Decision ID: 52602edd-0479-4bce-89c9-c32176335277
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_009
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Das Handelsgericht entnimmt den Akten:
1.
Die Klägerin ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in C. Sie bezweckt den Er-
werb von Grundeigentum im In- und Ausland (Klagebeilage [KB] 1).
2.
Die Beklagte ist ebenfalls eine Aktiengesellschaft mit Sitz in C. Sie be-
zweckt im Wesentlichen den Betrieb eines Büros für Verlagsvertretungen,
Marketingberatungen, Direct-Fax, Direct-Mail und weitere Dienstleistungen
im Büro- und Unternehmensbereich (KB 2).
3.
Am 28. März 2019 fand die ordentliche Generalversammlung der Beklag-
ten für das Geschäftsjahr 2018 statt, welche als Universalversammlung ab-
gehalten wurde (KB 3). Im Rahmen der Universalversammlung wurde eine
Dividendenausschüttung von Fr. 470'000.00 beschlossen (KB 3).
4.
Am 28. Juni 2019 schlossen die D. als Verkäuferin und die E. als Käuferin
einen Aktienkaufvertrag über die Aktien der Beklagten ab (nachfolgend: Ak-
tienkaufvertrag; KB 5). Diese befanden sich im Zeitpunkt des Vertrags-
schlusses im Besitz der D.
5.
Die D. fusionierte am 30. September 2019 mit der Klägerin und wurde am
18. März 2020 infolge Fusion aus dem Handelsregister gelöscht (KB 4).
6.
Mit Klage vom 2. Mai 2022 (Postaufgabe: gleichentags) stellte die Klägerin
folgende Rechtsbegehren:
" 1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin die Dividenden für das Jahr 2018 im Betrag von CHF 455'900.- zzgl. 2 % Zins ab dem 21. April 2019 zu bezahlen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 7.7 % MwSt.) zu Lasten der Beklagten."
Zur Begründung wurde ausgeführt, die Klägerin habe Anspruch auf Aus-
zahlung der für das Geschäftsjahr 2018 beschlossenen Dividende.
- 3 -
7.
Mit Klageantwort vom 23. Juni 2022 (Postaufgabe: gleichentags) stellte die
Beklagte die folgenden Rechtsbegehren und Verfahrensanträge:
" 1. Die Klage sei abzuweisen.
2. Eventualiter sei ein Nichteintretensentscheid zu erlassen.
3. Es sei ein betriebswirtschaftliches Gerichtsgutachten anzuordnen.
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Klägerin.
5. Es seien die Verfahrensakten HOR2021.20 beizuziehen."
Zur Begründung wurde ausgeführt, die Klägerin sei vorliegend nicht aktiv-
legitimiert. Im Übrigen erfordere eine Ausschüttung der Dividende ein Ei-
genkapital von mindestens Fr. 450'000.00. Da die Beklagte dieses nicht
aufweise, könne die Dividende nicht ausgeschüttet werden.
8.
Mit Replik vom 26. September 2022 (Postaufgabe: gleichentags) hielt die
Klägerin an ihren Rechtsbegehren fest.
9.
Mit Duplik vom 7. November 2022 (Postaufgabe: gleichentags) stellte die
Beklagte die folgenden Rechtsbegehren und Verfahrensanträge:
" 1. Die Klage sei abzuweisen.
2.
Eventualiter sei ein betriebswirtschaftliches Gerichtsgutachten .
3. Es sei eine Instruktionsverhandlung mit der Möglichkeit der  einzuräumen.
4. Es sei eine Hauptverhandlung durchzuführen mit der Möglichkeit der Erstattung von Rechtserörterungen.
5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Klägerin."
- 4 -
10.
Mit Verfügung vom 15. November 2022 überwies der Präsident die Streit-
sache ans Handelsgericht, gab den Parteien die Zusammensetzung des
Gerichts bekannt und lud die Parteien zur Hauptverhandlung vor. Gleich-
zeitig erliess er die Beweisverfügung.
11.
Mit Eingabe vom 21. November 2022 (Postaufgabe: gleichentags) reichte
die Klägerin unaufgefordert eine Stellungnahme zur Duplik ein.
12.
Mit Eingabe vom 5. Dezember 2022 (Postaufgabe: gleichentags) reichte
die Beklagte unaufgefordert eine Stellungnahme zur Eingabe vom 21. No-
vember 2021 ein.
13.
Am 15. Dezember 2022 fand die Hauptverhandlung statt. Anlässlich der
Hauptverhandlung hielten die Parteien mündliche Schlussvorträge. Im An-
schluss an die Schlussvorträge erhielten die Parteien je zwei Mal Gelegen-
heit, sich zum Vorbringen der Gegenpartei zu äussern. Anschliessend zog
sich das Handelsgericht zur Beratung zurück und fällte den nachfolgenden
Entscheid.

Considerations:
Das Handelsgericht zieht in Erwägung:
1. Prozessvoraussetzungen
Das Gericht prüft die Prozessvoraussetzungen von Amtes wegen (Art. 60
ZPO).
1.1. Örtliche Zuständigkeit
Für Klagen auf Auszahlung der Dividenden ist das Gericht am Sitz der be-
klagten Partei örtlich zuständig (Art. 10 Abs. 1 lit. b ZPO). Da sich der Sitz
der Beklagten in C. befindet (KB 2), fällt die vorliegende Klage in die örtliche
Zuständigkeit der Gerichte des Kantons Aargau.
1.2. Sachliche Zuständigkeit
Gemäss Art. 6 Abs. 4 lit. b ZPO können die Kantone das Handelsgericht
für Streitigkeiten aus dem Recht der Handelsgesellschaften und Genos-
senschaften für zuständig erklären. Unter den Begriff "Streitigkeiten aus
dem Recht der Handelsgesellschaften und Genossenschaften" fallen sämt-
liche Klagen, die auf Art. 552 - 926 OR gründen.1 Der Kanton Aargau un-
terstellt Streitigkeiten gemäss Art. 6 ZPO der Handelsgerichtsbarkeit (§ 12
Abs. 1 lit. a EG ZPO).
