Decision ID: 2fd7988e-52a8-593f-9799-d97132e35291
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 4. Dezember 2019 in der Schweiz
um Asyl nach. Zur Begründung ihres Gesuchs brachte sie vor, sie sei in
der Ukraine von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht worden und in die
Schweiz geflüchtet, weil ihr leiblicher Vater (B._, selbe N-Nummer)
hier lebe.
A.b Das SEM erachtete die Asylvorbringen der Beschwerdeführerin als
nicht asylrelevant. Es lehnte das Asylgesuch mit Verfügung vom 22. Juli
2020 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug
an.
A.c Die gegen diesen Entscheid gerichtete Beschwerde vom 21. August
2020 wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-4173/2020 vom
18. September 2020 ab.
B.
B.a Mit Eingabe an das SEM vom 30. Oktober 2020 ersuchte die Be-
schwerdeführerin sinngemäss um Wiedererwägung des Asylentscheids
vom 22. Juli 2020. Sie machte geltend, sie habe sich nach dem negativen
Beschwerdeurteil in Psychotherapie begeben müssen, und reichte ein
fachärztliches Attest vom 12. Oktober 2020 sowie eine bereits im ordentli-
chen Asylverfahren eingereichte Einwilligungserklärung der Mutter zu den
Akten.
B.b Mit Schreiben vom 5. November 2020 überwies das SEM diese Ein-
gabe in Anwendung von Art. 8 VwVG zur Prüfung als Revisionsgesuch an
das Bundesverwaltungsgericht. Dieses stellte mit Schreiben vom 6. No-
vember 2020 (D-5488/2020) fest, das fachärztliche Attest sei erst nach Ab-
schluss des Beschwerdeverfahrens entstanden, weshalb eine Revision ge-
stützt darauf unzulässig sei (Verweis auf BVGE 2013/22). Es retournierte
daher dem SEM die Eingabe vom 30. Oktober 2020 zur gutscheinenden
Behandlung.
C.
Mit Zwischenverfügung vom 12. November 2020 erwog das SEM, dem
Wiedererwägungsgesuch seien keine neuen Tatsachen zu entnehmen.
Insbesondere seien sowohl die psychische Belastung der Beschwerdefüh-
rerin durch die Erlebnisse in der Ukraine als auch die dortigen Behand-
lungsmöglichkeiten bereits Gegenstand des ordentlichen Asylverfahrens
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gewesen. Das SEM qualifizierte das Wiedererwägungsgesuch daher als
aussichtslos und forderte die Beschwerdeführerin auf, bis zum 26. Novem-
ber 2020 einen Gebührenvorschuss von Fr. 600.– zu leisten, andernfalls
auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten werde. Im Weiteren
hielt es fest, angesichts der Aussichtslosigkeit des Gesuchs sei jedem wei-
teren Gesuch um Befreiung von der Bezahlung oder Reduktion des Ge-
bührenvorschusses, Akontozahlung oder Fristerstreckung keine Beach-
tung zu schenken.
D.
Mit Eingabe vom 26. November 2020 teilte der Rechtsvertreter der Be-
schwerdeführerin dem SEM seine Mandatsübernahme mit und ersuchte
um Einräumung einer Frist bis zum 20. Dezember 2020 für die Einreichung
einer Gesuchsergänzung sowie weiterer ärztlicher Berichte. Ausserdem
beantragte er unter Hinweis auf die prozessuale Bedürftigkeit der Be-
schwerdeführerin und das Vorliegen eines neuen Arztberichtes den Ver-
zicht auf die Erhebung des verlangten Gebührenvorschusses.
Der Eingabe lagen eine Vollmacht vom 26. November 2020 sowie eine So-
zialhilfebestätigung vom 23. November 2020 bei.
E.
