Decision ID: 56b47b71-3a2f-44df-843e-ef8bd9c4d714
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Bei
X._
, geboren 2001, wurde
im
Jahr
2010
eine
h
yperkinetische Störung des Sozialverhaltens diagnostiziert
(Urk. 7/5)
, was im Mai 2010 zur Anmeldung für Minderjährige bei der Eidgenössischen Invaliden
versicherung führte (
Urk.
7/5
). Die S
ozialversicherun
gs
anstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, erteilte Kostengutsprache für die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziffer 404 der
(damals anwendbaren)
Verord
nung über Geburtsgebrechen
bis April 2015 und verlängerte die Massnahmen nach einer
neuropsychologische
n
Abklärung
(Urk. 7/38)
bis zur Vollendung des 20. Altersjahrs (
Urk.
7/8
und
Urk.
7/48).
1.2
Am 1
2.
Januar 2018
ersuchte
die Versicherte
um
berufliche Eingliederungsmass
nahmen (
Urk.
7/51).
Am
2.
Juli 2018
teilte
die IV-Stelle
mit, dass sie die
Mehr
kosten der
erstmalige
n
berufliche
n
Ausbildung zur Gärtnerin EBA bei der Stiftung
Y._
übernehme (Urk. 7/97)
und richtete ein
Taggeld
für die Zeit vom
1
3.
August 2018 bis 1
2.
August 2020
aus
(
Urk.
7/112
)
.
Nachdem die Versicherte ihre Ausbildung zur Gärtnerin EBA (Pflanzenproduk
tion) am
7.
Juli 2020 erfolgreich absolviert hatte
(Urk. 7/126)
, teilte die IV-Stelle a
m 1
5.
Juli 2020
mit,
dass
die berufliche
n
Massnahme
n
erfol
greich abgesc
hlossen
seien und
ein allfälliger
Rentenanspruchs
geprüft
werde (
Urk.
7/128)
.
Sie
holte einen Bericht des behandelnden Arztes
Dr.
med.
Z._
ein (Urk. 7/134) und stellte gestützt auf die Stellungnahme ihres regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) m
it Vorbescheid vom
5.
Februar 2021
die
Verneinung eines Anspruch
s
auf eine Invalidenrente in
Aussicht
(
Urk.
7/139
)
. Daran hielt sie nach erhobenem Einwand (
Urk.
7/140) mit Verfügung vom
4.
März 2021 fest (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die
Versicherte
am 1
9.
April
2021 Beschwerde und beantragte
(
Urk.
1
S. 2)
,
d
ie Verfügung
vom
4.
März 2021
sei aufzuheben
und es seien
ihr
ab dem frühestmögli
chen Zeitpunkt Rentenleistungen zuzusprechen.
Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Beschwer
degegnerin
zu
rückzuweisen.
Mit Beschwerdeantwort vom 3
1.
Mai
2021 beantragte die Be
schwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6)
, was der Beschwerde
führerin am
2.
Juni 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
ver
sicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfol
gend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
1.4
.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog
. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erz
ielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
über
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
1.4
.2
Konnte die versicherte Person wegen der Invalidität keine zureichenden beruf
lichen Kenntnisse erwerben, so entsp
richt gemäss Art.
26
IVV
das Erwerbsein
kommen das sie als Nichtinvalide erzielen könnte, den folgenden nach Alter ab
gestuften Prozentsätzen des jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statisti
k: Vor Vollendung von 21 Alters
jahren: 70
%
, nach Vollendung von 21 Altersjahren, aber vor Vollendung von 25 Altersjahren: 80
%
, nach Vollendung von 25 Altersjahren, aber vor Voll
endung von 30 Altersjahren: 90
%
sowie nach Vollendung von 30 Altersjahren: 100
%
(vgl.
dazu
IV-Rundschreiben
Nr. 403
des Bundesamtes für Sozialver
siche
rung, BSV).
Nach konstanter Rechtsprechung sind
Geburts- und Frühinvalide im Sinne von
Art.
26
Abs.
1 IVV Versicherte, die seit ihrer Geburt oder Kindheit an einem Gesundheitsschaden leiden und deshalb keine zureichenden beruflichen Kennt
nisse erwerben konnten. Darunter fallen all jene Personen, die wegen ihrer Inva
lidität überhaupt keine Berufsausbildung absolvieren können. Ebenso dazu ge
hören indes Versicherte, die zwar eine Berufsausbildung abschliessen, zu deren Beginn jedoch bereits invalid waren und die absolvierte Ausbildung wegen ihrer Invalidität auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht in gleicher Weise
«
um
mün
zen
»
können wie nichtbehinderte Personen mit derselben (ordentlichen) Aus
bildung. Steht dagegen fest, dass nicht invaliditätsbedingte Gründe, sondern z.B.
solche familiärer oder wirtschaftlicher Art
den Erwerb genügender beruflicher
Kenntnisse verunmöglichten, liegt keine Geburts- oder Frühinvalidität vor (
Urteil 9C_233/2018 vom 1
1.
April 2019 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.5
Nach der Rechtsprechung ist die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheits
schädigung in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Einglie
derungs
fachleute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleis
tung zu beantworten (Urteile des Bundesgerichts 9C_396/2014 vom 15. April 2015 E. 5.4 und 9C_401/2014 vom 26. November 2014 E. 4.2.2; je mit Hinweis). Der Arzt oder die Ärztin sagen somit, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen respektive geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist, wobei es als selbstverständlich gilt, dass sie sich vor allem zu jenen Funktionen äussern, welche für die nach ihrer Lebenserfahrung im Vordergrund stehenden Arbeitsmöglichkeiten der versicherten Person wesentlich sind (so etwa, ob diese sitzend oder stehend, im Freien oder in geheizten Räumen arbeiten kann oder muss, ob sie Lasten heben und tragen kann). Die Fachleute der Berufsberatung dagegen sagen, welche konkreten beruflichen Tätigkeiten aufgrund der ärztlichen Angaben und unter Berücksichtigung der übrigen Fähigkeiten der versicherten Person in Frage kommen, wobei unter Umständen entsprechende Rückfragen beim Arzt oder der Ärztin erforderlich sind (BGE 107 V 17 E. 2b; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27 E. 1 mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 8C_119/2008 vom 22. September 2008 E. 6.2 und I 588/05 vom 27. April 2006 E. 3).
1.6
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches ge
statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Be
richten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wür
digen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E.
3a
).
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hi
nweis auf BGE
125 V 351 E.
3b
/ee). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Be
richten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44
ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
stän
diger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzune
hmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2;
135 V 465 E. 4.4
und E. 4.7
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
führte in der angefochtenen Verfügung
aus
(
Urk.
2)
, dass die Beschwerdeführerin mit Unterstützung der Invalidenversicherung im Rahmen von berufl
ichen Eingliederungsm
assnahmen die
Ausbildung zur Gärtnerin
EBA bei der Stiftung
Y._
erfolgreich abgeschlossen habe.
Bei der Prüfung d
es Rentenanspruchs
hätten die
medizinische
n
Abklärun
gen gezeigt
, dass
aufgrund
leicht
er
gesundheitlicher
Einschränkung
en
die
Tätigkeit als Gärtnerin
zu
70
%
möglich
sei
.
Die Beschwerdeführerin
könne
zu
100
%
präsent sein
bei einer
Leis
tungsfähigkeit
von
70
%
;
damit könne
sie ein rentenausschliessendes
Einkommen erzielen.
Die reduzierte Arbeitsfähigkeit bestehe aufgrund der Defizite in der Sozialkompetenz und im verminderten Arbeitstempo.
Aufgrund der
Geringfügig
keit der
Symptomatik
sei die
Verminderung der Arbeitsfähigkeit aus ärztlicher
Sicht
als
geringer
ein
zu
stufen
,
als dies von der A
usbildungsstätte beurteilt worden
sei
.
In ihrer Beschwerdeantwort hielt sie fest
(
Urk.
6)
, eine zweijähr
ige Ausbildung mit Berufsattest
gelte als zureichende Berufskenntnis und
es
bestehe kein Raum
,
den Invaliditätsgrad
anhand eines Valideneinkommens nach
Art.
26
Abs.
1 IVV
zu ermitteln
. Da die Tätigkeit als Gärtnerin einer optimal angepassten Tätigkeit entspreche, stelle auch der Prozentvergleich eine zulässige Variante des Einkom
mensvergleichs dar.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellt
e
sich demgegenüber auf den Standpunkt
(
Urk.
1 S.
5
ff.
)
,
die Invaliditätsbemessung habe anhand eines Einkommensvergleichs zu erfolgen und es liege ein Fall von Frühinvalidität vor. Die zweijährige EBA-Aus
bildung habe im geschützten Rahmen stattgefunden
.
Die
während
ihrer
Ausbil
dung erworb
enen beruflichen Kenntnisse könne sie auf
dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt im Verglei
ch zu anderen Lehrabgängerinnen
ohne Behinderung nur mit unterdurchschnittlichem Erfolg verwerten
.
Zureichende berufliche Kenntnisse
habe sie behinderungsbedingt
nicht zu erwerben
vermocht.
Es
müsse
Art.
26
Abs.
1 IVV zu
r
Anwendung kommen und das Valideneinkommen betrage damit
Fr.
58'450.--. Für das Invalideneinkommen sei
im
Fall
e
, dass auf LSE
(Tabel
len
werte der Lohnstrukturerhebung)
abgestellt werde
,
diese
s
mittels eines
Tabellen
lohnabzuges
anzupassen
.
Da sie aber eine zweijährige Ausbildung zur Gärtnerin EBA Fachrichtung Pflanzenproduktion absolviert habe, sei gemäss
Lohnregulativ 2020
der Lohn
mit
Fr.
46'800.
--
festzulegen
(S. 7). Bei
einer
70%igen
Leis
tungsfähigkeit
resultiere unter
Berücksichtigung des Valideneinkommens von
Fr.
58'450.-- und
des Invalideneinkommens von Fr.
32’760.--
ein Invaliditäts
grad von 44
%
(S
. 7
)
.
Es sei aber
ohnehin
auf die Einschätzung des Lehrbetriebes abzustellen,
wonach bei ihr
nach zweijähriger EBA-Ausbildung im geschützten Rahmen auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Leistungsfähigkeit von 50
%
bestehe und ein
Einkommen von
Fr.
2'000.--
bis
Fr.
2'500.-- realisierbar sei
(S. 8)
.
Im Falle, dass
weitere Abklärungen zu veranlassen seien, erscheine es angezeigt, dass die Beschwerdegegnerin parallel
dazu
geeignete Eingliederungsmassnahmen durchführe beziehungsweise koordiniere, da mit dem Lehrabschluss auf Niveau EBA die Eingliederung nicht abgeschlossen sei und
weiter
Unterstützungsbedarf bestehe (S. 9).
3.
Streitig
ist der Anspruch auf eine Invali
denrente
.
In Frage steht
insbesondere
, welche hypothetischen
Vergleichseinkommen im Rahmen der Invaliditätsbe
mes
sung heranzuziehen sind und
dabei,
ob die Beschwerdeführerin
als frühinvalid im Sinne von
Art.
2
6. Abs.
1 IVV einzustufen
ist
.
Nicht Gegenstand des vorlie
genden Verfahrens bilden hingegen berufliche Eingliederungsmassnahmen, über welche die Beschwerdeführerin mit Mitteilung vom 1
5.
Juli 2020 (
Urk.
7/128) entschieden hat.
4.
4.1
Im neuropsychologisc
hen Untersuchungsbericht des A._
vom
1
6.
September 2014 (
Urk.
7/38) wiesen die Ärzte auf die Zu
weis
ungsdiagnose
n
einer hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens, Teilleis
tungs
stö
rungen, umschriebene Störung
en
motorischer Funktionen und einen Status nach habituellem Spitzen
gang hin.
Fraglich und abzuklären seien zerebrale
Teil
l
eistungsschwächen und kognitive
Ressourcen. Als neuropsychologische
Dia
gno
sen
nannten die Ärzte
eine isolierte Rechtschreibstörung (ICD-10 F81.1) und
eine einfache Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0).
Es wurde
aus
geführt
(S. 4),
die Beschwerdeführerin verfüge
über ein durchschnittl
iches allgemeines kogni
tives Lei
stungsniveau (HAWIK
-IV-Gesamt-IQ:
107, Sprachverständnis: Index-
Wert
95,
wahrnehmungsgebundenes
logisches Denken: Index-Wert: 108, Arbeits
ge
dächt
nis: Index-Wert
105, Verarbeitungsgeschwindigkeit:
Index-Wert 117). Als Stärke
im kognitive
n Profil liessen sich das Lösen
von Matrizen, das rech
nerische Den
ken
und die Verarbeitungsgeschwindigkeit bei Papier
und
Bleistift
aufgaben
objekti
vieren. Weiter zeige sich eine gute verbal
e Enkodierungsfähig
keit
komplexer Text
information
en
.
Die Prüfung der episodischen Gedächt
nis
leis
tungen
habe unauf
fäl
lige Behaltens-,
Spätabruf- und Wiedererkennungsleis
tun
gen
ergeben.
Die neu
ropsychologische Untersuchung
habe
Defizite im
Bereich der schriftsprachli
chen
Fertigkeiten (Rechtschreibung)
gezeigt
. Die Lesegeschwindig
keit und -
g
enauigkeit
seien unauffällig und d
as Lesesinnverständnis ebenfalls gegeben. Die ortho
gra
phische Leistung
beim Schreiben einzelner
,
diktierter Wörter sowie einzelner Sätz
e
sei hingegen mittelgradig eingeschränkt und es könne
eine isolierte Recht
schreib
störung (
ICD-10 F81.1)
diagnostiziert werden.
Weiter habe das neuropsycholo
gi
sche Profil Minderleistungen in exekutiven und attentionalen Funktionen erge
ben. So sei das Planungsvermögen noch gemindert und es lasse sich eine erhöhte Interferenzanfälligkeit und eine erhöhte Impulsivität feststellen. Auch die geteilte Aufmerksamkeit sei mittelgradig eingeschränkt, sodass insgesamt die Diagnose einer einfachen Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0) habe bestätigt werden können.
Bezüglich der Schul
stufe in der Oberstufe
sei
aufgrund des durchschnitt
lichen
allgemeinen kognitiven Po
tentials und den neuropsychologischen Beein
trächtigungen
(Rechtschreibstörung, exekutive und
attentionale
Defizite) eine Sekundarschulstufe
B zu favorisieren.
4.2
Im Abschlussbericht der Stiftung
Y._
vom
8.
Juni 2020 (
Urk.
7/122
S. 1
)
hielt der zuständige Eingliederungsber
ater
(Job Coach) fest
,
als
Ziel sei das erfolg
reiche Absolvieren der erstmaligen beruflichen Ausbildung zur Gärtnerin
EBA
, bei Eignung ein Wechsel auf das Ausbildungsniveau EFZ
und die renten
aus
schliessende Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt
gesetzt worden
.
D
ie Beschwerdeführerin
habe zu Beginn
grosse
Mühe
gehabt
,
die Arbeitszeiten zu l
eisten, welche in der Gärtnerei
ge
herrsch
t hätten
. Da sie schnell
in
das be
stehende Team aufgenommen worden sei
und Zuspruch erhalten
habe
, habe
sie sich
jedoch
darauf ein
lassen können
.
Im Praktikum gegen Ende der Ausbildung habe
sie
in den vielen Bereichen eines Gartencenters ein
ge
setz
t werden können. Die
erlernten fachlichen Fähigkeiten
hätten geholfen, dass sie sich
i
n den auf
getragenen Arbeiten
sicher
gefühlt habe.
Das Arbeitstempo
sei
adäquat,
die Qu
a
lität gut bis sehr gut
gewesen
und da sie
eine gute Auffassungsgabe habe,
habe
sie
sich
schnell
im
grossen Betrieb orientieren
können
. Die Integr
ation in den
ve
rschiedenen Teams, Ve
rkauf, Produktion, Versand, sei
sc
hnell und sehr gut
gelungen
. Zum Schluss
habe sie sich
wohl
gefühlt
und die Arbeitszeiten
seien kein Thema mehr gewesen.
Als
Tätigkeitsumfeld
wurde
eine
Produktionsgärtnerei oder Gartencenter
mit
üblichen Arbeitszeiten
festgehalten. Dabei
sei von einer
Leistungsfähigkeit bezo
gen auf den ersten Arbeitsmarkt
nach der Lehre
von
50 % und im Falle, dass
sie sich
im Team wohl fühle
,
davon auszugehen, dass sie
die
Leistungen innerhalb weniger Jahre deutlich steigern könne. Sie kenne alle fachlichen Arbeiten, welche in einer Produktionsgärtnerei anfallen
würden
. Sie könne Abläufe
miteinander verknüpfen, richte
ihren Arbeitsplatz effizient und sinnvoll
ein
und mit ihrer gewinnenden Art knüpfe
sie
sch
nell Kontakt zu anderen und sei
in einem Team schnell integriert.
Sie habe aber die Tendenz
,
ihre Arbeitskollegen für sich und ihre Anliegen einzuspannen und wenn sie sich nicht verstanden fühle
,
zeige sie kein adäquates
Verhalten gegenüber Mitarbeiter
sowie auch Vorgesetzte
n. In diesen Situationen brauche
es dann Einzelgespräche. Sie halte sich an Termine sowie an abgemachte Zeiten, setze ihr fachliches Wissen ein und könne selb
ständig arbeiten. Ihre Konzentrationsfähigkeit sei aber schwankend respektive sinke, wenn ihre Medikation nachlasse. Dadurch werde auch die Qualität ihrer Arbeiten beeinflusst (S. 2).
Unter Empfehlung und weiteres Vorgehen wurde ausgeführt, es
sei eine IV-Teil
rente zu prüfen, da es für die Beschwerdeführerin ein grosser Schritt sei
,
in
der Wirtschaft Fuss zu fassen. Es bestehe die Gefahr
, dass sie dies nicht schaffe
, wenn sie bereits zu Beginn ohne Teilrente im ersten Arbeitsmarkt bestehen müsse. Bei Druck und Hektik bestehe die Gefahr, dass sie ihre gewonnenen Fähigkeiten nicht abrufen könne und blockiere. Auch
müsse
das Arbeitstempo über längere Zeit noch gefestigt werden. Es werde aber eingeschätzt, dass sie sich schnell an die Wirtschaft anpassen könne und zu einem späteren Zeitpunkt eine
«
Ausschlies
sung
»
einer IV-Rente möglich sei. Weiter sei auch zu bedenken, dass durch die Corona-Krise zurzeit die Eingliederung erschwert sei.
Die Stiftung
Y._
würde
aber die Beschwerdeführerin bei der Eingliederung unterstützen und
falls
ein lückenloser Übergang nicht möglich sein
sollte
, wäre es auch möglich
,
noch als Zwischenlösung in der Stiftung die Zeit zu überbrücken, bis ein Arbeitgeber in der freien Wirtschaft gefunden sei.
4.3
Dr.
Z._
hielt
im Bericht vom
1.
September
2020 (
Urk.
7/134)
fest, dass die Beschwerdeführerin
seit dem Jahr 2010
,
mit
letzte
r
Kontrolle
am
1
8.
August
2020
,
in
seiner
Behandlung stehe
. Die Kont
rollen würden
mindestens ein bis zwei
mal
jährlich
aufgrund der Medikamente
und ADHS
durchgeführt.
Die Beschwer
deführerin habe inzwischen eine Lehre als Gärtnerin
a
bgeschlossen und sei auf Stellensuche. Mit
Hilfe des RAV
suche sie eine Stelle
als
«
Gärtnerin Produktion
EBA
»
und m
öchte später unbedingt Gärtnerin EFZ machen. Aktuell sei ihr aber angeraten worden, erst einige Jahre auf dem Beruf zu arbeiten.
Sie
sei k
örperlich
eine gesunde junge Frau mit bekanntem
ADHS,
welches
unter Medikation gut eingestellt
sei.
Es wurden
folgende Diagnosen
genannt
:
-
I
solierte Rechtschreibstörung (ICD-10 F81.1)
-
Einfache Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0
Zum
Anforderungsprofil
an die
aktuelle Tätigkeit
führte
der Arzt
aus, die Be
schwerdeführerin habe während der Lehre körperliche Tätigkeiten mit mittlere
r
Belastung, selten streng, tageweise sehr repetitiv, d
ann wieder mit viel Abwechs
lung
ausgeübt und damit gut umgehen können. Sie habe sich gut ins Team inte
g
rieren können
und habe auch gerne Kundenkontakt. Diesbezüglich habe sie angegeben, dass keine Probleme bestünden und sie sogar am liebsten im Verkauf mit Beratung der Kunden arbeite
(
Ziff.
3.3)
.
Sie
könne alles machen, was sie gelernt habe
(
Ziff.
3.4)
. Si
e habe zweimal vier
Stunden mit einer Mittagspause gearbeitet, was immer problemlos zu bewältigen gewesen sei. Spät- oder Nacht
schicht wäre
aber
bei ADHS nicht
zu empfehlen (
Ziff.
4.1).
Sie
sage, dass eine ferne Arbeitsstelle mit
dem Auszug
von
z
uhause sie vermutlich überfordern würde.
Gemäss
ihrer Ansicht
als auch
jener
ihrer
Mutter und
auch
von S
eit
e
des Arztes
sollte
in Zukunft
jedoch
ein
eigenständiges Wohnen ohne Probleme mög
lich sein
. D
azu
müsse sie
einfach noch et
was «reifer werden», was
auch
medi
zinisch
gut nachvollziehbar
sei
, da die
Hirnreifung beim AD
HS bekanntermassen verzögert sei (
Ziff.
4.5). Es wurde ein
e
100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert (
Ziff.
2.7).
4
.4
Dr.
med.
B._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie
, vom regiona
len ärztlichen Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, hielt in seiner
A
kten
be
urteilung
vom
5.
Februar 2021 (
Urk.
7/138/3-4) fest, gemäss Arztbericht von
Dr.
Z._
werde bei
einer
einfache
n
Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten und
in
der
aktuellen Tätigkeit
attestiert
. Es
seien
keine Funktionsei
nschränkungen festgestellt
worden
und die Beschwerdeführerin werde lediglich ein bis zweimal
jährlich zur V
erlaufskon
trolle gesehen und das
ADHS
sei medikamentös gut behandelt.
Dennoch
werde
aus Sicht der
Ausbildungsinstitution eine 50%ig
e Leistungsfähigkeit beurteilt, da die Beschwerdeführerin
unter Hektik ihre Ressourcen nicht abruf
en könne und
das Arbeitstempo
noch gefestigt werden müsse.
Eine höhere Arbeitsfähigkeit w
erde
innert weniger Jahre gesehen und e
s
seien
auch Defizite i
n den Sozialkom
petenzen vorhanden
. So verhalte
sie sich
inadäqua
t, wenn sie sich nicht
verstan
den fühle, was mit Einzelgesprächen abgeholt werden müsse
.
In der Gesamtschau könne aktuell nicht auf die medizinische Beurteilung abge
stellt werden,
die jedoch
prognostisch nachvollziehbar sei. Aufgrund der geringen Symptomatik könne jedoch aus medizinischer Sicht auch die Beurteilung der Ausbildungsinstitution nicht vollumfänglich nachvollzogen w
erden. Aus Sicht des RAD bestehe
aufgrund der Defizite der Sozialkompetenzen und des vermin
derten Arbeitstempos eine Verminderung der Arbeitsfähigkeit, aber in geringerem Ausmass, als dies von der Ausbildungsinstitution beurteilt worden sei. Es bestün
den Einschränkungen der Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen, der Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, der Flexib
ilität und Umstellungsfähigkeit und
der Widerstands- und Durchhaltefähigkeit
sowie
der Selbstbehauptungsfähigkeit.
Die aktuelle Tätigkeit k
önne
als opt
imal angepasst beurteilt
werden. A
b Abschluss
der EBA betrage
die Leistungsfähigkeit 70
%
bei einer 100%
igen
Präsenz
. E
ine deutliche Verbesserung
sei innert zwei
Jahren denkbar.
Aufgrund der
geringen Symptomatik sei
die
Auferlegung weiterer medizinischer Massnahmen
nicht zu empfehlen
und innert zwei Jahren sei mit einer 100%igen Arbeitsfähigkeit zu rechnen.
5.
5.1
Es ist aktenkundig, dass bei der Beschwerdeführerin eine
isolierte Rechtschreib
störung (ICD-10 F81.1)
und eine medikamentös behandelte e
infache Aufmerk
sam
keitsstörung (ICD-10 F90.0
) vorliegen und ihr deshalb medizinische Einglie
de
rungs
massnahmen in Form von Psychotherapie gewährt wurden (vgl. Fest
stel
lungsblatt Minderjährige für den Beschluss [Urk. 7/45]). Sodann ist den Akten zu entnehmen, dass trotz dieser Beeinträchtigungen die Beschwerdeführerin in der Lage war, die obligatorische Schulzeit (Primar- und Sekundarstufe) in der Regel
klasse zu absolvieren und dabei gemäss den Schulzeugnissen auf Sekundarstufe B
auch gute Schulnoten erzielen konnte (Urk. 7/64 und Urk. 7/75). Aus dem
Ver
-
laufsprotokoll
der Berufsberatung der Beschwerdegegnerin ergibt sich, dass im
Zusammenhang mit der
Berufswahl und der
beruflichen Erstausbildung
die Aus
dauer, die Arbeitsgeschwindigkeit, die Eigenständigkeit sowie die Konzentration bei länger andauernden Aufträgen als den Anforderungen auf dem ersten Arbeitsmarkt für nicht ausreichend angesehen wurden, weshalb die Ausbildung im von
der Beschwerdeführerin
gewünschten Beruf als Gärtnerin EBA in einem
geschützten Rahmen
gewährt wurde (vgl. Urk. 7/98/2). Mit dem Berufsattest des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes vom 7. Juli 2020 ist dokumentiert, dass sie
dabei die Ausbildung Gärtnerin EBA erfolgreich mit der Gesamtnote 5.1 abge
schlossen hat (Urk. 7/126/2f.).
Die Beschwerdeführerin verfügt damit über eine zweijährige
berufliche Grundbil
dung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA)
, welche grundsätzlich als zureich
ender Erwerb von beruflichen Kenntnissen im Sinne von Art. 26 Abs. 1 IVV zu betrachten ist. Denn dazu zählen auch sogenannte
Anlehren
, die auf einem be
sonderen, der Invalidität angepassten Bildungsweg absolviert wurden, wenn sie ungefähr die gleichen Kenntnisse vermitteln, wie dies auf dem «normalen» Bil
dungsweg erfolgt wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_725/2019 vom 3. März 2020 E. 7 mit Hinweisen.).
5.2
Fraglich ist, ob die Beschwerdeführerin trotz ihrer absolvierten Ausbildung mit eidgenössischem Berufsattest ihre Arbeitsfähigkeit wegen des bereits seit ihrer Kindheit bestehenden Gesundheitsschadens (einfache Aufmerksamkeitsstörung) wirtschaftlich nicht gleichermassen verwerten kann, wie ihre Berufskolleginnen.
Dies trifft vorliegend
offensichtlich
nicht zu. Von allen involvierten Fachpersonen
wurde ihr eine gute Prognose hinsichtlich vollständiger Eingliederung in den er
sten Arbeitsmarkt gestellt
. Dr.
Z._
ging davon aus, dass die Beschwerde
führerin unmittelbar im Anschluss an den Lehrabschluss auf dem freien Markt eine vollumfängliche Leistung erbringen kann. Dabei stützte er sich allerdings auf die etwas beschönigenden Angaben der Beschwerdeführerin, wonach sie alle Arbei
ten erledigen könne, welche sie gelernt habe. Dabei liess er die von der Stiftung
Y._
geschilderten augenfälligen Defizite ausser Betracht.
Etwas differenzierter äusserte sich Dr.
B._
, welcher die Einschätzung von Dr.
Z._
wohl teilte, indes lediglich prognostisch. Er würdigte die von der Stiftung
Y._
geschilderten Einschränkungen und konstatierte Defizite der Sozialkompetenzen, im Arbeitstempo, in der Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen, der Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit und der Widerstands- und Durchhalte
fähig
keit sowie der Selbstbehauptungsfähigkeit. Er schloss auf eine wesentliche Besserung innerhalb von zwei Jahren.
5.3
Bei dieser Ausgangslage kann die Beschwerdeführerin nicht als Frühinvalide gefasst werden. Ihre aktuell noch bestehenden Defizite gehen wohl in die Kindheit zurück und verunmöglichen ihr aktuell ein Einkommen, wie dies Gesunde bei gleicher Ausbildung erzielen könnten. Dieser Zustand ist aber lediglich vorüber
gehend, was die ärztlichen wie auch betrieblichen Einschätzungen zeigen. Damit rechtfertigt es sich nicht, für die Ermittlung des Valideneinkommens auf die
Werte gemäss Art. 26 Abs. 1 IVV abzustellen. Diese lägen massiv über dem Ein
kommen, welches Beschäftigte in der gleichen Situation erzielen könnten.
Da die Beschwerdeführerin aller Voraussicht nach in Kürze voll eingegliedert sein wird, ist das Valideneinkommen entsprechend dem bei intakter Gesundheit erziel
baren Verdienst festzulegen. Sie ist nicht (dauernd) ausser Stande, ihre Arbeits
fähigkeit wirtschaftlich adäquat zu verwerten. So hatte sie lediglich zu Beginn der Lehre Mühe zur Einhaltung der Arbeitszeiten. Im Praktikum zeigte sich sodann, dass sie in den verschiedenen Bereichen eines Gartencenters eingesetzt werden und bestehen konnte und sich in den erlernten fachlichen Fähigkeiten und den aufgetragenen Arbeiten sicher fühlte. Ebenso wurde das Arbeitstempo als adäquat und die Arbeitsqualität als gut bis sehr gut bezeichnet und die gute Auffassungsgabe, sich schnell im grossen Betrieb orientieren können, hervorge
hoben. Es konnte auch eine schnelle und sehr gut gelungene Integration in den verschiedenen Teams Verkauf, Produktion, Versand aufgezeigt und letztlich auch festgehalten werden, dass sich die Beschwerdeführerin an Termine sowie an ab
gemachte Zeiten hält, ihr fachliches Wissen einsetzt und selbständig arbeitet.
Die Beschwerdeführerin benötigt indes
eine längere Einarbeitungs- und Anpas
sungszeit, bis sie bei voller Präsenz die gleiche Leistung erbringen
kann
wie eine Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung
. Sodann läuft sie Gefahr, bei Druck und Hektik ihre gewonnenen Fähigkeiten nicht abrufen zu können und zu blockieren. Auch muss das Arbeitstempo über längere Zeit noch gefestigt werden. Sodann besteht in schwierigen Situationen, namentlich, wenn sie sich nicht ver
standen fühlt, die Tendenz zu inadäquatem Verhalten, was Führungsaufwand nach sich zieht.
Damit ergibt sich, dass bei an sich intakter Arbeitsfähigkeit einstweilen noch ge
wisse Defizite bestehen, welche sich nach der Prognose der Fachleute auswachsen werden. Eine Frühinvalidität besteht damit nicht, lediglich eine temporär vermin
derte Leistungsfähigkeit. In Bezug
auf den späteren Verdienst
eröffnen sich der Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
praktisch die gleichen Möglichkeiten
wie nichtbehinderten Personen
(Urteil
des Bundesgerichts
9C_611/2014 vom 19. Februar 2015 E. 5 mit Hinweisen).
6.
6.1
Bei der Ermittlung der erwerblichen Auswirkungen ist nach dem Gesagten auf der Seite des Valideneinkommens auf das
branchenübliche Einkommen für eine Gärtnerin EBA auszugehen (vgl. Urk. 3)
und dieses
dementsprechend auf monat
lich Fr. 3'900.-- und jährlich Fr. 46'800.-- festzulegen.
6.2
6.2.1
Zur Frage, in welchem Mass die Beschwerdeführerin bei Antritt einer Stelle im ersten Arbeitsmarkt bei unbestritten zumutbarer voller Präsenz in ihrer Leistungs
fähigkeit eingeschränkt ist
und dementsprechend, welches Lohnniveau sie errei
chen könnte,
finden sich in den Akten verschiedene Angaben.
Währenddem
Dr.
B._
pauschal von einer 70%igen Leistungsfähigkeit ausging, hielt die Ausbildungsinstitution eine solche von etwa 50 % für realistisch.
6.2.2
Von welcher medizinisch-theoretischen Leistungsfähigkeit (in Prozenten) auszu
gehen ist, braucht im vorliegenden Fall indes nicht abschliessend beantwortet zu
werden. Entscheidend ist im Hinblick auf das Invalideneinkommen gemäss Art. 16
ATSG vielmehr, wie die Beschwerdeführerin ihre vorhandene Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung ihrer verminderten Leistungsfähigkeit erwerblich verwer
ten könnte. Diese Frage lässt sich gestützt auf den Praktikumseinsatz beant
worten, den die Beschwerdeführerin kurz vor Abschluss ihrer Ausbildung in einer Gärtnerei im ersten Arbeitsmarkt absolviert hatte. Der Praktikumsbetrieb hatte der Ausbildungsinstitution zurückgemeldet, dass man mit der Arbeit der Be
schwerdeführerin sehr zufrieden gewesen sei und diese bei ihnen zu Beginn einer Anstellung einen Lohn von Fr. 2'000.-- bis Fr. 2'500.-- erzielen könnte
(Urk.
7/123)
. Ausgehend von einem mittleren Einkommen von Fr. 2'250.-- wäre für die Beschwerdeführerin damit ein jährliches Invalideneinkommen von Fr. 27'000.-- realisierbar.
Dieser Wert erscheint als verlässlich, hat doch der Prak
ti
kumsbetrieb keinerlei Interesse an falschen Angaben und gab er seine Beurtei
lung aus Sicht eines Arbeitgebers des ersten Arbeitsmarktes ab.
6.3
Bei einem Valideneinkommen von Fr. 46'800.-- und einem Invalideneinkommen von 27'000.-- resultiert ein Invaliditätsgrad von 42 % und damit nach Abschluss
der
Ausbildung zur Gärtnerin EBA
respektive nach Ende der Taggeldzahlungen per 12. August 2020 (Urk. 7/112)
ein A
nspruch auf eine Viertelsrente mit Wirkung ab 1. August 2020 (Art. 29 Abs. 2 und 3 IVG). Die Beschwerde ist damit teilweise gutzuheissen.
7.
7.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind vorliegend auf Fr. 800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuer
legen.
7.2
Ausgangsgemäss steht der vertretenen Beschwerdeführerin eine Prozessentschä
digung zu, welche auf Fr. 1'400.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen ist.