Decision ID: 173f81b6-f462-4a63-9839-400af8287d01
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1977
,
war vom 30. Oktober 2017
bis
31. Januar 2018
(Urk. 7/10/21-22)
bei
der
Y._
GmbH
als
ungelernter (vgl. Urk. 7/10/84)
Maurer
tätig,
als er sich
gemäss Unfallmeldung vom 21. Februar 2018
am 4. Dezember 2017 Verletzungen am Kopf, am rechten Arm und rechten Bein auf
grund einer auf ihn herunter
ge
fallenen Gip
splatte zuzog (
Urk. 7/10/5)
. Unter Hin
weis auf
ein posttraumatisches,
zerviko
-
zephales
rechtsseitiges
lumboradikuläres
Schmerzsyndrom mit wahrscheinlich zervikal bedingtem Begleitschwindel (Ziff. 6.1)
meldete sich der
Versicherte am
10. Oktober 2018
bei der Invaliden
ver
sicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/8
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der
Unfallversicherung
bei (Urk.
7/10+18
) und holte bei
Dr.
med.
und
Dr.
sc. nat. ETH
Z._
,
Innere Medizin FMH, speziell Rheumaerkrankun
gen, zer
tifizierte medizinische Gutachterin SIM, und
Dr.
med.
A._
, Psychiatrie und Psy
chotherapie FMH, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, ein
bi
disziplinäres
Gutachten ein,
das am 11. Oktober 2019 erstattet wurde (Urk. 7/60; internistisch-rheumatologisches Teilgutachten
vom 18. September 2019, Urk. 7/58/2-70
).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk.
7/62
; Urk.
7/
71) verneinte
d
ie IV-Stelle mit Verfügung vom 25. Juni 2020
einen Rentenanspruch (
Urk.
7/82
=
Urk.
2)
.
2.
Der
Versicherte erhob am
25. August 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom
25. Juni 2020
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei
aufzuheben und es sei die Sache zu weiteren medizinischen Abklärungen und
zur
Neuverfügung an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
29. September 2020 (Urk. 6
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
14. Oktober 2020
wurd
en antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2
) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und
ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Urk. 8). Der
Beschwerdeführer
hielt mit Replik vom 16. November 2020 an seinen gestellten Anträgen fest (Urk. 10). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf das Einreichen einer Duplik (vgl. Urk. 13), was dem Beschwerdeführer am 17. Dezember 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 14). Mit Eingabe vom 23. Dezember 2020 (Urk. 15) reichte der Rechts
ver
treter des Beschwerdeführers seine Honorarnote (Urk. 16) ein.
Mit Verfügung vom 24. März 2021 wurde dem Beschwerdeführer Frist angesetzt, um den Austrittsbericht der
B._
einzureichen. Die Einreichung
eines
von
Dr.
C._
erstellten forensischen Gutachtens wurde ihm freigestellt (Urk. 17). Mit Eingabe vom 31. März 2021 (Urk. 19) legte der Beschwerdeführer den Austritts
bericht der
B._
vom 3. April 2020 (Urk. 20/1) sowie eine Vorab
stellungnahme von
Dr.
C._
vom 4. Mai 2020 ins Recht (Urk. 20/2), was der Beschwerdegegne
rin am 6. April 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 21).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts (ATSG)
setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ih
rem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E.
4c
; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b
/cc).
1.3
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
läs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dür
fen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellen (BGE 125 V 351 E.
3a
).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E.
3a
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der
angefochtenen Verfügung (Urk. 2
) davon aus
, aus den Unterlagen zur medizinischen Situation sei ersichtlich, dass beim Beschwerdeführer keine dauerhafte oder bleibende Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit vorliege. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei er zu 100 % arbeits
fähig (S. 1).
Aufgrund des Einwandes
sei
die Sache erneut dem Regionalen Ärzt
lichen Dienst (RAD) vorgelegt
worden
. Insgesamt liege keine langanhaltende ge
sundheitliche Einschränkung vor, weshalb kein Anspruch auf Leistungen bestehe (S. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend (Urk. 1),
angesichts des Berichts von
Dr.
med.
D._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 9. Juli 2020
würden
sich ergänzende medizinische Abklärungen sowie die Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens auf
drängen
(S. 3 Ziff. 2 f.).
In der Replik ergänzte der Beschwerdeführer, es sei unklar geblieben, worauf sein auffälliges Verhalten im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung zurückzu
füh
ren gewesen sei. Jedenfalls könne nicht mit dem psychiatrischen Gutachter davon ausgegangen werden, dass kein invalidisierendes psychisches Leiden vor
liege (Urk. 10 S. 3 f. Ziff. 3).
2.3
Streitig und zu prüfen ist,
ob die Beschwerdegegnerin den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers basierend auf
rechtsgenüglichen
Abklärungen zu Recht ver
neinte.
Dabei ist lediglich strittig, ob der psychiatrische Gesundheitszustand ge
nügend abgeklärt wurde und - wenn ja - ob basierend auf den eingeholten Un
terlagen von einer
100%igen
Arbeitsfähigkeit auszugehen ist.
Der somatische Gesundheitszustand und die Beurteilung von
Dr.
Z._
, wo
nach keine somatische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbei
tsfähigkeit vorliege (vgl. Urk. 7/58/62 Ziff.
6)
,
steht in keinem Widerspruch zu den vorhandenen medizi
nischen Akten. Bereits im März 2018 wurde festgehalten, die somatischen Abklä
rungen inklusive durchgeführten bildgebenden Untersuchungen hätten kei
nen patholo
gischen Befund ergeben (vgl. E.
3.3).
Nichts
anderes
ergab sich bei den somatischen Untersuchungen vom Februar 2020 im Rahmen
einer Hospitalisie
rung in der p
sychiatrischen
K
linik
B._
(Urk. 20/1 S. 3-4).
Die attestierte
100%ige
Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht steht in Einklang mit der Akten- und Rechtslage. Der Beschwerdeführer beanstandete die Ablehnung seines Leis
tungsgesuchs schliesslich auch
lediglich
aufgrund
- aus seiner Sicht vorliegender
sowie invalidenv
ersicherungsrechtlich relevanter
- psy
chi
sche
r
Beeinträchtigun
g
en
. Darauf ist im Folgenden einzugehen.
3.
3.1
3.1.1
Am 15. Dezember 2017 (Urk. 7/10/39) und 3. Januar 2018 stellte sich der Be
schwerdeführer bei einem Arzt in Siena (Italien) vor. Er habe über
Lumboischial
gie
geklagt trotz medikamentöser Behandlung. Aufgrund der an
haltenden Schmerzsymptomatik weise der Beschwerdeführer eine reaktive de
pressive Störung auf, weshalb er weitere 40 Tage Ruhe brauche (ab Behandlung vom 1. Januar 2018; Urk. 7/10/38).
3.1.2
Sodann stellte sich der Beschwerdeführer am 8. Februar 2018 in der Notaufnahme des Universitätsspitals Siena vor aufgrund von Kribbeln im Thorax, Schlaflosig
keit und Kopfschmerzen (seit zwei Monaten). Die Mitte Oktober 2017 aufge
nom
mene Arbeit in der Schweiz sei als eine traumatisierende Erfahrung wegen den Arbeitsbedingungen und psychischer Misshandlung erlebt worden (Urk.
7/10/36
= Urk. 7/10/18 [
Original
in Italienisch
]).
3.2
Am 1. März 2018 wurde der Beschwerdeführer, nachdem er in einem Restaurant plötzlich bewusstlos geworden sei, mit der
Sanität notfallmässig ins S
pital
E._
gebracht und von dort mit der Diagnose eines depressiven
Zustandbildes
zur
stationären
Betreuung in die
B._
überwiesen (Bericht vom 1. März 2018, Urk. 7/10/31-32).
3.3
In der
B._
wurde der Beschwerdeführer vom
1.
bis 1
2.
März 2018 stationär be
handelt
(
Austrittsbericht vom 3. Mai 2018,
Urk.
7/10/73-77
).
Beim Eintritt habe
er
sich
stark leidend präsentiert und angegeben,
seit dem Unfallereignis vom Dezember
starke Schmerzen wechselnden Charakters zu haben. Die Schmerz
lokalisation variiere innerhalb weniger Minuten, sei jedoch auf der rechten Körperhälfte insgesamt ausgeprägter. Eine somatisc
he Abklärung in Siena
habe keine Befunde erbracht (ohne Zustimmung des Beschwerdeführers hätten die Be
richte und bildgebenden Befunde nicht angefordert werden können). Bei unauf
fälligem Neurostatus sei die Untersuchung mittels MRI, welches keinen patho
lo
gischen Befund ergeben habe, komplettiert worden. Im Gespräch habe sich der Beschwerdeführer bezüglich seine
r
körperlichen Beschwerden ablenkbar gezeigt. Die depressive Stimmungslage äussere sich nach Angaben des Beschwerdeführers in gedrückter Stimmung und
Libidoverlust
. Im routinemässig durchgeführten Elektrokardiogramm hätten sich unspezifische Erregungsrückbildungsstörungen ohne entsprechende Klinik gezeigt. Die empfohlene weitere Diagnostik lehne
d
er
Beschwerdeführer
ab.
In den Gesprächen dominiere inhaltliche Wut auf den ehemaligen Arbeitgeber, welcher den Unfall
angeblich
nicht bei der Unfallversicherung gemeldet habe
(S. 4 «Verlauf»).
Bei den geschilderten Symptomen und fehlendem körperliche
m
Korrelat sei das Krankheitsbild als mittelgradige depressive Episode (ICD-10
F32.1
) und Soma
ti
sierungsstörung (Verdachtsdiagnose; ICD-10
F45.0
) zu werten. Vorangegangene depressive oder manische Episoden verneine der Beschwerdeführer (S. 4 «Be
ur
teilung»; vgl. auch S. 1).
3.4
Am 11. Oktober 2019 wurde das psychiatrische Gutachten von
Dr.
A._
(in
klu
sive interdisziplinäre Beurteilung zusammen mit
Dr.
Z._
) erstattet (Urk. 7/60).
Dr.
A._
erhob folgenden Befund (S. 10 Ziff. 5.1): Der Beschwerdeführer sei pünktlich zum abgemachten Termin begleitet durch einen Bekannten gekommen und habe das Untersuchungszimmer mit unauffälligem Gang betreten. Er habe ordentlich gepflegt gewirkt, bewusstseinsklar, angeblich desorientiert, habe aber schon bei der Begrüssung die Sprachkenntnisse des Gutachters gekannt, was auf eine Verhaltensinkonsistenz hindeute. Im formalen Denken habe er keine Auf
fäl
ligkeiten aufgewiesen. Er habe ganz knappe Antworten auf die gestellten Fra
gen gegeben, jedes Mal total unpassend und fast realitätsfremd. Er habe Selbst
gesprä
che geführt und dabei demonstrativ mit dem ganzen Körper gezuckt. Im Affekt
habe er stark dysphorisch gereizt gewirkt, allerdings weder depressiv noch euphorisch/manisch, die affektive Schwingungsfähigkeit sei grösstenteils er
hal
ten gewesen. Im Antrieb sei er unauffällig, psychomotorisch wenig lebhaft gewe
sen. Eine Selbst- oder Fremdgefährdung sei nicht beurteilbar gewesen.
Zur Plausibilitäts- und Konsistenzprüfung führte
Dr.
A._
aus, die Anamnese-Erhebung betreffend Krankheitssymptome, -entwicklung, Familien- und per
sön
liche Anamnese und d
a
s Aktivitätsniveau
des Beschwerdeführers sei nicht möglich gewesen. Sein Verhalten während der Exploration sei mit einer selbstän
digen Lebensführung nicht vereinbar
gewesen
. Bei einer zeitlichen, ört
lich-situativen Desorientierung wäre er im Alltag nicht funktionsfähig. Bei der Begrüssung habe der Beschwerdeführer offensichtlich gewusst, zu welchem An
lass und zu wem er komme, was mit der angegebenen Desorientierung während der Exploration im Widerspruch stehe (S. 10 Ziff. 6).
Gemäss
Dr.
A._
konnte
keine psychiatrische Diagnose festgestellt werden (Ziff. 7).
Dr.
A._
führte in seiner Beurteilung aus, au
fgrund der Berichte vom 1. März 2018 und 3. Mai 2018 der
B._
könne von einem psychischen Ausnahmezustand und
einer
Medikamenten-Überdosierung ausgegangen werden, wobei nicht er
sichtlich sei, welche Medikamente der Beschwerdeführer tatsächlich genommen habe. Der offensichtlich komplikationslose Verlauf der psychiatrischen Hospita
lisierung vom
1.
bis 12. März 2018
schliesse
sämtliche Störungen aus dem organischen oder psychotischen Formenkreis aus. Die postulierte mittelgradige depressive Episode stehe im Widerspruch
zum
dokumentierten psychischen Befund vom 3. Mai 201
8.
Daher könne nicht von einer eigenständigen und selbst
unterhaltenden depressiven Störung ausgegangen werden. Eine kurz dauernde Anpassungsstörung mit leichter depressiver Symptomatik bei akzentuierten Per
sönlichkeitszügen könne als plausibel angenommen werden, di
e
aber in sozial
medizinischer Hinsicht die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht über längere Zeit eingeschränkt habe (S. 11 Ziff. 8 oben).
Dr.
A._
gab weiter an
, er habe aufgrund des inkonsistenten Verhaltens des Beschwerdeführers keine fachgerechte Anamnese erheben können. Er habe vor
dergründig Verhaltensinkonsistenzen präsentiert. Schon bei der Begrüssung habe er offenbar gewusst,
zu welchem Anlass er komme,
habe
sich aber während der Untersuchung total desorientiert
gegeben
. Bei der Frage nach psychiatrischer Behandlung habe er aus seinem Portemonnaie einige ärztliche Terminkarten her
vorgenommen und ohne Probleme die Karte der Psychiaterin gefunden. Der
Beschwerdeführer sei mit einer vollen Plastiktasche mit verschiedensten Medika
menten gekommen, wobei er am gleichen Tag (bestätigt von der Begleitperson) zum dritten Mal gezielt das Psychopharmaka (Antidepressivum
Duloxetin
) ge
nommen habe. Dies wäre weder mit einem Verwirrtheitszustand noch mit einer Störung aus dem organischen Formenkreis zu vereinbaren. Daher habe am Schluss aufgrund des Verhaltens des Beschwerdeführers keine ersichtliche Diagnose aus dem psychiatrischen Fachgebiet gestellt
und dementsprechend
auch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden
können
(S. 11 Mitte).
Der Beschwerdeführer sei aus psychiatrischer Sicht
für sämtliche Tätigkeiten zu 100 % arbeitsfähig und nie über längere Zeit arbeitsunfähig gewesen (Ziff. 9.1 ff.).
Auch
aktenmässig
sei
keine längere Arbeitsunfähigkeit au
f
psychiatrischem Fachgebiet ausgewiesen (S. 13 Ziff. 10.7).
3.5
RAD-Arzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie und Trauma
tolo
gie,
schloss mit Stellungnahme vom 22. Oktober 2019 auf plausible Diagno
sen und nachvollziehbare Schlussfolgerungen der beiden Gutachter hinsichtlich der bestehenden Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers. Er merkte an, dass die sowohl bei der rheumatologischen und noch mehr bei der psychiatrischen Unter
suchung beschriebenen Befunde und Verhaltensweisen, die ein extrem inkonsis
tentes Verhalten belegen würden, auf eine bewusstseinsnahe Darstellung oder auch Simulation hindeuten würden (Urk. 7/61/6).
3.6
Vom 1
1.
bis 23. Dezember 2019 fand eine weitere Hospitalisierung des Beschwer
deführers in der
B._
statt (Bericht vom 23. Dezember 2019, Urk. 7/70
/1-2
). Er habe während der stationären Behandlung ein schweres de
pressives Syndrom mit starker Antriebslosigkeit gezeigt. Ausserdem habe er über starke Schmerzen im rechten Arm und im Kopf bei sehr hohem Leidensdruck geklagt. Da beim Beschwerdeführer in der Vorgeschichte diverse somatische Ab
klärungen
inklu
sive
MRIs
gemacht wor
den
seien
, sei von einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10
F45.40
) auszugehen. Ausserdem wurde eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10
F32.2
) diagnostiziert (S. 1). Vom 1
1.
Dezember 2019 bis 9. Januar 2019 (richtig: 2020) sei der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsunfähig (S. 2).
3.7
Laut Bericht vom 23. Janu
ar 2020 (Urk. 7/74) von
Dr.
D._
befand
sich der Beschwerdeführer seit dem 2. Dezember 2019 bei ihr in Behandlung. Dank der Krisenintervention in der
B._
habe eine leichte Stabilisierung erreicht werden können.
Dr.
D._
stellte folgende Diagnosen:
-
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10
F45.4
)
-
Depression; aktuell mittelschwere bis schwere Episode (ICD-10
F32.1
)
-
Persönlichkeitsstörung, kombinierte (ICD-10
F61.0
)
3.8
Am
2
4.
Juni 2020
erfolgte eine RAD-Stellungnahme durch
Dr.
med.
G._
, Fach
ärztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH, zertifizierte medizinische Gutachte
rin SIM (Urk. 7/81/3-5).
Dr.
G._
führte aus
, im Austrittsbericht der
B._
vom 3. Mai 2018 sei
en
im psychopathologischen Befund ein gereizt-
dysphorischer
Affekt und gesteigerter Antrieb genannt worden, was gegen eine depressive Symptomatik spreche. Es sei eine Einengung auf die berufliche Situation beschrieben worden, nicht etwa auf die angeblichen Schmerzen. An
sonsten sei angegeben worden, dass kein Anhalt auf Störungen der Aufmerksam
keit, Auf
fassung und Konzentrationsfähigkeit bestanden h
abe
. Es seien keine Sinnes
täuschungen oder Ich-Störungen erhebbar gewesen (S. 3).
Anlässlich der Begutachtung bei
Dr.
A._
habe der Beschwerdeführer eine bunte Symptomatik, die zu Erkrankungen aus dem dementiellen sowie aus dem psy
chotischen Formenkreis passen könnten, gezeigt (S. 4 oben).
Im Bericht von
Dr.
