Decision ID: 5fd899aa-a6e3-4893-a5e9-405c967b1623
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
I. Sachverhalt:
1. A._, geboren B._ und gelernter Metzger, meldete sich am
18. November 2014 bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden
(nachfolgend: IV-Stelle) unter Hinweis auf eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit ab 1. Januar 2014 wegen "24 Stunden Schmerz im
ganzen Körper" zum Bezug von Leistungen an. Nach Abklärung der
erwerblichen und gesundheitlichen Situation wurde A._ mit
Verfügung vom 21. Januar 2016 ab 1. Mai 2015 eine ganze Invalidenrente
und ab 1. Juni 2015 bis 30. September 2015 eine halbe Invalidenrente
zugesprochen.
2. Am 31. Januar 2018 meldete sich A._ erneut bei der IV-Stelle zum
Bezug von Leistungen an mit der Begründung, er könne körperlich und
psychisch nicht mehr arbeiten; dies nach 3-jähriger Haft ab Februar 2007
mit Folter und Misshandlungen in einem afrikanischen Gefängnis wegen
eines Cannabis-Deliktes.
3. Nach Einholung diverser medizinischer Berichte, u. a. des Arztberichtes
der Psychiatrischen Dienste Graubünden (PDGR) vom 12. Juli 2018,
erfolgte am 26. März 2019 eine bidisziplinäre Abklärung von A._
durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) in den Disziplinen
Psychiatrie und Rheumatologie. Darüber erstatteten die
Dres. med. C._ und D._ am 6. Mai 2019 Bericht, wobei sie mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit keine Diagnosen
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit feststellen konnten.
4. Nach Konsultation des fallführenden RAD-Arztes wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren von A._ mit Verfügung vom 4. Juli 2019 ab und
hielt zum Abklärungsergebnis fest, eine invalidisierende
Gesundheitsbeeinträchtigung sei gestützt auf die medizinischen
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Abklärungen nicht ausgewiesen. Die dagegen von A._ erhobene
Beschwerde blieb erfolglos: Das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden bestätigte die Verfügung vom 4. Juli 2019 mit rechtskräftigem
Urteil S 19 85 vom 15. September 2020.
5. Am 18. Juni 2020 erfolgte wieder eine Neuanmeldung zum
Leistungsbezug bei der IV-Stelle. Darin gab A._ eine
posttraumatische Belastungsstörung, Depression und Zwangsstörung
sowie Angstattacken und ständige Flashbacks aufgrund einer mehr als
dreijährigen Inhaftierung auf dem afrikanischen Kontinent, in Spanien und
der Schweiz infolge eines Cannabis-Delikts an. Zur Glaubhaftmachung
einer wesentlichen Verschlechterung des Gesundheitszustands berief er
sich auf einen Bericht der Psychiatrischen Dienste Graubünden (PDGR)
vom 11. Juni 2020 von Dr. med. E._ und Psychologin F._. Nach
dessen Prüfung durch den RAD stellte die IV-Stelle A._ mit
Vorbescheid vom 25. März 2021 in Aussicht, nicht auf sein
Leistungsbegehren einzutreten. Daraufhin erhob Letzterer einen Einwand.
Mit Verfügung vom 29. April 2021 hielt die IV-Stelle an ihrem Vorbescheid
fest und trat mangels glaubhaft gemachter Veränderung der Verhältnisse
nicht auf das Leistungsbegehren ein.
6. Mit dagegen am 17. Mai 2021 erhobener und am 25. Mai 2021 ergänzter
Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
beantragte A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) neben der
Aufhebung der angefochtenen Verfügung sinngemäss, es sei auf seine
Neuanmeldung einzutreten. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um
unentgeltliche Rechtspflege. Zur Begründung führte er im Wesentlichen
an, sein Antrag auf Leistungen der Invalidenversicherung sei von der IV-
Stelle nicht mit dem nötigen Respekt behandelt worden. Er kritisierte, dass
die IV-Stelle eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit annehme. Er könne
einen normalen Tag kaum überstehen und sei psychisch
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niedergeschlagen. Er habe während seiner Haft in G._ auf dem
afrikanischen Kontinent abscheuliche Gräueltaten miterleben müssen.
