Decision ID: c07dce16-68d4-5f72-a6fd-aedd3e4197d8
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein Tamile mit letztem Wohnsitz in B._,
Nordprovinz – stellte am 17. Oktober 2016 erstmals ein Asylgesuch in der
Schweiz. Er gab an, im Jahr (...) sei er von einem Soldaten auf die Brust
geschlagen worden, als er mit seinem Vater zu Befragungen im Zusam-
menhang mit seinen Brüdern, die früher Probleme gehabt und das Land
verlassen hätten, gegangen sei. Seither habe er gesundheitliche Prob-
leme. Im Wesentlichen begründete er sein Asylgesuch dann damit, dass
unbekannte Personen ihn im (...) mehrmals angehalten und bedroht hät-
ten. Sie hätten dann seine Eltern um Geld erpresst, weil die Familie wohl-
habend sei, wobei sie auch mit seiner Entführung gedroht hätten. Im (...)
2016 habe man schliesslich seinem Vater gesagt, er müsse zusammen mit
ihm zu einer Befragung erscheinen, weil er (Beschwerdeführer) im Vorgang
der Wahlen im Rahmen eines Lesezirkels für die TNA (Tamil National Alli-
ance) Flugblätter verteilt habe. Nach seiner Ausreise aus Sri Lanka sei sein
Vater vom Criminal Investigation Department (CID) wegen seiner Ausreise
befragt und dabei auch geschlagen worden. Auch werde seit seiner Aus-
reise von unbekannten Personen das Haus beschädigt, unter anderem, in-
dem Steine geworfen würden; vermutlich handle es sich bei den Unbe-
kannten um die Erpresser. Mit den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam)
habe im Übrigen niemand seiner Familie zu tun gehabt. Einer seiner Brüder
sei seit (...) verschwunden.
B.
Das erste Asylgesuch lehnte die Vorinstanz am 23. September 2019 ab,
und sie verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug.
Zur Begründung erhob sie Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Vorbrin-
gen, qualifizierte sie aber unabhängig davon als nicht asylrelevant. Den
Wegweisungsvollzug beurteilte sie als zulässig, zumutbar und möglich.
C.
Die gegen diese Verfügung gerichtete Beschwerde vom 28. Oktober 2019,
verfasst von seinem Rechtsvertreter, wies das Bundesverwaltungsgericht
mit Urteil E-5656/2019 vom 2. Dezember 2019 vollumfänglich als offen-
sichtlich unbegründet ab. In der Begründung bestätigte das Gericht insbe-
sondere die vorinstanzlich erkannte fehlende Asylrelevanz in den Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers und hielt ergänzend fest, dass hinsichtlich den
neusten Entwicklungen der allgemeinen politischen Lage in Sri Lanka nicht
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erkennbar sei, inwiefern sich diese konkret auf die Situation des Beschwer-
deführers auswirken könnten. Weiter verneinte das Gericht in Übereinstim-
mung mit dem SEM das Bestehen eines Risikoprofils im Sinne der Praxis
und – unter Berücksichtigung der aktuellen Lage in Sri Lanka – beachtens-
werte Vollzugshindernisse.
D.
Am 17. Januar 2020 richtete der Beschwerdeführer – handelnd durch sei-
nen Rechtsvertreter – eine als «Asylgesuch respektive Mehrfachgesuch,
eventualiter qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch, subeventualiter einfa-
ches Wiedererwägungsgesuch» bezeichnete Eingabe an die Vorinstanz.
Unter Verweis auf diverse Medienberichte führte er im Wesentlichen aus,
die Sicherheitslage in Sri Lanka habe sich seit der Machtübernahme durch
den Rajapaksa-Clan Mitte November 2019 massiv verschlechtert. Die Ge-
fährdungslage für zurückkehrende tamilische Personen und insbesondere
für ihn persönlich habe sich dadurch erheblich verschärft, zumal er bei den
Sicherheitsbehörden bekannt sei, als Unterstützer der LTTE gelte und auch
bereits verhaftet worden sei. Vor diesem Hintergrund sei sein Profil in
flüchtlingsrechtlicher Hinsicht erneut zu würdigen, eventualiter sei er we-
gen Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vor-
läufig aufzunehmen.
E.
Die Vorinstanz behandelte die Eingabe mit Verfügung vom 3. April 2020 –
eröffnet am 7. April 2020 – als Mehrfachgesuch und trat auf dieses nicht
ein, unter gleichzeitiger Anordnung der Wegweisung sowie von deren Voll-
zug.
F.
F.a Mit Eingabe vom 10. April 2020 erhob der Beschwerdeführer gegen
diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er bean-
tragt, es sei festzustellen, dass die kurze Frist von sieben (recte: fünf)
Arbeitstagen angesichts der aktuell durch die Corona-Pandemie hervor-
gerufene Situation das rechtliche Gehör beziehungsweise die Rechtsweg-
garantie verletze. Gegebenenfalls sei ihm deshalb eine Frist zur Nachrei-
chung einer materiellen Begründung anzusetzen. Eventualiter sei die Ver-
fügung des SEM aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen,
und ihm Asyl zu gewähren, sowie der Wegweisungsvollzug sei als unzu-
lässig, unzumutbar und unmöglich festzustellen und die vorläufige Auf-
nahme anzuordnen, dies unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
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In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersucht er um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung, inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses, sowie um Ernennung eines amtlichen Rechtsbeistandes.
F.b Am 14. April 2020 reichte der Beschwerdeführer, nun handelnd durch
seinen Rechtsvertreter, eine weitere Beschwerdeschrift ein. Er beantragt
darin die Aufhebung der Verfügung vom 3. April 2020 und die Rückweisung
der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung (mit Anweisung zur mate-
riellen Behandlung), eventualiter die Feststellung der Flüchtlingseigen-
schaft sowie die Gewährung von Asyl, subeventualiter die Gewährung der
vorläufigen Aufnahme unter Feststellung der Unzulässigkeit und/oder Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges, dies unter Kosten- und Entschä-
digungsfolgen, vorbehalten der Bestimmungen der unentgeltlichen Pro-
zessführung.
In prozessualer Hinsicht beantragt er die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung unter Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als un-
entgeltlichen Rechtsbeistand. Ausserdem ersucht er um Sistierung des Be-
schwerdeverfahrens bis am 30. September 2020 beziehungsweise bis zum
Abschluss des hängigen Eheschliessungsverfahrens.
Als Beweismittel reichte er unter anderem die Kopie einer Verfügung des
SEM bezüglich eines Mehrfachgesuches in einem angeblich analogen Fall,
verschiedene, zwischen dem 20. März 2017 und 16. Januar 2020 entstan-
dene Medienberichte, ein Interview der Schweizerischen Flüchtlingshilfe
(SFH) mit einem in der Schweiz als Flüchtling anerkannten tamilischen
Journalisten vom 10. Dezember 2019 sowie eine Quittung des Zivilstands-
amtes C._ vom 10. März 2020 zu den Akten.
G.
Am 15. April 2020 stellte die zuständige Instruktionsrichterin des Bundes-
verwaltungsgerichts fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des
Verfahrens in der Schweiz abwarten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht (nachfolgend:
BVGer) zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5
VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel –
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wie auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105
AsylG [SR 142.31]).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das
AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Mit der ersten Eingabe vom 10. April 2020 hat der Beschwerdeführer
in eigenem Namen rechtzeitig Beschwerde erhoben, von der Form her al-
lerdings der Bestimmung von Art. 52 Abs. 1 VwVG nicht genügend (feh-
lende Begründung). Es erübrigt sich aber sowohl eine Fristansetzung zur
Beschwerdeverbesserung als auch eine Auseinandersetzung mit der
Rüge, das SEM habe aufgrund der aktuellen Situation unangepassten kur-
zen Rechtsmittelfrist das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers sowie
die Rechtsweggarantie verletzt, weil er nicht die Möglichkeit gehabt habe,
eine Rechtsvertretung zu bestellen. Denn ebenfalls innert laufender Frist
wurde eine von Form und Inhalt her rechtsgenügliche Beschwerde seines
ordentlich bevollmächtigten Rechtsvertreters nachgereicht (Art. 108 Abs. 3
AsylG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist, vorbehältlich nachfolgender
(E. 1.4) Einschränkung einzutreten.
