Decision ID: 9e41d75a-6713-47a4-948e-a0aa807e6319
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
betreffend Kraftloserklärung
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes im summarischen Verfahren des Bezirksgerichtes Meilen vom 8. Juli 2015 (ES150041)
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Rechtsbegehren: (act. 1, sinngemäss)
Es sei der vermisste Papier-Namenschuldbrief (dat. 17. April 1916, Pfdb. ...,  4 1⁄2 %), lastend auf dem im Eigentum der Gesuchstellerin stehenden  (Grundbuch Blatt ..., Liegenschaft, Kataster Nr. ..., B._-Strasse ..., C._) kraftlos zu erklären.
Urteil des Bezirksgerichts Meilen vom 8. Juli 2015: (act. 6 = act. 9 = act. 11)
1. Das Gesuch um Kraftloserklärung wird abgewiesen.
2. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf CHF 150.–.
3. Die Gerichtskosten werden der Gesuchstellerin auferlegt und mit dem von
ihr geleisteten Kostenvorschuss von CHF 600.– verrechnet.
4./5. Mitteilung/Rechtsmittel.
Berufungsanträge: (act. 10, sinngemäss)
Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Meilen vom 8. Juli 2015 aufzuheben und der vermisste Papier-Namenschuldbrief (dat. 17. April 1916, Pfdb. ..., Zinsfuss 4 1⁄2 %), lastend auf dem im Eigentum der Gesuchstellerin stehenden Grundstück (Grundbuch Blatt ..., Liegenschaft, Kataster Nr. ..., B._-Strasse ..., C._) kraftlos zu erklären.
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Considerations:
Erwägungen:
I.
1. Das vorliegende Verfahren betrifft die Kraftloserklärung eines Papier-
Namenschuldbriefs über Fr. 10'000.–, datierend vom 17. April 1916, lastend an
3. Pfandstelle auf dem Grundstück GBBl ... in C._, das gemäss Grundbuch-
auszug vom 18. Dezember 2014 im Eigentum der Gesuchstellerin und Beru-
fungsklägerin (nachfolgend Berufungsklägerin) steht (act. 2).
2. Mit Eingabe vom 27. Mai 2015 stellte die Berufungsklägerin beim Bezirksge-
richt Meilen ein Gesuch um Kraftloserklärung des genannten Papier-Namen-
schuldbriefs (act. 1). Das Gesuch wurde mit Urteil des Einzelgerichts im summari-
schen Verfahren vom 8. Juli 2015 abgewiesen, weil die Berufungsklägerin nicht
glaubhaft dargetan habe, wer Gläubiger des vermissten Schuldbriefs sei und sich
aus den von ihr eingereichten Beilagen nicht ergebe, dass dieser Gläubiger seit
zehn Jahren unbekannt sei und während dieser Zeit nie Zinsen gefordert wurden
(act. 6 = act. 9 = act. 11 S. 3).
3. Gegen das vorinstanzliche Urteil legte die Berufungsklägerin hierorts fristge-
recht Berufung ein (act. 10, act. 7). Der ihr mit Verfügung vom 23. Juli 2015 aufer-
legte Kostenvorschuss wurde rechtzeitig geleistet (act. 12, act. 14). Die Akten der
Vorinstanz wurden beigezogen (act. 1-7). Die Sache erweist sich als spruchreif.
II.
1.1 Die Vorinstanz wies die Berufungsklägerin mit Verfügung vom 1. Juni 2015
darauf hin, dass die von ihr eingereichten Beilagen zu ihrem Gesuch (ein Grund-
buchauszug des Grundbuchamts D._ vom 18. Dezember 2014 sowie die
Anmeldung der Eigentumsübertragung zur Eintragung in das Grundbuch des
Grundbuchamts D._ vom 24. November 1988) keinen Aufschluss darüber
gäben, wer Gläubiger des vermissten Schuldbriefs sei bzw. auf welchen Namen
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der Schuldbrief lautete. Sie wurde demnach aufgefordert, einen aktuellen Grund-
buchauszug mit Beschrieb des kraftlos zu erklärenden Schuldbriefs sowie weitere
Dokumente einzureichen (z.B. die Steuererklärungen der letzten zehn Jahre,
Bankauskünfte etc.), um glaubhaft zu machen, dass der Gläubiger seit zehn Jah-
ren unbekannt ist und während dieser Zeit nie Zinsen gefordert wurden (act. 4 S.
3). Dieser Aufforderung kam die Berufungsklägerin nicht nach, weshalb die Vo-
rinstanz androhungsgemäss aufgrund der Akten entschied (act. 9 S. 2 f.).
1.2 Die Berufungsklägerin macht zweitinstanzlich geltend, dass sie die Liegen-
schaft an der B._-Strasse ... im Jahr 1988 übernommen habe und der fragli-
che Papier-Namenschuldbrief schon damals gefehlt habe. Der derzeitige Eigen-
tümer sei unbekannt, sie habe nie Zinsen bezahlt und der Schuldbrief sei unauf-
findbar geblieben (act. 10).
2.1 Der Eigentümer eines verpfändeten Grundstücks kann die Kraftloserklärung
eines Papier-Schuldbriefs verlangen, wenn der Gläubiger des Titels seit zehn
Jahren unbekannt ist und während dieser Zeit keine Zinse gefordert wurden
(Art. 856 ZGB). Diese Voraussetzungen sind vom Ansprecher glaubhaft zu ma-
chen (BSK ZGB II-STAEHELIN, 5. Aufl., Art. 856 N 7). Glaubhaft machen bedeutet,
dass für das Vorhandensein der Tatsachen gewisse Elemente sprechen, selbst
wenn aus Sicht des Gerichts noch die Möglichkeit der Nichtverwirklichung dieser
Tatsachen besteht. Es reicht, wenn aufgrund objektiver Kriterien eine gewisse
Wahrscheinlichkeit für die behaupteten Tatsachen bzw. den behaupteten Sach-
verhalt spricht (ZK ZPO-HUBER, 2. Aufl., Art. 261 N 25).
2.2 Wie die Vorinstanz zu Recht erwogen hat, ergibt sich weder aus dem einge-
reichten Grundbuchauszug vom 18. Dezember 2014 noch aus der Anmeldung zur
Eintragung in das Grundbuch vom 24. November 1988, dass der Gläubiger des
Schuldbriefs seit zehn Jahren unbekannt ist und während dieser Zeit keine Zinse
gefordert wurden. Immerhin ist in letzterem Dokument festgehalten, dass (u.a.)
der Schuldbrief über Fr. 10'000.– – in jenem Zeitpunkt, also im November 1988 –
als vermisst galt und der Gläubiger nicht bekannt war (act. 3 S. 3). Wie es sich
damit in den letzten zehn Jahren verhalten hat, ist indessen unklar. Für diesen
Nachweis, insbesondere für den Nachweis, dass keine Zinsen bezahlt wurden,
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hätte die Berufungsklägerin entsprechend der vorinstanzlichen Aufforderung bei-
spielsweise einen Auszug aus den Steuererklärungen der vergangenen zehn Jah-
re beibringen können. Indem sie dies unterliess, legte sie die Voraussetzungen
der Kraftloserklärung nicht glaubhaft dar. Daher hat die Vorinstanz das Gesuch zu
Recht abgewiesen. Bei dieser Ausgangslage ist die Berufung abzuweisen und
das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen.
3.1 Die Berufungsklägerin ist an dieser Stelle jedoch darauf hinzuweisen, dass
das Gesetz für den Fall, dass die Person des Schuldbriefgläubigers unbekannt ist,
ein spezielles Verfahren zur Verfügung stellt: Der Eigentümer des verpfändeten
Grundstücks kann beim Gericht am Ort, wo das Grundstück im Grundbuch aufge-
nommen ist, einen Antrag auf öffentliche Aufforderung des Gläubigers stellen,
sich innert sechs Monaten zu melden (Art. 856 Abs. 1 ZGB). Auch in diesem Ge-
such muss dargelegt werden, dass der Gläubiger während zehn Jahren unbe-
kannt ist und während dieser Zeit keine Zinsen gefordert wurden (BSK ZGB II-
STAEHELIN, 5. Aufl., Art. 856 N 4). Es ist also essentiell, dass die Berufungskläge-
rin ihrer Mitwirkungsobliegenheit nachkommt und beispielsweise in Rücksprache
mit dem Grundbuchamt abklärt, ob ein alter Grundbuchauszug auf den Namen
des Gläubigers hinweist oder zumindest letztjährige Steuererklärungen zum
Nachweis der fehlenden Zinszahlung ins Recht legt.
Alsdann fordert das Gericht den Gläubiger oder Dritte, die etwas über den
Gläubiger wissen, öffentlich auf, sich innert sechs Monaten zu melden. Meldet
sich kein Gläubiger, darf das Gericht darauf schliessen, dass die Forderung mit
hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr zu Recht besteht, den Papier-Schuldbrief für
kraftlos erklären und das Pfandrecht im Grundbuch löschen lassen (Art. 856
Abs. 2 ZGB).
3.2 Dieses Verfahren des Gläubigeraufrufs kann jederzeit eingeleitet werden.
Das ablehnende Urteil des Bezirksgerichts Meilen vom 8. Juli 2015 steht dem
namentlich nicht entgegen.
4.1 Nach dem Ausgang des Verfahrens wird die Berufungsklägerin kostenpflich-
tig (Art. 106 Abs. 1 ZPO).
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4.2 Grundlage der Gebührenfestsetzung bilden der Streitwert bzw. das tatsäch-
liche Streitinteresse, der Zeitaufwand des Gerichts und die Schwierigkeit des Falls
(§ 2 Abs. 1 GebV OG). Bei Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit gibt
zudem § 8 Abs. 4 GebV OG einen Gebührenrahmen von Fr. 100.– bis Fr. 7'000.–
vor.
Gegenstand des vorliegenden Prozesses ist die Kraftloserklärung eines Pa-
pier-Namenschuldbriefs über Fr. 10'000.–. Darauf ist für die Streitwertermittlung
abzustellen. In Anbetracht der Tatsache, dass das Rechtsmittelverfahren jedoch
einen geringen Aufwand verursachte, ist die Gebühr im untersten Bereich der
gemäss § 8 Abs. 4 GebV OG vorgesehenen Spannbreite auf Fr. 200.– festzuset-
zen und mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen.