Decision ID: 100d2eae-db1d-4299-ad0e-da061ef7e561
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 15. März 2022 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte und geltend machte, minderjährig zu sein,
dass er am 22. März 2022 der im Bundesasylzentrum (BAZ) (...) tätigen
Rechtsvertretungsorganisation Vollmacht erteilte,
dass das SEM am 31. März 2022 die Erstbefragung für unbegleitete Min-
derjährige durchführte, hierbei das rechtliche Gehör zum Gesundheitszu-
stand gewährte und in der Folge eine medizinische Altersabklärung in Auf-
trag gab,
dass das SEM mit Schreiben vom 21. April 2022 dem Beschwerdeführer
das rechtliche Gehör zum Altersgutachten beziehungsweise zur beabsich-
tigten Änderung seines Geburtsdatums im zentralen Migrationsinformati-
onssystem (ZEMIS) sowie zur mutmasslichen Zuständigkeit Italiens ge-
währte, der hierzu mit Schreiben vom 26. April 2022 Stellung nahm,
dass der Beschwerdeführer gemäss der Fingerabdruck-Datenbank (Zent-
raleinheit Eurodac) am 13. Februar 2022 in Italien illegal in das Hoheitsge-
biet der Dublin-Staaten eingereist ist und das SEM gestützt hierauf am
29. April 2022 die italienischen Behörden um Übernahme des Beschwer-
deführers ersuchte, die hierzu innert Frist keine Stellung nahmen,
dass das SEM mit Verfügung vom 28. Juli 2022 (eröffnet am 2. August
2022) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat, dessen
Wegweisung aus der Schweiz nach Italien anordnete, eine Ausreisefrist
ansetzte, den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung be-
auftragte, die editionspflichtigen Akten aushändigte, das Geburtsdatum
des Beschwerdeführers mit Bestreitungsvermerk auf den 1. Januar 2004
festlegte und feststellte einer Beschwerde komme keine aufschiebende
Wirkung zu,
dass die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers ihr Mandat am 3. Au-
gust 2022 niederlegte,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 5. August 2022 (Poststem-
pel) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde einreichte,
dass er beantragte, es sei die Verfügung des SEM aufzuheben, die Flücht-
lingseigenschaft anzuerkennen, Asyl zu gewähren, die Unzulässigkeit, die
E-3390/2022
Seite 3
Unzumutbarkeit sowie die Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs fest-
zustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen,
dass er in prozessualer Hinsicht beantragte, es sei die unentgeltliche Pro-
zessführung zu gewähren, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu
verzichten, ein amtlicher Rechtsbeistand einzusetzen und eventuell sei die
aufschiebende Wirkung wiederherzustellen,

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel
– und so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen des SEM entscheidet (vgl. dazu Art. 105 des Asylgesetzes [AsylG,
SR 142.31] i.V.m. Art. 31‒33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass sich die Kognition des Gerichts beziehungsweise die zulässigen Rü-
gen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten,
dass die vorgedruckten Beschwerdeanträge auf Arabisch und damit nicht
in einer Amtssprache des Bundes abgefasst sind (vgl. Art. 105 AsylG i.V.m.
Art. 33a VwVG und Art. 70 Abs. 1 BV),
dass die Ausführungen des Beschwerdeführers (handschriftlich) hingegen
in einer Amtssprache verfasst sind und er sich der Beschwerdevorlage der
Schweizerischen Flüchtlingshilfe bedient hat, deren vorgedruckter Inhalt
auf dem Internet aufgeschaltet ist und sich auf allen Sprachen entspricht
(https://www.fluechtlingshilfe.ch/hilfe-fuer-schutzsuchende/beschwerde-
unterlagen), weshalb in casu auf die Einholung einer Übersetzung der An-
träge in eine Amtssprache zu verzichten ist,
dass der Beschwerdeführer zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist
(Art. 48 Abs. 1 VwVG), seine Eingabe nach dem Gesagten den formellen
Anforderungen an eine Beschwerde genügt (Art. 52 Abs. 1 VwVG) und er
seine Beschwerde fristgerecht eingereicht hat (Art. 108 Abs. 3 AsylG), wo-
mit auf diese – unter nachfolgendem Vorbehalt – einzutreten ist,
E-3390/2022
Seite 4
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die
Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-
prüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Be-
schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE
2017 VI/5 E. 3.1, 2012/4 E. 2.2),
dass folglich die Fragen der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft, der
Gewährung von Asyl sowie einer vorläufigen Aufnahme nicht Gegenstand
des vorliegenden Verfahrens bilden und insoweit auf die Beschwerde nicht
einzutreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5),
dass die von der Vorinstanz verfügte Anpassung des Geburtsdatums im
ZEMIS (Dispositivziffer 6) nicht explizit angefochten wird, weshalb – auch
unter Berücksichtigung der diesbezüglich noch laufenden Beschwerdefrist
und der Beschwerdebegründung – davon auszugehen ist, die vorliegende
Beschwerde richte sich ausschliesslich gegen den verfügten Nichteintre-
tensentscheid, womit die Dispositivziffer 6 der angefochtenen Verfügung
ebenfalls nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist (vgl. Urteil des
BVGer D-2520/2022 vom 14. Juni 2022 E. 2.2),
dass sich die Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensichtlich
unbegründet erweist, weshalb über diese in einzelrichterlicher Zuständig-
keit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweiten Richters
zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG),
dass gleichzeitig auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Ent-
scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass das SEM zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates
die Zuständigkeitskriterien nach der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle-
gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der
für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen
in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist (Dublin-III-VO) prüft,
E-3390/2022
Seite 5
dass wenn diese Prüfung zur Feststellung führt, dass ein anderer Mitglied-
staat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, das SEM, nachdem
der betreffende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zu-
gestimmt hat – oder bei fingierter Zustimmung –, auf das Asylgesuch
grundsätzlich nicht eintritt (vgl. BVGE 2015/41 E. 3.1),
dass die Vorinstanz anhand der Zentraleinheit Eurodac zu Recht die Zu-
ständigkeit Italiens erkannte und die italienischen Behörden – gestützt auf
Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO – um Übernahme ersuchte,
dass die italienischen Behörden das Übernahmeersuchen innert der in
Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet liessen, wo-
mit sie die Zuständigkeit Italiens implizit anerkannten (Art. 22 Abs. 7 Dub-
lin-III-VO),
dass es namentlich nicht von Belang ist, wenn sich der Beschwerdeführer
in Italien nicht hat registrieren lassen wollen beziehungsweise sein Zielland
die Schweiz war, zumal die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht
einräumt, den Antrag prüfenden Staat auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45
E. 8.3),
dass auch nicht von Belang ist, dass die italienischen Behörden dem Ersu-
chen um Übernahme nicht explizit zugestimmt haben, da in diesem Fall
davon auszugehen ist, dass dem Aufnahmegesuch stattgegeben wurde,
was die Verpflichtung Italiens nach sich zieht, den Beschwerdeführer auf-
zunehmen und angemessene Vorkehrungen für seine Ankunft zu treffen
(Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO),
dass damit die Zuständigkeit Italiens grundsätzlich gegeben ist,
dass – nachdem unbegleitete Minderjährige vom Wiederaufnahmeverfah-
ren ausgenommen sind (vgl. auch FILZWIESER/SPRUNG, Dublin-III-VO,
Wien 2014, Kap. 15 f. zu Art. 8) – bei Minderjährigkeit des Beschwerdefüh-
rers eine der grundsätzlichen Wiederaufnahmezuständigkeit Italiens vor-
rangige Zuständigkeit der Schweiz bestünde, weshalb nachfolgend zu-
nächst zu prüfen ist, ob die Vorinstanz die dargelegte Minderjährigkeit des
Beschwerdeführers zutreffend verneint hat,
dass der Beschwerdeführer mit seinem Vorbringen, er sei eine unbeglei-
tete minderjährige Person, die Anwendung von Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO
fordert,
E-3390/2022
Seite 6
dass es ihm obliegt, seine Minderjährigkeit zumindest insofern glaubhaft
zu machen, dass diese in einer Gesamtsicht der Umstände nachvollzieh-
bar erscheint,
dass gemäss BVGE 2018 VI/3 von den in der Schweiz angewandten Me-
thoden der medizinischen Altersabklärung nur die Schlüsselbein- respek-
tive Skelettaltersanalyse und die zahnärztliche Untersuchung (nicht jedoch
die Handknochenaltersanalyse und die ärztliche körperliche Untersu-
chung) zum Beweis der Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Per-
son geeignet sind und für die Beurteilung mithin die Ergebnisse betreffend
das festgestellte Mindestalter der Schlüsselbeinanalyse sowie der zahn-
ärztlichen Untersuchung relevant sind,
dass das vorliegende Altersgutachten des Kantonsspitals B._ vom
