Decision ID: c70d5aa2-da1a-46bc-80ec-c39f83a1e0f2
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1975 und Mutter von drei Kindern (Jg. 2007, 2009 un
d 2012 [
Urk.
2/
7/155,
2/
7/169,
2/
7/197]), leidet seit Geburt an einer ausge
prägten Missbildung der linken unteren Extremität im Sinne
eines
kongenitalen
Femur
defektes
(Dysmelie;
Urk.
2/
7/3). Die Eidgenössische Invalidenversicherung aner
kan
n
te
das Geburtsgebrechen
Ziff.
176 gemäss
de
s Anhangs
zur
Verordnung
über Geburtsgebrechen (
GgV
) und die Übernahme der daraus entstehenden Kos
ten
für
medizinische Massnahmen und Hilfsmittel (
Urk.
2/
7/4) und erteilte aufgrund der im
gehfähigen Alter notwendig gewordenen Prothesenversorgung Kosten
gut
spra
chen für Oberschenkelprothesen mit Kniegelenk (vgl. Leistungsblatt
Urk.
2/
7/6). Die zuständige Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, gewähr
te für den Zeitraum vom
1.
August 1997 bis 3
1.
Dezember 2008 für eine her
kömmliche Oberschenkelprothese (
Urk.
2/
7/108) und am
3.
November
2000 (
Urk.
2/
7/119) auch für eine neu entwickelte Prothese mit elektronisch-hydrau
lisch gesteuertem Kniegelenk
Kostengutsprache
(sog. C-Leg [vgl.
Urk.
2/
7/110/2 f.
und
Urk.
2/
7/116]). In der Folge ergingen verschiedene Kostengutsprachen für Änderungen, Anpassungen, Reparaturen und Service der beiden Prothesen (vgl.
Urk.
2/
7/129,
2/
7/135,
2/
7/137,
2/
7/141,
2/
7/143,
2/
7/147,
2/
7/149,
2/
7/158,
2/
7/160,
2/
7/162,
2/
7/192). Am
3.
Mai 2010 (
Urk.
2/
7/188) sprach die IV-Stelle ein neues C-Leg als Ersatz des Vorgängermodells zu, nachdem dieses nicht mehr hatte revidiert werden können (vgl.
Urk.
2/
7/181). Im Anschluss daran erteilte die IV-Stelle wiederum Kostengutsprachen für Reparaturen, Services und Anpass
un
gen, einerseits für das C-Leg als Erstversorgung (
Urk.
2/
7/231,
2/
7/255,
2/
7/271) und anderseits für die Prothese mit Mauch-Hydraulik (vgl.
Urk.
2/
7/259/3) als Zweitversorgung (
Urk.
2/
7/235,
2/
7/245,
2/
7/272). Sodann sprach sie der Versi
cher
ten auch Amortisationsbeiträge für ein neu angeschafftes Fahrzeug zu (
Urk.
2/
7/209 f. und
Urk.
2/
7/232).
1.2
Einen Kostenvoranschlag vom 2
7.
Oktober 2016 der
Y._ O
rthopädie
t
echnik über
Fr.
69'545.90 für eine Oberschenkelprothese «GENIUM» (
Urk.
2/
7/273) nahm die IV-Stelle als Zusatzgesuch für die Folgeversorgung der Oberschenkelprothese entgegen (
Urk.
2/
7/274) und wies die Kostengutsprache für eine Prothesenversorgung mit Genium Kniegelenk mit Verfügung vom 1
1.
April 2017 ab (
Urk.
2/
7/300). Die dagegen am
3.
Mai 2017 (
Urk.
2/
7/307) erhobene Be
s
chwerde wurde durch das hiesige
Sozialversicherungsgericht im Urtei
l vom 1
0.
Dezember 2018
(
Prozess
-Nr. IV.2017.00481
)
in dem Sinne gutgeheissen, als
die Verfügung vom 1
1.
April 2017 aufgehoben und die Sache an die Sozial
versi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wurde, damit diese nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen über den Leistungs
an
s
pruch neu verfüge (
Urk.
2/
7/361).
Zwischenzeitlich, am 28.
September 2017 (
Urk.
2/
7/339)
,
erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache von
Fr.
17'678.80 für die Revision und Anpassung am bishe
rigen C-Leg mit Schaftwechsel, neuem Prothesenfuss und Reparatur des C-Leg-Kniegelenks (
Urk.
2/
7/343, vgl. auch
Urk.
2/
7/399). Sodann gewährte sie am 3
0.
Oktober 2018 (
Urk.
2/
7/354) auch eine Kostengutsprache von
Fr.
17'751.60
für den Komplettersatz der Zweitversorgung der Oberschenkelprothese mit Mauch
-Hydraulik (
Urk.
2/
7/350, vgl. auch
Urk.
2/
7/368). Im Weiteren sprach sie wiede
rum Amortisationsbeiträge für ein Moto
rfahrzeug zu (vgl.
Urk.
2/
7/342).
Die
IV-Stelle
tätigte in Umsetzung des Urteils Abklärungen
(
Urk.
2/
7/373,
Urk.
2/
7/376 ff.
,
Urk.
2/
7/384
,
Urk.
2/
7/389 und
Urk.
2/
7/390/4-5,
Urk.
2/
7/409) und wies das Leistungsbegehren
mit Verfügung vom 2
7.
Dezember 2019
erneut
ab
(
Urk.
2
/
2
)
. Die d
agegen erhob
ene Beschwerde wurde mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 1
2.
Mai 2020
im
Prozess
-Nr. IV.2020.00038
abgewiesen (
Urk.
2/11
)
. D
ieses Urteil
hob das Bundesgericht
mit Urteil
9C_408/2020
vom
2
0.
August 2020 (
Urk.
1) auf
und wies die Sache an das
hiesige Gericht zurück
, damit
dieses
weitere Abklärungen
im Sinne der Erwägungen
tätige
und ein neuer Entscheid erfolge.
2.
Im vorliegenden, neu angelegten Verfahren stellte
das Gericht mit Beschluss vom 2
5.
September 2020
(
Urk.
3) in Aussicht, ein
orthopädisches
Gutachten
in der Rehaklinik
Z._
, Zentrum für interdisziplinäre Begutachtung
,
einzuholen
,
und gab den Parteien Gelegenheit, hierzu und zu den seitens des Gerichts formulierten Fragen Stellung zu
nehmen. Dagegen wandte sich die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom
1.
Oktober 2020 (
Urk.
4)
und unterbreitete zwei Gegenvorschläge,
während die
Beschwerdegegnerin
am 21.
Oktober 2
0
20 auf Ausführungen ver
zich
tet
e
(
Urk.
6). Mit Beschluss vom 5.
November 2020 (
Urk.
7) wurde an der Gut
achterstelle und am Fragenkatalog festgehalten.
Mit Verfügung vom 1
9.
März 2021 wurde den P
arteien Gelegenheit gegeben, zu der
von der Reh
a
klinik
Z._
genannten
Gutachterperson,
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Stellung zu nehmen (
Urk.
