Decision ID: b21c0c4a-db6d-5655-a3a6-3a433dae2787
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, afghanischer Staatangehöriger paschtuni-
scher Ethnie mit letztem Wohnsitz im Dorf B._, Provinz C._,
verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge im Oktober 2015
und reiste über den Iran, die Türkei und verschiedene europäische Länder
am 4. Dezember 2015 in die Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl
nachsuchte.
A.b Am 15. Dezember 2015 wurde der Beschwerdeführer im Rahmen der
Befragung zur Person (BzP) zunächst summarisch und am 31. Januar
2018 schliesslich eingehend zu seinen Asylgründen angehört. Dabei
machte er im Wesentlichen folgenden Sachverhalt geltend:
Er habe als Bauer gearbeitet und bei wenig Arbeit zeitweise zur Überbrü-
ckung einen Stand auf dem Bazar in einer nahegelegenen Ortschaft be-
trieben. Sein Vater habe während drei oder vier Monaten das Amt als Dorf-
ältester bekleidet, ehe er im Herbst 2014 eines nachts zuhause von den
Taliban mitgenommen worden sei. Am darauffolgenden Tag sei seine Lei-
che gefunden worden und die Taliban hätten verlauten lassen, man dürfe
den Vater nicht beerdigen, weil er als Spion für die Behörden tätig gewesen
sei. Der Dorfälteste einer nahegelegenen Ortschaft sei ebenfalls von den
Taliban entführt, gefoltert und umgebracht worden. Er vermute, dass dieser
Dorfälteste unter Folter den Namen seines Vaters preisgegeben habe,
weshalb es zu dessen und in der Folge auch zu seiner eigenen Verfolgung
gekommen sei. Einige Tage nach der Ermordung seines Vaters sei auch er
von den Taliban mitgenommen worden. Diese hätten derart auf seinen
Kopf eingeschlagen, dass er das Bewusstsein verloren und dieses erst im
Spital wiedererlangt habe, nachdem die Taliban ihn ohnmächtig liegen ge-
lassen hätten. Seine Mutter habe ihm daraufhin von einer Rückkehr ins
Dorf abgeraten, da dies zu gefährlich sei und ihn zu Verwandten nach
D._ gebracht. Er habe sich rund zweieinhalb Monate bei seinen
Verwandten aufgehalten, bevor sich die Situation auch dort verschlechtert
habe und die Verwandten ihn aufgefordert hätten, sie zu verlassen, weil sie
befürchtet hätten seinetwegen von den Taliban bedroht zu werden. Darauf-
hin habe er sich nach E._ begeben, wo er im Hotel eines Mannes,
der aus seinem Heimatort stamme, Zuflucht und Arbeit gefunden habe.
Auch dort habe er sich etwa zweieinhalb Monate aufgehalten, ehe er von
dort habe fliehen müssen, weil er gesucht worden sei. Als zwei Komman-
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danten der nationalen Armee – beides Cousins des Mannes, der als Tali-
banführer in seiner Heimatregion für den Tod seines Vaters verantwortlich
gewesen sei – im Hotel nach ihm gesucht hätten, sei er nicht zugegen ge-
wesen, sondern habe sich heimlich bei seiner Familie in B._ aufge-
halten. Nach seiner Rückkehr ins Hotel habe sein Chef ihn über die Suche
nach ihm informiert und ihn aufgefordert, das Hotel zu verlassen, da er
nicht in Schwierigkeiten geraten wolle. Daraufhin sei er erneut heimlich zu
seiner Familie zurückgekehrt, nachdem er sich drei bis vier Tage an einem
anderen Ort aufgehalten habe. Seine Mutter habe ihm mitgeteilt, dass die
Taliban auch bei ihnen zuhause nach ihm gesucht hätten, weshalb er nicht
in Afghanistan bleiben könne. Deshalb sei er in den Iran geflohen, wo er
sich sechs Monate aufgehalten habe, ehe er nach Afghanistan abgescho-
ben worden sei. Zurück in Afghanistan habe er wiederum mit seiner Mutter
Kontakt aufgenommen, woraufhin diese zu ihm gereist sei und ihm einen
grösseren Geldbetrag zur Finanzierung der Flucht übergeben habe. Nach
einigen Tagen in Afghanistan sei er schliesslich erneut in den Iran und von
dort weiter nach Europa gereist. Nach seiner Ausreise sei das Haus der
Familie von einer Mörsergranate zerstört worden und sein ältester Sohn
sei dabei ums Leben gekommen.
A.c Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer
seine Tazkira sowie Fotos seines – eigenen Angaben zufolge – zerstörten
Hauses zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 27. Februar 2018 – eröffnet am 2. März 2018 – ver-
neinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers,
lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz
an, wobei es den Vollzug der Wegweisung infolge Unzumutbarkeit zuguns-
ten einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz aufschob.
C.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
3. April 2018 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Darin bean-
tragte er die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Asylgewäh-
rung unter Anerkennung seiner Flüchtlingseigenschaft, eventualiter die An-
ordnung der vorläufigen Aufnahme infolge Unzulässigkeit und Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs, subeventualiter die Rückweisung der
Sache an die Vorinstanz zwecks Neubeurteilung. In verfahrensrechtlicher
Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
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einschliesslich Verzichts auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie
um Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistands seiner Wahl.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 11. April 2018 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut und setzte dem Be-
schwerdeführer gleichzeitig Frist zur Nennung einer Rechtsverbeiständung
im Sinn von aArt. 110a AsylG.
E.
Der damalige Rechtsvertreter MLaw Ruedy Bollack zeigte mit Eingabe vom
25. April 2018 das Mandatsverhältnis gegenüber dem Bundesverwaltungs-
gericht an und ersuchte um Beiordnung als amtlicher Rechtsbeistand des
Beschwerdeführers.
F.
Die Instruktionsrichterin hiess das Gesuch um Beiordnung des Rechtsver-
treters des Beschwerdeführers als dessen amtlicher Rechtsbeistand mit
Zwischenverfügung vom 9. Mai 2018 gut. Überdies wurde die Vorinstanz
zur Vernehmlassung eingeladen.
G.
Die Vorinstanz liess sich am 16. Mai 2018 zur Beschwerde vernehmen und
hielt dabei vollumfänglich an ihren Erwägungen in der angefochtenen Ver-
fügung fest.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 22. Mai 2018 erhielt der Beschwerdeführer
Gelegenheit zur Replik.
I.
Der Beschwerdeführer verzichtete – handelnd durch seinen amtlichen
Rechtsbeistand – mit Eingabe vom 6. Juni 2018 auf die Einreichung einer
Replik.
J.
Mit Eingabe vom 28. Februar 2019 ersuchte der amtliche Rechtsbeistand
MLaw Ruedy Bollack um Entlassung aus seinem Amt und gleichzeitig um
Einsetzung von MLaw El Uali Emmhammed Said als neuer amtlicher
Rechtsbeistand des Beschwerdeführers.
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K.
Die Instruktionsrichterin entliess MLaw Ruedy Bollack mit Zwischenverfü-
gung vom 6. März 2019 antragsgemäss aus seinem Amt als amtlicher
Rechtsbeistand und setzte MLaw El Uali Emmhammed Said als amtlichen
Rechtsbeistand des Beschwerdeführers ein.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Der
Beschwerdeführer ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert
(Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1
VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
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3.
3.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Wesentli-
chen mit der mangelnden Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerde-
führers. So sei er zunächst nicht in der Lage gewesen, die Tätigkeit seines
Vaters als Dorfältester oder dessen Qualifikation für dieses Amt aussage-
kräftig zu beschreiben. Es sei zu erwarten, dass er detaillierte Angaben
zum Aufgabenbereich seines Vaters machen könne, da er insbesondere
auch mit diesem im selben Haus gelebt habe. Ausserdem habe er nicht
nachvollziehbar darlegen können, weshalb ausgerechnet sein Vater von
den Taliban umgebracht worden sei, da dieser gemäss seinen Aussagen
erst seit kurzer Zeit Dorfältester gewesen und kaum exponiert aufgetreten
sei oder schwierige Entscheidungen habe vertreten müssen. Auch die er-
wähnte Folter eines anderen Dorfältesten biete keine überzeugende Erklä-
rung, da nicht ersichtlich sei, welche neuen Informationen die Taliban
dadurch über seinen Vater hätten erlangt haben sollen. Schliesslich sei es
ihm nicht gelungen, seine Mitnahme durch die Taliban überzeugend und
detailliert zu schildern. So sei beispielsweise nicht verständlich, weshalb er
nicht ansatzweise wisse, wohin die Taliban ihn mitgenommen hätten. Auch
in Bezug auf seine erlittenen Verletzungen habe er keine nachvollziehba-
ren Aussagen machen können. An der Einschätzung, dass sowohl die gel-
tend gemachte Verfolgung seines Vaters als auch seine eigene unglaub-
haft erscheine, ändere auch die Zerstörung des Hauses infolge eines Mör-
serangriffs nichts.
3.2 Der Beschwerdeführer führte zur Begründung seines Rechtsmittels im
Wesentlichen aus, entgegen der Einschätzung der Vorinstanz seien seine
Schilderungen ausführlich, konkret und von Realitätskennzeichen geprägt
ausgefallen. Insbesondere habe er Konversationen häufig in direkter Rede
wiedergegeben und versucht, seine Emotionen so gut wie möglich zu be-
schreiben, obwohl die Befragungssituation schwierig für ihn gewesen sei.
Hinsichtlich der Tätigkeit seines Vaters lasse sich präzisierend ausführen,
dass dieser für die Verteilung der Hilfsgüter der Regierung und der interna-
tionalen Hilfsorganisationen tätig gewesen sei, um diesbezügliche Streitig-
keiten unter den Dorfbewohnern zu verhindern. Da diese sachlich be-
grenzte Tätigkeit monatlich nur wenig Zeit beansprucht habe und der Vater
weiterhin hauptsächlich als Bauer auf dem Feld oder in Gärten gearbeitet
habe, könne er nicht weiter über seine Funktion als Dorfältester berichten.
Hinsichtlich der Auswahl seines Vaters sei zu bemerken, dass das Dorf aus
40 bis 50 Häusern bestehe, weshalb relativ wenige erwachsene Männer
zur Auswahl gestanden hätten. Die Position berge zudem erhebliche Si-
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cherheitsrisiken, da der Vorgänger seines Vaters von den Taliban ange-
schossen worden sei. Es sei zudem irrelevant, wie exponiert sein Vater in
dieser Position gewesen sei, da er erkennbar eine Funktion innegehabt
habe, in deren Rahmen er sowohl mit der Regierung als auch mit interna-
tionalen Hilfsorganisationen in Kontakt getreten sei. Regierungsfeindliche
Kräfte würden systematisch und gezielt Zivilisten (wie seinen Vater) angrei-
fen, die tatsächlich oder vermeintlich Verbindungen zur afghanischen Re-
gierung oder zur internationalen Gemeinschaft aufweisen würden. Hin-
sichtlich der ihm zugefügten Verletzungen seien seine Aussagen nicht un-
glaubhaft, sondern es sei ihm als Laie nicht möglich gewesen, die Ursa-
chen seiner Verletzungen korrekt zu erfassen.
Überdies habe die Vorinstanz seinen Anspruch auf rechtliches Gehör ver-
letzt, indem es seine Aussagen lediglich einseitig und nicht im Sinn einer
Gesamtwürdigung berücksichtigt habe, weshalb Aspekte die für die Glaub-
haftigkeit seiner Vorbringen sprächen gezielt übergangen worden seien.
Ferner verkenne das SEM, dass es sich bei ihm als Sohn eines Dorfältes-
ten um ein Mitglied einer – durch regierungsfeindliche Kräfte – besonders
gefährdeten Gruppe handle. Ihm sei wie auch seinem Vater vorgeworfen
worden, ein Spion der Regierung zu sein, da er ihrer Ansicht nach seinen
Marktstand dem getöteten Dorfältesten zu verdanken habe, der auch unter
Folter den Namen seines Vaters preisgegeben habe.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
5.
5.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Vorinstanz die Vorbringen des Beschwerdeführers zu
Recht als unglaubhaft qualifiziert hat. Der Beschwerdeführer vermag mit
seinen Ausführungen in der Beschwerdeschrift den Erwägungen des SEM
nichts entgegenzusetzen, das geeignet wäre zu einer anderen Einschät-
zung zu führen. Somit kann zur Vermeidung von Wiederholungen vorab
auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwie-
sen werden (vgl. act. A22/8 Ziff. II S. 3).
Als Wesentlich wird Folgendes erachtet:
5.2 Zunächst ist festzustellen, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers
zur Tätigkeit des Vaters als Dorfältester und die Umstände seines Todes in
der Tat nicht substanziiert ausgefallen sind. Eine abschliessende Beurtei-
lung kann aber vorliegend unterbleiben, da aus den geltend gemachten
Vorbringen bezüglich des Vaters des Beschwerdeführers – ungeachtet ih-
rer Glaubhaftigkeit – nicht ohne weiteres gefolgert werden kann, es be-
stehe für den Beschwerdeführer die Gefahr einer Reflexverfolgung. Wie im
Folgenden dargelegt wird, gelang es dem Beschwerdeführer gerade nicht,
konkrete Anhaltspunkte einer eigenen Gefährdungslage glaubhaft zu ma-
chen, die zur Annahme einer solchen Verfolgungsgefahr notwendig wären.
5.3 Zunächst fielen die Ausführungen des Beschwerdeführers zu seiner
angeblichen Mitnahme durch die Taliban vage und unsubstanziiert aus.
Während der Beschwerdeführer anlässlich der BzP noch ausführte, die Ta-
liban seien nach dem Tod seines Vaters zu ihm nach Hause gekommen
und hätten ihn am Kopf verletzt (vgl. act. A5/11 7.01), gab er während der
Anhörung an, in der Nähe der Moschee unterhalb des Dorfes aufgegriffen
und auf einem Motorrad mitgenommen worden zu sein (vgl. act. A20/19
F95, F97). Die an der Anhörung geltend gemachten Umstände, unter de-
nen der Beschwerdeführer in der Folge angeblich an einem ihm unbekann-
ten Ort von den Taliban an Kopf und Beinen verletzten worden sei, erschei-
nen in sich nicht schlüssig. Die geschilderte Interaktion zwischen dem Be-
schwerdeführer und den Taliban wirkt wenig überzeugend. So machte der
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Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, umgehend bewusstlos ge-
schlagen worden zu sein, nachdem er den Taliban zu Beginn gesagt habe,
er habe mit den Behörden nichts zu tun, wobei er ebenfalls ausführte "von
mir wollten sie nichts, sie [die Taliban] sprachen nur miteinander" (vgl. act.
A20/19 F98 f.). Der Beschwerdeführer führte weiter aus, die Taliban hätten
ihn in der Folge verletzt liegen gelassen und er sei von Dorfbewohnern
gefunden worden, welche seine Familie informiert habe. Diese habe ihn
ins Spital gebracht, wo er erst wieder zu sich gekommen sei, nachdem
seine Verletzungen behandelt worden seien. Nachdem seine Familie den
Beschwerdeführer somit ins Spital überführt haben soll, scheint nicht nach-
vollziehbar, dass er keine Kenntnis über den Ort haben will, an dem er ver-
letzt aufgefunden worden sein soll (vgl. act. A20/19 F97, F103). Es wäre
zu erwarten gewesen, dass der Beschwerdeführer nach der Wiedererlan-
gung seines Bewusstseins bei seiner Mutter oder den Personen die ihn
angeblich gefunden haben, entsprechend nachgefragt hätte. Der Be-
schwerdeführer konnte sodann auch keine konkretisierenden Angaben zur
Art seiner Verletzung an seinen Beinen machen (vgl. act. A20/19 F103,
F105). Insgesamt ist es ihm somit nicht gelungen, die behauptete Mit-
nahme durch die Taliban und deren Angriff auf ihn glaubhaft zu machen,
zumal der Beschwerdeführer auch zur Art der Verletzung an seinen Beinen
keine substanziierten Aussagen machen konnte.
5.4 Erhebliche Zweifel bestehen auch an den geltend gemachten Ereig-
nisabläufen, nachdem der Beschwerdeführer sein Heimatdorf nach seinem
Spitalaufenthalt verlassen haben will. Anlässlich der BzP darauf angespro-
chen, weshalb er seinen sechsmonatigen Aufenthalt im Iran bei der Frage
nach Auslandaufenthalten nicht erwähnt habe, führte der Beschwerdefüh-
rer wenig überzeugend aus, mit Ausland Europa gemeint zu haben (vgl.
act. A5/11 7.01). Zudem gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, sich letzt-
mals nach dem Tod seines Vaters in seinem Heimatdorf aufgehalten zu
haben. Erst mit dem Alter seines jüngsten Sohnes konfrontiert (im Zeit-
punkt der BzP zwei Monate alt), räumte der Beschwerdeführer ein, mehr-
mals versteckt nach Hause gegangen zu sein, wobei er anlässlich der BzP
– im Gegensatz zur Anhörung – einen rund fünfmonatigen Verbleib in Af-
ghanistan nicht erwähnte. Angesichts der dem Beschwerdeführer angeb-
lich drohenden Gefahr durch die Taliban erscheinen die geltend gemachten
heimlichen Besuche des Beschwerdeführers bei seiner Familie ohnehin
schwer nachvollziehbar, hatte er doch anzunehmen sie dadurch ebenfalls
einem gewissen Risiko auszusetzen.
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5.5 Schliesslich brachte der Beschwerdeführer vor, zwei Cousins des örtli-
chen Talibanführers – die ihrerseits bei der Nationalarmee tätig seien – hät-
ten nach ihm gesucht, wobei dieses Vorbringen ungeachtet der Affiliation
zweier Kommandanten der Nationalarmee mit einem einflussreichen Tali-
banführer zumindest fragwürdig erscheint. Insbesondere mutet konstruiert
an, dass der Beschwerdeführer zunächst im Hotel in E._ gesucht
worden sein soll, während er sich heimlich bei seiner Familie aufgehalten
habe und in der Folge wiederum bei seiner Familie gesucht worden sein
soll, nachdem er sich drei oder vier Tage an einem nicht näher bezeichne-
ten Ort aufgehalten habe, weil er nach seiner Rückkehr ins Hotel vom Be-
sitzer weggeschickt worden sei (vgl. act. A20/19 F71). Insgesamt sind den
Akten somit keine Hinweise zu entnehmen, die auf eine tatsächliche Ver-
folgung des Beschwerdeführers oder auf die Annahme begründeter Furcht
vor zukünftiger Verfolgung schliessen lassen würden.
5.6 Die Vorinstanz legte zudem nachvollziehbar dar, weshalb sie die vor-
getragenen Sachverhaltselemente für unglaubhaft befindet. Insbesondere
ist nicht ersichtlich, inwiefern das SEM eine Gesamtwürdigung der Vorbrin-
gen gezielt unterlassen haben soll (vgl. Beschwerde S. 7). Abschliessend
ist festzuhalten, dass von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs, wie sie
der Beschwerdeführer in seinem Rechtsmittel geltend macht, schon des-
halb keine Rede sein kann, weil die Ausführungen des SEM es dem Be-
schwerdeführer offensichtlich nicht erschwert oder gar verunmöglicht ha-
ben, den Asylentscheid sachgerecht anzufechten (vgl. BVGE 2011/37
E. 5.4.1 S. 813).
5.7 An der Zerstörung des Hauses durch eine Mörsergranate und der Tö-
tung des Sohnes nach der Ausreise des Beschwerdeführers, dessen Dorf
in einer Konfliktzone liegen soll, bestehen keine Zweifel. Jedoch mangelt
es diesem Vorbringen an asylrechtlicher Relevanz. Der im Heimatort herr-
schenden Sicherheitslage wurde durch die Anordnung einer vorläufigen
Aufnahme Rechnung getragen.
5.8 Zusammenfassend ergibt sich, dass die geltend gemachten Asyl-
gründe des Beschwerdeführers nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrecht-
lich relevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG beziehungsweise eine
entsprechende Verfolgungsfurcht glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat
demnach zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers ver-
neint und sein Asylgesuch abgelehnt. Für die beantragte Rückweisung der
Sache an die Vorinstanz besteht keine Veranlassung.
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Seite 11
6.
Lehnt das SEM ein Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 27. Februar 2018 die Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festgestellt und die vorläufige Auf-
nahme des Beschwerdeführers angeordnet hat, erübrigen sich praxisge-
mäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegwei-
sungsvollzugs und somit insbesondere auch zum Eventualantrag des Be-
schwerdeführers auf vorläufige Aufnahme infolge Unzulässigkeit des Weg-
weisungsvollzugs.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu-
weisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Instrukti-
onsverfügung vom 11. April 2018 sein Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen
wurde und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich seine finanzielle
Lage seither entscheidrelevant verändert hätte, ist von der Auflage von
Verfahrenskosten abzusehen.
9.2 Sodann ist ein amtliches Honorar auszurichten, nachdem im vorliegen-
den Verfahren eine amtliche Rechtsvertretung nach aArt. 110a AsylG bei-
geordnet wurde. Mit der Instruktionsverfügung vom 9. Mai 2018 wurde zu-
nächst MLaw Ruedy Bollack als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. Mit
Zwischenverfügung vom 6. März 2019 wurde Ruedy Bollack auf Gesuch
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Seite 12
hin aufgrund eines Stellenwechsels aus der amtlichen Beistandschaft ent-
lassen und neu der rubrizierte Rechtsvertreter als amtlicher Rechtsbei-
stand eingesetzt. Nachdem beide Rechtsvertreter für die Rechtsberatungs-
stelle für Asylsuchende des Kantons F._ tätig wurden, ist davon
auszugehen, dass Ruedy Bollack das aus der amtlichen Beistandschaft
resultierende amtliche Honorar implizit an die Rechtsberatungsstelle abge-
treten hat. Demnach ist dem rubrizierten Rechtsvertreter ein Honorar für
die notwendigen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten.
Die Beschwerde wurde als Laienbeschwerde eingereicht. Die Handlungen
der Rechtsvertretung beschränkten sich auf eine Verzichtserklärung betref-
fend Einladung zur Replik sowie mehrere Verfahrensstandanfragen. Es
wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb das Honorar aufgrund der
Akten festzulegen ist und sich zuverlässig abschätzen lässt (Art. 14 Abs. 2
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Gestützt
auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE)
und dem in der Instruktionsverfügung kommunizierten Stundenansatz ist
das Honorar auf insgesamt Fr. 300.– (inkl. aller Auslagen) festzulegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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