Decision ID: b4608e53-beae-46aa-a57b-c1c0cec07c4d
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Eigenen Angaben zufolge verliess A._ (nachfolgend: die Be-
schwerdeführerin), eine angolanische Staatsangehörige aus Cabinda
stammend, am 23. Juli 2016 ihr Heimatland. Am 16. März 2020 reiste sie
in die Schweiz ein und stellte gleichentags im Bundesasylzentrum (BAZ)
B._ ein Asylgesuch.
A.b Am 24. März 2020 fand die Personalienaufnahme (PA) und am 28. Ap-
ril 2020 das persönliche Dublin-Gespräch gemäss Art. 5 der Verordnung
(EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rats vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) statt.
A.c Mit Eingabe vom 29. April 2020 reichte die damalige Rechtsvertretung
einen Arztbericht vom selben Tag (Formular F2) zu den Akten.
B.
Am 15. Mai 2020 ersuchte das SEM die portugiesischen Behörden im
Sinne von Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO um Rückübernahme der Beschwer-
deführerin, da diese über ein Schengenvisum mit Gültigkeit vom 11. Juli
2018 bis zum 29. August 2018 sowie eines vom 28. Juli 2019 bis zu
15. September 2019 verfügte.
C.
Mit Eingabe vom 22. Mai 2020 reichte die damalige Rechtsvertretung ein
medizinisches Datenblatt betreffend die Beschwerdeführerin ein.
D.
D.a Mit Antwortschreiben vom 3. Juni 2020 stellten die portugiesischen Be-
hörden fest, dass die Beschwerdeführerin lediglich ein Schengenvisum mit
Gültigkeit vom 28. Juli 2019 bis zum 15. September 2019 erhalten habe.
D.b Mit Schreiben vom 14. Juli 2020 lehnten die portugiesischen Behörden
das Übernahmegesuch gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO ab.
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D.c Am 15. Juli 2020 wurde das Dublin-Verfahren beendet.
E.
Am 29. Juli 2020 fand die Anhörung zu den Asylgründen statt.
F.
Mit Zuweisungsentscheid vom 3. August 2020 wurde die Beschwerdefüh-
rerin dem Kanton C._ zugewiesen und mit Verfügung vom 5. Au-
gust 2020 dem erweiterten Verfahren zugeteilt.
G.
Am 23. Oktober 2020 wurde die Beschwerdeführerin im Rahmen des er-
weiterten Verfahrens ergänzend angehört.
H.
H.a Hinsichtlich ihres Lebenslaufs legte die Beschwerdeführerin dar, sie
sei in der Provinz Cabinda geboren und aufgewachsen. Zuerst habe sie
die Mittelschule absolviert, um sich danach an der (...) in der Provinz Huilà
während vier Jahren zur (...) ausbilden zu lassen, und habe in derselben
Stadt gewohnt. Nach ihrem Abschluss im Jahr 2015 sei sie jedoch nach
Cabinda zurückgekehrt und habe gemeinsam mit ihrer Schwester
D._ in E._ respektive mit ihrer Mutter in F._ gelebt
sowie im dortigen Provinz(...) gearbeitet. Sie stamme aus einer Familie,
welche der FLEC (Frente para a Libertação do Enclave de Cabinda [Front
für die Befreiung der Enklave Cabinda]) nahestehen würde. Ausser ihrer
Schwester G._, welche für die Regierung arbeite, und ihrer Mutter
seien alle übrigen Familienangehörigen entweder verschwunden, würden
im Ausland leben oder seien, wie ihr Vater, verstorben.
H.b Zu ihren Asylgründen brachte die Beschwerdeführerin im Wesentli-
chen vor, ihr Grossvater hiesse H._ respektive I._ und sei
der historische Gründer der Bewegung FLEC gewesen, wobei der aktuelle
Führer ihr Schwager J._ sei. Ihr Vater habe sowohl für die FAA
(Forças Armadas Angolanas [angolanische Streitkräfte]) als auch für die
FLEC gearbeitet. Ihre vier älteren Brüder hätten ebenfalls für die FLEC ge-
arbeitet, seien jedoch verschwunden, als sie selber noch sehr jung gewe-
sen sei. J._ habe ihre Ausbildung zur (...) finanziert. Aus diesem
Grund habe sie bereits während ihrer Ausbildung als Gegenleistung für die
FLEC arbeiten müssen. Neben der Pflege von verwundeten Kämpfern in
den Wäldern (Matas) rund um ( ) habe sie im Provinz(...) von Cabinda,
wo sie gearbeitet habe, regelmässig verschiedene Medikamente für die
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FLEC entwendet. Sie habe bis kurz vor ihrer Ausreise aus Angola selber
keine Probleme mit den angolanischen Behörden oder der Armee gehabt.
Als sie jedoch während eines Einsatzes in den Matas gewesen sei, habe
sie durch ihre Nachbarn erfahren, dass die angolanische Armee zuhause
nach ihr suche, da diese herausgefunden habe, dass sie für die FLEC ar-
beite. Ein weiterer Grund, weshalb die angolanische Regierung nach ihr
gesucht habe, sei, dass diese sich erhofft habe, durch sie den Aufenthalts-
ort von J._ herausfinden zu können. Deshalb habe sie am 16. Au-
gust 2016 gemeinsam mit J._ Angola verlassen und sei über
Kongo-Brazzaville in die Ukraine gereist, beziehungsweise sei sie von
Kongo-Brazzaville zurück nach Angola und in der Folge in die Ukraine ge-
reist.
