Decision ID: 61e0d779-b804-559d-8ff1-b772b8dfe3d7
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
I.
A.
A.a A._ (nachfolgend: der Beschwerdeführer) ersuchte am
24. September 2015 um Asyl in der Schweiz. Mit Verfügung des SEM vom
19. Oktober 2017 wurde sein Asylgesuch abgewiesen und gleichzeitig die
Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug angeordnet.
Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom Bundesverwaltungsgericht
mit Urteil D-6939/2017 vom 3. Juni 2019 abgewiesen.
A.b Mit Eingabe vom 30. Juli 2019 reichte der Beschwerdeführer ein Wie-
dererwägungsgesuch beim SEM ein, welches mit Verfügung vom 13. Au-
gust 2019 abgewiesen wurde.
Mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-4671/2019 vom 22. Oktober
2019 wurde die gegen den Wiedererwägungsentscheid erhobene Be-
schwerde ebenfalls abgewiesen.
II.
B.
B.a Am 6. September 2021 reichte der Beschwerdeführer – handelnd
durch seine Rechtsvertretung – ein weiteres Wiedererwägungsgesuch
beim SEM ein. Er beantragte, es sei auf das Wiedererwägungsgesuch ein-
zutreten und die Dispositivziffern 4 und 5 der ursprünglichen vorinstanzli-
chen Verfügung vom 19. Oktober 2017 in Wiedererwägung zu ziehen, und
es sei festzustellen, dass für das Wiedererwägungsverfahren relevante,
massgebliche neue Beweise und Umstände entstanden seien. Der Vollzug
der Wegweisung sei auszusetzen und es sei während der Dauer des Ver-
fahrens auf Vollzugsmassnahmen zu verzichten. Weiter seien die Vollzugs-
behörden anzuweisen, bis zum rechtskräftigen Entscheid über das Wie-
dererwägungsgesuch von einer Überstellung nach Afghanistan abzuse-
hen. Sodann sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung nach Af-
ghanistan unzulässig sei oder, eventualiter respektive subeventualiter sei
festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzumutbar oder unmög-
lich und der Beschwerdeführer vorläufig in der Schweiz aufzunehmen sei.
Im Wiedererwägungsgesuch wurde im Wesentlichen geltend gemacht, die
Sicherheitslage in Afghanistan habe sich seit dem Ergehen der Verfügung
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vom 19. Oktober 2017 fundamental geändert und massgeblich verschlech-
tert. In diesem Zusammenhang wurde auf verschiedene internationale Be-
richte sowie auf einen Beitrag des Schweizer Fernsehens (SRF) verwie-
sen. Zudem habe das SEM über den Bloggingdienst Twitter am 11. August
2021 mitgeteilt, dass Rückführungen nach Afghanistan wegen der verän-
derten Situation im Land bis auf weiteres ausgesetzt würden. Unter diesen
Umständen sei vorliegend eine erneute Prüfung der Wegweisungsvoll-
zugshindernisse angezeigt. Der Vollzug der Wegweisung sei deshalb un-
zulässig, unzumutbar und unmöglich.
Dem Gesuch wurde unter anderem eine anonymisierte Fassung einer Ver-
fügung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) vom
2. August 2021 beigelegt.
B.b Am 8. September 2021 reichte der Beschwerdeführer eine als Korri-
gendum betitelte Eingabe zum Wiedererwägungsgesuch vom 6. Septem-
ber 2021 zuhanden des SEM ein und verwies auf einen Bericht der Schwei-
zerischen Flüchtlingshilfe (SFH) zu Afghanistan.
C.
Am 9. September 2021 verfügte die Vorinstanz gestützt auf Art. 111b
Abs. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) im Sinne
einer vorsorglichen Massnahme die einstweilige Aussetzung des Vollzugs
der Wegweisung zuhanden der zuständigen kantonalen Behörde. Gleich-
zeitig hielt sie fest, dass Vorbereitungshandlungen weiterhin getroffen wer-
den könnten.
D.
Mit Eingabe vom 9. November 2021 erkundigte sich der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers bei der Vorinstanz nach dem Stand des Verfah-
rens und bat um zeitnahe Behandlung des eingereichten Gesuches.
