Decision ID: 4b703f21-e88f-59ce-a83e-8f100616fd17
Year: 2019
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A. Der am XX.XX.1976 geborene und zuletzt als selbständiger Gipser tätig gewesene A_
(nachfolgend: Beschwerdeführer) meldete sich mit Antrag vom 17. Januar 2005 bei der IV-
Stelle Appenzell Ausserrhoden (nachfolgend: Vorinstanz) zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an, nachdem er seit der Entfernung eines Hirntumors Mitte Januar
2004 insbesondere unter anhaltenden Schwindelbeschwerden litt und in der Folge seine
Arbeit nicht wieder aufnehmen konnte.
B. Die Vorinstanz holte im Rahmen ihrer Abklärungen diverse medizinische Unterlagen ein,
einerseits bei den behandelnden Ärzten und andererseits bei der B_ Lebens-
versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend auch: B_), die mit dem Beschwerdeführer
eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hatte und aus diesem Grund
ebenfalls über Informationen zu dessen Gesundheitszustand verfügte. Die B_ schickte
der Vorinstanz unter anderem ein Gutachten der Medical Clearing Agency Basel aus dem
Jahr 2004 (IV-act. 15), in welchem die Gutachter zum Schluss gelangt waren, der
Beschwerdeführer sei in seiner angestammten Arbeit als Gipser noch zu 331/3%
arbeitsfähig für gewisse Grundarbeiten und administrative Aufgaben. In einer adaptierten
Arbeit, d.h. zu 2/3 in sitzender Stellung und zu 1/3 in stehender Stellung sowie ohne das
Heben von Gewichten von über 10 kg, sei von einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit auszugehen,
vollschichtig umsetzbar mit vermehrten Pausen von rund 20 Minuten pro Arbeitsstunde. In
einem anderen, vom 26. September 2006 datierenden arbeitsmedizinischen Gutachten,
welches der B_ vom Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG AEH
erstattet worden war (IV-act. 45), konnten jene Gutachter schliesslich weder aus
rheumatologischer noch aus neurologischer Sicht Gründe nennen, welche gegen eine
leichte bis mittelschwere Tätigkeit sprechen würden und attestierten dem
Beschwerdeführer in solchen Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 80%, dies bei
somatischen Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit von rund 20%. Bei auffälligem
Schmerzverhalten und Zeichen einer Symptomausweitung wurde eine zusätzliche
psychiatrische Exploration empfohlen. Die Vorinstanz holte zudem selber ein Gutachten bei
der MEDAS Bellinzona ein (IV-act. 47 bzw. IV-act. 61). In diesem Gutachten von Ende
Oktober 2006 wurde dem Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigkeit von 50% in leichten
adaptierten Tätigkeiten attestiert und darauf hingewiesen, dass er längerfristig
psychologischer und neuropsychologischer Begleitung bedürfe.
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C. Gestützt auf das aktuelle medizinische Dossier hielt Dr. C_ vom RAD in den Berichten
vom 8. Februar 2007 (IV-act. 50) bzw. 14. Juni 2007 (IV-act. 64) die
Anspruchsvoraussetzungen für die Gewährung von beruflichen Massnahmen für
ausgewiesen. Am 7. November 2007 erteilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer eine
Kostengutsprache für ein Arbeitstraining vom 19. November 2007 bis zum 29. Februar
2008 beim VSF Schreiner integrieren in St. Gallen. Dieses konnte jedoch nicht wie geplant
durchgeführt werden, nachdem sich der Beschwerdeführer infolge eines
Bandscheibenvorfalls operativ behandeln lassen musste (IV-act. 80, IV-act. 83).
Schliesslich erachtete Dr. C_ vom RAD im Bericht vom 23. Juli 2008 eine weitere
polydisziplinäre Begutachtung für angezeigt (IV-act. 107). Gemäss dem in der Folge beim
SIVM eingeholten polydisziplinären Gutachten vom 8. Mai 2009 (IV-act. 120) berichtete der
Beschwerdeführer insbesondere von anhaltenden Kopf-, Bein- und Rückenschmerzen
sowie Müdigkeit und Stressgefühl. Während die Gutachter aus rheumatologischer Sicht
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit feststellten, ergaben sich aus neurologischer
Sicht für eine adaptierte Arbeit gewisse Einschränkungen (keine Arbeiten in
sturzgefährdeten Lagen oder auf Terrain mit Rutsch- und Stolpergefahr). Aus
psychiatrischer Sicht werde die Arbeitsfähigkeit durch eine Antriebsstörung, leichte
kognitive Einschränkungen, gedrückte Stimmung und leichte bis mittelschwere Schmerzen
beeinträchtigt. Insgesamt sei aber trotz dieser Einschränkungen mittelfristig, d.h. nach
Umsetzung der im Gutachten beschriebenen medizinischen und beruflichen Massnahmen,
zunächst eine 50%-ige bzw. nach 8-12 Monaten eine 80%-ige Tätigkeit zumutbar. Gestützt
auf dieses Gutachten ging Dr. C_ im RAD-Bericht vom 25. Mai 2009 (IV-act. 124) davon
aus, die Anspruchsvoraussetzungen für die Gewährung von beruflichen Massnahmen
seien erneut ausgewiesen, woraufhin die Vorinstanz den Beschwerdeführer mit Schreiben
vom 29. Juni 2009 (IV-act. 127) unter Hinweis auf dessen Mitwirkungspflichten aufforderte,
schriftlich zu bestätigen, dass er bereit sei, an neuen Eingliederungsbemühungen
mitzuwirken. Mit Schreiben vom 22. Juli 2009 (IV-act. 128) liess der Beschwerdeführer der
Vorinstanz durch seinen damaligen Rechtsvertreter mitteilen, gemäss SIVM-Gutachten sei
er aktuell gar nicht als arbeitsfähig zu betrachten. Die ihm im SIVM-Gutachten mittelfristig
attestierte 80%-ige Arbeitsfähigkeit würde erst nach Umsetzung der medizinischen und
beruflichen Massnahmen in Frage kommen. Nachdem er zwischenzeitlich bei Dr. D_
eine ambulante psychiatrische Behandlung aufgenommen habe, sei der aktuelle
gesundheitliche Zustand mittels Rückfragen beim behandelnden Psychiater abzuklären,
bevor er zu beruflichen Massnahmen aufgeboten werde. In dem in der Folge bei Dr. D_
eingeholten Arztbericht vom 26. August 2009 (IV-act. 130) attestierte dieser dem
Beschwerdeführer für die Teilnahme an einem stufengerechten Eingliederungsprogramm
höchstens eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit mit einer Leistungsfähigkeit von ebenfalls 50% in
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leichten körperlichen Arbeiten. Gestützt darauf hielt es Dr. E_ vom RAD im Bericht vom
9. September 2009 (IV-act. 133) für empfehlenswert, einen Arbeitsversuch in geschütztem
Rahmen, zunächst in einem Pensum von 4 Stunden täglich mit reduzierter
Leistungsfähigkeit, zu starten. Mit Mitteilung vom 16. Dezember 2009 sprach die Vorinstanz
dem Beschwerdeführer schliesslich eine Kostenübernahme für eine dementsprechende
berufliche Abklärung in der Klinik Valens vom 11. Januar 2010 bis zum 12. Februar 2010 zu
(IV-act. 144).