D._
seien keine Auffälligkeiten im Sinne von kognitiven Einschränkungen oder psychotische Symptome beschrieben
. Die ICD-10-Kriterien für die von ihr diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung oder mittelgradige bis schwere Depression seien nicht erfüllt. Eine kombinierte Persönlichkeits
stö
rung werde mit nichts begründet (S. 4 Mitte).
Es müsse mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer während der Begutachtung bei
Dr.
A._
simuliert habe. Er
habe
dementielle und psychotische Symptome vor
gespielt
, die weder vorher noch nachher beschrieben oder gezeigt
worden seien
. Im Weiteren seien die von den Ärzten der
B._
und
Dr.
D._
genannten Diagnosen nicht nach
vollziehbar. Aus psychiatrischer Sicht sei kein langanhaltender Gesundheits
schaden ausgewiesen (S. 4 unten).
3.9
Im Bericht vom 9. Juli 2020 (Urk. 3/3) hielt
Dr.
D._
an den von ihr bereits gestellten Diagnosen fest, wobei die depressive Episode noch als mittelschwer eingestuft wurde. Nebst dem
-
nach Verfügungserlass
-
am 1. Juli 2020 er
hobe
nen Befund wurde auch der Befund vom
2.
Dezember 2019 aufgeführt: Es habe ein depressives Zustandsbild mit bedrückter Stimmung,
G
rübeln, Panik
attacken und Zukunftsängsten, Antriebsminderung sowie Ein- und Durchschlaf
störung auf dem Hintergrund diverser psychosoziale
r
Belastungen imponiert. Des Weite
ren seien passive Suizidgedanken ohne akute Handlungsrelevanz erkenn
bar. Darüber hinaus habe der Beschwerdeführer diverse Körperschmerzen ge
schildert.
In Anbetracht der Schwere der Symptome und einer psychischen De
kompen
sation sei die ambulante Behandlung nicht mehr ausreichend gewesen und es sei zur Zuweisung an die
B._
gekommen am 11. Dezember 2019 (S. 1).
Am 30. Januar sei per fürsorgerischer Unterbringung auf Zuweisung des Spitals
H._
der Eintritt in die
B._
erfolgt, wo der Beschwerdeführer über fünf Wochen hospitalisiert gewesen sei
.
Das fremdaggressive Verhalten sowie die paranoiden Anteile hätten zur Ver
dachtsdiagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und paranoiden Anteilen geführt. Aufgrund wiederholte
r
Äusserungen von Drohun
gen gegenüber medizinische
n
Gutachte
n
sei eine Gefährdungsmeldung an die Polizei erfolgt. Am 5. März 2020
sei
eine achtwöchige Inhaftierung
erfolgt
. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Zürich sei ein
forensisches Gutachten durch
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
erstellt wor
den. Gestützt darauf sei auf die Aufrechterhaltung der Haft verzichtet worden. Der Beschwerdeführer sei mit der Anordnung von Ersatzmassnahmen, unter an
derem eine regelmässige psychiatrische Behandlung, entlassen worden. Er nehme die Termine wahr und zeige sich therapiemotiviert. Die bestehende Medikation sei unverändert beibehalten worden. Es hätten keine weiteren Drohungen oder aggressives Verhalten beobachtet werden können. Psychopathologisch dominiere ein ängstlich depressives Zustandsbild mit
chronifizierten
Schmerzen und Zu
nahme von Panikattacken in den letzten Wochen (S. 2).
3.10
3.10.1
Im Gerichtsverfahren reichte der Beschwerdeführer den
Austrittsbericht der
B._
vom 3. April 2020
sowie eine Vorabstellungnahme
der
B._
, Gutachtensstell
e Er
wachsenenforensik
,
vom 4. Mai 2020
ein.
3.10.2
Am 30. Januar 2020 trat der Beschwerdeführer per Fürsorgerischer Unter
brin
gung (FU) aufgrund fremdaggressive
n
Auftreten
s
in die
B._
ein, wo er in der Folge bis am 5. März 2020
hospitalisiert
war
(
Austrittsbericht vom 3. April 2020,
Urk. 20/1).
