Decision ID: b2b0fb81-79cf-43f0-b229-30d2a77ada08
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1975 geborene
X._
arbeitete seit dem 23. August 2010 bei der Bera
tungsstelle Z._
als kaufmännische Angestellte bei
einem 60%-Pensum, bis ihr Ende 2011 wegen Umstrukturierung gekündigt wurde
(Urk. 10/19
). Mit Schreiben des Taggeldversicherers
Visana
Services AG
(nach
folgend:
Visana
) vom 6. Juni
2012 wurde die IV-Anmeldung der Versicher
ten
so
wie die bei
diesem vorhandenen Unterlagen
an die Sozialversicherungsanstalt des
Kantons Zürich, IV-Stelle, gesandt (Eingangsd
atum: 8. Juni 2012, Urk. 10/8-12
).
Am
28. Juni 2012
teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass keine beruflichen Eingliederungsm
assnahmen nötig seien (Urk. 10/16)
.
Am 4. Dezember 2012
wurde
X._
im Auftrag der
Visana
durch die
Klinik
A._
psychiatrisch untersucht (psychiatrische Second Opinion vom
19. Dezember 2012,
Urk. 10/37),
woraufhin
die Taggeldleistungen per 31. März 2013 eingestellt wur
den (Urk. 10/36).
Die durch die IV-Stelle gewährte Arbeitsvermittlung (vgl. Mit
teilung vom 17. April 2013, Urk. 10/40) musste per Mitte Oktober 2013 aufgrund eines verschlechterten Gesundheitszustandes abgebrochen werden (Urk. 10/58
,
vgl. Schlussbericht der
B._
vom 18. Oktober 2013, Urk. 10/62
).
Nach durchge
führtem
Vorbescheidverfahren
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 7. März
2014 einen Rente
nanspruch von
X._
(Urk. 10/84
).
Die
dagegen am
3. und 10. April
2014 erhobene Beschwerde (Urk. 10/89 S. 3-7
) wies das
hiesige
Sozial
versicherungs
gericht mit
Urteil
IV.2014.00389 vom 15. Oktober
2015 ab
(Urk. 10/93).
1.2
Am 28. August 2018 (Eingangsdatum) meldete sich
X._
erneut zum Leis
tungsbezug (berufliche Massnahmen und Rente) an (Urk. 10/101-104 unter Bei
lage diverser Arztberichte, Urk. 10/99).
Die IV-Stelle tätigte daraufhin medizi
nische und erwerbliche Abklärungen. Am
13. Februar 2019 teilte sie der
Versi
cher
ten mit, aufgrund
ihres
gesundheitlichen Zustandes seien zurzeit keine berufliche
n Massnahmen möglich (Urk. 10/118
)
. Am
4.
und 16. Juli 2019 wur
de
X._
von Fachärzten des
Regionalen Ärztlichen Dienst
es
(RAD) orthopä
disch/rheumatologisch, internistisch und psychiatrisch untersucht (vgl. RAD-
Untersuchungsberichte, Urk. 10/135-137. Mit Vorbescheid vom 12. September 2019
kündigte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung ihres neuen Leis
tungsbegehrens an (Urk. 10/139
), wogegen diese am
14. Oktober respektive 20. Dezem
ber 2019
Einwand erhob
(Urk. 10/143 und Urk. 10/148, unter Beilage von Berichten der behandelnden Ärzte, Urk. 10/147 S. 2 ff.).
Mit Verfügung vom
15. Mai 2020
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am 15. Juni 2020 Beschwerde und beantragte, es seien unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 15. Mai 2020 weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 2). Mit Eingabe vom 24. Juni 2020 reichte sie eine Stellungnahme des Zentrums
C._
vom 18. Juni 2020 ein (Urk. 6-7). Mit Beschwerdeantwort vom 18. August 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 10/1-153)
, was der Beschwerdeführerin am 20. August 2020 mitgeteilt wurde (Urk. 11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in
ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die fest
gestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Inva
lidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.6
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich unter
suchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu
namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung
vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG be
treffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Okto
ber 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) gestützt auf ihre Abklärungen - insbesondere die
orthopädisch/rheumatologisch
en
, inter
nis
tisch
en
und psychiatrisch
en
RAD-Untersuchungen - davon aus, dass
kein
invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden bestehe. Sämtliche
Symptome und Erkrankungen seien behandelbar. Die Beschwerdeführerin sei in ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Sekretärin zu 100 % arbeitsfähig
.
2.2
Die Beschwerdeführerin ist demgegenüber der Ansicht, auf
die RAD-Unter
su
chungen
könne nicht abgestellt werden, da
diese
widersprüchlich und damit nicht beweiskräftig sei
en
.
Sollte nicht auf die Einschätzung der Behandler abgestellt werden, dann drängten sich weitere medizinische Abklärungen auf.
3.
3.1
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer mate
riellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsab
klä
rung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.1 mit Hinweisen), mithin die
mit Gerichtsurteil IV.2014.00389
15. Oktober 2015 ab (Urk. 10/93
)
bestätigte Verfügung der IV-Stelle
vom 7. März 2014 (Urk. 10/84)
.
3.2
Das hiesige Geric
ht hielt mit Urteil IV.2014.003
8
9
vom
15. Oktober
2015
(Urk. 10/93)
fest, dass die Beschwerdeführerin
aus psychiatrischer Sicht seit dem 5. Januar 2012 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen sei, sich ihr Gesundheitszustand aber soweit gebessert
habe
, sodass sie ab dem 4. Dezember 2012 (Begutachtungs
zeitpunkt durch die
Klinik
A._
) ihre volle Arbeitsfähigkeit wiedererlangt habe (vgl. E. 4 des Urteils). Das Gericht stellte dabei auf die -
auftrags
der
Visana
erstattete - psychiatrische Second Opinion der
Klinik
A._
vom 19. Dezem
ber 2012 ab, worin eine leichtgradige depressive Episode (ICD-10: F32.0) diagnos
tiziert wurde.
4.
4.1
Die Verfügung vom
15. Mai 2020
(Urk. 2), mit welcher das Leistungsbegehren erneut abgewiesen wurde, basierte auf folgenden medizinischen Beurteilungen:
4.2
Im Bericht des Zentrums
C._
vom
8. November 2018 (Urk. 10/112
)
zuhanden der Beschwerdegegnerin
wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt:
-
Zwangsstörung (ICD-10: F42.1)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne
psychotische Symptome (ICD-10: F33.2)
-
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1)
-
Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F90.0)
-
Ängstlich-vermeidende Persönlichkeit
sstörung
(ICD-10: F60.6)
Im Befund zeige sich die Beschwerdeführerin äusserlich gepflegt, altersent
spre
chend, bewusstseinsklar und allseits orientiert, in der emotionalen Kontaktauf
nahme abwartend, gehemmt, sach
lich, aktiv im Spontanverhalten.
D
ie Stimmung
sei
deutlich depressiv-resigniert. Die Beschwerdeführerin sei
affektiv unkontrol
liert, im Gespräch verbal mitteilungsaktiv und schildere ihr Symptomerleben und -verhalten im Zusammenhang mit den psychosozialen Belastungen (Schussver
letzung als 3-Jährige, Gewalt in der Ehe, pubertierende sowie körperlich psy
chisch angeschlagene Tochter, Mobbing am ehemaligen Arbeitsplatz, finanziell abhängig vom Sozialamt). Sie sei kognitiv in Aufmerksamkeit, Konzentration,
Merkfähigkeit und Gedächtnis verlangsamt beziehungsweise deutlich einge
schränkt
sowie deutlich vergesslich, im Denken formal beweglich und inhaltlich problemzentriert. Es beständen keine Anhaltspunkte für psychotische Erlebnis
weisen (Wahn, Wahrnehmungs- oder Ich-Störungen). Anamnestisch habe die
Beschwerdeführerin deutliche Suizidgedanken/-wünsche; ein erster Suizidver
su
ch im 2011 mit nicht ausgeführtem Sprung unter den Zug und ein zweiter Suizid
versuch im März 2016 mit verhindertem Sprung
aus fahrendem
Auto auf der Autobahn. Aktuell sei keine akute Suizidalität gegeben.
Die Beschwerdeführerin sei in ihrem zuletzt ausgeübten Beruf als KV-Angestellte seit Januar 20
1
2 bis heute zu 100 % arbeitsunfähig.
Auch für angepasste Tätig
keiten sei sie zu 100 % arbeitsunfähig, so habe sie durch den Sturzunfall mit Verletzungsfolge ihrer Tochter am 20. März 2017 einen schwe
ren Rückfall erlit
ten und leide
vermehrt unter Panikattacken, massiven Schmerzen im Bereich von Nacken und Schulter, Bauch und Kopf, Schwindelattacken und Übelkeit. Zudem sei hausärztlich auch eine Arthrose diagnostiziert worden. Wegen der fort
ge
schrittenen
Chronifizierung
und dem ungenügenden Erfolg der bisherigen Thera
pien sei die Prognose als negativ zu beurteilen. Die Beschwerdeführerin habe starke Konzentrationsstörungen, könne nicht lange sitzen, sei bei geringster Be
lastung nervös und habe keine Ausdauer.
4
.3
Der die Beschwerdeführerin seit 2001 behandelnde Hausarzt
Dr.
med.
D._
führte in seinem Bericht vom 9. Februar 2019 (Urk. 9/117 S. 1-8
, unter Beilage diverser weiterer Arztberichte, S. 9 ff.
) zuhanden
der Beschwerdegegnerin folgende
Diagnosen mit
Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit auf:
-
Depressive Episode, gegenwärtig mittelgradig bis schwer
-
Status nach Suizidversuch
-
Generalisiertes Schmerzsyndrom
-
Chronisches
z
ervikovertebrales
Schmerzsyndrom vor allem rechts
-
Chronisches
L
umbovertebralsyndrom
, rechtsbetont
-
Polyarthralgien PIP- und DIP-Gelenke Hand rechts unklarer Genese,
differentialdiagnostisch: entzündliche rheumatische Erkrankung
-
Metrorrhagien mit ausgeprägter Anämie und Präsynkope bei Hypotonie
Ohne Einfluss auf die Arbei
tsfähigkeit verblieben folgende
Diagnosen:
-
Parästhesien der Hände und des rechten Fusses unklarer Genese
-
Eisenmangelanämie bei
Hypermenorrhoe
-
Gastritis Typ B
-
Hypovitaminose-D3 und B12 unter Substitution
-
Uterusmyomatosus
-
Chronisch behinderte Nasenatmung
-
Mässiggradige
Besenreiser und retikuläre
Varikosis
beidseitig
-
Status nach Rippenfraktur 8 und 9 rechts und 5 und 6 links (2014)
-
Status nach totaler
Thyreoidektomie
Die Beschwerdeführerin sei seit mehreren Jahren krank und die Krankheit sei bereits
chronifiziert
. Die bisher durchgeführten therapeutischen Massnahmen wie Einsatz von NSAR, Psychopharmaka in Form von SSRI und Benzodiazepinen, ambulante Psychotherapie und Physiotherapie, intravenöse Verabreichung von
Venofer
beziehungsweise
Ferinjekt
hätten bisher leider keinen bleibenden Erfolg gebracht, sodass von einem Persistieren der Beschwerden auszugehen sei. Eine erfolgsversprechende Behandlung bestehe leider nicht mehr. Daher sei die Prog
nose weiterhin als ungünstig einzuschätzen. Zurzeit sei die Beschwerdeführerin nicht in der Lage, eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft aufzunehmen und diese auf längere Zeit beizubehalten, da ihre Belastbarkeit von somatischer und psy
chischer Seite massiv beeinträchtigt sei. Rein theoretisch sei die Beschwer
de
führerin aus somatischer Sicht für eine körperlich leichte, wechselbelastende, vorwiegend sitzende Tätigkeit, ohne Heben und Stossen von schweren Lasten (maximal 5-8 Kilogramm), ohne repetitive Bewegungen maximal zu 20-30 % arbeitsfähig. Es sei die Meinung ihres behandelnden Psychiaters einzuholen.
4
.4
4
.4.1
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
und Trauma
tologie
sowie zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, vom RAD
untersuchte die Beschwerdeführerin am 4. Juli 2019 orthopädisch/handchirurgisch und stellte in seinem Untersuchungsbericht vom 11. September 2019
(Urk. 10/135)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Verwachsungsbeschwerden nach abdomineller Schussverletzung in der
Kindheit (1977)
-
Funktionseinschränkung und Kraf
tminderung der rechten Hand bei
Polyarthralgie
-
Chronisches
cervikovertebrales
Syndrom rechts
-
Chronisches
l
umbovert
ebrales
Syndrom rechts
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verblieben folgenden Diagnosen:
-
Eisenmangelanämie bei
Hypermenorrhoe
-
Gastritis
Typ B
-
Hypovitaminose D3 und B12 unter Substitution
-
Chronisch behinderte Nasenatmung
-
Status nach
St
rumaresektion
-
Verdacht auf Tendovaginitis der Beugesehnen der linken Hand
-
Status nach
Embolisation
der
Arteria
uterina
bei symptomatischem Uterus
myomatosus
Die Aktenlage würdigend
hielt
Dr.
E._
fest, dass der behandelnde Hausarzt die Beschwerdeführerin auf somatischer Seite in einer angepassten Tätigkeit maximal zu 20-30 % arbeitsfähig betrachte, wobei er dies mit den geklagten Schmerzen begründe. Die neurologische Abklärung aber verneine ein Nerven
kom
pressionssyndrom im Bereich der oberen Extremitäten.
Die MRI-Unter
su
chung der HSW v
om 17. Mai 2017 ergebe bis auf
Spondylarthrosen
in Höhe C2/3 und C7/TH1 keinen pathologischen Befund. Die Bestimmung des Medikamen
tenspiegels zeige eine unregelmässige beziehungsweise nicht vorhandene Ein
nahme der Schmerzmittel und der Psychopharmaka. Auch die übrigen Laborwerte schlössen ein entzündliches Geschehen aus, so könne laborchemisch das Vorlie
gen einer rheumatischen Erkrankung ausgeschlossen werden. Bei der vorgenom
menen orthopädischen Untersuchung vom 4. Juli 2019 finde sich eine Einschrän
kung der Belastbarkeit der Wirbelsäule sowie der
rechten
Hand, ohne dass ein organisches Korrelat habe gefunden werden können. Insgesamt beständen auf orthopädischem Fachgebiet etliche Inkonsistenzen wie fehlende
Einnahme der Schmerzmedikation, seitengleiche
Beschwielung
beider Hände bei angegebener Minderbelastung der rechten Hand, unauffällige neurologische Untersuchung bei geklagten neurologischen Ausfällen.
In der versicherungsmedizinischen Beurteilung wurde festgehalten, dass bei der als Sekretärin tätigen Beschwerdeführerin anhand der vorliegenden medizini
schen Berichterstattung und der körperlichen Untersuchung ein somatischer Gesundheitsschaden ausgewiesen sei, der die Ar
beitsfähigkeit beeinträchtige. D
ie angestammte Tätigkeit entspreche der angepassten Tätigkeit. In ihrer bisherigen Tätigkeit als Sekretärin bestehe auf orthopädischem Fachgebiet seit jeher eine
100%ige Arbeitsfähigkeit. In angepasster Tätigkeit
(leichte Tätigkeiten in Wechsel
belastung, teils sitzend, teils gehend, auch mit gelegentlichem Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, ohne Verharren in Zwangshaltungen, ohne Steigen
von Leitern und Gerüsten, ohne Kauern, Knien, Bücken, Hocken, ohne repetitive Rotation im Sitzen, ohne Überkopfarbeiten, ohne Tätigkeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne Arbeiten mit erhöhten Anforderungen an die Stand- und Gang
sicherheit und ohne dauerhaftes Gehen und Stehen auf unebenem Grund, ohne Tätigkeiten mit vermehrter Vibrationsbelastung, ohne beidseitiges Arbeiten in Armvorhalteposition) sei die Beschwerdeführerin seit jeher zu 100 % arbeitsfähig.
4
.4.2
Im allgemeinmedizinischen/internistischen Untersuchungsbericht vom 11. September 2019
(Urk. 10/136)
stellte RAD-Ärztin Dipl.-Med.
F._
, Fachärztin für Innere Medizin/Prävention und Gesundheitswesen sowie zerti
fizierte medizinische Gutachterin SIM, keine Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit, aber folgende
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Eisenmangelanämie bei
Hypermenorrhoe
-
Gastritis Typ B
-
Hypovitaminose D3 und B12 unter Substitution
-
Chronisch behinderte Nasenatmung
-
Status nach
Strumaresektion
-
Mässiggradige
Besenreiser- und retikuläre
Varikosis
-
Status nach
Embolisation
der
Arteria
uterina
bei symptomatischem Uterus
myomatosus
Ein Gesundheitsschaden, welcher sich längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auswirke, habe aus allgemeinmedizinisch-internistischer Sicht nicht festgestellt werden können. Die Beschwerdeführerin sei aus versiche
rungsmedizinischer Sicht in der Lage, leichte wechselbelastende Tätigkeiten ohne Einschränkungen in Vollzeit auszuüben. Die durch die Beschwerdeführerin und deren Hausarzt erwähnten und im Untersuchungsablauf teilweise bestätigten Erkrankungen/Symptome seien sämtlich b
ehandelbar und bewirkten
keine
länger andauernde Arbeitsunfähigkeit.
4
.4.3
RAD-Ärztin
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
therapie,
diagnostizierte
in ihrem psychiatrischen Untersuchungsbericht vom 16. Juli 2019 (Urk. 10/137)
eine rezidivierende depressive Störung, leichtgradige depressive Episode (ICD-10: F32.0), welche
aber ohne Einfluss
auf die Arbeits
fähigkeit
bleibe
.
Den vom Zentrum
C._
diagnostizierten Zwangshand
lungen nach ICD-10: F42.1 könne nicht gefolgt werden. Die Beschwerdeführerin
schildere, zwei- bis dreimal ihre Bettwäsche zu wechseln, da sie nicht mehr als zwei Tage in der gleichen Bettwäsche schlafen möchte. Sie wechsle täglich ihre Pyjamas und Kleidung. Dies
tue sie, weil sie sich dann besser fühle und dies ihr wichtig sei. Die Handlungen seien hier nachvollziehbar nützlich, da sich die Beschwerdeführerin sauberer
und besser fühle in frischer (B
ett-)Wäsche. Sie versuche nicht dagegen anzugehen und die Handlungen seien mit keinen Be
drohungen oder zwangstypischen Ängsten verbunden. Eine Beeinträchtigung des Alltags durch Zwangshandlungen werde nicht beklagt und spiegle sich auch nicht im geschilderten Tagesablauf wieder. Bereits in der psychiatrischen Second Opinion vom 19. Dezember 2012 der
Klinik
A._
sei diese Diagnose ge
würdigt und ausgeschlossen worden. Auch eine posttraumatische B
elastungs
störung nach ICD-10: F
43.1 liege nicht vor. So berichte die Beschwerdeführerin
von sich aufdrängenden Erinnerungen an traumatisierende Erlebnisse und Träume
, die sich auf ein Erleben von Traumata in der Ehe und als Kleinkind bezögen.
Die
typische Symptomatik (
Vigilanzsteigerung
, übermässige Schreckhaftigkeit, Gleich
gültigkeit, Teilnahmslosigkeit oder emotionale Stumpfheit, etc.) habe in der Untersuchung nicht vorgelegen.
In der Untersuchungssituation habe
auch
keine ADHS-Symptomatik nach ICD-10: F90.0 festgestellt werden können. Die Be
schwerdeführerin
habe
sich
dabei ruhig und konzentriert
verhalten
, sie habe organisiert gewirkt, es sei ihr wichtig, sich zu strukturieren. Eine typische
Desor
ganisiertheit
, überschiessende Aktivität, Impulsivität oder
andere
hyperaktive Symptomatik hätten nicht vorgelegen.
Eine ängstlich vermeidende Persönlich
keitsstörung nach ICD-10: F60.6 habe ebenfalls nicht festgestellt werden können. Denn bei Persönlichkeitsstörungen blieben die Persönlichkeitszüge seit der Kindheit/Adoleszenz gleich. Es könne lediglich
die Intensität einzelner Sympto
me, des Leidens und der Konflikte im Verlauf (unter Therapie) verändert werden. Menschen mit diesen Persönlichkeitsstörungen vermieden soziale Interaktionen, weil sie fürchteten, dass sie kritisiert oder abgelehnt würden.
Sie hätten grosse Selbstzweife
l, insbesondere in neuen sozialen Situationen und redeten nur ungern über sich. Sie seien sehr zurückhaltend, persönliche Risiken auf sich zu nehmen oder an neuen Aktivitäten teilzunehmen. Sie bevorzugten eher einen einge
schränkten Lebensstil aufgrund ihres Bedürfnisses nach Sicherheit und Gewiss
heit.
Der Lebenslauf und das sicher
e
Auftreten in der Untersuchungssituation spiegelten nicht die Symptomatik einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeits
störung wieder, weshalb diese Diagnose nicht nachvollziehbar sei. Im Gegensatz zur im November 2018 diagnostizierten schweren Episode einer rezidivierenden depressiven Störung habe sich zum Untersuchungszeitpunkt nur noch die Symp
tomatik einer leichten Depression
gezeigt
. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass damals eine schwere D
epression vorgelegen habe, die
sich durch die psychiatrische Behandlung gebessert habe.
Es lägen keine wesentlichen krankheitsbedingten funktionellen Einschränkungen vor und aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeits
fähig
keit. Eine Schadenminderungspflicht sei nicht notwendig. Da der Medikamenten
spiegel des Antidepressivums unterhalb des Wirkbereichs liege, sei eine Anpas
sung der Medikation zu empfehlen.
4.4
.4
Die RAD-Ärzte
Dr.
G._
,
Dr.
E._
und Dipl.-Med.
F._
kamen
in ihrer gemeinsamen Stellungnahme zu den am
4.
und 16. Juli 2019 vorge
nom
menen Untersuchungen
zum Schluss, dass seit der letzten Rentenablehnung keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eingetreten sei. Die Beschwerdeführerin sei aus versicherungsmedizinischer Sicht in der Lage, leichte wechselbelastende Tätigkeiten ohne Einschränkungen in Vollzeit auszuüben. Die von der Beschwerdeführerin und deren Hausarzt erwähn
ten und im Untersuchungsverlauf teilweise bestätigten Erkrankungen/
Symptome seien sämtlich behandelbar und bewirkten keine länger andauernde Arbeitsun
fähigkeit.
4
.5
Im Rahmen des
Einwandverfahrens
reichte die Beschwerdeführerin weitere medi
zinische Berichte ein (10/147-148).
4
.5.1
Am 4. November 2019 nahm das Zentrum
C._
Stellung
zum
RAD-Untersuchungsbericht von
Dr.
G._
vom 16. Juli
2019 (Urk. 10
/147 S. 6-8)
und wies auf Ungenauigkeiten bei der Wiedergabe des von der Beschwerdeführerin Erfragten hin. Es sei klar, dass die Medikamentenspiegel zu tief gewesen seien, da das üblicherweise (morgen und mittags 5 Milligramm) von der Beschwerdeführerin eingenommene
Escitalopram
zum Zeitpunkt der RAD-Untersuchung wegen einem gynäkologischen Eingriff abgesetzt gewesen sei.
Dafalgan
nehme sie bei Bedarf ein. Entgegen den RAD-Feststellungen sei die
Beschwerdeführerin w
egen den Zwangshandlungen und -g
edanken in Behand
lung
, da sie deswegen einen grosse
n Leidensdruck habe. Auch eine p
ostt
rau
ma
tische Belastungsstörung kö
nn
e
nicht negiert werden, da die Beschwerdeführerin effektiv täglich Flashbacks erlebe mit Atemnot, Schwindel, Übelkeit, Angst und übermässiger Schreckhaftigkeit. Die Beschwerdeführerin leide zudem seit 2011 an
Depressionen
. Nach dem Unfall der Tochter im Jahr 2017 sei es zu einer Exazerbation der Depression bis heute gekommen. Die RAD-Ärztin habe keines der Leitsymptome einer Depression (Antriebslosigkeit, Lust- und Interesse
losig
keit, depressive Stimmung) erfragt. Sowohl ADHS-Symptomatik als auch
die ängstlich-vermeidende
Pers
ö
nlichkeitsstörung
würden zu Unrecht verneint. Das RAD-Gutachten sei daher falsch, sehr oberflächlich und keineswegs objektiv.
4
.5.2
In d
er Stellungnahme des - die Beschwerdeführerin seit beinahe 20 Jahren - behandelnden Hausarztes Dr.
D._
vom 7. Dezember 2019 (Urk.
10/147 S. 2
f.) führt
e dieser
aus
, die Beschwerdeführerin leide an einem chronischen
cervicospo
n
dylogenen
und
lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom vor allem rechts bei Haltungsinsuffizienz sowie Arthralgien der Fingergelenke beider Hä
nde, vor allem
Dig
. II und
Dig
. III rechts, wahrscheinlich im Rahmen der beginnenden Fingerpolyarthrose. Zudem beständen eine therapieresistente depressive Störung, eine rezidivierende Eisenmangelanämie bei
Menometrorrhagien
und
Hyper
me
norrhoe
.
Wegen ihrer Depression befinde sich die Beschwerdeführerin seit mehreren Jahren
in psychiatrischer Behandlung und nehme diverse Psychopharmaka in Form von SSRI und teilweise Benzodiazepinen ein. Wegen Schmerzen im Nackenbereich sowie in den Händen sei sie zur weiteren Betreuung in die Rheumaklinik des Universitätsspitals
H._
zugewiesen worden. Die bisher durchgeführten therapeutischen Massnahmen wie Einsatz von lokaler und systemischer Analgesie sowie ambulanter Physiotherapie hätten keinen bleibenden Erfolg gebracht. Die Beschwerdeführerin sei wegen der Beschwerden im alltäglichen Leben deutlich beeinträchtigt. Bezüglich rezidivierender Eisenmangelanämie habe eine ausführ
liche Abklärung in der Frauenklinik des
H._
stattgefunden. Es sei ein Uterus
myomatosus
diagnostiziert worden sowie eine diagnostische Hysteroskopie, eine fraktionierte Kürettage und eine
Mirena
-Einlage im Mai 2019 vorgenommen worden. Aus rein somatischer Sicht sei die Beschwerdeführerin für eine körperlich leichte, wechselbelastende, vorwiegend sitzende Tätigkeit ohne Heben und Stossen von schweren Lasten (maximal 5-8 Kilogramm), ohne repetitive Bewe
gungen circa 50-60 % arbeitsfähig. Hingegen sei ihre Arbeitsfähigkeit wegen therapieresistenter, persistierender depressiver Störung massiv beeinträchtigt. Diesbezüglich sei die Meinung beim behandelnden Psychiater einzuholen.
4
.6
Dazu nahmen
die RAD-Ärzte
Dr.
E._
und Dr.
G._
am 10. März respektive am 11. Mai 2020 Stellung (Urk. 10/149 S. 3-5).
4
.6.1
Dr.
E._
hielt fest, dass er die Angaben der Beschwerdeführerin bei der Untersuchung - auch in Anwesenheit von Dipl.-Med.
F._
- schriftlich fest
gehalten und anschliessend zu Papier gebracht habe. Die Messung der Handkraft sei abwechselnd
drei Mal erfolgt. Wenn der erste und der zweite Wert geringer als der dritte Wert
seien
, müsse von einer Selbstlimitierung beziehungsweise Kontrollierung der Kraft ausgegangen werden, was bei der Beschwerdeführerin der Fall gewesen sei. Die Beschwerdeführerin sei präzise nach der Einnahme der Medikamente gefragt worden
und es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdeführerin die für die Operation an der Gebärmutter vom 21. Mai 2019
abgesetzten
Medikamente vier Wochen später bis zur Untersuchung vom 4. Juli 2019 nicht wieder eingenommen habe und warum sie die Medikamenten
ein
nahme angegeben habe.
Auf
orthopädisch-handchirurgischem Fachgebiet
seien keine neuen unberück
sichtigten medizinischen Fakten/Tatsachen hervorgebracht, die eine Ergänzung
seiner früheren Stellungnahme erforderten.
4
.6.2
Dr.
G._
wies
bezüglich des
unterhalb des Wirkungsbereich
s liegenden Medikamentenspiegels
des Antidepressivums darauf hin, es
sei nicht schlüssig
, dass die Beschwerdeführerin bei der Frage nach der Einnahme der Medikamente nicht angegeben habe, die Medikamente am Untersuchungstag nicht einge
nom
men beziehungsweise für einen gynäkologischen Eingriff am 21. Mai 2019 ganz ausgesetzt aber bis zur RAD-Untersuchung am 4. Juli 2019 nicht wieder angesetzt zu haben. Ein Antidepressivum sei nicht ausreichend wirksam, wenn es wie von der Beschwerdeführerin variierend nach Bedarf eingenommen werde. Zudem schwankten die Angaben zur Dosierung zwischen 20 Milligramm pro Tag (gemäss Beschwerdeführerin) und 10 Milligramm pro Tag (gemäss Zentrum
C._
). All dies spreche gegen eine ausreichende (leitlinien
gerechte) Behandlung
der depressiven Restsymptomatik beziehungsweise gegen einen diesbezüglichen hohen Leidensdruck. Die vom Hausarzt
Dr.
D._
erwähnte Einnahme von Benzodiazepinen finde keine Stütze in den Akten.
Die vom
C._
erhobenen Diagnosen seien allesamt im Gutachten diskutiert worden. Bezüglich der psychiatrischen Begutachtung seien damit keine neuen unberücksichtigten medizinischen Fakten oder Tatsachen hervorgebracht worden.
4
.7
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichte die Beschwerdeführerin eine weitere Stellungnahme des Zentrums
C._
vom 18. Juni 2020 (Urk. 6) ein.
Im Zusammenhang mit einem gynäkologischen Eingriff im Dezember 2017 sei es postoperativ über drei bis vier Wochen zu einer starken Übelkeit gekommen und in deren Folge zum Absetzen der damaligen Medikation. Deswegen sei auch vor dem weiteren gynäkologischen Eingriff am 21. Mai 2019 die Medikation abgesetzt worden und nicht wegen eines zu geringen Leidens
druckes. Die Beschwerdeführerin habe nie behauptet
,
20 Milligramm
Cipralex
einzunehmen, sondern dass sie die Hälfte von 10 Milligramm
Cipralex
am Morgen beziehungsweise am Mittag einnehme. Benzodiazepine nehme sie not
fall
mässig zwei bis drei Mal pro Jahr bei Krisen ein; es sei kein regelmässiger Benzodiazepin-Konsum. Die Zwangsstörung werde lege
artis
therapiert und es gebe keinen Hinweis auf den behaupteten mangelnden Leidensdruck.
5
.
5
.1
Die
mit der Untersuchung der Beschwerdeführerin betrauten
RAD-
Ärzte verfügen über die erforderlichen persönlichen und fachlichen Qualifikationen. So führte Dipl.-Med.
F._
, welche
Fachärztin für Innere Medizin/Prävention und Ge
sund
heitswesen sowie zertifizierte medizinische Gutachterin SIM
ist, die
allge
meinmedizinisch
en/internistischen Untersuchung durch.
Dr.
G._
als
Fach
ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
führte die psychiatrische Untersuchung durch und
Dr.
E._
als
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
ma
tologie sowie zertifizierter medizinischer Gutachter SIM
war für
die
ortho
pä
disch/handchirurgisch
e Untersuchung
zuständig
(vgl. E. 4.4.1-
4). Die Einschät
zungen dieser RAD-Ärzte beruhen auf persönlichen jeweils fachspezifischen Untersuchungen vom 4. und 16. Juli 2020 und entsprechen den allgemeinen
beweisrechtlichen Anforderun
gen an
einen ärztlichen Bericht (vgl.
E. 1.6).
5
.2
RAD-Ärztin Dipl.-Med.
F._
kam nach einer umfassenden Untersuchung zum Schluss
(vgl. E. 4
.4.2), dass
aus allgemeinmedizinisch-internistischer Sicht
kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter
Gesundheitsschaden
besteht. Sie be
gründete plausibel, dass die weiteren diagnostizierten Erkran
kungen/
Symp
tome sämtlich behandelbar seien und entsprechend keine länger andauernde Arbeits
unfähigkeit bewirkten.
5
.3
Gemäss Dr.
E._
besteht
auf
orthopädisch/handchirurgischem Gebiet hinge
gen ein somatischer Gesundheitsschaden, welcher sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirke
(vgl. E. 4.4.1)
.
Trotz detailliert aufgeführten Inkonsistenzen legte er a
ufgrund der
dargelegten Diagnosen ein entsprechendes Belastungsprofil fest, wonach der Beschwerdeführerin folgende angepasste Tätigkeiten zu 100 % zu
mut
bar seien:
leichte Tätigkeiten in Wechselbelastung, teils sitzend, teils gehend, auch mit gelegentlichem Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, ohne Verharren in Zwangshaltungen, ohne Steigen von Leitern und Gerüsten, ohne Kauern, Knien, Bücken, Hocken, ohne repetitive Rotation im Sitzen, ohne Über
kopfarbeiten, ohne Tätigkeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne Arbeiten mit erhöhten Anforderungen an die Stand- und Gangsicherheit und ohne dauerhaftes Gehen und Stehen auf unebenem Grund, ohne Tätigkeiten mit vermehrter Vibra
tionsbelastung, ohne beidseitiges Arbeiten in Armvorhalteposition
. Da es sich bei der angestammten Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Sekretärin
offensichtlich
um eine solchermassen angepasste Tätigkeit handelt, ist es nachvollziehbar, dass
sie dort seit jeher voll arbeitsfähig ist.
Dass
Dr.
D._
der
Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht
eine zwar
zwischenzeitlich
von 20 – 30 %
(vgl. E. 4.3),
auf
50-60
% gesteigerte
Arbeitsfähigkeit attestierte (vgl. E.
4
.5.2
),
lässt sich damit
erklären
,
dass
dies
e Einschätzung
nicht auf objektive Feststellungen zurückz
u
führen ist, sondern auf die von der
Beschwerdeführer
in
subjektiv geklagten Be
schwerden
basiert
. Es entspricht denn auch einer
Erfahrungstatsache, dass behan
delnde Arztpersonen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau
ensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, BGE 125 V 351 E. 3b/cc)
.
5
.4
Dr.
G._
diagnostizierte bei der Beschwerdeführerin anhand der detailliert
dargelegten Befundlage eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leich
t
gradige depressive Episode (ICD-10: F32.0
, vgl. E. 4.4.3
).
Sie
attestierte ihr
aber
aus psychiatrischer Sicht für sämtliche Tätigkeiten eine
100%ige Arbeits
fähigkeit
.
I
hre
von den behandelnden Ärzten abweichende Einschätzung begrün
dete
sie
plausibel und schloss denn auch eine Verbesserung
einer früher diagnos
tizierten schweren
depressiven Episode durch die durchgeführte psychiatrische Behandlung nicht aus. Insbes
ondere setzte sich RAD-Ärztin Dr
.
G._
aus
führlich mit den Diagnosen des Zentrums
C._
auseinan
der und
zeigte
auf, weshalb diese nicht zutreffen können und wies darauf hin,
dass
die
Psychopharmakotherapie
anzupassen sei, da der Medikamentenspiegel unterhalb des Wirkungsbereichs liege (Urk. 10/137 S. 7 ff.).
Von vornherein nicht weiter
helfen
der Beschwerdeführerin die
anderslautenden
Einschätzungen des
behandelnde
n
Psychiater
s
,
der
eine höhere gesundhei
tliche Einschränkung postu
lier
t
e
, lassen sich die unterschiedlichen Einschätzungen
doch
zwanglos mit dem Unterschied zwischen Behandlungs- und
Begutachtungsauftrag erklären.
Da gestützt auf
den
überzeugende
n
psychiatrische
n
RAD-Unte
r
suchungsbericht
durch Dr.
G._
zwar eine
psychiatrische Diagnose vorliegt,
welche sich aber nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt,
erübrigt sich auch eine Prüfung anhand der Standard
indikatoren
gemäss BGE 141 V 281.
5
.5
An den RAD-Einschätzungen, wonach der Beschwerdeführerin die bisherige Tätig
keit
als Sekretärin, welche auch eine auf ihre körperlichen Beschwerden ange
passte Tätigkeit darstellt,
vollumfänglich zumutbar ist, vermögen auch die Ein
wände der
Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 5
ff.) nichts zu änder
n.
Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die Aussagen der Beschwer
de
füh
rerin anlässlich der RAD-Untersuchungen am
4.
und 16. Juli 2019 nicht korrekt wiedergegeben worden wären oder die Befundaufnahme nicht sorgfältig erfolgt wäre
. Die RAD-Ärzte explorierten die Beschwerdeführerin eingehend und sorg
fältig und nahmen auch diverse (körperliche
, labordiagnostische
und testpsycho
logische) Abklärungen vor. Offenbar unterlag die RAD-Ärztin bei ihrer Stellung
nahme zum Nichteintreten vom 30. August 2018 (Urk. 10/138 S. 3) einem Irrtum
bezüglich der Person des erlittenen Rollerblade-Unfalls vom 12. März 2017 (
Be
schwerdeführerin statt Tochter.
Urk. 1 S. 13), doch
erfolgten danach noch um
fang
reiche Abklärungen
durch die IV-Stelle
. Abgestellt wurde schliesslich auf die
beweiskräftigen
RAD-Untersuchungsberichte, wo korrekt festgehalten wurde, dass die Tochter der Beschwerdeführerin den Unfall mit den Rollerblades
hatte (Urk. 10/137 S. 2).
5.6
Auf weitere medizinische Abklärungen, wie von der Beschwerdeführerin verlangt (Urk. 1 S.
13
), ist zu verzichten, da der Gesundheitszustand und die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit aufgrund der medizinischen Akten - insbesondere
der RAD-Untersuchungsberichte
(orthopädisch/rheumatologisch, internistisch un
d psychiatrisch
, Urk. 10/135-137)
- hinreichend abgeklärt sind.
5.7
Zusammenfassend ist eine rechtserhebliche Verschlechterung des Gesundheits
zustandes der Beschwerdeführerin
seit der erstmaligen Rentenabweisung nich
t
erstellt. Demnach hat die Beschwerdegegnerin zu Recht das Rentenbegehren ab
ge
lehnt, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
6
.
Bezüglich der von der
Beschwerdegegnerin festgesetzten
Qualifikation
als
über
wiegend wahrscheinlich
Teil-Erwerbstätige mit Aufgabenbereich (im Erwerbsbe
reich zu
60 % und im Haushalt zu
40
%, Urk. 10/138 S. 1
) erübrigt sich vorliegend mangels invaliditätsbegründender gesundheitlicher Einschränkung eine Haus
halts
abklärung mit anschliessender (Neu-)Festsetzung der
Qualifikation
.
Aufgrund der gelebten Wohnsituation (2-Personenhaushalt
mit der
erwachsenen
Tochter
) stellt sich die Frage nach einem noch zu ber
ücksichtigenden Aufga
benbereich.
I
m Falle einer Neuanmeldung bei glaubhaft gemachter Veränderung der Verhältnisse
müsste
daher neu zu beurteilen sein, ob die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall als Vollerwerbstätige oder als (Nur-)Erwerbstätige mit Teil
zeitpensum zu qualifizieren ist.
7
.
7
.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
7
.2
Die
Beschwerdeführer
in
wird gemäss Unterstützungsbestätigung
16. Juni 2020 (Urk. 5
) von den Sozialen Diensten Zürich finanziell unterstützt. Mit Blick darauf ist
sie im
vorliegenden Verfahren bezogen auf den massgebenden Zeitpunkt als
prozessual bedürftig zu qualifizieren. Da auch die weiteren Anspruchs
voraus
set
zungen (fehlende Aussichtslosigkeit und sachliche Notwendigkeit der
Rechts
ver
be
iständung
) erfüllt sind, ist der Beschwerdeführer
in
in Bewilligung ihres Ge
such
s vom 15. Juni 2020
für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozess
führung zu gewähren.
7.3
Die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert zu bemessen sind (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), sind auf Fr. 800.-- anzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführerin
aufzuerlegen, jedoch zufolge Gewäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7
.4
Die Beschwerdeführerin ist darauf hinzuweisen, dass sie
zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Kosten für die unentgeltliche Rechtspfl
ege verpflichtet ist, sobald
sie
dazu in der Lage ist (§ 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialver
siche
rungsgericht,
GSVGer
).