Decision ID: c204d811-e011-44ab-8940-22fdd2dec01a
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1970 geborene
X._
war seit
1.
August 2008 bei Y._
als Berufsfeuerwehrmann angestellt und dadurch bei der
Unfallversicherung Stadt Zürich
obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am
6. Februar 2021 stiess er anlässlich eines Fliegeralarmes im vollen Spurt in der Fahrzeughalle fast mit einem Kollegen zusammen, rutschte beim Ausweichen aus und fiel mit voller Wucht auf den Hallenboden. Dabei verletzte er sich das linke Knie, den rechten Ellbogen und die rechte Schulter
(Unfallmeldung vom
8. Februar 2021
,
Urk.
7
/
G1
).
Am 7. Februar 2021 wurde
n
eine Röntgenuntersu
chung des Knies
ap
, seitlich und Patella links,
und
der Schulter
ap
/Neer stehend rechts (
Urk.
7/M2)
sowie
am 8. Februar 2021 eine MRI-Untersuchung des Knies nativ links (
Urk.
7/M1) durchgeführt.
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
diag
nostizierte
gestützt auf diese und eigene Untersuchungen
in seinem Bericht vom 9. Februar 2021
(
Urk.
7/M5)
eine Kapselbandläsion am linken Knie,
den Verdacht auf eine HKB/VKB-
Läsion links sowie eine Schu
lterkontusion rechts fest
.
Zum Ausschluss einer Baker-Zyste sowie eines Logen-Syndroms (vgl.
Urk.
7/M6) wurde
n
a
m 15. Februar 2021 eine Duplexsonographie der tiefen Beinvenen links sowie ein Ultraschall der unteren Extremität
en
links
(
Urk.
7/M4) und a
m 8. März 2021 eine MR-Untersuchung des Unterschenkels nativ
und
mit
i.v.
KM links
(
Urk.
7/M3) vorgenommen.
Acht Wochen nach dem Unfallereignis konstatierte Dr.
Z._
mit Bericht vom 30. März 2021 (
Urk.
7/M6), dass sich die
Situa
tion
an Ellbogen und Schultern
(Distorsion und Kontusion)
normalisiert
habe
, die Situation am linken Knie
–
bei
Distorsion Knie links mit
Läsion der Kreuzbänder
(
V.a.
Ruptur des hinteren Kreuzbandes)
Knie links
, Partialruptur des medialen Seitenbandes proximal und Traumatisierung des lateralen Meniskusvorderhorns Knie links
–
aufgrund
eingeschränkter Kniegelenksbeweglichkeit und Belastbar
keit
aber limitierend sei.
Ein
Verlaufs-MRT
Knie nativ links vom 5. Mai 2021 (
Urk.
7/M9) zeigte eine vollständige Ruptur des hinteren Kreuzbandes, während das vordere Kreuzband, die Seitenbänder und die
Menisci
wieder unauffällig zur Darstellung gelangten. Zudem wurde ein unveränderter, bekannter
osteo
chondraler
Schaden in der medialen
Patellafacette
erwähnt.
Infolge
unklarer Sen
sibilitätsstörungen beziehungsweise
ausstrahlender
Gesäss-/Beinschmerzen (
Urk.
7/M14) wurde
n
a
m 30.
September 2021 eine MR-Untersuchung der LWS nativ
(
Urk.
7/M12)
–
welche
bei
L5/S1
eine
hochgradige
Foramenstenose
rechts mit Kompression der Nervenwurzel L5,
bei
L4/5
eine
mässige
Foramenstenose
rechts mit Tangierung/möglicher Affektion der Nervenwurzel L4,
hingegen keine
Spinalkanalstenose und
keine Neurokompression links
zeigte – sowie am 15. Oktober 2021 eine neurologische Untersuchung (
Urk.
7/M15)
durchgeführt.
Mit Verfügung vom 14.
Dezember
2021
(
Urk.
7/G15)
lehnte die Unfallversiche
rung Stadt Zürich gestützt auf
die
am 6.
u
nd 24.
November 2021 durch
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vorgenommene
n
Fallbesprechung
en
(
Urk.
7/M13
, 7/M17
)
die Leistungsübernahme für die Beschwerden an der Lendenwirbelsäule
infolge des fehlenden Nachweises eines natürlichen Kausalzusammenhangs zum Unfall
ab. Die dagegen erhobene Einsprache wies
sie
mit Entscheid vom 3. Februar 2022 ab
(
Urk.
2)
.
2.
Dagegen erhob
X._
am 4. März 2022 Beschwerde mit dem Antrag, es sei der
Einspracheentscheid
vom 3. Februar 2022 aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zwecks E
inholung ei
n
e
s orthopädischen Gutachtens zurück
zuweisen, damit sie hernach nochmals über seine gesetzlichen Ansprüche ent
scheide (
Urk.
1 S. 2). Am
29. März 2022
schloss die Unfallversicherung Stadt Zürich auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), wovon der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 5. April 2022 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes üb
er die Unfallversicherung (UVG)
werden
– soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei den im Einzelnen in Abs. 2 auf
geführten
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leis
tungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität,
Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befan
genheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Ver
siche
rungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch
nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu
nehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) im We
sent
lichen damit, dass
die erst 7.5
Monate nach dem Unfallereignis vom 6. Februar 2021 erstmalig dokumentierten LWS-Beschwerden nicht unfallbedingt seien.
Bandscheibenschädigungen seien nach dem in der ständigen Recht
sprechung zitierten medizinischen Erfahrungssatz grundsätzlich krankheits- beziehungsweise degenerativ bedingt. Lediglich ausnahmsweise und unter bestimmten Umständen sei ein Trauma verursachend. Vorliegend
hätten
sich gemäss den Akten nicht unmittelba
r nach dem Ereignis Symptome einer
Dis
kushernie ein
gestellt
.
Zudem sei f
raglich, ob das Ausru
tschen und auf den Hal
lenboden F
allen ein im Sinne der Rechtsprechung schweres Ereignis dar
ge
stell
t habe
, in welchem eine entsprechende brachiale Gewalt auf die B
andschei
be ein
gewirkt habe
,
so
dass diese
durch das Trauma verletzt worden sei. Hinzu komme, dass beim Fallen keine axiale K
ra
fteinwirkung auf die Wirbelsäul
e stattgefunden habe, welche ge
eignet
gewesen
wä
re, eine Bandscheibe zu verletz
en.
Und schliesslich sei die Arbeitsunfähigkeit nicht aufgrund von LWS-Beschwerden, sondern wegen
anderer
Befunde
attestiert
worden.
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
dass er im Rahmen des Ausweichmanövers und des anschliessenden Sturzes einen schweren Unfall erlitten und sich insbesondere das Knie in erheblichem Masse verletzt habe. Auch seine Schulter sei in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Sensibilitätsstörung der linken Ex
tremität sei echtzeitlich am 7.
Fe
bruar 20
21 dokumentiert und
es seien
bereits zu diesem Zeitpunkt Abklärungen in die Wege geleitet worden. Aufgrund der eindrücklichen K
nieverletzung
sei jedoch in diesem Bereich nach der Ursache der Beschwerden gesucht und nicht sofort eine Rückenpathologie in Betracht gezogen worden. Aufgrund der Schwere des Unfalles, der echtzeitlichen medizinischen Dokumentation der Beschwerden sowie der einwandfreien gesundheitlichen Verfassung des Beschwerdeführers vor dem Unfall müsse davon ausgegangen werden, dass die
LWS-Beschwerden
unfallkausal seien.
3.
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die
zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 144 I 11 E. 4.3, 131 V 164 E. 2.1, 125 V 413 E. 1a).
D
ie Ablehnung der Leistungspflicht mit Verfügung vom 14. Dezember 2021
(Urk. 7/G15)
und
Einspracheentscheid
vom 3. Februar 2022
(Urk. 2) bezog
sich
einzig auf
die Beschwerden an
der
Lendenwirbelsäule
. Die anderen Verletzungen, insbesondere an Knie, Schulter und Ellbogen,
waren
nicht Gegenstand dieser Ent
scheide und
sind dementsprechend
auch im gerichtlichen Verfahren
nicht
zu prü
fen
, was unbestritten ist (Urk. 1 S. 5,
Urk.
2 S. 4)
.
4.
Dr.
A._
führte in seiner Fallbesprechung vom 6. November 2021 (
Urk.
7/M13) aus, dass die
Beschwerden
am Knie links und an der Schulter rechts mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 6. Februar 2021 zurück
zuführen seien. Die Verletzungen am Knie seien bestens dokumentiert und
beim Sturz habe sich der Beschwerdeführer auch eine Kontusion an der Schulter zuge
zogen, weshalb auch diesbezüglich eine eindeutige überwiegende Wahrschein
lichkeit
hinsichtlich der
Unfallkausalität vorliege. In Bezug auf di
e Beschwerden
an
der LWS erklärte Dr.
A._
, dass diese möglichweise auf das Ereignis vom 6. Februar 2021 zurückzuführen seien. Eine traumatisch verursachte Diskushernie erfordere
allerdings
ein massives Trauma. Die folglich vorbestehende Diskusher
nie sei durch den Sturz aktiviert worden. Am 24. November 2021 (
Urk.
7/M17) ergänzte er sodann, dass von Seiten der Sensibilitätsstörung keine unfallkausalen Befunde erhoben werden könnten.
5
.
5
.1
Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallver
si
cherungsrechts, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Band
scheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahms
weise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskushernie betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädi
gung der Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (ver
tebrales oder
radikuläres
Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsun
fä
hig
keit auftreten. So muss eine entsprechende richtunggebende Verschlim
merung insbesondere auch röntgenologisch ausgewiesen sein und sich von der alters
üb
lichen Progression abheben (Urteil des Bundesgerichts 8C_552/2020 vom 16. Dezember 2020 E. 3.2). Bezüglich der Verschlimmerung eines vorbestehenden Gesundheitsschadens gelten dieselben Kriterien, was dazu führt, dass eine Unfall
kausalität nur ausnahmsweise und insbesondere nur dann in Frage kommt, wenn der Unfall auch geeignet gewesen wäre, eine gesunde Bandscheibe zu verletze
n (Urteile des Bundesgerichts U 555/06 vom 10. Dezember 2007 E. 4.2.2; U 163/05 vom 3. Oktober 2005 E.
3.1
; U 441/04 vom 13. Juni 2005 E.
3.1).
Ist hingegen die Diskushernie bei (stummem) degenerativem Vorzustand durch den Unfall nur aktiviert, nicht aber verursacht worden, liegt eine vorübergehende Verschlimmerung vor.
Diesfalls
hat die Unfallversicherung
nur Leistungen für das
unmittelbar im Zusammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erbringen. Nach derzeitigem medizinischem Wissensstand kann in solchen Fällen das Erreichen des Status quo sine bei posttraumatischen Lumbalgien und
Lum
boischialgien
nach drei bis vier Monaten erwartet werden. Im Allgemeinen ist bei einer Prellung, Verstauchung oder Zerrung der Wirbelsäule die vorüber
gehende Verschlimmerung nach sechs bis neun Monaten und bei Vorliegen eines erheblich degenerativen Vorzustandes spätestens nach einem Jahr als abge
schlos
sen zu betrachten (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_408/2019 vom 26. August 2019 E. 3.3; 8C_834/2018 vom 19. März 2019 E. 3.3; SVR 2009 UV Nr. 1 S. 1, 8C_677/2007 E. 2.3 und 2.3.2 mit Hinweisen).
5
.2
Laut Unfallmeldung
(
Urk.
7/G1) und Frageblatt zum Ereignishergang (
Urk.
7/G5)
gab es einen Fliegeralarm. Um in die Fahrzeughalle zu gelangen, habe der Beschwerdeführer die Stange herunterrutschen müssen. Danach sei er im Voll
spurt beinahe mit einem Arbeitskollegen zusammengestossen. Beim Ausweichen sei er ausgerutscht und mit voller Wucht auf den Hallenboden gefallen und dabei
seien sein linkes Knie, der rechte
Ellbogen und di
e rechte Schulter heftig auf den Hallenboden aufgeschlagen
.
5
.3
Im Lichte dieser Ausführungen
erhellt, dass
es sich
vorliegend
nicht um ein besonders schweres Unfallereignis
– in Bezug auf die Wirbelsäule –
handelte
, welches geeignet gewesen wäre, eine Diskushernie zu verursachen. Denn nach der Rechtsprechung ist ein Unfall nur in Ausnahmefällen geeignet, eine Band
scheibenverletzung hervorzurufen, zumal eine gesunde Band
scheibe derart widerstandsfähig ist, dass unter Gewalteinwirkung eher die Wirbel
knochen brechen, als dass die Bandscheibe verletzt würde. Im medizi
nischen Ver
such konnte die isolierte Verletzung einer Bandscheibe durch einen Unfall lediglich bei
rein axialer Belastung der Wirbelsäule, nicht aber bei
Rota
tions
-,
Hyper
extensions
- oder Hyperflexionsbewegungen herbeigeführt werden (Urteil des Bundesgerichts
U 3/06 vom 6. September 2006 E.
1.2 mit Hinweisen). Eine rein axiale Belastung fand gemäss Unfallschilderung
bei einem Fall auf Knie, Ellbogen und Schulter
nicht statt beziehungs
weise scheinen die biomechanischen Kräfte des geschilderten Ereignisses nicht ausrei
chend
gewesen
zu sein. Auch sind die Symptome einer Diskushernie nicht unver
züglich nach dem Ereignis aufgetreten
– der Beschwerdeführer klagte
auch
nicht über Beschwerden an der Lendenwir
belsäule –
und haben keine Arbeitsunfähigkeit verursacht. Eine solche wurde zwar attestiert, allerdings infolge der erlittenen Knieverletzung. Das beim Beschwerdeführer
offenbar
im Anschluss an den Unfall
eingetretene
subjektive Gefühl einer kühlen, distalen Extremität links (
Urk.
7/M6)
wurde von den Ärzten vorab denn vielmehr im Rahmen einer Baker-Zyste oder eines möglichen
Logen
sydroms
gesehen
, weshalb diesbezüglich weitere Abklärungen getätigt wurden (Urk. 7/M3, 7/M4).
Dasselbe gilt für die
–
zudem erst später
aufgetretenen
–
Krämpfe im Unterschenkel
und linken Bein
(
Urk.
7/M14)
.
Bezeichnenderweise wurde
n
denn auch erst im September 2021 ein MRI der LWS sowie eine neuro
logische Untersuchung in die Wege geleitet (vgl.
Urk.
7/M14).
Hierbei liess sich bildmorphologisch im MRI der LWS denn aber kein wegweisender Befund finden und hielt die behandelnde Neurologin fest, die vom Beschwerdeführer angege
benen Symptome könnten von neurologischer Seite nicht sicher erklärt werden; den anamnestischen Angaben zufolge wäre eine Zerrung des
Nervus
ischiadicus
im Rahmen der Knieverletzung denkbar (Urk. 7/M15). Damit ist nicht überwie
gend wahrscheinlich belegt, dass sich der Beschwerdeführer eine unfallbedingte Diskushernie zugezogen hat, beziehungsweise dass den von ihm geklagten Sen
sibilitätsstörungen ein unfallkausales Substrat zugrunde liegt. Dies hat der Ver
sicherungsmediziner der Beschwerdegegnerin, Dr.
A._
, denn auch entspre
chend beurteilt,
indem er einen hinreichend objektivierbaren organischen unfallkausalen Befund an der Wirbelsäule lediglich als möglich, nicht aber als überw
iegend wahrscheinlich einstufte, und die Sensibilitätsstörung ausdrücklich nicht als unfallkausalen Befund bezeichnete
(vgl. E. 4)
.
Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs
mit dem Unfall
genügt für die Begründung eines Leis
tungs
anspruches
jedoch
nicht
(vgl. E. 1.2)
.
5
.4
Daran ändert
entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers (
Urk.
1 S. 6)
auch die
Fragestellung von Dr.
Z._
in Bezug auf die neurologische
bezie
hungsweise MRI-
Abklärung (Abklärung von unklaren, linksseitigen
Sensibilitäts
störungen und Schmerzen
nach Trauma
,
vgl.
Urk.
7/M12, 7/M14)
nichts,
handelt es sich dabei doch um eine
reine
Fragestellung und nicht um eine medizinische
Beurteilung. Entsprechend begründet
e
Dr.
Z._
auch mit keinem Wort
, wie sich die Kräfte
allenfalls
auf die Wirbelsäule ausgewirkt haben sollen, um eine Diskushernie
als Unfallereignis auszulösen.
Die Unfallkausalität
auf die zeitliche Korrelation
zu stützen
läuft auf eine unzulässige Post-hoc-ergo-
propter
-hoc-Argumen
tation hinaus (BGE 136 V 395 E. 6.5; SVR 2016 UV Nr. 24 S. 75)
, was ebenso für die Ausführungen des Beschwerdeführers gilt, wonach seine bis anhin uneingeschränkt ausgeübte berufliche Tätigkeit eine einwandfreie medizinische Gesundheit voraussetze (
Urk.
1 S. 6).
5
.5
Aber auch eine unfallbedingte richtunggebende Verschlimmerung eines Vorzu
standes ist nicht anzunehmen, gelten doch dafür dieselben Kriterien wie für eine unfallbedingte Di
skushernie (vgl. vorstehend E. 5
.1). Diese sind wie
dargelegt (vgl. vorstehend E. 5
.3) nicht erfüllt. Daher kann vorliegend höchstens davon ausgegangen werden, dass die Diskushernie bei degenerativem Vorzustand durch das Ereignis aktiviert worden ist
(vgl. hierzu auch Fallb
esprechung von Dr.
A._
vom 6
. November 2021,
Urk.
7/M
13
)
. Rechtsprechungsgemäss kann das Erreichen des Status quo sine nach drei bis vier Monaten erwartet werden (vgl.
vorstehend E. 5
.1).
Die erst über ein halbes Jahr
später
in die Wege geleiteten Abklärungen
beziehungsweise die davon betroffenen Beschwerden
fallen
dem
entsprechend offensichtlich nic
ht in diesen zeitlichen Rahmen.
6
.
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin somit zu Recht die Unfallkausa
lität für die beim Beschwerde
führer bestehenden LWS-Beschwerden und somit einen diesbezüglichen Leistungsanspruch verneint.
Für weitere medi
zinische Ab
klä
rungen besteht kein Anlass, zumal davon keine anderen
entscheid
rele
van
ten
Erkennt
nisse zu erwar
ten sind (antizipierte Beweiswürdi
gung; BGE
144 V 361 E.
6.5,
124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d, 136 I 229 E. 5.3).
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen.