Decision ID: 1e95533c-5f0b-4754-be23-5db3064f7fd3
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1970 geborene
X._
war vom
1.
Juni 2000 bis 3
1.
Dezember 2003 als Kundenberaterin bei der
Y._
AG angestellt (
Urk.
9/22/5 und Urk. 9/32). Seit 2007 ist sie zudem in einem maximal 25
%
-Pensum als
selbständige
Karten
legerin tätig (
Urk.
9/113/4).
Nachdem d
ie
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
ihr ab 7. März 1989 Hilfsmittel (orthopädische Änderungen an
Serienschuhen, vgl. etwa
Urk.
9
/8) zugesprochen hatte, meldete sich die Versicherte am
17. November 2003
unter Hinweis auf eine Hüftluxation und diverse Operationen infolge
einer
Bein
verkürzung um 15 cm,
eines
um 3 Nummern kleinere
n
Fuss
es
,
einer
steife
n
Hüfte und
eines
schiefe
n
Hohlrücken
s
bei der Invalidenversicherung zum Rentenbezug an (Urk. 9/22). Die
IV-Stelle tätigte medizinische und erwerbliche
Abklärungen, liess die Versicherte insbesondere durch das
Z._
untersuchen
(Expertise vom 28. März 2006, Urk. 9/58) und wies das Rentenbegehren mit Verfügung vom 14. März 2007 (Urk. 9
/72
) ab.
1.2
Am
15. Juli 2009 stellte die Versicherte erneut ein Rentengesuch (Urk. 9/82), auf welches die IV-Stelle mit Verfügung vom 3. Dezember 2009 nicht eintrat (Urk. 9/92). Die dagegen erhobene Beschwerde wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 2
7.
Mai 2011 (Prozess-Nr. IV.2010.00067; Urk. 9/105) ab.
Auf die
beim Bun
desgericht
erhobene Beschwerde trat
dieses
mit Urteil
9C_606/2011 vom 29.
Au
gust 2011 nicht
ein (
Urk.
9/106).
1.3
Am
3.
März
2014 meldete
sich die Versicherte wiederum zum Leistungsbezug
an (
Urk.
9/113). Die IV-Stelle tätigte weitere medizinis
che und erwerbliche Abklä
rungen und liess
die Versicherte
durch
Dr.
med.
A._
,
Rheumatologie FMH, und Dr. med.
B._
, Psychiatrie
FMH,
bidisziplinär
begutachten
(Expertise vom 28.
November 2017
[
Urk.
9/164
]
ergänzt am 1
8.
De
zember 2017 und 22. Januar 2018
[
Urk. 9/167 und
Urk.
9/169
]
sowie am 2
1.
und 2
5.
Juni 2018
[
Urk.
9/190 und Urk.
9/
191
]
). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/176, Urk. 9/181 und
Urk.
9/197) wies
sie das
Leistungsbegehren
mit Verfügung vom 1
5.
August 2018
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 3
0.
August 2018 Beschwerde (Urk. 1) und be
antragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr eine Rente zuzusprechen. Zudem sei ihr die unentgeltliche Prozessführung unter Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung zu bewilligen. Am
3.
Oktober 2018 (Urk. 8) beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen. Mit Verfügung vom
8.
Oktober 2018 (
Urk.
10) gewährte das hiesige Gericht der Beschwerdefüh
rerin die unentgeltliche Prozessführung und bestellte ihr Rechtsanwältin Lotti Sigg als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren. Mit Rep
lik vom 3
0.
Januar 2019 (
Urk.
13) stellte die Beschwerdeführerin den zusätzlichen Antrag, es seien weitere medizinische Abklärungen anzuordnen. Mit Eingabe vom 1
5.
Februar 2019 teilte die Beschwerdegegnerin mit, dass sie auf das Einreich
en einer Duplik verzichte (Urk.
16), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 1
8.
Februar 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 17).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende
Ver
fügung vom 1
5.
August 2018 (Urk. 2) damit, dass auf das eingeholte Gutachten abzustellen sei. Die Beschwerdeführerin s
ei in jeglicher Tätigkeit zu 80
% arbeits
fähig. Bei einem Invaliditätsgrad von 20 % bestehe kein Rentenanspruch (S. 1-2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1
3
), sie sei mit einer Hüftgelenksdeformation geboren worden und habe heute ein um 17 cm verkürztes Bein und eine schwere Gehbehinderung. Das
bidisziplinäre
Gut
achten
der
Dres
.
A._
und
B._
sei - aus näher dargelegten Gründen - nicht beweiskräftig (S. 2 und S. 7-10). Selbst wenn darauf abzustellen wäre, würde aufgrund der gutachterlich attestierten 40%igen Arbeitsunfähigkeit in allen Tä
tigkeiten und unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs von ungefähr 20
%
ein Rentenanspruch bestehen. Weshalb in der
selbständigen
Tätigkeit als Kartenlege
rin eine tiefere Arbeitsunfähigkeit vorliege, sei nicht nachvollziehbar, sei dies doch grundsätzlich vergleichbar mit einer beratenden therapeutischen
Arbeit
wie etwa
einer solchen als
Psychotherapeutin (S. 10).
3.
3.1
Dr.
C._
, Innere Medizin,
Dr.
D._
, Psychiatrie, und
Dr.
E._
, Orthopädie,
vom
Z._
stellten in ihrem allgemeininternistisch-orthopädisch-psychiatrischen Gutachten vom 2
8.
März 2006 (
Urk.
