Decision ID: 5a0128e6-f487-4ee8-a4c1-6af18dcea3ad
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1966 geborene
X._
absolvi
erte bei der Y._
AG eine Maurerlehre und war damit bei der
Suva
gegen die Folgen von Unfällen versi
chert. Am 1
5.
Mai 1984 zog er sich bei einem Arbeitsunfall eine Ruptur des vor
deren Kreuzbandes und des medialen Seitenbandes am linken Knie zu. Die S
uva
erbrachte sowohl im Grundfall als auch in den zwischen 1987 und 2002 gemel
deten insgesamt acht Rückfällen Leistungen. Der Versicherte musste sich ver
schiedenen Operationen unterziehen und liess sich im Rahmen von beruflichen Mass
nahmen der Invalidenversicherung umschulen (Bürofachdiplom und Han
delsdiplom, schulinterne Technikerprüfung). Mit Verfügung vom 2
7.
März
1992 sprach ihm die
Suva
wegen einer mittelschweren Instabilität des linken Knies eine Entschädigung für eine Integritätseinbusse von 10
%
zu; gleichzeitig wies sie einen Rentenanspruch ab, da keine Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit vor
liege. Im Verlaufe des am 2
2.
August 2002 gemeldeten Rückfalls stellte
der Ver
sicherte
am
9.
Juli 2008 ein Gesuch um Ausrichtung einer Invalidenrente. Dieses wies die S
uva
mit Verfügung vom 1
9.
August 2009 erneut mit der Begründung ab, es fehle an einer unfallbedingten Erwerbseinbusse. Gleichzeitig sprach sie dem Versicherten wegen einer mässigen Gonarthrose im linken Knie eine zusätzliche Integritätsentschädigung von 10
%
zu. Daran hielt die Unfallversicherung auch auf Einsprache
mit Entscheid vom 2
1.
Juli 2010 fest. Die dagegen erhobene Be
schwerde des Versicherten wies das hiesige Gericht mit Urteil UV.2010.00273 vom 3
1.
Oktober 2011 (
Urk.
14/288) ab, was vom Bundesgericht am 2
9.
Februar 2012 bestätigt wurde (vgl. zum Ganzen: Sachverhalt im Urteil des Bundesgerichts 8C_17/2012 vom 2
9.
Februar 2012,
Urk.
14/295)
. Am 1
9.
Juli 2013 meldete der Versicherte einen weiteren Rückfall (
Urk.
14/299).
Mit unangefochten in Rechts
kraft erwachsener Verfügu
ng vom 2
1.
Oktober 2013 sprach d
ie
Suva
dem Versi
cherten aufgrund einer neuerlichen Zunahme der Integritätseinbusse eine zusätz
liche Integritätsentschädigung von 10
%
zu, verneinte mangels unfallbedingter Erwerbseinbusse aber wiederum einen Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
14/315). Am
9.
Mai 2014 unterzog sich der Versicherte einer Prothesenver
sorgung mittels Persona Knie-
Arthroplastik
links (
Urk.
14/325). Die Suva erteilte Kostengutsp
rachen für die Heilbehandlung
(
Urk.
14/
319, 14/322
)
, Taggelder leis
tete sie, da der Versicherte als Hausmann keinen Erwerbsausfall erleide, keine (
Urk.
14/341).
Mit
Einspracheentscheid
vom 1
0.
Mai 2016 verneinte sie einen An
spruch auf weitere Heilbehandlungen (
Urk.
14/381).
Nach Eingang eines Be
richts des Zentrums Z._
vom 1
8.
Mai
2017
(
Urk.
14/393) erteilte die Suva mit Schreiben vom 2
2.
Juni 2017 Kostengutspra
che für bereits
angegangene Infiltrationen für die Dauer von sechs Monaten (
Urk.
14/396). Am
8.
Januar
2019 ersuchte der Versicherte um neuerliche Ren
tenprüfung, habe er doch unerträgliche Schmerzen (
Urk.
14/406). Nach Einrei
chung eines weiteren Be
richts des Zentrums Z._
vom 1
7.
Januar 2019 (
Urk.
13/407)
zum Nachweis der verlangten Verschlimmerung des Gesundheits
zustandes respektive des Rückfalls (
Urk.
14/406)
und
Eingang eines Schreibens des Hausarztes des Versicherten,
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Allge
meine Innere Medizin, vom 3
1.
Juli 2019 (
Urk.
14/417) wurde der Versicherte am
5.
November 2019 von
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
kreisärztlich untersucht (
Urk.
14/430)
. Mit Verfügung vom 3
1.
Januar 2020 verneinte die Suva einen Rentenanspruch des Versicherten, da dieser
bereits
aus unfallfremden Gründen
voll invalid sei (
Urk.
14/443).
Die Einsprache des Versicherten vom
4.
März
2020 (
Urk.
14/448) wies sie mit Entscheid vom
6.
April 2021 unter Verneinung eines Anspruchs a
uf eine Invalidenrente wie auch auf
eine zusätzliche Integritätsentschädigung ab (
Urk.
2).
1.2
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, hatte dem Versi
cherten
mit Verfügung
en vom 1
1.
November
2003
in wiedererwägungsweiser Aufhebung ihrer rentenabweisenden Verfügung vom 2
3.
Januar 2003 (nicht in den Akten) rückwirkend ab
1.
Juli bis 3
0.
September 2001 eine
halbe
Invaliden
rente, ab
1.
Oktober 2001 bis 3
1.
Juli 2002 eine
Viertelsrente
und ab
1.
August 2002 eine ganze Invalidenrente (Invaliditätsgrad 100
%
) zugesprochen (
Urk.
17/67/1-10, Begründung in:
Urk.
17/67). Mit Mitteilung vom 2
5.
