Decision ID: 00ea8814-c881-4d59-a4b3-39fa75db3b9e
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Am 16. Februar 2015 wandte sich die Verwaltung der
Stockwerkeigentümergemeinschaft M._-strasse 00_/01_ X._ an den Gemeinderat
der Politischen Gemeinde X._ mit dem Antrag, die Evangelisch-reformierte
Kirchgemeinde sei zur Einreichung eines Lärmberichts zu den von den Glocken ihrer
Kirche in X._ verursachten Lärmimmissionen und zur Reduktion der Dauer des
Vollgeläutes unter der Woche (11 Uhr) und am Wochenende (samstags 17 Uhr,
sonntags 18 Uhr) zu verpflichten. Die Politische Gemeinde gab der Kirchgemeinde am
26. Februar 2015 Gelegenheit zur Stellungnahme. Die Kirchgemeinde schlug am
19. März 2015 eine Aussprache mit den Beteiligten vor.
B.
Das kantonale Amt für Umwelt und Energie (ab 1. Juli 2017: Amt für Umwelt, nGS
2017-041) führte am Montag, 18. Mai 2015, von 11 bis 11.15 Uhr (Angelusläuten, drei
Minuten), und am Sonntag, 24. Mai 2015, von 18 bis 18.15 Uhr (Ausläuten des
Sonntags, elf Minuten) Lärmmessungen an der Südostfassade des Gebäudes M._-
strasse 01_ durch, stellte fest, der Immissionsgrenzwert für Maximalpegel von 85
dB(A) werde beim 11-Uhr-Läuten mit 87.6 dB(A) leicht und beim Ausläuten des
Sonntags mit 92.5 dB(A) deutlich überschritten, und empfahl eine Reduktion von
Lautstärke und Dauer. In der Folge beschloss die Kirchenvorsteherschaft am
18. August 2016, das Ein- und Ausläuten des Sonntags und das Läuten vor Trauer-
und Hochzeitsgottesdiensten auf sieben Minuten zu reduzieren, das Vorläuten jeweils
eine und eine halbe Stunde vor den Sonntagsgottesdiensten zu streichen sowie den
Glockenturm mit einer schallisolierenden Matte inwendig auszukleiden; an den
nächtlichen Glockenschlägen alle 15 Minuten zur Zeitverkündung, für welche die
Messungen eine Überschreitung des zulässigen nächtlichen Maximalpegels um 12.6
dB(A) ergeben hatten, sollte festgehalten werden (act. 10/9/35). Verschiedene
Einigungsversuche zwischen den Beteiligten in den darauffolgenden Jahren auch unter
Beizug eines Akustikers blieben ohne Erfolg.
C.
Mit Entscheid vom 22. Mai 2019 nahm der Gemeinderat der Politischen Gemeinde X._
von der "Reduktion der Läutdauer" beim Ein- und Ausläuten des Sonntages und bei
Trauer- und Hochzeitsgottesdiensten sowie vom Verzicht auf die beiden Vorläuten vor
den Sonntagsgottesdiensten Kenntnis. "Ansonsten" wies er die Lärmklage
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vollumfänglich ab. Bei der Beurteilung ging er von einem jeweils dreiminütigen
Angelus-Läuten um 11 Uhr und einem siebenminütigen Ein- und Ausläuten des
Sonntags aus. Bei den nächtlichen viertelstündlichen Zeitschlägen räumte er dem
öffentlichen Interesse an deren Beibehaltung im Verhältnis zum privaten Interesse,
Aufwachreaktionen zu vermeiden, das höhere Gewicht ein.
D.
Gegen diesen am 22. Mai 2019 versandten Beschluss des Gemeinderates erhoben
verschiedene Stockwerkeigentümer und Mieter der Liegenschaft an der M._-strasse
00_/01_ durch ihren gemeinsamen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 6. Juni 2019
Rekurs beim Baudepartement (seit 1. Oktober 2021: Bau- und Umweltdepartement,
nGS 2021-066). Das Baudepartement holte beim Amt für Umwelt einen Amtsbericht
ein. Das Amt kam zum Schluss, das dreiminütige 11-Uhr-Läuten und das
siebenminütige Ein- und Ausläuten des Sonntags seien mit dem Lärmschutzrecht des
Bundes vereinbar. Hingegen würden die nächtlichen Viertelstundenschläge das
Lärmschutzrecht verletzen. Der nächtliche Stundenschlag allein könne beibehalten
werden. Trotzdem empfahl das Amt, zwischen 22 und 6 Uhr auch auf den
Stundenschlag zu verzichten. Nachdem zwischen den Beteiligten eine gütliche
Verständigung nicht zustande gekommen war, führte das Baudepartement in
Anwesenheit einer Fachspezialistin für Lärmschutz des Amtes für Umwelt am
20. August 2020 einen Augenschein durch.
Das Baudepartement hiess den Rekurs am 1. März 2021 teilweise gut und wies die
Evangelische Kirchgemeinde an, die Viertelstundenschläge zwischen 22 und 6 Uhr
einzustellen. Die Frage, ob das tägliche Läuten um 11 Uhr während dreier Minuten und
das Ein- und Ausläuten des Sonntags während jeweils sieben Minuten zu
sanierungspflichtigen Lärmimmissionen führten, wurde ebenso verneint wie die Frage,
ob im Rahmen der Vorsorge weitere bauliche und betriebliche Massnahmen notwendig
seien. Bei der Beurteilung des nächtlichen Viertelstunden- und Stundenschlags
reduzierte das Baudepartement die am offenen Fenster gemessene
Durchschnittslautstärke von 77.6 dB(A) entsprechend der Einschätzung durch das
kantonale Amt für Umwelt um 5 dB(A) auf 72.6 dB(A) innen und ging – entsprechend
der Vollzugshilfe des Bundesamtes für Umwelt in Abhängigkeit von der Schlafdauer –
für die Viertelstundenschläge von sieben bis neun und für die Stundenschläge von
etwas mehr als zwei zusätzlichen Aufwachreaktionen je Nacht aus. Berücksichtigend,
dass das massgebliche Grundstück in der Empfindlichkeitsstufe III liegt, wurden die
Auswirkungen der Viertelstundenschläge als "erheblich störend", jene der
Stundenschläge als "störend" eingestuft. Für die Viertelstundenschläge wurde deshalb
die Sanierungspflicht (mit der Massnahme von deren Einstellung) bejaht, für die
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Stundenschläge Massnahmen zur Vorsorge zwar geprüft, aber als nicht notwendig
beurteilt.
E.
Acht Eigentümer von Stockwerkeinheiten der Liegenschaft M._-strasse 01_ sowie
eine Mieterin in der Liegenschaft M._-strasse 00_ (Beschwerdeführer) erhoben gegen
den Rekursentscheid des Baudepartements (Vorinstanz) vom 1. März 2021 durch ihren
gemeinsamen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 15. März 2021 und Ergänzung vom
3. Mai 2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Rechtsbegehren, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer sei der angefochtene
Entscheid, soweit der Rekurs abgewiesen wurde, aufzuheben und die Evangelische
Kirchgemeinde Q._ (Beschwerdegegnerin) anzuweisen, die Stundenschläge von 22
bis 6 Uhr einzustellen und Läutdauer und Lautstärke beim 11-Uhr-Läuten und beim
Ein-/Ausläuten samstags und sonntags entsprechend dem Protokoll Lärmmessung des
kantonalen Amtes für Umwelt und Energie vom 2. Juni 2015 mit geeigneten
Massnahmen zu reduzieren, so dass die Immissionsgrenzwerte gemäss Beurteilung
des Amtes für Umwelt und Energie eingehalten werden, eventualiter die Angelegenheit
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Die Vorinstanz liess sich am 26. Mai 2021 vernehmen und beantragte, die Beschwerde
sei abzuweisen. Die Politische Gemeinde X._ (Beschwerdebeteiligte) verwies mit
Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 17. Juni 2021 auf den angefochtenen Entscheid
und die vorinstanzliche Vernehmlassung und beantragte die Abweisung der
Beschwerde. Die Beschwerdegegnerin verzichtete stillschweigend auf eine
Vernehmlassung. Die Beschwerdeführer nahmen am 5. Juli 2021 abschliessend
Stellung.
Auf die Ausführungen der Beschwerdeführer und der Vorinstanz zur Begründung ihrer
Anträge sowie die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführer
sind mit ihren Begehren vor der Vorinstanz teilweise unterlegen. Sie sind entweder
Stockwerkeigentümer des Stammgrundstücks Nr. 02_, Grundbuch X._, und/oder
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Bewohner des darauf erstellten Wohn- und Geschäftshauses Vers.-Nr. 03_, M._-
strasse 00_/01_, oder haben als Mieter ihr Geschäftsdomizil dort
(Beschwerdeführerin 9). Das Grundstück liegt nördlich des Grundstücks Nr. 04_ mit
der Evangelischen Kirche. Der Abstand zwischen der gegen die Kirche gerichteten
Fassade des Wohn- und Geschäftshauses und dem Kirchturm beträgt zwischen rund
50 und rund 90 Metern (gemessen auf www.geoportal.ch). Zwischen den Gebäuden
verläuft die als Gemeindestrasse 1. Klasse eingeteilte M._-strasse. Die
Beschwerdeführer sind zwar je nach Distanz zum Glockenturm von den
Glockenschlägen und vom Glockengeläut in unterschiedlichem Mass, jedoch
angesichts der räumlichen Nähe zur Geräuschquelle von weniger als 100 Metern
stärker als die Allgemeinheit betroffen. Sie sind deshalb in eigenen schutzwürdigen
Interessen berührt und zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 45 Abs. 1 VRP; vgl. BGer 1A.159/2005 vom 20. Februar 2006 E. 1.1, 1A.240/2002
vom 13. Mai 2003 E. 1.1 je mit zahlreichen Hinweisen, wonach bei grossflächigen
Immissionen sehr viele Personen legitimiert sein können, ohne dass von einer
unzulässigen Popularbeschwerde gesprochen werden müsste). Die Beschwerde gegen
den Rekursentscheid vom 1. März 2021 wurde mit Eingabe vom 15. März 2021
rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 3. Mai 2021 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist
grundsätzlich einzutreten (vgl. auch Erwägung 3).
Die Beschwerdeführer machen schutzwürdige Interessen Dritter geltend, indem sie
anführen, vom Glockengeläut und den Zeitschlägen seien auch Grundstücke in der
Empfindlichkeitsstufe II – das Grundstück Nr. 02_ liegt gemäss dem am 29. Januar
1993 in Kraft getretenen Zonenplan in der Kernzone K4, für welche gemäss Art. 32
Abs. 1 Ingress des Einführungsgesetzes zur eidgenössischen
Umweltschutzgesetzgebung (sGS 672.1, EG-USG) in Verbindung mit Art. 8 des
kommunalen Baureglements die Empfindlichkeitsstufe III gilt – und bestehende oder
geplante Alterswohnungen sowie ein Primarschulhaus betroffen. Zur
Beschwerdeerhebung zugunsten Dritter sind die Beschwerdeführer von vornherein
nicht befugt. Im Übrigen beziehen sich die im Lauf des bisherigen Verfahrens
ermittelten, für die Beurteilung der Angelegenheit massgebenden Schallmessungen
einzig auf das Grundstück der Beschwerdeführer. Die Angelegenheit kann auch
mangels tatsächlicher Grundlagen bezüglich weiterer Grundstücke nicht beurteilt
werden. Die Beschwerdeführer machen auch nicht geltend, die Vorinstanz hätte auf
anderen Grundstücken Messungen der Lautstärke des Geläuts vornehmen müssen.
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Soweit die Beschwerdeführer sich in ihrer Beschwerde im Ergebnis auf Interessen
Dritter berufen, ist auf ihre Vorbringen nicht weiter einzugehen.
2. Streitgegenstand
Das vorliegende Rechtsmittelverfahren wurde durch eine beim Gemeinderat der
Politischen Gemeinde X._ angehobene "Lärmklage" ausgelöst. Der Gemeinderat der
Politischen Gemeinde ist oberstes Organ der Gemeindepolizei (Art. 2 Abs. 1 des
kommunalen Reglements über die Gemeindepolizei). Er erlässt die nach den örtlichen
Verhältnissen erforderlichen Anordnungen zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit und
Ordnung (Art. 9 des Polizeigesetzes; sGS 451.1, PG). Die Eingriffe müssen gemäss
Art. 3 PG zur Wahrung oder Herstellung des gesetzmässigen Zustandes geeignet sein
(Abs. 1), dürfen nicht über das hinausgehen, was zur Erreichung des verfolgten
Zweckes erforderlich ist (Abs. 2) und dürfen nicht zu einem Nachteil führen, der in
einem Missverhältnis zum verfolgten Zweck steht (Abs. 3). Im Bereich des
Lärmschutzes bestimmt sich der gesetzmässige Zustand nach dem einschlägigen
Umweltschutzrecht des Bundes.
Mit ihrer "Lärmklage" vom Februar 2015 verlangten die Beschwerdeführer in erster
Linie eine Lärmmessung bei ihrer Liegenschaft. Sie empfanden insbesondere das
werk- und samstägliche 11-Uhr-Läuten (drei Minuten) und das Ausläuten des Sonntags
(17 Uhr [Winterzeit] beziehungsweise 18 Uhr [Sommerzeit]; jeweils rund zehn Minuten)
als störend. Aufgrund seiner Lärmmessungen empfahl das kantonale Amt für Umwelt
und Energie, die Lautstärke beim Läuten zu reduzieren, die Dauer beim Ein- und
Ausläuten der Gottesdienste zu verkürzen und zwischen 22 und 6 Uhr auf die
Glockenschläge zur Zeitverkündung zu verzichten. Nach verschiedenen Gesprächen
stellte die Beschwerdegegnerin das Vorläuten eine und eine halbe Stunde vor dem
Sonntagsgottesdienst ein und verkürzte das Ein- und Ausläuten des Sonntags und das
Einläuten von Trauer- und Hochzeitsgottesdiensten auf sieben Minuten. An den
nächtlichen Glockenschlägen zur Zeitverkündung hielt sie fest. Für den Fall einer
Einigung bot sie an, den Glockenturm innen mit einer schallisolierenden Matte
auszukleiden (act. 7/20). Die Beschwerdeführer erachteten die Massnahmen als
ungenügend und verlangten die Einhaltung der Grenzwerte sowohl am Tag als auch in
der Nacht. Die Beschwerdegegnerin war zwischenzeitlich bereit, sich bei der
Zeitverkündung zwischen 22 und 6 Uhr auf die Stundenschläge zu beschränken (vgl.
act. 7/23, Schreiben des Gemeindesrates X._ vom 3. Oktober 2017). Weitere
Massnahmen wie die Innenverkleidung des Glockenturms und die Einstellung des 11-
Uhr-Läutens stellte die Beschwerdegegnerin nicht in Aussicht. Der Gemeinderat nahm
in der Verfügung vom 7. Mai 2019 Kenntnis von den von der Beschwerdegegnerin
umgesetzten Massnahmen und wies die Klage "ansonsten" "im Sinne der
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Erwägungen" vollumfänglich ab. Damit entsprach er den Forderungen der
Beschwerdeführer nach schalldämmenden Massnahmen sowie nach einem Verzicht
auf das 11-Uhr-Läuten und auf die nächtlichen Glockenschläge zur Zeitverkündung
nicht (vgl. dazu Sachverhalt Literae B, C, F, G und H sowie Erwägungen 5.1 und 5.2
der Verfügung vom 7. Mai 2019, act. 7/24).
Mit ihrem Rekurs strebten die Beschwerdeführer einerseits eine ausdrückliche
Verpflichtung der Beschwerdegegnerin auf die von ihr umgesetzten Massnahmen und
anderseits die Reduktion der Lautstärke des Geläutes und eine – wohl weitere –
Verkürzung der Läutdauer beim 11-Uhr-Läuten und beim Ein- und Ausläuten des
Sonntags sowie den Verzicht auf die Glockenschläge zur Zeitverkündung zwischen 22
und 6 Uhr, eventualiter die Beschränkung auf den Stundenschlag in dieser Zeit an (vgl.
Sachverhalt Litera C des angefochtenen Entscheides, act. 2). Die Vorinstanz kam zum
Schluss, der Gemeinderat habe den Sachverhalt gemäss Läutordnung der
Beschwerdegegnerin – also mit der auf sieben Minuten verkürzten Läutdauer des Ein-
und Ausläutens des Sonntags – beurteilt. Da weder Sanierungs- noch
Vorsorgemassnahmen notwendig seien, erübrige sich eine Verpflichtung zur zeitlichen
Einschränkung. Die nächtlichen Viertelstundenschläge, nicht aber die Stundenschläge
beurteilte die Vorinstanz als "sanierungsbedürftig". Sie hiess deshalb den Rekurs
insoweit gut, als sie die Beschwerdegegnerin anwies, die Viertelstundenschläge
zwischen 22 und 6 Uhr einzustellen.
Die Beschwerdeführer beantragen die Aufhebung des angefochtenen Entscheides,
soweit ihre Begehren abgewiesen wurden. Sie halten also daran fest, die
Beschwerdegegnerin sei ausdrücklich zur – weiteren – Einhaltung der von ihr
umgesetzten Massnahmen (Dauer des Ein- und Ausläutens des Sonntags und des
Einläutens von Trauer- und Hochzeitsgottesdiensten von sieben Minuten) zu
verpflichten (dazu nachfolgend Erwägung 3) und die Beschwerdegegnerin sei
anzuweisen, die Lautstärke des Geläuts und die Dauer des werk- und samstäglichen
11-Uhr-Läutens und des Ein- und Ausläuten des Sonntags weiter zu reduzieren (dazu
nachfolgend Erwägung 4) sowie die nächtlichen Stundenschläge zur Zeitverkündung
von 22 bis 6 Uhr einzustellen (dazu nachfolgend Erwägung 5).
3. Ausdrückliche Verpflichtung der Beschwerdegegnerin auf die Läutdauer
Die Beschwerdeführer setzen sich in der Begründung der Beschwerde mit der Frage,
ob die Beschwerdegegnerin entgegen der vorinstanzlichen Auffassung ausdrücklich
auf die Verkürzung der Läutdauer beim Ein- und Ausläuten des Sonntags und beim
Einläuten von Trauer- und Hochzeitsgottesdiensten auf sieben Minuten zu verpflichten
ist, nicht auseinander. Sie beantragen denn auch mit der Beschwerde keine
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entsprechende ausdrückliche Anweisung mehr. Streben die Beschwerdeführer mit
ihrem Antrag, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, soweit ihre Begehren
abgewiesen wurden, auch eine ausdrückliche Anweisung an die Beschwerdegegnerin
an, ihre Läutordnung einzuhalten, ist darauf deshalb mangels Begründung und
mangels anderweitigen Hinweisen, dass die Läutordnung nicht eingehalten wird, nicht
einzutreten. Die Läutordnung für die Evangelische Kirche X._ vom 18. Oktober 2016
(act. 7/26) gibt Zeitpunkt und Zeitdauer des werk- und samstäglichen 11-Uhr-Läutens
und des Ein- und Ausläutens des Sonntags so wieder, wie sie der vorinstanzlichen
Beurteilung zugrunde lag. Eine Anweisung zur Anpassung der Läutordnung ist in
diesen Punkten nicht erforderlich.
4. Geläut
Tatsachen
Die Ergebnisse der Lärmmessungen auf der Terrasse einer Wohnung im
3. Obergeschoss des Gebäudes Vers.-Nr. 03_ an der M._-strasse 01_ durch das
kantonale Amt für Umwelt und Energie sind unbestritten: Unter Berücksichtigung der
Zeitkorrektur wurden beim 11-Uhr-Läuten ein Mittelungspegel von 80.1 dB(A) und ein
Maximalpegel von 87.6 dB(A), beim Ausläuten des Sonntags ein Mittelungspegel von
86.3 dB(A) und ein Maximalpegel von 92.5 dB(A) gemessen. Unter Berücksichtigung
der zeitlichen Dauer ergeben sich aus diesen Messwerten für ein dreiminütiges 11-Uhr-
Läuten ein Pegel von 56.3 dB(A) und für ein siebenminütiges Ausläuten des Sonntags
ein solcher von 66 dB(A) (vgl. act. 7/25, Erwägungen 6a-d des Amtsberichts vom
8. November 2019; Erwägung 3.2.4 des angefochtenen Entscheides).
4.1.
Rechtsgrundlagen
Kirchliches Glockengeläut, auch soweit es Teil der Religionsausübung darstellt und
unter dem Schutz der Glaubens- und Gewissensfreiheit steht (Art. 15 Abs. 2 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft; SR 101, BV), darf zum
Schutz der öffentlichen Ruhe gewissen Einschränkungen unterworfen werden (Art. 36
BV; so bereits BGE 36 I 374 E. 3; siehe auch BGer 1A.159/2005 vom 20. Februar 2006
E. 2.1). Nicht unter dem Schutz der Glaubens- und Gewissensfreiheit steht das
sogenannte bürgerliche Läuten. Darunter fällt nach Auffassung der Vorinstanz mit
Hinweis auf die Rechtsprechung des Zürcher Verwaltungsgerichts das Läuten an
nationalen Feiertagen sowie das tägliche Früh-, Mittags- und Abendläuten sowie das
Ausläuten der Woche und das Ein- und Ausläuten des Sonntags (vgl. so beispielsweise
die frühere städtische Läuteordnung der Stadt Zürich, Amtliche Sammlung 713.430,
www.stadt-zuerich.ch Politik&Recht/Amtliche Sammlung). Zwar trifft zu, dass letztere
nicht dem Zusammenrufen der Gläubigen zu einer kirchlichen Veranstaltung dienen.
4.2.
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Vom Schutz der Glaubens- und Gewissensfreiheit sind sie jedoch auch erfasst, zumal
ihnen – als Aufruf zum persönlichen Gebet und zum Innehalten im Alltag – durchaus
auch ein religiöser Gehalt zugemessen werden kann. Jedenfalls nicht in den
Geltungsbereich der Glaubens- und Gewissensfreiheit fällt das Schlagen der
Kirchenglocken zur Zeitverkündung (siehe zum weltlichen und kirchlichen Kontext des
Glockengeläuts detailliert etwa www.refbejuso.ch; Inhalt; Kirchgemeindebehoerden;
Downloads; Die Kirchenglocken - Das Wesentliche auf einen Blick). Auch steht ausser
Frage, dass die Umweltschutzgesetzgebung grundsätzlich auf Kirchengeläut
anwendbar ist (BGer 1A.73/1999 vom 7. Juni 2000 E. 2a).
Stationäre Anlagen wie das Läutwerk der Evangelischen Kirche in X._, welche bereits
im Zeitpunkt des Inkrafttretens des Bundesgesetzes über den Umweltschutz
(Umweltschutzgesetz; SR 814.01, USG) am 1. Januar 1985 bestanden und den
Vorschriften des Umweltschutzgesetzes oder den Umweltvorschriften anderer
Bundesgesetze nicht genügen, müssen gemäss Art. 16 Abs. 1 USG saniert werden. Zu
den massgeblichen Vorschriften zählen auch die in Art. 11 Abs. 2 und 3 USG
enthaltenen Bestimmungen. Danach sind Emissionen im Rahmen der Vorsorge
unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung so weit zu begrenzen, als dies
technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist (Abs. 2). Wenn feststeht
oder zu erwarten ist, dass die Einwirkungen unter Berücksichtigung der bestehenden
Umweltbelastung schädlich oder lästig werden, sind die Emissionsbegrenzungen zu
verschärfen (Abs. 3). Solche Begrenzungen werden gemäss Art. 12 Abs. 2 USG durch
Verordnungen oder, soweit diese nichts vorsehen, durch unmittelbar auf das
Umweltschutzgesetz abgestützte Verfügungen vorgeschrieben. Daran ändert nichts, ob
bekannt ist, dass die Immissionsgrenzwerte überschritten werden, oder dass Art. 13
der Lärmschutzverordnung (SR 814.41, LSV) die Sanierungspflicht nur für jene
bestehenden ortsfesten Anlagen vorsieht, welche wesentlich zur Überschreitung der
Immissionsgrenzwerte beitragen. Schutzmassnahmen nach Art. 12 Abs. 2 USG sind
nicht erst zu ergreifen, wenn die Umweltbelastung schädlich oder lästig wird, sondern
es müssen gestützt auf das Vorsorgeprinzip schon sämtliche unnötigen Emissionen
vermieden werden. Das ist allerdings nicht so zu verstehen, dass jeder im strengen
Sinne nicht nötige Lärm völlig untersagt werden müsste. Es gibt keinen absoluten
Anspruch auf Ruhe; vielmehr sind geringfügige, nicht erhebliche Störungen
hinzunehmen (Art. 15 USG; BGer 1A.73/1999 vom 7. Juni 2000 E. 2b mit Hinweis auf
BGE 113 Ib 393 E. 3; 115 Ib 446 E. 3d und 119 Ib 179 E. 2e sowie BGE 123 II 325
E. 4d/bb).
Die Vollzugsbehörde ermittelt die Aussenlärmimmissionen ortsfester Anlagen oder
http://www.refbejuso.ch
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ordnet deren Ermittlung an, wenn sie Grund zur Annahme hat, dass die massgebenden
Belastungsgrenzwerte überschritten sind oder ihre Überschreitung zu erwarten ist
(Art. 36 Abs. 1 LSV). Sie beurteilt die ermittelten Aussenlärmimmissionen ortsfester
Anlagen anhand der Belastungsgrenzwerte nach den Anhängen der Verordnung; fehlen
– wie für die Lärmbelastung durch Glockenspiele (vgl. BGer 1A.73/1999 vom 7. Juni
2000 E. 2c) – Belastungsgrenzwerte, so beurteilt sie die Lärmimmissionen nach Art. 15
USG unter Berücksichtigung der Art. 19-23 USG (Art. 40 Abs. 1 und 3 LSV). Im
Rahmen dieser Einzelfallbeurteilung sind der Charakter des Lärms, Zeitpunkt und
Häufigkeit seines Auftretens sowie die Lärmempfindlichkeit beziehungsweise
Lärmvorbelastung zu berücksichtigen (BGE 123 II 74 E. 5a, 123 II 325 E. 4d/bb, 118 Ib
590 E. 4a). Dabei ist nicht auf das subjektive Lärmempfinden einzelner Personen
abzustellen, sondern eine objektivierte Betrachtung unter Berücksichtigung von
Personen mit erhöhter Empfindlichkeit (Art. 13 Abs. 2 USG) vorzunehmen (BGer 1A.
73/1999 vom 7. Juni 2000 E. 2c mit Hinweisen insbesondere auf BGE 126 II 300 E. 4c/
aa, 123 II 74 E. 5a, 325 E. 4d/bb).
Die Lärmschutzvorschriften des Umweltschutzgesetzes sind in erster Linie
zugeschnitten auf Geräusche, die als unerwünschte Nebenwirkungen einer bestimmten
Tätigkeit auftreten. Diese können grundsätzlich mit geeigneten Massnahmen an der
Quelle reduziert werden, ohne dass dadurch die entsprechenden Tätigkeiten als solche
in Frage gestellt werden. Daneben gibt es jedoch auch Geräusche, welche den
eigentlichen Zweck einer bestimmten Aktivität ausmachen. Dazu gehören
beispielsweise das Läuten von Kirchen- oder Kuhglocken, das Musizieren sowie das
Halten von Reden mit Lautverstärkern an Anlässen in der Öffentlichkeit. Solche
Lärmemissionen können nicht völlig vermieden und in der Regel auch nicht in der
Lautstärke wesentlich reduziert werden, ohne dass zugleich der Zweck der sie
verursachenden Tätigkeit vereitelt würde. Derartige Lärmemissionen als unnötig und
unzulässig zu qualifizieren, würde implizieren, die betreffende Tätigkeit generell als
unnötig zu betrachten. Die Rechtsprechung hat im Allgemeinen solche Emissionen
zwar aufgrund des Umweltschutzgesetzes beurteilt, aber zugleich unter
Berücksichtigung des Interesses an den Lärm verursachenden Tätigkeit diese nicht
völlig verboten, sondern bloss einschränkenden Massnahmen unterworfen. Da eine
Reduktion der Schallintensität meist den mit der betreffenden Tätigkeit verfolgten
Zweck vereiteln würde, bestehen die emissionsbeschränkenden Massnahmen in der
Regel nicht in einer Reduktion des Schallpegels, sondern in einer Einschränkung der
Betriebszeiten. Dabei ist eine Interessenabwägung vorzunehmen zwischen dem
Ruhebedürfnis der Bevölkerung und dem Interesse an der lärmverursachenden
Tätigkeit. Zu beachten sind insbesondere der Charakter des Lärms, Zeitpunkt, Dauer
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und Häufigkeit seines Auftretens sowie die Lärmempfindlichkeit beziehungsweise die
Lärmvorbelastung der betroffenen Zone. Den örtlichen Behörden ist ein gewisser
Beurteilungsspielraum zuzugestehen, soweit es sich um Anlässe mit lokaler
Ausprägung oder Tradition handelt (BGer 1A.73/1999 vom 7. Juni 2000 E. 2d mit
zahlreichen Hinweisen unter anderem auf BGE 126 II 300 E. 4c/dd).
Vorbringen
Die Vorinstanz hat die Lärmempfindlichkeit für das Grundstück mit dem Wohn- und
Geschäftshaus Vers.-Nr. 03_ als "eher niedrig" und die Lärmvorbelastung als "mittel"
beurteilt. Den Charakter des Lärms hat sie aufgrund seiner Harmonie und der
traditionellen Verankerung nicht als erheblich störend eingestuft. Gemäss Messungen
des Amtes für Umwelt erreichten unter Berücksichtigung der Zeitkorrektur das
dreiminütige werk- und samstägliche 11-Uhr-Läuten einen Pegel von 56.3 dB(A) und
das siebenminütige Ein- und Ausläuten des Sonntags einen solchen von 66 dB(A). Der
Immissionsgrenzwert für Industrie- und Gewerbelärm von 65 dB(A) am Tag sei ein Indiz
dafür, dass die Grenze zum Schädlichen beziehungsweise Lästigen nicht überschritten
werde. Als Belastungsgrenzwert gelte der ermittelte Maximalpegel nur beim
Helikopterlärm. Dieser betrage in der Emissionsschutzzone (Empfindlichkeitsstufe) III
85 dB(A). Beim 11-Uhr-Läuten werde er mit 2.6 dB(A) knapp, beim Ein- und Ausläuten
mit 7.5 dB(A) deutlich überschritten. Der hohe Maximalpegel spreche grundsätzlich für
eine schädliche beziehungsweise lästige Einwirkung. Das Läuten finde während kurzer
Dauer und – mit Ausnahme des Ausläutens des Sonntags – nicht zu sensiblen Zeiten
statt, weshalb die Störwirkung gering sei. Das Geläut wirke zusammengefasst nicht
erheblich störend. Entsprechend bestehe auch keine Sanierungspflicht. Auch die
Vorsorge verlange keine Massnahmen. Die Lärmimmissionen gingen von einer Kirche
aus, so dass – anders als bei einem nach marktwirtschaftlichen Prinzipien geführten
Unternehmen – bei der Beurteilung von Massnahmen der Vorsorge das Kriterium der
wirtschaftlichen Tragbarkeit durch jenes der Verhältnismässigkeit ersetzt werde. Das
Amt für Umwelt und Energie gebe angesichts der ernüchternden Ergebnisse der
Beratung durch den beigezogenen Glockenspezialisten der Reduktion der Läutdauer
den Vorzug vor jener der Lautstärke. Vorliegend müssten bauliche Massnahmen als
wenig zielführend eingestuft werden, zumal dann das Geläut in weiten Teilen der
Gemeinde kaum noch wahrgenommen werden könnte und damit dessen Sinn und
Zweck verhindert würden. Bei der Interessenabwägung hält die Vorinstanz fest, das
11-Uhr-Geläut überschreite den Maximalpegel für Helikopterlärm nur knapp, daure
lediglich drei Minuten und finde zu einer Zeit statt, in welcher weite Teile der
Bevölkerung der Arbeit beziehungsweise Freizeitaktivitäten nachgingen. Das Ein- und
Ausläuten des Sonntags weise zwar einen höheren Maximalpegel auf, finde aber nur
4.3.
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zweimal wöchentlich während weniger Minuten statt. Falls der Klang als störend
empfunden werde, könnten sich die Anwohner darauf einstellen und sich für den
kurzen Zeitraum ohne Weiteres ins Gebäudeinnere zurückziehen. In der Kernzone mit
der Empfindlichkeitsstufe III müsse mässig störender Lärm hingenommen werden. Die
Beeinträchtigung des Ruhebedürfnisses müsse insgesamt als gering bezeichnet
werden. Weitere lärmreduzierende Massnahmen würden dagegen das Interesse am
Glockengeläut übermässig stark beeinträchtigen. Denn das Geläut solle ja gerade die
tägliche Routine unterbrechen und so den Tag strukturieren. Insbesondere das Ein-
und Ausläuten solle die Bevölkerung auf den für das Christentum wichtigen Sonntag
aufmerksam machen und die Bevölkerung zum Nachdenken anregen. Das Geläut
müsse über eine gewisse Zeit hörbar sein, damit es auch in der weiteren Umgebung
wahrgenommen werde. Deshalb sei nicht zu beanstanden, wenn die zuständige
Gemeindebehörde den traditionellen Wert des strittigen Geläuts höher gewichte und
auf weitere Massnahmen verzichtet habe.
Die Beschwerdeführer halten fest, das Amt für Umwelt habe beim 11-Uhr-Läuten und
beim Ein- und Ausläuten des Sonntags eine Reduktion der Lautstärke und der Dauer
empfohlen. Ein Glockenbauer habe drei mögliche Sanierungsvarianten – Reduktion der
Läutdauern, Auswahl anderer Glocken, Schalldämmung bei den Jalousien – offeriert.
Es bestünden durchaus Optionen für schalldämmende Massnahmen, welche jedoch
aus Kostengründen abgelehnt worden seien. Bauliche Massnahmen – inwendiges
Auskleiden des Glockenturms mit einer schallisolierenden Matte – seien nicht erfolgt.
Sie leiten die Sanierungspflicht daraus ab, dass sie das Geläut nicht nur als störend,
sondern als erheblich störend einstufen. Mit der Reduktion der Läutdauer werde nur
der Mittelungspegel reduziert, der Maximalpegel bleibe "überschritten". Das Amt für
Umwelt habe anlässlich des Rekursaugenscheins ausgeführt, die Glocken seien im
Vergleich mit anderen Kirchenglocken im Kanton St. Gallen sehr laut. Sie machen
geltend, es habe unter ihnen auch sensible Personen. Im betroffenen Gebiet befinde
sich auch eine Wohnzone mit Lärmempfindlichkeitsstufe II. Die Vorinstanz habe das
öffentliche Interesse unverhältnismässig und den tatsächlichen und heutigen
Gegebenheiten widersprechend gewichtet. Das Ruhebedürfnis und der
umweltrechtliche Schutz der Beschwerdeführer wachse insbesondere aufgrund der
Erkenntnisse zu den sehr schädlichen und gesundheitsgefährdenden Folgen steten
Lärmeinflusses stetig. Das 11-Uhr-Läuten und das Ein- und Ausläuten seien erheblich
störend. Beim Kirchengeläut der Beschwerdegegnerin handle es sich um ein extrem
lautes Geläut, das mit der heutigen Lebensweise nicht mehr vereinbar sei. Früher habe
es sich bei X._ um eine Streusiedlung gehandelt, wobei nur wenige Personen
unmittelbar neben der Kirche wohnten. Bereits jetzt störe sich eine erhebliche Zahl von
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Personen, während rund um die Kirche in naher Zukunft sehr stark verdichtet werden
solle. In Zukunft würden noch mehr Leute als bisher durch das sehr laute und sehr
stark störende Geläut gestört. Zumindest in diesem Bereich handle es sich bei X._
nicht um eine ländliche Gemeinde. Die kirchliche Religiosität nehme schweizweit und
auch in X._ stark ab und auch das Traditionsverständnis ändere sich. Die
Rechtsprechung der Vorinstanz und auch des Bundesgerichts sei überholt. Da
erfahrungsgemäss nur wenige Personen effektiv Lärmklagen erheben, würden unter
dem Lärm sehr viel mehr Personen leiden, die jetzt den Rechtsweg nicht beschritten,
weil dies "andere tun". Mit jedem störenden Geräusch gerate der menschliche Körper
in Alarmbereitschaft. Er schütte Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus, das
Herz schlage schneller, der Blutdruck stiege und die Atemfrequenz nehme zu. Dem
Ruhebedürfnis der Bevölkerung komme ein sehr grosses Gewicht zu.
Würdigung4.4.
Sanierungsbedürftigkeit
Die Beteiligten sind sich – auf das Grundstück der Beschwerdeführer bezogen – einig,
dass die Lärmempfindlichkeit als eher gering und die Lärmvorbelastung als mittel
einzustufen sind. Unbestritten ist auch, dass der gemessene Maximalpegel des 11-
Uhr-Läutens und des Ein- und Ausläuten des Sonntags den Belastungspegel für
Helikopterlärm von 85 dB(A) mit 87.6 dB(A) knapp beziehungsweise mit 92.5 dB(A)
deutlich überschreitet. Der gemessene Maximalpegel wird unabhängig von der Dauer
des Geläutes erreicht. Wird die Dauer – weiter – verkürzt, nimmt allerdings auch die
Anzahl der Lärmereignisse, welche den Maximalpegel erreichen, ab. Die Vorinstanz hat
das Geläut während dreier (11-Uhr-Läuten) beziehungsweise von sieben Minuten (Ein-/
Ausläuten des Sonntags) trotz dieser Maximalpegel nicht als erheblich störend und
damit nicht als sanierungsbedürftig beurteilt. Diese Schlussfolgerung ist nicht zu
beanstanden. Anders als bei Helikopterlärm, für welchen der Maximalpegel als
Belastungspegel gilt, wird der Maximalpegel während des Läutens nicht dauerhaft
erreicht. Anders als Helikopterlärm, der eine unerwünschte Begleiterscheinung ist, ist
das Geläut von Kirchenglocken auf Wohlklang und Harmonie ausgerichtet. Die
Zeitpunkte, in denen geläutet wird, sind – anders als bei Helikopterlärm – vorab
festgelegt und damit vorhersehbar, sodass auch die Beschwerdeführer für diese Dauer
von wenigen Minuten, soweit sie das Geläut als erheblich störend wahrnehmen,
Massnahmen dagegen ergreifen können, indem sie insbesondere die Fenster in den
gegen die Kirche ausgerichteten Räumen schliessen und sich in den dem Geläut
abgewandten Räumen aufhalten. Bei der Gewichtung der Tradition ist schliesslich zu
berücksichtigen, dass den örtlichen Behörden ein (gewisser) Beurteilungsspielraum
4.4.1.
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zuzugestehen ist, soweit es sich um Anlässe mit lokaler Ausprägung und Tradition
handelt (vgl. BGer 1A.73/1999 vom 7. Juni 2000 [Glockengeläut Bubikon] E. 2d mit
Hinweis auf BGE 126 II 300 E. 4c/dd; 1A.204/1999 vom 3. Mai 2000
[Banntagsschiessen Liestal] E. 4c/dd, BGer 1C_601/2018 vom 4. September 2019
[Immissionsschutzreglement Wil, Feuerwerk] E. 6.4, 1A.39 und 1P.117/2004 vom
11. Oktober 2004 [Musikfestival "S'isch im Fluss"] E. 4.3 mit Hinweis auf BGE 126 II
366 E. 2d und 5b; 1C_297/2009 vom 18. Januar 2010 [Kirchenglockengeläut Gossau/
ZH] E. 2.2; 1A.240/2002 vom 13. Mai 2003 [Kirchengeläut Thal/SG] E. 2.4, 1A.159/2005
vom 20. Februar 2006 [Kirchenglockengeläut Gossau/ZH] E. 2.4; 1C_383 und
1C_409/2016 vom 13. Dezember 2017 [Kirchengeläut Wädenswil] E. 3.1).
Die Vorinstanz durfte – insbesondere auch mit Blick auf den Beurteilungsspielraum der
lokalen Behörden – das dreiminütige 11-Uhr-Läuten und das siebenminütige Ein- und
Ausläuten des Sonntags als nicht erheblich störend einstufen. Deshalb besteht
grundsätzlich auch kein Anlass für weitergehende Sanierungsmassnahmen.
Verhältnismässigkeit
Zu klären ist, ob von der Beschwerdegegnerin weitere Massnahmen zur Reduktion der
Dauer und der Lautstärke des 11-Uhr-Läutens und des Ein- und Ausläutens des
Sonntags im Rahmen der Vorsorge verlangt werden dürfen.
Dass die fraglichen Geläute auf eine langjährige Tradition zurückgehen, stellen auch die
Beschwerdeführer nicht in Frage. Das Ruhebedürfnis der Beschwerdeführer wird mit
dem 11-Uhr-Läuten an Werk- und Samstagen während dreier Minuten und mit dem
Ein- und Ausläuten des Sonntags am Samstag- und am Sonntagabend jeweils
während sieben Minuten beeinträchtigt. Wie die Vorinstanz zu Recht anführt,
beschränkt sich die Beeinträchtigung in allen Fällen auf wenige Minuten. Beim 11-Uhr-
Läuten fällt sie zudem in eine Tageszeit, in welcher die Bevölkerung grossmehrheitlich
aktiv ist. Insbesondere in einem Ortszentrum tritt es neben zahlreiche andere, durch
verschiedene menschliche Tätigkeiten verursachte Geräusche. Die Beeinträchtigung für
Schülerinnen und Schüler hält sich ebenso in Grenzen. Zudem kann die Tradition des
11-Uhr-Läutens auch als Teil des Schulalltags wahrgenommen und als strukturierendes
Element genutzt werden. Das Ein- und Ausläuten des Sonntags fällt zwar in eine Zeit,
in welcher das Ruhebedürfnis ausgeprägter ist. Aber auch hier hält sich die
Beeinträchtigung mit sieben Minuten in einem zeitlich engen Rahmen. Zwar ist das
Geläut der Evangelischen Kirche X._ offenbar vergleichsweise laut. Allerdings sind –
worauf die Vorinstanz ebenfalls zu Recht hinweist – die Beschwerdeführer frei, sich
4.4.2.
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während dieser kurzen Zeit bei geschlossenen Fenstern im Gebäudeinnern
aufzuhalten.
Wie sich aus den Akten ergibt und worauf die Beschwerdeführer grundsätzlich zu
Recht hinweisen, könnte die Lautstärke des Geläuts mit baulichen und technischen
Massnahmen reduziert werden. Das Unternehmen für Kirchentechnik, welches
verschiedene schalldämmende Massnahmen offeriert hat, hat sich zum Ausmass der
möglichen Schallreduktion einzig insoweit geäussert, als es deren Auswirkungen als
gering bis mittel einschätzte, ohne sich auf konkrete Zahlen festzulegen (act. 7/16). Der
von den Beteiligten beigezogene Akustiker hat die Schallreduktion bei einer
Veränderung des Winkels der Jalousien am Kirchturm von -45 auf +30 Grad zunächst
auf 2-7 dB(A) geschätzt (act. 7/17, Protokoll der Sitzung vom 26. Januar 2016). Seine
Berechnungen haben schliesslich für die Wohnung eines Beschwerdeführers eine
Reduktion von 1.2 dB(A) beim 11-Uhr-Läuten von 0.7 dB(A) beim Sonntagsläuten
ergeben (act. 7/18, Protokoll der Sitzung vom 2. Mai 2016). Schallisolationen bei den
Jalousien und im Innern der Glockenstube hätten zwar voraussichtlich
Schallreduktionen in der Grössenordnung von 2-4 dB(A) zur Folge (act. 7/19, Protokoll
der Sitzung vom 9. Juni 2016). Die Auswirkungen der baulichen Massnahmen,
insbesondere auch einer schalldämmenden Isolation im Innern des Turms, auf die
Lautstärke sind schwer prognostizierbar. Sie würden die Immissionen bei den
Beschwerdeführern wohl nur eher geringfügig reduzieren. Gleichzeitig aber würden sie
den Sinn und Zweck des Geläutes für die weiter entfernt Wohnenden vereiteln. Die
Vorinstanz durfte die Resultate allfälliger baulicher Massnahmen deshalb als
"ernüchternd" einschätzen (Erwägung 3.3.2 des angefochtenen Entscheides) und auf
das Amt für Umwelt abstellen, welches in seinem Bericht solche Massnahmen im
vorliegenden Fall als wenig zielführend einstufte. Dass die Vorinstanz unter diesen
Umständen der Verkürzung des Läutens den Vorzug vor baulichen Massnahmen
gegeben hat, erscheint nachvollziehbar.
Sinn und Zweck des Geläutes stehen allerdings auch einer weiteren Verkürzung des
dreiminütigen 11-Uhr-Läutens und des siebenminütigen Ein- und Ausläutens des
Sonntags entgegen. Das 11-Uhr-Läuten soll den Tag strukturieren und die Menschen
zu einem Innehalten im Alltag veranlassen. Dafür ist erforderlich, dass das Läuten ins
Bewusstsein des tätigen Menschen gelangt. Drei Minuten erscheinen unter diesem
Aspekt nicht als zu lang. Das Ein- und Ausläuten des Sonntags soll den Menschen die
Bedeutung des Sonntags in Erinnerung rufen. Eine Verkürzung der siebenminütigen
Dauer beispielsweise auf fünf Minuten wäre zwar wohl ohne Vereitelung des Zwecks
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5. Nächtlicher Stundenschlag
des Läutens denkbar. Indessen liegt die Festlegung der zeitlichen Begrenzung in
diesem Rahmen im Beurteilungsspielraum der örtlichen Behörden, zumal es um ein
lediglich zweimaliges wöchentliches Ereignis geht. Die Beschwerdeführer machen auch
nicht geltend, die Dauer sei im Zusammenhang mit weiteren Anlässen, in denen die
Kirchenglocken am Wochenende läuten, zu stellen, so dass deshalb die Frage einer
vier-, fünf-, sechs- oder siebenminütigen Läutdauer nicht mehr eine Frage der – der
Beurteilung durch das Gericht entzogenen (vgl. Art. 61 Abs. 1 VRP, vgl. auch Art. 46
Abs. 2 VRP) – Angemessenheit, sondern der Verhältnismässigkeit wäre.
Tatsachen
Gemäss Messungen des Amtes für Umwelt und Energie überschreiten die nächtlichen
Glockenschläge zur Zeitverkündung den nächtlich zulässigen Maximalpegel um 12.6
dB(A) (act. 7/21). Das Amt errechnete einen Mittelwert der Durchschnittslautstärken der
Stunden- und Viertelstundenschläge von 77.6 dB(A), wovon es pauschal 5 dB(A)
abzog, weil für die Anzahl der Aufwachreaktionen (AWR) nicht der gemessene
Schalldruckpegel am offenen Fenster, sondern der Innenpegel am Ohr der schlafenden
Person massgeblich ist. Daraus resultierte ein L von 72.6 dB(A), was je nach
Schlafdauer bei den Viertelstundenschlägen zu sieben bis neun und bei den
Stundenschlägen zu etwas mehr als zwei zusätzlichen Aufwachreaktionen pro Nacht
führt (Erwägung 5.3 des angefochtenen Entscheides). Beschwerdeführer und
Vorinstanz ziehen zur Ermittlung der Störwirkung die Vollzugshilfe des Bundesamtes für
Umwelt "Beurteilung Alltagslärm" bei. Danach sind der Quellencharakter und der
Empfängercharakter zu unterscheiden. Beim Quellencharakter sind für die nächtliche
Störungsbeurteilung die mutmasslichen Aufwachreaktionen (AWR, <3 pro Woche 0, <1
pro Nacht 1, >=1 pro Nacht 2, >3 pro Nacht 3) von Bedeutung. Der
Empfängercharakter umfasst die Empfindlichkeit des betroffenen Gebietes (ES,
Empfindlichkeitsstufe II = 0, III = -1) und der betroffenen Personengruppen (SP, normal
= 0, besonders sensible Bevölkerungsgruppe = +1) sowie die örtlichen Gegebenheiten
(ÖG, keine speziellen Gegebenheiten = 0, speziell ruhiges Gebiet, sehr ungewöhnlicher
Lärm +1). Die sich ergebende Summe gibt den Grad der Störung an, nämlich 0 =
höchstens geringfügig störend (Planungswert eingehalten), 1 = störend (zwischen
Planungs- und Immissionsgrenzwert), 2 = erheblich störend (zwischen
Immissionsgrenz- und Alarmwert), 3 = sehr stark störend (Alarmwert überschritten;
Erwägung 5.2 des angefochtenen Entscheides).
5.1.
AF, max innen
Vorbringen
Die Vorinstanz ging entsprechend der Einschätzung durch das Amt für Umwelt und
5.2.
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Energie davon aus, die Viertelstundenschläge wirkten "erheblich störend" (AWR 3, ES
III -1, SP 0, ÖG 0, Total 2), die Stundenschläge "störend" (AWR 2, ES III -1, SP 0, ÖG 0,
Total 1). Die Viertelstundenschläge seien sanierungsbedürftig und die
Beschwerdegegnerin sei bereit, darauf zu verzichten. Eine weitergehende Prüfung
beziehungsweise Interessenabwägung erübrige sich hier. Hingegen seien bei den
Stundenschlägen Massnahmen im Rahmen der Vorsorge zu prüfen. Schalldämmende
Massnahmen baulicher Art fielen nach Einschätzung des Amtes für Umwelt und
Energie ausser Betracht. Damit blieben noch betriebliche Massnahmen, weshalb das
öffentliche Interesse an der Beibehaltung der nächtlichen Stundenschläge zur
Zeitverkündung gegenüber dem Interesse am ungestörten Schlaf abzuwägen sei.
Dabei ging die Vorinstanz von der Einschätzung durch den Gemeinderat der
Politischen Gemeinde aus, wonach die Tradition des – nächtlichen – Zeitschlags bei
einem grossen Teil der lokalen Bevölkerung fest verankert sei. Diese Verankerung habe
sich bei den öffentlichen Informationsveranstaltungen der Beschwerdegegnerin
deutlich gezeigt. Der – nächtliche – Zeitschlag sei Teil des Kulturerbes, das Identität
stifte, Zugehörigkeit ausstrahle und an dessen Bewahrung ein erhebliches Interesse
bestehe. Neben der vorliegenden "Lärmklage" seien keine weiteren Beanstandungen
bekannt. Dies lasse darauf schliessen, dass – obwohl sich mehrere
Wohnliegenschaften in einer ähnlichen Distanz zur Kirche befänden – sich nur einzelne
Personen durch den – nächtlichen – Zeitschlag gestört fühlten. Die Abwägung falle
nicht leicht, aber sie falle zugunsten der Beibehaltung des nächtlichen Zeitschlags aus.
Die Vorinstanz erachtet diese Interessenabwägung als vollständig. Das Amt für Umwelt
und Energie empfehle mit Verweis auf den Fall "Wädenswil" im Sinn der Vorsorge auf
die nächtlichen Stundenschläge zu verzichten. Die Beschwerdeführer wohnten
bedeutend näher am Kirchturm als die Kläger im Fall "Wädenswil". Die
durchschnittliche maximale Lautstärke sei entsprechend rund 18 dB(A) höher. – Zur
Interessenabwägung führte die Vorinstanz aus, aufgrund der ländlichen Prägung sei
davon auszugehen, dass es im Zentrum von X._ in den nächtlichen Stunden –
abgesehen von sporadischem Verkehrslärm – relativ ruhig sei. In diesem Zeitraum – in
welchem das Ruhebedürfnis der Anwohner auch besonders gross sei – hebe sich der
Stundenschlag besonders markant vom bestehenden Umgebungslärm ab. Es sei daher
– insbesondere aufgrund der direkten Nähe der Beschwerdeführer von etwas mehr als
50 Metern – davon auszugehen, dass die Schläge aufgrund ihres plötzlichen Auftretens
sowie ihres ton- und impulshaltigen Charakters nachts als störend empfunden werden
können. Auf der anderen Seite handle es sich beim nächtlichen Zeitschlag um eine
langjährige Tradition, mit der sich grosse Teile der Bevölkerung verbunden fühlten.
Zum einen sei hierfür auf die Einschätzung der mit den örtlichen Verhältnissen
vertrauten Gemeindebehörden abzustellen. Zum anderen deute der Umstand, dass
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trotz grosser Bemühungen während mehrerer Jahre keine Einigung gefunden werden
konnte, ebenfalls auf eine feste Verwurzelung hin. Sodann sei zu berücksichtigen, dass
es sich bei X._ um eine eher ländliche Gemeinde handle, wo das Brauchtum nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung einen erhöhten Stellenwert geniesse. Der
ländliche Charakter werde von den Beschwerdeführern zwar bestritten, könne jedoch
nicht von der Hand gewiesen werden. Hinzu komme, dass das Bundesgericht selbst
dem – nächtlichen viertelstündlichen – Zeitschlag im weit städtischer geprägten
Wädenswil ein erhebliches Interesse zugestanden habe (Hinweis auf BGer
1C_383/2016 vom 13. Dezember 2017 E. 5.1). Das Amt für Umwelt und Energie
empfehle zwar im Rahmen der Vorsorge, auch auf die nächtlichen Stundenschläge zu
verzichten. Zwar sei der strittige Zeitschlag im Vergleich mit den bisher gerichtlich
beurteilten Fällen eher laut. Diese Feststellung sei aber etwas zu relativieren. Für die
Aufwachreaktionen sei unbestritten der Innenpegel am Ohr der schlafenden Person
massgebend. Um auf den Maximalpegel am Ohr zu schliessen, habe das Amt den
gemessenen Schalldruck um 5dB(A) reduziert. In anderen gerichtlich beurteilten Fällen
sei dagegen um 15 dB(A) reduziert worden. Das Amt halte schliesslich auch die
Beibehaltung des Stundenschlages für mit dem Lärmschutzrecht vereinbar. Es könne
daher dem Gemeinderat – als Vollzugsbehörde mit relativ grossem
Ermessensspielraum – nicht vorgeworfen werden, dass er der Beibehaltung der
Stundenschläge den Vorrang eingeräumt habe.
Die Beschwerdeführer sind demgegenüber der Auffassung, es sei – auch wenn ihr
Grundstück in der Empfindlichkeitsstufe III (ES = -1) liege – bei der Beurteilung der
Empfindlichkeit des betroffenen Gebietes von der Empfindlichkeitsstufe II (ES = 0;
Wohnzone W3 in unmittelbarer Nähe zur Kirche) und den Personengruppen von einer
sensiblen Bevölkerungsgruppe (SP = +1, bestehende und geplante Alterswohnungen
im unmittelbaren Umkreis der Kirche, Alter einzelner Beschwerdeführerinnen und
Beschwerdeführer) auszugehen. Vorliegend ergäben sich für die Störwirkung Werte von
4 (AWR 3, ES II 0, SP 1, ÖG 0) für den Viertelstundenschlag und von 3 (AWR 2, ES II 0,
SP 1, ÖG 0) für den Stundenschlag. Die nächtlichen Glockenschläge erwiesen sich
damit als stark störend und seien sanierungsbedürftig. – Bei der Interessenabwägung
sei zu berücksichtigen, dass die Vorinstanz den Stundenschlag lediglich als störend
eingestuft habe. Er sei aber stark störend. Dem Ruhebedürfnis der Anwohner komme
aufgrund der ermittelten Werte ein sehr grosses Gewicht zu. Hinzu komme, dass es –
was auch die Vorinstanz festhalte – in den nächtlichen Stunden im Zentrum von X._
relativ ruhig sei. In der Nacht, wenn das Ruhebedürfnis der Anwohner besonders gross
sei, hebe sich der Stundenschlag besonders markant vom bestehenden geringen
Umgebungslärm ab. Der Auffassung, dass es sich beim nächtlichen Zeitschlag um eine
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langjährige Tradition handle, mit der sich grosse Bevölkerungsteile – keine Einigung
während mehrerer Jahre, höherer Stellenwert des Brauchtums in einer ländlichen
Gemeinde – verbunden fühlten, könne nicht gefolgt werden. Das Geläut der
Beschwerdegegnerin sei ausserordentlich laut und mit der heutigen Lebensweise nicht
mehr vereinbar. Früher hätten nur wenige Personen unmittelbar bei der Kirche
gewohnt. Heute entspreche das Zentrum einer modernen verdichteten Bauweise. In
naher Zukunft seien weitere grössere Überbauungen geplant. Aufgrund des
Bevölkerungszuwachses im Zentrum werde die Zahl der Personen, die sich am
übermässigen Lärm störten, zunehmen. Sehr viel mehr Personen, als sich beklagten,
litten unter dem Lärm. Lärm wirke sich direkt negativ auf die Gesundheit aus, indem er
Nervosität, Angespanntheit, Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, Aggressivität,
Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Störung der Konzentration,
Beeinträchtigung des Leistungsvermögens, vermindertes Leseverständnis sowie
Langzeitgedächtnis und Motivation bei Schulkindern, erschwerte Kommunikation und
soziale Isolierung verursache. Der Schlaf werde bereits bei einer Lärmbelastung von
40-50 dB(A) gestört. Eine Sanierung im Sinn der Vorsorge sei mehr als nur angezeigt.
Die Interessen am Erhalt der Tradition träten hinter jenen an einer ruhigen Umgebung
zurück. Es sei notorisch, dass sich auch dem Zeitschlag vor allem religiöse Personen
verbunden fühlten. Die kirchliche Religiosität nehme schweizweit und auch in X._ stark
ab. Das Traditionsverständnis ändere sich. Die Beschwerdeführer würden im Vergleich
mit jenen im Fall "Wädenswil" (BGer 1C_383/2016 vom 13. Dezember 2017) bedeutend
näher am Kirchturm wohnen. Die durchschnittliche maximale Lautstärke sei
dementsprechend rund 18 dB(A) höher, was zur doppelten Anzahl an
Aufwachreaktionen führe. Die Belastung sei entsprechend nicht mit dem Fall
"Wädenswil" vergleichbar. Die Vorinstanz habe in ihrem Entscheid auf den vom Amt für
Umwelt und Energie gemessenen Schalldruckpegel abgestützt. Wenn sie dann darauf
hinweise, in anderen Urteilen sei der gemessene Schalldruck am Innenohr für die
konkrete Beurteilung stärker reduziert worden, sei das inkonsequent. Der Beurteilung
durch die neutrale Fachbehörde komme sehr grosses Gewicht zu.
Die Vorinstanz hält dem in ihrer Vernehmlassung entgegen, das Amt für Umwelt habe
bestätigt, dass sich der nächtliche Stundenschlag nicht als sanierungsbedürftig
erweise. Die Verdichtung dürfe nicht einseitig zu Gunsten der nächtlichen Ruhe
ausgelegt werden. Die dichtere Überbauung müsse nicht zwangsläufig dazu führen,
dass die Gemeinde ihren ländlichen Charakter verliere. Wie ein verdichtetes X._
letztlich aussehen und wie darin gelebt werde, liege in der Hand der Politischen
Gemeinde und ihrer Bevölkerung. Dazu gehöre auch die Frage, wie mit Alltagslärm
umgegangen werde. Die Beibehaltung des traditionellen Glockenschlags könne eine
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Massnahme darstellen, um den Charme und Charakter einer Gemeinde trotz
zunehmender Verdichtung beizubehalten. Solange sich – wie vorliegend – nur wenige
Personen am Glockenschlag störten, sei davon auszugehen, dass weiterhin ein
besonderes Interesse an der Beibehaltung der Tradition bestehe. Daran ändere der
sinkende Anteil an Kirchenmitgliedern nichts. Zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung
würden sich zum christlichen Glauben bekennen. Unsere Gesellschaft sei christlich
geprägt. Die Vorinstanz hält schliesslich fest, sie habe sich nicht über das Fachwissen
des Amtes für Umwelt, nach welchem die Beibehaltung des nächtlichen
Stundenschlags mit dem Lärmschutzrecht vereinbar sei, hinweggesetzt. Sie habe
lediglich das erhebliche Ermessen des Gemeinderats gewahrt.
Beurteilung5.3.
Sanierungsbedürftigkeit
Für die Beurteilung der Sanierungsbedürftigkeit kann – unbestrittenermassen – die
Vollzugshilfe des Bundesamts für Umwelt im Umgang mit Alltagslärm aus dem Jahr
2014 herangezogen werden (vgl. www.bafu.admin, Themen/Thema Lärm/Publikationen
und Studien). Die Vorinstanz hat das darin beschriebene Vorgehen zur Ermittlung der
störenden Wirkung zutreffend wiedergegeben (vgl. dazu oben Erwägung 5.1).
Das Grundstück Nr. 02_ mit dem Wohn- und Geschäftshaus Vers.-Nr. 03_ liegt in der
Kernzone K4, die der Empfindlichkeitsstufe III zugeordnet ist. Entgegen der Auffassung
der Beschwerdeführer ist für die Beurteilung ihrer Beschwerde nicht von Bedeutung,
ob in gleicher Entfernung zur Kirche – was im Übrigen bezogen auf die Entfernung der
gegen die Kirche gerichteten Fassade des Gebäudes nicht der Fall ist – auch
Grundstücke in der Empfindlichkeitsstufe II liegen. Wie die Beschwerdeführer selbst
festhalten, beurteilte das Bundesgericht im Fall "Wädenswil" die Lärmbelastung von
Anwohnern in einer Entfernung von 200 Metern zum Kirchturm als nicht erheblich
störend. Die Situation von Anwohnern, welche näher bei der Kirche wohnen und
möglicherweise mehr beeinträchtigt wurden, hat das Bundesgericht nicht thematisiert
(vgl. BGer 1C_383/2016 vom 13. Dezember 2017 E. 6.2). Ob die nach der Vollzugshilfe
ermittelte Störung an anderen Orten als dem Messpunkt, den die Beschwerdeführer
zur Begründung ihrer "Lärmklage" herangezogen haben, anders zu beurteilen wäre,
kann deshalb offenbleiben.
Die Beschwerdeführer weisen sodann auf ihr teilweise fortgeschrittenes Alter hin und
leiten daraus ab, es sei deshalb bei den betroffenen Personengruppen von einer
sensiblen Bevölkerungsgruppe auszugehen und bei der Ermittlung des Grades der
5.3.1.
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Störung ein entsprechender Zuschlag zu machen. In der Wohn- und
Gewerbeliegenschaft der Beschwerdeführer wird keine Einrichtung betrieben, die sich
an eine lärmschutzrechtlich besonders sensible Bevölkerungsgruppe richtet. Vielmehr
handelt es sich um ein Gebäude mit einer in der Kernzone üblichen Mischung von
Wohn- und Gewerbenutzung. Die Personen, die in diesem Gebäude wohnen, geben
den üblichen Querschnitt durch die in einem Ortszentrum lebende Bevölkerung wieder.
Wenn die Vorinstanz davon ausgegangen ist, es sei eine "normale"
Bevölkerungsgruppe betroffen, ist dies deshalb nicht zu beanstanden.
Für Gebiete in der Empfindlichkeitsstufe III legt die Lärmschutzverordnung für die
Nacht Belastungsgrenzwerte für Strassenverkehrslärm, Eisenbahnlärm, den gesamten
zivilen Flugverkehr sowie für Industrie- und Gewerbelärm von 50 (Planungswert), 55
(Immissionsgrenzwert) und 65 dB(A) (Alarmwert) fest (vgl. Ziffer 2 des Anhangs 3 zur
LSV). Die nächtlichen Belastungswerte selbst für die Empfindlichkeitsstufe IV mit 55
dB(A) (Planungswert) und 60 dB(A) (Immissionsgrenzwert) bringen zum Ausdruck, dass
Lärm, welcher zu Aufwachreaktionen – was nicht mit einem bewussten Aufwachen
gleichzusetzen ist – führt, als erheblich störend im Sinn von Art. 15 USG einzustufen ist
(vgl. BGer 1A.159/2005 vom 20. Februar 2006 E. 3.2.2 mit Hinweisen, 1C_297/2009
vom 18. Januar 2010 E. 4). Zu schätzen ist deshalb die Häufigkeit, mit welcher
aufgrund des nächtlichen Stundenschlags mit Aufwachreaktionen zu rechnen ist.
Das Bundesamt für Umwelt geht davon aus, dass bei viertelstündlichen
Glockenschlägen zwischen 21.45 und 6 Uhr bei einem Maximalpegel am Ohr der
schlafenden Person von 60 dB(A) pro Nacht mit knapp zwei zusätzlichen – in einer
normalen Nacht ist bei einem schlafgesunden Menschen mit rund 24 spontanen –
Aufwachreaktionen zu rechnen ist (vgl. BGer 1C_297/2009 vom 18. Januar 2010 E. 4;
1C_6/2017 vom 25. Oktober 2017 E. 6.2 bezüglich Fluglärm). Wird – wie vorliegend –
auf die Viertelstundenschläge verzichtet, reduziert sich die Wahrscheinlichkeit der
zusätzlichen Aufwachreaktionen auf weniger als eine pro Nacht. Das Amt für Umwelt
hat für den Stundenschlag an der gegen den Kirchturm orientierten Fassade einen
Mittelungspegel von 77.6 dB(A) gemessen (vgl. act. 7/15, Seite 5/5). Fehlen – wie beim
Alltagslärm – Belastungsgrenzwerte, beurteilt die Vollzugsbehörde gemäss Art. 40
Abs. 3 Satz 1 LSV die Lärmimmissionen nach Art. 15 USG. Art. 39 LSV, welcher den
Ort der Ermittlung von Lärmimmissionen beschreibt, liefert für diese Anwendungsfälle
zwar Anhaltspunkte zur Sachverhaltsermittlung. Die Vorschrift ist aber auf die
Beurteilung von Lärmimmissionen zugeschnitten, für welche der Bundesrat Grenzwerte
festgesetzt hat. Bei der Beurteilung der Schädlichkeit und Lästigkeit des Lärms von
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Kirchenglocken, für welche keine Belastungsgrenzwerte bestehen, ist daher nicht im
Sinn eines entscheidenden Kriteriums auf die in Art. 39 Abs. 1 LSV vorgeschriebenen
Messungen in der Mitte der offenen Fenster der lärmempfindlichen Gebäude
abzustellen (BGer 1A.159/2005 vom 20. Februar 2006 E. 3.1).
Bei der Einordnung der Schädlichkeit und Lästigkeit dieses Wertes ist zunächst zu
berücksichtigen, dass das Messergebnis von 77.6 dB(A) nicht auf einer Messung im
Schlafzimmer bei teilweise geöffnetem Fenster beruht. Die Beschwerdeführer machen
zudem nicht geltend, unmittelbar am Messpunkt bei offenem Fenster zu schlafen. Die
Vorinstanz hat – übereinstimmend mit dem Amt für Umwelt und Energie – zur
Beurteilung der Häufigkeit der Aufwachreaktionen vom Messergebnis 5 dB(A)
abgezogen und ist von einem Maximalpegel am Ohr von 72.6 dB(A) ausgegangen.
Dieser Abzug erscheint – worauf die Vorinstanz hinweist - vergleichsweise gering. Bei
nächtlichem stündlichem Glockenschlag mit einem massgeblichen Schallpegel von 70
dB(A) ist auch bei einem neunstündigen Schlaf mit weniger als drei zusätzlichen
Aufwachreaktionen zu rechnen (vgl. Bundesamt für Umwelt, Beurteilung Alltagslärm,
Vollzugshilfe im Umgang mit Alltagslärm, 2014, Anhang A2). Zudem kann nicht allein
anhand des absoluten Ergebnisses der Messung beurteilt werden, ob der
Stundenschlag tatsächlich geeignet ist, zu zusätzlichen Aufwachreaktionen zu führen.
Die Feldstudie der Eidgenössischen Technischen Hochschule zur Störwirkung von
Kirchenglocken in der Nacht lässt – was nicht zu überraschen vermag – den Schluss
zu, dass die Reduktion der Schallereignisse – also beispielsweise der Verzicht auf die
Viertelstundenschläge – die Schlafqualität verbessern kann. Sie kann aber nicht
Grundlage für die generelle Zulässigkeit oder Unzulässigkeit nächtlicher
Stundenschläge sein.
Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass die vorinstanzliche Einschätzung, der
stündliche Glockenschlag zur Zeitverkündung führe mit mehr als einer aber weniger als
drei zusätzlichen Aufwachreaktionen (2) für die nicht besonders sensiblen (0)
Beschwerdeführer in der Empfindlichkeitsstufe III (-1) und in einem nicht besonders
ruhigen Gebiet (0) nicht zu einer erheblichen Störung (Summe: 1), nicht zu beanstanden
ist.
Interessenabwägung
Der Stundenschlag dient der akustischen Abbildung des Verfliessens der Zeit. Optisch
übernehmen diese Funktion Uhren, die allerdings – abgesehen von Uhren an
Bahnhöfen (die wie die binäre Uhr am Hauptbahnhof St. Gallen an prominentester
5.3.2.
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Stelle mittlerweile auch nicht mehr dem raschen Ablesen der Zeit dienen), an
Kirchtürmen, Stadttoren und historischen Uhrtürmen – zunehmend aus dem
öffentlichen Raum verschwinden. Hintergrund für diese Entwicklung ist der Umstand,
dass es nicht mehr als öffentliche Aufgabe verstanden wird, über den Ablauf der Zeit
zu orientieren. Gleichzeitig wird mit der Sensibilisierung für die schädlichen
Auswirkungen des Lärms dem nächtlichen Ruhebedürfnis mehr Bedeutung
zugemessen. Der nächtliche Stundenschlag steht zudem nicht in einem unmittelbaren
religiösen Zusammenhang, sondern ist in erster Linie als Teil der – zumal regelmässig
Kirchtürme mit deren Glocken die Funktion der Zeitverkündung übernehmen –
christlich geprägten Kultur zu würdigen. Die Bedeutung der Tradition des nächtlichen
Glockenschlags zur Zeitverkündung ist dementsprechend einem Wandel leichter
zugänglich als das religiös begründete Glockenläuten vor Gottesdiensten.
Der Verzicht auf den nächtlichen Stundenschlag kann allerdings – noch – kaum als
üblich und damit die nächtliche akustische Zeitverkündung als nicht mehr traditionell
bezeichnet werden. Mithin geht es also um eine zeitliche Beschränkung traditionellen
Verhaltens und damit um den – teilweisen – Verzicht auf eine Tradition. Tradiertes
Verhalten ist regelmässig nicht Selbstzweck, sondern erfüllte ursprünglich eine
bestimmte Funktion. Wird diese Funktion in einer Gesellschaft überflüssig oder mit
anderen Mitteln erfüllt, wird das überkommene Verhalten seines Zwecks beraubt,
gleichsam ausgehöhlt. Es bleibt lediglich der Mantel der Tradition und die Frage,
inwieweit eine Gesellschaft ein seiner Funktion beraubtes Verhalten allein mit der
Berufung auf die Tradition aufrechterhalten will (vgl. dazu auch BGer 1A.159/2005 vom
20. Februar 2006 E. 3.3). Daraus leitet sich der Beurteilungsspielraum ab, welcher der
örtlich zuständigen Behörde bei der Gewichtung der Interessen zukommen soll. Der
Gemeinderat der Politischen Gemeinde X._ hat diesem Interesse an der
Aufrechterhaltung des nächtlichen Glockenschlags zur Zeitverkündung ein erhebliches
Gewicht beigemessen. Diese Beurteilung ist mit Blick auf die lange
Auseinandersetzung der Beschwerdeführer mit der Evangelischen Kirchgemeinde, die
schliesslich Eingeständnisse machte, nachvollziehbar. Obwohl die Beschwerdeführer
ihre Interessen nicht vollständig durchsetzen konnten, führte dies nicht zu
"Lärmklagen" weiterer Personen. Die Beschwerdeführer haben auch nicht –
beispielsweise mittels einer Petition – ein breiteres Interesse an der Einstellung des
nächtlichen Glockenschlags nachgewiesen.
Die stündlichen nächtlichen Glockenschläge zur Zeitverkündung sind geeignet, bei den
Beschwerdeführern zu einzelnen zusätzlichen nächtlichen Aufwachreaktionen zu
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6. Zusammenfassung
Die Vorinstanz hat den Rekurs teilweise gutgeheissen. Sie ist inhaltlich der Beurteilung
der Lärmklage durch die Beschwerdebeteiligte, soweit es um das kirchliche Geläut –
Angelus-Läuten, Ein- und Ausläuten des Sonntags, Läuten vor Gottesdiensten – ging,
gefolgt. Hinsichtlich der nächtlichen Glockenschläge hat sie die Beschwerdegegnerin
zu einer im Vergleich mit der Beurteilung durch die lokale Behörde weitergehenden
Einschränkung verpflichtet und sie angewiesen, die Viertelstundenschläge zwischen 22
und 6 Uhr einzustellen. Dieser – zusätzlichen – Beschränkung steht die
Beschwerdegegnerin nicht entgegen.
Zumal die Abwägung der Interessen hinsichtlich der stündlichen Glockenschläge zu
keinem eindeutigen Ergebnis führt, sondern sich in guten Treuen lärmschutzrechtlich
verschiedene Auffassungen vertreten lassen, liegt der Entscheid im
Beurteilungsspielraum der lokalen Behörden (vgl. BGer 1C_383 und 409/2016 vom 13.
Dezember 2017 E. 5.6). Die Vorinstanz hat mit ihrem Entscheid diesen Spielraum der
lokalen Behörde gewahrt und die Beschwerdegegnerin nicht verpflichtet, die
nächtlichen Stundenschläge zwischen 22 und 6 Uhr zu unterlassen. Diesen Spielraum
der lokalen Behörde respektiert auch das Verwaltungsgericht. Die Beschwerde ist
dementsprechend abzuweisen.
7. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens von den Beschwerdeführern zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Eine Entscheidgebühr von CHF 4'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Sie ist durch den von den Beschwerdeführern
in der gleichen Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. Die Beschwerdegegnerin
obsiegt zwar, war im Beschwerdeverfahren berufsmässig vertreten und hat ihre
Anträge unter Kosten- und Entschädigungsfolge gestellt. Das verfügende
Gemeinwesen hat jedoch nach ständiger Rechtsprechung nur in sehr speziellen
Einzelfällen einen Anspruch auf die Entschädigung ausseramtlicher Kosten, namentlich,
wenn sie wie ein Privater oder in ihrem Autonomiebereich betroffen ist (vgl. A. Linder,
in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege,
Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 20 zu Art. 98 VRP). Das
Entschädigungsbegehren ist folglich abzuweisen. Die Beschwerdegegnerin hat sich am
Verfahren nicht beteiligt.
führen. Diese Störwirkung ist unbestritten, aber erscheint nicht in einem Ausmass als
erheblich, welches auch einen Verzicht auf den nächtlichen Stundenschlag verlangen
würde.
bis
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