Decision ID: c621ad4e-a8e7-441b-9570-0b30af30d342
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1964 geborene
X._
war
vom
1.
November 2005
bis 21. Januar 2010 mit einem Pensum von 100
%
als Reisezugbegleiterin National und anschliessend
wegen Beschwerden am linken Knie
ab dem 2
7.
Januar 2010
teilweise
als Unterstützung im Bereich Ausbildung und Fachlehrerin bei der
Y._
tätig (
Urk.
7/2
und
Urk.
7/4 S. 7
). Am
3.
Oktober 2010 erlitt sie einen
Auf
fahrunfall
und zog sich dabei
unter anderem Verletzungen an den Knien, dem Handgelenk und der Halswirbelsäule
zu (
Urk.
7/
4 S. 7
).
Der Unfallversicherer
,
d
ie
S
chweizerische Unfallversicherungsanstalt
(
SUVA
)
,
erbrachte die gesetzli
chen Leistungen und stellte diese mit
Einspracheentscheid
vom
4.
Dezember 2013 per 3
1.
Juli 2013 ein
(
Urk.
7/
65
)
mit der
Begründung
,
die unfallkausalen Beschwerden würden die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit nicht beeinträchtigen.
Am
2.
November 2010
hatte
sich
die
Versicherte unter Hinweis auf
eine
Knie
ope
ration
und den Autounfall
vom
3.
Oktober 2010
bei der Invalidenversi
cherung zum Leistungsbezug an
gemeldet
(
Urk.
7/
4
). Die
Sozialversicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und
zog unter anderem die Unfallakten bei.
Am 2
5.
September 2012 kündigte die
Y._
das Arbeitsverhältnis aus medizinischen Grü
nden per 3
1.
Oktober 2012 (Urk.
7/72/3). Die Versicherte
nahm per
1.
April 2014 bei der
Z._
in einem 10 bis 30
%
-Pensum und
per
1
4.
Juni
2014 zusätzlich bei der
A._
in einem 50
%
-Pensum
eine Tätigkeit
als administrative Mitarbeiterin
auf
(Urk. 7/
77 S. 23 und Urk.
7/78 f.
).
Nach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
(Urk. 7/
83
-84
) wies
die IV-Stelle
das Rentenbegehren mit Verfüg
ung vom 1
9.
März 2015
(Urk.
2) ab.
2.
Dagegen erhob d
ie
Versicherte am
4.
Mai
2015 Beschwerde (
Urk.
1) und bean
tragte, die Verfügung vom 1
9.
März 2015
sei aufzuheben und es sei ih
r
eine
angemessene
Invalidenrente auszurichten.
Eventualiter sei die Sache zwecks Einholung eines medizinischen Gutachtens und Neuentscheidung an die Vor
instanz zurückzuweisen.
Mit Eingabe vom
4.
Juni 201
5
(
Urk.
6) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was de
r
Beschwerdeführer
in
mit
Verfügung vom
8.
Juni
2015 mitgeteilt wurde (Urk. 8).
Mit Schreiben vom 18. Juni 2015
(
Urk.
10)
reichte die Beschwerdeführerin einen aktuellen Bericht ihres behandelnden Psychiaters (
Urk.
11) ein, welcher der Beschwerdegegnerin
am
2
2.
Juni 2015 zur Kenntnisnahme zugestellt wurde (
Urk.
12).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom 1
9.
März 2015 (Urk. 2) damit, dass die Eingliederungsmassnahmen im Oktober 2014 abgeschlossen worden seien
(nachdem die Beschwerdeführerin die zwei Teilzeitstellen gefunden hatte)
. Der Rentenanspruch sei deshalb ab Oktober 2014 zu prüfen. Gemäss der ärztlichen Abschlussuntersuchung der SUVA vom 2
8.
Mai 2013 sei die Beschwerdeführerin seit dem 1
5.
Oktober 2013 in ihrer angestammten Tätigkeit voll arbeitsfähig. Da nach Abschluss der Ein
gliederungsmassnahmen keine Arbeitsunfähigkeit mehr vorliege, bestehe kein Rentenanspruch.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
die
Y._
habe das Arbeitsverhältnis aufgelöst, da
sie
gemäss
der
Einschätzung des
B._
vom 2
4.
Juli 2012 wegen Einschränkungen im Bereich des Bewegungsapparates und einer bedeutenden psychischen Problematik definitiv untauglich geworden sei für
die
angestammte Tätigkeit als Reisezugbegleiterin. Die Kreisärztin der SUVA
habe in ihrem Bericht vom 2
8.
Mai 2013 festgehalten, ab Juli 2013 bestehe auch in der angestammten Tätigkeit eine vo
lle Arbeitsfä
higkeit. Gemäss
ihrem
behandelnden Psychiater sei
sie jedoch seit dem Unfall vom 3.
Oktober 2010 aufgrund psychischer Beschwerden nur noch in einer angepassten Tätigkeit zu 40 bis 60
%
arbeitsfähig.
Der RAD-Arzt
habe sich hauptsächlich auf den Abschlussbericht der SUVA-Kreisärztin gestützt
. Er
sei zum Schluss gekommen, dass die Beschwerdeführerin leichte Tätigkeiten mit einer maximalen Belastung von 5 kg ausüben könne
und deshalb
seit dem 15. Oktober 201
3
in i
hrer angestammten Tätigkeit
voll arbeitsfähig
sei
.
Die
Stellungnahme
des RAD-Arztes
sei
jedoch
weder vollständig, noch wider
spruchs
frei
oder
schlüssig
, so dass auf diese nicht abgestellt werden könne. Die angestammte Tätigkeit der Beschwerdeführerin sei keineswegs eine leichte Tätig
keit. Die Auswirkungen der psychiatrischen Beschwerden auf
ihre
Arbeits
fähigkeit seien zudem nicht untersucht worden. Es sei deshalb ein medizinisches Gutachten bei versicherungsexternen Experten in Auftrag zu geben.
3.
3.1
Im
Bericht
des
B._
der
Y._
vom
2
4.
Juli 2012
hielt
Dr. med.
C._
fest, dass die Beschwerdeführerin definitiv untauglich geworden sei für ihre angestammte Tätigkeit als Reisezugbegleiterin National. Es beständen einer
seits Einschränkungen im Bereich des Bewegungsapparats, andererseits bestehe aber
insbesondere auch weiterhin eine bedeutende psychi
sche Belastung seit dem Autounfall (
Urk.
7/62
/202
).
3.2
Kreisärztin
Dr.
med. D._
,
Fachärztin
für Chirurgie FMH, diagnosti
zierte anlässlich ihrer Abschlussuntersuchung vom 2
8.
Mai 2013
(Urk. 7/62/94-111)
Folgendes
(S. 5)
:
Belastungsabhängige Restbeschwerden bei Status nach
undislozierter
Sternum
fraktur
im Rahmen eines Auffahrunfalls vom
3.
Oktober 2010
Kopfschmerzen vom Spannungstyp bei
nuchalen
Verspannungen
Restbeschwerden im Bereich des linken Kniegelenkes bei Status nach offener
Plicaresektion
und
Mikrofrakturierung
anteromedialer
Femurkondylus
Mai 2010 mit postoperativer Irritation des
Ramus
infrapatellaris
und
Nervus
saphenus
Arthrodese
Daumengrundgelenk links
Die Kreisärztin schätzte die Beschwerdeführerin aufgrund der klinischen Unter
suchung aus somatischer Sicht in einer leichten bis mittelschweren Tätig
keit als mindestens 60 bis 80
%
arbeitsfähig ein. Die Einschränkung bestehe wegen der noch nicht vollständig durchgebauten
Arthrodese
im Bereich des linken Daumengrundgelenkes. Spätestens ab Juli (2013) sollte wieder eine volle Arbeits
fähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bezüglich somatischer Unfallfolgen gegeben sein (S. 6).
3.
3
Im Schlussbericht
vom 1
7.
Juni 2013
zur psychotherapeutischen Behandlung
vom 3
1.
März bis
3.
Juni 2013
(
Urk.
7/62/87-89)
führten
Psychotherapeutin ASP
E._
, Dipl. Psych. FH
F._
und
Dr.
med.
G._
von
der
H._
folgende Diagnosen auf:
Regrediente
, belastungsabhängige Kopfschmerzen
Schmerzsymptomatik am linken Knie und linken Daumen
Dazu hielten sie fest,
dass
seit dem Unfall
50 psychotherapeutische Sitzungen stattgef
u
nden hätten. Im Verlauf der Behandlung habe sich die posttraumati
sche und depressive Symptomatik deutli
c
h und nachhaltig zurückgebildet. Die Beschwerdeführerin könne wieder Auto fahren, die Alltagsaktivitäten habe sie wieder auf ein normales Niveau ausweiten können,
sie
pflege wieder Kontakte und verspüre Lebensfreude, Selbstvertrauen und Zuversicht.
Die posttraumati
schen und depressiven Symptome seien remittiert. Aus psychiatrischer Sicht sei mit dem Abklingen der psychischen Symptomatik keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit mehr gegeben.
3.4
Dr.
med.
I._
, Oberarzt an
der Klinik für Plastische Chirurgie und
Handchirur
gie
des
J._
,
hielt
in seinem
Abschlussb
ericht
vom 1
5.
Okto
ber 2013 (Urk.
7/66/36 f.) folgende Diagnosen fest:
Posttraumatische MCP I-Arthrose links
Status nach MCP I-
Arthrodese
links mit XMCP (
Extremity
Medical MC 5x30 mm, P1 24 mm
kanüliert
) am
8.
April 2013
Schmerzhaftes Neurom
Ramus
infrapatellaris
links
Status nach offener
Plicaresektion
und
Débridement
bei
osteochondraler
Läsion
anteromedialer
Femurkondylus
am
7.
Mai 2010
Status nach
Neuromrelokalisation
proximal
Ramus
infrapatellaris
links am
8.
April 2013
Dazu führt
e
er aus, dass die Beschwerdeführerin über ein schmerzfreies MCP I
Gelenk berichte. Sie benutze die Hand normal und verspüre gelegentlich bei grösserer Belastung leichte Schmerzen im Daumensattelgelenk; dies sei aber aktuell noch nicht störend. Im Bereich des Beines seien die Neuromschmerzen ebenfalls verschwunden. Die Narbe sei nun mittlerweile ebenfalls völlig schmerz
frei. Die Opposition am betroffenen linken Daumen sei im Vergleich zur Gegenseite leicht eingeschränkt, Faustschluss und Fingerstreckung seien jedoch problemlos möglich. Die Beschwerdeführerin sei im Alltag nicht mehr einge
schränkt und schmerzfrei.
3.
5
RAD-Arzt
pract
. med.
K._
, Facharzt für Arbeitsmedizin,
hielt
in seiner Stellungnahme vom
2.
April 2014 (
Urk.
7/88/6 f.)
unter Verweis auf die Vorbe
richte
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
fest
:
Belastungsabhängige Restbeschwerden bei Status nach
undislozierter
Sternum
fraktur
am
3.
Oktober 2010
Kopfschmerzen vom Spannungstyp bei
nuchalen
Verspannungen
Restbeschwerden im Bereich des linken Kniegelenkes
Arthrodese
Daumengrundgelenk links
Zudem führte er folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf:
Regrediente
Kopfschmerzen und Schmerzen am linken Knie und linken Daumen (aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit kaum einge
schränkt)
Dazu hielt er fest, dass die Beschwerdeführerin nur noch leichte Tätigkeiten mit einer maximalen Belastung von 5 kg ausüben könne. Seit dem 2
7.
Mai 2013 sei sie in einer angepassten und seit dem 1
5.
Oktober 2013 auch in ihrer ange
stammten Tätigkeit voll arbeitsfähig.
3.
6
Dr.
med.
L._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, stellte in seinem Bericht vom 1
2.
Mai 2014 (
Urk.
7/70) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Rezidivierende depressive Störungen mit somatischen Störungen seit dem Unfall am
3.
Oktober 2010
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung PTSD bei sexueller Ausbeu
tung innerhalb der Familie
Ergänzend führte er aus, dass die Beschwerdeführerin seit dem
4.
September 2014 (wohl: 2013) bei ihm in Behandlung sei.
Es fände
n
alle vier Wochen Sitzung
en
statt. Die Beschwerdeführerin sei in ihrer Kindheit von ihrem Vater misshandelt und über Jahre sexuell ausgebeutet worden. Ihre depressive Prob
lematik habe sich nach Abschluss der Traumatherapie wieder verstärkt. Sie leide sehr unter der ungewissen beruflichen Situation und erlebe existenzielle Ängste und finanzielle Not,
was sie sehr belaste
und einschränke. Als Zugbegleiterin sei die Beschwerdeführerin dauerhaft voll arbeitsunfähig. In einer sitzenden Tätig
keit bestehe seit Juli 2013 eine 40 bis 60%ige Arbeitsfähigkeit.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer leistungsabweisenden Verfügung vom 1
9.
März 2015 (Urk. 2) auf die Stellungnahme ihres RAD-Arztes vom
2.
April 2014 (Urk.
7/88/6 f.)
.
4.2
Die RAD stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraus
setzun
gen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invali
denversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufga
benbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Ein
zel
fall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) beurteilen die RAD die medizinischen Voraus
setzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben
den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bun
des
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Beri
chten keine Wirkung
(Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
Aus dem Grundsatz der Waffengleichheit folgt das Recht der versicherten Per
son, mittels eigener Beweismittel die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärzt
lichen Feststellungen der versicherungsinternen Fachpersonen in Zweifel zu ziehen. Diese von der versicherten Person eingereichten Beweismittel stammen
regelmässig
von behandelnden Ärzten oder von anderen medizinischen
Fach
personen
, die in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versicherten Person stehen. Aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, wird im Streitfall eine direkte
Leistungszusprache
ein
zig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärzte jedoch kaum je in Frage kommen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5).
4.3
4.3.1
RAD-Arzt med.
pract
.
K._
bezog sich in seiner Stellungnahme vom 2. April 2014 (
Urk.
7/88/6 f.) auf den kreisärztlichen Untersuchungsbericht vom 2
8.
Mai 2013 (Urk. 7/62/94-111)
und führte dazu aus, dass sowohl in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Zugbegleiterin als auch in einer angepassten Tätigkeit
bis im Februar 2013
mit der SUVA koordiniert wer
den k
ö
nn
e.
D
ie SUVA-Kreisärztin
hatte
sich
indes
lediglich zu einer allfälligen durch den Unfall vom
3.
Oktober 2010 verursachten Arbeitsunfähigkeit
geäussert
und die Beschwerdeführerin diesbezüglich ab Juli 2013 als auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
wieder
voll arbeitsfähig
befunden
. Nicht berücksichtigt wurden von ihr die
Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit durch die
- nur möglicher
weise unfallkausalen -
Bes
chwerden im linken Knie
- und Daumen
grund
gelenk
,
die
Kopf
- und Nackenschmerzen
und die psychischen
Beschwerden.
Im Bericht der
H._
vom 1
7.
Juni 2013
(Urk.
7/62/87-89)
wird festgehalten, dass aus psychiatrischer Sicht keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit mehr gegeben ist.
Dr.
I._
hielt in seinem Abschlussbericht vom 1
5.
Oktober 2013 (Urk. 7/66/36 f.)
zudem
fest,
dass
die Beschwerdeführerin nach Operationen des Daumens und des Kniegelenkes im Alltag nicht mehr eingeschränkt und schmerzfrei
ist. Zu einer allfälligen Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit
äusserte er sich
zwar
nicht
, doch ist davon auszugehen, dass bei einem solchen Befund die gemäss Belastungsprofil zumutbaren Tätigkeiten (leichte Tätigkeit, maxi
male Belastung 5 kg;
Urk.
7/88
/7
)
in einem Vollpensum
ausgeübt werden können
.
Damit kann zwar grundsätzlich nachvollzogen werden, dass der RAD-Arzt
dannzumal
die Beschwerdeführerin
als in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig befand. Nicht nachvollziehbar ist jedoch, weshalb sie dies bereits ab dem 27. Mai 2013
gewesen sein soll, ging doch selbst die SUVA-Kreisärztin erst von einer vollen Arbeitsfähigkeit ab Juli 2013 aus.
G
emäss RAD-Arzt
K._
bestehen
bei der Beschwerdeführerin
zudem
unter anderem Restbeschwerden im Bereich des linken Kniegelenkes, welche sich auf ihre Arbeitsfähigkeit auswirken. Sie kann
nur noch leichte Tätigkeiten mit einer maximalen Belastung von 5 kg ausüben.
In ihrer angestammten Tätigkeit als Zugbegleiter
i
n ist sie nach seiner Einschätzung
zu 100
%
arbeitsfähig (Urk.
7/88/7).
Gemäss Arbeitgeberfragebogen vom
8.
November 2010 (
Urk.
7/2) hat die Beschwerdeführerin bei ihrer Arbeit als Reisezugbegleiterin oft, das heisst bis zu 66
%
ihrer Arbeitszeit, Lasten von 0 bis 10 kg zu heben oder tra
gen. Selten hat sie zudem mittelschwere (10-25 kg) und selten schwere (über 25
kg) Lasten zu heben oder
zu
tragen.
34 -
66
%
ihrer Arbeitszeit verbringt sie im Gehen,
6 -
33
%
im Stehen
beziehungsweise mit Treppensteigen, selten muss sie zudem im Gleisfeld Auf- und Absteigen
(S. 6).
Mit dem von med.
pract
.
K._
festgelegten Belastungsprofil kann sie diese Tätigkeiten offensichtlich nicht mehr vollumfänglich ausüben. Weshalb sie dennoch in ihrer ange
stammten Tätigkeit
zu
100
%
arbeitsfähig sein soll, wird vom RAD-Arzt nicht erläutert.
Es bestehen damit mehr als geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit
seiner Stellung
nahme,
so dass auf diese nicht abgestellt werden kann.
4.3.
2
Die Beschwerdeführerin
berief
sich auf den Bericht des
B._
der
Y._
vom 2
4.
Juli 2012 (
Urk.
7/62
/202
), gemäss welchem Einschränkungen im Bereich des Bewegungsapparats und eine bedeutende psychische Belastung seit dem Autounfall bestehen. Inzwischen wurde die Beschwerdeführerin aber mehrfach operiert, zumindest im Alltag ist sie nicht mehr eingeschränkt und schmerzfrei (
Abschlussbericht vom 1
5.
Oktober 2013;
Urk. 7/66/37). Gemäss den
behandelnden Ärzten der
H._
(
Schlussbericht vom 1
7.
Juni 2013;
Urk. 7/62/87-89) hat sich
zudem
die
durch den Unfall hervorgerufene posttraumatische und depressive Symptomatik
(vgl.
Urk.
7/27/1) mittlerweile
nachhaltig zurückgebildet und keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit mehr zur Folge.
Aufgrund de
s
geänderten gesundheitlichen
Zustandes
ist der Bericht des
B._
für die
Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit in der ursprüngli
chen Tätigkeit
für die vorliegende Beurteilung
nicht mehr massgebend.
4.3.
3
Die Beschwerdeführerin macht
e
weiter geltend, gemäss
Dr.
L._
sei sie wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung bei sexueller Ausbeutung innerhalb der Familie sowie rezidivierenden depressiven Störungen mit somati
schen Störungen seit dem Unfall am
3.
Oktober 2010
noch 40 bis 60
%
(Bericht vom 1
2.
Mai 2014;
Urk.
7/70 S. 4) beziehungsweise höchstens 50
%
(Bericht vom 1
3.
Mai 2015;
Urk.
11) arbeitsfähig.
Dazu ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin
von 2011 (
Urk.
7/63/86)
bis 2013
während
50 psychothe
ra
peutische
n
Sitzungen
bei der
H._
in Behandlung war
(
Urk.
7/62/87
)
.
Eine posttraumatische Belastungsstörung aufgrund sexueller Ausbeutung inner
halb der Familie kam dabei - soweit ersichtlich - nie zur Sprache
,
weshalb die Beurteilung der behandelnden Therapeuten nicht vollends zu überzeugen ver
mag
. Dem Bericht von
Dr.
L._
ist
demgegenüber
nicht zu entnehmen,
weshalb die Beschwerdeführerin heute aufgrund dieser Diagnose in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sein soll, zuvor jedoch während Jahren unein
geschränkt einer Erwerbstätigkeit nachgehen konnte (
vgl.
Urk.
7/16).
Seit
Mitte Juni
2014 ist
die Beschwerdeführerin zudem
zu 60 bis 80
%
erwerbstätig
(Urk. 7/77 S. 23 und
Urk.
7/78 f.)
, obwohl sie gemäss
Dr.
L._
maximal zu 60
%
arbeitsfähig ist
.
Auf diesen Widerspruch geht
Dr.
L._
in seinen Berichten nicht ein.
4.
4
Nach dem Gesagten kann aufgrund der Akten nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit festgelegt werden, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin arbeitsfähig ist.
So fehlt namentlich eine differenzierte Beurteilung der Arbeits
fähigkeit aus psychiatrischer Sicht im Hinblick auf die geltend gemachten Fol
gen der Missbrauchsproblematik. Weiter ist bei aktuellem Aktenstand davon auszugehen, dass die bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar ist, weshalb sich ergänzende erwerbliche Fragen stellen.
Angesichts des Verzichts der
Beschwer
degegnerin
auf eine externe Begutachtung im Rahmen des
Verwaltungsver
fahrens
rechtfertigt sich eine gerichtliche Begutachtung nicht. Der angefochtene Entscheid ist damit auf
zuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie
eine
bidisziplinäre
Begutachtung (Psychia
trie und Rheumatologie) veranlasse und hernach über die Ansprüche der Beschwerde
führerin neu entscheide.
5.
5.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
7
00.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Der Beschwerdeführerin steht ausgangsgemäss eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festgesetzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht,
GSVGer
). Entsprechend ist ihr eine Prozessentschädigung von Fr. 2‘
5
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.