12
-
Urk.
13). Die B
eschwerdegegnerin
erhob dagegen kein
e
Einwände (
Urk.
15)
, während sich der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beim hiesige
n Gericht nicht vernehmen liess, jedoch
direkt
bei der
Begutachtungsstelle
inter
ve
nierte
(vgl.
Urk.
16 und
Urk.
17) und a
m 1
4.
Juli 2021 weiter
e
Unterlagen ein
reichte (
Urk.
20 und
Urk.
21).
Das mit Beschl
ü
ss
en
vom
2
5.
September
und
5.
November 2020
veranlasste Gutachten wurde durch
Dr.
A._
am 2
6.
August 2021 erstattet (
Urk.
22). Am 1
3.
Oktober 2021
(
Urk.
3
0
und
Urk.
31
) liess sich
die Beschwerdegegnerin und am
2.
November 2021
(
Urk.
32
) die
Beschwerdeführer
in
zum Gutachten
vernehmen, was den Parteien am
3.
November 2021
gegenseitig zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
33
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die rechtlichen Grundlagen und Grundsätze betreffend den Leistungsanspruch sind in den beiden vorangegangenen Gerichtsurteilen
sowie im bundesge
richt
lichen Urteil 9C_408/2020 vom 2
0.
August 2020
bereits umfassend wiederge
geben w
orden (
Urk.
1 E. 2.1-2.2,
Urk.
2/2/361 E. 1.1 bis E. 1.4.2,
Urk.
2/11 E. 1.1
bis E. 1.4). Darauf kann, mit der nachfolgenden Ergänzung, verwiesen werden.
1.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizin
ischen Fachperson ab, deren Auf
gabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen
(BGE 143 V 269 E. 6.2.3.2, 135
V 465 E. 4.4)
. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Ge
richts
ex
pertise widersprüchlich ist
oder
wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergut
achten in überzeugender Weise zu anderen Schlussfolgerungen gelangt. Eine abwei
chen
de Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungs
äus
se
rungen anderer Fachexperten dem
Gericht
als triftig genug erscheinen,
die Schlüssigkeit des Gerichts
gutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass er die Überprüfung durch einen Oberexperten für angezeigt hält, sei es, dass er ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schluss
folge
rungen zieht (BGE 125 V 352 E. 3b/
aa
mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründet
e
d
ie angefochtene Verfügung vom 27
.
Deze
m
ber 2019
(
Urk.
2/2)
im Wesentlichen damit,
dass es sich b
ei der Versorgung mittels C-Leg nicht um eine rückständige Versorgung, die mit eingeschränkter Standfestigkeit und erhöhtem Sturzrisiko einhergehe, sondern um das am häu
figsten untersuchte mikroprozessorgesteuerte Kniegelenk seiner Klasse
handle
. Es sei nicht nachvollziehbar, inwiefern die C-Leg-Versorgung vorliegend für mög
liche gesundheitliche Folgeschäden verantwortlich sein solle. Eine Missbildung stelle eine strukturelle Fehlanlage eines Körperteils dar und vorliegend handle es sich um eine verkürzte und fehlangelegte linke untere Extremität mit
dysplastisch
verformten Knochen. Ein Vorteil gegenüber einer Amputation ergebe sich aus dem Vorhandensein einer zwar in der Funktion beeinträchtigten, aber in sich intakten Gliedmasse, die in der Regel ein normales Empfinden aufweise. Das Körperschema einer Person mit Gliedmassen-Dysplasie sei im Gegensatz zur Amputation nicht gestört, da die spezifische Form der Extremität seit Geburt vorhanden sei und daher im Körperschema als gegeben erlebt werde. Bezüglich Kostendifferenz zwischen den beiden Versorgungen fielen neben dem Anschaf
fungspreis insbesondere auch die Garantieverlängerung inklusive Wartung beim Genium-Gelenk wesentlich höher aus.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellt
e
sich demgegenüber
zusammengefasst
auf den Standpunkt (
Urk.
2/1), ihr Arzt habe bestätigt, dass sie zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit und zur Bewältigung des Haushaltes und der Kinderbetreuung auf ein Genium angewiesen sei, insbesondere da die ausgeprägten Flexions
kon
trakturen der Hüfte und des Knies eine schwere Störung der Biomechanik dar
stellten, die über eine normale Amputation hinausgehe und nur durch ein optimal leistungsfähiges Gelenk einigermassen kompensiert werden könne. Zur Steige
rung der Arbeitsfähigkeit nach Abschluss der Kinderbetreuung sei die Versorgung mit einem Genium indiziert und mittelfristig auch für die Sozialversicherung kostengünstig.
2.3
Das Bundesgericht erwog im Urteil 9C_408/2020 vom 2
0.
August 2020 (
Urk.
1) in E. 3.2.3, die
Beschwerdeführerin mache eine
medizinische Indikation für die Abgabe eines Genium-Kniegelenks und ein gesteigertes Eingliederungsbedürfnis in Beruf, Aufgabenbereich und Sport
geltend. Dabei verweise
sie auf einen Be
richt des KD
Dr.
med.
B._
, Leiter Technische Orthopädie an der Universitätsklinik
C._
,
wonach
aufgrund der jahrelangen Fehlbelastung zufolge eines kongeni
talen Femurdefekts links mit funktionell hoher
iliakaler
Luxation und
Flexa
tions
kontraktur
der Hüfte eine muskuläre Dysbalance
bestehe
, die eine zunehmende
Schmerzproblematik an Rücke
n, Gesäss und Steissbein auslös
e
. Von einer Versor
gung mit einem
Genium
-Knie sei
d
ank
dessen Standphasensicherung mit Ein
stel
lung entsprechend dem aktuellen Gewicht und der Möglichkeit des alternierenden Treppensteigens eine Verbesserung der Beschwerden zu erwarten.
Die Beschwer
deführerin mache
dabei
gelten
d,
d
urch die Versorgung mit einem Genium lasse sich ihre Wirbelsäule merklich entlasten und damit ihre Arbeitsfähigkeit lang
fristig erhalten.
Unter E. 3.2.4
folgerte
das Bundesgericht
hierzu,
d
ie
Vorinstanz
habe dazu
l
edig
lich erwogen
, dass nicht nachvollziehbar sei
, weshalb eine fortgesetzte Ver
sor
gung mit dem C-Leg ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche Fol
geschäden nach sich ziehen soll
e,
und dabei auch auf
die
Stellungnahme der
Fachärztin des
regio
nalen ärztlichen Dienstes (
RAD
)
für orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie
verwiesen. Darin sei
jedoch
keine Auseinandersetzung
mit der
abwei
chenden Ein
schätzung des behandelnden
Dr.
B._
erfolgt
, wonach die Versorgung mit einem Genium aufgrund der schweren Deformität sowie der diagnostizierten Schäden
am Bewegungsapparat medizinisch indiziert sei
.
Der
behandelnde Orthopäde
zeige
indes seinerseits
auch
nicht auf, inwiefern auch das - gegenüber der damaligen Versorgung mit einem C-Leg 2
-
ebenfalls wese
ntlich weiterentwickelte
C-Leg 4 zu einer Besserung des Beschwe
rde
bildes zu führen vermöchte, was aber für die Beurteilung der Notwendigkeit und Angemessenheit der Versorgung mit einem
Genium-Gelenk von Bedeutung sei
.
Angesichts dessen habe
Anlass
bestanden
zu
z
weifeln, inwiefern zur mittel- bis langfristigen Erhaltung des Funktionsniveaus der Beschwerdeführerin die Abgabe eines C-Leg 4 ausreichend bzw. die Versor
gung mit einem Genium-Gelenk notwendig und angemessen sei.
Die
Sache
sei deshalb
an die Vorinstanz zurückzuweisen
,
damit diese ein orthopädisches Ge
ric
htsgutachten einhole.
Dieses habe
mit Blick auf Notwendigkeit und Angemessenheit der Abgabe eines Genium-Kniegelenks zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit sowie der Fähigkeit zur Betätigung im Aufgabenbereich insbesondere Auskunft darüber zu geben, in
wiefern die geltend gemachten gesundheitlichen Beeinträchtigungen sich mittel- bis langfristig - mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen) - auf das Funktionsniveau der Versicherten auswirk
ten. Es habe
sodann gegebenenfalls aufzuzeigen, inwiefern eine Versorgung einerseits mit einem C-Leg der neusten
4.
Generation, anderseits mit einem Genium-Kniegelenk überwieg
end wahr
schein
lich geeignet sei
, eine zu erwartende Funktionseinbusse zu verhindern oder zu verzögern, wobei insbesondere konkret mit Bezug auf die gekla
gten Beschwerden aufzuzeigen sei
, inwiefern das Genium dem C-Leg
4 dabei allenfalls überlegen
sei
.
Das kantonale G
ericht werde
hernach erneut zu beurteilen haben, ob die Ver
sorgung mit einem Genium-Gelenk angesichts der konkreten gesundheitlichen und beruflichen Situation der Versicherten als notwendig und angemessen im Sinne der gesetzlichen Grundlagen bez
eichnet werden könne
.
2.4
Nach Erstattung des Gerichtsgutachtens durch
Dr.
A._
(
Urk.
22) machte die
Beschwerdeführerin
in ihrer Stellungnahme dazu vom
2.
November 2021 (
Urk.
32)
im Wesentlichen
geltend, es
sei ihr
bei der Begutachtung, so auch der Gang
analyse
,
kein C-
L
eg 4 zur Verfügung gestellt worden
;
das Genium X3 sei
vielmehr
mit ihrer mechanischen Prothese 3R80 verglichen worden. Die durchgeführte Ganganalyse
wie auch das Gutachten seien entsprechend
wertlos
(
Ziff.
1.2)
.
Der Gutachter anerkenne zwar einen Vorteil des Geniums gegenüber dem C-Leg 4,
allerdings behauptet er dann, dass die Möglichkeit, Tätigkeiten auszuüben, welche
körperlich kraftraubend und ausdauernd anstrengend seien
,
durch beide Prothe
sensysteme nicht in relevanter, unterschiedlicher Art weder aktuell noch mittel
fristig beeinflusst werden könnten
(
Ziff.
2.4 f.)
.
Dies werde aber
von
D._
, zuständig für die Ganganalyse in der Rehaklinik
Z._
,
E._
, Technische Leitung Orthopädie der Firma
F._
,
und ihr
w
iderlegt. Allein
schon aufgrund
des technischen Vorsprungs des Geniums gegenüber dem C
-Leg
4
sei diese Aussage falsch und wäre
das Geni
um dem C-Leg 4 nicht überlegen,
so hätte
sie
sicher nicht den Mehrwert vorfinanziert
(
Ziff.
2.5)
.
Mit einem Genium könne die Invalidisierung um mindestens fünf bis zehn Jahre hinausgezögert werden (
Ziff.
2.6).
Auch
E._
habe bestätigt, dass das Genium dem C-Leg 4 technisch weit überlegen sei. Das Genium biete sowohl in Sachen Sicherheit
als auch in Sachen gesundheitliche Schonung und Komfort
gegenüber
dem C-Leg 4 einen überragenden Mehrwert, was zur länger
en Auf
rechterhaltung der Arbeits
-
respektive
Erwerbsfähigkeit führe (
Ziff.
4.2).
Da ihre jüngste
Tochter
(geb. 2012)
seit
einer toxisch
epidermale
n
Nekrolyse
im Herbst 2019
schwerwiegend an
beiden Augen
geschädigt sei, sei sie
auf ständige Beglei
tung
von ihr
, der Beschwerdeführerin,
auf dem Schulweg
und auch
sonst im All
tag
angewiesen. D
urch ihren Garten
fliesse ein Bach und sie
müsse
der Tochter
nachrennen können, wenn sie ins Wasser falle. Das Genium X3 sei anders als das normale Genium das einzige elektronische Kniegelenk auf dem Mark, das wasser
f
est sei
. Auch
brauche
sie
die «
walk
to
run
» Funktion
. Durch die OPG-Funktion
(optimiertes physiologisches Gehen)
des Geniums habe sie
sodann
bereits
nach
kurzer
Zeit des Tragens feststellen können, dass sie viel weniger Rückenschmer
zen habe, da die
Preflexfunktion
wie ein Stossdämpfer auf
d
en Rücken
wirke. Auch alternierendes Treppensteigen sei nur mit einer Genium
-
Prothese
möglich
,
mit einem C-Leg
dagegen
nicht
(
Ziff.
5)
.
2.5
Die Beschwerdegegnerin stellte sich
in ihrer Stellungnahme zum Gutachten
mit Verweis auf die
Stellungnahme ihres RAD
auf d
en Standpunkt (
Urk.
30
und
Urk.
31
),
das Genium-Kniegelenk biete gegenüber dem C-Leg
4-System unbe
stritten Vorteile. Die körperliche Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei jedoch durch die Fehlbildung limitiert und die daraus resultierende Leistungs
fähigkeit könne überwiegend wahrscheinlich weder durch das Genium-Knie
ge
lenk noch durch das C-Leg
4-System vollständig kompensiert werden. Insbeson
dere sei das Risiko für die Entwicklung bzw. Verstärkung sekundär-degenerativer Veränderungen (vor allem im Rücken) bei beiden Prothesensystemen gleich hoch.
D
as Gutachten
stütze die RAD-Beurteilung vom 1
6.
März
2019
auch
insofern, als
die
Versorgung mit dem Genium-System die Belastungs-
und Bewegungs
fähig
keit in einem gewissen Grad
optimiere
, überwiegend wahrscheinlich jedoch die Arbeitsfähigkeit in der
bisherigen Tätigkeit und im
Aufgabenbere
ich nicht mass
geblich verbessere
.
3.
3.1
Am 2
6.
August 2021 erstattete
Dr.
A._
das
bei
der
Rehaklinik
Z._
vom Gericht in Auftrag gegebene
orthopädische Gutachten (
Urk.
22). Der Experte
stützte sich
auf die überlassenen Akten (S. 2 – S. 13)
,
auf die von ihm
in
der
Untersuchung
vom
6.
Juli 202
1 erhobenen
klinischen
Befunde
(S. 18
f.
)
, die aktuellen bildgebenden Abklärungen (S. 17 f.)
und
auf die
anlässlich eines
v
er
anlassten
sogenannten
«
Assessment
s
elektronischer Kniegelenke
»
erhobenen Be
funde
(S. 19 f.) ab.
Zur Untersuchung wurde
n
sodann ein Orthopädietechniker und
ein
Physiotherapeut
, seines Zeichens Leiter des Ganglabors der Rehaklinik
Z._
,
beigezogen (vgl. S. 20
und Anhang 1, 2 und 3 des Gutachtens
).
Auf
grund der Angaben der Beschwerdeführerin in der Untersuchung
sowie unter Zuzug der Akten wurden die Anamnese erhoben sowie die gekl
agten Leiden fest
gehalten (S. 13
ff.).
3.2
Der Experte führte
aus (S. 21
),
für
die
Fehlbildungen, wie sie sich auch bei
der
Beschwerdeführerin am linken Bein präsentier
t
e
n
, habe sich der Begri
ff des kon
genitalen
Femurdefekt
s
(
congenital
femoral
deficiency
) CFD etabliert. A
uf
grund der
Röntgenaufnahmen vom 2
4.
Januar 2017 sowie vom
6.
Juli 2021 könne
dabei
festgehalten werden
(S. 22 f.)
, dass
sie
eine Hypoplasie des gesamten linksseitigen Beckenrings aufweise, inklusiv eine hohe
iliakale
Luxation des Hüftgelenkes. Der
Femurkopf
sei dermassen verkleinert und
verplumpt
, dass er als solcher radio
lo
gisch kaum wahrgenommen w
erden könne. Das Femur schwimme
in den Weich
teilen des Gesässes und könne somit rein mechanisch keine suffiziente Ge
lenks
funkt
ion ausüben. Die eingeschränkte
n
Hüftgelenksbeweglichkeit
en
, wie sie die Beschwerdeführerin aktiv selber vorführe und welche passiv bestätigt werden könnten,
erfolg
t
e
n
somit nicht in einem Gelenk, sondern
ausschliesslich in den Weichtei
len. Dies habe eine entscheidende Bedeutung für die Biomechanik des linken Beins, da
,
auch wenn die hüftgelenksnahe Muskulatur
auftrainiert sei oder
werde, diese nicht in der Lage
sei
,
das
Fehlen eines Gelenks zu kompensieren.
Das missgebildete und stark verkürzte Bein
könne
daher
nicht zur Unterstützung
der Bewegung gebraucht werden
. Die Situation komme
deswegen einer Oberschen
kel
amputation (
transfemorale
Amputat
ion) nahe, wobei
fest
zuhalten sei,
dass oberschenkelamputierte Menschen in aller R
egel ein funktionstüchtiges und
belastbares
ipsilaterales
Hüftgelenk aufweisen
würden
.
Bei der Beschwerde
füh
rerin gehe d
ie knöcherne Hypoplasie der gesamten linken Beckenschaufel über
wiegend wahrscheinlich auch mit einer kong
enital verminderten Muskelmasse in B
eckennä
he einher, sodass davon auszugehen sei, dass trotz optimalen
Auftrai
nierens
immer ein nicht
kompensierbares
Defizit persistieren werde.
Die Beschwerdeführerin stütze daher ihre Beinprothese im Wesentlichen auf de
m
unteren Schambeinast ab, da das missgebildete Bein kaum in der Lage sei, das Gewicht (Belastung) des linken Beines aufzunehmen. A
ber a
uch wenn das miss
gebildete linke Bein anatomisch bedingt erhebliche funktionelle Einschränkungen
zeige
, so weise es eine erhaltene, normale Oberflächen- und Tiefensensibilität auf und die propriozeptiven Funktionen seien trotz der invalidisierenden Missbildung
vorhanden. Dazu trage die Tatsache bei, dass die Beschwerdeführerin mit der Mis
s
bildung zur Welt gekommen sei und mit ihrer Missbildung auch die physio
logischen Wachstumsphasen des Bewegungsapparates miterlebt habe. Di
es stehe im Gegensatz zu einer o
berschenkelamputierten
Person, welche
durch die Ent
fer
nung eines Grossteils
ihrer
Gliedmasse auch
die normale
Sensibilität und
Proprio
zeption
verliere
,
was
kaum vol
lständig kompensiert werden könne
und
das
Problem von Phantomschmerzen bei
einem hohen Prozentsatz
hinzu
komme
(S.
23
)
.
In Bezug auf die Sekundärprobleme
am Bewegungsapparat
(S. 24 f.)
seien
aber die Erkenntnisse bei Oberschenkelamputierten auf
Personen
mit kongenital
em Femurdefekt übertragbar
, denn bei
beiden
Person
engruppen bestehe
eine ver
gleichbare Über- oder Fehlbelastung der nichtprothesenversorgten kontrala
tera
len
Extremität.
Dabei würden am
häufigsten Rückenprobleme
,
gefolgt von Prob
le
men am erhaltenen Knie und der Hüften
,
angetroffen. Bis zu 81
%
der Ober
schenkel
amputierten
litten an ausgeprägten Rückenschmerzen
,
wobei die Gründe und Erklärungen für diese hohe Prävalenz unklar bleibe.
Konsens bestehe
darüber
,
dass die Amputationshöhe
Einfluss auf die Häufigkeit von Rückenschmerzen habe. Bei Menschen mit einer Amputation im jüngeren Alter gebe es Anzeichen, dass ein junges Amputationsalter sowie eine gute körperliche Verfassung und ein hohes Sportniveau Rückenschmerzen favorisiere
n würden
.
Dabei dürfte a
uch das Geschlecht eine Rolle spielen,
seien doch
bei beinamputierten Frauen häufiger Rückenschmerzen
zu verzeichnen
.
Letztlich sei aber der genaue
Pathomechanismus
der Entwicklung sekundärer,
degenerativer Veränderungen am Bewegungsapparat bei Beinprothesen
träger/
in
nen unklar. Entsprechend
seien
auch
keine sicher wirk
same
n
prophylaktische
n
Massnahmen
bekannt
. O
b der getragene
Prothesentyp Einfluss auf das Risiko der Entwicklung
habe, sei in der Literatur nur an
sa
tzweise diskutiert worden und e
ine
Korrelation
zwischen dem getragenen Beinprothesen-Typ und sekundären Rücke
n
schmerzen
seien dabei nicht
gefunden
worden (S. 25). Da
ss
der
Beschwerde
führerin seit der Geburt ihre untere Extremität links grösstenteils fehle und sie vergleichbar mit einem oberschenkelamputierten Menschen eine kurze verblie
bene Gliedmasse aufweise, aber auch, dass ihre linke Hüfte durch die Hüftluxation funktionell eingeschränkt sei, prädisponiere sie rein statistisch gesehen in einem h
ohen Masse, an einem sekundären
Rückenleiden zu erkranken. Zusätzlich zum
Fehlen einer funktionsfähigen unteren Extremität
stelle
überwiegend wahrschein
lich auch die knöcherne und m
uskuläre Asymmetrie des Beckens
und somit des lumbosa
k
ralen Überganges (Beckenhypoplasie links)
einen weiteren,
anatomisc
h definierten Risikofaktor dar
,
eine strukturelle Schädigung an de
r Lendenwirbel
säule zu erzeugen
und zu beschleunigen
.
Es seien b
ei der Beschwerdeführerin
seit 2016
Lumbalgien
,
aber auch diffu
se
Ausstrahlungen nach
gluteal
und ins Steissbein bekannt
, wobei sie
damals noch mit einem C-Leg 2-Prothesensystem versorgt gewesen
sei
. Die Behandlung sei symptomatisch mittels gezielter Physio
therapie sowie gelegentlichen
chiropraktischen
Behandlungen erfolgt. Seit An
fang 2020 trage sie nun eine Genium X3
-
Beinprothese, welche subjektiv gemäss
ihren Aussagen
bezüglich Funktionalität und Gehkomfort der vorher getragenen C-Leg 2-Prothese
nachvollziehbar
überlegen sei. Dennoch sei es im Frühling 2021 zu einer heftigen Lumbalgie gekommen und im MRI vom 3
0.
April 2021
hätten
pathologische
Substrate (multisegmentale
Chondrosen
an der mittleren und unte
ren LWS, akzentuiertes
Discusbulging
/Diskushernie LWK 5/SWK l) als Korrelat der Beschwerden festgehalten werden
können
. Dieser
klinische Verlauf bestätige
die Angaben aus der Literatur, dass auch ein Beinprothesen-Modell der neuesten
Generation überwiegend wahr
sc
heinlich nicht in der Lage sei
, sekundäre Rücken
probleme bei
Oberschenkelamputierten zu verhindern. Denn unter dem Tragen
einer
Genium X3-Prothese
habe die Beschwerdeführerin
erstmals eine sehr hef
tige Lumbalgie
entwickelt
.
Weiter seien bei
b
einamputierten
Personen
auch s
ekundäre Probleme im Bereich des Knies und der Hüfte der nicht
prothesenversorgten Extremität
ein
seit Jahren erkanntes Problem,
wobei solche
allerdings weniger
häufig
auftreten würden
als Rückenschmerzen
.
Die Prävalenz für schwere Seku
ndärarthrosen des Knies be
trage
27
%
, der Hüfte 14
%
.
Während sekundäre Rückenprobleme be
i Frauen häufiger vorkommen
würden
, seien
sekundäre Knie- und Hüftarthrose
n
bei Männern statistisch häufiger. Auch bezüglich der
Ätiologie
der sekundären Arthroseentwicklung an Kni
e und Hüfte bei Prothesenträger/innen könne die medizinische
Wissenschaft aktuell keine klaren Erkenntnisse liefern
, weshalb
auch keine prophylaktischen
Massnahmen
empfohlen werden
könnten
.
In der gutachterlichen Untersuchung hab
e
die Beschwerdeführerin angegeben, dass sie gelegentlich rechtsseitige Hüft- und Knieschmerzen habe. Der klinische Untersuch
habe dabei
keine Auffälligkeiten wie Ergussbildung, Instabilität am Knie, schme
rz
hafte Bewegungseinschränkungen der Hüfte oder Provokationsschmerzen etc. ge
zeigt. Die gemachten Angaben seien aber nachvollziehbar
. Hierbei
handle es sich wahrscheinlich um muskuläre Belastungsbeschwerden ohne Hinweise für aktuell schon bestehende sekundäre strukturelle Pathologien (Arthrosen). Auch die Rönt
genaufnahme
n
vom
6.
Juli 2021
hätten
im Bereich des rechten Hüftge
lenkes kein
e Anhaltspunkte
gezeigt, dass
sich
eine Coxarthrose
entwickle
. Den
noch
müsse
festgehalten werden, dass das Risiko einer sekundären Arthroseent
wi
cklung an Knie und Hüfte rechts
bei
der Beschwerdeführerin
erhöht bleibe und dies
alleine durch die Tatsache, dass sie an
einem kongenitalen Femurdefekt
links mit massi
ver
Verkürzung der Gliedmasse leide.
Zusammenfassend leide die Beschwerdeführerin an sekundären Pathologien der unteren Wirbelsäule mit struktur
ellen Veränderungen. Die von
Dr.
B._
am 30.
Januar 2017 noch festgehaltene muskuläre Dysbalance, also eine reine Funk
tionsproblematik, sei mittlerweile einer strukturellen Pathologie gewichen, was einer Verschlechterung entspreche. Diese Pathologie stehe überwiegend wahr
scheinlich in einem kausalen Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen
,
habe sich
etwa im Jahr 2016 erstmals klinisch manifestiert und
sei seither wellen
förmig, aber kontinuierlich stärker geworden.
Diese Tendenz
habe
auch
mit dem Tragen einer Genium X3-
Beinprothese nicht aufgehalten werden
können. D
ie Entwicklung einer sekundären Rückenpat
hologie bei Beinprothesenträger
n
sei komplex und multifaktoriell und werde aktuell
von der Wissenschaft und der Medizin registriert und diskutiert. Eine Erklärung dafür
habe aber bisher
nicht gefunden werden können
und
in der Literatur
seien
auch ke
ine wissenschaftlich
fundierten
Daten
zu finden
, dass die Entstehung von Sekundärprobleme
n am Bewegungsapparat durch die
Wahl eines speziellen
Prothesentyps
verhindert oder vermindert werden könn
t
e
(S. 26)
.
Aufgrund des klinischen Untersuchs und
der
Röntgenbefund
e
müsse festgehalten werden, dass die durch die angeborene Hüftgelenksluxation bedingte
aktiv
e
und passiv
e
Bewegungseinschränkung der Hüfte und die Aussenrotationsfehlstellung des Beines Einfluss auf die Stellung des Beckens und indirekt der Lenden
wirbel
säule
hätten
. Diese Tatsache könne aber durch die Wahl des Prothesentyp
s
nicht korrigiert oder kompensiert werden. Werde die Stellung des Beckens auf den unteren Schambeinast bezogen
,
so bestehe
ein annähernd horizontales
Becken und zwar
ungeachtet
dessen,
welche Prothese die Beschwerdeführerin trage. Augenfällig sei auch der
aspektmässig
erniedrigte Mineralisationsgrad der gesamten linken Beckenhälfte, mit Ausnahme des unteren Schambeinastes, wobei dieser erniedrigte Kalkgehalt des Knochens bedeute, dass die Beschwerdeführerin ihr linkes Bein nicht physiologisch belasten könne. Dabei sei der Mineralisa
tionsgrad zwischen de
n
Jahr
en
2017 und 2021 beim Betrachten der diversen Röntgenaufnahmen konstant geblieben und das Tragen einer Genium
X3-Pro
these habe bisher diesbezüglich keinen Einfluss genommen. Dies sei als Indiz zu werten, dass die angeborene Missbildung ungeachtet des getragenen Prothesen-Typs eine physiologische Belastung des linken Beines verhindere.
Zum Unterschied einer
C-Leg 4-Beinprothese
und eine
r
Genium-Versorgung
führte
der Experte aus (S. 30), die Unterscheidung wäre
am einfachsten
zu testen
,
wenn bei
der gutachterlichen Untersuchung beide Systeme vergleichend
zur Verfügung stünden.
Anhand der gemachten Beobachtungen beim Tragen einer Genium X3-Beinprothese und de
r
Angabe
n aus der Literatur und auch der
Hersteller
angaben
(Firma
F._
) könnten aber überwiegend wahrscheinlich verlässliche Rück
schlüsse auf die Funktionalität einer C-Leg 4-Versorgung bei der Beschwerde
führerin abgeleitet werden
. Dabei könnten bei einem hypothetischen Tragen einer C-Leg 4-Beinprothese gegenüber dem jetzt verwendetem Genium X3-System einige Funktionen nicht oder nicht in gleicher Qualität durchgeführt werden. Da
bei handle
es
sich vorwiegend um Bewegungsabläufe, welche durch die beim Genium
-
System optimierte und erweiterte Software möglich sei
en
(beispielsweise OPG, zusätzliche
My
-Modes).
Dies führe unter anderem zur Funktion des «
walk
to
run
» und zu einer
verbesserten Standphasen-Auslösung und
Vorflexion des Knies. Die
Funktionen verbesser
te
n die Geschicklichkeit und führten zu einem noch natürlicher
en Gangbild, was von Träger
n
und Träger
innen als ein intuitives Gehen
beschrieben werde. Dabei werde wahrscheinlich die
geteilte Aufmerk
sam
keit durch das Tragen einer Genium-Beinprothese noch weiter gefördert als dies bereits mit einem C-Leg 4-System möglich se
i
. Die Beschwerdeführerin könne also qualitativ mit dem Tragen einer Genium-Prothese gewisse Gewinne im Ver
gleich zu dem C-Leg 4-Modell erzielen. Bedingt durch die funktionellen Ein
schränkun
gen aufgrund der Missbildung könnten aber selbst mit der hochmo
dernen
Software
die Defizite
bei aus
dauernden Tätigkeiten durch das Tragen d
er Genium-Prothese gegenüber einem C-Leg 4-System
keine
wesent
lichen Vorteile
erzielt werden
.
D
ie Vorteile d
er Genium-Versorgung seien vorwiegend
im qua
litativen, w
eniger im quantitativen Bereich
(S
. 34
)
.
Zur Frage
,
inwiefern eine Versorgung einersei
ts mit einem C-Leg der neuesten,
4.
Generation, andererseits mit einem Genium-Kniegelenk überwiegend wahr
scheinlich geeignet sei, eine zu erwartende Funktionseinbusse zu verhindern oder zu verzögern, führte der Experte
Folgendes
aus (S. 45)
:
Eine alterungsbedingte Funktionseinbusse sei bei der Beschwerdeführerin überwiegend wahrscheinlich wegen ihrer Missbildung früher zu erwarten als bei einer gesunden Person. Dies entspreche einer physiologischen Tatsache. Dieser Alterungsprozess könne weder durch das Tragen einer C-Leg
4-Prothese noch durch das Tragen eines Genium
-S
ystems verhindert werden. Mit einer C-Leg 4-Prothese würde die Beschwer
de
führerin überwiegend wahrscheinlich in den nächsten fünf bis zehn Jahren (mittel
fristig) keine wesentliche Funktionseinbusse erleiden. Die geteilte Auf
merk
sam
keit (manuelle Betätigungen gleichzeitig mit Konzentration beim Gehen) würden
weiterbestehen. Längeres Stehen, Rückwärtsgehen, Gehen auf Rampen und
L
au
fe
n über kleinere Hindernisse (Kabel) wäre
n
weiterhin möglich. Längere Tätigkei
ten im Haushalt wie Bügeln, Wäscheaufhängen, Gartenarbeiten und Kochen könnten ebenfalls überwiegend wahrscheinlich ohne Funktionseinbusse weiterhin durch
geführt werden. Sportli
c
he Tätigkeiten wie Velofahren und Schwimmen blieben bestehen. Allerdings sei überwiegend wahrscheinlich davon auszugehen, dass die körperliche Ermüdung bei den erwähnten Tätigkeiten in Beruf, Haushalt und Frei
zeit progredient zunehmen und entsprechend längere Regenerationsphasen ge
braucht w
ü
rden. Die Geschwindigkeit der Abnahme der Ausdauer und Leistungs
fähigkeit bedingt durch das Alter und das angeborene Leiden
werde
überwiegend wahrscheinlich durch das Tragen einer C
-Leg
4-Prothese nicht verringert werden können.
Mit einer Genium-Versorgung gelinge es der Beschwerdeführerin
,
in vielen Belangen des Alltags in Beruf und Haushalt sehr geschickt zu sein. Die moderne Software dieses Systems ermögliche das eingehend diskutierte intuitive Gehen. Dadurch seien viele alltägliche Bewegungsabläufe leichter.
Bedingt durch die physiologische Alterung und vor allem die Missbildung werde die Beschwerdeführerin aber zunehmend auch mit einer Genium-Prothese er
m
ü
den. Diese Ermüdung sei hauptsä
chlich durch den hohen Energieaufwand be
dingt, welche
n
die Beschwerdeführerin zum Stabilisieren ihrer Hüfte bei Luxation und Beckenhypoplasie ungeachtet des getragenen Prothesentyp
s
aufbringen müsse. Dies habe beim Treppenlaufen festgehalten werden können,
gelinge
dies mit dem Benutzen eines Handlaufes zur Beinentlastung links bereits bei wenigen Treppenstufen deutlich geschickter, rascher und
sicherer
,
als ohne Festhalten am Handlauf. Diese Feststellung zeige auch auf, dass die Software wegen der Missbildung nur bedingt in der Lage sei, die Ermüdung beim Treppensteigen zu verzögern. Der unbestrittene Vorteil und Nutzen von Funktionen wie «
walk
to
run
», OPG und der Knie-Vorflexion könne sich nur in einem Zustand fehlender
Ermüdung oder Erschöpfung voll entfalten. Da
d
ie
Beschwerdeführerin
diese Ermü
dung zumindest partiell mit der Software und den entsprechenden Zusatzfunk
tionen kompensieren könne, sei überwiegend wahrscheinlich mittelfristig in den nächsten fünf bis zehn Jahren keine wesentliche Funktionseinbusse zu erwarten. Aber auch beim Tragen einer Genium-Beinprothese sei festzuhalten, dass der Verlust von Ausdauer in Zukunft
schicksalhaft sei
und
das
Genium-System diese biologische Tatsache nicht beeinflussen
könne.
Das Risiko der Entwicklung res
pektive der Verstärkung sekundär-degenera
tiver Veränderungen
(
vor allem
im Bereich des
Rücken
s)
sei
bei beiden Prothesentypen die gleiche.
4.
4.1
Das
ausführliche
Gerichtsgutachten erfüllt die praxisgemässen Kriterien (vorste
hend E. 1.2), setzt sich mit den Aspekten der gesundh
eitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin
auseinander, berücksichtigt die medizinischen Vorakten und begründet Abweichungen, soweit die Beurteilung mit diesen nicht im Einklang steht
(
Urk.
22 S. 36 ff.)
. Das Gutachten ist nachvollziehbar und vermag zu überzeugen. Insbesondere wurde mit
Blick auf die im Urteil des Bundesgerichts aufgeworfenen Fragen
für den Rechtsanwender nachvollziehbar dargelegt, dass
mit der Wahl der Prothesenversorgung
grundsätzlich und
auch vorliegend keine Prävalenz
im Sinne eines erhöhten
Risiko
s
für
Sekundärschäden
einhergeh
t
und dafür auch keine wissenschaftlichen Studien sprechen
.
S
elbst
bei einer
eher ein
facheren Prothesenversorgung mittels mechanischer S
teuerung, wie sie
der Be
schwerdeführerin als Zweitversorgung
mit dem
Prothesenmodell 3R80
zuge
spro
chen wurde
,
lässt sich
gegenüber
der aktuell bestmöglichen
mikroprozessoren
-
gesteue
rten und
wasserdichten Versorgung mittels Genium X3-System
eine solche
Prävalenz
nicht
belegen
.
Dabei
zeigte der Experte
mit Verweis auf die Literatur
nachvollziehbar auf, dass
R
ücken
-
,
Hüft
-
und Knieleiden
als Sekundärleiden
bei Beinprothesenträger
/innen oft
bis sehr oft
vorkommen, wobei die
Höhe der fehlenden Gliedmasse
, das Alter beim Verlust
der Gliedmasse
, das Geschlecht und
die
intensive sportliche Betätigung
Faktoren darstellen, die eine Sekundär
prob
lematik
begünstigen
,
während
die Art der Prothesenversorgung
nicht
ausschlag
gebend
ist. Dass die Beschwerdeführerin damit
rein statistisch gesehen in einem hohen Masse
prädisponiert ist
, an einem sekundären Rückenleiden zu erkranken
,
ist damit begründet. Ebenso, dass
die Art der Prothesenversorgung darauf keinen Einfluss hat,
nachdem
auch der klinische Verlauf
bei der Beschwerdeführerin zeigt
, dass
zwar
Lumbalgien
bereits
seit 2016
bekannt sind, sich aber
heftige
Beschwerden
erstmals
im Frühling 2021
manifestierten
und in diesem Zeitpunkt
bereits
seit längerem
eine Versorgung mittels
einer Genium X3-Prothese
b
estan
d
en hat
.
Die
Konklusion
des Experten, dass damit
die Angaben aus der Literatur,
wonach
auch ein Beinprothesen-Modell der neuesten Generation überwiegend wahrscheinlich nicht in der Lage
ist
, sekundäre
gesundheitliche Beeinträchti
gungen wie
Rückenprobleme bei Oberschenkelamputierten zu verhindern
,
über
zeugt
.
Dazu
vermochte
die Beschwerdeführerin
mit dem eher einfacheren hydraulischen Prothesenmodell 3R80
,
welches Ende 2018 als Komplettersatz zugesprochen
worden war
und
entsprechend kein
veraltete
s
Modell
darstellt
(
vgl.
Urk.
2/7/354)
,
anlässlich d
er Ganganalyse
alle von ihr geforderten Aufgaben
inklusive
Rück
wärtsgehen,
Gehen auf der Rampe und Trepp
ensteigen durch
zu
führen. Die Unter
schiede i
m Vergleich mit dem
Genium X3-System
zeigten sich dabei
lediglich
hinsichtlich der
Qualität der erbrachten Leistungen
.
An der gutachterlichen Schlussfolgerung
,
wonach
die Beschwerdeführerin mit einer C-Leg
4
-
Versorgung
überwiegend
wahrscheinlich auch alle Tests des E-Leg Assessments hätte d
urch
führen können (S. 30)
, drängen sich angesichts dessen keine Zweifel auf
. Ein direkter Vergleich durch Abgabe einer
C-Leg 4-
Prothese war daher für die Beur
teilung
nicht
notwendig
.
E
in direkter Vergleich
hätte denn auch
die Herstellung und Anpassung einer
C-Leg
4-
Prothese
auf die Verhältnisse der
Beschwerdeführerin
inklusive Gangschu
lung und Angewöhnungszeit
erfordert
,
was
den
Rahmen
einer
Begutachtung
deutlich sprengt
.
Hinzu kommt
, dass die Beschwerdeführerin
trotz des Geburts
gebrechens jahrzehnte
lang mit technologisch einfacheren Prothesenmodellen
in der Lage war
,
sich in einer körperlich eher anspruchsvollen Erwerbstätigkeit aus
zubil
den,
zu etablieren und
aktiv Sport zu
be
treiben
sowie
allen Anforderungen im Haushalt zu genügen
, dies ohne grössere Einschränkungen
.
Der
Routine
und
dem
Training
in der Benutzung
der Prothese
sowie der
Angewöhnung an das jeweilige Prothesensystem
kommt
für die optimale Nutzung der Funktions
fähig
keit des jeweiligen Systems
offensichtlich
en
tscheidende
Bedeutung zu
.
Vor diesem Hintergrund
relativiert
sich
denn
auch
die
beweismässige
Bedeutung der
Ganganalyse
respektive der
direkte
Vergleich der beiden
benutzten
Prothe
senmodelle
,
wird doch
das System
3R80
nur als Notvers
orgung
und entsprechend selten
benutzt
. E
ntsprechende Unsicherheiten beim Gehen
mit der lediglich selten und nur in Notfällen getragenen Prothese gegenüber der täglich
getragenen
und zweifellos komfortableren Prothese
sind
damit
nic
ht lediglich dem unterschied
lichen System, sondern auch der
fehlenden Gewöhnung und Übung
zuzu
schrei
ben
.
Das Hinzuziehen des Physiotherapeuten
D._
für eine
Ganganalyse, wie sie
explizit
von der Beschwerdeführerin gewünscht
wurde
(vgl.
Urk.
4 S. 2)
,
war daher
wohl
zur Veranschaulichung
hilfreich, für die
auf
orthopädischem
Fach
gebiet zu beantwort
e
n
den
Fragen
jedoch nicht ausschlaggebend.
Überdies legte der
orthopädische
Experte überzeugend dar, dass
zwar
mit der modernsten
Soft
ware
des
Genium
-
Systems viele alltägliche Bewegungsabläufe leichter
fallen
, b
edingt durch die physiologische Alterung und vor allem
ihre
Missbildung die Beschwerdeführerin aber zunehmend auch mit
diesem System
ermüden
w
ird
, wobei diese
Ermüdung hauptsächlich durch den hohen Energieaufwand bedingt
ist
,
der
unabhängig vom
getragenen
Prothesentyp
zur Stabilisierung der Hüfte bei Luxation und Beckenhypoplasie
aufgebracht werden
muss
.
Dass sich
nur
durch die Versorgung mit einem Genium
die
Arbeitsf
ähigkeit langfristig erhalten
lasse, wie von der Beschwerdeführerin geltend gemacht
,
wurde somit
im Gutachten
begründet
und überzeugend
widerlegt.
4.2
Auch der
Einschätzung d
es behandelnden
Dr.
B._
, wonach die Versorgung mit einem Genium
-
System
aufgrund der schweren Deformität sowie der diagnos
ti
zierten Schäden am Bewegungsapparat medizinisch indiziert sei
und diese Ver
sorgung
zu einer B
esserung des Beschwerdebildes
führ
e
, kann aufgrund der
Be
gutachtung
nicht gefolgt werden
. Dabei
kann zwar, wi
e der Experte zu Recht vermerkt hat
,
die
Aussage
von
Dr.
B._
insofern
nachvollzogen werden
,
als
auch
die Beschwerdeführerin aufgrund bestehender Rückprobleme,
unter denen die
meisten
(b
is zu 81
%
)
Prothesenträger
leiden
,
auf eine optimale Prothesenver
sor
gung angewiesen
ist
(vgl.
Urk.
22 S. 39)
. Dass
dies
es
Optimum
jedoch
aus
schliesslich mit der bestmöglichen Prothesenversorgung gewährleistet
und
die muskuläre Dysbalance
dadurch
prophylaktisch
angegangen oder gar verhindert werden kann,
ist
nach dem hiervor Gesagten
nicht erstellt
.
Damit ist nicht ein
zusehen
,
inwiefern
nur die bestmögliche Prothesenversorgung
die
Eingliederung
der Beschwerdeführerin
gewährleisten
respektive eine drohende Invalidität ver
hin
dern kann.
Daran vermögen auch die persönlichen Verhältnisse der Beschwer
de
führerin mit einem ausgeübten Erwerbspensum
von 30 bis 40
%
als
Pflege
fachfrau in der Funktion als
S
tudy
Nurs
e
nebst Erledigung des Haushaltes mit drei Kindern im Teenageralter, wobei die jüngste
,
im Jahr 2012 geborene Tochter an einer Augenerkrankung mit
Visusverlust
leidet
(vgl.
Urk.
20)
, nichts zu ändern. Denn der Experte legte auch in diesem Zusammenhang nachvollziehbar dar, dass die Vorzüge des Genium-Systems gegenüber der C-Leg 4-Versorgung
sich einzig
auf
Tätigkeiten
beschränken
,
die
in hohem
Mass
ein geschicktes Gehen, rasches Gehen und
einen
raschen
Wechsel der Gehgeschwindigkeit
erfordern
,
was mit der Genium-Prothese
einfacher und effizienter
durchführb
ar ist
.
Hingegen ergeben sich keine relevanten
U
nterschiede
hinsichtlich Tätigkeiten
, wel
che körperlich kraftraubend und
ausdauernd anstrengend sind
(vgl.
Urk.
22 S. 43).
Zusammengefasst
rechtfertigt selbst ein allfällig erhöhtes Eingliederungs
be
dürf
nis nicht die
zusätzliche
Maximalversorgung mittels eines Genium
X3-Prothe
sen
systems
.
Für weitere Beweisabnahmen wie die beantragten Zeugenbefra
gun
gen (
Urk.
32 S. 5 und S. 10) besteht kein Anlass, sind doch davon keine neue
n
entscheidrelevanten Erkenntnisse zu erwarten, zumal abweichende Meinungsäus
se
rungen von nicht ärztlichen Fachpersonen das beweiskräftige Gerichtsgut
ach
ten nicht in Zweifel zu ziehen vermöchten (zur antizipierten Beweiswürdigung: BGE 144 V 361 E. 6.5, 136 I 229 E. 5.3, je mit Hinweisen; E. 1.2).
Zusammenfassend
besteht für die
Prothesenversorgung mittels Genium X3
weder eine spezifisch auf diese
s
Versorgung
system
ausgerichtete medizinische I
ndika
tion noch kann dadurch eine
erheblich bes
sere Eingliederung
gewährleistet wer
den.
Ebenso wenig ist auf eine
drohende Invalidität ohne
die
entsprechende
Ver
sorgung
zu schliessen
.
Die Abgabe eines entsprechenden Systems
st
eht
damit dem
Grundsatz der Einfachheit
und Zweckmässigkeit
gemäss
Art.
21
Abs.
3 IVG und
Art.
2
Abs.
4
der
Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Inva
lidenversicherung (HVI)
insofern
entgegen
,
als der voraussichtliche Erfolg des im Einzelfall gewählten Modells
nicht
in einem vernünftigen Verhältnis zu seinen Kosten steht (BGE 132 V 215 E. 4.3.3, 130 V 163 E. 4.3.1).
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG)
.
Vorl
iegend sind die im Urteil vom 1
2.
Mai 2020 (
Urk.
2/11
) festgesetzten Gerichtskosten auf
Fr.
1'00
0.
--
zu erhöhen und der u
nterliegenden Beschwerdeführerin
aufzuerlegen.
5.2
Zur Frage der Überbindung der Gutachtenskosten an die Beschwerdegegnerin hat das Bundesgericht einerseits konkret festgehalten,
dass die Beschwerdeführerin eine medizinische Indikation
nebst einem gesteigerten Eingliederungsbedürfnis in Beruf, Aufgabenbereich und Sport
für die Abgabe eines Genium-Kniegelenks
geltend mache und
auf einen Bericht
von
Dr.
B._
verweise. Eine Auseinan
der
setzung mit dessen abweichender
Einschätzung
sei durch die Beschwerdegegnerin nicht erfolgt.
Die Sache sei deshalb
nicht spruchreif und
an die Vorinstanz zu
rückzuweisen
,
damit diese ein orthopädisches Gerichtsgutachten einhole
(
Urk.
1 E. 3.2.4 und E. 3.3).
Damit sind die vom Bundesgericht im Urteil BGE 137 V 210 E. 4.4.2 aufgestellten Kriterien, die in BGE 139 V 496 E. 4.4 weiter präzisiert wurden, namhaft gemacht, waren doch die Abklärungen
der
Verwaltung lückenhaft und ungenügend
,
wes
halb mit einem gerichtlichen Gutachten diese Mängel zu beheben waren. Ein kausaler Zusammenhang zwischen den Mängeln der Administrativuntersuchung und der Notwendigkeit weiterer Abklärungen ist damit gegeben, was zur Über
bindung der Gutachtenskosten an die Beschwerdegegnerin ausreicht (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_301/2016 vom
7.
Juli 2016 E. 2.2). Diese hat dem
nach die Kosten für das Gerichtsgutachten von
Fr.
11'985.55
(vgl.
Urk.
34
) zu tragen.