Decision ID: 44af04ed-b7b9-5ae1-a73a-1f6c3f3aa160
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die der Ethnie der F._ angehörende und aus G._ stam-
mende B._ (Beschwerdeführerin) gelangte zusammen mit ihrer
Tochter D._ am 28. Juli 2017 in die Schweiz, wo sie am folgenden
Tag für sie beide um Asyl nachsuchte. Die Befragung zur Person (BzP)
wurde am 11. August 2017 durchgeführt. Am 4. September 2018 wurde die
Beschwerdeführerin vom SEM einlässlich zu ihren Asylgründen angehört.
Dabei führte sie an, sie habe Afghanistan einerseits wegen des dortigen
Krieges und andererseits wegen einer familiären Feindschaft verlassen.
Die (Nennung Verwandte) ihres Mannes habe mit ihnen zusammengelebt.
Ihr Mann sei jedoch für einige Zeit in den H._ gegangen und habe
deshalb im Jahr (...) seine (Nennung Verwandte) zu seiner (Nennung Ver-
wandte) geschickt. Dort sei ihre (Nennung Verwandte) von den (Nennung
Verwandte) ihres Mannes und (Nennung Personen) vergewaltigt worden.
Sie habe ihrem Mann zunächst nicht davon erzählt. Aber als er (Nennung
Zeitpunkt) später aus dem H._ zurückgekehrt sei, habe er es selber
erfahren. Dies habe zu einem grossen Streit zwischen ihm und seinen für
die Tat verantwortlichen (Nennung Verwandte) geführt. Ihr Mann habe
(Nennung Zeitpunkt), nachdem er Kenntnis von der Vergewaltigung gehabt
habe, eine Anzeige bei der Polizei gemacht. Die (Nennung Verwandte) hät-
ten davon erfahren, weshalb sie ihren Mann bedroht und geschlagen hät-
ten. Diese seien gefährlich und bewaffnet gewesen, weil sie für die Regie-
rung gearbeitet hätten. Ihr Mann habe aus Angst das polizeiliche Verfahren
nicht weitergeführt. Einmal seien die (Nennung Verwandte) zu ihnen nach
Hause gekommen, hätten ihren Mann auf die Strasse geführt und dort vor
allen Leuten geschlagen. Sie hätten ihn töten wollen. Nachbarn hätten aber
eingegriffen und dieses Vorhaben vereitelt. Dies sei etwa (...) geschehen.
Ihr Mann sei in der Folge – das sei (Nennung Zeitpunkt) – wieder in den
H._ gegangen. Sie habe sich zusammen mit ihren Kindern erst bei
(Nennung Verwandter) und dann bei (Nennung Verwandter) aufgehalten,
weil sie Angst gehabt habe, dass die Verwandten ihres Mannes sie suchen,
finden und sie oder ihre Tochter ebenfalls vergewaltigen würden. Ihre (Nen-
nung Verwandte) habe aus Gründen der Ehre einen wesentlich älteren
Mann geheiratet. Im Jahr (...) hätten sie und ihre drei Kinder Afghanistan in
Richtung H._ verlassen.
Sie selber habe weder behördliche Probleme gehabt noch sei sie jemals in
Haft oder politisch tätig gewesen.
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A.b Der ebenfalls der Ethnie der F._ angehörende und aus der Pro-
vinz G._ stammende A._ (Beschwerdeführer) gelangte mit
den Kindern C._ und E._ am 31. Oktober 2018 in die
Schweiz, wo er für sich und die beiden Kinder gleichentags Asylgesuche
stellte. Die BzP des Beschwerdeführers wurde am 5. November 2018 und
seine Anhörung durch die Vorinstanz am 1. Mai 2019 durchgeführt.
Der Beschwerdeführer brachte dabei vor, (Nennung Zeitpunkt) nach seiner
Rückkehr aus dem H._ habe ihm seine (Nennung Verwandte) mit-
geteilt, dass I._, ein entfernter Verwandter, seine (Nennung Ver-
wandte) J._ vergewaltigt habe. Daraufhin habe er sich in Begleitung
von Dorfältesten zu I._ begeben und diesen mit der Tat konfrontiert.
Er habe die Angelegenheit schlichten wollen und I._ aufgefordert,
seine (Nennung Verwandte) J._ zu heiraten, um deren Ehre wie-
derherzustellen. I._ sei jedoch nicht einverstanden gewesen, wo-
rauf er von I._ und dessen (Nennung Verwandte) verprügelt worden
sei. Bei diesen handle es sich um bewaffnete Personen, welche für die
Regierung arbeiteten. Als I._ und seine Leute erfahren hätten, dass
er bei der Polizei eine Anzeige gegen sie erstattet habe, sei I._ mit
vermummten Gefolgsleuten erschienen, die versucht hätten, ihn mit Ge-
walt in ein Fahrzeug zu verfrachten. Es sei seitens der Angreifer gar zur
Sprache gekommen, ihn an Ort und Stelle zu töten. Da seine Frau ge-
schrien habe, seien Nachbarn herbeigeeilt, worauf die Verfolger von ihm
abgelassen hätten. Sie hätten ihm jedoch gedroht, ihn bei nächster Gele-
genheit umzubringen. Da ihn diese Leute überall in Afghanistan ausfindig
machen könnten, habe ihm (Nennung Person) geraten, das Land zu ver-
lassen. Ferner gab er ausschliesslich in der BzP an, dass ihm seine Ver-
folger einen zweiten Besuch hätten abstatten wolle. Diese hätten sich je-
doch nicht bis zu ihrer Haustüre begeben, da Nachbarn anwesend gewe-
sen seien.
Zum Beleg ihrer Identität legten die Beschwerdeführenden (Nennung Be-
weismittel) ins Recht.
B.
Am 22. November 2019 stellte das SEM fest, dass die Beschwerdeführen-
den die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllten, und lehnte ihre Asylgesuche
ab. Gleichzeitig verfügte es deren Wegweisung aus der Schweiz, schob
jedoch den Vollzug derselben wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vor-
läufigen Aufnahme auf.
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Seite 4
C.
Mit Eingabe vom 26. Dezember 2019 (Datum Poststempel) erhoben die
Beschwerdeführenden gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerde. Sie beantragten, es sei die vorinstanzliche Verfügung
in den Dispositivziffern 1 bis 3 aufzuheben, ihre Flüchtlingseigenschaft fest-
zustellen und ihnen Asyl zu gewähren, eventuell sei das Verfahren zur
neuen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In pro-
zessualer Hinsicht beantragten sie, es sei ihnen die unentgeltliche Pro-
zessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
zu verzichten und es sei ihnen ein unentgeltlicher Rechtsbeistand beizu-
ordnen.
Der Beschwerde lagen (Nennung Beweismittel) bei.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 20. Januar 2020 wies die Instruktionsrichterin
die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Er-
lass des Kostenvorschusses und unentgeltlichen Rechtsverbeiständung
ab und forderte die Beschwerdeführenden auf, bis zum 4. Februar 2020
einen Kostenvorschuss von Fr. 750.– zu leisten.
Der Kostenvorschuss wurde am 3. Februar 2020 bezahlt.
E.
Mit Eingabe vom 11. Februar 2020 liessen die Beschwerdeführenden dem
Bundesverwaltungsgericht unaufgefordert eine Stellungnahme zur Zwi-
schenverfügung vom 20. Januar 2020 zukommen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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Seite 5
1.3 Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten zur Be-
schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
1.4 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
2.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
3.
3.1 Die Beschwerdeführenden rügen sinngemäss, das SEM habe den
Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt. Diese verfahrens-
rechtliche Rüge ist vorab zu prüfen.
3.1.1 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach die Be-
hörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-
digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-
klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen hat (BVGE 2015/10
E. 3.2 m.w.H.). Die Behörde ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu jedem
Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zu-
sätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie auf-
grund der Aktenlage als angezeigt erscheinen (vgl. dazu AUER/BINDER, in:
Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das
Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Rz. 16 zu Art. 12).
3.1.2 Zur Begründung der formellen Rügen wird vorgebracht, der Be-
schwerdeführer sei bei der Anhörung unter starkem psychischem Stress
gestanden. Er sei bereits in K._ während (Nennung Dauer und Art
der Therapie) Behandlung gewesen. Wegen seinen (...) Problemen ver-
gesse er viele Sachen. Anlässlich der Anhörung in Bern habe er wegen der
drohenden (Nennung Leiden) grosse Angst verspürt. Zwar habe er die
http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/10
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Existenz seiner gesundheitlichen Probleme bereits anlässlich der BzP und
zu Beginn der Anhörung erwähnen können, sei dazu aber nicht näher be-
fragt worden. Vermutlich leide er auch an (Nennung Leiden), nicht nur auf-
grund der Fluchterlebnisse, sondern auch durch frühere Ereignisse, bei
welchen (Darlegung Ereignisse). Sodann sei nicht klar, ob der Dolmetscher
am Schluss seiner Anhörung alle seine Korrekturen berücksichtigt und der
befragenden Person weitergeleitet habe. Darunter fielen auch die nicht
richtig protokollierten Antworten zu den Fragen 25 und 26. Allenfalls seien
teils auch grundsätzliche Verständigungsschwierigkeiten aufgetreten, da
der Dolmetscher einen Dari-Dialekt gesprochen habe.
3.1.3 Aus dem Vorbringen, dass der Beschwerdeführer während der Anhö-
rung aus den – mit den Beschwerdebeilagen 2 bis 11 – dokumentierten
gesundheitlichen Gründen unter starkem psychischen Stress gestanden
sei, lässt sich vorliegend nicht folgern, der rechtserhebliche Sachverhalt
sei unrichtig oder nicht vollständig erhoben worden. Eine Durchsicht der
Befragungsprotokolle (BzP und Anhörung) liefert keine Anhaltspunkte, wel-
che an der Verwertbarkeit derselben ernsthafte Zweifel aufkommen lassen.
Dem Beschwerdeführer war es möglich, sowohl anlässlich der BzP als
auch während seiner Anhörung auf jeweilige Nachfrage die Existenz seiner
gesundheitlichen Probleme und den aktuellen Stand einer allfälligen ärztli-
chen Behandlung anzuführen (vgl. act. A4/19, S. 9, Ziff. 8.02; A36/20, S. 2,
F3 ff.), was er in der Rechtsmitteleingabe denn auch selber anerkennt. Je-
doch machte er zu keinem Zeitpunkt geltend, seine gesundheitliche Situa-
tion hätte ihn daran gehindert, seine Asylgründe vollständig und korrekt
darzulegen. Aus seinem Anhörungsprotokoll sind denn auch keine solchen
Probleme erkennbar. Aus der Anhörung, welche in der (Nennung Ver-
wandte)sprache des Beschwerdeführers durchgeführt wurde, ergibt sich,
dass die in freier Erzählform vorgetragenen Asylgründe durch eine Vielzahl
von Nachfragen vertieft wurden. Der Beschwerdeführer führte am Schluss
der Anhörung selber an, alles gesagt zu haben, machte im Rahmen der
Rückübersetzung weitere Ergänzungen zum Protokoll und bestätigte
schliesslich die Vollständigkeit seiner Angaben mit seiner Unterschrift (vgl.
act. A36/20 S. 7 ff., S. 19). Der gleiche Schluss hat auch bezüglich der
Sachverhaltsaufnahme bei der Beschwerdeführerin zu gelten (vgl. act.
19/21, S. 7 ff., S. 19 f.). Der Einwand, es seien bestimmte Punkte in den
Aussagen des Beschwerdeführers unrichtig protokolliert worden, erweist
sich demnach als aktenwidrig. Sodann geht die Rüge, es hätten grundsätz-
liche Verständigungsschwierigkeiten zwischen dem Beschwerdeführer und
dem Dolmetscher bestanden, angesichts seiner Bestätigungen, die über-
setzende Person zu verstehen respektive gut zu verstehen (vgl. act.
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A25/12, S. 2 und 9; A36/20 S. 20), fehl. Insgesamt wurde den Beschwer-
deführenden die Gelegenheit eingeräumt, ihre gesamten Asylgründe um-
fassend darzulegen. Angesichts der Mitwirkungspflicht der Beschwerde-
führenden und den Ausführungen des Beschwerdeführers zum Stand der
ärztlichen Behandlungen (vgl. act. A36/20, S. 2, F4 f.) war die Vorinstanz
vorliegend nicht verpflichtet, ihn dazu noch weitergehend zu befragen oder
zusätzliche Abklärungen zu treffen, zumal es ihm offenbar möglich war,
eine medizinische Behandlung bezüglich seiner Augenprobleme in Angriff
zu nehmen und aus seinen Angaben durchaus der Schluss gezogen wer-
den durfte, eine Terminvereinbarung bei einem Psychiater werde dem-
nächst stattfinden. Überdies ist aus der Rechtsmitteleingabe zu ersehen,
dass der Beschwerdeführer seine (...) Probleme zur Hauptsache auf sein
(Nennung Leiden) zurückführt (vgl. act. Beschwerdeschrift S. 3), auch
wenn er sich in seiner Stellungnahme vom 11. Februar 2020 (S. 2, zweit-
letzter Abschnitt) nicht mehr daran erinnern will. Diese stehen somit in kei-
nem direkten Zusammenhang mit seinen Asylgründen. Ferner liess die Vo-
rinstanz zwischen der Anhörung des Beschwerdeführers und dem Asylent-
scheid ein halbes Jahr verstreichen, innerhalb welchem es ihm möglich
und zumutbar gewesen wäre, im Bedarfsfall einen Termin bei einem (Nen-
nung Fachmann) zu vereinbaren. Eine solche Terminvereinbarung und ein
Erstgespräch bei der (Nennung Institution) hat gemäss seinen Ausführun-
gen in der nachgereichten Stellungnahme mittlerweile stattgefunden. Der
nächste Termin sei für den (...) geplant. Obwohl seit diesem Zeitpunkt
(Nennung Dauer) verstrichen sind, hat der Beschwerdeführer bis dato kei-
nerlei Unterlagen zum erwähnten Erstgespräch oder den weiteren Sitzun-
gen zur Dokumentation seines (...) Gesundheitszustands nachgereicht.
Vor diesem Hintergrund stellt sich – entgegen der auf Beschwerdeebene
vertretenen Ansicht – der Hinweis auf eine möglicherweise beim Be-
schwerdeführer bestehende (Nennung Leiden) weiterhin als eine erstmals
mit der Rechtsmitteleingabe vorgebrachte und unbelegte Parteibehaup-
tung dar. Daran vermögen auch die mit der Beschwerde eingereichten Do-
kumente, bei denen es sich offensichtlich um die bereits in der Anhörung
erwähnten Rezepte seines (Nennung Fachmann) in K._ handelt
(vgl. A36/20, S. 3, F6), nichts zu ändern. Aus aktueller Sicht ist denn auch
nicht davon auszugehen, dass die in der Beschwerde (vgl. S. 4) in Aussicht
gestellten (Nennung Beweismittel) oder allfällige, aus den gemäss Stel-
lungnahme vom 11. Februar 2020 begonnenen Therapiesitzungen zu er-
stellenden Zeugnisse oder Berichte etwas an der obigen Einschätzung zu
ändern respektive zu einer grundlegend anderen Einschätzung zu führen
vermögen. So sind weder aus den Akten noch den Schilderungen des Be-
schwerdeführers Anhaltspunkte zu erkennen, dass ihn die (...) Probleme
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an der Darlegung seiner Asylvorbringen beeinträchtigt oder gar gehindert
hätten. Es braucht daher die Nachreichung dieser Unterlagen auf Be-
schwerdeebene nicht abgewartet zu werden (vgl. antizipierte Beweiswür-
digung: BVGE 2008/24 E. 7.2 S. 357). Ferner stellt alleine die Tatsache,
dass das SEM aus sachlichen Gründen zu einer anderen Würdigung der
Vorbringen gelangt, als von den Beschwerdeführenden gefordert, keine
unrichtige oder unvollständige Sachverhaltsfeststellung dar.
3.2 Zusammenfassend erweist sich die formelle Rüge als unbegründet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen
Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier
verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
5.
5.1 Das SEM führte zur Begründung des Asylentscheids aus, die Asylvor-
bringen des Beschwerdeführers würden weder den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG noch denjenigen an die Glaub-
haftigkeit gemäss Art. 7 AsylG standhalten.
Im Einzelnen hielt es fest, der Beschwerdeführer habe ausschliesslich in
der BzP von einem zweiten Vorfall gesprochen, bei dem seine Verfolger
bei seiner Familie zu Hause vorbeigekommen seien. Dagegen habe er in
der Anhörung weder in der freien Schilderung der Asylgründe noch auf wie-
derholte Nachfragen von einem zweiten Besuch der Verfolger gesprochen.
Erst auf Vorhalt habe er entgegnet, dass die Personen tatsächlich ein wei-
teres Mal vorbeigekommen seien, jedoch diese Diskrepanz nicht plausibel
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erklären können. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb er von sich aus die-
ses zweite Ereignis unerwähnt gelassen habe, zumal an mehreren Stellen
während der Anhörung die Erwähnung dieser Begebenheit zu erwarten ge-
wesen wäre. Bezeichnenderweise habe denn auch die Beschwerdeführe-
rin keine solche zweite Begegnung geschildert. Sodann hätten sich die Be-
schwerdeführenden hinsichtlich der Umstände, wie der Beschwerdeführer
aus dem H._ zurückgekehrt sei, des Zeitpunkts der Vergewaltigung
von J._ und des Momentes der Kenntnisnahme derselben durch
den Beschwerdeführer, der Anzahl der Personen, welche an der Vergewal-
tigung beteiligt gewesen seien, des Umstandes, ob die Personen beim Vor-
fall an ihrer Haustür vermummt gewesen seien oder nicht, in gewichtige
Widersprüche verstrickt. Im Weiteren sei unbegreiflich, weshalb rund (Nen-
nung Anzahl) bewaffnete Angreifer versucht hätten, den Beschwerdeführer
vor seinem Haus gewaltsam in ein Fahrzeug zu verfrachten, dabei über
seine Ermordung diskutiert hätten, aber schliesslich von ihm abgelassen
hätten, weil Nachbarn anwesend gewesen seien. Sodann sei auffällig,
dass die Ausführungen des Beschwerdeführers zum angeblichen Mit-
nahme- oder Tötungsversuch vor seinem Haus mitunter zwar wortreich
ausgefallen seien, gleichzeitig jedoch unnatürlich und unpersönlich wirk-
ten. So fehlten neben den in direkter Rede wiedergegebenen Aussagen
der Täter weitere Realkennzeichen. Dies sei vor allem in Anbetracht der
vielfach detaillierteren Schilderung über den Ablauf der Vergewaltigung, bei
der er selbst gar nicht anwesend gewesen sei, oder über den Ablauf der
Anzeigeerstattung, erstaunlich. Es sei angesichts dieser Sachlage durch-
aus denkbar, dass er irgendwann einmal Erlebnisse dieser Art gemacht
habe, worauf auch seine überraschenden und wiederholten Angaben hin-
deuteten, wonach sich alles im Jahr (...) zugetragen habe, welche er erst
auf Vorhalt berichtigte. Insgesamt sei die geschilderte Gefährdungslage
vor der Ausreise jedoch als unglaubhaft zu taxieren.
Doch selbst bei Wahrunterstellung der Aussagen des Beschwerdeführers
sei anzumerken, dass J._ kurz nach seiner Ausreise gemäss eige-
nen Angaben geheiratet habe und noch immer in G._ lebe. Ferner
habe er keine relevanten Neuigkeiten aus G._ mehr vernommen
und die Vergewaltigung von J._ liege nun schon (Nennung Zeit-
punkt) zurück. Unter diesen Vorzeichen sei nicht mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit davon auszugehen, dass er im heutigen Zeitpunkt von einer
Verfolgung seitens I._ betroffen wäre. Weiter seien Übergriffe durch
Dritte oder Befürchtungen, künftig solchen ausgesetzt zu sein, nur dann
asylrelevant, wenn der Staat seiner Schutzpflicht nicht nachkomme oder
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nicht in der Lage sei, Schutz zu gewähren. Bei Wahrunterstellung der An-
gaben des Beschwerdeführers sei indessen seine Anzeige gegen
I._ von den Behörden entgegengenommen worden. Zudem habe
er zu Protokoll gegeben, dass bereits mehrere Anzeigen von anderen Leu-
ten gegen I._ erstattet worden seien. Ferner solle sich I._
offensichtlich vor polizeilichen Strafmassnahmen gefürchtet haben, sei die-
ser nicht zuletzt aufgrund der Anzeige des Beschwerdeführers gegen ihn
vorgegangen. Insofern wäre festzuhalten, dass die Schutzstrukturen in der
Stadt G._ greifen und die lokalen Behörden das Fehlverhalten von
I._ grundsätzlich ahnden würden. Soweit die Beschwerdeführerin
auf den Krieg und die unsichere Lage in Afghanistan als zusätzlichen Aus-
reisegrund hinweise, sei dieses Vorbringen nicht asylrelevant. So treffe die
allgemein unsichere Lage im Heimatland die gesamte Bevölkerung in glei-
chem oder ähnlichem Masse.
5.2 In der Rechtsmitteleingabe wurde in materieller Hinsicht entgegnet, die
Nichterwähnung des zweiten Vorfalles sei auch auf die (...) Probleme des
Beschwerdeführers zurückzuführen. Er vergesse deswegen viele Sachen,
so auch den an der Anhörung nicht erwähnten zweiten Vorfall. Die Be-
schwerdeführerin ihrerseits führte dazu an, sie habe den zweiten Vorfall
ebenfalls nicht erwähnt, da er für sie vermutlich nicht dieselbe Wichtigkeit
gehabt habe wie der erste Vorfall. Bezüglich der unterschiedlichen Anga-
ben zum Zeitpunkt der Vergewaltigung würden sicher die Angaben der Be-
schwerdeführerin zutreffen. Da die (Nennung Verwandte) des Beschwer-
deführers wegen dieses Vorfalls sehr aufgebracht gewesen sei, sei es des-
wegen möglicherweise zu ungenauen Zeitangaben durch diese gekom-
men. Zudem seien es mehr als einige Tage gewesen, bis der Beschwerde-
führer nach seiner Rückkehr aus dem H._ von der Vergewaltigung
erfahren habe, da seine (Nennung Verwandte) dazumal wegen (Nennung
Grund) hospitalisiert gewesen sei. Allenfalls habe der Beschwerdeführer
die Daten ungenau angegeben, da die Beschwerdeführerin kurzfristig habe
ins Spital gebracht werden müssen und er nur noch an sie habe denken
können. Ihre unterschiedlichen Datumsangaben könnten mit der extremen
Belastung durch die gesamten Umstände erklärt werden. Die divergieren-
den Angaben der Beschwerdeführerin zur Anzahl der Vergewaltiger liessen
sich dadurch erklären, dass nicht bekannt sei, was sie und J._ ge-
nau miteinander über die Vergewaltigung gesprochen hätten. In Anbetracht
der Ausnahmesituation und der Beteiligung mehrerer, teils maskierter Per-
sonen, seien nicht deckungsgleiche Ausführungen nachvollziehbar. Ferner
seien I._ und seine Begleiter zwar vermummt gewesen. Aufgrund
deren krimineller Aktivitäten sei jedoch allgemein bekannt gewesen, um
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wen es sich bei dieser Gruppierung handle. Zum Vorwurf der Vorinstanz,
dass ihre Aussagen zum Vorfall vor ihrem Haus zwar wortreich, aber
gleichzeitig unpersönlich wirken würden, sei zu entgegnen, dass sie dies-
bezüglich genaue Antworten zu den gestellten Fragen gegeben hätten,
was bei einem erfundenen Sachverhalt nicht möglich gewesen wäre. Der
Widerspruch des Beschwerdeführers zu den unterschiedlich genannten
Jahreszahlen (...) sei in Frage 89 f. der Anhörung plausibel aufgelöst wor-
den. Bei einer Rückkehr nach Afghanistan würde ihnen I._ weiter-
hin massive Probleme bereiten, da dieser (Ausführungen zu Verbindungen
und Tätigkeiten). Sodann treffe es nicht zu, dass in G._ die Schutz-
strukturen greifen würden. Als der Beschwerdeführer die Anzeige erstattet
habe, habe ihn der Polizeibeamte nach Geld gefragt und ihm keine Hoff-
nungen gemacht, dass gegen I._ etwas unternommen werden
könne und er besser weggehen solle, um sein Leben zu retten.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz die Vorbringen der Beschwerdeführenden im
Ergebnis zu Recht als weder glaubhaft noch asylrelevant erachtet hat.
6.2
6.2.1 Gemäss ständiger Rechtsprechung ist es zulässig, Widersprüche für
die Beurteilung der Glaubhaftigkeit heranzuziehen, wenn klare Aussagen
im Empfangszentrum – respektive in der BzP – in wesentlichen Punkten
der Asylbegründung von den späteren Aussagen in der Anhörung bei der
Vorinstanz diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder
Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt werden,
nicht bereits im Empfangszentrum zumindest ansatzweise erwähnt werden
(vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-3114/2018 vom 28. Juni 2019 E. 5.1
m.w.H; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs-
kommission [EMARK] 1993 Nr. 3). In der angefochtenen Verfügung hat
sich das SEM nicht in unzulässiger Weise auf das Protokoll der BzP abge-
stützt und zu Recht angeführt, dass sich die Beschwerdeführenden im Ge-
gensatz zur späteren Anhörung zum Bestehen eines zweiten Vorfalls, bei
dem die Verfolger bei ihnen zu Hause vorbeigekommen seien, entschei-
dend widersprochen haben (vgl. act. A25/12, S. 8; A36/20, S. 17, F92;
A19/21, S. 8 und S. 10 f.). Die Beschwerdeführenden vermögen in der
Rechtsmitteleingabe mit Blick auf dieses Aussageverhalten keine plausib-
len Erklärungen zu ihrer Entlastung vorzubringen. Soweit der Beschwerde-
führer diesbezüglich auf seine Vergesslichkeit infolge (...) Probleme hin-
weist, ist auf obige Ausführungen in E. 4.1.3 zu verweisen. Ferner erscheint
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diese Erklärung angesichts der relativen Ausführlichkeit, mit welcher es
dem Beschwerdeführer offenbar möglich war, den ersten Vorfall zu schil-
dern, als blosse Schutzbehauptung. Sodann vermag alleine die Entgeg-
nung der Beschwerdeführerin, sie habe dem zweiten Vorfall nicht die glei-
che Wichtigkeit beigemessen wie dem ersten, nicht zu überzeugen, sollen
die Nachstellungen von I._ und dessen (Nennung Verwandte) und
weiteren Gehilfen der Auslöser für ihre Flucht gewesen sein. Zudem führte
sie an, alle Gründe für das Verlassen Afghanistans angegeben zu haben
(vgl. act. A19/21, S. 8, F61 sowie S. 17 ff.). Das SEM hat – entgegen der
in der Beschwerde vertretenen Ansicht – dem Protokoll der BzP keine un-
rechtmässige Bedeutung beigemessen. Vielmehr hat die Vorinstanz aus
dem Umstand, dass das zweite Erscheinen der Verfolger beim Haus der
Beschwerdeführenden in den Anhörungen auch nicht ansatzweise genannt
wurde, zu Recht auf einen diametralen Widerspruch gegenüber der BzP
geschlossen.
6.2.2 Weiter vermögen die Erklärungen zu den erheblichen Diskrepanzen
in der Chronologie der Ereignisse und dem Zeitpunkt, wann der Beschwer-
deführer effektiv von der Vergewaltigung erfahren haben will, nicht zu über-
zeugen, zumal – soweit der Beschwerdeführer dabei auf Fehler bei der
Protokollierung und Verständigungsschwierigkeiten hinweist – der Sach-
verhalt korrekt erhoben wurde (vgl. E. 3.1.3 oben), und sich die Beschwer-
deführenden diesbezüglich im Weiteren in blossen Behauptungen und
Mutmassungen ergehen (vgl. Beschwerdeschrift S. 4 f.). Sodann lassen
sich die nicht deckungsgleichen Aussagen der Beschwerdeführerin zu den
Umständen der Vergewaltigung, insbesondere zum Täterkreis und der An-
zahl der Aggressoren, nicht auf die Umstände der Tat an sich zurückführen.
6.2.3 Der weitere Einwand, es sei allgemein bekannt gewesen, um wen es
sich bei den vermummten und bewaffneten Personen gehandelt habe, da
diese (Nennung Tätigkeit) hätten, ist allein schon aufgrund der Grösse und
Einwohnerzahl der Stadt wenig plausibel und vermag insbesondere nicht
zu erklären, weshalb die Angreifer davon abgesehen haben sollen, den
Beschwerdeführer mitzunehmen, bloss weil Nachbarn aufgetaucht seien.
Die Behauptung des Beschwerdeführers, wonach er die widersprüchliche
zeitliche Einordnung der fluchtauslösenden Ereignisse im Rahmen der An-
hörung in Frage 89 plausibel habe erklären können, ist als nicht stichhaltig
zu erachten. So führt er in der besagten Antwort keine zeitlichen Angaben
an, sondern weist lediglich auf seine Schwierigkeiten hin, sich eine Jahres-
zahl zu merken (vgl. act. A36/20, S. 16). Überdies vermochte er bezüglich
der zeitlichen Situierung der geltend gemachten Verfolgung durch
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Seite 13
I._ im Zusammenhang mit seinem Aufenthalt im H._ keine
übereinstimmenden Angaben zu geben (vgl. act. A36/20, S. 4 und 16, F18
und F90).
6.2.4 Ferner ist der Hinweis des Beschwerdeführers, wonach er bei einer
Rückkehr von I._ und dessen Gehilfen weiterhin gesucht und be-
droht würde, nicht geeignet, eine beachtliche Wahrscheinlichkeit einer
künftigen Verfolgung zu begründen. Begründet ist die Furcht vor Verfol-
gung nämlich erst dann, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht,
letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde
sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in ab-
sehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen damit hinreichende Anhalts-
punkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Men-
schen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Ent-
schluss zur Flucht hervorrufen würden (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.1 und
2010/57 E. 2). Da die geschilderte Gefährdungslage vor der Ausreise der
Beschwerdeführenden als unglaubhaft zu werten ist, und die vorgebrachte
Bedrohung im Fall einer Rückkehr weder in zeitlicher oder örtlicher Hinsicht
näher konkretisiert wurde, sind konkrete Anhaltspunkte für eine objektiv
begründete Furcht vor künftiger gezielter, asylrechtlich relevanter Verfol-
gung im Sinne von Art. 3 AsylG zu verneinen. Unter diesen Umständen er-
übrigt es sich, auf den Einwand der fehlenden Schutzfähigkeit beziehungs-
weise des mangelnden Schutzwillens der Behörden in G._ einzu-
gehen.
6.2.5 Schliesslich gehören die Beschwerdeführenden auch nicht einer
Gruppe von Personen an, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten
Verfolgungsrisiko ausgesetzt sein können. Dazu gehören unter anderem
Personen, die der afghanischen Regierung oder der internationalen Ge-
meinschaft nahestehen oder als Unterstützer derselben wahrgenommen
werden (vgl. dazu bspw. die Urteile des BVGer D-6939/2017 vom 3. Juni
2019 E. 5.4; E-2802/2014 vom 15. Januar 2015 E. 5.3.3; D-3394/2014 vom
26. Oktober 2015 E. 4.6; E-3520/2014 vom 3. November 2015 E. 7.3).
6.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass keine asylrechtlich relevanten Ver-
folgungsgründe ersichtlich sind, weshalb die Vorinstanz zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden verneint und ihre Asyl-
gesuche abgelehnt hat.
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7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Da die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 22. November 2019 aufgrund der
aktuellen schwierigen Sicherheitslage in Afghanistan die Beschwerdefüh-
renden wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz
vorläufig aufgenommen hat, entfällt ein schützenswertes Interesse an der
(weiteren) Feststellung der Unzulässigkeit oder der Unmöglichkeit des
Wegweisungsvollzugs. Die Gründe für die Anordnung dieser vorläufigen
Aufnahme sind vom Gericht nicht näher zu prüfen. Im Falle einer Aufhe-
bung der vorläufigen Aufnahme stünde den Beschwerdeführenden indes-
sen wiederum die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht offen,
wobei in jenem Verfahren sämtliche Vollzugshindernisse von Amtes wegen
und nach Massgabe der dannzumal herrschenden Verhältnisse von
Neuem zu prüfen wären (BVGE 2009/51 E. 5.4 m.w.H.).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh-
renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und praxisgemäss auf insge-
samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der am 3. Februar 2020 in der gleichen
Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten
zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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