Decision ID: 286f511d-af87-5043-afe5-819b62ca1793
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1965 geborene
X._
arbeitete als Allrounder in der von ihm im Januar 2012
gegründeten
Y._
GmbH und war über diese bei der Schweizerische
n
Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch unfallversichert
. Mit Unfallmeldung vom 17. Juni 2012 teilte er der Suva mit, dass er am 11. Juni 2012 abends um 22.30 Uhr in
Z._
von Unbekannten
überfallen worden sei, welche ihm mit Schlägern diverse Kopfverletzungen zu
gefügt hätten (
Urk.
12/1). Die Suva erklärte mit Schreiben vom 20. Juni 2012, dass sie dem Versicherten bis zur genauen Abklärung der Verhältnisse lediglich ein Teiltaggeld von
aktuell
Fr.
78.40 ausrichte (
Urk.
12/3)
,
und
nahm
unter anderem
diverse Polizeirapporte,
Einvernahmeprotokolle
(
Urk.
12/
40-44) und den Schlussbericht zum polizeilichen Ermittlungsverfahren der Kantonspolizei
A._
vom 26. November 2012 (
Urk.
12/56) zu den Akten.
Mit Verfügung vom 8. September 2014 stellte die Staatsanwaltschaft Bezirk
B._
das Ve
rfahren in der Strafsache X._
wegen Raufhandel
s
(Art. 133 des Strafgesetzbuches, StGB), eventuell einfache
r
Körperverlet
zung/Tätlichkeiten
(Art. 123 StGB/Art. 126 StGB) sowie
Angriff
s
(Art. 13
4 StGB)
ein (
Urk.
12/169). Darauf teilte die Suva dem Versicherten mit Verfügung vom 13. Oktober 2014 und bestätigendem
Einspracheentscheid
vom 6. Novem
ber 2014 (
Urk.
2) die Kürzung der Taggeldleistungen wegen Beteiligung an einer Rauferei und Schlägerei
um 50
%
mit.
Mit Verfügung vom 11.
Juni 2014 for
derte sie
zuviel
ausbezahlte Taggelder im
B
etrag von
Fr.
12‘172.20 zurück (
Urk.
12/179). Die Einsprache dagegen datiert vom 11. November 2014 (
Urk.
12/182).
2.
Gegen den Entscheid
betreffend Kürzung
der Taggelder
vom 6. November 2014 liess
X._
am 3. D
ezember 2014 Beschwerde erheben und
die Aufhebung
des angefochtenen Entscheids sowie
der damit bestätigten Verfügung
vom 13. Oktober 2014
beantragen. Das ihm zustehende Taggeld für die Zeit vom 14. Juni 2012 bis 18. Juni 2014 sei nicht zu kürzen und der bisher zurückbehaltene Betrag im Umfang von 25
%
des ordentlichen Taggeldansatzes sei nachzuzah
len. In formeller Hinsicht liess er
um
Erteilung der aufschiebenden Wirkung und Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie Bestellung von Rechtsan
walt
lic
.
iur
. Vijay Singh zum unentgeltlichen Rechts
vertreter
ersuchen (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin liess in der Beschwerdeantwort vom
2.
Februar 2015 die Abweisung der Beschwerde beantragen (
Urk.
11).
Mit Verfügung vom
20. März 2015 wurde das Gesuch, der Beschwerde vom 3. Dezember 2014 die auf
schiebende Wirkung zu erteilen, abgewiesen
und Rechtsanwalt Singh als unent
geltlicher Rechtsvertreter bestellt (
Urk.
15).
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit für di
e
Entscheidfindung
erforderlich
, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Das Ereignis vom
11. Juni 2012 ist unstreitig als Nichtberufsunfall zu qualifizie
ren und begründet als solcher grundsätzlich Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung (Art. 6
Abs.
1 und Art. 8
Abs.
1 des
Bundesgesetz
es über die Unfallversicherung,
UVG)
.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Taggeldleistungen zu Recht um die Hälfte gekürzt wurden, wobei die Zulässigkeit der vom Leistungsentscheid gesonder
ten, verfügungsweisen Festsetzung der Kürzung vom Beschwerdeführer zur Recht nicht in Frage gestellt wurde (vgl. BGE 114 V 201 ff
.
, 112 V 84 E. 2a).
1.2
1.2.1
Die Beschwerdegegnerin hat die rechtlichen Grundlagen über die Kürzung von Leistungen der Unfallversicherung (Art. 39 UVG), namentlich nach Art. 49
Abs.
2
lit
. a der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV), i
m angefochte
nen Entscheid (
Urk.
2 S. 3 f.) richtig dargelegt. Darauf wird verwiesen.
1.2.2
Danach ist der Tatbestand der Beteiligung an Raufereien oder Schlägereien gemäss Art. 49
Abs.
2
lit
. a UVV grundsätzlich verschuldensunabhängig konzi
piert und weiter gefasst als der Straftatbestand der Beteiligung an einem Rauf
handel gemäss
Art. 133 StGB
. Es genügt, dass das zu sanktionierende Verhalten objektiv gesehen die Gefahr einschliesst, in Tätlichkeiten überzugehen oder solche nach sich zu ziehen, und die versicherte Person dies erkannt hat oder erkennen musste (BGE 134 V 315 E. 4.5.1.2).
Der Tatbestand des Art. 49
Abs.
2
lit
. a UVV ist daher nicht nur bei der Teil
nahme an einer eigentlichen tätlichen Auseinandersetzung gegeben. Es ist auch nicht notwendig, dass der Versicherte selbst tätlich geworden ist. Unerheblich ist zudem, aus welchen Motiven er sich beteiligt hat, wer mit einem Wortwech
sel oder Tätlichkeiten begonnen hat und welche Wendung die Ereignisse in der Folge genommen haben. Entscheidend ist allein, ob die versicherte Person die Gefahr einer tätlichen Auseinandersetzung erkannt hat oder erkennen musste (nicht
publ
. E. 1.1 des Urteils BGE 132 V 27, in: SVR 2006 UV Nr. 13
[U 325/05]; RKUV 2005 Nr. U 553 E. 2; Urteil des Bundesgerichts 8C_579/2010 vom 10. März 2011 E. 2.2.1).
1.2.3
Eine Leistungskürzung nach Art. 49
Abs.
2
lit
. a UVV setzt voraus, dass zwi
schen dem als Beteiligung an einer Rauferei oder Schlägerei zu qualifizierenden Verhalten und dem Unfall ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht. Die Beurteilung der Adäquanz im Besonderen hat retrospektiv zu erfol
gen. Es ist zu fragen, ob und inwiefern die objektiv unter Art. 49
Abs.
2
lit
. a UVV fallende Handlung als eine wesentliche Ursache des Unfalles erscheint. Dies ist dann zu bejahen, wenn die spezifischen Gefahren des allenfalls zu sanktionierenden Verhaltens des Versicherten sich beim Unfallereignis konkret ausgewirkt haben und nach der allgemeinen Lebenserfahrung und dem gewöhnlichen Lauf der Dinge geeignet sind, einen Unfall von der Art des ein
getretenen herbeizuführen. Dabei ist auch ein gewisser zeitlicher Konnex not
wendig (nicht
publ
. E. 1.2 des Urteils BGE 132 V
27, in: SVR 2006 UV Nr. 13
; siehe auch B
GE 134 V 315 E. 4.5.1.2
.; Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_579/2010 E. 2.2.1 und 8C_363/2010 vom 29. März 2011 E. 3.2).
1.3
Die Verwaltung als verfügende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht
dürfen
eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen über
zeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Mög
lichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen mög
lichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353
E. 5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
2.
2.1
In formeller Hinsicht lässt der Beschwerdeführer eine Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die Vorinstanz insofern rügen, als diese
ihrer Begründungspflicht
sowohl in der Verfügung vom 13. Oktober 2014 als auch
im angefochtenen Entscheid
nicht respektive ungenügend nachgekommen sei
(
Urk.
