Decision ID: d903fdd6-f6d5-5c74-9f52-fc16057fbe02
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte mit seiner Ehefrau am 10. April 2017 in
der Schweiz um Asyl. Anlässlich der Befragung zur Person vom 28. April
2017 und der Anhörung vom 5. Februar 2020 führte er im Wesentlichen
aus, er sei Tamile und stamme aus B._ im Distrikt C._, Nord-
provinz. Im Jahr 1992 sei er mit der Familie weggezogen und sie hätten an
verschiedenen Orten gelebt. Die Schule habe er im Jahr 2001 mit dem
O-Level abgeschlossen. Im Jahr 2002 sei er wieder nach B._ zu-
rückgekehrt. Bis zu seiner Hochzeit am 8. August 2014 habe er als Fischer
gearbeitet. Nach der Hochzeit sei er mit seiner Ehefrau in ihren Heimatort
D._, E._, gezogen und als Bauarbeiter tätig gewesen. Er
habe einen Schulkollegen gehabt, der sich den Liberation Tigers of Tamil
Eelam (LTTE) angeschlossen habe. Dieser sei im Jahr 2009 nach Indien
ausgereist. Im Jahr 2016 sei er wegen seiner kranken Mutter nach Sri
Lanka zurückgekehrt. In dieser Zeit habe er geheiratet und seine Ehefrau
sei schwanger geworden. Die sri-lankischen Behörden hätten von dessen
Rückkehr erfahren, weshalb der Schulkollege mit seiner Ehefrau geflüchtet
und schliesslich nach E._ gekommen sei. Die Ehefrau habe hoch-
schwanger medizinische Hilfe benötigt. Da sie kein Krankenhaus hätten
aufsuchen können, hätten sie nach einer Krankenschwester gesucht. Auf
diese Weise sei das Ehepaar auf seine Ehefrau, welche die für diese Ge-
gend zuständige Hebamme gewesen sei, aufmerksam geworden. Sie
seien Ende Februar 2016 bei ihnen zu Hause vorbeigekommen und erst in
diesem Moment habe er erfahren, dass dies sein ehemaliger Schulkollege
sei. Das Ehepaar habe ein paar Mal bei ihnen übernachtet und seine Ehe-
frau habe die Schwangere behandelt. Ende Juni 2016 hätten Personen des
Criminal Investigation Department (CID) seine Ehefrau am Arbeitsplatz
aufgesucht und gefragt, ob sie das Ehepaar unterstütze und deren Aufent-
haltsort kenne. Die Ehefrau habe dies verneint. Sie hätten ihr zudem mit-
geteilt, der Mann sei ein Schulkollege ihres Ehemanns und bei den LTTE
gewesen, weshalb er gesucht werde. Die Personen hätten sie aufgefor-
dert, in zwei Tagen zu einer Befragung nach Colombo zu kommen. Seine
Ehefrau sei danach bei der Wohnung des Ehepaars vorbeigegangen, die-
ses sei indes nicht mehr dort gewesen. Aus Angst seien sie am nächsten
Tag nach B._ gegangen. Zwei Tage später seien sie vom CID in
E._ gesucht worden. Wiederum zwei Tage später sei das CID in
B._ aufgetaucht. Glücklicherweise seien sie nicht zu Hause gewe-
sen. Am nächsten Abend seien sie nach Colombo weitergereist und am
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29. August 2016 aus Sri Lanka ausgereist. Das CID habe sie nach der Aus-
reise drei bis vier Mal gesucht, letztmals im Oktober 2019. Sie seien nie
politisch aktiv gewesen und hätten keine Verbindung zu den LTTE.
Der Beschwerdeführer reichte die Geburtsurkunden von ihm und seiner
Ehefrau, den Eheschein, eine Heiratsbestätigung der Kirche, verschiedene
Bestätigungen der Ausbildung und Arbeitstätigkeit seiner Ehefrau als Kran-
kenschwester und Hebamme sowie zwei Schreiben betreffend zwei in den
Jahren 1994 und 2008 verschwundene Verwandte ein.
B.
Am (...) wurde das Kind des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau gebo-
ren.
C.
Mit Verfügung vom 17. März 2020 (eröffnet am 18. März 2020) stellte die
Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer und seine Ehefrau erfüllten die
Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte die Asylgesuche ab, verfügte die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an.
D.
Mit Eingabe vom 14. April 2020 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, das Verfahren des Be-
schwerdeführers A._ und das Verfahren seiner Ehefrau F._
seien getrennt zu führen. Die angefochtene Verfügung der Vorinstanz vom
17. März 2020 sei aufzuheben. Der Entscheid sei zu kassieren und zur er-
neuten Klärung des Sachverhalts und zur erneuten Beurteilung an die Vo-
rinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei der Beschwerdeführer als
Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren. Subeventualiter
sei der Beschwerdeführer als Flüchtling anzuerkennen und als solcher vor-
läufig aufzunehmen. Subsubeventualiter sei die Unzulässigkeit bezie-
hungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und
der Beschwerdeführer sei vorläufig aufzunehmen. Es sei auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltliche Prozessfüh-
rung zu gewähren. Es sei dem Beschwerdeführer eine unentgeltliche
Rechtsbeiständin in der Person der unterzeichnenden Rechtsvertreterin zu
bestellen.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins
AIG übernommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Ge-
setzesbezeichnung verwendet.
2.
Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-
den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet
des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG
[SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist als Ver-
fügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die
unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Kognition im Bereich des
Ausländerrechts richtet sich nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.2 Das Bundesverwaltungsgericht verzichtet vorliegend auf die Durchfüh-
rung eines Schriftenwechsels (Art. 111a Abs. 1 AslyG).
4.
Für den Beschwerdeführer wurde das vorliegende Beschwerdeverfahren
eröffnet. Die Beschwerde der Ehefrau wurde im Verfahren E-2008/2020
behandelt. Das gemeinsame Kind wurde ins Verfahren der Ehefrau einbe-
zogen. Dem Antrag des Beschwerdeführers, sein Verfahren und das seiner
Ehefrau seien zu trennen, wurde demnach entsprochen. Die Verfahren
wurden koordiniert behandelt und entschieden.
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5.
5.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung der Begründungspflicht
und des Untersuchungsgrundsatzes. Dabei handelt es sich um formelle
Rügen, welche vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären,
eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist,
dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-
nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 143 III 65 E. 5.2).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet
einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
5.3 Der Beschwerdeführer bringt vor, die Vorinstanz habe die Begrün-
dungspflicht verletzt, indem sie nur festgehalten habe, er habe ausser
rechtsstaatlich legitimer Sanktionen keine asylrelevante Verfolgung zu be-
fürchten, ohne weiter auszuführen, was mit rechtsstaatlich legitimen Sank-
tionen gemeint sei und warum er nur legitime Sanktionen zu befürchten
habe, wo doch bekannt sei, dass Personen, die in Sri Lanka verdächtigt
würden, die LTTE zu unterstützen, in hohem Masse von Folter und anderen
nicht-legitimen Verfolgungshandlungen bedroht seien. Zudem habe sie es
unterlassen, sich zu seinem Risikoprofil zu äussern.
Die Vorinstanz hat sich in der Begründung mit sämtlichen wesentlichen
Vorbringen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt. Der blosse Um-
stand, dass sie in ihrer Würdigung zu einer anderen Auffassung als der
Beschwerdeführer kommt, ist keine Verletzung der Begründungspflicht,
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sondern eine Frage der materiellen Beurteilung. Die Vorinstanz handelte
die Unterstützung des Ehepaars unter dem Asylpunkt ab. Weitere Verbin-
dungen zu den LTTE oder politische Aktivitäten machte der Beschwerde-
führer nicht geltend. Angesichts dessen waren die Ausführungen der Vor-
instanz zu den Risikofaktoren zwar knapp, aber ausreichend. Zudem ver-
setzte die Begründung der Vorinstanz den Beschwerdeführer in die Lage,
die Verfügung sachgerecht anzufechten. Es liegt demnach keine Verlet-
zung der Begründungspflicht vor.
