Decision ID: 814600ff-c922-5826-a862-35574a020869
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen Anga-
ben am 6. März 2016. Am 2. Juni 2016 sei er in die Schweiz eingereist und
suchte am 7. Juni 2016 um Asyl nach. Am 14. Juni 2016 fand die Befragung
zur Person (BzP) statt. Die Vorinstanz hörte den Beschwerdeführer am
11. Juni 2018 einlässlich zu seinen Asylgründen an.
Dabei gab der Beschwerdeführer an, er sei tamilischer Ethnie und stamme
aus B._, Distrikt C._. Im Jahr 1992 sei er nach D._,
Distrikt C._, gezogen, wo er bis 1996 und dann wieder von 2008
bis zur Ausreise gelebt habe. Während seiner (...)jährigen Schulzeit habe
er von (...) bis (...) für die Liberation Tigers of Tamil Eealam (LTTE) (...)
müssen. Von 2002 bis 2008 habe er in E._ gelebt und als (...) sowie
(...) gearbeitet. Seit (...) 2005 sei er mit F._ verheiratet und habe
mit ihr (...) Söhne. Zuletzt sei er Inhaber eines (...)geschäfts und in der (...)
tätig gewesen. Er sei nie politisch aktiv gewesen.
Zu seinen Asylgründen führte er aus, im (...) 1996 seien er und zwei seiner
(...) zusammen mit (...) Männern aufgrund ihrer tamilischen Ethnie (ein [...]
mit ihm, der andere früher in einer Razzia) festgenommen worden. Einer
seiner (...) sei nach (...) Monaten freigelassen und später vom Gericht frei-
gesprochen worden, der andere sei seither verschollen. Während der
(...)tägigen Haft sei er – der Beschwerdeführer – misshandelt worden.
Nachdem seine (...) einen (...) bestochen hätten, sei er mit dessen Hilfe
aus dem Camp geflohen. Aus Angst vor einer erneuten Inhaftierung sei er
im Jahr 20(...) nach E._ gereist. Nach seiner Rückkehr sei er seit
dem Jahr 20(...) etwa (...) bis (...) Mal von der Polizei gesucht worden. Er
habe sich während dieser Zeit bei seinem (...) und in der Ortschaft aufge-
halten, aus welcher sein Vater stamme. Im (...) 2016 habe er sich in
G._ einen Pass ausstellen lassen. In einer Nacht (...) 2016 seien
Armeeangehörige zu ihm nach Hause gekommen und hätten ihn festneh-
men wollen. Seine Mutter habe ihn gewarnt, worauf er durch den Hinter-
eingang des Hauses geflüchtet sei. Am nächsten Tag sei er nach
G._ gefahren. Am (...) 2016 habe er Sri Lanka legal mit seinem
Pass über den Flughafen Colombo verlassen. Nach seiner Ausreise sei
seine Familie drei oder vier Mal aufgesucht und nach seinem Verbleib be-
fragt worden.
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Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer seine Identitätskarte im Ori-
ginal sowie Kopien der Heiratsurkunde, von Geburtsurkunden von Fami-
lienangehörigen, eines Haftbefehls vom (...) 2016, diverse Beweismittel
sowohl im Original als auch in Kopie im Zusammenhang mit dem Ver-
schwinden seines Bruders und eine Anzeige der «Human Rights Commis-
sion of Sri Lanka» vom (...) 2018 im Original ein.
B.
Mit Verfügung vom 12. Dezember 2018 verneinte die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab, ver-
fügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Den
zuständigen Kanton beauftragte sie mit dem Vollzug der Wegweisung.
C.
Mit Eingabe vom 14. Januar 2019 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die angefochtene Verfü-
gung sei aufzuheben und die Sache sei zur Neubeurteilung (unter anderem
aufgrund der aktuellen politische Lage in Sri Lanka seit dem 26. Oktober
2018) an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die angefochtene
Verfügung aufzuheben und es sei ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuer-
kennen und Asyl zu gewähren. Subeventualiter sei die Unzulässigkeit
und/oder die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und
die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Prozessual sei ihm die unentgeltli-
che Prozessführung und die amtliche Verbeiständung zu gewähren.
Als Beweismittel gab er vier Artikel der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) zu
den Akten.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 29. Januar 2019 wies die Instruktionsrichterin
die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amt-
lichen Verbeiständung ab und forderte den Beschwerdeführer auf, einen
Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 750.– zu leisten.
E.
Der Kostenvorschuss wurde am 11. Februar 2019 fristgerecht bezahlt.
