Decision ID: bd5f2707-1b2b-4e14-b2ca-40b7dfbdd97f
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:
1.
Die kantonale Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau führt eine Strafun-
tersuchung gegen A. wegen des Verdachts auf Gläubigerschädigung durch
Vermögensminderung.
A. wird vorgeworfen, er und sein Bruder C. hätten der D., bei welcher sie
Gesellschafter und Geschäftsführer bzw. Gesellschafter und Vorsitzender
der Geschäftsführung waren und über welche am tt.mm.jjjj der Konkurs er-
öffnet und am tt.mm.jjjj mangels Aktien wieder eingestellt worden ist, kurz
vor ihrem Austreten aus der Gesellschaft Aktiven ohne Gegenleistung ent-
zogen.
2.
Mit Verfügung vom 18. März 2022 beschlagnahmte die kantonale Staats-
anwaltschaft des Kantons Aargau die Liegenschaft/Parzelle aaa an der X-
Strasse in Q. und wies das Grundbuchamt Baden an, im Grundbuch bezo-
gen auf das genannte Grundstück eine Grundbuchsperre anzumerken.
3.
3.1.
Gegen diese ihm am 21. März 2022 zugestellte Verfügung erhob A. mit
Eingabe vom 31. März 2022 beim Obergericht Beschwerde mit dem Antrag
auf Aufhebung der Grundbuchsperre.
3.2.
Die kantonale Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau beantragte mit Be-
schwerdeantwort vom 7. April 2022, die Beschwerde sei unter Kostenfol-
gen abzuweisen.
3.3.
Der Beschwerdeführer nahm mit Eingabe vom 16. Mai 2022 Stellung zur
Beschwerdeantwort der kantonalen Staatsanwaltschaft des Kantons Aar-
gau.

Considerations:
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
Die Eintretensvoraussetzungen sind erfüllt und geben zu keinen Bemer-
kungen Anlass. Insbesondere ist der Beschwerdeführer als im Grundbuch
eingetragener Eigentümer des mit der Grundbuchsperre belegten Grund-
stücks durch diese beschwert und deshalb zur Anfechtung legitimiert. Auf
die form- und fristgerecht erhobene Beschwerde ist einzutreten.
- 3 -
2.
2.1.
Die Grundbuchsperre (Art. 266 Abs. 3 StPO) stellt eine besondere Form
der Beschlagnahme gemäss Art. 263 StPO und damit eine Zwangsmass-
nahme im Sinne von Art. 196 StPO dar.
Strafprozessuale Zwangsmassnahmen wie die Beschlagnahme gemäss
Art. 263 ff. StPO dürfen im Allgemeinen gemäss Art. 197 Abs. 1 StPO nur
ergriffen bzw. aufrechterhalten werden, wenn sie gesetzlich vorgesehen
sind (lit. a), ein hinreichender Tatverdacht vorliegt (lit. b), die damit ange-
strebten Ziele nicht durch mildere Massnahmen erreicht werden können
(lit. c) und die Bedeutung der Straftat die Zwangsmassnahme rechtfertigt
(lit. d). Beschlagnahmen, welche in die Grundrechte nicht beschuldigter
Personen eingreifen, sind besonders zurückhaltend einzusetzen (Art. 197
Abs. 2 StPO).
Gemäss Art. 263 Abs. 1 StPO können Gegenstände und Vermögenswerte
einer beschuldigten Person oder einer Drittperson beschlagnahmt werden,
wenn die Gegenstände und Vermögenswerte voraussichtlich als Beweis-
mittel gebraucht werden (lit. a), zur Sicherstellung von Verfahrenskosten,
Geldstrafen, Bussen und Entschädigungen gebraucht werden (lit. b), den
Geschädigten zurückzugeben sind (lit. c) oder einzuziehen sind (lit. d). Ge-
mäss Art. 71 Abs. 3 StGB können überdies Vermögenswerte zur Durchset-
zung einer Ersatzforderung mit Beschlag belegt werden.
2.2.
2.2.1.
Die kantonale Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau begründete die
Grundbuchsperre einerseits damit, dass sie beabsichtige, eine Ersatzfor-
derung in Höhe der öffentlich-rechtlichen Schulden (Fr. bbb) zu beantra-
gen. Der Beschwerdeführer werde dringend verdächtigt, zusammen mit
seinem Bruder der D. Aktiven ohne Gegenleistung entzogen zu haben.
2.2.2.
Der Beschwerdeführer bestreitet den hinreichenden Tatverdacht. Er macht
im Wesentlichen geltend, der Beschwerdeführer sei zum Zeitpunkt, als
über die D. der Konkurs eröffnet worden sei, bereits seit Monaten nicht
mehr Gesellschafter oder Geschäftsführer dieser Gesellschaft gewesen.
Zudem habe sich der Tatverdacht im Laufe der Ermittlungen nicht weiter
verdichtet (Beschwerde S. 3 f.).
2.2.3.
In ihrer Beschwerdeantwort führt die kantonale Staatsanwaltschaft des
Kantons Aargau aus, dass die D. am tt.mm.jjjj eine Liegenschaft an der Y-
Strasse in R. gekauft habe. Anlässlich der a.o. Gesellschafterversammlung
der D. vom tt.mm.jjjj hätten der Beschwerdeführer und sein Bruder ihre
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Stammanteile der D. an E. übertragen. Im Protokoll dieser a.o. Gesellschaf-
terversammlung sei festgehalten worden, dass die wirtschaftliche Berech-
tigung an der erwähnten Liegenschaft in R. auch nach Übertragung der
Stammanteile der D. beim Beschwerdeführer und seinem Bruder verbliebe.
Ebenfalls sei im Protokoll festgehalten worden, dass die damals neu zu
gründende F. (heute G.), die vom Beschwerdeführer und seinem Bruder
beherrscht werde, beabsichtige, diese Liegenschaft zu kaufen. Am tt.mm.jjjj
habe die D. (umfirmiert zu H.) die erwähnte Liegenschaft formell an die F.
verkauft. E. sei nur der vorgeschobene Geschäftsführer der D./I. gewesen,
er sei ein Strohmann gewesen. Beim Verkauf der Liegenschaft Y-Strasse
in R. an die F. hätten der Beschwerdeführer und sein Bruder als faktische
Organe der Gesellschaft gehandelt und damit die Liegenschaft der Gesell-
schaft entzogen und so die Gläubiger der D./I. geschädigt.
2.2.4.
Demgegenüber macht der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme gel-
tend, er sei weder rechtliches noch faktisches Organ der H. (Umfirmierung
der D.) gewesen. Die kantonale Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau
vermöge auch nicht zu beweisen, worauf sie ihre Behauptung, er sei fakti-
sches Organ der H. gewesen, stütze.
2.3.
2.3.1.
Die Grundbuchsperre erfolgte im Strafverfahren gegen den Beschwerde-
führer wegen Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung (vgl. dazu
die angefochtene Verfügung). Soweit der Beschwerdeführer die nicht kor-
rekte Eröffnung des Verfahrens gemäss Art. 311 Abs. 2 StPO i.V.m.
Art. 309 Abs. 3 StPO rügt (vgl. Stellungnahme des Beschwerdeführers vom
16. Mai 2022, S. 3), ist festzustellen, dass darüber das Sachgericht zu ent-
scheiden haben wird. Vorwegzunehmen ist, dass die Eröffnung zumindest
mit dem Vollzug der Zwangsmassnahme zu verfügen (vgl. ESTHER OMLIN,
in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014,
N. 10 zu Art. 309 StPO) und eine Verletzung von Art. 311 Abs. 2 StPO je-
denfalls zum jetzigen Zeitpunkt nicht festzustellen ist.
Die kantonale Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau hat mit Verweis auf
das Protokoll der a.o. Gesellschafterversammlung (act. 1 100 f.) der D. (am
tt.mm.jjjj Sitzverlegung nach S. und Umfirmierung zu H.) vom tt.mm.jjjj so-
wie den Kaufvertrag vom tt.mm.jjjj (act. 5 136 ff.) dargelegt, dass die wirt-
schaftliche Berechtigung an der Liegenschaft Y-Strasse in R. auch nach
Übertragung der Stammanteile der D. an E. beim Beschwerdeführer und
seinem Bruder verblieb und dass – wie beabsichtigt – diese Liegenschaft
auf die neu zu gründende und vom Beschwerdeführer und seinem Bruder
beherrschte F. (heute G.) übertragen wurde. Es besteht der Tatverdacht,
dass die fragliche Liegenschaft das letzte und einzige Aktivum der D. bzw.
H. war und der Beschwerdeführer und sein Bruder dieses der Gesellschaft
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entzogen und so die Gläubiger geschädigt haben. Die Abklärungen des
Konkursamtes brachten keine Aktiven zum Vorschein, mit denen die Schul-
den der H. hätten beglichen werden können, weshalb der Konkurs mangels
Aktiven wieder eingestellt werden musste (act. 1 147, 5 53 f.). Bei dieser
Ausgangslage ist nicht unwahrscheinlich, dass E. nur der vorgeschobene
Geschäftsführer der D. bzw. H. war und der Beschwerdeführer und sein
Bruder als faktische Organe der Gesellschaft handelten.
Der hinreichende Tatverdacht hinsichtlich der Gläubigerschädigung durch
Vermögensminderung kann nach einer summarischen Prüfung bestätigt
werden (vgl. zum Entzug von Vermögenswerten auch den Rapport der
Kantonspolizei Aargau, act. 1 229 ff. [noch unter dem Vorwurf der Misswirt-
schaft bzw. Unterlassung der Buchführung], insbesondere das Fazit auf
S. 11, act. 1 239). Ob die vorhandenen sowie die allenfalls noch zu erhe-
benden Beweise und Indizien schliesslich für eine Verurteilung des Be-
schwerdeführers ausreichen werden, ist eine Frage, welche das Sachge-
richt zu entscheiden haben wird. Dieses wird eine eingehende Beweiswür-
digung vorzunehmen zu haben. Im heutigen Zeitpunkt bestehen jedenfalls
genügend konkrete Anhaltspunkte für einen hinreichenden Tatverdacht auf
das erwähnte deliktische Handeln des Beschwerdeführers.
2.3.2.
Im Unterschied zur Einziehungs- (Art. 263 Abs. 1 lit. d StPO) und Restituti-
onsbeschlagnahme (Art. 263 Abs. 1 lit. c StPO) setzt die Ersatzforderungs-
beschlagnahme gemäss Art. 71 Abs. 3 StGB (gleich wie die Deckungsbe-
schlagnahme gemäss Art. 263 Abs. 1 lit. b StPO) keine Konnexität zwi-
schen der Straftat und den mit Beschlag belegten Vermögenswerten vor-
aus (BGE 140 IV 57 E. 4.1.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_439/2019 vom
12. September 2019 E. 2.3.2; FELIX BOMMER/PETER GOLDSCHMID, in: Bas-
ler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 45
zu Art. 263 StPO).
Folglich ist es im vorliegenden Fall unerheblich (vgl. Beschwerde S. 5 f.),
dass das mit der Grundbuchsperre belastete Grundstück des Beschwerde-
führers in keinem Zusammenhang mit der verdächtigten Tat steht (Gläubi-
gerschädigung durch Vermögensminderung).
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die kantonale Staatsanwalt-
schaft des Kantons Aargau stütze ihre Verfügung ferner auf Art. 263 Abs. 1
lit. d StPO, dessen Voraussetzungen mangels eines Zusammenhanges zur
behaupteten Tat nicht gegeben seien (Beschwerde S. 6), kann festgehal-
ten werden, dass vorliegend die Einziehung des unmittelbar deliktisch er-
langten Vermögenswertes oder seines Surrogates mangels Vorhanden-
seins ausscheidet (vgl. dazu sogleich, E. 2.3.3) und damit auch deren Be-
schlagnahme. Die Beschlagnahme nach Art. 71 Abs. 3 StGB ist von derje-
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nigen nach Art. 263 Abs. 1 lit. d StPO zu unterscheiden: Die Beschlag-
nahme von Werten zur Durchsetzung der Ersatzforderung stellt, im Unter-
schied zu der ordentlichen, nie die Vorstufe zu einer Einziehung dar. Denn
der Gesetzgeber hat dafür in Art. 71 Abs. 3 Satz 2 StGB den Weg der
Zwangsvollstreckung vorgeschrieben (BOMMER/GOLDSCHMID, a.a.O., N. 45
zu Art. 263 StPO). Insofern ist die staatsanwaltschaftliche Formulierung in
der angefochtenen Verfügung (Beschlagnahme im Hinblick auf die allfällige
Durchsetzung der Ersatzforderung im Sinne von Art. 263 Abs. 1 lit. d StPO
i.V.m. Art. 71 Abs. 3 StGB [Einziehungsbeschlagnahme]) missverständlich,
auch wenn die Ersatzforderung gemäss Art. 71 Abs. 3 StGB materiellrecht-
lich unter dem Titel Einziehung (Art. 69–72 StGB) bzw. Einziehung von Ver-
mögenswerten (Art. 70–72 StGB) steht.
2.3.3.
Sind die der Einziehung unterliegenden Vermögenswerte nicht mehr vor-
handen, so erkennt das Gericht (gegenüber dem Beschuldigten) auf eine
Ersatzforderung des Staates in gleicher Höhe (Art. 71 Abs. 1 StGB). Die
Untersuchungsbehörde kann im Hinblick auf die Durchsetzung der Ersatz-
forderung Vermögenswerte des Betroffenen mit Beschlag belegen (Art. 71
Abs. 3 Satz 1 StGB).
Die kantonale Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau macht in der ange-
fochtenen Verfügung geltend, dass über die D. der Konkurs eröffnet und
mangels Aktiven wieder eingestellt worden ist. Der Beschwerdeführer und
sein Bruder hätten der Gesellschaft Aktiven ohne Gegenleistung entzogen.
In ihrer Beschwerdeantwort führt sie ergänzend aus, dass der Beschwer-
deführer und sein Bruder im Zeitpunkt der Übergabe der Gesellschaft an
E. zusammen Fr. ccc offene Kontokorrentschulden bei der Gesellschaft ge-
habt hätten, die sie nicht zurückbezahlt hätten. Das (deliktisch erlangte)
Geld aus dem Verkauf der Liegenschaft für Fr. ddd sei praktisch aufge-
braucht.
Nach dem Dargelegten kommt nur eine Ersatzforderung nach Art. 71 StGB
in Frage. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers war von An-
fang an klar, welche ursprünglichen Vermögenswerte erlangt wurden und
dass diese nicht mehr vorhanden waren. Eine Verletzung des Untersu-
chungsgrundsatzes (vgl. Beschwerde S. 5 f.) liegt nicht vor. Sollte der Be-
schwerdeführer wegen Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung
angeklagt und verurteilt werden, so würde der Deliktsbetrag grundsätzlich
der Einziehung gemäss Art. 70 Abs. 1 StGB unterliegen bzw. eine Ersatz-
forderung begründen, da er nicht mehr vorhanden wäre. Die Voraussetzun-
gen für eine Ersatzforderung nach Art. 71 Abs. 1 StPO sind somit erfüllt.
Damit ist eine Ersatzforderungsbeschlagnahme nach Art. 71 Abs. 3 StGB
grundsätzlich zulässig.
https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=m5pxg5dhmjpxax3boj2f6nzr
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2.4.
Ob allenfalls auch die Voraussetzungen einer Deckungsbeschlagnahmung
gemäss Art. 263 Abs. 1 lit. b StPO zur Sicherstellung von Verfahrenskos-
ten, Geldstrafen, Bussen und Entschädigungen im Verfahren gegen den
Beschwerdeführer erfüllt sind, wovon die kantonale Staatsanwaltschaft des
Kantons Aargau ausgeht, kann unter diesen Umständen offengelassen
werden.
2.5.
2.5.1.
Es bleibt zu prüfen, ob die Beschlagnahme verhältnismässig ist. Zwangs-
massnahmen wie die Beschlagnahme dürfen nur ergriffen werden, wenn
die damit angestrebten Ziele nicht durch mildere Massnahmen erreicht wer-
den können (Art. 197 Abs. 1 lit. c StPO) und die Bedeutung der Straftat die
Zwangsmassnahme rechtfertigt (Art. 197 Abs. 1 lit. d StPO).
2.5.2.
Der Beschlagnahmegrund von Art. 71 Abs. 3 StGB ist im Untersuchungs-
verfahren lediglich glaubhaft zu machen, ebenfalls hinsichtlich des Betrags,
der üblicherweise noch nicht genau feststeht. Der genaue Anteil bzw. der
Wert der deliktisch erlangten Vermögenswerte ist im Zeitpunkt der Be-
schlagnahme kaum je präzise feststellbar, sondern erst nach durchgeführ-
ter Beweiswürdigung vom Sachgericht bestimmbar. Die Beschlagnahme
greift dem Endentscheid nicht vor. Als vorsorgliche Massnahme unterliegt
sie einer prima facie Würdigung. Die Beschlagnahme kann daher in weite-
rem Umfang erfolgen als die definitive Ersatzforderung (vgl. zum analogen
Fall der Einziehung: Urteil des Bundesgerichts 1B_711/2012 vom
14. März 2013 E. 4.4.1 mit Hinweisen). Der Ersatzforderungsbeschlag-
nahme unterliegt in erster Linie das Vermögen des Ersatzforderungs-
schuldners (Urteil des Bundesgerichts 6B_439/2019 vom 12. Septem-
ber 2019 E. 2.3.2).
2.5.3.
Die Grundbuchsperre ist ohne Zweifel geeignet, den verfolgten Zweck – die
Sicherstellung der beschlagnahmten Vermögenswerte im Hinblick auf die
Durchsetzung einer Ersatzforderung (Art. 71 Abs. 3 StGB) – zu erreichen.
Wenn auch die Beschlagnahme der gesperrten Liegenschaft einen Eingriff
in die aus der Eigentumsgarantie (Art. 26 BV) fliessenden Verfügungs- und
Nutzungsrechte des Beschwerdeführers (sowie des Nutzungsrechts der
Ehefrau des Beschwerdeführers) darstellt, so stellt die Grundbuchsperre
im konkreten Fall nicht wie vom Beschwerdeführer behauptet einen Eingriff
in die Interessen der Familie bzw. der Privatsphäre (Art. 13 BV) dar. Viel-
mehr hält sich die konkrete Beeinträchtigung des Beschwerdeführers und
seiner Ehefrau bzw. der Kinder durch die Grundbuchsperre hier in Gren-
- 8 -
zen. Die Nutzung als private Wohnliegenschaft ist nicht betroffen. Abgese-
hen davon ist entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (vgl. Be-
schwerde S. 5) eine mildere Massnahme (bspw. die Hinterlegung einer
Geldsumme) nicht ersichtlich. So konnten bisher – soweit aus den Akten
ersichtlich – keine weiteren Vermögenswerte sichergestellt werden bzw.
äusserte sich der Beschwerdeführer nicht zu seinem Vermögen und Ein-
kommen (vgl. Beschwerdeantwort der kantonalen Staatsanwaltschaft des
Kantons Aargau, S. 3, mit Verweis auf act. 4 386). Die verfügte Grundbuch-
sperre erweist sich somit auch als erforderlich.
Nichts Anderes gilt auch mit Blick auf den Umfang der Beschlagnahmung
bzw. das Verhältnis des Werts der beschlagnahmten Liegenschaft zur un-
gefähren Gesamthöhe des mutmasslichen bzw. voraussichtlichen Delikts-
betrags, welchen die dereinst zuständige Strafbehörde definitiv festzuset-
zen haben wird, und diesen Aspekt der Verhältnismässigkeitsprüfung. Die
kantonale Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau macht mit Verweis auf
das Schreiben der Eidgenössischen Steuerverwaltung ESTV vom 23. De-
zember 2021 ausstehende Mehrwertsteuerschulden in der Höhe von
Fr. bbb geltend (Beschwerdeantwort S. 3 f. mit Verweis auf act. 5 439). Der
Beschwerdeführer kann nichts zu seinen Gunsten ableiten, wenn in den
Konkursakten der H. aus dem Jahr 2016 im Gläubigerverzeichnis eine (ge-
schätzte) Forderung der ESTV, Hauptabteilung MWSt, von Fr. eee ausge-
wiesen ist (vgl. seine Stellungnahme vom 16. Mai 2022, S. 4, mit Verweis
auf act. 5 39). Im Übrigen machte der Beschwerdeführer bislang weder im
Strafverfahren (vgl. act. 4 386) noch in der Beschwerde Angaben zum
Kaufpreis der beschlagnahmten, in seinem Alleineigentum stehenden Lie-
genschaft bzw. zu deren Finanzierung und ist darüber auch nichts akten-
kundig. Wie erwähnt kann die Beschlagnahme in weiterem Umfang erfol-
gen als die definitive Ersatzforderung. Einstweilen erweist sich die Be-
schlagnahme dieser Liegenschaft nicht als unverhältnismässig hart bzw.
unangemessene Massnahme. Bei dem zur Prüfung stehenden Tatbestand
der Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung handelt es sich
schliesslich um eine Tat, welche mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder
Geldstrafe bestraft werden kann. Das öffentliche Interesse an der Strafver-
folgung bzw. an der Abklärung der dem Beschwerdeführer zur Last geleg-
ten Tat sowie der damit verbundenen Durchsetzung einer entsprechenden
Ersatzforderung übersteigt deshalb einstweilen das Interesse des Be-
schwerdeführers an der uneingeschränkten Nutzung der gesperrten Lie-
genschaft und der Verfügung über dieselbe. Dasselbe muss auch bezüg-
lich des ohnehin nur hypothetischen güterrechtlichen Anspruchs der Ehe-
frau gelten (vgl. Beschwerde S. 8). Die Bedeutung der in Frage stehenden
Straftat vermag die Grundbuchsperre damit ebenfalls zu rechtfertigen.
2.5.4.
Damit erweist sich die Beschlagnahme als verhältnismässig.
- 9 -
3.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Voraussetzungen für die Er-
richtung der Grundbuchsperre gegeben und auch nicht nachträglich weg-
gefallen sind (Art. 267 StPO). Die verfügte Grundbuchsperre erweist sich
damit nach wie vor als rechtmässig, weshalb die Beschwerde abzuweisen
ist.
4.
Der Beschwerdeführer ist ausgangsgemäss kostenpflichtig (Art. 428
Abs. 1 StPO) und hat keinen Anspruch auf Entschädigung.