Decision ID: 7a799efd-d25b-4006-8173-9a91dee87326
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
I. Sachverhalt:
1. A._ (Jahrgang 1970) ist als Landwirtin in B._ tätig, wobei sie
einerseits als Angestellte im landwirtschaftlichen Betrieb ihres Partners
sowie andererseits als selbstständige Landwirtin beschäftigt ist. Ihre Tiere
sind im Betrieb ihres Partners eingestellt und sie bezahlt dafür ein
Futtergeld, wobei ihr der Ertrag aus dem Fleischverkauf zukommt.
2. Nach ihren eigenen Angaben leidet A._ seit dem Jahr 2010 unter
Beschwerden am Bewegungsapparat, damals vorwiegend in Form von
linksbetonten Knieschmerzen. Am 3. März 2012 verunfallte sie zudem
beim Skifahren und verletzte sich an der linken Schulter. Im Oktober 2012
wurde bei namentlich diagnostizierter Chondromalazie Grad III über dem
medialen Femurkondylus des linken Knies eine Arthroskopie durchgeführt,
welche eine beginnende mediale Gonarthrose zeigte. Bei gleichzeitigen
Schulterbeschwerden links wurde im Februar 2013 eine moderate AC-
Gelenksarthrose, ein verdicktes Ligamentum coracoacromiale als Zeichen
eines chronischen, subacromialen Impingements sowie eine transmurale
quasi-Totalruptur der Supraspinatussehne ohne Sehnenretraktion
festgestellt, welche im September 2013 arthroskopisch rekonstruiert
wurde. Daraufhin meldete sich A._ erstmals bei der IV-Stelle des
Kantons C._ zum Leistungsbezug an.
3. Anlässlich der funktionsorientierten medizinischen Abklärung im Zentrum
für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene (AEH) wurden bei A._
mit Bericht vom 4. Juli 2014 namentlich belastungsabhängige
Schulterschmerzen links, eine Arthrose am linken Knie, eine retropatellare
und mediale tibiofemorale Chondropathie am rechten Knie sowie ein
Verdacht auf degenerative Veränderungen an der rechten Schulter
diagnostiziert. Bei persistierenden Schmerzen im linken Knie wurde im
November 2014 eine Totalendoprothese implantiert.
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4. Gemäss IV-Abklärungsbericht Landwirtschaft vom 2. März 2015 wurde die
verbliebene Leistungsfähigkeit von A._ mit 50 % veranschlagt, wobei
festgehalten wurde, dass der Invaliditätsgrad mit einer Zusprache von
Hilfsmitteln auf 38 % gesenkt werden könne. In der Folge gewährte die IV-
Stelle des Kantons C._ ein selbstamortisierendes Darlehen für die
Anschaffung eines Hay-Blowers und eines Hofladers. Mit Verfügung vom
9. Juli 2015 verneinte sie nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens
einen Rentenanspruch.
5. Bei festgestellter Arthrofibrose mit narbiger Verkürzung des Ligamentum
patellae fand im Dezember 2015 eine Revision des linken Knies statt mit
Resektion und Débridement narbiger Synovia sowie proximalisierender
Tuberositas tibia-Osteotomie und retropatellarer Prothese. Dadurch
konnte der Bewegungsumfang deutlich verbessert werden. Indes
persistierten starke retropatelläre Schmerzen. Für die Arbeit als Landwirtin
wurde eine um 50 % verminderte Belastbarkeit ab Mitte April 2016
ausgewiesen.
6. Mit Bericht vom 7. März 2017 diagnostizierte Dr. med. D._ bei
A._ wandernde, schubweise auftretende Arthralgien unklarer
Ätiologie, persistierende Knieschmerzen links sowie eine anteriore Re-
Läsion der Supraspinatussehne der linken Schulter. In anamnestischer
Hinsicht wurde angegeben, dass zeitweise auch die Wirbelsäule,
insbesondere die Halswirbelsäule (HWS) und Lendenwirbelsäule (LWS),
betroffen seien. Des Weiteren berichtete er am 30. Mai 2017
anamnestisch namentlich von Nackenschmerzen und klinisch von
Schmerzen bei Elevation der Schultergelenke beidseits sowie am
25. September 2017 von verstärkten Schmerzen der Finger- und
Handgelenke.
7. Nachdem A._ im Dezember 2017 auf die rechte Schulter gestürzt
war, fand im März 2018 bei diagnostizierter traumatischer Teilruptur der
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Supraspinatussehne mit degenerativer Vorschädigung und progredientem
subacromialem Impingement ein arthroskopisches Débridement und eine
Supraspinatussehnen-Refixation statt. In der Folge berichtete Dr. med.
E._ am 23. Mai 2018 von einer deutlichen Besserung der
Symptomatik, allerdings mit gelegentlichem Aufflackern der
rheumatischen Beschwerden an den Gelenken für kurze Zeit für mehrere
Tage. Er erachtete A._ in ihrer Tätigkeit in der Landwirtschaft ab Ende
Mai 2018 zu 50 % arbeitsfähig.
8. Mit Bericht vom 10. September 2018 wies Prof. Dr. med. F._
namentlich eine Fingerpolyarthrose mit Hydroxylapatit, eine Kniearthrose
rechts und eine Femoropatellararthrose mit sehr grossen Osteophyten
sowie eine Periarthropathia calcarea rechts aus. Anamnestisch bestünden
seit fünf Jahren Fingerschmerzen beidseits, insbesondere der Endgelenke
mit Schüben von intensivsten Schmerzen, unter Mitbeteiligung des
Nackens, der Zehen und der Damen sowie der Knie. Die Schübe hätten
jeweils drei Tage gedauert, dann habe wiederum Schmerzfreiheit
geherrscht. Seit wenigen Jahren seien nun die Schmerzen dauerhaft und
treten nicht mehr in Form von Schüben auf. In seiner Beurteilung hielt Prof.
Dr. med. F._ fest, im Wesentlichen bestehe eine Polyarthrose, dies
zusammen mit einer Kristallerkrankung (Hydroxylapatit). Radiologisch
finde sich wenig Hydroxylapatit an einzelnen Fingergelenken mit spitzen
Osteophyten. Im Bereich der rechten Schulter sei die Supraspinatussehne
verkalkt. Die Knie wiesen rechts sehr grosse Osteophyten auf und auch
links sei die Patella bei aktivierter Arthrose stark überwärmt. Direkte
Hinweise für eine Arthritis seien klinisch keine gefunden worden.
9. Am 4. Oktober 2018 berichtete Dr. med. G._ von einem seit Beginn
der Schmerztherapie im Juli 2017 sich stetig verschlechternden
Gesundheitszustand von A._. Diese könne die körperlich
anstrengende Arbeit als Bäuerin im Berggebiet nur zu maximal 50 %
ausüben, und auch dies nur unter starken Schmerzen und
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Funktionseinschränkungen. Gleichermassen hielt sie mit Bericht vom
20. März 2020 fest, dass der sich verschlechternde Trend auch 2019 nicht
umkehrbar gewesen sei. Weiterhin prekär sei die Situation beider Knie,
wobei sich die Schultersituation ebenfalls verschlechtert habe.
Infiltrationen würden nur kurzzeitig eine minimale Verbesserung bringen.
Neu seien auch die Hüftgelenke beidseits durch die Überlastung
schmerzhaft und bewegungseingeschränkt. Die Arbeitsfähigkeit von 50 %
sei nicht mehr gegeben. Die Einschränkung bestehe nun zu 75 %, wobei
sie diese ab Februar 2020 auswies.
10. Im Juli 2020 meldete sich A._ bei der IV-Stelle des Kantons
Graubünden (nachfolgend IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Diese tätigte
erwerbliche und medizinische Abklärungen. Dabei hielt Hausarzt Dr. med.
H._ mit Bericht vom 12. August 2020 ebenfalls fest, dass sich der
Gesundheitszustand von A._ in den vergangenen Monaten
verschlechtert habe mit Progredienz der Beschwerden des
Bewegungsapparats durch die körperlich sehr belastende Tätigkeit als
Bergbäuerin. Aufgrund der multilokulären Schmerzproblematik und
Einschränkungen bereits dreier grosser Gelenke sei eine
Arbeitsunfähigkeit von 75 % indiziert.
11. Nach Durchführung des Evaluationsgesprächs betreffend Eingliederung
schloss die IV-Stelle mit Mitteilung vom 22. Dezember 2020 die
Arbeitsvermittlung ab, da A._ weiterhin als Landwirtin tätig sein wolle
und kein Interesse daran habe, eine angepasste Tätigkeit zu suchen.
12. Mit Bericht vom 30. April 2021 diagnostizierte Dr. med. G._
insbesondere eine Fibromyalgie aktuell schwerer Ausprägung. A._
leide aktuell massiv unter ihren verschiedenen Beschwerden. Sie berichte
von einem Opiatentzug aufgrund eines Wirkungsverlusts und
zunehmender Abneigung gegen die Medikation. Seither fühle sie sich
besser, die Schmerzsituation sei jedoch eher schlechter geworden. Das
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linke Knie, beide Schultern und die Hüfte seien zwar schmerzhaft. Hier
habe sie sich jedoch gut arrangiert und in ihrer Arbeit als Landwirtin
zusammen mit ihrem Partner Lösungen finden können. Aktuell würden sie
jedoch vor allem unspezifische Muskelschmerzen beschäftigen. Aufgrund
dieser Veränderung der Symptome sowie der Schmerzintensität und
-lokalisation sei ein Fibromyalgie-Fragebogen ausgefüllt worden, welcher
eine schwere Manifestation zeige. Unabhängig davon veranlasste
Dr. med. G._ in der Folge verschiedene weitere Untersuchungen.
In seinem Bericht vom 3. Juni 2021 hielt Dr. med. D._
zusammenfassend fest, es habe sich in den letzten drei Jahren nichts
Wesentliches geändert. Es bestünden weiterhin Schmerzen im Bereich
der Gelenke und auch Myalgien, welche wohl multifaktoriell bedingt seien.
Hinweise für ein entzündliches Geschehen fänden sich keine. In der
Vergangenheit seien verschiedene Basistherapien ohne Benefit
durchgeführt worden. Einerseits bestehe ein generalisiertes
weichteilrheumatisches Syndrom mit erfüllten Kriterien für eine
Fibromyalgie; andererseits lägen arthrotische Veränderungen im Bereich
der Gelenke auch mit radiologischem Nachweis einer Fingerpolyarthrose
vor.
13. In der Folge liess die IV-Stelle A._ monodisziplinär bei Dr. med.
I._ in der Fachdisziplin Rheumatologie begutachten. In dem am
27. Juni 2021 erstatteten Gutachten diagnostizierte dieser ein
zervikozephales und lumbovertebrales Syndrom sowie multiple
Arthralgien bei einer Polyarthrose. Er erachtete A._ in ihrer Tätigkeit
als Bergbäuerin ab Februar 2020 zu 75 % arbeitsunfähig. In einer
leidensangepassten Tätigkeit wies er eine Arbeitsfähigkeit von 70 %
mindestens ab Anfang 2020 aus.
14. Neben einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) liess die
IV-Stelle zudem die Arbeitsfähigkeit von A._ im
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Landwirtschaftsbetrieb bzw. bei Arbeiten für Dritte abklären. Diese ergab
laut Arbeitsvoranschlag eine Leistungsfähigkeit von noch 27 %.
Ausserdem wurde ein Valideneinkommen von CHF 39'511.-- ermittelt (vgl.
IV-Abklärungsbericht Landwirtschaft vom 5. Oktober 2021).
15. Mit Vorbescheid vom 11. November 2021 stellte die IV-Stelle A._ die
Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht. Den getätigten
Abklärungen zufolge seien Arbeiten in der Landwirtschaft aus
gesundheitlichen Gründen nicht mehr geeignet, wobei gesamthaft eine
Einschränkung von 62 % bestehe. Eine behinderungsgerechte Tätigkeit,
wie z.B. Hilfsarbeiten bzw. einfache Tätigkeiten körperlicher oder
handwerklicher Art, seien aus medizinischer Sicht jedoch weiterhin zu
70 % möglich. Bei einem Einkommen ohne gesundheitliche
Einschränkungen von CHF 39'511.-- und einem solchen mit
gesundheitlichen Einschränkungen von CHF 39'402.20 resultiere ein
Invaliditätsgrad von 0.28 %, womit die Anspruchsvoraussetzungen zum
Bezug von Rentenleistungen nicht erfüllt seien. Dagegen erhob A._
am 10. Dezember 2021 (Poststempel) Einwand und reichte den Bericht
der Dres. med. D._, G._ und J._ vom 7. Dezember 2021
ein. Mit Verfügung vom 12. Januar 2022 entschied die IV-Stelle wie
vorbeschieden und verneinte einen Anspruch auf eine Invalidenrente.
16. Dagegen liess A._ (nachfolgend Beschwerdeführerin) am
14. Februar 2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden erheben und neben der Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 12. Januar 2022 beantragen, ihr sei mindestens eine
halbe Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zur
Neubeurteilung an die IV-Stelle zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht
stellte sie ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und
Verbeiständung, das sie in der Folge mit Eingabe 8. April 2022 indes
zurückzog. Zur Begründung ihrer Beschwerde brachte sie
zusammenfassend vor, im Rahmen des IV-Verfahrens seien
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Eingliederungsmassnahmen zur Stützung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit trotz
ausdrücklichem Wunsch ungeprüft geblieben. Ausserdem habe es die IV-
Stelle unterlassen, die Einschränkung im Haushalt abzuklären.
Stattdessen habe sich diese einzig auf das rheumatologische Gutachten
abgestützt, das ihr mit wenigen Sätzen in nicht nachvollziehbarer Weise
eine Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 70 % attestiere. Diese sei
in Anbetracht der umfangreichen, medizinisch ausgewiesenen
Einschränkungen offenkundig überhöht. Es bestünden rentenrelevante
gesundheitliche Beeinträchtigungen, sowohl in der Erwerbstätigkeit als
auch im abzuklärenden Haushalt. Ihr sei deshalb mindestens eine halbe
Invalidenrente zu gewähren.
17. Die IV-Stelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer
Vernehmlassung vom 31. März 2022 auf die kostenpflichtige Abweisung
der Beschwerde und nahm in ablehnender Weise zu den Vorbringen der
Beschwerdeführerin Stellung.
18. Die Beschwerdeführerin hielt am 28. April 2022 replicando an ihren
Anträgen fest und vertiefte ihren Standpunkt.
19. Die Beschwerdegegnerin nahm dazu in der Duplik vom 10. Mai 2022
wiederum in ablehnender Weise Stellung.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtschriften, die
angefochtene Verfügung vom 12. Januar 2022 sowie die weiteren Akten
wird, sofern erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-
Stelle des Kantons Graubünden vom 12. Januar 2022. Eine solche
Anordnung, die laut Bundesrecht der Beschwerde an das
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Versicherungsgericht am Ort der verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann
beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden als das örtlich und
sachlich zuständige Versicherungsgericht angefochten werden (vgl.
Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG;
BR 370.100] i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als formelle und materielle
Verfügungsadressatin ist die Beschwerdeführerin von der angefochtenen
Verfügung unmittelbar betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung oder Änderung. Sie ist somit zur Beschwerdeerhebung
legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Die Beschwerde wurde
zudem frist- und formgerecht eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60
Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 38 f. sowie Art. 61 lit. b ATSG). Darauf ist somit
einzutreten.
2.1. Streitgegenstand bildet vorliegend die Frage, ob die Beschwerdeführerin
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung hat. Ein
Rentenanspruch entstünde angesichts der im Juli 2020 erfolgten
Anmeldung gestützt auf Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens ab dem 1. Januar
2021 (d.h. sechs Monate nach Gelendmachung des Leistungsanspruchs).
Anspruch auf eine Invalidenrente haben Versicherte von vornherein nur
dann, wenn sie während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind
(sog. Wartejahr) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 %
invalid (vgl. Art. 8 ATSG) sind (siehe Art. 28 Abs. 1 IVG). Vorliegend ging
die Beschwerdegegnerin ausweislich der Akten davon aus, dass das
Wartejahr (spätestens) per Ende 2020 erfüllt war (vgl. Case Report, Stand:
12. Januar 2022 [IV-act. 198 S. 18]).
2.2. Uneinig sind sich die Parteien namentlich hinsichtlich der (Rest-)AF in
leidensangepasster Tätigkeit: Kritisiert wird dabei die gemäss dem
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rheumatologischen Gutachten von Dr. med. I._ vom 27. Juni 2021 ab
Anfang 2020 angenommene Arbeitsfähigkeit von 70 % in adaptierter
Tätigkeit. Die Beschwerdeführerin macht in Anlehnung an die
Arbeitsunfähigkeitszeugnisse von Dr. med. G._ geltend, sie sei zu
50 % in einer leidensangepassten Tätigkeit arbeitsunfähig. Ausserdem ist
die Zumutbarkeit der Aufgabe der selbstständigen Tätigkeit streitig
genauso wie die Bemessung des Validen- und Invalideneinkommens, die
Statusfrage und der Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Eingliederungsmassenahmen.
2.3. In Bezug auf das anwendbare Recht ist festzuhalten, dass seit dem
1. Januar 2022 die revidierten Bestimmungen des IVG (sowie des ATSG)
und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in
Kraft sind (Weiterentwicklung der IV). Da vorliegend der Rentenanspruch
jedoch noch unter Geltung des alten Rechts entstehen konnte, finden die
bis zum 31. Dezember 2021 gültigen Bestimmungen Anwendung (vgl.
Übergangsbestimmungen des IVG zur Änderung vom 19. Juli 2020; ferner
auch Kreisschreiben über die Invalidität und Rente in der
Invalidenversicherungen (KSIR), gültig ab 1. Januar 2022, Rz. 9101).
3. Zunächst ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das
rheumatologische Gutachten von Dr. med. I._ vom 27. Juni 2021
abgestellt hat oder ob konkrete Indizien gegen dessen Zuverlässigkeit
sprechen bzw. dieses von den übrigen medizinischen Akten derart in
Zweifel gezogen wird, dass von der darin ausgewiesenen Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit von 70 % in einer Verweistätigkeit ab Anfang 2020
abzuweichen wäre.
3.1. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob
dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt,
in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
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Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E.5.1,
125 V 351 E.3a; anstatt vieler: Urteile des Bundesgerichts 9C_26/2022
vom 30. Mai 2022 E.4.1 und 9C_528/2021 vom 11. Februar 2022 E.4.1).
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens (nach Art. 44 ATSG)
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in
die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle
Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 137 V 210 E.1.3.4, 135
V 645 E.4.4 und 125 V 351 E.3b/bb; siehe auch Urteile des
Bundesgerichts 8C_84/2022 vom 19. Mai 2022 E.2.2, 8C_784/2021 vom
9. Februar 2022 E.4.2, 8C_33/2021 vom 31. August 2021 E.2.2.2 und
8C_38/2021 vom 16. August 2021 E.2). In Bezug auf Berichte von
behandelnden Ärzten darf und soll der Richter auch der
Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter
im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen
eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (siehe BGE 135 V 465 4.5 und
125 V 351 E.3b/cc). Insbesondere lässt es die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits
und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen
Experten (vgl. dazu BGE 124 I 170 E.4) andererseits nicht zu, ein
Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum
Anlass für weitere Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
Arztpersonen oder Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen
gelangen. Vorbehalten bleiben immerhin die Fälle, in denen sich eine vom
(amtlichen) Gutachten abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die
Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte wichtige – nicht rein der
subjektiven Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der
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Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (siehe BGE 135
V 465 E.4.5 f.; Urteile des Bundesgerichts 8C_80/2022 vom 4. Mai 2022
E.4, 8C_787/2021 vom 23. März 2022 E.11.2.2, 8C_736/2021 vom
22. März 2022 E.5.2, 8C_764/2021 vom 3. März 2022 E.4.2, 9C_528/2021
vom 11. Februar 2022 E.4.2, 8C_105/2021 vom 8. Juni 2021 E.3 und
8C_164/2021 vom 3. Mai 2021 E.3.2.1).
3.2. Vorliegend kritisiert die Beschwerdeführerin das Gutachten in mehrfacher
Hinsicht und macht geltend, Dr. med. I._ habe wesentliche Fragen
unbeantwortet gelassen. Dabei übersieht sie jedoch, dass der
rheumatologische Gutachter sich in seiner Beurteilung in Kenntnis der
medizinischen Vorakten (siehe IV-act. 173 S. 4 ff.), insbesondere auch der
Berichte der behandelnden Dres. med. G._, D._ und E._
(siehe IV-act. 173 S. 7 ff.), sorgfältig mit ihren gesundheitlichen
Einschränkungen auseinandergesetzt und seine Schlussfolgerungen
gestützt auf die eigenen klinischen, bildgebenden und laborchemischen
Untersuchungen getroffen hat (siehe IV-act. 173 S. 19 ff.). Dabei
berücksichtigte und würdigte er namentlich auch die von Dr. med. D._
in seinem Bericht vom 3. Juni 2021 (siehe IV-act. 173 S. 33 f.)
ausgewiesene Symptomatik, wie die bestehenden Arthralgien bei einer
Polyarthrose sowie die Beschwerden am linken Knie, den Schultern und
im Nackenbereich (vgl. IV-act. 173 S. 12 und 19 ff.). Auch flossen die von
der Beschwerdeführerin gemachten Angaben zur Krankheitsentwicklung
und zum jetzigen Leiden in die Gesamtbeurteilung zum
Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeitseinschätzung mit ein (vgl.
IV-ac.t 173 S. 13 f. und 20 ff.). Die gutachterlichen Ausführungen zur
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sind einleuchtend und
die gezogenen Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand
nachvollziehbar begründet (siehe IV-act. 173 S. 19 ff.). So wies Dr. med.
I._ folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
aus: ein zervikozephales und lumbovertebrales Syndrom sowie multiple
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Arthralgien bei einer Polyarthrose und u.a. einer radiologisch Hydroxy-
Apatit-Arthropathie der Hände und Schultern sowie Enthesopathien im
Becken, AC-Gelenksarthrosen linksbetont, eine beginnende mediale
Gonarthrose rechts sowie degenerative Veränderungen der unteren
Lendenwirbelsäule (LWS; siehe IV-act. 173 S. 19). Dazu führte er
nachvollziehbar aus, der Einschätzung von Prof. Dr. med. F._,
Facharzt für Rheumatologie, wonach bei der Beschwerdeführerin nun
dauerhafte, auf eine Polyarthrose zurückzuführende Arthralgien
bestünden, welche teilweise ätiologisch mit einer Hydroxy-Apatit-
Erkrankung erklärt würden (vgl. dazu Bericht vom 10. September 2018
[siehe IV-act. 137 S. 38 f.]), könne ohne Weiteres gefolgt werden. Für eine
entzündliche rheumatische Erkrankung ergäben sich weder anamnestisch
noch klinisch oder radiologisch Hinweise. Dagegen zeigten sich sowohl an
den Händen, der LWS und der Knie- und Schultergelenke degenerative
Veränderungen im Sinne einer Polyarthrose. An beiden Schultern fänden
sich periartikuläre Kalkeinlagerungen und an verschiedenen
Fingergelenken feine Kapselverkalkungen, was typisch sei für die
Ablagerung von Hydroxy-Apatit-Kristallen (basische Kalzium-Kristalle),
ebenso wie die Ansatzverkalkungen im Beckenbereich. Typisch für die
Hydroxy-Apatit-Erkrankung seien einerseits intraartikuläre
Kristallablagerungen, welche zu Arthritiden, häufiger zu sekundären
Arthrosen führten. Ebenso fänden sich periartikuläre Ablagerungen in
Sehnen und Muskelansätzen, welche zu intermittierenden lokalen
Entzündungen und entsprechenden Schmerzen führten. Typisch für diese
Erkrankung sei das Auftreten von schubweisen, häufig kurzdauernden
artikulären und periartikulären Beschwerden, wie dies bei der
Beschwerdeführerin ab 2017 in den Akten beschrieben sei. Aktuell
bestünden nun multiple degenerative Veränderungen am
Bewegungsapparat, welche sicher zu einem grossen Teil auf die Hydroxy-
Apatit-Erkrankung ursächlich zurückgeführt werden könnten. Auch die
aktuelle Symptomatik mit einerseits belastungsabhängigen, andererseits
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auch Anlaufschmerzen sprächen für eine vorwiegend degenerative
Genese des gesamten Beschwerdebildes (siehe IV-act. 173 S. 21).
Insgesamt wies Dr. med. I._ multiple degenerative Veränderungen
am Bewegungsapparat aus und befand, dass sowohl die Belastbarkeit des
Achsenskelettes (Wirbelsäule und Becken) als auch der peripheren
Gelenke (Hände sowie Schulter- und Kniegelenke) beeinträchtigt sei (vgl.
IV-act. 173 S. 22 f.). Diese gutachterliche Beurteilung stimmt denn auch
weitgehend mit dem durch die behandelnden Fachpersonen
beschriebenen Beschwerdebild überein. So diagnostizierte Dr. med.
K._ bereits im Oktober/November 2012 im Zusammenhang mit einer
Kniearthroskopie namentlich eine Chondromalazie Grad III über dem
medialen Femurkondylus des linken Knies bei beginnender medialer
Gonarthrose (siehe IV-act. 18 S. 7 ff.). Neben den Kniebeschwerden links
waren bereits dazumal Schulterbeschwerden links aktenkundig. So
berichtete namentlich Dr. med. L._ im Rahmen der Arthro-MR der
linken Schulter vom 28. Februar 2013 von einer moderaten AC-
Gelenksarthrose und verdicktem Ligamentum coracoacromiale als
Zeichen des chronischen, subacromialen Impingements sowie einer
Supraspinatussehnenruptur (siehe IV-act. 24 S. 11; vgl. auch IV-act. 24
S. 8 ff.). Im Rahmen der funktionsorientierten medizinischen Abklärung im
Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene (AEH) wurden bei
der Beschwerdeführerin mit Bericht vom 4. Juli 2014 belastungsabhängige
Schulterschmerzen links, eine Arthrose im linken Knie, eine retropatelläre
und mediale tibiofemorale Chondropathie am rechten Knie sowie ein
Verdacht auf degenerative Veränderungen an der rechten Schulter
diagnostiziert (siehe IV-act. 56 S. 2). Daraufhin wurde bei persistierenden
Kniebeschwerden links am 21. November 2014 eine Totalprothese
implantiert (siehe Bericht zur Verlaufskontrolle vom 18. Februar 2015 der
Dres. med. J._ und M._ [IV-act. 85 S. 2]). Am 8. Dezember 2014
erfolgte eine Re-Operation des linken Knies mit Resektion und
Débridement narbiger Synovia, proximalisierender Tuberositas tibia-
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Osteotomie, retropatellarer Prothese bei Arthrofibrose mit narbiger
Verkürzung des Ligamentum patellae bei Status nach Implantation Knie-
TP links vom 21. November 2014 bei medial betonter Pangonarthrose
(siehe Berichte vom 12. Dezember 2016, 12. Juni 2017, 31. Oktober 2018
und 21. November 2018 von Dr. med. J._ bzw. und/oder Dr. med.
N._ [IV-act. 99 S. 1 und IV-act. 110 S. 1, 5 und 9). Hinsichtlich der im
weiteren Verlauf – neben persistierenden Knieschmerzen links –
beklagten, wandernden, schubweise auftretenden, rezidivierenden
Arthralgien etwa in den Hand- und Fingergelenken sowie der Schulter- und
Nackenschmerzen (siehe Berichte vom 7. März 2017, 26. April 2017,
30. Mai 2017, 8. August 2017, 25. September 2017, 10. November 2017,
22. Dezember 2017, 6. Februar 2018, 29. März 2018 und 16. Mai 2018
von Dr. med. D._ [IV-act. 149 S. 2 ff.]), konnte – bei in Betracht
gezogener entzündlicher Ursache – trotz verschiedener medikamentöser
Therapien keine anhaltende Wirkung erzielt werden. Nach einem Sturz am
10. Dezember 2017 diagnostizierte Dr. med. E._ in seinem Bericht
vom 20. März 2018 eine traumatische Teilruptur der Supraspinatussehne
mit degenerativer Vorschädigung und progredientem subacromialem
Impingement recht (siehe IV-act. 137 S. 33; vgl. auch Operationsbericht
betreffend die Schulterarthroskopie, Débridement und SSP-Refixation
vom 13. März 2018 [IV-act. 137 S. 31] sowie Berichte vom 6. Februar
2018, 29. März 2018 und 16. Mai 2018 von Dr. med. D._ [IV-act. 149
S. 17, 19 und 21]). Weiter beschrieb er am 23. Mai 2018 bei einem Status
nach Supraspinatussehnen-Refixation sowie Synovialablation des rechten
Schultergelenkes vom 13. März 2018 eine deutliche Besserung der
Symptomatik, wobei jedoch gelegentlich rheumatische Beschwerden noch
an anderen Gelenken immer nur für kurze Zeit für mehrere Tage
aufflackern würden (siehe IV-act. 137 S. 37). Wie bereits erwähnt,
diagnostizierte Prof. Dr. med. F._ in seinem Bericht vom
10. September 2018 im Nachgang zur Konsultation der
Beschwerdeführerin am 12. Juli 2018 eine Fingerpolyarthrose mit
- 16 -
Hydroxylapatit, eine Kniearthrose rechts und eine Femoropatellararthrose
mit sehr grossen Osteophyten sowie eine Periarthropathia calcarea
rechts. Direkte Hinweise für eine Arthritis hätten klinisch nicht gefunden
werden können (siehe IV-act. 137 S. 38 f.). Dr. med. G._ beschrieb
in ihren Berichten vom 4. Oktober 2018, 20. März 2020, 16. September
2020 und 30. April 2021 und 10. Mai 2021 wiederum namentlich Knie- und
Schulterbeschwerden sowie später auch Hüftschmerzen bzw. ein
multilokuläre Schmerzproblematik (siehe IV-act. 141 S. 3 ff., IV-act. 144,
IV-act. 173 S. 26 ff.). Dr. med. D._ stellte mit Bericht von 3. Juni 2021
fest, dass sich in den letzten drei Jahren nichts Wesentliches geändert
habe. Es bestünden weiterhin Schmerzen im Bereich der Gelenke und
auch Myalgien, welche wohl multifaktoriell bedingt seien. Hinweise für ein
entzündliches Geschehen fänden sich keine (siehe IV-act. 173 S. 33 f.).
3.3. Dr. med. I._ setzte sich zudem entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin auch mit der abweichenden vorbefundlichen
Diagnose einer Fibromyalgie auseinander, welche von Dr. med. G._
erstmals in ihrem Bericht vom 30. April 2021 ausgewiesen wurde (siehe
IV-act. 173 S. 26 ff.; vgl. ferner Bericht der Dres. med. G._ und
O._ vom 10. Mai 2021 [IV-act. 173 S. 30 ff.] und Bericht von Dr. med.
D._ vom 3. Juni 2021 [IV-act. 173 S. 33 f.]). Dazu führte er aus, diese
Diagnose könne aus seiner Sicht nicht gestellt werden. Zwar mögen der
Widespread Pain Index (WPI) und die Symptom Severity Scale (SSS) in
der Fragebogenbewertung positiv ausfallen. Jedoch sei Voraussetzung für
die Fibromyalgie-Diagnose, dass keine andere ursächliche Erkrankung für
die Beschwerden bestünden, was bei der Beschwerdeführerin mit ihren
multiplen degenerativen Veränderungen am Bewegungsapparat eindeutig
nicht der Fall sei. Auch fehlten die für die Fibromyalgie häufig typischen
vegetativen Begleiterscheinungen oder die ebenfalls oft beobachteten
depressiven Verstimmungen (siehe IV-act. 173 S. 21). Dies ist insoweit
plausibel, als Dr. med. G._ die in ihrem Bericht vom 30. April 2021
- 17 -
gestellte Diagnose einer Fibromyalgie aktuell schwerer Ausprägung mit
den Ergebnissen der von der Beschwerdeführerin ausgefüllten
Fragebogen begründete (konkret: Fibromyalgie-Syndrom-Fragebogen
24/31 = schwere Form, WPI-Widespread Pain Index = 12/19, PHQ-4 =
12/12 = Anzeichen für depressive Problematik und Angststörung, PHQ-15
= 12/30 = mittlere Symptombelastung, Symptomschwerescore SSS = 7/12
= schwere Ausprägung) (vgl. IV-act. 173 S. 26). Anlass dazu habe ihren
Angaben zufolge zwar aufgrund einer Veränderung der Symptome sowie
der Schmerzintensität und -lokalisation bestanden, wobei sie von
unspezifischen Muskelbeschwerden berichtete (siehe IV-act. 173 S. 27).
Eine eingehendere Auseinandersetzung und Abklärung des
Vorhandenseins von generalisierten Schmerzen und deren Dauer als
Diagnosekriterien für eine Fibromyalgie (vgl. hierzu American College of
Rheumatology, 2016 Revisions to the 2010/2011 Fibromyalgia Diagnostic
Criteria, abrufbar unter: https://acrabstracts.org/abstract/2016-revisions-
to-the-20102011-fibromyalgia-diagnostic-criteria/; vgl. ferner
https://flexikon.doccheck.com/de/Fibromyalgie und
https://www.pschyrembel.de/fibromyalgie/K07RS, jeweils zuletzt besucht
am 31. Mai 2022) finden sich darin indessen nicht. Auch klagte die
Beschwerdeführerin anlässlich der gutachterlichen Exploration, welche
nur gerade rund einen Monat nach der Erstdiagnose einer Fibromyalgie
stattgefunden hat (vgl. "ED 04/2021" gemäss Bericht von Dr. med.
G._ vom 30. April 2021 [IV-act. 173 S. 26] und rheumatologische
Untersuchung bei Dr. med. I._ am 28. Mai 2021 [IV-act. 173 S. 2]),
nicht über generalisierte Schmerzen. Vielmehr berichtete sie im Rahmen
ihres jetzigen Leidens und den aktuellen Beschwerden von lokalen
Schmerzen insbesondere in den Hüften und beiden Knien sowie über
häufige Nackenschmerzen, aufgetriebene Hände und Kreuzschmerzen,
welche täglich und auch belastungsunabhängig bestünden (siehe IV-
act. 173 S. 13). Da somit das Vorliegen einer Fibromyalgie
gutachterlicherseits nachvollziehbar ausgeschlossen worden ist, erwies
- 18 -
sich eine entsprechende Standardindikatorenprüfung als entbehrlich (vgl.
BGE 145 V 215 E.7, 143 V 418 E.6 f. und 8.1, 143 V 409 E.4.5.2 f. und
141 V 281 E.2; Urteile des Bundesgerichts 8C_103/2022 vom 10. Mai
2022 E.2.3, 8C_153/2021 vom 10. August 2021 E.5.4.1, 8C_62/2020 vom
22. September 2020 E.4.3 und 8C_415/2018 vom 12. Dezember 2018
E.4.2).
Zu den hinsichtlich der im Bericht von Dr. med. G._ vom 30. April
2021 ausgewiesenen Ausprägungen in Richtung Angst- und Depression
ist ausserdem festzuhalten, dass aus selbigem Bericht zugleich
hervorgeht, dass es die Beschwerdeführerin sehr glücklich mache, dass
nun die Scheidung endlich durch sei und sie sich auf den Rest ihres
Lebens positiv einstellen könne (siehe IV-act. 173 S. 27). Dr. med.
G._ ordnete aufgrund des als emotionales Tief bezeichneten
Zustands der Beschwerdeführerin folglich denn auch keine
psychotherapeutische bzw. psychiatrische Behandlung an, sondern
schlug eine Phytotherapie bei Dr. med. O._ vor (siehe IV-act. 173
S. 28), welche die Beschwerdeführerin in der Folge auch in Anspruch
nahm (vgl. Bericht der Dres. med. G._ und O._ vom 10. Mai
2021 [IV-act. 173 S. 30 ff.], mit Abgabe eines Schmerzöls zum Einreiben,
Dolofresh bei Kopfschmerz sowie Lavendel für das abendliche
Entspannungsbad). Bereits zuvor stellte Dr. med. P._, Facharzt für
Psychiatrie, in seinem Bericht vom 28. Januar 2014 bei ausgewiesener
akuter Belastungsreaktion im Rahmen häuslicher Gewalt bei
Trennungskonflikt aufgrund der mittels verhaltenstherapeutisch
orientierter Psychotherapie erzielten Besserung und Stabilisierung keine
Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht fest (siehe IV-act. 29 S. 3 f.).
3.4. Angesichts der vorerwähnten schlüssigen Herleitung der Diagnosen durch
Dr. med. I._, der von ihm durchgeführten klinischen, bildgebenden
und laborchemischen Untersuchungen bzw. Befunderhebungen (vgl. IV-
act. 173 S. 15 ff.) und der erhobenen Anamnese in Berücksichtigung der
- 19 -
Aktenlage (vgl. IV-act. 173 S. 3 ff.) leuchtet es ein, wenn er zur
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ausführte, dass diese in der
angestammten Tätigkeit als Bergbäuerin erheblich eingeschränkt sei,
wobei Beeinträchtigungen für alle körperlich schwereren Tätigkeiten, das
Hantieren von Lasten über 15 kg, kräftige manuelle Tätigkeiten, längeres
Stehen oder Gehen (insbesondere auch in unebenem Gelände) sowie das
Besteigen von Leitern und landwirtschaftlichen Maschinen bestünden. Bei
seiner Arbeitsfähigkeitseinschätzung folgte er derjenigen der
behandelnden Ärztinnen und Ärzte, indem er festhielt, im zeitlichen Verlauf
sei die Arbeitsfähigkeit in den Akten mit 50 %, ab Februar 2020 mit 75 %
beurteilt worden, was aus rheumatologischer Sicht ohne Weiteres
plausibel erscheine (siehe IV-act. 173 S. 23). Indem er von
Arbeitsfähigkeit anstelle von Arbeitsunfähigkeit sprach, ist Dr. med.
I._ offensichtlich ein Schreibfehler unterlaufen, wiesen doch die
behandelnden Fachpersonen Dres. med. G._ und E._ genauso
wie Hausarzt Dr. med. H._ eine Einschränkung von 50 % ab April
2018 und von 75 % ab Februar 2020 in der bisherigen Tätigkeit aus (vgl.
etwa ärztliches Zeugnis von Dr. med. G._ vom 16. März 2018 [IV-
act. 142/5] und vom 19. März 2020 [IV-act. 142 S. 12], Berichte von
Dr. med. G._ vom 4. Oktober 2018 [siehe IV-act. 141 S. 3], vom
20. März 2020 [141/4] und vom 16. September 2020 [IV-act. 144], Bericht
von Dr. med. H._ vom 12. August 2020 [IV-act. 137 S. 4] und Bericht
von Dr. med. E._ vom 23. Mai 2018 [IV-act. 137 S. 37]). Insofern
besteht entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin demnach keine
Diskrepanz zur Arbeitsfähigkeitseinschätzung der behandelnden
Ärztinnen und Ärzte, sondern gehen diese vielmehr in der gutachterlichen
Beurteilung der funktionellen Auswirkungen der festgestellten
Gesundheitsschäden in der angestammten Tätigkeit als Bergbäuerin auf.
3.5. Gleichermassen ist nicht zu bestanden, wenn Dr. med. I._ in
Würdigung der multiplen Beeinträchtigungen der Belastbarkeit sowohl des
- 20 -
Achsenskeletts (Wirbelsäule und Becken) als auch der peripheren
Gelenke (Hände, Schulter- und Kniegelenke) als Belastungsfaktoren
sowie die überaus hohe Leistungsbereitschaft der Beschwerdeführerin als
Ressource (vgl. IV-act. 173 S. 23) eine Arbeitsfähigkeit in adaptierter
Tätigkeit von 70 % ab Anfang 2020 festhielt und die Einschränkung von
30 % mit der aufgrund der Polymorbidität am Bewegungsapparat
bestehenden erhöhten Pausenbedürftigkeit begründete (siehe IV-act. 173
S. 24). Dr. med. I._ wies denn auch im Vergleich zur schwereren
Tätigkeit als Bergbäuerin ein körperlich weit weniger belastendes
Zumutbarkeitsprofil für Verweisungstätigkeiten aus und befand leichte bis
nur gelegentlich mittelschwere, vorwiegend wechselbelastende Arbeiten
ohne längerdauerndes vorgeneigtes Stehen und Sitzen, ohne Gehen auf
unebenem Grund oder häufigem Treppensteigen, ohne häufiges
Hantieren von Lasten über 5 kg bis maximal 7 kg oder gelegentlichen
Einzellasten über 15 kg bis maximal 20 kg und ohne häufige Arbeiten in
Feuchtigkeit bzw. Kälte für leidensangepasst (siehe IV-act. 173 S. 24).
Indem er in solchen Tätigkeiten auf eine Arbeitsfähigkeit von 70 %
schloss, blieb er zudem hinter den Ergebnissen der am 16./17. Juni 2021
durchgeführten Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL)
zurück, gemäss welcher – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
– leichte bis mittelschwere Tätigkeiten (ohne Hockestellung und nur
manchmal auszuübenden Arbeiten über Schulterhöhe, vorgeneigtem
Stehen, Kriechen, Knien, wiederholten Kniebeugen sowie Treppen- und
Leiternsteigen) ganztags zumutbar wären (Bericht vom 25. Juni 2021 [IV-
act. 174 S. 2]). Vielmehr trug er den multiplen degenerativen
Veränderungen am Bewegungsapparat durch einen erhöhten
Pausenbedarf Rechnung, welcher er mit einer Einschränkung von 30 %
veranschlagte, und somit auch die aktenmässig dokumentierte
Pausenbedürftigkeit mitberücksichtigte (vgl. Bericht von Dr. med. G._
vom 30. April 2021 [IV-act. 173 S. 27], Bericht vom 4. Juli 2014 zur
funktionsorientierten medizinischen Abklärung im AEH [IV-act. 56 S. 5]).
- 21 -
Gründe dafür, um in die von der Natur der Sache her unausweichlich
Ermessenzüge aufweisende ärztliche Beurteilung einzugreifen (vgl.
BGE 148 V 49 E.6.2.1, 145 V 361 E.4.1.2 und 4.3, 140 V 193 E.3.1 sowie
137 V 210 E.3.4.2.3; Urteile des Bundesgerichts 8C_23/2021 vom 9. April
2021 E.5.3, 8C_407/2020 vom 3. März 2021 E.6.2, 9C_765/2019 vom
11. Mai 2020 E.4.2 und 9C_379/2019 vom 26. September 2019 E.3.5.1),
sind nicht ersichtlich. Insbesondere erweist sich diese angesichts des
Dargelegten entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin weder als
spekulativ noch als unsachgerecht; auch stützt sie sich auf eine fachliche
Grundlage ab. Zudem vermag es nicht zu überzeugen, wenn sich die
Beschwerdeführerin auf die von ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzte
attestierten, höheren Arbeitsunfähigkeiten beruft, beziehen sich diese
doch praktisch ausschliesslich auf die angestammte Tätigkeit als
Bergbäuerin (vgl. Berichte von Dr. med. G._ vom 7. Dezember 2021
[IV-act. 193 S. 2 f.], vom 16. September 2020 [IV-act. 144], vom 20. März
2020 [IV-act. 141 S. 4] und vom 4. Oktober 2018 [IV-act. 141 S. 3], Bericht
von Dr. med. H._ vom 12. August 2020 [IV-act. 137 S. 2 und 4],
Bericht von Dr. med. N._ vom 31. Oktober 2018 [IV-act. 110 S. 6] und
Bericht von Dr. med. E._ vom 23. Mai 2018 [IV-act. 137 S. 37]). Auch
wenn sie diese insoweit angepasst haben soll, als dass ihr Partner
gewisse körperlich anstrengendere Tätigkeiten übernahm (vgl. hierzu
Bericht von Dr. med. G._ vom 30. April 2021 [IV-act. 173 S. 27] und
IV-Abklärungsbericht Landwirtschaft vom 5. Oktober 2021 [IV-act. 180
S. 3]), verblieben ihr nach wie vor verschiedene Arbeiten im
landwirtschaftlichen Betrieb, welche über das vorgenannte
Belastungsprofil hinausgehen (z.B. Arbeiten oder Heuen am Berg bzw.
Rechen am Hang [vgl. rheumatologisches Gutachten vom 27. Juni 2021
{IV-act. 173 S. 13 und 15} und Evaluationsgespräch Eingliederung vom
27. November 2020 {IV-act. 153 S. 1}], Besteigen und Führen von
landwirtschaftlichen Maschinen sowie fordernde Hand- und Stallarbeiten
[vgl. IV-Abklärungsbericht Landwirtschaft vom 5. Oktober 2021 {IV-
- 22 -
act. 180 S. 4} und Bericht vom 25. Juni 2021 zur durchgeführten EFL {IV-
act. 174 S. 5 f.}]; vgl. ferner Bericht vom 25. Juni 2021 zur durchgeführten
EFL, anlässlich welcher die Beschwerdeführerin selbst angab, ihre
Tätigkeit als Landwirtin entspreche einer schweren Arbeit [IV-act. 174
S. 2]). Soweit sich Dr. med. G._ in ihrem Bericht vom 7. Dezember
2021 ferner auf Verweistätigkeiten bezieht, und dazu ausführt, solche
Hilfsarbeiten seien ungeeignet, da die Beschwerdeführerin nicht Stehen,
Laufen oder Heben könne (vgl. IV-act. 193 S. 3), findet diese
Einschätzung in dieser Absolutheit keine Stütze in den Akten. Dr. med.
G._ widerspricht sich dabei denn auch selbst, wenn sie zuvor noch
festhält, die Beschwerdeführerin sei beim Laufen wie auch bei
Verrichtungen mit den Armen "lediglich" eingeschränkt (siehe IV-act. 193
S. 2). Soweit Dr. med. G._ schliesslich ausführt, aus medizinischer
Sicht sei auf jeden Fall eine Arbeitsunfähigkeit von mind. 50 % gegeben,
und zudem eine negative Prognose stellt (siehe IV-act. 193 S. 3), scheint
sie dies aufgrund des Kontextes, in dem diese Aussage eingebettet ist
(z.B. Ausübung der Arbeit auf dem Bergbauernhof nur mit maximaler
Unterstützung und in sehr kleinen Etappen mit regelmässigen Pausen
bzw. die Beschwerdeführerin habe einen "halben" Bergbauernhof zu
versorgen, vgl. IV-act. 193 S. 2 f.), vornehmlich auf die angestammte
Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Landwirtin zu beziehen. Falls ihre
Einschätzung auch für adaptierte Tätigkeiten gelten sollte, ist der sich
darauf abstützenden Beschwerdeführerin entgegenzuhalten, dass diese
nicht weiter substanziierte Aussage zur Arbeitsfähigkeit von vornherein
keine Zweifel an der gutachterlichen Beurteilung zu wecken vermag. Nur
weil eine behandelnde Ärztin zu einer anderen Einschätzung gelangt,
kann dies nicht zum Anlass weiterer Abklärungen genommen werden.
Dr. med. G._ bringt denn auch nichts vor, was bei der gutachterlichen
Beurteilung durch Dr. med. I._ unerkannt oder ungewürdigt geblieben
sein soll (vgl. BGE 135 V 465 E.4.5 f.; Urteile des Bundesgerichts
8C_80/2022 vom 4. Mai 2022 E.4, 8C_787/2021 vom 23. März 2022
- 23 -
E.11.2.2, 8C_764/2021 vom 3. März 2022 E.4.2, 8C_308/2021 vom 4.
Oktober 2021 E.5.1.2 und 8C_105/2021 vom 8. Juni 2021 E.3.2).
3.6. Nicht gefolgt kann der Beschwerdeführerin ferner, soweit sie vorbringt,
Dr. med. I._ habe die für die Rentenbestimmung wesentliche Frage,
welche maximal mögliche Präsenz in einer adaptierten Tätigkeit möglich
wäre, unbeantwortet gelassen. Vielmehr ergibt sich aus dem
rheumatologischen Gutachten vom 27. Juni 2021, dass die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer Verweistätigkeit 70 %
betrage, wobei sich die Einschränkung von 30 % aus einer durch die
Polymorbidität am Bewegungsapparat nachvollziehbar erhöhten
Pausenbedürftigkeit ergebe (siehe IV-act. 173 S. 24). Insofern geht
daraus mit genügender Klarheit hervor, dass die Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit bei einer ganztägigen Präsenz mit einer
Einschränkung des Rendements von 30 % aufgrund des erhöhten
Pausenbedarfs umgesetzt werden kann. Demnach erweist sich das
Gutachten vom 27. Juni 2021 für die streitigen Belange als umfassend.
Weshalb die gutachterliche Arbeitsfähigkeitseinschätzung von 70 % in
adaptierter Tätigkeit sachlich nicht fundiert begründet sein soll, leuchtet
aus den vorerwähnten Gründen somit nicht ein.
3.7. Insgesamt ergibt sich daher, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin
und die von ihr referenzierten Berichte und Atteste nicht geeignet sind, den
Beweiswert des rheumatologischen Gutachtens vom 27. Juni 2021 zu
schmälern. Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die
Beschwerdegegnerin auf die darin ausgewiesene 70%ige Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit ab Anfang 2020 abstellte. Dass Dr. med.
I._ sich zudem zur Einschränkung im Haushalt äusserte, tut dem
keinen Abbruch. Vor diesem Hintergrund kann – soweit diese überhaupt
rechtsgenüglich beantragt worden sind (vgl. dazu erste Seite des
beschwerdeführerischen Aktenverzeichnisses) – auf eine (Rückweisung
zur) Einholung eines Gutachtens bzw. einer ergänzenden Stellungnahme
- 24 -
sowie auf die weiteren Beweisvorkehren, wie eine Parteibefragung,
verzichtet werden, zumal das streitberufene Gericht aufgrund der bereits
abgenommenen Beweise seine Überzeugung gebildet hat und annehmen
kann, dass diese Überzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht
geändert würde (vgl. BGE 144 II 427 E.3.1.3, 141 I 60 E.3.3, 136 I 229
E.5.3 und 134 I 140 E.5.3; Urteile des Bundesgerichts 8C_411/2021 vom
27. August 2021 E.4.3.2, 8C_295/2021 vom 9. August 2021 E.6.5 und
8C_709/2019 vom 19. Mai 2020 E.4.2.4).
4. Zur Frage der Zumutbarkeit der Aufgabe der selbstständigen
Erwerbstätigkeit gilt es vorab Folgendes festzuhalten: Bevor die
versicherte Person Leistungen verlangt, hat sie aufgrund der
Schadenminderungspflicht alles ihr Zumutbare selber vorzukehren, um die
Folgen der Invalidität bestmöglich zu mindern. Ein Rentenanspruch ist zu
verneinen, wenn sie selbst ohne Eingliederungsmassnahmen, nötigenfalls
mit einem Berufswechsel, zumutbarerweise in der Lage ist, ein
rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen. Für die
Auslegung des unbestimmten Rechtsbegriffs der zumutbaren Tätigkeit im
Allgemeinen, wie bei der Aufgabe der selbstständigen Erwerbstätigkeit im
Besonderen, sind die gesamten subjektiven und objektiven
Gegebenheiten des Einzelfalls zu berücksichtigen. Im Vordergrund stehen
bei den subjektiven Umständen die verbliebene Leistungsfähigkeit sowie
die weiteren persönlichen Verhältnisse, wie Alter, berufliche Stellung,
Verwurzelung am Wohnort etc. Bei den objektiven Umständen sind
insbesondere der ausgeglichene Arbeitsmarkt und die noch zu erwartende
Aktivitätsdauer massgeblich. Eine Betriebsaufgabe ist nur unter strengen
Voraussetzungen unzumutbar, und es kann ein Betrieb selbst dann nicht
auf Kosten der Invalidenversicherung aufrechterhalten werden, wenn die
versicherte Person darin Arbeit von einer gewissen erwerblichen
Bedeutung leistet (siehe Urteile des Bundesgerichts 8C_157/2021 vom
8. Juni 2021 E.4.3.3, 9C_129/2020 vom 9. Juli 2020 E.2.1, 9C_305/2019
- 25 -
vom 30. Juli 2019 E.5.2.1, 8C_220/2019 vom 26. Juni 2019 E.6.1,
9C_771/2017 vom 29. Mai 2018 E.3.3.1 und 9C_624/2013 vom
11. Dezember 2013 E.3.1.1).
4.1. Es ist durchaus verständlich, dass die Beschwerdeführerin sich mit dem
landwirtschaftlichen Betrieb ihres Lebenspartners, in den sie neben ihrem
Vieh nach ihren Angaben auch Vorräte und Maschinen eingebracht haben
soll, verbunden fühlt. Dies macht aber den Wechsel in eine
unselbstständige Erwerbstätigkeit nicht ohne Weiteres unzumutbar, übt
sie eine solche doch bereits heute in einem Teilpensum aus. Zu würdigen
ist ferner, dass der Beschwerdeführerin nicht gefolgt werden kann, soweit
sie vorbringt, ihr landwirtschaftliches Pächterinventar könne anders als
eine unselbstständige Tätigkeit nicht ohne Weiteres aufgegeben werden.
Vielmehr ist davon auszugehen, dass sie die mit Investitionen erworbenen
Sachwerte (Vorräte und Maschinen) genauso wie ihr Vieh veräussern
könnte. Dass mit dem Verkauf der Sachwerte (unter Berücksichtigung der
darauf getätigten Abschreibungen) und des Viehs ein erheblicher
finanzieller Nachteil verbunden wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_460/2011 vom 22. September 2011 E.4.3), macht die
Beschwerdeführerin weder geltend noch ist dies ersichtlich. Nicht zu
verfangen vermag sodann ihr Vorbringen, die Aufgabe ihrer
selbstständigen Tätigkeit entzöge ihr eine finanzielle Sicherheit, kann sie
ihre verbliebene Restarbeitsfähigkeit doch in einem höheren Pensum in
einer Verweistätigkeit als in der angestammten Tätigkeit als Bergbäuerin
nutzbar machen (vgl. dazu Ausführungen in den vorstehenden
Erwägungen 3.1 ff.). Zudem liegt aufgrund der gelebten Verhältnisse auf
dem Hof nahe, dass der Lebenspartner der Beschwerdeführerin die
Nachfolge in ihr Pächterinventar antreten könnte, kompensiert er doch
bereits heute einen wesentlichen Teil der gesundheitsbedingten
Arbeitsausfälle der Beschwerdeführerin (vgl. Bericht von Dr. med.
G._ vom 30. April 2021 [IV-act. 173 S. 27] und IV-Abklärungsberichte
- 26 -
Landwirtschaft vom 5. Oktober 2021 [IV-act. 180 S. 3] und 2. März 2015
[IV-act. 80 S. 3]).
4.2. Angesichts der der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer gesundheitlichen
Situation noch zumutbaren Tätigkeiten (vgl. zum Belastungsprofil die
vorstehende Erwägung 3.4 bzw. das rheumatologisches Gutachten vom
27. Juni 2021 [IV-act. 173 S. 24]) kann auch nicht gesagt werden, diese
seien nur noch in so eingeschränkter Form möglich, dass sie der
ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_323/2021 vom 14. April 2022 E.6.1, 8C_170/2021
vom 23. September 2021 E.5.1.1, 9C_644/2019 vom 20. Januar 2020
E.4.2 8C_143/2019 vom 21. August 2019 E.5.2, 8C_458/2018 vom
23. Oktober 2018 E.4.1 ff. und 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E.2.2.1).
Vielmehr umfasst das hier anwendbare Kompetenzniveau 1 (einfache
Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art) typischerweise auch
leichte, wechselbelastende Tätigkeiten mit ergonomischen
Körperhaltungen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_143/2021 vom
7. Juni 2021 E.4.3.2, 8C_139/2020 vom 30. Juli 2020 E.6.3.3,
9C_447/2019 vom 8. Oktober 2019 E.4.3.2, 8C_219/2019 vom
30. September 2019 E.5.2 und 9C_232/2019 vom 26. Juni 2019 E.3.2).
Zudem kann auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit einem sozialen
Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers (Nischenarbeitsplätze)
gerechnet werden (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_256/2021 vom
9. März 2022 E.9.1, auszugsweise zur Publikation vorgesehen,
8C_323/2021 vom 4. April 2022, 8C_269/2021 vom 1. Dezember 2021
E.3.2, 8C_627/2021 vom 25. November 2021 E.4.2, 8C_170/2021 vom
23. September 2021 E.5.1.1 und 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E.2.2.1).
Dass der für die Beschwerdeführerin nötige Betreuungsaufwand derart
gross wäre, dass ein entsprechendes Entgegenkommen
realistischerweise von einem durchschnittlichen Arbeitgeber auf dem
ersten Arbeitsmarkt nicht erwartet werden kann (vgl. ähnlich Urteile des
- 27 -
Bundesgerichts 9C_644/2019 vom 20. Januar 2020 E.4.3.2 und
9C_321/2018 vom 16. Oktober 2018 E.5 m.H.a. 9C_277/2016 vom
15. März 2017 E.4.3), ist nicht ersichtlich. Hinzu kommt, dass die im
Verfügungszeitpunkt 51-jährige Beschwerdeführerin noch eine lange
Aktivitätsdauer aufweist. Auch fällt nicht weiter ins Gewicht, dass sie keine
abgeschlossene Berufslehre aufweist (vgl. Evaluationsgespräch
Eingliederung vom 27. November 2020 [IV-act. 153 S. 2] und Bericht vom
25. Juni 2021 zur durchgeführten EFL [IV-act. 174 S. 4]), werden für
Hilfsarbeiten rechtsprechungsgemäss doch weder eine Berufsausbildung
noch Erfahrungen oder sonstige Vorkenntnisse vorausgesetzt (siehe Urteil
des Bundesgerichts 8C_55/2021 vom 9. Juni 2021 E.5.2.1). Zudem
verfügt die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung in
der Landwirtschaft über Fertigkeiten, die sie durchaus in einer geeigneten
Verweistätigkeit nutzbar machen könnte. Insofern kann weder gesagt
werden, dass ihr auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur ungenügende
Einsatzmöglichkeiten in einer leidensadaptierten Tätigkeit offenstünden,
noch dass ein Berufswechsel als unzumutbar erschiene.
4.3. Das Invalideneinkommen beläuft sich somit per 2021 auf CHF 39'402.20
(CHF 4'371.-- [Schweizerische Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes
für Statistik für das Jahr 2018 [LSE 2018], Tabelle TA1,
Kompetenzniveau 1, Zeile "Total", Frauen] : 40 x 41.7 [Anpassung an
betriebsübliche Arbeitszeit] x 1.009117 x 1.01 x 1.01
[Nominallohnentwicklung] x 12 x 0.7 [Arbeitsfähigkeit in adaptierter
Tätigkeit]). Dieser Betrag stimmt mit jenem gemäss angefochtener
Verfügung überein (siehe IV-act. 200; vgl. auch Bemessung des
Invaliditätsgrads gemäss IV-act. 199). Weshalb der Beschwerdegegnerin
ein Fehler hinsichtlich der Aufrechnung des anteiligen 13. Monatslohns
unterlaufen sein soll, ist weder nachvollziehbar noch angesichts der
praxisgemässen Multiplikation der auf standardisierten Monatslöhnen
basierenden Zentralwerten der LSE-Tabelle TA1 um den Faktor 12
- 28 -
ersichtlich. Die Beschwerdeführerin verkennt mit ihrem Vorbringen (siehe
Beschwerde vom 14. Februar 2022 S. 11, Rz. 33), dass die
Beschwerdegegnerin den Zentralwert gemäss LSE-Tabelle TA1 für das
Jahr 2018 nicht fälschlicherweise mit 12.5 anstatt 12 (Monate) multipliziert,
sondern praxisgemäss den auf standardisierten Monatslöhnen bei einem
Vollzeitäquivalent von 4 1/3 Wochen à 40 Arbeitsstunden basierenden
Zentralwert an die (geschätzte) durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit
für das massgebende Jahr 2021 von 41.7 Arbeitsstunden (vgl. Tabelle
"Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen" des BfS [BfS-
Nr. je-d-03.02.03.01.04.01], abrufbar unter:
https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-
datenbanken/tabellen.assetdetail.22708568.html, zuletzt besucht am:
31. Mai 2022) anpasst und daraus korrekterweise einen Betrag von
CHF 54'681.20 berechnet hat (CHF 4'371.-- : 40 x 41.7 x 12; vgl. auch IV-
act. 199), welcher dann schliesslich noch an die Nominallohnentwicklung
im Zeitraum von 2018 bis 2021 angepasst wurde.
5. Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die
versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns
überwiegend wahrscheinlich als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei
wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der
realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es
der Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne
Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (siehe BGE 144 I 103
E.5.3, 139 V 28 E.3.3.2, 134 V 322 E.4.1; Urteile des Bundesgerichts
9C_487/2021 vom 8. März 2022 E.4.3.1, 9C_478/2021 vom
11. November 2021 E.5.3.1 f. und 8C_720/2020 vom 8. Januar 2021
E.8.1). Fehlen aussagekräftige konkrete Anhaltspunkte für die
Einkommensermittlung, so ist auf Erfahrungs- und Durchschnittswerte
zurückzugreifen, wie sie in der LSE enthalten sind (siehe Urteil des
- 29 -
Bundesgerichts 8C_152/2021 vom 8. Juni 2021 E.3.1). Da die Invalidität
der voraussichtlich bleibenden oder längere Zeit dauernden
Erwerbsunfähigkeit zu entsprechen hat (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG), ist auch
die berufliche Weiterentwicklung zu berücksichtigen, die eine versicherte
Person normalerweise vollzogen hätte. Rechtsprechungsgemäss sind
theoretisch vorhandene berufliche Entwicklungs- oder
Aufstiegsmöglichkeiten nur dann beachtlich, wenn sie mit hoher
Wahrscheinlichkeit eingetreten wären (siehe BGE 145 V 141 E.5.2.1;
Urteile des Bundesgerichts 8C_572/2021 vom 19. Januar 2022 E.3.1,
8C_276/2021 vom 2. November 2021 E.4.2, 9C_868/2018 vom
22. August 2019 E.3.1 und 8C_879/2017 vom 5. Februar 2018 E.4.3.2.2).
Für die Annahme einer mutmasslichen Weiterentwicklung wird daher der
Nachweis konkreter Anhaltspunkte dafür verlangt, dass die versicherte
Person einen beruflichen Aufstieg und ein entsprechend höheres
Einkommen auch tatsächlich realisiert hätte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre. Es müssen konkrete Hinweise für das behauptete
berufliche Fortkommen bestehen. Blosse Absichtserklärungen der
versicherten Person genügen nicht. Vielmehr muss die Absicht, beruflich
weiterzukommen, bereits durch konkrete Schritte wie Kursbesuche,
Aufnahme eines Studiums etc. kundgetan worden sein (siehe BGE 145 V
141 E.5.2.1 und 139 V 28 E.3.3.3.2; Urteile des Bundesgerichts
8C_384/2021 vom 8. Oktober 2021 E.5.1, 8C_713/2020 vom 26. März
2021 E.6.2, 9C_316/2020 vom 6. Oktober 2020 E.3.1, 9C_868/2018 vom
22. August 2019 E.3.1 und 8C_599/2018 vom 12. März 2019 E.4.1).
5.1. Vorliegend stellte die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen
Verfügung auf das gemäss IV-Abklärungsbericht Landwirtschaft vom
5. Oktober 2021 ermittelte Valideneinkommen von CHF 39'511.-- ab
(siehe IV-act. 200 und IV-act. 180 S. 6). Dieses setzt sich zusammen aus
einem in selbstständiger Tätigkeit als Landwirtin erwirtschafteten
Einkommen von CHF 5'911.--, welches gestützt auf die
- 30 -
Buchhaltungsabschlüsse der Jahre 2018 und 2019 der
Beschwerdeführerin ermittelt wurde, und dem Verdienst, den sie als
Angestellte im landwirtschaftlichen Betrieb ihres Lebenspartners erzielen
konnte. Dazu wird im IV-Abklärungsbericht ausgeführt, die Lohnzahlungen
hätten in den letzten Jahren jeweils CHF 9'000.-- betragen. Gemäss
Berechnung könne die Beschwerdeführerin noch rund 580 Arbeitsstunden
auf dem Betrieb leisten. Dies ergebe einen Stundenlohn von rund CHF
16.--. Ohne Behinderung könnte die Beschwerdeführerin rund 2'100
Stunden leisten. Bei gleichem Stundenlohn würde die Entschädigung
CHF 33'600.-- betragen. Da das Einkommen aus der selbstständigen
Betriebsführung sich mit der Behinderung nicht gross verändere,
errechnete die Abklärungsperson aus der Summe von CHF 5'911.--
(Einkommen als selbstständig erwerbende Landwirtin) und CHF 33'600.--
(Einkommen als unselbstständig erwerbende Landwirtin) ein
Valideneinkommen von CHF 39'511.-- (siehe IV-act. 180 S. 4 ff.).
5.2. Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, die Berechnung des
Valideneinkommens, wofür der Lohn aus unselbstständiger
Erwerbstätigkeit durch die dazu verwendeten 580 Arbeitsstunden dividiert
werde, sei unzutreffend. Die Herleitung der 580 Arbeitsstunden sei nicht
nachvollziehbar und dürfte wesentlich zu hoch gegriffen sein.
Unberücksichtigt geblieben sei, dass sie nicht unerhebliche Arbeitszeit für
den gemeinsamen Haushalt mit ihrem Lebenspartner und den Kindern
aufwende. Neben den täglich zwei Stunden Hausarbeit verrichte sie
während der Erntezeit tägliche Kocharbeiten für bis zu 14 Personen. Vor
diesem Hintergrund sei es ausgeschlossen, dass sie für die Arbeiten als
unselbstständig Erwerbende überhaupt in der Lage sei, 580
Arbeitsstunden einzusetzen. Eine wesentlich realistischere Annahme für
den Zeitaufwand nebst den täglich anfallenden Haushaltsarbeiten und
dem Landwirtschaftsbetrieb sei ein zeitlicher Einsatz von höchstens 290
Arbeitsstunden pro Jahr, was umgerechnet ein Valideneinkommen von
- 31 -
CHF 73'972.-- – zusammengesetzt aus CHF 68'061.-- aus
unselbstständiger Erwerbstätigkeit und CHF 5'911.-- aus selbstständiger
Erwerbstätigkeit – ergebe.
5.3. Aus dieser Argumentation folgt, dass das gestützt auf die
Buchhaltungsabschlüsse der Beschwerdeführerin für die Jahre 2018 und
2019 ermittelte durchschnittliche landwirtschaftliche Einkommen aus
selbstständiger Erwerbstätigkeit von CHF 5'911.--, das die
Beschwerdeführerin aus dem Verkauf von Fleischprodukten erzielt (siehe
IV-act. 180 S. 2 ff.), nicht in Abrede gestellt wird. Vielmehr kritisiert die
Beschwerdeführerin die Berechnung ihres Einkommens als Angestellte im
landwirtschaftlichen Betrieb ihres Lebenspartners. Dabei übersieht sie
jedoch, dass sich die dafür veranschlagten 580 Arbeitsstunden aus dem
detaillierten Arbeitsvoranschlag gemäss IV-Abklärungsbericht vom
5. Oktober 2021 ergeben (vgl. IV-act. 180 S. 5 sowie die besser lesbare,
edierte Version dieses Berichtes [Ed-act. 1], S. 5). Dieser
Arbeitsvoranschlag basiert auf der Grösse des auf 1'200 m.ü.M. in der
Bergzone 3 liegenden Betriebes mit einem Tierbestand von 34
Mutterkühen und ihren Kälbern sowie fünf Aufzuchttieren und einer
landwirtschaftlichen Nutzfläche von insgesamt 36.52 ha, auf welcher reine
Graswirtschaft betrieben wird (siehe IV-act. 180 S. 2 und 5). Die
Abklärungsperson ermittelte dabei anhand eines auf dem Betrieb mit der
Beschwerdeführerin und ihrem Partner geführten Gesprächs, den
aktenkundigen Angaben zum Gesundheitszustand sowie den
einschlägigen statistischen Grundlagen im Rahmen einer ART-
Arbeitsvoranschlagskalkulation (auf Basis der von der Forschungsanstalt
Agroscope Reckenholz-Tänikon ART entwickelten Software zur
landwirtschaftlichen Betriebsplanung [siehe dazu
https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/wirtschaft-
technik/arbeitswissenschaften/arbeitsvoranschlag.html, zuletzt besucht
am 31. Mai 2022]), dass die Beschwerdeführerin von dem auf sie bei voller
- 32 -
Gesundheit entfallenden Anteils von rund 2'100 Arbeitsstunden am
Gesamtarbeitsvolumen des landwirtschaftlichen Betriebs (gerechnet mit
einem Anteil von 50 % am Produktionsverfahren sowie von meist 30 % an
der Bewirtschaftung der Nutzflächen) aufgrund ihrer invaliditätsbedingten
Einschränkungen nur noch rund 580 Arbeitsstunden verrichten kann
(gerechnet mit einem Anteil von durchschnittlich nur noch knapp 10 % am
Produktionsverfahren und je 10 % an der Heulagerung und
Produktionsführung im Rahmen der Bewirtschaftung der Nutzflächen, bei
sonst aufgehobener Leistungsfähigkeit), was einer Einschränkung von
gerundet 73 % entspricht (siehe IV-act. 180 S. 5 und Ed-act. 1, S. 5).
Gründe, um von dieser in Berücksichtigung der konkreten Umstände des
vorliegenden Falls und den für die Verrichtung der anfallenden
landwirtschaftlichen Arbeiten ausgewiesenen Arbeitsstunden ergangenen
Fachbeurteilung abzuweichen, sind nicht ersichtlich. Insbesondere mutet
es widersprüchlich an, wenn die Beschwerdeführerin die von ihr
angegebenen Koch- und Haushaltsarbeiten zunächst als Arbeitszeit
deklariert, um sie sodann jedoch als Argument anzuführen, um die
veranschlagten 580 Arbeitsstunden auf deren 290 zu halbieren, weil sie
aufgrund der nicht unerheblichen Koch- und Haushaltstätigkeit gar nicht in
der Lage sei, 580 Arbeitsstunden für die unselbstständige Erwerbstätigkeit
einzusetzen. Sollten sie tatsächlich als Arbeitszeit gelten, insbesondere
auch das Kochen für eine grössere Anzahl von Hilfskräften während der
Erntezeit (vgl. hierzu Bericht der Dres. med. G._ und O._ vom
10. Mai 2021 [IV-act. 173 S. 31] und Beschwerde S. 10 f., Rz. 30 ff.), ist
zu berücksichtigen, dass im Arbeitsvoranschlag gemäss IV-
Abklärungsbericht vom 5. Oktober 2021 eine Pauschale von 200
Arbeitsstunden für Betriebsführungs- und Sonderarbeiten berücksichtigt
worden ist (siehe IV-act. 180 S. 5 und Ed-act. 1, S. 5), was umgerechnet
auf den Tag rund vier Stunden entspricht (200 Stunden : 52 Wochen).
Naheliegender ist jedoch, dass zumindest die Haushaltsarbeiten – wie
auch bei anderen unselbstständig Erwerbenden – neben der Arbeitszeit
- 33 -
erledigt werden, wird die Beschwerdeführerin doch für ihre Mitarbeit auf
dem landwirtschaftlichen Betrieb entschädigt (vgl. zur Statusfrage die
nachfolgende Erwägungen 6 ff.).
5.4. Der Beschwerdeführerin ist indes darin beizupflichten, dass mit
CHF 9'000.-- ein zu tiefer Wert als Grundlage für die Aufrechnung des aus
unselbstständiger Erwerbstätigkeit ohne Gesundheitsschaden erzielbaren
Einkommens herangezogen wurde. Dieser Betrag entspricht den in den
Jahren 2018 und 2019 im Auszug aus dem individuellen Konto (IK-
Auszug) ausgewiesenen Einkommen aus ihrer Anstellung im
landwirtschaftlichen Betrieb ihres Lebenspartner Q._. In den beiden
Jahren zuvor (d.h. 2017 und 2016) wie auch im Jahr 2020 erwirtschaftete
sie indes jeweils CHF 9'597.--, während sie im Jahr 2015 ausweislich des
IK-Auszugs sogar einen Bruttolohn von CHF 9'600.-- erzielte (siehe IV-
act. 184 S. 2). Aufgrund dieser Schwankungen ist zu ihren Gunsten auf
den in diesem Zeitraum erwirtschafteten Durchschnittsverdienst
abzustellen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_572/2021 vom 19. Januar
2022 E.3.2, 9C_225/2019 vom 11. September 2019 E.4.2.1, 9C_14/2019
vom 24. April 2019 E.2.2.2, 8C_443/2018 vom 30. Januar 2019 E.2.1 mit
Hinweisen). Wird zudem auch der aus selbstständiger Tätigkeit
erwirtschaftete Verdienst auf das Jahr 2021 aufindexiert (zur
zeitidentischen Bemessung von Validen- und Invalideneinkommen vgl.
BGE 129 V 222 E.4.2 und Urteil des Bundesgerichts 8C_543/2019 vom
25. Oktober 2019 E.5.5), resultiert ein Wert von CHF 41'090.20 (= CHF
6'048.70 als Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit + CHF 35'041.50
als Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit; CHF 6'048.70 =
([CHF 4'064.-- x 1.009117 x 1.01 x 1.01] + [CHF 7'758 x 1.01 x 1.01]) : 2;
CHF 35'041.50 = ([{CHF 9'600.-- x 1.006761 x 1.003995 x 1.004824 x
1.009117 x 1.01 x 1.01} + {CHF 9'597.-- x 1.003995 x 1.004824 x
1.009117 x 1.01 x 1.01} + {CHF 9'597.-- x 1.004824 x 1.009117 x 1.01 x
1.01} + {CHF 9'000.-- x 1.009117 x 1.01 x 1.01} + {CHF 9'000.-- x 1.01 x
- 34 -
1.01} + CHF 9'597.-- x 1.01}] : 6 = CHF 9'678.12 : 580 Stunden =
CHF 16.69 pro Stunde x 2'100 Stunden).
5.5. Zu beachten ist schliesslich, dass dieses Valideneinkommen zwar auf den
Buchhaltungsabschlüssen aus den Jahren 2018 und 2019 bzw. auf
Angaben aus einer Zeit beruht, in welcher bei der Beschwerdeführerin
bereits invalidisierende Gesundheitsschäden vorgelegen haben (vgl.
hierzu auch Ergänzung vom 26. Oktober 2021 zum IV-Abklärungsbericht
Landwirtschaft [IV-act. 190]). Allerdings kann nicht auf den gemäss IK-
Auszug erzielten Verdienst vor Eintritt der gesundheitlichen
Beeinträchtigungen spätestens im Jahr 2012 abgestellt werden, da die
Beschwerdeführerin zu jener Zeit noch einen Landwirtschaftsbetrieb
zusammen mit ihrem damaligen Ehemann in R._ geführt hatte, bis
sie sich im Jahr 2013 von ihm trennte und nach Graubünden zog (vgl.
Anmeldung vom 8. November 2013 [IV-act. 4 S. 7] und Erstgespräch vom
14. Januar 2014 [IV-act. 14 S. 2]). Aufgrund dessen und der im Rahmen
des Trennungskonflikts erlebten häuslichen Gewalt (vgl. Bericht von
Dr. med. P._ vom 28. Januar 2014 [IV-act. 29 S. 3]) ist daher
überwiegend wahrscheinlich, dass sie auch im Gesundheitsfall nach
Graubünden umgezogen und seit dem 1. Dezember 2013 auf dem
Landwirtschaftsbetrieb ihres jetzigen Lebenspartners beschäftigt gewesen
wäre (vgl. IV-Abklärungsberichte vom 25. Juni 2014 [IV-act. 52 S. 2] und
5. Oktober 2021 [IV-act. 180 S. 2 und 6]). Abgesehen davon fehlen
konkrete Angaben zu den damaligen Verhältnissen und auch die IV-
Abklärungsberichte vom 25. Juni 2014 und 2. März 2015 bezogen sich
bereits auf den landwirtschaftlichen Betrieb ihres jetzigen Lebenspartners
in B._ (siehe IV-act. 52 und 83). Zudem enthält die üblicherweise für
die Ermittlung des branchenüblichen Einkommens verwendete
Schweizerische Lohnstrukturerhebung keine Daten zu
landwirtschaftlichen Betrieben (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_549/2016 vom 19. Januar 2017 E.5.1 und 8C_466/2015 vom 26. April
- 35 -
2016 E.3.3.3). Insoweit stellt das gemäss im IV-Abklärungsbericht vom
5. Oktober 2021 um die gesundheitlichen Einschränkungen bereinigte und
in Berücksichtigung der konkret auf dem jetzigen Landwirtschaftsbetrieb
anfallenden Arbeiten vergleichsweise der wirklichkeitsgetreuste
Annäherungswert dar.
5.6. Allerdings stellt sich die Frage, ob sich das nach den vorstehenden
Parametern aufgerechnete Valideneinkommen aus unselbstständiger
Erwerbstätigkeit im Vergleich zum Branchenlohn als unterdurchschnittlich
erweist. Weil die Beschwerdeführerin nicht mit dem Betriebsleiter Q._
verheiratet ist, rechtfertigt es sich vorliegend, sie im Hinblick auf die
Feststellung des branchenüblichen Lohnes nicht als familieneigene
Arbeitskraft in der Landwirtschaft zu behandeln (vgl. dazu Art. 1a Abs. 2
des Bundesgesetzes über die Familienzulagen in der Landwirtschaft [FLG;
SR 836.1], und Art. 1 Abs. 2 der Verordnung über die Familienzulagen in
der Landwirtschaft [FLV; SR 836.11] und BGE 121 V 125 zum Begriff des
mitarbeitenden Familiengliedes). Vielmehr ist auf die Richtlöhne für
familienfremde Arbeitnehmende in der Schweizer Landwirtschaft inkl.
landwirtschaftliche Hauswirtschaft für das Jahr 2021 gemäss der
sozialpartnerschaftlichen Vereinbarung zwischen dem Schweizer
Bauernverband, dem Schweizer Bäuerinnen- und Landfrauenverband
sowie der Arbeitsgemeinschaft der Berufsverbände landwirtschaftlicher
Angestellter abzustellen (siehe
https://www.agrimpuls.ch/fileadmin/agrimpulsch/Arbeitsrecht/Lohnrichtlini
en/Lohnrichtlinie_2021_D.pdf, zuletzt besucht am: 31. Mai 2022). Danach
ist für die Einstufung in die Lohnklasse die auf dem Betrieb ausgeführte
Funktion massgebend. Gemäss IV-Abklärungsbericht Landwirtschaft vom
5. Oktober 2021 umfasst der Tätigkeitsbereich von Q._ die
"Betriebsführung, alle Arbeiten" (siehe IV-act. 180 S. 3). Für den
Arbeitsbereich der Beschwerdeführerin ohne Behinderung wird auf den
erstellten ART-Arbeitsvoranschlag verwiesen, in welchem – wie
- 36 -
vorstehend bereits dargelegt – ihre Anteile an den verschiedenen
betrieblichen Aufgaben festgehalten wurden (siehe IV-act. 180 S. 5 bzw.
Ed-act. 1 S. 5). Auch wenn der Betrieb gegen aussen als Einheit geführt
wird, ergibt sich aus dem IV-Abklärungsbericht Landwirtschaft vom
5. Oktober 2021, dass alle Tiere auf den Betrieb von Q._ gemeldet
und auch auf ihn registriert sind. Entsprechend wird auch dem Partner der
Beschwerdeführerin im IV-Abklärungsbericht die Betriebsleitung als
Arbeitsbereich zugewiesen (IV-act. 180 S. 2). Angesichts der
Erwerbskarriere der Beschwerdeführerin und der ihr zugewiesenen
Aufgaben gemäss IV-Abklärungsbericht Landwirtschaft vom 5. Oktober
2021 erscheint es angemessen, sie in die Lohnklasse 6 "Landw. und
bäuerl.-hausw. Betriebsangestellte" einzuordnen, zumal ihr eine
eigenständige Arbeitsplanung und die eigenständige Ausführung aller in
ihren Arbeitsbereich fallenden Arbeiten zuzugestehen ist. Dies entspricht
gemäss Lohnrichtlinie den Fähigkeiten, welche mit einem
Fähigkeitszeugnis ausgewiesen wären (vgl. S. 3 der Richtlinie). Eine
höhere Lohnklasseneinstufung etwa in die Lohnklassen 7 (Landw. und
bäuerl.-hausw. Betriebszweigleiter/innen) oder sogar 8 (Landw. und
bäuerl.-hausw. Betriebsleiter/innen) rechtfertigt sich aufgrund der eher
überschaubaren Grösse des Betriebes und der Beschreibungen der der
Beschwerdeführerin zugewiesenen Arbeitsbereiche im IV-
Abklärungsbericht Landwirtschaft vom 5. Oktober 2021 betreffend die
unselbstständige Erwerbstätigkeit (namentlich Mitarbeit im
Produktionsverfahren und bei der Bestellung der Naturwiesen) indes nicht.
Insbesondere geht es nicht an, sie – wie von ihr geltend gemacht – als
bäuerliche Betriebsleiterin einzustufen, übt diese Funktion ausweislich der
Akten doch ihr Lebenspartner auf seinem Hof aus (vgl. IV-
Abklärungsbericht vom 5. Oktober 2021 [IV-act. 180 S. 3]) und geht es
hier um die Beurteilung ihrer Tätigkeit als Angestellte. Dass im erwähnten
Bericht als relevante Einschränkung auch im gewissen Rahmen solche in
der Betriebsführung erwähnt werden (siehe IV-act. 180 S. 4), vermag
- 37 -
daran nichts zu ändern, beziehen sich diese doch vornehmlich auf ihre
selbstständige Erwerbstätigkeit (vgl. IV-Abklärungsbericht Landwirtschaft
vom 5. Oktober 2021 [IV-act. 180 S. 6]: "Einkommen aus der
selbstständigen Betriebsführung"). Im Rahmen einer Gesamtbetrachtung
der betrieblichen Verhältnisse und der von der Beschwerdeführerin
ausgeübten Funktionen erscheint es insgesamt als angezeigt, die
Lohnklasse 6 als Vergleichsmassstab heranzuziehen. Dabei ist darauf
hinzuweisen, dass das Bundesgericht etwa im Urteil 8C_549/2016 vom
19. Januar 2017 das Abstellen auf die Lohnklasse 5 für die
Parallelisierung des Valideneinkommens für einen landwirtschaftlichen
Hilfsarbeiter ohne Ausbildung, der erst kurze Zeit beim damaligen
Arbeitgeber beschäftig war und dessen Lohn zu jenem Zeitpunkt über dem
Durchschnitt lag als wohlwollende, jedenfalls zu Gunsten des dortigen
Versicherten sich auswirkende Vorgehensweise durch die Vorinstanz
beurteilt hatte (vgl. dortige E.5.3). Vorliegend wird mit dem Heranziehen
der Lohnklasse 6 der langjährigen Arbeitserfahrung der
Beschwerdeführerin (in und ausserhalb der aktuellen Betriebes inkl.
Aufbau eines eigenen Betriebes im Kanton C._) jedenfalls
angemessen Rechnung getragen. Nach der genannten Lohnrichtlinie
beträgt das Mittel der Lohnbandbreite für die Lohnklasse 6 bei einer
Berufserfahrung von über fünf Jahren CHF 4'575.-- (vgl. S. 3 der
Richtlinie).
5.7. Der im Jahre 2021 gültige Normalarbeitsvertrag für das landwirtschaftliche
Arbeitsverhältnisse im Kanton Graubünden (NAV LW; BR 535.230) basiert
auf einer 55-Stundenwoche (vgl. Art. 2 Abs. 2 und Art. 6 Abs. 1 NAV LW
in der bis am 1. März 2022 gültigen Fassung). Dies entspricht bei
52 Wochen im Jahr 2'860 Stunden pro Jahr. Wie bereits dargelegt werden
der Beschwerdeführerin gemäss ART-Arbeitsvoranschlag im IV-
Abklärungsbericht Landwirtschaft vom 5. Oktober 2021 ohne
gesundheitliche Beeinträchtigung vom Total von ca. 4420 der
- 38 -
Arbeitsstunden des Gesamtbetriebes 2'100 Arbeitsstunden zugewiesen.
Dies entspricht im Vergleich zu den (maximalen) Arbeitsstunden gemäss
NAV LW einem Arbeitspensum von ca. 75 % (2'100 Arbeitsstunden :
2'860 Stunden = 73.43 %). Somit beträgt der Vergleichswert für eine
allfällige Prüfung der Unterdurchschnittlichkeit 75 % vom Mittelwert des
Richtlohnes 2021 für die Lohnklasse 6 und somit CHF 3'431.25 pro Monat
bzw. CHF 41'175.-- pro Jahr (= CHF 4'575.-- x 0.75 x 12). Im Vergleich zu
dem auf Basis des im IV-Abklärungsbericht Landwirtschaft vom 5. Oktober
2021 ermittelten und zusätzlich per 2021 angepassten Valideneinkommen
aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit von CHF 35'041.50 (vgl.
vorstehende Erwägung 5.4), ergibt sich eine Differenz von CHF 6'133.50
bzw. eine Unterdurchschnittlichkeit von 14.9 % (= CHF 6'133.50 x 100 :
CHF 41'175.--). Beim dergestalt ermittelten Valideneinkommen, welches
– wie vorstehend bereits dargelegt – die einzige, möglichst konkrete
Bemessung des hypothetisch ohne Gesundheitsschaden erzielbaren
Verdienstes auf dem neuen Hof in Graubünden darstellt, ist aber zu
beachten, dass es auf einer Aufrechnung von effektiv verabgabten
Einkommen beruht, und diese bereits durch den invalidisierenden
Gesundheitsschaden und/oder invaliditätsfremde Gründe beeinflusst sein
können. Angesichts der speziellen Umstände des vorliegenden Falls, dass
es namentlich kein effektives, vor Eintritt der invalidisierenden
Gesundheitsschäden erzieltes Einkommen aus der Erwerbstätigkeit auf
dem Hof im Kanton Graubünden gibt und auch keine LSE-Tabellenlöhne
zur Ermittlung des hypothetischen Valideneinkommens bei ansonsten
unveränderten Umständen zu Verfügung stehen, rechtfertigt es sich, die
vorstehend ermittelte Unterdurchschnittlichkeit in angemessener Weise
auszugleichen. Weil namentlich angesichts der fehlenden
Berufsausbildung sowie dem trennungsbedingten Einstieg in den
landwirtschaftlichen Betrieb ihres Lebenspartners nicht ersichtlich ist, dass
sich die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall aus freien Stücken mit
einem bescheideneren Einkommensniveau begnügen wollte, ist dabei auf
- 39 -
die Rechtsprechung zur Parallelisierung (vgl. dazu BGE 135 V 297 E.5.1
ff. und 134 V 322 E.4; siehe auch Urteil des Bundesgerichts 9C_487/2021
vom 8. März 2022 E.4.3.1) zurückzugreifen und die über einen Wert von
5 % hinausgehende Unterdurchschnittlichkeit für die Ermittlung des
Valideneinkommens auszugleichen. Somit resultiert für die
unselbstständige Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin als
landwirtschaftliche Betriebsangestellte ein (aufgewertetes)
Valideneinkommen von CHF 38'890.10 für ein Erwerbspensum von 75 %
(CHF 35'041.50: [1 - {0.14896-0.05}]). Darin nicht eingerechnet ist der aus
selbstständiger Erwerbstätigkeit erwirtschaftete, aufindexierte Verdienst
CHF 6'048.70.
6. Zur Statusfrage ist auf folgende Rechtsprechung hinzuweisen: Die
Methode der Invaliditätsbemessung im (hypothetischen) Gesundheitsfall
richtet sich praxisgemäss danach, welche Tätigkeit die versicherte Person
im Zeitpunkt der massgebenden Rentenverfügung ausüben würde, wenn
sie nicht invalid geworden wäre. Die für die Methodenwahl entscheidende
Statusfrage (vollzeitliche, teilzeitliche Erwerbstätigkeit oder
Nichterwerbstätigkeit bzw. Tätigkeit in anerkanntem Aufgabenbereich)
beurteilt sich danach, was die versicherte Person bei im Übrigen
unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitlichen
Beeinträchtigungen bestünden. Entscheidend ist also nicht, welches
Ausmass an Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall zumutbar wäre, sondern
in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Insbesondere bei
im Haushalt tätigen Versicherten sind die persönlichen, familiären,
sozialen und erwerblichen Verhältnisse sowie allfällige Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen
Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und
Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse wie
sie sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung entwickelt haben,
und die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten
- 40 -
(Teil-)Erwerbstätigkeit hat überwiegend wahrscheinlich zu sein. Die
zwangsläufig hypothetischen Beurteilungen (des Geschehensablaufes),
die auch hypothetische Willensentscheidungen der versicherten Person
berücksichtigen, sind wesensgemäss keiner direkten Beweisführung
zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien sowie
allenfalls Schlussfolgerungen auf Basis der allgemeinen Lebenserfahrung
abgeleitet werden. Dabei kann auch auf die Beweisregel hingewiesen
werden, wonach Aussagen der ersten Stunde in der Regel
beweistauglicher sind als spätere Aussagen, welche von nachträglichen
Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein
können (vgl. zum Ganzen BGE 144 I 28 E.2.3 f., 141 V 15 E.3.1 f. und 137
V 334 E.3.2; Urteile des Bundesgerichts 8C_669/2021 vom 15. März 2022
E.5.3.2, 9C_608/2020 vom 18. Juni 2021 E.3.3, 8C_29/2020 vom
19. Februar 2020 E.5.3.2, 9C_161/2019 vom 28. Juni 2019 E.5.2 f. und
5.4.3, 8C_145/2018 vom 8. August 2018 E.5.1, 9C_671/2017 vom 12. Juli
2018 E.3.3.1 f. und 9C_92/2018 vom 12. April 2018 E.2.1 m.H.a. BGE 133
V 504 E.3.3). Mithin sind für die Beantwortung der Statusfrage im
Gesundheitsfall verschiedene Aspekte zu berücksichtigen, wozu neben
dem Vorgenannten und der finanziellen Notwendigkeit namentlich auch
die Erwerbskarriere zu zählen ist. Die in jedem Fall hypothetische Frage
nach dem (Erwerbs-)Status einer versicherten Person – unter
Berücksichtigung der sich bis zum Verfügungserlass verwirklichten
Gegebenheiten – ist also aufgrund einer umfassenden Betrachtungsweise
zu beurteilen (vgl. Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubündens [VGU] S 19 105 vom 6. August 2020 E.4.1 und S 19 63 vom
14. Juli 2020 E.3.1 und 3.4).
6.1. Die Beschwerdeführerin bringt dazu vor, im Case Report mit Eintrag vom
27. Juli 2021 sei noch die Rede von einer Haushaltsabklärung gewesen,
welche in der Folge offenbar vergessen gegangen sei. Die
Beschwerdegegnerin entgegnet dem, dieser Hinweis sei nur für den Fall
- 41 -
gedacht gewesen, wenn der Invaliditätsgrad anhand der gemischten
Methode zu ermitteln gewesen wäre, wofür es jedoch keine aktenkundigen
Anhaltspunkte gebe; die Beschwerdeführerin wäre im Gesundheitsfall
vollerwerbstätig.
6.2. Vorliegend ist aktenmässig erstellt, dass die Beschwerdeführerin, welche
über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügt, in R._ im
Kanton C._ ab dem Jahr 1999 einen Landwirtschaftsbetrieb
aufgebaut hat, in welchen ihr damaliger Ehemann sodann eingestiegen
war. Sie führten den Betrieb zusammen bis zur Trennung im Jahr 2013
(vgl. Erstgespräch vom 14. Januar 2014 [IV-act. 14 S. 1 f.] und IV-
Abklärungsberichte vom 25. Juni 2014 [IV-act. 52 S. 2] und 5. Oktober
2021 [IV-act. 180 S. 2]). Damals war die Beschwerdeführerin als
selbstständige Landwirtin tätig, wobei sie während der Schulpflicht ihrer
1995, 1996 und 2001 geborenen Kinder deren Betreuung übernahm und
somit weniger Arbeit im Betrieb leisten konnte (vgl. Ergänzung vom
26. Oktober 2021 zum IV-Abklärungsbericht Landwirtschaft [IV-act. 190]).
Ab dem 1. Dezember 2013 war die Beschwerdeführerin sodann auf dem
Landwirtschaftsbetrieb ihres jetzigen Lebenspartners in B._ tätig,
wobei sie eine 100 %ige Erwerbstätigkeit ausübte (vgl. IV-
Abklärungsbericht vom 25. Juni 2014 [IV-act. 54 S. 5],
Evaluationsgespräch Eingliederung vom 27. November 2020 [IV-act. 153
S. 1]). Im 2014 wurde die Milchkuhhaltung aufgegeben und auf
Mutterkühe umgestellt (siehe IV-Abklärungsbericht vom 2. März 2015 [IV-
act. 80 S. 3]). Anlässlich der Anmeldung zum Leistungsbezug im Juli 2020
gab die Beschwerdeführerin wiederum an, zu 100 % als Landwirtin tätig
zu sein (siehe IV-act. 108 S. 6; vgl. ferner Bericht vom 25. Juni 2021 zur
durchgeführten EFL [IV-act. 174 S. 4]), was indes bereits insoweit zu
relativieren ist, als sie damals schon in ihrer bisherigen Tätigkeit zu 75 %
arbeitsunfähig geschrieben war (vgl. z.B. ärztliche Zeugnisse von Dr. med.
G._ vom 19. März 2020 und vom 23. Juni 2020 [IV-act. 142 S. 12 f.]).
- 42 -
Insofern ist diese Angabe als Ausdruck dafür zu verstehen, weiterhin als
Bergbäuerin tätig sein zu wollen. So gab sie anlässlich des
Evaluationsgesprächs betreffend Eingliederung vom 27. November 2020
denn auch kund, alles zu versuchen, um die Tätigkeit als Bäuerin
weiterführen zu können (siehe IV-act. 153 S. 3; vgl. ferner Bericht vom
25. Juni 2021 zur durchgeführten EFL [IV-act. 174 S. 6]). Auch der
rheumatologische Experte attestierte der Beschwerdeführerin in seinem
Gutachten vom 27. Juni 2021 eine aus medizinischer Sicht erstaunliche
Leistungsbereitschaft und -fähigkeit in ihrem Beruf als Bergbäuerin, was
er auf das grosse Bestreben zurückführte, in dieser Tätigkeit weiter
arbeitsfähig zu sein (siehe IV-act. 173 S. 23). Auch wenn diese Umstände
die Invalidenbiografie betreffen, sind sie mit Blick auf die Validenkarriere
nicht von vornherein ausser Acht zu lassen. Hinzu kommt, dass die
finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführerin ebenfalls eher für die
Ausübung einer hochprozentigen Erwerbstätigkeit im hypothetischen
Gesundheitsfall sprächen (vgl. Bericht der Dres. med. G._ und
O._ vom 10. Mai 2021 [IV-act. 173 S. 31], Bericht von Dr. med.
G._ vom 27. Januar 2017 [IV-act. 137 S. 17]) und auch ihre Kinder
mittlerweile bereits erwachsen sind (vgl. IV-Anmeldungen vom
8. November 2013 [IV-act. 4 S. 2], vom 17. Juli 2020 [IV-act. 108 S. 3] und
Case-Report [IV-act. 198 S. 2]). Demgegenüber trifft dies nicht auf jene
ihres Lebenspartners zu, welche in den Jahren 2006 und 2008 geboren
und somit schulpflichtig sind und zusammen mit der Beschwerdeführerin
im gleichen Haushalt wohnen (vgl. Formular um unentgeltliche
Prozessführung vom 19. März 2022, vgl. ferner Bericht der Dres. med.
G._ und O._ vom 10. Mai 2021 [IV-act. 173 S. 31]). Zudem ist
aktenkundig, dass die Beschwerdeführerin täglich während (ein bis) etwa
zwei Stunden den Haushalt führt und die Mahlzeiten zubereitet (vgl.
rheumatologisches Gutachten vom 27. Juni 2021 [IV-act. 173 S. 15] sowie
Bericht vom 25. Juni 2021 zur durchgeführten EFL [IV-act. 174 S. 4]; vgl.
ferner Ergänzung vom 26. Oktober 2021 zum IV-Abklärungsbericht
- 43 -
Landwirtschaft [IV-act. 190]). Dabei gibt sie an, alle Hausarbeiten zu
erledigen bis auf das Fensterputzen (vgl. rheumatologisches Gutachten
vom 27. Juni 2021 [IV-act. 173 S. 15] sowie Bericht vom 25. Juni 2021 zur
durchgeführten EFL [IV-act. 174 S. 6]). Dies bekräftigt die
Beschwerdeführerin auch im Rahmen des vorliegenden Verfahrens,
indem sie beschwerdeweise vorbringt, nicht unerhebliche Arbeitszeit für
den gemeinsamen Haushalt mit ihrem Lebenspartner und den Kindern
aufzuwenden. In der Replik ergänzt sie, dass sie seit Jahren einen Teil
ihrer Arbeitskraft im Haushalt einsetze und dies auch bei voller
Arbeitsfähigkeit tun würde. Auch moniert sie, dass die
Beschwerdegegnerin es unterlassen habe, eine Haushaltsabklärung
durchzuführen. Diesbezüglich ist dem Eintrag vom 27. Juli 2021 im Case
Report zwar der Hinweis zu entnehmen, dass nach der Evaluierung der
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Landwirtschaftsbetrieb zu
prüfen gewesen sei, ob doch noch eine Haushaltsabklärung durchgeführt
werde (siehe IV-act. 198 S. 4). Darauf wurde in der Folge indes
offensichtlich verzichtet, obgleich die Aktenlage – wie aus dem
Vorerwähnten erhellt – ein gemischtes Bild zeigt und durchaus
Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Beschwerdeführerin im
Gesundheitsfall zwar hochprozentig, nicht aber vollzeitlich erwerbstätig
wäre.
6.3. Dies deckt sich denn auch mit dem Umstand, dass im IV-
Abklärungsbericht Landwirtschaft vom 5. Oktober 2021 der Anteil der
Beschwerdeführerin an den Arbeiten im landwirtschaftlichen Betrieb ihres
Lebenspartners im Gesundheitsfall mit 2'100 Stunden pro Jahr
veranschlagt wurde (IV-act. 180 S. 5 f.), was eine Wochenarbeitszeit von
etwas über 40 Stunden ergibt, die – wie dargelegt – unter den
durchschnittlichen monatlichen Arbeitsstunden von 55 Stunden gemäss
dem Normalarbeitsvertrag für landwirtschaftliche Arbeitsverhältnisse im
Kanton Graubünden liegt und einem Arbeitspensum von ca. 75 %
- 44 -
entspricht (vgl. die vorstehende Erwägung 5.7). Gemäss Art. 27 Abs. 1
IVV gilt für im Haushalt tätige Versicherte die übliche Tätigkeit im Haushalt
sowie die Pflege und Betreuung von Angehörigen als Aufgabenbereich
nach Art. 7 Abs. 2 IVG. Die Bestimmung des Invaliditätsgrades bei
Teilerwerbstätigkeiten erfolgt nach Art. 27bis IVV durch eine Addition des
Invaliditätsgrades in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und jenem hinsichtlich
der Betätigung im Aufgabenbereich (Abs. 2 in der ab dem 1. Januar 2018
bis am 31. Dezember 2021 gültigen Fassung). Für die Berechnung des
Invaliditätsgrades in Bezug auf die Erwerbstätigkeit nach Massgabe von
Art. 16 ATSG ist das Erwerbseinkommen, welches die versicherte Person
durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen), auf ein Vollerwerbspensum
hochzurechnen und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des
Beschäftigungsgrades, den die Person hätte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre, zu gewichten (Abs. 3 in der ab dem 1. Januar 2018 bis
am 31. Dezember 2021 gültigen Fassung). Auf den vorliegenden Fall
angewendet bedeutet dies, dass unter der Annahme eines
Erwerbspensums der Beschwerdeführerin vom 75 % in der
unselbstständigen Tätigkeit als Betriebsangestellte ein hochgerechnetes
Valideneinkommen einschliesslich des Jahresverdienstes aus der
selbstständigen Erwerbstätigkeit per 2021 von CHF 57'902.20 resultierte
([CHF 38'890.10 : 0.75] + CHF 6'048.70). Bei einem Invalideneinkommen
von CHF 39'402.20 ergäbe dies einen ungewichteten Invaliditätsgrad im
Erwerbsbereich von 32 % (CHF 57'902.20 - CHF 39'402.20 =
CHF 18'500.-- : CHF 57'902.20 = 31.95 %) bzw. – bei einer
angenommenen Gewichtung von 75 % des Erwerbsbereichs – einen
gewichteten Invaliditätsgrad von 24 % (32 % x 0.75). Demnach könnte bei
einem mit 25 % (100 % - 75 % Erwerbspensum) veranschlagten
Haushalts- bzw. anerkannten Aufgabenbereich ein rentenbegründender
Invaliditätsgrad nicht von vornherein ausgeschlossen werden, reichte
hierfür doch eine ungewichtete Einschränkung im Haushalts- bzw.
- 45 -
anerkannten Aufgabenbereich von 65 % oder mehr aus (65 % x 0.25 =
16.25 %; 16.25 % + 24 % = 40.25 %; vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG in der bis am
31. Dezember 2021 gültigen Fassung). Auch wenn sich der
rheumatologische Gutachter Dr. med. I._ in seinem Gutachten vom
27. Juni 2021 nebenbei zur Einschränkung im Haushalt geäussert hat
(siehe IV-act. 173 S. 24), kann diese ohne Haushaltsabklärung bei der
Beschwerdeführerin nicht hinreichend genau abgeschätzt werden.
Insofern ist der Beschwerdeführerin darin beizupflichten, dass sich der
Sachverhalt in diesem Punkt als ungenügend abgeklärt erweist.
6.4. Da ein rentenbegründender Invaliditätsgrad somit nicht von vornherein
ausgeschlossen werden kann, kann entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin auch der Rentenentscheid nicht unabhängig von
allfälligen Eingliederungsmassnahmen gefällt werden (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_585/2021 vom 6. Januar 2022 E.5.1 m.H.).
Hinzuweisen ist dabei, dass bei fehlendem Eingliederungswillen bzw.
einer fehlenden subjektiven Eingliederungsfähigkeit der Anspruch auf
solche entfällt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_202/2021 vom
17. Dezember 2021 E.7.2 m.H.). Zudem unterliegen
Eingliederungsmassnahmen, zu denen auch die Hilfsmittelversorgung
gehört, den allgemeinen Anspruchsvoraussetzungen der Geeignetheit,
Erforderlichkeit und Eingliederungswirksamkeit bzw. Angemessenheit
(siehe BGE 143 V 190 E.2 und 122 V 212 E.2c).
7. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen, die angefochtene Verfügung
aufzuheben und die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit diese eine Haushaltsabklärung durchführe und
sodann (und unter Gewährung des rechtlichen Gehörs) über die
Leistungsansprüche der Beschwerdeführerin neu entscheide. Dabei wird
sie auch zu prüfen haben, ob Eingliederungsmassnahmen zu gewähren
sind. Bei diesem Verfahrensausgang erübrigt es sich auf die weiteren
Vorbringen und Anträge der Beschwerdeführerin einzugehen.
- 46 -
7.1. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein
durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in
Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.--
fest. Die Rückweisung zu weiteren Abklärungen gilt praxisgemäss als
vollständiges Obsiegen der beschwerdeführenden Partei bezüglich der
Verteilung der Gerichtskosten und der Zusprache einer
Parteientschädigung (vgl. BGE 141 V 281 E.11.1, 137 V 210 E.7.1, 132 V
215 E.6.1 f.). Infolge des Ausgangs des Beschwerdeverfahrens sind die
Gerichtskosten von CHF 700.-- demnach der Beschwerdegegnerin zu
überbinden (vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG).
7.2. Die Beschwerdeführerin hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten zu Lasten der IV-Stelle. Die Bemessung der
Entschädigung erfolgt ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses,
wobei der zeitliche Aufwand der Rechtsvertretung regelmässig von der
Schwierigkeit des Prozesses mitbestimmt wird. Im Übrigen wird die
Bemessung der Parteientschädigung gemäss Art. 61 Ingress ATSG nach
dem kantonalen Recht bestimmt (vgl. Urteile des Bundesgerichts
9C_714/2018 vom 18. Dezember 2018 E.9.2, nicht publ. in: BGE 144 V
380, 9C_321/2018 vom 16. Oktober 2018 E.6.1, 9C_688/2009 vom
19. November 2009 E.3.1.1 f.). Gemäss Art. 78 VRG i.V.m. Art. 2 der
Verordnung über die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen
und Rechtsanwälte (HV; BR 310.250) wird die Parteientschädigung nach
Ermessen des Gerichts festgesetzt, wobei es grundsätzlich von dem in der
Honorarnote geltend gemachten (und als angemessen zu betrachtenden)
- 47 -
Aufwand sowie (üblichen) Stundenansatz ausgeht. Der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin machte in seiner Eingabe vom 28. April 2022
insgesamt einen Aufwand von 20.1 Stunden à CHF 269.17 bzw.
CHF 269.25 (CHF 5'411.65) einschliesslich MWST geltend. Da vorliegend
keine Honorarvereinbarung im Recht liegt, ist der Stundenansatz
praxisgemäss auf CHF 240.-- zu reduzieren (vgl. statt vieler Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden R 17 86 vom 17. April
2018 E.5.2). Insgesamt ist somit eine Entschädigung von CHF 5'195.45
(20.1 Stunden à CHF 240.-- [CHF 4'824.--] zzgl. 7.7 % MWST
[CHF 371.45]) angemessen. In diesem Umfang hat die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin aussergerichtlich zu
entschädigen.