1.4 Vorab ist festzuhalten, dass das Gesuch vom 17. Januar 2020 vom
SEM zu Recht als Mehrfachgesuch im Sinne von Art. 111c Abs. 1 Satz 1
AsylG qualifiziert wurde, zumal das erste Asylverfahren des Beschwerde-
führers mit einem materiellen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom
2. Dezember 2019 rechtskräftig abgeschlossen wurde, die Einreichung des
neuen Gesuches innert fünf Jahren erfolgte und er in seinem neuen Ge-
such unter anderem die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft begehrt.
Prüfungsgegenstand ist demnach die Frage, ob die Vorinstanz zu Recht
auf das neue Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist. Er-
achtet die Beschwerdeinstanz einen Nichteintretensentscheid als unrecht-
mässig, enthält sie sich einer selbständigen materiellen Prüfung, sie hebt
die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu neuer Entschei-
dung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 m.w.H.). Auf die
Anträge betreffend Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Gewäh-
rung von Asyl ist daher nicht einzutreten. Die Frage der Rechtmässigkeit
der verfügten Wegweisung und des angeordneten Wegweisungsvollzugs
wird jedoch materiell zu prüfen sein.
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Der Beschwerdeführer erhebt formelle Rügen, die vorab zu beurteilen sind,
da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Ver-
fügung zu bewirken (ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Ver-
waltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013,
Rz. 1043 ff. m.w.H.; BGE 144 IV 302 E. 3.1 m.w.H.).
4.1 Der Beschwerdeführer rügt, das SEM sei willkürlich und in Missachtung
des Rechtsgleichheitsgebots auf sein Mehrfachgesuch nicht eingetreten,
weil es in analogen Fällen, so etwa in N [...] (recte: N [...]) auf das Gesuch
eingetreten sei und eine materielle Prüfung vorgenommen habe (vgl. Be-
schwerde BS 4).
Das SEM hat in seiner Verfügung nachvollziehbar dargelegt, weshalb auf
das Mehrfachgesuch nicht einzutreten sei (vgl. dort Ziff. IV). Dabei hat es
insbesondere nach der Feststellung, die nach dem Urteil E-5656/2019 ein-
getretenen Veränderungen der politischen Situation und Menschenrechts-
lage in Sri Lanka wiesen keinen konkreten Bezug zu seiner Person auf, die
nicht gehörige Begründung der neuen Asylgründe erkannt und das Nicht-
eintreten auf Art. 111c Abs. 1 AsylG und Art. 13 Abs. 2 VwVG abgestützt.
In der Praxis ist ein Nichteintreten auf ein nicht gehörig begründetes Mehr-
fachgesuch ausdrücklich vorgesehen und wird durch die Rechtsprechung
geschützt (vgl. BVGE 2014/39 E. 7). Die Bezugnahme auf angebliche an-
dere analoge Fälle vermag daran nichts zu ändern. Tatsächlich wird nur ein
einziger Fall angeführt. Bei der betreffenden (vom Beschwerdeführer ano-
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nymisiert beigelegten) Verfügung ist zudem die Analogie zur vorliegend an-
gefochtenen Verfügung schon deshalb augenfällig zu verneinen, weil der
Beschwerdeführer im Gegensatz zum behauptungsgemässen Analogfall
einen LTTE-Konnex im ersten Asylverfahren nicht glaubhaft machen
konnte (vgl. Urteil E-5656/2019 E. 5.1.2). Dass er im Mehrfachgesuch erst-
mals behauptet, der seit (...) verschollene Bruder sowie derjenige, der sich
in D._ aufhalte, seien LTTE-Mitglieder, und auch alle anderen frühe-
ren Vorbringen in entsprechenden Kontext setzt, ändert daran noch nichts.
Es ist offensichtlich weder eine Verletzung des Willkürverbots noch des
Gleichbehandlungsgebots ersichtlich.
4.2 Auch die Rüge, wonach die Vorinstanz in Missachtung der Art. 12 und
29 VwVG mit dem Nichteintretensentscheid den rechtserheblichen Sach-
verhalt mangelhaft erstellt sowie das rechtliche Gehör des Beschwerdefüh-
rers verletzt habe (vgl. Beschwerde BS 5), ist in Berücksichtigung des
soeben Gesagten abzuweisen. Die Verfügung des SEM enthält – im ange-
messenen Rahmen der Begründung eines Nichteintretensentscheids, in
welchem gerade keine materielle Prüfung stattfinden soll – nach der Dar-
stellung des Sachverhalts, die offensichtlich hinreichend ist – eine Begrün-
dung, aus der sich klar ergibt, weshalb das SEM sich betreffend Beurtei-
lung der sich vor dem Urteil E-5656/2018 ereigneten Tatschen als funktio-
nell nicht zuständig erachtet, und weshalb es die geltend gemachten neuen
Asylgründe als nicht genügend individualisiert und damit das Gesuch als
nicht genügend begründet beurteilt. Der Beschwerdeführer verkennt offen-
sichtlich, dass der Verzicht auf eine materielle Prüfung rechtslogisch mit
dem Nichteintreten zusammenhängt, wogegen eine materielle Prüfung ge-
rade kein Nichteintreten zur Folge haben könnte.
4.3 Zusammenfassend erweisen sich die formellen Rügen als unbegrün-
det. Es besteht deshalb keine Veranlassung, die Sache an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Das diesbezügliche Rechtsbegehren ist folglich abzuwei-
sen.
5.
5.1 Zur Begründung des Nichteintretens auf das Mehrfachgesuch führt das
SEM zunächst im Wesentlichen aus, die geltend gemachten Tatsachen
und Beweismittel, welche bereits vor dem Urteil E-5656/2019 – mit wel-
chem sein erstes Asylgesuch rechtskräftig abgewiesen worden sei – be-
standen hätten, könnten nur noch revisionsweise beim BVGer geltend ge-
macht werden, weshalb das SEM gestützt auf Art. 9 Abs. 2 VwVG wegen
mangelnder funktioneller Zuständigkeit auf die entsprechenden Vorbringen
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nicht eintrete. Dies gelte auch für die erstmalige Behauptung, zwei seiner
Brüder seien ehemalige LTTE-Mitglieder, nachdem er im ersten Asylver-
fahren ausgesagt habe, niemand in seiner Familie habe mit den LTTE zu
tun. Sodann seien die mit verschiedenen Medienartikeln unterlegten Vor-
bringen, die sich nach dem Urteil E-5656/2019 ereignet hätten, nicht gehö-
rig begründet. Denn es sei hinsichtlich den eingetretenen Veränderungen
der politischen Situation und Menschenrechtslage in Sri Lanka weder in
den Akten noch im Mehrfachgesuch ein persönlicher Bezug zum Be-
schwerdeführer ersichtlich, weshalb daraus auch keine persönliche Verfol-
gungslage abgeleitet werden könne. Es reiche nicht aus, pauschal auf neu-
ere politische Entwicklungen und mögliche Zukunftsszenarien zu verwei-
sen. Insoweit sei daher auf das Mehrfachgesuch gestützt auf Art. 111c
Abs. 1 AsylG in Verbindung mit Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht einzutreten.
Schliesslich seien betreffend Wegweisungsvollzug keine Hinweise auf des-
sen Unzulässigkeit ersichtlich und dieser sei auch als zumutbar zu bezeich-
nen. Da der Beschwerdeführer keine seit dem letzten Urteil des BVGer in
seinem Fall eingetretenen Sachverhalte geltend gemacht habe, die gegen
die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprächen, könne diesbezüg-
lich vollumfänglich auf die Erwägungen des Gerichts im Urteil E-5656/2019
verwiesen werden. Zudem herrsche in Sri Lanka trotz den aktuellen politi-
schen Geschehnissen keine Situation allgemeiner Gewalt. Im Übrigen sei
der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und praktisch durchführbar.