1 S. 1 und 7).
2.2
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Dar
stellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwä
gungen (Art. 49
Abs.
3 Satz 2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Gemäss Art. 52
Abs.
2 Satz 2 ATSG werden
Einspracheentscheide
begründet. Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass die betrof
fene Person ihn gegebenenfalls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn
sowohl sie als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Ent
scheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder
tatbe
ständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand auseinander setzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt werden, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entschei
denden Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den
beschwerdeführenden
Parteien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen können und der Rechtsmittelinstanz volle Kognition zukommt (BGE 107
Ia
1). Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann es jedoch nicht der Sinn des durch die Rechtsprechung geschaffenen Instituts der Heilung des rechtlichen Gehörs sein, dass Versicherungsträger sich über den elementaren Grundsatz des rechtlichen Gehörs hinwegsetzen und darauf vertrauen, dass solche Verfahrensmängel in einem vom durch den Verwaltungsakt Betroffenen allfällig angehobenen Gerichts
verfahren behoben würden.
Von der Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtli
chen Gehörs an die Verwaltung ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzusehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnöti
gen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhö
rung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst
beförderlichen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (BGE 120 V 357 E. 2b, 116 V 182 E. 3c und d).
2.3
Wenn
der Beschwerdeführer vorbringen lä
sst, die Beschwerdegegnerin habe ihre Begründungspflicht bereits bei Erlass der Verfügung vom 13. Ok
tober 2014 (
Urk.
12/172) verletzt, indem sie dieser keine nachvollziehba
re Begründung angefügt habe, und, dass
es
ihre
Pflicht gewesen
wäre
,
zu seiner Argumen
tation
in der Einsprache vom 30. Oktober 2014 (
Urk.
12/176)
, wonach
es am Abend des 11. Juni 2012 zu zwei
Vorfällen gekommen sei, wobei
der erste nicht Ursac
he für die beim zweiten Vorfall
erlitt
enen Verletzungen gewesen sei
(
Urk.
1 S. 7),
Stellung zu nehmen, so ist dies mit Blick auf die vorstehenden rechtlichen Überlegung
en nicht
gänzlich
von der Hand zu weisen
. Zwar finden sich zumindest im
Einspracheentscheid
vom 6. November 2014 die wesentlichen
rechtlichen Erwägungen zur Frage der Kürzung; doch erweisen sich die Aus
führungen und Subsumtionen zur Kausalität tatsächlich als dürftig.
Auch wenn
von einer Verletzung der Begründungspflicht auszugehen wäre, handelt es sich
aber
unter den gegebenen Umständen nicht um eine schwerwie
gende Verletzung des rechtlichen Gehörs, welche zwingend zu einer Aufhebung des angefochtenen Entscheids führen würde.
Der Beschwerdeführer
konnte sich zudem
in diesem
Verfahren umfassend äussern und die Beschwerdegegnerin begründete die Kürzung
vernehmlassungsweise
einlässlich; entsprechend
kann die Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliegend
als g
eheilt gelten (BGE 127 V 437 E
. 3d/
aa
, 126 I 72, 126 V
132 E
. 2b, je mit Hinweisen), zumal der Beschwerdeführer selbst keine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin
bean
tragen lässt.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die strittige Kürzung der Taggeldleistungen damit, dass sich aus der Sachverhaltsdarstellung in der Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 8. September 2014 ergebe, dass der Beschwerde
führer
bei der Auseinandersetzung vom 11. Juni 2012
nicht nur angegriffen worden sei
, ohne am Streit beteiligt gewesen zu sein. Auch wenn der Sachver
halt nicht detailliert habe eruiert werden können, ergebe sich klar, dass ein Kampf stattgefunden habe und der Beschwerdeführer mit seinem Sohn und
seinem Schwager,
C._
,
mit dem Ziel einer Aus
einandersetzung mit den übrigen beteiligten Personen mit dem Auto losgefahren sei. Damit habe er sich in die Gefahrenzone begeben, woraus sich eine Schlägerei ergeben habe. Zu welchem genauen Zeitpunkt sich der Beschwerdeführer seine Verletzungen zugezogen habe, könne dahingestellt bleiben. Mit seiner aktiven Beteiligung habe er
den Gegner provoziert und
es trotz angeblicher Drohungen nicht als notwendig erachtet, sich sofort nach Hause zu begeben.