9/58) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 17):
-
Status nach kongenitaler Hüftluxation links
-
Status nach offener Reposition der linken Hüfte 1972
-
Status nach Pfannendachplastik 1977, Status nach Osteomyelitis
-
Status nach
Arthrodese
der linken Hüfte mit erneuter Infektion 1978
-
Status nach Korrekturosteotomie proximaler Femur links 1982
-
rezidivierende Osteomyelitis, Status nach Sanierung der Infektion 1983
-
fragliche
Pseudarthrose
linke Hüfte
-
Beinlängenverkürzung links 13 cm
-
Spitzfussstellung links
-
unterschiedliche Schuhgrösse (links 35, rechts 38)
-
lumbospondylogenes
Syndrom bei
lumbosacraler
Spondyloarthrose
Dazu führten sie aus, die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer Hüftimmobilität, ihrer Schmerzen und ihrer Behinderung beim Gehen und Aufstehen etwas einge
schränkt. Die bisherige Arbeitsstelle als Direktionsassistentin, also in einer wech
selbelastenden Tätigkeit sitzend, gehend und stehend sei ideal. Aufgrund ihrer etwas erschwerten Fähigkeit schnell aufzustehen und freihändig gehen zu können (beispielsweise schwere Akten tragen) sei sie auch etwas eingeschränkt. Insgesamt sei sie aber in ihrer Tätigkeit als Direktionsassistentin/Sekretärin voll arbeitsfähig. Eine gewisse Einschränkung mit Verminderung des Rendements um zirka 10 - 20
%
aufgrund der oben genannten Einschränkungen mit Immobilisation und schmerzbedingtem Bedarf an Pausen könne zug
e
standen werden (S. 19).
3.2
Im nach einem Treppensturz vom Unfallversicherer bei
Dr.
med.
F._
, Ortho
pädische Chirurgie FMH, eingeholten Gutachten vom
5.
März 2008 (Urk. 9/86) ist - nebst einem unfallfremden Status nach
congenitaler
Hüftgelenksluxation links mit diversen operativen Eingriffen und Endresultat mit völlig versteifter Hüfte (
Girdelstone-Arthrodese
) sowie 15 cm Beinverkürzung - folgende Diagnose auf
geführt (S. 5):
-
Treppensturz mit
-
mas
siver Verletzung des Ligamentum
fibulotalare
anterius
-
Fraktur des Os
cuboideum
, Fraktur des
Processus
anterior
calcanei
und Fraktur der Basis des
Metatarsale
IV rechts
-
Status nach primärem Übersehen dieser Frakturen und inadäquater konser
vativer Behandlung
-
Status nach Gipsbehandlung mit vorzeitiger Entfernung
-
Status nach Re-Traumatisierung
-
Status nach erneuter Gipsbehandlung
-
protrahiertem Verlauf
Dazu hielt er fest, es bestehe eine diskret beginnende OSG-Arthrose mit einge
schränkter Dorsalextension. Die medizinisch theoretische Invalidität betrage 12
%
(S. 8).
3.3
Im
im
Rahmen der vorliegenden Neuanmeldung eingereichten Bericht vom 28. Oktober 2016 (
Urk.
9/135) stellte der behandelnde
Dr.
med.
G._
, Spezialarzt Chirurgie und Orthopädie FMH, folgende Diagnosen (S. 1-2):
-
Lumbo-spondyloformes
Schmerzsyndrom durch Fehlbelastung und Überlas
tung bei Trendelenburg-Hinken bei
-
Status nach
Girdlestone-Arthrodese
linke Hüfte mit
-
Beinlängendifferenz von 17 cm links bei
-
Status nach multiplen Voroperationen in der Kindheit aufgrund einer an
geborenen Hüftluxation bei Hüftgelenksdysplasie links
-
Status nach
Femurfraktur
links vom 1
7.
August 2013 (Osteosynthese,
H._
) nach Stolpersturz
-
Knöchern verheilte Os
cuboideum
-Fraktur rechts mit Fraktur des
Processus
anterior
calcanei
und Basis
Metatarsale
IV rechts mit
-
konservativer Therapie (seit 10/2006)
-
Status nach Re-Traumatisierung durch erneutes Distorsionstrauma
-
Status nach
anterolateraler
Rotationsinstabilität
des rechten oberen Sprunggelenk
s mit Läsionen des Ligamentum
Fibulo
talare
anterius
,
Fibulo
talare
posterius
und
Fibulocalcaneare
Dazu führte er aus, die Beschwerdeführerin
klage
über zunehmende Rücken- so
wie Hüftschmerzen auf der rechten Seite. Diese hätten insbesondere seit dem Stol
persturz mit
Femurfraktur
links im August 2013 sowie den knöchernen Läsionen im Oktober 2006 am rechten Fuss deutlich zugenommen. Sie könne nicht länger als dreissig Minuten sitzen, weiterhin träten Beinschmerzen rechts sowie Rücken
schmerzen auf. Ausserdem klage sie über ein Einschlafen im Bereich des rechten Fusses. Die Gehstrecke sei auf ungefähr 500 Meter eingeschränkt, die ständigen Rückenschmerzen sowie die Beschwerden im rechten Hüftgelenk seien vor dem Unfall im August 2013 mit dem Oberschenkelbruch links nicht vorhanden gewe
sen. Sie könne deshalb ihren Haushalt nicht mehr vollständig selbständig erledi
gen, habe Ängste hinzufallen oder zu stolpern. Die Schlafqualität habe durch die nächtlichen Schmerzen erheblich abgenommen, dies führe auch zu Depressionen. Ohne Hilfe könne sie nicht duschen, sich nicht anziehen oder abtrocknen, was früher nicht der Fall gewesen sei. Sie müsse ihren geschiedenen Mann hierzu zur Hilfe bitten, was sie als erniedrigend empfinde. Bei der klinischen Untersuchung falle als erstes die Beinverkürzung auf der linken Seite von ungefähr 17 cm ins Auge. Hierfür sei sie mit entsprechenden Serienschuhen versorgt. Weiterhin be
stehe eine erhebliche Muskelatrophie am linken Bein, das linke Kniegelenk sei
ligamentär
vollkommen instabil, der linke Fuss sei in einer Spitzfussstellung von 30° kontrakt, die linke Hüfte überhaupt nicht beweglich, bei jeglicher Bewegung werde das Becken mitbewegt. Das rechte Hüftgelenk sei gut beweglich, das rechte Kniegelenk unauffällig. Am rechten Fuss finde sich ein erheblicher Druckschmerz
anterolateral
im Bereich der ehemaligen Frakturen. Weiterhin bestehe ein stark humpelndes Gangbild, indem das linke Bein nachgezogen werde. Dabei komme es durch die Versteifung des linken Hüftgelenks zu einer Rotationsbewegung in den unteren Abschnitten der Wirbelsäule, welche die lumbalen Beschwerden er
kläre. Eigentliche
radikuläre
Symptome beständen nicht, auch keine Lähmungen an den unteren Extremitäten. Es bestehe ein erheblicher Klopfschmerz über den unteren Abschnitten der Lendenwirbelsäule. Schmerzhafte
Myogelosen
seien ebenfalls tastbar (S. 2).
