Decision ID: 797d287b-ad93-41c8-a856-7911ceab828f
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1971,
arbeitete bei der Y._
AG als
Eisenbieger
, als
sich
am 23. November 2004 bei Arbeiten an einer Betoneisenschneidemaschine ein eingeklemmtes Betoneisenreststück löste und ihm mit Wucht gegen die rechte Augenbraue federte (Urk. 7/187/459 Ziff. 7). Dabei
verletzte er sich an der Stirne und am rechten Auge (vgl. Urk. 7/187/464). Am 21. Juli 2006 meldete er sich erstmals bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2). Gestützt auf ihre medizinischen und erwerblichen Abklärungen sprach die Sozi
alversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, dem Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 8
2 % mit Wirkung ab November 200
5 eine ganze Invaliden
rente zu (Urk. 7/45-47). Diese Verfügung wurde mit Urteil
des Sozialversiche
rungsgerichts
vom 16. Juni 2008
im Prozess Nr. IV.2008.00219
in Bezug auf d
ie
Rentenbe
rechnung
aufgehoben (Urk. 7/57), worauf die IV-Stelle dem Versicher
ten mit Verfügungen vom 20. März 2009 bei einem Invaliditätsgrad von 82 % mit Wirkung ab November 2005 eine neuberechnete höhere ganze Invalidenrente zusprach
(Urk. 7/64-68)
.
1.2
Im September 20
1
0 leitete die IV-Stelle ein Revisionsverfahren ein (vgl. Urk. 7/88). Gestützt auf die eingeholten medizinischen Berichte teilte sie dem Versicherten mit, dass er bei einem Invaliditätsgrad von 100 % weiterhin Anspruch auf die bisherige ganze Invalidenrente habe (Mitteilung vom 16. De
zember 2010, Urk. 7/94).
1.3
Im Oktober 2015 leitete die IV-Stelle erneut ein Revisionsverfahren ein (vgl. Urk. 7/112). Gestützt auf das eingeholte polydisziplinäre Gutachten vom 20. De
zember 2016 (Urk. 7/134 = Urk. 7/136) stellte sie
die Invalidenrente
nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/145-146, Urk. 7/149-150 und Urk. 7/
152) mit Verfügung vom 22. Mai 2017 ein (Urk. 7/153). Dies wurde vom Sozialversicherungsgericht mit Urteil vom 23. Januar 2019 im Prozess Nr. IV.2017.00662 (Urk. 7/172) und vom Bundesgericht mit Urteil vom 27. Mai 2019 (Urk. 7/175) bestätigt.
1.4
Am 13. November 2020 meldete
sich
der Versicherte
unter Hinweis auf eine Ver
schlechterung seines Gesundheitszustands (vgl. Urk. 7/181/1-13)
bei der IV-Stelle erneut
zum Leistungsbezug
an (Urk. 7/183).
Diese zog die Akten des Unfallversi
cherers (Suva
; Urk. 7/186/1-1000 und Urk. 7/187/1-468
) bei und holte medizini
sche Berichte der behandelnden Ä
rzte
(Urk. 7/189, Urk. 7/199 und Urk. 7/208)
ein
. Mit Vorbescheid vom 7. Juni 2021 stellte
sie
die Abweisung des Leistungs
begehrens in Aussicht (Urk. 7/216). Dagegen erhob der Versicherte am 7. Juli
2021 Einwände (Urk. 7/224) und reichte
weitere Arztberichte
(
Urk.
7/222 und
Urk. 7/227) ein. Mit Verfügung vom
4. Oktober 2021 verneinte die IV-Stelle
eine relevante Verschlechterung und
den Anspruch
des Versicherten
auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 7/230 = Urk. 2).
2.
Unter Beilage medizinischer Berichte (Urk. 3/3-4) erhob der Versicherte am 4. No
vember 2021 Beschwerde (Urk. 1) g
egen die Verfügung
vom
4. Oktober 2021 (Urk. 2)
mit dem Antrag
, in Aufhebung der
selben
sei die Sache zu ergänzenden Abklärung und Neuentscheidung an die IV-Stelle zurückzuweisen
(
S. 2)
. Mit Beschwerdeantwort vom 14. Dezember 2021 schloss
d
ie IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6),
wovon
dem Beschwerdeführer am 11. Januar 2022 Kenntnis
gegeben
wurde (Urk. 9). Am 28. Januar 2022 reichte der Beschwerde
führer weitere Arztberichte (Urk. 11/1-2) nach (Urk. 10)
, welche der Beschwerde
gegnerin
am 17. Mai 2022
zur
Kenntnisnahme zugestellt wurden
(Urk. 12)
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. De
zember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für
den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art.
17 Abs
.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des gel
tend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bun
desgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruh
t.
1.5
Eine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit ist zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat. Artikel 29
bis
ist sinn
gemäss anwendbar
(Art. 88a Abs. 2 IVV)
.
1.
6
Bei der Beurteilung der
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
stützt sich die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismit
tels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellung
nahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Anspruch auf Leistungen der Invaliden
versicherung mit der Begründung (Urk. 2), gestützt auf die medizinischen Abklä
rungen sei von einer vorübergehenden Verschlechterung des Gesundheitszustan
des des Beschwerdeführers auszugehen, die 3-4 Monate angedauert habe und während derer keine Arbeitsfähigkeit gegeben gewesen sei. Ansonsten sei seit der letzten Verfügung vom 22. Mai 2017 von keiner wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes auszugehen (S. 1 unten).
Da die Rentenleistungen mit Ver
fügung vom 22. Mai 2017 aufgehoben worden seien, müsse bei einer Verschlech
terung des Gesundheitszustandes die einjährige Wartefrist erneut erfüllt sein.
Nachdem
die Verschlechterung nur 4 Monate gedauert habe, sei das Wartejahr nicht erfüllt, weshalb kein Anspruch auf Leistungen bestehe (S. 1 unten).
Dem Beschwerdeführer sei weiterhin eine behinderungsangepasste Tätigkeit in
einem 80%igen Pensum zumutbar. Aus den eingereichten Berichten sei nicht ersichtlich, dass sich die Arbeitsfähigkeit durch die neuen Diagnosen verschlechtert haben soll
e
(S. 2 Mitte).
2.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer im Wesentlichen ein
(Urk. 1)
, i
m Zeit
punkt der Rentenaufhebung seien die nichtpsychiatrischen Beschwerden im Vor
dergrund gestanden. Das Ausmass der depressiven Störung sei als leichtgradig eingestuft worden, dies auch in Anbetracht der vielfältigen Aktivitäten (S. 4 unten). Die behandelnde Psychiaterin habe eine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes festgestellt. Diese Feststellung könne nicht ohne weiteres gestützt auf eine Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) ver
neint werden (S. 6 unten). Auch die Situation betreffend Kopfschmerzen habe sich seit der Rentenaufhebung verschlechtert (S. 7 Mitte).
Die Revisionsoperation der
Stirnhöhlenmukozele
im März 2020 habe zu keiner Verbesserung geführt, sondern die Intensität der Kopfschmerzen habe zugenommen, die Konzentration habe sich verschlechtert und die nebeneinander versetzten Doppelbilder hätten zugenommen (S. 7 unten). Weiter hätten sich auch die Augenprobleme verschlim
mert (S. 9 oben). Aufgrund des multimorbiden und sehr komplexen Beschwerde
bildes bedürfe es zur genauen Beurteilung des Ausmasses der Verschlechterung und der aktuell bestehenden Arbeitsfähigkeit eines polydisziplinären Gutachtens (S. 9 Mitte).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
seit Erlass der rentenaufhebenden
Verfügung vom 22. Mai 2017
(Urk. 7/153) beziehungsweise der diese bestätigenden Urteile vom 2
3.
Januar 2019 und 2
7.
Mai 2019 (vgl. vorstehend E. 1.4) anspruchsrelevant
verschlechtert hat und in diesem Zusammenhang, ob die Abklärungen der Beschwerdegegnerin genügen.
3.
3.1
Massgebend für die mit Verfügung vom 22. Mai 2017 ausgesprochene Renten
aufhebung war das polydisziplinäre (allgemeininternistische, psychiatrische, orthopädische, neurologische und opht
h
almologische) Gutachten des
Z._
v
om 20. Dezember 2016 (Urk. 7/134 = Urk. 7/136
; vgl. Urk. 7/172 E. 5.4 und Urk. 7/176 E. 6.10
).
Darin stellten die Ärzte folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 33 Ziff. 5.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode mit somati
schem Syndrom (F33.1)
-
Status nach Schädel-Hirn-Trauma mit schwerer
Kontusio
bulbi
rechts am 23.11.2004
-
Impressionsfraktur Sinus
frontalis
und
Orbitadach
rechts mit trauma
ti
scher
Ablatio
retinae
rechts, VK-Blutung
-
Limbus parallele Plombe,
Kryo
-Therapie rechts am 3.12.2004
-
Wunderversorgung der Rissquetschwunde der Lider rechts am 23.11.2004
-
operative Rekonstruktion des Margo orbitale
superior
,
Mukosa-Eradi
kation
, Sinus
frontalis
rechts,
Obliterierung
Duktus
naso
frontalis
mit
tels M.
temporalis
-Plombe, Konturkorrektur mit Titan-
Mesh
und Deckung mit Periost-Lappen,
epiretinale
Fibroplasie
am 6.12.2004
-
Zyklopexie
rechts bei
okulärem
Hypertoniesyndrom
mit
Zyklodialyse
am 17.2.2006
-
Nachstarbehandlung am 5.12.2013
-
posttraumatische Kopfschmerzen mit zusätzlichem schmerzmittel
indu
ziertem Kopfschmerz
-
Visusbeeinträchtigung
rechts
-
periphere Netzhautnarben nach
Amotio
retinae
rechts
-
traumatische Pupillenentrundung nach
Bulbustrauma
-
Hinterkammerlinsen-Pseudophakie
-
partielle
Optikusatrophie
rechts
-
Makulaatrophie
rechts
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
nannten sie (Ziff. 5.2 S. 33
f.):
-
chronische Schulter- und Nackenbeschwerden beidseits
-
radiologisch Tendinitis
calcarea
, deutliche Spondylose HWK6/7 und
Unkovertebralarthrose
(Röntgen und MRI 17.11.2016)
-
klinisch bis auf Hinweise für
subakromiales
Impingement
und mögli
che
frozen
shoulder
der dominanten rechten Seite unauffälliger Befund
-
chronische Leistenschmerzen links
-
radiologisch bis auf kleine Ausziehungen
trochantär
unauffälliger Befund (Röntgen 17.11.2016)
-
klinisch unauffälliger Befund
-
chronische Kniebeschwerden rechts
-
radiologisch unauffälliger Befund (Röntgen 17.11.2016)
-
klinisch unauffälliger Befund
-
chronisches
thorako
- und
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
-
funktionelle
Hemihypästhesie
rechts
-
Adipositas
-
BMI 32,8 kg/m2 (Gewicht 104 kg, Grösse 178 cm)
-
arterielle Hypertonie
-
substituierte Hypothyreose
-
aktuell latente
hypothyreotische
Stoffwechsellage
-
anlagebedingte Fehlsichtigkeit links (
Hyperopie
, Astigmatismus)
-
Alterssichtigkeit links (
Presbyopie
)
-
chronische Benetzungsstörung an beiden Augen
-
Cataracta
incipiens
links
3.2
Zurzeit stünden eher nicht-
psychiatrische Beschwerden im Vordergrund. So beklage der Beschwerdeführer Augenprobleme und anhaltende Kopfschmerzen, Schulterschmerzen und deswegen eine Schlafstörung und einen raschen Konzen
trationsabfall mit Ermüdung. Es lägen
auch psychiatrische Befunde vor. D
er Beschwerdeführer zeige eine bedrückte Stimmungslage mit resignativer Lebens
haltung und einen partiellen sozialen Rückzug. Im Rahmen seiner Verwandt
schaft halte er die Beziehungen jedoch aufrecht. Das Ausmass der depressiven Störung könne als leichtgradig eingestuft werden, dies auch in Anbetracht der vielfältigen Aktivitäten. Hinweise für eine
schwergradige
depressive Störung beständen nicht, der Beschwerdeführer habe bisher nie einen Suizidversuch unternommen, er habe nie in stationärer psychiatrischer Behandlung gestanden
,
und die aktuelle Dosis des Antidepressivums entspreche einer Standarddosierung
im Sinne einer Erhaltungstherapie. Er gebe auch an, Freude an seinen Kindern zu haben und wolle deshalb auch weiterleben (S. 18).
3.3
Auf orthopädischer Ebene könne zusammenfassend festgestellt werden, dass sich die seitens des Bewegungsapparates recht diffus beklagten Beschwerden durch die klinischen und radiologischen Befunde nicht vollständig begründen liessen. Durchaus nachvollziehbar sei der Leidensdruck bei Tendinitis
calcarea
und mög
licher
frozen
shoulder
der dominanten rechten Seite, kaum aber die übrige, sehr inkonstant präsentierte Symptomatik, so dass von einer klaren nicht-organischen Beschwerdekomponente ausgegangen werden müsse (S. 26).
3.4
Von neurologischer Seite her stelle sich die Frage, ob der Beschwerdeführer damals eine relevante Hirnverletzung erlitten habe, welche Frage aufgrund der zeitnahen Berichte zu verneinen sei. Betreffend die beklagen intensiven Kopf
schmerzen sei die Annahme eines Schmerzmittelübergebrauchs bei der angege
benen Menge von
Schmerzmitteln
auch
aktuell
noch gerechtfertigt. Bei der aktu
ellen Untersuchung sei eine
Hemihypästhesie
rechts angegeben worden, welche nicht durch das Trauma erklärt werden könne und welche auch jetzt wie schon
im Jahr
2005 als funktionell zu interpretieren sei. Hinweise für einen links
hemis
phä
rischen Prozess hätten sich zu keinem Zeitpunkt ergeben. Auch wenn in der aktuellen Untersuchung nicht explizit beklagt, so ergäben sich aktuell auch keine Anhaltspunkte für kognitive Minderleistungen. So habe während der knapp ein
stündigen Untersuchung kein Anhalt für Einschränkungen der Aufmerksamkeit oder Merkfähigkeit bestanden. Gegen eine solche in der Vergangenheit mitge
nannte Konzentrationsstörung spreche auch die weitere aktive Teilnahme am Strassenverkehr (S. 29).
3.5
Am rechten Auge bestehe eine partielle
Optikus
- und
Makulaatrophie
, die eine Reduktion der Sehschärfe und Gesichtsfelddefekte verursachten. Aufgrund einer traumatischen Pupillenerweiterung bestehe eine vermehrte Blendungsemp
find
lich
keit und aufgrund einer chronischen Benetzungsstörung in Kombination mit der Pupillenstörung gebe der Beschwerdeführer eine monokulare Doppelbild
wahr
nehmung an. Links zeige sich eine beginnende Linsentrübung, die eine geringe Reduktion der Sehschärfe verursache (S. 32).
3.6
Aus Sicht des Bewegungsapparates bestehe für körperlich leichte bis zumindest mittelschwere Tätigkeiten unter Wechselbelastung eine Arbeits- und Leistungs
fähigkeit von 100 %, wobei wiederholte Überkopfmanöver vermieden werden sollten. Aus neurologischer Sicht bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
von 10 % aufgrund eines vermehrten Pausenbedarfs. Aus
ophthalmologischer
Sicht
bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für eine körperlich adap
tierte Tätigkeit von 15 % aufgrund eines erhöhten Pausenbedarfs, wobei poten
tiell gefährliche Arbeiten, Arbeiten auf Gerüsten und an schnell drehenden Maschinen nicht mehr zumutbar seien. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine Arbeits
un
fähigkeit von maximal 20 % (S. 34 f.)
Zusammenfassend bestehe aus polydisziplinärer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit für körperlich schwere Tätigkeiten. Dagegen bestehe in der angestammten Tätigkeit als Koch
als
auch in einer anderen, körperlich
leichten bis mittelschweren,
adap
tierten Tätigkeit eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80 %, vollschichtig realisierbar mit erhöhtem Pausenbedarf (S. 35).
4.
Der aktuelle Gesundheitszustand ergibt sich aus den folgenden Berichten:
4.1
4.1.1
Dr.
med. A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte im Bericht vom 17. November 2019 (Urk. 7/182/1) eine schwere depressive Episode mit somatischem Syndrom (F33.2) bei einer rezidivierenden depressiven Störung. Die Verschlechterung zeige sich mit einer massiven Antriebsstörung, der zu Folge der Beschwerdeführer zeitweise tagelang nicht aus dem Haus gehen könne. Soziale Kontakte seien praktisch nicht mehr vorhanden. Seinem verhaltensauffälligen Sohn sei er nicht mehr gewachsen. Innerlich und äusserlich bestehe eine massive Gefühlsstarre. Auslöser des stark verschlechterten Zustandes seien die aktuellen körperlichen Komplikationen, die erneut Operatio
nen im Kopfbereich erfordert hätten und weiterhin erforderten.
4.1.2
Im Bericht vom 6. Dezember 2020 (Urk. 7/199) diagnostizierte
Dr.
A._
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Epi
sode, mit somatischem Syndrom (F33.11), welche sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirk
e
(S. 3 Ziff. 2.5). Die Verfassung des Beschwerdeführers habe sich wegen der hinzugekommenen somatischen Komplikationen sowie des Wegzugs des Soh
nes, der den Kontakt zu ihm praktisch abgebrochen habe, verschlechtert (S. 2 Ziff. 2.2).
Sie habe
dem Beschwerdeführer keine Medikamente verordnet, da
die
ser
von seinen anderen Ärzten bereits eine erhebliche Menge an Antidepressiva erhalte (S. 3 Ziff. 2.3).
Die Prognose zur Arbeitsfähigkeit sei sehr schlecht, da wei
tere somatische Probleme aufgetaucht seien (S. 3 Ziff. 2.7). Der Beschwerdeführer habe keine Ressourcen, die bei einer Eingliederung hilfreich sein könnten (S. 4 Ziff. 3.5).
In behinderungsangepasster Tätigkeit bestehe
k
eine Arbeitsfähigkeit
mehr
(S. 6 Ziff. 4.2).
4.1.3
Am 24. Januar 2022 (Urk. 11/1) berichtete
Dr.
A._
, der Beschwerdeführer leide an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
schwergradige
Episode (F33.2). Er sei schwer gehemmt im Antrieb und abgesehen von den sehr häufigen Konsultationen bei Ärzten verschiedener Fachrichtungen unfähig sich für irgendeine Aktivität aufzuraffen, verlasse seine Wohnung nicht, pflege keine sozialen Kontakte mehr, besorge seinen kleinen Haushalt nicht, koche nicht mehr
, sondern er
verpflege sich aus dem Kühlschrank. Im Gespräch falle eine ausge
prägte Konzentrationsstörung auf. Ebenfalls sei das Kurzzeitgedächtnis beein
trächtigt, indem er nicht fähig sei, die Krankheitsgeschehnisse der letzten zwei Jahre in ihrer zeitlichen Einordnung aufzuzählen. Das Denken sei formal voll
ständig eingeengt auf seine gesundheitlichen Störungen und deren Konsequen
zen. Die Gedanken drehten sich ausschliesslich um seine düstere Zukunft, was immer wieder heftigste Ängste hervorrufe. Inhaltlich bestünden keine wahnhaf
ten Gedankengänge. Es gebe keine Hinweise auf Wahrnehmungsstörungen. Die Stimmung sei schwer depressiv,
der Beschwerdeführer
sei unfähig, Freude zu empfinden, sei hoffnungslos und habe häufige Todeswünsche. Es finde alle 2-3 Wochen eine
supportive
Psychotherapie statt. Er erhalte ein antidepressives Medikament, das gleichzeitig eine schmerzberuhigende Wirkungskomponente habe. Angesichts der schwer depressiven Verfassung bestehe seit mindestens Januar 2020 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in allen Tätigkeiten.
4.2
4.2.1
Die Är
zte der Klinik B._
des
Universitätsspitals C._
, in welcher Klinik beim Beschwerdeführer am 19. Juni 2019 und 3. April 2020 eine Stirnhöhlendrainage durchgeführt worden war (vgl. Urk. 7/181/1-2 S. 1 Mitte und Urk. 7/181/5-6 S. 1)
,
attestierten im Bericht vom 20. Juni 2019 (Urk. 7/181/1-2) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 18. Juni bis 2. Juli 2019 (S. 2 Mitte) und
berichteten am 19. Dezember 2019 (Urk. 7/181/3-4), der Beschwerdeführer
klage
über unverändert rechtsseitig betonte Kopfschmerzen und über
exazerbierte
, insbesondere auch vertikale Dop
pelbilder, welche seit der Operation vermehrt bestünden (S. 1 Mitte). Insgesamt zeige sich klinisch kein Hinweis für einen akuten Infekt beziehungsweise ein
Mukozelenrezidiv
im Bereich der Stirnhöhle (S. 2 Mitte).
4.2.2
Dr.
med. D._, Oberärztin an der B._
-Klinik
am C._
, berichtete
am 14. Ja
nuar 2021 (Urk. 7/208/
8-9), der Beschwerdeführer sei wegen einer
Stirnhöhlen
mukozele
frontal rechts, welche nach der Impressionsfraktur des Sinus
frontalis
und
Orbitadachs
rechts 2004 aufgetreten sei, in Behandlung (S. 1 Ziff. 2.1). Die
Stirnhöhlenmukozele
sei im April 2020 operativ behandelt worden. Zudem sei eine beidseitige
sensorineurale
Schwerhörigkeit diagnostiziert worden (S. 1
Ziff. 2.5). In der Konsultation vom 8. Oktober 2020 habe sich
endonasal
eine leicht ödematöse Schleimhaut mit teils kleinen Vernarbungen, jedoch ansonsten gut offenen Nasennebenhöhlen gezeigt. Es sei im Rahmen des stationären Auf
enthalts mit operativer Therapie eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom
3.
bis 19. April 2020 attestiert worden (S. 1 Ziff. 1.3). In Bezug auf die stattgehabte
Stirnhöhlenmukozele
bestehe aktuell keine Arbeitsunfähigkeit (S. 1 Ziff. 2.6).
4.3
4.3.1
Laut Bericht der Klinik für Neurologie am
C._
vom 21. Mai 2020 (Urk. 7/181
/
7
-10) zeige sich eine erneute
Schmerzexazerbation
mit Zunahme der Schmerz
intensität und des elektrisierenden Charakters der Kopfschmerzen. Diese seien weiterhin täglich bereits nach dem Erwachen vorhanden und hätten eine
migränöse
Komponente. In der klinischen Untersuchung zeigten sich aktuell keine neuen fokal-neurologischen Defizite bei vorbestehender
Hemihypästhesie
rechts und
Allodynie
im V1-Bereich rechts sowie deutlicher
Visusminderung
rechts (S. 4 Mitte).
4.3.2
Laut dem Bericht vom 19. November 2020 (Urk. 7/189) leidet der Beschwerde
führer an posttraumatischen chronischen Kopf-/
Orbitaschmerzen
nach Arbeits
unfall mit Eisenstange, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (S. 3 Ziff. 2.5). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde ein
Restless
-
Legs
-Syndrom, eine
Stirnhöhlenmukoz
e
le
frontal rechts sowie eine Hypothyreose genannt (S. 3 Ziff. 2.6).
Der Beschwerdeführer leide an täglichen Kopfschmerzen (S. 2 Ziff. 2.2). Es liege eine posttraumatische Augenveränderung rechts vor (entrundete
mydriatische
Pupille, unter anderem ohne Lichtreaktion (LR), Doppelbilder), eine asymptoma
tische Augenpartie, die Achillessehnen-Reflex
e
(ASR) fehlten, die
Bizepssehnen
reflexe
(BSR) rechts und links seien vorhanden. Das
MRI
vom Februar 2020 zeige einen Status nach Rekonstruktionen und gegebenenfalls eine
Mukozele
frontal rechts (S. 3 Ziff. 2.4).
4.3.3
Gemäss Bericht vom 12. September 2021 (Urk. 7/227 = Urk. 3/4) bestehen seit 2004 chronische Kopfschmerzen, die ursprünglich als
Traumafolge
begonnen und sich im Verlauf
chronifiziert
hätten, und aktuell Komponenten einer chronischen Migräne ohne Aura, eines chronischen Spannungskopfschmerzes sowie eines
zer
vikozephalen
Kopfschmerzes zeigten. Ausserdem bestehe ein Status nach Medi
k
a
mentenübergebrauchskopfschmerz mit Medikamentenentzug im Juli 2020 (S. 2 oben).
Therapieversuche umfassten unter anderem eine Basistherapie mit Magnesium, eine schmerzdistanzierende medikamentöse antidepressive Therapie (
Saroten
),
eine psychologische Gesprächstherapie und
eine Behandlung mit
Aimovig
. Bei fehlender ausreichender Besserung unter diesen Massnahmen sehe sich der Beschwerdeführer gezwungen, täglich Analgetika einzunehmen, was wiederum zu Medikamentenübergebrauchskopfschmerzen führe (S. 2 Mitte).
4.4
4.4.1
Dr.
med. E._
, Fachärztin für Ophthalmologie, stellte im Bericht vom 17. August 2020 (Urk. 7/181/12-13) folgende Diagnosen aus ihrem Fachbereich (S. 1 Mitte):
-
Status nach penetrierendem Trauma mit Eisenstange 2004
-
Status nach
limbusparalleler
Plombe frontal und
Kryopexie
am 3.12.2004
-
Status nach
Zyklopexie
bei
Zyklodialyse
mit
okulärem
Hypotonie
syndrom
am 17.2.2006
-
Status nach YAG-
Kapsulotomie
2014
-
persistierende partielle Mydriase
-
zentral multiple Hornhautnarben
-
monokulare Doppelbilder
Der Beschwerdeführer schildere, dass die monokularen Doppelbilder am rechten Auge zunehmend störten. Diese seien am ehesten
refraktiv
bedingt durch die residualen zentralen multiplen Hornhautnarben und der traumatischen Mydriase zu sehen.
Weiterhin liege eine hohe
An
is
ometropie
links mehr als rechts vor, die bei einer Kontaktlinsenunverträglichkeit nicht durch Kontaktlinsen korrigiert werden könnten.
4.4.2
Am
21. Januar 2022
stellte
Dr.
E._
fest
(Urk. 11/2)
,
i
nsgesamt h
ätten
sich die bekannten Beschwerden (
Visusminderung
, Doppelbilder, erhöhte Blendung aufgrund traumatischer Mydriase) im Vergleich zum Vorbefund verstärkt und eine Reduktion der Beschwerden
habe
nur durch ein dichteres Sichtokklusiv (vor
erst) zulasten der Sehschärfe rechts erreicht werden könne.
4.5
Dr.
med. F._
, Facharzt für Neurologie, berichtete am 11. September 2020 (Urk. 7/181/11), der Beschwerdeführer leide seit 2004 unter einer chronischen Migräne mit exzessiven Dauerkopfschmerzen. Ein Migränetagebuch erübrige sich, da der Beschwerdeführer
seit Jahren
über Dauerkopfschmerzen mit einer Intensität zwischen 7-10/10
, ohne schmerzfreie Intervalle,
klage.
4.6
Dr.
med. G._
, leitender Arzt Pneumologie/
Somnologie
, und med.
pra
c
t
.
H._
, Assistenzärztin,
Spital I._
, diagnostizierten
im Bericht vom
1
3.
April
2021 (Urk. 7/222)
aus ihrem Fachgebiet ein mittelschweres obstruktives Schlafapnoe-/
Hypopnoe
-Syndrom mit subjektiv stark störendem Schnarchen,
aggraviert
in Rückenlage. Die Rückenlagevermeidungstherapie mit
tels Rucksack habe nicht geklappt, der Beschwerdeführer fühle sich durch den Rucksack extrem stark
eingeengt
,
und es komme erneut zu Angst- und Panik
attacken. Ausserdem schmerzten die Schultern, da er sic
h nicht mehr gut bewegen könne.
4.7
Dr.
m
ed. J._
, Facharzt für Chirurgie,
RAD
, kam gestützt auf die vor
liegenden medizinischen Berichte zum Schluss, die
Stirnhöhlenmukozele
, die adäquat versorgt worden sei, habe zu einer vorübergehenden Verschlechterung des Gesundheitszustandes geführt. Ansonsten könne von einem unveränderten Gesundheitszustand ausgegangen werden (Feststellungsblatt vom 7. Juni 2021, Urk. 7/215 S. 7 oben).
4.
8
Laut
Austrittsbericht des
Spital
s I._
, Departement Innere Medizin,
vom 15. Oktober 2021 (Urk. 3/3) fand v
om
3.
bis 11. Oktober 2021
eine stationäre Behandlung statt.
Die Aufnahme sei zur analgetischen Einstellung bei
Schmerz
exazerbation
bei chronischen Kopfschmerzen nach Schädeltrauma mit Schädel
fraktur rechts frontal und
Ablatio
retinae
rechts erfolgt. Im
Computertomogramm
(
CT
)
des
Schädel
s
seien keine neuen Aspekte im Vergleich zum letzten CT (Juni 2019)
zu sehen. Eine Arteriitis
temporalis
sei bei unpassender Klinik und normaler Blutsenkungsgeschwindigkeit unwahrscheinlich. Es sei eine erschwerte analgeti
sche Einstellung erfolgt. In konsiliarischer Rücksprache mit
dem behandelnden Neurologen
und
der Schmerzsprechstunde des C._
habe die Medikation auf über
wiegend intravenöse
A
pplikation umgestellt werden können. Darunter sei eine suffiziente Analgesie möglich
gewesen
. Auch nach
Oralisierung
seien die Schmer
zen im für den Beschwerdeführer erträglichen Bereich geblieben.
5.
5.1
Im Zeitpunkt des
Z._
-Gutachtens standen eher nicht-psychiatrische Beschwerden im Vordergrund. Hinweise für eine
schwergradige
depressive Störung waren nicht vorhanden (E. 3.2). Die Frage, ob der psychiatrisch gestellten Diagnose überhaupt eine invalidisierende Bedeutung zukam, liess das Gericht unbeantwortet, da der Beschwerdeführer ohnehin in der Lage war, in einer angepassten Tätigkeit ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen (Urk. 7/172 E. 5.4).
5.2
Seit der
Z._
-Begutachtung trat beim Beschwerdeführer eine
Stirnhöhlen
mukozele
mit Rezidiv auf, die zweimal operativ behandelt wurde. Die Suva nahm einen Rückfall an und sicherte die Übernahme der augenärztlichen und
rhinolo
gischen
Behandlung zu (vgl. Urk. 7/186/335). Laut Bericht
en
d
er B._-Klinik am C._
(E. 4.2) bestand eine Arbeitsunfähigkeit im Rahmen der stationären Aufent
halte
vom 18. Juni bis 2. Juli 2019 und vom 3. bis 19. April 2020
,
dazwischen
und
danach bestand in Bezug auf die stattgehabte
Stirnhöhlenmukoz
e
le
keine Arbeitsunfähigkeit.
Augenärztin
Dr.
E._
berichtete
(E. 4.4.)
, dass
sich die bekannten Beschwer
den
insgesamt verstärkt hätten, jedoch durch ein dichteres Sichtokklusiv eine Reduktion derselben
vorerst
zulasten der Sehschärfe recht
s
habe erreicht werden können. Dass durch die reduzierte Sehschärfe eine
höhergradige
Arbeitsunfähig
keit
als seinerzeit von der
Z._
-Opht
h
alm
ologin (vgl. E. 3.6) attestiert
hervorgeru
fen würde
, wurde von
Dr.
E._
indessen nicht berichtet.
Bezüglich Kopfschmerzen führte die operative
Behandlung der
Stirnhöhlen
mukozele
zu keiner Reduktion, sondern
der Beschwerdeführer
gab an
,
die Inten
sität derselben habe zugenommen. Allerdings zeigten sich keine neuen fokal-neurologischen Defizite bei der bereits bekannten
Hemihypästhesie
und
Allodynie
im V11-Bereich rechts sowie deutlicher
Visusminderung
rechts (E. 4.3.1)
,
und
klagte der Beschwerdeführer bereits schon
vor der
Z._
-Begutachtung
(E. 3)
über
stärkste, kaum therapierbare Kopfschmerzen
(vgl. Urk.
7/46 S. 4 oben).
Auch
Dr.
F._
(E. 4.5) berichtete gegenüber dem Krankenversicherer eine seit 2004 vorliegende chronische Migräne mit exzessiven Dauerkopfschmerzen
von
einer Intensität zwischen 7-10 bei einem Maximum von 10 auf der Schmerzskala
und
ohne schmerzfreie Intervalle
, deren Behandlung bis anhin ohne Erfolg
gewesen seien
.
Infolge einer
Schmerzexazerbation
unterzog sich der Beschwerdeführer einer
stationäre
n
Behandlung zur analgetischen Einstellung
, wodurch e
ine Schmerzreduktion in den für
ihn
erträglichen Bereich
erzielt werden konnte
(E.
4.7)
. Eine längerdauernde Verschlechterung bezüglich der Kopfschmerzen
kann allein aufgrund dieses stationären Aufenthalts
nicht
angenommen werden
.
5.
3
Was das neu diagnostizierte Schlafapnoe-/
Hypopnoe
-Syndrom betrifft,
konnte
offenbar
- wie von
Dr.
G._
(E. 4.6)
als Therapieoption
angekündigt - eine nächtliche Sauerstofftherapie installiert werden
(vgl. Urk. 3/3; E. 4.
8
)
.
Allerdings geht weder aus dem Bericht von
Dr.
G._
noch aus dem Austrittsbericht des
I._
(E. 4.8) hervor, d
ass sich das Schlafapnoe-/
Hypopnoe
-Syndrom auf
die Arbeitsfähigkeit auswirkt
.
5.
4
Hinsichtlich des psychischen Gesundheitszustandes ist v
orab darauf hinzuweisen, dass
Dr.
A._
(E. 4.1) schon immer
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausging
(vgl. Urk. 7/172 E. 3.3)
. Veränderungen im Psychostatus w
u
rden für
den Zeitraum
nach der Renteneinstellung bis zur angefochtenen Ver
fü
gung
in den
aktuell
aufgelegten Berichten nicht beschrieben, obwohl die behandelnde Psychiaterin
(E. 4.1)
eine Verschlechterung des Gesundheitszustan
des angab.
Dementsprechend ist auch ihre Diagnosestellung, welche variiert zwi
schen
mittelgradig und
schwergradig
depressiver Störung mit somatischem Syn
drom, nicht nachvollziehbar.
Insbesondere beschrieb sie i
m November 2019 (E. 4.1.1)
bei einer
schwergradigen
depressiven Episode
eine massive Antriebs
störung, aufgrund derer der Beschwerdeführer zeitweise tagelang nicht aus dem Haus gehen könne und
soziale
Kontakte
meide
. Gut ein Jahr später im Dezember 2020 (E. 4.1.2)
beschrieb sie
eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
,
diagnostizierte aber
lediglich
eine
mittelgradige depressive Episode
.
Gemäss
ihren
Angaben
fand
die psychiatrische Behandlung trotz
de
s angeblich verschlechter
ten Gesundheitszustandes
nur
alle 4-6 Wochen statt
,
und
verordnete
sie
selber
keine Antidepressiva,
angeblich
weil dem Beschwerdeführer von anderen
Ärzten eine «erhebliche Menge»
verschrieben w
orden sei
. Um welche Medikamente es sich hierbei handelt
e
, nannte sie nicht, aktenkundig ist lediglich
Saroten
(
Amytriptylin
)
, was
Dr.
A._
schliesslich
mit Bericht vom 24. Januar 2022 (E. 4.1.3) bestätigte
.
In
diesem
Bericht
führte sie entgegen ihrer früheren Aussage an,
es finde alle 2-3 Wochen eine
supportive
Psychotherapie statt, ohne zu erklä
ren, seit wann
und aus welchem Grund nun
mit einer
engmaschigere
n
Be
hand
lung
fortgefahren wurde
.
Angesichts
ihrer
Berichterstattung
muss angenommen werden, dass sich
Dr.
A._
bei ihrer Beurteilung mehr auf die subjektive Befindlichkeit des Beschwerdeführers denn auf seinen Psychostatus gestützt hat. Überdies ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärztinnen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc mit Hinweisen).
Insgesamt vermögen deshalb d
ie Berichte der behandelnden Psy
chiaterin eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers
nicht darzutun
.
5.5
Zusammenfassend ist ei
ne
dauerhafte
Verschlechterung des Gesundheitszustan
des seit der Rentenaufhebung vom
Mai 2017 nicht ausgewiesen
.
Inwiefern wei
tere medizinische Abklärungen neue
entscheidwesentliche
Erkenntnisse liefern könnten, ist nicht ersichtlich.
Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 4. Ok
tober 2021 erweist sich damit als rechtens
. F
olglich ist die Beschwerde abzuwei
sen.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.
festzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.