5.2 In der Rechtsmitteleingabe vom 14. April 2020 hält der Beschwerde-
führer im Wesentlichen fest, der Vorwurf des SEM, er habe sein Mehrfach-
gesuch nicht gehörig begründet, verkenne seine durchaus ausführlich ge-
schilderte individuelle und politisch motivierte Gefährdungslage, welche ihn
zum Verlassen seines Heimatstaates bewogen habe. Es sei aktenkundig
erstellt, dass er nach wie vor durch die Sicherheitsbehörden gesucht
werde. Als Tamile und verdächtige, der LTTE nahestehende Person mit
mehrjährigem Aufenthalt in der Schweiz, und mit seinem Risikoprofil sei er
durch den Machtwechsel einer erheblichen Verfolgung und Gefährdung im
Falle einer Rückkehr ausgesetzt. Dies habe er in Beachtung seiner nach
Art. 8 AsylG bestehenden Mitwirkungspflicht – im Asylverfahren sei Art. 13
Abs. 2 VwVG nicht anwendbar – substantiiert und unter Beilage mehrerer
Beweismittel dargetan. Aufgrund der dokumentierten jüngsten Ereignisse
in Sri Lanka und der seiner Auffassung nach überholten Länderanalyse des
SEM sei der angefochtene Nichteintretensentscheid aufzuheben. Bei der
Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzuges lasse das SEM eine
konkrete Beurteilung seines Falles anhand der vom Bundesverwaltungs-
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gericht vorgegebenen Risikofaktoren vermissen. Aufgrund seiner Vorge-
schichte, des Aufenthalts im Ausland sowie der (vermeintlichen) LTTE-Ver-
bindung sei der Wegweisungsvollzug aufgrund der aktuellen politischen
Entwicklungen in Sri Lanka unzulässig. Auch die Feststellung der Zumut-
barkeit des Wegweisungsvollzuges erfolge pauschal und ohne individuelle
Prüfung. Vor dem Hintergrund der jüngsten politischen Ereignisse in Sri
Lanka sei er aber auch als unzumutbar zu bezeichnen. Ausserdem sei zu
berücksichtigen, dass er sich mittlerweile seit vier Jahren in der Schweiz
aufhalte und gut integriert sei. Zwischenzeitlich habe er sich mit einer in
der Schweiz wohnhaften Frau verlobt und sie hätten am 10. März 2020 ein
Ehevorbereitungsverfahren beim Zivilstandsamt C._ eingeleitet.
Die Trennung von seiner Verlobten sei ihm nicht zumutbar.
6.
6.1 Das Gericht stellt nach eingehender Prüfung der Akten fest, dass das
SEM in materieller Hinsicht zutreffend begründet, weshalb es nicht zustän-
dig sei, die bereits vor dem letzten Urteil des BVGer vom 2. Dezem-
ber 2019 vorgebrachten Tatsachen und Beweismittel neu zu überprüfen
und es zu Recht das Mehrfachgesuchs als nicht genügend begründet qua-
lifiziert. Es kann im Wesentlichen auf die Erwägungen in der angefochte-
nen Verfügung (vgl. oben E. 5.1) verwiesen werden. Ergänzend ist folgen-
des festzuhalten:
6.2 Das zentrale Beschwerdevorbringen, wonach im Mehrfachgesuch ein
persönlicher Fallbezug zur aktuellen Lage in Sri Lanka nach dem Regie-
rungswechsel im November 2019 dargelegt worden sei, weshalb das Ge-
such nicht als unbegründet gelten dürfe, ist nicht stichhaltig. Das Bundes-
verwaltungsgericht hatte im Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 [als Re-
ferenzurteil publiziert] eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach
Sri Lanka vorgenommen (vgl. dort E. 8) und festgestellt, dass aus der
Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer
ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien
(vgl. a.a.O. E. 8.3). Bei der Beurteilung des Risikos von Rückkehrenden,
Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden,
orientiert sich das Gericht an verschiedenen Risikofaktoren (vgl. a.a.O.
E. 8.4.1–8.5.1). Diese Rechtsprechung hat auch heute noch Gültigkeit, wo-
bei das Gericht durchaus anerkennt, dass mit den jüngsten Entwicklungen
der Lage in Sri Lanka eine Zunahme von Repressionen verbunden sein
können (vgl. u.a. Urteil E-6699/2019 des BVGer vom 8. April 2020 E. 5.4).
In der angefochtenen Verfügung hat das SEM sich zunächst zu den vom
Beschwerdeführer vorgebrachten jüngsten politischen Entwicklungen in Sri
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Lanka geäussert, und dabei sehr wohl auf die Befürchtung einer Zunahme
von Repressionen hingewiesen, die damit verbunden sein könnten. Zudem
hat es auch das vom Beschwerdeführer zu den Akten gereichte Interview
der SFH vom 10. Dezember 2019 betreffend die aktuelle Lage in Sri Lanka
gewürdigt (vgl. angefochtene Verfügung E. 4). Der Vorhalt in der Be-
schwerde einer einseitigen Würdigung der Gefährdungslage, läuft entspre-
chend ins Leere. Gleichzeitig teilt das Gericht aber auch die Einschätzung
des SEM, der Beschwerdeführer habe einen individuellen Bezug nicht sub-
stanziiert begründet. Im rechtskräftig abgeschlossenen ersten Asylverfah-
ren des Beschwerdeführers wurde keine LTTE-Verbindung geltend ge-
macht und im abschliessenden Beschwerdeurteil E-5656/2019 wurde un-
ter anderem festgestellt, es ergäben sich aus den Akten auch keine kon-
kreten Hinweise darauf, dass dem Beschwerdeführer von den sri-lanki-
schen Behörden eine Nähe zu den LTTE unterstellt werden könnte (vgl.
dort E. 5.1.2). Im Mehrfachgesuch wird nun aus den bereits rechtskräftig
beurteilten Vorbringen erstmals versucht, eine LTTE-Verbindung zu kon-
struieren. Mit der blossen Wiederholung dieser angeblichen "individuellen
Verfolgung" ist ein persönlicher Bezug zur aktuellen Lage offensichtlich
nicht hinreichend begründet. Daran vermag der blosse Hinweis des Be-
schwerdeführers auf seine inzwischen noch längere Landesabwesenheit
und seine Rückkehr aus der Schweiz nichts zu ändern. Auch aus den zur
Beschwerde vom 14. April 2020 beigelegten Berichten zur jüngsten Ent-
wicklung in Sri Lanka ergibt sich der persönliche Bezug nicht.
Im Übrigen hat das SEM zutreffend nach Massgabe von Art. 13 Abs. 2
VwVG (statt Art. 8 AsylG) die Beurteilung der Frage nach der (nicht) gehö-
rigen Begründung vorgenommen, denn es handelt sich um ein allgemeines
verwaltungsrechtliches (statt ein asylspezialgesetzliches) Kriterium. Ein
Mehrfach-Asylgesuch kann durchaus unter Beachtung der asylrechtlichen
Mitwirkungspflicht nach Art. 8 AsylG gestellt werden und sich dennoch als
nicht gehörig begründet im ordentlich verwaltungsrechtlichen Sinne erwei-
sen.
6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das SEM zu Recht und mit
der zutreffenden Begründung auf das Mehrfachgesuch vom 17. Ja-
nuar 2020 nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2014/39 E. 7 sowie etwa die
kürzlich in vergleichbaren Konstellationen ergangenen Urteile des BVGer
E-76/2020 vom 16. April 2020, E-987/2020 vom 27. Februar 2020 E. 3 f.
oder E-657/2020 vom 13. Februar 2020 E. 7).
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Seite 11
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
7.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er werde nach erfolgter Ehe-
schliessung einen Anspruch auf Erteilung der Aufenthaltsbewilligung im
Rahmen des Familiennachzugs haben. In diesem Zusammenhang stellt er
einen Sistierungsantrag, weil sich das am 10. März 2020 eingeleitete Ehe-
schliessungsverfahren durch die Umstände der Corona-Pandemie verzö-
gere.
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt über keine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung. Zudem vermag er mit seinen erstmals auf Beschwerde-
ebene eingebrachten pauschalen Vorbringen zum angeblich eingeleiteten
Ehevorbereitungsverfahren offensichtlich noch keinen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen plausibel zu machen. Seinen diesbezüglichen Ausfüh-
rungen sind weder der Name und der Aufenthaltstitel noch Angaben zur
Beziehung mit seiner angeblichen Verlobten zu entnehmen; solche sind
auch aus den Akten nicht ersichtlich. Vielmehr hatte der Beschwerdeführer
in seinem Mehrfachgesuch vom 17. Januar 2020, nur rund drei Monate vor
Einreichung seiner Beschwerde, seine angebliche Verlobte noch mit kei-
nem Wort erwähnt. Aus der Quittung des Zivilstandsamtes C._ vom
10. März 2020 alleine, welche eine Barzahlung für ein Ehevorbereitungs-
verfahren ausweist, vermag der Beschwerdeführer nichts zu seinen Guns-
ten abzuleiten, zumal daraus nicht einmal hervorgeht, welche Personen
dieses Verfahren eingeleitet hätten.
7.3 Die Wegweisung des Beschwerdeführers ist demnach zu bestätigen
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.) und der Antrag auf
Sistierung des Beschwerdeverfahrens bis Ende September 2020 ist abzu-
weisen.
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
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Seite 12
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Wegweisungsvollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Ver-
pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Aus-
länders in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen
(Art. 83 Abs. 3 AIG).
8.2.1 Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist
das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar.
8.2.2 Hinsichtlich der allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen
Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK)
müsste der Beschwerdeführer gemäss Praxis des EGMR sowie jener des
UN-Anti-Folterausschusses eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen
oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder
unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, Saadi gegen Ita-
lien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.).
Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka für sich allein lässt
den Wegweisungsvollzug nach konstanter Rechtsprechung des Bundes-
verwaltungsgerichts nicht als unzulässig erscheinen. Auch der Europäi-
sche Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hatte sich wiederholt mit der
Gefährdungssituation für Tamilen auseinandergesetzt, die aus einem eu-
ropäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen (vgl. EGMR, R.J.
gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Beschwerde Nr.
10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, Urteil vom 31. Mai 2011, Be-
schwerde Nr. 41178/08; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011,
Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Ja-
nuar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien, Urteil
vom 17. Juli 2008, Beschwerde Nr. 25904/07). Dabei unterstreicht der Ge-
richtshof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurück-
kehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Vielmehr
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müssten im Rahmen der Beurteilung, ob Betroffene ernsthafte Gründe für
die Befürchtung ihrer Festnahme und Befragung vorbringen können, ver-
schiedene Aspekte beziehungsweise persönliche Risikofaktoren in Be-
tracht gezogen werden (vgl. EGMR, T.N. gegen Dänemark, a.a.O., § 94;
EGMR, E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O., § 13 und 69 sowie das bereits
erwähnte Referenzurteil des BVGer E-1866/2015). Das Bundesverwal-
tungsgericht beobachtet die Lage in Sri Lanka aufmerksam, ist sich der
Veränderungen bewusst und berücksichtigt sie bei seiner Entscheidfin-
dung. Es anerkennt insbesondere, dass sich die Gefährdungslage für Per-
sonen, die bestimmte Risikofaktoren erfüllen, akzentuiert haben kann (vgl.
statt vieler Urteil des BVGer E-6774/2019 vom 22. April 2020 E. 6.6 oder
das bereits erwähnte Urteil E-6699/2019 E. 5.4).
Solche Faktoren sind aber, wie rechtskräftig festgestellt worden ist, beim
Beschwerdeführer nicht gegeben (vgl. Urteil des BVGer E-5656/2019
E. 5.1.3). Die blosse Wiederholung dieser bereits vorgebrachten und am
2. Dezember 2019 als nicht risikobegründend erachteten Umstände ver-
mögen offensichtlich auch heute keine ernsthafte Gefahr im Sinne von
Art. 3 EMRK zu begründen. Es ist auch nicht ersichtlich, dass sich seit dem
Urteil des BVGer vom 2. Dezember 2019 neue ergeben hätten, die ein so-
genanntes "real risk" zu begründen vermöchten. Eine Verbindung zur LTTE
ergibt sich auch im heutigen Zeitpunkt nicht aus den Akten. Wie bereits im
Zusammenhang mit der Prüfung der hinreichenden Begründung des Mehr-
fachgesuches festgehalten (vgl. E. 6.2), bringt der Beschwerdeführer in
seinem Mehrfachgesuch erstmals vor, zwei seiner Brüder seien LTTE-Mit-
glieder gewesen. Dies widerspricht seinen ausdrücklichen Angaben im ers-
ten Asylverfahren, worauf das SEM zu Recht verweist. Alleine aus seiner
tamilischen Ethnie und dem Umstand, dass er nach inzwischen (...) Lan-
desabwesenheit aus der Schweiz nach Sri Lanka zurückkehrt und mög-
licherweise nur über temporäre Ausweispapiere verfügen wird, ergibt sich
auch bei einer heutigen Rückkehr – über einen sogenannten Background-
check (Befragungen, Überprüfungen von Auslandaufenthalten, Tätigkeiten
in Sri Lanka und im Ausland) hinaus – keine ernsthafte Gefahr von Folter
oder unmenschlicher Behandlung. Im Übrigen geht aus der angefochtenen
Verfügung hinreichend hervor, weshalb das SEM auch im heutigen Zeit-
punkt kein Risiko einer Gefährdung im Sinne der völkerrechtlichen Bestim-
mungen erkennt. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt auch unter
diesem Aspekt nicht vor.
