Decision ID: b7adc95e-12e0-4b93-80a4-ecbbeaddae35
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1996 geboren
e
X._
wurde
am 26. November 1999 (Eingangsdatum) mit Hinweis auf eine Sprachstörung
durch seine Mutter
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an
gemeldet
(Urk. 6/3).
Nach durchgeführten medizinischen Abklärungen erteilte die IV-Stelle dem Versicherten mehrere Kostengutsprachen für Sprachheilbe
handlungen (Urk. 6/5, Urk. 6/7, Urk. 6/13
, Urk. 6/19 und
Urk.
6/21).
W
ährend der Absolvierung der zweiten Klasse der Sekundarstufe B
wurde
d
er
Versicherte am 27. Februar 2012 (Eingangsdatum)
durch seine Mutter bei der IV-Stelle für
b
erufliche Massnahmen angemeldet (Urk. 6/26).
In der Folge zog die IV-Stelle
einen
Arztbericht
(Urk. 6/28)
,
Schulzeugnisse sowie die Berichte der verschiede
nen Schnupperlehren bei (
Urk.
6/30).
Mit Mitteilung vom
1.
Juli 2013
informierte die IV-Stelle,
dass
derzeit keine Unterstützun
g durch die IV-Stelle nötig sei, da der Versicherte eine Lehrstelle im 1. Arbeitsmarkt gefunden habe
(Urk.
6/32). Am
2
4.
Februar 2016 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 6/38) und bevollmächtigte seine Mutter
,
i
h
n zu
vertreten
(Urk. 6/40).
Zunächst holte die IV-Ste
lle einen
Auszug aus dem individuellen Konto (Urk. 6/42) sowie einen aktuellen Arztbericht
ein (Urk. 6/4
6
). Nach
dem der Versicherte die Lehrabschlussprüfung
als Sanitärinstallateur EFZ
nicht bestanden hatte
(Urk. 6/49-52)
, gewährte
ihm die IV-Stelle
am 16. Dezem
ber 2016 nach durchgeführten Abklärungen bezüglich seiner
Ausbildung
als
Sanitär
installateur EFZ eine Kostengutsprache für
seinen
z
usätzlichen Betreu
ungsaufwand im Lehrbetrieb
ab dem
1.
August 2016 bis am 3
1.
Juli 2017
im Rahmen
einer
erstmaligen beruflichen Ausbildung (Urk. 6/54).
Nach erneutem Nichtbestehen der Lehrabschlussprüfung
(Urk. 6/61-62)
verlängerte
die IV-Stelle
am 2
8.
September 2017
die Kostengutsprache bis am
2.
August 2018 (Urk. 6/67)
und sprach ihm daneben während der Eingliederungsmassnahme ein Taggeld zu (Urk. 6/68).
Nachdem der Versicherte nach Er
greifen
eines Rekurses schliesslich seine Lehrabschlussprüfung bestanden hatte (
Urk.
6/73), informierte ihn die IV-Stelle mit Mitteilung vom
2
0.
Mai 2019
, dass
die
b
erufliche Massnahme
abge
schlossen sei und er rentenausschliessend eingegliedert sei (Urk.
6/72).
Am 1
0.
Juli 2019 verlangte der Versicherte einen rechtsmittelfähigen Entscheid (Urk. 6/75).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Vorbescheid vom 22.
Juli 2019,
Urk.
6/77
; Einwand vom
9. September 2019
,
Urk. 6/79)
, verneinte die
IV-Stelle am 8. Oktober 2019 einen Rentenanspruch (Urk. 6/82
=
Urk.
2
).
2.
Dagegen erhob
der
Versicherte
am
24. Oktober 2019
Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom
8. Oktober 2019
sei aufzuheben
, ihm seien berufliche Ein
gliederungsmassnahmen zu gewähren und nach Abschluss der Eingliederungs
massnahmen sei der Rentenanspruch zu prüfen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte
der Beschwerdeführer
,
die Prozesskosten unabhängig vom Ausgang des Verfah
rens der IV-Stelle aufzuerlegen
sowie um eine rasche Verfahrenserledigung
(
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom
2
9.
November 201
9
beantragte die IV-Stelle die
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5
), was
dem Beschwerdeführer am 3. Dezember 2019
zu
r
Ken
ntnis gebracht wurde (
Urk.
7
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes übe
r die Invalidenversicherung,
IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Eine Invalidenrente soll also erst und nur dann zugesprochen werden, wenn die Möglichkeiten ausgeschöpft sind, welche Eingliederungsmassnahmen zur Verbes
serung der gesundheitsbedingt beeinträchtigten Erwerbsfähigkeit bieten (Urteil des Bundesgerichts 8C_187/2015 vom 2
0.
Mai 2015 E. 3.2.1, vgl. auch Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage 2014,
Rz
1 zu
Art.
1a und
Rz
7 zu
Art.
28). Nach der bundesgerichtlichen Recht
sprechung darf über einen Rentenanspruch unabhängig von allfälligen Einglie
derungsmassnahmen dann entschieden werden, wenn ein rentenbegründender Invaliditätsgrad bereits vor der Eingliederung verneint werden kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2018 vom 1
5.
Februar 2019 E. 2.1 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Ver
waltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem
rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweis
erhebung erfolgt alsdann vor der – anschliessend reformatorisch entscheidenden – Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesge
richts 8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.4, publiziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S. 3)
.
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen, dass der Beschwerdeführer die erst
malige berufliche Ausbildung zum Sanitärinstallateur EFZ erfolgreich abge
schlossen habe. Mit diesem Abschluss sei davon auszugehen, dass er ein renten
ausschliessendes Einkommen erzielen könne. Somit
bestehe kein
weitere
r
Anspruch
auf Leistungen der Invalidenversicherung
und
der Versicherte
sei
ren
tenausschliessend eingegliedert (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, im Sommer 2018 habe er zum dritt
en Mal die Lehrabschlussprüfung wiederholt und habe den Bescheid erhalten, nicht bestanden
zu haben. Dagegen habe
er Rekurs ein
gelegt
, welcher gutgeheissen worden sei. Nach
dem
Lehrabschluss habe er
sich
an der Aushebung entschieden, Zivildienst anstelle der Rekrutenschule zu leisten. Es möge stimmen, dass praxisgemäss bei
unzweifelhaft
klarem Ausbildungsabschluss und vollem Leistungsvermögen die Rentenfrage in solch einfacher Weise geklärt werden könne.
Vorliegend passe der Sachverhalt hingegen in keiner Art und Weise zum Vorgehen und
stelle
ein
e
Verletzung
der gesetzlichen A
bklärungspflicht
der
IV-Stelle dar
. In Anbetracht der Aktenlage seien vorliegend die notwendigen Abklä
rungen bezüglich der Leistungsfähigkeit vorzunehmen, was vorliegend nicht gemacht worden sei. Dies wirke aufgrund der unbestri
ttenen und unzählig
vor
handenen Informationen in den Akten zur Produktivität falsch (
Urk.
1
S.
2-
3).
Richtig wäre,
mit
dem Rentenentschei
d zu warten, die
Eingliederung
nach Abschluss des Zivildienstes
wiederaufzunehmen
und nach dem Grundsatz «
Ein
gliederung
vor Rente»
nach
Eingliederung
den Rentenanspruch seriös und rechts
konform zu prüfen (
Urk.
1
S. 4-5
).
3.
3.1
Im
Sprachgebrechen-
Bericht der Abklärungsstelle
Logopädie/
Päd
audiologie
des
Kinderspitals
Z._
vom 20. Januar 2000
wurde
eine
Dysp
h
asie
als schweres Sprachgebrechen im Sinne des IV-Gesetzes
festgehalten
. Eine logopädische The
rapie sei eindeutig indiziert (
Urk.
6/4).
3.2
Im
Entwicklungsbericht der Abteilung Wachstum und Entwicklung des Kinder
spitals
Z._
vom
9.
August 2001 wurde
n
eine
Entwicklungs
dysphasie
expressiv betont, eine knappe altersentsprechende kognitive Entwicklung und eine leichte motorische Auffälligkeit diagnostiziert (Urk. 6/8
/4
).
3.3
Am 2
6.
März 2004 ergänzte
die
dipl.
Logopädin
A._
des Kinderspitals
Z._
die
diagnostizierte
Dysp
h
asie
mit der zusätzlichen Diagnose eines
Dys
grammatismus und hielt fest, dass die Logopädie dringend weitergeführt werden solle
(
Urk.
6/12).
3.4
Am 1
8.
Juli 2006 hielt
B._
,
dipl.
Logopädin
der
IV Abklärungsstelle
,
Logo
pädischer
Dienst
C._
, nach einer umfassenden Untersuchung fest, dass sich die
Dysphasie
gebessert habe, indem der Beschwerdeführer jetzt übe
r
Sprache
verfüge. Jedoch
sei
der Dysgrammatismus
noch behandlungsbedürftig. Es bestün
den
Wortfindungsstörungen, die auf eine ungenügende phonologische R
e
präsen
tation hinwiesen
und auf die ursprüngliche
Dysp
h
a
sie
zurückzuführen sei
en
, wie auch
die
Legasthenie. Der Beschwerdeführer solle deshalb weiterhin
die
Logopä
die
besuchen
(
Urk.
6/18).
3.5
Im Bericht des Universität
s
s
pitals
D._
vom 2
1.
Dezember 2007 nannte
E._
,
Dipl. Klein. Log.
MSc
, folgende klinisch-logopädischen Diagnosen
(Urk. 6/20/1)
:
-
Artikulatorische Unfertigkeiten
-
Störung des Wortgebrauchs (erschwerte Wortfindung, Wortentstellungen durch Vereinfachung von Konsonantenhäufungen und Lautangleichungen)
-
Störung des Satzgebrauchs (sprachlich-mündliche Formulierungsschwäche mit Dysgrammatismus)
-
Dyslexie
-
Dysorthographie
bei
-
Ausgeprägter phonem
atisch-mnestischer Schwäche
-
Artikulo
-(zentral)-motorischen Auffälligkeiten
-
O
p
tisch-mnestischen
Unsicherheiten
-
St
örungsbewusstsein
Die
b
eim Beschwerdeführer vorliegende sprachliche Problematik sei im Rahmen eines kindlichen
Dysphasie-Syndromes
zu sehen. Ursächlich dafür sei eine Merkfähigkeits- und Differenzierungsschwäche im Bereich der Sprachlaute. Diese verursache eine Wortfindungsproblematik, die sprachlich-mündliche Formulie
rungsschwäche und das erschwerte Sprachverständnis. Dieselben Probleme seien auch auf Ebene der Schriftsprache vorhanden und
beeinträchtigten
den Schrift
spracherwerb. Somit seien
trotz
normaler Grundintelligenz die sprachlich-münd
lichen sowie sprachlich-schriftlichen Leistungen stark beeinträchtigt (Urk. 6/20/3).
3.
6
Im Bericht vom 2
8.
Februar 2012 des Univer
si
tätss
pitals
D._
erhoben
F._
, Logopädin MA SLPA, und KD
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Phoniatrie und
Pädaudiologie
und Facharzt für HNO-Heilkunde,
folgende
Diagnosen
(Urk. 6/28/5)
:
-
Sprachschwäche
-
Mangelnde sprachliche Fertigkeiten
-
Artikulatorische Unfertigkeiten
-
Störung des Satzgebr
a
u
chs (sprach
lich-mündliche Formulierungs
sch
w
ä
che mit
-
Rechtschreibschwäche b
ei
-
St
ar
k ausgeprägter Sprachentwi
c
klungsproblematik
-
Ausg
eprägter phonolo
g
is
cher Merkfähigkeit
s
schwäche
-
Orofacialer
Hyp
o
tonie
-
Störungsbew
usstsein
Beim Beschwerdeführer liege nach wie vor eine Schwäche im sprachlich-münd
lichen sowie sprachli
ch-schriftlichen Ber
e
i
ch vor. Die
auditive Merkfähi
g
keits
schwäche sei ausgeprägt und bedinge die Wortfindungsproblematik, die Formu
lierungsschwäche und die erschwerte Verarbeitung von gesproch
ener und geschriebener Sprache
(6/
28
/7).
3.
7
Im
Bericht
vom
1
6.
Mai 2016 hielt
Dr.
med.
H._
,
Facharzt für Kinder
-
und Jugendmedizin sowie Facharzt für Entwicklungspädiatrie,
folgende Diagno
sen fest
(Urk. 6/46/5)
:
-
Altersentsprechende nichtsprachliche kognitive Entwick
lung/Grundintelligenz (mittlerer Altersdurchschnitt)
-
Zentrale spezifische Spracherwerbsstörung mit auditiver Wahrneh
mung/Merkfäh
i
gkeitsschwäche
-
Verzögerte Entwicklung schul
is
cher Fer
t
igkeiten (mündlicher Sprache, lesen, Re
chtschr
e
i
ben,
Fremdsprachen
)
-
Verlangsamtes Arbeitstempo
Die anfänglichen Diagnosen seien sich grundsätzlich
in diesen Jahren gleichge
blieben
, wenn auch die Ausprägung der
Schwierigkeiten
sich
dem
Alter entspre
chend
verändert hätten
.
Aufgrund dieser erheblichen Sprachsteuerung, welche in der
Schule aber auch in der Lehre
Schwierigkeiten und Probleme im Alltag mit sich bringe, erscheine es verständlich, dass der Beschwerdeführer auch in der aktuellen Situation der beruflichen Ausbildung vermehrt pädagogische Zuwen
dung benötige (Urk. 6/46/6).
3.
8
Am 2
6.
Oktober 2016 nahm
Prof.
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin,
des RAD Stellung.
Er hielt unter and
e
rem fest, dass e
in Gesundheitsschaden weiterhin ausgewiesen und durch zahlreiche Arzt- und lo
gopädische Befunde belegt worden
sei
. Der Beschwerdeführer
benötige
mehr Zeit als kognitiv gesunde
Personen
, um Informationen aufzunehmen, zu speichern und die Ergebnisse
seiner
Tätigkeit zu prüfen und allenfalls zu
korrigieren
. Hin
weise für eine Verhaltensstörung und für
Motivationsprobleme
fänden sich in den Arz
t
berichten und Schulzeugnissen nicht. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei
en
demnach
zum
derzeitigen
Zeitpunkt
keine
nochmaligen oder erwei
terten neuropsychologischen Untersuchungen erforderlich (
Urk.
6/74/3).
4.
4.1
Die zitierten medizinischen Akten sowie die Stellungnahme des RAD-Arztes lie
fern verschiedene Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer seit
der
Kind
heit an einem Gesundheitsschaden leidet.
Bereits für die Lehrstellensuche
emp
fahlen
Frau
F._
und
Dr.
med.
G._
pädagogisch-therapeutische Unterstützung (Urk. 6/
28/7
). Nachdem der Beschwerdeführer eine Lehrstelle fand
,
erachtete
Dr.
H._
eine Arbeit in der freien Wirtschaft von der Grundintelli
genz her prinzipiell als möglich
, machte
dabei allerdings auf den durch die Gesundheitsbeeinträchtigung entstehenden
Mehraufwand
während der Lehre aufmerksam
(Urk. 6/46/6)
.
Als der Beschwerdeführer die Lehrabschlussprüfung nach dem dritten Mal nur durch einen Rekurs bestand, zog auch die Berufsbera
tung der IV-Stelle weitere Eingliederungsmassnahmen bezüglich der Stellensuche in Betracht (Urk. 6/73/1). Unter diesen Umständen
vermag die Einschätzung der Beschwerdegegnerin, der Beschwerdeführer sei rentenausschliessend eingeglie
dert, nicht zu überzeugen.
Da vor allem keine Stellungnahmen zu den sich aus dem Gesundheitsschaden ergebenden Einschränkungen vorliegen, ist die Frage, ob ein
renten
relevanter Gesundheitsschaden vorliegt, nicht rechtsgenügend abgeklärt. Ebenso fehlt
es
an ärztlichen Äusserungen dazu,
ob
der Beruf des
Sanitärinstallateur
s
EFZ für den
Beschwerdeführer die passende
Tätigkeit
dar
stellt.
Somit erweist sich die Aktenlage als weiter abklärungsbedürftig.
4.2
In Nachachtung des Grundsatzes «Eingliederung vor Rente» wird die
Beschwer
degegnerin
– aus pragmatischen Gründen (erst)
nach Absolvierung des einjähri
gen Zivildienstes
– die Prüfung von Eingliederungsmassnahmen wieder aufzu
nehmen und dabei
eine neutrale medizinische Begutachtung zu veranlassen haben,
welche
zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit des Beschwer
deführers Auskunft gibt.
Schliesslich
wird die Beschwerdegegnerin neuerlich über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu befinden haben.
5.
Die angefochtene Verfügung ist daher
aufzuheben
und die Sache ist zu ergän
zenden Abklärungen im Sinne obiger Erwägungen und zu
neuem
Entscheid über den
Leistungs
anspruch an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
5
00.-- anzusetzen. Nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57
E.
2.2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
6.2
Überdies hat d
er
obsiegende Beschwerdeführer Anspruch auf den Ersatz der Par
teikosten (
§
34
Abs.
1
GSVGer
in Verbindung mit
Art.
61
lit
. g ATSG). Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach Massgabe dieser Kriterien
erweist sich eine Parteientschädigung von
Fr.
1’
1
00.-- (inkl. Bar
auslage
n
und Mehrwertsteuer) als angemessen.