Decision ID: 7b403d61-f836-44f4-be3c-ed0bd1344769
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1961, war von 1996 bis 2003 als Fassadenbauer tätig. Am
3.
Februar 2003 meldete er sich bei der Eidgenös
sischen Invalidenversicherung wegen Abnützungserscheinungen an der Band
scheibe zur Berufsberatung, zur Umschulung auf eine neue Tätigkeit, zur
Arbeitsvermittlung und zum Rentenbezug an (
Urk.
7/3). Mit Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 2
6.
November 2003
wurde der Anspruch auf eine Invalidenrente verneint, wobei von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ausgegangen wurde (
Urk.
7/20).
Eine gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wurde von der IV-Stelle mit Entscheid vom 2
4.
August 2004 abgewiesen (
Urk.
7/38). Die hier
gegen erhobene Beschwerde hiess das Sozialversicherungsgericht mit Urteil vom 2
9.
Dezember 2004 insofern gut, als es die Sache zu weiteren Abklärungen und zu neuer Entscheidung an die IV-Stelle zurückwies (
Urk.
7/43). Hierauf gab die IV-Stelle beim
Y._
ein interdisziplinäres (internistisch, rheumatologisch, psychiatrisch) Gutachten in Auftrag, welches
am 1
3.
Juni 2006 erstattet wurde (
Urk.
7/52).
Mit Verfügung vom
2.
Oktober 2006
verneinte die IV-Stelle erneut das Vorliegen eines Rentenanspruchs (
Urk.
7/59). Mit Beschluss vom 2
2.
Dezember 2006 trat das
Sozialversiche
rungs
gericht
auf eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde nicht ein, da innert
Rechtsmittelfrist keine
rechtsgenügliche
Beschwerde eingereicht worden sei (
Urk.
7/66).
1.2
Am 2
2.
Januar 2009 meldete sich der Versicherte erneut bei der Eidge
nössi
schen Invalidenversicherung für
berufliche Massnahmen
und zum Rentenbezug an
, wobei er auf Rückenbeschwerden und eine mittelgradige De
pression hinwies (
Urk.
7/71). Die IV-Stelle gab daraufhin ein interdisziplinäres
Gutachten
(inter
nistisch, rheumatologisch, psychiatrisch) in Auftrag, welches am 2
7.
sowie am 3
0.
April 2010 erstattet worden ist
(
Urk.
7/82,
Urk.
7/83)
.
Mit Verfügung vom 1
0.
März 2011 verneinte die IV-Stelle erneut das Vorliegen ei
nes Rentenan
spruchs, wobei sie weiterhin von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit ausging (
Urk.
7/108).
1.3
Am 2
2.
Februar 2012 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle an und
ersuchte darum, sein Gesuch nochmals zu prüfen (
Urk.
7/109).
Auf Auffor
de
rung der IV-Stelle
hin
reichte der Versicherte ärztliche Berichte ein (
Urk.
7/110,
Urk.
7/111,
Urk.
7/112). Daraufhin liess die IV-Stelle medizinische Abklärungen v
ornehmen (
Urk.
7/114,
Urk.
7/115,
Urk.
7/116,
Urk.
7/117,
Urk.
7/121,
Urk.
7/125,
Urk.
7/129). Insbesondere gab die IV-Stelle
bei der
Z._
ein polydisziplinäres
Gutachten
(internistisch, rheumatologisch, psychiatrisch) in
Auftrag, welches am 3
1.
Dezember 2013 er
stattet wurde (
Urk.
7/149). Mit Vorbescheid vom 1
0.
Februar 2014 stellte die IV-Stelle die Verneinung eines Rentenanspruchs in Aussicht, wobei sie weiterhin von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer an
gepassten Tätigkeit ausging (
Urk.
7/154).
Mit Verfügung vom 1
8.
März 2014 hielt die IV-Stelle an ihrem Vorbescheid fest (
Urk.
7/160). Mit Beschwerde ans Sozialversicherungsgericht vom
5.
Mai 2014 liess der Versicherte eine Verlet
zung des rechtlichen Gehörs rügen und beantragen, es sei ein rechtskonformes
Vorbescheidverfahren
durch
zu
führen (
Urk.
7/162/3-9). Mit Verfügung vom 1
0.
Juni 2014
hob
die IV-Stelle die Verfügung vom 1
8.
März 2014 pendente
lite
auf
(
Urk.
7/163), woraufhin das Sozialversicherungsgericht den Prozess Nr. IV.2014.00469 mit Verfügung vom 1
6.
Juni 2014 als gegenstandslos geworden ab
geschrieben hat
(
Urk.
7/166). Mit Schreiben vom
8.
September 2014 setzte die IV-Stelle dem Versicherten Frist
an, um sich zum Vorbescheid vom 1
0.
Februar 2014 zu äussern (
Urk.
7/169).
Am
2
8.
Oktober 2014 liess der Versicherte seinen Einwand begründen (
Urk.
7/174
) und mit
Verfügung vom
3.
November 2014 entschied die IV-Stelle erneut im Sinne ihres Vorbescheids (
Urk.
2).
2.
Hiergegen liess der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Dominique
Chopard
, am
4.
Dezember 2014 Beschwerde erheben. Er beantragte, die ange
foch
tene Verfügung sei aufzuheben und ihm sei eine Invalidenrente auszu
rich
ten. Zudem beantragte er, ihm sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilli
gen und ein unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen (
Urk.
1). Mit
Beschwer
de
antwort
vom 2
2.
Januar 2015 schloss die IV-Stelle auf Ab
weisung der Be
schwerde (
Urk.
6) und
m
it Verfügung vom 1
5.
April 2015 wurde dem Versi
cher
ten die unentgeltliche Prozessführung gewährt
sowie
Rechtsanwalt Domini
que
Chopard
als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt (
Urk.
13).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den aus
geglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Jede psychogene Störung, ob einfache oder neurotische Form, kann im Einzel
fall Krankheitswert haben, weshalb jeder Einzelfall sorg
fältig geprüft werden muss. Notwendig sind in jedem Fall ein ausführlicher ärztlicher Bericht oder ein entsprechendes fachärztliches Gutachten sowie die Abklärung der erwerblichen Umstände (AHI 1997 S. 43 E.
5c). Dabei müssen psychiatrische Berichte in der
Regel auf einer persönlichen Untersuchung beru
hen (RKUV 2001 Nr. U 438 S.
345,
Urteile des Bundesgerichts 9C_602/2007 vom 11. April 2008 E. 5.3 und I 169/06 vom 8. August 2006 E.
4.4 mit Hin
weisen). Für die verlässliche Beurtei
lung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatri
sche Fachärzte beizuziehen (BGE
130 V 352 E.
2.2.3., Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011
E. 4.4.2 mit Hinweisen).
1.2
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
tels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der
Invaliditäts
grad
gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund ei
nes Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalidenein
kommen
),
in Bezie
hung gesetzt zum
Erwerbseinkom
men
, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Vali
deneinkommen
). Der
Einkommensver
gleic
h
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (sog. allge
meine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hin
weisen).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist ent
scheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderli
chen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berück
sichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person aus
einander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
ab
gegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Ex
per
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räu
mende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Die IV-Stelle hielt in der angefochtenen Verfügung vom
3.
November 2014 fest, dass der Versicherte in einer behinderungsangepassten Tätigkeit
aus somati
scher Sicht
zu 100
%
arbeitsfähig sei.
Da
ihm
nur noch leichte bis selten mit
tel
schwere Tätigkeiten zumutbar seien, verringere sich das Invalideneinkommen um 10
%
.
Die Frage der Überwindbarkeit der psychiatrischen Diagnosen sei recht
licher Natur und das Ergebnis der rechtlichen Prüfung könne von der medizinischen Einschätzung abweichen (
Urk.
2).
2.2
Der Versicherte liess in der Beschwerde vom
4.
Dezember 2014 insbesondere geltend machen, gemäss dem
Z._
-
Gutachten bestehe eine Arbeitsfähigkeit von
lediglich
80
%
in einer angepassten Tätigkeit
und die IV-Stelle weiche
in
un
zuläs
siger Weise von dieser Einschätzung ab. Zudem sei der 10%ige
Leidens
abzug
den zahlreichen qualitativen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit nicht ange
messen und liege das
Valideneinkommen
bei
Fr.
90‘000.--. Die
Erwerbsein
busse
betrage mindestens 50
%
, weshalb er Anspruch auf eine Invalidenrente habe (
Urk.
1).
2.
3.
Die IV-Stelle ist auf die Neuanmeldung des Versicherten vom 2
2.
Februar 2012 (
Urk.
7/109) eingetreten, weshalb zu prüfen ist, ob sich seit der letzten rechts
kräftigen rentenverneinenden
Verfügung vom 1
0.
März 2011 (
Urk.
7/108)
eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrads ergeben hat
.
3
.
3
.1
3
.1.1.
Die Verfügung vom 1
0.
März 2011 (
Urk.
7/108) basierte insbesondere auf dem interdisziplinären
Gutachten vom 2
7.
sowie
vom
3
0.
April 2010 (
Urk.
7/82,
Urk.
7/83).
I
n diesem
Gutachten wurde festgehalten
,
der Versicherte habe über wenig Kraft in der rechten Hand
und über
Rückenschmerzen, die ins rechte Bein ausstrahlten
, geklagt
.
Er habe ange
geben, m
anchmal leide er auch an Beschwer
den im Nacken und in der mittleren Brustwirbelsäule. Er fühle sich häufig unwohl (
Urk.
7/82/31).
Der Versicherte habe
weiter
berichtet,
er führe
jeden Tag während
etwa
einer halben Stunde gymnastische Übungen für den rechten Ell
bogen
aus
.
Er spaziere täglich
am Vormittag eine halbe Stunde und oft abends
in Begleitung seiner Frau
eine weitere halbe Stunde. Seit dem Jahr 2006 arbeite er täglich dreieinhalb Stunden pro Tag für einen Lohn von etwa
Fr.
3.-- pro Stunde. Er arbeite nachmittags und seine Frau vormittags, so dass immer jemand zu Hause sei, um sich um den fünfjährigen Sohn zu kümmern
(
Urk.
7/82/31).
Dem psychiatrischen Gutachter gab der Versicherte zudem an, die
psychischen Probleme seien aufgetreten, weil er wegen der Schmerzen immer wieder deprimiert und müde geworden sei. Seine Lebenssituation habe sich auf
grund finanzieller Probleme stark verändert. Er nehme einmal
im Monat
einen Termin beim Psychiater wahr und erhalte von diesem Beruhigungstabletten, welche er nach Bedarf einnehme. Sein Zustand sei wechselhaft. Manchmal sei er
vermehrt lustlos und vergesslich, dann gehe es ihm wieder besser. Grosse Gesell
schaften ertrage er nicht mehr. Er sehe seinen Bruder regelmässig und habe auch einige Freunde, die er wechselseitig besuche. Nachts schlafe er wegen der Schmerzen maximal vier Stunden (
Urk.
7/83/4-5).
3
.1.2
Im internistisch-rheumatologischen Teilgutachten vom 2
7.
April 2010 hielt die Gutachterin
Dr.
med.
A._
, Fachä
rztin für Innere Medizin
speziell
Rheuma
erkrankungen
, als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
pan
ver
tebrales
und rechtsbetontes
lumbospondylogenes
Syndrom bei degenerativen Veränderungen der Hals- und der Lendenwirbelsäule ohne relevante neurale Komponente und klinisch ohne
radikuläre
Zeichen fest. Als Diagnosen ohne Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie einen Alkoholabusus, einen
Nikotinabusus
, eine Partialruptur der gemeinsamen
Extensorensehenen-Insera
tion
am
Epicondylus
lateralis
rechts und einen Vitamin-D-Mangel (
Urk.
7/82/44
). Sie führte aus, der Versicherte sei ein kräftiger Mann. Aufgrund seiner Klagen, der Anamnese, der k
linischen Untersuchung sowie der
Resulta
te
der
bildge
ben
den
Untersuchungen und der Laborabklärungen könne er eine adaptierte Tätig
keit zu 100
%
ausüben.
Weiter führte sie aus, dass der Versi
cherte in den letzten Jahren nie eine adäquate Menge Schmerzmittel bei seiner Krankenkasse bezo
gen habe und in seinem Urin das
Medikament
Surmontil
(Medikament zur Behandlu
ng
von Depressionen und schweren chronischen Schmerzzuständen - vgl.
www.compendium.ch
) nicht nachweisbar sei, obwohl er dieses angeblich täg
lich einnehme.
Aufgrund der angegebenen
panvertebra
len
Schmerzen mit
degenerativen Veränderungen seien besonders
rückenbelas
tende
Tätigkeiten nicht
geeignet. Der Versicherte könne Lasten bis zu einem Gewicht von 15 Kilogramm heben oder tragen, was einem leichten bis mittel
schweren Belastungsniveau entspreche (
Urk.
7/82/45-46).
3
.1.3
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt im psy
chiatri
schen Teilgutachte
n vom 3
0.
April 2010 fest, es seien keine psychiatri
schen Diagnosen zu stellen. Gemäss den Akten habe der Versicherte im Rahmen der Anpassungsproblematik nach Stellenverlust eine depressive
Anpassungs
störung
entwickelt, welche im Jahr 2006 bestanden habe. Allerdings stehe die depressive Störung seither nicht mehr im Vordergrund und während der Un
ter
suchung vom
1.
März 2010
habe er
keine depressiven Symptome mehr erh
e
ben können. Dies bestätige einen günstigen Verlauf der Anpassungsstörung, insbe
sondere nach der Sicherstellung einer Tagesstruktur an einem geschützten Arbeitsplatz. Der behandelnde Psychiater habe eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung diagnostiziert
.
Doch da er
beim Versicherten weder
Persönlich
keitsfaktoren
noch schwerwiegende emotionale Konflikte beziehungsweise seeli
sche Schmerzen mit Projektion auf die körperliche Ebene
habe
feststellen kön
nen
,
könne
er diese Diagnose nicht bestätigen.
Aus psychiatrischer Sicht ergebe sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/83/6-7).
3
.2
3
.2.1
Die
Z._
-Gutachter untersuchten den Versicherten am 2
0.
sowie 2
1.
Juni 2013
und erstatteten ihr
polydisziplinäres
Gutachten am 3
1.
Dezember 2013 (
Urk.
7/149/3)
. Sie gingen im Gutach
ten zunächst detailliert auf die Vorge
schichte gemäss Aktenlage ein (
Urk.
7/149/5-26).
Der Versicherte berichtete den Gutachtern, sein Hauptprob
lem seien nach wie vor lumbal lokalisierte R
ü
cken
schmerzen. Der Schmerz be
finde sich immer im Bereich der Lendenwirbelsäule und strahle etwas in die Gesässgegend aus. Auch das linke Bein sei von Schmerzen betroffen und fühle sich oft wie blockiert an. Er leide an leichtem Kribbelgefühl und könne schmerzbedingt schlecht laufen. Der Schmerz sei immer da, jedoch unterschied
lich ausgeprägt.
Die Position zu wechseln
ver
ringe
re
den Schmerz. In den letz
ten elf Jahren seien die Schmerzen mehr oder weniger unverändert vorhanden gewesen. Die psychiatrische Therapie sei gut gewesen, doch im Moment gehe er nicht mehr regelmässig zum Psychiater, da ihm der Selbstbehalt zu teuer sei. Er habe bemerkt, dass er oft gereizt und agg
ressiv gewesen sei, was er gegen sei
nen Willen manchmal an seiner Frau und seinen Kindern ausgelassen habe.
Mit der Tätigkeit in der Werkstatt in
C._
habe er im Jahr 2010 aufhören müssen, weil der Kanton diese Tätigkeit nicht mehr unterstützt habe.
Er lebe mit seiner Ehefrau, seiner 21jährigen Tochter und seinem 8jährigen Sohn in einer 4,5-Zimmerwohnung.
Am Morgen stehe er früh
auf und
kümmere sich darum,
den Sohn
zur
Schule
zu schicken.
Dann
spaziere er
und koche anschliessend das Mittagessen. Am Nachmittag gehe er wieder spazieren und warte auf die Heim
kehr des Sohns. Einkaufen gehe die Tochter und Haushaltstätigkeiten wie
P
ut
zen und
W
aschen würden von der Ehefrau und
der
Tochter erledigen. Er könne wegen der Rückenbeschwerden lediglich leichte Tätigkeiten wie
A
bstauben erle
digen. Lesen sei wegen der Augen schwierig. Er sehe ab und zu fern und habe auch einige Freunde. Wegen der Schmerzen schlafe er schlecht. Er könne sich gut vorstellen
,
einer körperlich leichten Arbeit nachzugehen, wobei er nicht sa
gen könne, wie viele Stunden er täglich arbeiten könne (
Urk.
7/149/26-29).
3
.2.2
Der psychiatrische
Z._
-Gutachter hielt fest, der Versicherte zeige im
Psycho
status
eine meist ausgeglichene Stimmung mit gelegentlicher Bedrücktheit, Freud- und Lustlosigkeit sowie gelegentlich pessimistischen Zukunftsgedanken und einem gewissen Lebensüberdruss mit gelegentlichen Suizidgedanken ohne Suizidabsichten. Es bestehe dabei aber auch eine kontextbezogene und spontane Aufhellbarkeit. Innerlich sei
der Versicherte
unruhig, reizbar, werde schnell ag
g
ressiv und grüble viel, vor allem nachts. Es beständen regelmässige
schmerz
bedingte
Ein- und Durchschlafstörungen mit verkürzter Schlafzeit und erhebli
cher Ermüdbarkeit tagsüber. Während der fast dreistündigen Exploration habe der Versicherte die Aufmerksamkeit bis zum Schluss aufrechterhalten und im Merkfähigkeitstest sei kein Defizit vorgelegen. Der Versicherte habe Minderwer
tigkeitsgefühle und ein erniedrigtes Selbstvertrauen beschrieben. Es könne keine ausgeprägte Tendenz, die Symptome zu verdeutlichen, ausgemacht werden.
Die
Symptome einer depressiven Störung seien zahlreich, insgesamt im überwie
gend
leichteren bis teilweise mittelgradigen Ausprägungsbereich. Dies werde auch in der Hamilton-Depressionsskala bestätigt, deren Score sich in der mittel
gradigen Episode befinde. Aufgrund des Gesamtbildes könne dennoch ein
leichtgradiger
Ausprägungsgrad diagnostiziert werden. Ein allfälliger Auslöser für eine Symp
tomausweitung der Schmerzen sei retrospektiv nicht zu eruieren. Der Versi
cherte gebe sich diesbezüglich bedeckt, hingegen habe der behan
delnde Arzt
Dr.
D._
im Bericht vom
7.
Juli 2006 eine anhaltende
psycho
soziale Belas
tung
beschrieben. Die
vom Versicherten
beschriebenen Schmerzen seien zumin
dest teilweise nicht
befundsassoziiert
. Die Diagnose einer anhalten
den
somato
formen
Schmerzstörung könne daher dennoch gestellt werden, zu
mindest als Verdachtsdiagnose
(
Urk.
7/149/32-33). In Auseinandersetzung mit dem psychia
tri
schen Gutachten von
Dr.
B._
vom
3
0.
April 2010 (
Urk.
7/83)
führte der psychiatrische
Z._
-Gutachter aus, dass in jenem Gutachten die Di
agnose einer rezidivierenden depressiven
Epsiode
, gegenwärtig remittiert, in die Diagnoseliste
hätte aufgenommen werden sollen. Zudem habe er begründet, weshalb die Diag
nose einer
Schmerzverarbeitungsstörung
entgegen der Ansicht von
Dr.
B._
gestellt werden könne (
Urk.
7/149/34).
Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit von 20
%
. Zwar sei die
Schmerzsymp
toma
tik
überwindbar, doch dabei solle ein vermehrter
Pausen
bedarf
und ein etwas
verlangsamtes Arbeitstempo berücksichtigt werden, was in der 20%igen Arbeits
unfähigkeit mitberücksichtigt sei. Im Vergleich zum Gut
achten von
Dr.
B._
habe sich der
psychische
Gesundheitszustand leicht verschlechtert (
Urk.
7/149/34).
3
.2.3
Die rheumatologischen
Z._
-Gutachter hielten fest, zusammenfassend sähen sie die geklagten Beschwerden im Rahmen der chronischen degenerativen
Verän
de
rungen der Lendenwirbelsäule. Die Beschwerden ständen im Zusammenhang mit einer muskulären
Dysbalance
d
e
r
Glutealmuskulatur
und der linksbetonten Beckenstabilisatoren. Die Beschwerden korrelierten mit der in der Bildgebung
vor
liegenden Diskushernie und entsprächen einem
lumbospondylogenen
Schmerz
syndrom
mit
pseudoradikulärer
Ausstrahlung
,
muskulären Beschwerden sowie sensiblen Reizerscheinungen. Insgesamt zeige der Versicherte ein recht „buntes“ Bild seiner Rückenproblematik, indem er einerseits reduziert belastbar sei und ihm andererseits
Gehen
Erleichterung verschaffe. Hinweise für eine entzündliche Problematik seien keine vorhanden. In seiner angestammten Tätig
keit als Fassadenbauer sei er aufgrund seines Rückenleidens für mittelschwere Tätig
keiten zu 50
%
und für leichte Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsfähig. Zudem be
stehe eine Arbeitsfähigkeit für allfällige Verweistätigkeiten.
3
.2.4
A
ls Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
hielten die
Z._
-Gutachter
ein
linksseitiges
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom bei
einer
Diskushernie bei L5/S
1
links
seitig
mit Grössenprogredienz, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
leichtgradige
Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.01) und ein
en
Verdacht auf eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) fest. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten die
Z._
-Gutachter eine
linksseitige
Periarthropathia
coxae
, eine mus
ku
läre
Dysbalance
der
linksseitigen
Glutealmuskulatur
, einen Status nach
Niko
tinabusus
, aktenanamnetisch einen Status nach Partialruptur der gemeinsamen
Extensorensehneninsertion
am
Epicondylus
lateralis
rechts, aktenanamnetisch einen Vitamin-D-Mangel und anamnetisch einen Status nach Ulcus
duodeni
(
Urk.
7/149/36-37).
In der Gesamtbeurteilung führten die Gutachter aus, die Be
schwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule und des linken Beins seien durch die objektivierbaren Befunde gut nachvollziehbar.
Aus heutiger Sicht werde die psychische Symptomatik als zwischenzeitlich so
chronifiziert
und be
einträch
tigend erachtet, dass eine verminderte Belastbarkeit
anzunehmen sei
.
In der Gesamtbeurteilung führten die Gutachter zur Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit im Fassadenbau aus, dass diese dem Versicherten unter der Annahme, dass es sich dabei zumindest punktuell um körperliche Schwerarbeit gehandelt habe, nicht mehr zumutbar sei. Für körperlich leichte Tätigkeiten be
stehe eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
. Die Einschränkung begründe sich durch die verminderte emotionale Belastbarkeit aufgrund der psychischen Störungen. Eine angepasste Tätigkeit müsse wechselbelastend sein, wobei langes aus
schliess
liches Stehen, Gehen oder Sitzen zu vermeiden seien. Das Tragen, Heben oder Bewegen schwerer Gegenstände sei als ungünstig anzusehen. Für körper
lich mittels
chwere Tätigkeiten bestehe eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
von 50
%
, wobei die höhere Einschränkung auf die rheumatologischen Be
schwer
den zurückzuführen sei
(
Urk.
7/149/41)
.
Aus rheumatologischer Sicht werde davon ausgegangen, dass seit März 2011
eine Verschlechterung eingetreten sei, indem neu eine S1-Wurzelkompression fest
gestellt worden sei. Hingegen
könne nicht mit Sicherheit angenommen wer
den, dass sich der psychische Zustand des Versicherten seit der im Jahr 2010 stattgefundenen Begutachtung
verschlechtert
habe, da es sich bei der diskre
pan
ten Einschätzung auch um eine divergierende Einschätzung eines identi
schen Befunds handeln könne (
Urk.
7/149/42
-43
).
3.
2.5
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) hielt in seiner internen Stellungnahme vom
8.
Januar 2014 fest, das
Z._
-Gutachten erscheine schlüssig und er empfehle, auf dieses abzustellen. Entsprechend sei von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit auszugehen (
Urk.
7/159/5).
4
.
4
.1
Somatisch hat sich der Gesundheitszustand des Versicherten
gemäss dem
Z._
-Gutachten seit März 2011
verschlechtert, indem eine S1-Wurzelkompression hinzugetreten ist
(
Urk.
7/149/43)
. Somit sind dem Versicherten
gemäss der Einschätzung der
Z._
-Gutachter
aus somatischer Sicht nicht mehr leicht- bis mit
tel
schwere Tätigkeiten (
vgl.
Urk.
7/82/46), sondern nur noch leichte Tätig
keiten
als Vollzeitbeschäftigung
zumutbar
(
Urk.
7/149/41)
.
Entgegen der An
sicht
des Versicherten (
Urk.
1 S.
6) schätzten die
Z._
-Gutachter die Arbeits
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
allein aufgrund der
wegen der psychi
schen Störun
gen verminderten emotionalen Belastbarkeit als auf 80
%
einge
schränkt ein (
Urk.
7/149/41)
und nicht auch aufgrund der somatischen Beschwer
den
.
Der Versicherte liess
weiter
vorbringen, gemäss dem Bericht von
Dr.
med.
F._
, Facharzt für
Innere Medizin und für
Rheumatologie, vom
1
1.
März 2013 be
trage die Arbeitsfähigkeit für leichte Tätigkeiten nur 50
%
(
Urk.
7 S.
6-7).
Dr.
F._
führte im Bericht vom 1
1.
März 2013 zu
Handen
des Versicherten aus, im Mai 2012 habe der Versicherte wegen einer Exazerbation der lumbalen Be
schwerden und der Beinausstrahlungen hospitalisiert werden müssen. Es habe sich vom chronischen
lumbospondylogenen
Syndrom aus ein
lumboradikuläres
Reizsyndrom S1 links bei eindeutiger Kompression der Wurzel S1 durch eine an Grösse zunehmende
Diskushernie L5/S1 entwickelt.
Er schätze die Arbeitsfähig
keit des Versicherten seit bald einem Jahr so ein, dass dieser nicht mehr in der Lage sei in einer angepassten leichten Tätigkeit mehr als 50
%
zu arbeiten (
Urk.
7/136).
Dieser Bericht lag den
Z._
-Gutachtern vor (
Urk.
7/149/26).
In
Bezug auf Berichte von behandelnden Arztpersonen ist auf die Erfahrungs
tat
sache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver
trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Pati
enten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Dr.
F._
führte nicht in nachvollziehbarer Weise aus, inwiefern die Rückenbeschwerden die Ar
beitsfähigkeit in einer angepassten rückenschonenden körperlich leichten Tätig
keit
konkret
einschränken sollten. Daher vermag der Bericht von
Dr.
F._
die
überzeugende
Arbeitsfähigkeitseinschätzung aus somatischer Sicht
im
Z._
-Gut
achten
nicht in Frage zu stellen.
4
.2
Bei der anhaltenden Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) ist die vorherrschende Be
schwerde ein anhaltender, schwerer und quälender Schmerz, der durch einen physiologischen Prozess oder eine körperliche Störung nicht vollständig erklärt werden kann. Der Schmerz tritt in Verbindung mit emotionalen Konflikten od
er psychosozialen Problemen auf
. Diese sollten schwerwiegend genug sein, um als entscheidende ursächliche Einflüsse zu gelten (Internationale Klassifikation psy
chi
scher Störungen,
9.
Auflage, Bern 2014, S.
233).
Bereits im Bericht vom 2
8.
Juli 2003 hatte der behandelnde Psychiater
Dr.
med.
G._
eine anhal
tende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), bestehend seit ungefähr Januar 2002
,
festgehalten. Diese Diagnosestellung begründete er
jedoch
nicht nä
her und im Bericht
wurden die persönlichen, insbesondere die
familiären Ver
hältnisse als unauffällig beschrieben
(
Urk.
7/14/2-4).
Auch im
Bericht der Klinik
H._
vom 2
8.
Juni 2004 wurde die Diagnose einer anhaltenden
soma
to
formen
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) ohne
nähere Begründung gestellt (
Urk.
7/32
/3-5
).
Im
interdisziplinären Gutachten des
Y._
vom 1
3.
Juni 2006 wurde die Diagnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung bei den Diagnosen ohne Einfluss auf die Ar
beitsfähigkeit a
ufgeführt
(
Urk.
7/52/16). Diese Diagnose begründete der p
s
ychi
atrische
Y._
-Gutachter damit, dass die Schmerzen des Versicherten somatisch nicht adäquat erklärbar seien und im
Über
mass einen Hauptfokus der Auf
merksamkeit des Versicherten bildeten. Durc
h die Situation komme es zu einer psychischen Belastung mit Reizbarkeit, innerer Anspannung,
Libidoverlust
und depressiver Grundstimmung. Es zeige sich auch eine deutliche emotionale, so
matische, kognitive und psychosoziale Beeinträch
tigung in Beruf und Alltag (
Urk.
7/52/15-16).
Zu emotionalen Konflikten oder psychosozialen
Belastungen
, welche bereits bei Auftreten des Schmerzes vor
han
den und schwerwiegend ge
nug waren, um als entscheidende ursächliche Einflüsse zu gelten, lässt sich dem Gutachten jedoch nichts entnehmen.
Der be
han
delnde Psychiater
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie,
diagnostizierte
im Bericht vom
7.
Juli 2006 ebenfalls
eine
somato
forme
Schmerzstörung
(
Urk.
7/12
9
/5).
Entgegen der Ansicht des psychiatrischen
Z._
-Gutachters (
Urk.
7/149/32-33) äusserte
Dr.
D._
sich jedoch nicht zu bei deren Auftreten vorhandenen emotionalen Konflikten oder psychosozialen Problemen, sondern gab lediglich wieder, dass solche gemäss den ICD-10 Richt
linien für die Diagnose einer
an
haltenden
somatoformen
Schmerzstörung vor
ausgesetzt seien (
Urk.
7/12
9
/7).
Dr.
B._
verneinte im Gutachten vom 3
0.
Apri
l 2010 das Vorliegen einer an
haltenden
somatoformen
Schmerzstörung.
Dies be
gründete er damit, dass beim Versicherten zwar
mit
Arbeitslosigkeit und
Exis
tenzsorgen
eine belastende psy
chosoziale Situation bestanden
habe, doch dieser Konflikte sei sich der Versi
cherte bewusst gewesen. Auch anlässlich der Unter
suchung habe er weder ent
sprechende Persönlichkeitsfaktoren noch schwerwie
gende emotionale Konflikte beziehungsweise seelische Schmerzen mit Projek
tion auf die körperliche Ebene
feststellen können (
Urk.
7/83/6-7)
.
Der psychia
trische
Z._
-Gutachter bestätigte im Gutachten vom 3
1.
Dezember 2013, dass ein allfälliger Auslöser für eine Symptomausweitung bezüglich der Schmerzen retrospektiv nicht zu eruieren sei. Doch die vom Versicherten beschriebenen Schmerzen seien zumindest teil
weise nicht
befundsassozi
i
ert
, weshalb die Diag
nose einer anhaltenden
soma
toformen
Schmerzstörung dennoch gestellt werden könne, zumindest als
Ver
dachtsdiagnose
(
Urk.
7/149/33).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass eine anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
zwar
im Verlauf der Krankengeschichte
mehrfach von psychiatrischen Fachärzten diagnostiziert worden ist, diese jedoch nie ausgeführt haben, im Zusammenhang mit welchen relevanten emotionalen Konflikten oder psychoso
zialen Problemen diese Störung aufgetreten sei. Demgegenüber hat
Dr.
B._
das Vorliegen einer
somatoformen
Schmerzstörung mit nachvollziehbare
r
Be
gründung
aufgrund des Fehlens solcher Konflikte
verneint. Schliesslich hat
der psychiatrische
Z._
-Gutachter
bestätigt
, dass keine solchen
die Schmerzstörung auslösenden
emotionalen Konflikte
und psychosozialen Probleme
ergründet
werden k
ö
nnten
, weshalb er die
Diagnose einer
somatoformen
Schmerzstörung ledigl
ich als Verdachtsdiagnose fest
h
ielt
. Das Vorhandensein solcher Konflikte als entscheidende ursächliche Einflüsse ist in den ICD-10 Leitlinien als zwin
gend vorausgesetzt, um eine
somatoforme
Schmerzstörung zu diagnostizieren und ihr Vorliegen
ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit belegt
. Die Diagnose einer
somato
formen
Schmerzstörung
und damit eine gesundheitliche Verschlechterung
ist somit nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht zur An
wendung kommenden
Be
weisgrad
erstellt
. Da nicht von der Diag
nose einer
somatoformen
Schmerzstörung auszugehen ist, erübrigen
sich Aus
führungen zur
bundesgerichtlichen Rechtsprechung betreffend psychosomati
sche Leiden und
rentenbegründende Invalidität, welche mit BGE 141 V 281 vom
3.
Juni 2015 angepasst worden ist
.
4
.3
Weiter wurde im
Z._
-Gutachten
neu
eine
rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig
leichtgradige
Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.01)
,
diagnostiziert. Es wurde festgehalten, dass letztmals im Jahr 2008 schwere Episoden aufgetreten seien und zur Zeit weder eine Psychotherapie noch eine Pharma
kotherapie stattfinde (
Urk.
7/149/37).
Die invalidisierende Wirkung einer mittelgradigen depressiven Störung ist
rechtsprechungsgemäss
nicht schlechthin auszuschliessen
(
Urteil
des Bundesgerichts
8C_303/2015 vom
8.
Oktober
2015
E.
4.4)
.
Der Versicherte leidet allerdings an einer
derzeit
nur
leichtgradigen
depressiven
Episode
, weshalb grundsätzlich nicht von einer invalidisierenden Wir
kung
der depressiven Störung
auszugehen ist
.
Leichte bis
höchstens mittel
schwere psychische Störungen aus dem depressiv
en Formenkreis gelten
zudem
als therapeutisch
angehbar
(Urteil des Bundesgerichts 9C_818/2014 vom 1
0.
August 2015 E. 6.1 mit weiteren Hinweisen).
Die Tatsache, dass der Ver
sicherte sich nicht in psychiatrischer Behandlung bef
indet
, spricht gegen einen erheblichen Leidensdruck (vgl.
Urteil
des Bundesgerichts
8C_771/2014 vom 1
9.
Februar 2015 E. 4.2.2
).
Im
Z._
-Gutachten wurde
zudem
festgehalten, es werde dem Versicherten die Aufnahme einer unterstützenden
verhaltensthera
peutischen
und gegebenenfalls pharmakologisch ergänzten Psy
chotherapie emp
f
ohlen
(
Urk.
7/149/42). Zur allfälligen Erschwerung einer solchen Therapie durch Sprachdefizite
des Versicherten
ist anzumerken, dass eine solche Therapie allenfalls auch in
seiner
portugiesischen Muttersprache durchgeführt werden könnte. Mangels entsprechender
psychiatrischer bezie
hungsweise psychothera
peu
tischer
Therapie ist somit nicht ausgewiesen, ob das depressive Leiden
behandlungsresistent ist (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_283/2015 vom 2
4.
Jun
i 2015 E.
4.2.2).
Zudem s
ind
beim Versicherten, der sich um seinen jüngsten Sohn kümmert, regelmässig spazieren geht, kocht, ab
staubt, fernsieht, Auto fährt und über Kontakte zu Verwandten sowie einen Freundeskreis verfügt (
Urk.
7/149/28,
Urk.
7/149/32), durchaus Ressourcen vor
handen.
Es ist somit fest
zuhalten, dass der Versicherte durch die leichte depres
sive
Episode
nicht in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist.
5.
5
.
1
Es ist somit von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer
leidens
angepassten Tätigkeit auszugehen.
Die IV-Stelle setzte das
Valideneinkommen
nach
Tabel
len
werten
fest, da der Versicherte bereits seit
dem Jahr 2002, also seit
mehr als zehn Jahr
en,
kein Erwerbseinkommen mehr erzielt
hatte
(
vgl.
Urk.
7/151). Der
Versicherte liess
zwar
geltend machen,
sein
Valideneinkommen
sei ausgehend von seinem in den Jahren 2000 und 2001 erzielten Einkommen zu berechnen und betrage mindestens
Fr.
90‘000.-- (
Urk.
1 S. 7).
Anzumerken ist
dazu
, dass der Versicherte in seiner Anmeldung vom
3.
Februar 2003 ein
Jahresbruttoein
kommen
in der Höhe von
Fr.
63‘310.--
d
eklariert hat
(
Urk.
7/3/4). Die damalige Arbeitgeberin des Versicherten gab im Fragebogen vom 1
8.
Februar 2003 zwar einen im Jahr 2000 erzielten Jahreslohn in der Höhe von
Fr.
59‘227.95 und einen im Jahr 20
0
1 erzielten Jahreslohn von
Fr.
80‘692.-- an, doch s
ie
führte
zu
gleich
aus, der Versicherte würde ohne Gesundheitsschaden einen
Jahres
bruttolohn
in der Höhe von
Fr.
64‘350.-- erzielen (
Urk.
7/6
/2
).
Aus dem Auszug aus dem Individuellen Konto ergeben sich Jahresbruttoeinkommen von
Fr.
68‘448.-- im Jahr 2000 und
Fr.
80‘692.-- im Jahr 2001 (
Urk.
7/11).
Weshalb der Lohn
i
m Jahr 2001 deutlich höher ausfiel
als im Vorjahr und als es gemäss
der
Arbeitge
berin im Gesundheitsfall zu erwarten wäre
, blieb un
geklärt
. Die
IV-Stelle be
stimmte das
Valideneinkommen
unter diesen Umständen sowie
nach der langen Arbeitsmarktabwesenheit des Versicherten zu Recht aufgrund von
Tabellenwer
ten
, wobei sie
in
nachvollziehbarer Weise
von einer Tätigkeit im Hochbau mit Fach- und Berufskenntnissen ausging (
Urk.
7/151).
Gemäss der
Tabelle TA 1 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) 20
10 betrug der
standardisierte Monatslohn (Vollzeitäquivalent basierend auf 4 1/3 Wochen à 40 Arbeitsstunden)
im
Anforderungsniveau
3
für Männer
im Holzbau (LSE TA 1 Ziffer 41)
Fr.
5‘944.--. Dieser Betrag ist auf die im Jahr 2013
im Hochbau
betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,
8
Stunden hoch
zurechnen (
Bundesamt für Sozialversicherungen [BFS],
Betriebs
übliche
Arbeits
zeit nach Wirtschaftsabteilungen; im Internet abrufbar
) sowie an die
Nominal
lohnentwicklung
anzupassen (
BFS
,
Schweize
rischer Lohnindex nach
Branche [20
10
= 100; im Internet abrufbar], Nominallohnindex Männer [T1.1.
10
]
, Total; 20
11
: 101.
0
; 20
12
:
101.7; 2013: 102.5
).
Die
s
ergibt
ein jähr
liches Brutto
ein
kommen von Fr.
76‘401.20
(
Fr.
5‘944
.-- x 12 : 40 x 41,
8
:
100
x 102.
5
).
5
.
2
Zur Festsetzung des Invalideneinkommens ist
ebenfalls
auf die Tabelle TA 1
der LSE
20
10
abzustellen
, jedoch vom
standardisierte
n
Monatslohn (
Vollzeitäqui
valent
basierend auf 4 1/3 Wochen à 40 Arbeitsstunden) für einfache und repe
titive Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) für Männer
auszugehen, welcher
im Jahr 2010
Fr. 4'
901
.--
betrug
. Dieser Betrag ist
ebenfalls
auf die im Jahr 20
13
betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,
7
Stunden hochzurechnen (
BFS
, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen; im Internet abrufbar
) sowie an die Nominallohnentwicklung anzupassen (
BFS,
Schweize
rischer
Lohn
index
nach Branche [2010 = 100; im Internet abrufbar], Nominallohnindex Männ
er [T1.1.10], Total; 2011: 101.0; 2012: 101.7; 2013: 102.5
). Daraus resul
tiert ein jährliches Bruttoeinkommen von Fr.
62‘844.30
(
Fr.
4‘
901
.-- x 12 : 40 x 41,
7
:
100
x 102.
5
).
5.3.
Die IV-Stelle berücksichtigte einen
behinderungsbedingte
n
Abzug von
1
0 %
vom Tabellenlohn, weil dem Versicherten nur noch leichte bis selten mittel
schwere Tätigkeiten zumutbar seien (
Urk.
7/151,
Urk.
2)
.
Dies kritisierte der Ver
sicherte in seiner Beschwerde als nicht angemessenen Abzug (
Urk.
1 S. 7). Wird ein verhältnismässig hoher Leidensabzug von 20
%
vorgenommen, wel
cher auch die längere Abwesenheit vom Arbeitsmarkt berücksichtigt,
resultiert ein Invalideneinkommen von Fr.
50‘275.4
0.
Verglichen mit dem
Validenein
kommen
ergibt sich ein invaliditätsbedingter Minderverdienst von Fr. 26'
125.80
und so
mit ein Invaliditätsgrad von
gerundet
3
4 %.
5
.
4
Da die IV-Stelle somit mit Verfügung vom
3.
November 2014
den
Anspruch auf eine Invalidenrente
zu Recht
verneint hat, ist die Beschwerde abzuweisen.
6
.
6
.1
Da es um die Bewilligung oder die Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzu
erlegen, zufolge der ihm gewährten unentgeltlichen Prozessführung jedoch einst
weilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
).
6
.2
Dem unentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Dominique
Chopard
, steht bei diesem Verfahrensausgang eine Entschädigung aus der Gerichtskasse zu. Mit Honorarnote vom
1
8.
Dezember 2015 hat Rechts
anwalt Dominique
Chopard
einen Aufwand von 6,41 Stunden und Barauslagen in der Höhe von
Fr.
64.50 geltend gemacht (
Urk.
16).
Dieser Aufwand ist dem Umfang und der Schwierigkeit der Sache angemessen. Die Entschädigung be
läuft sich auf
Fr.
1‘513.20
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer), wobei der Versicherte auf die Nachzahlungspflicht nach
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzu
weisen ist.