Decision ID: cbcdf408-18b1-4f20-ac4c-41326347e7f5
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1951 geborene
X._
ist seit
1.
Januar 2003
beim Kanton Zürich
als Dolmetscherin im Rahmen einer Beschäftigung auf Abruf tätig (
Urk.
6/24). Ab
1.
Januar 2009 war sie
zudem
bei der Firma
Y._
als Bürohilfe ebenfalls im Rahmen einer Beschäftigung auf Abruf tätig.
Nachdem die Firma
Y._
dieses
Arbeitsverhältnis
infolge zu wenig Arbeit
am 2
5.
Mai 2011
per Ende Juni 2011 gekündigt
hatte
(
Urk.
6/23),
meldete
sie sich
am
8.
Dezember 2011 für einen Beschäftigungsgrad von 100
%
zur Arbeitsvermit
tlung an (
Urk.
6/22
). Mit Verfügung vom
2
0.
März 2012 (
Urk.
6/3)
stellte das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA)
die Versicherte
wegen ungenügender persönlicher Arbeitsbemühungen
für die Zeit vor der kontrollierten Arbeitslosigkeit
für
zehn
Tage ab
8.
Dezember 2011
in der
An
sp
ruchsberechtigung
ein
. Daran hielt es
nach ergangener Einsprache der Versi
cherten
vom 2
8.
März 2012
(
Urk.
6/4)
mit
E
ntscheid vom
3
0.
April 2012
fest (Urk. 2)
2.
Dagegen erhob
die
Versicherte mit Eingabe vom
2
5.
Mai 2012 Beschwerde und beantragte die Aufhebung des angefochtenen Entscheids (Urk. 1). Mit
Be
schwerdeantwort
vom
3.
Juli 2012
beantragte das AWA die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5).
In der Folge verzichtete die Versicherte auf eine
Replik
(
Urk.
9).
Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften und die Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Die Einzelrichterin

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Nach
Art.
17
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenver
sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) muss die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unterstützung des zustän
digen Arbeitsamtes alles Zumutbare unterneh
men, um Arbeitslosigkeit zu ver
meiden oder zu verkürzen. Ins
besondere ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen,
nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Sie muss ihre Bemühun
gen nachweisen können. Gemäss
Art.
30
Abs.
1
lit
.
c AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie sich persönlich nicht genügend um zumutbare Arbeit bemüht. Dieser Einstellungsgrund ist schon dann gegeben, wenn die versicherte Person vor Eintritt der Arbeitslosig
keit ihren Obliegenheiten nicht nachgekommen ist. Sie hat sich daher bereits während der Kündigungsfrist um einen neuen Arbeits
platz zu bewerben (ARV 2003 Nr. 10 S. 119 E. 1 mit Hinweisen).
2.2
Bei der Beurteilung der Frage, ob sich eine versicher
te Person genügend um zumutbare Arbeit bemüht hat, ist nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität ihrer Bewer
bungen von Bedeutung (BGE 124 V 225 E. 4a mit Hinweis).
Dabei kommt es nicht auf den Erfolg der Arbeitsbemühungen an, sondern viel
mehr auf die Tatsa
che und Intensität der
selben (ARV 1980 Nr. 45 S. 112 E. 2). Betreffend Quantität der persönlichen Arbeitsbemühungen können zwar keine eindeutigen Zahlenwerte angegeben werden, in der Regel müssen aber mindes
tens zehn bis zwölf geeignete Arbeitsbemühungen je Kontrollperiode nachge
wiesen werden (vgl. Gerhards, Kommentar zum
Arbeitslosenversicherungs
gesetz
, Band I, Bern/Stuttgart 1987, N 15 zu Art. 17 AVIG).
2.3
Nach konstanter Praxis des Bundesgerichts muss sich die versicherte Person
gemäss
ihrer Schadenminderungspflicht auch die vor der Meldung auf dem Arbeitsamt unterlassenen Stellenbewerbungen entgegenhalten lassen.
Der Ver
sicherte hat sich dementsprechend während einer allfälligen Kündigun
gsfrist, aber auch generell wäh
rend der Zeit vor Anmeldung unaufgefordert um Stellen zu bemühen (Urteil des Bundesgerichts C 138/05 vom 3. Juli 2006, E. 2.1).
Die Pflicht der Versicherungsleistungen beanspruchenden Person zur Arbeitssuche
als Teil der Schadenminderungspflicht - ergibt sich direkt aus dem Gesetz (Art. 17 Abs. 1 AVIG). Die versicherte Person kann sich daher insbesondere nicht damit exkulpieren, nicht gewusst zu haben, dass sie schon vor Aufnahme der Stempelkontrolle zur ernsthaften Arbeitssuche verpflichtet war und nicht darauf aufmerksam gemacht worden sei (Urteil des Bundesgerichts C 200/03 vom 1
5.
Dezember 2003, E. 3.2).
2.4
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (
Art.
30
Abs.
3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30
Tage bei mittelschwerem und 31
bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (
Art.
45
Abs.
3 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol
venzentschädigung, AVIV).
3.
3.1
Das AWA begründete die Einstellung in der Anspruchsberechtigung im ange
fochtenen Entscheid unter anderem damit (
Urk.
2), die Beschwerdeführerin habe in der Zeit vor der Anmeldung keine Arbeitsbemühungen getätigt. Ihr Einwand, in den Monaten Oktober bis November 2011 während mindestens acht Stunden täglich an einer Übersetzung gearbeitet und keine Zeit für die Stellensuche ge
habt zu haben, vermöge nicht zu überzeugen. Es wäre ihr unbenommen gewe
sen, die Stellensuche auf Randzeiten zu legen oder die Stellenbemühungen in ihrer Freizeit beziehungsweise am Wochenende zu tätigen.
3.2
Die Beschwerdeführerin stellt sich in ihrer Beschwerde
(
Urk.
1)
demgegenüber auf den Standpunkt, sie habe trotz ihre
r
Arbeitsfähigkeit von 50
%
in den Monaten Oktober
bis
November 2011 eine grössere schriftliche Arbeit getätigt und sei somit nicht von einer Arbeitslosigkeit ausgegangen. In dieser Zeit sei es ihr nicht möglich gewesen, sich um eine Anstellung zu bemühen.
Als 61jähige und mit einer nicht optimalen Ausbildung und dazu noch
mit
ständigen Rückenschmerzen sei es zudem nicht unbedingt leicht, ei
ne Anstellung zu fin
den
.
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin hat in den zwei Monaten vor ihrer Anmeldung zur Arbeitsvermittlung am
8.
Dezember 2011 unbestrittenermassen keine
Arbeits
bemühungen
getätigt. Ihr Einwand, sie habe nicht mit einer Arbeitslosigkeit rechnen müssen, ist unbegründet,
verblieb ihr doch nach dem Verlust ihrer Stelle bei der Firma
Y._
per Ende Juni 2011
einzig noch die
Dolmet
schertätigkeit
beim Kanton im Rahmen einer Beschäftigung auf Abruf. Diese Beschäftigung bedeutete für sie nach eigenen Angaben
l
ediglich ein
en
Neben
verdienst sowie ein
en
Schritt zur Wiederaufnahme einer Vollzeitbeschäftigung
(Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 2
3.
Dezember 2011,
Urk.
6/21).
Dem entspricht auch, dass sich die Versicherte gemäss
eigenen
Angaben
im massgebenden Zeitraum in ihrem Bekanntenkreis
immer wieder
nach geeig
neten
Stellen
umsah
(
Stellungnahme vom 1
6.
März 2012,
Urk.
6/2).
Sie kann daher nicht geltend machen, sie habe die Arbeitslosigkeit nicht kommen sehen.
Sie kann auch nichts
aus ihren Vorbringen
ableiten,
wonach
sie „trotz“ einer Arbeitsfähigkeit von
nur
50
%
in den Monaten
Oktober
bis
November 2011 täglich mindestens acht Stunden an einer grösseren schriftlichen Arbeit
gear
beitet habe
(
Urk.
1,
Urk.
6/4).
Denn
trotz des
ärztliche
n
Attest
s
von
Dr.
med.
Z._
,
Facharzt für Allgemeine Medizin, vom
9.
Dezember 2011
,
gemäss welchem sie in der Zeit vom 1
1.
Mai 2009 bis zum
9.
Dezember 2011 zu 50
%
arbeitsu
nfähig gewesen sei
(
Urk.
3/3)
,
betrachtete sich die Versicherte
ohne
Weiteres in der Lage,
während
der Dauer von einem bis zwei
Monate
n
täglich
(mindestens) ein
Vollzeitpensum zu verrichten. Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass sie bezüglich der persönlichen Arbeitsbemühungen im massgebenden Zeitraum
gesundheitlich
nicht
in relevanter Weise
eingeschränkt
war, umso weniger
als sie vorbringt, sie
wäre
gegebenenfalls sogar morgens früh um 03.00 Uhr
aufgestanden
, um Dolmetscherarbeiten bei der Polizei zu übernehmen. Nach konstanter Praxis
ist jedoch auch eine Arbeitslose mit einer vollzeitlich ausgeübten Zwischenverdiensttätigkeit gehalten, qualitativ und quantitativ ausreichende Arbeitsbemühungen nachzuweisen (Urteil des Bundes
gerichts C 351/05 vom
3.
Juli 2006, E. 3.3). Somit hätte sich
die Versicherte
nicht bloss damit begnügen dürfen,
sich
immer wieder nach Stellen umzusehen. Vielmehr hätte sie entsp
r
echende Bewerbungen tätigen und diese dokumentie
ren müssen.
Es wäre ihr
auch
unb
enommen gewesen, die Stellensuche auf Randzeiten oder in die Freizeit zu verlegen und die Hilfe einer Drittperson oder eines Stellenvermittlungsbüros in Anspruch zu nehmen. Was ihr Alter betrifft, gilt gewissermassen der Grundsatz, dass die Arbeitsbemühungen umso intensi
ver sein müssen, je weniger Aussicht eine versicherte Person hat, eine Stelle zu finden. Dabei steht die Tatsache der Bemühungen an sich, nicht aber der Erfolg
dieser
Bemühungen im Vordergrund. Gerade ältere Arbeitslose, welche grössere Probleme haben, eine Stelle zu finden, sind gehalten, umso intensiver
e
Arbeits
bemühungen
zu tätigen (Urteil des Bundesgerichts 8C_2
1/2008 vom
3.
Juni 2008, E. 3.2).
4.2
Somit wurde die Versicherte zu Recht in der Anspruchsberechtigung eingestellt (
Art.
30
Abs.
1
lit
. c AVIG)
.
5.
Mit der Einstellung von zehn Tagen, welche im mittleren Bereich des leichten Verschuldens liegt, hat der Beschwerdegegner den besonderen Verhältnissen der Beschwerdeführerin und den übrigen Umständen ausreichend Rechnung getra
gen und sein Ermessen korrekt ausgeübt. Diese Erwägungen führen zur Abwei
sung der Beschwerde.