Decision ID: c7d104fc-1735-424e-aaa3-6fceb3eb66ff
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
I. Sachverhalt:
1. A._ ist ausgebildete Erzieherin nach deutschem Recht. Sie ist
ebenfalls die Ehefrau von G._. Dieser war in B._ wohnhaft
und amtete ein Jahr (Schuljahr 2017/2018) als Schulleiter der Schule
B._.
2. Am 25., eingegangen am 27. März 2019, reichte A._ (nachfolgend:
Klägerin) Klage gegen die Gemeinde B._ (nachfolgend: Beklagte) ein
und stellte folgende Rechtsbegehren:
"1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin netto CHF 20'872.50 zu bezahlen, zuzüglich Zins von 5 % seit dem 01.06.2018.
2. Unter Kosten und Entschädigungsfolge zulasten der Beklagten."
Begründend führte sie aus, zwischen der Klägerin und der Beklagten habe
t rotz Fehlen eines Arbeitsvertrages zwischen Oktober 2017 und Mai 2018
ein Arbeitsverhältnis infolge konkludenten Verhaltens der Parteien
bestanden. Die Klägerin habe in den Bereichen Jugendarbeit und
Schulsozialarbeit Leistungen für die Gemeinde erbracht. Die Beklagte
habe diese Leistungen entgegengenommen und damit ein
Arbeitsverhältnis akzeptiert. Wäre die Beklagte der Meinung gewesen, es
bestehe kein Arbeitsverhältnis, hätte sie von Anfang an intervenieren
müssen. Auch könne es nicht sein, dass die geleistete Arbeit unentgeltlich
erfolgt sei. Die Klägerin habe zudem zugunsten der Jugend- und
Sozialarbeit ihre eigene Praxis in Deutschland vernachlässigt.
3. In ihrer Klageantwort vom 9. Dezember 2019, Eingang am 10. Dezember
2019, beantragte die Beklagte, auf die Klage sei nicht einzutreten,
eventualiter sei sie abzuweisen. Alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Klägerin. Sie hielt fest, dass
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Kommissionen über keine finanziellen Kompetenzen verfügten und
insbesondere keinerlei Kompetenzen hätten, Personen anzustellen oder
schulische Arbeiten zu vergeben. Die Klägerin bediene sich zur
Begründung ihrer Anspruchsgrundlage eines selbst erfundenen
Konstrukts. Die Klägerin habe ihren Ehemann, den Schulleiter der
Gemeinde B._, an die Kommissionssitzungen begleitet. Ihre
Bemühungen seien grundsätzlich ehrenamtlich erfolgt. Allfällige
Leistungen, die sie gegenüber der Gemeinde B._ erbracht hätte,
wären sowieso privatrechtlicher Natur, sodass auf die Klage nicht
einzutreten wäre. Die Klägerin übersehe schliesslich, dass im öffentlichen
Dienstrecht ein Anstellungsverhältnis entweder durch Verfügung oder
durch öffentlich-rechtlichen Vertrag entstehe. Diese fehle vorliegend,
sodass offensichtlich kein Anstellungsverhältnis bestanden habe.
4. Replicando hielt die Klägerin mit Schreiben vom 11. Juni 2019 unverändert
an ihren Rechtsbegehren fest. Sie führte aus, dass die Klägerin die in der
Gemeindeverfassung geregelten Kompetenzen nicht habe kennen
müssen, sondern sich auf das Verhalten ihrer Vorgesetzten und der
Gemeindevertreter, wie insbesondere dem Gemeindepräsidenten
C._, habe verlassen dürfen. Falls die Verantwortlichen der Gemeinde
ihre Kompetenzen überschritten hätten, dürfe dies der Klägerin nicht zum
Nachteil gereichen.
5. Duplizierend wiederholte die Beklagte am 27. Juni 2019, dass sich die
Klägerin eines selbst erfundenen Konstrukts bediene, welches für die
geltend gemachte Forderung untauglich sei. Es fehle an allen
charakteristischen Merkmalen eines Arbeitsvertrages und die Klägerin
habe sich bei der Beklagten auch nicht nach den nötigen
Vertragsgrundlagen oder einer Klärung erkundigt.
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6. Mit Schreiben vom 9. März resp. 14. Dezember 2020 reichte die Klägerin
jeweils zwei Stelleninserate ein, welche nach Ansicht der Klägerin
nachwiesen, dass die Jugendarbeit sowie die Schulsozialarbeit im Kanton
Graubünden in den Zuständigkeitsbereich der Gemeinden falle und die
sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts zur Beurteilung der
vorliegenden Streitsache damit gegeben sei.
7. Die Beklagte nahm dazu am 19. März resp. am 18. Dezember 2020
Stellung und hielt fest, dass kein sachlicher Zusammenhang zwischen
einem Stelleninserat und dem Verfahren U 19 33 bestehe. Immerhin
könne darauf hingewiesen werden, dass sowohl die Gemeinde D._
wie die Gemeinde E._ den Weg eines ordentlichen
Bewerbungsprozesses mit einer Anstellung durch die zuständige Behörde
eingeschlagen hätten. Im Fall U 19 33 sei demgegenüber weder eine
Stelle öffentlich ausgeschrieben noch durch Vereinbarung ein öffentliches
Dienstverhältnis begründet worden.
Auf die weiteren Ausführungen und Argumente der Parteien wird, sofern
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. e des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) beurteilt das
Verwaltungsgericht im Klageverfahren vermögensrechtliche Streitigkeiten
aus öffentlichem Dienstverhältnis, soweit keine andere Behörde bestimmt
ist. Im vorliegenden Fall stellt die von der Klägerin geltend gemachte
Forderung in Höhe von Fr. 20'872.50.-- zzgl. Zins zu 5 % unbestritten
einen vermögensrechtlichen Anspruch dar. Fraglich ist allerdings, ob es
sich um ein öffentlich-rechtliches Arbeitsverhältnis handelt.
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1.1. Wie den Akten und Rechtsschriften beider Parteien zu entnehmen ist,
werden die jeweiligen Argumente detailliert vorgetragen und dokumentiert.
Zusätzlich wurden verschiedene Beteiligte als Zeugen angeboten. Nach
Sichtung der Akten ist das streitberufene Gericht jedoch zur Ansicht
gelangt, dass auf die Einvernahme der offerierten Auskunftspersonen im
Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung (vgl. BGE 136 I 229 E. 5.3, 124
V 90 E.4b; Urteil des Bundesgerichts 8C_898/2014 vom 24. März 2015
E. 3.3.) verzichtet werden kann. Am massgebenden Sachverhalt besteht
anhand der dem Gericht schon bekannten Fakten und Aussagen somit
kein Zweifel, der eine Erweiterung des Verfahrens (mittels
Zeugeneinvernahmen) beweisrechtlich nötig gemacht oder sachlich
irgendwie gerechtfertigt hätte.
2. Strittig ist vorliegend das Bestehen eines öffentlichen Dienstverhältnisses.
Während die Klägerin geltend macht, ein Arbeitsverhältnis mit der
Beklagten habe bestanden, führt die Klägerin aus, dass kein öffentliches
Dienstverhältnis vorliege und allfällige Leistungen, welche sie erbracht
hätte, ehrenamtlich oder wenn schon privatrechtlicher Natur seien.
2.1. Lehre und Rechtsprechung haben zur Frage, ob ein Vertragsverhältnis
öffentlich-rechtlicher oder privatrechtlicher Natur ist, verschiedene
Kriterien entwickelt. Dabei ist im Einzelfall zu prüfen, welches
Abgrenzungskriterium den konkreten Gegebenheiten am Besten gerecht
wird (BGE 132 I 270 E. 4.3 m.w.H.). Nach der Subordinationstheorie liegt
öffentliches Recht vor, wenn der Staat dem Privaten übergeordnet ist.
Folgt man der Interessentheorie, so ist für die Beurteilung massgeblich, ob
mit dem Vertragsverhältnis öffentliche Interessen verfolgt werden.
Schliesslich ist gemäss der Funktionstheorie das Vertragsverhältnis dann
öffentlich-rechtlich, wenn es unmittelbar die Erfüllung einer
Verwaltungsaufgabe oder die Ausübung einer öffentlichen Tätigkeit regelt
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((HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl.,
Zürich 2020, Rz. 223 ff.).
2.2. Nach herrschender Lehre und Rechtsprechung untersteht das
Rechtsverhältnis zwischen dem Staat als Arbeitgeber und dem Privaten
als Arbeitnehmer grundsätzlich dem öffentlichen Recht, was die
Wahlfreiheit des Gemeinwesens stark beschränkt (BGE 118 II 213 E. 3).
Das privatrechtliche Anstellungsverhältnis soll demnach nur für
Ausnahmefälle vorgesehen sein, und für seine Zulässigkeit wird eine klare
und unmissverständliche gesetzliche Regelung verlangt (MÜLLER, VON
GRAFFENRIED, Unterschiede zwischen privatrechtlicher und öffentlich-
rechtlicher Anstellung, recht 2011, S. 157).
2.3. Die Gemeinden des Kantons Graubünden sind im Bereich des
Dienstrechts autonom und nicht verpflichtet, das kantonale Personalrecht
zu übernehmen. Dies wird dennoch häufig für anwendbar erklärt (FETZ,
Bündner Gemeinderecht, Chur 2020, S. 85). Die Gemeinde B._ hat
ein eigenes Personalgesetz erlassen (Lescha da salarisaziun). Dieses
regelt sowohl die Entschädigung der Behörden sowie die Anstellungen
durch die Gemeinde (Art. 1). Es hält in Art. 3 fest, dass subsidiär das
kantonale Personalrecht anwendbar ist.
2.4. Nach dem Gesagten wird die Qualifikation der strittigen Tätigkeit als
öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis näher zu untersuchen sein. Dies
einerseits bereits deshalb, weil das kommunale Personalgesetz (und
subsidiär das kantonale) unmissverständlich die Anstellungsbedingungen
regelt. Andererseits, weil die verschiedenen Auslegungselemente
allesamt für ein öffentlich-rechtliches Arbeitsverhältnis sprechen. Mit der
kommunalen Jugendarbeit wird nämlich ein öffentliches Interesse verfolgt
(Interessenstheorie), durch die jeweilige Beauftragte oder den jeweiligen
Beauftragten eine öffentliche Tätigkeit ausgeübt (Funktionstheorie) und
schliesslich wäre die Tätigkeit in der Jugendarbeit auch unter dem
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Blickwinkel der Subordinationstheorie als öffentlich-rechtliches
Vertragsverhältnis zu bezeichnen, da sich die Gemeinde als Arbeitgeberin
zur jeweiligen Arbeitnehmerin oder dem jeweiligen Arbeitnehmer in einem
übergeordneten Verhältnis befände. Schliesslich ist auch die Lehre der
Ansicht, dass das Arbeitsverhältnis des Personals von Gemeinden
öffentlich-rechtlicher Natur ist (FETZ, Bündner Gemeinderecht, S. 85).
Somit ist das Verwaltungsgericht gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. e VRG für die
Beurteilung der Klage sachlich zuständig. Die Aktiv- und
Passivlegitimation der Klägerin sowie der Beklagten geben zu keinerlei
Bemerkungen Anlass, sodass auf die Klage einzutreten ist.
3. Nachfolgend ist zu klären, ob zwischen der Klägerin und der Beklagten ein
öffentliches Dienstverhältnis bestanden hat.
3.1. Grundsätzlich wird ein Dienstverhältnis entweder durch
verwaltungsrechtlichen Vertrag oder durch Verfügung begründet
(HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O. Rz. 2011). Das kommunale Recht der
Gemeinde B._ hält fest, dass das administrative Personal der
Gemeinde in Bezug auf die Entschädigung den Regeln des kantonalen
Personalrechts untersteht, wobei der Gemeindevorstand die
Gehaltsklassen festsetzt (Art. 4). Gemeindearbeiter sowie Hilfsarbeiter
werden gemäss dem jeweiligen Arbeitsvertrag entschädigt (Art. 5). Das
kommunale Personalgesetz äussert sich somit zur Entschädigung, nicht
aber zur Art der Anstellung, sodass subsidiär das kantonale Personalrecht
zur Anwendung gelangt (Art. 3). Gemäss Artikel 6 des Gesetzes über das
Arbeitsverhältnis der Mitarbeitenden im Kanton Graubünden
(Personalgesetz, PG; BR 170.400) werden Arbeitsverhältnisse mit
öffentlich-rechtlichem Vertrag begründet. Dabei ist festzuhalten, dass ein
öffentlich-rechtlicher Vertrag gemäss herrschender Lehre und
Rechtsprechung der Schriftform bedarf, da er ansonsten nichtig ist (Urteil
des Bundesgerichts 1C_61/2010 vom 2. November 2010 E.4.1 m.w.H.,
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PVG 2020 Nr. 15, E. 2, TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allg.
Verwaltungsrecht, 4. Auflage, Bern 2014, §35 Rz. 6,). Schriftlichkeit
bedeutet in Analogie von Art. 13 OR, dass der Vertrag von beiden Seiten
unterschrieben sein muss (Urteil des Bundesgerichts 1C_61/2010 E. 4.1).
Vorliegend besteht unbestrittenermassen weder ein schriftlicher Vertrag
noch eine Verfügung, welche ein Dienstverhältnis zwischen der Klägerin
und der Beklagten begründen würde. Die Klägerin stellt sich allerdings auf
den Standpunkt, durch konkludentes Verhalten – mithin durch die
Annahme der Leistungen, welche die Klägerin erbracht habe – sei ein
Arbeitsverhältnis entstanden.
3.2. Bildet das öffentliche Dienstrecht privatrechtlich Regelungen im
öffentlichen Dienstrecht ab oder wird auf privatrechtliche Institute
verwiesen, werden privatrechtliche Regeln zum öffentlich-rechtlichen
Recht (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 2008). Art. 4 PG hält fest,
dass sofern dem Personalgesetz oder den damit verbundenen
Ausführerlassen keine Regelung entnommen werden kann, die
Bestimmungen des Obligationenrechts zur Anwendung gelangen.
3.3. Zu prüfen ist, ob die unmissverständliche Formulierung in Art. 6 PG es
zulässt, dass über Art. 320 Abs. 2 OR eine obligationenrechtliche
Ergänzung vorgenommen werden darf, wie dies von der Klägerin
behauptet wird. Ausgangspunkt der Auslegung eines Rechtssatzes bildet
der Wortlaut der Bestimmung (grammatikalisches Element). Ist der
Wortlaut der Bestimmung klar, d. h. eindeutig und unmissverständlich, darf
davon nur abgewichen werden, wenn ein triftiger Grund für die Annahme
besteht, der Wortlaut ziele am "wahren Sinn" der Regelung vorbei. Anlass
für eine solche Annahme können die Entstehungsgeschichte der
Bestimmung (historisches Element), ihr Zweck (teleologisches Element)
oder der Zusammenhang mit andern Vorschriften (systematisches
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Element) geben. Nur für den Fall, dass der Wortlaut der Bestimmung
unklar bzw. nicht restlos klar ist und verschiedene Interpretationen möglich
bleiben, muss nach der wahren Tragweite der Bestimmung gesucht
werden. Dabei sind alle anerkannten Auslegungselemente zu
berücksichtigen (pragmatischer Methodenpluralismus,
HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 178). Auch eine solche Auslegung
findet ihre Grenzen aber am klaren Wortlaut und Sinn einer
Gesetzesbestimmung, indem der eindeutige Wortsinn nicht zugunsten
einer solchen Interpretation beiseitegeschoben werden darf (BGE 143 I
272 E.2.2.3 m.H.). Nach dem Wortlaut hält Art. 6 klar fest, dass
Arbeitsverhältnisse nur mit öffentlich-rechtlichem Vertrag begründet
werden dürfen.
Grundsätzlich besteht vorliegend kein Spielraum, um vom klaren Wortlaut
von Art. 6 PG abzuweichen. Verdeutlicht wird dies durch Art. 5 Abs. 1 PG,
wonach zu besetzende Stellen in der Regel auszuschreiben sind. Mit der
Beklagten ist also festzuhalten, dass zu besetzende Stellen grundsätzlich
in einem ordentlichen Bewerbungsprozess auszuschreiben und
anschliessend mittels schriftlichem öffentlich-rechtlichem Vertrag zu
begründen sind. Die von der Klägerin eingereichten Stelleninserate der
Gemeinden D._ sowie E._ beweisen zwar, dass das
Verwaltungsgericht Graubünden für die Beurteilung der Streitsache
sachlich zuständig ist. Sie verdeutlichen aber ebenso, dass für eine
Anstellung als Jugend- resp. Schulsozialarbeiterin bei einer Gemeinde ein
ordentliches Bewerbungsverfahren vorausgesetzt und dieses mit einem
schriftlichen öffentlich-rechtlichen Vertrag abgeschlossen wird.
3.4. Die Nichtigkeit des öffentlich-rechtlichen Vertrages ist von Amtes wegen
zu beachten (vgl. WALDMANN/WIEDERKEHR, Allgemeines
Verwaltungsrecht, Zürich/Basel/Genf. S. 205 Rz. 155, PVG 2020 Nr. 15 E.
4). Die Berufung auf Nichtigkeit darf allerdings nicht rechtsmissbräuchlich
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sein (vgl. Art. 5 Abs. 3 BV). Rechtsmissbrauch nach Art. 5 Abs. 3 BV liegt
dann vor, wenn ein Rechtsinstitut zweck- und treuwidrig zur
Verwirklichung von Interessen verwendet wird, die dieses Rechtsinstitut
gerade nicht schützen will (WALDMANN/WIEDERKEHR, a.a.O., S. 301 Rz.
126). Vorliegend ist nicht ersichtlich, inwiefern die Berufung auf
Formnichtigkeit rechtsmissbräuchlich sein könnte. Weder die
Kommissionspräsidentin der Jugendarbeitskommission, F._, noch
der Gemeindepräsident C._ alleine hatten und haben irgendwelche
Kompetenzen, um die Klägerin anzustellen. Diesbezüglich ist wiederum
der Beklagten zuzustimmen, wenn sie ausführt, die Kompetenzen zur
Anstellung von Gemeindepersonal seien in der Gemeinde klar geregelt.
3.5. Die Einwendung der Klägerin, sie brauche die gemeindeinternen
Kompetenzen nicht zu kennen und habe sich auf das Verhalten ihrer
Vorgesetzten und der Gemeindevertreter verlassen dürfen, zielt dabei ins
Leere. Das Schrifterfordernis bei öffentlich-rechtlichen Verträgen soll - vor
dem Hintergrund dessen, dass Formvorschriften unter anderem der
Beweissicherung und der Rechtssicherheit dienen - gerade solche
Konstellationen verhindern, in denen sich der Bürger in aufwändigen
Gerichtsverfahren wiederfindet, um einen (angeblich) konkludent
entstandenen öffentlich-rechtlichen Vertrag zu beweisen.
4. Somit ist festzuhalten, dass infolge Nichtigkeit des (angeblich)
konkludent entstandenen Vertrages kein öffentlich-rechtliches
Arbeitsverhältnis zustande gekommen ist.
5. Zu prüfen bleibt immerhin, ob die Klägerin einen Anspruch aus
Vertrauensschutz gegenüber der Beklagten geltend machen kann.
5.1. Unabhängig von der Frage, ob ein Verhältnis privatrechtlicher oder
öffentlich-rechtlicher Natur ist, bleibt die Grundrechtsbindung des
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Gemeinwesens bestehen. Der Grundsatz von Treu und Glauben ist
sowohl in Art. 5 Abs. 3 BV als auch in Art. 9 BV verankert. Er verbietet
Behörden wie Privaten widersprüchliches oder rechtsmissbräuchliches
Verhalten. Ein Ausfluss dieser Grundrechtsbildung stellt der
Vertrauensschutz dar. Er soll sicherstellen, dass sich Private auf
behördliche Handlungen, welche berechtigterweise bestimmte
verhaltenswirksame Erwartungen wecken, auch dann verlassen, wenn
diese Handlungen unrichtig waren oder gar nicht hätten getätigt werden
dürfen (TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., §22 Rz. 3). Den wichtigsten
Anwendungsfall des Vertrauensschutzes bilden dabei Auskünfte und
Zusicherungen. Die erfolgreiche Berufung auf den Vertrauensschutz setzt
rechtsprechungsgemäss voraus, dass sich die Person, die sich auf
Vertrauensschutz beruft, auf eine Vertrauensgrundlage stützen kann, dass
sie berechtigterweise auf diese Grundlage vertrauen durfte und gestützt
darauf nachteilige Dispositionen getroffen hat, die sie nicht mehr ohne
Nachteile rückgängig machen kann; der Vertrauensschutz gilt dabei auch
dann, wenn der Adressat im Vertrauen auf die Richtigkeit der behördlichen
Anordnung Dispositionen unterlassen hat. Schliesslich scheitert die
Berufung auf Treu und Glauben, wenn ihr überwiegende öffentliche
Interessen gegenüberstehen (BGE 129 I 161 E. 4.1).
5.2. Unter einer Vertrauensgrundlage ist das Verhalten eines staatlichen
Organs zu verstehen, das bei den betroffenen Privaten bestimmte
Erwartungen auslöst (BGE 143 V 341 E. 5.2.1). Es kommt dabei auf den
Bestimmtheitsgrad des staatlichen Aktes an, der so gross sein muss, dass
der Private daraus die für seine Dispositionen massgebenden
Informationen entnehmen kann (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz.
627). Es kann sich dabei auch um Auskünfte oder Zusicherungen handeln,
sofern sie eine ausreichende inhaltliche Bestimmtheit aufweisen.
Schliesslich darf die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne weiteres
erkennbar sein und die auskunftserteilende Behörde muss zur Erteilung
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der Auskunft befugt sein (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 677).
Dabei genügt es unter dem Gesichtspunkt des Vertrauensschutzes, dass
Private in guten Treuen annehmen durften, die Behörde sei zur Erteilung
der Auskunft befugt (BGE 102 Ia 92 E. 3b). Der Schutz des guten
Glaubens fällt nur dahin wenn die Unzuständigkeit offensichtlich, d.h. klar
erkennbar war. Ob dies zutrifft, muss aufgrund objektiver und subjektiver
Kriterien ermittelt werden. Objektiv fällt vor allem die Natur der gegebenen
Auskunft und die Rolle der sie erteilenden Auskunftsperson in Betracht;
subjektiv muss einer allfälligen besonderen Stellung oder Befähigung der
Betroffenen, welche die Erkennbarkeit der Unzuständigkeit erleichterte,
Rechnung getragen werden (BGE 129 II 361 E. 7.2 f.,
HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 677).
5.3. Vorliegend fehlt es bereits an einer Vertrauensgrundlage. Die Klägerin
versucht mit zahlreichen Kommunikationsnachweisen zu beweisen, dass
sie berechtigterweise von einer Anstellung ausging. Allerdings mangelt es
an klaren Zusicherung seitens des Gemeindevorstandes oder des
Schulrates, welcher für die Anstellung einer Jugendarbeiterin oder
Schulsozialarbeiterin zuständig gewesen wäre. Als Frau des Schulleiters
hätte die Klägerin wissen müssen, dass eine Anstellung bei der Gemeinde
über einen schriftlichen verwaltungsrechtlichen Vertrag zu erfolgen hat,
zumindest hätte sie sich diese Kenntnis relativ einfach verschaffen
können. Selbst (angebliche) Zusicherungen seitens der Gemeinderätin
F._ oder des Gemeindepräsidenten C._ hätten aufgrund der
besonderen Stellung der Klägerin als Frau des Schulleiters aus
subjektiven Gründen nicht ausgereicht, eine Vertrauensgrundlage zu
begründen, da die Unzuständigkeit resp. die fehlende Kompetenz, mithin
also die objektiven Kriterien, für die Klägerin leicht erkennbar gewesen
wäre.
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5.4. Es ist somit mit der Beklagten festzuhalten, dass das von der Klägerin
erstellte Konstrukt nicht ausreicht, um Ansprüche gegenüber der
Gemeinde zu begründen. Schliesslich stünden einer Berufung auf den
Vertrauensschutz auch überwiegende öffentliche Interessen entgegen. Es
kann nicht sein, dass das ganze Budget für die Jugendarbeit einer relativ
kleinen Gemeinde einzig für die sechsmonatige Tätigkeit einer
Schulsozialarbeiterin verwendet wird, ohne dass dies in einem förmlichen
Beschluss festgehalten wurde.
6. Zusammengefasst besteht somit keine rechtliche Grundlage für die von
der Klägerin geltend gemachte Forderung in Höhe von CHF 20'872.50.--
zzgl. Zins zu 5 % seit dem 1. Juni 2018, da weder ein öffentlich-rechtliches
Arbeitsverhältnis zwischen der Klägerin und der Beklagten bestanden hat
noch ein Vertrauenstatbestand erfüllt wäre. Die Klage ist somit
abzuweisen.
7. Zur Geltendmachung und Höhe der Gerichtskosten gilt es vorliegend
(insbesondere wegen des arbeitsrechtlichem Hintergrundes und der
Entschädigungsforderungen) vorweg festzuhalten, dass das
Verwaltungsgericht bei personalrechtlichen Streitigkeiten in analoger
Anwendung von Art. 114 lit. c der Schweizerischen Zivilprozessordnung
(ZPO; SR 272) die Praxis verfolgt, bei Streitigkeiten bis zu einem Streitwert
von Fr. 30'000.-- keine Gerichtskosten von den Parteien zu erheben (vgl.
VGU 13 38 vom 3. Juni 2014 E.3a und VGU 16 62 vom 15. Dezember
2016 E.4b). Vorliegend wird diese Streitwertgrenze nicht erreicht, sodass
auf die Erhebung einer Gerichtsgebühr verzichtet wird.
8. Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben
betrauten Organisationen wird in der Regel keine Parteientschädigung
zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegen (Art.
78 Abs. 2 VRG). Davon abzuweichen, besteht vorliegend kein Anlass.
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