Decision ID: c7b53ba5-4cb8-4ec2-92a4-555a1d8c36ab
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der im Jahre
1986 geborene
X._
ist gelernter Koch und war ab 1.
Januar 2008 für
die A._
tätig, zuletzt ab 1
1.
Januar 2016 als Bereichsleiter Gastronomie (
Urk.
11/1,
Urk.
11/11). Aufgrund einer de
pressiven Störung war der Versicherte ab dem 1
5.
April 2019 zu 100
%
arbeits
unfähig (
Urk.
11/2/99) und meldete sic
h in diesem Zusammenhang am 17.
September 2019 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/1). Diese zog in der Folge die Akten des Kran
kentaggeldversicherers (
Swica
) bei
(
Urk.
11/2). Mit Mitteilung vom 2
1.
April 2020 teilte die IV-Stelle mit, dass gemäss ihren Abklärungen aufgrund der gesundheit
lichen Situation zurzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
11/16).
I
n der Folge
gab die
Swica
eine psychiatrische Kurzbeurteilung in Auftrag (Gutachten von
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psy
chotherapie;
Urk.
11/24). Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses erfolgte mit Schreiben vom 2
1.
Juli 2020 per 3
1.
Oktober 2020 (
Urk.
11/27)
.
1.2
Ab dem
1.
September 2020 konnte der Versicherte b
eim C._
einen Arbeitsversuch wahrnehmen (
Urk.
11/37). Mit Mitteilung vom 2
0.
Oktober 2020 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für einen entsprechen
den Arbeitsversuch für die Zeit vom
1.
November 2020 bis 3
1.
Januar 2021 (
Urk.
11/35). Mit Vorbescheid vom
4.
Februar 2021 informierte die IV-Stelle den Versicherten dahingehend, dass die E
ingliederungsmassnahmen per 31.
Januar 2021 abgeschlossen würden und er rentenausschliessend eingegliedert sei (
Urk.
11/46). An dieser Einschätzung hielt die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
7.
März 2021 fest (
Urk.
11/51 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der
Vertreter des
Versicherte
n
am 1
./1
5.
Mai 2021 Beschwerde und beantragte sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die weitere Abklärung des massgebenden Sachverhalts (
Urk.
6,
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 2
1.
Juni 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin
unter Hinweis auf die Akten die Abweis
ung der Beschwerde (
Urk.
10), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
3.
Juni 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strit
tigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi
zini
schen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begrün
det sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122
V
160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die ange
fochtene Verfügung damit, dass der Beschwerdeführer seine Arbeitsfähigkeit im Rahmen des Arbeitsversuches bis auf knapp 80
%
habe steigern können
.
Gemäss ihrer medizinischen Einschätzung sei er nun in der Lage
,
im Umfang von 80 bis 100
%
einer Arbeitstätigkeit nachzu
gehen und gelte damit als rentenausschliessend eingegliedert (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber
machte der Vertreter des
Beschwerdeführer
s
im Wesentlichen gel
tend, dass es dem Patienten schlecht gehe und nicht von einer Arbeitsfähigkeit von 80 bis 100
%
ausgegangen werden könne. Auch sei nicht ersichtlich, wer die entsprechende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gemacht habe. Zwischen dem Gutachten von
Dr.
B._
und der Leistungsabweisung würden rund 10 Monate liegen, wobei der Beschwerdeführer allein bei ihm in Behandlung gestanden habe. Es sei für ihn unklar, inwiefern der Beschwerdeführer rentenausschliessend ein
gegliedert worden sei. Er beantrage, dass dieser im IV-Prozess bleibe und erneut begutachtet werde (
Urk.
1).
3.
3.1
Dr.
Y._
diagnostizierte in seinem Bericht vom 1
5.
August 2019 eine seit Monaten dauernde, rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Epi
sode ohne psychotische Symptome (mit ausgeprägter Angstsymptomatik; ICD-10 F33.2) sowie eine Störung durch Tabak (Zigaretten), Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F
17.
24)
.
Seit der Erstkonsultation am 2
9.
