Decision ID: df7211c1-81e4-55ff-9f73-034c37b7580c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 30. Juli 2008 in der Schweiz unter der
Identität B._ mit eritreischer Staatsangehörigkeit um Asyl. Mit Ver-
fügung vom 18. Juni 2010 verneinte das SEM seine Flüchtlingseigenschaft
und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung
aus der Schweiz und den Vollzug an. Die dagegen erhobene Beschwerde
wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-5171/2010 vom 14. Au-
gust 2012 ab.
B.
Am 5. März 2018 reichte der Beschwerdeführer unter der Identität
A._, geboren am (...), Äthiopien, ein Gesuch um Familienzusam-
menführung ein. Mit Verfügung vom 19. April 2018 – eröffnet am 20. April
2018 – lehnte die Vorinstanz dieses Gesuch um Einbezug in die Flücht-
lingseigenschaft und das Asyl (Familienzusammenführung) von
C._ (N [...]) ab.
C.
Mit Beschwerde vom 22. Mai 2018 an das Bundesverwaltungsgericht be-
antragte C._ durch den rubrizierten Rechtsvertreter die Aufhebung
der angefochtenen Verfügung und die Gutheissung des Gesuchs um Ein-
bezug in die Flüchtlingseigenschaft. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 22. Juni 2018 forderte die damals zuständige
Instruktionsrichterin den rubrizierten Rechtsvertreter auf, innert Frist einen
Bedürftigkeitsbeleg einzureichen und mitzuteilen, ob sich sein Mandant,
A._, als Beschwerdeführer konstituieren wolle. Gleichzeitig forderte
sie die Vorinstanz auf, sämtliche Akten des vorinstanzlichen Verfahrens (N
[...]) im Zusammenhang mit dem Gesuch des Beschwerdeführers um Ein-
bezug in die Flüchtlingseigenschaft von C._ vom 5. März 2018 dem
Gericht zuzustellen.
E.
Mit Schreiben vom 28. Juni 2018 teilte der rubrizierte Rechtsvertreter mit,
dass sich sein Mandant als Beschwerdeführer konstituieren wolle und
reichte eine Fürsorgebestätigung vom 28. Juni 2018 ein.
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F.
Mit Instruktionsverfügung vom 31. August 2018 wurde das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung, inklusive Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses, gutgeheissen und die Vorinstanz zur
Einreichung einer Vernehmlassung innert Frist eingeladen.
G.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 21. September 2018 vollum-
fänglich an seiner Verfügung fest und führte aus, weshalb die Wohnsitz-
nahme für die Partnerin und Kinder des Beschwerdeführers in Äthiopien
zumutbar sei. Ferner kam es seiner Aktenführungspflicht nach und vervoll-
ständigte die Akten des vorliegenden Verfahrens.
H.
Mit Schreiben vom 24. September 2018 wurde dem Beschwerdeführer die
Einsetzung der neu zuständigen Instruktionsrichterin mitgeteilt.
I.
Am 9. Oktober 2018 ging innert der mit der Instruktionsverfügung vom
24. September 2018 angesetzten Frist eine Replik des Beschwerdeführers
ein, in welcher er ausführte, dass die Vorinstanz widersprüchlich argumen-
tiere, zumal sie seine Identität anzweifle, jedoch die Zumutbarkeit eines
gemeinsamen Familienlebens in Äthiopien bejahe.
J.
Das Bundesverwaltungsgericht beantwortete die Verfahrensstandanfrage
des Migrationsamts Zürich vom 7. März 2019 am 11. März 2019 und jene
der Abteilung Zulassung Aufenthalt des SEM vom 15. Januar 2020 am
16. Januar 2020.
K.
Mit Instruktionsverfügung vom 20. Januar 2020 wurde das SEM zur Einrei-
chung einer Duplik innert Frist eingeladen.
L.
Ebenfalls per 20. Januar 2020 erteilte die Abteilung Zulassung Aufenthalt
des SEM die Zustimmung zur Erteilung einer Härtefallbewilligung gemäss
Art. 14 Abs. 2 AsylG des Beschwerdeführers.
