Decision ID: 571a8193-c53d-542b-8852-d2d2ed095ad5
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1982 geborene
X._
, gelernter Koch
(Urk. 7/4/17)
, war zuletzt mit einem Pensum von 60 %
bei der
Y._
als Betriebs
mitarbeiter ange
stellt (Urk. 7/17/5-6
). Am 14.
Ma
i
201
3
meldete er sich unter Hinweis auf eine Analfis
s
ur bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/3).
Nach Abklärung der erwerblichen und medizinischen Verhältnisse
erteilte die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
,
am 22. Januar 2014
Kostengutsprache für eine Abklärung bei der
Z._
für die Zeit vom 3. Februar bis zum 27. April 2014 (Urk. 7/25)
, welche
jedoch
aufgrund häufiger krankheitsbedingter Absenzen
des
Versicherten
per 28. März 2014 abgebrochen wurde (Urk. 7/35).
In der Folge ve
ranlasste die IV-Stelle bei Dr.
med.
A._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, eine psychiatrische
Begutachtung
(Exper
tise vom 2. Oktober 2014, Urk. 7/55)
. Am 14.
November 2014
verpflichtete
die IV-Stelle den Versich
e
rten
im Rahmen der
Schadenminderungspflicht
zu einer Suchtbehandlung
sowie
einer
fachpsychiatrischen Behandlung (Urk. 7/57
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/58) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 10. März 2015 (Urk. 2)
einen Rentenanspruch
unter
Hinweis
auf das Fehlen eines
relevanten Gesundheitsschaden
s
.
2.
Gegen die Verfügung vom 10. März 2015 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 24. April 2015 (Urk. 1) unter Auflage des Berichts der
B._
vom 8. April 2015 sowie eines entsprechenden Arztzeugnisses vom 15. April 2015 (Urk. 3/3-4) Beschwerde und beantragte,
es sei
die Verfügung aufzuheben und
ihm eine ganze Invalidenrente zuzusprechen, eventuell sei die Sache zur weiteren Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Verwal
tung zurückzuweisen, subeventuell sei eine polydisziplinäre Begutachtung durchzuführen (Urk. 1 S. 2).
Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer
Beschwer
deantwort
vom
19. Mai 2015 (Urk. 6)
auf
Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 22. Mai 2015 mitgeteilt wurde (Urk. 8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Fol
gen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit
invalidenversiche
rungsrechtlich
nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verblei
bende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forder
baren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychi
scher Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähig
keit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zu
mutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe
Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztbe
richtes
ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die leistungsabweisende Verfügung vom 10
.
März 2015 (Urk. 2)
im Wesentlichen
damit, dass
es sich bei der vom Gut
achter Dr.
A._
diagnostiziert
en leichten depressiven Episode
mit somati
schen Symptomen
um
k
ein
en
invalidisierenden
Gesundheitsschaden
handle
.
Unter einer adäquaten Behandlung könne in absehbarer Zeit ein
e volle Ar
beitsfähigkeit wieder
hergestellt werden.
W
eitere medizinische Abklärungen
würde
n
sich
deshalb
erübrigen
, zumal medizinische Massnahmen bereits emp
fohlen und dem Beschwerdeführer im Rahmen von schadenmindernden Mass
nahmen auferlegt worden seien.
2.2
Dagegen wendet der Beschwerdeführer ein,
er sei gemäss den Feststellungen des
Gutachter
s
und
der
behandelnden Ärzte
sowohl in der angestammten wie auch in einer angepassten Tätigkeit
seit September 2013
vollumfänglich arbeitsunfä
hig
.
Dies
werde auch im
Bericht der
Z._
bestätigt
, wonach er im Rahmen der Abklärung aufgrund der gesundheitlich bedingten Absenzen, des erhöhten
Pausenbedarfs sowie der Notwendigkeit, sich oft hin
zu
legen, lediglich eine Leistungsfähigkeit von 20 %
erreicht habe
.
Entsprechend sei ihm ab September 2014 eine ganze Rente
zuzusprechen
(
Urk. 1
S. 5-6
).
3.
3.1
Dr.
med.
C._
vom
D._
wies in seinem
Beric
ht vom 11. Juni 2013 (Urk. 7/11/
16-17)
darauf hin
, dass die Ursache der vom Be
schwerdeführer
b
eklagten Analschmerzen unklar sei. Die Schmerzlokalisation liege nicht im distalen Analkanal
und der Schmerz
basiere
nicht
auf der Fissur. Differentialdiagnostisch sei eine
Mukosapathologie
(Entzündung?) oder eine Neuropathie denkbar.
3.2
In ihrem Bericht vom 5. August 2013 (Urk. 7/12)
führten
Dr.
med.
E._
, Chef
arzt
und Facharzt FMH für Neurologie
, und
Dr.
med.
F._
, Leitende Ärztin
und Fachärztin FMH für Neurologie
am
G._
, aus, der Be
schwerdeführer leide seit der Operation im Analbereich im Dezember 2012 an einem Dauerschmerz von stechendem Charakter, wobei die durchschnittliche Schmerzintensität bei einer
S
kala von 10 bei 5-6 liege. Aufgrund der Anamnese und des aktuellen Untersuchungsbefundes leide der Beschwerdeführer nicht
an
einer
neurologischen Erkrankung als mögliche Ursache für die angegebenen chronischen Schmerzen.
Da
es sich um eine Reizsymptomatik handle, könne eine neurophysiologische Diagnostik nicht weiterhelfen. Unter Hinweis auf ein chronisches Schmerzleiden empfahlen die Ärzte eine psychologische respektive psychiatrische Unterstützung.
3.
3
Dr.
med.
H._
, Spezialarzt FMH für Rheumatologie und Physikalische Medi
zin, stellte i
n seinem Bericht vom 18. Septemb
er 2013 (Urk.
7/43/9-10)
folgende Diagnosen
(S. 1)
:
chronisches Schmerzsyndrom bei/mit
chronische
m
myofaszialem
Syndrom
nuchal
und
interscapulär
chronische
n
Analschmerzen bei/mit
Status nach Analfissur
Der Arzt
führte aus, beim Beschwerdeführer seien bereits vor ungefähr acht Jah
ren Schulter- und Nackenschmerzen aufgetreten, welche sich nach der Ein
nahme von Analgetika und Physiotherapie weitgehend gebessert hätten. Vor zwei Jahren seien die
interscapulären
und
nuchalen
Schmerzen ohne auslösen
des Ereignis wieder aufgetreten
, wobei
es
im letzten Jahr
zu einer deutlichen Zunahme der Schmerzen gekommen
sei
. Es bestünden Dauerschmerzen, und bei längerer Halswirbelextension
Kribbelparästhesien
im Bereich beider Hände, die
Nachtruhe sei indessen nicht gestört.
Gesamthaft betrachtet,
bestehe
ein
chro
nische
s
Schmerzsyndrom, aktuell in zwei Lokalisationen
(
nuchal
/
interscapulä
r
und chronische Analschmerzen).
Eine sekundäre Ursache für das
myofasziale
Syndrom sei nicht
eruierbar
. Möglicherweise spiele die schwierige soziale Situ
ation
des Beschwerdeführers
(geschieden, seit knapp einem Jahr arbeitsunfähig, geplante Umschulung) eine schmerzverstärkende Rolle. Verschiedenste Medika
mente wie auch die aktuell laufende physikalische Therapie führten, wenn überhaupt, nur zu einer kurzfristigen Linderung.
3.
4
Dr.
med.
I._
, Leitende Ärztin
a
m
Institut für Anästhesiologie und Schmerztherapie
am
G._
,
nannte
in ihrem Bericht vom 16. Juni 2014 (Urk. 7/49/1-5) fol
gende Diagnosen
(S. 1 Ziff. 1.1):
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
unklare anale Schmerzen
Status nach
Ana
l
fissurrezidiv
bei 6 Uhr in Steinschnittlage
Status nach
Botoxinjektion
Verdacht auf
Sphinkterdysfunktion
,
Anismus
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
Status nach
Nephrolithiasis
links
myofa
s
z
iale
Schmerzen
nuchal
und
interscapulär
gemäss Zuweisung, nicht thematisiert im Schmerzzentrum
Die Ärztin führte aus, der Beschwerdeführer leide seit ungefähr
fünf bis sechs
Jahren unter Analbeschwerden, wobei diverse Abkl
ärungen und Beurteilungen stattgefunden hätten
und im Dezember 2012 eine Analfissur operativ angegan
gen worden
sei.
Präoperativ sei der Schmerz pulsierend und brennend gewesen.
P
ostoperativ
sei
das Brennen verschwunden und ein stechender Schmerz auf
getreten, der durch die Sitzposition beeinflussbar sei.
Der Beschwerdeführer finde keine Position, in welcher er so schmerzarm sei, dass er sich konzentrieren könne. Sitzen gehe maximal 30-45 Minuten,
Stehen für 30
Minuten und Spa
zieren für maximal
eine
Stunde (S. 4 Ziff. 1.7). Betreffend die Arbeitsfähigkeit
wies
die Ärztin
darauf hin
, dass eine entsprechende Einschätzung im Rahmen des Schmerzzentrums nicht
möglich sei (S. 3 Ziff.
1.6).
3.
5
Der behandelnde Psychiater des Beschwerdeführers,
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
stellte
in seinem Bericht vom 16. Juli 2014
(Urk. 7/50)
folgende Diagnosen (S.
1 Ziff. 1):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F33.1) seit mindestens September 2013
chronisches Schmerzsyndrom (chronische Schmerzstörung mit somatische
n und psychischen Faktoren, ICD-
10 F45.41
)
,
Differentialdiagnose
:
somato
forme
Schmerzstörung
Dr.
J._
hielt fest
, dass eine depressive Episode vor ungefähr drei Jahren mit Antidepressiva und Psychotherapie habe behandelt werden können. Aktuell fühle sich der Beschwerdeführer seiner gesundheitlichen und sozialen
Situation
hilflos ausgeliefert mit Stimmungstief, Antriebsarmut, Konzentrationsstörungen
und
Gereiztheit
. Im bisherigen Verlauf zeigten sich ausgeprägte Schwierigkeiten im Bereich der Selbstregulation mit emotionaler Instabilität und Impulsivität sowie mangelnden Ressourcen im Bereich der Selbstberuhigung.
In der Biogra
phie fänden sich zahlreiche Traumatisierungen und e
s best
ehe
wenig Tages
struktur,
der Beschwerdeführer
lebe sozial eher zurückgezogen
. Jedes zweite Wochenende sei die siebenjährige Tochter bei ihm
, die Beziehung zur Ex-Frau sei sehr konfliktbeladen
und der Kontakt zu Eltern und Geschwistern
werde
aufrecht
gehalten
.
Zum
Abbrechen
des
Arbeitstraining
s
bei der
Z._
führte er aus, dies
habe zu einem krisenhaften sekundären Leiden mit Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit geführt, wobei tiefer sitzende Ängste und Traumatisierungen
aktualisiert worden seien. Dr.
J._
ging
schliesslich
davon aus, dass die berufliche Massnahme nach Überwind
ung
dieser Krise und Stabilisierung
An
fang 2015 weitergeführt werden könne (S. 1 Ziff. 1.4
).
In der
angestammte
n
Tätigkeit
als Koch attestierte
Dr.
J._
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 12. September 2013 (S. 2 Ziff. 1.6).
Bei kontinuierli
cher Weiterführung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung
er
achtete
er
in einer angepassten Tätigkeit die
Wiedererlangung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit
voraussichtlich bis Anfang 2015 als möglich
(S. 3 Ziff. 1.8 und Ziff. 1.11).
3.
6
In seinem
von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebenen
psychiatrischen Gutachten vom 2. Oktober 2014 (Urk. 7/55)
führte Dr.
A._
folgende Diag
nosen
auf
(S. 8):
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
leichte depressive Episode mit somatischen Symptomen, ICD-10 F32.01
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
Akzentuierung der passiv-aggressiven Persönlichkeitszüge, ICD-10 Z73.1
Cannabisabhängigkeit, ICD-10 F1
2
.25
Nikotinabhängigkeit, ICD-10 F17.25
Morphin-Gebrauch, iatrogen, ICD-10 F11.25
In seiner Beurteilung kam
Dr.
A._
zum Schluss, aufgrund der anamnesti
schen Angaben bestünden beim Beschwerdeführer keine Hinweise auf eine ge
netische Vulnerabilität und auf Persönlichkeitsfaktoren für die Entwicklung psychiatrischer Erkrankungen, und – die frühe Kindheit sei ohne gravierende traumatische Ereignisse verlaufen – auch ohne Hinweise auf die Bildung einer
Persönlichkeitsstörung. Weiter legte er dar, dass aus seiner Sicht mehrere Kon
flikt- und Demütigungssituationen in der Primarschule zu einer Akzentuierung der passiv-aggressiven Persönlichkeitszüge des Beschwerdeführers in der Kind
heit geführt hätten, dass – seit dieser 14-jährig mit Suchtmitteln in Kontakt ge
kommen sei – von einem anhaltenden schädlichen Gebrauch bzw. einer Canna
bis- und Nikotinabhängigkeit ausgegangen werden könne und dass er gegen Ende des Militärdienstes wegen Drogenkonsum ausgemustert worden sei. Der über längere Zeit absolvierte Militärdienst (auch einige Wiederholungskurse) schloss seiner Meinung nach allerdings psychische Probleme mit
Krankheits
wert
, abgesehen von der Drogensucht im früheren Erwachsenenalter, aus, und bis 2009 sei der Beschwerdeführer auch den sozialen Anforderungen ohne Probleme gewachsen gewesen. Somit könnten bei diesem im Erwachsenenalter prämorbide Probleme mit Krankheitswert (ausserhalb der Suchtproblematik) ebenfalls klar ausgeschlossen werden.
Nach der Trennung von der Ehefrau und
seiner
Tochter sei es nach initialer Akzentuierung der passiv-
aggressiven
Per
sönlichkeitszüge
zum Ausbruch einer erst
en depressiven Episode gekommen
- die auch zu einer Einschränkung der Leistungs- beziehungsweise Arbeitsfähig
keit geführt
habe -
und die
nach einjähriger ambulanter psychiatrisch-psycho
therapeutischer Behandlung wieder vollständig remittiert
sei
.
Der Ausbruch der zweiten
respektive gegenwärtigen
Episode habe sich im Rahmen chronischer Schmerzen bei bereits akzentuierten passiv-aggressiven Persönlichkeitszügen im Verlauf
des Jahres
2013 angebahnt.
Der Gutachter wies
weiter
darauf hin, dass t
rotz der
von
Dr.
J._
postulierten
nur
leichten bis mittelgradigen depressi
ven Symptomatik
die
attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestätigt werden
könne
,
da
beim Beschwerdeführer von einer zusätzlichen Akzentuierung der Persönlichkeitszüge ausgegangen w
erden müsse. Diese schränke
seine psychi
sc
he Belastbarkeit zusätzlich ein
und
verunmögliche
eine Wiederaufnahme einer Tätigkeit auf dem freien Wir
tschaftsmarkt
.
Gleichzeitig
sei es bei
m
Beschwer
deführer
sehr glaubhaft zu einer intermittierenden Akzentuierung seiner Schmerzen im Analbereich gekommen, welche vorübergehend auch seine all
gemeine Belastbarkeit zusätzlich eingeschränkt h
ätten
,
weshalb die geplante berufliche
Abklärung
vom 22. Januar bis 28. März 2014 Anfang März 2014 gescheitert sei
.
D
er Beschwerdeführer
habe im Rahmen der Untersuchung
als auch testpsychologisch
leichte depressive Symptome
gezeigt
, weshalb von einer Teilremission der depressiven Episode
ausgegangen werden könne
.
D
er
von
ihm beschrieben
e
Tagesablauf deute auf eine weitgehende Verbesserung der sozialen Fertigkeiten mit allerdings immer noch häufigen Stimmungseinbrüchen hin, weshalb
immer noch
eine instabile psychische Verfassung vorliege. Die einge
leitete psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung habe
aber sowohl sub
jektiv als auch objektiv
zu einer Verbesserung geführt, weshalb mit einer wei
teren
positiven Entwicklung
des psyc
hischen Zustands zu rechnen sei
(S. 9)
.
Da es sich gegenwärtig erst um
die
zweite depressive Episode handle, könne in di
agnostischer Hinsicht
fachgerecht
noch nicht von einer rezidivierenden depres
siven Störung ausgegangen werden. Eine
Teilchronifizierung
des psychischen Leidens könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, weshalb auch mittelfristig von einer reduzierten psychischen Belastbarkeit ausgegangen werden müsse
(S. 10)
.
Die angestammte Tätigkeit als Koch sei
bekanntlich
mit sehr hohen Anforderun
gen an die psychische Belastbarkeit, geistige Flexibilität und körper
liche Geschicklichkeit verbunden, was beim Beschwerdeführer mindestens mit
telfristig eine psychische Überforderung bedeuten würde
. Entsprechend könne ihm
auch nach der Remission der depressiven Störung keine Arbeitsfähi
gkeit als Koch attestiert werden.
Unter „Beurteilung der Arbeitsfähigkeit“ hielt
Dr.
A._
zusammengefasst fest, aus rein psychiatrischer Sicht könne seit September 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen (ange
stammten) Tätigkeit bestätigt werden, ebenso in anderen (adaptierten) Tätigkei
ten, wobei die Frage nach dem Leiden ideal angepassten Tätigkeiten erst nach der beruflichen Eingliederung beantwortet werden könne (S. 10). Die attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit führte er ausschliesslich auf ein psychisches Leiden mit Krankheitswert zurück (S. 11).
Der Gutachter verneinte
weiter bei
fehlende
n
Hinweisen
auf
schwerwiegende
bewusste/unbewusste
emotionale Konflikte oder
eine
schwerwiegende belas
tende psychosoziale Situation
trotz geklagter chronischer Schmerzen
eine Diag
nose aus dem
somatoformen
Formenkreis.
Er empfahl zudem
eine Cannabis-Abstinenz, da der entsprechende Konsum zu einem Verlust der Affekt- und
Im
pulskontrolle
führen könne
. U
nd er
wies schliesslich darauf hin, dass die Frage, ob es dem Beschwerdeführer möglich sei, die entsprechenden Beschwerden wil
lentlich zu überwinden und dadurch eine höhere Arbeitsfähigkeit zu erzielen, aufgrund des Verhaltens des Beschwerdeführers zu bejahen sei
(S. 11).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer hat sich unter Hinweis auf eine Analfissur bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug angemeldet (Urk. 7/3)
.
Seitens der
Haus
ärztin
des Beschwerdeführers wurde
sodann
auf Rücken- und
Nackenbesch
wer
den
hingewiesen (Urk. 7
/43
/1-3 S. 1 Ziff. 1.1
). Für die besagten somatischen Beschwerden
konnte trotz
gastroenterologischer
, neurologischer und rheuma
tologischer Abklärung keine organische Ursache gefunden werden
. Entspre
chend empfahlen die
Dre
s
.
E._
,
F._
und
H._
im Zusammenhang mit
den vom Beschwerdeführer im Anal-, Rücken- und Nackenbereich geklagten Schmerzen
eine psychologische/psychiatrische Unterstützung respektive wiesen auf die schwierige
soziale Situation des Beschwerdefü
hrers
als mögliche
Teilur
sache
hin
(vgl. E. 3.1-3.4)
.
Vor diesem Hintergrund
erscheinen
weitere Abklärungen
– insbesondere
eine
wie vom Beschwerdeführer beantragte
polydisziplinäre Begutachtung (Urk. 1 S. 2
)
-
in somatischer Hinsicht nicht
als zielführend beziehungsweise
nötig (
an
tizipierte
Beweisw
ürdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3) und
es
ist
nachfolgend
somit
einzig die
Frage nach der invalidisierenden Wirkung der psychischen Beschwer
den des Beschwerdeführers zu prüfen.
4.2
Vorwegzuschicken ist, dass das Gutachten von Dr.
A._
bezüglich des psychi
schen Gesundheitszustandes
umfassend ist und auf den erforderlichen Untersuchungen beruht. Besagtes Gutachten wurde
auch
in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben (Urk. 7/55 S. 2-4) und leuchtet in der Darle
gung der medizinischen Situation und Zusammenhänge ein. Demgemäss sind auch die Schlussfolgerungen des Gutachters in einer Weise begründet, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann. Der Gutachter
setzte si
ch insbesondere mit den von Dr.
J._
gestellten abweichenden Di
agnosen auseinander (S.
10 und S. 11
) und würdig
t
e diese in einleuchtender Weise. Er
legte
zudem
schlüssig dar, dass der Beschwerdeführer
mit Auswirkun
gen auf seine Arbeitsfähigkeit
an einer leichten depressiven Episode mit soma
tischen Symptomen
leide
t
.
Das Gutachten erfüllt d
emnach die praxisge
mässen Kriterien an den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens (BGE 125 V 351 E. 3a; 122 V 157 E. 1c), weshalb für d
ie
Entscheidfindung
darauf abzu
stellen ist.
4.
3
4.3.1
Es gilt
regelmässig
zu beachten, dass ein Gutachten zwar zur Arbeitsfähigkeit Stellung zu nehmen hat und diese Ausführungen eine wichtige Grundlage für die Beurtei
lung der Zumutbarkeit von Arbeitsleistungen bilden, es jedoch letzt
lich der rechtsanwendenden Behörde - der Verwaltung oder, im Streitfall, dem Gericht - obliegt, zu beurteilen, ob eine Invalidität im Rechtssinne, bejahen
denfalls eine solche rentenbegründender Art, eingetreten ist. Weil die Arbeitsfä
higkeit somit keine rein medizinische, sondern letztlich auch eine juristische Frage ist, können sich Konstellationen ergeben, bei welchen von der in einem medizinischen Gutachten festgestellten Arbeitsunfähigkeit abzuweichen ist, ohne dass dieses seinen Beweiswert verlöre (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.1-2 mit
Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_651/2014 vom 23. Dezember 2014
E. 5.1 mit Hinwei
sen).
N
ach der Rechtsprechung
stellen leichte bis mittelgradige depressive Episoden grundsätzlich keine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheid
bare andauernde Depression im Sinne eines verselbständigten
Gesundheitsscha
dens
dar, die es der betroffenen Person verunmöglichte, eine angepasste Tätig
keit auszuüben. Leichte bis höchstens mittelschwere psychische Störungen de
pressiver Natur gelten grundsätzlich als therapeutisch
angehbar
(Urteil des Bun
desgerichts 8C_68/2013 vom 14. Mai 2013 E. 3.5 mit Hinweisen). Dies hat auch dann Geltung, wenn die depressive Episode vor dem Hintergrund einer rezidi
vierenden depressiven Störung diagnostiziert worden ist (Urteil des Bun
desge
richts 8C_195/2014 vom 12. Juni 2014 E. 4.4 mit Hinweisen). Auch wenn eine invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Störung nicht schlechthin
auszuschliessen
ist, bedingt deren Annahme jedoch, dass eine kon
sequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als re
sistent ausweist. Fehlt es daran, ist in der Regel keine invalidisierende Wir
kung des Gesundheitsschadens anzunehmen (Urteil des Bundesgerichts 8C_303/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 4.4 mit Hinweisen).
4.3.2
Der Beschwerdeführer
leidet gemäss dem Gutachten unter ei
ner leichten depressi
ven Episode
mit somatischen Symptomen
(vgl. E. 4.2
)
, welcher recht
sprechungsgemäss
grundsätzlich
keine invalidisierende Wirkung zukommt (vgl. E. 4.3.
1
)
. Im Rahmen der gutachterlichen Untersuchung
gab
der Beschwerde
führer
sodann
an,
seit dem 14. Lebensjahr
ein bis zwei Gramm Cannabis res
pektive
fünf bis sechs
Joint
s pro Tag
zu rauchen (Urk. 7/55 S.
5
und S. 6
)
.
Ge
mäss Dr.
A._
kann d
er Konsum von Cannabis
zu einem Verlust der Affekt- und Impulskontrolle führen
. Falls
– so
Dr.
A._
-
die beruflichen Massnah
men aufgrund einer instabilen psychischen Verfassung des Beschwerdeführers zu scheitern drohten, wären Massnahmen der Schadenminderungspflicht im Sinne einer Drogenabstinenz zu empfehlen. Eine Drogenabstinenz führe zu ei
ner Verbesserung und nicht zu einer Verschlechterung der psychischen Verfas
sung einer betroffenen Person (S.11).
Deshalb und weil der Gutachter auch von einer „eher günstigen“ Prognose bezüg
lich Wiederherstellung und Erhaltung der vollen Arbeitsfähigkeit ausging (S. 10) und klar die Frage bejahte, ob es dem Beschwerdeführer möglich sei, eingetretene Beschwerden willentlich zu überwinden und dadurch eine höhere Arbeitsfähigkeit zu erzielen (S. 11), kommt der depressiven Störung
rechtspre
chungsgemäss
(E.4.3.1) keine versicherungsrechtliche Relevanz zu und die An
nahme einer entsprechenden Arbeitsunfähigkeit fällt ausser Betracht. Dass die
zusätzliche Akzentuierung der Persönlichkeitszüge die psychische Belastbarkeit des Beschwerdeführers nach Meinung von
Dr.
A._
zusätzlich einschränkt (S.9), vermag daran nichts zu ändern, handelt es sich doch bei dieser Diagnose (S. 8) lediglich um eine Z-Kodierung. Dabei
geht
es gemäss Rechtsprechung zwar um Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inan
spruchnahme des Gesundheitswesens führen.
Die Kategorien Z00-99 sind für Fälle vorgesehen, in denen Sachverhalte als „Diagnosen" oder „Probleme" an
gegeben sind, die nicht als Krankheit, Verletzung oder äussere Ursache unter den Kategorien A-Y klassifizierbar sind. Diese Belastungen fallen als solche nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheitsschadens (Urteil des Bundesgerichts 8C_663/2010 vom 15. November 2010 E. 5.2.4 mit weiteren Hinweisen).
4.3.
3
Was die vom
behandelnden Psychiater Dr.
J._
diagnostizierte
rezidivie
rende
depressive
Störung in einem mittelgradigen Ausmass (Urk. 7/50 S. 1 Ziff. 1.1)
betrifft, so gilt diese
gemäss
der erwähnten
bundesgerichtliche
n
Rechtsprechung (vgl.
Erw
. 4.3.1)
als therapeutisch
angehbar
.
Zur weiteren Diag
nose (
u
nd Differentialdiagnose) aus dem
somatoformen
Formenkreis ist festzu
halten, dass diese
g
utachterseits
mit überzeugender Begründung verneint wur
de
n
(vgl. E. 3.6)
.
Gleiches gilt mit Bezug auf den Bericht der
B._
vom 8. April 2015
(Urk. 3/3
, vgl. E. 4.3.1
)
.
Im Übrigen wurde nicht schlüssig dargelegt, inwiefern die psy
chischen Beschwerden
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdef
ührers konkret be
einträchtigen
und es
ist
lediglich von einer
„
anfänglichen
“
Arbeitsunfähigkeit die Rede
und
die Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit
wird
als möglich erachtet.
Nichts anderes folgt aus den
Berichte
n
der Hausärztin des Beschwer
deführers,
Dr.
med.
K._
, Innere Medizin/Pneumologie
,
vom 7. Mai und 2. August 2013 (Urk. 7/11/1-4 und Urk. 7/43/1-
4
)
, welche sich zu den psychi
schen Beschwerden des Beschwerdeführers
gar
nicht äusserte
.
Was schliesslich den
Bericht der
Z._
vom 9. April 2014 (Urk. 7/37)
betrifft
, in welchem unter Hinweis auf starke Schmerzen eine Tätigkeit im geschützten
sowie
im
ersten Arbeitsmarkt verneint
und von einer Leistungsfähigkeit von ungefähr 20 % ausgegangen
wurde (S. 6
und S. 7
)
ist Folgendes zu bemerken:
Abgesehen vom Umstand, dass diese Einschätzung nicht durch eine
(Fach-)
Arztperson erfolgte,
sondern auf den Angaben des Beschwerdeführers beruhte,
wurde die be
schränkte Leistungsfähigkeit mit starken Schmerzen
aufgrund der Analfissur
(
und der
neu aufgenommenen
Beckenphysiotherapie
)
sowie
mit
Fussschmerzen begründet (S. 6 und S. 3
).
Ersteren liegt jedoch kein somatisches Substrat zu
grunde (vgl. E. 4.2) und letztere
wurden in keinem der vorliegenden
Arztbe
richte
jemals
thematisiert
.
4.4.
Nach dem Gesagten liegt zusammengefasst kein versicherungsrechtlich relevan
ter Gesundheitsschaden mit invalidisierender Wirkung vor.
Dies führt zur Ab
weisung der Beschwerde.
5.
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens de
m
unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.