Decision ID: 65a41abb-5418-43e9-be58-c20dbfde00c0
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1954,
schloss im Jahr 1999
bei der
ASSURA Kran
ken- und Unfallversicherung
(
heute
:
Assura
-Basis SA
;
nachfolgend:
Assura
) nach dem Bundes
gesetz über die Krankenversicherung (KVG)
eine
obliga
torische Krankenpflegeversicherung
ab
(Urk.
10/
2 S. 1)
.
Am 30. Oktober 2009 und am 29. Januar 2010
setzte
die
Assura
X._
für Krankenkassenprämien
der Monate Juli bis Oktober 2009 und November bis Dezember 20
09
in Betreibung (
Betreibungen
Nr.
Y._
und Nr.
Z._
des Betreibungsamtes
A._
; Urk. 2/1 S. 2,
Urk. 10/24/1 S. 2
). Gegen die Pfändungsankündigungen in diesen
Betreibungen
erhob
X._
Beschwerde, welche vom Bezirks
gericht
B._
,
4.
Abteilung als untere kantonale Aufsichtsbehörde über
Betrei
bungs
ämter
, mit Zirkulationsbeschl
uss vom 31.
März 2011 gutgeheissen wurde (Urk. 10/24/1 S. 8 f.).
Am 29. April 2011 leitete die
Assura
für dieselben Prä
mien von Juli bis Dezem
ber
2009
sowie neu für die Prämien von Januar bis März 2011
Betreibung ge
gen
X._
im
B
etrag von
insgesamt
Fr.
1‘005.45
zuzüglich Zi
ns von 5
%
seit dem 30.
September 2009
und
zuzüg
lich
admini
strative
r
Spesen von
Fr.
180.-- sowie Zustellkosten des
Betreibungs
amtes
von
Fr.
231.70
ein.
Gegen den entsprechenden Zahlungsbefehl vom 9. Mai 2011 in der Betreibung Nr.
C._
des Betreibungsamtes
A._
erhob
X._
am 12. August 2011 Rechtsvorschlag (Urk. 14/20). Mit Ver
fü
gung vom
29. No
vember 2011
hob die
Assura
den Rechts
vorschlag auf
(Urk. 14/25.1
-2
)
.
Die
dagegen
erhobene Einsprache des Versi
cherten (
Schreiben vom 23. Januar 2012,
Urk.
14/26
) wies
die
Assura
mit
Ein
spracheentscheid
vom
21. August 2012
ab (Urk. 2
/1
).
1.2
Die
Assura
hatte
X._
ausserdem für die Krankenkassenprämien der Monate Januar bis Dezember 2010 im Betrag von Fr. 2‘134.80 zuzüglich Zins von 5 % ab dem 31. März 2010
und zuzüg
lich admini
strative
r
Spesen von Fr. 160.-- sowie Zustellkosten des Betreibungsamtes
in der Höhe
von Fr. 230.70
in Betrei
bung
gesetzt
. Ge
gen den ent
sprechenden Zahlungsbefehl vom
10. Februar 2011
in der Betreibung Nr.
D._
des Betreibungsamtes
A._
erhob
X._
am 7. März 2011 Rechtsvorschlag (Urk. 14/15).
Mit Verfü
gung vom
11. Mai 2011
hob die
Assura
den Rechts
vorschlag auf (Urk.
14/17.2
). Die dagegen mit Schreiben vom 2
0
.
Juni
2011 erhobene Einsprache (Urk.
14
/
1
8) wies
die
Assura
mit
Einspracheentscheid
vom
21. August 2012
ab (Urk. 2
/2
).
2.
Gegen die beiden
Einspracheentscheide
der
Assura
vom 21.
August 2012
(Urk. 2/1-2)
erhob
X._
mit Eingabe vom
27. September 2012
Beschwer
de und beantragte,
die
Einspracheentscheide
seien aufzuheben. In pro
zessualer Hinsicht ersuchte er um Sistierung des Verfahrens bis zum Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich im Verfahren zwischen den Parteien Nr. KV.2011.00052
(Urk. 1
S. 1
). Die Beschwerdegegnerin
ersuchte mit Eingabe vom 2.
November 2012 ebenfalls um Sistierung des Verfahrens bis zum Entscheid im Verfahren Nr. KV.2011.00052 (Urk. 6).
