Decision ID: 1d1da3bf-2c43-546c-849b-7ebc5f68c6bb
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965,
meldete sich
am
1.
Oktober 2001 aufgrund von Beschwerden im Zusammenhang mit einem am 2
5.
September 2000 erlitte
nen Schleudertrauma
bei der Inval
id
enversicherung zum Leistungsbezug an
(
Urk.
7/3). Mit
Verfügung vom 1
7.
April 2003 der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
wurde der Versicherten
bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
ab
dem 1. Januar 2002 eine ganze Rente
zugesprochen
(Urk. 7/38).
1.2
Im Herbst 2003 leitete die IV-Stelle ein Revisionsverfahren ein (vgl. Urk. 7/46). Gestützt auf ein vom Unfallversicherer beim Zentrum
Y._
eingeholtes Gutachten
vom 2. Dezember 2003 (
Urk.
7/47/2-35) errechnete die IV-Stelle einen neuen Invaliditätsgrad von 70
%
. Der Versicherten wurde mit Mitteilung vom 5. Januar 2005 ein unveränderter Anspruch auf eine ganze Rente bescheinigt (Urk. 7/58).
1.3
Die im Dezember 2005 (Urk. 7/68) und Juli 2007 (Urk. 7/81) eingeleite
ten Rentenrevisionen ergaben ei
nen unveränderten Rentenanspruch (Urk. 7/75; 7/87).
1.4
Im
November
2012 wurde eine weitere Rentenrevision eingeleitet
(vgl. Urk. 7/94-96+100). Die
IV-Stelle
holte diverse Arztberichte ein (Urk. 7/10
7, 7/110-113) und lud die Versi
cherte zu Gesprächen betreffend Wiederein
gliederung ein (Urk. 7/108, Urk. 7/117-118). Mit Vorbescheid vom 4. Fe
bruar 2014 stellte sie
der Versicherten die Aufhebung der bisherigen ganzen Rente gestützt auf die Schluss
bestimmung
en
der Änderung des Bundesg
esetzes über die Invalidenversi
cherung (IVG)
vom
1
8.
März 2011 (nachfolgend: Schlussbe
stimmungen 6a)
in Aussicht (Urk. 7/120). Dagegen erhob die Versicherte am 4. März 2014 Einwand (Urk. 7/123) und gleichentags auch eine vorsorg
liche Beschwerde beim hiesigen
Sozialversicherungsg
ericht (Urk. 7/127/5-6). Mit Beschluss vom 11. März 2014 trat das Gericht auf die Beschwerde nicht ein (Urk. 7/127/1-4; Prozess Nr. IV.2014.00266).
Mit Schreiben vom 29. Juli 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie eine polydisziplinäre medizinische Begutachtung als notwendig erachte (Urk. 7/133). Die Versicherte erklärte sich mit der Begutachtung am
Z
en
tr
um
Z._
beziehungsweise den in Aussicht gestellten Gutachtern nicht einverstanden (vgl. Urk.
7/164+167+
170)
.
Gegen die
Zwischenverfügung vom 31. März 2016
, worin
die IV-Stelle an der polydisziplinären Begutachtung durch Ärzte des
Z._
fest
hielt (Urk. 7/173)
,
erhob die Versicherte Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht (
Urk.
7/
175/
3-14
)
.
Diese wurde mit Urteil vom
8.
November 2016
im Verfahren IV.
2016.00514
abgewiesen (
Urk.
7/180
).
Das Bundesgericht trat auf die dagegen erhobene Beschwerde nicht ein (Urteil 8C_
836/2016 vom 3. März 2017, Urk. 7
/1
82
).
Am 2
8.
Juli 2017 erstatteten die Ärzte der
Z._
das polydis
ziplinäre Gutachten (
Urk.
7/206/1-138
).
Mit Schreiben vom 1
7.
August 2017 liess die Versicherte den
Z._
-Gutachtern ein
en
Arztbericht zur Stellungnahme zukommen (
Urk.
7/208). Dieser wurde vom
Z._
an die IV-Stelle weitergeleitet, da das Gutachten bereits abgeschlossen und versandt
worden war
(vgl. Schreiben vom 1
8.
August 2017,
Urk.
7/210). Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs zum Gutachten (
Urk.
7/211,
Urk.
7/216)
stellte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 2
2.
Mai 2018
erneut
die Einstellung der bisherigen Invalidenrente in Aussicht (
Urk.
7/224).
Dagegen erhob die Versicherte am
2
0.
Juni 2018 (
Urk.
7/225) sowie
ergänzend am
2
9.
August 2018 (
Urk.
7/229)
Einwand. Mit Verfügung vom
1.
Oktober 2018 hielt die IV-Stelle am Vorbescheid fest und verfügte die Einstel
lung der Rente (
Urk.
2 = 7/232).
2.
Die Versicherte erhob am
1.
November 2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom
1.
Oktober 2018 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen, insbesondere weiterhin eine Rente, zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
5.
Dezember 2018 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Mit Gerichtsverfügung vom 1
6.
Januar 2019 wurde das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der
Beschwerde (vgl.
Urk.
1 S. 2
Ziff.
2) abgewiesen und antragsgemäss ein zweiter Schriftenwechsel durchgeführt (
Urk.
8). Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Eingabe einer Replik (
Urk.
9), was der Beschwerdegegnerin am 2
2.
Februar 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, die Überprüfung der Invalidenrente gemäss Schlussbestimmung
en 6a
habe ergeben, dass die Diagnosen, welche zur
Rentenzusprache
geführt
hätten
, zu den ätiologisch-pathogenetisch unklaren
syndromalen
Zustandsbildern ohne nach
weisbare organische Grundlage gehören würden (S. 1 f.). Im Zeitpunkt der
Rentenzusprache
habe keine Diagnose mit organischem Korrelat oder eine eigen
ständige psychiatrische Erkrankung vorgelegen (S. 3 Mitte). Gestützt auf das beweiskräftige
Z._
-Gutachten vom 28. Juli 2017 sei von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit in bisheriger sowie angepasster Tätigkeit auszugehen. Da der Invaliditätsgrad 30 %
betrage
, sei die bisherige Rente aufzuheben (S. 2 unten).
1.2
Demgegenüber stellt sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1), vorliegend seien die Schlussbestimmungen 6a nicht anwendbar, da im Zeitpunkt der
Rentenzusprache
insbesondere organische und psychiatrische Beschwerdebil
der
vorgelegen hätten
und für die damalige
Rentenzusprache
entscheidend gewesen seien. Die
Rentenzusprache
könne nicht pauschal auf unklare Beschwer
debilder zurückgeführt werden (S. 5 f. Ziff. 6 f.). Ebenfalls seien neurologische und neuropsychologische Defizite, welche nicht zu den sogenannten «PÄUSBONOG» gehören würden, ausgewiesen. Die Aufhebung der bisherigen Invalidenrente im Rahmen der Schlussbestimmungen
6a
sei somit nicht zulässig (S. 10 Ziff. 12).
1.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die bisherige Rente mit angefochtener Verfügung vom 1. Oktober 2018 zu Recht aufgehoben hat. Dabei ist insbesondere die Anwendbarkeit der Schlussbestimmungen 6a strittig.
2.
2
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs.
2
IVG
).
2.3
Nach
lit
. a
Abs.
1 der am 1.
Januar 2012 in Kraft getretenen Schlussbe
stimmun
gen der Änderung vom 18.
März 2011 des IVG (6.
IV-Revision, erstes Mass
nahmenpaket; kurz:
lit
. a Abs. 1
SchlB
IVG 6.
IV-Revision
) werden Renten, die bei pathogenetisch-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage gesprochen wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung überprüft. Sind die Voraussetzungen nach Artikel 7 ATSG nicht erfüllt, so wird die Rente herabgesetzt oder aufgeho
ben, auch wenn die Voraussetzungen von Artikel 17 Absatz 1 ATSG
nicht erfüllt sind. Diese Bestimmung ist verfassungs- und EMRK-konform (BGE 139 V 547 E. 3).
Die in
lit
. a
Abs.
1
SchlB
6.
IV-Revision
vorgesehene Rentenherabsetzung beziehungsweise -aufhebung ist nicht auf vor dem
1.
Januar 2008 zugesprochene Renten beschränkt. Erging die fragliche
Rentenzusprache
aber bereits in Beach
tung der jeweils relevanten Rechtsprechung zu pathogenetisch-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grund
lage, bleibt kein Raum für ein Rückkommen unter dem Titel der Schlussbestim
mung (BGE 140 V 8 E. 2).
Laufende Renten sind vom Anwendungsbereich von
lit
. a
Abs.
1
SchlB
zur
6.
IV-Revision nur ausgenommen, wenn und soweit sie auf erklärbaren Beschwerden, das heisst auf einer nachweisbaren objektivierbaren Grundlage beruhen. Lassen sich unklare von erklärbaren Beschwerden trennen, können die Schlussbestim
mungen der
6.
IV-Revision auf erstere Anwendung finden (BGE 140 V 197 E. 6.2, in Präzisierung u.a. von
BGE 139 V 547
E. 10.1.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_738/2013 vom
8.
April 2014 E. 3.1.2.1 mit Hinweis).
Demnach ist die Schluss
bestimmung bei kombinierten Beschwerden anwendbar, wenn die unklaren und die «erklärbaren» Beschwerden – sowohl diagnostisch als auch hin
sichtlich der funktionellen Folgen – auseinandergehalten werden können. Ein organisch begründeter
Teil
der Arbeitsfähigkeit kann bei Anwend
barkeit der Schlussbestim
mung nur neu beurteilt werden, sofern eine Veränderung im Sinne von
Art.
17 ATSG eingetreten ist. Insoweit wird im Anwendungsbereich der Schlussbestim
mung vom Grundsatz abgewichen, dass die Verwaltung im Rahmen einer materiellen Revision – um eine solche handelt es sich auch hier – den Rentenan
spruch in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend prüft (Urteil des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 2.4.2 mit Hinweisen).
Ist ein «Mischsachverhalt» gegeben, bei dem es unmöglich ist festzustellen, wie gross der Anteil der organisch bedingten Beschwerden bei der Rentenzu
sprechung war, wäre ein Abstellen auf die aktuelle gutachtliche Einschätzung nicht zu vereinbaren mit der Rechtsprechung, wonach der auf erklärbaren Beschwerden beruhende Teil der Invalidität unter dem Rechtstitel der Schlussbe
stimmung nicht überprüft werden kann. In einem solchen Fall bestimmt sich die (zu einer
integralen
Neuprüfung führende) Anwendbarkeit der Schlussbestim
mung nach folgendem Grundsatz: Besteht (im Zeitpunkt der Rentenzusprechung und/oder -überprüfung) neben dem
syndromalen
Zustand eine davon unabhän
gige organische oder psychische Gesundheitsschädigung, so hängt die Anwend
barkeit der Schlussbestimmung davon ab, dass die weitere («
nichtsyndromale
») Gesundheitsschädigung die anspruchserhebliche Arbeitsun
fähigkeit nicht mitverursacht, das heisst letztlich nicht selbständig zur Begrün
dung des Rentenanspruchs beigetragen hat. Wenn sie die Auswirkungen des unklaren Beschwerdebildes bloss verstärkte, bleibt eine Rentenrevision unter diesem Rechts
titel möglich (Urteil des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
Sep
tember 2014 E. 2.6 mit Hinweisen).
Da der Bestand laufender Renten wesentlich von medizinischen Aspekten abhängt, sind an die entsprechenden Abklärungen besonders hohe Anforderun
gen zu stellen. Namentlich muss verlangt werden, dass die Untersuchungen im Zeitpunkt der Revision aktuell sind und sich mit der massgeblichen Fragestellung auseinandersetzen. Soweit die versicherte Person sich – auch mit Bezug auf die Chancen, welche die Wiedereingliederungsmassnahmen bieten – der Beurteilung durch die Verwaltung und deren regionalen ärztlichen Dienst nicht anschliessen kann, dürfte sich in der Regel eine neue, polydisziplinäre Begutachtung als unumgänglich erweisen (vgl. BGE 139 V 547 E. 10.2).
2.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
2.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
2.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
3.
3.1
Der Beschwerdeführerin wurde mit Verfügung vom 17. April 2003 eine ganze Invalidenrente ab 1. Januar 2002 (Invaliditätsgrad 100 %) zugesprochen (Urk. 7/38).
Im Herbst
2003 leitete die Beschwerdegegnerin ein Revisionsverfah
ren ein (vgl. Urk. 7/46). Nachdem ihr das vom Unfallversicherer eingeholte
Y._
-Gutachten vom 2. Dezember 2003 zugestellt
worden war
, holte
sie beim behandelnden Arzt einen Bericht ein (vgl. Bericht vom 10. August 2004, Urk. 7/52). Nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; Urk. 7/57/2)
stellte
die Beschwerdegegnerin auf das
Y._
-Gutachten ab und ging neu von einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit von 50 % aus. Die Neubemessung des Invaliditätsgrades (vgl. Einkommensvergleich vom 1. September 2004, Urk. 7/54) ergab einen solchen von
(neu)
70 %. De
r
Beschwerdeführerin
wurde
mit Mitteilung vom 5. Januar 2005 ein unveränderter Rentenanspruch (weiterhin ganze Rente) bescheinigt (Urk. 7/58).
3.2
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle des
wegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
auf dem W
eg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangs
sachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
desge
richts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E.
3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 201
3 E.
3.1.2).
Es sind keine
Gründe
ersichtlich
, die gegen die Anwendbarkeit dieser - im Rahmen des Revisionsverfahrens nach Art. 17 ATSG geltende
n
- Rechtsprechung auch anlässlich der Überprüfung nach
SchlB
IVG sprechen würden.
Da anlässlich der im Herbst 2003 eingeleiteten ersten Rentenrevision nach dem Gesagten (vgl. E. 3.1) eine
rechtskonforme Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdi
gung und Durchführung eines Einkommensvergleiches vorgenommen wurde, beurteilt sich die Frage, ob eine Rentenanpassung nach
lit
. a Abs. 1
SchlB
IVG 6. Revision zulässig ist,
unter Berücksichtigung der im Rahmen dieses Revisions
verfahrens eingeholten medizinischen Unterlagen
, insbesondere dem
Y._
-Gutachten
, zumal dieses kurz nach Erlass der rentenzusprechenden Verfügung erfolgte
und
gestützt auf
dasselbe
von einer Verbesserung des Gesundheitszu
standes der Beschwerdeführerin
ausgegangen wurde
.
4.
4.
1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
hielt am 5. Feb
ruar 2001 (Urk.
7/12/18
) fest, die Beschwerdeführerin leide seit der Auffahrkolli
sion vom
2
5.
September 2000 an persistierenden Rückenschmerzen. Die
radiologischen Abklärungen vom Schädel und der Halswirbelsäule (HWS) aufgrund der erlittenen HWS-Distorsion hätten keine ossären Läsionen
ergeben. Auch die
an das Unfallereignis
anschliessende 24-stündige stationäre Über
wachung
wegen des Verdacht
s einer Commotio cerebri sei problemlos verlaufen (vgl. Bericht vom 26. September 2000, Urk. 7/12/5). Kurz nach der Entlassung aus dem Spital seien
Schwindel, O
hrsausen und
-s
techen, sowie eingeschränkte Konzentration aufgetreten. Bis aktuell leide sie an Merkfähigkeitsstörungen, Stechen in den Ohren, diffuse
n Rückenschmerzen sowie diffusen
panvertebrale
n
Beschwerden, die auch in den Hinterkopf ausstrahlen würden.
4
.2
Im Bericht vom 16. Mai 2001
(Urk. 7/7/6-8)
führte
Dr.
med.
B._
, Fach
arzt für Neurologie, aus, die Beschwerdeführerin habe neben dem HWS-Trauma vermutlich auch ein leichtes Kopftrauma, allenfalls eine leich
te Commotio cerebri
,
erlitten. Da
für würden zwei kurze
absenzartige
Zustände sprechen.
Organisch fassbare
Läsionen dürfte die Beschwerdeführerin aber
gemäss
Dr.
B._
nicht erlitten haben.
Der neurologische Status sei unauffällig gewesen
, ebenso die durchgeführten Zusatzuntersuchungen (S. 3 «Beurteilung».
Dr.
B._
diagnos
tizierte ein
en
Status nach Schleudertrauma der HWS (S. 1).
4
.3
PD
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilita
tion sowie
für Rheumatologie, nannte im Bericht vom 19. Dezember 2001
(
Urk.
7/7/3-15)
als Diagnose ein
zervikozephales
Syndrom bei Status nach Auto
unfall am 25. September 2000 (
lit
. A). Die Beschwerdeführerin leide an belastungsabhängigen Nacken-Kopfschmerzen, aber auch an psychischer Instabilität, verminderter Konzentrationsfähigkeit und Vergesslichkeit (
lit
. D1).
4
.4
Vom 5. März bis 2. April 2002 war die Beschwerdeführerin in der Rehaklinik
D._
hospitalisiert (Bericht vom 13. Mai 2002, Urk.
7/20/5-9
).
Im rheuma
tologisch-orthopädischen Status wurde insbesondere
eine
Druckdolenz
im gesamten Bereich der HWS sowie auch in der
Kalottenmitte
festgehalten.
Die Weichteile im Bereich der oberen und unteren Extremitäten seien überempfind
lich auf Druck. Der neurologische Status ergab keine Auffälligkeiten (S. 3 Mitte).
Bei der neuropsychologischen Untersuchung hätten sich mehrfach deutliche Minderleistungen gezeigt. Im Rahmen der Interpretation der Ergebnisse der neuropsychologischen Untersuchung seien wahrscheinlich vorbestehende Anteile zu beachten, welche durch das Unfallereignis, die neurovegetativen und die affektiven Folgen dekompensiert seien (S. 4 Mitte).
Folgende Diagnosen wurden gestellt (S. 1)
-
Status nach Verkehrsunfall am 25. September 2000 mit HWS-Distorsion und leichter traumatischer Hirnverletzung (Commotio cerebri)
; konseku
tiv:
-
zervikozephaler
Symptomenkomplex
-
neuropsychologische Funktionsstörungen
-
rezidivierend depressive Episoden
-
rezidivierende vegetative Dysfunktion
Zur Orientierung über das künftige Arbeitsfeld sei der Beschwerdeführerin zunächst
zu empfe
hlen, therapeutische Arbeitseinsätze durchzuführen.
Ziel sollte sein, eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit zu erreichen. Vorerst sei die Beschwerdeführerin weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben (S. 4 f.).
4
.5
Im Bericht vom 2
5.
respektive 28. Februar 2002 (Urk. 7/30/3-5) nannte
Dr.
C._
die bisher gestellte Diagnose (vgl. vorstehend E.
4.4
) sowie die von den Ärzten der Rehaklinik
D._
diagnostizierten (
lit
. A). Er attestierte weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfäh
igkeit (
lit
. B) und wies auf
seit dem 30. Juli 2002, als die Beschwerdeführerin ein brüskes Ausweichmanöver habe durchführen müssen, verstärkte Beschwerden im Bereich des Nackens und der Lendenwirbelsäule
hin
(LWS;
lit
. D7).
4
.6
Im Auftrag des Unfallversicherers der Beschwerdeführerin erstatteten die Ärzte des
Y._
am 2. Dezember 2003 ein polydisziplinäres
Gutachten
(Urk. 7/47/2-35).
Die Beschwerdeführerin habe im Wesentlichen über Kopf- und Nackenschmerzen, Vergesslichkeit und Konzentrationsschwäche sowie
Thorakalgien
und Schulter
schmerzen geklagt. Daneben habe sie auch von Schmerzen im Bereich der ganzen Wirbelsäule und über Gefühllosigkeit der Arme berichtet
sowie
Lärm- und Licht
empfindlichkeit geltend gemacht (S. 23 Ziff. 2).
Die Gutachter stellten folgende Diagnosen (S. 23 Ziff. 1):
-
Status nach HWS-Distorsionstrauma am 25. September 2000 mit persis
tierendem
zervikozephalem
Schmerzsyndrom
-
vegetative Dysfunktion, wahrscheinlich im Rahmen einer milden post
traumatischen Hirnschädigung
-
histrionische Persönlichkeitsstörung
Die Gutachter beurteilten das
Beschwerdebild als komplexes Geschehen, bei welchem sowohl organische als
auch funktionelle Anteile mitwirken würden, welche sich quantitativ nicht auseinanderhalten liessen. Sie seien jedoch der Ansicht, dass den organisch begründbaren Beschwerden eine massgebliche Bedeutung am aktuellen Zustandsbild zukomme (S. 31 Ziff. 8).
Organischer Genese seien die
zervikozephalen
Beschwerden (S. 28 Ziff. 1b). Die aktuellen Beschwerden stünden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom September 2000, würden aber durch die vorbe
stehende histrionische Persönlichkeitsstörung eine starke Ausgestaltung und eine erhebliche funktionelle Verstärkung erfahren.
Es sei daher davon auszugehen, dass die vorbestehende histrionische Persönlichkeitsstörung erheblich
exazerbiert
sei (S. 24 Ziff. 4).
5.
5.1
Aus den dargelegten medizinischen Akten geht hervor, dass die Beschwerdefüh
rerin sowohl anlässlich der
Rentenzusprache
wie auch im Rahmen der ersten Rentenrevision an einem Symptomkomplex im Rahmen des erlittenen HWS-Traumas litt. So beklagte die Beschwerdeführerin Schmerzen im Bereich des Rückens, der Schultern und des Nackens sowie Kopfschmerzen,
Druckdolenzen
, Gefühlsstörungen im Bereich der Arme, Lichtempfindlichkeit
, Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen. Sie entwickelte auch ein depressive
s Geschehen
und vegetative Dysfunktionen. Die als vorbestehend erachtete histrioni
sche Persön
lichkeitsstörung hat
gemäss
Y._
-Gutachter
sodann
zu einer starken Ausgestal
tung und zu einer erheblichen funktionellen Verstärkung d
ieser Beschwerden geführt, ohne dass
davon
unterscheidbare, eigenständige Befunde oder Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit im Zusammenhang mit der diagnostizierten Persönlichkeitsstörung erhoben wurde
n
(vgl. dazu: Urteil des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 2.6).
Das Beschwerdebild wurde von den besagten Gutachtern
denn auch
als kom
plexes Geschehen interpretiert
, wobei den
zervikozephalen
Beschwerden eine massgebliche Bedeutung am Beschwerdebild zugemessen wurde (E. 4.6).
Dem Feststellungsblatt vom 2. Oktober 2002 ist zu entnehmen, dass die
Renten
zusprache
aufgrund eines
zervikozephalen
Syndroms bei Status nach Autounfall am 25. September 2000 erfolgte (Urk. 7/34/2 oben).
Dieses Syndrom lag auch noch anlässlich der ersten Rentenrevision vor. Das
zervikozephale
Syndrom
- welches im Zusammenhang mit der erlittenen HWS-Distorsion stand -
wurde von den Ärzten zwar als organisch begründet bezeichnet. Allerdings wurden
keine
organisch
objektiv ausgewiesene
n
Befunde, welche mittels bildgebenden Abklärungen hätten nachgewiesen werden können, dokumentiert. Im Gegenteil: Die radiologischen Abklärungen des Schädels und der HWS ergaben
damals
keine organisch fassbaren Läsionen (vorstehend E. 4.1 f.).
Soweit die Beschwerdeführerin i
n diesem Zusammenhang geltend
macht, es seien im MRI-Befund vom 7. Februar 2014 «
mechanische Läsione
n im Bereich der HWS» dokumentiert worden (vgl. Urk. 1 S. 6 Ziff. 8),
lässt sich
daraus nichts
Aussagekräftiges entnehmen
. Denn für die zu prüf
ende Frage der Anwendbarkeit von
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
6.
IV-Revision
ist vorliegend der medizinische Sach
verhalt
gemäss den Darlegungen in Erwägung 3.1 massgebend.
Der bei der Beschwerdeführerin damals vorge
legene Symptom
komplex ist gerade typisch für das bei HWS-Distorsionen vorherrschende unklare Beschwerdebild
, welches zu den sogenannten «PÄUSBONOG» zählte (vgl. BGE 136 V 279)
. Auch das depres
sive Geschehen, die neuropsychologischen Funktionsstörungen oder die vegeta
tiven Dysfunktionen
- allenfalls im Rahmen einer Commotio cerebri, welche jedoch nur als Verdachtsdiagnose gestellt wurde (vgl. vorstehend E. 4.1 f., E. 4.6) -
konnte
n
nicht vom besagten unklaren Beschwerdebild abgegrenzt werden
(vgl. vorstehend E. 4.4)
.
Die organischen Beschwerden (vorliegend das
zervikozephale
Syndrom) beruhten gerade
nicht auf einer nachweisba
ren objektivierbaren G
rundlage. Etwas
a
nderes (vgl.
Urk.
1 S. 6 oben) kann auch nicht aus den Darlegungen im
Z._
-Gutachtern abgeleitet werden
(vgl.
Urk.
7/206/33
Ziff.
4
und 6
).
Es ist daher festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der
Rentenzu
sprache
wie auch der ersten Rentenrevision unter einem unklaren - organisch nicht nachweisbaren - Beschwerdebild
als Folge der
HWS-Distorsion und dementsprechend unter einem pathogenetisch-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebild ohne nachweisbare organische Grundlage litt.
5.2
Nachdem
weder
anlässlich der
Rentenzusprache
noch im Rahmen des ersten Revisionsverfahrens
unbestrittenermassen
eine Zumutbarkeits- beziehungsweise Überwindbarkeitsprüfung durchgeführt wurde, ist eine Überprüfung der Rente nach
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
6.
IV-Revision grundsätzlich möglich
.
5.3
Was die zeitliche Anwendbarkeit von
lit
. a
SchlB
IVG 6. IV-Revision anbelangt, so wurde die Rentenüberprüfung unbestrittenermassen zwischen Anfang 2012 und Ende 2014 und damit innert der gesetzlich vorgeschriebenen Dreijahresfrist (vgl. dazu BGE 140 V 15 E. 5.3.4.2) eingeleitet (
vgl. Urk. 7/94-96+100; vgl. auch
Urk.
7/117+118/6-7
).
Sodann bezog die Beschwerdeführerin am 1. Januar 2012 die Invalidenrente noch nicht seit mehr als 15 Jahren und
sie hat im Zeitpunkt des Inkrafttretens der Änderung
auch noch nicht
das
55
. Altersjahr zurückgelegt
, weshalb sie sich zu Recht nicht auf die für solche Rentenbezüger geltende Schutzbestimmung nach
lit
. a Abs. 4 der Schlussbestimmung zur 6. IV-Revision beruft.
5.4
Dementsprechend
ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin in Anwendung der Schl
ussbestimmungen 6a
den Rentenanspruch überprüfte.
6.
