Decision ID: de392743-7a51-45dc-9344-362076aaf5a8
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich erstmals am 2. Juli 2014 bei der IV-
Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an.
Er gab an, seit 2003 an einer Wirbelsäulendegeneration zu leiden (IV-act. 1). Im
Arztbericht vom 11. Juli 2014 diagnostizierte Dr. med. B._, Facharzt für innere
Medizin und Rheumatologie, ein statisch-myalgisches Syndrom der Wirbelsäule bei
starken degenerativen Veränderungen im Bereich der HWS und LWS mit Hinweisen auf
Morbus Scheuermann Typ 2 (LWS) bei derzeitigem Ausschluss einer Sakroilitis sowie
anamnestisch bekannter Morbus Bechterew-Spondylitis ankylopoetica. Er gab an,
dass dem Versicherten vier Stunden pro Tag wechselbelastende Tätigkeiten zumutbar
seien (IV-act. 9-3).
A.a.
Die IV-Stelle sprach dem Versicherten mit Mitteilungen vom 16. Januar 2015 einen
persönlichen Support am Arbeitsplatz in Form eines Coachings sowie
Arbeitsvermittlung zu (IV-act. 25 und 26). Nachdem sich die Unterstützung bei der
Stellensuche als erfolglos erwiesen hatte, wurde das Leistungsbegehren um berufliche
Massnahmen mit Mitteilung vom 2. September 2015 abgewiesen (IV-act. 32).
A.b.
Am 25. Februar 2016 gab die IV-Stelle eine rheumatologisch-psychiatrische
Begutachtung bei der MEDAS Zentralschweiz in Auftrag (IV-act. 52). Mit Gutachten
vom 13. Juli 2016 stellten Dr. med. C._, Facharzt für Rheumatologie, und Dr. med.
D._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, folgende Diagnosen mit Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit: Chronisches Lumbovertebralsyndrom bei fortgeschrittener
Segmentdegeneration L4/5 und linkskonvexer Skoliose sowie einen Verdacht auf
Persönlichkeitsstörung mit paranoiden und schizoiden Zügen. Aus somatischer Sicht
bestehe in einer leichten bis gelegentlich mittelschweren (Gewichtslimite ca. 12 kg),
wechselbelastenden Tätigkeit ohne repetitives Bücken oder in kauernder Stellung eine
Arbeitsfähigkeit von 80 %. Die Leistungseinbusse von 20 % sei durch gehäuft
A.c.
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B.
notwendige Pausen bedingt. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 61).
Die IV-Stelle verneinte nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung
vom 4. Oktober 2016 einen Rentenanspruch des Versicherten. Zur Begründung führte
sie im Wesentlichen aus, dass ihm gestützt auf das MEDAS-Gutachten eine
leidensangepasste Tätigkeit zu 80 % zumutbar sei. Bei Verwertung dieser
Arbeitsfähigkeit resultiere ein IV-Grad von 20 % (IV-act. 67).
A.d.
Am 10. Oktober 2020 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 71). Mit dem Gesuch reichte er einen
Bericht von PD Dr. med. E._, Netzwerk Radiologie des Kantonsspitals St. Gallen,
vom 10. Januar 2020 ein (IV-act. 72). Im Arztbericht vom 9. November 2020 gab die
Hausärztin Dipl. med. F._ an, dass der Versicherte seit Jahren an persistenten
Rückenschmerzen leide. Anbei legte sie diverse medizinische Berichte (IV-act. 79).
A.e.
Die RAD-Ärztin Dr. med. G._, Fachärztin für allgemeine innere Medizin, kam in
ihrer Stellungnahme vom 25. November 2020 zum Schluss, dass eine relevante
Verschlechterung des Gesundheitszustands mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seit
der letzten Verfügung vom 4. Oktober 2016 nicht glaubhaft gemacht worden sei (IV-
act. 84).
A.f.
