Decision ID: 11fcb6c2-ad43-467a-a9cc-6854e094e8e9
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1968
,
stammt aus
einer kosovarischen Roma-Familie und
ist
gemäss dem
Aufenthalts
ausweis
des Kantons Zürich
Staats
angehörig
e
der Repu
blik Serbien
. Sie
reiste am
7. Oktober 2002
von Deutsch
land
in die Schweiz ein
, wo sie
den Aufenthaltsstatus als vor
läufig Auf
genom
mene (Aus
weis
F) erhielt
(Urk. 7/17/3
, Urk. 7/23
).
Sie ist Mutter von sieben Kin
dern und war in der Schweiz bisher nicht erwerbstätig (Urk. 7/1-2, Urk.
7/10/12
).
Am
20. Sep
tember 2010
meldete
sich
X._
bei der Eid
genössi
schen Inva
liden
versicherung zum Leistungsbezug an (
Eingang: 7. De
zem
ber 2010;
Urk.
7/1
). Die Sozial
versicherungsanstalt des
Kan
tons Zürich, IV-Stelle (nach
folgend: IV-Stelle), klärte die erwerb
lichen und medizinischen Ver
hältnisse ab. Mit Vor
bescheid vom
7.
April 2011
kün
digte die IV-Stelle
mangels
ver
siche
rungsmässige
r
Voraussetzungen
die Abweisung des Leistungsbegehrens an (Urk.
7
/13
), wo
ge
gen
X._
mit
Schreiben vom
21. April 2011
(Urk. 7/14), ergänzt mit Schrei
ben vom
5. Mai 2011
(Urk.
7/17
),
Einwände er
hob. Die IV-Stelle
holte in der Folge das
inter
diszi
plinäre
Gutachten des
Y._
vom 6.
Sep
tember 2012 (Urk. 7/29) ein.
X._
nahm dazu mit Schrei
ben vom
17.
September 2012
Stel
lung (Urk.
7/
31
). Mit Ver
fügung vom
27. De
zem
ber
2012 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren wie ange
kündigt ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
m
it Eingabe vom
1. Februar 2013
Beschwerde und beantragte,
die Verfügung
vom 27. De
zember 2012
sei aufzuheben
, es sei festzustellen, dass die versicherungsmässigen Voraussetzungen für einen Ren
ten
anspruch erfüllt seien, und die Sache sei an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen zur Durchführung ergänzender Abklärungen und zum Erlass eines ma
teriellen Entscheides über die Höhe der Invalidenrente
(Urk. 1 S. 2). Die
Be
schwerdegegnerin
schloss in der Beschwerdeantwort vom
6. März 2013
auf Ab
weisung der Beschwerde (Urk.
6
).
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Am
1. Januar 2012
sind d
ie im Rahmen der IV-Revision 6a
vorgenommenen
Än
de
rungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) und der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) in Kraft getreten.
In
materiell
rechtlicher
Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
27. Dezember 2012 (Urk. 2) ergangen,
wobei ein Sachverhalt zu beur
teilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestim
mungen
der IV-Revision 6a
am 1. Januar 20
12
begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechts
kräftig verfügt wurde, ist entsprechen
d den allgemeinen
intertemporal
recht
li
chen
Re
geln für die Zeit bis 31. Dezember 20
11
auf die damals
seit der 5. IV-Revision
(
ab dem 1. Januar 2008;
AS 2007 5129 ff.
) gültig gewesenen
Be
stim
mungen und ab
dem 1. Januar 2012
auf die neuen Normen der
IV-Revision 6a
abzustel
len (vgl. zur
5
. IV-Revision: Urteil des Bundesgerichts
8C_829/2008 2
3.
Dezember 2008
E. 2.1
). Im Folgenden werden die massgeblichen Gesetzes
bestimmungen - so
weit nichts anderes vermerkt ist - in der seit dem
1.
Januar 20
12
geltenden Fas
sung zitiert
.
2.
2.1
2.1.1
Versichert nach Massgabe des IVG sind Personen, die gemäss den Art. 1a und 2 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG) obligatorisch oder freiwillig versichert sind (Art. 1b IVG). Obligatorisch versi
chert nach dem AHVG sind unter anderem die natürlichen Personen, die ihren Wohnsitz in der Schweiz haben oder in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit aus
ü
ben (Art. 1a Abs. 1
lit
. a und b AHVG).
Anspruch auf Leistungen der Invali
denversicherung haben gemäss Art. 6 Abs. 1 IVG schweizerische und ausländische Staatsangehörige sowie Staatenlose nach den Voraussetzungen der nachfolgenden Bestimmungen des IVG. Art. 39 IVG (
Bezügerkreis
von ausserordentlichen Renten) bleibt vorbehalten.
2.1.2
Ausländische Staatsangehörige sind gemäss Art. 6 Abs. 2 IVG (vorbehaltlich Art. 9 Abs. 3 IVG) nur anspruchsberechtigt
, solange sie ihren Wohnsitz und ge
wöhnlichen Aufenthalt (Art. 13
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
) in der Schweiz haben und sofern sie bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbrochen während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben. Für im Ausland wohnhafte Angehörige dieser Personen werden keine Leistungen gewährt.
2.
1.3
Gemäss Art. 36 Abs. 1 IVG (in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fas
sung) haben (schweizerische oder ausländische) Versicherte,
die bei Eintritt der Invalidität während mindestens
eines Jahres
Beiträge geleistet haben
,
Anspruch auf eine ordentliche Rente
der Invalidenversicherung. Seit dem 1. Januar 2008 wird für den Anspruch auf eine
ordentliche Rente
der Invaliden
versicherung
eine Beitragszeit von
mindestens
drei
Jahr
en vorausgesetzt (Art. 36 Abs. 1 IVG; in der seit 1. Januar 2008 geltenden Fassung).
2.2
2.2
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder tei
lweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs.
1 ATSG).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankhei
t oder Unfall sein (Art. 4 Abs.
1 IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits
markt (Art.
7 Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbs
unfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträch
tigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar i
st (Art.
7 Abs.
2 ATSG).
2
.2
.2
Gemäss Art. 4 Abs. 2 IVG gilt die Invalidität als einge
treten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht
hat (System
des leistungsspezifischen Versicherungsfalles
; Urteil des Bundesgerichts
I 659/06
vom 2
2.
Februar 2007
E.
4 mit Hinweisen).
Im Falle einer Rente gilt die Invalidität in dem Zeitpunkt als eingetreten, in dem der Anspruch nach
Art. 2
8
Abs. 1 IVG (in der
ab 2008 geltenden Fassung; in der
bis zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung
:
Art. 2
9
Abs. 1 IVG) entsteht,
das heisst
frü
hestens, wenn die versicherte Person während eines Jah
res ohne we
sentlichen Unterbruch durch
schnitt
lich mindestens zu 40 % arbeits
unfähig ge
wesen war (
lit
. b; vgl. Urteil des Bundesgerichts I 74
2/02 vom 21. Juli 2003 E. 3.3),
wobei die
Einbusse
an funktionellem Leistungsvermögen
gemäss
Art. 2
8
Abs. 1 IVG
(bis Ende 2007:
Art. 2
9
Abs. 1 IVG
)
im bisherigen Aufgabenbereich auf der Basis medizinischer Stellungnahmen
zu beziffern ist. Sie richtet sich nicht nach den Ergebnissen der Haushaltabklärung (
BGE 130 V 97
E. 3.3.3
; Urteil des Bundesgerichts
9C_77/2009
vom 26. August 2009
E. 4.1
)
.
Art. 29 Abs. 1
IVG
(in der seit 1. Januar 2008 geltenden Fassung)
sieht zudem vor, dass
der Renten
anspruch jedenfalls nicht vor Ablauf von sechs Monaten nach Gel
t
endmachung des Leistungsanspruchs
nach Art. 29 Abs. 1 ATSG ent
steht
.
3.
3.2
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefo
chtenen Verfügung auf den Stand
punkt,
die gesundheitliche Einschränkung
und namentlich eine
histrio
ni
sche
Persönlichkeitsstörung mit multiplen damit assoziierten Symp
tomen
hätten
bereits vor der Einreise der Beschwerdeführerin in die Schweiz im Jahr 2002 vorgelegen.
Ein Pneumothorax sei
dagegen
nicht geeignet, eine bis heute per
sistierende, schwerwiegende Symptomatik auszulösen
(Urk. 2 S. 1
f.).
Dagegen
wendet
d
i
e Beschwerdeführer
in
ein
,
es sei
selbst
unter Berücksichti
gung des
Y._
-Gutach
ten
s
nicht er
wiesen, dass schon bei
der
Einreise in die Schwe
iz eine invaliditätsbegründende
Gesundheitsschädigung vorgelegen habe
(Urk. 1 S. 6
ff.).
3.2
Streitgegenstand ist
demnach
die Frage
, ob
die Beschwerdeführerin
im Zeit
punkt des Eintritts des Versicherungsfalles die
versicherungsmässigen
Voraus
setzungen für die Ge
wäh
rung einer Rente der Invalidenversicherung erfüllt. Diese müssen im Zeitpunkt des Eintritts der
Invalidität gegeben sein (Art. 36 Abs.
1 IVG). In diesem Zeit
punkt muss
die Beschwerdeführerin
die Voraus
set
zung der mindestens
ein- be
ziehungsweise drei
jährigen Beitrags
zahlung
(vgl. Erwägung 2.1.3 hiervor)
erfüllt haben
.
Strittig und zu prüfen
ist vorab
,
ob mit dem im Sozialversicherungsrecht gelten
den Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit (
BGE 126 V 353
E.
5b mit Hinweisen)
ein
zu invalidisierender Arbeitsunfähigkeit führende
r
Ge
sund
heits
schaden
bereits
bei
der
Ein
reise in die Schweiz im
Oktober 2002
bestand (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 620/05 vom 21. November 2006 E. 5 und E. 6.2.4).
4.
4.
1
In der Anmeldung zum Leistungsbezug vom 20
.
September 2010 gab die Be
schwerdeführerin an,
die massgeblichen Gesundheitsbeschwerden, namentlich Ohn
machtsanfälle und Schmerzen, würden
seit drei bis vier Jahren
bestehen (
Urk.
7/5/7). Auch gemäss dem Bericht von
Dr.
med
.
Z._
,
Fachärzin
für Allg
e
meinmedizin, vom 16. Februar 2011, bei der die Beschwerdeführerin seit 2003 in Behandlung steht, besteht eine Einschränkung in psychischer und physischer Hinsicht seit 2007 (Urk. 7/10/4).
Und zwar seien für
die attestierte 100
%
ige
Arbeitsunfähigkeit
(Urk. 7/10/
5
)
die folgenden
Diagnosen
relevant:
Angst und depressive Störung mit dissoziativen Zuständen, multiple psycho
so
ziale Belastungen, der Zustand nach psychischen und körperlichen Gewalter
fahrung
en
in der Ehe, der Verdacht auf eine posttraumatische
Verarbeitungs
störung
,
eine
Anstrengungsdyspnoe, Unterschenkelödeme und
Thoraxschmer
zen
, differentialdiagnostisch
im Rahmen einer
hypertensiven
Herz
erkrankung
,
Kardiomyopathie
anderer Genese
(Urk. 7/10/5)
.
Im Bericht vom 7. Juli 2011 be
stätigte
Dr.
Z._
ausdrücklich
, dass die massiven, vor allem psychischen Einschränkungen seit zirka 2007
best
ü
n
den, wobei sich der Gesund
heitszustand seither eher verschlechtert habe. Der Zustand vor ihrer Einreise in die Schweiz könne sie nicht beurteilen, da sie die Beschwerdeführerin erst ab Juni 2003 vor allem wegen Infekten und frauenärztlichen Problemen gesehen habe (Urk. 7/20).
Dem Bericht der
A._
vom 27. November 2009, wo die Beschwerdeführerin ambulant von August bis Dezember 2009 ab
geklärt wurde, ist ebenfalls zu entnehmen, dass nebst den massiven psycho
sozi
alen Problemen seit zirka ein
em
bis zwei Jahren depressive und
Angstsymp
tome
mittlerer Ausprägung mit fraglichen dissoziativen Episoden bestünden
. Aus psychopathologischer Sicht sei die Beschwerdeführerin zu zir
ka 50
% arbeitsfä
hig
(Urk. 7/10/13).
Dr. med
. B._
, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, kam gemäss dem Bericht vom 10. April 2007 aufgrund der Untersuchungen vom 19. März und 2. April 2007 zum Schluss, aus rein kardiopulmonaler Sicht sei die Be
schwerdeführerin trotz der
Throaxschmerzen
rechts bei Status nach
Lungen
spit
zenresektion
rechts mit partieller
Pleurektomie
am 5. Juli 2002
in Deutsch
land
(Urk. 7/10/18-19)
, Anstrengungsdyspnoe und Grenzwerthyper
t
onie in der Lage
,
Reinigungsarbeiten durchzuführen (Urk. 7/10/14-15).
Auch dem Bericht der Klinik für
Thoraxchirurgie
des C._
vom 16. Juli 2002, wo während des stationären Aufenthaltes der Beschwerdeführerin vom 2. bis 16. Juli 2002 am 5. Juli 2002 wegen eines
Spontanpneumothorax
rechts eine
Bronchoskopie
und eine
videoassistierte Lungenspitzenresektion rechts mit partieller
Pleurektomie
durchgeführt worden war
en
, ist kein Hinweis auf eine längerfristige
Arbeitsunfähigkeit aufgrund
dieser Operation zu entnehmen, zu
mal sich der post
operative Verlauf komplikationslos gestaltet hatte (Urk. 7/10/18-19).
Schliess
lich wurde auch
im
Y._
-Gutachten vom 6. September
2012 dazu festgehalten, faktisch könne von diesem durchge
machten
Spontanpneumothorax
keine Rest
symptomatik mehr festgestellt wer
den. Die
pneumologischen
Abklä
rungen hätten eine leichte
restriktive
und obstruktive Ventilationsstörung ergeben, die für die Arbeitsfähigkeit irrelevant sei (Urk. 7/29/30).
Im
Y._
-Gutachten vom 6. September 2012 wurde sodann in der Anamnese
aufgeführt
, die Beschwerdeführerin
leide seit zirka vier Jahren an einer De
pres
sion, seit zirka 2007 an einem erhöhten Blutdruck und seit zirka fünf Jah
ren an zunehmenden Schmerzen im Bereich des gesamten Bewe
gungs
apparates (Urk. 7/29/9).
Die
Rückenbeschwerden
wurden zwar
als seit dem Jahr 2002
bestehend festgehalten (Urk. 7/29/28), jedoch
unter der Diagnose eines
cervi
ka
len
und thorakalen
myofascialen
Schmerzsyndroms mit/bei
Haltungs
schwäche
und muskulärer
Dysbalance
,
diffentialdiagnostisch
atypischem
Fibro
myalgie
syn
drom
im Rahmen der psychosomatischen Symptomatik bei praktisch
blan
dem
Röntgenbefund als Diagnose ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
zusam
mengefasst (Urk. 7/29/29). Zudem schlossen die
Y._
-Gutachter
darauf, dass das Hauptproblem
der Beschwerdeführerin eindeutig auf psychischer Ebene liege
. Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in somatischer Hinsicht - ausser für körperliche Schwerarbeit - bestünden nicht. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei ausschliesslich aus psychiatrischer Sicht vorzunehmen
(Urk. 7/29/30
-31
)
, wobei eine
histrionische
Persönlichkeitsstörung mit Pseudodemenz, dis
sozia
ti
ven und psycho
somatischen Symptomen im Sinne einer
Konversions
störung
und
aggravatorischen
Tendenzen vorliege. Ausserdem bestünden Pro
bleme in Verbindung mit Ausbildung und Bildung (ICD-10 Z55), mit der Berufs
tätigkeit und Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56) sowie mit ökonomischen Verhält
nissen (ICD-10 Z59), Anpassungsproblemen bei Veränderungen der Lebens
umstände (ICD-10 Z60.0), eine atypische familiäre Situation (ICD-10 Z60.1) und Schwierig
kei
ten bei der kulturellen Eingewöhnung (ICD-10 Z60.3;
Urk.
7/29/28-29). Die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
sei angesichts der be
stehenden
nicht
medizinischen
Fak
toren
quasi in salomonischer Teilung der kranken und
sthe
nischen Anteile im gesamten Geschehen
aus rein medizinischer Sicht
zu 50 % eingeschränkt (Urk. 7/29/
32-
33).
Retrospektiv
hielten die
Y._
-Gutachter fest, sie könnten mangels eigener Un
tersuchungen nicht sagen, wie sich der affektive
Zustand in jener Zeit, gemeint in der Entwicklung bis etwa 2007, bezüglich welchen Zeitpunkts sich die Beschwerdeführerin als depressiv bezeichnet habe, verhalten habe. Zwar
schlos
sen die
Y._
-Gutachter darauf, dass
die Wurzeln der
diagnostizierte
n
histrio
ni
sche
n
Persönlichkeitsstörung
in der kindlichen und jugendlichen Ent
wicklung l
ägen
und folglich schon immer vorhanden gewesen seien.
Die
histrio
nische
Persönlichkeitsstörung mit multiplen damit assoziierten
Symptomen habe mit allergröss
ter Wahrscheinlichkeit bereits vor der Einreise in die Schweiz 2002 bestanden.
Gleichzeitig räumten die
Y._
-Gutachter aber ein, dass die Auswir
kungen solcher erheb
licher
Persönlichkeitsstörungen zu unter
schiedlichen Zei
ten in unter
schied
lichem Ausmass relevant seien und von der aktuellen sozialen Lage, der Um
gebung im engeren Familienkreis und anderen psychologischen und sozialen äus
seren Faktoren abhängen würden (Urk. 7/29/34-35).
Konkret zur
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
im Jahr 2002
äusserten sich die
Y._
-Gu
t
achter nicht.
4.2
4.2.1
Eine
längerandauernde
Arbeitsunfähigkeit im hier massgeblichen
Zeitraum im
Jahr
vor der Einreise in die Schweiz am 7. Oktober
2002 ist vor dem H
in
ter
grund dieser Aktenlage nicht ausgewiesen.
Eine erhebliche
Gesundheits
beein
trächtigung
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ist in sämtlichen
Arztbe
richten
-
wenn überhaupt
-
erst ab dem Jahr 2007 festgehalten. Auch aus dem
Y._
-Gutachten ergibt sich
wie dargelegt
nichts anderes.
Allein das Vorliegen einer psychischen Gesundheitsschädigung und körperlicher Be
schwer
den genügt nicht für den Nachweis
einer erheblichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Sinne von
Art.
29 Abs. 1
lit
. b IVG (in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung; ab 2008:
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG). N
icht der Beginn einer Erkrankung
ist massgeblich, s
ondern ent
scheidend ist d
i
e durch eine Gesundheitsschädigung verursachte, für die Invalidität massgebliche Arbeitsunfähigkeit. Dass eine sol
che bereits vor dem
7. Oktober 2002
während eines Jahres im Umfang von durchschnittlich mindestens 40
%
bestanden hat, ist bei gegebener Aktenlage nicht überwiegend wahr
scheinlich.
4.2.2
Damit kann entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht ohne
Weiteres
ausgeschlossen werden, dass ein Anspruch auf Leistungen der Invaliden
versi
cherungen besteht. Die angefochtene Ver
fügung vom
27. Dezember 2012
(Urk. 2) ist
folglich
aufzuheben und die Sache ist zum Entscheid über den An
spruch auf
Leistungen der Invalidenversicherung
an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen.
Die Beschwerdegegnerin hat dabei vorab abzuklären und zu beachten, dass die
Beschwerdeführerin sich in der Anmeldung als Staatsangehörige des Kosovo bezeichnet hat (Urk. 7/1/1), wogegen im Aufenthaltsausweis die Staatsan
gehö
rigkeit Republik Serbien
aufgeführt wird (Urk. 7/23).
Sofern letzteres zutrifft, ist
das zwischen der Schweiz und der
(ehemaligen) Föderativen Volks
republik
Jugoslawien
am 8.
Juni 1962 abgeschlossene Ab
kommen über Sozial
versiche
rung (SR 0.831.109.818.1
;
nachfolgend: Sozialver
sicherungsabkommen
)
beachtlich
. I
m Verhältnis zwischen der Schweiz und der
seit 17. Februar 2008
unab
hän
gigen Re
publik Kosovo
hingegen
wurde
die Anwendung des
Sozial
ver
sicherungs
a
bkommens
m
it Wirkung ab 1.
April
2010
beendet (vgl. Mit
teilung der Direktion für Völkerrecht vom 2
3.
März 2010, AS 2010 S. 1203
, und Urteil des Bundesgerichts 9C_662/2012 vom 1
9.
Juni 2013 E. 13; vgl. auch
Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_321/2012
vom 1
4.
August 2012
E. 1.2
und 8C_780/2013 vom 16. April 2014 E. 3.2
).
5.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen. Das Verfahren ist daher kostenpflichtig. Die Ge
richtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr.
6
00.-- anzu
set
zen. Ausgangsgemäss
sind die Gerichtskosten
der Beschwerdegegnerin aufzu
er
legen.
Der Beschwerdeführerin steht eine Prozessentschädigung zu, welche nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das
Sozialversi
cherungsgericht
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen auf Fr. 1‘900.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) fest
zusetzen ist.