Decision ID: 0991ca8c-581b-4925-8b3a-f73c146be3b0
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960, absolvierte
je
eine Ausbildung zur Psychiatrie-Krankenpflegerin und Sozialarbeiterin (Urk. 10/1/4
, Urk. 10/196/4 f.)
.
Zuletzt war sie vom 16. Oktober 1995 bis 31. Juli 2003 beim
Y._
tätig (
Urk.
10/14/1). Dort wurde sie zuerst als Sozialarbeiterin angestellt, danach als Projektleiterin, Bereichsleiterin, Assistentin und Fachbereichsleiterin und schliesslich
arbeitete sie
als Stabsmitarbeiterin und Fachperson für Kommunikation im
Z._
(Urk. 10/79/1).
Am 20. April 2003 meldete sie sich unter anderem unter Hinweis auf Muskel- und Gelenkschmerzen im ganzen Körper sowie eine Erschöpfung, bestehend seit
den
90er Jahren mit massiver Verschlechterung des Zustandes seit 1997, bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/1). Die Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche Abklärungen
(Urk. 10/9) und holte insbesondere ein polydisziplinäres Gutachten beim
A._
vom 2. November 2004 ein (Urk. 10/21). Mi
t Verfügung vom
1
0.
Februar 2005
sprach sie der Versicherten rückwirkend ab
4
. Februar 2003 bei einem
mittels gemischter Bemessungsmethode ermittelte
n
Invaliditätsgrad von 53 % eine halbe Rente zu (Urk. 10/
27
,
Urk.
10/32
).
1.2
Mit Mitteilungen vom 4. Juli 2007 sowie 23. November 2010 bestätigte
die IV-Stelle
jeweils den Anspruch auf eine halbe Rente bei
einem
unveränderte
n
Inva
liditätsgrad (Urk. 10/61, Urk. 10/68).
1.3
Im Zuge des
Ende 2015
von Amtes wegen
eingeleiteten Revisionsverfahrens (Urk. 10/7
1
)
holt
e die IV-Stelle unter anderem ein polydisziplinäres Gutachten bei der
B._
ein, welches am 6. Oktober 2016 erstattet wurde (Urk. 10/88).
Gestützt darauf teilte
sie
der Versicherten mit Vorbescheid vom 8. Februar 2017 mit, sie werde die
halbe
Rente auf Ende des der Zustellung
der Verfügung
folgenden Monats aufheben (Urk. 10/91). Dagegen erhob die Versicherte am 10. März respektive 28. April 2017 Einwand und reichte diverse
Arztb
erichte ein (Urk. 10/97, Urk. 10/99 f.
,
Urk.
10/102
).
Am 15. Mai 2017 wurde bei der Versicherten
sodann eine
Spondy
lodese
durchgeführt und
anschliessend
befand
sie
sich bis
am
2
2.
Juni 2017 in der Rehabilitation
in der
C._
(Urk. 10/105/1, Urk. 10/120/
7
).
Daraufhin
tätigte die IV-Stelle weitere medizinische Abklärungen, zu welchen die
Versicherte
am
11. April
2018 Stellung nahm (Urk. 10/1
32).
Am 11. Juli 2018 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, es seien aufgrund ihres Gesundheits
zu
standes keine Eingliederungsmassnahmen möglich (Urk. 10/154).
Nachdem die IV-Stelle abermals Bericht
e
zu den Akten
genommen hatte
, holte sie
eine abschliessende Stellungnahme des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
vom 2. März 2019 ein
und teilte der Versicherten am 1. Juli 2019 wiederum mit, es seien keine Eingliederungsmassnahmen möglich
(Urk. 10/224/10
, Urk. 10/211
).
Nach Eingang weitere
r
Berichte verfügte die IV-Stelle schliesslich a
m 6. September
2019
im angekündigten Sinne und stellte die Rente bei einem Invaliditätsgrad von 3
8.4
% auf Ende des der Zustellung folgenden Monat
s
ein (Urk. 10/225 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 9. Oktober 2019 Beschwerde und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr weiterhin die gesetzlichen Leistungen, insbesondere min
des
tens eine halbe Rente, zu gewähren (Urk. 1 S. 2).
Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 20. Dezember 2019 auf Abweisung
der Beschwerde
(Urk. 9).
Mit Replik vom
10. März 2020 er
neuerte
die Beschwerde
führerin ihr
Rechtsbegehren
(Urk. 14). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 6. April 2020 auf das Einreichen einer Duplik, was der Beschwerdeführerin am 8. April 2020 mitgeteilt wurde (Urk. 17, Urk. 18).
Mit Verfügung vom
15. Oktober 2020
wurde die Pensionskasse Stadt Zürich zum vorliegenden Verfahren beil
ge
laden
(Urk. 19). Diese verzichtete am 27. Oktober 2020 auf eine Stellung
nahme (Urk. 22)
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6
und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung,
IVG
).
1.
5
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Fer
ner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Än
de
rung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
gegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
erwog in der
angefochtene
n
Verfügung vom 6. September 2019
,
der Beschwerdeführerin
sei
ihre angestammte Tätigkeit als Sachbearbeiterin gemäss dem interdisziplinären
B._
-Gutachten nach wie vor
unzumutbar. Gemäss Gutachten könne sie jedoch
ab dem Begutachtungszeit
punkt
eine leidensangepasste Tätigkeit
mit einem Pensum von
75 % ausüben (Urk. 2 S. 1).
Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei keine dauerhafte Ver
schlechterung durch die
Spondylodese
der
Lendenwirbelsäule gegeben (Urk. 2 S. 2 f.).
Es sei von einer somatisch begründeten, vorübergehenden Arbeits
un
fähigkeit vom 14. Mai 2017 bis 5. Februar 2018 auszugehen. Danach bestehe – wie zuvor – eine 70-80%ige Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten
.
Die Beschwerdeführerin könne zwar als voll erwerbstätig qualifiziert werden, jedoch bleibe es bei der 80%igen Anstellung ohne Aufgabenbereich
. Weil die Beschwerdeführerin ihre bisherige Tätigkeit seit dem Jahr 2002 nicht mehr aus
geübt habe, werde betreffend das
Valideneinkommen
auf
die Tabellenwerte des Bundesamtes für Statistik
abgestellt (Urk. 2 S. 3). Nach durchgeführtem Ein
kom
mensvergleich ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 38.4 %, weshalb für die Zukunft kein Rentenanspruch bestehe (Urk. 2 S. 4).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, b
ei ihr
lägen
zahlreiche, in Wechselwirkung stehende Erkrankungen vor, die sich auf ihre Arbeitsfähigkeit in einem weitaus höheren Mass auswirken würden, als von der Beschwerdegegnerin angenommen. Dem
B._
-Gutachten könne nicht ge
folgt werden, da es sich mit den anderslautenden medizinischen Berichten nicht genügend auseinandersetze, aber auch deshalb, weil seit 2016 eine Verschlech
terung der Situation eingetreten sei
. So habe eine depressive Entwick
lung statt
gefunden (
Urk.
1 S. 20 f.)
.
Die Beschwerdegegnerin
habe den U
nter
suchungs
grundsatz verletzt
(
Urk.
1 S. 21).
Eine gesamthafte Betrachtung ihres Lebens
laufes lege
ausserdem
nahe, dass sie bei guter Gesundheit
zu
100 % (wenn nicht mehr) arbeitstätig wäre. Dies sei auch der Fall gewesen, bevor sie wegen ihren Beschwerden ihr Pensum habe reduzieren müssen (Urk. 1 S. 21 f.).
Beim
Validen
einkommen
sei
das
Einkommen bei
Rentenzusprache
heranzuziehen
und nicht
ein
fiktive
r
Tabellenlohn (Urk. 1 S. 23).
Bei korrekter Ermittlung des
Validenein
kommens
ergebe sich auch bei der bestrittenen Annahme einer 75%igen Arbeits
fähigkeit weiterhin ein Anspruch auf eine halbe Rente. Auch wenn man von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit ausgehe, könne ihr eine wirt
schaftliche Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht zugemutet werden (Urk. 1 S. 24 f.).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort zog die Beschwerdegegnerin ergänzend in Erwägung,
b
etreffend die psychische Situation würden sich im Gutachten Hinweise auf
viele
Freizeitaktivitäten ergeben. Dies deute auf zahlreiche Ressourcen hin und die klare Strukturierung des Alltags stehe im Widerspruch zu den Einschränkungen im erwerblichen Bereich
.
Sie, d
ie
IV-Stelle
,
berücksichtige
bei Anwendung der
LSE 2016, T17, bei keiner Person das Alter. Es werde auf den Durchschnittswert abgestellt
(Urk. 9 S. 3).
Beim Invalideneinkommen sei auf den Totallohn für sonstige Bürofachkräfte
und verwandte Berufe abzustützen (
LSE 2016,
TA17
). Es resultiere ein Invaliditätsgrad von 24 %.
