Decision ID: b83d7155-d521-4f9e-8434-60d0ac53b993
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1971 geborene X._ war zuletzt selbständig erwerbend als Geschäfts
führer einer (Kontakt-)Bar (Urk. 12/18 S. 5, 11, 13). Am 14. April 2015 meldete er sich unter Hinweis auf starke Kopfschmerzen sowie eine starke Depression bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 12/3). Die Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte daraufhin Abklärungen in erwerblicher sowie medizinischer Hinsicht. Am 22. März 2016 erstatteten die Dres. med. Y._, Facharzt für Neurologie, sowie Z._, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie, im Auftrag der IV-Stelle ein bidisziplinäres Gutach
ten (Urk. 12/18; nachfolgend: Gutachten Y._/Z._). Mit Vorbescheid vom 20. Juni 2016 (Urk. 12/21) stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abwei
sung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und berufliche Eingliederungsmass
nahmen in Aussicht. Dies wurde nach Einwand des Versicherten (Urk. 12/28) mit Verfügung vom 28. September 2016 (Urk. 2) bestätigt.
2.
2.1
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 1. November 2016 (Urk. 1) Be
schwerde und stellte folgende Anträge (S. 2):
«1) Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 28. September 2016 sei derart aufzuheben als das dem Beschwerdeführer IV-Leistungen zugespro
chen werden
eventualiter
sei die Sache zur Beurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
2) Es sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu gewäh
ren und Rechtsanwalt Yetkin Geçer, 6005 Luzern als unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen.
3) Alles unter Prozesskosten, also Gerichtskosten und die Parteientschä
digung (zzgl. MWST), zu Lasten der Beschwerdegegnerin.»
2.2
Am 17. November 2016 reichte der Beschwerdeführer Unterlagen zur prozessua
len Bedürftigkeit ein (Urk. 8-9/2).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort vom 8. Dezember 2016 (Urk. 11) beantragte die Be
schwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, wovon dem Beschwerdeführer am 9. Dezember 2016 Kenntnis gegeben wurde (Urk. 13).

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Der Rentenanspruch entsteht gemäss
Art.
29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29
Abs.
1 ATSG
(
Abs.
1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte mit Verfügung vom 28. September 2016 (Urk. 2) den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente und beruf
liche Eingliederungsmassnahmen. In medizinischer Hinsicht stützte sie sich dabei auf das Gutachten Y._/Z._ vom 22. März 2016 (Urk. 12/18) und ging von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 10 % in der bisherigen Tätig
keit und von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus.
2.2
Dagegen brachte der Beschwerdeführer mit Beschwerdeschrift vom 1. November 2016 (Urk. 1) im Wesentlichen vor, auf das Gutachten Y._/Z._ könne mangels Beweiswerts nicht abgestellt werden. Die Beschwerdegegnerin hätte wei
tere Abklärungen vornehmen müssen und sie habe den Anspruch auf Gewährung des rechtlichen Gehörs verletzt, indem sie nicht das gesamte Beweismaterial um
fassend gewürdigt und keine triftigen Gründe angegeben habe, warum sie auf die eine und nicht die andere medizinische These abstelle.
3.
3.1
In einem ersten Schritt ist auf die seitens des Beschwerdeführers gerügte Verlet
zung des rechtlichen Gehörs im Sinne der Begründungspflicht durch die Be
schwerdegegnerin einzugehen (Urk. 1 S. 5).
3.2
3.2.1
Nach Art. 42
ATSG haben
die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, wobei sie vor Erlass von Verfügungen, die durch Einsprache anfechtbar sind – was auf Verfügungen über Leistungen der Invalidenversicherung nicht zutrifft (vgl. Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG) – nicht angehört werden müssen.
Ein Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er neben der expliziten gesetzlichen Regelung in Art. 42 ATSG auch in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfas
sung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) garantiert wird (vgl. BGE 124 V 180 E. 1a), ist das Recht der versicherten Person, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwir
ken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1). Der Gehörsanspruch verpflichtet die Behörde, die Vorbringen der betroffenen Person auch tatsächlich zu hören, zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen, weshalb sie ihren Entscheid zu begründen hat (BGE 134 I 83 E. 4.1). Die Pflicht der Behörde, ihre Verfügungen – sofern sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 ATSG) – zu begründen, bezweckt insbesondere, die be
troffene Person in die Lage zu versetzen, eine Verfügung gegebenenfalls sachge
recht anfechten zu können (BGE 124 V 180 E. 1a, vgl. auch BGE 134 I 83 E. 4.1 mit Hinweisen).