In der Ukraine habe sie kein Asylgesuch gestellt, jedoch in L._ stu-
diert. Während den Wahlen in Angola habe sie Morddrohungen erhalten.
Sie sei nicht die einzige Person gewesen, welche in der Ukraine Probleme
bekommen habe. Im Januar 2019 sei sie auf der Strasse verfolgt worden.
Ein anderes Mal sei sie geschlagen worden und habe seit dem Sturz starke
Schmerzen im Knie. Ein Bekannter, M._, habe sie in der Folge am
28. Juli 2019 nach Portugal gebracht, wo sie erneut Drohanrufe erhalten
habe. Diese hätten den Zweck gehabt, den Aufenthaltsort ihres Schwagers
herauszufinden. Dort habe sie sich nicht sicher gefühlt, weil die portugiesi-
sche Regierung mit der angolanischen Regierung zusammenarbeiten
würde, weshalb sie in die Schweiz eingereist sei. Später habe sie erfahren,
dass M._ erschossen und gegen sie selber ein Haftbefehl ausge-
stellt worden sei.
Die Beschwerdeführerin legte ihre Identitätskarte, eine Kopie eines Aus-
zugs aus dem Zivilregister, eine Kopie des Haftbefehls vom 28. Juli 2016,
eine Kopie des Totenscheins von M._ vom 28. Mai 2020 sowie ver-
schiedene Arztberichte (Arztberichte an MedicHelp vom 9. Juni 2020 und
30. Juli 2020, Austrittsbericht des Universitätsspitals B._ vom
28. Juli 2020, (...) Austrittsbericht des Kantonsspitals N._ vom
23. August 2020) zu den Akten.
Auf die weiteren Ausführungen der Beschwerdeführerin wird, soweit
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
I.
Mit Verfügung vom 20. Mai 2021 – eröffnet am 25. Mai 2021 – stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht
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und lehnte ihr Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung aus
der Schweiz an und verfügte den Vollzug der Wegweisung.
J.
Die Beschwerdeführerin focht mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom
24. Juni 2021 (Datum Poststempel) die Verfügung des SEM beim Bundes-
verwaltungsgericht an und beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei
aufzuheben, sie sei als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihr Asyl zu ge-
währen, eventualiter sei ihr die vorläufige Aufnahme infolge Unzulässigkeit
respektive Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu gewähren. Als
Subeventualbegehren stellte sie den Antrag, die Sache sei zwecks Neube-
urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht er-
suchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Weiter beantragte sie
die Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbei-
ständin.
K.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
25. Juni 2021 in elektronischer Form vor.
L.
Mit Zwischenverfügung vom 30. Juni 2021 hiess die damalige Instruktions-
richterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
gut und erhob keinen Kostenvorschuss. MLaw Lara Märki, Rechtsanwältin,
wurde antragsgemäss als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Gleich-
zeitig wurde das SEM eingeladen, eine Vernehmlassung einzureichen.
M.
Mit Eingabe vom 7. Juli 2021 reichte die Vorinstanz eine Vernehmlassung
zu den Akten.
N.
Die Beschwerdeführerin replizierte am 27. Juli 2021. Am 28. Juli 2021
wurde dem Gericht eine Kostennote in elektronischer Form übermittelt.
O.
Aus organisatorischen Gründen wurde das vorliegende Verfahren auf die
rubrizierte vorsitzende Richterin umgeteilt.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge-
setzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG,
SR 172.021). Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist
daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachge-
biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vor-
liegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgül-
tig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor
welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BGG,
SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig ent-
scheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist somit einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu
behandeln sind, da sie allenfalls geeignet sein könnten, eine Kassation der
vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
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3.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die
Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen, die für das Verfahren notwen-
digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-
klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Dabei beschrän-
ken sich die behördlichen Ermittlungen nicht nur auf jene Umstände, wel-
che die Betroffenen belasten, sondern haben auch die sie entlastenden
Momente zu erfassen. Die Behörde hat alle sach- und entscheidwesentli-
chen Tatsachen und Ergebnisse in den Akten festzuhalten (vgl. BVGE
2015/10 E. 3.2 m.w.H.). Nach Art. 8 AsylG hat die asylsuchende Person
demgegenüber die Pflicht (und unter dem Blickwinkel des rechtlichen Ge-
hörs im Sinne von Art. 29 VwVG und Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung
der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101])
auch das Recht, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken. Sofern
die gesetzlichen Mitwirkungspflichten durch die asylsuchende Person nicht
verletzt worden sind, muss die Behörde insbesondere dann weitere Abklä-
rungen ins Auge fassen, wenn aufgrund der Vorbringen der asylsuchenden
Person und der von ihr eingereichten oder angebotenen Beweismittel
Zweifel und Unsicherheiten am Sachverhalt weiterbestehen, die voraus-
sichtlich mit Ermittlungen von Amtes wegen beseitigt werden können.
3.3 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien eines Verfahrens An-
spruch auf rechtliches Gehör. Dieser Grundsatz wird in den Art. 29 ff.
VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert. Er dient einerseits der
Aufklärung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbe-
zogenes Mitwirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Ge-
hör verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen
tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung
berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nieder-
schlagen muss.