Gleichzeitig informierte er, dass widrigenfalls eine Rechtsverweigerungs-
respektive eine Rechtsverzögerungsbeschwerde beim Bundesverwal-
tungsgericht eingereicht werde. Sodann wies er auf Art. 111b Abs. 2 AsylG
hin, wonach Entscheide über Wiedererwägungsgesuche in der Regel in-
nerhalb von zehn Arbeitstagen nach Gesuchseinreichung zu fällen seien.
Zwischenzeitlich seien jedoch 46 Arbeitstage vergangen, womit die Ord-
nungsfrist um ein Fünffaches überschritten sei. Zudem habe die Vorinstanz
am 11. August 2021 über Twitter verlauten lassen, dass keine neuen Weg-
weisungsvollzüge nach Afghanistan mehr verfügt würden. Ferner habe die
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Vorinstanz mit einem Entscheid vom 22. September 2021 eines Mandan-
ten des Rechtsvertreters die Wegweisung aufgrund der allgemeinen Lage
als unzumutbar erklärt und diesem eine vorläufige Aufnahme gewährt. Die-
selben Grundsätze müssten auch für Verfahren gelten, welche mit einem
ausserordentlichen Rechtsmittel eingeleitet worden seien.
E.
Mit Schreiben vom 25. November 2021 beantwortete die Vorinstanz die
Verfahrensstandanfrage des Beschwerdeführers und bat um Verständnis,
dass ein Entscheid erst gefällt werden könne, wenn dies die Lage in Afgha-
nistan zulasse. Die Mitteilung des SEM vom 11. August 2021, wonach
Wegweisungsvollzüge nach Afghanistan ausgesetzt blieben, sei weiterhin
in Kraft. In Fällen, bei welchen ein Mehrfach- oder Wiedererwägungsge-
such gestellt und der Wegweisungsvollzug verfügt worden sei, könne auf-
grund der derzeit unstabilen Lage noch nicht abschliessend beurteilt wer-
den, ob der Wegweisungsvollzug für gewisse Personengruppen zukünftig
unzumutbar sein werde oder, ob gewisse Personengruppen bei einer
Rückkehr nach Afghanistan in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt
werden könnten.
F.
Mit einer als Rechtsverweigerungs- / Rechtsverzögerungsbeschwerde be-
titelten Eingabe vom 26. November 2021 gelangte der Beschwerdeführer
an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Feststellung einer
Rechtsverweigerung durch die Vorinstanz. Als Eventualantrag stellte er
das Begehren, dass eine Rechtsverzögerung festzustellen sei. Die Vor-
instanz sei anzuweisen, das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerde-
führers ohne weitere Verzögerung und innerhalb von zehn Arbeitstagen zu
entscheiden. In prozessualer Hinsicht beantragte er die unentgeltliche
Rechtpflege und den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Der Beschwerde wurde eine Kostennote beigelegt.
G.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
29. November 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 6 AsylG).
H.
Mit Zwischenverfügung vom 30. November 2021 erhielt die Vorinstanz die
Gelegenheit zur Stellungnahme, welche sie mit Vernehmlassung vom
7. Dezember 2021 in Anspruch nahm.
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I.
Mit Zwischenverfügung vom 8. Dezember 2021 erhielt der Beschwerdefüh-
rer die Gelegenheit zur Replik. Er replizierte mit Eingabe vom 9. Dezember
2021.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsge-
richt zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des
Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren
(VwVG, SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls
in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 Bundes-
gesetz vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BGG, SR 173.110];
Art. 105 AsylG).
Gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern einer anfechtba-
ren Verfügung kann bei der Beschwerdeinstanz, die für die Behandlung
einer Beschwerde gegen eine ordnungsgemäss ergangene Verfügung zu-
ständig wäre, Beschwerde geführt werden (Art. 46a VwVG; vgl. dazu auch
MARKUS MÜLLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bun-
desgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2018, Rz. 3 zu
Art. 46a VwVG).
Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zur Beurteilung der vorliegenden
Rechtsverweigerungs- respektive Rechtsverzögerungsbeschwerde zu-
ständig.
1.2 Rechtsverweigerungs- respektive Rechtsverzögerungsbeschwerden
richten sich gegen den Nichterlass einer anfechtbaren Verfügung. Die Be-
schwerdelegitimation setzt voraus, dass bei der zuständigen Behörde zu-
vor ein Begehren um Erlass einer Verfügung gestellt wurde und Anspruch
darauf besteht. Ein Anspruch ist anzunehmen, wenn die Behörde verpflich-
tet ist, in Verfügungsform zu handeln und der ansprechenden Person nach
Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG Parteistellung zukommt (vgl. BVGE
2008/15 E. 3.2 m.w.H.).
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Der Beschwerdeführer ersuchte mit Eingabe vom 6. September 2021 um
die Wiedererwägung der SEM-Verfügung vom 19. Oktober 2017 hinsicht-
lich des Wegweisungsvollzuges. Über dieses Gesuch hat das SEM in Form
einer anfechtbaren Verfügung zu befinden. Eine solche ist bis anhin nicht
ergangen. Der Beschwerdeführer ist daher zur Beschwerdeführung legiti-
miert.
1.3 Beschwerde gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern
einer Verfügung kann jederzeit geführt werden (Art. 50 Abs. 2 VwVG). Die
zeitliche Grenze bildet der Grundsatz von Treu und Glauben. Bietet eine
bestimmte behördliche Handlung oder Äusserung objektiv begründeten
Anlass für eine Rechtsverweigerungs- oder Rechtsverzögerungsbe-
schwerde, darf nicht beliebig lange zugewartet werden. Vielmehr muss die
Beschwerde innert angemessener Frist erhoben werden. Was angemes-
sen ist, bemisst sich nach den konkreten Umständen, namentlich nach der
der betroffenen Person zumutbaren Sorgfaltspflicht. Jene muss darlegen,
dass sie zur Zeit der Beschwerdeeinreichung ein schutzwürdiges – mithin
aktuelles und praktisches – Interesse an der Vornahme der verzögerten
Amtshandlung respektive der Feststellung einer entsprechenden Rechts-
verzögerung hat (vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜH-
LER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013,
Rz. 5.23).
Der Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung ist vorliegend nicht zu beanstan-
den. Das schutzwürdige Interesse des Beschwerdeführers ergibt sich aus
der mutmasslich verzögerten Amtshandlung der Vorinstanz und am Erge-
hen eines zeitnahen Entscheids, worum er in seiner Verfahrensstandan-
frage gebeten hat, sowie aus der Tatsache, dass die Vorinstanz in der Sa-
che noch nicht verfügt hat.
1.4 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist auf die formgerecht ein-
gereichte (Art. 52 Abs. 1 VwVG) Rechtsverweigerungs- respektive Rechts-
verzögerungsbeschwerde einzutreten.
1.5 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts
anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.6 Beim Verfahren, dessen Verzögerung geltend gemacht wird, handelt
es sich um ein Wiedererwägungsverfahren.
2.
Die Prüfungsbefugnis des Bundesverwaltungsgerichts beschränkt sich
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vorliegend auf die Frage, ob die Vorinstanz das Rechtsverweigerungs- res-
pektive Rechtsverzögerungsverbot verletzt hat. Im Falle einer Gutheissung
der Beschwerde weist es die Sache mit verbindlichen Weisungen an die
Vorinstanz zurück (Art. 61 Abs. 1 VwVG). Hingegen ist das Gericht nicht
dazu befugt, sich dazu zu äussern, wie gegebenenfalls ein unrechtmässig
verzögerter Entscheid inhaltlich hätte ausfallen sollen, da es – Spezial-
konstellationen vorbehalten – nicht anstelle der untätig gebliebenen Be-
hörde entscheiden darf, andernfalls der Instanzenzug verkürzt und mög-
licherweise Rechte der Verfahrensbeteiligten verletzt würden (vgl.
BVGE 2008/15 E. 3.1.2, m.w.H.).
3.
3.1 Das Verbot der Rechtsverweigerung respektive Rechtsverzögerung
ergibt sich als Teilgehalt aus der allgemeinen Verfahrensgarantie von
Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101). Eine Rechtsverweigerung liegt
vor, wenn eine Behörde sich weigert, eine Verfügung zu erlassen, obwohl
sie dazu aufgrund der einschlägigen Rechtsnormen verpflichtet wäre (vgl.
Urteil des BVGE E-3553/2021 vom 1. November 2021 E. 3.1). Darüber
hinaus hat jede Person Anspruch auf eine Beurteilung ihrer Sache innert
angemessener Frist (sog. Beschleunigungsgebot). Diese Verfassungsga-
rantien gelten für alle Sachbereiche und alle Akte der Rechtsanwendung
(vgl. BGE 130 I 174 E. 2.2 m.w.H.).
3.2 Von einer Rechtsverzögerung im Sinne des Gesetzes ist nach Lehre
und Praxis auszugehen, wenn behördliches Handeln zwar nicht (wie bei
einer formellen Rechtsverweigerung) grundsätzlich infrage steht, aber die
Behörde nicht innert der Frist handelt, die nach der Natur der Sache objek-
tiv noch als angemessen erscheint. Die Angemessenheit der Dauer eines
Verfahrens ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der gesamten Um-
stände zu beurteilen. In Betracht zu ziehen sind dabei namentlich die Kom-
plexität der Sache, das Verhalten der betroffenen Beteiligten und der Be-
hörden, die Bedeutung des Verfahrens für die betroffene Partei sowie ein-
zelfallspezifische Entscheidungsabläufe (vgl. zum Ganzen BGE 130 I 312
E. 5.1 und 5.2 m.w.H.).
3.3 Ein Verschulden der Behörde an der Verzögerung wird nicht vorausge-
setzt, weshalb sie das Rechtsverzögerungsverbot auch dann verletzt,
wenn sie wegen Personalmangels oder Überlastung nicht innert angemes-
sener Frist handelt (vgl. BGE 138 II 513 E. 6.4; 107 Ib 160 E. 3c;
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103 V 190 E. 5c). Spezialgesetzliche Behandlungsfristen sind bei der Be-
urteilung der Angemessenheit der Verfahrensdauer zu berücksichtigen
(vgl. etwa das Urteil des BVGer E-1438/2018 vom 5. April 2018 E. 3.2
m.w.H.).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer monierte, sein Wiedererwägungsgesuch vom
6. September 2021 sei trotz der am 9. November 2021 eingereichten Ver-
fahrensstandanfrage, verbunden mit der Bitte um unverzügliche Behand-
lung, nach wie vor beim SEM hängig. Er verwies dabei auf Art. 111b Abs. 2
AsylG, wonach Entscheide über Wiedererwägungsgesuche in der Regel
innerhalb von zehn Arbeitstagen nach Gesuchseinreichung zu fällen seien.
Zwischenzeitlich seien jedoch 46 Arbeitstage vergangen und die Ord-
nungsfrist von zehn Tagen sei demensprechend um ein Fünffaches über-
schritten worden. Vorliegend handle es sich zudem um einen eindeutigen
Fall, bei welchem sich keine komplexen Sachverhalts- oder Rechtsfragen
stellten. Es sei stossend, dass die Vorinstanz die Lage in Afghanistan im
Rahmen der Prüfung des Wegweisungsvollzugs als generell unzumutbar
erachte, die identische sowie individuelle Situation des Beschwerdeführers
im Wiedererwägungsverfahren jedoch als unklar bezeichne. Auch habe die
Vorinstanz am 11. August 2021 entschieden, dass weder Rückführungen
noch Wegweisungsvollzüge nach Afghanistan durchgeführt würden, wobei
diese Praxis nach wie vor in Kraft sei. Asylgesuche von afghanischen
Staatsangehörigen, welche die Voraussetzungen für einen Schutzsta-
tus in der Schweiz erfüllten, würden weiterhin entschieden. Fälle von
Personen jedoch, deren Schutzbedarf zurzeit aufgrund der unklaren
Lage in Afghanistan nicht abschliessend beurteilt werden könne, wür-
den zurückgestellt, da sich die Lage in Afghanistan nach wie vor nicht
hinreichend stabilisiert habe, um eine Aussage dazu zu treffen, ob der
Vollzug der Wegweisung nach Afghanistan in Zukunft für gewisse Per-
sonengruppen zumutbar sein werde. Diese vorinstanzliche Argumentation
gehe fehl. Sodann habe diese nicht nach Personengruppen, sondern ein-
zelfallbezogen zu entscheiden. Die Begründung stelle in Verbindung mit
der überschrittenen Ordnungsfrist im Sinne von Art. 111b Abs. 2 AsylG zu-
dem eine offensichtliche Rechtsverweigerung oder zumindest eine Rechts-
verzögerung dar.
4.2 Die Vorinstanz begründete ihre Vorgehensweise in der Vernehmlas-
sung damit, dass sie aufgrund der aktuellen Lage in Afghanistan mit diver-
sen Herausforderungen bei der Behandlung afghanischer Asylgesuche
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konfrontiert sei. Am 11. August 2021 sei entschieden worden, dass Weg-
weisungsvollzüge nach Afghanistan bis auf weiteres ausgesetzt würden.
Dieser Entscheid sei nach wie vor in Kraft und Asylgesuche von afghani-
schen Staatsangehörigen, welche die Voraussetzungen für einen Schutz-
status in der Schweiz erfüllten, würden weiterhin entschieden. Hingegen
würden Fälle von Personen, deren Schutzbedarf zurzeit aufgrund der un-
klaren Lage in Afghanistan nicht abschliessend beurteilt werden könne, ak-
tuell zurückgestellt. Wie bereits anlässlich des Antwortschreibens zur Ver-
fahrensstandanfrage vom 25. November 2021 ausgeführt worden sei,
habe sich die Lage in Afghanistan noch nicht hinreichend stabilisiert, um
eine Aussage dazu zu treffen, ob der Vollzug der Wegweisung nach Afgha-
nistan in Zukunft für gewisse Personengruppen zumutbar sein werde.
Diese Fälle würden erst geregelt werden können, wenn die Lage vor Ort
dies eine Einschätzung zulasse.
4.3 In der Replik kritisierte der Beschwerdeführer, dass kein sachlich ge-
rechtfertigter Grund dafür vorliege, weshalb Wegweisungsvollzugshinder-
nisse im Rahmen von Wiedererwägungsverfahren anders als diejenigen
von laufenden Asylverfahren behandelt würden, obwohl bei beiden eine
identische Situation vorliege. Ferner sei es nicht nachvollziehbar, weshalb
die Vorinstanz noch keine abschliessende Lageanalyse habe durchführen
können, obwohl die SFH in der Lage gewesen sei, einen ausführlichen Be-
richt über die aktuelle Lage in Afghanistan zu publizieren.
5.
5.1 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass das Gericht die aktuelle politische
Lage und die Sicherheits- und Menschenrechtslage in Afghanistan fortwäh-
rend beobachtet. Es hat diesbezüglich auch zur Kenntnis genommen, dass
das SEM aufgrund der Veränderung der Situation in Afghanistan infolge
der faktischen Machtübernahme der Taliban und der damit verbundenen
unübersichtlichen Lage im Land seine Asylpraxis hat anpassen müssen.
Im aktuellen Zeitpunkt sind noch einige Unklarheiten vorhanden und es
kann nicht von stabilen Verhältnissen ausgegangen oder auf abschätzbare
Zukunftsprognosen abgestützt werden, die eine zuverlässige Einschät-
zung und Festlegung der Wegweisungspraxis bei abgewiesenen afghani-
schen Asylsuchenden ermöglichen würden (vgl. Urteil des BVGer
E-5175/2021 vom 13. Dezember 2021 E. 5.2.1).
5.2 Das Gericht erachtet es deshalb nicht nur als nachvollziehbar, sondern
als unvermeidbar, dass nicht alle unterschiedlichen Fallkonstellationen von
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afghanischen Asylverfahren innerhalb der gesetzlich vorgesehenen Ord-
nungsfrist für die Behandlung von Wiedererwägungsgesuchen von zehn
Arbeitstagen haben definiert werden und das weitere, allenfalls differen-
zierte Vorgehen bei den unterschiedlichen Fallkonstellationen hat bestimmt
werden können. Aufgrund der örtlich unterschiedlichen länderspezifischen
Begebenheiten in Afghanistan ist vielmehr davon auszugehen, dass die
Einschätzung der verschiedenen Risikogruppen und der provinzweise un-
terschiedlichen Begebenheiten in Afghanistan mit einigen Unwägbarkeiten
verbunden ist und noch länger dauern wird. Die Verhältnisse haben sich in
den vergangenen Monaten und Wochen ständig verändert, weshalb wei-
terhin Abklärungsbedarf zur Einschätzung des künftigen Vorgehens beim
Wegweisungsvollzug besteht (vgl. Urteil des BVGer E-5175/2021 vom
13. Dezember 2021 E. 5.2.2).
6.
6.1 Der Beschwerdeführer monierte die zulange Verfahrensdauer seines
am 6. September 2021 eingereichten Wiedererwägungsgesuches und das
Überschreiten eines Fünffachen der im Gesetz vorgesehenen Ordnungs-
frist von zehn Tagen. Wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt,
sind vorliegend weder die Dauer des Verfahrens noch die Vorgehensweise
der Vorinstanz zu bemängeln.
6.2 Die Vorinstanz blieb seit dem Einreichen des Wiedererwägungsge-
suchs vom 6. September 2021 nicht untätig, sondern hat bereits am
9. September 2021 zuhanden des zuständigen kantonalen Migrationsam-
tes den Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Afghanistan
im Sinne einer vorsorglichen Massnahme ausgesetzt (vgl. Bst. C). Auch
wurde die Anfrage zum Verfahrensstand vom 9. November 2021 am
25. November 2021 beantwortet und es wurde begründet, weshalb das
Gesuch des Beschwerdeführers noch nicht hat bearbeitet werden können.
Von einer formellen Rechtsverweigerung (vgl. BGE 135 I 6 E. 2.1) kann
vorliegend somit nicht gesprochen werden.
6.3 Des Weiteren ist davon auszugehen, dass die Vorinstanz nicht untätig
geblieben ist und zwischenzeitlich weitere Abklärungen vorgenommen so-
wie die Ereignisse in Afghanistan weiterhin engmaschig beobachtet und
verfolgt. Diese Massnahmen, von welchen der Beschwerdeführer zwar
keine Kenntnis hatte, dürften auch einige Zeit in Anspruch genommen ha-
ben. Sodann dürfte es sich anhand der aktuell rapide verändernden Lage
und der sich teilweise überstürzenden Ereignisse in Afghanistan als äus-
serst schwierig erweisen, die genauere Definition von Personengruppen
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mit Risikoprofilen im Hinblick auf die Festlegung einer einigermassen nach-
haltigen Wegweisungspraxis zu eruieren (vgl. Urteil des BVGer D-5175/
2021 vom 13. Dezember 2021 E. 5.3.3). Von einer Rechtsverzögerung
durch die Vorinstanz kann ebenfalls nicht die Rede sein.
6.4 Zusammenfassend kommt das Gericht deshalb zum Schluss, dass vor-
liegend die Behandlungsdauer des Wiedererwägungsverfahrens des Be-
schwerdeführers als angemessen und gerechtfertigt erscheint. Aufgrund
der vorangehenden Erwägungen erweist sich die knapp dreimonatige Be-
handlungsdauer als angemessen und ist nicht zu beanstanden, zumal
nicht ersichtlich ist, dass die Vorinstanz die Behandlung des Wiedererwä-
gungsgesuches des Beschwerdeführers verweigerte oder unrechtmässig
verzögerte.
7.
Nach dem Gesagten erweist sich die Rechtsverweigerungs- respektive
Rechtsverzögerungsbeschwerde im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung
am 26. November 2021 als unbegründet und ist abzuweisen. Die Vor-
instanz ist jedoch angehalten, das Verfahren rasch einem Entscheid zuzu-
führen.
8.
8.1 Die gestellten Rechtsbegehren erweisen sich nach obigen Erwägun-
gen als aussichtslos, weshalb das Gesuch um unentgeltliche Prozessfüh-
rung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG, trotz einer allfällig bestehenden
prozessualen Bedürftigkeit, abzuweisen ist. Das Gesuch, auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses zu verzichten, ist mit dem vorliegenden Ent-
scheid gegenstandslos geworden.
8.2 Die Kosten des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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