadmin/user_upload/
Dateien_SAH_ Website/Angebote_Factsheets/
4.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/15
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Factsheet_BecoPlus_(...)_2022_03_31_web.pdf>, abgerufen am 7. September 2022).
Es ist der Beschwerdeführerin darin zuzustimmen, dass sie bereits gewisse Erfahrung
im Umgang mit Bewerbungsunterlagen vorweisen kann. Trotzdem war der Kurs
"Bewerbungscoaching+" als arbeitsmarktliche Massnahme gerechtfertigt, zumal
diesbezüglich die Anforderungen nicht hoch gesteckt werden dürfen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 6. Oktober 2020, 8C_471/2020, E. 4.4 und E. 4.5.3 mit Verweis
auf das Urteil des Bundesgerichts vom 14. September 2006, C127/06, E. 4.1). Aus den
Akten ist ersichtlich, dass der Beschwerdeführerin die Formatierung ihrer Unterlagen
Mühe bereitete; sei dies beim Bearbeiten ihres Lebenslaufs oder bei der
Zusammenführung von Bewerbungsunterlagen (vgl. act. G 5.1/A42 und act. G 5.1/
A12). Aus dem Lebenslauf der Beschwerdeführerin ist ebenfalls ersichtlich, dass sie die
letzten Arbeitsstellen noch während der Probezeit verloren hat (vgl.
Arbeitgeberkündigungen act. G 5.1/A5 und A21). Es erscheint daher überwiegend
wahrscheinlich, dass sie auch von einer Standortbestimmung hätte profitieren können.
Objektiv betrachtet hätte der Kurs die Vermittlungsfähigkeit der Beschwerdeführerin
verbessern können. Die arbeitsmarktliche Massnahme erweist sich somit als tauglich
und zumutbar. Aus dem Umstand, dass der neue Personalberater die
Beschwerdeführerin nach mehrfacher Verweigerung nicht erneut an den Kurs
anmeldete (vgl. act. G 3.4, E-Mail vom 24. Dezember 2021), kann nicht abgeleitet
werden, die arbeitsmarktliche Massnahme sei nicht gerechtfertigt oder sogar
unzumutbar gewesen. Vielmehr ergibt sich aus dem Verlaufsprotokoll, den Vorakten
und der Beschwerde, dass ein Kursbesuch im Dezember 2021 wegen der damals
geltenden Zertifikatspflicht (2G) nicht mehr in Frage kam (vgl. act. G 5.1/A55, Eintrag
vom 22. Dezember 2022, und A49 sowie act. G 1 S.3).
Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie sei entschuldigt vom Kurs ferngeblieben.
Innert der kurzen Frist sei es ihr nicht möglich gewesen, eine Betreuungsperson für ihr
Kind zu organisieren. Zudem seien die Kosten für die auswärtige Kinderbetreuung
sowie die Reise an den Kursort für sie nicht tragbar gewesen. Der Beschwerdeführerin
ist zuzustimmen, dass ihr seit der Benachrichtigung nicht viel Zeit blieb, eine
Drittbetreuung sicherzustellen. Allein aus diesem Grund ist der Kurs jedoch nicht
unzumutbar.
4.2.
Eine Grundvoraussetzung für den Bezug von Arbeitslosenentschädigung stellt
gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. f i.V.m. Art. 15 AVIG die Vermittlungsfähigkeit dar. Eine
versicherte Person ist vermittlungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist,
eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen.
Vermittlungsunfähigkeit liegt unter anderem vor, wenn eine versicherte Person aus
4.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/15
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persönlichen oder familiären Gründen ihre Arbeitskraft nicht so einsetzen kann oder
will, wie es ein Arbeitgeber normalerweise verlangt (vgl. Thomas Nussbaumer, in: Ulrich
Meyer (Hrsg.), Soziale Sicherheit, Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht Band XIV,
3. Aufl. 2016, S. 2346 Rz 266). Sucht eine versicherte Person eine 100 % Stelle, muss
sie die Betreuung der Kinder durchwegs gewährleisten können. Erscheint im Verlaufe
des Leistungsbezuges der Wille oder die Möglichkeit, die Kinderbetreuung einer
Drittperson anzuvertrauen, zweifelhaft, muss die zuständige Amtsstelle die
Vermittlungsfähigkeit im Hinblick auf die konkrete Möglichkeit einer Kinderbetreuung
prüfen und einen Obhutsnachweis verlangen (siehe Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 25. Februar 2016, AVI 2015/21, mit Verweis auf Urteil des
Bundesgerichts vom 30. Juli 2003, C10/01). Betreuungspflichten gegenüber
minderjährigen Kindern stellen gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in der
Regel keinen persönlichen Grund dar, der eine arbeitsmarktliche Massnahme
unzumutbar macht. Kinderbetreuung ist höchstens dann ein Unzumutbarkeitskriterium,
wenn sie objektiv nicht an eine Drittperson übertragen werden kann, was nach Ablauf
des Mutterschaftsurlaubs regelmässig nicht mehr der Fall sein dürfte. Gemäss der
Rechtsprechung des Bundesgerichts muss eine alleinerziehende Mutter eines
Kleinkindes sich um eine alternative Betreuungsmöglichkeit kümmern, wenn ihr im
Voraus bekannt ist, dass die üblichen Betreuungspersonen vorübergehend abwesend
sein werden. Unter diesen Umständen ist sie verpflichtet, auch einem kurzfristig
zugehenden Kursaufgebot nachzukommen, wobei auch die Kosten für die
Fremdbetreuung an der Zumutbarkeit des Kursbesuchs nichts ändern (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 25. Juni 2004, C 43/04, E. 2.2 und 3.1).
Gemäss den vorstehenden Erwägungen war die Beschwerdeführerin verpflichtet,
die Betreuung ihres Kindes sicherzustellen. Dass ihr Ehemann, welcher normalerweise
die Kinderbetreuung übernimmt, in diesem Zeitraum einen Kurs besuchte, ändert an
diesem Umstand nichts. Die Beschwerdeführerin musste, solange sie
Arbeitslosenentschädigung bezog, darauf vorbereitet sein, für eine arbeitsmarktliche
Massnahme aufgeboten oder für eine Stelle vermittelt zu werden. Sie wäre deshalb
verpflichtet gewesen, sich frühzeitig um eine alternative Betreuungsmöglichkeit zu
kümmern, zumal ihr der Kursbesuch des Ehemanns bereits im Voraus bekannt
gewesen sein dürfte. Ohnehin musste die Beschwerdeführerin jederzeit damit rechnen,
dass ihr Ehemann aufgrund seiner eigenen Arbeitssuche und der damit verbundenen
Verpflichtungen (z.B. arbeitsmarktliche Massnahmen, Bewerbungsgespräche,
Probearbeiten oder Stellenantritt) kurzfristig nicht mehr für die Kinderbetreuung zur
Verfügung stehen würde, sodass sie unabhängig von einem konkreten Kursaufgebot
ihres Ehemannes frühzeitig eine anderweitige Kinderbetreuung für den Bedarfsfall hätte
4.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/15
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sicherstellen müssen (siehe auch Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juni 2004, C
43/04, E. 3.2).
Es ist zudem zweifelhaft, ob die Beschwerdeführerin den Kurs auch bei mehr
Vorbereitungszeit angetreten hätte, da sie sich auf den Standpunkt stellt, der Kurs sei
für sie nicht angezeigt gewesen. So ist insbesondere dem ersten E-Mail vom
5. November 2021 zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin zuerst die
Notwendigkeit des Kurses in Frage stellte und erst nach dem Festhalten der
Personalberaterin am Kurs vorbrachte, eine Drittbetreuung für ihr Kind zu organisieren,
sei ihr nicht möglich. Aus dem weiteren E-Mailverlauf vom 13. November 2021 geht
zudem hervor, dass die Beschwerdeführerin auch in Hinblick auf den nächsten Kurs
vom 23. November 2021 geltend machte, es sei ihr nicht möglich, eine Betreuung zu
organisieren (act. G 5.1/A31). Der nächste Kurs vom 23. November 2021 wurde dann
annulliert, da die Beschwerdeführerin sich krankmeldete (vgl. act. G 5.1/A36). Der neue
Personalberater bestätigte der Beschwerdeführerin mit E-Mail vom 29. Dezember
2021, dass er von einer Neuanmeldung zum Kurs absehe (act. G 3.4). Wie bereits
ausgeführt war ein Kursbesuch zu diesem Zeitpunkt der Beschwerdeführerin wegen
der Zertifikatspflicht nicht mehr möglich. Zudem stand sie kurz vor der Aussteuerung
(vgl. act. G 5.1/A51). Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die
Beschwerdeführerin den Kurs überwiegend wahrscheinlich auch bei einer längeren
Vorbereitungszeit nicht angetreten hätte. Zu einem Kursbesuch war sie gemäss
eigenen Ausführungen erst im Dezember 2021 bereit, da zu diesem Zeitpunkt der
Ehemann mit seinem Kurs fertig war (vgl. act. G 5.1/A55, Eintrag vom 30. November
2021, sowie act. G 5.1/A61).
4.5.
Schliesslich ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin nach Treu und Glauben
darauf vertrauen konnte, dass sie sanktionslos vom Kurs abgemeldet werde. Der in
Art. 9 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101)
verankerte Grundsatz von Treu und Glauben statuiert ein Verbot widersprüchlichen
Verhaltens und verleiht einer Person Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens
in behördliche Zusicherungen oder sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes
Verhalten der Behörden (BGE 143 V 341, E. 5.2.1 mit Verweis auf
BGE 131 II 627, E. 6.1). Aus dem Grundsatz von Treu und Glauben wird abgeleitet,
dass falsche Auskünfte von Verwaltungsbehörden unter bestimmten Voraussetzungen
eine vom materiellen Recht abweichende Behandlung des Rechtsuchenden gebieten
(BGE 116 V 298, E. 3a). Gemäss Rechtsprechung und Doktrin ist eine falsche Auskunft
bindend, 1. wenn die Behörde in einer konkreten Situation mit Bezug auf bestimmte
Personen gehandelt hat; 2. wenn sie für die Erteilung der betreffenden Auskunft
4.6.
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zuständig war oder wenn der Bürger die Behörde aus zureichenden Gründen als
zuständig betrachten durfte; 3. wenn der Bürger die Unrichtigkeit der Auskunft nicht
ohne weiteres erkennen konnte; 4. wenn er im Vertrauen auf die Richtigkeit der
Auskunft Dispositionen getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht
werden können; 5. wenn die gesetzliche Ordnung seit der Auskunftserteilung keine
Änderung erfahren hat (BGE 143 V 341, E. 5.2.1).
Es ist im vorliegenden Fall unumstritten, dass die Personalberaterin offerierte, die
Beschwerdeführerin vom Kurs abzumelden. Ebenfalls ist klar, dass die
Personalberaterin für diese Auskunft zuständig war. Die Beschwerdeführerin konnte
jedoch aus nachfolgenden Gründen nicht darauf vertrauen, sanktionslos vom Kurs
abgemeldet zu werden. Die Beraterin stellte zwar in Aussicht, sie vom Kurs
abzumelden, falls sie die Kinderbetreuung (entgegen ihrer Zusicherung im
Erstgespräch) nicht geregelt habe, teilte ihr jedoch im gleichen Satz mit, sie sei
verpflichtet die Angelegenheit dem Rechtsdienst zu melden. Die Personalberaterin
führte aus, die Beschwerdeführerin solle abklären, ob sie die Kinderbetreuung am
Wochenende doch noch regeln und somit den Kurs besuchen könne. Die
Personalberaterin sicherte ihr nach dem Gesagten nicht zu, sie noch am Freitag vom
Kurs abzumelden. Es wäre vielmehr die Pflicht der Beschwerdeführerin gewesen, sich
bis zum Kursstart um eine Drittbetreuung zu bemühen. Eine sofortige Abmeldung vom
Kurs hätte der Beschwerdeführerin die Möglichkeit genommen, einer Sanktion zu
entgehen, und wäre zu diesem Zeitpunkt zum Nachteil der Beschwerdeführerin erfolgt,
zumal dadurch ihre Vermittlungsfähigkeit in Frage gestellt worden wäre. Der Pflicht,
eine Drittbetreuung sicherzustellen, kam sie jedoch nicht nach und nahm somit eine
Sanktion in Kauf. Die Beschwerdeführerin meldete sich auch nach dem besagten
Wochenende nicht mehr beim RAV, obwohl dies angezeigt gewesen wäre. Aufgrund
der gesamten Umstände ergibt sich, dass sich die Beschwerdeführerin nicht auf den
Vertrauensschutz berufen kann.
4.7.
Das SECO empfiehlt bei unentschuldigtem Kursabbruch oder Nichtantritt bei einer
Kurslänge von ca. 3 Wochen eine Sanktion von 10 - 12 Einstelltagen (AVIG-Praxis ALE/
D79). Die Beschwerdeführerin wurde mit angefochtenem Einspracheentscheid vom
2. Dezember 2021 für 16 Tage in ihrer Anspruchsberechtigung eingestellt. Die
verfügten Einstelltage liegen oberhalb der Richtlinien des SECO. Erschwerende oder
mildernde Faktoren sind jedoch zusätzlich zu berücksichtigten (Art. 45 Abs. 5 AVIV;
BGE 123 V 150 E. 3c). Gemäss den Ausführungen des Beschwerdegegners wurde
insbesondere berücksichtigt, dass die Beschwerdeführerin in den letzten zwei Jahren
bereits zweimal eingestellt werden musste. Die Einstellung in der
4.8.
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5.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. f ATSG).