1 BSK ZPO-VOCK/NATER, 3. Aufl. 2017, Art. 6 N. 16.
- 5 -
Der Streitgegenstand der vorliegenden Klage bildet die Frage, ob die Klä-
gerin Anspruch auf Auszahlung der für das Geschäftsjahr 2018 beschlos-
senen Dividende hat. Es handelt sich hierbei um eine gesellschaftsrechtli-
che Frage, womit die Klage in die sachliche Zuständigkeit des Handelsge-
richts des Kantons Aargau fällt (Art. 6 Abs. 4 lit. b ZPO i.V.m. § 12 Abs. 1
lit. a EG ZPO).
1.3. Rechtsschutzinteresse
Art. 59 Abs. 2 lit. a ZPO verlangt als Prozessvoraussetzung ein schutzwür-
diges Interesse der klagenden Partei. Dieses ergibt sich in aller Regel be-
reits aus der Behauptung eines Leistungsanspruchs.2
Der Beklagten zufolge fehle es vorliegend an einem Rechtsschutzinteresse
(Klageantwort S. 3). Sie vermag indessen nicht aufzuzeigen, inwiefern kein
schutzwürdiges Interesse an der gerichtlichen Beurteilung des behaupte-
ten Dividendenanspruchs bestehe würde. Das Rechtsschutzinteresse der
Klägerin ergibt sich aus der Behauptung eines Dividendenanspruches, zu-
mal die gerichtliche Feststellung des Dividendenanspruches der Klägerin
einen wirtschaftlichen Nutzen einbringen würde.
1.4. Weitere Prozessvoraussetzungen
Die übrigen Prozessvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen An-
lass. Auf die Klage ist einzutreten.
2. Verhandlungsmaxime
Vorliegend gilt die Verhandlungsmaxime (Art. 55 Abs. 1 ZPO). Auf die sich
daraus ergebenden Obliegenheiten der Parteien ist vorab einzugehen:
2.1. Behauptungslast
Gemäss Art. 55 Abs. 1 ZPO haben die Parteien dem Gericht die Tatsa-
chen, auf die sie ihre Begehren stützen, darzulegen und die Beweismittel
anzugeben. Den Prozessparteien obliegt die Behauptungslast.3 Die Auftei-
lung der Behauptungslast zwischen den Parteien folgt der Beweislastver-
teilung nach Art. 8 ZGB.4 Somit trägt die Behauptungslast für rechtserzeu-
gende Tatsachen, wer ein Recht oder Rechtsverhältnis behauptet; für
rechtsaufhebende Tatsachen, wer die Aufhebung oder den Untergang ei-
nes Rechts behauptet (z.B. Verwirkung, Erlass etc.) und für rechtshin-
dernde Tatsachen, wer sich darauf beruft (z.B. Verjährung, Stundung etc.).5
2 KUKO ZPO-OBERHAMMER/WEBER, 3. Aufl. 2021, Art. 84 N. 6; KUKO ZPO-DOMEJ, 3. Aufl. 2021,
Art. 59 N. 24a; vgl. auch BGer 4A_127/2019 vom 7. Juni 2019 E. 4 f. 3 Vgl. BGer 5A_83/2019 vom 23. Juli 2019 E. 4, 4A_264/2015 vom 10. August 2015 E. 4.2.2;
SCHNEUWLY, Lange Rechtsschriften – Wieso? Und was tun?, Anwaltsrevue 2019, S. 444. 4 BGE 132 III 186 E. 4; BGer 5A_808/2018 vom 15. Juli 2019 E. 4.2. 5 SUTTER-SOMM/SCHRANK, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger (Hrsg.), Kommentar zur
Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2016, Art. 55 N. 18.
- 6 -
Dementsprechend hat das Bestehen einer vertraglichen Verpflichtung zu
behaupten, wer einen vertraglichen Anspruch erhebt.6
Eine Tatsachenbehauptung hat nicht alle Einzelheiten zu enthalten; es ge-
nügt, wenn die Tatsachen, die unter die das Begehren stützenden rechtli-
chen Normen zu subsumieren sind, in einer den Gewohnheiten des Lebens
entsprechenden Weise in ihren wesentlichen Zügen oder Umrissen be-
hauptet werden.7 Was offensichtlich in anderen, ausdrücklich vorgebrach-
ten Parteibehauptungen enthalten ist, muss nicht explizit behauptet werden
(sog. implizite bzw. mitbehauptete Tatsachen).8 Blosse Mutmassungen
stellen jedoch keine rechtsgenüglichen Tatsachenbehauptungen dar.9 Ist
ein Tatsachenvortrag im erwähnten Sinne vollständig, so wird er als schlüs-
sig bezeichnet, da er bei Unterstellung, er sei wahr, den Schluss auf die
anbegehrte Rechtsfolge zulässt.10
Tatsachenbehauptungen sind grundsätzlich in den Rechtsschriften aufzu-
stellen (Art. 221 Abs. 1 lit. d und Art. 222 Abs. 2 Satz 1 ZPO).11 Der bloss
pauschale Verweis auf Beilagen genügt in aller Regel nicht.12 Zweck dieses
Erfordernisses ist, dass einerseits das Gericht erkennen kann, auf welche
Tatsachen sich der Kläger (bzw. der Beklagte hinsichtlich einer Gegenfor-
derung) stützt und womit er diese beweisen will, und dass andererseits die
Gegenpartei weiss, gegen welche konkreten Behauptungen sie sich vertei-
digen muss (Art. 222 ZPO).13 Durch einen Verweis auf Urkunden können
Sachverhaltselemente jedoch ausnahmsweise als behauptet gelten, wenn
es als blossen Leerlauf erscheinen würde, eine Übernahme des Urkunden-
inhalts in die Rechtsschrift zu verlangen.14 An einen rechtsgenüglichen Ver-
weis auf die Beilage werden im Wesentlichen drei Anforderungen gestellt:
Erstens müssen in der Rechtsschrift die Tatsachen in ihren wesentlichen
Zügen oder Umrissen behauptet sein.15 Zweitens hat der entsprechende
Verweis in der Rechtsschrift spezifisch ein bestimmtes Aktenstück zu nen-
6 BGE 128 III 271 E. 2.a.aa; weitergehend ZK ZGB-JUNGO, 3. Aufl. 2018, Art. 8 N. 387. 7 BGE 136 III 322 E. 3.4.2; BGer 4A_280/2019 vom 14. Oktober 2019 E. 4.1. 8 BGE 144 III 519 E. 5.3; BGer 4A_243/2018 vom 17. Dezember 2018 E. 4.2.1 m.w.N.; JOSI, Behaup-
ten, Bestreiten und Beweisen – praktische Fragen im Lichte der bundesgerichtlichen , in: Markus/Eichel/Rodriguez (Hrsg.), Der handelsgerichtliche Prozess, Chancen und  – national und international, 2019, S. 80.
