Decision ID: 9649850d-7c58-45dc-b868-f9a0559f3132
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
18. September 1964
,
war seit Juni 2006 bei der
Y._
als
Logistiker
angestellt, als er sich am 9. Oktober 2015 bei einem Sturz von der Treppe eine mehrfragmentäre Radiusfraktur rechts sowie eine B
rustwirbelkörper (BWK) 12 Deck
plattenimpressionsfraktur zuzog (vgl.
Urk.
8/
1/14-16
= Urk. 8/44/20-22
; Urk. 8/1/3 = Urk. 8/1/8 = Urk. 8/44/5 = Urk. 8/44/10 = Urk. 8/44/271
).
A
m 18. April 2016
meldete sich der Versicherte
unter Hinweis auf das
Unfallereignis mit
Handgelenks- und
BWK
-12-Fraktur
so
wie einer
Depression
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
(Urk.
8/1/132-
140
=
Urk. 8/2
= Urk. 8/44/143-151
). Die Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisc
he und erwerbliche Situ
ation ab und zog Akten der
Suva
bei (Urk.
8/1; Urk. 8/12; Urk. 8/17-19
; Urk. 8/23; Urk. 8/39-40
; Urk. 8/44
; Urk. 8/48-49
)
. Am 16. November 2016 sprach die IV-Stelle dem Versicherten
Frühinterventionsmassnahmen in Form von Ar
beitsvermittlung
vom 21. November 2016 bis zum 20. Juli 2017
zu (Urk. 8/22
= Urk. 8/44/261-262
), die jedoch mit Schreiben vom 9. Februar 2017 per sofort ein
gestellt wurden (Urk. 8/42
= Urk. 8/44/321
).
Die Suva sprach dem Versicherten mit Verfügung vom 18. Juni 2018 (Urk. 8/51/2-7
= Urk. 3/3
) bei einem Invaliditätsgrad von 21 % eine Rente ab dem 1. August 2018 sowie
eine Integritätsentschädigung basierend auf einer Integri
tätseinbusse von 35 % zu.
Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 12. Juli 2018 mit, dass sie eine psychi
atrisch-orthopädische Begutachtung als notwendig erachte und
nannte
ihm die Namen der
vorgesehenen
Gutachter (Urk. 8/57).
Mit Eingabe vom
2
0
. Juli 2018 (Urk. 8/58) teilte der Versicherte mit, dass er mit einer bidisziplinären Begutach
tung nicht einverstanden und eine polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag zu geben sei.
Mit Zwischenverfügung vom 24. Juli 2018 (Urk. 8/60
= Urk. 2
) hielt die IV-Stelle an der bidisziplinären Abklärung fest.
2.
Der Versicherte erhob am
22. August 2018
Beschwerde g
egen die Zwischenv
er
fügung vom
24. Juli 2018
(Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und
die Sache sei an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese vorgängig bei sämtlichen behandelnden Ärztinnen und Ärzten aktuelle Verlaufsberichte einhole und ihn anschliessend nach dem Zufallsprinzip polydisziplinär (radiologisch, orthopä
disch/traumatologisch,
neurologisch, rheumatologisch und psychiatrisch) unter gutachterlicher Federführung eines in der Behandlung chronischer Schmerzpati
enten erfahrenen Facharztes abkläre und danach über den Rentenanspruch ver
füge (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
27. September 2018
(Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Be
schwerdeführer am
1. Oktober 2018
zur Kenntnis gebracht (Urk.
9
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anfechtungsgegenstand in diesem Verfahren ist die Verfügung vom 24. Juli 2018 (Urk. 2), mit welcher die Beschwerdegegnerin an der bidisziplinären Begutach
tung des Beschwerdeführers gemäss ihrer Mitteilung vom 12. Juli 2018 (Urk. 8/57) festhielt. Hierbei handelt es sich um eine Zwischenverfügung im Sinne von Art. 55 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts (ATSG) i
.V.m.
Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (VwVG), welche bei Bejahung des nicht wieder gutzu
machenden Nachteils (
Art.
46
Abs.
1 lit. a VwVG; BGE 132 V 93 E. 6.1) grund
sätzlich selbständig mit Beschwerde angefochten werden kann.
Im Zusammenhang mit Entscheiden über die Einholung von Gutachten hat das Bundesgericht die Anfechtbarkeitsvoraussetzungen des nicht wieder gutzuma
chenden Nachteils für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren in IV-Angelegenheiten bejaht (BGE 141 V 330 E. 5.1 und 5.2; BGE 139 V 339 E. 4.4).
1.2
Gemäss
Art.
43
Abs.
1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein. Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurtei
lung notwendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (
Art.
43
Abs.
2 ATSG). Die Verfahrensleitung liegt dabei beim Versi
cherungsträger, dessen Ermessensspielraum in Bezug auf Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen gross ist (Urteil des Bun
desgerichts U 571/06 vom 2
9.
Mai 2007 E. 4.1; in BGE 139 V 585 nicht veröf
fentlichte E. 3.1 und Urteil des Bundesgerichts 8C_481/2013 vom 7.
November 2013 E. 3.4).
1.3
Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit entschieden werden kann. Dies umfasst die Verpflichtung und das Recht, die Untersuchungen anzuordnen, welche zur Klärung des Sachverhalts er
forderlich sind, nicht jedoch das Recht, eine „second opinion“ zu einem bereits in einem Gutachten festgestellten Sachverhalt einzuholen, wenn dem Versiche
rungsträger dieser nicht gefällt. Entscheidend dafür, ob weitere Abklärungen an
geordnet werden können und müssen, ist, ob die bereits vorliegenden Gutachten die praxisgemässen inhaltlichen und beweismässigen Anforderungen an eine zu erstattende ärztliche Expertise erfüllen (Urteil des Bundesgerichts U 571/06 vom 2
9.
Mai 2007 E. 4.2.; vgl. auch BGE 138 V 271 E.
1.1).
1.4
Zur allgemeingültigen Abgrenzung der Anwendungsfelder der verschiedenen Ka
tegorien von Expertisen existieren keine festen Kriterien. Die grosse Vielfalt von Begutachtungssituationen erfordert Flexibilität. In groben Zügen jedoch lassen sich die jeweiligen Einsatzbereiche wie folgt umreissen: Die umfassende admi
nistrative Erstbegutachtung wird regelmässig polydisziplinär und damit zufalls
basiert anzulegen sein; eine direkte Auftragserteilung soll die Ausnahme bleiben. Eine polydisziplinäre Expertise ist auch dann einzuholen, wenn der Gesundheits
schaden zwar bloss als auf eine oder zwei medizinische Disziplinen fokussiert erscheint, die Beschaffenheit der Gesundheitsproblematik aber noch nicht voll
ends gesichert ist. In begründeten Fällen kann von einer polydisziplinären Begut
achtung abgesehen und eine mono- oder bidisziplinäre durchgeführt werden, so
fern die medizinische Situation offenkundig ausschliesslich ein oder zwei Fach
gebiete beschlägt; weder dürfen weitere interdisziplinäre Bezüge (beispielsweise internistischer Art) notwendig sein noch darf ein besonderer arbeitsmedizinischer beziehungsweise eingliederungsbezogener Klärungsbedarf bestehen. Diese Vo
raussetzungen werden vor allem bei Verlaufsbegutachtungen erfüllt sein (BGE 139 V 349 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.5
Wird eine Begutachtung verfügungsweise angeordnet, so kann die versicherte Person materielle Einwendungen gegen eine Begutachtung an sich (etwa mit dem Einwand, es handle sich um eine unnötige „second opinion“), gegen Art oder Umfang der Begutachtung (beispielsweise betreffend die Auswahl der medizini
schen Disziplinen) oder gegen bezeichnete Sachverständige (etwa betreffend de
ren Fachkompetenz) erheben (BGE 138 V 271 E. 1.1 mit Hinweis).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
