Decision ID: c39c5cb7-652f-54ca-918f-512d0cf1d787
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der aus B._, Provinz Kunduz (Afghanistan) stammende Beschwer-
deführer usbekischer Ethnie verliess seinen verliess eigenen Angaben zu-
folge seinen Heimatstaat im Februar 2018 in Richtung den Iran. Nach ei-
nem etwas dreimonatigen Aufenthalt sei er in die Türkei gereist und habe
während ungefähr eineinhalb Jahren dort gelebt und als (...) gearbeitet; die
ersten sechs Monate habe er über eine Aufenthaltsbewilligung verfügt. In
der Folge habe er sich während ungefähr sechs Monaten in Griechenland
in einem Flüchtlingslager aufgehalten habe, bevor er am 16. Mai 2020 über
Italien in die Schweiz gelangt sei. Am 18. Mai 2020 reichte er ein Asylge-
such ein.
An der Erstbefragung (EB) vom 26. Mai 2020 gab der Beschwerdeführer
an, er habe seinen Heimatstaat verlassen, weil in seiner Heimatregion
ständig Krieg herrsche, sein Bruder während dem Militärdienst getötet und
sein Vater von den Taliban ermordet worden sei. Als sein älterer Cousin
von den Taliban mitgenommen worden sei, habe seine Mutter ihn zur
Flucht ermutigt, damit er nicht ebenfalls getötet oder verschleppt werde.
Sein Vater sei bei den Arbaki-Milizen gewesen; jede Person könne sich
diesen anschliessen und mit der Regierung zusammenarbeiten. Wegen
dieser Tätigkeit hätten sie unter ständigem Druck seitens der Taliban ge-
standen. Nachdem sein Vater durch die Taliban getötet worden sei, habe
er befürchtet, ebenfalls getötet zu werden. Aus diesem Grund habe er sein
Dorf nach ungefähr zwei Monaten in Richtung C._ verlassen. Ge-
sundheitlich gehe es ihm grundsätzlich gut, er leide aber unter Angstatta-
cken in Zusammenhang mit der Tötung seines Vaters durch die Taliban.
B.
Am 27. Mai 2020 liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter
Fotos von der Hinrichtung seines Vaters ins Recht legen.
C.
Der Beschwerdeführer wurde am 8. und 12. Juni 2020 ärztlich behandelt
und es wurde diese Diagnose gestellt: "Insomnie bei Verdacht auf post-
traumatische Störungen". Zur Behandlung wurden ihm entsprechende Me-
dikamente verschrieben.
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D.
An der Anhörung vom 17. Juni 2020 gab der Beschwerdeführer zu Proto-
koll, sein Vater sei einfacher Bauer gewesen, bis er bei einem Angriff im
Jahr 2015 verletzt worden sei. Er habe sich dann entschlossen, das Dorf
als Arbaki zu verteidigen. Zum gleichen Zeitpunkt seien auch noch andere
Leute Arbaki geworden; eigentlich sei es ein Zwang gewesen. Als Arbaki
habe sein Vater bei Angriffen der Taliban andere Dorfbewohner mobilisiert,
um das Dorf zu verteidigen, bis sie staatliche Unterstützung erhalten hät-
ten. Sein Cousin sei von den Taliban mitgenommen worden, weil er lesen
und schreiben gelernt habe und deshalb Büroarbeiten für sie habe ausfüh-
ren können. Eines Tages sei der Cousin in das Dorf gekommen und habe
seine Mutter mitgeteilt, sie solle ihn (den Beschwerdeführer) wegschicken.
Im Jahr 2018 habe es dann in der Region wochenlange Kämpfe gegeben
und die staatlichen Kräfte seien nicht gekommen. Sein Vater sei von den
Taliban festgenommen worden, weshalb seine Familie habe fliehen wollen.
Einige Tage später sei der Vater schliesslich gemeinsam mit allen anderen
Arbaki auf einem Platz vor der Schule in seinem Dorf enthauptet worden.
Wegen dieses Vorfalls hätten die Regierungskräfte das Dorf zunächst zwar
von den Taliban befreit; diese hätten aber erneut angegriffen, weshalb er
und später auch seine Familie nach C._ zu seinem Onkel mütterli-
cherseits geflohen seien. Es sei für ihn aber auch dort nicht sicher gewe-
sen, weshalb er Afghanistan schliesslich verlassen habe. Auch sein Bruder
sei getötet worden, als er im Militärdienst in D._ gewesen sei. Er
habe nicht Taliban werden wollen, weshalb er mit seiner Familie geflohen
sei. Die Fotos von der Hinrichtung seines Vaters habe er von seinem
Cousin erhalten, als er bereits in Griechenland gewesen sei. Er sei einer
Gefahr ausgesetzt gewesen, weil die Taliban junge Männer mitnehmen und
sie zu Taliban erziehen würden. Hätte er sich geweigert, hätten sie ihn ge-
tötet.
E.
Mit Verfügung vom 24. Juni 2020 wurde der Beschwerdeführer dem erwei-
terten Verfahren zugewiesen, da aufgrund der Aktenlage sein Asylgesuch
nicht entschieden werden könne, sondern weitere Abklärungen betreffen
die Plausibilität seiner Vorbringen notwendig seien. Gleichzeitig wurde er
dem Kanton E._ zugewiesen.
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F.
F.a Der zugewiesene Rechtsvertreter legte per 24. Juni 2020 respektive
8. Juli 2020 sein Mandat nieder.
F.b Am 1. Juli 2020 beauftragte der Beschwerdeführer eine neue Rechts-
vertretung.
F.c Am 4. Juli 2020 forderte das SEM den Kanton E._ auf, die für
unbegleitete minderjährige Asylsuchende (UMA) vorgesehenen Schutz-
massnahmen einzuleiten.
F.d Per 10. Juli 2020 ernannte die (...) Rechtsberatungsstelle für Asylsu-
chende den ursprünglichen Rechtsvertreter, Sascha Marcec, zum Substi-
tuten für das erweiterte Asylverfahren des Beschwerdeführers.
F.e Das Migrationsamt des Kantons E._ informierte mit Schreiben
vom 9. Juli 2020 die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB)
F._ über die Anwesenheit des Beschwerdeführers im Kanton.
G.
Am 23. Juli 2020 wurde der Beschwerdeführer aufgrund der Zuteilung sei-
nes Verfahrens ins erweiterte Verfahren ergänzend angehört. Dabei gab er
an, wegen seinem Umzug nach G._ habe er seinen Rechtsvertreter
erst einmal gesehen. Er habe gehofft, seine Rechtsvertretung könne ihm
bei der Papierbeschaffung bei der afghanischen Botschaft helfen. Inhaltlich
führte er aus, sein Dorf sei immer wieder Ziel der Taliban geworden. Seine
Familie sowie einer seiner Onkel väterlicherseits habe bei diesen Angriffen
jeweils die Gegend verlassen. Der Sohn eines anderen Onkels väterlicher-
seits, der das Dorf nie habe verlassen wollen, sei bei einem solchen Angriff
mitgenommen worden. Nachdem jener Onkel väterlicherseits, der Arbaki
gewesen sei, bei einem Angriff der Taliban ums Leben gekommen sei,
habe sein Vater diese Aufgabe übernommen. Als dieser eines Tages mit
seinen Arbaki-Kollegen unterwegs gewesen sei, hätten die Taliban ihn mit-
genommen und zwei Tage später auf dem Platz vor seiner Schule öffentlich
hingerichtet.
H.
Mit Verfügung vom 2. September 2020 – eröffnet am 3. September 2020 –
verfügte das SEM, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft
nicht erfülle und sein Asylgesuch abgelehnt werde. Aufgrund der länder-
spezifischen Lage erweise sich der Vollzug der Wegweisung in die Provinz
Kunduz jedoch als unzumutbar.
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I.
Mit Formularbeschwerde vom 30. September 2020 focht der Beschwerde-
führer diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte
die Aufhebung der Dispositivziffern 1 bis 3 und es sei die Flüchtlingseigen-
schaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sei die Sache
zur erneuten Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrens-
rechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses.
J.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dem Beschwerdeführer am
1. Oktober 2020 den Eingang seiner Beschwerde und stellte fest, er könne
den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten.
K.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
1. Oktober 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-
rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor,
weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.3 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG(vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz gab als Begründung der den Asylantrag des Beschwer-
deführers ablehnenden Verfügung an, dieser habe zwar eine Fotoserie be-
treffend die Hinrichtung seines Vaters eingereicht, jedoch trotz Aufforde-
rung kein Vergleichfoto dazu beibringen können, um die Identität der hin-
gerichteten Person auf den Bildern zu klären. Teilweise widersprüchlich
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seien sodann die Beschreibungen betreffend die Umstände der Hinrich-
tung seines Vaters ausgefallen, namentlich wer dabei anwesend gewesen
sei oder wo diese stattgefunden habe. Er habe auch nicht plausibel darzu-
legen vermocht, wie in einer kleinen Ortschaft, in welchem nur gerade un-
gefähr 150 Familien leben würden, derart viele Personen an einer Hinrich-
tung anwesend sein würden, wie auf dem eingereichten Foto zu sehen
seien. Nicht als glaubhaft erachtet werde auch die Beschreibung, dass sein
Cousin, der seinerseits seit Jahren bei den Taliban sei, ihm die Bilder erst
Jahre später, als er sich bereits in der Türkei aufgehalten habe, per Tele-
fonnachricht habe zukommen lassen. Nachdem es auch Unstimmigkeiten
bei der Schilderung der Warnung seitens des Cousins gebe, würden die
geltend gemachten asylrechtlich relevanten Fluchtgründe insgesamt hin-
fällig. Die Verfolgung durch die Taliban wegen des familiären politischen
Hintergrunds erweise sich somit in mehrfacher Hinsicht als unglaubhaft.
Der Beschwerdeführer machte auch an keiner Stelle geltend, er sei konkret
einer Rekrutierung durch die Taliban ausgesetzt gewesen, womit nicht ein-
mal eine Bedrohung durch die Taliban aus asylrechtlich relevanten Motiven
ersichtlich sei.
5.2 In seiner Beschwerde wies der Beschwerdeführer zunächst darauf hin,
dass die Verständigung mit dem Dolmetscher nicht ideal gewesen sei, zu-
mal seine Muttersprache Usbekisch sei, die Anhörung aber in Dari stattge-
funden habe. Weiter stellte er sich auf den Standpunkt, es sei ihm schlicht
nicht möglich gewesen, die Identität auf den eingereichten Fotos zu bestä-
tigen, weil sich sämtliche vorhandenen Fotos auf dem in Griechenland ge-
stohlenen Handy befunden hätten. Aktuell habe er keinen Kontakt zu sei-
ner Familie, weshalb er auch keine entsprechenden Fotos beschaffen
könne. Ausserdem sei in seiner Herkunftsregion das alltägliche Fotografie-
ren gerade nicht üblich, zumal auch nur wenige Dorfbewohner über ein
Handy mit Fotokamera verfügen würden. Die durch das SEM ins Feld ge-
führten Widersprüche betreffend die Umstände der Hinrichtung seines Va-
ters könnten leicht aufgeklärt werden. So würden seine jeweiligen Antwor-
ten an der ersten Anhörung gerade nicht im Widerspruch zu den später
protokollierten Aussagen stehen, vielmehr würden diese einander nicht
ausschliessen. Insgesamt habe das SEM seine Schilderungen betreffend
die Ermordung seines Vaters nicht objektiv geprüft und gewürdigt, sondern
Aussagen hineininterpretiert, die er so nie gemacht habe. Sein Vater habe
sich als Arbaki gegen die Taliban gestellt und aktiv versucht diese zu be-
kämpfen, weshalb er als klarer Feind der Taliban betrachtet und schliess-
lich hingerichtet worden sei. Wegen des politischen Hintergrunds seines
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Vaters drohe ihm als Sohn ebenfalls die Tötung durch die Taliban. Im Übri-
gen drohe ihm auch aufgrund seines Alters, von den Taliban zwangsrekru-
tiert zu werden, wie es bereits seinem Cousin widerfahren sei.