Folgender Hergang führte nach Angaben des besagten Berichts zu
r
FU:
Nach einem Sturz im Tram sei
d
er
Beschwerdeführer
mit der Ambulanz ins Spital
H._
gefahren worden, wo zerebrale Verletzungen hätten aus
geschlossen werden können. Als ihm dort seine Entlassung mitgeteilt worden sei, sei er aggressiv aufgetreten (Scheibe zerbrochen und in der Folge seine Hand verletzt). In der
B._
habe er sich nach medikamentöser Behandlung allmählich beruhigt. Er habe erklärt, dass er sich im Spital
H._
nicht ernstgenommen gefühlt habe. So habe man ihm beispielsweise keine Schmerzmittel gegeben. In der weiteren Befragung
anlässlich des
Eintrittsgespräch
s
bei der
B._
habe er an
gegeben, er
leide seit längerer Zeit unter Stimmenhören. Gelegentlich habe er den Eindruck, dass Schatten ihn verfolgen würden. Er leide sodann unter negativen Gedanken
. Aktuell könne er sich jedoch von jeglichen Suizidplanungen distanzieren (S. 2 «aktuelle Anamnese»).
Zum psychi
schen Befund (nach AMDP) wurde F
olgendes festgehalten
(S.
3
)
: «Mässig gepflegtes Äusseres, wach, angespannt im Kontakt, Aufmerksamkeit und Gedächtnis ohne signifikante Defizite, formales Denken: Eingeengt auf so
mati
sche Erkrankung
en
, Stimmenhören angegeben. Affektiv dysthym, Schwingungs
fähigkeit reduziert. Antrieb erhalten, unauffällige Psychomotorik, keine Zwänge. Keine circadianen Besonderheiten. Keine Einschränkungen bezüg
lich Schlaf und Appetit. Impulskontrolle gegeben. Steuerungsfähigkeit gegeben. Von Selbst- sowie Fremdgefährdung aktuell
distanziert. »
Die beim Eintritt angegebene fragliche psychotische Symptomatik mit Stimmen
hören und Verfolgungsängsten sei im weiteren Verlauf nicht mehr beklagt wor
den und es habe sich anhand von Verhaltensbeobachtungen kein weiterer Hin
weis darauf ergeben. Psychopharmakologisch sei beim depressiven Erscheinungs
bild und der Schmerzstörung eine komplikationslos verlaufende schrittweise Ein
stellung auf
Cymbalta
60 mg erfolgt (S. 4 «Verlauf»).
Auf der Station sei es einmalig zu einem aggressiven Durchbruch gekommen. Eine Nachbesprechung der Situation sei nicht möglich gewesen, da der Be
schwer
deführer angegeben habe, sich nicht mehr an seine Handlungen (laut und bedrohlich geworden wegen ausbleibender sofortiger Reaktion des Behandlungs
teams nach einer Reklamation bezüglich de
s
Essen
s
) zu erinnern. Der Beschwer
deführer sei durch ausgeprägte Externalisierung aufgefallen (S. 4 un
ten).
In den psychotherapeutischen Gesprächen habe inhaltlich die Wut auf die medi
zinischen Gutachter dominiert. Er habe in diesem Zusammenhang wiederholt Drohungen mit Todesdrohungen gegenüber Ärzten ausgesprochen, welche ihn falsch beurteilt hätten. Teilweise habe er angegeben, sich nicht mehr an die Drohungen zu erinnern, habe im Verlauf jedoch immer wieder Drohungen und Todesdrohungen gegenüber den besagten Ärzten wiederholt. Er sei mehrfach da
rauf hingewiesen worden, dies zu unterlassen und sich zu distanzieren, habe sich jedoch diesbezüglich nicht auslenkbar gezeigt und
sich von seinen Drohungen nicht distanzieren können, weswegen eine Gefährdungsmeldung bei der Polizei erfolgt sei. Der Beschwerdeführer sei von der Polizei befragt worden. Da er seine Drohung
en
wiederholt habe, sei er bei bestehenden Fremdgefährdungsaspekten von der Station in Haft genommen worden (S. 5 oben).
Das fremdaggressive Verhalten sowie die paranoiden Anteile würden zur Ver
dachtsdiagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und paranoiden Anteilen führen (S. 5 «Beurteilung»).
Die Ärzte der
B._
stellten folgende Diagnosen (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10
F33.2
)
-
kombinierte und andere Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und para
noiden Anteilen (Verdachtsdiagnose; ICD-10
F61
)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10
F45.40
)
-
chronische Virushepatitis B
-
essentielle Hypertonie, nicht näher bezeichnet: ohne Angabe einer
hyper
tensiven
Krise
3.10.3
Am 4. Mai 2020 erstellte
Dr.
med.
C._
-
so
nach Angabe des Be
sch
werdeführers (vgl.
Urk. 19) sowie der behandelnden Psychiaterin (vgl. vor
stehend E. 3.
9
) - eine Vorabstellungnahme zur Begutachtung des Beschwerde
führers im Rahmen
einer Strafuntersuchung (Urk. 20/2).
Der Gutachter kam zum Schluss, es bestehe eine depressive Symptomatik sowie eine chronifizierte Schmerzsymptomatik. Der Beschwerdeführer habe zudem über früher bestehende Suizidgedanken berichtet und es sei eine affektive Instabilität und Reizbarkeit durch frühere Behandler beschrieben worden, die aus Sicht von
Dr.
C._
vor allem der depressiven Symptomatik zuzuordnen seien. Im Rahmen der Ein
schätzung der Ausführungsgefahr der angedrohten Taten (Drohungen und Todes
drohungen gegenüber dem psychiatrischen Gutachter «
Dr.
K.»; vgl. S. 1) falle der Beschwerdeführer in die niedrigste von neun Risikokategorien (S. 3 «Beurtei
lung»). Die konkrete Ausführungsgefahr für die angedrohten Gewalthandlungen gegen den Gutachter werde als gering eingestuft (S. 4 Mitte).
4.
4.1
Gesamthaft entspricht das
Gutachten
von
Dr.
A._
(
vgl. E. 3.4
) den erforderli
chen Kriterien (vgl
. E. 1.3):
D
e
r Beschwerdeführer
wurde
seinen
geltend gemach
ten Beschwerden entsprechend umfassend abgeklärt, das Gutachten beruht auf allseitigen Untersuchungen
, berücksichtigt die geklagten Besch
werden
und wurde in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben
. Sodann sind die Darlegungen der medizinischen Zusammenhänge und die Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend und die Schlussfolgerungen in der Expe
rtise sind begrün
det
.
Insbesondere nahm
Dr.
A._
auch in begründeter Weise Stellung, weshalb die von den Ärzten der
B._
gestellte Diagnose einer
mittelgradige
n
depressive
n
Episode
nicht nachvollziehbar
ist
(
Widerspruch zum dokumentierten ps
ychischen Befund)
.
D
amals
war
nach
schlüssiger Darlegung
von
Dr.
A._
lediglich
eine
die Arbeitsfähigkeit nicht einschränkende,
kurz dauernde Anpassungsstörung mit leichter depressiver Symptomatik bei akzentuierten Persönlichkeitszügen
plau
sibel
.
Der Beschwerdeführer machte geltend, es seien weitere psychiatrische Abklärun
gen durchzuführen, da sein Verhalten während der Begutachtung durch
Dr.
A._
auffällig gewesen sei. Zu
m im Gutachten
dokumentierten Verhalten des
Beschwerdeführer
s, welches
Dr.
A._
als inko
n
sistent einstufte,
führte der RAD au
s
, es sei
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon aus
zugehen
, dass der Beschwerdeführer während der Begutachtung bei
Dr.
A._
simuliert habe.
D
iese Einschätzung
ist
nachvollziehbar, da der Beschwerdeführer ausschliesslich während der Begutachtung - wie der RAD darlegte -
dementielle und psychoti
sche Symptome
zeigte
, die weder vorher noch nac
hher je beschrieben oder gezeigt wo
rden
sind
(E. 3.8)
.
Im psychiatrischen Gutachten wurden die Inkonsistenzen im Verhalten des Beschwerdeführers aufgezeigt und in nachvollziehbarer
W
eise be
gründet, dass dieses
Verhalten
nicht Auswirkung eines versicherungsrechtlich re
levanten Gesundheitsschadens ist, da ein solcher nicht vorliegt.
Zwar gab der Beschwerdeführer beim Eintritt in die
B._
Ende Januar 2020 eine psychotische Symptomatik wie Stimmenhören und Verfolgungsängste an. Diese Symptomatik beklagte er jedoch im weiteren stationären Verlauf nicht mehr und eine solche konnte auch im Rahmen der
weiteren
Beobachtungen nicht ausgemacht werden (vgl. E. 3.10.2).
Die Angabe des
Beschwerdeführer
s gegenüber den Ärzten der
B._
,
er leide
«seit längerer Zeit
»
unter Stimmenhören
(vgl.
vorstehend E. 3.10.2
),
findet in den medizinischen Akten keine Stütze.
Insbesondere wurde
eine solche Symptomatik
auch
zu keiner Zeit durch die behandelnde
Dr.
D._
dokumen
tiert, was den Eindruck inkonsistenten Verhaltens
wiederum bekräftigt
.
Auf sol
ches wurde
ebenfalls
im Rahmen der forensischen Abklärungen hingewiesen: Der
Beschwerdeführer
habe zwar geschlossene Fragen hinsichtlich psychotischer Symptome und nach Ich-Störungen zunächst bejaht. Auf konkretisierende Nach
fragen habe er die jeweiligen Symptome nicht genauer zu beschreiben vermocht und im Verlauf der zweiten Untersuchung gar verneint (Urk. 20/2 S. 2 unten).