3.4 Die Beschwerdeführerin monierte, es sei zwischen ihr und der Dolmet-
scherin zu Verständigungsproblemen gekommen. Sofern sie geltend
macht, die Dolmetscherin habe sie nicht richtig verstanden und mit den ihr
gestellten Fragen Probleme gehabt und sich deshalb in der Folge ihre Ant-
worten negativ auf die Glaubhaftigkeit ausgewirkt hätten, erweist sich ihre
Rüge als verfehlt. Eingangs und am Schluss der jeweiligen Anhörung
wurde die Beschwerdeführerin gefragt, ob sie die Dolmetscherin verstan-
den habe, worauf diese erklärte, bei Unklarheiten nachgefragt, die Dolmet-
scherin jedoch ansonsten gut verstanden zu haben (vgl. SEM-Akte 32/14,
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F11, F12, F20, F39; SEM-Akte 51/23, F2, F139). Sodann wurde ihr am
Ende der Anhörungen das Protokoll rückübersetzt und sie bestätigte die
Richtigkeit der Aussagen mit ihrer Unterschrift. Vor diesem Hintergrund er-
weist sich die formelle Rüge einer fehlerhaften Übersetzung als unbegrün-
det. Auch der Vorhalt, die zuständige sachbearbeitende Person wäre ge-
halten gewesen, bei Unklarheiten nachzufragen, greift im vorliegenden Fall
nicht, zumal der Beschwerdeführerin mehrmals dieselben Fragen ver-
schieden formuliert gestellt worden waren (vgl. etwa SEM-Akte 51/23, F25-
32, F44-47, F111).
3.5 Bezüglich der Rüge, die Vorinstanz sei ihrer Untersuchungspflicht nicht
nachgekommen, vermengt die Beschwerdeführerin die Frage der Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts mit derjenigen der rechtlichen
Würdigung, wenn sie behauptet, die Vorinstanz habe es unterlassen, die
äusserst zahlreichen Realkennzeichen genauer zu definieren und auch die
Merkmale, welche für die Glaubhaftigkeit sprächen, zu berücksichtigen.
Aus der ausführlich begründeten Verfügung geht hervor, dass sich die
Vorinstanz eingehend mit den verschiedenen Elementen der Glaubhaf-
tigkeit auseinandergesetzt hat und zum Schluss gekommen ist, dass die
Vorbringen der Beschwerdeführerin unglaubhaft sowie teilweise unsub-
stanziiert ausgefallen seien (vgl. SEM-Akte 55/12, S. 4-6). Allein der Um-
stand, dass die Beschwerdeführerin eine andere materielle Würdigung des
Sachverhalts anstrebt, kann nicht als Verletzung des Untersuchungsgrund-
satzes qualifiziert werden.
3.6 Angesichts der vorangehenden Erwägungen kommt das Bundesver-
waltungsgericht zum Schluss, dass keine formellen Verfahrensfehler fest-
zustellen und die diesbezüglichen Rügen der Beschwerdeführerin als un-
begründet zurückzuweisen sind, weshalb das Gericht in der Sache selbst
entscheidet (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
4.
4.1 Streitgegenstand bilden vorliegend die Glaubhaftigkeit der Vorbringen
der Beschwerdeführerin sowie die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft
und die Gewährung von Asyl.
4.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.4 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Wesentli-
chen damit, dass die Angaben der Beschwerdeführerin den Anforderungen
an Art. 7 AsylG nicht genügen würden. Die Ausführungen zu ihrer Wohnsi-
tuation nach Abschluss ihrer Ausbildung im Jahr 2015 seien vage und wi-
dersprüchlich ausgefallen. Zuerst habe sie, trotz Aufforderung präzise An-
gaben zu machen, lediglich in ungenauer Weise erklärt, nach ihrer Ausbil-
dung in die Provinz Cabinda zurückgekehrt zu sein und dort gelebt zu ha-
ben. Sie habe zuerst im Quartier O._ und danach in E._ ge-
wohnt. Auf die Bitte, ihre damalige Wohnsituation zu präzisieren, habe sie
lediglich ausweichende Antworten gegeben und erklärt, wie jede normale
Person ohne Probleme gelebt zu haben. Weiter sei es zu Widersprüchen
gekommen, indem sie in ihrer ersten Anhörung geschildert habe, zuletzt
mit ihrer Schwester D._, welche später Angola ebenfalls verlassen
habe, zusammengelebt zu haben. In der ergänzenden Anhörung habe sie
hingegen erklärt, in F._ alleine mit ihrer Mutter gewohnt zu haben,
um später hinzuzufügen, dass sie eigentlich keinen fixen Wohnort gehabt,
sondern dauernd ihren Aufenthaltsort habe wechseln müssen, da ihr
Schwager ihr dies aus Sicherheitsgründen so nahegelegt habe. Sodann
gehe aus ihrer Identitätskarte hervor, dass ihr Wohnsitz P._ sei.
Dies sei ein Landkreis der Provinz Q._, welcher sich im Süden von
Angola befinde. Auch habe die Beschwerdeführerin keine schlüssigen Ant-
worten darauf geben können, wie sie ihre Identitätskarte erhalten habe.
Ihre diesbezügliche Antwort, sie wisse nicht, wann sie diese habe erneuern
lassen, überzeuge angesichts der Tatsache, dass ihre Identitätskarte zwei
Tage vor ihrer Flucht aus Angola ausgestellt worden sei, nicht.
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Des Weiteren seien auch ihre Schilderungen, sie habe für die FLEC Medi-
kamente aus einem (...) entwendet und in den Matas des Bezirks
K._ in der Provinz Cabinda Soldaten (...), ausgesprochen knapp
und stereotyp ausgefallen. Ferner habe sie weder den Weg in die Matas
noch ihre Flucht aus Angola näher beschreiben können. Zudem habe sie
sich widersprüchlich zum Auftauchen der angolanischen Truppen bei ihr zu
Hause geäussert. Schliesslich seien die Ausführungen zu ihrem angebli-
chen Schwager J._ äusserst dürftig ausgefallen und sie habe keine
Erinnerungsmomente an seine Beziehung mit ihrer Schwester G._
vorbringen können, weshalb an der Verbindung zu ihm gezweifelt werden
müsse. Insgesamt erscheine die Qualität ihrer Aussagen vor dem Hinter-
grund ihrer individuellen Fähigkeiten zu gering, um diese als hinreichend
betrachten zu können. Die beiden ins Recht gelegten Beweismittel – der
gegen sie ausgestellte Haftbefehl und der Totenschein von M._ –
würden keine Sicherheitsmerkmale aufweisen, seien demensprechend
nicht fälschungssicher und würden deshalb über fehlenden Beweiswert
verfügen.
Schliesslich habe sie durch ihre unglaubhaften Angaben zu ihrem letzten
Wohnort und ihrer familiären sowie persönlichen Situation ihre Mitwir-
kungspflicht in grober Weise verletzt. Dadurch habe sie es dem SEM ver-
unmöglicht, eine sinnvolle Prüfung der Zulässigkeit, Zumutbarkeit und
Möglichkeit des Vollzugs der Wegweisung vorzunehmen. Es sei nicht Sa-
che der Asylbehörden, bei fehlenden Hinweisen seitens der gesuchstellen-
den Person nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothe-
tischen Herkunftsregionen innerhalb eines Landes zu forschen.
4.5 Die Beschwerdeführerin beanstandete, die Vorinstanz habe es unter-
lassen, ihre psychische Verfassung zu berücksichtigen und habe den an-
geblich entstandenen Widersprüchen zu starke Bedeutung zugemessen.
Ausserdem seien ihre emotionalen und nonverbalen Äusserungen wäh-
rend den Anhörungen bei der Glaubhaftigkeitsprüfung unberücksichtigt ge-
blieben. Sie sei seit fünf Jahren alleine auf der Flucht. Erinnerungsabwei-
chungen oder Erinnerungsverluste persönlicher Erlebnisse könnten mit der
Zeit verblassen. Dennoch habe sie – entgegen der Argumentation der
Vorinstanz – ausführlich und höchst detailreich über ihr Leben in Angola
sowie ihre Ausbildung zur (...) erzählt. Überdies seien auch ihre Ausfüh-
rungen zu ihren Asylgründen, insbesondere ihrer Arbeit bei der FLEC, der
Entwendung von Medikamenten sowie ihrer Beziehung zu ihrem Schwager
sehr ausführlich und mit zahlreichen Details sowie Realkennzeichen ver-
sehen, ausgefallen. Weiter habe sie in anschaulicher Weise dargelegt,
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dass sie die FLEC als (...) Fachkraft unterstützt habe. Da ihr Schwager ihre
Ausbildung finanziert habe, sei sie in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihm
gestanden und habe seine Weisungen jeweils befolgt, ohne dass man sie
über die genaue Lage der Verstecke der FLEC informiert hätte. Dennoch
habe sie die jeweiligen Einsätze und die Wegbeschreibungen zu den Ver-
stecken äusserst detailreich darlegen können. Auch habe sie ihre Flucht
ausführlich geschildert und diese mit Realkennzeichen, persönlichen Emp-
finden sowie Mimik während der Anhörung und der Wiedergabe der direk-
ten Rede untermauert. Ausserdem sei zu beachten, dass ihre Flucht von
ihrem Schwager und M._ organisiert worden sei und sie während
dieser Zeit unter einem enormen Schock gestanden habe. Weiter habe sie
schlüssig erklärt, weshalb sie von den angolanischen Behörden gesucht
worden sei. Insgesamt habe sie ihre Vorbringen während beiden Anhörun-
gen in den wesentlichen Punkten übereinstimmend und strotzend vor Re-
alkennzeichen dargelegt. Dem Vorhalt, es sei zu Widersprüchen gekom-
men und ihre Aussagen seien vor dem Hintergrund ihrer individuellen Fä-
higkeiten zu gering, könne nicht gefolgt werden. Entgegen der vorinstanz-
lichen Auffassung habe sie in der ersten Anhörung offensichtlich nicht von
ihren Wohnorten nach ihrem Studium, sondern von ihrem Leben davor er-
zählt. Sodann seien ihre Schilderungen zu ihrer Wohnsituation nach ihrer
Rückkehr nach Cabinda schlüssig und mit verschiedenen Hinweisen auf
ihr psychisches Wohlbefinden ausgefallen. Zudem habe sie sich nicht wi-
dersprochen, als sie ausgeführt habe, zeitweise bei ihrer Mutter in
F._ sowie ohne einen festen Wohnsitz gelebt zu haben. Vielmehr
habe sie in nachvollziehbarer Weise dargelegt, dass sie auf Anweisung ih-
res Schwagers habe «den Ort wechseln» müssen. Hinsichtlich ihrer Aus-
führungen zu ihrer Identitätskarte sei hinzuzufügen, dass sie überzeugend
dargelegt habe, wie sie diese erstmals habe ausstellen lassen. Dass sie
nicht mehr gewusst habe, eine Verlängerung der Identitätskarte zwei Tage
vor ihrer Flucht beantragt zu haben, könne ihr nicht zum Vorwurf gemacht
werden, wenn sie sich vier Jahre später bei der Anhörung nicht mehr habe
daran erinnern können. Vielmehr zeuge ihr Aussageverhalten von Glaub-
haftigkeit, zumal es gemäss Glaubhaftigkeitsprüfungspsychologie gerade
ein Realkennzeichen darstelle, wenn eine Aussage Erinnerungslücken auf-
weise. Zudem sei es nachvollziehbar, dass sie aus Angst in dieser akuten
Gefährdungssituation den angolanischen Behörden eine falsche Wohnad-
resse angegeben habe, und deshalb auf ihrer Identitätskarte ein falscher
Wohnort figuriere. Ferner habe sie sich hinsichtlich ihrer Verfolgung durch
angolanische Truppen nicht widersprochen, sondern in beiden Anhörungen
übereinstimmend geschildert, dass sie ihre Nachbarn über den Vorfall in-
formiert hätten.
