Decision ID: 569a732e-5d08-565d-a600-dde8b2f46066
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 18. Oktober 2020 in der Schweiz um
Asyl (Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 1).
B.
Am 22. Oktober 2020 nahm die Vorinstanz die Personalien des Beschwer-
deführers auf und am 29. Oktober 2020 gewährte sie ihm rechtliches Ge-
hör, unter anderem zur Zuständigkeit Deutschlands für die Durchführung
des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zum beabsichtigten Nichteintre-
tensentscheid sowie zur Wegweisung in diesen Dublin-Mitgliedstaat (SEM-
act. 9 und 13).
C.
Mit Verfügung vom 4. November 2020 – eröffnet am 5. November 2020 –
trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG
(SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein, ordnete die Wegweisung nach
Deutschland an und forderte den Beschwerdeführer auf, die Schweiz spä-
testens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig
wies die Vorinstanz auf die einer allfälligen Beschwerde von Gesetzes we-
gen fehlende aufschiebende Wirkung hin und beauftragte den Kanton Zü-
rich mit dem Vollzug der Wegweisung (SEM-act. 20).
D.
Gegen den vorinstanzlichen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am
10. November 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er be-
antragte, die Verfügung vom 4. November 2020 sei aufzuheben, auf sein
Asylgesuch einzutreten und das nationale Verfahren durchzuführen; even-
tualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen. Sodann seien die zuständigen Behörden anzuweisen, ihn während
des laufenden Beschwerdeverfahrens sowie bis auf weiteres in einem Ein-
zelzimmer unterzubringen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte der
Beschwerdeführer, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu er-
teilen, ihm sei die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und es sei von
der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen (Akten des Bundes-
verwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1).
E.
Am 11. November 2020 lagen dem Bundesverwaltungsgericht die Akten in
elektronischer Form vor und gleichentags setzte der Instruktionsrichter den
Vollzug der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus
(BVGer-act. 2).
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2. Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Der Be-
schwerdeführer ist zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
1.3. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb
sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines
zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e
AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-
scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
2.
Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
Den Einträgen in der "Eurodac"-Datenbank zufolge stellte der Beschwer-
deführer am 30. Juli 2014 in Deutschland ein Asylgesuch (SEM-act. 7).
Das Wiederaufnahmegesuch der Vorinstanz vom 29. Oktober 2020 hies-
sen die deutschen Behörden am 3. November 2020 gut (SEM-act. 15 und
18). Die grundsätzliche Zuständigkeit Deutschlands zur Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens des Beschwerdeführers ist somit gege-
ben und unbestritten (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG; Art. 3 Abs. 1 der Ver-
ordnung [EU] Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-
mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-
angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags
auf internationalen Schutz zuständig ist [nachfolgend: Dublin-III-VO];
Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO; Art. 23 Dublin-III-VO).
4.
Der Beschwerdeführer rügt, die Überstellung nach Deutschland setze ihn
einer Gefahr für die Gesundheit aus und verletze Art. 3 EMRK.
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4.1. Einem Arztbericht vom 30. Oktober 2020 können die Diagnosen einer
essentiellen (primären) Hypertonie (ICD 10 I10), Ein- und Durchschlafstö-
rungen (ICD 10 G47.0), einer lokalisierten Schwellung (Raumforderung
und Knoten der Haut und der Unterhaut [ICD 10 R22]) sowie einer Obsti-
pation (ICD 10 K59.0) entnommen werden. Die Ärztin verschrieb dem Be-
schwerdeführer Medikamente gegen die Hypertonie (Ramipril), gegen die
Obstipation (Importal) sowie gegen Depressionen (Trittico). Sie empfahl,
möglichst bald ein Termin für eine psychiatrische Behandlung zu planen
(SEM-act. 22).
4.2. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers sind
ganz offensichtlich nicht derart schwer, dass von einer Überstellung nach
Deutschland abgesehen werden müsste. Es ist nicht erkennbar, dass der
Beschwerdeführer aufgrund der Wegweisung nach Deutschland mit dem
realen Risiko konfrontiert würde, einer ernsten, raschen und unwieder-
bringlichen Verschlechterung seines Gesundheitszustands ausgesetzt zu
werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der
Lebenserwartung führen würde (Urteil des EGMR Paposhvili gegen Bel-
gien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193
m.w.H.). Mit Blick auf die Aktenlage ist weder zu erwarten, noch wird vom
Beschwerdeführer hinreichend substantiiert geltend gemacht, dass weitere
medizinische Abklärungen eine gravierende Gesundheitsbeeinträchtigung
zu Tage fördern könnten, welche im Sinne von Art. 3 EMRK einer Überstel-
lung entgegenstünde (vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3; 136 I 229 E. 5.3). Da zu-
dem allgemein bekannt ist, dass Deutschland über eine ausreichende me-
dizinische Infrastruktur verfügt (statt vieler: Urteil des BVGer F-3990/2020
vom 14. August 2020 E. 4.3.3), ist der medizinische Sachverhalt als genü-
gend erstellt zu betrachten.
4.3. Dass die Ärzte in Deutschland seine Verdauungsprobleme sowie den
Bluthochdruck nicht richtig behandelt und ihm den Zugang zu spezialärzt-
licher Behandlung verweigert hätten, wird vom Beschwerdeführer nur vage
behauptet und ist gänzlich unbelegt geblieben. Art. 3 EMRK steht einer
Überstellung des Beschwerdeführers nach Deutschland somit nicht entge-
gen.
5.
Der angefochtene Entscheid verletzt keine die Schweiz bindende, völker-
rechtliche Bestimmung. Was die behaupteten körperlichen Angriffe in ei-
nem Asylheim in Deutschland anbetrifft, so ist mit der Vorinstanz festzuhal-
ten, dass Deutschland ein Rechtsstaat ist, in dem ganz allgemein Schutz-
willigkeit und Schutzfähigkeit besteht (statt vieler: Urteil des BVGer
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E-3703/2020 vom 29. Juli 2020 E. 7.1.3). Ausserdem bildet ein negativer
Asylentscheid im Erstaufnahmestaat auch dann kein Überstellungshinder-
nis, wenn die verpasste Möglichkeit zur Einlegung eines Rechtsmittels da-
gegen auf die Untätigkeit einer Rechtsvertretung zurückzuführen ist (vgl.
BVGE 2017 VI/5 E. 8.5.3.3). Eine gesetzeswidrige Ermessensausübung
der Vorinstanz ist nicht ersichtlich. Daher ist nicht zu beanstanden, dass
die Vorinstanz von dem in Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO und in Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)
verankerten Selbsteintrittsrecht keinen Gebrauch gemacht hat.
6.
Erstmals vor Bundesverwaltungsgericht beantragt der Beschwerdeführer,
während des laufenden Beschwerdeverfahrens sowie bis auf weiteres in
einem Einzelzimmer untergebracht zu werden. Diesbezüglich ist darauf
hinzuweisen, dass sich der vorliegend zu beurteilende Streitgegenstand
nur auf in der angefochtenen Verfügung geregelte Rechtsverhältnisse be-
ziehen kann. Für Fragen, worüber die Vorinstanz (noch) nicht entschieden
hat, ist das Bundesverwaltungsgericht funktionell nicht zuständig (BGE 144
II 359 E. 4.3; 136 II 457 E. 4.2; BVGE 2018 V/3 E. 3.1; 2014/25 E. 1.5.2;
2012/4 E. 2.2, m.w.H.). Folglich ist auf das Begehren des Beschwerdefüh-
rers, er sei aufgrund der Corona-Pandemie in einem Einzelzimmer unter-
zubringen, nicht einzutreten. Mit diesem Begehren hat der Beschwerdefüh-
rer vorab an die Vorinstanz zu gelangen.
7.
Im Ergebnis ist die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetre-
ten und hat die Überstellung nach Deutschland verfügt. Die Beschwerde
ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Der Antrag auf Ge-
währung der aufschiebenden Wirkung erweist sich mit der Ausfällung des
vorliegenden Urteils als gegenstandslos.
8.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist abzuwei-
sen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt
– als aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Verfahrenskosten sind dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
9.
Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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