Decision ID: d6b0487a-d8dd-4efc-9dd4-932d768a44fb
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die A._ GmbH mit Sitz in (...) bezweckt gemäss Auszug aus dem
Handelsregister des Kantons (...) die Produktion von und den Handel mit
Frischfleisch, Fleischwaren und Frischprodukten jeglicher Art.
B.
B.a Anlässlich einer Kontrolle durch das schweizerische Grenzwachtkorps
am 19. Dezember 2017 im Raum (...) wurden im Laderaum des von
B._ gelenkten Fahrzeuges, Beifahrer war C._, rund 1'500
kg Fleisch festgestellt, welches zuvor ohne Zollanmeldung in die Schweiz
eingeführt worden war. Die Zollfahndung (...) eröffnete in Folge Zollstraf-
untersuchungen gegen B._ und C._.
B.b Im Rahmen der Ermittlungen wurde am 28. Dezember 2017 eine
Durchsuchung bei der A._ GmbH durchgeführt, anlässlich derer di-
verse Belege als Beweismittel beschlagnahmt wurden. Gleichentags wur-
den D._, der Geschäftsführer der A._ GmbH, E._,
Vater des Geschäftsführers und Verantwortlicher für den Hauptsitz in (...)
sowie F._, Schwager des Geschäftsführers und Leiter der Filiale in
(...), einvernommen.
C.
Mit Verfügung vom 25. November 2020 verpflichtete die Eidgenössische
Zollverwaltung (seit dem 1. Januar 2022: Bundesamt für Zoll und Grenzsi-
cherheit [BAZG]; nachfolgend: EZV, Vorinstanz oder im Zusammenhang
mit den gesetzlichen Bestimmungen BAZG) die A._ GmbH zur Zah-
lung von Fr. 68'106.85 (bestehend aus Fr. 60'293.55 Zoll und Fr. 2'183.45
Mehrwertsteuer und Fr. 5’629.85 Verzugszinsen).
Mit Bezug auf den Sachverhalt hielt die EZV fest, dass sich im Rahmen der
Ermittlungen ergeben habe, dass die A._ GmbH im Zeitraum vom
13. November 2017 bis 14. Dezember 2017 von B._ und bzw. oder
C._ mindestens sechs Mal mit insgesamt 3'254.5 kg unverzolltem
Fleisch beliefert worden sei.
B._ und C._ wurden in separaten Verfügungen für den Be-
trag von Fr. 68'106.85 solidarisch leistungspflichtig erklärt.
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Seite 3
D.
Mit Eingabe vom 30. Dezember 2020 erhebt die A._ GmbH (nach-
folgend: die Beschwerdeführerin) gegen die Verfügung der EZV vom
25. November 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie be-
antragt sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung.
Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus, sie habe die fraglichen Ein-
käufe bei der «G._ GmbH» mit Sitz in (...), deren Inhaber
C._ sei, getätigt. Sie habe keine Kenntnis davon gehabt, dass das
fragliche Fleisch illegal eingeführt worden sei. Auch der von der Zollverwal-
tung einvernommene Mitarbeiter der Beschwerdeführerin, E._, sei
nicht ins Recht gefasst worden. Sie sei aus der Solidarhaftung für die For-
derung über Fr. 68'106.85 zu entlassen.
Als Beilage reicht die Beschwerdeführerin Verfügungen der EZV vom
25. November 2020 über die Einstellung der Verfahren gegenüber
D._ und E._ sowie das Foto eines weissen Lieferwagens
mit Schweizer Nummernschild zu den Akten.
E.
Mit Vernehmlassung vom 25. Februar 2021 beantragt die EZV die Abwei-
sung der Beschwerde unter Kostenfolge.
Auf die detaillierten Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die Akten
wird – soweit dies für den Entscheid wesentlich ist – in den folgenden Er-
wägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfü-
gungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über
das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme
nach Art. 32 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesver-
waltungsgericht (VGG, SR 173.32) gegeben ist (Art. 31 VGG). Eine solche
Ausnahme liegt nicht vor. Der angefochtene Entscheid ist eine Verfügung
im Sinne von Art. 5 VwVG. Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit ist
zudem eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts (Art. 33 VGG).
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Seite 4
Dieses ist daher für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zustän-
dig (vgl. auch Art. 116 Abs. 4 des Zollgesetzes vom 18. März 2005 [ZG,
SR 631.0]).
Das Verfahren richtet sich – soweit das VGG nichts anderes bestimmt –
nach den Vorschriften des VwVG (Art. 37 VGG). Nach Art. 3 Bst. e VwVG
ist das VwVG nicht anwendbar auf das Verfahren der Zollveranlagung. Im
vorliegenden Verfahren ist das VwVG jedoch anwendbar, da es sich nicht
(mehr) um das Verfahren der Zollveranlagung handelt, sondern um das
Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht (vgl. BGE 142 II
433 E. 3.2.6; Urteil des BVGer A-1704/2021 vom 6. April 2022 E. 1.2; MAR-
TIN KOCHER, in : Kocher/Clavadetscher [Hrsg.], Zollgesetz [ZG], 2009,
Rn. 10 zu Art. 116 ZG).
1.2 Die Beschwerdeführerin ist Adressatin des angefochtenen Entscheids
und auch im Übrigen zur Beschwerdeerhebung legitimiert (vgl. Art. 48
Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Be-
schwerde (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist daher einzutreten.
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Ent-
scheid grundsätzlich in vollem Umfang. Die Beschwerdeführerin kann mit
der Beschwerde neben der Verletzung von Bundesrecht auch die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes
sowie Unangemessenheit rügen (Art. 49 VwVG).
1.4 Im Beschwerdeverfahren gilt die Untersuchungsmaxime. Danach hat
das Bundesverwaltungsgericht unter Mitwirkung der Verfahrensbeteiligten
den entscheidrelevanten Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Aus-
serdem gilt der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen. Das
Bundesverwaltungsgericht ist verpflichtet, auf den festgestellten Sachver-
halt unabhängig von der Begründung der Begehren die richtige Rechts-
norm anzuwenden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Die Rechtsmittelinstanz ist je-
doch nicht gehalten, allen denkbaren Rechtsfehlern von sich aus auf den
Grund zu gehen. Für entsprechende Fehler müssen sich zumindest An-
haltspunkte aus den Parteivorbringen oder den Akten ergeben (vgl. BGE
121 III 274 E. 2c; 119 V 347 E. 1a; statt vieler: Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts A-2733/2019 vom 9. Oktober 2020 E. 1.5.3; A-820/2014 vom
21. Oktober 2014 E. 1.5).
1.5 Die Beweiswürdigung endet mit dem richterlichen Entscheid darüber,
ob eine rechtserhebliche Tatsache als erwiesen zu gelten hat oder nicht.
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Im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht gilt der Grundsatz der
freien Beweiswürdigung (BGE 130 II 485 E. 3.2). Der Beweis ist geleistet,
wenn das Gericht gestützt auf die freie Beweiswürdigung zur Überzeugung
gelangt ist, dass sich der rechtserhebliche Sachumstand verwirklicht hat.
Gelangt das Gericht nicht zu diesem Ergebnis, kommen die Beweislastre-
geln zur Anwendung; es ist zu Ungunsten desjenigen zu urteilen, der die
Beweislast trägt. Die Abgabebehörde trägt die Beweislast für Tatsachen,
welche die Abgabepflicht als solche begründen oder die Abgabeforderung
erhöhen, das heisst für die abgabebegründenden und -mehrenden Tatsa-
chen. Demgegenüber ist der Abgabepflichtige für die abgabeaufhebenden
und -mindernden Tatsachen beweisbelastet, das heisst für solche Tatsa-
chen, welche eine Abgabebefreiung oder Abgabebegünstigung bewirken
(statt vieler: Urteil des BGer 2A.642/2004 vom 14. Juli 2005, veröffentlicht
in: Archiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 75 S. 495 ff. E. 5.4; Ur-
teile des BVGer A-4453/2021 vom 26. Juli 2022 E. 2.2.2; A-820/2014 vom
21. Oktober 2014 E. 3.5).
2.
2.1 Waren, die ins schweizerische Zollgebiet verbracht werden, sind grund-
sätzlich zollpflichtig und nach dem ZG sowie nach dem Zolltarifgesetz vom
9. Oktober 1986 (ZTG, SR 632.10) zu veranlagen (Art. 7 ZG). Einfuhren
von Gegenständen unterliegen zudem im Allgemeinen der Einfuhrsteuer
(Art. 50 ff. des Bundesgesetzes vom 12. Juni 2009 über die Mehrwert-
steuer [MWSTG, SR 641.20]).
2.2 Die Zollzahlungspflicht obliegt der Zollschuldnerin bzw. dem Zoll-
schuldner (Art. 70 Abs. 1 ZG). Zum entsprechenden Kreis gehören jene
Person, welche die Waren über die Zollgrenze bringt, deren Auftraggeber
sowie die Person, die zur Zollanmeldung verpflichtet bzw. damit beauftragt
ist oder auf deren Rechnung die Ware ein- oder ausgeführt wird (Art. 70
Abs. 2 ZG). Die Zollschuldner haften solidarisch. Der Rückgriff unter ihnen
richtet sich nach dem Obligationenrecht (Art. 70 Abs. 3 ZG).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist der Begriff des Auftrag-
gebers im obigen Sinn weit gefasst (Urteile des BGer 2C_25/2017 vom
17. September 2018 E. 3.3; 2C_912/2015 vom 20. September 2016 E. 5.3;
2C_420/2013 vom 4. Juli 2014 E. 3.3). Als Auftraggeber gilt diejenige Per-
son, die die Ware über die Grenze bringen lässt. Als solche gilt nicht nur
die (natürliche oder juristische) Person, die im zivilrechtlichen Sinne mit
dem Transporteur einen Frachtvertrag abschliesst, sondern jede Person,
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welche die Wareneinfuhr tatsächlich veranlasst (BGE 107 Ib 198 E. 6b; Ur-
teil des BGer 2C_420/2013 vom 4. Juli 2014 E. 3.3 f. m.w.H.). Als Auftrag-
geber wird unter anderem derjenige verstanden, der einen Dritten dazu
veranlasst, ihm eine Ware zu liefern, von der er weiss oder annehmen
muss, dass sie sich im Ausland befindet und zur Lieferung eingeführt wer-
den muss; dies gilt auch dann, wenn Waren ohne vorgängige Bestellung
des Betreffenden in die Schweiz gebracht werden, dieser zuvor aber seine
generelle Bereitschaft zur Abnahme solcher Waren kundgetan hat (Urteile
des BGer 2C_912/2015 vom 20. September 2016 E. 5.3; 2C_201/2013
vom 24. Januar 2014 E. 6.7.2; 2A.580/2003 vom 10. Mai 2004 E. 3.3.2;
2A.417/1999 vom 27. Oktober 1999 E. 3a; Urteil des BVGer A-625/2015
vom 15. September 2015 E. 2.2.2 f.).
Zollschuldner nach Art. 70 ZG sind auch für die Einfuhrsteuer steuerpflich-
tig (Art. 51 Abs. 1 MWSTG).
2.3
2.3.1 Wer sich oder einem anderen einen unrechtmässigen Zoll- oder
Steuervorteil verschafft, insbesondere indem er vorsätzlich oder fahrlässig
Waren bei der Einfuhr nicht anmeldet, begeht eine Widerhandlung gegen
die Zoll- bzw. Mehrwertsteuergesetzgebung (vgl. Art. 118 ZG, Art. 96
MWSTG). Sowohl die Zoll- als auch die Mehrwertsteuergesetzgebung ge-
hören zur Verwaltungsgesetzgebung des Bundes (statt vieler: Urteil des
BVGer A-4077/2021 vom 11. Mai 2022 E. 2.8.1).
2.3.2 Gemäss Art. 12 Abs. 1 Bst. a des Bundesgesetzes vom 22. März
1974 über das Verwaltungsstrafrecht (VStrR, SR 313.0) sind Abgaben
nachzuentrichten, wenn sie infolge einer Widerhandlung gegen die Verwal-
tungsgesetzgebung des Bundes zu Unrecht nicht erhoben worden sind.
Dies gilt «ohne Rücksicht auf die Strafbarkeit einer bestimmten Person»
(Art. 12 Abs. 1 VStrR). Die Leistungspflicht im Sinne von Art. 12 VStrR
hängt weder von einer strafrechtlichen Verantwortlichkeit noch von einem
Verschulden oder gar der Einleitung eines Strafverfahrens ab. Vielmehr
genügt es, dass der durch die Nichterhebung der entsprechenden Abgabe
entstandene unrechtmässige Vorteil auf einer objektiven Widerhandlung
gegen die Verwaltungsgesetzgebung des Bundes gründet (zum Ganzen:
BGE 129 II 160 E. 3.2; 106 Ib 218 E. 2c; Urteile des BGer 2C_219/2019
vom 27. April 2020 E. 5; 2C_424/2014 vom 18. Juli 2015 E. 5.2.2; Urteil
des BVGer A-4077/2021 vom 11. Mai 2022 E. 2.8.2 m.w.H.).
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2.3.3 Zu den gestützt auf Art. 12 Abs. 2 VStrR Nachleistungspflichtigen ge-
hört nach dem Gesetzeswortlaut «insbesondere der zur Zahlung der Ab-
gabe Verpflichtete», d.h. für die Zollabgaben jene Personen, welche dem
Kreis der Zollschuldnerinnen und Zollschuldner gemäss Art. 70 ZG ent-
sprechen. Sie gelten ipso facto als durch die Nichtbezahlung der Abgabe
bevorteilt. Sie bleiben selbst dann leistungspflichtig, wenn sie nichts von
der falschen bzw. fehlenden Deklaration gewusst haben (BGE 107 Ib 198
E. 6c/d) und wenn sie selber aus der Widerhandlung keinen persönlichen
Nutzen gezogen haben (Urteile des BGer 2C_420/2013 vom 4. Juli 2014
E. 3.3; 2A.242/2006 vom 2. Februar 2007 E. 2.2; Urteil des BVGer
A-4408/2021 vom 6. Juli 2022 E. 2.5.3 m.w.H.). Sie gelten als direkt un-
rechtmässig bevorteilt, weil sie die geschuldeten Abgaben infolge der Wi-
derhandlung nicht entrichten mussten. Der Genuss dieses Vorteils soll den
Leistungspflichtigen mit dem Institut der Nachleistungspflicht entzogen
werden. Diese Personen – für welche die gesetzliche Vermutung eines un-
rechtmässigen Vermögensvorteils gilt – haften solidarisch für den gesam-
ten nicht erhobenen Abgabebetrag (Art. 70 Abs. 3 ZG; Urteile des BGer
2C_420/2013 vom 4. Juli 2014 E. 3.3; 2A.242/2006 vom 2. Februar 2007
E. 2.2; Urteile des BVGer A-4408/2021 vom 6. Juli 2022 E. 2.5.3;
A-4077/2021 vom 12. Mai 2022 E. 2.8.3).
2.3.4 Die Strafverfolgung im Zusammenhang mit Widerhandlungen gegen
das Zollgesetz unterliegt den Bestimmungen des VStrR (Art. 128 ZG,
Art. 62 VStrR), während auf das Verfahren für die Festsetzung der nach-
zuentrichtenden oder zurückzuzahlenden Abgaben gemäss Art. 12 VStrR
die Zuständigkeits- und Verfahrensvorschriften des betreffenden Verwal-
tungsgesetzes Anwendung finden (Art. 63 Abs. 1 VStrR). Dabei darf sich
die zuständige Bundesverwaltungsbehörde auf die Ergebnisse einer ver-
waltungsstrafrechtlichen Untersuchung stützen (Urteil des BGer
2C_112/2010 vom 30. September 2010 E. 5.3; Urteil des BVGer
A-4408/2021 vom 6. Juli 2022 E. 2.5.4 m.w.H). Aufgrund der Trennung
zwischen diesen beiden Verfahren gelten in den Verfahren zur Festset-
zung der Leistungspflicht nach Art. 12 VStrR die strafprozessualen Verfah-
rensgarantien nicht (Urteile des BGer 2C_492/2017 vom 20. Oktober 2017
E. 7.2; 2C_263/2014 vom 21. Januar 2015 E. 4.2.1; 2C_201/2013 vom
24. Januar 2014 [in BGE 140 III 194 nicht publizierte] E. 4.2; Urteil des
BVGer A-4408/2021 vom 6. Juli 2022 E. 2.5.4 m.w.H.).
3.
3.1 Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdeführerin im Zeitraum vom
13. November 2017 und dem 14. Dezember 2017 insgesamt 3'254.5 kg
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unverzolltes Fleisch gekauft und übernommen. Das fragliche Fleisch
wurde durch B._ und bzw. oder C._ direkt an den Firmensitz
der Beschwerdeführerin in (...) oder an ihre Filiale in (...) geliefert. Die erste
Lieferung erfolgte auf vorgängige Bestellung durch die für den Fleischein-
kauf verantwortliche Person, E._, im Namen der Beschwerdeführe-
rin, nachdem C._ an deren Sitz in (...) vorbeigekommen war und
ein Angebot unterbreitet hatte. Die Bestellung für die nächsten Waren er-
folgte jeweils direkt nach der aktuellen Lieferung. Dieser Sachverhalt ergibt
sich namentlich aus den im Rahmen der Ermittlungen beschlagnahmten
Beweismitteln sowie aus den von der EZV durchgeführten Einvernahmen
von B._ vom 19., 22., 27. und 29. Dezember 2017 (Pagina [pag.]
EZV 001650 ff.), von E._ vom 28. Dezember 2017 (pag. EZV
001781 ff.) und von F._ (dem Leiter der Filiale in [...]) vom 28. De-
zember 2017 (pag. EZV 001850 ff.). Er wird soweit von der Beschwerde-
führerin nicht bestritten.
3.2 Da das streitbetroffene Fleisch eingeführt wurde, ohne die Ware bei der
Einfuhr zur Zollbehandlung anzumelden, ist der objektive Tatbestand von
Art. 118 ZG und Art. 96 MWSTG erfüllt (vgl. E. 2.3.1).
3.3 Die Beschwerdeführerin bestreitet sinngemäss ihre Nachleistungs-
pflicht gemäss Art. 12 VStrR. Zu klären ist, ob die Vorinstanz die Beschwer-
deführerin bezüglich des streitbetroffenen Fleisches zu Recht als Auftrag-
geberin und somit als Zollschuldnerin qualifiziert hat, welche in vollem Um-
fang für die nicht bezahlten Abgaben nachleistungspflichtig ist (vgl.
E. 2.3.3).
3.3.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe nicht gewusst, dass
das fragliche Fleisch unverzollt gewesen sei und habe auch keinen Anlass
zu einem dahingehenden Verdacht gehabt. Die Einkäufe seien bei einer
Schweizer Firma, der «G._ GmbH», erfolgt und mit einem Liefer-
wagen mit Schweizer Nummernschild geliefert worden. Bei einzelnen Lie-
ferungen habe man zwar gesehen, dass ein Teil des Fleisches aus
Deutschland stammt. Sie bzw. ihr für den Fleischeinkauf zuständiger Mit-
arbeiter (E._) sei aber überzeugt gewesen, dass die Waren zuvor
korrekt eingeführt worden seien. Die Firma «G._ GmbH» habe auch
die Aushändigung von detaillierten Monatsrechnungen versprochen; diese
habe sie (die Beschwerdeführerin) aber bis zur «Zollkontrolle» nicht erhal-
ten.
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Seite 9
3.3.2 Die EZV hält in der Verfügung vom 25. November 2020 fest, dass die
Beschwerdeführerin mit der Übernahme bzw. der Bestellung des streitbe-
troffenen Fleisches eine generelle Abnahmebereitschaft bekundet und da-
her den fraglichen Warentransport als Auftraggeberin veranlasst habe. Sie
gehöre damit zum Kreis der Zollschuldnerinnen. Als solche sei sie nach-
leistungspflichtig für die zu Unrecht nicht bezahlten Zollabgaben und Ein-
fuhrsteuern. Dies gelte selbst dann, wenn sie nichts von den fehlenden
Zolldeklarationen gewusst habe und ihr in diesem Zusammenhang kein
Vorsatz unterstellt werden könnte.
In der Vernehmlassung vom 25. Februar 2021 fügt die EZV hinzu, dass es
sich bei der Behauptung der Beschwerdeführerin, wonach die Fleischein-
käufe bei der «G._ GmbH» getätigt worden seien, um ein blosses
Versehen der Beschwerdeführerin handle. Richtigerweise seien die
Fleischbestellungen bei B._ bzw. C._ erfolgt. Die Ware sei
zwar in einem weissen Lieferwagen der Marke (...) mit der schlecht leser-
lichen Aufschrift «G._ GmbH» geliefert worden. Der Lieferwagen
habe zunächst dem Geschäftsführer der «G._ GmbH» in (...) ge-
hört, sei aber anschliessend an B._ und C._ verkauft wor-
den. Den Einvernahmen von E._ und F._ sei zu entnehmen,
dass die Bestellungen nicht bei der «G._ GmbH», sondern beim
Fahrer des weissen Lieferwagens, nämlich bei B._ bzw. C._
erfolgt seien.
3.4 Die Beschwerdeführerin hat über einen relativ kurzen Zeitraum
(13. November 2017 - 14. Dezember 2017) mehrere Lieferungen Fleisch
in beträchtlichen Mengen (insgesamt mehr als 3 Tonnen) entgegengenom-
men und bezahlt. Sämtliche Lieferungen erfolgten auf vorgängige Bestel-
lung durch die für den Fleischeinkauf zuständige Person, E._ (vgl.
E. 3.1; vgl. Einvernahme von E._ vom 28. Dezember 2017 [pag.
EZV 001787 - 001788]). Als mit dem Fleischeinkauf betraute Person han-
delte E._ im Namen der Beschwerdeführerin. Dies wird von der Be-
schwerdeführerin auch nicht bestritten. Unter der Voraussetzung, dass die
Beschwerdeführerin (bzw. die für sie handelnden Person) wusste oder an-
nehmen musste, dass sich die streitbetroffenen Fleischwaren vor den Lie-
ferungen im Ausland befanden, ist sie deshalb im hier massgebenden
Sinne als Auftraggeberin und damit als Zollschuldnerin zu qualifizieren (vgl.
E. 2.2; vgl. für eine ähnliche Konstellation Urteil des BVGer A-5047/2021
vom 25. August 2022 E. 4.5.2).
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Seite 10
3.4.1 In Folge ist demnach der Frage nachzugehen, ob die Beschwerde-
führerin (bzw. die für sie handelnde Person, also E._) wusste oder
wissen musste, dass die von B._ und bzw. oder C._ gelie-
ferte Menge von 3'254.5 kg Fleisch aus dem Ausland stammte.
Aufgrund der Würdigung der rechtserheblichen Tatsachen durch das Ge-
richt ist dies klar zu bejahen:
Zum einen weist die Beschwerdeführerin in der Beschwerde vom 30. De-
zember 2020 selbst darauf hin, dass man bei einzelnen Lieferungen gese-
hen habe, dass ein Teil des Fleisches aus Deutschland stammte. Gemäss
der Einvernahme von E._ vom 28. Dezember 2017 wurde dieser
von B._ und C._ auf Nachfrage hin sogar auf die deutsche
Herkunft eines Teils des Fleisches hingewiesen (pag. EZV 001788). Zudem
gab E._ an, dass das streitbetroffene Fleisch vakuumverpackt und
mit einer Etikette mit Angaben über die Fleischsorte und das Ablaufdatum
versehen gewesen sei. Was beim Schlachtort und Herkunftsort stand,
habe er aber nicht gesehen (pag. EZV 001787). Wie die Vorinstanz in der
Vernehmlassung vom 25. Februar 2021 zutreffend ausführt, ist diese Aus-
sage nicht nachvollziehbar. So gab E._ nämlich ebenfalls an, die
Qualität und die Quantität des Fleisches sowie das Vorhandensein einer
Etikette jeweils genau zu kontrollieren. Ohne Etikette werde das Fleisch
nicht verkauft. Zudem gab er auf Nachfrage an, er hätte im Falle einer Le-
bensmittelkontrolle die Herkunft des fraglichen Fleisches mit den besagten
Etiketten nachgewiesen (pag. EZV 001794). Es muss daher davon ausge-
gangen werden, dass E._ Kenntnis darüber hatte, dass das ge-
samte streitbetroffene Fleisch aus Deutschland stammte oder dies zumin-
dest hätte wissen müssen.
Die Art der Abwicklung des Geschäfts und der Warenübergabe war zudem
für den Fleischhandel unüblich und hätte Anlass zu begründeten Zweifeln
geben müssen. Die Lieferung erfolgte mindestens zweimal mit einem PKW
der Marke (...), welcher über kein Kühlaggregat verfügte (pag. EZV
001787). Andere Male erfolgte die Lieferung mit einem weissen Lieferwa-
gen (mit Kühlaggregat), auf welchem der verblichene Schriftzug
«G._ GmbH» ersichtlich war. Es wurde jeweils sogleich in bar be-
zahlt und weder E._ (pag. EZV 001788) noch F._ (pag. EZV
001856) erhielten Rechnungen, Quittungen, Zollbelege oder Lieferscheine
für die gelieferte Ware. B._ bestätigte den Erhalt des Bargelds mit
Unterschrift auf einem Zettel bzw. in der Agenda von E._ (pag. EZV
001787). E._ selbst bezeichnete die Tatsache, dass anders als bei
A-3/2021
Seite 11
anderen Lieferanten keine Rechnungen ausgestellt wurden, als «komisch»
und «nicht in Ordnung» (pag. EZV 001788). Die Beschwerdeführerin bzw.
der in ihrem Namen handelnde Mitarbeiter musste somit auch vor diesem
Hintergrund davon ausgehen, dass das Fleisch aus dem Ausland stammte.
Zumindest hätte sie begründeten Anlass gehabt, der Frage der Herkunft
des gelieferten Fleischs nachzugehen. Sie gab jedoch ohne weitere Abklä-
rungen weitere Bestellungen in Auftrag. Unerheblich ist in diesem Zusam-
menhang, ob die Beschwerdeführerin tatsächlich (fälschlicherweise) davon
ausging, die Ware bei der «G._ GmbH» (und nicht bei B._
und C._) gekauft zu haben. Da sie keinerlei Belege für den Einkauf
erhielt und die «G._ GmbH» ihr gegenüber – abgesehen von dem
schwer leserlichen Schriftzug auf dem weissen Lieferwagen – nicht in Er-
scheinung trat, durfte sie ohnehin nicht davon ausgehen, Schweizer
Fleisch regulär bei einer Schweizer Firma gekauft zu haben.
Aufgrund all dieser Umstände wusste oder hätte die Beschwerdeführerin
zumindest wissen müssen, dass das gesamte streitbetroffene Fleisch aus
dem Ausland stammte. Dieser Schluss rechtfertigt sich umso mehr, als
nach der Rechtsprechung im Fleischhandel eine Herkunftsabklärung
schon aus gesundheitspolizeilichen Gründen verlangt werden muss und
deren Unterlassung in zwei vom Bundesgericht entschiedenen Fällen als
Inkaufnahme einer möglicherweise aus dem nahen Ausland erfolgten ille-
galen Einfuhr des bezogenen Fleisches gewertet wurde (vgl. Urteile des
BGer 2A.602/2003 vom 10. Mai 2004 E. 4.3.4; 2A.603/2003 vom 10. Mai
2004 E. 3.3.4; Urteil des BVGer A-667/2015 vom 15. September 2015
E. 4.2.2).
3.4.2 Zusammenfassend hat die Beschwerdeführerin B._ und
C._ dazu veranlasst, ihr das streitbetroffene Fleisch zu liefern, von
dem sie wusste oder zumindest annehmen musste, dass es sich im Aus-
land befand und zur Lieferung eingeführt werden musste. Demnach gilt die
Beschwerdeführerin im Sinne der Rechtsprechung als Auftraggeberin und
damit als Zollschuldnerin.
3.5 Als Zollschuldnerin ist die Beschwerdeführerin – solidarisch mit den
weiteren Leistungspflichtigen – nachleistungspflichtig für die zu Unrecht
nicht bezahlten Zollabgaben und Einfuhrsteuern.
Dies gilt selbst dann, wenn sie nichts von den fehlenden Zolldeklarationen
wusste und ihr in diesem Zusammenhang kein Vorsatz unterstellt werden
kann (vgl. E. 2.3.3). Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach sie
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Seite 12
nicht gewusst habe, dass das fragliche Fleisch unverzollt gewesen sei und
auch keinen Anlass zu einem dahingehenden Verdacht gehabt habe, zielt
somit ins Leere.
Auch aus der Tatsache, dass das Strafverfahren gegen den Mitarbeiter der
Beschwerdeführerin, E._, nach Abschluss der Ermittlungen einge-
stellt wurde, vermag die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ab-
zuleiten. Denn die Leistungspflicht im Sinne von Art. 12 VStrR hängt weder
von einer strafrechtlichen Verantwortlichkeit noch von einem Verschulden
oder gar der Einleitung eines Strafverfahrens ab (vgl. E. 2.3.2).
4.
Die Vorinstanz ist demnach zu Recht davon ausgegangen, dass die Be-
schwerdeführerin sowohl Zollabgaben als auch Einfuhrsteuern für das
streitbetroffene Fleisch nachzuentrichten hat und sie dafür solidarisch mit
den weiteren Leistungspflichtigen haftet.
Rechnerisch ist die mit der vorliegend angefochtenen Verfügung erhobene
Nachforderung (Zoll, Einfuhrsteuer und Verzugszins) zu Recht nicht bestrit-
ten.
Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
5.
Die Beschwerdeführerin hat als unterliegende Partei die Verfahrenskosten
im Umfang von Fr. 4'250.– zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der einbe-
zahlte Kostenvorschuss in derselben Höhe ist zur Bezahlung der Verfah-
renskosten zu verwenden.
(Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite).
A-3/2021
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