Da die Beschwerdeführerin zu 80 % erwerbstätig gewesen sei, fielen die restlichen 20 % in den Haushaltsbereich. Dort bestehe keine Einschränkung. Der Invaliditätsgrad liege unter 40 %, weshalb für die Zukun
ft kein Rentenanspruch bestehe
(Urk. 9 S. 4).
2.4
Replicando
hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest und machte gel
tend,
d
ie Darstellung betreffend die angeblichen Freizeitaktivitäten treffe nicht mehr zu und diese würden
ebenfalls
keine Verbesserung ihres Gesundheits
zustandes belegen
(Urk. 14 S. 3 f.).
Es sei weiterhin vom ursprünglichen
Validen
einkommen
auszugehen (Urk. 14 S. 7).
2.5
Vergleichsbasis
für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108 E. 5.4).
Massgeblicher zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung bildet nach dem Gesagten die Verfügung vom
1
0.
Februar
2005
, mit welcher
der Beschwerde
führerin
eine halbe Rente zugesprochen wurde
(Urk. 10/26).
De
n
Mitteilung
en
vom 4. Juli 2007 und 23. November 2010 lagen zwar ebenfalls umfassende Sach
verhaltsabklärungen zugrunde. So holte die Beschwerdegegnerin Verlaufs
berichte der behandelnden Ärzte sowie jeweils eine Stellungnahme des RAD ein (Urk. 10/60/2 f., Urk. 10/67/2 f.). Allerdings
übernahm
die Beschwerdegegnerin jeweils den Einkommens
vergleich aus dem Jahr 2004, ohne diesen – insbesondere mit Blick auf die angewandte gemischte Methode (Urk. 10/60/3, Urk. 10/68/3) – näher zu überprüfen
, weshalb diese Mitteilungen nicht als Vergleichsbasis her
anzuziehen sind.
3.
3.1
Der
rentenzusprechenden
Verfügung vom
1
0.
Februar
2005
lag im Wesentlichen das Gutachten des
A._
vom 2. November 2004
in den Disziplinen Innere Medizin, Rheumatologie und Psychiatrie
zugrunde. Damals
nannten
die Gutachter
nach
folgende
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 10/21/
1
8):
-
Erschöpfungssyndrom (ICD-10 F48.0) mit mannigfachen
Somatisierungs
tendenzen
-
Zervikal- und lumbalbetontes
Panvertebralsyndrom
-
Wirbelsäulenfehlform und –
fehlhaltung
bei Status nach wahrschein
lichem Morbus Sche
ue
rmann
thorakolumbal
-
Fortgeschrittene
Osteochondrose
L5/S1 sowie beginnende
Spondylarthrosen
L4/S1
-
Ausgeprägte muskuläre
Dysbalance
vom Schulter- und auch Becken
gürteltyp bei allgemeiner muskulärer
Dekonditionierung
-
Zunehmende Schmerzverarbeitungsstörung bei
Chronif
i
zierung
mit unspezifischer Körperhalbseitendysästhesie rechts
-
Generalisierte muskuläre
Dekonditionierung
-
Im Rahmen eine
s
chronischen unspezifischen
multilokulären
Schmerzsyndroms (ICD-10 F52.8)
-
Diabetes mellitus Typ 2
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielten sie ein meta
bo
lisches Syndrom, eine substituierte Hypothyreose sowie den Status nach akuter
Sarkoidose
, Stadium II (Morbus Beck)
,
fest (Urk. 10/21/18 f.).
Dazu führten sie aus, bei der Beschwerdeführerin bestehe eine äusserst manni
g
fache subjektive Beschwerdesituation, wie dies in der Regel nur bei einer psychosomatischen Grundproblematik angetroffen werde. Es bestehe ein Mischbild, indem tatsächlich verschiedene somatische Diagnosen festzustellen seien. Diese würden jedoch all die vielen subjektiven Probleme, vor allem hinsichtlich des Ausmasses der sub
jektiven Einschränkungen, nicht erklären.
Bezüglich der Beschwerden am Bewegungsapparat könne aus rheumatologischer Sicht einerseits ein chronisches, unspezifisches,
multilokuläres
Schmerzsyndrom festgestellt werden mit einer gewissen Fokussierung auf ein zervikal- und lumbalbetontes
Panvertebralsyndrom
. Es bestünden eine ausgeprägte muskuläre
Dysbalance
und
fortgeschrittene
degenerative Veränderungen L5/S
1.
Es
seien
je
doch keine
radikulären
Symptome
vorhanden
und die Beweglichkeit sei an
sprechend. Aus rheumatologischer Sicht gebe es auch keine sicheren Hinweise auf eine chronisch-entzündliche Grunderkrankung, die am Beschwerdebild ur
sächlich beteiligt sei.
D
er Beschwerdeführerin
sei
mit Blick auf
de
n
Bewegungs
apparat eine rein sitzende Tätigkeit ganztags zumutbar,
dies
mit einer Leistungs
einschränkung von 20 % aufgrund der Pausen, die über die reine Wechsel
be
lastung hinausgingen. Eine körperlich leichte bis mittelschwere, wechsel
be
lastende Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin jedoch ohne Einschränkungen zu
mutbar (Urk. 10/21/19 f.).
Im Vordergrund stehe die psychiatrische Problematik. Bei der Beschwerdeführerin könne ein ausgeprägtes Erschöpfungssyndrom festgestellt werden, welches sich Ende der 90er-Jahre ausgebildet habe. Die Erschöpfungssymptomatik
habe einen
hoh
en Krankheitswert erreicht und die Beschwerdeführerin könne sich aus
eigener Kraft nicht daraus befreien. Es bestehe in der ursprünglichen, verant
wortungsvollen Tätigkeit eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht sei sie in einer wenig
verantwortungsvollen
, nicht zu komplexen Tätigkeit ohne Hektik zu 50 % arbeitsfähig. Eine volle Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit könne ab dem 4. Februar 2002 angenommen werden. Ab jenem Zeit
punkt gelte auch die maximal 50%ige Zumutbarkeit für sehr leichte Arbeiten (Urk. 10/21/20).
In der Konsensbesprechung präsentiere sich eine Explorandin mit eine
m
evidenten Erschöpfungssyndrom, die ausgeprägte Abwehrmechanismen (auf un
bewusster Ebene) entwickelt habe und mit
einer zunehmenden, mannigfaltigen Somatisierung darauf reagiere bzw. dies abwehre. Aufgrund der objektivierbaren Befunde bestehe eindeutig eine überwiegende Einschränkung aus psychiatrischer Sicht. Die bisherige verantwortungsvolle komplexe Tätigkeit sei der Beschwerde
führerin nicht mehr zumutbar. Eine psychiatrisch adaptierte, nicht komplexe und verantwortungsvolle Tätigkeit ohne Hektik könne ihr halbtags zugemutet werden; darin sei die Leistungseinschränkung bereits einbezogen (Urk. 10/21/20).
Die Beschwerdegegnerin qualifizierte die Beschwerdeführerin verfügungsweise als zu 80
%
im Erwerb und zu 20
%
im Haushalt tätig. Bei
der gutachterlich attestierten A
rbeitsfähigkeit von 50
%
in einer Verweistätigkeit
ermittelte sie eine Einschränkung im Erwerbsbereich von 66
%
. Gewichtet mit der Einschränkung im Haushaltsbereich von 0
%
resultierte ein Invaliditätsgrad von 53
%
(Urk.
10/27).
3.2
Im Rahmen der vorliegenden Rentenrevision erstattete das
B._
am 6. Oktober 2016 sein Gutachten in den Fachbereichen Psychiatrie, Ortho
pädie/Traumatologie, Neurologie und Innere Medizin
. Als Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit führten sie eine Neurasthenie (ICD-10 F48.0) auf. Demgegenüber
seien folgende Diagnosen ohne
leistungseinschränkende Wirkung
(Urk. 10/88/16)
:
-
Wiederkehrende Schmerzen der HWS (Halswirbelsäule) mit geringer Bewegungseinschränkung, ohne Wurzelreizsyndrom, ohne neurologische Auffälligkeiten, ohne wesentliche Beeinträchtigung der Wirbelsäulen
muskulatur, bei nachgewiesenen degenerativen Veränderungen
-
Wiederkehrende Schmerzen der LWS (Lendenwirbelsäule), ohne neuro
lo
gische Auswirkungen, ohne Bewegungseinschränkung, ohne Wurzel
reizsyndrom, bei nachgewiesenen degenerativen Veränderungen, ins
besondere des unteren Wirbelsäulenabschnittes L4/S1
-
Schmerzen des rechten Schultergelenkes bei der
endgradigen
Bewegungs
auslenkung im Sinne eines geringen sog.
Impingementsyndroms
-
Unklarer Schwank-Taumelschwindel, begleitende Kopfschmerzen, Tinni
tus, Kribbelparästhesien (rechtes Gesicht), Differentialdiagnose (DD) vestibuläre Migräne, funktionell
-
Diabetes Typ 2, suboptimal eingestellt
-
Hypertonie, medikamentös ordentlich eingestellt
-
Adipositas (Body-Mass-Index [BMI] 34 kg/m
2
)
-
Hypothyreose, gut substituiert
-
Verdacht auf Colon irritable
-
Tietze-Syndrom, manifest
-
Status nach
Sarkoidose
II 1983
In psychiatrischer Hinsicht
führten
die Gutachter
im Rahmen der versicherungs
medizinischen Gesamtbeurteilung aus
, die Beschwerdeführerin beklage eine ver
mehrte Erschöpfbarkeit, die bereits seit 2002 bestehe. Im Jahr 2004 sei sie vom
A._
begutachtet worden. Damals sei ein Erschöpfungssyndrom (ICD-10 F48.0) diagnostiziert worden. Die damalige Diagnose sei auch aus heutiger Sicht noch gut nachvollziehbar. Zum Zeitpunkt der
A._
-Begutachtung habe sich noch eine sehr ausgeprägte Erschöpfung gezeigt.
Im
damals erhobenen psychiatrischen Befund werde ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin hinsichtlich Konzen
t
ration, Auffassung und Gedächtnis objektiv nicht gestört gewesen sei. Sie habe allerdings müde gewirkt, teilweise habe sie lange und etwas schleppend gesprochen. Der Affekt sei etwas bedrückt gewesen, doch im Verhalten sei sie vordergründig sehr müde gewesen. Ein derartiges Bild habe sich im Rahmen der aktuellen psychiatrischen Begutachtung bei Weitem nicht ergeben. Die Beschwerdeführerin habe in keiner Weise müde oder verhangen gewirkt. In Psychomotorik und Gesprächsaktivität sei sie eher lebhaft gewesen. Anam
nes
tisch habe sie aber auch über eine vermehrte Erschöpfbarkeit berichtet, die nicht durchgängig sei. Es seien Tage geschildert worden, die offensichtlich völlig un
auffällig seien, an anderen Tagen sei sie sehr müde und erschöpft und ver
bringe viel Zeit im Bett.
Insgesamt werde eingeschätzt, dass durchaus noch eine neuras
thenische Symptomatik vorliege, im Sinne einer vermehrten Erschöpf
bar
keit nach geistigen und körperlichen Anstrengungen, aber nicht mehr im Aus
prägungsgrad wie noch zum
Zeitpunkt der
A._
-Begutachtung
. Im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung habe die Beschwerdeführerin auch relativ umfang
reiche körper
liche Beschwerden beklagt, diese seien
jedoch
nicht ausreichend organ
medizinisch erklärbar.
Aus psychiatrischer Sicht werde daher eingeschätzt, dass zum einen vermutlich eine relativ ausgeprägte Verdeutlichungstendenz vor
liege, zum anderen finde sich
bei der Neurasthenie gemäss ICD-10 in der Regel eine ganze Reihe von unangenehmen körperlichen Empfindungen. Die von der
Beschwerdeführerin beschriebenen
körperlichen Beschwerden dürften damit ein wesentlicher Teil der Neurasthenie sein. Es bestünden Fähigkeitsstörungen in den Bereichen Strukturierung von Aufgaben, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sowie Durchhaltefähigkeit. Die bis 2002 ausgeübte berufliche Tätigkeit in der Organisationsentwicklung sei aufgrund der ausgeprägten Neigung zur Selbstüberforderung und der beeinträchtigten Fähigkeit, Aufgaben zu strukturieren nicht mehr geeignet. Hier betrage die Arbeitsfähigkeit 0 %. In einer leidensadaptierten Tätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit deutlich höher und liege bei 70-80 % (Urk. 10/88/17).
Aus orthopädischer Sicht würden wiederkehrende Schmerzen der HWS, LWS und des rechten Schultergelenks vorliegen. Bei der klinischen Untersuchung seien sämtliche Gelenke mit Ausnahme des rechten Schultergelenks altersentsprechend frei beweglich gewesen. Die in den vergangenen Untersuchungen dokumentierten positiven Tenderpoints seien anlässlich der aktuellen Untersuchung nicht repro
duzierbar gewesen (Urk. 10/88/17). Insgesamt
hätten die von der Beschwerde
führerin geschilderten Beschwerden auf dem
orthopädisch-trauma
tologischen
Fachgebiet nicht
objektiviert
werden können
(Urk. 10/88/18).
Aus orthopädischer Sicht könne die Beschwerdeführerin ihre bisherige Tätigkeit als qualifizierte Sachbearbeiterin ohne Einschränkungen verrichten (Urk. 10/88/18).
Gemäss der neurologischen Gutachterin habe hinsichtlich der durch die Beschwerdeführerin geschilderten umfangreichen Beschwerden nie ein ein
deutiges neurologisches Korrelat gefunden werden können.
Vielmehr sei im
mer wieder der Verdacht auf funktionelle Beschwerden geäussert worden. Aus jetziger Sicht
liessen
sich die komplexe Symptomatik mit rechtsseitigen Gesichts
schmerzen, diffusen Kopfschmerzen und einer unklaren
Schwanktaumel
symp
to
matik
, die eher als Vibrieren empfunden werde
,
sowie die Zuckungen der rechten Körperseite nicht eindeutig einem neurologischen Korrelat zuordnen. Aus neuro
logischer Sicht sei die
Arbeitsfähigkeit quantitativ
nicht
eingeschränkt, eine neurologisch bedingte Arbeitsunfähigkeit ergebe sich nur beim Auftreten einer akuten Migränesymptomatik (Urk. 10/88/18).
Gemäss internistischem Teilgutachten ergebe sich durch die deutliche Adipositas eine verminderte Belastbarkeit für schwere körperliche Tätigkeiten. Weitere Ein
schränkungen ergäben sich nicht.
Zusammenfassend ergebe sich aus polydisziplinärer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 0 % in der bisherigen Tätigkeit und
von 70-80 %
in einer adaptierten Tätig
keit
gemäss psychiatrischem und
orthopädischem
Belastungsprofil
. Als geeignet
erachteten die Sachverständigen eine gut strukturierte, überwiegend sach
be
zogene Tätigkeit, ohne erhöhte Anforderungen an die emotionale Belastbarkeit. Da die Versicherte aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur zur Selbstüber
for
derung neige, sollte die Tätigkeit gut strukturiert und hinsichtlich der Arbeits
menge klar begrenzt sein. In körperlicher Hinsicht seien nur noch körperlich leichte Tätigkeiten zumutbar. Die Arbeiten sollten wechselweise im Stehen, Gehen und vorzugsweise im Sitzen stattfinden mit der Möglichkeit der eigengewählten Positionswechsel. Nicht geeignet seien Tätigkeit
en
mit Wechselschicht, mit häu
figem Bücken und Knien, mit Zwangshaltungen und Gerüst- oder Leitertätig
keiten
(Urk. 10/88/18).
Während die Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit seit der Begutachtung im
A._
durchgängig aufgehoben sei, sei der retrospektive Verlauf in Bezug auf eine leidensadaptierte Tätigkeit nur schwer einzuschätzen. Letztlich könne mit ausreichender Sicherheit nur festgestellt werden, dass ab
dem
Zeitpunkt der aktuellen Begutachtung eine Arbeitsfähigkeit von 70-80
%
vorliege (
Urk.
18/88/19). Seit der
A._
-Begutachtung sei eine Besserung eingetreten, wobei der genaue Zeitpunkt aufgrund der Aktenlage nicht feststellbar sei (
Urk.
18/88/25). Betreffend die Veränderungen wurde auf
die Epikrise im
psychiatrische
n
Teilguta
chten verwiesen (
Urk.
18/88/26), welche vollumfänglich Eingang in die Konsensbeurteilung gefunden hat (vgl.
Urk.
18/88/33 f.).
4
.
4
.1
Die Beschwerdegegnerin stellte in ihrer rentenaufhebenden Verfügung
vom 6. September 2019 auf das
B._
-Gutachten vom 6. Oktober 2016 ab
, gemäss welchem sich
die psychische Situation
seit
der
A._
-Begutachtung verbessert
habe
(U
rk. 10/88/17).
D
ie Gutachter
sahen
die Arbeitsfähigkeit
in einer leidens
an
gepassten Tätigkeit
neu
bei insgesamt 70-80 %
(Urk. 10/88/17 f.).
4
.2
Soweit die Beschwerdeführerin gegen das
psychiatrische
Gutachten vorbringt,
die Befunde der Gutachten aus den Jahren 2004 und 2016
seien dieselben
(Urk. 1 S. 10)
, kann ihr nicht gefolgt werden.
Der
begutachtende Psychiater
setzte sich einlässlich mit dem zeitlichen Verlauf in psychischer Hinsicht auseinander
. Gestützt auf seine überzeugende Begründung steht fest, dass
die zum Zeitpunkt der
A._
-Begutachtung im Jahr 2004 festgehaltene, ausgeprägte Erschöpfung so
wie die Müdigkeit und die teilweise schleppende Sprache anlässlich der
B._
-Begutachtung nicht mehr
vorhanden waren
.