Dass der Beschwerdeführer strafrechtlich nicht schuldig gesprochen worden sei, ändere an dieser Beurteilung nichts, zumal der Tatbestan
d des Raufhandels gemäss Art 133
StGB nur verneint worden sei, weil es sich lediglich um Tätlich
keiten und nicht um Körperverletzungen gehandelt habe (
Urk.
2 S. 5
, 11
S. 4 ff.
).
3.2
Der Beschwerdeführer lässt dagegen im Wesentlichen geltend machen, am
11. Juni 2012 sei es zu zwei Vorfällen gekommen. Dem ersten Ereignis, welches um zirka 20.00 Uhr an der
D._
in
Z._
stattgefunden habe, sei ein Vorfall vorausgegangen.
Sein
S
ohn
,
E._
, sei von den Herren
F._
und
G._
ausgebremst worden. Darüber habe
E._
seinem Vater berichtet, welcher sodann seinen Sohn sicher nach Hause habe bringen wollen. Auf dem Weg hätten sie gezwungenermassen wieder
F._
,
G._
und
H._
passieren müssen, worauf
E._
angehalten und ausgestie
gen sei, um mit den Kontrahenten zu sprechen. Darauf sei es sofort zu einer tätlichen Auseinandersetzung gekommen. Gemäss den übereinstimmenden Aussagen des Beschwerdeführers, seines Sohnes und
C._
sei der Beschwerdeführer erst nach Ausbruch der Auseinandersetzung aus dem Wagen gestiegen, um zu schlichten und die P
arteien zu trennen. Wer wen
aus welchem Grund geschlagen
habe
, werde von den Beteiligten unterschiedlich geschildert und
es sei gemäss Einstellungsverfügung nicht beweisbar, dass sich der Beschwerdeführer strafbar gemacht habe. Anlässlich dieses Vorfalls sei es zu keinen Verletzungen gekommen, weshalb er sowieso bedeutungslos bleibe.
Die Verletzungen, welche zu seiner Arbeitsunfähigkeit geführt hätten, hätten ihre Ursache einz
ig im zweiten
Vorfall dieses
Abends, welcher
sich
um zirka 22.30 Uhr an der
I._
auf dem Gemeindeparkplatz in
Z._
ereignet habe
. Nach dem ersten Vorfall sei d
er Beschwerdeführer zurück nach
J._
zum Wohnort von
C._
gefahren. Da er seinen Sohn telefo
nisch nicht habe erreichen können, sei er später an dessen Wohnort in
Z._
gefahren. Als er sein Fahrzeug auf dem Gemeindeparkplatz habe abstellen wollen, sei er von mindestens fünf Personen angegriffen worden, welche mit Schlagstöcken auf ihn eingeschlagen hätten. Die Hintergründe dieses brutalen Angriffs und ein Zusammenhang mit dem ersten Vorfall seien bis heute nicht restlos geklärt. Jedenfalls stehe fest, dass der Beschwerdeführer mit einem der
artigen Angriff nicht habe rechnen müssen. Er sei schlicht zum falschen Zeit
punkt am falschen Ort gewesen. E
ine Kürzung der Taggeldleistungen könne hiermit nicht begründet werden (
Urk.
1 S. 4 ff.).
4.
4.1
Gemäss Rapport der Kantonspolizei
A._
vom 24. November 2012 dürfte der Abend vom 11. Juni 2012 verschiedene Phasen durchlaufen haben, bis die Poli
zei schlussendlich vor Ort
war
. Als erstes soll es in
Z._
auf der
K._
zu einem Vorfall zwischen zwei Personenwagen gekommen sein, bei welchem
E._
,
F._
und
G._
beteiligt gewesen seien. Kurz darauf sei
es
in der Nähe
des Restaurants
L._
in
Z._
zur ersten Diskussion gekommen.
E._
dürfte daraufhin seinen Vater und seinen Onkel,
C._
, in
J._
abgeholt haben. Darauf sei es
in
Z._
bei der Pizzeria
M._
(
D._
) um zirka 20.00 Uhr zu einem Raufhandel zwischen der Gruppe mit dem Beschwerdeführer, seinem Sohn und
C._
und der anderen Gruppe
mit
H._
und
F._
gekommen. Im Zusammenhang mit dem Raufhandel hätten
E._
und
H._
Verletzungen geltend gemacht.
C._
soll einen Holzstock benutzt und
F._
einen fussball
grossen Stein nach
E._
geworfen haben. Der ganze Ablauf, wer wen mit was geschlagen habe, sei von den beiden Gruppen unterschiedlich dar
gestellt wor
den (
Urk.
12/56 S. 8).
Nachdem der Beschwerdeführer seinen Sohn und
C._
nach Hause gebracht habe, sei er nochmals nach
Z._
gefahren, wo er beim Gemeindeparkplatz durch eine mit Schlagstöcken ausgerüstete Gruppe ange
griffen und verletzt worden sei. Gemäss Aussagen des Beschwerdeführers seien
unter anderem
H._
und der „Grosse“ (
F._
) daran beteiligt gewesen. Daraufhin sei die Polizei benachrichtigt worden
(
Urk.
12/56 S. 8)
.
Im Rahmen des polizeilichen Ermittlungsverfahrens wurd
e
der Beschwerdefüh
rer
gemäss Aktenlage
mehrfach
befragt und am 14. Juni 2012 vorläufig festge
nomme
n. Am 16. Juni 2012 wurde er aus
der Un
tersuchungshaft entlassen
(vgl. unter anderem
Urk.
12/56 S. 9, 15, 22 f.)
4.2
Richtig ist, dass das Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer
im Zusammen
hang mit dem Raufhandel
mit Verfügung der Staatsanwaltschaft des Bezirks
B._
vom 8.
September 2014 eingestellt worden ist
und sich aus den Akten nicht klar ergibt, was
sich
genau am Abend vom
11. Juni 2012 ereignete.
Als erstellt erachtete die Staatsanwaltschaft des Bezirks
B._
gemäss dem Sachverhalt in
der Einstellungsverfügung vom 9.
September 2014, dass
der Sohn des Beschwerdeführers,
E._
, seinem Vater
am Abend des
11. Juni 2012 zwischen 19.00 und 20.00 Uhr einen Vor
f
all gemeldet hatte, bei wel
chem er
gemäss seiner Schilderung
kurz zuvor von einem von
G._
gelenkten
Auto
, in welchem auch
F._
gesessen sei, ausgebremst worden s
ei, wobei es anschliessend zu einer Diskussion gekommen sei.
Hierauf begab
sich der Beschwerdeführer gemäss Sachverhaltsfeststellung
der Staatsan
waltschaft
in Begleitung von
C._
umgehend zu seinem Sohn
. Nach
dem
d
ie
drei
beim
N._
in
Z._
H._
in dessen Fahr
zeug zufällig wiedergesehen hätten, seien sie ihm mit ihrem Fahrzeug gefolgt.
4.3
In Bezug
auf die folgende
tätliche Auseinandersetzung
, mithin den ersten Vor
fall dieses Abends,
blieben die genauen Tatumstände gemäss E. 5 der
Einstel
lungsverfügung
aufgrund der widersprüchlichen Aussagen der Beteiligten letzt
lich unklar; genügende Beweise, welche eine Anklage
gegen den Beschwerde
führer
wegen Raufhandel
s
(Art. 133 StGB), eventuell einfache
r
Körperverlet
zung/Tätlichkeiten (Art. 123/126 StGB) oder
eines
Angriff
s
(Art. 134 StGB
) gerechtfertigt hätten, konnten nicht erhoben werden
.
