Decision ID: 854df8cd-cdb5-46e1-b63d-5986434f5ef5
Year: 2021
Language: de
Court: GR_KG
Chamber: GR_KG_006
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: civil_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A. A._, geboren am A._ 1972, wurde mit Verfügung vom 6. Oktober 2021 durch Dr. med. C._, D._, gestützt auf Art. 426 und Art. 429 f. ZGB für die Dauer von 6 Wochen in der Klinik E._ fürsorgerisch untergebracht. Als Grund für die Einweisung wurde ein dekompensierter paranoider Zustand mit agitiertem Verwirrtheitszustand aufgeführt. A._ habe sich im häuslichen Umfeld aggressiv verhalten, Blumentöpfe zerstört und eine Scheibe eingeschlagen, worauf ein Polizeieinsatz ausgelöst wurde.
B. Gegen die fürsorgerische Unterbringung erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 15. Oktober 2021 (Poststempel 18. Oktober 2021) Beschwerde beim Kantonsgericht von Graubünden.
C. Mit Schreiben vom 19. Oktober 2021 ersuchte der Vorsitzende der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden die Klinik E._ unter Fristansetzung bis zum 20. Oktober 2021 um einen kurzen Bericht zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers, zur Art der Behandlung und insbesondere darüber, inwiefern die Voraussetzungen für eine weitere fürsorgerische Unterbringung aus ärztlicher Sicht gegeben seien. Weiter forderte er die wesentlichen Klinikakten über den Beschwerdeführer an.
D. Am 20. Oktober 2021 reichte die Klinik E._ den angeforderten Bericht ein, worauf gleichentags mit prozessleitender Verfügung des Vorsitzenden der I. Zivilkammer Dr. med. B._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, gestützt auf Art. 439 Abs. 3 ZGB i.V.m. Art. 450e Abs. 3 ZGB mit der Begutachtung des Beschwerdeführers beauftragt wurde.
E. Nach Eingang des Gutachtens von Dr. med. B._ vom 22. Oktober 2021 fand am 25. Oktober 2021 die mündliche Hauptverhandlung vor der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden statt, an welcher der Beschwerdeführer persönlich teilnahm und befragt wurde. Nach durchgeführter Urteilsberatung wurde der ärztlichen Leitung der Klinik E._, auch zu Handen des Beschwerdeführers, noch gleichentags das vorzeitige Entscheiddispositiv zugestellt.
Erwägungen
1.1. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist eine fürsorgerische Unterbringung gemäss Art. 426 ff. ZGB. Das Kantonsgericht von Graubünden ist
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hierfür einzige kantonale Beschwerdeinstanz (Art. 439 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB i.V.m. Art. 60 Abs. 1 EGzZGB [BR 210.100]).
1.2. Im vorliegenden Fall handelt es sich um eine ärztlich angeordnete fürsorgerische Unterbringung nach Art. 429 Abs. 1 ZGB. Dagegen kann die betroffene oder eine ihr nahestehende Person innert zehn Tagen schriftlich beim zuständigen Gericht Beschwerde erheben (Art. 439 Abs. 1 und 2 ZGB). Eine Begründung ist nicht notwendig (Art. 439 Abs. 3 ZGB i.V.m. Art. 450e Abs. 1 ZGB). Vorliegend handelt es sich um eine Beschwerde der betroffenen Person. Die Beschwerdefrist wurde mit Eingabe vom 15. Oktober 2021 (Poststempel 18. Oktober 2021) gewahrt (act. 01). Daher ist auf die frist- und formgerechte Beschwerde einzutreten.
2.1. Das Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz richtet sich nach Art. 450a ff. ZGB. Zu beachten sind sodann die allgemeinen Verfahrensgrundsätze des erstinstanzlichen Verfahrens (Art. 443 ff. ZGB), die auch im Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz anwendbar sind, soweit das Gesetz in den Art. 450 ff. ZGB keine abweichenden Vorschriften enthält (vgl. Lorenz Droese/Daniel Steck, in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 6. Aufl., Basel 2018, N 13 zu Art. 450 ZGB). Dies gilt namentlich für die in Art. 446 ZGB verankerte uneingeschränkte Untersuchungs- und Offizialmaxime und das an gleicher Stelle festgeschriebene Prinzip der Rechtsanwendung von Amtes wegen. Der Anwendungsbereich dieser zentralen Verfahrensgrundsätze bezieht sich auf sämtliche Verfahren vor der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde und erstreckt sich – wenn auch teilweise in abgeschwächter Form – nach dem Grundsatz der Einheit des Prozesses auch auf die Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz (vgl. Luca Maranta/Christoph Auer/Michèle Marti, in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 6. Aufl., Basel 2018, N 1 f. zu Art. 446 ZGB m.w.H.). Aus Art. 450a ZGB wie auch aus Art. 5 Ziff. 4 EMRK ergibt sich schliesslich, dass das Gericht Tat- und Rechtsfragen wie auch die Angemessenheit frei überprüft und ihm von Bundesrechts wegen volle Kognition zukommt.
2.2. Das Gesetz schreibt ausdrücklich vor, dass das Gericht aufgrund eines Gutachtens entscheiden muss, wenn die betroffene Person an einer psychischen Störung leidet (Art. 439 Abs. 3 ZGB i.V.m. Art. 450e Abs. 3 ZGB). Das Gutachten muss von einer unabhängigen, im laufenden Verfahren noch nicht involvierten sachverständigen Person erstellt werden und in dem Sinne aktuell sein, dass es
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sich zu den sich im gerichtlichen Verfahren stellenden Fragen äussern muss (BGE 143 III 189 E. 3.2 f.; Thomas Geiser/Mario Etzensberger in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 6. Aufl., Basel 2018, N 48 ff. zu Art. 439 ZGB; Thomas Geiser, in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 6. Aufl., Basel 2018, N 19 zu Art. 450e ZGB). Mit dem Kurzgutachten vom 22. Oktober 2021 von Dr. med. B._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, welche den Beschwerdeführer persönlich untersucht hat, wurde dieser Vorschrift Genüge getan (act. 06).
2.3. Gemäss Art. 450e Abs. 4 Satz 1 ZGB muss die gerichtliche Beschwerdeinstanz die betroffene Person in der Regel als Kollegium anhören, was faktisch zwingend zur Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung führt (vgl. Christof Bernhart, Handbuch der fürsorgerischen Unterbringung, Basel 2011, N 848 f.). Mit der Durchführung der mündlichen Hauptverhandlung am 25. Oktober 2021 wurde diese Vorgabe umgesetzt (act. 08.1).
3.1. Neben der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde können gemäss Art. 429 Abs. 1 ZGB auch die von den Kantonen bezeichneten Ärztinnen und Ärzte eine fürsorgerische Unterbringung, welche die Höchstdauer von sechs Wochen nicht überschreiten darf, anordnen. Dabei hat der einweisende Arzt die betroffene Person persönlich zu untersuchen, anzuhören (vgl. Art. 430 Abs. 1 ZGB) und ihr anschliessend den Unterbringungsentscheid mit den gesetzlich vorgeschriebenen Angaben auszuhändigen (vgl. Art. 430 Abs. 2 und 4 ZGB). Dies bedeutet, dass die Untersuchung dem Einweisungsentscheid unmittelbar vorauszugehen hat (vgl. Geiser/Etzensberger, a.a.O., N 20 ff. zu Art. 429/430 ZGB). Der einweisende Arzt muss sich gestützt auf eine klinische Untersuchung und soweit möglich nach einem Gespräch mit der betroffenen Person eine Meinung bilden (vgl. Olivier Guillod, in: Büchler et al. [Hrsg.], Erwachsenenschutz, Fam-Kommentar, Bern 2013, N 4 zu Art. 430 ZGB).
