Decision ID: e744d52a-5fbf-492f-879e-9250875b7d0a
Year: 2015
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhaltsänderung bei einem Wegfall oder Hinzukommen einer
Invalidenkinderrente bejaht. Die Beklagte sei demnach berechtigt, die bis
Mai 2010 ausgerichteten vorsorgerechtlichen Rentenleistungen zu
überprüfen und im Rahmen dieses Verfahrens eine neue
Überentschädigungsberechnung vorzunehmen. Die diesbezüglichen
reglementarischen Grundlagen der Beklagten entsprächen der
gesetzlichen Regelung, was vom Kläger nicht in Abrede gestellt werde.
Strittig sei einzig die Berechnung des mutmasslich entgangenen
Verdiensts des Klägers. Die Beklagte habe diesen mithilfe des
individuellen Salarium-Lohnrechners bestimmt, der auf der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik (LSE) 2010 basiere.
Dabei habe sie interne Weiterbildungen und die Ausrichtung eines
13. Monatslohns berücksichtigt. Danach betrage der vom Kläger im
Gesundheitsfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erzielbare
mutmasslich entgangene Verdienst Fr. 80'424.--, inkl. Kinderzulagen.
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Weitergehende Lohnerhöhungen und –anpassungen habe der Kläger zu
beweisen und wären nur zu berücksichtigen, wenn sich deren Grund
nachweislich bereits vor Eintritt des Unfallereignisses verwirklicht hätte.
Solche lohnrelevanten Karriereschritte seien im vorliegenden Fall nicht
ausgewiesen. Insbesondere das Schreiben der vormaligen Arbeitgeberin
des Klägers vom 27. Oktober 2003, in welchem zwei Jahre nach dem
Unfallereignis eine künftige Lohnerhöhung und Beförderung behauptet
werde, sei als reine Gefälligkeit anzusehen. Es liege nicht ein einziger
Beweis für eine dokumentierte Karriere des Klägers vor. Gemäss
Unfallmeldung der vormaligen Arbeitgeberin des Klägers habe dieser vor
dem Unfallereignis bei einer betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit
von 45 Stunden Fr. 4'500.-- brutto, somit Fr. 58'500.--, inkl.
13. Monatslohn, zuzüglich Kinder- und Familienzulagen verdient. In der
durch seinen damaligen Rechtsvertreter eingereichten IV-Anmeldung
habe der Kläger mehr als ein halbes Jahr nach dem Unfallereignis
sodann angegeben, monatlich Fr. 4'500.-- brutto zu verdienen.
Hinsichtlich der geltend gemachten Karriere sei im Übrigen zu beachten,
dass der Kläger laut dem IK-Auszug zwar ab April 1999 bei der C._
AG gearbeitet habe, indes während eines halben Jahres von Januar bis
und mit Juni 2001 kein Einkommen erzielt habe. Ebenfalls gehe aus dem
IK-Auszug hervor, dass der Kläger in den Jahren zuvor unregelmässig
und zu einem tieferen Lohn in der Schweiz tätig gewesen sei. Angesichts
dieser Umstände werde bestritten, dass die C._ AG den Kläger
bereits vor dem Unfallereignis zum Gruppenführer befördert habe.
Jedenfalls sei nicht ausgewiesen, dass eine solche Beförderung zu der
vom Kläger behaupteten Lohnerhöhung geführt hätte. Schliesslich habe
auch die SUVA ihre Komplementärrente nicht auf die Behauptungen der
vormaligen Arbeitgeberin des Klägers gestützt. Im Gegenteil sei die
SUVA von einem weitaus tieferen hypothetischen Einkommen des
Klägers von Fr. 63'710.-- per Datum der Überentschädigung
ausgegangen. Würde auf dem angenommenen Lohn die
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Nominallohnentwicklung von 7.96 % berücksichtigt, resultiere im Übrigen
lediglich ein Bruttoeinkommen von Fr. 68'781.-- (Stand 2010). Auch dieser
Vergleich zeige, dass die Beklagte die individuelle Lohnentwicklung des
Klägers durchaus berücksichtigt und dessen mutmasslich entgangenen
Verdienst korrekt berechnet habe. Ausserdem habe die Beklagte die
Höhe der Rente und damit auch die Überentschädigungsgrenze nie
endgültig festgelegt bzw. zugesichert. Die vorgenommene Anpassung der
dem Kläger geschuldeten Invalidenrenten sei somit nicht zu beanstanden.
7. In der Replik vom 11. August 2014 hielt der Kläger an seinen Anträgen
fest und setzte sich mit der Argumentation der Beklagten auseinander.
Dabei führte er primär aus, die Komplementärrente der
Unfallversicherung zu der Invalidenversicherung werde stets auf 90 %
des versicherten Verdiensts koordiniert, wobei der versicherte
Jahresverdienst lediglich an die Teuerung anzupassen sei. Im Gegensatz
dazu werde die komplementäre Invalidenrente der beruflichen Vorsorge
auf 90 % des mutmasslich entgangenen Verdiensts des Versicherten
koordiniert. Die SUVA habe die geschuldeten Versicherungsleistungen
lediglich bei der Koordination der Taggelder mit den dem Kläger von der
Invalidenversicherung ausgerichteten Invalidenrenten auf 100 % der
hypothetischen Validenlohnentwicklung koordiniert. Dies habe sie getan,
indem sie den Verdienst des Klägers 2001 mit Fr. 62'100.--, 2002 mit
Fr. 68'600.--, 2003 mit Fr. 72'927.-- und 2004 mit Fr. 77'258.-- beziffert
habe. Die SUVA habe ihrer Überentschädigungsberechnung demzufolge,
soweit vorliegend von Interesse, sehr wohl die von der vormaligen
Arbeitgeberin des Klägers bestätigte Lohnentwicklung zugrunde gelegt.
Im Weiteren sei zu beachten, dass die SUVA die Eckdaten ihrer
ursprünglichen Komplementärrentenberechnung im nach der Zusprache
der dritten Invalidenkinderrente eröffneten Revisionsverfahren nicht
geändert, sondern lediglich die neu ausgerichtete Kinderrente in ihre
Überentschädigungsberechnung mit einbezogen habe. Die Beförderung
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des Klägers zum Gruppenleiter sei vor dem Unfallereignis im Übrigen
bereits vollzogen worden und die sich hieraus ergebende Lohnerhöhung
in den Grundzügen besprochen gewesen. Es handle sich hierbei folglich
nicht um eine blosse Möglichkeit, sondern ein mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit ausgewiesener lohnrelevanter Karriereschritt. Da die
Ehefrau des Seniorchefs, welche die interessierende Lohnentwicklung
gegenüber der SUVA dargelegt habe, mittlerweile verstorben sei,
beantrage der Kläger den damals zuständigen Mitarbeiter der SUVA,
Kaspar Meier, zur entsprechenden Lohnerhöhung als Zeugen
einzuvernehmen. Im Übrigen verstosse die von der Beklagten ohne
Berücksichtigung der bisherigen Annahmen vorgenommene
Überentschädigungsberechnung gegen Treu und Glauben.
8. In der Duplik vom 16. September 2014 hielt die Beklagte an ihren
Rechtsbegehren fest. Ergänzend führte sie aus, der als Zeuge
angerufene Mitarbeiter der SUVA könne nur die von der vormaligen
Arbeitgeberin des Klägers gemachte Gefälligkeitsaussage bestätigen.
Von einer solchen Zeugenaussage seien keine neuen Erkenntnisse zu
erwarten, weshalb der entsprechende Beweisantrag des Klägers in
antizipierter Beweiswürdigung abzuweisen sei. Die Beklagte habe dem
Kläger sodann nie zugesichert, die geschuldeten Invalidenrenten ein für
allemal festgelegt zu haben. Im Gegenteil habe sie sich deren
Neuberechnung mehrfach ausdrücklich vorbehalten. Im Rahmen der per
23. Juni 2010 vorgenommenen Überentschädigungsberechnung sei die
Beklagte sodann zur Überzeugung gelangt, dass der Kläger im
Gesundheitsfall im rechtserheblichen Zeitpunkt mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit ein jährliches Bruttoeinkommen von Fr. 80'824.--, inkl.
Kinderzulagen, erzielt hätte. Entsprechend habe sie die
Überentschädigungsgrenze auf Fr. 72'381.60 festgelegt. Die
Berücksichtigung der vom Kläger behaupteten Karriereschritte, die zur
Annahme einer Lohnerhöhung von 33 % geführt hätten, sei offensichtlich
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falsch. Die damalige Entscheidung der Beklagten sei aufgrund der Akten
und der massgeblichen Umstände nicht vertretbar. Auch aus diesem
Grund sei die Beklagte folglich berechtigt, das hypothetische Einkommen
des Klägers im Gesundheitsfall per 23. Juni 2010 neu zu berechnen und
die auszurichtenden Invalidenrenten auf dieser Grundlage festzulegen.
9. Mit prozessleitenden Verfügungen vom 30. September 2014 gab die
zuständige Instruktionsrichterin den Beweisanträgen der Parteien insoweit
statt, als sie den Beizug der den Kläger betreffenden Akten der SUVA
(Fall Nr. 13.26877.01.4) sowie der IV-Stelle (Vers.-Nr. 724.67.413.156)
anordnete. Im Oktober 2014 reichten die SUVA und die IV-Stelle die
entsprechenden Akten beim Verwaltungsgericht ein. Die Parteien nahmen
dazu keine Stellung.
10. Am 24. August 2015 ersuchte das Gericht die IV-Stelle, die
Versicherungsleistungen auszuweisen, welche die IV-Stelle im Jahr 2013
an den Beschwerdeführer ausgerichtet hat. Am 25. August 2015 stellte
die IV-Stelle dem Gericht die von der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons Graubünden ausgestellte Steuerbescheinigung betreffend die
dem Beschwerdeführer vom 1. Januar 2013 bis zum 31. Dezember 2013
ausgerichteten Versicherungsleistungen zu. Die Beklagte nahm dazu mit
Schreiben vom 8. September Stellung. Darin führte sie aus, bezüglich des
im Rahmen der Überentschädigungsberechnung zu berücksichtigenden
mutmasslich entgangenen Verdienstes an ihrer Berechnung festzuhalten.
Jedoch seien ab dem 1. März 2013 die nunmehr ausgewiesenen
Sozialversicherungsleistungen zu berücksichtigen. Dies habe für die
Überentschädigungsberechnung per 1. August 2013 zur Folge, dass sich
die koordinierten Leistungen von Fr. 10'570.80 auf Fr. 9'358.80
reduzierten. Auch für die Periode vom 1. März 2013 ergebe die
Überentschädigungsberechnung eine Reduktion der geschuldeten
Leistungen von Fr. 19'042.80 auf Fr. 15'130.80. Der Kläger äusserte sich
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zu diesen Ausführungen am 30. September 2015, ohne seine Anträge zu
ändern.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten
Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. a) Das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden entscheidet als
Versicherungsgericht über vorsorgerechtliche Klagen zwischen
Vorsorgeeinrichtungen, Arbeitgebern und Anspruchsberechtigten (Art. 73
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenversorge [BVG; SR 831.40] i.V.m. Art. 63 Abs. 2 lit. a des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Als
vorsorgerechtliche Streitigkeiten gelten namentlich
Auseinandersetzungen, welche die Begründung, die Dauer und die
Beendigung eines Vorsorgeverhältnisses und die bei Eintritt des
Versicherungsfalles geschuldeten Leistungen aus der beruflicher
Vorsorge zum Gegenstand haben (ULRICH MEYER / LAURENCE UTTINGER,
in: SCHNEIDER/GEISER/GÄCHTER [Hrsg.], Handkommentar zum BVG und
FZG [nachfolgend: Handkommentar zum BVG und FZG], Bern 2010, Art.
73 N. 25). Der Gerichtstand für solche Streitigkeiten befindet sich am Sitz
bzw. Wohnsitz der beklagten Partei oder am Ort des Betriebs, bei dem
die versicherte Person angestellt war oder ist (Art. 73 Abs. 3 BVG).
b) Die Beklagte hat dem Kläger bei einem Invaliditätsgrad von 100 % ab
dem 23. Juni 2010 bis zum 28. Februar 2013 eine jährliche koordinierte
Invalidenrente von Fr. 6'606.-- sowie drei jährliche koordinierte
Invalidenkinderrenten von Fr. 1'321.80, vom 1. März 2013 bis zum 31. Juli
2013 eine jährliche unkoordinierte Invalidenrente von Fr. 12'663.60 sowie
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zwei jährliche unkoordinierte Invalidenkinderrenten von Fr. 2'533.20 und
ab dem 1. August 2013 eine jährliche koordinierte Invalidenrente von
Fr. 6'606.-- sowie drei koordinierte Invalidenkinderrenten von Fr. 1'321.80
ausgerichtet (vgl. Beilage der Klägerin [kB] 19). Strittig ist, ob die Beklagte
in darüber hinausgehendem Umfang leistungspflichtig ist. Diese
Streitigkeit, die den Umfang der aufgrund der beruflichen Vorsorge
geschuldeten Versicherungsleistungen beschlägt, ist vorsorgerechtlicher
Natur. Sie fällt folglich in die sachliche Zuständigkeit des in seiner
Eigenschaft als Versicherungsgericht angerufenen Verwaltungsgerichts
des Kantons Graubünden. Dieses erweist sich für deren Beurteilung
überdies als örtlich zuständig, da der Kläger, als er am 30. Oktober 2001
den zur Invalidität führenden Verkehrsunfall erlitt, bei der C._ AG in
X._ und damit im Kanton Graubünden beschäftigt war. Folglich ist
die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden für
die Beurteilung der vorliegenden Klage zu bejahen. Da auch die übrigen
Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist darauf einzutreten.
2. Die strittigen Versicherungsleistungen beurteilen sich primär nach dem
Reglement 1997, das im Zeitpunkt der Arbeitsunfähigkeit, die zur
Invalidität führte, in Kraft stand, wobei im Anwendungsbereich der
Übergangsbestimmungen der 1. BVG-Revision allfällige reglementarische
Ansprüche ausgeschlossen und maximal die obligatorischen Leistungen
gemäss dem BVG geschuldet sind (vgl. Art. I5 und Art. I6 des
Reglements 2013 der Beklagten über die obligatorische berufliche
Vorsorge [Beilagen der Beklagten (bB) 11]). Vorbehalten bleiben die
zwingenden gesetzlichen Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
berufliche Vorsorge im Bereich der obligatorischen und weitergehenden
beruflichen Vorsorge (Art. 7-41 BVG, Art. 49 BVG).
3. Von dieser Rechtslage ausgehend nehmen die Parteien übereinstimmend
an, dass die Beklagte dem Kläger bei einem Invaliditätsgrad von 100 %
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eine jährliche unkoordinierte Invalidenrente von Fr. 12'663.60 sowie
Invalidenkinderrenten im Betrag von je Fr. 2'533.40 schuldet (vgl. kB 14).
Während der Kläger indessen davon überzeugt ist, die Beklagte habe ihm
die entsprechenden Versicherungsleistungen seit dem 23. Juni 2010
auszurichten, geht die Beklagte davon aus, diese
Versicherungsleistungen nur vom 1. März bis zum 31. Juli 2013 zu
schulden, wobei der Kläger in diesem Zeitraum nur zwei, anstelle der von
ihm begehrten drei Invalidenkinderrenten beanspruchen könne (vgl.
klägerisches Rechtsbegehren, Sachverhalt Ziff. 5 hiervor). Für den im
Übrigen stritten Zeitraum könne er ausschliesslich eine jährliche
koordinierte Invalidenrente von Fr. 6'606.-- sowie drei koordinierte
Invalidenkinderrenten von je Fr. 1'321.80 beanspruchen. Vor dem
Hintergrund dieser Parteistandpunkte ist nachfolgend zunächst zu
untersuchen, ob die Beklagte dem Kläger für seine drei Kinder ab dem
23. Juni 2010 stets drei Invalidenkinderrenten schuldet. In einem weiteren
Schritt ist alsdann die von der Beklagten vorgenommene
Überentschädigungsberechnung zu überprüfen, wobei diesbezüglich in
erster Linie die Höhe des mutmasslich entgangenen Verdiensts des
Klägers strittig ist.
4. a) Die berufliche Vorsorge kennt neben der Invalidenrente als eigenständige
Leistungskategorie die Invalidenkinderrente. Diese Versicherungsleistung
steht dem Invalidenrentner für jedes Kind zu, das im Todesfall eine
Waisenrente beanspruchen könnte (Art. 25 BVG, Art. C 10 Reglement
1997). Für Kinder, die bei Eintritt des Invaliditätsfalls bereits geboren sind,
gelten für die Entstehung des Anspruchs auf eine Invalidenrente
dieselben Regeln wie für den Invalidenrentner. Wird das Kind erst nach
Beginn des Anspruchs auf eine Invalidenrente geboren, so entsteht der
Anspruch auf eine Kinderrente mit der Geburt des Kindes (MARC
HÜRZELER, Handkommentar zum BVG und FZG, Art. 25 N. 9). Er erlischt mit dem
Tod des Kindes oder mit der Vollendung des 18. Altersjahres. Über das
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18. Altersjahr hinaus schuldet die Vorsorgeeinrichtung
Invalidenkinderrenten bis zur Vollendung des 25. Altersjahres für Kinder,
die noch in Ausbildung stehen oder noch nicht erwerbsfähig sind, sofern
sie mindestens zu 70 % invalid sind (Art. 22 Abs. 3 BVG, Art. D7 und D8
Reglement 1997). Mit diesen Regelungen bestimmt die berufliche
Vorsorge den Leistungsbeginn und das Leistungsende für die
Invalidenkinderrenten eigenständig. Tritt ein entsprechendes Ereignis ein,
ist dies für die Vorsorgeeinrichtung direkt umsetzbar, ohne das dafür, wie
bei der Invalidität, auf den Entscheid der Invalidenversicherung abgestellt
werden müsste. Die entsprechenden Entscheide der
Invalidenversicherung entfalten für die berufliche Vorsorge daher keine
Bindungswirkung (HANS-ULRICH STAUFFER, Berufliche Vorsorge, 2. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2012, N. 1125).
b) Bei Eintritt der zur Arbeitsunfähigkeit führenden Invalidität war der Kläger
bei der Beklagten vorsorgerechtlich versichert, weshalb diese ihm seit
dem 1. September 2004 bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine
Invalidenrente schuldet (kB 11). Unter diesen Umständen kann der Kläger
nach dem vorangehend Ausgeführten für seine drei Kinder, E._, geb.
am 28. Februar 1995 (Akten der IV-Stelle [IV-act.] 14 S. 2), F._, geb.
am 30. Januar 1998 (IV-act. 14 S. 4), und D._, geb. am 23. Juni
2010 (IV-act. 103), eine Invalidenkinderrente beanspruchen, solange
diese das 18. Altersjahr noch nicht vollendet haben. Dies trifft im strittigen
Zeitraum ab dem 23. Juni 2010 einerseits für die gerade erst geborene
D._, andererseits für F._ zu, die am 30. Januar 2018 18 Jahre
alt werden wird. Der Sohn des Klägers, E._, hat das 18. Altersjahr
hingegen bereits am 28. Februar 2013 vollendet und ist nicht zu 70 %
invalid, weshalb der Kläger für ihn über den 28. Februar 2013 hinaus
längstens bis zum 28. Februar 2020 eine Invalidenkinderrente
beanspruchen, falls und solange E._ sich in Ausbildung befindet.
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c) Wann ein Kind als in Ausbildung stehend zu betrachten ist, beurteilt sich
unter Beizug der Lehre und Rechtsprechung zum gleichlautenden Art. 25
Abs. 5 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) und der diesen
konkretisierenden Art. 49bis sowie Art. 49ter der Verordnung über die
Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV; SR 831.101). Danach
sind Kinder solange in Ausbildung begriffen, als sie Schulen und Kurse
besuchen oder sich der beruflichen Ausbildung widmen. Unter beruflichen
Ausbildung ist dabei jede Tätigkeit zu verstehen, welche die
systematische Vorbereitung auf eine zukünftige Erwerbstätigkeit zum Ziel
hat und während welcher mit Rücksicht auf den vorherrschenden
Ausbildungscharakter ein wesentlich geringeres Erwerbseinkommen
erzielt wird, als es einem Erwerbstätigen mit abgeschlossener
Berufsbildung orts- oder branchenüblicher Weise zustünde (BGE 108 V
54 E.1a). Unerheblich ist, ob die in Frage stehende Tätigkeit zum Erwerb
bestimmter Vorkenntnisse (z.B. zur Erlernung von Sprachen), zur
eigentlichen Erlernung eines Berufes oder zur Erlangung besonderer
beruflicher Fähigkeiten ausgeübt wird (ISABELLE VETTER-SCHREIBER, in:
Berufliche Vorsorge, 3. Aufl., Zürich 2013, Art. 23 N. 4; UELI KIESER, in:
MURER/STAUFFER [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Alters- und Hinterlassenenversicherung,
3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2012, Art. 25 N. 6). Die Ausbildung muss
indessen mit dem objektiv zumutbaren Einsatz betrieben werden, so dass
sie innert nützlicher Frist abgeschlossen werden kann. Ein Praktikum gilt
nicht nur als Ausbildung, wenn es für die spätere Berufslehre
reglementarisch vorgeschrieben ist. Vielmehr erfüllt den
Ausbildungsbegriff auch ein Praktikum, dessen Absolvierung im Sinne
einer branchenüblichen Praxis für die Vergabe einer Lehrstelle
vorausgesetzt wird. Nicht als Ausbildung zählt hingegen ein Praktikum,
welches zwar wertvolle Branchenkenntnisse vermittelt, die für eine
spätere Tätigkeit in der betreffenden Branche unentbehrlich sind, jedoch
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keinen strukturierten systematischen Lehrgang bietet (KIESER, a.a.O.,
Art. 25 N. 7). Wer sich nach Abbruch einer Ausbildung ins Ausland begibt,
um dort seine Sprachkenntnisse zu verbessern, ohne dass eine weitere,
ausreichend feststehende Ausbildung in Aussicht genommen wird,
befindet sich nicht in Ausbildung (BGE 109 V 210 E.2).
d) Mit Schreiben vom 18. Februar 2013 teilte der Kläger der IV-Stelle mit,
sein Sohn E._ habe nach Abschluss der obligatorischen Schule das
zehnte Schuljahr in Chur besucht. Anschliessend habe er eine Lehrstelle
gesucht. Im Dezember 2012 habe er bei der G._ AG eine
Schnupperlehre gemacht, worauf er mit dieser am 5. Februar 2013 einen
Lehrvertrag als Papiertechnologe abgeschlossen habe. Diese Lehrstelle
werde er im August 2013 antreten. Bis dahin bereite er sich mit einem
Sprachkurs in Französisch bei der Migros-Clubschule in Chur auf die
Lehre als Papiertechnologe vor. Pro Woche besuche er derzeit zwei
Französischlektionen. Ebenfalls werde er seinen Lehrbetrieb anfragen, ob
er ein Vorbereitungspraktikum absolvieren könne. Diese intensive
Vorbereitung auf die Lehre als Papiertechnologe sei erforderlich, weil
E._ den Grossteil der obligatorischen Schulzeit im Kosovo verbracht
habe und deshalb schulische Defizite aufweise (Beilagen der IV-Stelle
[IV-act.] 107).
e) Dass E._ seinen vormaligen Entschluss umsetzen konnte und von
März bis Juli 2013 ein Praktikum bei der G._ AG absolvierte, hat der
Kläger im vorliegenden Verfahren nicht geltend gemacht. In den Akten
finden sich denn auch keine entsprechenden Hinweise. Demzufolge hat
E._ ab der Vollendung des 18. Altersjahrs (28. Februar 2013) bis
zum Antritt seiner Lehre als Papiertechnologe (1. August 2013) im
Hinblick auf seine berufliche Ausbildung ausschliesslich einen
Französischkurs im Umfang von zwei Wochenstunden besucht. Selbst
wenn davon ausgegangen wird, Französischkenntnisse seien für die
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angestrebte Lehrausbildung unerlässlich, genügt ein Sprachkurs im
Umfang von zwei Wochenstunden offensichtlich nicht, um als Ausbildung
im Sinne von Art. 22 Abs. 3 BVG anerkannt zu werden. Demzufolge hat
die Beklagte den Anspruch des Klägers auf Ausrichtung einer
Invalidenkinderrente für E._ für den Zeitraum nach Vollendung des
18. Altersjahres bis zum Antritt seiner Lehre als Papiertechnologe zu
Recht verneint.
f) Infolgedessen kann der Kläger von der Beklagten höchstens ab dem
23. Juni 2010 bis zum 28. Februar 2013 eine unkoordinierte jährliche
Invalidenrente im Betrag von Fr. 12'663.60 sowie drei unkoordinierte
Invalidenkinderrenten im Betrag von je Fr. 2'533.20, ab dem 1. März 2013
bis zum 31. Juli 2013 eine unkoordinierte Invalidenrente im Betrag von
Fr. 12'663.60 sowie zwei unkoordinierte Invalidenkinderrenten von je
Fr. 2'533.20 sowie ab dem 1. August 2013 eine unkoordinierte
Invalidenrente im Betrag von Fr. 12'663.60 sowie drei koordinierte
Invalidenkinderrenten im Betrag von je Fr. 2'533.20 beanspruchen. Soweit
der Kläger weitergehende Versicherungsleistungen fordert, erweist sich
seine Klage von vornherein als unbegründet und ist insoweit abzuweisen.
5. a) Die vorgenannten unkoordinierten Versicherungsleistungen schuldet die
Beklagte dem Kläger freilich nur insoweit, als der Kläger dadurch infolge
des Zusammentreffens mit anderen Versicherungsleistungen keine
ungerechtfertigten Vorteile erlangt (Art. 34a Abs. 2 BVG). Art. 34a Abs. 1
BVG ermächtigt den Bundesrat, zu dieser Frage Vorschriften zu erlassen.
Von dieser Möglichkeit hat er mit dem Erlass der Art. 24-26 der
Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenvorsorge (BVV 2; SR 832.44.1) Gebrauch gemacht, die
bezüglich der per 23. Juni 2010 vorzunehmenden
Überentschädigungsberechnung in der bis zum 31. Dezember 2011 gültig
gewesenen Fassung zur Anwendung gelangen. Danach kann die
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Vorsorgeeinrichtung die Hinterlassenen- und Invalidenleistungen kürzen,
soweit sie zusammen mit anderen anrechenbaren Einkünften 90 % des
mutmasslich entgangenen Verdienstes übersteigen (Abs. 1). Als
anrechenbare Einkünfte gelten gemäss Abs. 2 Leistungen gleicher Art
und Zweckbestimmung, die der anspruchsberechtigten Person aufgrund
des schädigenden Ereignisses ausgerichtet werden, wie Renten oder
Kapitalleistungen mit ihrem Rentenumwandlungswert in- und
ausländischer Sozialversicherungen und Vorsorgeeinrichtungen, mit
Ausnahme von Hilflosenentschädigungen, Abfindungen und ähnlichen
Leistungen. Bezügern von Invalidenleistungen wird überdies das
weiterhin erzielte oder zumutbarerweise noch erzielbare Erwerbs- oder
Ersatzeinkommen angerechnet. Eine gleichlautende Kürzungsregelung
sieht das Reglement 1997 in Art. F3 vor.
b) Die Beklagte hat bei der erstmaligen Leistungszusprache an den Kläger
im Jahr 2007 unter Berufung auf Art. 24 BVV 2 und die dazu ergangene
Rechtsprechung untersucht, ob die dem Kläger infolge des
invalidisierenden Unfalls vom 30. Oktober 2001 ausgerichteten
Invalidenrenten der Unfall- sowie der Invalidenversicherung zusammen
mit jenen der beruflichen Vorsorge mehr als 90 % seines mutmasslich
entgangenen Verdients betragen (vgl. kB 9-11). Soweit ersichtlich hat sie
diese Frage im Schreiben vom 19. Dezember 2007 implizit verneint,
indem sie anerkannte, die Kinderzulagen müssten bei der Bemessung
des mutmasslich entgangenen Verdiensts Berücksichtigung finden. Dies
hatte, wie dem Anhang zum Schreiben vom 9. November 2007
entnommen werden kann (kB 9), zur Folge, dass die unkoordinierten
Versicherungsleistungen seit 2005 die koordinierten
Versicherungsleistungen überstiegen. Die Beklagte dürfte dem Kläger
folglich seit 2005 die unkoordinierten Versicherungsleistungen
ausgerichtet haben. Fraglich ist, ob sie per 23. Juni 2010 auf die im Jahr
2007 vorgenommene Überentschädigungsberechnung und die dieser
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zugrunde liegenden Annahmen zurückkommen, eine neue
Überentschädigungsberechnung vornehmen und die geschuldeten
Versicherungsleistungen auf dieser Grundlage neu koordinieren durfte.
c) Die Vorsorgeeinrichtungen sind im Gegensatz zu anderen
Sozialversicherungsträgern nicht mit Verfügungsbefugnis ausgestattet
(vgl. GUSTAVO SCARTAZZINI/MARC HÜRZELER,
Bundessozialversicherungsrecht, 4. Aufl., Basel 2012, S. 140). In der
obligatorischen beruflichen Vorsorge sind die Leistungszusagen der
Vorsorgeeinrichtungen indessen als Äusserungen einer mit der Erfüllung
einer öffentlichen Aufgabe betrauten Person anzusehen. Der sich darauf
berufende Versicherte ist in Anwendung von Art. 9 der Bundesverfassung
der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) deshalb unter den
bestimmten Voraussetzungen in seinem Vertrauen an die von der
Vorsorgeeinrichtung getroffene Entscheidung zu schützen (ROMAN
SCHNYDER, Rechtsfragen der Invalidenrentenanpassung in der beruflichen
Vorsorge, in: SCHAFFHAUSER/ SCHLAURI [Hrsg.], Die Revision von
Dauerleistungen, St. Gallen 1999, S. 151 ff., S. 162). Dem steht jedoch
nicht entgegen, dass Invalidenleistungen der beruflichen Vorsorge
grundsätzlich anzupassen sind, wenn sie den tatsächlichen oder
rechtlichen Verhältnissen objektiv nicht oder nicht mehr entsprechen
(BGE 141 V 127 E.5.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_58/2015 vom
11. August 2015 E.3.3.1). Diesen Grundsatz hat der Bundesrat für den
Bereich der Überentschädigung in Art. 24 Abs. 5 BVV 2 konkretisiert.
Danach darf die Vorsorgeeinrichtung den Umfang und die
Voraussetzungen der Kürzung überprüfen und ihre Leistungen
entsprechend anpassen, wenn sich die Verhältnisse wesentlich geändert
haben. Den Materialien zur fraglichen Regelungen kann entnommen
werden, dass eine solche rechtserhebliche Änderung, welches es
rechtfertigt auf die ursprüngliche Leistungszusprache zurückzukommen,
bei einer Grössenordnung von 10 % zu bejahen ist (Bericht des
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Bundesamts für Sozialversicherung vom 2. August 1983 S. 39, abrufbar
unter: http://www.bsv.admin.ch/ > Volltextsuche Bericht BVV 2 1983,
letztmals besucht am 26. November 2015). Dem hat sich das
Bundesgericht angeschlossen und entschieden, eine wesentliche
Änderung der Verhältnisse liege bei einer Leistungsanpassung in der
Grössenordnung von 10 % zugunsten oder zuungunsten des
rentenbeziehenden Versicherten vor (BGE 123 V 211 E.6, 123 V 201
E.5d; HANS-ULRICH STAUFFER, in: Rechtsprechung des Bundesgericht zum
Sozialversicherungsrecht, Die berufliche Vorsorge [nachfolgend:
Rechtsprechung], 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013, Art. 43a N. 49 f.;
DERS., a.a.O., N. 1028 f.; MARC HÜRZELER, Invaliditätsproblematiken in der
beruflichen Vorsorge, Basler Studien zur Rechtswissenschaft, Basel
2006, S. 407). Ob eine solche Veränderung des massgeblichen
Sachverhalts vorliegt, ist aufgrund sämtlicher Faktoren zu beurteilen,
welche die Überentschädigungsberechnung zu beeinflussen vermögen. In
Betracht fallen dabei neben Veränderungen des mutmasslich
entgangenen Verdiensts insbesondere Anpassungen der Invalidenrenten
der Invalidenversicherung, der Unfallversicherung oder der beruflichen
Vorsorge, die Ablösung einer Invalidenrente durch Taggelder oder die
Veränderung der familiären Verhältnisse, insbesondere der Wegfall von
bislang ausgerichteten Invalidenkinderrenten oder das Hinzukommen
einer solchen Rente (vgl. hierzu: Urteil des Bundesgerichts 9C_865/2008
vom 30. Dezember 2008 E.2.3; HÜRZELER, a.a.O., S. 407 f.). Massgebend
sind die tatsächlichen Verhältnisse im Zeitpunkt, in dem sich die
Kürzungsfrage stellt (BGE 123 V 197 E.5).
d) Seit dem 1. Januar 2009 richtete die Beklagte dem Kläger jährliche
Invalidenrenten im Betrag von total Fr. 17'730.-- (Fr. 12'663.60 [jährliche
Invalidenrente]+ Fr. 5'064.40 [2 x jährliche Invalidenkinderrente im Betrag
von Fr. 2'532.70]) aus (kB 14). Mit der Geburt von D._ änderte sich
diese Situation insofern, als der Kläger seither eine weitere
- 21 -
Invalidenkinderrente beanspruchen kann (vgl. E.4b hiervor), womit sich
die von der Beklagten auszurichtenden unkoordinierten
vorsorgerechtlichen Invalidenrenten per 23. Juni 2010 auf Fr. 20'263.20
erhöht haben (Fr. 17'730.-- [Fr. 12'663.60 + Fr. 2'533.20 + Fr. 2'533.20]+
Fr. 2'533.20, vgl. E.4 hiervor). Wird dieser Leistungsanstieg in Relation
zur Invalidenrente des Klägers gesetzt, so beträgt die Leistungszunahme
20 %. Werden die dem Kläger gesamthaft ausgerichteten
vorsorgerechtlichen Invalidenrenten als massgebend erachtet, so sind die
Versicherungsleistungen um 14.2 % angestiegen (20'263.20 : Fr. 17'730.-
- x 100). Im einen wie im anderen Fall führt die per 23. Juni 2010
hinzugekommene dritte Invalidenkinderrente in Bezug auf die
unkoordinierten Versicherungsleistungen zu einer Leistungssteigerung
von mehr als 10 %. Demzufolge haben die massgeblichen Verhältnisse
per 23. Juni 2010 eine wesentliche Änderung im Sinne von Art. 24 Abs. 5
BVV 2 erfahren, welche die Beklagte berechtigt, auf diesen Zeitpunkt hin
eine neue Überentschädigungsberechnung vorzunehmen und die von ihr
geschuldeten vorsorgerechtlichen Leistungen neu zu koordinieren. Dies
wird vom Kläger denn auch nicht in Abrede gestellt.
6. a) Der Kläger ist jedoch der Auffassung, die Beklagte dürfe im Rahmen
dieser neuen Koordinationsberechnung nicht sämtliche
Berechnungsparameter neu überprüfen. Diese Frage lässt sich allein
aufgrund des Wortlauts von Art. 24 Abs. 5 BVV 2 nicht beantworten. Die
darin geregelte Anpassung von Dauerleistungen an eine nachträglich
eingetretene, rechtserhebliche Veränderung des massgeblichen
Sachverhalts wird für die übrigen Sozialversicherungszweige indessen in
Art. 17 ATSG geregelt (UELI KIESER, ATSG-Kommentar [nachfolgend:
ATSG-Kommentar], 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 17 N. 2 ff.).
Diese Bestimmung ist zu unterscheiden von dem vom Kläger als
massgeblich erachteten Art. 53 ATSG ([formelle] Revision und
Wiederwägung), der sich auf Entscheidungen bezieht, die sich von
- 22 -
Anfang an als fehlerhaft erweisen, sei es, weil die tatsächlichen
Verhältnisse unrichtig ermittelt oder falsche Rechtsnormen zur
Anwendung gebracht wurden (KIESER, ATSG-Kommentar, Art. 53 N. 4
und 6; GUSTAVO SCARTAZZINI/MARC HÜRZELER,
Bundessozialversicherungsrecht, 4. Aufl., Basel 2012, § 7 N. 28).
Demgegenüber befasst sich Art. 17 ATSG, wie Art. 24 Abs. 5 BVV, mit
Dauerleistungen, die nach der Festlegung infolge einer nachträglich
eingetretenen, rechtserheblichen Sachverhaltsänderung unrichtig
geworden und an die neue Sachverhaltslage anzupassen sind (KIESER,
ATSG-Kommentar, Art. 17 N. 11; SCARTAZZINI/HÜRZELER, a.a.O., § 7
N. 28). Angesichts dieser Übereinstimmung und der engen Verknüpfung
der beruflichen Vorsorge mit den übrigen Zweigen der
Sozialversicherung, insbesondere der Invalidenversicherung (vgl. etwa
Art. 23 lit. a BVG, Art. 24 Abs. 1 BVG, Art. 26 Abs. 1 BVG, Art. 29 BVG),
bietet es sich an, sich bei der Auslegung von Art. 24 Abs. 5 BVV 2 an der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 17 ATSG zu orientieren.
Danach können die zuständigen Behörden, wenn ein Revisionsgrund
vorliegt, alle für die Beurteilung des strittigen Rentenanspruchs
wesentlichen Berechnungsparameter frei überprüfen, und zwar
ungeachtet dessen, ob sich die diesen zugrunde liegenden Verhältnisse
seit der vormaligen Beurteilung verändert haben oder nicht. Wird ein
Revisionsgrund bejaht, so entfalten frühere Entscheidungen folglich keine
Bindungswirkung mehr (BGE 139 V 28 E.3.3.1, vgl. im Weiteren BGE 140
V 521 [Wiedererwägung mit Aufhebung einer vormaligen
Rentenzusprache]; Urteil des Bundesgerichts 9C_418/2010 vom
29. August 2011 E.4.1). Für den vorliegenden Fall bedeutet dies, dass die
Beklagte im Rahmen der rückwirkend per 23. Juni 2010 vorzunehmenden
Überentschädigungsberechnung sämtliche Berechnungsparameter neu
festlegen darf, ohne dabei an ihre im Jahr 2007 vorgenommene
Überentschädigungsberechnung gebunden zu sein. Dabei ist von jenem
Sachverhalt auszugehen, der im Zeitpunkt der
- 23 -
Überentschädigungsberechnung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
ausgewiesen ist.
b) Dies gilt allerdings nur, wenn sie keine anderslautenden Auskünfte erteilt
oder entsprechende Zusicherungen gemacht hat, an welche sie aufgrund
des verfassungsmässigen Vertrauensschutzes gebunden ist (Art. 9 BVG;
vgl. E.4b hiervor). Eine solche Wirkung kommt derartigen Auskünften
oder Zusicherungen indessen nur zu, wenn sie inhaltlich bestimmt sind,
die auskunftserteilende Behörde zuständig war, die Auskunft vorbehaltlos
erteilt wurde, die Fehlerhaftigkeit nicht erkennbar war, gestützt auf die
Auskunft nachteilige Dispositionen getroffen wurden, die nicht ohne
Nachteil rückgängig gemacht werden können und sich die relevante
Rechts- und Sachlage seit der Auskunftserteilung nicht geändert hat.
Selbst wenn diese Voraussetzungen des Vertrauensschutzes erfüllt sind,
ist im Einzelfall in einer Güterabwägung zu ermitteln, ob nicht das
öffentliche Interesse an der richtigen Rechtsanwendung dem
Vertrauensschutz vorgeht. Nur wenn dies zu verneinen ist, kann sich der
Versicherte auf die ihm erteilte Auskunft berufen und die gestützt darauf
geschuldeten Leistungen fordern (vgl. zum Vertrauensschutz im
Allgemeinen: BGE 129 I 161 E.4.1, 127 I 31, 119 Ib 138 E.4e; PIERRE
TSCHANNEN / ULRICH ZIMMERLI/MARKUS MÜLLER, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 3. Aufl., Bern 2009, S. 165; ULRICH HÄFELIN/WALTER
HALLER/HELENE KELLER, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 8. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2012, N. 823 ff.; RENÉ RHINOW/MARKUS SCHEFER,
Schweizerisches Verfassungsrecht, 2. Aufl., Basel 2009, N. 2002).
c) Im vorliegenden Fall steht diesbezüglich fest, dass sich die Beklagte im
Schreiben vom 9. November 2007 bereit erklärte, dem Kläger
rückwirkend per 1. September 2004 bis zum 31. Dezember 2007
aufgelaufene Rentenbetreffnisse von insgesamt Fr. 41'030.30
nachzuzahlen (kB 9). Ausserdem verpflichtete sie sich, ab dem 1. Januar
- 24 -
2008 jeweils vierteljährlich und vorschüssig Invalidenrenten in der Höhe
von total Fr. 15'889.60 pro Jahr zu bezahlen (Fr. 11'780.-- [4 x Fr. 2'945.--
] + Fr. 4'109.60 [2 x 4 x Fr. 513.70], kB 9). Auf Intervention des Klägers
korrigierte die Beklagte diese Leistungszusagen mit Schreiben vom
19. Dezember 2007, erbrachte eine zusätzliche Nachzahlung von
Fr. 9'752.30 und erkannte dem Kläger ab dem 1. April 2008 pro Jahr
Invalidenrenten im Betrag von total Fr. 16'492.-- zu (Fr. 11'780.-- [4 x
Fr. 2'945.--] + Fr. 4'712.-- [2 x 4 x Fr. 589.--], kB 11, 13, 14). Diese
Leistungen passte die Beklagte mit Schreiben vom 2. April 2009
entsprechend der bundesrätlichen Anordnung an die Preisentwicklung an,
womit sie sich auf Fr. 17'730.-- pro Jahr erhöhten (Fr. 12'663.60 +
Fr. 5'066.40 [2 x Fr. 2'533.20], kB 14). Keine dieser Leistungszusagen
erreicht die vom Kläger im vorliegenden Verfahren eingeklagten
Versicherungsleistungen in der Höhe von total Fr. 20'263.20 pro Jahr
(Fr. 12'663.60 + Fr. 7'599.60 [3 x Fr. 2'533.20]; vgl. klägerisches
Rechtsbegehren Sachverhalt Ziff. 5 hiervor). Ausserdem bezogen sich
diese stets auf die damals bestehenden Verhältnisse. Dass sich der
Kläger dessen durchaus bewusst war, zeigt sein Schreiben vom
4. Dezember 2007 (kB 10). Darin erklärte er, damit einverstanden zu sein,
dass die Beklagte beim Wegfall der Familienzulagen seinen mutmasslich
entgangenen Verdienst für die Überentschädigungsberechnung neu
berechne, selbst wenn die deshalb vorzunehmende Leistungsanpassung
weniger als 10 % betragen sollte. Die Beklagte hat dem Kläger somit zu
keinem Zeitpunkt vorbehaltlos Leistungen zugesagt, die sie dem Kläger
bei einer Neuberechnung der Versicherungsleistungen gegebenenfalls
ausrichten müsste.
aa) Dies wird denn auch vom Kläger grundsätzlich anerkannt. Er ist jedoch
der Auffassung, die Beklagte habe ihm 2007 zugesichert, seinen
mutmasslich entgangenen Verdienst und dessen Entwicklung nach
Massgabe der von der SUVA getroffenen Annahmen festzulegen (vgl.
- 25 -
Klage vom 9. Mai 2014 S. 10; Replik vom 11. August 2014). Diese
Behauptung trifft insofern zu, als die Beklagte dem Kläger im Schreiben
vom 9. November 2007 mitteilte, den mutmasslich entgangenen Verdienst
für 2004 und 2005 analog der SUVA, jedoch ohne Kinderzulagen und für
die Jahre 2006-2011 ohne Berücksichtigung der Teuerungszulage auf
den Renten und dementsprechend unter blosser Annahme einer
Reallohnerhöhung festgelegt zu haben (vgl. kB 9). Im Schreiben vom
19. Dezember 2007 berichtigte sie diese Berechnungsweise alsdann
dahingehend, als sie anerkannte, die Kinderzulagen bei der Bemessung
des mutmasslich entgangenen Verdiensts berücksichtigen zu müssen (kB
11). Entgegen der Darstellung des Klägers hat die Beklagte indessen sein
hypothetisches Valideneinkommen für das Jahr 2005 nie mit Fr. 81'600.--
beziffert. Vielmehr ging sie im Schreiben vom 9. November 2007 für das
Jahr 2005 von einer Überentschädigungsgrenze von Fr. 70'200.-- (90 %
des mutmasslich entgangenen Verdiensts, kB 9, Tabelle auf Seite 2),
mithin einem hypothetischen Valideneinkommen von Fr. 78'000.--
(Fr. 70'200.-- : 90 x 100), aus. Werden hierzu die 2005 im Kanton
Graubünden geltenden Kinderzulagen addiert, so ergibt sich ein
mutmasslich entgangener Verdienst des Klägers von Fr. 82'800.--
(Fr. 78'000.-- + Fr. 4'800.-- [2 x 12 x Fr. 200.--) und damit eine
Überentschädigungsgrenze von Fr. 74'520.-- (90 % von Fr. 82'800.--).
Diese Beträge lassen sich jedoch weder dem Schreiben vom
9. November 2007 (kB 9) noch jenem vom 19. Dezember 2007 (kB 11)
entnehmen. Ob eine solche Überentschädigungsgrenze, welche die
Beklagte nur in Form einer angewandten Berechnungsmethode bekannt
gegeben, jedoch nie beziffert hat, eine vorbehaltlose Auskunft darstellt,
die geeignet ist, schützenswertes Vertrauen zu begründen, ist fraglich.
Letztlich kann diese Frage jedoch dahingestellt bleiben.
bb) Selbst wenn dies nämlich zu bejahen wäre, kann der Kläger daraus nichts
zu seinen Gunsten ableiten. Denn die Anrufung des Vertrauensschutzes
- 26 -
in Bezug auf eine solche Überentschädigungsgrenze scheitert von
vornherein daran, dass der Kläger im Hinblick auf diese Auskunft keine
Dispositionen getroffen hat, die er nicht ohne Nachteil rückgängig machen
kann. Die Grundlage für sein Handeln bildeten nämlich nicht die
entsprechende "Überentschädigungsgrenze", sondern die ihm von der
Beklagten zuerkannten Invalidenrenten. Bezüglich dieser Leistungen hat
die Beklagte stets zum Ausdruck gebracht, diese an die sich veränderten
Verhältnissen anzupassen, mithin keine vorbehaltlosen Leistungszusage
erteilt (vgl. E.5c hiervor). Dieser Tatsache musste sich der Kläger bewusst
sein, als er den Direktschaden mit der H._-Haftpflichtversicherung
abgerechnet hat. Um allfälligen sich hieraus ergebenden Nachteilen zu
entgehen, hätte er die Möglichkeit gehabt, sich mit seiner
Haftpflichtversicherung auf eine bis zur Vollendung des 65. Altersjahres
geschuldete Rente zu einigen, die an rechtserhebliche und von den
Parteien nicht voraussehbare nachträgliche Veränderungen hätte
angepasst werden können. Dass er davon absah und sich für eine
Kapitalabfindung entschied, hat er selber zu verantworten.
cc) Schliesslich erscheint es höchst fraglich, dass bei der fraglichen
Direktschadensberechnung insgesamt höhere
Sozialversicherungsleistungen als die seit der Geburt von D._
effektiv vom Kläger bezogenen in Abzug gebracht wurden. Denn bei der
damaligen Berechnung gingen die Beteiligten von zwei Kindern aus,
weshalb nur die für zwei Kinder geschuldeten
Sozialversicherungsleistungen bei der Direktschadensberechnung
Berücksichtigung fanden. Seit (dem 23.) Juni 2010 kann der Kläger
jedoch drei Invalidenkinderrenten beanspruchen, womit sich die ihm
zustehenden Sozialversicherungsleistungen je nach der Höhe und Dauer
der geschuldeten zusätzlichen Kinderrente um knapp Fr. 200'000.--
(Fr. 196'797.60 = Fr. 151'200.-- [IV-Kinderrente: 18 Jahre x Fr. 8'400.--
(12 x Fr. 700.--)] + Fr. 45'597.60 [BVG-Kinderrente: 18 x Fr. 2'533.20]) bis
- 27 -
Fr. 273'330.-- Fr. 210'000.-- ([25 x Fr. 8'400.--] + Fr. 63'330.-- [25 x
Fr. 2'533.20]) erhöht haben. Selbst wenn dem Kläger ein Teil der
fraglichen Leistungen infolge Überentschädigung nicht ausgerichtet
werden sollte, dürften die in der Direktschadensberechnung
berücksichtigten Sozialversicherungsleistungen gleichwohl deutlich
geringer gewesen sein als die dem Kläger nunmehr effektiv zugute
kommenden Sozialversicherungsleistungen. Die gegenteilige Behauptung
des Klägers, die sich ausschliesslich auf die für sich allein nicht
massgeblichen Leistungen der beruflichen Vorsorge bezieht, erscheint
nicht plausibel. Dies umso weniger, als es für den Kläger ein leichtes
gewesen wäre, die entsprechende Direktschadensberechnung
einzureichen und dadurch die behauptete Schlechterstellung infolge der
zu viel angerechneten Sozialversicherungsleistungen zu belegen.
Entgegen der Auffassung des Klägers steht der verfassungsmässige
Vertrauensschutz einer freien Überprüfung der
Überentschädigungsgrenze als einem der für die
Überentschädigungsberechnung massgeblichen Berechnungsparameter
folglich nicht entgegen.
7. a) Im Hinblick auf die per 23. Juni 2010 vorzunehmende
Überentschädigungsberechnung sind sich die Parteien darin einig und ist
aufgrund der Akten ausgewiesen, dass der Kläger seit dem 1. Juni 2010
bis zum 28. Februar 2013 eine jährliche Invalidenrente der SUVA im
Betrag von Fr. 15'226.80 (12 x Fr. 1'268.90; Akten der SUVA 164) und
von der Invalidenversicherung eine jährliche Invalidenrente von
Fr. 21'168.-- sowie drei jährliche Invalidenkinderrenten im Betrag von total
Fr. 25'416.-- erhalten hat (kB 19; IV-act. 105, kB 19). Im Rahmen der auf
den 23. Juni 2010 hin vorzunehmenden Überentschädigungsberechnung
sind dem Kläger folglich Sozialversicherungsleistungen in der Höhe von
Fr. 61'810.80 anzurechnen (Fr. 15'226.80 + Fr. 21'168.-- + Fr. 25'416.--).
- 28 -
b) Zu prüfen bleibt, ob die Beklagte zu Recht von einem mutmasslich
entgangenen Verdienst des Klägers von Fr. 80'424.-- ausgegangen ist.
Als mutmasslich entgangener Verdient gilt das hypothetische
Einkommen, das der Versicherte ohne Invalidität im Zeitpunkt, in welchem
sich die Kürzungsfrage stellt, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erzielen würde (BGE 129 V 150 E.2.3, 126 V 468 E.4a). Der mutmasslich
entgangene Verdienst stimmt nicht notwendigerweise mit dem vor Eintritt
des Vorsorgefalles effektiv bezogenen Verdienst überein. Es besteht eine
weitgehende Parallelität zwischen dem mutmasslich entgangenen
Verdienst und dem Valideneinkommen gemäss Art. 16 ATSG, jedoch
keine Kongruenz. Während bei der Ermittlung des Valideneinkommens
aufgrund des unterstellten ausgeglichenen Arbeitsmarktes (vgl. Art. 16
ATSG) von der konkreten Arbeitsmarktlage zu abstrahieren ist, sind bei
der Festsetzung des mutmasslich entgangenen Verdienstes die
spezifischen Gegebenheiten und tatsächlichen Chancen des Versicherten
zu berücksichtigen (BGE 137 V 20; Urteil des eidgenössischen
Versicherungsgerichts B17/03 vom 2. September 2004, publiziert in: SZS
2005, 321). Ausgehend vom zuletzt vor Eintritt der gesundheitlichen
Beeinträchtigung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit erzielten
Verdienst sind alle einkommensrelevanten Veränderungen (Teuerung,
Reallohnerhöhung, Karriereschritte usw.) zu berücksichtigen, welche
ohne Invalidität überwiegend wahrscheinlich eingetreten wäre.
Karriereschritte, die zur Annahme einer im Vergleich zum versicherten
Verdienst überproportionalen (d.h. über die Lohn- und Preisentwicklung
hinausgehenden) Einkommenssteigerung führen, sind indes nur zu
berücksichtigen, wenn sie bereits vor dem Eintritt des versicherten
Ereignisses ihren Anfang genommen haben. Anders verhält es sich nur,
wenn die in Frage stehende Einkommenssteigerung von der Natur des ihr
zugrunde liegenden Motivs her überhaupt erst nach dem versicherten
Ereignis eingetreten sein kann (Urteil des eidgenössischen
Versicherungsgerichts B 43/02 vom 23. Januar 2003 E.3.2; vgl.
- 29 -
HÜRZELER, Handkommentar BVG und FZG, Art. 34a N. 13 ff., STAUFFER,
Rechtsprechung, Art. 34a S. 110 ff., VETTER-SCHREIBER, a.a.O., Art. 24a
BVV 2 S. 380 ff.). Bei der Ermittlung des mutmasslich entgangenen
Verdienst sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auch
kantonalrechtliche Familienzulagen (Kinder- und Ausbildungszulagen) zu
berücksichtigen, auf welche der Versicherte Anspruch gehabt hätte, wenn
er nicht invalid geworden wäre (Urteile des Bundesgerichts 9C_753/2009
vom 21. Januar 2010 E.5.1, B 60/03 vom 16. Dezember 2003 E.2.2).
c) Mit Verfügung vom 11. November 2005 sprach die IV-Stelle dem
Beklagten mit Wirkung ab dem 30. Oktober 2002 bei einem
Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Rente zu (IV-act. 66 S. 1). Bei dem
dieser Verfügung zugrunde liegenden Einkommensvergleich ging sie
davon aus, der Beklagte hätte 2004 ein Valideneinkommen von
Fr. 63'393.-- erzielt (IV-act. 63 S. 6 und IV-act. 102 S. 2). Dieses
Valideneinkommen hat die IV-Stelle von der SUVA übernommen (IV-
act. 66 S. 1), welche den versicherten Jahresverdienst des Beklagten in
der Verfügung vom 5. August 2004 mit Fr. 63'393.-- bezifferte (Akten der
SUVA 134). Dieses Vorgehen ist insofern problematisch, als der
versicherte Verdienst in der Unfallversicherung ebenfalls Familienzulagen
erfasst, die als Kinder-, Ausbildungs- oder Haushaltszulagen im orts- oder
branchenüblichen Rahmen gewährt werden (Art. 22 Abs. 2 lit. b
Verordnung der über die Unfallversicherung [UVV; SR 832.202]).
Entsprechend hat die SUVA bei der Ermittlung des versicherten
Verdienstes, die dem Kläger zum damaligen Zeitpunkt ausgerichteten
Kinderzulagen im Betrag von Fr. 3'600.--, berücksichtigt (vgl.
Zusammenstellung der Entscheidungsgrundlagen für die
Rentenfestsetzung vom 1. April 2004 [Akten der SUVA 132]). Werden
diese in Abzug gebracht, so ist für das Jahr 2004 von einem
Valideneinkommen von Fr. 59'793.-- (Fr. 63'393.-- - Fr. 3'600.--)
auszugehen. Wird dieses der Nominallohnentwicklung angepasst
- 30 -
(www.bsv.admin.ch > Themen > 03-Arbeit und Erwerb > Löhne,
Erwerbseinkommen > Detaillierte Daten > Lohnentwicklung, letztmals
besucht am 26. November 2015), so betrüge es im Jahr 2010
Fr. 65'182.70 (Fr. 59'793.-- x 1.01 [2005] x 1.012 [2006] x 1.016 [2007] x
1.02 [2008] x 1.021 [2009] x 1.008 [2010]). Zu nahezu demselben
Ergebnis gelangt man, wenn das Valideneinkommen des Klägers, wie
dies üblicherweise erfolgt, ausgehend vom zuletzt erzielten Bruttolohn
bestimmt wird. Dieser betrug im 2001 Fr. 58'500.-- (13 x Fr. 4'500.--, IV-
act. 12 S. 4), was, angepasst an die Nominallohnentwicklung, bis zum
Eintritt der rechtserheblichen Änderung im 2010 ein Bruttoeinkommen von
Fr. 66'422.40 ergibt (Fr. 58'500.-- x 1.018 [2002] x 1.014 [2003] x 1.009
[2004] x 1.01 [2005] x 1.012 [2006] x 1.016 [2007] x 1.02 [2008] x 1.021
[2009] x 1.008 [2010]). Werden zu diesem Bruttoeinkommen die
Kinderzulagen addiert, welche der Kläger 2010 im Gesundheitsfall als im
Kanton Graubünden tätiger Arbeitnehmer für seine damals noch nicht 16-
jährigen Kinder hätte beanspruchen können, so betrüge der mutmasslich
entgangene Verdienst des Klägers Fr. 73'102.70 respektive Fr. 74'340.--
(Fr. 65'182.70/Fr. 66'420.-- + Fr. 7'920.-- [3 x 12 x 220.--, vgl. Merkblatt
zum Familienzulagengesetz des Kantons Graubünden, gültig ab
1. Januar 2015, S. 5; abrufbar unter http://www.sva.gr.ch/ >
Familienzulagen FAK/FLG > Merkblätter, letztmals besucht am
26. November 2015). Die Beklagte war deutlich grosszügiger und ist bei
ihrer Überentschädigungsberechnung von einem Bruttoeinkommen des
Klägers, einschliesslich Kinderzulagen, von Fr. 80'424.-- ausgegangen.
Dennoch ist der Kläger der Auffassung, hierdurch sei seiner
mutmasslichen beruflichen Entwicklung unzureichend Rechnung getragen
worden. Nachfolgend ist demnach zu prüfen, ob mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit ausgewiesen ist, dass der Kläger im Gesundheitsfall
die von ihm behaupteten lohnrelevanten Karriereschritte gemacht hätte,
womit sein Bruttoeinkommen im Vergleich zum versicherten Verdienst
überproportional zugenommen hätte.
http://www.sva.gr.ch/
- 31 -
aa) Bezüglich der beruflichen Situation des Klägers vor dem invalidisierenden
Unfall gab die C._ AG in der Unfallmeldung vom 7. November 2001
an, den Kläger im Juli 2001 als Maschinisten angestellt zu haben und ihm
damals bei einer Wochenarbeitszeit von 45 Stunden ein monatliches
Bruttoeinkommen von Fr. 4'500.-- zuzüglich Kinderzulagen ausbezahlt zu
haben (bB 3). Diese Angabe bestätigte sie im IV-Fragebogen für
Arbeitgeber am 18. Mai 2002. Präzisierend hielt sie darin fest, dem Kläger
einen 13. Monatslohn ausgerichtet zu haben. Den Verdienst, den der
Kläger 2003 mutmasslich ohne Gesundheitsschaden erzielt hätte,
bezifferte sie alsdann mit Fr. 4'600.--, ohne einen 13. Monatslohn zu
erwähnen (bB 5). Der Kläger seinerseits gab in der IV-Anmeldung vom
29. April 2002 an, seit 1998 bei der C._ AG als Maschinist tätig zu
sein und in dieser Eigenschaft ein jährliches Bruttoeinkommen von
Fr. 58'500.-- (mithin 13 x Fr. 4'500.--) zu erzielen (bB 4).
bb) Von einem weit höheren Verdienst des Klägers ging die C._ AG
hingegen im Schreiben vom 27. Oktober 2003 aus (kB 3). Darin teilte sie
der SUVA in Bezug auf die im Gesundheitsfall zu erwartende
Lohnentwicklung mit, der Kläger sei im Juni 1999 in ihren Betrieb
eingetreten und zum Bohrarbeiter angelernt worden. Er habe sich – dank
seiner Intelligenz und seines unermüdlichen Einsatzes – recht schnell
grosse Fachkompetenz angeeignet, weshalb sie ihn zum Gruppenleiter
befördert habe. Im Herbst 2001 habe der Kläger zu einer anderen
Unternehmung wechseln wollen. Um den Kläger daran zu hindern, sei
ihm in Aussicht gestellt worden, dass er ab dem 1. Januar 2002 rund
Fr. 500.-- mehr im Monat verdienen und sein Lohn in den folgenden drei
Jahren sukzessive erhöht werde, so dass er im Jahr 2005 als
Bohrleiter/Gruppenleiter monatlich rund Fr. 6'000.-- zuzüglich 13.
Monatslohn verdient hätte (kB 3).
- 32 -
cc) Bei der Würdigung dieses Schreibens der C._ AG ist zu
berücksichtigen, dass es fast zwei Jahre nach dem Verkehrsunfall vom
30. Oktober 2001 verfasst wurde. Zum damaligen Zeitpunkt zeichnete
sich bereits ab, dass der Kläger infolge der durch den Verkehrsunfall
erlittenen Verletzungen nie mehr in der Lage sein dürfte, als Maschinist
tätig zu sein, und mutmasslich in erheblichem Umfang arbeitsunfähig
bleiben wird. Die C._ AG dürfte sich daher bewusst gewesen sein,
mit ihren Angaben die Höhe der dem Kläger geschuldeten
Sozialversicherungsleistungen massgeblich zu beeinflussen. Bereits aus
diesem Grund erscheint es angezeigt, dem Schreiben vom 27. Oktober
2003 mit Vorsicht zu begegnen. Hinzu kommt, dass die darin behauptete
Beförderung zum Gruppenleiter und die hiermit verbundene, höchst
aussergewöhnliche Lohnerhöhung von 33 % innert drei Jahren durch kein
anderes Dokument, wie etwa eine arbeitgeberseitige Zusage oder eine
entsprechende arbeitsvertragliche Vereinbarung, belegt ist. Dass solche
Dokumente fehlen, ist umso erstaunlicher, als der Kläger nach den
Angaben der C._ AG mit der Beförderung zum Gruppenleiter sowie
der hiermit verbundenen Lohnerhöhung von einem Stellenwechsel
abgehalten werden sollte. Dass der Kläger auf ein im Raum stehendes
lukratives berufliches Angebot verzichtet haben soll, ohne dass ihm die
C._ AG zumindest die Beförderung zum Gruppenchef schriftlich
zugesichert hat, erscheint höchst aussergewöhnlich. Das Fehlen
entsprechender Unterlagen weckt daher erhebliche Zweifel an der
Richtigkeit der Angaben im Schreiben vom 27. Oktober 2003.
Diese Zweifel werden dadurch genährt, dass die C._ AG weder in
der Unfallmeldung vom 7. November 2001 (bB 3) noch im Fragebogen
der IV-Stelle für Arbeitgeber (bB 5) die angeblich bereits abgemachte
Beförderung zum Gruppenchef und die mit dieser Position verknüpfte
erhebliche Lohnsteigerung erwähnte. Gleiches gilt für den Kläger in der
IV-Anmeldung vom 29. April 2002 (bB 4). Schliesslich weist die Beklagte
- 33 -
zu Recht darauf hin, dass der Kläger zwar erstmals im April 1999 von der
C._ AG als Maschinist angestellt wurde, jedoch danach nicht
ununterbrochen für diese tätig war. In der Tat arbeitete der Kläger
zunächst von April 1999 bis Dezember 2000 für die C._ AG. Alsdann
war er für diese wieder von Juli 2001 bis zum invalidisierenden Unfall vom
30. Oktober 2001 tätig (IV-act. 26 S. 3). Im Zeitpunkt, als die C._ AG
dem Kläger zugesichert haben will, ihn zum Gruppenleiter zu befördern,
arbeitete der Kläger also erst seit wenigen Monaten wieder für die
C._ AG.
Aufgrund all dieser Umstände, die erhebliche Zweifel an der Richtigkeit
der Angaben im Schreiben vom 27. Oktober 2003 wecken, gelangt das
Gericht zum Schluss, dass nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erstellt ist, dass die C._ AG den Kläger bereits vor dem
invalidisierenden Unfall zum Gruppenleiter befördert und ihm in Aussicht
gestellt hatte, seinen Lohn innert drei Jahren sukzessive um 33 % auf
Fr. 6'000.-- anzuheben. Dass die SUVA diese Lohnentwicklung in ihrer
Überentschädigungsberechnung vom 17. Januar 2006 als ausgewiesen
angesehen hat, ändert daran nichts (kB 23), zumal sie diese Auffassung
nicht begründet und die fragliche Lohnentwicklung in der
Zusammenfassung der Entscheidgrundlagen für die Rentenfestsetzung
selbst als fraglich bezeichnet hat (vgl. bB 1 sowie Akten der SUVA 132).
Vorliegend ist demnach nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erstellt, dass der Kläger vor dem invalidisierenden Unfall vom 30. Oktober
2001 zum Gruppenchef befördert wurde oder sich ein solcher
Karriereschritt abzeichnete, der eine überproportionale
Einkommensentwicklung hätte erwarten lassen. Dass die Einvernahme
des 2003 für die Fallabwicklung bei der SUVA zuständigen Mitarbeiters
diesbezüglich neue Erkenntnisse bringen würde, kann ausgeschlossen
werden, dürfte sich dieser doch heute nur mehr vage an den fraglichen
Vorfall erinnern und könnte er ohnehin nur die von der C._ AG
- 34 -
erhaltenen Informationen wiedergeben. Von einer solchen
Zeugenaussage ist deshalb abzusehen und der entsprechende
Beweisantrag des Klägers in antizipierter Beweiswürdigung abzuweisen
(BGE 124 V 90 E.4b).
dd) Demzufolge ist der mutmasslich entgangene Verdienst des Klägers
ausgehend von dem von ihm zuletzt vor Eintritt des invalidisierenden
Gesundheitsschadens erzielten und der Nominallohnentwicklung
angepassten Verdienst zu ermitteln. Daraus ergibt sich ein mutmasslich
entgangener Verdienst, inkl. Kinderzulagen, von Fr. 73'102.70 respektive
Fr. 74'340.-- (vgl. E.7c hiervor). Die Beklagte hat dem Kläger stattdessen
auf der Grundlage der Lohnstrukturerhebung 2010, privater Sektor,
ausgehend von einem mithilfe des Salariumrechners ermittelten
monatlichen Bruttolohn von Fr. 5'992.--, inkl. 13. Monatslohn, zuzüglich
Kinderzulagen von monatlich total Fr. 710.-- (Stand 2014), einen
mutmasslich entgangenen Verdienst von Fr. 80'424.-- zugebilligt (bB 8).
Dieses Vorgehen erscheint im vorliegenden Fall durchaus vertretbar.
Zwar besteht nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kein Raum
für die Anwendung der LSE-Tabellenlöhne, wenn vor Eintritt des
invalidisierenden Gesundheitsschadens ein stabiles Arbeitsverhältnis
bestand (Urteil des Bundesgericht 9C_434/2010 vom 11. Oktober 2012).
Der Kläger war jedoch vorliegend erst seit Juli 2001 wieder bei der
C._ AG beschäftigt. Ausserdem erzielte er während der gesamten
Beschäftigungsdauer bei der C._ AG nicht stets ein monatliches
Einkommen von Fr. 4'500.--, sondern variierende Bruttoeinkünfte von
Fr. 270.95 (Oktober 2010), Fr. 3'375.-- (Juli 2001), (rund) Fr. 4'200.--
(November 2000, Dezember 2000, Oktober 2001) bis zu Fr. 4'500.--
(August 2001, September 2001; vgl. Akten der SUVA 132). Unter diesen
Umständen ist es nicht zu beanstanden, wenn die Beklagte den
mutmasslich entgangenen Verdienst des Klägers mittels des auf den
LSE-Tabellenlöhne 2010 beruhenden Salarium-Rechners ermittelt hat.
- 35 -
Die entsprechende Berechnung ist allerdings insofern zu korrigieren, als
der Kläger im Kanton Graubünden im Jahr 2010 im Gesundheitsfall für
seine drei Kinder nicht Kinderzulagen in der Höhe von Fr. 710.--, sondern
Fr. 660.-- pro Monat (3 x Fr. 220.--), mithin Fr. 7'920.-- pro Jahr hätte
beanspruchen können (vgl. E.6c hiervor). Der mutmasslich entgangene
Verdienst des Klägers beläuft sich folglich auf Fr. 79'824.-- (Fr. 71'904.--
[Fr. 5'992.-- x 12] + Fr. 7'920.--). Zur Bestimmung der maximal
geschuldeten vorsorgerechtlichen Leistungen ist folglich von einer
Überentschädigungsgrenze von Fr. 71'841.60 auszugehen (90 % von
Fr. 79'824.--).
d) Daraus ergibt sich hinsichtlich der seit dem 23. Juni 2010 geschuldeten koordinierten Invalidenrenten folgendes:
Überentschädigungsgrenze Fr. 71'841.60 - Erwerbsersatzeinkommen Fr. 61'810.80 Deckungslücke pro Jahr Fr. 10'030.80
Diese Differenz ist geringer als die Summe der unkoordinierten BVG
Renten im Betrag von total Fr. 20'263.30 pro Jahr (Fr. 12'663.60 +
Fr. 7'599.60 [3 x Fr. 2'533.20]). Demzufolge schuldet die Beklagte dem
Kläger per 23. Juni 2010 die koordinierten Invalidenrenten in Form einer
jährlichen Invalidenrente von Fr. 6'269.25 (Invalidenrente, Fr. 10'030.80 :
1.60 x 1) sowie drei Invalidenkinderrenten von je Fr. 1'253.85 (20 % von
Fr. 6'269.25, drei Kinderrenten).
8. a) Vom 1. März 2013 bis zum 31. Juli 2013 richtete die IV-Stelle dem Kläger
für E._ keine Invalidenkinderrente aus (vgl. IV-act. 107-111;
Sachverhalt Ziff.3 hiervor). Dadurch reduzierten sich die dem Kläger von
der Invalidenversicherung ausgerichteten Leistungen auf Fr. 39'208.-- pro
Jahr (vgl. Steuerbescheinigung der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons Graubünden vom 1. Januar 2014). Keine Änderung erfahren hat
dagegen die dem Kläger von der SUVA ausgerichtete
- 36 -
Komplementärrente (12 x Fr. 1'268.90; Akten der SUVA 164). Damit
betragen die anrechenbaren Sozialversicherungsleistungen seit März
2013 Fr. 54'334.80 (Fr. 15'226.80 + Fr. 21'732.-- + Fr. 17'376.-- [2 x
Fr. 8'688.--]). Die Beklagte hält in ihrer Stellungnahme vom 8. September
2015 zudem fest, von März bis Juli 2013 hätte der Kläger für seinen Sohn
E._ keine Ausbildungszulagen beziehen können. Diese Auffassung
trifft zu. Gemäss Art. 3 Abs. 1 lit. b des Familienzulagengesetzes
(FamZG; SR 836.2) sind die Ausbildungszulagen ab dem Ende des
Monats, indem das Kind das 16. Altersjahr vollendet hat, bis zum
Abschluss der Ausbildung auszurichten, längstens jedoch bis zum Ende
des Monats, indem es das 25. Altersjahr vollendet hat. Diese Regelung
wird in Art. 1 Abs. 1 der Familienzulagenverordnung (FamZV; SR 836.21)
dahingehend konkretisiert, als ein Anspruch auf Ausbildungszulage für
Kinder besteht, die eine Ausbildung im Sinne von Art. 25 Abs. 5 AHVG
absolvieren. Dass die entsprechenden Voraussetzungen vom 1. März
2013 bis zum 31. Juli 2013 in Bezug auf E._ nicht erfüllt waren,
wurde vorangehend dargelegt (vgl. E.4c hiervor). Demzufolge hätte der
Kläger im Gesundheitsfall in diesem Zeitraum für E._ keine
Ausbildungszulage beanspruchen können. Der mutmasslich entgangene
Verdienst des Klägers ist folglich um die auf E._ entfallenden
Ausbildungszulagen im Gesamtbetrag von Fr. 3'240.-- (12 x Fr. 270.--) zu
reduzieren (vgl. Merkblatt zum Familienzulagengesetz des Kantons
Graubünden, gültig ab 1. Januar 2015, abrufbar unter
http://www.sva.gr.ch/ > Familienzulagen FAK/FLG > Merkblätter, letztmals
besucht am 26. November 2015). Wird von im Übrigen unveränderten
Berechnungsparametern ausgegangen, so reduziert sich die
Überentschädigungsgrenze dadurch auf Fr. 68'925.60 (90 % von
Fr. 76'584.-- [Fr. 79'824.-- - Fr. 3'240.--]) und die davon in Abzug zu
bringenden Sozialversicherungsleistungen nehmen auf Fr. 54'334.80 ab.
Demzufolge beträgt die Deckungslücke Fr. 14'590.80 (Fr. 68'925.60 –
Fr. 54'334.80). Im Vergleich zu den ab Juni 2010 ausgerichteten
http://www.sva.gr.ch/
- 37 -
koordinierten Invalidenrenten im Gesamtbetrag von Fr. 10'030.80 nehmen
die koordinierten Invalidenrenten folglich um Fr. 4'560.-- (Fr. 14'590.80 -
Fr. 10'030.80), mithin um 45.60 % zu (Fr. 4'560.-- : Fr. 10'030.80 x 100).
Der für die Bemessung der dem Kläger geschuldeten Invalidenrenten
massgebliche Sachverhalt hat demnach per 1. März 2013 eine
wesentliche Änderung im Sinne von Art. 24 Abs. 5 BVV 2 erfahren. Die
Beklagte hat somit zu Recht per 1. März 2013 eine neue
Überentschädigungsberechnung durchgeführt und die dem Kläger
geschuldeten Versicherungsleistungen auf diesen Zeitpunkt hin unter
Anwendung der damals geltenden Fassung von Art. 24 BVV neu
berechnet.
b) Die diesbezügliche Berechnung ist jedoch insofern zu berichtigen, als es
die Beklagte versäumt hat, den für das Jahr 2010 berechneten
mutmasslich entgangenen Verdienst des Klägers an die seither
eingetretene Nominallohnentwicklung anzupassen. Dies ist erforderlich,
da die Beklagte den fraglichen Lohn aufgrund der LSE 2010 berechnet
hat, bei der per 1. März 2013 vorzunehmenden
Überentschädigungsberechnung jedoch von jenem Lohn auszugehen ist,
den der Kläger 2013 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erzielt hätte
(vgl. E.6a hiervor). Dieser beträgt unter Zugrundelegung der im Übrigen
unveränderten Berechnungsparameter (vgl. E.7c hiervor) im 2013
Fr. 73'789.65 (Fr. 71'904.-- x 1.01 [2011] x 1.008 [2012] x 1.008 [2013]).
Werden hierzu die dem Kläger 2013 im Gesundheitsfall im Kanton
Graubünden ausgerichteten Kinderzulagen für F._ und D._ im
Betrag von Fr. 5'280.-- addiert (2 x Fr. 220.-- x 12, vgl. Merkblatt zum
Familienzulagengesetz des Kantons Graubünden, gültig ab 1. Januar
2005), so resultiert ein mutmasslich entgangener Verdienst von
Fr. 79'069.65 (Fr. 73'789.65 + Fr. 5'280.--). Zur Bestimmung der von der
Beklagten maximal geschuldeten vorsorgerechtlichen Leistungen ist 2013
folglich von einer Überentschädigungsgrenze von Fr. 71'162.70
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(Fr. 79'069.65 x 90 %) auszugehen. Davon sind die dem Kläger infolge
seiner Invalidität als Erwerbsersatzleistungen ausgerichteten
Sozialversicherungsleistungen im Gesamtbetrag von Fr. 54'334.80 in
Abzug zu bringen (vgl. E.8a hiervor). Daraus ergibt sich hinsichtlich der
ab März 2013 geschuldeten koordinierten Invalidenrenten folgendes: Überentschädigungsgrenze Fr. 71'162.70 - Erwerbsersatzeinkommen Fr. 54'334.80 Deckungslücke pro Jahr Fr. 16'827.90
Diese Deckungslücke ist kleiner als die Summe der für diesen Zeitraum
geschuldeten unkoordinierten Leistungen im Betrag von total Fr. 17'730.--
pro Jahr (Fr. 12'663.60 + Fr. 5'066.40 [2 x Fr. 2'533.20,
Invalidenkinderenten]). Zu vergüten sind deshalb seit dem 1. März 2013
die koordinierten Leistungen in Form einer jährlichen Invalidenrente im
Betrag von Fr. 12'019.90 (Fr. 16'827.90 : 1.40 x 1) sowie zwei jährlichen
Invalidenkinderrenten von Fr. 2'404.-- (20 % von Fr. 12'019.90).
9. a) Die für die Festlegung der geschuldeten vorsorgerechtlichen Leistungen
massgebliche Leistungen erfuhren auf den 1. August 2013 hin abermals
eine Änderung, da der Kläger ab diesem Zeitpunkt für seinen Sohn
E._ von der Invalidenversicherung wiederum eine
Invalidenkinderrente beanspruchen kann (vgl. E.4 hiervor) und im
Gesundheitsfall eine Ausbildungszulage erhalten hätte (vgl. E.8a hiervor).
Dadurch erhöhen sich die dem Kläger zustehenden
Sozialversicherungsleistungen auf Fr. 63'022.80 pro Jahr (Fr. 15'226.80
[UV-Komplementärrente] + Fr. 21'732.-- [IV-Rente laut
Steuerbescheinigung vom 14. Januar 2014] + Fr. 26'064.-- [3 x Fr. 8'688.-
-, laut Steuerbescheinigung vom 14. Januar 2014]). Im Gegenzug steigen
die Kinder- und Ausbildungszulagen auf Fr. 8'520.-- pro Jahr (Fr. 5'280.--
[2 x 12 x Fr. 220.--] + Fr. 3'240.-- [12 x Fr. 270.--]). Demzufolge ist von
einem mutmasslich entgangenen Verdienst von Fr. 82'309.65
(Fr. 73'789.65 [vgl. E.8b hiervor] + Fr. 8'520.--) und damit einer
Überentschädigungsgrenze von Fr. 74'078.70 (90 % von Fr. 82'309.65)
- 39 -
auszugehen. Werden davon die anrechenbaren
Sozialversicherungsleistungen abgezogen, so beträgt die Deckungslücke
Fr. 11'055.90 (Fr. 74'078.40 – Fr. 63'022.80). Die Deckungslücke hat
folglich um Fr. 5'772.-- (Fr. 16'827.90 – Fr. 11'055.90) und damit um
34.30 % (Fr. 5772.-- : Fr. 16'827.90 x 100) abgenommen. Der für die
Berechnung der geschuldeten BVG-Leistungen massgebliche
Sachverhalt hat folglich per 1. August 2013 abermals eine wesentliche
Änderung erfahren. Die Beklagte war demnach berechtigt, auf diesen
Zeitpunkt hin eine neue Überentschädigungsberechnung vorzunehmen.
b) Ausgehend von den vorangehenden Berechnungsgrössen ergibt sich
diesbezüglich für den Zeitraum ab dem 1. August 2013 folgendes Bild:
Überentschädigungsgrenze Fr. 74'078.70 - Erwerbsersatzeinkommen Fr. 63'022.80 Deckungslücke pro Jahr Fr. 11'055.90
Diese Differenz ist geringer als die Summe der unkoordinierten jährlichen
BVG-Renten im Betrag von Fr. 20'263.30 (Fr. 12'663.60 + Fr. 7'599.60 [3
x Fr. 2'533.20]). Demzufolge schuldet die Beklagte dem Kläger seit dem
1. August 2013 koordinierte Versicherungsleistungen in Form einer
jährlichen Invalidenrente von Fr. 6'910.-- (Invalidenrente, Fr. 11'055.90 :
1.60 x 1) sowie drei Invalidenkinderrenten von je Fr. 1'382.-- (20 % von
Fr. 6'910.--). Diese Invalidenrenten sind gemäss Art. 36 BVG bis zum
Erreichen des ordentlichen Rentenalters nach der Anordnung des
Bundesrats der Preisentwicklung anzupassen (Art. 36 Abs. 1 BVG).
Ausserdem sind sie insoweit zu erhöhen, herabzusetzen oder
aufzuheben, als sich die ihnen zugrunde liegenden tatsächlichen
Verhältnisse nachträglich in rechtserheblicher Weise verändern (vgl.
BGE 141 V 127 E.5.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_58/2015 vom
11. August 2015 E.3.3.1).
- 40 -
10. Aus den vorangehenden Ausführungen ergibt sich, dass die Beklagte
dem Kläger ab dem 1. Juni 2010 bis zum 28. Februar 2013 eine jährliche
koordinierte Invalidenrente von Fr. 6'269.25 sowie drei
Invalidenkinderrenten im Betrag von je Fr. 1'253.85 schuldete. Im
Zeitraum vom 1. März 2013 bis zum 31. Juli 2013 hat sie ihm koordinierte
Leistungen in Form einer jährlichen Invalidenrente im Betrag von
Fr. 12'019.90 sowie zwei jährlichen Invalidenkinderrenten von Fr. 2'404.--
zu erbringen. Ab dem 1. August 2013 schuldet sie dem Kläger sodann
eine jährliche Invalidenrente im Betrag von Fr. 6'910.-- sowie drei
Invalidenkinderrenten von je Fr. 1'382.--. Demzufolge ist die Beklagte
ihrer Leistungspflicht im strittigen Zeitraum vom 23. Juni 2010 bis zum
Urteilszeitpunkt ausreichend nachgekommen (vgl. Leistungsübersicht
vom 7. Januar 2014, kB 19 letzte Seite). Die vorliegende Klage erweist
sich demnach als unbegründet und ist damit abzuweisen.
11. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG). Der Kläger ist
mit seiner Klage nicht durchgedrungen, weshalb er als unterliegende
Partei einzustufen ist und keine Parteientschädigung beanspruchen kann.
Der Beklagte steht als obsiegender Vorsorgeeinrichtung praxisgemäss
ebenfalls keine Parteientschädigung zu, da der Kläger den vorliegenden
Prozess weder mutwillig noch leichtsinnig instanziert hat (BGE 126 V 143
E.3b, 128 V 323 E.1; VETTER-SCHREIBER, a.a.O., Art. 73 N. 55 f.).