Decision ID: 05839bd0-a547-5289-a133-8462af28efd5
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die afghanischen Beschwerdeführenden tadschikischer Ethnie suchten
am 30. November 2015 in der Schweiz um Asyl nach. Im Rahmen der Be-
fragungen zur Person (BzP) vom 3. Dezember 2015 sowie anlässlich der
Anhörungen zu den Asylgründen vom 12. Januar 2018 gaben die Be-
schwerdeführenden im Wesentlichen an, der Beschwerdeführer habe ab
Februar 2006 für das Unternehmen (...) in verschiedenen Bereichen gear-
beitet. Unter anderem habe er von der Nationalpolizei und Armee Propa-
gandaaufnahmen gemacht und Flyer entworfen. Auf einigen Flyern sei er
selbst zu erkennen gewesen. Zudem habe er animierte Werbung erstellt
und an TV-Sender als Broadcast geschickt. Diese Videos hätten im Ab-
spann das Logo der Firma aufgeführt. Er sei dort bis August 2012 angestellt
gewesen. Anschliessend habe er bis 2014 im Design- und Graphikstudio
(...) gearbeitet und hauptsächlich Heiratsfilme gemacht. Für (...) habe er
weiterhin von zuhause aus im Monitoring-Bereich gearbeitet und Doku-
mentationen über die Attentate der Taliban erstellt. Danach sei er für knapp
einen Monat beim amerikanischen Camp «(...)» im Bereich (...) gewesen.
Im Jahr 2014 oder 2015 sei er bei (...) eingestiegen und darin ausgebildet
worden, (...) zu flicken und mit Waffen umzugehen. Seine Kenntnisse habe
er der Polizei weitergegeben. Die (...) habe für die Deutschen und die Ame-
rikaner sowie für die afghanische Polizei gearbeitet.
In E._ hätten die Taliban dem Beschwerdeführer einmal nicht er-
laubt, die Moschee zu besuchen, weil er für Ausländer gearbeitet habe.
Zudem habe es an seinem Wohnort viele Paschtunen gegeben, wovon
viele in Pakistan ein religiöses Studium absolviert hätten. Nachbarn hätten
ihm immer wieder mitgeteilt, er solle nicht mit Ausländern zusammenarbei-
ten und ihn dazu angehalten, in die Moschee zum Beten zu gehen. Dem
Beschwerdeführer sei einmal per Telefon mitgeteilt worden, er sei gesehen
worden, wie er mit Ausländern zusammenarbeite und er solle die Arbeit
sofort abbrechen. Er habe dem Drohanruf indes nicht viel Beachtung ge-
schenkt und weitergearbeitet. 15 bis 25 Tage später sei ein Schreiben in
seinen Hof geworfen worden, in welchem er ein letztes Mal verwarnt wor-
den sei. Er könne nicht mit Sicherheit sagen, von wem und wieso er be-
droht worden sei. Seine Arbeit bei der (...), wo er Werbung produziert habe,
sei viel gefährlicher gewesen, als die Arbeit bei der Polizei. Vielleicht hätten
die Drohungen auch mit den privaten Problemen seines Vaters betreffend
einen Hausbau zusammengehangen. Er habe jedenfalls keine Möglichkeit
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gesehen, die Arbeit mit den Ausländern zu beenden. Er habe nicht ge-
wusst, was er sonst hätte arbeiten sollen. Er habe Angst um sich und seine
Familie gehabt und sich auch vor den Nachbarn "mit den langen Bärten"
gefürchtet. Am 21. Oktober 2015 hätten die Beschwerdeführenden Afgha-
nistan illegal verlassen.
Der Vater des Beschwerdeführers sei Anwalt und in den Ältestenrat ge-
wählt worden. Auf einem Grundstück der Gemeinde habe ein einflussrei-
cher Mann ein Haus bauen wollen. Der Vater habe sich dagegen eingesetzt
und sich auch nicht bestechen lassen. Er habe Afghanistan ungefähr einen
Monat nach den Beschwerdeführenden verlassen, da er in dieselbe Gefahr
geraten sei wie sie.
Die Beschwerdeführerin und ihre Kinder brachten keine eigenen Asyl-
gründe vor.
Die Beschwerdeführenden reichten ihre Tazkaras, ein Drohschreiben der
Taliban, diverse Arbeits- und Anerkennungszertifikate sowie Aus- und Wei-
terbildungszertifikate aus Afghanistan, den afghanischen Führerschein des
Beschwerdeführers, diverse abgelaufene Mitarbeiterausweise (alles im
Original), sowie ausgedruckte Fotos des Beschwerdeführers mit Arbeits-
kollegen von seinem Arbeitsort sowie von seinen hergestellten Designs zu
den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 20. November 2018 lehnte das SEM die Asylgesuche
der Beschwerdeführenden mangels flüchtlingsrechtlicher Relevanz ab und
ordnete deren Wegweisung an, nahm sie indessen wegen Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig auf.
C.
Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 20. Dezember 2018 erhoben die
Beschwerdeführenden gegen diese Verfügung Beschwerde und beantrag-
ten, die Verfügung sei in den Ziffern 1 -3 des Dispositivs aufzuheben, ihre
Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihnen sei Asyl zu gewähren. In
prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung samt Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses
sowie um Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als unentgeltlicher
Rechtsbeistand.
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D.
Am 3. Januar 2019 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang
der Beschwerde.
E.
Mit Instruktionsverfügung vom 9. Januar 2019 wurden die Gesuche um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeistän-
dung gutgeheissen und den Beschwerdeführenden Urs Ebnöther, Rechts-
anwalt, Advokatur Kanonengasse, als amtlicher Rechtsbeistand beigeord-
net.
F.
Am 14. Januar 2019 reichte der Rechtsvertreter eine provisorische Hono-
rarnote zu den Akten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fra-
gen der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung. Der Weg-
weisungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz die Be-
schwerdeführenden wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
vorläufig aufgenommen hat. Damit sind die beiden anderen Bedingungen
für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung (Unzulässigkeit und
Unmöglichkeit) wegen ihrer alternativen Natur – ist eine Bedingung erfüllt,
ist der Vollzug der Wegweisung undurchführbar – ebenfalls nicht mehr zu
prüfen (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4).
2.2 Gegen eine allfällige spätere Aufhebung der vorläufigen Aufnahme
würde den betroffenen Asylsuchenden wiederum die Beschwerde an das
Bundesverwaltungsgericht offenstehen (vgl. Art. 105 AsylG), wobei in je-
nem Verfahren alle Vollzugshindernisse von Amtes wegen nach Massgabe
der in diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse von neuem zu prüfen
wären (vgl. EMARK 1997 Nr. 27 S. 205 ff.).
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
4.
4.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung im Wesentli-
chen zum Schluss, es sei bei der vorgebrachten Bedrohung nicht davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführenden noch heute bei einer allfälli-
gen Rückkehr nach Afghanistan eine asylrelevante Verfolgung durch die
Taliban zu befürchten hätten. Die geltend gemachten Drohungen würden
bereits ungefähr drei Jahre zurückliegen und der Beschwerdeführer habe
die Arbeit bei der (...), wie von den Taliban gefordert, aufgegeben. Er sei in
seiner Tätigkeit nicht besonders exponiert gewesen und könne sich nicht
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erklären, weshalb er gerade wegen seiner Tätigkeit bei der (...) hätte be-
droht werden sollen. Die gefährlichere Tätigkeit bei der (...) sei den Taliban
jedenfalls offensichtlich nicht bekannt, zumal er dort rund sieben Jahre
ohne Probleme gearbeitet habe. Bei einer allfälligen Rückkehr nach Afgha-
nistan wäre er mit seiner Ausbildung zudem in der Lage, eine neue Arbeits-
stelle zu finden, und nicht gezwungen, erneut bei der (...) zu arbeiten. Bei
der Bedrohung durch die Taliban handle es sich um eine einmalige, mitun-
ter abgeschlossene Drohung. Es würden keine Hinweise darauf bestehen,
dass eine erneute Verfolgung mit hoher Wahrscheinlichkeit absehbar er-
scheine. Die afghanischen Behörden seien zudem schutzfähig und -willig.
Den Akten sei nicht zu entnehmen, dass die Beschwerdeführenden diese
Schutzmöglichkeit in Anspruch genommen hätten. Im heutigen Zeitpunkt
bestünde demnach keine begründete Furcht vor einer entsprechenden
Verfolgung.
4.2 Auf Beschwerdeebene führen die Beschwerdeführenden aus, die Vor-
instanz bezweifle die Glaubwürdigkeit (recte: Glaubhaftigkeit) der Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers nicht. Er habe wegen der Drohungen aus Af-
ghanistan fliehen müssen, nachdem er zuerst einen Drohanruf und an-
schliessen ein Drohschreiben der Taliban bei sich zu Hause erhalten habe.
Der Drohbrief, auf welchem der Briefkopf der Taliban ersichtlich sei, stütze
sich auf eine vorangegangene Drohung und halte fest, es sei eine letzte
Warnung, so dass naheliege, dass auch der kurz zuvor erhaltene Drohan-
ruf von einem Mitglied der Taliban ausgegangen sei. Das Drohschreiben
sei ihm damals von seinem Vater vorgelesen worden, da er selber kein
Paschtu verstehe. Erst nach der Anhörung habe er den Brief übersetzen
lassen. Durch seine Tätigkeit bei der (...) sei er in direkten Kontakt mit den
Taliban gekommen, als ihm einmal der Eintritt in eine Moschee untersagt
worden sei. Während seiner gesamten beruflichen Tätigkeiten habe er
hauptsächlich mit ausländischen Staatsangehörigen in regierungsnahen
Unternehmen zusammengearbeitet. Es spiele demnach keine Rolle, dass
er sieben Jahre vor den Drohungen ohne Probleme bei der (...) habe ar-
beiten können. Nach Erhalt des Drohschreibens hätten er und seine Fami-
lie sich zu Hause verstecken müssen. Seine Kinder hätten die Schule nicht
mehr besuchen dürfen. Als er am darauffolgenden Tag seine Tätigkeit bei
der (...) niedergelegt habe, habe er einige Sicherheitsvorkehrungen treffen
müssen, um von den Taliban nicht entdeckt zu werden. So sei er in ziviler
Kleidung und zu einer unüblichen Tageszeit in sein Büro, um seine Kündi-
gung einzureichen. Aus der Tatsache, dass er sich extrem vorsichtig ver-
halten habe, um zu verhindern von den Taliban aufgesucht zu werden,
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könne nicht abgeleitet werden, dass er der Gefährdung nicht mehr ausge-
setzt gewesen sei. Wäre er in Kabul geblieben und hätte seine Tätigkeit
bei der (...) nicht niedergelegt, wäre er Gefahr gelaufen, dass die Drohun-
gen umgesetzt worden wären. Auch sein Vater habe einen Monat nach der
Ausreise der Beschwerdeführenden Afghanistan verlassen müssen, weil
er Probleme mit den Taliban gehabt habe. Die Gefahr würde weiterbeste-
hen, auch wenn die Tätigkeit für eine internationale Organisation bezie-
hungsweise für die Regierung beendet worden sei. Es sei eindeutig, dass
der Beschwerdeführer ein Profil habe, das ihn einer sehr grossen Gefähr-
dung durch die Taliban aussetze. Er habe über Jahre für der afghanischen
Regierung sowie der internationalen Gemeinschaft nahestehende Firmen
gearbeitet, was er mit zahlreichen Beweismitteln belegt habe. Das von ihm
bei der (...) erarbeitete Propagandamaterial, welches auf bekannten afgha-
nischen Radio- und Fernsehkanälen zirkuliert sei, habe teilweise sein Bild
oder seinen Namen abgebildet. Bei den Schulungs- und Trainingseinsät-
zen der (...) sei er zusammen mit ausländischen Arbeitskollegen und af-
ghanischen Polizeiangehörigen in der Öffentlichkeit aufgetreten. Aufgrund
seines Risikoprofils habe die Gefahr, von den Taliban bedroht zu werden,
bestanden und bestehe diese auch weiterhin. Die Verfolgung durch die Ta-
liban sei für den Beschwerdeführer für seine Ausreise ausschlaggebend
gewesen und die Beschwerdeführenden hätten keine interne Fluchtalter-
native gehabt. Der Beschwerdeführer sei aufgrund seiner politischen Ein-
stellung von den Taliban verfolgt worden. Als ehemaliger Mitarbeiter ver-
schiedenster mit der afghanischen Regierung in Verbindung stehender Fir-
men und in engem Kontakt mit ausländischen Staatsangehörigen, habe er
im Visier der Taliban gestanden und er und seine Familie wären deshalb
bei einer Rückkehr seitens der Taliban ernsthaften Nachteilen ausgesetzt.
Als regierungsnahe Person, die für internationale Unternehmen gearbeitet
habe, bedürfe er Schutz. Personen, welche die Regierung unterstützten
oder als deren Unterstützer betrachtet würden, würden ein erhöhtes Ge-
fährdungsprofil aufweisen. Die Echtheit des Drohschreibens der Taliban
werde von der Vorinstanz nicht bezweifelt. Gemäss Auskunft des UNHCR
würden Drohungen in der Regel fortgesetzt, bis die Anweisungen in den
Briefen vom Adressaten befolgt würden. Der afghanische Staat sei nicht
fähig, Schutz vor Angriffen regierungsfeindlicher Gruppierungen wie der
Taliban zu gewähren. Auch in einer der – vergleichsweise – sicheren Städte
Afghanistans sei der Beschwerdeführer stark gefährdet, von den Taliban
verfolgt zu werden, ohne einen effizienten Schutz durch die Behörden er-
langen zu können. Er würde somit in keinem Landesteil Schutz vor den
Taliban suchen können.
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Überdies drohe dem Beschwerdeführer Reflexverfolgung aufgrund seines
Vaters, welcher in F._ als anerkannter Flüchtling lebe.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-
chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile
von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr
gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei-
matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie-
hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine
begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt
vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, die Verfolgung hätte
sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch
aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zu-
kunft verwirklichen. Es müssen demnach hinreichende Anhaltspunkte für
eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in ver-
gleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur
Flucht hervorrufen würden. Die erlittene Verfolgung oder die begründete
Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal
für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grundsätzlich
auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. Anspruch auf
Asyl hat somit nur, wer im Zeitpunkt der Ausreise ernsthaften Nachteilen
im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt war (Vorfluchtgründe) oder aufgrund
von äusseren, nach der Ausreise eingetretenen Umständen, auf die er kei-
nen Einfluss nehmen konnte, bei einer Rückkehr ins Heimatland solche
ernsthaften Nachteile befürchten müsste (sogenannte objektive Nach-
fluchtgründe).
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6.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der
Beschwerdeführenden im Sinne von Art. 3 AsylG zu Recht verneint hat.
6.1 Der Beschwerdeführer machte zur Begründung seines Asylgesuchs im
Wesentlichen geltend, er habe Afghanistan wegen der Drohungen durch
die Taliban verlassen.
6.2 Die Erwägungen der Vorinstanz, wonach die Vorbringen des Be-
schwerdeführers nicht asylrelevant seien, sind vollumfänglich zu bestäti-
gen. So kann zwar angenommen werden, dass er tatsächlich in Kontakt
mit den Taliban gekommen ist. Er vermag indes seine subjektiven Befürch-
tungen, im Heimatstaat im Fall einer Rückkehr von den Taliban verfolgt zu
werden, nicht substanziell zu konkretisieren. Gemäss eigenen Aussagen
könne er sich nicht erklären, weshalb die Drohungen so kurz vor seiner
Ausreise angefangen hätten, zumal er bei seinen vorherigen Arbeitsstellen
exponierter gewesen sei (vgl. A22 F55 und F61). Weiter wird aus seinen
Aussagen nicht ersichtlich, von wem die Drohungen ausgegangen sind
und ob die Drohungen mit der Tätigkeit seines Vaters im Ältestenrat in Zu-
sammenhang gestanden sind (vgl. A22 F54 f. und F60). Den geltend ge-
machten Drohungen (ein Drohanruf und ein Drohschreiben) mangelt es
ferner an der asylrechtlich erforderlichen Intensität. Seinen Aussagen ist
insbesondere nicht zu entnehmen, dass sich die Bedrohungssituation bis
zu seiner Ausreise intensiviert hätte. Weiter finden sich in den Anhörungs-
protokollen keine Hinweise darauf, dass der Vater des Beschwerdeführers
nach der Ausreise der Beschwerdeführenden weitere Drohschreiben erhal-
ten hätte oder seinetwegen Reflexverfolgung ausgesetzt gewesen wäre.
Aus der Asylgewährung des Vaters in F._ vermögen die Beschwer-
deführenden nichts zu ihren Gunsten abzuleiten (vgl. A22 F10). Inwiefern
dem Beschwerdeführer deswegen Reflexverfolgung drohe, wird in der Be-
schwerdeschrift nicht weiter ausgeführt. Auch die Mutter und der Bruder
des Beschwerdeführers leben noch immer in Afghanistan, ohne Probleme
mit den Taliban erhalten zu haben (vgl. A22 F24). Indem er seine Arbeits-
stelle gekündigt hat, kam der Beschwerdeführer sodann der Forderung im
Drohschreiben nach. Damit ist davon auszugehen, dass weitere Behelli-
gungen seitens der Taliban ausgeblieben wären. Es sind seinen Aussagen
auch keine weiteren Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass es für die
Beschwerdeführenden aus objektiver Sicht erforderlich gewesen wäre, im
Jahr 2015 aus asylrelevanten Gründen auszureisen. Seine Befürchtungen,
von den Taliban verfolgt zu werden, vermögen demnach aus objektiver
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Sicht keine begründete Furcht vor zukünftiger asylrelevanter Verfolgung
zum Zeitpunkt der Ausreise zu begründen.
6.3 Ebenfalls ergeben sich aus den Akten keine hinreichenden Anhalts-
punkte dafür, dass die Beschwerdeführenden im heutigen Zeitpunkt be-
gründete Furcht haben, mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in abseh-
barer Zukunft Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG zu erlei-
den. Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführen-
den zu Recht verneint und ihre Asylgesuche abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG).
7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht ange-
ordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihnen jedoch mit Zwi-
schenverfügung vom 9. Januar 2019 die unentgeltliche Prozessführung
gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, und keine massgebliche Ver-
änderung der finanziellen Verhältnisse ersichtlich sind, haben sie vorlie-
gend keine Verfahrenskosten zu tragen.
9.2 Nachdem der rubrizierte Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden
ebenfalls mit Zwischenverfügung vom 9. Januar 2019 als amtlicher Rechts-
beistand beigeordnet worden ist (vgl. aArt. 110a Abs. 1 i.V.m. aArt. 110a
Abs. 3 AsylG), ist er für seinen Aufwand unbesehen des Ausgangs des Ver-
fahrens zu entschädigen, soweit dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12
i.V.m. Art. 8 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
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SR 173.320.2]). Mit Eingabe vom 14. Januar 2019 wurde eine Kostennote
ins Recht gelegt. Darin werden ein als angemessen zu erachtender Auf-
wand von insgesamt 8.3 Stunden sowie Auslagen von Fr. 25.30 geltend
gemacht. Mit Verfügung vom 9. Januar 2019 wurde bereits festgestellt,
dass gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der Stundenansatz
für das Honorar von amtlich bestellten Rechtsbeiständen, die Rechtsan-
wälte sind, in der Regel Fr. 200.– bis 220.– beträgt. Dem Rechtsvertreter
der Beschwerdeführenden ist damit ein amtliches Honorar in der Höhe von
Fr. 1'993.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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