Decision ID: ea318c1a-c76a-4d98-89e8-e2f2a255dc9e
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1973 geborene X._
, welcher über einen Fähigkeitsausweis als Maurer verfügt (Urk. 6/5) und als Facharbeiter S
trassenunterhalt
tätig war
(Urk. 6/39/5)
, meldete sich
–
nach der Früherfassung vom 22. April 2015 (Eingangsdatum; Urk. 6/2)
–
am 15. Juni 2015 (Eingangsdatum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
unter dem Hinweis auf eine gesundheitliche Beeinträchtigung seit dem 15. November 2014
infolge eines
Aneurysma
s
verum
der Aorta
ascendens
(Erweiterung der
aufsteigenden
Haupt
schlagader)
bei
an
schliessendem
A
orten
wurzelersatz
zum Bezug von Leistungen der Invaliden
versicherung an (Urk. 6/
6
; vgl. auch Urk. 6/16/4
).
Ab dem 1. September 2015
und damit noch vor Ablauf des Wartejahres
war der Versicherte in seiner angestammten Tätigkeit wieder zu 100 % arbeitstätig (Urk. 6/12
und Urk. 6/18
; vgl. auch die vertrauensärztliche Einschätzung im Auftrag der Berufsvorsorge
einrichtung vom 14. August 2015 [Urk. 6/16]
), weshalb
die IV-Stelle mit Ver
fügung vom 15. Januar 2016 einen Anspruch auf Leistungen der Invaliden
versicherung verneinte (Urk. 6/21).
1.2
Am 6. Mai 2018 ereignete sich ein Verkehrsunfall; ein Autolenker übersah den Versicherten auf seinem Motorrad und missachtete dessen Vortritt. Es kam zur Ko
llision, wobei der Versicherte
über die Motorhaube des Automobils geschleudert wurde und nach dem Aufprall am Boden liegen blieb; eine Bewusst
losigkeit trat nicht ein (Urk.
6/30/156-162 und Urk. 6/30/197 f.
). Der Versicherte wurde m
it der Ambulanz ins Spital Y._
transportiert, wo er bei einer medialen Schenkelhalsfraktur (Oberschenkel) links, einer komplexen Knieverletzung links, einer gering dislozierten distalen Radiusfraktur (Handgelenk) und einer mehrfrag
mentär intraartikulären, nicht dislozierten Fraktur des Os
trapezoideum
(Hand) rechts (dominant) und einer lateralen
Malleolarfraktur
Typ Weber B links (Sprunggelenk) erstversorgt wurde; noch am selben Tag fand eine geschlossene Reposition mit Osteosynthese mittels dynamischer Hüftklinge statt (
Urk. 6/30/176-180
). Am
2. November 2018 (Eingangsdatum) meldete sich der
Versicherte
unter Hinweis auf
das am 6. Mai 2018 stattgehabte
Ereignis
erneut bei der IV-Stelle an (Urk. 6/24). Diese tätigte beruflich-erwerbliche sowie medizinische A
bklärungen und
zog die Akten des Unfallversicherers
sowie der Berufsvorsorgeeinrichtung
bei
.
Ab
dem
29
.
April 2019 unternahm der Versicherte einen Arbeitsversuch
in einer angepassten Tätigkeit beim bisherigen Arbeitgeber
im Umfang von 50 %
. Ab Juli 2019 arbeitete er wieder zu 100 % mit einer Leistung von 50 %
(
Urk. 6/65/2,
Urk. 6/65/8
).
Am 18. Juli 2019 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie eine berufsberatende Abklärung vom 29. Juli bis
28. Oktober 2019 gewähre (Urk. 6/44); hierzu wurde eine Zielvereinbarung geschlossen (Urk. 6/47).
Am 7. August 2019 fand eine vertrauensärztliche Unter
suchung im Auftrag der Berufsvorsorgeeinrichtung statt
(Gutachten von Dr. med. Z._
, Spezialarzt für Orthopädie und Traumatologie FMH, vom 3. Oktober 2019 [Urk. 6/51
/3 ff.
]). Am 5. Dezember 2019 erfolgte sodann eine kreisärztliche Untersuchung im Auftrag des Unfallversicherers
durch Dr. med. A._
, Facharzt FMH für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates, mit Definition der Arbeitsfähigkeit, des Zumutbarkeits
profils sowie Schätzung der Höhe der Integritätsentschädigung (Urk. 6/53 f
.). Am
24. Januar 2020 wurde der Bericht der Berufsberatung erstattet (Urk. 6/57). Daraufhin teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit Schreiben vom 30. Januar 2020 mit, es werde Beratung und Unterstützung durch eine Eingliederungs
fachperson beim Erhalt des aktuellen Arbeitsplatzes gewährt für die Zeit vom 3. Februar bis 2. August 2020 (Urk. 6/58)
;
hierzu wurde wiederum eine Ziel
vereinbarung geschlossen (Urk. 6/60).
Dr.
Z._
untersuchte den Versicherten im Auftrag der Berufsvorsorgeeinrichtung am 19. Februar 2020 er
neut (vgl. sein Gutachten vom 10. Februar 2020 [recte: 10. März 2020], welches am 12. März 2020 bei der Berufsvorsorgeeinrichtung einging [Urk. 6/63]).
Mit Schreiben vom 13. März 2020 teilte die Berufsvorsorgeeinrichtung dem Ver
sicherten mit, dass er zufolge einer 100%igen Berufsinvalidität Anspruch auf eine Vollrente der Vorsorgeeinrichtung habe. Die Rente beginne mit demjenigen Tag, für welchen der Lohn für die angestammte Tätigk
eit nicht mehr ausgerichtet werde
, und
ende nach zwei Jahren
(Urk. 6/61). Die Arbeitgeberin entliess den Versicherten mit Verfügung vom 23. April 2020 invaliditätshalber per 31. Mai 2020 (
vgl. UV.2020.00256
Sachverhalt
).
In der Folge schloss die IV-Stelle n
ach einem telefonischen Austausch mit dem Versicherten die M
assnahmen zum Arbeitsplatzerhalt
mit Schreiben vom 1. April 2020 ab (Urk. 6/64; vgl.
Urk. 6/65/10
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom
4. Juni 2020
[Urk.
6/76
]; Einwand vom
2. Juli 2020
[Urk.
6/79
]) verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 1. Dezember 2020 einen Anspruch auf eine Invaliden
rente
,
w
ährend
der Antrag auf eine Umschulung separat geprüft
werde
(Urk. 6/89).
Im Auftrag des Haftpflichtversicherers wurde für den Versicherten ein Case Management eingerichtet (vgl. Urk. 6/97). Die IV-Stelle gewährte dem Versicherten
sodann
berufliche Massnahmen im Sinne einer beruflichen Grund
abklärung
, welche vom 1.-26. März 2021 in der Abklärungsstätte
B._ in C._
durchgeführt wurde (Urk. 6/102
, Urk. 6/105), unter Ausrichtung des grossen Taggelds (Urk. 6/106
und Urk. 6/109
).
Der Abschlussbericht der Ab
klärungsstätte
B._
wurde am 13. April 2021 erstattet (Urk. 6/
114).
Darauf
hin teilte die IV-
Stelle dem Versicherten am 5. Mai 2021 mit, dass Ein
gliederungsmassnahmen nicht möglich seien; aus den Abklärungsresultaten gehe hervor, dass aufgrund der gesundheitlichen Situation, dem knapp mittleren respektive leicht unterdurchschnittlichen intellektuellen Potenzial sowie fehlenden Computerfertigkeiten die Umsetzung einer Umschulung nicht realistisch sei (Urk. 6/118).
Am 25. Juni 2021 hob d
ie IV-Stelle die rentenablehnende Verfügung vom 1. Dezember 2020 auf und stellte in Aussicht, dass nach Abschluss der Abklärungen eine neue Verfügung erlassen werde (Urk. 6/147). Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) nahm eine Aktenbeurteilung vor und hielt in seiner Stellungnahme vom 31. Mai 2021 fest, dem Versicherten sei eine behinderungs
angepasste Tätigkeit unter Berücksichtigung der aktenkundigen Befunde ab Dezember 2019 vollschichtig zumutbar, wobei eine Leistungsminderung von maximal 20-25 % wegen der Notwendigkeit häufigerer Pausen akzeptiert werden könne (Urk. 6/149/4-7).
Mit V
orbescheid vom 20. August 2021
stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Zusprache
einer befristeten ganzen R
ente vom 1. Mai 2019 bis 31. März
2020 in Aussicht (Urk. 6/151). Dagegen erhob dieser mit Ein
gabe vom 18. September 2021 Einwand (Urk. 6/159). Mit Verfügung vom 5. Januar 2022 sprach die IV-
Stelle dem Versicherten wie vorbeschieden eine befristete ganze Rente vom 1. Mai 2019 bis
am
31. März
2020 zu
(Urk
. 2 [Urk. 6/168 und Urk. 6/178]).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 21. Januar 2022 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei dahingehend abzuändern, als ihm ab dem 1. Mai 2019 eine unbefristete ganze Rente zuzusprechen sei. Eventualiter sei zur Beurteilung der verbleibenden Leistungs- und Erwerbsfähig
keit sowie des Pausenbedarfs ein unabhängiges polydisziplinäres Gutachten (Handchirurgie, Orthopädie, Rheumatologie) in Auftrag zu geben, welches aus
drücklich mit begründeter und nachvollziehbarer Würdigung auch des Ab
klärungsberichts
der
Abklärungsstätte
B._
vom 13. April 2021 zu erstatten sei (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 3. März 2022 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), wovon der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 8. März 2022 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 7).
Mit Eingabe vom 22. März 2022
legte der Beschwerdeführer weitere Unterlagen auf und äusserte sich erneut
zum
Einkommensvergleich
(Urk. 8 und Urk. 9/1-2).
3.
Der Unfallversicherer
stellte mit
Schreiben vom 22. April 2020 (Urk. 6/68/2 f.)
die im Zusammenhang mit dem Unfall vom
6. Mai 2018
au
sgerichteten Leistungen (Heilbe
handlung, Taggeld) per
31. Mai 2020 ein und
sprach dem Versicherten m
it Verfügung vom 24. April 2020
(Urk. 6/71/2-6)
eine Invalidenrente der Unfall
versicherung ab dem 1. Juni 2020 bei einem Erwerbsunfähigkeitsgrad von 13 % sowie eine Integritätsentschädigung bei einer
Integritätseinbusse von 20 % zu
. Die
dagegen vom
Versicherten
am
22. Mai 2020
erhobene Einsprache wies der Unfallversicherer
mit Entscheid vom 13. Oktober 2020 ab
(Urk. 6/84/2-15)
, wo
gegen der Versicherte am 12. November 2020 Beschwerde beim
hiesigen Gericht
einlegte.
Dieses hiess
die Beschwerde mit heutigem Urteil
teilweise gut
(vgl.
das parallel laufende Beschwerdeverfahren
UV.
2020.00256
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind –
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen –
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen).
