Decision ID: 34ec6952-3662-5123-b919-e097a3fbea3f
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am 1. Mai 2017 in der Schweiz ein Asylge-
such ein. Am 2. Mai 2017 wurde er zur Person befragt (BzP). Das vorerst
eingeleitete Dublin-Verfahren wurde am 31. Mai 2017 beendet. Sodann
folgte am 4. Oktober 2017 die Anhörung zu den Asylgründen durch das
SEM (Art. 29 Abs. 1 AsylG [SR 142.31]).
B.
Der Beschwerdeführer machte geltend, er habe als Ajnabi erst im Rahmen
des präsidialen Dekrets Nr. 49 im Jahre 2011 die syrische Staatsangehö-
rigkeit erlangt. Nach seinem Schulabschluss habe er zwei Jahre an der
Universität in B._ Wirtschaft und Handel studiert. Da der Weg nach
B._ aufgrund der Präsenz des Islamischen Staates (IS) zu gefähr-
lich gewesen sei, habe er den Studienort nach C._ verlegen wollen,
wobei dort aber sein Studium in B._ nicht angerechnet worden sei.
Deshalb habe er im Jahre 2011/2012 mit dem Studiengang neu begonnen.
Im Jahr 2012 habe er sich ein Militärbüchlein ausstellen lassen, er habe
den Militärdienst aufgrund seines Studiums aber jeweils verschieben kön-
nen. Als sein Vater im Mai 2016 auf dem Rekrutierungsbüro erneut den
Aufschub des Militärdiensts habe beantragen wollen, sei dies abgelehnt
worden. Seinem Vater sei gesagt worden, er (der Beschwerdeführer) habe
persönlich auf dem Rekrutierungsbüro zu erscheinen. Gleichzeitig hätten
sie das Militärbüchlein einbehalten. Er habe sich daraufhin während einiger
Monate zu Hause versteckt und die Ausreise aus Syrien geplant. Mit Hilfe
eines Schleppers sei er illegal in die Türkei ausgereist, wo er erfahren
habe, dass die Behörden seinem Vater eine schriftliche Aufforderung für
den Militärdienst übergeben hätten, wonach er, der Beschwerdeführer, sich
am 2. Januar 2017 hätte melden müssen. Nach einem Monat sei er über
Griechenland auf dem Luftweg in die Schweiz gelangt.
Zum Beleg seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine syrische
Identitätskarte, eine Einrückungsaufforderung, zwei Studentenausweise
und einen Führerschein in Kopie zu den Akten.
Das SEM konsultierte vor seiner Entscheidfindung das Dossier des Bru-
ders (N [...]) des Beschwerdeführers.
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C.
Mit Verfügung vom 6. Dezember 2019 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab
und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug der Weg-
weisung schob es wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen
Aufnahme auf.
D.
Mit Eingabe vom 27. Dezember 2019 reichte der Beschwerdeführer durch
seine Rechtsvertretung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein
und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei
seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen sowie ihm Asyl zu gewähren. In
prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung.
E.
Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 15. Januar
2020 wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung abgewiesen und der Beschwerdeführer wurde zur Leistung eines
Kostenvorschusses aufgefordert, welcher innert Frist eingegangen ist.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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Seite 5
5.
5.1 Das SEM lehnte das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, da seine
Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG
nicht standhielten, weshalb auf die Prüfung der Asylrelevanz verzichtet
werden könne.
Es führte zur Begründung im Wesentlichen aus, an der eingereichten mili-
tärischen Vorladung, welche angeblich die Rekrutierungsstelle in
D._ ausgestellt habe, würden erhebliche Zweifel bestehen, da das
Dokument keinerlei fälschungssichere Echtheitsmerkmale aufweise und
allgemein bekannt sei, dass in Syrien gefälschte Dokumente käuflich er-
worben werden könnten (unter Verweis auf das Urteil des BVGer E-
1695/2017 vom 14. Juni 2017, E. 7.3.1). Entsprechend sei auch die Be-
weiskraft solcher Dokumente gering (unter Verweis auf das Urteil des
BVGer D-149/2014 vom 18. Dezember 2015 E. 6.3.1). Nicht nachvollzieh-
bar sei, dass der Vater des Beschwerdeführers die Vorladung erst am 2.
Januar 2017 entgegengenommen habe, er (der Beschwerdeführer) sich
gemäss dieser aber bereits am 28. Dezember 2016 hätte bei der Rekrutie-
rungsstelle melden müssen. Ebenfalls nicht nachvollziehbar sei, dass die
Behörden, nachdem sie den Beschwerdeführer bereits durch seinen Vater
dazu aufgefordert hätten, sich bei ihnen zu melden, zusätzlich noch mit
einer schriftlichen Vorladung beim Beschwerdeführer zu Hause vorbeige-
kommen seien, anstatt ihn direkt einzuziehen. Seltsam sei des Weiteren,
dass die Behörden einerseits das Militärbüchlein des Beschwerdeführers
beschlagnahmt hätten, sie ihn andererseits aufgefordert hätten, sich mit
eben diesem Militärbüchlein auf dem Rekrutierungsamt zu präsentieren.
Die behauptete Rekrutierung des Beschwerdeführers sei auch deshalb un-
glaubhaft, weil sich die syrische Regierung im Juli 2012 aus den kurdischen
Gebieten Nordsyriens zurückgezogen habe (unter Verweis auf die Urteile
des BVGer E-2109/2014 vom 9. Juni 2016 und D-7469/2016 vom 20. De-
zember 2016, E. 5) und seither auch die Einberufung von Kurden zum Mi-
litärdienst gestoppt habe (unter Verweis auf die Urteile des BVGer vom
28. August 2017, D-2568/2014, E. 4.2 und vom 26. Oktober 2015, D-
5018/2015, E. 5.2).
Auch seien seine Aussagen bezüglich Militärdienstaushebung äusserst
vage und unsubstanziiert geblieben. So habe er keine detaillierten Anga-
ben zu seiner Aushebung vorzubringen vermocht. Ausserdem sei erstaun-
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lich, dass er angegeben habe, nicht in den Militärdienst eingezogen wer-
den zu wollen, bei der angeblichen Ausmusterung dann aber nicht versucht
habe, sich aufgrund seiner Krankheit (Diabetes) ausmustern zu lassen.
Die Vorinstanz führte weiter aus, dass der Bruder des Beschwerdeführers
in der Anhörung vom 14. Februar 2014 in Bezug auf den Aufenthaltsort des
Beschwerdeführers zu Protokoll gegeben habe, dieser sei aufgrund einer
Vorladung zum Militärdienst vor einigen Monaten (gegen Ende des Jahres
2013) aus Syrien geflohen sei und sich gegenwärtig in Kurdistan aufhalte.
Darauf angesprochen habe der Beschwerdeführer durch seinen damaligen
Rechtsvertreter lediglich verlauten lassen, dass er Monate lang keinen
Kontakt mit seinem Bruder gehabt habe, weshalb dieser Bruder nicht rich-
tig informiert gewesen sei und geglaubt habe, er (der Beschwerdeführer)
würde sich in Kurdistan befinden, obwohl er stattdessen in den Libanon
gegangen sei. Diese Erklärung ergebe keinen Sinn, da er in der BzP an-
gegeben habe, dass er sich erst im Sommer 2015 im Libanon aufgehalten
habe.
Weiter seien die Schilderungen des Beschwerdeführers für den Zeitraum
zwischen dem Studienabbruch mit anschliessendem sich versteckt halten
bis zur Ausreise aus Syrien sehr allgemein ausgefallen und hätten sich nur
in wenigen kurzen, stereotypen Sätzen erschöpft. Seine Schilderungen
seien kaum konkret und bloss oberflächlich geblieben. Ein persönlicher Be-
zug fehle zudem weitestgehend. Dies erwecke nicht den Eindruck, als
spreche eine sich im Mittelpunkt des Geschehens befindende Person von
jenen einschneidenden Ereignissen, die ihr Leben derart beeinflusst hät-
ten, dass sie deswegen geflohen sei. Aufgrund seiner Schilderungen habe
er weder die Aushebung durch das syrische Militär noch die Einberufung
in den Militärdienst glaubhaft machen können. Ausserdem seien aus den
übrigen Akten des Beschwerdeführers sowie den Akten seines Bruders kei-
nerlei Hinweise zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer von den syri-
schen Behörden als Regimegegner registriert worden sei. Weiter könne
eine Reflexverfolgung des Beschwerdeführers, trotz des politischen Profils
seines Bruders, ausgeschlossen werden, da der Beschwerdeführer sowohl
an der BzP als auch an der Anhörung keinerlei Probleme mit den Behörden
geltend gemacht habe, welche in Zusammenhang mit den Tätigkeiten des
Bruders stehen würden.
5.2 Der Beschwerdeführer weist in seiner Beschwerde mit Blick auf das
vorinstanzlich eingereichte Beweismittel der militärischen Vorladung darauf
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hin, dass die Vorinstanz die Authentizität von Beweismitteln aus Syrien no-
torisch anzweifeln würde. Weiter sei es in einem von Krieg geprägten Staat
durchaus denkbar, dass die Koordination zwischen den Behörden nicht
funktioniere, weshalb es auch glaubhaft sei, dass er sich beim Rekrutie-
rungsbüro samt Militärbüchlein hätte melden sollen, obwohl dieses bereits
eingezogen worden sei. Zudem habe er seine Rekrutierung angesichts der
Kooperation zwischen kurdischen und syrischen Truppen (unter Verweis
auf einen Bericht der SHF-Länderanalyse) glaubhaft geschildert.
Beschwerdeweise führt der jetzige Rechtsvertreter aus, dass dem vorheri-
gen Rechtsvertreter bei der Stellungnahme zur Anhörung des Bruders des
Beschwerdeführers ein Fehler unterlaufen sei. So habe der Bruder deshalb
ausgesagt, dass der Beschwerdeführer bereits im Jahr 2013 in den Liba-
non geflüchtet sei, weil die Familie ihm (dem Bruder) nicht habe mitteilen
wollen, dass dem Beschwerdeführer die Flucht nicht gelungen sei. Der Be-
schwerdeführer bekräftigt beschwerdeweise denn auch, dass die Reise in
den Libanon 2015 stattgefunden habe.
Weiter wendet der Beschwerdeführer ein, dass er seine Krankheit bei der
Rekrutierung nicht weiter erwähnt habe, weil ihm bewusst gewesen sei,
dass diese nicht zu einer Befreiung vom Militärdienst führe. Zudem bestehe
das Risiko als Regimegegner oder Deserteur eingestuft zu werden, wenn
der Verdacht aufkomme, dass sich jemand vor dem Militärdienst drücken
wolle.
Betreffend Reflexverfolgung hält der Beschwerdeführer ausdrücklich fest,
dass er bis anhin aufgrund der politischen Tätigkeiten seines Bruders keine
Probleme gehabt habe. Künftige Probleme seien aber dennoch nicht aus-
geschlossen, da das syrische Regime dafür bekannt sei, politisch aktive
Personen durch die Verfolgung von Familienangehörigen zu bestrafen (un-
ter Verweis auf einen Bericht der SHF-Länderanalyse). Im Falle einer
Rückkehr nach Syrien wäre der Beschwerdeführer ernsthaft gefährdet,
eine Behandlung zu erfahren, die gegen Art. 3 EMRK verstosse, und somit
flüchtlingsrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG sei.
6.
6.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Gericht zum Schluss, dass die
vorinstanzlichen Erwägungen nicht zu beanstanden sind. In der angefoch-
tenen Verfügung wird einlässlich dargelegt, weshalb die Vorbringen des
Beschwerdeführers unglaubhaft ausgefallen sind und auch nicht von einer
Reflexverfolgung wegen des Bruders auszugehen ist. Um Wiederholungen
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zu vermeiden, kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen in
der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. In der Beschwerdeschrift
werden den überzeugenden Argumenten des SEM keine substanziellen
Einwände entgegengehalten, zumal sich der Beschwerdeführer mit den
vorinstanzlichen Erwägungen kaum auseinandersetzt und mehrheitlich
das bereits Gesagte wiederholt.
Der Beschwerdeführer behauptet denn auch generell, dass die Vorinstanz
Beweismittel notorisch anzweifeln würde, und verkennt dabei, dass es zum
einen Tatsache ist, dass in Syrien solche Dokumente leicht gefälscht wer-
den können (vgl. Urteil des BVGer E-1695/2017, E. 7.3.1), und dass zum
anderen der Beschwerdeführer diesbezüglich mit seinen - anlässlich der
Anhörung gemachten Aussagen - nicht zur Glaubhaftigkeit des eingereich-
ten Beweismittels beiträgt.
Die Berichtigung des jetzigen Rechtsvertreters betreffend die widersprüch-
lichen Angaben der beiden Brüder zum Ausreisezeitpunkt des Beschwer-
deführers überzeugen nicht. Auch wenn der Beschwerdeführer gemäss ei-
genen Angaben erst im Jahr 2015 für einen Tag (SEM-Akte A6/13 S. 4 f.)
in den Libanon gereist sein sollte, vermag dies nichts daran zu ändern,
dass seine Aussagen gesamthaft im Widerspruch zu jenen des Bruders
stehen. So führte der Beschwerdeführer beispielsweise aus, dass er von
2011 bis 2016 studiert habe (SEM-Akte A21/22 F23, F25) und die Univer-
sität in B._ verlassen habe, weil es aufgrund der Aktivitäten des IS
zu gefährlich geworden sei, dort zu studieren (SEM-Akte A6/13 S. 7 f.).
Sein Bruder gab in seiner Anhörung hingegen zu Protokoll, dass der Be-
schwerdeführer von der Universität B._ suspendiert worden sei und
nicht mehr habe studieren dürfen (SEM-Akte A31/2 F46).
Bei den beschwerdeweise neu vorgetragenen Ausführungen zur Re-
flexverfolgung stützt sich der Beschwerdeführer auf eine Schnellrecherche
der SFH aus dem Jahr 2017 sowie auf einen Zeitungsartikel aus dem Jahr
2019, welche sich beide nur generell zur Situation in Syrien äussern. Einen
konkreten Bezug zu seiner eigenen Situation macht der Beschwerdeführer
nicht geltend. Eine solche lässt sich denn auch - wie von der Vorinstanz
bereits zutreffend festgestellt - den Akten nicht entnehmen.
6.2 Das Bundesverwaltungsgericht kommt demnach in Übereinstimmung
mit der Vorinstanz zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht
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standhalten. Dementsprechend erfüllt der Beschwerdeführer die Flücht-
lingseigenschaft nicht. Das SEM hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]).
8.2 Die Vorinstanz nahm die Beschwerdeführenden mit Verfügung vom
6. Dezember 2019 infolge fehlender Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zuges vorläufig auf. Unter diesen Umständen ist auf eine Erörterung der
beiden anderen Kriterien – insbesondere der Zulässigkeit des Wegwei-
sungsvollzuges – zu verzichten. Über diese müsste erst dann befunden
werden, wenn die vorläufige Aufnahme aufgehoben würde. Zur Durchführ-
barkeit des Wegweisungsvollzugs erübrigen sich im heutigen Zeitpunkt
weitere Erwägungen (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.- festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Deckung
dieser Kosten zu verwenden.
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