Di
es korreliert mit der Befund
auf
nahme, anlässlich derer die
Beschwerdeführerin in keiner Weise müde oder ver
hangen
,
sondern in Psychomotorik und Gesprächsaktivität eher lebhaft
wirkte
(Urk. 10/88/34).
Daran ändert auch der Bericht
des seit 2005 behandelnden
Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 14. April 2017 nichts. Dieser erklärte, die gutachterliche Wiedergabe der anamnestischen An
gabe der Beschwerdeführerin, wonach es gute und schlechte Tage gebe, sei wahr
heitsfern und bagatellisierend (Urk. 10/99/4)
. Die Beschwerdeführerin führte dies
bezüglich allerdings
anlässlich der Begutachtung
selbst aus, etwa drei Tage in der Woche seien gut und vier schlecht. An den guten Tagen sei es ihr beispielsweise möglich,
Sport zu treiben, zu lesen und sich mit Freunden zu treffen
(Urk. 10/88/29).
Im Übrigen begründete der Gutachter,
dass
die von Dr.
D._
schon im Bericht vom 1
9.
September 2010
gestellte Diagnose der hyperaktiv-hypomanischen bipolaren affektiven Störung
(
Urk.
10/66/6)
nicht nachvollzieh
bar
ist
, da
weder bei der eigenen Untersuchung noch
im Rahmen der
A._
-Begutachtung Hinweise auf durchgemachte hypomanische oder gar manische Episoden
vorhanden waren
; überdies wäre
laut dem begutachtenden Psychiater
bei Vorliegen einer solchen Störung die Etablierung einer medikamentösen
Rezidivprophylaxe
durch den behandelnden Psychiater
zu erwarten gewesen (Urk. 10/88/37)
, welchem Vorhalt
Dr.
D._
nicht widersprach (
Urk.
10/99).
Die
erhobene
Verdeutlichungstendenz korreliert insbesondere mit der neuro
logischen und orthopädischen Feststellung, wonach die Beschwerden nicht ob
jektivierbar
waren
(Urk. 10/8/48, Urk. 10/88/56)
.
Damit im Einklang steht, dass der Rentenanspruch allein auf psychischen Leiden gründete und
nie
von einem
eindeutige
n neurologischen
Korrelat für
die angegebenen
Beschwerden
die Rede war.
Vor diesem Hintergrund leuchtet die Schlussfolgerung der
B._
-Gutachter
ein
,
dass
aus neurologischer Sicht
eine volle Arbeitsfähigkeit für sämtliche Tätig
keiten besteh
t
(Urk. 10/88/56 f.).
I
m MRI aus dem Jahr 2015
wurde zwar eine
Zunahme der kleinfleckigen
Gliose
des
supratentoriellen
Marklagers
und eine beginnende partielle
empty
sella
fest
gestellt
und darauf hingewiesen, dass
dieser Befund mit einer intrakraniellen Hypertension vereinbar sei (Urk. 10/74/16).
Allerdings konnten
in den nach
folgenden neurologischen Abklärungen nie fokale Defizite gefunden werden (Urk. 10/88/56).
Die Schwindel-Beschwerden wurden
denn auch
anlässlich der interdi
s
ziplinären Sprechstunde des
E._
vom 3. Dezember 2015
mit den Nackenverspannungen in Verbindung gebracht und
es wurde
auf eine
zervikogen-getriggerte
Migräne hingewiesen (Urk. 10/74/23)
. Auch im am
bulanten Kurzbericht des
F._
vom 3. Oktober 2015 wurden die Kopfschmerzen am ehesten einer Migräne ohne Kopfschmerz
en
zugeordnet (Urk. 10/74/19)
.
Gestützt auf die Ausführungen der Neurologin
des
B._
ist damit davon auszu
gehen, dass am
ehesten eine
zervikogen-getriggerte
Migräne vor
liegt
(Urk. 10/88/56)
.
Was die geltend gemachten Zuckungen des Gesichts und den Gesichtsschmerz angeht (Urk. 1 S. 15), so
hielten die Behandler der Sprechstunde für Schwindel diese unter «unklarer Genese» fest (Urk. 10/74/22). Ausserdem
ist nicht ersichtlich
respektive macht die Beschwerdeführerin nicht geltend
, inwie
fern
die Gesichtszuckungen
sie
in ihrer Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigen
sollte
n
.
Schliesslich vermag die Beschwerdeführerin auch mit ihren Einwendungen gegen das orthopädische Gutachten nicht durchzudringen.
Sie hält zwar zutreffend fest (Urk. 1 S. 17), dass bereits das
A._
-Gutachten den fortgeschrittenen degenerativen Veränderungen im Sinne eines zervikal- und lumbalbetonten
Pan
vertebralsyndroms
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zumass
, dies indes lediglich für eine rein sitzende Tätigkeit und nur im Umfang von 20
%
(Urk. 10/21/18). Allerdings hielten die Gutachter damals schon fest, dass der Beschwerdeführerin eine leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit ohne Einschränkungen möglich sei (Urk. 10/21/19 f.).
Dies entspricht auch weit
gehend dem anlässlich der
B._
-Begutachtung
definierten
Belastungsprofil
aus orthopädischer Sicht
(Urk. 10/88/48).
Im Weiteren vermochten auch die Sach
verständigen des
A._
weder eine
radikuläre
Symptomatik, noch eine chronisch-entzündliche Grunderkrankung oder eine massgebliche Bewegungs
ein
schränkung auszumachen und sie fanden für das Ausmass der subjektiven Prob
leme keine Erklärung. Sie wiesen vielmehr auf eine psychosomatische Grund
problematik und ein unspezifisches
multilokuläres
Schmerzsyndrom hin und stellten die psychiatrische Problematik in den Vordergrund (vorstehend E. 3.1).
Dies stimmt mit der Einschätzung der Experten des
B._
überein, wonach aus somatische
r
Sicht die Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit nicht einge
schränkt ist.
Die orthopädische Feststellung, wonach die Beschwerden
zum Begutachtungs
zeitpunkt
nicht hätten objektiviert werden können,
deckt sich
damit, dass
die Beschwerdeführerin sich im Untersuchungszimmer nahezu ohne Einschrän
kungen bewegt
e
(Urk. 10/88/47 f.).
4
.3
Nach dem Gesagten
erfüllt
das
B._
-Gutachten
die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an ein beweiskräftiges Gutachten, weshalb darauf abzustellen
ist.
Der psychiatrische
B._
-Gutachter setzte sich sodann mit den Standard
in
d
i
ka
toren auseinander (vgl. Urk. 10/88/
35-36
). Seine Beurteilung ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentli
chen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde. Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob er sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungs
vermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch fest
gestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich an
hand der Standard
indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit nachweisen
. Soweit die Beschwerdegegnerin von der fest
gestellten Arbeitsfähigkeit abzuweichen gedenkt
(Urk. 9 S. 3)
, käme dies
wohl
einer
nicht mehr zulässigen juristischen Parallelüberprüfung
gleich
(vgl. BGE 141 V 281 E. 5.2.3 und 143 V 418 E. 6)
, was hier indes nicht abschliessend zu prüfen ist
.
Zusammengefasst
ist erstellt, dass sich die psychische Situation der Beschwerde
führerin im
Zeitpunkt der Begutachtung im
Juli/August
2016 im Vergleich zum Zeitpunkt der
A._
-Begutachtung
im Jahr 2004 verbessert hat
. Damit liegt ein Revisionsgrund vor und der Rentenanspruch ist in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beur
teilungen besteht (vgl. E. 1.5). Gestützt auf das beweiskräftige
B._
-Gutachten ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin seit
Juli/August
2016
in einer leidens
angepassten Tätigkeit
wieder
zu 70-80 % respektive
zu
75 %
(
vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_730/2012 vom
4. Juni 2013 E. 4.2)
arbeitsfähig war.
Gründe
, die gegen eine Verwertbarkeit d
ies
er
Restarbeitsfähigkeit
sprechen, sind nicht er
sichtlich
.
5
.
5
.1
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Rentenrevision ist die Methode der Invaliditätsbemessung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betätigungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig ein
zustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Ent
scheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten
Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pen
sum sie hypothetisch erwerbstätig wäre.
Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhält
nisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kin
dern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die per
sönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen.
Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
5
.2
Die Beschwerdegegnerin qualifizierte die Beschwerdeführerin bei der
Renten
zusprache
- wie gesagt -
als zu 80 % erwerbstätig und zu 20 % im Haushalt tätig
. Anlässlich der Rentenaufhebung blieb die Beschwerdegegnerin bei dieser Qualifikation (Urk.
2 S. 2,
Urk.
9 S. 4). Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden.
Denn
aufgrund der Aktenlage
best
anden
bei der alleinstehenden, kinderlosen Beschwerdeführerin
zu
keine
m Zeitpunkt
Anhaltspunkte für einen Aufgaben
bereich (Urk. 10/23, Urk. 10/90, Urk. 10/21/7, Urk. 10/88/31).
Anlässlich der
A._
-Begutachtung führte die Beschwerdeführerin zudem aus, dass sie
keine familiären Betreuung
s
pflichten habe und
immer ganztätig erwerbstätig
war
(Urk. 10/21/21).
Dies spiegelt sich auch in ihrem Lebenslauf wieder. So ist l
ediglich in den Ar
beitszeugnissen über ihre Tätigkeiten
vom 1. Mai 1989 bis 30. November 1989,
vom 1. Dezember 1989 bis 30. September 1990, und vom 1. Juli bis 31. Dezember 1991 von einem 80 %-Pensum die Rede (Urk. 10/197/8-11), was sich aber gut mit
ihrem
Vorbringen vereinbaren lässt, wonach sie in den Jahren 1985 bis 1990 nebenher eine Lehranalyse und verschiedene Weiterbildungen absolviert habe (Urk. 1 S. 3). In den Arbeitszeugnissen über die Jahre 1990-1992 wird keine Teil
zeittätigkeit mehr erwähnt, weshalb
bei diesen Tätigkeiten
jeweils
von einem 100%-Pensum auszugehen ist (Urk. 10/197/12 f.).
Seit 1995
war
die Beschwerde
führerin
beim
Y._
angestellt, wo sie
laut dem Arbeitgeber
frage
bogen
ihr Pensum im Ja
nuar 1997
auf 80 % reduzierte (Urk. 10/
14/2
Ziff.
9,
Urk.
10/
197
/1-2
)
. Möglicherweise war der Grund dafür die daneben
bis Februar 1997
ausgeübte
Tätigkeit als Beraterin und
Projektmoderatorin mit einem Pen
sum von 40
%
in der
G._
in
H._
(
Urk.
10/197/5)
.
Obwohl sie d
ie
Beratertätigkeit aufgab, führte sie das Pensum von 80 % weiter,
bis sich laut Darstellung des Arbeitgebers, des
Y._
, im Jahr 2002 unerwartet gesundheitliche Probleme einstell
ten und die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigten (
Urk.
10/197/4,
Urk.
10/14/2). Nach Lage der Akten ergeben sich keine zeitnahen Hinweise dafür, dass das
reduzierte Pensum
beim
Y._
eine gesundheitliche Ursache hatte.
Das Gegen
teil
ergibt sich
zwar
aus dem
A._
-Gutachten aus dem Jahr 2004, wonach
sich
gemäss
den
Angaben der B
e
schwerdeführerin
die Einschränkung der Arbeits
fähigkeit bereits im Jahr 1998
angekündigt hatte
und
sie
fortan
nur
noch adaptierte Tätigkeiten ausführt
e
(Urk. 10/21/20).
Wenn dies zutr
äfe
und sich die Beschwerdeführerin als Vollerwerbstätige betrachtet hätte
, ist indes
nicht einzu
sehen, weshalb s
ie
die Verfügung vom 1
0.
Februar 2005
mit der
Qualifikation als
bloss Teile
rwerbstätig
e und
Zusprechung der
halbe
n
Rente akzeptiert
e
, obschon mit dem In-Kraft-Treten der neuen Rentenabstufungen im Januar 2004 (
Art.
28 Abs. 1 IVG) beim im Erwerbsbereich ermittelten Invaliditätsgrad von 66
% ein Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
resultiert hätte
.
Vor diesem Hintergrund
hat sich die Beschwerdeführerin die damalige rechtskräftige Qualifikation als Teil
er
werbstätige, aber ohne Aufgabenbereich, entgegen halten zu lassen und es
ist davon auszugehe
n, dass s
ie im Jahr 1997 die Erwerbstätigkeit nicht aus gesund
heitlichen Gründen
und auch nicht zur Betätigung in einem Aufgabenbereich
, sondern aus freien Stücken reduzierte, um mehr Freizeit zu haben
(BGE 131 V 290)
.
6
.
6
.1
Zu prüfen sind weiter die erwerblichen Auswirkungen. Die Beschwerdegegnerin e
rmittelte
bei der
Rentenzusprache
gestützt auf
die in den Vorjahren gemäss IK
Auszug
verabgabten
Einkommen (
Urk.
10/9/2)
für das Jahr 2003
ein
Validen
einkommen
von Fr. 86’
104.
-- in einem 80 %-Pensum
(Urk. 10/23/3
, Urk. 10/24
; vgl. auch Arbeitgeberfragebogen des
Y._
vom 2
4.
September 2003,
Urk.
10/14/2
).
Im Rahmen der vorliegenden Rentenrevision
zog
sie
für die Bestimmung des
Valideneinkommens
neu die LSE
2016,
T17
(
Monatlicher Bruttolohn [
Zentral
wert
]
nach Berufsgruppen, Lebensalter und Geschlecht, Pr
ivater und öffentlicher Sektor
zusammen
)
, Ziffer 26 (Sozialwissenschaftler
, Frauen Total
)
heran (Urk. 2 S. 3, Urk. 9 S.
4
).
Die
Anwendung der Tabellenlöhne rechtfertigt sich vorliegend
jedoch
nicht, da
der Gesundheitsschaden im Jahr 2002 eingetreten war, das zu
diesem Zeitpunkt bestehende Arbeitsverhältnis aufgrund der Krankheit aufgelöst wurde
(Urk. 10/23/1, Urk. 10/197/4)
und eine Änderung des
Valideneinkommens
nach erstmaliger Festlegung im Grundsatz nicht mehr vorzunehmen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_431/2017 vom 24. Mai 2018 E. 6.3).
Der von der Beschwerdegegnerin vorgebrachte Umstand, dass die Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2002 nicht mehr erwerbstätig sei (Urk. 2 S. 3), rechtfertigt keine Ab
weichung von diesem Grundsatz
und es ist
weiterhin
vom zuletzt
als Gesunde
–
mithin
im Jahr 2002 –
erzielten Verdienst auszugehen.
Damit
ist von einem E
inkommen von Fr. 84'915.--
im Jahr 2002
bei einem 80 %-Pensum
auszugehen
(Urk. 10/9/2,
Urk.
10/23/1,
Urk. 10/24).
Aufgerechnet auf ein 100 %-Pensum
(vgl. Kreisschreiben
des Bundesamtes für Sozialver
sicherungen
über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH],
Rz
3042.2)
entspricht
dies einem Einkommen von Fr. 106'143.7
5.
Dieses Einkommen ist an die Nominallohnentwicklung
von 2296 (im Jahr 2002) auf 2759 (im
Jahr 201
9
)
anzupassen (Zeitpunkt der Anpassung des Rentenanspruchs
,
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_486/2019 vom 18. September 2019 E. 7.4)
. Da
raus ergibt sich ein massgebliches
Validen
einkommen
von
gerundet
Fr.
12
7’548
.--
(Fr.
106’143.75
.-- / 2296
x
2759
,
vgl. Entwicklung der Nominal
lö
hne, Bundes
amt für Statistik, T
39,
Frauen)
.
6
.2
Beim Invalideneinkommen stellte die Beschwerdegegnerin auf die Tabellenlöhne der LSE 2016, T17, Ziffer 44 (sonstige Bürofachkräfte und verwandte Berufe
, Frauen Total
) ab (Urk. 2 S. 3, Urk. 9 S. 4)
, was von der Beschwerdeführerin nicht beanstandet
wurde und zulässig ist,
wenn dies – wie im vorliegenden Fall – eine genauere Festsetzung des Invalideneinkommens erlaubt und der versicherten Per
son der öffentliche Sektor auch offensteht (Urteil des Bundesgerichts 8C_212/2018 vom 13. Juni 2018 E. 4.4.1
mit weiteren Hinweisen
)
, was bei der Beschwerdeführerin der Fall ist
.
Allerdings ist nicht einzusehen, weshalb die Beschwerdegegnerin das Total und nicht die Kategorie Lebensalter über 50 her
angezogen hat,
wo
ein Lohn von
Fr.
5'856.-- (statt
Fr.
5'671.--) ausgewiesen ist. Diese Frage kann
offen bleiben
, da die Annahme eines höheren Lohnes am
Er
gebnis
nichts ändern würde
.
Angepasst an die betriebsübliche Wochenarbeitszeit von 41.7 Stunden (BFS,
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen,
T03.02, Total Ziff. 1-96) und die Nominallohnentwicklung, resultiert für das
Jahr 201
9
ein Invalidenein
kommen von
gerundet
Fr.
72'254.--
(Fr. 5
'671
.--
/ 40 x 41.7 x 12 / 2709 x
2759) respektive Fr.
54'190.50 in einem zumutbaren 75 %-Pensum.
Ausgehend von
Fr.
5'856.-- würde ein Invalideneinkommen von
Fr.
55'958.-- (Fr. 5'856.
/ 40 x
41.7 x 12 / 2709 x 2759
x 75
%
) resultieren.
Gründe für einen Abzug vom Tabellenlohn sind vorliegend nicht ersichtlich.
6
.3
Es resultiert eine Einkommenseinbusse von Fr. 73'357.50 (Fr. 127’548.
-- .
/. Fr. 54'190.50)
beziehungsweise von
Fr.
71'590.-- (
Fr.
127'548.
-- .
/. Fr.
55'958.
)
und damit ein Invaliditätsgrad von 57.5 %
respektive von 56.1
%
. Da die Beschwerdeführerin Teilerwerbstätige in einem Pensum von 80 % ohne Auf
gabenbereich ist, ist der ermittelte Invaliditätsgrad proportional um den Fak
tor des Pensums zu gewichten (vgl. BGE 142 V 290 E. 7.3).
Daraus ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 46 %
(57.5
%
x 0.8)
beziehungsweise 45
%
(56.1
%
x 0.8)
.
Aufgrund des Gesagten hat die Beschwerdeführerin auch ab dem Zeitpunkt der Begutachtung
im
Juli/August
2016
und unter der Annahme einer 75%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit Anspruch auf eine
Vier
tel
s
r
ente
.
7
.
7
.1
Zu prüfen ist schliesslich, ob das
B._
-Gutachten auch im zeitlichen Verlauf beziehungsweise im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 6. September 2019 noch
beweiskräftig ist
.
Die Beschwerdegegnerin macht diesbezüglich geltend, es seien neue, wesentliche Einschränkungen eingetreten (Urk. 1 S. 21).
Nach der Begutachtung im
Juli/August
2016 sind insbesondere die nac
h
folgenden Berichte aktenkundig.
7
.2
Dem Austrittsbericht der
I._
vom 9. Dezember 2016 lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin dort vom 1
5.
November bis 9. Dezember 2016 hospitalisiert war. Die Behandler stellten unter anderem die Diagnose eines akuten
lumboradikulären
Reizsyndroms S1 links (MRI LWS vom 27. Dezember 2012: mässig bis schwere
Osteochondrose
L5/S1 mit Endplatten
veränderung,
Diskusprotrusion
L5/S1, leichte bis mässige
Facettengelenks
arthrose
L4/5). Dazu ergänzten sie, die Beschwerdeführerin sei ihnen aufgrund
des
akuten
lumboradikulären
Reizsyndroms notfallmässig zugewiesen worden (Urk. 10/99/7). Unter etablierter Therapie habe eine
Schmerzregredienz
von 60 % erzielt werden können (Urk. 10/99/10).
In der Folge hielten die Behandler de
r
I._
mit Bericht vom 7. März 2017 unverändert eine linksbetonte L5- und S1-Radikulopathie sowie eine ältere L5-Radikulopahtie rechts und eine Lumbalgie bei massiver Segment
degeneration L5/S1 mit bilateraler
Foramenstenose
fest. Im MRI-Bericht vom 3. März 2017 werde zudem auf einen totalen Kollaps der Bandscheibe mit
Foramenstenosen
beidseits hingewiesen (Urk. 10/102/1). Bei ausgeschöpfter konservativer Therapie
sei
die Operation im Sinne einer Dekompression der Nervenwurzel L5 beidseits, S1 links und einer
Spondylodese
L5/S1 indiziert (Urk. 10/102/2). In einem weiteren MRI-Bericht vom 26. April 2017 zeigten sich sodann eine
Spondylarthrose
C2/C3 links mit
foraminaler
Enge und möglicher Kompression der Wurzel C3 links sowie eine
Spondylarthrose
C4/C5 rechtsbetont mit möglicher Affektion der Wurzel C5 rechts (Urk. 10/102/6).
Gemäss Austrittsbericht
der
I._
vom 26. Mai 2017
wurde
bei der Beschwerdeführerin am 15. Mai 2017 eine
Spondylodese
durchgeführt. Nach einer postoperativen
Hämatomausräumung
am 20. Mai 2017 habe die Beschwerdeführerin über eine deutliche Besserung der präoperativen Sympto
matik berichtet (Urk. 10/105/1).
7
.3
Vom 25. Mai bis 14. Juni 2017 befand sich die Beschwerdeführerin in der
C._
.
Dem
Austrittsbericht vom 22. Juni 2017 lässt sich entneh
men, dass die Beschwerdeführerin am Austrittstag über eine starke Schmerz
zunahme im Bereich der untersten Brustwirbelsäule (BWS) dorsal mit Ausstrah
lung nach ventral und sternal beidseits nebst den bekannten Schmerzen im linken Bein lateral mit Schwäche und Steingefühl unter dem linken Fussballen
klagte
. Die aktuelle Symptomatik sei als entzündliche Schmerzkomponente des
myofaszialen
Schmerzmusters zu sehen. Die Beschwerdeführerin sei in stabilem Zustand nach Hause entlassen worden (Urk. 10/109/2).
Sie
sei bis mindestens 27. Juni 2017 zu 100 % arbeitsunfähig, danach gemäss Beurteilung des Opera
teurs (Urk. 10/109/3).
7
.4
Gemäss
Bericht de
r
I._
vom 1
2.
Februar 2018 zeig
t
e sich in der durchgeführten Bildgebung keine wesentliche Affektion der Nervenwurzel S
1.
Das Segment sei praktisch durchbaut und es bestehe keine abgrenzbare Neu
rokompression. In der neurophysiologischen Untersuchung bestehe keine
floride
Radikulopathie
. Die Beschwerdeführerin sei aktuell in Behandlung bei ihrem Schmerztherapeuten. Eine Arbeitsunfähigkeit werde bis zum nächsten Termin (Ende Februar 2018) attestiert. Eine Verlaufskontrolle sei nicht unmittelbar ver
einbart worden. Die Beschwerdeführerin werde zur Jahreskontrolle aufgeboten (Urk. 10/126/2). Im MRI-Bericht vom 5. Februar 2018 zeigten sich ausgeprägte narbige Veränderungen im
Neuroforamen
L5/S1 links bei Status nach
Neurolyse
, eine erneute Nervenwurzelaffektion könne nicht ausgeschlossen werden. Neu finde sich eine leichtgradige
Rezessusstenose
L4/L5 links mit Diskuskontakt zur Nervenwurzel L5 sowie eine bilaterale
Spondylarthrose
L4/L5 (Urk. 10/131/7).
Laut Bericht der
I._
vom
5.
Januar
2018 wurde vom 14.
Mai 2017 bis
5.
Februar 2018 eine 100%ige Arbei
tsunfähigkeit bescheinigt (Urk.
10/120/7).
7
.
5
In ihrer Stellungnahme vom 24. Februar 2018 erkl
ärte RAD-Ärztin Dr. med.
J._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie, es seien keine grundlegend neuen Diagnosen vorhanden. Die Operation sei aufgrund der bekannten degenerativen Veränderungen der unteren LWS indiziert worden. Alle bisher vorliegenden objektiven Befunde würden für eine erfolgreiche Operation ohne sensomotorische Defizite sprechen. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei eine dauerhafte Verschlechterung durch die Operation nicht wahrscheinlich (Urk. 10/224/6).
Daraufhin legte die Beschwerdegegnerin den Bericht de
r
I._
vom 12. Februar 2018 dem RAD-Arzt Dr. med.
K._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vor. Am 25. April 2018 hielt er mit Verweis auf die frühere Stellungnahme von Dr.
J._
fest, gemäss Rücksprache
mit
dem
I._
sei
der Beschwerdeführerin
dort
eine Arbeitsunfähigkeit bis zum 28. Februar 2018 attestiert
worden
. Somit könne wohl eine vorübergehende so
matisch begründete Arbeits
un
fähigkeit vom 14. Mai 2017 bis zum 5. Februar 2018 anerkannt werden. Danach sei aber wieder – wie zuvor – eine 70-80%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit gegeben (Urk. 10/224/8).
7
.
6
Mit Bericht der Neuro-Urologie de
r
I._
vom 10. November 2018 führten die Behandler aus, aus neuro-urologischer Sicht bestünden eine neurogene Harnblasen- und Darmfunktionsstörung sowie chronische Becken
schmerzen, die einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben könnten (Urk. 10/185/7). Die Arbeitsfähigkeit könne durch eine weitere Beschwerde
verbesserung durch die
neuromodulative
Therapie positiv beeinflusst werden (Urk. 10/185/8).
7
.
7
Am 12. Dezember 2018 berichteten wiederum die Behandler de
r
I._
. Dabei nannten sie als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit den Status nach mikrochirurgischer Dekompressions-
Laminotomie
und
Facettektomie
links L5/S1 und
Neurolyse
L5 und S1 links, einer
Spondylodese
L5/S1, einer
interkorporelle
n
Fusion von links, sowie einer
Hämatomausräumung
am 20. Mai 201
7.
Ferner hätten der Diabetes mellitus sowie die arterielle Hyper
tonie und der Status nach
Löfgren
-Syndrom, Erstdiagnose 1983,
eine
leistungs
mindernde Wirkung. Der Gesundheitszustand sei stationär (Urk. 10/183/4). In der aktuellen Bildgebung zeige sich kein klares bildmorphologisches Korrelat für die Klinik. Entsprechend seien seit dem 5. Februar 2018 keine weiteren Kontrollen durch die Wirbelsäulenchirurgie durchgeführt worden (Urk. 10/183/5).
7
.
8
Am 2. März 2019 führte RAD-
Ärztin
Dr.
J._
unter Hinweis auf die Berichte de
r
I._
vom 12. Dezember 2018 sowie den Austrittsbericht der
L._
vom
1
2.
Oktober 2018
aus, seitens der
Sarkoidose
könne keine dauerhafte
Verschlechterung nachgewiesen werden. Insgesamt seien keine wesentlichen Veränderungen ausgewiesen und es sei an den vorangegangenen Stellungnahmen festzuhalten (Urk. 10/224/10).
7
.
9
Dem MRI-Bericht vom 17. April 2019
lassen
sich eine unveränderte
Spondy
lo
dese
L5/S1 mit narbigen Veränderungen im linken
Neuroforamen
und eine konstante leichte Einengung des rechten
Neuroforamens
entnehmen. Es bestehe eine weitgehend unveränderte postoperative Veränderung
posterior
an
grenzend an die
Spondylodese
. Diese sei bildmorphologisch nicht
infektsuspekt
. Im
epifusionellen
Segment L4/L5 zeige sich eine zunehmende Degeneration mit
pro
gredient schwerer Facettendegeneration
und progredientem
Baastrup
-Zeichen. Ferner seien lediglich eine minimale zentrale Spinalkanalstenose und leichte
Foramenstenose
L4/L5 beidseits zu erkennen. Die Veränderungen im rechten
Iliosakralgelenk
seien passend zu
den
leichten mechanisch-degenerativen Veränderungen ohne Hinweise auf eine
Sakroilitis
(Urk. 10/203/3).
7
.
10
Die Beschwerdeführerin befand sich schliesslich vom 12. Juni bis 21. August 2019 zur stationären Behandlung in der
M._
. Mit Bericht vom 11. Juli 2019 nannten die Behandler eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11) sowie weitere somatische Diagnosen als
solche
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 10/216/4). Die Beschwerde
führerin sei
in Bezug auf alle Tätigkeiten
zu 100 % arbeitsunfähig
,
solange sie in der Klinik bleibe (Urk. 10/216/2).
S
ie habe sich wach, allseits orientiert, in Auf
fassung, Konzentration und Merkfähigkeit leichtgradig eingeschränkt präsentiert. Formal sei sie eingeengt auf ihre Situation und es bestünden keine inhaltlichen Denkstörungen, Wahninhalte oder Ich-Störungen. Im Affekt sei sie mittelgradig deprimiert, zudem habe sie eine Störung der Vitalgefühle, der Antrieb sei redu
ziert. Schliesslich leide sie unter einer ausgeprägten Durchschlafstörung (Urk. 10/216/3).
Mit Austrittsbericht vom 21. August 2019 hielten die Behandler zusätzlich zur mittelgradigen depressiven Episode eine anamnestisch bestehende Neurasthenie (ICD-10 F48.0) fest (Urk. 10/228/1). Dazu führten sie aus, die Beschwerdeführerin verlasse die Klinik in partiell remittiertem Zustand, der aber weiterhin als leicht bis mittelgradig depressiv zu bezeichnen sei. Hierzu trage auch die weitere Belas
tung durch die körperlichen Probleme bei
,
samt der damit zusammen
hängenden weiteren Abklärungs- und Behandlungstermine. Sollte sich nach Ent
fallen der körperlichen Belastungen keine nachhaltige Besserung der psychischen Situation einstellen, solle trotz der schon sehr umfänglichen somatischen Medikation die Verordnung eines Antidepressivums erwogen werden (Urk. 10/228/5).
Am
26. August 2019
wurde der Beschwerdeführerin nochmals
eine Arbeitsunfähig
keit bis zum 6. September 2019
attestiert
(Urk. 10/221).
8
.
8
.1
Der orthopädische Gutachter ging
betreffend die Rückenproblematik
im
Juli
2016 von wiederkehrenden Schmerzen im Bereich der HWS, LWS und des rechten Schultergelenks aus. Dabei wies er auf degenerative Veränderungen der HWS
so
wi
e der LWS im Bereich L4/S1
, ohne Wurzelreizsyndrom,
hin (Urk. 10/88/47)
, wobei gemäss
A._
-Gutachten aus dem Jahr
2004
ausserdem eine fortgeschrittene
Osteochondrose
L5/S1
bestehe
(Urk. 10/88/6).
Insgesamt kam er zum Ergebnis, dass die vorgebrachten Beschwerden orthopädisch-
traumatologisch
nicht hätten objektiviert werden können
und die Beschwerdeführerin
unter Einhaltung des beschriebenen Belastungsprofils
voll leistungsfähig sei
(Urk. 10/88/47 f.).
Bereits im Dezember 2016
wurde in der
I._
ein
lumbo
radikuläres
Reizsyndrom fest
gestellt
, welches vom 1
5.
November bis 9. Dezember 2016 stationär behandelt wurde
(Urk. 10/99/7) und im weiteren Ver
lauf
seit der
B._
-
Begutachtung
wurden verschiedene
degenerative Veränderungen
,
wie
Spondylarthrosen
und schwere Facettengelenksarthrosen L4/L5,
objektiviert
(Urk. 10/102/6, Urk. 10/203/3).
Am 15. Mai 2017 wurde
so
dann
eine
Spondy
lodese
mit anschliessender Rehabilitation
bis Mitte Juni 2017
durch
geführt (Urk. 10/105/1
, Urk. 10/109
).
D
iese brachte jedoch keine nach
haltige Besserung der Beschwerden (Urk.
10/126/1).
Die Beschwerdeführerin bringt
insofern
berechtigterweise vor (Urk. 1 S. 16 ff.), dass seit der Begutachtung im
Juli/August
2016 in somatischer Hinsicht neue, objektivierbare medizinische Befunde
zum bisherigen Beschwerdebild
hinzu
getreten sind.
Allerdings ergeben sich keine Hinweise darauf, dass sich diese
wesentlich
auf ihre Leistungsfähigkeit in einer behinderungsangepassten
, körper
lich leichten, wechselbelastenden
Tätigkeit
, ohne Wechselschicht und unter Ver
meidung von häufigem Bücken, Knien und Zwangshaltungen, Gerüst- und Leitertätigkeiten (Urk. 10/88/48)
auswirken
würden
.
Insbesondere
ist
den zeit
nahen ärztlichen Unterlagen
(
Urk.
10/1021-6)
nicht zu entnehmen, dass
-
ausser während der Zeit der
Hospitalisation
-
eine Arbeitsunfähigkeit vorgelegen hätte.
Die Zeit des stationären Aufenthalts vom 1
5.
November bis
9.
Dezember 2016 bleibt revisionsrechtlich unbeachtlich, da keine mehr als dreimonatige Arbeits
unfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit und somit keine Verschlech
terung im Sinne von
Art.
88a
Abs.
2
der Verordnung über die Invaliden
ver
si
cherung (IVV)
belegt ist.
D
em Bericht de
r
I._
vom
Dezember 2018
ist im Weiteren
zu entnehmen, dass
in der Bildgebung kein klares bildmorphologisches Korrelat für die Klinik
gefunden werden konnte
, weshalb
in der Folge
keine weiteren Kontrollen durch die Wirbelsäulenchirurgie durchgeführt
wurden
(
Urk.
10/183/5).
Zudem
wurde
gemäss Telefonauskunft
ab dem 5.
r
espektive 28. Februar 2018 keine weitere Arbeitsunfähigkeit mehr
attestiert
(Urk. 10/224/8)
, was mit dem Bericht vom
5.
Januar 2018 korreliert (10/120/7)
.
Die
vor Eintritt der Wurzelreizung
im November 2016 weitgehend
subjektive Beschwerdesymptomatik berücksichtigte der orthopädische Gutachter bereits bei der Definition seines Belastungsprofils (Urk. 10/88/48).
D
er RAD
-Arzt
sah aber immerhin
eine vorübergehende, somatisch begründete
volle
Arbeitsunfähigkeit
auch
in
einer
angepasste
n
Tätigkeit in der Zeit nach der Operation vom 14. Mai 2017 bis zum
5
. Februar 2018 (Urk. 10/224/8). Dies anerkannte auch die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung und brachte in ihrer Beschwerdeantwort nichts Gegenteiliges vor (Urk. 2 S. 3, Urk.
9 S. 1 ff.).
Diese Einschätzung erweist sich als nachvollziehbar, zumal die Beschwerde
führerin sich nach der
Spondylodese
vom 14. Mai bis 2
2.
Juni 2017 in der Reha
bilitation befand
und ihr die Behandler eine Arbeitsunfähigkeit bis zum
5.
Februar 2018
in der angestammten Tätigkeit attestierten (Urk. 10/120/7).
Da
seit dem 5. Februar 2018 keine Kontrollen in der Wirbelsäulenchirurgie
des
I._
mehr durchgeführt
wurden
(Urk. 10/183/5),
kann
gemäss der Beurteilung des RAD
-Arztes
(Urk. 10/224/8)
spätestens seit
dem
6.
Februar 2018
wieder von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
ausgegangen wer
den
.
Betreffend
die
Sarkoidose
ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin
nach dem sechstägigen Spitalaufenthalt im Oktober 2018 in deutlich gebessertem All
gemeinzustand nach Hause entlassen werden
konnte
(Urk. 10/173/2). Die behandelnde Rheumatologin attestierte im Juni 2019 keine Arbeitsunfähigkeit und führte aus, es bestünden
seitens der
Sarkoidose
keine Hautveränderungen
mehr
und die Gelenke seien gut (Urk. 10/220/2).
Angesichts dieser Sachlage ist eine gesundheitliche Verschlechterung seit
Juli/August
2016 aufgrund der
Sarkoidose
nicht überwiegend wahrscheinlich.
Mit Bezug auf die neuro-urologischen Beschwerden ist schliesslich festzuhalten, dass die Behandler de
r
I._
eine Verbesserung der neuro-urologischen Situation
statuierten
und lediglich vermutungsweise äusserten, dass die neurogene
Harnblasen- und Darmfunktionsstörung eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit haben könnte (Urk. 10/185/7). Auch sie attestierten der Beschwerdeführerin jedoch keine weitergehende Arbeitsunfähigkeit oder empfah
len
zusätzliche
, über eine TENS-Therapie hinausgehende
n
,
medizinische
n
Sofort
massnahmen (Urk. 10/185/8). Damit
ist auch hinsichtlich der neuro-urologischen Symptomatik keine Verschlechterung seit der
B._
-Begutachtung ausgewiesen.
8
.2
In psychischer Hinsicht ist aktenkundig, dass sich die Beschwerdeführerin vom 12. Juni bis 21. August 2019 zur stationären Behandlung in der
M._
befand
. Dort wurde
eine mittelgradige depressive Episode mit soma
ti
schem Syndrom (ICD-10 F32.11) diagnostiziert (Urk. 10/216/4)
und der Beschwerdeführerin
eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten vom 12. Juni bis 6. September 2019 attestiert (Urk. 1
0/216/2, Urk. 10/221).
Wie es sich
damit
verhält, kann
vorliegend
aller
dings offenbleiben. Denn
eine Ver
schlechterung der Erwerbsfähigkeit
wäre erst
zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbr
echung drei Monate gedauert
hätte
(Art. 88a
Abs.
2
IVV)
. Da die
M._
soweit ersichtlich keine über den 6. September 2019 hinausgehende Arbeitsunfähigkeit attestierte, ist die Drei
monatsgrenze im vor
liegenden Fall knapp nicht erreicht.
Weitere Ausführungen hierzu erübrigen sich daher.
9
.
Aus den genannten Gründen
ist für die Zeit
ab
Juli/August
2016
von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
und einem Invaliditäts
grad von 46 %
beziehungsweise 45%
auszugehen. Für die Zeit vom 14. Mai 2017 bis
5
. Februar 2018 ist von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit
und dement
sprechend
von
einem Invaliditätsgrad von 100 %
auszu
gehen.
Per 6. Februar 2018 bestand wiederum eine 75%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätig
keit und dementsprechend
wiederum
ein Invaliditätsgrad von 46 %
beziehungsweise 45%
.
Eine Verbesserung oder Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit ist zu berück
sich
tigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat (Art. 88a
Abs.
1 und 2 IVV).
Die Rente wird vom Beginn des Monats an aus
be
zahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (
Art.
29
Abs.
3 IVG).
In An
wendung dieser Bestimmungen ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin
in Anbetracht der
vom
1
4.
Mai 2017 bis
5.
Februar 2018
dauernden Erwerbsun
fähigkeit
vom 1. August 2017 bis 3
1
.
Mai
2018 Anspruch auf eine ganze Rente hat
. Damit ist auch Art.
88
bis
Abs.
1
lit
. b
IVV erfüllt,
wonach die
Erhöhung der
Rente bei einer Revision von Amtes
wegen
frühestens von dem für diese vorge
sehenen Monat an wirksam sei kann, da
die Beschwerdegegnerin die Revision Ende 2015/Anfang
2016 eingeleitet hatte (Urk. 10/70
-
71)
.
Einer rückwirkenden Rentenerhöhung steht daher nichts entgegen.
Gemäss Art. 88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV
erfolgt
demgegenüber
die Herabsetzung
einer
Rente
sodann
frühestens am ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Monats.
Trotz der
bereits im Juli/August 2016 eingetretenen gesund
heitlichen Verbesserung fällt e
ine rückwirkende Rentenherabsetzung von vorn
herein ausser Acht, wenn - wie hier - keine Meldepflichtverletzung im Sinne von
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. b IVV im Raum steht.
Da die angefochtene Verfügung der Beschwerdeführerin am 10. September 2019 zugestellt wurde (Urk. 2 S. 1), ist die
mit Verfügung vom
10. Februar 2005
zugesprochene
halbe Rente per 1. November 2019 auf eine
Viertel
s
rente
herabzusetzen
(vgl. Urteil des Bundes
gerichts B 25/
20
06 vom 28. November 2006 E.
4.3.4
f.).
Zusammengefasst hat die Beschwerdeführerin somit bis zum 31. Juli 201
7
weiterhin Anspruch auf
die bisherige
halbe Rente. Vom 1. August 2017 bis 3
1
.
Mai
2018 hat sie Anspruch auf eine ganze Rente, hernach vom 1.
Juni
2018 bis 31. Oktober 2019 wieder auf eine halbe Rente und ab 1. November 2019 besteht schliesslich noch ein Anspruch auf eine
Viertel
s
rente
.
10.
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Eingliederungsmassnahmen durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigen
anstrengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten.
Die am 2
2.
Januar 1960 geborene Beschwerdeführerin war sowohl im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung (
6.
September 2019
, Urk. 2
) als auch im Zeitpunkt, für welchen
gutachterlich feststand
, dass ih
r
die Ausübung einer leidensangepassten Tätigkeit (erstmals) wieder zumutbar war (
Oktober 2016,
Urk.
10/88
), über 55 Jahre alt. Daher fällt
sie
grundsätzlich
unter den vom Bundesgericht besonders geschützten Personenkreis.
Die Eingliederungsberatung der Beschwerdegegnerin schloss das Eingliederungsdossier am 9. Juli 2018 auf
grund der gesundheitlichen Situation
der Beschwerdeführerin
wieder (Urk. 10/155/1)
. Die entsprechende Mitteilung der Beschwerdegegnerin (
Urk.
10/154) blieb unwidersprochen, so dass nicht überwiegend wahrscheinlich erscheint, dass seitens der Beschwerdeführerin ein subjektiver Eingliederungs
wille vorlag
.
Die Beschwerdeführerin beantragte denn auch beschwerdeweise keine neuen Eingliederungsmassnahmen (Urk. 1 S. S. 2, Urk. 14).
Zudem fällt ins Gewicht, dass der Beschwerdeführerin in einer Verweistätigkeit stets eine 50%ige Arbeitsfähigkeit zumutbar war.
Es ist daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit invaliditätsfremden Gründen zuzuschreiben, dass sie
im Jahr 2002
gänzlich
aus dem Erwerbsleben ausgeschieden
ist (
Urk.
10/88/31). Im Jahr 2014 nahm sie sodann eine Coaching-Ausbildung auf und plante den Aufbau einer selbständigen Erwerbstätigkeit in diesem Bereich (
Urk.
10/88/31). Dies zeugt trotz der langj
ä
hrige
n
Absenz vom Arbeitsmarkt von einer massgeblichen Agilität und Gewandtheit, weshalb der Schluss zulässig ist, die Beschwerdeführerin könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren
(Urteil des Bundesgerichts 8C_826/2018 vom 1
4.
August 2019 E. 3.2.2.).
1
1
.
1
1
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vor
liege
nd sind die Kosten auf Fr.
1’0
00
.-- festzusetzen und
den Parteien ent
sprechend dem teilweisen Obsiegen je zur Hälfte (Fr.
5
00.--)
aufzuerlegen.
1
1
.2
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
)
und sin
d vorliegend unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.
--
auf Fr.
2'900.--
(inklusive Bar
auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Obwohl dem Begehren
de
r
Beschwerdeführer
in
nur teilweise entsprochen wurde, hat
ihr
«Überklagen» den Prozessaufwand nicht wesentlich beeinflusst. Von einer Kürzung der Prozessent
schädigung ist daher
abzusehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_568/2010 vom 3. Dezember 2010 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen).