Decision ID: e5a361d9-5d87-469e-8587-b53729467480
Year: 2017
Language: de
Court: BS_APG
Chamber: BS_APG_001
Canton: BS
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
Mit Urteil des Appellationsgerichts vom 9. September 2016 wurde A_ der mehrfachen Gehilfenschaft zum mehrfachen Diebstahl sowie der Gehilfenschaft zum versuchten Diebstahl schuldig erklärt und zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu CHF 10.–, abzüglich 2 Tagessätze für 2 Tage Polizeigewahrsam vom 18. bis 19. April 2012, mit bedingtem Strafvollzug, unter Auferlegung einer Probezeit von 4 Jahren, verurteilt. Überdies wurden ihr die Verfahrenskosten im Umfang von CHF 2‘229.40 und eine Urteilsgebühr von CHF 400.– für das erstinstanzliche Verfahren sowie eine Urteilsgebühr von CHF 400.– für das zweitinstanzliche Verfahren auferlegt.
Mit Eingabe vom 23. Januar 2017 hat die Gesuchstellerin darum ersucht, ihr die Verfahrenskosten zu erlassen oder wenigstens zu sistieren.

Considerations:
Erwägungen
1.
Gemäss Art. 425 der Strafprozessordnung (StPO, SR 312.0) können Forderungen aus Verfahrenskosten von der Strafbehörde gestundet, herabgesetzt oder erlassen werden. Im Kanton Basel-Stadt ist gemäss § 43 Abs. 3 des Gerichtsorganisationsgesetzes (GOG, SG 154.100) für den nachträglichen Erlass der Verfahrenskosten die Einzelrichterin oder der Einzelrichter zuständig. Entsprechend hat über das vorliegende Gesuch das Einzelgericht des Appellationsgerichts zu entscheiden.
2.
2.1
Art. 425 StPO hält fest, dass ein Erlass von Verfahrenskosten unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse der kostenpflichtigen Person erfolgt. Diese müssen derart angespannt sein, dass eine (ganze oder teilweise) Kostenauflage als unbillig erscheint, wovon auszugehen ist, wenn die kostenpflichtige Person mittellos ist oder die Höhe der Kosten zusammen mit ihren übrigen Schulden die Resozialisierung bzw. das finanzielle Weiterkommen ernsthaft gefährden kann (
Domeisen
, in: Basler Kommentar, 2. Auflage 2014, Art. 425 StPO N 4).
2.2
Mit Eingabe vom 23. Januar 2017 weist die Gesuchstellerin darauf hin, dass sie seit dem 1. März 2012 „bis heute und laufend (mit Unterbrüchen)“ sozialhilferechtlich unterstützt werden muss. Als Beleg reicht sie eine entsprechende Bestätigung der Sozialhilfe [...] ein. Anlässlich der Berufungsverhandlung führte die Gesuchstellerin (bzw. deren Verteidiger) aus, dass sie im damaligen Zeitpunkt (9. September 2016) ein Kind im Alter von einem Jahr und vier Monaten hatte und erneut schwanger war; im Übrigen gab sie an, aufgrund der Betreuungsaufgaben nicht mehr erwerbstätig zu sein (Prot. Berufungsverhandlung S. 3 ff.). Unter diesen Umständen erscheint die Kostenauflage im Sinne des vorstehend Ausgeführten als unbillig, zumal aufgrund des Alters der Kinder nicht davon auszugehen ist, dass sich an der Mittellosigkeit der Gesuchstellerin innert absehbarer Zeit etwas ändern dürfte. Aus diesem Grund sowie mit Blick auf die Resozialisierung der Gesuchstellerin rechtfertigt es sich, ihr die Verfahrenskosten zu erlassen.
3.
Entsprechend ist das Erlassgesuch gutzuheissen. Das Gesuchsverfahren ist kostenlos.