Decision ID: 64b67c2c-7698-5210-8c22-f2925364cb9b
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964,
war
seit September 200
0 als Kurierfahrer bei
Y._
angestellt
und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert
,
als er am 1
6.
Februar 2008 beim
Snowboard
fahren
ein Loch
auf der Piste übersah und stürzte
(Schadenmeldung UVG vom 2
0.
Februar 2008,
Urk.
8/5
, vgl. auch
Urk.
8/1
). Die
erstbehandelnde
Dr.
med.
Z._
, FMH Allgemeine
Innere
Medizin
,
diagnostizierte im Arztzeugnis UVG vom
4.
März 2008 (1) eine Prellung rechter Rippenbo
gen und (2) eine Prel
lung rechtes
Hüftgelenk (
Urk.
8/3).
Die SUVA erbrachte
Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen.
1.2
Am 2
9.
Juni 2009
meldete der Arbeitgeber
des Versicherten
einen Rückfall
zum
Unfallereignis vom 1
6.
Februar 2008 (
Urk.
8/6).
Die Ärzte der Klinik
A._
diagnostizierten im Bericht vom 2
1.
Juli 2009
(1) eine chronische
Tossy
III-AC-Gelenksluxation Schulter links nach Sno
wboardsturz im Februar 2008
,
(2) eine kleine
transmurale
Supraspinatusruptur
links
und (3)
eine
Innenmenis
kusläsion
rechts bei Status nach
arthroskopischer
Teilmeniskektomie
medialis
Hinterhorn
rechts 1996
(
Urk.
8/10).
Mit Schreiben vom 1
3.
August 2009 ver
neinte die
SUVA
zunächst eine Leistungspflicht
mangels
eines
wahrscheinli
chen
Kausalzusammenhang
s
zwischen dem Unfall vom 1
6.
Februar 2008 und den gemeldeten Schulterbeschwe
rden links (
Urk.
8/16). Nachdem der Versi
cherte
dagegen
mit Schreiben vom 3
1.
August 2009
interveniert hatte
(
Urk.
8/17), nahm die SUVA weite
re medizinische Abklärungen vor
,
und
Kreis
arzt
Dr.
med.
B._
, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe
gungs
apparates,
bejahte
am 1
2.
November 2009
ei
ne
mindestens wahrschein
liche
Kausalität
zwis
chen dem Unfallereignis vom 16.
Februar 2008 und
dem
gel
tend gemachten
Rückfall
(
Urk.
8/27
, vgl. auch
Urk.
8/35
).
Die SUVA erbrach
te
wie
de
rum Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen.
Am 2
0.
Novem
ber 2009
nahm
Dr.
med.
C._
, Assistenzarzt Orthopädie
der Klinik
A._
,
eine offene AC-Gelenksreposition und Stabilisierung mit
Se
mitendinosus
Allo
graft
und Hake
nplatte der Schulter links vor (
Operati
onsbe
richt
vom 2
0.
Novem
ber 2009
,
Urk.
8/29)
.
Daraufhin stellte
Dr.
med.
D._
, leitender Oberarzt Ortho
pädie der Klinik
A._
,
im Bericht vom
8.
Januar 2010 eine
Ermü
dungs
fraktur
des
Acromions
links mit einer
Hakenplattenluxa
tion
fest (
Urk.
8/50),
wes
halb er
am 1
4.
Januar 2010 eine Revisionsoperation mit Entfernung der Platte und osteosynthetischer Versorgung der
Acromion
fraktur
mit
allogener
und
autologer
Spongiosaplastik
vornahm (
Operationsbe
richt
vom 1
5.
Januar 2010,
Urk.
8/48).
Im Bericht vom
8.
April 2010
diagnosti
zierte
Dr.
D._
eine
retraktile
Kapsulitis
der Schulter
links
(
Urk.
8/64).
Vom 1
9.
Juli bis zum 1
9.
August 2010 wurde der Versicherte in der
Klinik E._
stationär behandelt (
Austritts
bericht
vom 2
4.
August 2010,
Urk.
8/91).
1.3
Mit Schreiben vom 3
0.
August 2010 teilte die SUVA dem Versicherten mit, dass die Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen per 3
1.
Oktober 2010 eingestellt
, auf Zusehen hin
aber
noch
weitere
Schmerzmedikamente und die damit zu
sammenhängenden Arztkontrollen übernommen würden
(
Urk.
8/92).
In der Folg
e
reichte
Dr.
D._
den
Bericht vom
3.
Sep
temb
er
2010 ein (
Urk.
8/97). Am
1.
Nove
m
ber 2010
wurde der Versicherte
von Kreisarzt
Dr.
B._
unter
sucht (Bericht vom
2.
November 2010,
Urk.
8/107).
Im Bericht vom 21.
Dezem
ber 2010 stellte
PD
Dr.
med.
F._
, FMH Orthopädi
sche Chirur
gie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
von der
G._
sodann
ein Rezidiv AC-
Luxation links fest
und gab an, dass für den 1
7.
Februar 2011 ein weiterer operativer Eingriff vorgesehen sei
(Urk.
8/116).
Mit Schreiben
vom
1
0.
Januar 2011
teilte
die SUVA dem Versicherten
mit
, dass sie aufgrund der geplanten Operation weiterhin Taggeldzahlungen erbringen werde (
Urk.
8/119).
Am
1
7.
Februar
2011
führte
Dr.
F._
eine
Schul
terar
thros
kopie
,
Bizepstenotomie
,
subacromiale
Bursektomie
,
offene
subp
ec
torale
Bizep
sten
odese
und
offene Stabilisierung des AC-Gelenks
links
durch
(
Operations
be
richt
vom 18.
Februar 2011,
Urk.
8/125).
Im Bericht vom
3.
März 2
011 diagnos
ti
zierte Dr.
F._
einen Low-grade Infekt mit
Propioni
bacterium
acnes
(Urk.
8/129). Am 3
0.
September 2011 erfolgte eine weitere kreisärztliche Unter
suchung bei
Dr.
med.
H._
, FMH Chirurgie (Be
richt vom 4.
Oktober 2011,
Urk.
8/158).
1.4
Mit Schreiben vom 2
8.
Dezember 2011
teilte die SUVA dem Versicherten mit
,
dass die
Taggeldleistungen
per
1.
April 2012 eingestellt
würden
(
Urk.
8/174). Am
4.
Juni 2012 führte Kreisärztin
Dr.
H._
die ärztliche
Abschlussuntersu
chung
durch (Bericht vom
4.
Juni 2012,
Urk.
8/189). Mit Sc
hreiben vom 2
3.
Juli 2012 erklärte
die SUVA dem Ve
rsicherten
, dass die Heilbehandlungsleistungen per 3
0.
Juni 2012 eingestellt w
ürden, wobei sie auf
Zusehen hin
noch für die Schmerzmedikamente und die damit verbundenen zwei bis vier
Arztkonsulta
tio
nen
pro Jahr auf
kommen werde
. Bei
Schmerzexazerbation
könnten zusätz
lich noch maximal zwei Serien Physiotherapie à neun Sitzungen übernommen wer
den
(
Urk.
8/196)
.
Mit Schreiben vom 1
4.
September 2012 teilte
die SUVA
dem Versicherten mit, dass aufgrund dessen Selbstlimitation anlässlich der
kreis
ärztlichen
Abschlussuntersuchung vom
4.
Juni 2012 kein zuverlässiges
Zumut
ba
rkeitsprofil
habe erstellt
und somit
a
uch die Integritätseinbusse
nicht habe gesc
hätzt werden können, weshalb
eine Evaluation der funktionellen Leis
tungs
fähigkeit
(EFL)
geplant sei (
Urk.
8/203). In der Folge einigten sich die Parteien darauf
, dass die EFL im
I._
durchgeführt werde
(
Urk.
8/204 und
Urk.
8/207).
Der ent
sprechende Bericht des
I._
wurde am 2
3.
September
2013 erstattet
(Urk.
8/219). Am 1
2.
Dezem
ber 2013 nahm
Dr.
med.
J._
, FMH Chirurgie,
vom SUVA-Kompet
enzzentrum Versicherungsmedizin
eine chirurgische Beur
tei
lung des Zumutbarkeitsprofils
(
Urk.
8/226
) und eine Beur
tei
lung des
Integritäts
schadens
(
Urk.
8/227
)
vor
. Dazu liess sich
der Versicherte am 2
0.
Januar 2014
vernehmen
(
Urk.
8/229).
In der Stellungnahme vom
6.
Februar 2014
äusserte sich
Dr.
J._
erneut zur Frage des
In
tegritätsschadens
(
Urk.
8/234). Mit Verfügung vom 1
1.
Februar 2014
sprach die SUVA dem Versicherten mit Wirkung ab dem
1.
April 2012 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 16
%
eine Invalidenrente und aufgrund einer
Integritäts
einbusse
von 10
%
eine
In
tegritätsentschädigung
von
Fr.
12‘600.-- zu (
Urk.
8/237). Dagegen erhob der Ver
sicherte am
1
4.
März 2014 Einsprache (Urk.
8/243), welche die SUVA
mit Ent
scheid vom
2.
Mai 2014
in dem Sinne teilweise guthiess, dass
sie
die Inva
li
den
rente ab dem
1.
April 2012 aufgrund
eines Invaliditätsgrades von 19
% fest
setzte
(
Urk.
2).
2.
Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte am
3.
Juni 2014 Beschwerde und beantragte, es sei ihm eine UVG-Rente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von mindestens 34,6
%
zuzusprechen (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
Juli 2014 die
Abweisung der Beschwerde (Urk.
7). Am 2
1.
August 201
4 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme ein (
Urk.
10), zu welcher sich
die Beschwerdegegnerin am 30.
September 2014 vernehmen
liess
(
Urk.
15)
. Dies
e Stellungnahme
wurde dem
Beschwerdeführer am
2.
Oktober 2014
zur Kenntnis gebracht
(
Urk.
16).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) sind Versicherungsleistungen - soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt voraus, dass zwischen dem versi
cherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden ein natürlicher und ein adä
quater Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1-2 mit Hinweisen).
1.2
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10
%
invalid (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
, ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG).
Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behand
lung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes des Versi
cherten mehr
erwartet werden kann und allfällige
Eingliederungsmassnahmen
der Invaliden
versicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fal
len die Heilbe
handlung un
d die Taggeldleistungen dahin (
Art.
19
Abs.
1 UVG).
1.3
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Ein
gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegli
chener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
Erwerbsein
kom
men
,
das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V
231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Auch wenn die Rechtsprechung den
Berichten versicherungsinterner medizi
nischer Fachpersonen stets
Beweis
wert
zuerkannt hat, so ist doch zu betonen, dass ihnen
praxisgemäss
nicht die
selbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder einem im Verfahren nach
Art.
44 ATSG
vom Versicherungsträger in Auf
trag gegebenen Gutachten zu
kommt. Hinsichtlich von Versicherungsträgern im Verfahren nach
Art.
44 ATSG
eingeholter, den Anforderungen der Recht
spre
chung entsprechender Gut
achten externer Spezialärzte wurde festgehalten, das Gericht dürfe diesen Gut
achten vollen Beweiswert zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 mit weiteren Hinweisen).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2
.1
Die dem Beschwerdeführer gestützt auf eine
Integritätseinbusse
von 10
%
zuge
sprochene Integritätsentschädigung in der Höhe von
Fr.
12‘600.-- wurde nicht
mehr
in Frage
gestellt
(vgl.
Urk.
1 und
Urk.
8/243) und entspricht der Rechts- und Aktenlage (vgl.
insbesondere
Stellungnahme von
Dr.
J._
vom
6.
Februar 2014,
Urk.
8/234
)
. Streitig und zu prüfen ist
dagegen
die Höhe der dem Beschwerdeführer ab dem
1.
April 2012 zustehenden Invalid
enrente.
2
.2
Kreisärztin
Dr.
H._
diagnostizierte im Bericht vom
4.
Oktober 2011 einen
Status nach Low-grade
Infekt der linken Schulter nach mehreren operativen Eingriffen (
[Sturz vom]
1
6.
Februar 2008, 2
0.
November 2009, 1
4.
Januar 2010 und
1
7.
Februar 2011) bei AC-Luxation
Ro
ckwood
IV
. Sie
führte aus
,
dass sich bei
der klinischen Untersuchung
vom 3
0.
September
2011
ein lokaler Druck
schmerz über dem ventralen Gelenkrand links sowie
dem
Bizepsanker
und
der
ve
ntralen
Arthroskopienarbe
gezeigt habe
. Die Schultergelenksfunktion links sei schmerzbedingt stark eingeschränkt
.
Eine passive Beweglichkeit könne nicht ge
testet werden, da der Beschwerdeführer sofort dagegen spanne. Beim nach vorne Beugen komme es jedoch problemlos zu einer Flexion des linken Schultergelenkes von 80°.
Aufgrund der dokumentierten Umfangmasse
sei eine
Mus
kelatrophie
,
welche für das Nichtgebrauchen des linken Armes sprechen würde
,
auszuschliessen
. Es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
seinen linken Arm im alltäglichen Leben nicht schone, sondern normal benutze.
Die
angegebene
Hyposensibilität im Bereich des gesamten zirkulären linken Armes sei nicht erklärbar und a
uch keinem
Dermatom
zuordenbar.
Kreisärztin
Dr.
H._
kam zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer eine leichte bis mit
telschwere wechselbelastende Tätigkeit
mit folgenden Einschränkungen ganz
tags zumutbar sei
(Urk. 8/158/7-8)
:
-
maximale
Gewichtsbelastung der linken Hand von 10 kg
körpernah und
5 kg körperfern
-
überwiegend Arbeiten auf Tischhöhe
-
keine Überkopfarbeiten
-
kein Bedienen von vibrationserzeugenden Maschinen
-
keine Tätigkeiten
auf Leiter/Gerüst
2
.3
Dr.
F._
stellte im Bericht vom
4.
Oktober 2011
bezüglich der linken Schulter
eine instabile laterale Clavicula mit Verschiebung um eine Schaftbreite und in diesem Bereich eine deutliche
Druckdolenz
fest. Die Flexion und Abduktion betrage 80°, die
Aussenrotation
beidseits 60°. D
er Schürzengriff beid
seits sei bei T12 möglich, auf der Gegenseite bei T
6.
Die Schulter sei kaum be
lastbar und in der Kraft
kaum
beurteilbar. Das Operationsergebnis sei unbe
frie
digend
. Bei der letzten Operation habe ein vorbestehender Low-grade Infekt nachgewiesen werden können. Der Beschwerdeführer habe ein halbes Jahr eine perorale Antibiose eingenommen. Der Infekt sollte jetzt abgeheilt sein. Als Kurier erachte e
r den Beschwerdeführer
so
als
nicht
arbeitsfähig. Die Beurtei
lung im allgemeinen Arbeitsmarkt sei für ihn schwierig. Nicht belastende Tätig
keiten sollten allenfalls halbtags möglich sein. Er wäre der Beschwerdegegnerin dank
bar, wenn sie die definitive Arbeitsfähigkeit allenfalls bestimmen könnte (
Urk.
8/164).
2
.4
Im Bericht vom
4.
Juni 2012
(
Urk.
8/189/9-10)
erklärte Kreisärztin
Dr.
H._
,
dass bei
der heutigen klinischen Untersuchung
im Grunde genommen die gleichen Befunde
erhoben worden seien
wie bei den vorangegangen Unter
suchun
gen im November 2010
(vgl.
Urk.
8/107)
und im September 2011
(vgl.
Urk.
8/158)
.
Während der gesamten Anamneseerhebung und
Untersuchungssi
tuation
habe der Beschwerdeführer eine Schonhaltung im Bereich des linken
Armes demonstriert, welche jedoch aufgrund der erhobenen Umfangmasse nich
t nachvollziehbar sei. Nach knapp eineinhalb Jahren müsste eine Mus
kelatrophie bestehen, welche in der klinischen Situation nicht vorliege. Auf
grund dieser diskrepanten Befunde sei sowohl die Arbeitsfähigkeit als auch der
Integritäts
schaden
schwer zu postulieren. Aufgrund des klinischen Eindrucks sowie der
gut ausgeprägten Muskelverhältnisse im Oberkörper und an beiden Armen sollte
eine leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit, maxi
male
Gewichts
be
lastung
20 kg
, mindestens bis zur Horizontalen zumutbar sei. Nicht zumutbar sei das Bedienen von vibrationserzeugenden Maschinen mit dem linken Arm/
Hand. Bezüglich Überkopfarbeit und Tätigkeiten auf Leiter und Gerüst sei auf
grund der Selbstlimitation keine Angabe möglich. Bezüglich der linken Schulter sei eine Schätzung des Integritätsschadens aufgrund der
S
elbst
limitierung
nicht möglich.
Bezüglich des rechten Kniegelenks würden
im Übri
gen
an sich keine Einsc
hränkungen bestehen, wobei knie
nde und kauernde Tä
tigkeiten maximal
1/3
der
Arbeitszeit ausmachen sollten.
2
.5
PD
Dr.
med.
K._
, FMH Physikali
sche Medizin und Rehabilitation und FMH
Rheumatologie, und
L._
, Physiotherapeutin,
vom
I._
führten
im Bericht vom 2
3.
September 2013 aus,
d
ass
beim Beschwerdeführer
in objektiver Hinsicht im Hinblick auf die linke Schulter eine konsistent einge
haltene aktive Bewegungseinschränkung bei Elevation und Abduktion – auch in unbeobachteten Situationen – von rund 70° (im Rahmen der Messung bei 60° ohne harten Anschlag)
bestanden habe
, ohne das
s
allerdings ein hartes Endgef
ühl gefunden worden sei
. Im Hinblick auf das Schmerzverhalten würden hebelweite
Haltungen konsistent vermieden,
und der Arm werde immer wieder am Körper geführt wie auch entlastet. Die Einschränkungen mit Elevation und Abduktion seien auch konsistent mit den gezeigten Einschränkungen bei Rota
tion
zu beobachten gewesen
.
In Bezug auf die wiederholt beschriebene sym
metrische
Trophik
sei dies insofern leicht zu relativieren, als aktuell gegenüber der Gegenseite im Bereich der
Supraspinatus
- wie auch der
Deltoideusmusku
latur
eine leichte Atrophie bestehe bei seitengleichen Umfängen im Bereich des Ober- und Unterarms (jeweils maximal gemessen) und fehlenden
Beschwielun
gen
an beiden Händen als Hinweis auf eine generelle Inaktivität.
Bezüglich der
radiologischen Befunde hätten sie bei Durchsicht der Bilder keine neuen, nicht bereits dokumentierten Aspekte erkennen können. Allerdings müsse hier noch
mals auf das Vorliegen narbiger Veränderungen im Bereich der Clavicula und des
Acromions
wie auch einer reduziert ausdehnbaren Kapsel beim
Arthro
-MRI als Ausdruck objektiv und strukturell mit der persistierenden Funktionsstörung
zumindest teilweise kohärenter Veränderungen hingewiesen werden. Im Rahmen
der EFL
habe sodann
ein
dysfunktionelles
Kran
kheitsverhalten dominiert.
