Decision ID: 5028db7a-a2b1-5213-b363-1a5825d80dc1
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Eigenen Angaben zufolge ist die Beschwerdeführerin eine ethnische Tibe-
terin mit Wurzeln in B._ (Kreis C._, Bezirk D._). Sie
gibt an, die Volksrepublik China am (...) 2015 in Richtung Nepal verlassen
zu haben.
B.
Am 10. November 2015 gelangte die Beschwerdeführerin in die Schweiz,
wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 1. Dezember 2015 wurde sie
summarisch zur Person und ihren Gesuchsgründen befragt (Befragung zur
Person [BzP]). Eine ausführliche Anhörung fand am 26. September 2017
statt.
Zur Begründung ihres Asylgesuches machte die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen geltend, am 27. August 2015 sei sie von einem Polizisten
angegriffen worden. Er habe sie vergewaltigt beziehungsweise habe er
versucht, sie zu vergewaltigen. Sie habe sich wehren können, indem sie
ihn mit einem Stein auf den Kopf geschlagen habe. Der Polizist sei verletzt
am Boden liegen geblieben. Aus Angst vor Konsequenzen sei sie nicht zu
ihren Eltern nach Hause zurückgekehrt, sondern direkt zu ihrem Onkel
nach E._ gegangen. Dieser habe sie sofort zur Flucht aufgefordert.
Er habe sie zu einem bekannten Händler gebracht, der mit ihr nach
F._ gereist sei. Dort sei sie illegal über die chinesisch-nepalesische
Grenze gegangen. Nach zwei Monaten Aufenthalt in Nepal sei sie mit ge-
fälschten Ausweispapieren per Flugzeug an einen ihr unbekannten Ort in
Europa geflogen. Von dort aus sei sie per Zug in die Schweiz gereist.
Im vorinstanzlichen Verfahren reichte die Beschwerdeführerin diverse
Zeugnisse von in der Schweiz besuchten Sprach- und Berufsbildungskur-
sen, Referenzschreiben von Lehrpersonen sowie den Lehrvertrag für eine
Ausbildung ein.
C.
Am 13. April 2018 wurde zum Zwecke der Herkunfts- und Sprachabklärung
ein telefonisches Interview mit der Beschwerdeführerin durchgeführt. Auf
der Grundlage der Aufzeichnung dieses Interviews analysierte ein Experte
der Fachstelle LINGUA im Auftrag des SEM die landeskundlich-kulturellen
Kenntnisse der Beschwerdeführerin. Der Experte kam aufgrund dieser
Analyse am 15. Mai 2018 zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin sehr
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wahrscheinlich nicht im autonomen Gebiet Tibet sozialisiert worden sei,
sondern ausserhalb China gelebt habe.
D.
Daraufhin gewährte das SEM der Beschwerdeführerin am 31. August 2018
das rechtliche Gehör zu den wesentlichen Erkenntnissen aus der LINGUA-
Analyse.
E.
Nachdem die Beschwerdeführerin sich die Aufzeichnung des Telefoninter-
views angehört hatte, reichte sie am 29. Oktober 2018 ihre schriftliche Stel-
lungnahme dazu ein.
F.
Mit Verfügung vom 2. Juli 2019 verneinte das SEM die Flüchtlingseigen-
schaft der Beschwerdeführerin und wies ihr Asylgesuch ab. Gleichzeitig
ordnete es die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Weg-
weisung an, wobei ein Wegweisungsvollzug in die Volksrepublik China
ausdrücklich ausgeschlossen wurde. Diese Verfügung wurde vom SEM am
3. Juli 2019 mittels eingeschriebener Sendung mit Rückschein versandt.
Der postalische Abholungsschein zur Entgegennahme der Verfügung
wurde der Beschwerdeführerin gemäss der Sendungsverfolgung der
Schweizerischen Post am 4. Juli 2019 zugestellt. Die Beschwerdeführerin
holte die Verfügung innerhalb der von Art. 20 Abs. 2bis VwVG vorgesehe-
nen siebentägigen Frist nicht ab, weshalb die Verfügung wieder ans SEM
retourniert wurde.
G.
Gemäss Aktennotiz vom 18. Juli 2019 bestätigte das kantonale Migrations-
amt gegenüber dem SEM, dass die Adresse der Beschwerdeführerin nach
wie vor aktuell sei. Die kantonale Rückkehrberatung sei bereits aktiv ge-
worden und habe für den 19. Juli 2019 einen Termin mit der Beschwerde-
führerin vereinbart. Weiter wurde festgehalten, dass der Asylentscheid der
Beschwerdeführerin auch an diesem Termin zur Kenntnis gebracht werden
könne. Die Verfügung könne damit als fiktiv eröffnet gelten und müsse so-
mit nicht noch einmal eröffnet werden.
H.
Am 24. Juli 2019 ersuchte die Beschwerdeführerin um Akteneinsicht zu-
handen der HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende in G._.
Dieses Gesuch wurde am 31. Juli 2019 gutgeheissen.
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I.
Mit Beschwerde vom 31. Juli 2019 beantragte die Beschwerdeführerin
beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der angefochtenen Verfü-
gung und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei sie vorläufig aufzuneh-
men. Subeventualiter sei die Sache zu neuer Prüfung an das SEM zurück-
zuweisen. Subsubeventualiter sei die Beschwerdefrist gegen die Verfü-
gung des SEM vom 2. Juli 2019 wiederherzustellen beziehungsweise fest-
zustellen, dass sie erst am 19. Juli 2019 von ihrem Asylentscheid Kenntnis
erhalten und die Beschwerdefrist folglich erst ab diesem Zeitpunkt zu lau-
fen begonnen habe.
In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin um Einsicht in
die vorinstanzlichen Akten und damit verbunden um Anordnung einer Frist
zur Beschwerdeergänzung. Zudem beantragte sie die Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege, die Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertre-
tung ihrer Wahl und den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses.
Die Beschwerdeführerin reichte verschiedene Beweismittel ein, welche ei-
nerseits die Zustellung der Verfügung betreffen sowie andererseits die
sprachliche und berufliche Integration in der Schweiz.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 2. August 2019 bestätigte die Instruktionsrich-
terin den Eingang der Beschwerde und stellte fest, dass die Beschwerde-
führerin den Ausgang des vorliegenden Verfahrens in der Schweiz abwar-
ten könne.
K.
Mit Schreiben vom 7. August 2019 reichte die Beschwerdeführerin weitere
Unterlagen ein, namentlich ein Referenzschreiben sowie einen Schriften-
wechsel und eine Aktennotiz zur Frage der Zustellung der Verfügung. Ins-
besondere nahm sie zum Umstand Stellung, dass sie die Verfügung des
SEM nicht innert Frist abgeholt habe.
L.
Mit Schreiben vom 15. August 2019 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass
sie zwischenzeitlich in ihre Asylakten habe Einsicht nehmen können. Ent-
sprechend reichte sie eine Beschwerdeergänzung ein.
M.
Am 20. August 2019 reichte die Beschwerdeführerin ein Arztzeugnis ein.
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N.
Mit Zwischenverfügung vom 28. August 2019 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gut, setzte der Beschwerde-
führerin eine Frist an, um eine Rechtsvertretung zu benennen, verzichtete
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und lud das SEM dazu ein,
sich zur Beschwerde und Beschwerdeergänzung vernehmen zu lassen.
O.
Mit Schreiben vom 6. September 2019 teilte die rubrizierte Rechtsvertrete-
rin dem Bundesverwaltungsgericht – unter Einreichung der entsprechen-
den Vollmacht – die Mandatsübernahme mit.
P.
Nachdem das SEM am 10. September 2019 eine Vernehmlassung einge-
reicht hatte, wurde der Beschwerdeführerin mit Zwischenverfügung vom
13. September 2019 die Möglichkeit zur Replik gewährt.
Q.
Am 17. Oktober 2019 replizierte die Rechtsvertreterin der Beschwerdefüh-
rerin nach gewährter Fristerstreckung auf die Vernehmlassung der Vor-
instanz und reichte eine Kostennote zu den Akten.
Eingereicht wurden sodann ein Dokument, bei welchem es sich um eine
Geburtsbestätigung ausgestellt vom Office Tibet Genf des Repräsentanten
Seiner Heiligkeit des Dalai Lamas für Zentral- und Ost-Europa handeln soll
sowie ein Arztbericht vom 10. Oktober 2019 betreffend eine Behandlung
vom 20. September 2019.
R.
Am 28. November 2019 reichte die Beschwerdeführerin einen Arbeitsver-
trag zu den Akten.
S.
Mit Verfügung vom 15. Juli 2021 wurde festgestellt, dass die Beschwerde-
führerin zwischenzeitlich einer Erwerbstätigkeit nachgehe und sie wurde
aufgefordert, zur Frage der Bedürftigkeit Stellung zu nehmen.
T.
Am 29. Juli 2021 erklärte die Beschwerdeführerin, dass ihre Bedürftigkeit
nach wie vor gegeben sei. Sie arbeite seit dem 1. April 2021 als Fachfrau
Gesundheit EFZ im (...), H._. Jedoch befinde sie sich nach wie vor
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in Ausbildung. Ihre Lehre werde sie voraussichtlich im Juli 2023 abschlies-
sen. Ihr aktueller Lohn belaufe sich zurzeit auf Fr. 747.50 im Monat.
Die Beschwerdeführerin reichte den aktuellen Lehrvertrag betreffend ihre
Ausbildung ein, zwei Lohnabrechnungen von den Monaten Juli und August
2021, sowie diverse Dokumente im Zusammenhang mit der Sozialhilfe ein.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Verfügung des SEM vom
2. Juli 2019 sei ihr nicht zugestellt worden. Sie führt aus, es liege möglich-
erweise an der Organisation der Postzustellung in ihrer Unterkunft, dass
sie nicht einmal die Abholungseinladung erhalten habe. Sie seien mehrere
Personen in der Unterkunft und teilten sich den Briefkasten. Es sei deshalb
möglich, dass eine andere Person versehentlich ihre Post abgeholt habe
und die Abholungseinladung dabei abhandengekommen sei. Für diese
Umstände trage sie keine Verantwortung. Zur Stützung ihrer Vorbringen
reichte die Beschwerdeführerin Fotografien vom Briefkasten (vgl. Be-
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schwerde, Beilage 5) und ein Schreiben der zuständigen Person (vgl. Stel-
lungnahme vom 7. August 2019 inklusive Beilage) zu den Akten, worin be-
stätigt wird, dass die Beschwerdeführerin die Unterkunft mit drei weiteren
Personen teile und diese alle Zugang zum Briefkasten hätten. Die Be-
schwerdeführerin macht weiter geltend, dass sie vom Entscheid des SEM
erst im Rahmen eines Gesprächs am 19. Juli 2019 auf dem kantonalen
Migrationsamt erfahren habe.
1.5 Vorliegend ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszuge-
hen, dass die Abholungseinladung nicht in die Hände der Beschwerdefüh-
rerin gelangte und sie zunächst ohne ihr Verschulden keine Kenntnis von
der angefochtenen Verfügung erlangte. Die Beschwerdeführerin teilt sich
die Wohnung und den Briefkasten mit andern Personen, wobei sie diese
Gemeinschaft nicht frei wählte, sondern ihr die Unterkunft zugewiesen
wurde, weshalb nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden kann, sie
habe sich die Missachtung einer Sorgfaltspflicht ihrer Mitbewohner und Mit-
bewohnerinnen anrechnen zu lassen. Ihre Erklärung, weshalb sie von der
betreffenden Abholungseinladung nicht Kenntnis genommen habe, er-
scheint jedenfalls vor dem umschriebenen Hintergrund plausibel, zumal die
Akten des kantonalen Migrationsamtes ihre Ausführungen, wie sie von der
ergangenen Verfügung Kenntnis erhalten habe, bestätigen (vgl. Eingabe
vom 7. August 2019, Beilage 1). Zudem gilt es darauf hinzuweisen, dass
das SEM vorliegend darauf verzichtete, nach erfolgloser Zustellung der
Verfügung per Einschreiben, diese der Beschwerdeführerin noch einmal
per normaler Briefpost zuzustellen. Vielmehr begnügte es sich damit, sich
die Richtigkeit der Adresse beim kantonalen Migrationsamt bestätigen zu
lassen. Bei dieser Sachlage ist – wie bereits zuvor in ähnlich gelagerten
Fällen (vgl. bspw. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-2251/2019 vom
3. Juni 2019 E.3.4 mit Hinweis auf weitere Urteile) – davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin die übliche und ihr zumutbare Sorgfalt ange-
wendet hat und somit ohne ihr Verschulden vor dem 19. Juli 2019 keine
Kenntnis von der Verfügung des SEM vom 2. Juli 2019 erhalten konnte.
Demnach wurde der vorinstanzliche Entscheid am 19. Juli 2019 eröffnet,
womit die Beschwerdefrist am 19. August 2019 endete. Die Beschwerde,
welche am 31. Juli 2019 eingereicht wurde, ist mithin fristgerecht. Der An-
trag auf Wiederherstellung der Beschwerdefrist ist vor diesem Hintergrund
gegenstandslos.
1.6 Die Beschwerde ist auch formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
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schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin rügt in ihrer Rechtsmitteleingabe zunächst
verschiedene Verletzungen des formellen Rechts durch die Vorinstanz.
Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie zu einer
Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz führen könnten.
3.2 In der Beschwerde vom 31. Juli 2019 wird geltend gemacht, das SEM
habe keine Einsicht in die Akten gewährt und den Asylentscheid nicht
rechtsgültig eröffnet (vgl. Beschwerde, S. 2).
Das Akteneinsichtsgesuch der Beschwerdeführerin vom 24. Juli 2019 ging
beim SEM am 26. Juli 2019 ein (vgl. act. A32). Diesem Begehren wurde
am 31. Juli 2019 entsprochen, mithin noch während laufender Rechtsmit-
telfrist (act. A33/2, vgl. oben Ziff. 1.5). Von einer Verletzung des Aktenein-
sichtsrechts ist vor diesem Hintergrund offensichtlich nicht auszugehen.
Ein allfälliger Mangel bezüglich der Eröffnung wurde geheilt, indem die Be-
schwerdeführerin im vorliegenden Verfahren form- und fristgerecht Stel-
lung genommen hat und von ihrem Recht, eine Beschwerdeergänzung ein-
zureichen, Gebrauch gemacht hat (vgl. Art. 32 Abs. 2 VwVG). Das Begeh-
ren um Akteneinsicht sowie um Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeer-
gänzung ist vor diesem Hintergrund gegenstandslos.
3.3 Die Beschwerdeführerin rügt sodann mehrfach, die Vorinstanz habe ih-
rem Entscheid einen unrichtigen Sachverhalt zugrunde gelegt (vgl. Be-
schwerde, S. 2 sowie Beschwerdeergänzung, S. 2 und 3). Insbesondere
mit Blick auf das von der Vorinstanz bei der Beweiswürdigung stark ge-
wichtete LINGUA-Gutachten bringt sie vor, die Vorinstanz habe ihre sehr
ausführliche Stellungnahme vom 29. Oktober 2018 nicht genügend gewür-
digt. Die Rüge ist unbegründet. Die Vorinstanz hat im angefochtenen Ent-
scheid sämtliche Akten und aktenkundigen Beweismittel – namentlich die
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Anhörungsprotokolle, die von der Beschwerdeführerin eingereichten Doku-
mente zu ihrer Integration in der Schweiz, das LINGUA-Gutachten und die
Stellungnahme hierzu berücksichtigt (vgl. angefochtene Verfügung Ziff. II).
Ob sie gestützt auf diese Aktenlage die richtigen Schlüsse gezogen hat, ist
eine Frage der materiellen Würdigung. Inwiefern weitere Beweiserhebun-
gen angezeigt gewesen wären, ergibt sich sodann aus der Beschwerde
nicht und ist auch nicht ersichtlich. Für ein willkürliches Vorgehen der Vo-
rinstanz finden sich sodann vorliegend, auch vor dem Hintergrund des be-
reits Festgestellten, keine Anhaltspunkte.
3.4 Die Beschwerdeführerin macht in formeller Hinsicht weiter geltend, ihr
sei keine vollständige Einsicht in die Herkunftsanalyse gewährt worden
(vgl. Beschwerde, S. 4), wodurch der Anspruch auf rechtliches Gehör ge-
mäss Art. 29 VwVG und Art. 29 Abs. 2 BV verletzt worden sei.
Dieser Einwand erweist sich als unbegründet. Gemäss Praxis des Bundes-
verwaltungsgerichts ist in einen Alltagswissenstest aufgrund entgegenste-
hender öffentlicher Interessen keine vollständige Einsicht zu gewähren.
Vielmehr genügt es, wenn im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Ge-
hörs die angeblich falschen oder unzureichenden Antworten so detailliert
aufgezeigt werden, dass hierzu konkrete Einwände vorgebracht werden
können (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.1). Dies ist vorliegend geschehen, zumal
der Beschwerdeführerin der wesentliche Inhalt der Evaluation des Alltags-
wissens hinreichend detailliert schriftlich offengelegt worden ist (vgl. act.
A20/4). Die schriftliche Zusammenfassung des Ergebnisses genügt damit
dem Anspruch auf rechtliches Gehör.
3.5 Die verfahrensrechtlichen Rügen der Beschwerdeführerin erweisen
sich insgesamt als unbegründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die
Sache aus formellen Gründen aufzuheben und zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Der entsprechende Beschwerdeantrag ist so-
mit abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
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des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
5.
5.1 Das SEM kam im angefochtenen Entscheid zum Schluss, die
Vorbringen der Beschwerdeführerin würden den Anforderungen an die
Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. Insbesondere sei
es ihr nicht gelungen, glaubhaft zu machen, im angegeben Zeitraum als
Tibeterin in der von ihr angegebenen Provinz in der Volksrepublik China
hauptsozialisiert und bis im (...) 2015 dort wohnhaft gewesen zu sein.
