Decision ID: ce95ff5c-70b2-5bb0-9717-6f3f905c8f5f
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess Syrien gemäss eigenen Angaben am
20. August 2015. Am 17. September 2015 reiste er in die Schweiz ein und
suchte am 21. September 2015 um Asyl nach. Am 6. Oktober 2015 wurde
er im Empfangs- und Verfahrenszentrum zur Person befragt (BzP). Die
Vorinstanz hörte den Beschwerdeführer am 20. September 2016 zu seinen
Asylgründen an.
Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, er sei Kurde und
stamme aus B._, Provinz C._, wo auch seine Eltern und
seine jüngere Schwester leben würden. Sein Vater sei Mitglied der
D._ Partei. Im Ausland, unter anderem in der Schweiz, würden wei-
tere Geschwister leben. Er habe die Schule in der (...) Klasse abgebrochen
und sei bisher keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen. Zum Zeitpunkt sei-
nes Schulabbruches seien viele Leute verhaftet worden, um sie den Streit-
kräften zuzuführen. Schulkollegen von ihm seien einfach verschwunden.
Er selber sei im Alter von 1(...) oder 1(...) Jahren an einem Kontrollposten
für (...) festgenommen worden und dank der Beziehungen seines Vaters
wieder freigekommen. Nach diesem Erlebnis habe er sein Dorf nicht mehr
verlassen. Er habe Angst davor gehabt, mit Erreichen seiner Volljährigkeit
in den Militärdienst eingezogen zu werden. Nach seiner Ausreise habe ihn
sein Vater darüber informiert, dass er einen Einberufungsbefehl erhalten
habe.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer seine Identitätskarte sowie
einen Einberufungsbefehl zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 15. August 2018 stellte die Vorinstanz fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, schob den Vollzug
jedoch wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf.
C.
Mit Eingabe vom 17. September 2018 reichte der Beschwerdeführer gegen
den Entscheid der Vorinstanz Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-
richt ein. Er beantragt, es sei ihm Einsicht – eventualiter das rechtliche Ge-
hör – betreffend die Akten A4/7, A8/2, A9/2 und A19/12 zu gewähren und
angemessene Frist zu Beschwerdeergänzung anzusetzen. Des Weiteren
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sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zur vollständigen und richtigen Abklärung und Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhaltes und zur Neubeurteilung zurückzuweisen.
Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei seine
Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Subeven-
tualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und er sei als Flücht-
ling zu anerkennen. Schliesslich sei er von der Bezahlung der Verfahrens-
kosten – inklusive eines Kostenvorschusses – zu befreien.
Als Beweismittel verweist der Beschwerdeführer in der Rechtsmittelein-
gabe auf diverse Länderberichte und Zeitungsartikel im Internet.
D.
Mit Eingabe vom 19. September 2018 reichte der Beschwerdeführer meh-
rere Unterlagen betreffend seinen Lehrvertrag sowie einen Beleg betref-
fend Unterstützungsleistungen durch die Sozialhilfebehörden zu den Ak-
ten.
E.
Am 26. September 2018 gab der Beschwerdeführer zwei militärische Ein-
berufungsbefehle mit Übersetzungen zu den Akten.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 3. Oktober 2018 wies die Instruktionsrichterin
die Vorinstanz an, dem Beschwerdeführer in die Akten A8/2 und A9/2 Ein-
sicht zu gewähren, wies das Einsichtsgesuch in Bezug auf die übrigen Ak-
ten sowie den Antrag auf Beschwerdeergänzung ab, hiess des Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, verzichtete auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses und lud die Vorinstanz zur Einreichung
einer Vernehmlassung ein. In den Erwägungen hielt sie fest, die im Zusam-
menhang mit dem Akteneinsichtsgesuch erhobene Rüge der Verletzung
des rechtlichen Gehörs erweise sich als unbegründet.
G.
In ihrer Vernehmlassung vom 19. Oktober 2018 äussert sich die Vorinstanz
unter anderem zu den auf Beschwerdeebene eingereichten Marschbefeh-
len sowie zum Flüchtlingsstatus der Brüder des Beschwerdeführers.
H.
Innert angesetzter Frist liess der Beschwerdeführer dem Bundesverwal-
tungsgericht mit Eingabe vom 7. November 2018 seine Replik zukommen.
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I.
Mit Eingabe vom 16. Oktober 2019 äusserte sich der Beschwerdeführer
gegenüber dem Gericht zu aktuellen Geschehnissen in Syrien.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes in
Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 105 Asylgesetz [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde-
führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht ein-
gereichte Beschwerde ist einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
3.
3.1 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden die Flüchtlingseigen-
schaft, der Asylpunkt sowie die Wegweisung. Der Wegweisungsvollzug ist
nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Beschwerdeführer zu-
folge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen
hat.
3.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
4.
Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-
lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land,
in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zu-
gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-
schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-
dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1
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AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-
bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-
lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffenen
Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexverfolgung
vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Reflexverfol-
gung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2
AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet befürchten
muss (zum Begriff der Reflexverfolgung: BVGE 2007/19 E. 3.3 S. 225, un-
ter Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen
Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 5 E. 3h; vgl. ausserdem EMARK
1994 Nr. 17).
5.
Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder
zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2).
6.
Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen an
das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht-
lingseigenschaft nach Art. 3 AsylG stand.
Vorab hält die Vorinstanz in ihrem Entscheid fest, dass Kurden in Syrien
nicht einer Kollektivverfolgung ausgesetzt seien. Sodann sei die Möglich-
keit, in den Armeedienst eingezogen zu werden, flüchtlingsrechtlich nicht
relevant. Aufgrund widersprüchlicher zeitlicher Angaben des Beschwerde-
führers sowie der relativ leichten Fälschbarkeit sei dem eingereichten
http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/19 http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/5 http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/17 http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/17
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Marschbefehl ferner die Beweiskraft abzusprechen. Einer Wehrdienstver-
weigerung oder Desertion wären im Übrigen die flüchtlingsrechtliche Rele-
vanz abzusprechen, da in seinem Falle keine zusätzlichen Umstände hin-
zutreten würden, welche befürchten liessen, allfälligen Sanktionen könnten
flüchtlingsrechtliche Motive zugrundeliegen.
7.
In der Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer im Wesentlichen
geltend, er werde aufgrund seiner Militärdienstverweigerung verfolgt. Zu-
dem sei er illegal aus Syrien ausgereist. Somit sei davon auszugehen, er
würde bei einer Rückkehr nach Syrien flüchtlingsrechtlich relevante Nach-
teile erleiden. Sodann habe die Vorinstanz unter Verletzung des Anspruchs
auf rechtliches Gehör unberücksichtigt gelassen, dass Schulkollegen ver-
haftet worden und seither verschwunden seien. Weiter sei im angefochte-
nen Entscheid nicht gewürdigt worden, dass einer seiner Brüder in der
Schweiz als Flüchtling anerkannt worden sei, er aus einer politischen Fa-
milie stamme und sein Dorf während zweier Jahre nicht mehr verlassen
habe. Weder aus der angefochtenen Verfügung noch aus dem Aktenver-
zeichnis gehe eine eingehende Prüfung der konnexen Akten der Familien-
angehörigen hervor. Namentlich sei die Möglichkeit einer Reflexverfolgung
nicht geprüft worden. Sodann habe die Vorinstanz das Verfahren trotz sei-
ner ausgewiesenen Minderjährigkeit verschleppt. Die Anhörung sei rund
acht Monate nach Feststellung der Minderjährigkeit des Beschwerdefüh-
rers durchgeführt worden. Des Weiteren habe die Vorinstanz in Verletzung
ihrer Abklärungspflicht die eingereichten Dokumente nicht auf ihre Echtheit
überprüft. Ferner habe er sich im Zusammenhang mit dem Marschbefehl –
entgegen der Vorinstanz – auch nicht widersprochen, da sich seine Aus-
führungen jeweils auf verschiedene Dokumente bezogen hätten.
8.
In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, dass behördlichen Do-
kumenten im Syrienkontext allgemein ein geringer Beweiswert zukomme.
Sodann sei zwei seiner Brüder in der Schweiz der Flüchtlingsstatus zuer-
kannt worden, noch bevor der Beschwerdeführer Syrien verlassen habe.
Er habe in diesem Zusammenhang nie geltend gemacht, wegen seiner
Brüder irgendwelchen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu
sein.
9.
In seiner Replik macht der Beschwerdeführer geltend, entgegen den Aus-
führungen der Vorinstanz stehe fest, dass er bei einer Rückkehr aufgrund
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des Profils seiner Brüder in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt
würde. Sein familiäres Umfeld sowie seine Herkunft würden wesentliche
Risikofaktoren darstellen, welche es bei der Prüfung der Flüchtlingseigen-
schaft zu berücksichtigen gelte.
10.
10.1 Vorab ist festzuhalten, dass bezüglich der Anträge um Akteneinsicht
und der damit zusammenhängenden Rüge der Verletzung des Anspruchs
auf rechtliches Gehörs vollumfänglich auf die Zwischenverfügung vom
3. Oktober 2018 verwiesen werden kann (vgl. auch Bst. F des Sachver-
halts).
10.2 Aus den Schilderungen des Beschwerdeführers geht hervor, dass er
das Land in erster Linie aus Furcht vor einer möglichen Einberufung in den
Militärdienst verliess.
Soweit der Beschwerdeführer Probleme und Befürchtungen im Zusam-
menhang mit der Rekrutierung für den Militärdienst bis zum Zeitpunkt sei-
ner Ausreise geltend macht, ist diesen Vorbringen die Flüchtlingsrelevanz
abzusprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 4.3. ff sowie das Referenzurteil des
BVGer D-5329/2014 vom 23. Juni 2015 E. 5.3), zumal sich ihnen keine
Anhaltspunkte für eine Verfolgung aus entsprechenden Motiven (vgl. oben
E. 4) entnehmen lassen. Ferner vermag eine allfällige illegale Ausreise –
entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – ebenfalls keine flüchtlings-
rechtliche Relevanz zu entfalten (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer
D6503/2017 vom 16. Mai 2019 E. 6.4. m.w.H.). Im Zusammenhang mit der
geltend gemachten Praxis der Vorinstanz ist festzuhalten, dass sich diese
auf Personen mit einem spezifischen regimekritischen Profil bezieht, wel-
ches beim Beschwerdeführer zum Zeitpunkt seiner Ausreise nicht gegeben
war. Allein wegen seines kurdischen Hintergrundes und dem Vorbringen,
der Vater gehöre der D._ Partei an – was gemäss seinen Schilde-
rungen zu keinen konkreten Problemen mit den Behörden geführt hat – ist
nicht davon auszugehen, der Beschwerdeführer habe im Zeitpunkt seiner
Ausreise ein entsprechendes Profil aufgewiesen. Sodann geht aus seinen
Schilderungen nicht hervor, die (...) Anhaltung am Kontrollposten habe ei-
nen politischen beziehungsweise flüchtlingsrechtlich relevanten Hinter-
grund gehabt. Das Ereignis wird von ihm vielmehr im Kontext einer mögli-
chen Rekrutierung vorgebracht, welcher die Flüchtlingsrelevanz – wie be-
reits ausgeführt – abzusprechen ist. Bei dieser Ausgangslage ist nicht zu
beanstanden, dass sich die Vorinstanz nicht vertieft mit den Vorbringen be-
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treffend die Verhaftung seiner Schulkollegen sowie dem geltend gemach-
ten längeren Verbleib im Dorf auseinandersetzte, da sich auch diese Vor-
bringen auf die Furcht vor einer möglichen Rekrutierung in den Militärdienst
beziehen. Aus den unsubstantiierten Vorbringen des Beschwerdeführers
im Zusammenhang mit dem "Verschwinden" seiner Schulkollegen geht so-
dann nicht hervor, ob er diese aufgrund ihres Dienstes nicht mehr gesehen
habe oder ob diesen von Seiten der Behörden aus flüchtlingsrelevanten
Motiven andere Nachteile zugefügt wurden. Die Rügen der Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör sowie der Pflicht zur sorgfältigen Sach-
verhaltsfeststellung erweisen sich in diesem Zusammenhang als unbe-
gründet (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Es ist nach dem Gesagten nicht mit
der notwendigen hohen Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, die syri-
schen Behörden hätten den Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Ausreise
als Regimegegner identifiziert, weshalb auch der Frage der Echtheit der
eingereichten Marschbefehle beziehungsweise der Glaubhaftigkeit der
dienstlichen Einberufung keine entscheidrelevante Bedeutung zukommt,
somit die diesbezüglichen Rügen im Ergebnis ebenfalls nicht verfangen.
Aufgrund des Ausgeführten ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
zum Zeitpunkt seiner Ausreise keiner flüchtlingsrechtlich relevanten Gefahr
vor Verfolgung ausgesetzt war.
10.3 Für die Zeit nach seiner Ausreise macht der Beschwerdeführer gel-
tend, die Vorinstanz habe sich nicht mit dem Umstand auseinandergesetzt,
dass sein älterer Bruder in der Schweiz als Flüchtling vorläufig aufgenom-
men worden sei und er dadurch möglicherweise einer Reflexverfolgung
ausgesetzt sein könnte.
10.3.1 Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör folgt unter anderem die
Pflicht der Behörden, sich mit den wesentlichen Gesichtspunkten ausei-
nanderzusetzen und den Entscheid zu begründen (vgl. BVGE 2009/35
E. 6.4.1 m.w.H.).
10.3.2 Den Unterlagen kann entnommen werden, dass die beiden älteren
Brüder des Beschwerdeführers, E._ (N [...]) sowie F._
(N [...]) am (...) beziehungsweise am (...) aufgrund ihrer exilpolitischen Tä-
tigkeiten als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen wurden. Der Status als
vorläufig Aufgenommene wurde später bei beiden durch eine Aufenthalts-
bewilligung gemäss Härtefallklausel ersetzt.
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10.3.3 Die Verfolgung von Angehörigen vermeintlicher oder wirklicher poli-
tischer Oppositioneller durch die syrischen Behörden ist durch diverse
Quellen dokumentiert und es sind unterschiedliche Motive für eine solche
Verfolgung erkennbar. So werden Angehörige verhaftet und misshandelt,
um eine Person für ihre oppositionelle Gesinnung zu bestrafen, um Infor-
mationen über ihren Aufenthaltsort in Erfahrung zu bringen, um eine Per-
son zu zwingen, sich den Behörden zu stellen, um ein Geständnis zu er-
zwingen, um weitere Personen abzuschrecken oder um direkt Angehörige
für eine unterstellte oppositionelle Haltung zu bestrafen, die ihnen aufgrund
ihrer Nähe zu vermeintlichen oder wirklichen oppositionellen Personen zu-
geschrieben wird. Die Bürgerkriegsparteien (darunter die syrische Armee
und Milizen) setzen dabei die Strategie der Reflexverfolgung gezielt ein
(vgl. Urteile des BVGer E-1175/2019 vom 24. September 2020 E. 6.3.1
sowie E734/2016 vom 14. Januar 2019 E. 7.2 ff.; vgl. ferner UNHCR, Inter-
national Protection Considerations with regard to people fleeing the Syrian
Arab Republic, Update III, vom 27.10.2014 und entsprechendes Update V
vom 03.11.2017, <https://www.refworld.org/pdfid/59f365034.pdf>, abgeru-
fen am 23.10.2020).
10.3.4 Nachdem unter den vorstehenden Ziffern Ausgeführten ist festzu-
halten, dass es sich beim Umstand, dass zwei Brüder des Beschwerdefüh-
rers in der Schweiz als Flüchtlinge anerkannt wurden, um ein wesentliches
Sachverhaltselement handelt, welches in die Erwägungen der Vorinstanz
hätte einfliessen müssen. Im angefochtenen Entscheid findet jedoch keine
Auseinandersetzung damit statt, ob der Beschwerdeführer aufgrund seiner
familiären Verbindungen gefährdet sein könnte. Der Umstand, dass er im
Rahmen der Schilderung seiner Fluchtgründe seine Brüder nicht erwähnte,
vermag – entgegen der in der Vernehmlassung vertretenen Meinung der
Vorinstanz – die fehlende Auseinandersetzung nicht zu rechtfertigen, da
eine solche von Amtes wegen hätte erfolgen müssen (vgl. ferner zum feh-
lenden Einbezug konnexer Dossiers die Urteile des BVGer E-3270/2015
vom 29. November 2016 E. 3 sowie E-1417/2016 vom 6. Mai 2016 E. 6.3
m.w.H.). Die Vorinstanz hätte sich mit der Frage befassen müssen, ob der
Beschwerdeführer angesichts der Flüchtlingseigenschaft seiner Brüder bei
einer Rückkehr nach Syrien – unter anderem auch unter Berücksichtigung
seines mittlerweile dienstpflichtigen Alters – in flüchtlingsrechtlich relevan-
ter Weise in den Fokus der heimatlichen Machtträger geraten könnte. Die
Vorinstanz hat es unterlassen, sich mit einem entscheidwesentlichen Um-
stand auseinanderzusetzen, womit sie ihre Begründungspflicht bezie-
hungsweise den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör
verletzt hat (vgl. bereits E 10.3.1.).
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10.3.5 Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör führt – ange-
sichts des formellen Charakters des Gehörsanspruchs unabhängig davon,
ob die angefochtene Verfügung bei korrekter Verfahrensführung im Ergeb-
nis anders ausgefallen wäre – grundsätzlich zur Kassation und Rückwei-
sung der Sache an die Vorinstanz (Art. 61 VwVG). Der Möglichkeit der Hei-
lung von Gehörsverletzungen aus prozessökonomischen Gründen (vgl.
BVGE 2014/22 E. 5.3 m.w.H.) sind bereits angesichts der auf Beschwer-
deebene eingeschränkten Kognition im Asylpunkt (vgl. E. 3.2) Grenzen ge-
setzt. Somit scheint es angezeigt, die Sache zur vollständigen und rechts-
genüglichen Entscheidbegründung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Im
Übrigen bleibt auf diese Weise der Instanzenzug erhalten, was umso wich-
tiger ist, als das Bundesverwaltungsgericht letztinstanzlich entscheidet.
11. Die Beschwerde ist nach dem Ausgeführten im Hauptbegehren gutzu-
heissen. Die Verfügung vom 15. August 2018 ist aufzuheben und die Sa-
che zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
12.
12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu auferlegen
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Damit ist die mit Zwischenverfügung vom
3. Oktober 2018 gewährte unentgeltliche Prozessführung gegenstandslos
geworden.
12.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm
notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Eine Kosten-
note wurde bisher nicht zu den Akten gereicht. Auf die Nachforderung einer
solchen wird indessen verzichtet und die Parteientschädigung auf Grund
der Akten (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE) und unter Berücksichtigung der
massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) festgesetzt.
Demnach ist dem Beschwerdeführer zu Lasten der Vorinstanz eine Partei-
entschädigung von Fr. 2'250.– zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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