Decision ID: 3fb9a74c-ca30-4e4a-a2dd-4d60f21617f2
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden 1 und 2 ersuchten am 20. September 2022 in
der Schweiz für sich und ihre beiden Kinder um Asyl. Ein Abgleich ihrer
Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Eurodac)
ergab, dass sie am 1. September 2022 in Kroatien in das Hoheitsgebiet
der Dublin-Mitgliedstaaten eingereist waren und um Asyl ersucht hatten
(Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 1 ff., 16, 18).
B.
Am 1. November 2022 gewährte die Vorinstanz den Beschwerdeführenden
1 und 2 für sich und ihre Kinder das rechtliche Gehör, unter anderem zur
Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungs-
verfahrens, zum beabsichtigten Nichteintretensentscheid, zur Wegweisung
in diesen Dublin-Mitgliedstaat sowie zu ihrem Gesundheitszustand (SEM-
act. 24, 26).
C.
Die kroatischen Behörden hiessen das Ersuchen der Vorinstanz vom
3. November 2022 um Übernahme der Beschwerdeführenden gestützt auf
Art. 20 Abs. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-
ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und
Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines
von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-
staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol-
gend: Dublin-III-VO) am 17. November 2022 gut (SEM-act. 28 f., 34 f.).
D.
Am 18. November 2022 reichten die Beschwerdeführenden bei der
Vorinstanz Arztberichte vom 27. Oktober 2022 und 31. Oktober 2022 be-
treffend die Beschwerdeführerin 3 sowie einen Konsultationsbericht vom
28. Oktober 2022 betreffend die Beschwerdeführerin 2 ein (SEM-
act. 43 f.).
E.
Mit Verfügung vom 21. November 2022 – eröffnet am 24. November 2022
– trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG
(SR 142.31) auf die Asylgesuche nicht ein, ordnete die Wegweisung aus
der Schweiz nach Kroatien an und forderte die Beschwerdeführenden auf,
die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu ver-
lassen. Gleichzeitig wies die Vorinstanz auf die einer allfälligen Be-
schwerde von Gesetzes wegen fehlende aufschiebende Wirkung hin und
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beauftragte den Kanton Zürich mit dem Vollzug der Wegweisung (SEM-
act. 46 f.).
F.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 1. Dezember 2022 (Datum Postaufgabe) ge-
langten die Beschwerdeführenden 1 und 2 für sich und ihre Kinder an das
Bundesverwaltungsgericht und beantragten, die vorinstanzliche Verfügung
sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf die Asylgesuche
einzutreten. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und
die Sache zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts und zur Neube-
urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Vor-
instanz anzuweisen, individuelle Zusicherungen bezüglich des Zugangs
zum Asylverfahren, adäquater medizinischer Versorgung sowie Unterbrin-
gung von den kroatischen Behörden einzuholen. Der Beschwerde sei die
aufschiebende Wirkung zu gewähren und die Vorinstanz und die Vollzugs-
behörden seien im Rahmen von vorsorglichen Massnahmen unverzüglich
anzuweisen, bis zum Entscheid über die vorliegende Beschwerde von jeg-
lichen Vollzugshandlungen abzusehen. Des Weiteren beantragten sie die
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses (Akten des Bundesverwaltungsgerichts
[BVGer-act.] 1).
G.
Am 2. Dezember 2022 lagen dem Bundesverwaltungsgericht die Akten in
elektronischer Form vor und gleichentags setzte der Instruktionsrichter den
Vollzug der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus
(BVGer-act. 2).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2. Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs-
gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu-
ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Die Beschwerdeführenden 1 und
2 sind für sich und ihre Kinder zur Beschwerdeanhebung legitimiert
(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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2.
2.1. Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliess-
lich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige
und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts ge-
rügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2. Die Beschwerde erweist sich – wie im Folgenden zu zeigen ist – als
offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines
Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln ist
(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1. Auf ein Asylgesuch wird in der Regel nicht eingetreten, wenn der/die
Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen kann, der für die Durchführung
des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist
(Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt die Vorinstanz in der
Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an
(Art. 44 AsylG).
3.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-
gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals
ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des
Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich
keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr
statt. Die Zuständigkeit beziehungsweise die Verpflichtung des Mitglied-
staates zur Wiederaufnahme ergibt sich direkt aus Art. 18 Abs. 1 Bst. b–d
beziehungsweise Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO (vgl. Urteil des EuGH
[Grosse Kammer] vom 2. April 2019, H. und R., C 582/17 und C-583/17,
EU:C:2019:280, Rn. 47–50; BVGE 2019 VI/7 E. 4-6, 2017 VI/5 E. 6.2 und
8.2.1 m.H.).
3.3. Der Mitgliedstaat, bei dem der erste Antrag auf internationalen Schutz
gestellt wurde, ist gehalten, einen Antragsteller, der sich ohne Aufenthalts-
titel im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält oder dort einen
Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, nachdem er seinen ersten
Antrag noch während des Verfahrens zur Bestimmung des zuständigen
Mitgliedstaats zurückgezogen hat, nach den Bestimmungen der Artikel 23,
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24, 25 und 29 wieder aufzunehmen, um das Verfahren zur Bestimmung
des zuständigen Mitgliedstaats zum Abschluss zu bringen (Art. 20 Abs. 5
Dublin-III-VO). Diese Bestimmung findet auch – wie vorliegend – im Falle
der Weiterreise eines Antragstellers in einen anderen Mitgliedstaat bei
noch nicht abgeschlossenem Zuständigkeitsverfahren Anwendung
(vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin-III-Verordnung, 2014, K. 19 zu Art. 20).
3.4. Vorliegend ergab ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerde-
führenden 1 und 2, dass sie am 1. September 2022 in Kroatien aufgegriffen
und daktyloskopisch erfasst worden waren. Gleichentags hatten sie ge-
mäss Auszug aus der «Eurodac»-Datenbank Asylgesuche gestellt (vgl.
Sachverhalt A). Die kroatischen Behörden stimmten dem Wiederaufnah-
meersuchen der Vorinstanz gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO frist-
gerecht zu und wiesen darauf hin, dass das Zuständigkeitsverfahren von
ihnen fortgeführt werde. Die Beschwerdeführenden 1 und 2 hätten am
1. September 2022 ihren Willen zum Ausdruck gebracht, um internationa-
len Schutz zu ersuchen, seien aber vor der Durchführung ihrer Befragung
verschwunden. Damit sind sowohl die Antragsstellung in Kroatien als auch
der Umstand, dass das kroatische Verfahren zur Bestimmung des für die
Asylgesuche der Beschwerdeführenden zuständigen Mitgliedstaats ge-
mäss Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO noch nicht abgeschlossen wurde und
nach einer Rücküberstellung der Beschwerdeführenden fortgesetzt wird,
als erstellt zu betrachten (vgl. Urteil des BVGer F-5023/2022 vom 23. No-
vember 2022 E. 4.4 f. m.H.). Die Zuständigkeit Kroatiens ist somit grund-
sätzlich gegeben, was von den Beschwerdeführenden auf Beschwerde-
ebene nicht mehr bestritten wird.
4.
4.1. Nachfolgend ist im Licht von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu prüfen, ob
es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die
Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Kroatien würden systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-
rechtecharta mit sich bringen würden.
4.2. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts im Bereich der Wie-
deraufnahmeverfahren liegen zum heutigen Zeitpunkt keine konkreten
Gründe für die Annahme vor, das Asylverfahren und die Aufnahmebedin-
gungen für Antragstellende in Kroatien würden systemische Schwachstel-
len im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO aufwei-
sen (vgl. bspw. Urteile des BVGer F-3957/2022 vom 11. Oktober 2022 E. 5;
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F-4002/2022 vom 26. September 2022 E. 7.2; F-3903/2022 vom 16. Sep-
tember 2022 E. 4; F-3448/2022 vom 22. August 2022 E. 6.2). Für eine Än-
derung der Rechtsprechung besteht auch in Würdigung der von den Be-
schwerdeführenden gemachten Äusserungen zu ihrer Behandlung in Kro-
atien keine Veranlassung. Folglich ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2
Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt.
5.
5.1. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-
nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-
siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu-
manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-
VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche
Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE
2015/9 E. 8.2.1).
5.2. Die Beschwerdeführenden vermögen nicht darzutun, dass die sie bei
einer Rückführung nach Kroatien zu erwartenden Bedingungen derart
schlecht sind, dass sie zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen könn-
ten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung der ihnen zu-
stehenden Aufnahmebedingungen könnten sie sich im Übrigen nötigenfalls
an die kroatischen Behörden wenden und ihre Rechte auf dem Rechtsweg
einfordern (vgl. Art. 26 der Richtlinie des Europäischen Parlaments und
des Rates 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für
die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen [Auf-
nahmerichtlinie]). Im Übrigen steht den Beschwerdeführenden die Möglich-
keit offen, die vor Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren. Im
Zusammenhang mit dem Kindeswohl ist festzuhalten, dass Kroatien Sig-
natarstaat des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte
des Kindes (KRK, SR 0.107) ist, weshalb eine Überstellung nach Kroatien
weder eine Verletzung von Art. 3 KRK noch Art. 3 EMRK bedeutet.
5.3. Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, so kann eine zwangs-
weise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur
ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Eine vom
EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch die Ab-
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schiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel-
staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, raschen
und unwiederbringlichem Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes
ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen
Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Pa-
poshvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer
41738/10, §§ 180-193 m.w.H.).
5.4. Den Akten zufolge konsultierte die Beschwerdeführerin 2 am 27. Ok-
tober 2022 aufgrund von Ängsten eine Ärztin der X._ AG in
Z._, welche den Verdacht auf eine posttraumatische Belastungs-
störung, Angst und Depression festhielt. Sie überwies die Beschwerdefüh-
rerin 2 an einen Psychiater und verschrieb ihr das Medikament Laitea
(Konsultationsbericht vom 28. Oktober 2022 [SEM-act. 40]). Weiter geht
aus den Akten eine notfallmässige Selbstvorstellung im Kantonsspital
Y._ am 25. Oktober 2022 hervor wegen Veränderungen der Haut
mit Juckreiz bei beiden Kindern. Beim einjährigen Beschwerdeführer 4
wurde der Verdacht auf Stichreaktionen am Gesicht, Armen und Beinen
sowie ein viraler Infekt, bei der zweieinhalbjährigen Beschwerdeführerin 3
der Verdacht auf ein impetiginisiertes Exanthem am rechten Unterarm, Sta-
tus nach Varizellen (Windpocken), sowie der Verdacht auf atopische Der-
matitis diagnostiziert. Beide wurden medikamentös behandelt (Arztberichte
des Kantonsspitals Y._ vom 25., 27. und 31. Oktober 2022 [SEM-
act. 41, 42]). Am 6. November 2022 war zudem bei beiden Kindern ein
Atemwegsinfekt (beim Sohn zusätzlich anamnestisch Obstipation) festge-
stellt und die entsprechende Medikation verordnet worden (Arztberichte
des Kantonsspitals Y._ vom 7. November 2022 [SEM-act. 41, 42]).
5.5. Die von den Beschwerdeführenden geltend gemachten Beschwerden
stellen keine gravierenden Erkrankungen dar, welche in Kroatien nicht
(weiter) behandelt werden könnten. Kroatien verfügt grundsätzlich über
eine ausreichende medizinische Infrastruktur (vgl. dazu Urteil des BVGer
D-735/2022 vom 28. Februar 2022 E. 6.7.3). So kann davon ausgegangen
werden, dass die Beschwerdeführenden Zugang zur nötigen Unterstüt-
zung erhalten können, zumal Kroatien aufgrund der Aufnahmerichtlinie ins-
besondere auch zur Behandlung schwerer psychischer Störungen und ge-
gebenenfalls zur psychologischen Betreuung verpflichtet ist. Im Übrigen
wäre auch eine mögliche Schwangerschaft der Beschwerdeführerin 2, wie
auf Beschwerdeebene angedeutet, kein Überstellungshindernis (vgl. etwa
Urteil des BVGer D-1304/2021 vom 25. Mai 2021 E. 7.3.2.2). Vor diesem
Hintergrund war die Vorinstanz auch nicht verpflichtet, individuelle Zusiche-
rungen bezüglich des Zugangs zu adäquater medizinischer Versorgung
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einzuholen. Die Vorbringen der Beschwerdeführenden, wonach das spezi-
elle Auffangzentrum für vulnerable Personen in Kroatien aktuell renoviert
werde, vermag daran auch nichts zu ändern, zumal es sich dabei um ein
zeitlich begrenztes Vollzugshindernis zu handeln scheint. Ausserdem wer-
den die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochte-
nen Verfügung beauftragt sind, dem aktuellen Gesundheitszustand der Be-
schwerdeführenden bei der Organisation der Überstellung nach Kroatien
Rechnung tragen, indem sie die dortigen Behörden im Sinne von Art. 31
und Art. 32 Dublin-III-VO vorgängig über den aktuellen Gesundheitszu-
stand und die allenfalls notwendige medizinische Behandlung der Be-
schwerdeführenden informieren werden.
5.6. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt die Vorinstanz
bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessens-
spielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter
diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten
keine Hinweise auf eine gesetzeswidrige Ermessensausübung durch die
Vorinstanz zu entnehmen und es kann insbesondere nicht – wie in der Be-
schwerde vorgebracht – von einer Ermessensunterschreitung ausgegan-
gen werden. Für die beantragte Rückweisung der Sache an die Vorinstanz
besteht kein Anlass; das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusam-
menhang weiterer Äusserungen.
5.7. In Beachtung vorstehender Erwägungen liegt kein Grund für die An-
wendung der Ermessensklausel von Art. 17 Dublin-III-VO beziehungs-
weise Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 vor. Weder ist die Schweiz verpflichtet, auf
die Asylgesuche einzutreten, noch sind Rechtsfehler bei der Ermessens-
betätigung ersichtlich. Die Vorinstanz ist daher zu Recht auf die Asylgesu-
che der Beschwerdeführenden nicht eingetreten und hat die Überstellung
nach Kroatien angeordnet.
6.
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. Mit dem vorliegen-
den Urteil fällt der am 2. Dezember 2022 angeordnete Vollzugsstopp da-
hin. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist gegen-
standslos geworden.
7.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist abzuwei-
sen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt
– von Anfang an als aussichtslos zu bezeichnen waren. Die Verfahrens-
kosten sind den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
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VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1 ff. des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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