Decision ID: e50f21a7-fcac-51be-be5e-0854e101535b
Year: 2015
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A. A_ (nachfolgend: Beschwerdeführer) war als Arbeitsloser gegen die Folgen von Unfällen
obligatorisch bei der SUVA (nachfolgend: Vorinstanz) versichert, als er am 23. Juni 2013 zu
Hause auf seiner Terrasse ausrutschte und auf sein linkes Knie stürzte. In der Folge kam
die Vorinstanz im Zusammenhang mit diesem Nichtberufsunfall für diverse
Behandlungskosten auf und richtete Taggelder aus.
B. Nach dem Einholen diverser Arztberichte bot die Vorinstanz den Beschwerdeführer
schliesslich zu einer kreisärztlichen Untersuchung auf, welche am 18. Oktober 2013
durchgeführt wurde. Kreisarzt Dr. D_ kam zum Schluss, dass die derzeit beklagten
Kniebeschwerden links weiterhin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang
mit dem Unfallereignis vom 23. Juni 2013 stehen und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
ausgewiesen sei (VI-act. 39). Am 6. Januar 2014 fand eine zweite kreisärztliche
Untersuchung durch Dr. D_ statt. Er empfahl, die Behandlungskosten noch für weitere
drei Monate zu übernehmen, da die Kniebeschwerden noch im zeitlichen Zusammenhang
zum Sturz stünden. Unter Berücksichtigung für das linke Kniegelenk erachtete er bereits
jetzt eine 50%ige Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in überwiegend
sitzender Tätigkeit als zumutbar. Im Verlauf der nächsten vier Wochen sollte eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit möglich sein (VI-act. 63). Am 18. März 2014 gab Dr. D_ eine weitere
ärztliche Einschätzung ab und hielt an seiner Beurteilung vom Januar ausdrücklich fest,
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wobei er präzisierte, dass die zuletzt vom Beschwerdeführer ausgeübte Tätigkeit bei der
E_ AG dem Zumutbarkeitsprofil auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt entspreche (VI-act.
76).
C. Mit Verfügung vom 21. März 2014 stellte die Vorinstanz daraufhin ihre Taggeldleistungen
gegenüber dem Beschwerdeführer per Ende März 2014 ein, mit der Begründung, es
bestehe keine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit mehr (VI-act. 77). Dagegen erhob der
Beschwerdeführer Einsprache.
D. Im Bericht vom 4. Juni 2014 kam Kreisärztin Dr. F_ zum Schluss, dass an der
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung der Vorinstanz vom 21. März 2014 vollumfänglich festzuhalten
sei. Die aktuellen Kniegelenkbeschwerden des Beschwerdeführers seien zudem mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht mehr auf das Trauma vom 23. Juni 2013
zurückzuführen, sondern stünden mit der Entwicklung der degenerativen Veränderungen
der Gonarthrose im Zusammenhang. Es sei daher zu empfehlen, auch die Heilungskosten
nicht weiterhin zu Lasten des Traumas vom 23. Juni 2013 zu übernehmen (VI-act. 106).
E. Die Vorinstanz verfügte hierauf die Einstellung sämtlicher bisher noch ausgerichteten
Versicherungsleistungen (Heilungskosten) per 23. Juni 2014 (VI-act. 108). Auch gegen
diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer Einsprache.
F. Mit Einspracheentscheid vom 4. September 2014 wies die Vorinstanz sowohl die
Einsprache gegen die Verfügung vom 21. März 2014 (Taggeldeinstellung per 31. März
2014) als auch die Einsprache gegen die Verfügung vom 12. Juni 2014 (genereller
Fallabschluss per 23. Juni 2014) ab (VI-act. 125).
G. Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vom Beschwerdeführer am 6. Oktober
2014 erhobene Beschwerde ans Obergericht (act. 1). Mit Vernehmlassung vom 3.
Dezember 2014 (act. 8) verlangte die Vorinstanz deren Abweisung. Mit Replik vom 13.
Januar 2015 hielt der Beschwerdeführer an seiner Beschwerde fest. Gleichzeitig stellte er
den Antrag, Oberrichter H.P. Fischer habe wegen Befangenheit in Ausstand zu treten (act.
11). Diesem Antrag wurde formlos stattgegeben und den Parteien die neue
voraussichtliche Gerichtsbesetzung mit Oberrichter E. Graf anstelle von H.P. Fischer
mitgeteilt (act. 15), wogegen der Beschwerdeführer keine Einwände erhob. Die Vorinstanz
verzichtete mit Schreiben vom 4. Februar 2015 unter Festhaltung am Antrag auf Abweisung
der Beschwerde auf eine ausführliche Duplik (act. 14). Am 20. Mai 2015 wurde die Sache
in der dritten Abteilung des Obergerichts in Abwesenheit der Parteien abschliessend
beraten und darüber entschieden.
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H. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den vorinstanzlichen Akten sowie die
Vorbringen der Parteien in den Rechtschriften wird, soweit entscheidrelevant, in den
nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

Considerations:
Erwägungen
1. Formelles
Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen.
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
(JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht Beschwerden gegen solche Entscheide. Die
örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 Abs. 1 ATSG).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (insbesondere Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Unfallversicherung [UVG, SR 832.20] i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und Art. 61 lit. b
ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRPG, bGS 143.1).
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Materielles
2.1 Vorbemerkung
Angefochten ist ein Einspracheentscheid, der Bezug nimmt auf zwei verschiedene
Verfügungen der Vorinstanz: Einerseits die Einstellung der Taggeldleistungen per Ende
März 2014 (Verfügung vom 21. März 2014, VI-act. 77) und andererseits der generelle
Fallabschluss und die sofortige Einstellung sämtlicher Leistungen durch die Vorinstanz im
Zusammenhang mit dem Unfall vom 23. Juni 2013 (Verfügung vom 12. Juni 2014, VI-act.
108).
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Die Begründung der beiden Verfügungen ist nicht identisch: Während die
Taggeldeinstellung mit der Begründung erfolgte, der Beschwerdeführer sei in seiner zuletzt
ausgeübten Tätigkeit als Vertreter wieder zu 100% arbeitsfähig, wurde der generelle
Fallabschluss mit dem fehlenden Kausalzusammenhang zwischen den noch vorhandenen
Kniebeschwerden und dem Unfallereignis vom 23. Juni 2013 begründet.
Im Folgenden werden die dem Einspracheentscheid zugrunde liegenden Verfügungen
separat geprüft. Dabei ist zu beachten, dass das Obergericht bei der Überprüfung des
angefochtenen Entscheides frei und an die Begehren der Parteien nicht gebunden ist (Art.
61 lit. c und d ATSG).
2.2 Verfügung vom 12. Juni 2014 (genereller Fallabs chluss)
2.2.1.
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen
dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein
natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen
Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene
Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit
eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung
des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder
unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende
Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der
versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht
werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele. Ob
zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung bzw. im
Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem
im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung
eines Leistungsanspruches nicht (vgl. BGE 129 V 177, E. 3.1, m.w.H.).
2.2.2.
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem
Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang
besteht. Die Vorinstanz hat mit Verfügung vom 12. Juni 2014 das Vorliegen eines
natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen den Kniebeschwerden des
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Beschwerdeführers und dem Unfallereignis vom 23. Juni 2013 verneint und daher den Fall
abgeschlossen. Fehlt bereits der natürliche Kausalzusammenhang, erübrigt sich eine
zusätzliche Prüfung der Adäquanz.
2.2.3.
Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer schon vor seinem Sturz aufs linke Knie im
Juni 2013 wegen Beschwerden an diesem Knie in Behandlung gewesen war. Insoweit der
Beschwerdeführer geltend macht, er sei vor dem Unfall im Juni 2013 am Knie überhaupt
nicht mehr eingeschränkt gewesen (vgl. Beschwerde, Ziff. III/18), überzeugt dies nicht. Dr.
F_ geht in ihrem Bericht ausführlich auf die ärztlichen Berichte betreffend den
Vorzustand am linken Knie ein (VI-act. 106, S. 4 ff.), worauf verwiesen werden kann. Aus
diesen Unterlagen geht hervor, dass der Beschwerdeführer auch nach der
Kniearthroskopie im November 2011 weiterhin unter Beschwerden litt. Für den Zeitpunkt
unmittelbar vor dem Sturz im Juni 2013 existieren keine ärztlichen Berichte, die sich zum
Ausmass der Kniebeschwerden äussern würden. Dennoch kann der Argumentation des
Beschwerdeführers, wonach er damals keinerlei Beschwerden mehr gehabt habe, nicht
gefolgt werden:
- Schon im Operationsbericht vom 9. November 2011 wird auf eine Chondropathie
hingewiesen (VI-act. 36), ebenfalls im MRI vom 5. Dezember 2012 (VI-act. 18: schwere
retropatelläre Chondropathie medial [Grad III-IV] sowie mittelgradig bis beginnend
höhergradig auch am femurseitigen Gleitlager medial [Grad II-III]). Dieser Vorzustand
zeigte sich unverändert auch bei den MRI-Untersuchungen, die nach dem Sturz
erfolgten, vgl. MRI vom 19. Juli 2013 (VI-act. 14: Unveränderte deutliche Chondropathia
patellae medial) sowie MRI vom 13. November 2013 (VI-act. 49: unveränderte
höhergradige Chondropathie). Dass im linken Knie ein Vorzustand vorhanden ist, kann
damit nicht ernsthaft in Abrede gestellt werden, und zwar selbst dann, wenn sich dieser
Vorzustand unmittelbar vor dem Sturz im Juni 2013 aktuell nicht in namhaften
Beschwerden ausgewirkt haben sollte.
- Eine vollständige Beschwerdefreiheit vor dem Sturz im Juni 2013, wie sie der
Beschwerdeführer geltend macht, wird jedoch in keinem Arztbericht erwähnt. So war der
Beschwerdeführer gemäss Bericht von Dr. G_ vom 3. September 2013 (VI-act. 16)
nach dem Eingriff im November 2011 lediglich „relativ beschwerdearm“ und sei mit der
Situation gut zurechtgekommen.