E-233/2019
Seite 4

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren
gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-
derung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-
nung verwenden wird.
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
E-233/2019
Seite 5
5.
5.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, wel-
che vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassa-
tion der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist,
dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-
nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 143 III 65 E. 5.2).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen
Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver-
haltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach-
verhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind;
unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen
Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal-
tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013,
Rz. 1043).
5.3 Der Beschwerdeführer rügt zunächst eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs. Es sei aktenkundig und durch Beweismittel belegt, dass er und
mindestens einer seiner (...) (welcher verschollen sei) Tätigkeiten für die
LTTE ausgeführt hätten. Die Vorinstanz habe es unterlassen, diese Tatsa-
che anhand der im Referenzurteil festgelegten Risikofaktoren zu prüfen.
Die Vorinstanz hat sich in ihrer Verfügung mit den eingereichten Beweis-
mitteln im Zusammenhang mit dem Verschwinden des (...) im Jahre 1996
auseinandergesetzt. Sie hat festgehalten, dass diese nicht auf eine aktu-
elle Gefährdung des Beschwerdeführers schliessen liessen. Nach einer
eingehenden Würdigung seiner Vorbringen ist sie zum Schluss gelangt,
dass die geltend gemachte Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden
nicht glaubhaft sei. In der Folge fiel die Prüfung der Risikofaktoren zwar
knapp, aber angesichts der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen noch genü-
gend aus. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt nicht vor.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
E-233/2019
Seite 6
5.4 Der Beschwerdeführer rügt weiter eine unvollständige und unrichtige
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts. Zur Begründung ver-
weist er auf die neusten politischen Entwicklungen in Sri Lanka. Indes be-
steht aus diesem Grund kein Anlass zu einer Rückweisung zur Neubeur-
teilung der Sache durch die Vorinstanz, da diese im Rahmen des vorlie-
genden Beschwerdeverfahrens berücksichtigt wird, zumal es sich um ein
allgemeines und nicht individuelles Vorbringen handelt.
5.5 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-
begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen
Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbe-
zügliche Rechtsbegehren ist abzuweisen.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2012/5 E. 2.2).
7.
7.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen
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Seite 7
an das Glaubhaftmachen nach Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand.
Anlässlich der BzP habe er ausgeführt, im (...) 2016 hätten sich die sri-
lankischen Behörden einmal bei seiner Frau an ihrem Wohnort in
D._ nach ihm erkundigt. Im Widerspruch dazu habe er anlässlich
der Anhörung angegeben, diese Nachstellung habe im (...) 2016 stattge-
funden. In der BzP habe er nur eine behördliche Suche erwähnt. Demge-
genüber habe er an der Anhörung ausgeführt, zwischen (...) und (...) etwa
(...) bis (...) Mal gesucht worden zu sein. Nicht nachvollziehbar sei, wes-
halb er in der Anhörung die Abgabe eines Haftbefehls bestritten habe, um
dann am Ende der Anhörung einen Haftbefehl in Kopie einzureichen. Auf-
grund dieser Widersprüche würden Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner
Vorbringen aufkommen.
Ferner sei er nicht in der Lage gewesen, sich zu den angeblichen Suchen
zwischen (...) und (...) konkret zu äussern und habe Fragen ungenau be-
antwortet: Genaue Daten dieser Vorfälle, Schilderung des Vorgehens der
Behörden sowie stattgefundene Gespräche zwischen Angehörigen und
den Behörden. Seine Aussagen dazu seien allgemein, ausweichend und
würden nicht den Eindruck von persönlich Erlebtem vermitteln. Auch zu
den angeblichen Behelligungen von Angehörigen nach seiner Ausreise
seien seine Aussagen stereotyp und substanzlos ausgefallen.
Weiter zeige die Passausstellung und die mehrmals erfolgte legale Ein-
und Ausreise im Zusammenhang mit seinem Aufenthalt in E._, dass
nichts gegen ihn vorgelegen habe und er in den Augen der sri-lankischen
Behörden als unbescholtener Bürger gegolten habe. Falls tatsächlich eine
Verfolgungsabsicht der Behörden im Zusammenhang mit seiner Haft im
Jahr 1996 bestanden hätte, wäre er wohl kaum im Jahr (...) freiwillig nach
Sri Lanka zurückgekehrt, um sich nach seiner Hochzeit noch weitere (...)
Monate dort aufzuhalten. Sodann habe er angegeben, Inhaber einer Firma
mit mehreren Angestellten und offiziell in D._ gemeldet gewesen zu
sein. Unter diesen Umständen sei nicht glaubhaft, dass die sri-lankischen
Behörden ihn nie hätten aufspüren und festnehmen können. Schliesslich
habe er sich im (...) 2016 bei den Behörden in G._ einen Pass auf
seine eigene Identität ausstellen lassen. In dessen Besitz habe er am (...)
2016 Sri Lanka legal über den kontrollierten Grenzübergang am Flughafen
Colombo verlassen. Auch dieses Vorgehen passe nicht ins Bild einer zu
diesem Zeitpunkt angeblich von den sri-lankischen Behörden gesuchten
Person.
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Seite 8
Zum eingereichten Haftbefehl sei festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
sich anlässlich der Anhörung nicht konkret dazu habe äussern können. Da
das Dokument nur in Kopie vorliege, bestehe die Möglichkeit, daran belie-
bige Manipulationen vorzunehmen. Auch nicht ersichtlich sei, wer eine of-
fizielle Kopie dieses Dokuments erstellt habe. Zudem sei der Haftbefehl in
einer für die sri-lankische Gerichtspraxis unüblichen Sprache abgefasst
und enthalte eine untypische beziehungsweise falsche Fallnummer. Auf-
grund dieser Ungereimtheiten komme dem Haftbefehl kein Beweiswert zu.
Die Anzeige bei der «Human Rights Commission of Sri Lanka» vom
(...) 2018 basiere einzig auf den Angaben seiner Ehefrau. Die Anzeige sei
somit als Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiswert zu qualifizieren. Die wei-
teren eingereichten Dokumente würden die Nachforschungen im Zusam-
menhang mit dem Verschwinden seines (...) im Jahr 1996 betreffen. Dar-
aus lasse sich keine aktuelle Gefährdung für den Beschwerdeführer ablei-
ten.
Zu Art. 3 AsylG sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer nicht habe
glaubhaft machen können, vor seiner Ausreise asylrelevanten Verfolgungs-
massnahmen ausgesetzt gewesen zu sein. Vielmehr habe er nach Kriegs-
ende noch etwa sieben Jahre in seinem Heimatstaat gelebt. Allfällige, im
Zeitpunkt seiner Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich kein
Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden ausgelöst. So-
mit bestehe kein begründeter Anlass zur Annahme, dass er bei einer Rück-
kehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer
Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde.
7.2 In der Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer zunächst gel-
tend, das Protokoll der BzP könne nicht als Entscheidgrundlage herange-
zogen werden, da er ausdrücklich darauf hingewiesen worden sei, sich
kurz zu halten. Weiter hält er an der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen fest
und führt ergänzend aus, dem Protokoll der Anhörung könne nicht entnom-
men werden, dass er die Abgabe eines Haftbefehls bestritten haben soll.
Sodann sei die Schlussfolgerung des SEM, wonach er keine konkreten An-
gaben zu den behördlichen Suchen gemacht habe, falsch. Er sei meistens
nicht zuhause gewesen, als die Sicherheitsbehörden ihn gesucht hätten,
weshalb er keine detaillierten Aussagen dazu machen könne. Hingegen
habe er die Suche im (...) 2016, als er zuhause gewesen sei, detailliert und
widerspruchsfrei geschildert. Weiter verkenne die Vorinstanz, dass LTTE-
Helfer erst nach dem Ende des Bürgerkrieges in den Fokus der Behörden
geraten seien, weshalb seine legale Ausreise im Jahr (...) und die Wieder-
einreise im Jahr (...) nicht gegen die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen
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Seite 9
spreche. Auch die legale Ausreise im (...) 2016 schliesse eine Gefährdung
nicht per se aus. In fast allen Fällen seien Grenzbeamte des Flughafens
durch Bestechung involviert.
8.
8.1 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die BzP könne nicht als
Entscheidgrundlage herangezogen werden, ist festzustellen, dass es ge-
mäss ständiger Rechtsprechung zulässig ist, Widersprüche für die Beurtei-
lung der Glaubhaftigkeit heranzuziehen, wenn klare Aussagen in der BzP
in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen
in der Anhörung diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse
oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt wer-
den, nicht bereits in der BzP zumindest ansatzweise erwähnt werden (vgl.
statt vieler: Urteil des BVGer D-3114/2018 vom 28. Juni 2019 E. 5.1 m.w.H;
Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 1993 Nr. 3). Die Rich-
tig- und Vollständigkeit seiner Aussagen anlässlich der BzP hat der Be-
schwerdeführer unterschriftlich bestätigt. Vor diesem Hintergrund besteht
kein Anlass, die Aussagen aus der BzP nicht in die Prüfung der Glaubhaf-
tigkeit miteinzubeziehen.
