Decision ID: 7aa1dbbb-6b7d-44ac-b6a1-4b43d0d3586e
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger aus
B._, verliess Afghanistan eigenen Angaben zufolge im (...) 2015
und gelangte über die Türkei, Griechenland und die Vereinigten Arabischen
Emirate in die Schweiz, wo er am 22. April 2015 im Flughafen Zürich ein
Asyl-gesuch einreichte. Gleichentags wurde ihm, mit Verfügung des SEM,
die Einreise in die Schweiz vorläufig verweigert und für die Dauer von ma-
ximal 60 Tagen der Transitbereich des Flughafens als Aufenthaltsort zuge-
wiesen. Am 23. April 2015 fand im Flughafen Zürich die Befragung zur Per-
son statt. Am 30. April 2015 wurde der Beschwerdeführer gestützt auf
Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) zu seinen Asylgründen angehört.
A.b Der Beschwerdeführer führte während den Anhörungen im Wesentli-
chen aus, er habe in B._ acht Jahre lang erfolgreich eine (...)-
Fabrik geleitet. Er sei ein wohlhabender Kleinunternehmer gewesen, der
zur afghanischen Oberschicht gehört habe. So sei es immer wieder vorge-
kommen, dass er unter verschiedensten Vorwänden um Geld gebeten wor-
den sei. Im (...) 2014 sei er von den Taliban, im Auftrag eines gewissen
C._, auch als D._ bekannt, angerufen und aufgefordert wor-
den, diesem 200'000 USD zu bezahlen. Als er die Bezahlung verweigert
habe, sei ihm gedroht worden, man würde ihm schon zeigen, was passiere,
wenn er das Geld nicht zahlen würde. Eines Abends habe er entschieden,
in seiner Fabrik zu übernachten. Am folgenden Morgen, am (...) 2014 um
5.30 Uhr, seien drei bewaffnete Männer ins Gebäude eingedrungen und
hätten nach ihm gefragt. Der Beschwerdeführer sei wegen des Lärms er-
wacht und habe sich in dessen Richtung begeben. Als die drei Angreifer
ihn erkannt hätten, seien sie auf ihn zugekommen und hätten versucht, ihn
mit Gewalt unter den Augen von 20 anwesenden Mitarbeitern zu entführen.
Aufgrund der heftigen Gestik und Schreie des Beschwerdeführers und sei-
ner Mitarbeiter hätten die Täter Angst bekommen. Diese hätten ihm mit
dem Gewehrkolben auf den Kopf geschlagen, bevor sie geflüchtet seien.
Er sei bewusstlos geworden und erst zwei Tage später mit einer Kopfver-
letzung im Spital aufgewacht. Die Ärzte hätten absolute Ruhe angeordnet.
15 Tage später sei er aufgrund der besseren Behandlungsmöglichkeiten in
den Iran geschickt worden, wo er einige Monate zunächst im Spital und
anschliessend in der Wohnung seines Bruders verbracht habe. Nach vier
Monaten sei er nach B._ zurückgekehrt, um nach seiner Fabrik zu
sehen. Da er das winterliche Klima aufgrund seiner Verletzung nicht aus-
gehalten habe, sei er für weitere vier bis fünf Monate in den Iran zurückge-
kehrt. Als er danach wieder nach B._ zurückgekehrt sei, habe er
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sich bei der Polizei erkundigen wollen, ob es in seinem Fall neue Erkennt-
nisse gäbe. Auf dem Polizeiposten habe er jedoch einen der Angreifer in
ziviler Kleidung erkannt und sofort das Präsidium verlassen. Damit sei für
ihn klargeworden, dass die Täter mit der Polizei verbandelt gewesen seien.
Aus Angst vor weiteren Schwierigkeiten sei er nicht nach Hause gegangen,
sondern habe sich bei einem Freund versteckt, bis er schliesslich ausge-
reist sei.
A.c Der Beschwerdeführer gab keine Identitäts- oder Reisedokumente zu
den Akten. Er reichte dem SEM Kopien einer Geschäftslizenz der "Afghan
Investment Support Agency" und einer Mitgliedkarte der "Afghan Chamber
of Commerce" ein.
A.d Mit Verfügung vom 11. Mai 2015 – gleichentags im Flughafen Zürich
eröffnet – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flücht-
lingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegwei-
sung und deren Vollzug an. Im Rahmen seiner Entscheidbegründung ar-
gumentierte es, die Schilderung des Beschwerdeführers seien insgesamt
unglaubhaft, weil er unter anderem pauschal, stereotyp und auffallend
knapp über die Geschehnisse in Afghanistan berichtet habe. Den Wegwei-
sungsvollzug qualifizierte es als zulässig, zumutbar und möglich.
A.e Gegen diese Verfügung liess der Beschwerdeführer am 19. Mai 2015
beim Bundesverwaltungsgericht bezüglich Asyl und Wegweisungsvollzug
Beschwerde erheben. Im Rahmen seiner Beschwerdebegründung bezog
er zu den von der Vorinstanz ins Feld geführten Argumenten Stellung. So
habe er lange Ausführungen über den genauen Hergang des Überfalls ge-
macht, die zudem in allen wesentlichen Punkten übereinstimmen und viele
Realkennzeichen aufweisen würden. Die Schilderung des Überfalls sei le-
bensnah, realistisch und widerspruchsfrei ausgefallen.
A.f Mit Urteil des BVGer D-3192/2015 vom 2. Juni 2015 wurde die Be-
schwerde abgewiesen. Das Bundesverwaltungsgericht erachtete unter
weitgehender Bezugnahme auf die vorinstanzlichen Erwägungen die Vor-
bringen des Beschwerdeführers nicht als glaubhaft.
B.
B.a Mit Eingaben vom 4. Januar 2016 stellte der Beschwerdeführer durch
seinen Rechtsvertreter mit Verweis auf seine schlechte psychische Verfas-
sung ein Wiedererwägungsgesuch, auf das von der Vorinstanz mit Verfü-
gung vom 11. Januar 2016 nicht eingetreten wurde. Die Beschwerde vom
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19. Januar 2016 gegen das Nichteintreten auf das Wiedererwägungsge-
such vom 4. Januar 2016 wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil
D-388/2016 vom 9. Februar 2016 abgewiesen.
B.b Am 14. August 2017 stellte der Beschwerdeführer ein qualifiziertes
Wiedererwägungsgesuch und machte geltend, er habe bisher verschwie-
gen, im Alter von 20 Jahren von Kämpfern der Taliban gefoltert und verge-
waltigt worden zu sein. Das SEM wies das Wiedererwägungsgesuch mit
Verfügung vom 25. August 2017 ab und auf die entsprechende Be-
schwerde vom 21. September 2017 trat das Bundesverwaltungsgericht
wegen Nichteinbezahlung des eingeforderten Kostenvorschusses mit
Urteil D-5388/2017 vom 31. Oktober 2017 nicht ein.
C.
C.a Am 22. März 2019 sowie mit Ergänzung vom 18. April 2019 gelangte
der Beschwerdeführer mit einem dritten, im vorliegenden Verfahren zu be-
urteilenden Wiedererwägungsgesuch an die Vorinstanz. Dieses Wiederer-
wägungsgesuch stützte der Beschwerdeführer im Wesentlichen auf ver-
schiedene Bestätigungsschreiben, eine Anzeige seines Vaters beim Ge-
sundheitsamt, einen Spitalbericht und zwei Drohbriefe der Taliban. Hin-
sichtlich der geltend gemachten Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs reichte er weitere neu entstandene Dokumente (Schreiben, Fotos und
Ausweiskopien) ein, um den Aufenthalt seiner engen Familienangehörigen
im Iran zu belegen. Die entsprechenden Beweismittel datieren nach Ab-
schluss des ordentlichen Verfahrens.
C.b Mit Verfügung vom 1. Mai 2019 qualifizierte das SEM die Eingabe als
qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch und wies dieses ab.
C.c Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 3. Juni 2019 eine Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Dabei beantragte er, es sei
die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und Asyl zu gewähren. Eventuali-
ter sei die Vorinstanz anzuweisen, ihn vorläufig aufzunehmen. Subeventu-
aliter sei die Sache zu erneuten Prüfung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei die aufschiebende Wirkung zu gewäh-
ren, die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen sowie im rubrizierten
Rechtsanwalt ein amtlicher Rechtsbeistand zu bestellen.
D.
Am 4. Juni 2019 ordnete die damals zuständige Instruktionsrichterin einen
superprovisorischen Vollzugsstopp an. Mit Zwischenverfügung vom 5. Juli
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2019 hiess sie das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung unter der Voraussetzung des Nachreichens einer Fürsorgebestä-
tigung und das Gesuch um aufschiebende Wirkung gut. Das Gesuch um
Rechtsverbeiständung wies das Bundesverwaltungsgericht ab.
E.
Am 17. Juli 2019 reichte der Beschwerdeführer eine Nothilfebestätigung zu
den Akten. Mit Instruktionsverfügung vom 19. Juli 2019 stellte das Bundes-
verwaltungsgericht dies fest und lud gleichzeitig das SEM zur Einreichung
einer Vernehmlassung ein.
F.
In der Vernehmlassung vom 8. August 2019 nahm das SEM zur Be-
schwerde Stellung, hielt im Wesentlichen an seinen Ausführungen fest und
schloss auf Abweisung der Beschwerde.
G.
Mit der Replik vom 26. August 2019 hielt der Beschwerdeführer vollum-
fänglich an seiner Beschwerde fest.
H.
Aus organisatorischen Gründen wurde das vorliegende Verfahren auf die
im Rubrum erwähnte vorsitzende Richterin umgeteilt.
I.
Am 8. Februar 2022 lud das Bundesverwaltungsgericht im Lichte der ver-
änderten Situation in Afghanistan das SEM ein, eine weitere Vernehmlas-
sung einzureichen. Mit Verfügung vom 3. März 2022 zog das SEM seine
Verfügung vom 11. Mai 2015 teilweise in Wiedererwägung, indem es in
Würdigung aller Umstände den Wegweisungsvollzug als unzumutbar er-
klärte und deshalb die Dispositivziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfü-
gung aufhob und die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers ver-
fügte.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 15. März 2022 wurde der Beschwerdeführer
ersucht, einen allfälligen Rückzug der Beschwerde mitzuteilen, woraufhin
er am 30. März 2022 mitteilte, er würde im Asylpunkt an der Beschwerde
festhalten.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie-
dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung
auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist
das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift-
lich und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG).
3.2 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä-
gungsgesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an
eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Daneben muss auch in Konstellationen wie
der vorliegenden, in der nachträglich (nach Abschluss des ordentlichen
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Verfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht) entstandene, potentiell er-
hebliche Beweismittel eingereicht werden, welche vorbestehende Tatsa-
chen belegen sollen, der vorgebrachte Schutzbedarf im Rahmen eines
Wiedererwägungsgesuches beim SEM geltend gemacht werden (vgl.
BVGE 2013/22 E. 12.3 m.w.H.). Das SEM hat die Eingabe vom 22. März
2019 unter dem Aspekt des qualifizierten Wiedererwägungsgesuchs ge-
prüft.
3.3 Angesichts der nachfolgendenden Erwägungen zur Frage der Erheb-
lichkeit der neuen Beweismittel kann an dieser Stelle eine Auseinanderset-
zung mit der Frage unterbleiben, ob die Beweismittel rechtzeitig einge-
bracht worden sind beziehungsweise ob sie bei Beachtung der zumutbaren
Sorgfaltspflicht nicht bereits im ordentlichen Verfahren hätten eingereicht
werden müssen. Auch das SEM hat sich zu diesen Fragen nicht geäussert.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM erinnerte in seiner Begründung zunächst daran, dass sowohl
es als auch das Bundesverwaltungsgericht im Jahr 2015 zum Schluss ge-
kommen seien, dass die geltend gemachte Verfolgung in Afghanistan nicht
der Wahrheit entsprechen würde. Die im damaligen Urteil aufgeführten Un-
gereimtheiten würden durch die neuen Beweismittel nicht aufgelöst. Ferner
könne bezüglich afghanischen Dokumenten allgemein festgehalten wer-
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den, dass aufgrund der weit verbreiteten Korruption praktisch alle Doku-
mente beschaffbar seien. Der Beweiswert von afghanischen Dokumenten
sei daher als äusserst gering einzustufen. Die nachgereichten Drohbriefe
würden keine Sicherheitsmerkmale enthalten. Dies bedeute, dass sie leicht
fälschbar seien und deren Authentizität sich auf keine Weise überprüfen
lasse. Ausserdem sei nicht nachzuvollziehen, weshalb die Taliban bis 2018
zuwarten sollten, um den Beschwerdeführer zu verfolgen, und sie gleich-
zeitig seine Brüder, die ein ähnliches Profil aufwiesen, nicht belangen wür-
den. Im Übrigen seien die Angaben über Zeitpunkt, Art sowie die weiteren
Umstände der Zustellung der Drohbriefe nur allgemein ausgefallen. Auch
die nachgereichten Zeugenaussagen bezüglich des im (...) 2014 erlittenen
Überfalls würden den Eindruck von nachträglich von der Schweiz aus in
Auftrag gegebenen Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiswert hinterlassen.
Die Aussagen und Anzeige des Vaters würden nur auf unbewiesenen Par-
teibehauptungen beruhen, womit auch diesen Dokumenten kein Beweis-
wert zukomme. Ferner erscheine nicht nachvollziehbar, wieso der Vater
vier Jahre gewartet habe, um diesen angeblichen Übergriff anzuzeigen.
5.2 In der Beschwerdeschrift entgegnete der Beschwerdeführer, den ein-
gereichten Unterlagen käme Beweiswert zu. So gehe die Vorinstanz fehl,
soweit sie die Drohbriefe der Taliban a priori mangels Sicherheitsmerkmale
aus dem Recht gewiesen haben wolle. Es ergebe sich aus der Praxis des
Bundesverwaltungsgerichts, dass derartigen Dokumenten Beweiswert zu-
komme. Die Taliban hätten sodann nicht bis 2018 zugewartet, um den Be-
schwerdeführer zu bedrohen. In den Jahren 2016 und 2017 hätte der Vater
bereits Drohbriefe erhalten. Dieser habe die Schreiben aber nicht aufbe-
wahrt, weil er seinen Sohn in Sicherheit gewähnt habe. Die Angaben in
Bezug auf den Erhalt der Briefe seien zudem allgemein ausgefallen, weil
diese schriftlich gemacht worden seien. Hätte die Vorinstanz weitere Infor-
mation zum Erhalt der Briefe gewünscht, wäre es an ihr gelegen, Ergän-
zungsfragen zu stellen. Die Vorinstanz verkenne auch den Inhalt der An-
zeige beim Gesundheitsamt in B._. Diese beruhe nicht allein auf
einer Aussage seines Vaters. Vielmehr sei der Übergriff von weiteren Zeu-
gen und der Behandlung wegen der erlittenen Kopfverletzung bestätigt
worden. Der Zeitpunkt der Anfrage hänge mit der Beschaffung von neuen
Beweismitteln im Rahmen des neuen Asylverfahrens zusammen. Dies
würde an der Wahrheit der Bestätigung aber nichts ändern.
In Bezug auf das Urteil D-3192/2015 sei festzuhalten, dass dem Beschwer-
deführer keine Widersprüche vorgeworfen worden seien. Das Bundesver-
waltungsgericht habe die Unglaubhaftigkeit der Vorbringen damals unter
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anderem damit begründet, dass es nicht nachvollziehbar wäre, dass er am
Arbeitsort überfallen worden sei, wodurch viele Mitarbeiter Zeuge vom
Überfall geworden seien. Das Gericht verkenne dabei, dass die Angreifer
bewusst viele Zeugen in Kauf genommen hätten, um eine möglichst breite
Öffentlichkeit in Angst und Schrecken zu versetzen. Dies sei eine bekannte
Strategie der Taliban. Ausserdem sei längst bekannt, dass der Beschwer-
deführer aufgrund seiner Stellung als erfolgreicher Geschäftsführer einer
besonders exponierten Personengruppe angehöre, die in besonderem
Ausmass Angriffen und Schutzgelderpressungen ausgesetzt sei. Der
Überfall erscheine vor diesem Hintergrund ausgesprochen realistisch.
Im Weiteren habe die Vorinstanz versäumt, eine Gesamtwürdigung aller
Umstände und der aktuellen Beweislage vorzunehmen. Bei dieser sei an-
gesichts des Fehlens von Widersprüchen in den Aussagen, der erklärbaren
scheinbaren Ungereimtheiten sowie der neu eingereichten Unterlagen von
der Glaubhaftigkeit der flüchtlingsrechtlich relevanten Vorbringen auszuge-
hen.
Sodann habe die Vorinstanz der herabgesetzten Beweisanforderungen ge-
mäss Art. 7 AsylG nicht hinreichend Rechnung getragen, soweit diese vor-
bringe, die eingereichten Unterlagen könnten die Vorbringen nicht bewei-
sen, da sie nicht fälschungssicher wären. Es würden aber zahlreiche Do-
kumente von verschiedenen Stellen vorliegen, die zusammen mit den wi-
derspruchsfreien Aussagen klar für die Wahrheit seiner Vorbringen sprä-
chen.
5.3 In der eingereichten Vernehmlassung hielt das SEM vollumfänglich an
seinen Ausführungen fest. Insbesondere habe es den eingereichten Be-
weismitteln den Beweiswert begründet aberkannt. Somit erachtete es den
behaupteten Angriff auf den Beschwerdeführer im Jahr 2014 nach wie vor
als unglaubhaft.
5.4 In der Replik äusserte sich der Beschwerdeführer zu Aspekten hinsicht-
lich der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. In Bezug auf den Asyl-
punkt hielt er an den Ausführungen der Beschwerdeschrift fest. Am 13. No-
vember 2019 teilte er zudem mit, das in Aussicht gestellte Schreiben der
afghanischen Botschaft in Genf könne nicht eingereicht werden. Die afgha-
nische Botschaft habe jedoch mündlich bestätigt, dass die Unterlagen au-
thentisch seien.
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Seite 10
6.
6.1 Vorliegend stellt sich im Wesentlichen die Frage, ob es dem Beschwer-
deführer gelungen ist, mit den neu vorgelegten Beweismitteln glaubhaft zu
machen, dass er bei einer Rückkehr ernsthaften Nachteilen im Sinne des
Art. 3 AsylG ausgesetzt wäre. Hierzu ist zunächst zu bemerken, dass sich
das Bundesverwaltungsgericht bereits im Urteil D-3192/2015 vom 2. Juni
2015 ausführlich mit der Glaubhaftigkeit der Vorbringen auseinander ge-
setzt hat. Es kam damals zum Schluss, dass hinsichtlich des Überfalls, bei
welchem der Beschwerdeführer angeblich schwere Kopfverletzungen da-
vongetragen habe, ernsthaft zu bezweifeln sei, dass dieser so stattgefun-
den habe. So sei es etwa nicht nachvollziehbar, dass er ausgerechnet an
seinem Arbeitsort in Anwesenheit von mehreren Personen überfallen wor-
den sei. Zudem sei nicht ersichtlich, weshalb er nicht bereits früher erpresst
worden wäre, zumal sein Bruder von derselben Person bedrängt worden
sei. Ausserdem habe er nicht angeben können, weshalb ausgerechnet er
überfallen worden sei.
6.2 Nachdem sich vorliegend die Frage stellt, ob die neu entstandenen Be-
weismittel erheblich und damit geeignet sind, die aufgrund der bisherigen
Aktenlage als unglaubhaft erachteten Vorbringen als überwiegend glaub-
haft erscheinen zu lassen, ist vorab auf die zentralen Elemente einzuge-
hen, die gegen die Glaubhaftigkeit sprechen. Um Wiederholungen zu ver-
meiden, wird daher zunächst auf die weiterhin zutreffenden Erwägungen
des Urteils D-3192/2015 verwiesen. Die Glaubhaftigkeit der Vorbringen ist
aber auch aufgrund weiterer Aspekte zu verneinen. So ist zunächst zwei-
felhaft, dass der Beschwerdeführer telefonisch aufgefordert wurde,
200'000 USD zu bezahlen. Über den Anrufer und das Telefongespräch
konnte er keine detaillierten Aussagen machen. Er konnte ebenfalls nicht
schlüssig erklären, wie die Täter herausfinden konnten, über wie viel Geld
er verfügte und wo er sich am Morgen des (...) 2014 aufhielt.
Des Weiteren sind seine Ausführungen zum Überfall selbst kurz und de-
tailarm ausgefallen. Dies stellte auch das SEM zutreffend fest. Bei erleb-
nisbezogenen Schilderungen wäre aber zu erwarten, dass Handlungsab-
läufe und Inhalte von Gesprächen proaktiv, detailliert und widerspruchsfrei
wiedergegeben werden können. So widersprach er sich beispielsweise, als
er ausführte, die Täter hätten die Mitarbeiter gefragt, wer hier die Verant-
wortung habe, und ein Mitarbeiter habe auf ihn gezeigt (vgl. Anhörung F11),
und wenig später allerdings erklärte, er habe gefragt, was los wäre, und
die Täter hätten als Antwort auf ihn gezeigt und gesagt: «Da ist er ja sel-
ber!» (vgl. Anhörung F73). Gerade in Kombination mit der Substanzarmut
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des Gesamtvortrags fällt ein derartiger Widerspruch ins Gewicht. Es ist zu-
dem nur schwer nachvollziehbar, dass die Angreifer ihn bewusstlos ge-
schlagen hätten, ihn anschliessend aber nicht entführt haben sollen, wenn
sie von ihm hätten Geld erpressen wollen. Vor diesem Hintergrund leuchtet
auch gesamthaft nicht ein, dass die Täter nicht versucht hätten, ihn auf
seinem Arbeitsweg oder aus seinem Zuhause zu entführen. Seine Argu-
mentation, dies wäre aufgrund der Polizeipräsenz nicht möglich und mit
Blick auf das Abschreckungspotential aus Sicht der Taliban auch nicht wün-
schenswert gewesen, überzeugt nicht.
Ausgesprochen substanzarm und vage sind sodann seine Schilderungen
zur Situation auf der Polizeistation. Dort sei er zufällig einem Täter begeg-
net, der Zivilkleidung getragen habe. Diese Zufallsbegegnung habe ihn
veranlasst zu glauben, die Polizei und seine Angreifer würden zusammen-
arbeiten und er könne aufgrund dieser Gefahr nicht in seinem Heimatstaat
bleiben. Dies ist schon deshalb nicht nachzuvollziehen, da er schilderte,
die Täter hätten beim Überfall alle eine Polizeiuniform getragen (vgl. Anhö-
rung F54). Dementsprechend hätte er bereits infolge des Überfalls befürch-
ten müssen, dass Teile der Polizei mit C._ zusammenarbeiten
könnten. Diese gewichtige logische Unstimmigkeit vermag er nicht zu er-
klären. So bestehen bereits deswegen gewichtige Zweifel an der Glaub-
haftigkeit zentraler Elemente der Sachverhaltsdarstellung.
6.3 Mit dem vorliegenden Wiedererwägungsgesuch wurden verschiedene
Schreiben eingereicht, die den Überfall nachweisen sollen. Diese umfas-
sen unter anderen Bestätigungsschreiben von Mitarbeitern, dem Vater und
den Spitalbehörden. So bezeugten vier ehemalige Mitarbeiter, dass der
Beschwerdeführer durch vier bewaffnete Taliban schwer verprügelt worden
sei. Der Chef der Firma (...) bestätigte ebenfalls, jener sei von vier bewaff-
neten Personen geschlagen worden. In einem anderen Schreiben erklär-
ten vier weitere ehemalige Mitarbeiter, zwei bewaffnete Taliban seien am
(...) 2014 in die Firma eingedrungen und hätten ihn mit Gewalt entführen
wollen. Zwei weitere Talibankämpfer hätten beim Auto gewartet. Die Spi-
talbehörden des Kreisspitals (...) bestätigten diese letztere Aussage sowie
die Einlieferung und Behandlung des Beschwerdeführers. Der Vater
wandte sich mit einem Schreiben an die Sicherheitspolizei und sagte aus,
die Taliban hätten seinen Sohn beim Überfall sogar töten wollen. Er sei
schwer am Kopf verletzt und auch seine linke Hand respektive sein linker
Arm sei dabei so gravierend verletzt worden, dass eine Operation nötig
gewesen wäre. Der Chef des Amts (...) bestätigte, der Beschwerdeführer
habe wegen Drohungen seitens des Taliban-Kommandanten E._
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das Heimatland verlassen müssen. Auch im Schreiben des bürgerlichen
Vereins des Bezirks F._ ist die Rede von Drohungen gegen den
Beschwerdeführer. Diese Bestätigungsschreiben widersprechen grössten-
teils den Schilderungen des Beschwerdeführers, dass drei Angreifer in der
Fabrik gewesen seien und ihn hätten entführen wollen. Von einer schweren
Verletzung der Hand beziehungsweise des Arms sprach er ebenfalls an
keiner Stelle. Die Anzahl der Täter, die unmittelbar am Überfall mitgewirkt
haben, sowie die Art und Schwere der erlittenen Verletzungen sind wesent-
liche Sachverhaltselemente. Diese werden erwartungsgemäss bei erleb-
nisbasierten Aussagen nicht widersprüchlich geschildert. Dementspre-
chend sind diese Bestätigungsschreiben nicht geeignet, die Zweifel an der
Glaubhaftigkeit der Vorbringen zu beseitigen, sondern bestätigen diese
Zweifel sogar.
6.4 Mit vorliegendem Wiedererwägungsgesuch wurden ausserdem zwei
Drohbriefe der Taliban (datiert auf [...] 2018 und [...] 2018) eingereicht.
Beide sind an den Vater des Beschwerdeführers adressiert und besagen,
der Beschwerdeführer werde hingerichtet, wenn er in die Hände des Mu-
jaheddin falle.
6.4.1 Das Gericht stellt diesbezüglich fest, dass das SEM den Beweiswert
der Drohbriefe mit überzeugenden Argumenten verneint hat. So sind etwa
– wie die Vorinstanz zutreffend ausführte – die Angaben über die genauen
Umstände der Zustellung dieser Briefe äusserst vage ausgefallen, was ge-
gen die Echtheit der Drohbriefe spricht. Der Beschwerdeführer nutzte we-
der die Beschwerde noch die Replik, um genauere Ausführungen zur Echt-
heit der Drohbriefe zu tätigen und damit seine Vorbringen zu untermauern.
Ferner ist der Verweis in der Beschwerdeschrift auf das Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts E-3084/2018 vom 12. September 2018 unbehilflich,
da dieses Urteil gerade nicht die vorgebrachte These unterstützt, dass
Drohbriefen der Taliban eine allgemeine Beweiskraft zugesprochen wer-
den kann. Daher sind die vorgelegten Drohbriefe nicht geeignet, ein Ver-
folgungsinteresse seitens der Taliban zu belegen.
6.4.2 Ausserdem geht das Bundesverwaltungsgericht mit der Vorinstanz
einig, dass nicht nachvollziehbar ist, weshalb die Taliban den Beschwerde-
führer erst 2018 schriftlich bedroht haben sollten. Die Behauptung, im Jahr
2016 und 2017 hätte sein Vater bereits Drohbriefe erhalten, diese aber
nicht aufbewahrt, weil er seinen Sohn in Sicherheit wähnte, ist nicht sub-
stantiiert und als Schutzbehauptung zurückzuweisen. Ausserdem wäre bei
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einem fortbestehenden, grossen Interesse der Taliban am Beschwerdefüh-
rer zu erwarten, dass auch nach 2018 weitere Drohbriefe erstellt oder
Drohhandlungen vorgenommen worden wären. Da der Beschwerdeführer
mit seiner Familie in Kontakt steht, ist davon auszugehen, dass ihm derar-
tige Bedrohungen bekannt geworden wären und er sie dem Gericht mitge-
teilt hätte.
6.5 Nach dem Gesagten ist insgesamt festzuhalten, dass die mit dem Wie-
derwägungsgesuch neu eingereichten Beweismittel als nicht erheblich zu
qualifizieren sind, da sie nicht geeignet sind, die im ordentlichen Verfahren
als unglaubhaft erachteten Vorbringen glaubhaft erscheinen zu lassen res-
pektive eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung des Beschwerdefüh-
rers zu belegen. Dementsprechend drohen ihm im Heimatstaat keine
schweren, individuellen Nachteile, welche über die Gefährdungslage hin-
ausgehen, die wiedererwägungsweise im Rahmen der Prüfung der Zumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs von der Vorinstanz berücksichtigt
wurde. Die Vorinstanz hat demnach die Begehren um Wiederwägung der
Verfügung vom 11. Mai 2015 betreffend Flüchtlingseigenschaft und die
Asylgewährung zu Recht abgewiesen.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Nachdem die Vorinstanz den Beschwerdeführer mit ihrem Entscheid
über die teilweise Wiedererwägung vom 3. März 2022 wegen Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen hat,
stellt sich die Frage nach dem Vorliegen der weiteren Voraussetzungen für
einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung – Unzulässigkeit und Un-
möglichkeit – im vorliegenden Fall nicht, da diese Vollzugshindernisse al-
ternativer Natur sind; ist eines erfüllt, gilt der Vollzug der Wegweisung als
undurchführbar (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). Die Beschwerde ist damit be-
züglich Wiedererwägung im Wegweisungsvollzugspunkt gegenstandslos
geworden.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung –
soweit Asyl und Flüchtlingseigenschaft betreffend – Bundesrecht nicht ver-
letzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt
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(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist diesbezüglich abzuweisen. Im
Übrigen wurde die Beschwerde gegenstandslos.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens – der als hälftiges Unterliegen ein-
zustufen ist – wären dem Beschwerdeführer reduzierte Verfahrenskosten
aufzuerlegen (Art. 63 VwVG). Da das Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung mit Zwischenverfügung vom 5. Juli 2019 gutge-
heissen wurde, ist von einer Kostenauflage abzusehen.
9.2 Soweit die Vorinstanz teilweise auf seine Verfügung zurückgekommen
ist und damit die entsprechende Gegenstandslosigkeit bewirkt hat, hat der
Beschwerdeführer Anspruch auf eine Parteientschädigung für die ihm er-
wachsenen notwendigen Kosten, die vom SEM auszurichten ist (Art. 64
Abs. 1 VwVG, Art. 15 i.V.m. Art. 5 und Art. 7 Abs. 1 und 4 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Angesichts der teilweisen
Gegenstandslosigkeit ist die Parteientschädigung indessen um die Hälfte
zu reduzieren. In der Kostennote vom 30. März 2022 werden ein Aufwand
von 12.45 Stunden à Fr. 300.– und Auslagen von Fr. 29.50 geltend ge-
macht. Der ausgewiesene Aufwand ist als angemessen zu erachten. Der
ausgewiesene Stundenansatz von Fr. 300.– ist für die Bemessung der Par-
teientschädigung und des Honorars reglementskonform (vgl. Art. 10 Abs. 2
VGKE). Die Parteientschädigung ist demnach inklusive Auslagen und
Mehrwertsteuer auf gerundet Fr. 2'027.– festzusetzen und das SEM ist an-
zuweisen, dem Beschwerdeführer diesen Betrag zu entrichten.
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