- Auch Dr. H_ erwähnt in seinem Bericht vom 23. September 2013 (VI-act. 26, S. 1)
das vorgeschädigte linke Knie und führt an, das Problem sei „äusserst komplex und
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vielschichtig“, weshalb er möglich rasch versucht habe, „die neu hinzugekommene
Problematik“ korrekt abzuklären. Ein Vorzustand sei bekannt, neu festgestellt sei eine
Fraktur.
- Dr. F_ weist in ihrem Bericht vom 4. Juni 2013 unter konkreten Hinweisen auf frühere
Arztberichte (VI-act. 106, S. 6) zudem zu Recht darauf hin, dass die im November 2013
von Dr. G_ festgehaltene ausgeprägte muskuläre Hypotrophie des linken
Oberschenkels mit höchster Wahrscheinlichkeit auf ein länger dauerndes
Schonverhalten aufgrund des Vorzustandes zurückzuführen sei (vgl. auch Bericht Dr.
H_ vom 25. April 2014, VI-act. 90).
Zusammenfassend ist somit davon auszugehen, dass mit dem Sturz vom 23. Juni 2013
aufs vorgeschädigte Knie eine neue Problematik zum bereits bestehenden Vorzustand
hinzukam. Dr. H_ stellte nach dem Unfall eine neu aufgetretene vertikal verlaufende
Fissur in der Patella lateral randständig und deutliche bone bruise-Zone im medialen
Tibiaplateau dorsal fest (vgl. Arztzeugnis UVG, VI-act. 14). Vor diesem Hintergrund stellt
sich die Frage, welche Kniebeschwerden auf den Unfall vom 23. Juni 2013 und welche
Kniebeschwerden - unabhängig vom Unfallereignis - auf den Vorzustand zurückzuführen
sind.
2.2.4.
Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst
manifest, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die
natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer
nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn
entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall
bestanden hat (status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder
später eingestellt hätte (status quo sine), erreicht ist (Urteil des Bundesgerichts
8C_423/2012 vom 26. Februar 2013, E. 3.2, m.w.H; Urteil des Bundesgerichts
8C_484/2014 vom 1. April 2015, E. 2.1). Wie der leistungsbegründende natürliche
Kausalzusammenhang muss auch der Wegfall eines ursächlichen Zusammenhangs
zwischen dem Unfallereignis und den bestehenden Beschwerden mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Weil es sich dabei um eine
anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob
ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht beim
Versicherten, sondern beim Unfallversicherer. Dabei hat der Unfallversicherer nicht den
Beweis für unfallfremde Ursachen zu erbringen. Welche Ursachen ein nach wie vor
geklagtes Leiden hat, ist an sich unerheblich. Entscheidend ist allein, ob die unfallbedingten
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Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also
dahingefallen sind. Ebenso wenig muss der Unfallversicherer den negativen Beweis
erbringen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder dass die versicherte Person
nun bei voller Gesundheit sei (Urteil des Bundesgerichts 8C_570/2014 vom 9. März 2015,
E. 6.2, m.w.H.).
Seite 9
2.2.5.
Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistungsansprüche bedarf es verlässlicher
medizinischer Entscheidgrundlagen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts
8C_160/2012 vom 13. Juni 2012, E. 3.1.1, m.w.H.). Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen. Zur Frage der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen
wurde der Grundsatz betont, wonach ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum
Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit
schliessen lässt. Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen
Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen
zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.4, m.w.H.).
2.2.6.
Die Vorinstanz stützt ihre Auffassung, wonach die im Verfügungszeitpunkt bestehenden
Kniebeschwerden des Beschwerdeführers nicht mehr unfallbedingt, sondern
ausschliesslich krankhafter Natur seien, im Wesentlichen auf die kreisärztliche
Einschätzung von Dr. F_ vom 4. Juni 2014 (VI-act. 106). Dr. F_ ist in ihrem Bericht
zum Schluss gelangt, die aktuellen Kniebeschwerden seien mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht mehr auf den Unfall vom 23. Juni 2013 zurückzuführen, sondern
stünden mit der schicksalhaften Entwicklung der degenerativen Veränderungen der
Gonarthrose im Zusammenhang. Dabei hat Dr. F_ insbesondere berücksichtigt, dass die
direkten Unfallfolgen, welche bei der MRI-Untersuchung im Juli 2013 festgestellt wurden
(Fissur, bone bruise-Zone) im November 2013 wieder ausgeheilt waren:
- Nach dem Unfall am 23. Juni 2013 wurde am 19. Juli 2013 von Dr. I_ eine
kernspintomographische Untersuchung des linken Knies durchgeführt mit folgendem
Befund (VI-act. 14): „Vergleichend zur kernspintomographischen Voruntersuchung vom
05.12.2012 nun neu aufgetretene vertikal verlaufende Fissur in der Patella lateral
randständig mit über 3cm grosser perifokaler Ödemzone und deutliche bone bruise-
Zone im medialen Tibiaplateau dorsal von über 5.5cm mit auch diskreter fissuraler
Seite 10
Komponente.“ Die übrigen Befunde waren schon im letzten MRI vor dem Unfall
(05.12.2012) erkennbar gewesen, nämlich die „geringgradige Sklerosierung“ sowie
„unverändert deutliche Knorpelverschmälerung loco-regionär sowie mässiggradig auch
im übrigen medialen Gelenksabschnitt. Unveränderte deutliche Chondropathia patellae
medial. Vorbestehende mässige Tendinose der Patellarsehne mit Volumenvermehrung
und deutliche narbige Veränderungen im Hoffa-Fettkörper.“
- Verlaufs-MRI vom 13. November 2013 (VI-act. 49): „Nur noch residuelle Veränderungen
im Bereich der Patella lateral bei vormaliger Fissur und vollständig abgeheilte bone
bruise Zone im medialen Tibiaplateau. Formkonstante Darstellung des refixierten
Dissekates am medialen Femurkondylus im zentralen notch-nahen Abschnitt mit fokal
höhergradiger Chondropathie sowie unveränderte höhergradige Chondropathie
retropatellar medial. Vorbestehende mässiggradige Tendinose der Patellarsehne mit
Volumenvermehrung und deutlich narbigen Veränderungen im Hoffa-Fettkörper.“
- Dr. D_ hat bei seinem Untersuch im Januar 2014 festgestellt, dass sich die
Beweglichkeit des linken Knies gebessert habe. Dies erscheint angesichts des MRI-
Befunds vom 13. November 2013 durchaus erklärbar, waren doch die im MRI zunächst
direkt sichtbaren Unfallfolgen (Fissur, Bone bruise) inzwischen abgeheilt. Die beklagten
Kniebeschwerden waren nach seiner Einschätzung aber „noch im zeitlichen
Zusammenhang“ zum Unfallereignis vom 23. Juni 2013 zu sehen. Die unfallbedingte
Übernahme von Behandlungskosten empfahl er allerdings lediglich für einen Zeitraum
von weiteren drei Monaten (vgl. VI-act. 63, S. 5). In seinem späteren Bericht vom
18. März 2014 (VI-act. 76) verwies er auf dieses vorgeschlagene Vorgehen, notabene
ohne eine Anpassung seiner Einschätzung vorzunehmen.
Gestützt auf diese und die weiteren vorliegenden Arztberichte verneint Dr. F_ mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit einen Kausalzusammenhang zwischen den
Kniebeschwerden und dem Sturz vom 23. Juni 2013.
2.2.7.
Dass keine persönliche Untersuchung des Beschwerdeführers durch Dr. F_ erfolgte, ist
entgegen der Kritik des Beschwerdeführers (Beschwerde, Ziff. III/13) angesichts der
umfangreichen und umfassenden Vorakten nicht zu beanstanden. Dr. F_ hat die
vorhandenen Arztberichte und Vorakten eingehend gewürdigt und dabei die geklagten
Beschwerden berücksichtigt. Sie hat insbesondere auch jene Akten in ihre Beurteilung
miteinbezogen, die den Vorzustand der Kniebeschwerden betreffen (vgl. VI-act. 106, S. 4
ff.). Auch unter Berücksichtigung der aktuellen und früheren Behandlungsmassnahmen
Seite 11
kommt Dr. F_ zum klaren Schluss, dass es durch den Sturz aufs Knie am 23. Juni 2013
zu einer zeitlich limitierten Verschlimmerung eines degenerativen Vorzustands gekommen
ist. Die noch vorhandenen Kniebeschwerden im Juni 2014 waren nach ihrer Auffassung mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht mehr auf den Sturz zurückzuführen. Diese
medizinischen Schlussfolgerungen von Dr. F_ sind nachvollziehbar begründet und
überzeugend.
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Ausführungen von Dr. F_ seien nicht geeignet,
die unabhängigen Beurteilungen der orthopädischen Fachärzte der Hirslanden Gruppe und
des Kantonsspitals St. Gallens zu widerlegen (Replik, Ziff. III/9). Es liegen jedoch von
diesen Ärzten keine Einschätzungen vor, welche eine Unfallkausalität der Beschwerden
nach dem Zeitpunkt des Fallabschlusses durch die Vorinstanz bestätigen würden. Dr. G_
nahm in seinem Bericht vom 4. April 2014 gar nicht Bezug auf die Frage der
Unfallkausalität der weiterbestehenden Kniebeschwerden (VI-act. 86). Der vom
Beschwerdeführer zusätzlich eingeholte Arztbericht vom 30. April 2014 von Dr. G_ ist
nicht dazu geeignet, die ausführlich und nachvollziehbar begründeten Schlussfolgerungen
von Dr. F_ in Frage zu stellen. Die sehr vage Aussage von Dr. G_ (vgl. VI-act. 94, S.
5: „Die exakte Ursache der bestehenden Beschwerden ist schwierig zu evaluieren.
Vermutlich handelt es sich um eine Kombination der kernspintomographisch
nachweisbaren Veränderungen, andererseits der Patellafraktur sowie auch des Zustandes
nach Refixation des osteofemoralen Dissekates kombiniert mit einer vegetativen
Komponente“), der den Beschwerdeführer erstmals am 3. September 2013 untersuchte (VI-
act. 16) und anders als Dr. F_ über keine umfassenden Fallunterlagen für seine
Beurteilung verfügte, ändert daher nichts am überzeugenden Schluss von Dr. F_, die
Kniebeschwerden seien überwiegend wahrscheinlich nicht mehr auf das Unfallereignis vom
23. Juni 2013 zurückzuführen.
Auch der vom Beschwerdeführer eingereichte Bericht der Ärzte der Klinik für orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats am KSSG vom 4. September 2014
(Beschwerdebeilage act. 2/2) ist nicht dazu geeignet, Zweifel an diesem Schluss
hervorzurufen. Insoweit in jenem Bericht eine partielle Osteonekrose für möglich gehalten
wird, ist nicht ersichtlich, dass eine solche auf das Unfallereignis vom 23. Juni 2013
zurückzuführen wäre. Die früheren MRI-Befunde lagen den Ärzten des KSSG nicht vor.
Aus den MRI-Befunden ist jedoch ersichtlich, dass nebst der Fissur und der Bone bruise
keine weiteren Unfallfolgen festgestellt wurden. Sowohl im MRI vom 19. Juli 2013 (VI-act.
14) als auch vom 13. November 2013 ist hingegen bereits eine vorbestehende deutliche
Knorpelverschmälerung erwähnt; im Rahmen des vorliegenden Unfallsachverhalts ist es
aber nicht Sache der Vorinstanz, den degenerativen Vorzustand im Knie näher abzuklären.
Seite 12
Die im MRI festgestellten Unfallfolgen waren aufgrund des letzten MRI-Befunds ausgeheilt.
Daher besteht entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers auch kein Anlass für weitere
medizinische Abklärungen.
2.2.8.
Es ist dabei zu betonen, dass im vorliegenden Verfahren lediglich zu beurteilen ist, ob der
Beschwerdeführer mit Bezug auf die Folgen des Unfalls vom 23. Juni 2013 unter
Einschränkungen am linken Knie leidet. Dass der Beschwerdeführer auch im Zeitpunkt des
Fallabschlusses durch die Vorinstanz noch gesundheitliche Einschränkungen am linken
Knie aufweist, ist offensichtlich. Für die Frage der Leistungsfähigkeit der Vorinstanz aus
dem Unfallereignis vom 23. Juni 2013 spielt dies aber nur insoweit eine Rolle, als die
Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf diesen Unfall zurückzuführen sind.
Dies ist gestützt auf die überzeugende Schlussfolgerung von Dr. F_ zu verneinen.
2.2.9.
Da überwiegend wahrscheinlich davon auszugehen ist, dass im Zeitpunkt der Einschätzung
von Dr. F_ der Gesundheitszustand erreicht war, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder
später eingestellt hätte (status quo sine, vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_84/2015 vom
19. Mai 2015, E. 2.1, m.w.H.), hat die Vorinstanz eine weitere Leistungspflicht zu Recht
verneint. Die Verfügung vom 12. Juni 2014, wonach sämtliche Versicherungsleistungen per
23. Juni 2014 einzustellen sind, ist zu bestätigen.
2.3 Verfügung vom 21. März 2014 (Einstellung Taggel dleistungen per Ende März 2014)
2.3.1.
Aus E. 2.2 vorstehend folgt, dass dem Beschwerdeführer jedenfalls ab dem Zeitpunkt des
generellen Fallabschlusses per 23. Juni 2014 auch keine Taggelder mehr auszurichten
sind. Die Vorinstanz hat die Taggelder allerdings mit der Verfügung vom 21. März 2014
bereits per Ende März 2014 eingestellt und daran im angefochtenen Einspracheentscheid
festgehalten. Diese Taggeldeinstellung wird von der Vorinstanz zu Recht nicht mit
mangelnder Kausalität zwischen den Kniebeschwerden und dem Unfallereignis begründet:
Es bestehen keine Anhaltspunkte, die einen Wegfall der Kausalität schon ab Ende März
2014 belegen würden. Im Gegenteil ist gestützt auf die Beurteilungen von Dr. D_ vom
Januar und März 2014 (VI-act. 63 und 76) davon auszugehen, dass die Unfallkausalität
jedenfalls mindestens bis in die erste Hälfte April 2014 hinein mit überwiegender
Seite 13
Wahrscheinlichkeit zu bejahen war, nachdem Dr. D_ mit Bericht vom 9. Januar 2014
empfahl, die weiteren Behandlungskosten seien für weitere drei Monate zu übernehmen.
Im Bericht vom 18. März 2014 wies Dr. D_ darauf hin, dass die Behandlung noch nicht
abgeschlossen sei und der erneute Infiltrationserfolg abgewartet werden sollte. Er äusserte
sich nicht dahingehend, bereits in jenem Zeitpunkt die Behandlungsmassnahmen nicht
mehr zu übernehmen, was dafür spricht, dass er die Beschwerden in jenem Zeitpunkt
zumindest noch als mögliche Folgen des Sturzes betrachtete.