3.2. Dr. med. C._ ist Amtsarzt in D._. Damit war er gemäss Art. 51 Abs. 1 lit. a EGzZGB i.V.m. Art. 22 KESV (BR 215.010) als im Kanton zur selbstständigen Berufsausübung zugelassener Arzt der Grundversorgung zur Anordnung einer fürsorgerischen Unterbringung legitimiert. Die ärztliche Untersuchung fand am 6. Oktober 2021 statt. Zudem enthält die Verfügung vom 6. Oktober 2021 die gemäss Art. 430 Abs. 2 ZGB vorgeschriebenen Minimalangaben (act. 01.1).
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4.1. Gemäss Art. 426 Abs. 1 ZGB darf eine Person, welche an einer psychischen Störung oder an geistiger Behinderung leidet oder verwahrlost ist, in einer geeigneten Einrichtung untergebracht werden, wenn die nötige Behandlung oder Betreuung nicht anders erfolgen kann. Die Belastung und der Schutz von Angehörigen und Dritten sind zu berücksichtigen (Abs. 2). Die betroffene Person wird entlassen, sobald die Voraussetzungen der Unterbringung nicht mehr erfüllt sind (Abs. 3). Die Massnahme gelangt zur Anwendung, wenn eine Person der persönlichen Fürsorge oder Pflege bedarf (vgl. Geiser/Etzensberger, a.a.O., N 6 zu Art. 426-439 ZGB). Die fürsorgerische Unterbringung dient dem Schutz der betroffenen Person und nicht der Umgebung (vgl. dazu Botschaft zur Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht] vom 28. Juni 2006, BBl 2006 7001, S. 7062 [zitiert: Botschaft]). Erste gesetzliche Voraussetzung für eine Anordnung der Massnahme ist einer der drei abschliessend genannten Schwächezustände: psychische Störung, geistige Behinderung oder schwere Verwahrlosung. Erforderlich ist sodann eine sich aus dem Schwächezustand ergebende Notwendigkeit der Behandlung beziehungsweise Betreuung. Weitere Voraussetzung ist, dass der Person die nötige Behandlung oder Betreuung nicht auf andere Weise als durch eine Einweisung beziehungsweise Zurückbehaltung in einer Einrichtung gewährt werden kann. Gesetzlich verlangt ist schliesslich eine geeignete Einrichtung (vgl. BGer 5A_228/2016 v. 11.7.2016 E. 3.1). Die genannten Voraussetzungen bedingen sich gegenseitig und sind nur in ihrem Zusammenhang verständlich. Der Schwächezustand allein vermag eine fürsorgerische Unterbringung nie zu rechtfertigen, sondern immer nur zusammen mit der Notwendigkeit einer Behandlung oder Betreuung. Selbst bei Vorliegen einer solchen ist die freiheitsbeschränkende Unterbringung aber nur gesetzeskonform, wenn der Zweck der Unterbringung nicht mit einer milderen Massnahme erreicht werden kann (Verhältnismässigkeitsprinzip) und die Unterbringung für den angestrebten Zweck auch tauglich ist (vgl. Geiser/Etzensberger, a.a.O., N 7 zu Art. 426 ZGB).
4.2. Zunächst ist zu prüfen, ob beim Beschwerdeführer einer der im Gesetz genannten Schwächezustände vorliegt, welcher die persönliche Fürsorge notwendig macht. Die psychische Störung umfasst die anerkannten Krankheitsbilder der Psychiatrie, d.h. Psychosen und Psychopathien, seien sie körperlich begründbar oder nicht (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 7062). Psychische Störung ist ein Begriff des Rechts, der sich aber auf die medizinische Terminologie abstützt. Der Begriff ist aus der modernen Medizin entnommen und entspricht der Klassifikation der WHO (ICD; International Classification of Disturbances [vgl. Geiser/Etzensberger, a.a.O., N 15 f. zu Art. 426 ZGB]).
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Dr. med. B._ kam in ihrem Kurzgutachten vom 22. Oktober 2021 aufgrund der Akten der Klinik E._, einem Gespräch mit Frau H._, einer Pflegerin, sowie ihrer eigenen Beobachtungen anlässlich der psychiatrischen Untersuchung zum Schluss, dass beim Beschwerdeführer eine hebephrene Schizophrenie (; F.20.1) vorliegt. Bei der vorliegenden Diagnose handelt es sich um psychische Störungen im juristischen Sinne. Damit ist beim Beschwerdeführer der gemäss Art. 426 Abs. 1 ZGB für die fürsorgerische Unterbringung erforderliche Schwächezustand grundsätzlich gegeben (act. 06).
4.3. Eine weitere kumulative Voraussetzung für eine fürsorgerische Unterbringung ist die sich aus diesem Schwächezustand ergebende Notwendigkeit einer Behandlung bzw. Betreuung.
4.3.1. Die Klinik E._ führte in ihrer Stellungnahme vom 19. Oktober 2021 aus, der Beschwerdeführer sei den Psychiatrischen Diensten Graubünden (v.a. Rehabilitation-/Akutstation und ambulante Behandlung) aufgrund einer hebephrenen Schizophrenie seit 1995 bekannt, wobei der Beschwerdeführer seit dem 14. Juli 2021 monatlich für mehrere Wochen in der Klinik hospitalisiert gewesen sei, vorliegend bereits zum vierten Mal (recte fünften Mal) in diesem Jahr. Der Beschwerdeführer sei aufgrund eines dekompensierten paranoiden Zustands und Fremdaggressivität zugewiesen worden. Der Beschwerdeführer sei aktuell nicht krankheits- und behandlungseinsichtig und bagatellisiere seinen Zustand, wobei er die von ihm getätigten Handlungen nicht schlüssig erklären könne. Der Beschwerdeführer sei intermittierend agitiert, fremdaggressiv und distanzlos. Es seien bereits diverse Zwischenfällen vorgefallen. So solle er Mitpatientinnen ungefragt in den Intimbereich gegriffen haben, versucht haben sich vom Behandlungsteam Schmuck zu bemächtigen und in der Cafeteria gestohlen haben. Das familiäre Umfeld sei mit seiner Symptomatik überfordert und habe auch körperliche Übergriffe erlitten. Weniger einschneidende Massnahmen als die Unterbringung auf der geschlossenen Akutstation seien aktuell nicht ersichtlich (act. 03).
4.3.2. Im Kurzgutachten vom 22. Oktober 2021 wird eine solche Notwendigkeit grundsätzlich bejaht. Dr. med. B._ hält in ihrem Kurzgutachten diesbezüglich fest, dass die stationäre Behandlung und Betreuung – nach mittlerweile erfolgtem Übertritt auf die halboffene Abteilung der Akutstation – momentan unerlässlich sei. Die Krankheits- und Behandlungseinsicht sei beim Beschwerdeführer aufgrund der langjährigen Hebephrenie nicht stabil und nicht tiefgehend gegebenen, höchstens im Ansatz vorhanden. Der Beschwerdeführer sei in der Vergangenheit wiederholt stationär und medikamentös erfolgreich behandelt worden, wobei die
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Symptome bei Austritt wahrscheinlich aufgrund des Absetzens der Medikamente wieder aufgetreten seien. Ein unüberlegter Austritt und die Rückkehr in die eigene Wohnung würde wieder zu einer raschen psychotischen Dekompensation führen. Indes sei zur Stabilisierung und Erhaltung seiner Gesundheit unbedingt notwendig, dass der Beschwerdeführer die antipsychotische Medikation andauernd und unter medizinischer Überwachung einnehme. Diese Konstanz der Medikation könne aktuell nur im Rahmen einer stationären Behandlung garantiert werden. Eine ambulante Behandlung sei zurzeit nicht ausreichend (act. 06).
4.3.3. Angesichts des Gutachtens, der Stellungnahme der Klinik E._ und der Akten ist für das Kantonsgericht die Behandlungsbedürftigkeit des Beschwerdeführers momentan ausgewiesen. Es stellt sich die Frage, ob die fürsorgerische Unterbringung in der Klinik E._ angesichts des schweren Eingriffs in die persönliche Freiheit des Betroffenen im konkreten Fall und aktuell noch als verhältnismässig erscheint.
4.4. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit verlangt, dass eine fürsorgerische Unterbringung nur verfügt bzw. nur solange aufrechterhalten werden darf, als mit einer konkreten Selbst- oder Fremdgefährdung von einem gewissen Ausmass zu rechnen ist. So hat das Bundesgericht festgehalten, dass es für die Beurteilung des Behandlungs- bzw. Betreuungsbedarfs wesentlich sei, mit welcher konkreten Gefahr für die Gesundheit oder das Leben der betroffenen Person bzw. von Dritten zu rechnen sei, wenn die Behandlung der gutachterlich festgestellten Krankheit bzw. die Betreuung unterbleibe (vgl. BGE 140 III 101 E. 6.2.2 sowie BGE 140 III 105 E. 2.4 m.w.H.). Gemäss Art. 426 Abs. 3 ZGB wird eine Person entlassen, sobald die Voraussetzungen für eine Unterbringung nicht mehr erfüllt sind. Mit dieser Umschreibung beabsichtigte der Gesetzgeber eine im Vergleich zum alten Recht restriktivere Regelung der Entlassungsvoraussetzungen (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 7063). Der Entscheid über die Entlassung ist stets anhand des Zustandes der betroffenen Person im aktuellen Zeitpunkt zu bestimmen (vgl. Geiser/Etzensberger, a.a.O., N 44 zu Art. 426 ZGB). Dabei ist eine Interessenabwägung im Hinblick auf den Zweck der fürsorgerischen Unterbringung, nämlich die Wiedererlangung der Selbständigkeit und der Eigenverantwortung im Entlassungszeitpunkt, vorzunehmen. Aus dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit ergibt sich des Weiteren, dass die nötige Behandlung oder Betreuung nicht anders erfolgen kann als mit der Einweisung in eine Einrichtung. Mit anderen Worten muss die Unterbringung in einer Einrichtung geeignet sein, den Zweck der beabsichtigten Behandlung zu erfüllen, ohne dass eine weniger einschneidende Massnahme genügen würde (vgl. dazu
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Geiser/Etzensberger, a.a.O., N 22 ff. zu Art. 426 ZGB, und Olivier Guillod, in: Büchler et al. [Hrsg.], Erwachsenenschutz, Fam-Kommentar, Bern 2013, N 64 f. zu Art. 426 ZGB). Eine Unterbringung fällt gemäss der Botschaft zum neuen Erwachsenenschutzrecht deshalb nur als ultima ratio in Betracht (Botschaft, a.a.O., S. 7062). Als leichtere Massnahme kommt den ambulanten Massnahmen und der Nachbetreuung sowie der freiwilligen Sozialhilfe entscheidende Bedeutung zu (Geiser/Etzensberger, a.a.O., N 24 zu Art. 426 ZGB).
4.4.1. Aus der einweisenden Verfügung vom 6. Oktober 2021 ergibt sich, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Fremdaggressivität, Verwahrlosung sowie Selbstgefährdung bei Kontrollverlust eingewiesen wurde (act. 01.1). Aus dem Eintrittsbericht der Klinik E._ ist ersichtlich, dass sich der Beschwerdeführer im Eintrittsgespräch wach, bewusstseinsklar, im Kontakt misstrauisch und unterschwellig gereizt präsentierte. Der Beschwerdeführer gab anlässlich des Eintritts an, es gehe ihm schlecht, wobei ein weiterführender Gesprächsaufbau nicht möglich gewesen sei und psychotische Symptome nicht hätten ausgeschlossen werden können. Eine Fremdgefährdung sei nicht ausschliessbar, wobei eine akute Eigengefährdung aktuell nicht vorhanden sei. Ebenfalls aus dem vorliegenden Eintrittsbericht ergibt sich, dass der Beschwerdeführer aus administrativen Gründen gleichentags aus einem freiwilligen Eintritt vom 18. September 2021 entlassen und danach mit vorliegender fürsorgerischer Unterbringung wieder zurück in die Klinik gebracht worden sei (act. 03.4). Aus dem Eintrittsbericht vom 18. September 2021 berichtete die Klinik noch, dass der Beschwerdeführer unter Beeinträchtigungswahn leiden würde und sich von anderen bedroht gefühlt habe. Zum damaligen Zeitpunkt sei kein Anhalt für eine Fremdgefährdung, jedoch für eine Selbstgefährdung gegeben gewesen (act. 03.3).
4.4.2. Gemäss Kurzgutachten von Dr. med. B._ war der Beschwerdeführer während der Untersuchung höflich, weitgehend ruhig und entspannt und habe zeitweise Blickkontakt gehalten, wobei er seinen Blick zwischendurch konzentriert in eine andere Richtung richtete, jedoch keine Angabe dazu machte, was er dort wahrnahm. Die aktuelle Orientierung des Beschwerdeführers sei gegeben, die Erinnerung im Hinblick auf die Eintrittsumstände und die Beistandschaft jedoch unscharf, verwechselt er doch den aktuellen wohl mit einem der früheren Eintritte. Die Stimmungslage sei ausgeglichen gewesen. Die Gutachterin berichtet weiter über eine eher reduzierte affektive Modulation, wobei Psychosezeichen verneint wurden, das Verhalten jedoch auf zusätzliche Wahrnehmungen hingedeutete hätte. Selbst- und Fremdgefährdung werden verneint. Im Rahmen der stationären
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Behandlung sei es jeweils zu einer deutlichen Besserung gekommen, die auch bei der aktuellen Untersuchung ersichtlich seien. So sei der Beschwerdeführer im Vergleich zum Eintritt aktuell nicht mehr gereizt und tätlich, sondern ruhig und höflich aufgetreten. Die Gutachterin kommt jedoch zum Schluss, dass mindestens seit dem Sommer 2021 vermehrt Stimmenhören und Wahngedanken aufgetreten seien, welche für den Beschwerdeführer sehr bedrohlich gewesen seien und als Reaktion darauf zu selbst- und fremdaggressivem Verhalten geführt hätten. Das Stimmenhören und die Wahngedanken seien durch den Beschwerdeführer zwar während der Untersuchung verneint worden, deuteten sich jedoch im gelegentlichen Umherschauen an. Da er bei Voraufenthalten immer wieder aus der Behandlung entwich, sei nicht sicher zu erwarten, dass der Beschwerdeführer die stationäre Behandlung diesmal zuverlässig weiterverfolge. Andererseits sei bei einem erneuten Austritt sehr zu befürchten, dass er die Medikation zu Hause nicht selbständig einnehmen würde und wieder innerhalb weniger Tage psychotisch dekompensiere, unter den bedrohlichen Stimmen leide, und als Reaktion darauf selbst- und fremdgefährdend werden würde (act. 06).
4.4.3. Die Beschwerdeinstanz hat bei der Entscheidfindung auf den Zustand des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der Gerichtsverhandlung abzustellen. Anlässlich der Verhandlung vom 25. Oktober 2021 konnte sich die Beschwerdeinstanz ein Bild vom Beschwerdeführer machen. Die ihm gestellten Fragen beantwortete er kurz und knapp, teils an der Frage vorbei, weshalb diverse Nachfragen gestellt werden mussten. Im Verlaufe des Gesprächs wurde ersichtlich, dass der Beschwerdeführer zeitnahe vergangene Geschehnisse vertauschte. So führte er aus, er sei eingeliefert worden, weil er im F._ seinen Einkauf nicht bezahlt und sich mit dem Personal gestritten habe. Indes ergeht aus den Akten, dass der Beschwerdeführer aufgrund eines aggressiven Verhaltens im häuslichen Umfeld eingewiesen wurde, bei dem er Blumentöpfe zerstört habe und eine Scheibe einschlug. Auf dieses Ereignis angesprochen, gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, es sei nicht seine Schuld, wobei ihm jemand gesagt habe, er solle sich derart verhalten, ansonsten ihm etwas Schlimmeres zustossen würde. Auf die Zwischenfälle während des Klinikaufenthalts angesprochen, bei denen der Beschwerdeführer andere Patientinnen intim berührt, dem Pflegepersonal Schmuck behändigt sowie in der Cafeteria gestohlen haben soll, konnte er zunächst keine Antwort geben und beteuerte danach, sich nicht daran zu erinnern. Der Beschwerdeführer fügte lediglich hinzu, dass andere dies auch tun würden und – in Bezug auf den Diebstahl – ebenfalls nichts bezahlen würden. Zur Schlussfolgerung der Gutachterin, der Beschwerdeführer würde unter einer hebephrenen Schizophrenie leiden, führt er aus, er würde zu viel denken und sei