April 2019 sei von einer 100%igen Arbeitsunfä
higkeit auszugehen; er sehe den Beschwerdeführer in wöchentlichen Abständen. Bei Beschwerdepersistenz sei eine psychiatrische Tagesklinik in Betracht zu zie
hen (
Urk.
11/2/69-75).
3.2
Dr.
med. D._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnosti
zierte in seiner psychiatrischen Kurzbeurteilung
vom 1
3.
September 2019
eine rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1). Eine Arbeitsunfähigkeit sei angesichts des floriden Verlaufs vorläufig weiterhin ausgewiesen, wenigstens über einen Zeitra
um bis Ende November 2019 (Urk.
11/2/99-100)
.
3.3
Dr.
B._
ging in seiner Kurzbeurteilung vom 2
0.
Mai 2020 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit von den folgenden Diagnosen aus
(
Urk.
11/24 S. 12)
:
-
Rezidivierende depressive Störung, in Remission befindlich, gegenwärtig nur noch leichten G
rades mit somatis
chem Syndrom (ICD-10 F33.01)
-
Emotionale Reaktion/Anpassungsstörung mit anderen Gefühlen (vor allem Scham- und Versagensgefühle, ICD-10 Z43.23)
-
Akzentuierte
ä
ngstlich-unsichere Persönlichkeitszüge
(ICD-10 Z73.1)
-
Passives und ängstliches Coping, mit Vermeidungsverhalten und Selbstli
mitierung, mit grosser Gefahr weiterer Fixierung und Chronifizierung
Die Leistungs- und Arbeitsfähigkeit sei aufgrund der nurmehr leichtgradigen depressiven Symptomatik nur noch leicht ein
geschränkt, zu maximal 25
%
(S.
14). Es bestehe eine Aggravatio
nsneigung sowie ein auffallend
passives und ängstli
ches Coping mit Selbstlimitierung. Möglicherweise habe auch die aktuelle Fami
liensituation (zweites Kind vor drei Monaten) eine die Krankheit unterstützende negative Wirkung im Sinne eines verlängerten Vate
rschaftsurlaubs mit vermin
derter
Motivation auf Überwindung der Depression. Zudem sei von einem selbst
limitierenden Schon- und Vermeidungsverhalten auszugehen (S. 16). Im Vorder
grund würden berufliche Massnahmen stehen, wobei beginnend mit 2-3 Stunden eine rasche Steigerung auf die ursprünglichen 100
%
vorzunehmen sei, die ohne Führungs- und Planungsverantwortung durchaus zu meistern sein werden (S. 19).
3.4
In einem undatierten Bericht (letzte Kontrolle am
7.
Juli 2020) führte
Dr.
Y._
,
-
ausgehend von der diagnostisch unveränderten Einschätzung
der Sachlage - aus, dass der B
eschwerdeführer weiterhin
zu 100
%
arbeitsunfähig sei.
Er sehe den Beschwerdeführer nicht in seinem angestammten Beruf als Koch, weder als angestellter Koch noch als Küchenchef. Am angestammten Arbeitsplatz bestehe kein gutes Klima, der Beschwerdeführer werde von
allen Seiten a
ngegriffen und nicht unterstützt, obwohl sich der Arbeitgeber vordergründig als unterstützend bezeichne. Übersetzt heisse das: Man will ihm kündigen (
Urk.
11/22).
3.5
In seinem Bericht vom 1
3.
Januar 2021 führte
Dr.
Y._
aus, dass der Beschwer
deführer zurzeit als Koch in der Küche arbeite und so ziemlich «auf der Felge» laufe. Er bemühe sich sehr, die ihm zugeteilten Aufgaben gewissenhaft zu erledi
gen, doch er befürchte, dass es für ihn zu
viel werden könnte, wenn er jetzt 100
%
arbeiten würde, wobei eine psychiatrische Hospitalisation zu vermeiden sei (
Urk.
11/41).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin ging im Rahmen der angefochtenen Verfügung von einer Arbeitsfähigkeit von 80 bis 100
%
aus
. Diese Einschätzung findet in den vorliegenden medizinischen Akten keine Stütze. Am optimistischsten schätzt
e
dabei
Dr.
B._
die Sachlage am 2
0.
Mai 2020 ein, indem er von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit ausging. Bei den weiter festgehaltenen Steigerungsmöglich
kei
ten bis hin zu einer vollständigen Arbeitsfähigkeit handelt es sich um eine reine Prognose, die es im Rahmen eines Arbeitsversuches
oder anhand weiterer medi
zinischer Unterlagen
zu verifizieren gälte. Selbst wenn man demnach von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit
ausginge
, erweist sich die Einschätzung der Arbeitsfä
higkeit in der angefochtenen Verfügung als nicht haltbar.
4.2
Weiter vermag die Einschätzung von
Dr.
B._
aus
inhaltlicher Sicht nicht zu überzeugen. So erfolgte die Einschätzung zu einem Zeitpunkt, als die berufliche Eingliederung noch nicht aufgenommen worden war.
Vielmehr ging die Beschwerdegegnerin am 2
1.
April 2020 davon aus, dass Eingliederungsmass
nah
men aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich seien. Eine erhebliche Verbes
serung der gesundheitlichen Situation ist dabei den Berichten von
Dr.
Y._
bis in den Spätsommer 2020 nicht zu entnehmen. Schon allein deshalb erscheint die Einschätzung von
Dr.
B._
sehr optimistisch. Auch der erfolgte Arbeitsversuch vermag das von
Dr.
B._
erwähnte Steigerungspotential nicht zu bestätigen. So konnte der Beschwerdeführer im Dezember 2020 ein Pensum von 60
%
in der Zeit von 7.00 Uhr bis 13.00 mit einer Pause verrichten, wobei die Arbeitsleistung nicht beanstandet worden ist (
Urk.
11/45 S. 15). Demgegenüber konnte die Leis
tung im Januar 2021 nicht mehr gesteigert werden, sodass im Rahmen des Arbeitsversuchs von einer erreichten Leistung von rund 60
%
auszugehen ist; zudem gab der Beschwerdeführer ab Dezember 2020 an, an seine Belastungs
grenze zu stossen (S. 16). Die erneute Verschlechterung der gesundheitlichen Situation wird dabei durch die echtzeitliche Einschätzung von
Dr.
Y._
bestä
tigt, wobei die Arbeitsleistung seitens des Arbeitgebers als sehr zufriedenstellend beurteilt
wurde
(
Urk.
11/45 S. 15).
Vor dem Hintergrund der erfolgten Eingliederung sowie der engmaschigen Beur
teilung des behandelnden Facharztes erscheint die Beurteilung der Sachlage durch
Dr.
B._
als zu optimistisch, wobei sich den vorliegenden Akten insbe
sondere keine Anhaltspunkte für eine erhebliche Selb
stlimitierung entnehmen lassen, insbesondere wurde die Leistung im Rahmen des Arbeitsversuches zu keiner Zeit bemängelt, im Gegenteil.
Die Kurzbeurteilung von
Dr.
B._
vermag daher nicht zu überzeugen.
4.3
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und
Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander
seits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Ein
schätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abwei
chende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf SVR 2
008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I
514/06]).
Auch wenn die Einschätzung von
Dr.
Y._
massgebend dazu beigetragen hat, die Kurzbeurteilung von
Dr.
B._
in Frage zu stellen,
erscheint es vorliegend unumgänglich, ein unabhängiges psychiatrisches Gutachten in Auftrag zu geben, wozu die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
4.4
Abgesehen von der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit erweist sich die angefochtene Verfü
gung auch bezüglich der Einschätzung der erwerblichen Situation als ungenü
gend.
Der Beschwerdeführer war angestammt als Bereichsleiter Gastronomie erwerbstätig.
Im Rahmen des
von der Beschwerdegegnerin begleiteten
Arbeits
versuchs übte der Beschwerdeführer aber lediglich eine
(angepasste)
Tätigkeit ohne Führungsaufgaben aus.
Vor diesem Hintergrund kann selbst bei Annahme einer 80%igen Arbeitsfähigkeit eine Leistungsabweisung nur aufgrund eines Ein
kommensvergleichs erfolgen.
Insgesamt ist die Sache zu ergänzenden medizinischen
und
auch erwerblichen Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
, damit sie danach über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers (
b
erufliche Massnahmen, Rente) neu entscheide
.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.