Auch diese zweite berufliche Abklärung in der Klinik Valens musste jedoch, nachdem der
Beschwerdeführer in deren Verlauf vermehrt über gesundheitliche Probleme klagte, per
29. Januar 2010 vorzeitig abgebrochen werden (IV-act. 147; IV-act. 152). Dr. D_ erklärte
im anschliessend bei ihm eingeholten weiteren Bericht vom 4. März 2010 (IV-act. 150), der
Beschwerdeführer könne höchstens in einer geschützten Arbeit zu ca. 20 bis 30% arbeiten,
da er weiterhin unter schweren Konzentrationsstörungen leide, schnell gereizt, enttäuscht
und überfordert und aufgrund der Persönlichkeitsstörung auch für Drittpersonen nicht
zumutbar sei. Im RAD-Bericht vom 25. März 2010 (IV-act. 151) ging Dr. E_ gestützt auf
das inzwischen bereits umfangreiche medizinische Dossier davon aus, dass der
Beschwerdeführer zunächst seit November 2003 zu 50% arbeitsfähig adaptiert gewesen
und nun seit 8. November 2008 (dem Beginn der psychiatrisch-psychotherapeutischen
Behandlung bei Dr. D_) hauptsächlich aus psychiatrischen Gründen als lediglich noch zu
20 bis 30% arbeitsfähig in einer geschützten Tätigkeit zu betrachten sei. Es sei nicht damit
zu rechnen, dass diese Arbeitsfähigkeit in nächster Zeit verbessert werden könne. Im
ergänzenden RAD-Bericht vom 16. April 2010 führte Dr. E_ zudem aus, zwar werde im
SIVM-Gutachten von einer Arbeitsfähigkeit von 80% adaptiert ausgegangen, diese
Einschätzung gelte aber erst nach erfolgreicher psychotherapeutischer Behandlung und
beruflichen Massnahmen. Zum Zeitpunkt des Gutachtens selbst werde eine Realisation
dieser medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit aufgrund psychischer Komorbidität nicht
für möglich erachtet. Daher sei, wie bereits im früheren RAD-Bericht angegeben, sowohl
gestützt auf das SIVM-Gutachten als auch gestützt auf die Einschätzung des
behandelnden Psychiaters zunächst eine Arbeitsfähigkeit von 50% adaptiert seit November
2003 und schliesslich eine Arbeitsfähigkeit von 20 bis 30% adaptiert seit 8. November 2008
ausgewiesen.
D. Hierauf teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer via dessen Rechtsvertreter mit
Vorbescheid vom 9. August 2010 mit, er habe bei einem Invaliditätsgrad von 68% ab
1. November 2004 Anspruch auf eine Dreiviertelrente sowie bei einem IV-Grad von 88% ab
1. Februar 2009 Anspruch auf eine ganze Rente (IV-act. 159). Mit Verfügung vom
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7. Februar bzw. 7. März 2011 (IV-act. 170) wurde an diesem Vorbescheid auch nach
Prüfung des Einwandes des Beschwerdeführers, der auch bereits für die Periode vom 1.
November 2004 bis zum 31. Januar 2009 die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente
verlangte, festgehalten. Die dagegen vom Beschwerdeführer beim Obergericht eingereichte
Beschwerde wurde vom Obergericht mit Urteil O3V 11 18 vom 26. Oktober 2011
abgewiesen (IV-act. 184).
E. Im Juni 2012 schickte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer im Rahmen einer ersten
amtlichen Revisionsprüfung einen Fragebogen zu (IV-act. 187) und holte bei Dr. D_
einen medizinischen Verlaufsbericht ein (IV-act. 190). Nachdem sowohl der
Beschwerdeführer als auch Dr. D_ von einer unverändert bestehenden vollständigen
Arbeitsunfähigkeit berichteten, teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer - offenbar unter
Verzicht auf weitergehende Abklärungen oder die nähere Prüfung von beruflichen
Massnahmen (IV-act. 191) - mit, bei der Überprüfung des Invaliditätsgrads habe sie keine
Änderung festgestellt, die sich auf die Rente auswirke. Es bestehe deshalb weiterhin
Anspruch auf die bisherige volle Invalidenrente (IV-act. 192).
F. Im Jahr 2013 leitete die B_ - im Zusammenhang mit einer bei ihr aufgegleisten aktuellen
Überprüfung der dem Beschwerdeführer im Rahmen ihrer Erwerbsunfähigkeitsversicherung
erteilten Rentenzusprache - eine weitere Begutachtung des Beschwerdeführers beim
Universitätsspital Zürich (USZ) in die Wege. Das vom 11. Juni 2014 datierende
polydisziplinäre Gutachten (IV-act. 200, S. 78 ff.) samt dazugehörigen Teilgutachten
(psychiatrisches Teilgutachten, IV-act. 200, S. 2 ff.; neuropsychologisches Teilgutachten,
IV-act. 200, S. 75 ff.; rheumatologisches Teilgutachten, IV-act. 200, S. 100 ff.;
neurologisches Teilgutachten, IV-act. 200, S. 129 ff.) wurde auch in die Akten der
Vorinstanz aufgenommen. Zudem hatte die B_ (in Rücksprache mit der Vorinstanz, die
die Kosten zu 2/3 übernahm) im Frühling 2013 eine Observation des Beschwerdeführers
angeordnet. Der entsprechende Ergebnisbericht wurde mit Zustimmung des
Beschwerdeführers (IV-act. 219) ebenfalls zu den IV-Akten genommen (IV-act. 220.3, S. 42
ff.). Nachdem die Vorinstanz in der Folge zudem erneut einen Revisionsfragebogen beim
Beschwerdeführer und Dr. D_ eingeholt hatte, wonach je von einem stationären
Gesundheitszustand bei weiterhin bestehender vollständiger Arbeitsunfähigkeit berichtet
wurde (IV-act. 209, 211, 215), ging Dr. E_ im RAD-Bericht vom 14. September 2016 (IV-
act. 221) in ihrer Stellungnahme zur Rentenrevisionsprüfung davon aus, der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich seit dem Referenzzeitpunkt nicht
wesentlich und anhaltend verändert, in adaptierter Tätigkeit bestehe medizinisch-
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theoretisch unverändert eine 20 bis 30%-ige Arbeitsunfähigkeit seit 2009. Während aber
bisher die Voraussetzungen zur Einleitung eines Arbeitstrainings noch nicht gegeben
waren, sei es dem Beschwerdeführer neu aus medizinischer Sicht zuzumuten, an
beruflichen Eingliederungsmassnahmen mitzuwirken.
Mit Mitteilung vom 21. Oktober 2016 (IV-act. 229) gewährte die Vorinstanz dem
Beschwerdeführer daraufhin erneut berufliche Massnahmen und erteilte am 30. November
2016 die Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining bei der Dreischiibe in Herisau (IV-
act. 237). Auch diese Massnahme wurde schliesslich vorzeitig abgebrochen (IV-act. 246 f.).
Nachdem die Vorinstanz dem Beschwerdeführer angedroht hatte, die Rentenleistungen
einzustellen, wenn er nicht medizinische Unterlagen einreiche, die aufzeigten, weshalb er
an der aus IV-rechtlicher Sicht zumutbaren Eingliederung gehindert werde (IV-act. 245,
251), teilte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers der Vorinstanz mit Schreiben vom
31. März 2017 (IV-act. 252) mit, das USZ-Gutachten sei, da gar nicht vollständig, nicht
beweistauglich. Auf ein bloss provisorisches Gutachten könne zum Vornherein nicht
abgestellt werden. Gestützt auf die Beurteilung von Dr. D_ sowie den zusätzlich bei Dr.
F_ eingeholten Konsiliarbericht vom 15. Januar 2015 (IV-act. 252, S. 8 f.) sei weiterhin
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Im RAD-Bericht vom 20. April 2017
(IV-act. 253) hielt Dr. E_ fest, aus RAD-Sicht liege mit dem USZ-Gutachten sehr wohl ein
voll beweiskräftiges Gutachten vor, entsprechend könne auf die bisherige RAD-Antwort
(wonach gestützt auf das USZ-Gutachten davon ausgegangen wurde, dem
Beschwerdeführer seien neu berufliche Eingliederungsmassnahmen zumutbar) abgestellt
werden.
Mit Vorbescheid vom 4. Mai 2017 (IV-act. 254) teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer
daraufhin mit, die bisher ausgerichtete Invalidenrente werde aufgehoben, nachdem er
nurmehr über einen IV-Grad von 25% verfüge. Es sei mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er nach Durchführung der an sich zumutbaren
Eingliederungsmassnahmen wieder zu 75% arbeitsfähig angestammt und adaptiert
beurteilt werden müsste. Entsprechend habe er neu keinen Anspruch auf eine
Invalidenrente mehr. Nach einem Einwand des Beschwerdeführers (IV-act. 259) hielt die
Vorinstanz mit Verfügung vom 4. Juli 2017 an der Rentenaufhebung fest und lehnte es
zugleich in einer weiteren Verfügung ab, dem Beschwerdeführer die vom ihm beantragte
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren zu gewähren (IV-act. 262
f.).
Seite 8
G. Gegen diese Verfügungen richtet sich die vom Beschwerdeführer am 21. Juli 2017
erhobene Beschwerde ans Obergericht (act. 1), mit welcher die Weiterausrichtung der
Invalidenrente und die Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im
Verwaltungsverfahren beantragt wurde. Am 24. August 2017 wies der Einzelrichter im
Verfahren ERV 17 33 den Antrag auf aufschiebende Wirkung der Beschwerde ab (act. 5).
Mit Vernehmlassung vom 16. Oktober 2017 (act. 6) verlangte die Vorinstanz die Abweisung
der Beschwerde. Nachdem dem Beschwerdeführer die für das Gerichtsverfahren
beantragte unentgeltliche Verbeiständung mit Verfügung im Verfahren ERV 17 31 am 14.
November 2017 gewährt und RA AA_ mit der Rechtsverbeiständung beauftragt worden
war (act. 10), liess der Beschwerdeführer am 30. November 2017 eine Replik einreichen
(act. 11). Mit Schreiben vom 12. Dezember 2017 (act. 14) beantragte die Vorinstanz
sinngemäss eine Sistierung des Verfahrens, bis der Beweisbeschluss im ebenfalls beim
Obergericht pendenten Verfahren O2V 16 39 zwischen dem Beschwerdeführer und der
B_ umgesetzt sei, woraufhin das Verfahren bis zum 5. November 2018 sistiert blieb (act.
16 f.). Nachdem schliesslich kein Grund mehr ersichtlich war, die Sistierung
aufrechtzuerhalten, weil im Rahmen des Verfahrens O2V 16 39 nicht mehr mit weiteren, für
das vorliegende Verfahren bedeutenden medizinischen Abklärungen zu rechnen war,
wurde der Schriftenwechsel wieder aufgenommen und nach erneuten Stellungnahmen
beider Parteien (act. 18, act. 20) abgeschlossen.
Am 21. Mai 2019 wurde die Sache in der dritten Abteilung des Obergerichts in Abwesenheit
der Parteien abschliessend beraten und darüber entschieden. Die Beschwerde betreffend
Rente wurde gutgeheissen und die Sache zu weiteren Abklärungen und zu
anschliessender Neuverfügung an die Vorinstanz zurückgewiesen, während die
Beschwerde betreffend Nichtgewährung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands im
Verwaltungsverfahren abgewiesen wurde.
Die den Parteien im Dispositiv angekündigte schriftliche Begründung für das Urteil ergibt
sich aus den nachfolgenden Erwägungen.
Seite 9

Considerations:
Erwägungen
1. Formelles
1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen.
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
(JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht Beschwerden gegen solche Entscheide. Da
eine Verfügung der IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden angefochten ist, ist die örtliche
Zuständigkeit gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20]). Das Gesamtgericht hat Beschwerden in
Sozialversicherungssachen mit medizinischen Fragestellungen (unter Vorbehalt der hier
nicht betroffenen Zuständigkeiten des Einzelrichters) der 3. Abteilung zur Beurteilung
zugewiesen (so publiziert im Staatskalender Appenzell Ausserrhoden für das Amtsjahr
2018/19, S. 83), weshalb diese zur Beurteilung der Beschwerde zuständig ist. Die von
Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen ergibt, dass
diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung auf Seiten des Beschwerdeführers
als auch hinsichtlich der Form- und Fristerfordernisse mit Bezug auf die Beschwerdeschrift
erfüllt sind (insbesondere Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und Art. 61 lit. b
ATSG).
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
1.2 Insoweit der Beschwerdeführer im Verlauf des Schriftenwechsels den Beizug der Akten des
Verfahrens O2V 16 39 (betreffend eine Klage des Beschwerdeführers gegen die B_)
verlangte, ist dieser Antrag abzuweisen, nachdem sich die diesbezüglichen Akten, soweit
diese für die Beurteilung der Leistungspflicht der Invalidenversicherung überhaupt von
Bedeutung sein können, ohnehin bereits in den IV-Akten befinden (vgl. insbesondere IV-act
15, IV-act. 45, IV-act. 200; IV-act. 220) und es den Parteien frei stand, im vorliegenden
Verfahren jene Unterlagen zusätzlich einzureichen, welche sie für die Begründung ihrer
Rechtsposition als nötig erachteten. Dass es nötig wäre, sämtliche Akten aus dem
Verfahren O2V 16 39 zum vorliegenden Verfahren zu nehmen, ist nicht ersichtlich,
nachdem sich der Streitgegenstand im Verfahren O2V 16 39 sowohl in zeitlicher als auch in
sachlicher Hinsicht vom Thema des vorliegenden Beschwerdeverfahrens unterscheidet (im
vorliegenden invalidenversicherungsrechtlichen Beschwerdeverfahren geht es um eine
revisionsweise Rentenaufhebung im Juli 2017 durch die Vorinstanz, während im Verfahren
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O2V 16 39 ausstehende Rentenzahlungen der B_ aus einer
Erwerbsunfähigkeitsversicherung aus dem Jahr 2014 eingeklagt sind, vgl. dazu act. 12).
Seite 11
2. Materielles
2.1. Der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung setzt voraus, dass die versicherte
Person invalid oder von Invalidität unmittelbar bedroht ist. Als Invalidität gilt gemäss Art. 4
IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG die durch einen körperlichen oder geistigen
Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte,
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit. Gemäss Art.
28 IVG haben versicherte Personen Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens
zu 70%, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente,
wenn sie mindestens zu 50% und auf eine Viertelrente, wenn sie mindestens zu 40%
invalid sind. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden
wäre (sog. Valideneinkommen). Das Ausmass der Invalidität ist somit durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Die einer Person medizinisch attestierte
Arbeitsunfähigkeit kann also nicht direkt dem Invaliditätsgrad dieser Person gleichgesetzt
werden, sondern beim Invaliditätsgrad handelt es sich um eine rechnerische Grösse, bei
der die medizinisch attestierte Arbeitsunfähigkeit für die Ermittlung des der Berechnung zu
Grunde gelegten Invalideneinkommens eine Rolle spielt.
Es ist zu beachten, dass im vorliegenden Verfahren nicht eine erstmalige
Rentenanspruchsprüfung in Frage steht, sondern dem Beschwerdeführer wurde von der
Vorinstanz bereits ab November 2004 eine Dreiviertelsrente und ab Februar 2009
schliesslich eine volle Invalidenrente ausgerichtet (vgl. IV-act. 184). Die ursprüngliche
Rentenverfügung - im vorliegenden Fall die nach dem Verfahren O3V 11 18 in Rechtskraft
erwachsene Rentenverfügung vom 7. Februar bzw. 7. März 2011 (IV-act. 170) - gewährte
dem Beschwerdeführer somit (zunächst) Dauerleistungen aufgrund eines einmal eruierten
Sachverhalts. Die Rechtskraft einer derartigen Dauerverfügung erstreckt sich allerdings
einzig auf einmal bejahte Anspruchsvoraussetzungen und Faktoren der
Leistungsbemessung, soweit sie im Entscheidzeitpunkt abgeschlossene Sachverhalte
betreffen und steht somit der Anpassung an spätere Veränderungen nicht absolut entgegen
(vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_842/2016 vom 18. Mai 2017, E. 5.1.1, m.w.H.).
Soll die dem Beschwerdeführer bisher ausgerichtete Rente für die Zukunft aufgehoben
werden, ist dies aber grundsätzlich nur dann möglich, wenn entweder ein Revisionsgrund
im Sinn von Art. 17 ATSG vorliegt (vgl. dazu nachfolgend, E. 2.2) oder wenn dem
Beschwerdeführer allenfalls eine unentschuldbare Mitwirkungspflichtverletzung
Seite 12
vorzuwerfen wäre, wobei für eine Leistungseinstellung mit dieser Begründung die in diesem
Zusammenhang anwendbaren Verfahrensbestimmungen korrekt eingehalten worden sein
müssten (vgl. dazu Art. 21 Abs. 4 ATSG, sowie nachfolgend, E. 2.5).
2.2. Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG), wobei eine
bloss unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen
Sachverhalts nicht für die Vornahme einer Rentenrevision ausreicht (anstelle vieler: Urteil
des Bundesgerichts 8C_363/2018 vom 26. November 2018, E. 5.3, m.w.H.).
a. Der Regelfall einer Rentenanpassung gestützt auf Art. 17 Abs. 1 ATSG bildet eine
Änderung des Gesundheitszustands. Die Vorinstanz geht davon aus, eine solche Änderung
des Gesundheitszustands liege im vorliegenden Fall nicht vor. Schon bei der ersten
amtlichen Prüfung der Revisionsvoraussetzungen im Oktober 2012 stellte sie beim
Beschwerdeführer keine gesundheitlichen Veränderungen fest, die sich auf die
zugesprochene Rentenleistung auswirken würden und teilte ihm entsprechend mit, er habe
weiterhin Anspruch auf die bisher ausgerichtete volle Invalidenrente (IV-act. 192).
Vorgängig war allerdings lediglich beim Beschwerdeführer und bei Dr. D_ je ein
Revisionsformular eingeholt worden, auf welchem beide angaben, der Beschwerdeführer
könne keiner Arbeit nachgehen (IV-act. 187 und 190). Weitere medizinische Berichte
wurden nicht eingeholt. Auch im Rahmen der hier interessierenden zweiten
Revisionsprüfung, welche die Vorinstanz nach Vorliegen eines von der B_ beim USZ
eingeholten Gutachtens (vgl. IV-act. 200) einleitete, ging die Vorinstanz stets ausdrücklich
davon aus, die Rentenrevision könne nicht mit einer Veränderung des
Gesundheitszustands begründet werden (siehe auch den ausdrücklichen Hinweis auf einen
„fehlenden medizinischen Revisionsgrund“ in der angefochtenen Verfügung, vgl. act. 262,
S. 1; ferner auch Vernehmlassung, act. 6). Ob diese Annahme, wonach der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sich seit der Rentenzusprache gar nicht
verändert habe, zutreffend ist oder nicht, kann an dieser Stelle vorläufig offengelassen
werden (siehe dazu aber nachfolgend, insbesondere E. 2.4d). Hätte sich der
Gesundheitszustand verändert, wäre eine Rentenrevision aber grundsätzlich angezeigt und
es wäre zu prüfen, ob sich infolge des geänderten Gesundheitszustands auch der
Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers geändert hätte, was gegebenenfalls zu einer
Rentenanpassung oder -aufhebung führen würde.
Seite 13
b. Die Voraussetzung der Änderung des Invaliditätsgrads gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG
bedeutet nicht zwingend eine Entwicklung des Gesundheitszustands, sondern lediglich,
dass eine bestimmte Änderung der anspruchsbegründenden Tatsachen eingetreten sein
muss. Eine Änderung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit kann unter
Umständen auch bei an sich gleich bleibendem Gesundheitszustand eintreten. Dabei kann
auch eine entsprechend zumutbare Eingliederung berücksichtigt werden (vgl. zum Ganzen
UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N. 28 f. zu Art. 17 ATSG, m.w.H.). Der
Vorinstanz ist also insoweit zuzustimmen, dass im Fall des Beschwerdeführers eine
Revision insbesondere auch dann angezeigt wäre, wenn - bei an sich gleich gebliebenem
Gesundheitszustand - neu die Zumutbarkeit der Teilnahme an Eingliederungsmassnahmen
gegeben wäre, nachdem diese Zumutbarkeit bei der ursprünglichen Rentenzusprache von
der Vorinstanz gestützt auf die entsprechende Einschätzung des RAD noch verneint
worden war. Zu klären ist daher im vorliegenden Verfahren nicht nur die Frage, ob beim
Beschwerdeführer tatsächlich von einem unveränderten Gesundheitszustand seit der
ersten Rentenzusprache ausgegangen werden kann (wie dies die Vorinstanz tut), sondern,
sollte dies zutreffen, zusätzlich die weitere Frage, ob dem Beschwerdeführer neu
Wiedereingliederungsmassnahmen überhaupt zumutbar wären. Werden beide Fragen
bejaht, wäre im Rahmen einer Revision die früher zugesprochene Rente genauso zu
überprüfen, wie dies dann der Fall wäre, wenn - wovon die Vorinstanz allerdings selber gar
nicht ausgeht - ein veränderter Gesundheitszustand vorliegen würde.
2.3
Für die medizinische Referenzlage ist insbesondere das SIVM-Gutachten aus dem Jahr
2009 entscheidend. In jenem Gutachten (IV-act. 120) führten die Gutachter an: „Aus
rheumatologischer und neurologischer Sicht sind alle Tätigkeiten, die inhaltlich der zuletzt
ausgeübten ebenbürtig sind, zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht ist neben der
Schmerzerkrankung und der leichten Depression eine im Hauptteil des Gutachtens
genauer beschriebene Selbstlimitation für die Arbeitsfähigkeit aktuell relevant. Während die
Schmerzerkrankung wahrscheinlich langfristig die Arbeitsfähigkeit um ca. 20%
einschränken dürfte, sind die übrigen einschränkenden Faktoren durch die im Hauptteil des
Gutachtens beschriebenen medizinischen und beruflichen Massnahmen aber behebbar.
Mittelfristig (6-12 Monate) sollte so eine 80%ige Arbeitsfähigkeit für leichte bis
mittelschwere Tätigkeiten erreichbar sein“ (IV-act. 120, S. 34). Unter Berücksichtigung
dieser gutachterlichen Einschätzung, wonach der Beschwerdeführer grundsätzlich zu rund
80% arbeitsfähig in einer adaptierten Tätigkeit zu betrachten war, erachtete Dr. E_ den
Beschwerdeführer im RAD-Bericht vom 25. März 2010 (IV-act. 151) allerdings konkret als
in nächster Zeit vorerst zu lediglich 20-30% arbeitsfähig in geschütztem Rahmen, dies
Seite 14
namentlich gestützt auf nach ihrer Sicht nachvollziehbare Angaben des behandelnden
Psychiaters Dr. D_, gemäss welchem die Voraussetzungen für berufliche Massnahmen
(jedenfalls damals) noch nicht gegeben waren.
2.4 Im neuen polydisziplinären Gutachten, das die B_ im Jahr 2013/2014 beim USZ einholte,
gingen die Gutachter in ihrer Gesamtbeurteilung davon aus, der Beschwerdeführer sei seit
2009 in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 70-80% arbeitsfähig (IV-act. 200, S. 91) und
attestierten ihm demnach sinngemäss eine Leistungseinschränkung von 20-30%, wie dies
schon im SIVM-Gutachten aus dem Jahr 2009 der Fall gewesen war. Sofern auf das neue
USZ-Gutachten abgestellt werden könnte, wäre folglich die Annahme der Vorinstanz, der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich seit 2009 grundsätzlich nicht
wesentlich verändert, zutreffend. Sollten dem Beschwerdeführer zudem inzwischen
berufliche Massnahmen zumutbar sein, wäre eine Rentenrevision angezeigt, da der
Invaliditätsgrad-Berechnung neu eine Arbeitsfähigkeitseinschätzung von 70-80% zugrunde
zu legen wäre (und nicht mehr, wie noch bei der ersten Rentenverfügung, eine deutlich
höhere Leistungseinschränkung des Beschwerdeführers, welche deshalb angenommen
wurde, weil damals noch davon ausgegangen wurde, dem Beschwerdeführer sei die
Teilnahme an der zur Umsetzung seiner Restarbeitsfähigkeit nötigen Eingliederung noch
gar nicht zumutbar, vgl. IV-act. 170, S. 11 sowie IV-act. 184).
a. Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit stützt sich die Verwaltung und im Beschwerdefall
das Gericht auf Unterlagen, welche von ärztlichen und gegebenenfalls auch anderen
Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind
die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können. Die Annahme eines
invalidisierenden Gesundheitsschadens setzt grundsätzlich eine fachärztliche, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl.
dazu BGE 136 V 279, E. 3.2.1). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts
8C_610/2018 vom 22. März 2019, E. 2.2.1, m.w.H.).
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b. Zu Recht weist der Beschwerdeführer in seinen Eingaben darauf hin, dass das USZ-
Gutachten diese von der Rechtsprechung entwickelten Anforderungen nicht zu erfüllen
vermag, nachdem verschiedene Teilgutachten ausdrücklich unvollständig sind und die
interdisziplinäre Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus diesem Grund provisorisch
geblieben ist:
• Neuropsychologisches Teilgutachten vom 12. Januar 2014 (IV-act. 200, S. 75)
Die Untersuchung wurde abgebrochen, daher ist die testpsychologische Erhebung
unvollständig geblieben (S. 1 Teilgutachten). Das Teilgutachten enthält entsprechend
auch keine abschliessende Arbeitsfähigkeitsschätzung aus neuropsychologischer
Sicht.
• Rheumatologisches Teilgutachten vom 14. März 2014 (IV-act. 200, S. 100 ff.)
Die Untersuchungen durch Dr. G_ wurden mit Ausnahme einer EFL vollständig
durchgeführt. Es werden keine Einschränkungen erwähnt mit Bezug auf die
Aussagekraft des Teilgutachtens. Gemäss Einschätzung des Rheumatologen besteht
grundsätzlich volle Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit. Die
rheumatologischen Abklärungen und Schlussfolgerungen sind damit grundsätzlich
schlüssig und nachvollziehbar, inzwischen allerdings aufgrund des Zeitablaufs
allenfalls nicht mehr aktuell.
• Neurologisches Teilgutachten vom 30. April 2014 (IV-act. 200, S. 129 ff.)
Aus neurologischer Sicht ergaben sich grundsätzlich keine Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit. Die neurologischen Abklärungen und Schlussfolgerungen sind damit
grundsätzlich schlüssig und nachvollziehbar, inzwischen allerdings aufgrund des
Zeitablaufs allenfalls nicht mehr aktuell.
• Psychiatrisches Teilgutachten vom 5. Mai 2014 (IV-act. 200, S. 2 ff.)
Der Gutachter nimmt „vermutlich“ eine leichte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um
ca. 20 bis 30% an (S. 66 Teilgutachten), weist aber gleichzeitig darauf hin, dass die
Sicherheit dieser Beurteilung aus verschiedenen Gründen „deutlich reduziert“ sei (S.
67 Teilgutachten). Es handelt sich somit lediglich um eine provisorische Einschätzung.
In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung vom 11. Juni 2014 weisen die USZ-Gutachter
denn auch gleich vorweg ausdrücklich darauf hin, dass diverse Untersuchungen gar nicht
oder nicht abschliessend durchgeführt werden konnten (IV-act. 200, S. 78), ausserdem war
die Abklärung in verschiedener Hinsicht erschwert bzw. die Aktenlage dürftig und es
bestand keine Möglichkeit, zusätzliche Informationen aus dem privaten Umfeld zu erheben
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(IV-act. 200, S. 89), so dass die Gutachter schliesslich zusammenfassend festhalten: „Alle
untersuchenden Ärzte der Teilgutachten sind sich einig, dass die Sicherheit der Beurteilung
reduziert ist, da der Explorand nur eingeschränkt Angaben zu seinen Symptomen, zu
seiner Alltagsgestaltung und zu seiner Funktionsfähigkeit im Alltag machte. Daneben war
die gutachterliche Untersuchung teilweise durch interaktionelle Schwierigkeiten stark
erschwert und verzerrt“ (IV-act. 200, S. 99). Das Gutachten wurde vom USZ zudem
ausdrücklich als „provisorisches Gutachten“ bezeichnet (IV-act. 200, S. 1). Unter diesen
Umständen sind die Voraussetzungen nicht erfüllt, um bei der Festlegung des
Invaliditätsgrads auf das USZ-Gutachten abzustellen, da dieses offensichtlich nicht
umfassend ist und damit den von der Rechtsprechung entwickelten Anforderungen klar
nicht zu genügen vermag.
c. Nebst dem USZ-Gutachten liegen im vorliegenden Fall keine anderen medizinischen
Unterlagen vor, in welchen die von der Vorinstanz bei der Ermittlung des Invaliditätsgrads
angenommene Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im Umfang von 70-80% bestätigt
würde. Ebenfalls fehlt es an anderen konkreten Unterlagen, gestützt auf welche davon
ausgegangen werden könnte, dem Beschwerdeführer sei die Durchführung der ihm
angebotenen beruflichen Massnahmen inzwischen zumutbar: Vom behandelnden
Psychiater wurde dem Beschwerdeführer vielmehr wiederholt eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischen Gründen attestiert (IV-act. 190, 209, 211, 215; siehe
ferner auch Bericht Dr. F_, IV-act. 252 S. 8 f.). Auch aus der Observation des
Beschwerdeführers im Frühling 2013 ergaben sich keine konkreten Anhaltspunkte, die
genügen würden, um gestützt darauf konkrete Schlüsse bezüglich Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers zu ziehen. Die Observationsdetektive gaben in ihrem Bericht lediglich
an, sie hätten bei der mehrtägigen Observation den Eindruck eines selbstsicheren,
aufgestellten, aktiven, freundlichen und hilfsbereiten Mannes mit viel Familiensinn erhalten.
Ihre Beobachtungen liessen sie zwar auf eine berufliche Tätigkeit des Beschwerdeführers
schliessen (Schriftsachentransport, Fahrten zu einer Baustelle und Besuch eines
Gewerbehauses, längere Telefonate während Autofahrten, vgl. zum Ganzen IV-act. 220.3,
S. 3 ff.), allerdings konnte diese Vermutung nicht weiter konkretisiert werden. Auch wenn
grundsätzlich nichts dagegen spricht, im konkreten Fall auch die Observationsergebnisse
mitzuberücksichtigen (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_579/2018 vom 9. Januar
2019, E. 5.2.1), vermögen diese trotzdem nicht eine schlüssige medizinische Einschätzung
völlig zu ersetzen.
d. Zusammengefasst lässt sich gestützt auf das vorhandene medizinische Dossier weder die
Annahme der Vorinstanz, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sei seit der
erstmaligen Rentenzusprache unverändert, noch die Annahme, neu sei ihm entgegen der
Seite 17
ursprünglichen Einschätzung bei der erstmaligen Rentenzusprache die Teilnahme an
beruflichen Massnahmen zumutbar, bestätigen. Umgekehrt liegen derzeit auch (noch)
keine Unterlagen vor, aus denen zu schliessen wäre, der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers habe sich wesentlich verändert (wovon die Vorinstanz allerdings gar
nicht ausgeht). Insgesamt ist der aktuelle medizinische Sachverhalt, nachdem das USZ-
Gutachten die Anforderungen an die Beweistauglichkeit nicht erfüllt, noch gar nicht
abschliessend geklärt worden.
2.5 Die Vorinstanz scheint sich dessen bewusst zu sein, räumt sie in ihrer Stellungnahme vom
12. Dezember 2017 (act. 14) ausdrücklich ein: „Wir stimmen der Beschwerdeführerin zu,
dass das Gutachten nicht die wünschenswerte Vollständigkeit aufweist.“ Entgegen der
Ansicht der Vorinstanz ist aber nicht erstellt, dass dies „einzig und allein in der
Verantwortung des Versicherten“ liegt, wie die Vorinstanz in derselben Stellungnahme
anführt.
a. Wie der Vorinstanz aus den Erwägungen im Beschluss des Obergerichts im Verfahren O2V
16 39 betreffend die Klage des Beschwerdeführers gegen die B_ bekannt ist (der
vollständige Beschluss wurde vom Beschwerdeführer mit der Replik zu den Akten gereicht,
vgl. act. 12), war auch der entsprechende Vorwurf der B_ gegenüber dem
Beschwerdeführer, er habe sich im Zusammenhang mit den abgesagten
Gutachtenterminen am USZ einer Mitwirkungspflichtverletzung schuldig gemacht, unter den
gegebenen Umständen nicht gerechtfertigt.
b. Eine allfällige Mitwirkungspflichtverletzung des Beschwerdeführers gegenüber der B_
würde allerdings ohnehin nicht das Verhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und der
Vorinstanz betreffen: Ob dem Beschwerdeführer eine Mitwirkungspflichtverletzung
gegenüber der IV-Stelle vorgeworfen werden kann, welche diese zu einer
Leistungseinstellung berechtigen würde, ist eine andere Frage als jene nach einer
allfälligen Mitwirkungspflichtverletzung des Beschwerdeführers gegenüber der B_. Es
war im vorliegenden Fall die B_ allein, die den Beschwerdeführer zum Gutachten am
USZ eingeladen hatte. Nur dann, wenn eine konkrete Aufforderung der IV-Stelle vorliegen
würde, der Beschwerdeführer habe sich einer bestimmten Begutachtung zu unterziehen
(wobei selbstverständlich auch denkbar wäre, dass es sich um eine Begutachtung
handelte, die in Rücksprache und Koordination mit der im vorliegenden Fall ebenfalls
involvierten B_ organisiert würde), könnte, sofern die weiteren Voraussetzungen dazu
erfüllt wären, allenfalls die Vorschrift von Art. 43 Abs. 3 ATSG greifen, wonach der
Versicherungsträger aufgrund der Akten verfügen kann, wenn eine versicherte Person
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ihren Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nachkommt. Wollte sich die IV-
Stelle zur Begründung der angefochtenen Rentenverfügung auf Art. 43 Abs. 3 ATSG
berufen, hätte sie zuvor ein klar geregeltes formelles Verfahren einzuhalten gehabt, indem
sie die betroffene Person vorher schriftlich mahnen und unter Einräumung einer
angemessenen Bedenkzeit auf die Rechtsfolgen hinweisen muss. Ein solches Verfahren
fand seitens der IV-Stelle nie statt. Es erübrigt sich unter diesen Umständen, weiter zu
erläutern, weshalb dem Beschwerdeführer im Zusammenhang mit der Gutachtenabsage
seitens des USZ ohnehin auch im Verhältnis zur B_ keine Mitwirkungspflichtverletzung
vorzuwerfen ist (vgl. dazu aber insbesondere E. 8 im Beschluss des Obergerichts vom 31.
