Decision ID: d075ed9b-e359-57eb-9f5e-f1aaccf7cd6d
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
I.
A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamili-
scher Ethnie, mit letztem Wohnsitz in B._ (Nordprovinz), habe Ende
2010 gemeinsam mit seinen Eltern und einiger seiner Geschwister das Hei-
matland verlassen und ersuchte am 24. August 2015 (alleine) in der
Schweiz um Asyl. Er wurde am 1. September 2015 summarisch befragt
und am 5. Juli 2017 eingehend angehört.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend,
er habe wegen des Krieges die Schule in der sechsten Klasse abbrechen
müssen. Nach einem Aufenthalt in einem Flüchtlingscamp seien er und
seine Familie nach C._ und im Januar 2010 nach B._ ge-
gangen. Seine Familie sei immer wieder zu Befragungen mitgenommen
worden. Dies sei deshalb geschehen, weil sein Bruder D._ von den
LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) zwangsrekrutiert worden sei und
seine Schwester die Organisation mit (...) unterstützt habe. Zweimal sei er
mit seiner Schwester allein zu Hause gewesen, als die CID-Beamten ge-
kommen seien, wobei er geohrfeigt worden sei. Da die Eltern weitere Über-
griffe der sri-lankischen Behörden befürchtet hätten, seien sie gemeinsam
nach E._ ausgereist, wobei sein älterer Bruder F._ mit des-
sen Familie in Sri Lanka verblieben sei. Zum Zeitpunkt der Anhörung hätten
die Eltern wieder in Sri Lanka geweilt. Sein älterer Bruder G._
wohne in H._, seitdem der Beschwerdeführer klein gewesen sei.
Der Bruder D._ sei seit 2008 verschollen. Die beiden verbleibenden
Geschwister würden noch in E._ wohnen (A29 F19 ff.).
A.b Mit Verfügung vom 8. August 2017 verneinte das SEM mangels Glaub-
haftigkeit der Vorbringen die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh-
rers und wies sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegwei-
sung aus der Schweiz und den Vollzug an. Eine dagegen erhobene Be-
schwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-5030/2017 vom
31. Oktober 2018 ab. Dabei wurde festgestellt, dass keine Reflexverfol-
gung wegen des Bruders, der seit dem Jahr 2008 bei den LTTE sei und
von dem niemand wisse, wo er sich aufhalte, sowie wegen der Schwester,
welche die LTTE unterstützt habe und sich zu jener Zeit in E._ be-
funden habe, auszumachen sei, zumal ein älterer Bruder die ganze Zeit
ohne Probleme im Norden von Sri Lanka habe leben können. Weiter seien
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keine risikobegründenden Faktoren bei einer allfälligen Rückkehr zu erken-
nen. Der Wegweisungsvollzug sei zulässig, zumutbar und möglich. Der Be-
schwerdeführer verfüge über ein tragfähiges Beziehungsnetz und eine fa-
milieneigene Unterkunft. Auch würden begünstigende wirtschaftliche Um-
stände (Unterstützung durch den in H._ lebenden Bruder).
B.
Mit auf den 4. Dezember 2018 datierender Eingabe reichte der Beschwer-
deführer bei der Vorinstanz ein mit der veränderten politischen Lage in Sri
Lanka begründetes Mehrfachgesuch ein, welches vom SEM mit Verfügung
vom 9. Januar 2019 abgelehnt wurde. Gleichzeitig ordnete es seine Weg-
weisung und deren Vollzug an. Dieser Entscheid erwuchs unangefochten
in Rechtskraft.
C.
Ein mit Datum vom 7. März 2019 eingereichtes Wiedererwägungsgesuch,
welches damit begründet wurde, dass der in H._ weilende Bruder
dort Asyl erhalten und Sri Lanka wegen Reflexverfolgung verlassen habe,
was auf eine entsprechende Gefährdung des Beschwerdeführers weisen
würde, wurde vom SEM mit Verfügung vom 13. März 2019 abgelehnt. Auch
dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
II.
D.
Mit einer als «demande d'asile multiple» bezeichneten Eingabe vom
25. Mai 2021 gelangte der Beschwerdeführer erneut an das SEM.
Darin machte er im Wesentlichen geltend, er habe bislang nicht erwähnt,
dass seinem älteren Bruder in H._ Asyl gewährt worden sei. Diese
Tatsache zeige, dass er in seinem Heimatstaat ebenfalls bedroht sei. Wei-
ter habe er sich in der Schweiz exilpolitisch betätigt. Er sei Mitorganisator
und Teilnehmer an Demonstrationen gewesen, darunter eine in I._
und eine vor dem Sitz der Vereinten Nationen. Er habe dabei insbesondere
Flugblätter vor Geschäften und Boutiquen von sri-lankischen Staatsange-
hörigen in der Schweiz verteilt. Vom (...) Februar bis (...) März 2021 habe
er an einem Hungerstreik vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen
teilgenommen, worauf sich die tamilische Gemeinschaft aus ganz Europa
mobilisiert und zu seiner Unterstützung eine (...) von J._ nach
I._ organisierte habe. Nach diesen Ereignissen habe sich der sri-
lankische Geheimdienst zum Haus seiner Eltern begeben und dort seine
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Angehörigen mit dem Tod bedroht. Die Polizei in K._ habe in der
Folge eine Vorladung ausgestellt. Er hätte sich am (...) Februar 2020 beim
Hauptsitz in Colombo melden sollen. Zudem habe sich seit der Amtsein-
führung des neuen Präsidenten Gotabaya Rajapaksa im November 2019
die Situation in dem ehemals von Bürgerkrieg betroffenen Land erheblich
verschlechtert. Sein Profil und die Fakten seines Falles würden ausrei-
chende Beweise dafür liefern, dass er aller Wahrscheinlichkeit nach bei
den Behörden seines Heimatlandes aktenkundig sei. Ferner sei er gesund-
heitlich angeschlagen und zeige Symptome wie depressive Stimmung,
Reizbarkeit, Schuldgefühle, Schlafstörungen, sozialer Rückzug und
Selbstmordgedanken. Zudem sei am (...) August 2020 sein Vater bei ei-
nem Unfall verstorben.
Der Beschwerdeführer reichte zahlreiche Fotos und Videos von den exil-
politischen Tätigkeiten, Berichte zur derzeitigen Situation in Sri Lanka, eine
angebliche Vorladung der Polizei von K._, sowie die Sterbeurkunde
seines Vaters zu den Akten.
E.
Mit Verfügung vom 16. April 2021 – eröffnet am 26. April 2021 – lehnte das
SEM die als Mehrfachgesuch entgegengenommene Eingabe des Be-
schwerdeführers ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz und
den Vollzug an. Im Weiteren erhob das SEM eine Gebühr in der Höhe von
Fr. 600.–.
F.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer – handelnd durch
seinen Rechtsvertreter – am 22. Mai 2021 Beschwerde beim Bundesver-
waltungsgericht. Er beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuhe-
ben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl zu
gewähren; eventualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfah-
rensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Feststellung der aufschiebenden
Wirkung der Beschwerde, um unentgeltliche Prozessführung, inklusive
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, und um Beiordnung
des unterzeichnenden Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand.
G.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
25. Mai 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG).
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H.
Mit Schreiben vom 26. Mai 2021 bestätigte die zuständige Instruktionsrich-
terin den Eingang der Beschwerde und hielt fest, der Beschwerdeführer
könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist – unter Vorbehalt von E. 3. – einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Auf den Antrag, es sei festzustellen, dass der Beschwerde aufschiebende
Wirkung zukomme, ist mit vorliegendem Direktentscheid nicht einzutreten,
kommt gemäss Art. 55 Abs. 1 VwVG einer Beschwerde an das Bundesver-
waltungsgericht grundsätzlich aufschiebende Wirkung zu, ausser diese
werde gestützt auf Art. 55 Abs. 2 VwVG entzogen, was vorliegend nicht
erfolgte.
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4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Das SEM hat zur Begründung seines Entscheids im Wesentlichen er-
wogen, dass – mit Verweis auf die vorangehenden Verfügungen sowie das
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-5030/2017 vom 31. Oktober
2018 – beim Beschwerdeführer keine risikobegründenden Faktoren vorlie-
gen würden und keine hinreichenden Hinweise dafür ersichtlich seien,
dass der Beschwerdeführer aufgrund einer tatsächlichen oder bloss unter-
stellten Verbindung zu den LTTE ins Visier der sri-lankischen Behörden
geraten könnte. Im Entscheid vom 13. März 2019 sei der Umstand, wonach
sein Bruder beim UNHCR als Flüchtling registriert und in H._ um-
gesiedelt worden sei, bereits beurteilt worden. Weiter sei festgehalten wor-
den, dass keine familiär bedingte Reflexverfolgung ersichtlich sei. Im Ver-
lauf der vorangehenden Verfahren habe er zudem nie vorgebracht, exilpo-
litisch tätig gewesen zu sein. Er weise insgesamt kein besonders exponier-
tes Profil auf. Der eingereichten Police Message Form komme nur ein sehr
geringer Beweiswert zu. Damit handle es sich beim Vorbringen, der sri-
lankische Geheimdienst habe sich zum Haus seine Angehörigen begeben
und diese mit dem Tod bedroht, um eine unbelegte Parteibehauptung, der
es angesichts der nicht glaubhaft gemachten Verfolgungsvorbringen in den
bisherigen Verfahren an der Grundlage fehle. Schliesslich würden die wei-
teren eingereichten Berichte keinen individuellen Bezug zu ihm aufweisen.
Es reiche nicht aus, pauschal auf politische Entwicklungen der jüngeren
Vergangenheit oder mögliche Zukunftsszenarien zu verweisen. Weitere
Abklärungen bei der Schweizerischen Botschaft in Colombo sowie eine er-
gänzende Anhörung zu den Asylgründen seien damit nicht geboten.
Der Wegweisungsvollzug erweise sich als zulässig, zumutbar und möglich.
Hinsichtlich der geltend gemachten, indes nicht belegten medizinischen
Beeinträchtigungen sei festzustellen, dass diese auch in Sri Lanka behan-
delt werden könnten. Einer allfälligen Suizidalität sei im Rahmen der Voll-
zugsmodalitäten Rechnung zu tragen.
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5.2 In seiner Beschwerde macht der Beschwerdeführer im Wesentlichen
geltend, er habe sich in der Schweiz vermehrt exilpolitisch betätigt, mit un-
verhülltem Gesicht demonstriert, wovon er mehrere Fotos und einen USB-
Stick als Beweismittel eingereicht habe, und einen Hungerstreik gemacht.
Nach diesen Ereignissen hätten die sri-lankischen Behörden seine Ange-
hörigen bedroht. Das SEM habe seine eingereichten Artikel pauschal als
nicht relevant gewertet. Im Zeitpunkt der Beschwerde sei sein Konto auf
Anordnung der Behörden blockiert worden. Die Vorinstanz spiele die Rolle
des Beschwerdeführers hinunter. Sein exilpolitisches Engagement sei im
Sinne von Art. 54 AsylG zu prüfen. Das SEM habe dies unterlassen, womit
es die Untersuchungspflicht verletzt habe. Aufgrund der Entwicklungen der
Lage in Sri Lanka sei davon auszugehen, dass insbesondere Tamilen –
und damit auch der Beschwerdeführer – einer gezielten Verfolgung ausge-
setzt sein könnten. Es gebe keine innerstaatliche Fluchtalternative. Damit
bestehe ein reelles Risiko, dass er erneut Opfer von Nachteilen zu werden
drohe, so dass eine objektive Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Falle
einer Rückkehr nach Sri Lanka im Sinne von Art. 3 AsylG zu bejahen sei.
Die Menschenrechtssituation für Tamilen sei nach wie vor prekär und vola-
til. De Beschwerdeführer wäre bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthaf-
ten Nachteilen ausgesetzt. Ein Wegweisungsvollzug nach Sri Lanka sei
damit nicht zulässig.
6.
6.1 Der Beschwerdeführenden wirft der Vorinstanz sinngemäss eine Ver-
letzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, der Pflicht zur vollständigen
und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes (Untersu-
chungspflicht) und der Begründungspflicht vor.
6.2 Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allen-
falls geeignet sind, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu be-
wirken
6.3 Vorliegend ist nicht ersichtlich, inwiefern das rechtliche Gehör des Be-
schwerdeführers verletzt sein sollte. Das SEM hat in der angefochtenen
Verfügung ausführlich dargelegt, weshalb es die Vorbringen des Be-
schwerdeführers zu seinen exilpolitischen Aktivitäten und zur angeblichen
Suche nach ihm im Heimatland als nicht glaubhaft beziehungsweise nicht
asylrelevant erachtet. Auch eine sachgerechte Anfechtung war – wie die
Beschwerde zeigt – ohne weiteres möglich. Soweit der Beschwerdeführer
zu einem anderen Schluss gelangt, liegt darin keine Verletzung der Be-
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gründungspflicht. Vielmehr betrifft dies eine Frage der rechtlichen Würdi-
gung des Sachverhaltes, auf welche im Rahmen der materiellen Prüfung
näher einzugehen ist. Der Sachverhalt erweist sich ebenfalls als genügend
erstellt. Die Rechtsmitteleingabe erschöpft sich in spärlichen Erklärungs-
versuchen, womit sie nicht aufzeigt, inwiefern die vorinstanzliche Beweis-
würdigung Bundesrecht verletzen oder zu einer rechtsfehlerhaften Sach-
verhaltsfeststellung führen soll. Solches ist auch nicht ersichtlich. Eine
Rückweisung an die Vorinstanz zur Abklärung des Sachverhalts fällt somit
ausser Betracht. Die formelle Rüge ist unbegründet.
7.
7.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
7.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
7.3 Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewährt, wenn sie erst
durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ih-
res Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG
wurden (subjektive Nachfluchtgründe).
8.
8.1 Die Vorinstanz hat zutreffend erkannt, dass weder aufgrund der Anga-
ben des Beschwerdeführers noch aufgrund der eingereichten Beweismittel
von einem profilierten öffentlichen Exilengagement auszugehen ist, auf-
grund dessen auf eine begründete Furcht vor Verfolgung bei einer Rück-
kehr zu schliessen wäre. Es kann somit – zwecks Vermeidung von Wieder-
holungen – vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
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verwiesen werden. In diesem Zusammenhang macht der Beschwerdefüh-
rer geltend, nach seinen exilpolitischen Aktivitäten seien seine Angehöri-
gen in Sri Lanka von den Sicherheitsbehörden bedroht worden. Dieses
Vorbringen wurde aber weder im vorinstanzlichen Verfahren noch auf Be-
schwerdeebene ausreichend substanziiert. Auch die eingereichte Police
Message Form vom (...) Februar 2020 – welche im Übrigen vom Be-
schwerdeführer in seiner Beschwerde nicht mehr erwähnt wird – ist, wie
das SEM zutreffend festgestellt hat, nicht tauglich zum Beweis einer Ge-
fährdungssituation, weder den Beschwerdeführer betreffend noch dessen
Angehörigen. Zum einen datiert es vom Februar 2020, was mit der Aus-
sage des Beschwerdeführers nicht zu vereinbaren ist, dass dieses Doku-
ment nach seinen exilpolitischen Aktivitäten im Februar 2021 ausgestellt
worden sei. Zum andern ist dessen Inhalt nicht zu entnehmen, im Rahmen
welcher Ermittlungen der Beschwerdeführer sich zur "Ermittlungsabteilung
der Terrorismusabteilung" hätte begeben müssen. Schliesslich ist zweifel-
haft, dass eine Aufforderung zur Vernehmung des Beschwerdeführers auf
seinen exilpolitischen Aktivitäten beruht hätte, wäre den sri-lankischen Be-
hörden sein Hungerstreik im Ausland bekannt gewesen. Es wäre eher zu
erwarten, dass sie seine Rückkehr für allfällige Befragungen abgewartet
hätten. Allfällige Behelligungen aus diesen Gründen konnte der Beschwer-
deführer somit nicht glaubhaft machen. Weder die angebliche Kontosper-
rung noch die eingereichten Fotos – welche im Übrigen nicht von einer
Vielzahl von Aktivitäten zeugen – vermögen zu einer anderen Einschät-
zung zu führen, zumal der Name des Beschwerdeführers im Zusammen-
hang mit seiner exilpolitischen Aktivität nicht öffentlich erscheint. Es er-
scheint somit äusserst unwahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer al-
lein durch die Teilnahme an einer Veranstaltung in der Schweiz – mehr hat
er nicht substanziiert – ins Visier der sri-lankischen Behörden geraten ist,
zumal aufgrund seiner unglaubhaften Asylvorbringen nicht davon auszu-
gehen ist, dass er vor der Ausreise aus Sri Lanka von den heimatlichen
Sicherheitsbehörden registriert worden war. Die sri-lankischen Behörden
dürften die marginale exilpolitische Tätigkeit des Beschwerdeführers – soll-
ten sie davon überhaupt Kenntnis erlangen – kaum als ernsthafte Bedro-
hung erachten.
Soweit der Beschwerdeführer eine allgemeine Gefährdungslage für nach
Sri Lanka zurückkehrende tamilische Asylsuchende nach der Machtergrei-
fung des Rajapaksa-Clans geltend macht, ist festzuhalten, dass sich das
Bundesverwaltungsgericht der Veränderungen und der aktuellen – zwar
als volatil zu bezeichnenden – Lage in Sri Lanka bewusst ist, die Entwick-
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lungen aufmerksam beobachtet und diese bei seiner Entscheidfindung be-
rücksichtigt. Es gibt zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme,
dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kol-
lektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen
ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden
Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive
deren Folgen besteht. Das – als unverändert zu erachtende – Risikoprofil
des Beschwerdeführers bildete bereits Gegenstand der Beurteilung im Ur-
teil E-5030/2017 (vgl. E. 5.5.2), worauf als res iudicata verwiesen werden
kann. Die Schlussfolgerungen der Vorinstanz sind mithin weder in tatsäch-
licher noch in rechtlicher Hinsicht zu beanstanden. Die in der Beschwerde
erwähnten Medienberichte sind nicht geeignet, am Ergebnis etwas zu än-
dern.
8.2 Insgesamt konnte der Beschwerdeführer keine nach dem rechtskräfti-
gen Abschluss seines ordentlichen Asylverfahrens entstandenen Gründe
geltend machen, die in Bezug auf seine Flüchtlingseigenschaft zu einer
anderen Würdigung führen könnten. Die Vorinstanz hat zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Mehrfachgesuch abgewiesen.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab, verfügt es in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an.
9.2 Nachdem der Beschwerdeführer weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen verfügt, wurde die Wegweisung vom SEM zu Recht angeordnet (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
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10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
10.2.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Die mit dem Mehrfachgesuch unsubstanziiert
dargelegten Vorbringen rechtfertigen keine andere Einschätzung. Eine
Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter
dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
10.2.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka
lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts – nach wie
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Seite 12
vor – nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil BVGer
E- 1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 sowie statt vieler: u.a. Urteile des
BVGer D-2287/2019 vom 23. März 2021 E. 9.1.3; E-6549/2019 vom 5. No-
vember 2020 E. 10.3.4 m.w.H.). Es ergeben sich aus den Akten auch keine
konkreten Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu be-
fürchten hätte, die über einen so genannten «Background Check» (Befra-
gung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen
würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre. Daran vermögen der Re-
gierungswechsel vom November 2019 sowie die seither veränderte Lage
in Sri Lanka nichts zu ändern. Der Wegweisungsvollzug erweist sich somit
als zulässig.
10.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.4 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Ge-
mäss Rechtsprechung ist der Vollzug von Wegweisungen in die Nord- und
Ostprovinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbar-
keitskriterien bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil des BVGer E-
1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2). An dieser Einschätzung vermögen
die Gewaltvorfälle in Sri Lanka vom 21. April 2019, der gleichentags von
der sri-lankischen Regierung verhängte und am 28. August 2019 aufgeho-
bene Ausnahmezustand sowie die mit den Wahlen im November 2019 zu-
sammenhängenden gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu ändern (vgl.
dazu vorstehend E. 7.4 sowie statt vieler: Urteil BVGer E-895/2020 vom
15. April 2020 E. 9.3).
Vorliegend sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs. Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die
Erwägungen im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-5030/2017 vom
31. Oktober 2018 verwiesen werden. Auch aus medizinischer Sicht sind
keine Gründe ersichtlich, welche gegen einen Wegweisungsvollzug spre-
chen. Insoweit der Beschwerdeführer gesundheitliche Beeinträchtigungen
geltend macht, ohne diese indes zu belegen, ist darauf hinzuweisen, dass
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von der grundsätzlichen Behandelbarkeit psychiatrischer Beschwerden in
Sri Lanka ausgegangen werden kann (vgl. Urteil des BVGer E-7137/2018
vom 23. Januar 2019 E. 12.3 m.H.). Einer allfälligen Gefahr der Suizidalität
ist ferner im Rahmen der Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
10.5 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeich-
nen, weil es dem Beschwerdeführer obliegt, bei der zuständigen Vertretung
seines Heimatstaats die für seine Rückkehr notwendigen Reisedokumente
zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12).
10.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Entgegen des ent-
sprechenden Rechtsbegehren fällt eine Anordnung der vorläufigen Auf-
nahme somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
12.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und amtlichen Rechtsverbeiständung. Aufgrund der vor-
stehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Begehren als aussichtlos zu
gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen
nicht gegeben, weshalb den Gesuchen nicht stattzugeben ist.
12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und praxisgemäss
bei Aussichtslosigkeit auf insgesamt Fr. 1'500.– festzusetzen (Art. 1–3 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
12.3 Mit vorliegendem Urteil ist der Antrag auf Verzicht auf Erhebung eines
Kostenvorschusses gegenstandslos geworden.
E-2413/2021
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