Decision ID: 8ff7bff2-fbf5-4ce3-9144-647bbfb46c00
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich im November 2013 bei der IV-Stelle
des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) für berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen an (IV-act. 1). Er gab an, aufgrund eines Arbeitsunfalls seit dem 2.
August 2013 zu 100 % arbeitsunfähig zu sein (IV-act. 1-5). Zuletzt hatte er als
Produktionsmitarbeiter bei der B._ AG gearbeitet (IV-act. 15). Im November 2012
hatte er sich bei einem Berufsunfall am linken Knie verletzt. Am 21. Dezember 2012 war
er bei der Diagnose einer vorderen Kreuzbandruptur links im Spital C._ erstmals am
Knie operiert worden (vgl. IV-act. 17-2). Nach einer offenbar im Januar 2013 erfolgten
Rückkehr an den Arbeitsplatz mit vollem Arbeitspensum hatte der Versicherte der
Unfallversicherung im August 2013 einen Rückfall gemeldet (zum Ganzen vgl.
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 14. September 2020,
UV 2019/20, Sachverhalt A; zu den entsprechenden Berichten der Klinik D._ vgl.
auch IV-act. 24).
A.a.
Aufgrund einer beim Versicherten diagnostizierten komplexen
Kniegelenksinstabilität links wurden am 6. Mai 2014 eine diagnostische
Kniearthroskopie links, eine proximale biplanare Tibiaosteotomie Open-Wedge mit
Proximalisation der Tuberositas und Fixation mittels Tomofixplatte, eine Refixation des
medialen femoralen Seitenbandansatzes sowie eine laterale Larson-
Seitenbandrekonstruktion mittels Semitendinosussehne durchgeführt (IV-act. 24; zum
postoperativen Verlauf vgl. IV-act. 28, 32, 40 und 44). Ein weiterer operativer Eingriff
A.b.
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am linken Knie mit Osteosynthesematerialentferung, diagnostischer Arthroskopie,
arthroskopisch assistierter Revisionsplastik des vorderen Kreuzbandes und medialer
Seitenbandplastik folgte am 16. April 2015 (IV-act. 45 f.; zum postoperativen Verlauf
vgl. IV-act. 47 f. und 64). Vom 16. bis 24. September 2015 nahm der Versicherte an
einer stationären Rehabilitation in der Rehaklinik Z._ teil. Im Austrittsbericht vom
29. September 2015 hielten die behandelnden Ärzte fest, dass die bisherige Tätigkeit
als Hilfsarbeiter dem Versicherten aufgrund zu hoher Anforderungen nicht mehr
zumutbar sei. Eine leichte, optimal angepasste Tätigkeit sei ihm jedoch ganztags
zumutbar. Von der Fortsetzung der Behandlung könne keine namhafte Besserung mehr
erwartet werden (Fremdakten act. 9-9 ff.). Anlässlich einer kreisärztlichen
Untersuchung vom 15. Dezember 2015 kam med. pract. E._, Facharzt für
Neurochirurgie, zum Schluss, dass ein stabiler Gesundheitszustand vorliege. Von
weiteren medizinischen Massnahmen seien keine Verbesserungen mehr zu erwarten
und dem Versicherten seien sehr leichte bis leichte Tätigkeiten unter Einhaltung
weiterer Adaptationskriterien zuzumuten (Fremdakten act. 14). Am 24. Dezember 2015
hielt der regionale ärztliche Dienst (RAD) fest, dass in der angestammten Tätigkeit
mittel- bis langfristig eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe, während für körperlich
leichte vorwiegend sitzende, wechselbelastende Tätigkeiten mit zunehmender aktiver
Betätigung des linken Knies eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe (IV-act. 69).
Mit Vorbescheid vom 17. Februar 2016 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 0 % in Aussicht (IV-
act. 71). Gegen diesen liess der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin S. Ems,
Zürich, am 24. März 2016 Einwand erheben. Er wies unter anderem auf vom Kreisarzt
erwähnte psychische Beschwerden hin, die im Rahmen der kreisärztlichen Beurteilung
aufgrund fehlender Unfallkausalität unberücksichtigt geblieben, für die
Invalidenversicherung jedoch von Bedeutung seien (IV-act. 82). Mit einer ergänzenden
Eingabe vom 22. April 2016 wurde die IV-Stelle darüber informiert, dass der Versicherte
am 22. Februar 2016 einen neuen Unfall erlitten habe, bei dem er sich rechts eine
OSG-Distorsion mit Bänderrupturen und Knorpelläsionen zugezogen habe.
Entsprechende Berichte wurden eingereicht (vgl. IV-act. 85; vgl. ferner IV-act. 90 ff.).
Ab dem 22. Dezember 2016 begab sich der Versicherte zu med. pract. F._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, in Behandlung, nachdem er gemäss dessen
A.c.
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Angaben nach dem Unfall vom 22. Februar 2016 im Verlauf eine depressive Störung
entwickelt hatte. Im Januar 2017 befand sich der Versicherte ein letztes Mal bei med.
pract. F._ in Behandlung (IV-act. 107-6 ff. und 115). Am 1. Februar 2017 unterzog er
sich bei den Diagnosen einer bursaseitigen Partialruptur der Supraspinatussehne, einer
instabilen langen Bizepssehne, eines ossären Impingements sowie einer aktivierten
AC-Arthrose der linken Schulter einer Schulterarthroskopie in der Klinik Y._(IV-act.
121).
Nach einer weiteren RAD-Beurteilung (vgl. IV-act. 128) zeigte die IV-Stelle dem
Versicherten am 14. März 2018 eine polydisziplinäre Begutachtung an (IV-act. 132; zur
weiteren Korrespondenz betreffend diese Begutachtung, in welcher der Versicherte
unter anderem eine Tonbandaufzeichnung der psychiatrischen Untersuchung
wünschte, was seitens der Gutachterstelle und der IV-Stelle abgelehnt wurde, vgl. IV-
act. 133 ff.). Im September 2019 fanden die orthopädische, die allgemein-internistische
sowie die psychiatrische gutachterliche Untersuchung statt. Im Oktober 2019 wurde im
Rahmen des Gutachtensauftrags zusätzlich eine neuropsychologische Untersuchung
durchgeführt (vgl. IV-act. 181-2). Am 28. Januar 2020 erstattete die MEDAS ihr
polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 181-1 ff.). In der interdisziplinären
Gesamtbeurteilung kamen die Sachverständigen zum Schluss, dass auf
orthopädischem Fachgebiet in der bisherigen Tätigkeit seit August 2013 keine Arbeits-
und Leistungsfähigkeit mehr bestehe. Auf internistischem, psychiatrischem und
neuropsychologischem Fachgebiet könne in der angestammten Tätigkeit keine
wesentliche Minderung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit begründet werden. In einer
angepassten Tätigkeit könne im Konsens auf orthopädischem, internistischem und
psychiatrischem Fachgebiet keine Minderung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit
attestiert werden (IV-act. 181-14). Auf orthopädischem Fachgebiet ergebe sich
folgendes Fähigkeitsprofil: Der Versicherte sei in der Lage, in temperierten Räumen
leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit Heben und Tragen von Gewichten bis zu acht
Kilogramm vorwiegend im Sitzen, aber auch teilweise im Stehen und Gehen
auszuüben. Vermieden werden sollten das Heben und Tragen von Gegenständen über
acht Kilogramm, mittelschwere und schwere Tätigkeiten ausserhalb des Körperlotes,
Zwangshaltungen, Arbeiten des linken Armes über Schulter- und Kopfhöhe, kniende
und hockende Tätigkeiten sowie ruckartige Bewegungen und Erschütterungen. Der
A.d.
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Versicherte sollte zudem keiner Kälte- und Nässeexposition sowie Zugluft ausgesetzt
werden (IV-act. 181-11). Auf neuropsychologischem Fachgebiet könnten aufgrund der
invaliden Resultate keine genauen Angaben gemacht werden. Es könne keine
Reduktion der zeitlichen Belastbarkeit objektiviert werden. In einer sehr einfachen,
repetitiven Tätigkeit ohne Verantwortung und mit nur geringem Zeitdruck könne nach
genügender Einarbeitungszeit keine bedeutende Einschränkung der Leistungsfähigkeit
begründet werden (IV-act. 181-14). Retrospektiv sei in einer ideal adaptierten Tätigkeit
vermutlich nach einem kurzen Belastungsaufbau schon ab Oktober 2014 eine
Arbeitstätigkeit möglich gewesen, jedoch müsse nach der Operation vom April 2015
vorübergehend erneut eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit angenommen werden.