Das SEM trat mit Verfügung vom 3. Dezember 2020 – tags darauf eröffnet
– auf das Wiedererwägungsgesuch mangels Leistung des erhobenen Ge-
bührenvorschusses nicht ein, erklärte seine Verfügung vom 22. Juli 2020
für rechtskräftig und vollstreckbar und hielt fest, einer allfälligen Be-
schwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu.
F.
Die Beschwerdeführerin focht diese Verfügung mit Beschwerde vom
11. Dezember 2020 beim Bundesverwaltungsgericht an. Sie beantragte,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, und das SEM sei anzuwei-
sen, auf das Wiedererwägungsgesuch einzutreten. Eventuell sei die Sache
zur Ergänzung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sub-
eventuell sei wiedererwägungsweise die Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Fer-
ner sei das SEM anzuweisen, auf die in Rechnung gestellte Gebühr von
Fr. 600.– zu verzichten. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwer-
deführerin um Erlass vorsorglicher Massnahmen (Vollzugsstopp), um Ein-
räumung einer Frist zur Einreichung eines neuen Arztberichtes sowie um
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Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses.
Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung sowie Ko-
pien von bereits im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Unterlagen
(Vollmacht, fachärztliches Attest vom 12. Oktober 2020, Sozialhilfebestäti-
gung) bei.
G.
Mit Verfügung vom 14. Dezember 2020 setzte das Bundesverwaltungsge-
richt den Vollzug der Wegweisung gestützt auf Art. 56 VwVG antragsge-
mäss per sofort einstweilen aus. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem
Bundesverwaltungsgericht gleichentags in elektronischer Form vor (vgl.
Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM ist eine Be-
hörde im Sinne von Art. 33 VGG und somit eine Vorinstanz des Bundes-
verwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie-
dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung
auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist
das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde-
führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Ausfüh-
rungen unter E. 5 und 6 – einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl.
BVGE 2014/26 E. 5).
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3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend
aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summa-
risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
4.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
Vorliegend ist lediglich zu prüfen, ob das SEM zu Recht auf die Eingabe
der Beschwerdeführerin vom 30. Oktober 2020 nicht eingetreten ist. Falls
die Beschwerdeinstanz den Nichteintretensentscheid als unrechtmässig
erachtet, enthält sie sich daher einer selbständigen materiellen Prüfung;
vielmehr hebt sie die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1
m.w.H.). Demnach ist auf das Rechtsbegehren, es sei infolge Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen, so-
wie den inhaltlich damit zusammenhängenden Antrag, es sei eine Frist zur
Einreichung eines weiteren Arztberichtes einzuräumen, nicht einzutreten.
6.
Auf das Rechtsbegehren, das SEM sei anzuweisen, auf die in Rechnung
gestellte Gebühr von Fr. 600.– zu verzichten, ist infolge fehlenden Rechts-
schutzinteresses ebenfalls nicht einzutreten; denn der Beschwerdeführerin
wurden in der angefochtenen Verfügung gar keine Gebühren auferlegt.
7.
7.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift-
lich und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG). In seiner prak-
tisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungsgesuch die Än-
derung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine nachträglich ein-
getretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5
m.w.H.).
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7.2 Gemäss Art. 111d AsylG erhebt die Vorinstanz eine Gebühr, sofern sie
ein Wiedererwägungs- oder Mehrfachgesuch ablehnt oder darauf nicht ein-
tritt. Sie kann von der gesuchstellenden Person einen Gebührenvorschuss
in der Höhe der mutmasslichen Verfahrenskosten verlangen und setzt ge-
gebenenfalls zu dessen Leistung unter Androhung des Nichteintretens eine
angemessene Frist an. Auf einen Gebührenvorschuss wird auf entspre-
chendes Gesuch hin insbesondere verzichtet, wenn die gesuchstellende
Person bedürftig ist und ihre Begehren nicht von vornherein aussichtslos
erscheinen (Art. 111d Abs. 1–3 AsylG).