Auch im Hochsicherheitsgefängnis auf dem spanischen Festland habe er
täglich Gewalt miterlebt und es seien in der Nacht Männer vergewaltigt
worden, deren Schreie er nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Zudem
bekomme er nur schon beim Gedanken, Kontakt zu anderen Menschen
zu haben, Schweissausbrüche, Panikattacken und immobilisierende
Verspannungen. Seine psychischen Beschwerden sähe man ihm nicht auf
den ersten Blick an, da er aufgrund seiner Gefängniserfahrungen gelernt
habe, seine Ängste zu verstecken. Sie bestünden aber schon seit seinem
Gefängnisaufenthalt in H._, wo er dies einem Arzt mitgeteilt habe.
Aufgrund der Gewärtigung der Haftstrafe habe er ein krasses Trauma mit
extremen Angstzuständen und Panikattacken, wobei er sich ständig unter
Druck fühle und deshalb nicht mehr belastbar sei.
7. In der Vernehmlassung vom 14. Juni 2021 schloss die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) auf Abweisung der Beschwerde und
verwies primär auf die in der angefochtenen Verfügung angeführte
Begründung.
8. Der Beschwerdeführer reichte trotz der ihm eingeräumten Frist für eine
freigestellte Stellungnahme keine Replik ein.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften sowie
auf die angefochtene Verfügung wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
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IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Graubünden vom
29. April 2021 (Akten des Beschwerdeführers [Bf-act.] 1, Akten der
Beschwerdegegnerin [Bg-act.] 142) stellt eine solche anfechtbare
Verfügung der Invalidenversicherung und folglich ein taugliches
Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden dar. Die sachliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 57 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in
Verbindung mit Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als Adressat der strittigen
Verfügung ist der Beschwerdeführer berührt und er weist ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung auf (Art. 1
Abs. 1 IVG i. V. m. Art. 59 ATSG). Die Beschwerde wurde zudem frist- und
formgerecht eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2
ATSG, Art. 38 f. sowie Art. 61 lit. b ATSG). Darauf ist somit einzutreten.
2. Der Streitgegenstand erschöpft sich in der Frage, ob die
Beschwerdegegnerin zu Recht mangels glaubhaft gemachter
Verschlechterung des Gesundheitszustands durch den Beschwerdeführer
nicht auf dessen Leistungsbegehren eingetreten ist. Darüber
hinausgehende Vorbringen des Beschwerdeführers sind von vornherein
nicht zu hören.
3.1. Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert,
so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn damit glaubhaft gemacht
wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 3 i. V. m. Abs. 2 der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]; Urteil des
Bundesgerichts 8C_481/2020 vom 15. Dezember 2020 E.2.2.). Eine
solche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse kann namentlich in einer
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Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit entsprechend
verminderter Arbeitsfähigkeit oder in geänderten erwerblichen
Auswirkungen einer im Wesentlichen gleich gebliebenen Beeinträchtigung
der Gesundheit liegen. Dagegen stellt eine bloss abweichende Beurteilung
eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts keine relevante
Änderung dar (Urteile des Bundesgerichts 8C_514/2019 vom
23. Dezember 2019 E.3.1 und 8C_606/2019 vom 5. Dezember 2019 E.3.2
m. H.). Es obliegt der versicherten Person, die Voraussetzung des
veränderten Gesundheitszustandes glaubhaft zu machen (Urteil des
Bundesgerichts 8C_455/2020 vom 20. Oktober 2020 E.3.1 m. H.). Mit
dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind herabgesetzte
Anforderungen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss
also nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Grad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 144 V 427 E.3.2) erstellt sein.
Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten
rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte
bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist,
bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht
erstellen lassen. Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn
angenommen werden kann, der Anspruch auf eine Invalidenrente (oder
deren Erhöhung) sei begründet, falls sich die geltend gemachten
Umstände als richtig erweisen sollten (Urteile des Bundesgerichts
9C_725/2019 vom 27. Januar 2020 E.2.2 und 9C_733/2019 vom
2. Dezember 2019 E.2.2.).
3.2. Der Untersuchungsgrundsatz, wonach die Behörde von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen
Sachverhalts zu sorgen hat, spielt insoweit nicht (Urteil des
Bundesgerichts 9C_725/2019 vom 27. Januar 2020 E.2.2). Da der
Untersuchungsgrundsatz somit rechtsprechungsgemäss erst greift, wenn
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die Verwaltung auf ein Gesuch eintritt, folglich ein Verfahren eröffnet und
verpflichtet ist, den massgeblichen Sachverhalt abzuklären (BGE 130 V
64 E.5.2.5 und Urteil des Bundesgerichts 8C_256/2019 vom 23. August
2019 E.6.5), zielt das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach die
Beschwerdegegnerin keine Abklärungen vorgenommen und ihre
Sorgfaltspflicht verletzt habe, von vornherein ins Leere.
4.1. Die zeitliche Vergleichsbasis für die Frage, ob eine rentenrelevante
Veränderung des Sachverhalts glaubhaft ist, bildet der Zeitpunkt der
letzten umfassenden materiellen Prüfung (mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs). Der Vergleichszeitraum erstreckt sich
grundsätzlich bis zur Prüfung und Beurteilung des Gesuchs, d. h. bis zum
Erlass der Verfügung betreffend die Neuanmeldung (Urteil des
Bundesgerichts 8C_256/2019 vom 23. August 2019 E.6.1).
4.2. Im hier zu beurteilenden Fall ist somit als Vergleichsbasis auf die
Verfügung vom 4. Juli 2019 abzustellen, mit welcher das
Leistungsbegehren nach einlässlichen medizinischen Abklärungen
abgewiesen wurde (Bg-act. 114). Dieser Entscheid wurde vom
Verwaltungsgericht mit Urteil S 19 85 vom 15. September 2020 geschützt
(Bg-act. 133). Die Beschwerdegegnerin verneinte in der Verfügung vom
4. Juli 2019 einen Rentenanspruch mit der Begründung, weder aus
rheumatologischer noch aus psychiatrischer Sicht hätten mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden können, weshalb
weiterhin eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit gegeben sei (Bg-act.
114, S. 1). Wie den Beurteilungen des fallführenden RAD-Arztes Dr. med.
L._ entnommen werden kann (Bg-act. 115, S. 11 und 13), stützte
sie sich dabei auf die bidisziplinäre RAD-Abklärung der Dres. med.
C._ und D._ vom 6. Mai 2019 ab (Bg-act. 106), derer das
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Verwaltungsgericht in seinem Entscheid volle Beweiskraft beimass (Urteil
des Verwaltungsgerichts [VGU] S 19 85 vom 15. September 2020
E.5.2.7). Aus den vorgenannten RAD-Abklärungen geht im Wesentlichen
was folgt hervor:
4.2.1. Der RAD-Arzt, Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, hielt im Abklärungsbericht vom 6. Mai 2019
(psychiatrischer Teilbericht) hinsichtlich der Diagnosenkriterien einer
posttraumatischen Belastungsstörung fest, abstellend alleine auf die
anamnestischen Angaben des Beschwerdeführers sei das A-Kriterium
(Konfrontation mit tatsächlichem oder drohendem Tod, ernsthafter
Verletzung oder sexueller Gewalt) erfüllt. Ebenso sei das B-Kriterium
(Symptome des Wiedererlebens) mit den wiederkehrenden
aufdrängenden belastenden Erinnerungen und den wiederkehrenden
belastenden Träumen, basierend auf den anamnestischen Angaben des
Beschwerdeführers, erfüllt. Auch das C-Kriterium (anhaltende Vermeidung
von Reizen, die mit dem Ereignis verbunden seien) sei erfüllt: Der
Beschwerdeführer gäbe beispielsweise an, einen stationären Aufenthalt
zu meiden, weil er Leute und Besteck dort vermeiden möchte. Überhaupt
vermeide er den Kontakt mit Leuten, weil er sehr schnell im
"Verteidigungsmodus" des Gefängnisses sei. Auch eine negative
Veränderung von Kognition und Stimmung im Sinne eines andauernd
negativen emotionalen Zustandes und deutliches vermindertes Interesse
an wichtigen Aktivitäten (Sport) werde berichtet. Mit angegebenen
Konzentrationsschwierigkeiten sei auch das E-Kriterium (Veränderung
des Erregungsniveaus und der Reaktivität) erfüllt. Rein auf den
anamnestischen Angaben des Beschwerdeführers basierend sei also die
Diagnose der posttraumatischen Belastungsstörung nachvollziehbar. Der
Beweiswert der Aussagen des Beschwerdeführers sei allerdings gering
(Bg-act. 106, S. 12). So hätten sich im Rahmen der sorgfältigen
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Konsistenzüberprüfung zahlreiche Hinweise auf Inkonsistenzen gezeigt.
Die Art und Weise wie der Beschwerdeführer die Zustände in spanischen
Gefängnissen schildere, sei nicht plausibel. In verschiedenen Details
mache der Beschwerdeführer Falschangaben (er sei ein Jahr in
afrikanischen Gefängnissen gewesen, er habe 3kg Cannabis
geschmuggelt). Sodann habe er gegenüber dem Vorgutachter
Dr. med. I._ (vgl. dazu Bg-act. 26, S. 23 ff.) eine völlig andere
Geschichte als gegenüber ihm berichtet und auch die Checklisten
Dressing Förster betreffend Begutachtung der posttraumatischen
Belastungsstörung zeige einige klare Anhaltspunkte, die auf eine
Aggravation resp. Simulation der posttraumatischen Belastungsstörung
hindeuten würden. Zusammenfassend lasse sich somit eine Diagnose
nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststellen (Bg-act. 106, S. 17). Auch die Schmerzen habe der
Beschwerdeführer auf die Frage nach seinen aktuellen Beschwerden gar
nicht erwähnt. Erst auf Nachfrage habe er einige wenige oberflächliche
Anmerkungen dazu gemacht. Ein andauernder schwerer und quälender
Schmerz als vorherrschende Beschwerde, wie er zur Diagnose einer
anhaltend somatoformen Schmerzstörung notwendig wäre, lasse sich
eindeutig nicht nachweisen. Rein auf den anamnestischen Angaben des
Beschwerdeführers beruhend liesse sich mit leicht gedrückter Stimmung,
Freudlosigkeit und Antriebsmangel, Konzentrationsstörungen,
Schuldgefühlen, negative Zukunftsaussicht, zudem eine mittelgradig
depressive Episode diagnostizieren. Allerdings gelte auch bezüglich der
Depression das Ausgeführte, wonach der Beweiswert der Aussagen des
Beschwerdeführers gering sei, so dass sich die Diagnose nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit stellen lasse (Bg-
act. 106, S. 12).
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4.2.2. Der RAD-Arzt, Dr. med. D._, FMH Rheumatologie, Innere Medizin,
Physikalische Medizin und Rehabilitation, führte in seinem
Abklärungsbericht vom 6. Mai 2019 (rheumatologischer Teilbericht) aus,
seit 2014 habe sich ein chronifiziertes Schmerzsyndrom entwickelt mit
weitgehender Therapieresistenz. Dieses könne durch die rheumatologisch
objektivierbaren Befunde nicht genügend erklärt werden und sei am
ehesten im Rahmen einer Schmerzverarbeitungsstörung zu sehen. Weiter
hielt Dr. med. D._ fest, es lägen gleichmässige Einschränkungen des
Aktivitätenniveaus in vergleichbaren Lebensbereichen vor. Inkonsistent
sei die Angabe des Beschwerdeführers bei der Beschreibung des
Tagesablaufes. So müsse sich dieser viel an der frischen Luft aufhalten
und viel bewegen. Andererseits gebe der Beschwerdeführer an, nach
einem Kilometer Gehen schon vollständig erschöpft zu sein und die Beine
hochlagern zu müssen. Er empfinde das eigene Gangbild als
"verkrüppelt", die Leute würden ihm nachschauen. Davon sei bei der
heutigen Untersuchung nichts zu sehen. Das Gangbild sei unauffällig
gewesen. Sodann gebe der Beschwerdeführer an, nach maximal einer
halben Stunde sitzen, messerstichartige starke Schmerzen im Rücken und
in den Beinen zu spüren. Bei der heutigen Untersuchung habe der
Beschwerdeführer problemlos länger als eine Stunde anhaltend sitzen
können, ohne Schmerzäusserungen oder sichtbare Schmerzbereiche.
Sämtliche Bewegungsabläufe hätten sich unproblematisch gezeigt.
Schmerzbedingte Einschränkungen der Beweglichkeit der Gelenke hätten
sich nicht gefunden. Zusammenfassend hielt Dr. med. D._ fest, aus
rheumatologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
nicht bzw. nur im Rahmen einer zu vermutenden allgemeinen
Dekonditionierung bei gegebener Reversibiliät eingeschränkt (Bg-
act. 106, S. 26).
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4.2.3. Dres. med. C._ und D._ kamen in ihrem Abklärungsbericht vom
6. Mai 2019 nach einer Konsensbesprechung zum Schluss, dass weder
aus rheumatologischer noch aus psychiatrischer Sicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestünden. Sie hielten fest, es
bestünden erhebliche Inkonsistenzen und Diskrepanzen. Auffällig sei,
dass der Beschwerdeführer dem rheumatologischen Gutachter ganz
andere Beschwerden beklagt habe als dem psychiatrischen Gutachter.
Während in der rheumatologischen Abklärung zahlreiche Schmerzklagen
vorgetragen worden seien, spielten die Schmerzen in der psychiatrischen
Begutachtung praktisch keine Rolle. Sodann sei dem Voruntersucher
Dr. med. I._ eine ganz andere biographische Anamnese berichtet
worden, als im Rahmen der aktuellen Abklärungen. Zahlreiche
Ausführungen des Beschwerdeführers seien nicht glaubwürdig. Es sei
diesbezüglich auf die umfassenden Ausführungen zur Konsistenzprüfung
im psychiatrischen Teilbericht verwiesen (Bg-act. 106, S. 28 f.).
5.1. In der angefochtenen Verfügung vom 29. April 2021 trat die
Beschwerdegegnerin mangels glaubhaft gemachter Veränderung der
Verhältnisse nicht auf das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers ein
(Bg-act. 142). Dabei stützte sie sich namentlich auf die Beurteilungen von
RAD-Arzt M._ vom 25. März und 29. April 2021 ab. Darin verglich
dieser den vom Beschwerdeführer in seiner Anmeldung erwähnten
PDGR-Bericht von Dr. med. E._ und Psychologin F._ vom
11. Juni 2020 mit jenem der bidisziplinären RAD-Abklärung der
Dres. med. C._ und D._ vom 6. Mai 2019 und kam zum Schluss,
dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nicht
verschlechtert habe. Auch heute werde seitens der PDGR mit leicht
modifizierten Diagnosen auf eine posttraumatische (psychiatrische)
Symptomatik mit somatischer (rheumatologischer) Begleitsymptomatik
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hingewiesen. Seit vielen Jahren gelte der Beschwerdeführer als
vollständig arbeitsunfähig. Im aktuellen PDGR-Bericht fehle (mit
Ausnahme der Angabe, wonach sich der Gesundheitszustand
verschlechtert habe) indes jeglicher Hinweis, dass sich die
Leistungsfähigkeit auf der "Seins-Ebene" tatsächlich verändert habe.
RAD-Arzt M._ schloss daraus, dass es sich bei der Einschätzung
der PDGR um eine Andersbeurteilung eines im Wesentlichen
unveränderten Gesundheitszustands handle (Bg-act. 143, S. 5 f.).
5.2. Der Beschwerdeführer wendet dagegen im Wesentlichen ein, die
Beschwerdegegnerin habe sein Leistungsbegehren nicht mit der
gebührenden Sorgfalt behandelt. Aufgrund seiner Erfahrungen in
Gefängnissen auf dem afrikanischen Kontinent und dem spanischen
Festland leide er an einem krassen Trauma mit namentlich extremen
Angstzuständen, Panikattacken, immobilisierenden Verspannungen und
Schweissausbrüchen. Er sei deshalb nicht mehr belastbar.
5.3. Zur Glaubhaftmachung der Verschlechterung seines
Gesundheitszustands beruft sich der Beschwerdeführer auf den PDGR-
Bericht von Dr. med. E._ und Psychologin F._ vom 11. Juni
2020, in welchem insbesondere eine posttraumatische Belastungsstörung
(ICD-10 F43.1) als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
angegeben wird. Dazu wird ausgeführt, der Beschwerdeführer leide unter
einer schweren Ausprägung der Angstsymptomatik im Rahmen einer
posttraumatischen Belastungsstörung durch Traumasituationen, die er in
einem afrikanischen und spanischen Gefängnis wegen eines Cannabis-
Delikts erlitten habe. Die Tages- und Nachtflashbacks, Panikattacken und
massive körperliche Anspannung (die starke Schmerzen und bis zu
eingeschränkter Mobilität verursachten) würden den Beschwerdeführer
massiv im Alltag einschränken. Eine erwerbliche Arbeitstätigkeit sei
aufgrund des psychischen Zustands nicht möglich. Des Weiteren hielten
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Dr. med. E._ und Psychologin F._ zu den therapeutischen
Massnahmen und zur Prognose fest, neben psychotherapeutischen
Gesprächen und einer psychiatrischen Behandlung seien weitere
Massnahmen, wie eine Anbindung an die Tagesklinik oder ein stationärer
Aufenthalt aufgrund der schwergradigen Angstsymptomatik nicht möglich.
Mehrmalige Expositionsversuche seien gescheitert. Die Prognose sei
ungünstig. Insgesamt schlossen Dr. med. E._ und Psychologin
F._ auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustands seit Januar
2019 (Bg-act. 132).
5.4. In Würdigung dieses Berichts geht aus dem Vergleich der im
Verfügungszeitpunkt am 29. April 2021 gegebenen medizinischen
Situation und derjenigen, wie sie sich anlässlich der Verfügung am 4. Juli
2019 präsentierte, nicht hervor, dass der Beschwerdeführer glaubhaft
dargelegt hätte, dass sich sein Gesundheitszustand in einer für den
Leistungsanspruch erheblichen Weise verschlechtert hat. Wie im Bericht
von Dr. med. E._ und Psychologin F._ vom 11. Juni 2020
wiesen bereits die seinerzeitigen Behandlerinnen Dr. med. J._ und
Psychologin K._ eine posttraumatische Belastungsstörung aufgrund
von traumatischen Erfahrungen in Gefängnissen in Afrika und Spanien
und eine gestützt darauf bestehende 100 %ige Arbeitsunfähigkeit aus
(Berichte vom 15. Mai 2018 [Bg-act. 82], vom 28. Juni 2018 [Bg-act. 90,
S. 1 ff.] und vom 12. Juli 2018 [Bg-act. 90, S. 6 ff.]). RAD-Arzt
Dr. med. C._ setzte sich in seinem Abklärungsbericht vom 6. Mai
2019 – wie bereits erwähnt – eingehend mit den Diagnosekriterien einer
posttraumatischen Belastungsstörung auseinander. Dabei trug er den vom
Beschwerdeführer geschilderten traumatisierenden Erlebnissen in
verschiedenen Gefängnissen (vgl. dazu die Angaben des
Beschwerdeführers unter dem Titel "Exploration", Bg-act. 106, S. 6 f.)
insoweit Rechnung, als er das A-Kriterium (Konfrontation mit
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tatsächlichem und drohendem Tod, ernsthafter Verletzung oder sexueller
Gewalt) allein gestützt auf die anamnestischen Angaben als erfüllt
erachtete. Ebenfalls fanden die von Dr. med. E._ und Psychologin
F._ berichteten Tages- und Nachtflashbacks bereits
Berücksichtigung, indem Dr. med. C._ das B-Kriterium (Symptome
des Wiedererlebens) mit den wiederkehrenden aufdrängenden
belastenden Erinnerungen und den wiederkehrenden belastenden
Träumen basierend auf den Angaben des Beschwerdeführers als erfüllt
ansah. Dasselbe gilt mit Blick auf die von den behandelnden
Fachpersonen angegebene schwergradige Angstsymptomatik und die
Panikattacken, würdigte Dr. med. C._ doch die Angaben des
Beschwerdeführers, wonach er einen stationären Aufenthalt aufgrund der
Leute und des dort vorhandenen Bestecks sowie ganz allgemein den
Kontakt mit Menschen vermeiden würde, dahingehend, als er das C-
Kriterium (anhaltende Vermeidung von Reizen, die mit dem Ereignis
verbunden sind) gestützt auf die anamnestischen Angaben bejahte
(Bg-act. 106, S. 12). Hinweise dafür, dass sich diese Symptome in ihrer
Beschaffenheit oder ihrem Ausmass substanziell verändert hätten, finden
sich im Bericht von Dr. med. E._ und Psychologin F._ vom
11. Juni 2020 nicht. Der sich darauf abstützende Beschwerdeführer
vermag daher keine Verschlechterung des psychischen Zustands
glaubhaft zu machen, wurde dieses Beschwerdebild denn schon
anlässlich der seinerzeitigen RAD-Abklärungen und somit in der
damaligen Verfügung vom 4. Juli 2019 mitberücksichtigt. Dasselbe gilt
hinsichtlich der von den Behandlern beschriebenen, durch massive
Körperanspannungen verursachten Schmerzsymptomatik bis hin zu
eingeschränkter Mobilität. Sowohl Dr. med. C._ als auch Dr. med.
D._ haben sich mit den vom Beschwerdeführer angegebenen
Schmerzen anlässlich der RAD-Abklärung am 26. März 2019
auseinandergesetzt (Bg-act. 106, S. 12 ff. und 25 f.) und dabei auf
- 15 -
erhebliche Diskrepanzen hingewiesen (Bg-act. 106, S. 13 f., 26 und 28 f.).
Diese und zahlreiche weitere Inkonsistenzen, welche sich erst bei einer
vertieften Auseinandersetzung mit der Vorakte, den Ergebnissen der
testpsychologischen Abklärungen, den vom Beschwerdeführer
angesprochenen Zeitungsartikeln und den Details der Anamnese
erkennen liessen, bewogen Dr. med. C._ letztlich dazu, die
Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers abweichend von
den Behandlerinnen als gering einzustufen. Er kam daher in einer für das
Gericht aufgrund der nachweislichen erheblichen Diskrepanzen
nachvollziehbaren und schlüssigen Weise zum Schluss, dass sich die
Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit beweisen liesse (VGU
S 19 85 vom 15. September 2020 E.5, insbesondere E.5.2.4). Mit dieser
Beurteilung setzten sich Dr. med. E._ und Psychologin F._ in
ihrem Bericht vom 11. Juni 2020 genauso wenig auseinander wie mit den
vielen nachgewiesenen Inkonsistenzen in den Aussagen des
Beschwerdeführers. Vielmehr liegt nahe, dass ihre Diagnosestellung
genauso wie jene ihrer Vorgängerinnen auf den weitgehend identischen
anamnestischen Angaben des Beschwerdeführers beruht, deren
Beweiswert jedoch als gering eingestuft wurde (vgl. Bg-act. 106, S. 12 und
17).
6. Insgesamt ist somit nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin
mangels glaubhaft gemachter Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustands durch den Beschwerdeführer nicht auf das
Leistungs-begehren eingetreten ist.
7.1. Die Beschwerde erweist sich somit als unbegründet und ist abzuweisen.
Laut Art. 61 lit. fbis ATSG i. V. m. Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
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kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein
durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in
Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.--
fest.
7.2. Bei diesem Prozessausgang wird der Beschwerdeführer grundsätzlich
kostenpflichtig. Allerdings hat er um unentgeltliche Rechtspflege ersucht.
Nach Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) hat jede Person, die nicht über die
erforderlichen Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege,
wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (vgl. auch Art. 76
Abs. 1 VRG). Aussichtslos ist ein Prozess, dessen Gewinnchancen
beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahr und kaum als ernsthaft
bezeichnet werden können. Hingegen darf nicht von Aussichtslosigkeit
ausgegangen werden, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahr
ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese
(BGE 122 I 267 E.2b). Aus den vom Beschwerdeführer eingereichten
Unterlagen geht hervor, dass er wirtschaftliche Sozialhilfe bezieht (vgl.
dazu Leistungsentscheid wirtschaftliche Sozialhilfe der Dienststelle
Gesellschaft Sozialhilfeleistung der Stadt Chur vom 11. März 2021). Seine
Bedürftigkeit ist damit ausgewiesen. Da die Beschwerde zudem gerade
noch nicht als aussichtslos einzustufen ist, kann dem Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege entsprochen werden.
Der obsiegenden Beschwerdegegnerin steht kein Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG e contrario).
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