Decision ID: 6f054949-037a-4f48-8362-ece2786dcdba
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1961, war ab 18. Juli 2016 als Baufacharbeiter bei der
Z._
AG
in
A._
angestellt und bei der Suva gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert
, als er am 8. September 2016 versehentlich gegen einen Stein trat, als Folge davon umknickte
und sich dabei
am rechten
F
ussgelenk und diversen
Zehen verletzte (Urk. 8/1
, Urk. 8/8
).
Die ärztliche Erstbehandlung fand im Spital
B._
statt
, wo eine nicht-dislozierte
Fibalufraktur
Typ Weber B rechts sowie eine gering dislozierte distale Schaft-Spiralfraktur des Os
metatarsale
II rech
ts diagnostiziert wurden (Urk. 8
/8).
Beide Verletzungen wurden in der Folge zunächst konserva
tiv therapiert (vgl. etwa Urk. 8/18 und 8
/41-42).
Ab dem 31. März 2017 wurde der Versicherte zu
dem prophylaktisch wegen des Verdachts auf ein komplexes regionales Schmerz
syndrom (CRPS) am rechten Unterschenkel behandelt (vgl. Urk. 8/42). Am 7. Juni 2017 musste er sich einem operativen Eingriff im Spit
al
B._
unterziehen (Urk. 8
/64: Osteotomie distale Fibula rechts, Anfrischen der
Pseudarthroseränder
,
Spongiosaplastik
mit Entnahme vom
Tibiakopf
rechts, Osteosynthese mit 7/5-Loch distaler
Fibulaplatte
). Im Anschluss daran blieb der Versicherte noch bis zum 13. Juni 2017 im Spital
B._
hospita
lisiert (Urk. 8
/65).
Dort fand am 14. Februar 2018 auch die
Materialentfernung statt (Urk. 8
/120) mit anschliessen
der
Hospitalisat
ion
bis zum 1. März 2018 (Urk. 8
/117).
Kreisarzt Dr. med.
univ.
C._
, Arzt für Allgemeinmedizin, beurteilte am 21. Juni 2018 die Arbeits
fä
hig
keit des Versicherten (Urk. 8
/131).
Mit Sch
reiben vom 15. Juni 2018 (Urk. 8
/132) teilte die Suva dem Versicherten mit, dass Tätigkeiten auf dem Bau ab sofort wieder möglich seien. Es empfehle sich jedoch zunächst mit einem Pensum von 50 % zu starten und dieses dann nach einem Monat auf 1
00 % zu erhöhen. Die Suva stell
e die Taggeldleistungen per 1. August 2018 ein.
Für die Kosten der noch notwendigen Behandlungen komme man weiter auf.
Am 8. Oktober 2018 bestätigte der Versicherte, dass die ärztliche/therapeutische Beha
ndlung abgeschlossen sei (Urk. 8
/145). Am 22. November 2018 erteilte die Suva eine Kostenguts
prache für Spezialschuhe (Urk. 8
/148).
1.2
Mit Schr
eiben vom 15. April 2019 (Urk. 8
/158) liess der Versicherte der Suva ausrichten, dass er mit der Einstellung der Taggelder per 31. Juli 2018 und/oder dem Verzicht auf die Ausrichtung einer Invalidenrente und einer Integritätsent
schädigung nicht einverstanden sei.
In der Folge liess der Versicherte den Bericht von PD Dr. med.
D._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa
rates, vom 18. Juni 2019 (Urk. 8
/161) ins Recht reichen
und die Ausrichtung von Ver
sicherungsleistungen rückwirkend ab 1
. August 2018 beantragen (Urk. 8
/162).
Kreisarzt Dr.
C._
reichte am 7./8. Oktober 2019 seine Beurteilung zu den Akten und schätzte den unfallbedi
ngten Integritätsschaden (Urk. 8
/178-179).
Am 10. Oktober 2019 erteilte die Suva auf entsprechendes Gesuch des Versicher
ten Kostengutsprache für eine Operation (Urk.
8/180-181; vgl. auch Urk. 8
/185).
1.3
Mit Schrei
ben vom 10. Oktober 2019 (Urk. 8
/184) teilte die Suva dem Versicher
ten mit, dass auf «eine rückwirkend ausgestellte Arbeitsunfähigkeit» ni
cht ein
getreten werden könne; man werde aber eine Integritätsentschädigung
über
wei
sen.
A
m 28. Oktober
2019 wurde die genannte Operation (Revisionseingriff mit AMIC-Plastik lateraler
Talusdom
über
Fibulaosteotomie
rechts und
Rekon
s
truktion late
raler Bandapparat links) in der
Klinik E._
durchgeführt (Urk. 8
/196).
1.4
Mit Eing
abe vom 3. Dezember 2019 (Urk. 8
/193) liess der Versicherte abermals die Ausrichtung von Taggeldern ab 1. August 2018 und für den Fall, dass die Suva an der Leistungseinstellung per 31. Juli 2018 festhalten sollte, den Erlass einer anfechtbaren Verfügung beantragen. Für den Zeitraum vom 28. Oktober bis
30. November
2019 hatte die Suva die Taggelder
bereits ausbezahlt (vgl. Urk. 8
/193).
1.5
Mit Verfü
gung vom 16. Januar 2020 (Urk. 8
/205) stellte die Suva die Taggeld
leistungen ab 1. August 2018 ein mit der Begründung, dass der Versicherte
ab diesem Zeitpunkt ganztägig a
rbeitsfähig gewesen sei. Den Anspruch auf eine Invalidenrente verneinte die Suva unter Hinweis auf einen rentenausschliessen
den Invaliditätsgrad von 7,87 %, sprach dem Versicherten jedoch eine Integri
tätsentschädigung
für eine Integritätseinbusse
von 10 % zu.
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte mit Eing
abe vom 17. Februar 2020 (Urk. 8
/216) Einsprache erheben mit folgenden Anträgen:
1.
[Dem Rechtsvertreter des Versicherten] seien die seit der letzten Akteneinsicht vom 31.1.2019 neu entstandenen Suva-Akten (ab
act
. 154) zur Einsicht zuzustellen, und es sei ihm eine Nachfrist von 30 Tagen ab deren Zustellung zu gewähren, um die Einsprache in Kenntnis der vollständigen Aktenlage sachgerecht ergänzen zu können.
2.
Die Verfügung vom
16.1.2020 sei aufzuheben und es seien dem Einsprecher als Folge des versicherten Ereignisses für [die] Zeit
vom 1.8.2018 bis zur Rückfallanerkennung vom 10.10.2019 die
gesetzlichen Versicherungsleistungen, namentlich Heilbehand
lungs
kosten und Taggelder auszurichten.
3.
Eventualiter sei zur Abklärung des rechtserheblichen Sachver
hal
tes, namentlich zur Frage des Gesundheitszustandes und zur
Arbeits
unfähigkeit in der Zeit vom 1.8. bis 10.10.2019, ein medi
zinisches Gutachten eines unabhängigen Facharztes für Orthopädie einzuholen.
4.
Mit der Prüfung des Anspruches auf Rentenleistungen und einer Integritätsentschädigung sei zuzuwarten, bis von einer weiteren medizinischen Behandlung keine namhafte Verbesserung des Ge
sund
heitszustandes mehr zu erwarten ist.
5.
Eventualiter sei dem Einsprecher nach Einholung einer unabhän
gigen Expertise im Sinne von Antrag 2 ab 1.8.2018 eine Rente sowie eine Integritätsentschädigung zuzusprechen.
1.6
Mit Schreiben vom 25. Juni 2020 (Urk. 8/250) teilte die Suva dem Versicherten mit, dass sie sich auf den Unfall vom 8. September 2016 und den gemeldeten Rückfall (Operation vom 28. Oktober 2019) beziehe und die ärztliche Beurteilung
ergeben habe, dass eine Behandlung nicht mehr notwendig sei. Deshalb stelle man
die Versicherungsleistungen ein.
1.7
Am 22. Juli 2020 teilte die Suva dem Versicherten Folgendes mit
(Urk. 8/255)
:
Wir haben die Sachlage geprüft und nehmen unser
e
Verfügung vom 16.1.2020 zurück. Wir betrachten damit das
Einspracheverfahren
als formlos erledigt.
1.8
Mit Verfügung vom 11. September 2020 (Urk. 8/
268)
sprach die Suva dem Ver
sicherten eine Integritätsentschädigung von 10 % zu und verneinte eine
n
Ren
ten
anspruch gestützt auf einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 4,87 %.
Mit einer als Stellungnahme/vorsorgliche Einsprache betitelten Eingabe vom 16. September 2020 (Urk. 8/271) liess der Versicherte gegen das Vorgehen der Suva
Einwände erheben
und folgende Anträge stellen
:
1.
Das
Einspracheverfahren
betr. die Einsprache des Versicherten gegen die Verfügung vom 16.01.2020 sei ordentlich und formell korrekt abzuschliessen, so dass ein anfechtbarer Entscheid vorliegt.
2.
Es sei vorgängig über den strittigen Taggeldanspruch des Versi
cher
ten in der Zeit vom 1.8.2018 bis 10.10.2019 zu befinden.
3.
Eventualiter sei zur Abklärung des rechtserheblichen Sachver
haltes, namentlich zur Frage des Gesundheitszustandes und zur
Arbeitsfähigkeit in der Zeit vom 1.8.2018 bis 10.10.2019, ein medi
zinisches Gutachten eines unabhängigen Facharztes für Ortho
pädie einzuholen.
4.
Die Verfügung vom 11.09.2020 sei aufzuheben.
5.
Eventualiter sei zur Abklärung des rechtserheblichen Sachver
hal
tes, namentlich zur Frage des Gesundheitszustandes und zur Arbeits
unfähigkeit ab dem 01.10.2020 ein medizinisches Gutach
ten eines unabhängigen Facharztes der Orthopädie einzuholen.
Am 20. November 2020 liess der Versicherte nach entsprechender perem
p
to
rischer Aufforderung durch die Suva (vgl. Urk. 8/279) eine weitere Eingabe ins Recht reichen (Urk. 8/285).
Mit Entscheid vom 2. Dezember 2020 (Urk. 2 = Urk. 8/286) wies die Suva die Einsprache des Versicherten gegen die Verfügung vom 11. September 2020 ab, soweit sie darauf eintrat.
2.
Mit Eingabe vom 19. Januar 2021 (Urk. 1) liess der Versicherte mit Bezug auf seine Einsprache vom 17. Februar 2020 Beschwerde wegen Rechtsverweigerung sowie gleichzeitig Beschwerde gegen den genannten
Einspracheentscheid
vom 2. Dezember 2020 erheben mit folgenden Anträgen:
1.
Die Rechtsverweigerungsbeschwerde und die Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid
vom 02.12.2020 seien, soweit erforder
lich, zu vereinigen
bzw. jedenfalls gemeinsam zu behandeln und zu entscheiden.
2.
Es sei ein 2. Schriftenwechsel anzuordnen.
3.
Der
Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 02.12.2020 sei aufzuheben, und diese sei zu verpflichten, dem Beschwerde
füh
rer in Nachachtung der wiedererwägungsweisen Aufhebung der Verfügung vom 16.01.2020 für die Zeit vom 01.08.2018 bis 10.10.2019 Taggelder nach Massgabe einer 100%igen Arbeitsun
fähigkeit auszurichten.
4.
Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin unter Aufhebung des
Einspracheentscheides
vom
02.12.2020 zu verpflichten, sich mittels eines anfechtbaren Entscheides zu erklären, in welcher Hinsicht sie die Begehren des Beschwerdeführers gemäss Einspra
che vom 17.02.2020 mit der wiedererwägungsweisen A
ufhebung
der
Verfügung vom 16.01.2020 anerkannt und diesen Nachach
tu
ng verschafft hat, und inwieweit sie auf die Begehren des Beschwer
deführers nicht eingegangen ist oder sie zurückgewiesen hat.
5.
Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, innert einer gericht
lich anzusetzenden Frist den rechtserheblichen medizinischen Sach
verhalt zur Frage des Gesundheitszustandes und zur Arbeits
fähigkeit ab dem 1.10.2020 mittels eines medizinischen Gutachtens eines unabhängigen Facharztes der Orthopädie oder eines multi
disziplinären Gutachtens abzuklären, und hernach über den An
spruch auf Versicherungsleistungen neu zu befinden.
6.
Subeventualiter
sei die Sache unter Aufhebung des
Einsprache
entscheides
vom 02.12.2020 an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen, damit sie den rechtserheblichen medizinischen Sachverhalt mittels eines medizinischen Gutachtens eines unabhängigen Fach
arztes der Orthopädie oder eines multidisziplinären Gutachtens umfassend abkläre und hernach über den Anspruch auf Versi
che
rungsleistungen für die Zeit vom 1.8.2018 bis 10.10.2019 und ab 1.10.2020 neu befinde.
7.
Unter Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin (zuzüglich 7,7 % MwSt.).
Die Suva schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 15. April 2021 (Urk. 7)
auf Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 21. April 2021 (Urk. 9) wurde den Parteien mitgeteilt, dass das Gericht die Anordnung eines weiteren Schriften
wechsels nicht als erforderlich ansehe, es aber den Parteien freistehe, sich noch
mals zur Sache zu äussern.
Es wurden keine weiteren Eingaben ins Recht gereicht.
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforder
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 49 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG)
hat der Versicherungsträger über Leistungen, Forde
rungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Per
son nicht einverstanden ist, schriftlich Verfügungen zu erlassen. Die Verfügungen werden mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen; sie sind zu begründen, wenn
sie den Begehren der Parteien nicht vollentsprechen (Art. 49 Abs. 3 Sätze 2 und 3
ATSG).
Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die nicht unter Art. 49 Abs. 1 ATSG fallen, können in einem formlosen Verfahren behandelt werden (Art. 51 Abs. 1 ATSG). Die betroffene Person kann den Erlass einer Verfügung verlangen (Art. 51 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Gegen Verfügungen
kann innerhalb von dreissig Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden; davon ausgenommen sind prozess- und ver
fahrensleitende Verfügungen (Art. 52 Abs. 1 ATSG). Die
Einspracheentscheide
sind innert angemessener Frist zu erlassen. Sie werden begründet und mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen (Art. 52 Abs. 2 ATSG).
1.2.2
Es ist nicht zulässig, einen kassatorischen
Einspracheentscheid
zu erlassen, der sich darauf beschränkt, die vorausgegangene Verfügung wegen weiteren Abklä
rungsbedarfs aufzuheben. Die neuen Erhebungen sind vielmehr in die Beurtei
lungsgrundlagen eines reformatorischen,
instanzabschliessenden
Einspracheent
scheids
einzubeziehen (BGE 131 V 407 E. 2). Auch der Erlass eines teilweise kassatorischen, teilweise reformatorischen
Einspracheentscheids
ist unzulässig (
Urteil des Bundesgerichts I 285/06
vom
23.
Januar
2007
E. 3.3
; Kaspar Gehring,
in:
Kommentar KVG
,
UVG
und ATSG
,
Zürich
2018, N 8 zu Art. 52 ATSG).
In der Literatur wird darauf hingewiesen, dass in der Praxis in Missachtung dieser Rechtslage zuweilen kassatorische
Einspracheentscheide
gefällt werden (Ueli
Kieser
, ATSG-Kommentar, 4. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2020, N 67 zu Art. 52 ATSG).
1.2.3
Das damalige Eidgenössische Versicherungsgericht erwog diesbezüglich in seinem
Leitentscheid BGE 131 V 407 Folgendes:
2.1.2
Das Verwaltungsverfahren ist als Einheit zu begreifen, die das
Ver
fügungs
- und das
Einspracheverfahren
umfasst. Eine Rückweisung zur ergänzenden Sachverhaltserhebung durch einen
Einspracheent
scheid
ist strukturell nicht gerechtfertigt und somit nicht angängig, weil es sich nicht um einen
instanzübergreifenden
Vorgang handelt.
2.1.2.
1
Mit der Einsprache wird eine Verfügung zwar - einem Rechtsmittel gleich - angefochten (BGE 125 V 121
Erw
. 2a). Dabei bleibt jedoch die nämliche Verwaltungsbehörde zuständig. Die Einsprache ist also kein
devolutives
Rechtsmittel, das die Entscheidungszuständigkeit an eine Rechtsmittelinstanz übergehen lässt (RKUV 2003 Nr. U 490 S. 367
Erw
. 3.2.1; vgl. Urteil R. vom
27. August 2004, K 11/04,
Erw
. 2 in
fine
). Vielmehr erhält die verfügende Stelle die Möglichkeit, die angefochtene Verfügung nochmals zu überprüfen und über die be
strittenen Punkte zu entscheiden, bevor allenfalls die Beschwerdein
stanz angerufen wird. Die Verwaltung nimmt in diesem Rahmen - soweit nötig - weitere Abklärungen vor und überprüft die eigenen Anordnungen aufgrund des vervollständigten Sachverhalts (BGE 125 V 190 f.
Erw
. 1b und c; RKUV 1998 Nr. U 309 S. 460
Erw
. 4a). Bei Erhebung einer Einsprache wird das Verwaltungsverfahren erst durch den
Einspracheentscheid
abgeschlossen, welcher die ursprün
gliche Verfügung ersetzt. Für eine spätere richterliche Beurteilung
sind denn auch grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Erlasses des strittigen
Einspracheentscheids
massgebend (BGE
116 V 248
Erw
. 1a; Urteil M. vom 3. Januar 2005, I 172/04,
Erw
. 5.2).
Soweit im Urteil S. vom 18. Februar 2003, U 287/02,
Erw
. 2.2, aus
geführt wurde, Art. 61 Abs. 1
VwVG
sei im
Einspracheverfahren
sinn
gemäss anwendbar, kann daran nicht festgehalten werden. Nach dieser Norm steht verwaltungsinternen Beschwerdeinstanzen die Kom
petenz zu, eine Streitsache ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurückweisen, anstatt die Beschwerde gutzuheissen oder abzuweisen. Das Einsprache- und das (verwal
tungsinterne) Beschwerdeverfahren sind nach dem Gesagten aber strukturell und funktionell nicht gleichzusetzen. Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat es denn auch abgelehnt, die für das Be
schwerdeverfahren nach
VwVG
geltende Regelung der Parteient
schädigung (Art. 64
VwVG
) analog auf das
Einspracheverfahren
anzuwenden (RKUV 2003 Nr. U 490 S. 366
Erw
. 3.2).
2.1.2.2
Die Einheitlichkeit des Verwaltungsverfahrens wird durch die Vor
schriften der Art. 42 Satz 2 ATSG und Art. 30 Abs. 2
lit
. b
VwVG
noch akzentuiert. Danach kann vor Verfügungen, die durch Ein
sprache anfechtbar sind, auf eine Anhörung verzichtet werden. Dies eröffnet die Möglichkeit, gleichsam ein vereinfachtes Verfahren durch
zuführen, soweit sich bei klarer Sach- und Rechtslage die In
an
spruchnahme des rechtlichen Gehörs nicht aufdrängt (zum An
wen
dungsbereich vgl. KIESER, ATSG-Kommentar, N 25 zu Art. 46; freilich hat etwa die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt das rechtliche Gehör seit jeher bereits vor Erlass der Verfügung gewährt [MEYER-BLASER, Die Bedeutung von Art. 4 BV für das Sozial
versicherungsrecht, in: ZSR 1992 II S. 429 FN 592; WILLI MORGER,
Das
Einspracheverfahren
im Leistungsrecht
des Unfallversiche
rungs
gesetzes
[UVG], in: SZS 1985 S. 242 f.]). Zweck der Regelung ist die
beförderliche
Erledigung von liquiden Fällen im Rahmen der so ge
nannten Massenverwaltung. Wird dagegen nach Erhebung einer Ein
sprache festgestellt, dass die Entscheidungsgrundlagen unvoll
ständig sind, so ist der Sachverhalt unter Wahrung der Parteirechte zu vervollständigen und das - nunmehr "ordentliche"
–
Verwal
tungs
verfahren mit dem
Einspracheentscheid
abzuschliessen. Weil die zusätzlichen Sachverhaltserhebungen dem
Einspracheentscheid
selber zugrunde zu legen sind, kommt diesem notwendigerweise reformatorischer Charakter zu.
2.2
2.2.1
Nach dem Gesagten ist im Verhältnis zwischen Verfügung und
Ein
spracheentscheid
nach Art. 52 ATSG grundsätzlich von einer Paral
lelität der Gegenstände auszugehen. Anders verhält es sich freilich, wenn eine Teilrechtskraft der Verfügung eintritt: Da das
Einspra
cheverfahren
, obgleich dem Verwaltungsverfahren zugehörig, Ele
mente der streitigen Verwaltungsrechtspflege aufweist, gilt hier das Rügeprinzip. Die Verfügung wird mithin - prinzipiell, unter dem
Vorbe
halt der Verfahrensausdehnung - rechtskräftig, soweit sie unangefochten geblieben ist (BGE 119 V 350
Erw
. 1b; RKUV 1999 Nr. U 323 S. 98, 1998 Nr. U 309 S. 459
Erw
. 4a; Urteil C. vom 19.
November 2004, I 664/03,
Erw
. 2.3). Ferner hat ein Versicherer, der dem
Einsprachebegehren
im Wesentlichen entsprechen will, die Möglichkeit, die
einspracheweise
angefochtene Verfügung zu wider
rufen, eine neue Verfügung zu erlassen und festzustellen, dass die Einsprache gegenstandslos geworden ist. In dieser neuen Verfügung, welche wiederum der Einsprache unterliegt, wird auch über allfällige nicht gegenstandslos gewordene Punkte befunden (BGE 125 V 121
Erw
. 3a).
2.2.2
Beschlägt die rechtsgestaltende Wirkung von Verfügung und
Ein
spracheentscheid
prinzipiell, unter dem Vorbehalt der soeben um
schriebenen Verfahrenslagen, die gleichen Gegenstände, so dürfen sich
Einspracheentscheide
im Sinne von Art. 52 ATSG nicht darauf beschränken, die vorangegangene Verfügung, welche ein Rechtsver
hältnis materiell ordnet, wegen der Notwendigkeit weiterer Abklä
rungen aufzuheben. Die einsprechende Person hat ein Recht auf den Erhalt eines Verwaltungsaktes, der das fragliche Rechtsverhältnis entsprechend dem gegenständlichen Umfang der ursprünglichen Verfügung und der erhobenen Rügen sowie aufgrund vollständiger Entscheidungsgrundlagen festlegt
. Der Anspruch der versicherten
Person auf den Erhalt eines
instanzabschliessenden
Einspracheent
scheids
steht im Übrigen im Einklang mit dem Beschleuni
gungs
gebot (
Erw
. 1.1
hievor
), weil damit erst das Verwaltungsverfahren abgeschlossen und der Zugang zu einer gerichtlichen Instanz eröf
f
net wird (vgl. Urteil G. vom 25. November 2004, H 53/04,
Erw
. 1.3.2).
1.3
Eine Verletzung von Art. 29 Abs. 1
der Bundesverfassung (
BV
)
– sowie gege
benenfalls von Art. 6 Ziff. 1
der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (
EMRK
;
BGE 130 I 174 mit Hinweisen) – liegt nach der Rechtsprechung unter anderem dann vor, wenn eine Gerichts- oder Verwal
tungsbehörde ein Gesuch, dessen Erledigung in ihre Kompetenz fällt, nicht an die Hand nimmt und behandelt. Ein solches Verhalten einer Behörde wird in der Rechtsprechung als formelle Rechtsverweigerung bezeichnet. Art. 29 Abs. 1 BV ist aber auch verletzt, wenn die zuständige Behörde sich zwar bereit zeigt, einen Entscheid zu treffen, diesen aber nicht binnen der Frist fasst, welche nach der Natur der Sache und nach der Gesamtheit der übrigen Umstände als angemessen erscheint (sog. Rechtsverzögerung).
Für den Rechtsuchenden ist es unerheblich, auf welche Gründe – beispielsweise auf ein Fehlverhalten der Behörden oder auf andere Umstände – die Rechts
ver
weigerung oder Rechtsverzögerung zurückzuführen ist; entscheidend ist aus
schliesslich, dass die Behörde nicht oder nicht fristgerecht handelt (SVR 2001 IV
Nr. 24 S. 73 f. E. 3a und b, BGE 124 V 130, 117
Ia
116 E. 3a, 197 E. 1c, 103 V 190 E. 3c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte im vorliegenden Prozess im Wesentlichen aus (Urk. 7), dass der Ansicht des Beschwerdeführers, wonach es ungesetzlich sei, eine angefochtene Verfügung im
Einspracheverfahren
formlos und ohne Begründung aufzuheben, gestützt darauf das
Einspracheverfahren
gegen diese Verfügung ebenfalls formlos einzustellen und daraufhin eine praktisch identische Verfügung zu erlassen, nicht zu folgen sei. Statt formell über die Einsprache zu befinden, habe der Versicherer, wenn er den
Einsprachebegehren
im Wesentlichen entspre
chen wolle, rechtsprechungsgemäss
die Möglichkeit
, eine neue Verfügung zu er
lassen und festzustellen, dass die Einsprach
e gegenstandslos geworden sei. I
n dieser neuen Verfügung, welche wiederum der Einsprache unterliege, werde auch über allfällige nicht gegenstandslos gewordene Punkte befunden (S. 4). Mit der Aufhebung der Verfügung vom 16. Januar 2020 und dem Erlass der neuen Ver
fügung vom 11. September 2020 habe die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen der Einsprache des Beschwerdeführers vom 17. Februar 2020 entsprochen, habe sie doch in der neuen Verfügung die Verhältnisse bis und mit Erlass dieser neuen Verfügung berücksichtigt, den Endzustand abgewartet und
in diesem Zeitpunkt den Anspruch auf Rentenleistungen geprüft. Bezüglich des nicht gegenstandslos
gewordenen Punktes der Einstellung der vorübergehenden Leistungen vom 1. August
2018 bis zum 10. Oktober 2019 sei - entgegen der Meinung des Be
schwerdeführers - mit Verfügung vom 16. September 2020 durchaus auch ent
schieden worden. So sei der Verfügung vom 11. September 2020 zu entnehmen, dass aufgrund der medizinischen Akten von einer vollen Arbeitsfähigkeit ab dem 1. August 2018 auszugehen sei und demzufolge die Taggelder per 31. Juli 2018 eingestellt worden seien (S. 6).
2.2
D
emgegenüber
liess der Beschwerdeführer im Wesentlichen vortragen
(Urk. 1)
, dass
der Unfallversicherer gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung, wenn er
den
Einsprachebegehren
im Wesentlichen entsprechen wolle, die Möglichkeit habe
, die
einspracheweise
angefochtene Verfügung - innert kurzer Frist - zu wider
rufen, eine neue Verfügung zu erlassen und festzustellen, dass die Einsprache gegenstandslos geworden sei. Gegebenenfalls sei in dieser Verfügung dann über die nicht gegenstandslos gewordenen Punkte zu befinden. Andererseits müsse der Versicherer, wenn er der Auffassung des Versicherten nicht folgen wolle, über die Einsprache befinden, was nur in einem
Einspracheentscheid
geschehen könne.
Die Beschwerdegegnerin habe nichts dergleichen getan. Sie habe weder formell eine Wiedererwägungsverfügung erlassen, noch habe sie dargetan, welche stritti
gen Belange und weshalb sie diese in Wiedererwägung gezogen habe, noch habe sie einen anfechtbaren
Einspracheentscheid
erlassen. Das Vorgehen der Be
schwerdeführerin erfülle den Tatbestand der Rechtsverweigerung. Überdies sei die Vorgehensweise willkürlich und rechtsmissbräuchlich. Sie habe während eines hängigen
Einspracheverfahrens
formlos und ohne Begründung eine angefochtene Verfügung in Wiedererwägung gezogen, hernach dem Beschwerdeführer neue Akten nicht zur Kenntnis gebracht (Gehörsverletzung) und schliesslich eine (zur aufgehobenen) identische Verfügung erlassen, ohne auf strittige Belange einzu
gehen. Unter diesen Umständen könne weder der Verfügung vom 11. September 2020 noch dem vorliegend angefochtene
n
Einspracheentscheid
vom 2. Dezember 2020 eine rechtliche Bedeutung zukommen. Insoweit als die Verfügung vom 11. September 2020 nicht von vornherein als nichtig anzusehen sei, erweise sie sich jedenfalls als ungültig
(S. 8 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist zunächst allein, ob der angefochtene
Einspracheent
scheid
vom 2. Dezember 2020 (Urk. 2) und die ihm zugrundeliegende Verfügung vom 11. September 2020 (Urk. 8/268) in einem ordnungsgemässen Verfahren zu
stande gekommen sind und - falls dies nicht der Fall sein sollte - welche Konse
quenzen daraus zu ziehen sind. Zudem steht die Frage einer Rechtsverweigerung im Raum.
Nur für den Fall, dass der angefochtene
Einspracheentscheid
beziehungsweise das Verfahren, in dem er zustande gekommen ist, als korrekt (beziehungsweise min
destens als rechtsbeständig) qualifiziert werden sollten, ist im vorliegenden Pro
zess überhaupt vertieft auf materiell-rechtliche Aspekte einzugehen.
3.
3.1
Wie in Ziff. 1.7 des Sachverhalts dargelegt wurde, «erledigte» die Beschwerde
gegnerin die Einsprache des Beschwerdeführers vom 17. Februar 2020 gegen die Verfügung vom 16. Januar 2020 (vgl. dazu Sachverhalt Ziff. 1.5) durch ein form
loses Schreiben: Man habe die Sachlage geprüft und nehme die Verfügung vom 16. Januar 2020 zurück. Das
Einspracheverfahren
sei damit formlos erledigt.
Diese Vorgehensweise
ist
nicht
b
undesrecht
skonform
. Das ATSG kennt keine formlose Erledigung von
Einspracheverfahren
. Wie in E. 1.1
ausgeführt wurde,
kennt das ATSG zwar ein formloses Verfahren, allerdings setzen ihm Art. 49 Abs. 1 und Art. 51 ATSG enge Grenzen. S
elbst wenn zu berücksichtigen ist
, dass
die Praxis diese Grenzen flexibilisiert hat
, ist festzuhalten, dass das sogenannte formlose Verfahren kein Teil des
Einspracheverfahrens
geworden ist. Mit anderen
Worten: Durch formlose Schreiben können allenfalls Verfügungen ersetzt werd
en, nicht aber
Einspracheentscheide
. Weiter ist zu beachten, dass das formlose Ver
fahren ohnehin dort seine Grenze und sein Ende findet, wo die versicherte Person einen formellen Entscheid verlangt (vgl. oben E. 1.1 und Art. 51 Abs. 2 ATSG).
Dann muss der Versicherungsträger verfügen; es bleibt ihm keine andere Wahl.
Mit Eingabe vom 1
6
. September 2020 (Urk. 8/2
71
) liess der Beschwerdeführer be
antragen (Antrag Ziff. 1), dass das
Einspracheverfahren
betreffend die Einsprache des Versicherten gegen die Verfügung vom 16. Januar 2020 ordentlich und for
mell korrekt abzuschliessen sei, so dass ein anfechtbarer Entscheid vorliege.
Diesem Antrag ist die B
eschwerdegegnerin
bis heute nicht nachgekommen. Sie ist der
falschen
Auffassung, sie habe das
Einspracheverfahren
formlos erledigt.
Eine formlose Erledigung eines
Einspracheverfahrens
wäre jedoch - wenn über
haupt - nur möglich, wenn der Beschwerdeführer dieser Vorgehensweise zuge
stimmt oder sich wenigstens nicht dagegen verwahrt hätte (Art. 51 Abs. 2 ATSG e
contrario
et per
analogiam
). Das ist nicht der Fall: Der Beschwerdeführer wollte einen
Einspracheentscheid
(Urk. 8/268 Antrag Ziff. 1).
3.2
Selbst
wenn die formlose Erledigung vom 22. Juli 2020 (Urk. 8/255) den for
mel
len Anforderungen an einen
Einspr
acheentscheid
entsprochen hätte
(oder falls eine solche Konformität aus
den genannten
Gründen anzunehmen wäre), wäre sie rechtswidrig. Wie in E. 1.2.2 und 1.2.3 ausführlich dargelegt wurde, ist es nicht zulässig, kassatorische
Einspracheentscheide
zu fällen. Dass die Beschwer
de
gegnerin offenbar bisweilen anders verfährt, ändert nichts daran.
Die
bundesgerichtliche
Praxis lässt es immerhin zu
, dass
ein Versicherer, der dem
Einsprachebegehren
im Wesentlichen ent
sprechen will,
die
einspracheweise
ange
fochtene Ver
fügung
wid
errufen, eine neue Verfügung erlassen und fest
stellen
kann
, dass die Einspra
che gegenstandslos geworden ist. In dieser neuen Verfü
gung wird dann auch über allfällige nicht gegenstandslos gewordene Punkte ent
schieden (BGE 131 V 407 E. 2.2.1; wiedergegeben oben in E. 1.2.3).
Darauf kann sich die Beschwerdegegnerin
aber
nicht berufen
, denn offensichtlich hat sie
den
Einsprachebegehren
des Beschwerdeführers eben gerade nicht im Wes
entlichen entsprochen (vgl. Sachverhalt Ziff. 1.5): Sie hat ihm für die Zeit vom 1. August 2018 bis zum 10. Oktober 2019 keine Taggelder und Heilbehand
lungsleistungen zugesprochen (Antrag Ziff. 2). Sie hat kein unabhängiges fach
ärztliches Gutachten eingeholt (Antrag Ziff. 3). Sie hat dem Beschwerdeführer keine Invalidenrente und keine (höhere) Integritätsentschädigung zugesprochen (Antrag Ziff. 5).
Es kann also keine Rede davon sein, dass die Beschwerdegegnerin den
Einsprachebegehren
«im Wesentlichen» entsprochen hätte. Das Gegenteil ist der Fall.
Die Beschwerdegegnerin zitierte BGE 131 V 407 im angefochtenen
Einspra
che
entscheid
(vgl. Urk. 2 S. 9) und nahm für sich die höchstrichterlich eingeräumte
Möglichkeit in Anspruch, die
einspracheweise
angefochtene Verfügung zu wide
r
rufen und eine neue Verfügung zu erlassen und festzustellen, dass die Ein
sprache gegenstandslos geworden sei. Es dürfe
- so die Beschwerdegegnerin wei
ter -
nicht vergessen werden, dass im
Einspracheverfahren
die Suva
die Verfah
renshoheit inne
habe.
Diesbezüglich übersah die Beschwerdegegnerin, dass die von ihr geschilderte Vorgehensweise eben nur dann rechtskonform gewesen wäre, wenn man den
Einsprachebegehren
im Wesentlichen entsprochen hätte
.
Im Übrigen be
deutet «Verfahrenshoheit» nicht, dass man von sämtlichen Verfahrens
vor
schrif
ten entbunden ist
.
Somit bleibt es dabei, dass die am 22. Juli 2020 erfolgte, formlose und kassa
to
rische Rückweisung der Sache von der Beschwerdegegnerin an sich selbst, rechts
widrig und ungültig war. Die Beschwerdegegnerin hätte vielmehr die Einwen
dungen beziehungsweise die neu geltend gemachten Umstände und Beweismittel im Rahmen eines ordentlichen
Einspracheentscheides
würdigen müssen.
Im Übrigen ist die Beschwerdegegnerin darauf hinzuweisen, dass nach Lage der Dinge die Einsprache des Beschwerdeführers vom 17. Februar 2020 (Urk. 8/216; vgl. Sachverhalt Ziff. 1.5) nach wie vor bei ihr pendent ist.
Bis anhin
fehlt es
denn auch
an einer rechtsgenügenden inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Ein
sprache v
om 17. Februar 2020
. Einer solchen ermangelt es auch dem
Einsprache
entscheid
vom 2. Dezember 2020
(Urk. 2, vgl. insbesondere S. 8)
.
Jedenfalls
kann nicht angenommen werden, mit dem
Einspracheentscheid
vom 2. Dezember 2020 sei im Ergebnis über die Einsprache vom 17. Februa
r 2020 (mit)entschieden worden.
3.3
Wie ausgeführt wurde, war es der Beschwerdeführerin vorliegend nicht erlaubt, einen Rückweisungsentscheid an sich selbst
zu fällen
(kassatorischer Entscheid)
,
erst recht nicht
in einem «formlosen Verfahren».
Da das (erste)
Einspracheverfahren
(Einsprache des Beschwerdeführers vom 16. Januar 2020 [vgl. Sachverhalt Ziff. 1.5]) nach wie vor pendent ist,
hat
die Beschwerdegegnerin
ihre
Verfügung vom 11. September 2020 (vgl. Sachverhalt Ziff. 1.8)
während
der
hängige
n
Einspracheverfahren
s
erlassen. Das wäre nur dann zulässig, wenn die beiden Verfügungen vom 16. Januar 2020 (Urk. 8/205) und vom 11. September 2020 (Urk. 8/268) unterschiedliche
Themata
zum Inhalt hätten. Die Ausführungen der Beschwerdegegnerin scheinen in diese Richtung zu tendieren. Diese Sichtweise ist aber nicht
korrekt
:
Mit Verfügung vom 16. Januar 2020 (Urk. 8/205) wurden die Taggeldleistungen per Ende Juli 2018 eingestellt, der Rentenanspruch des Beschwerdeführers ver
neint und ihm eine Integritätsentschädigung von 10 % zugesprochen. Mit Ver
fügung vom 11. September 2020 (Urk. 8/268) wurden die Taggeldleistungen per Ende Juli 2018 eingestellt, der Rentenanspruch des Beschwerdeführers verneint und ihm eine Integritätsentschädigung von 10 % zugesprochen. Das ist dasselbe. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Verfügungen liegt darin, dass die Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 11. September 2020 (Urk. 8/268) er
wähnt, dass sie für die Operation
vom 28. Oktober 2019 aufgekommen
sei
und entsprechend auch weitere Taggeldleistungen erbracht hat. Zum einen waren diese Leistungen gar nicht strittig (und somit eigentlich auch nicht Thema der Verfügung) und zum anderen liegt es in der Natur der Sache, dass in einer Ver
fügung vom Januar 2020 nicht bereits eine Operation vom Oktober 2020 vorweg
genommen werden kann.
Auch
d
ass in der Verfügung vom 11. September 2020
für die Prüfung der Ansprüche auf eine Invalidenrente und eine Integritätsent
schädigung
auch der bis zu diesem Zeitpunkt eingetretene S
achverhalt berück
sichtigt wurde,
rechtfertigt nicht, von einem unterschiedlichen Gegenstand
aus
zu
gehen
.
Das Vorgehen
d
er
Beschwerdegegnerin
, die
formlos einen kassatorischen Ent
scheid an sich selbst zu fällen versuchte und hernach die ursprünglich erlassene Verfügung vom 16. Januar 2020 (Urk. 8/205) durch eine inhaltlich
im Wesentli
chen
gleiche Verfügung ersetzte (11. September 2020 [Urk. 8/268])
ist
nicht rechts
konform.
Ein solches V
orgehen führt
e
im Übrigen
dazu, dass Versicherte wieder
holt Einsprache erheben müssen, was mit administrativem und/oder finanziellem Aufwand verbunden ist, ohne damit an einen
instanzabschliessenden
und somit gerichtlich überprüfbaren Entscheid zu gelangen.
Zudem besteht auch die Gefahr, dass Versicherte mit einem solchen Vorg
ehen zermürbt und letztlich vom
Einlei
ten
fristwahrender Eingaben abgehalten werden.
Es kann vorliegend offenbleiben, ob die Verfügung vom 11. September 2020 (Urk. 8/268) und der darauf basierende
Einspracheentscheid
vom 2. Dezember 2020 (Urk. 2) lediglich anfechtbar oder sogar als nichtig zu betrachten sind. Sie haben jedenfalls keinen Rechtsbestand.
3.4
Die konstante Weigerung der Beschwerdegegnerin das vorliegende Verfahren
korrekt durchzuführen, namentlich zeitnah formell korrekte Entscheide zu erlassen
, ist ohne Weiteres als eine Rechtsverweigerung im Sinne des in E. 1.3 Dargelegten zu qualifizieren.
In Gutheissung der Rechtsverweigerungsbeschwerde ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die Einsprache des Beschwerdeführers vom 17. Februar 2020 ohne weiteren Verzug zu behandeln und zu gegebener Zeit einen formell korrek
ten
Einspracheentscheid
zu erlassen.
Dabei wird sie ihren Entscheid gestützt auf denjenigen Sachverhalt fällen, der im Zeitpunkt des Entscheids gegeben ist. Die Frage, ob die vorliegenden medizinischen Akten einen solchen Entscheid in der Sache selbst
(noch) zulassen oder ob
weitere Abklärungen notwendig sein werden, ist nicht im vorliegenden Prozess zu entscheiden.
3.5
Zusammenfassend ergibt sich, dass - neben der Gutheissung der Rechtsver
wei
gerungsbeschwerde - die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen ist, dass der
Einspracheentscheid
vom 2. Dezember 2020 aufzuheben und die Sache im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist zwecks Behand
lung der Einsprache vom 17. Februar 2020.
4.
Nach § 34 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rück
wei
sung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Demzufolge ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine ange
messene Prozessentschädigung (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) in der Höhe von Fr.
2'
0
00.
zu bezahlen.