Decision ID: 8988bb90-8b4c-4cb7-9938-45585e4c1473
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1982, meldete sich am 1
0.
Juni 2016 (Eingangsda
tum) unter Hinweis auf eine depressive Entwicklung/Angststörung und Alko
holabusus bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/1). Nach medizinischen und erwerblichen Abklärungen teilte die IV-Stelle der Versicherten am 2
2.
August 2016 mit, dass die Voraussetzungen für die
Zusprache
einer Rente nicht gegeben seien und die Abklärungen ergeben hätten, dass der Gesundheitszustand mit einer fachärztlichen psychiatrischen Behandlung und einem ärztlich überwachten Alkoholentzug über 1-2 Jahre wesentlich erhalten werden könne. Diese
Mit
wirkungspflicht
gelte auch bei Abweisung einer Leistung zur Erhaltung und Verbesserung des Gesundheitszustandes und im Hinblick auf eine künftige IV-Anmeldung. Wenn sie an den entsprechenden Massnahmen nicht teil
nehme, könne dies dazu führen, dass auf ein künftiges Leistungsbegehren nicht eingetreten werde (
Urk.
7/24). Gleich
entags erliess die IV-Stelle einen
Vorbescheid, welcher die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht stellte (
Urk.
7/25).
Nachdem die Versicherte
am 2
1.
September 2016
Einwand erhoben hatte (
Urk.
7/30
; ergänzende
Einwandbegründung
vom
5.
Januar 2017,
Urk.
7/41
),
holte die
IV-Stelle
den
Arztbericht der behandelnden Ärzte der
Z._
vom
9.
Januar 2017 (
Urk.
7/43) ein. Mit Verfügung vom
3.
Februar 2017 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
wie vorbeschieden
ab (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am
6.
März 2017 Beschwerde und bean
tragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es seien ihr Ein
gliederungsmassnahmen zu gewähren. Eventualiter sei ihr eine Rente begin
nend ab
1.
Dezember 2016 zuzusprechen. Subeventualiter sei ein medizini
sc
hes Gutachten anzuordnen, um ihren
Gesundheitszustand und
ihre
Arbeitsfähigkeit festzustellen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1). Mit
Beschwerde
antwort
vom 1
8.
April 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
7/1-48), was der Beschwerdeführerin am 2
1.
April 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegan
gen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt dafür, dass der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) zum Schluss komme, dass bei der Beschwerdeführerin vor allem ein Abhängigkeitsverhalten und damit keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliege. Eine Invalidität bei Abhängigkeitsverhalten liege vor, wenn die Sucht Folge einer gesundheitlichen Einschränkung sei, die zur Invalidität führe. Die übrigen Diagnosen schränkten die Arbeitsfähigkeit nicht dauerhaft ein. Somit sei die Beschwerdeführerin aus Sicht der Invalidenversicherung vollumfänglich arbeitsfähig (
Urk.
1). Ergänzend führte sie in der
Beschwerde
antwort
aus, dass
die depre
ssive Störung kein
invalidenver
s
i
cherungsrecht
lich
relevanter Gesundheitsschaden sei und die Verdachtsdiagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht berücksichtigt werden könne (
Urk.
6).
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber im Wesentlichen vor,
dass nicht auf die Stellungnahme von
Dr.
med.
A._
des RAD
abgestellt werden könne
,
da dieser
nicht Psychiater sondern Chirurg sei. Damit habe er eine fachfremde Einschätzung vorgenommen und der
versi
cherungsinterne
ärztliche Bericht sei nicht beweiskräftig. Gestützt auf die Ausführungen der behandelnden Ärzte der
Z._
liege keine primäre
Suchter
krankung
vor - die rezidivierende Depression und die Schlaflosigkeit führten zum übermässigen Alkoholkonsum. Die Depressionen seien nicht Folge des Alkoholkonsums und seien auch bei einer Alkoho
labstinenz weiterhin vor
handen. Die Ärzte der
Z._
hätten auch im Bericht vom 2
3.