5.4 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Untersuchungsgrund-
satzes, da die Vorinstanz die aktuelle Lage in Sri Lanka nur ungenügend
berücksichtigt habe.
Die Vorinstanz äusserte sich ausführlich zur aktuellen Lage in Sri Lanka;
insbesondere ging sie auf die Präsidentschaftswahl vom 16. November
2019 mit der Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten ein. Alleine
der Umstand, dass die Vorinstanz in ihrer Länderpraxis zu Sri Lanka einer
anderen Linie folgt als vom Beschwerdeführer vertreten, und sie aus sach-
lichen Gründen auch zu einer anderen Würdigung der Gesuchsvorbringen
gelangt als vom Beschwerdeführer verlangt, spricht nicht für eine ungenü-
gende Sachverhaltsfeststellung. Der rechtserhebliche Sachverhalt wurde
von der Vorinstanz richtig und vollständig festgestellt.
5.5 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-
begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen
Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbe-
zügliche Rechtsbegehren ist abzuweisen.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Befürchtungen, künftig staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausge-
setzt zu werden, sind nur dann asylrelevant, wenn begründeter Anlass zur
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Annahme besteht, eine Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss ent-
fernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete
Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der
vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung als wahr-
scheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch und nach-
vollziehbar erscheinen lassen. Ob eine begründete Furcht vor künftiger
Verfolgung vorliegt, ist aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu
beurteilen. Es müssen hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Be-
drohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in der gleichen Lage
Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen
würden. Die objektive Betrachtungsweise ist durch das vom Betroffenen
bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fäl-
len zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausge-
setzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht
(vgl. die vom Bundesverwaltungsgericht fortgeführte Rechtsprechung der
[damaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [ARK] in EMARK
2004/1 E. 6a; BVGE 2011/50 E. 3.1.1; BVGE 2011/51 E. 6; BVGE 2008/4
E. 5.2).
7.
7.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, der Beschwerdeführer
und seine Ehefrau würden keinerlei Verbindungen zu den LTTE aufweisen.
Die sri-lankischen Behörden hätten ihm auch nie entsprechende Vorwürfe
gemacht. Beim Besuch des Arbeitsortes der Ehefrau hätten die Beamten
des CID der Ehefrau lediglich vorgeworfen, einer gesuchten Person und
deren schwangeren Ehefrau medizinisch geholfen zu haben. An der Befra-
gung habe der Beschwerdeführer zwar erwähnt, das CID habe der Mutter
gesagt, er habe etwas mit den LTTE zu tun, an der Anhörung habe er dies
aber auch auf Nachfrage hin nicht bestätigt. Es gebe somit keinen Grund
zur Annahme, dass die Behörden ihm weitere Vorwürfe machen würden,
eine allfällige Ahndung der Verstösse über rechtsstaatlich legitimierte
Sanktionen hinausgehen und eine Verfolgung ein asylrelevantes Ausmass
annehmen würde. Daran würden die Beweismittel nichts ändern; die in den
Schreiben erwähnten Vorfälle betreffend den verschwundenen Verwand-
ten hätten sich in den Jahren 1990 und 2008 zugetragen und stünden nicht
im Zusammenhang mit den Ereignissen im Jahr 2016. Da die Vorbringen
nicht asylrelevant seien, erübrige es sich auf deren Glaubhaftigkeit einzu-
gehen. Dennoch sei zu erwähnen, dass es nicht nachvollziehbar sei, wes-
halb seine Ehefrau nach dem Besuch des CID das Ehepaar noch aufge-
sucht habe. Ebenso unklar sei, weshalb das CID sie zur Befragung nach
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Colombo und nicht nach E._ aufgeboten und bereits am Tag der
Befragung nach ihnen gesucht haben soll. Der Beschwerdeführer erfülle
die Risikofaktoren nicht.