Im Vergleich mit dem Gutachten des
Z._
seien erhebliche Verschlechterungen eingetreten. Durch die Ausweichbewegung in Form einer Rotation des unteren Rückens wegen der Ve
rsteifung des linken Hüftgelenk
s komme es zu zunehmen
den Beschwerden des chronischen
Lumbovertebralsyndroms
sowie zu einer deut
lichen Fehlbelastung mit Beschwerden in der rechten Hüfte und im rechten Bein. Die Spitzfussstellung am linken oberen Sprunggelenk trage noch zur Verschlech
terung des Gangbildes bei. Aus diesen Gründen sei eine erneute polydisziplinäre Begutachtung angezeigt. Auch in einer optimal angepassten Tätigkeit sei die Be
schwerdeführerin allein auf
orthopädischem Fachgebiet zu 50
% dauerhaft ar
beitsunfähig. Diese Einschätzung gründe auf einer Analogie der Suva-Tabellen bei Integritätsschäden (S. 3).
3.4
Die behandelnde
Dr.
med.
I._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psy
chotherapie, stellte in ihrem Bericht vom
4.
August 2017 (
Urk.
9/155) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung, ängstliche (vermeidende) und abhängige (asthenische) Züge
(ICD-10 F60.6 und 60.7)
-
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode
(ICD-10 F32.1)
Dazu hielt sie fest, die Beschwerdeführerin stehe seit dem 2
0.
Dezember 2016 in ihrer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung mit Sitzungen in zweiwö
chentlichem Abstand. In der angestammten Tätigkeit als KV-Angestellte bestehe eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 1-2). Unter den verordneten Antidepressiva habe eine Schlafbesserung und eine leichte Stimmungsaufhellung erreicht wer
den können, sonst seien die Kern- und alle anderen Symptome einer mittelgradi
gen depressiven Episode weiterhin vorhanden (S. 5).
3.5
Dr.
A._
und
Dr.
B._
stellten in ihrem Gutachten vom 2
8.
November 2017 (
Urk.
9/164) folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 7):
-
Folgen der kongenitalen Hüftluxation links
-
Beinlängenverkürzung links von 17 cm mit Spitzfussstellung links und Knieinstabilität links
Zudem hielten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 8):
-
Anpassungsstörung, depressive Reaktion seit 1
6.
Dezember 2016
-
finanzielle Schwierigkeiten
-
Vorbescheid eines negativen Rentenentscheides
-
Abhängigkeit von der Familie
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge (eher unselbständig und vermeidend)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung
-
chronisches generalisiertes Schmerzsyndrom
-
nicht ausreichend somatisch abstützbar
-
krankheitsfremde Faktoren
-
diffuse Druckschmerzangabe
-
Polyarthralgien axialer und peripherer Gelenke
-
Nikotinkonsum von circa 2 pack
years
Dazu führten sie aus,
dass das Bewegungsmuster der Beschwerdeführerin und die aus somatischer Sicht ableitbaren Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit mit Fol
gen der kongenitalen Hüftluxation links begründet seien. Die in Hüftflexions- und leichtgradiger Hüftadduktionshaltung erfolgte
Arthrode
sierung
des linken Hüftgelenk
s bedinge zwingend, dass der linke Fuss in eine Spitzfussstellung ge
rate und dass beim Gehen die Lendenwirbelsäulensegmente vermehrt belastet würden. Nach dem letzten Unfall mit Frakturfolge, der sich im Sommer 2013 ereignet und zu einer Osteosynthese geführt habe, habe die Beinlängenverkür
zung noch einmal zugenommen, sodass sie unterdessen 17 cm betrage (S. 8-9). Aufgrund der Bewegungsasymmetrien, die aufgrund der aufgehobene
n
Hüftbe
weglichkeit links resultieren würden, könne wegen der Mehrbelastung der lum
balen Bewegungssegmente eine degenerative Veränderung
derselben
erwartet werden. Die aktualisierten Röntgenaufnahmen der Lendenwirbelsäule würden je
doch normale, altersentsprechende Bewegungssegmente lumb
al dokumentieren und auch die
Il
iosakralgelenke
würden altersentsprechend normal zur Darstellung kommen. Es beständen keine Hinweise auf ein
radikuläres
Reiz- oder Ausfallsyn
drom (S. 9).
Die geschilderten Beschwerden mit der geschilderten Schmerzaus
weitung phasenweise auf den ganzen Körper seien
bezüglich Umfang und Inten
sität
lediglich
partiell auf die objektivierbaren somatisch-pat
hologischen Befunde abstützbar (S. 10).
Das Leben der
Beschwerdeführerin
sei früh durch die kongenitale Hüftluxation geprägt worden. Es seien mehrfache bela
stende Operationen seit Kindesal
ter
er
folgt
, durch das Hinken
sei
sie von den Klassenkameraden verspottet
worden
. Möglicherweise
sei
dadurch eine gewisse Störung der Persönlichkeitsentwicklung im Rahmen von akzentuierten Persönlichkeitszügen
entstanden
. Eine Persönlich
keitsstörung
lasse
sich jedoch nicht nachweisen, die dafür vorausgesetzten Krite
rien der ICD-10
seien
nicht vorhanden. In der Schweiz
habe sie
ab 11-jährig die Schulen
besucht
,
auch hier sei es zu
Hänseleien durch Schulkameraden
gekom
men
. Wegen längeren Spitalaufenthalten
habe si
e ein Schuljahr wiederholen
müssen
.
Anschliessend habe sie
leistungsmässig aufholen und eine Handelsaus
bildung erfolgreich absolvieren
können und sei bis 2007 arbeits
tätig
gewesen (Urk. 9/164/21-22).
Das Hauptproblem der
Beschwerdeführerin seien
die Schmerzen. Sie
sei
X-Mal an der linken Hüfte operiert
worden, zudem seien
andere orthopädische Probleme auf
getreten
(Stürze mit Fussfrakturen
und einer Oberschenkelfraktur).
Wegen des verkürzten linken Beines
müsse
sie
Spezialschuhe tragen. Sie fühle
sich in ihrer Lebensentfa
l
tung massgeblich eingeschränkt,
könne
keine Lasten heben,
traue
sich nicht, allein das Haus zu verlassen
und
sei
auf die Mithilfe der Familie an
gewiesen.
Es lasse
sich eine lebenspraktische Abhängigkeit feststellen, indem sie sich kaum allein
e
zu bewegen
traue,
weil sie befürchte zu stürzen.
Es liege
aber keine abhängige Persönlichkeits
s
törung vor, vielmehr
beständen
lebenspraktische und nachvollziehbare
Zusammenhänge (Urk. 9/164/22).
Bei der Beschwerdeführerin habe sich eine chronische Schmerzsymptomatik ent
wickelt, welche unterdessen diverse Körperteile betreffe. Angesichts der
Chroni
fizierung
der Schmerzen und der Ausbreitung derselben müsse an eine psycho
somatische Überlagerung gedacht werden
. S
ie zeige denn auch Symptome, wel
che die ICD-10 bei einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung vorausse
tze, wobei aber auch Beobachtungen vorlägen, welche gegen das Vollbild einer der
artigen Störung sprächen.
Sie
ha
be
im Leben mehrmals negative Erfahrungen machen müssen
(Tod
des
langjährigen Lebenspartners aufgrund eines Krebslei
dens, Scheitern der Ehe nach kurzer Zeit,
finanzielle
Abhängigkeit
von der Fami
lie
).
Zwischen der IV-Rentenablehnung und der Aufnahme der psychiatrischen Behandlung bestehe offensichtlich ein Zusammenhang.
Die Beschwerdeführerin besuch
e
ihre Psychiaterin
ungefähr
alle drei Wochen
und erhalte Medikamente, d
ie psychotherapeutischen Bemühungen
seien
genügend. Es
gebe
ungünstige krankheitsfremde Faktoren
(l
ange Phase von Arbeitsuntätigkeit, Abhängigkeit von der Familie, finanzielle Schwierigkeiten, Einschrä
nkungen in der Lebensfüh
rung, mä
ssige Motivation zur Aufnahme einer Arbeitstätigkeit
)
.
Die Tage
s
ge
stal
tung
sei nicht
befriedigend, aber auch nicht unstrukturiert.
Sie
steh
e
um 10
:
00 Uhr auf, ansch
li
essend versuch
e
sie sich in den Haushaltsarbeiten. Sie
fahre
re
gelmässig Auto
und besuche
ihre Psychiaterin in
J._
mit dem Auto. Als sehr aktive Tätigkeit
könne
angeführt werden, dass sie sich seit Ja
hren intensiv als Kartenlegerin
betätig
e
und grosses Interesse an spirituellen Angelegenheiten ha
be
.
Dies lasse
darauf schliessen, dass sie Ressourcen besitz
e
, welche sie verwer
ten
könne
(Urk. 9/164/
22-
23).
Nach dem Unfallereignis vom 1
7.
August 2013 habe maximal vier Monate eine vollständige Arbeitsunfähigkeit resultiert. Seit spätestens Ende 2013 bestehe in der zuletzt im Anstellungsverhältnis ausgeübten beruflichen Tätigkeit im admi
nistrativen Bereich eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von maximal 40
%
. Diese Einschränkungen träfen auch hinsichtlich einer angepassten Verweistätig
keit zu. Körperlich
belastendere
Arbeiten als diejenigen, welche sie zuletzt im administrativen Bereich ausgeübt habe, seien nicht mehr zumutbar. Für die in Selbständigkeit ausgeübte berufliche Tätigkeit als Kartenlegerin bestehe eine Ar
beitsunfähigkeit von maximal 20
%
(
Urk.
9/164/35-36).
3.6
Zu den Rückfragen der Beschwerdegegnerin führte
Dr.
A._
am 1
8.
Dezember 2017 (
Urk.
9/167) aus, die 40%ige Arbeitsunfähigkeit habe er im Gutachten mit den Folgen der kongenitalen Hüftluxation links begründet. Die geschilderten chronisch generalisierten Beschwerden würden nicht mit
den
objektivierbaren Befunden der Folgen der kongenitalen Hüftluxation links korrelieren. Als patho
logische Befunde habe er auf eine Muskelhypotrophie des linken Beines, eine Kraftabschwächung des linken Beines, eine Oberschenkelverkürzung links, eine Spitzfussstellung des linken Fusses sowie eine Kniegelenksinstabilität links hin
gewiesen und in der Beurteilung unter anderem diskutiert, dass die in Flexions- und Adduktionsstellung erfolgte
Arthrodesierung
des linken Hüftgelenks Einfluss auf das Gangmuster habe, so dass die Lendenwirbelsäule und die Gelenke auch des rechten Beines vermehrt belastet würden (S. 1-2).
Seit dem Gutachten des
Z._
sei es zu einer Zunahme der Beinlängenverkürzung links gekommen mit konsekutiver Zunahme der Spitzfussstellung, zudem zu einer ungünstigen Beeinflussung des Gangmusters durch die zusätzliche Beinlängen
verkürzung links, weil die Drehpunkte auf Kniegelenkshöhe als Folge des Stol
persturzes vom 1
7.
August 2013 geändert hätten mit entsprechender Mehrbelas
tung der Gelenkstrukturen im unteren Rückenbereich und im rechten Bein (S. 2).
Die Differenz zwischen der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Anstellungs
verhältnis und derjenigen in der selbständig ausgeübten Tätigkeit als Kartenleg
e
rin begründe sich damit, dass L
etztere von zuhause aus erledigt werden könne und somit die Belastungen der An- und Abreise zum Arbeitsort wegfallen wür
den. Dies heisse konkret, dass auch eine angepasste Verweistätigkeit, die von zu
hause aus
ausübbar
wäre, mit einer maximalen Arbeitsunfähigkeit von 20
%
ver
bunden wäre (S. 2).
4.
4.1
Das
bi
disziplinäre
Gutachten der
Dres
.
A._
und
B._
vom 2
8.
November 2017 (E. 3.5
hievor
) beruht auf den erforderlichen rheumatologischen und psy
chi
atrischen Untersuchungen, ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten
Vorakten
er
stellt. Die Gutachter legten die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar, beurteilten die medizinische Situation überzeugend und setzten sich mit den ge
klagten Beschwerden und dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander.
Sie zeigten auf, dass
sie an einer kongenitalen Hüftluxation und deren Folgen mit einer erheblichen Beinlängenverkürzung, Spitzfussstellung und Knieinstabi
lität leidet, aufgrund welcher beim Gehen die Lendenwirbelsäulensegmente ver
mehrt belastet werden. Ein
radikuläres
Reiz- oder Ausfallsyndrom
verneinten
sie
aber
. Sie legten ausführlich dar, dass sich die Problematik seit der letzten Begut
achtung aufgrund eines Unfalls mit Frakturfolge verschlimmert und die Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit entsprechend zugenommen hat, hielten
jedoch
fest, dass die geschilderte Schmerzbelastung nicht vollum
f
änglich somatisch er
klärt werden kann.
Die Gutachter
zeigten eine aufgrund des Geburtsgebrechens belastete Entwicklung
und massgeblich eingeschränkte Lebensgestaltung auf,
verneinten
jedoch
das Vorliegen einer Persönlichkeits
störung. Sie wiesen auf psy
chosoziale Belastungsfaktoren hin
,
aber ebenso auf Ressourcen in Form der Auf
nahme einer selbständigen Tätigkeit als Kartenlegerin.
Die Gutachter gelangten sodann zum begründeten und nachvollziehbaren Schluss, dass die Beschwerde
führerin
infolge des Unfalls von August bis Dezember 2013 zu 100
%
arbeitsun
fähig war und seither aufgrund ihres kongenitalen Hüftleidens und den damit verbundenen Beschwerden in der angestammten sowie in angepassten leichten Tätigkeiten
zu 40
%
arbeitsunfähig ist. Für von zuhause aus
ausübbare
Tätigkei
ten besteht
gemäss den
Dres
.
A._
und
B._
lediglich eine Einschränkung von 20
%
, da die Belastungen der An- und Abreise zum Arbeitsort wegfallen. Das Gutachten entspricht
somit
den rechtsprechungsgemässen Anfor
derungen an eine beweiskräftige medizinische Ent
scheidungsgrundlage (vgl. E.
1.5
hievor
).
4.2
Das Gutachten wurde von der Beschwerdeführerin in verschiedener Hinsicht kri
tisiert
(vgl.
Urk.
13 S. 7-9)
.
In Bezug auf das rheumatologische Teilgutachten
ist
dazu
festzuhalten, dass
Dr.
A._
sich bei der Verneinung eines
lumbospondyloge
nen
Schmerzsyndroms auf aktuelle Röntgenbilder stützte und sich weder daraus oder aus den übrigen Akten, noch aus seinem Untersuch oder der Beschwerde
schilderung der Beschwerdeführerin Hinweise auf ein
radikuläres
Reiz- oder Aus
fallsyndrom ergaben.
Im Übrigen bekräftigte
Dr.
A._
mit Stellungnahme vom 2
1.
Juni 2018 nach erneuter Einsicht in die aktuellen Röntgenbilder seine bereits im Gutachten getroffene Feststellung, wonach lumbal keine relevante degenera
tive Veränderung ausgewiesen sei (
Urk.
9/164 S. 9,
Urk.
9/190 S. 2).
D
ie Mehrbe
lastung der Wirbelsäule aufgrund der
Arthrode
tisierung
des linken Hüftgelenks
,
der Beinlängenverkürzung
und der Spitzfussstellung wurde von ihm aber sehr wohl beachtet und bei der Arbeitsfähigkeitseinschätzung miteinbezogen (vgl. dazu auch E. 3.6
hievor
). So
erachtete er denn auch die Arbeitsfähigkeit als stärker eingeschränkt als die Gutachter des
Z._
. Dasselbe gilt für die von ihm angeblich ausser Acht gelassenen Beschwerden des rechten Fusses.
Dr.
A._
führte in seiner Stellungnahme aus, dass es seit dem Gutachten des
Z._
aufgrund der nach dem Unfall
im Jahre 2013
aufgetretenen zusätzlichen Beinlängenverkürzung
zu einer Mehrbelastung im unteren Rückenbereich und im rechten Bein gekommen ist. Entsprechend verringerte sich seiner Ansicht nach auch die Arbeitsfähigkeit seit
her.
Auch der Sturz im Jahre 2006 mit Fraktur im Bereich des rechten Mittel- und Rückfusses war
Dr.
A._
bekannt, indessen attestierte er in diesem Zusammenhang eine lediglich vorübergehende Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
9/164 S. 8).
Dem hinken
den Gang der Beschwerdeführerin, den Balanceproblemen, den Beschwerden im rechten Fuss sowie dem Umstand, dass sie keine schweren Lasten tragen kann, trug
Dr.
A._
im Übrigen Rechnung,
erachtete er die Beschwerdeführerin doch l
ediglich noch in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit sowie in der an
gestammten Tätigkeit im KV-Bereich - mithin einer Arbeit, die mehrheitlich sit
zend ausgeübt werden kann - als zu 60
%
arbeitsfähig.
Ohnehin
weicht seine Arbeitsunfähigkeitseinschätzung nicht wesentlich von derjenigen von Dr.
G._
ab, welcher die Beschwerdeführerin mit nicht nachvollziehbarem Ver
weis auf die Integritätsentschädigungstabellen der Suva als zu 50
%
arbeitsfähig erachtete (E.
3.
3
hievor
). Andere im vorliegenden Verfahren massgebliche und nachvollziehbare Arbeitsfähigkeitseinschätzungen aus somatischer Sicht liegen keine bei den Akten.
Die Einwendungen der Beschwerdeführerin vermögen dem
nach die von
Dr.
A._
attestierten Einschränkungen nicht in Frage zu stellen.
Dass
Dr.
A._
in seinem Gutachten einen Vorschub des
Femurkopfes
erwähnte, in seiner Stellungnahme vom 2
1.
Juni 2018 (
Urk.
9/190) aber darauf hinwies, dass seine Ausführungen nur mit dem Begriff
Femurkondylus
Sinn machen würden (S. 2), lässt entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht darauf schliessen, dass
sein
Gutachten mangelhaft ist. Vielmehr ist dabei von einem Schreibfehler aus
zugehen.
Offen bleiben
kann, wie es sich mit s
eine
n
Aussagen in der Stellung
nahme in Bezug auf die Prognose der Beschwerden (vgl.
Urk.
9/190 S. 2)
verhält, denn für die Frage des Rentenanspruchs relevant ist in erster Linie die
vergangene und gegenwärtige Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin.
Demnach
vermag auch dies nichts an der Beweiskraft des rheumatologischen Teilgutachtens zu än
dern.
4.3
Was die Kritik am psychiatrischen Teilgutachten von
Dr.
B._
anbelangt, so ist
vorab
festzuhalten, dass
weder zutrifft, dass er die Befunde nicht erhoben,
noch
dass er die Diagnosen nicht diskutiert hat (vgl. zu den Befunden Urk. 9/164/19-21, zur Diskussion der Diagnosen
Urk.
9/164/21-23 und 25-26). Nachdem auch die behandelnde Psychiaterin eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert (
Urk.
9/180/1)
und die Beschwerdeführerin dies nicht in Frage gestellt hat, ist
auf
ihre
Beanstandungen bezüglich der
selben
Diagnose
stellung seitens Dr.
B._
nicht weiter einzugehen.
Dr.
B._
wies überdies zu Recht darauf hin, dass die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung
mit daraus folgender Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
bei der dannzumal über 45-jährigen Beschwerdeführerin nicht nachvollziehbar ist, nachdem eine solche definitionsgemäss in der Kindheit oder Adoleszenz beginn
t
und bis ins Erwach
senenalter andauer
t
(vgl.
Dilling
/
Mambour
/Schmidt,
Internationale
Klas
sifikation psychischer Störungen
:
ICD-10 Kapitel V[F]
:
Klinisch diagnostische Leitlinien,
10. Aufl.
,
2015, S. 274 f.; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 36/04 vom 14. Juni 2004 E. 4.3), die Beschwerdeführerin aber eine Berufslehre als KV-Angestellte
abschliessen
und
bis 2007 zu 100
%
erwerbstätig sein konnte, ohne dass Konflikte am Arbeitsplatz ersichtlich wären.
Ob
sie
schliesslich unter einer Anpassungsstörung leidet, wovon Dr.
B._
ausging
, oder ob eine depressive Störung vorliegt, wie ihre behandelnde Psychiaterin geltend machte, kann
letztlich
offen bleiben
, da es invalidenversicherungsrechtlich nicht auf die Diagnose ankommt, sondern einzig darauf, welche Auswirkungen eine Erkran
kung auf die Arbeitsfähigkeit hat (vgl. dazu E. 5 hernach).
Auf die Kritik der Beschwerdeführerin an der in diesem Zusammenhang geäusserten Vermutung
Dr.
B._
s, wonach sie die Behandlung bei
Dr.
I._
aufgrund des nega
tiven Bescheids der Beschwerdegegnerin aufgenommen habe, ist deshalb nicht weiter einzugehen.
An der Beweiskraft des psychiatrischen Teilgutachtens ver
mögen die Einwendungen der Beschwerdeführerin nach dem Gesagten nichts zu ändern.
4.4
Zusammenfassend ist auf das
bidisziplinäre
Gutachten der
Dres
.
A._
und
B._
abzustellen. Von weiteren medizinischen Abklärungen
- wie von der Be
schwerdeführerin beantragt -
sind keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung (
vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen) zu
verzichten ist.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin ist gemäss ihrer behandelnden Psychiaterin
unter ande
rem
aufgrund
ihrer depressiven Störung
zu 100
%
arbeitsunfähig
(vgl. Urk.
9/180 S. 5).
Dr.
B._
attestierte hingegen keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus
psychischen Gründen
. Dies gilt es nachfolgend zu prüfen.
5.2
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsan
wendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Ab
schätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchtigun
gen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen las
sen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswür
digung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch an
hand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und so
mit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich im
mer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwor
tet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang an
dauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Ein
schränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeits
unfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu er
bringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3
).
V
on einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähi
gkeit kann damit aus rechtlicher Sicht abgewichen werden, ohne dass ein
wie vorliegend grundsätz
lich beweiskräftiges
Gutachten dadurch seinen Beweiswert verlöre (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_106/2015 vom 1. April 2015 E. 6.3).
5.3
5.3.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
5.3.2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018
E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
5.4
5.4.1
Was den K
omplex
«
Gesundheitsschädigung
»
respektive den Indikator
der «Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde» angeht, ist festzuhalten, dass
nur dort, wo bereits in den Diagnosekriterien ein Bezug zum Schweregrad gefordert wird, ein solcher nicht erreichter Schweregrad gegebenenfalls bereits den Ausschluss einer krankheitswertigen Störung erlauben würde. Verallgemeinert auf sämtliche psychiatrischen Diagnosen angewendet, greift diese Auffassung jedoch zu kurz. Fehlt in der Diagnose die Schweregradbezogenheit, zeigt sich die Schwere der Störung in ihrer rechtlichen Relevanz erst bei deren funktionellen Auswirkungen (
vorgenannter BGE 143 V 418
E. 5.2.2). Die Beschwerdeführerin leidet
gemäss
ihrer behandelnden Psychiaterin an einer mittelgradigen depressiven Störung. Aus ihren Ausführungen ist
aber
nicht ersichtlich, dass sie bei ihrer Einschätzung die invalidenversicherungsrechtlich unbeachtlichen zahlreichen psychosozialen Belastungsfaktoren (finanzielle Schwi
e
rigkeiten, Abhängigkeit
von
der Familie,
lange Phase der Arbeitsuntätigkeit, Einschränkungen in der Lebensführung)
un
berücksichtigt gelassen
hätte.
In Bezug auf den funktionellen Schweregrad er
weist sich der Indikator der diagnoserelevanten Befunde damit als lediglich ge
ringfügig ausgeprägt.
5.4.2
Bezüglich des Indikators
«Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resis
tenz
» hat sich der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin
nach Beginn der Behandlung am 20. Dezember 2016 dank der Antidepressiva zunächst ein wenig verbessert (
vgl.
Urk. 9/155/5), die Arbeitsfähigkeit hingegen gemäss der behan
delnden Psychiaterin anschliessend verschlechtert (vgl.
Urk.
9/155/3 mit
Urk.
9/180/5). Die von
Dr.
I._
attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit kann jedoch bereits mit Blick auf die selbständig ausgeübte Teilzeiterwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin nicht nachvollzogen werden. Von einer erheblichen Ausprä
gung der Symptomatik kann in diesem Zusammenhang deshalb nicht
gesprochen
werden
.
5.4.3
Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich be
deutsame Komorbiditäten in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen
hemmende Wirkung beizumessen ist
(vorgenannter BGE 143 V 418 E.
8.1).
Die Beschwerdeführerin
leidet nebst
einer allfälligen depressiven
oder Anpassungs
s
törung wie bereits dargelegt an keinen psychischen Beschwerden,
welche sie zusätzlich in ihrer Arbeitsfähigkeit einschränk
en
. Es sind damit
keine
als «Komor
biditäten» zu berücksichtigende krankheitswertige
psychischen
Störungen ausge
wiesen
. Auch wenn
Dr.
B._
davon ausging, dass die chro
nischen Schmerzen keine eigenständige psychiatrische Komorbidität darstellen (
Urk.
9/191 S. 3), so dürfte dem angeborenen Hüftleiden und den daraus resultie
renden Einschränkungen eine gewisse ressourcenhemmende Wirkung zukom
men.
5.4.4
Bei den Komplexen «Persönlichkeit» und «sozialer Kontext» ergibt sich Folgendes:
Die Beschwerdeführerin lebt mit ihrer Tochter und ihrem Ex-Mann zusammen, ausserdem hat sie regelmässigen Kontakt
zu
ihrer Mutter und
ihrer Tante und wird von Kunden besucht, für welche sie Karten legt.
Durch ihre Einbettung in die Familie und die ihr obliegenden Aufgaben erhält
sie
eine Tagesstruktur. Der soziale Lebenskontext
enthält
somit
einerseits
bestätigende, sich potenziell güns
tig auf die Ressourcen auswirkende Faktoren
. A
ndererseits
belastet die a
ufgrund
der
somatischen Beschwerden erhebliche lebenspraktische Abhängigkeit
von der Familie die Beschwerdeführerin nachvollziehbar. Ebenfalls
negativ
auf die Res
sourcen
dürften sich die
akzentuierten Persönlichkeitszüge auswirken.
5.4.5
In der
Kategorie «Konsistenz» (bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Bezügen zu den Komplexen «Persönlichkeit» und «sozialer Kontext» eingehend Michael
E. Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in:
Jusletter
vom 11. Juli 2016, S. 28 ff. [nachfolgend: Ein Jahr Schmerzrechtsprechung], vgl. auch Michael
E. Meier, Zwei Jahre neue Schmerzrechtsprechung, in: Riemer-Kafka/
Hürzeler
[Hrsg.], Das
indikatorenorientierte
Abklärungsverfahren, 2017, S. 105-148, S. 136 ff. [nachfolgend: Zwei Jahre Schmerzrechtsprechung])
zielt der Indikator
«
gleich
mässige
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbe
reichen
»
auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonsti
gen Lebensbereichen (beispielsweise Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausge
prägt ist, wobei das Aktivitätsniveau der versicherten Person stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Beschwerdeführerin hat eine mehrheitlich strukturierte Tagesgestaltung und betätigt sich seit mehreren Jahren in einem Teilzeitpensum als Kartenlegerin.
Zu
dem ist sie in der Lage, regelmässig (alleine) Auto zu fahren
, was mit physischen und kognitiven Ressourcen verbunden und mit den geltend gemachten funktio
nellen Einschränkungen nicht vereinbar ist. Von einer
gleichmässigen
Einschrän
kung des Aktivitätsniveaus kann
mit Blick auf die
gemäss
Dr.
I._
beste
hende Arbeitsunfähigkeit von 100
%
keine Rede sein. Dass
die Beschwerdeführe
rin
auf die Mithil
fe ihrer Familie angewiesen ist,
ohne diese kaum das Haus ver
lässt
und auch ein eingeschränktes körperliches Aktivitätsniveau zeigt
, ist nicht auf psychische Beschwerden, sondern
auf
die
Beeinträchtigung aus
somatische
n Gründen
zurückzuführen und in diesem Zusammenhang unbeachtlich.
5.4.6
Im Rahmen des Indikators «behandlungs- und eingliederungsanamnestisch aus
gewiesener Leidensdruck» (zur Abgrenzung vom Indikator «Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz» vgl. Michael E. Meier, Ein Jahr Schmerz
rechtsprechung, S. 25
Rz
60 und Michael E. Meier, Zwei Jahre Schmerzrechtspre
chung, S. 129) weist d
ie
Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das
heisst
das
Ausmass
, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben ver
nachlässigt werden (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliede
rungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex
«
Gesundheitsschädigung
»
) auf
den tatsächlichen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Einglie
derung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend ge
machte Einschränkung sei anders begründet als durch eine ver
sicherte Gesund
heitsbeeinträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
Die Beschwerdeführerin steht seit dem 2
0.
Dezember 2016 in psychiatrischer Be
handlung bei
Dr.
I._
, dies mit Sitzungen zunächst alle zwei bis drei Wo
chen (vgl. E. 3.4 und 3.5
hievor
)
,
anschliessend
alle ein bis zwei Wochen (Urk. 9/180/1). Ein gewisser Leidensdruck ist damit auszumachen, jedoch nicht in einem Umfang, wie er bei einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit zu erwarten wäre.
Gemäss
Dr.
B._
sollte die Medikation zudem noch etwas angepasst werden (
Urk.