Oktober 2017, act. 12). Eine Mitwirkungspflichtsverletzung gegenüber der IV-Stelle ist
schon deshalb nicht ersichtlich, weil die IV-Stelle selber den Beschwerdeführer gar nie
dazu aufgefordert hatte, sich der Begutachtung beim USZ (oder allenfalls einer anderen
aktuellen Begutachtung) zu unterziehen.
c. Eine schuldhafte Mitwirkungspflichtsverletzung gegenüber der Vorinstanz käme unter den
gegebenen Umständen zwar auch dann in Frage, wenn feststehen würde, dass dem
Beschwerdeführer die ihm angebotene Wiedereingliederung aus medizinischer Sicht
tatsächlich zumutbar wäre (was von der Vorinstanz sowohl im Zeitpunkt der erstmaligen
Rentenzusprache als auch noch im Zeitpunkt der ersten Rentenüberprüfung im Jahr 2012
noch verneint worden war) und er in schuldhafter Weise nicht an einer solchen
Wiedereingliederung teilnimmt. Für solche Fälle sieht Art. 21 Abs. 4 ATSG vor, dass einer
versicherten Person die Leistungen ebenfalls vorübergehend oder dauernd gekürzt oder
verweigert werden können. Gestützt auf die vorhandenen medizinischen Einschätzungen
kann aber letztlich gar nicht abschliessend beurteilt werden, ob dem Beschwerdeführer die
ihm angebotenen Eingliederungsbemühungen überhaupt zumutbar waren oder nicht:
Genauso wenig, wie beweiskräftige medizinische Unterlagen zur Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers vorliegen, sind auch keine beweiskräftige
medizinische Unterlagen vorhanden, die sich im konkreten Fall zur Zumutbarkeit der
Teilnahme an Wiedereingliederungsmassnahmen äussern würden. So, wie sich der
Sachverhalt aus den IV-Akten ergibt, bestehen daher auch keine Anhaltspunkte für eine
konkrete Mitwirkungspflichtverletzung des Beschwerdeführers im Rahmen der letzten
Eingliederungsbemühungen:
Im Januar 2015 teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer mit, sie habe von der B_
das Gutachten des Universitätsspitals Zürich vom 11. Juni 2014 erhalten. Gemäss diesem
Gutachten sei er aus medizinischer Sicht nicht in rententangierendem Ausmass
gesundheitlich eingeschränkt. Aufgrund dieser Beurteilung wolle die Vorinstanz die
Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt zügig an die Hand nehmen und einen
Seite 19
Arbeitsversuch starten (IV-act. 196). Nachdem die Vorinstanz vom Beschwerdeführer und
der B_ weitere Unterlagen erhalten und schliesslich gestützt darauf auch beim RAD
einen Bericht angefordert hatte (insbesondere IV-act. 200, 220, 221), lud sie ihn zu einem
persönlichen Gespräch ein, welches am 18. Oktober 2016 stattfand (IV-act. 225). Ende
November 2016 fand zudem ein Besichtigungstermin bei der Dreischiibe in Herisau statt
und es wurde ein dreimonatiges Belastbarkeitstraining mit Start am 16. Januar 2016
vereinbart (IV-act. 235). Diese berufliche Massnahme wurde vorzeitig abgebrochen,
nachdem der Beschwerdeführer ab anfangs Februar 2017 nicht mehr zur Arbeit erschienen
war (IV-act. 246). Mit Schreiben vom 16. Februar 2017 forderte die Vorinstanz den
Beklagten sinngemäss auf, zu belegen, welche gesundheitlichen Einschränkungen ihn an
der Wiedereingliederung hinderten (IV-act. 245). Dr. D_, der dem Beschwerdeführer ab
dem 13. Februar 2017 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestierte hatte (IV-act. 243),
erläuterte im Bericht vom 8. März 2017 genauer, der Beschwerdeführer habe am 23.
Dezember 2017 einen Autounfall erlitten und dieser habe seine paranoiden Symptome
verstärkt; daher habe er ihn krankgeschrieben, in diesem Zustand sei eine
Wiederaufnahme der Wiedereingliederungsmassnahmen nicht möglich, sondern mit der
Wiedereingliederung könne erst fortgefahren werden, wenn die paranoiden Symptome
wieder abgeklungen seien (IV-act. 259, S. 11). Nachdem dem Beschwerdeführer somit von
seinem behandelnden Psychiater nach Beginn der beruflichen Eingliederung ab Februar
2017 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden war, kann ihm nicht ohne
weiteres vorgeworfen werden, er habe sich schuldhaft der Wiedereingliederung entzogen.
Dieser Vorwurf wäre vielmehr nur dann gerechtfertigt, wenn gestützt auf (andere)
medizinische Unterlagen, welche konkret den Zeitraum vom Februar 2017 oder später
betreffen, zumindest mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen wäre, dass
dem Beschwerdeführer die Weiterführung der begonnenen beruflichen Massnahme
entgegen dem Attest des behandelnden Psychiaters tatsächlich zumutbar gewesen wäre.
Solche Unterlagen liegen aber gerade nicht vor. Gestützt auf die vorhandenen
(beweistauglichen) medizinischen Unterlagen kann die Aufhebung der Rente daher auch
nicht mit einer allfälligen Mitwirkungspflichtverletzung des Beschwerdeführers bei der ihm
angebotenen Wiedereingliederung begründet werden. Hinzu kommt, dass bei Leistungen,
die gestützt auf Art. 21 Abs. 4 ATSG verweigert werden; ebenfalls zwingend die Einhaltung
eines gesetzlich geregelten formellen Mahnverfahrens erforderlich wäre, wobei nicht
ersichtlich ist, dass die Vorinstanz dieses im konkreten Fall vor der verfügten
Renteneinstellung beachtet hätte.
2.6 Im konkreten Fall lässt sich die von der Vorinstanz verfügte Rentenaufhebung somit beim
derzeitigen Aktenstand nicht gestützt auf Art. 17 ATSG begründen. Es liegen weder
Seite 20
beweiskräftige medizinische Unterlagen vor, die dafür sprechen würden, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in einer für die Festlegung des
Invaliditätsgrads erheblichen Weise verändert hat, noch sind beweiskräftige medizinische
Unterlagen vorhanden, welche dafür sprechen würden, dass dem Beschwerdeführer neu
die Teilnahme an Wiedereingliederungsmassnahmen tatsächlich zumutbar wäre. Es wird
Sache der Vorinstanz sein, den aktuellen medizinischen Sachverhalt im Rahmen der
bereits von ihr aufgegleisten Revisionsprüfung zunächst noch abschliessend zu klären,
wobei es ihr selbstverständlich freisteht, sich diesbezüglich mit der B_, die ebenfalls
Interesse an der Klärung des aktuellen Gesundheitszustands des Beschwerdeführers
haben dürfte, zu koordinieren. Sofern die Vorinstanz sich auf konkrete Mitwirkungspflichten
des Beschwerdeführers berufen will, wird sie zudem das gesetzlich festgelegte Mahn- und
Bedenkzeitverfahren (Art. 21 Abs. 4 ATSG bzw. Art. 43 Abs. 3 ATSG) korrekt umzusetzen
und dabei insbesondere auch zu beachten haben, dass Handlungen, welche
ausschliesslich im Verhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und der B_ erfolgen, nicht
automatisch auch im invalidenversicherungsrechtlichen Verhältnis zwischen dem
Beschwerdeführer und der Vorinstanz Bedeutung erlangen.
2.7 Der Beschwerdeführer verlangte ausserdem, es sei ihm die unentgeltliche Verbeiständung
im Verwaltungsverfahren vor der IV-Stelle zu gewähren, was von der Vorinstanz abgelehnt
wurde.
a. Art. 29 Abs. 3 der Schweizerischen Bundesverfassung (BV, SR 101) räumt jeder Person,
die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, soweit es zur Wahrung ihrer Rechte
notwendig ist und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint, einen Anspruch auf
einen unentgeltlichen Rechtsbeistand ein. Die Frage nach einer unentgeltlichen Vertretung
stellt sich namentlich in Gerichtsverfahren; gemäss Art. 37 Abs. 4 ATSG ist einer
gesuchstellenden Person aber auch bereits im verwaltungsinternen
Sozialversicherungsverfahren ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bewilligen, sofern „die
Verhältnisse es erfordern“ (vgl. zum Ganzen auch UELI KIESER, a.a.O., N. 35 ff. zu Art. 37
ATSG, m.w.H.).
b. Nebst der Bedürftigkeit der Partei sind die allgemeinen Voraussetzungen einer
unentgeltlichen Verbeiständung gemäss ständiger Rechtsprechung die fehlende
Aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren sowie eine sachliche Gebotenheit im konkreten Fall.
Im vorliegenden Fall wurden diese Voraussetzungen vom Einzelrichter im Verfahren ERV
17 31 bereits geprüft und dem Beschwerdeführer wurde für das vorliegende
Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Verbeiständung gewährt (act. 10). Die
Seite 21
Anforderungen an die Erforderlichkeit der unentgeltlichen Verbeiständung im
Verwaltungsverfahren sind allerdings höher als im Beschwerdeverfahren vor dem
kantonalen Versicherungsgericht, wo die unentgeltliche Verbeiständung schon zu
gewähren ist, sobald die Verhältnisse es rechtfertigen (Art. 61 lit. f ATSG). Gemäss
Rechtsprechung des Bundesgericht rechtfertigt sich die strengere Prüfung der
Erforderlichkeit deshalb, weil die IV-Stelle aufgrund der Offizialmaxime verpflichtet ist, den
rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen gründlich abzuklären (vgl. Urteil des
Bundesgerichts I 746/06 vom 8. November 2006, E. 3.1 m.w.H.). Ein Anspruch auf
anwaltliche Verbeiständung bereits im Verwaltungsverfahren besteht daher nur in
Ausnahmefällen, in denen ein Rechtsanwalt beigezogen wird, weil schwierige rechtliche
oder tatsächliche Fragen dies als notwendig erscheinen lassen und eine Verbeiständung
durch Verbandsvertreter, Fürsorger oder andere Fach- oder Vertrauensleute sozialer
Institutionen nicht in Betracht fällt (vgl. dazu BGE 132 V 200, E. 4.1 mit zahlreichen
Hinweisen; BGE 125 V 32 E. 4b).
c. Im vorliegenden Fall erscheinen die Voraussetzungen für die ausnahmsweise Gewährung
einer unentgeltlichen Vertretung bereits im Verwaltungsverfahren bei einer
Gesamtwürdigung der Umstände nicht als erfüllt. Insbesondere, nachdem sich aus den
Akten ergibt, dass der Beschwerdeführer zumindest innerhalb seiner Familie sehr gut
vernetzt zu sein scheint, wäre es ihm zuzumuten gewesen, sich - allenfalls mit Hilfe seiner
Familienangehörigen - gegebenenfalls nötige Beratung und Unterstützung für das
verwaltungsinterne Verfahren vor der Vorinstanz noch ohne Beizug des Rechtsvertreters zu
organisieren. Dass die Vorinstanz sein Gesuch um Gewährung unentgeltlicher Vertretung
im Verwaltungsverfahren abgelehnt hat, ist unter Berücksichtigung der strengen
Voraussetzungen, die gemäss Rechtsprechung in diesem Zusammenhang erforderlich
sind, nicht zu beanstanden. Die diesbezügliche Beschwerde ist abzuweisen.
3. Kosten und Entschädigung
3.1 Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Weil die
Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks ergänzender Abklärungen
rechtsprechungsgemäss als Obsiegen gilt (anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts
9C_874/2014 vom 2. September 2015, E. 5; BGE 137 V 57, E. 2.1), sind dem
Verfahrensausgang entsprechend beim obsiegenden Beschwerdeführer keine Kosten zu
erheben, wobei für die gleichzeitige Abweisung der Beschwerde im Zusammenhang mit der
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Nichtgewährung der unentgeltlichen Verbeiständung im Verwaltungsverfahren
insbesondere unter Berücksichtigung des diesbezüglich für das Obergericht
unwesentlichen Mehraufwandes ausnahmsweise verzichtet werden kann. Die dem
Beschwerdeführer gewährte unentgeltliche Prozessführung im Gerichtsverfahren erübrigt
sich damit.
3.2 Zudem hat die IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden dem Beschwerdeführer dem
Verfahrensausgang entsprechend eine Parteientschädigung auszurichten, welche vom
Gericht festgesetzt wird und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der
Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen ist (Art. 61 lit. g
ATSG). Die dem Beschwerdeführer für das vorliegende Beschwerdeverfahren gewährte
unentgeltliche Verbeiständung erübrigt sich damit ebenfalls.
Gemäss Kostennote vom 13. Mai 2019 macht die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
für das vorliegende Beschwerdeverfahren einen zeitlichen Aufwand von 18.72 Stunden
geltend (act. 23). Dies führt rechnerisch zu einem vollen Honorar im Betrag von Fr. 3‘744.--,
welches namentlich unter Berücksichtigung des Umfanges der Eingaben und der vom
Obergericht in gleichartigen Fällen zugesprochenen Parteientschädigungen angemessen
erscheint. Unter Hinzurechnung der geltend gemachten Barauslagen im Betrag von Fr.
263.70 und der Mehrwertsteuer (wobei vereinfacht mit einem einheitlichen Satz von 8%
gerechnet wird, nachdem der Aufwand im Wesentlichen vor dem Wechsel des
Mehrwertsteuersatzes per 1. Januar 2018 erfolgte und das Honorar vor Verwaltungsgericht
ohnehin pauschal festzulegen ist [Art. 13 Abs. 1 lit. c Anwaltstarif, bGS 145.53]) ergibt sich
somit eine Parteientschädigung im Betrag von insgesamt Fr. 4‘328.30, welche dem
Beschwerdeführer zulasten der Vorinstanz zuzusprechen ist.
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