Soweit die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine ganze Rente der Invaliden
versicherung, befristet vom 1. Mai 2019 bis am 31. März 2020 zusprach, sind die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
Dasselbe gilt für die Prüfung des Antrags des Beschwerdeführers auf Zusprechung einer unbefristeten ganzen Rente ab dem 1. Mai 2019, obwohl das
Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erl
asses der streitigen Verfügung
(5. Januar 2022)
eingetretenen Sach
verhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 2
15 E
. 3.1.1, je mit Hinweisen), denn für Renten
bezügerinnen und -bezüger, deren Rentenanspruch vor Inkrafttreten der Änderung entstanden ist und die bei Inkrafttreten dieser Änderung das 55. Altersjahr noch nicht vollendet haben, bleibt der bisherige Rentenanspruch solange bestehen, bis sich der Invaliditätsgrad nach Artikel 17 Absatz 1 ATSG
ändert (
Lit
. b Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 19. Juni 2020 [Weiterentwicklung der IV]).
Eine Veränderung des Gesundheitszustandes für die Zeit ab dem 1. Januar 2022
steht vorliegend nicht zur Diskussion
.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestimmungen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a
IVV) analog anzu
wenden (BGE 133 V
263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_
122/2020 vom 26
.
Februar 2021 E. 2
). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit dem
jenigen im – nach Massgabe des ana
log anwendbaren Art. 88a Abs. 1
IVV fest
zusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis
).
1.5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbs
tätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.3.2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht d
arin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Ver
waltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu ent
scheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
nehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hin
weisen).
Reine Aktengutachten sind beweiskräftig, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich fest
stehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts 8C_750/2020 vom 23. April 2021 E. 4 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung, nach Ablauf des gesetzlichen Wartejahres sei es dem Beschwerdeführer nicht möglich gewesen, eine Tätigkeit wiederaufzunehmen. Somit sei ab dem 1. Mai 2019 ein Invaliditätsgrad von 100 % und damit ein Anspruch auf eine ganze Invaliden
rente ausgewiesen. Seit Dezember 2019 sei der Beschwerdeführer in einer an
gepassten Tätigkeit hingegen wieder zu 100 % arbeitsfähig. Drei Monate nach dieser Veränderung sei der Invalid
itätsgrad anzupassen. Gemäss dem
vorgenomm
enen Einkommensvergleich
betrage der Invaliditätsgrad ab April 2020 17 %, womit die ganze Rente bis am 31. März 2020 zu befristen sei.
2.2
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber im Wesentlichen vor,
d
ie Ab
klärungs
stätte
B._
sei zum Schluss gelangt, dass eine Integration im ersten Arbeitsmarkt nicht mehr möglich sei.
Seine
Leistungsfähigkeit sei nachweislich erheblich reduziert und damit verbunden sei auch die Zumutbarkeitsbeurteilung der Versicherungsmediziner widerlegt.
Es gehe nicht an, die
in
B._
gewonnenen
Abklärungsergebnisse
ausser Acht zu lassen und stattdessen die Rentenprüfung gestützt auf überholte medizinische
Beurteilungen
vorzunehmen, ohne die Ärzte mit dem E
rgebnis der Abklärungsstätte
B._
überhaupt zu konfrontieren
. Ohne weitere Begründung sei der Beschwerdeführer ab Dezember 2019 in einer angepassten
Tätigkeit als zu 100 % arbeits
fähig bezeichnet worden.
Nicht einmal d
er vom RAD empfohlene Leidensabzug sei gewährt worden.
Dr.
A._
habe prognostiziert, dass
es
bei
Fortführung des be
i der bisherigen Arbeitgeberin nach dem Unfall
ausgeübten Arbeitspensums bei 100%iger Präsenz und 50%iger Arbeitsleistung innert weniger Jahre zu einer völligen Dekomp
ensation der Gelenksituation an der Hüfte und am Knie
kommen werde. Dabei sei jedoch nicht gewürdigt worden, dass der Beschwerdeführer
bei
dieser Tätigkeit lediglich noch angepasste Arbeiten verrichtet habe. Dass auch die Ver
richtung von angepassten leichten Tätigkeiten mit Beschwerdezu
nahmen quittiert würden, sei
sodann
von der Abklärungsstätte
B._
unter Beweis gestellt worden. Trotzdem wolle die Beschwerdegegnerin an der unzutreffenden Ein
schätzung (volle Leistungsfähigkeit bei angepassten Arbeiten) festhalten. Es sei zudem nicht nachvollziehbar, weshalb dem Beschwerdeführer nachträglich eine ganze Rente befristet bis März 2020 zugesprochen werde, obwohl ausdrücklich und unverändert auf die alten medizinischen Berichte verwiesen werde. Diese Ungleichbeurteilung der Zeit ab Mai 2019 und ab April 2020 widerspreche sich selbst, entbehre jeglicher Logik und sei sachlich unhaltbar und somit willkürlich. Der Hausarzt Dr.
med. D._
bestätig
e sodann in seinem Bericht vom 14. Januar 2022 die Resultate der A
bklärung in
B._
. Hinsichtlich des
Valideneinkommens
sei auf das als Vorarbeiter erzielte Einkommen abzustellen; der Beschwerdeführer habe wegen zu langer Absenzen im Zusammenhang mit gesundheitlichen Einschränkungen (Arbeitsunfähigkeiten) wieder zum gewöhnlichen Arbeiter herabgestuft werden müssen. Eine Restarbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehe sodann nicht mehr, weshalb als Invaliden
einkommen ein Wert von Null
einzusetzen
sei.
Eventualiter sei die Restarbeits
fähigkeit durch eine unabhängige polydisziplinäre Begutachtung abzuklären. Sollten die Gutachter wider Erwarten zum Schluss gelangen, dass eine Rest
arbeitsfähigkeit bestehe,
welche auf dem ersten Arbeitsmarkt
verwertbar sei
, sei der Invalidenlohn
bei
einem Teilpensum von maximal 50 % festzulegen. Darüber hinaus sei ein Leidensabzug von 25 %
zu gewähren.
Letzteres
gelte nicht bloss bei Annahme einer Teilarbeitsunfähigkeit von 50 %, sondern insbesondere auch, wenn von einer vollzeitigen
Arb
eitsfähigkeit ausgegangen würde
(Urk. 1)
.
Des Weiteren machte der Beschwerdeführer geltend, er sei ab dem 1. Januar 2014 in der Funktion eines Vorarbeiters tätig gewesen. Es sei nach einigen Kurz
abwesenheiten im Jahr 2014 ab März 2015 zu längeren krankheitsbedingten Aus
fällen gekommen, verbunden mit erheblichen Lohneinbussen.
Die Rückstufung zum Facharbeiter Strassenbau sei somit a
us gesundheitlichen Gründen erfolgt,
weshalb zur Ermittlung des
Valideneinkommen
s
das
Erwerbseinkommen des
Jahr
es
2014
herangezogen werden müsse
, welches der Nominallohnentwicklung anzupassen sei (Urk. 8).
3.
3.1
Dr.
A._
führte in seinem Bericht vom 6. Dezember 2019 über die kreisärzt
liche Untersuchung zuhanden des Unfallversicherers vom 5. Dezember 2019 die folgenden Diagnosen im Zusammenhang mit dem Motorradunfall vom 6. Mai 2018 (bei bestehender oraler Antikoagulation) auf (Urk. 6/
54
):
-
Transzervikale Schenkelhalsfraktur links
-
6.5.2018 geschlossene Reposition, Osteosynthese mit dynamischer Hüftklinge
-
Impressionsfraktur retropatellare Gelenkfläche und ausgeprägtes präpa
tellares Hämatom linkes Knie
-
Radiäre und horizontale Risse mediales
Meniskushinterhorn
links
-
Zerrung der medialen Anteile der linken
Quadrizepssehne
mit Muskel
hämatom
-
Weber B Fraktur distale linke Fibula
-
6.5.2018 konservative Behandlung mit Cast
-
Gering dislozierte distale Radiusfraktur rechts mit intraartikulärer Beteiligung
-
6.5.2018 konservative Behandlung mit Cast
-
Status nach Teil-OSME Femur und
Bursektomie
links am 20. 11.2018
-
Status nach
Denervierung
des rechten Handgelenks 11.2.2019
-
Leichte Handgelenksarthrose rechts, leichte Hüftgelenksarthrose links, leichte Kniegelenksarthrose links
-
Funktionseinschränkungen durch Schmerzhaftigkeit, Bewegungs
einschränkung und Kraftminderung
Dr.
A._
führte aus, vorgängig zum Unfall sei es beim Beschwerdeführer im Jahr 2015 zu einem
Aortenersatz
wegen eines
Aortenaneurysmas
gekommen, er sei daher zum Unfallzeitpunkt antikoaguliert (zur Hemmung der Blutgerinnung) gewesen. Nach dem Unfall und der Rehabilit
ation in der Rehaklinik E._
hätten Probleme durch die
gluteale
Muskelinsuffizienz, die Knie-, Handgelenks- und Hüftgelenksbeschwerden persistiert. Im Verlauf sei beim Beschwerdeführer eine Schraubenentfernung der Osteosynthese am linken Hüftgelenk zusammen mit einer
Bursektomie
durchgeführt worden; diese Operation habe die Beschwerden im linken Hüftgelenk nicht vollständig beseitigen können. Wegen anhaltender Schmerzen im Handgelenksbereich rechts sei am 11. Februar 2019 die
Denervierung
des rechten Handgelenks durchgeführt worden. Trotz der durch
geführten
Denervation
hätten belastungsabhängige Beschwerden im Hand
gelenksbereich rechts bei der schweren Arbeit, welche der Beschwerdeführer aktuell wieder ausübe, bestanden. In Anbetracht der Unfallfolgen betreffend das rechte Handgelenk, das linke Hüft-, Knie- und Sprunggelenk und den zu erwartenden Spätfolgen aufgrund der richtunggebenden Verschlimmerung des Gesundheitszustands durch den Unfall sei dem Beschwerdeführer die ange
stammte Tätigkeit nicht mehr zumutbar. Durch die Fortsetzung ärztlicher Behandlungen könne keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden, insbesondere nicht durch die Entfernung der Platte im Bereich des linken Oberschenkels. Eine namhafte Besserung im Sinne einer Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit sei aufgrund des Schweregrades der Verletzungen in der angestammten Tätigkeit nicht mehr zu erreichen. Versicherungsmedizinisch sei der Endzustand somit erreicht (Urk.
6/54/
7 f.). Bei Fortführung des aktuellen Arbeitspensums bei 100%iger Präsenz und 50%iger Arbeitsleistung sei mit einer sehr ungünstigen Prognose zu rechnen, da es über
wiegend wahrscheinlich innert weniger Jahre zu einer völligen Dekompensation der Gelenksituation des Hüft- und Kniegelenks links kommen werde. In Anbe
tracht der Unfallfolgen sei dem Beschwerdeführer eine leichte wechselbelastende Tätigkeit vollzeitig zumutbar. Nicht zumutbar seien Tätigkeiten auf Leitern und Gerüsten, Tätigkeiten auf unebenem Gelände sowie Tätigkeiten, welche des Bedienens von rüttelnden und vibrieren
den Maschinen bedürften (Urk. 6/54
/9).
3.
2
Dr.
Z._
ging in seinem Gutachten
zu Händen der Berufsvorsorge
einrichtung
vom 10. Februar 2020 (recte: 10. März
2020) von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers in der bisherigen Tätigkeit aus und attestierte ihm ab dem 10. März 2020 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer an
gepassten Tätigkeit mit Wechselbelastung zwischen Gehen, Sitzen und Stehen auf
ebenem Gelände sowie gelegentlichem Heben von Lasten bis zu 10 Kilogramm (Urk.
6/63
).
3.
3
Dr.
med. F._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
RAD,
hielt in seiner Stellungnahme vom 31. Mai 2021 unter Bezugnahme auf die obgenannten Berichte fest, beim Beschwerdeführer seien die aufgeführten somatischen
Gesundheitsschäden ausgewiesen
,
einschliesslich der sich daraus ableitenden Einschränkung der funktionellen Leistungsfähigkeit
. Die Gesundheitsschäden seien
weitgehend
stabil.
S
pezifische und hier vor allem
interventionelle
Therapiemassnahmen
seien
im Moment offenbar nicht geplant.
Für eine angepasste Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarktes gebe es einmal die Bewertung durch den Kreisarzt (Untersuchung am 5. Dezember 2019: vollzeitige Arbeitsfähigkeit) und später
nochmals die Bestätigung durch den Vertrauensarzt der
beruflichen Vorsorgeeinrichtung (Untersuchung am 19. Februar 2020: Arbeitsfähigkeit von 100 %
) und schliesslich vom Spital Y._
(letzte Kontrolle am 12. April 20
21).
Im aktuellen Bericht des Hausarztes Dr.
D._
(letzte Konsultation
am 20. Mai 20
21) hingegen
werde
für die bisher
ige Tätigkeit noch immer eine Arbeitsfähigkeit von vier Stunden pro
Tag und für eine angepasste Tätigkeit nur eine Reihe von qualitativen Einschränkungen angegeben, während im eige
ntlich aktuellsten Bericht (G._
-Bericht
vom 13. April 2021 nach Ab
klärung vom 1.-
26.
März 20
21), der allerdings nicht von
ärztlicher Seite erstellt worden sei, eine nur minimale Arbeitsfähigkeit
von höchstens 40
% für hand
werkliche und
von 10 %
für P
C-Arbeiten genannt werde
, begründet mit geringem Arbeitstempo und fehlender Ausdauer bei handwerklichen
Arbeiten
und mangelndem Verständnis bzw. fehlenden Grundkenntnissen
bei PC-Arbeiten so
wie mit ständigen
und über den
Tag zunehmenden
Schmerzen. Es sei
aus versicherungsmedizinis
cher Sicht nicht plausibel, dass
voneinander unabhängig zwei gutachterliche, orthopädisch-chirurgische Untersuchungen sowie die Beurteilung im Bericht der orthopädischen Abteilung des Spitals
Y._
hinsicht
lich der medizintheoretisch
möglichen Arbeitsfä
higkeit für angepasste Tätig
keiten des allgemeinen Arbeitsmarktes zu einem praktisch d
iametral anderen Ergebnis kämen
als
dies bei der
G._
-Abklärung
der Fall gewesen sei.
Die einzig
e mögliche Erklärung sei
hier die unterschiedliche Bewertung von subjektiven Beschwerdeangaben des
Beschwerdeführers bezüglich «Schmerzen» durch Ä
rzte (Fachärzte für Orthopädie bzw. Chirurgie) einerseits und Laien (nicht-ärztliches Pers
onal/Berufsberater i
n
B._
)
andererseits.
Aus rein versicherungs
medi
zinisch-orthopädischer Sicht sei
angesichts der übereinstimmenden, ärzt
lichen Beurteilungen der
Arbeitsfähigkeit
für eine leidens- beziehungsweise
behinderungsangepasste Tätigkeit unter Berücksichtigung
der aktenkundigen
Befunde ab Dezember
2019 von einer vollzeitig möglichen Arbeitsfähigkeit aus
zugehen, wobei
eine Leistungsminderung von maximal
20-25
%
wegen der Not
wendigkeit häufiger
er Pausen akzeptiert werden könne (Urk. 6/149/6 f.)
.
4.
4.1
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers vermag die Einschätzung von Dr.
F._
zu überzeugen. Er stützte sich auf die
übereinstimmenden
Befund
erhebungen durch die
D
res
.
A._
und
Z._
sowie auf deren schlüssige Beurteilung. Weiter berücksichtigte
er
den
B
ericht
des Spitals Y._
vom 19. April 2021, in welchem festgehalten wurde, der Beschwerdeführer gehe täglich laufen und fahre viel Velo
; therapeutische Schritte würden vom Beschwerdeführer vor
erst nicht mehr gewünscht – im Alltag komme er gut zurecht
(Urk. 6/140/7-9)
.
Dass sich dies nicht mit einer somatisch bedingten gänzlichen Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt, wie von der Abklärungsstätte
B._
festgehalten (Urk. 6/114/4), vereinbaren lässt,
leuchtet ohne Weiteres ein
.
Dem Abschlussbericht der Abklärungsstätte
B._
lässt sich entnehmen, dass bürobezogene Tätigkeiten aus schulischen und intellektuellen Gründen nicht geeignet seien. Demgegenüber sei deutlich geworden, dass der Beschwerdeführer ein versierter Praktiker sei, der über handwerkliches Geschick vom feinmanuellen bis zum gröberen Bereich verfüge und der auch bei komplexeren Aufgaben selbständig eine Lösung finde. Allerdings hätten sich behinderungsbedingte Ein
schränkungen gezeigt. Der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage gewesen, aus
dauernd zu arbeiten; wiederholt seien Pausen notwendig gewesen, da ihm das längere Stehen respektive Sitzen Schmerzen bereitet habe. Beim Hantieren seien sodann Schmerzen im rechten Handgelenk aufgetreten. Der Beschwerdeführer musste im Rahmen der Evaluation in
B._
verschiedene Holzknoten und Holzspiele (verbunden mit unterschiedlichen Hand- und Maschinenarbeiten) her
stellen, Lötarbeiten im Schalttafelbau ausführen, ein Getriebe montieren und eine PC-Gravur vornehmen (Urk. 6/114).
Die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen ist ge
mäss der Rechtsprechung nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheits
schädigung in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungs
fachleute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen subjektiven Arbeitsleistung zu beantworten (Urteil des Bundesgerichts
8C_370/2019
vom 22.
Oktober 2019
E. 3 mit Hinweisen). Beim aufgelegten Abschlussbericht der Abklärungsstätte
B._
vom 13. April 2021 (Urk. 6/114) handelt es sich nicht um einen medizinischen Bericht oder gar ein Gutachten.
Es darf sodann
bezweifelt werden,
dass die im Abklärungsbericht aufgezählten handwerklichen Tätigkeiten dem Belastungsprofil des Beschwerdeführers entsprachen – insbesondere im Hinblick auf seine Verletzungen an der rechten dominanten Hand sowie auf das Erforder
nis der Wechselbelastung.
Doch selbst wenn
nicht einmal mehr in Wechsel
belastung ausgeübte
leichte
handwerkliche Tätigkeiten möglich wären, stünden d
em Beschwerdeführer genügend realistische Betätigungsmöglichkeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt, so insbesondere Überwachungs-, Prüf- und Kontrolltätigkeiten, zur Verfügung (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_587/2019 vom 30. Oktober 2019 E. 6.2 mit weiteren Hinweisen).
G
egen die Schlussfolgerung im Abschlussbericht der Abklärungsstätte
B._
(wonach der Beschwerdeführer auf einen geschützten Arbeitsplatz angewiesen sei)
spricht
ferner
der Umstand, dass
selbst der behandelnde Hausarzt
Dr.
D._
im Dezember 2020 immerhin eine 50%ige angepasste Arbeitstätigkeit für zumut
bar
hielt
(
Urk.
6/133).
Dabei entspricht es einer
Erfahrungstatsache, dass
behandelnde Ärzte (seien dies Hausärzte oder spezialärztlich
behandelnde
Medizinalpersonen
)
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aus
sagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Dass Dr.
D._
in seinem – an die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers gerichteten –
Schreiben
vom 14. Januar 2022
festhielt, die Beurteilung des Zumutbarkeitsprofils durch die Ab
klärungsstätte
B._
könne durch ihn besser mit den objektiven, medizinischen Befunden vereint werden als die Einschätzung durch die Beschwerdegegnerin (Urk. 3)
, ändert daran nichts
.
4.2
Das
Argument, der Beschwerdeführer habe nach der Rückkehr
an den bisherigen Arbeitsplatz
lediglich noch angepasste A
rbeiten verrichtet
,
was dennoch zu einer – durch die Abklärungen in
B._
nun unter Beweis gestellte
n
– Beschwerdezunahme geführt habe,
verfängt sodann nicht
. Gegenüber Dr.
A._
gab der Besch
werdeführer am 4. Dezember 2019
an, er habe eine schwere Arbeit im Freien im Strassenunterhalt. Seine Kollegen würden ihn bei den schwersten Tätigkeiten unterstützen, welche er nicht mehr ausführen könne. Er habe nach dem im Mai 2018 erlittenen Unfall im April 2019 wieder mit einem deutlich reduzierten Pensum in seiner angestammten Tätigkeit begonnen zu arbeiten. Langsam komme er zur Einsicht, dass diese Tätigkeit wahrscheinlich die nächsten 19 Jahre nicht vollzeitig zu bewältigen sein werde. Zu gross seien die Beschwerden, welche er während und nach der Arbeit habe (Urk. 6/54/4 f.).
Dass der Kreisarzt angesichts dieser Angaben das Fortführen des aktuellen Arbeits
pensums als ungeeignet bezeichnete, optimal angepasste Tätigkeiten indessen als
uneingeschränkt zumutbar erachtete, ist schlüssig und gibt zu keiner Beanstandung Anlass.
4.
3
Nach dem Gesagten
ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit belegt, dass dem Beschwerdeführer
ab dem 5. Dezember 2019
eine angepasste Tätigkeit zu 100
%
zumutbar ist.
Weitere medizinische Abklärungen
, insbesondere eine poly
disziplinäre Begutachtung des Beschwerdeführers oder die Einholung einer Stellungnahme der
Dres
.
A._
und
Z._
zum Abklärungsbericht der Abklärungsstätte
B._
,
erscheinen nicht notwendig, da davon keine neuen Erkenn
tnisse zu erwarten sind (antizi
pierte Beweiswürdigung, BGE 144 V 361 E.
6.5,
136 I 229 E. 5.3, je mit Hinwei
sen).
Letztendlich ist
darauf hinzuweisen, dass
der Vorwu
r
f
, die Beschwerdegegnerin
habe sich
in der angefochtenen Ver
fügung nicht in
rechtsgenüglicher
Weise mit den Einwänden des Beschwerde
führers auseinandergesetzt
, nicht zutrifft
.
5.
5.1
Da der Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit nicht mehr ausüben kann, ist ein Einkommensvergleich
durchzuführen.
5.2
Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer vom
1.
Mai 2019 (Ablauf Wartejahr) bis zum 3
1.
März 2020 eine ganze Rente zugesprochen, diese mangels rentenbegründenden Invaliditätsgrades indes per April 2020 aufgehoben.
5
.3
Zu prüfen bleibt
somit
ein
allfälliger
Rentenanspruch ab dem 1. April 2020
(bei einer ausgewiesenen 100%igen Arbeitsfähigkeit ab dem 5. Dezember 2019 [Art.
88
a
Abs.
1 IVV
]
)
.
5.3.1
Bei
der Festsetzung des
Valideneinkommens
wird
in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, weil es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (Ulrich Meyer, Bundesgesetz über die Inval
idenversicherung [IVG], 2010 S.
301 mit Hinweis auf BGE
134 V 322 E. 4.1
). Entscheidend ist somit, welches der überwiegend wahrscheinliche Verlauf der Einkommensentwicklung ohne Gesundheitsschaden wäre
(Urteil des Bundes
gerichts
9C_377/2010
vom 24. Juni 2010 E. 2.2)
.
5.3
.2
Der
Beschwerdeführer machte
geltend,
er habe
im Jahr 2014 als Vorarbeiter ein AHV-Einkomme
n von Fr. 90'633.-- erzielt.
Dieses
Einkommen
habe sich
in der Folge aufgrund der gesundheitlichen Einsc
hränkung im Jahr 2015 reduziert. Er
sei
wegen den zu langen
krankheitsbedingten
Absenzen wieder als gewöhnli
cher Arbeiter eingestuft worden (Urk. 1 S. 14
und Urk. 8
).
Auf das Einko
mmen als Vorarbeiter kann
jedoch
nicht zurückgegriffen werden, denn der Beschwerdeführer
hatte der Beschwerdegegnerin
gegenüber am 8. April 2020
ein
geräumt
,
sich
schlussendlich selbst entschieden
zu haben
, die Funktion als Vorarbeiter
wieder aufzugeb
en. Auch wenn er in diesem Zusammenhang
an
gab
, es sei ihm gesun
dheitlich nicht so gut gegangen,
er sei oft müde gewesen und die Arbeit sei ihm zu stressig gewesen (Urk. 6/75/4), liegen keine echtzeit
lichen Arztberichte vor, in welchen ihm eine Arbeitsunfähigkeit in der Tätigkeit als Vorarbeiter attestiert worden wäre,
oder in welchen angegeben worden wäre
, das Arbeitsprofil eines Vorarbeiters sei nicht mit dem Belastungsprofil vereinbar. Im Gegenteil hatte der Beschwerdeführer anlässlich der von der beruflichen Vor
sorgeeinrichtung veranlassten Begutachtung vom 10. Juli 2017
(Urk. 6/16/3)
an
gegeben, als Vorarbeiter, Chef einer Arbeitsgruppe, könne er die Belastungen ein
teilen, grössere körperliche Belastungen/Schwerarbeit müsse er nicht mehr über
nehmen, sodass die Berufstätigkeit uneingeschränkt fortgesetzt werden könne (Urk. 6/16/6 f.).
Im Gutachten wurde denn auch – nach Rücksprache mit den behandelnden Ärzten, d
en Herzchirurgen –
festgehalten, es sei längerfristig da
von auszugehen, dass der Beschwerdeführer das volle Arbeitspensum im Umfang von 100 % als Vorarbeiter wieder
werde
übernehmen könne
n
(Urk. 6/16/5).
Es ist somit nicht erstellt
, dass der Beschwerdeführer die Funktion als Vorarbeiter aus gesundheitlichen G
ründen aufgegeben hatte.
Vielmehr ist aufgrund der Akten davon auszugehen, dass hierfür invaliditätsfremde Gründe verantwortlich waren (vgl.
Urk.
6/119/5 mit Hinweis zur Schulbildung des Beschwerdeführers).
Referenz für die Ermittlung des
Valideneinkommens
bilden
da
mit
die Einkünfte als
Facharbeiter
Strassenunterhalt
. Es ist daher
–
entgegen den
Berechnungen der Beschwerdegegnerin – nicht auf die durchschnittlichen Einkünfte aus den Jahren 2015 bis 2017 abzustellen (vgl. Urk. 6/148 und Urk. 2 S. 3)
, denn im
Jahr 2015 erzielte
der Beschwerdeführer noch den
höheren Lohn als
Vorarbeiter.
Gemäss Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin vom 28. November 2019 gegenüber dem Unfallversicherer hätte der Beschwerdeführer im Jahr 2020 ein Einkommen von Fr. 73'700.-- zuzüglich übrige AHV-pflichtige Zulagen von Fr. 4'500.-- und so
mit insgesamt ein Einkommen von Fr. 78'200.
--
erzielt
(UV.2020.00256
E. 4.2.2
,
Urk.
6/70/3
)
, was sich angesichts der in den Jahren 2016 und 2017 im Auszug aus dem individuellen Konto des Beschwerdeführers vom 20. Oktober 2020 (Urk. 6/86/2) ausgewiesenen J
ahreseinkünfte von Fr. 77'467.-
- beziehungsweise
Fr.
77'388.-
- als nachvollziehbar erweist.
Das
Valideneinkommen
im Jahr 2020 beträgt somit Fr. 78'200.--.
5.3.3
Zur Bemessung des Invalideneinkommens ist auf die statistische
n
Werte der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2018 abzustellen und der Lohn gemäss der Tabelle TA1_tirage_skill_level, privater Sektor, Kompet
enzniveau 1, Männer, heranzuziehen
.
Das standardisierte monatliche
Einkommen von Fr. 5'417.-
- ist unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen [NOGA 2008], in Stunden pro Woche, 2004-2020, TOTAL) und unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklu
ng bei Männern bis ins Jahr 2020
(Indexstand 2260 [2018] auf 2298 [2020]; vgl. Bundesamt für Statistik, Schweizerischer Lohnindex, Landesindex der K
onsumentenpreise, T 39, Entwick
lung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 2010-2020, Nominallöhne, Männer)
auf ein Jahreseinkommen für eine 100%ige Tätig
keit hochzurechnen,
was Fr. 68’906.-- ergibt (Fr. 5‘417.-- x 12 : 40 x 41,7 : 2260 x 2298).
Mit dem Abzug vom Tabellenlohn
soll
nach BGE 126 V 75
der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Aus
-
mass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthalts
-
kategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die ver
bliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unter
-
durchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen ges
amthaft zu schätzen und darf 25
% nicht übersteigen. Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit ent
haltene gesundheitliche Einschränkungen dürfen nicht zusätzlich in die
Bemes
-
sung
des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten
Anrech
-
nung
desselben Gesichtspunkts führen
(Urteil des Bundesgerichts
8C_58/2021
vom 30. Juni 2021 E. 4.2.1 mit weiteren Hinweisen)
.
Wie bereits erwähnt kann auf den Abklärungsbericht der
Abklärungsstätte
B._
vom 13. April 2021 nicht abgestellt werden. Massgeblich ist die Beurteilung von Dr.
A._
, gemäss welcher
dem Beschwerdeführer eine leichte wechselbelastende Tätigkeit vollzeitig zumutbar
ist
. Nicht zumutbar
sind
Tätig
keiten auf Leitern und Gerüsten, Tätigkeiten auf unebenem Gelände sowie Tätig
keiten, welche des Bedienens von rüttelnden und vibrierenden Maschinen bedürften (Urk.
6/54
/9).
Da
s
medizinische Anforderungs- und Belastungsprofil stellt eine zum zeitlich zumutbaren Arbeitspensum hinzutretende qualitative oder quantitative Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit dar. Dadurch wird in erster Linie das Spektrum der erwerblichen Tätigkeiten (weiter) eingegrenzt, welche unter Berücksichtigung der Fähigkeiten, der Ausbildung und Berufserfahrung der versicherten Person
realistischerweise
noch in Frage kommen. Davon zu unterscheiden ist die Frage, ob mit Bezug auf eine konkret in Betracht fallende Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage (Art. 16 ATSG) verglichen mit einem gesunden Mitbewerber nur bei Inkaufnahme einer Lohneinbusse reale Chancen für eine Anstellung bestehen. Lediglich wenn – auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt – unter Berück
sichtigung solcher Einschränkungen, die personen- oder arbeitsplatzbezogen sein können, kein genügend breites Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten mehr besteht, rechtfertigt sich allenfalls ein (zusätzlicher) Abzug vom Tabellen
lohn (Urteil des Bundesgerichts 8C_48/2021 vom 20. Mai 2021 E. 4.3.3). Zu beachten ist dabei, dass der massgebende ausgeglichene Arbeitsmarkt auch so
genannte Nischenarbeitsplätze umfasst, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen seitens des Arbeit
gebers rechnen können (Urteil des Bundesgerichts 9C_134/2016 vom 12. April 2016 E. 5.3).
Angesichts des in Frage stehenden Belastungsprofils erscheint ein Abzug von 5 % angemessen und gerechtfertigt,
zumal der Tabellenlohn auf dem hier zugrunde gele
gten Kompetenzniveau
1 bereits eine Vielzahl von körperlich leichten Tätig
keiten umfasst (vgl. statt vie
ler: Urteile des Bundesgerichts 9C_447/2019 vom 8. Oktober 2019 E. 4.3.2 und 8C_219/2019 vom 30. September 2019 E.
5.2, je mit Hinweisen).
D
ie von
Dr.
F._
angenommene Leistungsminderung von maximal
20-25
%
lässt sich nicht auf die Einschätzungen der
Dres
.
A._
und
Z._
stützen und
erweist sich
damit
als zu grosszügig. Bei einem Abzug von 5 % beträgt das
Invalideneinkommen
für das Jahr 2020
Fr.
65’461.--
(Fr. 68’906.--
x 0.9
5
).
5.3.4
Die aus dem Einkommensvergleich resultierende Erwerbseinbusse beträgt dem
nach
Fr.
12
'
739
.--
(
Valideneinkommen
von
Fr. 78'200.-- abzüglich Invaliden
ein
kommen von Fr.
65’461.--
), was einem Invaliditätsgrad von gerundet 1
6 % ent
spricht.
Selbst wenn aber ein maximaler Abzug von 25 %
zugestanden
würde, resultierte kein rentenbegründender Invaliditätsgrad (
Valideneinkommen
von
Fr. 78'200.-- abzüglich Invalidenein
kommen von
Fr. 51’680
.
-- [Fr. 68’906.-
- x 0.75] ergibt eine Erwerbseinbusse von Fr.
26
'
520
.--, was einem Invaliditätsgrad von gerundet 34 % entspricht).
6.
Die angefochtene Verfügung ist
im Ergebnis
nicht zu beanstanden, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
7.
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens auf Fr. 900.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.