6.
6.1 Zunächst ist festzuhalten, dass in der angefochtenen Verfügung nicht
bestritten wurde, dass der Vater des Beschwerdeführers Mitglied bei der
Arbaki-Miliz war. Es ist jedoch strittig, ob der Vater des Beschwerdeführers
tatsächlich wegen seiner Tätigkeit durch die Taliban hingerichtet wurde und
dem Beschwerdeführer aufgrund dessen gezielte und gegen seine Person
gerichtete Verfolgung in Afghanistan ausgesetzt war oder er eine solche zu
befürchten hat.
6.2 Nach Durchsicht der Verfahrensakten kommt das Bundesverwaltungs-
gericht zum Schluss, dass die vorinstanzlichen Erwägungen in der ange-
fochtenen Verfügung zu überzeugen vermögen:
6.3
6.3.1 Das Gericht teilt einerseits die Ansicht des SEM, dass das Vorbringen
des Beschwerdeführers völlig unplausibel erscheint, wonach sein Cousin,
der seit Jahren bei den Taliban sei, ihm knapp zwei Jahre nach der Hin-
richtung seines Vaters ungefragt Fotografien dieses Ereignisses habe zu-
kommen lassen. Andererseits erscheint die Erklärung des Beschwerdefüh-
rers merkwürdig, es sei ihm neben diesen Bildern nicht möglich gewesen,
anderweitige Beweismittel respektive Fotografien zu beschaffen. Selbst
wenn er den Kontakt zu seiner Mutter verloren hat, ist davon auszugehen,
dass er mit seinem in C._ wohnhaften Onkel mütterlicherseits – bei
welchem er immerhin die letzten Tage vor seiner Ausreise verbracht haben
will (vgl. SEM-Akten, A20 ad F66: "In C._ hatten wir nichts. Mein
Onkel ms wohnte ja dort. Wir waren bei ihm.") – oder sonst einer Person
aus seinem Dorf hätte in Kontakt treten können, beispielsweise mit dem
(...), für welchen er gearbeitet hat. In diesem Zusammenhang ist darauf
hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer an der EB noch angegeben
hatte, auf seinem ersten Handy habe es viele Aufnahmen von ihm und sei-
nem Bruder sowie ein Bild seiner Tazkira gehabt, während er an der ergän-
zenden Anhörung zu Protokoll gab, sein erstes Handy habe er in der Türkei
– also nach seiner definitiven Ausreise aus Afghanistan – gekauft (vgl.
a.a.O., A12 S. 3; A37 ad F39).
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6.3.2 Insgesamt fällt sodann angesichts einer einzelnen Aussage, die tat-
sächlich selbst erlebt erscheint (vgl. A37 ad F75: "Ich habe ihn wie Tage
vor seinem Tod das letzte Mal gesehen. Ich ging für das Mittagessen immer
nach Hause. An diesem Tag ging ich zum Mittagessen nach Hause und
habe dort vor unserem Haustor seine Kollegen, die auch Arbaki waren, ge-
sehen. Sie standen dort. Mein Vater war auch dort. Ich bin zu ihnen gegan-
gen und habe alle, auch meinen Vater gegrüsst. Mein Vater hat mich fest
umarmt. Dann hat er mir gesagt: <mach dir keine Sorgen mein Sohn. Mir
geht es gut. Solange ich lebe, werde ich euch schützen>".), auf, dass die
übrigen Schilderungen des Beschwerdeführers auffallend emotionslos
ausgefallen sind; darunter auch die Erklärungen, wie sein Onkel den Leich-
nam des Vaters zu ihrem Haus gebracht habe oder der Abschied von sei-
ner Mutter (vgl. A20 ad F70 und F42).
