Decision ID: b7722af4-3ab8-4ab7-9cbb-65025a3ef892
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der afghanische Staatsangehörige A._ (nachfolgend: der Be-
schwerdeführer) suchte am 27. Februar 2022 im Bundesasylzentrum
(BAZ) der Region (...) um Asyl nach.
B.
B.a Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der euro-
päischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab, dass
er bereits am (...) 2018 sowie am (...) 2018 in Griechenland ein Asylge-
such gestellt hatte und ihm am (...) 2019 von den griechischen Behörden
internationaler Schutz gewährt worden war.
B.b Am 4. März 2022 fand die Personalienaufnahme (PA) statt.
B.c Am 10. März 2022 ersuchte das Staatssekretariat für Migration (SEM)
die griechischen Behörden gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Eu-
ropäischen Parlaments und des Rats vom 16. Dezember 2008 über ge-
meinsame Normen und Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung
illegal anwesender Drittstaatsangehöriger (nachfolgend: Rückführungs-
Richtlinie) und das Abkommen zwischen der Schweiz und Griechenland
über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt vom
28. August 2006 (SR 0.142.113.729) um Rückübernahme des Beschwer-
deführers.
B.d Die griechischen Behörden stimmten am 12. März 2022 dem Rück-
übernahmeersuchen des SEM zu und teilten mit, dass der Beschwerde-
führer über eine vorerst vom (...) 2019 bis am (...) 2022 gültige Aufent-
haltsbewilligung verfüge.
C.
Am 26. April 2022 erfolgte – im Beisein der dem Beschwerdeführer zuge-
wiesenen und am 3. März 2022 mandatierten Rechtsvertretung – das per-
sönliche Gespräch gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des
Europäischen Parlaments und des Rats vom 26. Juni 2013 zur Festlegung
der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die
Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in ei-
nem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig
ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). Dem Beschwerdeführer wurde dabei bis
zum 3. Mai 2022 Frist angesetzt, um im Rahmen des rechtlichen Gehörs
schriftlich Stellung zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid gemäss
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Art. 31a Abs. 1 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG;
SR 142.31) sowie zur Möglichkeit der Rückführung nach Griechenland zu
nehmen.
D.
D.a Mit Eingaben vom 2. Mai 2022 reichte die Rechtsvertretung des Be-
schwerdeführers das Formular "Medic-Help Zuweisungsschreiben Arzt
(ehemals F2)" vom 28. April 2022 sowie das Titelblatt des Protokolls der
Personalienaufnahme mit einer handschriftlichen Korrektur des Beschwer-
deführers zu den Akten.
D.b Gleichentags nahm der Beschwerdeführer innert Frist schriftlich Stel-
lung zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid sowie zur Möglichkeit
der Rückführung nach Griechenland und machte geltend, er wolle aus per-
sönlichen und medizinischen Gründen sowie wegen der allgemein schwie-
rigen Situation für Flüchtlinge auf keinen Fall nach Griechenland zurück-
kehren. Im Camp B._ sei es immer wieder zu Gewalt gekommen,
wobei das Sicherheitspersonal überhaupt keinen Schutz geboten habe. Er
selber sei Opfer von Gewalt geworden, wobei ihm von Schmugglern die
(...) gebrochen worden sei. Auch nachdem er den Schutzstatus erhalten
habe, sei er von diesen immer wieder verfolgt worden. Die griechische Po-
lizei gewähre keinen Schutz gegen solche Personen. Des Weiteren habe
er in Griechenland immer wieder an (...) mit (...) gelitten, weshalb er am
(...) 2018 von einem Arzt im Camp in B._ in ein Krankenhaus in
C._ überwiesen worden sei. Die dafür notwendige Bewilligung der
Behörden, um D._ für weitergehende medizinische Abklärungen
verlassen zu dürfen, habe er jedoch erst am (...) 2018 erhalten. Da die
befristete Bewilligung von den Migrationsbehörden nicht verlängert worden
sei, hätten die vorgesehenen Untersuchungen in C._ schlussend-
lich nicht stattfinden können. Da auch danach keine weiteren Abklärungen
mehr durchgeführt worden seien, kenne er bis heute die Ursache seiner
Beschwerden nicht. Des Weiteren sei es ihm in B._ auch (...)
schlecht gegangen, weshalb er einmal bei einem (...) gewesen sei. Dieser
habe ihm zwar Medikamente gegeben, weitere Möglichkeiten für (...) und
(...) Begleitung habe er aber nicht erhalten. Der medizinische Sachverhalt
sei denn auch bis heute nicht vollständig erstellt. Ferner brachte er vor,
dass die Lebensumstände für Flüchtlinge in Griechenland schwierig seien.
So seien die hygienischen Bedingungen schlecht gewesen und es sei im-
mer wieder zu Gewalt gekommen. Nach der Schutzgewährung habe sich
seine Situation weiter verschlechtert, da er keine finanzielle Unterstützung
mehr erhalten habe und infolgedessen auch obdachlos geworden sei. Es
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sei auch schwierig gewesen Arbeit zu finden und sich zu integrieren. Er
leide nach wie vor an (...), müsse teilweise auch (...) und sei (...) ange-
schlagen. Dementsprechend sei er als vulnerable Person zu qualifizieren.
Bei einer Rückkehr nach Griechenland würde er erneut keine hinreichende
medizinische Versorgung erhalten und wäre obdachlos. Damit würden of-
fensichtlich keine günstigen Voraussetzungen oder Umstände vorliegen,
welche eine Wegweisung nach Griechenland im Sinne der Rechtspre-
chung des Bundesverwaltungsgerichts rechtfertigen könnten.
Mit der Eingabe wurden mehrere Videoaufnahmen, ein Foto des Be-
schwerdeführers, diverse Unterlagen aus Griechenland (ohne Überset-
zung) sowie eine Tazkira des Beschwerdeführers (in Kopie) zu den Akten
gereicht.
E.
Am 9. Juni 2022 liess der Beschwerdeführer das vom selben Tag datie-
rende Formular "Medic-Help Zuweisungsschreiben Arzt (ehemals F2)" zu
den Akten reichen. Mit Eingabe vom 14. Juni 2022 legte die Rechtsvertre-
tung des Beschwerdeführers ein Formular "Medic-Help Zuweisungsschrei-
ben Arzt (ehemals F2)" vom 11. Juni 2022, zwei provisorische Berichte des
Kantonsspitals (...) vom 11. und 12. Juni 2022 sowie einen Radiologiebe-
fund des Kantonsspitals (...) vom 11. Juni 2022 ins Recht. Mit Schreiben
vom 20. Juni 2022 liess der Beschwerdeführer einen ärztlichen Bericht von
Dr. med. E._, (...), vom 3. Mai 2022 nachreichen.
F.
Mit Zuweisungsentscheid vom 27. Juli 2022 wurde der Beschwerdeführer
für den weiteren Verlauf des Verfahrens dem Kanton F._ zugewie-
sen.
G.
Am 22. Juni 2022 ging bei der Vorinstanz ein ambulanter Bericht vom
17. Juni 2022 des Kantonsspitals G._ ein.
H.
H.a Am 16. August 2022 übermittelte das SEM der Rechtsvertretung den
Entwurf des Entscheids betreffend Nichteintreten auf das Asylgesuch und
Drittstaatenwegweisung des Beschwerdeführers nach Griechenland zur
Stellungnahme.
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H.b Mit Stellungnahme vom 17. August 2022 teilte die damalige Rechts-
vertretung mit, der Beschwerdeführer wolle auf keinen Fall nach Griechen-
land zurückkehren, da insbesondere seine gesundheitlichen Probleme ei-
ner Wegweisung entgegenstehen würden. So leide er nicht nur an Proble-
men mit der (...) und dem (...), sondern auch an (...) und (...) Problemen,
welche sich in täglichem (...) und (...) manifestieren würden. Diese Be-
schwerden habe er bereits seit seinem Aufenthalt in Griechenland. Von
dort habe er auch ein Bestätigungsschreiben eines Arztes, gemäss wel-
chem er unter (...) Problemen leide und eine entsprechende Behandlung
benötige. Er habe in seiner Unterkunft in den vergangenen Monaten mehr-
mals erfolglos versucht, einen Arzttermin zu erhalten. Da er trotz mehrma-
liger Nachfrage keinen Arzttermin erhalten habe, habe er sich an seine vor-
malige Rechtsvertreterin, Frau H._, gewandt, welche sich am (...)
2022 per E-Mail an den Gesundheitsdienst in I._ gewandt und die-
sen darüber informiert habe, dass der Beschwerdeführer mehrmals erfolg-
los versucht habe, einen Arzttermin zu erhalten. Der medizinische Sach-
verhalt sei mit Blick auf die (...) Probleme bis heute nicht vollständig er-
stellt. Sodann wurde hinsichtlich der in Griechenland erlittene Bedrohung
durch Drittpersonen sowie der prekären Lebensbedingungen von Perso-
nen mit Schutzstatus auf die Ausführungen in der Stellungnahme vom
2. Mai 2022 verwiesen. Schliesslich wurde darüber informiert, dass der Be-
schwerdeführer sich seit mehreren Monaten in einer ernsthaften Bezie-
hung mit einer afghanischen Staatsangehörigen befinde, welche im Kanton
J._ wohnhaft sei und über eine Aufenthaltsbewilligung verfüge. Sie
würden beabsichtigen in Kürze ein Ehevorbereitungsverfahren einzuleiten.
I.
Mit tags darauf eröffneter Verfügung vom 17. August 2022 trat das SEM in
Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers nicht ein, verfügte die Wegweisung nach Griechenland
und forderte ihn auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Be-
schwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig wurde der Kanton F._ mit
dem Vollzug der Wegweisung beauftragt. Überdies wurden dem Beschwer-
deführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis ausgehän-
digt.
J.
Die zugewiesene Rechtsvertretung des Beschwerdeführers teilte dem
SEM mit Schreiben vom 18. August 2022 die Beendigung des Mandats-
verhältnisses mit.
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K.
Mit in englischer Sprache verfassten Eingabe vom 23. August 2022 (Da-
tum des Poststempels) erhob der Beschwerdeführer gegen die
vorinstanzliche Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde
und beantragte in materieller Hinsicht, die Verfügung vom 17. August 2022
sei aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu
gewähren. Des Weiteren sei festzustellen, dass die Durchführung der Ab-
schiebung unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei. In verfahrensrecht-
licher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie
Verbeiständung und eventualiter um Erteilung der aufschiebenden Wir-
kung. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates.
Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung des SEM
vom 17. August 2022 sowie diverse Unterlagen aus Griechenland (ohne
Übersetzung), welche er bereits mit Stellungnahme vom 2. Mai 2022 ins
Recht gelegt wurden, bei.
L.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
24. August 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
Gleichentags bestätigte dieses den Eingang der Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsge-
richt vom 17. Juni 2005 (VGG; SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsge-
richt zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1986
(VwVG; SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls
in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni
2005 [BGG; SR 173.110]).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Zwar wurde die handschriftlich in
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englischer Sprache verfasste Beschwerde nicht in einer Amtssprache des
Bundes verfasst (vgl. Art. 70 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweize-
rischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV; SR 101] und Art. 33a
Abs. 1 VwVG), angesichts der kurzen gesetzlichen Behandlungsfrist (vgl.
Art. 109 Abs. 3 AsylG) kann jedoch aus prozessökonomischen Gründen
auf eine Übersetzung derselben in eine Amtssprache verzichtet werden,
zumal die Rechtsbegehren klar und ohne weiteres verständlich sind (vgl.
hierzu statt vieler Urteil des BVGer D-5427/2021 vom 16. Dezember 2021
S. 3). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit –
unter nachstehendem Vorbehalt – einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und
Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.4 Gemäss Art. 55 Abs. 1 VwVG hat die Beschwerde in Verwaltungssa-
chen aufschiebende Wirkung und das SEM hat der Beschwerde die auf-
schiebende Wirkung nicht entzogen (Art. 55 Abs. 2 VwVG). Der Beschwer-
deführer darf den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten
(Art. 42 AsylG). Auf den Antrag, es sei der Beschwerde die aufschiebende
Wirkung zu erteilen (vgl. Rechtsbegehren 5), ist daher mangels Rechts-
schutzinteresses nicht einzutreten.
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5
E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). Bezüglich der Frage der Wegweisung und
des Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vor-
genommen, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle
Kognition zukommt.
3.
Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt –
als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Durchführung eines
Schriftenwechsels zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 AsylG).
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4.
4.1 Das SEM führte zur Begründung seines Nichteintretensentscheids im
Wesentlichen aus, der Bundesrat habe Griechenland als sicheren Dritt-
staat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG bezeichnet. Abklärungen
hätten ergeben, dass der Beschwerdeführer am (...) 2019 in Griechenland
subsidiären Schutz erhalten habe. Er könne nach Griechenland zurückkeh-
ren, ohne eine Rückschiebung in Verletzung des Non-Refoulement-Prin-
zips im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG befürchten zu müssen. In Würdigung
der Aussagen des Beschwerdeführers, den vorliegenden Arztberichten
und den getätigten Abklärungen, sei der medizinische Sachverhalt als er-
stellt zu erachten und es würden keine Hinweise vorliegen, wonach anläss-
lich weiterer möglicher ärztlicher Konsultationen bei ihm derart schwerwie-
gende Diagnosen gestellt werden könnten, welche an der Einschätzung
des SEM hinsichtlich der Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Verhältnismässig-
keit seiner Wegweisung nach Griechenland etwas zu ändern vermögen
könnten. Weiter könne die im Rahmen der Stellungnahme vom 17. Au-
gust 2022 erwähnte Partnerschaft mit einer afghanischen Staatsangehöri-
gen, welche im Kanton J._ wohnhaft sei, nicht als gelebte Bezie-
hung betrachtet werden, womit diese nicht als schützenswert im Sinne von
Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihei-
ten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101) zu werten sei. Auch ein all-
fälliges Ehevorbereitungsverfahren setze nicht zwingend seine Anwesen-
heit in der Schweiz voraus. Folglich sei in Anwendung von Art. 31a Abs. 1
Bst. a AsylG nicht auf sein Asylgesuch einzutreten.
Hinsichtlich des Vollzugs der Wegweisung nach Griechenland stellte die
Vorinstanz fest, Griechenland habe die Richtlinie 2011/95/EU des europä-
ischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2011 (nachfolgend:
Qualifikationsrichtlinie) umgesetzt. Entsprechend könnten sich Personen
mit Schutzstatus in Griechenland auf die Garantien berufen, wonach sie
griechischen Bürgerinnen und Bürgern gleichgestellt seien in Bezug auf
Fürsorge, den Zugang zu Gerichten und den öffentlichen Schulunterricht,
respektive gleichgestellt mit anderen Ausländern und Ausländerinnen. Un-
terstützungsleistungen und weitere Rechte müssten direkt bei den zustän-
digen Behörden eingefordert werden, falls notwendig auf dem Rechtsweg,
ergänzend bei einer der vor Ort tätigen Hilfsorganisationen. Die in Grie-
chenland allgemein schwierigen ökonomischen Lebensbedingungen so-
wie die herrschende Wohnungsnot träfen die ganze Bevölkerung und ver-
möchten die Zulässigkeit und die Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegwei-
sung nicht zu widerlegen. Weiter sei auch die medizinische Versorgung
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des Beschwerdeführers gewährleistet und es würden keine erhärteten Hin-
weise vorliegen, wonach ihm Griechenland eine notwendige medizinische
Behandlung verweigert habe oder zukünftig verweigern werde. Aufgrund
der Aktenlage sei nicht davon auszugehen, dass bei ihm gesundheitliche
Probleme vorliegen würden, welche von einer solchen schwere seien, dass
sie in Griechenland nicht adäquat behandelt werden können beziehungs-
weise die Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges recht-
fertigen würden. Seinem aktuellen Gesundheitszustand werde bei der Or-
ganisation der Überstellung insofern Rechnung getragen, als Griechenland
vor der Überstellung bei Bedarf über alle notwendigen medizinischen Be-
handlungen informiere. Der Vollzug der Wegweisung sei somit zulässig.