9/164/28).
Die Beschwerdeführerin hat vor
einigen
Jahren eine selbständige Tätigkeit aufgenommen, dies
aber
lediglich in einem maximal 25
%
-Pensum. Um weitere
Eingliederungsmassnahmen
bemühte sie sich trotz der gutachterlich fest
gestellten Arbeitsfähigkeit nicht. Auch
eingliederungsanamnestisch ist
somit
kein erheblicher
Leidensdruck ausgewiesen.
5.4.7
Zusammenfassend
ist
bei gesamthafter Betrachtung über die
massgeblichen
Indi
katoren eine medizinisch-gesundheitliche Anspruchsgrundlage, welche zur An
erkennung einer
100
%igen Arbeitsunfähigkeit aus psychischer Sicht führen könnte, nicht nachgewiesen.
Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einem geringen Umfang könnte allenfalls nachvollzogen werden. Mit Blick auf das soeben
D
argelegte
liesse
sich jedoch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit höchstens eine solche von 40
%
begründen, was an der gutachterlich festgestell
ten Arbeitsfähigkeit von 60
%
in der angestammten sowie in angepassten leich
ten Tätigkeiten
nichts ändern würde. Der exakte Umfang der Einschränkung aus psychischer Sicht kann deshalb
offen bleiben
.
Zu prüfen bleibt, wie sich das Leistungsvermögen in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.
6.
6.1
Diesbezüglich ist vorab darauf hinzuweisen, dass der Ansicht der Beschwerde
gegnerin, wonach
es
der Beschwerdeführerin zumutbar sei,
ihre angestammte Tä
tigkeit als KV-Angestellte vollumfänglich im Homeoffice auszuüben,
weshalb sie nur zu 20
%
arbeitsunfähig sei (vgl.
Urk.
9/175/9)
,
nicht gefolgt werden kann.
Denn auch auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
wird eine derartige Erwerbsausübung
realistischerweise
nicht nachgefragt.
Mit ihrer
selbständigen
Tätigkeit als Kartenlegerin vermag
die Beschwerdeführerin
auch nach Ansicht der Beschwerdegegnerin
zudem kein Einkommen zu erwirtschaften,
welches höher als ein solches
mit einer 60
%-Tätigkeit als allgemeine Büro- und Sekretariatskraft wäre
, wobei
offen bleiben
kann, ob diese Tätigkeit als Kartenle
gerin überhaupt auf 80
%
ausgebaut werden könnte
(vgl.
Urk.
9/175/
8-
9 und
Urk.
9/174/3-14). Aufgrund der Schadenminderungspflicht würde von ihr des
halb wohl verlangt, von der selbständigen in eine unselbständige Tätigkeit zu wechseln.
Die Einkünfte aus ihrer Arbeit als Kartenlegerin und Hellseherin sind bei der Berechnung des Invaliditätsgrades deshalb nicht
zu berücksichtigen (vgl. dazu auch
Urk.
9/175/8)
.
6.2
Die Beschwerdeführerin hat bereits seit vielen Jahren nicht mehr als Sekretärin gearbeitet, weshalb für die Berechnung des
Valideneinkommens
auf die Tabel
lenlöhne abzustellen ist. Davon gehen auch die Parteien aus (
Urk.
13 S. 11 und
Urk.
9/175/9). Sind Validen- und Invalideneinkommen wie vorliegend ausgehend vom selben Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich rechtsprechungsgemäss de
ren genaue Ermittlung; der Invaliditätsgrad entspricht dem Grad der Arbeitsun
fähigkeit
(
hier
40
%
), wobei allenfalls noch ein Abzug vom Tabellenlohn zu be
rücksichtigen ist.
6.
3
D
ie Beschwerdeführerin machte
dazu geltend
, es sei ein behinderungsbedingter Abzug von ungefähr 20
%
zu berücksichtigen
. I
hre Schwierigkeiten bei der Be
wältigung des Arbeitsweges
wurden jedoch
bereits bei der Arbeitsfähigkeitsein
schätzung berücksichtigt (vgl. E. 4.1
hievor
) und
können
nicht zusätzlich zu einem Tabellenlohnabzug führen.
Dasselbe gilt für den Umstand, dass sie nicht mehr lange sitzen kann. Von einem fortgeschrittenen Alter kann bei der im Ver
fügungszeitpunkt 48-jährigen Beschwerdeführerin zudem nicht gesprochen wer
den.
Überdies weisen
die Statistiken für Teilzeitarbeit zwischen 50
%
und 74
%
b
ei Frauen ohne Kaderfunktion höhere Löhne als für eine Vollbeschäftigung aus (vgl. T 18 der Lohnstrukturerhebungen des Bundesamtes für Statistik).
Somit
ent
fällt auch die Rechtfertigung für einen Tabellenlohnabzug wegen Teilzeitarbeit.
Die
lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt
sowie
die doch erheblichen Einschrän
kungen der Beschwerdeführerin vermögen allenfalls
zu einem
leidensbedingten Abzug zu
führen,
jedoch
zu
keine
m
solchen von 20
%
. In welchem Umfang ein allfälliger
Leidensabzug
zu gewähren wäre, kann vorliegend offenbleiben, nach
dem
bei der 40%igen Arbeitsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin
selbst ein sol
cher von 15
%
nichts
an ihrem
Anspruch auf eine
Viertelsrente
ändern würde
.
6.4
Der Beschwerdeführerin ist
nach dem Gesagten
ab
1.
September 2014 (vgl.
Art.
29
Abs.
1 IVG; Neuanmeldung am 3. März 2014,
Urk.
9/113) eine
Viertels
rente
der Invalidenversicherung zuzusprechen. Die Beschwerde ist damit gutzu
heissen.
7.
7.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 1‘000.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der un
terliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Der Beschwerdeführerin steht ausgangsgemäss
eine Prozessentschädigung
zu (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Nach Einsicht in die Kostennote vom
5.
März 2019 (Urk. 19) ist die Beschwerde
gegnerin daher zu verpflichten, der unentgeltlichen Rechts
vertreterin Lotti Sigg, Winterthur, eine Prozessentschädigung von Fr. 3'172.40 (inkl. Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.