Die erneute Fallbeurteilung nach der Infiltration erfolgte dann nicht mehr durch Dr. D_,
sondern durch Dr. F_. Inzwischen lag der Bericht von Dr. G_ vom 16. Mai 2014 (VI-
act. 103) vor, woraus ersichtlich ist, dass der Beschwerdeführer nach der Infiltration
Anfangs April 2014 für eine Woche deutlich beschwerdereduziert war; anschliessend seien
die üblichen Beschwerden wieder zurückgekehrt. Nachdem damit das Ergebnis der
Infiltration ebenfalls vorlag, prüfte Dr. F_ die Frage der Unfallkausalität vertieft. Dabei ist
eine auf den Tag genaue Festlegung, ab welchem Zeitpunkt nicht mehr mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit von einer Kausalität zwischen den Beschwerden und dem Sturz
auszugehen ist, schlichtweg nicht möglich. Der Zeitpunkt dürfte irgendwo zwischen April
und Juni 2014 liegen, jedenfalls nicht bereits Ende März 2014, als die Taggelder eingestellt
wurden. Dr. F_ hat die aktuellen Kniebeschwerden mit überzeugender und
nachvollziehbarer Begründung „knapp ein Jahr nach Trauma“ nicht mehr als unfallkausal
beurteilt. Die Vorinstanz hat gestützt auf diese Einschätzung von Dr. F_ den
Fallabschluss per 23. Juni 2014, also ein Jahr nach dem Sturz, vorgenommen, was
angesichts der nicht exakt auf den Tag genau möglichen Festlegung des Zeitpunktes, in
dem nicht mehr von einer überwiegend wahrscheinlichen Kausalität ausgegangen werden
kann, angemessen erscheint. Unter diesen Umständen scheint es angebracht und
konsistent, auch die Taggeldeinstellung erst ab diesem Zeitpunkt mit dem Wegfall der
Kausalität zu begründen.
Soll die Taggeldeinstellung bereits zu einem früheren Zeitpunkt erfolgen, so müssten
hierfür andere Gründe vorliegen. Ob solche gegeben sind, ist nachfolgend zu prüfen.
2.3.2.
Die Vorinstanz verneinte einen nach Ende März 2014 weiter andauernden
Taggeldanspruch des Beschwerdeführers, weil gemäss Beurteilung des kreisärztlichen
Dienstes zwischenzeitlich von einer 100% Arbeitsfähigkeit in der vor der Arbeitslosigkeit
des Beschwerdeführers zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Vertreter bei der E_ AG
auszugehen sei. Dabei stützte sich die Vorinstanz insbesondere auf die Arztberichte von
Dr. D_ vom 9. Januar 2014 (VI-act. 63) und 18. März 2014 (VI-act. 76).
Seite 14
Seite 15
2.3.3.
Im Bereich der Unfallversicherung bedeutet Arbeitsunfähigkeit insbesondere auch in seiner
Funktion als leistungsbegründendes Element des Taggeldanspruchs nach Art. 16 f. UVG
die Unfähigkeit, am bisherigen Arbeitsplatz zumutbare Arbeit zu leisten, soweit diese
Einschränkung auf eine unfallbedingte Beeinträchtigung der Gesundheit zurückgeht. Bei
langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder
Aufgabenbereich berücksichtigt (vgl. auch Art. 6 ATSG). Der Grad der Arbeitsunfähigkeit
wird solange unter Berücksichtigung der bisherigen Tätigkeit festgesetzt, als vom
Versicherten vernünftigerweise nicht verlangt werden kann, dass er seine restliche
Arbeitsfähigkeit anderweitig einsetzt (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 108/05 vom
28. August 2006, E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_1003/2009 vom 3. März 2010, E.
5.1).
2.3.4.
Es stellt sich zunächst die Frage, ob die Anknüpfung der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung an die
vom Beschwerdeführer bei der E_ AG ausgeübte Tätigkeit als Vertreter richtig ist. Im
Unfallzeitpunkt am 23. Juni 2013 war der Beschwerdeführer arbeitslos. Vor Eintritt der
Arbeitslosigkeit war er als Handelsreisender/Vertreter bei der E_ AG angestellt gewesen
(vgl. Schadenmeldung UVG für arbeitslose Personen, VI-act. 1). Dass er im August 2013 -
also nach dem Unfall - eine Schulung als Immobilienmakler in Angriff nahm, die er dann
allerdings kurz darauf wieder abbrach, spielt für die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung keine
Rolle. Der Beschwerdeführer war vor dem Unfall nicht als Immobilienmakler tätig gewesen,
sondern bei der Arbeitslosenversicherung gemeldet. Die blosse Absicht, sich zum
Immobilienmakler umzuschulen, ändert daran nichts, ebensowenig allfällige Investitionen in
einen Aufbau einer selbständigen Erwerbstätigkeit als Immobilienmakler (vgl. Beschwerde,
Ziff. III/10 und Einsprache, VI-act. 93, Ziff. III/12 f.). Im vorliegenden Fall ist somit
grundsätzlich die Tätigkeit als Vertreter bei der E_ AG für die Beurteilung der
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers relevant.
2.3.5.
In der angefochtenen Verfügung vom 21. März 2014 wird davon ausgegangen, der
Beschwerdeführer sei in seiner Tätigkeit als Vertreter der E_ AG zwischenzeitlich wieder
zu 100% arbeitsfähig. Diese Annahme stützt sich auf die Aussage von Dr. D_, wonach
das von der E_ AG vorliegende Tätigkeitsprofil dem Zumutbarkeitsprofil auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt entspreche (vgl. VI-act. 76, Ziff. 3; das Zumutbarkeitsprofil auf
dem allgemeinen Arbeitsmarkt definierte Dr. D_ im Bericht vom 9. Januar 2014 [VI-act.
