Decision ID: b28b33b9-3780-5c37-95fe-f73909756341
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1975, ohne erlernten Ber
uf und Mutter dreier Kinder, Jahr
gang
1996, 1997, 2002,
war seit
9.
Juli 2001
bei
der
A._
als Kassiererin angestellt, als sie sich am 1
6.
Januar 2013
unter Angabe von gesundheitlichen Beeinträchtigungen aufgrund eines Bandscheibenvorfalls
zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Invalidenversicherung anmeldete
(
Urk.
8/3 und
Urk.
8/23).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, klärte die medizinischen und beruflichen Verhältnisse ab und
zog unter anderem ein Gutachten des Krankentaggeldversicher
er
s bei (
Urk.
8
/27).
Mit Vor
bescheid vom
1.
Oktober 2013 stellte die IV-Stelle die Abweisung
des
Anspruchs auf eine In
validenrente in Aussicht (
Urk.
8
/33). Nach Einwand vom 2
1.
Oktober 2013 (
Urk.
8
/46) mit Ergänzungen am 1
3.
November
2013 (
Urk.
8
/54)
und
nach Eingang
zahlreicher
weiterer
Eingaben (
Urk.
8/61, 8/64, 8/68, 8/78,
8/83
, 8/85,
8/
8
7
,
8/93
)
schloss sich die IV-Stelle
einer
durch die
Krankentaggeldversicherung veranlassten
medizinischen Abklärung
der Beschwerde
führerin in den Fachrich
tungen Psychiatrie, Neurologie und Orthopädie
an (
Gutachten vom
3
1.
Dezember 2014
,
vom
3
0.
Januar und
vom
16.
Februar 2015 [
Urk.
8/106/7-65
vgl. auch
Urk.
8/96
]
)
.
Nach Eingang weiterer Einwände mit Berichten der behandelnden Ärzte (
Urk.
8/110)
und Stellung
nahmen der Gutachter (
Urk.
8/116/4-10)
veran
lasste die IV-Stelle eine polydiszi
plinäre Abklärung bei der
B._
(Gut
achten vom 2
8.
Januar 2016 [
Urk.
8/141
vgl. auch
Urk.
8/130
]). Mit Vorbescheid vom 2
2.
Juni 2016 (Urk.
8/153)
kündigte die IV-Stelle die
Zusprache
einer abge
stuften
respektive
befristeten Invalidenrente (
halbe Rente
von
September
bis
November
2013
, ganze Rente von
Dezember 2013
bis
April
2014
)
an. Ge
gen den Vorbescheid erhob die
Versicherte am
22.
August
2016
(
Urk.
8/158)
Einwand
,
worauf die
IV-St
elle mit Verfügung
vom
4.
Januar 2017 (
Urk.
2
) i
m
angekündig
te
n
Sinne entschied.
2.
Dagegen erhob
X._
am 3
1.
Januar 2017 Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom
4.
Januar 2017
sei
aufzuheben und
es sei
eine neue polydis
ziplinäre Begutachtung anzuordnen. E
s seien
sodann
die geset
zlichen Leistungen, namentlich
eine
Invalidenrente über den 3
0.
April 2014 hinaus
auszurichten (
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin
schloss
in ihrer Beschwerdeantwort vom 4
.
April 2017
auf
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Hiervon wurde der
Beschwerdeführer
in am
5.
April
2017 Kenntnis gegeben (
Urk.
9
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausge
gliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des ana
log anwendbaren (AHI 1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen)
Art.
88a
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV
,
festzusetzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E.
6b/
dd
mit Hinweis). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstufung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Ver
gleich des Sach
verhalts im Zeitpunkt der Rentenzusprechung oder des Rentenbeginns mit dem
jenigen zur Zeit der Aufhebung beziehungsweise Herabsetzung der Rente (BGE
125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273 E.
1a, 109 V 262 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5). Spricht die Verwaltung der ver
sicherten Person eine befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert bleiben (BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen). Die gerichtliche Prüfung hat vielmehr den Renten
anspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Aufhebung der Rente zu erfassen (Urteil des Bundesgerichts I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
-
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderer
seits
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchs
frei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die
Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.6
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und all
fälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressi
ven Störung auszugehen ist, die nicht schon als
chronifiziert
gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines struk
turierten Beweisverfahrens (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_580/2017 vom 1
6.
Januar 2018 E. 3.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom
4.
Januar 2017 (
Urk.
2/2/1-4)
davon aus, dass
die Beschwerdeführerin seit 1
2.
September 2012 in ihrer Arbeitsfähigkeit erheblich und in
d
er einjährigen Wartezeit vom 1
2.
September 2012 bis 1
1.
September 2013 zu durchschnittlich 59
%
arbeitsun
fähig gewesen sei. Nach Beendigung der Wartezeit habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
für alle Tätigkeiten bestanden.
Ab
1.
Februar 2014 bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Kassiererin und von 80
%
für angepasste Tätigkeiten.
Laut
Gutachten der
B._
vom 2
8.
Januar 2016
betrage die Arbeitsfä
higkeit in
angepasster Tätigkeit
80
%
. Dabei ergebe sich die
Reduktion der Arbeitsfähigkeit
aus
der herabgesetzte
n
Belastbarkeit durch die Schmerz- und die depressive Störung sowie durch einen zeitlichen Mehraufwand wegen der Ablenkung infolge der Schmerzen und depressiven Gedanken. Es werde deshalb kein
weiterer Leidensabzug gewährt.
2.2
Demgegenüber stellte sich die
Beschwerdeführer
in auf den Standpunkt (
Urk.
1 S.
3
f.
),
die Beschwerdegegnerin habe die im Einwand vorgebrachten Kritikpunkte nicht aufgegriffen und die Prüfung derselben
verweigert. Damit habe sie
das
rechtliche
Gehör
verletzt
und d
ie Verfügung
sei
bereits
aus diesem Grunde auf
zuheben.
Auch weise d
as
Administrativg
utac
hten
verschiedene Mängel auf. So habe der psychiatrische Gutachter 27 Punkte auf der Hamilton-Depressionsskala mit 18
Items ermittelt, objektiv entsprechend einer mittelgradigen Depression an der Grenze zu einer schweren. Der psychiatrische Gutachter habe die Testergebnisse des behandelnden
Dr.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe
rapie FMH,
falsch interpretiert, da dieser
die
Hamilton-Depressionsskala mit 2
1
Items
benutzt habe
.
Mit 26 Punkten sei bei diesem Test von einer schweren Depression auszugehen und bei richtiger Interpretation stimmten die Testergeb
nisse des behandelnden
Psychiaters
und des psychiatrischen Gutachters überein. Die
Umbewertung
, dass die festgestellten Testresultate bezüglich Depression nicht zum Vollwert genommen, sondern diagnostisch einer leichteren Ausprägun
g einer Depression zugeordnet wo
rden sei
en
, sei
nicht zulässig.
Komme hinzu, dass der
psychiatrische
Teilgutachter auch keine fremdanamnestischen Auskünfte ein
geholt habe. Gemäss dem behandelnden
Dr.
C._
sei die Arbeitsunfähigkeit allein aus psychiatrischer Sicht mit mindestens 50
%
zu bewerten
(S. 4 ff.)
.
Das G
utachten
äussere sich auch nicht zum
Beginn der
Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit
,
und ein Beleg,
wonach
ab Februar 2014 eine Verbesserung des Gesundheitszustandes eingetreten wäre
,
finde sich in den Akten nicht. Keine
Entscheidgrundlage
bilde
auch
das Gutachten der Krankentaggeldversicherung, da dies
es
beweisrechtlich als eine - bestrittene - blosse Parteibehauptung gelte. Auch sei der Beschwerdeführerin ein Leidensabzug zu gewähren, könne sie doch selbst gemäss Gutachten nicht mehr Vollzeit arbeiten
(S. 7 f.)
.
3.
Vorab zu prüfen ist die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Verletzung des rechtlichen Gehörs (
Urk. 1.
S. 3). Gemäss vorstehender Sachverhalts
darstel
lung
konnte sich
die
Beschwerdeführerin
,
nachdem die Beschwerdegegnerin erst
mals mit
Vorbescheid vom
1.
Oktober 2013
ihre Ansicht über den Leistungs
an
spruch geäussert hatte, aktiv und mit zahlreichen Eingaben ins Verwaltungs
ver
fahren einbringen
(
Sachverhalt
Ziff.
1
hievor
).
Sodann erhielt
sie
nach Erlass des zweiten Vorbescheids vom 2
2.
Juni 2016 (
Urk.
8/153) Einsicht in die gesamten Akten (
Urk.
8/155). Den Einwand
der Beschwerdeführerin
vom 2
2.
August 2016 (
Urk.
8/158) legte die Beschwerdegegnerin
ihrem regionalen ärztlichen Dienst (RAD) vor, welcher am
4.
November 2016 eine Stellungnahme abgab (
Urk.
8/160/2-3), die
teilweise
in die
angefochtene
Verfügung aufgenommen wurde (vgl.
Urk.
2 S. 2).
D
en verfassungsrechtlichen Anforderungen
an die aus
dem Grundsatz des
rechtliche
n
Gehör
s folgende Begründungspflicht
im Verwal
tungsverfahren wurde damit hinreichend Rechnung getragen (
vgl. zum Ganzen
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3.
Aufl. 2015, N 56 zu
Art.
49, mit Hinweis auf BGE 124 V 180).
Überdies
würde
selbst eine
Verletzung
des Begründungsrechts
— die vorliegend als nicht schwer einzustufen wäre — mit Blick auf das
Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht
zu einer Rückweisung führen
(BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweisen).
4.
Aufgrund der Anmeldung vom 1
6.
Januar 2013 (Eingang
5.
Februar 2013 [
Urk.
8/3
]
) fallen Rentenleistungen nach Ablauf des Wartejahrs frühestens nach sechs Monaten
und damit
ab
September
2013 in Betracht (
Art.
28 in Verbindung mit
Art.
29
Abs.
1 IVG; E. 1.2 hiervor), sodass die attestierten Arbeitsfähigkeiten in den medizinischen Berichten vor
September
2012 ohne Relevanz sind.
Die seither aufgelegten Arztberichte wurden im Gutachten
der
B._
vom 2
8.
Januar 2016
(
Urk.
8/141
/9-52
) zusammengefasst. Soweit erforderlich, wird in den nachfolgenden Erwägungen darauf Bezug genommen.
4
.1
Im polydisziplinären Gutachten der
B._
vom 2
8.
Januar 2016 (
Urk.
8/141
/2-88
), welches aufgrund von Untersuchungen vom 1
1.
und 1
6.
No
vember und vom 1
4.
und 1
6.
Dezember 201
5
durch
Dr.
D._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
Dr.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera
pie
FMH
,
Dr.
F._
, Facharzt Neurologie
,
und
Dr.
G._
, Fach
ä
rzt
in
, Allgemeine Innere Medizin
FMH,
erstellt wurde, stellten die Ex
perten fol
gende Diagnosen (S.
7
6
f.
):
Hauptd
iagnosen mit
Einschränkung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit:
-
Zervikobrachialgie
links (Erstdiagnose Oktober 2014)
-
Diskusherniation
C5/6 sowie C6/7 mit
rezessaler
Stenose beidseits, links mehr als rechts,
geringgradig
Diskusherniation
TH1 paramedian links und schwerer Spinalkanalstenose links
-
Spondylarthrose
C5/6 beidseits
-
Klinisch aktuell Dysästhesie OE
(Obere Extremität)
links, neurologisch ohne Nervenkompressionszeichen
-
Chronifiziert
lumbospondylogene
Schmerzen mit Schmerzausstrahlung in das linke Bein
-
Dis
k
opathie
L4/5
Modic
2, leichtgradige Spinalkanalstenose
-
Status nach
Infiltration und Diskographie mit starker Schmerzreaktion
-
Chronifizierte
belastungsabhängige Kniegelenk
schmerzen lateralseitig rechts
mehr als links bei
-
leichtgradiger Gonarthrose rechts, Knorpelschaden
femoropatellär
links
Grad 3
-
laterale
m
Meniskusganglion mit horizontaler Rissbildung
-
Status nach offene
r
Rezidivganglion
-
Operation am 2
7.
Dezember 2013 ohne relevante Besserung
-
Status nach Arthroskopie Kniegelenk links Januar 2005
-
Status nach Arthroskopie mit Ganglion-Exzision,
Teilmeniskektomie
Kniegelenk rechts April 2005
-
Subacromialer
Reizzustand links, Verdacht auf
Supraspinatus
- und
Sub
scapularistendinose
links
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Leichte bis mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F 32.00-F32.10)
Nebend
iagnosen ohne
wesentliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit:
-
Trochanter-
Tractus
-
Tendinose
rechts
-
Status nach
Leistenhernienoperation
rechts 2006
-
Muskuläre
Dysbalance
Lenden-Becken-Beinregion
-
Hypercholesterinämie
-
Chronische Kopfschmerzen, am ehesten Analgetika-induziert
-
Unsystematischer Schwindel unklarer
Aetiologie
-
Akzent
uierte Persönlichkeitszüge (
anan
kastisch
, passiv-
negativistisch
;
ICD-10 Z73.1)
-
Probleme in Verbindung mit Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56)
4
.1
.1
Die internistische Teilgutachterin hielt fest
(S. 72)
,
Hauptproblem der Beschwer
deführerin seien die immer wieder auftretenden Knie- und Wirbelsäulenbe
schwerden. Dadurch könne sie n
icht gut schlafen und
die Schmerzen im Nacken
bereich seien so gravierend, dass sie den Kopf nicht mehr drehen könne. Sobald sie den Kopf drehe oder nach unten neige, bekomme sie Schwindel. Weder den Haush
a
lt noch das Kochen könne sie erledigen. Sie müsse sich
tagsüber oft hin
legen und sie
pflege keine sozialen Kontakte.
Im Rahmen der allgemein-internistischen Begutachtung hätten keine Befunde von relevantem Krankheitswert erhoben werden können und aus intern
istischer Sicht
sei die Beschwerdeführerin
ohne Einschränkung voll arbeitsfähig
(S. 74 f.
).
4
.1.
2
D
i
e
orthopädische Expert
in
hielt fest (
S. 5
7
f.)
,
die Beschwerdeführerin erscheine pünktlich zur Begutachtung. Sie wirke depressiv
und
halte den linken Arm während der gesamten Untersuchung in Beugestellung am Körp
er angepresst. Sie
sei
verla
ngsamt beim Gehen und der linke
Arm
sei bewegungslos und werde in Schon-Beugehaltung am Körper
gehalten
.
An
der Wirbelsäule im Stehen von hinten betrachtet
zeige sich ein
deutlicher Schultertiefstand links
bei
Beckeng
eradstand und an der Brustwirbelsäule (BWS) ein
e
abgeflachte BWS-Kyphose, ohne Rippenbuckel und mit einer diffusen
Klopf
dolenz
an der oberen BWS. An der Lendenwirbelsäule (LWS) bestehe eine Hyper
lordose,
eine
Druckdolenz
paravertebral L5 rechts und über
dem
Beckenkamm rechts im Muskelansatz der Rückenstrecker. Bei der segmentalen Prüfung z
eige sich eine
Hypermobilität L5 und
eine
Druckdolenz
in diesem Abschnitt. Im Stehen
sei keine Rotation
und keine Seitneige möglich. Aufsitzen/A
ufstehen von der
Liege geschehe aber selbständig und
da
s
Lasè
gue
-Zeichen
sei negativ. Die o
bere
n Extremitäten der
Rechtshänderin
zeigten einen sym
m
etrischen
Schultergürtel und
eine
seitengleiche Armmuskul
atur, ohne
Muskelatrophien.
Das rechte Schulter
gelenk sei
glenohumeral
frei und das linke Schultergelenk aufgrund der Schmerzsymptomatik erschwert untersuchbar, die
Ellbogengelenke
und auch die Handgelenke seien aktiv und passiv beidseits frei beweglich und die Fi
ngerge
lenke reizlos ohne lokale
Entzündungszeichen.
Die unteren Extremitäten zeigten eine geringe 0-Be
instellung mit Senk-Spreizfuss und
mit plantar über dem Mit
telfussköpfchen II verstärkter
Fusssohlenbeschwielung
. Der Muskeltonus sei beid
seits normal, bei reizlose
n
Narben an der Knieaussenseite nach
Rezidivganglion
. Es bestünden kein Erguss, keine Entzündungszeichen und kein Drucksch
merz
über der
Trochanterregion
.
Die
Hüftgelenke
seien beidseits
u
neingeschränkt und schmerzfrei und die Kniegelenke beidseits reizlos, ohne Erguss- und Entzün
dungszeichen mit geringen
Patellaschiebeschmerzen
, wobei e
ine
Band- und Meniskusprüfung wegen Schmerzen nicht durc
hführbar gewesen sei.
Obere
s
und
u
ntere
s
Sprunggelenk
(OSG/USG)
seien beidseit
s frei beweglich, die Funktion
in Dorsal/
Plantarflexion
auf 10-0-30° eingeschränkt bei verkürzter Wadenmusku
latur beidseits. Die Zehengelenke seien beidseits reizlos, und
Druckdolenzen
bestünden am plantaren Mittelfussköpfchen II, links mehr als rechts. Die Fuss
pulse seien seitengleich tastbar, ohne Ödeme
,
und der Patellar-/Achilles
sehnen
reflex
sei
seitengleich. Eine handtellergrosse Hyposensibilitäts
störung bestehe
lateral auf Höhe der Knieaussenseite rechts
(S.
58
)
.
4
.1.3
Der neurologische
Experte
berichtete (S. 68
f.),
es zeige sich ein r
eduzierter All
gemeinzustand mit jedoch körperlich eutropher Muskulatur und gutem Ernährungszustand.
Die Beschwerdeführerin
(Rechtshänderin)
sei
bewusstseins
klar,
allseits orientie
rt,
soweit beurteilbar
von
durchschnittlicher
Intelligenz und zeige sich
sehr verschlossen,
ste
ts auf ihr Leiden zurückkomme
nd,
sehr leidend und demonstrativ wirkend
.
E
s
wurde
auf eingeschränkte
Untersuchungsbedingungen
hingewiesen
,
wobei
jegliche Manipulation am Kopf und
an
der Halswirbelsäule deutlich schmerzhaft
gewesen
sei. Zeichen für
Meningismus
,
Ptose
, Nystagmus, Störungen der
Pupillo
- oder
Okkulomotorik
, oder Hinweise auf Hirnnervenläsionen hätten sich kein
e
ergeben.
Auch d
ie Wirbelsäule
habe sich
gesamthaft deutlich schmerzhaft
gezeigt
, sodass Untersuchung
en praktisch nicht
hätten
durch
geführt werden können und sich
die Beschwerdeführerin sehr steif und
kaum beweglich
präsentiert
habe
.
Trophik
und Tonus der oberen Extremitäten seie
n unauffällig
gewesen und
die Untersuchungsbedingungen
seien
aufgrund der
linksseitigen Nacken- un
d Schul
terarmschmerzen
deutlich eingeschränkt
gewesen
.
G
ewisse Tests hätten auf Grund der Schmerzen nicht durchgeführt werden können.
Die
Einzelkraftprüfung rechtsseitig
habe
mit Sicherheit
keine fokalen Paresen
ergeben und
linksseitig sei der Befund bei mangelnder Compliance nicht sicher verwertbar
gewesen
. Es bestünden keine Sensibilitätsstörungen für die geprüften Qualitäten Berührung, Schmerz und Temperatur des rec
hten Armes. Am
linken Arm
würden ubiquitär
Hypästhesie
n
angegeben
. Bei der Spitz- /Stumpfdiskrimination
zeigten sich
jedoch konsequente Falschangaben, sodass eine Sensib
ilitätsstörung nicht objek
tivierbar sei.
Die unteren Extremitäten
seien
unauffällig
in
Trophik
und Tonus mit allseits intakter Motilität bei deutlich eingeschränkten Untersuchungsbedingungen
unter Angabe von
LWS-Schmerzen, jed
och ohne objektivierbare fokale
Paresen in der Einzelkraftprüfung und ohne Sensibilitätsstörungen für die geprüften Qualitäten.
Das Gangbild zeige sich unauffällig mit reduzierten Mitbewegungen, deutlich steif wirkend, wobei komplexe Gang
-
Prüfungen wie Spitzen-, Fersen- und Strich
gang mit Problemen jedoch
hätten durchgeführt werden können
,
und d
er
Rombergstehversuch
sei ohne gerichtete Fallneigung und der
Einbeinstand
prob
lemlos möglich
gewesen
,
ohne
Trendelenburgzeichen.
Die Beschwerdeführerin sei aufg
rund ihrer Schmerzen und ihre
s
Zustand
s
deut
lich eingeschränkt und überzeugt von
der
krankhaften Ausprägung, sodass hier auch psychisch eine Fixation auf das Leiden bestehe, während aus soma
tisch
neurologischer Sicht keine relevante St
örung
habe
objektiviert werden könne
n
.
4
.1.4
Der
psychiatrische
Experte
führte aus
(S. 60
),
die Beschwerdeführerin sei während der Gesamtdauer des Gesprächs stets wach, bewusstseinsklar, allseitig orientiert und sehr auf das Gespräch konzentriert gewesen. Dabei seien keine Aufmerksam
keitsstörungen aufgefallen
,
und die Details seien
sehr präzise geschildert worden. Z
eichen von Merkfähigkeits- oder Gedächtnisstörungen
hätten nicht bestanden
und das formale Denken
sei
unauffällig gewesen. Inhaltlich habe sie spontan
praktisch ausschliesslich körperliche Besc
hwerden,
unerträgliche Nackenschmer
zen, Gefühllosigkeit in den Händen, Kreuzschmerzen sowie Schmerzen in den Knien infolge zweimaliger
Ganglionoperationen
angeben
. Die Schilderung der Schmerzen
sei dabei recht dramatisch und sehr klagend und vorwurfsvoll gegen
über den
Operateure
n
geäussert
worden
, die mit ihren Operationen ihren Zustand nur noch verschlechtert
hätten. Ein weiteres
Thema, das die Beschwerdeführerin
stark beschäftigt habe
,
sei
die Un
gerechtigkeit
,
die ihr angeblich
durch
die
ehe
malige Arbeitgeber
in
angetan
worden sei
.
Die Beschwerdeführerin äussere keine abnormen Ängste, Befürchtungen oder Zwangsgedanken. Weder anamnestisch noch bei der Untersuchung
hätten sich
Hinweise auf
Wahnstimmung, Wahnwahrnehmung, Wahngedanken, Sinnestäu
schungen
oder Ich-Störungen
ergeben
. Affektiv
sei die Beschwerdeführerin
anfänglich starr mit herabgesetzter Mimik und
Modulation
gewesen
,
sie habe
leise
gesprochen und d
er
Gesichtsausdruck
sei
gequält
gewesen
. Mit der
Fortdauer der Untersuchung und der
Ablenkung durch das Gespräch
sei
sie jedoch vitaler
und
lauter mit
lebendigere
r
Mimik
geworden
,
habe
beharrlich u
nd energisch argumentiert und einen sehr motivierten Eindruck vermittelt.
Statt der anfängli
chen Affektstarre
sei
sie eher
dysphorisch
und gereizt
gewesen
und habe
mehr
mals
geweint
.
Die gezielte Untersuchung auf affektive
Symptome mittels Hamilton Rating
Scale
für Depression (HRSD), einem semiquantitativen
Fragebogen,
habe ergeben,
dass sie mit 27 Punkten formal im Bereich einer mittelgradigen depressiven
Störung
liege
(bis 10 Punkte keine Depression, 11-20 Punkte leichte Depression, 21-30 Punkte mittelgradige
Depression, über 31 Punkte sch
were Depression). Allerdings habe
sie mehrere Punkte
wegen de
r
Schmerzen (und F
olgen
d
e
r
Einschlaf-/ und Durchschlafstö
rungen, allg
emeine körperlic
he
Sy
mptome, ü
bermä
ssige Beschäf
tigung mit ihrem Körper) und nicht wegen einer eigentlichen
Depression erlangt. Trotz
des
von ihr als sehr stark
bezeichneten Appetitverlust
s
hab
e
sie kein Gewicht
verloren.
B
ei der Beantwortung der HRSD
-
Fra
gen
habe sie öfters
nicht
authentisch gewirkt
.
Sehr auffallend sei das Verhalten während der kursorischen Untersuchung der kognitiven Funktionen mittels Mini Mental Sta
te Test (MMST)
gewesen
. Im Gegensatz zur guten Konzentration im Gespräch sowie den
präzisen Angaben, ohne Merkfähigkeits- oder Gedächtnisstörungen,
habe die Beschwerdeführerin
im Test ein
«
miserables
»
Ergebnis erzielt.
Währe
nd
d
em
sie im Gespräch die genauen Daten des
Krieges in ihrer Heimat, ihre Emigration, die Geburtsdaten ihrer Kinder und andere
Daten
habe
nennen
können
,
sei
es ihr bei der strukturierten Untersu
chung nur möglich
gewesen, Werte zu erreichen, die einer Demenz entsprä
chen.
Die Merkfähigkeit
sei
so schlecht und die Rechenfehler
seien
so zahlreich
gewe
sen, dass
der Eindruck einer
vollständig
ungenügenden Anstrengung
sbereitschaft entstand
en
sei und die
Resultate dieser Testung unglaubwürdig
seien (S. 61)
.
Die
Beschwerdeführerin leide
an einer chronischen Schmerzstörung und
an
ei
ner leichten bis mittelgradigen
depressiven Störung, die ihre Fähigkeit zur Anpassung an Regeln
und Routinen sowie zur Planung
und Strukturierung von Aufgaben leichtgradig beeint
rächtige. Durch ihre Störungen sei sie
in ihrer Flexibilität und Umstellungsfähigkeit leicht beeinträchti
gt. Die Fähigkeit zur Anwendung
fachli
cher Kompetenzen als Verkäuferin
sei
aus psychiatrischer Si
cht nicht wesentlich reduziert. Infolge ihrer depressi
ven Kognitionen
seien
Entscheidungs- und Urteil
sfähigkeit leicht herabgesetzt und aufgrund
der
Schmerz-
und depressiven Störung
sei
die Durchhaltefähigkeit mit
telgradig
beeinträchtigt. Die Selbstbe
hauptungsfähigkeit
sei
nicht wesentlich reduziert. Die Kontaktfähigkeit
zu
Dritten und die Gruppenfähigkeit
seien
infolge d
er Tendenz zum sozialen Rückzug
höchstens leicht eingeschränkt. Die Verkehrsfähigkeit (
ö
ffentliche Verkehrs
mittel)
sei nicht wesentlich
reduziert. Insgesamt handle
es sich um leichtgradige, zur Hauptsache q
uantitative Funktionsstörungen.
Als Ressourcen
seien
die gute Intelligenz, Sprach
kenntnisse und die
anankastischen
Persönlich
keits
anteil
e mit Perfektionismus, Pflichtbewusstsei
n und Verantwortungs
bewusstsein zu bezeich
nen
.
Der psychiatrische Gutachter hielt weiter fest, auffallend sei bei der gegenwärti
gen Untersuchung und auch bei früheren Untersuchungen (Gutachten Neurologie vom 1
6.
Februar 2015) eine Tendenz zur Aggravation, Symptomausweitung, Selbstlimitierung und Verdeutlichung der Symptome gewesen. Die Laboruntersu
chung im Rahmen der aktuellen Begutachtung habe gezeigt, dass die Beschwer
deführerin entgegen ihrer ausdrücklichen Beteuerungen weder Schmerzmittel noch Psychopharmaka einnehme; die Angaben zur Medikamenteneinnahme seien offenbar unwahr. Die Aussagen der Beschwerdeführerin bezüglich ihrer Beschwerden seien demnach mit grosser Vorsicht zu geniessen, und die non-
compliance
bezüglich Medikation (auch Schmerzmedikation!) lasse grosse Zwei
fel bezüglich Leidensdruck und Zuverlässigkeit der Aussagen aufkommen. Bei der aktuellen Untersuchung seien eindeutige Diskrepanzen zwischen den kognitiven Leistungen der Beschwerdeführerin während des Gesprächs und der kognitiven Leistung in der kursorischen Testuntersuchung aufgetaucht (S. 64 oben und Mitte, S. 65 oben).
In der zuletzt ausgeübt
en Tätigkeit als Verkäuferin beziehungsweise
Kassier
er
in sei die
Beschwerdeführerin
gegenwärtig zu 80
%
arbeitsfähig.
Auch in jeder anderen körperlich zumutbaren Tätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht gegenwärtig 80
%
, wobei die Reduktion der Arbeitsfähigkeit um 20
%
Folge der herabgesetzten Belastbarkeit durch die Schmerzstörung und der depressiven Störung
(
zeitliche
r
Mehraufwand wegen der Ablenkung infolge der Schmerzen und der depressiven Kognitionen
)
sei (S. 65 f.).
4
.2
In ihrer
medizinische
n
Gesamtschau
hielten die Experten fest
(S. 84 f.)
,
aus orthopädischer Sicht sei die Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten Tätig
keit als Kassiererin aktuell
als
in
einem 50
%
-
Pensum arbeitsfähig einzuschätzen und eine Steigerung sei nach Rückgang
der Nacken-
und
Armschmerzen in ca.
zwei bis drei
Monaten möglich.
Das orthopädische Zumutbarkeitsprofil
wurde folgendermassen umschrieben:
L
eichte wechselbelastende Tätigkeit, mit der Möglichkeit sich zu
setzen, ohne ständige gebückte
oder kauernde Positionen, ohne kniebelastende Tätigkeiten,
ohne Besteigen von Leitern oder
Gerüsten, ohne Tätigkeit über Kopf, ohne regel
haftes Drehen
und Seitneigung, ohne schweres
Heben/Tragen von Gewichten bis maximal 5 kg,
ohne Zugluft, Nässe oder Kälte. Aus neurologischer Sicht ergebe
sich keinerlei Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit und a
us rein allgemein-inter
nistischer Sicht
sei die Beschwerdeführerin ebenfalls
ohne Einschränkung voll arbeitsfähig
.
Zur Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit hielten die Gutachter
Folgendes
fest (S. 85)
:
Aus orthopädischer
Sicht
sei die Beschwerdeführerin in einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit mit dem oben aufgeführten Leistu
ngsprofil zu 100
% arbeitsfähig und p
olydisziplinär
hätten
die psychiatrischen Einschätzun
gen in Bezug auf den Beginn der
Arbei
tsfähigkeit
Geltung.
4
.3
Auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
8/142)
präzisierte
die Gutachter
st
elle am 2
2.
Februar 2016 (
Urk.
8
/143),
polydisziplinär sei die Beschwerdeführe
rin in adaptierter Tätigkeit
zu
80
%
arbeitsfähig
,
ausgehend von einem Vollpen
sum unter Einbeziehung der psychiatrischen Einschätzung und des Zumutbar
keitsprofils.
5
.
5
.1
Das
umfangreiche Gutachten der
B._
erfüllt die praxisgemässen Kri
terien (vorstehend E. 1.4)
. Es
setzt sich mit de
n
gesundheitlichen Beeinträch
ti
gungen der Beschwerdeführerin auseinander
,
berücksichtigt auch die medizini
schen
Vorakten
und begründet Abweichungen, soweit die Beurteilung mit diesen nicht im Einklang steht. Insgesamt erweist sich das Gutachten als nachvollziehbar
und schlüssig
und vermag
auch
in formaler Hinsicht zu überzeugen
.
5
.2
Was die
Stellungnahme zur
Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht anbelangt, ist mit Blick auf die Untersuchungsbefunde nachvollziehbar, dass die Experten
das orthopädische Belastungsprofil
angesichts der
Rücken-
und Knieproblematik
auf
angepasste
leichte wechselbelastende Tätigkeiten
beschränkten
(vgl. E.
4.2
hier
vor
)
. Die Selbsteinschätzung der körperlichen Fähigkeiten (PACT) ergab sodann, dass die Beschwerdeführerin ihr Arbeitsbelastungsniveau selber als ausreichend für eine leichte Tätigkeit im Sitzen mit seltenem Heben von Lasten von mehr als fünf Kilogramm Gewicht einstufte (vgl.
Urk.
8/141/
2-88
S. 59
).
Zu Rech
t
bean
standete d
ie Beschwerdeführerin
denn
auch
die
anlässlich der Begutachtung
von somatischer Seite her
festgestellte
Restarbeitsfähigkeit und das
festgelegte Belas
tungsprofil
nicht
.
Die von den Gutachtern aus somatischer Sicht in angepasster Tätigkeit attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit ist damit nicht anzuzweifeln.
5
.3
5
.3.1
D
ie postulierten Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
gründen damit
ausschliesslich auf der psychischen Symptomatik, wobei der psychiatrische Gutachter eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren und eine leichte bis mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom diagnostizierte (
Urk.
8/141/66).
5
.3.2
Der behandelnde Psychiater,
Dr.
C._
, auf welchen sich die Beschwerdeführerin beruft (
Urk.
1 S. 4 f.), führte im Bericht vom 1
2.
Oktober 2014 (
Urk.
8/84) als einzige Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine
mittelgradige d
epressive
Episode mit somatischem Syndrom auf (
Ziff.
1.1).
Am 2
3.
März 2015
(
Urk.
8/110/6-7)
schrieb
er
zu Händen des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin,
die
depressive Symptomatik habe
im laufenden Jahr zuge
nommen
. Im laufenden Jahr sei die Konsultationsfrequenz mit Terminen alle zwei Wochen
beibehalten
worden.
I
n einem weiteren Schreiben vom 2
6.
November 2015 (
Urk.
8/135) hielt
Dr.
C._
fest, die im Schreiben vom 2
3.
März
20
15 geschilderte Verschlechterung des Befindens der Beschwerdeführerin bestehe unverändert fort. Neben der Zunahme
der Schmerzsymptomatik mit Ausweitung auf den linken Gesichts- und Kopfbe
reich sei es zu einer Zunahme der depressiven Symptomatik mit einem ausge
prägten sozialen Rückzug gekommen.
Die Diagnose lautete: schwere depressive Episode (ICD-10 F32.3) sowie
Verdacht auf anhaltende somatoforme Schmerzstö
rung (
ICD-10
F45.4)
.
Die a
ktuelle Therapie sei eine regelmässige integrierte psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung mit Konsultation in
zweiwöchi
gem
Intervall und
Medikation
.
5
.3.3
Der psychiatrische Experte
l
egte
dazu
dar
(
Urk.
8/
141/6
4
),
dass die
vom behan
delnden
Dr.
C._
diagnostizierte
schwere
depressive Episode
im Bericht drei Wochen vor der Begutachtung
aufgrund
seiner
aktuellen Untersuchungsbefunde
nicht
nachvollziehbar sei
. I
m
Verlauf sei die Diagnose des psychiatrischen Vor
gutachters,
Dr.
H._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
,
mit der Diagnose Anpassungs-Störung mit längerer depressiven Reaktion im Sinne einer psychogen
etischen Erklärung überzeugend wie
auch seine Einschätzung, dass die Konstellation einem Schmerzsyndrom und einer Depression in Verbindung mit erheblicher Kränkung entspreche, plausibel
(vgl. Gutachten vom
3
1.
Dezember 2014 [
Urk.
8/106/12-18
]
).
5.3.4
Die
se Auffassung
kann nachvollzogen werden
. Die
von
Behandlerseite
diagno
stizierte
«
schwere
depressive
Episode
»
vermag bereits mit Blick auf die
Behand
lung
sfrequenz mit lediglich
zwei
wöchigem Intervall
und einer Medikation
ohne Kontrolle der
Medikamenteneinnahme
nicht
zu überzeugen.
Hieran ändert
weder der Umstand etwas
, dass
Dr.
C._
die Diagnose
gestützt auf die Hamilton-Depressionsskala erhoben
hat (
zur grundsätzlich nur ergänzenden Funktion psychiatrischer Testverfahren vgl.
etwa Bundesgerichtsurteil
9C_344/2013 vom 1
6.
Oktob
er 2013 E. 3.1.5 mit Hinweisen)
,
noch
die späteren Ausführungen in
seinen Berichten
vom 2
2.
August 2016 und vom 3
0.
Januar 2017 (
Urk.
3/4 und
Urk.
3/5).
Hinzu kommt,
dass es für die Leistungsberechtigung in der Invaliden
versicherung nicht auf die genaue Diagnose, sondern auf die erwerbli
chen Aus
wirkungen eines Gesundheitsschadens ankommt (
vgl. etwa Bundesge
richtsurteil
8C_503/2013 vom 2
3.
Deze
mber 2013 E. 5.5 mit Hinweisen)
.
Daher erweist sich
die Konklusion von
Dr.
C._
, wonach die
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom medizinisch-theoretisch eine Arbeitsunfähigkeit von min
destens 50
%
ergäbe
(vgl.
Urk.
3/5 S. 3)
,
nicht
als aussagekräftig
.
Letztlich ist aber auch der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass Hausärzte wie auch andere behan
delnde Ärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zwei
felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 4
65 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Zu bemerken ist weiter, dass der psychiatrische Gutachter darauf hinwies, dass die im Verlauf aus den Berichten ersichtlichen unerklärlichen Schwankungen des Schweregrads der depressiven Symptomatik kaum mit natürlichen Schwankun
gen des Krankheitszustandes erklärbar seien, und ausführte, dass auch die erheb
liche Diskrepanz zwischen den Befunden und der Beurteilung des behandelnden Psychiaters
Dr.
C._
, des psychiatrischen Gutachters, des Dr.
H._
und der Höhenklinik
I._
auf eine nicht authentische Störung hinweisen könnten (S.
63, S. 65). Weiter vermerkte er eine fehlende Compliance beziehungsweise unwahre Angaben zum Medikamentenkonsum und eindeutige Diskrepanzen zwi
schen den kognitiven Leistungen während des Gesprächs mit den erhobenen Test
ergebnissen (vorstehend E. 4.1.4). Auch in Anbetracht dieser Umstände ist davon auszugehen, dass die abweichende Stellungnahme von
Dr.
C._
, wonach eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50
%
bestehe, die psychiatrische Stellung
nahme zur Arbeitsfähigkeit nicht zu entkräften vermag.
5
.4
Nach dem Gesagten besteht kein Anlass, von der nachvollziehbaren
,
schlüssigen
,
aus gesamtmedizinischer Sicht erfolgten
Stellungnahme
zur Restarbeitsfähigkeit gemäss
Gutachten der
B._
abzugehen (zum Bew
eiswert vgl. E. 1.4), wonach der
Beschwerdeführer
in
aus somatischer Sicht
in einem
Vollpensum unter Einbeziehung der psychiatrischen Einschätzung und des
orthopädischen
Zumutbarkeitsprofils
im Gutachtenszeitpunkt
eine
Arbeitsfähigkeit
von 80
%
zu attestieren ist.
5.5
Von der Durchführung eines
-
angesichts der diagnostizierten psychischen Gesund
heitsschäden (somatoforme Schmerzstörung, Depression) nach neuer Rechtsprechung grundsätzlich notwendigen (vorstehend E. 1.5) - strukturierten Beweisverfahrens kann unter anderem aus Gründen der Verhältnismässigkeit abgesehen werden (vorstehend E. 1.6). Vorliegend erweist sich ein solches als entbehrlich, denn selbst unter Berücksichtigung der gutachterlich attestierten Arbeitsunfähigkeit von 20
%
in jeglicher Tätigkeit ergibt sich kein rentenbegrün
dender Invaliditätsgrad (nachstehend E. 7). Damit erübrigt sich die Prüfung der Standardindikatoren zur Einschätzung des tatsächlich erreichbaren Leistungsver
mögens der Beschwerdeführerin.
6.
6
.1
Was den Verlauf der Arbeitsfähigkeit angeht, so hielten die Gutachter fest
(
Urk.
8/141/
2-88 S. 85
)
,
der Beginn der Arbeitsunfähigkeit
in angestammter Tätigkeit
sei
ab
Januar
2013 anzunehmen,
da damals im MRI
eine
Diskopathie
L4/5
und eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit auch nach durchgeführter
Rezi
div-Ganglion-Operation am 3
1.
Januar
2013
vorgelegen habe.
Wegen der
Zerviko
brachialgie
sei
der Beschwerdeführerin
ab 2014
erneut eine
100%ige Arbeitsun
fähigkeit
attestiert worden.
Der Beginn der adaptierten
Tätigkeit sei aus orthopä
discher Sicht bei unverändertem Status laut Rheumatologen ab Februar 2014 möglich.
Aus psychiatrischer Sicht
sei
der Beginn der
Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit
spätestens
ab Februar 2015 anzunehmen
.
D
ie Arbeitsunfä
higkeit
habe
ab 2
6.
November 2015 wegen einer
schweren depressiven Episode damals 100
%
betragen
, wobei die
Diagnose
nicht plausibel und die 100%ige
Arbeitsunfähigkeit
nicht zutreffend
sei
.
Polydisziplinär gelten die psychiatrischen Einschätzungen in Bezug auf den Beginn der
Arbei
tsfähigkeit.
6
.2
RAD
-Arzt
Dr.
J._
, Vertrauensarzt
(SGV), Orthopädische Chirurgie FMH,
schloss
in seiner
Aktenbeurteilung vom 25.
Februar 2016
(
Urk.
8/151
/13 f.), es sollte von folgender Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden: Orthopädisch in zuletzt ausgeübter Tätigkeit als K
assiererin 50
%
arbeitsfähig
seit Februar 2014, vorher seit Januar 2013 100
%
arbeitsunfähig wegen Knie
o
pera
tion, LWS- und HWS
-
Beschwerden. Psychiatrisch betrage die Arbeitsfähigkeit in zuletzt ausgeübter Tätigkeit als Kassiererin seit Dezember 2013 80
%
. Gesamthaft sei in zuletzt ausgeübter Tätigkeit als Kassiererin seit Januar 2013 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit und
ab Februar 2014 von einer
50%ige
n
Arbeits
unfähigkeit auszugehen.
In angepasster Tätigkeit bestehe seit Januar 2013 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
wegen
Knieoperation
, LWS- und HWS
Be
schwerden,
seit Februar 2014 80
%
und psychiatrisch betrage die Arbeitsfähig
keit
80
%
. G
esamthaft
betrage die Arbeitsunfähigkeit
in angepasster Tätigkeit seit
Januar 2013 100
%
. S
eit Februar 2014 bestehe eine Arbeits
fähigkeit von 80
%.
6.3
Die
Aktenlage ergibt
d
azu
F
olgendes
:
Dr.
K._
,
Fachärztin für O
rthopädische Chirurgie und Traumatologi
e des Bewegungsappar
a
tes, führt
e
im Gutachten zu Händen des Taggeldversicherers vom
7.
Juni 2013
(
Urk.
8/27/11/
14)
aus
,
die
jetzige Tätigkeit
von 50
%
als Kassier
er
in soll
e m
omentan aufrecht erhalten werden
,
und
ab
1.
September
2013
ergebe sich wieder
ein volles Arbeits
vermögen, wobei Tätigkeiten im Gehen und Stehen wie auch aus
wechselnder Ausgangslage gee
igneter
seien
als ausschliess
lich sit
z
e
nde Tätigkeiten
und schweres Heben und Tragen sowie häufiges Bücken und Zwangshaltungen vermieden werden sollten.
Dr.
L._
, Facharzt FMH für Rheumatologie und Rehabilitation
,
hielt im Bericht
vom 2
0.
Dezember 2013 (
Urk.
8/58
S. 1
)
e
in chronisches
lumboradikulä
res
Schmerzsyndrom L5 rechts bei Segmentdegeneration, Diskushernie und kurz
fristig erfolgrei
cher
Wurzelinfiltration L5 rechts
fest und attestierte eine Arbeits
fähigkeit von
50
%
.
Am 2
7.
Dezember 2013 unterzog sich die Beschwerdeführerin aufgrund eine
s
Rezidivs-Ganglions des rechten Kniegelenkes einer
Arthroskopie
in der
Klinik
M._
(
Urk.
8/59)
.
Die Assistenzärztin, Orthopädie Untere Extremitä
ten
,
wies im Attest vom 2
7.
Dezember 2013 auf
eine
Behandlung der Beschwer
deführerin hin
und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
für den Zeit
raum
vom 2
7.
Dezember 2013 bis 1
4.
Februar 2014 (
Urk.
8/69
/
29).
Im Bericht
der
Klinik
M._
vom 1
7.
Februar 2014
(
Urk.
8/69/20 f.)
hielten die Är
zt
e anlässlich der regulären
S
echs
w
ochenkontrolle nach Operation fest, es be
st
ehe
ein diskret hinkendes Barfussgangbild. Der
Einbeinstand
sei möglich und die Flexion/Extension betrage 110-0-0°.
Druckdolenzen
bestünden über der proxi
malen reizlosen Narbe und ebenfalls im Bereich der
Tuerositas
tibiae
, ohne
inter
artikuläre
n
Erguss, ohne Rötung
und bei diskreter Erwärmung. Im Verlaufsbericht vom
1
6.
Juni 2014 (
Urk.
8/71)
berichteten die Ärzte de
r
Klinik
M._
über in etw
a
gleich bleibende
Beschwerden und
hielten fest,
b
ezüglich der Arbeitsfähig
keit könne bei der momentan nicht arbeitenden Beschwerdeführerin keine defi
nitive Beurteilung stattfinden
, wobei die Beschwerdeführerin aus ihrer Sicht zu 50
%
arbeitsfähig sei
.
6.4
Nachdem sich die somatische Befundlage nach Kniearthroskopie im Dezember 2013 seit der Verlaufskontrolle im Februar 2014 nicht mehr wesentlich verändert
zeigte
, ist
die
medizin
ische Aktenbeurteilung des
RAD
,
welche in Überein
stimmung mit der Stellungnahme der Gutachter der
B._
den Beginn der vollen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auf Anfang Februar 2014 festlegt, nicht anzuzweifeln. Zu bemerken ist im Übrigen, dass die in den vorgenannten Arztberichten (E. 6.3) erfolgten Stellungnahmen sich auf die Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit als Kassiererin beziehen, während die Beschwerdegegnerin bezüglich der Verbesserung des Gesundheitszustands ab Anfang Februar 2014 beziehungsweise der Rentenaufhebung per Ende April 2014 die Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit zu Grunde legte. An der Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit
ändert auch nichts, dass sich die Beschwerdeführerin vom
8.
bis 2
5.
September 2014 nach erfolgter Selbstzuweisung im
Spital
N._
(vgl.
Urk.
7/82)
und danach vom 2
5.
September bis 1
4.
Oktober 2014 in der Höhenklinik
I._
(
Urk.
8/92)
aufgehal
ten hat. A
ufgrund des stationären Auf
enthaltes
vermag dies zwar vorübergehend eine
100%ige Arbeitsfähigkeit auch in ange
p
asster Tätigkeit zu begründen. E
ine
r
wesentliche
n
Änderung (Ver
schlechterung)
im Sinne von
Art.
88a
Abs.
2 IVV (vgl. E 1.3
hievor
)
ermangelt es
an
der
erforderlichen
Dauer.
6.5
Zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht hielten die Gutachter fest, dass der Beginn einer Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit „spätestens ab Februar 2015“ anzunehmen sei, ohne für den
davor
liegenden
Zeitraum zum Grad der Arbeitsfähigkeit Stellung zu nehmen oder den Beginn
der Arbeitsunfähigkeit
zu nennen (S. 85
Ziff.
9.2.1). Der psychiatrische Gutachter führte weiter aus, dass psychosoziale Faktoren in der Entstehung beziehungsweise Aufrechterhaltung der Störung eine Rolle gespielt hätten und er den Eindruck
habe, dass die Beschwerdeführerin durch Kränkung (
Kündigung
) massiv verletzt gewesen sei (S. 64
Ziff.
5.4.3). Sodann weist er darauf hin, dass eine klare psychische Komponente erstmals im Arztbericht von
Dr.
L._
vom
9.
Mai 2014 erwähnt
worden sei
, welcher auch die Überweisung an einen Psychiater
empfohlen habe
. Im Bericht über den stationären Aufenthalt in der Höhenklinik
I._
vom 2
5.
September bis 1
4.
Oktober 2014 würden sodann unter den Diagnosen keine psychiatrischen oder psychischen Probleme aufge
führt (S. 61 f.
Ziff.
5.4.1).
Im Wesentlichen damit übereinstimmend gab
Dr.
H._
im psychiatrischen Untersuchungsbericht vom 3
1.
Dezember 2014 (
Urk.
8/106/12-18) an, die Beschwerdeführerin sei angesichts eines mehrheitlich rückläufigen klinischen Befundes „bis längstens“ Ende Dezember 2014 vollständig arbeitsunfähig, spätestens per Anfang Januar zu 50
%
arbeitsfähig und spätestens per Anfang März 2015 vollständig arbeitsfähig. Über den Beginn der Arbeitsfähigkeit sprach er sich nicht aus.
Dr.
H._
führte weiter aus, dass offensichtlich weitaus über
wiegend psychosoziale Belastungen, hier dem Vernehmen nach vor allem eine berufliche beziehungsweise persönliche Konfliktlage (Kündigung der langjähri
gen Anstellung), am Zustandekommen beziehungsweise Aufrechterhalten des Beschwerdebildes beteiligt gewesen seien. Zur Diagnose vermerkte
Dr.
H._
, dass eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Re
a
ktion (ICD 10 F43.21) vorliege, die inzwischen weitgehend am Zurückgehen sei. Die Erkrankung sei psychodynamisch als Reaktionsbildung auf eine für die Beschwerdeführerin schwierige persönliche Lage, hier konkret in beruflicher Hinsicht, aufzufassen. Die Konstellation entspreche einem Schmerzsyndrom und einer Depression in Verbindung mit erheblicher Kränkung und sozialem Rückzug. Die zu erwägende Differenzialdiagnose einer leichten bis mittelgradigen
depressiven
Episode lass
e
sich angesichts eines insgesamt rückläufigen klinischen Verlaufs nicht mehr rekonstruieren (S. 6).
Bei dieser Aktenlage erscheint die medizinische Aktenbeurteilung
von
RAD
-Arzt
Dr.
J._
, welcher den Beginn der Arbeitsfähigkeit aus psychischer und polydisziplinärer Sicht – wenn auch ohne nähere Begründung - im Umfang von 80
%
auf Anfang Februar 2014 rückbezog, als nachvollziehbar. Denn die im Mai 2014 erstmals klar als psychische Komponente festgestellten Beschwerden führ
t
en bereits im Bericht über den stationären Aufenthalt im September/Oktober 2014 zu keiner psychiatrischen Diagnose
. G
emäss den übereinstimmenden Schil
derungen von
Dr.
H._
und dem psychiatrischen Gutachter der
B._
standen
psychosoziale Belastungen deutlich im Vordergrund
, sodass davon aus
zugehen ist, dass im fraglichen Zeitraum die erhobenen Befunde darin eine hin
reichende Erklärung fanden.
Indes gilt auch nach der neuen Rechtsprechung (vorstehend E.
1.5) unverändert, dass ein invalidisierender psychischer Gesund
heitsschaden nur gegeben sein kann, wenn das klinische Beschwerdebild nicht einzig in psychosozialen und soziokulturellen Umständen seine Erklärung findet, sondern davon psychiatrisch unterscheidbare Befunde umfasst (Urteil des Bun
desgerichts 9C_732/2017 vom
5.
März 2018 E. 4.3.1 mit Hinweis).
Zu
m Einwand der Beschwerdeführerin, wonach der Bericht von
Dr.
H._
als blosse Parteibe
hauptung nicht zu berücksichtigen sei (
Urk.
1 S. 8
Ziff.
24), ist zu bemerken,
dass er als Beweismittel unabhängig von dessen Herkunft zu würdigen ist und nicht von vornherein als Parteigutachten ausser Betracht fällt (vgl.
vor
stehend E. 1.4).
6.
6
Zusammenfassend
ist
nach dem Gesagten
in polydisziplinärer Sicht
von einer
Restarbeitsfähigkeit
von 80
%
ab Februar 2014
auszugehen
.
Die Beschwerde
gegnerin
nahm
sodann aufgrund der Angaben der Krankentaggeldversicherung b
ei Ablauf des Wartejahrs am 11.
September 2013 ein
e
durchschnittliche Arbeits
unfähigke
it von 55
%
an
(
Urk.
8/151/14 f.) und ging danach bis Februar 2014 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auch in angepasster Tätigkeit aus, was mit Blick auf die Akten nachvollziehbar ist und von der Beschwerdeführerin auch nicht in Zweifel gezogen wurde.
7.
Aus dem Vergleich des an die Nominallohnentwicklung angepassten
Validenein
kommens
von Fr. 58'599.20 (58'019
.--
x 1.01) mit dem Invalideneinkommen von Fr. 41'855.35 nach Berücksichtigung einer 80%igen Arbeitsfähigkeit (4'112.
-- :
40 x 41.7 x12 x 1.007 x 1.01 x 0.8) resultiert für das Jahr 2014 eine Lohneinbusse von Fr.
16'743.80
und demnach ein Invaliditätsgrad von 29 % (Urk. 2). Diese Invaliditätsbemessung der IV-Stelle (Urk. 8/150) ist nicht zu beanstanden, zumal sie den Akten (vgl. Urk.
8/23
Ziff. 2
.11
) und der
Rechtslage
(vgl.
BGE 143 V 295 E.
4.2.2,
142 V 178 E. 2.5.7
zur Anwendung der
nach
dem Kompetenzniveau differenzierten TA1-Tabellen der LSE 2012)
entspricht. Ausserdem wurde sie nicht bestritten (Urk. 1).
Insofern
die Beschwerdeführerin
bei
der Ermittlung des
Invalideneinkommens aufgrund von Tabellenwerten die zusätzlich Berücksichtigung eines
l
eidensbe
dingten Abzuges geltend macht
e, da sie
laut
dem Gutachten nicht mehr Vollzeit arbeiten könne (vgl.
Urk.
1 S. 8), ist festzuhalten, dass mit einer
Arbeitsfähigkeit
von 80
%
,
ausgehend von einem Voll
zeit
pensum
, leidensbedingte Erschwernisse bereits im Rahmen des medizinischen Belastungsprofis abgegolten wurden und
damit
kein Raum für einen zusätzlichen Abzug
be
steht
(
vgl.
Urteile des Bundes
gerichts 9C_846/2014 vom 2
2.
Januar 2015 E. 4.1.1 und 8C_805/2016 vom 2
2.
März 2017 E. 3.1 mit Hinweisen).
Es ist daher von einem renten
aus
schliessenden Invaliditätsgrad von 29 % auszugehen.
8.
Zusammenfassend erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
9
.
Die Gerichtskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf
Fr.
800.-- festzusetzen und entspr
echend dem Verfahrensausgang der
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.