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momentan überfragt, wobei andere Menschen besser damit auskommen würden. Der Beschwerdeführer gab zwar zu Protokoll, die Medikamente auch nach seinem jetzigen Aufenthalt weiter einnehmen zu wollen und in das Wohnheim G._ der Psychiatrischen Dienste Graubünden wechseln zu wollen. Gleichzeitig führte er aber aus, er müsse die Medikamente nehmen, weil er gezwungen werde. Ein Aufenthalt im Wohnheim komme für ihn nur vorübergehend in Frage. Das Kantonsgericht konnte sich angesichts des Gesprächsverlaufs davon überzeugen, dass die Schlussfolgerungen im Gutachten von Dr. med. B._ richtig sind. Es ist für das Kantonsgericht offensichtlich, dass der Beschwerdeführer behandlungsbedürftig ist. Der Beschwerdeführer verfügt, wenn überhaupt, über eine minimale Krankheits- und Behandlungseinsicht und bagatellisiert sein jetziges Leiden und sein Verhalten, wobei ohne Behandlung die Gefahr einer erneuten psychotischen Dekompensation mit einhergehender Selbst- und Fremdgefährdung bestehen würde (act. 08.1). Die Notwendigkeit der Behandlung und der regelmässigen Medikamenteneinnahme äussert sich insbesondere darin, dass der Beschwerdeführer im laufenden Jahr bereits vier weitere Male zur Behandlung eingewiesen wurde und stets kurz nach dem Austritt, gemäss Gutachterin mangels Einnahme der Medikamente, psychotisch dekompensierte. Insbesondere aufgrund dessen ist klar, dass eine ambulante Massnahme nicht ausreichen wird, um die Behandlung erfolgreich durchzuführen und die Gesundheit des Beschwerdeführers zu stabilisieren und zu erhalten. Es ist mit der Gutachterin davon auszugehen, dass diesfalls die Medikamente erneut abgesetzt werden würden. Ebenso ist – angesichts der diversen dokumentierten Vorfälle – nachvollziehbar, dass dies zu selbst- und fremdgefährdenden Reaktionen führen würde. Folglich kommt auch das Kantonsgericht zum Schluss, dass die nötige Behandlung und Betreuung derzeit nicht anders erfolgen kann als durch eine stationäre Massnahme in der Klinik E._.
5. Als letzte kumulative Voraussetzung für eine rechtmässige fürsorgerische Unterbringung erfordert Art. 426 Abs. 1 ZGB das Vorhandensein einer für die nötige Behandlung und Betreuung geeigneten Einrichtung. Dass die Klinik E._ eine geeignete Einrichtung für eine stationäre Behandlung in geschlossenem Rahmen darstellt, steht in vorliegendem Fall ausser Frage, womit die fürsorgerische Unterbringung auch unter diesem Aspekt den Grundsatz der Verhältnismässigkeit wahrt.
6. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Voraussetzungen für eine fürsorgerische Unterbringung gemäss Art. 426 ZGB nach wie vor erfüllt sind. Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
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7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 60 Abs. 2 EGzZGB i.V.m. Art. 106 Abs. 1 ZPO). Angesichts der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers, welcher nach eigenen Angaben eine IV-Rente und Ergänzungsleistungen bezieht sowie von einem angeblichen Erbe und der Unterstützung seiner Mutter lebt, rechtfertigt es sich vorliegend im Sinne von Art. 63 Abs. 3 EGzZGB auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. Damit verbleiben die Kosten des Beschwerdeverfahrens von insgesamt CHF 2'521.00 (CHF 1'500.00 Gerichtskosten und CHF 1'021.00 Gutachterkosten) beim Kanton Graubünden.
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Considerations: