Decision ID: 48144f44-f530-4c8e-b65f-aa903ffb4e98
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Der 1986 geborene Beschwerdeführer war bei der Beschwerdegegnerin
gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er gemäss Schadenmeldung
am 3. Juli 2017 auf einer Bockleiter ausrutschte und sich den rechten Un-
terarm an einem Armierungseisen aufspiesste. Die Beschwerdegegnerin
anerkannte ihre Leistungspflicht für die Folgen dieses Ereignisses und er-
brachte Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen. Sie führte Abklärungen
in medizinischer und beruflicher Hinsicht durch und liess den Beschwerde-
führer kreisärztlich untersuchen. Mit Schreiben vom 17. Januar 2019 stellte
sie die vorübergehenden Versicherungsleistungen per 30. April 2019 ein.
Mit Verfügung vom 27. Juli 2020 sprach die Beschwerdegegnerin dem Be-
schwerdeführer eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse
von 15 % zu. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Mit
Verfügung vom 13. November 2020 verneinte die Beschwerdegegnerin ei-
nen Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente. Die dage-
gen erhobene Einsprache wies die Beschwerdegegnerin mit Einsprache-
entscheid vom 31. Mai 2022 ab.
2.
2.1.
Gegen den Einspracheentscheid vom 31. Mai 2022 erhob der Beschwer-
deführer mit Eingabe vom 4. Juli 2022 fristgerecht Beschwerde und stellte
folgende Rechtsbegehren:
"1. "Es sei der Einspracheentscheid der Suva vom 31. Mai 2022 (und die diesem Entscheid zugrunde liegende Verfügung der Suva vom 13.  2020) aufzuheben;
2. Es sei dem Versicherten, eventuell nach Vornahme weiterer Abklärun-
gen, eine angemessene Rente von mindestens 10 % ab dem 01. Mai 2019 zuzusprechen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin;"
In prozessualer Hinsicht stellte er folgenden Antrag:
"Es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen;"
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 6. September 2022 beantragte die Beschwerde-
gegnerin die Abweisung der Beschwerde.
- 3 -

Considerations:
Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass nach Art. 52 Abs. 1 ATSG gegen Ver-
fügungen innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache
erhoben werden kann, soweit es sich nicht um prozess- und verfahrenslei-
tende Verfügungen handelt (vgl. hierzu LOCHER/GÄCHTER, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 71 Rz. 51 ff.). Das Einsprache-
verfahren wird durch Erlass eines Einspracheentscheids abgeschlossen.
Dieser Einspracheentscheid tritt im sozialversicherungsrechtlichen Verwal-
tungsverfahren an die Stelle der einspracheweise angefochtenen Verfü-
gung (UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 74 zu Art. 52
ATSG). Die Verfügung, soweit angefochten, hat mit Erlass des Einsprache-
entscheides jede rechtliche Bedeutung verloren (vgl. etwa Urteil des Bun-
desgerichts 8C_42/2016 vom 10. Juni 2016 E. 2.1 mit Hinweisen). Soweit
vorliegend verlangt wird, die Verfügung vom 13. November 2020 (Ver-
nehmlassungsbeilage [VB] 148) sei aufzuheben (vgl. Rechtsbegehren
Ziff. 1; Beschwerde S. 3), ist auf die Beschwerde daher nicht einzutreten.
1.2.
1.2.1.
Des Weiteren ist auf die Rüge des Beschwerdeführers einzugehen, wo-
nach die Beschwerdegegnerin das rechtliche Gehör verletzt habe, indem
sie sich nicht rechtsgenüglich mit den einspracheweise vorgebrachten Rü-
gen auseinandergesetzt habe (vgl. Beschwerde S. 10).
1.2.2.
Einspracheentscheide sind gemäss Art. 52 Abs. 2 ATSG zu begründen,
was sich auch aus dem allgemeinen Anspruch auf rechtliches Gehör
(Art. 29 Abs. 2 BV) ergibt. Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt von
der Behörde, dass sie die Vorbringen der Betroffenen tatsächlich hört,
ernsthaft prüft und in ihrer Entscheidfindung angemessen berücksichtigt.
Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (BGE 142 II 49 S. 65 E. 9.2 mit Hinweisen; vgl. auch UELI
KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 64 zu Art. 52 ATSG).
1.2.3.
Entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers ist die Beschwerdegeg-
nerin ihrer Begründungspflicht genügend nachgekommen. So war es dem
Beschwerdeführer aufgrund der Ausführungen im angefochtenen Ein-
spracheentscheid (VB 182) möglich, sich über die Gründe der Beschwer-
degegnerin, welche zum Entscheid geführt haben, ein Bild zu machen. Im
konkreten Fall konnte der Entscheid der Beschwerdegegnerin denn auch
fraglos sachgerecht angefochten werden (vgl. BGE 138 V 32 E. 2.2 S. 35
- 4 -
mit Hinweisen). Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs des Beschwerde-
führers ist damit nicht ersichtlich.
1.3.
Der Beschwerdeführer beantragte sodann die Durchführung eines zweiten
Schriftenwechsels (vgl. prozessualer Antrag; Beschwerde S. 5). Diesbe-
züglich ist festzuhalten, dass Art. 61 lit. a ATSG ein rasches Verfahren vor-
sieht, woraus sich kein Anspruch auf einen zweiten Schriftenwechsel
ergibt. Auch vor dem Hintergrund des Replikrechts (BGE 137 I 195 E. 2.3.1
S. 197; 133 I 100 E. 4.5 S. 103 f.) ist die Durchführung eines zweiten Schrif-
tenwechsels nicht zwingend. Das Gericht kann Eingaben auch lediglich zur
Kenntnisnahme zustellen, wenn von den Parteien erwartet werden kann,
dass sie unaufgefordert dazu Stellung nehmen (BGE 138 I 484 E. 2.1 und
2.2 S. 485 f.; 133 I 98 E. 2.2 S. 99). Dies trifft vor allem bei rechtskundig
vertretenen Personen wie dem Beschwerdeführer zu (Urteil des Bundes-
gerichts 9C_641/2014 vom 16. Januar 2015 E. 2 mit Hinweisen). Das Ver-
sicherungsgericht stellte dem Beschwerdeführer die Vernehmlassung der
Beschwerdegegnerin vom 6. September 2022 mit Verfügung vom 9. Sep-
tember 2022 zu. Bis zum vorliegenden Entscheid liess sich der Beschwer-
deführer nicht mehr vernehmen, weshalb von einem Verzicht auf das Rep-
likrecht auszugehen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_641/2014 vom
16. Januar 2015 E. 2).
2.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente mit Einspracheentscheid vom
31. Mai 2022 (VB 182) zu Recht verneint hat.
3.
In ihrem Einspracheentscheid vom 31. Mai 2022 (VB 182) stützte sich die
Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf den
Austrittsbericht der Rehaklinik B. vom 21. Dezember 2018 (VB 115) und
das von der Invalidenversicherung eingeholte neurologische Gutachten
des C., Q. (C.), vom 10. September 2019 (VB 174).
3.1.
Im Austrittsbericht der Rehaklinik B. vom 21. Dezember 2018 wurde nach-
folgende Diagnose gestellt (VB 115 S. 1):
"Unfall vom 03.07.2017: Bei einem Sturz von einer Bockleiter sich mit dem rechten Arm an einem Armierungseisen verletzt A1 Pfählungsverletzung Unterarm rechts mit hochgradiger, traumati-
scher, nicht kompletter, sensomotorischer Medianusläsion mit  Hyperästhesie Dig I und Dig II, mässig Dig III sowie Plegie der lateralen Thenarmuskulatur; Serombildung am Übergang des /proximalen Drittels Unterarm rechts (...)"
- 5 -
Gesamthaft betrachtet könne man aufgrund der Diagnosen und der klini-
schen und radiologischen Befunde die vom Beschwerdeführer geltend ge-
machten Beschwerden und Funktionseinschränkungen der rechten Hand
zwar in ihrer Lokalisation, jedoch nicht in ihrer Intensität erklären. Das Aus-
mass der gezeigten Behinderung erscheine angesichts der bekannten kli-
nischen und neurologischen Befunde nur wenig plausibel. Die Schmerz-
problematik dürfte im Rahmen einer erheblichen Symptomausweitung
deutlich überlagert sein (VB 115 S. 3). In der angestammten Tätigkeit als
Schaler bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. In einer leichten bis mit-
telschweren Tätigkeit ohne Krafteinsatz der rechten Hand, ohne Exposition
derselben gegenüber Schlägen und Vibrationen sowie Kälte und ohne er-
höhte Anforderungen an die Feinmotorik der rechten Hand bestehe eine
ganztägige Arbeitsfähigkeit (VB 115 S. 2).
3.2.
Der C.-Gutachter Dr. med. D., Facharzt für Neurologie, stellte im (hier mas-
sgebenden) neurologischen Teilgutachten vom 10. September 2019 die
nachfolgende Diagnose (VB 174 S. 32):
"Inkomplette Medianusläsion rechts, mit einem residuellen, leichten  Defizit, im Anschluss an eine Pfählungsverletzung des rechten Unterarmes am 03.07.2017 mit zweifacher operativer "
In der angestammten Tätigkeit als Schaler sei die Arbeitsfähigkeit seit dem
3. Juli 2017 vollständig eingeschränkt. In einer optimal leidensangepassten
Tätigkeit, das heisse in einer leichten, gelegentlich auch mittelschweren,
körperlichen Tätigkeit, ohne Heben und Tragen schwerer Lasten, ohne
dauerhaft anhaltende, erhebliche Einwirkungen von Zug, Druck, Vibration
oder Kälte am rechten Arm, insbesondere am rechten Handgelenk, und
ohne besondere Anforderungen an die Feinmotorik der rechten Hand, sei
der Beschwerdeführer voll arbeitsfähig. Diese Einschätzung gelte retro-
spektiv seit der Beurteilung durch den Kreisarzt der Beschwerdegegnerin
im Oktober 2018 (VB 104), spätestens seit der Beurteilung durch die
Rehaklinik B. vom 21. Dezember 2018 (vgl. E. 3.1. hiervor; VB 174
S. 37 f.).
4.
4.1.
Der Vollständigkeit halber ist vorab festzuhalten, dass der Unfallversicherer
im Rahmen seiner Abklärungen Akten, insbesondere Gutachten, die in ei-
nem andern Verfahren erstellt worden sind, beiziehen kann (vgl. BGE 125
V 332 E. 4a S. 336). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich
weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der einge-
reichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut-
achten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; 122 V 157 E. 1c S. 160 f.).
- 6 -
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-
ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-
ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet
sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
4.2.
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-
ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-
richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-
nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-
nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-
tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353).
5.
5.1.
Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen gestützt auf die Beurteilung
seines behandelnden Arztes sowie die Tatsachen, dass er in den Genuss
von IV-Massnahmen komme und dass ihm ein Abzug vom Tabellenlohn
von 5 % gewährt worden sei, vor, es bestünden Zweifel an den medizini-
schen Einschätzungen, auf die die Beschwerdegegnerin abgestellt habe
(vgl. Beschwerde S. 8 ff.).
5.2.
Soweit der Beschwerdeführer dem neurologischen Gutachten von
Dr. med. D. vom 10. September 2019 die abweichende Beurteilung seines
behandelnden Arztes Dr. med. E., Facharzt für Neurologie, R., gegenüber-
stellen lässt, ist darauf hinzuweisen, dass es die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-) Arztes einerseits
und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Ex-
perten andererseits (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175) nicht zulässt, ein Admi-
nistrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass
weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anders-
lautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen
sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte
wichtige Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt
oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts
9C_425/2019 vom 10. September 2019 E. 3.4 mit Hinweisen). Dies ist vor-
liegend nicht der Fall.
Dr. med. D. befasste sich bereits im Rahmen seines neurologischen Gut-
achtens umfassend mit den bis dahin erstellten Berichten von Dr. med. E.
(VB 174 S. 33 ff.) und kam nachvollziehbar begründet zum Schluss, der
- 7 -
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des behandelnden Neurologen Dr. med. E.
vom 29. Januar 2019 (VB 121 S. 2 f.) könne nicht gefolgt werden, da sie
medizinisch nicht plausibel begründet sei und nicht durch neue, relevante
Befunde gestützt werde (VB 174 S. 38). In seiner ergänzenden Stellung-
nahme vom 23. Juli 2020 hielt der neurologische Gutachter Dr. med. D.
zum Bericht von Dr. med. E. vom 17. Dezember 2019 (VB 170) zusam-
menfassend fest, dass zwischen seiner und der nun von Dr. med. E. im
Bericht vom 17. Dezember 2019 gemachten Beurteilung der Arbeitsfähig-
keit keine wesentliche Diskrepanz zu erkennen sei (VB 171 S. 4). An der
medizinischen und versicherungsmedizinischen Beurteilung in seinem Gut-
achten könne daher festgehalten werden (VB 171 S. 5). Das Versiche-
rungsgericht, das im Urteil VBE.2020.509 vom 4. Februar 2021 im Rahmen
des invalidenversicherungsrechtlichen Verfahrens bereits den Beweiswert
des C.-Gutachtens zu beurteilen hatte, kam sodann unter anderem nach
Auseinandersetzung mit dem Bericht von Dr. med. E. vom 17. Dezember
2019 (VB 170) zum Schluss, dass bezüglich der Arbeitsfähigkeit des Be-
schwerdeführers auf die Beurteilung des beweiskräftigen C.-Gutachtens
abzustellen ist (vgl. VBE.2020.509 vom 4. Februar 2021 E. 6.3.; VB 172
S. 9).
In dem im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens eingereichten
Bericht vom 29. Juni 2022 führte Dr. med. E. aus, die Situation habe sich
für den Beschwerdeführer überhaupt nicht verbessert. Aktuell mache die-
ser einen Arbeitsversuch als Chauffeur. Das Problem sei, dass er die Arbeit
nur mit einem Kollegen zu zweit verrichten könne, da er ansonsten zu
starke Schmerzen im Arm bekommen würde. Alle bisherigen Arbeitsversu-
che seien aufgrund der Schmerzen abgebrochen worden (vgl. Beschwer-
debeilage [BB] 5 S. 1). Die klinischen Befunde seien absolut unverändert
zum Vorbefund vom Januar 2021. Die neuropathischen Schmerzen, die
schwere Beeinträchtigung im Alltag auch für leichte bis mittelschwere kör-
perliche Arbeiten seien gut nachvollziehbar und aus seiner Sicht vollum-
fänglich auf die Unfallfolgen des Traumas vom Juli 2017 zurückzuführen.
Er empfehle eine Umschulung zu einer Bürotätigkeit (BB 5 S. 2). In seinem
Bericht vom 13. Januar 2021 hatte Dr. med. E. festgehalten, die Beschwer-
den seien seit dem 9. April 2019 unverändert, aktuell bei kälterer Jahreszeit
würden vermehrt Schmerzen im Bereich des Unterarms ausstrahlend bis
auf Höhe des Handgelenks zum Daumen und in den Zeigefinger bestehen
(VB 156 S. 1). Leichtere körperliche Arbeiten seien dem Beschwerdeführer
zumutbar, wobei aufgrund der neuropathischen Schmerzen von einer ver-
minderten Belastbarkeit auszugehen sei. Ein Pensum von ca. 70 % für eine
leichte körperliche Arbeit wäre bei den aktuellen Beschwerden und Befun-
den zumutbar. Seit dem Unfall habe sich zwar eine gewisse Verbesserung
vor allem der Sensibilität und auch in der elektrophysiologischen Untersu-
chung gezeigt, allerdings seien die neuropathischen Schmerzen nicht bes-
ser geworden (VB 156 S. 2).
- 8 -
Soweit Dr. med. E. damit in seinem Bericht vom 13. Januar 2021 – auf den
er in seinem Bericht vom 29. Juni 2022 verweist – die verminderte Belast-
barkeit in einer angepassten Tätigkeit bei unveränderten klinischen Befun-
den lediglich mit den neuropathischen Schmerzen des Beschwerdeführers
begründet, ist darauf hinzuweisen, dass die subjektiven Beschwerdeanga-
ben der versicherten Person für die Begründung einer Arbeitsunfähigkeit
allein nicht genügen. Vielmehr muss im Rahmen der sozialversicherungs-
rechtlichen Leistungsprüfung verlangt werden, dass die Beschwerdeanga-
ben durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig feststellbare Befunde
hinreichend erklärbar sind. Dabei müssen die Beschwerdeangaben zuver-
lässiger medizinischer Feststellung und Überprüfung zugänglich sein
(BGE 143 V 124 E. 2.2.2, mit Hinweis auf BGE 130 V 396 E. 5.3.2 S. 398;
vgl. auch BGE 139 V 547 E. 5.4 S. 556). Das subjektive Empfinden der
versicherten Person, insbesondere wenn es sich nicht mit der Auffassung
der medizinischen Fachleute deckt, kann für sich allein nicht massgebend
sein. Es ist Aufgabe des Arztes oder der Ärztin, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeit die versicherte Person arbeitsunfähig ist
(BGE 125 V 261 E. 4 S. 261). Es ist aber eine wichtige Aufgabe des ärztli-
chen Sachverständigen, sich mit den geklagten subjektiven Beschwerden
des Exploranden auseinanderzusetzen (MEYER/REICHMUTH, Rechtspre-
chung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, IVG, 3. Aufl.
2014, N. 243 zu Art. 28a IVG mit Hinweis auf das Urteil des Eidgenössi-
schen Versicherungsgerichts I 677/03 vom 28. Mai 2004 E. 2.3.1). Dies
wurde von Dr. med. D. getan (VB 174 S. 35 ff.). Bei der differierenden Ein-
schätzung von Dr. med. E. ist damit lediglich von einer unterschiedlichen
Beurteilung des gleichen medizinischen Sachverhaltes auszugehen (Urteil
des Bundesgerichts 8C_618/2014 vom 19. Dezember 2014 E. 2.1 mit Hin-
weisen), was angesichts der umfassenden gutachterlichen Abklärungen
kein Abweichen vom Gutachten von Dr. med. D. rechtfertigt. Zudem ist der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter
im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall e-
her zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353
mit weiteren Hinweisen). Insgesamt wird eine gesundheitliche Beeinträch-
tigung des Beschwerdeführers damit nicht in Abrede gestellt, weshalb auch
die Tatsachen, dass dem Beschwerdeführer berufliche Massnahmen von
der Invalidenversicherung zugesprochen wurden oder ihm von der Be-
schwerdegegnerin ein Abzug vom Tabellenlohn von 5 % gewährt wurde,
keine Zweifel zu begründen vermögen. Dies ist jedoch – wie dargelegt –
nicht ausreichend für die Begründung einer eingeschränkten Arbeitsfähig-
keit in angepasster Tätigkeit.
5.3.
Zusammenfassend sind weder den Ausführungen des Beschwerdeführers
noch den Akten konkrete Hinweise zu entnehmen, welche am neurologi-
- 9 -
schen Gutachten von Dr. med. D. vom 10. September 2019 Zweifel zu be-
gründen vermöchten (Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit;
BGE 134 V 109 E. 9.5, mit Hinweis). Der medizinische Sachverhalt erweist
sich vor diesem Hintergrund als vollständig abgeklärt, weshalb auf weitere
Abklärungen (vgl. Beschwerde S. 9, 11 f.) in antizipierter Beweiswürdigung
zu verzichten ist, da von diesen keine weiteren Erkenntnisse zu erwarten
sind (vgl. BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368 mit Hinweisen). Gestützt auf das
neurologische Gutachten von Dr. med. D. ist demnach davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit spätestens seit
dem 21. Dezember 2018 zu 100 % arbeitsfähig ist (vgl. E. 3.2. hiervor).
6.
6.1.
Hinsichtlich der erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens
bringt der Beschwerdeführer vor, aufgrund des erhöhten Pausenbedarfs,
seiner mangelnden Berufserfahrung und seines Aufenthaltsstatus und da
sein rechter Unterarm und seine (dominante) rechte Hand bleibend verletzt
seien, sei ein Abzug von 15 % vom Tabellenlohn vorzunehmen (Be-
schwerde S. 12 ff.).
Vorab ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin entgegen dem Be-
schwerdeführer (vgl. Beschwerde S. 14 f.) zu Recht auf die Medianwerte
der LSE abgestellt hat, denn der im Bereich der Invalidenversicherung er-
gangene BGE 148 V 174 gilt infolge des Grundsatzes der Einheitlichkeit
des Invaliditätsbegriffs auch für den Bereich der Unfallversicherung (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_112/2022 vom 31. Mai 2022 E. 5.1).
6.2.
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von lohnstatistischen An-
gaben ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen.
Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind,
hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des kon-
kreten Einzelfalles ab (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre,
Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), welche nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Ein Abzug soll
aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall An-
haltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder
mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfä-
higkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem
Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges
ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalidenein-
kommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schät-
zen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen
(BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301; 134 V 322 E. 5.2 S. 327 f.; 129 V 472
E. 4.2.3 S. 481; 126 V 75 [insbesondere E. 5 S. 78 ff.]).
- 10 -
6.3.
Da gemäss Belastungsprofil eine angepasste Tätigkeit eine leichte, gele-
gentlich auch mittelschwere, körperliche Tätigkeit, ohne Heben und Tragen
schwerer Lasten, ohne dauerhaft anhaltende, erhebliche Einwirkungen von
Zug, Druck, Vibration oder Kälte am rechten Arm, insbesondere am rechten
Handgelenk und ohne besondere Anforderungen an die Feinmotorik der
rechten Hand, ist (vgl. E. 3.2. hiervor), ist keineswegs von einer faktischen
Einarmigkeit oder -händigkeit auszugehen (vgl. Beschwerde S. 13, 15).
Den vorhandenen gesundheitlichen Einschränkungen wurde zudem be-
reits bei der Arbeitsfähigkeitseinschätzung und der Definition des Zumut-
barkeitsprofils Rechnung getragen, womit diese nicht noch zu einem zu-
sätzlichen leidensbedingten Abzug führen können (vgl. BGE 148 V 174
E. 6.3 S. 182 mit Hinweisen). Der angewandte Tabellenlohn basiert aus-
serdem auf einer Vielzahl von geeigneten leichten Tätigkeiten. Diesbezüg-
lich gilt insbesondere auch, dass die gesundheitlich bedingte Unmöglich-
keit, körperlich schwere Arbeit zu verrichten, nicht automatisch zu einem
leidensbedingten Abzug führt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_799/2021
vom 3. März 2022 E. 4.3.2). Einfache und repetitive Tätigkeiten des ange-
wandten Kompetenzniveaus 1 erfordern des Weiteren weder gute Sprach-
kenntnisse noch ein besonderes Bildungsniveau (vgl. Urteil des Bundesge-
richts 8C_549/2019 vom 26. November 2019 E. 7.7) oder Berufserfahrung
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_227/2018 vom 14. Juni 2018 E. 4.2.3.3
mit Hinweisen). Entgegen dem Beschwerdeführer (vgl. Beschwerde S. 13,
15) vermag die ihm mit Verfügung vom 27. Juli 2020 zugesprochene Integ-
ritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von 15 % (VB 137) so-
dann keinen Anspruch auf einen Abzug vom Tabellenlohn zu begründen.
Der Beschwerdeführer verfügt schliesslich über die Aufenthaltsbewilli-
gung B (VB 115 S. 6), was statistisch gesehen eine lohnmindernde Auswir-
kung zeitigen kann (BfS, LSE 2018, Tabelle T12_b, monatlicher Bruttolohn,
Schweizer/innen und Ausländer/innen, nach beruflicher Stellung und Ge-
schlecht, ohne Kaderfunktion, Männer, Median, Total und Aufenthalter/in-
nen [Kat. B]). Im Übrigen sind weder den Akten weitere einen Abzug vom
Tabellenlohn begründende Aspekte zu entnehmen, noch werden solche
geltend gemacht. Insgesamt ist der von der Beschwerdegegnerin vorge-
nommene Abzug vom Tabellenlohn in der Höhe von 5 % (VB 182 S. 12)
somit nicht zu beanstanden.
Der Beschwerdeführer vermag daher nichts zu seinen Gunsten von dem
von der IV-Stelle vorgenommenen Abzug vom Tabellenlohn abzuleiten
(vgl. Beschwerde S. 13 f.). Denn die IV-Stellen und die Unfallversicherer
haben die Invaliditätsbemessung in jedem einzelnen Fall selbständig vor-
zunehmen. Keinesfalls dürfen sie sich ohne weitere eigene Prüfung mit der
blossen Übernahme des Invaliditätsgrades des Unfallversicherers oder der
IV-Stelle begnügen (BGE 133 V 549 E. 6.1 S. 553 mit Hinweis auf
BGE 126 V 28 E. 2d S. 293).
- 11 -
6.4.
Im Übrigen wird die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Invalidi-
tätsgradberechnung vom rechtskundig vertretenen Beschwerdeführer –
nach Lage der Akten zu Recht – nicht beanstandet. Der angefochtene Ein-
spracheentscheid vom 31. Mai 2022 (VB 182) ist damit zu bestätigen.
7.
7.1.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen
7.2.
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG).
7.3.
Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens
(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung
als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-
spruch auf Parteientschädigung zu.