Decision ID: 3b9be109-e755-42be-8317-13f66180aac6
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1957, arbeitete ab November 2003 als Mitarbeiterin im
Y._
in einem Pensum von 80
%
(
Urk.
10/11/3)
. Nach einem Unfall am 1
9.
November 2007 am Arbeitsplatz, bei dem sie gestürzt war und sich den Kopf angeschlagen hatte, wurde das Arbeitsverhältnis per 3
1.
Juli 2008 gekündigt. Eine erste Anmeldung bei der Invalidenversicherung am 1
3.
Oktober
2008
erfolgte, nachdem die Schweizerische
Unfallver
sicherungs
anstalt
die
Un
fallleistungen
per 3
1.
Juli 2008 mangels Unfallfolgen eingestellt hatte. Nach Einholung des rheumatologisch-psychiatrischen Gutachtens
bei
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Klinik
D._
, vom 2
6.
Mai 2009 verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
6.
No
vem
ber
2009 einen Anspruch auf eine Invalidenrente. Die Beschwerde der Ver
sicherten gegen diese Verfügung wies das Sozialversicherungsgericht mit Urteil vom 2
5.
Juli 2011 ab (Verfahren Nr. IV.2010.0002;
Urk.
10/54). Das Urteil blieb unange
fochten.
Bereits während des am Gericht
hängigen
Verfahrens, am 1
5.
Juni 2010, hatte die Versicherte der IV-Stelle eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes gemeldet und einen Austrittsbericht der Rheumaklinik und Institut für Physika
lische Medizin des
A._
vom
6.
April 2010 (
Urk.
10/44) eingereicht.
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeinmedizin, äusserte sich dazu in einem Bericht vom 1
6.
September 2011 (
Urk.
10/54/15).
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, beschrieb im Bericht vom 2
5.
Oktober 2011 den gesundheitlichen Verlauf seit dem Urteil (
Urk.
10/56). In der Folge
veranlasste
die IV-Stelle bei
Dr.
Z._
das Verlaufsgutachten vom 2
4.
Januar 2012 (
Urk.
10/66). Am 2
2.
Februar 2012 erliess
sie
ihren Vorbe
scheid, in dem sie die erneute Abweisung des Gesuchs um eine Invalidenrente in Aussicht stellte (
Urk.
10/76). Zum Gutachten äusserte sich auf Anfrage der Versicherten
Dr.
C._
in einer Stellungnahme vom 2
7.
April 2012 (
Urk.
10/85). Mit Verfügung vom
2.
Juli 2012 verneinte die Verwaltung wie angekündigt einen Anspruch auf eine Invalidenrente. Sie legte ihrem Entscheid eine hypo
thetische Teilerwerbstätigkeit der Versicherten von 80
%
zu Grunde und errech
net einen Invaliditätsgrad von 10
%
(
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom
2.
Juli 2012 liess die Versicherte am
4.
Sep
tember
2012 Beschwerde einreichen und die Rückweisung der Sache zur ergän
zenden Abklärung beantragen. Eventualiter liess sie die
Zusprache
einer ganzen Invali
denrente ab
1.
November 2010 beantragen (
Urk.
1). In einer weiteren Eingabe vom 2
0.
September 2012 ergänzte sie
ihre Beschwerde (
Urk.
6) und
reichte einen Arztbericht von
Dr.
C._
vom
7.
September 2012 ein (
Urk.
7). Das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
und
Vertretung
liess sie am 1
0.
Oktober 2012 zurückziehen (
Urk.
11). Die Beschwerdegegnerin beantragte am
5.
Oktober 2012 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9). Die Beschwerde
führerin liess am 1
5.
November 2012 (
Urk.
13) unter Beilage eines Berichts der
E._
vom
6.
November 2012 (
Urk.
14) eine weitere Ein
gabe machen; die Beschwerdegegnerin äusserte sich in einer Stellungnahme vom 2
6.
November 2012 (
Urk.
14a). Die Versicherte äusserte sich am
6.
Februar (
Urk.
17) und am
8.
März 2013 erneut zur Sache und reichte neue Arztberichte ein (
Urk.
18, 19, 24/10-13). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf weitere Stellungnahmen (
Urk.
25).

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
Am
1. Januar 2012
sind d
ie im Rahmen der IV-Revision 6a
vorgenommenen
Än
de
rungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) in Kraft getreten.
In
materiell
rechtlicher
Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sac
hverhalt verwirklicht hat (vgl.
BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
2.
Juli 2012 (Urk. 2) ergangen,
wobei ein Sachverhalt zu beur
teilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestim
mungen
der IV
Revision 6a
am 1. Januar 20
12
begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechen
d den allgemeinen
inter
temporal
rechtlichen
Re
geln für die Zeit bis 31. Dezember 20
11
auf die damals
seit der 5. IV-Revision
(
ab dem 1. Januar 2008;
AS 2007 5129 ff.
)
geltenden Bestimmungen und ab
dem 1. Januar 2012
auf die neuen Normen der
IV
Revision 6a
abzustellen (vgl. zur
5
. IV-Revision: Urteil des Bundesgerichts
8C_829/2008
vom 23.
Dezember 2008
E. 2.1
). Im Folgenden werden die Gesetzesbestimmungen - soweit nichts anderes vermerkt ist - in der seit dem
1.
Januar 20
12
geltenden Fassung zitiert
.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
IVG). Er
werbsunfähigkeit ist der durc
h Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Be
handlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkei
ten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichen
en Arbeits
markt (Art. 7 Abs. 1
ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbs
unfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der ge
s
undheitlichen Beein
trächtigung zu berück
sichti
gen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzu
stellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbs
tätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträch
tigung ver
einbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Ver
wertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hin
weisen).
Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung begründet e
ine diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung al
s solche noch keine Invalidität. Es besteht
vielmehr
eine Vermutung
, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Be
stimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vor
dergrund steht die Feststellung einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Fak
toren, so: chronische körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger,
chro
nifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer
innerseeli
scher
Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden
Konflikt
bewältigung
(primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Be
handlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) trotz koopera
tiver Haltung der versicherten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befund
e darstellen, desto eher sind
ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 131 V 49; 130 V 352 E. 2.2.3 S. 353 ff.).
2.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindes
tens 40 Prozent invalid (Art. 8
ATSG) sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.4
Wurde
gemäss
Art.
87
Abs.
3 IVV
eine Rente
wegen eines zu geringen
Invalidi
tätsgrades
verweigert, so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen nach
Art.
87
Abs.
2 erfüllt sind.
Danach ist
glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erhebli
chen Weise geändert hat
(
Art.
87
Abs.
2 IVV)
.
Wenn die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten ist, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicher
ten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist, sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem
Revi
sionsfall
nach
Art.
17 ATSG vorzugehen (BGE 109 V 115).
3.
3.1
In seinem Urteil vom 2
5.
Juli 2011 kam das Sozialversicherungsgericht gestützt auf das rheumatologisch-psychiatrische Gutachten der Klinik
D._
vom 2
6.
Mai 2009 (
Urk.
10/19) zum Schluss, dass bis zum Zeitpunkt der damaligen Verfügung vom 1
6.
November 2009 keine krankheitsbedingte Arbeitsunfähig
keit in der angestammten Tätigkeit als Hilfskraft in der Küche und auch nicht in einer anderen adaptierten Tätigkeit bestand. Es wurde zwar eine
chronifizierte
Schmerzstörung aufgrund eines
zervikozephalen
Schmerzsyndromes
erhoben, diese war jedoch ohne organische Grundlage. Ebenfalls vermochten das statisch
myalgische
Wirbelsäulensyndrom, eine damals vorhandene Pseudoischialgie mit ISG-Blockade rechts und ein
Impingementsyndrom
links die Arbeitsfähigkeit nicht einzuschränken (
Urk.
10/19).
Es wies deshalb das Rentenbegehren eben
falls ab.
3.2
Nach Erlass der im ersten Verfahren angefochtenen Verfügung hatte sich die Beschwerdeführerin zwischen dem 2
8.
Januar und 1
9.
Februar 2010 in statio
näre Behandlung des
A._
, Abteilung Rheumaklinik und Institut für Physikalische Medizin, begeben. Im Austrittsbericht vom
6.
April
2010 berichteten die Ärzte von einer bei Eintritt in die Klinik im Vordergrund stehenden depressiven Störung. Klinisch sei kein
pathomor
phologisches
Korrelat für die geklagten Schmerzen zu erheben gewesen. Die Ärzte diagnostizierten nach mehrmaligen k
onsultativen Gesprächen mit den Psychiatern im Hause eine
mittelschwere Depression mit
Somatisierungs
störung
.
Weiter erwähnten sie, dass es in einer Nacht zu Wesensveränderung mit Konzentrationsstörung, Angst- und Beeinträchtigungsideen, Übelkeit und Erbrechen gekommen sei. Die Ärzte führten dies auf eine
Elektrolytenstörung
zurück, die behoben werden konnte. Die Beschwerdeführerin habe sich danach dennoch depressiv und ängstlich verunsichert gezeigt. Es wurde daher eine antidepressive Therapie in Form einer stationären Behandlung und einer antidepressiven Medikation empfohlen. Dem sei die Versicherte jedoch ablehnend gegenüber gestanden (
Urk.
10/44).
Der die Versicherte sei
t
Juni 2009 behandelnde Psychiater
Dr.
C._
(
Urk.
10/28) legte im Bericht vom 1
8.
Juni 2010 dar, es bestehe eine
somatoforme
Schmerzs
störung
bzw.
Somatisierungsstörung
,
b
egleitet würden diese durch Ängste und Depressionen, es komme zu einer
Chronifizierung
mit krisenhaften Zuständen, was von der Versicherten als Zustandsverschlechterung erlebt werde. Das Leiden habe aus seiner Sicht das Ausmass eines schweren psychi
schen Leidens und sei stark
chronifiziert
mit Tendenz zur Verschlechterung. Es habe keine Ver
besserung erreicht werden können, die
Versicherte verfüge über keine notwendigen Ressourcen, um ein solches Leiden zu überwinden. Es sei davon auszugehen, dass sie bis auf
Weiteres
80 bis 100
%
erwerbsunfähig blei
ben werde (
Urk.
10/54/27). An dieser Ansicht hielt er im Schreiben vom 2
5.
Oktober
2011 fest. Darin berichtete er von geklagtem Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, starken Schmerzen am ganzen Körper, Rückzug der Versicher
ten, Verzweiflung, Angstzuständen, Hyperventilationsattacken, Freud- und Lustlosigkeit, Schlaflosigkeit und Vergesslichkeit. Der Psychiater diagnostizierte eine schwere
somatoforme
Störung (ICD-10 F.45), eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F.45.4) und eine mittelgradige bis schwere depressive Entwicklung (ICD 10 F.32.11;
Urk.
10/56).
Der Hausarzt
Dr.
B._
berichtete am 1
6.
September 2011 von einer seit der ersten Verfügung verschlimmerten Situation. Es müsse nun von einer mit
telgradigen Depression ausgegangen werden, früher sei von einer leichten De
pression die Rede gewesen. Auch die Schmerzsituation habe sich verschlechtert, indem die anfänglichen zervikalen Schmerzen nun in einem generalisierten Schmerzzustand am Kopf, in beiden Armen und in den unteren Extremitäten gemündet
habe
. Medikamentös habe kein Zugang gefunden werden können, die Versicherte stehe weiteren Abklärungen skeptisch gegenüber. Er erachte die Versicherte in ihrer angestammten Tätigkeit als zu 100
%
arbeitsunfähig, in einem geschützten Rahmen sei sie in einer angepassten Tätigkeit potentiell zu 20
%
arbeitsfähig (
Urk.
10/54/15).
3.3
Im von der Verwaltung daraufhin erneut bei
Dr.
Z._
, Klinik
D._
, ein
gehol
ten psychiatrischen Verlaufsgutachten vom 2
4.
Januar 2012 berichtete dieser, die Beschwerdeführerin klage vordergründig über diffuse
muskulo-ske
lettäre
Schmerzen, Schwindel sowie Ängste und Befürchtungen deswegen. Es sei eine leicht gedrückte Stimmung festzustellen, sie
berichte
über
Interessen
verlust
und Freudlosigkeit, ihr Antrieb sei objektiv leicht vermindert gewesen. Sie leide unter Zukunftsängsten, Schlafstörungen und allgemeiner Erschöpfung. Es könne eine depressive Störung diagnostiziert werden, die höchstens im mit
telgradigen Ausmass vorhanden sei. Die Diagnose einer anhaltenden
somato
formen
Schmerzstörung könne er nicht bestätigen, da bei der Versicherten keine hinreichend schwere belastende psychosoziale Situation vorhanden sei, die für diese Diagnose notwendig sei (
Urk.
10/66/7). Der Gutachter ging von einer höchstens 30%igen Arbeitsunfähigkeit aufgrund der gestellten Diagnose aus. Es sei von einer leichten Verschlechterung der Situation seit der letzten Begutach
tung ab November 2009 durch ihn auszugehen. Es sei nicht auszuschliessen, dass die Versicherte intermittierend auch unter stärkeren depressiven Sympto
men gelitten habe, man könne aber anhaltend nur von einer höchstens 30%igen
Arbeitsunfähigkeit ausgehen. Dabei sollten es keine Tätigkeiten sein, die sehr hohe Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit, psychische Belastbarkeit, geistige Flexibilität und Nachtarbeiten
stellten
(
Urk.
10/66/8).
3.4
Zu diesem Gutachten äusserte sich
Dr.
C._
in einem Schreiben vom 2
7.
A
pril
2012 (
Urk.
3/2). Aus seiner Sicht bestehe sehr wohl eine belastende psychoso
ziale Situation für die Beschwerdeführerin in der Familie durch ihre Krank
heit, es sei die Diagnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung zu stellen. Weiter stelle die depressive Entwicklung eine erhebliche
Komor
bidität
dar, wel
che die Versicherte daran hindere, die Schmerzstörung zu über
winden. Weiter seien die therapeutischen Möglichkeiten aus seiner Sicht völlig ausgeschöpft (
Urk.
3/2).
3.5
Nach Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung begab sich die Versicherte ab
8.
Oktober 2012 in die
E._
in stationäre Behandlung. Die Ärzte dort diagnostizierten eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3), eine Angst- und Panikstörung, eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD
10 F45.4) und eine unklare
Hyponatriämie
. Die Versicherte habe bei Ein
tritt in die
E._
desorientiert, gehemmt und depressiv gewirkt. Sie habe unter starken Ängsten, schweren Schlafstörungen und Antriebslosigke
it gelitten. Es wurde berichtet
, die Versicherte habe sich tagsüber relativ gut am
Therapie
programm
beteiligen können, nachts hingegen sei es zu wiederholten Angst
zuständen mit psychotischen Symptomen gekommen. Der pflegerische Aufwand mit Exazer
bationen nachts habe nicht erbracht werden können und so sei der Aufenthalt am 1
9.
Oktober 2012 abgebrochen worden. Eine weitere stationäre psychothe
rapeutische Begleitung sei sicherlich sinnvoll und indiziert. Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
14).
4.
4.1
Die Einschätzung der gesundheitlichen Situation bzw. der Entwicklung seit der letzten Verfügung ist zwischen dem psychiatrischen Gutachter und den behan
delnden Ärzten sehr unterschiedlich. Damit auf das Verwaltungsgutachten
von
Dr.
Z._
, das extra für die Beurteilung der relevanten Fragen eingeholt wurde und dem ei
ne erhebliche Bedeutung zukommt
, abgestellt werden kann, muss es gemäss Rechtsprechung für die Beantwortung der Fragen umfassend sein, auf allseitigen Untersuchungen beruhen, die geklagten Beschwerden berücksichti
gen, sich mit dem Verhalten der versicherten Person auseinandersetzen, in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden sein. Es muss in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammen
hänge einleuchten, die Schlussfolgerungen der Experten müssen in einer Weise begründet sein, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann (BGE 134 V 231 E. 5.1).
4.2
Bei Berücksichtigung dieser Kriterien fällt zum einen beim Gutachten auf, dass der Psychiater – anders als beim ersten Mal, als er das Beck Depression Inventar (BDI) gemacht hatte – keinen Test vorgenommen hatte, der den Grad der De
pres
sion objektiviert hätte.
Dr.
Z._
machte einzig einen
Aufmerk
samkeits
-Belastungs-Test, einen Konzentrations-Verlaufs-Test und einen Panik- und Agoraphobie-Skala Test, deren Resultate er in der Beurteilung zwar erwähnte, allerdings nicht sehr überzeugend bewertete. So war beim ersten Test eine „qualitativ und quantitativ deutlich unterdurchschnittliche“ Leistung, beim zweiten Test ebenfalls eine unterdurchschnittliche Leistung und beim dritten Test ein Resultat herausgekommen, das auf einen mittleren Grad der Beein
trächtigung durch die Angststörung hindeutete. Der Gutachter legte hierzu in der Folge in der zusammenfassenden Beurteilung einzig dar, bei der Beschwer
deführerin seien objektiv keine groben Störungen der Konzentration und der Aufmerksamkeit vorhanden, obwohl er – wie erwähnt – immerhin von einer deutlich un
terdurchschnittlichen Leistung
gesprochen hatte. Die seiner Ansicht nach
in der Zusammenfassung
aufgeführte
leichte
d
epressi
ve
Episode
steht da
bei
in einem gewissen
Widerspruch zur Darstellung in der Beurteilung einer höchstens mittelgradigen Depression
. Er begründete dies
ohne einen objekti
vierenden Test einzig mit einer leicht gedrückten Stimmung, einem objektiv leicht verminderten Antrieb, mit geklagtem Interesseverlust und Freudlosigkeit (sie kontaktiere jedoch regelmässig die Familie). Das Testresultat der
agorapho
bischen
Vermeidung und
antizipatorischen
Angst in mittlerem Grad fand keinen erkennbaren Eingang ihn seine Beurteilung. In Anbetracht der Tatsache, dass sämtliche andere
n
Ärzte, die die Versicherte gesehen und behandelt hatten, eine schlimmere Depression diagnostiziert hatten und dies
eine der zentralen
Frage
n
des Gutachtens war, hätte dies besser und überzeugender begründet und
allen
falls erneut mittels eines Test
s
objektiviert
werden müssen.
Bemängelt werden muss auch die
fehlende
Auseinandersetzung
von
Dr.
Z._
mit den anderen, vor allem auch fachärztlichen
Einschätzungen
. So legte
Dr.
Z._
dar, in den Arztberichten, in denen eine mittelgradige oder schwere depressive Symptom
a
tik postuliert worden sei, sei dies vordergründig mit soma
tischen Symptomen begründet worden. Die somatischen Symptome könnten jedoch einer depressiven Störung nicht zugeordnet werden (
Urk.
10/66/9). Dies ist jedoch so nicht richtig. Der Psychiater
Dr.
C._
beschrieb im Bericht vom 2
5.
Oktober 2011 keineswegs nur somatische Symptome, sondern begründete die seines Erachtens mittelgradige bis schwere depressive Entwicklung mit
einem ausgeprägten sozialen Rückzug, so verlasse die Versicherte das Haus praktisch nur noch in Begleitung einer Angehörigen
,
sie habe die
Aussenkon
takte
abgebrochen. Weiter beschrieb er Schlafstörungen, Verzweiflung, Antriebs- und Interessenlosigkeit, Gedankenkreisen, Vergesslichkeit, Angstzu
stände, Hyperventilationsattacken mit Schwindel und Zusammenbrüchen, ver
minderte Schwingungsfähigkeit, Lustlosigkeit (
Urk.
10/56).
Dies führte soweit
, dass
Dr.
C._
gemäss Darstellung im Schreiben vom
7.
September 2012
die Ver
sicherte im Laufe des
Mai 2012 überzeugen konnte
,
sich in einer
psychiatri
schen Klinik
in eine teilstationäre Behandlung zu begeben (
Urk.
7/6).
Der da
raufhin angetretene Aufenthalt in der
psychosomatischen
E._
scheiterte jedoch, wobei
die
dortigen
Ärzte
klar
eine stationäre Therapie
in einer eigentlichen psychiatrischen Klinik
für indiziert erachteten
(
Urk.
14).
Dieser Vorfall ereignete sich zwar nach Erlass der angefochtenen Verfügung, doch be
stand die Situation gemäss dem erwähnten Schreiben von
Dr.
C._
bereits schon im Mai 2012 und damit v
or dem entscheidenden Zeitpunkt und ist daher geeig
net, die gesundheitliche Situation der Versicherten in jenem Zeitraum zu doku
mentieren.
Das Gutachten von
Dr.
Z._
erweist sich nach dem Gesagten als nicht vollständig und als nicht überzeugend.
Das alleinige Abstellen auf die
ses
fällt aufgrund
der wesentlichen Mängel
im eingeholten Gutachten ausser Be
tracht.
4.3
Allerdings kann auch auf die
mehrfach von
Dr.
C._
geäusserte Ansic
ht einer schwer
en psychiatrischen Krankheit mit der Folge einer seit Jahren bestehenden gänzlichen Erwerbsunfähigkeit (
Urk.
10/54/27, 10/56)
nicht abschliessend
ab
gestellt
werden, kommt doch im Streitfall eine direkte
Leistungszusprache
einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte aufgrund der auftragsrechtlichen Vertrauensstellung kaum je in Frage (Urteil des Bundesge
richts 8C_222/2010 vom 1
9.
Juli 2010
E. 4.2.2).
Vielmehr ist die
S
ache
zur erneuten
psychiatrischen
Begutachtung des gesundheitlichen Zustandes der Be
schwerdeführerin an die Verwaltung zurückzuweisen, wie dies seitens der Beschwerdeführerin beantragt wurde.
Dagegen erweist sich
bei der gegenwär
tigen Aktenlage
– entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin
–
eine
rheuma
tologische Abklärung als nicht notwendig. Sowohl die Ärzte der
Rheu
maklinik
des
A._
(
Urk.
10/44) als auch die Ärzte der
E._
(
Urk.
14)
berichteten
von keinem somatische
n
Korrelat für die geklagten Schmerzen
und
es wurde
deshalb eine anhalte
nde
somatoforme
Schmerzstörung bzw. eine
Somatisierungss
törung
diagnostiziert, mithin Diagnosen des psychiatrischen Fachgebietes gestellt.
Gerade im Zusam
menhang mit
solchen Beschwerdebildern
ist es notwendig, dass die
psychiatr
i
s
chen Fachärzte die medizinischen Fakten
liefern, die es ermöglichen, die Frage der Überwindbarkeit eines solchen Leidens
und damit die Invalidisierung zu prüfen
(vgl. oben E. 2.2)
. Auch zu diesen Aspekten hat somit das psychiatrische Gutachten Stellung zu nehmen.
Abschliessend hat sodann
die Beschwerdegegnerin auch die Qualifikation der Ve
rsicherten näher
abzuklären.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
Das Verfahren ist in Abweichung von
Art.
61
lit
. a ATSG kostenpflichtig; die Kosten werden auf
Fr.
700.
festgelegt (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG)
und der
Be
schwerdegegnerin
auferlegt.
Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin
gegenüber der
Beschwerdegeg
nerin
Anspruch auf eine Prozessentschädigung (
Art.
61
lit
. g ATSG), die ent
sprechend
den gesetzlichen Kriterien auf
Fr.
2‘900.--
(inkl. Mehrwerts
teuer und Barauslagen) festzulegen
ist.