Dieser Schluss basierte
aber
wesentlich auf dem Umstand
, dass für die Erfüllung der Tatbest
ände gemäss Art. 133 und Art. 134
StGB eine Verletzung, die über eine Tätlichkeit hinausgeht, Strafbarkeitsvoraussetzung ist, und die (behaupteten) Verletzungen der Parteien aus dem ersten Vorfall dieses Abends nicht üb
er
Folgen von
Tät
lichkeiten hinausgingen
(vgl. E. 5 in
Urk.
12/169).
Die Einstellung des Strafverfahrens
ändert jedoch nichts daran, dass der Beschwer
deführer als Beteiligter im Sinne von Art. 49
Abs.
2
lit
. a UVV zu betrachten ist.
Es steht fest und ist unbestritten, dass
er sich
, nachdem ihn
sein Sohn über das angebliche Ausbremsmanöver informiert hatte
, mit di
esem sowie seinem Schwager
C._
auf den Weg machte, um mit der anderen Gruppe in Kontakt zu treten.
Auch mischte sich
der Beschwerdeführer in die erste Auseinandersetzung dieses Abends
tätlich ein (vgl.
Urk.
12/43/4, 12/45/1, 12/56/9)
. Welche Gesinnung dieser Kontaktaufnahme ursprünglich zugrunde lag, kann offen bleiben
(vgl. obige E. 1.2.2)
.
Die Argumentation des Beschwer
deführers, wonach er sich
angeblich nur zwecks Schlichtung respektive Auflö
sung des K
onflikts eingemischt habe, hilft ihm nicht weiter. Eine
schutzwür
digte
Hilfeleistung im Sinne von Art. 49
Abs.
2
lit
. a UVV
könnte nur bejaht werden
, wenn damit ein wehrloser Beteiligter vor Gewalttätigkeiten geschützt werden soll (
Rumo-Jungo
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversi
cherungsrecht
, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Auflage, 2003,
S. 225).
Der 1992 geborene Sohn des Beschwerdeführers, in dessen Fahrzeug eine entladene und entsicherte Pistole, ein Magazin mit 7 Patronen, ein Lederholster zur Pistole und ein Pfefferspray sichergestellt worden waren
(vgl.
Urk.
12/56 S. 24), ist aber fraglos nicht als Wehrloser im Sinne der
Bestimmung zu betrach
ten. Des
W
eitern
griff der Beschwerdeführer g
emäss eigenen Aussagen
bereits nach einem ersten Schlag gegen seinen Sohn in die Rauferei ein (vgl.
Urk.
12/43 S 4).
Eine unmittelbar
drohende Gefahr für Leib und Leben seines Sohnes, welche ein Eingreifen gerechtfertigt hätte (RKUV 1991 Nr. u 120 E. 5a und b),
lag zu diesem Zeitpunkt gemäss Aktenlage nicht vor. Auch hätte der Beschwerdeführer
diesfalls
erklären müssen, aus welchem Grund sowohl er als auch der angeblich unbeteiligte
C._
auf eine Benachrichtigung der Polizei trotz gegebener Gefahrenlage verzichteten.
4.4
Zu prüfen bleibt, ob die Beteiligung des Beschwerdeführer
s
an der ersten Ausei
nandersetzung des Abends, welche fraglos als Rauferei und Schlägerei im Sinne von Art. 49
Abs.
2
lit
. a UVV zu interpretieren ist, in einem kausalen Zusam
menh
ang zum Unfall, mithin zu
den unbestrittenermassen erst beim zweiten Vorfall des Abends erlittenen Verletzungen steht.
Dabei gilt, dass der
Tatbestand der Beteiligung an einer Rauferei oder Schlägerei im Sinne von Art. 49
Abs.
2
lit
. a UVV z
eitlich nicht als beendet gilt
, solange nicht alle daran Beteiligten klar erkennbar mit dem verbal oder handgreiflich ausgefochtenen Streit aufgehört haben und nicht mit einer Fortsetzung bei nächster Gelegenheit gerechnet werden mu
ss (vgl. nicht
publ
. E. 1.3 des Urteils 132 V 27 mit Verweis auf EVGE 1964 S. 74 ff. E
. 2).