6.1
Zu prüfen bleibt, ob im Zeitpunkt der Revision die Voraussetzungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG erfüllt waren. Zur Beurteilung dieser Frage holte die Beschwerde
gegnerin ein polydisziplinäres Gutachten bei der
Z._
ein.
6.2
Aus dem
Z._
-Gutachten vom 28. Juli 2017 (Urk. 7/206
), welches gestützt auf die Abklärungen in den Disziplinen Innere Medizin, Neurologie, Orthopädie, Neuropsychologie und Psychiatrie erfolgte, gehen folgen
de
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hervor (S. 17):
-
persistierendes zervikales Syndrom mit/bei
-
mehrsegmentalen degenerativen Aufbrauchbefunden der HWS entsprechend der fMRI-Verlaufskontrolle vom 22. Juni 2017
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung, vorwiegend mit histrionischen Antei
len (ICD-10 F61)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten nach Einschätzung der Gut
achten nachfolgende Diagnosen:
-
Prä-Adipositas (BMI 26.2 kg/m
2
)
-
kleine Struma
multinodosa
(Erstdiagnose, ED, 12. August 2014)
-
Vitamin D-Insuffizienz (ED August 2014), regelmässige Substitutionsbe
handlung
-
Hyperlipidämie
-
diabetogene
Stoffwechsellage, Insulinresistenz
-
Vestibularisschwannom
rechts (ED Februar 2017)
-
Status nach HWS-Distorsion nach Heckaufprall am 25. September 2000
In der versicherungsmedizinischen Beurteilung führten die Gutachter aus, es sei nach der Auffahrkollision mit HWS-Distorsion am 25. September 2000 zu einem prolongierten Verlauf gekommen, der durch eine vorbestehende kombinierte Persönlichkeitsstörung, wobei histrionische
Anteile im Vordergrund
ge
standen
hätten
, geprägt gewesen sei (S. 18 oben).
Aus orthopädischer Sicht zeige sich in Zusammenschau mit den Vorbefunden aus dem Jahr 2014 eine leichte Progredienz der Diskuspathologien. Rupturen der dorsalen oder ventralen Längsbänder könnten nicht abgegrenzt werden. Die vorbeschriebene
Hämosiderose
entlang der Medulla spinalis und auch
intra
medullär
bei C5 sei aktuell nicht abzugrenzen und erscheine retrospektiv als fraglich bei insgesamt damals deutlich
artefaktbehafteter
Sequenz. Die beschrie
benen Veränderungen seien letztlich nicht spezifisch für posttraumatische Veränderungen und könn
t
en auch im Rahmen allgemein degenerativer Verände
rungen vorkommen
(S. 18 Mitte)
. Die vorliegenden funktionellen Einbussen der HWS und die als rein degenerativ zu erklärenden fMRI-Abklärungsergebnisse
würden nur noch leichte und die HWS schonende Tätigkeiten gestatten. Aus orthopädisch-somatischer Sicht sei die bisherige Tätigkeit als Sozialpädagogin beschwerdebedingt zumutbar (S. 18 unten).
Aus neurologischer Sicht sei eine starke
Druckdolenz
der
suboccipitalen
Musku
latur sowie eine ausgeprägte
temporomandibuläre
Druckdolenz
beidseits beschrieben. Die Untersuchung habe im abgedunkelten Raum durchgeführt werden müssen. Die Beschwerdeführerin habe die
gesamte
Zeit die Sonnenbrille aufbehalten, da sie derart empfindlich sei au
f Licht
. Bei der Prüfung der Reflexe seien übertriebene Abwehrreaktionen aufgefallen. Die Beschwerdeführerin habe mehrfach erwähnt, dass es ihr bei einer Reflexprüfung immer sehr rasch übel werde. Solche Verhaltensmuster würden zu einer nicht-organischen Pathologie gehören. Aufgrund im März 2017 spontan aufgetretener Gesichtsschmerzen rechts mit Ausstrahlung sei ein MRI des Gehirns durchgeführt worden. Damals sei per Zufall ein
Vestibularisschwannom
ohne Hinweis auf einen neurovaskulä
ren Konflikt im Bereiche des
Nervus
trigeminus
rechts gefunden worden. Aktuell sei auch keine
neurochirurgische Intervention indiziert. Aus neurologischer Sicht
ergebe sich keine Einschränkung im Belastungsprofil und die Arbeitsfähigkeit sei in keiner Tätigkeit
beeinträchtigt (S. 19 oben).
Auch anlässlich der psychiatrischen Untersuchung habe die Beschwerdeführerin eine Sonnenbrille und zusätzlich
Oropax
als Lärmschutz (verstärkter Tinnitus nach Lärmexposition durch die durchgeführte MRI-Untersuchung) getragen und das Untersuchungszimmer habe verdunkelt werden müssen.
Die Herstellung eines tragfähigen Kontaktes sei erschwert gewesen. Die Beschwerdeführerin spreche mit gut modulierter Stimme in beschleunigter Geschwindigkeit. Der formale Gedankengang sei teilweise weitschweifig. Es fänden sich deutliche Hinweise auf das Vorliegen einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit im Vordergrund stehenden histrionischen Anteilen. Die bis zu diesem Zeitpunkt latent vorhandene Persönlichkeitsstörung sei durch den Unfall aus der Latenz gehoben worden. Dies habe dazu geführt, dass die Beschwerdeführerin den Unfall neurotisch verarbeitet habe. Schliesslich sei es zu einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren gekommen (S. 19 f.).
Die Durchführung der neuropsychologischen Untersuchung sei aufgrund der von der Beschwerdeführerin geforderten Randbedingungen (verdunkelter Raum, Auf
setzen der Sonnenbrille) stark erschwert gewesen. Viele Aufgaben seien nicht durchführbar gewesen, da diese der Beschwerdeführerin Schmerzen oder Übelkeit bereitet hätten. Die Erhebung eines ausführlich kognitiven Leistungsprofils sei deshalb nicht möglich gewesen. Zudem hätten sich in den eingesetzten Symp
tomvalidierungsverfahren Hinweise auf eine negative Antwortverzerrung gezeigt. Die wenigen erhobenen Befunde könnten deshalb nicht als valide beurteilt werden.
In den Voruntersuchungen (zwei Jahre nach dem Unfall sowie anlässlich der
Y._
-Begutachtung) fehle eine Beurteilung
der Plausibilität beziehungsweise es sei inkonsistentes Leistungsvermögen festgestellt worden, was für nicht valide Befunde spreche. Um Rückschlüsse auf das heutige kognitive Funktionsniveau zu ziehen, seien die beiden Untersuchungen zudem zu lange her (S. 20 oben).
Im Sinne von Ressourcen seien die aktuell erhobenen unauffälligen Leistungen in Teilbereichen der Aufmerksamkeit und des Gedächtnisses zu interpretieren. Genauere Aussagen zur kognitiven Leistungsfähigkeit seien aufgrund der zumin
dest teilweisen negativen Antwortverzerrung nicht möglich. Mehr als die kognitive Leistungsfähigkeit dürfte das deutlich auffällige Verhalten der Beschwerdeführerin während der Testung der limitierende Faktor in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit sein (S. 20 Mitte).
Im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung habe sich kein Hinweis auf das Vorliegen einer Aggravation oder gar Simulation gefunden. Hingegen seien Hinweise auf eine Aggravation der vorhandenen Beschwerden anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung festgestellt worden (S. 20 unten).
Aus psychiatrischer Sicht liege ein komplexes psychiatrisches Störungsbild vor
, das aus einer chronischen
Schmerzstörung und einer kombinierten Persönlich
keitsstörung bestehe.
Eine richtungsweisende Beeinflussung dieses Störungsbil
des sei bisher nicht gelungen, wobei es gegenwärtig an einer Psychotherapie sowie an einer Medikation fehle. Die genannte Störung führe zu einer um 30 % eingeschränkte Arbeitsfähigkeit in jeglicher Tätigkeit (S. 21 oben).
Die im internistischen Bereich festgestellten Diagnosen (Adipositas, Struma, Vitamin D-Insuffizienz,
Hyperlipidämie
und
diabetogene
Stoffwechsellage bei Insulinresistenz) seien ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 21 oben).
Entscheidend für die zusammenfassende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit seien das psychiatrische und
orthopädische Teilgutachten. So sei aus gesamtgutachter
licher Sicht unter Berücksichtigung des Belastungsprofils (leichte Tätigkeiten
ohne häufiges Drehen, Wenden und Neigen der HWS und des Kopfes
und ohne HWS-belastende Zw
angshaltungen
) sowohl in der bisherigen wie auch in einer Verweistätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70 % zumutbar
(S. 21 Mitte).
Retro
spektiv sei der Gesundheitszustand seit der Begutachtung im Jahr 2003 im Wesentlichen unverändert. Die zwischenzeitlich neu gestellten Diagnosen hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 22 f.).
6.3
Die Beschwerdeführerin beanstandet
e
, die von den
Z._
-Gutachtern festgelegte Arbeitsfähigkeit sei zu hoch.
Die Aussagen der
Gutachter hinsichtlich der behaup
teten Aggravation seien zurückzuweisen.
Ebenso sei deren Meinung
, dass im Zusammenhang mit dem invaliditätsauslösenden Unfall vom September 2000 kein rechtsgenügender Kausalzusammenhang vorliege, b
estritten
(Urk. 1 S. 10 Ziff. 13).
Betreffend Letzterem
machte die Beschw
erdeführerin weiter geltend, die
Z._
-Gutachter
hätten
die Feststellungen von
Dr.
med.
E._
, Fach
ärztin für Radiologie
,
welche festgehalten habe, dass
unfallkausale organische Befunde vorliegen
würden,
ungenügend berücksichtigt (Urk. 1 S. 7 Ziff. 9).
Diesbezüglich
ist festzuhalten, dass
es im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren ohnehin nicht ausschlaggebend ist, ob ein Befund unfall- oder degenerativbedingt ist. Entgegen der Darlegung der Beschwerdeführerin berück
sichtigte der
orthopädische Gutachter
die
Berichterstattung von
Dr.
E._
(vgl. Urk. 7/206/55 unten). Der Gutachter führte wegen den im MRI-Befund vom 7. Februar 2014
sowie
dem Bericht von
Dr.
E._
genannten
Hinweisen auf eine Verletzung des vorderen und hinteren HWS-Längsbandes und einer somit nicht auszuschliessenden segmentalen HWS-Instabilität die klinisch-funktionelle Abklärung der HWS vorsichtig durch. Es hätten sich jedoch keine klinischen Hinweise für eine
segmentale Hypermobilität ergeben (Urk. 7/206/58 oben).
Aufgrund der zusätzlich durchgeführten fMRI-Verlaufskontrolle der HWS vom 22. Juni 2017 am Universitätsspital
F._
hätten in Zusammenschau mit den Vorbefunden keine Rupturen der dorsalen oder ventralen Längsbänder abge
grenzt werden können. Weiter wurde auf das Vorliegen von Artefakten in der Voruntersuchung hingewiesen, weshalb die damalige Beurteilung als fraglich erscheine (Urk. 6/206/59 Mitte). Aus diesen Vorbefunden - inklusive den Ausfüh
rungen von
Dr.
E._
- zusammen mit dem aktuell erhobenen bildgebenden
und klinischen
Befund
-
folgerte der Gutachter
, dass die
aktuellen Veränderungen als nicht spezifisch für posttraumatische Veränderungen zu interpretieren seien, sondern auch im Rahmen allgemeiner degenerativer Veränderungen vorkommen könnten (Urk. 7/206/60 unten).
Die Beurteilung des orthopädischen Gut
achters berücksichtigte die
Vorakten
, beruht auf umfassenden klinischen und bildgeben
den
Untersuchungen
und ist nachvollziehbar begründet
, weshalb diese nicht zu beanstanden ist.
Nach Fertigstellung des
Z._
-Gutachtens wurde eine Zweitmeinung von
Dr.
E._
zum MRI vom 2
2.
Juni 2017 verfasst (Bericht vom 2
0.
Juli 2017,
Urk.
7/221).
Dr.
E._
führte aus, es liege aufgrund dieses MRI-Befundes im Ver
gleich zum Vor-MRI vom
7.
Februar 201
4
sowie der Ergänzung vom
7.
März 2014 eine unveränderte Darstellung des Ligamentums longitudinale posterius auf Höhe C3/C4 und des anterioren
Anulusrisses
des Discus
intervertebralis
C5/C6 als typische Veränderung nach einem Flexions-/Extensionstrauma vor. Dazu bemerkte
der
RAD-Arzt
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, es handle sich bei den radiologischen Befundungen (vom
F._
einerseits
und von
Dr.
E._
anderer
seits) desselben HWS-MRI
um unterschiedliche Beurteilungen desselben medizi
nischen Sachverhaltes. Es bestehe kein Grund, von der
Beurteilung beziehungs
weise den Schlussfolgerungen im
Z._
-Gutachten abzuweichen (
Urk.
7/222/16 oben unter Hinweis auf die Stellungnahme vom 1
1.
August 2017 auf S. 10 ff. desselben Feststellungsblattes).
Dem ist beizupflichten, zumal - wie bereits dargelegt - im vorliegenden invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren die
vorhandenen Beschwerden unabhängig ihrer Genese (unfallkausal oder degene
rativ) zu berücksichtigen sind
und klinisch eine segmentale Hypermobilität auszuschliessen war
.
Was die weiteren
von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Rügen
am
Z._
-Gutachten
betrifft,
so
sind
diese
weitgehend pauschal gehalten ohne substanti
ierte Begründung
.
Hinsichtlich Aggravation
führte
der psychiatrische Gutachter
aus
, dass er im Rahmen seiner Untersuchung keine solche habe feststellen können, jedoch aufgrund der neuropsychologischen Untersuchung
und der anlässlich dieser festgestellten negativen Antwortverzerrung
von einer Aggrava
tion auszugehen sei
(E. 6.2)
.
Das Vorliegen einer Form von Aggravation wurde demnach
schlüssig
dargelegt und begründet.
6.4
Sodann ist auch d
ie von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob sich
der psychiatrische Gutachter
an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), klar zu bejahen. Die funk
tionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen, weshalb auf das Gutachten abzustellen ist. Der psychiatrische Experte hat nachvollziehbar und in umfassender Diskussion der Befunde, Funktionseinbussen und Ressourcen
(U
rk. 7/206/77
lit
. A)
sowie unter Einbezug einer Konsistenz- und Plausibilitäts
prüfung
(
lit
. B
; zu
r gesamtgutachterlichen Stellungnahme bezüglich Indikatoren vgl.
Urk.
7/206 S. 21 unten, S. 24-27
lit
. E.I-II, S. 30 f.
Ziff.
V
)
aus versicherungs
medizinischer Sicht dargelegt, dass
die Beschwerdeführerin
an psychischen Erkrankungen leidet,
welche ihre Erwerbsmöglichkeiten im Umfang von
30
%
einschränken.
Gesamthaft entspricht das
Z._
-Gutachten (Urk. 7/206/1-37) den erforderlichen Kriterien (vgl
. E. 2.6
): Die Beschwerdeführerin wurde ihren geltend gemachten Beschwerden entsprechend umfassend abgeklärt, das Gutachten beruht auf allseitigen Untersuchungen (vgl. die Teilgutachten Urk. 7/38-85), berücksichtigt die geklagten Beschwerden (Urk. 7/206/39-40+48+56+69 jeweils Ziff. 2.1) und wurde in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben (Gesamtgutachten S. 3 ff.). Sodann sind die Darlegungen der medizinischen Zusammenhänge und die Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend und die Schlussfolgerun
gen in der Expertise sind begründet (Gesamtgutachten S. 18 ff.).
6.5
Zusammenfassend ist nach dem Gesagten gestützt auf das
Z._
-Gutachten von einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von
70
%
in der bisherigen sowie einer leidensangepassten Verweistätigkeit auszugehen.
Bei einer zumutbaren Tätigkeit von 70
%
in angestammter Tätigkeit resultiert entsprechend - was unbestritten und aufgrund der Akten- und Rechtslage nicht zu beanstanden ist - ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 30
%
. Somit hat die Beschwerdegegnerin die bisherige Rente zu Recht aufgehoben, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzu
legen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem
Ausgang des Verfahrens sind
sie
de
r Beschwerdeführerin
aufzuerlegen.