Eine abschliessende Aussage im Hinblick auf die zumutbaren
Belastbarkeits
profile
habe sich
aufgrund der EFL nicht ergeben
.
Zusammengefasst bestünden
beim Beschwerdeführer
ein chronisches Schmerzsyndrom wie auch eine ledig
lich aktive und im Rahmen der Konsistenz beurteilbare Funktionsstörung im Bereich der linken Schulter. Die Einschränkung sei dabei wohl nur zum Teil durch strukturelle Veränderungen, zum Teil auch durch ein
dysfunktionelles
Krank
heits
verhalten
im Rahmen einer Maladaption an chronische Beschwerden und wiederholt ineffektive Behandlungen zu interpretieren.
Letztlich müssten vorlie
gend ein Zustand nach mehreren Operationen, erschwert durch einen in
ter
kur
renten Low-grade Infekt, dessen definitive Sanierung nie mit Sicherheit ange
nommen werden könne, sowie strukturell-morphologische Veränderungen nach mehreren operativen Eingriffen mit in der Relevanz jeweils schlecht ein
schätz
barem Ausmass angenommen werden. In Bezug auf die Kniepr
oblematik rechts
dürften
zusätzliche
motivationelle
Aspekte von „Selbstlimitierung“ bei den Tests
eine Rolle gespielt haben, wobei hier eine nachvollziehbare Zunahme der Be
schwerden und der Funktionsstörung nach den Belastbarkeitstests ni
cht habe bemerkt werden können
(
Urk.
8/219/
3-
4).
Die
I._
-Gutachter
kamen zum Schluss, dass der Beschwerdeführer in der ange
stammten Tätigkeit als Kurier (spätestens) seit der ersten Operation im November 2009 zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Eine leichte bis knapp mittel
schwere Tätigkeit
sei ihm mit folgenden Einschränkungen grundsätzlich ganz
tags zumutbar
(
Urk.
8/219/
5
-
6)
:
-
Hantieren beidhändig mit maxim
alen Belastungen bis 15 kg selt
en,
10
kg manchmal und 7,5
kg oft
-
eine leichte
Tätigkeit im Bereich des linken
Arm
e
s mit Einsatz bis 7,5 kg
selt
en
-
Vermeiden von Arbeiten über Schult
erhöhe linksseitig, beidhändig
höchs
tens selt
en
-
Vermeiden von
mehr al
s seltene
n
Arbeiten linksseitig
über Brusthöhe
-
Vermeiden von
mehr als 1/3 pro Tag ausgeübt
e
n
statisch-monotone
n
Tätigkeiten
beidhändig
Die
I._
-Gutachter ergänzten, dass sie u
nter Berücksichtigung des zumindest beobachteten konsistenten Schmerzvermeidungsverhaltens in Bezug auf die linke obere Extremität mit teilweise nachvollziehbaren Dauerschmerzen mit Ver
stärkung bei Belastung, welche strukturell-morphologisch nachvollziehbar seien,
von insgesamt 1,5 Stunden vermehrten Pausen über den Tag verteilt bei einer optimal adaptierten Tätigkeit ausgehen
würden
. Entsprechend bestehe eine Arbeitsunfähigkeit in einer optimal ang
epassten
Tätigkeit von 18,75
%
.
Unter Berücksichtigung des rechten Knies sei
en
lediglich das längerdauernde Arbeiten in kauernder
und kniender Position ungünstig
sowie das Gehen auf
une
benem Gelände, was nicht mehr als 1/3 pro Tag
ausmachen
dürfe
(Urk.
8/219/6).
2
.6
Dr.
J._
erklärte in der ch
iru
r
gischen Beurteilung vom 12.
Dezem
ber 2013
(
Urk.
8/226/
8-10)
, dass sich di
e Ärzte der
Klinik E._
(vgl.
Urk.
8/91/2)
,
Kreisärztin
Dr.
H._
(vgl. E.
2.2 und E.
2.4)
und
Dr.
K._
vom
I._
(
vgl.
E.
2.5)
einig seien, dass der Beschwerdeführer die berufliche Tätigkeit als Kurierfahrer nicht mehr ausüben könne, da die Anfor
derungen zu hoch seien. Weiter seien sich alle drei auch insofern einig, dass eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit (definitionsgemäss mit maximaler Belastung von 15 kg) grundsätzlich ganztags zumutbar sei. Die Aufgabe der funktionsorientierten medizinischen Abklärung habe darin bestanden, eine Zu
mutbarkeit zu formulieren und nicht eine Arbeitsunfähigkeit. Es sei nicht nach
vollziehbar, warum gleichzeitig eine leichte bis mittelschwere Arbeit ganztags zumutbar sei und trotzdem Pausen von 1,5 Stunden über den Tag verteilt gefordert würden, begründet mit
„einem
zumindest beobachteten konsistenten Schmerzv
ermeidung
sverhalten in
Bezug auf die linke obere Extremität mit teil
weise nachvollziehbaren Dauerschmerzen mit Verstärkung bei Belastung, welche strukturell-morphologisch nachvollziehbar sind“.
Wenn das
Schmerz
ver
meidung
sverhalten
des Beschwerdeführers eine „zumindest teilweise nach
voll
ziehbare“ adäquate Problematik darstellen würde, wäre es logisch, primär die Belastungsgrenze tiefer zu setzen und das Zumutbarkeitsprofil nur für leichte Arbeiten zu
definieren
. Die im differenzierten Zumutbarkeitsprofil von
Dr.
K._
formulierte Einschränkung bezüglich vermehrter Pausen (1,5 Stun
den
über den Tag ver
teilt) sei
nicht gerechtfertigt
.
Dr.
J._
kam zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung aller drei Zumutbarkeitsprofile leichte bis mittelschwer
e wechselbelastende Tätigkeiten
ganztags ohne zusätzliche Pausen
mit folgenden
Einschränkungen zumutbar seien:
Hantieren beidhändig mit maximalen B
elastungen bis 15 kg selten,
10
kg manchmal und 7,5 kg oft
leichte Tätigkeit im Bereich des linken Arm
e
s mit Einsatz bis zu 7,5 kg
selten
Vermeiden von Arbeiten über Schulterhöhe linksseitig
, beidhändig
höchstens selten
Vermeiden von mehr als seltenen Arbeiten linksseitig über Brusthöhe
Vermeiden von mehr als 1/3 pro Tag ausgeübten statisch-monotonen
Tätigkeiten beidhändig
keine Überkopfarbeiten
kein Bedienen von vibrationserzeugenden Maschinen
keine Tätigkeiten auf Leiter/Gerüsten
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin hat
am
1.
November 2012
beim
I._
eine EFL
des Beschwerdeführers – und damit ein Gutachten im Sinne von
Art.
44 ATSG -
ver
anlasst
(
Urk.
8/208)
, welche
am
23.
September
2013
erstattet
wurde
(
Urk.
8/219)
.
Die Beschwerdegegnerin
hat
diese Begutachtung – zu Recht - in Auftrag gegeben, nachdem Kreisärztin
Dr.
H._
in ihrem Bericht vom
4.
Juni 2012 bemerkt hatte, dass aufgrund diskrepanter Befunde sowie
Selbstlimi
tierung
Angaben zum qualitativen Anforderungsprofil teilweise nicht möglich seien und keine Schätzung bezüglich des Integritätsschaden abgege
ben werden könne (vgl. E. 2.4).
3.2
Die
I._
-Gutachter
stellten
bei
ihrer
Untersuchung in Bezug auf die linke Schulter
des Beschwerdeführers
eine konsistent eingehaltene aktive
Bewe
gungs
einschränkung
bei Elevation und Abduktion – auch in unbeobachteten Situationen – von rund 70°
fest
. Weiter
beobachteten
sie ein
konsistentes Schmerzvermeidungsverhalten bezüglich der linken oberen Extremität mit angesichts der strukturell-morphologischen Veränderungen teilweise nachvoll
ziehbaren Dauerschmerzen, die sich bei Belastung verstärken würden.
Das dysfunktionale Krankheitsverhalten des Beschwerdeführers im Rahmen einer
Ma
ladaption
an chronische Beschwerden
liessen
sie
dabei
nicht ausser Acht
(vgl. E. 2.5).
Im Weite
ren wiesen die
I._
-Gutachter
darauf hin, dass sich im
Bereich der Muskelgruppen
Trapezius
und
Deltoideus
eine l
eichte Atrophie finde
, wes
halb trotz symmetrischer Umfänge der oberen Extremitäten
–
entge
gen der Darlegungen von Kreisärztin
Dr.
H._
(vgl. E. 2.2) –
auf eine zumindest teil
weise Schonung im Alltag geschlossen werden müsse
(Urk.
8/219/4)
.
3.3
Was das Zumutbarkeitsprofil anbelangt,
erachteten die
I._
-Gutachter knapp mittelschwere Arbeiten nur teilweise als zumutbar, nämlich ohne Einschrän
kungen lediglich in Bezug auf Tätigkeiten mit dem rechten Arm. Hantieren beidhändig mit maximalen Belastungen bis 15 kg sei demgegenüber lediglich selten, bis 10 kg manchmal und bis 7,5 kg oft möglich. In Bezug auf den linken Arm hielten sie nur leichte Tätigkeiten bis 7,5 kg selten als zumutbar
.
Zudem seien mehr
als seltene Arbeiten linksseitig über Brusthöhe zu vermeiden
(vgl. E.
2.5).
Es ist unbestritten, dass dem Beschwerdeführer eine diesem Zumutbarkeitsprofil entsprechende Tätigkeit grundsätzlich ganztags zumutbar ist. Während die Gut
achter des
I._
zusätzlich eine zeitliche Limitierung im Sinne eines
Pausen
bedarfs
von 1,5 Stunden über den Tag verteilt postulierten, stellte sich Dr.
J._
auf den Standpunkt, es bestehe kein Pausenbedarf. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin kann nicht gesagt werden, dass die Beur
teilung von Dr.
J._
überzeugender erscheine als diejenige des
I._
, zumal diese – im Gegensatz zu derjenigen von Dr.
J._
- auf eigenen Beobachtungen beruht und bezogen auf das formulierte
Zumut
bar
keitsprofil
grundsätzlich nachvollziehbar erscheint. Es stellt sich aber in der Tat die Frage,
in welchem Umfang dem Beschwerdeführer
noch
leichtere
Tätigkeiten beidhändi
g und
sehr leichte Tätigkeiten
mit dem linken Arm
unter Brusthöhe
zumutbar sind
. Diese Frage wurde
von den
I._
-Gutachtern
nicht erörtert.
Dies wäre aber erforderlich gewesen, ist doch die Beantwortung dieser Frage bei der Bemessung des Invalideneinkommens und damit auch des strittigen
Invalidi
täts
grades
von entscheidender Bedeutung.
4.
4.1
Es ist somit festzuhalten, dass eine zuverlässige Beurteilung des Gesundheitszu
stands des Beschwerdeführers und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit aufgrund der vorliegenden Akten nicht möglich ist und sich der medizini
sche Sachverhalt als
ergänzungs
bedürftig erweist.
4.2
Die
Sache ist daher in Aufhebung des
angefochtenen
Einspracheentscheids
an die Beschwerdegegner
in zurückzuweisen, damit sie den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
- durch Rückfrage beim
I._
oder anderweitige geeignete
Vorkehren
–
im Sinne der Erwägungen vollständig
abkläre
und danach über den Anspruch des Be
schwer
deführers auf eine Invali
denrente neu verfüge.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
5
.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat. Diese ist gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
unter Berücksichtigung der Bedeu
tung der Streitsache und der Schwier
igkeit des Prozesses auf Fr. 2‘2
00.-- (in
klusive Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.