Decision ID: 57e43927-f4f7-4d5a-b693-fec221c05526
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964, ist gelernte Krankenschwester und arbeitete bis
1998
im Rehabilitations- und Pflegeheim
Y._
(
Urk.
6/3
f.
). Am
2
2.
März
1998
meldete sie sich bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, IV-Stelle, unter Hinweis auf
seit dem Unfall vom
5. März 1998 bestehende
Rückenbeschwerden
zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/4).
Nach
umfangreichen
medizinischen
Abklärungen mit
insbesondere
Einholen
des
polydisziplinäre
n
Gutachten
s
des
Y._
GmbH,
vom 2
5.
Februar
2008
(
Urk.
6/123
und ergänzender Stellungnahme des
Y._
vom 1
9.
August
2008
[
Urk.
6/137]
)
verneinte
die IV-Stelle St. Gallen
mit V
erfügung
vom
3
0.
Oktober
2008
einen Leistungsanspruch (
Urk.
6/140
).
Der Entscheid
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 2
3.
August
2010
bestätigt
e die vorgenannte Verfügung
(
Urk.
6/151).
1.2
A
m
9.
April
2013
meldete sich
X._
nunmehr
bei der
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
wiederum
zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/154
). Die IV-Stelle klärte die beruflichen und medizinischen Verhält
nisse ab und
liess
die Versicherte
erneut
im
Y._
am
2
6.
u
nd 2
8.
Mai
2014
polydiszip
linär
untersuchen
(Gutachten vom
1
9.
Juni
2014
[
Urk.
6/2
19
]
und
ergänzende Stellungnahme
des
Y._
vom
2
3.
Dezember
2014
[
Urk.
6/232]
).
Nach
auferlegter
Schadenminderungspflicht (
Urk.
6/209
f.
) und durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
(
Urk.
6/211
,
Urk.
6/218,
Urk.
6/220-229
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
0.
Februar
2015
einen Leistungs
anspruch (
Urk.
2
).
2.
Gegen vorgenannte Verfügung erhob
X._
am
1
3.
März
2015
Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr eine Invalidenrente zuzusprechen (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom
1
0.
April
2015
schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5
unter Beilage ihrer Akten [
Urk.
6/1-249
])
.
A
m 1
4.
Juli
2015
hielt die Beschwerdeführerin an ihrem
Antrag
fest
(
Urk.
12)
, während
die
Beschwerde
gegnerin
mit
Eingabe vom 2
7.
Juli
2015
auf Erstattung einer Duplik
verzichtete
(
Urk.
15
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erhebli
chen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (
BGE
117
V
198
E.
3a, vgl. auch
BGE
133
V
108
E.
5.2).
Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle
Prü
fungspflicht
auch dem Gericht (
BGE
117
V
198
E.
3a, 109
V
108
E.
2b).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbe
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (
BGE
130
V
343
E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009
E.
1.2 und I
212/03 vom 2
8.
August
2003
E.
2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (
BGE
133
V
108; vgl. auch
BGE
130
V
71
E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 2
6.
März
2010
E.
1 mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (
BGE
125
V
256
E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (
BGE
125
V
256
E.
4 mit Hinweisen; AHI
2002
S.
70
E.
4b/cc).
1.5
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztbe
richtes
ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist,
in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeich
nung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (
BGE
134
V
231
E.
5.1; 125
V
351
E.
3a).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) legte die Beschwerdegegnerin dar, die Beschwerdeführerin
sei in ihrer angestammten Tätigkeit
zwar
eingeschränkt
.
Da ihr angepasste Tätigkeiten vollumfänglich zumutbar seien, resultiere aber
keine Erwerbseinbusse
. D
ementsprechend
betrage der
Invaliditätsgrad 0
%
,
womit kein Leistungsanspruch bestehe.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend (
Urk.
1),
das Gutachten des
Y._
vom
19. Juni
2014
sei nicht beweiskräftig
.
Aufgrund der
B
eurteilungen der behandelnden Ärzte
bestehe eine zumindest eingeschränkte Arbeits
fähigkeit. Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich seit
2011
erheblich verschlechtert, womit sich ein
Leistungsanspruch begründe
.
Eventualiter sei die Sache zur neuerlichen Begutachtung zurückzuweisen, um ein beweiskräftiges Gutachten einzuholen (
Urk.
12).
2.3
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin einge
treten und hat den Leistungsanspruch materiell geprüft. Strittig und zu prüfen ist, ob
die Beschwerdegegnerin
zu Recht
eine
anspruchsrele
vante
Verän
derung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin seit der leistungsab
weisenden Verfügung vom 30. Oktober 2008
(E.
1.3) verneint hat
.
3
.
3.1
Die
Verfügung vom 3
0.
Oktober
2008
(
Urk.
6/140
) beruht
e
im Wesentlichen auf dem
polydiszipli
nären Gutachten des
Y._
vom 2
5.
Februar
2008
(
Urk.
6/123) und dessen
ergänzenden Stellungnahme vom 1
9.
August
2008
(
Urk.
6/137). Sie wurde
bestätigt durch das Urteil des Versicherungsg
erichts des Kantons St.
Gallen, welches die medizinischen Akten detailliert zusammenfasste
(
Urk.
6/151/38-42)
; hierauf wird verwiesen.
3.2
Seit der letztmaligen materiellen Prüfung sind die folgenden, wesentlichen Berichte zu den Akten genommen worden:
3.2.1
Dem
Gutachten des
Y._
vom
1
9.
Juni
2014
(
Urk.
6/219
/38
)
sind die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen:
Chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom unter lumbaler und thorakaler Betonung (ICD-10 M
54.80/Z
98.8)
Status nach Rückenkontusion im Rahmen eines Sturzes am
5.
März
1998
Status nach
Spondylodese
LWK4/
5 beidseits mit Cage-Einlage am
3.
Februar
2012
Status nach Entfernung des
Osteosynthesematerials
LWK4/S,
Hemila
minektomie
und
Neurolyse
L5 rechts am 3
0.
August
2013
Radiologisch regelrechter Befund der Lendenwirbelsäule
Radiologisch unauffälliger Befund der Halswirbelsäule
Klinisch unauffälliger Befund
Intermittierende Drehschwindelsymptomatik (ICD-10 H
81.4)
Hinweise auf zentral-vestibuläre Funktionsstörung
Zudem enthält es die folgenden Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit:
Arterielle Hypertonie (ICD-10
I 10)
Leichte depressive Episode (
ICD-10
F
32.0)
Schmerzverarbeitungsstörung (Symptomausweitung) (
ICD-10
F
54)
Phobischer Schwindel (
ICD-10
F
40.2) bei anamnestisch Verdacht auf ini
tial
benignem paroxysmalen Lagerungsschwindel (H 81.1)
Verdacht auf funktionelles sensibles
Hemisyndrom
rechts mit
Symptom
ausweitung
(
ICD-10
F
54).
In einem interdisziplinären (Orthopädie, Neurologie, Otorhinolaryngologie
,
All
gemeine Innere Medizin und Psychiatrie
) Konsensus gelangten die Gutachter zu
r Feststellung, dass zusätzlich
zu den Rückenbeschwerden
, welche auch nach den
Operation
en
nicht
gebessert hätten
, die Beschwerdeführerin über
Schwin
delanfälle
, welche vor etwa eineinhalb Jahren plötzlich begonnen hätten, klage
(
Urk.
6/219
/39).
Vom Bewegungsapparat her sei bei der orthopädischen Untersuchung ein chro
nisches panvertebrales Schmerzsyndrom mit lumbaler und thorakaler Betonung bei Status nach
Spondylodese
LWK4/5 mit Cage-Einlage
2012
und
Material
ent
fernung
2013
diagnostiziert worden. Die übrigen radiologischen Befunde an der Wirbelsäule
hätten sich weitgehend unauffällig gezeigt
. Die Belastbarkeit der Lendenwirbelsäule sei aufgrund der objektiven orthopädischen Befunde ver
min
dert, sodass der Beschwerdeführerin körperlich schwere Tätigkeiten, wie
auch diejenige als Krankenschwester in der Pflege nicht mehr zugemutet wer
den könn
t
en. In einer körperlich leichten bis mittelschweren,
wechselbelasten
den
Tätigkeit bestehe eine volle Arbeits- und Leistungsfähigkeit
(
Urk.
6/219
/39)
.
Bei der neurologischen Untersuchung habe keine
radikuläre
Symptomatik als Schmerzursache festgestellt werden können. Für
di
e Sensibilitätsstörung rechts bestehe keine organische Ursache. Sie werde als funktionelles
Hemisyndrom
im Rahmen der Symptomausweitung beurteilt. Aus neurologischer Sicht bestehe ausser der verminderten Belastbarkeit der Wirbelsäule keine zusätzliche Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
6/2
19
/39)
.
Bei der
otorhinolaryngologischen
Untersuchung sei eine intermittierende
Dreh
schwindelsymptomatik
mit Hinweisen auf eine zentral-vestibuläre Funk
tions
störung diagnostiziert worden. Die peripher-vestibuläre Funktion sei nor
mal gewesen. Aus
otorhinolaryngologischer
Sicht bestehe eine qualitative Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit, indem sturzgefährdende Tätigkeiten sowie solche mit Eigen- oder Fremdgefähr
d
ung nicht verrichtet werden könn
t
en.
In zeitlicher Hinsicht sei die Arbeitsfähigkeit
nicht eingeschränkt
(
Urk.
6/219
/39)
.
Die allgemeininternistische
Untersuchung
habe zur Diagnose einer
arterielle
n
Hypertonie
, welche
medikamentös behandelt
werde, geführt
. Die übrigen Befunde seien unauffällig gewesen. Die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei aus allgemeininternistischer Sicht nicht eingeschränkt
(
Urk.
6/2
19
/39)
.
Bei der psychiatrischen Untersuchung sei eine leichte depressive Episode diagnos
tiziert worden. Zudem bestehe eine Schmerzverarbeitungsstörung mit
Symptom
ausweitung
. Diese erkläre die somatisch nicht ausreichend objektivier
baren Beschwerden, wie die Rückenschmerzen und den Schwindel. Die depres
sive Symptomatik sei nur leichtgradig ausgeprägt. Die Beschwerdeführerin sei dadurch im Alltag nicht behindert. Aus psychiatrischer Sicht
ergebe sich keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
(
Urk.
6
/219/
40)
.
Die Gutachter
hielten zusammenfassend fest
, dass die Beschwerdeführerin aus polydisziplinärer Sicht für eine körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbe
lastende Tätigkeit ohne absturzgefährdende Arbeiten oder solche an gefährli
chen Maschinen zu 100
%
arbeits- und leistungsfähig sei. Körperlich schwere Tätigkeite
n seien ihr nicht mehr zumutbar
.
Während die Gutachter die Fort
führung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung empfahlen, erachteten sie berufliche Massnahmen aufgrund der ausgeprägten subjektiven Krankheitsüberzeugung der Beschwerdeführerin für nicht angezeigt und die Prognose daher weiterhin als ungünstig (
Urk.
6/219/41).
3.2.2
Mit Schreiben
vom 1
7.
November
2014
nahm das
Z._
(
[
Urk.
6/228
]
) Stellung zum
Gutachten des
Y._
vom
19. Juni 2014
und gelangte zum Ergebnis, das Gutachten sei nicht verwertbar
(
Urk.
6/228/4)
.
Die Diagnosestellung lautete im Wesentlichen
(
Urk.
6/228/3)
:
1.
Chronische
Lumbalgien
2.
Cervicocephales
Schmerzsyndrom
3.
Rezidivierender
Attackenschwindel
seit November
2012
4.
Mittelgradige depressive Episode (
ICD-10
F
32.1)
5.
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (
ICD-10
F
45.4)
Diese Diagnosen hätten sehr wohl Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
. Sub
jektiv fühle sich die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsunfähig auch für angepasste Tätigkeiten. Das positive Leistungsbild bestehe aus
ungefähr
15 Mi
nuten Gehen,
30
Minuten Sitzen,
5 kg Heben. Das n
egative Leistungsbild bein
halte, dass keine Tätigkeit längere Zeit ausgeführt werden könne. Die Beschwer
deführerin brauche immer wieder Pausen, dies sofort bei
exazerbierenden
Schmerzen, sogar auf der Strasse
und
gemäss Fremdanamnese sofort Anhalten, wenn Schmerzen vorhanden seien. Es sei keine schwere Haushaltsarbeit mög
lich. Zudem bestünden viele Ängste und Nervosität. Aufgrund der
neuropsy
chologische
n
Einschränkung
en (Depression) sowie des
positive
n
und negative
n
Leistungsbild
es und der
Fremdanamnese
sei die Beschwerdeführerin
100
%
arbeitsunfähig auch für angepasste Tätigkeiten.
Insgesamt könne auf das Gutachten des
Y._
nicht abgestellt w
erden. Das Gut
achten sei
oberflächlich, psychiatrisch nicht nachvollziehbar (
Beschwerdeauf
nahme
fehle praktisch vollständig) und somit fehlerhaft und unvollständig
.
3.2.3
Mit e
rgänzende
r
Stellungnahme des
Y._
vom 2
3.
Dezember
2014
(
Urk.
6/232)
erklärten
die Gutachter, die psychopathologische Befunderhebung des
Z._
sei sehr dürftig
erfolgt
, wobei mehr subjektive als objektive Befunde angegeben worden seien.
U
nter Punkt 6
sei
eine schwere Depr
ession mit Schlafstörungen (3-4
Std. Durchschlaf), Lust- und Interesselosigkeit, Angst, Müdigkeit,
Konzen
trationsstörungen
, Vergesslichkeit, Sinnlosigkeitsgedanken,
Gedanken
krei
sen
, Rück
zug, Antriebslosigkeit, zum Teil auch Nervosität ohne
Appetitver
minde
rung
genannt
worden. Daraus liessen sich die ICD-10 Kriterien verminder
te Freudeempfindungsfähigkeit, erhöhte Ermüdbarkeit,
Konzentrati
ons
störungen
und
Schlafstörungen
ableiten, was einer leichten depressiven Episode nach ICD
10 entspreche.
B
ei einer mittelgradigen depressiven Episode nach ICD-10
käme es
auch zu einer Appetitverminderung mit mitunter Gewichtsabnahme und zu Schuldgedanken oder einem verminderten Selbstwert mit negativen
Zukunftsperspektiven beziehungsweise pessimistischen
Zukunfts
gedanken
, die allumfassend sein müssten. Auch könnte aufgrund der gestellten Diagnosen einer
mittelgradigen depressiven Episode
und einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
die attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit nicht nachvoll
zogen werden
. Zumindest
wäre
bei diesen Diagnosen eine
Teilar
beitsfähigkeit
zu erwarten gewesen.
Mithin
könne
auf die Beurteilung des
Z._
nicht
abge
stellt werden
.
D
ie
von der eigenen
Beurteilung
abweichende Ein
schätzung des
Z._
eines ähnlichen Gesundheitszustandes
gründe darin
, dass dort vor allem subjektive Befindlichkeiten miteinbezogen worden seien und zudem die soma
tische mit der psychiatrischen Beurteilung vermischt worden sei.
4.
4.1
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
(E.
2.2
)
vermag das
Gutachten
des
Y._
(E.
3.2.1
)
zu überzeugen. Es
beantwortet die gestellten Fragen umfas
send, berücksichtigt die
von der
Beschwerdeführer
in
geklagten Beeinträchtigun
gen, wurde in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
relevanten
Vor
ak
ten
erstellt und ist in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusam
menhänge einleuchtend. Ebenso wurden die gezogenen Schlussfolgerungen in nachvollziehbarer Weise hergeleitet. Das Gutachten wird damit den von der Rechtsprechung entwickelten Anforderungen an eine beweiskräftige medizini
sche Stellungnahme
(E.
1.5
) gerecht. Ihm ist
daher
volle Beweiskraft zuzuerken
nen
.
4.2
Das
-
erstmals
mit
Replik vom 1
4.
Juli
2015
(
Urk.
12
S.
2 f.
)
–
geltend
gemachte Vorbringen der
Beschwerdeführer
in
,
das Gutachten des
Y._
sei zu Unrecht ohne
Beizug
eines
Dolmetschers
erstellt worden
,
zielt ins Leere
.
G
rundsätzlich
ist es
Sache
des
Versicherten
, rechtzeitig einen Antrag bei der Verwaltung oder allenfalls beim Gericht zu stellen, die Durchführung medizinischer Abklärungen habe in
d
er Muttersprache zu erfolgen (Urteil des Bundesgericht
I 58/06 vom 1
3.
Juni
2006
E.
2.4 mit Hinweisen).
Trotz entsprechendem Hinweis, die Beschwerdeführerin habe anzuzeigen, sofern sie einen Dolmetscher benötige (
Urk.
6/190/2), unterliess sie es, um den
Beizug
eines Dolmetschers nachzu
suchen (
Urk.
6/192, 195). Ferner steht
d
ie Entscheidung darüber
, ob die Ver
ständigung mit einer
fremdsprachigen Exploran
di
n in ausreichendem Masse möglich oder ein Dolmetscher beizuziehen ist, im Ermessen des Gutach
ters. Er
hat
darüber nach Massgabe der bei der Auftragserfüllung zu wahrenden Sorgfalt
zu
entscheiden (Urteil des Bundesgerichts I 748/03 vom
3.
März
2004
E.
2.1; Alfred Bühler, Die Mitwirkung Dritter bei der medizini
schen Begutachtung im sozialversicherungsrechtlichen
Verwaltungs
verfahren
,
Jus
letter
3.
September
2007
Rz
31).
D
er
psychiatrische
Experte
des
Y._
erwähnt
e
,
die Beschwerdeführerin verfüge über nicht so gute, aber ausreichende Deutschkenntnisse (
Urk.
6
/219/
22)
.
Auch der orthopädische Gutachter notierte, dass die Unterredu
ng in deutscher Sprache erfolgt
und grundsätzlich ohne
Ver
ständigungsprobleme
möglich gewesen sei (
Urk.
6
/219/
26).
So
war es
denn
bei
den
möglich, eine zuverlässige fachmedizinisch
e Beurteilung abzugeben; d
avon ist auch in Bezug auf die
anderen teildisziplinären
Begutachtung
en
des
Y._
auszugehen.
Auch
finden sich im
Gutachten des
Y._
keine Anhaltspunkte, dass der psychiatrische Experte wegen Verständigungsschwierigkeiten Fragen offen lassen musste oder hinsichtlich der Befunde sowie Schlussfolgerung
en Unsi
cherheiten bestanden.
Die Befunde und Ergebnisse der spezialärztlichen Unter
suchungen sind
zudem
multidisziplinär diskutiert worden.
4.3
Fremdanam
n
estische Abklärungen sind
sodann
– entgegen der
Annahme
der Beschwerdeführerin (
Urk.
12
S.
3
)
-
bei der psychiatrischen Begutachtung nicht unerlässlich. Eine Fremdanamnese kann zwar eine zentrale Erfahrungsquelle für den Arzt darstellen, allerdings muss sich der medizinische Sachverständige von entsprechenden Erhebungen einen wesentlichen Erfahrungsgewinn versprechen können. Die Art der Begutachtung und insbesondere ihr Umfang können nicht losgelöst vom konkreten Fall bestimmt werden, sondern müssen in Zusammen
hang mit der Fragestellung und vom Krankheitsbild her gesehen werden (
Urteil des Bundesgericht
I 58/06 vom 1
3.
Juni
2006
E.
2.3 mit Hinweisen
).
Vorliegend konnte der psychiatrische Gutachter des
Y._
auf umfangreiche medizinische Unterlagen, insbesondere das
polydiszipli
näre Gutachten des
Y._
vom 2
5.
Februar
2008
(
Urk.
6/123), die ergänzende
Stellungnahme des
Y._
vom 1
9.
August
2008
(
Urk.
6/137) und sämtliche
weiteren
im
Urteil des
Versiche
rungsgerichts
des Kantons St. Gallen (
Urk.
6/151
)
gewürdigten medizinischen Akten
zurückgreifen. Nac
hdem die subjektiven Angaben der Beschwerdeführe
rin
stets kohärent waren
(
Urk.
6
/219/
18,
Urk.
6
/219/
20,
Urk.
6
/219/
26,
Urk.
6
/219/
32
)
, drängten sich weitere fremdanamnestische Abklärungen (ins
besondere Befragung von Angehörigen) nicht auf.
Zudem führten die
fremd
anamnestischen
Angaben, welche in der Stellungnahme des
Z._
enthalten
waren
(
Urk.
6/228
), zu keiner anderen gutachterlichen Einschätzung
(E.
3.2.3).
Auch
der Entscheid, ob eine Rücksprache mit den behandelnden Ärzten ange
zeigt ist, liegt grundsätzlich im Ermessen der Experten. Dass es sich dabei um eine sinnvolle Massnahme für die Verbesserung der Gutachtensakzeptanz han
delt, ändert nichts am Fehlen eines diesbezüglichen Rechtsanspruches der
Beschwer
deführerin
(ein solcher lässt sich auch nicht aus
BGE
137
V
210
E.
3.1.3.3 ableiten; vgl. Urteil
des Bundesgerichts
9C_270
/2012 vom 23. Mai
2012
E.
4.2).
4.4
Soweit in der Beschwerdeschrift die Dauer der psychiatrischen Exploration bemän
gelt wird (
Urk.
12
S.
2
), ist festzuhalten, dass der zu betreibende zeitliche Aufwand der Fragestellung und der zu beurteilenden Psychopathologie angemessen sein muss (Urteil
des Bundesgerichts 9C_671/2012
vom 1
5.
November
2012
E.
4.5 mit Hinweisen
). Für den Aussagegehalt eines medizi
nischen Gutachtens kommt es in erster Linie darauf an, ob die Expertise inhalt
lich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist. Trifft dies
-
wie hier
-
zu, ist die Untersuchungsdauer grundsätzlich nicht entscheidend (Urteil
des Bundesge
richts
9C_55/2009 vom
1.
April
2009
E.
3.3 mit Hinweisen). Im Übrigen liegt es in der Natur der Sache, dass eine psychiatrische Begutachtung sich nicht auf einen gleich langen Beobachtungszeitraum stützen kann wie die Berichte behandelnder Fachleute. Dies allein vermag den Beweiswert einer Expertise nicht zu schmälern. Mit Blick auf die umfangreichen
Vorakten
, erscheint der für die psychiatrische Begutachtung vom
2
6.
und 2
8.
Mai
2014
betriebene zeitliche Untersuchungsaufwand
von beinahe einer Stunde (
Urk.
6
/219/
22)
hinreichend; folglich überzeugt das Gutachten des
Y._
auch unter dem Aspekt der zeitlichen Dauer einer Expertise
(E.
1.5).
4.5
Was die Beschwerdeführerin bezüglich strukturiertem Beweisverfahren am Gut
achten des
Y._
bemängelt
(
Urk.
12
S.
4)
, hält angesichts der
aktuellen
Recht
sprechung nicht stand
(E.
5.3.3
)
.
Somit ist das Gutachten des
Y._
auch in dieser Hinsicht
beweiskräftig
.
5.
5.1
Im Hinblick auf die Frage, ob eine relevante Verschlechterung im massgeblichen Zeitraum
(E.
2.3) ausgewiesen ist, ist zum einen festzuhalten, dass die Parteien unbestrittenermassen von einem unveränderten gesundheitlichen Zustand der Beschwerdeführerin in somatischer Hinsicht ausgehen (
Urk.
1,
Urk.
12 S. 1). So ist der Beschwerdeführerin eine körperlich schwere Arbeit nicht mehr zumutbar (
Urk.
6/151/30;
E.
3.2.1), während eine angepasste körperliche Tätigkeit (
Anfor
derungsprofil
vgl.
E.
3.2.1)
-
so auch die angestammte Tätigkeit als
Kinder
krankenschwester
(
Urk.
6/151/30;
Urk.
6/219/30)
-
noch immer uneingeschränkt möglich ist, woran auch die Operationen am Rücken nichts geändert haben (
Urk.
6/219/40-14).
Was zum anderen den Gesundheitszustand aus psychiatrischer Sicht betrifft, so lagen im Februar 2008 eine Schmerzverarbeitungsstörung und ein Verdacht auf Symptomausweitung sowie ein chronisches Spannungstyp-Kopfweh vor (
Urk.
6/151/30), während nun
mehr neben der Schmerzverarbeitungsstörung mit phobischem Schwindel und dem Verdacht auf ein funktionelles sensibles
Hemisyndrom
rechts mit Symptomausweitung eine leichte depressive Episode besteht
(E.
3.2.1). Nachdem die
Y._
-Gutachter
-
wie bereits schon im Feb
ruar
2008 (
Urk.
6/123/16; vgl. auch
Urk.
6/151/40)
-
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht als nicht eingeschränkt bezeich
neten (
Urk.
6/219/40;
E.
3.2.1), ist eine relevante Verschlechterung ohne weite
res zu verneinen. Selbst wenn aber mit Blick auf die Diagnosen
der leichten depressiven Episode (
ICD-10
F
32.0) und
der Schmerzverarbeitu
ngsstörung (Symptomausweitung
[
ICD-10
F
54
]
) mit den Subdiagnosen des
phobischen Schwindel
s
(
ICD-10
F
40.2)
und des
Verdacht
s
auf funktionelles sensibles
Hemisyndrom
rechts mit Symptomausweitung (
ICD-10
F
54)
von einer Verän
derung des Gesundheitszustandes auszugehen wäre, fehlte es an einer Ein
schrän
kung der Leistungsfähigkeit und damit an einer rentenbegründenden Veränderung wie nachfolgend zu zeigen ist.
5.2
5.2.1
Mit
BGE
141
V
281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (
BGE
130
V
352 u
nd anschliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die
Invaliditätsbe
messung
stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichtigen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen nie
derschlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch
BGE
130
V
352 begründete Rechtspre
chung die Sicherstellung eines gesetzmäs
sigen Versicherungsvollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe bezie
hungsweise (seit
E.
7.3 von
BGE
130
V
396 und
BGE
131
V
49) der
Überwind
barkeitsvermutung
. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht festzuh
alten. Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturiertes Beweisverfahren er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materi
eller Beweisl
ast der rentenansprechenden Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhal
tender somatoformer Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) trete
n im Regelfall beachtliche Stan
dardindikatoren. Diese lassen sich in die Ka
tegorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präpon
deranz
der psychiatrischen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtlich
er Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der Standardindikatoren wie auch bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Einzel
fall zusammen. Im Grunde konkre
tisieren die in
E.
4 und 5 formulier
ten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psy
chosomatischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Anerkennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funktionellen Auswirkun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der
Standardindi
katoren
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
scheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der
Beweis
losigkeit
nach wi
e vor die materiell beweisbelas
tete vers
icherte Person zu tragen
(E.
6)
.
5.2.2
Gemäss
BGE
141
V
281 ist nicht nur die somatoforme Schmerzstörung zu prü
fen, sondern es fallen auch vergleichbare psychosomatische Leiden
unter dieselbe Rechtsprechung (
BGE
141
V
281
E.
4.2 mit Hinweis auf
BGE
140
V
8
E.
2.2.1.3).
5.2.3
Ob
vorliegend
in psychiatrischer Hinsicht ausschliesslich von einer
Schmerzstö
rung
oder einem vergleichbaren psychosomatischen Leiden
im Sinn eines "unklaren Beschwerdebildes" auszugehen ist, dessen Rentenrelevanz sich nach
BGE
141
V
281
beurteilt, entscheidet sich danach, ob die
leichte
depressive Epi
sode
(E.
3.2.1)
lediglich als Begleiterscheinung der Schmerzfehlentwicklung oder als selbständiges, davon losgelöstes Leiden anzusehen ist (Urteil 9C_173/2015 vom 2
9.
Juni
2015
E.
4.2.2).
5.2
.4
De
r psychiatrische Experte des
Y._
(E.
3.2.1)
führte
aus
, die
leichte
depressive Episode
(
ICD-10
F
32.0
)
sei gekennzeichnet durch verminderte
Freudempfin
dungsfähigkeit
, erhöhte Ermüdbarkeit, leichte Konzentrationsstörungen und Schlafstörungen (
Urk.
6
/219/
23). Negative Zukunftsperspektiven würden sich auf die gesundheitliche und berufliche Situation der Beschwerdeführerin bezie
hen. Im Vordergrund steht jedoch die ausgeweitete somatische
Beschwerde
symptomatik
mit Schmerzen im Bewegungsapparat und mit Schwindel.
Aus der Krankengeschichte der Beschwerdeführerin
wird
denn auch
ersichtlich, dass sich infolge des Unfalls (1998) eine Schmerzverstärkung entwickelt und diese wie
derum zu konsekutiven depressiven Symptomen geführt hat.
D
ass
die
leichte
depressive Episode nicht einer verselbständigten psychischen Beeinträchtigung
entspricht
, zeigt bereits die Diagnose im Gutachten des
Y._
vom 2
5.
Februar
2008
(
Urk.
6/
123/26) auf: Damals wurde noch keine Erkrankung aus dem depressiven Formenkreis diagnostiziert
. In der Tat deutet die Entwick
lung einer depressiven Erkrankung erst im Verlauf und nach dem Auftreten einer Schmerzerkrankung nicht auf eine eigenständige Erkrankung, sondern auf eine "blosse" Begleiterscheinung hin (z.B. Urteil 8C_689/
2014 vom 1
9.
Januar
2015
E.
3.4 mit Hinweisen
).
Vor diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung der gutachterlich
en Fest
stel
lung
, dass die leichtgradig ausgeprägte depressive Symptomatik die Beschwerdeführerin weder im Alltag noch in der Arbeitsfähigkeit behindere
(E.
3.2.1),
ist
die
leichte
depressive Episode
lediglich
als
Begleiterscheinung zum unklaren Beschwerdebild
zu werten
. Damit beurteilt sich die Frage der invalidi
sierenden Wirkung der
psychiatrischen Diagnosen
insgesamt
nach der soge
nannten Schmerzrechtsprechung
(E.
5.
2.1
f.)
.
5.3
5.
3
.1
Nach Aufgabe des Konzepts der Überwindbarkeitsvermutung, welche durch eine ergebnisoffene Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens als zentralem Beweisgegenstand abgelöst wird, scheint der Begriff des Kriteriums nicht mehr geeignet. Das Bundesgericht spricht fortan von Indikatoren, einem Begriff, der massgebliche Beweisthemen bezeichnet, anhand welcher ein bestimmter Sach
verhalt ermittelt wird (vgl. dazu auch Peter Henningsen, Probleme und offene Fragen in der Beurteilung der Erwerbsfähigkeit bei Probanden mit funktionellen Körperbeschwerdesyndromen, in: SZS
2014
S.
533 und 541 [Gutachten des
Prof. Dr.
Peter Henningsen, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Technische Universität München, vom Mai
2014
zu Fragen der Schweizer Praxis zur Invaliditätsfeststellung bei somatoformen und ver
wandten Störungen];
BGE
141
V
281
E.
4.1.1 und
E.
4.1.2).
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht i
n
BGE
141
V
281
wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
(E.
4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung"
(E.
4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
(E.
4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
resistenz
(E.
4.3.1.2)
Komorbiditäten
(E.
4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen;
E.
4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext"
(E.
4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens;
E.
4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
(E.
4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
(E.
4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zelfall relevanten) Indikatoren geben, verschaffen den Rechtsanwendern Indizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu überbrücken
(E.
4.1.3).
5.
3.2
In intertemporalrechtlicher Hinsicht ist sinngemäss wie in
BGE
137
V
210 (betref
fend die rechtsstaatlichen Anforderungen an die medizinische Begutach
tung) vorzugehen. Nach diesem Entscheid verlieren gemäss altem
Verfahrens
standard
eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vor
handenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (
BGE
a.a.O.
E.
6 in
initio
). In sinngemässer Anwendung der nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen admi
nistrativen und/oder gerichtlichen Sachver
ständi
gengutachten – gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berich
ten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Um
ständen eine punktuelle Ergänzung genügen (
BGE
141
V
281
E.
8).
5.
3.3
Wie im Folgenden zu zeigen ist,
erlauben die medizinischen Akten hier eine schlüssige Beurteilung gestützt auf die für das Beweisverfahren massgebenden Indikatoren und ist auch in Anwendung der neuen bundesgerichtlichen Recht
sprechung eine invalidisierende Wirkung der psychiatrischen Diagnosen zu ver
neinen. Eine Ergänzung des medizinischen Sachverhalts erübrigt sich damit.
Der psychiatrische Gutachter
hat sich
-
wenn auch, da noch in
Unkenntnis der heute geltenden bundesgerichtlichen Terminologie, nur sinngemäss
-
mit dem funktionellen Schweregrad d
er Beeinträchtigung auseinander
gesetzt:
Die
Gesund
heits
schädigung
betreffend wurde die Ausprägung der relevanten Befun
de thematisiert
(
Urk.
6/219/23 f. und 25
).
Ebenso wurden
Behandlungser
folg und
-
resistenz von den Gutachtern des
Y._
polydisziplinär erörtert
(
Urk.
6/219/41
)
und sprechen nicht für einen hohen Schweregrad der psychi
schen Störungen
. Trotz
eher
ungünstiger
Prognose
hinsichtlich
Krankheitsüber
zeugung
der Beschwerdeführerin
riet der psychiatrische Experte des
Y._
zu einer weiterführenden psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung
(
Urk.
6
/219/
26)
. Zusätzlich empfahl er die Einnahme von sedierenden und schmerzmodulierenden Antidepr
e
ssiva
sowie die Einführung vo
n
schlafhygie
nischen
Massnahmen
. Diese
noch nicht in Anspruch genommenen fachärztlich-psychiatrischen Therapie
n
sind
im Rahmen der Schadenminderungspflicht
rechtsprechungsgemäss
(vgl.
BGE
127
V
294
E.
4b/cc) zumutbar
. Den berufli
chen Massnahmen respektive der Wiedereingliederung der Beschwerdeführerin steht
ihre
subjektive Krankheitsüberzeugung und nicht
psychi
atri
sch begründete Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit im Wege
(E.
3.2.1
,
Urk.
6/219/24
).
Hie
raus lässt sich nicht auf eine invalidisierende, schwere psychische Störung, wel
che therapeutisch nicht
angehbar
wäre, schliessen (vgl.
BGE
141
V
281
E.
4.3.1.2).
Auch
die Frage von begleitenden Erkrankungen
(Komorbidität) wurde seitens des
Y._
eingehend
erörtert.
Eine Störung
-
wie die leichte depressive Episode -, welche nach der Rechtsprechung als solche nicht invalidisierend sein kann, ist nicht Komorbidität (
vgl.
BGE
141
V
281
E.
4.3.1.3 mit Hinweisen
)
.
Keine Komor
bidität sind ferner
der phobische Schwindel (ICD-10
F
40.2) und der Ver
dacht auf
ein
funktionelles sensibles
Hemisyndrom
rechts mit
Symptomaus
wei
tung
(ICD-10
F
54 [E. 3.2.1]), da diese
lediglich
eine diagnostisch unter
schied
lich erfasste Variante derselben Entität (Schmerzverarbeitungsstörung
mit Symptomausweitung [ICD-10
F
54]) darstellen
(
vgl.
Urk.
6/219/41;
BGE
1
4
V
281
E.
4.3.1.3 mit Hinweisen
)
.
Es bestehen sodann keine relevanten Hinweise auf im
Komplex der Persönlich
keit
zu prüfende Merkmale
und der soziale Kontext wurde im Gutachten eben
falls angesprochen und berücksichtigt
(
Urk.
6
/219/
23
).
Ohnehin vermag
auch
unter
BGE
141
V
281
ein psychosozial
bedingtes Beschwerdebild
(beispielsweise der Einfluss des Migrationshintergrunds, der nur kurzen Arbeitstätigkeit in ihrem angestammten Beruf als Kinderkrankenschwester oder der Abhängigkeit von der Familie [
Urk.
6
/219/
22])
keine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung darzustellen (Urteil des Bundesgerichts 9C_826/2015 vom 1
6.
April
2015
E.
3.1.1).
Unter dem Aspekt der Konsistenz erscheinen sowohl der Umfang der bestehen
den Lebensaktivitäten wie auch der Leidensdruck als genügend berücksichtigt.
Diesbezüglich zeigte der psychiatrische Experte des
Y._
Inkonsistenzen auf, indem die Beschwerdeführerin zwar eine subjektive Krankheitsüberzeugung mit schweren Beschwerden
zeige
(
Urk.
6
/219/
24)
, jedoch
einfache Haushaltsarbeiten
wie K
ochen oder
Brot
e
inkaufen
selber erledige,
weiterhin Reisen unternehme
und aus ihrem sozialen Umfeld nicht herausgefallen sei
(
Urk.
6
/219/
25).
5.3.4
Zusammenfassend fehlt es damit
-
selbst in
Beacht
ung der neuen
Standard
indikatoren
-
auch in psychiatrischer Hinsicht an einem invalidisierenden Gesundheitsschaden.
5.4
Insgesamt
ist
angesichts der
me
dizinischen Aktenlage
(E.
3.2)
mit dem
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
ausgewiesen, dass die Beschwer
deführerin
– unverändert (vgl.
Urk.
6/151/40-41)
-
in
angepasster
Tätigkeit als Krankenschwester zu 100
%
arbeitsfähig ist.
Eine
anspruchserhebliche
Ände
rung der tatsächlichen Verhältnisse ist damit nicht
überwiegend wahrscheinlich
(vgl.
BGE
134
V
109
E.
9.5)
gemacht worden, weshalb d
ie angefochtene Verfü
gung nicht zu beanstanden
ist
.
Dies führt
zur
Abweisung der Beschwerde.
6.
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversiche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61
lit
.
a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
legt. Vorliegend erweist sich eine Kosten
pauschale von Fr. 8
00.-- als angemes
s
en. Ausgangsgemäss ist diese der
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.