Decision ID: 5c825de4-5dcd-42e4-96f1-915cfcf01c51
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1969 geborene
X._
, ohne Ausbildung und
– abgesehen von einem viermonatigen Unterbruch -
seit S
eptember 2012 arbeitslos (Urk. 7/
15/99
)
,
meldete sich am 1. Juni 2015
mit Verweis auf einen Sturz in der Badewanne
(16. März 2014, Urk. 7/19 S. 3)
bei der Invalidenversicherung zu
m Leistungsbe
zug an (Urk. 7/12). Mit Verfügung vom 24. Mai 2016 (Urk. 7/43)
verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, einen Leistungsan
spruch des Versicherten (Urk.
7/43). Di
e dagegen am 27. Juni 2016 erhobene Beschwerde (Urk. 7/44/3
-12) wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil vom 28. September 2017 (
Prozess-Nr. IV
.2016.00748,
Urk. 7/53) ab
.
Am 27. November 2017 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf psychi
sche Störungen erneut bei der Invalidenversicherung an (Urk. 7/54).
In der Folge
tätigte
die IV-Stelle erwerbliche und medizinische Abklärungen
und zog unter anderem die Akten des Unfallversicherers bei. Am 27. September 2018
teilte
sie
dem Versicherten mit, dass aufgrund seines Gesundheitszustands aktuell keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 7/73) und veranlasste eine psy
chiatrische Begutachtung durch Prof.
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (Expertise vom 30. August 2019, Urk. 7/92/1-47).
Mit Vorbescheid vom 12. Dezember 2019 (Urk. 7/97) stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, wogegen der Versicherte am 27. Januar 2020 Einwand (Urk. 7/98, Urk. 7/101
/1-7
) erhob.
Am 24. Februar 2020 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren des Versicherten verfügungsweise ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 23. März 2020 Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, es sei die Verfügung vom 24. Februar 2020 aufzuheben und festzustellen, dass bei ihm ein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege. Weiter sei die Beschwerdegegnerin zur Prüfung der gesetzlichen Versicherungsleistungen zu verpflichten. Eventuell sei die Verfügung aufzuheben und die Sache zur umfas
senden Feststellung des Sachverhalts sowie Neubeurteilung an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 7. Mai
202
0 (Urk. 6) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerde
führer
am 12. Mai 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des
Invaliditätsgrades auch
tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die leistungsabweisende Verfügung vom 24. Februar 2020 (Urk. 2) damit, dass die im psychiatrischen Gutachten festge
stellten Diagnosen keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers hätten. Somit bestehe beim Beschwerdeführer keine gesundheitliche Ein
schränkung, weshalb kein Leistungsanspruch bei der Invalidenversicherung bestehe (S. 1). Die durch die behandelnden Ärzte gestellten Diagnosen einer paranoiden Schizophrenie und posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) hät
ten im Rahmen der Begutachtung nicht bestätigt werden können, wobei der Experte von Symptomausweitungen mit Hinweisen auf eine Aggravation respek
tive teilweise Simulation ausgegangen sei
(S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1),
dass die Erwägungen der Beschwerdegegnerin
den tatsächlichen Gegebenheiten
widersprächen
und
massgebliche Umstände ausser Acht
liessen. Zum einen hät
ten
Ärzte des
Z._
, bei welchen
er nicht in Behandlung sei,
das psych
iatrische Gutachten analysiert.
Zum anderen habe die
A._
die Diagnose der paranoiden Schi
zophrenie gestellt, als
er
sich
dort freiwillig in stationärer Behandlung befunden habe. Die psychiatrische Expertise sei demgegenüber ganz offensicht
lich sehr selektiv ausgearbeitet und habe das klare Ziel verfolgt, die Arbeitsfähig
keit des Beschwerdeführers zu bestätigen (S. 5 Ziff. 6)
.
Auf das Gutachten könne nicht abgestellt werden und
der Beschwerdeführer
sei mindestens seit Sommer 2015 wegen seines psychischen Gesundheitsschadens
vollständig
arbeitsunfähig
(S.
7 Ziff. 16, S.
10 Ziff. 25 f.)
.
3.
Dr.
Y._
stellte in seinem psychiatrischen Gutachten vom 30. August 2019 (Urk. 7/92/1-47) folgende Diagnosen (S. 32):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
keine
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen
(ICD-10 F68.0/Z76.8), Differenzialdiagnose: ICD-10 F68.10
(artifizielle Störung:
absichtliches Erzeugen oder Vortäuschen von körperlichen oder psychi
sche
n Symptomen oder Behinderungen)
Der Gutachter führte aus
, dass die Aufmerksamkeit und Konzentration
des Beschwerdeführers
nicht gestört seien, jedoch ein gespieltes abschweifendes Gebaren gegenwärtig sei. Das Gedächtnis weise vordergründig Merkfähigkeits
störungen im Alt- und Neuzeitgedächtnis auf, wobei der
Experte
davon ausgehe, dass diese Gedächtnislücken vorgetäuscht seien. Das
formale und inhaltliche Denken seien nicht gestört, wobei letzteres im inhaltlichen Umfang
leicht einge
engt sei
(auf die bestehende Schmerzproblematik). Es
bestünden
ferner
insbeson
dere kein
e
Hinweis
e
auf Wahn oder formale/inhaltliche Wahnmerkmale,
Hypo
chondrien
, Phobien oder überwertige Ideen. Der Beschwerdeführer habe den Experten während der Exploration jedoch gefragt, ob dieser vorhabe, ihn umzu
bringen.
Auch habe der Beschwerdeführer erklärt, bereits einmal in der Klinik fast mit Tabletten umgebracht worden zu sein.
Aufgrund
der
langjährigen fachlichen Erfahrung erkenne der Gutachter auch hier ein gespieltes Szenario. Im Weiteren seien
keine
Wahrnehmungsstörungen
oder
Halluzinationen
nachweisbar und die Ichhaftigkeit des Erlebens und die Grenzen zwischen dem Ich und der Umwelt seien intakt.
Es sei von einem nicht authentischen Status auszugehen, welcher nicht einer wirklichen wahnhaften Erkrankung entspreche,
und
auf eine
Symp
tomausweitung mit Hinweis auf Aggravation, wenn nicht sogar streckenweise
auf
Simulation,
zu schliessen
(S. 31 f.).
Dem Experten habe sich in der gutachterlichen Untersuchung ein psychisch nicht wesentlich beeinträchtigter Mann präsentiert. Die vom Beschwerdeführer
geklag
ten
pathologischen Beschwerden
seien
gestützt auf
die fachliche Kompetenz des Gutachters als vorgespielt und daher nicht vorhanden
zu werten
. Dem psychopa
thologischen Befund könne deshalb ein «Normal-Befund» entnommen werden.
Die Hauptsymptome einer depressiven Störung (gedrückte Stimmung, länger als zwei Wochen anhaltend, Interessenverlust, Freudlosigkeit, Antriebsverminde
rung)
seien nicht vorhanden gewesen. Ebenso habe
es an
den in
ICD-10 gefor
derten Zusatzsymptomen (beispielsweise verminderte Konzentra
ti
on/Aufmerksamkeit
, Selbstwertg
efühl/-vertrauen, Schuldgefühle/
Gefühle von Wertlosigkeit, pessimistische Zukunftsperspektiven) gefehlt, weshalb eine depres
sive Episode (ICD-10 F32.X)
ausgeschlossen werden könne
. Im Weiteren habe der Beschwerdeführer im Rahmen der Exploration mit keiner Silbe von einer eventu
ellen Angst-/Panikstörung oder
einer
Belastung durch eine PTBS berichtet. Auch wenn von einer PTBS ausgegangen würde,
sei der Beschwerdeführer in der Ver
gangenheit in der Lage gewesen, vollzeitlich zu arbeiten (S. 33). Im Zusammen
hang mit der mehrfach vordiagnostizierten chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
sei festzu
halten,
d
ass
zuvor
eine
Symp
tomausweitung
/
Aggravation
generell
ausgeschlossen werden müsse
. Dies könne nicht erfol
gen,
da
vorliegend
von einer Symptomausweit
ung – wenn nicht sogar einer Aggravation – ausgegangen werden müsse. Hier stehe der Bezug von Ren
tenleistungen durch den Beschwerdeführer im Vorder
g
rund und eine berufli
che Wiedereingliederung werde durch invaliditätsfremde Faktoren (fehlende Thera
piemotivation) limitiert. Zusammengefasst
seien
bei der gutachterlichen Untersu
chung
– trotz des
dysfunktionellen
Krankheitsverhaltens des Beschwer
deführers (im Sinne einer Symptomausweitung) –
keine gravierenden Hinweise für eine tiefgreifende Funktions- und Leistungsbeeinträchtigung im psychiatri
schen Bereich
zu erkennen gewesen
(S. 34).
Dr.
Y._
hielt weiter fest, dass beim Beschwerdeführer zwischen
den
subjektiven, häufig massiven Beschwerdeschilderu
ngen und seinem Verhalten in der Untersuchungssituation eine auffällige Diskrepanz bestanden habe. Die subjektiv geschilderte
Intensität der Beschwerden sei
in einem Missverhältnis zur Vagheit der Schilderung
en
der einzelnen Symptome und Angaben zur Lokalisa
tion sowie zur leidensgerechten Inanspruchnahme therapeutischer Hilfe gestan
den. Bei der Begutachtung hätten sich verschiedene Auffälligkeiten gezeigt, die – insbesondere in ihrer Gesamtschau – zum Ergebnis führten, dass der Beschwer
deführer deutlich
aggraviert
habe (S. 41).
Im Zusammenhang mit der Arbeitsfähigkeit hielt der Gutachter schliesslich fest, dass aus re
in psychiatrischer Sicht
keine Einschränkung in der bisherigen Tätig
keit respektive
in
einer Verweistätigkeit bestehe und der Beschwerdeführer zu 100 % arbeit
sfähig sei (S.
4
4 f.).
4.
4.1
Das Vorliegen einer wesentlichen Veränderung der Verhältnisse im Ver
gleich zur erstmaligen rentenverneinenden Verfügung vom 24.
Mai 2016
(
Urk. 7/43)
wurde von den Parteien nicht thematisiert.
Im Zeitpunkt des Erlasses der ursprünglichen Verfügung standen somatische Beschwerden sowie eine depressive Störung im Vordergrund
(Urk. 7/53 E. 6 f.). Die im aktuellen Beschwerdeverfahren
im
Wesentlichen zu beurteilende
paranoide Schizophrenie und PTBS respektive Per
sönlichkeitsveränderungen
nach Extrembelastung mani
festierten sich – wie das hiesige Gericht bereits im Urteil vom 28. September 2017 festgestellt hat – erst nach Mai 2016, weshalb sie von der
ursprünglichen
Verfü
gung nicht mehr erfasst w
aren
(E.
5.2).
Damit ist
eine Veränderung
gegeben und
der
Anspruch
des Beschwerdeführers
kann frei überprüft werden.
4.2
Das Gutachten von
Dr.
Y._
vom 3
0.
August 2019 (vgl. E. 3
hievor
) entspricht den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Exper
tise. So ist es für die streitigen Belange umfassend, gibt es doch Antwort auf die Frage nach dem Gesundheitszustand und der verbleibenden Arbeitsfähigkeit de
s
Beschwerde
füh
rer
s
und
b
eruht
auf den notwendigen psy
chiatrischen Untersu
chungen. Der
Gutachter berücksich
tigte
detailliert die g
eklagten Beschwerden und setzte
sich damit auseinander
(Urk. 7/
92/1-47 S. 24 f., S. 33 f.
). Die Expertise wurde sodann in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben, wobei sich
der
Gutachter zur
Krankheitsentwicklung äusserte
und Bezug auf die medizinischen
Vora
kten
nahm (S. 6 ff., S. 36 ff.
).
Er setzte sich insbesondere mit abweichenden Diagn
osen in anderen Arzt
ber
ichten auseinander und würdigte
diese in nachvoll
ziehbarer Weise (S. 33 f., S. 41). Des Weiteren schälte er die Inkonsistenzen zwi
schen den geschilderten Beschwerden und den objektiv
en Befunden respek
tive dem teil
weise gezeigten Verhalten de
s
Beschwerdeführ
ers
heraus und wür
digte diese in schlüssiger Weise (S. 25 f., S. 31 f., S. 41
f.
).
Schliesslich leuch
tet die Expertise in der Darlegung der medizinischen Zusam
men
hänge und in der Beur
teilung der medizinischen Situation ein
und die Schlussfolgerungen
im Gut
achten
sind begründet.
In diesem Si
nne beschrieb Dr.
Y._
in psychiatrischer Hinsicht
ein
leuchtend, dass
zwischen dem im Rahmen der gutachterlichen Exploration gezeigten Verhalten des Beschwerdeführers
und
der Schilderung seiner Beschwer
den
einerseits
und den objektivierbaren Befunden
andererseits ei
ne erhebliche Diskrepanz bestehe. Entsprechend ging
d
er
Experte
nachvollziehbar
von einer Aggravation aus und verneinte das Vorliegen einer paranoiden Schizophrenie, PT
BS
,
depressiven Störung
sowie
einer
chronischen Schmerzstörung mit somati
schen und psychischen Faktoren
und
stellte
einzig
die Diagnose
eine
r
Entwick
lung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen, welcher er jedoch keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit beimass.
Die Expertise erfüllt demnach die praxisgemässen Kriterien an den Beweiswert eines ärztlichen Gu
t
achtens (BGE 125 V 351 E. 3a; 122 V 157 E. 1c), weshalb für die
Entscheidfindung
grund
sätzlich darauf abzustellen ist.
4.3
4.
3
.1
An dieser Beurteilung
vermag die Stellungnahme des
Z._
vom 20. Januar 2020 (Urk. 7/100)
betreffend das Gutachten von Dr.
Y._
nichts zu
ändern. Bezüglich der
Beanstandungen
der
Z._
-Fachpersonen
hinsichtlich der
Durch
führung der psychiatrischen Untersuchung
(Untersuchungsdauer von einer Stunde)
durch den Experten
(S. 1)
ist darauf hinzuweisen,
dass
es nach ständiger Rechtsprechung grundsätzlich nicht auf die Dauer der Untersuchung an
kommt
. Massgebend ist vielmehr, ob die darauf basierenden ärztlichen Folgerungen inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig sind (Urteile des Bundesgerichts 9C_252/2012
vom 7. S
eptember 2012 E.
8.2 und
9C_330/2011 vom 8. Juni 2011 E. 5), was vorliegend der Fall ist
(vgl. E. 4.2
hievor
)
.
Im Weiteren lässt sich
d
en Ausführungen von Dr.
Y._
entnehmen, dass dem Beschwerdeführer
während der Exploration
wiederholt
Gelegenheit gegeben wurde, über seine aktuellen Beschwerden, deren Behandlung, seine sozialen Verhältnisse
und
seinen Tagesablauf
zu berichten. D
er Beschwerdeführer
beantwortete
die entspre
chenden Fragen
indessen
gar nicht, äusserst knapp, vage oder mit einer Gegen
frage
und
Danebenreden respektive gab an, sich nicht zu erinnern
,
und machte von sich aus keine spontanen Angaben (Urk. 7/92/1-47 S. 24 ff
.
).
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass im Rahmen des im erstinstanzlichen Sozialversicherungsprozes
s
herrschenden Untersuchungsgrundsatz
es
eine Mit
wirkungspflicht der Parteien besteht
(BGE 125 V 193 E. 2, 122 V 157 E. 1a, vgl. BGE 130 I 180 E. 3.2) und im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Unguns
ten jener Partei – vorliegend des Beschwerdeführers - ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten
will
.
Was die von der
A._
und dem
Z._
am
17. Mai 2017
,
8. Juni
und 25. November
2018
gestellte Diagnose der PTBS
respektive der andauernden Persönlichkeitsver
änderung nach Extrembelastung
(
durch Kriegserfahrungen
)
angeht (Urk. 7/62/
3-8 S. 1
, Urk. 7/72/7-9 S. 3, Urk. 7/79/4-5 S. 1
; vgl. auch Urk. 1 S. 9 Ziff. 21 ff.
),
i
st Folgendes zu
bemerken
: Eine PTBS entsteht
als eine verzögerte oder protra
hierte Reaktion auf ein belastendes Ereign
is oder eine Situation ausserge
wöhnli
cher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmasses (kurz oder lang anhaltend), die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Die Störung folgt dem Trauma mit einer Latenz, die Wochen bis Monate dauern kann, doch selten mehr als sechs Monate nach dem Trauma. Besondere Begründung braucht es dabei in jenen Fällen, in denen ganz ausnahmsweise aus bestimmten Gründen ein späterer Beginn
berücksichtigt werden soll (
Dilling
/
Mombour
/Schmid [Hrsg.],
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen
;
ICD-10 Kapitel V [F] Klinisch-diagnostische Leitlinien,
10. Aufl., 2015, S. 207 f
.,
vgl. auch BGE 142 V 342 E. 5.1 und 5.2.2). In den Berichten de
r
A._
und
des
Z._
(Urk. 7/61/3-4, Urk. 7/62/3-8, Urk. 7/72/7-9, Urk.
7/79/4-5)
fehlen konkrete Angab
en über traumatische Erlebnisse
,
und e
s wird
lediglich
in pauschaler Weise von einer Traumatisierung durch Kriegs
- und Gewalt
erfahrungen
im Libanon -
dem
früheren
Wohnsitzstaat des Beschwerdeführers -
während seiner Adoleszenz berichtet (Urk. 7/62/3-8 S. 2). Im Zeitpunkt,
als sich erstmals aktenkundig eine psychische Störung (depressive
Episode
) manifestierte (14. September 2015), leb
t
e der
damals über 45jährige
Beschwerdeführer
seit mehr als 25 Jahren in der Schweiz
(
Urk.
7/29/6).
Bis
dahin
fehlen aktenkundige Hinweise auf psychische Probleme
,
und der Beschwerdeführer war insbesondere in den Jahren
zu
vor ohne Weiteres in der Lage, einer beruflichen Tätigkeit nachzu
gehen (Urk. 7/15/99)
.
D
er
Beschwerde
führer
gab sodann
gegenüber den
A._
-Fachpersonen
an, seit dem Sturz in der Badewanne im Jahre 2014
– und nicht seit den Kriegserfahrungen im Libanon -
ein anderer Mensch zu sein (Urk. 7/62/3-8 S. 2
),
wobei dieser Unfall selbstredend
als
kein
traumat
isierendes
Ereignis im S
inne von ICD-10 F43.1
zu qualifizieren ist
.
Im Weiteren stützten sich d
ie
A._
- und
Z._
-Fachpersonen
bei der Stellung
ihrer
Diagnose
einer PTBS respektive
von
Persönlichkeitsveränderungen nach Extrembelastung im Wesentlichen auf die subjektiven Angaben
des Beschwerde
führers
ab. Gleiches gilt
betreffend die
von der
A._
diagnostizierte
paranoide
Schizophrenie, welche
einzig
mit Verweis auf das vom Beschwerdeführer geschil
derte Gefühl, beobachtet/verfolgt zu werden respektive Stimmenhören
,
begründet wurde (Urk. 7/62/3-8 S. 2
und S. 4
, Urk. 7/72/7-9 S. 2, Urk. 7/79/4-5 S. 1).
Schliesslich ist
darauf hinzuweisen, dass selbst
wenn
eine
Schizophrenie oder
PTBS
beziehungsweise
Persönlichkeitsveränderungen
bejaht würde
n
,
ein
e
Prü
fung der
Standardindikatoren
nach Massgabe von BGE 141 V 281
aufgrund der fehlenden Angaben des Beschwerdeführers
nicht möglich wäre, was dem Verhal
ten des Beschwerdeführers während der Untersuchung bei Dr.
Y._
zuzuschreiben ist.
4.3.2
Ins Leere
gehen schliesslich
die Vorbringen
des
Beschwerdeführers betreffend
die Art und Weise
seiner
Befragung durch
Dr.
Y._
bei der gutachterli
chen Untersuchung vom
24. Juni 2019
(Urk. 1 S. 7 f. Ziff. 18, S. 8 Ziff. 20)
. Bei den entsprechenden Beanstandungen
(keine ordentliche Begrüssung, häufiger Blick in die Akten, kein Ausredenlassen)
handelt es sich um reine Parteibehaup
tungen, welche keinerlei Stütze in den Akten finden.
Im
Weiteren
ist darauf hin
zuweisen, dass
die
in Frage stehende
Kritik nicht zeitnah im Anschluss an die erfolgte Befragung durch den Gutachter oder zumindest nach Erhalt der Expertise zur Stellungnahme (vgl. Urk.
7/95) vorgebracht
wurde
, sondern erst
mehrere Monate nach der Exploration
im Beschwerdeverfahren
.
4.4
Nach dem Gesagten
steht fest, dass der Beschwerdeführer in psychischer Hin
sicht in seiner Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt ist.
Soweit
er
verlangt, es seien weitere Abklärungen durchzuführen (Urk. 1 S. 2), kann darauf in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 127 V 491 E. 1b mit Hinweisen) verzichtet werden. Der
psychische
Gesundheitszustand und die medizinisch-theoretische Arbeitsfähig
keit sind aufgrund der medizinisch
en Akten hinreichend abgeklärt, weshalb v
on weiteren Untersuchungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten
sind
.
Die ange
fochtene Verfügung vom
24
. Februar 20
20
(Urk. 2) erweist sich demzu
folge als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Da
es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungs
leistun
gen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig und sind die
Gerichtskosten
gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ermessensweise auf Fr.
8
00.
-- festzulegen. Ent
sprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Be
schwerdeführer aufzuerlegen
.