Decision ID: 367d264c-5b1f-48b7-95f2-f3632c4d6d0f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der im J
ahre 1957 geborene
X._
besuchte in der Türkei die Primar- und Sekundarschule und reiste im Dezember 1994 in die Schweiz ein. Der Versicher
t
e verfügt über keine berufliche Ausbildung und war zuletzt als Kioskverkäufer
erwerbstätig (
Urk.
8/4). Am
3.
Dezember 2012 unterzog er sich einer
Gastric
Sleeve
Operation, ein Re-
Sleeve
erfolgte am 3
1.
Mai 2016 (
Urk.
8/11/31). Auf
grund einer rechtsseitigen
Lumboischialgie
erfolgte am
6.
September 2016 eine
Dekompression L4/5 (
Urk.
8/11/23
). Im Rahmen der Rehabilitation kam es zu einem Wundinfekt und einem in der Folge protrahierten Verlauf (
Urk.
8/11/10). Am 15
.
August 2017 wurde
eine
Coccygektomie
durchgeführt (
Urk.
8/7);
eine Wundrevision mit
Debridement
sowie eine Spülung mit primärem Wundver
schluss
erfolgte
n
am
6.
September 2017
(
Urk.
8/23/7). Aufgrund
d
er persistieren
den Rückenbeschwerden meldete sich der Versicherte am 2
9.
September 2017 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbe
zug an (
Urk.
8/4).
1.2
Mit Mitteilung vom
5.
Oktober 2017 informierte die IV-Stelle den Versicherten, dass zurzeit keine Eingliederungsmassnahmen angezeigt seien (
Urk.
8/9). Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses erfolgte per 3
1.
Mai 2018 (
Urk.
8/21). Am
2.
August 2018 führte
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Chirurgie beim RAD, eine orthopädische/chirurgische Untersuchung durch (
Urk.
8/26). Mit Vorbe
scheid vom 2
3.
August 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Zusprache einer befristeten ganzen Rente für die Zeit vom
1.
März bis 3
1.
Juli 2018 in Aus
sicht (
Urk.
8/32) und
sprach ihm
mit Verfügung vom
8.
Mai 2019
eine von
1.
März bis 3
0.
November 2018 befristet
e
ganze Rente zu
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der
Vertreter des Versicherten am
7.
Juni 2019 Beschwerde und beantragte, es sei dem Beschwerdeführer auch ab
1.
Dezember 2018 eine ganze Rente zuzusprechen; eventualiter sei der aktuelle Gesundheitszustand durch ein unabhängiges medizinisches Gutachten abklären zu lassen. Weiter sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und ihm Rechtsanwalt
Dr.
Peter Stadler als unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen; dem Beschwerdeführer sei eine Prozessentschädigung zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
August 2019 beantragte die Beschwerdegegne
rin unter Hinweis auf die beiliegenden Akten die Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Mit Schreiben vom 1
8.
September 2019 zog der Vertreter des Beschwer
deführers das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
Rechtsverbeiständung
zurück (
Urk.
10); mit Verfügung vom 2
0.
September 2019 wurde dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zur Kenntnis gebracht (Urk. 11).
Mit Verfügung vom 1
5.
Juli 2020 wurde dem Beschwerdeführer eine Frist von 20 Tagen angesetzt, um zu der vom Gericht in Aussicht gestellten Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und des damit verbundenen Risikos einer möglichen Schlechterstellung Stellung zu nehmen oder die Beschwerde zurückzuziehen (
Urk.
12). Der Beschwerdeführer liess sich innert Frist nicht weiter vernehmen (
Urk.
13).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409
E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leis
tung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung (BGE 125 V 413 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2007 vom 27. August 2008 E. 2.3; vgl. Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014, Rn 11 zu Art. 30–31). Rechtsprechungsgemäss bildet eine solche Verfügung insgesamt den Anfechtungs- und Streitgegenstand und unterliegt integral der gerichtlichen Prüfung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E. 5.1 [in BGE 144 V 153 nicht publiziert] und 9C_50/2011 vom 25. Mai 2011 E. 2.1).
Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine abgestufte oder befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blieben. Die gerichtliche Prü
fung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise gere
gelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Abstufung oder Aufhebung der Rente zu erfassen (BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; Urteile des Bundesgerichts 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008 E. 2 und I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen). Dabei ist in anfechtungs- und streitge
genständlicher Hinsicht irrelevant, ob eine rückwirkende Zusprechung einer ab
gestuften oder befristeten Invalidenrente in einer oder in mehreren Verfügungen
gleichen Datums eröffnet wird (BGE 131 V 164 Regeste; Urteil des Bundesge
richts 8C_489/2009 vom 23. Oktober 2009 E. 4.1 mit Hinweis).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass nach Eingang der Anmeldung zum Leistungsbezug am 1
2.
September 2017 ab
1.
März 2018 von einer vollständigen Erwerbsunfähigkeit auszugehen sei, was einen Anspruch auf eine ganze Rente rechtfertige. Ab Mai 2018 habe sich der Gesundheitszustand kontinuierlich verbessert
, seit August 2018 liege eine durch
schnittliche Arbeitsfähigkeit von 90
%
vor, was zu einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad sowie zur Einstellung der Rente per
1.
Dezember 2018 führe (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter des Beschwerdeführers im Wesentlichen gel
tend, dass sich der Gesundheitszustand ab Mai 2018 nicht kontinuierlich verbes
sert habe und seit August 2018
nicht
wieder von einer durchschnittlichen Arbeitsf
ähigkeit von 90
%
ausgegangen werden könne
. Diese Einschätzung trage den Beschwerden des Beschwerdeführers zu wenig Rechnung und stehe im Widerspruch zur Beurteilung der behandelnden Ärzte (
Urk.
1 S. 3 f.). Die ortho
pädisch
e
/chirurgische Beurteilung durch den RAD-Arzt leide an erheblichen Mängeln und sei damit nicht beweiskräftig (S. 4). In einer angepassten Tätigkeit sei von einer Arbeitsfähigkeit von höchstens 30 bis 40
%
auszugehen; zumindest sei für die weitere Abklärung eine externe Begutachtung angezeigt (S. 8).
3.
3.1
Der für den Bericht der
Z._
vom 1
3.
September 2016 ver
antwortliche Facharzt stellte die Diagnose einer hochgradig degenerativ beding
ten Spinalkanalstenose L4/
5.
Am
6.
September 2016 sei eine mikrochirurgische Dekompression auf der Höhe L4/5 von rechts mit einer ausgiebigen
Foraminoto
mie
L5 beidseits
durchgeführt worden. Bei komplikationsloser Hospitalisation habe der Beschwerdeführer am 1
0.
September 2016 nach Hause entlassen werden können (
Urk.
8/11/23)
3.2
Die für das Assessment Orthopädie der
A._
vom 1
9.
April 2017 verantwortli
chen Fachärzte gingen von den folgenden Diagnosen aus:
-
Zustand nach mikrochirurgischer Dekompression L4/5 mit persistierender
Lumboischialgie
rechts und Wurzelreizungszeichen rechts bei aktuellem antibio
t
isch behandeltem Wundinfekt
-
Adipositas
-
Statomotorische
Dysbalance
mit ausgeprägter Kyphose der BWS
Der protrahierte Verlauf sei nach der obengenannten Komplikat
i
on plausibel und decke sich mit den erhobenen Befunden und den vorliegenden MRI-Bildern. Dem Beschwerdeführer seien leichte Tätigkeiten, vorwiegend im Sitzen und in rücken
schonender Halt
ung
, ohne Zwangshaltungen im Sinne von bückenden und kauernden Tätigkeiten ohne Überkopfarbeiten in einem Pensum von 50
%
zuzu
muten. Auch die bisherige Tätigkeit als Kioskverkäufer könne in einem Umfang von 50
%
ausgeübt werden. Nach Ausheilung des Infe
kts könne eine rasche schrittwei
se Belastungssteigerung bis zu einer vollschichtigen Belastung über einen Zeitraum von 4 Wochen erfolgen (
Urk.
8/11/
9-11).
3.3
Die für den Operationsbericht vom
6.
Se
ptember 2017 verantwortlichen Fachärzte
der
B._
diagnostizierten eine Wundheil
ungs
störung bei Status nach
Coccygektomie
am 1
5.
August 201
7.
Anlässlich der Operation vom
6.
September 2017 sei
en
eine Wundrevision mit
Débridement
, eine Spülung sowie ein primärer Wundverschluss vorgenommen worden (
Urk.
8/23/7). Der Patient habe am 2
6.
September 2017 nach Hause entlassen werd
en können, bei Fortführung der a
ntibiotischen Therapie bis zum 2
7.
November 2017 (
Urk.
8/7 S. 2).
3.4
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Innere Medizin und Nephrologie, hielt in seinem Bericht vom 2
5.
Januar 2018 fest, dass der Beschwerdeführer aufgrund der starken Lumbalgien seinen Beruf als Kioskverkäufer nicht mehr ausüben könne, ab dem 1
4.
August 2017 sei von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Auch in einer angepassten Tätigkeit sei zurzeit keine Arbeitsfähig
k
ei
t gegeben (
Urk.
8/20).
In
seinem undatierten Bericht zuh
anden der Beschwerdegegnerin (letzte Kontrolle am 1
7.
Mai 2018) führte
Dr.
C._
aus, dass in einer angepassten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 30
%
auszugehen sei (2 bis 3 Stunden pro Tag;
Urk.
8/24).
3.5
Dr.
Y._
ging im Rahmen des RAD-Untersuchungsberichts vom
3.
August 2018 von den folgenden Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
aus:
-
Belastungsschmerz der LWS mit/bei
-
Ausstrahlende
r
Schmerzsymptomatik in das rechte Bein
-
Aktuell ohne neurologische Wurzelsymptomatik
-
Zeitweise Parästhesien recht
er
und linker
Vorfuss
-
Status nach mikrochirurgischer Dekompression L4/5 und
Foraminoto
mie
L5 beidseits am
6.
September 2016 mit/bei
-
Hochgradiger degenerativ bedingter Spinalkanalstenose L4/5
-
Status nach wiederholten Facetteninfiltrationen
-
Rezidivierende Lumbago
-
Muskuläre
Dysbalance
-
Posttraumatische
Coccygodynie
7/2017 mit/bei
-
Coccygektomie
am 1
5.
August 2017 mit Glättung des
Sakrums
mit sekundärer Wundheilstörung und diversen Wundrevisionen
-
Aktuell: deutliche Befundbesserung, deutliche Druckschmerzhaftigkeit im Bereich der Narbe
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei von den folgenden Diagnosen aus
zugehen:
-
Adipositas per magna mit/bei
-
Status nach zweimaliger laparoskopischer Magenbypass-Operation 2012 und 2016
-
Arterielle Hypertonie
-
Anamnestisch prädiabetische Stoffwechsellage
In einer angepassten Tätigkeit sei vom folgenden Verlauf der Arbeitsunfähigkei
ten auszugehen:
-
31.5.2016 bis 31.10.2016: 100
%
-
1.11.2016 bis 14.8.2017: 50
%
-
15.8.2017 bis 17.5.2018: 100
%
-
18.5.2018 bis 2.8.2018: 37.5
%
(2-3 Stunden täglich)
-
3.8.2018 bis auf weiteres: 0-20
%
In der bisherigen Tätigkeit als Verkäufer sei seit dem
2.
August 2018 von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen, in einer leichten (angepassten) Tätigkeit von einer solchen von 100
%
(
Urk.
8/26 S. 7 ff.).
3.6
Dr.
D._
,
Fachchiropraktorin
(
E._)
,
führte in ihrem E-Mail vom 1
6.
Oktober 2018 aus, dass in der Zeit von Mai bis Juli 2018 von einer 100%igen, im August 2018 von einer 90%igen, im September 2018 von einer 80%igen und gegenwärtig von einer 70%igen Arbeits
un
fähigkeit auszugehen sei. In den Monaten seit Mai 2018 habe sich eine erfreuliche Ent
wicklung gezeigt, die Hauptbeschwerden seien
regredient
und auch die Mobilität der LWS wie auch
die
funktionelle Leistungsfähigkeit im Alltag
hätten
sich ver
besser
t. Der Beschwerdeführer
k
önne nun längere Strecken am Stü
ck gehen und auch die Leistungsfähigkeit im Alltag habe sich verbessert (
Urk.
8/40).
3.7
In seinem E-Mail vom
7.
Juni 2019 führte
Dr.
C._
aus, dass der Gesund
heitszustand weiterhin unverändert und von einer Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 40
%
auszugehen sei (
Urk.
3).
4.
4.1
Aufgrund der Anmeldung zum Leistungsbezug am 1
2.
September 2017 ist insbe
sondere die Arbeitsfähigkeit in
einer angepassten Tätigkeit per
1.
März 2018 von Interesse. Bei der Zusprache einer befristeten Rente sind weiter bei jeder Verän
derung des Anspruchs die revisionsrechtlichen Bestimmungen massgebend.
4.2
Dr.
Y._
begnügte sich in seinem Bericht vom
3.
August 2018 bezüglich des Verlaufs der Arbeitsfähigkeit mit einer Auflistung der entsprechenden echt
zeitlichen Angaben aus den Akten; eine eingehende Begründung
des Verlaufs -
was gerade bei der Zusprache einer
befristeten Rente wichtig wäre -
lässt sich dem genannten Bericht nicht entnehmen
.
Hinzuweisen ist dabei darauf, dass
d
en Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte nach der Rechtsprechung Beweiswert zu
kommt
, sofern sie als schlüssig erscheinen, nach
vollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE
125 V 351 E. 3b/ee). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E.
4.7
).
Aufgrund der bloss rudimentären
retrospektiven Angaben im RAD-Bericht vom
3.
August 2018 kann die Steigerung der Leistungsfähigkeit in der Zeit zwischen dem 1
7.
Mai 2018 sowie dem
3.
August 2018 nicht nachvollzogen werden.
Eine Begründung wie auch eine Auseinandersetzung mit den anderslautenden medi
zinischen Berichten fehlt vollständig.
So verbleiben zumindest geringe Zweifel an der Einschätzung von
Dr.
Y._
, sodass auf den entsprechenden versi
cherungsinternen Bericht nicht abgestellt werden kann.
4.3
Demgegenüber ist
i
n Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auf
tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
In Bezug auf die Beurteilung
der Leistungsfähigkeit für die Zeit ab August 2018
ergibt sich
zwischen den Einschätzungen von
Dr.
D._
und
Dr.
C._
sowie derjenigen von
Dr.
Y._
eine erhebliche Differenz. Auch ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass die Fachärzte der
A._
bereits in ihrem Assessment Orthopädie vom 1
9.
April 2017 – und damit vor den erfolgten Wundrevisionen, welche zumindest mittelfristig zu einer Verbesserung der Situ
ation geführt habe
–
von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ausgingen. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Einschätzungen der behandelnden Fachärzte
weniger aus medizinisch-theoretischer Sicht erfolgt zu sein, was
den versicherungsrechtlichen Vor
gaben nicht zu genügen vermag.
4.4
Zusammenfassend ist die Sache zur externen Begutachtung an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen. Neben der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ist dabei insbesondere der Verlauf der Leistungsfähigkeit in der Zeit nach der am
6.
September 2017 erfolgten Operation von Interesse (
frühstmöglicher
Rentenbeginn:
1.
März 2018).
Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen,
was
zur Aufhebung der ange
fochtenen Verfügung führt.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Die Rückweisung einer Sache kommt einem Obsiegen des Beschwerdeführers gleich. Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin demnach zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von
Art.
61 lit. g ATSG, namentlich unter Berücksichti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwi
erigkeit des Prozesses auf
Fr.
2'0
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.