7.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, die Vorinstanz habe es unterlassen,
in ihrer Begründung auszuführen, was mit „rechtsstaatlich legitimen Sank-
tionen" genau gemeint sei. Die Annahme der Vorinstanz, ihm würde keine
asylrelevante Verfolgung drohen, sei reine Spekulation. Es sei nicht be-
kannt, ob die Behörden ihm eine Mitgliedschaft oder eine weitere Hilfe für
die LTTE vorwerfen oder ob sie nur den Aufenthaltsort des bekannten Ehe-
paars herausfinden wollten. Beides würde indes für die Annahme ausrei-
chen, dass er und seine Ehefrau bei einem Erscheinen zur Befragung
durch das CID einem erheblichen Risiko von Folter ausgesetzt gewesen
wären. Für eine asylrelevante Verfolgung könnten bereits Gerüchte über
eine wie auch immer geartete Zusammenarbeit oder Unterstützung der
LTTE ausreichen. Bei der Prüfung der Risikofaktoren sei zu berücksichti-
gen, dass er aus der Schweiz zurückkehre, die in den Augen des sri-lanki-
schen Staates noch immer als politisch aktiver Hort der tamilischen
Diaspora wahrgenommen werde. Als Tamile mit einem temporären Reise-
pass würde er bei der Einreise nach Sri Lanka befragt werden. Es bestehe
eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ihm eine Mitgliedschaft oder Unterstüt-
zung der LTTE unterstellt werde, da er ein LTTE-Mitglied unterstützt und
versteckt habe. Durch seine Ausreise und die Nichtbefolgung der behörd-
lichen Vorladung habe er sich zusätzlich verdächtig gemacht. Zudem sei
er nach seiner Ausreise gesucht worden. Er weise demnach ein Risikoprofil
auf. Die Machtübernahme durch den Rajapaksa-Clan und der Vorfall vom
25. November 2019, bei dem eine Mitarbeiterin der Schweizerischen Bot-
schaft entführt worden sein soll, liessen vermuten, dass die sri-lankischen
Behörden vermehrt gegen zurückgeschaffte, abgewiesene Asylsuchende
aus der Schweiz vorgehen würden.
8.
8.1 Der Beschwerdeführer bringt nicht vor, in Sri Lanka asylrelevante
Nachteile erlitten zu haben. Er befürchtet aber, aufgrund der Hilfeleistung
für ein Mitglied der LTTE künftig einer asylrelevanten Verfolgung ausge-
setzt zu sein. Es ist somit zu prüfen, ob der Beschwerdeführer begründeten
Anlass zur Befürchtung hat, einer künftigen Verfolgung im Sinne von Art. 3
AsylG ausgesetzt zu sein.
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Im Februar 2016 benötigte ein ehemaliger Schulkollege des Beschwerde-
führers medizinische Unterstützung für seine schwangere Ehefrau. Er mel-
dete sich per Zufall bei der Ehefrau des Beschwerdeführers, da sie als
Hebamme örtlich zuständig war. Erst als der Schulkollege mit seiner Ehe-
frau den Beschwerdeführer aufsuchte, stellte sich heraus, dass sie sich
von früher kannten. Sie hatten sich letztmals im Jahr 2002 gesehen, als
sich der Schulkollege den LTTE angeschlossen hatte. Seit dem Jahr 2002
bis zum Februar 2016 hatte der Beschwerdeführer keinen Kontakt mehr
mit ihm. Die Ehefrau des Beschwerdeführers betreute die Schwangere aus
rein humanitären Gründen. Zudem liessen sie das Ehepaar ein paar Mal
bei sich übernachten. Weder der Beschwerdeführer noch seine Ehefrau
haben Verbindungen zu den LTTE oder sich jemals politisch engagiert. Sie
hatten in der Vergangenheit nie Probleme mit den sri-lankischen Behörden.
Als Personen des CID die Ehefrau des Beschwerdeführers am Arbeitsort
aussuchten, fragten sie lediglich, ob sie dem Ehepaar geholfen habe und
ihren Aufenthaltsort kenne, und boten sie für eine Befragung auf. Weitere
Vorwürfe wurden nicht erhoben. Da dem CID offenbar bekannt war, dass
der Gesuchte ein ehemaliger Schulkollege des Beschwerdeführers war,
darf auch davon ausgegangen werden, dass sie wussten, dass die beiden
jahrelang keinen Kontakt hatten und der Beschwerdeführer sowie auch
seine Ehefrau keine Verbindungen zu den LTTE aufwiesen. Dies erklärt
auch, weshalb das CID nicht den Beschwerdeführer, sondern nur seine
Ehefrau aufgesucht hat, um den Aufenthaltsort des Ehepaars herauszufin-
den. Nach der Ausreise fragte das CID zwar noch drei oder vier Mal nach
ihrem Verbleib, belästigte aber die Familien des Beschwerdeführers und
seiner Ehefrau nicht weiter. Es mag zwar sein, dass der Beschwerdeführer
wegen der Einladung zur Befragung subjektive Furcht vor einer Verfolgung
hatte. Aber aufgrund der obigen Ausführung liegen objektiv betrachtet
keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine drohende asylrelevante Verfol-
gung vor; eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung ist nicht
asylrelevant. Ebenso ist eine allfällige Befragung oder ein Background-
Check (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland)
bei der Einreise mangels Intensität nicht asylrelevant. Die eingereichten
Beweismittel vermögen nichts daran zu ändern. Gemäss den Schreiben
werden die Verwandten seit den Jahren 1994 und 2008 vermisst. Ein kon-
kreter Zusammenhang zu den Asylvorbringen ist nicht ersichtlich. Das Vor-
liegen einer objektiven Furcht vor künftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3
AsylG ist somit zu verneinen.
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8.2 An dieser Einschätzung ändern weder der Regierungswechsel vom
16. November 2019 noch die kürzlich erfolgte Verhaftung einer sri-lanki-
schen Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft in Colombo etwas, da
diesbezüglich kein individueller Bezug zum Beschwerdeführer ersichtlich
ist.
Hinsichtlich des Machtwechsels vom 16. November 2019 gilt festzuhalten:
Gotabaya Rajapaksa wurde damals zum neuen Präsidenten Sri Lankas
gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapa-
ksa-Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; https://www.theguar-
dian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate-rajapaksa-
premadas-count-continues, abgerufen am 24.04.2020). Er war unter sei-
nem älteren Bruder, dem ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der
von 2005 bis 2015 an der Macht war, Verteidigungssekretär und wurde an-
geklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Journalisten und Aktivisten began-
gen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverlet-
zungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die An-
schuldigungen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri Lanka,
14.01.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bru-
der Mahinda sodann zum Premierminister und band einen weiteren Bruder,
Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Ma-
hinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett
zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl.
https://www.aninews.in/ne ws/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents
-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-tate20191127174753/,
abgerufen am 24.04.2020). Beobachter und ethnische/religiöse Minderhei-
ten befürchten verstärkte Repression und die vermehrte Überwachung von
Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journa-
listen, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweize-
rische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minder-
heiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapaksa das Par-
lament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Prä-
sident löst das Parlament auf, 03.03.2020).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst, beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt sie
bei der Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durch-
aus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage für Perso-
nen, die bestimmte Risikofaktoren erfüllen, auszugehen (vgl. Referenzur-
teil des Bundesverwaltungsgerichts E‐1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW,
Sri Lanka: Families of "Disappeard" Threatened, 16.02.2020). Dennoch
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gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein-
zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen
zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Fol-
gen besteht.
Der Beschwerdeführer und seine Ehefrau waren nie politisch aktiv, weisen
kein regimekritisches Verhalten auf und haben keine Verbindung zu den
LTTE. Das CID hat sie zwar wegen medizinischer Hilfeleistung für die Ehe-
frau eines ehemaligen LTTE-Mitglieds zu einer Befragung eingeladen, aber
wie in der Erwägung 8.1 abgehandelt, lässt sich daraus – auch unter Be-
rücksichtigung des aktuellen politischen Kontextes in Sri Lanka – nicht ab-
leiten, sie hätten mit einer asylrelevanten Verfolgung zu rechnen.
9.
9.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr
von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Zur Beurtei-
lung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form
von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risikofaktoren
identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene
Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der „Stop List“ und die Teilnahme
an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als stark risikobe-
gründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid dargelegten
Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begrün-
deten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Fehlen ordentli-
cher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und eine
gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach risikobegrün-
dende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weitreichenden
Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene kleine Gruppe tatsächlich mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3
AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen Behörden be-
strebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen und so
den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die dargelegten Ri-
sikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren Namen
in der am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop-List" vermerkt seien und
der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungsweise einen Straf-
registereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten
Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte für sri-lankische
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Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch betätigt hätten (vgl.
a.a.O. E. 8).
9.2 Der Beschwerdeführer und seine Ehefrau haben aus humanitären
Gründen einem ehemaligen LTTE-Mitglied und dessen Ehefrau geholfen.
Selbst wenn ihnen eine vermeintliche Unterstützung der LTTE unterstellt
würde, ist aufgrund der nachfolgenden Überlegungen nicht davon auszu-
gehen, dass sie dadurch zu jener kleinen Gruppe zu zählen sind, die bei
einer Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten haben. Weder der Beschwerdeführer
und seine Ehefrau noch ihre Familien hatten Verbindungen zu den LTTE.
Zudem war er nie politisch aktiv. Des Weiteren wurde der Beschwerdefüh-
rer weder verhaftet noch einer Straftat angeklagt oder gar verurteilt und
verfügt somit auch nicht über einen Strafeintrag. Er hat keine Narben und
ist nicht exilpolitisch tätig. Aus der tamilischen Ethnie und der knapp vier-
jährigen Landesabwesenheit kann er keine Gefährdung ableiten. Dass er
in einer „Stop List“ aufgeführt sein soll, ist aufgrund des Gesagten unwahr-
scheinlich. Unter Würdigung aller Umstände ist somit anzunehmen, dass
der Beschwerdeführer von der sri-lankischen Regierung nicht zu jener klei-
nen Gruppe gezählt wird, die bestrebt ist, den tamilischen Separatismus
wieder aufleben zu lassen, und so eine Gefahr für den sri-lankischen Ein-
heitsstaat darstellt. Es ist nicht davon auszugehen, dass ihm persönlich im
Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von
Art. 3 AsylG drohen würden.
9.3 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abge-
lehnt.
10.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl.
BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
11.
11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach
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den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
11.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen. Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlings-
eigenschaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von
Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwend-
bar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allge-
meinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3
BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und
andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine
EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä-
ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl.
EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Be-
schwerde Nr. 10466/11; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011,
Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar
2011, Beschwerde Nr. 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien, Urteil vom
17. Juli 2008, Beschwerde Nr. 25904/07). Dabei unterstreicht der Gerichts-
hof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehren-
den Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Vielmehr müssten im
Rahmen der Beurteilung, ob der oder die Betroffene ernsthafte Gründe für
die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Be-
fragung ein Interesse, verschiedene Aspekte – welche im Wesentlichen
durch die in Erwägung 6.1 identifizierten Risikofaktoren abgedeckt sind
(vgl. EGMR, T.N. gegen Dänemark, a.a.O., § 94) – in Betracht gezogen
werden, wobei dem Umstand gebührend Beachtung zu schenken sei, dass
diese einzelnen Aspekte, auch wenn sie für sich alleine betrachtet möglich-
erweise kein "real risk" darstellen, diese Schwelle bei einer kumulativen
Würdigung erreichen könnten.
Nachdem der Beschwerdeführer – wie in den Erwägungen 8 und 9.2 aus-
geführt – nicht darlegen konnte, dass er befürchten müsse, bei einer Rück-
kehr ins Heimatland die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden in ei-
nem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen
auch keine Anhaltspunkte dafür, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka
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mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die
über einen sogenannten „Background Check“ hinausgehen würden, oder
dass er persönlich gefährdet wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist zuläs-
sig.
11.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Nach eingehender Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist
das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Weg-
weisungsvollzug in die Ostprovinz grundsätzlich zumutbar ist (vgl. BVGE
2011/24 E. 13.1). In die Nordprovinz (mit Ausnahme des „Vanni-Gebiets“)
ist er zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskrite-
rien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Be-
ziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und
Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil E-1866/2015 E. 13.2). In
Referenzurteil D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5 erachtet das
Bundesverwaltungsgericht auch den Wegweisungsvollzug ins „Vanni-Ge-
biet“ als zumutbar. An dieser Einschätzung vermögen die Gewaltvorfälle in
Sri Lanka vom 21. April 2019, der gleichentags von der sri-lankischen Re-
gierung verhängte Ausnahmezustand, der am 28. August 2019 wieder auf-
gehoben wurde, und die mit den Wahlen im November 2019 zusammen-
hängenden gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu ändern.
Der Beschwerdeführer lebte vor der Ausreise mit seiner Ehefrau in
E._, Ostprovinz. Er verfügt über einen O-Level Schulabschluss und
bringt eine mehrjährige Berufserfahrung als Fischer und Bauarbeiter mit.
Seine Ehefrau arbeitete als Hebamme. Zusammen konnten sie für ihren
Lebensunterhalt aufkommen. Nach der Rückkehr dürfte er seine Arbeits-
tätigkeit wieder aufnehmen und für den Lebensunterhalt sorgen können.
Vor der Ausreise wohnten er und die Ehefrau bei deren Mutter. Es ist davon
auszugehen, dass sie wieder dort wohnen können. Zudem verfügen beide
mit einer grossen Verwandtschaft über ein tragfähiges familiäres Bezie-
hungsnetz in Sri Lanka, das in der Lage sein sollte, sie bei der Wiederein-
gliederung zu unterstützen. Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie
dem Wegweisungsvollzug nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufi-
gen Aufnahme setzt voraus, dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorüber-
gehender Natur ist, sondern voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der
Regel mindestens zwölf Monate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall,
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so ist dem temporären Hindernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung
zu tragen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen
Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e). Bei der Corona-
Pandemie handelt es sich – wenn überhaupt – um ein bloss temporäres
Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die
kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt
des Vollzugs der Situation im Heimatland angepasst wird. Der Vollzug er-
weist sich deshalb auch in individueller Hinsicht als zumutbar.
11.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeich-
nen, weil es dem Beschwerdeführer obliegt, bei der zuständigen Vertretung
seines Heimatstaats die für seine Rückkehr notwendigen Reisedokumente
zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12).
11.5 Die Vorinstanz hat somit den Wegweisungsvollzug zu Recht als zu-
lässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen
Aufnahme fällt daher ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung den
rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt, Bundes-
recht nicht verletzt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich über-
prüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
13.
13.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da seine Rechts-
begehren jedoch nicht von vornherein als aussichtslos betrachtet werden
können und von seiner Bedürftigkeit aufgrund der Akten auszugehen ist,
ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge-
mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen. Es sind somit keine Verfahrens-
kosten zu erheben.
13.2 Demgemäss ist auch das Gesuch um Beiordnung einer amtlichen
Rechtsbeiständin gestützt auf aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG gutzuheissen.
Die amtliche Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers hat keine Kosten-
note eingereicht. Der Aufwand lässt sich allerdings aufgrund der Akten zu-
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verlässig abschätzen (Art. 14 Abs. 2 VGKE). In Anwendung der massge-
blichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8-11 VGKE) ist das Honorar für
MLaw Nora Maria Riss auf Fr. 1‘250.– (inkl. Auslagen) festzusetzen.
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