stellt
e
sich
in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2)
auf den Standpunkt
, dass ein bidisziplinäres Gutachten (Psychiatrie, Orthopädie) zur Abklärung des Gesundheitszustandes ausreichend sei, da auch von orthopädi
scher Seite ein
komplexes regionales Schmerzsyndrom
(
CRPS
)
beurteilt werden könne unter Abklärung der Budapester Kriterien. Sollte sich im Laufe der Begut
achtung eine neurologische Fragestellung ergeben, könnten die Gutachter jeder
zeit eine neurologische Zusatzbegutachtung veranlassen. Im Rahmen der rheu
matologischen Begutachtung würden auch internistische Fragen abgeklärt. Auch hier gelte, falls sich im Rahmen der Begutachtung spezielle internistische Fragen ergäben, könnten die Gutachter jederzeit eine internistische Zusatzbegutachtung veranlassen. Ein Schmerztherapeut sei zur Begutachtung nicht hinzuziehen, da es sich zunächst um die Begutachtung des Gesundheitszustandes handle und nicht primär um die Therapie (S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber beschwerdeweise (Urk. 1) geltend,
dass unter Berücksichtigung der Tatsache, dass eine Erstbegutachtung vorliege, die Beschaffenheit der Gesundheitsproblematik nicht vollends gesichert sei und er an multiplen (orthopädisch/traumatologischen, rheumatologischen, neurologi
schen und psychiatrischen) Beschwerden beziehungsweise Schmerzen leide, e
r nicht lediglich bidisziplinär, sondern polydisziplinär
unter Einbezug eines erfah
renen Radiologen abzuklären sei (S. 6 ff. Ziff. 13). Zudem habe die Beschwerde
gegnerin den rechtserheblichen Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abgeklärt und damit den Untersuchungsgrundsatz verletzt. So habe sie es unterlassen, vor der Entscheidung der Frage der Art beziehungsweise des Umfangs der medizinischen Erstabklärung bei sämtlichen behandelnden Ärztinnen und Ärzten vorgängig ak
tuelle Verlaufsberichte einzuholen (S. 9 Ziff. 14).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht an der bidiszipli
nären Begutachtung des Beschwerdeführers
festgehalten hat oder ob zur Beurtei
lung des Gesundheitszustandes eine polydisziplinäre Begutachtung notwendig ist.
3.
3.1
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie sowie Hausarzt de
s
Beschwerdeführer
s
(vgl. Urk. 8/44/353-354 = Urk. 8/49/3-4
), nannte in seinem Bericht vom 21. Mai 2016 (Urk. 8/44/139
) ein
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom (LSS
) bei Status nach BWK 12
Deckplat
tenimpressionsfraktur am 9. Oktober 2015 und ein CRPS Typ II der rechten Hand bei Status nach intraartikulärer, distaler Radiusfraktur am 9. Oktober 2015 als Diagnosen. Der Beschwerdeführer klage über belastungsabhängige Lumbalgien mit pseudoradikulärer Ausstrahlung in beide Beine. Daneben bestünden kontinu
ierliche Handgelenksschmerzen.
3.2
Dr.
med. A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in ihrem Bericht vom 18. Juni 2016 (Urk. 8/6) aus, dass sie den Beschwer
deführer seit April 2016 behandle (Ziff. 1.2), und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere Episode (ICD-10 F33.1)
-
stark dislozierte mehrfragmentäre intraartikuläre distale Radiusfraktur rechts vom 9. Oktober 2015
-
Status nach Osteosynthese am 19. Oktober 2015
-
BWK
12
Deckplattenimpressionsfraktur vom 9. Oktober 2015
Die Prognose sei vom Heilungsprozess des rechten Handgelenkes abhängig (Ziff. 1.4) In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Magaziner im Elektromaterial
laden bestehe seit dem 9. Oktober 2015 bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit (Ziff. 1.6). Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne nicht gerechnet werden (Ziff. 1.8).
3.3
Ein Arzt der
B._
berichtete am 22. Juni 2016 über die glei
chentags erfolge Rheumatologie-Sprechstunde (Urk. 8/11/7-8
= Urk. 8/44/164-165 = Urk. 8/44/166-167
) und nannte folgende Diagnosen (S. 1):
-
traumatische BWK 12 Deckplattenimpressionsfraktur vom 9. Oktober 2015
-
CRPS Typ I Hand rechts, dominant
-
Radiocarpal- und
distale Radioulnargelenks- (
DRUG
)
Arthrose rechts
Beim Beschwerdeführer bestünden acht Monate nach
dem
Trauma mit Sinte
rungsfraktur BWK 12 mit Vorder- und Hinterkantenbeteiligung immer noch fri
sche Frakturanteile. Klinisch bestünden keine neurologischen
Ausfälle. Bezüglich der CRPS-Behandlung der Hand rechts werde mittelfristig ein stationärer Aufent
halt empfohlen (S. 2).
3.
4
Die Ärzte der
C._
berich
teten in ihrem Austrittsbericht vom 27. September 2016 (Urk. 8/21
= Urk. 8/44/225-233 = Urk.
8/44/241-249
) über den stationären Aufenthalt
des Beschwerdeführers vom 23. August bis zum 27. September 2016
,
und nannten folgende Diagnosen (S. 1 f.):
-
Unfall
vom 9. Oktober 2015: Treppensturz
-
BWK 12 Deckplattenimpressionsfraktur
-
distale Radiusfraktur rechts, Avulsionsfraktur des Processus styloideus ulnae, CRPS Typ I Hand rechts, dominant sowie Radiocarpal- und DRUG-Arthrose rechts
-
mittelgradige depressive Episode
Diagnostisch erfülle der Beschwerdeführer das Zustandsbild einer mittelschweren Depression mit einer Tendenz zur Verschlechterung. Ein Jahr nach dem Treppen
sturz bestünden beim Beschwerdeführer aktuell belastungs- und bewegungsab
hängige Rückenschmerzen, eine eingeschränkte Beweglichkeit des rechten Hand
gelenks, ein Kraftdefizit sowie eine Hypästhesie der rechten Hand. Aktuell seien die Budapester Kriterien nicht mehr erfüllt (S. 3 f.). Die festgestellte psychische Störung begründe aktuell eine mindestens leichte bis mittelschwere arbeitsrele
vante Leistungsminderung. Es werde eine schrittweise Wiedereingliederung in ei
nem vorübergehend geschützten Arbeitsrahmen empfohlen. Die Tätigkeit als Lo
gistiker sei dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar. Eine leichte bis mittel
schwere Arbeit sei ihm hingegen ganztags zumutbar (S. 3).
3.
5
Der
Suv
a
-Kreisarzt med. pract. D._
, Facharzt für Chirurgie, berichtete am 23.
Februar 2016 (richtig: 2017) über die gleichentags erfolg
t
e kreisärztliche Untersuchung (Urk. 8/44/339-352 = Urk. 8/49/5-18) und nannte folgende Diag
nosen (S. 12):
-
Status nach distaler mehrfragmentärer intraartikulärer Radiusfraktur rechtsdominant
-
Status nach CRPS im Verlauf, aktuell seien die Budapester-Kriterien nicht mehr erfüllt
-
Entwicklung einer posttraumatischen Radiocarpalarthrose (radio
s
capholunär), objektivierbare Schmerzen
-
Status nach BWK
12
Deckplattenimpressionsfrak
t
ur mit progre
d
ienter Sinterung im Verlauf, aktuell Kyphosewinkel zirka 22° mit objektivier
baren lokalen Schmerzen, jedoch ohne neurologische Ausstrahlung
Der Beschwerdeführer habe du
rch den Sturz am 9. Oktober 2015 zwei nachweis
bare Verletzungen erlitten. In Bezug auf die Handgelenksfraktur rechts wäre durch eine partielle Arthrodese (Versteifung) mit überwiegender Wahrscheinlich
keit von einer Besserung des Schmerzustandes auszugehen. Bezüglich des Rü
ckens sei die Indikation für eine Stabilisierung der Fraktur bei den Schmerzen und bei diesem Kyphosewinkel
gegeben. Der Beschwerdeführer könne sich jedoch momentan nicht entscheiden, ob er sich am rechten Handgelenk und/oder am Rücken operieren lassen möchte. Aus somatischer Sicht sei dem Beschwerdefüh
rer die angestammte Tätigkeit als Logistiker nicht mehr zumutbar.
Bei Verzicht auf die jeweiligen Operationen komme ein genau definiertes Zumutbarkeitsprofil für den allgemeinen Arbeitsmarkt zum Tragen, eine zeitliche Einschränkung be
stehe nicht. Eine Stellungnahme zur psychisch-psychiatrischen Situation könne nicht abgegeben werden (S. 12 ff.).
3.
6
Dr.
A._
führte in ihrem Verlaufsbericht vom 25. Juni 2018 (Urk. 8/52) bei gleich gebliebenen Diagnosen (Ziff. 1.2; vgl. vorstehend
E. 3.2
) aus,
dass in der bisherigen Tätigkeit als Lagermitarbeiter und Logistiker als auch in einer ange
passten Tätigkeit weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorliege (Ziff. 2.1-2.2). Die Prognose sei offen (Ziff. 3.3).
3.
7
Dr.
med. E._
, Facharzt für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom 4. Juli 2018 (Urk. 7 S. 6 f.) aus, dass zur schlüssigen und aktuellen Beurteilung des Gesundheitszus
tandes und dessen Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit ein
e bidisziplinäre (psychiatrisch-
or
thopädische) Begutachtung benötigt werde.
3.
8
In seiner Stellungnahme vom 24. Juli 2018 (Urk. 7 S. 7) war der RAD-Arzt Dr.
E._
der Ansicht, dass ein bidisziplinäres Gutachten zur Abklärung des Gesundheitszustandes ausreichend sei, da auch von orthopädischer Seite eine CRPS beurteil
t
werden könne unter Abklärung der Budapester Kriterien. Sollte sich eine neurologische Fragestellung im Laufe der Begutachtung ergeben, könn
ten die Gutachter jederzeit eine neurologische Zusatzbegutachtung veranlassen. Im Rahmen der rheumatologischen Begutachtung würden auch internistische Fragen abgeklärt. Auch hier gelte, falls sich im Rahmen der Begutachtung spezi
elle internistische Fragen ergeben würden, könnten die Gutachter jederzeit eine internistische Zusatzbegutachtung veranlassen. Ein Schmerztherapeut sei zu
r
Be
gutachtung nicht hinzuzuziehen, da es sich zunächst um die Begutachtung des Gesundheitszustandes handle und nicht primär um die Therapie.
3.
9
Dr.
med. F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie des Bewegungsapparates,
erstattete die
vom Beschwerdeführer in Auftrag ge
gebene ausführliche fach
ärztlich-orthopädische Expertise
am 6.
August 2018
(
Urk. 3/4
)
,
und nan
nte folgende Diagnosen (S. 18
):
-
Status nach Sturz vom Dachboden am
9.
Oktober 2015 mit/bei
-
BWK
12
Deckplattenimpressionsfraktur, stabil
-
protrahierter Frakturkonsolidierung (MRI Juni 2016)
-
Keilwirbelbildung Th 12
-
begleitend massiver myofascialer Befundkonstellation mit
-
Ursprungs- und Ansatztendinosen der paravertrebralen Muskelgruppen im thorakolumbalen Übergang
-
distaler Radiusfraktur rechts, Avulsionsfraktur des Processus styloideus ulnae mit/bei
-
ORIF mittels 4-Loch LCP palmarseitig distaler Radius rechts am 19. Ok
tober 2015
-
Status nach CRPS Typ I Hand rechts
-
sekundärer Radiocarpal- sowie
DRUG
-Arthrose
-
deutlicher schmerzhafter Belastungseinschränkung bei
-
myofascialer Befundkonstellation des Vorderarmes rechts und der Handmuskulatur
-
mittelgradiger depressiver Episode
Es
fänden sich keine Anzeichen eines noch akut vorhandenen CRPS. Grob neu
rologische Auffälligkeiten fänden sich allenfalls im Bereich der Hautnerven Di
gitus 2 recht
s sowie im Bereich des Daumens
.
Bezugnehmend auf das Residuum des CRPS sowie der Frage nach Nervenläsionen wäre eine
weitere
fachneuro
logi
sche Abklärung zielführend
(S. 19
f.
Ziff. 1.1.2
und
Ziff. 2.2-2.3
).
Zudem würde
n
eine deutliche Einschränkung in der aktiven wie passiven Beweg
lichkeit des rechten Handgelenkes, deutliche Druckdolenzen im Bereich der Hand
wurzel, eine Arthrose dieses Bereiches sowie deutliche Vernarbungen im Bereich der chirurgischen Zugangswege zum rechten Handgelenk vor
liegen
. Funktionell liege eine deutliche Einschränkung der Kraft so
wie auch der Feinmotorik vor. In
Bezug zur Brustwirbelsäule und insbesondere des thorakolumbalen Übergangs fänden sich unfallbedingt deutliche Einschränkungen der Wirbelsäulenfehlstatik bei Keilwirbelbildung sowie massive myofasciale Harts
p
annsituat
i
onen der para
vertebralen Muskelgruppen. Die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule sei in der la
teralen Flexion sowie in den Rot
ationsbewegungen eingeschränkt (S. 19 Ziff. 2.1).
In der Gesamtzusammenschau der Befunde sei der Einsatz in der angestammten Tätigkeit als Logistiker mittel- bis langfristig nicht erreichbar (S. 21 Ziff. 4.1). Das angestrebte berufliche Spektrum sollte eine wechselbelastende Tätigkeit aufwei
sen (S. 21 Ziff. 4.2).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer zog sich am 9. Oktober 2015 bei einem Sturz von der Treppe eine mehrfragmentäre Radiusfraktur rechts sowie eine BWK 12 Deckplat
tenimpressionsfraktur zu
und ist infolge
der Handgelenks- und Rückenfraktur
in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt,
weshalb
eine orthopädische Begutachtung
geboten ist
(vgl. vorstehend E. 3.1, E. 3.3, E. 3.4-3.5, E. 3.7-3.9).
Dies ist unbe
stritten (vorstehend E. 2.1-2.2). Ferner leidet der Beschwerdeführer
an psychi
schen Beschwerden
, die ihn
allenfalls
in seiner Arbeitsleistung mindern,
weshalb
auch
eine psychiatrische Begutachtung notwendig ist
(vgl. vorstehend E. 3.2, E. 3.4, E. 3.6, E. 3.7-3.9).
Dies ist ebenfalls unbestritten (vorstehend E. 2.1-2.2).
Strittig und zu prüfen ist
hingegen
, ob noch Begutacht
ungen in weiteren Fach
disziplinen
notwendig sind.
4
.2
Dr.
F._
führte in seiner
fachärztlich-orthopädische
n
Expertise
vom
August 2018
(E. 3.9) aus, dass sich zwar
keine Anzeichen eines noch akut vorhandenen CRPS
und sich g
rob neurologi
sche Auffälligkeiten
allenfalls im Bereich der Haut
nerven Digitus 2 rechts sowie im Bereich des Daumens
fänden,
jedoch in Bezug auf
das Residuum des CRPS sowie der Frage nach Nervenläsionen eine fachneu
r
ologische Abklärung zielführend wäre
.
Es ist deshalb nicht auszuschliessen, dass allenfalls
- dem Beschwerdeführer folgend
(vorstehend E. 2.2; vgl. Urk. 1 S. 8 Ziff. 13.3)
-
auch eine neurologische Problematik vorliegt.
4.3
Vorliegend geht es um die Erstbegutachtung des Beschwerdeführers, bei der eine direkte Auftragserteilung die Ausnahme bleibt.
Auch wenn die medizinische Si
tuation auf orthopädische und psychiatrische Fragen fokussiert erscheinen mag, so ist die Beschaffenheit der Gesundheitsproblematik noch nicht vollends gesi
chert.
Angesichts der von
Dr.
F._
erhobenen Befunde und erfolgten Beurtei
lung ist die Relevanz des Fachgebiets Neurologie nicht auszuschliessen.
Damit lässt sich jedenfalls nicht sagen, dass die medizinische Situation offenkundig höchstens zwei Fachgebiete beschlägt, weshalb die Beschwerdegegnerin ein po
lydisziplinäres Gutachten hätte anordnen müssen.
Zudem brachte der
Beschwerdeführer
vor, dass er bei seinem Hausarzt Dr.
Z._
in allgemeinärztlicher bzw. internistischer Behandlung sei, wes
halb auch ein Internist bzw. ein Allgemeinarzt als Gutachter in die Abklärung einzubeziehen sei (Urk. 1 S. 8 Ziff. 13.3). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass im Falle einer Anordnung eines polydisziplinären Gutachtens die Fachdisziplin All
gemeine/Innere Medizin immer vertreten ist (
vgl.
Kreisschreiben über das Ver
fahren in der Invalidenversicherung, KSVI, Stand
1.
Januar 2018, Rz 2077).
4.4
Da
-
wie
s
o
e
ben ausgeführt
-
der somatische und der psychische Gesundheitszu
stand abgeklärt werden müssen, der Beschwerdeführer noch nie umfassend be
gutachtet wurde und das einzuholende Gutachten für die Beurteilung der zumut
baren Leistungsfähigkeit von ausschlaggebender Bedeutung sein wird, rechtfer
tigt es sich, ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag zu geben, das nebst der psy
chiatrischen und
orthopädische
n Beurteilung eine neurologische
und
internis
tische Beurteilung enthalten kann.
Es wird Sache der Gutachtensstelle sein, die erforderlichen Fachdisziplinen definiti
v festzulegen (BGE 139 V 349 E.
3.3).
4.5
Bei dieser Ausgangslage kann offengelassen werden, ob die Beschwerdegegnerin - wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht (vorstehend E. 2.2) - den Untersu
chungsgrundsatz verletzt hat.
4.
6
Die Beschwerde ist deshalb gutzuheissen und die angefochtene Zwischenverfü
gung vom
24. Juli 2018 (Urk. 2)
aufzuheben verbunden mit der Feststellung, dass die
Beschwerdegegnerin
e
in polydisziplinäres Gutachten in Auftrag zu geben hat.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Beschwerdeverfahren kostenlos (
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG, im Umkehrschluss).
5.2
Nach
§
34
Abs.
1
des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (
§
34
Abs.
3 GSVGer).
Da der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführer
s vor Fällung des Endentscheids keine Kostennote eingereicht hat, ist die Entschädigung nach
§
7
Abs.
2 der Ver
ordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversi
cherungsgericht (GebV SVGer) nach Ermessen festzusetzen. Vorliegend erscheint beim praxisgemässen Stundenansa
tz von Fr.
220.-- eine Prozessentschädigung in der
Höhe von Fr.
2‘300.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als an
gemessen.