Decision ID: 24c60144-b321-4e76-8a1f-ae47dd1339f4
Year: 2017
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
mit, der rechtserhebliche Sachverhalt hätte sich nicht verändert, womit ihr
weiterhin eine ganze Invalidenrente zustünde. Das in diesem Verfahren
gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege lehnte
die IV-Stelle mit Verfügung vom 1. April 2015 ab, was vom
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit Urteil U 15 43 vom
8. Oktober 2015 bestätigt wurde.
4. Der Verursacher des Verkehrsunfalls war im Unfallzeitpunkt bei der
C._ haftpflichtversichert. Ohne Anerkennung einer Leistungspflicht
bezahlte die C._ A._ im Jahr 1995 eine Pauschale von
Fr. 10'000.--. Am 12. Mai 1997 schlossen A._ und die C._
ausserdem eine Vereinbarung. Darin verpflichtete sich die C._,
A._ für den erlittenen Haushaltsschaden, die immaterielle Unbill
sowie die Anwaltskosten mit Fr. 80'000.-- zu entschädigen. Dieser Betrag
wurde A._ daraufhin überwiesen. Am 29. Oktober 2001 bezahlte die
C._ A._ überdies ohne Anerkennung einer Leistungspflicht
Fr. 20'000.--. Weitere Zahlungen lehnte die C._ in der Folge ab,
verzichtete jedoch am 5. Dezember 2002, 8. Dezember 2003,
31. Dezember 2006, 14. Dezember 2007, 8. Dezember 2008,
9. Dezember 2010, 9. Dezember 2011 sowie am 21. Juni 2012 auf die
Einrede der Verjährung und schloss dadurch die Berufung auf die
Verjährung bis zum 31. Dezember 2012 aus. Am 27. Dezember 2012
leitete A._ ein Betreibungsverfahren gegen die C._ ein für den
Betrag von Fr. 3'000'000.-- nebst Zins zu 5 % seit dem _. Gegen den
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ihr am 14. Januar 2013 zugestellten Zahlungsbefehl erhob die C._
am 15. Januar 2013 Rechtsvorschlag.
5. Am 20. November 2013 beantragte A._ beim kantonalen Sozialamt
Graubünden in seiner Eigenschaft als Opferhilfe-Beratungsstelle
(nachfolgend: Opferhilfe-Beratungsstelle), die Kosten für das gegen die
C._ eingeleitete Betreibungsverfahren zu übernehmen. Mit
Verfügung vom 18. Dezember 2013 gab die Opferhilfe-Beratungsstelle
diesem Gesuch statt und gewährte A._ Fr. 500.-- als Soforthilfe.
6. Mit E-Mail vom 6. Januar 2014 sowie 15. Januar 2014 erkundigte sich die
Opferhilfe-Beratungsstelle in der Folge beim Rechtsvertreter von A._
nach dem Stand des haftpflichtrechtlichen Verfahrens. Mit E-Mail vom
23. Januar 2014 stellte der Rechtsvertreter von A._ der Opferhilfe-
Beratungsstelle daraufhin die in den vergangenen Monaten mit der
C._ geführte Korrespondenz zu und teilte mit, Einigungsversuche mit
der C._ seien leider gescheitert. Es bestünden indessen gewichtige
Anhaltspunkte für einen natürlichen (und adäquaten)
Kausalzusammenhang zwischen dem invalidisierenden
Gesundheitsschaden und dem Verkehrsunfall. Der natürliche
Kausalzusammenhang müsste allerdings letztlich durch ein
Gerichtsgutachten nachgewiesen werden. Ein Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege dürfte in diesem Verfahren wohl gutgeheissen werden, da
A._ bedürftig und die eingereichte Schadenersatzklage nicht
aussichtslos wäre. Da aber der Fall sehr komplex und die
Rechtsprechung streng sei, könne dies nicht mit Gewissheit vorausgesagt
werden. Deshalb werde die Opferhilfe-Beratungsstelle ersucht, eine
Kostengutsprache für die im Zivilverfahren gegen die C._
entstehenden Anwaltskosten zu erteilen. Parallel zur Auseinandersetzung
mit der Haftpflichtversicherung vertrete er A._ auch im von der IV-
Stelle eingeleiteten Revisionsverfahren. Für die bisherige und zukünftige
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Vertretung in diesem Verfahren sowie im Unfallversicherungsverfahren
werde er ein Gesuch um Übernahme der Anwaltskosten stellen müssen.
Daraufhin beantragte der Rechtsvertreter von A._ mit Gesuch vom
14./23. April 2015 bei der Opferhilfe-Beratungsstelle, die Anwaltskosten
für das IV- und SUVA-Verfahren zu übernehmen und eine subsidiäre
Kostengutsprache für das gegen die C._ einzuleitende Zivilverfahren
zu erteilen. Dieses Gesuch lehnte die Opferhilfe-Beratungsstelle mit
Verfügung vom 17. Mai 2016 unter gleichzeitiger Verneinung des
Anspruchs von A._ auf unentgeltliche Rechtspflege mit
Rechtsvertretung durch Rechtsanwalt Dr. iur. Domenico Acocella ab.
7. Gegen diesen abschlägigen Entscheid gelangte A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) am 24. Juni 2016 mit Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Darin beantragte sie, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr Gesuch um Übernahme
der Anwaltskosten für das IV- und SUVA-Verfahren sowie die
Kostengutsprache für das Verfahren gegen die Haftpflichtversicherung
seien gutzuheissen. Ebenso sei ihrem Gesuch um Übernahme der
Anwaltskosten für das Opferhilfeverfahren vor der Vorinstanz und für
weitere Anwaltsbemühungen gemäss eingereichten Leistungsblättern
stattzugeben. Der unterzeichnende Rechtsvertreter sei entsprechend zu
entschädigen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte die
Beschwerdeführerin zudem um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege mit Rechtsvertretung durch Rechtsanwalt Dr. iur. Acocella.
8. In der Vernehmlassung vom 16. August 2016 beantragte die Opferhilfe-
Beratungsstelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die kostenfällige
Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.
9. Dazu nahm die Beschwerdeführerin in der Replik vom 23. September
2016 unter Erneuerung ihrer Anträge Stellung. In der Duplik vom
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6. Oktober 2016 setzte sich die Beschwerdegegnerin mit dieser
Argumentation auseinander, ohne ihre Anträge abzuändern.
10. Mit prozessleitender Verfügung vom 20. März 2017 forderte die Instruk-
tionsrichterin die Beschwerdegegnerin auf, das vollständige Aktendossier
samt Aktenverzeichnis einzureichen. Mit Verfügung vom 27. März 2017
ersuchte die Instruktionsrichterin überdies die IV-Stelle des Kantons
Graubünden, die die Beschwerdeführerin betreffenden IV-Akten in
Papierform einzureichen. Am 29. März 2017 reichte die
Beschwerdegegnerin das vollständige Aktendossier ein. Die
Beschwerdeführerin nahm in die fraglichen Akten Einsicht und teilte mit
Schreiben vom 28. April 2017 mit, an der Rüge der Verletzung der
Aktenführungspflicht festzuhalten. Der Beschwerdeführerin sei es nicht
möglich bzw. unzumutbar, die Übereinstimmung der Akten im damaligen
und jetzigen Zeitpunkt in Bezug auf die zahlreichen Unterlagen zu prüfen.
Unvollständigkeit und Inkohärenz aus der ungenügenden Aktenführung
dürften auf jeden Fall nicht zu Lasten der Beschwerdeführerin gehen. Am
11. Mai 2017 stellte die IV-Stelle dem Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden auf entsprechende Aufforderung hin ferner die IV-Akten
betreffend den Zeitraum von 1999 bis 2003, einschliesslich der
eingeholten SUVA-Akten, zu. Die Parteien nahmen darin Einsicht, ohne
eine Stellungnahme einzureichen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten
Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Im angefochtenen Entscheid hat es die Beschwerdegegnerin abgelehnt,
die begehrten Anwaltskosten für das IV- und SUVA-Verfahren zu
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übernehmen und eine Kostengutsprache für das gegen die C._
einzuleitende Zivilverfahren zu erteilen. Ausserdem hat sie es abgelehnt,
die Kosten für die anwaltliche Vertretung der Beschwerdeführerin im
vorinstanzlichen Verfahren zu übernehmen. Solche Entscheide, die
finanzielle Leistungen nach dem Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer
von Straftaten (OHG; SR 312.5) betreffen, können innert 30 Tagen seit
Mitteilung mit Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden angefochten werden (Art. 29 Abs. 3 OHG i.V.m. Art. 6 der
Vollziehungsverordnung zum Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer von
Straftaten [VVzOHG; BR 549.100]). Folglich fällt die Beurteilung der
vorliegenden Beschwerde in die Zuständigkeit des angerufenen Gerichts.
Als materielle und formelle Verfügungsadressatin ist die
Beschwerdeführerin vom angefochtenen Entscheid überdies unmittelbar
betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen gerichtlicher
Überprüfung (Art. 50 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
[VRG; BR 370.100]). Auf die von der Beschwerdeführerin im Übrigen frist-
und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 52 VRG und Art. 6
VVzOHG) ist demnach einzutreten.
2. Es ist unbestritten und zudem ausgewiesen, dass die Beschwerdeführerin
am _ durch eine Straftat unmittelbar in ihrer körperlichen Integrität
verletzt wurde (SUVA-act. 172 S. 121). Sie ist folglich ein Opfer im Sinne
von Art. 1 Abs. 1 OHG, womit sie in den Geltungsbereich des
Opferhilfegesetzes fällt. Das Opferhilfegesetz, welches in seiner
ursprünglichen Fassung am 1. Januar 1993 und damit nach dem infrage
stehenden Unfallereignis in Kraft trat, wurde seit seiner Einführung bereits
mehrfach revidiert (AS 2010 3267, 2009 1263, 2008 1607, 2006 3459,
2005 5685, 2002 2997, 1997 2952, 1992 2465). Es stellt sich daher die
Frage, welche Fassung des Opferhilfegesetzes für die Beurteilung der
vorliegenden Streitigkeit massgebend ist. Das in Kraft stehende
Opferhilfegesetz enthält hierzu in Art. 48 OHG eine übergangsrechtliche
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Regelung. Danach gilt das bisherige Recht für Ansprüche auf
Entschädigung und Genugtuung für Straftaten, die vor Inkrafttreten dieses
Gesetzes verübt worden sind. Für Ansprüche aus Straftaten, die weniger
als zwei Jahre vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes verübt wurden,
gelten die Fristen nach Art. 25 OHG (lit. a). Das vormalige Recht gilt
überdies für Gesuche um Kostenbeiträge, die vor dem Inkrafttreten des
neuen Rechts eingereicht wurden (lit. b). Für den vorliegenden Fall
bedeutet dies, dass die streitigen Ansprüche nach dem neuen Recht zu
beurteilen sind, da die Beschwerdeführerin von der Opferhilfe weder eine
Entschädigung noch eine Genugtuung fordert und ihr Gesuch um
Übernahme der Kosten für die beanspruchte bzw. in Anspruch zu
nehmende anwaltliche Vertretung am 14./23. April 2015, mithin nach der
letzten Revision des Opferhilfegesetzes (AS 2010 3267), eingereicht hat
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_338/2014 vom 10. Dezember 2014
E.2). Nachfolgend ist demnach unter Zugrundelegung des in Kraft
stehenden Opferhilfegesetzes zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin das
Gesuch vom 14./23. April 2015 in der angefochtenen Verfügung zu Recht
abgelehnt und sich geweigert hat, die begehrten Anwaltskosten für das
IV- sowie SUVA-Verfahren zu übernehmen und eine Kostengutsprache
für das Haftpflichtverfahren gegen die C._ zu erteilen.
3. a) In formeller Hinsicht erachtet die Beschwerdeführerin den diesbezüglich
gefassten Entscheid insofern als mangelhaft, als die Beschwerdegegnerin
ihre Aktenführungspflicht missachtet und dadurch ihren Anspruch auf
rechtliches Gehör verletzt habe. So habe die Beschwerdegegnerin das
eingereichte Aktenverzeichnis erst nachträglich im Hinblick auf das
vorliegende Beschwerdeverfahren erstellt. Im Übrigen sei es der
Beschwerdeführerin nicht möglich bzw. unzumutbar, die
Übereinstimmung der im vorinstanzlichen Verfahren eingesehenen und
der jetzt eingereichten Akten zu überprüfen. Als die Beschwerdeführerin
die Akten im vorinstanzlichen Verfahren eingesehen habe, seien diverse
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Aktenstücke nicht greifbar gewesen. Auch die IV-Akten seien nicht
vollständig vorhanden gewesen. Nach wie vor fehle jedenfalls das
Gutachten von Dr. med. B._. Die Beschwerdegegnerin habe folglich
ihre Aktenführungspflicht verletzt, was sich nicht zum Nachteil der
Beschwerdeführerin auswirken dürfe. Ausserdem habe sie sich mit den
Ausführungen der Beschwerdeführerin nicht hinreichend
auseinandergesetzt. Bei ihrer Beurteilung habe sie willkürlich auf isolierte
und aus dem Zusammenhang gerissene sowie irrelevante ärztliche
Berichte abgestellt. Dieser Argumentation hält die Beschwerdegegnerin
entgegen, die Akten korrekt geführt zu haben. Die Beschwerdeführerin
verkenne ferner die Tragweite der behördlichen Untersuchungspflicht.
Diese werde im Opferhilfeverfahren durch die Mitwirkungspflicht der
Gesuchstellerin begrenzt. Die Mitwirkungspflicht sei gerade im
vorliegenden Fall von erheblicher Bedeutung, werde doch die
Beschwerdeführerin seit 1994 von demselben Anwalt vertreten, der ihre
Interessen auch im vorliegenden Verfahren wahre. Bei dieser
Ausgangslage wäre es der Beschwerdeführerin zuzumuten gewesen, die
rechtserheblichen Akten einzureichen. Ausserdem sei die
Beschwerdegegnerin nicht verpflichtet, Vorkehrungen zu treffen, die sie
als unverhältnismässig betrachte. Die Beschwerdegegnerin habe den
massgeblichen Sachverhalt folglich ausreichend ermittelt und den
gefällten Entscheid hinreichend begründet.
b) Der in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) verankerte Anspruch auf rechtliches
Gehör gewährt der Betroffenen insbesondere das Recht, sich vor Erlass
eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu
äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu
nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der
Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich
zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist,
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den Entscheid zu beeinflussen (BGE 140 I 99 E.3.4, 135 II 286 E.5.1, 134
I 140 E.5.3). Das Gegenstück zu diesem verfassungsrechtlichen
Akteneinsichts- und Beweisführungsrechts bildet die Aktenführungspflicht
von Verwaltung und Behörden. Diesem Grundsatz zufolge hat eine
Behörde alles in den Akten festzuhalten, was von ihr erhoben wurde und
Grundlage des zu fällenden Entscheides bilden könnte (vgl. BGE 130 II
473 E.4.1, 129 I 85 E.4.1; Urteil des Bundesgerichts vom 9. August 2010
E.3; WALDMANN/OESCHGER, in: WALDMANN/WEISSENBERGER [Hrsg.],
Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 26 N. 37). Diese zur Sache gehörenden
Aktenstücke hat sie alsdann zu ordnen und in übersichtlicher Weise
abzulegen. Die Anforderungen an die Verwaltung der Dossiers dürfen
allerdings nicht überspannt werden. Kleinere Unzulänglichkeiten in der
Aktenablage oder der Dossiersanschrift begründen noch keine Verletzung
des verfassungsmässigen Anspruchs auf eine geordnete und
übersichtliche Aktenführung (BGE 138 V 218 E.8.2 f.;
WALDMANN/OESCHGER, a.a.O., Art. 26 N. 38). Dieses Individualrecht ist
jedoch jedenfalls verletzt, wenn die Vollständigkeit der im Verfahren
eingebrachten und erstellten Akten nicht (mehr) sichergestellt ist (Urteil
des Bundesgerichts 5A_341/2009 vom 30. Juni 2009 E. 5.2).
c) Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdegegnerin die von ihr betreffend
das Gesuch vom 14./23. April 2015 zusammengetragenen Akten in vier
Aktendossiers mit der Bezeichnung "1. Verfahren OHB", "2. IV
Verfahren", "3. SUVA Verfahren" und "4. Haftpflichtversicherung
(C._-Versicherungen)" abgelegt. Das erste Aktendossier (Verfahren
OHB) enthält, chronologisch geordnet und nummeriert, das Gesuch vom
14./23. April 2015, weitere Schreiben der Beschwerdeführerin sowie von
ihr eingereichte Unterlagen, die von der Beschwerdegegnerin in diesem
Verfahren erteilten Auskünfte und die von ihr getroffenen Anordnungen
(Akten der Vorinstanz [VI-act.] 1-47). In den drei übrigen Aktendossiers
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finden sich die Akten der IV-Stelle, der SUVA sowie der C._
betreffend den Verkehrsunfall, welche der Beschwerdegegnerin auf
entsprechende Editionsgesuche hin (VI-act. 40, 41, 43) zugestellt wurden.
Dabei reichte nur die C._ die Akten in Papierform ein, während die
IV-Stelle und die SUVA der Beschwerdegegnerin die Akten in Form einer
auf einer CD-Rom gespeicherten PDF-Datei zukommen liessen. Um die
Handhabung dieser Akten zu erleichtern, erstellte die
Beschwerdegegnerin ein Aktenverzeichnis, in dem sie die von ihr
gewählte Form der Aktenablage in vier separaten Aktendossiers kenntlich
machte und die im ersten sowie vierten Aktendossier enthaltenen Akten
einzeln aufführte. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die
Beschwerdegegnerin durch dieses Vorgehen den Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine geordnete sowie übersichtliche
Aktenführung verletzt haben sollte, zumal die IV- und SUVA-Akten bereits
mit einem Aktenverzeichnis eingereicht wurden.
d) Die gegenteilige Auffassung der Beschwerdeführerin vermag nicht zu
überzeugen.
aa) Deren Einwand, es fehle das psychiatrische Gutachten von Dr. med.
B._ erweist sich insofern als aktenwidrig, als er sich auf das
Verlaufsgutachten von Dr. med. B._ vom 5. Oktober 2010 beziehen
sollte. Dieses ist auf der im Aktendossier "2. IV Verfahren" abgelegten
CD-Rom als IV-act. 104 abgespeichert und kann mithilfe eines CD-
Laufwerks auf einem Computer problemlos eingesehen werden. In dieser
Form finden sich auch die restlichen, von der IV-Stelle im vorinstanzlichen
Verfahren edierten Akten, samt zugehörigem Aktenverzeichnis
(nachfolgend als IV-act. bezeichnet), wie auch die eingeholten Akten der
SUVA, einschliesslich des zugehörigen Aktenverzeichnisses (nachfolgend
als SUVA-act. bezeichnet). Soweit die Beschwerdeführerin diese Art der
Aktenablage als mangelhaft rügen sollte, ist darauf hinzuweisen, dass der
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Kanton Graubünden die Art und Weise, wie die Akten in
opferhilferechtlichen Verfahren zu führen sind, nicht geregelt hat. Das
Spektrum der zulässigen Aktenführung reicht unter diesen Umständen
von der physischen Erfassung der schriftlichen Akten in einem
Aktendossier bis hin zu IT-gestützten Aktenregistrierungssystemen. Diese
Formen der Aktenführung sind solange zulässig, als sie sachgerecht
erscheinen und die Wirksamkeit des Akteneinsichtsrechts gewährleisten.
Die Beschwerdeführerin behauptet nicht, ausser Stande gewesen zu sein,
die elektronischen Akten der IV und der SUVA einzusehen und sich
hierdurch einen Überblick über den erhobenen Sachverhalt zu
verschaffen. Ein solches Parteivorbringen wäre denn auch höchst
erstaunlich, hat doch die Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren
denselben Rechtsvertreter mit ihrer Interessenwahrung beauftragt, der sie
seit 1994 in sämtlichen Verfahren vertritt, welche sie zur Durchsetzung
der sich aus dem Verkehrsunfall ergebenden Ansprüche geführt hat.
Sofern dieser nicht ohnehin im Besitze der betreffenden IV- und SUVA-
Akten ist, findet er sich als langjähriger Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin mühelos in den fraglichen Aktendossiers zurecht. Es
deutet daher nichts darauf hin, dass die von der Beschwerdegegnerin
gewählte Form der Aktenführung das Akteneinsichtsrecht der
Beschwerdeführerin beeinträchtigt hat. Wenn die Beschwerdegegnerin
vor diesem Hintergrund darauf verzichtet hat, die von der IV-Stelle und
der SUVA edierten Akten, die knapp 400 Aktoren umfassen (IV-act. 1-193
und SUVA-act. 1-192), auszudrucken und in Papierform abzulegen,
erscheint dies durchaus sachgerecht und ist nicht zu beanstanden.
bb) Demgegenüber mag es zutreffen (vgl. das von der Beschwerdeführerin
eingereichte Beweismittelverzeichnis [Beilage der Beschwerdeführerin
{Bf-act.} 30], eingereicht mit dem Schreiben vom 28. April 2017), dass die
Beschwerdegegnerin das Aktenverzeichnis im Hinblick auf das
vorliegende Beschwerdeverfahren insofern ergänzte, als sie die Akten der
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C._ nachträglich nummeriert ins Aktenverzeichnis aufnahm. Die
Beschwerdeführerin bringt indessen nicht vor, ohne diese Vorkehr nicht in
der Lage gewesen zu sein, sich einen Überblick über die entsprechenden
Akten zu verschaffen, welche die Beschwerdegegnerin unstreitig bereits
vorgängig chronologisch abgelegt und nummeriert hatte. Auch insoweit
erweist sich demnach die Rüge der Verletzung der Aktenführungspflicht
als unbegründet.
cc) Der Beschwerdeführerin ist jedoch darin zuzustimmen, dass die im
vorinstanzlichen Verfahren edierten IV-Akten nicht vollständig gewesen
sind (IV-act. 1-193). Dies ist auf einen Fehler der IV-Stelle
zurückzuführen, die der Beschwerdegegnerin lediglich die in
elektronischer Form vorhandenen Akten zustellte. Dadurch erhielt die
Beschwerdegegnerin die damals nur in Papierform existierenden Akten
der IV-Stelle betreffend den Zeitraum von 1999 bis anfangs 2003
(nachfolgend als IV-alt-act. bezeichnet), einschliesslich der eingeholten
SUVA-Akten, nicht. Dieses Versäumnis betrifft jedoch nicht die
Aktenführungspflicht, sondern die Ermittlung des rechtserheblichen
Sachverhalts. Daraus kann die Beschwerdeführerin betreffend die
behauptete Verletzung der Aktenführungspflicht deshalb nichts zu ihren
Gunsten ableiten. Dass die Aktenführung anderweitig mangelhaft wäre,
behauptet die Beschwerdeführerin nicht und ist nicht erkennbar. Die Rüge
der Verletzung der Aktenführungspflicht ist demnach unbegründet.
e) Die Beschwerdegegnerin hat den Anspruch auf rechtliches Gehör der
Beschwerdeführerin allerdings insofern verletzt, als sie versehentlich nur
einen Teil der IV-Akten einholte (vgl. Sachverhalt Ziff. 10). Die
Instruktionsrichterin hat die fehlenden IV-Akten in Papierform bei der IV-
Stelle (IV-alt-act. 1-34) einverlangt und am 23. Mai 2017
(Beschwerdegegnerin) bzw. am 1. Juni 2017 (Beschwerdeführerin) den
Parteien zur Einsichtnahme zugestellt. Die im vorinstanzlichen Verfahren
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unterlassene Beweiserhebung wurde somit im vorliegenden
Beschwerdeverfahren nachgeholt, was eine Prüfung der massgeblichen
Sach- und Rechtsfrage grundsätzlich im gleichen Umfang wie durch die
Vorinstanz erlaubt. Dadurch wurde diese leichte Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör geheilt. Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung erweist es sich unter diesen Umständen als zulässig,
ausnahmsweise auf die Aufhebung des angefochtenen Entscheids zu
verzichten (BGE 137 I 195 E.2.3.1, 136 V 117 E.4.2.2.2, 133 I 201 E.2.2;
HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl.,
Zürich/St. Gallen 2016, N. 1175). Ob der festgestellten leichten
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör bei der Verlegung der
Verfahrenskosten Rechnung zu tragen ist, wird im Falle des Unterliegens
der Beschwerdeführerin im Kostenpunkt zu entscheiden sein (vgl. Urteile
des Bundesgerichts 6B_192/2015 vom 9. September 2015 E.2.3,
6B_1/2010 vom 25. März 2015 E.4).
f) Soweit die Beschwerdeführerin im Weiteren geltend macht, die
angefochtene Verfügung sei unzureichend begründet, ist festzuhalten,
dass die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung auf 19
Seiten dargelegt hat, weshalb sie das Gesuch der Beschwerdeführerin
vom 14./23. April 2015 abgelehnt hat. Den fraglichen Ausführungen
können die Überlegungen, von denen sie sich hat leiten lassen und
welche zu ihrem abschlägigen Entscheid geführt haben, entnommen
werden. Dass sie sich dabei nicht mit sämtlichen Vorbringen der
Beschwerdeführerin einlässlich auseinandergesetzt und jeden einzelnen
Einwand ausdrücklich abgehandelt hat, schadet nicht, darf die
Beschwerdegegnerin ihre Begründung doch auf die für den Entscheid
wesentlichen Punkte beschränken (vgl. BGE 141 III 28 E.3.2.4, 133 III
439 E.3.3, 130 II 530 E.4.3). Nicht die Begründung, sondern die
inhaltliche Richtigkeit des angefochtenen Entscheids betrifft schliesslich
die Frage, ob die Begründung korrekt ist und auf einer zutreffenden
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Beweiswürdigung beruht. Selbst wenn die diesbezüglichen Einwände der
Beschwerdeführerin zutreffen und sich die Überlegungen der
Beschwerdegegnerin als falsch erweisen sollten, ändert dies nichts daran,
dass die angefochtene Verfügung hinreichend begründet wurde. Die
Beschwerdegegnerin ist der ihr gemäss Art. 22 Abs. 1 VRG i.V.m. Art. 29
Abs. 2 BV obliegende Begründungspflicht folglich nachgekommen.
Offenkundig wurde die Beschwerdeführerin durch die fragliche
Begründung denn auch in die Lage versetzt, Inhalt sowie Tragweite des
angefochtenen Entscheides zu erkennen und diesen sachgerecht
anzufechten. Eine Verletzung der Begründungspflicht ist demnach zu
verneinen. Weitere Verfahrensfehler hat die Beschwerdeführerin nicht
geltend gemacht und sind nicht ersichtlich. Der angefochtene Entscheid
leidet somit an keinem Verfahrensfehler, der durch das vorliegende
Beschwerdeverfahren nicht geheilt worden wäre.
4. Hinsichtlich des gerichtlichen Beweisverfahrens bleibt anzumerken, dass
die im vorliegenden Beschwerdeverfahren eingeholten IV-Akten (IV-alt-
act.) wie auch die von den Verfahrensparteien mit den Rechtsschriften
eingereichten Unterlagen (Bf-act. 1-30, Beilagen der Beschwerdegegnerin
[Bg-act.] 1-12) als Beweismittel zugelassen werden. Mit diesen und den
im vorinstanzlichen Verfahren erhobenen Beweisen ist der
rechtserhebliche Sachverhalt hinreichend erstellt. Von weiteren
Beweisvorkehren sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten. Der Antrag
der Beschwerdeführerin, die Akten zu ergänzen bzw. weitere Beweise zu
erheben, ist daher in antizipierter Beweiswürdigung abzuweisen
(BGE 136 I 229 E.5.4.3, 134 I 140 E.5.3, 131 I 153 E.3), soweit ihm durch
die erfolgte Vervollständigung der IV-Akten nicht entsprochen wurde.
5. a) Streitig und nachfolgend zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin die
Kosten für die begehrte juristische Unterstützung zu übernehmen hat.
Nach Art. 13 OHG leisten die Beratungsstellen dem Opfer und seinen
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Angehörigen sofort Hilfe für die dringenden Bedürfnisse, die als Folge der
Straftat entstehen (Soforthilfe; Abs. 1). Sie leisten dem Opfer und dessen
Angehörigen soweit nötig zusätzliche Hilfe, bis sich der gesundheitliche
Zustand der betroffenen Person stabilisiert hat und bis die übrigen Folgen
der Straftat möglichst beseitigt oder ausgeglichen worden sind
(längerfristige Hilfe; Abs. 2). Die Beratungsstellen können die Soforthilfe
und die längerfristige Hilfe durch Dritte erbringen lassen (Abs. 3). Gemäss
Art. 14 Abs. 1 OHG umfassen die Leistungen unter anderem die
angemessene juristische Hilfe in der Schweiz, die als Folge der Straftat
notwendig geworden ist. Leistungen der Opferhilfe werden nur endgültig
gewährt, wenn der Täter oder eine andere verpflichtete Person oder
Institution keine oder keine genügende Leistung erbringt (Art. 4 Abs. 1
OHG). Wer Kostenbeiträge für die längerfristige Hilfe Dritter beansprucht,
muss glaubhaft machen, dass die vorgenannten Voraussetzungen erfüllt
sind, es sei denn, es sei ihm oder ihr angesichts der besonderen
Umstände nicht zumutbar, sich um Leistungen Dritter zu bemühen (Art. 4
Abs. 2 OHG). Die längerfristige Hilfe und die Soforthilfe unterliegen nicht
der Verwirkung von Art. 25 OHG und können auch Jahre nach der Straftat
beansprucht werden (WYSSMANN/RUTSCHI, in: STEIGER-SACKMANN/
MOSIMANN [Hrsg.], Recht der Sozialen Sicherheit, Basel 2014, Rz. 38.61
und 38.87; STEIN, in: GOMM/STEIN/ZEHNTER [Hrsg.], Kommentar zum
Opferhilfegesetz, Bern 1995, Art. 3 N. 30).
b) Die Beschwerdeführerin erlitt am _ bei einem Verkehrsunfall
Verletzungen am rechten Fuss, die ihre Arbeitsfähigkeit dauerhaft
beeinträchtigten. Um die sich hieraus ergebenden Ansprüche gegenüber
den zuständigen (Sozial)Versicherungen zu wahren, zog die
Beschwerdeführerin im Jahr 1994 Rechtsanwalt Dr. iur. Acocella bei, der
sie fortan in diesen Verfahren vertrat. Mit Gesuch vom 14./23. April 2015
ersuchte sie die Beschwerdegegnerin erstmals, Anwaltskosten für das IV-
und SUVA-Verfahren zu übernehmen und ihr eine Kostengutsprache für
- 18 -
das gegen die C._ einzuleitende Klageverfahren zu erteilen (VI-
act. 1). Dieses Gesuch präzisierte und bekräftigte die Beschwerdeführerin
in den Schreiben vom 23. April 2015 (VI-act. 2) und 18. Dezember 2015
(VI-act. 31), wobei sie den bereits entstandenen Aufwand mit
Leistungsblättern konkretisierte (VI-act. 3, 4, 36 und 39). Den fraglichen
Unterlagen kann entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin
beantragt, die Opferhilfe habe die Kosten für die anwaltliche Vertretung
ab dem 18. September 2012 im IV- sowie SUVA-Verfahren zu
übernehmen und für die bereits entstandenen sowie zukünftig zu
erwartenden Anwaltskosten im gegen die C._ einzuleitenden
Klageverfahren aufzukommen.
c) Die Übernahme von Kosten für die anwaltliche Vertretung gilt nach der
Konzeption des derzeitigen Opferhilfegesetzes als Kostenbeitrag für
längerfristige Hilfe Dritter (Art. 5 der Verordnung über die Hilfe an Opfer
von Straftaten [Opferhilfeverordnung; OHV; SR 312.51]; Empfehlungen
der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und
Sozialdirektoren zur Anwendung des Opferhilfegesetzes [SVK-OHG]
S. 21), der als solcher nicht unter Art. 25 OHG fällt und auch viele Jahre
nach der Straftat beansprucht werden kann, falls die hierfür erforderlichen
Voraussetzungen erfüllt sind. Darin sind sich die Verfahrensparteien einig
Ebenso ist unbestritten und aufgrund der Akten ausgewiesen, dass die
von Unfall-, Invaliden- und Ergänzungsleistungen lebende
Beschwerdeführerin Kostenbeiträge gemäss Art. 16 lit. a OHG
beanspruchen kann (vgl. dazu WYSSMANN/RUTSCHI, a.a.O., Rz. 38.59 f.;
vgl. Bf-act. 13-25). Demzufolge stehen der Beschwerdeführerin die
begehrten Leistungen zu, wenn die Voraussetzungen von Art. 14 Abs. 1
OHG erfüllt sind.
d) Dieser Bestimmung zufolge umfassen die Leistungen der Opferhilfe
insbesondere die angemessene juristische Hilfe in der Schweiz, die als
- 19 -
Folge einer Straftat notwendig geworden ist. Um die Leistungen der
Opferhilfe beanspruchen zu können, bedarf es folglich zunächst eines
kausalen Zusammenhangs zwischen der Straftat und der beantragten
Unterstützung. Anwaltskosten, wie die im Streit liegenden, hat die
Opferhilfe daher nur zu vergüten, wenn sie entstanden sind durch die
Beratung und Vertretung im Zusammenhang mit Ansprüchen, die sich
aus der opferhilferechtlich relevanten Straftat ergeben. Zu denken ist
dabei primär an Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche gegenüber
dem Täter sowie an (sozial-)versicherungsrechtliche Ansprüche, die
aufgrund des durch die Straftat erlittenen Gesundheitsschadens
geschuldet sind (ZEHNTNER, in: GOMM/ZEHNTER [Hrsg.], Opferhilfegesetz,
Bern 2005, Art. 3 N. 31; STEIN, a.a.O., Art. 3 N. 22). Anwaltskosten zur
Durchsetzung solcher Ansprüche übernimmt die Opferhilfe allerdings nur,
wenn eine anwaltliche Unterstützung in diesen Verfahren geeignet,
notwendig und angemessen ist. Die vom Bundesgericht unter dem alten
Opferhilfegesetz diesbezüglich entwickelte Praxis gilt auch unter der
Herrschaft des neuen Opferhilfegesetzes weiterhin (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 1C_612/2015 vom 17. Mai 2016 E.2.3, 1C_32/2014 vom
6.Oktober 2014 E.2.3 f., 1B_114/2010 vom 28. Juni 2010 E.3.1;
AEMISEGGER/SCHRODER, Opferhilfe in der Gerichtspraxis, insbesondere in
der Rechtsprechung des Bundesgerichts, in: EHRENZELLER/GUY-
ECABERT/KUHN [Hrsg.], Das revidierte Opferhilfegesetz, 2009, S. 25).
Danach ist die Notwendigkeit der anwaltlichen Hilfe im Einzelfall unter
Berücksichtigung der konkreten Verhältnisse zu beurteilen. Dabei sind
etwa der Grad der Beeinträchtigung oder die Sprachkenntnisse des
Opfers, die Möglichkeit des Opfers, die Folgen der Straftat selbst oder
mithilfe der Opferberatungsstelle zu bewältigen, sowie die tatsächlichen
und rechtlichen Schwierigkeiten des Falls einzubeziehen (ZEHNTNER,
a.a.O., Art. 3 N. 61). Massgebend sind auch die Erfolgsaussichten des
geplanten Vorgehens. Die Opferhilfe ist mit anderen Worten nicht
gehalten, aussichtlose Verfahren zu finanzieren. Ob die Opferhilfe bei
- 20 -
Bedürftigen im Bereich der juristischen Unterstützung weitergeht als die
unentgeltliche Rechtspflege, hat das Bundesgericht, soweit ersichtlich, bis
anhin nicht entschieden. Die Lehre scheint diese Frage zu bejahen
(ZEHNTNER, a.a.O., Art. 3 N. 38 mit Hinweisen), während die Praxis zur
Zurückhaltung mahnt und sich bei der Beurteilung der zu finanzierenden
juristischen Hilfe an die Praxis zur unentgeltlichen Rechtspflege anlehnt
(vgl. etwa Richtlinien zur Übernahme von Anwalts- und Verfahrenskosten
durch die Opferhilfe des Kantons Luzern, August 2013, S. 3 [Bg-act. 2];
Merkblatt zur Übernahme von Anwaltskosten, Kanton Zürich, S. 2 [Bg-
act. 1]).
e) Im vorliegenden Fall steht die begehrte Kostenübernahme (grundsätzlich)
im Zusammenhang mit Ansprüchen, die sich aus dem Verkehrsunfall als
opferhilferechtlich massgebliche Straftat ergeben. Fraglich ist dagegen,
ob anwaltliche Hilfe zur Durchsetzung der von der Beschwerdeführerin
geltend gemachten Ansprüche geeignet, notwendig und angemessen war
bzw. ist. Dieser Frage wird nachfolgend zunächst für das IV-Verfahren
(nachfolgende Erwägungen 6-7), alsdann für das SUVA-Verfahren
nachgegangen (nachfolgende Erwägung 8). Schliesslich wird zu prüfen
sein, ob die Beschwerdeführerin im gegen die C._ einzuleitenden
Klageverfahren der juristischen Hilfe im Sinne von Art. 14 Abs. 1 OHG
bedarf (nachfolgende Erwägungen 9-12) und Anspruch auf die
Übernahme der Kosten für die anwaltliche Vertretung im vorinstanzlichen
Verfahren hat (nachfolgende Erwägung 13).
6. a) Hinsichtlich des IV-Verfahrens bringt die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen vor, die IV-Stelle habe am 1. Mai 2011 ein
Revisionsverfahren eingeleitet, ein Verlaufsgutachten eingeholt und sie
für eine Abklärung beim RAD aufgeboten. Der beauftragte RAD-Arzt sei
zum Schluss gekommen, dass sich die psychische Verfassung der
Beschwerdeführerin seit der Rentenzusprache wesentlich verbessert
- 21 -
habe und diese aus psychischer Sicht mittelfristig voll arbeitsfähig sei.
Durch entsprechende Bemühungen des unterzeichnenden
Rechtsvertreters habe die IV-Stelle dazu bewegt werden können, ein
polydisziplinäres Gutachten einzuholen. Diesem zufolge sei die
Beschwerdeführerin weiterhin voll arbeits- und erwerbsunfähig.
Folgerichtig habe die IV-Stelle in der Mitteilung vom 23. Juni 2014
festgestellt, die massgeblichen Verhältnisse hätten sich seit der
Rentenzusprache nicht verändert, weshalb der Beschwerdeführerin
weiterhin eine ganze IV-Rente zustünde. Die im Rahmen dieses
Verfahrens angefallenen Anwaltskosten habe die Beschwerdegegnerin
der Beschwerdeführerin zu erstatten. Es könne kein Zweifel bestehen,
dass die IV-Stelle die Einstellung der IV-Renten damals ernsthaft in
Betracht gezogen und diese Folge nur durch die Intervention des
unterzeichnenden Rechtsvertreters habe abgewendet werden können.
b) Dieser Argumentation hält die Beschwerdegegnerin zur Hauptsache
entgegen, Leistungen im Rahmen einer sozialen Begleitung durch den
Anwalt würden durch die Opferhilfe nicht übernommen. In IV-Verfahren
sei die Notwendigkeit für das Einschreiten eines Anwalts erst bei einem
negativen Vorbescheid zu bejahen. Vorher lägen keine juristischen
Schwierigkeiten vor, welche den Beizug eines Anwalts rechtfertigen
würden. Im vorliegenden Fall habe die Beschwerdeführerin im IV-
Verfahren daher keiner juristischen Hilfe bedurft, weshalb die Opferhilfe
für die in diesem Verfahren entstandenen Anwaltskosten nicht
aufzukommen habe. Im Beschwerdeverfahren gegen die IV-Verfügung
sei sodann lediglich die nicht gewährte unentgeltliche Rechtspflege
angefochten worden. Dieses Beschwerdeverfahren stünde in keinem
direkten Zusammenhang zu den Folgen des Unfalls, weshalb die
Opferhilfe für die hierdurch verursachten Anwaltskosten nicht
aufzukommen habe.
- 22 -
7. a) Eine Invalidenrente ist von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben, wenn
sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich ändert (Art. 1
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG;
SR 831.20] i.V.m. Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1],
Art. 88a und Art. 88bis der Verordnung über die Invalidenversicherung
[IVV; SR 831.201]). Anlass für eine solche Anpassung gibt jede Änderung
in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad
und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist
daher nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des
Gesundheitszustandes, sondern etwa auch dann revidierbar, wenn sich
die erwerblichen Auswirkungen eines an sich gleich gebliebenen
Gesundheitszustandes erheblich verändert haben oder eine andere Art
der Invaliditätsbemessung zur Anwendung gelangt (BGE 130 V 343
E.3.5; Urteile des Bundesgerichtes 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013
E.3.1.1, 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E.1.2). Dagegen bildet die
unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen
unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung für sich allein genommen
keinen Revisionsgrund (Urteil des Bundesgerichtes 9C_552/2007 vom
17. Januar 2008 E.3.1.2). Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der
Frage, ob bis zum Abschluss des eingeleiteten Revisionsverfahrens eine
anspruchserhebliche Änderung des Invaliditätsgrads im Sinne von Art. 17
Abs. 1 ATSG eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige Verfügung,
welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine
Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustandes)
beruht (BGE 133 V 108 E.5; vgl. Urteile des Bundesgerichtes
- 23 -
9C_646/2014 vom 17. Dezember 2014 E.2.2, 8C_441/2012 vom 25. Juli
2013 E.3.1.2).
b) Um beurteilen zu können, ob der massgebliche Sachverhalt im Falle der
Beschwerdeführerin seit der letzten rechtskräftigen Rentenprüfung mit
Verfügung vom 5. Oktober 2001 eine rechtserhebliche Änderung erfahren
hat, beauftragte die IV-Stelle im interessierenden Revisionsverfahren
zunächst Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
mit der Ausarbeitung eines Verlaufsgutachtens (IV-act. 102). Dieser kam
im Verlaufsgutachten vom 5. Oktober 2011 (IV-act. 104) zum Schluss, die
Versicherte wirke heute psychisch stabiler, weniger frustriert-kämpferisch
als vor zehn Jahren und weniger betreuungsbedürftig. Allerdings habe sie
sich weitgehend mit ihrem Frührentnerdasein abgefunden und zeige kein
Interesse an rehabilitativen Massnahmen. Ihre Restarbeitsfähigkeit könne
daher erst eingeschätzt werden, wenn die Versicherte dazu bewegt
werden könne, sich im Rahmen einer (stationären) Psychotherapie auf
eine neue Lebensperspektive einzulassen, welche auch eine Partizipation
am Arbeitsleben beinhalte (IV-act. 104 S. 4 f.).
c) Diese Beurteilung erachtete die IV-Stelle als unzureichend, um eine
wesentliche Veränderung der psychischen Verfassung seit dem
5. Oktober 2001 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bejahen oder
ausschliessen zu können. Deshalb beauftragte sie den RAD-Arzt, med.
pract. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, mit der
psychiatrischen Begutachtung der Beschwerdeführerin. Dieser stellte bei
der Beschwerdeführerin im RAD-Bericht vom 18. Februar 2013 (IV-
act. 119) folgende Diagnosen:
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: keine
Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
- 24 -
- die Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen (ICD-10: F 68.0),
- eine Agoraphobie (ICD-10: F 40.0), - Störungen durch Sedativa oder Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom,
ständiger Substanzgebrauch (ICD-10: F 13.25), - den Missbrauch von nicht abhängigkeitserzeugenden Substanzen
(nicht psychotroper Analgetika, ICD-10: F 55.2), - Status nach einzelnen epileptischen Ereignissen, - Verdacht auf Analgetika-induzierte Cephalgien, - Status nach Verkehrsunfall mit vor allem OSG-Trümmerfraktur
rechtsseitig mit Flake-Fraktur der rechten Trochlea Tali lateralis, fragliche Fraktur des Ligamentum fibulotalare anterius rechts, Status nach Flake-Entfernung und Pridie Bohrungen rechts Trochlea Tali, Status nach arthroskopischer Osteophytenabtragung (11/1999),
- Status nach prolongierter depressiver Symptomatik im Rahmen einer Anpassungsstörung ohne Residuum (IV-act. 119 S. 20).
Grundsätzlich begründe eine "Entwicklung körperlicher Symptome aus
psychischen Gründen" keine anhaltende Minderung der Arbeitsfähigkeit,
da sich diese psychiatrische Störung unter zumutbarer, adäquater
Behandlung ausreichend zurückbilde. Im Umkehrschluss hiesse dies
aber, dass vorerst eine (grundsätzlich unter Behandlung
rückbildungsfähige) Minderung der Arbeitsfähigkeit vorläge (IV-act. 119
S. 25). Der Umfang dieser Arbeitsunfähigkeit sei sehr schwer zu
quantifizieren und werde vorderhand als 80%ige Arbeitsunfähigkeit
eingeschätzt, d.h. Tätigkeiten von wirtschaftlich relevanter Wertschöpfung
seien gegenwärtig nicht möglich, sehr wohl aber die Voraussetzung für
den Beginn von beruflichen Massnahmen. Im weiteren Verlauf sei eine
schrittweise Steigerung anfangs der Präsenzzeit zumutbar, dann mit
zunehmenden Leistungsanforderungen. Insgesamt sei eine über 50%ige
Arbeitsfähigkeit innert eines halben Jahres zu erwarten. Danach sei eine
weitere Steigerung der Arbeitsfähigkeit bis hin zu einer vollen
Arbeitsfähigkeit zu erwarten. Zumindest aber sei mit einer 80%igen
Arbeitsfähigkeit zu rechnen. In den letzten Jahren habe sich die
psychische Verfassung der Versicherten folglich wesentlich verbessert
(IV-act. 119 S. 28).
- 25 -
d) In der Folge holte die IV-Stelle Verlaufsberichte bei den behandelnden
Ärzten ein (IV-act. 166 S. 9) und ordnete am 14. Februar 2014 eine
polydisziplinäre Begutachtung (Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie
und Psychotherapie, Rheumatologie, Neurologie) der Beschwerdeführerin
durch die BEGAZ GmbH an (IV-act. 150, 151, 152). Die BEGAZ-
Gutachter diagnostizierten im Gutachten vom 4. Juni 2014 (IV-act. 163)
folgendes:
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: - eine Panikstörung, - eine anhaltend somatoforme Schmerzstörung, - eine abhängige Persönlichkeitsstörung, - einen Status nach Tranquilizer-Abhängigkeit (gegenwärtig weitgehend
abstinent, noch regelmässiger Zolpidemgebrauch), - einen Status nach Flakefraktur trochlea tali OSG rechts am
27. September 1992 mit Status nach mehreren offenen und arthroskopischen Operationen bis 2001 mit Flake-Entfernung und Pridie-Bohrungen (1993) und
- Osteophytenabtragung (1999) bei sekundärer Arthrose, begleitet von einem chronifizierten lokalen Schmerzsyndrom im Sinne einer Schmerzfehlverarbeitung, chronische Kopfschmerzen (IV-act. 163 S. 71).
Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: - Spreizfüsse, - einen Status nach Agoraphobie, - ein chronifiziertes Schmerzsyndrom mit Generalisierungstendenz, - einen Staus nach medikamentös induzierten epileptischen Anfällen
(2001) und - links betonten Handbeschwerden seit Ende 2013 mit leichten
sensomotorischen Defiziten unklarer Ursache fest (IV-act. 163 S. 71 f.).
Der psychische Gesundheitszustand der Versicherten habe sich seit der
Erstbegutachtung durch Dr. med. B._ im Jahr 2001 nur unwesentlich
verbessert (IV-act. 163 S. 73). Eine gewisse Besserung sei bezüglich der
Agoraphobie eingetreten. Indessen führten die Panikstörung, begleitet
von unspezifischen Ängsten im Sinne einer "sonstigen Angststörung",
- 26 -
zusammen mit der schweren abhängigen Persönlichkeitsstörung, und
auch einem Intelligenzniveau im knapp durchschnittlichen Bereich bzw.
die leichte neurokognitiven Defizite nach wie vor zu einer vollen
Arbeitsunfähigkeit. Die Verhaltensstörung der Versicherten sei seit ihrem
21. Lebensjahr schon so fixiert und habe sämtliche
Persönlichkeitsstrukturen durchdrungen, dass sie letztlich unverändert wie
früher wirksam sei und den gesamten Lebensvollzug bestimme.
Berufliche Massnahmen seien in dieser Situation illusorisch, da eine
Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt nicht erreicht werden könne. Die
Folgen der Fussverletzung rechts begründeten die Unzumutbarkeit einer
stehenden Tätigkeit. Allerdings wäre die Versicherte allein aufgrund der
Fussverletzung in einer leidensangepasster Tätigkeit vollpensig
arbeitsfähig mit einer Leistungseinschränkung von 10 % wegen erhöhten
Pausenbedarfs. Dasselbe gelte für die chronischen Kopfschmerzen, die in
angepasster Tätigkeit bei grundsätzlich vollpensiger Zumutbarkeit eine
Leistungseinschränkung von 20 % erwarten liessen. Gesamtmedizinisch
bestehe, hauptsächlich aus psychiatrischer Sicht, eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 163 S. 73 ff.). Diese Beurteilung der BEGAZ-
Gutachter erachtete der fallführende RAD-Arzt, Dr. med. E._, auch
nach Rücksprache mit med. pract. D._, als schlüssig, gut begründet
und nachvollziehbar. Dementsprechend sei davon auszugehen, dass sich
die gesundheitliche Verfassung der Beschwerdeführerin seit der
Rentenzusprache nicht wesentlich verbessert habe und auch in
überblickbarer Zeit sei keine wesentliche Veränderung zu erwarten (IV-
act. 166 S. 22).
e) Diese Auszüge aus den von der IV-Stelle im Rahmen des letzten Revi-
sionsverfahrens eingeholten medizinischen Gutachten und den getätigten
medizinischen Abklärungen lassen unschwer erkennen, dass die IV-Stelle
in diesem Verfahren eine Wiedereingliederung der Beschwerdeführerin
unter Aufhebung der ihr mit Verfügung vom 5. Oktober 2001
- 27 -
zugesprochenen Invalidenrente ernsthaft ins Auge fasste. Dabei klärte sie
den rechtserheblichen Sachverhalt aus eigener Initiative ab (Art. 43
Abs. 1 ATSG) und stellte ihre Untersuchungen erst ein, als die Akten
vollständig waren und sie in der Lage war, mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu entscheiden, ob die
gesundheitliche Verfassung der Beschwerdeführerin seit dem 5. Oktober
2001 eine rechtserhebliche Veränderung erfahren hat. Hierbei ging sie
korrekt vor und informierte die Beschwerdeführerin jeweils frühzeitig über
die weiteren Verfahrensschritte. Aus rechtlicher Sicht bot der Fall im
Übrigen keine besonderen Schwierigkeiten. Dagegen war der
medizinische Sachverhalt komplex. In diesem Zusammenhang ist
allerdings zu beachten, dass die IV-Stelle die der Beschwerdeführerin
zugesprochene IV-Rente bereits im 2006 erstmals amtlich revidierte und
die Beschwerdeführerin die SUVA im 1995, 1999, 2002 und 2005
ersuchte, die zugesprochenen Versicherungsleistungen, insbesondere die
UV-Rente, einer Überprüfung zu unterziehen und zu erhöhen (vgl.
Sachverhalt Ziff. 2b). Im Rahmen dieser Revisionsverfahren und den
ihnen vorangegangenen Rentenzusprachen war die Beschwerdeführerin
orthopädisch durch Dr. med. F._ (Gutachten vom 16. Mai 1994
[SUVA-act. 172 S. 47 f.]) sowie die Universitätsklinik Balgrist (Gutachten
vom 30. Juli 1996) und psychiatrisch durch Dr. med. B._ begutachtet
(Gutachten vom 5. Juli 2001) und zumindest fünf Mal ausführlich
kreisärztlich untersucht worden (vgl. BEGAZ-Gutachten vom 4. Juni 2014
[IV-act. 163 S. 7 ff.]). Dr. med. B._ hielt denn auch im
Verlaufsgutachten vom 5. Oktober 2011 fest, die Beschwerdeführerin
wirke routiniert im Umgang mit dem ärztlichen Untersucher (IV-act. 104
S. 2). Die Beschwerdeführerin wusste folglich wie ein Revisionsverfahren,
insbesondere die medizinische Begutachtung, abläuft und war in der
Lage, korrekt und adäquat zu handeln. Sie hätte ausserdem die
Möglichkeit gehabt, auf die unentgeltliche Hilfe von Verbandsvertretern,
Fürsorgern oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen,
- 28 -
insbesondere die Beratung der Beschwerdegegnerin, zurückzugreifen,
um sich beraten und im IV-Verfahren vertreten zu lassen. Unter den
gegebenen Umständen bestand daher keine Notwendigkeit einer
anwaltlichen Vertretung, zumal die IV-Stelle keinen negativen
Vorbescheid erliess.
f) Dieser Eindruck bestätigt sich, wenn berücksichtigt wird, was der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin im interessierenden IV-Verfahren
unternahm und bewirkte. So reichte dieser zunächst mit Schreiben vom
18. September 2012 ein Gesuch um Akteneinsicht ein. Dieses wurde von
der IV-Stelle am 18. Februar 2013 bearbeitet, worauf die IV-Stelle dem
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin die Akten zur Einsichtnahme
zustellte (IV-act. 123). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
studierte die IV-Akten daraufhin und sandte sie der IV-Stelle zurück, ohne
Anträge zu stellen. Am 11. März 2013 teilte er der IV-Stelle auf
entsprechende Nachfrage hin alsdann die Handynummer der
Beschwerdeführerin (IV-act. 129), am 23. April 2013 ferner den Namen
des damaligen Psychiaters der Beschwerdeführerin mit (IV-act. 134). Mit
der Absicht, das Beweisverfahren zu beeinflussen, intervenierte der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin erst mit Schreiben vom
25. Februar 2015 und damit nachdem die IV-Stelle nach der RAD-
Abklärung eine zweite versicherungsexterne Begutachtung bei der
BEGAZ angeordnet hatte. Damals ersuchte er die IV-Stelle zusätzlich zu
der angeordneten internistischen, psychiatrisch, rheumatologischen sowie
neurologischen Begutachtung eine neuropsychologische Begutachtung
der Beschwerdeführerin anzuordnen (IV-act. 159 S. 1). Ausserdem sei bei
den Zusatzfragen zu berücksichtigen, dass die Krankengeschichte der
Versicherten mit dem Verkehrsunfall begonnen habe, weshalb die
Auswirkungen dieses Unfalls bei den Fragestellungen als Ausgangspunkt
zu nehmen seien, um die relevante Arbeitsunfähigkeit und deren Verlauf
feststellen zu können. Die Differenzierung durch die Unfallfolgen sei auch
- 29 -
zur Plausibilisierung und Begründung der gutachterlichen Feststellungen
notwendig, da zwischen Unfallfolgen und unfallfremden Beschwerden
bereits aufgrund der Aktenlage enge Zusammenhänge bestünden. In der
Folge formulierte er 13 Zusatzfragen, welche von den Gutachtern einzeln
und im polydisziplinären Konsens zu beantworten seien. Schliesslich
beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mit
Rechtsvertretung durch den unterzeichnenden Rechtsvertreter (IV-
act. 159 S. 1-3). Diesen Anträgen gab die IV-Stelle insofern statt, als sie
die Zusatzfragen an die BEGAZ-Gutachter weiterleitete. Dagegen lehnte
sie eine neuropsychologische Begutachtung der Beschwerdeführerin ab,
weil die in der Memory Clinic festgestellten, neurokognitiven Defizite und
Befunde im Rahmen der neurologischen sowie psychiatrischen
Teilbegutachtung eingehend gewürdigt werden könnten (IV-act. 166
S. 10). Die BEGAZ-Gutachter erachteten eine neuropsychologische
Abklärung der Beschwerdeführerin für die Beurteilung der ihnen gestellten
Fragen ebenfalls nicht als erforderlich. Im Übrigen beantworteten sie
ausschliesslich die Fragen der IV-Stelle. Zu den Zusatzfragen des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin äusserten sie sich nicht. Die
vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragten
Beweisvorkehren wurden somit im Ergebnis allesamt abgelehnt. Bereits
mit Schreiben vom 7. März 2014 hatte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin sodann auf die Erhebung von Einwänden gegenüber
den BEGAZ-Gutachtern verzichtet (IV-act. 162). Entgegen der
Behauptung der Beschwerdeführerin hat deren Rechtsvertreter das
Beweisverfahren folglich in keiner Weise beeinflusst. Alle
Beweisvorkehren hat die IV-Stelle ohne dessen Intervention von Amtes
wegen vorgenommen. Wenngleich einzuräumen ist, dass die
Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung nicht ex post, sondern im
Zeitpunkt der vorgenommenen Handlungen, allenfalls bei der
Mandatsübernahme zu beurteilen ist, bildet dies doch ein gewichtiges
Indiz dafür, dass eine anwaltliche Vertretung der Beschwerdeführerin im
- 30 -
interessierenden IV-Revisionsverfahren nicht notwendig war. Ob dies –
wie die Beschwerdeführerin in Anlehnung an die entsprechende Praxis im
Bereich der unentgeltlichen Rechtspflege annimmt – für alle Verfahren
gilt, in denen die IV-Stelle die Ablehnung der begehrten Leistungen in
einem negativen Vorbescheid in Aussicht stellt, braucht vorliegend nicht
entschieden zu werden. Jedenfalls im vorliegenden Fall ist die
Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung zu verneinen. Die
Beschwerdegegnerin hat es folglich zu Recht abgelehnt, die im fraglichen
IV-Revisionsverfahren entstandenen Anwaltskosten zu übernehmen.
g) Dies gilt selbstredend auch für den Aufwand der durch die Einreichung
eines Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im IV-
Revisionsverfahren und die Anfechtung der diesbezüglich ergangenen
Verfügung entstanden ist. Diesen Aufwand zu entschädigen wäre nur in
Betracht zu ziehen, wenn die anwaltliche Vertretung im interessierenden
IV-Revisionsverfahren notwendig gewesen wäre. Trifft dies – wie
vorliegend – nicht zu, so hat die Opferhilfe selbstverständlich auch nicht
für die Anwaltskosten eines hiermit verbundenen Nebenverfahrens
aufzukommen. Die vorliegende Beschwerde ist demnach insoweit als
unbegründet abzuweisen, als sie sich gegen die verweigerte
Kostenübernahme für die anwaltliche Vertretung im IV-
Revisionsverfahren richtet, das in der Hauptsache mit Mitteilung vom
23. Juni 2014 und betreffend die unentgeltliche Rechtspflege mit Urteil
des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden U 15 43 vom
8. Oktober 2015 seinen Abschluss fand.
8. a) Die SUVA hat der Beschwerdeführerin aufgrund organischer Unfallfolgen
eine Integritätsentschädigung und mit Wirkung ab dem 1. April 2001 bei
einem Invaliditätsgrad von 33.33 % eine UV-Rente zugesprochen. In
Bezug auf die dieser Leistungszusprache zugrunde liegende Beurteilung
besteht zwischen den Verfahrensparteien Einigkeit, dass im BEGAZ-
- 31 -
Gutachten vom 4. Juni 2014 zu den organischen Unfallfolgen
offensichtlich nichts ausgeführt wird, was eine Neubeurteilung der
zugesprochenen Unfallversicherungsleistungen bedingen würde. Streitig
ist einzig, ob der Beizug eines Anwalts notwendig gewesen ist, um zu
prüfen, ob die neue diagnostische Einordnung der psychischen
Beschwerden der Beschwerdeführerin durch die BEGAZ-Gutachter zu
einer neuen Beurteilung des Kausalzusammenhangs führt, die es
ermöglicht, auf die ergangenen Entscheide zurückzukommen und der
Beschwerdeführerin höhere Versicherungsleistungen zuzusprechen.
b) Die Beschwerdeführerin bringt diesbezüglich im Wesentlichen vor, die
Behauptung der Beschwerdegegnerin, die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin werde durch nicht unfallbedingte Gründe
beeinträchtigt, stünde in klarem Widerspruch zum umfassenden und
schlüssigen BEGAZ-Gutachten. Die Beschwerdegegnerin gehe zu
Unrecht davon aus, dass im BEGAZ-Gutachten die Unfallkausalität nicht
thematisiert werde. Es sei die Pflicht und Aufgabe eines Rechtsanwalts zu
prüfen, ob materiell die Unfallkausalität angesprochen worden sei. Diese
Frage sei umso mehr zu prüfen gewesen, als ein eventuelles
prozessuales Revisionsgesuch ab Kenntniszeitpunkt fristgebunden sei,
weshalb das Unterlassen einer solchen Prüfung nicht zu verantworten
gewesen wäre. Im Einzelnen sei notwendig gewesen abzuklären, ob
aufgrund des erstmals gutachterlich fundiert festgestellten medizinischen
Sachverhalts bezüglich der diversen Diagnosen und des
Kausalzusammenhangs die Voraussetzungen einer prozessualen
Revision der im SUVA-Verfahren ergangenen Gerichtsentscheide (und
betreffend des Rückfalls auch Verwaltungsentscheide) gegeben seien.
Insbesondere sei zu prüfen gewesen, ob die Befunde und
Schlussfolgerungen der BEGAZ-Gutachter wirklich neue Tatsachen
enthielten, die einen prozessualen Revisionsgrund begründeten oder der
SUVA als Rückfall zu melden seien. Nach dem Studium der
- 32 -
entsprechenden Unterlagen habe sich eine Eingabe an die SUVA als
nicht erforderlich erwiesen, weil aufgrund der Abklärungen sowie
Besprechungen des Unterzeichnenden mit der Beschwerdeführerin die
Voraussetzungen für eine Revision oder Rückfallmeldung als nicht im
erforderlichen Mass gegeben erachtet worden seien.
c) Gegen diese Argumentation wendet die Beschwerdegegnerin ein, die
Beschwerdeführerin sei in diesem Verfahren nicht auf anwaltliche Hilfe
angewiesen gewesen. Die SUVA habe es in der Vergangenheit mehrfach
abgelehnt, auf die ergangenen Verfügungen zurückzukommen. Die
diesbezügliche Begründung der SUVA (psychiatrische Beurteilung vom
16. September 2014) sei nachvollziehbar und erweise sich ohne weiteres
als zutreffend. Unter diesen Umständen sei es aus opferrechtlicher Sicht
nicht erforderlich gewesen, das BEGAZ-Gutachten durch einen Anwalt
prüfen zu lassen. In der angefochtenen Verfügung hielt die
Beschwerdegegnerin ferner fest, im IV-Verfahren sei die Kausalität
irrelevant. Deshalb hätte das BEGAZ-Gutachten vom 4. Juni 2014 auch
nicht im Hinblick auf das SUVA-Verfahren überprüft werden müssen.
Zudem gelte es noch zu erwähnen, dass der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin das polydisziplinäre Gutachten bereits im IV-
Verfahren gründlich studiert habe. Es sei deshalb nicht ersichtlich,
weshalb das BEGAZ-Gutachten explizit nochmals für das SUVA-
Verfahren habe geprüft werden müssen. Auch im Hinblick auf die
Behandlungskosten und den Spesenersatz rechtfertigten die persönlichen
Verhältnisse des Opfers keine Inanspruchnahme der juristischen Hilfe.
d) Ob die psychischen Beschwerden, welche die Beschwerdeführerin durch
den Verkehrsunfall verursacht wurden, prüfte die SUVA erstmals in der
Verfügung vom 3. August 1995 (SUVA-act. 172 S. 121). Damals gelangte
sie zur Überzeugung, es bestünde kein adäquater Kausalzusammenhang
zwischen den von der Beschwerdeführerin beklagten psychischen
- 33 -
Beschwerden und dem Unfallereignis. Deshalb habe die SUVA für die
hierauf fussende Erwerbsunfähigkeit nicht aufzukommen. Die dagegen
erhobene Einsprache wies sie mit Entscheid vom 24. Februar 1994 ab
(SUVA-act. 173 S. 36 ff.), was vom Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden mit Urteil VGE 346/97 vom 21. August 1997 (SUVA-act. 173
S. 16 ff.) und vom Bundesgericht mit Urteil U 265/97 vom 17. April 1998
(SUVA-act. 173 S. 11 ff.) bestätigt wurde. Diese rechtskräftige
Verneinung der adäquaten Kausalität führt rechtsprechungsgemäss zur
Ablehnung sämtlicher aktueller und zukünftiger Leistungsbegehren auf
der Grundlage der beurteilten psychischen Beschwerden. Ein
Rückkommen auf die – wie hier – höchstrichterlich verneinte
Adäquanzfrage ist lediglich unter dem Titel der materiellen Revision im
Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG oder mittels prozessualer Revision
gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG möglich (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts U 198/04 vom 29. März 2005 E.2 und 3).
e) Dabei ist zu beachten, dass die Frage des adäquaten
Kausalzusammenhangs eine Rechtsfrage darstellt, die von den
rechtsanwendenden Behörden ohne Beizug medizinischer
Sachverständiger zu beantworten ist. Die Prüfung der Adäquanz bedingt
aber jedenfalls bei mittelschweren Unfällen, wie dem vorliegend infrage
stehenden, bei denen sich die Frage der Adäquanz nicht allein aufgrund
des Unfallereignisses schlüssig beantworten lässt, gewisse tatsächliche
Grundlagen (Urteil des Bundesgerichts 8C_732/2008 vom 3. Dezember
2008 E.4.9; RUMO-JUNGO/HOLZER, in: MURER/STAUFFER, Bundesgesetz
über die Unfallversicherung, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2012, Art. 6
S. 58). Deshalb kann nicht von vornherein ausgeschlossen werden, dass
ein medizinisches Gutachten neue Tatsachen enthält, die für die
Beurteilung der in der Unfallversicherung massgeblichen besonderen
Adäquanzkriterien (besonders dramatische Begleitumstände oder
besondere Eindrücklichkeit des Unfalls, die Schwere oder besondere Art
- 34 -
der erlittenen Verletzung, insbesondere ihre erfahrungsmässige Eignung,
psychische Fehlentwicklungen auszulösen, die ungewöhnlich lange
Dauer der ärztlichen Behandlung, körperliche Dauerschmerzen, ärztliche
Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert,
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen, Grad und
Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit [BGE 115 V 133 E.6c;
RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., Art. 6 S. 69]) von Bedeutung sein können.
In der Praxis sind solche Fälle indessen selten. Bereits aus diesem Grund
erscheint es unwahrscheinlich, dass die Ausführungen der Fachärzte im
BEGAZ-Gutachten vom 4. Juni 2014 (SUVA-act. 133, IV-act. 163) es
erlauben, hinsichtlich des adäquaten Kausalzusammenhangs auf die
ergangenen Entscheide mittels prozessualer oder materieller Revision
zurückzukommen und der Beschwerdeführerin höhere
Versicherungsleistungen zuzusprechen.
f) Die hierfür gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG erforderlichen Voraussetzungen
sind vorliegend offenkundig nicht gegeben. Zum einen hätte sich die
Beschwerdeführerin schon früher einer polydisziplinären Begutachtung –
wie jener bei der BEGAZ – unterziehen können, womit sie in der Lage
gewesen wäre, die hiermit unter Beweis gestellten Tatsachen bereits im
zur Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs führenden
Verfahren einzubringen. Zum anderen enthält das BEGAZ-Gutachten
vom 4. Juni 2014 offenkundig keine neuen Elemente tatsächlicher Natur,
welche für die Beurteilung der Adäquanz massgeblich wären und den der
bisherigen Adäquanzbeurteilung zugrunde gelegten Sachverhalt als
objektiv falsch ausweisen würde. Dies gilt umso mehr, als bei der infrage
stehenden Adäquanzbeurteilung die Folgen der organisch nicht
ausgewiesenen Beschwerden nicht in die Beurteilung miteinzubeziehen
sind (BGE 143 V 109 E.2.1; Urteile des Bundesgerichts 8C_903/2009
vom 28. April 2010 E.4.6, 8C_533/2008 vom 26. November 2008 E.5.1).
Die Beschwerdeführerin hat denn auch keine einzige Stelle im BEGAZ-
- 35 -
Gutachten vom 4. Juni 2014 benannt, die auch nur eine Neubeurteilung
des für die Adäquanzbeurteilung massgeblichen Sachverhalts beinhalten
würde.
Soweit die Beschwerdeführerin im Übrigen geltend macht, gehalten
gewesen zu sein, auf der Grundlage des BEGAZ-Gutachtens vom 4. Juni
2014 den natürlichen Kausalzusammenhang neu zu prüfen, kann ihr nicht
gefolgt werden. In sämtlichen Unfallversicherungsverfahren betreffend
den Verkehrsunfall blieb stets dahingestellt, ob die psychischen
Beschwerden der Beschwerdeführerin in natürlichem
Kausalzusammenhang zum Unfallereignis stehen. Selbst wenn ein
solcher natürlicher Kausalzusammenhang aufgrund des BEGAZ-
Gutachtens vom 4. Juni 2014 nunmehr erstellt wäre, würde dies nichts
daran ändern, dass die psychischen Beschwerden mangels adäquaten
Kausalzusammenhangs nicht als Unfallfolgen anzusehen wären, womit
die SUVA hierfür nicht leistungspflichtig ist (vgl. BGE 135 V 465 E.5.1).
Unter dem Blickwinkel des natürlichen Kausalzusammenhangs bestand
folglich von vornherein keine Notwendigkeit, das BEGAZ-Gutachten vom
4. Juni 2014 im Hinblick auf die Leistungspflicht der SUVA zu studieren.
Das BEGAZ-Gutachten vom 4. Juni 2014 bietet demnach offenkundig
keine Grundlage für eine prozessuale Revision im Sinne von Art. 53
Abs. 1 ATSG, was ohne weiteres erkennbar gewesen ist.
g) Gleich verhält es sich für die materielle Revision gemäss Art. 17 Abs. 1
ATSG (vgl. vorstehende Erwägung 6a). Gestützt auf diese Regelung wäre
aufgrund des BEGAZ-Gutachtens vom 4. Juni 2014 auf den zuletzt
ergangenen Rentenentscheid zurückzukommen, wenn sich seit dem in
diesem Verfahren gefassten Einspracheentscheid (25. Juni 2007; SUVA-
act. 75) der der Adäquanzbeurteilung zugrunde liegende Sachverhalt
derart verändert hätte, dass der adäquate Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfallereignis und den psychischen Beschwerden zu
- 36 -
bejahen wäre. Mit dieser Frage haben sich die BEGAZ-Gutachter nicht
befasst. Ohnehin ist fraglich, ob Veränderungen, die mehr als 20 Jahre
nach dem Unfallereignis auftreten, überhaupt in die Adäquanzbeurteilung
einfliessen können. Denkbar wäre dies angesichts der infrage stehenden
Adäquanzkriterien einzig in Bezug auf eine Veränderung der
gesundheitlichen Verfassung. Ob eine diesbezügliche Veränderung des
Sachverhalts eine Neubewertung der Adäquanz bedingen könnte, kann
im vorliegenden Fall indessen dahingestellt bleiben, da die BEGAZ-
Gutachter eine Verschlechterung der gesundheitlichen Verfassung der
Beschwerdeführerin jedenfalls seit dem Jahr 2000 verneint und den
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Vergleich zu diesem
Zeitpunkt als im Wesentlichen unverändert qualifiziert haben. Selbst die
Beschwerdeführerin macht für den interessierenden Zeitraum keine
Verschlechterung ihrer gesundheitlichen Verfassung geltend. So
bezeichnete sie selbst im IV-Fragebogen vom 18. Mai 2011 ihren
Gesundheitszustand im Vergleich zum letzten Revisionsverfahren im Jahr
2006 als unverändert und wies lediglich auf die Mithilfe ihrer Freundin hin
(IV-act. 98). Bei dieser Sachlage kann das Vorliegen eines materiellen
Revisionsgrundes ohne weiteres verneint werden, ohne abklären zu
müssen, ob und inwiefern eine Verschlechterung der gesundheitlichen
Verfassung eine Neubewertung des der Adäquanzbeurteilung zugrunde
liegenden Sachverhalts überhaupt erlaubt hätte.
h) Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin war somit offenkundig,
dass die Ausführungen der BEGAZ-Gutachter weder eine Grundlage für
eine formelle noch materielle Revision der ergangenen SUVA-
Rentenentscheide boten. Um zu diesem Schluss zu kommen, war der
Beizug eines Anwalts nicht erforderlich. Die Beschwerdegegnerin hat die
Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung für das SUVA-Verfahren
demnach zu Recht verneint und das Gesuch um Entschädigung der
hierdurch verursachten Anwaltskosten folgerichtig abgelehnt. In dieser
- 37 -
Beziehung erweist sich die vorliegende Beschwerde folglich als
unbegründet und ist abzuweisen.
9. a) Es bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin die Kosten für die
anwaltliche Beratung und Vertretung der Beschwerdeführerin im
Zusammenhang mit der Durchsetzung der Ansprüche gegenüber der
C._ zu übernehmen hat. Die Beschwerdeführerin bringt
diesbezüglich primär vor, die Beschwerdegegnerin gehe zu Unrecht
davon aus, dass die Beschwerdeführerin infolge des Verkehrsunfalls
keinen Erwerbsschaden erlitten habe. Zwar treffe es zu, dass sie im
Unfallzeitpunkt arbeitslos gewesen sei. Sie habe sich aber sowohl vor als
auch nach dem fraglichen Unfallereignis um eine neue Arbeitsstelle
bemüht, wobei die nach dem Verkehrsunfall unternommenen
Arbeitsversuche wegen der Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin
gescheitert seien. Es erscheine jedoch überwiegend wahrscheinlich, dass
die Beschwerdeführerin ohne das haftungsbegründende Unfallereignis
vollzeitlich erwerbstätig gewesen wäre. Unter den gegebenen Umständen
sei es geradezu haltlos zu behaupten, die mit 21 Jahren verunfallte
Beschwerdeführerin hätte ohne das haftpflichtbegründende Ereignis für
die nächsten 40 Jahre kein Erwerbseinkommen erzielt. Schliesslich biete
das polydisziplinäre Gutachten ausreichend Anhaltspunkte, um den
natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den psychischen
Beschwerden und dem Unfallereignis zumindest insoweit zu belegen, als
dies erforderlich sei, um die Einholung eines gerichtlichen Gutachtens zu
erwirken. Die Bezugnahme auf den Entscheid des Handelsgerichts Zürich
vom 4. September 2014 sei unbehelflich. Die Richtigkeit der darin
offenbar erhobenen Behauptung, dass sich eine acht Jahre nach einem
Unfall durchgeführte polydisziplinäre Begutachtung von vornherein nicht
eigne, um den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen einem
Unfallereignis und gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit hinreichender
Sicherheit zu belegen, werde bestritten. Dieser Grundsatz sei in Lehre
- 38 -
und Rechtsprechung nicht anerkannt und weder medizinisch noch
rechtlich haltbar. Die Beschwerdegegnerin habe sich in der
angefochtenen Verfügung mit dem BEGAZ-Gutachten, welches einen
Zusammenhang zwischen dem Verkehrsunfall und den psychischen
Beschwerden herstelle, nicht auseinandergesetzt. Stattdessen habe sie
willkürlich auf einzelne medizinische Aussagen abgestellt, die im
vorliegenden Zusammenhang nicht von Bedeutung seien und die
Beurteilung im BEGAZ-Gutachten in keiner Weise erschüttern würden.
Die Beschwerdegegnerin gehe diesbezüglich von einem überspannten
Begriff der Aussichtslosigkeit aus. Zum adäquaten Kausalzusammenhang
habe sie sich nicht geäussert. Jedoch sei klar, dass ein solcher bestünde
und auch nicht durch allfällige Prädispositionen unterbrochen werde. Eine
Klage gegen die C._ als zuständige Haftpflichtversicherung erwiese
sich somit als erfolgsversprechend. Schliesslich habe die
Beschwerdegegnerin ebenfalls die anwaltlichen Bemühungen im Hinblick
auf die Erzielung einer Einigung mit der C._ zu entschädigen sowie
jene im Zusammenhang mit der Einleitung des Betreibungsverfahrens
gegen die C._.
b) Dem hält die Beschwerdegegnerin entgegen, ihre Entscheidung nicht
ausschliesslich auf einzelne ärztliche Beurteilungen abgestützt zu haben.
Die Prozesschancen seien gestützt auf die gesamten Akten beurteilt und
als verschwindend gering eingestuft worden. Im Übrigen gelte es als
allgemein bekannt, dass infolge Zeitablaufs Tatsachen immer schwieriger
zu beurteilen seien. 24 Jahre nach dem Unfall ohne eindeutige Beweise
eine Klage einzureichen, dadurch auch die bereits erhaltenen Leistungen
im Betrag von Fr. 110'000.-- infrage zu stellen und eine Rückzahlung zu
riskieren, könne nicht als angemessene und geeignete Hilfe für das Opfer
betrachtet werden. In der Opferhilfe müsse das angestrebte Ziel durch die
Massnahmen erreichbar sein, ansonsten diese nutzlos und
unangemessen wären, womit kein Anspruch auf Erbringung der
- 39 -
begehrten Leistung bestünde. Werde eine Klage als aussichtslos
erachtet, könne dadurch auch kein Ziel erreicht werden. Nach
Überprüfung der gesamten Akten sei die Beschwerdegegnerin zur
Überzeugung gelangt, dass eine Kostengutsprache für das
Haftpflichtverfahren gemäss Art. 13 und 14 OHG nicht erteilt werden
könne, weil sowohl der Schaden als auch die Kausalität nicht erwiesen
seien.
10. a) Der Verursacher des Verkehrsunfalls war im Unfallzeitpunkt bei der
C._ haftpflichtversichert. Folglich hat die C._ gegenüber der
Beschwerdeführerin für den Schaden einzustehen, den der Halter nach
Art. 58 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG; SR 741.01) zu tragen hat
(BGE 97 II 161 E.1). Gemäss Abs. 1 der fraglichen Bestimmung haftet der
Halter für den Schaden, der entsteht, wenn durch den Betrieb eines
Motorfahrzeugs ein Mensch getötet oder verletzt wird. Voraussetzung für
die Haftung des Motorfahrzeughalters sind zufolge dieser Regelung
kumulativ ein Schaden, der Betrieb eines Motorfahrzeugs und ein
natürlicher sowie adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem Betrieb
des Fahrzeugs und dem Schaden (Urteil des Bundesgerichts
4A_607/2014 vom 9. Februar 2015 E.3). Der Halter wird von der
Haftpflicht befreit, wenn er beweist, dass der Unfall durch höhere Gewalt
oder grobes Verschulden des Geschädigten oder Dritten verursacht
wurde, ohne dass ihn selbst oder Personen für die er verantwortlich ist,
ein Verschulden trifft oder dass fehlerhafte Beschaffenheit mitgewirkt hat
(Art. 59 Abs. 1 SVG). Das Verschulden des Halters bildet hingegen keine
Haftungsvoraussetzung, da Art. 58 SVG als Gefährdungshaftung
ausgestaltet ist. Der Halter eines Motorfahrzeugs haftet nur für Personen-
und Sachschaden. Im Übrigen richten sich Art und Umfang des
Schadenersatzes sowie die Zusprechung einer Genugtuung nach den
Grundsätzen des Obligationenrechts über die unerlaubte Handlung
(Art. 62 Abs. 1 SVG). Gemäss der allgemeinen Beweislastregel von Art. 8
- 40 -
des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 220) hat die
Geschädigte das Vorliegen der rechtsbegründenden Tatsachen
(Schaden, Betrieb des Motorfahrzeugs und natürlicher sowie adäquater
Kausalzusammenhang) zu beweisen, während der Halter die Beweislast
für rechtsaufhebende und rechtsvernichtende Tatsachen trägt (BGE 141
III 241 E.3.1, 139 III 13 E.3.1.3.1).
b) Die Beschwerdeführerin erlitt am _ einen Verkehrsunfall, bei dem sie
sich eine axiale Stauchung zuzog und ihr rechtes obere Sprunggelenkes
(OSG) eingeklemmt wurde (SUVA-act. 172 S. 48). Diese
Beeinträchtigung der körperlichen Integrität ist auf den Betrieb des die
Kollision verursachenden Fahrzeugs zurückzuführen, wobei keine
Haftungsausschlussgründe im Sinne von Art. 59 Abs. 1 OR vorliegen.
Demzufolge haben der Halter des den Unfall verursachenden Fahrzeugs
und damit auch die C._ für den Personenschaden aufzukommen,
welche die Beschwerdeführerin durch den Unfall erlitten hat. Dies hat die
C._ anerkannt und der Beschwerdeführerin im Jahr 1995 zur
Abgeltung des durch den Verkehrsunfall verursachten Personenschadens
zunächst Fr. 10'000.-- bezahlt. Auf der Grundlage der Vereinbarung vom
12. Mai 1997 hat sie ihr alsdann weitere Fr. 80'000.-- überwiesen und ihr
schliesslich am 29. Oktober 2001 Fr. 20'000.-- zukommen lassen.
c) Die C._ geht davon aus, mit diesen Zahlungen den gesamten
Personenschaden gedeckt zu haben. Die Beschwerdeführerin stellt sich
demgegenüber auf den Standpunkt, mit den fraglichen Zahlungen sei die
C._ für den Haushaltsschaden, die Genugtuung und die in diesem
Zusammenhang angefallenen Anwaltskosten aufgekommen. Nicht
abgegolten sei hierdurch dagegen der Erwerbsausfallschaden der
Beschwerdeführerin und die hiermit in Zusammenhang stehenden
Anwaltskosten (vgl. Gesuch vom 14./23. April 2015 [VI-act. 2], Schreiben
vom 18. Dezember 2015 [VI-act. 31], Beschwerde vom 24. Juni 2016).
- 41 -
Diesen Schaden bezifferte die Beschwerdeführerin in dem am
27. Dezember 2012 gegen die C._ eingeleiteten
Betreibungsverfahren mit Fr. 3'000'000.-- zuzüglich Schadenszins von
5 % seit dem _. Zwischen der C._ und der Beschwerdeführerin
ist demnach streitig und wäre in einem allfälligen Zivilprozess zu klären,
ob die C._ aufgrund des Verkehrsunfalls für den
Erwerbsausfallschaden der Beschwerdeführerin in einem über die
erbrachten Leistungen hinausgehenden Umfang aufzukommen hat.
d) Es ist klar, dass der Beschwerdeführerin die erforderlichen
Rechtskenntnisse fehlen, um diesen Anspruch gegenüber der C._
(gerichtlich) durchsetzen zu können. Die von ihr hierfür in Anspruch
genommene, anwaltliche Unterstützung erweist sich demnach als
geeignet und grundsätzlich ebenfalls als erforderlich. Fraglich ist
hingegen, ob eine solche Schadenersatzklage und die zu deren
Vorbereitung bis anhin vorgenommenen Vorkehren angemessen sind.
Dies ist zu verneinen, wenn entsprechende Handlungen von vornherein
nutzlos erscheinen, da die erfolgreiche Geltendmachung des begehrten
Erwerbsschadens aussichtslos erscheint. Als aussichtslos sind Begehren
anzusehen, bei denen die Aussicht auf ein Obsiegen derart viel geringer
erscheinen als jene auf ein Unterliegen, dass sie kaum als ernsthaft
bezeichnet werden können. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die
nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu
einem Prozess entschliessen würde. Eine Partei soll einen Prozess, den
sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb
anstrengen können, weil er sie nichts kostet (Richtlinien zur Übernahme
von Anwalts- und Verfahrenskosten durch die Opferhilfe des Kantons
Luzern, August 2013, S. 4 [Bg-act. 2]; Merkblatt zur Übernahme von
Anwaltskosten, Kanton Zürich, S. 4 [Bg-act. 1]). Im Sinne dieser
Ausführungen ist nachfolgend unter summarischer Prüfung der
massgeblichen Sach- und Rechtslage zu prüfen, ob einer Klage der
- 42 -
Beschwerdeführerin gegen die C._ auf Ersatz des durch den
Verkehrsunfall erlittenen Erwerbsschadens offensichtlich kein Erfolg
beschieden wäre, mithin ist zu untersuchen, ob es unter den gegebenen
Umständen höchst unwahrscheinlich ist, dass der Beschwerdeführerin in
einem allfälligen Zivilverfahren der Beweis gelingen würde, durch den
Verkehrsunfall einen über die bereits erhaltenen Leistungen
hinausgehenden Erwerbsschaden erlitten zu haben.
11. a) Der Erwerbsschaden im Sinne von Art. 62 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 46
Abs. 1 OR ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Einkommen, das
die Geschädigte ohne Eintritt des haftungsbegründenden Ereignisses
erzielt hätte (sog. Valideneinkommen), und dem Invalideneinkommen,
das sie nach Eintritt des haftungsbegründenden Ereignisses in
Ausschöpfung der ihr verbliebenen Arbeitsfähigkeit zumutbarer Weise
noch realisieren könnte (BGE 129 III 135 E.2.2). Der entsprechende
Erwerbsausfall ist für die Zeit seit dem Schadenseintritt bis zum Urteilstag
konkret zu berechnen (BGE 117 II 609 E.9, 113 II 345 E.1a). Den
zukünftigen Erwerbsausfall hat der Richter aufgrund statistischer Werte
zu schätzen, wobei er den konkreten Umständen des Einzelfalls, soweit
möglich, Rechnung zu tragen hat (BGE 116 II 295 E.3a). Die Berechnung
des Erwerbsausfalls erfolgt rechtsprechungsgemäss auf der Grundlage
des Nettolohns (BGE 129 III 135 E.2.2). Um den Nettolohn zu bestimmen,
sind vom Bruttolohn die AHV-/IV-/EO-Beiträge sowie der ALV-Beitrag und
die Beiträge an die berufliche Vorsorge in Abzug zu bringen. Der
Haftpflichtige hat ausserdem für die Beeinträchtigung zukünftiger
Sozialversicherungsleistungen einzustehen (HEIERLI/SCHNYDER, in:
HONSELL/VOGT/WIEGAND [Hrsg.], Basler Kommentar, Obligationenrecht I,
Art. 1 - 529 OR, 5. Aufl., Basel 2011, Art. 46 N. 9a; LANDOLT, in:
GAUCH/SCHMID [Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen Zivilrecht, Die
Entstehung durch unerlaubte Handlung, Art. 45-49 OR, Band V/1c/2,
Zürich 2007, Art. 46 N. 763 ff.). Zudem schuldet er einen Schadenszins
- 43 -
von 5 %. Dieser ist von jenem Zeitpunkt an zu bezahlen, in welchem sich
das schädigende Ereignis ausgewirkt hat, bis zum Tag der Zahlung des
Schadenersatzes (BGE 131 III 12 E.9). Wird ein kapitalisierten
Schadenersatz für zukünftigen Erwerbsausfall zugesprochen, so beginnt
der Schadenszins im Zeitpunkt der Kapitalisierung zu laufen (BGE 131 III
12 E.9.5; HEIERLI/SCHNYDER, Basler Kommentar, Art. 42 N. 5). Für den
Nachweis des Erwerbsschadens gilt das herabgesetzte Beweismass der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 141 III 241 E.3.1, 130 III 321
E.3.3).
b) Im vorliegenden Fall ist hinsichtlich der Ausbildung und beruflichen
Tätigkeit der Beschwerdeführerin bekannt, dass diese in der Schweiz die
Primarschule sowie zwei Realschulklassen besuchte und anschliessend
eine Anlehre bei der G._ AG absolvierte. Daraufhin fand sie keine
Beschäftigung im erlernten Beruf, weshalb sie zunächst in einer Fabrik
(Gutachten von Dr. med. B._ vom 5. Juli 2007 S. 2) und alsdann vom
12. November 1990 bis zum 29. Oktober 1991 bei der H._ als
Kassiererin (SUVA-act. 19) arbeitete. Mit der letztgenannten Tätigkeit
erzielte sie ein Bruttoeinkommen, einschliesslich 13. Monatslohn, von
Fr. 2'492.-- (13 x Fr. 2'300.-- : 12 [SUVA-act. 172 S. 121]). Im
Unfallzeitpunkt war die Beschwerdeführerin seit knapp einem Jahr
arbeitslos und von der zuständigen Arbeitslosenkasse mehrfach wegen
übermässigen Bezugs von Ferientagen in der Anspruchsberechtigung
eingestellt worden (SUVA-act. 172 S. 110 und 121). Daraus sowie aus
der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin nach dem Unfallereignis nur
einige wenige Arbeitsversuche unternahm, um sich wieder in den
Arbeitsmarkt zu integrieren, folgert die Beschwerdegegnerin, dass es der
Beschwerdeführerin in einem allfälligen Haftpflichtprozess gegen die
C._ kaum gelingen dürfte, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
nachzuweisen, dass sie ohne das haftungsbegründende Ereignis wieder
eine Erwerbstätigkeit aufgenommen hätte. Diese Beurteilung überzeugt
- 44 -
nicht. Zwar kann nicht ausgeschlossen werden, dass der zuständige
Zivilrichter in Würdigung der massgeblichen Sachumstände zu diesem
Ergebnis gelangt. Es ist jedoch zu beachten, dass die
Beschwerdeführerin noch nie über einen klagbaren Unterhaltsanspruch
und (nennenswertes) Vermögen verfügt hat. Als Gesunde wäre sie für die
Bestreitung ihres Lebensunterhalts demnach auf ein Erwerbseinkommen
angewiesen gewesen. Sie wäre folglich nicht nur von der zuständigen
Arbeitslosenkasse, sondern auch der verantwortlichen Sozialhilfebehörde
dazu angehalten worden, sich um eine Arbeitsstelle zu bemühen. Im
Widerhandlungsfall hätte sie empfindliche Kürzungen in Kauf nehmen
müssen, zumal sie sich als junge Erwachsene ohne Betreuungspflichten
intensiv um eine neue Arbeitsstelle hätte bemühen müssen. In der Praxis
wird in solchen Konstellationen daher in der Regel von einer
Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit ausgegangen (vgl. dazu BGE 141
III 241 E.3.1; Urteile des Bundesgerichts 4A_138/2013 vom 27. Juni 2013
E.4.1, 9C_311/2010 vom 2. August 2010 E.1.3; LANDOLT, a.a.O., Art. 46
N. 600). Folglich dürfte die Beschwerdeführerin in einem allfälligen
Haftpflichtprozess gegen die C._ wohl mit hinreichender Gewissheit
nachweisen können, dass sie ohne das haftungsbegründende Ereignis
wieder eine vollzeitliche Erwerbstätigkeit aufgenommen hätte und bis zum
Erreichen des ordentlichen Pensionsalters (mutmasslich 20. August 2036)
einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachgegangen wäre. Dass die
Beschwerdeführerin nach dem Verkehrsunfall nur wenige
Arbeitsversuche unternahm, ändert daran nichts, da sie damals bereits
davon überzeugt war, aufgrund der erlittenen Unfallfolgen vollständig
arbeitsunfähig zu sein. Es erscheint daher durchaus wahrscheinlich, dass
der Beschwerdeführerin der Beweis gelingt, im Gesundheitsfall von 1993
bis voraussichtlich August 2036 vollzeitlich erwerbstätig gewesen zu sein.
Jedenfalls erscheint die gegenteilige Annahme nicht wahrscheinlicher. Mit
der Begründung, der Beweis der Wiederaufnahme und Fortführung einer
vollzeitlichen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall erscheine unter den
- 45 -
gegebenen Umständen nahezu ausgeschlossen, kann die begehrte
Kostengutsprache demnach nicht verweigert werden.
c) Welche Einkünfte die Beschwerdeführerin als vollzeitlich Erwerbstätige im
Gesundheitsfall erzielt hätte, ist nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung aufgrund des zuletzt erzielten Lohnes zu bestimmen,
wobei zukünftige Lohnerhöhungen oder –reduktionen zu berücksichtigen
sind. Dabei obliegt es der Beschwerdeführerin, die tatsächlichen
Umstände glaubhaft zu machen, aus denen der Richter auf eine
Lohnerhöhung schliessen kann. Rechtsprechungsgemäss ist bei der
Annahme einer solchen Entwicklung Zurückhaltung geboten (BGE 129 III
135 E.3.2; BREHM, Berner Kommentar, Allgemeine Bestimmungen: Die
Entstehung durch unerlaubte Handlungen, Art. 41-61 OR, Band VI, 1. Abt.
3. Teilband, 1. Unterteilband, 3. Aufl., Bern 2006, Art. 45 und 46 N. 12a).
Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdeführerin, soweit ersichtlich, nie
behauptet, sie hätte sich ohne das haftungsbegründende Ereignis
beruflich umorientiert und/oder eine Weiterbildung absolviert. In den
Akten finden sich auch keine entsprechenden Anhaltspunkte. Im
Gegenteil erscheint es unwahrscheinlich, dass die knapp durchschnittlich
intelligente Beschwerdeführerin (BEGAZ-Gutachten vom 4. Juni 2014 [IV-
act. 163 S. 49]), die nur eine Anlehre als Verkäuferin absolvierte und nie
in ihrem erlernten Beruf tätig war, sich ohne das haftungsbegründende
Ereignis beruflich weiterentwickelt hätte. In einem allfälligen
Haftpflichtprozess wäre daher wohl davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin als Gesunde von 1993 bis mutmasslich August 2036
vollzeitlich als Kassiererin tätig gewesen wäre. Mit einer solchen Tätigkeit
hätte sie in Anlehnung an den Landes-Gesamtarbeitsvertrag der H._
in den ersten fünf Jahren mutmasslich ein Bruttoeinkommen von
Fr. 2'492.-- erzielt, das sich nach 20. Dienstjahren etappenweise auf
Fr. 3'800.-- brutto erhöht hätte und zukünftig im Umfang der realen
Lohnentwicklung angestiegen wäre (vgl. Landes-Gesamtarbeitsvertrag für
- 46 -
die H._ Gruppe, abrufbar unter www.H._.ch > Stellen > die
Arbeitgeberin H._ > Gesamtarbeitsvertrag > H._ Landes-
Gesamtarbeitsvertrag, besucht am 1. Juni 2017). Diese Annahme wäre
freilich anzupassen, wenn längere Auslandaufenthalte der
Beschwerdeführerin, wie der derzeit offenbar seit Mitte 2016 in Italien,
nachgewiesen sind. Für die im Rahmen dieses Verfahrens
vorzunehmende approximative Erwerbsausfallberechnung ist der
einfachheithalber indessen von monatlichen Nettoeinkünften von
mindestens Fr. 2'240.-- (90 % von Fr. 2'492.--) bis ungefähr Fr. 3'500.--
(90 % von Fr. 3'800.--) auszugehen, welche die Beschwerdeführerin im
Gesundheitsfall von 1993 bis mutmasslich August 2036 voraussichtlich
als vollzeitliche Kassiererin erzielt hätte.
d) Dieses Valideneinkommen entspricht jedoch nur dem von der C._ zu
ersetzenden Erwerbsausfallsschaden, wenn die Beschwerdeführerin
aufgrund der durch das haftungsbegründende Ereignis erlittenen
Verletzungen bei Ausschöpfung der ihr verbliebenen Arbeitsfähigkeit kein
Erwerbseinkommen mehr erzielen kann (LANDOLT, a.a.O., Art. 46 N. 573).
Um beurteilen zu können, wie es sich diesbezüglich verhält, ist zunächst
der medizinisch-theoretische Grad der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin festzustellen. Dabei sind nur jene gesundheitlichen
Beeinträchtigungen zu berücksichtigen, die auf das haftungsbegründende
Ereignis zurückzuführen sind, d.h. in natürlichem und adäquatem
Kausalzusammenhang zum Verkehrsunfall stehen (BGE 132 III 715
E.2.2; 129 V 177 E.3.1; HEIERLI/SCHNYDER, a.a.O., Art. 41 N. 15 f.). Auf
der Grundlage des auf diese Weise ermittelten Gesundheitsschadens ist
alsdann die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit zu bestimmen, die
es erlaubt, zu beurteilen, welches Invalideneinkommen die
Beschwerdeführerin bei Ausschöpfung der ihr verbliebenen
Restarbeitsfähigkeit noch erzielen könnte. Eine verbleibende
Arbeitsfähigkeit ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung freilich
- 47 -
nur zu berücksichtigen, wenn sie mindestens 30 % beträgt (Urteil des
Bundesgerichts 4C.324/2005 vom 5. Januar 2006 E.3.2; 4A_99/2008 vom
1. April 2008 E.4.3.1; HEIERLI/SCHNYDER, a.a.O., Art. 46 N. 6).
e) Die Beschwerdeführerin erlitt durch den Verkehrsunfall – wie bereits
erwähnt – eine axiale Stauchung und klemmte sich das rechte OSG ein
(SUVA-act. 172 S. 48). In der Folge litt sie an persistierenden,
bewegungs- und belastungsabhängigen Schmerzen am rechten OSG,
verbunden mit einem Instabilitätsgefühl sowie gelegentlichem Knacken.
Dennoch erachtete die Universitätsklinik Balgrist die Beschwerdeführerin
im Gutachten vom 30. Juli 1996 in einer vorwiegend sitzenden Tätigkeit
für 100 % arbeitsfähig (SUVA-act. 173 S. 53). Im Bericht vom 1. März
2000 stellte der Kreisarzt alsdann eine posttraumatische
Arthroseentwicklung im Bereich des OSG fest (SUVA-act. 9) und
bestätigte diesen Befund im Bericht vom 20. Juni 2000 (SUVA-act. 12).
Der Versicherten sei eine Tätigkeit als Verkäuferin nicht mehr zumutbar.
Hingegen könne sie eine vorwiegend sitzende Tätigkeit mit
Wechselbelastung ausüben, wobei eine Arbeitszeit von 08.00-11.00 Uhr
sowie von 14.00-17.00 Uhr sinnvoll sei (SUVA-act. 12 S. 3). Mit
Gutachten vom 5. Juli 2001 diagnostizierte Dr. med. B._ bei der
Beschwerdeführerin ferner eine Persönlichkeitsstörung vom Borderline-
Typ (ICD-10: F 60.31), weshalb er die Beschwerdeführerin als voll
arbeitsunfähig einstufte. Diese Beurteilung relativierte er im
Verlaufsgutachten vom 5. Oktober 2011 (IV-act. 104) dahingehend, als er
zum Schluss kam, die Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ sei
derzeit kompensiert, die Beschwerdeführerin leide indessen an sozialen
Phobien sowie möglicherweise an einer somatoformen Schmerzstörung
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Der RAD-Psychiater, med. pract.
D._, stellte in seinem RAD-Bericht vom 18. Februar 2013 hingegen
keine psychische Krankheit mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest
(vgl. vorstehende Erwägung 6c). Diese Auffassung erachteten die
- 48 -
BEGAZ-Gutachter als unzutreffend, welche die Beschwerdeführerin im
Gutachten vom 4. Juni 2014 (IV-act. 163) aufgrund einer Panikstörung,
einer anhaltend somatoformen Schmerzstörung, einer abhängigen
Persönlichkeitsstörung, einem Status nach Tranquilizer-Abhängigkeit,
einem Status nach Flakefraktur trochlea tali OSG rechts sowie einer
Osteophytenabtragung bei sekundärer Arthrose als vollständig
arbeitsunfähig einstuften (vgl. vorstehende Erwägung 6d). Die fraglichen
Gutachten sind in sozialversicherungsrechtlichen Verfahren nach den dort
geltenden Standards eingeholt werden. Ihnen wird in einem allfälligen
gegen die C._ geführten Haftpflichtprozess voller Beweiswert
zugemessen werden, wenn die Gutachter darin zu schlüssigen
Ergebnissen gelangen, gegen deren Zuverlässigkeit keine konkreten
Indizien sprechen (BGE 140 III 24 E.3.3.1.3). Dies dürfte im vorliegenden
Fall jedenfalls hinsichtlich des BEGAZ-Gutachtens vom 4. Juni 2014
zutreffen, womit reelle Chancen bestehen, dass der Beschwerdeführerin
der Beweis gelingt, zumindest seit der Exploration durch Dr. med.
B._ im 2001 (Gutachten vom 5. Juli 2001) vollständig arbeitsunfähig
zu sein. Fraglich ist, ob und inwiefern der dieser Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit zugrunde liegende psychische Gesundheitsschaden und
die darüber hinausgehend bestehenden körperlichen Beschwerden in
natürlichem und adäquatem Kausalzusammenhang zum Verkehrsunfall
als haftungsbegründendes Ereignis stehen.
f) Der natürliche Kausalzusammenhang ist gegeben, wenn der
Verkehrsunfall nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch der
eingetretene Erfolg entfiele, er mithin eine unabdingbare Voraussetzung
(conditio sine qua non) für den Gesundheitsschaden darstellt. Ursachen
im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände,
ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten
oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit
eingetreten gedacht werden kann (BGE 132 III 715 ff., 128 III 180 E.2d,
- 49 -
125 IV 195 E.2b). Für den Begriff des natürlichen
Kausalzusammenhanges genügt es, dass das schädigende Ereignis
zusammen mit anderen Bedingungen zu den eingetretenen Folgen
geführt hat; es muss nicht deren alleinige oder unmittelbare Ursache sein
(BGE 125 IV 195 E.2.b, 96 II 392 E.1). Die Beweislast für den natürlichen
Kausalzusammenhang trägt die klägerische Partei. Es gilt das
herabgesetzte Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
(BGE 141 III 241 E.3.1, 130 III 321 E.3.3, 128 III 271 E.2b/aa).
aa) Der Beweis der natürlichen Kausalität dürfte der Beschwerdeführerin
aufgrund der in den sozialversicherungsrechtlichen Verfahren getätigten
medizinischen Abklärungen hinsichtlich ihrer Fussbeschwerden gelingen
(vgl. Gutachten von Dr. med. F._ vom 16. Mai 1994 [SUVA-act. 173
S. 48 ff.], orthopädisches Gutachten der Universitätsklinik Balgrist vom
30. Juli 1996 [SUVA-act. 173 S. 54 ff.], kreisärztlicher Bericht vom 1. Mai
2000 [SUVA-act. 9], kreisärztlicher Bericht vom 20. Juni 2000 [SUVA-
act. 12]). Den fraglichen medizinischen Abklärungen zufolge ist eine
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aufgrund dieser organischen
Unfallfolgen seit April 2000 ausgewiesen. Zum Umfang der
unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit liegen unterschiedliche
Einschätzungen vor. Im kreisärztliche Bericht vom 20. Juni 2000 (SUVA-
act. 12) wird in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit ausgeführt, der
Versicherten sei eine weitere Beschäftigung als Verkäuferin nicht mehr
zumutbar. Hingegen sei eine vorwiegend sitzende Beschäftigung mit
Wechselbelastung zumutbar, wobei eine Arbeitszeit von 08.00-11.00 Uhr
und am Nachmittag von 14.00-17.00 Uhr sinnvoll sei unter Einhaltung
einer längeren Mittagspause. Deutlich weniger gravierend schätzen die
BEGAZ-Gutachter die Folgen der durch den Verkehrsunfall erlittenen
Verletzungen ein, indem sie von einer 90%igen Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in einer fussschonenden Tätigkeit ausgehen (IV-
act. 163). Aufgrund der organischen Unfallfolgen steht folglich ab April
- 50 -
2000 eine unfallbedingte Beeinträchtigung in der Arbeitsfähigkeit von
10 % bis 30 % (6 Stunden : 8.5 Stunden) im Raum, die sich in Würdigung
der vorhandenen medizinischen Akten mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit belegen lässt. Davon gehen denn auch die Verfah-
rensparteien aus.
bb) Unterschiedlich beurteilen sie demgegenüber die Frage, ob die
psychischen Beschwerden der Beschwerdeführerin in natürlichem
Kausalzusammenhang zum Verkehrsunfall stehen. Die SUVA konnte
diese Frage offenlassen, da sie ihre Leistungspflicht infolge Fehlens des
adäquaten Kausalzusammenhangs verneinen konnte (vgl. vorstehende
Erwägung 8). Die Invalidenversicherung ist im Hinblick auf die Ursachen,
welche zu einem Gesundheitsschaden geführt haben, als finale
Versicherung ausgestaltet. Sie hat für die Folgen gesundheitlicher
Beeinträchtigungen daher ungeachtet ihrer Ursache aufzukommen
(SCARTAZZINI/HÜRZELER, Bundessozialversicherungsrecht, 4. Aufl., Basel
2012, § 13 N. 13). Deshalb befassen sich die von der IV-Stelle betreffend
die Beschwerdeführerin eingeholten medizinischen Gutachten und die
sonstigen von ihr veranlassten medizinischen Abklärungen nicht mit der
Unfallkausalität. Die hinzugezogenen Mediziner beschreiben jedoch den
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und dessen Entwicklung im
Laufe der Zeit, d.h. erheben mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher
Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die
gesundheitliche Verfassung der Beschwerdeführerin und stellen gestützt
darauf eine Diagnose. Auf dieser Grundlage schätzen sie daraufhin den
Grad der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ab. In diesen
Ausführungen äussern sie sich auch zur Ursache des von ihnen
festgestellten psychischen Gesundheitsschadens, was Rückschlüsse auf
die Kausalität zwischen dem Verkehrsunfall und dem psychischen
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zulässt. Die aus
haftpflichtrechtlicher Sicht interessierende Arbeits(un)fähigkeit der
- 51 -
Beschwerdeführerin kann auf dieser Grundlage indessen nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden. Davon geht denn
auch die Beschwerdeführerin aus. Sie ist jedoch der Meinung, das
BEGAZ-Gutachten vom 4. Juni 2014 (IV-act. 163) biete ausreichend
Anhaltspunkte, um in einem allfälligen Haftpflichtprozess gegen die
C._ ein gerichtliches Gutachten zu erwirken, dass die Frage des
natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen den psychischen
Beschwerden der Beschwerdeführerin und dem Unfallereignis untersuche
sowie den Grad der hierdurch bedingten Arbeitsfähigkeit festlege.
cc) In der Tat diagnostizierten die BEGAZ-Gutachter als psychische
Krankheiten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit insbesondere eine
Panikstörung, eine anhaltend somatoforme Schmerzstörung sowie einen
Status nach Tranquilizer-Abhängigkeit (gegenwärtig weitgehend
abstinent, noch regelmässiger Zolpidemgebrauch) und stellten einen
Zusammenhang zwischen diesen psychischen Krankheiten und dem
Verkehrsunfall her. Zur Begründung dieser Auffassung führten sie im
Gutachten vom 4. Juni 2014 im Wesentlichen aus, die körperlichen
Symptome seien ursprünglich verursacht worden durch eine gesicherte
körperliche Krankheit (IV-act. 163 S. 124), worauf sich eine anhaltend
somatoforme Schmerzstörung entwickelt habe. Diese Diagnose sowie die
chronifizierten Schmerzen hätten vorübergehend zu einem Tranquilizer-
Abusus geführt. Im Vordergrund stünde jedoch klar die Symptomatik aus
dem Formenkreis der Angststörung (IV-act. 163 S. 125). Die Versicherte
leide diagnostisch unter einer Panikstörung mit vormals vorhandener
Agoraphobie, die seit 1992 durchwegs bestehen würde (IV-act. 163
S. 125). Die Versicherte sei in ihrer ganzen Persönlichkeitsstruktur auf
den Unfall, auf die sekundäre Hilflosigkeit, auf ihre Schmerzen fixiert und
könne überhaupt keine vernünftigen Anpassungsleistungen erbringen, um
sich diesen zu entziehen (IV-act. 163 S. 126).
- 52 -
Diese Beurteilung der Ursache der von der Beschwerdeführerin beklagten
psychischen Beschwerden steht im Widerspruch zur Einschätzung von
Dr. med. B._ und dem RAD-Psychiater, med. pract. D._.
Ersterer stellte im Gutachten vom 5. Juli 2001 als Krankheit mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ausschliesslich eine
Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (ICD-10: 60.31) fest. Diese
Krankheit wurde offenkundig nicht durch den Verkehrsunfall verursacht.
Im Verlaufsgutachten vom 5. Oktober 2011 (IV-act. 104) kam Dr. med.
B._ auf diese Beurteilung freilich insofern zurück, als er neben einer
Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ soziale Phobien (F 40.1) und
den Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung diagnostizierte. Ob
diese Krankheiten im Zusammenhang mit dem Verkehrsunfall stehen,
thematisierte Dr. med. B._ im Verlaufsgutachten vom 5. Oktober
2011 nicht. Es liegt aber auf der Hand, dass Ausgangspunkt der
anhaltend somatoformen Schmerzstörung – wie von den BEGAZ-
Gutachtern ausgeführt – der Verkehrsunfall sein dürfte.
Schliesslich diagnostizierte med. pract. D._ im RAD-Bericht vom
18. Februar 2013 (IV-act. 119) keine psychische Krankheit mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, attestierte der Beschwerdeführerin
allerdings gleichwohl eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit, die in der
Entwicklung körperlicher Symptome (ICD-10: F 45.5) aus psychischen
Gründen fusst. Bei dieser Krankheit, für die auch der Begriff der
Rentenneurose verwendet wird, handelt es sich um eine Persönlichkeits-
und Verhaltensstörung, die durch die Persönlichkeit der Betroffenen
sowie Umgebungsfaktoren bedingt ist. Ausgelöst wird sie durch eine
gesicherte körperliche Störung, die wegen des psychischen Zustandes
des Betroffenen aggraviert oder verlängert wird (http://www.icd-code.de/ >
Entwicklung körperlicher Symptome, besucht am 2. Juni 2017).
- 53 -
Die von der IV-Stelle mit der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin beauftragten Psychiater gelangen folglich hinsichtlich
der Art und des Umfangs der psychischen Beschwerden der
Beschwerdeführerin zu unterschiedlichen Ergebnissen. Sie sind sich
jedoch insofern einig, als die Beschwerdeführerin (auch) an psychischen
Beschwerden leidet, die mutmasslich durch den Verkehrsunfall ausgelöst
wurden. Die medizinische Aktenlage deutet somit darauf hin, dass
psychische Unfallfolgen existieren. Inwiefern diese die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin beeinträchtigen, beurteilten die von der IV-Stelle
beauftragten Psychiater nicht, da sie die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung aller gesundheitlichen
Beeinträchtigungen festzulegen hatten (vgl. vorstehende Erwägungen 7b
- d). Ihre diesbezüglichen Einschätzungen reichen jedoch von einer
mittelfristig zu erlangenden 80%igen Arbeitsfähigkeit bis zur vollständigen
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin. In einem allfälligen
Haftpflichtprozess gegen die C._ wäre es daher unabdingbar, den
Grad der unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin
gutachterlich klären zu lassen.
Ob ein vom Zivilrichter bestellter Gutachter psychische Unfallfolgen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin als
überwiegend wahrscheinlich erachten würde, ist angesichts der
divergierenden ärztlichen Auffassungen zweifelhaft. Es kann aber nicht
gesagt werden, dass die Aussicht, dass er zu einem solchen Ergebnis
gelangt, von vornherein geringer erscheint als die Verneinung eines
natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen gewissen psychischen
Beschwerden der Beschwerdeführerin und dem Verkehrsunfall. Aufgrund
der medizinischen Aktenlage besteht eine durchaus realistische Chance,
dass ein medizinisches Gutachten sich der Auffassung der BEGAZ-
Gutachter anschliessen, psychische Unfallfolgen mit Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit bejahen und auf der Grundlage des Gutachtens von
- 54 -
Dr. med. B._ vom 5. Juli 2001 retrospektiv seit 2001, allenfalls auch
bereits seit 2000, als ausgewiesen ansehen würde. Daran ändert die
Tatsache nichts, dass der interessierende Verkehrsunfall als
haftungsbegründendes Ereignis im Zeitpunkt der Exploration durch den
Gerichtsgutachter bereits über 25 Jahre zurückliegen würde. Die
Beweisschwierigkeiten, welche den Nachweis eines natürlichen
Kausalzusammenhangs in einem solchen Fall im Allgemeinen scheitern
lassen, wirken sich dann nicht aus, wenn – wie vorliegend – Diagnosen
gestellt werden, die einen Zusammenhang zwischen den derzeitigen
psychischen Beschwerden und dem haftungsbegründende Ereignis
herstellen, dieses gleichsam als Ursache für die derzeitigen Beschwerden
bezeichnen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin besteht
vorliegend demzufolge durchaus die Aussicht, dass es der
Beschwerdeführerin in einem allfälligen Haftpflichtprozess gegen die
C._ gelingt, ein Gerichtsgutachten zu erwirken, in dem psychische
Unfallfolgen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bejaht würden.
Jedenfalls erscheint dieses Ergebnis im Vergleich zur Verneinung
psychischer Unfallfolgen nicht derart viel unwahrscheinlicher, dass es
kaum mehr als ernsthaft angesehen werden könnte. Mit der Begründung,
der natürliche Kausalzusammenhang zwischen den geltend gemachten
psychischen Beschwerden und dem Verkehrsunfall erscheine nahezu
ausgeschlossen, kann die begehrte Kostengutsprache folglich nicht
verweigert werden.
dd) Gelänge es der Beschwerdeführerin den natürlichen
Kausalzusammenhang zwischen den geltend gemachten Beschwerden
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und dem Unfallereignis zu
beweisen, so wäre in einem weiteren Schritt die Frage der Adäquanz zu
untersuchen. Hierbei handelt es sich um eine Rechtsfrage, die vom
Richter unter Würdigung sämtlicher Umstände des Einzelfalls zu
entscheiden ist. Dabei hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines
- 55 -
Gesundheitsschadens zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf
der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet
ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt
des Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint
(BGE 132 III 715, 123 III 112 E.3a, 122 V 415 E.2a, 121 III 363 E.5). Für
die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ist kein allzu
strenger, sondern ein realitätsgerechter Massstab anzulegen.
Haftpflichtrechtlich ist die Adäquanz im Unterschied zur
Sozialversicherung nicht nach der Schwere des Unfallereignisses zu
beurteilen. Damit ein Ereignis als adäquate Ursache eines Erfolges gilt
es, genügt, dass der Schädiger eine Schadensursache gesetzt hat, ohne
die es nicht zum Schaden gekommen wäre, während Mitursachen wie
etwa die konstitutionelle Prädisposition der Geschädigten den adäquaten
Kausalzusammenhang in der Regel weder zu unterbrechen noch
auszuschliessen vermögen (BGE 113 II 86 E.1b; Urteil des
Bundesgerichts 4C.75/2004 vom 16. November 2004 E.4.2;
HEIERLI/SCHNYDER, a.a.O, Art. 44 N. 14).
Die infrage stehende seitliche Kollision mit einem anderen Fahrzeug ist
nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen
Lebenserfahrung grundsätzlich geeignet, die ausgewiesenen körperlichen
Beschwerden, aber auch weitreichende psychische Beschwerden, wie die
vorliegend im Raum stehenden, zu verursachen. So bejahte das
Bundesgericht in der Vergangenheit selbst bei einfachen
Auffahrkollisionen, die eine Distorsion der Halswirbelsäule zur Folge
hatten, die adäquate Kausalität, wenn die unmittelbaren Unfallfolgen
ausgewiesen waren (vgl. etwa BGE 131 III 12 E.4). Vor diesem
Hintergrund erscheint es durchaus wahrscheinlich, dass der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen dem Verkehrsunfall und den
ausgewiesenen Unfallfolgen bei erwiesenem natürlichen
Kausalzusammenhang als gegeben angesehen würde. Die C._ hätte
- 56 -
demnach in diesem Fall sowohl für die organischen als auch die
psychischen Unfallfolgen mit Auswirkung auf Arbeitsfähigkeit einzustehen
und der Beschwerdeführerin den daraus resultierenden Erwerbsschaden
zu ersetzen.
g) Diesen Schaden kann die Beschwerdeführerin jedoch nicht vollumfänglich
geltend machen. Das im Haftpflichtrecht als allgemeines Prinzip
anerkannte Bereicherungsverbot schliesst es aus, der Geschädigten eine
Entschädigung zuzusprechen, welche den erlittenen Schaden übersteigt
(BGE 132 III 321 E.2.2.1, 131 III 12 E.7.1, 129 III 360 E.6.1). Eine darüber
hinausgehende Entschädigung kann die Geschädigte nicht
beanspruchen. Überentschädigungen können vorkommen, wenn der
Geschädigten verschiedene schadenausgleichende Leistungen während
derselben Zeitspanne für das gleiche Schadenereignis ausgerichtet
werden und die Summe der Leistungen den erlittenen
Vermögensschaden übertrifft. Anzurechnen sind der Geschädigten
Leistungen Dritter, die ereignisbezogen, sachlich, zeitlich und personell
kongruent sind und für welche daher auch Subrogations- oder
Regressansprüche bestehen (BGE 132 III 321 E.2.2.1). Das
Überentschädigungsverbot gilt namentlich auch im Verhältnis zwischen
Sozialversicherung und Haftpflicht (Art. 72 Abs. 1 ATSG, BGE 132 III 321
E.2.2.1, KIESER, ATSG-Kommentar, Art. 72 N. 9 ff.; LANDOLT, Zürcher
Kommentar, Vorbemerkungen zu Art. 45/46 N. 222). Die Geschädigte hat
sich kongruente Sozialversicherungsleistungen anrechnen zu lassen und
kann nur noch für den ungedeckten Direktschaden von der Haftenden
Ersatz verlangen (Art. 73 Abs. 3 ATSG; BGE 129 V 396; LANDOLT,
Zürcher Kommentar, Vorbemerkungen zu Art. 45/46 N. 223;
WEISSENBERGER, Basler Kommentar, Art. 62 N. 10).
h) Im vorliegenden Fall ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin seit dem
1. April 2001 bei einem Invaliditätsgrad von 33.33 % eine Invalidenrente
- 57 -
der SUVA bezieht. Ferner richtet ihr die IV-Stelle seit dem 1. November
2000 eine ganze Invalidenrente aus. Seit mehreren Jahren erhält die
Beschwerdeführerin schliesslich Ergänzungsleistungen und
Krankenkassenprämienverbilligungen (vgl. die mit dem Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege eingereichten Unterlagen). Ob die
Beschwerdeführerin die fraglichen Leistungen im interessierenden
Zeitraum durchgängig beanspruchen konnte und wie hoch diese gewesen
sind, ist nicht bekannt. Fest steht immerhin, dass die Beschwerdeführerin
im Jahr 2015 monatliche Sozialversicherungsleistungen im Gesamtbetrag
von Fr. 2'666.-- erhielt (IV-Rente: Fr. 1'206.--, SUVA-Rente: Fr. 1'044.60,
Prämienverbilligung Krankenkasse: Fr. 341.--, monatliche
Ergänzungsleistungen von Fr. 74.--). Diese Leistungen, die
ereignisbezogen, sachlich, zeitlich sowie personell kongruent zum
geforderten Schadenersatz sind und für welche daher auch Subrogations-
oder Regressansprüche der entsprechenden Sozialversicherungsträger
bestehen, sind im Rahmen der Schadenberechnung (Art. 42 OR) vom
ermittelten Erwerbsausfall in Abzug zu bringen. Die Beschwerdeführerin
kann von der C._ folglich nur den hierdurch nicht gedeckten
Direktschaden fordern, womit sich der einklagbare Schaden substantiell
verringert, mithin dürfte der einklagbare Direktschaden der
Beschwerdeführerin selbst bei Annahme einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit in der Zeit von 2000/2001 bis voraussichtlich August
2036 kaum Fr. 800.-- pro Monat zuzüglich Schadenszins von 5 %
übersteigen (Nettolohn: Fr. 2'240.--/Fr. 3'500.-- [vgl. vorstehende
Erwägung 10g] abzüglich Fr. 2'666.--). Von diesem direkten
Erwerbsausfall sind ferner die von der C._ im Jahr 1995 sowie am
29. Oktober 2001 zur Abgeltung des Erwerbsschadens erbrachten
Zahlungen von total Fr. 30'000.-- (VI-act. 8, 9) zu substrahieren.
i) Die Beschwerdeführerin räumt schliesslich selbst ein, dass bei der
Schadensberechnung (Art. 42 OR) oder der Bemessung des
- 58 -
Schadenersatzes (Art. 43/44 OR) womöglich einer konstitutionelle
Prädisposition als mitwirkender Zufall Rechnung zu tragen wäre. Eine
vorbestehende Gesundheitsschädigung, die sich auch ohne das
schädigende Ereignis ausgewirkt hätte, ist bei der Schadensberechnung
gemäss Art. 42 OR zu berücksichtigen; dem Haftpflichtigen ist nur der
tatsächlich auf das Ereignis zurückzuführende Schaden zurechenbar, für
das er haftet. Daher sind die vermögensrechtlichen Folgen
vorbestehender Schwächen, die sich mit Sicherheit oder doch mit hoher
Wahrscheinlichkeit auch ohne das schädigende Ereignis (z.B. in einer
verkürzten Lebens- oder Aktivitätsdauer) ausgewirkt hätten, von der
Schadensberechnung anteilsmässig auszuscheiden (BGE 131 III 12 E.4;
113 II 86 E.3b). Wäre der Schaden dagegen ohne den Unfall
voraussichtlich überhaupt nicht eingetreten, so bleibt der Haftpflichtige
dafür auch dann voll verantwortlich, wenn der krankhafte Vorzustand den
Eintritt des Schadens begünstigt oder dessen Ausmass vergrössert hat.
Der Schadenersatz kann in diesem Fall aber nach Art. 44 Abs. 1 OR
herabgesetzt werden, wenn es nach den Umständen unbillig erschiene,
den Haftpflichtigen den ganzen Schaden tragen zu lassen, z.B. bei einem
offensichtlichen Missverhältnis zwischen der Schadensursache und dem
Ausmass des eingetretenen Schadens (BGE 113 II 86 E.3b; Urteil des
Bundesgerichts 4A_45/2009 vom 25. März 2009 E.3; HEIERLI/SCHNYDER,
Basler Kommentar, Art. 44 N. 14). Ob und inwiefern aufgrund dieser
Grundsätze der von der C._ zu ersetzende Erwerbsausfall zu
reduzieren wäre, hängt vom Ergebnis des einzuholenden Gutachtens ab.
Es erscheint jedoch aufgrund der derzeitigen medizinischen Aktenlage
durchaus wahrscheinlich, dass ein konstitutionelle Prädisposition
angenommen und der zu ersetzende Schadenersatz reduziert werden
wird. Selbst in diesem Fall stünde der Beschwerdeführerin jedoch ein
Schadenersatz infolge Erwerbsausfalls zuzüglich Schadenszins zu.
- 59 -
j) Aus dem vorangehend Ausgeführten folgt, dass eine Zivilklage gegen die
C._ auf Ersatz des durch den Verkehrsunfall erlittenen direkten
Erwerbsausfalls vorliegend nicht aussichtslos erscheint. Dadurch könnte
die Beschwerdeführerin bei vollständiger unfallbedingter
Arbeitsunfähigkeit nach approximativer Schätzung einen ungedeckten
Erwerbsschaden von einigen hunderttausend Franken zuzüglich
Schadenszins erwirken. Wird dieser potentielle Schadenersatz den mit
einem Haftpflichtprozess gegen die C._ verbundenen mutmasslichen
Kosten für das Gerichtsverfahren und den zu erwartenden Anwaltskosten
gegenübergestellt, so bleibt ein nicht unerheblicher Restbetrag. Dieser ist
zwar deutlich geringer als jener der zu erwarten wäre, wenn der
Beschwerdeführerin die von ihr in Betreibung gesetzten Fr. 3'000'000.--
zuzüglich Zins von 5 % seit dem Verkehrsunfall als Schadenersatz
zustünden. Er ist aber genügend hoch, um eine Person, die über
ausreichend finanzielle Mittel verfügt, um einen Haftpflichtprozess zu
finanzieren, zu veranlassen, eine Haftpflichtklage gegen die C._ auf
Ersatz des direkten Erwerbsausfalls einzureichen. Die
Beschwerdegegnerin hat das Gesuch der Beschwerdeführerin um
Übernahme der Kosten für den gegen die C._ zu führenden
Haftpflichtprozess demzufolge zu Unrecht abgewiesen.
k) Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt somit als begründet, womit
Dispositiv-Ziff. 2 des angefochtenen Entscheids aufzuheben und das
Gesuch der Beschwerdeführerin vom 14./23 April 2015 um subsidiäre
Kostengutsprache für die Anwaltskosten im gegen die C._ zu
führenden Haftpflichtprozess auf Ersatz des direkten Erwerbsausfalls
gutzuheissen ist. Hiermit wird die Beschwerdegegnerin verpflichtet, die
von der Beschwerdeführerin in einem allfälligen gegen die C._
einzuleitenden Haftpflichtprozess zu tragenden Gerichtskosten und deren
Anwaltskosten im Sinne einer Ausfallgarantie gemäss Art. 4 OHG zu
übernehmen (vgl. vorstehende Erwägung 5a). Der Rechtsvertreter der
- 60 -
Beschwerdeführerin ist verpflichtet, andere Kostenträger zu suchen, die
Anwaltskosten insbesondere als Teil des Schadens von der C._
einzufordern, eine Parteientschädigung zu beantragen und ein Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege zu stellen. Kommt er dieser Verpflichtung
nicht nach, so kann nicht auf die Opferhilfe zurückgegriffen werden, um
die angefallenen Anwaltskosten zu decken (Urteil des Bundesgerichts
1C_26/2008 vom 18. Juni 2008 E.4; WYSSMANN/RUTSCHI, a.a.O.,
Rz. 38.93; GOMM/ZEHNTNER, a.a.O., Art. 4 N. 1, 3 ff.). Ausserdem hat der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin das Vorgehen im Hinblick auf die
Geltendmachung des Erwerbsausfallschadens gegenüber der C._
mit der Beschwerdegegnerin abzusprechen. Dabei dürfte es sich
anbieten, zunächst zu versuchen, sich mit der C._ dahingehend zu
einigen, dass die Beschwerdeführerin in Absprache mit der C._
(allenfalls auch die C._ auf Kosten der Beschwerdeführerin) ein
fachärztliches Gutachten bei einer von beiden Parteien akzeptierten
Gutachterstelle mit einem abgesprochenen Fragekatalog in Auftrag gibt,
verbunden mit der Abrede, dass das Ergebnis dieser fachärztlichen
Begutachtung sowohl von der Beschwerdeführerin als auch der C._
akzeptiert werden würde. Nach Vorliegen dieses Gutachtens wäre klar,
ob und gegebenenfalls welche Unfallfolgen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit existierten. Damit könnte der ohnehin nicht allzu
beträchtliche Schadenersatz berechnet werden und ein langwieriges
sowie kostspieliges Zivilverfahren vermieden werden. Der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin wird angehalten, zur Diskussion dieses oder
eines anderen von ihm als opportun erachteten Vorgehens mit der
Beschwerdegegnerin Kontakt aufzunehmen, um gemeinsam die weiteren
Schritte zu besprechen, die im Hinblick auf die Durchsetzung des direkten
Erwerbsausfallschadens gegenüber der C._ zu unternehmen sind.
Im Übrigen hat er bei der Beschwerdegegnerin regelmässig eine
detaillierte Zwischenabrechnung mit Angaben zum Zeitaufwand für die
anwaltliche Vertretung einzureichen.
- 61 -
12. a) Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin die bislang für die
Vorbereitung des Haftpflichtprozesses gegen die C._ entstandenen
Anwaltskosten zu tragen hat. Diesbezüglich wurde bereits festgestellt,
dass der Beschwerdeführerin die Rechtskenntnisse fehlen, um den
geltend gemachten Erwerbsausfallsschaden gegen die C._
durchsetzen zu können. Erstellt ist im Weiteren, dass eine anwaltliche
Vertretung für dieses Verfahren grundsätzlich erforderlich und unter den
gegebenen Umständen angemessen ist (vgl. vorstehende Erwägung
10d). Demnach hat die Beschwerdegegnerin grundsätzlich für die Kosten
der anwaltlichen Vertretung aufzukommen, die durch die Vorbereitung der
gegen die C._ einzuleitenden Zivilklage entstanden sind.
b) Diese juristische Unterstützung hat die Beschwerdegegnerin als
zuständige Opferhilfe-Beratungsstelle nach Aufwand zu entgelten. Die
Entschädigung entspricht jener der unentgeltlichen Vertretung und
amtlichen Verteidigung (Richtlinien zur Übernahme der Anwaltskosten
durch die Opferhilfe, Kantonales Sozialamt Graubünden, Stand 2009,
S. 5; www.gr.ch > Suchbegriff Richtlinie Übernahme Anwaltskosten,
letztmals besucht am 19. Juni 2017). Gemäss Art. 5 Abs. 1 der
Verordnung über die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen
und Rechtsanwälte (Honorarverordnung, HV; BR 310.250) wird dem
Rechtsanwalt für den berechtigten Aufwand der unentgeltlichen
Vertretung und der amtlichen Verteidigung ein Honorar von Fr. 200.-- pro
Stunde zuzüglich notwendiger Barauslagen und Mehrwertsteuer
ausgerichtet. Der Opferhilfe ist eine detaillierte Kostennote mit Angaben
zum Zeitaufwand für die anwaltliche Vertretung einzureichen. Wird keine
Honorarnote eingereicht, die eine umfassende Überprüfung der
Aufwendungen erlaubt, wird die Entschädigung nach Ermessen
festgesetzt (Art. 5 Abs. 3 HV). Die Opferhilfe überprüft die
Anwaltsrechnungen im Einzelnen und nimmt soweit erforderlich
- 62 -
Kürzungen vor. Es werden nur diejenigen Kosten übernommen, die im
Rahmen der erteilten Kostengutsprache angefallen sind. Wurde keine
Kostengutsprache eingeholt, so ist zu prüfen, ob die anwaltliche
Vertretung für die Geltendmachung der im Zusammenhang mit
Ansprüchen, die auf die Straftat zurückgehen, geeignet, notwendig und
angemessen ist.
c) Die Beschwerdeführerin führt im Leistungsblatt "übrige Bemühungen b.
Suva, Opferhilfe usw." verschiedene Arbeiten im Zusammenhang mit dem
hier interessierenden Haftpflichtprozess auf (VI-act. 3). So hat der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin am 22. sowie 23. Januar 2014 im
Hinblick auf das gegen die C._ einzuleitenden Klageverfahren die IV-
Akten studiert, die Erfolgschancen einer Klage gegen die C._
betreffend den erlittenen Erwerbsausfall und das prozessuale Vorgehen
während 210 Minuten abgeklärt und dadurch Spesen von Fr. 20.--
verursacht. Am 12. September 2014 besprach er diese Angelegenheit
telefonisch mit der Beschwerdeführerin, wobei er hierfür sowie die
Besprechung betreffend das damals laufende SUVA-Verfahren 20
Minuten veranschlagte. Mangels anderslautender Angaben ist dieser
Aufwand zur Hälfte, d.h. im Umfang von 10 Minuten, dem
interessierenden Haftpflichtprozess zuzuweisen. Am 18. sowie 19.
September 2014 verfasste der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin in
der Folge ein Schreiben zuhanden der C._, wofür er insgesamt 360
Minuten aufwendete und Spesen von Fr. 100.-- entstanden. Tags darauf
informierte er die Beschwerdeführerin während 15 Minuten hierüber.
Alsdann studierte er am 2. Oktober 2014 die abschlägige Antwort der
C._ und telefonierte anschliessend mit der Beschwerdeführerin,
wofür er 30 Minuten aufwendete und Spesen von Fr. 5.-- entstanden.
Schliesslich dürfte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer am
29. Januar 2015 weitere Abklärungen betreffend die gegen die C._
einzuleitende Haftpflichtklage getroffen haben, ohne diese Arbeiten
- 63 -
jedoch näher zu spezifizieren. Deshalb ist deren Umfang weder
ausgewiesen noch kann er geschätzt werden. Damit hat der
Rechtsvertreter zur Vorbereitung der gegen die C._ einzuleitenden
Klage seit September 2012 nachweislich 625 Minuten aufgewendet (210
Minuten + 10 Minuten + 360 Minuten + 15 Minuten + 30 Minuten) und
Barauslagen von Fr. 125.-- (Fr. 20.-- + Fr. 100.-- + Fr. 5.--) getätigt. Dieser
Aufwand erscheint dem Gericht für die Vorbereitung der interessierenden
Haftpflichtklage angemessen. Demzufolge ist dem Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin hierfür eine Entschädigung von Fr. 2'385.-- (Honorar:
Fr. 2'083.30 [625 : 60 x Fr. 200.--] + Barauslagen: Fr. 125.-- + MWST:
Fr. 176.70 [8 % von Fr. 2'208.30]), einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer, zuzusprechen. Auch insofern erweist sich die
vorliegende Beschwerde folglich als begründet. Die Beschwerdegegnerin
ist somit zu verpflichten, der Beschwerdeführerin für die vorprozessualen
Arbeiten im Zusammenhang mit dem von der Beschwerdeführerin gegen
die C._ einzuleitenden Haftpflichtprozess auf Ersatz des
Erwerbsausfalls Fr. 2'385.-- zu bezahlen (vgl. Urteil des
Versicherungsgerichts St. Gallen vom 21. Januar 2010 OH/2009 E.3.3 f.).
13. a) Schliesslich bringt die Beschwerdeführerin vor, die Beschwerdegegnerin
habe die Kosten für die anwaltliche Vertretung im vorinstanzlichen
Verfahren zu übernehmen. Es treffe nicht zu, dass die
Beschwerdegegnerin ihr von Anfang signalisiert habe, das eingereichte
Gesuch sei aussichtslos. Vielmehr habe sie die Beschwerdeführerin
aufgefordert, Unterlagen einzureichen, und zur Klärung des Sachverhalts
mehrfach mit dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin telefoniert.
Bereits mit E-Mail vom 23. Januar 2014 sei die Beschwerdegegnerin
ausführlich über das weitere Vorgehen in Kenntnis gesetzt worden. In der
Zeit von Januar bis April 2015 habe der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin sodann das Gesuch um Opferhilfe ausgearbeitet und
die hierfür erforderlichen Unterlagen zusammengetragen. Ab April 2015
- 64 -
habe er verschiedentlich mit Sachbearbeitern der Beschwerdegegnerin
telefoniert und gewünschte Unterlagen eingereicht. Am 9. Oktober 2015
habe er die Sachbearbeiterin zurückgerufen. Anlässlich dieses Telefonats
seien Fragen betreffend den natürlichen und adäquaten
Kausalzusammenhang, das Beweisverfahren und die Beweiswürdigung
betreffend den gegen die C._ einzuleitenden Haftpflichtprozess
diskutiert worden. Auf Wunsch der Beschwerdegegnerin habe der
unterzeichnende Rechtsvertreter daraufhin weitere Unterlagen
eingereicht. In der Folge habe die Beschwerdegegnerin insbesondere die
Behauptung, die Subsidiarität der Kostenübernahme sei durch die
Vereinbarung vom 20. Mai 1997 nicht gewahrt, fallengelassen. Unter
diesen Umständen seien auch die Bemühungen des unterzeichnenden
Rechtsvertreters nach dem 19. November 2015 nebst der objektiven
Notwendigkeit aufgrund des Vertrauensschutzes gerechtfertigt, da sie
direkt durch die haltlosen Behauptungen der Beschwerdegegnerin
veranlasst worden seien.
b) Die Beschwerdegegnerin wendet dagegen ein, die Beschwerdeführerin
habe sich erstmals im 2013 an sie gewandt, worauf ihr Fr. 500.-- als
Soforthilfe gewährt worden seien. Andere Anträge seien gegenüber der
Opferhilfe damals nicht gestellt worden. Eine Erneuerung oder
Anknüpfung an dieses Gesuch sei daher nicht möglich. Dieses Gesuch
sei im Übrigen nicht durch den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
eingereicht worden. Dieser habe die Beschwerdegegnerin zwar mit E-Mail
vom 23. Januar 2014 über das weitere Vorgehen informiert. Dies
indessen auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin hin. Die Erkundigungen
seien eingeholt worden, weil die Beschwerdeführerin nicht über das
weitere Vorgehen informiert gewesen sei. Zudem sei Rechtsanwalt
Acocella mit E-Mail vom 15. Januar 2014 mitgeteilt worden, aus Sicht der
Beschwerdegegnerin sei ein baldiger Abschluss des Verfahrens für die
Genesung der Beschwerdeführerin anzustreben. Rechtsanwalt Acocella
- 65 -
habe ausserdem erst am 23. April 2015 ein Gesuch um Übernahme der
Anwaltskosten gestellt. Bis dahin habe die Beschwerdegegnerin nicht
mehr mit Rechtsanwalt Acocella korrespondiert. Einzig am 11. September
2014 habe sie noch kurz mit Rechtsanwalt Acocella telefoniert. Diese
Aufwendungen seien nicht zu entschädigen. Zwar könne juristische Hilfe
grundsätzlich auch für bereits aufgelaufene Anwaltskosten zugesprochen
werden. Werde erst im Nachhinein ein Gesuch gestellt, so trage der
Anwalt bzw. das Opfer das Risiko, dass juristische Handlungen als nicht
notwendig, nicht angemessen oder nicht geeignet betrachtet würden und
mit dieser Begründung eine Übernahme der fraglichen Kosten abgelehnt
würde.
c) Bei der Beurteilung von Gesuchen um Übernahme der Kosten für die
anwaltliche Vertretung ist zu unterscheiden zwischen den Kosten, die
ausserhalb eines Opferhilfeverfahrens anfallen, und solchen die durch die
anwaltliche Vertretung im Opferhilfeverfahren selbst entstehen. Ob
Letztere zu übernehmen sind, richtet sich nicht nach dem
Opferhilfegesetz, sondern ausschliesslich nach dem massgeblichen
Verfahrensrecht (WEISHAUPT, Finanzielle Ansprüche nach
Opferhilfegesetz, in: SJZ 98 [2002] Nr. 14, S. 349 ff., 352; wohl auch
Bernische Verwaltungsrechtsprechung BVR 2011 Heft 1 S. 24 ff., 39 f.
E.6.3; a.A. Merkblatt zur Übernahme von Anwaltskosten, Kanton Zürich,
S. 4 [Bg-act. 1]). Danach hat jede Person, die nicht über die erforderlichen
Mittel verfügt, das Recht auf einen unentgeltlichen Rechtsbeistand, soweit
dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist und ihr Rechtsbegehren
nicht aussichtslos erscheint. Nach der zu dieser in Art. 29 Abs. 3 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101)
enthaltenen Regelung ergangenen Rechtsprechung sind Begehren
aussichtslos, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind
als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet
werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn
- 66 -
sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten
oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine
Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger
Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde. Ob im Einzelfall
genügende Erfolgsaussicht besteht, beurteilt sich aufgrund einer
vorläufigen und summarischen Prüfung der Prozessaussichten, wobei die
Verhältnisse im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs massgebend sind
(BGE 140 V 521 E.9.1, 138 III 217 E.2.2.4, 134 I 92 E.3.2.1). Dieser
Anspruch findet seine Schranke allein im Rechtsmissbrauchsverbot; nur
bei mutwilliger und trölerischer Prozessführung kann die
Verbeiständigung verweigert werden (BGE 134 I 92 E.3.2.1, 129 I 281
E.4.5). Ein Anspruch auf rückwirkende Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege für Kosten, die vor Einreichung des Gesuchs entstanden
sind, ergibt sich aus Art. 29 Abs. 3 BV nicht (BGE 122 I 203 E.2;
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013,
Rz. 661). Diese Regelung wird in Art. 76 Abs. 1 VRG für das nichtstreitige
und streitige Verwaltungsverfahren wiederholt.
d) Die Beschwerdeführerin beantragte im Gesuch vom 14./23. April 2015,
einschliesslich des zugehörigen Begleitschreibens (VI-act. 1, 2), die
unentgeltliche Rechtspflege mit Rechtsvertretung durch Rechtsanwalt
Dr. iur. Acocella nicht. Im Schreiben vom 17. Juli 2015 stellte sie ebenfalls
kein entsprechendes Gesuch. Erst im Schreiben vom 18. Dezember 2015
führte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin aus, ab Februar 2015
bis zum diesem Datum seien erhebliche Anwaltskosten entstanden,
verursacht durch das Verfassen des zu beurteilenden Opferhilfegesuchs
sowie die diesbezüglichen Anfragen der Beschwerdegegnerin und die
Bemühungen zu dessen Begründung. In der Beilage erhalte die
Beschwerdegegnerin das diesbezüglich ergänzte Leistungsblatt (VI-
act. 38). Werden diese Ausführungen als Antrag um Gewährung der
- 67 -
unentgeltlichen Rechtspflege angesehen, so kann der im vorerwähnten
Leistungsblatt für die Zeit vom 23. April bis zum 18. Dezember 2015
aufgeführte Aufwand von 34.58 Stunden sowie Spesen im Betrag von
419.-- (VI-act. 39) nur insofern berücksichtigt werden, als er für die
Redaktion des Schreibens vom 18. Dezember 2015 angefallen ist. Die
übrigen Anwaltskosten sind vor Einreichung des Gesuchs um
unentgeltliche Rechtspflege entstanden. Da die unentgeltliche
Rechtspflege praxisgemäss nicht rückwirkend gewährt wird, können die
fraglichen Aufwendungen nicht entschädigt werden. Zur Diskussion steht
also die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für die vom
23. November bis 18. Dezember 2015 entstandenen Anwaltskosten im
Betrag von Fr. 3'840.50 (Honorar: 17.33 Stunden x Fr. 200.-- = Fr. 3'466.-
- [20 Minuten {23.11.2015} + 180 Minuten {14.12.2015} + 240 Minuten
{15.12.2015} + 240 Minuten {16.12.2015} + 180 Minuten {17.12.2015} +
180 Minuten {18.12.2015} = 1'040 : 60], Spesen: Fr. 90.--, MWST:
Fr. 284.50 [8 % von Fr. 3'556.--] [VI-act. 39]).
e) Bei der Klärung der Frage, ob eine unentgeltliche Rechtspflege
diesbezüglich sachlich notwendig war, sind rechtsprechungsgemäss die
konkreten Umstände des Einzelfalls und die Eigenheiten der
anwendbaren (kantonalrechtlichen) Verfahrensvorschriften zu
berücksichtigen. Die bedürftige Partei hat Anspruch auf unentgeltliche
Verbeiständung, wenn ihre Interessen in schwerwiegender Weise
betroffen sind und der Fall in tatsächlicher sowie rechtlicher Hinsicht
Schwierigkeiten bietet, die den Beizug eines Rechtsvertreters erforderlich
machen (BGE 128 I 225 E.2.5.2, 122 I 49 E.2c). Falls das in Frage
stehende Verfahren besonders stark in die Rechtsposition des
Betroffenen eingreift, ist die Bestellung eines unentgeltlichen
Rechtsvertreters grundsätzlich geboten (BGE 128 I 225 E.2.5.2;
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013,
- 68 -
Rz. 660). Die Geltung der Offizial- und Untersuchungsmaxime schliesst
die Notwendigkeit der Verbeiständung nicht aus, doch erlaubt sie das
Anlegen eines strengeren Massstabs, weshalb in den betreffenden
Verfahren höhere Anforderungen an die Notwendigkeit der
Rechtsverbeiständung zu stellen sind (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O.,
Rz. 660).
f) Im vorliegenden Fall gilt es in diesem Zusammenhang zu beachten, dass
sich die Beschwerdeführerin im Schreiben vom 18. Dezember 2015 (VI-
act. 31) zur Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom 19. November
2015 (VI-act. 30) äusserte, in welcher diese unter Bezugnahme auf die
Vorbringen der Beschwerdeführerin mit einlässlicher Begründung die
Ablehnung des Gesuchs vom 14./23. April 2015 in Aussicht stellte. Die
Beschwerdeführerin war aufgrund ihrer persönlichen Verhältnisse nicht im
Stande, dieses Schreiben zu verstehen und darauf in angemessener
Weise zu reagieren (BEGAZ-Gutachten vom 4. Juni 2014 [IV-act. 163
S. 49]). Die anwaltliche Vertretung war somit sachlich notwendig, um der
Beschwerdeführerin zu ermöglichen, auf das Schreiben vom
19. November 2015 in angemessener Weise zu antworten. Eine andere
Frage ist, ob die begehrte Kostenübernahme für die anwaltliche
Vertretung im IV-, SUVA- und in dem gegen die C._ einzuleitenden
Haftpflichtprozess zu diesem Zeitpunkt als aussichtslos anzusehen war.
Dies muss in Bezug auf die Übernahme der Anwaltskosten für das IV-
und das SUVA-Verfahren bejaht werden, war doch bereits damals
aufgrund des Studiums der entsprechenden Akten offenkundig, dass die
Beschwerdeführerin auf eine anwaltliche Vertretung in den fraglichen
Verfahren nicht angewiesen war (vgl. dazu vorstehende Erwägungen 7
und 8). Das von der Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren
gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung ist folglich insoweit abzuweisen, als es sich auf
Arbeiten sowie Spesen bezieht, die für die Begründung der begehrten
- 69 -
Kostengutsprachen im IV- sowie SUVA-Verfahren angefallen sind. Anders
verhält es sich in Bezug auf die beantragte Kostenübernahme für die
anwaltliche Vertretung im gegen die C._ einzuleitenden
Haftpflichtprozess, die sich nicht aussichtslos erwies (vgl. vorstehende
Erwägungen 10-12).
g) Die Beschwerdeführerin hat es versäumt, im Leistungsblatt "übrige
Bemühungen b. Suva, Opferhilfe usw. Ergänzung ab 23.4.2015" (VI-
act. 39) den Aufwand für das IV-, SUVA und dem gegen die C._
einzuleitenden Haftpflichtprozess gesondert auszuweisen. Die
eingereichte Kostennote erlaubt es daher nicht, die Kosten für die
anwaltliche Vertretung im Zusammenhang mit der Kostengutsprache für
den gegen die C._ einzuleitenden Haftpflichtprozess zu bestimmen.
Die entsprechenden Kosten werden daher vom Gericht nach Ermessen
auf Fr. 1'280.20 (Fr. 3'840.50 : 3), inkl. Barauslagen und MWST, festlegt
(Art. 5 Abs. 3 HV). Es bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin in der
Lage ist, diese Anwaltskosten innert angemessener Frist zu decken und
damit als bedürftig im Sinne von Art. 29 Abs. 3 BV i.V.m. Art. 76 Abs. 1
VRG zu gelten hat. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung richtet
sich die prozessuale Bedürftigkeit nach der gesamten wirtschaftlichen
Situation der Rechtsuchenden im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs.
Dazu gehören einerseits sämtliche finanziellen Verpflichtungen,
andererseits die Einkommens- und Vermögensverhältnisse. Bei der
Ermittlung des notwenigen Lebensunterhaltes ist nicht schematisch auf
das betreibungsrechtliche Existenzminimum abgestellt, sondern den
individuellen Umständen Rechnung getragen werden. Die Grenze für die
Annahme der Bedürftigkeit im Sinne der Regeln über die unentgeltliche
Rechtspflege liegt jedoch höher als diejenige des betreibungsrechtlichen
Existenzminimums. Ein allfälliger Überschuss zwischen dem zur
Verfügung stehenden Einkommen und dem Zwangsbedarf der
Gesuchstellerin ist mit den für den konkreten Fall zu erwartenden
- 70 -
Gerichts- und Anwaltskosten in Beziehung zu setzen, dabei sollte der
monatliche Überschuss es der Gesuchstellerin ermöglichen, die
Prozesskosten bei weniger aufwendigen Prozessen innert eines Jahres,
bei komplexeren innert zweier Jahre zu tilgen. Entscheidend ist zudem,
ob die gesuchstellende Partei mit dem ihr verbleibenden Überschuss in
der Lage sei, die anfallenden Gerichts- und Anwaltskostenvorschüsse
innert absehbarer Zeit zu leisten (BGE 120 Ia 179 E.3a; 124 I 1 E.2a;
Urteil des Bundesgerichts 9C_234/2008 vom 4. August 2008 E.4; BÜHLER,
in: SCHÖBI [Hrsg.], Gerichtskosten, Parteikosten, Prozesskaution,
unentgeltliche Prozessführung, Bern 2001, S. 181 f.).
h) Das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden hat sich bereits im die
Beschwerdeführerin betreffenden Urteil U 15 43 vom 8. Oktober 2015
eingehend mit der Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin
auseinandergesetzt (VI-act. 29). Dabei kam es zum Schluss, dass die
Beschwerdeführerin über einen monatlicher Überschuss von Fr. 141.95
verfüge. Die dieser Beurteilung zugrunde liegende Situation hat sich laut
dem Schreiben vom 21. November 2016 im Juni 2016 insofern geändert,
als sich die Beschwerdeführerin von ihrer Partnerin trennte und nach
Italien zog (Beilage 13 zum URP-Gesuch). Bis dahin und damit während
des gesamten vorinstanzlichen Verfahrens entsprach deren finanzielle
Situation folglich der im Urteil U 15 43 vom 8. Oktober 2015 festgestellten.
Demnach ist die Beschwerdeführerin in der Lage, die infrage stehenden
Anwaltskosten von Fr. 1'280.20 mit dem ihr zur Verfügung stehenden
monatlichen Überschuss von Fr. 141.95 innert 10 Monaten (Fr. 1'280.20 :
Fr. 141.95) zu bezahlen. Die Beschwerdeführerin ist somit nicht bedürftig.
Damit ist das von der Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren
gestellte Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege abzuweisen.
i) Soweit sich die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang auf den
Vertrauensschutz (Art. 9 BV) beruft, ist nicht erkennbar, inwiefern sie
- 71 -
hierdurch in ihrem berechtigten Vertrauen in Zusicherungen oder in
anderweitiges, bestimmte Erwartungen erweckendes Verhalten der
Beschwerdegegnerin enttäuscht worden sein sollte (vgl. dazu
HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl.,
Zürich/St. Gallen 2016, Rz. 624, 627). Die Beschwerdegegnerin hat nie in
irgendeiner Form zu erkennen gegeben, die im vorinstanzlichen
Verfahren entstandenen Anwaltskosten der Beschwerdeführerin zu
übernehmen. Soweit die Beschwerdeführerin das Gegenteil aus dem
mehrmaligen Nachfragen der Beschwerdegegnerin ableitet, ist
festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin zwar gehalten ist, den
rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären (Art. 11
Abs. 1 VRG). Das Opfer ist indessen verpflichtet, an der Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts mitzuwirken (Art. 4 Abs. 3 VVzOHG,
Art. 11 Abs. 2 VRG). Die Partei kann es nicht einfach der zuständigen
Behörde überlassen, ihr zu ihrem Recht zu verhelfen. Insbesondere dort,
wo es ihr zum eigenen Vorteil gereicht oder bei Beweismitteln, von deren
Existenz nur die Partei selbst Kenntnis hat, hat sie sich an der Ermittlung
des rechterheblichen Sachverhalts zu beteiligen
(KRAUSKOPF/EMMENEGGER/BABEY, in: WALDMANN/ WEISSENBERGER [Hrsg.],
Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz [VwVG], 2. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 13 N. 6). Wenn die Beschwerdegegnerin die
Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren aufforderte,
zusätzliche Unterlagen einzureichen und ihr Gesuch um langfristige Hilfe
in Form der Übernahme der Kosten für die anwaltliche Vertretung
eingehender zu begründen, so erfolgte dies als Ausfluss der die
Beschwerdeführerin treffenden Mitwirkungspflicht. Daraus lässt sich in
Bezug auf die hiermit verbundenen Anwaltskosten nichts ableiten. Auch
unter diesem Blickwinkel war die Beschwerdegegnerin somit nicht
verpflichtet, die durch das vorinstanzliche Verfahren verursachten
Anwaltskosten zu übernehmen. In dieser Beziehung erweist sich die
Beschwerde demnach als unbegründet und ist abzuweisen.
- 72 -
14. Es bleibt über die Gerichts- sowie Parteikosten und das Gesuch der
Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im
Beschwerdeverfahren zu entscheiden.
a) Gemäss Art. 30 Abs. 1 OHG ist das vorliegende Beschwerdeverfahren
kostenlos.
b) Hinsichtlich der Parteikosten ist zu beachten, dass die
Beschwerdeführerin mit ihrer Beschwerde insoweit durchgedrungen, als
Dispositiv-Ziff. 2 der angefochtenen Verfügung vom 16. Mai 2016
aufgehoben und dem Gesuch der Beschwerdeführerin um subsidiäre
Kostengutsprache betreffend den gegen die C._ einzuleitenden
Haftpflichtprozess auf Ersatz des direkten Erwerbsausfalls im Sinne der
Erwägungen stattgegeben wird. Ausserdem hat die Beschwerdegegnerin
der Beschwerdeführerin für die vorprozessualen Arbeiten im
Zusammenhang mit dem fraglichen Verfahren Fr. 2'385.--, inkl.
Barauslagen und MWST, zu bezahlen. Im Übrigen haben sich die Anträge
der Beschwerdeführerin als unbegründet erwiesen und sind abzuweisen.
Als teilweise obsiegende Partei hat die Beschwerdeführerin im Verhältnis
zwischen Obsiegen und Unterliegen Anspruch auf Erstattung der ihr
durch den Rechtsstreit entstandenen Kosten (Art. 78 Abs. 1 VRG). Bei
der Festlegung des fraglichen Verteilungsschlüssels kommt dem Gericht
vorliegend ein erheblicher Ermessenspielraum zu, da trotz der an sich
vermögensrechtlichen Streitigkeit der Umfang, in dem die
Beschwerdeführerin obsiegt hat, in Unkenntnis der zukünftigen
Anwaltskosten nicht genau festgelegt werden kann (vgl. PLÜSS, in:
GRIFFEL [VRG], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des
Kantons Zürich, 3. Aufl., Zürich/Basel/ Genf 2014, § 13 N. 43 und N. 53).
Unter diesen Umständen erscheint es dem Gericht in Orientierung an den
gestellten Einzelanträgen angemessen, die Beschwerdeführerin als zu
- 73 -
einem Drittel obsiegend anzusehen. Demzufolge hat die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin einen Drittel der durch das
vorliegende Beschwerdeverfahren verursachten, notwendigen Kosten zu
ersetzen. Hinsichtlich der festgestellten Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör infolge unvollständigen Beizugs der IV-Akten erscheint
eine darüber hinausgehende Kostenübernahme nicht erforderlich (vgl.
vorstehende Erwägung 3e). Die fragliche Beweisvorkehr war vorliegend
nur für die Beurteilung der Kostengutsprache betreffend den gegen die
C._ einzuleitenden Haftpflichtprozess von Bedeutung. In dieser
Beziehung wird die vorliegende Beschwerde ohnehin gutgeheissen,
womit sich die Heilung der Gehörsverletzung nicht zu Ungunsten der
Beschwerdeführerin ausgewirkt hat. Damit erweist sich eine
Kostenüberbindung unter dem Blickwinkel des Verursacherprinzips (vgl.
PLÜSS, a.a.O, § 13 N. 49) nicht als erforderlich, weshalb es bei der
Übernahme eines Drittels der Parteikosten sein Bewenden hat.
c) Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin macht für das vorliegende
Beschwerdeverfahren im Schreiben vom 21. November 2016 einen
Zeitaufwand von 59.50 Stunden sowie Spesen von Fr. 512.-- zuzüglich
8 % MWST geltend, den er durch das eingereichte Leistungsblatt
"A._" belegt. Bei einem üblichen Stundenansatz von Fr. 240.-- (Art. 2
Abs. 1 HV) werden hiermit somit Anwaltskosten im Gesamtbetrag von
Fr. 15'975.35 (Honorar: Fr. 14'792.-- [59.50 Stunden x Fr. 240.--], Spesen:
Fr. 512.--, MWST: Fr. 1'183.35) geltend gemacht. Diese erscheinen dem
Gericht indessen als übersetzt. Freilich erstreckt sich der rechtserhebliche
Sachverhalt über rund zwei Jahrzehnte, ist die medizinische Sachlage
höchst komplex ist und stellen sich betreffend die begehrte
Kostengutsprache für den gegen die C._ einzuleitenden
Haftpflichtprozesses etliche, schwierig zu beantwortende Fragen. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat die Beschwerdeführerin
allerdings seit 1994 in allen zur Durchsetzung der sich aus dem
- 74 -
Verkehrsunfall ergebenden Ansprüche vertreten. Er befasst sich folglich
bereits seit Jahrzehnten mit dem vorliegenden Fall und hatte bereits vor
dem vorliegenden Verfahren Kenntnis vom rechtserheblichen
Sachverhalt. Er konnte sich somit darauf beschränken, die aus
opferhilferechtlicher Sicht relevanten Sach- und Rechtsfragen
herauszuschälen. Davon ausgehend erscheinen dem Gericht Fr. 8'000.--,
inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen, für die Vertretung der
Beschwerdeführerin im vorliegenden Beschwerdeverfahren als
angemessen, zumal bereits für das vorinstanzliche Verfahren
Anwaltskosten von total Fr. 7'888.30 geltend gemacht wurden (VI-act. 39).
Demzufolge ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der
Beschwerdeführerin eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 2'666.70
(Fr. 8'000.-- : 3) zu bezahlen.
d) Bei diesem Ergebnis wird das von der Beschwerdeführerin im
vorliegenden Verfahren gestellte Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung insoweit gegenstandslos, als es die Übernahme
der Anwaltskosten betreffend die begehrte Kostengutsprache im
Zusammenhang mit dem gegen die C._ einzuleitenden
Haftpflichtprozess betrifft. Im Übrigen ist es abzuweisen, da sich die
vorliegende Beschwerde hinsichtlich der begehrten Kostenübernahme für
die anwaltliche Vertretung im IV- sowie SUVA-Verfahren als aussichtslos
erweist (vgl. vorstehende Erwägungen 7 und 8).