Decision ID: 705d914d-4318-5c68-8db7-e1d4c0a22da3
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1991 geborene
X._
war zuletzt vom 3. Januar bis 31. März 2017 bei der
Y._
AG als Automobilmechaniker angestellt (Urk. 7/42). Am 5. April 2017 meldete
er
sich beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Ar
beitsvermittlung an (Urk. 7/41)
und ersuchte am 20. April 2017 (Urk. 7/40) um Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung ab 5. April 2017.
Das
Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich (AWA)
stellte
dem
Versicherten für die Dauer von
jeweils vier
Tagen wegen ungenügender
persönlicher
Arbeitsbe
müh
ungen in
den
Kontrollperiode
n
April und Juni 2017
in der Anspruchsbe
rechti
gung ein
(vgl. Urk. 7/31)
.
Mit Verfügung vom 12. Oktober 2017 (Urk. 7/26) stellte das
AWA
dem
Versicherten für die Dauer von
acht
Tagen wegen ungenügender Arbeitsbemühungen in der Kontrollperiode September 2017 in der Anspruchsbe
rechtigung ein. Die hiergegen erhobene Einsprache (Urk. 7/27) wurde mit
Ein
spra
cheentscheid
vom 19. Dezember 2017 (Urk. 7/28) gutgeheissen
und die Ver
fügung aufgehoben
.
Mit Verfügung vom
26
.
September
2017 (Urk.
7
/
2
) stellte das
AWA
dem
Versi
cherten
für die Dau
er von 45 Tagen
ab dem 19. August 2017
infolge
Ablehnung einer zumutbaren Arbeit
in der Anspruchsberechtigung ein. Die
hierge
gen erho
bene Einsprache (Urk. 7/3
) wurde mit
Einspracheentscheid
vom 19.
Dezember
2017 (Urk. 2) abgewiesen.
2.
Dagegen
erhob
der
Versicherte mit Ein
gabe vom
31.
Januar
201
8
Beschwerde
(Urk. 1) und beantragte die
Aufhebung des
Einspracheentscheides
vom 19. Dezem
ber
2017 und der Verfügung
Nr. 334721340
vom 26.
September 2017 sowie den Rückzug der verfügten 45 Einstelltage und deren Bezahlung (S. 2)
.
In
seiner
Beschwerdeantwort vom
26
.
Januar 2018
(Urk.
6) ersuchte der Be
schwer
de
gegner um vollumfängliche Abweisung der Beschwerde, was
dem
Be
schwerdeführer am
5
.
März 2018
zur
Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8
).
Der Einzelrichter

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Nach
Art.
17
Abs.
3 Satz 1
des
Bundesgesetz
es
über die obligatorische Arbeit
s
losenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
muss die arbeitslose Person eine vermittelte zumutbare Arbeit annehmen.
Gemäss Art.
30 Abs. 1
lit
d AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchs
berechtigung einzustellen, wenn sie die Kontrollvorschriften oder die Weisungen der zuständigen Amtsstelle nicht befolgt, namentlich eine zumutbare Arbeit nicht annimmt. Neben der Nichtannahme einer amtlich zugewiesenen zumutbaren Arbeit erfasst
Art.
30
Abs.
1
lit
. d AVIG in der seit dem
1.
Juli 2003 geltenden Fassung auch die Nichtannahme einer selbst gefundenen zumutbaren Arbeit oder einer von Dritten vermittelten oder angebotenen zumutbaren Stelle (Urteil des
Bundesgerichts C 17/07 vom 22. Februar 2007 E.
2.2).
1.3
Die versicherte Person hat bei den Verhand
lungen mit künftigen Arbeitgebern klar und eindeutig die Bereit
schaft zum Vertragsabschluss zu bekunden, um die Beendigung der Arbeitslosigkeit nicht zu gefährden. Eine Ablehnung zumutbarer Arbeit liegt nicht nur dann vor, wenn die versicherte Person eine Stelle aus
drücklich zurückweist, sondern auch dann, wenn sie bei Vertragsverhandlungen eine nach den Umständen gebotene ausdrückliche Annahmeerklärung unterlässt oder durch ihr Verhalten in Kauf nimmt, dass die Stelle anderweitig besetzt wird, oder wenn sie sich trotz Zuwe
isung einer Stelle durch das Ar
beitsamt gar nicht ernsthaft um die Aufnahme von Ver
trags
verhandlungen bemüht (BGE 122 V 34 E. 3b; ARV 1986 Nr. 5 S. 22 E. 1a, 1984 Nr.
14 S. 167).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner begründet seinen
Einspracheentscheid
vom 19.
Dezember
201
7
(Urk. 2) dahingehend, dass
der
Beschwerdefü
hrer
am
16
.
August 2017
vom RAV
aufgefordert worden sei, sich
bis zum 18. August 2017 auf eine Stelle als Mechatroniker bei der
Z._
AG
zu bewerben.
Die Stelle sei als zumutbar gemäss den gesetzlichen Voraussetzungen zu qualifizieren.
Der Beschwerdeführer
habe sich nicht
fristgerecht
darauf beworben.
Damit habe er die Möglichkeit einer Anstellung von Vornherein verhindert, was aus arbeits
losenversicherungsrechtlicher Sicht gleich zu beurteilen sei, wie die Ablehnung einer zumutbaren Stelle. Zum Zeitpunkt der Ste
llenzuweisung am 16. August 2017
und der Bewerbungsfrist bis zum 18. August 2017 sei die
A._
AG
noch auf der Suche nach einem neuen Mitarbeiter und die betreffende Stelle noch offen gewesen.
Indem er sich nicht beworben habe, habe er in Kauf ge
nommen, dass seine Arbeitslosigkeit weiterhin andauere.
Die Ablehnung einer zumutbaren Arbeit stelle ein schweres Verschulden dar. Erschwerend wirke sich aus, dass
der
Beschwerdeführe
r
während der letzten zwei Jahre bereits
wegen
Ver
letzung von arbeitslosenversicherungsrechtlichen Pflichten
in der Anspruchs
berechtigung habe eingestellt werden müssen. Eine Einstellung für die Dauer von 45 Tagen trage dem Verschulden und den konkreten Umständen daher ange
mes
sen Rechnung
(S. 2 f.)
.
2.2
Dagegen brachte
der Beschwerdeführer
in
seiner Beschwerde
vom
31
.
Januar 2018
(Urk. 1) vor,
es
sei
im Verlaufe des August 2017 keine Stelle zu besetzen gewesen, was
ihm die Firma
A._
telefonisch auch bestätigt habe. Zudem sei im
Einspracheentscheid
für die Begründung der Anzahl Einstelltage die wieder
holte Verletzung von Pflichten aufgeführt worden. Dabei sei versäumt worden, dass die letzte Verfügung über die Einstellung von 8 Tagen nach Einsprache vor
behaltlos zurückgezogen worden sei.
3.
Unbestritten ist, dass
der
Beschwerdeführer am
16. August 2017
vom RAV
ange
wiesen wurde, sich
b
ei der
Z._
bis zum 18. August 2017 für eine Stelle bei der
A._
AG
zu bewerben
und
er
die besagte
Bewerbung
der
Z._
erst am
28. August 2018 zukommen liess
(Urk.
1 S. 2, Urk. 3/2, Urk. 3/4
,
Urk. 7/33
)
.
Bei der
besagten
Stelle handelte es sich um eine unbefristete Festanstellung als
Mechatroniker
bei der
A._
AG
mit einem Monatslohn von
circa
Fr. 5'000.-- (zuzüglich 13. Monatslohn; Urk.
7/33
).
Der Beschwerdeführer brachte vor, dass die von ihm am 28. August 2018 ein
gereichte Bewerbung von der
Z._
nicht weitergeleitet worden
und
im Verlaufe des August 2017 keine Stelle zu besetzen gewesen
sei (Urk. 1 S. 2)
.
Die
Z._
leitete
die Bewerbung
in der Folge
nicht weiter, weil die
A._
AG zum Zeitpunkt des Eingangs
respektive am 31. August 2018
die besagte Stelle nicht mehr zu besetzen gedachte (vgl.
Urk. 3/2,
Urk. 3/5)
. In der Mail vom 8. Dezember 2017 (Urk. 7/3/19) bestätigte
C._
jedoch
, dass die
A._
AG Mitte August 2017 noch auf der Suche nach einem geeigneten Mitarbeiter für die Werkstatt war. Damit war die Stelle zum
massgeblichen
Zeit
punkt –
Zuweisung
der Stelle mit angesetzter Bewerbungsfr
i
st
bis zum 18. August 2017
(Urk. 7/
33
) – noch
offen und
zu besetzen
.
Mit der verspäteten Einreichung der Bewerbung hat es der Beschwerdeführer in Kauf genommen,
dass die
zum Zeitpunkt der Zuweisung respektive der ange
setz
ten Bewerbungsfrist
offene
Stelle
nicht durch ihn besetzt werden konnte.
Das Nichteinreichen von Bewerbungsunterlagen
innert nützlicher Frist
ist als Aus
druck mangelnder Bereitschaft zum Vertragsschluss
und damit zur Beendigung der Ar
beitslosigkeit zu werten
.
Entscheidend ist, dass er durch Unterlassen einer
fri
stgerechten Bewerbung um die zugewiesen Stelle eine Chance versäumt hat, die Arbeitslosigkeit rasch und auch wesentlich früher als mit der im Oktober 2017 (vgl. Urk. 7/38) angetretenen Stelle zu beenden.
Entschuldbare Grün
de werden weder geltend gemacht
noch sind solche ersicht
lich.
Damit
sind keine konkreten objektiven Umstände ersichtlich, die es
dem Beschwerdeführer
verunmöglicht hätten, sich
innerhalb der angesetzten vom RAV angesetzten Bewerbungsfrist
auf die Stelle
bei der
Z._
zu bewerben.
Nach dem Gesagten
hat
der Beschwerdeführer
die Verlängerung der Arbeits
losig
keit in Kauf genommen und dadurch den Tatbestand des Art. 30
Abs.
1
lit
. d AVIG erfüllt.
4.
4.1
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach
dem Grad des Verschuldens (Art.
30
Abs.
3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei mittel
schwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45
Abs.
3 der
Ver
ordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzent
schädigung
[AVIV]).
Ein schweres Verschulden liegt nach Art. 45
Abs.
4 AVIV vor, wenn die ver
sicherte Person ohne entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeitsstelle ohne Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle aufgegeben (
lit
. a) oder eine zumutbare Arbeit abgelehnt hat (
lit
. b). Bei Vorliegen eines entschuldbaren Grundes kann der Sanktionsrahmen des schweren Verschuldens rechtsprechungsgemäss unter
schritten werden. Unter einem entschuldbaren Grund im Sinne von
Art.
45
Abs.
4 AVIV ist demnach ein Grund zu verstehen, der das Verschulden leichter als schwer erscheinen lässt (BGE 130 V 125 E. 3.5).
Zur Feststellung des individuellen Verschuldens und für die Bemessung der Einstellung bei schwerem Verschulden ist gemäss Bundesgericht vom Mittelwert der Spanne von 31 bis 60 Tagen – das heisst 45 Tagen – auszugehen (Art. 45 Abs. 3 Bst. c AVIV), wobei erschwerende oder mildernde Faktoren und das Prinzip der Verhältnismässigkeit zu berück
sichtigen sind (BGE 123 V 153).
Wird die versicherte Person wiederholt in der Anspruchsberechtigung eingestellt, so wird die Einstellungsdauer nach Art. 45 Abs. 5 der AVIV angemessen ver
längert (Satz 1), und für die Verlängerung werden die Einstellungen der letzten zwei Jahre berücksichtigt (Satz 2).
4.2
Der Beschwerdegegner stellte den Beschwerdeführer für die Dauer von 45 Tagen und damit im mittleren Bereich des schweren Verschuldens in der Anspruchsbe
rechtigung ein (Urk. 2).
Der Beschwerdeführer brachte vor, es sei versäumt worden zu berücksichtigen,
dass die letzte Verfügung über die Einstellung von 8
Tagen zurückgezogen worden
sei (Urk. 1 S. 2).
4.3
Indem sich der Beschwerdeführer mit der verspäteten Bewerbung nicht e
rn
sthaft um die Aufnahme von Vertrags
verhandlungen
mit der
Z._
bemüht
e und somit den Tatbestand der
Ablehnung
einer
zumutbarer Arbeit
erfüllt
e
(vgl. E. 1.3 und E. 3), ging die Beschwerdegegnerin zu Recht von einem schweren Verschulden aus (Art. 45 Abs. 4
lit
. b AVIV)
.
Im Rahmen der Dauer der Einstellung
zu berücksichtigen
ist zudem
, dass der Beschwerdeführer
in
den vergangen zwei Jahren
bereits
zweimal
(rechtskräftig) wegen ungenügender Arbeitsbemühungen
in der Anspruchsberechtigung einge
stellt werden musste (Urk. 7/
31
).
Entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers
ver
säumte es der Beschwerde
gegner
nicht, den Umstand
zu berücksichtigen
, dass
mit
Einsprachentscheid
vom 19.
Dezem
ber 2017 (Urk.
7/28) die am 12. Oktober 2017 (Urk.
7/26) verfügte Einstellung in der Anspruchsberechtigung für
acht
Tage
wegen ungenügender Arbeitsbemühungen in der Kontrollperiode September 2017
wieder
aufgehoben wurde. Vielmehr zog der Beschwerdegegner diesen Umstand von Anfang an
gar
nicht in die
Berechnung
der Sanktionsdauer mit ein und legte der Verfügung über die Einstellung von 45 Tage wegen versäumten fristengerechten Einreichung der Bewerbung bei der
Z._
vom 26. September 2017 (Urk. 7/2) eine
n
Sachverhalt zu Grunde, bei
welchem die Einstellung
für
acht
Tage
noch gar
nicht bekannt war
.
Die aufgehobene Verfügung
datierte vom 12. Oktober 2017 (Urk. 7/28) und wurde damit rund zwei Wochen nach der besagten Verfügung betreffend die Ein
stellung um 45 Tage erlassen.
Das diesbezügliche Vorbringen des Beschwerde
führers geht somit fehl.
4.4
Mit Blick auf die gesamten Umstände ist die Einstellung der Anspruchs
berech
tigung für die Dauer von 45 Tagen
ab dem 19. August 2017
wegen
der
versäum
ten fristengerechten Bewerbung daher nicht zu beanstanden. In der Folge ist die Beschwerde abzuweisen.