Februar 2017 festgehalten, dass trotz der Alkoholabstinenz eine vollumfängliche Arbeits
unfähigkeit bestehe. Gleichzeitig hätten sie den Verdacht einer kombinierten Persönlichkeitsstörung festgestellt. Da die Stellungnahme
des RAD nicht beweiskräftig sei, sei
auf die Einschätzung der behandelnden Ärzte abzustel
len (
Urk.
1).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Lei
den
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Auf
bietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeits
fähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
2.3
Alkoholismus und Medikamentenmissbrauch (wie auch Drogensucht) begrün
den nach ständiger Rechtsprechung keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird eine solche Sucht invalidenversicherungsrechtlich erst bedeutsam, wenn sie ihrerseits eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger die Erwerbsfähigkeit be
einträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder aber wenn sie sel
ber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, wel
chem Krankheitswert zukommt (vgl.
BGE 124 V 265
E. 3c; AHI 2002 S. 30,
I
454/99
E. 2a). Dabei ist das ganze für die Alkoholsucht
massgebende
Ursa
chen- und Folgespektrum in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen, was impliziert, dass einer allfälligen Wechselwirkung zwischen
Suchtmittelab
hängigkeit
und psychischer Begleiterkrankung Rechnung zu tragen ist. Was die krankheitsbedingten Ursachen der Alkoholsucht betrifft, ist für die
inva
lidenversicherungsrechtliche
Relevanz der Abhängigkeit erforderlich, dass dem Alkoholismus eine ausreichend schwere und ihrer Natur nach für die Entwicklung einer Suchtkrankheit geeignete Gesundheitsstörung zugrunde liegt, welche zumindest eine erhebliche Teilursache der Alkoholsucht dar
stellt. Mit dem Erfordernis des Krankheitswerts einer allfälligen verursachen
den psychischen Krankheit wird verlangt, dass diese die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit einschränkt. Wenn der erforderliche Kausalzusammenhang zwischen Alkoholsucht und krankheitswertigem psychischem
Gesundheits
schaden
besteht, sind für die Frage der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit die psychischen und die suchtbedingten Beeinträchtigungen gesamthaft zu berücksichtigen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_906/2013 vom 23. Mai 2014 E. 2.2 und 9C_701/2012 vom 10. April 2013 E. 2 mit Hinweisen sowie 9C_706/2012 vom 1. Juli 2013 E. 3.2
mit Hinweis auf I
169/06 vom 8. August 2006 E. 2.2).
2.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der
Rück
weisung
– da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige
Ermessensent
scheide
zu treffen sind, oder wenn der ent
scheidrelevante Sachverhalt unge
nügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
3.
3.1
Im Austrittsbericht vom
1.
Juni 2016 über den stationären Aufenthalt vom 2
9.
März bis zum
6.
Mai 2016 hielten die behandelnden Ärzte der
Z._
fol
gende Diagnosen fest (
Urk.
7/10/1):
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol:
Abhängigkeitssyn
drom
(ICD-10 F10.2)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Vorwiegend allergisches Asthma bronchiale (ICD-10 J45.0)
-
Status nach CTS-Release links 2006 und rechts 2009
Die Entzugsbehandlung sei ohne somatische Komplikationen verlaufen. Es könne der Beschwerdeführerin mittels Alkoholtests ein rückfallfreier Aufent
halt attestiert werden. Im Verlauf habe mittels diagnostische
r
Testverfahren das Vorliegen einer rezidivierenden depressiven Störung mit zwei Suizid
versuchen in der Vorgesc
hichte bestätigt werden können.
Die Beschwerdeführerin trete bei fehlenden Gefährdungsaspekten im gegensei
tigen Einvernehmen in die alten Verhältnisse aus (
Urk.
7/10/4).