Mit Vorbescheid vom 2. Dezember 2020 stellte die IV-Stelle dem Versicherten das
Nichteintreten auf das Leistungsbegehren in Aussicht. Sie begründeten ihren Entscheid
damit, dass sich der Gesundheitszustand seit der Verfügung vom 4. Oktober 2016
nicht glaubhaft verändert habe (IV-act. 85). Dagegen erhob der Versicherte mit
Schreiben vom 14. Januar 2021 Einwand (IV-act. 86). Nach einer weiteren Rückfrage
an den RAD verfügte die IV-Stelle am 20. Mai 2021 gemäss Vorbescheid (IV-act. 89).
A.g.
Gegen diese Verfügung erhebt der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer)
am 16. Juni 2021 Beschwerde. Er beantragt sinngemäss, die Beschwerdegegnerin sei
in Gutheissung der Beschwerde anzuweisen, auf das Leistungsgesuch einzutreten und
die notwendigen Abklärungen vorzunehmen. Er macht geltend, an seiner letzten
B.a.
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Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie den
Inhalt der übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Arbeitsstelle bei der Stiftung H._ habe er aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme
mehrmals krankgeschrieben werden müssen, obwohl er nur 50 % in angepasster
Tätigkeit gearbeitet habe (act. G 1). Er verweist auf einen Bericht von Dr. med. I._,
Fachärztin für Chirurgie, welche in einer vertrauensärztlichen Untersuchung festgestellt
habe, dass er nicht 80 % arbeiten könne (act. G 1.12). Dr. med. J._, Facharzt für
Allgemeinmedizin, weise zudem mit Bericht vom 9. Juni 2021 darauf hin, dass die
Bilder des CT-Scans (datiert 2020) im Vergleich zu jenen des MRT-Scans (datiert 2014)
eine signifikante Verschlechterung ausweisen würden. Aus hausärztlicher Sicht sei der
Patient in angepasster Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig (IV-act. 92-1).
Mit Beschwerdeantwort vom 27. August 2021 (act. G 4) beantragt die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. In Ergänzung der
Stellungnahmen des RAD vom 25. November 2020 und 22. April 2021 (IV-act. 82 und
88) führt sie aus, dass der Arztbericht von Dr. med. J._ keine wesentliche
Veränderung des Gesundheitszustands glaubhaft mache, da dieser keinen klinischen
Befund enthalte und er sich als Internist fachfremd äussere. Dem Vorbringen des
Beschwerdeführers, wonach sich aus dem Vergleich des CT-Scans vom Januar 2020
mit dem MRT-Scan vom März 2014 eine wesentliche Verschlechterung ergebe, sei zu
entgegnen, dass ein in der Bildgebung dokumentierter pathologischer Befund der
Wirbelsäule nur unter Berücksichtigung der Beschwerdeschilderung und der klinisch-
pathologischen Befunde interpretiert werden dürfe. Aus dem klinischen Befund sei
jedoch keine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustands zu entnehmen.
Dass der Beschwerdeführer sein 50 %-Pensum bei der Stiftung H._ nicht habe
halten können, ändere daran nichts; die Arbeitstätigkeit sei auch durch motivationale
Aspekte geprägt, eine rein subjektive Einschätzung betreffend Arbeitsfähigkeit sei
folglich nicht massgebend.
B.b.
Mit Replik vom 4. Oktober 2021 hält der Beschwerdeführer im Wesentlichen an
seiner Beschwerde fest.
B.c.
Mit Schreiben vom 12. Oktober 2021 verzichtet die Beschwerdegegnerin auf die
Einreichung einer Duplik.
B.d.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/13
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Considerations:
Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2022 sind mit der Revision zur Weiterentwicklung der
Invalidenversicherung verschiedene Änderungen des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) und der dazugehörigen Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in Kraft getreten. In zeitlicher Hinsicht sind
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu
Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben. Da vorliegend ein vor dem
1. Januar 2022 beginnender Rentenanspruch im Streit liegt, finden die neuen
Bestimmungen auf das hier zu beurteilende Rentengesuch keine Anwendung (siehe
auch Kreisschreiben des Bundesamts für Sozialversicherungen über Invalidität und
Rente in der Invalidenversicherung, gültig ab 1. Januar 2022, Rz 9100 f.). Im
vorliegenden Fall sind demnach die bis zum 31. Dezember 2021 gültig gewesenen
materiellen Bestimmungen massgebend. Sie werden deshalb in dieser Fassung zitiert.
1.1.
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, wird eine
neue Anmeldung nach Art. 87 Abs. 3 IVV nur geprüft, wenn die Voraussetzungen
gemäss Abs. 2 erfüllt sind. Danach ist von der versicherten Person im Gesuch
glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat. Die Frage, ob eine anspruchsbegründende Änderung
in den für den Invaliditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten sein könnte, beurteilt
sich durch den Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der ersten
Ablehnungsverfügung (bzw. bei mehreren Ablehnungen seit der letzten unangefochten
gebliebenen Ablehnung des Leistungsgesuchs) bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit
der streitigen neuen Verfügung (BGE 130 V 71 E. 3.2). Tritt die Verwaltung (nach
erfolgter Glaubhaftmachung) auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell
abzuklären und zu prüfen, ob nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu
bejahen sei (BGE 117 V 198 E. 4b, vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2).
1.2.
Art. 87 Abs. 2 IVV stellt eine Einschränkung des in Art. 29 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1)
vorgesehenen jederzeitigen Anmelderechts in Bezug auf Sozialversicherungsleistungen
dar, welches notwendigerweise auch einen Anspruch auf materielle Behandlung jeder
Anmeldung umfasst. Der Sinn von Art. 87 Abs. 2 IVV besteht darin, die IV-Stellen vor
jenem Aufwand zu schützen, mit dem diese konfrontiert wären, wenn Versicherte
wiederholt (d.h. ohne jeden Hinweis auf eine Sachverhaltsänderung) Anmeldungen zum
Leistungsbezug einreichen könnten, die von den IV-Stellen jedes Mal wieder
1.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 6/13
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umfassend geprüft werden müssten. Art. 87 Abs. 2 IVV dient also allein der
Verfahrensökonomie, bei der es sich anerkanntermassen um ein untergeordnetes
öffentliches Interesse handelt (vgl. zum Ganzen Entscheid des Versicherungsgerichts
St. Gallen vom 18. Dezember 2020, IV 2020/121, E. 2.1, abrufbar unter www.sg.ch
unter: Recht/Gerichte/Gerichtsurteile/Rechtsprechung Versicherungsgericht).
Nach der Rechtsprechung ist unter Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 87 Abs. 2
IVV kein Beweis nach dem im Sozialversicherungsrecht allgemein massgebenden Grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. hierzu BGE 121 V 45 E. 2a) zu verstehen.
Dem Zweck von Art. 87 Abs. 2 IVV gemäss muss es sich bei der Glaubhaftmachung
um eine deutlich herabgesetzte Beweisanforderung handeln. Es genügt, dass für den
geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstand wenigstens gewisse
Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist,
dass eine eingehende Sachverhaltsabklärung die behauptete Veränderung nicht
bestätigen wird (Urteil des Bundesgerichts vom 25. November 2021, 8C_373/2021, E.
2.2.1).
1.4.
Bei der Prüfung der Eintretensvoraussetzung der glaubhaft gemachten
Sachverhaltsänderung berücksichtigt die Verwaltung – oder im Beschwerdefall das
Gericht –, ob die frühere Verfügung nur kürzere oder schon längere Zeit zurückliegt. Je
länger die frühere Verfügung zurückliegt, desto weniger hohe Anforderungen sind an
die Glaubhaftmachung zu stellen (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juli 2021,
9C_57/2021, E. 4.2; SVR 2003 IV Nr. 25 E. 2.2 mit Hinweis). Der blosse Zeitablauf für
sich alleine genügt jedoch nicht zur Glaubhaftmachung einer relevanten
Tatsachenänderung (Urteil des Bundesgerichts vom 14. Januar 2014, 8C_713/2013,
E. 4.4). Die Glaubhaftmachung einer wesentlichen Veränderung des
Gesundheitszustandes kann selbst ohne Befundänderung gelingen. Als Indiz dafür,
eine relevante, nachträgliche Veränderung als wenigstens im oben genannten Sinn
glaubhaft erscheinen zu lassen, muss eine erhebliche Differenz in der
Arbeitsfähigkeitsschätzung selbst für sich allein genügen (Urteil des
Versicherungsgerichts St. Gallen vom 16. Mai 2007, IV 2007/54, E. 1d f. mit Hinweisen).
Dabei ist nicht auf die subjektive Einschätzung der versicherten Person abzustellen, die
sich aufgrund der bestehenden Beschwerden ausser Stande erachtet, noch einer
Erwerbsfähigkeit nachzugehen. Vielmehr ist es im Bereich der Invalidenversicherung
primär ärztliche Aufgabe, anhand der objektiven Befunderhebung die sich daraus
ergebenden Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit zu bestimmen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 3. April 2014, 8C_101/2014, E. 5.1 mit Hinweisen).
1.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/13
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2.
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Nichteintretensverfügung vom
20. Mai 2021 (IV-act. 89). Die Prüfungsbefugnis des Gerichts beschränkt sich auf die
Frage, ob die Beschwerdegegnerin auf das neue Leistungsgesuch des
Beschwerdeführers vom 21. Oktober 2020 (IV-act. 71) hätte eintreten müssen. Zu
prüfen ist somit einzig, ob der Beschwerdeführer glaubhaft gemacht hat, dass sich der
massgebliche medizinische Sachverhalt bzw. der Gesundheitszustand oder dessen
erwerbliche Auswirkungen zwischen dem massgebenden Referenzzeitpunkt und dem
20. Mai 2021 (Zeitpunkt des Erlasses der vorliegend angefochtenen
Nichteintretensverfügung) in einer für einen Rentenanspruch erheblichen Weise
verschlechtert haben. Vorliegend wurde zuletzt mit Verfügung vom 4. Oktober 2016 ein
Rentengesuch des Beschwerdeführers gestützt auf eine umfassende medizinische
Abklärung abgewiesen, womit diese den Referenzzeitpunkt für die Prüfung des neuen
Leistungsgesuchs darstellt. Zwischen der genannten früheren Verfügung und dem
vorliegend ergangenen Nichteintretensentscheid vergingen über viereinhalb Jahre,
weshalb an die Glaubhaftmachung keine allzu hohen Anforderungen zu stellen sind.
Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse kann auch bei gleich gebliebener
Diagnose vorliegen, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteil des Bundesgerichts vom 10.
August 2016, 9C_367/2016, E. 2.1 mit Hinweis).
1.6.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich im Referenzzeitpunkt insbesondere auf das
Gutachten der MEDAS Zentralschweiz vom 13. Juli 2016 (IV-act. 61). Die MEDAS-
Begutachtenden diagnostizierten als Leiden, welche die Arbeitsfähigkeit wesentlich
beeinflussen würden, ein chronisches Lumbovertebralsyndrom bei fortgeschrittener
Segmentdegenration L4/5 und linkskonvexer Skoliose sowie einen Verdacht auf
Persönlichkeitsstörung mit paranoiden und schizoiden Zügen (ICD-10 F60.0/60.1). Als
Diagnosen, welche keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge
hätten, nannten sie eine Segmentdegeneration C4 bis C7 mit kleiner
rechtsparamedianer Diskushernie C6/7, welche derzeit kaum symptomatisch sei, sowie
eine Adipositas. Dem rheumatologischen Gutachter standen ein MRT vom 6. März
2014 sowie Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule vom 9. März 2012 und 23. September
2015 zur Verfügung (IV-act. 61-12). Er gab an, dass sich in erster Linie eine
fortgeschrittene Segmentdegeneration L4/5 zeige, welche das Hauptleiden darstelle.
Die subjektiven Angaben des Versicherten seien grossmehrheitlich adäquat und
nachvollziehbar, wobei bei der klinischen Untersuchung gewisse Inkonsistenzen
auffallen würden. Die Segmentdegeneration L4/5 sei jedoch objektiv nachweisbar,
2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/13
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ebenso deren Progredienz zwischen 2012 und 2015. Die Begutachtenden attestieren
dem Beschwerdeführer eine volle Arbeitsunfähigkeit für körperlich schwere Tätigkeiten,
ebenso seien ihm Arbeiten in prolongiert gebückter oder kauernder Stellung und mit
repetitivem Bücken nicht zumutbar. Die maximale Gewichtsbelastung wurde
schätzungsweise auf 12 kg angesetzt. Für körperlich leichte, wechselbelastende
Tätigkeiten schätzten sie die Arbeitsfähigkeit auf 80 %, vollschichtig realisierbar. Die
Leistungseinbusse sei durch gehäuft notwendige Pausen begründet. Die darauf
gestützte, rentenabweisende Verfügung vom 4. Oktober 2016 erwuchs in Rechtskraft
(IV-act. 67).
Im Wiederanmeldungsverfahren liegen folgende ärztliche Berichte, welche in
chronologischer Reihenfolge wiedergegeben werden, im Recht: Das
vertrauensärztliche Gutachten von Dr. med. I._, Fachärztin für Chirurgie, vom
20. Dezember 2016 ergab keinen vom MEDAS-Gutachten abweichenden
medizinischen Befund. Weil die somatischen Befunde am Rücken die vom
Beschwerdeführer massiv empfundenen Schmerzen nicht erklären würden, äusserte
Dr. I._ den Verdacht auf eine zentrale Hypersensitivität bzw. Sensibilisierung, d.h. der
Beschwerdeführer habe über die Jahre der inadäquaten Schmerzbehandlung eine
Schmerzkrankheit entwickelt. Insgesamt werden diese durch eine maskierte
Depression und eine maskierte Angsterkrankung aufrechterhalten und immer wieder
verstärkt. Dem Beschwerdeführer wurde – entgegen dessen anderslautenden
Ausführungen – eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 80 % in angepasster Tätigkeit
attestiert, was der Einschätzung des MEDAS-Gutachtens gleichkommt (IV-act. 87-6).
Das vertrauensärztliche Gutachten vom 20. Dezember 2016 entspricht demnach – was
aufgrund des kurzen Zeitraums zwischen den beiden Begutachtungen wenig
überrascht – im Wesentlichen dem MEDAS-Gutachten.
2.2.
Gemäss dem ärztlichen Bericht von Dr. B._ vom 5. September 2018 hat der
Beschwerdeführer zum damaligen Zeitpunkt insbesondere Schmerzen im
Rückenbereich geschildert, welche vor allem in der Dusche beim Bücken aufträten. Im
Kantonsspital St. Gallen seien zwei Mal Röntgenaufnahmen gemacht worden, wobei
nicht viel gesehen worden sei, weshalb ein MRT empfohlen worden sei. Klinisch stellte
Dr. B._ Druckschmerzen im Bereich der kaudalen BWS bis zum Sakrum mit starkem
Muskelhartspann fest. Er gehe nach wie vor von statisch-myalgischen Beschwerden
der Wirbelsäule bei starken, degenerativen Veränderungen sowie einer Fehlstatik als
Ursache der Beschwerden aus. Nachdem der Beschwerdeführer angab, sich mit der
Medikation insgesamt gut und frei bewegen zu können, wurde die Behandlung
abgeschlossen (IV-act. 79-19 f.). Da sowohl die Schmerzen im unteren Bereich der
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/13
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Wirbelsäule als auch die ihnen zugrunde liegende Ursache im Referenzzeitpunkt bereits
bekannt waren, kann aus diesem ärztlichen Bericht nicht auf eine erhebliche
Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse geschlossen werden.
Im Januar 2020 wurde beim Beschwerdeführer ein CT-Scan durchgeführt. Mit
Bericht vom 10. Januar 2020 wurden die folgenden Diagnosen gestellt: Degenerativ
bedingte Spinalkanalstenose HWK 6/HWK 7, foraminale Nervenwurzelkompression C7
beidseitig, foraminale Nervenwurzelkompression C8 rechts, foraminale
Nervenwurzelkompression L5 beidseitig, moderate Facettengelenkarthrose LWK 4/
LWK 5 beidseitig sowie LWK 5/SWK 1 beidseitig (IV-act. 72). Die genannten Diagnosen
waren (mit Ausnahme der foraminalen Nervenwurzelkompression L5) mehrheitlich
bereits anlässlich des MRT-Scans vom 6. März 2014 festgestellt worden (vgl. IV-
act. 17-1). Damit wurden sie bereits im MEDAS-Gutachten berücksichtigt. Der
Gutachter erachtete die Segmentdegeneration L4/5 denn auch als Hauptleiden und
führte weiter aus, bildgebend seien die Segmentdegenerationen mit
Bandscheibenprotusionen C4-C7 und eine kleine paramediale Diskushernie rechts
vorhanden, welche dazumal aber kaum symptomatisch waren (IV-act. 61-15). Der CT-
Scan zeigt insgesamt ein Voranschreiten der degenerativen HWS Veränderungen (vgl.
RAD-Stellungnahme vom 25. November 2020, IV-act. 82). Wie von der
Beschwerdegegnerin jedoch zu Recht ausgeführt wird, kann von der Bildgebung nicht
ohne Weiteres auf eine relevante Veränderung des Gesundheitszustands geschlossen
werden.
2.4.
Mit Bericht vom 12. August 2020 wurde über die Untersuchung des
Beschwerdeführers an der Klinik für Rheumatologie des Kantonsspitals St. Gallen
informiert. Es wurde ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom mit myofaszialer
Begleitkomponente diagnostiziert. Gleichzeitig weisen die Bericht erstattenden Dres.
K._ und L._ darauf hin, dass die klinischen Testungen schmerzbedingt nur
teilweise durchführbar gewesen seien, weshalb ein Verlaufs-MRT panvertebral/SIG mit
Muskelbeurteilung vorgeschlagen worden sei. Da diese durch den Beschwerdeführer in
der Folge wieder storniert worden sei, könne keine abschliessende Beurteilung
vorgenommen werden (IV-act. 79-7 ff.). Ein klinischer Befund, aus welchem sich eine
erhebliche Veränderung ergibt, konnte somit nicht erhoben werden. Auch aus den
früheren Berichten des Kantonsspitals vom 28. Dezember 2016 und 24. Februar 2017
lässt sich dazu nichts entnehmen (vgl. IV-act. 79-12; IV-act. 79-16). Überdies fehlt in
den Berichten eine Angabe betreffend die Höhe der Arbeitsfähigkeit.
2.5.
Die behandelnde Ärztin dipl. med. F._ verweist in ihrem Bericht vom
9. November 2020 bezüglich der Diagnosen auf den vorerwähnten Bericht der
2.6.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/13
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Rheumatologie des Kantonsspitals St. Gallen, welcher – wie bereits ausgeführt –
keinen abschliessenden klinischen Befund enthält. Weiter beschreibt sie, dass der
Beschwerdeführer seit Jahren unter persistierenden Rückenschmerzen leide. Eine
Zunahme der Rückenschmerzen in den letzten Monaten/Jahren, wie vom
Beschwerdeführer geltend gemacht, wird indes von der behandelnden Ärztin nicht
erwähnt. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit hält sie fest, dass diese schwierig
einzuschätzen sei. Dazu sei ein Arbeitsversuch notwendig.
Mit Bericht vom 9. Juni 2021 weist Dr. J._ darauf hin, dass die Bilder des CT
Scans (datiert 2020) im Vergleich zu den Bildern des MRT-Scans (datiert 2014) eine
signifikante Verschlechterung zeigen würden. Ausserdem hält er fest, dass die
Krankheit des Beschwerdeführers degenerativ, progressiv und unheilbar sei. Er
attestiert ihm eine Arbeitsfähigkeit von 50 % in angepasster Tätigkeit (IV-act. 92-1). Bei
diesem Bericht handelt es sich lediglich um ein kurzes Schreiben und nicht um einen
eigentlichen Arztbericht. Aus der Formulierung "Gerne bestätige ich, wie von Ihnen
gewünscht [...]" wird deutlich, dass es sich hierbei zweifelsohne um ein Schreiben
handelt, welches auf Verlangen des Beschwerdeführers angefertigt wurde. Auffallend
ist zudem, dass keine explizite Diagnose genannt, sondern lediglich die "Krankheit des
Patienten" angegeben wurde. Es ist damit fraglich, ob Dr. J._ hinreichend über die
medizinische Vorgeschichte des Beschwerdeführers informiert war, als er das
genannte Schreiben verfasste. Ebenfalls wird weder Bezug auf das MEDAS-Gutachten
genommen noch enthält der Bericht einen nachvollziehbaren klinischen Befund, so
dass im Ergebnis unklar bleibt, woraus sich die erhebliche Abweichung in der
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ergibt (IV-act. 92-1). Entgegen den Vorbringen des
Beschwerdeführers kann er mit diesem Bericht deshalb keine erhebliche Veränderung
der tatsächlichen Verhältnisse im Vergleich zum Referenzzeitpunkt glaubhaft machen.
Dies gilt umso mehr, als dass die Einschätzungen behandelnder Ärzte aufgrund deren
auftragsrechtlicher Vertrauensstellung im Allgemeinen ohnehin nur zurückhaltend zu
berücksichtigen sind (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5 mit Hinweisen).
2.7.
Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass auch die vom Beschwerdeführer
eingereichten Arbeitsunfähigkeitszeugnisse keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine
erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands darstellen. Diese weisen
lediglich aus, dass der Beschwerdeführer verschiedentlich wegen "Krankheit" einige
Tage von der Arbeit bei der Stiftung H._ freigestellt wurde. Ob diese Ausfälle
tatsächlich mit den vorliegend in Frage stehenden gesundheitlichen Einschränkungen
im Rückenbereich in Zusammenhang standen, ergibt sich aus den
Arbeitsunfähigkeitszeugnissen jedoch nicht. Die Stiftung H._ äusserte sich
2.8.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/13
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ausserdem in keinem Zeitpunkt dahingehend, dass der Beschwerdeführer die Tätigkeit
aufgrund gesundheitlicher Probleme unzureichend habe ausführen können. Im
Arbeitszeugnis wurde ihm im Gegenteil eine zufriedenstellende Arbeitsqualität und -
quantität bescheinigt (IV-act. 92-24). In dieser Hinsicht ist zu beachten, dass die
gesundheitlichen Einschränkungen im Arbeitszeugnis hätten erwähnt werden müssen,
sofern sie einen erheblichen Einfluss auf Leistung oder Verhalten des Arbeitnehmers
hatten oder die Eignung zur Erfüllung der bisherigen Aufgaben in Frage stellten und
damit einen sachlichen Grund zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses bildeten (vgl.
BGE 136 III 511 E. 4.1 mit Hinweisen). Eine Beendigung des Arbeitseinsatzes aufgrund
der gesundheitlichen Einschränkungen des Beschwerdeführers ist deshalb vorliegend
nicht überwiegend wahrscheinlich. Der allfällige tatsächliche gesundheitsbedingte
Abbruch des Eingliederungsprogramms an sich würde schliesslich ohnehin keine
erhebliche und andauernde Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse glaubhaft
machen, ist es doch primär ärztliche Aufgabe, anhand der objektiven Befunderhebung
die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit zu bestimmen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. April 2014, 8C_101/2014, E. 5.1 mit Hinweisen).
Zu berücksichtigen ist des Weiteren die geringe Therapieintensität: Der
Beschwerdeführer sieht seine Hausärztin alle ein bis zwei Monate, wurde in der
Rheumatologie des Kantonsspitals St. Gallen erst nach einer über dreijährigen Pause
wieder vorstellig und vereinbarte danach keine Folgetermine. Ausserdem bestand zum
Zeitpunkt des Nichteintretensentscheids bereits seit über einem Jahr keine
Physiotherapieverordnung. Die Einnahme des NSAR erfolgt in einer offensichtlich sehr
geringen Dosierung (vgl. zum Ganzen Stellungnahme des RAD, IV-act. 82). Ausserdem
lehnte der Beschwerdeführer Infiltrationen der LWS genauso ab wie zweimal eine
neuerliche MRT (vgl. IV-act. 79-7 ff., 79-12 ff. und 79-16 ff.). Hierzu ist zu bemerken,
dass im Verfahren der Neuanmeldung nach Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV der
Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 1 Abs. 1 IVG und Art. 2
ATSG) insoweit nicht spielt, als die versicherte Person in Bezug auf das Vorliegen einer
glaubhaften Änderung der tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten rechtskräftigen
Leistungsverweigerung eine Beweisführungslast trifft (Urteile des Bundesgerichts vom
10. August 2016, 9C_367/2016, E. 2.3 und vom 8. Juli 2011, 9C_236/2011 E. 2.1.2 mit
Hinweis). Dass der Beschwerdeführer weitergehende medizinische Abklärungen
abgelehnt hat, wirkt sich damit insofern zu seinen Lasten aus, als dass er ohne
abschliessenden klinischen Befund keine Änderung der tatsächlichen Verhältnisse
glaubhaft zu machen vermag.
2.9.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/13
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Schliesslich ist die rein subjektive Einschätzung des Beschwerdeführers in Bezug
auf seine Arbeitsfähigkeit nicht massgebend (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
3. April 2014, 8C_101/2014, E. 5.1 mit Hinweisen). Dass der Beschwerdeführer geltend
macht, er verspüre zunehmende Schmerzen im Rückenbereich, ist deshalb
unbeachtlich. Selbst wenn auf die subjektive Einschätzung mit der Angabe vermehrter
Schmerzen abgestellt würde, ist anzunehmen, dass sich die Schmerzen unter
Beachtung der im MEDAS-Gutachten beschriebenen Adaptionskriterien nicht in einer
erheblichen Differenz der Arbeitsfähigkeitsschätzung auswirken würden. Genügend
konkrete Hinweise darauf liegen jedenfalls nicht vor.
2.10.
Weitere gesundheitliche Veränderungen bzw. Verschlechterungen ausser im
Rückenbereich werden vom Beschwerdeführer weder geltend gemacht noch sind sie
aus den vorliegenden Akten ersichtlich. Namentlich die Berichte betreffend die Knie
und das Herz zeigen keine Verschlechterung des Gesundheitszustands des
Beschwerdeführers. Die sich aus den Akten ergebenden osteophytäre Ausziehungen
am lateralen Intercondylenhöcker beider Knie lassen sich keinem klinischen Befund
zuordnen. Ansonsten liegt betreffend die Knie ein normaler Befund vor (vgl. IV-
act. 79-9). Ebenso zeigte die Abklärung des Herzes mittels transthorakaler
Echokardiographie vom 17. Mai 2019 normale Befunde (Bericht Dr. M._, Spital N._,
Kardiologie, vom 30. Juli 2019, IV-act. 79-25). Im MEDAS-Gutachten wurde aus
psychiatrischer Sicht ein Verdacht auf Persönlichkeitsstörung mit paranoiden und
schizoiden Zügen gestellt (IV-act. 61-54). Gestützt auf die Akten unterblieben weitere
Abklärungen im psychischen Bereich. So begab sich der Beschwerdeführer nie in
psychiatrische Behandlung und auch die Hausärztin erwähnt kein psychiatrisches
Leiden.
2.11.
Insgesamt ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer mit den vorliegenden
Berichten keine erhebliche Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse im Vergleich
zum Referenzzeitpunkt glaubhaft machen kann. Zwar zeigen sich bildgebend geringe
und altersentsprechende Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule. Trotz mehrfacher
medizinischer Untersuchung ergab sich jedoch kein klinischer Befund, aus welchem
eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands im Vergleich zur Verfügung
vom 4. Oktober 2016 bzw. dem ihr zugrunde liegenden MEDAS-Gutachten abgeleitet
werden könnte. Auch der RAD weist in seiner Stellungnahme vom 25. November 2020
darauf hin, dass die übrigen Umstände, namentlich die geringe Therapieintensität,
darauf hinweisen würden, dass sich bezüglich des Invaliditätsgrads des
Beschwerdeführers keine für den Anspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen
Verhältnisse im Vergleich zum Referenzzeitpunkt ergeben hat. Selbst in Anbetracht der
2.12.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/13
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St.Galler Gerichte
3.