Decision ID: 5fc88470-186d-53cb-908a-e827e22d8c3d
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die B._ AG (nachfolgend: Steuerpflichtige), mit derzeitigem Sitz in
(Ort), war unter der Mehrwertsteuernummer (...) vom 1. Januar 2009 bis
zum 31. März 2010 im Register der mehrwertsteuerpflichtigen Personen
bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) eingetragen. Seit dem
1. April 2010 ist sie Gruppenträgerin der Mehrwertsteuergruppe
«B._ AG» (CHE-[...]). Laut damaligem sowie heutigem Handelsre-
gistereintrag bezweckt sie unter anderem den Erwerb, die Veräusserung
und Verwaltung von Beteiligungen an (...) Unternehmen aller Art (...).
B.
B.a Am 15. Oktober 2010 führte die ESTV bei der Steuerpflichtigen – da-
mals noch in (Ort) domiziliert – eine Mehrwertsteuerkontrolle durch. Sie
überprüfte die Steuerperioden 1. Quartal 2006 bis 4. Quartal 2009 (Zeit
vom 1. Januar 2006 bis 31. Dezember 2009). Dabei stellte die ESTV für
die Jahre 2006 bis 2008 (d.h. für die Zeit vor der Eintragung der Steuer-
pflichtigen im Register der mehrwertsteuerpflichtigen Personen) nicht de-
klarierte Dienstleistungsbezüge aus dem Ausland fest. Mit der Einschät-
zungsmitteilung (EM) Nr. X («Verfügung») vom 28. Oktober 2010 forderte
die ESTV von der Steuerpflichtigen für die Steuerperiode vom 1. Quartal
2006 bis 4. Quartal 2008 Mehrwertsteuern im Betrag von Fr. 377'077.--
nebst Verzugszins (Steuerkorrektur zugunsten der ESTV) nach.
B.b Mit Schreiben vom 29. November 2010 («Einsprache») bestritt die
mittlerweile vertretene Steuerpflichtige bei der ESTV die mit EM Nr. X in
Ziffer 1 festgesetzte Nachforderung im Umfang von Fr. 37'033.40 und be-
antragte, diese sei in demselben Umfang aufzuheben bzw. eine Gutschrift
im Umfang von Fr. 37'033.40 zzgl. Vergütungszins ab dem Zeitpunkt der
Bezahlung des nachbelasteten Steuerbetrages auszustellen. Für die Steu-
erperiode 2007 sei demzufolge eine Steuerforderung (der ESTV) von
Fr. 152'309.-- und für die Steuerperiode 2008 eine solche von
Fr. 181'530.76 festzusetzen.
B.c Bei der Mehrwertsteuerkontrolle vom 15. Oktober 2010 stellte die
ESTV für das Jahr 2009 (d.h. für die Zeit nach der Eintragung der Steuer-
pflichtigen im Register der mehrwertsteuerpflichtigen Personen) neben
weiteren nicht deklarierten Dienstleistungsbezügen aus dem Ausland (Zif-
fer 1 des Beiblattes zur EM Nr. Y) eine den wirtschaftlichen Verhältnissen
nicht entsprechende Leistungsverrechnung an die Tochtergesellschaft
A._ AG fest (Ziffer 2 des Beiblattes zur EM Nr. Y). Mit der EM Nr. Y
A-2242/2020
Seite 3
(«Verfügung») vom 28. Oktober 2010 setzte die ESTV für die Steuerperi-
ode 2009 Mehrwertsteuern im Betrag von Fr. 245.05 (Steuerkorrektur zu-
gunsten der Steuerpflichtigen) fest.
B.d Ebenfalls mit einem Schreiben vom 29. November 2010 («Einspra-
che») bestritt die Steuerpflichtige bei der ESTV die mit EM Nr. Y in Ziffer 2
festgesetzte Gutschrift und beantragte, für die Steuerperiode 2009 sei die
abzugsfähige Vorsteuer auf den Betrag von Fr. 631'547.25 festzusetzten
und es sei ihr eine Gutschrift im Umfang von Fr. 582'058.25 zzgl. Vergü-
tungszins auszustellen. Es sei demzufolge festzusetzen, dass sie für die
Steuerperiode 2009 ein Guthaben von Fr. 311'433.25 gegenüber der ESTV
habe. Eventualiter sei für die Steuerperiode 2009 die abzugsfähige Vor-
steuer auf den Betrag von Fr. 487'385.40 festzusetzten und es sei ihr eine
Gutschrift im Umfang von Fr. 437'896.45 zzgl. Vergütungszins auszustel-
len. Es sei demzufolge festzusetzen, dass sie für die Steuerperiode 2009
ein Guthaben von Fr. 167'271.45 gegenüber der ESTV habe.
B.e Mit Schreiben vom 6. Oktober 2011 bat die ESTV um Einreichung di-
verser Unterlagen und Beantwortung einiger Fragen bzgl. der Nachbelas-
tungen in Ziffer 2 des Beiblattes zur EM Nr. Y. Die erfragten Informationen
wurden der ESTV innert verlängerter Frist mit Schreiben vom 30. Novem-
ber 2011 zugestellt.
C.
Mit Verfügung vom 11. Mai 2015 hiess die ESTV die Bestreitung der Steu-
erpflichtigen vom 29. November 2010 teilweise gut und setzte die Nachbe-
lastungen für die Steuerperioden vom 1. Quartal 2006 bis 4. Quartal 2008
aus der EM Nr. X in Höhe von Fr. 343'776.75 nebst Verzugszins fest. Mit
gleicher Verfügung wies die ESTV den Antrag der Steuerpflichtigen, es sei
für das Jahr 2009 ein Guthaben von Fr. 311'433.25 festzusetzen, ab und
bestätigte das mit EM Nr. Y für die Steuerperiode 2009 festgestellte Gut-
haben in Höhe von Fr. 245.05.
D.
Mit Schreiben vom 11. Juni 2015 erhob die Steuerpflichtige Einsprache ge-
gen die Verfügung vom 11. Mai 2015. Sie beantragte, es sei festzustellen,
dass sie (die Steuerpflichtige) für die Steuerperioden 2006 bis 2009 zu-
sätzlich zu ihren eigenen Abrechnungen den Betrag von Fr. 137'519.18 –
d.h. lediglich die nicht (mehr) bestrittenen Nachbelastungen aus den Jah-
ren 2006 bis 2008 (vgl. Sachverhalt Bst. B.b und C [erster Satz]) – zzgl.
A-2242/2020
Seite 4
Verzugszins schulde. Eventualiter sei festzustellen, dass sie für die Steu-
erperioden 2006 bis 2009 zusätzlich zu ihren eigenen Abrechnungen den
Betrag von Fr. 27'554.18 zzgl. Verzugszins schulde.
E.
Mit Einspracheentscheid vom 27. Februar 2020 wies die ESTV die Ein-
sprache ab (Ziff. 1), setzte die Steuer(nach)forderung gegenüber der Steu-
erpflichtigen für die Steuerperioden vom 1. Quartal 2006 bis 4. Quartal
2009 (Zeit vom 1. Januar 2006 bis 31. Dezember 2009) gemäss der Erwä-
gung 2.1 und 2.2.4 fest (Ziff. 2) und bezifferte diese für die erwähnten Steu-
erperioden auf Fr. 343'530.75 zzgl. Verzugszins von 5 % vom 31. Dezem-
ber 2008 (mittlerer Verfall) bis 31. Dezember 2009 bzw. 4.5 % seit 1. Ja-
nuar 2010 bis 31. Dezember 2011 bzw. 4 % seit dem 1. Januar 2012
(Ziff. 3). In der fraglichen Zeit gelte die A._ AG und nicht die Steu-
erpflichtige in wirtschaftlicher Hinsicht als Arbeitgeberin des Konzernfüh-
rungspersonals und eine steuerbare Leistung von der Steuerpflichtigen an
die A._ AG sei von vornherein nicht möglich. Die fakturierte und ab-
gerechnete Mehrwertsteuer aus Personalverleih im Umfang von
Fr. 299'891.60 werde – obwohl zu Unrecht ausgestellt – nicht korrigiert, da
die A._ AG die Vorsteuer zu 100 % in Abzug gebracht habe. Was
die Zeit vom 1. November 2009 bis 31. Dezember 2009 betreffe, so gälten
die erwähnten Mitarbeitenden aus mehrwertsteuerrechtlicher Sicht jedoch
als bei der Steuerpflichtigen angestellt, welcher auch die diesbezüglichen
Personalaufwendungen zuzurechnen seien. Eine Weiterverrechnung zzgl.
Mehrwertsteuer erweise sich somit als korrekt. Diesbezüglich gehe sie –
die ESTV – davon aus, dass in Höhe von Fr. 657'657.-- eine steuerbare
Leistung an die A._ AG erbracht worden sei. Dem Antrag, es sei für
die Kreditorenrechnungen im Umfang von Fr. 2'372'100.14 («Non-Ste-
wardship»-Kosten im Jahr 2009) ein Vorsteuerbetrag von zusätzlich
Fr. 161'072.82 zuzulassen, sei nicht stattzugeben. Auf den diesbezüglich
eingereichten Rechnungen sei zu einem grossen Teil gar keine Schweizer
Mehrwertsteuer ausgewiesen worden. Überdies seien diese weiteren Auf-
wendungen nicht für steuerbare Leistungen verwendet worden (kein steu-
erbarer Ausgangsumsatz) und berechtigten nicht zum Vorsteuerabzug. Die
Vorsteuerpauschale für Versicherungsgesellschaften für angeblich durch
die Steuerpflichtige in Anspruch genommene Infrastruktur und übrige Auf-
wände sei nicht anwendbar. Einerseits verfüge die Steuerpflichtige über
keinerlei Infrastrukturaufwand, welcher als gemischt verwendet qualifiziert
werden müsste und andererseits handle es sich um eine branchenspezifi-
sche Vorsteuerpauschale, welche ausschliesslich für Versicherungen
gelte. Der von der A._ AG an die Steuerpflichtige in Rechnung zu
A-2242/2020
Seite 5
stellende Personalverleih könne nicht sogleich wieder in eine steuerbare
Leistung von der Steuerpflichtigen an die A._ AG fliessen und
schaffe daher keinen zusätzlichen Vorsteueranspruch, wie er von der Steu-
erpflichtigen eventualiter beantragt worden sei. Diese erbringe nämlich
keine steuerbaren Leistungen, für welche Vorsteuern gemischt verwendet
würden.
F.
Mit Beschwerde vom 28. April 2020 gelangte die Steuerpflichtige (nachfol-
gend: Beschwerdeführerin) an das Bundesverwaltungsgericht und bean-
tragt, der Einspracheentscheid vom 27. Februar 2020 sei – mit Ausnahme
der anerkannten Steuerforderung in Höhe von Fr. 343'776.75 – aufzuhe-
ben und die Steuerforderung für die Steuerperiode 2009 sei um einen Vor-
steuerabzug von Fr. 556'005.20 zu erhöhen und ihr – der Beschwerdefüh-
rerin – unter Verrechnung mit der für die Steuerperioden 2006 bis 2008
anerkannten Steuerforderung von Fr. 343'776.75 eine Gutschrift von
Fr. 212'228.45 zzgl. Vergütungszins auf Fr. 378'091.30 von 5 % vom
31. Oktober 2009 bis 31. Dezember 2009 bzw. 4.5 % vom 1. Januar 2010
bis 31. Dezember 2011 bzw. 4 % seit dem 1. Januar 2012 auszustellen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der ESTV. Die
Beschwerdeführerin lässt verlauten, sie anerkenne die Nachbelastungen
aus nicht deklarierten Bezügen von Dienstleistungen von Unternehmen mit
Sitz im Ausland der Jahre 2007 und 2008 und die Steuerforderung gemäss
Ziffer 2.1 des Einspracheentscheides im Betrag von Fr. 343'776.75. So-
dann moniert sie, das Konzernleitungspersonal sei in der massgeblichen
Zeit sowohl aus zivilrechtlicher Sicht als auch nach wirtschaftlich tatsächli-
chen Kriterien bei ihr (der Beschwerdeführerin) und nicht bei der
A._ AG angestellt gewesen. Die administrative Abwicklung der Ar-
beitgeberfunktionen durch die A._ AG könne daran nichts ändern.
Der Aussenauftritt sei bei der Beurteilung, wer im Konzern als Arbeitgebe-
rin gelte, nicht relevant. Wie die Stewardship- und «Non-Stewardship»-
Kosten aufgeteilt bzw. verrechnet worden seien, sei für das Jahr 2009 ent-
scheidend. Würden dieselben Grundsätze wie im Verfahren der
A._ AG [A-2244/2020] für 2008 angewendet, ergäben sich im Jahr
2009 Stewardship-Kosten von der A._ AG an die Beschwerdefüh-
rerin in Höhe von Fr. 1'818'496.--. Die darauf lastende Vorsteuer von
Fr. 138'205.70 sei nicht abzugsfähig. Die restlichen Kosten, welche ihr über
den Verrechnungsmechanismus des Steuerrulings und zum Verlustaus-
gleich bei der A._ AG in Höhe von Fr. 7'992'322.34 abzüglich
Fr. 1'818'496.-- (ausmachend: Fr. 6'173'826.34) verrechnet worden seien,
A-2242/2020
Seite 6
stünden aber im Zusammenhang mit ihrer steuerbaren Tätigkeit und be-
rechtigten zum Vorsteuerabzug. Gesamthaft stünde ihr ein zusätzlicher
Vorsteuerabzug von Fr. 574'249.15 zu.
G.
Die ESTV (nachfolgend auch: Vorinstanz) beantragt in ihrer Vernehmlas-
sung vom 23. Juni 2020 die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde
unter Kostenfolge zulasten der Beschwerdeführerin. Die Steuer(nach)for-
derung in Höhe von Fr. 343'776.75 werde von der Beschwerdeführerin
ausdrücklich anerkannt und sei demnach in Rechtskraft erwachsen. Be-
treffend die Frage, wer in mehrwertsteuerrechtlicher Hinsicht als Arbeitge-
berin des Konzernleitungspersonals qualifiziert, verweist die Vorinstanz auf
ihre Ausführungen in der Vernehmlassung in Sachen A._ AG. Die
Beschwerdeführerin könne selber nicht genau darlegen, wie hoch ihr Vor-
steueranspruch im Jahr 2009 sei. Im Rahmen ihrer Beschwerde scheine
die Beschwerdeführerin nun neu zu versuchen, die von der A._ AG
an sie gestellte Rechnung Nr. 2009-0447 über Fr. 6'080'852.60 (inkl. Mehr-
wertsteuer von Fr. 429'502.60; Beschwerdebeilage [BB] 23, Rechnung
Nr. 2009-0447 vom 31. Dezember 2009) für Stewardship-Leistungen als
überhöht darzustellen. Es gelinge der Beschwerdeführerin jedoch nicht
nachzuweisen, dass der mit Vorsteuer belastete Aufwand für eine steuer-
bare Tätigkeit verwendet wurde. Ein weiterer Anspruch auf Vorsteuerabzug
bestehe folglich nicht.
H.
Mit unaufgefordert eingereichter Stellungnahme vom 30. Juli 2020 betont
die Beschwerdeführerin unter anderem erneut, die umstrittenen vorsteuer-
belasteten Aufwendungen stünden im Zusammenhang mit Leistungen an
die Konzerngesellschaften und würden somit für den steuerbaren Unter-
nehmenszweck verwendet werden.
I.
Auf die einzelnen Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die vorhande-
nen Akten wird – soweit entscheidrelevant – in den folgenden Erwägungen
eingegangen.
A-2242/2020
Seite 7

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 des Bundes-
gesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht (VGG,
SR 173.32) Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge-
setzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG,
SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine
solche liegt hier nicht vor. Der angefochtene Einspracheentscheid vom
27. Februar 2020 stellt eine Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG dar. Die
Vorinstanz ist eine Behörde im Sinne von Art. 33 VGG. Das Bundesverwal-
tungsgericht ist demnach für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde
zuständig.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Die Beschwerdeführerin ist Adressatin der angefochtenen Verfügung
und von dieser betroffen. Sie ist damit zur Beschwerdeerhebung berechtigt
(Art. 48 Abs. 1 VwVG).
1.4 Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde
(Art. 50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
1.5 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann neben der Ver-
letzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder
unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49
Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG).
1.6 Im Beschwerdeverfahren gilt die Untersuchungsmaxime, wonach die
entscheidende Behörde den rechtlich relevanten Sachverhalt von sich aus
abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen muss. Der Untersu-
chungsgrundsatz wird im Mehrwertsteuerverfahren indes dadurch relati-
viert, dass den Verfahrensbeteiligten spezialgesetzlich statuierte Mitwir-
kungspflichten auferlegt werden (vgl. Art. 13 VwVG; BVGE 2009/60
E. 2.1.2). Die Beschwerdeinstanz nimmt jedoch nicht von sich aus zusätz-
liche Sachverhaltsabklärungen vor oder untersucht weitere Rechtsstand-
punkte, für die sich aus den vorgebrachten Rügen oder den Akten nicht
zumindest Anhaltspunkte ergeben (BVGE 2010/64 E. 1.4.1; MO-
SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsge-
richt, 2. Aufl. 2013, Rz. 1.49 ff., 1.54 f., 3.119 ff.). Sodann gilt im Verfahren
A-2242/2020
Seite 8
vor dem Bundesverwaltungsgericht der Grundsatz der freien Beweiswürdi-
gung. Die Beweiswürdigung endet mit dem richterlichen Entscheid dar-
über, ob eine rechtserhebliche Tatsache als erwiesen zu gelten hat oder
nicht. Der Beweis ist geleistet, wenn das Gericht gestützt auf die freie Be-
weiswürdigung zur Überzeugung gelangt ist, dass sich der rechtserhebli-
che Sachumstand verwirklicht hat (BGE 130 II 482 E. 3.2; vgl. ausführlicher
statt vieler: Urteil des BVGer A-719/2018 vom 2. Mai 2019 E. 2.5).
1.7 Ist ein Sachverhalt nicht erstellt bzw. bleibt ein Umstand unbewiesen,
ist zu regeln, wer die Folgen der Beweislosigkeit trägt. Im Steuerrecht gilt
grundsätzlich, dass die Steuerbehörde die (objektive) Beweislast für Tatsa-
chen trägt, welche die Steuerpflicht als solche begründen oder die Steuer-
forderung erhöhen (steuerbegründende und -erhöhende Tatsachen). Dem-
gegenüber ist die steuerpflichtige Person für die steueraufhebenden und
steuermindernden Tatsachen beweisbelastet, das heisst für solche Tatsa-
chen, welche eine Steuerbefreiung oder Steuerbegünstigung bewirken
(anstelle vieler: BGE 140 II 248 E. 3.5; Urteile des BGer 2C_709/2017 vom
25. Oktober 2018 E. 3.2 und 2C_715/2013 vom 13. Januar 2014 E. 2.3.3;
Urteil des BVGer A-6390/2016 und A-6393/2016 vom 14. September 2017
E. 1.4 mit weiteren Hinweisen).
1.8 Gestützt auf den Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen
(vgl. Art. 62 Abs. 4 VwVG), welcher im Beschwerdeverfahren gilt, ist das
Bundesverwaltungsgericht verpflichtet, auf den unter Mitwirkung der Ver-
fahrensbeteiligten festgestellten Sachverhalt die richtigen Rechtsnormen
anzuwenden (statt vieler: BGE 131 II 200 E. 4.2). Dies bedeutet, dass das
Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde auch aus anderen als den
geltend gemachten Gründen gutheissen oder den angefochtenen Ent-
scheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen kann, die von jener
der Vorinstanz abweicht (sog. Motivsubstitution; vgl. BVGE 2007/41 E. 2;
Urteile des BVGer A-6966/2018 vom 24. Oktober 2019 E. 1.5 und
A-3678/2016 vom 6. August 2018 E. 2.2; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,
a.a.O., Rz. 1.54).
1.9 Am 1. Januar 2010 ist das (neue) Bundesgesetz vom 12. Juni 2009
über die Mehrwertsteuer (MWSTG, SR 641.20) in Kraft getreten. In mate-
rieller Hinsicht bleiben die bisherigen Vorschriften auf alle während ihrer
Geltungsdauer eingetretenen Tatsachen, entstandenen Rechtsverhält-
nisse und erbrachten Leistungen anwendbar (Art. 112 Abs. 1 und 2
MWSTG). Vorliegend geht es um Steuerkorrekturen betreffend das Jahr
2009. In materieller Hinsicht kommt daher das am 1. Januar 2001 in Kraft
A-2242/2020
Seite 9
getretene Mehrwertsteuergesetz vom 2. September 1999 (aMWSTG,
AS 2000 1300) sowie die dazugehörige Verordnung vom 29. März 2000
(aMWSTGV, AS 2000 1347) zur Anwendung.
Demgegenüber findet das neue mehrwertsteuerliche Verfahrensrecht auf
sämtliche im Zeitpunkt des Inkrafttretens hängige Verfahren sofort Anwen-
dung (Art. 113 Abs. 3 MWSTG).
2.