63] wie folgt: „...in überwiegend sitzender Tätigkeit zumutbar... Kein längeres Stehen und
Seite 16
Gehen, kein Steigen auf Leitern und Gerüste, kein Gehen in unebenem Gelände, kein
häufiges Treppensteigen, kein Einnehmen der Kniehocke, keine knienden Tätigkeiten“).
Die Aussage von Dr. D_, das von der E_ AG vorliegende Tätigkeitsprofil entspreche
dem von ihm definierten Tätigkeitsprofil auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, ist jedoch aus
folgenden Gründen nicht nachvollziehbar:
- Die E_ AG beschrieb die Tätigkeit des Beschwerdeführers im Fragebogen für
Arbeitgebende wie folgt (VI-act. 73): Oft: Kunden besuchen, Sitzen, leichtes heben oder
tragen. Manchmal: Autofahren, Gehen, Stehen, mittelschwer heben oder tragen. Selten:
Messen, schweres heben oder tragen.
- Für die Kundenbesuche ist es notwendig, dass für den Beschwerdeführer sowohl
Treppensteigen als auch Gehen in unebenem Gelände sowie generell auch längeres
Stehen und Gehen kein Problem darstellt.
- Der Beschwerdeführer hat gegenüber Dr. D_ angegeben, dass längere
Autofahrstrecken für ihn nicht möglich seien. Als Vertreter der E_ AG absolvierte der
Beschwerdeführer ganz klar einen beträchtlichen Anteil seiner Arbeitszeit längere
Autofahrten. Auf diesen Punkt geht Dr. D_ in seiner ärztlichen Einschätzung gar nicht
näher ein. Dr. G_, der sich in seinem Bericht vom 28. Februar 2014 (vgl. VI-act. 72)
dazu geäussert hat, ob der Beschwerdeführer als Immobilienmakler tätig sein könnte,
hat dies aufgrund der spezifischen Anforderungen jener Tätigkeit, die - jedenfalls was
die Kundenbesuche und damit verbundenes Gehen, Treppensteigen und Autofahren
betrifft - durchaus vergleichbar sind mit denjenigen Anforderungen, die an einen
Vertreter bei der E_ AG gestellt werden, klar verneint, was nachvollziehbar ist.
- Der Beschwerdeführer führte als Vertreter der E_ AG seinen Kunden Matratzen und
Betteinlagen vor. Dazu gehörten auch das Heben und Tragen von leichten bis
mittelschweren (d.h. bis 25 kg) Gewichten, selten auch das Heben und Tragen von
schwereren Gegenständen (vgl. Beschreibung der individuellen Tätigkeit, VI-act. 73). Es
bestehen Zweifel, ob der Beschwerdeführer diese Tätigkeit trotz der bestehenden
Kniebeschwerden uneingeschränkt ausführen könnte. Dr. D_ äussert sich dazu nicht
explizit.
Aufgrund dieser genaueren Betrachtung kann die Tätigkeit bei der E_ AG nicht als
adaptierte Tätigkeit für den Beschwerdeführer gelten. Dasselbe würde im Übrigen auch für
eine Tätigkeit als Immobilienmakler gelten, die der Beschwerdeführer für seine
Seite 17
Argumentation verwendet. Im Resultat stellt weder die Vertretertätigkeit bei der E_ AG
noch die Tätigkeit als Immobilienmakler eine angepasste, dem Beschwerdeführer
zumutbare Arbeitstätigkeit dar. Die diesbezügliche Kritik des Beschwerdeführers an den
kreisärztlichen Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit (vgl. Beschwerde, Ziff. III/16) ist
berechtigt. Es ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ab Ende März 2014
in seiner Tätigkeit als Vertreter der E_ AG wieder arbeitsfähig war.
2.3.6.
Der Beschwerdeführer war gemäss Einschätzung von Dr. D_ in einer adaptierten
Tätigkeit ab Januar 2014 zu 50% und ab ca. Mitte Februar 2014 zu 100% arbeitsfähig (vgl.
VI-act. 63, S. 5 unten). Frühestens ab dieser Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit wäre es theoretisch möglich, dass er seine Arbeitsfähigkeit
anderweitig als im bisherigen Tätigkeitsbereich bei der E_ AG verwertet.
2.3.7.
Steht fest, dass die versicherte Person unter dem Blickwinkel der
Schadenminderungspflicht einen Berufswechsel vorzunehmen hat, so hat der
Versicherungsträger sie grundsätzlich dazu aufzufordern und ihr zur Anpassung an die
veränderten Verhältnisse sowie zur Stellensuche eine angemessene Übergangsfrist
einzuräumen, während welcher das bisherige Taggeld geschuldet bleibt. Diese
Übergangsfrist bemisst sich nach den jeweiligen Umständen des Einzelfalles und ist in der
Regel auf drei bis fünf Monate festzulegen (Urteil des Bundesgerichts 8C_889/2014 vom
23. Februar 2015, E. 3.2, m.w.H.).
Im vorliegenden Fall war der Beschwerdeführer arbeitslos, so dass eine besondere
Aufforderung der Vorinstanz, sich eine neue Stelle zu suchen, entbehrlich war (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 8C_838/2012 vom 19. April 2013, E. 4.2.2). Dennoch ist aber dem
Beschwerdeführer ab der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit, welche gemäss Dr. D_ (und bestätigt von Dr. F_) erst in der ersten
Februarhälfte 2014 anzunehmen ist, eine angemessene Übergangsfrist zu gewähren, um
einen erforderlichen Berufswechsel vorzunehmen. Vom Beschwerdeführer konnte
frühestens ab ca. Mitte Mai bis Mitte Juli erwartet werden, seine in einer angepassten
Tätigkeit wiedererlangte Arbeitsfähigkeit zu verwerten. Angesichts dessen, dass per 23.
Juni 2014 ohnehin der generelle Fallabschluss vorzunehmen war, scheint es im
vorliegenden Fall nicht angebracht, den Taggeldanspruch des Beschwerdeführers bereits
früher einzustellen. Dem Beschwerdeführer sind daher die Taggelder bis zum
Fallabschluss am 23. Juni 2014 im vollen Umfang weiterauszurichten.
Seite 18
2.3.8.
Welcher Berufswechsel dem Beschwerdeführer eine adaptierte Tätigkeit ermöglichen
würde, braucht im vorliegenden Verfahren nicht näher abgeklärt zu werden. Wie bereits
aufgezeigt (vgl. E. 2.2 vorstehend), hat die Vorinstanz die Kausalität der verbleibenden
Beschwerden zum Unfallereignis vom 23. Juni 2013 ab dem 23. Juni 2014 zu Recht
verneint. Ab diesem Zeitpunkt sind dem Beschwerdeführer unabhängig von der Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auch keine Taggelder mehr auszurichten.
3. Kosten und Entschädigung
3.1.
Für das vorliegende Verfahren werden keine Kosten erhoben (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art.
61 lit. a ATSG).
3.2.
Im Beschwerdeverfahren hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 1
Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG). Üblicherweise wird gemäss Praxis der dritten
Abteilung des Obergerichts in Sozialversicherungsrechtssachen eine Parteientschädigung
von bis zu Fr. 2‘500 zugesprochen. Da es sich vorliegend nicht um einen besonders
komplexen oder aufwändigen Fall handelt, besteht kein Grund, davon abzuweichen. Da der
Beschwerdeführer nur teilweise mit seinen Anträgen obsiegt hat, erscheint im vorliegenden
Fall eine diesem Verfahrensausgang entsprechend reduzierte Entschädigung von Fr. 1‘250
als angemessen.
3.3.
Der Beschwerdeführer verlangt ausserdem die Zusprechung einer Parteientschädigung für
das vorinstanzliche Einspracheverfahren. Gemäss Art. 52 Abs. 3 ATSG ist das
Einspracheverfahren kostenlos; Parteientschädigungen werden in der Regel nicht
ausgerichtet.
Insoweit der Beschwerdeführer unterlegen ist (was beim Einspracheverfahren betreffend
die Verfügung vom 12. Juni 2014 der Fall ist), entfällt ein Entschädigungsanspruch zum
Vornherein (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_792/2009 vom 1. Februar 2010, E. 8).
Seite 19
Da der Beschwerdeführer mit Bezug auf die angefochtene Verfügung vom 21. März 2014
nur teilweise unterlegen ist, stellt sich die Frage, ob er bei diesem Verfahrensausgang auch
für das betreffende vorinstanzliche Einspracheverfahren, insoweit er nun im
Beschwerdeverfahren obsiegt hat, eine teilweise Entschädigung verlangen kann.
Im Sozialversicherungsrecht sind die formellen Anforderungen an die Einsprache,
insbesondere deren Begründung, minimal (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
8C_413/2008 vom 5. Januar 2009, E. 3.4, m.w.H.). Abgesehen vom Fall, in dem dem
Einsprecher ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt wurde und ihm aus diesem Grund
bei einer Gutheissung der Einsprache eine Entschädigung zuzusprechen ist (vgl. KIESER,
ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009, N 43 zu Art. 52; BGE 130 V 570, E.
2), rechtfertigt sich im Übrigen die Zusprechung einer Parteientschädigung für das
Einspracheverfahren wenn überhaupt (vgl. BGE 130 V 570, E. 2.3.2) nur in
Ausnahmefällen. Solche können gemäss Lehre und Rechtsprechung einerseits in
sachlichen Gründen (wie besondere Aufwendungen oder Schwierigkeiten des Falls) oder
andererseits in persönlichen Gründen beim Beschwerdeführer (wie sprachliche
Schwierigkeiten oder persönliche Überforderung mit der Komplexität der Angelegenheit)
liegen. Im vorliegenden Fall sind weder sachliche noch persönliche Umstände ersichtlich,
die es erforderlich machten, dass der Beschwerdeführer sich im Einspracheverfahren durch
seinen Rechtsvertreter gegenüber der Vorinstanz vertreten liess. Der Fall bot weder in
tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht derart besondere Schwierigkeiten, die bereits im
Einspracheverfahren den Beizug eines Rechtsvertreters notwendig machten.
Der Antrag auf Ausrichtung einer Parteientschädigung für das Einspracheverfahren ist
somit abzuweisen.
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