Decision ID: 408016f7-bebb-4eed-85dd-f27221ccf370
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1970 geborene
X._
,
ohne Ausbildung und
Mutter von drei Kinder
n
(geboren 2003 und 2005 [Zwillinge]), war seit
Juli
2003
als
Sales
Advisor
be
i
Y._
AG
tätig
(Urk. 3/9 S. 2
)
. Am
3.
u
nd
22. März 2010 meldete
sie
sich unter Hinweis auf eine somat
oforme
Schmerzstörung, eine Somatisierungsstörung sowie eine
Benzodiazepinabhängigkeit
bei der Invaliden
versicherung zwecks Früherfassung beziehungsweise Berufliche Integration/
Rente an (Urk. 11/2, Urk. 11/6). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, verneinte am 8. Januar 2013 verfügungsweise einen Leistungs
anspruch, da die Arbeitsunfähigkeit durch das Abhängigkeitsverhalten begründet sei (Urk. 11/96).
Am
1. Juni 2017
wurde für die Versicherte eine
Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung
gemäss Art.
394 Abs.
1 und 3 in Verbindung mit Art.
395 Abs. 1 und 2
des Schweizerischen Zivilgesetzbuches eingesetzt (Urk. 11/
105
; vgl
. auch Urk. 11/101, Urk. 11/103
.
Am
13.
Oktober
2017 meldete sich die Versicherte mit Verweis auf seit
einer
Operation vom 21. September 200
9
(Zystenentfernung am Hals)
bestehende
dauerhafte Schmerzen im Hals und im restlichen Körper sowie psychische Probleme respektive eine Depression erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
11/107
-108
)
.
Nachdem die IV-Stelle die Versicherte am 2. November 2017
im Hinblick auf die
Eintretensfrage
um Nachreichung von aktuellen Berichten bis spätestens am 7. Dezember 2019 aufgefordert hatte
(Urk. 11/112), trat erstere am 12. Februar 2018 auf das Leistungsbegehren nicht ein (Urk. 11/115)
.
Am
17. Mai 2018
stellte
die Versicherte den Antrag auf Wiedereintreten auf die IV-Anmeldung vom 13. Oktober 2017
(Urk. 11/117), worauf
die
IV-Stelle am 8. Februar 2019 auf das Leistungsgesuch der Versicherten ein
trat
und
letztere unter Hinweis auf deren Mitwirkungspflicht anhielt, für mindestens sechs Monate
eine vollständige Abstinenz bezüglich aller Genuss- und Suchtmittel aufrechtzu
er
halten (Urk. 11/127)
.
In der Folge
nahm die IV-Stelle medizinische Abklärungen vor und veranlasste unter anderem
bei
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie un
d Psychotherapie FMH, und Dipl.-
Psych.
Dipl.-Inf.-Wiss.
A._
eine
bidisziplinäre
Begutachtung (Psychiatrie und Neur
o
psychologie;
Konsens
beurteilung
vom 15. Dezember 2020, Urk. 11/173/2-15).
Mit
Vorbescheid
vom 2. März 2021
(Urk. 11/177)
stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, wogegen letztere am 30. März 2021 Einwand (Urk. 11/182) erhob. Am 11. August 2021 wies die IV-Stelle das Leistungs
begehren der Versicherten verfügungsweise ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 10. September 2021 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, es sei die Verfügung vom 11. August 2021 aufzuheben und
es sei
die Beschwerdegegnerin anzuweisen, den Sachverhalt genau und gesetzeskonform seit Anmeldung im Jahr 2017 abzuklären
. Eventuell sei ihr eine Invalidenrente zuzusprechen (S. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 18. November 2021 (Urk. 10) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 2. Dezember 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 14). Am
26
. November 2021
war
das Gericht über die Aufhebung der Beistandschaft für die Beschwerdeführerin per 30.
November
2021 informiert (
Urk.
12-13).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten
Bestimmungen
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Er
werbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1
ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Mit BGE 145 V 215 liess das Bundesgericht die bisherige Rechtsprechung fallen, wonach primäre Abhängigkeitssyndrome beziehungsweise Substanzkonsum
störungen zum vornherein keine invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschäden darstellen können, und ihre funktionellen Auswirkungen deshalb keiner näheren Abklärung bedürfen. Fortan ist - gleich wie bei allen anderen psychischen Erkrankungen - nach dem strukturierten Beweisverfahren zu ermitteln, ob und gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich diagnostiziertes Abhängigkeitssyndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit de
r versicherten Person auswirkt.
1.4
Anspruch auf eine
Rente haben gemäss
Art.
28 Abs. 1
IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
5
Bei einer Neuanmeldung zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung finden die Grundsätze zur Rentenrevision analog Anwendung (Art. 17 Abs. 1 ATSG; Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV;
BGE 133 V 108 E. 5.2,
130 V 71,
117 V 198 E. 3a).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt
oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1
ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar.
Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b,
je mit Hinweisen).
Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang viel
mehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere
Beurteilungen besteht (BGE 141 V
9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.
6
Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bildet bei der Neuanmeldung die letzte rechtskräftige Verfügung, die auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs beruht. Dem
gemäss sind die Verhältnisse bei Erlass der strittigen Verwaltungsverfügung mit denjenigen im Zeitpunkt der letzten materiellen Anspruchsverneinung zu verglei
chen (BGE 130 V 64 E. 2, 130 V 71 E. 3, 133 V 108 E. 5.2 und E. 5.4).
1.
7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der E
xperten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V
351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die leistungsabweisende Verfügung (Urk. 2) damit, dass
sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der weit
gehenden Abstinenz von diversen Suchtmitteln unter Opiat-S
ubstitutionstherapie deutlich verbessert habe. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als stellvertretende Abteilungsleiterin im Verkauf sei der Beschwerdeführerin seit März 2020 (Beginn der einjährigen Wartezeit) zu 70 %
und eine
angepasste Tätigkeit zu 80 % zu
mutbar. Für die Zeit vor März 2020 könne keine langfristige Arbeitsunfähigkeit ohne Unterbruch festgesetzt werden. Entsprechend liege ein Invaliditätsgrad von maximal 30 % vor, weshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf de
n Standpunkt (Urk. 1), dass
sie
gestützt auf die
Berichte und Arbeitsunfähigkeitszeugnisse der behandelnden Ärzte bis zur Besserung ihres Gesundheitszustands nicht arbeits
fähig sei.
Der
Gesundheitsschaden habe sich schon länger erheblich auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt, weshalb sie Anspruch auf eine ganze Inva
lidenrente habe
. Im Weiteren
habe
die
Beschwerdegegnerin den Sachverha
lt nicht genügend abgeklärt
(S. 2 f. Ziff. 6 f.)
.
3.
3.1
G
emäss Art. 29 IVG
entsteht
der Rentenan
s
pruch
frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Alters
jahres folgt (Abs. 1).
Die Anmeldung vom 1
3.
Oktober 2017 und das damit gestellte Leistungsgesuch erledigte die Beschwerdegegnerin am 1
2.
Februar 2018 durch Nichteintreten.
Ent
gegen
den Vorbringen
der Beschwerdeführerin
(
Urk.
1 S. 1)
kommt der
An
meldung vom 1
3.
Oktober 2017 für den
Beginn einer allfälligen Rente
somit
keine frist
auslösende
Wirkung
mehr
zu. Als massgeblicher Zeitpunkt der Anmeldung nach
Art.
29
Abs.
1 IVG und für den Lauf der sechsmonatigen Frist entscheidend ist
der «Antrag
auf Wiedereintreten» vom 1
7.
Mai 201
8.
Zu prüfen ist daher, ob der Beschwerdeführerin seit frühestens
1.
November 2018
(1
7.
Mai 2018 plus sechs Monate)
ein Anspruch auf
eine Invalidenrente
zusteht.
3.2
Bei Erlass der leistungsabweisenden Rentenverfügung vom 8. Januar 2013 (Urk. 11/96) standen
bei der Beschwerdeführerin
unter anderem eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie ein Abhängigkeitssyndrom von Alkohol, Sedativa, mit teilweisem Substanzgebrauch
, gegenwärtig in beschützender Umgebung
(ICD-10 F13.22, F10.21, F17.25),
im Vordergrund
und die Beschwerdeführerin berichtete von im Nachgang zur Halsoperation
im 2009
bestehenden starken Schmerzen im ganzen Körper
(vgl. U
rk.
11/52
S. 1
7
f
f
.
)
.
Die somatoforme Schmerzstörung bereitete der Beschwerdeführerin gemäss eigenen Angaben anlässlich der psychiatrischen Begutachtung vom 8. Oktober 2020 seit
2018 respektive
2019 keine Probleme mehr und auch die nach der
Halsoperation
aufgetretenen Schmerzen
seien
seit 2018 nicht mehr
vorhanden
(Urk. 11/173/19-
51 S. 10
, S. 12
, S. 16
). I
m Weiteren bestand bei der Beschwerde
führerin
im Zeitpunkt der psychiatrischen Begutachtung durch Dr.
Z._
erst
mals
eine
seit längerer Zeit
andauernde
Abstinenz von Alkohol und Benzo
diazepinen bei
kontrollierter
Substitution
(Urk. 11/173/2-15
S. 12
, S. 19
)
. Damit zeigte sich eine Verbesserung der Gesundheitssituation, was bei bisherige
n
Fehlen
s
eines Anspruches auf eine Invalidenrente kein Revisionsgrund darstellt, weil daraus lediglich eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit resultieren und dies nicht rentenrelevant sein kann (Urteil des Bundesgerichts
9C_107/2019 vom
7.
August 2019 E. 5.2.2
).
Indessen zeigte sich eine Pathologie der psychischen Gesundheit, welche die Beschwerdegegnerin abklärte.
Bei der
nachfolgenden
Rentenprüfung ab
1.
November 2018
stehen
damit
einzig psychische Beschwerden zur Diskussion,
zumal
im vorliegenden Beschwerdeverfahren keine somatischen Beschwerden thematisiert wurden.
4.
4.1
In ihrer Konsensbeurteilung vom 15. Dezember 2020 (Urk. 11/173/2-
18
) stellten die Gutachter Dr.
Z._
und
Neurop
sychologe
A._
folgende Diagnosen (S. 6):
-
leicht beeinträchtigtes kognitives Leistungsvermögen
-
rezidivierende depressive Erkrankung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum
anderer psychotroper Substanzen:
Abhängigkeitssyndrom,
gegen
wärtig
Teilnahme an einem
ärztlich überwach
t
en
Ersatzdrogenprogramm (ICD-10 F19.22)
Die Experten attestierten in der angestammten Tätigkeit als Stellvertretung Office Support eine 70%ige Arbeitsfähigkeit. In einer angepassten Tätigkeit ohne Leitungsfunktionen
im Sinne einer einfachen Verkaufstätigkeit mit zusätzlichen Pausenmöglichkeiten
bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80 % (S. 9 ff.).
4.2
Neurops
ychologe
A._
führte in seinem Gutachten vom 12.
November 2020 (Urk. 11/168
) aus,
dass die Lern- und Gedächtnisleistungen der Beschwerde
führerin einem alters- und bildungsbezogen durchschnittlichen Leistungs
vermögen entsprächen. Im Verlauf der Untersuchung
hätten
sich gegen Ende keine klinischen Hinweise auf ein Nachlassen der Belastbarkeit und
der
Konzentrationsfähigkeit
gezeigt
. Die Leistungen im Bereich Aufmerksamkeit und Konzentration
seien
als leicht beeinträchtigt
einzustufen
. Die Aufmerksamkeits
leistung sei in den meisten Anforderungen nicht beeinträchtigt, jedoch könnten besonders bei komplexen Aufgabenstellungen, bei denen sowohl ein angemessenes Arbeitstempo als auch eine gute Bearbeitungsqualität abverlangt würden, die Fehlerraten ansteigen und sich das
T
empo verlangsamen. Betreffend Exekutivfunktionen
hätten
sich lediglich Auffälligkeiten hinsichtlich einer
ver
minderten figuralen Ideenproduktion
gezeigt
. Die Funktionsfähigkeit sei im All
tag und unter den meisten beruflichen Anforderungen nicht eingeschränkt. Die Beschwerdeführerin falle im sozialen Umfeld kaum auf. Bei Aufgaben mit hohen Anforderungen (beispielsweise Aufmerksamkeitsteilung) sei die Funktions
fähigkeit
indes eingeschränkt (S. 15 f.
).
Unter dem Titel neuropsychologische Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hielt der Gutachter fest,
dass
sich bei der Beschwerdeführerin unter neuropsychologischen Gesichtspunkten spezifische mittelschwere kognitive Funktionsstörungen in der geteilten Aufmerksamkeit, in der mentalen Rotation und im figuralen divergenten Denken
zeigten
, wobei die Minderleistung
en
in der visuellen Wahrnehmung und im divergenten Denken eher keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Filialleiterin im Verkauf hätten. Das kognitive Leistungsvermögen sei gesamthaft betrachtet als leicht beeinträchtigt einzustufen (S. 14).
Im Zusammenhang mit der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit führte der Experte aus, dass aufgrund der Defizite in der geteilten Aufmerksamkeit ein
e
Arbeitsunfähigkeit von 30 %
bestehe
.
Betreffend die Arbeitsfähigkeit in einer an
gepassten Tätigkeit ergäben sich aus neuropsychologischer Sicht folgende An
passungen am Arbeitsplatz: keine Leitungsfunktion, keine Tätigkeit mit erhöhtem Zeit-/Leistungsdruck
(beispielsweise Akkordarbeit),
Durchführung von Strategien für den Umgang mit Stress am Arbeitsplatz. Unter optimalen Bedingungen zeige die Beschwerdeführerin eine gute kognitive Belastbarkeit und unter Berück
sichtigung der genannten Anpassungen bestehe in einer angepassten Tätigkeit
aktuell
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (S. 16 f.).
4.3
Dr.
Z._
führte in seiner psychiatrischen Expertise vom 15. Dezember 2020 (Urk. 11/173/19-
51) a
us,
bei der Beschwerdeführerin sei
en
betreffend den Kon
sum von Opiaten und Benzodiazepinen eine verminderte Kontrollfähigkeit, eine Art Zwang, ein körperliches Entzugssyndrom sowie eine Toleranz nachweisbar gewesen. Es sei zur sozialen Reduktion mit Vernachlässigung anderer Vergnügen
gekommen
,
welche
nicht nur aus einer depressiven Sy
mptomatik heraus erklärbar sei
. Entsprechend sei von einer psychischen Verhaltensstörung durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen auszugehen. Die Opiatabhängigkeit befinde sich aktuell unter Substitution
, wobei die Beschwerdeführerin eine Abstinenz von Benzodiazepinen ange
ge
ben habe und sich in den Laborwerten kein Hinweis auf eine Einnahme
entsprechender
Sub
stanzen habe finden lassen. Damit sei von psychischen und Verhaltensstörungen durch multi
plen Substanzgebrauch und Konsum
anderer psychotroper Sub
stanzen
,
Abhängigkeitssyndrom,
gegenwärtig
Teilnahme an einem ärztlich über
wachten
Ersatzdrogenprogramm (ICD-10 F19.22)
,
auszugehen
(S. 20). Im Weiteren wies der Experte darauf hin, dass sich gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin weder Auffälligkeiten in der Kindheit noch durchgehende Einschränkungen basierend auf inadäquaten und auffälligen Verhaltensmustern zeigten – wobei die Beschwerdeführerin insbesondere jahrelang in einer Tätigkeit Erfolg gehabt habe
–,
weshalb keine Persönlichkeitsstörung zu dokumentieren sei. Bei der Beschwerdeführerin sei es zu
einer wiederholten
depressiven Symptomatik gekommen,
wobei
die Beschwerdeführerin
aktuell
vollständig schwingungsfähig
sei
und
keine Traurigkeit
, erhöhte Ermüdbarkeit oder Interessenverminderung angegeben
habe
. Sie müsse sich weder tagsüber hinlegen noch benötige
sie
Pausen
. G
erne
würde sie
noch mehr unternehmen, könne dies aufgrund finanzieller Einschränkungen
indes
nicht machen. Im Sommer könne sie zwei Stunden pro Tag mit dem Partner Fahrrad fahren und Dinge geniessen. Es finde sich eine rezidivierende depressive Erkrankung, die jedoch aktuell im Sinne einer remittierten Erkrankung (ICD-10 F33.4) zu dokumentieren sei
. Es fänden sich zwischen 2008 und 2019 depressive Episoden, die teilweise leicht-, mittel- und
schwergradig
seien
, wobei es zu einer Remission zwischen diesen Phasen gekommen sei. Es resultiere ein dauerhafter Konsum psychotroper Sub
stanzen, deren Nebenwirkungen auch depressive Symptome seien, wobei eine adäquate Abgrenzung zwischen Abhängigkeit und Depression nicht möglich sei
(S. 21 f.). Es liege sodann keine
Traumafolgestörung
im Sinne einer post
trauma
tischen Belastungsstörung vor, da sich kein Hinweis auf das typische Kenn
zeichen von Flashbacks oder Vermeidungsverhalten finde
. Ebenso wenig bestehe
eine anhalten
de Schmerzstörung
, da gemäss den Angaben der Beschwerde
führerin seit Ende 2018 lediglich noch eine
geringgradige
Schmerzsymptomatik auftrete, eine anhaltende Schmerzstörung indes einen an
dauernden schweren und quälenden Schmerz voraussetze (S. 22).
Der psychiatrische Gutachter führte weiter aus, dass aktuell eine sehr
gering
gradige
psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung wahrgenommen werde (S. 25).
Im Weiteren empfinde es die Beschwerdeführerin als nicht mehr nötig, eine regelmässige Psychotherapie zu besuchen oder antidepressiv wirksame Psychopharmaka einzunehmen (S.
2
4).
Hinsichtlich Flexibilität
/
Umstellung f
inde
sich eine leicht eingeschränkte Flexibilität bei erhöhten Anforderungen. Betreffend fachliche Kompetenz zeigten sich leichtgradige kognitive Einschränkungen, die in einer Leitungsfunktion zu berücksichtigen seien. Betreffend die übrigen Funktionen (Anpassung an Regeln/Routinen, Planung/Strukturierung von Aufgaben, Durchhaltevermögen, Selbstbehauptungsvermögen, Kontakte zu Dritten, Gruppenaktivitäten, familiäre/intime Beziehungen, ausserberufliche Aktivitäten, Selbstversorgung, Bewältigung von Wegen) verneinte der Experte jegliche Einschränkungen (S. 26 f.).
Unter dem Titel
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit führte der
Gutachter
aus, dass bei der Beschwerdeführerin aufgrund der
geringgradigen
kognitiven Einschränkung
respektive der
geringgradigen
Beeinträchtigung
der Belastbarkeit von einer Leistungseinschränkung von 30 % auszugehen sei. Entsprechend sei in einem 100 %-Pensum von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
Die Beschwerdeführerin schätze sich
selbst
seit März 2020 als zu 100 % arbeitsfähig ein.
Eine nachvollziehbare Rückdatierung betreffend den zeitlichen Verlauf der Entwicklung der Arbeitsfähigkeit sei nicht möglich. In der letzten Dokumentation der Psychiatrischen Universitätsklinik
B._
vom März 2020 finde sich die Angabe einer schweren depressiven Erkrankung bei gleichzeitiger Angabe von leichter Traurigkeit. Dies sei so diskrepant, dass eine Rückdatierung basierend darauf nicht adäquat möglich sei
. Zusätzlich sei die gesamte Problematik der Ab
hängigkeit und Abstinenz sowie die psychosoziale Belastun
g entsprechend zu berücksichtig
en
(S. 28). In einer angepassten Tätigkeit ohne jegliche Leitungs
funktion im Sinne einer einfachen Verkaufstätigkeit mit zusätzliche
n
Pausen
möglichkeit
en
und Rücksichtnahme auf die eingeschränkte Belastbarkeit sei von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen
. Eine retrospektive Analyse sei auch hier nicht möglich
(S. 29).
%1.
5.1
Das
psychiatrische
und neuropsychologische
Gutachten
von Dr.
Z._
und
Neuropsychologe
A._
vom 15. Dezember 2020
(vgl. E. 4
) entspricht den
praxisgemässen
Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise. So ist es für die streitigen Belange umfassend, gibt es doch Antwort auf die Frage nach dem Gesundheitszustand und der verbleibenden
Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
füh
rerin. Es beruht sodann auf den notwendigen psychiatrischen
und neuro
psych
ologischen
Untersuch
ungen. Die Gutachter berücksich
tigten detailliert die geklagten Beschwerden und setzten sich damit auseinander (
Urk.
11/173/19-51 S. 10
ff., S. 23 ff.;
Urk. 11/168
S. 3 ff., S. 14
f.
). Die Expertise wurde sodann in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben, wobei sich die Gutachter zur Krankheitsentwicklung
äusserten
und Bezug auf die
medizinischen
Vorakten
nahmen (
Urk. 11/173/2-17
S.
3
,
S. 14 ff.;
Urk. 11/173/19-51 S. 6
ff.
, S. 10 f.
, Urk. 11/168 S. 3 ff.
).
Sie kommentierten insbesondere abweichende Ein
schätzungen anderer Arztpersonen und würdigten diese in einleuchtender Weise (
Urk. 11/173/2-1
7
S.
3
f., S. 9;
Ur
k.
11/173/19-51 S. 20 ff., S. 26, S. 28
).
Schliess
lich
leuchtet die Expertise in der Darlegung der medizinischen Zusam
men
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und die Schluss
folgerungen im Gutachten sind begründet.
In diesem Sinne
diagnostizierte
Dr.
Z._
aus psychiatrischer Sicht in schlüssiger Weise eine rezidivierende depressive Episode, gegenwärtig remittiert, sowie psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanze
n
(
Abhängigkeitssyndrom, gegen
wärtig Teilnahme an einem ärztlich überwachten Ersatzdrogenprogramm
)
,
wobei er aufgrund der
geringgradigen
Einschränkung der Belastbarkeit in der bisherigen Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % und in einer angepassten Tätigkeit von einer solchen von 80 % ausging
(
Ur
k.
11/173/19-51 S. 19, S. 28 f.).
Neuropsychologe
A._
beschrieb
einleuchtend
eine leichte kognitive Funktionsstörung
im Bereich
Aufmerksamkeit und K
onzentration, wobei in der bisherigen Tätigkeit eine 70%ige Arbeitsfähigkeit und in einer angepassten Tätigkeit eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit vorliegt
(Urk. 11/168 S. 16 f.).
Die Gutachter vermochten für die Zeit vor der Begutachtung keine
verlässlichen Angaben zur Arbeitsfähigkeit zu machen beziehungsweise keine
(weitergehende)
Arbeitsunfähigkeit zu attestierten
(
Urk.
11/173
/19-51 S.
26, S. 28 f.,
Urk.
11/173/
2-15 S. 9 ff.
). Auf
d
ie Expertise
ist
für die
Entscheidfindung
grund
sätzlich abzustellen.
5.2
Die Beschwerdeführerin
beantragte unter Hinweis
auf verschiedene Berichte
und Atteste
von Fachpersonen
des
Zentrums für Suchtmedizin
C._
(
Urk. 3/3
, Urk. 3/7-8
)
und
der
Psychiatrischen Universitätsklinik B._
(Urk. 11/124/1-5
,
Urk. 11/155
,
Urk.
11
/
193
)
ergänzende Abklärungen seit der Anmeldung von 2017 beziehungsweise die
Zu
sprache
einer ganzen R
ente
.
Zu prüfen ist
damit insbesondere, ob durch die genannten
Berichte die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Gutachten in Frage gestellt wird beziehungsweise ob von einer weitergehenden Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist.
Der Bericht des
Zentrums C._
vom 1
1.
April 2017 (
Urk.
3/3
)
war
im Zeitpunkt der Begut
achtung durch Dr.
Z._
am 8. Oktober 2020 bereits über drei Jahre alt
und
er
betrifft einen Zeitraum, der für die Frage
eines möglichen
Renten
anspruches
ab 1. November 2018 nicht entscheidend ist
.
Zudem wird daraus er
sichtlich, dass
nicht nur gesundheitliche Gründe, sondern
auch erhebliche psychosoziale Belastungsfaktoren bestanden
, welche
die Notwendigkeit der
B
eistandschaft begründeten
(S. 2).
Auf
erhebliche
psychosoziale Belastungen ver
wies auch D
r.
Z._
und er erachtete auch angesichts derer eine zuverlässige retro
spektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit als nicht möglich (
Urk.
11/173/19-51 S. 26, S. 28 f.).
Die
Psychiatrische Universitätsklinik B._
-Berichte
vom 22. Januar 2019 (
Urk.
11/124/1-5) und vom 3
0.
März 2020 (
Urk.
11/155)
wurden
von Dr.
Z._
bei der Verfassung des Gutachtens berücksichtigt (Urk. 11/173/19-51 S.
9
), wobei
er
insbesondere bezüglich des
letztgenannten
Berichts eingehend darlegt
e
, weshalb die darin diagnostizierte schwere depressive Episode n
icht nachvollziehbar ist und
dass
erhebliche Diskrepanzen zwischen
den
anamnestischen Angaben,
den
Befund
berichten und
der
a
ktuellen
Situation bestehen (S.
20, S. 26
, S. 28
).
In seiner Stellungnahme vom 20.
Mai 2021 (Urk.
11/193
)
wurde seitens
Oberarzt
Dr.
med.
D._
von
der
Psychiatrischen Universitätsklinik B._
vorab
aus
geführt
, dass das psychiatrische und neuro
psychologische Gutachten vom 15. Dezember 2020 nachvollziehbar sei und sich im Verlauf eine deutliche Besserung der depressiven Symptomatik gezeigt habe, welche über die letzten zwei J
ahre
stabil sei
(S.
2)
.
Betreffend
die stationäre Behandlung der Beschwerdeführerin vom 11. Oktober bis 27. Dezember 2019
bemerkte der Arzt
, dass sich damals bei Eintritt eine leicht
gedrückte Stimmung gezeigt habe und
es im Verlauf des Aufenthalts zu einer
schwergradigen
Ver
minderung des Antriebs und
zum
Interessenverlust
respektive
zu
einer weiteren Verschlechteru
ng der Stimmung gekommen sei. I
n den letzten zwei Wochen der stationären Behandlung
sei
dann
aber
eine deutliche Verbesserung mit fast kompletter Remission eingetreten (S. 1).
Ähnlich
hatte
es sich Ende 2018
ver
halten
, als die damals auf
ge
tretene depressive Symptomatik nach zweimonatigem stationärem Aufenthalt remittiert
gewesen
war
(Urk. 11/155 S. 3 f.).
Für die Beurteilung, ob zwischen Herbst 2018 und Oktober 2019 die Arbeitsfähigkeit nicht deutlich niedriger einzuschätzen sei, verwies
Dr.
D._
auf die Einschätzung des damalig
en
ambulanten Therapeuten (
Urk.
11/193
S. 2). I
n den
eingereichten Attesten des
Zentrums C._
vom
16. Juli und vom 9.
Oktober 2020
(Urk.
3/7-8)
fehlt jeg
liche
Begründung für die darin attestierte Arbeits
un
fähigkeit.
Im Übrigen wurde auch seitens de
r beteiligten Fachpersonen de
s
Zentrums C._
am 20.
April 2021 fest
gehalten,
dass
das
Gutachten von Dr.
Z._
und
des
Neuropsychologen
A._
nachvollziehbar sei
und dass
die zeitlichen Abläufe rückwirkend aufgrund von wechselnden Angaben nur schwer zu eruieren seien
(Urk. 11/188).
I
nsgesamt
begründen die
genannten
Berichte
keine Zweifel an der Beurteilung von
Dr.
Z._
und des Neuropsychologen
A._
; vielmehr bestätigen
sie teil
weise ausdrücklich
deren Einschätzungen.
Aufgrund der Angaben der
behandelnden
Fachpersonen des
Zentrums C._
vom 2
0.
April 2021 (
Urk.
11/188)
, wonach die zeitlichen Abläufe rückwirkend aufgrund von wechselnden Angaben nur schwer zu eruieren seien, kann
zudem
–
namentlich
bezüglich der von
Dr.
D._
aufgezeigten Möglichkeit
einer weitergehenden Arbeitsunfähigkeit ab
Herbst 2018 bis Oktober 2019 (vgl.
Urk.
11/193 S. 2)
–
von ergänzenden Abklärungen abgesehen werden, da davon keine
neuen
Erkenntnisse zu erwarten sind
(antizipierte Beweiswürdigung;
BGE 144 V 361 E. 6.5, 136 I 229 E. 5.3, je mit Hinweisen).
Mithin
bleibt es
auch für die Frage einer
früheren
(höheren)
Arbeits
unfähigkeit bei den gutachterlichen Feststellungen der fehlenden Beurteilbarkeit.
%1.%2
5.3.1
Gemäss
der Rechtsprechung
sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen,
und Suchterkrankungen
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (
E. 1.3).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem struktur
ierten Beweisverfahren nach BGE 141 V
281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fa
chärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V
351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und all
fälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemesse
n werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V
418 E.
7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressiven Störung auszugehen ist, die nicht schon als
chronifiziert
gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines strukturierten Bew
eisverfahrens (BGE 143 V
409 E.
4.5.3; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_580/20
17 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).
5.3.2
Wie nachfolgend aufgezeigt wird
,
besteht b
ei einer
gutachterlich fest
gestellte
n
Arbeitsfähigkeit von
70
%
angestammt und
80
%
leidensangepasst
kein
Renten
anspruch
. Da mit einer
Indikatorenprüfung
eine im Rahmen einer psychischen Diagnose attestierte Arbeitsunfähigkeit validiert wird, kann daraus auch keine grössere Arbeitsunfähigkeit resultieren als die gutachterlich attestierte (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_241/2018 vom 25.
September 2018
E.
7.5.2)
.
Dem
ent
sprechend kann von der Durchführ
ung eines strukturierten Beweis
verfahrens ab
gesehen werden (vgl. E. 5.3.1; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
8C_675/2017 vom 26.
April 2018
E.
3.2).
Der Gesundheitszustand und die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit sind nach dem Gesagten aufgrund der medizinischen Akten hinreichend abgeklärt. Von weiteren Untersuchungen wären diesbezüglich keine neuen Erkenntnisse zu erwarten (antizipierte Beweis
würdigung; BGE 124 V 90 E 4b, 122 V 157 E. 1.d, 136 I 229 E 5.3).
5.4
Nach dem Gesagten steht fest, dass die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit zu 70 % und in einer angepassten Tätigkeit zu 80 % arbeitsf
ähig ist.
Dies gilt
grundsätzlich
ab
dem Zeitpunkt
der Begutachtung durch
Dr.
Z._
am 8.
Oktober 202
0.
Für die
massgebliche
Zeit davor
- bei einem frühest
möglichen Rentenbeginn am 1.
November 2018
somit
ab
1.
November 2017
-
ist
aber jedenfalls
kei
ne
weitergehende
, längerdauernde
Arbeitsunfähigkeit aus
gewiesen
und eine solche lässt sich auch mit weiteren Abklärungen nicht
mit der notwendigen Wahrscheinlichkeit
ausweisen
(vgl.
E. 5.2
;
Urteil des Bundesgerichts 8C_765/2020 vom
4.
März 2021 E. 3.2.2 mit Hinweis auf BGE 144 V 427 E. 3.2
).
5.5
Bei einer maximalen Arbeitsunfähigkeit angestammt von 30
%
erfüllte die Beschwerdeführerin
das Wartejahr nach
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG im Verlauf nicht.
Selbst wenn
aber
von k
urzen
,
während den stationären Behandlungen
vom 26.
September bis 2
6.
November 2018 (
Urk.
11/124), vom
1
1.
Oktober bis 27.
Dezember 2019 und vom 3
0.
Januar bis
2.
April 2020
(
Urk.
11/
193)
bestandenen höheren
Arbeitsunfähigkeiten auszugehen
wäre, und
sich das Wartejahr
während diesen erfüllt
hätte
,
vermöchten diese
Arbeitsunfähigkeiten
,
da
nur
vorübergehend,
keinen
(befristeten)
Ren
tenanspruch auszulösen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_942/2015 vom 1
8.
Februar 2016 E. 3.3.3).
Es fehlt
- selbst wenn das Wartejahr
als erfüllt betrachtet würde
-, an einem renten
begründenden
Invaliditätsgrad nach
Art.
28
Abs.
1
lit
. c IVG
wie nachfolgend
(E. 6)
aufgezeigt wird.
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
6.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE 145 V
141 E. 5.2.1,
139 V 28 E. 3.3.2, 135 V
58 E. 3.1,
134 V
322 E. 4.1).
Die Beschwerde
führerin
erzielte bei
Y._
im Jahre 2008
bei einem
grundsätzlich
anzunehmendem
75 %-Pensum
(Urk. 3/9 S. 2
)
ein Bruttoeinkommen von Fr. 47'798.55 (Urk. 11/
10/11), was bei einem 100 %-Pensum (vgl. Urk. 11/
184 S. 1
)
einem Jahreslohn von Fr.
63'731.40 entspricht.
Angepasst an die seither eingetretene Lo
hnentwicklung resultierte
für das Jahr 2018 ein
E
inkommen von
Fr.
69'673.
55
(Bundesamt für Statistik
[BFS]
,
Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne,
T 39
, Index 1939 = 100,
Frauen, 2008 = 2499, 2018 = 2732).
6.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch heraus
gegebenen Lohnstrukturerhebungen
(LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V
297 E. 5
.2, 129 V
472 E. 4.2.1
). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tab
ellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V
295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Date
n bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V
178 E
.
2.5.8.1, 133 V
545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne
ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BG
E
142
V
178
E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V
297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, 3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens ist auf die LSE 2018,
TA1_tirage_skill_level
,
Ziff. 47 Detailhandel,
Komp
etenzniveau 2, Frauen, abzu
stellen
und von einem Betrag von
Fr.
4'511.--
auszugehen
.
Für das massgebende Jahr 2018
betrug der Invalidenlohn
bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 41.8 Stunden (BFS, T03.02.03.01.04.01,
Ziff.
47)
Fr.
45'254.35
für das de
r
Beschwerdeführer
in
zumutbare Arbeits
pensum von 80
%
. Die gesundheitlichen Einschränkungen wurde
n bei der Reduktion des Arbeits
pensums auf ein solches von 8
0
% bereits ausreichend berücksichtigt. Gründe, welche einen leidens
bedingten Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigen würden, sind weder ersichtlich noch wurden sie vo
n der
Beschwerdeführer
in
(substantiiert) vorgebracht.
6
.4
Der Vergleich des
Valideneinkom
mens
von
Fr.
69'673.55
mit dem Invaliden
einkommen von Fr.
45'254.35
ergibt einen rentenausschliessenden I
nvaliditäts
grad von
35
% (
vgl. E. 1.3
).
Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
6
00.-- anzusetzen. Ent
sprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
r
unterliegenden Beschwerde
füh
rerin
aufzuerlegen.