M.
In ihrer Duplik vom 24. Januar 2020 führte die Vorinstanz aus, dem Vorwurf
der widersprüchlichen Argumentation könne nicht gefolgt werden, nur bei
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einer zweifelsfrei belegten eritreischen Staatsangehörigkeit würde der be-
sondere Umstand der gemischtnationalen Verhältnisse hinfällig.
N.
Der Beschwerdeführer hielt in seiner Triplik vom 11. Februar 2020, welche
innert der mit der Instruktionsverfügung vom 29. Januar 2020 angesetzten
Frist einging, vollumfänglich an seiner Beschwerde und Replik fest.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
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2.
Mit Beschwerde kann im Asylbereich die Verletzung von Bundesrecht, die
unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
3.1 Gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten und ihre minder-
jährigen Kinder, die in ihrer eigenen Person die Flüchtlingseigenschaft
nicht erfüllen, als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, wenn keine be-
sonderen Umstände dagegen sprechen. Konkubinat und eingetragene
gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind der Ehe gleichgestellt. Das
Institut des Familienasyls spricht den Angehörigen der Kernfamilie derivativ
die gleiche Rechtsstellung und denselben flüchtlingsrechtlichen Status zu
wie dem Ehegatten oder Elternteil, der als Flüchtling anerkannt wurde. Ra-
tio legis von Art. 51 Abs. 1 AsylG ist die einheitliche Regelung der sich in
der Schweiz aufhaltenden Kernfamilie des Flüchtlings. Es ist nicht notwen-
dig, dass die Familiengemeinschaft vor der Flucht bestanden hat
(vgl. BVGE 2017 VI/4, E. 4.4.1).
3.2 Ein besonderer Umstand, der dem Einbezug in die Flüchtlingseigen-
schaft entgegenzustehen vermag, kann gemäss langjähriger Praxis des
Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vorgängerorganisation, der
Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK), unter anderem dann vor-
liegen, wenn die in die Flüchtlingseigenschaft einzubeziehende Person
eine andere Staatsangehörigkeit besitzt als die als Flüchtling anerkannte
Person. Wenn der Einbezug eines Kindes respektive Ehepartners in die
Flüchtlingseigenschaft des Elternteils beziehungsweise Ehegatten auf-
grund des vorstehend erwähnten Umstandes unterschiedlicher Nationali-
täten verweigert wird, so muss praxisgemäss – in hypothetischer Weise –
geprüft werden, ob der ganzen Familie gegebenenfalls faktisch und recht-
lich die Möglichkeit offenstände, sich im Heimatland des nicht verfolgten
Familienmitglieds niederzulassen (vgl. zum Ganzen z.B. BVGE 2015/40
E.3.4.4.3, m.w.H., namentlich auf Entscheidungen und Mitteilungen der
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 14 E. 7f.). Da-
bei wird vorausgesetzt, dass der Flüchtling im Heimatland des Familien-
mitglieds vor Verfolgung, menschenrechtswidriger Behandlung und Rück-
schiebung in den Verfolgerstaat geschützt ist. Bei der Prüfung der Frage,
ob hypothetisch für den Flüchtling und seine Familie eine solche Nieder-
lassung als zumutbar erachtet werden könnte, sind grundsätzlich auch die
vom Bundesgericht im Bereich der Gewährung und Verweigerung von Auf-
enthaltsbewilligungen entwickelten Kriterien – mithin kulturelle, religiöse,
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sprachliche und ähnliche Aspekte – vergleichend beizuziehen. Dieser Kri-
terienkatalog ist nicht abschliessend; insbesondere ist auch dem Kindes-
wohl Rechnung zu tragen (vgl. Urteil des BVGer D-1164/2019 vom 17. Juli
2019 E. 5.2, und zum Ganzen z.B. Urteile des BVGer D-3966/2014 vom
30. September 2014 E. 5.2 sowie D-1710/2014 vom 7. August 2014 E. 5.2;
je m.H. auf EMARK 1996 Nr. 14 und 1997 Nr. 22).
3.3 Dem Kindeswohl kommt im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung vorran-
gige Bedeutung zu. Der Persönlichkeit des Kindes und seinen Lebensum-
ständen ist umfassend Rechnung zu tragen. Dabei können bei dieser ge-
samtheitlichen Beurteilung namentlich folgende Kriterien von Bedeutung
sein: Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) sei-
ner Beziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspersonen (insbesondere
Unterstützungsbereitschaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich
Entwicklung/Ausbildung, sowie Grad der erfolgten Integration bei einem
längeren Aufenthalt in der Schweiz (vgl. Urteil des BVGer D-6674/2019
vom 2. März 2020 E. 8.3.4 sowie BVGE 2015/30 E. 7.2 m.w.H.). Gerade
letzter Aspekt, die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz, ist im Hinblick
auf die Prüfung der Chancen und Hindernisse einer (Re-)Integration im
Heimatland beziehungsweise hier im Heimatstaat des Vaters als gewichti-
ger Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne guten Grund aus einem einmal
vertrauten Umfeld wieder herausgerissen werden sollten. Dabei ist aus ent-
wicklungspsychologischer Sicht nicht nur das unmittelbare persönliche
Umfeld des Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) zu berücksichtigen, sondern
auch dessen übrige soziale Einbettung. Die Verwurzelung in der Schweiz
kann sich auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs inso-
fern auswirken, als eine starke Assimilierung eine Entwurzelung im Hei-
matstaat zur Folge haben kann, welche unter Umständen die Rückkehr
dorthin beziehungsweise hier gar eine Neuansiedlung als unzumutbar er-
scheinen lässt (vgl. Urteil des BVGer E-3417/2014 vom 2. Juli 2015
E. 7.2.1).
4.
4.1 Zur Begründung ihres Entscheids befand die Vorinstanz, es liege auf-
grund der unterschiedlichen Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers
und seiner aus Eritrea stammenden Partnerin C._ ein besonderer
Umstand vor, welcher gegen seinen Einbezug in ihre Flüchtlingseigen-
schaft und ihr Asyl sprechen würde. Er könne zusammen mit seiner Part-
nerin und den beiden gemeinsamen Kindern die Familiengemeinschaft in
Äthiopien leben. Es sei davon auszugehen, dass die Kinder die äthiopische
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Staatsangehörigkeit besässen respektive erwerben könnten. Aus den Ak-
ten würden sich keine Anhaltspunkte ergeben, die gegen die Zulässigkeit
der Wohnsitznahme in Äthiopien sprechen würden. Eine fallspezifische Be-
urteilung, ob der Umzug der gesamten Familie nach Äthiopien zumutbar
sei, könne aufgrund der unglaubhaften und mittels Botschaftsanfrage als
tatsachenwidrig belegten Aussagen des Beschwerdeführers nicht ab-
schliessend evaluiert werden. Es sei vermutungsweise davon auszugehen,
dass die Familie vor Ort ein tragfähiges Beziehungsnetz sowie weitere be-
günstigende Faktoren vorfinden würde. Zudem sei die Wohnsitzmöglich-
keit in Äthiopien für C._ realisier- und zumutbar. Sie könne ein Ein-
reisevisum und vor Ort eine Aufenthaltserlaubnis beantragen. Für die Zu-
mutbarkeit spreche zudem der Umstand, dass sie über Amharisch-Kennt-
nisse verfüge und aufgrund ihrer eritreischen Herkunft mit der Lebensart in
Äthiopien vertraut sein dürfte.
4.2 Auf Beschwerdeebene führt der Beschwerdeführer aus, die Ablehnung
seines Gesuchs stelle eine Verletzung von Art. 8 EMRK dar. Bei der Prü-
fung, ob sich gemischtnationale Ehepaare und ihre minderjährigen Kinder
im Heimatstaat des angeblich nicht verfolgten Ehegatten niederlassen
könnten, sei der besonderen Situation von Kindern, die sich in der Schweiz
integriert hätten und für die eine Niederlassung in einem anderen Land eine
Entwurzelung darstellen müsste, Rechnung zu tragen. Es könne nicht pau-
schal davon ausgegangen werden, dass die Partnerin des Beschwerde-
führers aufgrund ihrer eritreischen Staatsbürgerschaft mit der Lebensart in
Äthiopien vertraut sei. Sie sei mittlerweile (...) Jahre alt, lebe seit (...) in der
Schweiz und seit (...) Jahren nicht mehr in Eritrea. Weder sie noch ihre
Kinder seien je in Äthiopien gewesen. Sie habe keinen vertieften Bezug zu
diesem Land, umso weniger ihre beiden Kinder. Diese seien im Schul- be-
ziehungsweise Vorschulalter und würden bei einer Niederlassung in Äthio-
pien auf eine ihnen weitestgehend fremde Kultur treffen, zumal sie in der
Schweiz geboren und aufgewachsen seien. Des Weiteren sei zweifelhaft,
ob die Partnerin und die gemeinsamen Kinder einen dauerhaften und le-
galen Aufenthaltstitel in Äthiopien erhalten würden. Bezüglich der Zumut-
barkeit der Rückkehr des Beschwerdeführers berufe sich die Vorinstanz
auf seine Aussagen während des Asylverfahrens, welches beinahe zehn
Jahre zurückliege, was nicht ausreiche, um noch heute davon auszuge-
hen, dass ein tragfähiges Beziehungsnetz und weitere begünstigende Um-
stände vorlägen. Seine Eltern seien verstorben und seine einzige Bezugs-
person sei sein Bruder, der seine eigene Familie versorgen müsse und den
er seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gesehen habe. Ein tragfähiges
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Beziehungsnetz sei somit nicht vorhanden. Zudem würde er sich als rück-
kehrender Flüchtling wegen seiner langen Landesabwesenheit möglichen
Repressalien aussetzen, weshalb seine Möglichkeiten zu einer wirtschaft-
lichen Integration stark eingeschränkt seien. Die Zumutbarkeit einer Über-
siedlung nach Äthiopien sei somit nicht gegeben, weil die Familie dadurch
in eine existentielle Notlage gebracht würde. Die unterschiedlichen Staats-
angehörigkeiten würden deshalb keinen besonderen Umstand im Sinne
von Art. 51 Abs. 1 und Abs. 3 AsylG darstellen.
4.3 Das SEM führt in seiner Vernehmlassung aus, der Beschwerdeführer
habe im Rahmen seines Asylverfahrens unglaubhafte Angaben zu seiner
Herkunft gemacht und sei durch das fehlende Einreichen rechtsgenügli-
cher Identitätspapiere seiner Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht nicht nach-
gekommen. Es sei nicht Aufgabe der Asylbehörden, näher nach allfälligen
Wegweisungshindernissen zu forschen. An dieser Einschätzung ändere
auch der Umstand nichts, dass er sich bereits zehn Jahre in der Schweiz
aufhalte, zumal er eigentlich seit August 2012 gehalten wäre, das Land zu
verlassen. Es mute stossend an, dass er durch den widerrechtlichen Ver-
bleib in der Schweiz Vorteile erlangen wolle. Er habe seine Vorbringen nicht
mit überzeugenden Beweismitteln belegt. Es sei nicht erwiesen, dass er in
seinem Heimatstaat über kein tragfähiges Beziehungsnetz verfüge und
ihm die wirtschaftliche Reintegration nicht gelingen sollte. Die diesbezügli-
che Argumentation in der Beschwerdeschrift sei relativ oberflächlich, unde-
tailliert und pauschal ausgefallen.
Der Wegweisungsvollzug spreche auch nicht gegen das Kindswohl. Auf-
grund des jungen Alters der Kinder würden ihre Eltern die engsten Bezugs-
personen darstellen, so dass die Bindung zu ihnen stärker zu gewichten
sei, als die bereits gemachten Lebenserfahrungen in der Schweiz. Es sei
davon auszugehen, dass die Kinder durch ihre Eltern die eritreisch-äthio-
pische Kultur kennen und ihnen die Lebensweise im Heimatstaat des Va-
ters nicht gänzlich fremd sein dürfte. Sowohl die Kinder als auch die Part-
nerin würden Amharisch sprechen, was begünstigend für die Integration im
Herkunftsstaat des Beschwerdeführers erscheine. Zwar lebe die Partnerin
bereits seit (...) in der Schweiz, aufgrund ihrer Sozialisierung in Eritrea
dürfte ihr die Wohnsitznahme im kulturell und sozial verwandten Äthiopien
trotzdem zumutbar sein. Bei der Integration in Äthiopien dürfte sie auf die
Unterstützung des Beschwerdeführers sowie seiner Verwandten, die ge-
mäss seinen Angaben noch in Äthiopien leben, zählen können. Mit Verweis
auf die in der angefochtenen Verfügung zitierte äthiopische Gesetzes-
grundlage, vermöge die Ausführung in der Beschwerdeschrift, wonach eine
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Übersiedlung nach Äthiopien «eher unrealisierbar» sei, an der Einschät-
zung des SEM nichts zu ändern.
4.4 In seiner Replik hält der Beschwerdeführer dem entgegen, die Vor-
instanz argumentiere widersprüchlich. Da sie nach wie vor an seiner Iden-
tität zweifle und daraus eine Verletzung seiner Mitwirkungs- respektive
Wahrheitspflicht ableite, lasse sich die Zulässigkeit respektive Zumutbar-
keit eines Wegweisungsvollzugs nicht prüfen. Die Vorinstanz bejahe die
Möglichkeit und Zumutbarkeit eines gemeinsamen Familienlebens in Äthi-
opien, was voraussetze, dass des Beschwerdeführers Staatsangehörigkeit
und somit Identität als geklärt gelte. Sollte die Vorinstanz der Ansicht sein,
dass seine Staatsangehörigkeit unklar sei, würden die geltend gemachten
besonderen Umstände auf Basis gemischtnationaler Verhältnisse als Hin-
derungsgrund entfallen.
Die Ausführungen der Vorinstanz seien stereotyp ausgefallen. Zwar sei die
eritreisch-äthiopische Geschichtsschreibung eng miteinander verwoben,
es könne deswegen aber nicht pauschal davon ausgegangen werden,
dass die Partnerin des Beschwerdeführers rein aufgrund ihrer Nationalität
mit der Lebensart in Äthiopien vertraut sein dürfte. Sie und ihre Kinder
seien im Besitz einer Niederlassungsbewilligung in der Schweiz, weshalb
nicht in gleicher Weise wie bei Personen im Besitz einer Aufenthaltsbewil-
ligung darüber befunden werden sollte, ob sie ihr Leben in einem anderen
Land führen könnten.
4.5 In seiner Duplik führt das SEM aus, dem Vorwurf der widersprüchlichen
Argumentation könne nicht gefolgt werden. Aus der ungeklärten Herkunft
könne nicht geschlossen werden, dass der besondere Umstand der ge-
mischtnationalen Verhältnisse nicht mehr bestünde. Es obliege dem Be-
schwerdeführer, seine Herkunft glaubhaft nachzuweisen. Dieser Aufforde-
rung sei er bis anhin nicht nachgekommen. Er habe demnach auch nicht
bewiesen, dass er dieselbe Staatsangehörigkeit wie seine Ehefrau habe.
Nur bei einer zweifelsfrei belegten eritreischen Staatsangehörigkeit wäre
der besondere Umstand der gemischtnationalen Verhältnisse hinfällig.
4.6 Der Beschwerdeführer bekräftigt in seiner Triplik, die Vorinstanz gebe
keine Antwort, inwiefern es vereinbar sei, dass die Identität des Beschwer-
deführers zwar unklar, seine Wegweisung nach Äthiopien jedoch zweifels-
frei zumutbar sei.
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5.
Zu prüfen ist vorliegend, ob die Vorinstanz, im Lichte der skizzierten Praxis
zu Art. 51 AsylG, zu Recht davon ausgegangen ist, einem Einbezug des
Beschwerdeführers in die Flüchtlingseigenschaft seiner Partnerin stünden
besondere Umstände entgegen.
5.1 Vorab ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer und seine Partnerin
nicht verheiratet sind und sie gemäss dem Zentralen Migrationsinformati-
onssystem (ZEMIS) nicht über denselben Wohnsitz verfügen. Angesichts
der nachfolgenden Erwägungen kann indes offenbleiben, ob es sich bei
der Partnerschaft um ein Konkubinat handelt. Hingegen dürfte aufgrund
der Kindesanerkennungen die Familiengemeinschaft faktisch als gegeben
und somit schützenswert im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG erachtet wer-
den. Aus Art. 8 EMRK kann sich ein Anspruch auf Erteilung einer Aufent-
haltsbewilligung, beziehungsweise wie vorliegend in Form des Einbezugs
in das Asyl der Partnerin, ergeben, wenn die staatliche Entfernungs- oder
Fernhaltmassnahme eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Be-
ziehung einer in der Schweiz gefestigt anwesenheitsberechtigten Person
beeinträchtigt, ohne dass es dieser ohne Weiteres möglich beziehungs-
weise zumutbar wäre, ihr Familienleben anderswo zu pflegen (BGE 144 II
1 E. 6.1 S. 12, mit zahlreichen Hinweisen).
5.2 Es besteht kein Anlass, von einer anderen als der äthiopischen Staats-
angehörigkeit des Beschwerdeführers auszugehen, zumal er bei den kan-
tonalen Behörden Basel-Stadt einen noch bis zum (...) gültigen äthiopi-
schen Pass eingereicht hat und auch der Beschwerde nichts Gegenteiliges
zu entnehmen ist. Folglich besitzen der Beschwerdeführer und seine erit-
reische Partnerin nicht die gleiche Staatsangehörigkeit. Damit ist ein «be-
sonderer Umstand» gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG gegeben, welcher einem
Einbezug des Beschwerdeführers in das seiner Partnerin gewährte Asyl
entgegensteht. Entsprechend ist weiter zu prüfen, ob – in hypothetischer
Weise – der ganzen Familie gegebenenfalls faktisch und rechtlich die Mög-
lichkeit offenstände, sich in Äthiopien niederzulassen (vgl. E. 3.2 vorste-
hend).
5.3 Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich der Einschätzung der
Vorinstanz an, dass der Familie rechtlich die Möglichkeit offensteht, sich in
Äthiopien niederzulassen, und die Partnerin dort auch vor einer Abschie-
bung nach Eritrea sicher wäre. Die Ausführungen in der Beschwerdeschrift,
wonach die blosse Möglichkeit zur Beantragung eines Visums und einer
Aufenthaltsbewilligung nicht garantiere, dass ein entsprechendes Gesuch
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auch gutgeheissen würde und demnach nicht per se davon ausgegangen
werden könne, dass bei allfälliger Übersiedlung die Partnerin und ihre Kin-
der einen dauerhaften, legalen Aufenthaltstitel in Äthiopien erhalten wür-
den, ändert nichts an dieser Einschätzung, muss praxisgemäss doch nur
die Prüfung einer hypothetischen Möglichkeit erfolgen.
5.4 Da die Vorinstanz die geltend gemachte Verfolgung des Beschwerde-
führers im Rahmen seines Asylverfahrens als unglaubhaft erachtete und
die Flüchtlingseigenschaft nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens
ist, kann er aus seinem Einwand auf Beschwerdeebene, dass seine Rück-
kehr nach Äthiopien mit Konsequenzen verbunden wäre, nichts zu seinen
Gunsten ableiten. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Äthio-
pien lässt eine Niederlassung der Familie zum heutigen Zeitpunkt nicht als
unzulässig erscheinen.
5.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass eine Niederlassung in Äthio-
pien für den Beschwerdeführer und seine Familie als zulässig und möglich
einzustufen ist.
5.6 Zu prüfen bleibt damit, ob es der Partnerin und den gemeinsamen Kin-
dern zumutbar wäre, im Rahmen der bestehenden Familiengemeinschaft
in Äthiopien zu leben.
5.6.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Praxis von der
grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in alle Regionen
Äthiopiens aus (vgl. Referenzurteil D-6630/2018 vom 6. Mai 2019 E. 12.2.,
in Bestätigung von BVGE 2011/25 E. 8.3). Das Gericht schliesst sich auch
den Ausführungen der Vorinstanz zur individuellen Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs an. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann vollum-
fänglich auf diese verwiesen werden. Gegen die Zumutbarkeit eines ge-
meinsamen Familienlebens in Äthiopien spricht zwar bis zu einem gewis-
sen Grad, dass sich die Partnerin des Beschwerdeführers seit (...) und da-
mit seit (...) Jahren in der Schweiz befindet und über eine Niederlassungs-
bewilligung verfügt. Indes wurde sie in Eritrea sozialisiert. Da die eritreisch-
äthiopische Geschichtsschreibung eng miteinander verbunden ist, ist da-
von auszugehen, dass sowohl sie als auch die gemeinsamen Kinder bei
einer Niederlassung in Äthiopien nicht auf eine ihnen gänzlich fremde Kul-
tur treffen, zumal ihnen auch die Sprache vertraut sein dürfte. Für die (...)-
, (...)- und (...)jährigen Kinder, die mithin bereits aufgrund ihres Alters noch
nicht massgeblich in der Schweiz verwurzelt sind, stellen ihre Eltern und
Geschwister ihre wichtigsten Bezugspersonen dar. Das Wohl der Kinder
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steht einem Wegweisungsvollzug vorliegend nicht entgegen (vgl. Art. 3 des
Übereinkommens über die Rechte des Kindes, SR 0.107, KRK).
5.6.2 Ferner bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerde-
führer und seine Familie in Äthiopien aus individuellen Gründen in eine
existenzbedrohende Situation geraten würden, zumal eine konkrete Ge-
fährdung im Allgemeinen nicht schon deshalb vorliegt, weil die wirtschaftli-
che Situation und damit die allgemeinen Lebensbedingungen im Heimat-
staat schwierig sind. Der Beschwerdeführer machte im Rahmen seines
Asylverfahrens wiederholt verschiedene Angaben zu seiner Identität und
reichte unter anderem auch ihm nicht zustehende Identitätspapiere ein.
Sein bisheriges Verhalten betreffend die Offenlegung seiner Identität führt
zu einer verminderten persönlichen Glaubwürdigkeit des Beschwerdefüh-
rers. Entsprechend erscheint nicht glaubhaft, dass er keinen Kontakt zu
seinem – gemäss Beschwerdeeingabe (Ziff. 13) in Äthiopien wohnhaften –
Bruder oder anderen Personen in Addis Abeba unterhalten hat oder zumin-
dest bei Bedarf wieder aufnehmen könnte, zumal er dort während rund
dreissig Jahren wohnhaft war.
5.6.3 Eine Niederlassung der Familie in Äthiopien erweist sich somit insge-
samt als zumutbar.
5.7 Zusammenfassend ist die Tatsache der unterschiedlichen Staatsange-
hörigkeiten des Beschwerdeführers und seiner Partnerin sowie ihrer Kinder
vorliegend als «besonderer Umstand» im Sinne von Art. 51 Abs. 1 und 3
AsylG zu betrachten, der einen Einbezug des Beschwerdeführers in die
Flüchtlingseigenschaft und das Asyl seiner Partnerin auszuschliessen ver-
mag. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer über
eine Aufenthaltsbewilligung verfügt und somit in der Schweiz verbleiben
darf.
6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen ist. Die
Beschwerde ist daher abzuweisen.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
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führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem die Instruktionsrich-
terin sein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge-
mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 31. August 2018
gutgeheissen hat und den Akten keine Hinweise auf eine Veränderung sei-
ner finanziellen Verhältnisse zu entnehmen sind, sind keine Verfahrenskos-
ten zu erheben.
(Dispositiv nächste Seite)
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