Decision ID: dc81a75e-fd41-4156-88e5-9f94deb76701
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 4. Mai 2022 in der Schweiz um Asyl
nach.
B.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-
heit EURODAC) durch das SEM am 10. Mai 2022 ergab, dass der Be-
schwerdeführer am 22. Oktober 2019 sowie am 27. September 2021 in
Griechenland um Asyl ersucht hatte und ihm am 3. Dezember 2021 dort
Schutz gewährt worden war.
C.
C.a Anlässlich des persönlichen Dublin-Gesprächs vom 20. Mai 2022
führte der Beschwerdeführer aus, er habe in Griechenland unter problema-
tischen Bedingungen in Camps gelebt. Die sanitären Anlagen seien häufig
von Stürmen beschädigt worden, die Platzverhältnisse seien beengt gewe-
sen, und es habe Probleme mit dem Essen gegeben. Nach der Schutzge-
währung habe er weder eine Arbeitsstelle noch finanzielle oder anderwei-
tige Unterstützung erhalten. Zudem habe ihm das griechische Wetter und
das rassistische Verhalten der Griechen nicht behagt. Daher sei er aus
Griechenland ausgereist. Im Übrigen sei Griechenland ohnehin nie sein
Ziel gewesen. Nach seinem Gesundheitszustand gefragt, gab er an, er
habe sich in Griechenland (...) und seither Atemprobleme. Er (...). Er be-
nötige (...) und leide ausserdem an einer (...). In Griechenland sei er mehr-
fach beim Arzt gewesen; er wolle sich auch in der Schweiz ärztlich unter-
suchen lassen.
C.b Im Rahmen des Dublin-Gesprächs teilte das SEM dem Beschwerde-
führer mit, angesichts der Schutzgewährung in Griechenland werde beab-
sichtigt, auf sein Asylgesuch gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG
(SR 142.31) nicht einzutreten und ihn nach Griechenland wegzuweisen. Es
räumte ihm in diesem Zusammenhang eine Frist zur Einreichung einer
schriftlichen Stellungnahme ein.
D.
D.a Am 20. Mai 2022 ersuchte das SEM die griechischen Behörden um
Rückübernahme des Beschwerdeführers gestützt auf die Richtlinie
2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. De-
zember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den Mitglied-
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staaten zur Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger (Rück-
führungsrichtlinie) sowie das Abkommen vom 28. August 2006 zwischen
dem Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Hellenischen Re-
publik über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt.
D.b Die griechischen Behörden stimmten dem Rückübernahmeersuchen
am 24. Mai 2022 zu und bestätigten gleichzeitig, dass der Beschwerdefüh-
rer am 2. Dezember 2021 in Griechenland als Flüchtling anerkannt und ihm
eine vom 3. Dezember 2021 bis am 2. Dezember 2024 gültige Aufenthalts-
bewilligung ausgestellt worden sei.
E.
In seiner Stellungnahme vom 27. Mai 2022 brachte der Beschwerdeführer
vor, er sei im Iran aufgewachsen und als Jugendlicher drogensüchtig ge-
wesen. Nach einem Aufenthalt in einer Entzugsklinik sei er aus dem Iran
ausgereist, da er dort keine Zukunftsperspektiven gehabt habe. Im Flücht-
lingscamp in Griechenland habe er Chaos und Gewalt erlebt. Zudem habe
er weder einen Sprachkurs besuchen können noch Zugang zum Arbeits-
markt gehabt. Aufgrund von (...) sei er zwei Monate in psychiatrischer Be-
handlung gewesen. In der Schweiz seien verschiedene medizinische Ab-
klärungen hängig ([...]). Aktuell sei der medizinische Sachverhalt noch
nicht ausreichend erstellt. Angesichts seiner besonderen Verletzlichkeit
und mangels besonders begünstigender Umstände sei der Vollzug der
Wegweisung jedoch ohnehin unzulässig.
F.
Die Vorinstanz unterbreitete dem Beschwerdeführer am 10. Oktober 2022
einen ablehnenden Entscheidentwurf zur Stellungnahme. Der Beschwer-
deführer äusserte sich dazu mit Schreiben vom selben Datum.
G.
Mit Verfügung vom 11. Oktober 2022 – tags darauf eröffnet – trat das SEM
in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch des
Beschwerdeführers nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz
sowie den Vollzug der Wegweisung nach Griechenland an und forderte ihn
auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung zu
verlassen.
Zur Begründung führte das SEM aus, der Beschwerdeführer sei in Grie-
chenland, einem sicheren Drittstaat, als Flüchtling anerkannt worden und
verfüge über eine gültige griechische Aufenthaltsbewilligung. Griechenland
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habe einer Rückübernahme zugestimmt. Somit könne er dorthin zurück-
kehren, weshalb auf das Asylgesuch nicht einzutreten sei. Der Vollzug der
Wegweisung nach Griechenland sei als durchführbar zu erachten. Perso-
nen mit Schutzstatus könnten sich auf die Garantien der Richtlinie
2011/95/EG des Rates vom 13. Dezember 2011 (Qualifikationsrichtlinie)
berufen, welche ihnen einklagbare Ansprüche namentlich in den Bereichen
Fürsorge, Unterkunft und Erwerbstätigkeit verschafften. Zudem stünden
dem Beschwerdeführer die aus dem Abkommen über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) fliessenden Rechte zu. Trotz gewisser
Schwächen sei das Aufnahmesystem in Griechenland nicht dysfunktional,
und es sei davon auszugehen, dass Griechenland seinen völkerrechtlichen
Verpflichtungen grundsätzlich nachkomme. Es lägen keine begründeten
Hinweise dafür vor, dass dem Beschwerdeführer in Griechenland un-
menschliche Lebensbedingungen drohten. Der medizinische Sachverhalt
sei als erstellt zu erachten. Die Rechtsvertretung habe lediglich einen Arzt-
bericht vom 25. Mai 2022 eingereicht. Aufgrund der Aktenlage sei nicht von
einer medizinischen Notlage auszugehen, weshalb allfällige weitere Abklä-
rungen nicht abzuwarten seien. In Griechenland sei der Zugang zur not-
wendigen medizinischen Behandlung gewährleistet, und das Land verfüge
über eine ausreichende medizinische Infrastruktur.
H.
Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 19. Oktober 2022 focht
der Beschwerdeführer diesen Entscheid an. Er beantragte, die vorinstanz-
liche Verfügung sei aufzuheben, und das SEM sei anzuweisen, auf das
Asylgesuch einzutreten. Eventuell sei die Unzulässigkeit und/oder Unzu-
mutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung nach Griechenland festzustellen
und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeventuell sei die Sache zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subsubeventuell seien
von den griechischen Behörden spezifische Garantien betreffend Unter-
bringung und medizinische Versorgung einzuholen. In prozessualer Hin-
sicht wurde beantragt, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung
zu erteilen, und der Vollzug der Wegweisung sei superprovisorisch auszu-
setzen. Zudem wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
(inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses) ersucht.
Der Beschwerde lagen eine Vollmacht vom 14. Oktober 2022, die ange-
fochtene Verfügung (inkl. Empfangsbestätigung) sowie das Protokoll des
Dublin-Gesprächs bei (alles in Kopie).
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I.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
20. Oktober 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vor-
liegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden, und der
Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le-
gitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgen-
den Erwägungen in E. 5 – einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die
Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-
prüfen (Art. 31a Abs.1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Be-
schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz
zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5
E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.2 Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem
Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt.
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4.
4.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
4.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
Auf die Anträge, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu ge-
währen und der Vollzug der Wegweisung sei superprovisorisch zu sistieren
(vgl. die beiden Verfahrensanträge auf S. 2 der Beschwerde), ist nicht ein-
zutreten, da der vorliegenden Beschwerde von Gesetzes wegen aufschie-
bende Wirkung zukommt (vgl. Art. 55 Abs. 1 VwVG).
6.
6.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung der Untersuchungspflicht
und beantragt aus diesem Grund die Rückweisung der Sache an die Vor-
instanz. Zur Begründung führt er aus, er habe im Verlauf des Verfahrens
mehrmals seine physischen und psychischen Beschwerden dargelegt. Die
medizinischen Untersuchungen seien indes noch nicht abgeschlossen.
Insbesondere habe es das SEM unterlassen, eine psychologische Abklä-
rung zu veranlassen. Ohne fachkundige Untersuchung könne jedoch das
Ausmass seiner psychischen Schädigung nicht beurteilt werden. Somit
stehe fest, dass der rechtserhebliche Sachverhalt nicht ausreichend erstellt
worden sei.
6.2 Der Beschwerdeführer brachte im persönlichen Dublin-Gespräch vor,
er habe sich (...), habe Probleme mit (...) und leide an (...) und Schlafstö-
rungen (vgl. A13 S. 2 und 3). In der Folge suchte er am 19. Mai 2022 einen
Arzt der Medizinisch-Sozialen Ambulatorien B._ auf, welcher fol-
gende Diagnosen stellte: (...). Er empfahl weitere Abklärungen betreffend
das (...) sowie einen (...), verschrieb (zur Einnahme bei Bedarf) ein
Schmerz- und Fiebermittel (Minalgin) und stellte eine Röntgen- bezie-
hungsweise Computertomogramm (CT)-Untersuchung in Aussicht (vgl.
A17 s. 2 f.). Am 25. Mai 2022 erfolgte im (...)-Spital B._ ein CT der
Nasennebenhöhle des Beschwerdeführers. Dabei konnte weder eine Frak-
tur noch eine Fehlstellung oder raumfordernde Veränderungen festgestellt
werden, sondern lediglich Schleimhautschwellungen sowie (...) (vgl. den
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Arztbericht vom selben Datum; A22). Abklärungen des SEM bei MedicHelp
im BAZ C._ vom 29. September 2022 ergaben, dass der Beschwer-
deführer letztmals Anfang August 2022 dort vorstellig geworden sei, um
eine (...) nähen zu lassen. Demnach ist aufgrund des Ergebnisses der CT-
Untersuchung davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer entgegen
seinen Angaben in der Vergangenheit keinen (...) erlitten hat und an keiner
ernsthaften Erkrankung dieses Organs leidet. In den Akten finden sich so-
dann keine Hinweise darauf, dass er unter schwerwiegenden (...) oder an
einer erheblichen und potentiell vollzugsrelevanten psychischen Erkran-
kung leidet. Zudem ist auch nicht aktenkundig, dass er sich um entspre-
chende Behandlungen bemüht hätte. Soweit er in der Stellungnahme vom
10. Oktober 2022 (vgl. A25) geltend macht, er sei mehrfach bei MedicHelp
vorstellig geworden, dabei sei er aber nicht ernst genommen worden, ver-
mag dies nicht zu überzeugen, zumal ihm im August 2022 offensichtlich
geholfen wurde, als er an einer (...) litt. Es ist daher mangels anderweitiger,
konkreter Hinweise davon auszugehen, dass er insbesondere auch bei
ernsthaften psychischen Problemen adäquat behandelt oder weiterverwie-
sen worden wäre. Nach dem Gesagten enthalten weder die bestehenden
medizinischen Unterlagen noch die Aussagen des Beschwerdeführers im
Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens substanziierte Anhaltspunkte, wel-
che auf das Bestehen einer ernsthaften psychischen oder anderweitigen
Erkrankung mit dringendem Behandlungsbedarf schliessen lassen könn-
ten. Bezeichnenderweise wird schliesslich auch auf Beschwerdeebene
dazu weder Näheres vorgebracht noch werden entsprechende Arztbe-
richte eingereicht. Bei dieser Sachlage konnte das SEM – insbesondere
unter Berücksichtigung seiner Feststellung, dass Griechenland über eine
ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt – zu Recht darauf verzich-
ten, weitere Abklärungen zum Gesundheitszustand des Beschwerdefüh-
rers zu veranlassen. Das SEM ist demnach zu Recht von einem ausrei-
chend erstellten rechtserheblichen Sachverhalt ausgegangen; eine Verlet-
zung der Untersuchungspflicht (vgl. Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG) ist
nicht ersichtlich. Die formelle Rüge erweist sich demnach als unbegründet,
und der Rückweisungsantrag ist abzuweisen.
7.
7.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein-
getreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b
AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, in welchem
sie sich vorher aufgehalten hat.
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7.2 Den Akten zufolge wurde der Beschwerdeführer am 3. Dezember 2021
in Griechenland als Flüchtling anerkannt und verfügt über eine bis am
2. Dezember 2024 gültige griechische Aufenthaltsbewilligung. Zudem ha-
ben die griechischen Behörden der Rückübernahme des Beschwerdefüh-
rers am 24. Mai 2022 ausdrücklich und vorbehaltlos zugestimmt.
7.3 Griechenland ist ein EU-Staat und gilt als sicherer Drittstaat im Sinne
von Art. Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG (vgl. den Beschluss des Bundesrates
vom 14. Dezember 2007). Die Bezeichnung eines Staates als sicherer
Drittstaat erfolgt nur, wenn (u.a.) feststeht, dass dieser Staat insbesondere
die EMRK ratifiziert hat und einhält (vgl. dazu die Botschaft zur Änderung
des Asylgesetzes [sowie weiterer Erlasse] vom 4. September 2002;
SR 02.060 [BBl 2002 6877]). Der Bundesrat überprüft diesen Beschluss
periodisch und unterbreitet die Liste der sicheren Drittstaaten mindestens
einmal pro Jahr den zuständigen Kommissionen der eidgenössischen Räte
zur Konsultation (vgl. Art. 6a Abs. 3 und 4 AsylG). Die Qualifizierung Grie-
chenlands als sicherer Drittstaat wurde bisher nicht revidiert. Entgegen den
Ausführungen in der Beschwerde (vgl. Rn. 27 ff.) ist daher nicht davon aus-
zugehen, dass dem Beschwerdeführer in Griechenland eine Verletzung
von Art. 3 EMRK droht.
7.4 Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1
Bst. a AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an (Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4, 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG,
Art. 83 Abs. 1 AIG). Vorliegend ist der Wegweisungsvollzug in Bezug auf
Griechenland zu prüfen.
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Seite 9
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der
Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG
kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn
sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg,
Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret ge-
fährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbe-
halt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der
Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Aus-
länder weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Dritt-
staat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.3 In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshinder-
nissen gilt gemäss der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche
Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft, das heisst,
sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls
wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.4 In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Vollzug der Wegweisung
sei unzulässig und unzumutbar. Beim Beschwerdeführer handle es sich um
eine besonders verletzliche Person. In Griechenland existiere keine staat-
liche Unterstützung, und der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage, sein
Leben selbständig zu meistern und seine Rechte einzufordern. Somit be-
stehe eine ernsthafte Gefahr, dass er in eine schwere Notlage geraten
würde. Im Übrigen sei die Wegweisung einer kranken Person ohnehin un-
zulässig, wenn die konkrete Gefahr bestehe, dass sich ihr Gesundheitszu-
stand ernsthaft verschlechtern werde, weil es im Zielland an angemesse-
nen Behandlungsmöglichkeiten respektive dem Zugang dazu fehle. Dies
sei vorliegend der Fall.
9.5 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers erweist sich der Voll-
zug der Wegweisung nach Griechenland in Beachtung der vorstehend (vgl.
E. 9.2) genannten völker- und landesrechtlichen Bestimmungen als zuläs-
sig. Es handelt sich bei Griechenland um einen sicheren Drittstaat, in wel-
chem der Beschwerdeführer Schutz vor Rückschiebung im Sinne von
Art. 5 Abs. 1 AsylG findet. Griechenland ist sodann Signatarstaat der
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EMRK, der FoK und der FK sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Ja-
nuar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrecht-
lichen Verpflichtungen grundsätzlich nach. Zwar anerkennt das Bundesver-
waltungsgericht, dass die Lebensbedingungen in Griechenland für dort an-
erkannte Schutzberechtigte in fast allen Bereichen des täglichen Lebens
äusserst schwierig sind und sich die Alltagsbewältigung beschwerlich ge-
staltet. Es ist aber nicht von einer Situation auszugehen, in der jeder Per-
son mit Schutzstatus in Griechenland eine unangemessene und erniedri-
gende Behandlung im Sinne einer Verletzung von Art. 3 EMRK drohen
würde (vgl. das Referenzurteil des BVGer E-3427/2021, E-3431/2021 vom
28. März 2022, E. 11.2). Den Akten können keine substanziierten Hinweise
darauf entnommen werden, dass der Beschwerdeführer bei einer Rück-
kehr nach Griechenland eine menschenrechtswidrige Behandlung im
Sinne von Art. 25 Abs. 3 BV, von Art. 3 FoK und der Praxis zu Art. 3 EMRK
droht. Da er als Flüchtling anerkannt wurde, kann er sich auf die Qualifika-
tionsrichtlinie berufen. Kapitel VII dieser Richtlinie regelt die den Flüchtlin-
gen und Personen mit subsidiärem Schutzstatus zu gewährenden Rechte
(vgl. insb. die Art. 26 [Zugang zu Beschäftigung], Art. 29 [Sozialhilfe] und
Art. 30 [medizinische Versorgung] i.V.m. Art. 20 Abs. 2). Es obliegt dem Be-
schwerdeführer, bei den zuständigen Behörden seine Rechte geltend zu
machen und nötigenfalls auf dem Rechtsweg durchzusetzen (vgl. dazu das
Referenzurteil des BVGer D-559/2020 vom 13. Februar 2020 E. 8). Die
aktenkundigen medizinischen Probleme ([...]) lassen zudem nicht befürch-
ten, dass bei einer Überstellung nach Griechenland eine ernsthafte, rapide
und irreversible Verschlechterung seiner Lage, verbunden mit übermässi-
gem Leiden oder einer bedeutenden Verkürzung der Lebenserwartung, zu
erwarten wäre, wie dies für eine Annahme der Unzulässigkeit des Wegwei-
sungsvollzugs aus medizinischen Gründen gefordert wird. Somit liegen
keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass der Beschwerdeführer bei
einer Rückkehr nach Griechenland einer menschenunwürdigen oder er-
niedrigenden Behandlung ausgesetzt wäre.
9.6 Hinsichtlich der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ist
vorab auf Art. 83 Abs. 5 AIG zu verweisen, wonach eine Wegweisung in
einen EU- oder EFTA-Staat vermutungsweise zumutbar ist. Diese Legal-
vermutung gilt grundsätzlich auch für vulnerable Personen, wie zum Bei-
spiel Schwangere oder Personen, welche an gesundheitlichen Problemen
leiden, die nicht als besonders schwerwiegende Erkrankung einzustufen
sind (vgl. das Referenzurteil des BVGer E-3427/2021, E-3431/2021 vom
28. März 2022, E. 11.5). Zwar trifft es zu, dass sowohl Asylsuchende als
auch anerkannte Flüchtlinge und Personen mit subsidiärem Schutzstatus
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in Griechenland erheblichen Schwierigkeiten hinsichtlich des Zugangs zu
Unterkunft, Arbeit und medizinischer Versorgung ausgesetzt sein können.
Aber wie bereits vorstehend erwähnt, ist Griechenland an die Qualifikati-
onsrichtlinie gebunden und hat dafür zu sorgen, dass (u.a.) anerkannten
Flüchtlingen der Zugang zu Wohnraum und Beschäftigung gewährleistet
wird und sie die notwendige Sozialhilfe und Gesundheitsversorgung erhal-
ten. Sollten dem Beschwerdeführer die entsprechenden Leistungen ver-
wehrt werden, so obliegt es ihm, diese gegebenenfalls auf dem Rechtsweg
durchzusetzen; es geht aus den Akten nicht hervor, dass er dies in der
Vergangenheit bereits erfolglos versucht hätte; vielmehr reiste er offenbar
schon wenige Monate nach Erhalt des Schutzstatus aus Griechenland aus.
Im Übrigen ist auch nicht aktenkundig, dass er in Griechenland obdachlos
oder trotz konkreter Bemühungen von dauerhafter Arbeitslosigkeit betrof-
fen war. Sodann sprechen auch die geltend gemachten medizinischen
Probleme nicht gegen eine Überstellung nach Griechenland. Insbesondere
bestehen keine konkreten Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer an
besonders schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen leidet (vgl. dazu
bereits vorstehend E. 6.2) und deswegen als besonders verletzliche Per-
son betrachtet werden müsste. Mangels anderweitiger konkreter Hinweise
ist davon auszugehen, dass seine gesundheitlichen Beschwerden bei Be-
darf allesamt auch in Griechenland adäquat behandelt werden können. Der
Beschwerdeführer hat denn auch selber eingeräumt, er sei in Griechenland
sowohl im Zusammenhang mit seinen (...) als auch den psychischen Prob-
lemen ärztlich behandelt worden (vgl. A13 S. 2 und 3, A20 S. 2); er hatte
demnach offensichtlich Zugang zu adäquater medizinischer Versorgung,
und es weist nichts darauf hin, dass ihm dieser Zugang künftig nicht ge-
währt würde. Nach dem Gesagten vermögen die Vorbringen des Be-
schwerdeführers die Anforderungen an eine konkrete Gefährdung nicht zu
erfüllen; es ist nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nach
Griechenland in eine existenzielle Notlage geraten würde. Der Vollzug der
Wegweisung ist demnach auch als zumutbar zu erachten. Bei dieser Sach-
lage besteht kein Anlass für die Einholung individueller Garantien betref-
fend adäquate Unterbringung und medizinische Betreuung, weshalb der
entsprechende Antrag abzuweisen ist.
9.7 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich schliesslich auch als möglich
im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG, zumal die griechischen Behörden einer
Rückübernahme des Beschwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben.
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9.8 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei-
sungsvollzug nach Griechenland zu Recht als zulässig, zumutbar und mög-
lich bezeichnet hat. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit
ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1‒4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
11.
11.1 Angesichts des direkten Entscheids in der Sache erweist sich der An-
trag, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, als
gegenstandslos.
11.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
(Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist ungeachtet der geltend gemachten prozessualen
Bedürftigkeit abzuweisen, da sich die Beschwerdebegehren entsprechend
den vorstehenden Erwägungen von vornherein als aussichtslos erwiesen
haben.
11.3 Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1‒3 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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