September 2017 bestätigte sie revisionsweise den bisherigen Anspruch auf eine ganze Inva
lidenrente bei unveränderten Verhältnissen und einem Invaliditätsgrad von 100
%
(
Urk.
17/119).
2.
Mit
Eingabe datierend
vom
1
0.
Mai 2020
(richtig: 2021)
erhob
X._
Be
schwerde gegen den
Einspracheentscheid
der Suva
vom
6.
April 2021 und bean
tragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzli
chen Leistungen, insbesondere eine Rente
,
zuzusprechen. Prozessual liess er um Bestellung von Rechtsanwalt
lic
.
iur
. Wyss zum unentgeltlichen Rechtsbeistand in diesem Verfahren ersuchen (
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss in der Vernehmlassung vom
8.
Juni 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
13
). Mit Verfügung vom
9.
Juni 2021 wurden die Akten der Invalidenversicherung in Sachen des Beschwerdeführers beigezogen (
Urk.
16) und am 2
2.
Juni
2021 Rechts
anwalt Wyss als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt sowie ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
18)
, im Rahmen
dessen
die Parteien
nicht von
ihren Anträgen abwichen (
Urk.
21 und
Urk.
24), was ihnen gegenseitig zur Kennt
nis gebracht wurde (
Urk.
23 und
Urk.
25).
Auf
die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September
2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar
2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebro
chen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Über
gangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
1
5.
Mai
1984
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember
2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall An
wendung finden und in
dieser Fassung zitiert werden
.
1.2
1.2.1
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10
%
invalid (Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts,
ATSG), so hat sie Anspruch auf eine In
validenrente (Art. 18 Abs. 1
UVG)
.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des In
validitätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Ein
gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.2.2
Die Versicherungsleistungen werden auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt (
Art.
11 UVV). Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglich
erweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen können (BGE 118 V 293 E. 2c mit Hinweisen).
1.2.3
Gemäss
Art.
36
Abs.
2 UVG werden die Invalidenrenten sowie die Integritätsent
schädigungen und die
Hinterlassenenrenten
angemessen gekürzt, wenn die Gesundheitsschädigung oder der Tod nur teilweise die Folge eines Unfalles ist. Ge
sund
heitsschädigungen vor dem Unfall, die zu keiner Verminderung der Er
werbs
fähigkeit geführt haben, werden dabei nicht berücksichtigt (
Art.
36
Abs.
2 Satz 2 UVG). Die Bestimmung von
Art.
36
Abs.
2 UVG setzt voraus, dass der Unfall und das nicht versicherte Ereignis eine bestimmte Gesundheitsschädigung gemeinsam verursacht haben. Dagegen ist diese Bestimmung nicht anwendbar, wenn die bei
den Einwirkungen einander nicht beeinflussende Schäden verursacht haben, so etwa wenn der Unfall und das nicht versicherte Ereignis verschiedene Körperteile betreffen und auch damit die Krankheitsbilder nicht überschneiden.
Diesfalls
sind die Folgen des versicherten Unfalles für sich allein zu bewerten (
BGE 126 V 11
6
E. 3a, 121 V 326 E
. 3c, 113 V 5
4
).
Art.
36
Abs.
2 UVG
ändert gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung nichts
am Erfordernis des adäq
uaten Kausalzusammenhangs
. Die Frage der Kürzung nach
Art.
36
Abs.
2 UVG stellt sich erst, wenn überhaupt ein leistungsbegründender adäquater Kausalzusammenhang zwischen einem Unfall und einer Gesundheits
schädigung zu bejahen ist. Die Leistungskürzung setzt mithin das Bestehen eines adäquaten Kausalzusammenhangs
voraus (BGE 115 V 413 E
. 12c/
bb
).
1.2.4
War die Leistungsfähigkeit des Versicherten aufgrund einer nicht versicherten Gesundheitsschädigung vor dem Unfall dauernd herabgesetzt, so ist für die Be
stimmung des Invaliditätsgrades der Lohn, den er aufgrund der vorbestehenden verminderten Leistungsfähigkeit zu erzielen imstande wäre, dem Einkommen ge
genüberzustellen, das er trotz der Unfallfolgen und der vorbestehenden Beein
trächtigung erzielen könnte (
Art.
28
Abs.
3 UVV). Dieser Sonderfall der Bestim
mung des Invaliditätsgrades kommt dort zur Anwendung, wo eine vorbestehende unfallfremde verminderte Leistungsfähigkeit vorliegt, die in keinem Zusammen
hang mit dem versicherten Ereignis steht (RKUV 2006 Nr. U 570 E. 2.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_876/2015 vom 2
9.
Januar 2016 E. 5.2.1 mit Hinweis
;
Omlin
, Die Invalidität in der obligatorischen Unfallversicherung, Freiburg 1995, S. 131
).
Ist ein
e versicherte Person
bereits aus unfallfremden Gründen vollständig invalid, so besteht kein Raum mehr für eine (zusätzliche) unfallbedingte Beeinträchtigung der Erwerbsunfähigkeit. Selbst wenn auch aus dem Unfall eine Invalidität er
wachsen wäre, kommt in diesen Fällen keine Rente der Unfallversicherung zur
Ausrichtung
. Massgebend ist nicht die zeitliche Reihenfolge der Schadenereig
nisse (Unfallereignis/Krankheit), sondern es ist auf den Eintritt des Schadens ab
zustellen (
Omlin
, a.a.O., S. 146). In diesem Sinne ist bei Rückfällen vorzugehen, bei denen - wie vorliegend - nicht die revisionsweise Erhöhung eines Rentenan
spruchs, sondern ein erstmaliger Rentenanspruch zur Diskussion steht
(Urteil des Bundesgerichts U 357/04 vom 2
2.
September 2005 E. 2.4 mit Hinweisen)
.
1.3
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuver
lässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erheb
liche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zu
kommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gutachterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/
ee
, 122 V 157 E. 1c; vgl. auch BGE 123 V 331 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers mit der B
egründung, ein solcher sei wiederholt, letztmals mit Verfügung vom 2
1.
Oktober 2013 mangels erheblicher unfallbedingter Erwerbsunfähigkeit ver
neint worden. Angesichts des von
Dr.
B._
mit Bericht vom
6.
November 2019 nunmehr festgestellten eingeschränkteren Zumutbarkeitsprofils stehe ab dem Zeitpunkt der kreisärztlichen Untersuchung vom
6.
November 2019 ein Ren
tenanspruch zur Diskussion. Nachdem der Beschwerdeführer aber seit
1.
August 2002 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung aufgrund eines Invaliditätsgrades von 100
%
habe, welcher mit Mitteilung vom 2
5.
September 2017 bestätigt worden sei, und den Feststellungsblättern der IV-Stelle entnom
men werden könne, dass dabei die Unfallfolgen im Bereich des linken Knies keine Rolle gespielt hätten, bestehe kein Raum für das Entstehen eines Rentenanspruchs
der Unfallversicherung. Sodann
sei kein weiterer Anspruch auf eine Integritäts
entschädigung ausgewiesen (
Urk.
2 S. 3 ff.).
Mit Beschwerdeant
wort vom
8.
Juni 2021 führte die Beschwerdegegnerin
ergänzend aus, dass es für die Anwendung des Instituts der überholenden Kausalität keine Rolle spiele, ob die zuerst eintre
tende unfallfremde Invalidität somatischer oder psychischer Natur sei, was ins
besondere für Fälle mit klarer zeitlicher Reihenfolge – wie vorliegend – gelte. Auf die rechtskräftige Verneinung ihrer Leistungspflicht für die psychische Problema
tik sei nicht zurückzukommen, auch sei ihre Leistungspflicht für die lumbalen Beschwerden rechtskräftig verneint worden (
Urk.
13 S. 2 ff.)
.
2.2
Der Beschwerdeführer lässt dagegen im Wesentlichen den Standpunkt vertreten, es treffe nicht zu, dass die Rente der Invalidenversicherung aus unfallfremden Gründen zugesprochen worden sei, gehe doch aus den medizinischen Akten ein
deutig hervor, dass die enormen Schmerzen aufgrund der unzähligen notwendig gewesenen Knieoperationen einen Einfluss auf die heute bestehende 100%ige Ar
beitsunfähigkeit
(
gehabt
)
hätten. Wie gross dieser Anteil sei, sei nie abgeklärt worden. Sodann führte eine Rentenverweigerung im vorliegenden Fall zu einer Ungleichbehandlung von versicherten Personen mit Spätfolgen gegenüber sol
chen, welche relativ früh eine Rente der Unfallversicherung erhielten und
erst
im Nachgang eine Rente der Invalidenversicherung aus psychischen Gründen. Dies verletze
Art.
6 und
Art.
14 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK
;
Urk.
1 S. 8 ff.).
Replicando
lässt
d
er
Beschwerdeführer
im Wesentlichen ergänzen, der vorliegende Sachverhalt habe nichts mit den in der Rechtsprechung bespro
chenen Fällen einer überholenden Kausalität gemein, bei welchen es jeweils um zwei völlig unabhängige Ereignisse gehe. Dass der versicherte Unfall hier über
haupt keinen Einfluss auf die Er
krankung gehabt habe,
sei nicht erstellt und könne den Akten der IV-Stelle so nicht entnommen werden, zumal diese
Diffe
renzierung für letztere nicht massgeblich sei und sie sich nicht über die entspre
chenden Anteile habe aussprechen müssen (
Urk.
21 S. 2 f.).
2.3
Im Streite
steht
und
zu prüfen ist
einzig
der R
entenanspruch
, nachdem
der Be
schwerdeführer
die
Verneinung eines
Anspruch
s
auf eine höhere Integritätsent
schädigung
im angefochtenen Entscheid
mit der Beschwerde
nicht
beanstanden liess
.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin nahm die neuerliche Rentenprüfung nach dreimalig rechtskräftiger Verneinung eines Rentenanspruchs
(
m
it Verfügung vom 2
7.
März 1992,
Urk.
14/102
, bundesgerichtlich bestätigtem
E
inspra
cheentscheid
vom
2
1.
Juli
2010,
Urk.
14/264,
und
Verfügung vom 2
1.
Oktober 2013,
Urk.
14/315) auf Gesuch des
Beschwerdeführer
s
vom
8.
Januar 2019 (
Urk.
14/406)
rückfall
weise
anhand
und liess den Beschwerdeführer am
5.
November 2019
kreisärztlich untersuchen (
Urk.
14/430).
Nachdem es sich bei Rückfällen und Spätfolgen um besondere revisionsrechtlich
e
Tatbestände handelt (BGE
127 V 456 E. 4b,
118 V 293 E. 2c und 2d),
kann
nicht eine uneingeschränkte neuerliche Prüfung vorge
nommen werden. Vielmehr ist von der
letzten
rechtskräftigen Beurteilung auszu
gehen
,
welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs beruhte (BGE 134 V 131 E. 3 mit Hinweisen; BGE 133 V 108 E. 5.4),
und die Anerkennung eines Rückfalls oder von Spätfolgen setzt eine nachträgliche Änderung der an
spruch
srelevanten Verhältnisse voraus
(Urteil
des Bundesgerichts
U 55/07 vom 1
3.
November 2007 E. 4.1).
Dabei ist der Rentenbeginn in Fällen
wie dem vorlie
genden, wo noch gar kein Rentenanspruch besteht und nach der Rückfallmeldung vom
8.
Januar
2019 (
Urk.
14/406) keine weitere Heilbehandlung
mit
namhafte
m
V
erbesserungspotential
im Raume stand, gemäss BGE 144 V 245 frühestens auf den Zeitpunkt der
Gesuchseinreichung
festzulegen (E. 6.4).
3.2
Zeitlicher Referenzpunkt für die P
rüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet
der bundesgerichtlich bestätigte
Einspracheentscheid
vom
2
1.
Juli
2010 (
Urk.
14/264)
,
basierte doch die einen Rentenanspruch verneinende Verfügung
vom
2
1.
Oktober 2013 (
Urk.
14/315) in medizinischer Hinsicht einzig auf einer kreisärztlichen Aktenbeurteilung, welche ihrerseits auf zwei Verlaufsberichte be
handelnder Ärzte Bezug nahm und auf das Zumutbarkeitsprofil gemäss kreisärzt
licher Beurteilung aus dem Jahre 2009 verwies (
Urk.
14/302/2, 14/309, 14/313). Sodann lag dem
Einspracheentscheid
vom 1
0.
Mai 2016 (
Urk.
14/381
)
, mit wel
chem der Fallabschluss hinsichtlich der Heilkostenleistungen nach dem Rückfall im Zusammenhang mit der
Prothesenversorgung vom
9.
Mai 2014 bestätigt und ein Anspruch auf Langzeitphysiotherapie verneint wurde, ebenfalls keine
(
umfas
sende
)
Überprüfung des Rentenanspruchs zugrunde
, nachdem ein solcher zwi
schen den Parteien dannzumal gar nicht zur Diskussion stand
.
3.3
Gemäss
dem
kreisärztliche
n
Unters
uchungsbericht vom
5.
Mai
2009 (
Urk.
14/247
),
welcher
dem
Einspracheentscheid
vom 2
1.
Juli 2010 zugrunde lag (
Urk.
14/264 S.
3),
war der
Beschwerdeführer – wie bundesgerichtlich bestätigt (Urteil 8C_17/2012 vom 2
9.
Februar 2012 E. 5.1
,
Urk.
14/295 S. 4 f.)
–
in einer seiner gesundheitlichen Beeinträchtigung am linken Knie
angepassten, vorwie
gend sitzenden
Tätigkeit
aus unfall
versicherungs
rechtlicher Sicht
weiterhin
zu
100
%
arbeitsfähig. Gehen und Stehen auf guter Unterlage war
en
intervallweise – abwechselnd mit gleich langem Sitzen – bis zu 30 Minuten während höchstens der Hälfte der Arbeitszeit möglich. Zwangsstellungen für das Bein waren zu
vermeiden, ebenso das Bedienen von Pedalen. Das Begehen von Treppen war selten möglich, das Niederknien nur bei Vorstellen d
es linken Beines. Lasten
bis 15
Kilogramm konnten getragen werden. Entsprechend bestand in der umge
schulten Tätigkeit im kaufmännischen Bereich – rein unfallbedingt – keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit.
Sowohl der im Urteil UV.2010.00273 vom 3
1.
Oktober 2011 postulierte Ausschluss einer unfallkausalen psychischen Störung wie auch
der Ausschluss
unfallkausaler lumbaler Beschwerden oder
relevanter
Beschwer
den im rechten Knie (
Urk.
14/288 S. 13 ff.) wurden im bundesgerichtlichen Ent
scheid nicht in Frage gestellt, sondern
an objekti
vier
barem Substrat
einzig die Beeinträchtigungen im linken Knie bei
mässiggradiger
Gonarthrose
als
relevante
Unfallfol
ge
berücksichtigt
(
Urk.
14/295/4-6)
.
Gestützt darauf schloss die Beschwerdegegnerin auf eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in der umgeschulten Tätigkeit im kaufmännischen
Bereich
(
Urk.
14/264).
3.4
Bei Zunahme der
arthrotischen
V
eränderunge
n im linken Knie hin zu einer schweren Gonarthrose sprach sich der K
reisarzt
Dr.
med. C._
, Facharzt FMH für Chirurgie, am
9.
Oktober 2013 zwar für eine zusätzliche Integritätseinbusse von 10
%
aus, jedoch für unveränderte Kniegelenksfunktionen und entsprechend ein unverändertes Zumutbarkeitsp
rofil (
Urk.
14/313 und 14/314).
Nach der Prothe
senversorgung vom
9.
Mai 2014 (
Urk.
14/325) zeigte sich
gemäss Aktenlage
zu
nächst ein
guter
V
erlauf (
Urk.
14/334 S. 3 f., 14/335). Am
9.
Juni
2015 verblieben gemäss
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
und Trauma
tologie des Bewegungsapparates
, Zentrum Z._
, bei radiologisch ein
wandfreiem Resultat noch medial betonte Schmerzen sowie gewisse schmerzhafte Bewegungen, welche nich
t eindeutig zugeordnet werden ko
nnten. Der Beschwer
deführer brauche nur noch gelegentlich Analgetika (
Urk.
14/352).
Am 2
0.
Juli 2015 berichtete
Dr.
D._
zusätzlich über chronische Beinschmerzen der Weichteile (
Urk.
14
/359/3). Anlässlich der Konsultation vom
6.
April
2017 be
richtete der Beschwerdeführer, von Seiten des Kniegelenks selber gehe es gut, doch habe er immer wieder rezidivierende Schmerzen vor alle
m
medialseitig
auf Höhe des Gelenkspaltes. Die
se
träten plötzlich auf und strahlten nach proximal bis teilweise weit nach distal in den Fuss aus
.
Gemäss
Dr.
D._
hand
le
es sich nicht um einen neurogenen Schmerz, sondern um einen Schmerz, der lokal über dem medialen Gelenkspalt im Verlauf
der Narbe
entstehe. A
m ehesten sei an ein
Impingement
-P
hänomen oder
ein Schmerzphänomen zu denken (
Urk.
14/390). Infiltrationen bra
chten gemäss Bericht vom 1
8.
Mai 2017 vorüber
gehend eine deutliche Schmerzreduktion mit
aber
Rückkehr der Beschwerden, wenn auch in geringerem Umfang (
Urk.
14/393).
Gemäss
Anamnese im
Verlaufs
bericht vom
6.
September
2018 hätten sich die Beschwerden in den letzten vier Wochen wieder deutlich verschlechtert, die Weichteile seien sehr empfindlich und
druckdolent
gewesen. Der Beschwerdeführer habe die Schmerzmedikation auf täglich 10 mg
Targin
und einmal täglich 10 ml
Oxinon
erhöht.
Dr.
D._
führte eine weitere Infiltration mit einem Lokalanästhetikum durch und diagnos
tizierte eine chronische Schmerzsymptomatik
am
linke
n
Knie medial (Narbenbe
reich
;
Urk.
14
/403)
.
3.5
3.5.
1
Hieran hielt
Dr.
D._
im Bericht vom 1
7.
Januar 2019
(
Urk.
14/407)
,
ein
gereicht vom
Beschwerdeführer
zum Beleg der Verschlechterung seines Gesund
heitszustandes im Zusammenhang mit seinem Gesuch um neuerliche
Rentenprü
fung
(vgl. dazu.
Urk.
14/406),
fest und wies
auf
eine erhebliche Einschränkung des Beschwerdeführers durch die bekannte erhebliche Schmerzsymptomatik im Bereich der Weichteile des linken Kniegelenks medial, vor allem im Verlauf der Narben
parapatellär
und über dem medialen Gelenkspalt hin.
Aufgrund der
vor allem während der kalten Jahreszeit kaum mehr beherrschbaren Eskalationen der Schmerzen sei
d
er
Beschwerdeführer
unter dauernder Schmerzmedikation und in seiner Arbeitsfähigkeit zu 100
%
eingeschränkt. Diese Arbeitsunfähigkeit bestehe bereits seit 200
2.
Auch sei nicht zu erwarten, dass sich der derzeitige Zustand noch einmal verändere. Der Beschwerdeführer sei aufgrund der dauernden Schmerzen sozial und psychisch erheblich
en
Belastungen ausgesetzt. Zusätzlich belaste die deutlich gestörte Nachtruhe und mangelnde Erholung wegen der Schmerzen. Er empfehle eine kreisärztliche Untersuchung im Hinblick auf die Ar
beitsunfähigkeit von 100
%
und gegebenenfalls eine psychosomatische Beurtei
lung im Hinblick auf die
chronifizierte
Schmerzsymptomatik, wenn auch die Schmerzsymptomatik um den Narben
bereich medial beschränkt
und entspre
chend ein physisches Substrat vorhanden sei, welches die Schmerzen begründe (
Urk.
14/407).
3.5.2
Dr.
B._
folgerte
gestützt auf seine Untersuchung vom
5.
November 2019 und
die
medizinische Aktenlage, dass die geklagten Beschwerden einem
läsional
be
dingten Schmerz als Begleitsymptom der Gewebeschädigung bei Zustand nach mehrfachen Knieoperationen entsprächen, die geklagte Einschränkung der Leis
tungsfähigkeit bestehe und überwiegend wahrscheinlich willentlich oder durch Therapien ni
cht mehr überwunden werden
könne
. Unter Berüc
ksichtigung der Anamnese und der Untersuchungsergebnisse
müsse eine Korrektur des Zumut
barkeitsprofils vom
5.
Mai 2009 erfolgen. Zumutbar seien dem Beschwerdeführer noch ausschliesslich sitzend auszuführende Tätigkeiten, Tätigkeiten im Gehen und Stehen seien nicht mehr zumutbar. Das Einhalten der üblichen Pausen mit
Aufstehen und einige S
chritte G
ehen sei hierbei berücksichtigt und entspreche dem Arbeitsalltag eines üblichen Büroarbeitsplatzes. Zwangsstellungen für das linke Bein seien ebenso wie das berufsmässige Begehen von Treppen, von Leitern und Ger
üsten nicht zumutbar. Zusatzbelastungen von maximal fünf Kilogramm seien dagegen zumutbar. Unter Berücksichtigung der dauerhaften Benützung von Morphinderivaten sei dem Beschwerdeführer lediglich das Bedienen von Maschi
nen zumutbar, welche eine
(gemein
t
: keine) Selbstgefährdung oder Gefährdung von Dritten beinhalteten. Aufgrund der zu erwartenden kognitiven Beeinträchti
gungen durch die dauerhafte Einnahme von Opiaten seien sodann keine Tätig
keiten mit höchsten Anforderungen an Konzentrationsfähigkeit und Reaktions
schnelligkeit zumutbar (
Urk.
14/430 S. 7).
4.
Unbestritten und angesichts der nunmehrigen medizinischen Aktenlage nicht in F
rage zu stellen ist, dass sich
die (hypothetische)
Arbeitsfähigkeit des Beschwer
deführers in einer seiner gesundheitlichen Beeinträchtigung am linke
n Knie an
gepassten Tätigkeit
seit der letzten
kreisärztlichen Untersuchung, welche dem
Einspracheentscheid
vom 2
1.
Juli 2010 zugrunde lag (E. 3.2),
in qualitativer Hin
sicht
ver
ändert
hat, indem gemäss der grundsätzlich überzeugenden und in voller Aktenkenntnis ergangenen kreisärztlichen Beurteilung vom
5.
N
ovember
2019
unfallbedingt
lediglich noch sitzende Tätigkeiten
zumutbar sind. Auch sind so
wohl der natürliche als auch der adäquate Kausalzusammenhang der vom Be
schwerdeführer geklagten Schmerzen, welche
Dr.
B._
in Übereinstimmung mit
Dr.
D._
(E. 3.3 und E. 3.4) den Gewebeschädigungen zuordnet
e
und damit einem organischen Substrat, zu Recht nicht strittig. Eine erst nach dem
3
1.
Oktober 2011
im Zusammenhang mit den Unfallfolgen neu aufgetretene so
matoforme oder ähnliche Schmerzstörung
oder eine neu aufgetretene anderwei
tige unfallbedingte psychische Störung
w
erden
in den medizinischen Akten
nicht
ernsthaft
diskutiert.
Nachdem im Urteil UV.2010.00273 vom 3
1.
Oktober 2011 das Vorliegen unfallkausaler psychi
scher Beschwerden verneint worden war (
Urk.
14/288/15)
und das Bundesgericht den kantonalen Entscheid ohne diesbe
zügliche Ergänzungen bestätigte
(
Urk.
14/295)
, steht
sodann eine
Verschlechte
rung
vorbestehender
unfallkausaler psychischer
Einschränkung
en
ausser Diskus
sion.
Auch wird vom Beschwerdeführer zu Recht nicht geltend gemacht, eine vorbestehende nicht unfallkausale psychische
Gesundheitsstörung
werde
nun
mehr
durch die somatischen Unfallfolgen nicht nur in natürlicher, sondern auch
in
adäquat kausaler W
eise verschlimmert,
wozu sich
nach
jahrelanger 100%iger Restarbeitsfähigkeit (unfallbedingt) 25 Jahre nach dem versicherten Ereignis
, wel
ches höchstens als mittelschwer im engeren Sinn zu qualifizieren ist (vgl. zum
Unfallhergang:
Urk.
14/1; vgl. etwa: Urteil des Bundesgerichts 8C_280/2008 vom 1
6.
Mai 2008 E. 3.3),
denn
auch keine Weiterungen aufdrängen.
Dass
das von
Dr.
B._
formulierte Zumutbarkeitsprofi
l
– wie von ihm postu
liert (E. 3.5.2) –
dem Arbeitsalltag eines üblichen Büroarbeitsplatzes
entspricht
und ein solcher im Regelfall nicht zwingend mit dem berufsm
ässigen Begehen von Treppen,
Leitern und Gerüsten einhergeht und auch keine Zusatzbelastungen von über fünf Kilogramm beinhaltet, erscheint nachvollziehbar. Auch können Zwangshaltungen des linken Knies durch gelegentliches Aufstehen unterbrochen werden. Sodann gehen entsprechende Tätigkeiten regelhaft wede
r mit einer Selbstgefährdung noch mit
einer Gefährdung von Dritten einher und stellen auch nicht höchste Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit und die Reaktions
schnelligkeit (E. 3.4). Entsprec
hend erscheint fraglich, ob sich die zumutbare Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers durch das
auf sitzende
Tätigkeiten redu
zierte Zumutbarkeitsprofil bezogen auf die umgeschulte Tätigkeit im kaufmänni
schen Bereich überhaupt
revisionsrechtlich
relevant verändert hat.
Eine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer dem Zumutbar
keitsprofil grundsätzlich entsprechenden Tät
igkeit
wurde
von
Dr.
B._
nicht postuliert
(E. 3.4)
.
Der von
Dr.
D._
attestierten 100%igen Arbeitsunfähig
keit kann schon deshalb nicht gefolgt werden, weil sich
dieser
für
ein
ununter
brochenes Vorliegen
der Arbeitsunfähigkeit
seit 2002 aussp
rach
(E. 3.3)
, was der höchstrichterlich bestätigten uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit in der umge
schulten Tätigkeit im kaufmännischen Bereich
bis zumindest zum Erlass des
Ein
spracheentscheides
vom 2
1.
Juli 2010
widerspricht (
Urk.
14/295 S.
4 f.).
Ausge
hend von einer
aus unfall
versicherungs
rechtlicher Sicht weiterhin bestehenden
100%igen Arbeitsfähigkeit
in einer Bürotätigkeit
fehlt es
bereits
an einer wesent
lichen Änderung gegenüber der Ablehnung eines Rentenanspruchs mit
Ein
spracheentscheid
vom 2
1.
Juli 201
0.
Selbst wenn
aber
von
einer
zeitlich/
umfangmässig eingeschränkten Restarbeits
fähigkeit auszugehen wäre,
resultierte
– wie nachfolgend dargelegt – kein Ren
tenanspruch.
5.
5.1
Bei der Prüfung der erwerblichen Auswirkungen einer festgestellten Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit gilt es – wie bereits ausgeführt (E. 1.2.3)
–
zu berück
sichtigen, dass kein Raum mehr für eine zusätzliche unfallbedingte Beeinträchti
gung besteht, wenn
ein
e versicherte Person
bereits aus unfallfrem
den Gründen vollständig invalid ist.
5.2
Der Be
s
chwerdeführer bezieht seit
1.
August 2002 eine ganze Rente der Invali
denversicherung (
Urk.
17/67/1-2,
Urk.
17/119).
D
en
F
eststellungsblä
tt
ern
der IV
Stelle
vom 2
5.
Oktober 2002, 2
1.
und 2
9.
August 2003 ist zu entnehmen, dass mit Verfügung vom 2
3.
Januar 2003 (nicht in den Akten) ein Rentenanspruch d
es Beschwerdeführers zunächst verneint worden war
, wobei die IV-Stelle ihren Entscheid auf de
n Bericht der E._
vom
4.
Dezember
2002
(
Urk.
17/48)
und die darin
aus rheumatologischer Sicht
postulierte 100%ige Arbeitsfähi
gkeit in der umgeschulten Tätigkeit als technischer Kaufmann stützte
(
Urk.
17/43/3,
17/61/2, 17/62/1).
Nachdem der Beschwerdeführer mit seiner Neuanmeldung vom
2.
Mai
2003
auf seit 2002 bestehende psychische Beschwerden und eine
im
Mai 2002
begonnene Behandlung bei
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychothera
pie,
hingewiesen hatte (
Urk.
17/53/5),
holte die IV-Stelle von letzterem
einen Be
richt
vom 3
0.
Mai 2003
ein.
Dr.
F._
sprach sich darin für das Vorliegen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
(ICD-10 F445.4) und
einer mittel
gradigen bis schweren depressiven Episode mit somatischem Syndrom ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2) auf dem Boden einer
anankastischen
Per
sönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.5) aus. Gemäss
Dr.
F._
sei das
chronifizierte
Zustandsbild massgeblich durch den Unfall im Jahr 1984 als Auslöser «mitbe
wirkt».
Dr.
F._
sprach sich für eine seit Behandlungsbeginn (
6.
Mai 2002) bestehende
100%ige Arbeitsunfähi
gkeit aus (
Urk.
17/56/1).
Im Nachgang hierzu sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügungen vom 1
1.
November 2003 in wiedererwägungsweiser Aufhebung ihrer rentenabweisende
n Verfügung vom 2
3.
Januar 2003
rückwirkend ab
1.
Juli bis 3
0.
September 2001 eine halbe Inva
lidenrente, ab
1.
Oktober 2001 bis 3
1.
Juli 2002 eine
Viertelsrente
und ab
1.
August 2002 eine ganze Invalidenrente (Invaliditätsgrad 100
%
)
zu
(
Urk.
17/6
7/1-10). Dabei beruhten
die Eröffnung der Wartezeit wie auch
die
Zu
sprache
der halben Rente ab
1.
J
uli
und diejenige
der
Viertelsrente
ab
1.
Oktober 2001 gemäss Feststellungsblatt vom 2
9.
August 2003 zwar noch nicht, diejenige der ganzen Rente ab
1.
A
ugust 2002
aufgrund einer
100%igen Invalidität hinge
gen
allein
auf den psychischen Einschränkungen (vgl.
Urk.
17/62/1-2
, vgl. auch:
Urk.
17/117/1
)
. Hiervon ging denn auch das Bundesgericht in seinem Urteil 9C_16/2012 vom 2
7.
Februar 2012 in Sachen des Beschwerdeführers gegen die Pensionskasse UBS aus (E. 5.3.4; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_1017/2008 vom
5.
Juni 2008
in Sachen des Beschwerdeführers gegen
die Be
amtenversicherungskasse des Kantons
Zürich
, wo
in E. 3.1
das seit 1991 beste
hende Rückenleiden und seit 2002 die psychischen Einschränkungen als
aktuell
invalidisierend
bezeichnet wurden).
Der
Hausarzt des Beschwerdeführers,
Dr.
A._
, erklärte in seinem Bericht
an die Beschwerdegegnerin
vom
3.
Dezember
2002
einhergehend damit
, dass die Arbeitsunfähigkeit
aktuell
aus Krankheitsgründen bestehe, mithin keine Unfallfolge sei (
Urk.
15/207)
, was denn auch mit der Rückfallmeldung vom 2
2.
August 2002 korrespondiert, in welcher eine
dannzumalige
Arbeitsunfähigkeit zufolge des Unfalls ebenfalls verneint wurde (
Urk.
15/200/1).
Sodann liess
der
Beschwerdeführer
i
m Prozess BV.
2010
.00006 ausführen, die von
Dr.
F._
mit Bericht vom 2
5.
Juni 2003 attestierte Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen
sei
jedenfalls auf die
(un
fallfremden)
lumbalen B
eschwerden zurückzuführen
(erwähnt in: Urteil UV.2010.00273 vom 3
1.
Oktober
2011
E. 5.2,
Urk.
14/288/15). Soweit sich
Dr.
A._
für eine natürliche Kausalität der psychischen Beschwerden zum Unfall aus dem Jahr 1984 aussprach, steht
dies zu den Angaben des Beschwer
deführers
selber
in W
iderspruch.
Insbesondere aber wurde mit bundesgerichtlich bestätigtem Urteil UV.2010.00273 vom 3
1.
Oktober 2011 das Vorliegen einer unfallbedingten psychischen Sympto
matik bis zum Erlass des
Einspracheentscheides
vom 2
1.
Juli 2010 nachvollzie
h
bar verneint und unverändert auf eine uneingeschränkte Restarbeitsfähigkeit geschlossen (
Urk.
14/288/15), was der Annahme einer relevanten psychischen Ein
schränkung, welche auch nur teilweise auf das Unfallgeschehen zurück
zuführen ist, bis zu diesem Zeitpunkt entgegensteht.
Das psychische Krank
heits
bild, wel
ches der
Zusprache
der ganzen
Rente der Invalidenversicherung
auf
grund einer 100%igen Invalidität ab
1.
August 2002 zugrunde lag, kann mithin von den Fol
gen des Unfalls vom 1
5.
Mai
1984 getrennt werden und der Scha
dens
eintritt, die rentenbegründende Invalidität, trat im Bereich der Invalidenver
sicherung
jeden
falls
vor einer
unfallbedingten
Beeintr
ächtigung der Erwerbsfä
higkeit
mit Ren
tenrelevanz
ein.
5.3
Hieran ändert auch die
revisionsweise Überprüfung
der
Rente
durch
die IV-Stelle
nichts. Letztere nahm diese
im J
ahr 2017 anhand
,
nachdem der Beschwerdeführer zwischenzeitlich seinen Wohnsitz nach Thailand verlegt hatte und während dieser
Zeit
die IV-Stelle für Versicherte im Ausland zuständig
gewesen war
(
Urk.
17/87, 17/100-101, 17/106;
vgl. Fragebogen: Revision d
e
r Invalidenrente,
Urk.
17/109).
Im Rahmen d
es Revisionsverfahrens
holte die IV-Stelle
unter anderem einen Be
richt vom
Dr.
F._
vom 1
6.
September 2017 ein (
Urk.
17/115/5-6).
Dr.
F._
stellte darin folgende Diagnosen (
Urk.
17/115/5):
-
Polytopes
Schmerzbild
-
F33.2 Rezi
di
vierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome
-
Angstzustände bei Menschenansammlungen, Ursache motorisch relevante körperliche Behinderungen
-
Soziale Schwierigkeiten aufgrund multipler Hemmnisse im Tagesverlauf
-
Schwere somatische Beeinträchtigungen, insbesondere schwere Beein
trächtigungen durch Rückenschmerzen.
Die Arbeitsunfähigkeit sei seines Erachtens vorwiegend von den somatisch täti
gen Kollegen zu bestimmen. Seiner Beurteilung der Gesamtsituation entspre
chend sei der Beschwerdeführer zu 100
%
arbeitsunfähig, wobei
er
sowohl aus geistigen wie auch körperlichen Gründen keine Arbeit regelmässig und kon
zentriert ausüben könne (
Urk.
17/115/6).
Die IV-Stelle schloss gestützt darauf wie auch
gestützt auf
einen Verlaufsbericht von
Dr.
A._
vom
7.
August 2017 (
Urk.
17/113/5-8
) auf einen unveränderten Gesundheitszustand bei anhaltender 100%iger Arbeitsunfähigkeit (Urk.
17/
117/2-3).
Anhaltspunkte für eine Verbesserung des psychischen Gesundheitsschadens las
sen sich den Akten nicht entnehmen
, im
Gegenteil
lässt insbesondere
die Diag
nose
einer gegenwärtig schweren Episode der rezidivierend
en depressiven Störung eher auf
eine Verschlechterung im Vergleich zur ursprünglichen
Ren
ten
zu
sprache
der IV-Stelle im Jahr 2003 schliessen
und schloss auch
Dr.
A._
auf eine
schwergradig
eingeschränkte psychische Belastbarkeit im Beruf (
Urk.
17/113/6)
. Eine allfällig zwischenzeitlich hinzugetretene
somatische
Ein
schränkung im Bereich des linken Knies ändert folglich nichts daran, dass wei
terhin
kein Raum für eine zusätzliche unfallbedingte Beeinträchtigung der Er
werbsfähigkeit besteht (vgl. obige E. 1.2).
Wie unter obiger E. 4 festgestell
t,
steht
sodann jedenfalls
eine
unfallkausale
psy
chische Unfallfolge im Rahmen der nunmehrigen rückfallweisen Rentenprüfung
ausser
Disku
ssion, weshalb
sich
die
massgeblichen
Krankheitsbilder, welche der revisionsweisen Bestätigung des bisherigen Anspruchs auf eine ganze Invaliden
rente durch die IV-Stelle (Mitteilung vom 2
5.
S
eptember 20
17
,
Urk.
17/119) zu
grunde lagen, von den Folgen des Unfalls vom 1
5.
Mai 1984 weiterhin trennen lassen und kein Raum für die Anwendung von
Art.
36
Abs.
2 UVG bleibt (vgl.
E.
1.2.3).
Soweit sich der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang auf das
Urteil des
ehemaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts in Sachen L.C. vom 2
0.
Okto
ber 1989 beruft, wonach «das Vorliegen einer vollständigen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit aus psychischen Gründen eine parallel dazu bestehende rein körperlich bedingte Einschränkung der Erwerbsfähigkeit nicht ausschliesst» (E.
9a, zitiert, in:
Omlin
, a.a.O., S. 148), ist diese Rechtsprechung auf Fälle zu
be
schränken, wo die physisch und die psychisch bedingte Invalidität auf das gleiche Ereignis zurückgehen und zudem ungefähr im gleichen Zeitpunkt entstanden sind (
Omlin
,
a.a.O
, S. 148)
, was vorliegend nicht der Fall ist.
Damit aber stellte sich die Beschwerdegegnerin zu Recht auf den Standpunkt, dass die vorbestehende unfallfremde Invalidität einer zusätzlichen unfallbeding
ten Beeinträchtigung der E
rwerbsfähigkeit entgegensteht
.
Eine EMRK-Widrigkeit kann darin entgegen den Vorbringen des Beschwerdefüh
rers (E. 2.2) nicht
erblickt
werden
, findet doch das die obligatorische Unfallversi
cherung beherrschende Kausalitätsprinzip unbestrittenermassen auch beim letz
ten Schritt der Invaliditätsbeurteilung
Anwendung
, dem Kausalzusammenhang zwischen dem versicherten Gesundheitsschaden und der erwerblichen Beein
trächtigung (
Omlin
,
a.a.O
, S. 129)
, was im Falle einer überholenden Kausalität
in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
denn auch regelmässig
Bestätigung fin
det
(BGE
147 V 161 E. 3.4 mit Hinweisen).
Nach dem G
esagten erweist sich
der angefochtene Entscheid als
zutreffend
. Die Beschwerde ist abzuweisen.
6.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers weist in der einge
reich
ten Kostennote vom 1
5.
November 2021
(
Urk.
2
7
) für das vorliegende Verfah
ren einen Zeitauf
wand von 1
5.25
Stunden und Barauslagen (
«
Spesen
»
) von Fr. 115.60 aus. Diese Aufwendungen erscheinen als gerechtfertigt. Beim gerichtsüblichen Stun
den
an
satz von Fr. 220.-- resultiert daraus eine Entschädigung von Fr. 3‘737.85 (inklu
sive Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Die Entschädigung
ist dem unentgeltli
chen Rechtsbeistand auszuzahlen (Urteil des Bundesgerichts 5A_754/2013 vom
4.
Februar 2014 E. 5).
Der Beschwerdeführer ist
auf die Nachzahlungspflicht gemäs
s § 16 Abs. 4
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hinzuweisen
.