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Zusammengefasst werde sie von den angolanischen Behörden wegen ih-
rer langjährigen Tätigkeit für die FLEC verfolgt. Erschwerend komme hinzu,
dass sie aus einer Familie stamme, welche seit Generationen die FLEC
unterstützt habe. Ausserdem sei die Situation in der Region Cabinda äus-
serst angespannt und einem Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe
(SFH) zufolge seien Anhänger der politischen Opposition – wie etwa der
FLEC – oftmals Opfer von behördlicher Gewalt und erhielten keinen Schutz
vor willkürlicher Verhaftung und anderen Menschenrechtsverletzungen.
Schliesslich sei es angesichts ihrer glaubhaft dargelegten Vorbringen stos-
send ihr vorzuwerfen, sie habe ihre Mitwirkungspflicht in grober Weise ver-
letzt. Als eine von der Regierung verfolgte Frau könne sie weder auf ein
intaktes Beziehungsnetz zurückgreifen noch könne sie angesichts ihrer
Vorgeschichte eine reguläre Anstellung als (...) finden. Ausserdem habe
sie ihr Heimatland bereits vor fünf Jahren verlassen, was eine Reintegra-
tion zusätzlich erschwere.
4.6 Zum Argument der Rechtsvertretung, die implizierte Traumafolgestö-
rung der Beschwerdeführerin habe negative Auswirkungen auf ihr Aussa-
geverhalten, äusserte sich die Vorinstanz dahingehend, dass sich aus den
Akten keine hinreichenden Hinweise auf eine Traumafolgestörung ergeben
würden. Der im medizinischen Datenblatt geäusserte Verdacht auf eine
posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) sei nicht weiter abgeklärt
worden, weshalb in diesem Zusammenhang von einer Schutzbehauptung
ausgegangen werden müsse. Auch unter der Annahme, die Beschwerde-
führerin leide an einer PTBS, müsse die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen
bezweifelt werden, zumal sie aufgrund ihrer Biographie über ausgeprägte
kognitive Fähigkeiten verfüge und in der Lage sei, komplexe und abstrakte
Abläufe von Ereignissen wiederzugeben. So habe sie weder ihre angebli-
chen Wohnorte noch den Weg ins Lager der FLEC schlüssig und wider-
spruchsfrei schildern können. Weiter seien die in der Beschwerde erwähn-
ten zahlreichen Realkennzeichen nicht näher ausgeführt worden. Es sei
jedoch darauf hinzuweisen, dass die ursprüngliche Herkunft der Beschwer-
deführerin sowie ihre berufliche Tätigkeit als (...) nicht in Frage gestellt wür-
den. Diese Angaben würden sich jedoch nicht spezifisch auf ihre Tätigkei-
ten für die FLEC und der daraus resultierenden, geltend gemachten Ver-
folgung beziehen. Auch der von ihr dargelegten Flucht fehle es an Real-
kennzeichen. Das Argument, sie habe während der Anhörung ihre Schilde-
rungen mit ihrer Mimik, Gestik und ihren emotionalen Reaktionen unter-
malt, welche als Glaubhaftigkeitsmerkmale zu deuten seien, gehe fehl, da
die genannten Kriterien gemäss psychotraumatologischen Erkenntnissen
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für eine Glaubhaftigkeitsprüfung ungeeignet seien. Ferner könne sie aus
der beigelegten Schnellrecherche der SFH nichts zu ihren Gunsten ablei-
ten, zumal sie nicht glaubhaft habe darlegen können, in Angola verfolgt
worden zu sein. Zudem stünde einem Wegweisungsvollzug nach Angola
nichts entgegen, da sie nicht in die Provinz Cabinda, sondern allgemein
nach Angola weggewiesen werden würde. Schliesslich sei nicht davon
auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr ins Heimatland einzig aufgrund
ihrer Familienzugehörigkeit mit ernsthaften Nachteilen im Sinne des Asyl-
gesetzes zu rechnen habe, da eine ihrer Schwestern, welche in der Ver-
gangenheit mit dem aktuellen Führer der FLEC zusammen gewesen sein
soll, nun für die angolanische Regierung arbeite.
4.7 In der Replik wurde erneut darauf hingewiesen, dass die Antworten der
Beschwerdeführerin zu ihren Wohnorten stimmig und nicht widersprüchlich
ausgefallen seien. Auch die Begründung, sie habe sich widersprüchlich
zum Zusammenleben mit ihrer Schwester geäussert, müsse zurückgewie-
sen werden.
Hinsichtlich des Vorhalts der Vorinstanz, es gäbe keine verlässlichen non-
und paraverbalen Glaubhaftigkeitsmerkmale, sei zu entgegnen, dass die
im Protokoll festgehaltenen Reaktionen der Beschwerdeführerin nicht ge-
spielt seien. Ferner sei zu beachten, dass sie sich während den Anhörun-
gen nie komplexer Interaktionsschilderungen bedient habe, die Vorinstanz
dies jedoch von ihr erwartet habe. Auch sei kein Bruch in der Erzählstruktur
erkennbar. Schliesslich seien weitere Merkmale nach aussagepsychologi-
schen Erkenntnissen in ihren Schilderungen vorhanden, welche als Glaub-
haftigkeitsmerkmale beachtet und als solche eingestuft werden müssten.
5.
5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend
substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in
vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich
sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder
der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-
suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere
dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann,
wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im
Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet
nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-
wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz
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zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus
Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch-
stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge-
richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für
wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma-
chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen
zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche
und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar-
stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob
die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen,
überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-
len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
5.2 Die Beschwerdeführerin monierte in grundlegender Weise, ihre non-
verbalen, anlässlich der Anhörungen protokollierten Reaktionen seien von
der Vorinstanz insgesamt zu Unrecht nicht beachtet worden, obwohl diese
bedeutenden Hinweise für die Glaubhaftigkeit ihrer Schilderungen darstell-
ten. Hierzu ist auf aussagepsychologische Erkenntnisse zu verweisen, wo-
nach Emotionen respektive das Fehlen von Emotionen oder nonverbale
Reaktionen verschiedene Ursachen haben können und deshalb oft nicht
mit der Wahrheit korrelieren, womit sie nur als schwaches Indiz für die
Glaubhaftigkeitsprüfung herangezogen werden können (vgl. REVITAL
LUDEWIG/DAPHNA TAVOR/SONJA BAUMER, Wie können aussagepsychologi-
sche Erkenntnisse Richtern, Staatsanwälten und Anwälten helfen?, in: Ak-
tuelle Juristische Praxis [AJP] 2011, S. 1415-1435, S. 1421 ff.; https://
easo.europa.eu/sites/default/files/EASO-Evidence-and-Credibility-Asses-
sment-JA-DEG.pdf, Beweiswürdigung und Glaubhaftigkeitsprüfung im
Rahmen des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems [Geas; eu-
ropa.eu], Richterliche Analyse: Beweiswürdigung und Glaubhaftigkeitsprü-
fung im Rahmen des Gemeinsamen europäischen Asylsystems Kap. 3.4.2
und 6.4, m.w.H.). Dementsprechend bezieht das Gericht keine nonverba-
len oder paraverbalen Reaktionen mit in die Glaubhaftigkeitsprüfung ein
(vgl. Urteile des BVGer D-2437/2019 und D-2439/2019 vom 29. Oktober
2021 je E. 4.5). Die Vorinstanz hat zu Recht allfälligen nonverbalen Indizien
kein Gewicht beigemessen respektive diese nicht in ihre Glaubhaftigkeits-
prüfung einbezogen. Ferner ist festzustellen, dass die Aussagequalität der
Ausführungen der Beschwerdeführerin im Allgemeinen als eher gering er-
scheint, zumal vor dem Hintergrund ihrer Biographie präzisere Angaben zu
erwarten gewesen wären (vgl. Verfügung des SEM vom 20. Mai 2021, S. 5-
6).
https://easo.europa.eu/sites/default/files/EASO-Evidence-and-Credibility-Assessment-JA-DEG.pdf https://easo.europa.eu/sites/default/files/EASO-Evidence-and-Credibility-Assessment-JA-DEG.pdf https://easo.europa.eu/sites/default/files/EASO-Evidence-and-Credibility-Assessment-JA-DEG.pdf
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Seite 15
5.3 Die Vorinstanz zweifelte an der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen der
Beschwerdeführerin. Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich dieser
Einschätzung an und kommt zum Schluss, dass die Fluchtgründe der Be-
schwerdeführerin mangels vorhandener Substantiierung und wegen teil-
weise fehlender Logik der Ereignisabläufe insgesamt als unglaubhaft zu
erachten sind. Im Wesentlichen ist im Zusammenhang mit der fehlenden
Glaubhaftigkeit ihrer geltend gemachten Tätigkeiten für die FLEC in den
Matas von K._, ihrer Beziehung zu J._, ihrer Wohnsituation
sowie ihrer Verfolgung durch die angolanischen Truppen auf die ausführli-
che Begründung in der vorinstanzlichen Verfügung zu verweisen.
5.4 Ergänzend zu den Ausführungen der Vorinstanz ist festzuhalten, dass
die Beschwerdeführerin die (...) Versorgung und (...), welche sie für die
FLEC in den Matas während mehrerer Jahre ausgeführt haben soll, zwar
glaubhaft und detailliert schilderte, jedoch kann aus den Beschreibungen
ihrer Tätigkeit als (...) – welche im Übrigen nicht angezweifelt wird – nicht
bereits darauf geschlossen werden, dass sie die (...) und Versorgung tat-
sächlich für die FLEC erbracht hat. Sodann konnte die Beschwerdeführerin
nicht schlüssig erklären, weshalb die FLEC respektive J._ ausge-
rechnet sie um Hilfe für die (...) von (...) Soldaten gebeten haben soll, zu-
mal es sich von den von ihr beschriebenen Hilfeleistungen lediglich um
(...)-Leistungen und (...) handelte, welche jederzeit von anderen Personen
hätten durchgeführt werden können (vgl. SEM-Akte 51/23, F57, F62). Fer-
ner erscheint es aus zeitlicher und geographischer Sicht kaum plausibel,
dass sie während ihrer Ausbildung (...) Hilfe geleistet haben soll, zumal die
Matas über 1’000km von ihrem Ausbildungsort R._ entfernt sind.
Eine solche Reise benötigt mehrere Stunden und wäre kaum mit einer Voll-
zeitausbildung vereinbar gewesen (vgl. SEM-Akte 51/23, F33-42). Des
Weiteren überzeugt auch ihr Vorbringen, den Arbeitsplatz jeweils nach ei-
nem erfolgten Telefonanruf durch ihren Schwager umgehend verlassen zu
haben, um im Urwald Hilfe zu leisten, nicht. In diesem Zusammenhang er-
weist sich die von ihr beschriebene Reiseroute von mehreren Stunden Au-
tofahrt als unrealistisch, zumal sie behauptete, am selben Tag sowohl in
den Matas als auch im Spital gearbeitet zu haben (vgl. SEM-Akte 51/23,
F71-74). Weitere Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussage, die Beschwer-
deführerin soll nach ihrer Ausbildung in Cabinda gearbeitet haben (vgl.
SEM-Akte 51/23, F59-60), bestehen insofern, als dass sie ihren dortigen
angeblichen Arbeitsort nicht korrekt angeben konnte, zumal gemäss
Google-Maps weder ein Provinz(...), sondern lediglich das regionale (...),
noch die (...) in Cabinda zu finden sind.
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Seite 16
5.5 Des Weiteren erweisen sich die Ausführungen der Beschwerdeführerin
zu ihrer Wohnsituation, ihrer Beziehung zu J._ sowie ihrer Verfol-
gung durch die angolanischen Truppen als insgesamt substanzarm und
widersprüchlich. Um Wiederholungen zu vermeiden, wird auf die Verfü-
gung der Vorinstanz verwiesen (vgl. Verfügung des SEM vom 20. Mai
2021, Kap. 1 [S. 4], Kap. 2 [S. 6]). Ferner sind die Ausführungen der Be-
schwerdeführerin zu ihrem Grossvater ebenfalls widersprüchlich. Anläss-
lich der PA und des Dublin-Gesprächs gab sie einen anderen Namen ihres
Grossvaters an, als auf ihrer Geburtsurkunde ersichtlich ist. Ihre diesbe-
zügliche Erklärung (vgl. SEM-Akte 51/23, F105 f.) vermag nicht zu über-
zeugen. Auch die eingereichten Beweismittel (Kopie Haftbefehl und To-
dessschein von M._), welche lediglich in Kopie vorliegen, vermö-
gen ihre Fluchtgründe nicht zu unterstützen, zumal sie die Umstände um
deren Erhalt nicht überzeugend darlegen konnte (vgl. SEM-Akte 51/23,
F19-20, F129).
5.6 Schliesslich überzeugen auch die Ausführungen der Beschwerdefüh-
rerin zu den geltend gemachten Bedrohungen in der Ukraine und in Portu-
gal nicht, und es erstaunt, dass sie in diesen beiden Staaten, in welchen
sie während einiger Zeit gelebt hat, kein Asylgesuch einreichte, obwohl sie
angeblich dort angegriffen und verfolgt worden sein soll.
5.7 Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass die
Vorinstanz zu Recht die Vorbringen der Beschwerdeführerin als unglaub-
haft erachtet, die Flüchtlingseigenschaft verneint und ihr Asylgesuch abge-
lehnt hat.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
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Seite 17
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Aus-
länderinnen und Ausländer und über die Integration [AIG, SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Die Vorinstanz kam in ihrer Verfügung zum Schluss, dass die Be-
schwerdeführerin unglaubhafte Angaben zu ihrer Wohnsituation sowie teil-
weise zu ihren familiären Verhältnissen gemacht und deshalb ihre Mitwir-
kungspflicht in grober Weise verletzt habe. Eine sinnvolle Prüfung der Zu-
lässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs sei da-
mit verunmöglicht worden. Unter diesem Gesichtspunkt und aufgrund der
unglaubhaften Fluchtgründe stünde einem Vollzug der Wegweisung nichts
entgegen.
7.3
7.3.1 Hierzu ist festzustellen, dass die Ausführungen der Beschwerdefüh-
rerin zu ihren Wohnorten tatsächlich äusserst ausweichend und teilweise
widersprüchlich ausgefallen sind. Insbesondere ist es ihr nicht gelungen
glaubhaft darzulegen, nach ihrer Ausbildung bis zu ihrer Ausreise, von
2015 bis August 2016, in der Region Cabinda wohnhaft gewesen zu sein,
zumal sie gemäss der eingereichten, am 21. Juli 2016 ausgestellten Iden-
titätskarte, unter einer Adresse in P._ in der Provinz Q._ im
Süden Angolas registriert worden war. Da die Identitätskarte zwei Tage vor
ihrer geltend gemachten Flucht erneuert worden war, ist davon auszuge-
hen, dass sie sich nach ihrer Ausbildung dort niedergelassen hat und de-
mensprechend seit mindestens 2011 nicht mehr in Cabinda wohnhaft war.
7.3.2 Aufgrund der vorangehenden Erwägungen ist deshalb davon auszu-
gehen, dass die Beschwerdeführerin zwar gemäss der eingereichten Iden-
titätskarte in der Provinz Cabinda geboren wurde und angolanische Staats-
angehörige ist, jedoch seit mindestens 2011 nicht mehr in dieser Region
wohnhaft war. Demensprechend hat sie ihre wahren Wohnverhältnisse
nicht offengelegt und somit ihre Mitwirkungspflicht verletzt.
7.4 Nach ständiger Rechtsprechung findet die Abklärungspflicht der
Asylbehörden ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden
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Person. Vorliegend hat es die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Verlet-
zung der Mitwirkungspflicht der Vorinstanz verunmöglicht, ihren wahren
Herkunftsort festzustellen und hat die Folgen insofern zu tragen, als seitens
der Asylbehörden der Schluss gezogen werden muss, es spreche nichts
gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort (vgl. BVGE 2014/
12. E. 6).
7.5
7.5.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83
Abs. 3 AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu
Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-
gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.5.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Be-
schwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin nach An-
gola ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Weg-
weisung nach Angola dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
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Seite 19
die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr (real risk) nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer, 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Angola lässt den
Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erschei-
nen.
7.5.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
7.6
7.6.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.6.2 In BVGE 2014/26 kam das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss,
auf dem Staatsgebiet Angolas (ohne Berücksichtigung der Exklave
Cabinda) herrsche weder Krieg, Bürgerkrieg noch eine Situation allgemei-
ner Gewalt. Aufgrund der in humanitärer, sozialer und wirtschaftlicher Hin-
sicht nach wie vor fragilen Lage sei jedoch im Rahmen einer Einzelfallprü-
fung zu beurteilen, ob die betroffene Person im Fall einer Rückkehr in eine
existenzielle Notlage geraten würde. Dabei seien neben den persönlichen
Voraussetzungen und Ressourcen der betroffenen Person – wie Ge-
schlecht, Alter, Gesundheitszustand, Bildungsniveau, Ausbildung und Be-
rufserfahrung – auch die Existenz eines tragfähigen familiären oder ander-
weitigen sozialen Beziehungsnetzes sowie konkrete Möglichkeiten zur Si-
cherung des Existenzminimums und der Wohnsituation in Betracht zu zie-
hen (E. 9.14, bestätigt etwa in den Urteilen des BVGer E-5161/2020 vom
10. November 2020 E. 9.3.1 und E-2263/2021 vom 21. Juli 2021 E.10.4.1).
7.6.3 Individuelle Gründe, die gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs der Beschwerdeführerin sprechen würden, sind nicht ersichtlich.
Die Beschwerdeführerin absolvierte eine vierjährige Ausbildung als (...).
Sie ist eine junge gesunde Person und verfügte über finanzielle Ressour-
cen, mit welchen sie bereits die Ausbildung sowie ein Semester eines
(...)studiums in der Ukraine hat bezahlen können. Vor dem Hintergrund
dieser Ausbildung ist davon auszugehen, dass sie in P._, wo sie
ihre Ausbildung absolvierte und sich seit mindestens 2011 aufhielt (vgl. E.
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Seite 20
7.2.3), über ein tragfähiges soziales oder familiäres Netzwerk verfügt, wel-
ches ihr bei Bedarf bei einer Reintegration hilfreich zur Seite stehen kann.
Sodann sind keine medizinischen Gründe ersichtlich, welche einem Voll-
zug der Wegweisung entgegenstehen würden. Den Arztberichten zufolge
seien zwei Operationen ihrer (...) zufriedenstellend verlaufen. Auch die
langjährige (...) stellt keine lebensbedrohliche Krankheit dar. Andere ge-
sundheitliche Probleme machte sie nicht geltend.
7.7 Vor diesem Hintergrund ist nicht davon auszugehen, dass die Be-
schwerdeführerin in eine finanzielle oder medizinische Notlage geraten
könnte. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit auch als zumutbar.
7.8 Ferner obliegt es der Beschwerdeführerin, sich nebst den bei den
Schweizer Behörden abgegebenen Identitätsdokumenten bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist somit auch möglich
(Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.9 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-
deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Zwischenverfügung
vom 30. Juni 2021 wurde ihr die unentgeltliche Rechtspflege gewährt, wes-
halb ihr keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind.
9.2 Mit Eingabe vom 28. Juli 2021 reichte die Rechtsbeiständin eine Kos-
tennote in der Höhe von Fr. 3'969.– ein. Dabei ging sie von einem Stun-
denansatz von Fr. 250.– respektive bei Unterliegen von einem Stundenan-
satz von Fr. 220.– aus. Mit Zwischenverfügung vom 30. Juni 2021 war da-
rauf aufmerksam gemacht worden, dass bei einer amtlichen Rechtsvertre-
tung in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.– für
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Anwältinnen und Anwälte ausgegangen werde (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10
Abs. 2 VGKE). Der geltend gemachte zeitliche Aufwand von insgesamt
15.75 Stunden erscheint als zu hoch und ist auf 11 Stunden zu kürzen. Das
Honorar ist entsprechend anzupassen, der Stundenansatz auf Fr. 200.--
herabzusetzen und der amtlichen Rechtsbeiständin somit ein Honorar in
der Höhe von Fr. 2’232.– (inklusive Auslagen) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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