Decision ID: 489d61bd-6341-4ff4-b954-64a3bf2bffb2
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
betreffend Forderung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom 29. Januar 2014 (CG120008-L)
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Ursprüngliches Rechtsbegehren gemäss Klageschrift: (Urk. 2 S. 2 f.)
"1. Es seien die Beklagten 1 und 2 unter solidarischer Haftung und unter Vorbehalt des Nachklagerechts zu verpflichten dem Kläger mindestens CHF 116'526.65, EUR 90'695.31, USD 268'214.50 und CAD 71'131.06 zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 18. Juli 2011 zu bezahlen.
2. Die Beklagte 1 sei zu verpflichten, sämtliche Informationen im  mit der Tätigkeit im Rahmen des  zwischen den Parteien (insbesondere , Entscheidungsgrundlagen bezüglich geplanter und getätigter Investitionen, Kontoauszüge und Ertragsabrechnungen) sowie in diesem Zusammenhang vereinnahmten Retrozessionen, Kick-backs oder unter sonstiger Bezeichnung zugeflossenen geldwerten Leistungen ab Tätigkeitsbeginn bis Beendigung des Mandates offenzulegen.
3. Es sei die Beklagte 1 zu verpflichten, dem Kläger die gemäss  2 hiervor offengelegten geldwerten Leistungen zu erstatten.
4. Es sei die Beklagte 1 zu verpflichten, dem Kläger gegenüber Rechnung zu legen bezüglich sämtlicher getätigter Anlagen,  den Titeln:
a) "C._ inc.", Valor ... b) "D._ corp." Valor ... b) "E._ inc.", Valor ... c) "F._", Valor ... d) "G._", Valor ... e) "H._", Valor ... f) "I._", Valor ... g) "J._ Inc.", Valor ... h) "K._", Valor ... i) "L._ Holding", Valor ... j) sämtliche Optionen.
5. Es sei der Rechtsvorschlag der Beklagten 1 in der Betreibung Nr. ... des Betreibungsamtes Zürich 2 (Zahlungsbefehl vom 19. Juli 2011) im noch zu beziffernden Umfang zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 18. Juli 2011 sowie Betreibungskosten zu .
6. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 8% MWST) zu Lasten der Beklagten."
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Modifiziertes Rechtsbegehren gemäss Replik: (Urk. 48 S. 2 f.)
"1. Es seien die Beklagten 1 und 2 unter solidarischer Haftung und unter Vorbehalt des Nachklagerechts zu verpflichten, dem Kläger CHF 654'122.30 zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 18. Juli 2011 zu bezahlen.
2. Eventualiter seien die Beklagten 1 und 2 unter solidarischer  und unter Vorbehalt des Nachklagerechts zu verpflichten, dem Kläger mindestens CHF 116'526.65, EUR 90'695.31, USD 268'214.50 und CAD 71'131.06 zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 18. Juli 2011 zu bezahlen.
3. Die Beklagte 1 sei zu verpflichten, sämtliche Informationen im  mit der Tätigkeit im Rahmen des  zwischen den Parteien (insbesondere , Entscheidungsgrundlagen bezüglich geplanter und getätigter Investitionen, Kontoauszüge und Ertragsabrechnungen) sowie in diesem Zusammenhang vereinnahmten Retrozessionen, Kick-backs oder unter sonstiger Bezeichnung zugeflossenen geldwerten Leistungen ab Tätigkeitsbeginn bis Beendigung des Mandates offenzulegen.
4. Es sei die Beklagte 1 zu verpflichten, dem Kläger die gemäss  2 hiervor offengelegten geldwerten Leistungen zu erstatten.
5. Es sei die Beklagte 1 zu verpflichten, dem Kläger gegenüber Rechnung zu legen bezüglich sämtlicher getätigter Anlagen,  den Titeln:
a) "C._ inc.", Valor ... b) "D._ corp." Valor ... b) "E._ inc.", Valor ... c) "F._", Valor ... d) "G._", Valor ... e) "H._", Valor ... f) "I._", Valor ... g) "J._ Inc.", Valor ... h) "K._", Valor ... i) "L._ Holding", Valor ... j) sämtliche Optionen.
6. Es sei der Rechtsvorschlag der Beklagten 1 in der Betreibung Nr. ... des Betreibungsamtes Zürich 2 (Zahlungsbefehl vom 19. Juli 2011) im noch zu beziffernden Umfang zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 18. Juli 2011 sowie Betreibungskosten zu beseitigen.
7. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 8% MWST) zu Lasten der Beklagten."
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Urteil des Bezirksgerichtes Zürich (3. Abteilung) vom 29. Januar 2014 (Urk. 86):
1. Die Beklagte 1 wird verpflichtet, dem Kläger Fr. 544'936.13 zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 18. Juli 2011 zu bezahlen. Der Rechtsvorschlag der Beklagten 1 in der Betreibung Nr. ... des  Zürich 2 (Zahlungsbefehl vom 19. Juli 2011) wird in diesem  aufgehoben.
2. Im Mehrbetrag wird die Klage gegen die Beklagte 1 abgewiesen. 3. Die Klage gegen die Beklagte 2 wird abgewiesen. 4. Auf den Antrag der Beklagten 1, die Betreibung Nr. ... des Betreibungsamtes
Zürich 2 im Register löschen zu lassen, wird nicht eingetreten. 5. Die Entscheidgebühr wird auf Fr. 30'000.– festgesetzt. 6. Die Gerichtskosten werden dem Kläger und der Beklagten 1 je zur Hälfte auf-
erlegt, betreffend den Kläger jedoch einstweilen auf die Staatskasse . Er wird auf die Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO hingewiesen.
7. Die Beklagte 1 wird verpflichtet, dem Kläger eine reduzierte (40 %)  von Fr. 17'280.– zu bezahlen. Zudem hat sie dem Kläger die  der Kosten des Schlichtungsverfahrens in Höhe von Fr. 484.50 zu .
8. Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten 2 eine reduzierte (40 %)  von Fr. 16'640.– zu bezahlen.
Berufungsanträge:
der Beklagten 1, Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagten zur  (Urk. 85 S. 2):
1. Feststellung, dass das Bezirksgericht Zürich den Anspruch der A._ auf rechtliches Gehör verletzt hat (BV 29 Abs. 2; EMRK Art. 6, ZPO 53 Abs. 1 & Art.152 Abs. 1).
2. Feststellung, dass das Bezirksgericht Zürich die Prozessvoraussetzungen nicht oder einseitig überprüft hat (ZPO Art. 59); insbesondere kein  Interesse des Klägers gemäss ZPO Art. 59 Abs.2a.
3. Der vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben und die Sache zur Abnahme des Wahrheitsbeweises (Vergleichsvereinbarung, "venire contra factum proprium") und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
4. Eventualiter sei der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben und die Klage  durch das Obergericht abzuweisen wegen fehlendem, schutzwürdigem Interesse gemäss ZPO Art. 59 Abs.2 a.
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Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Klägers / , auch für das erstinstanzliche Verfahren.
des Klägers, Berufungsbeklagten und Anschlussberufungsklägers zur Berufung und zur Anschlussberufung (Urk. 95):
1. Dispositivziffern 1 und 2 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 29. Janu-
ar 2014 (CG120008-L) seien aufzuheben. 2. Die Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagte sei zu verpflichten,
dem Berufungsbeklagten und Anschlussberufungskläger CHF 654'122.30  Zins zu 5 % seit dem 18. Juli 2011 zu bezahlen.
3. Die Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagte sei zu verpflichten, sämtliche Informationen im Zusammenhang mit der Tätigkeit im Rahmen des Vermögensverwaltungsmandates zwischen den Parteien (insbesondere , Entscheidungsgrundlagen bezüglich geplanter und getätigter Investitionen, Kontoauszüge und Ertragsabrechnungen) sowie die in diesem Zusammenhang vereinnahmten Retrozessionen, Kick-backs oder unter  Bezeichnung zugeflossenen geldwerten Leistungen ab Tätigkeitsbeginn bis Beendigung des Mandates offenzulegen.
4. Es sei die Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagte zu , dem Berufungsbeklagten und Anschlussberufungskläger die gemäss  3 hiervor offengelegten geldwerten Leistungen zu erstatten.
5. Eventualiter sei die Berufung abzuweisen. 6. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 8% MWST zu Las-
ten der Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagten.
der Beklagten 1, Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagten zur  (Urk. 101 S. 2): Ich darf an dieser Stelle auf meine Anträge in der Berufung verweisen, an denen vollumfänglich festgehalten wird.
• Die Anträge des Berufungsbeklagten und Anschlussberufungskläger sind wegen Unbegründetheit in ihrer Gesamtheit zurückzuweisen.
• Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 8% MWSt zu  des Berufungsbeklagten/Anschlussberufungsklägers, auch für das  Verfahren.
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Inhaltsverzeichnis
1. Sachverhalt ................................................................................................. 6 2. Prozessgeschichte ...................................................................................... 9 3. Prozessuales ............................................................................................ 10 4. Bereinigung der Differenz zwischen den Parteien durch Vergleich? ......... 12 5. Vermögensverwaltungsvertrag; Pflichten des Beauftragten ..................... 18 6. Schaden .................................................................................................... 25 7. Kausalzusammenhang und Verschulden .................................................. 28 8. Anschlussberufung: Anfangsvermögen .................................................... 28 9. Anschlussberufung: Erstattung von Retrozessionen und weiterer
Vergütungen ............................................................................................. 32 10. Rückweisung an die Vorinstanz ................................................................ 33 11. Kosten- und Entschädigungsfolgen des Berufungsverfahrens ................. 34

Considerations:
Erwägungen:
1. Sachverhalt
1.1. Der im Jahre 1938 geborene Kläger ist italienischer Staatsangehöriger und
lebt seit dem Jahre 1960 in der Schweiz. Er ist gelernter Elektriker und arbeitete
zunächst von November 1960 bis Dezember 1962 bei der ... in ... und alsdann bis
zum Jahre 2001 bei der M._ AG in ... im Bereiche der Printverarbeitung; zu-
letzt übte der Kläger die Funktion eines Abteilungsleiters aus. Im Jahre 2001 trat
der Kläger aus betrieblichen Gründen per 30. Juni 2001 in den vorzeitigen Ruhe-
stand (Urk. 2 S. 6; Urk. 14 S. 2; vgl. Urk 4/5).
1.2. Gemäss Abrechnung der Fürsorgestiftung der M._ AG vom 24. Au-
gust 2001 wurde dem Kläger als "Altersleistung" ein Betrag von insgesamt
Fr. 784'236.00 (Vorsorgeguthaben Fr. 683'245.00; Leistung aus "freien Stiftungs-
mitteln" im Zusammenhang mit dem vorzeitigen Ruhestand: Fr. 100'991.00) aus-
bezahlt (Urk. 2 S. 7; Urk. 14 S.2).
1.3. Die Beklagte 1, die "A._ AG", wurde im Jahre 1997 gegründet und
firmierte bis zum Oktober 2013 als "A1._ AG". Bis zum Oktober 2013 be-
zweckte die Gesellschaft namentlich die "Betätigung in der Finanz- und Vermö-
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gensverwaltung", aber auch Vorsorgeberatung und "Finanzdienstleistungen im
weitesten Sinne". Seit dem Oktober 2013 bezweckt die Gesellschaft dagegen im
Wesentlichen die "Erbringung von Beratungen und Dienstleistungen" im Bereich
Unternehmensberatung (Urk. 106).
N._ ist praktisch seit der Gründung der erwähnten Handelsgesellschaft
deren einziges Verwaltungsratsmitglied mit Einzelunterschrift (Urk. 106).
1.4. Dem Kläger wurde seinerzeit von einem Freund, ..., der mit den Dienstleis-
tungen der Beklagten 1 zufrieden war, empfohlen, seine Vorsorgegelder bei der
Beklagten 1 anzulegen. Im Hinblick auf die bevorstehende vorzeitige Pensionie-
rung des Klägers schlossen die Beklagte 1 einerseits und der Kläger anderseits
am 2. November 2000 einen Vermögensverwaltungsvertrag (Urk. 4/6). Bezug ge-
nommen wird in diesem Vertrag auf das Anlageprofil, welches "einen integrieren-
den Bestandteil dieses Vertrages bildet". Die Beklagte wurde in diesem Sinne er-
mächtigt, "in Übereinstimmung mit dem Anlageprofil" "Anlagen in sämtlichen Fi-
nanzmarktinstrumenten" zu tätigen. Gemäss Ziff. 5 des Vertrages erfolgte der
Vertragsschluss auf unbestimmte Zeit, wobei jede Partei den Vertrag "auf Ende
des nächstfolgenden Quartals mittels schriftlicher Mitteilung kündigen" kann.
Das im Vertrag erwähnte "Anlageprofil" liegt überschrieben mit "Anlegerpro-
fil" als Urk. 4/7 bei den Akten und wurde vom Kläger unterzeichnet. Angekreuzt
wurden dort unter "Anlageziele" die vorgedruckten Rubriken "Kapital-/ Kauf-
krafterhaltung" und "Einkommen Fr. 80'000.00 jährlich/approx. 9% p.a.". Und un-
ter "Orientierung" wurde sodann die Rubrik "ausgewogen" angekreuzt, wogegen
die Rubriken "konservativ" und "dynamisch" nicht angekreuzt wurden.
1.5. Der Kläger stellt sich auf den Standpunkt, dass er der Beklagten 1 Vermö-
genswerte von "rund Fr. 900'000.00" habe zukommen lassen (Urk. 2 Rz 15), was
die Beklagte 1 mit der Klageantwort ausdrücklich anerkannte (Urk. 14 Rz 100).
Mit ihrer Duplik stellte sie sich allerdings auf den Standpunkt, es seien Vermö-
genswerte von lediglich Fr. 789'100.00 gewesen (Urk. 55 S. 3).
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1.6. Nach der Darstellung des Klägers beschränkte sich der Kontakt zwischen
ihm und der Beklagten 1 "auf zwei bis drei Besprechungen jährlich" (Urk. 2 Rz16).
Mitte 2009 stellte der Kläger nach seiner Sachdarstellung fest, dass "mehr als drei
Viertel des ursprünglichen Anlagevermögens vernichtet" worden seien. In der
Folge kam es jedenfalls zu verschiedenen Kontakten zwischen den Parteien
(Urk. 2 Rz 21 ff.).
1.7. Im Laufe des Jahres 2009 mandatierte der Kläger die Anwaltskanzlei ...
AG mit seiner Interessenwahrung gegenüber der Beklagten 1. Die Anwälte des
Klägers beschwerten sich am 3. März 2010 in seinem Auftrag beim Verein ... (...)
über die Beklagte 1, welche Mitglied dieses Vereins ist (Urk. 4/13). Es wurde da-
bei auch in Aussicht gestellt, die FINMA über die Angelegenheit ins Bild zu set-
zen.
1.8. Dennoch suchte der Kläger weiterhin den direkten Kontakt mit der Beklag-
ten 1, worauf die Parteien am 27. April 2010 auf dem Briefpapier der Beklagten 1
die folgende Erklärung unterzeichneten (Urk. 4/14): "Bezugnehmend auf die Besprechung im Herbst 2009 und ohne  einer Schuld, eines fehlerhaften oder unsorgfältigen Verhaltens durch A1._ [= Beklagte 1] resp. ihrer Angestellten wird erklärt, dass die A1._ B._, derzeit wohnhaft ... [Adresse], zu Lebzeiten eine  Vergütung zwischen Fr. 3'000.00 und Fr. 8'000.00 auf ein Konto lautend auf seinen Namen überweist.
Diese Zahlungen erfolgen so lange bis der Wert des Portfolios zusammen mit diesen Vergütungen inkl. € 5'000.00 einen Wert von Fr. 250'000.00 erreicht haben. Vollmachten auf den Bankkonten bleiben weiterhin bestehen. Aus dieser Erklärung erfolgt kein Rechtsanspruch, die Zahlungen sind persönlich und weder abtretbar noch vererbbar. B._ verpflichtet sich, von weiteren Nötigungen durch Anwälte oder durch andere Drittpersonen abzusehen und Stillschweigen & Vertraulichkeit zu garantieren, ansonsten diese Erklärung und die entsprechenden Zahlungen sofort hinfällig werden."
Gestützt auf diese Vereinbarung überwies die Beklagte 1 dem Kläger mit
Valuta vom 5. Mai 2010 einen Betrag von Fr. 5'000.00 und mit Valuta vom 1. Juni
2010 einen solchen von Fr. 4'000.00 (Urk. 2 Rz 210; Urk. 4/15 und 4/16). Weitere
Zahlungen leistete die Beklagte 1 nicht. Mit Schreiben vom 6. August 2010 be-
klagte sich der Kläger bei der Beklagten 1 brieflich darüber, dass diese ihren Ver-
pflichtungen aus der erwähnten Vereinbarung in den Monaten Juli und August
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nicht nachgekommen sei und setzte eine Frist, damit die Monatsbetreffnisse Juli
und August 2010 beglichen würden (Urk. 4/18). Die Beklagte 1 leistete indessen
trotzdem keine weiteren Zahlungen.
1.9. Mit Schreiben vom 30. August 2010 liess der Kläger seine Guthaben bei
der ... AG, welche von der Beklagten 1 verwaltet worden waren, saldieren, worauf
ihm die Bank einen Betrag von Fr. 19'189.00 ausbezahlte (Urk. 2 Rz 38; Urk. 4/20
und 421/1-4). Darauf schrieb er der Beklagten 1 mit "im Oktober 2010" datiertem
Brief, dass er sein Depot habe liquidieren müssen, weil die Beklagte 1 "die ver-
sprochenen Zahlungen seit Juli eingestellt" habe (Urk. 4/22).
1.10. Mit Zahlungsbefehl Nr. ... des Betreibungsamtes Zürich 2 vom 19. Juli
2011 (Urk. 4/24) liess der Kläger die Beklagte 1 für einen Betrag von
Fr. 750'000.00 betreiben. Die Forderung begründete er wie folgt: "Vermögensverwaltungsvertrag vom 2. November 2000. Schadenersatz aus vertragswidriger und spekulativer Vermögensanlage von Kundengeldern.  Handlungen im vorgenannten Kontext."
2. Prozessgeschichte
2.1. Für den Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens sei auf die Darstellung im
angefochtenen Urteil verwiesen (Urk. 86 S. 4 f.). Erstinstanzlich fasste der Kläger
nicht nur die Beklagte 1, sondern auch N._, die Verwaltungsratspräsidentin
der Beklagten 1, ins Recht (Beklagte 2).
2.2. Das vorinstanzliche Urteil wurde den beiden Beklagten am 4. Februar 2014
zugestellt (Urk. 82 und 83). Mit Eingabe vom 1. März 2014 erhob die Beklagte 1
rechtzeitig Berufung und stellte die eingangs vermerkten Anträge (Urk. 85). Nach
der Leistung des Kostenvorschusses von Fr. 21'650.00 wurde der Kläger aufge-
fordert, die Berufung zu beantworten. Das tat er mit Schriftsatz vom 23. Mai 2014
(Urk. 95). Gleichzeitig erhob er Anschlussberufung und stellte die Anträge, die
ebenfalls eingangs vermerkt sind. Unterm 16. Juni 2014 reichte die Beklagte 1 ei-
ne "Stellungnahme zur Berufungsantwort / Anschlussberufung" ein (Urk. 101),
welche den Kläger zu einer kurzen Gegenbemerkung vom 26. Juni 2014 veran-
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lasste (Urk. 104). Diese wiederum wurde der Beklagten 1 mit Verfügung vom
27. Juni 2014 zugestellt (Urk. 105).
2.3. Mit Beschluss vom 3. Juni 2014 wurde dem Kläger für das Berufungsver-
fahren die unentgeltliche Rechtspflege gewährt, und es wurde ihm in der Person
von Rechtsanwalt Dr. Y._ ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt. Die
einverlangte Abtretung des Prozessgewinns im Umfange von Fr. 40'000.00 legte
der Kläger innert Frist vor (Urk. 100).
3. Prozessuales
3.1. Das angefochtene Urteil blieb insoweit unangefochten, als mit ihm die ge-
gen die Beklagte 2 (N._) gerichtete Klage abgewiesen wurde (Dispositiv-Ziff.
3). Rechtskräftig geworden ist damit auch Dispositiv-Ziff. 8 des angefochtenen Ur-
teils, womit der Beklagten 2 zu Lasten des Klägers eine Parteientschädigung zu-
gesprochen wurde. Davon ist Vormerk zu nehmen.
3.2. Gemäss Art. 315 Abs. 1 ZPO hemmt die Berufung die Rechtskraft und die
Vollstreckbarkeit im Umfange der Anträge. Die Berufungsschrift muss daher ge-
mäss Art. 311 ZPO nicht nur begründet sein, sondern hat auch Rechtsbegehren
zu enthalten (BGE 137 III 617 E. 4.2.2). Die Berufungsanträge haben so bestimmt
zu sein, dass sie im Falle der Gutheissung des Rechtsmittels unverändert zum
Urteil erhoben werden könnten. Nur klare und – unter Vorbehalt von Art. 85 ZPO
– im Falle von Geldforderungen bezifferte Anträge ermöglichen es der Gegenpar-
tei, sich in der Berufungsantwort zu verteidigen (Art. 312 ZPO) und darüber zu
entscheiden, ob sie – soweit dies möglich ist – Anschlussberufung erheben will
(Art. 313 f. ZPO).
Mit den Berufungsanträgen Ziff. 1 und 2 verlangt die Beklagte 1 die Feststel-
lung von Verfahrensfehlern. Hierfür besteht kein rechtliches Interesse. Auf die Be-
rufungsanträge Ziff. 1 und 2 ist nicht einzutreten. Dagegen ist der Berufungsan-
trag Ziff. 4 der Beklagten 1 materieller Art, indem mit ihm die Abweisung der Kla-
ge verlangt wird. In Verbindung mit diesem Antrag ist im Sinne des Gesagten
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auch der Rückweisungsantrag gemäss Ziff. 3 der Berufungsanträge zulässig. Die
Berufungsanträge Ziff.3 und 4 sind daher zu behandeln.
3.3. Mit der Berufung kann sowohl die unrichtige Rechtsanwendung als auch
die unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310
ZPO). In der schriftlichen Berufungsbegründung gemäss Art. 311 Abs. 1 ZPO ist
aufzuzeigen, inwiefern der angefochtene Entscheid als fehlerhaft erachtet wird.
Dieser Anforderung genügt der Berufungskläger nicht, wenn er lediglich auf die
vor erster Instanz vorgetragenen Vorbringen verweist, sich mit Hinweisen auf
frühere Prozesshandlungen zufriedengibt oder den angefochtenen Entscheid in
allgemeiner Weise kritisiert. Die Begründung muss hinreichend genau und ein-
deutig sein, um von der Berufungsinstanz mühelos verstanden werden zu kön-
nen. Dies setzt voraus, dass der Berufungskläger im Einzelnen die vorinstanzli-
chen Erwägungen bezeichnet, die er anficht, und die Aktenstücke nennt, auf de-
nen seine Kritik beruht (BGE 138 III 374 E. 4.3.1 S. 375; Urteil 5A_438/2012 vom
27. August 2012 E. 2.2, in: SZZP 2013 S. 29 f.; BGer 5A_141/2014 E. 2.4). Nicht
Sache der Berufungsinstanz ist es, die Parteien des Berufungsverfahrens zur
Verbesserung fehlerhafter Rechtsmittelschriften aufzufordern. Namentlich ist Art.
132 Abs. 2 ZPO nicht dazu bestimmt, eine inhaltlich ungenügende Begründung
ergänzen oder nachbessern zu lassen (BGer 5A_438/2012 E. 2.4).
3.4. Die Beklagte 1 wirft der Vorinstanz vor, dass sie die Klage beurteilt habe,
wiewohl dem Kläger ein Rechtsschutzinteresse abgehe (Urk. 85 S. 7 ff.). Sie
knüpft dieses Argument an ihre Rechtauffassung an, wonach zwischen den Par-
teien ein Vergleich zustande gekommen sei. Nach Auffassung der Beklagten 1
hätte das Bezirksgericht entweder auf Nichteintreten auf die Klage erkennen oder
einen Entscheid fällen müssen, wonach der Vergleich nicht gültig sei (Urk. 85 S.
8).
Die Auffassung der Beklagten 1 ist haltlos. Davon, dass dem Kläger ein
schutzwürdiges Interesse an der Prozessführung im Sinne von Art. 59 Abs. 2 lit. a
ZPO abgehe, kann keine Rede sein: Zwischen den Parteien ist in der Tat streitig,
ob die Vereinbarung vom 27. April 2010 einen Vergleich im Rechtssinne darstellt
oder nicht. Gerade diese Frage wird bei der Prüfung der Klage zu beantworten
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sein, weshalb ein Rechtsschutzinteresse des Klägers offensichtlich gegeben ist.
Und wenn die Beklagte 1 meint, die Vorinstanz hätte zumindest sagen müssen,
dass der Vergleich "nicht gültig" sei (Urk. 85 S. 8), dann rennt sie offene Türen
ein. Die Vorinstanz hat mit dem angefochtenen Urteil klar zum Ausdruck gebracht,
dass sie nicht von einem die Parteien bindenden Vergleich ausgeht.
3.5. Der Kläger hat mit der vorinstanzlichen Replik sein Klagebegehren geän-
dert (vgl. die eingangs vermerkten Rechtsbegehren gemäss Urk. 2 S. 2 f. zur Kla-
gebegründung bzw. gemäss Urk. 48 S. 2 f. zur Replik). Die Klageänderung betrifft
das Rechtsbegehren Ziff. 1, dem neu ein Eventualbegehren Ziff. 2 hinzugefügt
wurde. Die bisherigen Rechtsbegehren Ziff. 2 - 6 wurden neu zu Rechtsbegehren
Ziff. 3 - 7. Das bisherige Hauptbegehren Ziff. 1, welches die Ansprüche des Klä-
gers in vier verschiedenen Währungen aufteilte, wurde zum neuen Eventualbe-
gehren Ziff. 2; demgegenüber hat das neue Hauptbegehren Ziff. 1 den gleichen
Anspruch zum Gegenstand, allerdings in Landesmünze. Der Unterschied er-
schöpft sich in der Berechnung des geltend gemachten Betrages in verschiede-
nen Währungen. Unter diesen Umständen durfte die Vorinstanz die Zulässigkeit
der Klageänderung ohne weiteres bejahen. Sie tat es mit richtiger Begründung,
auf die zu verweisen ist (Urk. 86 S. 5 f.). Die Beklagte 1 beanstandet das zwar vor
Obergericht (Urk. 85 S. 11 f.), setzt sich aber mit der richtigen Argumentation der
Vorinstanz nicht auseinander. Der Vorinstanz ist daher ohne weiteres zu folgen.
3.6. Vor Vorinstanz stellte die Beklagte 1 den Antrag, es sei die vom Kläger ge-
gen sie angehobene Betreibung zu löschen. Mit Ziff. 4 des angefochtenen Urteils
trat die Vorinstanz auf dieses Begehren nicht ein (vgl. dazu Urk. 85 S. 29,E.
14.5.). Die Beklagte 1 ficht den vorinstanzlichen Entscheid mit ihrer Berufung in
diesem Punkte nicht an und setzt sich daher mit der vorinstanzlichen Argumenta-
tion nicht auseinander. Das angefochtene Urteil ist daher insoweit in Rechtskraft
erwachsen.
4. Bereinigung der Differenz zwischen den Parteien durch Vergleich?
4.1. Die Vorinstanz hat mit dem angefochtenen Urteil den Standpunkt der Be-
klagten verworfen, wonach der Streit zwischen den Parteien bereits durch die von
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ihnen am 27. April 2010 unterzeichnete Vereinbarung (Urk. 4/14; vgl. oben E. 1.8)
aus der Welt geschafft worden sei (Urk. 86 S. 7 f.). Dieser vorinstanzlichen Auf-
fassung wird von der Beklagten 1 mit ihrer Berufungsschrift über Seiten hinweg
widersprochen (Urk. 85 S. 9 f., 13 - 17, 28, 32; vgl. auch Urk. 101 S. 6 ff.,17 ff.).
Die Beklagte 1 meint, der von den Parteien abgeschlossene Vermögensverwal-
tungsvertrag sei durch den fraglichen Vergleich untergegangen (Urk. 101 S. 8 f.,
15). Der Kläger hält dagegen mit der Vorinstanz dafür, dass kein Vergleich zu-
stande gekommen sei (Urk. 95 Rz 31 ff., Rz 77 - 90).
4.2. Im erstinstanzlichen Verfahren äusserten sich die Parteien zur Vereinba-
rung vom 27. April 2010 (Urk. 4/14) wie folgt:
4.2.1. Der Kläger legte mit der Klageschrift die erwähnte Vereinbarung ins Recht
und wies darauf hin, dass Äusserungen der Beklagten 1 "im Vorfeld der gerichtli-
chen Auseinandersetzung" darauf hindeuteten, "dass die Beklagte 1 versucht sein
könnte", die erwähnte Vereinbarung "als Vergleich darzustellen, mit welchem sich
die Parteien über den Ausgleich der von ihrer Seite schuldhaft herbeigeführten
Verluste verständigt" hätten (Urk. 2 Rz 185). Die fragliche Vereinbarung enthalte
aber – so der Kläger – weder einen Hinweis darauf, "dass durch die von der Be-
klagten 1 angebotenen Zahlungen sämtliche Ansprüche des Klägers aus pflicht-
widriger Vermögensverwaltung getilgt wären, noch verzichtet der Kläger damit in
anderer Weise auf darüber hinausgehende Forderungen" (Urk. 2 Rz 187). Die
Vereinbarung erfasse auch nicht sämtliche Verluste (Urk. 2 Rz 188). Die einzige
Verpflichtung, die der Kläger "im Gegenzug zum Schuldversprechen der Beklag-
ten 1" eingegangen sei, sei auf "Nötigungen" zu verzichten sowie Stillschweigen
zu bewahren (Urk. 2 Rz 189). Selbst wenn man in diese Vereinbarung einen For-
derungsverzicht hineininterpretieren wollte, sei dieser hinfällig, denn die Beklagte
1 habe die Zahlungen gemäss Vereinbarung einseitig eingestellt (Urk. 2 Rz 190).
Schliesslich beruft sich der Kläger auf Willensmängel: Die fragliche Vereinbarung
habe er nämlich "unter dem Eindruck massiver Drohung" unterzeichnet (Urk. 2 Rz
192): Die Beklagte 1 habe gewusst, dass der Kläger "neben dem restlichen De-
potwert keine finanziellen Rücklagen mehr besass" und dass sich der Kläger der
Beklagten 1 gegenüber als "machtlos erachtete". Diese Umstände habe die Be-
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klagte 1 ausgenutzt, um dem Kläger anzudrohen, "dass er sein Geld nie mehr se-
hen" werde und schauen müsse, "wo er bleibe", wenn er die Vereinbarung nicht
unterschreibe (Urk. 2 Rz 193). Dieser psychische Druck sei erst dahingefallen, als
im August 2010 das Depot aufgelöst und damit der Beklagten die Möglichkeit ge-
nommen worden sei, über die Depotwerte zu verfügen. Und unter Hinweis auf
Urk. 4/18 führte er aus, dass er mit Schreiben vom 1. Juli 2011 (Urk. 4/23) und
damit innert der Jahresfrist von Art. 31 OR zum Ausdruck gebracht habe, "dass er
den Vertrag nicht genehmige" (Urk. 2 Rz 194).
4.2.2. Anwaltlich vertreten, nahm die Beklagte 1 im vorinstanzlichen Verfahren mit
ihrer Klageantwort auf die erwähnten Ausführungen des Klägers Bezug, die Be-
klagte 1 habe mit der fraglichen Vereinbarung "freiwillig und ohne Rechtsan-
spruch dem Kläger eine monatliche Vergütung bezahlen" wollen, und zwar nicht
zuletzt "auch deshalb, weil der Kläger über schwere Depressionen klagte und
Selbstmordabsichten äusserte" (Urk. 14 Rz 127). Ausdrücklich stimmte die Be-
klagte 1 mit ihrer Klageantwort der Rechtsauffassung des Klägers zu, wonach es
sich bei der fraglichen Vereinbarung "nicht um eine Vergleichsvereinbarung"
handle (Urk. 14 Rz 128). Weil der Kläger in der Folge die Wünsche der Beklagten
1 für den Erhalt einer monatlichen Geldleistung nicht respektiert habe, habe die
Beklagte 1 denn auch beschlossen, "diese Zahlungen einzustellen". Und weiter
führte die Beklagte 1 aus (Urk. 14 Rz 129): "Hätte die Beklagte tatsächlich beabsichtigt, so wie es der Kläger darzustellen versucht, dem Kläger eine Vergleichsvereinbarung zu offerieren, dann hätte sie diese nicht einseitig zugunsten des Klägers verfasst. Auch hätte sie  eine Saldoklausel eingebaut. Ein solcher Vergleich wurde von der Beklagten 1 zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt, zumal sie den beim Kläger eingetretenen Verlust nicht zu verantworten hat."
Schliesslich bestreitet die Beklagte 1, sich gegenüber dem Kläger in dem
Sinne geäussert zu haben, dass er sein Geld nicht wieder sehen werde, wenn er
die Vereinbarung nicht unterzeichne (Urk. 14 Rz 130). Wie aus dem Brief des
Klägers vom 6. August 2010 (vgl. Urk. 4/18 S. 2) hervorgehe, habe er sich bei
Vertragsschluss nämlich nicht bedroht gefühlt (Urk. 14 Rz 131).
4.2.3. Mit seiner Replik bestritt der Kläger, depressiv gewesen zu sein und sich
mit Selbstmordabsichten getragen zu haben. Im Übrigen bestätigte der Kläger in
- 15 -
diesem Zusammenhang seine frühere Sachdarstellung, wonach ihn die Beklagte
1 im Sinne einer Drohung unter Druck gesetzt habe (Urk. 48 Rz 155-158).
4.2.4. Mit ihrer Duplik – nun nicht mehr anwaltlich vertreten – nahm die Beklagte 1
eine Kehrtwende in ihrer Argumentation vor: Sie berief sich nun auf eine mündli-
che Vergleichsvereinbarung vom August 2009, die mit dem Papier vom April 2010
"schriftlich fixiert" worden sei (Urk. 55 S. 3 f.). Anders als noch mit der Klageant-
wort stellt sich die Beklagte 1 nun auf den Standpunkt, es sei mit der Vereinba-
rung vom 27. April 2010 ein Vergleichsvertrag zustande gekommen. Mit der Ver-
einbarung würden die Zahlungen der Beklagten 1 auf Fr. 250'000.00 beschränkt,
"was einer Saldoklausel entspricht" (Urk. 55 S. 6 oben). Wenn der Kläger sich im
Zusammenhang mit dem Vergleichsvertrag auf "Grundlagenirrtum" hätte berufen
wollen, hätte er dies "mit einem Rechtsbegehren geltend machen müssen". Der
vom Kläger geltend gemachte Schaden "sei durch die Vergleichsvereinbarung
abgelöst" worden (Urk. 55 S. 6). Es sei unverständlich, weshalb der Kläger sich
nicht an die Vergleichsvereinbarung halte, die den Vermögensverwaltungsvertrag
abgelöst habe (Urk. 55 S. 7). An verschiedensten Stellen ihrer Duplik wirft die Be-
klagte 1 dem Kläger in dem hier interessierenden Zusammenhang Rechtsmiss-
brauch durch widersprüchliches Verhalten im Sinne eines "venire contra factum
proprium" vor (Urk. 55 S. 5, 11, 45).
4.2.5. Der Kläger erstattete vor der Vorinstanz eine "Stellungnahme zur Duplik"
und wies dort zunächst darauf hin, dass die Ausführungen der Beklagten in der
Duplik jenen in der Klageantwort widersprächen (Urk. 62 Rz 4). Er bestritt dort
namentlich, dass im August 2009 eine mündliche Vergleichsvereinbarung zustan-
de gekommen sei (Urk. 62 Rz 6). Mit der Vereinbarung vom 27. April 2010 habe
der Kläger sich einzig dazu verpflichtet, "von Nötigungen durch Anwälte und Dritte
abzusehen" (Urk. 62 Rz 7). Die neuen Vorbringen der Beklagten 1 widersprächen
auch "den durch Urkunden belegten Fakten" (Urk. 62 Rz 11).
4.3. Der Vergleich ist ein Vertrag, mit dem ein Streit oder eine Ungewissheit
über ein Rechtsverhältnis mit gegenseitigen Zugeständnissen beigelegt wird. Da-
bei ersetzen die Parteien ein bestehendes Rechtsverhältnis häufig im Sinne von
Art. 116 OR durch ein neues. Das gilt namentlich dann, wenn sie sich bei einem
- 16 -
komplexen Rechtsverhältnis auf eine Saldozahlung einigen, beide Parteien also
auf weitere Ansprüche gegeneinander verzichten. Im Gegensatz zur blossen Ver-
tragsänderung wird durch die Novation die Identität der Forderung aufgehoben,
und Einreden und Schwächen, die den dadurch abgelösten Ansprüchen anhafte-
ten, gehen in der Regel unter. Auf den aussergerichtlichen Vergleich sind die Re-
geln über die Willensmängel anwendbar, sofern sie nicht seiner besonderen Natur
widersprechen (BGE 130 III 49 E. 1.2, 121 III 397 E. 2c, 105 II 273 E. 3a mit Hin-
weisen).
4.3.1. Mit der Vereinbarung vom 27. April 2010 erklärte sich die Beklagte 1 dazu
bereit, dem Kläger monatliche Zahlungen zu leisten, die sich zwischen
Fr. 3'000.00 und Fr. 8'000.00 bewegen sollten, bis auf diese Weise "der Wert des
Portfolios zusammen mit diesen Vergütungen" Fr. 250'000.00 erreiche. Ausdrück-
lich wurde festgelegt, dass aus der Vereinbarung kein Rechtsanspruch abzuleiten
sei und dass die Zahlungen "persönlich" sowie weder abtretbar noch vererbbar
seien. Damit liessen sich die Zahlungen gemäss der interessierenden Vereinba-
rung nicht auf dem Klagewege durchsetzen. Umgekehrt hat der Kläger mit der
fraglichen Vereinbarung auch nicht auf irgendwelche Ansprüche gegen die Be-
klagte 1 verzichtet. Typisch für Vergleichsverträge sind Saldoklauseln (BGE 105 II
273 E. 3). Ein solche fehlt hier aber. Namentlich werden weder der von den Par-
teien abgeschlossene Vermögensverwaltungsvertrag noch daraus resultierende
Schadenersatzansprüche des Klägers erwähnt. Es kann daher nicht gesagt wer-
den, dass solche Schadenersatzansprüche vom Kläger mit der Vereinbarung vom
27. April 2010 aufgegeben worden seien, damit die Regelungen des Vergleichs-
vertrages Platz greifen könnten.
Diese Auslegung deckt sich im Übrigen auch mit dem, was die Beklagte 1
noch mit ihrer Klageantwort vorgetragen hat. So machte sie dort letztlich geltend,
zu den im Ergebnis für sie freiwilligen Zahlungen gemäss der Vereinbarung habe
sie sich einzig aus Kommiserationsgründen herbeigelassen (Urk. 14 Rz 127). Und
weiter führte sie aus, dass sie in die Vereinbarung namentlich eine Saldoklausel
eingebaut hätte, wenn sie eine Vergleichsvereinbarung hätte formulieren wollen,
- 17 -
denn eine solche hätte sie "nicht einseitig zugunsten des Klägers verfasst" (Urk.
14 Rz 129).
Dazu kommt Folgendes: Gemäss ihrem Wortlaut sollte die Vereinbarung
"sofort hinfällig" werden, wenn der Kläger seiner mit der Vereinbarung eingegan-
gen Verpflichtung zuwiderhandeln sollte, auf "Nötigungen durch Anwälte oder an-
dere Drittpersonen" zu verzichten. Mit ihrer Klageantwort bestätigte die Beklagte
1, dass sie ihre Zahlungen an den Kläger deshalb eingestellt habe, weil dieser ih-
re Wünsche für den Erhalt einer monatlichen Geldleistung nicht respektiert habe
(Urk. 14 Rz 128 f.). Damit steht fest, dass die Beklagte 1 die Vereinbarung bereits
nach wenigen Wochen als "hinfällig" erachtet. Wenn sie sich nun im Prozess auf
den Standpunkt stellt, es liege ein beide Parteien bindender Vergleichsvertrag
vor, so ist das widersprüchlich und damit rechtsmissbräuchlich. Der Beklagten 1
und nicht dem Kläger ist daher ein "venire contra factum proprium" vorzuwerfen.
Offen bleiben kann damit, ob die Vereinbarung nicht wegen übermässiger Bin-
dung im Sinne von Art. 27 Abs. 2 ZGB als nichtig anzusehen ist, wenn sie den
Sinn haben sollte, dass der Kläger sich dazu verpflichtete, künftig in der Ausei-
nandersetzung mit der Beklagten 1 auf die Unterstützung von Anwälten und ande-
ren Drittpersonen zu verzichten.
4.3.2. Keine der Parteien macht überdies geltend, der übereinstimmende Wille
beider Parteien sei – in Abweichung des Auslegungsergebnisses – auf einen Ver-
gleichsvertrag ausgerichtet gewesen. Die Beklagte 1 trug dazu vor Vorinstanz mit
ihrer Klageantwort im Gegenteil vor, dass ein solcher Vergleich von ihr "zu keinem
Zeitpunkt beabsichtigt" worden sei (Urk. 14 Rz 129). Diese Tatsachenbehauptung
widerrief sie in der Folge mit ihrer Duplik nicht. Und für ihre mit der Duplik erst-
mals aufgestellte Behauptung, dass mit der schriftlichen Vereinbarung vom
27. April 2010 lediglich eine frühere mündliche Vereinbarung "schriftlich fixiert"
worden sei (Urk. 55 S. 3 f.), nennt die Beklagte 1 weder Beweismittel noch ordnet
sie solche einer Tatsachenbehauptung zu, wie das erforderlich wäre (vgl. Art. 221
Abs. 1 lit. e ZPO). Für ein Beweisverfahren bleibt daher von vornherein kein
Raum.
- 18 -
4.3.3. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vereinbarung der Parteien
vom 27. April 2010 nicht als Vergleichsvertrag angesehen werden kann. Die Fra-
ge, ob die Vereinbarung im Sinne der Ausführungen des Klägers mit einem Wil-
lensmangel behaftet ist, kann daher offen bleiben.
5. Vermögensverwaltungsvertrag; Pflichten des Beauftragten
5.1. Mit dem von den Parteien am 2. November 2000 (Urk. 4/6) unterzeichne-
ten Vertrag ermächtigte der Kläger die Beklagte 1, für ihn selbständig Anlageent-
scheide zu treffen, und zwar "in Übereinstimmung mit dem Anlageprofil". Im
Rahmen dieses Vertrages war die Beklagte 1 zu eigenständigem Handeln hin-
sichtlich der Vermögensanlagen befugt: Der Beklagten 1 wurde durch Bankvoll-
machten des Klägers die Verfügungsmacht über die Vermögenswerte des Klä-
gers eingeräumt, und sie war frei, diese Vermögenswerte "in Übereinstimmung
mit dem Anlageprofil" anzulegen, d.h. sie hatte vor Anlageentscheiden nicht die
Zustimmung des Klägers einzuholen. Auszugehen ist damit von einem eigentli-
chen Vermögensverwaltungsvertrag (Gutzwiller, Rechtsfrage der Vermögensver-
waltung, Zürich 2008, S. 27; vgl. auch unten E. 5.2.). Die Vermögensverwaltung
durch die Beklagte 1 erfolgte entgeltlich: Vereinbart wurde eine jährliche "Verwal-
tungsgebühr" von 7/8% des angelegten Vermögens sowie unter bestimmten Vor-
aussetzungen ein zusätzliches Erfolgshonorar. Die Beklagte 1 übte, wie aus ihrer
im Handelsregister eingetragenen Zweckbestimmung hervorgeht (Urk. 106), die
Vermögensverwaltung im Zeitpunkt des Vertragsschlusses berufsmässig aus.
5.2. Auf den Vermögensverwaltungsvertrag sind die auftragsrechtlichen Regeln
anwendbar (BGer 4A_364/2013 vom 5. März 2014 mit Hinweis auf BGE 138 III
755 E. 4.2, 137 III 393 E. 2.1 S. 395 und 132 III 460 E. 4.1 S. 464). Der Beauftrag-
te haftet dem Auftraggeber für getreue und sorgfältige Ausführung des ihm über-
tragenen Geschäfts (Art. 398 Abs. 2 OR). Das Mass der Sorgfalt bestimmt sich
nach objektiven Kriterien. Erforderlich ist die Sorgfalt, die ein gewissenhafter Be-
auftragter in der gleichen Lage bei der Besorgung der ihm übertragenen Geschäf-
te anzuwenden pflegt. Höhere Anforderungen sind an den Beauftragten zu stel-
len, der (wie die Beklagte 1 es getan hat) seine Tätigkeit berufsmässig gegen
Entgelt ausübt. Dabei ist nach der Art des Auftrags zu differenzieren und auch
- 19 -
den besonderen Umständen des Einzelfalles Rechnung zu tragen. Bestehen für
eine Berufsart oder ein bestimmtes Gewerbe allgemein zu befolgende Verhaltens-
regeln und Usanzen, sind sie bei der Bestimmung des Sorgfaltsmasses heranzu-
ziehen. Der Beauftragte hat grundsätzlich nicht für den Erfolg seiner Tätigkeit ein-
zustehen. Haftungsbegründend ist vielmehr eine unsorgfältige oder treuwidrige
und den Auftraggeber schädigende Ausführung des Auftrags (BGE 115 II 62 E.
3a mit Hinweisen; vgl. auch BGE 133 III 121 E. 3.1 S. 124; 124 III 155 E. 3 S.
161).
Für die börsenmässige Vermögensanlage stehen dem Kunden grundsätzlich
drei Formen von Verträgen zur Verfügung: die blosse Konto-/Depotbeziehung, die
Anlageberatung und die eigentliche Vermögensverwaltung. Am umfassendsten ist
die Aufklärungs- und Beratungspflicht bei der Vermögensverwaltung, wie sie hier
vorliegt. Die Beklagte 1 beschäftigte sich im Zeitpunkt des Vertragsschlusses be-
rufsmässig mit der Vermögensverwaltung. Nach der Rechtsprechung des Bun-
desgerichts unterstehen Personen und Unternehmen, die sich berufsmässig mit
dem Anlagegeschäft befassen, bei der Anbahnung und Abwicklung von Verträgen
über die Vermögensverwaltung einer besonderen Ab- und Aufklärungspflicht. Ei-
nen Anlageberater oder Anlagevermittler, der im Hinblick auf die Vermögensver-
waltung oder in deren Rahmen tätig wird, treffen neben der erwähnten Aufklä-
rungspflicht auch Überwachungs-, Beratungs- und Warnpflichten (vgl. BGer
4A_364/2013 E. 6.2 mit Hinweisen), deren gemeinsame Wurzel in der auftrags-
rechtlichen Sorgfalts- und Treuepflicht (Art. 398 Abs. 2 OR) liegt. Der Kunde ist
hinsichtlich der Risiken der beabsichtigten Investitionen aufzuklären, nach Bedarf
in Bezug auf die einzelnen Anlagemöglichkeiten sachgerecht zu beraten und vor
übereilten Entschlüssen zu warnen, wobei diese Pflichten inhaltlich durch den
Wissensstand des Kunden einerseits und die Art des in Frage stehenden Anlage-
geschäfts anderseits bestimmt werden. Dabei obliegt es dem Beauftragten, sich
namentlich auch durch die Befragung des Kunden einlässlich über den Wissens-
stand und die Risikobereitschaft des Kunden zu informieren (BGer 4A_364/2013
E. 6.3 mit Hinweisen auf BGE 124 III 155 E. 3a S. 162 f.).
- 20 -
5.3. Das vom Vermögensverwalter ganz zu Beginn der Geschäftsbezie-
hung in diesem Zusammenhang zu erstellende Kundenprofil dient insbesondere
dem Zweck, das Ausmass des Risikos zu bestimmen: Zu ermitteln sind dabei die
sogenannte subjektive sowie die sogenannte objektive Risikofähigkeit des Kun-
den. Mit andern Worten hat der Vermögensverwalter ganz zu Beginn der Ge-
schäftsbeziehungen das Risiko, das der Kunde bei der Vermögensanlage einge-
hen will und nach seinen Lebensumständen auch eingehen kann, sorgfältig abzu-
klären (BGer 4A_364/2013 E. 6.5.1). In diesem Sinne muss das Risikoprofil dem
Anleger "auf den Leib geschneidert" sein. So soll es die objektive Risikofähigkeit
des Anlegers umfassen, seine Lebensumstände und sein gesamtes Vermögen
und Einkommen erfassen. Die subjektive Risikobereitschaft, die ebenfalls im Profil
erfasst werden muss, hat sodann einen Bezug zur Persönlichkeit des Anlegers
herzustellen (Schaller, Handbuch des Vermögensverwalters, Zürich 2013, Rz 41
ff.). Erst wenn das Risikoprofil erstellt ist, kann eine Anlagestrategie festgelegt
werden, wobei dann entschieden werden muss, ob die Strategie auf Kapitalerhalt,
auf eine ausgewogene Anlage oder auf Kapitalzuwachs ausgerichtet werden soll.
Die Festsetzung der Anlagestrategie ist ein höchst anspruchsvoller Prozess, der
von einer Fachperson in Absprache mit dem Kunden vorzunehmen ist. Dabei hat
eine Abgleichung zwischen den einzelnen Aspekten des Risikoprofils und den in
Frage kommenden Strategieelementen zu erfolgen (Schaller, a.a.O., Rz 55 ff.
insbesondere Rz 59).
5.4. Die ebenfalls aus der Sorgfaltspflicht fliessende Aufklärungspflicht muss
eine sach- und interessengerechte Vermögensanlage zum Ziel haben. Der Beauf-
tragte hat sie von sich aus und unaufgefordert zu erfüllen. Die Verletzung dieser
Pflicht führt zu Schadenersatz (Schaller, a.a.O., Rz 124 f.). Eingeschränkt ist die
Aufklärungspflicht nur bei fachkundigen Anlegern. An die Fachkunde sind in die-
sem Zusammenhang hohe Anforderungen zu stellen: So darf selbst bei einem gut
ausgebildeten und interessierten Laien nicht einmal die Kenntnis der verschiede-
nen Anlageklassen vorausgesetzt werden (Schaller, a.a.O., Rz 128, 132). Der
Beauftragte hat bei einem länger andauernden Vertragsverhältnis seine Aufklä-
rungspflicht stets wieder von neuem wahrzunehmen und dabei seine Hinweise
der aktuellen Marktlage anzupassen; man spricht dann von Warnpflichten (Schal-
- 21 -
ler, a.a.O., Rz 154). In diesem Sinne ist das Portefeuille vom Vermögensverwalter
ständig zu überwachen und die Anlagestrategie ist gegebenenfalls in Absprache
mit dem Kunden zu adjustieren (Schaller, a.a.O., Rz 321).
5.5. Werden die Ab- oder Aufklärungspflichten nicht beachtet, so liegt seitens
des Beauftragten eine Vertragsverletzung vor, die grundsätzlich im Sinne von
Art. 8 ZGB vom Anleger zu beweisen ist. Indessen ist beim berufsmässigen Ver-
mögensverwalter von einer Dokumentationspflicht auszugehen, indem er über die
vorgenommenen Aufklärungen und Abmahnungen, namentlich auch über deren
genauen Zeitpunkt und Inhalt, Aktennotizen zu erstellen hat, die in einem allfälli-
gen Prozess vorgelegt werden können (vgl. Gutzwiller, a.a.O., S. 139).
5.6. Ergänzend sei in diesem Zusammenhang auch auf die zutreffenden Darle-
gungen der Vorinstanz zur Abklärungs- und Aufklärungspflicht des Vermögens-
verwalters verwiesen (Urk. 86 S. 12 f. E. 7.2 und 7.3).
5.7. Vertragsverletzungen
5.7.1. Die von der Beklagten 1 im Hinblick auf den Vertragsschluss erstellten Pa-
piere sind rudimentär. So ist der schriftliche Vermögensverwaltungsvertrag
(Urk. 4/6) sehr knapp gehalten. Und erst recht knapp formuliert ist das sog. "Anle-
gerprofil" (Urk. 4/7), das gemäss dem Verwaltungsvertrag Vertragsbestandteil bil-
det. Dieses "Anlegerprofil" ist aber im Grunde genommen gar kein Anlegerprofil
bzw. Risikoprofil, aus dem die sowohl subjektive als auch die objektive Risikofä-
higkeit des Klägers ersichtlich gewesen wäre (vgl. BGer 4A_364/2013 E. 6.5.1 mit
Hinweisen). Vielmehr stellt das fragliche Papier lediglich eine nur höchst summa-
rische Umreissung der ins Auge gefassten Anlagestrategie dar. Die im "Anleger-
profil" festgehaltene Anlagestrategie wirft jedenfalls aus Laiensicht Fragen auf:
Einerseits sollten Kapital- und Kaufkraft erhalten bleiben und anderseits sollte aus
den Vermögensanlagen eine Rendite von 9% bzw. von Fr. 80'000.00 pro Jahr er-
zielt werden. Das ist ein Ziel, das wohl jeder Anleger erreichen möchte. Ob dieses
Ziel realistisch war und mit welchen Risiken die äusserst summarisch skizzierte
Anlagestrategie verbunden war, lässt das Papier offen. Solange nicht fest steht,
dass der Kläger über die Risiken der ins Auge gefassten Anlagestrategie aufge-
- 22 -
klärt worden ist, lässt sich auch nicht sagen, er habe dieser Strategie zugestimmt.
Aus Urk. 4/7 lässt sich auf jeden Fall nicht ableiten, der Kläger sei mit einer ris-
kanten oder gar spekulativen Anlagepolitik einverstanden gewesen. Ein Laie hätte
aus Urk. 4/7 im Gegenteil ableiten können, dass sein Kapital erhalten bleibe und
darüber hinaus eine Rendite von 9% erwirtschaftet werde. Mit Urk. 4/8 hat die Be-
klagte 1 per 2. November 2000 immerhin unter dem Titel "Ausgangslage" die
Vermögenssituation des Klägers zusammengefasst, wobei man damals von ei-
nem Kapitalbezug aus der Pensionskasse im Jahre 2001 von Fr. 670'000.00 aus-
ging. Insgesamt ging man von einem Anlagevermögen im Jahre 2001 von ca.
Fr. 900'000.00, dem Betrag, der schliesslich der Beklagten 1 – allerdings in ande-
rer Zusammensetzung – zur Anlage überlassen wurde (vgl. dazu unten E. 8.).
5.7.2. Ein Papier, das als Risikoprofil des Klägers angesprochen werden könnte,
liegt nicht bei den Akten. Ein solches wäre aber nach dem Gesagten allerdings
nötig gewesen dafür, damit überhaupt eine im Sinne des Vermögensverwaltungs-
vertrages taugliche Anlagestrategie hätte festgelegt werden können (vgl. BGer
A_364/2013 vom 5. März 2014, E. 6.4, 6.5.1)
5.7.3. Unbestritten ist, dass der Kläger Mitte 2001 frühpensioniert wurde und dass
er in diesem Zusammenhang der Beklagten 1 seine sämtlichen Vorsorgegelder
sowie weitere Bank- und Wertpapierguthaben zur Verwaltung übergab (Urk. 2 Rz
15, Urk. 14 S. 20). Unbestritten ist auch, dass der Kläger gelernter Elektriker ist
und während Jahrzehnten bei der M._ in ... im Bereich Printverarbeitung als
Abteilungsleiter tätig war (Urk. 2 Rz 8 und Urk. 14 S. 20).
Der Kläger wirft der Beklagten die Verletzung ihrer vertraglichen Aufklä-
rungs-, Warn- und Überwachungspflichten vor (Urk. 2 Rz 14, 112 -120). Die Be-
klagte 1 bestreitet zwar, diesen Pflichten nicht genügt zu haben, allerdings nur
vordergründig (Urk. 14 Rz 76). Im Prozess legt sie nämlich dar, dass "eine detail-
liertere Abklärung der Bedürfnisse des Klägers nicht vonnöten" gewesen sei
(Urk. 14 S. 20), denn sie habe davon ausgehen dürfen, dass der Kläger sich des
mit einer ausgewogenen Anlagestrategie verbundenen Verlustrisikos bewusst
gewesen sei, sei er doch mit der damit verbundenen Renditemöglichkeit einver-
standen gewesen. Als ehemaliger Abteilungsleiter mit Kaderfunktion habe der
- 23 -
Kläger wissen müssen, dass eine Rendite von 9% nicht nur anhand von Zinsein-
nahmen realisiert werden könne. Eine solche Kenntnis ergebe sich denn "auch
aus der Parallelwelt in der Laiensphäre, in der jeder Person bekannt ist, dass der
übliche Zinssatz zwischen 1% - 1,5% liegt" (Urk. 14 Rz 100). Die Beklagte 1
missversteht und übergeht damit die Aufklärungs- und Überwachungspflichten,
die ihr während der ganzen Vertragsdauer obgelegen hätten, und übersieht, dass
nur der ordnungsgemäss aufgeklärte Anleger gültig in eine bestimmte Anlagestra-
tegie einwilligen kann. Aus ihren Vorbringen ergibt sich im Gegenteil, dass sie
während des Vertragsverhältnisses weder die dem Kläger vorgeschlagene Anla-
gestrategie überwacht noch ihm in der Folge gegebenenfalls eine Adjustierung
dieser Strategie vorgeschlagen hat. Und wenn die Beklagte 1 – in der Meinung,
dass eine Aufklärung des Klägers gar nicht nötig gewesen sei – geltend macht,
sie habe davon ausgehen dürfen, dass der Kläger "gewisse Grundkenntnisse im
Anlagebereich" gehabt habe (Urk. 14 Rz 76), dann ist das angesichts des der Be-
klagten 1 bekannt gewesenen Hintergrundes des Klägers rechtsirrtümlich. Selbst
solche Grundkenntnisse des Klägers, wenn sie denn wirklich vorhanden gewesen
sein sollten, hätten die Beklagte 1 von ihrer Aufklärungspflicht nämlich nicht ent-
bunden. Entlarvend ist schliesslich der Hinweis der Beklagten 1 auf die in der "Pa-
rallelwelt in der Laiensphäre" bei "jeder Person" vorhandenen Kenntnisse, welche
sie von jeder "Abmahnungspflicht" entbunden hätten (Urk. 14 Rz 100). Mit dieser
Argumentation leugnet sie im Ergebnis jede Aufklärungs- und Überwachungs-
pflicht. Im Sinne des Gesagten (vgl. ob E. 5.2 ff.) traf die Beklagte 1 während der
Vertragsdauer, die bis zur Saldierung der Bankguthaben durch den Kläger dauer-
te (2. Juli 2001 bis 31. August 2010; vgl. Urk. 86 S. 20), dennoch eine Aufklä-
rungs- und Überwachungspflicht. Die Beklagte 1 hätte daher während der ganzen
Vertragsdauer sicherzustellen gehabt, dass die eingeschlagene Anlagestrategie
angesichts der sich verändernden Gegebenheiten des Marktes den ihr bekannten
Bedürfnissen des Klägers noch entsprach. Gegebenenfalls hätte die Beklagte 1
dem Kläger eine Änderung der Anlagestrategie vorschlagen müssen. Das ist aber
offensichtlich nicht geschehen. Der Kläger wirft der Beklagten damit in diesem
Zusammenhang zu Recht eine Sorgfaltspflichtverletzung vor (Urk. 2 S. 50-53,
Urk. 48 S. 9).
- 24 -
5.7.4. Der Kläger macht geltend, dass angesichts seines frühen Eintritts in den
Ruhestand im Jahre 2001 und seiner angeschlagenen Gesundheit eine seriöse
Abklärung eine risikoarme und auf Vermögenserhalt ausgerichtete Vermögensan-
lage ergeben hätte. Er beruft sich dazu namentlich auf ein Gutachten, aber auch
auf seine eigene Parteibefragung (Urk. 2 Rz 130). Wie erörtert (vgl. oben E. 5.3.),
ist die zu wählende Anlagestrategie eine komplexe Angelegenheit, über die ohne
Fachkenntnisse nicht befunden werden kann. Das Gutachten ist daher einzuho-
len. Zum Beweisthema wird auch gehören, ob und wie die Anlagestrategie wäh-
rend der langen Vertragszeit (2. Juli 2001 bis 31. August 2010; vgl. Urk. 86 S. 20)
hätte angepasst werden müssen. Vorgängig wird der Kläger über seine persönli-
che Situation zu Beginn und während des Vertragsverhältnisses im Rahmen der
Parteibefragung auszusagen haben, denn die Parteibefragung gemäss Art. 191
ZPO ist ein vollwertiges Beweismittel.
Wie erörtert, leitet sich aus dem Risikoprofil die Anlagestrategie ab, die im
vorliegenden Fall im Papier "Anlegerprofil" (Urk. 4/7) festgehalten wurde. Der Klä-
ger meint, dass seine Vermögenswerte angesichts seiner Umstände zu je 50 % in
Obligationen und Aktien hätten angelegt werden sollen. Bei den Anlagen in Aktien
hätte es sich neben einem gewissen Anteil Anlagen in ausländische Unternehmen
vornehmlich um Anteilpapiere an Blue Chip-Unternehmen und inländischen KMU
handeln müssen. Angesichts des Risikoprofils des Klägers seien namentlich An-
lagen in Start-ups und in Venture Capital Investments vom Vermögensverwal-
tungsvertrag nicht abgedeckt (Urk. 2 Rz 134). Mit diesen Behauptungen wirft der
Kläger der Beklagten 1 im Ergebnis unsorgfältige Geschäftsbesorgung im Sinne
von Art. 398 Abs. 2 OR vor. Auch für diese Behauptungen beruft er sich bereits
mit seinem ersten Parteivortrag auf ein Gutachten (Urk. 2 Rz 130 und 134). Da
die Beklagte 1 die Behauptungen des Klägers bestreitet (Urk. 14 Rz 110 f.), wird
auch darüber das Gutachten einzuholen sein. Der Gutachter wird die von der Be-
klagten 1 veranlasste Vermögensanlage zu prüfen und dann die Frage zu beant-
worten haben, ob sie angemessen war, d.h. ob die Beklagte 1 die ihr zustehende
Bandbreite des Ermessens bei der Vermögensanlage eingehalten hat oder aber
diese überschritten hat.
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6. Schaden
6.1. Schaden ist eine unfreiwillige Vermögensverminderung, der in einer Ver-
minderung der Aktiven, einer Vermehrung der Passiven oder im entgangenen
Gewinn bestehen kann. Er entspricht der Differenz zwischen dem gegenwärtigen
Vermögensstand und dem Stand, den das Vermögen ohne das schädigende Er-
eignis hätte. Für den Bereich der Vermögensverwaltung kommt es auf das im
Rahmen des Vermögensverwaltungsvertrags übergebene Vermögen an. Zu diffe-
renzieren ist zwischen jenen Fällen, in denen im Prozess vom Anleger dem Ver-
mögensverwalter eine Schädigung allgemein durch Verfolgung einer pflichtwidri-
gen Anlagestrategie (sorgfaltswidrige Verwaltung des gesamten Portfolios) vor-
geworfen wird, und jenen Fällen, in denen ihm pflichtwidrige Einzelanlagen (sorg-
faltswidriges Verhalten im Zusammenhang mit einzelnen Posten des Portfolios)
vorgeworfen wird. Im ersten Fall ist auf das gesamte zur Verwaltung übergebene
Vermögen abzustellen, im zweiten Fall dagegen bloss auf den Teil des Vermö-
gens, der für die sorgfaltswidrigen Anlagen eingesetzt wurde. Bei einer Schädi-
gung durch Schlechtleistung im Sinne von Art. 97 Abs. 1 OR ist grundsätzlich das
Erfüllungsinteresse zu ersetzen. Grundlage der Schadensberechnung bildet der
Vergleich zwischen dem tatsächlichen Stand des verwalteten Vermögens (effekti-
ves Portfolio) und dem Vermögensstand, der bestünde, wenn das Vermögen in
der gleichen Periode unter Beachtung der vertraglichen Sorgfaltspflichten verwal-
tet worden wäre (hypothetisches Portfolio). Der Schaden bzw. das hypothetische
Vergleichsportfolio kann nur geschätzt werden (Art. 42 Abs. 2 OR). Diese ermes-
sensweise Schätzung beruht auf Tatbestandsermessen (BGer 4A_364/2013 vom
5. März 2014 E. 7.1 mit Hinweisen). Allerdings setzt eine Anwendung von Art. 42
Abs. 2 OR voraus, dass ein strikter Beweis nach der Natur der Sache nicht mög-
lich oder nicht zumutbar ist. Art. 42 Abs. 2 OR entbindet die beweispflichtige Par-
tei nicht davon, alle Umstände, die für die Verwirklichung des behaupteten Sach-
verhalts sprechen, soweit möglich und zumutbar zu behaupten und zu beweisen.
In diesem Sinne sind Sachverhaltselemente zu behaupten und zu beweisen, an
welche bei der Schätzung nach Art. 42 Abs. 2 OR angeknüpft werden kann. Na-
mentlich kommt Art. 42 Abs. 2 OR auch dann nicht schematisch zur Anwendung,
wenn der Schaden gestützt auf Sachverhaltshypothesen festgesetzt wird. Die
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Beweiserleichterung greift nur, soweit ein strikter Beweis nach der Natur der Sa-
che nicht möglich ist. Auch eine Hypothese stützt sich in der Regel auf tatsächli-
che Grundlagen. Soweit ein strikter Beweis möglich ist, kommt Art. 42 Abs. 2 OR
jedenfalls nicht zum Tragen (BGE 128 III 271 E. 2b/aa S. 276 mit Hinweisen;
BGer 4A_23/2010 vom 12.4.2010 E. 2.3.3)
6.2. Unter Hinweis auf bei den Akten liegende Bankunterlagen zählt der Kläger
in der Klageschrift Transaktionen bezüglich 46 verschiedener Titel auf, die er als
"problematisch bezeichnet" (Urk. 2 Rz 42 - 89, vgl. insbesondere Titel vor Rz 42).
Weitere zehn Positionen bezeichnet er als "nicht abschliessend beurteilbar", weil
die Bankauszüge nur ein unvollständiges Bild ergäben und er daher auf die Auf-
klärung der Beklagten 1 angewiesen sei (Urk. 2 Rz 91 - 101). Bezüglich dieser
zehn Positionen verlangte er vor Vorinstanz mit seinem modifizierten Rechtsbe-
gehren Ziff. 5 lit. a - i von der Beklagten 1 Rechenschaftsablegung; es ist dies ein
materiellrechtliches, nicht etwa ein prozessuales Auskunftsbegehren. Die Vor-
instanz hat dieses Rechtsbegehren unbeurteilt gelassen, und zwar mit der Be-
gründung, dass der Kläger mit seiner Replik dieses Begehren als blosses Even-
tualbegehren bezeichnet habe (Urk. 85 S. 24 E. 12.3.). Ob dies richtig ist, kann of-
fen bleiben, weil der Kläger mit seiner Anschlussberufung das Rechtsbegehren
Ziff. 5 gemäss seiner Replikschrift nicht wieder aufnimmt (vgl. Anträge in Urk. 95
S. 2 f.). Es muss daher insoweit beim angefochtenen Urteil sein Bewenden ha-
ben. Die materiellrechtlichen Ansprüche gemäss modifiziertem Rechtsbegehren
Ziff. 5 spielen daher keine Rolle mehr. Vorbehalten bleiben allfällige Abklärungen
im Rahmen des Beweisverfahrens (vgl. z.B. Art. 186 ZPO).
6.3. Obwohl der Kläger nach dem Gesagten über 50 konkrete Transaktionen
beanstandet, berechnet er schliesslich seinen Schaden auf Grund des Gesamt-
portefeuilles und nicht auf Grund von problematischen Einzelanlagen. Das ist
dann zulässig, wenn der überwiegende Teil des Portefeuilles pflichtwidrig ange-
legt wurde (Schaller, a.a.O., Rz 466 ff.). Beurteilen lässt sich dies indessen erst
nach Vorliegen des Gutachtens. Je nach Ergebnis wird der Schaden auf Grund
des Gesamtportefeuilles oder aber auf Grund der zu beanstandenden Einzelposi-
tionen zu berechnen sein.
- 27 -
6.4. Unter Berufung auf ein gerichtliches Gutachten macht der Kläger geltend,
dass eine pflichtgemässe Vermögensanlage zu Gewinnen geführt hätte und dabei
wie folgt ausgesehen hätte:
− 65% festverzinsliche Anlagen (Urk. 48 Rz 47). − 35% Aktien (Urk. 48 Rz 48)
Die Beklagte 1 bezeichnete mit ihrer Duplik die vom Kläger als Basis seiner
Berechnung genommene Anlagestrategie als "absurd und nicht fundiert" (Urk. 55
S. 23). Dennoch hält die Vorinstanz die vom Kläger vorgeschlagene Aufteilung
der Vermögensanlage für "nachvollziehbar und angemessen" (Urk. 86 S. 20). Der
von der Vorinstanz in diesem Zusammenhang gemachte Hinweis, die Beklagte 1
habe die Behauptung des Klägers ja nicht bestritten, wonach jeder sorgfältig agie-
rende Vermögensverwalter vor dem fraglichen Hintergrund eine konservative
Strategie empfohlen hätte, ist aktenwidrig (vgl. Urk. 48 Rz 22 und Urk. 55 S. 17
unten). Wenn die Vorinstanz unter diesem die vom Kläger postulierte Vermö-
gensanlage als "nachvollziehbar und angemessen" deklariert, nimmt sie für sich
Fachkenntnisse in Anspruch, die ihr nicht zukommen. Über diese Frage wird im
Sinne des Beweisantrages des Klägers ein Gutachten einzuholen sein.
6.5. Weiter beruft sich der Kläger für die Schadensberechnung auf eine Reihe
Vergleichsindizes, die für die Schadensberechnung herangezogen werden müss-
ten (Urk. 2 Rz 198 f.). Er legte sodann entsprechende "Charts" (Urk. 4/41-49 und
Urk. 49/1-7) ins Recht und beruft sich wiederum auf ein Gutachten (Urk. 2 Rz 199
- 202; Urk. 48 Rz 42 - 44). Die Beklagte bestreitet diese Berechnungsweise und
beruft sich auf andere Vergleichsindizes (Urk. 14 Rz 83; Urk. 55 S. 22 und 24).
Die Vorinstanz greift im angefochtenen Urteil gewisse Indizes heraus
(Urk. 86 S. 20), bezog offenbar gewisse Informationen gar aus dem Internet
("www.finanzen.ch") und kommt schliesslich zum Schluss, dass bei richtiger Ver-
mögensanlage das Kapital des Klägers erhalten worden wäre. Sie bemerkt dazu,
dass sich "bei dieser Ausgangslage" ein Gutachten erübrige (Urk. 86 S. 21). Die
Beklagte 1 beanstandet das mit der Berufung zu Recht (Urk. 85 S.30): So liegt
weder auf der Hand, welche Indizes für eine solche Berechnung herangezogen
werden müssen, noch steht die von der Vorinstanz vorgenommene Aufteilung des
- 28 -
Portfolios auf gesicherten Grundlagen. Es wird darüber ein Beweisverfahren zu
veranlassen sein, indem das vom Kläger verlangte Gutachten einzuholen sein
wird. Die Beklagte 1 meint, dass die Kausalkette wegen der Finanzkrise ohnehin
unterbrochen worden sei (Urk. 14 Rz 78 f.). Dem ist nicht so. Allerdings wird die
Beklagte 1 nicht für solche Wertverluste verantwortlich gemacht werden können,
die wegen der Finanzkrise auch bei sorgfältiger Vermögenanlage eingetreten wä-
ren. Die Beklagte 1 schuldete dem Kläger kein bestimmtes Ergebnis, sondern nur
– aber immerhin – getreue und sorgfältige Ausführung des ihr übertragenen Ge-
schäftes.
7. Kausalzusammenhang und Verschulden
Führen bei einem Auftragsverhältnis Pflichtverletzungen zu einem Schaden,
ist der erforderliche Kausalzusammenhang ohne weiteres gegeben. Ebenso ist in
einem solchen Falle das Verschulden gemäss gesetzlicher Vorschrift zu vermu-
ten. Die Argumentation der Vorinstanz (Urk. 86 S. 21-23) vermag die Beklagte 1
mit ihrer Berufung (Urk. 85 S. 31) nicht zu entkräften.
8. Anschlussberufung: Anfangsvermögen
8.1. Der Kläger machte vor Vorinstanz geltend, dass der Beklagten 1 Vermö-
genswerte von Fr. 898'366.00 zur Verwaltung überlassen worden seien, wogegen
die Beklagte 1 mit der Duplik geltend machte, dass diese Werte nur einen Betrag
von Fr. 789'180.00 erreicht hätten. Die Vorinstanz folgte mit dem angefochtenen
Urteil dem Standpunkt der Beklagten 1, hielt die vom Kläger mit der Stellungnah-
me zur Duplik eingereichten Beweismittel für unzulässig und kam so zum
Schluss, dass lediglich ein Betrag von Fr. 789'180.00 der Vermögensverwaltung
der Beklagten unterstanden habe (Urk. 85 S. 17-19, E. 8.1). Der Kläger ficht das
mit der Anschlussberufung an (Urk. 95 Rz 116 - 138).
8.2. Mit der Klagebegründung machte der Kläger geltend, dass er der Beklag-
ten 1 im Rahmen des Vermögensverwaltungsvertrages Vermögenswerte von
"rund Fr. 900'000.00" habe zukommen lassen, wobei er Vorsorgegelder von
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Fr. 789'180.00 erwähnte sowie auf damals bereits vorhandene weitere Vermö-
genswerte von Fr. 114'113.00 hinwies (Urk. 2 Rz 15; vgl. auch Urk. 95 Rz 13).
Mit der Klageantwort antwortete die Beklagte 1 dazu (Urk. 14 Rz 100): "Aktenmässig erstellt ist, dass die entsprechenden Vermögenswerte von  rund 900'000 CHF auf Konten des Klägers lagen."
Alsdann präzisierte der Kläger mit seinem zweiten Parteivortrag (Replik)
seinen Standpunkt in dem Sinne, dass er "der Beklagten 1 gesamthaft
Fr. 898'366.00" überwiesen habe, wovon er bis zum November 2008
Fr. 215'919.17 wieder bezogen habe (Urk. 48 Rz 50). "Der Einfachheit halber und
zugunsten der Beklagten", so der Kläger in der Replik, könne "vorliegend von der
Annahme ausgegangen werden, dass bereits von Anfang an nur Vermögenswer-
te im Umfange von Fr. 682'447.00 (Fr. 898'366.00 - Fr. 215'919.00) zur Verfügung
standen" (Urk. 48 Rz 55).
Mit ihrer Duplik trug die Beklagte 1 vor, ihrer Verwaltung habe nur der am
2. Juli 2001 von der Pensionskasse überwiesene Betrag von Fr. 789'180.00 un-
terstanden (Urk. 55 S.3). Den Umfang der Barbezüge des Klägers bestreitet die
Beklagte 1 nicht (Urk. 55 S. 42). Allerdings ergänzte sie, dass die am 28. Novem-
ber 2000 eingebuchten "20 Aktien O._ ... bereits im Besitz des Klägers" ge-
wesen seien (Urk. 55 S. 14).
8.3. Mit Verfügung der Vorinstanz vom 12. April 2013 wurden die Parteien an-
gefragt, ob sie auf die Hauptverhandlung verzichteten. Ferner wurde festgehalten,
dass es dem Kläger freistehe, im Sinne des ihm zustehenden rechtlichen Gehörs
zur Duplik und den neuen Behauptungen Stellung zu nehmen, wobei eine allfälli-
ge Beweisverfügung nicht vor Ende Juni 2013 ergehen werde (Urk. 57 S. 2). Mit
Eingabe vom 13. Mai 2013 reichte der Kläger eine Stellungnahme zur Duplik der
Beklagten 1 ein (Urk. 62). Dort machte er geltend, dass der Beklagten neben der
von ihr auch mit der Duplik anerkannten Überweisung Fr. 789'180.00 durch die
Pensionskasse Depotwerte von Fr. 11'620.00 sowie sein Guthaben von
Fr. 102'510.00 auf dem Privatkonto zur Verwaltung überlassen worden sei. Der
Kläger legte als Beweismittel das Depotverzeichnis der ZKB per 31. Dezember
2000 (Urk. 63/2) sowie einen an ihn gerichteten und "im Januar 2001" datierten
- 30 -
Brief der Beklagten 1 vor, mit dem der Verwaltungsauftrag über das Portefeuille,
umfassend das Privatkonto von Fr. 102'510.00, sowie den "Depotwert" von
Fr. 11'620.00, nämlich 20 Namenaktien O._, bestätigt wurde (Urk. 63/1).
Die Vorinstanz erachtete in der Folge die mit der Eingabe des Klägers vom
13. Mai 2013 vorgelegten Beweismittel als verspätet. Aus diesem Grunde meint
sie, sei von dem von der Beklagten 1 anerkannten Anfangsvermögen von
Fr. 789'100.00 auszugehen (vgl. oben E. 7.1.).
8.4. Richtig ist, dass im ordentlichen Verfahren neue Behauptungen und neue
Beweismittel genau zweimal vorgetragen werden können. Da die Vorinstanz ei-
nen zweiten Schriftenwechsel angeordnet hat, hätte der Kläger grundsätzlich mit
seiner Replik zum letzten Mal neue Behauptungen vortragen und Beweismittel
bezeichnen müssen (Christoph Leuenberger, in Sutter-Somm/Hasenböhler/ Leu-
enberger, 2. A., N. 9 f. zu Art. 229 ZPO; Christoph Leuenberger, Das Recht,
zweimal unbeschränkt Tatsachen und Beweise vorzutragen: Ein Grundsatz und
seine Anwendung, SZZP 2014, S. 81-88).
Was den Depotwert anbelangt, nämlich die 20 Aktien "O._" gemäss
(Urk. 63/2), so erwähnte die Beklagte 1 mit ihrer Duplik erstmals diese "20 Aktien
O._", von denen sie geltend machte, dass sie bereits am 28. November 2000
"eingebucht" worden seien (Urk. 55 S. 14). Freilich bezifferte sie dort diesen Wert
nicht. Das holte der Kläger mit seiner Eingabe vom 13. Mai 2013 (Urk. 62) nach.
Anlass gab ihm die erwähnte Zugabe der Beklagten. Dazu kommt Folgendes: Mit
der Klageantwort bestätigte die Beklagte 1 klipp und klar, "rund 900'000 CHF" zur
Verwaltung übernommen zu haben. Der Kläger, der sich mit der Replik auf den
Standpunkt stellte, der fragliche Betrag sei etwas tiefer, nämlich Fr. 898'366.00
gewesen (Urk. 48 Rz 50), brauchte unter diesen Umständen für den Umfang des
Anfangsvermögens keine Beweismittel zu nennen, weil er von der Zugabe der
Beklagten 1 ausgehen durfte. Er musste nicht damit rechnen, dass die Beklagte 1
– notabene ohne Nennung von Beweismitteln – mit ihrer Duplik ihre Zugabe teil-
weise wieder zurücknahm. Wenn er angesichts der klaren Zugabe der Beklagten
1 darauf verzichtete, mit seiner Replik Beweismittel dafür einzureichen, dass das
Anfangsvermögen Fr. 898'366.00 betragen habe, dann kann ihm nicht vorgewor-
- 31 -
fen werden, er habe nicht im Sinne von Art. 229 Abs. 1 lit. b ZPO die "zumutbare
Sorgfalt" walten lassen, weil er mit der Replik kein entsprechendes Beweismittel
vorlegte. Mit der mit der Duplik erfolgten Kehrtwende der Beklagten 1 hatte der
Kläger nämlich schlicht nicht zu rechnen. Seine mit der Eingabe vom 13. Mai
2013 (Urk. 62) neu vorgelegten Beweismittel (Urk. 63/1-2) sind daher gemäss
Art. 229 Abs. 1 lit. b ZPO entgegenzunehmen. Alles andere wäre mit dem Gebot
von Treu und Glauben gemäss Art. 52 ZPO nicht vereinbar.
8.5. Die Beklagte 1 meint, die vom Kläger vorgelegten Beweismittel Urk. 63/1-2
seien nicht stichhaltig. So datiere ihr Brief an den Kläger (Urk. 63/1) vom Januar
2001 und damit "von einem Zeitpunkt, an dem die Beklagte noch gar nicht tätig
sein konnte, weil die PK erst Mitte Jahr ausbezahlt wurde" (Urk. 101 S. 29). Das
ist unrichtig. Mit diesem von N._ für die Beklagte 1 "im Januar 2001" abge-
fassten Schreiben wird ausdrücklich ein am 2. November 2000 abgeschlossener
Vermögensverwaltungsvertrag mit dem Kläger bestätigt, und zwar mit einer "An-
lagepolitik" "ausgewogen, einkommensorientiert". Erwähnt werden im Brief
N._s weiter ausdrücklich der Depotwert von Fr. 11'620.00 (d.h. die 20 Aktien
"O._") sowie das Privatkonto mit einem Saldo von Fr. 102'510.00. Hinzuwei-
sen ist auf den folgenden Satz, mit dem der erwähnte Brief der Beklagten 1 einge-
leitet wurde: "Am 2. November 2000 erteilten Sie uns freundlicherweise einen  für Ihr Portefeuille. Dies insbesondere im Hinblick auf eine  Zahlung im Frühjahr 2001 (gestaffeltes Vorgehen)."
Hingewiesen sei auch in diesem Zusammenhang auf das bei den Akten lie-
gende und mit "Ausgangslage" überschriebene Papier (Urk. 4/8). Dieses Papier
datiert vom 2. November 2000, dem Tag, an dem nach der Bestätigung der Be-
klagten 1 gemäss ihrem Brief "vom Januar 2001" (Urk. 63/1) ein Vermögensver-
waltungsvertrag zwischen den Parteien zustande kam. Dort wird die damalige
Vermögenslage des Klägers mit "approximativen" Zahlen zusammengestellt. Da-
nach waren im Dezember Vermögenswerte von ca. Fr. 240'000.00 vorhanden,
nämlich Fr. 80'000.00 bei der ZKB, Fr. 41'000.00 auf der CS und Fr. 119'000.00
als Aktien ("M._" und "O._"). Ferner wird der "Kapitalbezug" von
Fr. 670'000.00 "ab April 2001" erwähnt. Aus dem Brief der Beklagten 1 vom Ja-
- 32 -
nuar 2001 (Urk. 63/1) ergibt sich mit aller Deutlichkeit, dass der Kläger nach dem
2. November 2000 einen Teil seiner Vermögenswerte der Beklagten zur Verfü-
gung stellte. Auf Grund der Sachdarstellung der Beklagten 1 in der Duplik ist da-
von auszugehen, dass diese Vermögenswerte am 28. November 2000 "einge-
bucht" wurden (Urk. 55 S. 14). Fest steht, dass der Kläger schliesslich per 30. Ju-
ni 2001 pensioniert wurde und die Pensionskasse in der Folge zwei Zahlungen
leistete, nämlich Beträge von Fr. 683'245 und zusätzlich Fr. 100'991.00 ("aus
freien Stiftungsmitteln"). Dazu kommen der Depotwert von Fr. 11'620.00 und das
Privatkonto von Fr. 102'510.00 gemäss dem Schreiben der Beklagten 1 vom "Ja-
nuar 2001" (Urk. 63/1). Das ergibt exakt den Betrag von Fr. 898'366.00, den der
Kläger mit der Replik geltend machte (Urk. 48 Rz 50).
8.6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die vom Kläger mit der Eingabe
vom 13. Mai 2013 (Urk. 62) vorgelegten neuen Beweismittel (Urk. 63/1-2) entge-
genzunehmen sind. Für ihre Behauptung, dass ihr lediglich Vermögenswerte von
Fr. 789'180.00 anvertraut worden seien, legte die Beklagte 1 mit ihrer Duplik kei-
ne Beweismittel vor. Der vom Kläger geführte Urkundenbeweis ist dagegen evi-
dent. Im weiteren Verfahrensverlauf wird daher von einem Anfangsvermögen von
Fr. 898'366.00 auszugehen sein.
9. Anschlussberufung: Erstattung von Retrozessionen und weiterer 
9.1. Mit seinen modifizierten Rechtsbegehren Ziff. 3 und 4 gemäss Replik ver-
langt der Kläger die Rechenschaftsablegung über von der Beklagten 1 im Zu-
sammenhang mit dem Mandat des Klägers vereinnahmte "Retrozessionen, Kick-
backs oder unter sonstiger Bezeichnung zugeflossenen geldwerten Leistungen"
sowie deren Erstattung (vgl. Urk. 2 S. Rz 178 -183). Demgegenüber bestreitet die
Beklagte 1, je Retrozessionen oder andere Vergütungen kassiert zu haben (Urk.
14 Rz 126).
9.2. Die Vorinstanz hat die Rechtsbegehren Ziff. 3 und 4 nicht beurteilt mit der
Begründung, dass der Hauptstandpunkt des Klägers gutzuheissen sei. Aus der
Replik des Klägers ergebe sich, dass er "auch die Begehren Ziff. 3 - 5 nur für den
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Eventualfall gestellt" habe (Urk. 85 S. 24 E. 12.3. mit Hinweis auf Urk. 48 Rz 58
ff.). Der Kläger beanstandet das mit seiner Anschlussberufung (Urk. 95 Rz 143 -
152); er wiederholt vor Obergericht die entsprechenden Anträge (Anschlussberu-
fungsanträge Ziff. 3 und 4 gemäss Urk. 95 S. 2).
9.3. Der Kläger hält mit der Anschlussberufung fest, dass seine Rechtsbegeh-
ren Ziff. 3 und 4 unabhängig vom Hauptbegehehren Ziff. 1 seien und daher von
der Vorinstanz hätten beurteilt werden müssen (Urk. 95 Rz 150ff.). Das ist richtig.
Die Rechtsbegehren Ziff. 3 und 4 (ursprünglich gemäss Klageschrift Ziff. 2 und 3)
haben gegenüber dem Rechtsbegehren Ziff. 1 (bzw. Rechtsbegehren Ziff. 1 und 2
gemäss Replik) selbständige Bedeutung. Sie wurden keineswegs als blosse
Eventualbegehren formuliert. Es trifft auch nicht zu, dass der Kläger diese
Rechtsbegehren mit der Replik als blosse Eventualbegehren verstanden und in
diesem Sinne zurückgestuft hätte. Mit den von der Vorinstanz erwähnten Darle-
gungen in der Replik begründete der Kläger sein neu formuliertes Eventualbegeh-
ren Ziff. 2; auf die neuen Rechtsbegehren Ziff. 3 und 4 (gemäss Klageschrift
Ziff. 2 und 3) ging er nicht ein. Damit steht fest, dass die Rechtsbegehren Ziff. 3
und 4 nicht beurteilt worden sind, obwohl sie zu beurteilen gewesen wären. Das
wird im weiteren Verfahrensverlauf nachzuholen sein.
9.4. Mit den Rechtsbegehren Ziff. 3 und 4 schlägt der Kläger den Weg der Stu-
fenklage ein, indem er einen materiellrechtlichen Hilfsanspruch auf Auskunftser-
teilung mit einem nicht abschliessend bezifferten Hauptanspruch auf Geldleistung
verbindet. Zunächst wird der Kläger allerdings aufzufordern sein, für seine
Rechtsbegehren Ziff. 3 und 4 im Sinne von Art. 85 Abs. 1 Satz 2 ZPO einen Min-
deststreitwert anzugeben. Alsdann wird über das Rechtsbegehren Ziff. 3 zu befin-
den sein. Schliesslich wird der Kläger gegebenenfalls aufzufordern sein das
Rechtsbegehren Ziff. 4 zu beziffern, bevor auch darüber zu befinden sein wird.
10. Rückweisung an die Vorinstanz
10.1. Nach dem Gesagten wird über zentrale Punkte ein Beweisverfahren
durchzuführen sein (vgl. oben E. 5 und 6). Im Sinne von Art. 318 Abs. 1 lit. c Ziff.
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2 ZPO rechtfertigt es sich, die Sache daher zur Ergänzung des Verfahrens und zu
neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen.
10.2. Ferner hat sich ergeben, dass die Vorinstanz die Rechtsbegehren Ziff. 3
und 4 (im Sinne der Nummerierung gemäss Replik) unbeurteilt gelassen hat. In-
soweit hat zwingend eine Rückweisung an die Vorinstanz zu erfolgen (Art. 318
Abs. 1 lit. c Ziff. 1 ZPO).
11. Kosten- und Entschädigungsfolgen des Berufungsverfahrens
11.1. Den Rechtsbegehren Ziff. 3 und 4 ist einstweilen ein Streitwert von
Fr. 10'000.00 beizulegen. Die Berufung der Beklagten 1 weist einen Streitwert von
Fr. 544'936.13 auf, während die Anschlussberufung des Klägers einen solchen
von Fr. 109'186.17 (Rechtsbegehren Ziff. 2 der Anschlussberufung) zuzüglich
Fr. 10'000.00 (Rechtsbegehren Ziff. 3 und 4 der Anschlussberufung) aufweist. Die
Gebühr für das obergerichtliche Verfahren ist daher auf Grund eines Streitwertes
von Fr. 664'122.30 festzusetzen. Angesichts des Umstandes, dass mit dem heu-
tigen Entscheid die Sache nicht abgeschlossen, sondern an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen ist, ist die Gebühr angemessen zu reduzieren.
11.2. Es rechtfertigt sich, der Vorinstanz im Sinne von Art. 104 Abs. 4 ZPO die
Verteilung der Prozesskosten dieses Berufungsverfahrens zu überlassen. Die Vo-
rinstanz ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass die Beklagte 1
für das Berufungsverfahren einen Kostenvorschuss von Fr. 21'650.00 geleistet
hat. Die Vorinstanz wird mit ihrem neuem Entscheid auch darüber zu befinden
haben, inwieweit dieser Vorschuss gemäss Art. 111 Abs. 1 ZPO zu verrechnen
sein wird und inwieweit der Beklagten 1 gemäss Art. 111 Abs. 2 ZPO der Rück-
griff auf den Kläger einzuräumen ist.
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