7.3 Zwischenverfügungen des SEM, mit welchen über die Leistung eines
Gebührenvorschusses im Sinne von Art. 111d Abs. 3 AsylG entschieden
wird, können praxisgemäss erst mit dem Endentscheid angefochten wer-
den, zumal der Partei alleine aus der Verweigerung eines kostenfreien vor-
instanzlichen Verfahrens noch kein nicht wieder gutzumachender Nachteil
erwachsen kann, da ein allfälliger Nichteintretensentscheid zufolge Nicht-
bezahlung des Gebührenvorschusses auf dem ordentlichen Rechtsweg
angefochten werden kann (vgl. dazu BVGE 2007/18).
8.
8.1 Zur Begründung des Nichteintretensentscheids führte das SEM im We-
sentlichen aus, der infolge Aussichtslosigkeit der Gesuchsbegehren erho-
bene Gebührenvorschuss sei innert der eingeräumten Frist nicht bezahlt
worden, weshalb auf das Wiedererwägungsgesuch androhungsgemäss
nicht einzutreten sei. Auf den Antrag der Rechtsvertretung auf Fristverlän-
gerung und Verzicht auf den Kostenvorschuss werde nicht eingegangen,
da – wie bereits in der Zwischenverfügung festgehalten worden sei – davon
auszugehen sei, dass die Einreichung eines medizinischen Dokuments an
den Erwägungen in der Zwischenverfügung nichts zu ändern vermöchte.
8.2 In der Beschwerde wird gerügt, das SEM habe es unterlassen, den
rechtserheblichen Sachverhalt vollständig abzuklären, weshalb die ange-
fochtene Verfügung zu kassieren sei. Die Beschwerdeführerin habe sich
nach der Abweisung ihres Asylgesuchs in eine Therapie begeben müssen,
welche sie nun regelmässig besuche. Somit liege ein veränderter Gesund-
heitszustand und damit eine neue Sachlage vor. Der ärztliche Bericht vom
12. Oktober 2020 stelle ein neues Beweismittel dar, welches von der Vor-
instanz zu würdigen sei. Das SEM müsse daher auf das Wiedererwä-
gungsgesuch eintreten. Im ärztlichen Attest werde festgehalten, dass die
Beschwerdeführerin seit dem 28. August 2020 psychotherapeutisch be-
handelt werde und ein Vollzug der Wegweisung unzumutbar sei. Es sei
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stossend, dass das SEM das Wiedererwägungsgesuch abgelehnt (sic!)
habe, obwohl ein begründeter Antrag auf Verzicht auf den Kostenvor-
schuss gestellt worden sei, und ohne der Beschwerdeführerin eine weitere
Zahlungsfrist einzuräumen. Ausserdem könne der Einschätzung des SEM,
die Rechtsbegehren seien aussichtslos, nicht gefolgt werden. Mit dem
neuen medizinischen Gutachten, welches in den nächsten Tagen einge-
reicht werde, könne der Nachweis erbracht werden, dass der Wegwei-
sungsvollzug in die Ukraine für die Beschwerdeführerin unzumutbar sei.
9.
Hinsichtlich des in der Beschwerde gestellten Antrags auf Kassation der
vorinstanzlichen Verfügung vom 3. Dezember 2020 ist vorab festzustellen,
dass sich die zu dessen Begründung vorgebrachte Rüge, der medizinische
Sachverhalt sei ungenügend abgeklärt worden, nicht auf den Nichteintre-
tensentscheid vom 3. Dezember 2020 respektive dem diesem zugrunde-
liegenden Nichteintretensgrund (Nichtleistung des Gebührenvorschusses)
bezieht, sondern auf die vom SEM vorgenommene Beurteilung der Aus-
sichtslosigkeit des Wiedererwägungsgesuchs vom 30. Oktober 2020 und
damit primär auf die Zwischenverfügung des SEM vom 12. November
2020. In Bezug auf den Nichteintretensentscheid an sich werden dagegen
keine formellen Rügen vorgebracht. Somit besteht keine Veranlassung, die
angefochtene Verfügung vom 3. Dezember 2020 zu kassieren; das ent-
sprechende Rechtsbegehren ist abzuweisen.