8.2 Die vorinstanzliche Beweiswürdigung ist sodann nicht zu beanstanden.
Die Vorinstanz hat einlässlich begründet, weshalb die Vorbringen des Be-
schwerdeführers widersprüchlich, stereotyp, substanzlos und damit insge-
samt nicht glaubhaft ausgefallen sind. Zur Anzahl und zum Zeitpunkt der
behördlichen Suchen machte er widersprüchliche Aussagen, wobei dies-
bezüglich vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen in der ange-
fochtenen Verfügung verwiesen werden kann. Weiter ist festzustellen, dass
der Beschwerdeführer zu den Behelligungen keine substantiierten Anga-
ben machen konnte und repetitiv angab, die Behörden seien zu ihm nach
Hause gekommen und hätten ihn verhaften wollen. Die Argumentation in
der Rechtsmitteleingabe, wonach er nicht zu Hause gewesen sei, weshalb
er keine Angaben zu den Vorfällen machen könne, überzeugt nicht. Es
wäre von ihm zu erwarten gewesen, dass er sich bei seinen Angehörigen
über die Verfolger und Gründe der ausgeübten Repression informiert hätte,
zumal es sich um sein zentrales Asylvorbringen handelt. Sodann ist fest-
zustellen, dass er auch zur angeblichen Suche im (...) 2016, anlässlich
derer er anwesend gewesen sei, keine konkreten Angaben machen
konnte. So führte er aus, seine Mutter habe ihn vor dem Eintreffen der Be-
hörden gewarnt, weshalb er durch den Hintereingang des Hauses geflüch-
tet und nach G._ gegangen sei (vgl. SEM-Akten A14/21 F 88 ff.).
Ferner hat die Vorinstanz zutreffend ausgeführt, dass schwer vorstellbar
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sei, dass es den sri-lankischen Behörden nicht gelungen sein soll, eine an-
geblich seit dem Jahr 1996 gesuchte Person zu verhaften, selbst wenn die
Behörden erst nach Beendigung des Bürgerkrieges zu Informationen über
den Beschwerdeführer als Helfer gekommen wären. Schliesslich ist fest-
zuhalten, dass der Beschwerdeführer im (...) 2016 einen Pass in
G._ ausstellen liess, um mit diesem Sri Lanka im März 2016 über
den streng kontrollierten Flughafen von Colombo zu verlassen. Dies wäre
wohl kaum möglich, falls die Behörden tatsächlich ein Interesse an ihm
hätten. Sein Erklärungsversuch, wonach der Schlepper wahrscheinlich die
Grenzbeamten bestochen habe, vermag nicht zu überzeugen.
Bezüglich des eingereichten Haftbefehls ist festzuhalten, dass dieser le-
diglich in Kopie vorliegt, weshalb ihm ein geringer Beweiswert zukommt.
Sodann führte die Vorinstanz zutreffend aus, dass der Beschwerdeführer
keine Angaben zum Ausstellungsdatum, zum vorgeworfenen Delikt und der
ausstellenden Person machen konnte (vgl. SEM-Akten A14/21 F169 ff.).
Weiter sind seine Aussagen, wie er in den Besitz einer Kopie des Haftbe-
fehls gelangen konnte, widersprüchlich ausgefallen. Einerseits führte er
aus, die Behörden hätten seinen Angehörigen den Haftbefehl nicht abge-
geben (vgl. SEM-Akten A14/21 F126), andererseits sei dieser seinem Vater
von einer unbekannten Person übergeben worden (vgl. SEM-Akten A14/21
F163 ff.). Schliesslich ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass der Haftbe-
fehl in einer für die sri-lankische Gerichtspraxis unüblichen Sprache aus-
gefüllt ist und eine untypische Fallnummer enthält. Vor diesem Hintergrund
erübrigt sich eine Überprüfung der Authentizität des Haftbefehls durch die
Botschaft in Colombo, weshalb der entsprechende Beweisantrag abzuwei-
sen ist.
9.
9.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr
von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Zur Beurtei-
lung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form
von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risikofaktoren
identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene
Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der „Stop List“ und die Teilnahme
an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als stark risikobe-
gründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid dargelegten
Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begrün-
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Seite 11
deten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Fehlen ordentli-
cher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und eine
gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach risikobegrün-
dende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weitreichenden
Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene kleine Gruppe tatsächlich mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3
AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen Behörden be-
strebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen und so
den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die dargelegten Ri-
sikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren Namen
in der am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop-List" vermerkt seien und
der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungsweise einen Straf-
registereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten
Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte für sri-lankische
Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch betätigt hätten (vgl.
a.a.O. E. 8).
9.2 Der Beschwerdeführer wurde nach einer kurzen Inhaftierung im Jahr
1996 freigelassen, konnte jedoch nicht glaubhaft machen, dass er in der
Folge von den sri-lankischen Behörden belangt wurde. Weder die LTTE-
Mitgliedschaft einer (...) noch das Verschwinden des (...) im Jahr 1996
führten zu Problemen für den Beschwerdeführer. Ferner reiste er mehrmals
über den Flughafen Colombo ein und aus, ohne dass dabei etwas vorge-
fallen wäre. Weiter wurde der Beschwerdeführer keiner Straftat angeklagt
oder verurteilt und verfügt daher auch nicht über einen Strafregistereintrag.
Alleine aus der tamilischen Ethnie und der rund vierjährigen Landesabwe-
senheit kann er keine Gefährdung ableiten. Dass er in einer „Watch List“
aufgeführt ist, kann aufgrund seiner Verhaftung nicht gänzlich ausge-
schlossen werden, dürfte aufgrund des Gesagten jedoch wenig wahr-
scheinlich sein.
9.3 Zu den in der Beschwerdeschrift aufgeführten Umständen und Ent-
wicklungen der allgemeinen politischen Lage in Sri Lanka ist festzustellen,
dass in keiner Weise erkennbar ist, wie sich diese zum heutigen Zeitpunkt
auf den Beschwerdeführer auswirken könnten.
9.4 Unter Würdigung aller Umstände ist somit anzunehmen, dass der Be-
schwerdeführer von der sri-lankischen Regierung nicht zu jener Gruppe
gezählt wird, die bestrebt ist, den tamilischen Separatismus wiederaufle-
ben zu lassen und so eine Gefahr für den sri-lankischen Einheitsstaat dar-
stellt. Es ist nicht davon auszugehen, dass ihm persönlich im Falle einer
E-233/2019
Seite 12
Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG
drohen würden. Dies ergibt sich auch nicht aus den auf Beschwerdeebene
eingereichten Dokumenten.
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
10.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
11.
11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
11.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
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Seite 13
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
11.3 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri
Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka
lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts nicht als un-
zulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 E. 12.2 sowie statt vieler Urteil BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020
E. 9.2). Es ergeben sich aus den Akten auch keine konkreten Hinweise
darauf, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die
über einen so genannten "Background Check" (Befragung und Überprü-
fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass
er persönlich gefährdet wäre. Daran vermögen der Regierungswechsel
vom November 2019 sowie die seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts
zu ändern. Der Wegweisungsvollzug erweist sich somit als zulässig.
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11.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
11.4.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24
E. 13.2.1). Gemäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die
Nord- und Ostprovinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zu-
mutbarkeitskriterien bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil des BVGer
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2). An dieser Einschätzung vermö-
gen die Gewaltvorfälle in Sri Lanka vom 21. April 2019, der gleichentags
von der sri-lankischen Regierung verhängte und am 28. August 2019 auf-
gehobene Ausnahmezustand sowie die mit den Wahlen im November 2019
zusammenhängenden gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu ändern
(vgl. dazu auch vorstehend E. 9.3 sowie statt vieler Urteil BVGer
E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.3).
11.4.2 Vorliegend sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Der Beschwerdeführer lebte zuletzt
in D._, Distrikt C._, Nordprovinz, wo er ein eigenes Haus
besitzt. Seine Ehefrau, seine Kinder, die Eltern und zahlreiche Geschwister
leben noch in Sri Lanka, mithin verfügt er in seinem Heimatland über ein
bestehendes Beziehungsnetz. Sodann hat er (...) Jahre lang die Schule
besucht und als (...) sowie (...) gearbeitet. Zuletzt war er Inhaber eines
(...)geschäfts mit mehreren Angestellten. Vor diesem Hintergrund ist davon
auszugehen, dass er bei einer Rückkehr von seiner Familie bei der Wie-
dereingliederung unterstützt werden kann und eine neue Existenz wird auf-
bauen können. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich auch in individu-
eller Hinsicht als zumutbar.
11.5 Schliesslich verfügt der Beschwerdeführer über eine Identitätskarte
und es obliegt ihm, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates
die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl.
Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Voll-
zug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2
AIG).
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11.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
13.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der
Verfahrenskosten verwendet.
(Dispositiv nächste Seite)
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