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Seite 14
8.2.3 Eine im Zusammenhang mit dem Vollzug der Wegweisung drohende
Verletzung von Art. 8 EMRK ist offensichtlich ebenfalls nicht gegeben (vgl.
E. 7.2).
8.2.4 Zusammenfassend erweist sich der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinn der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
Das Bundesverwaltungsgericht geht auch heute nicht von einer Situation
allgemeiner Gewalt in Sri Lanka aus (vgl. statt vieler das bereits erwähnte
Urteil E-6774/2019 E. 8.3.2 mit Hinweisen). Die individuellen Zumutbar-
keitskriterien wurden im vorherigen Verfahren eingehend geprüft (vgl. das
bereits erwähnten Urteil E-5656/2019 E. 7.3.2 ff.). Darauf kann verwiesen
werden. Abgesehen vom Hinweis, der Beschwerdeführer laufe bei einem
Vollzug der Wegweisung Gefahr mit dem Coronavirus infiziert zu werden
und habe dann keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, macht er
keine neuen Sachumstände geltend. Dieser pauschale Hinweis reicht of-
fensichtlich nicht, um die Würdigung im Urteil E-5656/2019 in Frage zu stel-
len. Das SEM hat vielmehr auch die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs zu Recht bejaht (vgl. angefochtene Verfügung Ziff. V E. 2). Auch eine
gute Integration nach einem (...) Aufenthalt in der Schweiz vermag daran
nichts zu ändern, auch wenn nicht bestritten werden soll, dass sich der
Beschwerdeführer diesbezüglich bemüht und es ihm auch gelingt. Offen-
sichtlich ist auch unter diesem Tatbestand die geltend gemachte Verlobung
unbeachtlich und schliesslich ergeben sich aus den Folgen des Regie-
rungswechsels vom November 2019 keine Hinweise individueller Art auf
eine konkrete Gefährdung des Beschwerdeführers. Schliesslich ist auch
hier nicht ersichtlich, inwiefern das SEM den Sachverhalt unrichtig oder
ungenügend festgestellt oder abgeklärt hätte.
8.3.2 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung wei-
terhin als zumutbar.
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8.3.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12). Soweit der Beschwerdeführer auch unter dem As-
pekt der praktischen Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs auf die
Corona-Pandemie verweist, ist folgendes festzuhalten: Die Anordnung ei-
ner vorläufigen Aufnahme setzt voraus, dass ein Vollzugshindernis nicht
nur vorübergehender Natur ist, sondern voraussichtlich eine gewisse
Dauer – in der Regel mindestens zwölf Monate – bestehen bleibt. Ist dies
nicht der Fall, so ist dem temporären Hindernis bei den Vollzugsmodalitä-
ten Rechnung zu tragen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d
und e). Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf die technische
Möglichkeit des Vollzugs sind als temporäres Vollzugshindernis zu betrach-
ten, welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen
Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs
der Situation im Heimatstaat angepasst wird.
8.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen ist
(Art. 49 Bst. c VwVG). Es erübrigt sich, auf den weiteren Inhalt der Einga-
ben auf Beschwerdestufe und die vorgelegten Beweismittel näher einzu-
gehen. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
10.
Es verbleibt der Entscheid über die Kosten und Entschädigungen.
10.1 Die Behandlung des Gesuches um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses erübrigt sich mit dem vorliegenden Entscheid in der
Sache.
10.2 Die Kosten sind bei diesem Ausgang des Verfahrens grundsätzlich
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, weil sich die Beschwerde entsprechend den
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vorstehenden Erwägungen bereits bei Eingang des Begehrens, unbese-
hen der bloss behaupteten, aber nach wie vor nicht belegten Mittellosigkeit,
als aussichtlos erwiesen hat. Demzufolge hat der Beschwerdeführer die
Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1’500.– zu tragen (Art. 1‒3 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
10.3 Nachdem sich die Beschwerde als aussichtslos im Sinne des Geset-
zes erwiesen hat, ist auch das Gesuch um Beigabe einer amtlichen
Rechtsvertretung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG abzuweisen.
(Dispositiv nächste Seite)
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