Alsdann würden weder die in Griechenland herrschende Situation noch an-
dere Gründe, wie der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers oder
die geltend gemachten Lebensumstände in Griechenland, gegen die Zu-
mutbarkeit der Wegweisung in diesen Staat sprechen. Schliesslich sei der
Wegweisungsvollzug technisch möglich und durchführbar.
4.2 In der Beschwerde führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus,
er sei im Jahr 2018 nach Griechenland gelangt, wo er um Asyl habe ersu-
chen müssen. Er sei als vulnerable Person eingestuft worden und bei ihm
sei ein (...) ("...") diagnostiziert worden. Er sei zunächst in einem Kranken-
haus in D._ behandelt worden, wo ein (...) bestätigt habe, dass er
an (...) Problemen sowie (...) und (...) leide. Er sei daraufhin in ein Kran-
kenhaus in C._ verwiesen worden. Hierfür sei ihm von der Polizei
eine während eines Monats gültigen Bewilligung ausgestellt worden. Da
ihm die Bewilligung nicht verlängert worden sei, habe er den auf einen spä-
teren Zeitpunkt vereinbarten Termin im Krankenhaus K._ nicht
wahrnehmen können. Weil er medizinisch nicht behandelt worden sei,
habe er Griechenland schliesslich in Richtung Schweiz verlassen. Hier
habe er von den ihn behandelnden Ärzten jedoch nur Medikamente erhal-
ten, welche er nicht vertragen habe und bei ihm (...) sowie (...) verursacht
hätten. Er habe mehrmals vergeblich versucht einen Arzttermin zu erhal-
ten, habe deshalb auch seine damalige Rechtsvertreterin kontaktiert und
diese darum gebeten, dem Gesundheitsdienst seiner Unterkunft im BAZ
mitzuteilen, dass er einen Arzttermin benötige. Auf Nachfrage sei ihm mit-
geteilt worden, dass seine Rechtsvertreterin keine entsprechende Nach-
richt hinterlassen habe. Auch nach seinem Transfer ins Durchgangszent-
rum L._ habe er darum gebeten, einen (...) besuchen zu dürfen,
woraufhin für den 24. August 2022 ein Termin mit einem Allgemeinmedizi-
ner vereinbart worden sei. Bis heute sei der medizinische Sachverhalt nicht
vollständig abgeklärt. Soweit das SEM in seiner Verfügung argumentiere,
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dass er nach Griechenland zurückkehren könne, weil er keine weiteren
medizinischen Untersuchungen benötige, da er keinen Arzt besucht habe,
sei entgegen zu halten, dass er wiederholt versucht habe, einen Arzttermin
zu erhalten.
5.
5.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein-
getreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a Abs. 2
Bst. b AsylG als sicheren bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, in
welchem sie sich vorher aufgehalten hat.
5.2 Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellun-
gen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG
besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Durch den
Beschluss des Bundesrats vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche
Länder der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandels-
assoziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet.
5.3 Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest,
dass es sich bei Griechenland – als Mitglied der EU – um einen sicheren
Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt und legte aus-
führlich und zutreffend dar, weshalb sie nicht auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers eingetreten ist. Sodann ist den Akten zu entnehmen, dass
dem Beschwerdeführer in Griechenland internationaler Schutz gewährt
worden ist und die griechischen Behörden seiner Rückübernahme am
12. März 2022 ausdrücklich zugestimmt haben (vgl. SEM-Akte [...]-15/1).
Die offenbar bis (...) 2022 gültige Aufenthaltsbewilligung dürfte verlänger-
bar sein, solange die von Griechenland gewährte Schutzgewährung be-
stand hat; der Schutz würde erst erlöschen, wenn die Umstände, die zu
ihm geführt haben, weggefallen sind, wofür es vorliegend jedoch keinerlei
Hinweise gibt (vgl. Urteil des BVGer D-5056/2021 vom 29. November 2021
E. 5.2). Das Land ist unter anderem Signatarstaat des Abkommens über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951 (FK; SR 0.142.30)
und es bestehen weder objektive Anhaltspunkte noch substanzielle Hin-
weise für eine drohende Rückschiebung in ihren Heimatstaat unter Verlet-
zung des Refoulement-Verbots.
5.4 Demnach sind die Voraussetzungen für einen Nichteintretensentscheid
nach Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG erfüllt, weshalb das SEM auf das Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers zu Recht nicht eingetreten ist. Dies wurde
vom Beschwerdeführer im Übrigen auch nicht bestritten.
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Seite 11
6.
6.1 Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Regel
die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berück-
sichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG).
6.2 Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer erstmals in der Stellungnahme
zum Entscheidentwurf vom 17. August 2022 geltend gemachten Bezie-
hung zu seiner in der Schweiz lebenden Verlobten, womit er sinngemäss
eine Verletzung der Einheit der Familie auf Art. 8 EMRK (Recht auf Ach-
tung des Privat- und Familienlebens) rügte, kann auf die zutreffenden Aus-
führungen in der angefochtenen Verfügung verweisen werden (vgl. dort
E. II, S. 7 sowie die Zusammenfassung dieser Ausführungen in E. 4.1 hier-
vor), denen sich das Bundesverwaltungsgericht vollumfänglich anschliesst
und welchen der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene nichts entge-
genhielt.
6.3 Der Beschwerdeführer verfügt derzeit weder über eine ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Aus-
länderinnen und Ausländer und über die Integration [AIG; SR 142.20]).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe [FoK; SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der
Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG
kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn
sie aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt
und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Ge-
fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vor-
läufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich,
wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder in den Heimat- oder in den
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Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht
werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.3
7.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Referenzurteil
E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 einlässlich mit der Situa-
tion in Griechenland auseinandergesetzt und an seiner bisherigen Recht-
sprechung festgehalten, wonach der Vollzug der Wegweisung nach Grie-
chenland für Personen, die dort einen Schutzstatus erhalten haben, grund-
sätzlich zulässig ist. Das Gericht geht nicht von einer Situation aus, in der
jeder Person mit Schutzstatus in Griechenland eine unangemessene und
erniedrigende Behandlung im Sinne einer Verletzung von Art. 3 EMRK dro-
hen würde. Trotz existierender Schwachstellen kann nicht von einem dys-
funktionalen Aufnahmesystem gesprochen werden. Gewisse Angebote
existieren in Griechenland, die auch für Schutzberechtigte offenstehen,
wenn auch die Kapazitäten kaum ausreichend sein dürften und Infrastruk-
turhilfen und Angebote bisher vor allem von internationalen Akteuren, zu-
vorderst der EU, dem Hohen Flüchtlingskommissariat der Vereinten Natio-
nen für Flüchtlinge (UNHCR) und der Internationalen Organisation für Mig-
ration (IOM) abhängen, die – in Zusammenarbeit mit der lokalen Zivilge-
sellschaft – Leistungen erbringen und finanzieren. Trotz dieser schwierigen
Verhältnisse geht das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass schutz-
berechtigte Personen grundsätzlich in der Lage sind, ihre existenziellen
Bedürfnisse abzudecken. Auch ist davon auszugehen, dass Rückkehren-
den keine menschenunwürdige Behandlung droht, weshalb für sie kein
"real risk" einer völkerrechtswidrigen Behandlung besteht.
7.3.2 Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass
eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist
(vgl. Referenzurteil des BVGer E-3427/2021, E-3431/2021 vom
28. März 2022 E. 11.3). Die Legalvermutung der Zumutbarkeit des Voll-
zugs der Wegweisung gilt bezüglich Griechenland grundsätzlich auch für
vulnerable Personen, wie zum Beispiel Schwangere oder Personen, die an
gesundheitlichen Problemen leiden, die nicht als schwerwiegende Erkran-
kung einzustufen sind (vgl. a.a.O. E. 11.5.1).
7.4 Es obliegt grundsätzlich der betroffenen Person, diese Legalvermutun-
gen umzustossen. Dazu hat sie ernsthafte Anhaltpunkte dafür vorzubrin-
gen, dass die Behörden im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr
nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen
Lebensumständen aussetzen würden respektive, dass sie in Griechenland
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aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder ge-
sundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. Refe-
renzurteil des BVGer E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022
E. 11.4).
8.
8.1 Der Beschwerdeführer hat in Griechenland einen subsidiären Schutz-
status erhalten. Als Schutzberechtigter kann er sich auf die Garantien der
Qualifikationsrichtlinie berufen (insbesondere die Regeln betreffend den
Zugang zu Beschäftigung [Art. 26], zu Bildung [Art. 27], zu Sozialhilfeleis-
tungen [Art. 29], zu Wohnraum [Art. 32] und zu medizinischer Versorgung
[Art. 30]), auf die sich Griechenland als EU-Mitgliedstaat behaften lassen
muss. Aufgrund der Akten liegen auch keine Anhaltspunkte dafür vor, dass
er für den Fall einer Rückkehr nach Griechenland dort mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen
Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Der Beschwerdeführer führte le-
diglich unsubstantiiert aus, in Griechenland unter unhygienischen Umstän-
den in Camps, in Zelten oder auf der Strasse gelebt zu haben, wobei er
medizinisch nicht angemessen behandelt worden sei. Zudem brachte er
vor, es sei allgemein bekannt, dass Griechenland die Vorgaben für Asylsu-
chende beziehungsweise anerkannte Flüchtlinge nicht erfüllen könne. In-
dessen machte er nicht geltend, sich während seines Aufenthalts in Grie-
chenland vergeblich um Hilfe oder Unterstützung seitens der Behörden be-
müht zu haben, und es ist ausserdem nicht ersichtlich, dass er rechtlich
gegen eine allfällige Verweigerung von Unterstützungsleistungen vorge-
gangen wäre. Es ist unbestritten, dass die Lebensbedingungen in Grie-
chenland schwierig sind; dennoch ist unter diesen Umständen im heutigen
Zeitpunkt nicht von einem "real risk" auszugehen, dass er bei einer Rück-
kehr nach Griechenland einer menschenrechtswidrigen Behandlung aus-
gesetzt wäre. Auch unter Berücksichtigung der Schwächen des griechi-
schen Aufnahmesystems vermag allein die blosse Möglichkeit, in nicht ab-
sehbarer Zeit aus nicht voraussehbaren Gründen in eine missliche Lebens-
situation zu geraten, die einer Aussetzung einer existenziellen Notlage und
andauernden menschenrechtswidrigen Behandlung gleichkäme, die hohe
Schwelle zum "real risk" nicht zu erreichen.