Spätestens nach der Entlassung aus der Rehaklinik Z._ im September 2015 habe in
leidensangepassten Tätigkeiten wieder eine Arbeitsfähigkeit bestanden, was auch
durch die kreisärztliche Beurteilung vom Dezember 2015 bestätigt worden sei. Der
weitere Verlauf sei dann noch von einer Sprunggelenksdistorsion vom 22. Februar 2016
sowie einem Schulterleiden mit Arthroskopie im Februar 2017 überlagert worden, was
jeweils nochmals einige Wochen (ca. vier bis sechs Wochen) eine Arbeitsunfähigkeit
begründet habe. Ansonsten sei in ideal angepassten Tätigkeiten von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit auszugehen (IV-act. 181-15).
Mit Vorbescheid vom 29. April 2020 zeigte die IV-Stelle dem Versicherten mit
Verweis auf das Gutachten die Ablehnung des Rentengesuchs bei einer
Arbeitsfähigkeit in optimal angepassten Tätigkeiten von 100 % und einem
Invaliditätsgrad von 0 % an (IV-act. 190). Gegen diesen Vorbescheid liess der
Versicherte am 2. Juni 2020, vertreten durch Rechtsanwalt M. Loher, Zürich, einen
Einwand erheben, in welchem er das MEDAS-Gutachten kritisierte. Unter anderem
machte er Unstimmigkeiten hinsichtlich der im orthopädischen Gutachten aufgeführten
Messwerte geltend (vgl. IV-act. 194). Daraufhin gelangte die IV-Stelle am 30. Juli 2020
mit Rückfragen an den orthopädischen Gutachter (vgl. IV-act. 199). Dieser reichte zu
den gestellten Fragen am 28. August 2020 eine Stellungnahme ein, in welcher er unter
anderem eingestand, dass bei den im Gutachten enthaltenen Massangaben bezüglich
des Umfangs 10 cm oberhalb des Kniegelenkspaltes und über der Kniescheibenmitte
Schreibfehler passiert seien (IV-act. 203). In einer Beurteilung vom 2. September 2020
kam der RAD zum Schluss, dass auf die Stellungnahme des orthopädischen
A.e.
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Gutachters abgestellt werden könne und sich keine andere Beurteilung aufdränge (IV-
act. 204). Mit Schreiben vom 9. September 2020 eröffnete die IV-Stelle eine zweite
Anhörung zum Vorbescheid vom 29. April 2020. Sie teilte dem Versicherten mit, dass
sie aufgrund der getätigten Abklärungen an ihrem Entscheid, wonach ihm keine Rente
zustehe, festhalte (IV-act. 205).
Mit Eingabe vom 22. September 2020 nahm der Versicherte den Standpunkt ein,
dass sich aus der Stellungnahme des orthopädischen Gutachters vom 28. August 2020
dessen Befangenheit ergebe. Ausserdem wies er die IV-Stelle darauf hin, dass er sich
am 3. September 2020 einer weiteren Operation am Knie habe unterziehen müssen (IV-
act. 206). Er reichte den Operationsbericht sowie ein ärztliches Attest, das ihm bis zum
16. Oktober 2020 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigte, ein (IV-act. 206-9 ff.).
A.f.
In einer Stellungnahme vom 11. November 2020 hielt der RAD fest, dass der
operative Eingriff am Resultat des Gutachtens grundsätzlich nichts ändere. Ein stabiler
Gesundheitszustand sei jedoch frühestens drei Monate postoperativ zu erwarten. Von
der Verlaufskontrolle sei ein Bericht einzuholen (IV-act. 207). In der Folge holte die IV-
Stelle einen Bericht von Dr. med. G._, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie,
H._ AG (nachfolgend: H._) vom 9. Oktober 2020 über die Verlaufskontrolle vom 8.
Oktober 2020 ein (IV-act. 210). Sodann erhielt die IV-Stelle von der H._ am 4. Februar
2021 die Auskunft, dass der Versicherte den Termin vom 23. November 2020 abgesagt
und sich nicht mehr für einen neuen Termin gemeldet habe (IV-act. 214). In einer
Aktenbeurteilung vom 9. Februar 2021 kam der RAD zum Schluss, dass in Kenntnis
des Befundes vom 9. (gemeint wohl 8.) Oktober 2020 von einer vollen Arbeitsfähigkeit
ausgegangen werden könne, wobei den im Gutachten auf S. 7 zitierten
Adaptationskriterien der Suva gefolgt werden könne. Selbst dann, wenn das im
Oktober 2020 gefundene funktionelle Ergebnis das Endergebnis darstellen sollte, sich
die Funktion durch weitere Abnützung verschlechtere oder durch die Implantation einer
Endoprothese bessere, sei kein erheblicher Einfluss auf die bereits beschriebene
Arbeitsfähigkeit zu erwarten. Allenfalls wäre eine Anpassung der Schonauflagen
denkbar. Medizinische Komplikationen bei einem eventuellen Eingriff mit vom üblichen
Verlauf erheblich abweichenden Folgen seien bei dieser Einschätzung ausgenommen
(IV-act. 215).
A.g.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/15
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B.
Mit Verfügung vom 17. Februar 2021 wies die IV-Stelle das Rentengesuch des
Versicherten bei einer Arbeitsfähigkeit von 100 % und einem Invaliditätsgrad von 0 %
ab (IV-act. 216).
A.h.
Gegen diese Verfügung erhob der weiterhin durch Rechtsanwalt Loher vertretene
Versicherte (Beschwerdeführer) am 24. März 2021 Beschwerde. Er beantragte, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sache sei zur weiteren
Sachverhaltsabklärung an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der IV-Stelle (act. G
1). Weiter stellte der Beschwerdeführer ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
und Rechtsverbeiständung (act. G 1 und 7). Zudem reichte er einen Bericht der H._
vom 11. März 2021 über die offenbar doch stattgehabte Untersuchung vom 23.
November 2020 ein (vgl. act. G 1.3 und 14.2).
B.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 7. Mai 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 4).
B.b.
Am 14. Juni 2021 entsprach das Versicherungsgericht dem Gesuch um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor
Versicherungsgericht (act. G 8).
B.c.
In seiner Replik vom 20. September 2021 hielt der Beschwerdeführer an den in der
Beschwerde gestellten Anträgen fest (act. G 14).
B.d.
Mit Schreiben vom 1. Oktober 2021 hielt die Beschwerdegegnerin an dem in der
Beschwerdeantwort gestellten Antrag vollumfänglich fest und verzichtete auf die
Einreichung einer umfassenden Duplik (act. G 16).
B.e.
Am 2. November 2021 reichte Rechtsanwalt Loher seine Honorarnote ein (act. G
18 und 18.1).
B.f.
Mit Schreiben vom 10. August 2022 informierte das Versicherungsgericht die
Parteien über den Beizug der Suva-Akten aus dem parallel laufenden Verfahren UV
2021/46 (act. G 20).
B.g.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/15
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Considerations:
Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Invalidenrente.
2.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenden
Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG).
2.1.
Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung – und im
Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben (BGE 125 V 261
E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/15
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3.
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweis). Praxisgemäss kann den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten
Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen
und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuerkannt werden, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der
Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4). Auch auf versicherungsinterne ärztliche
Feststellungen kann abgestellt werden. Bestehen jedoch auch nur geringe Zweifel an
ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit, sind weitere Abklärungen vorzunehmen (Urteil
des Bundesgerichts vom 9. Juli 2020, 8C_322/2020, E. 3 mit vielen Hinweisen auf
andere Bundesgerichtsentscheide).
Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der angefochtenen Verfügung vom 17.
Februar 2021 (IV-act. 216) für die Ablehnung des Rentenanspruchs einerseits auf das
MEDAS Gutachten vom 28. Januar 2020 (IV-act. 181-1 ff.) sowie die dazu ergangene
ergänzende Stellungnahme des orthopädischen Gutachters vom 28. August 2020 (IV-
act. 203). Andererseits beruft sie sich zur Beurteilung der nach der Begutachtung
eingetretenen gesundheitlichen Veränderungen (vgl. namentlich den operativen Eingriff
am linken Knie vom 3. September 2020; IV-act. 206-9 ff.) auf die Aktenbeurteilung des
RAD vom 9. Februar 2021 (IV-act. 215).
3.1.
Der Beschwerdeführer erachtet das Gutachten sowie die ergänzende
Stellungnahme des orthopädischen Sachverständigen aus mehreren Gründen als nicht
beweiskräftig. Er erachtet letzteren als befangen und kritisiert namentlich dessen
Interpretation der Messwerte des Umfangs der Muskelmasse an den Beinen (vgl. act.
G 1). Ausserdem macht der Beschwerdeführer geltend, dass er erst kürzlich erneut am
linken Knie operiert worden sei. Er sei noch immer auf Schmerzmittel angewiesen und
die Kniegelenksfunktion sei noch nicht wiederhergestellt. Der Sachverhalt habe sich
seit der Begutachtung geändert, weshalb diesem für den aktuellen
Gesundheitszustand ohnehin kein Beweiswert mehr zukomme. In der Beurteilung vom
RAD seien im Zumutbarkeitsprofil diverse Einschränkungen genannt worden. Dennoch
solle eine Arbeitstätigkeit noch vollumfänglich zumutbar sein, ohne dass der RAD dies
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/15
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jedoch begründet habe. Es sei zu vermuten, dass nach dem Dafürhalten des RAD eine
Gelenksverletzung nie zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen könne. Die
nachträglichen Ausführungen des RAD zur Operation vom 3. September 2020 würden
dem komplexen Behandlungsverlauf nicht gerecht. Aufgrund des mangelhaften
Gutachtens und des geänderten Sachverhalts genüge die RAD-Aktenbeurteilung nicht,
um das Leistungsvermögen überwiegend wahrscheinlich festzustellen (act. G 1 S. 11).
Zunächst ist festzuhalten, dass die Untersuchungen, auf denen das MEDAS-
Gutachten basiert, im September und Oktober 2019 durchgeführt worden sind (vgl. IV-
act. 181-2). Zwischen diesen und dem Erlass der angefochtenen Verfügung vom 17.
Februar 2021 (IV-act. 216) liegt demnach eine Zeitspanne von über einem Jahr. Zwar
verliert ein Gutachten mit Zeitablauf nicht automatisch seinen Beweiswert, jedoch sind
allfällig veränderte Umstände bis zum Erlass der Verfügung zu berücksichtigen.
3.3.
Im vorliegenden Fall hat sich der Beschwerdeführer am 3. September 2020 und
damit nach den Untersuchungen durch die MEDAS-Gutachter im September/Oktober
2019 aufgrund einer medialen posttraumatischen Gonarthrose durch Dr. G._ einer
weiteren Operation am bereits mehrfach operierten linken Kniegelenk unterzogen (IV-
act. 206-9). Auf Anweisung des RAD (vgl. IV-act. 207) hat die IV-Stelle in der Folge
orthopädische Verlaufsberichte einzuholen versucht (vgl. IV-act. 208 ff.). Im Bericht zur
Konsultation vom 8. Oktober 2020 ist beschrieben worden, dass der Beschwerdeführer
von der Operation bislang nicht habe profitieren können. Wenn auch die mediale
Stabilität deutlich verbessert worden sei, bestehe die multidirektionale und vor allem
rotatorische sowie anteriore-posteriore Instabilität weiterhin. Die Instabilität sei für den
Beschwerdeführer ohne orthetische Hilfsmittel noch immer einschränkend. Es bestehe
weiterhin die Indikation für den geführten endoprothetischen Kniegelenksersatz,
insbesondere da die verbleibende Instabilität problematisch sei. Eine mittlerweile vierte
Revision dieser Kniegelenksinstabilität sei bei schon deutlichen degenerativen
Veränderungen des Kniegelenkes nicht mehr sinnvoll. Die Physiotherapie sei für die
kommende Woche geplant. Eine erneute klinische Kontrolle sei in sechs Wochen
vorgesehen, sodass auch das Ergebnis der Mikrofrakturierung beurteilt werden könne
(IV-act. 210). Am 16. November 2020 ist der IV-Stelle von der H._, in welcher der
Operateur Dr. G._ zur Hauptsache tätig ist, mitgeteilt worden, dass der nächste
Kontrolltermin des Beschwerdeführers am 23. November 2020 geplant sei (IV-act. 211).
Auf entsprechende Nachfrage der IV-Stelle hat die H._ in einer E-Mail vom 4. Februar
2021 erklärt, dass der Beschwerdeführer den Termin vom 23. November 2020
abgesagt und sich nicht mehr für einen neuen Termin gemeldet habe (IV-act. 214). Bei
dieser Auskunft muss es sich allerdings um einen Fehler gehandelt haben. Wie die im
3.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/15
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St.Galler Gerichte
Beschwerdeverfahren eingereichten Berichte zeigen (vgl. act. G 1.3 und 14.2), hat die
Sprechstunde vom 23. November 2020 offensichtlich stattgefunden. In der Annahme,
der Beschwerdeführer sei zum Kontrolltermin nicht erschienen, hat der RAD am 9.
Februar 2021 seine abschliessende Aktenbeurteilung abgegeben (vgl. IV-act. 215) und
die IV-Stelle gestützt auf diese am 17. Februar 2021 ihren ablehnenden
Rentenbescheid erlassen (IV-act. 216). Bereits insofern basiert die Aktenbeurteilung
des RAD auf einem unzutreffenden Sachverhalt.
Weiter ist anzunehmen, dass im Zeitpunkt der abschliessenden Aktenbeurteilung
beim Beschwerdeführer noch ein instabiler Gesundheitszustand vorgelegen hat. Der
aktuellste Bericht, auf den sich der RAD bei seiner Aktenbeurteilung vom 9. Februar
2021 gestützt hat, ist nämlich, wie in E. 3.4 dargelegt, der orthopädische Bericht über
die Konsultation vom 8. Oktober 2020 gewesen. In diesem ist ein postoperativer
instabiler bzw. unklarer Gesundheitszustand beschrieben worden, hatte damals doch
nach der Operation vom 3. September 2020 noch nicht einmal mit Physiotherapie
begonnen werden können und auch das Ergebnis der Mikrofrakturierung ist damals
noch nicht beurteilbar gewesen. Überdies ist im Rahmen des Untersuchungsbefundes
auf eine Wundheilungsstörung und eine weiterhin bestehende multidirektionale
Instabilität hingewiesen sowie ein weiterer potentieller operativer Eingriff mit dem
Einsetzen einer Knietotalendprothese angesprochen worden (vgl. IV-act. 210). Die
falsche Auskunft der H._, wonach die vom 23. November 2020 geplante
Sprechstunde nicht stattgefunden habe, hat ebenfalls nicht den Schluss zugelassen,
dass wieder ein stabiler Gesundheitszustand bzw. eine volle Arbeitsfähigkeit vorliege.
Dass im Zeitpunkt der Aktenbeurteilung vom 9. Februar 2021 und auch im Zeitpunkt
der ablehnenden Verfügung vom 17. Februar 2021 noch immer von einem instabilen
Gesundheitszustand auszugehen gewesen ist, ergibt sich auch aus der kreisärztlichen
Aktenbeurteilung vom 1. Juni 2021, in welcher Dr. med. I._, Facharzt für Chirurgie,
speziell Allgemeinchirurgie und Traumatologie, festgehalten hat, dass die Vornahme
eines Fallabschlusses betreffend den Rückfall am linken Knie noch zu früh sei,
nachdem die letzte Operation am 3. September 2020 erfolgt sei. Es sei die weitere
Verlaufskontrolle abzuwarten (vgl. Suva-act. 393 im Gerichtsfahren UV 2021/46). Zwar
setzt die invalidenversicherungsrechtliche Rentenprüfung – anders als der
unfallversicherungsrechtliche Fallabschluss (vgl. Art. 19 UVG) – nicht voraus, dass von
der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung mehr zu
erwarten ist (vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts vom 2. September 2014,
9C_395/2014, E. 4.5). Bezüglich der Frage der Arbeitsfähigkeit bzw. Erwerbsfähigkeit
muss jedoch eine gewisse Dauerhaftigkeit gegeben sein, damit eine Beurteilung der
Invalidität und damit des Anspruchs auf eine Invalidenrente erfolgen kann (vgl. Art. 7,
3.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/15
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Art. 8 Abs. 1 und Art. 16 ATSG). Dass der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
im Zeitpunkt der RAD-Beurteilung noch nicht ausreichend stabil gewesen ist, erhellt
auch daraus, dass diese zu einem grossen Teil aus einer Prognose bestanden hat,
wonach selbst dann, wenn das am 8. Oktober 2020 aufgefundene funktionelle Ergebnis
das Endergebnis darstellen sollte, sich die Funktion durch weitere Abnützung
verschlechtere oder durch die Implantation einer Endoprothese bessere, kein
erheblicher Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu erwarten sei (vgl. IV-act. 215). Eine
Prognose ist naturgemäss ungewiss. Auch hat der RAD in seiner Aktenbeurteilung vom
9. Februar 2021 eingeräumt, dass mögliche Komplikationen durchaus noch eine
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zeitigen könnten. Überdies hat er nicht
ausschliessen können, dass aufgrund des weiteren gesundheitlichen Verlaufs
zusätzliche Schonkriterien hinzukommen könnten (vgl. IV-act. 215). Das
Adaptationsprofil ist für die Rentenfestsetzung beim hier betroffenen
Beschwerdeführer, dem sowohl durch die Gutachter als auch durch den RAD
zahlreiche Einschränkungen zuerkannt worden sind, aber gerade von Belang. Kommen
nämlich noch weitere Einschränkungen im Zumutbarkeitsprofil dazu, könnte dies einen
Einfluss auf die Frage der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit oder auf den
Tabellenlohnabzug haben. Für die abschliessende Rentenbeurteilung sollten die
Adaptationskriterien folglich feststehen. Nach dem Gesagten ist anzunehmen, dass im
Zeitpunkt der RAD-Beurteilung vom 9. Februar 2021 (IV-act. 215) und damit auch im
Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung vom 17. Februar 2021 (IV-act. 216) noch kein
ausreichend stabiler und klarer Gesundheitszustand vorgelegen hat, der eine
abschliessende Rentenbeurteilung erlaubt hätte.
Das vom RAD in der Aktenbeurteilung vom 9. Februar 2021 angeführte
Adaptationsprofil weist auch noch andere Ungereimtheiten auf. Zum einen hat der RAD
nicht auf das von den MEDAS-Gutachtern, sondern im Wesentlichen auf das von
einem Kreisarzt am 15. Dezember 2015 aufgestellte (vgl. Suva-act. 242 im
Gerichtsverfahren UV 2021/46) und im MEDAS-Gutachten lediglich wiedergegebene
Adaptationsprofil abgestellt, ohne dies jedoch zu begründen (vgl. Suva-act. 215).
Kreisarzt Dr. I._ hat in einer Aktenbeurteilung vom 5. Februar 2021 die kreisärztliche
Beurteilung vom 15. Dezember 2015 ausserdem als überholt dargestellt, indem er
angegeben hat, dass seit dem 1. September 2016 eine unfallbedingte objektivierbare
Verschlimmerung eingetreten sei (vgl. Suva-act. 345 im Gerichtsverfahren UV 2021/46).
Folglich leuchtet es erst recht nicht ein, dass der RAD ohne weitere Begründung in
erster Linie auf das kreisärztliche Zumutbarkeitsprofil vom 15. Dezember 2015
verwiesen hat. Die IV-Stelle scheint von dieser RAD-Beurteilung selber nicht überzeugt
gewesen zu sein, hat sie sich doch in der angefochtenen Verfügung nicht an das vom
3.6.
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RAD, sondern an das von den MEDAS-Gutachtern aufgestellte Zumutbarkeitsprofil
angelehnt (vgl. IV-act. 216-2), das jedoch noch ohne Berücksichtigung der neuesten
Operation ergangen ist. Was die Adaptationskriterien anbelangt, erscheint die RAD-
Beurteilung vom 9. Februar 2021 auch nicht vollständig. Sie beschränkt sich auf die
orthopädischen Einschränkungen, ohne zu erwähnen, dass die MEDAS-Gutachter
auch auf neuropsychologischem Fachgebiet Einschränkungen im Leistungsprofil
zuerkannt haben. So sollte es sich bei einer optimal angepassten Tätigkeit gemäss
MEDAS-Gutachten aus neuropsychologischer Sicht um eine einfache, repetitive
Tätigkeit ohne Verantwortung und mit nur geringem Zeitdruck handeln (vgl. IV-act.
181-14). Diese neuropsychologischen Einschränkungen sind – wohl aufgrund der
fehlenden Berücksichtigung durch den RAD – auch in der angefochtenen Verfügung
vom 17. Februar 2021 unerwähnt geblieben (vgl. IV-act. 216), obwohl sie das Auffinden
einer Stelle zusammen mit den orthopädischen Einschränkungen nicht unbedeutend
erschweren können. Schliesslich hat der RAD in seiner Aktenbeurteilung vom 9.
Februar 2021, wie bereits erwähnt, nicht abschliessend beurteilt, ob die weitere
Entwicklung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers noch zu zusätzlichen
Adaptationskriterien führen wird (vgl. IV-act. 215; vgl. oben E. 3.5).
Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die Aktenbeurteilung des RAD vom 9.
Februar 2021 nicht überzeugt. Nachdem auch nur geringe Zweifel an
versicherungsinternen Beurteilungen weitere Abklärungen erfordern (vgl. oben E. 2.2),
die IV-Stelle solche jedoch unterlassen hat, ist sie ihrer Untersuchungspflicht (Art. 43
ATSG) nicht ausreichend nachgekommen. Dies gilt umso mehr, als sie in der
angefochtenen Verfügung ohne Begründung von den Adaptationskriterien des RAD
abgewichen ist, diese mithin selber als nicht ausreichend plausibel erachtet hat (vgl. IV-
act. 216). Darüber hinaus hat die IV-Stelle die Rentenprüfung verfrüht vorgenommen,
da aufgrund der Aktenlage erstellt ist, dass beim Beschwerdeführer im Zeitpunkt des
Verfügungserlasses vom 17. Februar 2021 noch ein instabiler Gesundheitszustand
vorgelegen hat, der keine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, namentlich
der Adaptationskriterien, und somit des Rentenanspruchs erlaubt hat (vgl. dazu oben
E. 3.5; bezüglich Adaptationskriterien vgl. ferner E. 3.6). Folglich ist die Verfügung
aufzuheben und die Angelegenheit zur Fortführung des Verwaltungsverfahrens, zur
weiteren Abklärung und zur neuen Verfügung über den Rentenanspruch des
Beschwerdeführers an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.7.
Aufgrund der noch vorzunehmenden medizinischen Abklärungen erübrigen sich
grundsätzlich zum jetzigen Zeitpunkt weitere Ausführungen zum Beweiswert des
MEDAS-Gutachtens. Gleichwohl sei die Anmerkung erlaubt, dass die seitens der
3.8.
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4.
Sachverständigen spätere Geltendmachung anderer als im Gutachten aufgeführter
Messresultate, ohne Begründung, woher diese stammen bzw. weshalb die angeblich
Korrekten noch erinnerlich sind, durchaus gewisse Fragen aufwirft (vgl. dazu die
Ausführungen des Beschwerdeführers in act. G 1 S. 4 ff.). Angesichts dieser
Ungereimtheit sowie des sich seit der MEDAS-Begutachtung veränderten Sachverhalts
dürfte sich das Einholen einer weiteren externen Expertise aufdrängen, sobald der
Gesundheitszustand ausreichend stabil und die Akten entsprechend aufdatiert worden
sind. Dem Versicherungsgericht ist es aufgrund der aktuellen Aktenlage jedenfalls nicht
möglich, abschliessend über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu
entscheiden. Auch die Einholung eines Gerichtsgutachtens ist zum aktuellen Zeitpunkt
nicht möglich, nachdem dem Gericht unbekannt ist, ob und wann die gesundheitliche
Situation des Beschwerdeführers genügend stabil (gewesen) ist, um den
Rentenanspruch beurteilen zu können. Im Übrigen hat auch der Beschwerdeführer kein
Gerichtsgutachten, sondern explizit die Rückweisung der Sache an die
Beschwerdegegnerin beantragt, da er den Sachverhalt, der sich nach der MEDAS-
Begutachtung ereignet hat, als ungenügend abgeklärt erachtet hat (vgl. act. G 1 S. 2).
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 17. Februar 2021 in
Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Angelegenheit zur Fortführung des
Verwaltungsverfahren, weiteren Abklärung und neuen Verfügung über den
Rentenanspruch des Beschwerdeführers an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung an die Verwaltung zur Weiterführung des Verwaltungsverfahrens als
volles Obsiegen des Beschwerdeführers zu werten (vgl. BGE 132 V 235 E. 6.2).
Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4.2.
bis
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b Honorarordnung (HonO; sGS 963.75)
4.3.
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