Decision ID: 3179827d-7617-4b15-af66-cf2d07927c0f
Year: 2014
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt zwischen dem 31. Mai 2011 (Zeitpunkt der letzten
Rentenverfügung) und dem 23. Juli 2013 (Zeitpunkt der angefochtenen
Verfügung) nicht verändert habe, zumal sich der psychiatrische Bericht
von Dr. med. D._ vom 16. April 2013 zwar zur psychischen
Gesundheitsverfassung der Beschwerdeführerin äussere, jedoch keine
Verschlechterung derselben seit dem 31. Mai 2011 belege. Demnach
müsse eine glaubhafte Änderung der massgeblichen gesundheitlichen
Verhältnisse seit der Verfügung vom 31. Mai 2011 verneint werden,
weshalb die IV-Stelle auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom
12. Februar 2013 zu Recht nicht eingetreten sei.
7. Mit Schreiben vom 14. November 2013 teilte die Beschwerdeführerin dem
Verwaltungsgericht mit, an den gestellten Rechtsbegehren sowie den
bisherigen Ausführungen festzuhalten und im Übrigen sämtliche
Vorbringen der IV-Stelle zu bestreiten, soweit diese im Widerspruch zu
den Ausführungen der Beschwerdeführerin stünden.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten
Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
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Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung vom
23. Juli 2013, in der die IV-Stelle auf das von der Beschwerdeführerin am
12. Februar 2013 eingereichte Gesuch um berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen nicht eingetreten ist. Solche Anordnungen, die gemäss
Bundesrecht der Beschwerde an das Sozialversicherungsgericht am Ort
der IV-Stelle unterliegen, können beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden angefochten werden (vgl. Art. 49 Abs. 2 des
Verwaltungsgerichtsgesetzes [VRG; BR 370.100] i.V.m. Art. 69 Abs. 1
lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG;
SR 831.20]). Die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde fällt somit in
die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden. Als
formelle und materielle Adressatin der angefochtenen Verfügung ist die
Beschwerdeführerin von der angefochtenen Verfügung überdies
unmittelbar betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren
gerichtlicher Überprüfung. Damit ist die Beschwerdelegitimation der
Beschwerdeführerin zu bejahen (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 des
Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]). Auf
deren im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
demzufolge einzutreten (Art. 60 und 61 lit. b ATSG).
2. Mit Verfügung vom 31. Mai 2011 hob die IV-Stelle die Verfügung vom
30. September 2008 auf und wies das Leistungsbegehren der
Beschwerdeführerin vom 31. Mai 2007 ab. Am 12. Februar 2013 reichte
die Beschwerdeführerin bei der IV-Stelle abermals ein Gesuch um
berufliche Integration und Rentenleistungen ein. Auf diese Neuanmeldung
trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 23. Juli 2013 nicht ein.
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a) Eine Neuanmeldung, wie die vorliegend in Frage stehende, sowie ein
Gesuch um Rentenrevision im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG stellen
nach gefestigter Rechtsprechung zwar nicht identische, aber ähnliche
Rechtsinstitute dar, insoweit beide auf eine erneute Prüfung eines
Leistungsanspruchs aufgrund veränderter Verhältnisse zielen (BGE 133 V
108 E.5.2, 117 V 109 E.3a, 109 V 108 E.2b). Dementsprechend knüpft
Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201) das Eintreten auf eine Neuanmeldung an dieselben
Voraussetzungen, wie sie im Falle eines Revisionsgesuchs gemäss
Art. 87 Abs. 2 IVV zu beachten sind. Laut dieser Bestimmung hat die
versicherte Person in ihrem Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass
sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise
geändert hat. Die entsprechenden Voraussetzungen gelten analog, wenn
Eingliederungsmassnahmen strittig sind (BGE 109 V 122 E.3a; Urteil des
Bundesgerichts I 249/01 vom 16. Oktober 2003 E.2). Mit dieser Regelung
soll verhindert werden, dass sich die zuständige IV-Stelle fortwährend mit
gleichlautenden und nicht näher begründeten Begehren zu befassen hat
(BGE 133 V 108 E.5.3.1, 130 V 71 E.3.2.3).
b) Nach ständiger Rechtsprechung ist eine erhebliche Änderung im Sinne
von Art. 87 Abs. 2 IVV primär zu bejahen, wenn die gesundheitliche
Verfassung der versicherten Person eine anspruchserhebliche Änderung
erfahren hat. Anlass für eine abermalige Prüfung eines
Leistungsgesuches besteht jedoch ebenfalls, wenn sich etwa die
erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen
Gesundheitszustandes erheblich verändert haben oder eine andere Art
der Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt (BGE 130 V 343 E.
3.5; Urteile des Bundesgerichts 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E.3.1.1,
9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E.1.2, I 554/05 vom 3. Januar 2006
E.2.1, I 212/03 vom 28. August 2003 E.2.2.3). Als Vergleichsbasis für die
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Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss des aktuellen
Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche Änderung des
Invaliditätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige Verfügung,
welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine
Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustandes)
beruht (BGE 133 V 108 E.5.4; vgl. auch SVR 2010 IV Nr. 54 S. 167 E.2.1,
Urteile des Bundesgerichts 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E.3.1.2,
9C_418/2010 vom 20. August 2011 E.3.1; SVR 1996 IV Nr. 70 S. 404).
c) Dass sich der massgebliche Sachverhalt in dieser Weise verändert hat,
hat die versicherte Person allerdings nur glaubhaft zu machen, um die IV-
Stelle zu veranlassen, auf eine Neuanmeldung einzutreten. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist unter Glaubhaftmachen kein
Beweis nach dem im Sozialversicherungsrecht allgemein massgebenden
Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu verstehen. Die
Beweisanforderungen sind herabgesetzt, indem nicht im Sinne eines
"vollen Beweises" die Überzeugung der Verwaltung begründet zu werden
braucht, dass seit der letzten, rechtskräftigen Entscheidung tatsächlich
eine relevante Änderung eingetreten ist. Es genügt vielmehr, dass für den
geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstand wenigstens gewisse
Anhaltspunkte sprechen, auch wenn noch mit der Möglichkeit zu rechnen
ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete
Sachverhaltsänderung nicht erstellen lassen (vgl. dazu: das Urteile des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 238/02 vom 20. März 2003
E.2.1, I 294/98 vom 3. Januar 2000 E.1 m.w.H.). Dieser Beweis ist indes
nicht erbracht, wenn in neuen Berichten von ärztlichen oder anderen
Fachleuten nur der bereits bekannte, im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenverfügung gegebene Sachverhalt anders bewertet wird und daraus
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andere Schlussfolgerungen gezogen werden als im früheren
Verwaltungs- und/oder Beschwerdeverfahren. Erforderlich sind neue
Elemente tatsächlicher Natur, die nach der ursprünglichen
Rentenverfügung eingetreten und zu dem damals gegebenen Sachverhalt
hinzugekommen sind oder diesen verändert haben (Urteil des
Bundegerichts 8C_55/2007 vom 20. November 2007 E.2.1, Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 484/00 vom 21. März 2001
E.1b/bb).
3. Mit der letzten rechtskräftigen Verfügung vom 31. Mai 2011 hob die IV-
Stelle die Rentenverfügung vom 30. September 2008 auf und wies das
Begehren der Beschwerdeführerin vom 31. Mai 2007 um Bezug von
Versicherungsleistungen ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen
aus, die Beschwerdeführerin habe zuletzt als Betriebsmitarbeiterin in der
Nahrungsmittelindustrie gearbeitet. Laut ihren Angaben handle es sich
hierbei um eine körperlich mittelschwer belastende Tätigkeit, für die aus
Sicht der Gutachter seit Februar 2007 eine zeitlich und leistungsmässig
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestehe. Auch in jeglichen körperlich
leichten bis mittelschweren Tätigkeiten, wo eine Hebe- und Traglimite von
15 kg nur ausnahmsweise überschritten werde, liege seit Februar 2007
eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit vor
(vgl. IV-act. 133 S. 2). Diese Ausführungen stützen sich in erster Linie auf
das interdisziplinäre Gutachten des ABI vom 10. Januar 2011, das sich
eingehend mit der gesundheitlichen Verfassung der Beschwerdeführerin
und den hiermit verbundenen Auswirkungen auf deren Arbeitsfähigkeit
auseinandersetzt (IV-act. 123). Demzufolge beruht die letzte
rechtskräftige Verfügung der IV-Stelle auf einer umfassenden materiellen
Prüfung des Leistungsanspruchs der Beschwerdeführerin mit
rechtskonformer Sachverhaltsabklärung und Beweiswürdigung. Auf die
Ermittlung der erwerblichen Situation konnte die IV-Stelle verzichten, weil
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sie die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als zu 100 %
arbeitsfähig einstufte. Folglich bildet die Verfügung der IV-Stelle vom
31. Mai 2011 den zeitlichen Referenzpunkt zur Prüfung einer
anspruchserheblichen Änderung im Sinne von Art. 87 Abs. 3 IVV.
4. Nachfolgend ist demnach zu prüfen, ob es aufgrund der Aktenlage
glaubhaft erscheint, dass die gesundheitliche Verfassung der
Beschwerdeführerin und deren Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seit
dem 31. Mai 2011 bis zum Abschluss des vorinstanzlichen Verfahrens am
23. Juli 2013 eine rechtserhebliche Änderung erfahren hat. Um diese
Frage beantworten zu können, ist anschliessend zunächst darzulegen,
von welcher Sachlage die IV-Stelle in der Verfügung vom 31. Mai 2011
ausgegangen ist, wobei hierfür auf das Gutachten des ABI vom
10. Januar 2011 abgestellt werden kann, dem die IV-Stelle volle
Beweiskraft zuerkannte. Der daraus ersichtlich werdende
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und die hiermit
verbundenen Auswirkungen auf deren Arbeitsfähigkeit sind alsdann mit
der diesbezüglich am 23. Juli 2013 bestehenden Sachlage zu
vergleichen, wie sie aus den eingereichten Unterlagen hervorgeht.
a) Im Gutachten des ABI vom 10. Januar 2011 stellten Dr. med. E._,
Fallführung, FMH Orthopädische Chirurgie, Dr. med. F._, FMH
Psychiatrie und Psychotherapie, sowie Dr. med. G._, FMH Innere
Medizin, keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie anamnestisch
chronische Schulter-Arm-Hand-Schmerzen (ICD-10: M 79.60 [klinisch und
bildgebend keine Hinweise für wesentliche Strukturalterationen, deutliche
Symptomausweitung und inadäquat wirkendes Schmerzverhalten]),
Adipositas (vgl. act. IV- 123 S. 11) und eine Medikamenten-
Malcompliance (ICD-10: Z 91.1). Davon ausgehend erachteten sie die
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Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Betriebsmitarbeiterin in der Nahrungsmittelindustrie und in anderen
körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeiten als zu 100 % arbeits-
und leistungsfähig. Auch im Haushalt liessen sich keine Einschränkungen
begründen (IV-act. 123 S. 27).
Zur Begründung dieser Einschätzung führte Dr. med. F._ aus
psychiatrischer Sicht im Wesentlichen aus, die Beschwerdeführerin
erachte sich wegen Schmerzen im rechten Arm, in den Schultern sowie
im Nacken rechts und der beeinträchtigten Bewegungsfähigkeit vor allem
in der Hand als nicht mehr arbeitsfähig. Das Ausmass der Beschwerden
und die Krankheitsüberzeugung der Beschwerdeführerin, nicht mehr
arbeiten zu können, liessen sich durch die somatischen Befunde indes
nicht objektivieren, sodass eine psychische Überlagerung angenommen
werden müsse. Die Beschwerdeführerin habe bei der Untersuchung eine
deutlich nach aussen gerichtete, dramatisierende Beschwerdeschilderung
gezeigt. Der Ehemann sei gemäss Angaben der Beschwerdeführerin
ebenfalls arbeitsunfähig und beziehe eine IV-Rente. Der ältere der beiden
noch zu Hause wohnenden Söhne habe es bisher nicht geschafft, eine
berufliche Ausbildung zu absolvieren, und habe gemäss Angaben der
Beschwerdeführerin ebenfalls psychische Probleme. Somit könnten
soziale Belastungen als Ursache einer psychischen Erkrankung postuliert
werden. Die Beschwerdeführerin gebe auch an, wegen
Schwindelbeschwerden immer wieder zu stürzen, weshalb diagnostisch
an eine gemischte dissoziale Störung gedacht werden müsse (IV-act. 123
S. 13). Angesichts der Schilderung der Beschwerdeführerin könnte
zusätzlich eine leichte depressive Episode mit depressiver Verstimmung,
erhöhter Ermüdbarkeit, Antriebsstörung und Schlafstörungen postuliert
werden. Diese Diagnosen könnten jedoch aufgrund des
Observationsmaterials mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
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ausgeschlossen werden, wo sich die Beschwerdeführerin entgegen ihren
diesbezüglichen Angaben bei verschiedenen Aktivitäten, auch im Kontext
mit anderen Personen, vollkommen unauffällig verhalte (IV-act. 123
S. 14). Die Beschwerdeführerin sei sodann seit einigen Monaten in
psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung bei Dr. med. H._
und erhalte eine antidepressive Medikation. Der Serumspiegel des
verordneten Antidepressivums würde jedoch unterhalb der
Nachweisgrenze liegen (IV-act. 123 S. 14). Dies sei ein Hinweis darauf,
dass die Beschwerdeführerin ihre Medikamente entgegen ihren Angaben
nicht einnehmen würde. Aufgrund des Überwachungsmaterials sei davon
auszugehen, dass auch weitere ihrer Angaben nicht zutreffen würden.
Differenzialdiagnostisch käme eine artifizielle Störung, eine Simulation
und eine Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen
(Rentenneurose) in Frage (IV-act. 123 S. 15). Das Verschwinden der
Symptome in unbeachteten Augenblicken (hier bei der Überwachung)
weise auf eine Simulation hin, komme variabel indes ebenfalls bei
artifiziellen Störungen vor und spreche gegen eine Entwicklung
körperlicher Symptome aus psychischen Gründen. Bei einer artifiziellen
Störung bestehe eine absichtlich hervorgerufene Symptombildung bei
bewusstseinsferner Motivation, wohingegen bei der Simulation
Symptombildung und Motivation bewusst seien. Als direkter sekundärer
Krankheitsgewinn käme bei der Beschwerdeführerin vor allem die
Versicherungsleistung (IV-Rente) in Frage. Eine Diagnose mit
Krankheitswert könne unter den gegebenen Umständen nicht gestellt
werden. Am ehesten handle es sich um eine Simulation. Die
Beschwerdeführerin könne trotz der anlässlich der Untersuchung
beklagten Beschwerden normale Tätigkeiten ausführen, wie das
Überwachungsmaterial eindrücklich zeige (IV-act. 123 S. 15).
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Diese Angaben ergänzte Dr. med. E._ im Gutachten des ABI vom
10. Januar 2011 aus orthopädischer Sicht dahingehend, als er nach einer
eingehenden Untersuchung der Beschwerdeführerin und der Analyse der
ihm vorliegenden Untersuchungsbefunde (vgl. IV-act. 123 S. 17-19)
ausführte, die von der Beschwerdeführerin angegebene
Funktionslosigkeit des rechten Armes könne durch objektivierbare
Befunde kaum erklärt werden (IV-act. 123 S. 21). Es bestehe eine
erhebliche Diskrepanz zwischen den anamnestischen Schilderungen
einer weitgehenden Funktionslosigkeit des rechten Armes und den
objektivierbaren Befunden sowie den Schmerzäusserungen anlässlich der
Untersuchung vom 15. November 2010. Wiederholt könne auch eine
deutliche Selbstlimitation beobachtet werden, explizit bei der
Kopfbewegung, aber auch am rechten Arm der verschiedentlich deutlich
besser eingesetzt werde, als dies gemäss den Angaben der
Beschwerdeführerin möglich sei. Besonders auffallend sei der Umstand,
dass sowohl am Ober- als auch am Unterarm symmetrische Umfänge
gemessen werden könnten, was mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf
hindeute, dass der rechte Arm im Alltag regelmässig eingesetzt werde, da
nach über dreijähriger Inaktivität ansonsten zwingend eine deutliche
muskuläre Atrophie sichtbar sein müsste (IV-act. 123 S. 20 f.). Auch
ansonsten bestünden keine Hinweise auf trophische Veränderungen im
Sinne einer CRPS, wie es im Anfangsstadium offenbar bestanden habe.
Erst kürzlich seien Bilder der linken Schulter und der linken Hand
angefertigt worden, offenbar als Folge eines daselbst erlittenen Traumas
(IV-act. 123 S. 21). Eine neu angefertigte Übersichtsaufnahme der
rechten Hand zeige konventionell-radiologisch unauffällige Befunde.
Insbesondere könne keine wesentliche Demineralisation des Knochens
erkannt werden, wie sie bei einer ausgeprägten Inaktivität fast
zwangsläufig zu finden sein müsste. Die Beschwerdeführerin habe zuletzt
als Betriebsmitarbeiterin in der Lebensmittelindustrie gearbeitet. Dabei
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handle es sich gemäss ihren eigenen Angaben um eine mittelschwer
belastende Tätigkeit, für die rein aufgrund der objektivierbaren Befunde
von Seiten des Bewegungsapparates eine zeitlich und leistungsmässig
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit postuliert werden könne (IV-act. 123
S. 21). Das nachträglich von der IV-Stelle zur Verfügung gestellte
Bildmaterial, das anlässlich einer Observation an mehreren Tagen im Juni
2010 angefertigt worden sei, bestätige die Einschätzung, wonach keine
organisch bedingten relevanten Funktionseinschränkungen des rechten
Armes oder der rechten Hand bestehen würden. Auf den Filmsequenzen
sei beispielsweise sichtbar, wie die Beschwerdeführerin mit der rechten
Hand ein Auto aus einer Einfahrt winke, selbst ein Auto steuere, einer
Bekannten zur Begrüssung ganz unauffällig die rechte Hand gebe oder
mit beiden Händen Einkäufe verstaue und später die Tasche trage. Dabei
sei nie die Handgelenksmanschette sichtbar, welche die
Beschwerdeführerin gemäss ihren Angaben bei der Begutachtung im
Alltag fasst immer trage. Das Verhalten anlässlich der orthopädischen
Untersuchung müsse aufgrund dieses Bildmaterials als zumindest stark
selbstlimitiert beurteilt werden (IV-act. 123 S. 23).
b) Die Beschwerdeführerin hat in der Neuanmeldung vom 12. Februar 2013
und im Einwand vom 25. März 2013 eine Verschlechterung dieses
Gesundheitszustandes und der gestützt darauf angenommenen
100%igen Arbeitsfähigkeit geltend gemacht. Dabei stützte sie sich in
erster Linie auf die Arztberichte von Dr. med. C._ (IV-act. 161), Dr.
med. I._ (IV-act. 167) und Dr. med. D._ (IV-act. 168).
Der langjährige Hausarzt der Beschwerdeführerin, Dr. med. C._,
Facharzt für Allgemeine Medizin, hielt in seinem Arztbericht vom
28. November 2012 fest, bei der Beschwerdeführerin seien seit dem
8. April 2011 zusätzlich rezidivierende Schwindelbeschwerden mit zentral
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vestibulärer Komponente, Differentialdiagnose Lagerungsschwindel,
aufgetreten. Die Beschwerdeführerin sei deshalb wiederholt gestürzt,
weshalb sie vom 18. Januar bis zum 18. März 2012 zu 100 %, vom
19. April bis zum 20. Mai 2012 zu 100 %, vom 21. Mai bis zum 17. Juni
2012 zu 70 % sowie vom 18. Juni bis zum 15. Juli 2012 zu 50 %
arbeitsunfähig gewesen sei. Diesem Arztbericht legte Dr. med. C._
die ihm seit dem 8. April 2011 zugegangenen Arztberichte bei
(Handchirurgische Sprechstunde vom 31. Mai 2011 mit unklaren
Schmerzen und Bewegungseinschränkungen der Hand rechts bei
leichtem demyelisierendem Karpaltunnelsyndrom rechts; den Bericht von
Dr. med. K._ vom 21. Juni 2011 mit der Diagnose eines
progredienten Karpaltunnelsyndroms rechts; den Bericht von Dr. med.
L._ vom 28. Juni 2011 mit der Diagnose einer ausgeprägten
chronischen Obstipation; MRI LWS vom 29. August 2011, veranlasst
durch den Neurochirurgen Dr. med. M._ mit der Diagnose einer
Diskopathie L5/S1 mit zirkulärer Diskusprotrusion und kleinen
Anulusrissen; den Bericht von Dr. med. L._ mit der Diagnose eines
Helicobacter pylori Gastritis; den Bericht von Dr. med. N._ vom
20. September 2012 mit der Diagnose von rezidivierenden
Schwindelbeschwerden; den Bericht von Dr. med. I._ bezüglich der
chronischen zervikal und lumbal betonten Rückenbeschwerden im
Rahmen eines Panvertebralsyndroms und schliesslich die bei den
rezidivierenden Stürzen durchgeführten Röntgenuntersuchungen LWS
ap/seitlich vom 8. Mai 2012 und Beckenübersicht ap und LWS ap/seitlich
vom 26. Januar 2012).
Dr. med. I._, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie FMH,
ergänzte diese Angaben in ihrem Arztbericht vom 3. April 2013 aus
rheumatologischer Sicht dahingehend, als sie bei der Beschwerdeführerin
seit dem 5. März 2012 ein chronisches cervical und lumbal betonten
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Panvertebralsyndrom (Tendenz zu Generalisation mit
Halbseitensymptomatik rechts, Wirbelsäulenfehlform und –fehlhaltung,
muskuläre Dysbalance, degenerativen Wirbelsäulenveränderungen, MRI
LWS 08/2011: Diskopathie L5/S1, keine Nervenwurzelkompression, MRI
LWS 01/2012: V.a. Spondylolyse L5/S1), posttraumatisch persistierende
Schmerzen am Handgelenk, eine Depression (psychosoziale
Belastungssituation [Krankheit des Ehemannes]) sowie Eisenmangel
diagnostiziert habe. Durch das chronische cervical und lumbal betonte
Panvertebralsyndrom sei die Beschwerdeführerin vor allem in ihrer
lumbalen Belastbarkeit eingeschränkt, so dass sie körperlich
mittelschwere bis schwere Tätigkeiten nicht mehr durchführen könne.
Daneben bestünden weiterhin posttraumatisch bedingte Schmerzen am
Handgelenk nach einer Kontusion des Handgelenkes im Jahr 2006. Seit
längerem bestehe auch eine Depression, die sich aufgrund der
chronischen Schmerzsymptomatik und im Rahmen einer psychosozialen
Belastungssituation entwickelt habe. Die Beschwerdeführerin weine oft
während der Untersuchung und wirke niedergeschlagen. Sie gehe davon
aus, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin insbesondere
durch deren psychische Verfassung massiv eingeschränkt sei. Aus rein
rheumatologischer Sicht sei die Beschwerdeführerin für eine leichte,
wechselbelastende Tätigkeit sicherlich teilarbeitsfähig. Der Grad der
Arbeitsunfähigkeit sei hier schwierig abzuschätzen, da die Einschränkung
vor allem durch die depressive Entwicklung bedingt sei. Die
Teilarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin dürfte zwischen 30 und 50 %
liegen.
Der behandelnde Psychiater der Beschwerdeführerin, Dr. med. D._,
Oberarzt der Psychiatrischen Dienste Graubünden, Klinik O._, hielt
in seinem Arztbericht vom 16. April 2013 sodann fest, die
Beschwerdeführerin seit dem 14. Juli 2011 zu behandeln. Als sie mit der
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Behandlung begonnen habe, habe sie ein Spektrum von depressiven
Symptomen aufgewiesen, welches die Kriterien einer schweren
depressiven Episode nach ICD-10: F 33.2 erfüllt hätten. Die schon
damals bei Dr. med. H._ begonnene Antidepressiva-Therapie mit
Efexor, sehr niedrig dosiert, sei im Laufe der Behandlung optimiert
worden. Aktuell bekomme die Beschwerdeführerin 330 mg Efexor, 300
mg Seroquel, 20 mg Esomep, Temesta als Bedarfsmedikation und
diverse Schmerzmedikamente. Zusätzlich klage die Beschwerdeführerin
über Zwangsgedanken und Zwangshandlungen, welche meistens im
Bereich Sauberkeit und Ordnung angesiedelt seien. Diese Symptome
hätten sich unter der medikamentösen Behandlung verbessert, würden
jedoch phasenweise wieder auftreten. Die Beschwerdeführerin komme
seit 2011 regelmässig ein- bis zweimal monatlich zur psychiatrischen
Behandlung. Sie erscheine öfters in einem sehr bedrückten,
niedergeschlagenen Zustand, begleitet von Ratlosigkeit, sozialem
Rückzug und ausgeprägten Schlafstörungen, öfters auch von latenten
Suizidgedanken. Im Laufe der Behandlung sei die Beschwerdeführerin
mehrfach dekompensiert. Sie hätte sich jedoch nie einer stationären
Behandlung unterzogen, da sie sich zu Hause um ihren im Rollstuhl
sitzenden Ehemann kümmern müsse. Aufgrund des chronifizierten
psychischen und somatischen Zustandes der Beschwerdeführerin
bestünde aus psychiatrischer Sicht eine verminderte Belastbarkeit und
kognitive Einbussen. Der Grad der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin sei schwer abzuschätzen, da die körperlichen
Beschwerden eine grosse Rolle spielen würden. Besondere
Bedingungen, wie schwere Arbeit, stressauslösende Tätigkeiten und
Schichtarbeit sollten vermieden werden. Rein theoretisch könne die
Beschwerdeführerin unter diesen Umständen aus psychiatrischer Sicht
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt bis zu 50 % integriert werden (IV-
act. 167).
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c) Med. pract. P._, Gruppenleiter RAD Ostschweiz, setzte sich in den
Abschlussbeurteilungen vom 18. Februar 2013 und 10. Juli 2013
eingehend mit den vorangehend auszugsweise wiedergegebenen
Arztberichten und den Unterlagen, welche der Hausarzt der
Beschwerdeführerin seinem Bericht beigelegt hatte, auseinander (vgl. IV-
act.169).
In der erstgenannten Abschlussbeurteilung hielt der RAD-Arzt P._ im
Wesentlichen fest, die Beschwerdeführerin habe praktisch zeitgleich mit
der Aufhebung der Rente im Kantonsspital Graubünden Dr. med.
Q._ konsultiert. Diese halte in ihrem Arztbericht vom 31. Mai 2011
fest, die Beschwerdeführerin von November 2006 bis März 2008
behandelt zu haben. Im Mai 2011 habe sie sich mit denselben
Beschwerden wieder gemeldet und geklagt, die rechte Hand im Alltag
nicht einsetzen zu können. Die Untersuchung der rechten Hand der
Beschwerdeführerin sei bei praktisch ubiquitären Schmerzen relativ
unergiebig ausgefallen. Sie könne keine genaue Ursache der
Beschwerden eruieren. Auffallend sei jedoch eine fehlende
Umfangsdifferenz im Bereich der Vordermuskulatur, was doch für einen
Einsatz der rechten Hand im Alltag spreche. Die von der
Beschwerdeführerin konsultierte Handspezialistin stelle die beklagte
Funktionseinschränkung folglich in Frage. Im Bericht von Dr. med.
K._ vom 21. Juni 2011 werde sodann ein leichtes CTS beschrieben.
Auch im MRI LWS vom 29. August 2011 würden sich keine Hinweise für
eine organische Genese eines nachvollziehbaren LWS-Syndroms finden;
die dokumentierten Veränderungen würden im Prinzip den degenerativen
Veränderungen entsprechen, an denen der Grossteil der 40-Jährigen
"leide". Die Konsultationen des Gastroenterologen Dr. med. L._ vom
16. April 2012 würden ausser funktionellen Beschwerden nichts wirklich
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Neues ergeben. Die HNO-Untersuchung des Schwindels lasse darauf
schliessen, dass mittels der Lagerungsübungen (Vestibularis-Training)
eine genügende Besserung habe erzielt werden können, womit die von
Dr. med. C._ postulierte Verschlechterung des Gesundheitszustands
der Beschwerdeführerin nicht dauerhaft sei.
In Bezug auf die nachgereichten Arztberichte von Dr. med. I._ und
Dr. med. D._ führte der RAD-Arzt P._ in seiner
Abschlussbeurteilung vom 10. Juli 2013 ergänzend aus, Dr. med. I._
gehe von einer in erster Linie durch die Psyche bedingten Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus. Dennoch schränke sie
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf eine leichte körperliche
Tätigkeit mit einer Teilarbeitsfähigkeit von 30-50 % ein, ohne indes
Leistungstests durchgeführt zu haben. Deshalb bescheinige sie der
Beschwerdeführerin auch Schmerzen im rechten Handgelenk, obgleich
aufgrund des Observationsergebnisses klar sei, dass die
Beschwerdeführerin die rechte Hand im Alltag selbst für schwere Arbeiten
einsetzen könne. Aus Sicht des RAD sei der fragliche Arztbericht nicht
geeignet, eine Verschlechterung der gesundheitlichen Verfassung der
Beschwerdeführerin zu belegen. Hinsichtlich des Arztberichts von
Dr. med. D._ sei zu beachten, dass dieser die psychosoziale
Situation der Beschwerdeführerin seit 2011 beschreibe. Auffallend sei
auch hier, dass der behandelnde Arzt davon ausgehe, dass der Ehemann
auf den Rollstuhl angewiesen und stuhlinkontinent sei. Der Psychiater
bestätige überdies, dass der Grad der Arbeitsunfähigkeit schwer
abzuschätzen sei, da die körperlichen Beschwerden eine grosse Rolle
spielen würden. Dass die finanzielle Situation ein Belastungsfaktor sei, sei
unbestritten. Die ärztlichen Atteste würden allesamt auf Hören-Sagen der
Beschwerdeführerin und sicherlich nicht auf einem objektiv
nachgewiesenen Leistungsverlust beruhen. Dies wiege umso schwerer,
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als die Beschwerdeführerin schon einmal aufgrund organisch nicht
nachweisbarer Beschwerden eine ganze IV-Rente erhalten habe.
d) Diese Ausführungen des RAD-Arztes basieren auf der Kenntnis der
gesamten Vorakten und leuchten in der Beurteilung der medizinischen
Situation sowie den daraus gezogenen Schlussfolgerungen ein.
In der Tat klagte die Beschwerdeführerin bereits gegenüber den ABI-
Gutachtern über Schmerzen im rechten Arm, in den Schultern, im Nacken
rechts, einer beeinträchtigte Bewegungsfähigkeit vor allem in der rechten
Hand und über Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit und
Beeinträchtigung des Schlafes. Diese Beschwerden führen jedoch nach
Auffassung der ABI-Gutachter zu keiner Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Zu diesem Schluss gelangten
diese nach dem Studium der Vorakten, der eingehenden Exploration der
Beschwerdeführerin und der Kenntnisnahme des Observationsmaterials,
wonach sich die Beschwerdeführerin entgegen ihren Angaben in
verschiedenen Situationen vollkommen unauffällig verhielt und keine
Anzeichen für eine Beeinträchtigung der funktionellen Leistungsfähigkeit
erkennbar waren. Dieses Verschwinden der behaupteten
Krankheitssymptome in unbeobachteten Augenblicken bestärkte den ABI-
Gutachter Dr. med. E._ in seiner Einschätzung, wonach keine
organisch bedingten relevanten Funktionsbeeinträchtigung des rechten
Arms oder der rechten Hand bestünden, und bewegte den ABI-Gutachter
Dr. med. F._, jede psychiatrische Diagnose mit Krankheitswert
auszuschliessen. Dr. med. I._ und Dr. med. D._ kennen das
fragliche Bildmaterial nicht und stellen bei ihrer Diagnose ausschliesslich
auf die Angaben der Beschwerdeführerin ab, die sich seit dem
Unfallereignis vom 15. September 2006 als zu 100 % arbeitsunfähig
erachtet und nach der gutachterlichen Feststellung absichtlich Symptome
- 21 -
hervorruft, die eine solche funktionelle Beeinträchtigung zu begründen
vermögen. Mit dem RAD-Arzt P._ ist festzuhalten, dass unter diesen
Umständen Arztberichte, in welche die interessierende Arbeitsunfähigkeit
aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin festgelegt wird, ohne
diese mittels Leistungstest zu objektiveren, nicht geeignet sind, eine
Verschlechterung der gesundheitlichen Verfassung der
Beschwerdeführerin glaubhaft zu machen. Durch die Aussagen, dass die
Hauptsache der Arbeitsunfähigkeit ausserhalb ihres Fachgebiets liege,
lassen sowohl Dr. med. I._ wie auch Dr. med. D._ im Übrigen
erkennen, dass innerhalb ihres Fachgebiets wenig für die
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin spricht. Soweit sie die
psychosoziale Belastungssituation der Beschwerdeführerin als
Mitursache für deren gesundheitliche Probleme ansehen, ist anzumerken,
dass die Invalidenversicherung eine durch soziokulturelle Umstände
bedingte Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes nicht versichert.
Deshalb braucht es zur Annahme einer Invalidität ein medizinisches
Substrat, das fachärztlich schlüssig festgestellt wird und
nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich
beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und/oder soziokulturelle Faktoren
im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild
mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte
psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Mit anderen
Worten darf das klinische Beschwerdebild nicht einzig in
Beeinträchtigungen bestehen, welche von belastenden soziokulturellen
Faktoren herrühren, sondern davon abweichende psychiatrisch zu
unterscheidende Befunde zu umfassen hat, z.B. eine von depressiven
Verstimmungszuständen klar zu unterscheidende andauernde
Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren
psychischen Leidenszustand (vgl. BGE 139 V 547 E.7.1, 127 V 294 E.5a;
Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 663/00 vom
- 22 -
10. Dezember 2001). Dr. med. I._ und Dr. med. D._ erheben in
Form eines chronifizierten Schmerzsyndroms ohne organisch bedingte
relevante Funktionsbeeinträchtigung im Wesentlichen Befunde, welche
durchaus in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre
hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, womit ein
invalidisierender Gesundheitsschaden zu verneinen ist. All diese
Umstände lassen den Schluss zu, dass Dr. med. I._ und
Dr. med. D._ in ihren Arztberichten einen im Wesentlichen
unveränderten Gesundheitszustand neu beurteilen.
Diese Einschätzung wird dadurch bestätigt, dass der langjährige Hausarzt
der Beschwerdeführerin, Dr. med. C._, in seinem Arztbericht vom
28. November 2012 als im massgeblichen Zeitraum neu hinzugetretene
gesundheitliche Beeinträchtigung einzig rezidivierende
Schwindelbeschwerden mit zentral vestibulärer Komponente,
Differentialdiagnose Lagerungsschwindel, anführt. Im Hinblick auf diese
Beschwerden ist zunächst festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin
bereits gegenüber dem ABI-Gutachter, Dr. med. F._, angegeben
hatte, wegen Schwindelbeschwerden immer wieder zu stürzen, weshalb
dieser eine gemischte dissoziative Störung als möglichen Grund solcher
Beschwerden in Betracht gezogen, diese Diagnose jedoch in der Folge
verworfen hat. Im Weiteren hielt Dr. med. E._ im Gutachten des ABI
vom 10. Januar 2011 fest, kürzlich seien Bilder der linken Schulter und
der linken Hand angefertigt worden, offenbar als Folge eines dasselbst
erlittenen Traumas. Diese Ausführungen im Gutachten des ABI vom
10. Januar 2011 deuten darauf hin, dass die Beschwerdeführerin bereits
ursprünglich an Schwindelbeschwerden gelitten hat. Wie es sich
diesbezüglich verhält, kann jedoch offengelassen werden, da, wie der
RAD-Arzt P._ überzeugend darlegt, die fraglichen Beschwerden
- 23 -
mittlerweile erfolgreich behandelt werden konnten und die
Beschwerdeführerin nicht mehr beeinträchtigen.
e) Damit kann zusammenfassend festgehalten werden, dass die
eingereichten Arztberichte zur Hauptsache nur den bereits bekannten, im
Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung gegebenen Sachverhalt
anders bewerten und daraus andere Schlussfolgerungen ziehen als im
früheren Verwaltungsverfahren. Anders dürfte es sich allenfalls bezüglich
der Schwindelbeschwerden der Beschwerdeführerin verhalten. Diese
konnten jedoch bereits vor der Neuanmeldung erfolgreich behandelt
werden, weshalb sie die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht
mehr beeinträchtigen. Die Beschwerdeführerin hat somit keine
rechtserheblichen Elemente tatsächlicher Natur vorgebracht, die nach
dem 31. Mai 2011 eingetreten und zu dem damals gegebenen
Sachverhalt hinzugekommen sind oder diesen verändert haben.
Folgerichtig ist die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung auf die
Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom 12. Februar 2013 nicht
eingetreten. Die dagegen erhobene Beschwerde erweist sich demzufolge
als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
5. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei
Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen
vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61 lit. a
ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.--
festgelegt. Von diesen Kriterien ausgehend sind die Verfahrenskosten
vorliegend auf Fr. 700.-- festzulegen und der Beschwerdeführerin als
unterliegender Partei aufzuerlegen (Art. 73 Abs. 1 des kantonalen
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Die
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obsiegende Beschwerdegegnerin hat keinen Anspruch auf eine
aussergerichtliche Entschädigung (Art. 61 lit. g ATSG e contrario).
6. Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführerin die beantragte unentgeltliche
Rechtspflege (Prozessführung und Rechtsverbeiständung) zu gewähren
ist.
a) Nach Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) hat jede Person, die nicht über die
erforderlichen Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege,
wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Soweit es zur
Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf
unentgeltlichen Rechtsbeistand. Art. 61 lit. f ATSG wiederholt dieses
Recht auf unentgeltliche Rechtspflege explizit. Wo die Verhältnisse es
rechtfertigen, wird der Beschwerde führenden Person also ein
unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt. Die Voraussetzungen für die
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege sind erfüllt, wenn der
Prozess nicht aussichtslos erscheint, die Partei bedürftig und die
Verbeiständung durch einen Anwalt oder eine Anwältin geboten erscheint
(BGE 125 V 201 E.4a m.w.H.). Bedürftig im Sinne von Art. 61 lit. f ATSG
ist eine Partei, die zur Leistung der Parteikosten die Mittel zur Deckung
des Grundbedarfs für sich und ihre Familie angreifen müsste. Dabei liegt
die Grenze der Bedürftigkeit höher als diejenige des
betreibungsrechtlichen Existenzminimums (SVR 2007 AHV Nr. 7 S. 20).
Aussichtslos ist ein Prozess, dessen Gewinnchancen beträchtlich
geringer sind als die Verlustgefahr und kaum als ernsthaft bezeichnet
werden können. Hingegen darf nicht von Aussichtslosigkeit ausgegangen
werden, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahr ungefähr die
Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend
ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger
- 25 -
Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde. Eine Partei soll einen
Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde,
nicht allein deshalb anstrengen können, weil er nichts kostet (BGE 138 III
217 E.2.2.4, 129 I 129 E.2.3.1, 122 I 267 E.2b; UELI KIESER, ATSG-
Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, Art. 61 N. 102). Ob im Einzelfall
genügende Erfolgsaussichten bestehen, beurteilt sich aufgrund einer
vorläufigen und summarischen Prüfung der Prozessaussichten, wobei die
Verhältnisse im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs massgebend sind
(BGE 138 III 217 E.2.2.4).
b) Die Beschwerdeführerin erachtet sich seit dem Unfallereignis vom
15. September 2006 als zu 100 % arbeitsunfähig und ruft nach der
Beurteilung im Gutachten des ABI vom 10. Januar 2011 absichtlich
körperliche und psychische Symptome hervor, um eine solche
Funktionsbeeinträchtigung zu belegen. Diese in einem ausführlichen
interdisziplinären Gutachten getroffene Feststellung hat die IV-Stelle dazu
veranlasst, die der Beschwerdeführerin vormals zugesprochene ganze
Invalidenrente mit Verfügung vom 31. Mai 2011 aufzuheben und ihr
Leistungsgesuch vom 31. Mai 2007 abzuweisen. Dass unter diesen
Umständen eine Verschlechterung der gesundheitlichen Verfassung nicht
durch Berichte behandelnder Ärzte glaubhaft gemacht werden kann,
welche in Unkenntnis des Observationsmaterials und des Gutachtens des
ABI vom 10. Juli 2011 die bereits ursprünglich beklagten psychischen und
körperlichen Schmerzen neu bewerten, ist offensichtlich. Insoweit die
Beschwerdeführerin ihre Neuanmeldung sodann mit
Schwindelbeschwerden begründet hat, erscheint fraglich, ob diese
Beschwerden tatsächlich erstmals nach dem 31. Mai 2011 aufgetreten
sind. Selbst wenn dies jedoch zu bejahen wäre, handelt es sich hierbei
nicht um einen invalidisierenden Gesundheitsschaden, da der Schwindel
erfolgreich behandelt werden konnte. Bei dieser Sachlage mussten die
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Erfolgsaussichten der vorliegenden Beschwerde von vornherein als
beträchtlich geringer bezeichnet werden als die Verlustgefahr. Aus
diesem Grund ist das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung
abzulehnen. Eine Beurteilung der Bedürftigkeit kann damit unterbleiben.