Decision ID: ed2bd8d4-5475-4d6f-9575-8f6d5ce5012b
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965, v
erfügt über keine Berufsausbildung. Er
kam
im Jahr 1989 in
die
Schweiz
(
Urk.
8/37/4)
und arbeitete
hier
von
Juli
199
0
bis
zu seiner Entlassung im April
1998
als Verkäufer bei
Y._
(
Urk.
8/11/1)
.
Im November 1998 meldete er sich wegen
seit der Geburt bestehenden
Armbe
schwerden
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle), zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/4).
Diese holte einen hausärztlichen Bericht (
Urk.
8/8) ein und klärte die erwerblichen Verhältnisse ab (
Urk.
8/10-11).
A
nschliessend
verneinte sie mit Verfügung vom 1
3.
April 1999 einen Rentenanspruch (
Urk.
8/14). Die dagegen erhobene Beschwerde des Ver
sicherten wies das Sozialversicherungsgericht mit Urteil IV.1999.00265
vom 3
0.
Mai 2000 ab (
Urk.
8/18).
Dieser
Entscheid wurde mit Urteil des
Bundesge
richts
I 429/2000 vom 2
4.
April 2001 bestätigt (
Urk.
8/24).
1.2
Im September 2003 meldete
sich der Versicherte wegen Arm- und zusätzlich psychischer Beschwerden erneut zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle an (Urk. 8/27). Inzwischen hatte er
den eidgenössischen Fähigkeitsausweis als Ver
käufer erworben (
Urk.
8/25)
und von Januar bis Juni 2002
als Chauffeu
r
bei der
Z._
GmbH
gearbeitet (
Urk.
7/27/4
und 7/34/5
). Zudem hatte er nach der Scheidung
(
Urk.
8/26
) erneut geheiratet und war Vater geworden (
Urk.
8/27/1-2).
Die IV-Stelle holte einen Auszug aus dem individuellen Konto (
IK;
Urk.
8/32
) und
Berichte
der
behandelnde
n
Arztpersonen
(
Urk.
8/34
-35, 8/37
und 8/46
)
ein. Die im Oktober 2004 gewährte Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche schloss sie
am
1.
April 2005 ab (
Urk.
8/
51-57
und 8/59
). Mit Verfügung vom
7.
April 2005 verneinte sie zudem erneut einen Rentenanspruch (
Urk.
8/58).
Die dagegen erhobene
Einsprache
des Versicherten
(
Urk.
8/66
-67 und 8/70-71) wies die IV-Stelle mit
Einspracheentscheid
vom
9.
August 2005 ab (
Urk.
8/78).
Indes hiess das Sozialversicherungsgericht die vom
V
ersicherten
dagegen
erhobene Beschwerde
mit Urteil IV.2005.01036 vom 3
1.
August 2006 in dem Sinne gut, als es die Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückwies (
Urk.
8/91).
1.3
Inzwischen hatte der Versicherte im April 2006 eine Tätigkeit als Hilfsarbeiter (einschliesslich Büroarbeiten) in einem Pensum von 20
%
bei der
A._
GmbH aufgenommen (
Urk.
5/1-3 und 8/128/2) und war
erneut
Vater geworden (
Urk.
8/178/2)
.
Das von der IV-Stelle
alsdann
in Auftrag gege
bene polydisziplinäre Gutachten des
B._
datiert vom 1
5.
Oktober 2007 (
Urk.
8/107).
Mit Vorbescheid vom 2
6.
Oktober 2007 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten
wiederum
die Verneinung eines
Leistungsanspruch
s an
(
Urk.
8/111). Aufgrund
seine
s Einwands (
Urk.
8
/115)
holte
sie aber
eine
n
aktuellen Bericht beim
behandeln
den
Facharzt für Psychi
atrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
C._
,
ein (
Urk.
8/117)
. Zu diesem nahmen d
ie Gutachter des
B._
am 1
4.
April 2008 Stellung
(
Urk.
8/121)
. Der Versicherte äusserte sich mit Eingabe vom
5.
Mai 2008 zu den neuen Unterlagen
(
Urk.
8/125). Schliesslich
gab
die IV-Stelle ein zweites Gutachten bei
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
in Auftrag. Dieses
datiert vom 26.
Januar 2009 (
Urk.
8/134). Ferner holte sie einen weiteren IK-Auszug ein (
Urk.
8/1
3
8).
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) beurteilte das neue Gut
achten als in Teilaspekten nachvollziehbar
,
untersuchte den Versicherten am
6.
Juli 2009 selbst
und
stellte den
Verlauf der Arbeitsfähigkeit
fest
(
Urk.
8/148/5-
7
). Im Sinne des Vorbescheids vom 1
1.
Dezember 2009 (
Urk.
8/149)
sprach die IV-Stelle dem Versicherten
letztlich
eine halbe Rente vom 1.
Juni 2003 bis 3
1.
Dezember 2003, eine
Dreiviertelsrente
vom
1.
Januar 2004 bis 3
0.
November 200
7
, eine ganze Rente vom
1.
Dezember 2007 bis 3
0.
September 2009 und eine unbefristete halbe Rente ab
1.
Oktober 2009 zu (
Urk.
8/155
und 8/170
)
.
1.4
Im Herbst 2011 kam das dritte Kind des Versicherten zur Welt (
Urk.
8/1
78/2
).
Im August 2014 nahm die IV-Stelle sodann eine Revision an die Hand und liess den Versicherten eine
n
Fragebogen ausfüllen (
Urk.
8/186). Weiter holte die IV-Stel
le einen aktuellen IK-Auszug (
Urk.
8/187)
sowie einen Bericht bei
Dr.
C._
_
(
Urk.
8/191) und dem neuen Hausarzt (
Urk.
8/195) ein.
Letztlich beauftragte sie die MEDAS
E._
GmbH mit der Erstellung eines internistischen, neurolo
gischen, orthopädischen und psychiatrischen Gutachtens. Dieses datiert vom
1.
Oktober 2015 (
Urk.
8/205)
, die RAD-Stellungnahme dazu vom 7. Oktober 2015 (
Urk.
8/207/5-7). Mit Vorbescheid vom 2
2.
Oktober 2015 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten die Einstellung der Rente an (
Urk.
8
/208), wogegen dieser Einwand erhob (
Urk.
8/209 und 8/212).
Schliesslich hob die IV-Stelle die bisherige
halbe
Rente mit Verfügung vom 16. Januar 2016 auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 1
2.
Februar
2016 Beschwerde
. Darin bean
tragte er, ihm eine ganz, eventualiter weiterhin eine halbe Invalidenrente zuzusprechen.
Subeventualiter
sei
ein neues
fachärztlichen
Gutachten
in Psy
chologie
einzuholen (
Urk.
1; Beilagen
Urk.
3/3-4).
In der Beschwerdeantwort vom
6.
April 2016 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7).
Im Übrigen bewilligte das Sozialversicherungsgericht dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
7.
April 2016 die unentgeltliche Prozessführung und bestellte ihm in der Person von Rechtsanwalt Sert einen unentgeltlichen Rechtsbeistand (
Urk.
12).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Anlass zur Renten
revision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beein
flussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustan
des erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Ver
änderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkun
gen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sin
ne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die
letzte rechts
kräftige Verfügung
, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditäts
bemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.2
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erle
digen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). H
i
nsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und
gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversiche
rung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gut
achten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.3
Bei einer Rentenrevision im Besonderen hat die Feststellung einer revisionsbe
gründenden Veränderung durch die Gegenüberstellung eines vergangenen und des aktuellen Zustandes zu erfolgen. Gegenstand des Beweises ist somit das Vorhandensein einer
entscheiderheblichen
Differenz in den - den medizinischen Gutachten zu entnehmenden - Tatsachen. Die Feststellung des aktuellen gesundheitlichen Befundes und seiner funktionellen Auswirkungen ist zwar Ausgangspunkt der Beurteilung. Sie erfolgt aber nicht unabhängig, sondern wird nur
entscheidwesentlich
, soweit sie tatsächlich einen Unterschied zum früheren Zustand wiedergibt. Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstellten Gutachtens hängt folglich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema - erhebliche Änderung(en) des Sachverhaltes also - bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollständigen, nachvollziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Rentenberechtigung beweisend wäre, mangelt es daher in der Regel am recht
lich erforderlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer früheren abweichende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effektive Veränderung des Gesundheitszustandes stattgefunden hat. Vorbehalten bleiben Sachlagen, in denen es evident ist, dass sich die gesundheitlichen Ver
hältnisse verändert haben (Urteil des Bundesgerichts 8
C
_889/2015 vom 2
9.
September 2016 E. 3.2 mit diversen Hinweisen).
2
.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung,
das neue
Gut
achten sei
schlüssig
und
nehme auch Bezug auf die
Vorakten
.
In der psychiat
rischen Untersuchung hätten sich dabei keine Hinweise auf eine psychische Störung ergeben und sei nur ein geringer Leidensdruck – vor allem infolge sozialer (vorab finanzieller) Probleme – festgestellt worden. Dies bestätige auch der Medikamentenspiegel. G
emäss Gutachten hätten sich die psychischen Beschwerden
somit
gebessert,
so dass
der Beschwerdeführer
in der angestamm
ten Tätigkeit
seit Juni 2015
wieder
zu 80 % leistungsfähig
bei einer Präsenzzeit von 100
%
sei.
Es resultiere ein Invaliditätsgrad von 20
%
. Ein leidensbedingter Abzug rechtfertige sich angesichts
dieser
Leistungsfähigkeit nicht. Auch sei der Beschwerdeführer stets, wenn auch in geringem Umfang erwerbstätig gewesen
. Das Alter sei schliesslich
erst ab dem 5
5.
Altersjahr
nur bei gleichzeitiger lang
jähriger Betriebszugehörigkeit allenfalls relevant (
Urk.
2).
2.2
Dagegen wendete der Beschwerdeführer
in der Beschwerde (
Urk.
1)
ein,
der Gut
achter nehme bloss
eine andere Beurteilung des gleich gebliebenen Gesund
heitsschadens vor
.
So vermöge sich
dieser
die früheren Diagnosen und den Ver
zicht auf eine stationäre Behandlung nicht zu erklären
. Aus den Akten werde indes
sen
klar, dass er selbst sich explizit
dagegen ausgesprochen habe, weil er Angst davor gehabt habe, in der Psychiatrie eingeschlossen zu werden.
Auf die
Einnahme der
Medikamente verzichte er aufgrund der
„
libidokillend
en
“
Neben
wirkung, die wissenschaftlich anerkannt sei
und Schuldgefühle gegenüber sei
ner Ehefrau hervorrufen würde (
Ziff.
7
und
8
). Weiter gab der Beschwerde
führer die Stellungnahme von
Dr.
C._
vom
2.
Februar 2016 wieder (
Ziff.
9) und machte überdies einen Leidensabzug von 25
%
zufolge fehlender Berufsbil
dung, Alter und langer Absenz vom Arbeitsprozess geltend (
Ziff.
10).
3.
3.1
Im ersten
(polydisziplinären)
Vorgutachten
des
B._
vom 1
5.
Oktober 2007 gelangten die Gutachter zum Schluss, aus psychiatrischer Sicht falle eine relativ stereotype Schilderung der Symptome auf. Es entstehe der Eindruck, als habe der Beschwerdeführer auswendig gelernt. Im Gespräch erscheine dieser initial
hypomim
, sei jedoch zunehmend aufgeheitert. Er sei bewusstseinsklar, die Auf
fassung und die Konzentration seien unauffällig, es bestünden jedoch einzelne Gedächtnislücken bezüglich genauerer zeitlicher Zuordnungen. Die affektive Schwingungsfähigkeit sei gemindert, ein aggressives
Angespanntsein
könne nicht beobachtet werden. Der formale Gedankengang sei geordnet und es seien keine Beeinträchtigungen von Antrieb oder Psychomotorik objektivierbar. Es liege somit keine eigenständige primäre psychische Störung vor. Vielmehr wür
den psychosoziale Faktoren eine Rolle spielen. Hierzu gehörten die Arbeits
marktsituation, eine gewisse
Handicapierung
durch die Beeinträchtigung des rechten Armes und die Motivation des Beschwerdeführers, der das Gefühl habe, ihm sei durch die Kündigung grosses Unrecht geschehen und andere Menschen wollten ihn „kaputt“ machen. So denke er an Wiedergutmachung und erhoffe sich eine Rente. Aus rein psychiatrischer Sicht sei er sowohl in der zuletzt
aus
geübten als auch der aktuellen Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig (
Urk.
8/107/32-33). Dementsprechend wurden im
B._
-Gutachten nur Z-Diag
nosen (ICD-10: Z.56, Z60.0 und Z60.4) gestellt und erläutert, die ICD-10-Kriterien für eine andauernde Persönlichkeitsstörung nach Extrembelastung oder Depression seien nicht erfüllt. So würde der Tod der Kollegen des Vaters keine Extrembelastung darstellen. Der Beschwerdeführer habe in der Schweiz auch viele Jahre gut funktioniert und diese Zeit gar als glücklich und zufrieden bezeichnet. Die in der Exploration gestellten Fragen habe er zudem aufmerksam und konzentriert beantwortet sowie seine Geschichte erzählt (
Urk.
8/107/25).
Aus somatischer Sicht wurde der Beschwerdeführer in den ausgeübten Tätigkei
ten als Verkäufer, Empfangsangestellter, Telefonist, Chauffeur und Hilfsarbeiter bei einem
Garagisten
als zu 100
%
arbeitsfähig beurteilt (
Urk.
8/107/33). Dem
entsprechend wurden nur somatische Diagnosen explizit ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt, neben der inkompletten
Armplexusparese
rechts mit
unter ein chronisches
thorakospondylogenes
und
zervikozephales
Schmerz
syndrom (
Urk.
8/107/26). Aus rheumatologisch-orthopädischer Sicht wurde konkret eine inkomplette obere und untere Armparese als geburtstraumatische Schädi
gung und somit als Zustand auf Dauer konstatiert. Die vom Beschwerde
führer beschriebene sekundäre Verschlechterung sowohl der Kraft als auch der Funk
tion könne nicht nachvollzogen werden, wobei teilweise eine auffällige Diskre
panz zwischen den objektivierbaren klinischen und radiologischen Befunden im Vergleich zu den demonstrierten Beschwerden und Schmerzen bestehe. Den
noch sei der Beschwerdeführer funktionell als einarmig zu beurteilen. In einer leichten, körperlich wechselbelastenden Tätigkeit ohne Notwendigkeit, die rechte obere Extremität einzusetzen, sei er aber zu 100
%
arbeitsfähig. Für Botengänge mit dem Auto sei er auf ein Automatikgetriebe und eine Servolen
kung angewiesen (
Urk.
8/107/31). Ähnlich wurde aus neurologischer Sicht ein Status nach geburtstraumatischer Schädigung mit inkompletter
Armp
le
xuspa
rese
rechts, einer leichten
Facialisparese
und einem inkompletten
Hornersyn
drom
rechts diagnostiziert. Eine sekundäre Ver
schlechte
rung dieses Leidens sei aus neurologischer Sicht nicht nachvollziehbar. Der Zustand sei von Dauer. Unter Berücksichtigung der weitgehenden Gebrauchsunfähigkeit des rechten Armes bestehe in einer behinderungs
angepassten Tätigkeit eine 100%-Arbeits
fähigkeit (
Urk.
8/107/32; vgl. ferner auch den Bericht der Neurologin
Dr.
med.
F._
vom 2
1.
Oktober 2009, die den Gesundheitszustand als stationär bezeichnete und auf längere Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 25
%
attestierte,
Urk.
8/35/1-2).
3.2
In der Folge stellte der behandelnde
Dr.
C._
im Bericht vom 29. Februar 2008 die Diagnosen einer mittel- bis
schwergradige
n
rezidivierende
n
depressive
n
Störung (ICD-10: F33.11, F33.2), Panikstörung (ICD-10: F41.0), somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: 45.4) und andauernden Persönlichkeitsänderung nach traumatisierenden Kriegserlebnissen (ICD-10: F62.0). Er wies darauf hin, dass sich der Zustand nach dem Sommer 2007 weiter verschlechtert habe und attes
tierte dem Beschwerdeführer infolgedessen eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % ab 1
7.
Juni 2002 und eine solche von 75
%
ab
1.
September 2007 bis auf Weiteres. Schilderungen von konkreten traumatischen Kriegserlebnissen oder Situationen, in welchen der Beschwerdeführer Panikattacken erlitten hatte, fanden sich – wie schon in seinem Vorbericht (
Urk.
8/37) – keine (
Urk.
8/117).
3.3
Hierauf
hielt
Dr.
D._
i
m
zweiten (psychiatrischen) Vorg
utachten
vom 2
6.
Januar 2009
fest, dass sich
ein
zunehmend schweres depressives Syndrom
zeige
. Die inzwischen chronische Depression habe man nicht erfolgreich behan
deln können, vielmehr sei Ende 2007 eine
V
erschlechterung eingetreten
, die sich nun
wieder
etwas zurückgebildet
habe
. In der Untersuchung
habe sich
das Bestehen einer schweren atypischen Depression bestätig
t.
Der Beschwerdeführer weise ein
e spezielle Symptomatologie auf. Er sei
reizbar, leide an einer schwe
ren Müdigkeit und esse im Übermass.
Die ängstliche Symptomatik sei im Rah
men der Depression zu sehen, weshalb keine Panikstörung diagnostiziert werde. Ebenfalls als Teil der Depression betrachtet werden könnten die Schmerzen, falls
deren
Erleben bzw. die Auseinandersetzung mit ihnen übermässig sein sollte. Die Diagnose einer anhaltenden s
omatoformen Schmerzstörung sei daher
nicht zwingend nötig und
ohne Konsequenzen. Eben
so wenig entscheidend sei, ob eine Persönlichkeitsstörung nach Extrembelastung vorliege. Die bestehenden Schwierigkeiten im täglichen Leben und bei der Arbeit könnten zwangslos als Folge der
schweren
Depression betrachtet werden. Die Arbeitsfähigkeit sei durch die
se sicher
stark beeinträchtigt und w
e
rde durch die Kombination mit den kör
perlichen Gebrechen zusätzlich erschwert.
Mit Sicherheit betrage die Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit seit Jahren und auf Dauer in jeglicher Tätigkeit mehr als 50
%
, vielleicht 75 oder 80
%
.
Für eine genaue
re
Einschätzung sei es nötig
,
den Beschwerdeführer über Wochen in einer Abklärungsstätte zu testen (
Urk.
8/134/8-11).
3.4
Schliesslich diagnostizierte der RAD-Arzt Prof.
G._
, Facharzt für Psychiat
rie und Psychotherapie, am
6.
Juli 2009 nach eigener Untersuchung neben der Armparese rechts und eines Wirbelsäulenschadens mit Schmerzverarbeitungs
störung (ICD-10-GM: F45.41) insbesondere eine rezidivierende depressive Stö
rung, gegenwärtig mittelgradige Episode, mit somatischem Syndrom (ICD-10: F.33.11). Ferner stellte er zwei Z-Diagnosen (ICD-10: Z56 bzw. Z60, Kontakt
anlässe mit Bezug auf das Berufsleben bzw. die soziale Umgebung). Dazu hielt er fest, ein psychischer und somatischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert verhindere die volle Ausschöpfung der Leistungsfähigkeit. Anamnestisch her
vorzuheben sei ein seit dem Jahr 2002 einsetzender und ab dem Jahr 2004 sich kontinuierlich verschlechternder psychischer Gesundheitsschaden infolge einer ab dem Jahr 2007 die Arbeitsfähigkeit massiv behindernden Verhaltens- und Befindlichkeitsstörung mit den Krankheitszeichen von reaktiven rezidivierenden
dysphorischen
und depressiven Verstimmungszuständen, verbunden mit Schuldgefühlen, panikartigen Angstzuständen und einem zunehmenden sozia
len Rückzug. Der Beschwerdeführer erscheine aktuell in seinem gesamten Ver
halten weitgehend auf die Beschwerden eingeengt und hinsichtlich seiner Per
sönlichkeit für seine nähere familiäre Umgebung verändert. Der Krankheitszu
stand laufe Gefahr, therapieresistent zu werden, wenn nicht neben den seit dem Jahr 2004 lege
artis
durchgeführten psychiatrischen Behandlungen arbeits
marktorientierte Schritte der beruflichen Integration eingeleitet würden. Aus versicherungsmedizinischer Warte sei die Arbeitsfähigkeit krankheitsbedingt seit Mitte bis Ende 2007 zu 50 % eines 100%-Pensums in jeder beruflich zu ver
wertenden Tätigkeit eingeschränkt. Eine medizinisch-theoretische, vor dem Hinter
grund des bestehenden Gesundheitsschadens postulierte hälftige Restar
beits
fähigkeit in angestammter oder angepasster Tätigkeit mit dem Potenzial zur weiteren Steigerung sei rasch unter Fortsetzung der flankierenden störungs
spezifischen psychiatrischen Behandlung und geeigneten beruflichen Massnahmen (z.B. Arbeitsvermittlung und Job-Coach) praktisch zu verwirk
lichen (
Urk.
8/148/5-6).
Abweichend führte die RAD-Ärztin
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Allgemeine Medizin, am 25. November 2009 zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit aus, es sei
seit dem
von Prof.
G._
geführten psychischen Standortgespräch am
6.
Juli 2009 von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
in angepassten und zuletzt ausge
führten Tätigkeiten (Mitarbeiter Verkauf/Kasse) auszugehen. Davor seien die Einschätzungen der Arbeitsunfähigkeit gemäss Gutachten von
Dr.
D._
zu übernehmen, der umfassend auf die Beurteilung von
Dr.
C._
abgestellt habe. Demnach sei ab dem 1
7.
Juni 2002 eine Arbeitsunfähigkeit von 60 %, ab dem
1.
September 2007 eine solche von 75
%
und ab dem
6.
Juli 2009 eine solche von 50
%
anzunehmen (
Urk.
8/148/7).
3
.
5
Demnach s
pielten die somatischen Beschwerden
bei der
Rentenzusprache
keine Rolle
,
insoweit
im Gutachten des
B._
keine somatischen Diagnosen mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt wurden, der
Beschwerdeführer
bis dahin
nur an
das Armleiden
angepasste Tätigkeiten ausgeübt
hatte und
mit dem
lei
densbedingten Abzug von 15
%
beim
Einkommensvergleich
explizit nur dem Teilzeitpensum Rechnung
getragen wurde
(vgl.
Urk.
8/155/2)
.
Die
zahlreichen von
Dr.
C._
aufgestellten
,
von ihm aber
kaum
begründeten
psychiatrischen
Diagnosen
wurden zudem
von
allen
anderen untersuchenden
Ärzten verworfen oder zumindest als ohne ei
genständige Bedeutung beurteilt
.
Übrig blieb
bzw. klar im Vordergrund stand letztlich eine
depressive Symptomatik
, d
eren Aus
mass und Ursachen
in diversen
Untersuchungen zwischen Juli 2007 und 2009 unterschiedlich beurteilt wurden, die abe
r nie als blosse
Begleiterscheinung
zu
einer som
a
toformen Schmerzstörung
gesehen
wurde
.
O
b ein Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17 ATSG
gegeben ist, bestimmt sich
bei
der vorliegenden,
abgestuften Rente
anhand
des medizinischen Sachver
halts, wie er dem
zuletzt geltenden
Invaliditätsgrad
zugrunde lag
. Dieser betrug 58
%
und führte zur Ausrichtung einer unbefristeten halben Rente ab 1.
Oktober 200
9.
Basis hierfür bildete
allein
die
von
Dr.
G._
diagnostizierte mittelgradige depressive Episode verbunden mit einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
.
Dass die retrospektive Beurteilung der Arbeitsun
fähigkeit durch
Dr.
H._
für den davor
liegenden Zeitraum z
weifelhaft erscheint,
nachdem Prof.
G._
den Eintritt der Arbeit
sunfähigkeit von 50
%
auf Mitte bis Ende 2007 festgelegt hatte,
braucht
mangels Relevanz
nicht weiter erörtert zu werden.
Ebenso o
hne
Belang
ist
der i
m Juli 2007
vom
B._
erhobene
psychopathologische Befund
,
da
Dr.
C._
eine gesundheitliche Verschlechte
rung „nach dem Sommer 2007“ konstatiert
e
, die
Eingang in die späteren ärzt
lichen Beurteilungen fand. Insbesondere nahm die RAD-Ärztin
Dr.
H._
infolgedessen
ab
dem
1. September 2007
eine Verminderung der Arbeitsfähig
keit von 40
%
auf 25
%
an
,
was zur vorübergehenden Ausrichtung einer ganzen Rente
führte
.
4.
4.1
4.1.1
D
ie
angefochtene
Einstellung der Rente
beruht auf dem Gutachten der MEDAS
E._
GmbH vom
1.
Oktober 201
5.
Als einzige Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurde darin eine Armplexus-Schädigung rechts seit Geburt gestellt.
O
hne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert wurden
etwa
eine sonstige phobische Störung (ICD-10: F40.8), Kontaktanlässe mit Bezug auf andere psychosoziale Umstände/Probleme hinsichtlich der Schwierigkeiten der Lebensbewältigung (ICD-10: Z62 und Z73), eine Adipositas Grad II sowie eine Fehlstatik der Wirb
elsäule
mit/bei
Haltungsinsuffizienz,
verschmächtigte
r
Rumpfmuskulatur,
muskuläre
m
Hartspann
ohne nervenwurzelbezogenes neurologisches Defizit und
erheblich verkürzter
Ischiokruralmuskulatur
(
Urk.
8/205/25).
In der angestammten Tätigkeit als Verkäufer/
Magazi
ner
wurde
eine Leistungsfähigkeit von 80
%
bei einer Präsenzzeit von 100
%
attestiert, in einer angepassten Verweistätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(
Urk.
8/205/26).
4.
1.
2
Dazu erläuterten die Gutachter, a
us psychiatrischer Sicht bestünden weder Störun
gen der Funktionen des Bewusstseins, der psychischen Stabilität noch der Verlässlichkeit. Es bestehe
auch
keine Apathie, allenfalls sei von einem leicht reduzierten Selbstvertrauen auszugehen.
Ferner b
estünden kein Antriebsmangel, keine gestörte Impulskontrolle, keine Zwänge und keine dissoziativen Störun
gen. Möglich seien ein durch die
Dekonditionierung
bedingtes
,
allgemein redu
ziertes Durchhaltevermögen und Ängste in bestimmten sozialen Situationen. Dies sei künftig bei der Auswahl des Arbeitsplatzes zu berücksichtigen.
Die vom Beschwerdeführer beschriebene Störung des Schlafverhaltens sei auf eine
unzu
-
reichende Tagesaktivität und somit unzureichende physiologische Abend
-
/
Nach
t
müdigkeit zurückzuführen; diese sei durch verstärkte Aktivierung und gegebenenfalls schlafhygienische Massnahmen zu behandeln. Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit seien
ungestört
, ebenso wenig hätten sich redu
zierte Gedächtnisfunktionen gefunden. Diese würden dem intellektuellen Stand des Beschwerdeführers entsprechen. Eine psychomotorische Veränderung könne gegenwärtig nicht beobachtet werden. Die emotionalen Funktionen seien bis auf die Besorgnis im Rahmen von psychosozialen Belastungsfaktoren nicht gestört, es bestehe insbesondere keine mangelnde Affektkon
trolle, keine unzureichende affektive Modulation oder Affektverarmung. Eine Einengung der Denkinhalte habe
man
nicht beobachte
n
können. Die höheren kognitiven Funktionen im Sinne der Handlungsplanung, des Zeitmanagements, der Flexibilität und
der
Problemlösefähigkeit würden allenfalls leicht reduziert erscheinen und müssten
teilweise wieder intensiver eingeübt werden. Ein sozialer Rückzug bestehe nicht. In neuen Situationen und in Gegenwart fremder Menschen auftretende soziale Ängste seien behandelbar.
Die
Sym
ptome
würden sich
bei Normalisierung des Tagesablaufs und der beruflichen Situation bessern. Der Beschwerdeführer sollte anfangs entsprechenden Umweltbelastungen wie Kränkungen, Frustrationen oder Demütigungen nicht ausgesetzt
werden (
Urk.
8/205/25-26).
Es
bestünden
keine relevanten Störungen
mit Blick darauf,
in einem einfachen Beruf neues Wissen zu erlernen und dieses
a
nzuwenden. Der Beschwerdeführer sei in der Lage, auch komplexe Aufgaben auszuführen. Er scheine mit Stress und Krisensituationen adäquat umzugehen, dies habe er
im
privaten Bereich bewiesen. Er reise auch in eigener Regie und ohne Hilfen in sein Herkunftsland und kümmere sich
ausreichend
um seine Familie. Störungen der Kommunika
tion, der Selbstversorgung un
d
des häuslichen Lebens bestünden nicht.
Er
müsse allerdings lernen, seinen Tag wieder zu strukturieren und regelmässige Ruhe- und Wachzeiten einzuhalten.
Er
könne
sich ausreichend
an Freizeit
-
und Erholungsaktivitäten beteiligen
sowie Verwandte besuchen und sei
ausreichend mobil. Bei der Verweistätigkeit
sei zu beachten,
dass in der Anfangszeit keine besonderen Anforderungen an das Umstellungs- und Anpassungsvermögen gestellt
würden und
keine Verantwortung für Personen und Maschinen übertra
gen
werde
. Auch s
ollte
der Beschwerdeführer
a
nfangs nicht Frustrationen oder Demütigungen ausgesetzt werden. Dies gelte bis zum Zeitpunkt der Gewöhnung
an den Arbeitsprozess
(
ca.
sechs Monate
)
. Im Falle der leichten phobischen Reaktionen im sozialen Umgang mit unbekannten Menschen und in besonderen Situationen bedürfe es der Selbsthilfe, Psychotherapie und gegebenenfalls Pharmakotherapie mit SSRI, zusätzlich regelmässiger körperlicher Aktivität (
Urk.
8/205/26).
Eine
unmittelbare Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit
sei
zu empfehlen, um
eine weitere
Verstärkung
der
Angst und
des
Vermeidungsver
halten
s
zu verhindern (Urk.
8/205/27).
4.
1.
3
Zu den somatischen Beschwerden hielten die Gutachter fest, aufgrund
der seit Gebur
t verbliebenen partiellen Armple
xus-Schädigung mit leichten motorischen Auswirkungen für die Unterarm-
und
Handmuskeln rechts könne der Beschwer
deführer keine Tätigkeiten durchführen, die eine starke Kraftbelastung des rechten Armes erforderten und repetitiv zu erbringen seien. Ebenfalls nicht durchführen könne er Arbeiten, die über Brusthöhe erfolgten und/oder ein häu
figes Hochheben des Armes oder ein beidhändiges Geschick erforderten. Die rechte Hand könne nur als
Beihand
gebraucht werden. Dadurch seien gefähr
dende Tätigkeiten unzumutbar. Tätigkeiten auf Leitern und Gerüsten seien wegen der Greif- und Haltestörung mit der rechten Hand ebenfalls unzumutbar. Ansonsten bestünden keine Einschränkungen des positiven Fähigkeitsprofils des
linkshändigen Beschwerdeführers. Aus neurologischer Sicht seien insbesondere die geistigen Ressourcen nicht eingeschränkt, da keine Hinweise für eine Ein
schränkung der höheren zerebralen Funktionen und keine Hinweise für eine hirnorganische Wesensänderung vorliegen würden (
Urk.
8/205/25).
4.
1.
4
Zum Krankheitsverlauf
ist dem Gutachten zu entnehmen
,
dass
v
or der ab dem Jahr 2003 dokumentierten Verschlechter
ung der Armfunktion rechts
in der angestammten
und einer leidensadaptierten
Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
entsprechend der beruflichen Biographie und der Einschätzung des Hausarztes
Dr.
I._
bestanden
habe
. Langfristig sei aber medizinisch die manuell belastende Tätigkeit als
Magaziner
im Lebensmittel-Detail
handel
eher mit einem Beschäftigungsgrad von 80
%
zumutbar. Nur bei optimalem Arbeits
platzprofil könnte ein Beschäftigungsgrad von 100
%
erreicht werden. Die Ver
schlechterung der Armfunktion ab dem Jahr 2003
und ab dem Jahr 2009 sei somatisch-neurologisch nicht zu erklären
(vgl. im Detail
Urk.
8/205/22-23
ins
besondere den Hinweis, dass nach
einer
nervlichen Regenerationsphase von bis zu zwei Jahren nach Schädigungsereignis keine Veränderung mehr eintrete)
.
Gemäss
medizinischem Akteninhalt falle insbesondere ab dem Jahr 2009 auf, dass die Arbeitsunfähigkeit vorwiegend durch psychische Erkrankungen begründet werde ohne Nennung der motorischen Behinderung am rechten Arm. Insbesondere ab Dezember 2014 werde aus psychischen Gründen sogar noch eine stärkere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit genannt.
Gegenwärtig seien
indes
aus psychiatrischer Sicht
keine Beeinträchtigungen erkennbar. Die noch im Dezember 2014 vom behandelnden Psychiater
beschriebene rezidivierende depressive Störung, mit mittelgradiger bis schwerer depressiver Episode, einer Panikstörung und einer andauernden Persönlichkeitsstörung, sei aktuell nicht mehr nachvollziehbar, ebenso wenig die Angaben über eine Vertiefung der Depression in letzter Zeit. Die daraus abgeleitete Arb
eitsunfähigkeit von 100
%
könne
nicht mehr nachvollzogen werden. Somit müsse davon ausgegangen werden, dass zumindest sei
t
dem Zeitpunkt der aktuellen Untersuchung aus versicherungspsychiatrischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit mehr bestehe.
Im Hinblick auf die psychiatrische Situation könne folglich von einer Verbesse
rung des Gesundheitszustandes seit der letzten Revision [
gemeint:
Rentenzu
sprache
] ausgegangen werden, während hinsichtlich der Armplexus-Schädigung von einem im Wesentlichen unveränderten Gesundheit
szustand auszugehen sei
(
Urk.
8/205/26-27).
4.
1.
5
Ferner führte
n
die Gutachter z
ur Plausibilisierung
ihrer Einschätzung
aus, es erstaune, dass trotz stets zunehmender psychischer Beschwerden
und Empfeh
lung in den Vorgutachten
keine stationäre Behandlung stattgefunden habe
.
Gemäss der aktuellen Laboruntersuchung erfolge zudem keine spezifische psychopharmakologische Therapie mehr. So sei entgegen der anamnestischen Angaben
(vgl.
auch die
jenigen
von
Dr.
C._
,
Urk.
8/191/2)
einer Einnahme von
Deanxit
1-1-0 dessen Wirkstoff
Flupentixol
gar nicht nachweisbar. Ebenso werde
Quetiapin
in der minimalst möglichen Dosis von 25 mg eingenommen und sei dementsprechend nur weit unter dem Referenzbereich nachweisbar. Eine spezifische antidepressive Therapie erfolge derzeit also nicht
, was
zusammen mit dem psychopathologischen Befund gegen eine subakute Verschlechterung und eine anhaltend ungünstige psychische Verfassung
spreche
. Das Behand
lungsniveau sei
a
uffallend gering
(vgl. auch
die
Frequenz der Gespräch
e von vier bis
sechs Wochen gemäss
Dr.
C._
,
Urk.
8/191/2)
und spreche gegen das Vorliegen eines hinreichenden Schweregrades der geltend gemachten psychi
schen Gesundheitsstörung. Auch würden sich Diskrepanzen im Umfang der Partizipation
in sozialer versus beruflicher
Hinsicht ergeben
(vgl.
hierzu
im Detail
den geregelten Tagesablauf
mit
Freude an der Arbeit und
der Erledigung von Einkäufen
,
Urk.
8/205/13
, d
ie
sozialen
Kontakt
e
am Arbeitsplatz und
in der Familie,
Urk.
8/205/
32, das Hobby Wandern
)
.
Darüber hinaus
würden sich im Fachgebiet Neurologie Befundinkonsistenzen finden. Die dort
im
klinischen Untersuch
gezeigten Bewegungseinschränkungen
seien
nicht durch o
rganische Gesundheitsstörungen
, sondern
ein aktives Gegenhalten
(
vgl.
ferner zur seiten
gleichen
Muskeltrophik
, speziell der proximalen Muskelgruppen,
Urk.
8/205/29)
zu
erklären
. In ähnlicher Weise
habe
sich in der psychiatrischen Begutachtung ein stark verdeutlichendes Ausdrucksverhalten gezeigt (
Urk.
8/205/28).
4.
1.
6
Schliesslich b
emängelten die Gutachter
mit Blick auf die Arztberichte bei der
Rentenzusprach
e
, dass
damals
keine differenzierte Auseinandersetzung mit den beschriebenen Symptomen stattgefunden habe. So fehlten konkrete Angaben zu den Erlebnissen im Herkunftsland, die eine posttraumatische Belastungsstörung und somit die Entwicklung einer Persönlichkeitsänderung begründen würden. Auch zur Depression sei kein pathologisches Korrelat beschrieben worden. Die Berichte würden sich vorwiegend auf die Nennung von Diagnosen
beschränken
, die teilweise mit den somatischen Beschwerden
in Zusammenhang gebracht würden
(
Urk.
8/205/28).
Dem psychiatrischen Teilgutachten
ist
hierzu
unter Darlegung der ICD-10-Krite
rien
im Detail
zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer trotz gezielter Befra
gung keine Beschwerden
hinsichtlich einer posttraumatischen Belastungs
störung
vorgebracht habe und sich keine Hinweise auf eine Veränderung seiner Persönlichkeit oder S
elbstwahrnehmung ergeben würden. Die Annahme einer
Retraumatisierung
durch die Kündigung des Arbeitgebers wirke ebenfalls nicht plausibel.
Es komme hinzu, dass der Beschwerdeführer offensichtlich uneinge
schränkt in der Lage gewesen sei, sein privates Leben zu ordnen und die seiner Ansicht
nach
richtigen Entscheidungen zu treffen. Ferner habe er angegeben, sich wiederholt beworben zu haben,
indes
wegen seiner körperlichen Behinde
rung keinen Arbeitsplatz erhalten zu haben. Zu den depressiven Episoden habe
er
ebenfalls keine detaillierten Angaben machen können, die das Vorliegen einer anhaltenden depressiven Störung in der Vorgeschichte stützen würden.
D
ie Angaben in den ärztlichen Berichten basierten offensichtlich auf
seinen
Angaben, eine ausführliche und plausible differentialdiagnostische Auseinan
dersetzung
mit denselben
werde jedoch vermisst.
Ferner
sei kaum zu erwarten, dass
eine
atypische Depression einen jahrelang
en
oder gar dauerhaft
en
Zustand darstelle
und
völlig
unbehandelbar
sowie
mit einer beruflichen Integration nicht mehr zu vereinbaren
sei
. Allerdings habe selbst
Dr.
D._
eine institutionelle Beurteilung vorgeschlagen. Wenn auch schwerwiegende neg
ative Lebensereig
nisse und Erfahrungen in der
K
indheit des Beschwerdeführers angenommen werden könnten, ergebe sich daraus nicht zwangsläufig, dass bei ihm ein Zustand bestehe, der dem Konzept d
e
r Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung oder einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Ext
rembelastung entspreche
(
Urk.
8/205/38).
4.
2
Zusammenfassend wurden hinsichtlich der Armbeschwerde
n
also
die Fest
stellun
gen im Vorgutachten des
B._
(vgl. E. 3.
1
)
bestätigt, wonach eine Verschlechterung bei
dieser Art des
Gesundheits
schadens grundsätzlich auszu
schliessen
und von einem stat
ionären Zustand auszugehen ist. Dabei wurde
wiederum auf
Inkonsistenzen zwischen de
n
erhobenen Befund
en
und den demonstrierten Beschwerden
hingewiesen
.
Neu wurde aber
langfristig
(
im Ein
klang mit der früheren Beu
rteilung durch
Dr.
F._
)
von einer Leistungs
einbu
sse von 20
% bei einem Vollzeitpensum
in der
früheren,
manuell bela
sten
den Tätigkeit als
Magaziner
im Lebensmittelhandel
ausgegangen.
Mit Blick auf die psychischen Beschwerden verwarfen die Gutachter der
E._
GmbH wie
schon die zuvor
untersuchenden Ärzte die von
Dr.
C._
nicht lege
artis
gestellten
D
iagnosen einer andauernden Persönlichkeitsstörung nach trau
matisierenden Kriegserlebnissen in der Heimat (ICD-10: F62.0) und einer Panikstörung (ICD-10: F41.0).
Darüber hinaus legten
sie
insbesondere
anhand des aktuellen psy
chopathologischen Befundes, des Medikamentenspiegels
sowie der kaum spürbaren
Einschränkungen im Privat
leben plausibel dar, dass keine
schwere psychische Störung mit
massgeblichem
Einfluss auf di
e A
rbeitsfähig
keit mehr
vorliegen kann
, sondern
vielmehr
nur noch
ein
geringfügiger
Lei
densdruck besteht, der vo
rab
in Abhängigkeit von
psychosozialen Faktoren
variiert
.
A
ugenfällig
ist
dabei
in der Tat
die enge Verknüpfung mit den finanzi
ellen Sorgen bzw. der Invalidenrente
(vgl.
Urk.
8/205/35 „Affektivität“
;
ferner
Urk.
8/117/3 zur Zustandsverschlechterung zeitnah zur
B._
-
Begutachtung).
Im Übrigen merkten die Gutachter sinngemäss an,
dass die medizinischen
Vorakten
betreffend die
Rentenzusprache
keinen objektiven Befund und keine diagnos
tische Auseinandersetzung enthalten
würden
, die es erlauben würden, die damaligen Schlussfolgerungen nachzuvollziehen.
Dies trifft vorab auf die spär
lichen Befunde in der Stellungnahme von Prof.
G._
(vgl. E.
3.4
), aber
auch die allgemein
knappen Angaben
zum
damaligen Behandlu
ngsniveau zu (z.B.
Urk.
8/117/3
medikamentös und psychotherapeutisch behandelt, Tagesklinik im Gespräch;
Urk.
8/107/10 Einnahme von 60 mg
Cymbalta
seit einem Monat).
Mehr als die
in Würdigung der gesamten
Umstände getroffene Feststellung, dass aktuell keine psychische Störung mit Krankheitswert bzw. mittelgradige depres
sive Episode besteht, kann
somit
zum Nachweis einer gesundheitlichen Verbes
serung nicht
erwartet werden.
4.3
4.3.1
Soweit d
er Beschwerdeführer
dem
entgegen hielt
(vgl. E. 2.2),
es handle sich im neuen Gutachten
bloss um
eine
unterschiedliche Beurteilung des gleich geblie
benen Gesundheitszustandes, bezieht sich die von ihm zitierte Passage der psy
c
hiatrischen Begutachtung
nicht auf den Zeitpunkt der
Rentenzusprache
, son
dern
explizit auf den Bericht von
Dr.
C._
vom Dezember 2014
(vgl.
Urk.
8/205/39 „Retrospektive Beurteilung“, ferner
Urk.
8/205/27)
.
Dieser hatte
damals
erneut
ohne Befund und Begründung
an seinen bisherigen Diagnosen festgehalten und
von einer zeitweisen
Vertiefung der Depression
sowie der Intensivierung der Ängste und Schmerzen
berichtet
(
Urk.
8/191)
. Seine Diag
nosestellung war indes bereits für die
Rentenzusprache
belanglos und
gegen
eine massgebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes
spricht die im Gutachten nachvollziehbar dargelegte
gesundheitliche
Verbesserung.
4.3.2
Als
nicht überzeugend
sind
die
Argumente
des Beschwerdeführers
zu werten, er habe Angst, er könnte in einer psychiatrischen Klinik eingeschlossen werden, und verzichte wegen der dadurch bewirkten erektilen Dysfunktion auf Psycho
pharmaka. Bei effektiv grossem Leidensdruck
hätten diese Bedenken kaum Gewicht, zumal
er
über
keinerlei
(negative)
Erfahrungen mit psychiatrischen Kliniken
verfügt
und
hinsichtlich der erektilen Dysfunktion Psychopharmaka mit weniger diesbezüglichen Nebenwirkungen auf dem Markt sind, welche der Versicherte hätte ausprobieren können
.
Im Übrigen
sei mit Blick auf die bereits mehrfach festgestellte, nur bedingte Zuverlässigkeit der subjektiven Angaben des Beschwerdeführers ergänzt, dass er in der Beschwerde erklärte, er sei geflo
hen, weil er ins Militär einrücken sollte (
Urk.
1
Ziff.
3), in der Begutachtung jedoch angegeben hatte, als einzelner Sohn nicht vom Militär eingezogen wor
den zu sein (
Urk.
8/205/32).
4.3.3
Schliesslich
wiedergab der Beschwerdeführer
in der Beschwerde
die
Stellung
nahme
von
Dr.
C._
vom
2.
Februar 201
6.
Dieser
beanstandete vorab, dass bei der aktuellen psychiatrischen Begutachtung die traumatisierenden Kriegserleb
nisse im Libanon
und die Schlafstörungen
nicht richtig bewertet worden sei
en
. Dabei
beschrieb
er jedoch wiederum kein einziges, konkretes traumatisierendes Erlebnis, sondern wies auf Flashbacks, grosse Sorgen um die Kinder und den Umstand hin, dass der Beschwerdeführer sich im Fernsehen kaum Nachrichten über den Krieg im Nahost ansehen könne
(
Urk.
3/3 S. 2)
.
Im Gutachten finden sich indes selbst in der Beschwerdeschilderung des Beschwer
deführers keine Hinweise auf Flashbacks. Vielmehr erläuterte
dieser
, dass sein Psychiater die Meinung vertrete, seine psychischen Beschwerden wür
den mit dem in der Kindheit
E
rlebten zusammenhängen (vgl.
Urk.
8/205/31 und 8/205/34).
Weiter
ist – auch unter Berücksichtigung der
eher knappen
finan
ziellen Verhältnisse
beim Bezug von Zusatzleistungen
(
Urk.
11)
–
nicht
ansatz
weise
nachvollziehbar, weshalb
der Beschwerdeführer
seine Söhne
seit sechs Jahren
im Libanon aufwachsen lässt, wenn er
tatsächlich derart besorgt ist
und die Situation im Nahen Osten i
h
n dermassen
belastet
(vgl.
Urk.
8/205/37)
.
Auch das von
Dr.
C._
geschilderte Ausmass der Schlafstörungen
, wonach der Beschwerdeführer von Albträumen heimgesucht wird und anschliessend stun
denlang nicht mehr einschlafen kann, ist
zu bezwe
ifeln (vgl.
Urk.
3/3 S. 2). I
mmerhin ist es
diesem
seit Jahren möglich, einen geregelten Tagesablauf auf
rechtzuerhalten (vgl.
Urk.
8/205/34)
. Zudem wies dieser selbst a
uf Schwierig
keiten vorwiegend beim Einschlafen hin und hielt das viele Schnarchen für ebenso erwähnenswert (vgl.
Urk.
8/205/33).
Ansonsten
wies
Dr.
C._
lediglich
auf
vom Beschwerdeführer geklagte
Symp
tome und Beschwerden hin,
die
von den Gutachtern zwar
ebenfalls
z
ur Kennt
nis genommen
worden waren
, denen sie jedoch in Anbetracht der gesamten Umstände
und
der aktuellen Ausprägung
sch
lüssig keinen Krankheitswert zu
billigten
, sondern
diese (wie bereits
Dr.
G._
, vgl. E. 3.
4
)
Z-Diagnosen
zuordneten.
An dieser Stelle ist auch auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass behandelnde Arztpersonen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 4
65 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc). W
ohl
kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag de
r therapeutisch tätigen (Fach-)
Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170
E. 4
) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztperson
en
zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten blei
ben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige
–
und nicht rein subjektiver Inter
pretation entspringende
–
Aspekte benennen, die bei der Begutachtung uner
kannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil
des Bundesgerichts
8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2
mit Hinweisen, u.a. auf
SVR 2008 IV Nr
. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]
).
Die Argumentation von
Dr.
C._
ist indes damals wie heute
d
ieselbe
. Diese wurde damals und wird aktuell von keinem anderen Arzt geteilt.
4.4
Es kann somit vollumfänglich auf das neue Gutachten abgestellt werden. Dieses
beruht auf umfassenden Untersuchungen,
würdigt die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden sowie sein Verhalten in der Untersuchung und im All
tag, setzt sich mit den
Vorakten
bzw. der abweichenden Einschätzung von
Dr.
C._
auseinander, legt die medizinischen Zusammenhänge unter Einbezug der äusseren Umstände einleuchtend dar und weist
auf die
aus medizinischer Sicht wenig fundierte
Rentenzusprache
hin,
die
bei der retrospektiven Beurtei
lung eine Rolle spielt.
Es zeigt
in Würdigung der gesamten Umstände
auf, dass sich die psychischen Beschwerden seit der
Rentenzusprache
verbessert haben müssen, da aktuell keine psychische Störung mehr diagnostiziert werden kann. D
ie
ursprünglich diagnostizierte
mittelgradige depressive Episode
ist
also
remit
tiert
(vgl. auch den
objektive
n
Befund
in
Urk.
8/205/35-36
und die ICD-Krite
rien gemäss
Weltgesundheitsorganisation,
Internationale
Klassifikation psychi
scher Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien,
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
1
0.
Aufl.
201
5
,
S.
169-174).
Infolgedessen
ist
–
wie von
Dr.
G._
in Aussicht gestellt – von einer gestei
gerten Arbeitsfähigkeit auszugehen. D
em
Beschwerdeführer
ist
nunmehr die Ausübung eines Vollzeitpensums in einer an das somatische Leiden ange
passten Tätigkeit
(z.B. die aktuelle Bürohilfstätigkeit oder die vor der
Renten
zusprache
zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Chauffeur)
oder zumindest die Erbrin
gung einer Leistung von 80
%
in einer der
von ihm
früher ausgeübten (
Magazi
ner
im Lebensmittelhandel)
oder gelernten (
Fähigkeitsausweis als
Verkäufer) Tätigkeiten
zumutbar
.
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung (IVG)
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglie
derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
;
sog. allgemeine Methode des Ein
kommensvergleichs
vgl.
BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.2
Das
Invalideneinkommen
ist
dabei
so konkret wie möglich zu ermitteln. Deswe
gen wird primär von der konkreten beruflich-erwerblichen Situation der ver
sicherten Person ausgegangen (BGE 135 V 297 E. 5.2). Wenn die zu verglei
chenden Erwerbseinkommen
ziffernmässig nicht genau ermittelbar sind, darf eine Schätzung mittels Prozentvergleich
s erfolgen (BGE 114 V 310 E. 3a
). Der Invaliditätsgrad stimmt alsdann grundsätzlich mit der prozentualen Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit überein. Dies ist auch dann der Fall, wenn für das Validen- und Invalideneinkommen der gleiche Ansatz gilt, weil eine
teilinvalide
Person in der angestammten Beschäftigung bestmöglich eingegliedert ist resp. wäre (Urteil 8C_32/2013 vom 1
9.
Juni 2013 E. 4 [SVR 2013 IV Nr. 29 S. 85]
; vgl. zum Ganzen
Urteil des Bundesgerichts 9C_22/
2014 vom 1
8.
Februar 2014 E. 3.1
).
Da der Beschwerdeführer in den
vor der
Rentenzusprache
ausgeübten oder ausge
bildeten Tätigkeiten zu 80
%
leistungsfähig ist, resultiert
somit
ein Invali
ditätsgrad von höchstens 20
%
.
Würde er in einer angepassten Tätigkeit mit einem Vollzeitpensum
nämlich
weniger verdienen, wäre
er im Rahmen seiner Schadenminderungspflicht gehalten, sich wieder eine Stelle als Verkäufer oder
Magaziner
zu suchen.
5
.
3
Wird das Invalideneinkommen
auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende
– anhand der Schweize
rischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS) ermit
telte –
Tabellenlohn allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale wie Art und Aus
mass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufent
haltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können. Ein (behinderungsbedingt oder anderweitig begründeter) Abzug kann aber nur vorgenommen werden, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür beste
hen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer der genannten Kriterien ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Erfolg erwerblich verwerten kann
.
Der Abzug darf 25
%
nicht übe
rsteigen (z.B. Urteil des Bundes
gerichts 8C_320/2017 vom
6.
September 2017 E. 3.2 mit diversen Hinweisen auf publizierte und aktuelle Entscheide).
Der Beschwerdeführer machte einen A
bzug von 25
% wegen fehlender Beruf
s
aus
bildung,
seines
Alter
s
und
der
lange
n
Absenz vom Arbeitsprozess
geltend. Hierzu ist
trotz des Prozentvergleichs
zu bemerken,
dass er insbeson
dere
über einen Fähigkeitsausweis als Verkäufer und
Berufse
rfahrung in ver
schiedenen
, ihm nach wie vor möglichen
Tätigkeiten (Büro,
Chauffer
,
Maga
ziner
) verfügt
. Ferner war er
bei Erstattung des
aktuellen
Gutachtens erst
50 Jahre alt und
hat in den letzten Jahren stets gearbeitet, wobei er es
versäumte, d
ie seit der Untersuchung durch
Dr.
G._
feststehende Arbeitsfähigkeit von 50
%
voll
auszuschöpfen.
Folglich
rechtfertigt sich unter den
vom Beschwer
deführer
genannten Gesichtspunk
ten kein leidensbedingter Abzug. D
er
wirt
schaftlichen Einbusse
im Zusammenhang mit den Arm
beschwerden wurde
überdies
bereits mit einer reduzierten Leistungsfähigkeit Rechnung getragen.
6.
Zusammenfassend ist
also
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin nach Feststellung einer gesundheitlichen Verbesserung
im Gutachten vom 1.
Oktober 2015 die Rente mit der angefochtenen Verfügung vom 1
6.
Januar 2016 –
mithin
unter Berücksichtigung der Dreimonatsfrist nach
Art.
88a
Abs.
2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) – auf das Ende des der Zustellung folgenden Monats aufhob (vgl.
Art.
88
bis
IVV). Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis 1‘000.--
festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Sie sind auf
Fr.
800.-- festzusetzen und ent
sprechend dem Verfahrensausgang vollumfänglich dem Beschwerdeführer auf
zuerlegen, zufolge gewährter unentgeltlicher Prozessführung aber einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Überdies ist dem unentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine Entschädigung aus der Ge
richtskasse auszurichten. In der
Honorarnote vom 1
7.
Mai 2016 (
Urk.
14) wies dieser einen Aufwand von 16.59 Stunden à Fr.
220.-- aus. Ferner machte er Auslagen für Fotokopien und
Porti
von Fr.
127.
50
geltend. Unter Berücksichtigung der Schwierigkeit des Prozesses
erscheint
dabei der
Aufwand von über 7.5 Stunden für das Abfassen der Beschwerdeschrift
sowie von über 3 Stunden für das Einholen einer Stellung
nahme des Behandlers zum Gutachten (auch bei Ausfertigung eines Fragen
katalogs) als klar nicht mehr angemessen.
Hierfür rechtfertigt sich insgesamt höchstens ein Aufwand von 6 Stunden, so dass unter Berücksichtigung eines aufgerundeten Gesamtaufwands von 12 Stunden eine Entschädigung im Betrag von
Fr.
2‘988.90
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
geschuldet ist.