9 BGer 4A_667/2014 vom 12. März 2015 E. 3.2.2. 10 BGer 4A_9/2018 vom 31. Oktober 2018 E. 2.1 m.w.N., 4A_443/2017 vom 30. April 2018 E. 2.1;
SCHNEUWLY (Fn. 3), S. 445. 11 BGE 144 III 519 E. 5.2.1, 144 II 67 E. 2.1; BRUGGER, Der Verweis auf Beilagen in Rechtsschriften,
SJZ 2019, S. 534; JOSI (Fn. 8), S. 60. 12 BGer 4A_496/2019 vom 1. Februar 2021 E. 4.3.1, 4A_443/2017 vom 30. April 2018 E. 2.2.1
m.w.N.; JOSI (Fn. 8), S. 61. 13 BGer 4A_415/2021 vom 18. März 2022 E. 5.4.1 m.w.N. 14 BGer 4A_415/2021 vom 18. März 2022 E. 5.4.2. 15 BGer 4A_415/2021 vom 18. März 2022 E. 5.4.3, 4A_398/2018 vom 25. Februar 2019 E. 10.4.1,
4A_443/2017 vom 30. April 2018 E. 2.2.2; BRUGGER (Fn. 11), S. 535 f.
- 7 -
nen und aus dem Verweis selbst muss klar werden, welche Teile des Ak-
tenstücks als Parteibehauptung gelten sollen.16 Drittens muss die Beilage
selbsterklärend sein. Sie hat genau die verlangten (beziehungsweise in der
Rechtsschrift bezeichneten) Informationen zu enthalten und es darf kein
Interpretationsspielraum bestehen. Sind diese Voraussetzungen nicht ge-
geben, kann der Verweis nur genügen, wenn zusätzlich in der Rechtsschrift
die Beilage derart konkretisiert und erläutert wird, dass die in der Beilage
enthaltenen Informationen ohne weiteres zugänglich werden und nicht in-
terpretiert und zusammengesucht werden müssen. Es genügt nicht, dass
in den Beilagen die verlangten Informationen in irgendeiner Form vorhan-
den sind. Ein Verweis auf Akten darf nicht dazu führen, dass die Gegen-
partei und das Gericht die relevanten Tatsachen aus der Beilage selbst zu-
sammensuchen müssen.17 Die in der Praxis beliebten Pauschalverweise
auf eingereichte Akten bzw. die allgemeine Erklärung, diese würden "integ-
rierenden Bestandteil" der Rechtsschrift bilden, stellen deshalb keine hin-
reichenden Behauptungen dar bzw. können fehlende Behauptungen nicht
ersetzen.18
2.2. Bestreitungslast
Die Kehrseite der Behauptungslast ist die sog. Bestreitungslast: Bestreitet
eine Partei eine Tatsachenbehauptung ihres Gegners nicht, gilt diese als
unbestritten und die betreffende Tatsache kann dem Entscheid ohne wei-
teres zugrunde gelegt werden, da über nicht bestrittene Tatsachen kein
Beweis geführt zu werden braucht (vgl. Art. 150 Abs. 1 ZPO).19 Art. 222
Abs. 2 ZPO verlangt von der beklagten Partei, darzulegen, welche Tatsa-
chenbehauptungen der klagenden Partei im Einzelnen anerkannt oder be-
stritten werden. Es ist deshalb empfehlenswert, die Tatsachenbehauptun-
gen der Klägerin detailliert, d.h. Punkt für Punkt zu bestreiten.20 Bestreitun-
gen sind dabei so konkret zu halten, dass sich bestimmen lässt, welche
einzelnen Behauptungen damit bestritten werden; die Bestreitung muss ih-
rem Zweck entsprechend so bestimmt sein, dass die Gegenpartei weiss,
welche einzelne Tatsachenbehauptung sie beweisen muss. Pauschale Be-
streitungen reichen indessen selbst dann nicht aus, wenn sie explizit erfol-
gen. Erforderlich ist eine klare Äusserung, dass der Wahrheitsgehalt einer
16 BGE 144 III 519 E. 5.2.1.2; 4A_415/2021 vom 18. März 2022 E. 5.4.3, 4A_535/2018 vom 3. Juni
2019 E. 4.2.1, 4A_443/2017 vom 30. April 2018 E. 2.2.2; eingehend BRUGGER (Fn. 11), S. 536 ff. 17 BGer 4A_415/2021 vom 18. März 2022 E. 5.4.3, 4A_496/2019 vom 1. Februar 2021 E. 4.3.1,
4A_535/2018 vom 3. Juni 2019 E. 4.4.2, 4A_443/2017 vom 30. April 2018 E. 2.2.2, 4A_281/2017 vom 22. Januar 2018 E. 5.2 f.; eingehend BRUGGER (Fn. 11), S. 538 ff.
18 BK ZPO I-HURNI, 2012, Art. 55 N. 21 m.w.N.; BRUGGER (Fn. 11), S. 540 Fn. 50 m.w.N. 19 BK ZPO I-HURNI (Fn. 18), Art. 55 N. 37 mit Verweis auf Art. 150 Abs. 1 ZPO; JOSI (Fn. 8), S. 57. 20 Ähnlich DROESE, Bestreitungsbedürftige Beilagen – ein Hinweis zur bundesgerichtlichen Speise-
karte, Note zu Urteil 4A_11/2018, SZZP 2019, S. 19.
- 8 -
bestimmten gegnerischen Behauptung infrage gestellt wird.21 Auch ein im-
plizites Bestreiten genügt unter diesen Voraussetzungen den Anforderun-
gen der rechtsgenügenden Bestreitung.22
2.3. Substantiierungslast
Bestreitet aber der Prozessgegner den schlüssigen Tatsachenvortrag der
behauptungsbelasteten Partei in rechtsgenüglicher Weise, so greift eine
über die Behauptungslast hinausgehende Substantiierungslast. Die Vor-
bringen sind diesfalls nicht nur in den Grundzügen, sondern in Einzeltatsa-
chen zergliedert so umfassend und klar darzulegen, dass darüber Beweis
abgenommen oder dagegen der Gegenbeweis angetreten werden kann.23
Das Beweisverfahren darf nicht dazu dienen, ein ungenügendes Parteivor-
bringen zu vervollständigen.24 Der nicht oder nicht substantiiert vorge-
brachte Sachverhalt ist im Geltungsbereich der Verhandlungsmaxime dem
nicht bewiesenen Sachverhalt gleichzusetzen.25
2.4. Bezeichnung der Beweismittel
Die Parteien haben im Rahmen der Verhandlungsmaxime die einzelnen
Beweismittel zu bezeichnen (vgl. Art. 221 Abs. 1 lit. e ZPO, wonach die
Klage die Tatsachenbehauptungen sowie die Bezeichnung der einzelnen
Beweismittel zu den behaupteten Tatsachen zu enthalten hat). Dazu gehört
auch, dass aus dem Zusammenhang klar wird, inwiefern die angerufenen
Beweismittel den angestrebten Beweis erbringen sollen. Es genügt nicht,
in der Klage Behauptungen aufzustellen und pauschal auf die Klagebeila-
gen zu verweisen.26 Ein Beweismittel ist nur dann formgerecht angeboten,
wenn sich die Beweisofferte eindeutig der damit zu beweisenden Tatsa-
chenbehauptung zuordnen lässt und umgekehrt.27 Deshalb sind die einzel-
nen Beweisofferten unmittelbar im Anschluss an die entsprechenden Tat-
sachenbehauptungen aufzuführen, welche durch sie bewiesen werden sol-
len ("Prinzip der sog. Beweismittelverbindung").28 Es ist hingegen unzu-
reichend, einen ganzen Sachverhaltskomplex zu behaupten und lediglich
21 BGE 141 III 433 E. 2.6; BGer 4A_9/2018 vom 31. Oktober 2018 E. 2.3; SCHNEUWLY (Fn. 3),
S. 445 f. 22 SCHMID/HOFER, Bestreitung von neuen Tatsachenbehauptungen in der schriftlichen Duplik, ZZZ
2016, S. 285 m.w.N. 23 BGE 144 III 519 E. 5.2.1.1; BGer 4A_280/2019 vom 14. Oktober 2019 E. 4.1. 24 DOLGE, Anforderungen an die Substanzierung, in: Dolge (Hrsg.), Substantiieren und Beweisen,
2013, S. 21; JOSI (Fn. 8), S. 86; vgl. auch BGE 108 II 337 E. 3. 25 BGer 4A_210/2009 vom 7. April 2010 E. 3.2; KUKO ZPO-OBERHAMMER/WEBER (Fn. 2), Art. 55
N. 12; ähnlich JOSI (Fn. 8), S. 62. 26 BGer 4A_195/2014 und 4A_197/2014 vom 27. November 2014 E. 7.3.3 m.w.N. (nicht publ. in BGE
140 III 602). 27 BGer 4A_291/2018 vom 10. Januar 2019 E. 4.4.2, 4A_370/2016 vom 13. Dezember 2016 E. 3.3
m.w.N. 28 BK ZPO II-KILLIAS, 2012, Art. 221 N. 29; PAHUD, in: Brunner/Gasser/Schwander (Hrsg.), Schweize-
rische Zivilprozessordnung, 2. Aufl. 2016, Art. 221 N. 16 ff.; BRUGGER (Fn. 11), S. 537.
- 9 -
pauschal auf eine Vielzahl von Urkunden oder eine Anzahl Zeugen zu ver-
weisen.29 Bei umfangreichen Urkunden ist zudem die für die Beweisführung
erhebliche Stelle zu bezeichnen (Art. 180 Abs. 2 ZPO).30
3. Anspruch auf Ausschüttung der beschlossenen Dividende
3.1. Parteibehauptungen
3.1.1. Klägerin
Die Klägerin behauptet, es sei anlässlich der ordentlichen Generalver-
sammlung vom 28. März 2019 eine Dividendenausschüttung in der Höhe
von Fr. 470'000.00 für das Geschäftsjahr 2018 beschlossen worden (Klage
Rz. 16 ff.; Replik Rz. 7). Da die Klägerin bzw. die D. während des gesamten
Jahres 2018 und bis zum 19. Juni 2019 über 97 % der Aktien der Beklagten
verfügt habe, habe die Klägerin gegenüber der Beklagten Anspruch auf
97 % der beschlossenen Dividende (Replik Rz. 6). Dies entspreche einem
Dividendenanspruch von Fr. 455'900.00 (Klage Rz. 20).
3.1.2. Beklagte
Der Beklagten zufolge sei an der ordentlichen Generalversammlung für das
Geschäftsjahr 2018 eine Dividendenausschüttung im Umfang von
Fr. 470'000.00 beschlossen worden (Duplik S. 4). Zwar sei anlässlich der
Generalversammlung nicht festgehalten worden, an wen die Dividenden
auszurichten seien (Duplik S. 2). Es sei jedoch davon auszugehen, dass F.
Dividendenberechtigter sei, denn dieser habe zu jenem Zeitpunkt 97 % der
Aktien der Beklagten gehalten (Duplik S. 2, 4). Die Klägerin sei daher nicht
aktivlegitimiert (Klageantwort S. 3; Duplik S. 3).
3.2. Rechtliches
Jeder Aktionär hat Anspruch auf einen verhältnismässigen Anteil am Bi-
lanzgewinn (Art. 660 Abs. 1 OR). Sofern die Statuten nichts Anderes vor-
sehen, berechnen sich die Gewinnanteile im Verhältnis der auf das Aktien-
kapital einbezahlten Beiträge (Art. 661 OR). Aktionäre können sowohl na-
türliche als auch juristische Personen sein (Art. 625 OR).
Der Beschluss über die Verwendung des Bilanzgewinnes liegt in der allei-
nigen Kompetenz der Generalversammlung (vgl. Art. 698 Abs. 2 Ziff. 4
OR). Mit dem Beschluss über die Gewinnausschüttung erhalten die Aktio-
näre gegenüber der Gesellschaft einen frei übertragbaren schuldrechtli-
chen Anspruch auf Auszahlung der beschlossenen Dividende.31
29 BK ZPO II-KILLIAS (Fn. 28), Art. 221 N. 29; JOSI (Fn. 8), S. 86; ähnlich BGer 4A_360/2017 vom
30. November 2017 E. 4. 30 BK ZPO II-RÜETSCHI, 2012, Art. 180 N. 17 ff.; WEIBEL, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger
(Fn. 5), Art. 180 N. 10 ff., je m.w.N. 31 Vgl. WOHLMANN, GmbH-Recht, 1997, S. 77; HANDSCHIN/TRUNIGER, Die neue GmbH, 2. Aufl. 2006,
§ 16 N. 21.
- 10 -
3.3. Würdigung
Der Anspruch auf Ausschüttung der beschlossenen Dividenden steht wie
gesehen derjenigen (natürlichen oder juristischen) Person zu, welche zum
Zeitpunkt des Ausschüttungsbeschlusses über Aktionärsstellung verfügte
(siehe E. 3.2). Gemäss Art. 686 Abs. 4 OR gilt im Verhältnis zur Gesell-
schaft als Aktionär, wer im Aktienbuch eingetragen ist. Dem Aktienbuch
kommt damit eine Legitimationsfunktion im Verhältnis der Aktionäre zur Ge-
sellschaft zu. Diese Wirkung des Aktienbuchs ist allerdings beschränkt.
Sein Inhalt hat bloss die Bedeutung einer widerlegbaren Vermutung.32 Die
Vermutung kann umgestossen werden durch den Nachweis, dass ein Ein-
getragener nicht Aktionär ist, oder umgekehrt, dass ein Nichteingetragener
Aktionär ist.33 Für die Rechtsträgerschaft ist der Eintrag im Aktienbuch so-
mit nicht wesentlich.34
Dem Aktienbuch kann entnommen werden, dass die D. im Zeitraum vom
31. Dezember 2015 bis 19. Juli 2019 Inhaberin des Aktienzertifikats-Nr. 1
war, welches 97 % der Aktien der Beklagten repräsentiert (KB 8). Der Inhalt
des Aktienbuchs begründet damit die Vermutung, dass die D. zum Zeit-
punkt des Ausschüttungsbeschlusses vom 28. März 2019 über Aktionärs-
stellung verfügte. Zwar behauptet die Beklagte, F. sei zum Zeitpunkt des
betreffenden Ausschüttungsbeschlusses Inhaber des fraglichen Aktienzer-
tifikats gewesen (Duplik S. 4). Sie vermag ihre Behauptung jedoch weder
zu begründen noch zu belegen. Damit gelingt es der Beklagten nicht, die
Vermutung umzustossen. Dass die D. zum Zeitpunkt des fraglichen Aus-
schüttungsbeschlusses über 97 % der Aktien der Beklagten verfügte, gilt
entsprechend als erstellt. Folglich erwarb die D. mit dem Beschluss über
die Gewinnausschüttung einen frei übertragbaren schuldrechtlichen An-
spruch auf Ausschüttung von 97 % der beschlossenen Dividende, was ei-
ner Dividende von Fr. 455'900.00 entspricht (KB 3). Da die D. diesen
schuldrechtlichen Anspruch im Rahmen des Aktienverkaufes weder an die
E. abtrat, noch auf diesen Anspruch verzichtete (siehe Ziff. 3.5 des Aktien-
kaufvertrages; KB 5), erwarb die Klägerin den betreffenden Anspruch im
Rahmen der Fusion. Die Klägerin erweist sich somit als aktivlegitimiert.
Zu prüfen bleibt, wie es sich mit den Einreden und Einwendungen der Be-
klagten verhält.
32 BGE 137 III 460 E. 3.2.2, 124 III 350 E. 2c, 90 II 164 E. 3; VON DER CRONE, Aktienrecht, 2020,
N. 300. 33 BGE 137 III 460 E. 3.2.2, 90 II 164 E. 3. 34 BGE 137 III 460 E. 3.2.2, 124 III 350 E. 2c; VON DER CRONE (Fn. 32), N. 300; BSK OR II-DU
PASQUIER/WOLF/OERTLE, 5. Aufl. 2016, Art. 686 N. 4; BÖCKLI, 4. Aufl. 2009, Schweizer Aktienrecht, § 4 N. 101.
- 11 -
4. Einreden und Einwendungen der Beklagten
4.1. Vertragliche Ausschüttungsbeschränkung
4.1.1. Parteibehauptungen
4.1.1.1. Beklagte
Der Beklagten zufolge bestehe kein Grund für eine Ausschüttung der Divi-
dende. Massgeblich sei vorliegend Ziff. 3.5. des Aktienkaufvertrages, wo-
nach die Ausschüttung der Dividende für das Jahr 2018 ein Eigenkapital
von mindestens Fr. 450'000.00 erfordere (Klageantwort S. 9; Duplik S. 9).
Ziff. 3.5 des Aktienkaufvertrages sei auf die G. zurückzuführen. Diese habe
für die Finanzierung des Aktienkaufes ein Eigenkapital von minimal
Fr. 450'000.00 verlangt (Klageantwort S. 9; Duplik S. 9). Da das Eigenka-
pital der Beklagten derzeit nicht die geforderte Höhe aufweise, könne die
Dividende nicht ausgeschüttet werden (Klageantwort S. 11). Die Klägerin
forderte die Beklagte daher mit der vorliegenden Klage dazu auf, einen Ver-
tragsbruch gegenüber der G. zu begehen (Klageantwort S. 9).
