Decision ID: e6af6758-0e77-50a0-adc0-31dbf9d22e68
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1982
, meldete sich am
2
3.
August 2013
unter Hinweis auf
einen Magenbypass und
eine
zuvor seit dem Jahr 2008 bestehende Adipositas, Schlafapnoe, Bluthochdruck und psychische Einschränkungen sowi
e eine Berufs
krankheit als Koch
bei der Invalidenversicherun
g zum Leistungsbezug an (Urk. 12/7
Ziff.
6.1-3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons
Aargau
, IV-Stelle
, verneinte
mit Verfügung vom
9.
Mai 2014 einen Anspruch des Versicher
ten auf Leistungen der Invalidenversicherung
(Urk.
12/28
).
Erneut meldete sich der Versicherte am
4.
November 2014 unter Hinweis auf seit der Kindheit bestehende psychische und physische Beeinträchtigungen,
nament
lich
Beeinträchtigungen der Hüfte und de
r
Ohren sowie eine Kriegstraumatisie
rung und eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
12/30/
Ziff.
6.1-3)
. Die IV-Stelle Aargau trat mit Verfügung vom
8.
Mai 2015 (
Urk.
12/38)
auf das erneute Leistungsbe
gehren
nicht ein.
1.2
Am
6.
November 2015 meldete sich
der
Versicherte
unter Hinweis auf eine seit der Kindheit bestehende psychische Erkrankung
mit mehreren
,
seit der Jugend vorgenommenen Suizidversuchen
erneut bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (
Urk.
12/44
Ziff.
6.1
-2
). Die
nun zuständige
Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nahm Abklärungen der beruflich-erwerbli
chen und der medizinischen Situation vor und
holte
unter anderem bei der
Y._
ein psychiatrisches Gutachten ein, das am
2.
März 2017 erstattet wurde (
Urk.
12/93).
Nachdem die IV-Stelle von den Staatsanwaltschaften
Z._
und
A._
sowie vom Strassenverkehrsamt
im Rahmen der Amts-
und Verw
altungshilfe Akten beigezogen hatte
(
Urk.
12/95-96,
Urk.
12/116)
,
veranlasste
sie
bei der
B._
ein psychiatrisches Folgegutachten, welches am 1
0.
Dezember 2018 (
Urk.
12/125) erstattet wurde.
Nach durchgeführt
em
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
12/134
;
Urk.
12/142,
Urk.
12/147
)
verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom
2
5.
April 2019
einen Anspruch des Versicherten auf Leistungen der Invali
denversicherung
(Urk.
12
/
151
= Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
2
9.
Mai 2019
Beschwerde gegen die Verfügung vom
2
5.
April 2019
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihm eine IV-Rente zuzusprechen
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
1.
August 2019
(
Urk.
11
) die Abweisung der Beschwerde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts;
ATSG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sour
cen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
ba
ren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.6
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung
über die Invalidenversicherung; IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.7
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit, dass bereits die IV-Stelle Aargau
mit Verfügungen vom
9.
Mai 2014 und
8.
Mai 2015
mangels bestehender gesundheitlicher Einschränkungen Leistungen der Invalidenversi
cherung verneint
habe
. Die vorgenommen
en
umfassenden Abklärungen seien zum gleichen Resultat gelangt.
Auf das psychiatrische Gutachten vom 1
0.
De
zember 2018, wonach kein psychisches Leiden vorliege, welches zu einer Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit
führe, könne abgestellt werden
.
Der Beschwer
deführer habe sich im Zusammenhang mit den letzten beruflichen Tätigkeiten, vor der Magenbypass-Operation, im Zusammenhang mit dem Strassenverkehrs
amt oder der Befragung durch die Polizei stets emotional und körperlich gut leis
tungsfähig gezeigt. Das anlässlich der Begutachtung
gezeigte Verhalten stehe im Widerspruch
zu
m Verhalten anlässlich des
verkehrsmedizinischen Gutachten
s
. Den Einwänden l
asse
sich nichts N
eues entnehmen
(S. 1 f.)
.
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in sein
er Beschwerde (
Urk.
1) geltend, dass er zuletzt im Jahr 2011 erwerbstätig gewesen sei. Nach einem so langen Zeitablauf könne man ihm nicht vorwerfen, dass im Zusammenhang mit der Er
werbstätigkeit keine psychischen Leiden angegeben worden seien. Auch
die Ma
genbypass-
Operation, die Vorgänge rund um den Strassenverkehr und der daraus resultierende Kontakt mit der Polizei lägen weit zurück und sei
en
daher nicht relevant.
Im Rahmen der verkehrspsychologischen Begutachtung seien die An
forderungen an ihn insbesondere auch in zeitlicher Hinsicht weniger intensiv ge
wesen als bei der Begutachtung im Rahmen dieses Verfahrens. So könne es auch durchaus sein, dass er seine Defizite habe überspielen können. Die
Y._
sei zum Schluss gekommen, dass er auch i
n einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeits
unfähig sei. Er wäre nicht der erste IV-Bezüger, der Auto fahre. Auch die
behan
delnde
Psychiaterin habe seine Arbeitsfähigkeit in ihrem Gutachten vom
8.
März 2016 gleich beurteilt (S. 4 Mitte).
Es sei der Eindruck erweckt worden, dass hier auch Antipathien eine Rolle gespielt hätten. Tatsache sei, dass er ohne seine Mut
ter keinen Schritt ausser Haus mache. Da die zwei Gutachten zu einer völlig ge
genteiligen Einschätzung kämen, sei ein Obergutachten anzuordnen (S. 4 unten).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob sich seit Erlass der Verfügu
ng
der IV-Stelle Aargau
vom 9. Mai 2014 (Urk. 12
/
28
) eine anspruchsrelevante Veränderung ergeben hat (vgl. vorstehend 1.6-7).
3.
3.1
Die Verfügung
der IV-Stelle Aargau
vom
9.
Mai 2014
(Urk.
12
/
28
) respektive die Annahme, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht
weder in psychischer noch in somatischer Hinsicht
die Arbeitsfähigkeit
einschränkenden Befunde vorlägen,
basierte im Wesentlichen auf den folgenden medizinischen
Einschätzungen (vgl. Urk. 12/25/2-5 S. 4
):
3.2
Dr.
med. C._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
D._
, führte in seiner Beurteilung vom 2
7.
Dezember 2012 (
Urk.
12/22/13) aus, der Patient sei zur Abklärung vor einem geplanten ba
riatrischen Eingriff zugewiesen worden. Es ha
be sich ein psychi
sch unauffälliger Patient mit einem hohen Leidensdruck bezüglich des Übergewichts gezeigt. Nach
dem verschiedene konservative Massnahmen erfolglos geblieben seien, sei zum chirurgischen Vorgehen entschieden worden. Aus psychiatrischer Sich liege keine Kontraindikation für eine
n
bariatrisch-chirurgischen Eingriff vor.
Zu den anamnestischen Angaben hielt
Dr.
C._
fest, dass der Beschwerdeführer im ehemaligen Jugoslawien, heute Mazedonien, geboren worden und dort bis zur dritten Klasse zur Schule gegangen sei.
Zur Zeit des Ausbruchs der innerjugosla
wischen Konflikte habe die Familie noch gerade bevor der Vater hätte Zwangs
rekrutiert werden solle
n
, i
n die Schweiz fliehen können.
Der Patient habe keine schlechten Erinnerungen. Nach Erhalt der Arbeitsbewilligung und des Aufent
haltsstatus habe sich die Familie schnell integriert. Der Beschwerdeführer spreche fliessend Deutsch und sei stolz, Schweizer zu sein.
Dr.
C._
führte aus, dass der Beschwerdeführer gelernter Koch sei und nach seiner Lehre in einer Seniorenre
sidenz in verschiedenen Restaurants verschiedene Nationalküchen erlernt habe. Ab 2010 habe er an einer Food-Theke gearbeitet. Objektiv habe sich ein sehr zugewandter und
sich
lebhaft im Ausdruck präsentierender, offensichtlich über
gewichtiger Mann
gezeigt
.
3.3
Dr.
med.
E._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Gastroenterologie,
F._
, stellte in seinem Bericht vom 2
5.
September 2013 (
Urk.
12/17/1-6) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
Adipositas
permagna
(BMI 47.0)
-
Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine depressive Verstimmung (
Ziff.
1.1).
Dr.
E._
führte aus, der Beschwerdeführer sei seit dem 1
6.
November 2012 bei ihm i
n Behandlung, und die letzte Kontrolle sei am
2
5.
September 2013 erfolgt (
Ziff.
1.2). Es sei bei der Tätigkeit des Beschwerdefüh
rers als Koch zu einer massiven Gewichtszunahme gekommen (
Ziff.
1.4). Der bariatrische Eingriff sei höchst erfolgreich gewesen. Der Patient sei
zurzeit
voll arbeitsfähig. Er sei der Meinung, dass sich der Lebensmittelberuf bezüglich der Entstehung der Adipositas als entscheidender Faktor erwiesen habe. Er wolle daher in einem anderen Umfeld tätig sei, um einem Rezidiv vorzubeugen, was nicht unlogisch sei.
Eine
rein sitzende Tätigkeit
sollte
vermieden werden (
Ziff.
3).
4.
4.1
Im Rahmen der
Neuanmeldung
vom
6
.
November 2015 (Urk. 12
/
44
) gingen
im W
esentlichen
die folgenden medizinischen Berichte
ein:
4.2
Die
Fachpersonen
der
G._
stellten in ihrem Bericht vom
2
7.
Oktober 2015 (
Urk.
12/60/17-18)
folgende Diagnosen (S. 1 Mitte):
-
P
osttraumatische Belastungsstörung (P
TBS
;
ICD-10 F43.1)
-
abnorme Gewohnheit und Störung der Impulskontrolle, nicht näher be
zeichnet (ICD-10 F63.9)
-
Verdacht auf dissoziative Störung
Die
Fachpersonen
führten aus, dass der Beschwerdeführer vom
8.
bis am 1
3.
Ok
tober 2015 bei ihnen in der Klinik gewesen sei (S. 1 Mitte).
Er sei am
8.
Oktober auf die offen geführte Spezials
t
ation für
Traumafolgestörungen
an ihrer Institu
tion eingetreten und hätte am interdisziplinären
traumaspezifischen
Behand
lungsprogramm teilnehmen sollen.
Der Beschwerdeführer
sei gegenüber dem Per
sonal in einem zunächst Unbehagen und dann Angst erzeugenden Habitus auf
getreten und habe sich im therapeutischen Gespräch nicht von
v
erbaler und/oder anderer Gewalt distanziert. Er habe
sich als willenloses Werkzeug seiner inneren Kräfte dargestellt, denen er völlig ausgeliefert sei. Auch habe es in administrativer Hinsicht an der Kooperation gefehlt (S. 2 unten).
Die Fachpersonen führten aus
,
dass
d
er 33-jährige aus Mazedonien stammende Mann, der als Kind mit seiner wohlwollenden Mutter und seinem gegen ihn und die
Mutter schwer gewalttäti
gen Vater
in die Schweiz geflüchtet sei, mehrfach
Zeuge von Gewalttaten
gewor
den
sei
und
hier
nie
habe
tragende soziale Kontakte aufbauen können.
Der Be
schwerdeführer
sei wiederholt durch Anzetteln
von Schlägereien aufgefallen und
habe sich mit Hilfsarbeiten
über Wasser gehalten. Wiederholt sei er mit dem Ge
setz in Konflikt ge
raten
. Er sei in eine
Zwangsheirat
gedrängt worden
und habe mit dieser
Frau
vier Kinder gezeugt
(S. 1 Mitte). Weiter habe der Beschwerdeführer angegeben, dass er
früh
damit
angefangen
habe, sich selbst zu verletz
en
, um
schlimme Erinnerungen zu neutralisieren. Gegen Abend werde er immer unruhi
ger
,
und nachts verlasse er oft seine Wohnung
, um im Freien Dinge zu tun, welche i
h
m
«
den Kick
»
gäben. Beispielsweise springe er von Hindernissen, in der Hoff
nung, dass er sich verletze
(S. 2 oben).
Er füge sich
Knochenbrüche, Verstauchun
gen oder Hautverletzungen
zu.
Suizidgedanken
seien bejaht
worden
(S. 2 Mitte).
4
.3
Die Ärzte der
G._
stellten in ihrem Bericht vom
1
8.
November 2015
(
Urk.
12/60/15-16) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Verdacht auf kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen (ICD-10 F 61.0)
-
vordiagnostiziert:
-
PTBS
(ICD-10 F43 1)
-
abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle, nich
t
nä
her bezeichnet (ICD-10 F63.9)
Die Ärzte führten aus, dass der Beschwerdeführer vom 2
8.
Oktober bis 1
7.
No
vember 2015
bei ihnen in de
r Klinik gewesen sei
(S. 1 Mitte)
. Bei fehle
n
d
en Hin
weisen auf akute Selb
st- und Fremdgefährdung sei er
wegen fehlendem Behand
lungsauftrag und mangelhafter Therapiebereitschaft für weitere Abklärungen in das ambulante Behandlungssetting entlassen worden. Die Frage
,
ob es zu einer forensischen Abklärung komme, sei derzeit noch unbeantwortet. Der Polizei Zü
rich sei die Information übermittelt worden (S. 1 unten).
4.4
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in ihrem Bericht vom
8.
März 2016 (
Urk.
12/63) folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ (ICD-10 F60.30),
gemäss anamnestischen Angaben
bestehend seit der Kind
heit/Jugend
-
PTBS
(
ICD-10 F43.1
)
, gemäss anamnestischen Angaben
bestehend seit der Jugen
d
-
dissoziative Amnesie (ICD-10 F44.0), gemäss anamnestischen Angaben
bestehend seit Jahren
Dr.
H._
führte aus, der Beschwerdeführer sei seit dem
9.
Juli 2015 bei ihr in Behandlung, und die letzte Kontrolle
sei am
8.
März 2016 erfolgt (
Ziff.
1.2). Seit Behandlungsbeginn am
9.
Juli 2015 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
1.6). Aufgrund des
psychopathologischen Zustandes sei
eine
Arbeit
nicht
auch nur im Entferntesten denkbar
(
Ziff.
1.7).
Zum ärztlichen Befund führte
Dr.
H._
aus, der Beschwerdeführer sei wach, situativ und örtlich orientiert, jedoch gemäss eigenen Angaben und Angaben der Mutter
nicht jederzeit. Er
sei zeitlich oft nur knapp orientiert. Die Auffassung,
Konzentration und sein Gedächtnis seien stark beeinträchtigt. Dies sei gemäss ihrer Einschätzung aufgrund der täglich auftretenden Dissoziationen. Der Be
schwerdeführer habe Flashbacks, Intrusionen und
eine deutlich verringerte Im
pulskontrolle, sodass er sich nur nachts ausser Haus wage, um Konflikte zu ver
meiden
. Die Grundstimmung des Beschwerdeführers sei
bedrückt, verunsichert, ängstlich, jedoch auch wütend. Die wie in den Berichten mehrfach beschriebenen autodestruktiven Handlungen, bis hin zu gewollten Knochenbrüchen, zeigten die starke Beeinträchtigung der Ichwahrnehmung. Ebenso beschreibe der Versicherte Impulskontrollverluste im fremdaggressiven Sinne, die er durch sozialen
Rückzug und Isolation tagsüber
zu vermeiden versuche.
Dr.
H._
führte aus, dass der Beschwerdeführer die Wahrnehmung ihrer Termine seiner Mutter verdanke, die ihn daran erinnere.
Um möglichen Konflikten aus dem Weg zu gehen, vermeide der Beschwerdeführer jeglichen Blickkontakt und lege weite Strecken zu Fuss zu
rück. Suizidalität und Fremdgefährdung seien in
keinster
Weise auszuschliessen (
Ziff.
1.4). Eine gewisse finanzielle Sicherheit durch eine IV-Rente
wäre sicher indiziert, da
der Beschwerdeführer
aktuell bei und finanziell von seiner Mutter lebe (
Ziff.
1.5).
4.5
Die Ärztinnen
der
D._
stellten in ihrem Bericht vom 2
0.
Mai 2016 (
Urk.
12/73) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ (ICD-10 F60.31), seit der Kindheit und Jugend bestehend
-
PTBS
(ICD-10 F43.1), seit der Jugend bestehend
-
Dumpin
gsyndrom bei Status nach Magenb
ypass-Operation im Jahr 2013
Die
Ärztinnen
führten aus, der Beschwerdeführer sei vom
6.
Mai 2014 bis 2
2.
Ja
nuar 2015 bei ihnen in Behandlung gewesen, und die letzte Kontrolle sei am 2
1.
Oktober 2015 erfolgt (
Ziff.
1.2).
Wegen
der Schwere der Einschränkungen
sei
von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit während der gesamten Behandlung im
I._
aus
zugehen
. Eine Krankschreibung durch sie sei nur im angegebenen Zeitraum erfolgt (
Ziff.
1.6).
Die Ärztinnen führten aus,
dass der Patient kaum in der Lage se
i, sei
nen Alltag zu bewältigen
(
Ziff.
1.7).
Eine psychiatrische Behandlung mit Medika
tion, sozialer Unterstützung und Erlernen von Skills im Umgang mit selb
stschä
digendem Verhalten könnte
zu einer Stabilisierung des Patienten beitragen. Dadurch könnte eventuell eine Arbeitsfähigkeit wiedererlangt werden. Die dies
bezügliche Prognose sei noch unklar (
Ziff.
1.8).
4.6
Am 2
6.
November 2016 erstattete
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
sein verkehrsmedizinisches Gutachten (
Urk.
12/116/7-17).
Dr.
J._
führte aus, er habe den Beschwerdeführer am 1
4.
November 2016 untersucht (S. 1). Es lägen aus psychiatrischer Sicht keine die Fahreignung ausschliessenden Störungen vor (S. 10
Ziff.
6 I.).
Anlass
für die
Be
gutachtung sei gewesen, dass unter anderem einem Schlussbericht der Kantons
polize
i habe entnommen werden können
, dass sich der Beschwer
deführer mehr
fach kurzzeitig
in einer psychiatrischen Klinik aufgehalten und angegeben habe, an einer PTBS sowie an einer Persönlichkeitsstörung zu leiden, weshalb er Psychopharmaka und diverse Medikamente einnehme. Weiter habe er ausgeführt, dass er eine drei- bis sechsmonatige Be
handlung
in einer psychiatrischen Klinik in
K._
beabsichtige (S. 2
Ziff.
1).
Dr.
J._
führte aus, der Beschwerdeführer habe angegeben, dass er ge
lernter Koch sei, jedoch mittlerweile
selbständig im Transportgewerbe
arbeite. Dies sei der Grund, weshalb er dringend seinen Führerausweis benötige. Er habe den Ausweis für einige Zeit
wiederbekommen, dann sei er erneut entzogen wor
den. Für seine Arbeit habe er nun einen Chauffeur anstellen müssen
(S. 3
Mitte
). Auf die mehrmaligen
Hospitalisationen
angesprochen, habe der Beschwerdefüh
rer berichtet, dass diese im Zusammenhang mit einer Untersuchungshaft gestan
den hätten. Es habe sich um eine sehr lange Zeit gehandelt
,
und er habe die Hoffnung verloren. Im Gefängnis sei es schlimm gewesen. Er sei mit einem Mör
der in einer Zelle untergebracht gewesen.
Als seine Kinder
Geburtstag gehabt hätten, habe
ihn dies emotional zerrissen
,
und er
sei zunehmend trauriger gewor
den, jedoch nie suizidal (S. 3 unten).
Laut Angaben des Beschwerdeführers werde die mögliche stationäre Behandlung in
K._
nicht stattfinden.
Es
h
abe
sich um eine freiwillige Behandlung auf einer Spezialstation für PTBS gehandelt. Die Idee zur Behandlung habe im Zu
sammenhang mit seinem früheren Übergewicht gestanden
. Er habe starke Schlaf
störungen gehabt
,
und die Ärzte hätten vermutet, dass dies mit seiner Biografie zusammenhänge. So habe er als Kind und Kriegsflüchtling sehr viel Gewalt und Gräueltaten miterlebt (S. 4 Mitte).
D
ie Schlafstörungen
seien
jedoch durch sein Übergewicht und die damit zusammenhängende Schlafapnoe verursacht gewe
sen. Seit er 45 kg abgenommen habe
,
schlafe er
«
wie ein Baby
»
. Weiter nehme er keine Medikamente ein, rauche nicht und habe noch nie
Drogen konsumiert
(
S. 4 unten).
Zum Verhalten und psychischen Befund führte
Dr.
J._
aus, dass der Be
schwerdeführer pünktlich in gepflegter Erscheinung zum vereinbarten Untersu
chungstermin erschienen sei.
Er habe sich im Kontakt freundlich, höflich und
aufgeschlossen gezeigt
. Er sei wach und zu allen Qualitäten orientiert gewesen. Es hätten keine Störung der Konzentration oder der Aufmerksamkeitsfunktion vorgelegen und keine formalen Denkstörungen, Befürchtungen oder Zwänge
, ebenso wenig
Hinweise auf ein Wahnerleben, Sinnestäuschungen oder Ich-Stö
rungen
. In der
Affektivität (Gefühle, Stimmung, Emotionalität, Befindlichkeit) habe sich der Beschwerdeführer ausgeglichen und mit voll erhaltener Schwin
gungsfähigkeit gezeigt
. Es hätten sich auch keine Auffälligkeiten in Antrieb und Psychomotorik gefunden. So habe der Beschwerdeführer die Exploration gelassen auf dem im zugewiesenen Platz verbracht und regelmässig Blickkontakt zu
m
Gut
achter gesucht (S. 5 f.
Ziff.
3.2). Es hätten keine Hinweise auf fremd- oder selbst
ge
fährdendes
Verhalten bestanden
(S. 6 oben).
Dr.
J._
führte aus, dass sich der Beschwerdeführer während der Explo
ration in
unauffälligem
psychischen Zustand präsentiert habe. Seine Kritik am zwischenzeitlichen Führerausweisentzug habe er begründet und sachlich bei grundsätzlichem Verständnis für die eingeleitete Massnahme darlegen
können
(
S. 9 Mitte).
D
emnach
könne
beim Beschwerdeführer die Fahrei
gnung bejaht werden
, wobei aus prognostischer Sicht günstig sein nach früheren Verfehlungen mittler
weile
unauffälliger fahrerischer Leumund bei hoher Fahrleistung
zu berücksich
tigen sei (S. 9 unten).
4.7
Am
2.
März 2017 erstatteten die Gutachter der
Y._
das von der Be
schwerdegegnerin veranlasste
psychiatrische Gutachten (
Urk.
12/93
/2-29
). Die Gutachter stellten zusammenfassend folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 24
Ziff.
7.1):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und emotional-in
stabilen Anteilen (ICD-10 F61.0)
-
PTBS (ICD-10 F43.1)
-
Trichotillomanie
(ICD-10 F63.3)
Die Gutachter führten zur Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit aus, dass in der Zusammenschau
der Ergebnisse von einer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
im erlernten Beruf als Koch auszugehen sei (S. 25
Ziff.
8.1).
Der Beschwerdeführer zeige ausgeprägte Anspannungszustände mit teils schwe
ren
Selbstverletzungen
und Suizidalität. Diese Zustände seien im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung und insbesondere im Kontakt mit Drittpersonen ausgelöst worden. Weiter habe
er
eine stark eingeschränkte Anpassungs-,
Kon
zentrations
- und Aufmerksamkeitsfähigkeit sowie eine ausgeprägte psychomoto
rische Unruhe gezeigt. Es sei nicht davon auszugehen
gewesen
, dass der Be
schwerdeführer eine kurz- oder langandauernde Tätigkeit bewältigen und im
Kontakt zu den Mitmenschen auch nur an
nähernd sozial angemessen agier
en könnte
(S. 25
Ziff.
8.1.1). Die Gutachter führten aus, dass es scheine, als dass es der Beschwerdeführer lediglich dank der ausgesprochenen Unterstützung von Be
zugspersonen geschafft habe, einen Lehrabschluss als Koch sowie den Einstieg in das Berufsleben zu finden. Jedoch habe bisher daraus noch keine länger anhal
tende Arbeitsanstellung resultieren könne
n
. Rückblickend könne festgestellt wer
den, dass der Versicherte spätestens nach der drastischen Verschlechterung seines psychischen Gesundheitszustandes vor etwa vier Jahren nicht mehr in der Lage gewesen sei, zu arbeiten (S. 25
Ziff.
8.1.3). Gemäss ihrer Einschätzung sei der Beschwerdeführer auch in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeits
unfähig (S. 25
Ziff.
8.2.1)
.
Dies vor dem Hintergrund seiner schweren Persönlich
keitsstö
rung mit ausgesprochener Fremd
aggressivität. Der Beschwerdeführer stelle eine Bedrohung für seine Mitmenschen - im privaten Leben, im öffentlichen Raum
und
auch in einem beruflichen Umfeld - dar (S. 25 f.
Ziff.
8.2.1). Die Gut
achter führten aus, es sei
ihm
zur Zeit der psychiatrischen Begutachtung nicht annähernd möglich gewesen, einen geregelten Alltag
zu bewältigen. Zu Hause würden alle Tätigkeiten im Haushalt -
teils auch die Selbstpflege des Versicherten - von seiner Mutter übernommen. Wenn diese ihn nicht zu wichtigen Terminen begleite, sei davon auszugehen, dass
er
diese nicht wahrnehmen (S. 26
Ziff.
8.2.2).
Die Gutachter hielten abschliessend fest,
dass
aus ihrer Sicht eine forensische Begutachtung zur näheren Gefährdungseinschä
tzung dringend zu empfehlen sei, da der Versicherte ein erhebliches Gefährdungspotenzial aufweise.
Aufgrund
sei
ner
Aufmerksamkeitsdefizite, seiner dissoziativen Zustände sowie seiner Fremdaggressivität sei seine Fahreig
n
ung ihrer Einschätzung zufolge nicht gege
ben. Es werde daher empfohlen, den Versicherten beim
L._
zwecks medizinischer Einschätzung seiner Fahreig
n
ung zu melden (S. 27
Ziff.
9).
4.8
4.8.1
Am 1
0.
Dezember 2018 erstattete
med.
pract
. M._
, Fachärztin für Psy
chiatrie und Psychotherapie,
B._
, das von der Beschwerdegegnerin veranlasste psychiatrische Folgegutachten
(
Urk.
12/125/1-64)
unter Berücksichtigung der
Er
gebnisse des von
lic
.
phil.
N._
,
Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP,
B._
,
erstellten neuropsychologischen Untersuchungsberichts (
Urk.
12/125/65-71)
.
Med.
pract
.
M._
konnte
keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit stellen (S. 53 Mitte).
Als Diagnosen ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit nannte
sie einen aktenanamnestisch bestehenden Status nach Adipositas per magna, einen Status nach einem Schlafapnoesyndrom (aktuell beschwerdefrei
)
, sowie einen Status nach Magenbypass-Operation im Jahr 2013 (S. 53 Mitte).
Med.
pract
.
M._
führte
in ihrer Beurteilung aus, dass objektiv bis auf eine leicht
gradige Anspannung und eine
n
verzweifelten Affekt bezüglich den beruflichen Perspektiven sowie nachvollziehbarer wütender Äusserungen über die Erzie
hungsmethoden des Vaters keine weiteren psychopathologischen Befunde hätten erhoben werden können. In der klinischen wie auch in der neuropsychologischen Untersuchung hätten sich deutliche Hinweise auf eine nichtauthentische Be
schwerdedarbietung gefunden. Die Beeinträchtigungen würden lediglich im Kon
text mit der Haft und im Zusammenhang mit dem IV-Gesuch angegeben. In an
deren Bereichen, wie in der vorhergehenden beruflichen Tätigkeit, vor der
Ma
genbypassoperation
und im Zusammenhang mit dem Strassenverkehrsamt habe sich der Explorand kognitiv, emotional und körperlich gut leistungsfähig gezeigt. Auch bei der polizeilichen Befragung sei er als klar und geordnet beschrieben
worden. Dies werde auch belegt
durch den Schriftverkehr mit der Behörde (S. 62 Mitte).
Med.
pract
.
M._
hielt
fest, dass im Kontaktverhalten weder während den poli
zeilichen Befragungen noch während der verkehrsmedizinischen Begutachtung Auffälligkeiten bemerkt worden seien.
Dr.
E._
habe einen unauffälligen Befund bescheinigt
,
und ein auffälliges Verhalten sei während den somatischen Behandlungen (Magenbypass-Operation, Nachbetreuung)
in keinem Bericht er
wähnt worden. Zudem gehe aus dem Schriftverkehr
mit den Behörden hervor, dass der Beschwerdeführer mehrfach geäussert habe, eine selbständige Tätigkeit auszuüben, sich mehrfach im Ausland zu befinden, und dass ihm seine Kinder, mit denen er seine Freizeit verbringe, durchaus sehr wichtig seien.
Abschliessend führte med.
pract
.
M._
aus
, dass
,
da sich im Quer- und Längsschnitt und in der Gesamtschau aller ihnen vorliegenden Daten je nach Interessenlage des Be
schwerdeführers deutliche Diskrepanzen ergeben hätten, eine medizinisch-psy
chiatrische Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit nicht begründet werden
könne
(S. 62 unten).
4.8.2
Lic
. phil.
N._
führte in seinem neuropsychologischen Bericht vom 1
7.
August 2018 (
Urk.
12/125/65-71) nach gleichentags durchgeführter neuropsychologi
scher Untersuchung des Beschwerdeführers (S. 1) aus, dass
sich
ein
unspezifischer Befund gezeigt
habe mit einer an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vor
liegender Vortäuschung einer neuropsychologischen Störung. Aufgrund einer Vortäuschung könne keine valide Stellungnahme zur beruflichen Funktionsfä
higkeit erfolgen. Das Funktionsniveau dürfte wesentlich höher liegen, als dies der Explorand präsentiert habe. Es lasse sich aus den Befunden keine Einschränkung einer beruflichen Funktionsfähigkeit ableiten (S. 5 unten).
Lic
. phil.
N._
führte
in seiner zusammenfassenden Beurteilung aus, dass der Beschwerdeführer in Be
gleitung seiner Mutter zur neuropsychologischen Untersuchung erschienen sei. Er habe ein Baustellenhütchen unter dem Arm getragen. Er habe nicht gegrüsst und die Kommunikation verweigert.
Anlässlich einer früheren Begutachtung sei eine angebliche PTBS-Symptomatik durch einen männlichen Untersuchenden ge
triggert worden (S. 4 unten f.). Der Beschwerdeführer habe am linken Handgelenk Gummibänder getragen, mit welchen er sich gelegentlich einen Schmerzreiz zu
gefügt habe. Es sei ein kognitives Sc
r
eening-Verfahren durchgeführt worden. Beim Mini Mental Status Test habe der Beschwerdeführer ein Resultat erreicht, welches einer schweren Demenz entsprechen würde. Er habe sich als allseits des
orientiert gegeben. In allen Beschwerdevalidierungstest habe er auffällige Ergeb
nisse im Sinne einer reduzierten Test-Compliance und negativer Antwortverzer
rung gezeigt, teils auch ein Ergebnis unterhalb der Zufalls- oder Ratewahrschein
lichkeit. Dies bedeute, dass nach mathematischer Berechnung der Explorand die richtige An
twort gewusst, jedoch bewusst eine falsche Antwort angegeben habe, um so eine Gedächtnisstörung vorzutäuschen (S. 5 oben).
Lic
. phil.
N._
führte aus, dass die gezeigten Minderleistungen und das präsen
tierte Verhalten grotesk gewesen seien und in völliger Diskrepanz zum pr
äsen
tierten Verhalten vor
d
er Magenbypass-Operation und an
der
verkehrsmedizini
schen Begutachtung
gestanden habe
, wo sich der Beschwerdeführer psychisch unauffällig präsentiert habe. Bei derartigen Minderleistungen wäre eine Person auf eine Unterbringung in einer Institution mit 24 Stunden Betreuung angewie
sen. Sofern eine Untersuchung im Interesse des Beschwerdeführers gestanden habe, sei er in der Lage gewesen, sich psychisch unauffällig zu präsentieren. Das jetzt gezeigte theatralische Verhalten mit Erscheinen mit einem Baustellenhüt
chen, Gummibändern an den Armgelenken, Nicht-Sprechens mit dem Unter
zeichnenden wegen angeblicher
Triggerung
einer PTBS, obschon er bei der Polizei mit den
männlichen
Polizeibeamten gesprochen habe und auch mit einem Psy
chiater beim verkeh
r
smedizinischen Gutachten, deute auf eine laienhafte Vorstel
lung einer Person, wie sich eine psychische Störung präsentiere (S. 5 Mitte).
Lic
. phil.
N._
führte abschliessend aus, dass das unterschiedliche Verhalten in Ab
hängigkeit des Untersuchungskontextes auf erhaltene kognitive Ressourcen und die Fähigkeit hindeute, sein Verhalten je nach Situation
bewusst zu steuern. An
gesichts des sicheren Na
chweises einer vorgetäuschten n
europsychologischen Störung seien die Selbstangaben des Exploranden nicht glaubhaft. Falls eine psy
chische Problematik vorliegen sollte, könne eine solche unter den gegebenen Um
ständen nicht beurteilt werden. Delinquentes und täuschendes Verhalten müssten nicht in einem Zusammenhang mit einer psychischen Störung stehen (S. 5 unten).
4.9
Dr.
med.
O._
, Fachärztin für Psychiatrie und für Psychotherapie,
Regio
naler Ärztlicher Dienst (
RAD
)
, führte in ihrer Stellungnahme vom
1
2.
Dezembe
r 2018 (
Urk.
12/133/8-9) aus,
dass dem Gutachten von med.
pract
.
M._
und
lic
. phil.
N._
vom 1
0.
Dezember 2018 Beweiswert zukomme. Darauf hinzuweisen sei, dass im Gutachten festgehalten worden sei, dass der Versicherte zwar sämt
liche psychopathologische
n
Symptome bejaht habe, seine Beschwerdedarbietung jedoch keiner aktuell gültigen
nosologischen
Krankheitsentität zugeordnet wer
den könne, so dass es sich sehr wahrscheinlich um eine nichtauthentische Be
s
chwerdedarbietung handle
. Je nach Kontext habe der Explorand unterschiedli
che kognitive Fähigkeit gezeigt. Dies weise auf eine hohe kognitive Flexibilität und Fähigkeit hin, sich dem jeweiligen Rahmen anzupassen. Eine PTBS liege auf
grund der fehlenden Symptome nicht vor, auch eine Persönlichkeitsstörung habe nicht diagnostiziert werden können. Weiter sei beschrieben worden, dass sich in der neur
o
psychologischen
Untersuchung in allen durchgeführten Beschwerde
validierungstests auffällige Ergebnisse im Sinne einer reduzierten Test-Com
pliance und negativen Antwortverzerrung gezeigt hätten.
Die gezeigten Minder
leistungen und das präsentierte Verhalten seien grotesk gewesen und in völliger Diskrepanz zum präsentierten Verhalten vor einer Magenbypass-Operation und am verkehrsmedizinischen Gutachten, wo sich der Beschwerdeführer psychisch unauffällig gezeigt habe. Unter der neuropsychologischen Diagnose sei festge
halten worden, dass es sich um einen unspezifischen Befund aufgrund einer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vorliegender Vortäuschung einer neuropsychologischen Störung gehandelt habe.
Dr.
O._
führt
e zusammenfas
send aus, dass
damit aus psychiatrischer Sicht keine Diagnose genannt worden sei, weshalb
kein Gesundheitsschaden bestehe
. Es werde aus versicherungsmedi
zinischer Sicht empfohlen, vollumfänglich auf das Gutachten abzustellen
.
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2)
gemäss der Empfehlung der RAD-Är
ztin
Dr.
O._
vom 1
2.
Dezember 201
8 (vgl. vorste
hend E. 4.9
)
gestützt auf das
psychiatrische
Gutachten
der
B._
vom
1
0.
Dezem
ber 2018 (vgl. vorstehend E. 4.8
)
davon aus, das
s
aus invalidenversicherungsrechtli
cher Sicht seit der
anspruchverneinenden
Verfügung vom
9.
Mai 2014 (
Urk.
12/28) keine anspruchsrelevante Veränderung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers eingetreten sei.
Weiterhin wurde von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit ausgegangen
(vgl. vorstehend E
.
2.1).
5.2
Das psychiatrisch
e
Gutachten
von med.
pract
.
M._
und
lic
. phil.
N._
vom 1
0.
Dezember 2018
(vorstehend E. 4.8
) berücksichtigt die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen
und seinem Verhalten
umfas
send auseinander. Es wurde sodann in Kenntnis
von
und in Auseinandersetzung mit den
wesentlichen
Vorakten
, insbesondere auch der von der Beschwerdegeg
n
erin beigezogenen Strafakten sowie der Akten des Strassenverkehrsamtes
(vgl.
Urk.
12/95-96,
Urk.
12/116)
,
abgegeben, leuchtet in der Darlegung der medizini
schen Situation ein, und die Schlussfolgerung ist in nachvollziehbarer Weise be
gründet.
Es erfüllt daher die Anforderungen an eine beweiskräft
ige Expertise (vorstehend E. 1.8
).
Detailliert
und unter ausführlicher Darlegung der sich aus den Akten, den Äusse
rungen des Beschwerdeführers und seinem Verhalten ergebenden Diskrepanzen
führten die Gutachter der
B._
aus,
weshalb das von
ihm
anlässlich der Begut
achtung dargebotene Beschwerdebild keiner psychischen Erkrankung ents
preche
und
weshalb
mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von einer Vortäu
schung einer n
europsychologischen Störung auszugehen sei.
5.3
Nach neuer Praxis des Bundesgerichts führt die Diagnose einer psychischen Er
krankung nur dann zur Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgra
des, wenn einerseits die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestell
ten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardin
dikatoren (vgl. vorstehend E. 1.3) schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind, und andererseits keine Ausschlussgründe namentlich keine Aggravation vorliegen.
Beruht die Leistungs
einschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation, liegt
regel
mässig
keine versicherte Gesundheitsschädigung vor. Eine solche Ausgangslage ist etwa gegeben, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; de
monstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wir
ken; schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
Nicht per se auf Aggravation weist
blosses
verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1).
5
.4
Wie nachfolgend zu zeigen ist, liegt ein solcher Ausschlussgrund vor.
Nicht von der Hand zu weisen ist vorliegend der Umstand, dass sich aufgrund der gesamten Aktenlage
, wie die Gutachter der
B._
festhielten,
je nach Interessen
lage des Beschwerdeführers
eine sehr widersprüchliche Beschwerdedarbietung e
rgab
.
So gingen
die behandelnden Ärzte
und Fachpersonen
der
G._
in ihren Berichten vom 2
7.
Oktober und 1
8.
November 2015 (vgl. vorstehend E. 4.2-3) unter anderem von einer PTBS
(ICD-10 F43.1)
und
dem Verdacht auf eine
Per
sönlichkeitsstörung
(ICD-20 F61.0)
aus
und hielten fest
, dass
sich
der Beschwer
deführer als willenloses Werkzeug seiner Kräfte präsentiert habe
. Berichtet wurde von dem schwer gewalttätigen Vater
und einem Beschwerdeführer, der entgegen der in den Akten dokumentierten Erwerbsbiographie (
Urk.
12/14,
Urk.
12/26,
Urk.
12/42,
Urk.
12/116/171
) sich lediglich mit Hilfsarbeiten habe über Wasser halten könne
n
. Weiter wurde ein fremdaggressives Verhalten
des Beschwerde
führers dokumentiert, und
dass
er
sich selbst schwere Verletzungen bis hin zu Knochenbrüchen und Hautverbrennungen zufüge
n würde
.
Suizidgedanken wur
den bejaht.
Die
seit dem
9.
Juli 2015
behandelnde Psychiaterin
Dr.
H._
diagnostizierte in ihrem Bericht vom
8.
März 2016 (vgl. vorstehend E. 4.4) zusätzlich zur Persön
lichkeitsstörung
(ICD-10 F60.30)
und der PTBS
(ICD-10 F43.1)
eine
bestehende disso
ziative A
mnesie
(ICD-10 F44.0)
, beschrieb an Demenz grenzende
kognitive Einschränkungen
und einen Beschwerdeführer, dem es nur noch dank der Hilfe seiner Mutter möglich sei,
Termine wahrzunehmen
. Zudem bestehe
gemäss
Dr.
H._
nebst dem selbstverletzenden Verhalten eine massive Fremdaggres
sion. An eine Arbeitsfähigkeit sei nicht zu denken. Dieses Bild bestätigten sodann auch die Ärztinnen der
D._
in ihrem Bericht vom 2
0.
Ma
i 2016 (vgl. vorstehend E. 4.5) sowie
schlussendlich
die die Gutachter der
Y._
in ihrem Gut
achten vom
2.
März 2017 (vgl. vorsteh
end E. 4.7), welchen jedoch
weder die ver
kehrsmedizinischen Abklärungen von
Dr.
J._
(vgl. vorstehend E. 4.6) noch die beigezogenen Strafakten vorgelegen haben (vgl.
Urk.
12/95-96).
Höchst diskrepant
hierzu
erweist sich demnach der Umstand
, dass sich der Be
schwerdeführer anlässlich der verkehrsmedizinischen Begutachtung bei
Dr.
J._
am
1
4.
November 2016
(vgl. vorstehend E. 4.6), wo es um die Wiedererlangung des Führerausweises ging, wie bereits zuvor bei
Dr.
C._
(vgl. vorstehend E. 3.2
)
, wo der Beschwerdeführer einen bariatrischen Eingriff beab
sichtigte
,
ohne
jegliche psychischen Einschränkungen
und mit einem normalen, freundlichen Auftreten
präsentierte
.
Abgesehen davon, dass der Beschwerdeführer gegenüber
Dr.
J._
im No
vember 2016
äusserte,
mittlerweile selbständig im Transportgewerbe
tätig zu sein
, führte er aus, dass die psychiatrischen
Hospitalisationen
allein im
Zusammen
hang mit
einer Untersuchungshaft
und der daraus resultierenden Hoffnungslo
sigkeit
gestanden
hätten
.
D
ies bestätigte der Beschwerdeführer bereits
zuvor in seinem Schreiben an das Strassenverkehrsamt Aargau vom
8.
Dezember 201
5.
Weiter stellte er sich
als verantwortungsvoller Vater dar, für welchen die Sicherhe
it die höchste Priorität h
abe
,
und
führte
weiter
er aus, dass er mit seinen erlebten Traum
en
gelernt habe zu leben und dass diese überhaupt keine Hinder
nisse darstellten. Wiederum gab er an, dass das Auto für ihn und seinen Job sehr wichtig sei (
Urk.
12/116/86-87).
Gegenüber
Dr.
J._
führte
der
Beschwerdeführer
sodann
aus
, dass
er nie
suizidal gewesen
sei
,
und
verneinte
weiter das
Vorliegen einer b
eeinträchtigenden
PTBS, wie er es bereits anlässlich der psychiatrischen Abklärung vor den geplan
ten bariatrischen Eingriff bei
Dr.
C._
im
Dezember 2012
getan hatte
, wo er an
gab,
dass die Familie zur Zeit des Ausbruchs der innerjugoslawischen
Konflikte
gerade noch bevor der Vater hätte zwangsrekrutiert werden sollen,
habe
in die Schweiz fliehen können und
er
keine schlechten Erinnerungen und sich in der Folge gut integriert habe (vgl. vorstehend E. 3.2)
.
Gegenüber
Dr.
J._
führte der Beschwerdeführer sodann aus, dass die
Schlafstörungen nicht durch die PTBS
,
sondern durch
sein Übergewicht und die damit zusammenhängende Schlafapnoe verursacht gewesen
seien
. Seit er 45 kg abgenommen habe
,
schlafe er
«
wie ein Baby
»
.
Hinweise auf
ein
fremd- oder selbstgefährdende
s
Verhalten
verneinte
Dr.
J._
.
Der vom Beschwerdeführer hierfür beschwerdeweise vorgebrachte Erklärungsversuch (vgl. vorstehend E. 2.2), wonach er, da die An
forderungen der verkehrsmedizinischen Begutachtung an ihn geringer gewesen seien,
die
Defizite habe überspielen können, erweist sich als
unbehelflich
, dies auch vor dem Hintergrund, dass er sich
verschiedentlich so darstellte, als könnte er nicht einmal mehr seinen Alltag ohne
die Hilfe
seine
r
Mutter bewältigen.
5.5
Med.
pract
.
M._
sprach den Beschwerdeführer
anlässlich der Begutachtung
so
dann direkt auf verschiedene Diskrepanzen in den Akten an,
ohne dass er hierfür eine hinreichende Erklärung bringen konnte.
Was die vom Beschwerdeführer im
mer wieder vorgebrachten massiven
Selbstverletzungen
anbelangt, welche von Schneiden, sich Verbrennen bis hin zu absichtlichen Knochenbrüchen reichen würden
(vgl. vorstehend 4.2, E. 4.4-5, E. 4.7)
,
konnte er weder die Frage von med.
pract
.
M._
beantworten, in welchem Spital die Knochenbrüche behandelt wor
den seien
(vgl.
Urk.
12/125
/1-64
S. 37
Ziff.
2.2
)
, noch
fanden sich
anlässlich der körperlichen Untersuchung
entsprechende Narben
.
Auch
aufgrund
der vom Be
schwerdeführer
vorgegebene
n
Trich
o
tillomanie
(vgl. vorstehend E. 4.7)
zu erwar
tende
haarlose Stellen
wurden
nicht
festgestellt (
Urk.
12/125
/1-64
S. 44 f.
Ziff.
3
.1
, S. 47 unten
).
Ebenso wenig konnte der Beschwerdeführer die
im Zusam
menhang mit dem
fremdaggressiven Verhalten
gestellte Frage
von med.
pract
.
M._
, weshalb hierzu nichts im Strafregister
(vgl.
Urk.
12/92) stehe
,
beantworten
(
Urk.
12/125
/1-64
S. 38
Ziff.
2.5).
Diesbezüglich ist anzumerken, dass
der Beschwerdeführer in
seiner Beschwerde
vom 1
4.
Januar 2016
gegen die Verfügung des Strassenverkeh
rsamtes des Kan
tons Aargau vom 2
8.
Dezember 2015
(vgl.
Urk.
12/116/76-79)
angab
, dass e
r ein gewissenhafter Fahrer sei,
seine Mitmenschen achte und keine Gefahr darstelle
(
Urk.
12/116/73-75).
Festzuhalten ist
weiter
, dass auch die vom Beschwerdeführer verfassten E-Mails
und Schreiben
im Zusammenhang mit der verkehrsmedizini
schen Abklärung freundlich und geordnet verfasst wurden (vgl. 12/116/21,
Urk.
12/116/23-24,
Urk.
12/116/36-37)
,
was mit dem dargebotenen Beschwerde
bild nicht zu vereinbaren ist.
Selbst die Ausführungen des Beschwerdeführers hinsichtlich seiner familiären Verhältnisse erweisen sich als diskrepant, insbesondere in Bezug auf seinen Vater und seinen Bruder. Was das
vom Beschwerdeführer vorgetragene massiv zerrüt
tete Verhältnis zu seinem als gewalttätig beschriebenen Vater anbelangt,
der ihn mit Kabel und Staubsauger geschlagen habe (vgl.
Urk.
12/125
/1-64
S. 45
Ziff.
3.2
, vorstehend E. 4.2
),
sprach ihn
med.
pract
.
M._
zu Recht auf den Umstand an, dass er laut Akten mit dem Vater zusammen ein Delikt begangen habe
(vgl.
Urk.
12/96
/15-45
)
. Daraufhin gab der Beschwerdeführer an, dass er nicht den Kontakt zum Vater suche, sondern sich wie ferngesteuert fühle, sodass er immer wieder zu ihm gehe (vgl.
Urk.
12/125/
1-64 S. 40 f.
Ziff.
2.7.3
).
Die Einvernahme durch die Kantonspolizei vom 2
0.
September 2012 im Zusammenhang mit einem Diebstahl-Versuch ergab, dass der Beschwerdeführer zu diesem Zeit
punkt mit sei
nem Vater zusammen
wohnte
(vgl.
Urk.
12/96/68-72 S. 2
Ziff.
1, S. 4
Ziff.
7).
Auch an der Aussage des Beschwerdeführers
anlässlich der Begutachtung an der
B._
, wonach er zu seinem Bruder seit Jahren keinen Kontakt habe und er diesen umbringen wolle (vgl.
Urk.
12/125
/1-64
S. 40
Ziff.
2.7.1),
bestehen gewichtige Zweifel. So liegt in den Akten eine
Telefonnotiz vom 1
8.
Januar 2017 (
Urk.
12/86), wo der Bruder des Beschwerdeführers versuchte,
den Beschwerde
führer
unter Vorbringen von
fraglichen
Umständen vom Erscheinen am Begut
achtungstermin zu befreien (vgl. auch
Urk.
12/87
-
90).
Einhergehend mit den Feststellungen von
lic
. phil.
N._
anlässlich
der
neu
ropsychologischen Untersuchung (vgl. vorstehend E. 4.8.2) ist auch d
as vom Be
schwerdeführer verschiedentlich geltend gemachte Vorbringen, bestätigt durch seine Psychiaterin
Dr.
H._
(vgl.
Urk.
12/82
,
Urk.
12/145
),
wonach er nicht von
Männern begutachtet oder untersucht werden und diesen nicht einmal in die Au
gen schauen könne, da dies ein Trigger für fremdaggressives Verhalten sei (vgl.
Urk.
12/75,
Urk.
12/93/2-29 S. 4
Ziff.
3.2.1,
Urk.
12/125
/1-64
S. 46 Mitte
)
,
unter das Vortäuschen von Symptomen zu subsumieren.
So befand sich der Beschwer
deführer unter anderem in langjähriger Behandlung bei
Dr.
E._
,
ohne dass sich dessen Berichte
n
allfällige Schwierigkeiten oder Verhaltensauffälligkei
ten des Beschwerdeführers entnehmen liessen
(vgl.
vorstehend E. 3.3,
auch
Urk.
12/125/72,
Urk.
12/125/75)
. Anlässlich der Begutachtung bei
Dr.
J._
im November 2016 zeigte er sich diesem gegenüber
freundlich und aufgeschlossen und
habe
auch den Augenkontakt gesucht
(vgl. vorstehend E.4.6)
.
Auffallend ist weiter, dass der Beschwerdeführer gegenüber
Dr.
J._
im November 2016 ausführte, dass
er
mittlerweile selbständig im Transportgewerbe
arbeite. Aufgrund d
es Entzuges des Führerausweises
habe er nun einen Chauffeur einstellen müssen (vgl. vorstehend E. 4.6). Den von der Beschwerdegegnerin bei
gezogenen Akten des Strassenverkehrsamtes lässt sich diesbezüglich weiter ent
nehmen, dass der Beschwerdeführer dem Departement Volkswirtschaft und Inne
res, Kanton Aargau, in seinem Schreiben vom 1
2.
April 2016 (
Urk.
12/116/58)
mitteilte
, dass er dringend seinen Fahrausweis brauche, da er sein Auto täglich für die Arbeit benützen müsse. Ohne Auto könne er seine Tätigkeit im Catering und der Produktion nicht ordnungsgemäss ausführen. Er müsse
Chauffeure be
zahlen und dies sei unerträglich. Er sei als Vater von vier Kindern sehr auf sein Auto angewiesen, damit er seine Familie finanziell über die Runden bringen könne
. Dies bestätigte er auch in seinem Schreiben vom
1.
Juli 2016 (
Urk.
12/116/55). Anzumerken ist, dass dies den Zeitraum betraf, während dem der Beschwerdeführer von seiner behandelnden Psychiaterin
Dr.
H._
als Pa
tient beschrieben wurde, der aufgrund
schwerster
psychischen Beeinträchtigun
gen als vollständig arbeitsunfähig und
nur knapp orientiert beschrieben wurde
(vgl. vorstehend E. 4.4).
Dass der
Beschwerdeführer
je nach Kontext unterschiedliche kognitive Fähigkei
ten zeigte, was,
wie
lic
. phil.
N._
und
Dr.
O._
ausführte
n
, auf eine
hohe kog
nitive Flexibilität und Fähigkeit hin
deute
, sich dem jeweiligen Rahmen anzupas
sen
(vgl. vorstehend
E. 4.8.2 und
E. 4.9)
,
zeigt
e
sich auch ausserhalb der medizi
nischen Konsultationen.
De
n
im Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft
A._
vom 1
0.
Januar 2013
festgehaltenen Sachverhalt, wo
nach der Beschwerdeführer
ge
gen Mitternacht
versucht habe,
Kupferteile von einem Firmenareal zu stehlen und dabei ohne Licht fahrend vom Firmenareal von der Polizei angehalten w
orden sei
, wobei festgestellt w
orden sei
, dass unter anderem beide Vorderreifen eine ungenügende Profiltiefe au
fgewiesen haben (vgl.
Urk.
12/96/58-60),
stellte er
im
Rahmen seiner am 1
4.
Januar 2016 gegen die
Verfügung des Strassenverkeh
rs
amtes des Kantons Aargau vom 2
8.
Dezember 2015 (
Urk.
12/116/73-75)
erhobe
ne
n
Beschwerde wie folgt dar:
Er
habe
sich dieses Auto von einem Freund ge
liehen,
weil ihn seine Mutter aufgrund von Herzschmerzen in der Nac
ht notfall
mässig angerufen habe
und er beim Eintreffen des Notarztes hätte dolmetschen müssen (
Urk.
12/116/73-75
S. 2).
5.6
Aufgrund des Gesagten
ist das vom Beschwerdeführer
gezeigte p
sychische Zu
standsbild, welches
je nach
dem
beabsichtigen Ergebnis
von
komplett psychisch unauffällig
bis an Demenz grenzend reichte, einhergehend mit den Gutachtern der
B._
als wenig glaubhaft respektive als vorgetäuscht zu qualifizieren, weshalb
der Beschwerdeführer
als nicht in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt zu betrach
ten ist.
Damit ist seit der letzten leistungsanspruchsverneinenden Verfügung der IV-Stelle Aargau
vom
9.
Mai 2014
(
Urk. 12/28
) keine anspruchsrelevante Verän
derung eingetreten.
Die angefochtene Verfügung (Urk. 2) erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
6
.1
Der Beschwerdeführer beantragte die Gewährung der unentgeltlichen Rechts
pflege (Urk. 1 S. 2).
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 47, 100 V 62, 98 V 117).
6
.2
Die unentgeltliche Rechtspflege kann nur
gewährt werden, wenn die Rechts
vor
kehr nicht aussichtslos ist. Als aussichtslos sind nach der bu
ndesgericht
lichen Rechtsprechung Prozessbegehren anz
usehen, bei denen die Gewinnaus
sichten
(ex ante betrachtet; BGE 124 I 304 E. 2c S. 307) beträchtlich geringer sind als die
Verlustgefahren und die deshalb kaum als
ernsthaft bezeichnet werden kön
nen. Dagegen gilt ein Begehren nicht als
aussichtslos, wenn sich Gewinn
aussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (BGE 129 I 129 E. 2.3.1 S. 135; 128 I 225 E. 2.5.3 S. 235).
6
.3
Aufgrund der Aktenlage - insbesondere
des Bekanntwerdens
der Ergebnisse der verkehrsmedizinischen Abklärung
(vgl. vorstehend E. 4.6
) - musste dem Be
schwerdeführer bewusst sein, dass
nun eine offensichtliche Diskrepanz
zu dem von ihm zuletzt anlässlich der Begutachtung durch die Ärzte der
Y._
dargebotenen Beschwerdebild besteht
, welche nicht mehr von der Hand zu weisen ist. Sein beschwerdeweise vorgebrachter Erklärungsansatz, dass er anlässlich der verkehrsmedizinischen Begutachtung weniger unter Druck gestanden h
abe
und seine Beschwerden h
abe
überspielen können
(vgl. vorstehend E. 2.2)
,
ist
in An
betracht des verschiedentlich dargebotenen
,
an Demenz grenzende
n
Beschwerde
bild
es
,
nicht überzeugend
.
Damit bewegt sich aber die Beschwerdeerhebung nicht nur im aussichtslosen Be
reich - bei welchem die Gewinnaussichten erheblich geringer als die Verlust
ge
fahren sind - sondern vielmehr im mutwilligen.
Abgesehen davon wurde im Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftig
keit eine solche nur ungenügend substantiiert dargelegt (vgl.
Urk.
8
und
Urk.
9/1-2).
Zusammenfassend
können die Erfolgsansichten der Beschwerde nicht als ernst
haft bezeichnet werden
und die Bedürftigkeit des Beschwerdeführers wurde nicht hinreichend ausgewiesen
, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltli
chen Prozess
führung und
Rechtsver
beiständung
abzuweisen ist.
6
.4
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 1‘000.-- festzulegen und ausgangsgemäss dem unterliegenden Beschwerde
führer aufzuerlegen.