2.1 Mehrwertsteuerpflichtig ist unter dem aMWSTG, wer eine mit der Er-
zielung von Einnahmen verbundene gewerbliche oder berufliche Tätigkeit
selbstständig ausübt, sofern seine Lieferungen und seine Dienstleistungen
sowie sein Eigenverbrauch im Inland jährlich gesamthaft Fr. 75'000.-- über-
steigen (Art. 21 Abs. 1 aMWSTG). Steuerpflichtig sind namentlich natürli-
che Personen, Personengesellschaften, juristische Personen des privaten
und öffentlichen Rechts, unselbstständige öffentliche Anstalten sowie Per-
sonengesamtheiten ohne Rechtsfähigkeit, die unter gemeinsamer Firma
Umsätze tätigen (Art. 21 Abs. 2 aMWSTG). Ausgenommen von der sub-
jektiven Mehrwertsteuerpflicht sind Unternehmen mit einem Jahresumsatz
bis zu Fr. 250'000.--, sofern die nach Abzug der Vorsteuer verbleibende
Steuer regelmässig nicht mehr als Fr. 4'000.-- im Jahr beträgt (Art. 25
Abs. 1 aMWSTG; vgl. BGE 138 II 251 E. 2.2).
2.2 Der Mehrwertsteuer unterliegen die im Inland gegen Entgelt erbrachten
Lieferungen von Gegenständen und Dienstleistungen (Art. 5 Bst. a und b
aMWSTG), sofern die entsprechenden Umsätze nicht ausdrücklich von der
Mehrwertsteuer ausgenommen sind (Art. 18 aMWSTG). Gemäss Art. 6
Abs. 1 aMWSTG liegt eine Lieferung vor, wenn die Befähigung verschafft
wird, in eigenem Namen über einen Gegenstand wirtschaftlich zu verfügen
oder wenn ein Gegenstand zum Gebrauch oder zur Nutzung überlassen
wird (Art. 6 Abs. 2 Bst. b aMWSTG). Als Dienstleistung gilt jede Leistung,
die keine Lieferung eines Gegenstandes ist (Art. 7 Abs. 1 aMWSTG).
2.3
2.3.1 Damit überhaupt eine steuerbare Leistung vorliegt, muss sie im Aus-
tausch mit einem Entgelt erfolgen (sog. «Leistungsaustausch», neurecht-
lich: «Leistungsverhältnis»). Die Entgeltlichkeit stellt – vom Eigenverbrauch
abgesehen – ein unabdingbares Tatbestandsmerkmal einer mehrwertsteu-
erlichen Leistung dar. Besteht zwischen Leistungserbringer und -empfän-
ger kein Austauschverhältnis im erwähnten Sinn, ist die Aktivität mehrwert-
A-2242/2020
Seite 10
steuerlich irrelevant und fällt nicht in den Geltungsbereich der Mehrwert-
steuer (anstelle vieler: BGE 132 II 353 E. 4.3; BVGE 2010/6 E. 3.1; [zum
aMWSTG und MWSTG]: Urteil des BVGer A-6671/2015 und A-6674/2015
vom 9. August 2016 E. 2.2.2). Ein Leistungsaustausch ist auch unter na-
hestehenden Personen (vgl. nachfolgend: E. 2.6) möglich (BGE 138 II 239
E. 3.2). Die Annahme eines Leistungsverhältnisses setzt voraus, dass zwi-
schen Leistung und Entgelt eine innere wirtschaftliche Verknüpfung, wel-
che nach wirtschaftlichen, tatsächlichen Kriterien (sogleich: E. 2.4) zu be-
urteilen gilt, gegeben ist (BGE 138 II 239 E. 3.2, 132 II 353 E. 4.1 und 126
II 443 E. 6a, je mit weiteren Hinweisen; ausführlicher [zum aMWSTG]: Ur-
teile des BVGer A-719/2018 vom 2. Mai 2019 E. 3.1.3 und A-5567/2015
vom 20. Januar 2016 E. 2.1.2).
2.3.2 Im Rahmen der Beurteilung, ob ein mehrwertsteuerlich relevantes
Leistungsverhältnis vorliegt, stellt sich die Frage, wer als Leistungserbrin-
ger und wer als Leistungsempfänger zu gelten hat (vgl. dazu Urteil des
BGer 2A.215/2003 vom 20. Januar 2005 E. 6.4 f.; [zum aMWSTG]: Urteile
des BVGer A-457/2014 vom 21. August 2014 E. 3.3.1 und A-2967/2008
vom 11. August 2010 E. 2.3.1). Bei der Ermittlung des mehrwertsteuerli-
chen Leistungserbringers ist das Auftreten gegen aussen im eigenen Na-
men massgeblich ([zum aMWSTG]: Urteil des BVGer A-457/2014 vom
21. August 2014 E. 3.3.2 mit weiteren Hinweisen). Das Handeln wird
grundsätzlich demjenigen mehrwertsteuerlich zugerechnet, der nach aus-
sen, gegenüber Dritten im eigenen Namen auftritt. Massgebend ist dabei
die Frage, wie die angebotene Leistung für die Allgemeinheit bzw. für den
neutralen Dritten objektiv erkennbar in Erscheinung tritt (vgl. statt vieler:
[zum MWSTG]: Urteile des BVGer A-4326/2019 vom 22. Juni 2021 E. 2.3.3
und A-5345/2018 vom 3. Oktober 2019 E. 2.2.3; [zum aMWSTG]: Urteile
des BVGer A-719/2018 vom 2. Mai 2019 E. 3.1.4 und A-457/2014 vom
21. August 2014 E. 3.3.2; vgl. auch: RALF IMSTEPF, Der mehrwertsteuerli-
che «Aussenauftritt», in: Archiv für schweizerisches Abgaberecht [ASA] 82
S. 451 ff.).
2.3.3 Die Steuer wird vom Entgelt berechnet (Art. 33 Abs. 1 aMWSTG),
dieses stellt die Bemessungsgrundlage dar. Zum Entgelt gehört alles, was
der Empfänger oder an seiner Stelle ein Dritter als Gegenleistung für die
Lieferung oder die Dienstleistung aufwendet, einschliesslich Spenden, die
unmittelbar den einzelnen Umsätzen des Empfängers als Gegenleistung
zugeordnet werden können. Die Gegenleistung umfasst auch den Ersatz
aller Kosten, selbst wenn diese gesondert in Rechnung gestellt werden. Im
Falle einer Lieferung oder Dienstleistung an eine nahestehende Person
A-2242/2020
Seite 11
(vgl. nachfolgend: E. 2.6) gilt als Entgelt der Wert, der unter unabhängigen
Dritten vereinbart würde (Art. 33 Abs. 2 aMWSTG). Diese Bestimmung ent-
spricht dem im Steuerrecht bekannten Grundsatz des Drittvergleichs
(«dealing at arm's length»; vgl. BGE 142 II 488 E. 3.5.2; Urteile des BGer
2C_970/2012 vom 1. April 2013 E. 3.1 und 2A.11/2007 vom 25. Oktober
2007 E. 2.3.2; vgl. ausführlich [zum aMWSTG]: Urteil des BVGer
A-3376/2014 vom 10. Februar 2015 E. 3.3.1 mit weiteren Hinweisen). Die
Anwendbarkeit dieses Artikels bedingt eine Leistung zu einem Vorzugs-
preis, also zu einem Entgelt, welches nicht mit dem Preis übereinstimmt,
den ein unabhängiger Dritter zu bezahlen hätte (sog. Drittpreis). Im Weite-
ren muss es sich beim Empfänger der Leistung um eine nahestehende
Person (E. 2.6) handeln. Rechtsfolge einer solchen Leistung zu einem Vor-
zugspreis an eine nahestehende Person ist, dass für die Bemessung der
Mehrwertsteuer eine besondere (fiktive) Bemessungsgrundlage herange-
zogen wird. Die Leistung wird auf den Wert korrigiert, der unter unabhän-
gigen Dritten vereinbart würde. Massgebend ist der Drittpreis, d.h. der
Preis, den ein Dritter der gleichen Abnehmerkategorie auf dem Markt übli-
cherweise für dieselbe Leistung zu bezahlen hätte (sog. Marktwert; vgl. Ur-
teil des BGer 2C_778/2008 vom 8. April 2009 E. 3.1; ausführlich zum Gan-
zen auch [zum aMWSTG]: Urteil des BVGer A-3376/2014 vom 10. Februar
2015 E. 3.3.2 f. mit weiteren Hinweisen).
Dieser Drittpreis ist in den meisten Fällen kein exakter Wert, sondern kann
nur annäherungsweise bestimmt werden (statt vieler: Urteil des BVGer
A-3376/2014 vom 10. Februar 2015 E. 3.3.4). Zur Ermittlung des Drittprei-
ses – namentlich in Konzernen – können Methoden, die auch bei den di-
rekten Steuern Anwendung finden, herangezogen werden, wie unter ande-
rem die Kostenaufschlags- bzw. Cost Plus-, die Preisvergleichs- oder die
Wiederverkaufspreismethode. Bei ersterer Methode wird von den verbuch-
ten Kosten ausgegangen und darauf wird ein Gewinnzuschlag berechnet
([zum MWSTG]: vgl. Urteile des BVGer A-2490/2020 vom 18. November
2020 E. 2.2.4 und A-5431/2015 vom 28. April 2016 E. 2.4; [zum aMWSTG]:
Urteil des BVGer A-104/2013 vom 22. Juli 2013 E. 4.3; BOSSART/CLAVA-
DETSCHER, in: Zweifel/Beusch/Glauser/Robinson [Hrsg.], Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer,
2015 [nachfolgend: Kommentar MWSTG], Art. 24 N 59 ff.). Diese Metho-
den wurden im Wesentlichen entsprechend vom Bundesgericht bestätigt
(vgl. Urteile des BGer 2C_495/2017 und 2C_512/2017 vom 27. Mai 2019
E. 7.2.2 und E. 11.1 sowie 2C_443/2020 vom 8. Oktober 2020, insbeson-
dere E. 3.2.2; [zum MWSTG]: Urteil des BVGer A-2490/2020 vom 18. No-
vember 2020 E. 2.2.4). Die ESTV hat somit zur Ermittlung des Drittpreises
A-2242/2020
Seite 12
grundsätzlich eine Schätzung durchzuführen und sich dabei an die im Zu-
sammenhang mit der Ermessenseinschätzung entwickelten Prinzipien zu
halten ([zum MWSTG]: Urteil des BVGer A-2490/2020 vom 18. November
2020 E. 2.2.5; [zum aMWSTG]: Urteil des BVGer A-3376/2014 vom
10. Februar 2015 E. 3.3.4).
2.4 Die mehrwertsteuerliche Qualifikation von Vorgängen hat nicht in erster
Linie aus einer zivil- bzw. vertragsrechtlichen Sicht, sondern nach wirt-
schaftlichen, tatsächlichen Kriterien zu erfolgen (sog. «wirtschaftliche Be-
trachtungsweise»). Die zivil- bzw. vertragsrechtliche Sicht ist demnach
nicht entscheidend, hat aber immerhin Indizwirkung (BVGE 2007/23
E. 2.3.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler [zum MWSTG]: Urteile des BVGer
A-4326/2019 vom 22. Juni 2021 E. 2.3.1 und A-5345/2018 vom 3. Oktober
2019 E. 2.2.1; [zum aMWSTG]: Urteile des BVGer A-3437/2015 vom
2. Mai 2016 E. 2.2.2 und A-5567/2015 vom 20. Januar 2016 E. 2.1.2, je mit
weiteren Hinweisen). Auch die buchhalterische Erfassung von Leistungen
kann nach konstanter Rechtsprechung lediglich ein Indiz für eine mehr-
wertsteuerrechtliche Qualifikation sein, vermag jedoch die wirtschaftliche
Realität nicht zu ändern ([zum aMWSTG]: Urteil des BVGer A-3437/2015
vom 2. Mai 2016 E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen).
2.5 Beim Personalverleih überlässt der Arbeitgeber (Verleiher) einem Drit-
ten Arbeitnehmer. Gewerbsmässiger Personalverleih bedingt eine Bewilli-
gung gemäss den Art. 12 ff. des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 1989
über die Arbeitsvermittlung und den Personalverleih (AVG, SR 823.11).
Beim Personalverleih handelt es sich grundsätzlich – mit Ausnahme von
dem vorliegend nicht relevanten Art. 18 Ziff. 12 aMWSTG – um eine steu-
erbare Dienstleistung (vgl. Urteil des BGer 2C_612/2007 vom 7. April 2008
E. 7.4; [zum aMWSTG]: Urteil des BVGer A-457/2014 vom 21. August
2014 E. 3.5; siehe nachfolgend im Konzern: E. 2.6.2).
2.6
2.6.1 Als nahestehende Personen gelten unter dem hier anwendbaren
aMWSTG unter anderem auch liierte Unternehmen wie beispielsweise
Konzerngesellschaften (statt vieler [zum aMWSTG]: Urteile des BVGer
A-3376/2014 vom 10. Februar 2015 E. 3.3.2 und A-5154/2011 vom 24. Au-
gust 2012 E. 2.3.2, je mit weiteren Hinweisen, und A-1576/2006 vom 6. No-
vember 2008 E. 3.2; BOSSART/CLAVADETSCHER, Kommentar MWSTG,
Art. 3 N 149; vgl. [zum MWSTG]: BOSSART/CLAVADETSCHER, Kommentar
MWSTG, Art. 3 N 179 und MARC VOGELSANG, Leistungen an eng verbun-
dene und nahestehende Personen im Mehrwertsteuerrecht, in: Expert
A-2242/2020
Seite 13
Focus [EF] 4/21, S. 193 ff., S. 194). Unter Konzerngesellschaften als na-
hestehende Personen sind steuerbare Umsätze – wie gezeigt (E. 2.3.3) –
zum Drittpreis zu fakturieren ([zum aMWSTG]: Urteile des BVGer
A-3376/2014 vom 10. Februar 2015 E. 3.3.2 ff. mit weiteren Hinweisen und
A-1576/2006 vom 6. November 2008 E. 3.2; MARTIN KOCHER, Die Holding-
gesellschaft im schweizerischen Mehrwertsteuerrecht, Grundsätzliche As-
pekte unter Einbezug des «Konzern-Mehrwertsteuerrechts», in: ASA 74
S. 609 ff., S. 641).
2.6.2 Laut Art. 663e Abs. 1 des Obligationenrechts vom 30. März 1911
(OR, SR 220) in seiner vorliegend anwendbaren und bis Ende 2012 gel-
tenden Fassung (AS 1992 733; aufgehoben durch Ziff. I 1 des BG vom
23. Dezember 2011 [Rechnungslegungsrecht], mit Wirkung seit 1. Januar
2013 [AS 2012 6679]) fasst in einem Konzern eine Gesellschaft durch
Stimmenmehrheit oder auf andere Weise eine oder mehrere Gesellschaf-
ten unter einheitlicher Leitung zusammen. Die tatsächlich ausgeübte ein-
heitliche Leitung gilt dabei als zwingend notwendiges Merkmal für das Vor-
liegen eines Konzerns (KARIN BEYELER, Konzernleitung im schweizeri-
schen Privatrecht, Zürich 2004, S. 23, 117; vgl. auch: KOCHER, a.a.O.,
S. 609 ff., S. 616 ff. mit Hinweisen; [zum aMWSTG]: Urteil des BVGer
A-1576/2006 vom 6. November 2008 E. 4.1 mit weiterem Hinweis). Wird
eine solche einheitliche Leitung ausgeübt, ist konzernleitende Gesellschaft
häufig die Gesellschaft, die die massgeblichen Beteiligungen an den Toch-
tergesellschaften innehat und somit eine einheitliche Leitung durchsetzen
kann (sog. aktive Holdinggesellschaft). Die Konzernleitung kann (als Gan-
zes) aber auch bei einer Management- oder Betriebsgesellschaft angesie-
delt sein, wobei die Holding einzig den Zweck hat, die Beteiligungen zu
halten, ohne sie aktiv zu verwalten (sog. passive Holdinggesellschaft; aus-
führlich [zum aMWSTG]: Urteil des BVGer A-1576/2006 vom 6. November
2008 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen; vgl. zur subjektiven Mehrwertsteuer-
pflicht von Holdinggesellschaften: KOCHER, a.a.O., S. 609 ff., S. 628 ff.). In
einen privatwirtschaftlich organisierten Konzern eingebundene Betriebsge-
sellschaften erbringen in aller Regel steuerbare Lieferungen und Dienst-
leistungen. Managementgesellschaften übernehmen gewisse Leitungs-
funktionen und/oder «vermieten» Führungskräfte und anderes Personal an
Konzerngesellschaften. Die Leistungen solcher Gesellschaften sind in aller
Regel ausschliesslich steuerbar (vgl. E. 2.5; KOCHER, a.a.O., S. 609 ff.,
S. 618 f.).
Hierbei obliegt im Konzern dem Verwaltungsrat der konzernleitenden Ge-
sellschaft die unübertragbaren Aufgaben – wie etwa die Oberleitung oder
A-2242/2020
Seite 14
Oberaufsicht – gemäss Art. 716a Abs. 1 OR. Soweit jedoch keine solchen
unübertragbaren Aufgaben betroffen sind, kann der Verwaltungsrat nach
Art. 716b OR die Geschäftsführung – unter Einhaltung bestimmter Form-
vorschriften – übertragen. Unter anderem können etwa operationelle Auf-
gaben an eine «Konzernleitung» innerhalb der Muttergesellschaft oder an
eine Managementgesellschaft delegiert werden (zum Ganzen ausführlich
[zum aMWSTG]: Urteil des BVGer A-1576/2006 vom 6. November 2008
E. 4.2 mit weiteren Hinweisen).
2.7
2.7.1 Verwendet die steuerpflichtige Person Gegenstände oder Dienstleis-
tungen für einen geschäftlich begründeten Zweck, so kann sie in ihrer Steu-
erabrechnung die auf den Eingangsleistungen lastende Steuer als Vor-
steuer abziehen (Art. 38 Abs. 1 und 2 aMWSTG). Als im Sinne von Art. 38
Abs. 2 aMWSTG verwendet hat eine Eingangsleistung namentlich dann zu
gelten, wenn sie in steuerbare Ausgangsleistungen einfliesst. Trifft dies
nicht zu, liegt mit Bezug auf diese Eingangsleistung Endverbrauch beim
Steuerpflichtigen vor ([zum aMWSTG]: vgl. BGE 132 II 353 E. 8.2 und
E. 10; Urteile des BVGer A-5200/2018 vom 28. August 2019 E. 2.4.1 und
A-3256/2014 vom 11. August 2015 E. 2.5.1; vgl. DANIEL RIEDO, Vom We-
sen der Mehrwertsteuer als allgemeine Verbrauchsteuer und von den ent-
sprechenden Wirkungen auf das schweizerische Recht, Bern 1999,
S. 141 f.). Für die Berechtigung zum Vorsteuerabzug des Leistungserbrin-
gers ist grundsätzlich irrelevant, ob sodann der Leistungsempfänger die
Leistung privat oder geschäftlich verwendet ([zum aMWSTG]: vgl.
BGE 138 II 239 E. 3.3; Urteil des BGer 2C_451/2013 vom 7. Januar 2014
E. 6.1 f., Urteil des BVGer A-5200/2018 vom 28. August 2019 E. 2.4.1 mit
weiteren Hinweisen).
2.7.2 Verwendet die steuerpflichtige Person vorsteuerbelastete Eingangs-
leistungen sowohl für Zwecke, die zum Vorsteuerabzug berechtigen, als
auch für andere Zwecke (sog. gemischte Verwendung), so ist der Vorsteu-
erabzug gemäss Art. 41 Abs. 1 aMWSTG nach dem Verhältnis der Verwen-
dung zu kürzen (vgl. eingehender zur Kürzung «nach dem Verhältnis der
Verwendung» [zum aMWSTG]: Urteil des BVGer A-2703/2020 vom 12. Mai
2021 E. 2.5.2).
3.
Im vorliegenden Fall ist die Beschwerdeführerin die Muttergesellschaft des
C._ Konzerns und hält als dessen Holdinggesellschaft die Beteili-
gungen an den in- und ausländischen Tochtergesellschaften; so auch an
A-2242/2020
Seite 15
der A._ AG – und zwar zu 100 % (BB 7, Organisationsreglement
der B._ AG vom 16. April 2007, Ziff. 1.2). Der Verwaltungsrat der
B._ AG trägt die Verantwortung für die Oberleitung der Gesell-
schaft, die Ausgestaltung der Organisation, (...). Die Konzernleitung (setzt
sich zusammen) aus dem Chief Executive Officer (CEO), dem Chief Finan-
cial Officer (CFO) und (allfällig) weiteren Mitgliedern. Dem CEO obliegt die
Verantwortung für die operationelle Geschäftsführung des Konzerns (BB 7,
Organisationsreglement der B._ AG vom 16. April 2007, Art. 1.1,
2.3 und 4). Die A._ AG als Konzern- bzw. Betriebsgesellschaft führt
und berät insbesondere die Beschwerdeführerin und deren Beteiligungs-
gesellschaften und erbringt diesen damit verbundene Dienstleistungen
technischer, kommerzieller und administrativer Art (vgl. Handelsregister-
auszug der A._ AG). Vorliegend ist somit zunächst einmal unbestrit-
ten, dass es sich bei der Beschwerdeführerin und der A._ AG als
Konzerngesellschaften um nahestehende Personen im Sinne des
aMWSTG handelt (vgl. E. 2.6), dass die Beschwerdeführerin während der
noch strittigen Periode im Jahr 2009 subjektiv mehrwertsteuerpflichtig war
und zwischen der A._ AG und der Beschwerdeführerin ein mehr-
wertsteuerlicher Leistungsaustausch vorliegt (vgl. E. 2.3.1 und E. 2.6.2).
Mittlerweile nicht mehr bestritten sind die Nachbelastungen in Höhe von
Fr. 343'776.75 aus den Jahren 2006 bis 2008.
Strittig ist vorliegend jedoch unter anderem, ob in der massgeblichen Zeit
die Beschwerdeführerin tatsächlich als Arbeitgeberin des CEOs und des
weiteren Konzernführungspersonals qualifiziert oder ob diese bei der
A._ AG angestellt waren (E. 3.1). Sodann ist zu prüfen, ob der Be-
schwerdeführerin tatsächlich ein weiterer Anspruch auf Vorsteuerabzug zu-
steht bzw. wie hoch ihr Vorsteuerabzug insgesamt ausfällt (E. 3.2).
3.1
3.1.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, im Konzern müsse das Arbeits-
verhältnis immer einer konkreten Konzerngesellschaft zugeteilt werden, da
dem Konzern keine Rechtsfähigkeit zukomme. Hierbei sei auf den tatsäch-
lichen Willen der Parteien bzw. die Sichtweise der Vertragsparteien abzu-
stellen und nicht auf die Sichtweise von Dritten. Herr D._, der CEO,
sei mit Beschluss vom 16. August 2007 zum Präsidenten und Delegierten
ihres Verwaltungsrats ernannt sowie von ihrer Generalversammlung ge-
wählt und mit Handelsregistereintrag vom 31. August 2007 als solcher ein-
getragen worden. Dies sei zudem mit Anstellungsvertrag vom 6. Septem-
ber 2007 arbeitsvertraglich umgesetzt worden. Der tatsächliche Wille der
A-2242/2020
Seite 16
Parteien sei somit eindeutig: der Arbeitsvertrag sollte zwischen der Be-
schwerdeführerin und Herrn D._ geschlossen werden. Diese for-
mellen Gegebenheiten würden sich auch im Aussenauftritt zeigen: diverse
Verträge habe Herr D._ in seiner Funktion als CEO der Beschwer-
deführerin unterzeichnet, sei somit auf ihre Weisung tätig geworden und
wirtschaftlich betrachtet auch für Dritte als Angestellter der Beschwerde-
führerin aufgetreten. Letztlich sei der Aussenauftritt bei der Beurteilung,
wer im Konzern Arbeitgeber sei, nicht relevant; vielmehr sei auf das Ver-
tragsverhältnis abzustellen. Die Vielzahl von Urteilen, die sich mit der
Frage auseinandersetzen, ob ein unselbstständiges Arbeitsverhältnis vor-
liege, seien vorliegend nicht anwendbar. Für Dritte sei im Konzernverhält-
nis nämlich nicht immer erkennbar, für wen die Gegenseite auftrete und oft
sei dies auch nicht relevant. Überdies habe Herr D._ in seiner Funk-
tion als Präsident/Delegierter des Verwaltungsrats keine (zusätzliche) Ver-
gütung erhalten. Sodann seien alle Anstellungsverhältnisse sämtlicher wei-
terer Mitglieder, deren Tätigkeit im Zusammenhang mit der Verwaltung des
Holdingvermögens ständen, mit Vereinbarung vom 30. September 2009
von der A._ AG auf die Beschwerdeführerin übertragen und ent-
sprechende Personalkosten umgebucht worden. Da die A._ AG
zentral die administrative Abwicklung des gesamten (Konzern-)Personals
übernommen habe, habe die A._ AG auch die Bezahlung der Löhne
sowie die Abrechnung der Sozialversicherungsbeiträge besorgt und die
Lohnausweise erstellt. Diese Tätigkeit mache die A._ AG aber nicht
zur Arbeitgeberin, wenn der tatsächliche Wille und die Verträge auf eine
andere Arbeitgeberin schliessen liessen. Hierbei seien die Personalkosten
auf die Beschwerdeführerin umgebucht und als Personalaufwand in den
Jahresrechnungen ausgewiesen worden.
Die Vorinstanz moniert demgegenüber, in der fraglichen Zeit gelte die
A._ AG und nicht die Beschwerdeführerin in wirtschaftlicher und tat-
sächlicher Hinsicht als Arbeitgeberin des Konzernführungspersonals. Hier-
für spreche insbesondere, dass in den Jahren 2007 und 2008 der Lohn von
Herrn D._ und ab Januar 2009 bis Ende Oktober 2009 auch der
Lohn für das übrige Konzernführungspersonal von der A._ AG aus-
bezahlt und von dieser (erst Ende Oktober 2009) der Beschwerdeführerin
belastet worden sei. Die Lohnentrichtung gelte als Hauptverpflichtung der
Arbeitgeberin. Zudem seien bis Oktober 2009 die Sozialversicherungsbei-
träge – auch eine wichtige Verpflichtung der Arbeitgeberin – für die fragli-
chen Mitarbeitenden bei der A._ AG verbucht und abgerechnet wor-
den; diese sei als Arbeitgeberin gegenüber der Ausgleichskasse aufgetre-
ten. Auch die Lohnausweise seien bis Oktober 2009 durch die A._
A-2242/2020
Seite 17
AG ausgestellt worden, wodurch Letztere zum wiederholten Male gegen
aussen als Arbeitgeberin aufgetreten sei. Sodann seien auch die betroffe-
nen Mitarbeitenden selbst regelmässig als «Mitarbeitende der A._
AG» gegen aussen aufgetreten. Weiter sei ebenfalls die Miete der damali-
gen Liegenschaft (Mietaufwand, Reinigungs- und Unterhaltsaufwand so-
wie Büromaterialaufwand), in welcher sowohl die A._ AG als auch
die Beschwerdeführerin domizilierten, vollumfänglich von Ersterer getra-
gen worden, wobei sich auch die gesamte Büroeinrichtung im Besitz der
A._ AG befunden habe. Die Beschwerdeführerin habe hingegen
nicht über eigene Büroräumlichkeiten verfügt, weshalb sie der A._
AG – hätten die fraglichen Mitarbeitenden als ihre Arbeitnehmenden gegol-
ten – für die Benützung hätte Miete bezahlen müssen; selbst wenn es sich
um Grossraumbüros gehandelt hätte. Vorliegend sei aber keinerlei Ent-
schädigung von der Beschwerdeführerin an die A._ AG gezahlt
worden, was darauf hindeute, dass die Mitarbeitenden bei der A._
AG angestellt waren. Sämtliche Verwaltungsaufwendungen des Konzern-
führungspersonals seien von der A._ AG getragen worden. Was die
Zeit vom 1. November 2009 bis 31. Dezember 2009 betreffe, so gälten die
erwähnten Mitarbeitenden aus mehrwertsteuerrechtlicher Sicht als bei der
Beschwerdeführerin angestellt, welcher auch die diesbezüglichen Perso-
nalaufwendungen zuzurechnen seien.
In ihrer Vernehmlassung verweist die Vorinstanz auf ihre Ausführungen in
der Vernehmlassung zur Beschwerde im Verfahren A-2244/2020 in Sachen
A._ AG. Dort führt die Vorinstanz sodann aus, die Beschwerdefüh-
rerin habe verschwiegen, dass die Arbeitsverträge des weiteren Konzern-
führungspersonals erst Ende September 2009 [recte: Ende Oktober 2009]
und damit rückwirkend per 1. Januar 2009 auf die Beschwerdeführerin
übertragen worden seien. Die arbeitsrechtlichen Weisungsbefugnisse dürf-
ten in der fraglichen Zeit somit ebenfalls bei der A._ AG gelegen
haben. Der Versuch einer rückwirkenden Geltung von zivilrechtlichen Ver-
tragsbestimmungen vermöge nichts daran zu ändern, dass wirtschaftlich
betrachtet die A._ AG im Innen- als auch im Aussenverhältnis als
Arbeitgeberin aufgetreten sei. Sie – die Vorinstanz – habe die Untersu-
chungsmaxime nicht verletzt, da sie eingehend untersucht und ausführlich
dokumentiert habe, weshalb sie aus wirtschaftlicher Sicht die A._
AG als Arbeitgeberin qualifiziere. Entgegen den Behauptungen der
A._ AG gehe sie nicht davon aus, dass die Beschwerdeführerin der
A._ AG Managementleistungen erbracht habe. Die Rechnung
Nr. 2009-0048 sei zu Unrecht ausgestellt worden, wobei die von der Be-
schwerdeführerin abgerechnete Mehrwertsteuer lediglich deshalb nicht
A-2242/2020
Seite 18
korrigiert worden sei, weil die A._ AG bereits den Vorsteuerabzug
zu 100 % vorgenommen hatte.
3.1.2 Dass die fraglichen Mitarbeitenden ab dem 1. November 2009 aus
mehrwertsteuerrechtlicher Sicht bei der Beschwerdeführerin angestellt wa-
ren und dieser demzufolge die Personalaufwendungen zuzurechnen sind,
liegt nicht im Streit. Zudem ist nicht bestritten und ergibt sich aus den Akten,
dass der CEO als Verwaltungsrat bei der Beschwerdeführerin tätig war und
in seiner Funktion als CEO auch Aufgaben für den Konzern wahrgenom-
men hat.
Folgende Gründe bzw. Indizien sprechen jedoch dafür, dass der CEO und
das weitere Konzernführungspersonal in der streitbetroffenen Zeit vom
1. Januar 2009 bis 31. Oktober 2009 tatsächlich bei der A._ AG und
nicht bei der Beschwerdeführerin angestellt waren:
3.1.2.1 Operationelle Aufgaben können – wie in Erwägung 2.6.2 dargestellt
– an eine «Konzernleitung» innerhalb der Muttergesellschaft oder an eine
Managementgesellschaft delegiert werden. Vorliegend bezweckt die
A._ AG unter anderem die Führung der Beschwerdeführerin sowie
die Erbringung von damit verbundenen Dienstleistungen. Die A._
AG lässt im Rahmen ihrer Beschwerde im Verfahren A-2244/2020 verlau-
ten, sie nehme «die Rolle der Management-Gesellschaft wahr und er-
bring[e] zentrale Dienstleistungen für alle C._ Gesellschaften» (Be-
schwerdeschrift im Verfahren A-2244/2020, S. 6). Laut Organisationsreg-
lement besteht vorliegend die Konzernleitung aus dem CEO, dem CFO und
allfällig weiteren Konzernleitungsmitgliedern, wobei dem CEO die Verant-
wortung für die operationelle Geschäftsführung des Konzerns obliegt und
er in der Ausübung der Geschäftsführung durch die übrigen Mitglieder der
Konzernleitung unterstützt werde (siehe bereits: E. 3). Zwar lässt sich in
den Akten ein Anstellungsvertrag des CEO mit der Beschwerdeführerin fin-
den, gemäss welchem der CEO gleichzeitig in seiner Funktion als Mitglied
und Delegierter des Verwaltungsrats bestätigt wird (Vernehmlassungsbei-
lage [VB 10], Antwortschreiben der Beschwerdeführerin vom 30. Novem-
ber 2011, Beilage 30, Anstellungsvertrag zwischen der Beschwerdeführe-
rin und Herrn D._ vom 6. September 2007). Die weiteren betroffe-
nen Konzernleitungsmitglieder waren im relevanten Zeitraum jedoch alle
vertragsrechtlich bei der A._ AG angestellt (vgl. sogleich:
E. 3.1.2.2). All diese Hinweise lassen darauf schliessen, dass vorliegend
die Konzernleitungsaufgaben der Holding an die A._ AG als Ma-
A-2242/2020
Seite 19
nagementgesellschaft delegiert wurden und somit auch die Mitarbeiten-
den, welchen die operationelle Geschäftsführung bzw. Konzernleitung ob-
lag, bei der A._ AG tatsächlich angestellt waren.
3.1.2.2 Wie soeben erwähnt, lassen auch die Anstellungsverträge keinen
anderen Schluss zu. Laut Akten befanden sich alle massgeblichen Kon-
zernleitungsmitglieder – bis auf den CEO – in einem vertragsrechtlichen
Anstellungsverhältnis mit der A._ AG (VB 10, Antwortschreiben der
Beschwerdeführerin vom 30. November 2011, Beilage 31, Anstellungsver-
trag zwischen der Beschwerdeführerin und Herrn E._ vom 24. Au-
gust 2007 [inkl. Übertragung auf die A._ AG vom September 2007];
Beilage 32, Anstellungsvertrag zwischen der A._ AG und Herrn
F._). Dies lässt sich auch den Übertragungsvereinbarungen zwi-
schen der A._ AG und den einzelnen (Konzernleitungs-)Mitarbei-
tenden entnehmen. Darin wird nämlich geregelt, dass ein «Teil der zwi-
schen der A._ AG und deren Mitarbeitenden bestehenden Anstel-
lungsverhältnisse mit Wirkung zum 1. Januar 2009 mit allen Rechten und
Pflichten auf die B._ AG [...] übertragen [werden]. Die bisher er-
reichte Betriebszugehörigkeit bei der A._ AG [werde] selbstver-
ständlich angerechnet [...]» (VB 5, Bestreitung der Beschwerdeführerin
vom 29. November 2010, Beilage 4, Vereinbarungen über die Übertragung
des Anstellungsvertrags vom 30. September 2009 mit den Herren
E._, G._, F._, H._ und I._). Demnach
war das weitere Konzernführungspersonal letztlich auch zivilrechtlich bei
der A._ AG angestellt. Da die Anstellungsverträge erst Ende Okto-
ber 2009 rückwirkend auf den 1. Januar 2009 auf die Beschwerdeführerin
übertragen wurden, lag die arbeitsrechtliche Weisungsbefugnis wohl tat-
sächlich bis Ende Oktober 2009 bei der A._ AG. Zwar lässt sich den
Akten keine (schriftliche) Übertragung des Anstellungsverhältnisses mit
dem CEO entnehmen. Wie nachfolgend (E. 3.1.2.3) ersichtlich, wurde je-
doch bezüglich des CEOs in tatsächlicher Hinsicht im Wesentlichen gleich
verfahren, wie gegenüber dem weiteren Konzernführungspersonal, was
als Indiz dafür gilt, dass die A._ AG auch die faktische Arbeitgeberin
des CEOs war.
3.1.2.3 Den zivilrechtlichen Anschlussverträgen zwischen Konzernfüh-
rungspersonal und der A._ AG wurde auch in tatsächlicher Hinsicht
bereits vor November 2009 nachgelebt: Einerseits ergibt sich aus den Ak-
ten, dass in den Jahren 2007 und 2008 der Lohn des CEOs und ab Januar
2009 bis Ende Oktober 2009 auch der Lohn für das übrige Konzernfüh-
A-2242/2020
Seite 20
rungspersonal von der A._ AG ausbezahlt worden ist (BB 19, Buch-
haltungsdetails zu den Personalkosten der Jahre 2007, 2008 und 2009).
Sodann ergibt sich aus den Buchhaltungsdetails bzw. Kontenblättern der
A._ AG und der Beschwerdeführerin hinsichtlich der Jahre 2007
und 2008, dass jeweils keine Umbuchungen (von Personalkosten) – aus-
ser jenen für den CEO – zwischen der A._ AG und der Beschwer-
deführerin getätigt wurden. Im Jahr 2009 wurden die Personalkosten an
die Beschwerdeführerin zwar umgebucht, jedoch erst Ende Dezember
2009 und nicht anlässlich der Übertragung der Anstellungsverträge Ende
Oktober 2009. Die Personalkosten für den CEO wurden Ende Juni 2009
auf die Beschwerdeführerin umgebucht und die Umbuchung per 31. De-
zember 2009 wieder storniert (BB 19, Buchhaltungsdetails zu den Perso-
nalkosten der Jahre 2007, 2008 und 2009; VB 1, Kontrollbericht, Bei-
lage 10.1-10.10).
Daraus lässt sich schliessen, dass die A._ AG die Personalkosten
zumindest für das übrige Konzernführungspersonal getragen und dies
auch so in ihren Geschäftsbüchern kontiert hatte. Die Entrichtung des Loh-
nes gemäss Art. 319 OR gehört zu den Hauptverpflichtungen des Arbeit-
gebers. Wird der Lohn – wie vorliegend – in der relevanten Periode durch
die A._ AG beglichen, gilt dies als Indiz dafür, dass sie während der
massgeblichen Periode in der Rolle der Arbeitgeberin amtete. Bezüglich
des CEOs wurde zwar der Lohn durch die A._ AG getilgt, es fanden
jedoch tatsächlich Umbuchungen auf die Beschwerdeführerin statt. Ande-
rerseits lässt sich den Akten entnehmen, dass auch die Sozialversiche-
rungsbeiträge für die fraglichen Mitarbeitenden, wie AHV/IV/EO-Beiträge,
Arbeitslosenversicherungsbeiträge, Pensionskassenbeiträge und derglei-
chen bei der A._ AG verbucht und abgerechnet worden sind
(BB 19, Buchhaltungsdetails zu den Personalkosten der Jahre 2007, 2008
und 2009; VB 1, Kontrollbericht, Beilage 10.1-10.10); diejenigen Kosten
des CEOs wurden jedoch wiederum auf die Beschwerdeführerin umge-
bucht. Trotzdem bestätigte die zuständige Ausgleichskasse sowohl für
zwei Konzernleitungsmitglieder als auch für den CEO, dass ab dem 1. No-
vember 2009 von der Beschwerdeführerin das AHV-pflichtige Einkommen
abgerechnet worden ist (VB 10, Antwortschreiben der Beschwerdeführerin
vom 30. November 2011, Beilagen 33-35, Versicherungsunterstellung bei
der Ausgleichskasse des Kantons [...] vom 2. November 2011). Im Um-
kehrschluss und auch mit Blick auf die Buchhaltungsbelege ist daraus er-
sichtlich, dass bis Ende Oktober 2009 von der A._ AG das AHV-
pflichtige Einkommen abgerechnet wurde; sowohl für die Konzernleitungs-
A-2242/2020
Seite 21
mitglieder als auch für den CEO. Weshalb bezüglich Letzteren eine Umbu-
chung auf die Beschwerdeführerin getätigt wurde, ist mit Blick darauf und
auf Nachfolgendes unklar. Letztlich zeigen auch die Lohnausweise, dass
das weitere Konzernführungspersonal und der CEO bis Ende Oktober
2009 wohl bei der A._ AG beschäftigt waren. Für das Konzernfüh-
rungspersonal wurden diese von Januar 2009 bis Ende Oktober 2009
durch die A._ AG ausgestellt, ab 1. November 2009 dann von der
Beschwerdeführerin. Für den CEO wurden die Lohnausweise der Jahre
2007 bis und mit Ende Oktober 2009 durch die A._ AG ausgestellt,
ab 1. November 2009 wiederum durch die Beschwerdeführerin (VB 10,
Antwortschreiben der Beschwerdeführerin vom 30. November 2011, Beila-
gen 36-38, Lohnausweise Konzernleitungsmitglieder und CEO).
3.1.2.4 Ein letztes Indiz dafür, dass die Konzernleitungsmitglieder und der
CEO bei der A._ AG angestellt waren, ergibt sich schliesslich dar-
aus, dass die Miete der damaligen Liegenschaft, in welcher sowohl die
A._ AG als auch die Beschwerdeführerin während der vorliegend
massgeblichen Zeit domiziliert waren, vollumfänglich durch die A._
AG bezahlt worden ist. Unbestritten ist sodann und ergibt sich aus den Ak-
ten, dass sich auch die gesamte Büroeinrichtung im Besitz der A._
AG befunden bzw. die Beschwerdeführerin über keine eigenen Büroräum-
lichkeiten bzw. -einrichtungen verfügt hat und für den CEO Büroeinrich-
tungsgegenstände auf Kosten der A._ AG beschafft wurden (VB 10,
Antwortschreiben der Beschwerdeführerin vom 30. November 2011, S. 5;
VB 10, Antwortschreiben der Beschwerdeführerin vom 30. November
2011, Beilagen 28 und 29, Jahresrechnung der A._ AG per 31. De-
zember 2008 und 2009; VB 1, Kontrollbericht, Beilage 5a-f). Der Mietauf-
wand, Reinigungs- und Unterhaltsaufwand sowie Büromaterialaufwand
sind durch die A._ AG auch nicht für die Berechnung der erbrachten
Leistungen bzw. den Stewardship-Anteil (hierzu eingehend: E. 3.2) an die
Beschwerdeführerin berücksichtigt worden (VB 10, Antwortschreiben der
Beschwerdeführerin vom 30. November 2011, Beilage 21, «Cost Center
Details» 2008 der A._ AG). Auch der Umstand, dass somit keinerlei
Mietentschädigung von der Beschwerdeführerin an die A._ AG ge-
zahlt worden ist, deutet schliesslich darauf hin, dass die Konzernleitungs-
mitglieder und der CEO bei der A._ AG angestellt waren. Ansonsten
wäre nämlich für die Benützung der Büroräumlichkeiten der A._ AG
durch die Angestellten der Beschwerdeführerin tatsächlich eine Mietzins-
zahlung fällig gewesen. Letztlich ergibt sich aus den Akten, dass sämtliche
Verwaltungsaufwendungen des Konzernführungspersonals wie beispiels-
A-2242/2020
Seite 22
weise Telefonrechnungen, Reisespesen, Kreditkartenrechnungen und der-
gleichen von der A._ AG beglichen wurden (VB 1, Kontrollbericht,
Beilage 6a und 6b sowie 11k) – auch dies gilt als Indiz dafür, dass die
A._ AG als Arbeitgeberin agierte.
3.1.2.5 Insgesamt ist somit nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz zum
Schluss kam, die A._ AG und nicht die Beschwerdeführerin gelte in
der massgeblichen Zeit als Arbeitgeberin der betroffenen Konzernleitungs-
mitglieder und des CEOs.
3.1.3 Was die Beschwerdeführerin hiergegen vorbringt, vermag daran
nichts zu ändern:
3.1.3.1 Der Arbeitsvertrag sei – so die Beschwerdeführerin – formell zwi-
schen ihr und dem CEO geschlossen worden. Sodann seien die Anstel-
lungsverhältnisse sämtlicher betroffener Konzernleitungsmitglieder per
1. Januar 2009 (rückwirkend) von der A._ AG auf sie übertragen
und entsprechende Personalkosten umgebucht worden. Sie habe wirt-
schaftlich betrachtet aber auch schon vor der Übertragung ein Weisungs-
recht gehabt; die vertraglichen Gegebenheiten hätten einfach noch nicht
den wirtschaftlichen Tatsachen entsprochen. Vertragsrechtlich gelte sie als
Arbeitgeberin (ausführlich: E. 3.1.1).
Hierzu kann auf das bereits in E. 3.1.2.2 f. Ausgeführte verwiesen werden.
Alle weiteren Konzernleitungsmitglieder befanden sich in einem vertrags-
rechtlichen Anstellungsverhältnis mit der A._ AG. Die Verträge wur-
den zwar tatsächlich auf die Beschwerdeführerin übertragen, aber erst
Ende Oktober 2009 und zwar rückwirkend auf den 1. Januar 2009. In der
Zeit bis Ende Oktober 2009 galt die A._ AG somit in tatsächlicher
und somit massgeblicher Hinsicht (vgl. E. 2.4) als Arbeitgeberin. Dies
spricht gerade dafür, dass die arbeitsrechtliche Weisungsbefugnis bis Ende
Oktober 2009 bei der A._ AG lag. Jedenfalls hat die Beschwerde-
führerin ihre Behauptung nicht rechtsgenügend belegt, dass sie bereits vor
der Übertragung Ende Oktober 2009 über ein Weisungsrecht gegenüber
diesen Mitarbeitenden verfügte. In den Jahren 2007 und 2008 fand bezüg-
lich des übrigen Konzernführungspersonals keine Umbuchung von Perso-
nalkosten statt; im Jahr 2009 wurden diese erst Ende Dezember 2009 auf
die Beschwerdeführerin umgebucht. Die A._ AG hat somit in der
massgeblichen Zeit die Personalkosten getragen und diese in ihren Ge-
schäftsbüchern kontiert. In den Akten liess sich zwar keine (schriftliche)
Übertragung des Anstellungsverhältnisses mit dem CEO von der
A-2242/2020
Seite 23
A._ AG an die Beschwerdeführerin entnehmen. Da jedoch auch be-
züglich des CEOs in tatsächlicher Hinsicht im Wesentlichen gleich verfah-
ren wurde, wie gegenüber dem weiteren Konzernführungspersonal, gilt
auch hier die A._ AG als faktische Arbeitgeberin. Hierbei fällt so-
dann ins Gewicht, dass es wohl wenig Sinn gemacht hätte den CEO, wel-
chem die operationelle Geschäftsführung oblag und die Konzernführungs-
mitglieder, welche ihm bei der Ausübung der Geschäftsführung unterstütz-
ten, unterschiedlich zu behandeln und Ersteren bei der Beschwerdeführe-
rin zu beschäftigen, während die weiteren Mitarbeitenden bei der
A._ AG angestellt waren.
3.1.3.2 Die Beschwerdeführerin entgegnet sodann, die A._ AG
habe lediglich zentral die administrative Abwicklung des gesamten (Kon-
zern-)Personals übernommen. Hierdurch sei die A._ AG auch um
die Bezahlung der Löhne sowie die Abrechnung der Sozialversicherungs-
beträge besorgt gewesen und habe die Lohnausweise erstellt. Diese Tä-
tigkeit mache die A._ AG aber nicht zur Arbeitgeberin, wenn der tat-
sächliche Wille und die Verträge auf eine andere Arbeitgeberin schliessen
liessen; dies sei vergleichbar mit der Situation, wenn Liegenschaftseigen-
tümer für die Anstellung eines Hauswarts eine Liegenschaftsverwaltung
beauftragen würden. Die Personalkosten seien auf die Beschwerdeführe-
rin umgebucht und bei ihr als Personalaufwand in den Jahresrechnungen
ausgewiesen worden (vgl. bereits: E. 3.1.1).
Wie gezeigt, hat als rechtsgenügend erstellt zu gelten, dass die A._
AG in der zu beurteilenden Zeit in tatsächlicher und somit massgeblicher
Hinsicht als Arbeitgeberin der Konzernführungsmitglieder und des CEOs
galt. Auch die Personalkosten waren in den Geschäftsbüchern der
A._ AG kontiert. Die A._ AG hat somit nicht bloss die rein
administrative Abwicklung der Löhne und dergleichen übernommen, son-
dern agierte als Arbeitgeberin; ein Vergleich mit einer Liegenschaftsverwal-
tung geht somit fehl.
3.1.4 Die durch die A._ AG der Beschwerdeführerin weiterbelaste-
ten Personalkosten qualifizieren somit aus Sicht der Mehrwertsteuer als
steuerbarer Personalverleih. Eine diesbezügliche steuerbare Leistung von
der Beschwerdeführerin an die A._ AG fällt daher ausser Betracht
(vgl. Urteil des BVGer A-2244/2020 vom 13. Januar 2022).
A-2242/2020
Seite 24
3.2 Schliesslich gilt zu klären, ob der Beschwerdeführerin im Jahr 2009 tat-
sächlich ein weiterer Anspruch auf Vorsteuerabzug zusteht bzw. wie hoch
ihr Vorsteuerabzug insgesamt ausfällt.
3.2.1 Die Beschwerdeführerin moniert unter anderem, wie die Steward-
ship- und «Non-Stewardship»-Kosten vorliegend aufgeteilt bzw. verrechnet
worden seien, sei für das Jahr 2009 entscheidend. Für die Jahre 2007 und
2008 habe dies zwar auf ihre Situation hinsichtlich Mehrwertsteuern keinen
Einfluss, da sie bis Ende 2008 nicht steuerpflichtig gewesen sei und ein
Vorsteuerabzug auf einer allfälligen Belastung mit Mehrwertsteuern auf
diesen Personalkosten nicht bestünde. Dies gelte jedoch nicht für das Jahr
2009; hier sei ein Vorsteuerabzug möglich. Würden dieselben Grundsätze
wie im Verfahren der A._ AG [A-2244/2020] für 2008 angewendet,
ergäben sich im Jahr 2009 weiterzuverrechnende Stewardship-Kosten von
der A._ AG an die Beschwerdeführerin von (lediglich)
Fr. 1'818'496.--. Neben den bereits deklarierten Vorsteuern für das Ge-
schäftsjahr 2009 in Höhe von Fr. 616'297.-- seien zusätzliche Vorsteuern
auf Management-Fees in Höhe von Fr. 177'913.90 angefallen. Sodann ge-
hörten zur angefallenen Vorsteuer die bezogenen Dienstleistungen von
Unternehmen im Ausland bzw. die darauf abzurechnende Bezugssteuer in
Höhe von Fr. 18'243.95. Insgesamt betrügen die Vorsteuern somit
Fr. 812'454.85. In ihrer Funktion als Holdinggesellschaft habe sie die an sie
verrechneten Stewardship-Kosten sowie die bei ihr angefallenen direkt da-
mit verbundenen Kosten selber zu tragen. Da sich im Jahr 2009 Stewards-
hip-Kosten von der A._ AG an sie – die Beschwerdeführerin – in
Höhe von Fr. 1'818'496.-- ergäben, seien die darauf lastenden Vorsteuern
von Fr. 138'205.70 nicht abzugsfähig. Die restlichen Kosten, welche ihr
über den Verrechnungsmechanismus des Steuerrulings betreffend kanto-
nale Steuern und zum Verlustausgleich bei der A._ AG in Höhe von
Fr. 7'992'322.34 abzüglich Fr. 1'818'496.-- (ausmachend: Fr. 6'173'826.34)
verrechnet worden seien, stünden nicht im Zusammenhang mit der Ste-
wardship-Funktion, sondern mit ihrer steuerbaren Tätigkeit und berechtig-
ten zum Vorsteuerabzug. Auch die 3 ‰-Pauschale zeige die Angemessen-
heit der Verrechnungspreise.
Die Vorinstanz entgegnet insbesondere, die Beschwerdeführerin könne
selber nicht genau darlegen, wie hoch ihr Vorsteueranspruch im Jahr 2009
auszufallen habe; in der Beschwerde mache sie mittlerweile den vierten
unterschiedlichen Vorsteuerbetrag mit der vierten Begründung geltend. Im
Rahmen ihrer Beschwerde scheine die Beschwerdeführerin nun neu zu
versuchen, die von der A._ AG an sie gestellte Rechnung
A-2242/2020
Seite 25
Nr. 2009-0447 über Fr. 6'080'852.60 (inkl. Mehrwertsteuer von
Fr. 429'502.60) für Stewardship-Leistungen als überhöht darzustellen. Es
gelinge der Beschwerdeführerin jedoch nicht nachzuweisen, dass der mit
Vorsteuer belastete Aufwand für eine steuerbare Tätigkeit verwendet
wurde, was aber gemäss damaliger Gesetzgebung (vgl. Art. 31 [recte: 38]
Abs. 1 und 2 aMWSTG) unabdingbare Voraussetzung für eine Vorsteuer-
abzugsberechtigung gewesen sei. Der fehlende Nachweis sei auch nicht
der langen Verfahrensdauer geschuldet. Die Beschwerdeführerin scheine
zu beabsichtigen, die nach heutigem Gesetz geltende Regelung bzgl. Zu-
ordnung von Vorsteuern auf den vorliegenden Fall anzuwenden. Aus der
Annahme, dass nicht in Rechnung gestellte Leistungen erbracht worden
seien, was jedoch nicht hinreichend belegt und von der Vorinstanz bestrit-
ten werde, könne nicht per se der Schluss gezogen werden, dass solche
Leistungen ausschliesslich gegenüber ausländischen Tochtergesellschaf-
ten und somit steuerbefreit erbracht worden wären. Auf eine diesbezügli-
che Nachdeklaration habe die Beschwerdeführerin jedoch verzichtet,
obschon eine solche Deklaration bei Leistungen unter eng verbundenen
Personen angezeigt wäre. Da keine für steuerbare Zwecke gemischt ver-
wendete oder weitere direkt einer steuerbaren Leistung zuordenbare Auf-
wendungen ersichtlich seien, bestünde kein weiterer Anspruch auf Vor-
steuerabzug.
3.2.2 Wie gezeigt (E. 2.7.1), könnte die Beschwerdeführerin die auf den
Eingangsleistungen lastende Steuer als Vorsteuer abziehen, wenn sie die
umstrittenen Dienstleistungen für einen geschäftlich begründeten Zweck
verwendet bzw. wenn die Eingangsleistung in steuerbare Ausgangsleistun-
gen einfliesst. Hierbei ist vorliegend zu Recht unbestritten, dass Steward-
ship-Kosten nicht zum Vorsteuerabzug berechtigten. Als Stewardship-Kos-
ten werden vorliegend nämlich die Kosten für Leistungen im Zusammen-
hang mit der Verwaltung des Vermögens der Beschwerdeführerin bezeich-
net, welche dieser direkt in Rechnung gestellt werden und von der Be-
schwerdeführerin zu tragen sind (vgl. hierzu auch: Urteil des BVGer
A-2244/2020 vom 13. Januar 2022 E. 3 mit Hinweis). Werden vorsteuer-
belastete Eingangsleistungen sowohl für Zwecke, die zum Vorsteuerabzug
berechtigen, als auch für andere Zwecke verwendet (sog. gemischte Ver-
wendung), so ist der Vorsteuerabzug nach dem Verhältnis der Verwendung
zu kürzen (E. 2.7.2). Da der Vorsteuerabzug nur auf denjenigen Aufwen-
dungen zusteht, die in steuerbare Ausgangsleistungen einfliessen, reicht
es vorliegend nicht aus aufzuzeigen, dass lediglich eine Vorsteuer von
Fr. 138'205.70 für die nicht steuerbare Tätigkeit der Stewardship-Funktion
A-2242/2020
Seite 26
angefallen sei. Im Umkehrschluss berechtigen nämlich nicht sämtliche üb-
rigen Eingangsleistungen zwangsläufig zum Vorsteuerabzug bzw. gelten
nicht automatisch als für einen geschäftlich begründeten Zweck verwen-
det. Art. 29 Abs. 2 MWSTG, wonach ein Anspruch auf Vorsteuerabzug im
Rahmen der zum Vorsteuerabzug berechtigenden unternehmerischen Tä-
tigkeit für das Erwerben, Halten und Veräussern von Beteiligungen besteht,
ist im Übrigen vorliegend nicht anwendbar (vgl. E. 1.9). Vorliegend gelingt
es der Beschwerdeführerin mit Blick auf die allgemeinen Beweislastregeln,
gemäss welchen die steuerpflichtige Person für die steueraufhebenden
und steuermindernden Tatsachen beweisbelastet ist (E. 1.7), jedenfalls
nicht nachzuweisen, dass der mit Vorsteuer belastete Aufwand bzw. die
gesamten durch die A._ AG an sie verrechneten Leistungen für eine
steuerbare Tätigkeit verwendet wurden:
3.2.2.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, würden im vorliegenden Verfah-
ren dieselben Grundsätze wie im Verfahren der A._ AG
[A-2244/2020] hinsichtlich des Jahres 2008 angewendet, ergäben sich im
vorliegend umstrittenen Jahr 2009 von der A._ AG an sie verrech-
nete Stewardship-Kosten in Höhe von (lediglich) Fr. 1'818'496.--. Ur-
sprünglich seien mit Rechnung Nr. 2009-0447 aber Fr. 5'651'350.-- und mit
Rechnung gemäss Steuerruling Fr. 2'340'972.34 – insgesamt folglich
Fr. 7'992'322.34 – verrechnet worden. Die Differenz in Höhe von
Fr. 6'173'826.34 (inkl. Mehrwertsteuer von Fr. 469'210.80) stehe im Zu-
sammenhang mit ihrer steuerbaren Tätigkeit. Zur konkreten Berechnung
der neu veranschlagten Stewardship-Kosten in Höhe von Fr. 1'818'496.--
verweist die Beschwerdeführerin auf die Begründung in ihrer Beschwerde
im Verfahren A-2244/2020 und somit wiederum insbesondere auf ihr Ser-
vice Agreement (BB 9, Service Agreement zwischen der Beschwerdefüh-
rerin und der A._ AG).
Im Urteil des BVGer A-2244/2020 vom 13. Januar 2022 wird in Erwä-
gung 3.2.3.1 eingehend erläutert, wie sich die neu veranschlagten Ste-
wardship-Kosten berechnen. In Erwägung 3.2.4.1 desselben Urteils wird
ausführlich darauf eingegangen, dass die A._ AG das Service Ag-
reement bei der Erstellung der ursprünglichen Rechnung zumindest grund-
sätzlich ausser Acht liess und vielmehr eine Verrechnung gemäss Steuer-
ruling abwickelte. Mit einer nachträglichen Anwendung des Agreements
vermöge die A._ AG – so das Gericht – die effektiven Leistungen
nicht aufzuzeigen und darzulegen, dass die ursprüngliche Rechnung falsch
war und folglich zu Recht korrigiert wurde. Auch der Hinweis auf die Kos-
tenstruktur der A._ AG könne dies nicht nachweisen, so das Gericht
A-2242/2020
Seite 27
im Urteil des BVGer A-2244/2020 vom 13. Januar 2022 E. 3.2.4.1, da mit
Blick auf die unbestrittenermassen vorliegende Umbruchphase des
C._ Konzerns in der massgeblichen Zeit tatsächlich ausserordent-
liche «allgemeine» Kosten denkbar seien, welche der Holding zu verrech-
nen waren und es nicht abwegig erscheine, dass überdurchschnittlich viele
Mitarbeitende tatsächlich für die Holding arbeiteten. Auch anhand der
3 ‰-Regel gelinge es der A._ AG nicht darzulegen, dass die ur-
sprüngliche Rechnung falsch war bzw. zu Recht korrigiert wurde.
3.2.2.2 Auch im vorliegenden Verfahren stellt sich die Beschwerdeführerin
– da sie zur Begründung gänzlich auf ihre Beschwerde im Verfahren
A-2244/2020 verweist – auf den Standpunkt, um die effektiv geschuldeten
Stewardship-Kosten zu ermitteln, sei auf das vertraglich verbindliche Ser-
vice Agreement (und die eingereichten «Cost Center Details») abzustellen.
Die Beilage «Cost Center Details» für das Jahr 2009 ist auch vorliegend in
die Bereiche «Group Management», «HR», «Legal Services», «Finance»
sowie zusätzlich in einen Bereich «Acquisition» (welcher aber keine Zahlen
aufweist) und in den Bereich «Allgemein» gegliedert (BB 23, Rechnung
Nr. 2009-0447 vom 31. Dezember 2009, Beilage «Cost Center Details»
2009 der A._ AG). Die Differenz zwischen der ursprünglichen und
der nachträglich festgesetzten Rechnung für Stewardship-Kosten resultiert
wohl auch vorliegend insbesondere daraus, ob das Total dieses als «Allge-
mein» bezeichneten Bereichs in Höhe von Fr. 21'674'218.-- den direkt ver-
rechenbaren Kosten oder den «allgemeinen Kosten» zugeordnet wird.
Laut Beschwerdeführerin handelt es sich hierbei um direkt verrechenbare
Kosten, welche betrieblich der A._ AG oder einer Konzerngesell-
schaft zuzuordnen seien. Die Vorinstanz stellt sich auf den Standpunkt,
diese Kosten stellten «allgemeine Kosten» dar, da sie gerade nicht einem
bestimmten Leistungsempfänger zuordenbar seien. Diesfalls würde es
sich um keine steuerbare Ausgangsleistung handeln bzw. läge Endver-
brauch bei der Beschwerdeführerin vor (vgl. E. 2.7.1). Wie in Erwä-
gung 3.2.4.2 des Urteils A-2244/2020 vom 13. Januar 2022 detailliert aus-
geführt, vermochte die A._ AG nicht glaubhaft zu machen oder zu
belegen, dass es sich um direkt einer einzelnen Tochtergesellschaft zuord-
enbare Kosten und somit um mit Vorsteuer belastete Kosten für eine steu-
erbare Tätigkeit handelt. Insgesamt beanstandete das Bundesverwal-
tungsgericht folglich nicht, dass die Vorinstanz geschlossen habe, bei den
streitbetroffenen Kosten handle es sich nicht um direkt einer einzelnen
Tochtergesellschaft (und somit für eine steuerbare Tätigkeit) zuordenbare
Kosten, sondern vielmehr um «allgemeine Kosten» und auf die ursprüngli-
che Rechnung abstellte (eingehend: Urteil des BVGer A-2244/2020 vom
A-2242/2020
Seite 28
13. Januar 2022 E. 3.2.4.2 und E. 3.2.5). Im vorliegenden Verfahren ver-
weist die Beschwerdeführerin – wie erwähnt – gänzlich auf ihre Be-
schwerde im Verfahren A-2244/2020, legt keine weiteren Beweismittel ein
und bringt weiter nichts vor. Das mit Urteil des BVGer A-2244/2020 vom
13. Januar 2022 Festgestellte gilt somit auch im vorliegenden Verfahren.
Wie die Vorinstanz zu Recht vorbringt, könnte letztlich aus der Annahme,
dass nicht in Rechnung gestellte Leistungen erbracht wurden, nicht per se
der Schluss gezogen werden, dass diese ausschliesslich gegenüber aus-
ländischen Tochtergesellschaften und somit steuerbefreit erbracht worden
wären. Auf eine Nachdeklaration der nicht fakturierten Umsätze für angeb-
lich erbrachte Leistungen hat die Beschwerdeführerin jedenfalls verzichtet.
3.3 Zusammenfassend hat als rechtsgenügend erstellt zu gelten, dass die
A._ AG in tatsächlicher und somit massgeblicher Hinsicht als Ar-
beitgeberin der Konzernführungsmitglieder und des CEOs galt und die der
Beschwerdeführerin weiterbelasteten Personalkosten folglich als steuerba-
rer Personalverleih qualifizieren. Eine diesbezügliche steuerbare Leistung
von der Beschwerdeführerin an die A._ AG fällt daher ausser Be-
tracht (vgl. E. 3.1.2.5 und E. 3.1.4). Ausserdem gelingt es der Beschwer-
deführerin nicht nachzuweisen, dass der mit Vorsteuer belastete Aufwand
bzw. die gesamten durch die A._ AG an sie verrechneten Kosten
für eine steuerbare Tätigkeit (oder zumindest gemischt) verwendet wurden.
Es besteht folglich kein weiterer Anspruch auf Vorsteuerabzug (vgl.
E. 3.2.2). Bezüglich der mit dem angefochtenen Einspracheentscheid fest-
gesetzten Verzugszinsfolgen wird die Nachforderung nicht bestritten und
es ergeben sich auch aus den Akten keine Anhaltspunkte, die an den Ver-
zugszinsfolgen Zweifel aufkommen lassen. Somit erweist sich der vor-
instanzliche Einspracheentscheid als rechtmässig. Die Beschwerde ist da-
her vollumfänglich abzuweisen.
4.
4.1 Ausgangsgemäss hat die unterliegende Beschwerdeführerin die Ver-
fahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind auf Fr. 7'500.--
festzusetzen (vgl. Art. 1, 2 und 4 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe einbezahlte Kostenvor-
schuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
4.2 Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG
e contrario).
A-2242/2020
Seite 29