10.
10.1 Zunächst ist zu prüfen, ob das SEM das Wiedererwägungsgesuch
vom 30. Oktober 2020 zu Recht mit Zwischenverfügung vom 12. November
2020 als aussichtslos erachtet und einen Gebührenvorschuss erhoben hat.
10.1.1 Im Beschwerdeurteil D-4173/2020 vom 18. September 2020 war
vom Bundesverwaltungsgericht festgestellt worden, die Beschwerdeführe-
rin habe sich bisher nicht wegen psychischer Probleme ärztlich behandeln
lassen. Falls sie nach ihrer Rückkehr in die Ukraine eine psychologische
oder psychiatrische Behandlung benötigen würde, könnte sie diese dort in
Anspruch nehmen, zumal die medizinische und psychiatrische Grundver-
sorgung in der Ukraine gewährleistet sei. Insbesondere könnte sie sich an
das in C._ ansässige Krisenzentrum für Opfer häuslicher und ge-
schlechtsbezogener Gewalt wenden, welches psychologische, medizini-
sche und soziale Unterstützung anbiete (vgl. E. 9.3.3). Im Wiedererwä-
gungsgesuch wiederholte die Beschwerdeführerin den bereits im ordentli-
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chen Asylverfahrens geltend gemachten Sachverhalt und reichte ein ärzt-
liches Attest vom 12. Oktober 2020 ein. Diesem ist zu entnehmen, dass sie
sich seit dem 28. August 2020 infolge einer posttraumatischen Belastungs-
störung in einer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung befindet.
Eine adäquate Behandlung in der Ukraine sei unvorstellbar und eine Aus-
schaffung unzumutbar.
10.1.2 Aufgrund des eingereichten ärztlichen Attests vom 12. Oktober
2020 ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin eine wöchentli-
che Gesprächstherapie infolge posttraumatischer Belastungsstörung in
Anspruch nimmt. Weder dem Attest noch der Begründung des Wiederer-
wägungsgesuchs sind Hinweise auf anderweitige psychische Erkrankun-
gen und/oder einen weitergehenden Behandlungsbedarf zu entnehmen.
Der blosse Umstand, dass die Beschwerdeführerin an einer posttraumati-
schen Belastungsstörung leidet und eine Gesprächstherapie beansprucht,
lässt den Vollzug der Wegweisung in die Ukraine offensichtlich weder un-
zulässig noch unzumutbar erscheinen. Da überdies bereits im Beschwer-
deurteil vom 18. September 2020 unter dem Gesichtspunkt der Zumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs explizit festgehalten wurde, dass es auf-
grund der Aktenlage nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Be-
schwerdeführerin infolge der erlittenen Vergewaltigung im Kindesalter so-
wie der weiteren Übergriffe durch ihren Stiefvater unter psychischen Prob-
lemen leide, und gleichzeitig auf die grundsätzlich gegebenen psychiatri-
schen Behandlungsmöglichkeiten in der Ukraine hingewiesen wurde (vgl.
Urteil D-4173/2020 E. 9.3), bestand für das SEM bei dieser Sachlage –
entgegen dem Vorbringen in der Beschwerde – keine Veranlassung, wei-
tere Abklärungen betreffend den Gesundheitszustand der Beschwerdefüh-
rerin oder allfälliger Behandlungsmöglichkeiten in der Ukraine vorzuneh-
men; die Rüge, der rechtserhebliche Sachverhalt sei unvollständig abge-
klärt worden, ist daher als unbegründet zu erachten. Das SEM hat in seiner
Zwischenverfügung vom 12. November 2020 vielmehr zu Recht festge-
stellt, die mittels ärztlichem Attest geltend gemachte psychische Erkran-
kung der Beschwerdeführerin stelle keine wiedererwägungsrechtlich er-
hebliche Veränderung der Sachlage dar.
10.1.3 Demnach hat das SEM das Wiedererwägungsgesuch vom 30. Ok-
tober 2020 zu Recht als aussichtslos bezeichnet und in Anwendung von
Art. 111d Abs. 3 AsylG einen Gebührenvorschuss erhoben.
10.2 Die Beschwerdeführerin ist ferner der Meinung, das SEM hätte ihr an-
gesichts der Eingabe des Rechtsvertreters vom 26. November 2020 vor
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Erlass eines Entscheids eine Frist für die Einreichung einer Gesuchsergän-
zung sowie eines weiteren Arztberichts oder zumindest eine Notfrist für die
Leistung des Gebührenvorschusses einräumen müssen. Dieser Auffas-
sung kann nicht gefolgt werden. In der Eingabe vom 26. November 2020
wurde lediglich die Nachreichung weiterer Eingaben (Arztbericht, Ge-
suchsergänzung) in Aussicht gestellt, ohne nähere Erläuterungen zum vo-
raussichtlichen Inhalt der fraglichen Unterlagen. Damit bestanden keine
ausreichenden und substanziierten Hinweise darauf, dass sich die rechts-
erhebliche Sachlage, namentlich der Gesundheitszustand der Beschwer-
deführerin, seit Erlass der Zwischenverfügung vom 12. November 2020
wesentlich verändert hätte. Der Umstand, dass das SEM bei dieser Sach-
lage darauf verzichtet hat, seine Zwischenverfügung in Wiedererwägung
zu ziehen und der Beschwerdeführerin eine Frist zur Einreichung weiterer
Unterlagen einzuräumen, ist nach dem Gesagten nicht zu beanstanden
und stellt insbesondere keine Verletzung der Pflicht zur richtigen und voll-
ständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts dar. Im Übri-
gen wurde bis heute weder eine Gesuchsergänzung noch ein weiterer Arzt-
bericht eingereicht. Sodann hat das SEM seine Zwischenverfügung mit der
ausdrücklichen Androhung versehen, angesichts der Aussichtslosigkeit
des Wiedererwägungsgesuchs werde jedem weiteren Gesuch um Befrei-
ung von der Bezahlung oder Reduktion des Gebührenvorschusses, Akon-
tozahlung oder Fristerstreckung keine Beachtung geschenkt und bei nicht
fristgerechter Bezahlung des Vorschusses auf das Gesuch nicht eingetre-
ten. Der Beschwerdeführerin (respektive ihrem Rechtsvertreter) musste
daher bekannt sein, dass ihr ungeachtet der nachträglich geltend gemach-
ten Bedürftigkeit keine Notfrist für die Leistung des Gebührenvorschusses
eingeräumt würde, falls der gestellte Antrag auf Fristansetzung abgelehnt
wird. Nach dem Gesagten ist das SEM als Folge der – nicht bestrittenen –
Nichtleistung des erhobenen Gebührenvorschusses innert der angesetz-
ten Frist zu Recht entsprechend seiner Androhung ohne Verzug auf das
Gesuch vom 30. Oktober 2020 nicht eingetreten.
10.3 Der Nichteintretensentscheid gestützt auf Art. 111b Abs. 2 i.V.m.
Art. 111d Abs. 3 AsylG ist daher zu bestätigen.
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf ein-
getreten wurde.
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12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht keine Veranlassung für eine
Beibehaltung der am 14. Dezember 2020 angeordneten (superprovisori-
schen) Massnahme; der fragliche Vollzugsstopp ist demnach aufzuheben.
13.
13.1 Mit dem vorliegenden Urteil ist das Beschwerdeverfahren abge-
schlossen. Der Antrag, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
zu verzichten, ist damit gegenstandslos geworden.
13.2 Die Beschwerde ist in Anbetracht der vorstehenden Erwägungen als
aussichtslos zu erachten. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist daher ungeachtet der geltend
gemachten prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen.
13.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten der Be-
schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 1'500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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