Mit Verfügung vom 6.
November 2012 wurden die Sistierungsbegehren abgewiesen (Urk.
7 S. 3
) und
mit Verfügung vom 3. De
zember 2012
die Akten aus dem Verfahren Nr.
KV.2011.00052 in Kopie beige
zogen (Urk. 11 S. 3 f.)
sowie
als Urk. 10/1-26 zu den Akten
dieses Verfahrens
genommen. I
n der Beschwerdeantwort vom 21.
Dezember 2012
schloss die Beschwerdegegneri
n auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 13 S. 2).
In der Replik vom 29. April 2013 ergänzte der Beschwerdeführer seinen Antrag dahin
gehend,
dass
die Forde
rungen der
Beschwer
degegnerin
abzuweisen
seien
(Urk. 19 S. 2).
Die Beschwerdegegnerin hielt in der Duplik vom 2
3.
Mai 2013 an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest (Urk. 22).
Das
am
31. Oktober 2012
ergangene Urteil
aus dem Verfahren Nr. KV.2011.00052 wurde in Kopie als
Urk.
24 zu den Akten genom
men.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Die
strittige
Prämienzahlungspflicht des Beschwerdeführers bezüglich der Mona
te Juli
2009
bis
März
2
011 hängt – im Sinne einer Teil
frage –
unter an
derem
davon ab, ob zwischen den Parteien
das
im Jahr
1999 unstrittig begrün
dete Ver
sicherungsverhältnis über die obligatorische Krankenpflege
versicherung nach KVG
auch ab Juli
2009
noch bestand oder ob
es
aufgrund einer rechts
gül
tigen Kündigung durch den Beschwerde
führer
-
wie dieser mit Verweis auf seine Eingaben im Verfahren KV.2011.00052 geltend macht (Urk. 19 S.
2 f.
)
-
,
aufgelöst worden war
. Angesichts dieser grund
sätzlichen Fragestellung erfolgt die Beurteilung der Beschwerde unabhängig von dem
die einzelrichterliche
Zuständigkeit begrün
denden
Streitwert von weniger als Fr. 20'000.-- durch das Kollegialgericht
(§ 11 Abs. 1
und 4
des Gesetzes über das
Sozialversicherungs
gericht
,
GSVGer
)
.
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
stellte sich in den angefochtenen
Einspracheent
schei
den
auf den Standpunkt, der Beschwerdeführer habe trotz der bei ihr seit dem 1. Januar 1999 bestehenden obligatorischen Krankenpflegeversicherung
,
bis zum 3
1.
März 2011 in der Kategorie Basis, seit dem
1.
April 2011 im
Phar
medmodell
,
die geschuldeten, vierteljährlich zahlbaren Prämien für die Monate Juli 2009 bis März 2011 und die diesbezüglich entstandenen Mahn- und
Betrei
bungskosten
nicht bezahlt. Es sei zwar eine Kündigung des
Versicherungs
ver
hältnisses
per Ende 2006
dur
ch den Beschwerdeführer bei ihr
eingegangen
, jedoch seien bereits damals Ausstände vorhanden
gewesen
und sie habe nie eine Ver
sicherungsbestätigung ei
ner anderen Krankenkasse per 1.
Januar 2007 er
halten. Eine Kündigung
habe
daher nicht akzeptiert werden
können
.
Eine Kün
digung per Ende 2009 liege nicht vor.
Die Prämienverbilligung des Kantons (Zürich) für das Jahr 2009 sei auf die Prämien des ganzen Jahres aufgeteilt worden. Eine Prämienverbilligung für
die
Jahr
e
2010 und 2011 sei bei ihr nicht eingegangen. Zuzüglich zu den Prämien habe der Beschwerdeführer gemäss
Art.
68 des
Bundesgesetz
es
über Schuldbetreibung und Konkurs
(SchKG) die Betreibungskosten, und zwar auch die bereits vorher
E
ntstandenen zu tragen
(Urk. 2/1 S. 3 f.
, Urk. 2/2 S. 3 f.
)
.
2.2
Dagegen bringt der Beschwerdeführer vor, er habe bereits im Verfahren
zwischen den Parteien Nr.
KV.2011.00052 des hiesigen Gerichts die Behauptung der Gegenseite, er habe zum Zeitpunkt seiner Kündigung
per Ende 2006
offene Beitrags
zahlungen gehabt und sei an keiner anderen Krankenkasse ange
schlos
sen ge
wesen, widerlegt. Folgerichtig habe das Gericht mit Urteil
vom
31. Oktober 2012
die nach der Kündigung von der Beschwerdegegnerin gefor
derten Beitragszahlungen rechtskräftig aufgehoben. Es wäre widersprüchlich, dies nun ins Gegenteil zu verkehren (Urk. 19 S. 2 ff.).
2.3
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers wurde mit Urteil vom 31. Oktober 2012 im Verfahren Nr. KV.2011.00052 nichts über den Bestand des
Versiche
rungsverhältnis
ses
zwischen den Parteien, die Rechtmässigkeit des
Versiche
rungs
wechsel
s
und/oder die Prämienzahlungspflicht des Beschwerdeführers seit 2006 entschieden (vgl. auch Erwägung 3.3 des Urteils vom 31. Oktober 2012, Urk. 24 S. 5). Die Beschwerde in jenem Verfahren wurde, soweit darauf einge
treten wurde, im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. Danach wurde der in jenem Ver
fahren angefochtene
Einspracheentscheid
vom 13. Mai 2011, mit wel
chem der Bestand des Versicherungsverhältnisses an sich festgestellt wurde, aus for
mellen Gründen aufgehoben, und zwar weil es sich dabei um eine unzu
läs
sige Feststellungsverfügung handelte. Die strittige Frage, ob eine rechts
wirk
same Versicherungskündigung erfolgt sei, wurde damit nicht
entschieden und ist nachfolgend zu prüfen.
3.
3.1
Entsprechend dem Zeitraum
in
den angefochtenen
Einspracheentscheiden
vom 21. August 2012 (Urk. 2/1-2)
, welche den Anfechtungsgegenstand bestimmen (BGE 131 V 164 E. 2.1), ist zu beurteilen,
ob der Besc
hwerdeführer vom 1. Juli 2009
bis
zum 31. März
201
1
bei der
Assura
obligatorisch
krankenpflegeversi
chert
war.
3.2
3.2.1
Das
Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG)
schreibt ein allgemeines
Versicherungsobligatorium
vor (
Art.
3
Abs.
1 KVG). Jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz muss der sozialen Krankenpflegeversicherung beitreten (
Art.
3
Abs.
1 KVG;
Art.
1
Abs.
1 der Verordnung über die Krankenversicherung [KVV]). Gemäss
Art.
4
Abs.
1 KVG können die versicherungspflichtigen Perso
nen unter den anerkannten Krankenkassen (
Art.
12
Abs.
1 KVG) und privaten Versicherungseinrichtungen (
Art.
13
Abs.
1 KVG) frei wählen. Die Versicherer müssen in ihrem örtlichen Tätigkeitsbereich jede versicherungspflichtige Person aufnehmen (
Art.
4
Abs.
2 KVG).
3.2.2
Nach
Art.
7 KVG kann
eine
versicherte Person den Versicherer unter Einhaltung einer dreimonatigen Kündigungsfrist auf das Ende eines Kalendersemesters wechseln (
Abs.
1). Bei der Mitteilung der neuen Prämie kann die versicherte Person den Versicherer unter Einhaltung einer einmonatigen Kündigungsfrist auf das Ende des Monats wechseln, welcher der Gültigkeit der neuen Prämie vorangeht (
Abs.
2). Ein Wechsel des Versicherers darf nicht dazu führen, dass eine Person den Versicherungsschutz unterbrechen kann. Daher endet das Ver
sicherungsverhältnis beim bisherigen Versicherer erst, wenn ihm der neue Ver
sicherer mitgeteilt hat, dass die betreffende Person bei ihm ohne Unter
brechung des Versicherungsschutzes versichert ist (
Abs.
5).
Die Freizügigkeit zum Wechsel des Versicherers wird
begrenzt durch den seit dem
1.
Januar 2006 in Kraft stehenden
Art.
64a
Abs.
4 KVG (in der bis Ende 2011 gültig gewesenen und hier anwendbaren F
assung; ab
1.
Januar 2012: Art.
64a
Abs.
6
KVG).
Solange säumige Versicherte die ausstehenden Prämien, Kostenbeteiligungen, Verzugszinse und Betreibungskosten nicht vollständig bezahlt haben, können sie in Abweichung von Artikel 7 KVG den Versicherer nicht wechseln.
3.3
3.3.1
Es ist unstrittig, dass
der Beschwerdeführer
die obligatorische Kranken
versiche
rung im Jahr 2006 schriftlich kündigte
(Kündigungsschreiben vom 30. Sep
tem
ber 2006; Urk. 14/1)
, was gemäss Art. 7 Abs. 1 KVG unter Einhaltung einer dreimonatigen Kündigungsfrist grundsätzlich auf Ende eines Kalendersemesters möglich ist.
Den Akten sind ausserdem weitere Kündigungsschreiben des Beschwerdeführers z
u entnehmen
, und zwar ein
undatiertes handschriftliches
Schreiben
auf der Prämienmitteilung 2009 mit Eingang
bei der
Beschwerde
geg
nerin
im November 2008
(
Urk. 14/7
) und ein
undatiertes Schreiben mit Eingang 29. November 2010
(Urk. 14/10).
Den beigezogenen Akten des Ver
fahrens Nr. KV.2011.00052 ist sodann eine Kopie eines vom Beschwerde
führer
zu den Akten geg
ebenen
Kündigungsschreiben
s
zu entnehmen, dessen Datum hand
schriftlich auf das Jahr 2005
korrigiert
wurde (Urk. 10/3/2). In d
en
Ver
siche
rungsakten
liegt
dieses Schreiben nicht
.
Aufgrund der nach
folgend
ausgeführ
ten Gegebenheit kann offen bleiben, ob und wann dieses Schreiben bei der Beschwerdegegnerin eingegangen ist (vgl. dazu
auch
die
Be
schwerdeantwort
im Verfahren Nr. KV.2011.00052,
in welcher die
Beschwerde
gegnerin
den Eingang in Abrede stellte,
Urk. 10/7 S. 4
, und die dortige Replik, in welcher der Be
schwerdeführer erklärte, seine Nachforschungen bei der Post hätten keine
Sen
debestätigung
ergeben, Urk. 10/12 S. 5
).
Wie die Beschwerdegegnerin
zutref
fend
erklärte
(Urk. 2/1 S. 3, Urk. 2/2 S. 3, Ur
k.
13 S. 3), kann ein Ver
sicherungs
wechsel
trotz Kündigung des
Versiche
rungsverhältnisses
erst dann wirksam werden, wenn der neue dem bisherigen Ver
sicherer im Sinne von Art. 7 Abs. 5 KVG Mitteilung über das neue
Ver
si
cherungsverhältnis
gemacht hat
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_930/2010 vom 22. Dezember 2010 E. 2 u.a. mit Hinweis auf BGE 130 V 448 zur Unzuläs
sigkeit einer Doppelversicherung für Krankenpflege im
Obligatoriumsbereich
)
.
Eine solche Mitteilung
ist indes
von keinem anderen Versicherer
erfolgt
.
Die Kündigung
en
des Beschwerdeführers
entfalte
ten
daher
keine Wir
kung. Das Ver
siche
rungsverhältnis mit der Be
schwerdegegnerin bestand
somit von Gesetzes wegen trotz der
Kündigung
en
de
s
Beschwerde
führer
s
fort.
3.3.2
Hinzu kommt, dass der Versiche
rungswechsel
in Anwendung von
Art.
64a KVG (in der bis Ende 2011 gültig gewesenen Fassung)
auch wegen nicht bezahlter
Prämien
,
Verzugszinse
n
und Betreibungskosten
nicht möglich war, wie die
Be
schwerdegegnerin
zutreffend erkannte
. Dies ist einerseits belegt durch
die Ab
rechnungen des Betreibungsamtes aus dem Jahr 2007 betreffend Prämien des Jahres 2006
(
Urk. 10/13/1-4
), anderseits durch den Kontoauszug der
Be
schwer
degegnerin
mit einer
Zusammenstellungen der
Prämien, Mahn- und
Be
trei
bungskosten
sowie der
Zahlung
seingänge (
Urk. 10/8/8
) und einer
Über
sicht über die
erfolgten
Betreibungen
(
Urk. 10/8/14)
. Wie es sich damit
im Einzelnen
ver
hielt,
muss nicht weiter erörtert werden
, nachdem es für eine rechtswirksame Kündigung der betreffenden Versicherung b
ereits
je
an der
Mel
dung
über
eine neue
obligatorische Krankenpfle
geversicherung
durch einen neuen Versicherer
mangelt
e
.
Das Versicherungsverhält
nis de
s
Beschwerde
führers
mit der
Be
s
chwer
degegnerin
zur abge
schlossenen obligato
rischen
Krankenpflege
ver
siche
rung
be
stand
in der hier betreffenden Zeit
von
Juli 2009
bis März 2011
somit
fort, ebenso die Pflicht zur Bezah
lung der Prämien.
3.3.3
Daran ändert im Übrigen auch der Zirkulationsbeschluss des Bezirksgerichts
B._
vom 3
1.
März 2011 (Urk. 10/24/1) nichts. Denn in jenem Verfahren wur
den
lediglich
die Pfändungsankündigungen
bezogen auf die
Betreibungen
Nr
.
Y._
und Nr.
Z._
des Betreibungsamtes
A._
für
nichtig erklärt
. Auf die (materiell-rechtliche) Rechtmässigkeit der dort betriebenen
Prämien
for
derungen
der
Monate Juli bis Dezember 2009
hat dies keinen Einfluss.
4.
4.1
Nach Art. 61 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) legt der Versicherer die Prämien fest.
Die obligatorisch Versicherten trifft nach
Art.
61 KVG und
Art.
89 ff. KVV eine Prämienzahlungspflicht. Die Prä
mien sind gemäss
Art.
90
Abs.
1 KVV im Voraus zu bezahlen.
In Art. 64a KVG und in Art. 90 der Verordnung über die Kranken
versicherung (KVV) sowie in Art. 105a ff. KVV werden die Prämienerhebung und die Folgen des Zahlungsverzugs geregelt (je in den bis Ende 2011 gültig gewesenen Fas
sungen
, so auch nachfolgend
).
Bezahlt die versicherte Person fällige Prämien oder Kostenbeteiligungen nicht, so hat der Versicherer sie schriftlich zu mah
nen, ihr eine Nach
frist von 30 Tagen einzuräumen und sie auf die Folgen des Zahlungsverzuges hinzuweisen (
Art.
64a
Abs.
1 KVG,
Art.
105b
Abs.
1 KVV). Bezahlt die ver
sicherte Person innerhalb der angesetzten Frist nicht, so muss der Versicherer die Forderung in Betreibung setzen (
Art.
105b
Abs.
2 KVV).
Ein obligatorischer Krankenpflegeversicherer ist
im Falle
eines Rechtsvorschla
ges
be
rechtigt, nach
träglich eine formelle Verfügung zu erlassen, mit welcher der Rechts
vorschlag aufgehoben wird
(
BGE 121 V 109
E. 2-3;
Urteil des Bun
des
gerichts
K 1/04
vom 6. August 2004 E. 3 mit
weiteren
Hinweisen).
4.2
In
masslicher
Hinsicht bestritt der Beschwerdeführer die für die Monate
Juli bis
September 2009
(
à Fr. 70.90
pro Monat [nach Prämienverbilligung]
abzüglich ein
maliger Rückerstattung Umweltabgaben von Fr. 16.80, Urk. 14/14.1
)
, Okto
ber bis Dezember 2009 (à Fr. 70.90 pro Monat [nach Prämienverbilligung]
,
Urk. 14/14.2)
, Januar bis Dezember 2010 (à Fr. 177.90 pro Monat [ohne
Prämi
enverbilligung
], Urk. 14/14.3-6)
und Ja
nuar bis März 2011 (à Fr. 198.95, Urk. 14/14.
7
; vgl. auch
den Kontoauszug in
Urk. 14/30.2 S. 5
f.
) geforderten Prämien
nicht.
Insbesondere
erhob
er
keine Einreden der Tilgung oder Stun
dung gegen die betriebenen Forderungen.
Die
von der Be
schwerdegegnerin geforder
te
n
und in Betreibung gesetzte
n
Beträge
von
Fr. 1‘005.45
(Prämien
Juli bis Dezember 2009
und
Januar bis März 2011
, Betreibung Nr.
C._
; Urk. 14/20
)
und
Fr. 2‘134.80
(Prämien Januar bis Dezember 2010, Betreibung Nr.
D._
, Urk. 14/15)
sind
somit
geschuldet.
4.3
Nach
Art. 26 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemei
nen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) und Art. 105a KVV
ist
ein Zins von 5 % geschuldet.
Ein solcher ist nicht erst nach der Mah
nung gemäss Art. 64a Abs.
1 KVG, son
dern bereits ab dem vom Versicherer gesetzten letzten Zahlungstermin geschul
det (
Eugster
, Krankenversicherung, i
n: SBVR, Soziale Sicherheit, 2. Aufl. 2007, S.
752
Rz
1041).
Da die Prämien im Voraus zu bezahlen sind
(
Art.
90 Abs.
1 KV
V
),
waren sie bei Einleitung der Be
treibungen
Anfang Februar 2011 (Urk. 14/15) und Anfang Mai 2011 (Urk. 14/20)
bereits
fällig gewesen.
Abge
se
hen der vom Beschwerdeführer unstrittig vierteljährlich gewählten
Zahlungs
art
(Urk. 2 S. 2) ist den Akten kein vereinbarter oder vom Versicherer geset
zter besonderer Zahlungstermin
zu entnehmen
(vgl. auch Art. 15.1 der Allge
meinen Versicherungs
bedin
gungen der obligatorischen Krankenpflegever
sicherung und der freiwil
ligen Taggeldversicherung im Sinne des KVG [
AVB
)
.
Somit ist ein Verzugszins von 5
%
auf Fr. 195.90 (Prämien Juli bis September 2009) ab dem
1.
Juli 2009,
auf Fr. 212.70 ab dem
1.
Oktober 2009 (Prämien Oktober bis De
zember 2009), auf Fr. 533.70 ab dem
1.
Januar 2010 (Prämien Januar bis März 2010), auf Fr. 533.70 ab dem
1.
April 2010 (Prämien April bis Juni 2010), auf Fr. 533.70 ab dem
1.
Juli 2010 (Prämien Juli bis September 2010), auf Fr. 533.70 ab dem
1.
Oktober 2010 (Prämien Oktober bis Dezember 2010) und auf Fr.
596.85
ab dem 1. Januar 2011
(Prämien Januar bis März 2011) ge
schul
det.
Zu beachten ist dabei, dass Rechtsöffnung indes nicht
für höhere Beträge erteilt werden kann, als
gemäss den Zahlungsbefehlen (Urk. 14/15, Urk. 14/20)
in Betreibung gesetzt wurden
. Daher
ist der früheste Zeitpunkt für den Verzugs
zins betreffend
die Betreibung Nr.
C._
(Urk. 14/20) der 30.
Sep
tember 2009
(Prämien Juli bis September 2009)
und
betreffend die
Betreibung Nr.
D._
(Urk. 14/15) der 3
1.
März 2010 (Prämien Januar bis März 2010).
4.4
4.4.1
Die durch Zahlungsausstände verursachten Mahn- und
Umtriebsspesen
gehen
in ange
mes
senem Umfang - zu Lasten
der versicherten Person
(Ziff. 17.1
AVB
: Fr. 10.-- bzw. Fr. 30.-- für
Mahnungen und
Zahlungseinladungen
, Urk. 14/29 S. 3,
in Verbindung mit
Art.
105b
Abs.
3 KVV
[
bis Ende 2011; ab 1. Januar 2012: Art. 105b Abs. 2 KVV
]
; BGE 125 V 276).
Die Beschwerdegegnerin fordert vom Beschwerdeführer
den Ersatz für admini
strative Spesen in der Höhe von
Fr.
180.--
in Bezug auf die Prämien Juli bis Dezember 2009 und Januar bis März 2011
(
Urk. 2/1;
Urk.
14/
20) und
in der Höhe von
Fr. 160.--
in Bezug auf die Prämien Januar bis Dezember 2010 (Urk. 2/2
;
Urk.
14/
15).
Belegt
sind zwei Mahnungen
à insgesamt
Fr.
40.-- pro Prämiengruppe (Urk. 14/14.1-7), so dass
die Beträge von
Fr.
120.-- (3 x Fr. 40.--; Prämien Juli bis Dezember 2009 und Januar bis März 2011
; Betreibung Nr.
C._
, Urk. 14/20
) respektive
Fr.
160.-- (4 x Fr. 40.--; Prämien Januar bis Dezember 2010
; Betreibung Nr.
C._
, Urk. 14/20
)
für admini
strative Spesen
ange
messen und geschuldet sind.
4.4.2
Die Differenz von Fr. 60.--
bezüglich der Betreibung Nr.
C._
erklärt sich dadurch, dass die Beschwerdegegnerin zusätzlich zu den Mahnspesen die Kosten für die zwei
Betreibungen
Nr.
Y._
und Nr.
Z._
des Betreibungsamtes
A._
à je
Fr.
30.-- (Urk. 2/1 S. 2, Urk. 10/24/1 S. 2) unter dem Titel ad
mi
ni
strative Spesen einbezogen hat.
Sämtliche anfallenden Betreibungskosten sind in der Regel als vom Schuldner verursacht anzusehen, worunter alle im Interesse einer zweckentsprechenden und gesetzlichen Durchführung der Betreibung entstandenen Kosten fallen (
Urteil
des Bundesgerichts
K 144/03
vom 1
8.
Juni 2004
E. 4.3
mit Hinweisen
).
Ergibt die Betreibung
indes
keinen Erlös, hat der Gläubiger die
Betreibungs
kos
ten
vollumfänglich zu übernehmen.
Betreibungskosten können
auch dann nicht
vom Betriebenen bezogen werden, wenn die Betreibung nicht erfolgreich war, weil
namentlich
der Rechtsvorschlag nicht beseitigt wurde, wie es in den
Betreibungen
Nr.
Y._
und Nr.
Z._
des Betreibungsamtes
A._
der Fall war (vgl.
Zirkulationsbeschluss
des
Bezirksgericht
s
B._
, 4. Abteilung als untere kantonale Aufsichtsbehörde über Betreibungsämter,
vom
31. März 2011
;
Urk. 10/24/1 S.
6
f
f.).
Die Betreibungskosten aus diesen
Betreibungen
sind vom Schuldner somit nicht zu erstatten. Dies gilt nicht nur für die
Zahlungsbefehls
kosten
von
zweimal
Fr.
30.--
,
sondern auch für die unter dem Titel
„
Zustell
kosten
des Betreibungsamtes“ betriebenen Fr. 231.70 (Betreibung Nr.
C._
, Urk. 14/20), die im Übrigen
auch nicht ausgewiesen
sind.
4.4.3
Die Beschwerdegegnerin hat auch in Bezug auf die Prämien des Jahres 2010
„Zustellkosten des Betreibungsamtes“, und zwar in der Höhe von
Fr. 230.70
,
in Betreibung gesetzt (Betreibu
n
g Nr.
D._
, Urk. 14/15). Sie begründet
e
diese damit, dass
für die Prämien Januar bis März 2010 und April bis Juni 2010 zu
vor bereits am 30. April und 30. Juli 2010 je eine Betreibung
eingeleitet worden sei
. Das Betreibungsamt
A._
habe diese beiden
Betreibungen
zurück
ge
wiesen, weil
der Beschwerdeführer an seinem Wohnort nicht anzu
treffen gewesen sei. Dadurch seien Spesen (gemeint wohl Zustellkosten) von Fr. 145.85 und Fr. 84.85 entstanden, welche ihr (vom Betreibungsamt) in Rech
nung ge
stellt worden seien und
in Anwendung von
Art.
68 SchKG vom
Be
schwerde
führer
zu tragen seien
(Urk. 2/2 S. 2 ff.).
In
Bezug auf diese Betreibungskosten wurde weder ausgeführt noch belegt,
wo
ran die Zustellung der Zahlungsbefehle letztlich
ge
scheitert
war
und
inwiefern
die in
Art.
64 ff. SchKG vor
gesehenen Zustellmöglichkeiten
erfolglos
gewesen
waren
sowie weshalb diese
Betreibungen
nicht weiter
verfolgt
worden sind
.
Im Übrigen ist auch dem Kontoauszug der Beschwerdegegnerin betreffend den Beschwerdeführer mit
der
Übersicht über die
Betreibungen
lediglich eine Betrei
bung der Prämien Januar bis Dezember 2010
, und zwar die Betreibung Nr.
D._
aufgeführt (Urk. 14/30.1
S. 4
).
Es ist daher nicht einsichtig, weshalb weitere
Betreibungs
kosten
geschuldet sein sollen.
Die
Forderung von
Fr. 230.70
ist daher
n
icht begründet.
5.
5.1
Nach dem Gesagten
ist festzustellen, da
ss der Beschwerdeführer der
Be
schwer
de
gegnerin
die folgenden Beträge schuldet:
-
Fr. 1‘005.45
für die ausstehenden Prämien
Juli bis Dezember 2009
und
Januar bis März 2011
zuzüglich Zins von 5 % auf Fr. 195.90 (Prämien Juli bis September 2009) ab dem 1. Juli 2009, auf Fr. 212.70 ab dem
1.
Oktober 2009 (Prämien Oktober bis Dezember
2009)
und auf
Fr. 596.85 ab dem 1. Januar 2011
(Prämien Januar bis März 2011)
-
Fr. 2‘134.80
für die ausstehenden Prämien Januar bis Dezember 2010 zu
züglich
Z
ins von 5
%
ab dem
1.
Juli 2010 (
mittlerer Verfall
)
-
Fr. 120.-- (betreffend die Prämien Juli bis Dezember 2009 und Januar bis März 2011) und Fr. 160.-- (betreffend die Prämien Januar bis Dezember 2010) für admini
strative Spesen
Die Rechtsvorschläge in den
Betreibungen
Nr.
C._
(Zahlungsbefehl vom 9. Mai 2011, Urk. 14/20) und Nr.
D._
(Zahlungsbefehl vom 10. Februar 2011, Urk. 14/15) des Betreibungsamtes
A._
sind in diesem Umfang auf
zuheben, wobei der
Z
insenlauf
in der Betreibung Nr.
C._
auf den ganzen Betrag
erst
ab
1.
Juli 2010
beginnt
.
5.2
Nicht geschuldet sind
die
mit der
Betreibung Nr.
C._
verfolgten
Forde
run
gen betreffend administrative Spesen im Umfang von Fr. 60.--
und die
Zustell
kosten
des Betreibungsamtes
(
in anderen
Betreibungen
) im Betrag von Fr. 23
1
.70
(Urk. 14/
20)
sowie die mit der Betreibung Nr.
D._
verfolgten Zustellkosten des Betreibungsamtes (in anderen
Betreibungen
) im Betrag von Fr. 230.70 (Urk. 14/15).
5.3
Die Kosten für
die beiden
Zahlungsbefehl
e
vom 9.
Mai 2011 in der Betreibung Nr.
C._
(Urk. 14/20) und vom 10. Februar 2011 in der Betreibung Nr.
D._
(Urk. 14/15)
zuzüglich weiterer
diese Zahlungsbefehle betreffende
Zustellkosten
schuldet der Be
schwerdeführer de
r Beschwerde
gegnerin von Gesetzes wegen (Art. 68 Abs. 2 SchKG).
6.
Das Verfahren ist kostenlos.
Der Beschwerdeführer beantragt die Zusprechung einer Prozessentschädigung (Urk. 1 S. 2 und S. 5). Anspruch auf Parteientschädigung hat grundsätzlich die obsiegende oder teilweise obsiegende
beschwerdeführende
Person, die erheb
li
che Auslagen im Rahmen des Prozesses gehabt hat (§ 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Das Obsiegen der
Beschwerde
gegnerin
überwiegt erheblich. Zudem entstanden d
em Be
schwerdeführer keine Auslagen für eine Prozessvertretung und das Verfahren verur
sachte keine den üblichen Rahmen überschreitenden Arbeits
aufwand, weshalb nach konstanter Rechtsprechung des Sozialversicherungsgerichts von der Zu
sprechung einer Prozessentschädigung abzusehen ist (vgl. auch Wilhelm, in: Gesetz über das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, 2. Aufl., 2009, N5 zu §§ 33-34
GSVGer
).