4.1.1.2. Klägerin
Die Klägerin bestreitet, dass die Auszahlung der Dividende für das Jahr
2018 in einem Zusammenhang mit dem Eigenkapital der Beklagten stehe.
Es bestehe gemäss Aktienkaufvertrag lediglich eine Verbindung zwischen
dem vermeintlich kurzfristigen Darlehen der Klägerin an die Beklagte über
Fr. 618'130.00 zuzüglich Zins und der Eigenkapitalisierung der Beklagten
(Replik Rz. 35; 45). Ferner bestreitet die Klägerin, dass die Beklagte keine
Eigenkapitalisierung von Fr. 450'000.00 aufweise (Replik Rz. 35).
4.1.2. Rechtliches
4.1.2.1. Arten der Vertragsauslegung
Besteht zwischen den Parteien Einigkeit darüber, dass ein Vertrag zu-
stande gekommen ist, ist dessen Inhalt jedoch umstritten, liegt ein Ausle-
gungsstreit vor. Diesen löst das Gericht, indem es den Vertrag auslegt, um
dessen Inhalt zu ermitteln. Dabei bestimmt sich der Inhalt eines Vertrages
in erster Linie nach dem übereinstimmenden wirklichen Willen der Parteien
(Art. 18 Abs. 1 OR). Für das tatsächliche Verständnis des Parteiwillens ist
nicht allein der Wortlaut massgebend. Vielmehr indizieren die gesamten
Umstände, unter denen eine Erklärung abgegeben wurde, den inneren Wil-
len der erklärenden Partei.35 Mitunter ergibt sich der innere Wille aus dem
nachträglichen Parteiverhalten.36
Kann der tatsächliche Wille der Parteien nicht in einer dem anwendbaren
Beweismass genügenden Art festgestellt werden, sind die Erklärungen der
Parteien anhand des Vertrauensprinzips so auszulegen, wie sie nach ihrem
35 BGE 143 III 157 E. 1.2.2, 142 III 239 E. 5.2.1; BGer 8C_14/2020 vom 13. Februar 2020 E. 4.4. 36 BGE 144 III 93 E. 5.2.3; BGer 4A_291/2018 vom 10. Januar 2019 E. 3.4.1.
- 12 -
Wortlaut und dem Zusammenhang sowie den gesamten Umständen ver-
standen werden durften und mussten.37 Dabei hat das Gericht sich am Den-
ken und Handeln vernünftiger und redlicher Vertragspartner sowie an We-
sen und Zweck des Vertrages zu orientieren.38
4.1.2.2. Auslegungsmittel
Primäres Auslegungsmittel bildet der Wortlaut. Der klare Wortlaut hat
grundsätzlich Vorrang vor den weiteren Auslegungsmitteln, es sei denn, er
erweise sich aufgrund anderer Vertragsbedingungen, dem von den Par-
teien verfolgten Zweck oder weiterer Umstände als nur scheinbar klar.39 Bei
der Auslegung ist grundsätzlich vom allgemeinen Sprachgebrauch auszu-
gehen.40 Hat ein Wort in bestimmten Verkehrskreisen indessen eine beson-
dere Bedeutung, so ist zu vermuten, dass die Parteien dieses Wort ent-
sprechend seinem besonderen Sinn verstanden haben wollten. Der Wort-
laut ist sodann stets im Zusammenhang, in dem er steht, als Teil eines
Ganzen aufzufassen.41
Neben dem Wortlaut sind als ergänzende Auslegungsmittel im Rahmen ei-
ner ganzheitlichen Auslegung die Umstände des Vertragsschlusses, die
Entstehungsgeschichte des Vertrags, die Interessenslage der Parteien so-
wie der Zweck der Vereinbarung zu berücksichtigen.42
4.1.3. Würdigung
Ziff. 3.5 des Aktienkaufvertrages lautet wie folgt (KB 5):
"Eigentum, Nutzen und Gefahr an den 100 Aktien gehen mit dem Vollzug dieses Vertrags wirtschaftlich rückwirkend per 1. Januar 2019 ( Stichtag) auf den Käufer über. Alle Gewinne und Cashflows nach dem Stichtag werden zu Gunsten des Käufers erwirtschaftet. Nach dem Stichtag darf von der Gesellschaft dem Verkäufer nur noch die  2018 über CHF 470'000.00 (in Worten: vierhundertsiebzigtausend Schweizer Franken) ausgeschüttet werden. Die per Ende 2018  kurzfristige verzinsliche Verbindlichkeit zu Gunsten der Verkäuferin CHF 618'130 (in Worten:  Schweizer Franken) muss bis zum Vollzugstag zurückbezahlt worden sein. Dabei darf die von der G. im Zusammenhang mit der Kreditvergabe geforderte Eigenkapitalisierung der B. von CHF 450'000 (in Worten:  Schweizer Franken) nicht unterschritten werden.
37 BGE 143 III 157 E. 1.2.2 m.w.N., 121 III 118 E. 4b/aa; BGer 4A_112/2020 vom 1. Juli 2020
E. 3.2.1; GAUCH/SCHLUEP/SCHMID, Schweizerisches Obligationenrecht, Allgemeiner Teil, Band I, 11. Aufl. 2020, N. 1201; SCHWENZER/FOUNTOULAKIS, Schweizerisches Obligationenrecht,  Teil, 8. Aufl. 2020, N. 33.01 ff.
38 BGE 143 III 558 E. 4.1.1; GAUCH/SCHLUEP/SCHMID (Fn. 37), N. 1201. 39 BGE 133 III 61 E. 2.2.1; BGer 4A_370/2010 vom 31. Mai 2011 E. 5.3, vgl. ausführlich zu den ein-
zelnen Auslegungsmitteln: GAUCH/SCHLUEP/SCHMID (Fn. 37), N. 1205 ff. 40 BGE 97 II 72 E. 4. 41 GAUCH/SCHLUEP/SCHMID (Fn. 37), N. 1206 ff., 1220 und 1228; ZK OR-JÄGGI/GAUCH/HARTMANN,
4. Aufl. 2015, Art. 18 N. 374 ff. 42 GAUCH/SCHLUEP/SCHMID (Fn. 37), N. 1212 ff.; ZK OR-JÄGGI/GAUCH/HARTMANN (Fn. 41), Art. 18
N. 385 ff.
- 13 -
Die Gewährleistungen gemäss Ziffer 4. + 5. für die Zeit bis zum Vollzug bleiben in jedem Fall vorbehalten. Die Rückzahlung erfolgt anschliessend, wann immer es die Eigenkapitalisierung von CHF 450'000 (in Worten:  Schweizer Franken) erlaubt. Bis zur vollständigen Rückzahlung des Darlehens hat der Verkäufer uneingeschränkte Einsicht in die Buchhaltung der B.. Ebenso hat der Verkäufer bis zur Erreichung des ordentlichen Pensionsalters (13.10.2022), das Recht, sein Büro (Haupteingang rechts) inkl. der benötigten Infrastruktur, inkl. Software, , etc. kostenlos zu nutzen. Eine evtl. weiterhin gewünschte  wird anschliessend festgelegt.
Der Verkäufer gibt nachstehende Gewährleistungen per Datum dieses Vertrages sowie per Vollzugstag ab, sofern in den Bestimmungen von  4.1 bis 4.15 für einzelne Gewährleistungen nicht ausdrücklich auf ein anderes Datum oder einen anderen Zeitpunkt bzw. Zeitraum Bezug  wird."
Das Eigenkapitalerfordernis bezieht sich nach dem klaren Wortlaut und der
inneren Systematik der Bestimmung einzig auf die Rückzahlung der kurz-
fristigen Verbindlichkeit. Die Bestimmung, wonach die Rückzahlung zu er-
folgen habe, wann immer es die Eigenkapitalisierung von Fr. 450'000.00
erlaube, lässt keinen Raum für die Annahme, das Eigenkapitalerfordernis
erstrecke sich auch auf die Dividendenausschüttung. Die Dividende ist ein
jedem Aktionär zustehender verhältnismässiger Anteil am Bilanzgewinn
(Art. 660 Abs. 1 OR). Sie wird aus dem Bilanzgewinn und allenfalls aus
hierfür gebildeten Reserven ausgerichtet (Art. 675 Abs. 2 OR). Die Divi-
dende ist keine Rückerstattung des vom Aktionär einbezahlten Kapitals
(vgl. Art. 680 Abs. 2 OR zum sog. Verbot der Einlagerückgewähr); sie wird
nicht zurückbezahlt, sondern ausgerichtet bzw. ausgeschüttet. Da die Be-
klagte nicht Partei des fraglichen Aktienkaufvertrages ist, kann sie ohnehin
nichts aus Ziff. 3.5. ableiten. Im Übrigen dürfte der Kreditvertrag der G. zur
Finanzierung des Aktienkaufes wohl kaum die Beklagte verpflichten, ist
diese doch Gegenstand und nicht Partei des Aktienkaufes. Von einer Ver-
leitung zum Vertragsbruch kann somit keine Rede sei.
Auf die Einholung des von der Beklagten beantragten betriebswirtschaftli-
chen Gutachtens kann nach dem Gesagten verzichtet werden. Im Übrigen
fehlt es an substantiierten Behauptungen zur Vermögenslage der Beklag-
ten. Das beantragte Gutachten vermag diese nicht zu ersetzen, zumal ge-
richtliche Gutachten lediglich dazu dienen, den Beweis für substantiiert vor-
gebrachte Tatsachenbehauptungen zu erbringen.
4.2. Vorenthaltung des Ausschüttungsbeschlusses
4.2.1. Parteibehauptungen
Die Beklagte macht ferner geltend, die Klägerin (recte: D.) habe das Proto-
koll der Generalversammlung vom 28. März 2019 dem Geschäftsführer der
E. nicht zur Verfügung gestellt, sodass dieser keine Kenntnis vom Aus-
schüttungsbeschluss gehabt habe (Klageantwort S. 9). Die Beklagte (recte:
E.) habe erst nach dem Closing Zugang zu den Bankkonti und Unterlagen
- 14 -
der Beklagten erhalten (Klageantwort S. 9 f.). Für die Durchführung einer
Due Diligence seien der Beklagten (recte: E.) im Vorfeld des Aktienkaufes
lediglich zwei Tage eingeräumt worden. Ergänzende oder sich ergebende
Fragen seien seitens der Klägerin nicht beantwortet worden (Klageantwort
S. 6). Die Beklagte (recte: E.) habe einer Dividendenausschüttung für das
Geschäftsjahr 2018 in den Verhandlungen zwar zugestimmt, jedoch sei sie
(recte: die E.) von falschen Grundlagen ausgegangen (Duplik S. 4 f.), denn
die Klägerin habe die betriebswirtschaftlichen Zahlen manipuliert, um die
Beklagte zu täuschen (Duplik S. 3, 8).
4.2.2. Würdigung
Die Beklagte leitet zu Recht nichts aus diesen Behauptungen ab. Etwaige
Ansprüche, die im Vorfeld des Aktienkaufes aus einer allfälligen Verletzung
der vorvertraglichen Pflichten der D. resultieren, können der Klägerin im
vorliegenden Verfahren nicht entgegengehalten werden, zumal die Be-
klagte naturgemäss nicht am Aktienkauf beteiligt war, folglich auch nicht
Inhaberin entsprechender Ansprüche wäre und damit zu deren Geltendma-
chung auch nicht berechtigt wäre.
4.3. Weitere Vorbringen der Beklagten
Unbehilflich ist schliesslich der Einwand der Beklagten, die Dividendenaus-
schüttung verstosse gegen den Letter of Intent (Klageantwort S. 7; Duplik
S. 4). Die Beklagte verkennt, dass sie nicht Vertragspartei dieses Letter of
Intent ist. Entsprechend kann sie sich nicht auf dessen Verletzung berufen.
Eine solche hätte ohnehin keine Auswirkungen auf den vorliegend zu be-
urteilenden Dividendenanspruch der Klägerin.
4.4. Fazit
Die Einwendungen und Einreden der Beklagten erweisen sich allesamt als
unbegründet. Die Klägerin hat somit Anspruch auf Ausschüttung einer Di-
vidende in der Höhe von Fr. 455'900.00.
5. Verzugszins
5.1. Rechtliches
Ist der Schuldner mit der Zahlung einer Geldschuld in Verzug, so hat er
Verzugszinse zu 5 % für das Jahr zu bezahlen (Art. 104 Abs. 1 OR). Der
Verzugszins ist ab dem Tag des Eintrittes des Schuldnerverzugs ge-
schuldet. Voraussetzung für den Schuldnerverzug ist einerseits die Fäl-
ligkeit der Forderung, andererseits die Mahnung durch den Gläubiger
(Art. 102 Abs. 1 OR). Wurde für die Erfüllung ein bestimmter Verfall-
tag verabredet, so kommt der Schuldner bereits mit Ablauf dieses Ta-
ges in Verzug, sodass sich eine Mahnung erübrigt (Art. 102 Abs. 2 OR).
Ein Verfalltagsgeschäft liegt vor, wenn der Zeitpunkt, zu dem der
- 15 -
Schuldner erfüllen muss, kalendermässig bestimmt oder zumindest auf-
grund des Vertragsinhalts bestimmbar ist. 43
5.2. Würdigung
Die Parteien sind sich einig, dass die beschlossene Dividende am 20. April
2019 fällig wurde (Duplik S. 2, 4; Klage Rz. 23). Unbestritten ist ferner, dass
die Dividende noch nicht ausgeschüttet wurde. Die Beklagte befindet sich
entsprechend seit dem 21. April 2019 in Verzug, womit sie grundsätzlich
einen Verzugszins von 5 % seit dem 21. April 2019 schuldet (Art. 104
Abs. 1 OR). Da die Klägerin jedoch lediglich einen Verzugszins von 2 %
geltend macht, ist ihr auch nur dieser zuzusprechen (Art. 58 Abs. 1 ZPO).
6. Prozesskosten
Die Prozesskosten, bestehend aus den Gerichtskosten und der Parteient-
schädigung (Art. 95 Abs. 1 ZPO), werden den Parteien im Verhältnis des
Obsiegens bzw. Unterliegens auferlegt (Art. 106 Abs. 2 ZPO). Die Klage ist
vollumfänglich gutzuheissen. Die Beklagte gilt demnach als unterliegend,
womit ihr die Prozesskosten aufzuerlegen sind. Es sind keine Gründe er-
sichtlich, die eine abweichende Kostenverteilung rechtfertigen würden (vgl.
Art. 107 ZPO).
6.1. Gerichtskosten
Die Gerichtskosten entsprechen vorliegend der Entscheidgebühr (Art. 95
Abs. 2 ZPO). Diese wird von Amtes wegen anhand des Dekrets über die
Verfahrenskosten (VKD; SAR 221.150) festgelegt (Art. 105 Abs. 1 ZPO).
Bei einem Streitwert von Fr. 455'900.00 beträgt der Grundansatz der Ge-
richtsgebühr Fr. 16'508.50 (vgl. § 7 Abs. 1 VKD). Weil das vorliegende Ver-
fahren weder ausserordentliche noch nur geringe Aufwendungen erfor-
derte (vgl. § 7 Abs. 3 VKD), sind die Gerichtskosten auf Fr. 16'508.50 fest-
zusetzen und ausgangsgemäss von der Beklagten zu tragen. Die Gericht-
kosten werden mit dem von der Klägerin geleisteten Kostenvorschuss in
derselben Höhe verrechnet (Art. 111 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Die Beklagte hat
der Klägerin die Gerichtskosten direkt zu ersetzen.
6.2. Parteientschädigung
Die Parteientschädigung besteht vorliegend aus den Kosten der berufs-
mässigen Vertretung (Art. 95 Abs. 3 lit. b ZPO). Bei ihrer Festsetzung ist
von den kantonalen Tarifen auszugehen (Art. 105 Abs. 2 i.V.m. Art. 96
ZPO). Ausgehend von einem Streitwert von Fr. 455'900.00 beträgt die
Grundentschädigung Fr. 29'344.70 (§ 3 Abs. 1 lit. a Ziff. 6 des Dekrets über
die Entschädigung der Anwälte vom 10. November 1987 [AnwT;
SAR 291.150]). Dadurch sind Instruktion, Aktenstudium, rechtliche Abklä-
rungen, Korrespondenz und Telefongespräche sowie eine Rechtsschrift
und die Teilnahme an einer behördlichen Verhandlung abgegolten (§ 6
43 BGE 143 II 37 E. 5.2.3; BGer 4A_450/2020 vom 19. März 2021 E. 9.1.
- 16 -
Abs. 1 AnwT). Zuzüglich einer Erhöhung der Grundentschädigung um
40 % für den zweiten Schriftenwechsel und die Durchführung einer Haupt-
verhandlung (vgl. § 6 Abs. 3 AnwT) sowie einer Auslagenersatzpauschale
von 3 % (vgl. § 13 Abs. 1 AnwT) ergibt dies eine Parteientschädigung von
rund Fr. 42'315.05, welche die Beklagte der Klägerin zu entrichten hat.
Dem Antrag der Klägerin auf Zusprechung des Mehrwertsteuerzuschlags
ist nicht zu entsprechen. Die Klägerin ist gemäss UID-Register selber mehr-
wertsteuerpflichtig. Sie kann die ihrem Anwalt bezahlte Mehrwertsteuer als
Vorsteuer von ihrer eigenen Mehrwertsteuerrechnung in Abzug bringen
(Art. 28 MWSTG).44 Die Mehrwertsteuer stellt somit keinen zusätzlichen
Kostenfaktor dar, weshalb sie bei der Bemessung der Parteientschädigung
nicht zu berücksichtigen ist.