Decision ID: b43a2507-088a-4bd4-a806-09c33388ed77
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1962, meldete sich am 11. April
2000 (Eingangsdatum) wegen Rückenbeschwerden und einer Depression bei der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stell
e, zum Leistungsbezug an (Urk. 9
/4). Mit Ver
fügung vom 15. Januar 2001 wies die IV-Stelle das Leistungs
begehren
ab, da der Versicherte
trotz entsprechender Mahnung und Hin
weis auf die Säumnisfolgen die zur Beurteilung seiner Ansprüche notwendigen Unterlage
n nicht eingereicht habe (Urk. 9
/11). Mit Eingabe vom 8. März 2002 reichte der Versicherte die von der IV-Stelle geforderten Unterlagen über seine Einkommensverhältnisse der vorangegangenen Jahre ein und ersuchte um Wie
der
aufnahme des Verfahrens (Urk. 9
/13-15). In der Folge gab die IV-Stelle beim
Y._
in
Z._
ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag, das am 7. Jan
uar 2004 erstattet wurde (Urk. 9
/70). Nach durch
geführtem (altrechtlichem)
Einspracheverfahren
(Ve
rfügung vom 4. Juni 2004, Urk. 9
/86, und Einsprache des Versicherten vom 11. Juni 20
04, Urk. 9
/87; vgl. auch
Einspracheerg
änzung
vom 16. Juli 2004, Urk. 9
/90) verneinte die IV-Stelle mit Entscheid vom 18. November 2004 einen Rentenanspruch bei einem ermittelten I
nvaliditätsgrad von 36 % (Urk. 9
/125). Dagegen erhob der Versicherte
am 2. Dezember 2004 beim Sozialversicherungsgericht Beschwerde (
Urk. 9
/131; Prozess Nr. IV.2004.00877). Weiter verneinte die IV-Stelle nach dur
ch
geführtem
Einsprache
verfahren
(Verfüg
ung vom 2. November 2004, Urk. 9
/114, und Einsprache des Versicherten vo
m 2. Dezember 2004, Urk. 9
/127) mit Entscheid vom 23. Februar 2005 auch einen Anspruch au
f berufliche
Mass
nahmen
(Urk. 9
/141).
1.2
Am 7. Februar 2005 (Eingangsdatum) reichte der Versicherte der IV-Stelle weitere
Arztberichte ein und machte eine Verschlechterung seines Ges
undheitszustands geltend (Urk. 9
/134-135). Nach durchgeführtem
Einspracheverfahren
(Verfüg
ung vom 22. Februar 2005, Urk. 9
/142, und Einsprache des Versicher
ten vom 25. Februar 2005, Urk. 9
/148; vgl. auch
Einspracheergänzung
vom 3. März 20
05, Urk. 9
/153) wies die IV-Stelle das neue Gesuch mit Entscheid vom 14. März 2005
ab (Urk. 9
/159). Gegen die
Einspracheentsche
ide
vom 23. Februar 2005 (Urk. 9
/141
) und vom 14. März 2005 (Urk. 9
/159) erhob der Versicherte am 22. März 2005 beim Sozialversich
erungsgericht Beschwerde (Urk. 9
/160; Prozess Nr. IV.2005.00339). Mit Urteil und Beschluss
IV.2004.00877 vom 2
8.
November 2005 vereinigte das Sozialversicherungsgericht d
en Prozess Nr. IV.2005.00339
mit dem Prozess Nr. IV.2004.00877 und schrieb
ihn
als dadurch erledigt ab.
Gleichzeitig wies es die Beschwerden vom 2. Dezember 2004 und vom 22. März
2005 ab (Urk. 9
/163). Dagegen erhob der Versicherte am 11. Januar 2006 beim
Eidgenössischen Versich
erungsgericht Beschwerde (Urk. 9
/164), welche mit Urteil
I 48/06 vom 9. Ju
ni 2006 abgewiesen wurde (Urk. 9
/166).
1.3
Am 29. Oktober 2007 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte unter Hin
weis auf Rückenbeschwerden
und ein Schleudertrauma
bei der IV-Stel
le zum Leistungsbezug an (Urk. 9
/170). Die IV-Stelle gab bei der
Medas
A._
ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag, das am 1. Septem
ber 2008 erstattet wurde (Urk. 9
/208). Mit Verfügungen vom 16. Juni respektive 10. September 2009 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf berufliche
Massnahmen
und auf eine Invalidenrente. Sie begründete dies damit, dass sich der Gesundheitszustand
des Versicherten
seit der letzten Beurteilung durch die Inva
lidenversicherung nicht w
esentlich verändert habe (Urk. 9/230 und Urk. 9
/233).
1.4
Am
4.
Mai 2015
fuhr der Versicherte mit seinem Personenwagen
auf dem W
eg von Dietikon nach Zürich vor einer Kreuzung im
Stop
-
and
-
go
-Verkehr auf nasser Strasse auf einen vor ihm fahrenden Lieferwagen auf und verletzte sich dabei
(
Urk.
9/
244/73-74)
.
Die Suva erbrachte
die gesetzlichen Versicherungsleistungen.
Am 28. Dezember 2015 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 9/241).
Die IV-Stelle nahm beruflich-erwerb
liche und medizinische Abklärungen vor.
Mit Verfügung vom 12. Dezember
2016 hielt die Suva fest, dass die Versicherungsleistungen
mangels Vorlie
gens von adäquaten Unfallfolgen
pe
r 31. Dezember 2016 eingestellt würden. Ein
Anspruch auf weitere Geldleistungen der Suva in Form einer Invalidenrente und/oder Integritätsentschä
digung bestehe nicht (Urk. 9/260/226-227
).
Die
d
agegen
vom Versicherten
am 26. Januar 2017
erhobene
Einsprache
(
Urk.
9/260/249-253)
wies die Suva mit En
t
scheid vom 1
7.
November 2017
(Urk.
9/
288/425-435)
ab.
Von November 2017 bis Mai 2018 war der Versicherte
- nach eigenen Angaben
in einem
Pensum von ca. 30
%
als Projektleiter/Polier
auf Abruf
-
bei der
B._
AG angestellt (
Urk.
9/368/53;
vgl.
auch
Urk.
9/339/3). Am
3.
Januar 2018 erhob er gegen den
Einspracheentscheid
der Suva vom 1
7.
November 2017 Beschwerde (
Urk.
9/310/3-10
; Prozess Nr. UV.2018.00001
). Ab Juni 2018 arbeitete der Ver
sicherte
- nach eigenen Angaben
in einem
Pensum von ca. 30
%
als Projekt
leiter/Polier
auf Abruf
-
bei der
C._
GmbH (vgl.
Urk.
9/339/3 und
Urk.
9/368/53).
Mit
Verfügung vom 9. Juli 2018
verneinte die IV-Stelle
einen Anspruch
auf eine Invalidenrente und auf berufliche
Massnahmen
(
Urk.
9/317)
. Dagegen erhob der Versicherte am 1
0. September 2018 Beschwerde (
Urk.
9/320
; Prozess Nr. IV.2018.00733
)
.
Im Januar 2019 gab er die Tätigkeit bei der
C._
GmbH auf (vgl. Urk.
9/368/53).
Mit Urteil UV.2018.00001 vom 2
1.
August 2019 wies das Sozialversicherungsgericht die Beschwerde des Versicherten vom
3.
Januar 2018 gegen den
Einspracheentscheid
der Suva vom 1
7.
November 2017 ab.
Gleichentags
hiess
das Gericht mit
Urteil IV.2018.0073
3
die Beschwerde
vom 10.
September 2018
in dem Sinne gut, dass es die angefochtene Verfügung vom
9.
Juli 2018 aufhob und die Sache an die IV-Stelle zurückwies, damit
diese weitere Abklärungen
vornehme und über den Leistungsanspruch neu entscheide (
Urk.
9/335).
Seit F
ebruar 2020 ist der Versicherte wiederum
teilzeitlich
für die
C._
GmbH tätig (vgl.
Urk.
9/368/53). Die
IV-Stelle
gab bei
der D._-
Begutachtung ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag, das am
4.
Februar 2021 erstattet wurde (
Urk.
9/368). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 1
9.
Mai 20
21,
Urk.
9/374, und Einwand des
Versicherten vom 2
4.
Juni 2021,
Urk.
9/379)
verneinte
sie
mit Verfügung vom 1
1.
Oktober 2
021 (
Urk.
2) einen Leistungsanspruch/Anspruch auf eine Invalidenrente.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 1
5.
November 2021 Beschwerde mit folgenden Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
1.
Es sei die Verfügung vom 1
1.
Oktober 2021 aufzuheben.
2.
Es sei dem Beschwerdeführer nach Ablauf der Wartefrist eine ganze Invalidenrente
auszurichten.
3.
Es sei dem Beschwerdeführer von Mai 2016 bis März 2017 eine ganze Invaliden
rente
und ab April 2017 mindestens eine halbe Invalidenrente auszurichten.
4.
Eventualiter seien dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen der
Invalidenversicherung (berufliche
Massnahmen
und/oder eine Invalidenrente)
auszurichten.
5.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl.
MWSt
)
gemäss
dem Ausgang des
Verfahrens.
6.
Die Ergänzung und/oder Abänderung der gestellten Anträge wird ausdrücklich
vorbehalten.
Zudem stellte er folgende prozessualen Anträge (
Urk.
1 S. 2):
1.
Es sei dem Beschwerdeführer für das vorliegende Beschwerdeverfahren die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und in der Person von Rechtsanwältin
Andrea Steiner
Lettoriello
eine unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen.
2.
Es seien die Akten der Vorinstanz beizuziehen.
3.
Es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen.
Mit Verfügung vom
1
7.
November 2021 setzte das Gericht der Beschwerde
gegnerin Frist
zur Erstattung der Beschwerdeantwort
an.
Gleichzeitig setzte es dem Beschwerdeführer Frist an, um dem Gericht das ausgefüllte Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit unter Beilage sämtlicher Belege zur aktuellen finanziellen Situation einzureichen. Dies unter Hinweis darauf, dass bei un
genügender Substantiierung,
fehlenden oder ungenügenden Belegen davon ausgegangen werde, dass keine prozessuale Bedürftigkeit bestehe (
Urk.
4).
Die Beschwerd
egegnerin beantrag
te mit Beschwerdeantwort vom 4.
Januar 2022 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8).
Nachdem
der Beschwerdeführe
r zwei Fristerstreckungsgesuche
gestellt und
das Gericht
ihm am
2
0.
Dezember 2021 und am
8.
Februar 2022 jeweils eine 30-tägige Frists
treckung gewährt hatte (
Urk.
6 und
Urk.
11
), bewilligte
es ihm auf dessen Gesuch vom 9.
März 2022
(
Urk.
12)
hin mit Verfügung vom 1
0.
März 2022
(
Urk.
13)
zur Einreichung des Formulars zur
Abklärung der
prozessualen Bedürftigkeit letztmals eine Notfrist
bis zum 2
1.
März 202
2.
Diese Frist lief ungenutzt ab. Mit Verfügung vom
8.
April 2022 stellte das Gericht dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zu
. Gleichzeitig hielt es fest, dass es die Anordnung eines weiteren Schriftenwechsels nicht als erforderlich erachte. Den Parteien bleibe es jedoch unbenommen, sich nochmals zur Sache zu
äussern
und weitere sachbezogene Unterlagen einzu
reichen
(
Urk.
15).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. De
zember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der kör
perlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumut
barer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
1.3.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.3.2
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Um
stände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit ein
geschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesund
heitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidens
bedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Ver
waltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Absatz 1 ATSG
,
jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 1
8.
Altersjahres folgt
(
Art.
29
Abs.
1 IVG).
1.5
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Vorausset
zungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisions
gesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (Urteil des Bundesgerichts 9C_351/2020 vom 21. September 2020 E. 3.1, insbesondere mit Hinweis auf
BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
Liegt ein Revisionsgrund, mithin eine
wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen
, vor,
ist
das neue Leistungsbegehren
in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht allseitig zu prüfen
, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht
(BGE
141 V 9 E. 2.3;
117 V 198 E. 3a und E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 71 E. 2.2).
1.6
UV170510
Beweiswert eines Arztberichts
01.2021
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, so
lange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die ang
efochtene Verfügung damit,
dass
dem Beschwerdeführer die
angestammte Tätigkeit als Gipser
nicht mehr zumut
bar sei.
In einer dem
Leiden angepassten Tätigkeit sei er aber nach wie vor zu 80
%
arbeitsfähig. Mit einer Hilfsarbeitertätigkeit in einem
Pensum von 80
%
könne der Beschwerdeführer
ein
rentenausschliessendes Einkommen erzielen.
Ein allfälliger leidensbedingter Abzug sei nicht zu berücksichtigen.
Hinsichtlich des im Einwand geltend gemachten Antrags, wonach ihm
für den Zeitraum von Mai bis Dezember 2016
bzw.
März 2017 aufgrund einer
100%igen
Arbeitsunfähigkeit
eine ganze Rente auszurichten sei, sei darauf hinzuweisen, dass
gemäss den Berichten von
mehreren behandelnden Ärzten
bereits ab dem
1.
Juli
2015
eine Arbeitsfähigkeit von 30
%
und ab
dem
1.
Dezember 2015
von
40
%
bestanden habe. Die
Suva
habe
entsprechend reduziert
e Unfalltaggelder erbracht
.
Da der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit zu 80
%
arbeitsfähig sei, bestehe entgegen dessen Vorbringen kein Anlass, die vorhandene Restarbeitsfähigkeit durch ein A
sse
ssment abzuklären (
Urk.
2
).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, dass
er aufgrund des Verkehrsunfalls vom
4.
Mai 2015 bis zum
3
1.
Dezember 2016
zu 100
%
arbeits
unfähig gewesen sei.
Von der Suva habe er
bis zum 3
1.
Dezember 2016
Taggelder erhalten. Er habe somit
Anspruch
auf eine ganze Invalidenrente
von Mai
bis Dezember 2016 b
zw. bis
März 2017 (drei Mo
nate nach Eintritt der Verbesserung
des Gesundheitszustands
).
Im Weiteren werde im Gutachten des
D._
vom
4.
Februar 2021 in der Tätigkeit als Gipser zwar eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. In einer leidensadaptierten Tätigkeit seien die Gutachter des
D._
je
doch nach wie vor von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen, obwohl im Vergleich zur Begutachtung bei der
Medas
A._
im Jahr 2008 zahl
reiche neue Diagnosen
in körperlicher und psychischer Hinsicht
hinzugekommen seien
. Dies sei nicht nachvollziehbar. Es sei davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer
in einer angepassten Tätigkeit höchstens noch zu 50
%
arbeits
fähig sei. Dafür habe sich auch
die Hausärztin
Dr.
med.
E._
, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation,
ausgesprochen, welche
den Beschwerdeführer am besten
kenne
und den Verlauf der Einschränkunge
n aus nächster Nähe mitverfolge
.
Bei
der Festlegung des
Valideneinkommens
seien
die gemäss Gesamtarbeitsvertrag zwingend zu berücksichtigenden und im Vergleich zu den Durchschni
ttswerten der
Tabelle
n der Schweizerischen Lohnstruktur
erhebung (LSE)
höheren Mindestlöhne im
Gipsergewe
rbe
anzuwenden.
Wegen
des fortgeschrittenen Alters, der mangelnden Berufsbildung, des Berufswechsels und der Teilzeitarbeit
sei sodann
ein leidensbedingter Abzug von mindestens 20
%
zu gewähren.
Überdies wäre es
wichtig, dass ein Assessment über die vor
handene Restarbeitsfähigkeit
erstellt würde (
Urk.
1 S. 3 ff.
).
3.
3.1
Der rentenverneinenden Verfügung der Beschwerdegegneri
n vom 10. September 2009 (Urk. 9
/233) lag in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen das poly
diszi
plinäre Gutachten der
Medas
A._
vom 1. September 2008 (Urk. 9
/208) zugrunde.
Die Ärzte der
Medas
A._
stellten in diesem Gutachten folgende Diag
nosen mit wesentlicher Einschränkung der zum
utbaren Arbeitsfähigkeit (Urk. 9
/208/25):
a
nhaltende somatoforme Schmerzstörung, mit
-
unter Therapie teilweise remittierter, aktuell noch leichter depressiver Episode
-
ausgeprägter Diskrepanz zwischen (ubiquitären) Beschwerden und (weitgehend altersentsprechend normalen) somatischen Befunden, bei
•
hohem Verdacht auf Aggravation und Selbstlimitierung
Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, aber mit Kra
nkheitswert, nannten sie (Urk. 9
/208/25):
(1)
c
hronisches lumbales Schmerzsyndrom, bei
-
leichter bis mä
ssiger Segmentdegeneration L5/S1, mit
•
leichter segmentaler
Gefügelockerung
mit Retroposition von L5 über S1
-
beginnenden Segmentdegenerationen L1/2 und L2/3
-
kleinen, nicht-
neurokompressiven
Diskusprotrusionen
L3/4 und L4/5
(2)
c
hronisches
zervikozephales
Schmerzsyndrom, bei
-
zervikaler Streckhaltung mit leichter
Kyphosierung
von C3-C6
-
mä
ssiger Segmentdegeneration C5/6, mit
•
Osteochondrose
,
Unkose
und
Spondylarthrose
•
degenerativer
Gefügelockerung
mit Retroposition von C5 über C6
•
kleiner, nicht-
neurokompr
essiver
Diskusprotrusion
C5/6
-
Segmentdegenerationen C4/5 und C6/7, mit
•
minimalen, nicht-
neurokompressiven
Diskusprotrusionen
C4/5 und C6/7
-
Status nach vier Autounfällen mit unklaren Verletzungsmechanismen
(3)
c
hronisches Spannungskopfweh mit wahrscheinlichem Übergang in Migräne, mit
-
Verdacht auf Induktion durch Analgetika
(4)
Adipositas «
simplex
» (167 cm/
85 kg, BMI 30.5), bei
-
pathologischem Essverhalten (nächtliches
binge
eating
)
-
positiver Familienanamnese (41-jähriger Bruder)
(5)
a
rterie
lle Hypertonie, wahrscheinlich «essentiell»
, seit 2004 behandelt, aktuell
1
45/100
mmHg
, bei
-
positiver Familienanamnese (41-jähriger Bruder)
Die Gutachter der
Medas
A._
erklärten, dass sie die Arbeitsfähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Gipser auf 80 % der Norm schätzen würden, wobei einzig die psychiatrischen Befunde limitierend wirken würden. Dies gelte auch für alle anderen in Frage kommenden Tätigkeiten. Zu vermeiden wären Tätigkeiten mit körperlichen Erschütterungen und s
olche in lärmigem Milieu (Urk. 9
/208/26).
3.2
3.2.1
Im Rahmen der Neuanmeldung vom 2
8.
Dezember
2015
(Eingangsdatum, Urk. 9
/
241
) sind im Wesentlichen folgende Beurteilungen aktenkundig:
3.2.2
Dr. med.
F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie,
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
führte in der Stellungnahme vom 15. Dezember 2017 aus, dass
a
nhand der
verschiedenen
aktuellen soma
tischen (
Dr.
E._
,
Dr. med.
G._
, FMH Chirurgie
) und psychiatrischen (
Dr.
med.
H._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie
) Arzt
berichte eine vielfältige Mischung von Diagnosen vor
liege
,
welche
zumeist seit vielen Jahren bekannt
seien.
Wichtig sei, dass b
ereits im massgebli
chen Gut
achten von 2008 eine
aus
geprägte Verdeutlichungstendenz beschrieben worden sei.
Hinsichtlich der
Arbeitsunfähigkeits-Bewertung sei
interessant, dass im Gut
achten
von
2008 für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Gipser ebenso wie für andere Tätigkeiten eine
80%ige Arbeitsfähigkeit
bei ausschliesslicher Limitieru
ng durch die psychiatri
schen
Befunde
angegeben worden sei.
Im Gegensatz dazu
würden
die Arbeitsunfähigkeits
-Angaben der aktuellen Behandler
stehen
, bei denen es sich weitg
ehend um dieselben Ärzte handle
wie zum Zeitpunkt der Begutachtung
von 200
8.
Deren Arbeitsunfähigkeits
-Bewertung
sei
mit
ihrer damaligen identisch. Aus
vers
icherungsmedizinischer Sicht sei
im Hinblick auf das polydisziplinäre Gutachten aus dem Jahr 2008 eine wes
entliche Verschlechterung des Gesund
heitszu
stands nicht ausgewiesen (Urk. 9
/291/7-8).
3.2.3
Das Sozialversicherungsgericht kam im Urteil IV.2018.00733 vom 2
1.
August 2019
E. 5.2-4
zum Schluss, dass sowohl aus somatischer als auch aus psychiatrischer Sicht Anhaltspunkte für eine mögliche erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands gegeben seien. Auf
die Stellung
nahme von RAD-Arzt Dr.
F._
vom 15.
Dezember 2017 könne nicht abgestellt werden
. Die Voraussetzungen für eine blosse Aktenbeurteilung durch den RAD
seien nicht erfüllt
. Im Weiteren würden
sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit
auch nicht allein gestützt auf die Berichte der behandelnd
en Ärzte zuverlässig beurteilen
lassen
(
Urk.
9/335/13-15).
3.2.4
Dr.
E._
stellte im Bericht vom 2
5.
November 2019 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
9/347/3):
c
hronisches
cervicoradikuläres
Reizsyndrom C6 beidseits bei Diskushernie C5/6 beidseits
-
Status nach wiederholten Distorsionstraumen
c
hronisches
lumbospondylogenes
und rezidivierendes
lumboradikuläres
Reizsyndrom bei Diskushernie L3/4,
Osteochondrose
mit
Intervertebralarthrose
L5/S1
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfäh
igkeit nannte
Dr.
E._
(Urk.
9/347/3):
c
ervicocephales
Syndrom mit Begleitschwindel
a
nhaltende somatoforme Schmerzstörung mit konsekutiv anhaltender depressiver Episode bei komplexer psychosozialer Belastungssituation
posttraumatische Belastungsstörung
arterielle Hypertonie
Depression
Verdacht auf Schlafapnoe
Dr.
E._
erklärte, das
s
dem Beschwerdeführer
eine rückenbelastende Arbeit
nicht mehr zumutbar sei. Das Heben und Tragen schwerer Lasten sei zu vermeiden. In einer dem Leiden angepassten Tätigkeit sei
er
zu 50
%
arbeitsfähig (
Urk.
9/347/4-5).
3.2.5
Die Fachpersonen des Medizinischen Z
entrums
I._
stellten im
Bericht vom 3
0.
November 2019
in psychiatrischer Hinsicht folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
9/349/9):
(1)
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10
F33.1)
-
auch schwere Episoden in der Vergangenheit (siehe Bericht
Dr.
H._
vom
12.
Februar 2017).
(2)
Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
im Erwachsenenalter
(Dr.
med.
J._
)
Psychiatrische Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellten die
Fach
personen des Medizinischen Zentrums
I._
nicht.
Sie
erklärten, dass die Prognose für eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit
auf
über 30
%
bis 50
% schlecht sei (
Urk.
9/349/9).
3.2.6
Dr.
med.
K._
, FMH Neurologie,
gab im Bericht vom
7.
Februar 2020 an, dass der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit als Gipser nicht mehr arbeitsfähig sei. In einer dem Leiden angepassten Tätigkeit sei er ein bis zwei Stunden pr
o Tag arbeitsfähig (
Urk.
9/352/2
-5).
3.2.7
Dr.
G._
hielt im Bericht vom 3
0.
April 2020 fest, dass
dem
Beschwerde
führer
körperlich leichte Tätigkeiten in Wirbelsäulen-adaptierten Wechsel
positionen mit der Möglichkeit zum Wechseln zwischen Sitzen, Stehen und Gehen zumutbar seien.
Das
Heben von schweren Lasten von mehr als 5 kg kurz
fristig und 2 kg längerfristig
sei ihm
nicht mehr möglich. In einer solchen der Behinderung angepassten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht zu 50
%
arbeitsfähig (
Urk.
9/356/4
).
3.2.8
Die Ärzte des
D._
führten im Gutachten vom
4.
Februar 2021 folgende
relevanten
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an (
Urk.
9/368/9):
(1)
ch
ronisches
cervikovertebrales
Schmerzsyndrom
-
Status nach
fünfmaligen
Halswirbelsäulen
-
(
HWS
)-
distorsiven
Autounfall-
Kol
-
lisionsereignissen
, jeweils Delta
-V unterhalb 25 km/h, zwischen
8.
Dezember
199
8 und letztmals
4.
Mai
2015
-
klinisch aktuell allseitig ausgeprägte Beweglichkeitseinschränkung der HWS mit
muskulären
Gegeninnervationen
, in
Bauchlage teilweise ablenkbar,
gutachter
-
lich
seit Jahren dokumentiert, diffuse muskuläre Verspannungen und Weichteil
-
dolenzen
zervikal beidseits bis
hochnuchal
-
bildgebend degenerative Veränderungen der HWS mit
Chondrosen
C4/5 und
C5/6 mit dort
Bandscheibenprotrusionen
und
Neuroforaminalstenosen
beidseits
ohne Kompression de
r Wurz
el C6 beidseits (MRI HWS
7.
September
2018)
(2)
c
hronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
-
klinisch al
lseitig teils vollständig beweg
lichkeitsblockierende muskuläre Gegen
-
innervationen
und diffuse
Weichteildolenzen
-
bildgebend mehrsegmentale degenerative LWS-Veränderungen seit Jahren
bekannt (CT LWS 3
0.
September 1998, Röntgen
1.
November 2007
)
(3)
s
chmerzhafte beidseits leicht eingeschränkte
Schulterbeweglichkeiten
-
bildgebend leichte degenerative
Rotatorenmanschetten-Tendopathiezeichen
beidseits (Ultraschall
3.
August
2020), beginnende
Omarthrose
-Zeichen und
geringe
acromio-cl
aviculäre
Gelen
ksarthrosen beidseits (Röntgen
6.
August
2020)
(4)
Kleinhirninfarkt l
inks (mittlere Kleinhirnhemisphä
re) und lakunärer Infarkt im
Caput
nuclei
caudati
rechts, klinisch stumm abgelaufen
(5)
m
ultifakto
rielle Gleichgewichtsstörung, Differentialdiagnose:
organisch durch
Kleinhirninsult,
zervikogener
Schwindel, phobischer
Schwankschwindel
(6)
r
ezidiv
ierende depressive Störung, gegenwärtig
leicht- bis mittelgradige Episode
(ICD-10 F33.0/F33.1)
-
Beginn 1998
-
s
eit
2015
chronifiziert
-
a
namnestisch Phasen mit schweren depressiven Episoden
(7)
c
hronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(
ICD-10
F45.41
)
(8)
dissoziative Störung gemischt
(
ICD-1
0 F44.7
)
-
w
ahrscheinlich in diesem Kontext Wahrnehmungsstörung wie
Akoasmen
und
Geruchshalluzinationen; klinisch leichtgradige Ausprägung
(9)
Persönlichkeits
ebene
-
k
linische Aspekte der Verbitterung
-
l
eistungsorientierte und narzisstisc
he Grundzü
ge
(
ICD-10 Z73.1
)
-
z
unehmend seit dem Scheitern seiner wir
tschaftlichen Pläne ab 1998
(10)
Hinweis auf mögliches neuropsychologisches Defizit, aktuell nicht quantifizierbar
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Ärzte des
D._
(
Urk.
9/368/10):
(1)
Verkehrsunfall am
4.
Mai 2015 mit HWS-Beschleunigungsverletzung Quebec Task
Force
(QTF)
Grad II (ICD-10 S13.4)
(2)
Zustand nach mehreren HWS-Be
schleunigungsverle
tzungen 2
1.
März 2007, 2002,
1999 und 1998, retrospektiv am ehesten QTF Grad II
(3)
Spannungskop
fschmerz vom chronischen Typ, Differentialdiagnose:
Kopfschmerz
bei Medikamentenübergebrauch
(4)
anamnestisch: e
infache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
(
ICD-10 F90.0
);
neuropsy
chologisch bei nicht gegebener Validität der Befunde aktuell nicht
beurteilbar
(5)
c
hronische Knieschmerzen beidseits
-
klinisch hypermobile frei bewegliche Genua
vara
mit diffuser
Palpationsdolenz
-
bildgebend diskrete beginnende mediale Gonarthrose links, unauffällige Verhäl
t
-
nisse
rechts (Röntgen Knie beidseits
6.
August
2020)
(6)
Epicondylopathia
humeri
radialis
beidseits
(7)
b
eginnende Fingergelenksarthrose-Symptomatik, Ringbandstenose-
Dolenz
III und
IV links volar
-
bildgebend Handgelenksganglien radiokarpal beidseits und
Lunatum
-seitige
beginnende Radiokarpalarthrosen beidseits, kein
e sicheren bildgebenden Zeichen
einer entzündlich
-rheumatischen Erkrankung (MRI
7.
August 2020 beidseits
)
(8)
Knöchel- und mediale Fusssohlenschmerzen beidseits, wahrscheinlich bei statischer
Fuss
deformität und BMI 36 kg/m2 (95 kg/165 cm)
-
Status nach
Malleolardistorsion
links 2004, mit Gips behandelt
-
Status nach
Malleolarfraktur
rechts 1995, operativ geheilt
Die Ärzte des
D._
erklärten, dass
die bisherige
Tätigkeit als Gipser und
Isoleur
aus rheumatologischer und neurologischer Sicht nicht mehr möglich sei.
Möglich
seien
körperlich
leichte
und gelegentlich mittelschwere
Tätigkeiten
. Der Beschwerdeführer könne
mit
Lasten von 5 bis 7 kg problemlos und
mit solchen
bis 12 kg selten hantieren. Zu vermeiden seien gehäufte Überkopftätigkeiten oder gebückt zu leistende
sowie
ausschliesslich stehende und gehende Tätigkeiten.
Ebenfalls zu vermeiden seien Arbeiten mit ausgesprochener Handbelastung und Tätigkeiten mit repetitivem Benutzen von Treppen oder Stufen. Nicht möglich seien Tätigkeiten mit einer erhöhten Anforderung an das Gleichgewicht wie etwa das Besteigen von Leitern oder das Arbeiten auf Gerüsten.
Ebenfalls nicht mög
lich seien Tätigkeiten mit einer erhöhten oder hohen Anforderung an die geistige Leistungsfähigkeit. Die Tätigkeiten sollten einfach verständliche Inhalte
um
fassen
und übersichtliche Abläufe beinhalten. Eine genauere Aussage über den Umfang des geistigen Leistungsprofils sei aufgrund der nicht validen neuro
psychologischen Testung nicht möglich.
Für körperlich angepasste Tätigkeiten sei aus
muskuloskelettärer
Sicht von einer Einschränkung von 20
%
auszugehen.
Psychiatrisch
sei in Übereinstimmung mit dem
Vorgutachten von 2008
auch
von einer Einschränkung von 20
%
aus
zu
gehen, welche
aber
in der somatisch attestierten Minderung von 20
%
aufgehe und nicht kumulativ hinzutrete. In einer angepassten Tätigkeit bestehe somit weiterhin eine
Arbeitsfähigkeit von 80
%
, mit jedoch gegenüber 2008 deutlich reduziertem Belastungsspektrum
(
Urk.
9/368/12-13).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das polydisziplinäre Gutachten des
D._
vom
4.
Februar 2021 (
Urk.
9/368).
4.2
D
as Gutachten des
D._
basiert auf den erforderlichen allseitigen Unter
suchungen (internistisch
, neurologisch,
rheumatologisch
, psychiatrisch und neuropsychologisch
) und wurde in Kenntnis der und Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben. Die Gutachter des
D._
haben detaillierte Befunde erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mi
t diesen sowie dem Ver
halten des
Beschwerdeführer
s
auseinandergesetzt. Zudem haben sie die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt. Das genannte Gutachten erfüllt demnach grundsätzlich die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundla
ge (vgl. E. 1.6
).
4.3
Die Gutachter des
D._
legten dar, dass
aus
rheumatologisch
er Sicht
ei
n chronisches
cerviko
-
und
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom und ein
e schmerz
hafte beidseits leicht
eingeschränkte S
chulterbeweglichkeit
vorlägen.
Von neurologischer Seite würde
n
sich neu die in der Kernspintomographie vom
7.
September 2018, durchgeführt aufgrund von Kopf- und Nackenschmerzen, im Kleinhirn linksseitig und lakunär im Caput
nuclei
caudati
rechtsseitig nach
gewiesenen, anamnestisch stumme
n
Infarkte zeigen. Die Infarkte würden bei dieser Grösse die demonstrierte ausgeprägte Unfähigkeit zur regelrechten Aus
führung der Bewegungen bei
den
G
ang-
und Koordinationsprüfungen wie dem Knie-Hacke-Versuch und Finger-Nase-Versuch, insbesondere auf beiden Körper
seiten, nicht erklären. Ein geringfügiges Defizit mit einer leichten Gleich
gewichtsstörung könne als Folge der Kleinhirninfarkte jedoch als plausibel an
genommen werden. Daraus würden sich insbesondere qualitative Einschränkungen bezüglich Sturzgefährdung ergeben
. Das Unfallereignis am 4.
Mai 2015 mit längerdauernder Schmerzhaftigkeit im Bereich der
HWS
und Bewegungseinschränkung sei einem HWS-Beschleunigungstrauma QTF Grad II zuzuordnen. Gegen ein HWS-Beschleunigungstrauma QTF Grad III spreche das in mehreren Folgeuntersuchungen festgestellte fehlende neurologische Defizit im Sinne einer Lähmung oder eines Gefühlsdefizits und auch das fehlende morpho
logische Korrelat in der kurz nach dem Ereignis durchgeführten Kern
spintomographie. Die während der aktuellen Untersuchung demonstrierte Schwäche der oberen und unteren Extremitäten sei neurologisch nicht zu erklären.
Zudem spreche die
Muskelmasse klar gegen eine periphere Ursache. Im Rahmen der neuropsycholog
ischen Untersuchung hätten
formal relevante Ein
schränkungen der kognitiven Leistungsfähigkeit im Sinne eines schweren neuropsychologischen Defizits festgestellt werden können. Die neuro
psychologischen Ergebnisse könnten aufgrund der auffälligen Symptom
validierung und der mangelnden Anstrengungsbereitschaft seitens des Beschwerdeführers, welche auch mit den aktenanamnestischen
und berichteten Alltagsfunktionen inkonsistent sei
en
, nicht valide interpretiert werden. Aus psychiatrischer Sicht sei aktuell eine depressive Symptomatik festzustellen, welche unter ant
idepressiver Medikation
in einem Bereich von leicht- bis maximal mittelgradig sei
. Die Schmerzschilderungen könnten allein mit den somatischen Befunden nicht erklärt werden. Der Beschwerdeführer habe eine vollständige Fixierung auf die Schmerzproblematik entwickelt, die als chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren diagnostiziert wer
den könne.
Durch das
Scheitern in beruflicher und finanzieller Sicht
stehe er
chronisch unter einem hohen emotionalen Druck. Gewisse
berichtete dissoziative Symptome
könnten damit erklärt werden. Es handle sich auch hier um eine klinisch leichtgradig ausgeprägte Symptomatik
(
Urk.
9/
368
/6-9
).
Die Gutachter des
D._
kamen zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer die frühere Tätigkeit als Gipser und
Isoleur
nicht mehr
zumutbar sei. Eine
an
ge
passte Tätigkeit
sei ihm
aber nach wie vor
in einem 80%-Pensum möglich
(
Urk.
9/368/12-13
).
Die
se
Beurteilung der Gutachter des
D._
ist angesichts der genannten Befunde und der dazugehörigen Erläuterungen einleuchtend und plausibel.
Dr.
E._
,
Dr.
G._
und
Dr.
K._
haben
demgegenüber nicht
nachvollz
iehbar begründet,
weshalb
der Beschwerdeführer
selbst in einer angepassten Tätigkeit zu 50
%
oder noch mehr
eingeschränkt sein soll.
Der Umstand, dass
Dr.
E._
den Beschwerdeführer
schon lange kennt und behandelt, vermag daran nicht
s
zu ändern.
Entscheid
end ist sodann
nicht, dass seit der Begutachtung im Jahr 2008 neue Diagnosen hinzugekommen sind, sondern
inwiefern die neuen
Beschwerden den Beschwerdeführer in der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ein
schränken.
Den
vorhandenen
Einschränkungen habe
n die Gutachter
des
D._
mit
dem detaillierten Belastungsprofil
und
der Berücksichtigung einer quantitativen Minderung der
Arbeitsfähigkeit
um 20
%
angemessen
Rechnung getragen.
4.4
Was die Arbeitsfähigkeit retrospektiv betrifft, erklärten die Gutachter des
D._
, dass vom 1
0.
September 2009 bis zum
4.
Mai
2015
(psychiatrisch und rheuma
tologisch) und seit Januar 2016 (psychiatrisch, rheumatologisch, neurologisch und neuropsychologisch)
von einer Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätig
keit
von 80
%
aus
zu
gehen
sei
.
Vom
4.
Mai bis zum 3
0.
Juni
2015
habe der Grad der Arbeitsunfähigkeit
100
%
und
danach
bis Ablauf des ersten ha
lben Jah
res nach dem Unfall vom
4.
Mai 2015 mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit nicht über 70
%
betragen
. Die Einschätzung der behandelnden Ärzte
, wonach die Arb
eits
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit seit dem
1.
Januar 2016 mehr als 20
%
vermindert
sei, sei bei den mässigen rheumatologischen, psychiatrischen, neurologischen und neuropsychologischen Einschränkungen nicht nachzu
vollziehen
(
Urk.
9/
3
68/14).
Diese
Einschätzung der Gutachter des
D._
ist
ebenfalls
überzeugend.
Aus dem Umstand, dass die Suva dem Beschwerdeführer
nach dem Unfallereignis vom 4.
Mai 2015 bis Ende Dezember 2016
Taggelder ausrichtete
(vgl.
Urk.
9/260/186
und Urk. 9/260/226-227
)
, kann dieser nichts zu seinen Gunsten ableiten.
D
enn die
Taggelder wurden ihm ausgericht
et, weil er in der bisherigen und nicht in einer angepassten
Tätigkeit arbeitsunfähig war. Im Übrigen ist hinsichtlich der Folgen des Unfalls vom
4.
Mai 2015 auch auf
das
unangefochten in Rechtskraft erwachsene
Urteil des Sozialversicherung
sgerichts UV.2018.00001 vom 21.
August 2019 E.
5.
4 hinzuweisen
,
worin das Gericht
gestützt auf die durch
geführten Unfallabklärungen
erwog, dass
d
er Unfall
von moderaten Kräften b
egleitet gewesen sei
, welche hinsichtlich der Entstehung allfälliger HWS-Beschwerden grundsätzlich noch klar im unkritischen B
ereich gelegen hätten.
Auf die Beurteilung der Gutachter des
D._
kann somit abgestellt werden.
4.5
Gestützt auf das beweiskräftige Gutachten des
D._
kann somit festgestellt wer
den, dass
sich
seit der
Verfügung vom 10. September 2009 die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aufgrund einer leichtgradigen progredienten Verschlechterung des Zustandes de
s Bewegungsapparates sowie eines
in der Zwischenzeit eingetretenen Kleinhirninfarkt
s
in somatischer Hinsicht verschlechtert hat (
Urk.
9/368/13), wobei sich die zusätzlichen Einschränkungen
in der Gesamtbeurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
seit Januar 2016
nicht in quantitativer Hinsicht, wohl aber in qualitativer Hinsicht
(eingeschränkteres Belastungsprofil) niederschlagen
.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt, wie sich die eingeschränkte Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.
5.2
Bezüglich des
Valideneinkommens
hat das hiesige Gericht
bereits im Urteil
IV.2004.00877
vom 28. November 2005 festgehalten
,
«
dass
nicht
auf die bei der
L._
GmbH erzielten Einkommen abgestellt werden kann, da diese Firma bereits vor Eintritt des Gesundheitsschadens des Beschwerdeführers in Konkurs gefallen ist, womit er auch bei vollständig vorhandener Arbeitsfähigkeit nicht mehr für diese Firma tätig gewesen wäre. Hingegen war der Beschwerdeführer bei Eintritt des Gesundheitsschadens unstrittig
selbständigerwerbend
tätig mit seiner Firma für Gipserarbeiten und Isolationen. Laut Auszug aus dem individuellen Konto (
...
) erzielte er damit in den Jahren 1997 bis 1999 ein AHV-beitragspflichtiges Jahreseinkommen von
Fr.
13'600.-- und im Jahr 20
00 ein solches von
Fr.
7'800.--»
. Weiter wurde dargelegt, weshalb nicht auf die
ein
gereichten Buchhaltungsunterlagen
abgestellt werden
konnte
. Dabei zog das Gericht namentlich in Betracht,
dass der Beschwerdeführer
mit seiner am
6.
April 1993 im Handelsregister eingetragenen Einzelfirma zunächst ähnliche Zwecke verfolgte wie die in Konkurs geratene
L._
GmbH und sich erst ab Ende 1997 auf Gipser- und Aussenisolationsarbeiten konzentrierte, worin er jedoch weder über eine entsprechende Ausbildung noch über erhebliche berufliche Er
fahrung verfügte. Weiter wurde berücksichtigt
, dass er der Ausgleichskasse nur ein sehr geringfügiges beitragspfl
ichtiges Einkommen gemeldet hat
te
. Daher erachtete es das Gericht
nicht als überwiegend wahrscheinlich, dass
der Beschwerdeführer
auch ohne Eintritt des Gesundheitsschadens in der Lage gewesen wäre, mit seiner Einzelfirma dauerhaft ein existenzsicherndes Ein
kommen zu erzielen
(
E. 6.1;
Urk. 9/163/13
-14
).
Unter diesen Umständen
war
es nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin davon ausgegangen
war
, der Beschwerdeführer würde bei voller Gesundheit ein durchschnittliches Ein
kommen in einer einfachen und repetitiven Tätigkeit erzielen. Aufgrund der beruflichen Biographie (Ausbildung, Art der ausgeübten Tätigkeiten, erzieltes Einkommen) rechtfertigt
e
sich auch die Annahme der Beschwerdegegnerin, dass der Beschwerdeführer nicht zwingend in der Baubranche arbeiten würde und er keine Tätigkeit ausüben könnte, bei der Berufs- und Fachkenntnisse voraus
gesetzt werden, weil er nicht über eine dem Schweizerischen Fähigkeitsausweis entsprechende Ausbildung verfügt
e (E. 6.2
; vgl. auch Urk. 9/145 und Urk. 9/113/5
)
.
Diese Erwägungen haben weiterhin Gültigkeit, weshalb
vorliegend
im Rahmen der Ermittlung des
Valideneinkommens
die
LSE-T
abellenlöhne
(
LSE,
TA1_tirage_skill_level
,
einfache Tätigkeiten im privaten Sektor
[Kompetenz
niveau 1
]) heranzuziehen
sind
.
Im Weiteren ist auch das Invalideneinkommen anhand
desselben LSE-Tabellenlohns
zu bestimmen,
zumal
der Beschwerdeführer nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine ihm an sich zumutbare neue Er
werbstätigkeit aufgenommen hat.
Demgemäss kann vorliegend ein sogenannter Prozentvergleich bzw. eine rechnerische Vereinfachung vorge
nommen werden
. Das heisst, dass
das ohne Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen mit 100 % zu bewerten ist, während das Invaliden
einkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz zu veranschlagen ist
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 und 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1).
Vorliegend resultiert somit eine hypothetische Erwerbseinbusse von 20
%
.
5.3
Hinsichtlich des geltend gemachten Leidensabzugs ist darauf hinzuweisen,
dass
der Umstand allein, dass nur noch leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar sind, auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit kein Grund für einen zusätz
lichen leidensbedingten Abzug darstellt, weil der Tabellenlohn im Kompetenz
niveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten um
fasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_507/2020 vom 29. Oktober 2020 E. 3.3.3.2 mit Hinweisen).
Die
mangelnde Berufsbildung des Bes
chwerdeführers wurde bereits
bei der Wahl des Kompetenzniveaus 1 berücksichtigt.
Auf dem
mass
gebenden ausgeglichenen Stellenmarkt
werden Hilfsarbeiten sodann
alters
unabhängig nachgefragt (BGE 146 V 16 E. 7.2.1 mit Hinweisen).
Der Beschäftigungsgrad von 80
%
rechtfertigt bei Männern auf der untersten Stufe der beruflichen Stellung (ohne Kaderfunktion) keine
n
zusätzlichen Tabellenlohn
abzug (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 2
2.
März 2017 E. 3.2 mit Hinweisen).
Dasselbe gilt auch für einen
allfälligen
Berufswechsel.
Es ergibt sich damit ein
nach wie vor
nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 20
%
.
5.4
Da die Eingliederungsfähigkeit des
Beschwerdeführer
s
, der
seit Februar 2020
teil
zeitlich
für die
C
._
GmbH tä
tig ist (vgl. Sachverhalt
Ziff.
1.4
),
bejaht werden kann
, ist die Durchführung eines Assessments (vgl.
Art.
70
Abs.
1 IVV) im Übrigen
nicht angezeigt.
6.
Die angefochtene Verfügung
erweist sich damit als rechtens,
was zur
Abweisung der Beschwerde führt.
7.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie dem
u
nterliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen.
7.2
Dem Beschwerdeführer
wurde mit Verfügung vom
1
7.
November 2021
eine Frist von 30 Tagen angesetzt, um
dem Gericht
das
ausgefüllte
Formular zur Abklärung
der prozessualen Bedürftigkeit
und
Belege zu seiner
finanziellen Situation einzu
reichen (
Urk.
4).
Nachdem die
mehrfach erstreckte Frist ungenutzt
ablief (vgl. Sachverhalt E. 2
), ist a
ndrohungsgemäss davon auszugehen, dass keine prozessuale Bedür
ftigkeit besteht. Das Gesuch des Beschwerdeführers
um unent
geltliche Prozessführung
und Rechtsvertretung
ist daher abzuweisen.