Decision ID: a84b2645-4e27-507b-aefb-effc3b45044f
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._, geboren 1988, von Serbien, reiste am 2. Oktober 1994 gemeinsam mit seiner
Mutter und Schwester in die Schweiz ein (Vorakten [nachfolgend Dossier], S. 2 ff.). Am
17. Oktober 1994 erhielt er im Rahmen des Familiennachzugs zum Vater eine
Aufenthaltsbewilligung. Seit 13. April 1999 verfügt er über eine
Niederlassungsbewilligung.
B.
A._ tritt seit 2003, also etwa seit Vollendung seines 15. Altersjahrs, immer wieder
strafrechtlich in Erscheinung. Am 5. November 2003 wurde er wegen
eventualvorsätzlich versuchter einfacher Körperverletzung, Tätlichkeit und
Strassenverkehrsdelikten zu einer Arbeitsleistung von acht Halbtagen verurteilt.
Weniger als ein Jahr später, am 9. August 2004, wurde er erneut von der
Jugendanwaltschaft Wil verurteilt, diesmal wegen Entwendung eines Motorfahrzeugs
zum Gebrauch, Führen eines Motorfahrzeugs ohne gültigen Führerausweis und
unerlaubten Einführens und Tragens einer Waffe. Der Entscheid über eine Strafe und
Massnahme wurde unter Ansetzung einer Probezeit bis Ende 2004 aufgeschoben. Am
14. Dezember 2006 wurde er wegen Überfahrens einer Sicherheitslinie zu einer Busse
verurteilt. Innert der folgenden zwei Monate kam es erneut zu zwei Bussen, einmal
wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln und einmal infolge Verletzung der
Verkehrsregeln (mangelnde Rücksichtnahme auf den nachfolgenden Verkehr und
Unterlassen der Zeichenangabe beim Ändern der Fahrrichtung zum Verlassen der
Autobahn). Am 9. Juli 2008 wurde A._ erneut wegen Strassenverkehrsdelikten
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verurteilt. Am 28. Juli 2009 kam es zu einer Verurteilung wegen Diebstahls,
Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs, mehrfachen geringfügigen Diebstahls,
mehrfachen Tätlichkeiten, Drohung, sexueller Belästigung und mehrfacher Gewalt und
Drohung gegenüber Behörden und Beamten. Ausgesprochen wurden eine
Freiheitsstrafe von sechs Monaten und eine Busse von CHF 800. Ausserdem wurde
eine früher angesetzte Probezeit verlängert. Am 30. September 2009 wurde A._
seitens des Migrationsamts verwarnt und angehalten, sich künftig in jeder Beziehung
klaglos zu verhalten. Ab dem 1. November 2009 verbüsste A._ die angeordnete
Freiheitsstrafe und trat betreffend die ihm wegen Vergewaltigung, Freiheitsberaubung,
mehrfacher Drohung, mehrfacher Widerhandlung gegen das Waffengesetz sowie
mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zur Last gelegten
Vorwürfe anschliessend in den vorzeitigen Massnahmenvollzug über. Mit Entscheid
des Kreisgerichts Wil vom 1. Juli 2010 wurde A._ von den Vorwürfen der
Vergewaltigung, der Freiheitsberaubung, der mehrfachen Widerhandlung gegen das
Waffengesetz sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz freigesprochen und es wurde eine stationäre psychiatrische
Behandlung angeordnet. Aus der stationären Massnahme wurde A._ am 18. Mai 2018
bedingt entlassen. Mit Urteil des Bezirksgerichts Lenzburg wurde er am 26. Oktober
2020 wegen einer exhibitionistischen Handlung zu einer unbedingten Geldstrafe
verurteilt. Es kam aber nicht zu einer Rückversetzung in die stationäre Massnahme.
C.
Das Migrationsamt widerrief die Niederlassungsbewilligung von A._ mit Verfügung
vom 17. Oktober 2018 und wies ihn aus der Schweiz weg. Dies wurde im Wesentlichen
damit begründet, dass der Freispruch vom 1. Juli 2010 infolge Schuldunfähigkeit
erfolgt sei, er aber die ihm angelasteten Straftaten begangen und besonders
hochwertige Rechtsgüter verletzt habe. Aus ausländerrechtlicher Sicht wiege sein
Verschulden schwer. Für den Widerruf der Niederlassungsbewilligung wurden vor allem
ordnungs- und sicherheitspolitische Gründe angeführt. Der durch Rechtsanwältin Tanja
Ivanovic vertretene A._ erhob am 2. November 2018 Rekurs beim Sicherheits- und
Justizdepartement. Dieser Rekurs wurde am 10. August 2021 abgewiesen.
D.
Am 3. September 2021 erhob A._ (Beschwerdeführer) durch seine Rechtsvertreterin
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Begehren, den Entscheid des
Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) aufzuheben und die
Niederlassungsbewilligung zu verlängern und ihm eventualiter den Widerruf für den Fall
einer strafrechtlichen Verurteilung anzudrohen. Subeventualiter sei die Vorinstanz
anzuweisen, den Sachverhalt aufgrund der aktuellen Situation unter Einholung eines
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Gutachtens abzuklären und neu über den Widerruf der Niederlassungsbewilligung zu
befinden. Im Hinblick auf die Kosten und Entschädigungen sei die Entscheidgebühr
von CHF 1'000 dem Kanton aufzuerlegen. Die Rechtsvertreterin sei für ihre
Aufwendungen mit CHF 9'600 (ohne Bezug auf die Mehrwertsteuer zu nehmen) zu
entschädigen. Über all dies sei vom Verwaltungsgericht unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zu befinden (inkl. Mehrwertsteuer), wobei dem
Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und Rechtsanwältin
Tanja Ivanovic als unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestimmen sei. Am 7. September
2021 gewährte der Abteilungspräsident dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtspflege und bestimmte Rechtsanwältin Tanja Ivanovic zur unentgeltlichen
Rechtsvertreterin. Mit Schreiben vom 13. September 2021 beantragte die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde. – Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid
und die Ausführungen des Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie
die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeeingabe
vom 3. September 2021 gegen den am 20. August 2021 entgegengenommenen
Rekursentscheid erfolgte rechtzeitig und erfüllt formal wie inhaltlich die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 i.V.m. Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Als Adressat des
angefochtenen Entscheids ist der im Rekursverfahren unterlegene Beschwerdeführer
zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 i.V.m. Art. 45 Abs. 1 VRP). Auf die
Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2.
bis
Die Niederlassungsbewilligung kann bei einem Ausländer wie dem Beschwerdeführer,
der sich seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz
aufhält, nur widerrufen werden, wenn er in schwerwiegender Weise gegen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat
oder diese gefährdet oder wenn er zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt
wurde (Art. 63 Abs. 2 i.V.m. Art. 63 Abs. 1 lit. b und Art. 62 lit. b des Bundesgesetzes
2.1.
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über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration; SR 142.20, AIG; in
der zeitlich massgeblichen Fassung).
Vorliegend kam es zwar zu einem Freispruch in Bezug auf jene Delikte, die Auslöser für
den Widerruf der Niederlassungsbewilligung waren. Die Niederlassungsbewilligung
kann indes dennoch widerrufen werden, wenn der Ausländer in schwerwiegender
Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland
verstossen hat oder diese gefährdet oder die innere oder die äussere Sicherheit
gefährdet (Art. 63 Abs. 2 i.V.m. Art. 63 Abs. 1 lit. b AIG). Wie von der Vorinstanz
zutreffend festgestellt wurde, liegt ein schwerwiegender Verstoss gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung zumeist dann vor, wenn die ausländische Person durch ihre
Handlungen besonders hochwertige Rechtsgüter, namentlich die körperliche,
psychische oder sexuelle Integrität eines Menschen verletzt oder gefährdet hat (BGE
137 II 297 E. 3.3). Der Widerrufsgrund setzt kein strafrechtlich vorwerfbares Verhalten
mit Verschulden und damit mit Schuldfähigkeit voraus (vgl. BGer 2C_74/2011 vom
1. Juli 2011 E. 2.4; VerwGE B 2016/211 vom 13. Dezember 2018 E. 2.1; Entscheid
Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abt. Verfassungs- und Verwaltungsrecht, vom
9. November 2016 E. 4.3.2; M. Spescha, Kommentar Migrationsrecht, 4. Auflage 2015,
Art. 63 AuG N 10). Vielmehr soll der Widerruf insbesondere auch bei Ausländerinnen
und Ausländern möglich sein, bei denen eine strafrechtliche Massnahme angeordnet
wurde (Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom
8. März 2002, 02.024, Bundesblatt [BBl] 2002 S. 3810).
2.2.
Laut Kreisgericht Wil schloss sich der Beschwerdeführer Ende Juli/Anfang August 2005
zusammen mit seiner damaligen Freundin gegen deren Willen in sein Zimmer in der
elterlichen Wohnung ein und stiess sie danach etwa 2,6 km und zum Teil an den
Haaren haltend bis zu einem Maisfeld vor sich her, wo er sie - wiederum an den Haaren
haltend - nötigte, mit ihm den Geschlechtsverkehr zu vollziehen. Nach dem Vorfall
drohte er ihr wiederholt mit dem Tod. Dieser Deliktskomplex stellt offensichtlich einen
schwerwiegenden Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung dar. In
Anbetracht der Schwere der Taten hat der Beschwerdeführer in schwerwiegender
Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz verstossen und
damit hat er denn auch den Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. b AIG gesetzt. Dass
das Gericht wegen der gutachterlich festgestellten psychischen Störung des
Beschwerdeführers strafrechtlich von einer vollständig aufgehobenen Schuldfähigkeit
im Sinne von Art. 19 Abs. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (SR 311.0, StGB)
2.3.
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3.
ausging und die Tat deshalb nicht strafbar war, vermag nichts daran zu ändern, dass –
ausländerrechtlich – der Widerrufsgrund gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. b AIG erfüllt ist
(VerwGE B 2016/211 vom 13. Dezember 2018 E. 2.1).
Zu prüfen bleibt damit die Verhältnismässigkeit des Widerrufs der
Niederlassungsbewilligung. Denn auch wenn Widerrufsgründe gemäss Art. 63 AIG
vorliegen, ist dieser nur zulässig, wenn im konkreten Fall die Abwägung der sich
gegenüberstehenden Interessen ergibt, dass eine Wegweisung aus der Schweiz
verhältnismässig beziehungsweise zumutbar ist. Unter Einbezug der öffentlichen
Interessen, der persönlichen Verhältnisse sowie des Integrationsgrads der betroffenen
Person ist eine sorgfältige Interessenabwägung vorzunehmen. Dabei gilt es namentlich,
der Schwere ihres Verschuldens, der Dauer ihrer Anwesenheit sowie den ihr und ihrer
Familie drohenden Nachteilen Rechnung zu tragen.
Die Niederlassungsbewilligung eines Ausländers, der sich – wie der Beschwerdeführer
– schon seit langer Zeit im Land aufhält, soll – mit Blick auf das von Art. 8 der
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK)
und Art. 13 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101,
BV) geschützte Privatleben – nur mit Zurückhaltung widerrufen werden. Bei
gewichtigen Straftaten und bei Rückfall sowie bei wiederholter (unverbesserlicher)
Delinquenz kann aber auch in diesen Fällen ein überwiegendes Interesse daran
bestehen, die Anwesenheit des Ausländers zu beenden, da und soweit er hochwertige
Rechtsgüter verletzt oder in Gefahr gebracht hat beziehungsweise er sich von straf-
und ausländerrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lässt und damit zeigt, dass
er auch künftig weder gewillt noch fähig erscheint, sich an die hiesige Rechtsordnung
zu halten. Ein Widerruf der Niederlassungsbewilligung ist selbst dann nicht
ausgeschlossen, wenn der Ausländer hier geboren ist und sein ganzes bisheriges
Leben im Land verbracht hat (vgl. BGer 2C_99/2019 vom 28. Mai 2019 E. 4.3;
2C_204/2018 vom 9. September 2018 E. 4.3 mit Hinweis auf BGE 139 I 145 E. 2.4 und
2.5 und weitere Rechtsprechung).
3.1.
Vorliegend ist es so, dass der Beschwerdeführer sich darauf beruft, als Kind Deutsch
gelernt, Freundschaften geknüpft und Mitglied in Fussballvereinen gewesen zu sein. Er
habe zudem gerne Tischtennis gespielt, es geliebt zu schwimmen und zu wandern.
Ferner habe er bis zum 12. Lebensjahr Leichtathletik betrieben. Bis zum Ausbruch
3.2.
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seiner Krankheit sei er in der Schweiz vollkommen integriert und angepasst gewesen.
Seit 2003 habe er sich aber aufgrund seiner Erkrankung immer mehr verändert. Er habe
starke Stimmungsschwankungen gehabt, sich zu Hause immer mehr und mehr
zurückgezogen und ausserhalb des Elternhauses ein aggressives Verhalten an den Tag
gelegt. Er habe in der Schule oft gefehlt und seine Leistungen hätten sich
verschlechtert. Aufgrund seines undisziplinierten Verhaltens im Unterricht sei ihm gar
ein vorübergehender Schulausschluss angedroht worden. Der Beschwerdeführer geht
in seiner Beschwerde sodann eingehend auf seine psychische Erkrankung, die
stationäre Massnahme und seine Begutachtung ein. Im Zuge der Behandlung sei es zu
einer positiven Entwicklung gekommen. Er habe sich immer mehr in den Alltag und
sein Umfeld einbringen und Verantwortung übernehmen können, habe Erlerntes
umgesetzt und sich somit in Richtung einer angemessenen Selbständigkeit entwickelt.
Trotz zahlreicher Öffnungen des Vollzugs habe sich der Beschwerdeführer seit der
Diagnostizierung seiner Erkrankung über zwölf Jahre lang nicht straffällig verhalten,
obwohl er entsprechenden Reizen ausgesetzt gewesen sei. Ferner habe sich seine
Beziehung zu seinen Eltern und Schwestern verfestigt. Auch gegenüber Dritten verhalte
er sich tadellos. Seit Juni 2018 habe er eine Beziehung. Seine Partnerin und deren
Kinder würden mittlerweile ebenso zu seiner Herkunftsfamilie gehören wie der
Beschwerdeführer selbst. Er beabsichtige, seine Partnerin zu heiraten. Seit seiner
Entlassung aus der stationären Massnahme habe er keine Drogen und keinen Alkohol
mehr konsumiert. Er gehe alle zwei Wochen zur Psychotherapie. Exhibitionismus sei
mehr Krankheitssymptom als Untat. Die anderen Delikte würden schon 12 bis 18 Jahre
zurückliegen. Indem das Bezirksgericht Lenzburg auf die Rückversetzung in die
stationäre Massnahme verzichtet habe, habe es zum Ausdruck gebracht, dass
mutmasslich keine reale Gefahr weiterer Straftaten bestehe. Überdies habe es den
Beschwerdeführer lediglich zu einer Geldstrafe im Umfang von 30 Tagessätzen
verurteilt. Das Gutachten von 2014 bescheinige ihm eine günstige Legalprognose. Das
öffentliche Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung sei daher nicht
gegeben. Demgegenüber sei das private Interesse des Beschwerdeführers am
weiteren Verbleib in der Schweiz augenscheinlich. Er befinde sich seit 27 Jahren und
seit dem 6. Altersjahr in der Schweiz, sei hier aufgewachsen und sozialisiert. Bis zum
Zeitpunkt seiner Erkrankung habe er sich vollumfänglich und altersgerecht integriert. Er
habe hier nun seit 3,5 Jahren eine Freundin, mit der er verlobt sei. Selbst als die beiden
vorübergehend aufgrund der Untreue seiner Freundin getrennt gewesen seien, habe er
nicht aggressiv, sondern besonnen reagiert. Nach einer Beziehungspause habe sich
das Verhältnis der beiden wieder soweit verfestigt, dass sie nun eine Heirat
beabsichtigen würden. Zu seiner biologischen Familie stehe er in einem engen
Abhängigkeitsverhältnis. Sie unterstütze ihn. Moderne Kommunikationsmittel könnten
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ihm diese Unterstützung nicht bieten. In Serbien verfüge er nur über wenige Verwandte.
Ein Onkel dort sei pflegebedürftig. Mit seinem Cousin, dem Sohn dieses Onkels, habe
er keinen Kontakt. Dieser lebe mit dessen Frau und Tochter in einer sehr kleinen
Wohnung. Die Grosseltern seien verstorben. Er habe dort auch sonst keine sozialen
Beziehungen. Ausserdem könne er zwar Serbisch sprechen, beherrsche aber die
kyrillische Schrift nicht. Kulturelle Beziehungen zu Serbien habe er nicht. Auch sein
Gesundheitszustand spreche für seinen Verbleib in der Schweiz. Hierzulande würde er
in einer der Stiftung B._ ähnlichen Wohnstätte leben und an einem geschützten
Arbeitsplatz tätig sein. Mit seiner IV-Rente, seinen Ergänzungsleistungen sowie seinem
Lohn könne er sich diese seiner Krankheit Rechnung tragende Lebensform leisten. Der
Beschwerdeführer räumt sodann ein, eine psychisch schwer kranke Person zu sein.
Die Vorinstanz betont im Zusammenhang mit der Gewichtung des öffentlichen
Interesses, dass die Rückfallgefahr des Beschwerdeführers zu berücksichtigen sei. Die
Verurteilung wegen Exhibitionismus stelle angesichts der Vorstrafen einen
bedeutenden Rückfall dar. Davon habe ihn auch das engmaschige Setting im
Wohnheim B._ nicht abhalten können. Dies entspreche auch den Einschätzungen des
Wohnheims B._ sowie der Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG). Den Berichten
vom Frühling 2020 lasse sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer die
Strafuntersuchung wegen Exhibitionismus bagatellisiere, sich hinsichtlich der gegen ihn
erhobenen Vorwürfe wenig einsichtig zeige und sich herablassend und abwertend über
das 68-jährige mutmassliche Opfer geäussert habe. Die PDAG schätze die
Rückfallgefahr weiterer einschlägiger Delikte als sehr hoch ein. Es sei mithin von einer
sehr hohen Rückfallgefahr auszugehen. Im ausländerrechtlichen Widerrufsverfahren sei
bei Delikten gegen Leib und Leben selbst ein geringes Rückfallrisiko nicht
hinzunehmen. Trotz der langen Aufenthaltsdauer würden die begangenen Delikte nicht
von einer gelungenen Integration sprechen. Der Beschwerdeführer kenne sein
Heimatland und die dort gesprochene Sprache und habe sich regelmässig dort
aufgehalten. Von einer Befragung (v.a. der Freundin des Beschwerdeführers) sah die
Vorinstanz mangels der Unabhängigkeit dieser Personen ab. Auf das Einholen eines
Gutachtens verzichtete die Vorinstanz ebenfalls, weil die Rückfallgefahr angesichts der
vorliegenden Unterlagen auch ohne ein solches Gutachten beurteilt werden könne.
3.3.
3.4.
Der Beschwerdeführer wurde mehrfach strafrechtlich belangt. Bis zur strafrechtlichen
3.4.1.
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Beurteilung der Vorwürfe der Vergewaltigung, der Freiheitsberaubung, der mehrfachen
Widerhandlung gegen das Waffengesetz sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen
das Betäubungsmittelgesetz am 1. Juli 2010 gingen die Strafbehörden nicht davon
aus, dass dem Beschwerdeführer die Taten krankheitsbedingt nicht angelastet werden
konnten. Selbst wenn auch dem früheren strafrechtlich relevanten Verhalten des
Beschwerdeführers kein ihm zurechenbares Verschulden zugrunde gelegen haben
sollte, vermag dies am Gewicht des öffentlichen Interesses, die Anwesenheit des
Beschwerdeführers in der Schweiz zu beenden, nichts Grundsätzliches zu ändern. Er
hat verschiedentlich hochrangige Rechtsgüter Dritter, insbesondere Leib und Leben
und die sexuelle Integrität verletzt. Die Verletzung dieser Rechtsgüter begründet ein
gewichtiges öffentliches Interesse an der Ausreise des Beschwerdeführers aus der
Schweiz.
Bei der Gewichtung des öffentlichen Interesses ist auch die Rückfallgefahr zu
berücksichtigen. Aus einem Schreiben des Amts für Justizvollzug vom 21. Januar 2020
geht hervor, dass der Beschwerdeführer an einem chronischen Verlauf einer
undifferenzierten Schizophrenie leidet, die eine langfristige, massgeschneiderte
Unterstützung erfordert. Dies bestätigt ein Schreiben des Amts für Justizvollzug vom
27. April 2020, aus dem hervorgeht, dass der Beschwerdeführer langfristig auf
betreuende und unterstützende Massnahmen angewiesen sein wird und von einer
Rückversetzung in die stationäre Massnahme nicht deshalb abgesehen wurde, weil die
Rückfallgefahr verneint wurde, sondern weil die Rückversetzung mit einer Verwahrung
vergleichbar gewesen wäre, wobei die Anordnungsvoraussetzungen für eine
Verwahrung als nicht erfüllt erachtet wurden. Die lückenlose Einnahme der verordneten
Medikamente wurde in diesem Zusammenhang als rückfallpräventiv wichtig
beschrieben. Aus dem Verlaufsbericht vom 5. April 2020 der Stiftung B._ geht hervor,
dass der Beschwerdeführer den Exhibitionismus-Vorfall belächelt und bagatellisiert.
Aus dem Bericht ist sodann auch ersichtlich, dass er bei den Themen Abstinenz und
Medikamenteneinnahme langfristig auf externe Kontrolle, Unterstützung, Beratung und
Begleitung angewiesen sein wird. Das PDAG misst der Medikamenteneinnahme
ebenfalls erhebliches Gewicht zu und stuft die Rückfallgefahr des Beschwerdeführers
in die Delinquenz unter der "Voraussetzung der konsequenten Weiterführung der
psychiatrischen Behandlung, inkl. kontrollierter Medikamenteneinnahme", im Bericht
vom 11. Mai 2020 als eher gering ein. Laut dem Bericht äussert sich die psychische
Krankheit des Beschwerdeführers unter anderem in einem Mangel an Empathie.
Spürbare Empathie konnte laut diesem Bericht nicht nur gegenüber Dritten, sondern
3.4.2.
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auch nicht gegenüber den Eltern und den Schwestern des Beschwerdeführers
festgestellt werden. Das PDAG beurteilt den Therapieverlauf seit 2009 insgesamt als
sehr schwierig und ungünstig. Das Rückfallrisiko in die Delinquenz wurde sodann
seitens des PDAG 2020 auch als weniger positiv beurteilt als noch 2019, und dies nicht
unter Bezugnahme auf den Exhibitionismusvorfall vom 30. Januar 2020, sondern unter
konkreter Bezugnahme auf die soziale Kompetenz und das gezeigte Konfliktverhalten
des Beschwerdeführers.
Dass selbst bei einer engmaschigen Betreuung des Beschwerdeführers zumindest
hinsichtlich seiner exhibitionistischen Veranlagung eine beträchtliche Rückfallgefahr
besteht, belegt das Ereignis vom 30. Januar 2020. Die Erkrankung des
Beschwerdeführers bedarf zur Vermeidung der Verletzung strafrechtlich geschützter
Rechtsgüter, insbesondere von Leib und Leben sowie der sexuellen Integrität Dritter,
einer dauerhaften und zuverlässigen medikamentösen und psychotherapeutischen
Behandlung in einem geschützten Umfeld. Soweit der Beschwerdeführer – was in den
vergangenen Jahren weitgehend der Fall war – krankheitseinsichtig ist, im Rahmen der
erforderlichen Betreuung kooperiert und insbesondere auch bereit ist, über
partnerschaftliche Beziehungen Auskunft zu geben, erscheint die Rückfallgefahr
jedenfalls bezüglich schwerer Delikte als eher gering.
Der Beschwerdeführer ist in der Schweiz wirtschaftlich – abgesehen davon, dass ihm
eine IV-Rente zugesprochen und er am 7. August 2020 betreffend Einkommens-/
Vermögensverwaltung verbeiständet wurde – nicht und gesellschaftlich wenig
integriert. Zu berücksichtigen ist dabei allerdings wiederum seine psychische
Erkrankung, welche eine solche Integration unabhängig der Nationalität erschwert.
Während der obligatorischen Schulzeit war der Beschwerdeführer – soweit ersichtlich -
im üblichen Rahmen sozial integriert. Die Anzeichen seiner beginnenden psychischen
Erkrankungen haben dann allerdings bereits im Jugendalter zu einer zunehmenden
sozialen Isolation geführt. Im Rahmen seiner Möglichkeiten hat der Beschwerdeführer –
mit Rückschlägen – mittlerweile Schritte hin zu einer ansatzweisen Re-Integration
unternommen. Es ist ihm jedenfalls im geschützten Rahmen gelungen, in der Küche
täglich während bis zu fünfeinhalb Stunden tätig zu sein. Er hatte auch eine Ausbildung
mit Berufsattest in diesem Bereich ins Auge gefasst. Wohl nicht zuletzt das Wissen
darum, dass sein Anwesenheitsrecht in der Schweiz in der Schwebe ist, hat dazu
geführt, dass er dieses Ziel zumindest zurzeit wieder aufgegeben hat.
3.4.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/15
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Die familiäre Integration des Beschwerdeführers ist weitestgehend auf seine Eltern und
Schwestern ausgerichtet. In der Beschwerde ist zwar von Heiratsabsichten die Rede.
Indessen sind die Whats-App-Nachricht vom 10. Juli 2020 mit Fotos kein Beleg für eine
Beziehung. Sie beziehen sich lediglich auf ein Kennenlernen zwischen seiner Freundin
und einem Teil seiner Familie. Dasselbe gilt für die bei den Akten liegenden Fotos ohne
Datum. Auch sie belegen nicht, dass die Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer
und der Freundin nach Mai 2020 noch gelebt wurde. Ein Schreiben betreffend eine
aktuell noch bestehende Beziehung des Beschwerdeführers mit dieser sowie einer
beabsichtigten Heirat liegt nicht bei den Akten. Zudem geht aus den Akten deutlich
hervor, dass dem Beschwerdeführer eine empathische Beziehung zu anderen
Personen infolge seiner psychischen Erkrankung nur schwer möglich ist, selbst zu
seiner Familie. Es überrascht deshalb nicht, dass seitens seiner Familie kein Schreiben
bei den Akten liegt, welches die Intensität der familiären Beziehung betont. Andere
langfristig tragfähige Beziehungen hat der Beschwerdeführer nicht. Auch bei der
Beurteilung der familiären Integration ist zu berücksichtigen, dass einer normalen
Beziehungsintensität angesichts der langfristig erforderlichen Betreuung
beziehungsweise besonders erforderlichen Wohnform und des geschützten
Arbeitsplatzes des Beschwerdeführers krankheitsbedingt besondere Hindernisse
entgegenstehen.
Insgesamt ist indes davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer den Möglichkeiten
seiner psychischen Erkrankung entsprechend in der Schweiz integriert ist.
Der Beschwerdeführer ist im sechsten Altersjahr im Familiennachzug in die Schweiz
eingereist. Er hat hier die obligatorische Schulzeit und damit einen grossen Teil der
lebensprägenden Jahre verbracht. Er lebt mittlerweile seit rund 27 Jahren in der
Schweiz. Diese lange Anwesenheit in der Schweiz fällt erheblich zu seinen Gunsten ins
Gewicht. Zwar ist er mit Sprache und Kultur seines Heimatlandes, in welchem er die
Jahre als Kleinkind und später verschiedene Besuchsaufenthalte verbracht hat, nicht
gänzlich unvertraut. Es darf auch davon ausgegangen werden, dass er dort nicht ohne
jedes familiäre Netz leben müsste. Auch ist nicht von vornherein ausgeschlossen, dass
ihm in seiner Heimat die zur Vermeidung von Straffälligkeit und Sanktionen
erforderliche adäquaten medizinischen und sozialen Betreuung zuteilwürde (vgl. BVGer
D-167/2016 vom 23. November 2018 E. 4.4.3). Eine soziale Integration des
Beschwerdeführers, wie sie zurzeit in der Schweiz besteht, wäre – bei entsprechender
Unterstützung – trotz Schwierigkeiten auch in Serbien möglich.
3.4.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/15
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4.
Zusammenfassend ergibt sich damit, dass der Widerruf der Niederlassungsbewilligung
des Beschwerdeführers aktuell unverhältnismässig ist. Die Beschwerde ist daher
gutzuheissen und der angefochtene Entscheid aufzuheben.
5.
Bei der Interessenabwägung spricht die Schwere der vom Beschwerdeführer
ausgegangenen Rechtsgutverletzungen und die beträchtliche Rückfallgefahr, die nur
mit einer dauerhaften engmaschigen Betreuung des Beschwerdeführers bei
anhaltender Krankheitseinsicht gebannt werden kann, für die Beendigung der
Anwesenheit des Beschwerdeführers in der Schweiz. Zugunsten eines weiteren
Verbleibs des Beschwerdeführers in der Schweiz sprechen seine lange Anwesenheit
und seine Integration in der Schweiz im Rahmen seiner Möglichkeiten sowie die
besonderen Hindernisse, denen er sich bei einer Integration in seiner Heimat
gegenüber sieht. Trotz der erheblichen öffentlichen Interessen an der Beendigung des
Aufenthalts des Beschwerdeführers erscheint ein Widerruf der
Niederlassungsbewilligung bei Würdigung sämtlicher konkreter Umstände derzeit noch
als unverhältnismässig. Zu berücksichtigen sind die ihm attestierte krankheitsbedingte
Schuldunfähigkeit (vgl. Entscheid Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abt. Verfassungs-
und Verwaltungsrecht, vom 9. November 2016 E. 5.4.2) und die massnahmenbedingte
massgebliche Beschränkung des von ihm ausgehenden Risikos.
3.4.5.
Gemäss Art. 98 Abs. 2 VRP besteht im Rekursverfahren kein unbedingter Anspruch auf
ausseramtliche Entschädigung, sondern nur soweit eine Entschädigung aufgrund der
Sach- und Rechtslage als notwendig und angemessen erscheint. Die Frage der
Notwendigkeit einer rechtskundigen Vertretung im Rekursverfahren beurteilt sich im
Wesentlichen nach den gleichen Grundsätzen, die das Bundesgericht zur Frage der
Bestellung eines unentgeltlichen Vertreters entwickelt hat. Danach ist eine Vertretung
im Rekursverfahren notwendig, wenn es sich um eine in tatsächlicher oder rechtlicher
Hinsicht komplexe Streitsache handelt, die Prozessführung die Fähigkeiten des
Vertretenen übersteigt und die Streitsache für ihn eine erhebliche Bedeutung hat
(Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 845;
R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz,
Lachen SZ/St. Gallen 2004, S. 162). Ist die Frage der Notwendigkeit einer anwaltlichen
Vertretung zu bejahen, so hat der Betroffene grundsätzlich Anspruch auf eine volle
ausseramtliche Entschädigung. Ausnahmsweise ist es gestützt auf den Begriff der
5.1.
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"Angemessenheit" nach Art. 98 Abs. 2 VRP zulässig, den Entschädigungsanspruch
herabzusetzen (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 848). Den Behörden kommt bei der
Verlegung und Bemessung von amtlichen und ausseramtlichen Kosten ein erheblicher
Ermessensspielraum zu. Die Ermessenskontrolle ist dem Verwaltungsgericht im
Beschwerdeverfahren verwehrt (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP, vgl. VerwGE B 2013/178
vom 12. Februar 2014 E. 2.2, siehe auch VerwGE B 2014/70 vom 27. November 2015
E. 2.4). Das Verwaltungsgericht ist daher nur zur Rechtskontrolle befugt und kann einen
Kostenspruch der Vorinstanz nur aufheben, wenn er auf einer Über- oder
Unterschreitung bzw. einem Missbrauch des Ermessens beruht (vgl. auch Cavelti/
Vögeli, a.a.O., Rz. 848).
Unbestritten ist, dass die Streitsache für den Beschwerdeführer eine erhebliche
Bedeutung hatte und die im Rekursverfahren aufgeworfenen tatsächlichen und
rechtlichen Fragen nicht als einfach qualifiziert werden konnten, was nun an der
Gutheissung der Beschwerde in der Sache offenbar wird. Unter Berücksichtigung der
vorliegenden Umstände bejahte die Vorinstanz daher zu Recht die Notwendigkeit einer
rechtskundigen Vertretung.
5.2.
Die Höhe der ausseramtlichen Entschädigung im Verwaltungs- und
Verwaltungsrechtpflegeverfahren bestimmt sich in erster Linie nach der Pauschale
gemäss Art. 22 in Verbindung mit Art. 19 der Honorarordnung (sGS 963.75, HonO). Zu
prüfen bleibt damit vorliegend, ob die von der Vorinstanz zugesprochene
ausseramtliche Parteientschädigung angemessen ist. Nach Art. 22 Abs. 1 lit. a HonO
beträgt das Honorar in der Verwaltungsrechtspflege vor Verwaltungsbehörden
pauschal CHF 500 bis CHF 6'000. Innerhalb dieser Pauschale wird das Grundhonorar
nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen,
der Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten
bemessen (Art. 19 HonO). Die Vorinstanz erachtete das von der Rechtsvertreterin
geltend gemachte Honorar in der Grössenordnung von CHF 10'000 samt Barauslagen
und Mehrwertsteuer als zu hoch. Sie legte die ausseramtliche Entschädigung aus
unentgeltlicher Rechtsverbeiständung auf CHF 3'000 (inklusive Barauslagen, zuzüglich
Mehrwertsteuer) fest. Zur Begründung führte sie aus, das Verfahren sei zwar lang und
aufwendig gewesen, Rekursschrift und Stellungnahmen seien allerdings weitschweifig
und in nicht unerheblichem Ausmass sich wiederholend. Damit übte sie bei der
Festsetzung der ausseramtlichen Parteientschädigung ihr Ermessen pflichtgemäss aus.
Daran ändert auch nichts, dass der von der Rechtsvertreterin betriebene Aufwand, wie
5.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/15
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St.Galler Gerichte
6.
Dem Verfahrensausgang entsprechend – das Unterliegen im Kostenpunkt kann
vorliegend im Vergleich mit der Bedeutung des materiellen Entscheides vernachlässigt
werden (vgl. R. von Rappard-Hirt, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, St. Gallen 2020, N 3 zu Art. 95 VRP) – sind
die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens vom Staat zu tragen (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 2'000 ist angemessen (siehe Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95
Abs. 3 VRP). Mit dem Rekursentscheid wurde auch dessen Kostenspruch aufgehoben.
Die amtlichen Kosten von CHF 1'000 des Rekursverfahrens gehen entsprechend
zufolge Obsiegens und nicht zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
zulasten des Staates.
Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
ausseramtliche Entschädigung im Beschwerdeverfahren. Das Honorar beträgt vor
Verwaltungsgericht pauschal CHF 1'500 bis CHF 15'000 (Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO).
Innerhalb des für eine Pauschale gesetzten Rahmens wird das Grundhonorar nach den
besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der
Schwierigkeit des Falls und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten
bemessen (Art. 19 HonO sowie Art. 31 Abs. 1 und 2 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70,
AnwG). Im vorliegenden Beschwerdeverfahren erscheint eine Entschädigung von
CHF 2’500 zuzüglich CHF 100 pauschale Barauslagen (4 Prozent von CHF 2'500;
er in der Honorarnote zum Ausdruck kommt, deutlich höher war, stellt der effektive
Aufwand doch lediglich eines von verschiedenen Bemessungskriterien dar (VerwGE B
2016/38 vom 12. März 2018 E. 8.3; GVP 2015 Nr. 68 E. 4.2.1). Aufgrund der
verschiedenen Bemessungskriterien liegt es in der Natur der Sache, dass eine
pauschal zugesprochene Parteientschädigung nicht immer dem eigentlichen Aufwand
der Rechtsvertreterin entspricht und sowohl nach unten als auch nach oben abweichen
kann. Die Vorinstanz bemass die pauschale ausseramtliche Parteientschädigung im
Vergleich zu anderen Fällen eher grosszügig und damit weder willkürlich noch
unverhältnismässig tief, sondern im Rahmen ihres pflichtgemässen Ermessens unter
Berücksichtigung von Art. 19 und Art. 22 Abs. 1 lit. a HonO. Die Beschwerde erweist
sich in diesem Punkt folglich als unbegründet und ist abzuweisen. Allerdings ist zu
beachten, dass dem Beschwerdeführer aufgrund der Gutheissung der Beschwerde
auch im Rekursverfahren nicht eine um einen Fünftel herabgesetzte (vgl. Art. 31 Abs. 3
des Anwaltsgesetzes; sGS 963.70, AnwG), sondern eine ungekürzte Entschädigung
seiner ausseramtlichen Kosten zusteht. Sie erhöht sich damit um CHF 750 (inklusive
Barauslagen) zuzüglich Mehrwertsteuer.
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Art. 28 HonO) zuzüglich CHF 200.20 Mehrwertsteuer (7,7 Prozent von CHF 2'600;
Art. 29 HonO) angemessen.