U
m den verfassungsrechtlichen Anforderungen zu genügen, muss die Begrün
dung wenigstens kurz die Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde bei ihrem Entscheid hat leiten lassen und auf die sich der Entscheid stützt. Aus der Begründung muss jedenfalls ersichtlich werden, ob und warum die Behörde ein Vorbringen einer Partei für unzutreffend beziehungsweise unerheblich hält. Es muss erkennbar sein, ob die Behörde es überhaupt in Betracht gezogen hat. Sie darf sich nicht auf den Hinweis beschränken, die Überlegungen der versicherten Person seien zur Kenntnis genommen und geprüft worden. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass eine Anfechtung des Entscheids möglich ist (Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N 56 zu Art. 49, mit Hinweis auf BGE 124 V 180).
3.2.2
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Daher führt dessen Ver
letzung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Vorbehalten bleiben praxisgemäss Fälle, in denen die Verletzung des Begründungsrechts nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die Partei, deren rechtliches Gehör verletzt wurde, sich vor einer Instanz äussern kann, welche sowohl Tat- als auch Rechts
fragen uneingeschränkt überprüft. Von einer Rückweisung der Sache zur Gewäh
rung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltung ist im Sinne einer Heilung des Mangels selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderli
chen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweisen).
3.3
Der angefochtenen Verfügung vom 28. September 2016 (Urk. 2) ist zu entneh
men, dass die Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente sowie berufliche Eingliederungsmassnahmen verneinte. Begründet wurde dies damit, dass die Begutachtung des Beschwerdeführers durch die Dres. Y._ und Z._ ergeben habe, dass der Beschwerdeführer in seiner bishe
rigen Tätigkeit als Geschäftsführer eines Restaurants aufgrund der Kopfschmerz
attacken in der Arbeitsfähigkeit um 10 % eingeschränkt sei. Psychiatrische Ein
schränkungen bestünden keine mehr. In angepasster Tätigkeit sei der Beschwer
deführer voll arbeitsfähig. Der Beschwerdeführer habe eine Erkrankung, die nicht zu einem länger dauernden Ausfall der Erwerbsfähigkeit führe. Aus diesem Grund habe er keinen Anspruch auf eine Invalidenrente und berufliche Eingliederungs
massnahmen.
Der Beschwerdeführer rügte im Einwand vom 22. September 2016 (Urk.12/28) eine ungenügende Abklärung des medizinischen und erwerblichen Sachverhalts (S. 1); die vom begutachtenden Neurologen postulierte Beeinträchtigung der Ar
beitsfähigkeit von nur 10 % sei nicht nachvollziehbar begründet und der Psy
chiater haben den Behandlungserfolg nicht nachvollziehbar skizziert (S. 3).
Von diesen Vorbringen nahm die Beschwerdegegnerin entgegen der Darstellung des Beschwerdeführers durchaus Kenntnis. Mit seiner Kritik, welche sich im We
sentlichen im Zitat von allgemeinen Grundsätzen der Rechtsprechung zur Be
weiswürdigung erschöpft und jeden Bezug auf die konkrete (weitere) medizini
sche Aktenlage vermissen lässt, setzte sich die Beschwerdegegnerin rechtsgenüg
lich auseinander und wies darauf hin, dass keine neuen Arztberichte eingereicht und nach Angabe der Gutachter die Behandlungsmöglichkeiten noch nicht aus
geschöpft worden seien (Urk. 2 S. 2).
So wurde der Beschwerdeführer in die Lage versetzt, die Beweggründe der Be
schwerdegegnerin für ihren rentenabweisenden Entscheid zu erkennen und den Entscheid in Kenntnis der wesentlichen Entscheidgrundlagen an das hiesige Ge
richt weiterzuziehen, was mit Beschwerdeschrift vom 1. November 2016 (Urk. 1) auch erfolgt ist. Die Rüge der Gehörsverletzung durch die Beschwerdegegnerin zielt damit ins Leere.
4.
4.1
Die medizinische Aktenlage präsentiert sich im Wesentlichen wie folgt:
4.2
Dem Bericht von Dr. med. A._, Facharzt für Chirurgie, vom 15. Januar 2010 (Urk. 12/9 S. 6) ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer über Kopf
schmerzen und neuromartige Beschwerden im Bereich der Augenbraue rechts nach einem Unfall vor 20 Jahren klage. Klinisch liege eine reizlose Narbe im Bereich der Augenbraue rechts medial vor, sonst sei kein pathologischer Befund feststellbar. Folglich sei der Beschwerdeführer in jeder Hinsicht gesund.
4.3
Im Bericht der Klinik für Neurochirurgie des B._ vom 6. No
vember 2014 (Urk. 12/9 S. 7 f.) wurde der Verdacht auf eine posttraumatische Meningocele subfrontal rechts betont gestellt und weitere Abklärungen wurden für notwendig erachtet. Diese führten schliesslich am 10. Februar 2015 (Urk. 12/9 S. 12 ff.) zur Verdachtsdiagnose episodischer Clusterkopfschmerzen ICHD III beta 3.1, Erstmanifestation etwa 1993, sowie eines Status nach Schädelhirntrauma etwa 1987.
4.4
Dem Bericht von Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin sowie Nephrologie, vom 30. Juni 2015 (Urk. 12/9 S. 1 ff.) ist als Diagnose mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit ein Status nach Velounfall mit Fraktur der Stirn, aktuell persistierende Kopfschmerzen permanent, zu entnehmen. Sowohl die an
gestammte als auch eine angepasste Tätigkeit erachtete der Hausarzt als nicht mehr zumutbar.
4.5
Am 31. Oktober 2015 diagnostizierte Dr. med. D._, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie, der den Beschwerdeführer seit 6. Februar 2015 ein bis zwei Mal monatlich behandelt, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine depressive Episode, mittelgradig (ICD-10 F32.1; wahrscheinlich schon seit Jah
ren), sowie eine gemischte Persönlichkeitsstörung mit paranoiden, dissozialen und impulsiven Einzelzügen (ICD-10 F61.0). In seiner angestammten Tätigkeit als Gerant sei der Beschwerdeführer seit 2008 bis auf weiteres zu 100 % arbeitsun
fähig. Hinsichtlich der Zumutbarkeit einer leidensangepassten Tätigkeit führte der Psychiater aus, aktuell sei der Beschwerdeführer seit sieben Jahren weder einer Tätigkeit noch einer Beschäftigung nachgegangen, sei also erstens dekonditio
niert, zweitens krankheitshalber demotiviert, drittens wegen seiner Persönlich
keitsdiagnose mit Verbitterung gegenüber der Welt und fast allen Leuten auch kaum zur Kooperation fähig (Urk. 12/11).
4.6
Im bidisziplinären (psychiatrisch/neurologischen) Gutachten Y._/Z._ vom 22. März 2016 (Urk. 12/18) wurde aus psychiatrischer Sicht keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (S. 14). Aus neurologischer Sicht diagnostizierte Dr. Y._ ein Cluster-Headache mit Erstmanifestation ab etwa dem 28. Lebensjahr, differenzialdiagnostisch symptomatische Kopfschmerzen nach Impressionsfraktur frontal rechts mit Orbitabeteiligung 1988, sowie einen Schwindel und Kopfschmerzen bei Targin-Abusus (Medikamentenüberge
brauchskopfschmerz; S. 8) und Verdeutlichungstendenz. Im Rahmen der Kon
sensbesprechung führten die Gutachter aus, aus psychiatrischer Sicht liege beim Beschwerdeführer keine Psychopathologie vor, die eine Beeinträchtigung der Ar
beits- und Leistungsfähigkeit begründe. Der Beschwerdeführer leide an einer dys
phorisch dysthymen Gestimmtheit, im Rahmen seiner akzentuierten Persönlich
keitszüge. Eine eigentliche depressive Symptomatik, wie sie noch im Oktober 2015 von Dr. D._ diagnostiziert worden sei, müsse aus gutachterlicher Sicht heute als remittiert erachtet werden. Die entsprechenden Befunde gemäss ICD-10 für eine depressive Episode mittleren Grades würden nicht mehr erfüllt. Bezüglich des Verlaufs, der Entwicklung der Symptomatik müsse mit Wahr
scheinlichkeit angenommen werden, dass der Beschwerdeführer ab Januar 2015 (richtig wohl: 2016) keine depressive Symptomatik mehr gehabt habe. Bis dahin gelte die Beurteilung von Dr. D._. Allerdings sei aus psychiatrisch gut
achterlicher Sicht nicht nachvollziehbar, dass eine mittelgradig depressive Epi
sode langanhaltend zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit führe. Dies sei aus ver
sicherungsmedizinischer Sicht unüblich. Aus rein psychiatrischer Sicht sei dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der zumutbaren Willensanstrengung, der vorliegenden Befunde, der funktionellen Einschränkung, dem bisherigen Ver
lauf und der Aktenlage eine 100%ige Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt zuzumu
ten, sei es im Gastgewerbe oder in einer anderen vergleichbaren Tätigkeit (S. 18).
