Decision ID: 2af5b015-24ee-4fe3-94ac-95ec650dc97a
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
betreffend Urkundenfälschung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon, vom 16. Mai 2018 (DG170028)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 29. September
2017 (Urk. 45) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251
Ziff. 1 StGB.
Im Übrigen ist der Beschuldigte einer strafbaren Handlung nicht schuldig
und wird freigesprochen.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu
Fr. 330.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Von der Aussprechung eines Tätigkeitsverbotes in Sinne von Art. 67 Abs. 1
StGB wird abgesehen.
5. Die mit Verfügung vom 25. September 2017 von der Staatsanwaltschaft
Limmattal / Albis beschlagnahmten Gegenstände (1 grauer Ordner mit Be-
schriftung Dr. B._, LLB 1, Depot 2, C._ AG sowie 6 Einzelblätter
[Liste der GwG-relevanten Files] in Klarsichtmappe in grauem Ordner) wer-
den der C._ AG auf erstes Verlangen herausgegeben.
Die Geltendmachung des Herausgabeanspruchs hat innerhalb von drei Mo-
naten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils zu erfolgen; ansonsten wer-
den die vorgenannten Akten bei den Akten belassen.
6. Der Privatkläger B._ wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
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7. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 4'500.00 ; die weiteren Kosten betragen: Fr. 6000.00 Gebühr Vorverfahren Fr. 600.00 Gebühr Vorverfahren (G-Nr.: UH130125-O, III. SK) Fr. 1'000.00 Gebühr Vorverfahren (G-Nr.: UH130296-O, III. SK)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
8. Die Kosten der Untersuchung werden dem Beschuldigten zur Hälfte, dieje-
nigen des gerichtlichen Verfahrens zu einem Drittel auferlegt und im Übrigen
auf die Gerichtskasse genommen.
9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ für das gesam-
te Verfahren eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 7'000.– (inkl. 8%
bzw. 7.7% MwSt.) zu bezahlen.
10. Dem Beschuldigten werden Fr. 10'000.– als Prozessentschädigung für An-
waltskosten aus der Gerichtskasse zugesprochen.
11. Das Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren des Beschuldigten wird
abgewiesen.
Berufungsanträge:
a) Der erbetenen Verteidigung:
(Urk. 75 S. 1 f.)
1. Es sei Ziff. 1, Satz 1 des Erkenntnisses im Dispositiv des vorinstanzli-
chen Urteils vom 16. Mai 2018 aufzuheben und zu erkennen, dass der
Berufungskläger sich keiner strafbaren Handlung schuldig gemacht
hat. Der Berufungskläger sei demnach vollumfänglich von Schuld und
Strafe freizusprechen.
2. Somit seien Ziff. 2, 3 und 4 des Erkenntnisses im Dispositiv des vor-
instanzlichen Urteils aufzuheben.
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3. Es sei Ziff. 5 des Erkenntnisses im Dispositiv des vorinstanzlichen Ur-
teils zu bestätigen. Die beschlagnahmten Gegenstände seien somit der
C._ AG auf erstes Verlangen herauszugeben.
4. Es sei Ziff. 6 des Erkenntnisses im Dispositiv des vorinstanzlichen Ur-
teils zu bestätigen. Der Privatkläger sei somit auf den Zivilweg zu ver-
weisen.
5. Es seien Ziff. 8, 9, 10 und 11 des Erkenntnisses im Dispositiv des vor-
instanzlichen Urteils aufzuheben und die Kosten- und Entschädigungs-
folgen neu zu beurteilen. Die Kosten der Untersuchung, des vor-
instanzlichen und des oberinstanzlichen Verfahrens seien soweit als
möglich dem Privatkläger aufzuerlegen und im Übrigen auf die Staats-
kasse zu nehmen. Der Berufungskläger sei für das Untersuchungsver-
fahren und das vorinstanzliche Verfahren mit einer Prozessentschädi-
gung von CHF 15'394.85 (Beilage 1) zu entschädigen. Für das ober-
instanzliche Verfahren sei dem Berufungskläger eine angemessene
Prozessentschädigung zuzusprechen. Ohne die heutige Berufungsver-
handlung sind bis gestern Abend Verteidigungshonorare von
CHF 10'751.35 angefallen (Beilage 2). Schliesslich sei dem Berufungs-
kläger eine Genugtuung von CHF 20'000.00 zuzusprechen.
b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Limattal/Albis:
(Urk. 67, schriftlich, sinngemäss)
- Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
- Dispensation von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung
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Considerations:
Erwägungen:
I. Gegenstand des Berufungsverfahrens
Mit Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom 16. Mai 2018 wurde der Beschuldigte
der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB schuldig gesprochen,
im Übrigen wurde er freigesprochen. Er wurde bestraft mit einer bedingten Geld-
strafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 330.– unter Ansetzung einer Probezeit von
2 Jahren. Von der Aussprechung eines Tätigkeitsverbots wurde abgesehen. Es
wurde über die Verwendung beschlagnahmter Gegenstände befunden. Der Pri-
vatkläger wurde mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Zivilweg verwiesen,
und die Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren des Beschuldigten wurden
abgewiesen. Ferner wurde über die Kosten- und Entschädigungsfolgen befunden.
Gegen das Urteil hat der Beschuldigte fristgerecht Berufung angemeldet (Urk. 57)
und mit Eingabe vom 6. Februar 2019 die Berufungserklärung eingereicht
(Urk. 64). Er beantragt einen vollumfänglichen Freispruch. Mit Ausnahme von
Dispositiv-Ziffern 1, 2. Absatz, 5, 6 und 7 wird das vorinstanzliche Urteil von ihm
angefochten. Die Staatsanwaltschaft beantragt die Bestätigung des vorinstanzli-
chen Urteils (Urk. 67). Seitens der Privatklägerschaft wurde keine Anschlussberu-
fung erhoben.
Vorweg ist daher festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil bezüglich der Dis-
positiv-Ziffern 1, 2. Absatz, 5, 6 und 7 in Rechtskraft erwachsen ist.
Mit der Berufungserklärung stellte der Beschuldigte den Beweisantrag auf Zeu-
geneinvernahme von D._ und E._ (Urk. 64 S. 3). Diese Beweisanträge
wurden mit Präsidialverfügung vom 14. Mai 2019 einstweilen abgewiesen (Urk.
71). Anlässlich der Berufungsverhandlung beschränkte er seinen Beweisantrag
auf die Zeugeneinvernahme von E._ (Prot. II S. 6). Darauf ist im Rahmen der
Beweiswürdigung einzugehen.
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II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Da die Vorinstanz den Sachverhalt gemäss Anklageziffer 1.1. als nicht erstellt er-
achtete (Urk. 62 S. 16) und der diesbezügliche Freispruch in Rechtskraft erwach-
sen ist, bildet einzig der Anklagesachverhalt gemäss Ziffer 1.2. der Anklageschrift
der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 29. September 2017 Gegenstand
des Berufungsverfahrens. Dem Beschuldigten wird darin vorgeworfen, er habe in
der Zeit zwischen 10. Dezember 2008 (Datum auf Anlagerichtlinie) und 15. De-
zember 2011 (Übermittlung Anlagerichtlinie an Geschädigtenvertretung) für den
Geschädigten eine Anlagerichtlinie mit der Anlagestrategie "Aktien" erstellt. Er
habe das Formular "Anlagerichtlinien" der C._ AG verwendet, darauf die An-
lagestrategie "Aktien" und die Referenzwährung "EUR" angekreuzt. Zudem habe
er auf dem Formular unten links geschrieben "München, 10.12.08", eine Unter-
schrift des Geschädigten kopiert und diese neben den Angaben betreffend Ort
und Datum angebracht. Dies habe er getan, um vorzugeben, dass der Geschä-
digte diese Anlagerichtlinie unterzeichnet habe, um zu verschleiern, dass er ge-
gen die Anlagerichtlinie "Rendite" verstossende Investitionen getätigt habe, und
um nicht für die damit verursachten Kursverluste verantwortlich gemacht zu wer-
den.
Der Anklagevorwurf wird vom Beschuldigten bestritten. Bei der Prüfung der Sach-
verhaltserstellung ist zu beachten, dass der Vorwurf der Urkundenfälschung in ei-
nem Konnex zu demjenigen der ungetreuen Geschäftsbesorgung steht. Dies be-
deutet, dass auch Beweismittel, welche in erster Linie den Vorwurf der unge-
treuen Geschäftsbesorgung betreffen, in die Beweiswürdigung einzubeziehen
sind.
2. Sachverhaltserstellung
2.1. Überblick Beweismittel
Als sachliche Beweismittel stehen für die Sachverhaltserstellung eine Kopie der
inkriminierten Urkunde (Urk. 2/3), die Auskunft des Urkundenlabors des Forensi-
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schen Instituts Zürich (Urk. 7), das Protokoll der Hausdurchsuchung bei der
C._ AG in F._ [Ort] vom 25. April 2012 sowie die sichergestellten Unter-
lagen (Urk. 8/2) zur Verfügung. Als persönliche Beweismittel dienen die Aussagen
des Beschuldigten, diejenigen des Privatklägers, die Zeugenaussagen der Ehe-
frau des Beschuldigten, von G._, H._, I._, J._, K._,
L._, M._ und N._.
2.2. Kopie der inkriminierten Urkunde, Auskunft des Urkundenlabors des Foren-
sischen Instituts Zürich und Kurzbericht der O._ AG
Nachdem der Privatkläger mit Eingabe vom 1. Februar 2012 Strafanzeige erstat-
tet hatte (Urk. 1), fand am 25. April 2012 die Hausdurchsuchung bei der C._
AG, P._-platz ..., F._ statt (Urk. 8/2). Bei dieser Hausdurchsuchung
konnte kein Original des fraglichen Dokumentes gefunden werden. Bis heute liegt
einzig die vom Privatkläger seiner Strafanzeige beigelegte Kopie des Dokumentes
vor, welches gemäss Anklagevorwurf eine gefälschte respektive kopierte und da-
rauf angebrachte Unterschrift des Privatklägers aufweisen soll (Urk. 2/3). Da das
Original nicht beigebracht werden konnte, lässt sich nicht durch ein Schriftgutach-
ten ermitteln, ob die Unterschrift auf dem Dokument gefälscht wurde. Das Urkun-
denlabor des Forensischen Institutes Zürich hat nachvollziehbar ausgeführt, dass
Nichtoriginale für eine schriftanalytische Überprüfung von Unterschriften keine
geeignete Grundlage bilden, da gerade die für die Echtheits- bzw. Urheber-
schaftsprüfung von Unterschriften relevanten Schriftmerkmale wie Druckverlauf,
Strichbeschaffenheit, Feinheiten der Bewegungsführung etc., bei Kopierprodukten
nicht oder nicht zuverlässig beurteilt werden können. Zudem lassen sich allenfalls
auf dem Original vorhandene Spuren, welche Hinweise auf die Herstellungstech-
nik und allfällige Manipulationen (Pausspuren, Vorzeichnungen, latente Schreib-
druckrillen, Anzeichen für die Montage einer authentischen Unterschrift bzw. die
Verwendung einer Blankounterschrift etc.) geben können, in der Regel auf der
Kopie nicht mehr feststellen (Urk. 7). Zu keinem anderen Schluss kommt denn
auch der vom Privatkläger eingeholte Kurzbericht des kriminaltechnischen Dienst-
leistungszentrums O._ AG vom 13. Januar 2012 (Urk. 2/5 S. 3).
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Demzufolge lässt sich aufgrund der Kopie lediglich feststellen, dass die darauf er-
sichtliche Unterschrift weniger breit ist und der Schriftzug weniger rund erscheint
als die Unterschrift des Privatklägers auf anderen bei den Akten liegenden Doku-
menten aus einem ähnlichen Zeitraum (z.B. Urk. 2/1, Urk. 2/2, Urk. 2/4). Dies be-
gründet einen gewissen Verdacht, dass die Unterschrift gefälscht respektive ko-
piert und auf dem Dokument angebracht worden sein könnte, erbringt aber nicht
den Beweis für eine Fälschung. Ebenfalls nicht erstellen lässt sich gestützt darauf,
dass der Beschuldigte der Urheber dieser Unterschrift ist. Zu prüfen bleibt, ob sich
der Verdacht aufgrund weiterer Beweismittel und Indizien zu einem für eine Er-
stellung des Sachverhaltes rechtsgenüglichen Beweis verdichtet.
2.3. Aussagen des Beschuldigten
Nach der Anzeigeerstattung des Privatklägers, welche gegen Unbekannt erfolgte,
wurde der Beschuldigte am 4. Dezember 2012 als Auskunftsperson einvernom-
men (Urk. 6). Da diese erste Einvernahme ohne die in Art. 158 StPO verankerten
Hinweise erfolgte, sind die entsprechenden Aussagen gestützt auf Art. 158 Abs. 2
StPO nicht zulasten des Beschuldigten verwertbar. Weitere Ausführungen dazu
erübrigen sich.
Die erste Einvernahme als Beschuldigter erfolgte am 20. Januar 2016 (Urk. 23/1).
Der Beschuldigte bestritt sowohl den Vorwurf, entgegen der vereinbarten risiko-
armen Anlagestrategie in hochspekulative Titel investiert zu haben, als auch den
Vorwurf der Urkundenfälschung. Er machte geltend, der Privatkläger sei über die
Anlagestrategie und die im Rahmen dieser Strategie erworbenen Titel informiert
gewesen. Der Privatkläger sei über den Kooperationspartner G._ zu einem
Meeting bei der Q._ [Bank] gebracht worden. Es sei um Assets wie Gold und
Silber und um die Kontoeröffnung gegangen. Er habe dem Privatkläger gesagt,
dass er ihn nicht brauche für den Kauf von Gold und sich Kosten sparen könne.
G._ habe dann den Kauf von Gold zusammen mit dem Privatkläger gemacht.
Der Privatkläger habe ihm in der Folge Gelder im Betrage von insgesamt unge-
fähr 900'000 EURO überlassen. Er (Privatkläger) sei von der Bank über jeden
Kauf und Verkauf informiert worden und habe quartalsmässig einen Konto-
/depotauszug erhalten, aus dem alles hervorgegangen sei. Der Grund für den
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Wechsel von risikoarmer Anlagestrategie "Rendite" zu risikoreicher Anlagestrate-
gie "Aktien" habe darin gelegen, dass ursprünglich Gold hätte ins Depot kommen
sollen und geplant gewesen sei, für 1 Million EURO Gold zu kaufen. Der Kauf von
Gold und Silber sei dann aber über G._ gelaufen (Urk. 23/1 S. 2). Nachdem
der Kauf von Gold ausgegliedert worden sei, sei in der Folge festgelegt worden,
eine aggressivere Anlagestrategie zu fahren (Urk. 23/1 S. 5). Das Dokument be-
treffend Wechsel der Anlagestrategie sei in der Praxis des Privatklägers in Mün-
chen unterzeichnet worden. Dies müsse in der Zeit zwischen 26./27. Dezember
2008 und dem 10. Januar 2009 gewesen sein. Zeit- und Ortsangabe habe er auf
dem Dokument angebracht. Ursprünglich sei geplant gewesen, dass er am 10.
Dezember 2008 nach München reise. Das Meeting sei dann aber nach Zürich
verlegt worden, da der Privatkläger an diesem Tag in Zürich sein Silber und Gold
bei Herrn G._ habe ansehen wollen (Urk. 23/1 S. 7). Die Unterzeichnung des
Dokuments sei bei diesem Treffen in Zürich vom 10. Dezember 2008 vergessen
worden (Urk. 23/1 S. 7). Der Privatkläger habe dieses Dokument in seiner Praxis
in München unterzeichnet, wo er ihn besucht habe. Er sei mit seiner Ehefrau und
Tochter nach München gefahren. Während er den Privatkläger in seiner Praxis
aufgesucht habe, habe er seine Ehefrau und Tochter in einem Restaurant abge-
setzt. Das Datum auf dem Dokument habe er dann nicht mehr geändert, da er
schon zuvor mit dem Privatkläger betreffend Änderung der Anlagestrategie über-
eingekommen sei. Die Unterzeichnung des Dokumentes sei nur noch reine Form-
sache gewesen (Urk. 23/1 S. 12).
In der Einvernahme vom 9. November 2016 bestritt der Beschuldigte die Ankla-
gevorwürfe erneut. Er hielt daran fest, dass die ursprüngliche Anlagestrategie da-
rin bestanden habe, auch Gold und Silber zu kaufen, deshalb habe der Aktienan-
teil 20% betragen. Dies sei in der Folge verworfen worden, daher sollte eine An-
lagestrategie nur mit Aktien verfolgt werden (Urk. 23/6 S. 3). Nachdem klar gewe-
sen sei, dass kein Gold und Silber gekauft werde, habe das Depot für den Kauf
von Aktien und den Kauf des R._ Fund verwendet werden sollen (Urk. 23/6
S. 4).
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Betreffend das Datum der Reise nach München mit seiner Ehefrau und Tochter
präzisierte der Beschuldigte in der Einvernahme vom 12. Juli 2017, eine Anfrage
bei der Schule seiner Tochter habe ergeben, dass keine Unterlagen mehr vor-
handen seien, betreffend die Ferien und Freitage im Januar 2009, jedoch sei ihm
von der Schulleitung mitgeteilt worden, dass die Tage zwischen dem Tag der Hei-
ligen Drei Könige bis zum Wochenende oft mit Brückentagen belegt seien, an
welchen kein Schulunterricht stattfinde (Urk. 23/11 S. 4). Angesichts der Ferien-
abwesenheit des Privatklägers in Österreich bis 6. Januar 2009 blieben nur die
Tage vom 7. und 9. Januar 2009, an welchen er in der Praxis des Privatklägers in
München habe sein können (Urk. 23/11).
Der Beschuldigte sagte in der Befragung vor Vorinstanz vom 16. Mai 2018 aus, er
halte an seinen bisherigen Ausführungen fest. Betreffend den Verbleib des Origi-
nals äusserte er erneut die Vermutung, es sei möglich, dass die Lehrlinge die Ko-
pie abgeheftet und das Original versendet hätten, er wisse dies jedoch nicht
(Prot. I S. 7). Auf Vorhalt, wonach in dem bei der Hausdurchsuchung sicherge-
stellten Ordner betreffend die Geschäftsbeziehung zum Privatkläger auch keine
Kopie des Dokuments gefunden wurde, antwortete der Beschuldigte, dass er sei-
nem Rechtsanwalt eine Kopie zugestellt habe (Prot. I S. 8).
Der Beschuldigte sagte anlässlich der Berufungsverhandlung aus, dass er nie ei-
ne Unterschrift unter dieses Dokument gesetzt habe, sondern der Privatkläger
dieses in dessen Praxis unterschrieben habe. Er habe nur eine Erklärung dafür,
weshalb das Original des Dokumentes nicht auffindbar sei, indem dieses kopiert
und diese Kopie zurückbehalten worden sei, während das Original an den Privat-
kläger geschickt worden sei. Der Termin für das Treffen mit dem Privatkläger sei
ursprünglich in München geplant gewesen, dann aber nach Zürich verschoben
worden. Es sei dann einfach vergessen gegangen, dass das Dokument auch in
Zürich hätte unterzeichnet werden können. Das Datum sei nicht angepasst wor-
den, weil es nicht mehr relevant gewesen sei, da die Anlagestrategie schon einige
Monate gefahren worden sei. Er könne den Besuch in München zeitlich eingren-
zen, dies müsse vor dem 12. Januar, irgendwann in der Woche am 9. oder
10. Januar 2009 gewesen sein. Anlässlich des Treffens mit dem Privatkläger sei
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noch ein Anlagegeschäft besprochen worden, und dieses habe er dann am
12. Januar 2009 gleich bei der Bank ausgeführt. Verbal habe man die Anlagestra-
tegie gewechselt, nachdem das mit dem Gold geklärt gewesen sei, und dann mit
der ersten Überweisung seien die Investitionen nur in Aktien gegangen. Es seien
dann etwa 3 bis 4 Monate vergangen. Herr E._ sei sein Partner in der Firma
und mache das Backoffice. Dies gehe vom Aufbau der Kunden bis zum Kopieren
der Unterlagen und dem Versand an die Kunden. Sie hätten nie Kopien bei den
Kunden gemacht und die meisten Verträge bereits vordatiert; dies sei ihre Ar-
beitsweise gewesen (Prot. II S. 11 ff.).
2.4. Aussagen des Privatklägers
Der Privatkläger wurde am 9. Dezember 2015 als Zeuge einvernommen. Er sagte
aus, er habe sich im April 2008 beim Abschluss des Vermögensverwaltungsver-
trags mit dem Beschuldigten für eine konservative Anlagestrategie entschieden
(Urk. 24/1 S. 3). Er habe mit dem Beschuldigten nie über eine Änderung der An-
lagestrategie gesprochen. Dafür habe keine Veranlassung bestanden, nachdem
er beim Finanzcrash schon Geld mit Aktien verloren habe. Er sei sicher, dass es
weder mündlich noch schriftlich zu einer Vereinbarung betreffend die Änderung
der Anlagestrategie gekommen sei (Urk. 24/1 S. 3). In der Folge seien die vom
Beschuldigten getätigten Anlagen gut gelaufen. Deshalb habe er sich darauf be-
schränkt, den Bericht über die Performance anzuschauen, nicht aber die einzel-
nen Posten. Als es nach gut einem Jahr zu einem grossen Verlust zwischen 25%
bis 30% gekommen sei, habe er sich die einzelnen Posten angeschaut und habe
gesehen, dass der Beschuldigte sich nicht an die Anlagerichtlinien gehalten habe
(Urk. 24/1 S. 3). Wenn er sich richtig erinnere, habe er sich für die zweitkonserva-
tivste Anlagestrategie entschieden. Es sei in der Folge nie über eine Änderung
der Anlagestrategie gesprochen worden. Der Privatkläger bestätigte, dass er
quartalsmässige Berichte über das Depot von der Q._ erhalten habe (Urk.
24/1 S. 6). Die Anlagerichtlinie betreffend den Wechsel auf die risikoreiche Anla-
gestrategie "Aktien" habe der Beschuldigte erst ins Spiel gebracht, nachdem ein
Gespräch im Anwaltsbüro seiner Anwälte stattgefunden habe, um eine allfällige
Vergleichsbereitschaft auszuloten. Nach dem Gespräch habe der Beschuldigte
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diese Anlagerichtlinie aus dem Hut gezaubert und eine Kopie über seinen Anwalt
eingebracht (Urk. 24/1 S. 7). Er habe die Anlagerichtlinie mit der Anlagestrategie
"Aktien" nicht unterschrieben (Urk. 24/1 S. 9). Der Privatkläger bestätigte, dass
am 10. Dezember 2008 ein Treffen in der Q._ in Zürich stattgefunden habe,
an welchem er, der Beschuldigte, Herr H._ und Herr G._ teilgenommen
hätten. An den Grund für das Treffen könne er sich nicht mehr genau erinnern, es
könne sein, dass er ins Zürcher S._ gegangen sei, um sein dort eingelager-
tes Gold und Silber anzuschauen. Es könne sein, dass der Beschuldigte bei der
Q._ eine von ihm aufgelegte Anleihe vorgestellt habe. Danach sei es in Mün-
chen zu einer Nachbesprechung gekommen. Er habe diese Anleihe zuerst mit
seinem Berater bei der T._ [Bank] München besprechen wollen (Urk. 24/1 S.
10 f.). Der Privatkläger betonte in dieser Einvernahme zudem, dass er niemals ein
Dokument mit dem falschen Datum unterzeichnet hätte (Urk. 24/1 S. 14).
Die Befragung des Privatklägers als Auskunftsperson vom 12. Juli 2017 bezog
sich vor allem auf die Frage der Schliessung seiner Praxis über den Jahreswech-
sel 2008/2009 infolge seines Skiurlaubs und wie die entsprechenden Daten der
Praxisschliessung durch seine Mitarbeiterinnen ermittelt wurden. Er erklärte, er
sei am 8. und 9. Januar 2009 in der Praxis gewesen, zuvor im Skiurlaub
(Urk. 24/8 S. 9). Für die Zeit zwischen 24. Dezember 2008 und 7. Januar 2009
könne er ausschliessen, in der Praxis in München gewesen zu sein (Urk. 24/8
S. 9).
2.5 Zeugenaussagen betreffend Besuch des Beschuldigten in München
2.5.1. D._
Die Ehefrau des Beschuldigten hat in ihrer Zeugeneinvernahme vom 2. März
2016 ausgesagt, sie sei mit dem Beschuldigten und der gemeinsamen Tochter in
den Ferien über Weihnachten/Neujahr 2008/2009 in München gewesen. Der
Weihnachtsmarkt sei nicht mehr gewesen und die Ferien über Weihnachten wür-
den jeweils bis zum 6. Januar dauern, deshalb müsse der Ausflug anfangs Januar
gewesen sein (Urk. 25 S. 4). Der Beschuldigte habe sie und die Tochter in einem
Restaurant abgesetzt und habe gesagt, er habe noch einen Termin. Sie könne
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sich nicht mehr so gut daran erinnern, was dies für ein Termin gewesen sei. Nach
ca. 1,5 Stunden sei er wieder zurückgekommen. Sie seien am gleichen Tag mit
der Bahn wieder zurückgefahren (Urk. 25 S. 4).
2.5.2. L._ und M._
Bei diesen Zeuginnen handelt es sich um Mitarbeiterinnen des Privatklägers. Sie
haben auf Anweisung des Privatklägers die Karteikarten und Patientenlisten
durchgesehen, um herauszufinden, ob der Privatkläger anfangs Januar 2009 Pa-
tienten behandelt hat. Dabei hat sich gemäss ihren Aussagen herausgestellt,
dass er am 5. und 7. Januar 2009 keine Patienten behandelt hat und die Praxis
am 6. Januar 2009 infolge Feiertags geschlossen war (Urk. 31 S. 3; Urk. 32 S. 3
und S. 5).
2.5.3. N._
Die Zeugin ist mit dem Privatkläger befreundet, den Beschuldigten kennt sie nicht.
Sie bestätigte, dass sie und ihr Ehemann zusammen mit dem Privatkläger bis am
4. Januar 2009 in U._ in den Ferien waren. Während sie und ihr Ehemann
am 4. Januar zurückgereist seien, sei der Privatkläger noch weitere Tage geblie-
ben (Urk. 33 S. 4).
2.6. Zeugenaussagen betreffend Verbleib der Originalurkunde
2.6.1. J._
J._ bestätigte, in den Jahren 2008 und 2009 als Praktikantin administrative
Arbeiten für die C._ AG verrichtet zu haben, wozu auch das Kopieren und
Verschicken von Unterlagen gehört habe (Urk. 26 S. 3). Sie konnte nicht sagen,
ob sie das Dokument Anlagerichtlinien vom 10.12.2008 schon einmal gesehen
oder kopiert habe (Urk. 26 S. 4). Sie könne sich nicht vorstellen, dass entgegen
den Anweisungen des Beschuldigten ein Original verschickt und eine Kopie abge-
legt worden sei (Urk. 26 S. 4). Gleichzeitig räumte sie aber auch ein, wo gearbei-
tet werde, könnten auch Fehler passieren (Urk. 26 S. 5).
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2.6.2. K._
K._ hat ebenfalls 2008 und 2009 als Praktikantin für die C._ AG gear-
beitet. Sie konnte nicht sagen, ob sie für den Beschuldigten oder die C._ AG
irgendetwas kopiert oder verschickt habe (Urk. 27 S. 3). Es sei möglich, dass sie
auch Unterlagen für Kunden kopiert habe, sie könne es aber nicht mit Sicherheit
sagen (Urk. 27 S. 4). Sie könne sich nur erinnern, dass der Beschuldigte sich von
gewissen Briefen vor Ort habe Kopien anfertigen lassen (Urk. 27 S. 4). Sie wisse
nicht, ob sie jemals etwas für die C._ AG verschickt habe (Urk. 27 S. 4). Auf
Vorhalt des Dokuments Anlagerichtlinien vom 10.12.2009 und die Frage, ob sie
dieses schon einmal gesehen habe, antwortete sie, das sage ihr nichts. Sie könne
sich nicht daran erinnern, dass sie dieses Dokument einmal kopiert oder ver-
schickt habe (Urk. 27 S. 4) oder irgendeinmal etwas in einen Ordner des Be-
schuldigten hätte ablegen sollen (Urk. 27 S. 5). Sie bezweifle, dass sie für ihn hät-
te ein Original ablegen sollen, nach ihrer Erinnerung habe der Beschuldigte die
Originale immer mitgenommen (Urk. 27 S. 5).
2.7. Zeugenaussagen betreffend Anlagestrategie
2.7.1. H._
H._ kennt den Beschuldigten geschäftlich aufgrund eines Zusammenarbeits-
vertrages zwischen der Q._ und dem Beschuldigten als externer Vermö-
gensverwalter. Der Zeuge unterhält auch privat Kontakt zum Beschuldigten, den
Privatkläger kennt er nur namentlich und als Kunden des Beschuldigten (Urk. 28/1
S. 2). Der Zeuge arbeitete 2002 bis 2013 bei der Q._ und betreute das Port-
folio des Privatklägers (Urk. 28/1 S. 3). Er konnte nichts aussagen über die vom
Privatkläger festgelegte Anlagestrategie und eine allfällige Änderung der Strategie
(Urk. 28/1 S. 5 f.). Er erklärte, bei der Q._ sei es Standard gewesen, dass die
Kunden vierteljährlich Angaben zum Stand des Portfolios erhalten hätten. Vorlie-
gend sei es sicher so gewesen, dass Buchungsanzeigen laufend geschickt wor-
den seien (Urk. 28/1 S. 7). Er gehe davon aus, dass die Unterlagen sowohl der
C._ AG wie auch dem Privatkläger geschickt worden seien (Urk. 28/1 S. 7).
Der Zeuge erklärte, die Bank habe mit Bezug auf die Anlagestrategie kein Inte-
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resse, sie stelle nur das Gefäss für den Handel zur Verfügung (Urk. 28/1 S. 12).
Die Angaben gegenüber der Bank betreffend die Anlagestrategie des Privatklä-
gers würden von der C._ AG stammen (Urk. 28/1 S. 12).
2.7.2. G._
Der Zeuge G._ hat den Kontakt zwischen dem Privatläger und dem Beschul-
digten hergestellt, indem er dem Privatkläger den Beschuldigten als Vermögens-
verwalter empfohlen hat (Urk. 29 S. 6). Er unterhielt rein geschäftlichen Kontakt
zum Beschuldigten und stand auch im Zeitpunkt der Zeugeneinvernahme noch
sporadisch in geschäftlichem Kontakt zu ihm, wogegen er mit dem Privatkläger
keinen Kontakt mehr unterhielt (Urk. 29 S. 3). Beim ersten Treffen zwischen dem
Privatkläger und dem Beschuldigten war der Zeuge anwesend. Er wusste nicht
mehr genau, ob bei diesem Treffen die Anlagestrategie festgelegt wurde (Urk. 29
S. 6). Er könne sich nicht detailliert daran erinnern, wann, wie und wo die Anlage-
strategie festgelegt worden sei (Urk. 29 S. 3). Er erinnere sich nicht mehr genau,
wisse aber, dass für den Privatkläger eine normale Anlagestrategie mit Risikostu-
fe 3 (60% oder 70% Aktien) oder 4 (bis 100% Aktien) abgemacht gewesen sei.
Dies habe er seinerzeit sowohl vom Privatkläger wie vom Beschuldigten vernom-
men (Urk. 29 S. 4). Er sei selber noch als Berater für den Privatkläger tätig gewe-
sen, habe ihm nahegelegt, Edelmetalle zu kaufen und in seinem Bestand zu hal-
ten. Der Privatkläger habe Gold und Silber gekauft, er glaube im Wert von ca. 1
Million EURO (Urk. 29 S. 7). Der Zeuge bestätigte, dass ein Treffen in der
Q._ in Zürich stattgefunden habe, nach welchem er zusammen mit dem Pri-
vatkläger im S._ dessen eingelagerten Bestände an Gold und Silber ange-
schaut habe. Er wusste auf Vorhalt des Datums vom 10. Dezember 2008 nicht
mehr, ob das Treffen an diesem Datum gewesen ist (Urk. 29 S. 7 f.).
2.7.3. I._
Die Zeugin hat von 2002 bis 2013 bei der Q._ gearbeitet. Sie kennt den Be-
schuldigten von der Zusammenarbeit bei der Bank, wobei der Beschuldigte als
externer Vermögensverwalter tätig gewesen sei (Urk. 30/1 S. 2). Den Namen des
Privatklägers kennt sie und weiss, dass er Kunde des Beschuldigten war und ein
- 16 -
Konto bei der Bank führte. Sie ist sich aber nicht sicher, ob sie ihn je persönlich
getroffen hat (Urk. 30/1 S. 2). Ihre Aufgabe bei der Bank war der Kontakt zu den
externen Vermögensverwaltern und den Kunden. Sie nahm Aufträge entgegen
und führte sie aus, eröffnete Konten, wozu auch das Ausfüllen von Formularen
bei der Eröffnung von Kundenbeziehungen gehörte (Urk. 30/1 S. 4). Sie konnte
sich nicht daran erinnern, ob der Privatkläger oder der Beschuldigte mit ihr über
die Anlagestrategie gesprochen hat. Normalerweise habe sie mit den Kunden
nicht über die Anlagestrategie gesprochen, das sei nicht Sache der Bank gewe-
sen (Urk. 30/1 S. 5). Sie wisse nichts darüber, ob die anfänglich festgelegte Anla-
gestrategie abgeändert wurde (Urk. 30/1 S. 5). Die Bank habe jeweils keine
Kenntnis der Vereinbarung zwischen den Kunden und den externen Vermögens-
verwaltern gehabt (Urk. 30/1 S. 12). Betreffend den Versand von Dokumenten
bestätigte sie auf Vorhalt des Schreibens der Q._ zur Konto- und Depoteröff-
nung vom 11. April 2008, es sei vereinbart worden, dass die Dokumente im Origi-
nal an den Privatkläger und in Kopie an die C._ AG geschickt werden (Urk.
30/1 S. 6). Es sei üblich gewesen, dass die Belege für Transaktionen täglich ver-
sandt wurden, nur Kontoauszüge und Vermögensaufstellungen seien sporadisch
verschickt worden (Urk. 30/1 S. 11). Auf Vorhalt des Kundenprofils für Kunden der
Q._, auf welchem die Anlagestrategie "Aktien" angekreuzt ist, erklärte sie,
sie nehme an, das sei im Gespräch so besprochen und festgehalten worden (Urk.
30/1 S. 10).
3. Würdigung der Aussagen
Von den als Zeugen einvernommenen Personen konnte niemand Aussagen be-
treffend Unterzeichnung der fraglichen Anlagerichtlinie "Aktien" machen. Keine
dieser Personen hat aus eigener Wahrnehmung mitbekommen, was zwischen
dem Beschuldigten und dem Privatkläger bezüglich der Anlagestrategie verein-
bart wurde.
Die Ausführungen des Beschuldigten, wonach am 10. Dezember 2008 (Datum
auf dem inkriminierten Dokument) ursprünglich ein Treffen zwischen ihm und dem
Privatkläger in München vereinbart gewesen sei, welches dann nach Zürich ver-
legt worden sei, wo der Privatkläger seine Gold- und Silberguthaben im S._
- 17 -
habe besichtigen wollen, wurden vom Privatkläger bestätigt und werden durch die
Zeugenaussage von G._ gestützt. Damit ist davon auszugehen, dass das
Datum 10.12.2008 verbunden mit der Ortsangabe München nicht den Tatsachen,
insbesondere nicht dem wahren Datum der Unterzeichnung, entspricht. Unbestrit-
ten ist denn auch, dass der Beschuldigte Ort und Datum auf dem fraglichen Do-
kument angebracht hat. Er begründete dies damit, dass er das Dokument für sei-
nen ursprünglich auf den 10. Dezember 2008 geplanten Besuch des Privatklägers
in München vorbereitet habe.
Die Behauptung des Beschuldigten, der Privatkläger habe dieses Dokument im
Januar 2009 in München in seiner Praxis unterzeichnet, lässt sich nicht allein da-
mit widerlegen, dass der Privatkläger gemäss den glaubhaften Aussagen der
Zeuginnen L._ und M._ bis 6. Januar 2009 nicht in der Praxis war, viel-
mehr gemäss den Aussagen der Zeugin N._ in dieser Zeit im Skiurlaub weil-
te. Es ist durchaus denkbar, dass der Beschuldigte nach dem 6. Januar 2009, in
Frage kommen der 7., 8. oder 9. Januar 2009, den Privatkläger in München in
seiner Praxis aufsuchte. Dies wird gestützt durch die Zeugenaussage der Ehefrau
des Beschuldigten. Sie erklärte, der Beschuldigte sei mit ihr und der gemeinsa-
men Tochter in den Schulferien über das Jahresende 2008/2009 nach München
gefahren. Dort habe er sie und die Tochter in einem Restaurant abgesetzt und sei
zu einem geschäftlichen Treffen gegangen, von welchem er nach 1,5 Stunden
wieder zurückgekehrt sei. Zwar kann nicht widerlegt werden, dass der Beschul-
digte den Privatkläger anfangs Januar 2009 in seiner Praxis in München aufge-
sucht hat, jedoch liegen ausser der Aussage des Beschuldigten keine Hinweise
dafür vor, dass der Privatkläger anlässlich dieses Besuches die Anlagerichtlinie
"Aktien" unterzeichnet hat. Mit der Vorinstanz (Urk. 62 S. 18) erscheint es nicht
glaubhaft, dass der Beschuldigte für seinen Besuch in München eine mehrstündi-
ge Reise auf sich genommen hat, ohne ein neues Formular Anlagerichtlinien mit-
zunehmen, auf welchem das richtige Datum der Unterzeichnung hätte angebracht
werden können. Die Erklärung des Beschuldigten, dass die Unterzeichnung des
Dokumentes nur noch eine Formsache gewesen sei, sie sich schon zuvor münd-
lich geeinigt hätten, vermag nicht zu überzeugen, zumal er diese angebliche
Formsache nicht auf dem Korrespondenzweg erledigte, sondern extra nach Mün-
- 18 -
chen reiste. Anlässlich der Berufungsverhandlung machte die Verteidigung aller-
dings geltend, der Beschuldigte sei im Januar 2009 – entgegen den Erwägungen
der Vorinstanz – nicht extra nach München gereist, nur um dieses Dokument vom
Privatkläger unterschreiben zu lassen, sondern bei diesem Treffen sei eine Anla-
ge in der Höhe von EUR 140'000 besprochen worden, welche der Beschuldigte
nach seiner Rückkehr bei der Bank so getätigt habe (Urk. 75 S. 7 f.). Aus dem
Auszug der Q._ betreffend Treuhand-Anlage geht hervor, dass am 12. Janu-
ar 2009 eine entsprechende Anlage in der Höhe von EUR 140'000 getätigt wor-
den ist (Urk. 76/3), was die Darstellung des Beschuldigten stützt und ein Indiz da-
für ist, dass es bei ihrem Treffen in München tatsächlich nicht mehr nur um die
Unterzeichnung des Dokumentes gegangen war. Zudem bestätigte auch der Pri-
vatkläger, dass mit dem Beschuldigten auch andere Themen besprochen worden
seien. Er habe diese Anlage aber zuerst mit seinem Berater bei der T._
München besprechen wollen, sodass es danach in München zu einer Nachbe-
sprechung gekommen sei (Urk. 24/1 S. 10 f.).
Sehr ungewöhnlich mutet zudem an, dass das Datum vom Privatkläger nicht kor-
rigiert wurde. Die Vorinstanz hat zutreffend darauf hingewiesen, dass dies schwer
damit in Übereinstimmung zu bringen ist, dass der Privatkläger diverse hand-
schriftliche Änderungen und Streichungen im Vermögensverwaltungsvertrag an-
brachte, was darauf hindeutet, dass er genau kontrollierte, was er unterzeichnete
(Urk. 62 S. 18). Der Privatkläger wies denn auch darauf hin, dass er bei den von
ihm unterzeichneten Dokumenten Ort und Datum jeweils selber geschrieben ha-
be.
Ein weiteres Indiz zulasten des Beschuldigten stellt ferner der Umstand dar, dass
das Originaldokument nicht auffindbar ist. Dass der Beschuldigte das Original
nach Zürich mitgenommen hat, um hier eine Kopie für den Privatkläger anfertigen
und versenden zu lassen, wobei dann durch Lehrlinge fälschlicherweise das Ori-
ginal verschickt wurde, ist zwar theoretisch denkbar, erscheint aber weit herge-
holt. Aufgedrängt hätte sich, dass die Kopie für den Privatkläger gleich vor Ort in
dessen Praxis in München erstellt worden wäre und der Beschuldigte das Original
nach Zürich mitgenommen hätte. Auf der anderen Seite kann die Erklärung des
- 19 -
Beschuldigten aber auch nicht widerlegt werden. So führte dieser anlässlich der
Berufungsverhandlung aus, sie würden nie Kopien bei den Kunden erstellen, da
dies nicht ihrer Arbeitsweise entspreche (Prot. II S. 14; Urk. 75 S. 9). Den Aussa-
gen der ehemaligen Praktikantinnen J._ und K._ ist nichts über den
Verbleib des Originals zu entnehmen, beide konnten sich nicht an die fragliche
Anlagerichtlinie erinnern, insbesondere nicht, diese kopiert, verschickt und abge-
legt zu haben. Sie konnten aber auch nicht eindeutig ausschliessen, dass fälschli-
cherweise ein Originaldokument verschickt wurde.
Entscheidend zu Gunsten des Beschuldigten fallen demgegenüber die Umstände
ins Gewicht, welche zu einem Freispruch vom Vorwurf der ungetreuen Ge-
schäftsbesorgung führten. Die Vorinstanz hat diesbezüglich erwogen, aus den
Zeugenaussagen erhelle, dass der Privatkläger von der Bank jeweils zeitnah über
die vom Beschuldigten getätigten Investitionen informiert worden sei und regel-
mässig mit Fluss- und Kreisdiagrammen bedient worden sei, aus denen sich mit
einem einzigen Blick hätte entnehmen lassen, dass sein Vermögen grossmehr-
heitlich in Aktien investiert worden sei. Die Darstellung des Privatklägers, wonach
er keinerlei Kenntnis über die tatsächliche Art der Anlagen gehabt habe, erschei-
ne vor diesem Hintergrund als unwahrscheinlich (Urk. 62 S. 14). Die Anlagestra-
tegie "Rendite" sei im April 2008 abgeschlossen worden, die C._ AG habe
die Tätigkeit für den Privatkläger dagegen erst im September 2008 angefangen.
Zudem sei aktenkundig, dass der Privatkläger im September 2008 mit der
V._ Schweiz AG einen Vertrag über die Aufbewahrung von Edelmetallen ab-
geschlossen habe und im September 2008 und Oktober 2008 Edelmetalle über
die V._ bestellt habe. Der Zeuge G._ habe bestätigt, dass der Privatklä-
ger zunächst im Sinn gehabt habe, Edelmetallgeschäfte über die C._ AG lau-
fen zu lassen. Daher erscheine die Darstellung des Beschuldigten als plausibel,
wonach die im April 2008 vereinbarte Anlagestrategie "Rendite" die beabsichtig-
ten Investitionen des Privatklägers in Edelmetalle im Umfang von einer Million Eu-
ro mitumfasst hätte. Dies bedeute, dass spätestens mit dem Edelmetallkauf des
Privatklägers über eine andere Gesellschaft als die C._ AG die Anlagestra-
tegie "Rendite" keine Verbindlichkeit zwischen den Parteien mehr gehabt habe.
Es erscheine daher als plausibel, dass der Beschuldigte und der Privatkläger sich
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(jedenfalls konkludent) dahingehend geeinigt hätten, dass der Beschuldigte die
vom Privatkläger zur Verfügung gestellten Gelder in Anlagen mit einem höheren
Risiko investieren dürfe. Auffällig erscheine auch, dass der Privatkläger gegen die
Zusammensetzung des Depots so lange nicht remonstriert habe als der Depot-
wert angestiegen bzw. nicht wesentlich unter die ursprünglich investierte Summe
gesunken sei. Die Würdigung aller dieser Umstände führe zum Schluss, dass sich
nicht erstellen lasse, dass der Beschuldigte pflichtwidrig entgegen dem Auftrag
des Privatklägers in Aktien investiert habe (Urk. 62 S. 15 f.). Dieser überzeugen-
den Argumentation der Vorinstanz kann vollumfänglich gefolgt werden, was auch
Auswirkungen zeitigt auf die Sachverhaltserstellung im Zusammenhang mit dem
Anklagevorwurf der Urkundenfälschung. Ausgehend davon, dass der Privatkläger
und der Beschuldigte sich mindestens konkludent über einen Wechsel der Anla-
gestrategie geeinigt hatten und der Beschuldigte wusste, dass der Privatkläger
von der Bank regelmässig über die getätigten Geschäfte und Transaktionen in-
formiert wurde, ist denn auch kein gewichtiges Motiv des Beschuldigten für eine
Urkundenfälschung erkennbar. Namentlich lässt sich vor diesem Hintergrund
nicht argumentieren, der Beschuldigte habe ein Interesse daran gehabt, durch ei-
ne Urkundenfälschung zu vertuschen, dass er pflichtwidrig gegen die Anlagericht-
linie des Privatklägers verstossen habe. Nicht von der Hand zu weisen ist einzig,
dass durch Präsentation der inkriminierten Urkunde seine Position im Zivilverfah-
ren verbessert wurde. Ein denkbares Motiv für eine Urkundenfälschung liegt da-
her in der Umgehung von Beweisschwierigkeiten im Zivilprozess. Angesichts des
Umstandes, dass die Bank den Privatkläger zeitnah über die getätigten Geschäfte
informierte und regelmässig mit Diagrammen belieferte, was der Beschuldigte
wusste und sich im Zivilverfahren darauf berufen konnte, wiegt die ihn treffende
Beweislast jedoch nicht so schwer. Es ist nicht ohne Weiteres anzunehmen, dass
er durch eine strafbare Handlung seine berufliche Existenz aufs Spiel setzen wür-
de, zumal angesichts des pendenten Zivilverfahrens die hohe Gefahr der Aufde-
ckung und Einreichung einer Strafanzeige durch den Privatkläger bestand. Um-
gekehrt kann denn auch argumentiert werden, dass der Privatkläger angesichts
der mit den Aktiengeschäften erlittenen Verluste ein Interesse haben könnte, sich
auf eine Fälschung seiner Unterschrift zu berufen respektive geltend zu machen,
- 21 -
der Beschuldigte habe diese kopiert und auf dem Dokument angebracht, da er im
Falle ihrer Echtheit keine oder nur geringe Aussicht hätte, den Beschuldigten bzw.
die C._ AG erfolgreich für die eingetretenen Verluste zu belangen. Dass das
Interesse des Privatklägers am Ausgang des Verfahrens gleichwertig ist mit dem-
jenigen des Beschuldigten zeigt sich denn auch aufgrund der von ihm adhäsions-
weise geltend gemachten hohen Schadenersatzforderung im Betrage von EUR
873'113.94 (Urk. 53 S. 1).
4. Fazit Beweiswürdigung
Es lässt sich nicht mittels Schriftgutachten nachweisen, dass die Kopie der Anla-
gerichtlinie "Aktien" mit dem Datum vom 10. Dezember 2008 eine gefälschte Un-
terschrift des Privatklägers aufweist, respektive dass der Beschuldigte die Unter-
schrift des Privatklägers kopiert und auf dem Dokument angebracht hat. Festzu-
halten ist einzig, dass die inkriminierte Unterschrift weniger breit ist und weniger
runde Schriftzüge aufweist als die bei den Akten liegenden Vergleichsunterschrif-
ten des Privatklägers, was auch eher dagegen spricht, dass diese mit technischen
Hilfsmitteln kopiert worden sein könnte, da in diesem Fall mehr Ähnlichkeit mit der
Originalunterschrift zu erwarten wäre.
Erstellt ist, dass der Beschuldigte Datum und Ortsangabe auf dem Dokument ge-
schrieben hat und das Dokument nicht an diesem Datum unterzeichnet wurde.
Dass der Privatkläger das falsche Datum nicht korrigiert hat, erscheint aus den
vorstehend dargelegten Gründen als nicht glaubhaft.
Ein weiteres Indiz für eine Urkundenfälschung stellt der Umstand dar, dass das
Original der fraglichen Urkunde nicht auffindbar ist und die Erklärungen des Be-
schuldigten für diesen Umstand wenig plausibel erscheinen.
Deutlich zugunsten des Beschuldigten spricht, dass nicht erstellt werden konnte,
dass er pflichtwidrig entgegen den vom Privatkläger erteilten Richtlinien eine risi-
koreichere als die vereinbarte Anlagestrategie verfolgt hat. Vielmehr ist davon
auszugehen, dass zumindest konkludent eine Änderung der ursprünglich im April
2008 festgelegten Anlagestrategie vereinbart wurde. Der Beschuldigte wurde vom
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Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung freigesprochen, da kein pflichtwidri-
ges Verhalten nachgewiesen werden konnte. Da ein pflichtwidriges Verhalten be-
stehend in der Verfolgung einer risikoreicheren Anlagestrategie nicht erstellt ist,
lässt sich auch nicht erstellen, dass der Beschuldigte die Urkunde gefälscht hat,
um die in Verletzung der Anlagerichtlinie "Rendite" getätigten Investitionen zu
verschleiern und finanziell nicht für die damit verursachten Kursverluste verant-
wortlich gemacht zu werden. Wo keine Pflichtverletzung erstellt ist, lässt sich auch
nicht erstellen, dass eine solche hätte verschleiert werden sollen.
Betreffend die Urkundenfälschung stehen letztlich als zentrale Beweismittel die
Aussagen des Privatklägers und diejenigen des Beschuldigten einander gegen-
über. Beide haben je ein grosses Interesse am Ausgang des Verfahrens. Es wur-
de bereits darauf hingewiesen, dass seitens des Beschuldigten nicht von einem
Motiv der Vertuschung von pflichtwidrigem Verhalten ausgegangen werden kann.
Ein Motiv für die ihm vorgeworfene Delinquenz könnte einzig in der Beschaffung
eines Beweismittels gesehen werden, welches seine Beweislast im Zivilverfahren
hätte erleichtern können. Das genau gleiche Motiv einer Verbesserung der Chan-
cen im Zivilprozess ist aber auch seitens des Privatklägers denkbar. Zutreffend
hat die Vorinstanz erwogen, die Darstellung des Privatklägers, wonach er keiner-
lei Kenntnis über die tatsächliche Art der Anlagen gehabt habe, erscheine auf-
grund der ihm zeitnah zugestellten Informationen über die vom Beschuldigten ge-
tätigten Investitionen als unwahrscheinlich (Urk. 62 S. 14 f.). Es bestehen somit
auch Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Darstellung des Privatklägers. Allein an-
hand seiner konstanten Bestreitung betreffend Unterzeichnung der Anlagerichtli-
nie "Aktien" lässt sich vor diesem Hintergrund kein rechtsgenüglicher Beweis be-
treffend Urkundenfälschung erbringen. Demzufolge erübrigt es sich, auf den an-
lässlich der Berufungsverhandlung erneut gestellten Beweisantrag des Beschul-
digten auf erneute Zeugeneinvernahme von E._ (Prot. II S. 6) einzugehen.
In Würdigung aller Beweismittel und Indizien bleiben rechtserhebliche Zweifel da-
ran, dass der Beschuldigte die Unterschrift des Privatklägers auf der Anlagericht-
linie "Aktien" gefälscht hat. Er ist daher in dubio pro reo vom Vorwurf der Urkun-
denfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB freizusprechen.
- 23 -
III. Zivilforderung des Beschuldigten
Der Beschuldigte beantragte die Zusprechung einer Genugtuung im Betrage von
Fr. 20'000.–. Zur Begründung machte er geltend, er sei vom Privatkläger acht
Jahre lang durch den Dreck gezogen worden, habe viele schlaflose Nächte ge-
habt und habe enorme Einbussen betreffend seine Geschäftstätigkeit hinnehmen
müssen (Prot. I S. 19). Anlässlich der Berufungsverhandlung machte er dazu er-
gänzend geltend, dass er aufgrund der langen Verfahrensdauer, der dauernden
Angst um seine und die Existenz seiner Familie und der sozialen Ächtung durch
seine Geschäftspartner derart in seiner Persönlichkeit verletzt sei, dass eine Ge-
nugtuung gerechtfertigt sei (Urk. 75 S. 13). Zu den behaupteten Einbussen in der
Geschäftstätigkeit wurden auf Nachfrage des Vorsitzenden keine weiteren Aus-
führungen gemacht und keine Belege eingereicht (Prot. I S. 19 f.).
Vorweg ist festzuhalten, dass der anwaltlich vertretene Beschuldigte die Zuspre-
chung einer Genugtuung beantragte. Gegenstand einer Genugtuung ist der Aus-
gleich für eine Verletzung in den persönlichen Verhältnissen, somit für eine imma-
terielle Schädigung, nicht eines materiellen Schadens wie einer Einkommensein-
busse. Daher erübrigen sich Ausführungen zu den vom Beschuldigten pauschal
behaupteten Einbussen in der Geschäftstätigkeit.
Gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO hat der freigesprochene Beschuldigte An-
spruch auf eine Genugtuung für besonders schwere Verletzungen seiner persön-
lichen Verhältnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug. Es muss somit eine gewis-
se Intensität der Verletzung vorliegen. Der Beschuldigte war nicht in Haft und
brachte auch nicht vor, dass die Verletzung in den persönlichen Verhältnissen
durch andere staatliche Zwangsmassnahmen bewirkt worden sei (z.B. eine be-
sonders publizitätsträchtige Hausdurchsuchung), vielmehr liess er ausführen, der
Privatkläger habe ihn acht Jahre lang durch den Dreck gezogen. Somit ist nach
der Darstellung des Beschuldigten nicht staatliches Handeln Ursache für die Ver-
letzung in seinen persönlichen Verhältnissen, vielmehr das Handeln des Privat-
klägers. Auch der Umstand der langen Verfahrensdauer ist nicht auf staatliches
Handeln, sondern auf ein Verhalten des Privatklägers zurückzuführen, welcher
durch das Ausschöpfen der Rechtsmittel eine Verlängerung des Verfahrens be-
- 24 -
wirkt hat. Es ist darauf hinzuweisen, dass ein Anspruch auf Leistung einer Genug-
tuung aus der Staatskasse nur für Persönlichkeitsverletzungen als Folge von Ver-
fahrenshandlungen des Staates besteht, nicht für die Folgen allfälliger persönlich-
keitsverletzender Handlungen seitens Privater. Das Genugtuungsbegehren ge-
genüber dem Staat ist daher abzuweisen. Betreffend eine Genugtuungsforderung
gegenüber dem Privatkläger steht dem Beschuldigten der Weg des Zivilprozesses
offen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Der Beschuldigte wird vollumfänglich freigesprochen. Ausgangsgemäss sind da-
her die Kosten der Untersuchung und beider Gerichtsverfahren auf die Staatskas-
se zu nehmen (Art. 426 StPO und Art. 428 StPO). Von der Ansetzung einer Ge-
richtsgebühr für das Berufungsverfahren ist abzusehen.
Der Beschuldigte bezifferte die Entschädigung für die Untersuchung und das erst-
instanzliche Gerichtsverfahren auf Fr. 15'400.– (Urk. 64) und verlangte für das
Berufungsverfahren die Zusprechung einer angemessenen Entschädigung, wobei
ohne Berücksichtigung der Berufungsverhandlung bisher ein Honorar in der Höhe
von Fr. 10'751.35 angefallen sei (Urk. 75 S. 1 f.; Urk. 76/2). Wie bereits die Vor-
instanz zutreffend festhielt (Urk. 62 S. 28), erscheinen Verteidigungskosten von
Fr. 15'400.– für die Untersuchung und das erstinstanzliche Gerichtsverfahren an-
gesichts des Umfangs der Untersuchung und der Bedeutung des Falles für den
Beschuldigten ohne Weiteres als angemessen. Die vom Beschuldigten geltend
gemachte Entschädigung für die Verteidigungskosten im Berufungsverfahren
(Urk. 76/2) erweist sich angesichts des Umstandes, dass der Verteidiger bereits
über entsprechende Aktenkenntnisse verfügte und keine neuen Vorbringen vorge-
tragen wurden, als nicht angemessen und ist in diesem Umfang nicht zuzuspre-
chen. Zudem fällt auf, dass die Hauptverhandlung vor Vorinstanz erneut in Rech-
nung gestellt wurde (Urk. 76/2), welche nicht im Berufungsverfahren zu entschä-
digen ist. Folglich erscheint im Berufungsverfahren eine Entschädigung für Ver-
teidigungskosten in der Höhe von pauschal Fr. 6'000.– als angemessen.
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Dem Beschuldigten ist gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO für die Kosten sei-
ner Verteidigung in der Untersuchung und in den beiden Gerichtsverfahren insge-
samt eine Entschädigung von Fr. 21'400.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen.