Decision ID: 05298cc6-3695-4548-891b-a0a04d403fb5
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die A._ GmbH mit Sitz in (...) bezweckt gemäss Auszug aus dem
Handelsregister des Kantons (...) das (Zweck).
B.
B.a Im Zeitraum vom 20. März 2015 bis 19. September 2016 führte die
A._ GmbH im Auftrag der B._ GmbH (nachfolgend: Impor-
teurin) 31 Sendungen «Schweinebauchfleisch, gefroren» aus Portugal in
die Schweiz ein. Gemäss den den Einfuhrzollanmeldungen (EZA) beilie-
genden Handelsrechnungen der C._ in (...), Portugal (nachfolgend:
Lieferantin), handelt es sich dabei um ein Produkt mit der Bezeichnung
«Tiras de entrecosto c/Etiqueta (...)» bzw. (ab Januar 2016) «Tiras de ent-
recosto c/Etiqueta (...)- Congelado».
Für das fragliche Produkt wurde in den EZA stets die Tarifnummer
0203.2999 mit einem Zollansatz von Fr. 329.– je 100 kg brutto angegeben.
B.b Das EDV-System «e-dec» der Eidgenössischen Zollverwaltung (seit
dem 1. Januar 2022 Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit [BAZG];
nachfolgend: EZV, Vorinstanz oder in Zusammenhang mit den gesetzli-
chen Bestimmungen BAZG) qualifizierte alle Anmeldungen als «gesperrt».
B.c Mit Bezug auf die Zollanmeldung Nr. (...) führte die Zollstelle Thayngen
am 2. Mai 2016 eine materielle Kontrolle (Beschau) durch. Der Befund be-
treffend die Position 2 (Schweinebauch, gefroren) lautete «i.O.».
Die übrigen Zollanmeldungen wurden in Bezug auf das fragliche Produkt
ohne materielle Kontrolle unverändert angenommen. Die Veranlagung er-
folgte jeweils nach der Tarifnummer 0203.2999 zum Zollansatz von
Fr. 329.– je 100 kg brutto.
C.
C.a Am 19. September 2016 meldete die A._ GmbH mit EZA
Nr. (...), Position 9, eine weitere Sendung «Schweinebauchfleisch, gefro-
ren» zu Einfuhr an (nachfolgend auch: Auslösersendung). In der beiliegen-
den Handelsrechnung der Lieferantin wurde das fragliche Produkt als «Ti-
ras de entrecosto c/Etiqueta (...)- Congelado» bezeichnet. Das EDV-Sys-
tem «e-dec» qualifizierte die Anmeldung auch hier als «gesperrt». Es
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wurde gleichentags eine Beschau durchgeführt. Dabei wurden zwei einzel-
verpackte Muster des betroffenen Produkts entnommen und zur tarifari-
schen Bestimmung an die Oberzolldirektion (OZD) gesandt.
C.b Mit Tarifgutachten vom 7. Oktober 2016 teilte die OZD der Zollkreisdi-
rektion Schaffhausen (seit dem 1. Januar 2021: Zoll Nordost; nachfolgend:
ZKD Schaffhausen) mit, dass das Muster «D._ - Tiras entrecosto
Emb. Cong. "E" - Kotelette-Rippen vom Carré-Teil des Schweins, schmal
geschnitten, tiefgefroren, in Kartons zu ca 10 kg» der Tarifnummer
0203.2991 zuzuordnen sei. Gemäss Begutachtung durch den Spezialisten
des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) handle es sich beim Stück «Ti-
ras entrecosto» eindeutig um einen Teil des Carrés.
C.c Das Zollinspektorat Schaffhausen informierte die A._ GmbH
mit Schreiben vom 10. Oktober 2016 über diesen Befund. Mit Veranla-
gungsverfügung vom gleichen Tag wurde die betroffene Sendung gemäss
der Tarifnummer 0203.2991 zum Ansatz von Fr. 2'304.– je 100 kg brutto
veranlagt, wodurch Zollabgaben in der Höhe von Fr. 58'194.45 und Mehr-
wertsteuer in der Höhe von Fr. 1'751.– anfielen. Die Veranlagungsverfü-
gung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
D.
D.a Mit Schreiben vom 7. Dezember 2016 forderte das Zollinspektorat
Schaffhausen von der A._ GmbH die Verzollungsunterlagen von 29
der oben unter Buchstabe B.a genannten 31 Sendungen zwecks Überprü-
fung der Abfertigung ein.
D.b Mit Schreiben vom 29. Dezember 2016 informierte das Zollinspektorat
Schaffhausen die A._ GmbH über die geplante Nachforderung von
Zollabgaben in der Höhe von Fr. 705’849.25. Eine Überprüfung habe erge-
ben, dass das Schweinefleisch «Tiras de Entrecosto» nach der Tarifnum-
mer 0203.2991 und zum Zollansatz von Fr. 2'304.– je 100 kg brutto zu ver-
zollen sei.
D.c Mit Eingabe vom 9. Februar 2017 nahm die A._ GmbH bzw.
deren mandatierter Rechtsvertreter Stellung und zeigte sich mit der geplan-
ten Nachforderung nicht einverstanden. Bei den importierten «Tiras de ent-
recosto» handle es sich um (gefrorene) Schweinerippen bzw. Rippen-Kno-
chen (Spare Ribs), die gemäss der Tarifnummer 0203.2999 zu verzollen
seien. Die Veranlagungsverfügung vom 10. Oktober 2016 sei demnach
ebenfalls zu korrigieren.
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D.d Mit Schreiben vom 11. Januar 2018 gewährte die Zollkreisdirektion
Schaffhausen der A._ GmbH erneut das rechtliche Gehör mit Be-
zug auf die geplanten Nachforderungen und wies diese darauf hin, dass
zuvor fälschlicherweise nur Nachforderungen in Bezug auf 29 der fragli-
chen 31 Sendungen angekündigt worden seien. Infolge der 31 unrichtigen
Zollanmeldungen für das Produkt «Tiras de Entrecosto» seien Einfuhrab-
gaben in Höhe von Fr. 843'336.40 (Zoll Fr. 793'162.–, Mehrwertsteuer
Fr. 20'551.50 und Verzugszinsen Fr. 29'622.90) nachzufordern. Eine Be-
richtigung der Veranlagungsverfügung vom 10. Oktober 2016 sei zudem
ausgeschlossen.
D.e Mit Eingabe vom 16. März 2018 nahm die A._ GmbH erneut
Stellung und hielt im Wesentlichen an ihrem Standpunkt fest.
D.f Mit Verfügung vom 24. Juni 2019 forderte die Zollkreisdirektion II (ehe-
mals ZKD Schaffhausen, seit dem 1. Januar 2021 Zoll Nordost) Einfuhrab-
gaben in der Höhe von Fr. 843'336.40 nach.
E.
E.a Mit Eingabe vom 23. August 2019 erhob die A._ GmbH Be-
schwerde gegen die Verfügung vom 24. Juni 2019 bei der OZD.
E.b Mit Beschwerdeentscheid vom 2. November 2020 hiess die OZD die
Beschwerde im Umfang von Fr. 6’148.05 gut. Zur Begründung führte sie
aus, dass im Rahmen der Sachverhaltsüberprüfung ein Fehler festgestellt
worden sei. Hinsichtlich der Veranlagungsverfügung vom 2. Mai 2016 sei
der Abgabennachbezug fälschlicherweise mit Bezug auf die gesamte Po-
sition 2 (Rohmasse 2’852.8 kg) erfolgt, obwohl zwei verschiedene Pro-
dukte («Tiras de Entrecosto» sowie «Entremeada as Tiras») in der gleichen
Position verzollt worden seien. Mitunter sei fälschlicherweise auch das Pro-
dukt «Entremeada as Tiras» mit dem höheren Zollansatz belegt worden,
was zu korrigieren sei. Im übrigen Umfang wies die OZD die Beschwerde
ab. Unter Berücksichtigung der Verzugszinsen setzte sie den geschuldeten
Abgabebetrag auf neu Fr. 961'006.75 fest (Zoll Fr. 787'163.90, Mehrwert-
steuer Fr. 23'421.55, Verzugszinsen Fr. 150'421.30).
Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 8'500.– wurden der Beschwer-
deführerin auferlegt.
F.
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F.a Mit Eingabe vom 7. Dezember 2020 erhebt die A._ GmbH
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde gegen den Entscheid der OZD vom 2. November 2020. Sie be-
antragt die vollumfängliche Aufhebung des Entscheids, soweit es nicht um
die Korrektur der Veranlagungsverfügung vom 2. Mai 2016 gehe. Es sei
festzustellen, dass die in den streitbetroffenen 31 Einfuhrsendungen im-
portierten Waren mit der Bezeichnung «Schweinebauchfleisch, gefroren»
gemäss Tarifnummer 0203.2999 zum Zollansatz von Fr. 329.– [je 100 kg
brutto] zu tarifieren sind. Eventualiter sei der nachzufordernde Abgabebe-
trag auf Fr. 810'585.45 (vollständiger Verzicht auf die Erhebung der Ver-
zugszinse), subeventualiter auf Fr. 885'796.10 (angemessene Reduktion
der Verzugszinse um mindestens die Hälfte) zu reduzieren; unter Kosten-
und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates.
Zudem beantragt die Beschwerdeführerin, der Beschwerde sei die auf-
schiebende Wirkung zu erteilen.
F.b Mit Vernehmlassung vom 22. Februar 2021 beantragt die EZV, Direk-
tionsbereich Grundlagen, die Beschwerde sei unter Kostenfolge abzuwei-
sen.
F.c In der Folge fanden verschiedene weitere Schriftenwechsel unter Ein-
reichung neuer Beweismittel statt (Stellungnahme der Beschwerdeführerin
vom 26. April 2021, Duplik der Vorinstanz vom 19. Mai 2021, Triplik der
Beschwerdeführerin vom 5. Juli 2021, Quadruplik der Vorinstanz vom
21. Juli 2021, Quintuplik der Beschwerdeführerin vom 13. August 2021).
Die Parteien halten in diesen Eingaben grundsätzlich an ihren Standpunk-
ten fest.
Auf die Vorbringen der Parteien und die Akten wird – soweit dies für den
Entscheid wesentlich ist – im Rahmen der Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfü-
gungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren
vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme
nach Art. 32 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsgericht
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vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) gegeben ist (Art. 31 VGG). Eine sol-
che Ausnahme liegt nicht vor. Der angefochtene Entscheid ist eine Verfü-
gung im Sinne von Art. 5 VwVG. Das BAZG ist zudem eine Vorinstanz des
Bundesverwaltungsgerichts (vgl. Art. 33 Bst. d VGG). Dieses ist daher für
die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig (vgl. auch Art. 116
des Zollgesetzes vom 18. März 2005 [ZG, SR 631.0]).
1.2 Die Beschwerdeführerin ist Adressatin des angefochtenen Entscheids
und damit zur Beschwerdeerhebung legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG).
Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde (vgl.
Art. 20 Abs. 1 und 3 i.V.m. Art. 50 Abs. 1 VwVG, Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
daher – unter Vorbehalt des in E. 1.3 und E. 1.4 Ausgeführten – einzutre-
ten.
1.3 Anfechtungsobjekt im vorliegenden Verfahren vor Bundesverwaltungs-
gericht bildet einzig der Beschwerdeentscheid vom 2. November 2020.
Das Anfechtungsobjekt bildet den Rahmen, welcher den möglichen Um-
fang des Streitgegenstandes begrenzt (vgl. BGE 136 II 457 E. 4.2).
Die Beschwerdeführerin hat den genannten Beschwerdeentscheid vollum-
fänglich angefochten, soweit es nicht um die Korrektur der Veranlagungs-
verfügung Nr. (...) vom 2. Mai 2016 geht. Dies bildet den Streitgegenstand.
Die Veranlagungsverfügung vom 10. Oktober 2016 (Auslösersendung,
vgl. Sachverhalt Bst. C.c) ist weder Anfechtungsobjekt noch Streitgegen-
stand im vorliegenden Verfahren.
1.4 Gemäss Art. 25 Abs. 2 VwVG ist dem Begehren um Erlass einer Fest-
stellungsverfügung zu entsprechen, wenn der Gesuchsteller oder die Ge-
suchstellerin ein entsprechendes schutzwürdiges Interesse nachweist. Der
Anspruch auf Erlass einer Feststellungsverfügung ist dabei subsidiär ge-
genüber rechtsgestaltenden Verfügungen (BGE 142 V 2 E. 1.1; 137 II 199
E. 6.5, 126 II 300 E. 2c; BVGE 2010/12 E. 2.3 und 2007/24 E. 1.3).
Die Beschwerdeführerin hat ihre Anträge (Beschwerde, Rechtsbegehren,
Ziff. 1; Sachverhalt Bst. F.a) teilweise als Feststellungsbegehren gestellt.
Dieses ist jedoch inhaltlich bereits vom negativen Leistungsbegehren,
nämlich dem Antrag auf Aufhebung des angefochtenen Beschwerdeent-
scheids, umfasst und es kommt ihm insofern keine eigenständige Bedeu-
tung zu. Mangels eines Feststellungsinteresses ist auf das Feststellungs-
begehren nicht einzutreten.
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1.5 Zum prozessualen Antrag der Beschwerdeführerin ist festzuhalten,
dass die Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung hat
(Art. 55 Abs. 1 VwVG).
1.6 Das Verfahren richtet sich – soweit das VGG nichts anderes bestimmt
– nach den Vorschriften des VwVG (Art. 37 VGG). Der Ausschluss gemäss
Art. 3 Bst. e VwVG betrifft nur das Zollverfahren bis und mit Erlass der Ver-
anlagungsverfügung und ist somit vorliegend nicht einschlägig (vgl. BGE
142 II 433 E. 3.2.6). Ungeachtet der Bestimmung von Art. 2 Abs. 1 VwVG,
welcher die Art. 12 – 19 sowie die Art. 30 – 33 VwVG für Steuerverfahren
ausschliesst, wendet das Bundesverwaltungsgericht in ständiger Recht-
sprechung auch in Steuerverfahren den Untersuchungsgrundsatz in dem
Sinn an, als die in den von der Anwendbarkeit ausgenommenen Artikeln
näher ausgeführten Anhörungs- und Mitwirkungsrechte gewährt werden
(statt vieler: BVGE 2009/60 E. 2; Urteile des BVGer A-2479/2019 vom
14. Juli 2021 E. 2.2.1; A-5446/2016 vom 23. Mai 2018 E. 2.2; A-6977/2009
vom 29. November 2010 E. 2.2).
1.7
1.7.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Ent-
scheid grundsätzlich in vollem Umfang. Die Beschwerdeführerin kann mit
der Beschwerde neben der Verletzung von Bundesrecht auch die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes
sowie Unangemessenheit rügen (Art. 49 VwVG). Im Beschwerdeverfahren
gilt der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen (vgl. Art. 62
Abs. 4 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht kann eine Beschwerde
auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder
den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestäti-
gen, die von jener der Vorinstanz abweicht (sog. Motivsubstitution, vgl. statt
vieler: BVGE 2007/41 E. 2 m.H.).
1.8
1.8.1 Die für die Entscheidfindung (Rechtsanwendung) vorzunehmende
Tatsachenfeststellung setzt voraus, dass die Sachlage korrekt und voll-
ständig ermittelt wurde. Das Verwaltungsverfahren und die Verwaltungs-
rechtspflege werden deshalb grundsätzlich von der Untersuchungsmaxime
beherrscht (zur Anwendbarkeit in Steuerverfahren vgl. E. 1.6 in fine). Dem-
nach muss die entscheidende Behörde den Sachverhalt von sich aus ab-
klären. Sie trägt die Beweisführungslast (sog. subjektive oder formelle Be-
weislast). Der Untersuchungsgrundsatz erfährt durch die Mitwirkungs-
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Seite 8
pflicht der Verfahrensparteien allerdings eine Einschränkung (ANDRÉ MO-
SER et al., Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 3. Aufl. 2022,
Rz. 1.49 ff.; zum Ganzen: Urteil des BGer 2C_177/2018 vom 22. August
2019 E. 3.2 f.; Urteil des BVGer A-4408/2021 vom 6. Juli 2022 E. 1.4.2).
1.8.2 Im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht gilt der Grundsatz
der freien Beweiswürdigung (BGE 130 II 482 E. 3.2). Die Beweiswürdigung
endet mit dem richterlichen Entscheid darüber, ob eine rechtserhebliche
Tatsache als erwiesen zu gelten hat oder nicht. Der Beweis ist geleistet,
wenn das Gericht gestützt auf die freie Beweiswürdigung zur Überzeugung
gelangt ist, dass sich der rechtserhebliche Sachumstand verwirklicht hat
(Urteil des BVGer A-5145/2021 vom 29. August 2022 E. 1.6; MOSER et al.,
a.a.O., Rz. 3.141).
Kommt die Behörde bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeu-
gung, die Akten erlaubten die richtige und vollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts oder die behauptete Tatsache sei für die
Entscheidung der Streitsache nicht von Bedeutung, kann sie auf die Erhe-
bung weiterer Beweise verzichten (sog. antizipierte Beweiswürdigung),
ohne dadurch den Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom
18. April 1999 (SR 101; nachfolgend: BV) zu verletzen (vgl. statt vieler:
BGE 145 I 167 E. 4.1; 136 I 229 E. 5.3; Urteile des BVGer A-4263/2020
vom 5. Juli 2022 E. 3.7.4; A-3440/2021 vom 9. März 2022 E. 2.7.5, je
m.w.H.).
1.8.3 Beim Entscheid darüber, ob eine rechtserhebliche Tatsache als er-
wiesen zu gelten hat oder nicht, ist die Frage des Beweismasses (bzw.
Beweisgrades) zu berücksichtigen. Als Regelbeweismass gilt der volle
(strikte) Beweis. Ein Beweis gilt als erbracht, wenn das Gericht nach ob-
jektiven Gesichtspunkten von der Richtigkeit einer Sachbehauptung über-
zeugt ist. Absolute Gewissheit kann dabei nicht verlangt werden. Es ge-
nügt, wenn das Gericht am Vorliegen der behaupteten Tatsache keine
ernsthaften Zweifel mehr hat oder allenfalls verbleibende Zweifel als leicht
erscheinen (BGE 144 II 332 E. 4.1.2; 130 III 321 E. 3.2; Urteil des BVGer
A-5145/2021 vom 29. August 2022 E. 1.7 m.w.H.). Verlangt wird ein so ho-
her Grad der Wahrscheinlichkeit, dass vernünftigerweise mit der Möglich-
keit des Gegenteils nicht mehr zu rechnen ist. Nicht ausreichend ist dage-
gen, wenn bloss eine überwiegende Wahrscheinlichkeit besteht, dass sich
die behauptete Tatsache verwirklicht hat (BGE 128 III 271 E. 2b/aa; Urteile
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des BVGer A-5145/2021 vom 29. August 2022 E. 1.7; A-4569/2020 vom
4. Juli 2022 E. 1.3.3).
1.8.4 Bleibt eine entscheidrelevante Tatsache unbewiesen, gilt im Bereich
des öffentlichen Rechts grundsätzlich die Beweislastregel von Art. 8 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. Dezember 1907 (ZGB,
SR 210) als allgemeiner Rechtsgrundsatz (vgl. BGE 142 II 433 E. 3.2.6;
138 II 465 E. 6.8.2; Urteil des BVGer A-4408/2021 vom 6. Juli 2022
E. 1.4.5). Demnach hat jene Partei die Folgen der Beweislosigkeit zu tra-
gen, die aus der unbewiesen gebliebenen Tatsache Rechte ableitet (vgl.
BGE 133 V 205 E. 5.5; Urteil des BVGer A-4408/2021 vom 6. Juli 2022
E. 1.4.5). Abgesehen von Besonderheiten, welche die Natur des im Zoll-
recht geltenden Selbstdeklarationsprinzips mit sich bringt, gilt auch in die-
sem Rechtsgebiet – wie allgemein im Abgaberecht – der Grundsatz, wo-
nach die Behörde die Beweislast für Tatsachen trägt, welche die Abgabe-
pflicht begründen oder die Abgabeforderung erhöhen; demgegenüber ist
die abgabepflichtige Person für die abgabeaufhebenden und -mindernden
Tatsachen beweisbelastet (vgl. BGE 140 II 248 E. 3.5; Urteil des BVGer
A-3787/2018 vom 30. April 2019 E. 1.5.3).
1.8.5 Nach konstanter Rechtsprechung kommt Dokumenten, die zeitlich
erst nach dem zu beweisenden Ereignis ausgestellt worden sind, regel-
mässig nur ein stark eingeschränkter Beweiswert zu (statt vieler: Urteile
des BVGer A-5145/2021 vom 29. August 2022 E. 1.8; A-6248/2018 vom
8. Januar 2020 E. 1.6.2; A-581/2016 vom 21. März 2017 E. 1.4.2).
2.
Waren, die ins schweizerische Zollgebiet verbracht werden, sind grund-
sätzlich zollpflichtig und nach dem ZG sowie nach dem Zolltarifgesetz vom
9. Oktober 1986 (ZTG, SR 632.10) zu veranlagen (Art. 7 ZG). Solche Ge-
genstände unterliegen zudem grundsätzlich der Einfuhrmehrwertsteuer
(Art. 50 ff. des Bundesgesetzes vom 12. Juni 2009 über die Mehrwert-
steuer [Mehrwertsteuergesetz, MWSTG, SR 641.20]).
2.1 Grundlage der Zollveranlagung bildet die Zollanmeldung (Art. 18 Abs. 1
ZG). Diese basiert auf dem Selbstdeklarationsprinzip, wonach von der an-
meldepflichtigen Person eine vollständige und richtige Deklaration der
Ware verlangt wird (vgl. dazu Art. 21 ff. ZG). Hinsichtlich der diesbezügli-
chen Sorgfaltspflicht werden an die anmeldepflichtige Person hohe Anfor-
derungen gestellt (Botschaft des Bundesrates vom 15. Dezember 2003
über ein neues Zollgesetz, BBl 2004 567, 601; vgl. BGE 112 IV 53 E. 1a;
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statt vieler: Urteile des BVGer A-5201/2021 vom 20. September 2022
E. 8.1.1; A-4408/2021 vom 6. Juli 2022 E. 2.2; BARBARA SCHMID, in: Ko-
cher/Clavadetscher [Hrsg.], Handkommentar zum Zollgesetz, 2009 [nach-
folgend: Zollkommentar], Art. 18 N. 3 f., mit weiteren Hinweisen). Durch die
Annahme der Zollanmeldung wird diese für die anmeldepflichtige Person
verbindlich (Art. 33 Abs. 1 ZG; zu hier nicht interessierenden Einschrän-
kung der grundsätzlichen Unabänderlichkeit der angenommenen Zollan-
meldung vgl. Art. 34 ZG).
2.2 Während des Veranlagungsverfahrens kann die Zollstelle die einmal
angenommene Zollanmeldung jederzeit überprüfen (Art. 35 ZG). Auch die
Ware selbst kann einer Überprüfung unterzogen werden, um festzustellen,
ob die Anmeldepflichten tatsächlich erfüllt worden sind. Dazu steht dem
BAZG die Möglichkeit der Beschau offen (Art. 36 ZG). Das Ergebnis der
Beschau wird schriftlich festgehalten. In der Folge bildet das Ergebnis der
Beschau, der sog. Zollbefund, die Grundlage für die Veranlagung und all-
fällige weitere Verfahren (Art. 37 Abs. 3 ZG). Der Zollbefund ersetzt dem-
nach die eigentliche Zollanmeldung und tritt an deren Stelle (Art. 37 Abs. 1
und 3 ZG; vgl. zum Ganzen: Urteile des BVGer A-6248/2018 vom 8. Januar
2020 E. 2.1.1; A-7486/2016 vom 14. Dezember 2017 E. 2.1).
2.3 Weil die zollrechtliche Veranlagungsverfügung eine konkrete, augen-
blickliche Fallkonstellation zum Gegenstand hat, lassen sich aus ihr keine
rechtsverbindlichen Schlüsse auf künftige Veranlagungen ziehen, selbst
wenn es dannzumal um Waren der nämlichen Gattung ginge. Jede spätere
Zollanmeldung wird von der Zollverwaltung aufs Neue geprüft, ohne dass
sich die zollanmeldende Person mit Recht auf frühere Veranlagungen be-
rufen könnte (vgl. Urteile des BGer 2C_591/2015 vom 5. Februar 2016
E. 5.2; 2C_1174/2012 vom 16. August 2013 E. 3.4.3; Urteile des BVGer
A-6248/2018 vom 8. Januar 2020 E. 2.1.2; A-5624/2018 vom 19. Juli 2019
E. 5.2.6, je mit Hinweisen). Mit anderen Worten lässt sich unter Verweisung
auf frühere Veranlagungen nicht mit Erfolg geltend machen, eine Veranla-
gung verstosse gegen den Grundsatz von Treu und Glauben (vgl. Urteil
des BVGer A-5624/2018 vom 19. Juli 2019 E. 5.2.6 m.w.H.).
3.
3.1 Gemäss Art. 1 ZTG sind alle Waren, die über die schweizerischen Zoll-
grenzen ein- und ausgeführt werden, nach dem Generaltarif zu verzollen,
welcher in den Anhängen 1 und 2 des ZTG enthalten ist.
A-6217/2020
Seite 11
3.1.1 Unter dem Begriff Generaltarif (vgl. dazu auch Art. 3 ZTG) ist ein un-
ter Beachtung der inländischen Gesetzgebung und unter Berücksichtigung
der nationalen Bedürfnisse geschaffener Zolltarif zu verstehen. Er enthält
die Tarifnummern, die Bezeichnungen der Waren, die Einreihungsvor-
schriften, die Zollkontingente sowie die höchstmöglichen Zollansätze, wie
sie grösstenteils im Abkommen vom 15. April 1994 zur Errichtung der Welt-
handelsorganisation (GATT/WTO-Abkommen, SR 0.632.20, für die
Schweiz in Kraft getreten am 1. Juli 1995) konsolidiert worden sind. Die
Struktur des Generaltarifs basiert auf der Nomenklatur des internationalen
Übereinkommens vom 14. Juni 1983 über das Harmonisierte System (HS)
zur Bezeichnung und Codierung der Waren (SR 0.632.11; nachfolgend:
HS-Übereinkommen, für die Schweiz in Kraft getreten am 1. Januar 1988;
vgl. zum Ganzen: REMO ARPAGAUS, Zollrecht, in: Koller et al. [Hrsg.],
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. XII, 2. Aufl. 2007 [nachfol-
gend: Zollrecht], Rz. 569; zum Ganzen: Urteil des BVGer A-5145/2021 vom
29. August 2022 E. 3.2).
Der Gebrauchstarif (vgl. dazu Art. 4 ZTG) entspricht im Aufbau dem Gene-
raltarif und enthält die aufgrund von vertraglichen Abmachungen ermässig-
ten Zollansätze. Er widerspiegelt die in Erlassen festgelegten gültigen Zoll-
ansätze (vgl. zum Ganzen: Botschaft vom 19. September 1994 zu den für
die Ratifizierung der GATT/WTO-Übereinkommen [Uruguay-Runde] not-
wendigen Rechtsanpassungen, BBl 1994 IV 950 ff., 1004 f.; siehe auch
Botschaft vom 22. Oktober 1985 betreffend das HS-Übereinkommen sowie
über die Anpassung des schweizerischen Zolltarifs, BBl 1985 III 357,
377 f.). Der Gebrauchstarif, der für die Praxis primär relevant ist, umfasst
demnach neben den unverändert gebliebenen Ansätzen des Generaltarifs
alle zu einem bestimmten Zeitpunkt handelsvertraglich vereinbarten Zoll-
ansätze und die autonom gewährten Zollpräferenzen. Der Gebrauchstarif
enthält zudem auch die in besonderen Erlassen geregelten, aufgrund au-
tonomer Massnahmen ermässigten Zollansätze (statt vieler: Urteile des
BVGer A-3485/2020 vom 25. Januar 2021 E. 2.2; A-6248/2018 vom 8. Ja-
nuar 2020 E. 3.2; THOMAS COTTIER/DAVID HERREN, Zollkommentar, Einlei-
tung N. 103).
3.1.2 Der Generaltarif wird in der Amtlichen Sammlung des Bundesrechts
(AS) nicht veröffentlicht. Die Veröffentlichung erfolgt durch Verweis (Art. 5
Abs. 1 des Publikationsgesetzes vom 18. Juni 2004 [PublG, SR 170.512]).
Der Generaltarif kann jedoch mitsamt seinen Änderungen bei der OZD ein-
gesehen oder im Internet abgerufen werden (www.bazg.admin.ch bzw.
A-6217/2020
Seite 12
www.tares.ch). Dasselbe gilt für den Gebrauchstarif (Art. 15 Abs. 2 und An-
hänge 1 und 2 ZTG). Trotz fehlender Veröffentlichung in der AS kommt dem
Generaltarif Gesetzesrang zu (statt vieler: BGE 142 II 433 E. 5; Urteil des
BVGer A-5204/2019 vom 7. Juli 2021 E. 2.4 m.w.H.).
3.1.3 Das BAZG kann sog. schweizerische Erläuterungen oder Entscheide
erlassen. Diese können unter www.tares.ch abgerufen werden. Die
schweizerischen Erläuterungen und Entscheide sind als Dienstvorschriften
(ARPAGAUS, Zollrecht, Rz. 579) bzw. Verwaltungsverordnungen für die Jus-
tizbehörden nicht verbindlich (zur Rechtsnatur und Bindungswirkung von
Verwaltungsverordnungen statt vieler: BGE 141 V 175 E. 2.1; Urteil des
BVGer A-5204/2019 vom 7. Juli 2021 E. 2.5.3 m.w.H.; zum Ganzen: Urteile
des BVGer A-5145/2021 vom 29. August 2022 E. 3.5.3; A-5562/2019 vom
27. Dezember 2021 E. 2.4.3).
3.2 Für die Tarifeinreihung massgebend ist die Art und Beschaffenheit der
Ware zum Zeitpunkt, in dem sie unter Zollkontrolle gestellt worden ist. Auf
den Verwendungszweck ist demgegenüber nur dann abzustellen, wenn
dies in den einzelnen Tarifpositionen als Einreihungskriterium ausdrücklich
festgehalten ist (statt vieler: Urteile des BVGer A-5562/2019 vom 27. De-
zember 2021 E. 2.5; A-5204/2019 vom 7. Juli 2021 E. 2.5.5). Ist Letzteres
nicht der Fall, kommt dem Verwendungszweck wie auch dem Preis, der
Verpackung und der Bezeichnung durch den Hersteller oder Empfänger
der Ware lediglich hinweisende, nicht aber ausschlaggebende Bedeutung
zu (statt vieler: Urteil des BVGer A-3485/2020 vom 25. Januar 2021
E. 2.4.5).
3.3 Dem Schweizerischen Gebrauchstarif (vgl. E. 3.1) war im Zeitpunkt der
streitbetroffenen Einfuhren (20. März 2015 bis 19. September 2016, siehe
Sachverhalt Bst. B.a) – soweit vorliegend interessierend – aus dem ein-
schlägigen Kapitel (Lebende Tiere und Waren tierischen Ursprungs;
Fleisch und geniessbare Schlachtnebenprodukte, Fleisch von Tieren der
Schweinegattung, gefroren) Folgendes zu entnehmen:
Tarifnummer Text Zollansätze
0203.2991 Carrés und Teile da-
von
Normal Fr. 2’304.– je
100 kg brutto
A-6217/2020
Seite 13
0203.2999 Anderes Normal Fr. 329.– je
100 kg brutto
Die Schweizerischen Erläuterungen zur Tarifnummer 0203.2991 (sowie
0203.1991) halten Folgendes fest:
«Schweinscarrés im Sinne dieser Nummern bestehen aus dem Hals, dem
Kotelettstück, dem Nierstück, dem Filet und, je nach Zerteilung des Tier-
körpers, der Huft. Als Teile von Carrés gelten der Hals, das Kotelettstück,
das Nierstück und das Filet. Separat eingeführte Huftstücke sind als "an-
deres" einzureihen».
3.4 Im Urteil A-5865/2017 vom 11. Juli 2019 befasste sich das Bundesver-
waltungsgericht mit drei Einfuhren von Schweinefleisch mit der Bezeich-
nung «Tiras de entrecostos Emb. Cong. **E**», die bei der portugiesischen
Herstellerin «D._» bestellt und am 16. Februar 2016, am 7./8. März
2016 und am 10. Mai 2016 in die Schweiz eingeführt worden waren. Die
Einfuhren waren gemäss den Tarifnummern 0203.2199 (Lebende Tiere
und Waren tierischen Ursprungs; Fleisch und geniessbare Schlachtneben-
produkte, Fleisch von Tieren der Schweinegattung, gefroren, in ganzen
oder halben Tierkörpern; Sendung vom 16. Februar 2016) bzw. 0203.2999
(Sendungen vom 7./8. März 2016 und vom 10. Mai 2016) veranlagt wor-
den. Mit Bezug auf die Einfuhr vom 7. /8.März 2016 hatte die OZD nach-
träglich ein Gutachten beim BLW eingeholt, welches zum Ergebnis kam,
dass das fragliche Produkt Teil des «Carrés» sei (Urteil des BVGer
A-5865/2017 vom 11. Juli 2019, Sachverhalt Bst. B und C). Daraufhin wur-
den Einfuhrabgaben für die drei Einfuhrsendungen nachgefordert mit der
Begründung, die Waren hätten richtigerweise nach der Tarifnummer
0203.2991 veranlagt werden müssen (Urteil des BVGer A-5865/2017 vom
11. Juli 2019, Sachverhalt Bst. D). Mit Bezug auf die Einfuhr vom 7./8. März
2016 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht die Nachforderung (vgl. Ur-
teil des BVGer A-5865/2017 vom 11. Juli 2019 E. 6.1). Mit Bezug auf die
Einfuhren vom 16. Februar 2016 und dem 10. Mai 2016 stellte das Gericht
hingegen fest, dass es der OZD nicht gelungen ist, nachzuweisen, dass
die fraglichen Einfuhren gemäss der Tarifnummer 0203.2991 hätten veran-
lagt werden müssen. Eine zu den Akten gereichte Bestätigung der Zoll-
kreisdirektion Genf vom 12. Dezember 2017 hatte ergeben, dass zwischen
dem 22. Dezember 2016 und dem 12. Dezember 2017 insgesamt 12 Ein-
fuhren des fraglichen Schweinefleischs der Herstellerin D._ (durch
A-6217/2020
Seite 14
anderer Wirtschaftsteilnehmende) erfolgt waren. Sämtliche Einfuhren wa-
ren nach der Tarifnummer 0203.2999 veranlagt worden. Von diesen 12 Ein-
fuhren waren zwei einer Beschau unterzogen worden, wobei jeweils ein
Muster entnommen wurde. Die Tarifnummer 0203.2999 wurde beide Male
bestätigt. Damit misslang der OZD der Nachweis, dass die mit den Sen-
dungen vom 16. Februar 2016 und dem 10. Mai 2016 eingeführten Waren
Teil des «Carrés» waren bzw. gemäss der Tarifnummer 0203.2991 hätten
veranlagt werden müssen (Urteil des BVGer A-5865/2017 vom 11. Juli
2019 E. 6.2 und 6.3). In Bezug auf die Nachforderungen für die Sendungen
vom 16. Februar 2016 und dem 10. Mai 2016 wurde die Beschwerde dem-
nach gutgeheissen.
4.
4.1 Wer sich oder einem anderen einen unrechtmässigen Zoll- oder Ein-
fuhrmehrwertsteuervorteil verschafft, insbesondere indem er bei der Ein-
fuhr Waren vorsätzlich oder fahrlässig nicht oder unrichtig anmeldet,
begeht eine Widerhandlung gegen die Zoll- bzw. Mehrwertsteuergesetzge-
bung (Zoll- bzw. Mehrwertsteuerhinterziehung; vgl. Art. 118 ZG, Art. 96
Abs. 4 MWSTG).
Sowohl die Zoll- als auch die Mehrwertsteuergesetzgebung gehören zur
Verwaltungsgesetzgebung des Bundes (statt vieler: Urteile des BVGer
A-5996/2017 vom 5. September 2018 E. 2.5.1; A-7503/2016 vom 16. Ja-
nuar 2018 E. 8.1).
4.2 Gemäss Art. 12 Abs. 1 Bst. a des Bundesgesetzes vom 22. März 1974
über das Verwaltungsstrafrecht (VStrR, SR 313.0) sind Abgaben nachzu-
entrichten, wenn sie infolge einer Widerhandlung gegen die Verwaltungs-
gesetzgebung des Bundes zu Unrecht nicht erhoben worden sind. Dies gilt
«ohne Rücksicht auf die Strafbarkeit einer bestimmten Person» (Art. 12
Abs. 1 VStrR). Zu den gestützt auf Art. 12 Abs. 2 VStrR Nachleistungs-
pflichtigen gehört nach dem Gesetzeswortlaut «insbesondere der zur Zah-
lung der Abgabe Verpflichtete», d.h. für die Zollabgaben jene Personen,
welche dem Kreis der Zollschuldnerinnen und Zollschuldner gemäss
Art. 70 ZG entsprechen.
5.
Im vorliegenden Fall ist zu klären, ob die Vorinstanz zu Recht Einfuhrabga-
ben für die 31 zwischen dem 20. März 2015 und dem 19. September 2016
eingeführten Sendungen «Schweinebauchfleisch, gefroren» (Sachverhalt
Bst. B.a) nacherhoben hat. Gemäss der Vorinstanz handelt es sich beim
A-6217/2020
Seite 15
streitbetroffenen Produkt um Rippen vom Rücken des Schweins, welche
Teil des «Carrés» und gemäss der Tarifnummer 0203.2991 zu verzollen
sind. Die Veranlagung gemäss der Tarifnummer 0203.2999 sei zu Unrecht
erfolgt. Dies stelle eine Zollhinterziehung gemäss Art. 118 Abs. 1 Bst. a ZG
dar. Die in Folge dieser Widerhandlung gegen die Zollgesetzgebung zu
Unrecht nicht erhobenen Abgaben seien unabhängig eines Verschuldens
nachzuentrichten (Art. 12 VStrR).
5.1 Strittig und vorliegend zu klären ist, ob es sich bei den streitbetroffenen
Waren um Rippen vom Rücken bzw. vom «Carré» des Schweins oder aber
um Rippen vom Bauch- oder Brustbereich des Schweins handelt. Es geht
mit anderen Worten um eine Sachfrage. Zu Recht unbestritten ist, dass die
Qualifizierung der Waren als Rippen vom Rücken bzw. als Teil des
«Carrés» des Schweins die Einreihung in die Tarifnummer 0203.2991 zur
Folge hätte (vgl. E. 3.3; vgl. auch Urteil des BVGer A-3167/2019 vom
3. Dezember 2021 E. 8.4).
Das Bundesverwaltungsgericht hat diese Sachfrage gestützt auf die freie
Beweiswürdigung zu entscheiden (vgl. E. 1.8.2). Anwendbar ist das Regel-
beweismass: Demnach muss das Gericht nach objektiven Gesichtspunk-
ten von der Richtigkeit der Sachbehauptung überzeugt sein (vgl. E. 1.8.3).
Gelangt das Gericht nicht zu diesem Ergebnis, kommen die Beweislastre-
geln nach Art. 8 ZGB zur Anwendung. Bei der geltend gemachten Zugehö-
rigkeit der streitbetroffenen Fleischstücke zum «Carré» bzw. der daraus re-
sultierenden Einreihung der Fleischstücke handelt es sich um eine abga-
benerhöhende Tatsache. Damit trägt die Vorinstanz in diesem Fall die Be-
weislast (vgl. E. 1.8.4). Dies hat die Vorinstanz im Beschwerdeentscheid
vom 2. November 2020 zu Recht so festgehalten (Beschwerdeentscheid,
E. 4.2).
5.2 Gemäss der Vorinstanz handelt es sich bei sämtlichen streitbetroffenen
Einfuhren um «Kotelett-Rippen» bzw. um Rippen vom Rücken des
Schweins und somit um Teile des «Carrés». Bei sämtlichen streitbetroffe-
nen Einfuhren (sowie bei der nicht streitbetroffenen «Auslösersendung»
vom 19. September 2016) sei dasselbe Produkt, nämlich «Tiras de ent-
recosto» eingeführt worden. Die Einfuhren würden, so die Vorinstanz wei-
ter, unter sich und mit Bezug auf die Auslösersendung eine identische Lie-
ferkette aufweisen. Es handle sich um Lieferungen von derselben Herstel-
lerin (die D._ SA [nachfolgend: D._ oder Herstellerin]) über
dieselbe Händlerin (die Lieferantin C._) an dieselbe Kundin (die Im-
porteurin B._ GmbH). In den Einfuhrrechnungen seien die Produkte
A-6217/2020
Seite 16
auch durchgehend gleich bezeichnet worden: Nämlich als «Tiras de ent-
recosto c/Etiqueta (...)», wobei ab 2016 der Begriff «congelado», also «ge-
froren» ergänzt worden sei. Die Produkte seien auf den Einfuhrrechnungen
auch mit derselben Artikelreferenz, dem Kürzel «(...)», identifiziert worden.
Der auf den Einfuhrrechnungen ausgewiesene Kilopreis zeige über den
gesamten Zeitraum eine natürliche Preisschwankung von viereinhalb Euro
hinunter auf vier Euro und wieder hinauf auf ungefähr viereinhalb Euro pro
Kilogramm. Es zeige sich somit ein Bild von regelmässigen Einfuhren eines
Produkts über einen zusammenhängenden Zeitraum von derselben Her-
stellerin an dieselbe Kundin unter identischer Bezeichnung und Artikelrefe-
renz sowie in gleichbleibender Preisklasse. Für die Auslösersendung vom
19. September 2016 sei die Tarifnummer des strittigen Produkts unter Bei-
ziehung eines Fleischexperten des BLW ermittelt worden. Die basierend
auf dem Tarifgutachten vom 7. Oktober 2016 erfolgte Veranlagung der Aus-
lösersendung «Tiras de entrecosto» nach der Tarifnummer 0203.2991 sei
rechtskräftig. Auch die Bezeichnungen des Produkts und die Artikelrefe-
renz im Produktekatalog der Herstellerin sowie der Kilopreis sprächen für
die Richtigkeit des Tarifgutachtens und die Identität der betroffenen Pro-
dukte. Unter Würdigung der Gesamtumstände sei die Beschaffenheit der
streitbetroffenen Einfuhren als Rippen vom Rücken des Schweins und da-
mit als Teil des «Carrés» als erwiesen zu erachten (Beschwerdeentscheid,
E. 4.3 - 4.6).
5.3
5.3.1 Gemäss der Beschwerdeführerin handelt es sich bei sämtlichen Ein-
fuhren (so auch bei der Auslösersendung vom 19. September 2016) um
Schweinefleisch von den Rippen im Brust- und Bauchbereich. Die Veran-
lagung der Auslösersendung gemäss der Tarifnummer 0203.2991 sei zwar
von ihr nicht angefochten worden, dies ändere aber nichts an der «materi-
ellen Unrichtigkeit» der Veranlagung (Beschwerde, Rn. 41). Die streitbe-
troffenen Einfuhren seien allesamt nach der Tarifnummer 0203.2999 zu
veranlagen.
Die Beschwerdeführerin erläutert mittels verschiedener bildlicher Darstel-
lungen, dass es sich bei den «Tiras de entrecosto» eindeutig um «Spare
Ribs» aus dem Brust- bzw. Bauchbereich des Schweins handle. Dies
ergäbe sich auch aus einer verbindlichen Zollauskunft der OZD vom
10. Dezember 2019 betreffend das Produkt «D._ – Entrecosto da
Barriga as Tiras Emb. Cong.». Die beiden Produkte würden sich nämlich
«nur sehr minim (leicht andere Stelle der Herkunft, leicht anderer Schnitt)»
unterscheiden (Beschwerde, Rn. 100).
A-6217/2020
Seite 17
Überdies habe die Zollbehörde die Tarifierung des streitgegenständlichen
Fleisches bzw. den Zollansatz von Fr. 329.– pro Kilo (recte: je 100 kg
brutto) mit der Beschau vom Mai 2016 ausdrücklich bestätigt (Beschwerde,
Rn. 116).
Sodann führt die Beschwerdeführerin aus, es könne nicht sein, dass der
Zolltarif doppelt so hoch sei wie der Endpreis des Produkts. Den Rechnun-
gen der Importeurin sei nämlich zu entnehmen, dass die streitgegenständ-
lichen Fleischstücke für einen Betrag von rund Fr. 12.– pro Kilogramm ver-
kauft worden seien. Bei einer Veranlagung gemäss der Tarifnummer
Nr. 0203.2991 würde ein Zollbetrag von Fr. 23.04 pro kg resultieren. Dies
würde – so die Beschwerdeführerin – zu einem absurden Resultat führen
und ein faktisches Einfuhrverbot bedeuten.
5.3.2 Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reicht die Beschwerdeführerin
diverse schriftliche Bestätigungen von Vertretern der Herstellerin, der Lie-
ferantin und der Importeurin zu den Akten. Gemäss diesen Bestätigungen
stammen die Produkte «Tiras de entrecosto» und «Entrecosto as tiras»
von leicht unterschiedlichen Stellen aus dem Brust- und Bauchbereich des
Schweins und werden auf Portugiesisch beide gewöhnlich als «Costela»
oder «Costela porco» bezeichnet.
Weiter reicht die Beschwerdeführerin 1'635 Rechnungen der Importeurin
aus den Jahren 2015 und 2016 (Zeitraum vom 23. Februar 2015 bis
15. September 2016) zu den Akten. Auf diesen sind jeweils Waren mit der
Bezeichnung «Costela porco» bzw. im Jahr 2016 auch mit den Bezeich-
nungen «Costela Porco – Schweinebauchfleisch mit Knochen» oder
«Costela Porco Kg – Schweinebauchfleisch mit Knochen kg» oder
«Costela Porco Kg – Schweinebauchfleisch mit Knochen Kg:08/06/17»
aufgeführt. Teilweise figuriert auch der Zusatz «Côtes levées du ventre du
porc» oder «Schweinerippen Streifen». Gemäss der Beschwerdeführerin
beziehen sich die Rechnungen auf die streitgegenständlichen «Tiras de
entrecosto», welche von der Importeurin an Kunden weiterverkauft worden
seien. Unter Berücksichtigung eines Vorrats in den Kühlräumen des Wa-
renlagers der Importeurin sei eine ungefähre Zuordnung der jeweils einge-
führten und verkauften Mengen möglich (Beschwerde, Rn. 90). Sie reicht
dazu eine mit «Extrato de 2932005 – MCF Entrecosto Barriga Tiras Kg
(Fev 2015_31 Dez 2016)» überschriebene Tabelle zu den Akten. Auf dieser
werden die «eingegangenen» streitbetroffenen Einfuhren den «ausgegan-
genen» Verkäufen gemäss Einkaufsrechnungen gegenübergesetzt. Es re-
sultieren gemäss Tabelle über den Zeitraum vom 23. Februar 2015 bis zum
A-6217/2020
Seite 18
15. September 2016 Eingänge von insgesamt 37’928.8 kg und Ausgänge
von 36'199.76 kg; d.h. ein Überschuss von 1'729.24 kg.
In diesem Zusammenhang reicht die Beschwerdeführerin weiter zwei iden-
tisch formulierte und auf den 7. Dezember 2020 datierte Bestätigungen von
angeblichen Kunden der Importeurin zu den Akten. Darin wird bestätigt,
dass von der Importeurin Schweinebauchfleisch («Spare-Ribs») bezogen
worden sei. Bei «Costelas» handle es sich nicht um «Koteletten aus dem
Rückenbereich» oder «Karrée». Diese hätten sie (die Kunden) von der Im-
porteurin nie bezogen und sie seien auch nicht angeboten worden.
6.
Wie die Vorinstanz zutreffend darlegt, befindet sich die streitbetroffene
Ware nicht mehr unter Zollkontrolle. Deren Beschaffenheit muss also nach-
träglich ermittelt werden.
6.1 Die Verfahrensparteien gehen einig, dass es sich bei den streitbetroffe-
nen Fleischstücken durchgehend um «Tiras de entrecosto» der Herstelle-
rin D._ handelt. Die Bezeichnung des Produkts ist jedoch für sich
genommen nicht geeignet, Aufschluss über die Beschaffenheit der streit-
betroffenen Ware als Rippen vom Rücken oder aber vom Brust- bzw.
Bauchbereich des Schweins zu geben. Zum einen kommt der Bezeichnung
der Ware durch die Herstellerin vorliegend lediglich hinweisende, nicht
aber ausschlaggebende Bedeutung zu (vgl. E. 3.2). Zum anderen führt die
Bezeichnung in Bezug auf die zu beurteilende Sachfrage zu keinem ein-
deutigen Resultat:
Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, sind der portugiesische Ausdruck
«tiras» zu Deutsch mit «Streifen» und der Ausdruck «entrecosto» mit «Rip-
penstück» zu übersetzen (vgl. Langenscheidt Online-Wörterbuch,
https:de.langenscheidt.com; konsultiert am 21. Dezember 2022). Rippen-
stücke, auch bezeichnet als «Spare ribs», können jedoch grundsätzlich so-
wohl aus dem Bereich des Rückens wie auch aus dem Brust- bzw. Bauch-
bereich des Schweins stammen (vgl. Urteil des BVGer A-3167/2019 vom
3. Dezember 2021 E. 8.4; vgl. auch die Publikation «Special Cuts – das
Einmaleins der unbekannten Schnitte» der S. 64 – 65 der Branchenorga-
nisation Proviande der Schweizer Fleischwirtschaft, abrufbar über
www.proviande.ch). Ob es sich bei den «Tiras de entrecosto» der Herstel-
lerin D._ um Rippen vom Rücken oder aber vom Bauch- bzw. Brust-
bereich des Schweins handelt, geht aus der Bezeichnung somit nicht her-
vor.
A-6217/2020
Seite 19
Die Verfahrensparteien äussern sich mehrfach und ausführlich zu den
Übersetzungen der Bezeichnung «Tiras de entrecosto» im Produktekata-
log der Herstellerin, auf der Produkteetikette sowie in den Produktekatalo-
gen anderer Hersteller (E._, F._). Im Produktekatalog der
Herstellerin D._ sind die «Tiras de entrecosto» mit «Grand travers
de porc» (Französisch) bzw. mit «pork loin ribs» (Englisch) übersetzt (vgl.
Akten der Vorinstanz [act.] 31b). Auf der Produkteetikette des Produkts
«Tiras de entrecosto» findet sich auch die französische Bezeichnung
«Côtes levées du porc» (vgl. Beschwerdeentscheid E. 4.4; vgl. Tarifgut-
achten vom 7. Oktober 2016 inkl. Foto, act. 5). Im Produktekatalog der Her-
stellerin F._ werden «Tiras de entrecosto» mit «loin ribs» (Englisch)
bzw. «bandes de travers» (Französisch) und «tiras de costillas» (Spanisch)
übersetzt und mittels einer Abbildung dem Rückenbereich des Schweins
zugeordnet (vgl. Duplik der Vorinstanz vom 19. Mai 2021 E. 1.8; Katalog
abgerufen am 21. Dezember 2022 über [...]). Im Produktekatalog der Her-
stellerin E._ werden «tiras de entrecosto» auf Englisch mit «loin
ribs», auf Französisch mit «Tranches de poitrine» und auf Deutsch mit
«Rippensteak in Scheiben» übersetzt (Katalog abgerufen am 21. Dezem-
ber 2022 über [...]). Daraus lässt sich kein einheitliches Bild erkennen. Wie
den von der Beschwerdeführerin zu den Akten gereichten Abbildungen zu
entnehmen ist, legt die Verwendung des Wortes «loin» im Englischen zwar
nahe, dass es sich beim fraglichen Produkt um Rippen aus dem Rücken-
bereich handelt (vgl. Beschwerde, Abbildungen zu Rn. 63 und 64; vgl. Ab-
bildung 1b auf S. 44 der Publikation «Die Benennung der Fleischstücke
und ihre Verwendung» des Schweizer Fleischfachverbands SFF, Septem-
ber 2019 [Beilage zur Quintuplik der Beschwerdeführerin vom 13. August
2021]). Die französischen Ausdrücke «Grand travers de porc» bzw. «Côtes
levées du porc» scheinen hingegen neutral zu sein im Hinblick auf die
Frage, ob es sich um Rippen aus dem Rücken- oder dem Brustbereich
handelt. Zumindest führt auch die Vorinstanz nichts Gegenteiliges ins Feld.
Da es sich bei Rippen vom Rücken des Schweins unbestrittenermassen
um wertvollere Fleischstücke handelt, ist nicht nachvollziehbar, weshalb
der Hinweis auf den Rücken des Schweins bei D._ zwar in der eng-
lischen Übersetzung, nicht aber in den französischen oder portugiesischen
Bezeichnungen wiedergegeben ist. Die französische Übersetzung «Tran-
ches de poitrine» der Herstellerin E._ legt wiederum nahe, dass es
sich um Rippen aus dem Brust- bzw. Bauchbereich handelt. Aus den Über-
setzungen des Begriffs lassen sich zumindest keine eindeutigen Schlüsse
ziehen. Es erübrigt sich damit, näher auf die Ausführungen der Beschwer-
deführerin einzugehen, wonach die Übersetzungen auf der Produkteseite
A-6217/2020
Seite 20
der Herstellerin D._ ohne spezifische Fachkenntnisse unter Ver-
wendung von Google Translator erfolgt seien.
6.2 Als nächstes ist auf die von der Beschwerdeführerin zu den Akten ge-
reichte Tarifauskunft vom 9. Januar 2017 einzugehen. Diese betrifft unbe-
strittenermassen ein Produkt mit der Bezeichnung «D._ - Ent-
recosto da Barriga as Tiras Emb. Cong.» und somit nicht das streitbetroffe-
nen Produkt. Die Beschwerdeführerin kann daher nichts zu ihren Gunsten
daraus ableiten (vgl. Urteil des BVGer A-4178/2016 vom 28. September
2017 E. 6.1.2 für einen vergleichbaren Sachverhalt). Überdies sind die
Ausführungen der Beschwerdeführerin, wonach sich die Produkte «Tiras
de entrecosto» und «Entrecosto as tiras» nur minim, nämlich mit Bezug auf
die leicht andere Stelle der Herkunft und Schnittbreite unterscheiden wür-
den, nicht zielführend. Vorliegend geht es um die Frage der exakten Be-
schaffenheit der fraglichen Fleischstücke bzw. der Abgrenzung zwischen
Rippen vom Rücken des Schweins und Rippen, die vielmehr dem Brust-
und Bauchbereich des Schweins zuzuordnen sind. Eine leicht andere
Stelle der Herkunft oder Schnittbreite eines Fleischstücks ist grundsätzlich
durchaus geeignet, einen entscheidenden Einfluss auf diese Frage zu ha-
ben.
6.3 In den zu den Akten gereichten Rechnungen der Importeurin an Kun-
dinnen und Kunden in der Schweiz wird das verkaufte Produkt am häufigs-
ten als «Costela porco» bezeichnet. Der portugiesische Ausdruck
«Costela» ist auf Deutsch mit «Rippe» zu übersetzen, «porco» mit Schwein
bzw. Schweinefleisch (vgl. Langenscheidt Online-Wörterbuch,
https:de.langenscheidt.com; konsultiert am 21. Dezember 2022). Damit
geht auch aus diesen Rechnungen nicht eindeutig hervor, ob es sich um
Rippen aus dem Brust- und Bauchbereich oder aber aus dem Rückenbe-
reich handelte. Überdies legt die Beschwerdeführerin selbst dar, dass auch
das Produkt «Entrecosto as tiras» mit «Costela» oder «Costela porco» be-
zeichnet werde. Ob und in welchem Umfang die Beschwerdeführerin im
gleichen Zeitraum auch das Produkt «Entrecosto as tiras» der gleichen
Herstellerin eingeführt hat, entzieht sich der Kenntnis des Gerichts. In der
oben erwähnten Tarifauskunft vom 9. Januar 2017 wird letzteres Produkt
als «Entrecosto da Barriga AS Tiras Emb. Cong.» bezeichnet. Die Bezeich-
nung der zu den Akten gereichten Tabelle (Beilage Nr. 23 zur Beschwerde,
«Extrato de 2932005 – (...) Entrecosto Barriga Tiras Kg [Fev 2015_31 Dez
2016]») lässt angesichts der Ähnlichkeit der Bezeichnungen eher darauf
schliessen, dass es sich um eine Aufstellung der Einfuhren bzw. Verkaufs-
A-6217/2020
Seite 21
rechnungen für jenes Produkt handelt. Jedenfalls lässt sich trotz der men-
genmässigen Gegenüberstellung der eingeführten und der verkauften Wa-
ren nicht mit Sicherheit feststellen, ob es sich bei den verrechneten Waren
tatsächlich um die streitbetroffenen «Tiras de entrecosto» handelt. Es wäre
zumindest denkbar, dass es sich dabei um andere Produkte handelt. Damit
misslingt eine eindeutige Zuordnung der streitbetroffenen Einfuhren.
6.4 Auch auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin zum Preis der wei-
terverkauften Waren muss nicht weiter eingegangen werden. Zum einen
kommt dem Verkaufspreis lediglich hinweisende, nicht aber ausschlagge-
bende Bedeutung zu (vgl. E. 3.2). Zum anderen steht vorliegend wie dar-
gelegt nicht fest, dass sich die eingereichten Rechnungen tatsächlich auf
das streitbetroffene Produkt beziehen bzw. dieses tatsächlich zu diesem
Preis weiterverkauft wurde (vgl. E. 6.3).
6.5 Die schriftlichen Bestätigungen von Vertretern der Herstellerin, der Lie-
ferantin und der Importeurin sowie deren Kunden bestätigen im Wesentli-
chen den Standpunkt der Beschwerdeführerin, wonach es sich beim streit-
betroffenen Produkt um Rippen aus dem Brust- bzw. Bauchbereich des
Schweines handle. Es handelt sich jedoch um Beweismittel, die erst Jahre
nach den fraglichen Einfuhren entstanden sind und denen daher nur ein
stark eingeschränkter Beweiswert zukommt (vgl. E. 1.8.5). Der Beweiswert
der Bestätigungen wird weiter dadurch gemindert, dass es sich bei der Im-
porteurin um eine Geschäftspartnerin der Beschwerdeführerin und bei der
Herstellerin und der Lieferantin um Geschäftspartnerinnen der Importeurin
handelt (vgl. für einen vergleichbaren Sachverhalt Urteil des BVGer
A-5216/2014 vom 13. April 2015 E. 3.3.3). Nicht anders verhalten würde
es sich mit mündlichen Aussagen dieser Vertreter. Soweit den Bestätigun-
gen vorliegend überhaupt Beweiswert zukommt, kann ohne weiteres auf
die schriftlichen Bestätigungen abgestellt werden. Auf die von der Be-
schwerdeführerin beantragte Einvernahme der besagten Vertreter bzw.
Kunden als Zeugen kann demnach in antizipierter Beweiswürdigung ver-
zichtet werden (vgl. E. 1.8.2 in fine).
6.6 Damit verbleiben folgende Beweismittel gemäss den Verfahrensakten:
Zum einen der Zollbefund zur Beschau der streitgegenständlichen Einfuhr
vom 2. Mai 2016 (Nr. (...), 2. Mai 2016, Position 2; act. 1v); zum anderen
der Zollbefund zur Beschau der Auslösersendung vom 19. September
2016 (act. 3a) sowie das gestützt darauf eingeholte Tarifgutachten vom
7. Oktober 2016 (act. 5).
6.6.1 Vorausschickend ist festzuhalten, dass sich die Beschau vom 2. Mai
2016 sowie der diesbezügliche Zollbefund aus den Akten der Vorinstanz
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ergeben (vgl. act. 1v). Auf die von der Beschwerdeführerin beantragte Be-
fragung ihres Betriebsleiters, von verschiedenen Angestellten der Abneh-
merin sowie von Vertretern der Zollbehörde Thayngen zu diesem Sachver-
halt kann daher in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden (vgl.
E. 1.8.2 in fine). Es ist nicht ersichtlich, welche neuen relevanten Erkennt-
nisse sich aus den beantragten Befragungen ergeben könnten. Zudem ist
der Vorinstanz Recht zu geben, dass sich eine Befragung des an der Be-
schau beteiligten Mitarbeiters der Zollbehörde nur schon wegen des Zeit-
verlaufs wohl als wenig aussagekräftig erweisen würde.
6.6.2 Sodann ist festzuhalten, dass die erwähnten Beweismittel in einem
offensichtlichen Widerspruch zu einander stehen. Während im Zollbefund
vom 2. Mai 2016 festgehalten wird, das beschaute Fleischstück sei «kein
Carré Stück» (act. 1v), ist dem Zollbefund betreffend die Auslösersendung
vom 19. September 2016 zu entnehmen, es handle sich um «Kotelett-Rip-
pen» (act. 3a). Anschliessend wurde nach einer eingehenden Begutach-
tung durch einen Spezialisten des BLW im Tarifgutachten vom 7. Oktober
2016 festgestellt, es handle sich beim untersuchten Fleischstück «eindeu-
tig» um einen Teil des Carrés (act. 5).
Der Zollbefund vom 2. Mai 2016 lautet soweit hier interessierend wie folgt:
«Position: 2, 0203.2999, Schweinebauchfleisch, gefroren (i.O.)
Total 2 Paletten beschaut, 1 Palette mit 9 Lagen à 8 Transportkartons,
1 Transportkartons [sic] geöffnet, 13 Vakuumierte, transparente Kunst-
stoffverpackungen enthaltend, 1 Fleischstück beschaut, gemäss Verpa-
ckungsaufschrift 845 g
"Tiras Entecosto [sic] Emb. Cong" Schweinebauch
Ca 30-40 cm langes Fleischstück vom Bauch des Schweines (Rippen),
nicht weitergehend zubereitet, tiefgefroren. Kein Carré Stück. Mindes-
tens haltbar bis zum 13.04.2016. Lots C10119130416.
In Aufmachung für den Einzelverkauf. Zur menschlichen Ernährung.
TN: 0203.2999.»
Dem Zollbefund vom 19. September 2016 ist mit Bezug auf die Position 9
hingegen soweit hier interessierend Folgendes zu entnehmen:
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«Position: 9, 0203.2999, Schweinebauchfleisch, gefroren (nicht i.O.)
1 Karton geöffnet und Beschaut:
Entremeada as Trias Saco congelado
schmal geschnittene, tiefgefrorene Kotelette-Rippen in Plastikfolie zu
ca. 500g eingeschweisst für die menschliche Ernährung geeignet.
Angaben gem. Verpackungsaufschrift: D._, Tiras Entrecosto
Emb. cong. «E»
Lot: C1650 180 80916
236ct ca a 10 kg netto hochgerechnet
Keine Hinweise betreffend Ursprung festgestellt.
2 EVA als Muster entnommen, an OZD SCT zur tarifarischen Bestim-
mung geschickt».
6.6.3 Bezugnehmend auf den Zollbefund vom 2. Mai 2016 bzw. die darauf
gestützte Veranlagung nach der Tarifnummer 0203.2999 führt die
Vorinstanz in der Vernehmlassung aus, die Beschwerdeführerin könne sich
nicht auf den Vertrauensschutz berufen, da eine anmeldepflichtige Person
keine Rechte daraus ableiten könne, wenn die Zollstelle einen vorhande-
nen Mangel nicht festgestellt habe (Vernehmlassung, E. 6; mit Verweis auf
Beschwerdeentscheid, E. 6). Auch habe die zollrechtliche Veranlagungs-
verfügung eine konkrete, augenblickliche Fallkonstellation im Auge und es
liessen sich daraus keine rechtsverbindlichen Schlüsse auf künftige Veran-
lagungen ziehen. Den Ausführungen der Vorinstanz zum Vertrauensschutz
bzw. zum Grundsatz von Treu und Glauben ist nichts entgegenzusetzen
(vgl. E. 2.3). Die Vorinstanz verkennt jedoch, dass es vorliegend nicht (nur)
um eine Frage des Vertrauensschutzes geht, sondern vielmehr um die
Frage, ob es sich bei den streitbetroffenen Einfuhren tatsächlich um Rippen
vom Rücken des Schweins handelt. Mit anderen Worten geht es um die
vorgelagerte Frage, ob die 31 streitgegenständlichen Einfuhren überhaupt
nach einer unzutreffenden Tarifnummer veranlagt wurden. In diesem Zu-
sammenhang ist der Zollbefund vom 2. Mai 2016 durchaus geeignet, Zwei-
fel an der Beschaffenheit der Waren der streitbetroffenen Sendungen zu
begründen:
Einerseits fallen beim Vergleich der Zollbefunde des – gemäss der
Vorinstanz identischen – Produkts gewisse Unterschiede in der Beschrei-
bung auf. Die Zollstelle Thayngen legte im Zollbefund vom 2. Mai 2016 dar,
es handle sich um ein «30-40 cm langes Fleischstück vom Bauch des
Schweines (Rippen)» und um «kein Carré», während im Zollbefund vom
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19. September 2016 lediglich von «schmal geschnittenen (...) Kotelette-
Rippen» die Rede ist. Auch das Gewicht der untersuchten Produkte unter-
scheidet sich merklich: Das am 2. Mai 2016 beschaute Fleischstück wog
gemäss Verpackungsaufschrift 845 g, während die beiden am 19. Septem-
ber 2016 entnommenen Muster ein beinahe identisches Gewicht aufwie-
sen (575 g bzw. 585 g; vgl. act. 5). Für das Bundesverwaltungsgericht steht
somit nicht ohne weiteres fest, dass es sich tatsächlich um nämliche Pro-
dukte handelt.
6.6.4 Überdies handelt es sich bei dieser Diskrepanz der Zollbefunde mit
Bezug auf das Produkt «Tiras de entrecosto» um keinen Einzelfall:
Das Bundesverwaltungsgericht hatte bereits einmal die Gelegenheit, sich
mit Einfuhren des Produkts «Tiras de entrecosto» der Herstellerin
D._ im gleichen Zeitraum (Frühjahr 2016) auseinanderzusetzen
(vgl. das Urteil des BVGer A-5865/2017 vom 11. Juli 2019; siehe oben
E. 3.4). In jenem Fall stand ein Tarifgutachten, welches in Bezug auf eine
der streitbetroffenen Sendungen eingeholt worden war, im Widerspruch zu
zwei Zollbefunden in anderen Verfahren. Wiederum hatte das Tarifgutach-
ten ergeben, die «Tiras de entrecosto» seien Teil des «Carrés» und der
Tarifnummer 0203.2991 zuzuordnen, während im Rahmen der materiellen
Kontrollen bestätigt worden war, dass es sich eben nicht um Teile des
«Carrés» handle und somit die Einordnung in die Tarifnummer 0203.2999
korrekt sei (vgl. Urteil des BVGer A-5865/2017 vom 11. Juli 2019 Sachver-
halt Bst. E sowie E. 6.2). Dies führte letztlich zur Gutheissung der Be-
schwerde betreffend jene Einfuhren, auf welche sich das Tarifgutachten
nicht unmittelbar bezogen hatte (Urteil des BVGer A-5865/2017 vom
11. Juli 2019 E. 6.2 und 6.3).
6.6.5 Vor diesem Hintergrund gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass alleine gestützt auf das Tarifgutachten vom 7. Oktober
2016 – welches sich auf die nicht streitbetroffene Auslösersendung vom
19. September 2016 bezieht – nicht mit hinreichender Sicherheit festge-
stellt werden kann, dass es sich bei sämtlichen streitgegenständlichen Ein-
fuhren tatsächlich um Rippen vom Rücken des Schweins handelt. Für den
vollen (strikten) Beweis wird ein so hoher Grad der Wahrscheinlichkeit ver-
langt, dass vernünftigerweise mit der Möglichkeit des Gegenteils nicht
mehr zu rechnen ist (vgl. E. 1.8.3). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Insbe-
sondere kann angesichts der sich widersprechenden Befunde und der un-
terschiedlichen Beschreibungen in den Zollbefunden nicht mit hinreichen-
der Sicherheit ausgeschlossen werden, dass sich die fraglichen Einfuhren
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trotz einheitlicher Bezeichnungen, Preise und Lieferketten in ihrer Beschaf-
fenheit unterscheiden. Nur am Rande sei bemerkt, dass vorliegend auch
eine Verwechslung von Produkten nicht gänzlich ausgeschlossen werden
kann, verweist der Zollbefund vom 19. September 2016 doch auf einen be-
schauten Karton mit einer abweichenden Produktebezeichnung («Entre-
meada as Trias Saco congelado» [sic], vgl. oben E. 6.6.2).
6.6.6 Unter diesen Umständen erübrigt sich auch die von der Beschwerde-
führerin beantragte Einholung eines gerichtlich angeordneten Gutachtens
zur Frage, ob es sich beim Produkt «Tiras de entrecosto» um Fleisch aus
dem Brust- bzw. Bauchbereich des Schweins handelt. Ein solches Gutach-
ten wäre nämlich nicht geeignet, in entscheidendem Masse zur Klärung
der vorliegend strittigen Sachfrage beizutragen. Den Angaben der Vor-
instanz ist zu entnehmen, dass zumindest eines der zwei der Auslösersen-
dung vom 19. September 2016 entnommenen Muster nach wie vor vor-
handen ist. Ob dieses Muster in seiner Beschaffenheit jedoch tatsächlich
mit den streitbetroffenen Einfuhren übereinstimmt, kann, wie ausgeführt,
nicht mit hinreichender Gewissheit beantwortet werden. Damit könnte auch
ein richterlich in Auftrag gegebenes Gutachten die Frage, ob es sich bei
den streitbetroffenen Einfuhren um Rippen vom Rücken des Schweins
handelt, nicht abschliessend beantworten. Gleiches gälte für ein Gutachten
unter Beizug eines neuen, noch einzuholenden Musters. Unter diesen Um-
ständen kann auf das beantragte Gutachten in antizipierter Beweiswürdi-
gung verzichtet werden (vgl. E. 1.8.2 in fine).
6.7 Zusammenfassend gelangt das Bundesverwaltungsgericht vorliegend
gestützt auf die freie Beweiswürdigung nicht zur Überzeugung, dass es
sich bei sämtlichen streitbetroffenen Einfuhren um Rippen vom Rücken des
Schweins handelt. Da es sich dabei um eine steuererhöhende Tatsache
handelt, hat die Vorinstanz die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (vgl.
E. 1.8.4). Demgemäss ist die Beschwerde gutzuheissen.
7.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit darauf ein-
zutreten ist (vgl. E. 1.3 f.). Der Beschwerdeentscheid der Vorinstanz vom
2. November 2020 ist aufzuheben.
8.
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8.1 Der Beschwerdeführerin sind als obsiegende Partei keine Verfahrens-
kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 3 VwVG). Der einbezahlte Kostenvor-
schuss in Höhe von Fr. 12’500.– ist der Beschwerdeführerin nach Eintritt
der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückzuerstatten.
Der Vorinstanz können keine Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 63
Abs. 2 VwVG).
8.2 Die Vorinstanz hat der obsiegenden Beschwerdeführerin eine Partei-
entschädigung auszurichten (Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7
Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Parteien, die Anspruch auf Parteientschädigung erheben, haben eine de-
taillierte Kostennote einzureichen (Art. 14 Abs. 1 VGKE). Das Bundesver-
waltungsgericht legt die Parteientschädigung aufgrund der eingereichten
Kostennote oder, wenn keine Kostennote eingereicht wird, aufgrund der
Akten fest (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Das Anwaltshonorar wird nach dem not-
wendigen Zeitaufwand bemessen (Art. 10 Abs. 1 VGKE).
Vorliegend hat der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin – entgegen
seiner Ankündigung (Beschwerde, Rn. 20) – keine Kostennote eingereicht.
Die Parteientschädigung wird praxisgemäss auf Fr. 18'750.– festgesetzt.
Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.
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