Decision ID: 40ee44a1-6216-40a8-b9a1-cf8d39a2ee71
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
I. Sachverhalt:
1. A._, Jahrgang 1969, arbeitet seit Juli 2009 als Betriebsmitarbeiter bei
der B._ AG in C._. Am 19. Dezember 2018 wurde er zu 100 %
krankgeschrieben. Seine behandelnden Ärzte PD Dr. med. D._,
Chefarzt Neurochirurgie Kantonsspital E._, sowie Hausarzt Dr. med.
F._, FMH Allgemeinmedizin, diagnostizierten eine chronische
Zervikalgie rechtsbetont sowie chronische Schmerzen im thorakalen und
lumbalen Bereich mit Ausstrahlung ins rechte Bein. Im Rahmen der
ambulanten Rehabilitation vom 7. Mai 2019 bis zum 3. Juni 2019 in den
Kliniken G._ wurden insbesondere ein chronisches zervikocephales
Syndrom bei u.a. Osteochondrosen HWK4-7 sowie ein chronisches
lumbospondylogenes Syndrom bei namentlich Diskopathien LWK2-SWK1
mit teils hyperthrophen Spondylarthrosen festgestellt. Dieselben
Diagnosen bestätigten auch Dr. med. H._ und Dr. med. I._ in
ihrer Schmerzsprechstunde, wobei sie insbesondere die medikamentöse
Analgesie neu einstellten.
2. Mitte Juli 2019 meldete sich A._ zum Bezug von Leistungen bei der
IV-Stelle an. Daraufhin tätigte diese erwerbliche und medizinische
Abklärungen. Zudem wurde ein therapeutischer Arbeitsversuch bei der
bisherigen Arbeitgeberin durchgeführt, nachdem dies ärztlicherseits im
Umfang eines 20 %-Pensums befürwortet worden war. Dabei zeigte sich
bereits nach kurzer Zeit, dass eine Rückkehr an den Arbeitsplatz nicht
möglich war. Mit Bericht vom 8. Januar 2020 empfahlen Dr. med. H._
und Dr. med. I._ bei unveränderten Diagnosen aufgrund der im
Rahmen des Arbeitsversuchs aufgetretenen Ohnmachtsanfälle sowie der
nicht ganz nachvollziehbaren, beklagten Schmerzexazerbation zusätzlich
eine psychosomatisch-psychotherapeutische Begleitung.
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3. In dem zu Handen der Krankentaggeldversicherung erstellten
rheumatologisch-psychiatrischen Gutachten des Zentrums für
Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene (AEH) vom 28. Mai 2020 mit
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) (nachfolgend AEH-
Gutachten) stellten die Expertin und Experten ein zervikospondylogenes
Syndrom rechts sowie ein lumbospondylogenes Syndrom rechts mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest. Die angestammte, schwere
Tätigkeit erachteten sie als nicht mehr zumutbar. Indes wiesen sie für
adaptierte Tätigkeiten (d.h. leichte bis mittelschwere, wechselbelastende
Tätigkeiten ohne Zwangshaltungen des Rückens) eine ganztätige
Arbeitsfähigkeit aus.
4. Nach durchgeführtem Vorbescheid- bzw. Einwandverfahren verneinte die
IV-Stelle mit Verfügungen vom 8. Oktober 2020 sowohl einen Anspruch auf
eine Invalidenrente wie auch auf Eingliederungsmassnahmen. Dabei
stützte sie sich auf die gutachterlich ausgewiesene Arbeitsfähigkeit von
100 % in adaptierter Tätigkeit ab und errechnete einen Invaliditätsgrad von
0 %. Dieser verleihe weder einen Anspruch auf eine Invalidenrente noch
auf Umschulung. Zudem hätten die Abklärungen ergeben, dass bei der
Ausübung einer geeigneten Tätigkeit und der Suche nach einem neuen
Arbeitsplatz keine wesentlichen gesundheitlichen Einschränkungen
bestünden, weshalb keine Arbeitsvermittlung gewährt werden könne.
5. Mit dagegen am 13. November 2020 beim Verwaltungsgericht Graubünden
erhobener Beschwerde liess A._ (nachfolgend Beschwerdeführer)
neben der Aufhebung der angefochtenen Verfügungen beantragen, ihm sei
"ein Job-Coach zwecks Durchführung der beruflichen Massnahmen
beizugeben und erst nach ernsthaften entsprechenden Bemühungen" sei
über die Invalidenrente zu entscheiden. Zur Begründung brachte er im
Wesentlichen vor, der ihm zur Verfügung gestellte Job-Coach habe sich
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nicht besonders grosse Mühe gemacht. Er erwarte, dass aufgrund seiner
Motivation seine Fähigkeiten so abgerufen würden, dass er tatsächlich in
einem anderen Beruf Fuss fassen könne. Alleine schaffe er dies unmöglich.
Er sei der deutschen Sprache praktisch nicht mächtig und habe
Existenzängste. Erst nach gehörigem Eingliederungsversuch könne über
die Rentenfrage entschieden werden.
6. Mit Vernehmlassung vom 9. Dezember 2020 schloss die IV-Stelle
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) auf Abweisung der Beschwerde und
verwies zur Begründung primär auf die Verfügungen vom 8. Oktober 2020,
wobei sie diese punktuell vertiefte.
7. Der Beschwerdeführer reichte trotz der ihm eingeräumten Frist für eine
freigestellte Stellungnahme keine Replik ein.
Auf die Begründung in den angefochtenen Verfügungen sowie auf die
weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften wird, soweit
entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Vorliegend stellen die angefochtenen Verfügungen der IV-
Stelle des Kantons Graubünden vom 8. Oktober 2020 (Akten des
Beschwerdeführers [Bf-act.] 2 und 3, Akten der IV-Stelle [IV-act.] 64 und
65) ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die sachliche
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 57 des
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Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über
die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als Adressat der
strittigen Verfügung ist der Beschwerdeführer berührt und weist ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung auf (Art. 1
Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht
(Art. 60 und Art. 61 ATSG) eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Streitgegenstand bilden angesichts der Anmeldung am 18. Juli 2019
(Eingangsdatum) gestützt auf Art. 29 Abs. 1 IVG die Frage, ob der
Beschwerdeführer ab dem 1. Januar 2020 (d.h. sechs Monate nach
Geltendmachung des Leistungsanspruchs) einen Anspruch auf eine
Invalidenrente und auf berufliche Massnahmen hat.
3. In den angefochtenen Verfügungen vom 8. Oktober 2020 (Bf-act. 2 und 3,
IV-act. 64 und 65) ging die Beschwerdegegnerin davon aus, dass dem
Beschwerdeführer eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit aus
medizinischer Sicht zu 100 % zumutbar sei. Sie hielt fest, dass die aktuell
ausgeübte Tätigkeit als Betriebsarbeiter als schwer gelte, und somit nicht
mehr vollumfänglich zumutbar sei. Für die Bemessung des
Invaliditätsgrades stellte die Beschwerdegegnerin mangels Aufnahme
einer zumutbaren Tätigkeit bzw. Ausnützung der Restarbeitsfähigkeit auf
die LSE Tabellen 2018 ab (Kompetenzniveau 1, männlich, aufindexiert),
ging dabei von einem Valideneinkommen von CHF 64'710.-- und einem
Invalideneinkommen von CHF 68'069.-- aus und errechnete so einen
Invaliditätsgrad von 0 %. Damit bestehe weder ein Anspruch auf eine
Invalidenrente noch auf Umschulung. Die Voraussetzung für eine
Umschulung, nämlich ein dauernder, invaliditätsbedingter Minderverdienst
bei zumutbarer Tätigkeit von mindestens 20 % sei nicht erfüllt. Zudem
hätten die Abklärungen ergeben, dass bei der Ausübung einer geeigneten
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Tätigkeit und der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz keine wesentlichen
gesundheitlichen Einschränkungen bestünden, weshalb auch kein
Anspruch auf Arbeitsvermittlung bestehe. Für die Suche nach einer
geeigneten Arbeitsstelle verwies sie den Beschwerdeführer auf das RAV.
3.1. In seiner Beschwerde vom 13. November 2020 macht der
Beschwerdeführer geltend, er habe sich stets bemüht, trotz der Schmerzen
zu arbeiten. Die Arbeit als Lagerist sei von den Medizinern als unzumutbar
bezeichnet worden, in einer leidensangepassten Tätigkeit sei ihm eine
100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert worden. Die Vorinstanz habe ihm für ein
paar Sitzungen einen Job-Coach zur Seite gestellt, dieser habe sich
allerdings nicht besonders Mühe gegeben, wohl weil er gesehen habe,
dass der Beschwerdeführer seine aktuelle Stelle nicht einfach aufgeben
wolle. Eine andere Jobgarantie gebe die Beschwerdegegnerin ja auch nicht
ab. Hinzu komme, dass er der deutschen Sprache praktisch nicht mächtig
sei und Existenzängste habe. Er erwarte von der Beschwerdegegnerin,
dass sie sich ernsthaft des Falles annehme und sie angesichts seiner
Motivation seine Fähigkeiten so abrufe, dass er tatsächlich in einem
anderen Job Fuss fassen könne. Alleine schaffe er dies unmöglich. Erst
nach gehörigem Eingliederungsversuch könne über die Rentenfrage
entschieden werden.
3.2. In ihrer Vernehmlassung vom 9. Dezember 2020 hält die
Beschwerdegegnerin an ihren Verfügungen fest. Ergänzend führt sie aus,
das Valideneinkommen des Jahres 2020 von CHF 64'710.-- sowie die
100%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptieren Tätigkeit im relevanten
Zeitraum seien nicht bestritten. Die Verwertbarkeit dieser Arbeitsfähigkeit
auf dem Arbeitsmarkt sei zu bejahen, zu denken sei dabei an Kurierfahrten,
leichte Maschinenbedienung, Kontrollfunktionen, leichte Sortier-, Prüf- und
Verpackungsarbeiten sowie leichtere Arbeiten im Bereich der (zum Teil
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maschinell, mit Hubstapler usw. unterstützten) Lager- und
Ersatzteilbewirtschaftung. Weiter sei auch auf die
Schadenminderungspflicht des Beschwerdeführers hinzuweisen, der aus
eigenem Antrieb das ihm Zumutbare zur Verbesserung der
Erwerbstätigkeit bzw. der spezifischen Arbeitsfähigkeit vorzukehren habe.
Da es auf dem massgebenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt für den
Beschwerdeführer genug behinderungsgeeignete Einsatzmöglichkeiten
gebe, könne zur Ermittlung des erzielbaren Verdienstes auf die LSE
abgestellt werden. Gegen das ermittelte Invalideneinkommen von
CHF 68'069.45 werde in der Beschwerde nichts Stichhaltiges vorgebracht.
Das Valideneinkommen von CHF 64'710.00 sei unbestritten, sodass für
den relevanten Zeitraum ab Januar 2020 keine Erwerbseinbusse resultiere
und ein Rentenanspruch verneint werden müsse.
Arbeitsvermittlung könne dem Beschwerdeführer nicht gewährt werden,
zumal er bei der Arbeitssuche trotz seiner gesundheitlichen Beschwerden
nicht erheblich behindert sei. Gegen diese Auffassung bringe er nichts
Stichhaltiges vor, insbesondere zeige er nicht auf, inwiefern das Gegenteil
der Fall sein solle. Für die Gewährung anderer beruflicher
Eingliederungsmassnahmen müsse in jedem Fall eine Invalidität im Sinne
des IVG vorliegen. Das medizinische Element, nämlich ein
Gesundheitsschaden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit in der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit, liege zwar vor, nicht jedoch das
wirtschaftliche Element, nämliche eine dauerhafte oder länger dauernde
Erwerbsunfähigkeit. Eine solche fehle, weil der Beschwerdeführer keine
gesundheitsbedingte Erwerbseinbusse erleide, weshalb er auch keinen
Anspruch auf andere berufliche Massnahmen habe.
4. Gemäss Art. 6, Art. 8 und Art. 28 IVG hat, wer im Sinne des Gesetzes
invalid ist, Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung, u.a. auf
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Eingliederungsmassnahmen und Invalidenrenten. Nach Art. 8 Abs. 1
ATSG gilt als Invalidität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität kann
Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
IVG); sie gilt als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des
Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht
hat (Art. 4 Abs. 2 IVG).
4.1. Eingliederungsmassnahmen gemäss Art. 8 IVG werden gewährt, soweit
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wiederherzustellen, zu
erhalten oder zu verbessern (Abs. 1 lit. a), und die Voraussetzungen für
den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (Abs. 1 lit. b). Die
Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Art. 8 Abs. 3 IVG in
medizinischen Massnahmen (lit. a), Integrationsmassnahmen zur
Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (lit. abis), Massnahmen
beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung,
Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe) (lit. b) oder der Abgabe von
Hilfsmitteln (lit. d).
Gemäss Art. 17 Abs. 1 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf
Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge
Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich
erhalten oder verbessert werden kann. Als Umschulung gelten
Ausbildungsmassnahmen, welche die versicherte Person nach Abschluss
einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer
Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigt
(Art. 6 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV;
SR 831.201]). Der Umschulungsanspruch setzt eine Invalidität oder die
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unmittelbare Bedrohung durch eine solche voraus (Art. 8 Abs. 1 IVG);
verlangt wird mithin, dass die versicherte Person wegen der Art und
Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten und in den für
sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren
Erwerbstätigkeiten eine bleibende
oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20 % erleidet,
wobei es sich dabei um einen blossen Richtwert handelt (BGE 130 V 488
E.4.2, BGE 124 V 108 E.2a und b).
Ferner haben gemäss Art. 18 IVG arbeitsunfähige Versicherte, die
eingliederungsfähig sind, u.a. Anspruch auf aktive Unterstützung bei der
Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes (lit. a) und begleitende Beratung im
Hinblick auf die Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (lit. b) (vgl. auch
Art. 18a IVG). Die IV-Stelle veranlasst die Arbeitsvermittlung unverzüglich,
sobald eine summarische Prüfung ergibt, dass die Voraussetzungen dafür
erfüllt sind (Art. 18 Abs. 2 IVG). Dabei müssen folgende Bedingungen
kumulativ erfüllt sein (Urteil des Bundesgerichts 9C_594/2016 vom
18. November 2016): In Bezug auf die bisherige berufliche Tätigkeit muss
eine Arbeitsunfähigkeit vorliegen, die quantitativ, qualitativ und zeitlich so
beschaffen sein muss, dass sie die versicherte Person bei der Arbeitssuche
erheblich behindert. Vorausgesetzt ist zudem die Eingliederungsfähigkeit
der versicherten Person, d.h. ihre objektive Möglichkeit und subjektive
Bereitschaft, von einem Arbeitgeber angestellt zu werden. Die in Betracht
kommenden Tätigkeiten müssen der Behinderung angepasst sein und den
Fähigkeiten der versicherten Person entsprechen (vgl. zum Ganzen:
Kreisschreiben über die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art
[nachfolgend KSBE], Stand 1. Januar 2020, Rz. 5005 1/18).
4.2. Ein rentenbegründender Invaliditätsgrad liegt gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
vor, wenn eine versicherte Person ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch
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zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern kann (lit. a), während mindestens eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % im bisherigen
Beruf oder Aufgabenbereich eingeschränkt gewesen ist (lit. b) und nach
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid ist (lit. c). Sind diese
Voraussetzungen erfüllt, so steht der versicherten Person bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % eine Viertelsrente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50 % eine halbe Rente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 60 % eine Dreiviertelsrente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 70 % eine ganze Rente zu (Art. 28 Abs. 2
IVG).
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird (bei erwerbstätigen
Versicherten) das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen) (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).
4.3. Im Sozialversicherungsrecht gilt generell das Untersuchungsprinzip.
Demnach hat die Behörde und im Beschwerdefall das Gericht den
rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei
an die Anträge der Parteien gebunden zu sein (Art. 43 Abs. 1 ATSG und
Art. 61 lit. c ATSG; Urteil des Bundesgerichts 8C_398/2018 vom
5. Dezember 2018 E.3.1; BGE 144 V 427 E.3.2). Die Untersuchungspflicht
gilt sowohl im Verwaltungsverfahren wie auch grundsätzlich im kantonalen
Gerichtsverfahren. Um beurteilen zu können, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten einem Versicherten noch eine
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Erwerbstätigkeit zugemutet werden kann, sind die Verwaltung und das im
Beschwerdefall angerufene Gericht auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls andere Fachleute zur Verfügung stellen
(BGE 132 V 93 E.4). Dabei können sich die IV-Stellen und im Streitfall die
Sozialversicherungsgerichte auf die Regionalen Ärztlichen Dienste (RAD;
Art. 59 Abs. 2bis Satz 1 IVG), auf die Berichte der behandelnden Ärztinnen
und Ärzte oder auf externe medizinische Sachverständige abstützen
(Art. 59 Abs. 3 IVG). Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen
Beweismittel zu würdigen sind, vielmehr gilt für das gesamte Verwaltungs-
und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung (BGE 143 V 124 E.2.2.2, BGE 125 V 351 E.3). Danach
haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise
frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies,
dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische
These abstellt (vgl. zum Ganzen BGE 143 V 124 E.2.2.2, BGE 125 V 351
E.3a).
4.4. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt,
in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin/des
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Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E.5.1, BGE 125 V 351 E.3a).
Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die
Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder
in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 143
V 124 E.2.2.2, BGE 125 V 351 E.3a). Dennoch hat es die Rechtsprechung
mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in
Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten
Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E.3b).
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von
externen Spezialärztinnen und -ärzten, die aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen
Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit
der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E.1.3.4, BGE 125 V 351 E.3b/bb).
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten bzw.
behandelnden (Fach-)Ärztinnen und Ärzten darf und soll das Gericht auch
der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass behandelnde Ärztinnen
und Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten
aussagen (vgl. BGE 135 V 465 E.4.5, BGE 125 V 351 E.3a/cc). Sodann
kommt auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen
und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (vgl. BGE 145 V 97 E.8.5,
BGE 135 V 465 E.4.4, BGE 125 V 351 E.3b/ee; Urteile des Bundesgerichts
8C_661/2019 vom 23. Januar 2020 E.4.1, 8C_801/2017 vom 24. April
2018 E.4 und 8C_245/2011 vom 25. August 2011 E.5.3).
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5. Vorerst ist der geltend gemachte Anspruch auf eine Invalidenrente zu
prüfen. Diesbezüglich fällt auf, dass der Beschwerdeführer zwar die
Rentenverfügung der Beschwerdegegnerin vom 8. Oktober 2020 (Bf-
act. 3, IV-act. 64) anficht und deren Aufhebung verlangt, in der Beschwerde
aber nichts gegen die darin angenommene Arbeitsfähigkeit von 100 % in
einer Verweistätigkeit (d.h. körperlich leichte bis mittelschwere,
wechselbelastende Tätigkeiten) vorbringt.
5.1. Für das Gericht ist denn auch nicht ersichtlich, dass konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit des eingeholten rheumatologisch-
psychiatrischen Gutachtens des AEH-Zentrums vom 28. Mai 2020 (IV-
act. 46) sprechen würden und dass von der Einschätzung einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit für den hier massgebenden
Zeitraum ab Januar 2020 abzuweichen wäre. Insbesondere erfüllt das
AEH-Gutachten die von der höchstrichterlichen Rechtsprechung an den
Beweiswert eines medizinischen Berichts gestellten Anforderungen (vgl.
Erwägung 4.4). Die Gutachterin und Gutachter haben sich in ihren
Beurteilungen in Kenntnis der medizinischen Vorakten (vgl. IV-act. 46/6 f.)
sorgfältig mit den gesundheitlichen Einschränkungen des
Beschwerdeführers, den geklagten Beschwerden sowie mit seiner Vor-
bzw. Krankheitsgeschichte auseinandergesetzt und ihre
Schlussfolgerungen gestützt auf die eigenen Explorationen, die
durchgeführte EFL sowie die bildgebenden Untersuchungen getroffen (vgl.