3.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeinmedizin, diagnostizierte in seinem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Bericht vom 2
7.
Juni 2016 folgen
des (
Urk.
7/11/5):
-
Psychische Verhaltensstörungen durch Alkohol:
Abhängigkeitssyn
drom
-
Rezidivierende depressive Störung
-
Leichtes Asthma bronchiale
-
Status nach CTS-Release links 2006 und rechts 2010
-
Status nach Bursitis
subacromialis
rechts 2012
Die Beschwerdeführerin sei vom
8.
Mai 2015 bis zum 3
0.
Juni 2016 vollum
fänglich arbeitsunfähig. Danach erfolge eine Neubeurteilung.
Zur Zeit
sei keinerlei berufliche Tätigkeit zumutbar. Mittelfristig sei sie aber wahrschein
lich wieder zu 100
%
arbeitsfähig, sobald der psychische Zustand absolut stabilisiert werden könne und nach wie vor die Alkoholkarenz durchgeführt werde. Mit einer Wiederaufnahme der Tätigkeit könne im Laufe der nächsten Wochen gerechnet werden, in wenigen Monaten sei sie wieder vollumfäng
lich arbeitsfähig (
Urk.
7/11/6).
3.3
Dr.
med.
A._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie des RAD, hielt in seiner
Aktenbeurteilung
vom
6.
August 2016
(
Urk.
7/23/4 f.)
f
olgendes z
u den vom Hausarzt beschriebenen Diagnosen
fest
:
Das
Alkohol
abhängigkeitssyndrom
ge
lt
e als primäre Sucht nicht als IV-
relevant
. Bezüg
lich der r
e
zidivierenden depressiven Störung sei zu konstatieren, dass gemäss Arztzeugnis der
Z._
zum Eintrittsstatus aktuell keine depressive Episode
bestehe
, somit k
önne dies
auch
nicht als
dauerhafter IV-relevanter
Gesund
heitsschaden
gelten
.
Bezüglich des
Status CTS-Release links und rechts und
des
Status
nac
h Bursitis
subacromialis
rechts weise
die Akte keine dauerhafte Funktionsminder
ung aus. Gleichermassen schreibe
der Hausarzt selbst, dass wahrscheinlich im Laufe der nächsten Wochen/wenigen Monaten wieder
eine volle Arbeitsfähigkeit
gegeben
sei. Hierauf abgestützt kö
nn
e derzeit nicht von einem dauerhaften
arbeitsfähigkeitsrelevanten Gesundheitsschaden
aus
gegangen werden. Medizin
theoretisch sei eine
100%
ige Arbeitsfähigkeit
in zuletzt ausgeübter (Fachverkäuferin Food) und in angepasster Tätigkeit anzunehmen. Die im Dossier genannte
Arbeitsunfähigkeitsz
eit sollte im Rahmen des medizinisc
hen Kurativgeschehens (nicht IV-
Geschehens) einge
ordnet werden.
Das
Belastung
sprofil entspreche dem bisherigen
Tä
tigkeits
profil
. Weitere
medizinische Abklärungen erschie
nen
aktuell
nicht erforder
lich.
Als medizinische Massnahme
sei eine psychiatrische Facharztbehandlung in dessen Ermessen mit ärztlich überwachtem Alkoholentzug über 1-2 Jahre zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit angezeigt.
3.4
Die behandelnden Ärzte der
Z._
notierten in ihrem von der
Beschwerdegeg
nern
eingeholten Arztbericht vom
9.
Januar 2017 1) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1) und 2) psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom
(ICD-10 F10.2)
als Diagnosen mit Auswirkunge
n auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
7/43).
Die Beschwerdeführerin befinde sich seit dem 2
8.
Juli 2016 fortlaufend bei ihnen in Behandlung. Des Weiteren sei sie vom
7.
Dezember bis zum 1
7.
Dezember 2015 in der Akutstation und vom 2
9.
März bis zum
6.
Mai 2016 im Zentrum für Integrative Psychiatrie
C._
der
Z._
in stationärer Behandlung gewesen. Nach einem weiteren stationären Aufenthalt im
Psy
chiatriezentrum
D._
vom
2.
bis zum
5.
Oktober 2016 sei sie vom 1
8.
Oktober bis zum 2
9.
November 2016 erneut im Zentrum für Integrative Psychiatrie
C._
hospitalisiert gewesen (
Urk.
7/43/1).
Die Beschwerdeführerin sei Verkäuferin in einer Supermarktkette und seit 2015 fortlaufend vollumfänglich arbeitsunfähig gewesen. Körperlich und geistig bestünden in der bisherigen Tätigkeit keine Einschränkungen. Psy
chisch bestehe
eine gedrückte Stimmung, Antriebsstörung, reduzierte Kon
zentrationsfähigkeit, Lust- und Hoffnungslosigkeit, sowie Ein- und
Durch
schlafstörungen
. Des Weiteren weise die Beschwerdeführerin eine reduzierte Frustrationstoleranz und eine Emotionsregulationsstörung auf. Aufgrund der reduzierten Flexibilität, der erhöhten Fehleranfälligkeit und de
s
reduzierten Durchhaltevermögen
s
sei die Belastbarkeit der Beschwerdeführerin deutlich reduziert. Aus psychiatrischer Sicht sei derzeit eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt nicht zumutbar. Wenn eine Verbesserung der depressiven Symptomatik erreicht werden könne, wäre eine Tätigkeit mit flexiblen Arbeits- und Pausenzeiten und schrittweiser Steigerung des Arbeitspensums denkbar (
Urk.
7/43/4).
Die gegenwärtige Behandlung bestehe aus regelmässigen psychiatrisch-psy
chotherapeutischen Einzelgesprächen mit Fokus auf Selbstwert,
Emotionsre
gulation
und Bearbeitung dysfunktionaler Grundannahmen, sowie der Stär
kung der Autonomie der Beschwerdeführerin. Geplant sei zusätzlich eine tagesklinische Behandlung mit der Teilnahme an der Gruppenpsychotherapie.
Hinzu komme eine medikamentöse Therapie mit
Sertralin
,
Prazine
,
Zolpidem
Zentiva
und
Campral
Tabletten (
Urk.
7/43/3 f.).
Prognostisch günstig sei die Veränderungsmotivation der Beschwerdeführe
rin. Ungünstig sei, dass ihr derzeit alternative Strategien im Umgang mit Frustration, Anspannung und gedrückter Stimmung fehlten, sodass sie den Konsum von Alkohol als dysfunktionale Strategie zur Emotionsregulation und Selbstmedikation einsetze (
Urk.
7/43/3).
4.
Aus den angeführten ärztlichen Beurteilungen lässt
sich der Gesundheitszu
stand der
Beschwer
deführerin
und insbesondere dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nur ungenügend beurteilen.
4.1
Dr.
B._
erhob
in seinem Bericht vom 2
7.
Juni 2016
keine Befunde und
es
blieb auch
unklar, wie die von ihm attestierten Diagnosen die Arbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin tatsächlich einschränken. Er hielt lediglich fest, dass zur Zeit keinerlei berufliche Tätigkeit zumutbar sei
, sie mittelfristig aber wieder vollumfänglich arbeitsfähig werde, sobald der psychische Zustand stabilisiert werden könne und die Alkoholkarenz durchgeführt werde (vgl. E.
3.1).
Damit sind
die attestierte Arbeitsunfähigkeit und der Bericht von
Dr.
B._
- auch unter Berücksichtigung, dass
er
nicht Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sondern für Allgemeinmedizin ist - nicht nachvollziehbar.
4.2
Die behandelnden Ärzte der
Z._
hielten im Bericht
vom
1.
Juni 2016 eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
als
Diagnose fest (
Urk.
7/11/9) -
notierten
aber
gleichzeitig, dass die Beschwer
deführerin unter einer rezidivierenden depressiven Störung leide, aktuell aber keine depressive Episode vorliege (
Urk.
7/11/10). Damit ist der Bericht widersprüchlich und es kann nicht darauf abgestellt werden.
4.3
Dr.
A._
führte in seiner Stellungnahme nach Einsicht in den Bericht von
Dr.
B._
und den Bericht der behandelnden Ärzte der
Z._
vom
1.
Juni 2016 aus, dass das Alkoholabhängigkeitssyndrom als primäre Sucht gelte und nicht IV-relevant s
ei. Dies ist allerdings - auch unter Berücksichtigung der fehlenden Begründung
und der Angaben in den vorliegenden
Arztbe
richten
- nicht schlüssig nachvollziehbar:
Dr.
B._
hielt fest, dass seit mehreren Jahren ein chronischer Alkoholabusus bestanden habe, gemäss eigenen Angaben habe sie diesen im Griff gehabt und regelmässig als Verkäuferin bei der
E._
gearbeitet. Ab Januar 2015
habe
zunehmend eine depressive Entwicklung und ein dadurch vermehrter Alkoholkonsum, Arbeitsausfälle und Beziehungsproblematik stattgefunden (
Urk.
7/11/5).
Auch im Bericht der behandelnde Ärzte der
Z._
vom 2
4.
Dezember 2015 (
Urk.
7/40), welcher
Dr.
A._
nicht vorgelegen hatte, finden sich Hin
weise, die
die Annahme
eine
r
primäre
n
Alkoholsucht in Frage stellen lassen: So notierten die behandelnden Ärzte der
Z._
, dass eine depressive Störung vorbekannt sei und die Beschwerdeführerin in regelmässiger ambulanter psy
chiatrischer Behandlung sei. Seit vier bis fünf Monaten bestehe laut der Beschwerdeführerin
ein vermehrter Alkoholkonsum in Form von klaren Schnäpsen in psychosozialen Belastungssituationen. Es liege kein regelmäs
siger Konsum vor (
Urk.
7/40/2).
Hinzu kommt, dass
Dr.
A._
als Facharzt für orthopädische Chirurgie nicht dazu berufen ist, den psychischen Gesundheitszustand und seine Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu beurteilen. Entsprechend kann nicht auf die Stellungnahme von
Dr.
A._
abgestellt werden.
4.4
Auch der Bericht der behandelnden Ärzte der
Z._
vom
9.
Januar 2017 kann nicht zur abschliessenden
Beurteilung herangezogen werden.
4.4.1
Zum Einen gehen daraus durchaus Hinweise hervor, dass
die psychische und Verhaltensstörung durch
Alkohol, Abhängigkeitssyndrom,
Folge
der rezidi
vierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, ist. So konstatierten die Ärzte, es sei ungünstig, dass der Beschwerdef
ü
hrerin derzeit alternative Strategien im Umgang mit Frustration, Anspannung und gedrückter
Stimmung
fehlten, so dass sie den Konsum von Alkohol als dys
funktionale Strategie zur Emotionsregulation und Selbstmedikation einsetze (
Urk.
7/43/3).
Zum
Anderen
spielen auch za
hlreiche psychosoziale Faktoren, welche
invali
denversicherungsrechtlich
nicht relevant sind,
eine nicht zu vernachlässi
gende Rolle: W
ährend
der Ehe
sei es
wiederkehrend zu häuslicher Gewalt mit tätlichen
Angriffen des Ehemanns gekommen. Er hab
e eine Spielsucht, die schwere
finanzielle Probleme (Lohnpfändungen, Verwaltu
ng des Einkom
mens via Sozialamt
usw.) ausgelöst und wiederholt zu Konflikten geführt habe. Die
Beschwerdeführerin
selbst sei deshalb ebenfalls regelmässig "aus
gerastet".
Sie sei 15 Jahre lang in einer
Supermarktkette als Verkäuferin tätig ge
wesen. Das Geld habe aber nie
ausgereicht. Als sie eines Tages bemerkt habe,
dass ihr Ehemann nachts am PC
Sexvideos anschaue,
habe sie sich zusätzlich entwertet gefühlt und geschämt. Aus
der Kränkung und Enttäu
schung heraus habe sie einen Suizidversuch durch die Einnahme von Tab
letten unternommen. Da es „nur 10 Tabletten" eines Medikaments, an dessen Namen sie sich nicht erinnere, gewesen seien, sei „nichts passiert". Wegen depressiver Symptome und au
sgeprägten Schlafstörungen sei
sie schliesslich krankgeschrieben worden. Zur Ent
spannung und damit sie besser
schlafe, habe sie vom Ehemann 30cl Whisky F
laschen bekommen, die zunächst
gut geholfen hätten. Die
Beschwerdeführerin denke
, dass er auch die Zeit abends anders als mit ihr
habe nutzen wollen
und es ihm deshalb lieber gewesen sei, wenn sie „einfach schläft". Der Alkoholkonsum der
Beschwerdeführerin
habe schliesslich durch ihre Depression, die fortbestehenden Konflikte, fin
anziellen Probleme und fehlende andere
Möglichkeiten, innere Unruhe auszuschalten, zugenommen und seit circa zwei Jahren empfinde sie es als Problem. Zur Behandlung der Schlafstörungen habe sie vom Hausarzt
Zolpidem
erhalten. Zur Behandlu
ng der depressiven Symptomatik sei
Sertralin
abgegeben
wor
den
, jedoch habe beides nicht d
en gewünschten Effekt gebracht (
Urk.
7/43/2).
Damit bleibt unklar, ob die Alkoholsucht der Beschwerdeführerin auf die rezidi
vierende depressive Störung oder aber lediglich
auf
psychosoziale Fak
toren, insbesondere die finanziellen Probleme und die Eheprobleme, zurück
zuführen
sind
.
Ebenfalls unklar bleibt, ob die rezidivierende depressive Stö
rung selbst invalidisierende Wirkung hat. Der
Bericht der behandelnden Ärzte der
Z._
erlaubt damit keine abschliessende Beurteilung.
4.4.2
Des Weiteren beurteilten die behandelnden Ärzte der
Z._
sowohl die rezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, als auch die psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom, als mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/43
/1
).
Die Reduktion der
Leistungsfähigkeit führten sie allerdings lediglich auf die persistierende depressive Symptomatik zurück (
Urk.
7/43/4). Dies ist widersprüchlich und nicht schlüssig nachvollziehbar.
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass auch der Bericht der behan
delnden Ärzte der
Z._
vom 2
3.
Februar 2017 zuhanden der Vertreterin der Beschwerdeführerin (
Urk.
3/4) mit Blick auf die Erfahrungstatsache
, dass
behandelnde Arztpersonen und Therapeuten
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V
465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc), keine abschliessende Beurteilung zulässt.
4.5
Die Sache ist demnach an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (E. 2.
4
), damit sie den psychischen Gesundheitszusta
nd der Beschwerdeführerin im Rah
men eines medizinischen Gutachtens abklärt. Der Gutachter hat insbe
sondere Stellung zu nehmen, ob das Alkoholabhängigkeitssyndrom eine Krankheit bewirkt hat, in deren Folge ein die Erwerbsfähigkeit beeinträchti
gender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder ob das
Alkoholabhängig
keitssyndrom
selber Folge eines Gesundheitsschadens ist, dem
Krankheits
wert
zukommt. Hernach hat die Beschwerdegegnerin neu über einen allfälli
gen Leistungsanspruch zu entscheiden. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Das Gesuch um unentgeltliche Pr
ozessführung
vom
6.
März 2017
(Urk. 1) erweist sich damit als gegenstandslos.