Decision ID: 24412463-4fd4-525b-859c-9280e4b76d78
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Federal Tax Service (nachfolgend: FTS) der Russischen Föderation
(nachfolgend auch: Russland) richtete am [Datum 1] gestützt auf Art. 25a
des Abkommens vom 15. November 1995 zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft und der Russischen Föderation zur Vermeidung der
Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom
Vermögen (SR 0.672.966.51; DBA CH-RU) zwei Amtshilfeersuchen an die
Eidgenössische Steuerverwaltung (nachfolgend: ESTV oder Vorinstanz).
Beide Ersuchen betreffen die russische Gesellschaft X._. Als
schweizerische Steuerpflichtige (recte: Informationsinhaberinnen) sind im
ersten Ersuchen die [Bank 1] und im zweiten die [Bank 2] genannt. Die Er-
suchen dienen der Prüfung der Ertragssteuer (Corporate Income Tax) für
das Jahr 2017 bzw. die Steuerjahre 2014-2016.
A.a
A.a.a Gemäss dem ersten Ersuchen führt der FTS eine Steuerprüfung der
X._ durch. Dabei sei festgestellt worden, dass die X._ im
Jahr 2017 Dividenden von der A._ (Russland) an die Y._
(Zypern) gezahlt habe. Die Zahlungen seien in zwei Tranchen erfolgt – die
Höhe der Zahlungen sowie das Datum sind im Amtshilfeersuchen ge-
nannt –, und zwar auf ein mit der IBAN bezeichnetes Bankkonto bei der
[Bank 1]. Die Zahlungsanweisungen sind dem Amtshilfeersuchen beige-
legt. Die X._ habe – als «tax agent» handelnd – den Steuersatz von
5 % gemäss Art. 10 des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Zy-
pern und Russland (nachfolgend: DBA RU-CY) beantragt. Gemäss der Mit-
teilung von ausländisch kontrollierten Gesellschaften, welche von
B._ (Russland) den russischen Steuerbehörden eingereicht worden
sei, habe er im Jahr 2017 100 % der Y._ besessen. Gemäss einem
Brief über die Verteilung der Dividenden der Y._, welcher der
X._ gesendet worden sei, sei B._ jene Person, welche die
Dividenden der A._ tatsächlich erhalten habe.
A.a.b Aufgrund der genannten Fakten nimmt der FTS an, dass die
Y._ nicht Nutzungsberechtigte der Dividende im Sinne von Art. 10
Abs. 2 DBA RU-CY war. Die Informationen, um die er ersucht, würden es
erlauben, die Weiterleitung der Dividende zu dokumentieren und einen tat-
sächlich an den Dividenden Nutzungsberechtigten zu eruieren. Werde sich
der Verdacht erhärten, würde die Quellensteuer der X._ neu veran-
lagt.
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A.a.c Der FTS weist darauf hin, dass die Anwendung von Art. 25a DBA
CH-RU nicht durch Art. 1 dieses Abkommens begrenzt sei. Im Anschreiben
bestätigt er zudem, dass er im umgekehrten Fall in der Lage wäre, die In-
formationen zu beschaffen und zu liefern, die Informationen in Übereinstim-
mung mit dem DBA CH-RU geheim halten werde, die Informationen aus-
schliesslich für die Erfüllung der Pflichten in Übereinstimmung mit dem
DBA CH-RU verwendet würden und er alle möglichen Massnahmen zum
Erhalt der Informationen auf dem eigenen Staatsgebiet ausgeschöpft
habe.
A.a.d Der FTS bittet um Übermittlung von Informationen darüber, wer das
genannte Bankkonto eröffnet hat und wer eine Unterschriftsberechtigung
am Konto hatte bzw. die Berechtigung, Zahlungen zu veranlassen oder zu
erhalten. Gefragt wird nach Vorstandsbeschlüssen, mit denen Unter-
schriftsberechtigte ernannt wurden, nach Kopien von Vollmachten, welche
Personen ermächtigen, für die Y._ zu handeln, sowie nach weiteren
relevanten Dokumenten. Weiter wird um die Übermittlung von Bankauszü-
gen gebeten, mit denen der Erhalt der Dividendeneinkünfte der X._
bestätigt wird sowie die Weiterleitung des genannten Einkommens an wei-
tere Personen oder Gesellschaften. Soweit weitere Empfänger der Gelder
Bankkonten bei der [Bank 1] oder einer anderen schweizerischen Bank
halten würden, sollten auch die Bankauszüge übermittelt werden, welche
den Erhalt von Geldern der Y._ und die Weiterleitung der genannten
Dividenden zu weiteren Personen oder Gesellschaften belegten.
A.b
A.b.a Im zweiten Ersuchen weichen neben der Steuerperiode und der In-
formationsinhaberin (oben Bst. A) auch die Höhe sowie das Datum der
Zahlungen von den oben genannten ab und diese wurden im Jahr 2014
auf ein Konto bei der [Bank 2] überwiesen.
A.b.b Im Übrigen gleichen die Fakten weitgehend den oben genannten.
Insbesondere soll B._ auch in den Jahren 2014-2016 alleiniger Ei-
gentümer der Y._ gewesen sein. In den Jahren 2015 und 2016 soll
er auch tatsächlich die Dividenden erhalten haben. Für das Jahr 2014
seien keine genügenden Hinweise auf eine Nutzungsberechtigung für die
Dividenden gefunden worden, weshalb darauf geschlossen werde, dass
die Y._ im Jahr 2014 nicht an den Dividenden nutzungsberechtigt
gewesen sei.
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Seite 4
A.b.c Die übrigen Sachverhaltselemente sowie die gewünschten Informa-
tionen entsprechen jenen im vorher genannten Ersuchen.
B.
Am 9. November 2018 antwortete die [Bank 2] auf ein Editionsbegehren
der Vorinstanz offenbar datierend vom 24. Oktober 2018. Sie übermittelte
der Vorinstanz die gewünschten Informationen.
C.
Aus den Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den vorinstanzlichen Ak-
ten ergibt sich, dass die ESTV dem FTS einige Informationen übermittelte.
Am [Datum 3] antwortete der FTS nämlich auf eine Nachricht der ESTV
vom [Datum 2], mit der diese dem FTS mitgeteilt haben muss, dass keine
Weiterleitung der Dividendenzahlungen festgestellt werden konnte, weil
keine Überweisungen in entsprechender Höhe im sachverhaltlichen und
zeitlichen Zusammenhang gefunden worden waren. Der FTS wies darauf
hin, dass er die Zahlungsflüsse der Dividenden bis zum letzten Empfänger
nachverfolgen können und dass er Informationen zur Nutzungsberechti-
gung sammeln müsse. Informationen betreffend weitere Empfänger der
Gelder seien wesentlich, um die Zahlungsflüsse des aus Russland stam-
menden Einkommens nachvollziehen zu können. Es würden Informationen
benötigt zum Eingang der Dividenden und dem Ausgang in irgendeiner
Form, damit die Gelder bis zum letzten Empfänger verfolgt werden könn-
ten. Es sei eine oft angewendete Methode der Steuerpflichtigen, Einkom-
men zu splitten oder zusammenzulegen, um so den Zusammenhang zwi-
schen den Ein- und Ausgängen unkenntlich zu machen. Es gebe aber Mög-
lichkeiten, die zusammengerechneten Summen von Geld, welches auf das
Konto einbezahlt worden sei, mit solchen, welche vom Bankkonto abge-
flossen seien, für eine spezifische Zeitperiode zusammenzuführen. Es sei
nicht notwendigerweise so, dass es nur einen Empfänger der ausgehen-
den Gelder gebe. Die Ausgänge könnten zwischen verschiedenen verbun-
denen Parteien aufgeteilt und in unterschiedlicher Form ausgezahlt wer-
den. Es sei daher an der untersuchenden Behörde, eine unabhängige Ana-
lyse aller Transaktionen auf dem Bankkonto vorzunehmen. Der FTS bittet
daher um Übermittlung der gesamten Bankkontoauszüge für die genann-
ten Konten der Y._, und zwar in Bezug auf das Konto bei der
[Bank 1] für den Zeitraum vom 1. Oktober 2017 bis und mit dem 30. Juni
2018 und für das Konto bei der [Bank 2] vom 24. Dezember 2014 bis und
mit dem 30. Juni 2015.
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D.
Die ESTV antwortete am 24. Mai 2019, stellte die Weiterbearbeitung der
nunmehr erweiterten Amtshilfeersuchen in Aussicht und teilte die neue Re-
ferenznummer mit. Gemäss einer Aktennotiz ebenfalls vom 24. Mai 2019
nahm die ESTV die E-Mail des FTS vom [Datum 3] (zuvor Bst. C) als neues
Ersuchen entgegen und eröffnete ein neues Dossier (das vorliegende) un-
ter einer neuen Nummer, wobei die Amtshilfeersuchen vom [Datum 1]
(oben Bst. A) sowie das Antwortschreiben der [Bank 2] (Bst. B) in das neue
Dossier übernommen wurden.
E.
Nachdem die Vorinstanz die Vertretungsverhältnisse für die Y._ ab-
geklärt hatte, forderte sie mit Editionsverfügung vom 31. Mai 2019 die
[Bank 3] sowie die [Bank 1] zur Herausgabe der verlangten Informationen
auf.
F.
Die [Bank 1] teilte am 13. Juni 2019 mit, dass sie das Bankkonto nicht aus-
findig machen konnte. Gleichentags übermittelte die [Bank 3] die ge-
wünschten Informationen.
G.
Am 26. Juni 2019 forderte die ESTV auch die [Bank 2] auf, Informationen
zu edieren. Die Bank edierte die Unterlagen am 8. Juli 2019.
H.
Nachdem sie die Unterlagen erhalten hatte, teilte die Vorinstanz der
Y._ am 2. August und 6. August 2019 mit, welche Informationen sie
zu übermitteln gedenke.
I.
Am 7. August 2019 fragte der FTS nach dem Verfahrensstand. Die Steu-
erprüfung werde bald beendet und die Dokumente seien für das Ergebnis
unbedingt notwendig. Die Vorinstanz konnte die Anfrage nicht im Detail be-
antworten.
J.
Die Y._ reichte der Vorinstanz am 9. September 2019 eine Stellung-
nahme ein. Zudem teilte der sie vertretende Rechtsanwalt mit, mittlerweile
auch die X._ zu vertreten.
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Seite 6
K.
Am 19. September 2019 erliess die Vorinstanz gegenüber der X._
und der Y._ eine Schlussverfügung. In der Schlussverfügung wer-
den die meisten der gestellten Fragen mit Hinweis auf die beigelegten Kon-
toauszüge betreffend die beiden Konten der Y._ beantwortet. Allfäl-
lige Kontoauszüge von Zahlungsempfängern wollte die ESTV jedoch nicht
übermitteln, weil die voraussichtliche Erheblichkeit nicht ersichtlich sei und
nur Informationen zu einem spezifischen Konto übermittelt werden könn-
ten. Es stehe dem FTS aber frei, weitere Gesuche zu stellen.
L.
Gegen diese Schlussverfügung erhoben die X._ (nachfolgend: Be-
schwerdeführerin 1) und die Y._ (nachfolgend: Beschwerdeführe-
rin 2; zusammen: Beschwerdeführerinnen) am 21. Oktober 2019 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragen, die Schluss-
verfügung vom 19. September 2019 aufzuheben. Auf eine Übersendung
der Beilagen 1 bis 4 zur Schlussverfügung an die ersuchende Behörde sei
abzusehen, eventuell seien diese Beilagen dergestalt zu schwärzen, dass
sämtliche Daten in den Kontoauszügen, welche nicht in unmittelbarem Zu-
sammenhang mit Zahlungen entweder von der oder an die Dividenden
zahlende Gesellschaft oder die Beschwerdeführerin 1 stehen, unkenntlich
seien. Eventualiter sei das Verfahren zum Entscheid im Sinne der Erwä-
gungen des Bundesverwaltungsgerichts an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. Sie begründen ihre Begehren insbesondere damit, dass nicht erheb-
liche Informationen nicht zu übermitteln seien und die Daten, die übermit-
telt werden sollten, aus diversen Gründen, unter anderem weil die Steuer-
prüfung für die Jahre 2014-2016 abgeschlossen sei, nicht erheblich seien.
M.
Mit Vernehmlassung vom 2. Dezember 2019 beantragt die Vorinstanz die
kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde. In Bezug auf das Vorbringen
der Beschwerdeführerinnen, die Steuerprüfung in Russland sei abge-
schlossen, bringt die Vorinstanz vor, das innerstaatliche Recht des ersu-
chenden Staates sei nicht vom ersuchten Staat zu prüfen. Es sei Sache
der Steuerpflichtigen, ihre Verfahrensrechte im Verfahren vor den Behör-
den des ersuchenden Staates geltend zu machen. Zudem sei der ersuchte
Staat an den im Ersuchen geschilderten Sachverhalt gebunden. Die Bank-
informationen, um die ersucht werde, seien geeignet, um die Geldflüsse zu
verfolgen und somit Erkenntnisse hinsichtlich der wirtschaftlichen Berech-
tigung an den Dividendenzahlungen zu gewinnen. Dies könne sich auf die
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Seite 7
Besteuerung der Beschwerdeführerin 1 auswirken, womit die Informatio-
nen möglicherweise geeignet seien, im ausländischen Verfahren verwen-
det zu werden. Der FTS habe bereits in den ursprünglichen Ersuchen gel-
tend gemacht, die Informationen auch nach Abschluss der Steuerprüfung
im Dezember 2018 noch zu benötigen. Zudem habe er sich am 7. August
2019 nach dem Verfahrensstand erkundigt, womit er noch einmal bekräftigt
habe, die Informationen zu benötigen. Was die Anträge auf Schwärzung
anbelange, könne nur der ersuchende Staat abschliessend beurteilen, ob
die Informationen relevant seien. Die in den Unterlagen stehenden Perso-
nen würden also nicht rein zufällig dort auftauchen. Es sei plausibel, dass
der FTS für die Untersuchung Zahlungseingänge und -ausgänge prüfen
können müsse. Sie (die Vorinstanz) könne nicht feststellen, ob die in den
Unterlagen genannten Zahlungsempfänger oder -auftraggeber nichts mit
der Beschwerdeführerin 1 und der die Dividenden zahlenden Gesellschaft
zu tun hätten.
Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten sowie die Akten
wird – soweit sie für den Entscheid wesentlich sind – im Rahmen der fol-
genden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Die vorliegenden Amtshilfeersuchen vom [Datum 1], ergänzt um das
Ersuchen vom [Datum 3] (Sachverhalt Bst. A und C), stützen sich auf das
DBA CH-RU. Das Verfahren richtet sich nach dem Bundesgesetz vom
28. September 2012 über die internationale Amtshilfe in Steuersachen
(StAhiG, SR 651.1; Art. 1 Abs. 1 Bst. a StAhiG, Art. 24 StAhiG e contrario),
soweit das DBA CH-RU keine abweichenden Bestimmungen enthält (Art. 1
Abs. 2 StAhiG). Gemäss Art. 19 Abs. 5 StAhiG gelten die Bestimmungen
über die Bundesrechtspflege, soweit das StAhiG keine abweichenden
Bestimmungen aufstellt.
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 des Bundes-
gesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht (VGG,
SR 173.32) Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge-
setzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG,
SR 172.021). Zu den beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbaren Verfü-
gungen gehören auch Schlussverfügungen der ESTV im Bereich der inter-
nationalen Amtshilfe in Steuersachen (vgl. Art. 32 VGG e contrario sowie
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Seite 8
Art. 19 Abs. 1 und 5 StAhiG). Die Zuständigkeit des Bundesverwaltungs-
gerichts zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde ist somit gegeben.
Die Beschwerdeführerinnen erfüllen als Adressatinnen der angefochtenen
Schlussverfügung und Personen, deren Daten übermittelt werden sollen,
die Voraussetzungen der Beschwerdelegitimation (vgl. Art. 19 Abs. 2
StAhiG i.V.m. Art. 48 VwVG). Die Beschwerde wurde überdies form- und
fristgerecht eingereicht (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerinnen können neben der
Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen
oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
(Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49 Bst. c
VwVG).
Im Beschwerdeverfahren gelten die Untersuchungsmaxime, wonach der
Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen ist, und der Grundsatz der
Rechtsanwendung von Amtes wegen (vgl. Art. 62 Abs. 4 VwVG; ANDRÉ
MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem
Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 1.49 ff.; PIERRE MOOR/
ETIENNE POLTIER, Droit administratif, Bd. II, 3. Aufl. 2011, S. 292 ff., 300 f.,
820 f., Ziff. 2.2.6.3, 2.2.6.5 und 5.8.3.5).
2.
Im Folgenden ist auf die rechtlichen Grundlagen für die Leistung von Amts-
hilfe, insbesondere an Russland, einzugehen.
2.1 Die Amtshilfeklausel von Art. 25a DBA CH-RU und die dazu vom Bun-
desrat und der Regierung der Russischen Föderation vereinbarte Ziff. 7
des Protokolls zum DBA CH-RU (ebenfalls zu finden unter
SR 0.672.966.51) sind seit dem 9. November 2012 in Kraft (vgl. Art. VII, X
und XI Abs. 2 des Protokolls vom 24. September 2011 zur Änderung des
Abkommens zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der
Russischen Föderation zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem
Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen [AS 2012 6647;
nachfolgend: Änderungsprotokoll]). In zeitlicher Hinsicht sind Art. 25a DBA
CH-RU und Ziff. 7 des Protokolls zum DBA CH-RU dabei auf Amtshilfeer-
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Seite 9
suchen anwendbar, die am oder nach dem 9. November 2012 gestellt wer-
den und sich auf Steuerperioden beziehen, die am oder nach dem 1. Ja-
nuar 2013 beginnen (vgl. Art. XI Abs. 2 Bst. c Änderungsprotokoll).
2.2 Nach Art. 25a Abs. 1 Satz 1 DBA CH-RU tauschen die zuständigen Be-
hörden der beiden Vertragsstaaten unter sich diejenigen Informationen
aus, «die zur Durchführung dieses Abkommens oder zur Anwendung oder
Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts betreffend die unter das Abkom-
men fallenden Steuern und die Mehrwertsteuern voraussichtlich erheblich
sind, soweit die diesem Recht entsprechende Besteuerung nicht dem Ab-
kommen widerspricht». Dabei ist der Informationsaustausch gemäss
Art. 25a Abs. 1 Satz 2 DBA CH-RU nicht durch Art. 1 DBA CH-RU (persön-
licher Geltungsbereich) beschränkt.
2.3
2.3.1 Als zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts
voraussichtlich erheblich gelten Informationen, die für den ersuchenden
Staat notwendig sind, um eine in diesem Staat steuerpflichtige Person dort
korrekt zu besteuern (vgl. BGE 141 II 436 E. 4.4.3; Urteile des BVGer
A-4163/2019 vom 22. April 2020 E. 3.1.3, A-5695/2018 vom 22. April 2020
E. 3.3.1).
2.3.2 Nach Ziff. 7 Bst. c des Protokolls zum DBA CH-RU besteht hinsicht-
lich Art. 25a DBA CH-RU «Einvernehmen darüber, dass der Zweck der Ver-
weisung auf Informationen, die voraussichtlich erheblich sind, darin be-
steht, einen möglichst breiten Informationsaustausch in Steuerbelangen zu
gewährleisten, ohne den Vertragsstaaten zu erlauben, ‹fishing expeditions›
zu betreiben oder um Informationen zu ersuchen, deren Erheblichkeit hin-
sichtlich der Steuerbelange einer bestimmten steuerpflichtigen Person un-
wahrscheinlich sind».
2.3.3 Ob eine Information erheblich ist, kann in der Regel nur der ersu-
chende Staat abschliessend feststellen (BGE 143 II 185 E. 3.3.2, 142 II
161 E. 2.1.1 f.; Urteil des BVGer A-4163/2019 vom 22. April 2020 E. 3.1.3).
Die Rolle des ersuchten Staates bei der Beurteilung der voraussichtlichen
Erheblichkeit beschränkt sich darauf, zu überprüfen, ob die vom ersuchen-
den Staat verlangten Informationen und Dokumente einen Zusammenhang
mit dem im Ersuchen dargestellten Sachverhalt haben und ob sie möglich-
erweise dazu geeignet sind, im ausländischen Verfahren verwendet zu
werden (BGE 145 II 112, 142 II 161 E. 2.1.1, 139 II 404 E. 7.2.2). Vor die-
sem Hintergrund darf der ersuchte Staat Auskünfte mit der Begründung,
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Seite 10
die verlangten Informationen seien nicht «voraussichtlich erheblich» im
Sinne von Art. 25a Abs. 1 Satz 1 DBA CH-RU, nur verweigern, wenn ein
Zusammenhang zwischen den verlangten Angaben und der im ersuchen-
den Staat durchgeführten Untersuchung unwahrscheinlich erscheint (vgl.
BGE 141 II 436 E. 4.4.3, 142 II 161 E. 2.1.1; Urteil des BVGer A-5695/2018
vom 22. April 2020 E. 3.3.2). In letzterem Sinne ist auch Art. 17 Abs. 2
StAhiG anzuwenden, wonach Informationen, welche voraussichtlich nicht
erheblich sind, nicht übermittelt werden dürfen und von der ESTV auszu-
sondern oder unkenntlich zu machen sind (Urteile des BVGer A-4163/2019
vom 22. April 2020 E. 3.1.3, A-2540/2017 vom 7. September 2017 E. 4.1,
A-3361/2016 vom 19. Juni 2017 E. 3.10.2 f.).
2.3.4 Informationen können auch dann noch voraussichtlich erheblich sein,
wenn die steuerpflichtige Person bereits veranlagt oder eine Steuerprüfung
abgeschlossen wurde. Es ist nämlich nicht ausgeschlossen, dass z.B.
Nachsteuern erhoben werden können oder eine Veranlagung revidiert wer-
den kann (vgl. Urteile des BVGer A-108/2018 vom 13. Februar 2020
E. 7.3.1, A-1745/2019 vom 1. November 2019 E. 3.1.1). Bestimmungen,
die das innerstaatliche Verfahren des ersuchenden Staates betreffen und
die allenfalls dazu führen können, dass bestimmte Beweismittel nicht
(mehr) verwendet werden können, sind im innerstaatlichen Verfahren die-
ses Staates geltend zu machen und nicht im Amtshilfeverfahren (Urteil des
BVGer A-6037/2017 vom 8. Januar 2019 E. 4.1.4.1 und 4.7 f.).
2.4 Auf die weiteren Bestimmungen in Art. 25a DBA CH-RU ist im vorlie-
genden Zusammenhang nicht einzugehen.
2.5
2.5.1 Soweit die Behörden des ersuchenden Staates verpflichtet sind, den
massgeblichen Sachverhalt darzulegen, kann von ihnen nicht erwartet
werden, dass sie dies bereits lückenlos und völlig widerspruchsfrei tun.
Dies wäre mit dem Sinn und Zweck der Amtshilfe (wie mit jenem der
Rechtshilfe) nicht vereinbar, sollen doch aufgrund von Informationen und
Unterlagen, die sich im ersuchten Staat befinden, bisher im Dunkeln ge-
bliebene Punkte erst noch geklärt werden (vgl. BGE 142 II 161 E. 2.1.1,
139 II 404 E. 7.2.2, Urteil des BVGer A-2327/2017 vom 22. Januar 2019
E. 8.3.2; ROBERT ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale en
matière pénale, 5. Aufl. 2019, S. 310 Rz. 293 Bst. a). Daher verlangt die
Rechtsprechung von der ersuchenden Behörde nicht den strikten Beweis
des Sachverhalts, doch muss sie hinreichende Verdachtsmomente für des-
sen Vorliegen dartun (vgl. BGE 139 II 451 E. 2.1 und E. 2.2.1, 139 II 404
A-5522/2019
Seite 11
E. 7.2.2; Urteile des BVGer A-4163/2019 vom 22. April 2020 E. 3.1.4,
A-2540/2017 vom 7. September 2017 E. 4.2, A-2591/2017 vom 5. März
2019 E. 5.3.2.2).
2.5.2 Nach dem so genannten völkerrechtlichen Vertrauensprinzip be-
steht – ausser bei offenbarem Rechtsmissbrauch oder bei berechtigten
Fragen im Zusammenhang mit dem Schutz des schweizerischen oder in-
ternationalen Ordre public (vgl. Art. 7 StAhiG) – kein Anlass, an Sachver-
haltsdarstellungen und Erklärungen anderer Staaten zu zweifeln (BGE 143
II 202 E. 8.7.1, 142 II 218 E. 3.3, 142 II 161 E. 2.1.3; Urteil des BGer
2C_619/2018 vom 21. Dezember 2018 E. 2.2.1). Die ESTV ist deshalb an
die Darstellung des Sachverhalts im Ersuchen insoweit gebunden, als
diese nicht wegen offensichtlicher Fehler, Lücken oder Widersprüche von
vornherein entkräftet werden kann (BGE 142 II 161 E. 2.1.1 und 2.1.3, 139
II 451 E. 2.2.1; Urteil des BGer 2C_275/2017 vom 20. März 2017 E. 2.4.2;
Urteile des BVGer A-4163/2019 vom 22. April 2020 E. 2.2, A-5695/2018
vom 22. April 2020 E. 3.5).
2.6
2.6.1 Gemäss Ziff. 7 Bst. a des Protokolls zum DBA CH-RU besteht «Ein-
vernehmen darüber, dass der ersuchende Vertragsstaat ein Begehren um
Austausch von Informationen erst dann stellt, wenn er alle in seinem inner-
staatlichen Steuerverfahren vorgesehenen üblichen Mittel zur Beschaffung
der Informationen ausgeschöpft hat» (sog. Subsidiaritätsprinzip).
2.6.2 Aufgrund des völkerrechtlichen Vertrauensprinzips (E. 2.5.2) besteht
rechtsprechungsgemäss namentlich kein Anlass, an einer von der ersu-
chenden Behörde abgegebenen Erklärung der Ausschöpfung aller übli-
chen innerstaatlichen Mittel zu zweifeln, es sei denn, es liegt ein gegen die
Einhaltung des Subsidiaritätsprinzips sprechendes, ernsthafte Zweifel an
der Richtigkeit der Erklärung begründendes konkretes Element vor
(vgl. BGE 144 II 206 E. 3.3.2; Urteile des BVGer A-3703/2019 vom 23. Ap-
ril 2020 E. 2.4.2 und 2.7.1, A-2725/2019 vom 25. Februar 2020 E. 2.6.2,
A-4025/2016 vom 2. Mai 2017 E. 3.2.4).
2.7
2.7.1 Gemäss Ziff. 7 Bst. b des Protokolls zum DBA CH-RU besteht zwi-
schen der Schweiz und Russland Einvernehmen darüber, dass die Steuer-
behörden des ersuchenden Staates bei der Stellung eines Amtshilfebegeh-
rens nach Art. 25a DBA CH-RU den Steuerbehörden des ersuchten Staa-
tes die folgenden Angaben zu liefern haben:
A-5522/2019
Seite 12
«(i) die Identität der in eine Überprüfung oder Untersuchung einbezogenen
Person,
(ii) die Zeitperiode, für welche die Informationen verlangt werden,
(iii) eine Beschreibung der verlangten Informationen sowie Angaben hinsicht-
lich der Form, in der der ersuchende Staat diese Informationen vom er-
suchten Staat zu erhalten wünscht,
(iv) den Steuerzweck, für den die Informationen verlangt werden,
(v) soweit bekannt, den Namen und die Adresse des mutmasslichen Inhabers
der verlangten Informationen.»
2.7.2 Zwar regelt auch Art. 6 Abs. 2 StAhiG den erforderlichen Inhalt eines
Amtshilfeersuchens. Diese Bestimmung greift jedoch  wie bereits deren
Einleitung zu entnehmen ist  nur, wenn das anwendbare Abkommen – an-
ders als das hier einschlägige DBA CH-RU mit Ziff. 7 Bst. b des Protokolls
zum DBA CH-RU – keine entsprechende Ordnung enthält. Sonst sind aus-
schliesslich die Anforderungen gemäss Abkommen zu berücksichtigen,
wobei Art. 6 Abs. 2 StAhiG, da er nur subsidiär gilt, nicht ergänzend heran-
zuziehen ist (vgl. BGE 142 II 161 E. 2.1.4; Urteil des BVGer A-2540/2017
vom 7. September 2017 E. 2.4).
3.
3.1 Die vorliegenden Amtshilfeersuchen betreffen den Zeitraum vom
24. Dezember 2014 bis zum 30. Juni 2015 einerseits und jenen vom 1. Ok-
tober 2017 bis zum 30. Juni 2018 andererseits (siehe Sachverhalt Bst. C).
Diese Zeiträume sind vom DBA CH-RU abgedeckt. Zudem ist unbestritten
sowie den Akten zu entnehmen, dass die Amtshilfeersuchen des FTS die
formellen Voraussetzungen (E. 2.7) erfüllen.
3.2
3.2.1 Die Beschwerdeführerinnen bringen nun vor, nicht erhebliche Unter-
lagen seien nicht zu übermitteln. Die Steuerprüfung der Beschwerdeführe-
rin 1 für den erstgenannten Zeitraum, konkret für die Jahre 2014 bis 2016,
sei bereits abgeschlossen, weshalb die erfragten Informationen auf die
Steuerprüfung keinen Einfluss mehr haben und daher für diesen Zeitraum
nicht mehr erheblich sein könnten (bzw. nie erheblich gewesen seien). Sie
legen ein Dokument in russischer Sprache vor, aus dem hervorgehe, dass
die Steuerprüfung abgeschlossen sei. Das gleiche Dokument lag bereits
der Vorinstanz vor.
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3.2.2 Aufgrund des völkerrechtlichen Vertrauensprinzips ist grundsätzlich
auf die Sachverhaltsdarstellung und die Vorbringen der ersuchenden Be-
hörde abzustellen (E. 2.5). Auch kann grundsätzlich nur der ersuchende
Staat beurteilen, ob die Informationen hinsichtlich der Steuerbelange einer
bestimmten steuerpflichtigen Person wahrscheinlich erheblich sind
(E. 2.3.3). Schliesslich sind Bestimmungen des innerstaatlichen Rechts
des ersuchenden Staates, welche einer Verwendung der im Amtshilfever-
fahren erlangten Informationen entgegenstehen könnten, in diesem Staat
vor den zuständigen Behörden oder Gerichten zu klären (E. 2.3.4).
3.2.3 Das gerade genannte (E. 3.2.1), der Beschwerde beigelegte Doku-
ment datiert vom 13. Dezember 2018. Der FTS hat aber am [Datum 3] er-
neut um Amtshilfe ersucht und am 7. August 2019 nach dem Stand des
Verfahrens gefragt. Schon aus diesen Umständen geht hervor, dass der
FTS die erfragten Informationen auch noch nach dem 13. Dezember 2018
als relevant erachtete. Es ist zumindest nicht ausgeschlossen, dass –
selbst wenn die Steuerprüfung abgeschlossen ist – deren Ergebnis z.B.
durch eine Revision noch geändert werden kann (E. 2.3.4).
Ebenfalls nicht weiter einzugehen ist auf die Frage, ob die Informationen in
Russland tatsächlich (noch) verwendet werden können. Sollte ein Ab-
schluss der Steuerprüfung der Verwendung nach innerstaatlichem russi-
schen Recht entgegenstehen, wäre dies in einem Verfahren in Russland
geltend zu machen (E. 2.3.4). Im DBA CH-RU selbst finden sich jedenfalls
keine Bestimmungen, wonach Informationen nicht nach Abschluss einer
Steuerprüfung, z.B. in einem Revisionsverfahren, verwendet werden kön-
nen.
Auf den Inhalt des Schreibens ist deshalb nicht einzugehen und eine Über-
setzung desselben erübrigt sich.
3.3
3.3.1 Weiter machen die Beschwerdeführerinnen geltend, mit der Frage
der wirtschaftlichen Berechtigung an Dividendeneinkünften gehe regel-
mässig die Frage nach der Substanz einer Gesellschaft einher. Ein Konto-
auszug stelle jedoch ein untaugliches Mittel dar, um die Substanz einer
Gesellschaft nachzuweisen. Auch zur Aufdeckung der Weiterleitung von
Einkünften (hier Dividenden) sei ein Kontoauszug untauglich. So könnten
einerseits Einkünfte über einen längeren Zeitraum thesauriert werden, wo-
mit die Weiterleitung nicht auf den verlangten Kontoauszügen erscheine.
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Andererseits würden Dividenden in Konzernen je nach anwendbarem Han-
delsrecht innerhalb kürzester Zeit über mehrere Gesellschaftsstufen aus-
geschüttet. So könnten auch in der Schweiz Dividenden phasenkongruent
verbucht (und somit auch gleichentags ausgeschüttet) werden. Vom Zeit-
punkt einer allfälligen Weiterleitung könne somit nicht auf die wirtschaftli-
che Berechtigung geschlossen werden.
3.3.2 Entgegen dem Argument der Beschwerdeführerinnen ist es nicht
zwingend so, dass mit der Frage der wirtschaftlichen Berechtigung an Di-
videndeneinkünften regelmässig die Frage nach der Substanz einer Ge-
sellschaft einhergehen muss: An einer Nutzungsberechtigung (und um
diese geht es vorliegend) kann es z.B. auch mangeln, wenn die Person,
welche die Dividenden vereinnahmt, diese einer Drittperson weiterleiten
muss (vgl. für von der Schweiz abgeschlossene Abkommen z.B. BGE 141
II 447; Urteile des BGer 2C_880/2018 vom 19. Mai 2020, 2C_895/2012
vom 5. Mai 2015). Die Substanz der Person – hier der Beschwerdeführe-
rin 2 – ist dabei unerheblich. Auf die weiteren Vorbringen der Beschwerde-
führerinnen, die im Zusammenhang mit der Substanz sowie der Rechts-
persönlichkeit der Beschwerdeführerin 2 gemacht werden, muss daher von
vornherein nicht eingegangen werden.
3.3.3 Für eine Weiterleitung können Kontoauszüge zumindest Hinweise
geben. Dass allenfalls weitere Untersuchungshandlungen notwendig sind,
um die Zahlungsflüsse abschliessend nachzuverfolgen und die Weiterlei-
tung zu belegen, ändert daran nichts. Die Begründung der Beschwerde-
führerinnen, Dividenden könnten thesauriert und erst später weitergeleitet
werden, spricht nicht gegen die Leistung von Amtshilfe. Wenn überhaupt
müsste mit dieser Begründung einem erneuten Ersuchen, welches grös-
sere Zeiträume umfasst, entsprochen werden. Damit erweisen sich die
Kontoauszüge als für die Steuerbelange der Beschwerdeführerin 1 voraus-
sichtlich erheblich. Warum sich die ersuchende Behörde vorliegend auf be-
stimmte Zeiträume beschränkt hat, ist für die Frage, ob Amtshilfe zu leisten
ist, unerheblich.
3.4
3.4.1 Schliesslich bringen die Beschwerdeführerinnen vor, aus den Konto-
auszügen der Beschwerdeführerin 2 gingen verschiedene Zahlungen von
ihr an ihre Vertragspartner und von diesen an sie hervor, welche keinen
Bezug zur Beschwerdeführerin 1 hätten. Diese Daten seien mangels vo-
raussichtlicher Erheblichkeit nicht austauschfähig. In den den Zahlungen
zugrundeliegenden Verträgen seien teilweise Geheimhaltungsklauseln mit
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Strafzahlungen im Falle von Verstössen enthalten. Die Beschwerdeführe-
rin 2 sei daher daran interessiert, dass keine unnötigen bzw. gesetzlich
nicht vorgesehenen Daten ausgetauscht würden. Sofern die Auszüge nicht
gänzlich vom Informationsaustausch ausgenommen würden, seien sämtli-
che Daten in den Kontoauszügen, welche nicht in unmittelbarem Zusam-
menhang mit Zahlungen entweder von der oder an die Dividenden zah-
lende Gesellschaft oder die Beschwerdeführerin 1 stünden, zu schwärzen
bzw. den russischen Behörden nicht zugänglich zu machen.
3.4.2 Der FTS will prüfen, wer an den Dividenden nutzungsberechtigt ist.
Er vermutet, dass dies nicht die Beschwerdeführerin 2 ist. Würden also
sämtliche Zahlungen aus den Kontoauszügen entfernt, die nicht Zahlungen
zwischen der die Dividende zahlenden Gesellschaft und den Beschwerde-
führerinnen betreffen, wären die Kontoauszüge für den FTS möglicher-
weise nutzlos, denn es geht gerade um Zahlungen von und an Drittperso-
nen und nicht zwischen den gerade genannten Gesellschaften. Auch brin-
gen die Beschwerdeführerinnen keine Beweise für ihre pauschalen Be-
hauptungen bei. Insofern sind die Informationen voraussichtlich erheblich
und gerade nicht zu schwärzen (BGE 144 II 29 E. 4.2.3, 142 II 506 je
m.Hw.; Urteil des BGer 2C_545/2019 vom 13. Juli 2020 E. 4.2).
3.4.3 Die in den Bankunterlagen stehenden Personen sind jedoch durch
das Spezialitätsprinzip geschützt, welches auch eine persönliche Dimen-
sion aufweist (Urteile des BGer 2C_537/2019 vom 13. Juli 2020 E. 3.4.3
und 3.5, 2C_376/2019 vom 13. Juli 2020 E. 7.1.3). Der Spezialitätsvorbe-
halt ist in Art. 25a Abs. 2 DBA CH-RU enthalten. Nachdem aber internatio-
nal wie national unterschiedliche Auffassungen darüber bestehen, wie weit
dieser Spezialitätsvorbehalt reicht und insbesondere, ob ihm eine persön-
liche Dimension zukommt, ist es angezeigt, dass die ESTV den FTS an-
lässlich der Übermittlung der ersuchten Informationen über den Umfang
der Verwendungsbeschränkung informiert (Urteile des BGer 2C_537/2019
vom 13. Juli 2020 E. 3.7 2. Absatz, 2C_545/2019 vom 13. Juli 2020
E. 4.7). Die ESTV wird Ziff. 5 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung
entsprechend zu präzisieren haben.
3.5 Insgesamt ist die Beschwerde abzuweisen.
4.
4.1 Ausgangsgemäss haben die unterliegenden Beschwerdeführerinnen
die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Kosten sind auf
Fr. 5’000.-- festzusetzen (vgl. Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 des Reglements
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vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der von den Beschwerde-
führerinnen einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zur Bezah-
lung dieser Kosten zu verwenden.
4.2 Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1
VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3
VGKE).
5.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h des Bundesgesetzes vom 17. Juni
2005 über das Bundesgericht (BGG, SR 173.110) innerhalb von 10 Tagen
nur dann mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das
Bundesgericht weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von
grundsätzlicher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen
um einen besonders bedeutenden Fall im Sinne von Art. 84 Abs. 2 BGG
handelt (Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist,
entscheidet das Bundesgericht.
(Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.)
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