Decision ID: c56f5a4d-bf9d-4f69-898f-99e389aa746a
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 19
9
6 und Staatsangehörige der Bundes
republik Deutschland, ist bei der HUK-Coburg Krankenversicherung AG (Deutsch
land, nachfolgend: HUK) krankenversichert (
Urk.
6/7/3). Sie verfügt über eine
(
bis am
1.
September 2021 gültige
)
Aufenthaltsbewilligung B zwecks Ausbildung (Erwerbstätigkeit bis 15 Std./Woche,
Urk.
6/7/1)
und ist seit dem
1.
August 2020 an d
er Hochschule Y._
immatrikuliert (
Urk.
6/10/2).
Am 1
6.
Oktober 2020 leiteten die Städtischen Gesundheitsdienste der Stadt Zürich die ihnen von
X._
eingereichten Unterlagen als Gesuch um Prüfung der Befreiung von der Krankenversicherungspflicht an die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich (nachfolgend: Gesundheitsdirektion) weiter (
Urk.
6/1).
Mit Schreiben vom 1
6.
Dezember 2020 forderte die Gesund
heitsdirektion
X._
auf, das Bestätigungsformular A vom ausländischen Krankenversicherer ausfüllen sowie unterzeichnen zu lassen und einzureichen (
Urk.
6/3, 5).
Mit Verfügung vom 2
9.
Januar 2021 lehnte die Gesundheitsdirektion mangels gleichwertiger Versicherungsdeckung das Gesuch um Befreiung vom
V
ersicherungsobligatorium
nach K
V
G
ab und verpflichtete
X._
,
innerhalb von 30 Tagen bei einer anerkannten schweizerischen Krankenversicherung eine Krankenpflegeversicherung (Grund
versicherung) abzuschliessen und der Wohngemeinde den Versicherungs
nachweis zukommen zu lassen (
Urk.
6/11).
Dagegen erhob
X._
am 1
0.
Februar 2021 Einsprache und stellte ein neu ausgefülltes Formular A in Aussicht (
Urk.
5/14). Am 2
7.
Februar 2021 reichte sie zusammen mit einer Bestätigung ihrer Mutter, wonach diese für allfällige nicht gedeckte Gesundheitskosten bürge (
Urk.
6/16/2), ein weiteres Schreiben der HUK ein (
Urk.
6/15, 16/1). Nachdem sie von der Gesundheits
direktion erneut aufgefordert worden war, das Formular A ohne Einschränkungen von der privaten Versicherung unterzeichnen
zu lassen
und einzureichen (
Urk.
6/17),
X._
indessen einzig auf die bereits eingereichten Unterlagen verwies (
Urk.
6/18), wies die Gesundheitsdirektion die Einsprache von
X._
mit En
t
schei
d vom 2
0.
Oktober 2021 ab (Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
3.
November 2021 Beschwerde und beantragte sinngemäss die Aufhebung des Entscheids und die Befreiung von der Krankenversicherungspflicht (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
Januar 2022 schloss die Gesundheitsdirektion auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 1
2.
Ja
nuar 2022 angezeigt wurde (Urk.
7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdeführerin ist deutsche Staatsangehörige und lebt seit September 2019 als Studentin in der Schweiz (
Urk.
6/7/1). Der
vorliegende
Streit betrifft eine sozialversicherungsrechtliche Frage. Zu prüfen ist deshalb zunächst, ob ein Sach
verhalt vorliegt, der vom Personenfreizügigkeitsabkommen (Abkommen vom 2
1.
Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit [FZA; SR 0.142.112.681]) erfasst ist.
1.2
Nach
Art.
1
Abs.
1 des auf der Grundlage des
Art.
8 des FZA ausgearbeiteten und Bestandteil des Abkommens bildenden (
Art.
15 FZA) Anhangs II («
Koordinierung der
Systeme der sozialen Sicherheit»
) des FZA in Verbindung mit Abschnitt A dieses Anhangs wenden die Vertragsparteien untereinander insbesondere die Ver
ordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 2
9.
April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (kurz: VO 883/2004
; SR 0.831.109.268.1
) und die Verordnung (EG) Nr. 987/2009 (kurz: VO 987/2009
;
SR 0.831.109.268.11
) des Europäischen Parlaments und des Rates vom 1
6.
September 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durchführung der VO 883/2004 oder gleichwertige Vorschriften an
.
1.3
1.3.1
Die beiden genannten gemeinschaftsrechtlichen Verordnungen sind für die Schweiz durch den Beschluss Nr. 1/2012 des Gemischten Ausschusses vom
31.
März 2012 zur Ersetzung des Anhangs II des Abkommens über die Koordinie
rung der Systeme der sozialen Sicherheit per
1.
April 2012 in Kraft getreten (AS 2012 2345; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_45
5/2011 vom
4.
Mai 2012 E. 2.1)
beziehungsweise mit Beschluss Nr. 1/2014
des Gemischten Ausschusses
zur Änderung
von Anhang
II
dieses
Abkommens über die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit
vom
28. November 2014 (AS 2015 333 345) abgeändert worden
und
in zeitlicher Hinsicht auf den vorliegenden Fall anwendbar
(vgl. auch BGE 144 V 127 E. 4.1-4.2
mit weiteren Hinweisen
).
1.3.2
In persönlicher Hinsicht sind das FZA
beziehungsweise die darin als anwendbar erklärte
VO
883/2004 anwendbar, da die Beschwerdeführerin Staatsangehörige der Bundesrepublik Deutschland (
Urk.
6/2/3, 6/6
) und damit Staatsangehörige eines Mitgliedstaates ist, für welche die Rechtsvorschriften eines oder mehrerer
Mitgliedstaaten gelten (
Art.
1 FZA,
Art.
2
Abs.
1 VO 883/2004
, Stand
1.
Januar 2015
).
1.3.3
In sachlicher Hinsicht sind das FZA
und die
VO 883/2004
ebenfalls anwendbar, da Leistungen bei Krankheit
im Sinne von
Art.
3
Abs.
1
lit
. a der Verordnung
VO 883/2004
zur Diskussion stehen.
2.
2.1
Gestützt auf das FZA beziehungsweise die VO 883/2004 ist das anwendbare Landesrecht festzulegen.
2.2
Der Titel II der VO 883/2004
umfasst unter der Überschrift «
Bestimmung der a
n
zuwendenden Rechtsvorschriften»
die
Art.
11-1
6.
Gemäss
Art.
11 Abs. 1 VO 883/2004 unterliegen Personen, für die diese Verordnung gilt, den Rechtsvor
schriften nur eines Mitgliedstaats. Vorbehaltlich der in den
Art.
12-16 VO 883/2004 geregelten Konstellationen, welche auf die Beschwerdeführerin nicht zutreffen, bestimmt sich das anwendbare Recht nach
Art.
11 Abs. 3
lit
. a-e VO 883/200
4.
Die Beschwerdeführerin ist gestützt auf ihre Aufenthaltsbewilligung B ermächtigt, bis 15 Stunden wöchentlich einer Erwerbstätigkeit in der Schweiz nachzugehen (
Urk.
6/7/1). Damit gelangt
Art.
11 Abs. 3
lit
.
a
VO 883/2004 zur Anwendung
, wonach diese
Person
den Rechtsvorschriften des
Mitgliedstaates
unterliegt
, in welchem sie eine Erwerbstätigkeit ausübt
.
Für Personen, die nicht unter Buchstaben a bis d fallen, kommt die Auffangregelung in
Art.
11
Abs.
3
lit
.
e zur A
nwendung; danach unterliegen
diese Personen den Rechtsvorschriften des Wohnmitgliedstaates.
In
Art.
1
lit
. j der VO 883/2004 wird der Begriff des Wohnortes als Ort des gewöhnlichen Aufenthaltes einer Person definiert, wogegen nach
Art.
1
lit
. k VO 883/2004 unter dem Begriff des Aufenth
altes der vorübergehende Aufent
halt zu verstehen ist.
2.3
Der Wohnsitz der Beschwerdeführerin im Sinne von
Art.
23 Abs. 1 des Zivilge
setzbuches (ZGB; in der Fassung vom
1.
Januar 2022) befindet sich
klarerweise
in der Schweiz
(Urk. 1, Urk. 2 S. 2). Die
Beschwerdeführer
in ist als ausländische Studentin mit der Absicht in die Schweiz gekommen, hier bis zum Abschluss ihres Studiums zu verweilen (vgl.
Urk.
6/10/2 und 6/20), wobei von vornherein klar war, dass ihr Aufenthalt die Mindestdauer von einem Jahr übersteigen werde (vgl. Bucher, Berner Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Schweizerisches Zivilgesetzbuch,
3.
Auflage, Bern 1976,
Art.
23 N 22 f.;
Staehelin
, Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I,
6.
Auflage, Basel 2018,
Art.
23 N 7). Damit steht
fest, dass sich ihr Wohnort im Sinne von
Art.
1
lit
. j VO 883/2004 in der Schweiz befindet, und auch aufgrund der Regelung in
Art.
11 Abs. 3
lit
. e VO 883/2004 die Rechtsvorschriften der Schweiz auf die strittige Frage anzuwenden sind.
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin der Krankenversicherungs
pflicht untersteht.
3.2
3.2.1
Art.
3
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) schreibt vor, dass sich jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz innert drei Monaten nach der
Wohnsitznahme
oder der Geburt in der Schweiz für Krankenpflege versichern oder von ihrem gesetzlichen Vertreter beziehungsweise ihrer gesetzlichen Vertreterin versichern lassen muss
. Ebenso besteht eine Versicherungspflicht für
Personen mit einer Kurzaufenthalts- oder einer Aufenthaltsbewilligung nach dem Freizügigkeitsabkommen oder dem EFTA-Abkommen, die mindestens drei M
onate gültig ist
(
Art.
1
Abs.
2
lit
. f der Verordnung über die Kranken
versicherung, KVV). G
emäss
Art.
4
KVG
kann
unter den Versicherern
, die eine Bewilligung zur Durchführung der sozialen Krankenversicherung haben,
frei
gewählt werden
.
3.2.2
Art.
3
Abs.
2 KVG ermächtigt den Bundesrat, Ausnahmen von der Versicherungs
pflicht vorzusehen. In
Art.
2
Abs.
1 KVV und in
Art.
6
Abs.
1 KVV hat er gestützt darauf die Personenkategorien aufgezählt, die von vornherein vom
Versicherungsobligatorium
ausgenommen sind. Es handelt sich um die aktiven und pensionierten Bundesbediensteten, die der Militärversicherung unterstellt sind (
Art.
2
Abs.
1
lit
. a KVV), um Personen, die sich ausschliesslich zur ärztlichen Behandlung oder zur Kur in der Schweiz aufhalten (
Art.
2
Abs.
1
lit
. b KVV), und um gewisse Personen mit Vorrechten nach internationalem Recht (
Art.
6
Abs.
1 KVV). Ausserdem sind in
Art.
2
Abs.
1
lit
. c-g KVV insbesondere diejenigen Personenkategorien aufgezählt, die aufgrund der oben zitierten Kollisionsnormen
des Freizügigkeitsabkommens
gar nicht den schweizerischen Rechtsvorschriften unterstehen. Sodann ist in
Art.
2
Abs.
2-8 KVV die Möglichkeit für verschiedene Personenkategorien geregelt, auf Gesuch hin vom
Versicherungsobligatorium
be
freit zu werden.
So können nach
Art.
2 Abs. 4 KVV diejenigen Personen ein Gesuch um Befreiung von der Versicherungspflicht stellen, die sich im Rahmen einer Aus- oder Weiterbildung in der Schweiz aufhalten, wie namentlich Studierende, Schüler und Schülerinnen, Praktikanten und Praktikantinnen sowie
Stagiaires
, sofern sie während der gesamten Geltungsdauer der Befreiung für
Behandlungen in der Schweiz über einen gleichwertigen Versicherungsschutz verfügen.
3.3
3.3.1
Die Beschwerdeführerin untersteht aufgrund ihres Wohnsitzes in der Schweiz und ihrer (allfällig) ausgeübten Erwerbstätigkeit (vgl. vorstehend E. 2.2 und 2.3) daher grundsätzlich der Versicherungspflicht in der Schweiz (E. 3.
2
). Umstritten ist, ob sie vom
Versicherungsobligatorium
auszunehmen ist (
Urk.
1,
Urk.
2).
3.3.2
Die Gesundheitsdirektion begründete ihren Entscheid, die Beschwerdeführerin nicht vom
Krankenversicherungsobligatorium
auszunehmen, damit, dass sie als Studierende zwar gemäss
Art.
2 Abs. 4 KVV von der Versicherungspflicht befreit werden könnte, wenn sie für Behandlungen in der Schweiz über einen der Grund
versicherung nach KVG gleichwertigen Versicherungsschutz verfüge. Die Gesuchstellerin habe aber den Nachweis dafür, dass der bestehende Versicherungsschutz gleichwertig sei, nicht erbracht. Zwar sei das hierfür bestimmte Bestätigungsformular A der Gesundheitsdirektion durch die Versicherung am 1
5.
Januar 2021 unterzeichnet und nachträglich ein Bestätigungsschreiben vom 2
3.
Februar 2021 eingereicht worden. In diesem Schreiben halte die Versicherung fest, die Leistungen des KVG uneingeschränkt anzuerkennen und zu erstatten, halte aber gleichzeitig an den Aussagen zu ein
geschränkten oder ausgeschlossenen Leistungen gemäss Angaben im Formular A fest. Dort habe die Versicherung explizit Leistungen für auf Vorsatz beruhende Krankheiten, Entziehungsmassnahmen sowie Pflegeleistungen im Sinne von Pflegebedürftigkeit in ambulanter oder stationärer Pflege ausgeschlossen.
An
gesichts dieser Einschränkungen erweise sich die ausländische Kranken
versicherung gegenüber der Grundversicherung nach KVG somit nicht als gleich
wertig, weshalb die Gesuchstellerin mangels gleichwertige
n
Versicherungs
schutz
es
nicht vom
Versicherungsobligatorium
befreit werden könne
(
Urk.
2, 5).
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen, ihre in Deutschland abgeschlossene Versicherung habe bestätigt, die Leistungen gemäss KVG uneingeschränkt anzu
erkennen und zu erstatten. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Kosten im Zusammenhang mit einer auf Vorsatz beruhenden Krankheit oder Entziehungs
massnahmen anfallen würden, bürge ihre Mutter (
Urk.
1).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin bringt nicht vor, ein wie von der Beschwerdegegnerin als Alternativvariante bezeichnetes Vorgehen (
Urk.
6/8) gewählt zu haben oder einer der übrigen Personengruppen anzugehören, die nach
Art.
2
Abs.
2-8 KVV auf Gesuch hin vom
Versicherungsobligatorium
befreit werden können (
Urk.
1). Da
mit kommt als Befreiungstatbestand einzig
Art.
2
Abs.
4 in Frage, wonach Personen, die sich im Rahmen einer Aus- oder Weiterbildung in der Schweiz auf
halten, auf Gesuch hin von der Versicherungspflicht befreit werden können, so
fern sie über einen gleichwertigen Vers
icherungsschutz verfügen (E. 3.2
.2).
4.2
Auf dem einschlägigen Formular A verneinte die HUK am 1
5.
Januar 2021 die Frage, ob die Leistungen gemäss
Art.
25 bis
Art.
31 KVG ausdrücklich und uneingeschränkt anerkannt und die Kosten der entstandenen Leistungen voll erstattet würden. Ergänzend verwies sie hierzu auf ihr gleichentags verfasstes Schreiben. Die weitere Frage, ob die Kosten für medizinische Behandlungen in
der Schweiz nach schweizerischen
Tarif
en
und nicht nach denjenigen des (bis
herigen) Wohnstaates übernommen
würden, verneinte sie ebenfalls,
erklärte
aber
zusätzlich, die Leistungen würden nach den ortsüblichen Sätzen generell aner
kannt und abgerechnet (
Urk.
6/10/1 S. 3).
Bereits aus diesen Erklärungen ergibt sich ohne Weiteres, dass die Beschwerdeführerin nicht über einen gleichwertigen Versicherungsschutz bei der HUK verfügt.
Nichts
anderes
ergibt sich - entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin - aus dem Schreiben der HUK vom 1
5.
Januar 2021 (
Urk.
6/7/3), werden darin doch ausdrücklich diejenigen Positionen aufgelistet, welche von
Art.
25 bis 31 KVG abweichen. Dabei fällt ins
besondere ins Gewicht, dass die Leistungen
der HUK
im Pflegefall
in Abhängig
keit der Pflegestufen 1-5 null bis maximal 901 Euro im Monat
betragen
(
Urk.
6/7/3 S. 1)
, wodurch die im schweizerischen
Obligatorium
vorgesehenen Pflegeleistungen (
Art.
7
der Krankenpflege-Leistungsverordnung,
KLV), welche nicht nur Leistungen der Akut- und Übergangspflege sondern auch solche der Langzeitpflege umfassen,
nicht annähernd
ge
deckt werden (vgl. zu den Kosten
Art.
25a
Abs.
5 KVG und
Art.
7a KLV
;
Urteil
e
des Bundesgerichts 9C_8/2017 vom 2
0.
Juni 2017 E. 4.3
und 9C_447/2017 vom 2
0.
September 2017 E. 4.3
).
Ferner ist auf eine
gewichtige
Lücke der Versicherung bei der HUK zu schliessen,
da
Leistungen für Entziehungsmassnahmen nicht
gedeckt sind (Urk.
6/10/1 S. 3
; vgl.
Gebhard
Eugster
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum KVG, Zürich 2018,
Art.
3
Ziff.
19
). Angesichts dieser erheblichen Leistungsaus
s
chlüsse kann offenbleiben, ob
der Deckungsausschluss für auf Vorsatz beruhende K
rankheiten (vgl.
Urk.
6/10/1 S.
3)
als
von
untergeordneter
Natur zu betrachten wäre (vgl.
Eugster
,
a.o.O
,
Ziff.
21).
Jedenfalls liessen sich auch
diesfalls
die
genannten
Defizite durch höhere Leistungen der HUK in anderen Positionen
(beispielsweise zahnärztliche Behandlungen
, vgl.
Urk.
6/16/1
)
nicht ausgleichen.
4.3
Zusammenfassend ergibt sich, dass der Versicherungsschutz, welcher die HUK der Beschwerdeführerin während ihres Aufenthalts in der Schweiz bietet, demjenigen des KVG und der KVV nicht gleichwertig ist, weshalb eine Befreiung gestützt auf
Art.
2
Abs.
4 KVV nicht in Betracht kommt.
Nichts zu ändern vermag hieran das Schreiben der Mutter der Beschwerde
führerin, wonach
diese
, sollte der unwahrscheinliche
Fall einer auf Vorsatz beruhenden Krankheit,
von
Entziehungsmassnahmen etc.
eintreten, für
sämtliche
diesbezüglichen
Kosten
bürge und sie
übernehme
(
Urk.
3/1).
Zum einen
vermag nur ein gleichwertiger Versicherungsschutz den gesetzlichen Anforderungen zu genügen, zum andern besteht wie dargelegt
insbesondere
bezüglich der Pflege
leistungen eine
gewichtige
Deckungslücke.
Folglich würde
n
der Beschwerde
führerin - auch wegen des fehlenden Tarifschutzes (vgl.
Art.
44 KVG) - bei Be
handlungen, die über die HUK abgerechnet würden, erheblich höhere Restkosten verbleiben, als wenn sie in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung nach KVG versichert wäre.
Unerheblich bleibt
schliesslich
,
ob
eine gegenteilige Praxis in anderen Kantonen besteht (BGE 134 V 34), zumal
das
Krankenversicherungsobligatorium
eingeführt worden ist, um die Solidarität zwischen Gesunden und Kranken zu gewährleisten und gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung Ausnahmen von der Versicherungspflicht in A
nbetracht dieser gesetzgeber
ischen Absicht in den Bundesvorschriften eng zu umschreiben
sind
(BGE 132 V 313 E. 8)
. Eine Grund
lage für die Befreiung der Beschwerdeführerin von der Versicherungspflicht be
steht nach dem Gesagten nicht.
5.
Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen und untersteht die Beschwerdeführerin
ab
September 2020 (vgl.
auch
Urk.
5) der schweizerischen Krankenversicherungspflicht.