Zunächst verwies das SEM in seiner Verfügung im Detail auf die
Ergebnisse der LINGUA-Analyse. Diese habe ergeben, dass die Be-
schwerdeführerin keine hinreichenden landeskundlich-kulturellen Kennt-
nisse zur angegebenen Heimatregion besitze. In Bezug auf das Länder-
wissen sei die Beschwerdeführerin nicht in der Lage gewesen, geografisch
korrekte Angaben zu ihrer Heimatregion zu machen. Weder habe sie wei-
tere Gemeinden, das unmittelbare Nachbardorf, die Frage nach benach-
barten Kreisen noch elementare Fragen zum alltäglichen Leben in Tibet
richtig beantworten können. Sie habe unzutreffende Aussagen zu den in
der Landwirtschaft angebauten Produkten gemacht. Zwar habe sie kor-
rekte Gemüsesorten genannt, welche in einem Gemüsegarten angebaut
würden. Doch habe sie die sehr weitverbreiteten Getreidesorten, welche
auf den Feldern angebaut würden, nicht gekannt. In Bezug auf die Infra-
struktur in ihrem Dorf habe sie staatliche Einrichtungen wie ein kleines
Krankenhaus und ein Polizeibüro genannt, welche aber grundsätzlich nicht
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Seite 11
in Dörfern, sondern höchstens in Gemeindehauptorten vorkämen. Ihre An-
gaben zur Kostenbeteiligung an der Geburt ihrer Tochter in einem Kran-
kenhaus entsprächen nicht den Gegebenheiten in Tibet und das Proze-
dere, wie sie deren Geburt ins Familienbüchlein habe eintragen lassen, sei
ebenfalls nicht korrekt gewesen. Sie sei auch zu den Einkaufsmöglichkei-
ten in ihrem Dorf und zu den gekauften Produkten befragt worden und habe
dazu einige korrekte Angaben gemacht, bestimmte Preisangaben seien
aber erheblich von der Realität abgewichen. Die Angaben zum Schulwe-
sen seien teilweise zutreffend gewesen, jedoch habe sie falsche Angaben
zu den grossen jährlichen Prüfungen gemacht. Auch habe sie weitverbrei-
tete chinesische Begriffe für Alltagsprodukte nicht gekannt. Immer wieder
habe sie auch englische oder indische Lehnwörter, die in der exiltibetischen
Koine üblich seien, für welche aber auch eigene tibetische oder chinesi-
sche Bezeichnungen existierten, verwendet. Ihre Chinesisch-Kenntnisse
seien derart marginal, dass sie selbst einfache Sätze und sogar einzelne
Zahlen nicht verstanden habe, was in keiner Weise den Erwartungen an
eine einheimische Tibeterin entspräche.
Soweit die Beschwerdeführerin ihr mangelndes Wissen in der Stellung-
nahme im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs mit Verständ-
nisschwierigkeiten erklärt habe, sei ihre Erklärung nicht überzeugend: So
habe sie beispielsweise ausgeführt, dass sie im Gespräch über die Land-
wirtschaft eigentlich von einem Garten respektive von einem kleinen Feld
gesprochen habe und nicht von einem Feld im Sinne eines Ackerlands. Sie
sei aber explizit gefragt worden, ob die genannten Gemüsesorten auf ei-
nem "Feld" angebaut würden, was sie bestätigt habe. Auch ihr Einwand,
dass sie immerhin gewusst habe, welche Produkte aus den Getreidesorten
hergestellt würden, sei unbehelflich. Ihre Erklärung, sie habe eine äusserst
kleine Krankenstation und eine einfache Büroräumlichkeit der Polizei ge-
meint, sei ebenfalls nicht plausibel. Vielmehr entstehe der Eindruck, dass
die Beschwerdeführerin damit versuche, ihre höchst unwahrscheinlichen
Angaben, dass es in dem Dorf, aus welchem sie komme, staatliche Insti-
tutionen wie beispielsweise ein Krankenhaus und eine Polizeistation gege-
ben habe, zu entkräften. In Bezug auf die Unstimmigkeiten bezüglich der
Kosten der Geburt ihrer Tochter habe sie nochmals betont, dass (...). Diese
Angaben seien jedoch offensichtlich falsch, habe die sachverständige Per-
son doch festgehalten, dass (...). Sodann habe die Beschwerdeführerin
widersprüchliche Angaben betreffend das Prozedere gemacht, wie die Ge-
burt ihrer Tochter ins Familienbüchlein eingetragen worden sei. So habe
sie im Rahmen der Anhörung angegeben, dass die Geburt ihrer Tochter
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Seite 12
nicht registriert worden sei. Demgegenüber habe sie im Rahmen des Tele-
foninterviews ein konkretes Prozedere beschrieben, wie sie die Persona-
lien ihrer Tochter ins Familienbüchlein habe eintragen lassen. Das von ihr
beschriebene Vorgehen treffe gemäss der Beurteilung des Experten je-
doch nicht zu. Auch im Rahmen der Stellungnahme sei es ihr nicht gelun-
gen, zu erläutern, weshalb sie diese Angaben gemacht habe. Schliesslich
sei auch dem Einwand, dass viele Produkte im Dorf teurer seien als in der
Stadt, nicht zu folgen, da dies gerade der Feststellung der sachverständi-
gen Person widerspreche, nämlich, dass die von ihr angegebenen Preise
eher zu tief seien. Bei der Konfrontation mit den falschen Angaben zum
Schulwesen habe sie immer wieder darauf verwiesen, dass sie nicht von
einer staatlichen, sondern einer privaten Schule gesprochen habe. Zwar
habe sie tatsächlich bereits in der Anhörung angegeben, lediglich eine Pri-
vatschule besucht zu haben. Es wäre aber zu erwarten gewesen, dass sie
diesen Umstand auch gegenüber der sachverständigen Person hätte kom-
munizieren können. Mit ihrem Vorgehen erwecke sie den Eindruck, dass
sie sich zur Vorbereitung auf die Anhörung und das Telefoninterview gezielt
einiges an Wissen zum Schulwesen in Tibet angeeignet habe und daher in
der Lage gewesen sei, bestimmte Angaben zu machen, die mit den Gege-
benheiten an staatlichen Schule übereinstimmten. Alle festgestellten Wis-
senslücken habe sie aber mit dem Verweis auf die Privatschule zu ent-
schuldigen versucht. Damit habe sie nicht zu überzeugen vermocht. Hin-
gewiesen wurde sodann darauf, dass sie in der BzP explizit gesagt habe,
die von ihr besuchte Schule sei in ihrem Dorf gewesen, in der Anhörung
hingegen zu Protokoll gegeben habe, diese habe sich in der Gemeinde
I._ befunden. Diese Widersprüche untermauerten obige Einschät-
zung, dass das Wissen der Beschwerdeführerin angelernt sei. Die Be-
schwerdeführerin spreche überdies kaum Chinesisch, was für eine chine-
sische Staatsangehörige höchst unwahrscheinlich sei. Da sie jedoch in der
Anhörung angegeben habe, dass die chinesischen Behörden immer wie-
der in ihrem Dorf präsent gewesen seien, und insbesondere, dass sie frü-
her noch recht gut Chinesisch gekonnt habe, sei nicht nachvollziehbar,
dass sie anlässlich des Telefoninterviews selbst sehr einfache Ausdrücke
wie Zahlenwörter nicht mehr verstanden habe. Gerade zu den Zahlen habe
sie in der Anhörung ausdrücklich erwähnt, dass sie diese stets nur auf Chi-
nesisch gesagt habe. Diese Widersprüchlichkeit deute darauf hin, dass sie
die Zahlen zur Vorbereitung auf die Anhörung gelernt, während des Telefo-
ninterviews dann aber nicht mehr präsent gehabt habe. Ihr Hinweis, dass
sie gar nie Grund gehabt habe, Chinesisch zu lernen, sei unbehelflich. Zur
Feststellung, dass ihr Tibetisch-Wortschatz mit Lehnwörtern aus dem Indi-
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schen und Englischen durchzogen sei, was auf eine Herkunft aus der exil-
tibetischen Gemeinschaft in Indien hindeute, habe sie keine Stellung ge-
nommen. Insgesamt sei festzustellen, dass die Ausführungen der Be-
schwerdeführerin in der Stellungnahme den Eindruck, der während der
BzP und der Anhörung entstanden sei, nämlich, dass ihre Herkunft aus der
angegebenen Region fraglich sei, nicht zu ändern vermöchten.