Aus neurologischer Sicht sei von einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von 10 % auszugehen. Dies betreffe angepasste Tätigkeiten. Darunter seien Tätigkei
ten zu verstehen, bei denen der Beschwerdeführer bei Kopfschmerzattacken wäh
rend etwa einer Stunde unterbrechen könne. Ansonsten seien ihm sämtliche sei
nem Bildungsniveau und seiner Konstitution angepassten Tätigkeiten zumutbar und somit auch Tätigkeiten mit mässig bis mittelstarker Belastung durchaus denkbar. Der Beginn der erwähnten Arbeitsunfähigkeit bestehe ab 1. Oktober 2014, entsprechend den im Bericht der Neurochirurgie des B._ vom 6. November 2014 enthaltenen anamnestischen Angaben (S. 18 f.).
5.
5.1
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung sowie auf berufliche Eingliederungsmassnahmen hat. Zu würdigen ist hierzu nachfolgend die medizinische Sachlage.
5.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
5.3
Die Dres. Y._ und Z._ nahmen ihre Beurteilung (Urk. 12/18) in Kennt
nis der Aktenlage (S. 2 ff.) sowie der seitens des Beschwerdeführers geklagten Beschwerden (S. 6, S. 10 f.) vor. Die Diagnosestellung erfolgte jeweils nach ein
gehender Befundaufnahme, sodann wurden die medizinischen Akten differenziert diskutiert (S. 8 ff., S. 14-16). In diesem Zusammenhang ist insbesondere darauf hinzuweisen, dass der Schluss von Dr. Z._ auf das Fehlen einer psychiatri
schen Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der erhobenen Befunde nicht zu beanstanden ist. So stellte der Gutachter fest, dass der Beschwerdeführer affektiv etwas dysphorisch sei, aber dennoch schwin
gungsfähig. Es fanden sich keine Hinweise auf eine durchgehende Niedergeschla
genheit, Traurigkeit, Interessenlosigkeit oder einen verminderten Antrieb. Kon
zentration und Aufmerksamkeit wirkten unbeeinträchtigt, das Selbstwertgefühl war nicht wesentlich beeinträchtigt. Gefühle von Schuld oder Wertlosigkeit wa
ren nicht feststellbar, ebenso wenig Suizidgedanken und ein Morgentief (S. 13). Die Verneinung einer Persönlichkeitsstörung begründete der Gutachter schliess
lich in nachvollziehbarer Weise (S. 15). Diesbezüglich fällt ins Gewicht, dass der behandelnde Psychiater nicht darlegte, worauf die von ihm erhobene Persönlich
keitsstörung fusst. Er führte zu deren Begründung weder eine Hirnerkrankung an noch erläuterte er, dass die Störung bereits in der Kindheit oder im Erwachsenen
alter manifest gewesen wäre. Vielmehr schilderte er jahrelange unauffällige be
rufliche Aktivitäten (Urk. 12/11/2; vgl. dazu auch Auszug aus dem individuellen Konto, Urk. 12/8), wobei insbesondere die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Ge
schäftsführer einer Kontaktbar nicht aus gesundheitlichen, sondern aus wirt
schaftlichen Gründen aufgegeben werden musste (vgl. auch Urk. 12/18/5). In An
betracht der nicht schlüssig hergeleiteten Diagnose erweist sich die von Dr. D._ bescheinigte vollständige Arbeitsunfähigkeit als nicht plausibel, weshalb sein Bericht nicht geeignet ist, die Schlussfolgerungen der Gutachter in Zweifel zu ziehen. Diesbezügliche ergänzende Abklärungen seitens der Beschwerdegeg
nerin erübrigten sich damit. Auch die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit (S. 10, S. 16 f.) erscheint mit Blick auf die seitens der Gutachter erhobenen Befunde voll
umfänglich nachvollziehbar. Dies gilt auch für den aus neurologischer Sicht ge
zogenen Schluss auf eine 90%ige Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit (S. 10). Diese Einschätzung steht im Einklang mit den fachärztlichen Beurteilun
gen sowohl von Dr. A._, der gar keinen pathologischen Befund aus
machte (E. 4.2 hievor), als auch der Ärzte des B._, die im Zusammenhang mit den Kopfschmerzen trotz vertieften Abklärungen lediglich eine Verdachtsdiagnose zu stellen vermochten (E. 4.3 hievor). Zudem leidet der Beschwerdeführer offenbar seit 1998 unter Kopfschmerzen (Urk. 12/18/9), ohne dass diese die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt hätten. Zutreffenderweise berück
sichtigten die Gutachter im Weiteren die vom Beschwerdeführer gezeigte Ver
deutlichungstendenz, welche der behandelnde Dr. C._ bei seiner Zumutbar
keitsbeurteilung ausser Acht gelassen hat (E. 4.4 hievor), weshalb letzterem nicht gefolgt werden kann.
Insgesamt ist somit nicht ersichtlich, inwiefern Zweifel am Beweiswert des bidis
ziplinären Gutachtens Y._/Z._ bestehen sollten. Die Beschwerdegegne
rin stützte sich in medizinischer Hinsicht zu Recht auf das Gutachten. Weitere Abklärungen (Urk.
1 S. 2, S.
4 f.) erübrigten bzw. erübrigen sich.
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
Sind Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung. Diesfalls entspricht der In
validitätsgrad nämlich dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 mit Hinweisen).
6.2
Gestützt auf die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit (Urk. 12/18 S. 18 f.) ist - entgegen der Beschwerdegegnerin (Urk. 2) - darauf zu schliessen, dass der Beschwerdeführer sowohl in seiner angestammten Tätigkeit als Ge
schäftsführer einer Kontaktbar als auch in einer leidensangepassten Tätigkeit seit Januar 2016 zu 10 % eingeschränkt ist. Massgebend hierfür sind die seit Oktober 2014 bestehenden neurologischen Einschränkungen bei Remission der psychiat
rischen Einschränkungen ab Januar 2016. Nachdem aufgrund der Aktenlage nicht davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer im Gesundheitsfall wei
terhin in angestammter Tätigkeit gearbeitet hätte, führten doch gesundheits
fremde Gründe zur Aufgabe der letzten Erwerbstätigkeit als Geschäftsführer (Urk. 12/18 S. 5, 11, 13), sind sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkom
men gestützt auf die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS) zu ermitteln. Damit resultiert ab Januar 2016 ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 10 % (E. 6.1).
Hinsichtlich der retrospektiven Beurteilung vor Januar 2016 verwiesen die Gut
achter aus psychiatrischer Sicht auf den behandelnden Psychiater Dr. D._ (Urk. 12/18 S. 18). Dieser hatte den Beschwerdeführer im Februar 2015 zu behandeln begonnen (Urk. 12/11 S. 1). Eine allfällige höhergradige als die seitens der Gutachter attestierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht darf damit frühestens ab Februar 2015 mit dem Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit angenommen werden. Nachdem gemäss gutachterli
cher Beurteilung bereits ab Januar 2016 von einer Remission der psychiatrischen Symptomatik auszugehen ist (Urk. 12/18 S. 18), ist im Zeitpunkt des Ablaufes des Wartejahres per Ende Januar 2016 auf eine nur noch 10%ige Einschränkung (aus neurologischer Sicht) zu schliessen. Ein Rentenanspruch konnte damit auch retrospektiv unter Berücksichtigung einer früher allenfalls schlechteren psychi
schen Verfassung des Beschwerdeführers nicht entstehen (E. 1.2 f.). Die Abwei
sung des Anspruchs auf eine Invalidenrente ist damit nicht zu beanstanden, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
Inwiefern bei dieser Sachlage ein Anspruch auf nicht näher spezifizierte berufli
che Eingliederungsmassnahmen bestehen soll, ist weder ersichtlich, noch wird dies substantiiert geltend gemacht, so dass sich Weiterungen hiezu erübrigen.
8
.
8
.1
Zu prüfen
bleibt
der Anspruch des Beschwerdeführers auf unentgeltliche Prozess
führung und Rechtsverbeiständung im Beschwerdeverfahren (Urk. 1 S. 2
Ziff.
2).
8
.2
Vorliegend sind die Voraussetzungen gemäss § 16 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) erfüllt, so dass das Gesuch zu bewilligen ist (vgl. dazu Urk. 9/1-2). Der Beschwerdeführer ist auf § 16 Abs. 4 GSVGer hinzu-
weisen.
8
.3
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des
Ver
fahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, infolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
8.4
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist der unentgeltliche Rechtsvertreter des Be
schwerdeführers, Rechtsanwalt Yetkin Geçer, aus der Gerichtskasse zu entschädi
gen. Nachdem er
trotz entsprechender Aufforderung (Urk. 13)
keine Honorarnote eingereicht hat, ist seine Entschädigung vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversich
erungsgericht, GSVGer) auf Fr. 1
‘
5
00.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) festzusetzen.
Das Gericht
beschliesst:
In Gutheissung des Gesuchs vom
1. November 2016
wird
dem Beschwerdeführer
die un
entgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwalt Yetkin Geçer, Luzern
, als unent
geltlicher Recht
svertreter für das vorliegende
Verfahren bestellt.