An dieser Stelle ist auch darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer
an der ersten Anhörung zu Protokoll gegeben hatte, sein Vater sei von den
Taliban festgenommen worden, nachdem wochenlange Kämpfe stattge-
funden hätten (vgl. a.a.O., A20 F50). Hingegen ist aus seinen späteren
Aussagen an der ergänzenden Anhörung zu schliessen, dass sich die
letzte Begegnung mit dem Vater, zwei Tage vor dessen Tod, nicht während
kriegerischen Auseinandersetzungen ereignete und er zu diesem Zeitpunkt
nicht mit dessen Tod gerechnet habe (vgl. a.a.O., A37 ad F75 und F76).
6.3.3 Die geltend gemachte Hinrichtung des Vaters des Beschwerdefüh-
rers durch die Taliban erscheint damit nicht als glaubhaft.
6.4 Sodann geht aus den Ausführungen des Beschwerdeführers klar her-
vor, dass er in erster Linie befürchtet habe, er müsse sich, wie sein Cousin,
den Taliban anschliessen. Den Befragungsprotokollen kann zudem nicht
entnommen werden, dass die Taliban ein konkretes (flüchtlingsrechtlich
relevantes) Verfolgungsinteresse am Beschwerdeführer gehabt hätten
(vgl. a.a.O., A20 ad F50, F67, F72, F73: "Weil...Es ist so. Wenn ein Junge
schon 15 Jahr alt ist, nehmen Taliban diesen Jungen mit. Sie werden ihn
als zukünftigen Taliban erziehen. Sie machen das mit Zwang. Wenn die
Familie sein Kind den Taliban nicht geben will, wird der Junge getötet.";
A37 ad F101, F103, F104).
6.5 Die Ausführungen in der Beschwerdeschrift führen zu keiner anderen
Einschätzung. Bei der auf Usbekisch, der Muttersprache des Beschwerde-
führers, geführten EB hatte dieser dabei angefragt, ob er bei Bedarf auch
Farsi sprechen könne (vgl. a.a.O., A12 S. 2). Alle drei Befragungen wurden
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auf Usbekisch durchgeführt und der Beschwerdeführer gab jeweils an, die
Dolmetscherin gut zu verstehen; er unterschrieb nach Rückübersetzung
des Anhörungsprotokolls, dass ihm das Protokoll in eine ihm verständliche
Sprache übersetzt worden und vollständig sei sowie seinen freien Äusse-
rungen entspreche (vgl. SEM-Akten, A12 S. 2 und S. 13, A20 ad F1 und
S. 13; A37 ad F1 und S. 17). Insofern ist die auf Beschwerdeebene erst-
mals vorgebrachte Rüge, die Verständigung mit dem Dolmetscher sei nicht
ideal gewesen, von der Hand zu weisen.
6.6 Nach dem Gesagten überzeugt die Schlussfolgerung des SEM, wo-
nach es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine wegen dem fami-
liären politischen Hintergrund gezielt gegen seine Person gerichtete Ver-
folgung durch die Taliban glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat damit
zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und
sein Asylgesuch abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
8.2 Nachdem der Beschwerdeführer vom SEM infolge Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufgenommen worden ist,
stellt sich die Frage nach dem Vorliegen der weiteren Voraussetzungen für
einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung – Unzulässigkeit und Un-
möglichkeit – heute nicht, da diese Vollzugshindernisse alternativer Natur
sind (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2, 2009/51 E. 5.4).
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9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Die Rechtsbegehren des Beschwerdeführers erweisen sich als aus-
sichtslos, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung ungeachtet der prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist
(Art. 65 Abs. 1 VwVG).
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2)
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch
um Erlass des Kostenvorschusses ist mit dem heutigen Entscheid in der
Sache gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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