IV-act. 46/1 ff., 46/7 ff., 46/11 ff. und 46/25 ff.). Die Ausführungen in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sind einleuchtend und die
gezogenen Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand sowie zur
versicherungsrechtlich relevanten Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
nachvollziehbar begründet (vgl. IV-act. 46/1 ff., 46/11 ff. und 46/28 ff.).
Ferner ist das AEH-Gutachten für die streitigen Belange umfassend. Darin
stellten die Gutachterin und Gutachter namentlich folgende Diagnosen mit
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Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: Zervikospondylogenes Syndrom rechts
bei Wirbelsäulenfehlform und -fehlhaltung, aktivierter Osteochondrose
C6/7 und hochgradiger foraminaler Stenose C7 rechts auf gleicher Höhe
(links weniger ausgeprägt) sowie ein lumbospondylogenes Syndrom rechts
bei aktivierter Osteochondrose L3/4 und muskulärer Dysbalance und
Insuffizienz. Dazu wurde aus rheumatologischer Sicht in schlüssiger und
nachvollziehbarer Weise namentlich ausgeführt, dass der
Beschwerdeführer bei der aktuellen klinischen Abklärung, wie bereits in
den Akten erwähnt, Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den Hinterkopf
beidseits und in den rechten Arm sowie lumbale Schmerzen mit
Ausstrahlung in das rechte Bein angegeben habe. Zudem habe er beklagt,
dass seit zwei Jahren beim Aufstehen Fusssohlenschmerzen beidseits
vorhanden seien, was allerdings nirgends wirklich in den Akten erwähnt
werde. Die klinische Untersuchung habe aktuell einen Beschwerdeführer
in gutem Allgemeinzustand, adipösem Ernährungszustand, mit einer
Wirbelsäulenfehlform und -haltung, einer Bewegungseinschränkung in der
LWS, deutlich vermehrt für Flexion und Extension der HWS, weniger für die
Lateralflexion und Rotation der HWS, bei frei beweglichen Gelenken auch
der Hüfte rechts ergeben. Neurologische Ausfälle im Sinne eines
zervikozephalen Reiz- oder Ausfallsyndroms ebenfalls im Rahmen eines
lumbalen Reiz- und Ausfallsyndroms hätten sich keine gezeigt. Auch hätten
sich keine Hinweise, zumindest klinisch, für eine irgendwie einschränkende
Hüftarthrose rechts gefunden. Gemäss Anamnese und der aktuellen EFL-
Befunde weise der Beschwerdeführer auch eine muskuläre Insuffizienz
und Dysbalance auf. Schmerzbedingt ("wegen einer diesbezüglichen
Selbsthemmung") werde er in der ambulanten Rehabilitation und auch im
anschliessend durchgeführten MTT-Training kaum relevante wesentliche
Fortschritte gemacht haben. Bei der EFL habe der Beschwerdeführer eine
fragliche Leistungsbereitschaft gezeigt und die Konsistenz sei schlecht
gewesen. Er habe sich vor allem bei den Hebetests selbst limitiert und habe
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zum Teil ein groteskes Verhalten gezeigt, so z.B. bei der Fähigkeit, im
Kniestand mit einer schweren Kiste, den Rücken gut stabilisierend, sich
vollkommen auf die Seite zu drehen, was eine sehr hohe Kraftanwendung
brauche. Diese Beobachtung sei als klar inkonsistent zu werten. Der
Beschwerdeführer habe teilweise auch Bewegungsausführungen gezeigt,
die sogar als selbstgefährdend zu taxieren gewesen seien. Bei der
ärztlichen Untersuchung habe er kein solches auffälliges Verhalten gezeigt.
Darauf angesprochen habe er allem Anschein nach ausweichende
Erklärungen kundgetan. Insgesamt habe der Beschwerdeführer keine
Leistung bis an seine funktionellen Limiten gezeigt (vgl. IV-act. 46/ 1 f.).
5.2. Angesichts dieser Ausführungen, der eingehenden klinischen und
bildgebenden Untersuchungen bzw. den Befunderhebungen und der
erhobenen Anamnese leuchtet es ein, wenn die Gutachterin und Gutachter
zur Arbeitsfähigkeit ausführten, es sei aufgrund der mehrsegmentalen
zervikalen und lumbalen Veränderungen medizinisch plausibel, dass der
Beschwerdeführer keine schwere Rückenbelastbarkeit mehr aufweise,
auch wenn er sich anlässlich der EFL nicht bis an seine funktionellen
Grenzen habe belasten lassen und nur eine knapp mittelschwere
Belastbarkeit demonstriert habe. Die angestammte, als schwer
einzustufende Tätigkeit sei daher nicht mehr zumutbar, wobei aus
psychiatrischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit bestehe. Aufgrund der
aktuellen klinischen Befunde und der radiologischen, mittelmässig
schweren Befunde sei dem Beschwerdeführer aber eine zumindest knapp
mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit mit seltener bis manchmal
stattfindender Einnahme von statischen, rückenbelastenden Positionen
ganztags zumutbar (vgl. IV-act. 46/3 f.).
5.3. Vor diesem Hintergrund sind somit keine Gründe ersichtlich, welche
geeignet wären, den Beweiswert des AEH-Gutachtens zu schmälern. Da
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auch der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde nichts Stichhaltiges
dagegen vorbringt, ist nicht zu beanstanden, wenn die
Beschwerdegegnerin auf die im Gutachten attestierte 100%ige
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit abstellte. Dass sie dabei
annahm, diese habe ab dem Zeitpunkt der Austherapierung des
Beschwerdeführers (vgl. Verlaufsprotokoll, Eintrag vom 17. Dezember
2019 [IV-act. 50/3]) und somit zu dem hier massgebenden Zeitraum ab
dem 1. Januar 2020 bereits bestanden, wird vom Beschwerdeführer nicht
in Abrede gestellt (vgl. dazu Case Report, IV-act. 66/12). Zudem ist die
100% Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt auch verwertbar. Denn das gutachterliche Anforderungsprofil,
wonach körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende
Tätigkeiten ohne Zwangshaltungen des Rückens in einem 100%-Pensum
zumutbar seien, ist nicht derart eingeschränkt, dass der ausgeglichene
Arbeitsmarkt eine solche Stelle praktisch nicht kennt (siehe Urteile des
Bundesgerichts 8C_143/2019 vom 21. August 2019 E.5.2, 9C_183/2017
vom 30. Oktober 2017 E.4.2 und 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E.2.2.1).
Vielmehr umfasst das hier anwendbare Kompetenzniveau 1 (einfache
Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art) auch für den
Beschwerdeführer geeignete Tätigkeiten, die insbesondere im
Wechselrhythmus ohne Zwangshaltungen des Rückens ausgeführt werden
können. Zudem kann auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit einem
sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers
(Nischenarbeitsplätze) gerechnet werden (Urteil des Bundesgerichts
9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E.2.2.1). Dass der Betreuungsaufwand für
den Arbeitgeber derart gross wäre, dass das benötigte Entgegenkommen
realistischerweise von einem durchschnittlichen Arbeitgeber auf dem
ersten Arbeitsmarkt nicht erwartet werden könnte (vgl. ähnliches Urteil des
Bundesgerichts 9C_321/2018 vom 16. Oktober 2018 E.5), ist nicht
ersichtlich. Insofern stehen dem Beschwerdeführer auf dem
- 17 -
ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend Einsatzmöglichkeiten in einer
leidensadaptierten Tätigkeit offen.
5.4. Bei einem unbestrittenen gebliebenen, hochgerechneten
Valideneinkommen von CHF 64'710.-- (IV-act. 47 und 49) und einem
gestützt auf die LSE-Tabellen bemessenen Invalideneinkommen von
CHF 68'446.05 (vgl. LSE 2018 TA 1 [veröffentlicht am 21. April 2020, d.h.
vor dem Verfügungszeitpunkt, vgl. BGE 143 V 295 und Urteil des
Bundesgerichts 9C_15/2018 vom 2. Juli 2018 E.4.3], Kompetenzniveau 1,
Totalwert, männlich, Arbeitsfähigkeit 100 %, umgerechnet auf die
wöchentliche durchschnittliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden, aufindexiert
[CHF 5'417.-- x 12 : 40 x 41.7 x 1.005 x 1.005]) resultiert ein negativer
Invaliditätsgrad. Damit besteht in Übereinstimmung mit der
Beschwerdegegnerin ab dem 1. Januar 2020 kein Anspruch auf eine
Invalidenrente.
6. Zu prüfen ist sodann, ob der Beschwerdeführer einen Anspruch auf
berufliche Massnahmen hat.
6.1. Gemäss Art. 18 Abs. 1 IVG haben arbeitsunfähige Versicherte, die
eingliederungsfähig sind, Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche
eines geeigneten Arbeitsplatzes (lit. a), sowie begleitende Beratung im
Hinblick auf die Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (lit. b).
Arbeitsvermittlung ist nur solange zu erbringen, als der dafür notwendige
Aufwand nicht unverhältnismässig ist (Urteil des Bundesgerichts
9C_16/2008 vom 2. September 2008 E.3.1); sie wird in der Regel für die
Dauer von sechs Monaten erbracht und kann um eine angemessene Dauer
verlängert werden, wenn die versicherte Person aufgrund der Umstände im
Einzelfall besondere Schwierigkeiten hat, eine Stelle zu finden (KSBE, Rz.
5009). Was die Anspruchsvoraussetzungen für die Arbeitsvermittlung
- 18 -
betrifft, wird der Eintritt einer (teilweisen) Arbeitsunfähigkeit verlangt, die
quantitativ, qualitativ und zeitlich so beschaffen sein muss, dass sie den
Versicherten bei der Arbeitssuche erheblich behindert (Urteil des
Bundesgerichts 9C_594/2016 vom 18. November 2016 E.3.2;
MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 18 Rz. 4). Ebenfalls vorausgesetzt wird
sodann die Eingliederungsfähigkeit, d.h. die objektive Möglichkeit und
subjektive Bereitschaft, von einem durchschnittlichen Arbeitgeber
angestellt zu werden (MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 18 Rz. 5). Die
Notwendigkeit und Geeignetheit als Teilgehalte der Verhältnismässigkeit
(Art. 8 Abs. 1 lit. a IVG) verlangen überdies, dass die fehlende berufliche
Eingliederung im Sinne der Verwertung einer bestehenden Arbeitsfähigkeit
auf gesundheitlich bedingte Schwierigkeiten zurückzuführen sein muss,
ansonsten die Arbeitsvermittlung allenfalls in den Anwendungsbereich der
Arbeitslosenversicherung, nicht aber in die Zuständigkeit der
Invalidenversicherung fällt (MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 18 Rz. 6; vgl.
ferner Urteil des Verwaltungsgerichts S 19 2 vom 12. Juni 2019 E.7.2).
6.2. Ferner hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue
Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und
dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert
werden kann (Art. 17 Abs. 1 IVG). Unter Umschulung ist dabei
grundsätzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender
Art zu verstehen, die notwendig und geeignet sind, der vor Eintritt der
Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen versicherten Person eine ihrer
früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmöglichkeit zu vermitteln (BGE
139 V 399 E.5.4, BGE 130 V 488 E.4.2). Dabei bezieht sich der Begriff der
"annähernden Gleichwertigkeit" nicht in erster Linie auf das
Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter
Eingliederung zu erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel besteht
- 19 -
nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck
angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den
gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Denn das Gesetz will
die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall
notwendig, aber auch genügend ist. Der Umschulungsanspruch setzt
grundsätzlich eine Mindesterwerbseinbusse von rund 20 % in den für die
versicherte Person ohne zusätzliche Ausbildung offenstehenden, noch
zumutbaren Erwerbstätigkeiten voraus (BGE 130 V 488 E.4.2, BGE 124 V
108 E.3). Hievon kann namentlich bei jungen Versicherten mit
entsprechend langer verbleibender Aktivitätsdauer abgewichen werden,
wenn es sich bei den ohne Umschulung zumutbaren angepassten
Tätigkeiten um unqualifizierte Hilfsarbeiten handelt, die im Vergleich zur
erlernten Tätigkeit qualitativ nicht als annähernd gleichwertig bezeichnet
werden können (BGE 124 V 108 E.3c; Urteile des Bundesgerichts
9C_320/2020 vom 6. August 2020 E.2.2, 9C_393/2020 vom 14. Juli 2020
E.2.2 und 8C_808/2017 vom 11. Januar 2018 E.3).
6.3.1. Die Beschwerdegegnerin begründete ihren ablehnenden Entscheid damit,
dass keine gesundheitsbedingte Einschränkung für weitere
Eingliederungsmassnahmen bestehe. Mangels eines dauernden,
invaliditätsbedingten Minderverdienstes bei zumutbarer Tätigkeit von
mindestens 20 % bestehe kein Anspruch auf Umschulung. Ebenso wenig
sei ein solcher auf Arbeitsvermittlung zu bejahen, da bei der Ausübung
einer geeigneten Tätigkeit und der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz
keine wesentlichen gesundheitlichen Einschränkungen bestünden.
6.3.2. Dagegen bringt der Beschwerdeführer insbesondere vor, der ihm zur
Verfügung gestellte Job-Coach habe sich nicht besonders grosse Mühe
gegeben. Er erwarte, dass aufgrund seiner Motivation seine Fähigkeiten so
abgerufen würden, dass er tatsächlich in einem anderen Beruf Fuss fassen
- 20 -
könne. Alleine schaffe er dies unmöglich. Er sei der deutschen Sprache
praktisch nicht mächtig und habe Existenzängste. Erst nach gehörigem
Eingliederungsversuch könne über die Rentenfrage entschieden werden.
6.4. Die angefochtene Verfügung vom 8. Oktober 2020 betreffend
Eingliederungsmassnahmen (Bf-act. 2) ist nicht zu beanstanden. Der
Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerde nichts Konkretes vor, was
gegen die vorerwähnte Argumentation der Beschwerdegegnerin spräche.
Den Ausführungen in der angefochtenen Verfügung sowie in der
Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin kann vollumfänglich
beigepflichtet werden: Insbesondere zeigt der Beschwerdeführer nicht auf,
inwiefern er bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz
gesundheitsbedingt erheblich eingeschränkt sein soll. Vielmehr ist er
unbestrittenermassen in jeder körperlich leichten bis mittelschweren,
wechselbelastenden Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. Daher ist nicht
ersichtlich, dass er bei der Ausübung bzw. Arbeitssuche nach einer
geeigneten Stelle wegen seiner gesundheitlichen Beschwerden wesentlich
eingeschränkt wäre. Die angeblich beschränkten Deutschkenntnisse (vgl.
aber Bericht der Dr. med. H._ und Dr. med. I._ vom 18. März
2020 [IV-act. 38/3], wonach eine Verständigung auf Deutsch sehr gut
funktioniere, und gleichermassen psychiatrisches AEH-Teilgutachten vom
8. Mai 2020 [IV-act. 46/27 und 46/30]) sind als invaliditätsfremder Faktor
aussen vor zu lassen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_966/2011 vom
4. Mai 2012 E.3.2, I 427/05 und I 458/05 vom 24. März 2006 E.4.1.1, I
632/01 vom 13. September 2002 E.2c). Auch ist mit der
Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass es auf dem massgeblichen
Arbeitsmarkt für den Beschwerdeführer eine Vielzahl von
behinderungsgeeigneten Einsatzmöglichkeiten gibt (vgl. Erwägungen 5.2 f.
zur Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit). Schliesslich wurden gestützt
auf das AEH-Gutachten Eingliederungsmassnahmen von Seiten der
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Beschwerdegegnerin mangels Minderverdienst von 20 % bzw. mangels
Einschränkung bei der Stellensuche (vgl. Grobtriage
Eingliederungsmassnahmen vom 10. Juni 2020 [IV-act. 48] verneint (vgl.
namentlich Mitteilung vom 14. Juli 2020 [IV-act. 53]). Dem
Beschwerdeführer wurde aber eine Eingliederungsberaterin zur Seite
gestellt, wobei keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich sind, dass diese
unseriös oder unsorgfältig gearbeitet hätte. Vielmehr führte diese
namentlich ein Evaluationsgespräch durch (vgl. IV-act. 35), beteiligte sich
am Aufbau des therapeutischen Arbeitsversuchs bei der bisherigen
Arbeitgeberin (vgl. z.B. IV-act. 22, 24-26) und nahm an verschiedenen
Round-Table-Gesprächen zum Erhalt bzw. zur Anpassung des
Arbeitsplatzes teil (vgl. Verlaufsprotokoll Eingliederung vom 8. Juli 2020
[IV-act. 50]). Daran vermag das pauschale und nicht weiter substanziierte
Vorbringen des Beschwerdeführers, der ihm zur Verfügung gestellte Job-
Coach (wohl recte: die ihm zur Verfügung gestellte
Eingliederungsberaterin) habe sich nicht besonders grosse Mühe gegeben,
nichts zu ändern. Da für den Beschwerdeführer – wie dargelegt – weder
bei der Ausübung einer behinderungsgeeigneten Tätigkeit noch bei der
Suche nach einem Arbeitsplatz trotz der Rückenbeschwerden wesentliche
gesundheitliche Einschränkungen bestehen, ist im Ergebnis nicht zu
beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf
Arbeitsvermittlung verneint hat.
6.5. Ebenso wenig besteht ein Anspruch auf andere berufliche
Eingliederungsmassnahmen. Zwar liegt beim Beschwerdeführer mit dem
Rückenleiden unbestrittenermassen ein Gesundheitsschaden mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
vor, weshalb das medizinische Element gegeben ist. Der
Beschwerdeführer legt aber weder dar noch ist ersichtlich, dass das
wirtschaftliche Element (dauerhafte oder länger dauernde
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Erwerbsunfähigkeit) vorliegend erfüllt wäre. Vielmehr verfügt er – wie
bereits dargelegt – in einer behinderungsgeeigneten Tätigkeit trotz seiner
gesundheitlichen Beschwerden über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit, deren
zumutbare Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt zu bejahen ist. Zudem
bringt der Beschwerdeführer zu Recht nicht vor, bei ihm liege eine
Konstellation vor, die es ausnahmsweise erlauben würde, vom
grundsätzlichen Erfordernis der 20%igen Mindesterwerbseinbusse
abzuweichen (vgl. dazu BGE 124 V 108 E.3b f. und Urteil des
Bundesgerichts 9C_393/2020 vom 14. Juli 2020 E.2.2 sowie KSBE Rz.
4002 und 4011 ff.), handelt es sich bei ihm mit seinen 51 Jahren doch
weder um einen jungen Versicherten noch verfügt er über eine
entsprechend lange, verbleibende Aktivitätsdauer. Insgesamt hat die
Beschwerdegegnerin den Anspruch auf Umschulung somit zu Recht
verneint.
7. Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtenen Verfügungen vom
8. Oktober 2020 (Bf-act. 2 und 3, IV-act. 64 und 65) nicht zu beanstanden
sind. Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist damit
abzuweisen.
8. Nach aArt. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren in Abweichung
von Art. 61 lit. a ATSG bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem
kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig (vgl. Art. 82a ATSG),
wobei die Kosten nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.-- festgelegt werden.
8.1. In Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Aufwand
entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in Berücksichtigung des
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bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.-- fest. Diese sind gemäss
Art. 73 Abs. 1 VRG vom unterliegenden Beschwerdeführer zu tragen.
8.2. Der obsiegenden Beschwerdegegnerin steht kein Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten zu (Art. 61 lit. g ATSG e contrario).
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