Aufgrund der inkonsistenten Angaben zu den Symptomen entstand (auch) im Rahmen der forensischen Begutachtung der Eindruck, der Beschwerdeführer
aggraviere
einen Teil seiner Beschwerden. So benannte er Störungen der Auf
merksamkeit, der Merkfähigkeit und des Gedächtnisses. Objektiv habe im Verlauf der Untersuchung jedoch weder eine Störung der Aufmerksamkeit noch des Ge
dächtnisses festgestellt werden können (Urk. 20/2 S. 2 Mitte).
In diesem Zusammenhang
ist zu erwähnen, dass auch
Dr.
Z._
auf diverse Ungereimtheiten hinwies. So sei bei der Prüfung der Schulterbeweglichkeit, wel
che deutlich eingeschränkt gezeigt worden sei, schliesslich aber bei Ablenkung und beispielsweise beim Anziehen der Jacke eine normale Beweglichkeit zu be
obachten gewesen. Ebenfalls würden die deutlichen Gebrauchsspuren der Hände auf einen lang andauernden kraftvollen Einsatz hindeuten, was diskrepant zur in der Untersuchungssituation fast fehlenden Handkraft beidseits sei. In der Blut
untersuchung sei weder das Schmerzmittel Olfen noch das
Psychopharmak
um
Olanzapin
noch das Benzodiazepin
Lorazepan
nachweisbar gewesen (Urk. 7/58/64-65).
4.2
Schliesslich ist mit
Dr.
A._
-
und
auch
dem
RAD
-
darauf hinzuweisen
, dass
entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers auch die Berichte von
Dr.
D._
keinen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vorhandenen psychi
sch
en Gesund
heitsschaden
zu
belegen vermögen. Der RAD führte aus,
dass
d
ie
ICD-10-Kriterien der durch
Dr.
D._
gestellten Diagnosen (somatoforme Schmerzstörung sowie mittelgradige bis schwere Depression)
nicht erfüllt
sind
und die von ihr diagnostizierte
kom
binierte Persönlichkeitsstörung
in keiner Weise
begründet
worden
ist
.
Daran vermögen auch die Ausführungen im Bericht vom 9. Juli 2020 (vgl. E. 3.9) nichts zu ändern.
Seitens der Ärzte der
B._
wurde bezüglich Per
sönlichkeitsstörung lediglich eine Verdachtsd
iagnose gestellt. Diese wurde
mit dem fremdaggressiven Verhalten und den paranoiden Anteilen begründet. Aller
dings zeigten sich gerade die paranoiden Anteile während der fünfwöchigen Hos
pitalisierung im Jahr 2020 - abgesehen von den Angaben beim Eintritt
sgespräch
mit dem Stimmenhören und dem gelegentlichen Eindruck, ihn würden Schatten verfolgen - nicht (vorstehend E. 3.10.2).
Was der RAD bezüglich der nicht erfüll
ten Kriterien zur somatoformen
Schmerzstörung im
Zusammenhang mit der Diagnosestellung durch
Dr.
D._
ausführte,
gilt auch
- bei
Beachtung der diagnostischen Leitlinien gemäss ICD-10
F4
5
- hinsichtlich jener der
B._
, da der Beschwerdeführer eine psychische Ursache seiner Beschwerden durchaus zu dis
kutieren bereit ist und er nicht von einer
rein
körperlichen Natur seiner Beschwerden
ausgeht
(vgl. Urk. 20/2 S. 3 oben). Auch fehlt es an einer be
trächtlichen medizinischen oder persönlichen Betreuung oder Zuwendung auf
grund der Schmerzen (vgl.
dazu
Dilling
/
Mombour
/Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V
[
F
]
, Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10., überarbe
itete Auflage, Bern 2015, S.
224+2
33
).
Schliesslich ist in
Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften auf
die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auf
tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Be
handlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichts
gutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu neh
men, wenn d
ie behandelnden Arztpersonen beziehungsweise
Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Ein
schätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt ge
blieben sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]).
4.3
Aufgrund der medizinischen Aktenlage ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass
die Beschwerdegegnerin den Leistungsanspruch des Beschwerde
führers zu Recht verneint hat. Die angefochtene Verfügung ist nicht zu bean
standen. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen
, infolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen, unter Hin
weis auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgeric
ht
(GSVGer), auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.2
Dem unentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Daniel Christe, steht bei diesem Verfahrensgang eine Entschädigung aus der Gerichts
kasse zu. Die Parteikosten werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3 GSVGer).
In Anwendung dieser Kriterien sowie
unter Berücksichtigung der Honorarnote vom 13. April 2021 (Urk. 23) ist Rechts
anwalt Daniel Christe vorliegend mit Fr. 2'157.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Bar
auslagen) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.