Decision ID: 7656b8d9-b0d1-4646-9f3c-b5157725ea9b
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
I. Sachverhalt:
1. Die Miteigentümergemeinschaft StWE B._ und die
Miteigentümergemeinschaft StWE C._ (nachfolgend
BC._) bilden die Stockwerkeigentümergemeinschaft
"A._" (nachfolgend A._). Sie sind Miteigentümerinnen
von je einer Stockwerkeigentumseinheit in der Liegenschaft "A._"
auf Parzelle F._ in G._, Gemeinde D._.
2. E._ ist Eigentümer der talseitig davon gelegenen Parzelle
H._. Darauf erstellte ein Rechtsvorgänger von ihm ein Wohnhaus.
Zwischen diesem und der talseitigen Grenzmauer auf der Parzelle
F._ erstellte er eine Hausvorfahrt.
3. Am 4. April 2017 reichte E._ bei der Gemeinde D._ ein
Baugesuch für eine unterirdische Raumerweiterung unter der
Hausvorfahrt im zweiten Obergeschoss des Wohnhauses entlang der
gemeinsamen Grenze zwischen den beiden Parzellen H._ und
F._ ein. Oberirdisch trat lediglich ein befahrbares, mit dem
Platzbelag flächenbündiges Lichtband in Erscheinung. Nachdem gegen
das Baugesuch keine Einsprachen eingegangen waren, erteilte der
Gemeindevorstand D._ am 1. Mai 2017 die Baubewilligung für die
Wohnraumerweiterung. Diese erwuchs in Rechtskraft.
4. Im Hinblick auf die Bauabnahme vom 6. November 2018 liess die
Gemeinde D._ die Koten der mittlerweile mit der
Wohnraumerweiterung unterbauten Hausvorfahrt durch die I._
AG aufnehmen. Dabei wurde eine Kotenabweichung festgestellt. Die
Gemeinde D._ forderte am 26. November 2018 E._ auf,
entweder den rechtswidrigen Zustand zu beseitigen oder ein Baugesuch
für die Abweichungen einzureichen. Gegen das in der Folge von
E._ eingereichte Projektänderungsgesuch erhoben die
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A._ und die beiden BC._ Einsprache und beantragten
die Verweigerung der nachgesuchten Bewilligung. Begründend führten sie
im Wesentlichen aus, dass die Bestimmungen hinsichtlich Grenzabstände
und Ausnützungsziffer verletzt seien.
5. Mit Bau- und Einspracheentscheid vom 3. Juni 2019 entschied der
Gemeindevorstand D._, die Einsprache werde betreffend
Verletzung des Grenzabstandes gutgeheissen und im Übrigen (betreffend
Verletzung der Ausnützungsziffer) abgelehnt. Er wies das
Projektänderungsgesuch bezüglich Anhebung der Kote der Hausvorfahrt
ab. Zudem beschied der Gemeindevorstand, über die Wiederherstellung
des rechtmässigen Zustandes oder den Erlass einer Duldungsverfügung
werde nach Rechtskraft der vorliegenden Verfügung entschieden. Dieser
Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
6. Nach Einholung der Stellungnahmen der A._ und BC._
bzw. von E._ zu einem Verfügungsentwurf, entschied der
Gemeindevorstand D._ am 23. März 2020 unter anderem was
folgt:
1. Auf das Gesuch der Bauherrschaft, der Baubescheid vom 3. Juni 2019 sei in Revision, allenfalls in Wiedererwägung zu ziehen, wird nicht eingetreten.
2. Die Bauherrschaft wird verpflichtet, die Kote der Hausvorfahrt über der Wohnraumerweiterung auf 2'016.96 m.ü.M. gemäss Baubescheid vom 1. Mai 2017 zu reduzieren.
3. Die Verpflichtung nach Ziff. 2 wird so lange aufgeschoben und der derzeitige Zustand geduldet, bis Sanierungs- und Renovationsarbeiten an der Decke der Wohnraumerweiterung oder am Belag der Hausvorfahrt ausgeführt werden, längstens für zehn Jahre seit Rechtskraft der vorliegenden Verfügung.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen festgehalten, der gesamte
Hausvorplatz sei um 20 bis 23 cm höher ausgeführt worden als am 1. Mai
2017 bewilligt worden sei. Von den Ausmassen betrachtet könne die
Abweichung vom rechtmässigen Zustand nicht mehr als klein gewertet
werden. Es könne einzig festgehalten werden, dass der darunterliegende
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Raum nicht von der Anhebung des Hausvorplatzes profitiert habe. Die
bewilligte Höhe der Wohnraumerweiterung sei eingehalten worden. Die
Abweichung der Höhenkote sei darauf zurückzuführen, dass der
Deckenaufbau über dem Wohnraum anders ausgeführt worden sei, als
ursprünglich geplant und bewilligt. Die höhere Ausführung des
Hausvorplatzes beeinflusse die Nutzungsmöglichkeiten allerdings weder
innen noch aussen. Durch die genannten Verhältnisse werde das
ansonsten starke öffentliche Interesse an der Einhaltung der
Höhenbestimmungen ein wenig relativiert. Die privaten Interessen der
Nachbarschaft würden durch das um 20 bis 23 cm höhere Niveau des
Hausvorplatzes kaum tangiert. Angesichts der gesamten Umstände und
unter Abwägung der öffentlichen und privaten Interessen rechtfertige es
sich nicht, auf eine Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands zu
verzichten. Allerdings erscheine es nicht zwingend, dass die bauliche
Korrektur sofort erfolgen müsse. Damit könne so lange zugewartet
werden, bis Sanierungsarbeiten an der Isolation oder am Aufbau des
Belags anstünden. Sobald Abdichtungs- oder Sanierungsarbeiten an der
Decke der Wohnraumerweiterung auszuführen seien und dadurch die
bestehende Pflästerung des Hausvorplatzes ganz oder teilweise entfernt
werden müsse, sei die Bauherrschaft verpflichtet, die Kote des Daches der
Wohnraumerweiterung / Hausvorfahrt auf 2'016.96 m.ü.M. gemäss
Baubewilligung vom 1. Mai 2017 zu bringen. Wie die Miteigentümer von
Parzelle F._ zu Recht darauf hinwiesen, habe dies
selbstverständlich auch für die befahrbaren Oberlichter der
Wohnraumerweiterung zu gelten. Der rechtmässige Zustand müsse aber
spätestens zehn Jahre seit Rechtskraft der vorliegenden Verfügung
hergestellt sein.
7. Dagegen erhoben die A._ und die beiden BC._
(nachfolgend Beschwerdeführerinnen) am 7. Mai 2020 Beschwerde beim
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Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden (Verfahren R 20 35) und
beantragten namentlich was folgt:
1.a) Ziff. 2 des angefochtenen Entscheides sei insoweit aufzuheben, als lediglich die Kote der Hauszufahrt über dem Wohnraum auf 2'016.96 m.ü.M. zu reduzieren sei, und die Bauherrschaft sei zu verpflichten, nebst der Kote der Hauszufahrt auch die Oberlichter und die Decke des Raumes, der Gegenstand der Baubewilligung vom 1. Mai 2017 bildete, auf die damals bewilligten Koten zu senken.
Eventualiter sei die Sache zum Erlass der erweiterten Verpflichtung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
1.b) Ziff. 3 des angefochtenen Entscheides sei aufzuheben und die Bauherrschaft sei zu verpflichten, die Rückbauarbeiten gemäss Ziff. 1.a) hiervor innert eines halben Jahres nach Rechtskraft des verwaltungsgerichtlichen Entscheides auszuführen und abzuschliessen.
Eventualiter sei die Bauherrschaft zu verpflichten, die in Ziff. 2 des angefochtenen Entscheides vorgesehenen Bauteile (Hauszufahrt) innert einem halben Jahr seit Rechtskraft des verwaltungsgerichtlichen Urteils auf die bewilligte Kote (2'016.96 m.ü.M.) zu senken.
Subeventualiter sei die Angelegenheit zur Verfügung der hiervor genannten Frist für die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes an die  zurückzuweisen.
3. (recte: 2.) Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, die Beseitigungsverpflichtung gemäss Ziff. 2 und 3 des angefochtenen Entscheides im Grundbuch vormerken (recte: anmerken) zu lassen.
Begründend führten sie im Wesentlichen an, neben der Decke der
unterirdischen Wohnraumerweiterung überstiegen auch die im
Grenzabstandsbereich befindlichen Rahmen der Oberlichter und die Kote
der Parkplatzfläche die bewilligte Höhenkote und stellten daher materiell
baurechtswidrige Zustände dar, welche zu beseitigen seien. Da in Ziff. 2
der angefochtenen Verfügung lediglich die Kote des Abstellplatzes
erwähnt worden sei, liege eine Rechtsverweigerung und ein Verstoss
gegen Art. 94 Abs. 1 KRG vor. Zudem müsse von der Notwendigkeit des
Rückbaus ausgegangen werden. Eine gleich geeignete, aber mildere
Massnahme, die den rechtlich einwandfreien Zustand herbeiführen würde,
sei nicht ersichtlich. Schliesslich stünden die Interessen an der Einhaltung
der Rechtsordnung und an der Gleichbehandlung aller
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Rechtsunterworfenen einer Duldung von zehn Jahren klar entgegen und
überwögen die privaten Interessen der Bauherrschaft.
8. Gegen den Entscheid des Gemeindevorstands D._ vom 23. März
2020 erhob auch E._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 19.
Mai 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
(Verfahren R 20 51) und beantragte unter anderem Folgendes:
1. Es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben, allenfalls an die Gemeinde D._ zur neuen Prüfung im Sinne der Erwägungen zurückzuweisen.
2. Eventualiter seien Ziff. 2 und 3 des Entscheides der Gemeinde D._ vom 3. (recte: 23.) März 2020 aufzuheben und dem Eigentümer der Liegenschaft H._, GB D._, eine zeitlich unbeschränkte Duldungsverfügung – subeventualiter eine Duldungsverfügung mit längerer Duldungsperiode – betreffend die bestehende Hausvorfahrtskote zu gewähren.
Zur Begründung machte er im Wesentlichen eine willkürliche Feststellung
des Sachverhalts, eine Verletzung des Grundsatzes des
Vertrauensschutzes und eine Gehörsverweigerung geltend. Zudem
brachte er insbesondere vor, es fehle an einem gewichtigen öffentlichen
Interesse an der Tiefersetzung des Vorplatzes durch Entfernen der
Pflästerung, Abbruch des Deckenaufbaus sowie Neukonstruktion der
Gebäudehülle und Erneuerung der Pflästerung. Die angebliche Anhebung
der Kote sei objektiv kaum ausmachbar. Ein Abtragen des Hausvorplatzes
sei weder zum Schutze der Rechtsgleichheit noch zur strikten Einhaltung
der baurechtlichen Ordnung notwendig. Der angeordnete Abbruch sei
kostspielig, unverhältnismässig und weder erforderlich noch zumutbar. Da
die angeblich höhere Kote der Hausvorfahrt genehmigungsfähig sei, sei
das öffentliche Interesse an der Durchsetzung des materiellen Rechts
bedeutend geringer zu gewichten. Der Erlass einer zeitlich unbegrenzten
oder mehr als zehn Jahre dauernden Duldungsverfügung erscheine unter
Gesamtwürdigung aller Fakten als geboten, angemessen und
verhältnismässig.
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9. Mit Eingaben vom 9. und 23. Juni 2020 schloss die Gemeinde D._
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) auf Abweisung der Beschwerden in
den Verfahren R 20 35 und R 20 51 und verzichtete unter Hinweis auf die
angefochtene Verfügung und die beiliegenden Verfahrensakten auf die
Einreichung einer Vernehmlassung.
10. Im Verfahren R 20 35 beantragte der Beschwerdeführer am 23. Juni 2020
unter anderem:
1. Es seien die verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren R 20 35 und R 20 51 zusammenzulegen.
2. Auf die Beschwerde R 20 35 sei nicht einzutreten, eventuell sei sie abzuweisen.
Zur Begründung wurde namentlich ausgeführt, den
Beschwerdeführerinnen fehle es an der materiellen Beschwer. Zudem sei
eine Rechtsverweigerung, wie sie die Beschwerdeführerinnen darin sehen
würden, dass die Beschwerdegegnerin im Entscheid lediglich die Kote des
Hausvorplatzes erwähne, nicht gegeben. Denn Ziff. 2 des angefochtenen
Entscheids beinhalte auch ein Tiefersetzen der Oberlichter. Schliesslich
erweise sich die Forderung der Beschwerdeführerinnen, dass der
Rückbau innert sechs Monaten nach Rechtskraft des
Verwaltungsgerichtsentscheids vorliegen müsse, wegen Geringfügigkeit
der (nicht anerkannten) Rechtswidrigkeit als unverhältnismässig.
11. Am 21. September 2020 reichten die Beschwerdeführerinnen eine Replik
im Verfahren R 20 35 mit unveränderten Rechtsbegehren gemäss
Beschwerde vom 7. Mai 2020 ein. Betreffend das Verfahren R 20 51
beantragten sie prozessualiter, dieses sei zu sistieren, bis das Verfahren
R 20 35 rechtskräftig entschieden sei. Auf eine Zusammenlegung der
Verfahren R 20 35 und R 20 51 sei zu verzichten. In der Begründung
führten sie im Wesentlichen aus, sie seien legitimiert, gegen den Aufschub
der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands Beschwerde zu
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erheben. Zudem lasse sich die Duldung des unrechtmässigen Zustands
über die Dauer von bis zu zehn Jahren sachlich nicht rechtfertigen. Dies
müsse umso mehr gelten, als der Aufwand, den rechtmässigen Zustand
wiederherzustellen, rein finanzieller Natur sei, offensichtlich zu keinem
Härtefall führe und der Betroffene weder gutgläubig sei noch einen
besonderen Grund für die Beibehaltung des illegalen Zustands geltend
machen könne.
12. Im Verfahren R 20 35 hielt der Beschwerdeführer am 28. Oktober 2020
duplicando an den Anträgen gemäss Vernehmlassung vom 23. Juni 2020
fest und beantragte prozessualiter, der Antrag, das Verfahren R 20 51 zu
sistieren, bis im Verfahren R 20 35 rechtskräftig entschieden sei, sei
abzuweisen. Begründend führte er im Wesentlichen an, den
Beschwerdeführerinnen fehle die materielle Beschwer und damit das
Rechtsschutzinteresse. Ausserdem erweise sich der von den
Beschwerdeführerinnen geforderte Rückbau als unverhältnismässig.
Letztere würden durch die Duldung des bestehenden Zustands keine
Beeinträchtigung ihrer Rechtsposition erleiden.
13. Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 10. November 2020 unter
Hinweis auf die angefochtene Verfügung und die beiliegenden
Verfahrensakten auf eine Stellungnahme.
14. Die Beschwerdeführerinnen hielten am 11. November 2020 an ihren
Anträgen gemäss Beschwerde vom 7. Mai 2020 bzw. Replik vom 21.
September 2020 fest und vertieften ihre Argumentation punktuell.
15. Mit Verfügung vom 12. November 2020 beschied der vormalige
Instruktionsrichter, dass die Verfahren R 20 35 und R 20 51
zusammengelegt werden und das Verfahren R 20 51 nicht sistiert wird.
Die Kostenregelung bleibe dem Entscheid in der Hauptsache vorbehalten.
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16. Am 20. November 2020 liess sich der Beschwerdeführer und am 25.
November 2020 die Beschwerdeführerinnen letztmals vernehmen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und
auf die angefochtene Verfügung sowie auf die vorliegenden Beweismittel
wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) beurteilt das
Verwaltungsgericht Beschwerden gegen Entscheide von Gemeinden,
soweit diese nicht bei einer anderen Instanz angefochten werden können
oder nach kantonalem oder eidgenössischem Recht endgültig sind. Die
angefochtene Verfügung vom 23. März 2020 stellt einen kommunalen
Entscheid im Sinne von Art. 49 Abs. 1 lit. a VRG dar. Gegen diese
Verfügung steht kein anderes Rechtsmittel als die
Verwaltungsgerichtsbeschwerde zur Verfügung; zudem ist diese auch
nicht endgültig (vgl. Art. 94 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton
Graubünden [KRG; BR 801.100], Art. 61 der Raumplanungs-verordnung
für den Kanton Graubünden [KRVO; BR 801.110], Art. 153 des
Baugesetzes der Beschwerdegegnerin [nachfolgend BauG] sowie auch
Art. 33 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Raumplanung [RPG; SR
700]). Damit ist die örtliche und sachliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden zu bejahen.
1.2.1. Näher zu prüfen ist die Beschwerdelegitimation der
Beschwerdeführerinnen. Der Beschwerdeführer stellt diese in Abrede, da
es ihnen mangels tatsächlicher Beeinträchtigung und nachteiliger
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rechtlicher Wirkung der zeitlich limitierten Duldungsverfügung an der
materiellen Beschwer und damit am Rechtsschutzinteresse fehle.
1.2.2. Gemäss dem hier massgeblichen Art. 50 VRG ist zur Beschwerde
namentlich berechtigt, wer durch den angefochtenen Entscheid berührt ist
und ein schutzwürdiges Interesse an seiner Aufhebung oder Änderung
hat. Zu beachten ist darüber hinaus, dass Art. 111 des Bundesgesetzes
über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) Mindestanforderungen an
das kantonale Verfahren definiert (vgl. Urteil des Bundesgerichts
1C_566/2017 vom 22. März 2018 E.2; BGE 141 II 307 E.6.1; vgl. dazu
AEMISEGGER/HAAG, in: AEMISEGGER/MOOR/RUCH/TSCHANNEN [Hrsg.],
Praxiskommentar RPG: Baubewilligung, Rechtsschutz und Verfahren,
Zürich/ Basel/Genf 2020, Art. 33 Rz. 50 ff., WALDMANN/HÄNNI,
Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Art. 33 Rz. 16-19, GRIFFEL,
Raumplanungs- und Baurecht in a nutshell, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen
2017, S. 206 f., FRITZSCHE/BÖSCH/ WIPF/KUNZ, Zürcher Planungs- und
Baurecht, Bd. 1, Wädenswil 2019, Rz. 9.6.3.1). Nach Art. 111 Abs. 1 BGG
muss sich am Verfahren vor allen kantonalen Vorinstanzen als Partei
beteiligen können, wer zur Beschwerde ans Bundesgericht berechtigt ist
(Grundsatz der Einheit des Verfahrens). Das heisst, die Kantone dürfen
die Beschwerdebefugnis nicht enger umschreiben, weshalb sich die
Legitimation in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten in jedem Fall nach
Art. 89 BGG beurteilt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 1C_547/2019 vom
16. April 2020 E.3.1 und 1C_566/2017 vom 22. März 2018 E.2; BGE 141
II 50 E.2.2; GRIFFEL, a.a.O., S. 207). Art. 89 Abs. 1 BGG lautet: Zur
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ist berechtigt, wer
vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur
Teilnahme erhalten hat (lit. a), wer durch den angefochtenen Entscheid
oder Erlass besonders berührt ist (lit. b) und ein schutzwürdiges Interesse
an dessen Aufhebung oder Änderung hat (lit. c). Damit gelten die
Legitimationserfordernisse, die Rechtsprechung und Lehre zu diesen
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Vorschriften entwickelt haben, auch für das vorliegende
Beschwerdeverfahren (vgl. Urteile des Verwaltungsgerichts [nachfolgend
VGU] R 19 36 vom 4. Mai 2020 E.2, U 14 67 vom 1. Dezember 2015 E.3a,
R 12 137 vom 19. März 2013 E.2b).
1.2.3. Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerinnen am vorinstanzlichen
Verfahren, das zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 23. März
2020 betreffend Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands und
Duldung während maximal zehn Jahren führte, teilgenommen haben und
damit formell im Sinne von Art. 111 Abs. 1 i.V.m. Art. 89 Abs. 1 lit. a BGG
beschwert sind (vgl. HÄNNI, Planungs-, Bau- und besonderes
Umweltschutzrecht, 6. Aufl., Bern 2016, S. 562).
1.2.4. Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers in der
Vernehmlassung vom 23. Juni 2020 sind die Beschwerdeführerinnen als
Grundeigentümerinnen der Nachbarsparzelle F._ durch die
angefochtene Verfügung auch materiell beschwert. Als direkte
Adressatinnen derselben sind sie von dieser besonders berührt, mithin
stärker als jedermann betroffen (Art. 111 Abs. 1 i.V.m. Art. 89 Abs. 1 lit. b
BGG sowie Art. 50 VRG). Zudem ist auch deren schutzwürdiges Interesse
im Sinne von Art. 111 Abs. 1 i.V.m. Art. 89 Abs. 1 lit. c BGG sowie Art. 50
VRG zu bejahen, zumal die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen
Verfügung die kotenmässig zu hohe und infolge der Verletzung des
Grenzabstands zur Parzelle F._ rechtswidrige Hausvorfahrt mit
einer längstens zehn Jahre dauernden Duldungsverpflichtung verknüpft
hat, weshalb die tatsächliche und rechtliche Situation der
Beschwerdeführerinnen durch den Ausgang des vorliegenden Verfahrens
beeinflusst werden kann (vgl. HÄNNI, a.a.O., S. 563, AEMISEGGER/HAAG,
a.a.O., Art. 33 Rz. 64; Urteil des Bundesgerichts 1C_547/2019 vom 16.
April 2020 E.3.2; BGE 141 II 307 E.6.2, BGE 141 II 50 E.2.1). Damit ist die
Beschwerdelegitimation zu bejahen.
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1.3. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichten Beschwerden in
den Verfahren R 20 35 und R 20 51 ist demnach – unter Vorbehalt der
nachstehenden Erwägungen – einzutreten.
2.1. Anfechtungsgegenstand im verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahren bilden, formell betrachtet, die angefochtene
Verfügung und, materiell gesehen, die in der Verfügung geregelten
Rechtsverhältnisse (vgl. dazu BGE 125 V 413 E.2a, BGE 110 V 48 E.3).
Streitgegenstand ist demgegenüber das aufgrund der
Beschwerdebegehren tatsächlich angefochtene, somit als Prozessthema
vor das (erst- oder zweitinstanzliche) Gericht gezogene Rechtsverhältnis
(BGE 110 V 48 E.3c). Der Streitgegenstand ergibt sich also daraus,
inwiefern nach dem Rechtsbegehren der Beschwerde das in der
Verfügung geordnete Rechtsverhältnis, genauer die im
Verfügungsdispositiv angeordnete Rechtsfolge, bestritten ist (VGU R 19
36 vom 4. Mai 2020 E.4, U 11 81 vom 8. November 2011 E.1 m.H. auf
GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, Bern 1983, S. 45; BGE 106 V 92).
Gegenstände, über welche die erstinstanzlich verfügende Behörde nicht
entschieden hat, darf die zweite Instanz nicht beurteilen (BGE 142 I 155
E.4.4.2, BGE 125 V 413 E.1b).
2.2. Vorliegend bildet die Verfügung vom 23. März 2020 Anfechtungsobjekt
und damit den Ausgangspunkt der Beschwerdeverfahren sowie zugleich
auch den Rahmen und die Begrenzung des Streitgegenstands. Dieser
kann demnach nur sein, was darin angeordnet, nicht jedoch, was schon in
früheren Entscheiden rechtskräftig entschieden wurde (vgl. VGU R 19 36
vom 4. Mai 2020 E.4.1 m.H.). So hielt die Beschwerdegegnerin bereits in
ihrem, in Rechtskraft erwachsenen Bau- und Einspracheentscheid vom
3. Juni 2019 fest, dass die erstellte Hausvorfahrt sowohl formelle
(Abweichen von den bewilligten Plänen ohne vorgängige Einholung einer
Baubewilligung) als auch materielle (Verletzung des Grenzabstands)
Bauvorschriften verletze (E.7a des Entscheids; Akten der
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Beschwerdegegnerin [Bg-act.] 40). Denn die Kote der Hausvorfahrt
betrage abweichend von der Baubewilligung 2'017.16 bis 2'017.19 m.ü.M.
Der gewachsene Boden (Kote 2'016.96 m.ü.M.) sei somit um 20 bis 23 cm
überschritten worden. Dem Beschwerdeführer sei schon seit langem
bewusst, dass für die Überschreitung der bewilligten Kote von 2'016.96
m.ü.M. eine Vereinbarung mit den Grundeigentümern der Liegenschaft
Parzelle F._ erforderlich sei. Eine solche sei aber bis heute nicht
zustande gekommen. Deshalb sei die Einsprache gutzuheissen und die
Baubewilligung für die Projektänderung infolge Verletzung des
Grenzabstands zur Parzelle F._ zu verweigern (E.4e des
Entscheids). Wenn nun der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde
namentlich vorbringt, der von der Beschwerdegegnerin bewilligte Bauplan
sehe eine (messbare) Fertigkote des Hausvorplatzes von maximal
2'017.58 m.ü.M. vor, weshalb diese Kote von dieser hätte gestattet werden
dürfen, versucht er im vorliegenden Verfahren auf die formelle und
materielle Baurechtswidrigkeit des Hausvorplatzes zurückzukommen,
über welche aber – wie gezeigt – bereits im Rahmen des nachträglichen
Baubewilligungsverfahrens mit Bau- und Einspracheentscheid vom 3. Juni
2019 entschieden und von ihm nicht angefochten wurde, weshalb der
Entscheid in Rechtskraft erwachsen ist. Die damit in Zusammenhang vom
Beschwerdeführer erhobenen Vorwürfe, wonach die Beschwerdegegnerin
gegen Treu und Glauben verstossen habe bzw. der Vertrauensschutz
verletzt und der Sachverhalt willkürlich festgestellt worden sei, sind somit
nicht zu hören. Überdies verkennt der Beschwerdeführer, dass dem am
1. Mai 2017 rechtskräftig bewilligten Plan "Erweiterung_Längsschnitt" vom
22. März 2017 entgegen seiner Auffassung eine vorliegend massgebliche
Kote von 2'016.96 m.ü.M. entnommen werden kann (Bg-act. 15). Dass
dieser Wert von Hand eingetragen ist und in den vom Beschwerdeführer
behändigten Plänen nicht aufgeführt ist (Akten des Beschwerdeführers
[Bf-act.] 2), tut seiner Richtigkeit keinen Abbruch. Denn er ergibt sich aus
der Addition der im Plan ausgewiesenen Kote der Oberkante für den
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Boden des zweiten Obergeschosses von 2'013.93 m.ü.M. + 2.47 m
Raumhöhe + 0.56 m Konstruktionsstärke. Insofern ist nicht zu
beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin angesichts der von der
I._ AG aufgenommenen Koten von 2'017.16 m.ü.M. bei der
Pflästerung der Hausvorfahrt beim Glasband bzw. von 2'017.19 m.ü.M. bei
der Pflästerung an der Hauswand der Parzelle H._ (Bg-act. 21),
auf welche auch der Beschwerdeführer für sein Projektänderungsgesuch
vom 8. Februar 2019 abstellte (Bg-act. 27), von einer Überschreitung der
bewilligten Kote von 2'016.96 m.ü.M. um 20 bis 23 cm ausging. Dass sie
zuvor am 7. November 2018 noch von einer Abweichung von 11 cm
sprach, vermag daran nichts zu ändern, handelt es sich dabei doch um
einen im Bauabnahmeprotokoll festgehaltenen Wert und nicht – wie der
Beschwerdeführer anzudeuten versucht – um eine Verfügung (vgl. Bg-act.
22).
2.3. Am Streitgegenstand vorbei zielt auch der Einwand des
Beschwerdeführers, wonach der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt
und eine Rechtsverweigerung begangen worden sei, weil die
Beschwerdegegnerin im Erkenntnis ohne weitere Begründung zur
Anwendbarkeit von Art. 30 Ziff. 1 BauG die anbegehrte Anhebung der Kote
der Hausvorfahrt abgelehnt habe. Diese Vorbringen betreffen wiederum
das nachträgliche Baubewilligungsverfahren zur Projektänderung und
hätten im ordentlichen Rechtsmittelverfahren zur verweigerten Bewilligung
der kotenmässig zu hoch erstellten Hausvorfahrt geltend gemacht werden
müssen.
2.4. Angesichts der in der angefochtenen Verfügung geregelten
Rechtsverhältnisse und der in den Verfahren R 20 35 und R 20 51
gestellten Rechtsbegehren bildet der Streitgegenstand vorliegend somit
die Frage, ob die Beschwerdegegnerin die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands (Herabsetzung der Kote der Hausvorfahrt über
der Wohnraumerweiterung auf 2'016.96 m.ü.M.) sowie die Duldung des
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derzeitigen Zustands bis längstens zehn Jahre seit Rechtskraft der
Verfügung zu Recht angeordnet hat.
2.5. Nicht einzutreten ist hingegen auf den darüber hinausgehenden und erst
im vorliegenden Verfahren gestellten Antrag der Beschwerdeführerinnen,
wonach die Beschwerdegegnerin anzuweisen sei, die
Beseitigungsverpflichtung gemäss Ziff. 2 und 3 des angefochtenen
Entscheids im Grundbuch anmerken zu lassen. Er stellt eine unzulässige
Ausdehnung der Rechtsbegehren dar (Art. 51 Abs. 2 VRG), beschränkten
sich die Beschwerdeführerinnen in ihrer Stellungnahme vom 13.
Dezember 2019 zum Verfügungsentwurf der Beschwerdegegnerin,
welcher bereits eine für längstens zehn Jahre aufschiebbare
Rückbauverpflichtung vorsah, doch darauf, die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands bis zum 1. Juni 2020 zu verlangen (Bg-act. 44 S.
2).
3.1. Vorab ist auf die formellen Vorbringen einzugehen, soweit diese nicht
schon im Rahmen des Vorerwähnten zum Streitgegenstand thematisiert
worden sind:
3.2.1. Die Beschwerdeführerinnen erblicken im Umstand, dass die
Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung vom 23. März 2020 in der
Dispositiv-Ziff. 2 lediglich die Kote des Abstellplatzes erwähnt habe, eine
Rechtsverweigerung und einen Verstoss gegen Art. 94 Abs. 1 KRG. Denn
neben der Decke der unterirdischen Wohnraumerweiterung überstiegen
auch die im Grenzabstandsbereich befindlichen Rahmen der Oberlichter
und die Kote der Parkplatzfläche die bewilligte Höhenkote und stellten
daher materiell baurechtswidrige Zustände dar, welche zu beseitigen
seien. In Ziff. 2 der angefochtenen Verfügung seien entsprechend die
Umrandung der Oberlichter, die Kote des Parkplatzes und der Decke des
Erweiterungsraumes aufzunehmen und der Beschwerdeführer sei
anzuweisen, sie auf das bewilligte Mass zu reduzieren.
- 17 -
3.2.2. Wie bereits dargelegt, lautet Dispositiv-Ziff. 2 der Verfügung vom 23. März
2020 wie folgt: "Der Beschwerdeführer wird verpflichtet, die Kote der
Hausvorfahrt über der Wohnraumerweiterung auf 2'016.96 m.ü.M.
gemäss Bauentscheid vom 1. Mai 2017 zu reduzieren." Zwar wird darin
nur die auf 2'016.96 m.ü.M. abzusenkende Kote der Hausvorfahrt über der
Wohnraumerweiterung ausdrücklich genannt. Aus der
Entscheidbegründung, welche für die Auslegung des Dispositivs
heranzuziehen ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_74/2020 vom 24.
September 2020 E.2.5.1), ergibt sich jedoch unmissverständlich, dass die
Kote des Daches der Wohnraumerweiterung bzw. der Hausvorfahrt auf
2'016.96 m.ü.M. (gewachsener Boden) zu senken ist. Damit gemeint ist
somit die Oberkante der Deckenkonstruktion der unterirdischen
Wohnraumerweiterung, die auch die Parkplatzfläche, als welche die
Hausvorfahrt genutzt wird, bzw. die befahrbaren, mit dem Platzbelag
flächenbündigen Lichtbänder miteinschliesst. So hielt denn auch die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung fest, die
Tiefersetzung habe selbstverständlich auch für die befahrbaren
Oberlichter auf der Wohnraumerweiterung zu gelten (E.11 des
Entscheids), was denn auch vom Beschwerdeführer in seiner
Vernehmlassung vom 23. Juni 2020 anerkannt wird (S. 9). Eine
Rechtsverletzung bzw. -verweigerung ist somit nicht auszumachen.
3.3. Soweit der Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren den Antrag stellt,
es sei ein Augenschein durchzuführen, ist dieser in antizipierter
Beweiswürdigung abzuweisen (vgl. BGE 136 I 229 E.5.3, BGE 134 I 140
E.5.3), da sich der rechtlich erhebliche Sachverhalt mit hinreichender
Klarheit aus den in den Akten liegenden Bauplänen, Fotodokumentationen
und weiteren Umgebungsübersichten ergibt, welche eine verlässliche
Beurteilung der Wiederherstellung bzw. Duldung der baurechtswidrigen
und ohnehin von aussen nicht merklich in Erscheinung tretenden
Hausvorfahrt ermöglicht.
- 18 -
4.1. Gemäss dem – gestützt auf Art. 107 Abs. 2 Ziff. 6 KRG direkt
anwendbaren – Art. 94 Abs. 1 KRG sind materiell vorschriftswidrige
Zustände auf Anordnung der zuständigen Behörde zu beseitigen,
gleichgültig, ob für deren Herbeiführung ein Bussverfahren durchgeführt
wurde. Laut Art. 94 Abs. 3 KRG obliegt die Pflicht zur Wiederherstellung
des rechtmässigen Zustands sowohl den Eigentümerinnen und den
Eigentümern als auch den Personen, die den rechtswidrigen Zustand
herbeigeführt haben. Unabdingbare Voraussetzung für die Anordnung
einer Wiederherstellungsverfügung ist mithin das Vorliegen eines materiell
vorschriftswidrigen Zustands. Dies bedeutet, dass dem Erlass einer
Wiederherstellungsverfügung grundsätzlich ein nachträgliches
Baubewilligungsverfahren vorauszugehen hat, in dessen Rahmen vorab
die Rechtswidrigkeit des fraglichen Zustands zu prüfen ist. Von einem
separaten Sachentscheid über die nachträgliche
Bewilligungsverweigerung kann aus prozessökonomischen Gründen
jedoch abgesehen werden, wenn die Sach- und Rechtslage klar und die
Verletzung von materiellen Vorschriften offensichtlich ist und von
vornherein feststeht, dass eine nachträgliche Baubewilligung nicht erteilt
werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1A.17/2004 vom 19. Mai
2004 E.2.2.5; VGU R 14 65 vom 6. Oktober 2015 E.3a, R 13 227 vom
1. Juli 2014 E.4c m.H.).
4.2. Vorliegend hat das nachträgliche Baubewilligungsverfahren, welches dem
Erlass einer Wiederherstellungs- bzw. Duldungsverfügung grundsätzlich
vorauszugehen hat, – wie bereits dargelegt – unstreitig stattgefunden und
im Bau- und Einspracheentscheid vom 3. Juni 2019 seinen Abschluss
gefunden. Darin wurde unter anderem rechtskräftig festgestellt, dass die
Hausvorfahrt sowohl formelle (Abweichen von den bewilligten Plänen
ohne vorgängige Einholung einer Baubewilligung) als auch materielle
(Verletzung des Grenzabstands) Bauvorschriften verletze (E.7a des
Entscheids; Bg-act. 40). Die gegenteilige Behauptung des
- 19 -
Beschwerdeführers im vorliegenden Verfahren geht demnach fehl. In den
Ziff. 1 und 2 des Dispositivs des besagten Entscheids wurde sodann
festgehalten, dass die Einsprache betreffend Verletzung des
Grenzabstands gutgeheissen und das Projektänderungsgesuch bezüglich
der Anhebung der Kote der Hausvorfahrt abgelehnt werde. Dass darin die
Kote nicht zahlenmässig genannt worden ist, tut der Rechtsverbindlichkeit
keinen Abbruch, geht doch aus der Entscheidbegründung klar hervor,
dass die Hausvorfahrt die massgebliche, dem gewachsenen Boden
entsprechende Kote von 2'016.96 m.ü.M. um 20 bis 23 cm überschreitet.
4.3. Gestützt auf Art. 94 Abs. 1 und 2 KRG ist die Beschwerdegegnerin
demnach grundsätzlich zuständig und befugt, diesen materiell
vorschriftswidrigen Zustand mittels einer Wiederherstellungsanordnung zu
beseitigen. Das Vorliegen einer materiellen Gesetzesverletzung genügt für
den Erlass einer Wiederherstellungsverfügung indes noch nicht. Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die Anordnung der
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands im Einzelfall nämlich
unzulässig, wenn sie allgemeinen Prinzipien des Verfassungs- und
Verwaltungsrechts entgegensteht. Dazu gehören namentlich die in Art. 5
Abs. 2 und 3 sowie Art. 9 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) festgehaltenen Grundsätze der
Verhältnismässigkeit und des Schutzes des guten Glaubens (vgl. BGE
136 II 359 E.6; Urteil des Bundesgerichts 1C_344/2017 vom 17. April 2018
E.5.1). Im Einklang mit dieser Rechtsprechung statuiert Art. 94 Abs. 4
KRG, dass von der Anordnung einer Wiederherstellungsmassnahme
abzusehen und stattdessen eine Duldungsverfügung zu erlassen ist, wenn
dies aus Gründen des Vertrauensschutzes oder der Verhältnismässigkeit
angezeigt ist. Anhand dieser beiden Aspekte wird nachfolgend zu prüfen
sein, ob die Wiederherstellungs- bzw. befristete Duldungsverfügung der
Beschwerdegegnerin zu Recht ergangen ist.
- 20 -
5.1. Das in Art. 9 BV enthaltene Gebot von Treu und Glauben gibt dem Bürger
einen Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens in behördliche
Zusicherungen oder sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes
Verhalten der Behörden. Es müssen indessen verschiedene
Voraussetzungen kumulativ erfüllt sein, damit sich der Private mit Erfolg
auf den Vertrauensschutz berufen kann. Zunächst bedarf es eines
Anknüpfungspunktes. Es muss mithin eine Vertrauensgrundlage
vorhanden sein. Darunter ist das Verhalten eines staatlichen Organs zu
verstehen, das bei den betroffenen Privaten bestimmte Erwartungen
auslöst (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/ UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8.
Aufl., Zürich/St. Gallen 2020, Rz. 624 und 627). Eine wichtige Kategorie
von Vertrauensgrundlagen bilden (unrichtige) Auskünfte und Zusagen der
Behörden. Dabei taugt nicht jede behördliche Auskunft als
Vertrauensbasis (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 636 und 668).
Erforderlich ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung, dass es sich
dabei um eine vorbehaltlose Auskunft der Behörden handelt, sich die
Auskunft auf eine konkrete, den Bürger berührende Angelegenheit bezieht
und die Amtsstelle, welche die Auskunft erteilt hat, hierfür zuständig war
oder der Bürger sie aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten
durfte (vgl. BGE 137 II 182 E.3.6.2). Ferner kann auch die behördliche
Untätigkeit eine Vertrauensgrundlage begründen, was namentlich dann
der Fall sein kann, wenn die Behörde den rechtswidrigen Zustand zuvor
über Jahre hinweg geduldet hatte, obschon ihr die Gesetzwidrigkeit
bekannt war oder sie diese bei Anwendung der gebotenen Sorgfalt hätte
kennen müssen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 1C_176/2009 vom 28.
Januar 2010 E.2.2.1, 1A.19/2001 vom 22. August 2001 E.4b). Neben der
Vertrauensgrundlage setzt der Vertrauensschutz voraus, dass die Person,
welche sich darauf beruft, berechtigterweise auf diese Grundlage
vertrauen durfte, also gutgläubig ist. Hinsichtlich einer behördlichen
Untätigkeit als Vertrauensgrundlage gilt es diesbezüglich festzuhalten,
dass sich die betroffene Person selbst bei langjähriger behördlicher
- 21 -
Duldung nicht auf den Vertrauensschutz berufen kann, wenn sie selbst
über den rechtswidrigen Zustand in bösem Glauben war (vgl. BGE 136 II
359 E.7.1). Für die Annahme bösen Glaubens ist nicht erforderlich, dass
dem Betroffenen die Nutzung ausdrücklich untersagt worden ist. Vielmehr
genügt es für den Ausschluss des Vertrauensschutzes, wenn der
Betroffene wusste oder bei zumutbarer Sorgfalt wissen musste, dass der
Zustand unrechtmässig war (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_37/2013
vom 9. Oktober 2013 E.6.1). Weiter setzt der Vertrauensschutz voraus,
dass die betroffene Person gestützt auf die Vertrauensgrundlage
nachteilige Dispositionen getroffen hat, die sie nicht mehr rückgängig
machen kann. Die Vertrauensgrundlage muss mithin kausal für die
nachteilige Disposition gewesen sein. Ferner wird vorausgesetzt, dass die
Rechtslage zur Zeit der Verwirklichung noch die gleiche ist wie im
Zeitpunkt der Auskunftserteilung (vgl. BGE 129 I 161 E.4.1, BGE 137 II
182 E.3.6.2). Doch selbst wenn die Voraussetzungen des
Vertrauensschutzes erfüllt sind, können sich Private nicht darauf berufen,
sofern ein überwiegendes öffentliches Interesse dem entgegensteht. Die
Interessenabwägung im Einzelfall bleibt daher vorbehalten und bildet eine
Schranke des Vertrauensschutzes (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O.,
Rz. 664; BGE 129 I 161 E.4.1).
5.2. Dass die Beschwerdegegnerin nicht von Gutgläubigkeit des
Beschwerdeführers ausging, ist nicht zu beanstanden. Sie bewilligte das
Baugesuch samt Pläne am 1. Mai 2017. Die für die Hausvorfahrt
massgebliche Kote von 2'016.96 m.ü.M. lässt sich – wie dargelegt und
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers insbesondere auch für
einen Architekten – dem Plan "Erweiterung_Längsschnitt" vom 22. März
2017 entnehmen und ergibt sich aus der Addition der im Plan
ausgewiesenen Kote der Oberkante für den Boden des zweiten
Obergeschosses von 2'013.93 m.ü.M. + 2.47 m Raumhöhe + 0.56 m
Konstruktionsstärke (Bg-act. 15; vgl. zudem Bau- und
- 22 -
Einspracheentscheid vom 3. Juni 2019 [Bg-act. 40], in welchem die
Beschwerdegegnerin in Übereinstimmung mit den Ausführungen des
Beschwerdeführers zum gewachsenen Boden dessen Kote vorliegend bei
2'016.96 m.ü.M. festlegte [E.4c]). Dennoch erstellte der Beschwerdeführer
die Hausvorfahrt in Überschreitung dieser Höhe auf der Kote von 2'017.16
bis 2'017.19 m.ü.M. (vgl. zur Anrechnung des Verhaltens der
beigezogenen Hilfspersonen BGE 130 III 591 E.5, BGE 98 II 102 E.4, BGE
95 II 43 E.4c; vgl. auch BGE 119 II 127 E.4a), obwohl keine Gründe
ersichtlich sind, weshalb das Projekt nicht unter Einhaltung der
rechtskräftig bewilligten Kotenhöhe hätte realisiert werden können. Dabei
gestand der Beschwerdeführer ein, dass Teile des realisierten
Bauvorhabens, einschliesslich die Kote des Hausvorplatzes, von den
genehmigten Bauplänen abweichen würden (vgl. Schreiben vom 8.
Februar 2019 [Bg-act. 27 S. 3 f.] und vom 23. April 2019 [Bg-act. 34 S. 6]),
worauf er – entgegen seiner Auffassung im vorliegenden Verfahren –
behaftet werden kann. Der Beschwerdeführer hätte aber wissen müssen,
dass ohne neues Baugesuch nicht von den bewilligten Plänen hätte
abgewichen werden dürfen (Urteile des Bundesgerichts 1C_172/2020
vom 24. März 2021 E.6.5, 1C_204/2019 vom 8. April 2020 E.4.3 m.H.). Er
hat demnach im baurechtlichen Sinn bösgläubig gehandelt. Zudem ergibt
sich aus den während der Bauausführung verfassten Schreiben der
Beschwerdeführerinnen an die Beschwerdegegnerin bzw. den
Beschwerdeführer resp. dessen Architekten (vgl. Bg-act. 16 und 18), dass
dem Beschwerdeführer die Wichtigkeit der Einhaltung des Grenzabstands
bewusst gewesen sein musste bzw. er darum gewusst haben muss, dass
für dessen Unterschreitung die Zustimmung der Beschwerdeführerinnen
nach Art. 77 KRG erforderlich ist. Auch dies spricht für seine
Bösgläubigkeit.
5.3. Nichts daran zu ändern vermag das Vorbringen des Beschwerdeführers,
er habe in berechtigtem Vertrauen auf die sich in den Plänen
- 23 -
manifestierende behördliche Zusage gebaut, wobei sein Architekt auf der
rohen Gebäudehülle mit einer bewilligten Höhenkote von 2'017.08 m.ü.M.
den im Plan kenntlich gemachten Unterbau samt Pflästerung habe
anbringen lassen dürfen. Vielmehr lässt sich dem Plan
"Erweiterung_Längsschnitt" vom 22. März 2017 entnehmen, dass die von
ihm angeführte Kote von 2'017.08 m.ü.M., welche als Grundlage für den
anzubringenden Unterbau und die Pflästerung habe dienen sollen, leicht
über der Kote für die Hausvorfahrt liegt. Letztere ergibt sich gemäss
diesem Bauplan – wie hiervor ausgeführt und für einen Architekten
erkennbar – aus der Addition der ausgewiesenen Kote der Oberkante für
den Boden des zweiten Obergeschosses von 2'013.93 m.ü.M. + 2.47 m
Raumhöhe + 0.56 m Konstruktionsstärke und kommt bei der Kote von
2'016.96 m.ü.M. zu liegen (Bg-act. 15). Der Beschwerdeführer kann somit
gestützt auf den mit der Baubewilligung vom 1. Mai 2017 genehmigten
Plan "Erweiterung_Längsschnitt" vom 22. März 2017 nichts zu seinen
Gunsten ableiten; insbesondere liegt keine, wie von ihm geltend gemachte
Vertrauensgrundlage vor, weshalb er sich nicht auf den Vertrauensschutz
berufen kann. Es erübrigt sich daher, auf die weiteren Voraussetzungen
für den Vertrauensschutz einzugehen.
6.1. Sodann bleibt zu prüfen, ob die angefochtene Wiederherstellungs- bzw.
Duldungsverfügung auch vor einer Verhältnismässigkeitsprüfung
standhält. Mit Verfügung vom 23. März 2020 beschied die
Beschwerdegegnerin, dass der Beschwerdeführer verpflichtet wird, die
Kote der Hausvorfahrt über der Wohnraumerweiterung auf 2'016.96
m.ü.M. gemäss Bauentscheid vom 1. Mai 2017 zu reduzieren (Dispositiv-
Ziff. 2), wobei die Verpflichtung solange aufgeschoben und der derzeitige
Zustand geduldet wird, bis Sanierungs- und Renovationsarbeiten an der
Decke der Wohnraumerweiterung oder am Belag der Hausvorfahrt
ausgeführt werden, längstens für zehn Jahre seit Rechtskraft der
vorliegenden Verfügung (Dispositiv-Ziff. 3). Diese Anordnung erachten
- 24 -
sowohl der Beschwerdeführer als auch die Beschwerdeführerinnen als
unverhältnismässig. Während Letztere in der auf längstens zehn Jahre
befristeten Duldungsverfügung einen willkürlichen Eingriff in ihren
Anspruch auf Einhaltung des Grenzabstands erblicken, erachtet Ersterer
nur den Erlass einer mehr als zehn Jahre dauernden bzw. zeitlich nicht
begrenzten Duldungsverfügung als verhältnismässig. Dies läuft letztlich
darauf hinaus, dass auf eine Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands verzichtet werden soll.
6.2. Formell rechtswidrige Bauten, die nachträglich nicht bewilligt werden
können, müssen grundsätzlich beseitigt werden (BGE 136 II 359 E.6
m.H.). Die mit der Anordnung der Beseitigung einer Baute verbundene
Eigentumsbeschränkung ist jedoch nur zulässig, wenn sie auf einer
gesetzlichen Grundlage beruht, im öffentlichen Interesse liegt und
verhältnismässig ist (Art. 36 BV). Das Verhältnismässigkeitsprinzip
verlangt, dass eine Massnahme für das Erreichen des im öffentlichen oder
privaten Interesse liegenden Ziels geeignet und erforderlich ist und sich
für die Betroffenen in Anbetracht der Schwere der
Grundrechtseinschränkung als zumutbar erweist (BGE 140 I 2 E.9.2.2
m.H.). Die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands kann
unterbleiben, wenn die Abweichung vom Erlaubten nur unbedeutend ist
oder die Wiederherstellung nicht im öffentlichen Interesse liegt, ebenso,
wenn der Bauherr in gutem Glauben angenommen hat, die von ihm
ausgeübte Nutzung stehe mit der Baubewilligung im Einklang, und ihre
Fortsetzung nicht schwerwiegenden öffentlichen Interessen widerspricht
(BGE 132 II 21 E.6 m.H.). Auf die Verhältnismässigkeit kann sich auch ein
Bauherr berufen, der nicht gutgläubig gehandelt hat. Er muss aber in Kauf
nehmen, dass die Behörden aus grundsätzlichen Erwägungen, namentlich
zum Schutz der Rechtsgleichheit und der baulichen Ordnung, dem
Interesse an der Wiederherstellung des gesetzmässigen Zustands
erhöhtes Gewicht beimessen und die dem Bauherrn allenfalls
- 25 -
erwachsenden Nachteile nicht oder nur in verringertem Masse
berücksichtigen (BGE 132 II 21 E.6.4 und Urteil des Bundesgerichts
1C_480/2019, 1C_481/2019 vom 16. Juli 2020 E.5.1, je m.H.). Gemäss
Art. 94 Abs. 4 KRG erlässt die zuständige Behörde eine Verfügung, dass
der gesetzwidrige Zustand geduldet wird (Duldungsverfügung), wenn sie
aus Gründen der Verhältnismässigkeit oder des Vertrauensschutzes von
der Anordnung von Wiederherstellungsmassnahmen ganz oder teilweise
absehen muss (zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 1C_172/2020
vom 24. März 2021 E.6.4).
6.3. Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung fest,
dass der gesamte Hausvorplatz um 20 bis 23 cm höher ausgeführt worden
sei als bewilligt. Von den Ausmassen betrachtet könne die Abweichung
vom rechtmässigen Zustand nicht mehr als klein gewertet werden. Es
könne einzig festgehalten werden, dass der darunterliegende Raum nicht
von der Anhebung der Hausvorfahrt profitiert habe. Die höhere
Ausführung des Hausvorplatzes beeinflusse die Nutzungsmöglichkeiten
weder innen noch aussen. Durch die genannten Verhältnisse werde das
ansonsten starke öffentliche Interesse an der Einhaltung der
Höhenbestimmungen ein wenig relativiert. Die privaten Interessen der
Nachbarn würden durch das um 20 bis 23 cm höhere Niveau des
Hausvorplatzes kaum tangiert. Insbesondere würden sie betreffend
Aussicht und Besonnung davon nicht betroffen. Der bauliche und damit
finanzielle Aufwand, um den bestehenden Aufbau abzutragen, erscheine
relativ hoch, wenn in Betracht gezogen werde, dass die bauliche
Veränderung kaum erkennbar sein werde. Dies verleihe dem Interesse
des Beschwerdeführers, den baurechtswidrigen Zustand beizubehalten,
immerhin etwas Gewicht. Angesichts der gesamten Umstände und unter
Abwägung der öffentlichen und privaten Interessen rechtfertige es sich
nicht, auf eine Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands zu
verzichten. Das öffentliche Interesse an der Durchsetzung des materiellen
- 26 -
Rechts überwiege letztendlich. Insofern verlange die Beschwerdegegnerin
die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands ausdrücklich, womit
die öffentlich-rechtlichen Bestimmungen zum Grenz- und
Gebäudeabstand durchgesetzt würden. Die Miteigentümer der Parzelle
F._ würden demnach weder gezwungen, ein Näherbaurecht
einzuräumen noch den heutigen Zustand zeitlich unbegrenzt zu dulden.
Eine befristete Duldung des widerrechtlichen Zustands beschränke die
Baufreiheit der Miteigentümer der Parzelle F._ in keiner Weise.
Andere drohende Nachteile, die ihnen aus der temporären Duldung
entstehen könnten, seien nicht ersichtlich. Insbesondere sei angesichts
der Umgebung und Lage der benachbarten Liegenschaften nicht
nachvollziehbar, wie möglicherweise schwerere Fahrzeuge auf der Decke
der Wohnraumerweiterung die Miteigentümer der Parzelle F._
beeinträchtigen könnten. Auch könne sich der Beschwerdeführer nicht auf
den Vertrauensschutz berufen. Es sei unverändert von einer Abweichung
im Umfang von 20 bis 23 cm auszugehen, welche nicht mehr als
geringfügig betrachtet werden könne. Die Verhältnismässigkeit sei
gewahrt, wenn die Beschwerdegegnerin die Beseitigung des
widerrechtlichen Zustands nicht sofort, sondern nach Ablauf einer
angemessenen Frist verlange (E.7 ff. der angefochtenen Verfügung).
Inwiefern die Beschwerdegegnerin bei dieser Interessenabwägung infolge
Nichterwähnung von Nachteilen für die Beschwerdeführerinnen in Willkür
verfallen sein soll, ist nicht ersichtlich. Ebenso wenig kann dem
Beschwerdeführer gefolgt werden, wenn er vorbringt, die
Beschwerdegegnerin habe es unterlassen, gegen einen Abbruch
sprechende Interessen zu berücksichtigen. Die sinngemäss von ihm
geltend gemachte Gehörsverletzung zielt somit ins Leere.
6.4. Die Beschwerdegegnerin gelangte in der angefochtenen Verfügung zum
Schluss, dass die bauliche Korrektur nicht zwingend sofort erfolgen
müsse. Damit könne solange zugewartet werden, bis Sanierungsarbeiten
- 27 -
an der Isolation oder am Aufbau des Belangs anstünden. Sobald
Abdichtungs- oder Sanierungsarbeiten an der Decke der
Wohnraumerweiterung auszuführen seien und dadurch die bestehende
Pflästerung des Hausvorplatzes ganz oder teilweise entfernt werden
müsse, sei der Beschwerdeführer verpflichtet, die Kote des Daches der
Wohnraumerweiterung / Hausvorfahrt auf 2'016.96 m.ü.M. gemäss
Baubewilligung vom 1. Mai 2017 zu bringen. Wie die Miteigentümer von
Parzelle F._ zu Recht darauf hinwiesen, habe dies
selbstverständlich auch für die befahrbaren Oberlichter der
Wohnraumerweiterung zu gelten. Um den Zeitpunkt, in dem die bauliche
Massnahme umzusetzen sei, nicht ganz dem Ermessen des
Beschwerdeführers zu überlassen und um sicherzustellen, dass der
Verpflichtung letztlich auch Folge geleistet werde, müsse der
rechtmässige Zustand spätestens zehn Jahre seit Rechtskraft der
vorliegenden Verfügung hergestellt sein (E.11 des Entscheids).
6.5. Daraus folgt, dass der umstrittene Wiederherstellungsbefehl die
rechtsgleiche Anwendung und Durchsetzung der Bauvorschriften
sicherstellen soll. Er stellt eine im öffentlichen Interesse liegende, hierfür
geeignete Massnahme dar. Das öffentliche Interesse an der
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands ist vorliegend gegeben,
da das Interesse an der Einhaltung der baurechtlichen Bestimmungen und
an der konsequenten Verhinderung von Bauten, die der baurechtlichen
Ordnung widersprechen, generell gross ist (vgl. BGE 136 II 359 E.6).
Inwiefern dieses öffentliche Interesse – wie der Beschwerdeführer
vorbringt – insoweit zu relativieren ist, als dass Anpassungen am
Geländeverlauf gemäss kommunaler Bauordnung zulässig sein sollen, ist
nicht ersichtlich. Soweit dieses Vorbringen überhaupt zu hören ist (vgl.
hierzu Ausführungen zum Streitgegenstand oben) und die Voraussetzung
dafür gegeben sein sollten, ist nicht ersichtlich, dass die Vornahme solcher
Terrainveränderungen vorliegend bei der Hausvorfahrt geplant gewesen
- 28 -
wären bzw. in absehbarer Zeit hätten umgesetzt werden sollen und zu
einer Anpassung der massgebenden, dem gewachsenen Boden
entsprechenden Kote geführt hätte. Zudem vermögen auch die vom
Beschwerdeführer in den Rechtsschriften genannten, gegen eine
Rückbauverfügung sprechenden öffentlichen Interessen nicht zu
überzeugen. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Duldung des
rechtswidrigen Zustands dem Interesse an einer möglichst sparsamen und
umweltschonenden Nutzung des Baulands (keine Hochbauten) und der
Schaffung von Rechtsfrieden zwischen Nachbarn zuträglich sein soll.
Auch ist angesichts der bautechnischen Möglichkeiten nicht einzusehen,
weshalb eine Tiefersetzung der Hausvorfahrt auf die bewilligte Höhenkote
negative Auswirkungen auf die Isolation bzw. Wärmedämmung und auf
die Tragfähigkeit der Deckenkonstruktion haben soll, so dass die
Zugänglichkeit für Fahrzeuge der öffentlichen Dienste gefährdet wäre.
Soweit der Beschwerdeführer eine durch den Rückbau verursachte,
unnötige Zerstörung wirtschaftlicher Werte geltend macht, ist dieses
seinen privaten Interessen zuzuschreiben. Zwar mag – wie bereits die
Beschwerdegegnerin anerkannt hat – die Tiefersetzung der Hausvorfahrt
auf die bewilligte Kote von 2'016.96 m.ü.M. kostspielig sein. Diese durch
die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands verursachten
wirtschaftlichen Nachteile für den Beschwerdeführer sind jedoch
angesichts dessen Bösgläubigkeit zumindest zu relativieren. Nichts zu
seinen Gunsten abzuleiten vermag der Beschwerdeführer schliesslich aus
dem Umstand, dass er kein wirtschaftliches Interesse an der Beibehaltung
des rechtswidrigen Zustands hat bzw. der unterirdische Wohnraum durch
die höhergelegene Hausvorfahrt nicht profitiert.
6.6. Den Interessen des Beschwerdeführers sind jene der
Beschwerdeführerinnen gegenüberzustellen. Soweit diese durch die
Duldung des rechtswidrigen Zustands eine Mehrbelastung befürchten,
kann ihnen nicht gefolgt werden. Wie bereits die Beschwerdegegnerin
- 29 -
feststellte, beeinflusst die höhere Ausführung des Hausvorplatzes
unbestrittenermassen die Nutzungsmöglichkeiten weder innen noch
aussen. Insofern ist nicht nachvollziehbar, weshalb mit der höheren
Hausvorfahrt eine Zunahme des Verkehrs sowie der Nutzung und – damit
verbunden – mehr Lärm und Abgasimmissionen zu erwarten sein sollen.
Ebenso wenig ist ersichtlich noch wird rechtsgenüglich dargelegt, dass mit
der Anhebung der Hausvorfahrt beabsichtigt gewesen wäre, das Abstellen
von schweren Fahrzeugen auf dem Parkplatz zu ermöglichen. Dass
zudem durch darauf abgestellte Lieferwagen die Aussicht der
Beschwerdeführerinnen eingeschränkt werden soll, vermag – wie den im
Recht liegenden Plänen und der Fotodokumentation entnommen werden
kann (Bf-act. 9) – bei einer um 20 bis 23 cm höheren Hausvorfahrt und
dem dahinterliegenden, bereits bestehenden dritten Obergeschoss des
Wohnhauses auf der Parzelle H._ nicht zu überzeugen.
Schliesslich kann den Beschwerdeführerinnen nicht gefolgt werden, wenn
sie vorbringen, sie müssten bei einer Änderung des Grundrisses der
"A._" auf der Parzelle F._ erhöhte Gebäudeabstände
einhalten. Vielmehr ist der Beschwerdegegnerin darin beizupflichten, dass
eine Duldung des widerrechtlichen Zustands die Baufreiheit der
Beschwerdeführerinnen hinsichtlich der einzuhaltenden
Abstandsvorschriften nicht einschränkt. Eine Entwertung der
"A._" ist somit nicht auszumachen.
6.7. Der Beschwerdegegnerin ist zusammen mit den Beschwerdeführerinnen
darin beizupflichten, dass die Abweichung vom rechtmässigen Zustand
vorliegend nicht als klein eingestuft werden kann. Anders als die
Beschwerdegegnerin ist für deren Beurteilung aber nicht auf das Ausmass
der Überschreitung der bewilligten, dem gewachsenen Boden
entsprechenden Höhenkote der Hausvorfahrt um 20 bis 23 cm
abzustellen. Dieser Umstand führt vielmehr dazu, dass der Grenzabstand
zur Nachbarsparzelle F._ verletzt wird. Da die Hausvorfahrt
- 30 -
entlang der gemeinsamen Grenze zwischen den Parzellen H._
und F._ führt, ist von einer vollständigen Unterschreitung des
Grenzabstands auszugehen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass der
Grenzabstand die Einflüsse von Bauten und ihrer Benutzung auf
Nachbargrundstücke (wie namentlich die Beeinträchtigung von
Belichtung, Besonnung, Belüftung und Aussicht) mindern, vor
Schattenwurf und Einsicht schützen und öffentliche Interessen der
Ästhetik sowie gesundheits- und feuerpolizeiliche Anliegen fördern soll
(Urteile des Bundesgerichts 1C_8/2019 vom 20. Mai 2019 E.5.3,
1C_396/2007 vom 5. Mai 2008 E.4.5.3, 1P.134/2005 vom 19. Mai 2005
E.1.4; BGE 119 Ia 113 E.3b). Diese Zweckbestimmungen werden durch
die um 20 bis 23 cm höher als bewilligt erstellte Hausvorfahrt kaum
berührt, tritt sie – wie insbesondere der im Recht liegenden
Fotodokumentation entnommen werden kann (Bf-act. 9) – doch von
aussen nur unmerklich in Erscheinung. Es werden somit keine
wesentlichen Nachbarsinteressen tangiert.
6.8. In Gesamtwürdigung der konkreten Gegebenheiten der vorliegenden
Angelegenheit stehen sich somit das öffentliche Interesse an der
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands, nämlich die
rechtsgleiche Anwendung und Durchsetzung der Bauvorschriften, sowie –
in geringerem Masse – die Interessen der Beschwerdeführerinnen am
Nachbarschutz zum einen und die Vermögensinteressen des
Beschwerdeführers zum anderen gegenüber. Da die finanziellen
Einbussen, welche der Beschwerdeführer durch den Rückbau der
Hausvorfahrt auf die bewilligte Kote erleidet, aufgrund dessen
Bösgläubigkeit weniger ins Gewicht fallen, werden diese privaten
insbesondere von den öffentlichen Interessen übertroffen. Demnach ist
nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands trotz der damit
einhergehenden Eigentumsbeschränkung angeordnet hat. Da allerdings
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die Beschwerdeführerinnen aus der Grenzabstandsverletzung kaum
nachteilige Konsequenzen zu gewärtigen haben, erscheint es auch im
Lichte der von ihnen geltend gemachten baurechtlichen Bestimmungen
(grundsätzliches Zustimmungserfordernis für ein Näherbaurecht) und
verfassungsmässigen Rechten als zumutbar, den Rückbaubefehl im
Sinne einer milderen Mass-nahme aufzuschieben bis Abdichtungs- oder
Sanierungsarbeiten an der Decke der Wohnraumerweiterung oder am
Aufbau des Belags nötig werden und dadurch die bestehende Pflästerung
der Hausvorfahrt ganz oder teilweise entfernt werden muss. Um allerdings
sicherzustellen, dass der Wiederherstellungsverpflichtung seitens des
Beschwerdeführers auch tatsächlich nachgelebt und diese nicht in sein
freies Ermessen gestellt wird, erscheint eine längstens zehn Jahre
dauernde Duldungsverfügung bis der rechtmässige Zustand hergestellt
werden muss als verhältnismässig.
7. Die Beschwerden in den Verfahren R 20 35 und R 20 51 erweisen sich
somit als unbegründet und sind abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
Bei diesem Verfahrensausgang haben die unterliegenden Parteien die
Kosten zu tragen (Art. 73 Abs. 1 VRG). Die Staatsgebühr für die beiden
Verfahren wird vorliegend auf CHF 8'000.-- festgesetzt (CHF 7'000.-- für
den Endentscheid plus CHF 1'000.-- für die Verfügung vom 12. November
2020). Diese ist zusammen mit den Kanzleiauslagen je zur Hälfte dem
Beschwerdeführer und den Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen, wobei
Letztere für ihren Anteil solidarisch haften (Art. 72 Abs. 2 VRG). Bund,
Kanton und Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben
betrauten Organisationen wird in der Regel keine Parteientschädigung
zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegen (Art.
78 Abs. 2 VRG). Davon abzuweichen besteht vorliegend kein Anlass.