8.2
8.2.1 In Bezug auf seinen (...) Gesundheitszustand rügte der Beschwerde-
führer, der medizinische Sachverhalt sei nicht vollständig erstellt worden.
D-3642/2022
Seite 14
8.2.2 Im Asylverfahren – wie in anderen Verwaltungsverfahren auch – gilt
der Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Danach
muss die entscheidende Behörde den Sachverhalt von sich aus abklären.
Sie ist verantwortlich für die Beschaffung der für den Entscheid notwendi-
gen Unterlagen und das Abklären sämtlicher rechtsrelevanter Tatsachen
(vgl. ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfah-
ren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, N 142; PAT-
RICK KRAUSKOPF/KATRIN EMMENEGGER/FABIO BABEY, in: Waldmann/Weis-
senberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz,
2. Aufl. 2016, N 20 ff. zu Art. 12 VwVG). Die unrichtige oder unvollständige
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behörd-
lichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106
Abs. 1 Bst. b AsylG, Art. 49 Bst. b VwVG). Unrichtig ist die Sachverhalts-
feststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder
nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig
ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt
nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für die Entscheidung we-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl. dazu CHRISTOPH AUER/
ANJA MARTINA BINDER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum
Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl., 2019,
N 16 zu Art. 12 VwVG). Ihre Grenze findet die Untersuchungspflicht der
Behörde in der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person (Art. 13
Abs. 1 VwVG und Art. 8 Abs. 1 AsylG).
8.2.3 Die Vorinstanz hat nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts be-
treffend den (...) Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zutreffend
festgestellt, dass der medizinische Sachverhalt für die Beurteilung der Zu-
lässigkeit und Zumutbarkeit einer Wegweisung nach Griechenland genü-
gend erstellt ist. Diesbezüglich ist auf die entsprechenden Ausführungen in
der angefochtenen Verfügung zu verweisen (vgl. dort E. II, S. 6 f. sowie die
Zusammenfassung dieser Ausführungen in E. 4.1 hiervor). Der Beschwer-
deführer machte zwar im Laufe des erstinstanzlichen Verfahrens und auch
in seiner Beschwerde wiederholt geltend, obwohl ein griechischer (...) bei
ihm (...) Probleme festgestellt habe, sei er in der Folge nicht angemessen
behandelt worden. Indes haben ihn seine (...) Probleme offenbar nicht der-
art beeinträchtigt, dass es ihm verunmöglicht gewesen wäre, zeitweise in
der (...) zu arbeiten und seine Reise in die Schweiz zu organisieren und
durchzuführen. Aus den Akten ergibt sich sodann, dass er am 3. Mai 2022,
am 11. Juni 2022 sowie am 17. Juni 2022 in der Schweiz in ärztlicher Be-
handlung war, wobei den entsprechenden Arztberichten keine Hinweise
D-3642/2022
Seite 15
auf (...) Beschwerden zu entnehmen sind (vgl. SEM-Akten [...]-26/7 [nach-
folgend: SEM-Akte 26/7] und [...]-27/2 [nachfolgend: SEM-Akte 27/2]). Ge-
mäss telefonischer Auskunft des MedicHelp im BAZ I._ vom
27. Juli 2022 habe er seine (...) Verfassung zudem weder im Rahmen der
medizinischen Erstkonsultation noch im weiteren Verlauf des Verfahrens
gegenüber dem Gesundheitsdienst erwähnt (vgl. SEM-Akte [...]-30/1). Die
im Zeitpunkt des vorinstanzlichen Entscheides vorliegenden ärztlichen Be-
richte und die darin festgehaltenen Diagnosen (vgl. hierzu E. 8.3.2.2 hier-
nach) sowie die sonst aus den Akten hervorgehenden Hinweise auf den
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers liessen hinreichend klar er-
kennen, dass der Beschwerdeführer zwar an gewissen körperlichen und
(...) Beeinträchtigungen leidet, gleichzeitig aber nicht von einem schwerer
beeinträchtigten Gesundheitszustand auszugehen ist, welcher Anlass zur
Befürchtung gibt, dass bei einer Überstellung nach Griechenland eine
ernsthafte, rapide und irreversible Verschlechterung seiner Lage, verbun-
den mit übermässigem Leiden oder einer bedeutenden Verkürzung der Le-
benserwartung, zu erwarten wäre, wie sie zur Annahme der Unzulässigkeit
des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen Gründen gefordert wird. Der
Sachverhalt war unter dem Aspekt der angewandten Rechtsbestimmung
entscheidreif und die Vorinstanz nicht verpflichtet, weitere und umfangrei-
chere Nachforschungen anzustellen. Sie hat sodann alle wesentlichen Um-
stände in ihre Würdigung einbezogen und in ihrer Verfügung ihre Vorge-
hensweise und ihre Überlegungen dargelegt, aufgrund welcher sie – bezo-
gen auf den vorliegenden Einzelfall – zum Schluss gekommen ist, es lägen
keine Gründe vor, die gegen einen Wegweisungsvollzug sprächen. Sie hat
sich mit den Diagnosen, den Umständen in Griechenland und dem Ein-
wand, dass weitere Abklärungen des Gesundheitszustandes des Be-
schwerdeführers notwendig seien, genügend auseinandergesetzt.
8.2.4 Nach dem Gesagten liegen keine konkreten Hinweise vor, dass der
medizinische Sachverhalt nicht vollständig erstellt worden sei und der Be-
schwerdeführer im Falle seiner Rückkehr nach Griechenland einer un-
menschlichen oder erniedrigenden Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK
ausgesetzt wäre. Der Vollzug der Wegweisung nach Griechenland erweist
sich somit als zulässig.
8.3
8.3.1 Hinsichtlich der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
ist vorab auf Art. 83 Abs. 5 AIG zu verweisen, wonach eine Wegweisung in
einen EU- oder EFTA-Staat vermutungsweise zumutbar ist (vgl. Referenz-
urteil des BVGer E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 E. 11.3).
D-3642/2022
Seite 16
Zwar trifft es zu, dass sowohl Asylsuchende als auch anerkannte Flücht-
linge und Personen mit subsidiärem Schutzstatus in Griechenland schlech-
ten Bedingungen ausgesetzt sein können. Griechenland ist aber, wie er-
wähnt, an die Qualifikationsrichtlinie gebunden. Obschon es sich bei Grie-
chenland um einen Rechtsstaat handelt, welcher an die Qualifikationsricht-
linie gebunden ist, ist es durchaus möglich, dass ihm der Zugang zu inner-
staatlichen Instanzen nicht mühelos alleine gelingt. Aber auch in Griechen-
land existieren Nichtregierungsorganisationen, die ihm in dieser Hinsicht
behilflich sein können. Bei einer Rückkehr nach Griechenland kann er sich
um Zugang in ein Unterstützungsprogramm bemühen. Obwohl eine adä-
quate Eingliederung des Beschwerdeführers in die sozialen Strukturen
Griechenlands als Person mit subsidiärem Schutz mit nicht zu verkennen-
den Erschwernissen verbunden ist, vermögen die pauschalen Vorbringen
des Beschwerdeführers die hohen Anforderungen an eine konkrete Ge-
fährdung nicht zu erfüllen. Beim Beschwerdeführer handelt es sich um ei-
nen (...)-jährigen Mann, welcher bereits mehrere Jahre in Griechenland
verbracht hat. Aus den vorliegenden Akten geht nicht hervor, dass er wie-
derholt aktiv um Hilfe bei den griechischen Behörden oder Hilfsorganisati-
onen ersucht hätte oder ihm – insbesondere hinsichtlich der Unterbrin-
gungsmöglichkeiten – dauerhaft Unterstützung verweigert worden wäre.
Es darf denn auch von ihm erwartet werden, sich bei Unterstützungsbedarf
an die griechischen Behörden zu wenden und die erforderliche Hilfe nöti-
genfalls auf dem Rechtsweg einzufordern, selbst wenn die diesbezügli-
chen Prozedere langwierig sein sollten.
8.3.2
8.3.2.1 In Bezug auf den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ist
festzuhalten, dass gemäss konstanter Praxis aus medizinischen Gründen
nur dann auf die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu schliessen
ist, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Zielstaat nicht zur
Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährden-
den Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes der betroffenen Person
führen würde. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende me-
dizinische Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer men-
schenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jeden-
falls noch nicht vor, wenn im Zielstaat eine nicht dem schweizerischen
Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl.
BVGE 2011/50 E. 8.3, 2009/52 E. 10.1, 2009/51 E. 5.5, 2009/28 E. 9.3.1,
2009/2 E. 9.3.2).
D-3642/2022
Seite 17
8.3.2.2 Gemäss Arztbericht von Dr. med. E._ vom 3. Mai 2022
wurde beim Beschwerdeführer eine (...) und eine (...) diagnostiziert. Zur
Behandlung wurde ihm ein Rezept für ein (...) (...) ausgestellt und ein Kon-
trolltermin vereinbart. Weiter wurde im Bericht ausdrücklich festgehalten,
dass die (...) wohl keinen funktionellen Einfluss habe, weshalb eine (...)
einer kosmetischen Operation entspreche (vgl. SEM-Akte 27/2). Der Kon-
trolltermin fand am 17. Juni 2017 statt, wobei festgestellt wurde, dass der
Beschwerdeführer an einer (...) leide. Zur Behandlung der eingeschränk-
ten (...) wurde ihm ein (...) (...) sowie eine (...) verschrieben. Bei Be-
schwerdepersistenz wurde eine erneute Vorstellung zur nochmaligen Eva-
luation einer (...) empfohlen (vgl. SEM-Akte [...]-31/2). Am 11. Juni 2022
wurde der Beschwerdeführer wegen (...) notfallmässig im Kantonsspital
(...) behandelt. Gemäss provisorischem Bericht des Kantonsspitals (...)
vom 11. Juni 2022 wurde dabei bei ihm eine (...) ([...]) diagnostiziert. Im
Rahmen der gleichentags erfolgten (...) Untersuchung konnte kein Nach-
weis einer (...) festgestellt werden. Zur Behandlung wurden ihm Schmerz-
mittel (..., ... und ...) verschrieben. Im Bericht des Kantonsspitals (...) vom
12. Juni 2022 wurde gestützt auf den radiologischen Befund des Vortages
nur noch eine (...) als Diagnose aufgeführt. Zudem wurde festgehalten,
dass die am Vortag verordnete Medikation unverändert fortgesetzt werden
soll (vgl. SEM-Akte 26/7).
8.3.2.3 Weder aus den geltend gemachten gesundheitlichen Beschwer-
den, an welchen der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge bereits
seit mehreren Jahren leidet, noch aus den gestellten Diagnosen kann ge-
schlossen werden, er sei auf eine dringende oder spezielle und lückenlose
medizinische Behandlung, welche zur Gewährleistung einer menschen-
würdigen Existenz notwendig ist, angewiesen. Solches ist auch aufgrund
der vorliegenden Akten nicht ersichtlich. Die gesundheitlichen Leiden des
Beschwerdeführers sind zwar nicht zu unterschätzen, entgegen der in der
Stellungnahme vom 2. Mai 2022 vertretenen Auffassung (vgl. SEM-Akte
[...]-22/4, S. 3) sind sie aber nicht als eine schwerwiegende Erkrankung im
Sinne des Referenzurteils des BVGer E-3427/2021, E-3431/2021 vom
28. März 2022 einzustufen. Beim Beschwerdeführer handelt es sich somit
nicht um eine besonders vulnerable Person, für welche sich der Wegwei-
sungsvollzug grundsätzlich als unzumutbar erweisen würde. Angesichts
der bereits erfolgten Untersuchungen kann in antizipierter Beweiswürdi-
gung (vgl. dazu BVGE 2008/24 E. 7.2, m.w.H.) davon ausgegangen wer-
den, dass auch nach dem angeblich am 24. August 2022 vorgesehenen
D-3642/2022
Seite 18
Arzttermin keine schweren unmittelbar behandlungsbedürftigen Krankhei-
ten diagnostiziert werden, weshalb allfällige Arztberichte nicht abgewartet
werden müssen.
8.3.2.4 Wie bereits erwähnt, stehen dem Beschwerdeführer als Begünstig-
ter subsidiären Schutzes in Griechenland die Rechte aus der Qualifikati-
onsrichtlinie zu. Gemäss Art. 30 dieser Richtlinie haben die Mitgliedstaaten
dafür zu sorgen, dass Personen, denen internationaler Schutz zuerkannt
worden ist, Zugang zu medizinischer Versorgung erhalten. Es ist weder
dargetan noch ersichtlich, inwiefern es dem Beschwerdeführer konkret
nicht möglich sein sollte, eine griechische Sozialversicherungsnummer
(sog. AMKA-Nummer) zu beantragen, welche Zugang zum griechischen
Gesundheits- und Versicherungswesen gewährt. Auch ist festzuhalten,
dass in lebensbedrohlichen Situationen alle Personen, unabhängig von ih-
rem rechtlichen Status, in Griechenland Zugang zu Notfallstationen haben
(vgl. Referenzurteil des BVGer E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März
2022 E. 9.8.2).
8.3.2.5 Dass ein unausweichlich bevorstehender Wegweisungsvollzug bei
den damit konfrontierten ausländischen Personen zu einer nicht unerheb-
lichen (...) Belastung führt, ist nachvollziehbar. Vorliegend könnte für die
Zeit vor und während der Rückreise nach Griechenland einer allfälligen
zeitweiligen Verschlechterung des (...) Zustandes des Beschwerdeführers
medikamentös und mit einer persönlichen Betreuung begegnet werden.
Die mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragten schweizerischen Be-
hörden werden sodann die griechischen Behörden vor der Durchführung
der Wegweisung über die besonderen medizinischen Bedürfnisse des Be-
schwerdeführers zu informieren und diesen Umständen bei der Bestim-
mung geeigneter Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen haben. Der Be-
schwerdeführer ist seinerseits gehalten, bei der Vorbereitung seiner Rück-
kehr mit den Vollzugsbehörden zu kooperieren. Es steht ihm auch frei, von
den Möglichkeiten der Rückkehrhilfe Gebrauch zu machen (vgl. Art. 93
Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999
[AsylV 2; SR 142.312]).
8.3.3 Aufgrund der Aktenlage ist somit nicht davon auszugehen, der Be-
schwerdeführer gerate bei einer Rückkehr nach Griechenland zwangsläu-
fig in eine seine Existenz gefährdende Situation. Zur Vermeidung von Wie-
derholungen kann im Übrigen auf die Erwägungen in der angefochtenen
Verfügung verwiesen werden. Damit erweist sich der Wegweisungsvollzug
als zumutbar.
D-3642/2022
Seite 19
8.4 Es ist schliesslich auch ohne weiteres von der Möglichkeit des Weg-
weisungsvollzugs auszugehen (Art. 83 Abs. 2 AIG), da sich Griechenland
– wie schon im Rahmen der Prüfung der Voraussetzungen von Art. 31a
Abs. 1 Bst. a AsylG festgestellt (vgl. E. 5.3 hiervor) – ausdrücklich zu einer
Wiederaufnahme des Beschwerdeführers bereit erklärt hat.
8.5 Zusammenfassend kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug nach Griechenland
zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnete, weshalb die An-
ordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht fällt (Art. 83 Abs. 1–
4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
10.
10.1 Der Antrag um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
erweist sich mit vorliegendem Urteil als gegenstandslos.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grundsätzlich
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, weil sich die Beschwerde entsprechend den
vorstehenden Erwägungen bereits bei Eingang des Begehrens, unbese-
hen der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers, als aussichtlos
erwiesen hat. Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von
Fr. 750.– dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 1‒3 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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