Decision ID: a072c8c3-a1bf-59ef-8ba5-ce639ec4b625
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 29. November 2018 in der Schweiz
um Asyl nach. Mit Schreiben vom 30. November 2018 wurde ihm mitgeteilt,
dass er per Zufallsprinzip der Testphase des Verfahrenszentrums Zürich
zugewiesen worden sei. Nach der Aufnahme der Personalien am 6. De-
zember 2018 fand am 20. Dezember 2018 eine Erstbefragung gemäss
Art. 16. Abs. 3 der Verordnung über die Durchführung von Testphasen zu
den Beschleunigungsmassnahmen im Asylbereich (Testphasenverord-
nung, TestV, AS 2013 3075, damals SR 142.318.1, in Kraft bis zum
28. September 2019 gemäss Art. 41 Abs. 3 TestV i.d.F. gemäss AS 2015
2055) statt. Mit Zuweisungsentscheid vom 27. Dezember 2018 teilte das
SEM dem Beschwerdeführer mit, dass sein Asylgesuch zusammen mit
demjenigen seiner Ehefrau im erweiterten Verfahren weitergeführt werde
(SEM-Akte A32/2). Am 11. Oktober 2019 wurde er einlässlich zu seinen
Asylgründen angehört.
A.b Zur Begründung seines Gesuchs führte der Beschwerdeführer im We-
sentlichen aus, dass er ethnischer Kurde syrischer Nationalität sei und sein
Leben in B._ und C._ verbracht habe. In B._ habe
er die Universität besucht und während des Studiums im Jahr 2012 an pro-
kurdischen Demonstrationen teilgenommen sowie Kurdisch unterrichtet.
Während des Studiums habe er den Militärdienst jeweils aufschieben kön-
nen. Als er die Uni im Jahr 2014 beendet habe, sei er vor Ablauf der Frist
des Aufschubs nach C._ gezogen, um so dem Aufgebot zu entkom-
men. Dort habe er weiterhin Geld bezahlt, um nicht in den Militärdienst ein-
berufen zu werden. Den Militärdienst des Regimes habe er nie geleistet.
Erst als er sich ein Familienbüchlein habe ausstellen lassen wollen, sei ihm
gesagt worden, dass der Sicherheitsdienst ihn suche; dies wohl aufgrund
seiner Demonstrationsteilnahmen an der Uni.
In C._ habe er hauptberuflich als (...) gearbeitet. Nebenbei habe er
bei zivilen Organisationen Hilfstätigkeiten ausgeführt. Aufgrund dieser
Hilfstätigkeiten sei er einmal im August 2017 von der Partei der Demokra-
tischen Union (PYD) für zwei Tage festgenommen und befragt worden. Da-
bei sei ihm vorgeworfen worden, dass er ein Spitzel der Türkei sei, weil die
Organisation ihren Sitz in der Türkei gehabt habe. Im Anschluss an die
zweitägige Befragung sei ihm gesagt worden, dass diese Organisation
nicht mehr weiterbestehen solle. Sie sei dann noch im August 2017 ge-
schlossen worden.
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Danach habe er beruflich immer mehr Probleme erfahren. Da er aufgrund
seiner Arbeit als (...) über Pläne der gesamten Region C._ verfügt
habe, welche Aufschluss über die Eigentumsverhältnisse sowie die Grenz-
ziehung ergeben hätten, habe man ihn gefragt, ob er sich einer kurdischen
Gewerkschaft (...) in C._ anschliessen wolle. Dieses Vorhaben
habe dazu geführt, dass er bedroht und schliesslich von der Freien Syri-
schen Armee (FSA) entführt worden sei.
Eine Gruppierung der FSA habe ihn drei Tage lang (vom 26. - 29. Ap-
ril 2018) festgehalten, verhört und gefoltert, weil sie habe wissen wollen,
wo sich die (...) Pläne der Region sowie sein Laptop befänden. Er habe
immer wieder gesagt, dass er dies nicht wisse, und die Partei ihm den Lap-
top weggenommen habe, sodass die Entführer ihn schliesslich an einem
Strassenrand ausgesetzt hätten. Freigelassen worden sei er nur deshalb,
weil sein Schwiegervater der Gruppierung Geld bezahlt habe.
Danach sei er zu seinem Haus in C._ gegangen und habe festge-
stellt, dass die FSA dieses beschlagnahmt habe. Er sei daraufhin mit seiner
Ehefrau bei seinen Schwiegereltern untergekommen und habe sich dort
bis zur Ausreise aus Syrien am 14. August 2018 versteckt.
Zur Untermauerung der Vorbringen wurden verschiedene Dokumente zu
den Akten gereicht.
B.
Mit Verfügung vom 15. Oktober 2020 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab
und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Da der Vollzug der Weg-
weisung zurzeit nicht zulässig sei, wurde die vorläufige Aufnahme des Be-
schwerdeführers angeordnet.
C.
C.a Mit Eingabe vom 13. November 2020 erhob der Beschwerdeführer Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die Ziffern 2
und 3 der angefochtenen Verfügung seien aufzuheben, er sei als Flüchtling
anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht er-
suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einherge-
hend mit dem Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie
um Beiordnung des die Beschwerde unterzeichnenden Anwalts als unent-
geltlicher Rechtsbeistand. Weiter beantragte er, seine Beschwerde mit der
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Beschwerde seiner Ehefrau zu vereinigen, eventualiter seien die Be-
schwerdeverfahren zu koordinieren.
C.b Mit Eingabe vom 26. November 2020 reichte der Beschwerdeführer
ein Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH) vom 19. No-
vember 2020 betreffend Flüchtlingseigenschaft und Asylgewährung an Re-
fraktäre und Deserteure zu den Akten.
C.c Auf die eingereichten Beweismittel wird – sofern erforderlich – im Rah-
men der Erwägungen eingegangen.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 23. Dezember 2020 stellte die damalige In-
struktionsrichterin fest, angesichts des Antrags auf Feststellung der Flücht-
lingseigenschaft sowie der Ausführungen des Beschwerdeführers zur An-
erkennung als Flüchtling sei anzunehmen, er fechte auch Dispositivziffer 1
der Verfügung der Vorinstanz an. Die Instruktionsrichterin wies den Antrag
auf Verfahrensvereinigung sowie das Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung und Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistan-
des – nach summarischer Prüfung infolge Aussichtslosigkeit – ab und for-
derte den Beschwerdeführer zur Leistung eines Kostenvorschusses auf.
Demgegenüber wurde der Antrag auf Koordination der Verfahren gutge-
heissen.
E.
Mit Eingabe vom 28. Dezember 2020 stellte der Beschwerdeführer ein
Wiedererwägungsgesuch in Bezug auf die ergangene Zwischenverfügung,
eventualiter stellte er gleichzeitig ein Gesuch um Herabsetzung des Kos-
tenvorschusses. Zur Begründung des Wiedererwägungsgesuchs stützte er
sich wiederum auf das Urteil des EuGH vom 19. November 2020 sowie auf
eine Vernehmlassung in einem anderen hängigen Beschwerdeverfahren.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 6. Januar 2021 wies die Instruktionsrichterin
das Wiedererwägungsgesuch und das Gesuch um Herabsetzung des Kos-
tenvorschusses ab und gewährte eine Notfrist zur Bezahlung des Kosten-
vorschusses. Dieser wurde innert Frist bezahlt.
G.
Aus organisatorischen Gründen wurde das Verfahren auf Richterin Gab-
riela Freihofer übertragen.
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Seite 5

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung
oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete
Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhal-
tung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG).
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
5.
5.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an die
Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG und denjenigen an die Flüchtlingsei-
genschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten.
Im Wesentlichen wurde ausgeführt, es werde nicht ausgeschlossen, dass
der Beschwerdeführer an einer Demonstration an der Universität
B._ teilgenommen habe. Schwerwiegende Zweifel bestünden indes
daran, dass er dabei durch die Behörden identifiziert worden sei und eine
aktive Rolle gespielt habe. In der ersten Befragung habe er nämlich aus-
gesagt, dass er aufgrund der Demonstrationsteilnahme keine Probleme mit
den Behörden bekommen habe. In der Anhörung habe er hingegen ange-
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geben, dass sich unter den Demonstrationsteilnehmern Spitzel und Infor-
manten des syrischen Regimes befunden hätten, welche die Demonstran-
ten gefilmt und deren Namen an die Behörden weitergegeben hätten. Es
sei daher naheliegend, dass er nun womöglich gesucht werde. Es sei nicht
nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer diese Episode bei der ers-
ten Befragung nicht erwähnt habe. Die Schilderungen im Zusammenhang
mit dem Kurdischunterricht seien stereotyp vorgetragen worden, ohne da-
bei eine persönliche Betroffenheit zu vermitteln. Anlässlich der Anhörung
seien diese überhaupt nicht erwähnt worden. Im Übrigen sei auch bei
Glaubhaftigkeit dieser Vorbringen davon auszugehen, dass diese Ereig-
nisse abgeschlossen seien und keine flüchtlingsrelevanten Nachteile nach
sich gezogen hätten.
Die Vorinstanz führte weiter aus, dass auch unter Annahme der Glaubhaf-
tigkeit der Aussagen nicht davon auszugehen sei, dass die Behörden ein
besonderes Interesse an ihm gehabt hätten, habe er doch sein Studium
zwei Jahre nach den besagten Vorfällen, ohne dass etwas geschehen sei,
abschliessen können. Auch seien sämtliche noch in B._ lebenden
Familienangehörige nie von den Behörden aufgesucht worden. Somit sei
eine Identifizierung durch die Behörden ausgeblieben.
Die Aussage des Beschwerdeführers, er habe über Drittpersonen versucht,
an ein Familienbüchlein zu kommen, wobei diese ihm mitgeteilt hätten, er
werde von den Sicherheitsbehörden gesucht, basiere ausschliesslich auf
Aussagen Dritter. Verweise auf Informationen Dritter seien stereotyp und
unglaubhaft, zudem würden sie den Anforderungen an eine Verfolgung im
flüchtlingsrelevanten Sinne nicht genügen (unter Verweis auf das Urteil des
BVGer E-3815/2020 vom 27. August 2020).
Weiter führte das SEM aus, im syrischen Kontext erfolge eine Bestrafung
wegen Wehrdienstverweigerung nur dann, wenn zusätzliche einzelfallspe-
zifische Risikofaktoren vorlägen. Solche seien im Falle des Beschwerde-
führers nicht erkennbar, zumal er nicht habe glaubhaft machen können,
aufgrund seiner Demonstrationsteilnahmen durch die syrischen Behörden
als regimekritische Person identifiziert worden zu sein. Allfällige Strafmass-
nahmen infolge seiner Wehrdienstverweigerung stellten somit keine Ver-
folgung im Sinne von Art. 3 AsylG dar.
Sodann vermöchten die befürchteten Rekrutierungsmassnahmen durch
die PYD und deren Volksverteidigungseinheiten, der YPG, gemäss Recht-
sprechung des Bundesverwaltungsgerichts keine Asylrelevanz zu entfalten
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(unter Verweis auf das Referenzurteil des BVGer D-5229/2014 vom
23. Juni 2015).
Die erfolgte Festnahme durch die PYD sei nicht aus einem der in
Art. 3 AsylG genannten Gründe erfolgt. Es sei nicht ersichtlich, inwiefern
die Organisation (...), eine solidarische gemeinnützige Organisation, eine
politische Bedrohung für die PYD darstellen sollte, zumal die Aktivitäten
der Organisation humanitärer Natur seien und keine Kritik an der PYD dar-
stellten. Zudem sei es bei dieser einen Festnahme und Befragung durch
die PYD geblieben. Weitere Nachteile durch die PYD habe er aufgrund sei-
ner Tätigkeiten für solidarische und kulturelle Organisationen nicht geltend
gemacht. Womit ihm aufgrund dieses Engagements keine flüchtlingsrele-
vanten Nachteile entstanden seien.
Die vom Beschwerdeführer geschilderte dreitägige Festnahme durch eine
bewaffnete Gruppe der FSA sei schliesslich nicht aufgrund eines in Art. 3
Abs. 1 AsylG genannten Motivs erfolgt, sondern aufgrund seines Berufs
und eines Konflikts innerhalb dieses Berufszweiges. An dieser Schlussfol-
gerung vermöchten auch die eingereichten Beweismittel – USB-Stick mit
(...) Plänen und Koordinaten – nichts zu ändern, da sich daraus keine Hin-
weise auf eine in Art. 3 Abs.1 AsylG definierte Verfolgung entnehmen lasse.
Ebenfalls flüchtlingsrechtlich nicht relevant seien die Aussagen des Be-
schwerdeführers betreffend die Beschlagnahme seines Hauses durch die
FSA sowie der unsicheren Lage in C._. Es sei unbestritten, dass
die Situation in Syrien angesichts des Bürgerkrieges ausgesprochen
schwierig sei. Die beschriebenen Nachteile – namentlich die Angriffe durch
die türkische Luftwaffe und der schwierige Alltag in Kriegszeiten und Be-
setzungen durch unterschiedliche Gruppen – seien auf die zurzeit herr-
schende Situation und allgemeine gegenwärtige Gewalt in Syrien zurück-
zuführen und demnach nicht asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsyIG.
5.2
5.2.1 Der Beschwerdeführer wendet in seiner Beschwerde dagegen ein,
dass die erste Befragung unter schweren Mängeln leide, da sein damaliger
Rechtsvertreter nicht an der Befragung teilgenommen habe. Des Weiteren
sei es ihm am Tag der ersten Befragung gesundheitlich nicht gut gegangen.
Auch sei zu berücksichtigen, dass der Dolmetscher Arabisch gesprochen
habe, weshalb er (der Beschwerdeführer) als Kurde dem Übersetzer nicht
richtig habe vertrauen können. Folglich sei die Erstbefragung nur insofern
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verwertbar, als sie der Anhörung nicht widerspreche beziehungsweise
nicht zum Nachteil gereiche.
5.2.2 Bei der Teilnahme an den Demonstrationen sowie dem Kurdischun-
terricht handle es sich sodann um ein zusätzliches Element, welches seine
Bedrohungslage sowie die Angst vor Verfolgung in seinem Heimatland ver-
stärke. Er sei sich sicher, dass er das Familienbüchlein nur deshalb nicht
habe ausstellen lassen können, weil die Behörden über die Demonstrati-
onsteilnahmen (doch) Bescheid gewusst hätten.
Der Beschwerdeführer führte weiter aus, dass das fluchtauslösende Ele-
ment unbestritten die schwere Verfolgung durch die FSA gewesen sei. Es
möge sich diesbezüglich nicht um staatliche Verfolger gehandelt haben,
jedoch um Verfolger, vor denen weder die staatlichen Kräfte noch die kur-
dischen Kräfte der PYD Sicherheit gewähren würden. Mittlerweile seien
zudem seine (...)kollegen festgenommen worden. Ihm hätte das Gleiche
gedroht, da er weder der PYD noch der FSA gegenüber die sich in seinem
Besitz befindenden (...) Pläne aus der Region ausgehändigt habe. Weiter
habe er auf Druck der PYD seine Tätigkeit bei der (...) aufgegeben. Die
PYD habe aus der Neutralität der Tätigkeit der (...) auf Feindlichkeit und
Verrat geschlossen, woraus sich ein unterstelltes politisches Verfolgungs-
motiv ergebe. Das Motiv der FSA sei politisch gewesen, denn sie habe die
Macht über die sich bei ihm befindenden Daten haben wollen, damit man
gezielt die Angehörigen der verhassten Gegnerschaft/Ethnie hätte benach-
teiligen können. Aus den genannten Gründen sowie dem Umstand, dass
er nach seiner Refraktion Syrien illegal verlassen habe und ihm aufgrund
dessen keine sichere Zufluchtsmöglichkeit in seiner Heimat bestehe,
müsse ihm Asyl gewährt werden.
6.
Vorab ist die durch den Beschwerdeführer monierte Verletzung des recht-
lichen Gehörs im vorinstanzlichen Verfahren zu prüfen.
Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes we-
gen fest. Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29
Abs. 2 BV, Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG), welches alle Befugnisse um-
fasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirk-
sam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35
E. 6.4.1). Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich zur
Sache zu äussern, erhebliche Beweismittel beizubringen und mit erhebli-
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Seite 10
chen Beweisanträgen gehört zu werden. Mit dem Gehörsanspruch korre-
liert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft
zu prüfen und in ihrer Entscheidung angemessen zu berücksichtigen. Die
Begründung muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person den Ent-
scheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (vgl. BGE 136 I 184
E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b).
Der Beschwerdeführer verzichtete selbst mit schriftlicher Erklärung vom
5. Dezember 2018 auf die ihm im Rahmen des Testverfahrens angebotene
Rechtsvertretung (SEM-Akte A26/1) und willigte in die Durchführung der
Befragung ohne Rechtsvertreter ausdrücklich ein (SEM-Akte A29/11 F8).
Des Weiteren befand sich zum Zeitpunkt der Erstbefragung keine unter-
zeichnete Vollmacht eines Rechtsvertreters im Dossier des Beschwerde-
führers, womit die Vorinstanz auch keine Kenntnis eines allfälligen Rechts-
vertreters haben konnte. Vorhanden war lediglich eine Vollmacht, welche
von der Ehefrau unterschrieben war und auch ausdrücklich nur diese betraf
(SEM-Akte A15/2).
Dem Protokoll lassen sich sodann keine Anhaltspunkte entnehmen, aus
welchen ersichtlich werden würde, dass der Beschwerdeführer aufgrund
seiner gesundheitlichen Verfassung nicht in der Lage gewesen wäre, die
Fragen korrekt zu beantworten (SEM-Akte A29/11 F1, F72). Dem Protokoll
lässt sich weiter entnehmen, dass der Beschwerdeführer sowohl Arabisch
als auch Kurdisch versteht (SEM-Akte A29/F12). Er machte denn auch
während der ganzen Befragung nicht geltend, dass er den Übersetzer nicht
verstehe.
Die Vorinstanz ist demnach entgegen den Behauptungen des Beschwer-
deführers bei der Erstbefragung korrekt vorgegangen und es liegen somit
keine schweren Mängel vor. Dementsprechend ist das Protokoll der Erst-
befragung des Beschwerdeführers vom 20. Dezember 2018 zur Entscheid-
findung vollumfänglich heranzuziehen.
Im Übrigen wird in der Beschwerde nicht konkret dargelegt, inwiefern be-
züglich der Vorbringen im Zusammenhang mit der PYD eine unvollständige
Sachverhaltsfeststellung vorliegen sollte. Solches ist den Akten denn auch
nicht zu entnehmen. Die formellen Rügen erweisen sich als unbegründet.
7.
In der Beschwerde wird sodann in materieller Hinsicht gerügt, das SEM
habe Bundesrecht verletzt, indem es die Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers zu Unrecht als unglaubhaft und nicht asylrelevant erachtet habe.
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Seite 11
7.1 Auch nach genauer Prüfung der Akten ist – wie bereits in der Zwischen-
verfügung vom 23. Dezember 2020 ausgeführt – festzuhalten, dass die
Demonstrationsteilnahmen des Beschwerdeführers im Jahr 2012 unab-
hängig von deren Glaubhaftigkeit nicht als asylrelevant zu bezeichnen
sind, da ihm bis zur Ausreise im August 2018 deswegen keine flüchtlings-
rechtlich relevanten Nachteile widerfahren sind. Aus den Akten geht auch
nicht hervor, dass der Beschwerdeführer in einer exponierten Funktion ak-
tiv gewesen wäre. Der Beschwerdeführer gab in diesem Zusammenhang
in der Erstbefragung an, aufgrund der Demonstrationsteilnahme keine
Probleme mit den Behörden in B._ gehabt zu haben (SEM-Akte
A29/11 F58). Er selbst sei – im Gegensatz zu anderen Teilnehmern – nicht
verhaftet worden (SEM-Akte A39/17 F64). Nach diesem Ereignis habe er
sich auf sein Studium konzentriert und sei bis zum Abschluss, also noch
rund zwei Jahre in B._ geblieben (SEM-Akte A39/17 F67). Er habe
nur noch einmal mit dem Kriminalsicherheitsdienst zu tun gehabt, welcher
ihm untersagt habe, Kurdisch zu unterrichten (SEM-Akte A29/11 F58).
Auch in seiner Beschwerde hält er nochmals ausdrücklich fest, dass es
infolge der Demonstrationsteilnahme nie zu einer Verhaftung oder Verfol-
gung seiner Person gekommen sei (S. 13 der Beschwerde).
Er selbst vermutet denn auch nur, dass er sein Familienbüchlein nicht habe
ausstellen lassen können, weil er den Behörden bekannt gewesen sei.
Konkrete Anhaltspunkte dafür konnte er nicht nachweisen, stützt er sich
doch auch dabei auf Aussagen Dritter, welche ihm gesagt hätten, dass er
gesucht werde (SEM-Akte A29/11 F72; A39/17 F59 f.). Die Behörden selbst
haben ihm persönlich die Ausstellung nie direkt verweigert. Auch hatten
weder er noch seine Familie, welche immer noch in B._ lebt, auf-
grund der geschilderten Vorfälle irgendwelche Konsequenzen zu tragen
(SEM-Akte A39/17 F13-16).
Dementsprechend ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer we-
der aufgrund seiner Demonstrationsteilnahme noch dem Kurdischunter-
richt von den syrischen Behörden gesucht beziehungsweise den syrischen
Behörden als regimekritische Person bekannt ist. Somit kann offengelas-
sen werden, ob die Vorinstanz gewisse Aussagen des Beschwerdeführers
zu Recht als unglaubhaft erachtete.
7.2 Die Dienstverweigerung weist sodann entgegen der Argumentation in
der Beschwerde mangels Vorliegens zusätzlicher Faktoren im Sinne der
bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung keine Asylrelevanz auf
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Seite 12
(vgl. BVGE 2015/3 sowie Bestätigung der Rechtsprechung im Referenzur-
teil des Bundesverwaltungsgerichts E-2188/2019 vom 30. Juni 2020). Die
Vorinstanz stellte dies in ihrer Verfügung zu Recht fest. Zutreffenderweise
führte die Vorinstanz aus, dass die Rekrutierungsbemühungen seitens der
PYD respektive der YPG mangels eines Verfolgungsmotivs im Sinne von
Art. 3 AsyIG und mangels hinreichender Intensität keine Asylrelevanz zu
entfalten vermögen und eine entsprechende Verweigerung keine asylrele-
vanten Sanktionen nach sich ziehen (unter Verweis auf das Referenzurteil
des BVGer D-5329/2014 vom 23. Juni 2015 und das Urteil des BVGer D-
2683/2017 vom 24. August 2017).
Abgesehen von einer zweitägigen Festnahme durch die PYD hat der Be-
schwerdeführer ferner keine weiteren Vorfälle beziehungsweise Probleme
mit Beteiligung der PYD geschildert. Es mag zutreffen, dass die Organisa-
tion (...) ihre Tätigkeiten nach seiner Festnahme einstellen musste; der
Grund diesbezüglich dürfte jedoch gemäss eigenen Aussagen des Be-
schwerdeführers darin gelegen haben, dass die Organisation schlicht
keine Bewilligungen mehr für ihre Vorhaben erhalten hat (SEM-Akte
A29/11, F54). Aktive Drohungen seitens der PYD zur Schliessung der Or-
ganisation werden vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht und las-
sen sich den Akten auch nicht entnehmen.
Das Bundesverwaltungsgericht kommt demnach in Übereinstimmung mit
der Vorinstanz zum Schluss, dass die Festnahme durch die PYD nicht aus
einem der in Art. 3 AsylG genannten Gründe erfolgte und somit keine Asyl-
relevanz zu entfalten vermag.
8.
8.1 Das SEM stellte sodann ebenfalls zu Recht fest, dass es den im Zu-
sammenhang mit der FSA erlittenen Nachteilen im April 2018 an einem
Motiv nach Art. 3 AsylG mangelt. Den Aussagen des Beschwerdeführers
lässt sich entnehmen, dass die Entführer hätten wissen wollen, wo sich
sein Laptop befinde (SEM-Akte A29/11, F54; A39/17, F33). Ihr Interesse
lag klarerweise darin, sich die (...) Pläne zu beschaffen. Aufgrund der Ak-
tenlage ist davon auszugehen, dass die Entführung durch eine Gruppie-
rung der FSA aufgrund der beruflichen Tätigkeit des Beschwerdeführers
erfolgt ist und nicht aufgrund eines von Art. 3 AsylG genannten Verfol-
gungsmotivs. Erst beschwerdeweise wird ausgeführt, dass die FSA durch
die Erlangung der Pläne die verhasste Gegnerschaft/Ethnie habe benach-
teiligen wollen (S. 14 der Beschwerde). Diesbezüglich handelt es sich je-
doch um eine blosse Behauptung, die sich nicht durch Beweise stützen
E-5692/2020
Seite 13
lässt. Das neu mit Beschwerde eingereichte Beweismittel 4, bei welchem
es sich lediglich um einen Link zu einem TV-Bericht handelt, in welchem
nach eigenen Angaben beziehungsweise eigener Übersetzung des Be-
schwerdeführers von Festnahmen von (...) berichtet wird, vermag daran
nichts zu ändern. Dies, zumal auch für diese Festnahmen die berufliche
Tätigkeit ausschlaggebend zu sein scheint und nicht ein flüchtlingsrelevan-
tes Motiv.
8.2 Betreffend die Beschlagnahme des Hauses des Beschwerdeführers
durch die FSA kann schliesslich auf die Ausführungen sowie die rechtliche
Würdigung der Vorinstanz verwiesen werden, zumal der Beschwerdeführer
diesbezüglich beschwerdeweise nichts geltend macht.
8.3 Es erübrigt sich nach dem Gesagten, auf die weiteren Ausführungen
auf Beschwerdeebene einzugehen, da sie ebenfalls nicht geeignet sind,
etwas zugunsten des Beschwerdeführers zu bewirken. Die Vorinstanz hat
das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.3 Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 15. Oktober 2020 die Un-
zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festgestellt und die vorläufige Auf-
nahme des Beschwerdeführers angeordnet hat, erübrigen sich praxisge-
mäss weitere Ausführungen zur Zumutbarkeit und Möglichkeit des Weg-
weisungsvollzugs.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
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11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Deckung
dieser Kosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
E-5692/2020
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