Von einer Streitbeilegung in diesem Sinne durfte gemäss Aktenlage keiner der Beteiligten ausgehen
. Gemäss polizeilich protokollierter Aussage des Beschwerdeführers vom 14. Juni 2012
seien er, sein Sohn und
C._
, während die andere Gruppe Steine nach ihnen geworfen habe, ins Auto gestiegen und davon gefahren
(vgl.
Urk.
12/43 S. 4).
Die
erste tätliche Auseinandersetzung dieses Abends
beendete
den Konflikt zwischen den beiden Gruppen
offensichtlich nicht
und
die B
etei
ligten mussten
zweifellos
damit rec
hnen, dass ein neuerliches
Auf
-
einandertref
fen
zu einer Fortsetzung der Auseinandersetzung führen könnte.
Indem sich der Beschwerdeführer noch am
gleichen
Abend
nach
Z._
und damit
an den Ort der ersten Auseinandersetzung und des angeblichen
Aus
bremsmanövers
zurückbegab, nahm er das Risiko, den Kontrahenten ein weite
res Mal zu begegnen
,
und
damit auch
eine Fortsetzung
der Auseinandersetzung in Kauf.
Sodann wohnt jeder tätlichen Auseinandersetzung das Risiko inne, verletzt zu werden.
Die Argumentation des Beschwerdeführers, wonach
der zweite Vorfall mit dem ersten in keinem Zusammenhang st
ehe, erscheint welt
fremd, zumal gemäss polizeilich protokollierter Aussage des Beschwerdeführers
zwei der am zweiten Vorfall beteiligten Personen bereits bei
der
ersten Ausei
nandersetzung beteiligt
waren
und diese zudem gedroht
hätten
, auch noch den Sohn des Beschwerdeführers „dranzunehmen“
(vgl.
Urk.
12/44 S. 11).
Auch wenn der zweite Vorfall den ersten an Vehemenz deutlich überstieg und möglicherweise weitere
/andere
Personen daran beteiligt waren, bildet
e
er eine
Einheit mit der Rauferei zuvor,
musste der Beschwerdeführer doch nach
dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und d
er allgemeinen Lebenserfahrung damit rechnen, dass ein neuerliches Aufeinandertreffen
noch am selben Abend
in einer weitern tätlichen Auseinandersetzung enden würde. Die
vorausge
gangene
Auseinandersetzung
bildete entsprechend eine
adäquate
und natürliche
Ursache
für
die
erlittenen Unfallfolgen.
Nach dem Gesagten
schloss die Beschwerdegegnerin zu Recht, dass sich der Beschwerdeführer am 11. Juni 2012 an einer Rauferei und Schlägerei im Sinne von Art. 49
Abs.
2
lit
. a UVV beteiligt und sich infolgedessen Verletzungen zu
gezogen hat. Die Höhe der Kürzung um 50
%
entspricht dem minimalen Ansatz gemäss dieser Bestimmung und wurde vom Beschwerdeführer richtigerweise nicht in Frage gestellt. Damit
erweist sich der an
gefochtene Entscheid als zu
treffend
. Die Beschwerde ist abzuweisen.
5
.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers weist in der e
inge
reich
ten Kostennote vom
7.
April 2016
(
Urk.
17/2
) für das vorliegende Verf
ah
ren einen Zeitaufwand von
10.75
Stunden und Barauslagen von Fr.
26.--
aus. Diese Aufwendungen erscheinen als gerechtfertigt. Beim gerichtsüblichen
Stun
den
ansatz
von Fr. 200.
-- bis Ende 2014 (
9 Stunden 5 Minuten
im Jahr 2014
, vgl.
Urk.
17/2) und
Fr.
220.-- ab
1.
Januar 2015 (1 Stunde 40 Minuten,
vgl.
Urk.
17/2)
resultiert darau
s eine Entschädigung von
Fr.
2‘386.08
(inklusive
Bar
auslagen
und Mehrwertsteuer).