Decision ID: ad64ce39-3498-4c71-ad83-e374be378a92
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A. Die Bundesanwaltschaft eröffnete am 30. Mai 2012 gegen B., alias C., alias
D. ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Geldwäscherei (Art. 305 bis
Ziff. 1 i.V.m. Ziff. 2 StGB), der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesor-
gung (Art. 158 StGB) und der Urkundenfälschung (Art. 251 StGB)
(act. 6.3). In diesem Zusammenhang sperrte die Bundesanwaltschaft mit
Verfügung vom 28. Juni 2012 ein strukturiertes Produkt E. im Wert von
EUR 500'000.-- auf Depot-Nr. 1 bei der Bank G., beziehungsweise den Er-
lös aus einem allfälligen Verkauf des Zertifikats (act. 6.8).
B. Rechtsanwalt Enzo Caputo (nachfolgend "Rechtsanwalt Caputo") stellte
namens und im Auftrag der A. AG am 25. Januar 2013 bei der Bundesan-
waltschaft den Antrag, die "Einziehung der Vermögenswerte im Sinne von
Art. 70 Abs. 2 StGB aufzuheben" und das Depot namens der A. AG bei der
Bank G. wieder vollumfänglich freizugeben (Depot 1) (act. 6.9), was die
Bundesanwaltschaft mit Verfügung vom 14. Februar 2013 abwies (act. 1.1).
C. Mit Beschwerde vom 25. Februar 2013 gelangt Rechtsanwalt Caputo na-
mens und im Auftrag der A. AG an die Beschwerdekammer des Bundes-
strafgerichts und stellt den Antrag, es sei die Verfügung vom
14. Februar 2013 zu kassieren, die "Einziehung der Vermögenswerte im
Sinne von Art. 70 Abs. 2 StGB sei aufzuheben" und die Bank G. sei anzu-
weisen, das Konto freizugeben (Depot 1) (act. 1). Die Bundesanwaltschaft
stellt mit Eingabe vom 5. April 2013 den Antrag, auf die Beschwerde sei
nicht einzutreten; eventualiter sei die Beschwerde abzuweisen (act. 6). Sie
führt in ihrer Beschwerdeantwort unter anderem aus, Rechtsanwalt Caputo
sei nicht im Anwaltsregister des Kantons Zürich eingetragen, weshalb ihm
die berufsmässige Vertretung von Verfahrensbeteiligten im Strafprozess
untersagt sei. Er sei daher auch nicht befugt, die A. AG vor der Beschwer-
dekammer des Bundesstrafgerichts zu vertreten, weswegen auf die Be-
schwerde nicht einzutreten sei (act. 6 S. 2 f.).
D. Mit Eingabe vom 24. April 2013 äussert sich Rechtsanwalt Caputo auffor-
derungsgemäss zur Frage der Vertretung der Beschwerdeführerin (act. 7
und 9). Ausserdem reicht Rechtsanwalt Caputo eine inhaltlich mit der Ein-
gabe vom 25. Februar 2013 identische Beschwerde, die von H. als einzel-
zeichnungsberechtigtes Organ der A. AG unterzeichnet worden sei, ein.
Dies für den Fall, da die Beschwerdekammer "die blosse Ordnungswidrig-
keit [der Nichteintragung im Anwaltsregister] als Nichtigkeitsgrund auffas-
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sen" würde (act. 9). Die Eingabe vom 24. April 2013 wurde der Beschwer-
degegnerin am 30. April 2013 zur Kenntnis zugestellt (act. 10).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-
weit erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-
men.

Considerations:
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Bundesanwaltschaft
kann bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde
nach den Vorschriften der Art. 393 ff. StPO erhoben werden (Art. 393
Abs. 1 lit. a StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG und Art. 19 Abs. 1 des Orga-
nisationsreglements vom 31. August 2010 für das Bundesstrafgericht [Or-
ganisationsreglement BStGer, BStGerOR; SR 173.713.161]). Die Be-
schwerde ist innert zehn Tagen schriftlich und begründet einzureichen
(Art. 396 Abs. 1 StPO). Zur Beschwerde berechtigt ist jede Partei oder je-
der andere Verfahrensbeteiligte, welche oder welcher ein rechtlich ge-
schütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen
Entscheides hat (Art. 382 Abs. 1 StPO; Botschaft vom 21. Dezember 2005
zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 S. 1308). Die Fra-
ge, wer Parteien vor der Bundesanwaltschaft oder dem Bundesstrafgericht
vertreten darf, wird in Art. 127 StPO beantwortet (Art. 139 StBOG i.V.m.
Art. 127 StPO), während die Bestimmungen der kantonalen Anwaltsgeset-
ze sich nur auf die Tätigkeiten vor den jeweiligen kantonalen Instanzen be-
ziehen (SPRENGER, Anwaltsgeheimnis des Unternehmensjuristen, Zürich
2011, S. 35). Nach Art. 127 Abs. 5 StPO ist die Verteidigung der beschul-
digten Person denjenigen Anwälten vorbehalten, die nach dem Anwaltsge-
setz vom 23. Juni 2000 berechtigt sind, Parteien vor Gerichtsbehörden zu
vertreten, mithin im kantonalen Anwaltsregister eingetragen sind (Art. 6
Anwaltsgesetz; BBl 2006 1177). Dritte hingegen dürfen vor der Bundesan-
waltschaft und dem Bundesstrafgericht durch jede handlungsfähige, gut be-
leumundete und vertrauenswürdige Person vertreten werden (Art. 127
Abs. 4 StPO).
1.2 Rechtsanwalt Caputo war zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung un-
bestrittenermassen nicht im kantonalen Anwaltsregister des Kantons Zürich
eingetragen (act. 9). Da er im vorliegenden Verfahren jedoch nicht als Ver-
teidiger der beschuldigten Person auftritt, sondern eine Drittperson vertritt,
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ist seine Funktion als Vertreter vor der Bundesanwaltschaft und dem Bun-
desstrafgericht auch ohne Registereintrag nicht zu beanstanden (Art. 127
Abs. 4 StPO).
1.3 Die übrigen Eintretensvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen An-
lass, weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist.
2.
2.1 Gegenstände und Vermögenswerte einer beschuldigten Person oder einer
Drittperson können beschlagnahmt werden, wenn die Gegenstände und
Vermögenswerte voraussichtlich einzuziehen sind (Art. 263 Abs. 1
lit. d StPO). Von einer Beschlagnahme ist nur dann abzusehen, wenn ein
Drittrecht im Sinne von Art. 70 Abs. 2 StGB eindeutig gegeben ist und da-
mit eine Einziehung offensichtlich ausser Betracht fällt. In allen übrigen Fäl-
len gebietet das öffentliche Interesse die Aufrechterhaltung der Beschlag-
nahme (vgl. zum Ganzen TPF 2005 109 E. 5.2 und Entscheid des Bundes-
strafgerichts BV.2006.10 vom 22. März 2006, E. 3.2). Die Beschlagnahme
ist eine provisorische „konservatorische“ prozessuale Massnahme zur vor-
läufigen Sicherstellung der allenfalls einzuziehenden Vermögenswerte (Ur-
teil des Bundesgerichts 1B_694/2011 vom 12. Januar 2012, E. 2.1) und
greift dem Entscheid über die endgültige Einziehung nicht vor (TPF 2010
22 E. 2.2.2; TPF 2005 84 E. 3.2.1 S. 87).
Für die Einziehungsbeschlagnahme bedarf es eines hinreichenden, objek-
tiv begründeten konkreten Verdachts (Art. 197 Abs. 1 lit. b StPO; TPF 2005
84 E. 3.1.2), wonach die betroffenen Vermögenswerte durch eine Straftat
erlangt worden sind, dazu bestimmt waren, eine Straftat zu veranlassen
oder zu belohnen (siehe Art. 70 Abs. 1 StGB bzw. Art. 59 Ziff. 1 Abs. 1
StGB in seiner bis 31. Dezember 2006 geltenden Fassung [nachfolgend
„a. F.“]) oder der Verfügungsmacht einer kriminellen Organisation unterlie-
gen (siehe Art. 72 StGB bzw. Art. 59 Ziff. 3 StGB a.F.). Der „hinreichende“
Verdacht setzt nicht voraus, dass Beweise und Indizien bereits für eine er-
hebliche oder hohe Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung sprechen; aller-
dings muss er sich im Verlaufe der Ermittlungen weiter verdichten. Die
Verdachtslage unterliegt mit anderen Worten einer umso strengeren Prü-
fung, „je weiter das Verfahren fortgeschritten ist“ (TPF 2010 22 E. 2.1
S. 24 f.; Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2011.25 vom 30. Mai 2011,
E. 3.2; BAUMANN, Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 2007, Art. 72 StGB
N. 21).
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Die Einziehungsbeschlagnahme hat schliesslich im öffentlichen Interesse
zu liegen und den Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu wahren (Art. 197
Abs. 1 lit. c und d StPO; TPF 2005 84 E. 3.2.2). Sie ist solange gerechtfer-
tigt, als eine spätere Einziehung wahrscheinlich erscheint (Urteil des Bun-
desgerichts 1B_694/2011 vom 12. Januar 2012, E. 2.1 in fine; TPF 2010 22
E. 2.1 S. 25; Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2011.25 vom
30. Mai 2011, E. 3.2 m.w.H.). Die allgemeinen gesetzlichen Voraussetzun-
gen für die konservatorische Beschlagnahme gelten auch im Hauptverfah-
ren (TPF 2009 40 E. 2.1).
2.2 Die Beschwerdeführerin macht vorliegend geltend, beim auf dem Depot-
konto der Bank G. blockierten strukturieren Finanzprodukt handle es sich
um ein Zahlungssurrogat, welches von B. und I. zugunsten der Beschwer-
deführerin geleistet worden sei. Diese Zahlung vom 4. Mai 2012 resultiere
aus einem Auftrag von B. und I. vom Frühling 2001, mit welchem die Be-
schwerdeführerin damit betraut worden sei, die Kundenportfolios der J. AG,
eine von B. vertretene Gesellschaft, im Wert von mehreren Hundert Millio-
nen Franken umzustrukturieren. Man habe sich im Sommer 2011 über eine
Mindestzahlung von EUR 575'000.-- an die Beschwerdeführerin geeinigt.
Die J. AG habe schliesslich die Verbindlichkeit durch die Übertragung des
strukturierten Produkts E. erfüllt. H. als Vertreter der Beschwerdeführerin
sei in gutem Glauben davon ausgegangen, dass das strukturierte Finanz-
produkt von der J. AG geleistet worden sei. Man habe nicht wissen können,
dass dieses aus dem Privatkonto von I. gekommen sei (act. 1 S. 2 ff.).
2.3 Die hier streitige vorläufige Beschlagnahme ist grundsätzlich zulässig, so-
lange ausreichende Verdachtsgründe vorliegen, dass deliktisch erlangtes
Vermögen im Umfang der gesperrten Vermögenswerte auf das betroffene
Konto der Beschwerdeführerin transferiert worden sein könnte. Die Be-
schlagnahme ist aufzuheben, falls entsprechende Verdachtsgründe wegfal-
len. Die Vermögenseinziehung bei einer nicht angeschuldigten Drittperson
ist zum vornherein ausgeschlossen, wenn diese Person die fraglichen
Vermögenswerte in Unkenntnis der Einziehungsgründe erworben und zu-
dem eine gleichwertige Gegenleistung dafür erbracht hat. Ein gutgläubiger
Erwerber kann vor strafrechtlicher Einziehung ausserdem verschont blei-
ben, falls diese für ihn in anderer Weise eine unverhältnismässige Härte
darstellt (Art. 70 Abs. 2 StGB).
2.4 Im vorliegenden Fall bestehen ausreichende Verdachtsgründe dafür, dass
deliktisch erlangtes Vermögen im gesperrten Umfang auf das Konto der
Beschwerdeführerin transferiert worden sein könnte: Die Bundesanwalt-
schaft wirft den Beschuldigten B. und I. vor, über mehrere Jahre bis 2012
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von mehreren Anlegern Vermögenswerte im Betrag von ca. EUR 89 Mio.
entgegen genommen zu haben, um diese Gelder gewinnbringend anzule-
gen. Es müsse jedoch davon ausgegangen werden, dass die entgegenge-
nommen Gelder einerseits für Gewinnausschüttungen im Sinne eines
Schneeballsystem verwendet und andererseits für private Aufwendungen
der Täter verbraucht worden seien. Die Beschuldigten hätten die Vermö-
genswerte unter anderem auf die von B. beherrschte Gesellschaft K. Inc.,
mit Sitz in Z., verschoben und von dort auf weitere Bankverbindungen
transferiert. I. habe zudem im Februar 2011 bei der Bank L. ein auf ihn per-
sönlich lautendes Konto eröffnet. Im Zeitraum von Februar bis März/April
2012 seien auf dieses Konto mehrere Gutschriften von einem Konto der
K. Inc. ebenfalls bei der Bank L. im Umfang von insgesamt EUR 550'000
vorgenommen worden. Ende März 2012 habe I. der Bank den Auftrag er-
teilt, die EUR 550'000 in Schweizer Franken zu konvertieren und in das
strukturierte Finanzprodukt E. mit der Valoren Nr. 2 zu investieren. Am
2. Mai 2012 sei die genannte Finanzanlage auf ein Depot bei der Bank G.,
lautend auf die Beschwerdeführerin, übertragen worden. Es müsse davon
ausgegangen werden, dass mit der Verschiebung über mehrere Kontover-
bindungen und der Umwandlung in ein Wertpapier die Herkunftsermittlung
und die Einziehung von Vermögenswerten vereitelt werden solle (act. 1.1).
Die Beschwerdeführerin macht zwar geltend, beim auf ihrem Depotkonto
bei der Bank G. blockierten Finanzprodukt handle es sich um eine Vergü-
tung der J. AG für geleistete Beratertätigkeiten im Umfang von mindestens
EUR 575'000.--. Sie legt jedoch weder einen entsprechenden Vertrag noch
Rechnungen ins Recht, aus denen hervorginge, dass die erhaltene Zah-
lung eine Gegenleistung zu von der Beschwerdeführerin erbrachten Bera-
tungen ist. Damit legt die Beschwerdeführerin keine Dokumente vor, die ei-
nen gutgläubigen Empfang von ca. Fr. 600'000.-- im Mai 2012 belegen
würden. Gegenwärtig kann daher nicht von einem offensichtlich gutgläubi-
gen Vermögenserwerb der Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 70
Abs. 2 StGB ausgegangen werden. Ebenso wenig ist liquide erstellt, dass
sie für die erhaltenen gesperrten Vermögenswerte eine gleichwertige Ge-
genleistung erbracht hätte. Diese Fragen werden durch den Strafrichter zu
klären sein. Eine allfällige strafrechtliche Einziehung durch den Richter in
der Höhe der gesperrten Vermögenswerte erscheint beim aktuellen Stand
des Verfahrens nicht offensichtlich ausgeschlossen.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist.
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3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin die Ge-
richtskosten zu tragen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Gerichtsgebühr ist auf
Fr. 1'500.-- festzusetzen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe zu verrechnen (Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 5 und 8 Abs. 1 des
Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kos-
ten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR,
SR 173.713.162]).
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