(...) neben anderen Untersuchungen auch diese beiden Analysen beinhal-
tet, mithin auf mehreren Untersuchungsmethoden beruht und sich
damit nicht mit einer Expertise vergleichen lässt, die lediglich auf eine
Handknochenanalyse abstellt, der nach Praxis des Bundesverwaltungsge-
richts generell ein beschränkter Aussagewert zur Bestimmung des
tatsächlichen Alters zugeschrieben wird (vgl. Urteile des BVGer
A-2143/2016 vom 6. Dezember 2016 E. 5.3, A-1987/2016 vom 6. Septem-
ber 2016 E. 8.7.2 m.w.H.),
dass dieses Gutachten zum Schluss kommt, in Zusammenschau aller Be-
funde ergebe sich beim Beschwerdeführer ein durchschnittliches Lebens-
alter von 18 bis 23 Jahren und ein Mindestalter von 19 Jahren (19.0 Jah-
ren),
dass sich die Vorinstanz nicht allein auf das Ergebnis des Altersgutachtens
abstützt, sondern vielmehr festgestellt hat, der Beschwerdeführer habe
sein Alter nicht mit aussagekräftigen Dokumenten belegen können und die
Glaubhaftmachung der Minderjährigkeit sei nicht gelungen, da er hierzu
inkonsistente Angaben gemacht habe,
dass die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Minder-
jährigkeit durch die Vorinstanz nicht zu beanstanden ist, da sie in einer Ge-
samtschau berücksichtigen durfte, dass der Beschwerdeführer weder Rei-
sepapiere noch Identitätsausweise abgegeben hat, um seine persönlichen
Daten zu belegen, und seine Aussagen zum Alter und zu seinen Identitäts-
dokumenten nicht plausibel ausgefallen sind,
E-3390/2022
Seite 7
dass die Ausführungen des Beschwerdeführers zu seinem Geburtsdatum
und den Umständen, wie er dieses erfahren haben will, insgesamt vage
ausgefallen sind, seine Erklärung, sein Vater habe alle relevanten Unterla-
gen vernichtet, nicht zu überzeugen vermag und überdies seine Ausfüh-
rungen zur Tazkira widersprüchlich ausgefallen sind,
dass das vom Beschwerdeführer angegebene Geburtsdatum gemäss dem
polydisziplinären Altersgutachten nicht richtig sein kann, was bei der
Glaubhaftigkeitsprüfung seiner Aussagen zum Alter insgesamt zu würdigen
ist,
dass die Vorinstanz einlässlich begründete (insb. angefochtene Verfügung
S. 5 f.), anhand welcher Faktoren – insbesondere gestützt auf die Untersu-
chungen zum Altersgutachten – sie die Minderjährigkeit des Beschwerde-
führers verneint,
dass schliesslich auch die italienischen Behörden das Übernahmeersu-
chen des SEM stillschweigend akzeptiert und somit die Einschätzung des
SEM zur Volljährigkeit des Beschwerdeführers geteilt haben,
dass der Beschwerdeführer dem auf Beschwerdeebene nichts Stichhalti-
ges entgegenhält,
dass das Gericht demnach in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum
Schluss gelangt, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, die
von ihm geltend gemachte Minderjährigkeit glaubhaft zu machen, mithin
die Vorinstanz zutreffend auf seine Volljährigkeit geschlossen hat und sich
somit aus der behaupteten Minderjährigkeit keine völkerrechtlichen Ein-
trittsgründe ergeben können,
dass der Beschwerdeführer, der damals an einer Krücke ging, anlässlich
der Erstbefragung für unbegleitete minderjährige Asylsuchende in Bezug
auf seinen Gesundheitszustand ausführte, anlässlich einer Operation in
der Türkei Platten in sein (...) bekommen zu haben, welches bei einem
Autounfall bereits früher einmal verletzt worden sei,
dass sich der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme anlässlich des
rechtlichen Gehörs vom 26. April 2022 neben der von ihm geltend gemach-
ten Minderjährigkeit einzig mit der Begründung gegen eine Überstellung
nach Italien aussprach, er habe das Hoheitsgebiet der Dublin-Staaten an-
dernorts betreten,
E-3390/2022
Seite 8
dass er in der Beschwerde neben seinen Ausführungen zur Minderjährig-
keit sinngemäss die Unterbringung in Italien moniert und ausführt, dort
keine beziehungsweise nur einen oder zwei Freunde gehabt zu haben und
befürchte, sein Gesundheitszustand könne sich dort aufgrund des Klimas
verschlechtern,
dass aufgrund der Aktenlage indessen keine Sachverhaltsumstände er-
sichtlich sind, die in rechtserheblicher Weise gegen eine Überstellung in
den für ihn zuständigen Dublin-Vertragsstaat sprechen würden,
dass es keine wesentlichen Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfah-
ren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in Italien würden sys-
temische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschli-
chen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–
Grundrechtecharta mit sich bringen,
dass Italien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nachkommt,
dass die Schweiz gleichzeitig davon ausgeht, Italien anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) und 2013/33/EU vom
26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie), ergeben,
dass im letztgenannten Zusammenhang zwar nicht von der Hand zu wei-
sen ist, dass die in Italien herrschenden Aufnahmebedingungen schon wie-
derholt zu Klagen Anlass gaben, wozu sich das Bundesverwaltungsgericht
bereits mehrfach geäussert hat (vgl. z. B. BVGE 2015/4 E. 4, 2016/2 E. 5,
2017 VI/5 E. 8.4 und 2017 VI/10 E. 5 sowie BVGer-Urteile F-6330/2020
vom 18. Oktober 2021 E. 10 und E-962/2019 vom 17. Dezember 2019
[beide publiziert als Referenzurteil]),
E-3390/2022
Seite 9
dass sich aber auch damit nichts daran geändert hat, dass das Gericht im
Falle von Personen, die – wie der volljährige und alleinstehende Beschwer-
deführer – keine besondere Verletzlichkeit erkennen lassen, ohne Ein-
schränkung von der Zulässigkeit der Überstellung nach Italien ausgeht,
dass die unsubstanziierten Beschwerdeausführungen hieran nichts zu än-
dern vermögen und – auch unter Berücksichtigung der Flüchtlingsströme
aufgrund des aktuellen Ukraine-Konflikts – ebenfalls keinen Anlass zur An-
nahme geben, der Beschwerdeführer wäre in Italien ernsthaft gefährdet,
dass auch weder aufgrund der Ausführungen des Beschwerdeführers noch
aufgrund der aktenkundigen Arztberichte auf gesundheitliche Probleme zu
schliessen ist, die ein Hindernis für seine Überstellung nach Italien darstellen
könnten, verfügt Italien doch über eine ausreichende medizinische Infra-
struktur und gibt es keinen Grund zur Annahme, dem Beschwerdeführer
werde dort notwendige medizinische Behandlung verweigert,
dass im Übrigen auf die zutreffenden und ausführlichen Ausführungen zum
medizinischen Sachverhalt in der angefochtenen Verfügung verwiesen
werden kann (vgl. angefochtene Verfügung S. 9 ff.),
dass sich der Beschwerdeführer – nach Einreichung eines Asylgesuchs –
bei Bedarf an die italienischen Behörden wenden und die ihm zustehenden
Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern kann (vgl. Art. 26
Aufnahmerichtlinie),
dass sich – neben den staatlichen Strukturen – auch zahlreiche private
Hilfsorganisationen der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen
annehmen, bei denen er bei Bedarf ebenfalls um Unterstützung nachsu-
chen kann,
dass demgemäss kein Grund für einen Selbsteintritt auf das Asylgesuch
respektive für eine Anwendung der Ermessensklausel nach Art. 17 Abs. 1
Dublin-III-VO in Verbindung mit Art. 29a Abs. 3 AsylV1 ersichtlich ist,
dass nach dem Gesagten der Nichteintretensentscheid in Anwendung von
Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG in keinem Punkt zu bemängeln ist,
dass gleichzeitig die Anordnung der Wegweisung nach Italien der Syste-
matik des Dublin-Verfahrens entspricht und im Einklang mit der Bestim-
mung von Art. 44 (erster Satz) AsylG steht,
E-3390/2022
Seite 10
dass schliesslich der Vollständigkeit halber darauf hinzuweisen ist, dass
allfällige Verzögerungen aufgrund der herrschenden Situation im Zusam-
menhang mit der COVID-19-Pandemie gemäss aktuellem Kenntnisstand
lediglich temporäre Vollzugshindernisse darstellen und daher am Ausgang
des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern vermögen (vgl. Urteil des
BVGer F-1829/2020 vom 9. April 2020 E. 5.2),
dass nach vorstehenden Erwägungen die angefochtene Verfügung zu be-
stätigen und die eingereichte Beschwerde als offensichtlich unbegründet
abzuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist,
dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist,
weshalb die Anträge auf Wiederherstellung (recte wohl: Zuerkennung) der
aufschiebenden Wirkung und auf Erlass des Kostenvorschusses gegen-
standslos geworden sind,
dass die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge-
mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Beiordnung einer amtlichen Rechtsver-
beiständung im Sinne von Art. 102m Abs. 1 Bst. a AsylG – ungeachtet der
Tatsache, dass entgegen den Angaben in der Beschwerdeschrift (vgl. Be-
schwerde S. 7) die Bedürftigkeit des Beschwerdeführers durch keine ent-
sprechende Bestätigung belegt wird – abzuweisen sind, da die Begehren
– wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu
bezeichnen sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Verfahrenskosten von
Fr. 750.– (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1
VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
E-3390/2022
Seite 11