Decision ID: 84928879-793f-5d73-9471-bb88ee155c6e
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 2008 geborene
X._
wurde von ihrer Mutter am 22. April 2020 unter Hinweis auf eine
Hüftkopfepiphysenlösung
bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug an
gemeldet (Urk. 7/2), worauf
d
ie Sozialversich
e
rungsan
sta
lt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
medizinische Abklärungen vor
nahm
. Mit
Vorbe
scheid vom 17. September 2020 (Urk. 7/7)
stellte
die IV-Stelle
die Abweisung des
Anspruchs auf medizinische Massnahmen
in Au
s
sicht
, wogegen der Kranken
versicherer der Versicherten am 14. Oktober 2020 Einwand (Urk. 7/10) erhob. Die IV-Stelle verneinte mit Verfügung vom 3. November 2020 (Urk. 2) einen
Leis
tungsanspruch.
2.
Dagegen erhob der Krankenversicherer am 3. Dezember 2020 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, es sei
die Verfügung vom 3. November 2020 aufzuheben und es seien die Kosten der im Jahre 2019 durchgeführten
Epiphysenfixierung
von der Invalidenversicherung zu tragen (S. 5
Ziff. 21
). Mit Beschwerdeantwort vom 15. Januar 2021 (Urk. 6) ersuchte die Beschwerdegegnerin um teilweise Gutheiss
ung der Beschwerde im Sinne einer Rückweisung zu weiteren Abklärungen und Neuprüfung des Lei
s
tungsanspruchs, worüber die Beschwerde
führerin
mit Verfü
gung vom 19. Januar 2021 (Urk. 8) in Kenntnis gesetzt wurde. Mit Eingabe vom 8. Februar 2021 (Urk. 10) erklärte sie sich mit dem Antrag
der Beschwerdegeg
nerin
einverstanden.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) in Verbindung mit Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) prüft der Versicherungsträger die Begehren der versicherten Person, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein. Soweit ärztliche oder fachliche Unter
suchungen für die Beurteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die ver
si
cherte Person diesen zu unterziehen (Art. 43 Abs. 2 ATSG).
1.2
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (Urk. 2) damit, dass bei der Versicherten kein Geburtsgebrechen vorliege. Aus medizinischer Sicht liege zwar ein behandlungsbedürftiges Leiden vor,
die operative Fixierung der
Epi
p
hysiolysis
cap
itis
femoris
dexter
erfülle indes nicht die Kriterien für eine Kostengutsprache gemäss Art. 12 IVG. Die operative Fixierung sei eine direkte Leistungsbehandlung, welche in erster Linie der Verhinderung einer fortschrei
tenden Hüftkopfdeformation diene. Die postoperative Physiotherapie sei eine rein postoperative Massnahme und habe auch keine direkte Eingliederungswirkung
. Im Weiteren wies die Beschwerdegegnerin darauf hin, dass die Versicherte mit einer stabilen Hüfte geboren sei und es im Verlauf des Wachstums zu einer Ablösung der Wachstumsfuge (
Lyse
) gekommen sei. Die Folge ein
er
solchen
Lyse
sei eine Hüftkopflösung mit Gangstörungen und konsekutiver, aber indirekter Einschränkung
in der Eingliederung
ins Berufsleben respektive in der Schulaus
bildung
(S. 2).
2.2
Demgegenüber machte
die Beschwerdeführerin
in
ihrer
Beschwerde (Urk. 1) geltend, dass gemäss dem Kreisschreiben über die medizinischen Massnahmen der Invalidenversicherung
medizinische Eingliederungsmassnahmen
seitens der Invalidenversicherung
nach Art. 12 IVG übern
ommen würden
, sofern noch nicht stabile oder relativ stabilisierte Zustände bestünden. Dies sei dann der Fall, wenn
die auszuführenden Massnahmen mit hinlänglicher Zuverlässigkeit erwarten liessen
, dass damit einem später drohenden, stabilen, nur schwer korrigierbaren Defekt vorgebeugt werden könne, der sich wesentlich auf die Er
werbstätig
keit/
Berufsausbildung auswirken würde.
Gestützt auf die Berichte der behandelnden Ärzte
sei die opera
tive Fixierung des Schenkelkopf
s klar indizi
ert gewesen, wes
halb die
Invalidenversicherung die entsprechenden
Kosten
zu übernehmen habe
(S. 4
f.
Ziff. 17
f
f
.
)
.
2.3
Mit Beschwerdeantwort vom 15. Januar 2021 (Urk. 6) beantragte die Beschwer
degegnerin, es sei die Beschwerde teilweise gutzuheiss
en und die Sache zwecks weiteren
Abklärungen und Neuprüfung des Leistungsanspruchs an sie zurück
zuweisen.
2.4
Mit Eingabe vom 8. Februar 2021 (Urk. 10) erklärte sich die Beschwerdeführerin mit der beantragten Rückweisung einverstanden.
3.
Die Parteien beantragen übereinstimmen
d
die Rückweisung der Angelegenheit zu
weiteren medizinischen Abklärung
en
und
zur
Neuprüfung des Leistungsan
spruchs
. Mit Blick auf die Akten lässt sich nicht mit dem im Sozialversiche
rungs
recht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. BGE
137 V 57 E. 2.2) beurteilen, ob im Zusammenhang mit der
Epi
physiolysis
noch nicht stabile oder relativ stabilisierte Zustände im Sinne von Art. 12 IVG be
standen.
In Anbetracht dieser Gegebenheiten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzu
heis
sen, dass die angefochtene Verfügung vom 3. November 2020 (Urk. 2) aufzuheben und die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese die notwendigen Abklärungen vornehme und hernach über den Leistungs
anspruch der Versicherten neu entscheide.
4.
4.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr. 400.-- anzusetzen. Nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
4.2
Im Verfahren der Verwaltungsgerichtsbeschwerde darf obsiegenden Behörden oder mit
öffentlichrechtlichen
Aufgaben betrauten Organisationen in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen werden. Das Bundesgericht hat ent
schieden, dass den Krankenkassen keine Parteientschädigung zugesprochen wird, weil sie als Organisation mit
öffentlichrechtlichen
Aufgaben zu qualifizieren sind (BGE 112 V 361 E. 6 mit Hinweisen).
Daran ist
im vorliegenden Verfahren
festzu
halten und der Beschwerdeführerin
ist
keine Prozessentschädigung
(vgl. Urk. 1 S. 5
Ziff.
21)
zuzusprechen.