Oberflächlich und vage seien auch die Angaben der Beschwerdeführerin
zur Ausreise aus dem Tibet. Weiter seien die Schilderungen der Asylgründe
rudimentär, unsubstanziiert und widersprüchlich ausgefallen. Dies betreffe
insbesondere die von ihr geltend gemachte Vergewaltigung respektive der
Versuch einer solchen, ihre Angaben seien diesbezüglich rudimentär und
auch widersprüchlich. Nicht plausibel sei sodann, dass die Beschwerde-
führerin sich nach diesem Ereignis sofort zur Flucht zum Onkel und im An-
schluss zur Flucht aus dem Heimatstaat entschlossen habe, ohne mit ihrer
Familie in Kontakt zu treten. Zum Vater ihres Kindes habe sie keine sub-
stanziierten Angaben machen können. Obwohl die Beschwerdeführerin un-
bestrittenermassen tibetischer Ethnie sei, würden die mangelhaften Län-
der- beziehungsweise Regionalkenntnisse, die fehlenden Kenntnisse der
chinesischen Sprache, die fehlenden Identitätspapiere sowie die unglaub-
haft vorgetragenen Asylgründe darauf schliessen lassen, dass sie nicht in
der von ihr angegebenen Region sozialisiert worden sei. Mit überwiegen-
der Wahrscheinlichkeit sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführe-
rin vor ihrer Ankunft in der Schweiz nicht in der Volksrepublik China, son-
dern in der exiltibetischen Diaspora gelebt habe. Da sie keine konkreten
und glaubhaften Hinweise auf einen längeren Aufenthalt in einem Drittstaat
geliefert habe, sei zu schliessen, dass keine flüchtlings- oder wegwei-
sungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Auf-
enthaltsort bestehen würden.
5.2 In der Rechtsmitteleingabe und in ihrer Ergänzung hält die Beschwer-
deführerin an der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen fest. Sie macht im We-
sentlichen geltend, die Vorinstanz sei zu Unrecht davon ausgegangen,
dass sie nicht in der Volksrepublik China, sondern im Exil Tibet sozialisiert
worden sei. Die Vorinstanz habe zudem ihre Ausführungen in der Stellung-
nahme falsch gewürdigt. Sie habe korrekte Ausführungen gemacht betref-
fend die in ihrer Heimat angebauten Produkte. Sie verwende die Begriffe
"Feld" und "Garten" als Synonyme. Es sei unhaltbar, wenn man ihr vor-
halte, dass sie diesbezüglich ausweichende Angaben gemacht habe. Die
Kosten der Geburt ihres Kindes habe (...). Die Vorinstanz habe es eben-
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falls unterlassen zu würdigen, dass sie auch korrekte Preisangaben ge-
macht habe. Der Einwand der Vorinstanz, dass sie dem Experten ver-
schwiegen hätte, dass sie eine Privatschule besucht habe, sei gesucht. Sie
habe bereits in der Anhörung erwähnt, dass sie eine Privatschule besucht
habe. Sie habe nicht gewusst, dass der Experte dies nicht gewusst habe.
Ausserdem treffe es nicht zu, dass ihre Schule im Dorf gewesen sei. Sie
habe bereits anlässlich der BzP den Unterschied zwischen ihrem Dorf
B._ und der Gemeinde I._ erklärt. Ausserdem habe sie nicht
gesagt, dass sie "die Primarschule bis zur 3. Klasse besucht habe", sie
habe vielmehr zu Protokoll gegeben, dass sie "drei Jahre zur Schule ge-
gangen sei". Dies zeige, dass ihre Aussagen im Protokoll nicht korrekt fest-
gehalten worden seien. Im Tibet gebe es im Übrigen auch viele Tibeter, die
gar kein Chinesisch sprechen würden. Sie verstehe nicht, inwiefern ihre
Chinesischkenntnisse gegen die von ihr angegebene Herkunft sprächen.
Sie beherrsche die Zahlen in der Grössenordnung 1 bis 10. Sie sei aber
nach höheren Zahlen gefragt worden, die sie mit den Fingern habe abzäh-
len müssen, und aus diesem Grund habe sie für ihre Antworten länger ge-
braucht. Ausserdem sei sie sehr lange Sätze auf Chinesisch gefragt wor-
den. Sie verstehe nur einfache Sätze und Begriffe auf Chinesisch. Zudem
seien seit ihrer Ankunft in der Schweiz bald vier Jahre vergangen; sie habe
zwischenzeitlich Deutsch gelernt und inzwischen auch vieles vom Chinesi-
schen vergessen. Ausserdem habe sie plausibel erklären können, weshalb
sie über ihren Partner, den Vater ihrer Tochter, nicht mehr wisse. Sie sei
sehr jung gewesen. Mittlerweile habe sie wieder Kontakt zu ihm. Sie habe
seine Telefonnummer durch eine Freundin erhalten. Er habe ihr Fotos ge-
schickt. Über ihre Ausreise habe sie nicht mehr sagen können, weil ihr On-
kel diese organisiert habe.
Ferner nimmt die Beschwerdeführerin Stellung zu den vom SEM angespro-
chenen Unglaubhaftigkeitselementen in ihren Asylschilderungen und hält
fest, ihre Aussagen seien glaubhaft, und es sei ihr Asyl zu gewähren. Die
Widersprüche betreffend ihrer Asylvorbringen habe sie während der Anhö-
rung erklärt; im Protokoll der BzP sei ihre Ausreise zudem verallgemeinert
beziehungsweise falsch festgehalten worden. Sie habe das von ihr erlebte
Geschehen glaubhaft und mit viel Emotionen vorgetragen.
Für die weiteren Ausführungen auf Vernehmlassungs- und Replikstufe wird
auf die Akten verwiesen. Soweit entscheidwesentlich wird auf diese in den
Erwägungen Bezug genommen.
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6.
6.1 In materieller Hinsicht ist festzustellen, dass das SEM zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin verneint und das Asylge-
such abgelehnt hat.
Das Bundesverwaltungsgericht kommt mit der Vorinstanz übereinstim-
mend zum Schluss, dass die von der Beschwerdeführerin behauptete Her-
kunft aus dem Kreis C._ nicht glaubhaft erscheint. Zur Vermeidung
von Wiederholungen kann vorab auf die überzeugenden und ausführlichen
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. angefochtene Verfü-
gung S. 3 ff., und zusammenfassende Widergabe E. 5.1), welchen auf Be-
schwerdeebene auch nichts entgegengehalten wird, was zu einem ande-
ren Schluss führen könnte.
6.2 Im BVGE 2014/12 präzisierte das Bundesverwaltungsgericht seine
Praxis dahingehend, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre
Herkunft verschleiern oder verheimlichen, vermutungsweise davon auszu-
gehen sei, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe
gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort beständen. Denn
die Abklärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze an der Mitwir-
kungspflicht der asylsuchenden Person. Verunmögliche eine tibetische
Asylsuchende durch die Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht die Abklärung,
welchen effektiven Status sie in Nepal respektive in Indien innehabe, könne
namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c
AsylG stattfinden. Überdies werde durch die Verheimlichung und Verschlei-
erung der wahren Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft
der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmög-
licht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 f.).
6.3 Vorweg ist festzuhalten, dass die Identität der Beschwerdeführerin
nicht feststeht. Sie hat sowohl im vorinstanzlichen Verfahren, als auch im
Beschwerdeverfahren weder Ausweispapiere noch Beweismittel einge-
reicht, die geeignet wären, etwas zur Klärung ihrer Identität und ihres Her-
kunftslandes beizutragen. Eigenen Angaben zufolge hat sie nie einen Rei-
sepass beziehungsweise eine Identitätskarte besessen (vgl. act. A5/14,
F2.02). Betreffend das Familienbüchlein führte die Beschwerdeführerin
aus, dass dieses bei ihren Eltern sei. Trotzdem reichte sie im Verfahren
kein solches Dokument oder mindestens die Kopie davon ein, obwohl ihre
gesamte Familie sich noch im Heimatort aufhalten soll. Dass sie, wie sie
geltend macht, keinen Kontakt zu ihrer Familie herstellen kann, obschon
ihr Vater sogar über ein Mobiltelefon verfügt (vgl. act. A12/26, F8 ff.), ist
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nicht glaubhaft. Dem von ihr auf Beschwerdeebene eingereichten Beweis-
mittel, ein als «Bestätigung der Geburt» bezeichnetes Dokument, welches
von der Tibetischen Vereinigung Schweiz ausgestellt wurde, kommt zudem
kaum Beweiswert zu, zumal es sich nicht um ein offizielles Dokument han-
delt und es lediglich den Geburtsort "Tibet" bestätigen soll.
6.4 Im Weiteren hat die Vorinstanz sich auch inhaltlich zu Recht auf die
Ergebnisse des Lingua-Gutachtens abgestützt. Sofern bestimmte Anforde-
rungen an die fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität der sach-
verständigen Person wie auch an die inhaltliche Schlüssigkeit und Nach-
vollziehbarkeit der Analyse erfüllt sind, ist einer Lingua-Analyse nach der
Rechtsprechung erhöhter Beweiswert beizumessen (vgl. BVGE 2014/12
E. 4.2.1 mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 14 E. 7 und EMARK 1998 Nr. 34).
6.4.1 Die fachliche Eignung der sachverständigen Person steht vorliegend
ausser Frage. Inhaltlich erscheint der LINGUA-Bericht vom 15. Mai 2018
ausgewogen. In diesem Zusammenhang ist zunächst darauf hinzuweisen,
dass für die Einschätzung der landeskundlichen Kenntnisse sowie des
sprachlichen Ausdrucks der Beschwerdeführerin dem von ihr behaupteten
biografischen Hintergrund ausdrücklich Rechnung getragen wurde. Für die
Aussagekraft des Ergebnisses des Lingua-Berichtes spricht auch die Tat-
sache, dass nicht nur Aspekte abgehandelt wurden, welche gegen eine
Sozialisation in der angeblichen Heimatregion sprechen, sondern auch die-
jenigen, welche dafür sprechen.
6.4.2 Weiter trifft es zwar zu, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der
Befragungen sowie im Lingua-Gespräch einige geografische und landes-
kundliche Gegebenheiten der von ihr angegebenen Herkunftsregion kor-
rekt zu benennen vermochte. Allerdings weisen ihre diesbezüglichen An-
gaben auch auffallende Lücken und Fehler auf. Den Ausführungen im Rah-
men des rechtlichen Gehörs lassen sich keine stichhaltigen Argumente
entnehmen, welche geeignet wären, die klaren Schlussfolgerungen des
Lingua-Gutachters zu entkräften. Die Beschwerde und deren Ergänzungen
erschöpft sich vielmehr in einer Wiederholung des Standpunkts, den die
Beschwerdeführerin schon im Rahmen der Gewährung des rechtlichen
Gehörs zur LINGUA-Analyse eingenommen hat. Die Vorinstanz hat sich
mit diesen in der angefochtenen Verfügung einlässlich auseinanderge-
setzt. Das Gericht teilt die vorinstanzliche Einschätzung.
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6.4.3 Massgeblich ins Gewicht fällt insbesondere, dass die Beschwerde-
führerin ihr Leben in ihrem Heimatort auch auf Nachfrage hin nicht zu be-
schreiben vermochte und kein klares Bild entsteht. Zunächst fällt auf, dass
sie Fragen betreffend ihre Familie ausweicht. Dies betrifft beispielsweise
die Umstände rund um die Geburt ihrer Tochter sowie ihr Wissen über ihren
damaligen Partner. Insbesondere ihre Angaben, wie oft sie mit dem Vater
ihrer Tochter Kontakt hatte beziehungsweise noch hat, sind widersprüch-
lich und vage ausgefallen (vgl. act. A12/26 F18 ff., F26, F.29 ff.; vgl. Be-
schwerdeergänzung, S.4). Sodann hat die Vorinstanz zutreffend verschie-
dene Wiedersprüche festgestellt. Ihr ist in diesem Zusammenhang zu-
nächst beizupflichten, dass die Beschwerdeführerin falsche Angaben dar-
über gemacht hat, wer für die Kosten der Geburt aufgekommen ist und ob,
und unter welchen Umständen die Eintragung der Tochter ins Familien-
büchlein stattgefunden haben soll (vgl. act. A12/26, F477 f.; gegenüber
act. A20/4, S. 2 sowie act. A27/7, S. 6). Die Erklärung auf Beschwerde-
ebene, dass die Beschwerdeführerin noch sehr jung gewesen sei und ihr
Vater sich um diese Angelegenheiten gekümmert habe, überzeugt nicht
(vgl. Beschwerdeergänzung, S. 2). Ferner führte die Vorinstanz in differen-
zierter und überzeugender Weise aus, weshalb sich die von der Beschwer-
deführerin geltend gemachten Lebensumstände nicht mit ihren minimalen
Kenntnissen der chinesischen Sprache vereinbaren lassen, sondern diese
darüber hinausreichen müssten, wenn sie tatsächlich aus der von ihr an-
gegebenen Herkunftsregion stammen würde. Insgesamt weisen die Kennt-
nisse der Beschwerdeführerin über ihrer angeblichen Herkunftsregion mar-
kante Lücken respektive Fehler auf, die bei einer tatsächlich dort erfolgten
Sozialisation nicht zu erwarten wären. Die im Wesentlichen angerufene Be-
gründung, die Beschwerdeführerin habe ihr Haus und ihr Heimatdorf selten
verlassen, greift als Erklärung zu kurz.
6.5 Im Zusammenhang mit der Glaubhaftigkeitsprüfung zu berücksichtigen
sind aber nicht nur die Herkunftsangaben, sondern auch die Schilderungen
der Fluchtursache. Diesbezüglich hat die Vorinstanz zutreffend festgestellt,
dass es den Ausführungen der Beschwerdeführerin an Substanziiertheit,
Schlüssigkeit und an Realkennzeichen fehlt, auch wenn die Beschwerde-
führerin während der Anhörung teilweise emotional reagiert hat. Die Be-
schwerdeführerin vermochte dem auch im vorliegenden Beschwerdever-
fahren nichts Stichhaltiges entgegenzuhalten. Die auf Beschwerdeebene
eingereichten Rechtsschriften erschöpfen sich vielmehr in einer Wiederho-
lung der bereits an der Anhörung getätigten Aussagen. Im Übrigen sind die
Schilderungen der Beschwerdeführerin betreffend die Asylgründe auch wi-
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dersprüchlich. Während die Beschwerdeführerin in der BzP davon berich-
tet, dass sie von einem chinesischen Polizisten vergewaltigt worden sei,
führt sie in der Anhörung aus, dass der Polizist "nur" versucht habe, sie zu
vergewaltigen (vgl. A5/14 Ziff. 7.01, A12/26 F84 ff.).
6.6 Auch die Umstände ihres Ausreisentschlusses, namentlich, dass sie
auf Geheiss ihres Onkels sofort einen Ausreiseentschluss gefällt habe,
ohne zu den Eltern, dem Kind oder dem Kindsvater nochmals Kontakt auf-
zunehmen, konnte die Beschwerdeführerin nicht plausibel darlegen (vgl.
act. A12/26 F153, F169 ff.). Sie will denn auch nach der erfolgten Ausreise
keinen Kontakt zu ihrer Familie hergestellt haben. Die Rechtfertigung, sie
kenne die Telefonnummer ihres Vaters nicht, mit welchem sie jedoch bis
zur Ausreise gemeinsam mit Mutter und Kind gelebt hat, ist als Schutzbe-
hauptung zu werten (vgl. act. A12/26 F181, 186 ff.). Insgesamt erscheint
dieses Vorbringen konstruiert.
6.7 Die Vorinstanz hat sodann zutreffend festgestellt, dass auch die Schil-
derungen der Ausreiseumstände in den wesentlichen Aspekten knapp aus-
gefallen sind und jegliche Anzeichen persönlicher Erfahrung vermissen las-
sen. Dass die Beschwerdeführerin weder die Namen der Transitländer
noch der Fluggesellschaften oder des Ankunftsflughafens wahrgenommen
haben will, scheint realitätsfremd (vgl. act. A5/14 Ziff. 5.02). Auch wenn die
Beschwerdeführerin eigenen Angaben zufolge dem Schlepper gefolgt sein
will, ist es nicht nachvollziehbar, dass sie keinerlei Angaben zu ihrem Rei-
seweg machen kann.
6.8 Vor diesem Hintergrund hat die Vorinstanz aufgrund der Aussagen der
Beschwerdeführerin, welche sich zum einen als in den wesentlichen As-
pekten vage und unsubstanziiert, andererseits als widersprüchlich erwei-
sen, zu Recht den Schluss gezogen, dass die geltend gemachte Herkunft
aus dem Kreis C._ unglaubhaft ist.
6.9 Nach dem Gesagten ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin vor ihrer Ankunft in der Schweiz
nicht in der Volksrepublik China, sondern in der exil-tibetischen Diaspora
gelebt hat. Namhafte exil-tibetische Gemeinschaften gibt es – nebst der
Schweiz und Nordamerika – lediglich in Indien und Nepal. Es ist somit im
Sinne einer Vermutung anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin in den
vergangenen Jahren in Indien oder Nepal gelebt hat. Folglich wäre grund-
sätzlich zu prüfen, ob sie über die chinesische Staatsangehörigkeit verfügt,
was eine Prüfung der Drittstaatenregelung im Sinne von Art. 31a Abs. 1
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AsylG mit sich bringen würde, oder ob sie die indische oder nepalesische
Staatsangehörigkeit erworben hat, was zur Folge hätte, dass das Vorliegen
einer asylrelevanten Gefährdung hinsichtlich eines jener Staaten zu prüfen
wäre. Das Gericht ist indes wie das SEM der Auffassung, dass die Be-
schwerdeführerin ihre Mitwirkungspflicht in nicht entschuldbarer Weise ver-
letzt hat und dadurch den Behörden nähere Abklärungen – die Abklärungs-
pflicht der Asylbehörden findet, wie bereits festgehalten, ihre Grenze bei
der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person – sowie eine Rückschaf-
fung in seinen tatsächlichen Heimatstaat verunmöglicht. Die Beschwerde-
führerin hat die Folgen dieses Verhaltens zu tragen (vgl. BVGE 2014/12
E. 5.10).
6.10 Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass zwar davon aus-
zugehen ist, dass die Beschwerdeführerin tibetischer Ethnie ist. Jedoch
sind ihre Vorbringen hinsichtlich des Ortes ihrer hauptsächlichen Sozialisa-
tion und hinsichtlich ihrer Asylgründe unglaubhaft. Folglich ist es der Be-
schwerdeführerin nicht gelungen, für den Zeitpunkt ihrer Ausreise eine
asylrechtlich relevante Verfolgung, die sie in ihrer Heimat erlitten hat oder
in begründeter Weise zukünftig befürchten müsste, aufzuzeigen oder
glaubhaft zu machen. Die Beschwerdeführerin vermag weder die Flücht-
lingseigenschaft im Zeitpunkt ihrer Ausreise noch subjektive Nachflucht-
gründe (illegale Ausreise aus dem Heimatstaat) nachzuweisen oder zumin-
dest glaubhaft zu machen. Das SEM hat somit zu Recht ihre Flüchtlingsei-
genschaft verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt.
7.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Staatssekretariat in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylge-
such ablehnt oder darauf nicht eintritt. Die Beschwerdeführerin verfügt we-
der über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen
Anspruch auf Erteilung einer solchen. Auch die Wegweisung wurde dem-
nach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je
m.w.H.).
8.
8.1 In Bezug auf den Vollzug der Wegweisung hält die Vorinstanz vorab
fest, die Beschwerdeführerin habe die geltend gemachte Hauptsozialisie-
rung nicht glaubhaft gemacht. Das Gericht folgt der Vorinstanz sowohl in
diesem Punkt als auch hinsichtlich der weiteren diesbezüglichen Erwägun-
gen. Die Herkunft und Staatsangehörigkeit der Beschwerdeführerin gelten
deshalb als unbekannt.
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8.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvoll-
zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, die Untersuchungspflicht fin-
det aber, wie bereits vorstehend ausgeführt, ihre Grenzen an der Mitwir-
kungspflicht der Beschwerdeführerin. Es ist nicht Sache der Behörden, bei
fehlenden Hinweisen nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in
hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Die Beschwerdeführerin hat
die Folgen ihrer fehlenden Mitwirkung insofern zu tragen, als seitens der
Asylbehörden der Schluss gezogen werden muss, es spreche nichts ge-
gen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort, da dieser den Behör-
den unbekannt ist und die Beschwerdeführerin damit keine konkreten,
glaubhaften Hinweise geliefert hat, die gegen eine Rückkehr dorthin spre-
chen würden. Diese Einschätzung gilt auch, weil die Beschwerdeführerin
auch in ihrer eigenen Person keine individuellen Gründe geltend macht, die
generell einem Vollzug der Wegweisung entgegenstehen könnten. Na-
mentlich ergibt sich aus den beiden eingereichten Arztzeugnissen keine
nennenswerte Erkrankung der Beschwerdeführerin.
8.3 In Übereinstimmung mit der Dispositivziffer 5 der angefochtenen Ver-
fügung ist im Übrigen darauf hinzuweisen, dass für alle Exil-Tibeterinnen
und -Tibeter ein Vollzug der Wegweisung nach China im Sinne von Art. 45
Abs. 1 Bst. d AsylG ausgeschlossen wird, da ihnen dort gegebenenfalls
Verfolgung im flüchtlingsrechtlichen Sinn beziehungsweise eine men-
schenunwürdige Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht (vgl. BVGE
2014/12 E. 5.11).
8.4 Es obliegt der Beschwerdeführerin, sich die für eine Rückkehr allenfalls
benötigten Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme aus-
ser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-
deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG
aber mit Zwischenverfügung vom 28. August 2019 gutgeheissen worden
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ist – und sie aufgrund der Aktenlage nach wie vor als prozessual bedürftig
zu betrachten ist – sind im vorliegenden Verfahren keine Kosten zu
erheben (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
10.2 Das Gesuch um Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung ist gut-
zuheissen. Der Beschwerdeführerin ist die bevollmächtigte Rechtsvertre-
terin MLaw Sophia Delgado als amtliche Rechtsbeiständin beizuordnen.
Ihr ist für ihre Aufwendungen im Beschwerdeverfahren ein Honorar zu Las-
ten der Gerichtskasse auszurichten.
11. Bei amtlicher Vertretung geht das Gericht in der Regel von einem Stun-
denansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nichtanwaltliche Vertreterinnen
und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE), wobei nur der
notwendige Aufwand zu entschädigen ist (vgl. Art. 8 Abs. 2 VGKE). Am
17. Oktober 2019 reichte die Rechtsvertreterin eine Honorarnote ein, worin
sie einen zeitlichen Aufwand von 235 Minuten geltend machte. Dieser
scheint angemessen. Die Auslagen in der Höhe von Fr. 35.– sind ausge-
wiesen, der Stundenansatz von Fr. 250.– ist entsprechend auf Fr. 150.–
festzusetzen (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE) womit sich ein Hono-
rar von insgesamt Fr. 622.50 ergibt.
(Dispositiv nächste Seite)
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