Decision ID: c3b5d5e5-e357-4d65-b86e-85131cdadb55
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ Mutter _ Kinder (geboren [...]), meldete sich am 13./15. November 2002
(IV-act. 1) bei der Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an und beantragte namentlich eine
Umschulung. Sie habe den Beruf einer Büroangestellten erlernt (kaufmännische Lehre,
vgl. IV-act. 2 und 11-57) und leide an ständigen Rückenschmerzen (mit Diskushernien-
Operation), Asthma, chronischer Bronchitis und (sc. einem Problem mit der) _. Die
Beschwerden hätten sich seit 1997 massiv verstärkt.
A.a.
Dr. med. B._, FMH Innere Medizin, spez. Pneumologie, gab im IV-Arztbericht
vom 19. März 2003 (IV-act. 11-1 bis 5) an, bei der Versicherten bestünden (stark
verkürzt wiedergegeben) hauptsächlich (erstens) der dringende V.a. eine Histiozytosis-
X, (zweitens) ein Asthma bronchiale, (drittens) ein Stadium der [...], (viertens)
rezidivierende Abdominalbeschwerden bei laparoskopisch gesicherter chronischer
Adnexitis und retroversio/retroflexio uteri, (fünftens) anamnestisch eine DH
(Diskushernie), (sechstens) ein V.a. eine valvuläre Herzkrankheit und (siebtens) diverse
Dysregulationen ungeklärter Ätiologie. In ihrer angestammten Tätigkeit in der [..] sei die
Versicherte seit dem 17. September 2001 voll arbeitsunfähig. In einem anderen Beruf
sei sie (betreffend das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum, RAV, bzw. die
Vermittlungsfähigkeit) vom 3. Januar 2002 bis 4. Mai 2002 nicht arbeitsunfähig
gewesen, seither sei sie es zu 50 % (IV-act. 11-2). Es bestünden
Konzentrationsprobleme, Angstzustände, feinmotorische Störungen und
Rückenbeschwerden. In einer _-Tätigkeit im Sitzen mit Möglichkeit des periodischen
Wechsels zwischen Sitzen und Stehen (Büro-/Sekretariatsarbeiten) könne die
A.b.
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Versicherte zunächst an 4.5 Stunden pro Tag arbeiten, später sei eine Steigerung
möglich. Ihr Zustand (psychisch, Atemwege, Wirbelsäule) sei instabil und verursache
dauernd Beschwerden. Ein Teil der Dysregulationen (Hauptdiagnose 7) führe er (der
Arzt) auf die umgeschulte _ zurück. Kürzlich sei die Versicherte ausserdem aufgrund
einer "_methode" mit einer Diagnose "Frühstadium eines Karzinoms im Endstadium,
nur heilbar mit Alternativmethoden" konfrontiert worden, was nicht zur Stabilisierung
der Psyche beitrage, auch wenn Abklärungen keinen Anhaltspunkt für ein Malignom
ergeben hätten. Die Verdachtsdiagnosen (1 und 6) hätten sich nicht bestätigt. - Einem
beigelegten medizinischen Besuchsrapport der Abteilung Arbeitsmedizin der Suva vom
4. Dezember 2001 (IV-act. 11-56 ff.) war zu entnehmen, dass die Versicherte seit
Januar 2001 in einer [...] angestellt gewesen war und im _ 2001 eine ausgeprägte -
als funktionell zu betrachtende - Hyperventilationssymptomatik (Übelkeit,
Kribbelparästhesien an den Händen und im Gesicht, Angstzustände, Atembeengung
und Dyspnoeattacken) erlitten habe, die sich bei späteren kurzen Arbeitsversuchen
wiederholt habe, worauf die Arbeit seit dem 1. Oktober 2001 nicht mehr aufgenommen
worden sei. Der seit Jahren bestehende Husten sei der Raucherbronchitis
zuzuschreiben (mindestens 25 Packungsjahre). Eine Nichteignungsverfügung (wegen
allfälliger Exposition gegenüber Allergenen oder Asthma auslösenden Substanzen) sei
nicht am Platz. - Die Klinik für Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen hatte am
9. April 2002 (IV-act. 11-47 f.) berichtet, nach der erweiterten Flavektomie, Nukleotomie
und Ausräumung des ZWR L4/5 von rechts am 22. Februar 2002 sei die Versicherte
noch vom 10. April bis 10. Mai 2002 zu 50 % arbeitsunfähig, nachher nicht mehr.
Die Arbeitgeberin gab am 2. April 2003 (IV-act. 12) bekannt, die Versicherte sei
vom 8. Januar 2001 bis 31. Dezember 2001 als _ angestellt gewesen. Die Anstellung
sei ihr wegen der Allergie auf Lösungsmittel gekündigt worden. - Gemäss einer
weiteren Arbeitgeberbescheinigung vom 27. Februar 2002 (IV-act. 13) war die
Versicherte zuvor vom 26. Februar bis 30. September 2000 teilzeitlich als _ in einem
_ angestellt gewesen und hatte diese Stelle wegen Rückenproblemen gekündigt (IV-
act. 13-6).
A.c.
Am 28. August 2003 (IV-act. 23) sprach die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
der Versicherten eine Umschulung zur Praxisassistentin zu (vgl. auch IV-act. 17),
welche sie im April 2004 ausgezeichnet abschloss (vgl. IV-act. 30, 31, 35). Die IV-
A.d.
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Berufsberaterin hielt am 29. April 2004 (vgl. IV-act. 31) fest, die Versicherte sei auf
Stellensuche, die allerdings derzeit durch einen akuten Bandscheibenvorfall behindert
werde.
Dr. B._ erklärte im IV-Arztbericht vom 7. September 2004 (IV-act. 39-1 bis 3),
der Zustand der Versicherten sei stationär, sie sei seit dem 5. Mai 2002 zu 50 %
arbeitsunfähig (bei den Diagnosen des Asthma bronchiale, eines chronisch
rezidivierenden lumbovertebralen bis lumbospondylogenen Syndroms und
rezidivierender diffuser Abdominalbeschwerden). - Die Klinik für Neurochirurgie am
Kantonsspital St. Gallen hatte am 5. April 2004 (IV-act. 39-24 f.) ein pseudoradikuläres
Schmerzsyndrom bei St. n. erweiterter Fensterungsoperation nach einer medianen
Diskushernie LWK4/5 von rechts 02/2002 als bei der Versicherten bestehende
Diagnose angegeben. - Die C._-Klinik hatte am 21. Mai 2004 (IV-act. 39-21 ff.)
bekanntgegeben, es bestünden ein chronisch rezidivierendes lumbovertebrales bis
lumbospondylogenes Syndrom sowie ein Dekonditionssyndrom und eine chronische
Pneumopathie (Asthma?). Es bestehe eine auffällige Anamnese (nebst [...]
Suizidversuche in der Pubertät, generelle Neigung zu depressiver Stimmung) als
mögliche Mitursache von genereller Verunsicherung.
A.e.
Am 7. Januar 2005 (IV-act. 44) teilte Dr. B._ auf Anfrage mit, die Versicherte sei
zu einer Leistung von täglich maximal 4.25 Stunden in der Lage, und zwar mit dabei
voller Leistungsfähigkeit. Zurzeit (und bis auf weiteres) sei sie jedoch aus psychischen
Gründen nicht arbeitsfähig. Sie habe sich in der Klinik D._ hospitalisieren lassen und
sei dort vom 11. Oktober 2004 bis 11. Dezember 2004 stationär behandelt worden. Die
kürzlich erfolgte Ehetrennung belaste die Versicherte zusätzlich. - Im beigelegten
Bericht vom 15. Dezember 2004 (IV-act. 44-2 ff.) hatte die Klinik als Diagnosen eine
komplexe posttraumatische Belastungsstörung und eine mittelgradige depressive
Episode genannt. Trotz schwierigster Kindheit und verschiedener traumatisierender
Erfahrungen (u.a. [...], später selber Atemnot und Hyperventilation, IV-act. 44-3) sei die
Versicherte bis zur Retraumatisierung vor zwei Jahren (mit faktischer Verunmöglichung
von Hoffnung; durch die Mitteilung einer nur noch kurzen zu erwartenden Lebenszeit
wegen einer Krebsdiagnose) im Leben ordentlich zurechtgekommen. Seither leide sie
an einer zunehmenden depressiven Störung. Durch eine Begegnung [...] habe sie ein
massives Flashback betreffend ein Erlebnis [...] erlebt. Es mache den Eindruck, der
A.f.
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Ehemann sei ihr eine wichtige Stütze. - Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der
Invalidenversicherung hielt fest, die Versicherte sei seit 5. Mai 2002 zu 50 %
arbeitsunfähig, ab 11. Oktober 2004 (Klinikeintritt) sei die Zustandsverschlimmerung
eingetreten (IV-act. 45).
Auf Anfrage teilte die Versicherte am 4. April 2005 (IV-act. 48) mit, bei voller
Gesundheit wäre sie vollzeitlich erwerbstätig, da die Kinder in einem Alter seien, da sie
damit gut zurecht kämen. Sie lebe gerade mit einem der Kinder bei einer _. Die
geringfügige erforderliche Mithilfe bei dessen Betreuung wäre daher gewährleistet.
Zurzeit mache ihr die thorakolumbale Skoliose bald mehr zu schaffen als es die
Bandscheiben in der LWS täten. Mittlerweise sei sie depressiv geworden; die
Kombination aus Schmerzen und Arbeitslosigkeit belaste sie.
A.g.
Dr. B._ erklärte auf Anfrage am 22. März 2006 (IV-act. 56), eine gewisse, die
Lebensqualität einschränkende psychische Komponente sei weiterhin vorhanden, doch
stehe sie nicht mehr im Vordergrund. Die Versicherte habe aber im November 2005
dennoch angegeben, wegen der völligen Traumatisierung durch die Tumordiagnose im
Endstadium nie wieder als medizinische Praxisassistentin (MPA) arbeiten zu können.
Vordringlich sei wieder die Rückenproblematik. Ob ein operativer Eingriff - der Einsatz
einer Diskusprothese lumbal - erfolgen werde, sei noch unklar. - Dr. med. E._,
Spezialarzt für Physikalische Medizin, spez. Rheumaerkrankungen FMH, hatte am
4. Februar 2006 (IV-act. 56-12 f.) u.a. erklärt, die Versicherte habe am 2. Februar 2006
von tags zuvor aufgetretenen akutesten thorakalen Schmerzen beim Heben berichtet.
A.h.
Am 17. November 2005 (IV-act. 57) hatte eine Abklärung an Ort und Stelle
stattgefunden. Am 7. April 2006 wurde darüber berichtet, die Versicherte habe
angegeben, ihr Befinden werde von den ständig wechselnden Rückenproblemen und
vom Umstand beeinflusst, dass sie nach dem Ausbildungsabschluss keine Stelle als
MPA erhalten habe (sei es wegen fehlender Berufspraxis oder wegen der Anforderung
eines Pensums von 80 bis 100 %). Bei der aktuellen familiären Situation mit dem
Aufgabenbereich als Hausfrau (für die Familie mit dem Ehemann und den beiden
Kindern im _) würde sie ohne gesundheitliche Einschränkung zu 50 oder 60 % einer
ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen. Hierfür bestünde auch eine finanzielle
A.i.
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Notwendigkeit. Der IV-Abklärungsbeauftragte erhob eine Einschränkung im Haushalt
von 26 %.
Nachdem der Versicherten am 29. Juni 2006 (IV-act. 61) mitgeteilt worden war,
dass eine medizinische Begutachtung zu erfolgen habe (vgl. auch Auftrag IV-act. 62),
erklärte sie am 2. August 2006 (IV-act. 65), es werde in den nächsten Wochen die
vorgesehene Operation erfolgen. Dr. med. F._, Facharzt für Wirbelsäulenchirurgie
FMH, hatte am 2. Juni 2006 (IV-act. 63) von einer fortgeschrittenen erosiven
Osteochondrose L4/5 und einem St. n. Diskushernienoperation L4/5 am 22.02.2002
berichtet. Eine Bandscheibenprothese sei indiziert. - Für die Versicherte ersuchte ein
damals bestellter Rechtsvertreter darum, die Begutachtung trotz der auf November
2006 vorgesehenen Operation im September 2006 vorzunehmen (IV-act. 77). Die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle hielt an der zuvor geplanten (IV-act. 76)
Verschiebung fest (IV-act. 79). - _ Dr. med. G._, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Klinik für Orthopädische
Chirurgie am Kantonsspital St. Gallen, gab im IV-Arztbericht vom 8. Januar 2007 (IV-
act. 82, vgl. IV-act. 129-10 f.) an, es liege eine Osteochondrose L4/5 mit medialer
Diskushernie mit Nervenwurzelkompression der Wurzel L5 bds. vor. Ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit sei ein St. n. Laminektomie, Nukleotomie und Ausräumung des
Zwischenwirbelraums L4/5 von rechts in mikrochirurgischer Technik vom 22.02.2002.
Die Versicherte sei für etwa sechs Monate ab der Operation vom 9. November 2006
(Implantation einer Bandscheibenprothese) zu 20 % arbeitsunfähig. - Am 30. Januar
2007 (IV-act. 84) erklärte die Klinik für Orthopädische Chirurgie am Kantonsspital
St. Gallen (_ Dr. G._), die Versicherte berichte weiterhin über persistierende
Beschwerden im Bereich des linken Fusses (wie Überwärmungsgefühl und
Hypersensibilität), sei ansonsten mit dem Ergebnis der Implantation aber sehr
zufrieden.
A.j.
Am 19. Juli 2007 (IV-act. 91) erstattete die Academy of Swiss Insurance Medicine
am Universitätsspital Basel (asim) ihr Gutachten. Es lägen bei der Versicherten als
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches lumbospondylogenes
Syndrom links (verkürzt wiedergegeben), eine Dysthymia und ein St. n. komplexer
posttraumatischer Belastungsstörung, gegenwärtig remittiert, vor. Als medizinische
Praxisassistentin und in sämtlichen körperlich leichten Tätigkeiten ohne Heben und
A.k.
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Tragen von Lasten, ohne Verrichtung in wirbelsäulenbelastenden Zwangspositionen,
ohne rumpfrotierende Stereotypien und ohne Tätigkeiten im Überkopfbereich sei die
Versicherte an 4.2 Stunden pro Tag, entsprechend 50 %, arbeitsfähig. Die
entsprechende Arbeitsunfähigkeit sei spätestens 2004 eingetreten. Aufgrund der
schweren depressiven Symptomatik dürfte sie zwischenzeitlich höher gewesen sein.
Die bei der Haushaltabklärung ermittelte Einschränkung sei nachvollziehbar, da die
Durchführung körperlich belastender oder in Zwangspositionen zu tätigender
Verrichtungen teilweise nicht möglich oder erschwert sei, wofür auch die freie
Einteilbarkeit keinen völligen Ausgleich zu schaffen vermöge. Insgesamt bestehe
rheumatologisch eine verminderte Belastbarkeit der Wirbelsäule für körperlich schwere
Tätigkeiten, insbesondere in Zwangspositionen. Psychiatrisch sei ein depressiver
Residualzustand im Sinn einer Dysthymie feststellbar. Dabei handle es sich um eine
chronische Gemütsverstimmung, die jedoch nicht konstant vorhanden sei. Gegenüber
dem Zustand gemäss Vorberichten habe sich insbesondere die psychiatrische
Situation deutlich gebessert (vgl. IV-act. 89-15). Im psychiatrischen Teil war aufgrund
der Dysthymie eine Arbeitsunfähigkeit von rund 25 % (IV-act. 91-6), im
rheumatologischen rein diesbezüglich eine Arbeitsfähigkeit von zumindest 50 % (IV-
act-90-5) angegeben worden.
Der damalige Rechtsvertreter der Versicherten machte am 23. August 2007 (IV-
act. 98) geltend, sie wäre bei voller Gesundheit vollzeitlich erwerbstätig. Wegen einer
schweren depressiven Störung sei sie spätestens ab Oktober 2004 und bis mindestens
Juli 2006 voll erwerbsunfähig gewesen. - Am 5. September 2007 (IV-act. 99) berichtete
die Versicherte, sie habe ab 1. Juni 2007 eine Praktikumsstelle und anschliessend eine
Festanstellung (als Sachbearbeiterin) mit einem Pensum von 30 % gefunden. Ein
höheres Pensum sei ihr nicht möglich.
A.l.
Am 1. Oktober 2007 (IV-act. 108) stellte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
eine Ablehnung des Rentenanspruchs der Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von
10.4 % in Aussicht (Einschränkung im Haushalt 26 %, bezogen auf 40 %, im Erwerb
null). Zumutbar wäre der Versicherten ein Pensum von 50 % als MPA. Nach einem
Einwand des damaligen Rechtsvertreters vom 2. November 2007 (IV-act. 111;
beantragt ganze Rente von Mai 2004 bis mindestens Dezember 2006, danach halbe
Rente bei 58 % Invalidität als Vollerwerbstätige) sprach die IV-Stelle der Versicherten
A.m.
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B.
mit Verfügung vom 11. Februar 2008 (IV-act. 118) für die Zeit vom 1. Oktober 2005 bis
31. Dezember 2006 befristet eine ganze Rente zu. Die Versicherte sei als zu 40 % im
Haushalt und zu 60 % im Erwerb tätige versicherte Person zu betrachten. Im Haushalt
habe eine Einschränkung von 26 %, im Erwerb von Oktober 2004 bis Dezember 2006
eine solche von 100 % bestanden (Valideneinkommen Fr. 24'067.--,
Invalideneinkommen null), womit sich ein Invaliditätsgrad von rund 70 % (0.4x 26 %
zuzüglich 0.6x 100 %) ergebe. Davor (sc. und danach) habe die Einschränkung 10 %
betragen (vgl. auch IV-act. 115).
Am 19. August 2011 (IV-act. 119) teilte die Versicherte der Sozialversicherungs
anstalt/IV-Stelle mit, seit April 2011 lebe sie vom Ehemann getrennt und habe weder
Betreuungsaufgaben zu erfüllen noch einen Familienhaushalt zu führen, sondern wäre
vollzeitlich erwerbstätig. Sie beantrage eine Rente. Seit der Rentenzusprache habe sich
ihr Gesundheitszustand stetig verschlechtert. Seit Juni 2009 sei sie zu 40 % bei ihrer
_ angestellt. - Am 6./16. September 2011 (IV-act. 122) reichte sie ein neues IV-
Anmeldeformular ein. Sie habe einen schweren Unfall mit offenen Schädelfrakturen
erlitten (sc. wohl ehemals, ca. 1972, IV-act. 91-3). Am 8. September 2011 (IV-act. 126)
füllte sie einen Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt
aus und gab dabei an, wegen ihrer "Scheidung" müsse sie für sich selbst aufkommen.
Körperliche Tätigkeiten würden Schmerzen auslösen. Sie habe auch alle körperlich
beanspruchenden Hobbys aufgeben müssen. Am 25. Oktober 2011 (IV-act. 129)
gingen nach Aufforderungen (erstmals vom 24. August 2011, IV-act. 121), eine
relevante Veränderung glaubhaft zu machen, Unterlagen von ihr ein. - So hatte die
Klinik für Orthopädische Chirurgie am Kantonsspital St. Gallen (_ Dr. G._) am
17. März 2009 (IV-act. 129-5 f.) von einer deutlichen Beschwerdebesserung und einem
unauffälligen CT-Befund (LWK1 - LWK5) berichtet. - Die _ und Arbeitgeberin hatte
am 20. Oktober 2011 (IV-act. 129-2 f.) erklärt, die Versicherte stehe bei ihr seit Beginn
des Jahres 2005 in Langzeitbehandlung. Im Jahr 2009 sei wegen einer Blasenstörung
und Funktionsstörung linkes Bein bei Verdacht auf Protheseninstabilität eine
Spinalkanalpunktion durchgeführt worden. Nach dieser Verschlechterung habe es eine
Verbesserung gegeben und die Versicherte habe eine RAV-Weiterbildung besucht;
seither habe sie vermehrt Sensibilitätsstörungen und Kraftverlust im linken Bein. Im
B.a.
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C.
Juni 2009 habe sie die Versicherte mit einer besonderen Arbeitsvereinbarung
eingestellt. Im Herbst 2010 und nochmals zu Beginn von 2011 seien
Verschlechterungen eingetreten (vermehrte Schmerzen und Bewegungsverlust im
thorakalen und cervikalen Bereich, zunehmende Cervikalgie, lumbale
Sensibilitätsstörungen, vermehrte Kribbelparästhesien, Temperaturstörungen,
Schwellungen und Schmerzen, weniger Reichweite beim Gehen). Das Arbeitspensum
sei deswegen auf 40 % herabgesetzt worden. - Dr. med. H._, Facharzt FMH für
Innere Medizin, hatte am 23. Oktober 2011 (IV-act. 129-1) erklärt, die Entwicklung der
Rückenproblematik und die IV-Abklärungen (Gutachten und Entscheide) seien ihm
nicht bekannt gewesen; er sei erst seit Ende 2006 Hausarzt der Versicherten. Die
Anstellung zu 40 % sei ideal. - Der RAD hielt am 9. Dezember 2011 (IV-act. 130) dafür,
es fänden sich in den eingelegten Berichten keine neuen Funktionseinbussen. Eine
Verschlechterung sei nicht ausgewiesen. - Ein IV-Sachbearbeiter hielt am
19. Dezember 2011 (IV-act. 132) dafür, es sei nachvollziehbar, dass die Versicherte nun
zu 100 % einer Erwerbstätigkeit nachgehen müsste.
Nach einem Vorbescheid vom 20. April 2012 (IV-act. 136 f.) sprach die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 29. Juni 2012
(IV-act. 141) ab 1. April 2012 eine halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 50 %
(Valideneinkommen Fr. 65'520.--, Invalideneinkommen Fr. 32'760.--) zu. Sie (die
Versicherte) sei seit April 2011 (Getrenntleben, Statusänderung), dem Beginn der
Wartezeit, erheblich in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Ab diesem Zeitpunkt würde
sie als Gesunde einer Vollzeiterwerbstätigkeit nachgehen (vgl. IV-act. 138). Die
medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass ihr eine Tätigkeit als MPA und eine
adaptierte Tätigkeit weiterhin zu 50 % zumutbar seien. Sie (die IV-Stelle) stütze sich
diesbezüglich auf den Arbeitsvertrag der Versicherten vom 2. August 2011 als MPA im
Rahmen dieses zumutbaren Pensums von 50 % (vgl. IV-act. 120; dort: flexibel,
maximal 40 %).
B.b.
In einem Fragebogen zur Revision der Rente (IV-act. 143) gab die Versicherte am
28. April 2014 an, ihr Gesundheitszustand sei gleich geblieben. Sie sei weiterhin bei der
_ angestellt. Im Jahr 2013 habe sie ein Einkommen von Fr. 46'347.-- erworben
C.a.
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(offenbar gemeint samt Rente und Unterhalt, vgl. IV-act. 154-2). - Dr. H._ gab im IV-
Verlaufsbericht vom 6. Juni 2014 (IV-act. 147) an, der Gesundheitszustand der
Versicherten sei stationär. Im Januar 2014 habe bei progredienter Claudicatio spinalis
und Lumboischialgie bds. eine Facettengelenkinfiltration L3/4 und L4/5 durchgeführt
werden müssen. Mit der Anstellung zu 40 % im administrativen Bereich sei die
Versicherte beruflich ideal integriert. - Die Klinik für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates am Kantonsspital St. Gallen gab am 19. Juni
2014 (IV-act. 148) bekannt, die Versicherte sei am 20. November 2012 letztmals in der
Wirbelsäulensprechstunde gewesen. Damals habe sie vom Auftreten einer
Blasenschwäche im Jahr 2009 berichtet. In einer damaligen Myelographie habe bei nur
mässiger Bandscheibenprotrusion L5/S1 keine Kompression nachgewiesen werden
können. Die Versicherte habe weiter angegeben, seither (seit 2009) seien die
Beinschmerzen mit Ausstrahlung deutlich progredient und sie habe die Berufstätigkeit
bereits zu 50 % reduziert. Bei dem (im November 2012 angefertigten) Myelo-CT habe
sich daraufhin keine erklärende Neurokompression gezeigt. Diagnostisch/therapeutisch
seien damals (im November und Dezember 2012) Infiltrationen gemacht worden. Am
20. Januar 2014 sei dann nach telefonischer Anmeldung durch den Hausarzt die
Indikation zur Facettengelenksinfiltration (wiederum L3/4 und L4/5) gestellt und diese
(sc. im Januar 2014) problemlos durchgeführt worden. Weitere Kontrollen seien nur bei
Bedarf geplant. - Am 23. Juli 2014 (IV-act. 150) teilte die Sozialversicherungsanstalt/IV-
Stelle des Kantons St. Gallen der Versicherten mit, bei der Überprüfung des
Invaliditätsgrads sei keine rentenrelevante Änderung festgestellt worden.
Anlässlich einer weiteren Rentenrevision erklärte die Versicherte im Fragebogen
vom 20. Juli 2017 (IV-act. 154), sie sei seit Dezember 2016 geschieden. Ihr
Gesundheitszustand habe sich seit zwei bis drei Jahren verschlechtert. Nebst den
schlimmer gewordenen Rückenschmerzen (es seien mehrere Infiltrationen erfolgt) seien
Schulter-/Nackenbeschwerden und eine Fibromyalgie diagnostiziert worden. Sie
arbeite weiterhin zu 50 %.
C.b.
Dr. med. I._, Facharzt FMH für Psychiatrie/Psychotherapie und für
Allgemeinmedizin, gab in einem IV-Verlaufsbericht vom 10./15. August 2017 (IV-
act. 156, unter Mitwirkung von Psychotherapeutin J._, vgl. IV-act. 238; Behandlung
seit August 2016, IV-act. 192-3) bekannt, es liege bei der Versicherten eine
C.c.
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rezidivierende depressive Störung vor, und zwar sei das von Juli 2016 bis April 2017
der Fall gewesen, gegenwärtig sei sie remittiert. Psychiatrisch betrachtet gebe es keine
Befunde, die auf eine verminderte Arbeitsfähigkeit hindeuteten. Derzeit sei die
Versicherte an der Arbeitsstelle nicht beeinträchtigt, doch gebe es zunehmend Phasen
deutlich stärker ausgeprägter Schmerzen. In den depressiven Phasen sei nur eine
Arbeitsfähigkeit von 50 % möglich. Das Pensum von 50 % sei gewählt wegen des
Bedarfs an längeren Ruhephasen aus somatischen Gründen und sei zurzeit noch
angemessen (es werde an vier Tagen pro Woche ohne verminderte Leistungsfähigkeit
geleistet). Die Versicherte neige dazu, ihre körperlichen Beschwerden sehr lange
auszuhalten, bis sie Unterstützung oder Abklärungen beanspruche oder Medikamente
einnehme. Die Selbstfürsorge setze häufig zu spät ein. Es sei davon auszugehen, dass
die Schmerzerkrankung zunehmen werde. - Die Klinik für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates am Kantonsspital St. Gallen gab am
30. August 2017 an, die Versicherte sei seit November 2015 nicht mehr da gewesen
(IV-act. 161). - Dr. H._ berichtete am 1. September 2017 (IV-act. 164), er habe die
Versicherte seit Juli 2014 nur noch einmal, am 28. August 2015, gesehen. - Dr. B._
erklärte am 16. November 2017, den Verlaufsbericht nicht ausfüllen zu können, weil die
Versicherte nicht für das rentenbegründende Leiden in Behandlung sei (IV-act. 167). -
Die Arbeitgeberin (und _) hatte in einer Arbeitgeberbescheinigung vom 29. August
2017 (IV-act. 163) erklärt, die Versicherte sei zu maximal 50 % angestellt. Mehr sei
nicht möglich; sie könne nicht länger sitzen. In den Jahren 2014 bis 2016 habe sie je
1008 Arbeitsstunden geleistet. Der Jahreslohn betrage seit Januar 2015 Fr. 34'944.--.
Ohne Gesundheitsschaden würde sie Fr. 69'888.-- verdienen.
Am 20. Dezember 2017 (IV-act. 168) teilte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
der Versicherten mit, es sei eine polydisziplinäre medizinische Untersuchung
erforderlich. Diese erklärte im Dezember 2017 (IV-act. 170 f.), sie werde ab 2. Januar
2018 für vier Wochen stationär in die Klinik K._ eintreten.
C.d.
Die Klinik K._ berichtete dem zuweisenden Dr. B._ am 22. Februar 2018 (IV-
act. 172) über den Klinikaufenthalt der Versicherten vom 2. bis 29. Januar 2018. Als
Diagnosen vermerkte sie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel
gradige Episode, dissoziative Störungen gemischt, ein COPD, ein V.a. ein
Reizdarmsyndrom, eine kleine Hiatushernie, eine Sigmadivertikulose,
C.e.
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Bandscheibenprothesen L4/5 2006 und eine Sequestrektomie L4/5 rechts 2002. Der
medizinische Verlauf sei komplikationslos gewesen. Die geklagten Beschwerden
(Todesängste, bedrückte Stimmung, Müdigkeitsgefühle, Anspannung, sozialer
Rückzug, Schlafstörungen usw.) hätten sich verbessert. Die Versicherte sei bis zum
11. Februar 2018 arbeitsunfähig gewesen.
Am 15. Mai 2018 erstatteten die medexperts das polydisziplinäre Gutachten (IV-
act. 183; Begutachtung am 16. und 17. April 2018). Als Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit seien einerseits dissoziative Störungen gemischt und anderseits
chronische rezidivierende Lumboischialgien bei Status nach Sequestrektomie L4/5
rechts 2002 und Bandscheibenprothese auf gleicher Höhe 2006 festzustellen. Ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig remittiert, akzentuierte Persönlichkeitszüge, eine leichte Periarthropathia
humeroscapularis der Supraspinatussehne rechts, ein chronischer Nikotinabusus und
rezidivierende Reizdarmbeschwerden. Die Versicherte sei in der als adaptiert zu
betrachtenden Tätigkeit als MPA zu 20 % arbeitsunfähig, spätestens ab dem
Gutachtenszeitpunkt. Im Gesundheitszustand hätten sich Änderungen gefunden, somit
auch Änderungen in den Diagnosen. Neu liege seit 2017 eine dissoziative Symptomatik
vor.
C.f.
Die Klinik für Neurologie am Kantonsspital St. Gallen hatte am 19. Dezember 2017
(IV-act. 184 [kein Eingangsdatum ersichtlich] und IV-act. 192-8 ff.) nach einer Hospitali
sation der Versicherten vom 1. bis 7. Dezember 2017 (die Versicherte habe sich
notfallmässig vorgestellt) als Diagnosen rezidivierend auftretende multifokale
Dysästhesien und brennende Parästhesien ED 10/2017, eine mittelschwere depressive
Episode mit somatoformer Schmerzstörung ED 12/2017 und chronische Lumbalgien
bei St. n. Bandscheibenprothesen L4/5 2006 angegeben. Weder anamnestisch noch
klinisch-neurologisch noch in einer ausführlichen Zusatzdiagnostik habe ein
pathologischer Befund erhoben werden können. Es sei daher von einer funktionellen
Ätiologie bzw. einer Somatisierungsstörung im Rahmen der von der Psychosomatik
bestätigten depressiven Störung auszugehen.
C.g.
Der Rechtsdienst der Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle hielt am 14. Juni 2018
(IV-act. 185) dafür, vor der Mitteilung vom 23. Juli 2014 seien Arztberichte eingeholt
C.h.
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worden, so dass die Mitteilung den Referenzzeitpunkt bilde. Ab Oktober 2017 sei neu
eine dissoziative Störung dazugekommen, die sich knapp wesentlich, nämlich mit
20 %, auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Angesichts dieses Revisionsgrunds sei eine
vollumfänglich neue Prüfung und eine anpassungsmässige Renteneinstellung
vorzunehmen.
Mit Vorbescheid vom 19. Juni 2018 (IV-act. 189) kündigte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Versicherten eine Aufhebung der Rente an.
C.i.
Am 16. August 2018 (IV-act. 190) reichte die Versicherte ein neues
Anmeldeformular vom 4. Juni 2018 (IV-act. 191) ein. Sie sei vom 1. Juni 2009 und noch
bis zum 31. August 2018 zu 50 % als Sekretärin angestellt. - Mit Schreiben vom
22. August 2018 (IV-act. 192) erhob sie unter Beilage diverser Berichte Einwand gegen
den Vorbescheid und beantragte eine ergänzende Begutachtung oder ein Beibehalten
der halben Rente sowie Mithilfe und Unterstützung bei der Wiedereingliederung in den
Arbeitsmarkt. Der Gutachter der Rheumatologie und der Allgemeinen Inneren Medizin
sei nicht darüber informiert gewesen, dass sie im Dezember 2017 eine Woche lang im
Spital gewesen sei, und er habe erklärt, die entsprechenden Unterlagen noch
anzufordern. Die Begutachtung sei auch nach 45 Minuten schon beendet gewesen. Sie
habe bereits seit einigen Jahren grosse Probleme mit dem Rücken und habe deswegen
eine Rente zugesprochen erhalten. Mit jedem Jahr seien die Probleme intensiver
geworden und es seien weitere Diagnosen dazukommen, wie etwa eine Fibromyalgie,
ein stetiger Schwindel, Kopfschmerzen, Schulterbeschwerden. Aus Angst vor
Stellenverlust habe sie sich trotzdem durch ihr Arbeitspensum von 50 % gekämpft.
Wegen ihrer derzeitigen Erkrankung und der Verschlechterung des Rückenleidens habe
sie die Stelle, welche sie nur dank dem kulanten Einräumen von freien Tagen bei
Verschlechterungen habe ausüben können, nun nach zehn Jahren auf Ende des
Monats verloren. Sie habe sich auch immer wieder Infiltrationen unterzogen; diese
würden nur noch teilweise helfen und zuletzt sei es zu einer Überreaktion gekommen.
Bei der Begutachtung (genannt werden ursprünglich vorgesehener Psychiater und
ursprünglicher Termin) habe es geschienen, dass sich die dissoziative Störung bessere,
und sie sei wieder zu 25 % teilarbeitsfähig gewesen, doch kurz danach habe sich die
Störung wieder verschlechtert. Seit 7. Mai 2018 sei sie wieder voll arbeitsunfähig, wie
sich aus einem beigelegten Bericht des Psychiaters ergebe. - Diesem Bericht vom
C.j.
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12./13. Juli 2018 (IV-act. 192-3 ff.) von Dr. I._/J._ war zu entnehmen, dass seit
Aufnahme der Behandlung am 4. August 2016 65 psychotherapeutische und zwei
psychiatrische Sitzungen stattgefunden hätten. Bei einem Spitalaufenthalt vom
Dezember 2017 seien somatische Korrelate für die geklagten Beschwerden
(Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle, Vertigo, Gangunsicherheit, Tremor)
ausgeschlossen worden. Die Versicherte habe schon auf Mai 2018 die Kündigung
erhalten. Im Juli 2018 sei eine neue traumatische Erfahrung im Familiensystem
aufgetreten. Diagnostisch lägen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradig, mit funktionellen Störungen, und eine dissoziative Störung gemischt vor.
Die Versicherte sei zurzeit psychiatrisch betrachtet nicht arbeitsfähig.
Auf Vorlage des Einwands erklärten die medexperts am 1. Oktober 2018 (IV-
act. 198), im Bericht von Dr. I._ fänden sich im psychopathologischen Status keine
ausführlichen Anhaltspunkte für die Diagnose einer mittelgradigen depressiven
Episode. Es würden auch keine detaillierten Funktionseinschränkungen dargelegt,
welche die postulierte volle Arbeitsunfähigkeit begründen könnten.
C.k.
Die Klinik K._ gab in einem Austrittsbericht vom 13. November 2018 (IV-act. 205;
über einen Aufenthalt der Versicherten vom 24. September 2018 bis 20. Oktober 2018)
bekannt, es lägen (psychiatrisch gesehen) eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode, und dissoziative Störungen (Konversionsstörungen)
gemischt vor. Im Lauf von 2018 habe die Versicherte erneute psychosoziale
Belastungen erlebt (Kündigung, Ankündigung Renteneinstellung, Verlust [...]). Bei
Eintritt hätten auf Symptomebene starke Erschöpfungsgefühle und Müdigkeit, geringe
Belastbarkeit, Stimmungsschwankungen, Zukunftsängste und zeitweise ein diffuses
Angstgefühl, Schamgefühle, innere Unruhe bei depressiver Stimmungslage und
dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen (schwere Beine
Taubheitsgefühle, Schwindel), verstärkt bei emotionaler Belastung, im Vordergrund
gestanden. Es habe im Verlauf eine erfreuliche Stabilisierung des psychischen und
physischen Zustandsbildes erzielt werden können.
C.l.
Auf einen zweiten Vorbescheid vom 14. Dezember 2018 (IV-act. 210) hin
(weiterhin Festhalten an der Renteneinstellung) wurde eine Stellungnahme von
Dr. I._/J._ vom 10. Januar 2019 (IV-act. 214) eingereicht. Darin war eine
C.m.
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umfassende gutachterliche Neubeurteilung beantragt worden. Aus therapeutischer
Sicht betrage die Arbeitsunfähigkeit derzeit 100 %. Konversionssymptome von Angst
und Depression würden sich in somatischen Beschwerden (wie Appetitstörungen, Ein-
und Durchschlafstörungen, Verstärkung diverser Schmerzen, Vertigo, temporärem
Tinnitus, psychogenen Ohnmachtsanfällen, Augenzittern, muskulären Zuckungen und
Sensibilitätsstörungen, Herzrasen, Beklemmungsgefühlen, Teillähmungserscheinungen)
eruieren lassen (vgl. IV-act. 214-1 f.). Die Diagnosen einer mittelgradigen depressiven
Episode und einer gemischten dissoziativen Störung seien unzureichend, da sie die
Persönlichkeitsentwicklung und die Traumatisierungen nicht berücksichtigten. Es
müsse vielmehr zusätzlich von einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung
ausgegangen werden. Die schwer belastenden Ereignisse müssten als
Störungsauslöser gewertet werden (vgl. IV-act. 214-5). Bei einem so komplexen
Krankheitsverlauf lasse eine gutachterliche Abklärung von 75 Minuten Dauer unmöglich
korrekte Schlussfolgerungen zu, zumal die Versicherte eine hohe Dissimulation mit
starker Tendenz zum Verbergen ihrer Funktionsstörungen zeige, durch welche sie das
Umfeld blende (vgl. IV-act. 214-6). - Am 12. Februar 2019 (IV-act. 219) wurde der
Rechtsvertretung der Versicherten die vorgesehene Verlaufsbegutachtung angezeigt,
am 19. Februar 2019 (IV-act. 223), dass die medexperts eine ergänzende
neuropsychologische Begutachtung als notwendig erachteten.
Am 27. August 2019 (IV-act. 231) erstatteten die medexperts das Gutachten, das
aus einer psychiatrischen Verlaufsbegutachtung durch den gleichen Gutachter wie im
April 2018 (Dr. med. univ. L._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie) und aus
einem neuropsychologischen Teilgutachten (vgl. IV-act. 232, von dipl. psych. M._,
Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP) besteht. Als Hauptdiagnose wurden darin
dissoziative Störungen gemischt genannt. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert, und akzentuierte
Persönlichkeitszüge. Es bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80 % für die bisherige und
für eine adaptierte Tätigkeit. Die Arbeitsunfähigkeit von 20 % sei durch Limitationen
(Durchhaltefähigkeit) bedingt. Für die Zeit von August 2018 bis Dezember 2018 sei von
einer vollen Arbeitsunfähigkeit und von Januar 2019 bis Mai 2019 von 50 %
Arbeitsunfähigkeit auszugehen. In der neuropsychologischen Testung habe sich eine
schwankende und überwiegend verminderte Leistungsbereitschaft gezeigt. Die
C.n.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 16/33
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D.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Martin Boltshauser,
Procap Schweiz, für die Betroffene am 27. November 2019 erhobene Beschwerde. Der
Rechtsvertreter beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei der
Beschwerdeführerin weiterhin eine halbe Invalidenrente auszurichten, eventualiter sei
Ergebnisse in sämtlichen formalisierten Beschwerdevalidierungsverfahren hätten
konvergent auf ein suboptimales bzw. unzureichendes Leistungsverhalten bzw. eine
solche Leistungsbereitschaft und auf eine übertriebene Beschwerdedarstellung
hingewiesen. Negative Antwortverzerrungen im Sinn einer bewussten Selbstlimitierung
und einer übertriebenen Beschwerdeschilderung seien positiv belegbar. In der
gutachterlichen Zusammenschau hätten sich wahrscheinliche Aspekte für eine nicht-
authentische Beschwerdeschilderung ergeben (vgl. IV-act. 231-19 f.).
Nachdem mit Vorbescheid vom 9. September 2019 (IV-act. 235) an einer
Einstellung der Rente bei einem Invaliditätsgrad von 20 % (Valideneinkommen
Fr. 71'366.--, Invalideneinkommen Fr. 57'093.--) festgehalten worden war, wandte eine
Geschäfts- und regionale Fachstelle der procap für die Versicherte am 11. Oktober
2019 (IV-act. 241) ein, die halbe Rente habe auf einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % aus
einzig somatischen Gründen gemäss einem asim-Gutachten basiert. Der medexperts-
Gutachter der Rheumatologie habe stattdessen unzutreffenderweise dafürgehalten,
bereits 2007 seien die psychischen Faktoren massgebend gewesen. Daher sei
derselbe rheumatologische Sachverhalt lediglich anders eingeschätzt worden. Aus
psychiatrischer Sicht seien mit 25 % und 20 % beide Begutachtungsstellen von einer
ähnlichen Arbeitsunfähigkeit - bei unterschiedlichen Diagnosen - ausgegangen. Bei
gleichen somatischen Diagnosen sei weiterhin auf die Einschätzung des asim-
Gutachtens abzustellen, da sich keine gesundheitliche Verbesserung ergeben habe.
C.o.
Am 28. Oktober 2019 (IV-act. 243) verfügte die Sozialversicherungsanstalt/IV-
Stelle die Einstellung der Rente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung
folgenden Monats. Der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich durch das
Hinzukommen der dissoziativen Störung wesentlich verändert. Damit sei ein
Revisionsgrund ausgewiesen und es habe eine vollumfängliche Prüfung der Invalidität
zu erfolgen.
C.p.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 17/33
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die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich MWSt). Nach
Auffassung der Beschwerdeführerin liege kein Revisionsgrund im Sinn von Art. 17
ATSG vor. Der erforderliche Vergleich sei unbestrittenermassen zum asim-Gutachten
von 2007 zu ziehen, obwohl die Zusprache der Rente erst im Jahr 2012 erfolgt sei.
Dabei falle auf, dass die Diagnosen geändert hätten, während aber die Beschwerden
im Wesentlichen dieselben geblieben seien. 2018 sei das psychiatrische
Beschwerdebild unter den Begriff einer dissoziativen Störung subsumiert und es sei als
fraglich bezeichnet worden, ob die ehemals diagnostizierte komplexe posttraumatische
Belastungsstörung vorgelegen habe. Als ursächlich für die dissoziative Störung seien
klar interpersonelle Probleme angegeben bzw. sei der Umstand bezeichnet worden,
dass diese sich als reaktive Muster auf bisherige Belastungen gezeigt hätten. Die
unterschiedlichen Gutachterstellen hätten somit dieselbe Problematik und dieselben
Beschwerden diagnostisch anders erfasst. Dr. I._ habe am 10. Januar 2019
wiederum von einer exazerbierten Symptomatik einer posttraumatischen
Belastungsstörung berichtet. Die Einordnung sei letztlich eine rein dogmatische Frage.
Jedenfalls seien aber der Gesundheitszustand und das Beschwerdebild unverändert.
Wie der Gutachter der Rheumatologie und der Inneren Medizin der medexperts
ausdrücklich festgehalten habe, gelte das auch für den somatischen
Gesundheitszustand. Daher bestehe weiterhin Anspruch auf die Ausrichtung der
bisherigen Rente. Es leuchte nicht ein, weshalb sich bei unverändertem medizinischem
Sachverhalt die Arbeitsfähigkeit verändert haben sollte. Die Abweichung von den
früheren 50 % zu neu 20 % Arbeitsunfähigkeit sei denn auch nirgends begründet
worden. Im Verlaufsgutachten (vom August 2019) von Dr. L._ und M._ sei
sinngemäss ausgeführt worden, die Arbeitsfähigkeit habe nebst genannten Ausnahmen
stets 80 % betragen. Somit hätten die medexperts-Gutachter die Arbeitsfähigkeit bei
gleich gebliebenem Sachverhalt anders eingeschätzt als die Gutachter des asim. Die
Arbeitsfähigkeit habe sich nicht verändert und eine nachvollziehbare Begründung für
die andere Beurteilung liege nicht vor. Die Rente dürfe daher nicht in Revision gezogen
werden.
E.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 11. Februar 2020 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Gemäss dem Gutachten der medexperts von 2018
habe sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der Erstbegutachtung
tatsächlich geändert, weshalb auch eine abweichende Diagnose gestellt worden sei.
Zudem seien danach schon im Erstgutachten psychische Faktoren für die
rheumatologische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auf 50 % entscheidend gewesen.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/33
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Auch die (sc. rheumatologische) Einschätzung von 2018 sei unter Bezugnahme auf die
psychiatrische Beurteilung erfolgt. Aus der Sicht des RAD sei klar, dass bei der
Erstbegutachtung 2007 die Dysthymia in die rheumatologische Einschätzung
eingeflossen sei. Das subjektive Schmerzerleben sei damals durch dieses Leiden
verstärkt worden. Vorwiegend dieses Schmerzerleben habe die rheumatologisch
bedingte Arbeitsunfähigkeit bestimmt. Eine affektive Störung liege nun nicht mehr vor.
Gemäss aktueller Diagnose könne den psychischen Beeinträchtigungen kein so
erheblicher Einfluss auf das somatische Beschwerdebild zuerkannt werden. Denn
dissoziative Zustände könnten, weil sie bewusstseinsfern seien und unvermittelt
aufträten, nicht vorhergesehen werden und führten daher im Unterschied zu einer
dauerhaften Dysthymia nicht zu einer Schmerzverstärkung. Die Ausführungen des RAD
seien juristisch schlüssig. Es lägen unterschiedliche medizinische Diagnosen bzw.
Beschwerden vor, deren Auswirkungen auf das Schmerzempfinden und somit auf das
somatische Beschwerdebild erheblich voneinander abwichen. Von einer lediglich
unterschiedlichen Beurteilung könne nicht gesprochen werden. Sollte das Gericht die
Voraussetzungen einer materiellen Revision nicht als erfüllt betrachten, sei die
angefochtene Verfügung mit der substituierten Begründung der zweifellosen
Unrichtigkeit der ursprünglichen Verfügung zu schützen. Im Erstgutachten sei
vorwiegend und - derzeit nicht erklärbar - vorbehaltlos auf die subjektiven Äusserungen
der Beschwerdeführerin abgestellt worden, an denen aus aktueller Sicht erhebliche
Zweifel bestünden. Die Beschwerdeführerin zeige beim Bericht über ihre Traumata
keine affektiven oder physiologischen Reaktionen. Die Ergebnisse der formalisierten
Beschwerdenvalidierung hätten auf ein suboptimales Leistungsverhalten und eine
übertriebene Beschwerdedarstellung hingewiesen. Auf das Gutachten von 2007 hätte
nicht abgestellt werden dürfen. Die Verfügung vom 29. Juni 2012 sei daher zweifellos
unrichtig. Nicht nur bei der Erstbegutachtung, sondern auch bei den Begutachtungen
von 2018 und 2019 seien die geschilderten Beschwerden im Übrigen kaum
objektivierbar gewesen. Eine Revision des Rentenanspruchs hätte demnach allenfalls
auch aufgrund der geänderten Rechtsprechung, wonach das strukturierte
Beweisverfahren bei sämtlichen psychischen Leiden anzuwenden sei, geprüft werden
müssen. Die dabei 2018/2019 getroffene gutachterliche Einschätzung einer
Arbeitsunfähigkeit von 20 % sei nachvollziehbar begründet und schlüssig.
F.
Mit Replik vom 11. März 2020 lässt die Beschwerdeführerin daran festhalten, dass ihr
Gesundheitszustand sich nicht wesentlich verändert habe. Die Gutachter der
medexperts würden eine solche Veränderung nirgends explizit erwähnen. In
somatischer Hinsicht werde sogar ausdrücklich dargelegt, es habe sich keine
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 19/33
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Veränderung ergeben. Einzig der Gutachter der Psychiatrie stelle infolge einer anderen
Interpretation andere Diagnosen. In diesem Bereich bestehe aber naturgemäss ein
grösserer Spielraum für die ärztliche Beurteilung, der gemäss der Rechtsprechung
(Bundesgerichtsurteil vom 3. Mai 2013, 9C_698/2012 E. 2.2) nicht zum Anlass einer
Rentenrevision genommen werden dürfe. Ausserdem seien die psychiatrischen
Beschwerden damals wie derzeit für die Berentung nicht primär ausschlaggebend
gewesen. Die somatischen Beschwerden seien unverändert. Dass keine Veränderung
vorliege, sei auch der Beschwerdegegnerin bekannt, habe sie doch in einem
Besprechungsprotokoll erklärt, es fehlten "aus juristischer Sicht (...) nun medizinische
Argumente einer wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes", weshalb sie
nach Rücksprache mit dem Rechtsdienst eine interdisziplinäre Besprechung bezüglich
des weiteren Vorgehens einberufen habe. Die beiden beteiligten RAD-Ärzte, ein
Facharzt für Chirurgie und ein solcher für Psychiatrie und Psychotherapie, seien
fachlich nicht befähigt, abschliessend zum Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin Stellung zu nehmen. Zum einen lägen rheumatische und nicht
chirurgische Beschwerden vor, zum andern fehle die interdisziplinäre Betrachtung, sei
doch die Stellungnahme des RAD-Psychiaters für sich allein, ohne eine
nachvollziehbare und fachärztliche Einschätzung zum somatischen Zustand, nicht
beweiswertig. Des Weiteren gehe es nicht an, zum Beweisthema einer Veränderung
zunächst ein Gutachten einzuholen, und dann bei unpassendem Ergebnis die Frage
durch den RAD beantworten zu lassen und auf dessen abweichende Stellungnahme
abzustellen. Wäre die Beschwerdegegnerin der Ansicht, das Gutachten äussere sich
nicht abschliessend zum Beweisthema, hätte sie ein neues Gutachten einholen oder
erneut Ergänzungsfragen stellen müssen. Denn diesfalls mangle es am erforderlichen
Beweiswert (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 5. September 2014, 8C_168/2014, E. 4.1.2).
Im Zeitpunkt der erstmaligen Rentenzusprache habe die Beschwerdegegnerin den
Anspruch umfassend und gründlich abgeklärt gehabt. Es hätten mehrere ärztliche
Berichte über übereinstimmende somatische und psychische Beschwerden und ein
Gutachten im Einklang mit den Vorakten vorgelegen. Letzteres scheine nicht so
offensichtlich daneben, dass sich ein Abstellen darauf nicht hätte rechtfertigen lassen.
Auch die Rentenzusprache selbst sei - unabhängig davon - vertretbar und keinesfalls
offensichtlich unrichtig. Eine Wiedererwägung wäre völlig abwegig. Für Aggravation
oder gar Simulation gebe es ferner keine Hinweise. Die Beschwerden seien von
verschiedenen Ärzten mehrfach bestätigt worden. Die Rechtsprechungsänderung
betreffend das strukturierte Beweisverfahren bilde keinen Revisionsgrund (vgl. BGE
141 V 585). Die Beschwerdeführerin leide auch nicht an nicht objektivierbaren
Beschwerden, weshalb die Schmerzrechtsprechung nicht zur Anwendung gelange.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 20/33
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G.
Von der ihr mit Schreiben vom 18. März 2020 gebotenen Möglichkeit, zur Replik
Stellung zu nehmen, hat die Beschwerdegegnerin keinen Gebrauch gemacht.

Considerations:
Erwägungen
1.
Im Streit liegt die Verfügung vom 28. Oktober 2019, mit welcher die
Beschwerdegegnerin den bisherigen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin
anpassungsweise für die Zukunft eingestellt hat. Die Beschwerdeführerin lässt
hauptsächlich eine Weiterausrichtung der Rente beantragen.
2.
Nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG, SR
831.10) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch
auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch
auf eine Viertelsrente.
2.1.
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine
Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1; vgl. auch schon BGE 102 V 165).
2.2.
Sämtliche psychischen Erkrankungen sind nach der jüngeren bundesgerichtlichen
Rechtsprechung (BGE 143 V 418 E. 7.1 f.) grundsätzlich (bei Ausnahmen nach dem
jeweiligen Beweisbedarf) einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu
unterziehen. Denn die diagnostische Einordnung einer psychischen Störung allein legt
das (dennoch) objektiv bestehende tatsächliche Leistungsvermögen nicht fest (vgl.
BGE 143 V 418 E. 4.1.2). Gemäss dem genannten BGE 141 V 281 (vom 3. Juni 2015)
sind für die Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens in der Regel diverse
Standardindikatoren beachtlich, die in zwei Kategorien systematisiert werden, nämlich
einerseits in der Kategorie des funktionellen Schweregrads und anderseits in jener der
Konsistenz. Zum funktionellen Schweregrad sind die Komplexe
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 21/33
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"Gesundheitsschädigung" (mit den Aspekten der Ausprägung der diagnoserelevanten
Befunde, des Behandlungs- und Eingliederungserfolgs oder der entsprechenden
Resistenz und der Komorbiditäten), "Persönlichkeit" (mit Persönlichkeitsdiagnostik und
persönlichen Ressourcen) und "Sozialer Kontext" zu berücksichtigen. In der Kategorie
der Konsistenz geht es um Gesichtspunkte des Verhaltens, namentlich um eine
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen und um behandlungs- und eingliederungsanamnestisch
ausgewiesenen Leidensdruck (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.1.3). Die funktionellen Folgen
von Gesundheitsschädigungen werden auch mit Blick auf psychosoziale und
soziokulturelle Belastungsfaktoren abgeschätzt, welche den Wirkungsgrad der Folgen
einer Gesundheitsschädigung beeinflussen. Soweit diese Belastungsfaktoren direkt
negative funktionelle Folgen zeitigen, bleiben sie ausser Acht. Hingegen können sie
mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit sie zu einer ausgewiesenen
Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit als solcher mit Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit geführt haben, wenn sie also einen verselbständigten
Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner - unabhängig von
den invaliditätsfremden Elementen bestehenden - Folgen verschlimmern (vgl.
Bundesgerichtsurteil vom 20. Januar 2020, 8C_559/2019 E. 3.2). Eine durch
belastende Lebensumstände begründete fachärztliche Diagnose genügt nach der
Rechtsprechung für einen Leistungsanspruch für sich allein noch nicht, sondern es ist
eine krankheitswertige, d.h. von den reaktiven, invaliditätsfremden Geschehen bei
psychosozialen Belastungsfaktoren abgrenzbare psychische Störung vorausgesetzt,
die sich auf die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person auswirkt (vgl.
Bundesgerichtsurteil vom 22. August 2018, 9C_262/2018 E. 4.2.1). Es ist also eine
Abgrenzung zu reaktivem, invaliditätsfremdem Geschehen aufgrund von
psychosozialen Belastungen erforderlich (so bezüglich depressiver Leiden BGE
143 V 409 E. 4.5.2).
Früher waren gemäss BGE 130 V 352 (vom 12. März 2004) für pathogenetisch-
ätiologisch unklare syndromale Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische
Grundlage - nicht aber für eine schwerwiegende (selbständige) depressive
Symptomatik (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 24. Juni 2014, 8C_278/2014 E. 5.2) - die
sogenannten Foerster'schen Kriterien zur Prüfung der Unzumutbarkeit einer
willentlichen Schmerzüberwindung zu beachten gewesen. - Vor BGE 141 V 281
erstattete medizinische Gutachten verlieren ihren Beweiswert jedoch nicht per se.
Vielmehr ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die Sachverständigengutachten,
gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten, eine schlüssige
Beurteilung im Licht der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht, wobei je nach
2.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/33
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3.
Abklärungstiefe und -dichte eine punktuelle Ergänzung genügen kann (vgl.
BGE 141 V 281 E. 8; vgl. Bundesgerichtsurteil vom 18. Mai 2017, 8C_842/2016).
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). - Ob eine
revisionsbegründende Änderung des Sachverhalts eingetreten ist, beurteilt sich nach
der Rechtsprechung durch Vergleich des Zustands, wie er im Zeitpunkt der letzten (der
versicherten Person eröffneten) rechtskräftigen Verfügung bestand, welche auf einer
materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten
für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht
(vgl. BGE 133 V 108, Bundesgerichtsurteil vom 21. Januar 2019, 9C_382/2018 E. 2),
mit demjenigen zur Zeit der streitigen Neubeurteilung (vgl. BGE 130 V 351 E. 3.5.2,
BGE 125 V 369 E. 2). - Anlass zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG gibt nach
der Rechtsprechung jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu beeinflussen.
Insbesondere ist die Rente revidierbar, wenn sich der Gesundheitszustand erheblich
verändert hat, oder bei einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer
Angewöhnung oder Anpassung an die Behinderung. Hingegen ist die lediglich
unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im
revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 13. März
2017, 9C_699/2016 E. 4.1, und vom 3. März 2020, 9C_698/2019 E. 2).
3.1.
Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräftige
Verfügungen zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre
Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. - An der Unrichtigkeit der Verfügung darf
kein vernünftiger Zweifel bestehen. Dieses Erfordernis ist in der Regel erfüllt, wenn eine
Leistungszusprache aufgrund falscher Rechtsregeln erfolgt ist oder massgebliche
Bestimmungen nicht oder unrichtig angewendet worden sind (vgl. Bundesgerichtsurteil
vom 11. Oktober 2017, 9C_383/2017 E. 3.2). Es ist entscheidwesentlich, ob die
ehemalige Beurteilung der materiellen Anspruchsvoraussetzungen, welche
notwendigerweise Ermessenszüge aufweist, vor dem Hintergrund der Sach- und
Rechtslage (einschliesslich der damaligen Rechtspraxis, 9C_383/2017 E. 3.2), wie sie
sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darbot, als vertretbar
erscheint (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 25. Juni 2010, 9C_247/2010 E. 2.1).
3.2.
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4.
Die strittige Rentenrevisionsverfügung vom 28. Oktober 2019 stützt sich auf das
polydisziplinäre Gutachten der medexperts vom 15. Mai 2018 und auf das
psychiatrische Verlaufsgutachten vom 27. August 2019 (vgl. E. 4 und 5).
4.1.
Die internistische Abklärung bei der polydisziplinären Begutachtung 2018 ergab
dabei als Hauptproblem bei der Beschwerdeführerin einen chronischen Nikotinabusus
mit sporadischem Gebrauch von Pulmicort und Ventolin (vgl. IV-act. 183-36).
Ausserdem lägen rezidivierende Reizdarmbeschwerden vor. Beide Leiden seien nicht
von Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (vgl. Diagnosen IV-act. 183-35). Eine letztmals vor
einigen Monaten erfolgte Magen- und Darmspiegelung sei unauffällig ausgefallen (vgl.
IV-act. 183-32).
4.2.
In rheumatologischer Hinsicht wurde bei der polydisziplinären Begutachtung 2018
von chronischen rezidivierenden Lumboischialgien der Beschwerdeführerin
ausgegangen. Bei der letzten Bildgebung mit MRI der LWS vom 4. Dezember 2017
hätten sich keine Zeichen radikulärer oder spinaler Einengung ergeben (IV-act. 183-27).
Die Beschwerdeführerin habe sich (bei der Untersuchung) normal bewegt und beim
Aus- und Anziehen keine Schonhaltung gezeigt. Nebst der leicht eingeschränkten
Beweglichkeit der lumbalen Wirbelsäule sei einzig die rechte Schulter bei Abduktion
gegen Widerstand ab 90° leicht eingeschränkt gewesen. Entsprechend wurde eine
leichte Periarthropathia humeroscapularis der Supraspinatussehne rechts
diagnostiziert, die sich aber auf die Arbeitsfähigkeit nicht auswirke (vgl. IV-
act. 183-26 f.). Es bestehe seit 2002 eine reduzierte Belastbarkeit der Wirbelsäule (vgl.
IV-act. 183-25). Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als MPA werde auf 20 %
geschätzt, und zwar wegen etwas verlangsamter Bewegungsabläufe und vermehrt
nötiger Pausen. In Frage kämen für die Beschwerdeführerin rückenadaptierte
körperlich leichte büromässige Tätigkeiten ohne vorgeneigte Zwangshaltungen und
ohne regelmässiges Heben und Tragen von Lasten über ca. 5 bis 8 kg (IV-act. 183-28).
4.3.
Die Begutachtung von Mai 2018 erscheint unter somatischen Gesichtspunkten
vollständig. Die Ergebnisse sind ausreichend begründet. Es wurde dabei namentlich
berücksichtigt, dass sich die Beschwerdeführerin in den Jahren 2002 und 2006
Bandscheiben-Operationen auf Höhe L4/5 unterzogen hatte (vgl. IV-act. 183-34). Auf
das Ergebnis einer Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin unter somatischem
Aspekt von 20 % (2018) kann daher abgestellt werden. Nach der Aktenlage ist bis zum
Erlass der angefochtenen Verfügung vom 28. Oktober 2019 diesbezüglich keine
Änderung mehr anzunehmen.
4.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 24/33
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5.
In psychiatrischer Hinsicht ergab sich gemäss dem polydisziplinären medexperts-
Gutachten vom 15. Mai 2018 Folgendes.
5.1.
Diagnostiziert wurden bei der Beschwerdeführerin dissoziative Störungen
gemischt. Ein Anhaltspunkt für eine spezifische oder kombinierte
Persönlichkeitsstörung zeige sich nicht, doch bestünden akzentuierte
Persönlichkeitszüge, nämlich ängstlich-vermeidende (vgl. IV-act. 183-18 f.). Die
rezidivierende depressive Störung sei gegenwärtig remittiert; es habe keine
Psychopathologie mehr bestanden. Anhand der Lebensgeschichte zeige sich ein
ausgeprägter reaktiver Charakter (der Leiden). Die Beschwerdeführerin habe
angegeben, auf verschiedene (benannte) Belastungsfaktoren mit depressiver
Symptomatik reagiert zu haben. Die Diagnosekriterien der Dysthymia seien zurzeit nicht
erfüllt (vgl. IV-act. 183-17 f.). In der bisherigen und in einer adaptierten Tätigkeit wurden
eine reduzierte Belastbarkeit und Durchhaltefähigkeit entsprechend einer
Arbeitsunfähigkeit von 20 % bei zurzeit noch nicht absolut stabilem
Gesundheitszustand und bei trotzdem erhalten gebliebenen Funktionen und
Ressourcen (nachfolgend E. 5.1.2) angenommen (IV-act. 183-22). Bei weiter gutem
Therapieverlauf sei in den nächsten sechs Monaten mit voller Arbeitsfähigkeit zu
rechnen, zumal eine dissoziative Störung nicht mit einer konstanten Symptompräsenz
imponiere. Bei einer Anstellung sei darauf zu achten, dass keine Nachtarbeit geleistet
werden müsse und wenig zeitlicher Druck bestehe, und dass die Möglichkeit zu
Pausen sowie ein geduldiges, wertschätzendes Umfeld bestünden (vgl. IV-act. 183-22).
5.1.1.
Die weitaus meisten gewürdigten Fähigkeiten wurden (bei dieser Begutachtung
von 2018) als unbeeinträchtigt beschrieben. Einzig die Widerstands- und
Durchhaltefähigkeit (mässig) sowie die Proaktivität und Spontaneität (leicht) wurden als
beeinträchtigt erachtet, wobei jeweils darauf hingewiesen wurde, dass Grundlage für
diese Einschätzung die Selbstangaben der Beschwerdeführerin bildeten. Ausserdem
wurde darauf hingewiesen, dass der Alltag und das Freizeitverhalten der
Beschwerdeführerin jedoch objektivierbare Aspekte einer (vorhandenen) Proaktivität
und Spontaneität zeigen würden (vgl. IV-act. 183-22). Des Weiteren hielt der Gutachter
der Psychiatrie fest, Anhaltspunkte für eine nicht-authentische Beschwerdeschilderung
hätten sich nicht gezeigt. Die Angaben seien zu den Angaben in den Akten kongruent
gewesen (IV-act. 183-21). Diesbezüglich ist allerdings zu erwähnen, dass die
Beschwerdeführerin angegeben hatte, zwei Psychopharmaka einzunehmen (vgl. IV-
act. 83-12). Der Blutserumspiegel des einen lag knapp unter dem therapeutischen
5.1.2.
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Bereich (IV-act. 183-17), so dass von einer Einnahme ausgegangen wurde (IV-
act. 183-20). Das andere Mittel konnte laborchemisch jedoch nicht nachgewiesen
werden (IV-act. 183-17 und -20), wobei der Gutachter der Psychiatrie es als für die
Behandlung auch weniger wichtig bezeichnete (IV-act. 183-20). Mit dem Ergebnis des
PACT-Tests von 88 (von 200) Punkten, somit der sehr tiefen Selbsteinschätzung der
Beschwerdeführerin, die kaum einer leichten sitzenden Tätigkeit entspreche (IV-
act. 183-2), hat sich der Gutachter soweit ersichtlich nicht ausdrücklich
auseinandergesetzt.
Die (monodisziplinär) psychiatrische Verlaufsbegutachtung erfolgte am 1. Juli 2019
(Gutachten vom 27. August 2019) durch die medexperts unter Einbezug einer
neuropsychologischen Abklärung (IV-act. 232-1 bis 7).
5.2.
Der (gleiche) Gutachter der Psychiatrie diagnostizierte 2019 wiederum
dissoziative Störungen gemischt (vgl. IV-act. 231-5 und -18).
5.2.1.
Bei der Konsistenzprüfung 2019 wurde festgehalten, durch die konvergenten
Ergebnisse sämtlicher multiplen formalisierten Beschwerdevalidierungsverfahren seien
bei der Beschwerdeführerin negative Antwortverzerrungen im Sinn einer bewussten
Selbstlimitierung und einer übertriebenen Beschwerdeschilderung positiv belegt
worden, die aus neuropsychologischer Sicht nicht durch das psychiatrische
Krankheitsbild selbst oder die Medikation erklärt werden könnten. Auch aus
gutachterlicher klinisch-psychiatrischer Sicht hätten sich Anhaltspunkte für eine nicht-
authentische Beschwerdeschilderung ergeben (Angaben zu unterschiedlichen
Auswirkungen der dissoziativen "Anfälle" auf die Fähigkeit zur Arbeit und zum
Autofahren; Beschwerden und Traumatisierungen als solche; Vorhandensein eines
äusseren Anreizes für das Beschwerdeverhalten; vgl. IV-act. 231-6).
5.2.2.
Dr. I._ und J._ wandten (am 10. Januar 2019) ein, dass die (gutachterlichen)
Diagnosen einer mittelgradigen depressiven Episode und einer gemischten
dissoziativen Störung unzureichend seien, da damit die Persönlichkeitsentwicklung und
die Traumatisierungen der Beschwerdeführerin nicht berücksichtigt würden. Es liege
auch eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung vor.
5.3.
Bei der Begutachtung von 2018 hatte der Gutachter der Psychiatrie festgehalten,
dass bei der Beschwerdeführerin lebensgeschichtlich rezidivierende affektive
Reaktionen auf belastende Lebensereignisse aufgetreten seien, von denen sie sich
jeweils wieder so weit habe erholen können, dass sie einer Berufstätigkeit habe
nachgehen, aber auch an den sozialen Aspekten des Lebens habe teilhaben können
(vgl. IV-act. 183-19 f.; reaktive Zustände vgl. auch IV-act. 231-5). Er hatte zudem darauf
5.4.
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hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin angegeben habe, sie habe auf die
verschiedenen (benannten) Belastungsfaktoren mit depressiver Symptomatik reagiert
(vgl. IV-act. 183-17). Der Gutachter hatte dargelegt, die diagnostischen Kriterien für
dissoziative Störungen gemischt seien - "trotz störungstypischer wenig objektivierbarer
Beweise" - überwiegend wahrscheinlich erfüllt. Ursächlich für dieses Störungsspektrum
seien interpersonelle Probleme, die bei der Beschwerdeführerin lebensgeschichtlich
klar vorlägen bzw. sich als reaktive Muster auf die bisherigen Belastungen zeigten (vgl.
IV-act. 183-18 f.).
Zunächst lässt sich demnach festhalten, dass die Beschwerdeführerin, wie sich
aus der medizinischen Aktenlage ergibt, im Lauf der Zeit wiederholt psychosozialen
Belastungsfaktoren ausgesetzt war. Auch einen Verlust der Rente würde sie nach ihren
Angaben im Übrigen als sehr schlimm und ihr die Existenz raubend empfinden (vgl. IV-
act. 231-12). Für die Invalidenversicherung ist relevant, ob die psychosozialen
Belastungen zu einer (anhaltenden) psychischen Störung geführt haben, die sich auf
die Arbeitsfähigkeit auswirkt (vgl. oben E. 2.3). Die diagnostische Einordnung ist
dagegen sekundär, fragt doch Art. 4 Abs. 1 IVG nicht nach Art und Genese des
Gesundheitsschadens, welcher die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Massgebend ist
vielmehr, dass den geklagten Beschwerden vollumfänglich Rechnung getragen wird
(vgl. Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 9. August 2000,
I 432/99 E. 3a).
5.5.
Letzteres kann vorliegend für die psychiatrischen Begutachtungen angenommen
werden. Der Gutachter der Psychiatrie befasste sich (2019) mit der genannten
Beurteilung von Dr. I._/J._. Er wies darauf hin, dass auch Dr. I._ berichtet habe,
die Beschwerdeführerin erzähle von den betreffenden belastenden Ereignissen in der
Regel nüchtern und mit einer beeindruckenden emotionalen Distanz (vgl. IV-
act. 231-17; vgl. IV-act. 214-2). Der Gutachter stellte fest, sowohl 2018 wie bei der
aktuellen Begutachtung von 2019 hätten die (im Bericht von Dr. I._/J._) genannten
Störungen weder beobachtet noch objektiviert werden können (vgl. IV-act. 231-17 f.).
5.6.
Die Arbeitsunfähigkeitsschätzung im Verlaufsgutachten 2019 von - weiterhin (wie
2018 beurteilt) - 20 % begründete der Gutachter mit vorhandenen Limitationen der
Durchhaltefähigkeit im Rahmen dieser Störungen (vgl. IV-act. 231-21 Ziff. 8.1), wobei
diese auch als "subjektive Beeinträchtigungen" (hinsichtlich der Gruppenfähigkeit
mässig sowie der Widerstands- und Durchhaltefähigkeit mässig bis erheblich)
bezeichnet wurden (vgl. IV-act. 231-20 f. Ziff. 7.4). Zudem hielt er auch fest, die
Diagnose imponiere weiterhin anhand der subjektiven Angaben und der Akten,
5.7.
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6.
während eine Objektivierbarkeit dieser Störung oder der Symptome störungsbedingt
erschwert sei (vgl. IV-act. 231-17).
Da damit die Arbeitsfähigkeitsschätzung in gewisser Weise relativiert wird (vgl.
auch den Hinweis auf einen Bedarf an Beurteilung durch den Rechtsanwender, IV-
act. 231-6), kommt der Prüfung der Standardindikatoren besonderes Gewicht zu.
Bedeutsam erscheint namentlich der Vergleich zu den Tagesaktivitäten einer
versicherten Person. Diesbezüglich (bzw. zu den Ressourcen) hielt der Gutachter der
Psychiatrie 2019 fest, die Beschwerdeführerin sei weiterhin in der Lage, Kontakte und
Beziehungen zu pflegen und aufrechtzuerhalten (vgl. IV-act. 231-5; vgl. auch IV-
act. 231-11 f. und 231-19). - Schon bei der Begutachtung 2018 - damals waren noch
keine neuropsychologischen Testungen gemacht worden - hatte sich eine erhebliche
Tagesaktivität erheben lassen (vgl. IV-act. 183-15), welche nach Einschätzung des
Gutachters wie erwähnt objektivierbare Aspekte einer Proaktivität und Spontaneität
zeigte (vgl. IV-act. 183-22).
5.8.
Gemäss den psychiatrischen Gutachten von 2018 und 2019 liegt bei Würdigung
aller Gegebenheiten im Ergebnis eine diagnostizierte psychiatrische Erkrankung mit der
Folge von Arbeitsunfähigkeit vor. Mit der abweichenden medizinischen Auffassung und
den Befunden hat sich der Gutachter auseinandergesetzt. Daher ist gemäss der
gutachterlichen Beurteilung von einer psychiatrischen Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin von 20 % auszugehen. Nach dem Dargelegten lässt sich
zusammenfassend jedenfalls festhalten, dass (2018/2019) mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit keine dieses Ausmass überschreitende Arbeitsunfähigkeit aus
psychiatrischen Gründen vorlag.
5.9.
Die Zusprache der halben Rente mit der formell rechtskräftig gewordenen
Verfügung vom 29. Juni 2012 hatte demgegenüber, was die Beurteilung des
medizinischen Sachverhalts betrifft, auf dem Gutachten der asim vom 19. Juli 2007
basiert. Mit der Veranlassung dieses Gutachtens hatte die Beschwerdegegnerin den
medizinischen Sachverhalt im Hinblick auf den Erlass der Verfügung vom 11. Februar
2008 im Sinn der Rechtsprechung von BGE 133 V 108 E. 5.3.3 vollumfänglich
abgeklärt, während sie bei Erlass der Verfügung von 2012 dessen Ergebnis (nach nur
geringem zusätzlichem Abklärungsaufwand in medizinischer Hinsicht) übernommen
hat. Dass der medizinische Sachverhalt zum Vergleich heranzuziehen ist, der im (asim-)
Gutachten beschrieben wurde, ist vorliegend unbestrittenermassen anzunehmen. Ein
6.1.
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Revisionsgrund liegt demnach vor, wenn der 2018/2019 erhobene Sachverhalt nicht
mehr demjenigen entspricht, der bei der asim-Begutachtung erhoben worden war.
Rheumatologisch gesehen war damals (2007) ein chronisches
lumbospondylogenes Syndrom links bei (u.a.) intermittierend sensomotorischer Reiz-
und Ausfallsymptomatik L5 links festgestellt worden. Es war festgehalten worden, die
diffus ins linke Bein projizierten Missempfindungen und Gefühlsstörungen könnten
Ausdruck einer postoperativen Vernarbungsproblematik sein; bei Nachweis im MRI
könnte eine Infiltration Abhilfe schaffen. Das arbeitsmedizinische Problem bestehe in
einer verminderten Belastbarkeit des Achsenorgans für alle Tätigkeiten mit schwerem
Heben und Tragen von Lasten und für Arbeiten in wirbelsäulenbelastenden
Zwangspositionen, längere Zeit rein im Stehen oder rein im Sitzen, in lang dauernd
vorgeneigten Körperhaltungen, mit repetitiv rumpfrotierenden Stereotypien oder im
Überkopfbereich. Alle körperlich leicht belastenden Tätigkeiten in
wirbelsäulenadaptierten Wechselpositionen mit Gehen, Stehen und Sitzen, die
möglichst frei von den genannten Belastungen seien, seien der Beschwerdeführerin
zumutbar. Derzeit bestehe in einer so angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von
mindestens 50 % (vgl. IV-act. 90-5). - Diese Formulierung deutet auf eine gewisse
Tendenz zu einer unter 50 % liegenden Arbeitsunfähigkeit hin. Schliesslich war bei der
interdisziplinären (also somatischen und psychiatrischen Gesamt-) Würdigung von
einer Einschränkung von 50 % aus Gründen der Problematik am Bewegungsapparat
ausgegangen worden (vgl. IV-act. 89-15).
6.2.
Was den allfälligen medizinischen Verlauf seit dieser Begutachtung von 2007
betrifft, wurde im medexperts-Gutachten vom Mai 2018 zwar ausdrücklich
festgehalten, somatisch gesehen habe sich keine Veränderung gezeigt (hingegen
psychiatrisch, vgl. IV-act. 183-28). Diese Feststellung wurde indessen damit begründet,
dass die eingehenden Abklärungen der Klinik für Neurologie am Kantonsspital
St. Gallen vom 1. bis 7. Dezember 2017 durchwegs negativ gewesen seien (vgl. IV-
act. 183-28).
6.3.
Während bei der Begutachtung vom 17. April 2018 also von einem
entsprechenden ("negativen") Zustand (vgl. IV-act. 183-28), nämlich rezidivierenden
Lumboischialgien ohne radikuläre Zeichen (und bildgebend am 4. Dezember 2017
ebenfalls ohne Zeichen radikulärer oder spinaler Einengung, vgl. IV-act. 183-27),
ausgegangen wurde, hatte zurzeit der asim-Begutachtung 2007 - rund ein halbes Jahr
nach der Implantation der Bandscheibenprothese - gemäss jenem Gutachten wie
erwähnt noch ein lumbospondylogenes Syndrom links mit einer intermittierend
sensomotorischen Reiz- und Ausfallsymptomatik L5 links vorgelegen und war von einer
6.4.
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möglichen postoperativen Vernarbungsproblematik ausgegangen worden (vgl. IV-
act. 90-5). Beim Befund war damals u.a. dargelegt worden, der Quadrantentest sei
rechts positiv gewesen mit Auslösung von Schmerzausstrahlungen ins linke Bein, links
negativ (vgl. IV-act. 90-4). Von einer solchen Auslösbarkeit von Ausstrahlungen ist im
rheumatologischen (medexperts-) Gutachten 2018 nicht mehr die Rede.
Was die Beweglichkeit betrifft, hatte der asim-Gutachter 2007 damals dargelegt,
die Lateroflexion der HWS nach rechts sei zu einem Drittel eingeschränkt gewesen,
ebenso die Rechtsrotation, was mit einer segmentalen Funktionsstörung der unteren
HWS vereinbar sei (vgl. IV-act. 90-4). Auch diese Beeinträchtigung wurde im
medexperts-Gutachten nicht mehr erwähnt. Sie hatte jedoch ehemals gemäss dem
asim-Gutachten die Leistungsfähigkeit auch nicht beeinflusst und war nicht einmal in
die Diagnoseliste eingeflossen (vgl. IV-act. 90-5). Umgekehrt ist in der Zwischenzeit
eine die Arbeitsfähigkeit nicht beeinflussende Periarthropathia humeroscapularis
hinzugekommen (vgl. IV-act. 183-27).
6.5.
Es waren bei der polydisziplinären medexperts-Begutachtung 2018
rheumatologisch gesehen lediglich noch ein etwas verlangsamter Bewegungsablauf
und ein Bedarf an vermehrten Pausen zu berücksichtigen (vgl. IV-act. 183-28 Ziff. 8.1;
diese leichte Verminderung der Arbeitsfähigkeit sei in die psychiatrische Einschätzung
zu integrieren).
6.6.
Die Beurteilung einer erheblich höheren, rheumatologisch zumutbaren
Arbeitsfähigkeit (von neu 80 % statt 50 %) kann bei der gegebenen Aktenlage nicht
allein auf eine andere Würdigung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen
Sachverhalts zurückgeführt werden. Sie erscheint vielmehr als Ausdruck einer
verbesserten rheumatologischen Befundlage, da sich wie erwähnt zwischenzeitlich
gezeigt hat, dass diesbezüglich keine namhaften Beeinträchtigungen mehr vorliegen,
hatte die Klinik für Neurologie am Kantonsspital St. Gallen am 19. Dezember 2017 (IV-
act. 184 und 192-8 ff.) doch berichtet, bei einer umfangreichen Diagnostik
einschliesslich MRI des Neurocraniums und der Wirbelsäule, Lumbalpunktion,
Neuropathie-Screening, evozierter Potentiale, Röntgen-Thorax und ausführlicher
laborchemischer Abklärung hinsichtlich rheumatischer Erkrankungen habe sich kein
pathologischer Befund ergeben. Es sei von einer funktionellen Ätiologie bzw.
Somatisierungsstörung auszugehen.
6.7.
Demnach ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die
früher (im Mai 2007) von der asim erkannte somatische gesundheitliche
Beeinträchtigung zurzeit der medexperts-Begutachtung von 2018 nicht mehr in
6.8.
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7.
ausschlaggebendem Umfang vorhanden war, auch wenn die medexperts dem
somatischen Zustand doch immer noch eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % zuschrieben.
Ausserdem erscheint eine gewisse Angewöhnung im Lauf des langen vorliegend
massgeblichen Zeitraums nach der asim-Begutachtung vom Mai 2007, die ihrerseits
lediglich sechs Monate nach dem operativen Eingriff (zur Behandlung der
fortgeschrittenen Osteochondrose mit medialer Diskushernie und
Nervenwurzelkompression L5 bds., vom November 2006) stattgefunden hatte,
überwiegend wahrscheinlich.
Was den psychiatrischen Aspekt betrifft, war ehemals bei der asim-Begutachtung
vom Vorliegen einer Dysthymia (nebst einem remittierten St. n. komplexer
posttraumatischer Belastungsstörung) ausgegangen worden (vgl. IV-act. 91-91-5).
Diese war auch als depressiver Residualzustand und als chronische depressive
Gemütsverstimmung, die jedoch nicht den Schweregrad einer Störung erreiche und bei
der auch Phasen vergleichsweiser Normalität vorkämen, umschrieben worden (vgl. IV-
act. 91-6). Dieser Dysthymie war eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 25 %
zugeschrieben worden (a.a.O.).
7.1.
Was den Aspekt einer allfälligen zwischenzeitlichen Sachverhaltsveränderung im
Lauf der Zeit betrifft, wurde im medexperts-Gutachten von 2018 unter psychiatrischem
Aspekt die dissoziative Symptomatik als seit ca. November 2017 (Krankschreibung)
neu bestehend (vgl. IV-act. 183-23) bezeichnet. Im Verlaufsgutachten von 2019 wurde
dargelegt, seit einem "Zusammenbruch" der Beschwerdeführerin 2017 (mit Beginn der
Abklärungen am Kantonsspital St. Gallen, vgl. Bericht vom 19. Dezember 2017) sei eine
Änderung des Gesundheitszustands wie der Diagnose (damals neu dissoziative
Störung) eingetreten (vgl. IV-act. 231-22). - Diesbezüglich ist allerdings darauf
hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin bereits früher Missempfindungen beklagt
hatte (vgl. etwa IV-act. 11-56 ff., Kribbelparästhesien an den Händen und im Gesicht,
daneben u.a. Angstzustände). Bei der asim-Begutachtung von 2007 hatte sie ebenfalls
ein Kribbeln und Brennen im linken Bein und im linken Fuss angegeben (vgl. IV-
act. 90-2, 90-4), was damals im Rahmen der rheumatologischen Begutachtung
angegeben und wie erwähnt auch in jenem Zusammenhang gewürdigt wurde. Neu
wurden dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen beschrieben (vgl. IV-
act. 183-18 und IV-act. 205-2 oben). Ob es sich um eine massgebliche
Sachverhaltsänderung innerhalb der relevanten Zeitspanne handelte, kann letztlich
offen bleiben (vgl. E. 8).
7.2.
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8.
Der Gutachter der Psychiatrie hält im Verlaufsgutachten vom 27. August 2019 fest,
seit dem Gutachten von 2018 sei wegen der neuerlichen depressiven Episode
zumindest für die Zeit der stationären Behandlung in der Klinik K._ vom
24. September bis 20. Oktober 2018 von einer vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen,
ausserdem auch zuvor und danach, soweit retrospektiv beurteilbar von August bis
Dezember 2018, zudem von Januar bis Mai 2019 von einer Arbeitsunfähigkeit von
50 % (vgl. IV-act. 231-6). Zu wiederholen ist zunächst, dass der Gutachter die gestellte
Diagnose der dissoziativen Störungen und die Arbeitsfähigkeitsschätzung durch
Hinweise auf eine erschwerte Objektivierbarkeit und die Basis subjektiver Angaben
relativiert hat (vgl. IV-act. 231-17). Wenn er somit 2019 dennoch rückblickend die
erwähnten Phasen einer erheblichen Arbeitsunfähigkeit (von 100 % und von 50 %)
annimmt, so hat er dies mit dem stationären Klinikaufenthalt begründet. Dieser hatte
rund vier Wochen gedauert und hatte eine Verbesserung auf Symptomebene bewirken
können. Die Beschwerdeführerin habe Kraft und Kondition ausbauen, Antrieb und
Körperwahrnehmung verbessern und eine erfreuliche Stabilisierung des psychischen
und physischen Zustandsbildes erzielen können. Die Beschwerdeführerin sei bei
Austritt affektstabil gewesen. Weil aber auf Funktionsebene dennoch eine reduzierte
Belastbarkeit vorliege, sei noch bis zum 3. November 2018 eine volle Arbeitsunfähigkeit
anzunehmen (vgl. IV-act. 205-2 f.). Der Aspekt der Behandlungserfolge kann bei der
Beurteilung dieser retrospektiv (über diese damalige Krankschreibung hinaus)
angenommenen psychiatrischen Arbeitsunfähigkeit unter den Aspekten der
Standardindikatoren nicht (ebenso wenig wie der Einfluss der verdeutlichten
Beschwerdeschilderung) ausser Acht gelassen werden. Spätestens für die Zeit ab der
Begutachtung durch die medexperts von 2019 ist bei dieser Sachlage jedenfalls eine
wesentliche, längerdauernde Arbeitsunfähigkeit von mehr als 20 % mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht anzunehmen.
7.3.
Die asim war 2007 von einer psychiatrisch bedingten Arbeitsunfähigkeit von 25 %,
die medexperts-Gutachten sind von 20 % Arbeitsunfähigkeit ausgegangen. - Eine
wesentliche Veränderung der medizinischen Einschätzung der Beeinträchtigungen im
relevanten Zeitraum ist unter psychiatrischem Aspekt allein demnach nicht zu
erkennen.
7.4.
Da rheumatologisch betrachtet vom Vorliegen eines relevanten Anpassungsgrunds
auszugehen ist (vgl. oben E. 6.8), ist nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin aufgrund der in
den medexperts-Gutachten festgestellten Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von
8.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 32/33
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9.
80 % berechnete. Da gemäss IK-Auszug keine im Vergleich zu den statistischen
Erhebungen überdurchschnittlichen Einkommen zu verzeichnen sind und sich die
Arbeitsfähigkeit auch auf die - somit medizinisch grundsätzlich weiterhin zumutbare -
Tätigkeit bezieht, auf welche die Beschwerdeführerin umgeschult worden ist, ergibt
sich dabei ein unter 40 % liegender Invaliditätsgrad.
Aus dem gleichen Grund steht einer Rentenaufhebung auch der Grundsatz
"Eingliederung vor Rentenrevision" nicht entgegen, auch wenn die (bei der letzten
Begutachtung knapp 51-jährige) Beschwerdeführerin bereits für die Zeit seit April 2012
(aber noch nicht schon seit mehr als 15 Jahren, vgl. dazu Bundesgerichtsurteil vom 12.
Dezember 2019, 8C_597/2019 E. 8.1) eine Rente bezogen hatte. Ein Anspruch auf
Unterstützung bei der Stellensuche (Arbeitsvermittlung) kann gegebenenfalls
unabhängig davon vorliegen.
8.2.
Selbst wenn eine erhebliche Sachverhaltsänderung im vorliegend relevanten
Vergleichszeitraum jedoch nicht anzunehmen wäre, so könnte die angefochtene
Anpassungsverfügung der Beschwerdegegnerin nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung gegebenenfalls auch mit der (die Anpassungsbegründung der
Beschwerdegegnerin substituierenden) Begründung eines anderen
Aufhebungsgrundes geschützt werden (substituierte Begründungen sind nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung in jedem möglichen Verhältnis unter den in
Betracht fallenden Rückkommenstiteln möglich, vgl. Bundesgerichtsurteile vom
28. Februar 2018, 8C_377/2017 E. 8.3.6, und vom 19. April 2018, 9C_417/2017 E. 2.4).
Insbesondere hält die Beschwerdegegnerin die Voraussetzungen einer
Wiedererwägung für gegeben, weil im asim-Gutachten zu Unrecht vorbehaltlos auf die
subjektiven Äusserungen der Beschwerdeführerin abgestellt worden sei.
9.1.
Dieser Aspekt kann vorliegend dahingestellt bleiben, denn massgeblich wäre als
Wiedererwägungsgrund insbesondere der Umstand, dass die Beschwerdegegnerin
aufgrund der Neuanmeldung vom August 2011 die ursprüngliche
leistungszusprechende Verfügung vom 29. Juni 2012 auf der Basis der im asim-
Gutachten 2007 festgelegten Arbeitsunfähigkeit von 50 % erlassen hatte, ohne neue
eingehendere medizinische Abklärungen veranlasst zu haben, obwohl seit der
Begutachtung immerhin bereits rund fünf Jahre vergangen waren, in denen
Verschlechterungen oder Verbesserungen des Gesundheitszustands durchaus möglich
waren. Dass die Beschwerdegegnerin hingegen auf das neue Gesuch eingetreten ist,
9.2.
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10.
Die angefochtene Verfügung mit einer Aufhebung des Rentenanspruchs ex nunc nach
Anpassungsrecht erweist sich demnach als rechtmässig (vgl. E. 8).
11.