Decision ID: 37eb03fc-6e81-4c97-816c-6bb093f0bfaf
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964, arbeitete zuletzt
vom
1.
Juni bis 3
0.
September 2014 aushilfsweise
als Sachbearbeiter Rückversicherung bei der
Y._
in einem Pensum
von
80
%
(
Urk.
6/2/7-12). Am 1
3.
November 2015 meldete er sich aufgrund einer Depression bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug a
n (
Urk.
6/3 S. 5
Ziff.
6.2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische
sowie
erwerbliche Situation ab und sprach dem Versicherten Früh
interventionsmassnahmen in Form von Arbeitsvermittlung plus zu (vgl.
Mit
teilung vom
5.
April 2016,
Urk.
6/24). Im Juli 2016 wurde die Arbeits
ver
mittlung abgeschlossen (
Urk.
6/34).
Die IV-Stelle na
hm
daraufhin weitere Abklärungen vor und veranlasste insbesondere eine psychiatrische Begut
achtung, über welche am 2
7.
Dezember 2016 berichtet wurde (
Urk.
6/49).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/51;
Urk.
6/54;
Urk.
6/57) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
5.
Mai 2017 (
Urk.
6/59 =
Urk.
2) einen Leistungsanspruch des Versicherten.
2.
Der Versicherte erhob am 2
9.
Mai 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom
5.
Mai 2017 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihm ab dem frühestmöglichen Zeitpunkt Rentenleistungen auszurichten. Eventuell sei die Angelegenheit für weitere Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
3.
Juli 2017 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am
7.
Juli 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbsein
kommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG
,
BGE 139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl.
BGE 143 V 409 E. 4.2.1 unter Hin
weis auf 127 V 294 E. 4b/cc und 139 V 547 E. 5.2
).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psycho
somatische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tat
sächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grund
sätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE
141 V 281). Mit
BGE 143 V 418
hat das Bundesgericht erkannt, dass grund
sätz
lich sämtliche psychischen
Erkrankungen
einem strukturierten Beweis
verfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Fest
stellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichba
ren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungs
hi
n
dernder
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensations
potenzialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsver
mögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
lastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bun
desgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) fest,
dass anlässlich der Begutachtung eine
gegenwärtig mittelgradige Episode einer
rezidivierende
n
depressive
n Störung
sowie eine Panikstörung
als mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert worden sei
en
, weshalb eine Gegen
überstellung mit den vorhandenen Ressourcen
vorzunehmen
sei.
Die Behandlungs
möglichkeiten hinsichtlich der Panikattacken seien noch nicht aus
geschöpft. Eine
psychopharmakotische
Medikation werde nicht konsequent durchgeführt. Aufgrund des Aktivitätsniveaus und der vorhandenen Ressourcen sei eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit zumutbar. Es bestehe daher kein Anspruch auf eine Invalidenrente (S. 1 f.).
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
5) führte sie ergänzend aus, dass vorliegend von keiner Therapieresistenz
ausgegangen werden könne
. Die Vornahme eines Einkommensvergleichs erübrige sich
(S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (
Urk.
1),
es bestehe
Einigkeit über das Vorliegen
einer depressiven Störung sowie einer Panikstörung. Es sei von einem invalidisierenden Gesundheitsschaden auszuge
hen. Für den Anspruch auf eine Invalidenrente komme es nicht darauf an, ob die psychische Störung behandelbar sei oder nicht. Zudem gehe er seit vielen Jahren regelmässig in die Psychotherapie und habe bis Mai 2016 zusätzlich Antidepressiva eingenommen, welche er aufgrund starker Nebenwirkungen habe absetzen müssen.
Dies sei aktenkundig.
Sämtliche Ärzte und auch der Gutachter würden davon ausgehen, dass die Behandlung adäqua
t und die Compliance gut sei. Ein
invaliditätsrelevanter Gesundheitsschaden sei ausge
wiesen, weshalb ein Einkommensvergleich vorzunehmen sei
(S. 4 ff.)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers. Dabei umstritten ist das Vorliegen eines invalidisierenden psychischen Gesundheits
schadens.
3.
3.1
Mit Bericht vom 1
8.
Dezember 2015 (
Urk.
6/17) diagnostizierte
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, eine mittelschwere Depression mit Anpassungsstörungen bei psychischer Überlastung
als mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 1
Ziff.
1.1). Es sei mit einer
Chronifizierung
zu rechnen (S. 2
Ziff.
1.4). Der Beschwerdeführer sei
vom 2
6.
Mai bis 3
0.
September 2009 sowie
vom
1.
Oktober 2014 bis 3
1.
März 2015 in der bishe
rigen Tätigkeit als Finanzberater vollständig arbeitsunfähig gewesen. Seit dem
1.
April 2015 bestehe in der bisherigen sowie einer angepassten Tätigkeit ohne grossen psychischen Druck eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (S. 2 f.
Ziff.
1.6-1.7).
Bei idealem Arbeitsplatz ohne zu viel Druck und ohne Überforderung sei ein Pensum von 66.6
%
vorstellbar (S. 3
Ziff.
1.11).
3.2
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, gab mit Bericht vom
7.
Juli 2016 (
Urk.
6/36) an, dass er den Beschwerdeführer seit dem 1
4.
April 2016 behandle (S. 1
Ziff.
1.2) und eine seit dem Jahr 2009 bestehende Angst und depressive Störung, gemischt (ICD-10 F41.2), als mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizieren könne. Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erwähnte er eine Neurodermitis (S. 1
Ziff.
1.1). Die Prognose sei bei weiterer Psychotherapie vorsichtig positiv (S. 2
Ziff.
1.4). Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar. Die Zumutbarkeit einer angepassten Tätigkeit könne derzeit noch nicht beurteilt werden (S. 3
Ziff.
1.7).
3.3
Die Ärzte der
B._
informierten mit Bericht vom 1
9.
Sep
tember 2016 (
Urk.
6/42) über die stationäre
Hospitalisation
des Beschwer
de
führers vom
2
7.
Juli bis 1
7.
August 2016 (S. 2
Ziff.
1.3) und nann
ten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
Ängste und psychosomatische Beschwerden mit Druckgefühl auf der Brust
Prognostisch sei unter Fortführung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung langfristig vom Wiedererlangen der Arbeitsfähigkeit auszugehen (S.
2
Ziff.
1.4). Der Beschwerdeführer sei in der bisherigen Tätigkeit als Treu
händer vom 2
7.
Juli bis 3
1.
August 2016 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Für die Zeit danach sei eine Neubeurteilung vorzunehmen. Im Zeitpunkt des Klini
k
austritts sei nicht abschliessend beurteilbar gewesen, ob die bisherige Tätigkeit noch zumutbar sei. Die Möglichkeit einer angepassten Tätigkeit sei durch den
Nachbehandler
zu beurteilen (S. 3
Ziff.
1.6-1.7).
3.4
Mit Verlaufsbericht vom
5.
Oktober 2016 (
Urk.
6/43/1-3) führte
Dr.
A._
eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) sowie eine Angst und depressi
ve Störung, gemischt (ICD-10 F41.2), als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf. Diese
bestünden
seit Mai 2008, wobei sich die Sympto
matik seit dem Jahr 2009 verschlechtere (S. 1
Ziff.
1.2). Die Zumutbarkeit der bisherigen oder einer angepassten Tätigkeit sei derzeit noch nicht beurteilbar (S.
1
Ziff.
2.1). Die Leistungsfähigkeit sei weiterhin zu 100
%
vermindert (S. 2
Ziff.
2.2).
3.5
Dr.
Z._
bestätigte mit Verlaufsbericht vom 1
0.
Oktober 2016 (
Urk.
6/44) die bisher von ihm gestellte Diagnose (S. 1
Ziff.
1.2)
und gab an, dass die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen sowie einer ange
passten Tätigkeit durch den Psychiater zu erfolgen habe (S. 1
Ziff.
2.1).
3.6
Am 2
7.
Dezember 2016 erstattete
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, sein psychiatrisches Gutachten zuhanden der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6/49). Dabei stellte er folgende Diagnosen (S. 15 f.):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit ängstlich-vermeidender und emotional-instabiler Färbung (ICD-10 Z73.1)
In der Untersuchung
habe
eine gegenwärtig mittelgradige Episode einer rezidi
vierenden depressiven Störung
imponiert
. Es bestünden ein deprimierter, hoffnungsloser Affekt,
eine Lustlosigkeit und
Verzweiflung, Überforderungsge
fühle,
eine
emotion
ale
Instabilität, Insuffizienzgefühle,
eine Freudlosigkeit und
ein
Interesseverlust, negativ pessimistische Zukunftsgedanken,
eine Antriebsar
mut und
Müdigkeit,
eine Kraftlosigkeit, ein sozialer Rückzug sowie
Derealisati
onsphänomene
und eine Einschränkung der Auffassung und Konzentration. Auch sei eine Panikstör
ung auszumachen mit plötzlich
überwältigenden Angst
- und Erstickungs
gefühlen,
welche
gelegentlich mit der Furcht umzufallen und zu sterben
verbunden seien. Der Beschwerdeführer habe Schwierigkeiten
sich in einer Menschenmenge aufzuhalten
und fürchte sich
vor einer erneuten Attacke. Schliesslich lägen auch akzentuierte Persönlichkeitszüge mit ängstlich-vermeidender und emotional-instabiler Färbung vor.
Er
habe ausgeprägte Insuf
fizienzgefühle, fühle sich unattraktiv und minderwertig.
Ausgeprägt sei seine Sorge
, dass er
in
sozialen Situationen kritisiert oder abgelehnt
werde
. Zudem bestehe eine deutliche Tendenz zu wech
selnder, instabiler Stimmung. Auch
könnten Ausbrüche intensiven Ärgers ausgemacht werden, wobei die Impuls
kontrolle relativ intakt sei. Es lägen ausgeprägte Überforderungssituationen vor. Er verzweifle immer wieder und lasse alles fallen (S. 15 f.).
Aufgrund der Beschwerden
infolge der depressiven Störung sowie der akzentu
ierten Persönlichkeitszüge lasse sich
seit September 2014
eine
40%ige
Arbeits
un
fähigkeit
in der angestammten oder einer alternativen Tätigkeit
begründen. Eine zusätzliche Verminderung der Leistungsfähigkeit bestehe nicht. Die Coping-Strategien seien unzureichend. Als Ressourcen
weise
der Beschwer
de
führer die Fähigkeit zur Anpassung an Regeln, zu Spontan
aktivitäten, zu fami
liären und intimen Beziehungen sowie zur Selbstpflege u
nd Teilnahme am Ver
kehr auf
. Die Fähigkeit
en
zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, zur Flexibilität und Umstellung, zur Anwendung fachlicher Kompetenzen,
zur Fällung von
Entscheidungen und Urteile
n
,
zum Durchhalten und zur Selbst
behauptung, zur Pflege von
Kontakte
n zu Dritten sowie zum Aufenthalt
in einer Gruppe unterl
ägen
gewissen Schwankungen. Auf die verbleibenden Ressourcen könne
er
sich bei der Ausübung einer Tätigkeit stützen. Inkonsistenzen
oder
Aggravationstendenzen könnten nicht ausgemacht werde
n.
Die Weiterführung der bestehenden Gesprächstherapie
werde empfohlen. Ebenso empfehlenswert sei die Medikation der Panikstörung. Da sich diese
laut Angaben des Beschwer
deführers nicht auf die A
rbeitsfähigkeit auswirke, könne dadurch jedoch
nicht mit einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit gerechnet werden. Der Erfolg der bisherigen therapeutischen Massnahmen sei fraglich.
Die bisherige Therapie sei lege
artis
durchgeführt worden.
Die Compliance sei gut.
Es bestünden keine verbleibenden Therapieoptionen.
Berufliche Massnahmen seien indiziert. Es l
ägen
jedoch eine subjektive Krankheits- und Behinderungs
über
zeugung sowie eine dadurch bedingte Selbstlimitierung vor, weshalb berufliche Massnahmen
nicht durchführbar seien
.
Die Prognose sei nicht ungünstig. Invaliditätsfremde Faktoren kö
nnten nicht ausgemacht werden (S. 17 ff.
).
3.7
Mit Stellungnahme vom
5.
Januar 2017 erachtete
Dipl.-Med.
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin sowie für Prävention und Gesund
heitswesen, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), das Gutachten für umfassend, insgesamt schlüssig und nachvollziehbar sowie in seinen Feststellungen plausi
bel. Auf das Gutachten könne abgestellt werden. Es liege ein Gesundheitsscha
den vor, welcher sich längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auswirke. Der Beschwerdeführer sei aufgrund seiner psychischen Erkrankung in seiner Arbeitsfähigkeit um 40
%
eingeschränkt (
Urk.
6/50 S. 4 f.).
3.8
Am 2
5.
April 2017 nahm
Dr.
A._
Stellung zum psychiatrischen Gutachten. Dabei gab er an, dass dieses die notwendigen Kriterien nicht erfülle. So würden die beklagten Beschwerden nicht ausreichend berücksichtigt und es werde nicht erwähnt, dass der Beschwerdeführer in der Zeit von 2008 bis 2016 mehrere Antidepressiva eingenommen habe, welche alle sehr starke Nebenwirkungen gezeigt hätten und daher wieder hätten abgesetzt werden müssen. Da weder eine ausreichende Anamnese stattgefunden habe noch ausreichend auf die körperlichen Beschwerden eingegangen worden sei, könne nicht davon ausge
gangen werden, dass die Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und die Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend hätten dargestellt werden können. Die Schlussfolgerung des Gutachters sei somit nicht schlüssig begrün
det. Der psychopathologische Befund sei nicht vollständig und ausreichend. Er schlage
eine erneute Begutachtung vor
(
vgl.
Urk.
6/56/1-2).
4.
4.1
Der psychiatrische Gutachter
Dr.
C._
attestierte dem Beschwerdeführer eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit infolge der gegenwärtig mittelgradigen depressiven Episode der rezidivierenden depressiven Störung sowie der akzentuierten Persönlichkeitszüge. Der ebenfalls diagnostizierten Panikstörung wurde keine Relevanz beigemessen, da sich diese laut Angaben des Beschwerdeführers nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirke (vorstehend E.
3.6). Die zuständige RAD-Ärztin kam zum
Schluss,
dass
auf das Gutachten
abzustellen sei.
Bei
ihr
handelt es sich allerdings
nicht um eine Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie (vorstehend E. 3.7).
4.2
E
ntgegen
d
ieser medizinischen
Einschätzung
verneinte die Beschwerdegegnerin
nach
summarisch
vorgenommener Ressourcenprüfung eine relevante gesund
heitliche Einschränkung mit dem Hinweis darauf, dass keine Therapieresistenz
vorliege und sich angesichts des Aktivitätsniveaus und den Ressourcen ein erhöhter Leidensdruck nicht begründen lasse (vgl.
Urk.
2 S. 2;
Urk.
5 S. 2;
Urk.
6/50 S. 5 f.). Diesem Vorgehen kann
mit Blick auf die geänderte Rechtspre
chung des Bundesgerichts zu psychischen Leiden (vorstehend E. 1.3)
nicht gefolgt werden.
So sind die Auswirkungen einer mittelgradigen Depression auf die Arbeitsfähig
keit differenziert zu prüfen und können nicht (mehr) mit dem blossen Hinweis auf eine fehlende Therapieresistenz verneint werden. Vielmehr sind diese im Rahmen des strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahrens anhand der Standardindikatoren zu prüfen (vorstehend E. 1.3). Dabei ist das Leistungsver
mögen der versicherten Person unter Berücksichtigung der einschlägigen Indi
katoren durch die sachverständige Person einzuschätzen und nicht einzig durch einen Sachbearbeiter der Beschwerdegegnerin. Die Rechtsanwendung prüft danach lediglich die betreffenden Angaben des Sachverständigen. Es gibt keine unterschiedlichen Regeln gehorchende, getrennte Prüfung einer medizinischen und einer rechtlichen Arbeitsfähigkeit (BGE 141 V 281 E. 5.2.2-5.2.3).
Da im Zeitpunkt der Leistungsprüfung durch die Beschwerdegegnerin die nunmehr geltende Praxis betreffend psychische Leiden noch nicht bestanden hat und sich das Gutachten von
Dr.
C._
vor dem Hintergrund der geänderten Recht
sprechung als zu wenig aussagekräftig erweist, um die Auswirkungen des diagnostizierten Leidens auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers anhand der Standardindikatoren festlegen zu können, fehlt es vorliegend an einer ver
lässlichen medizinischen Grundlage. Eine gerichtliche Überprüfung der anwend
baren Standardindikatoren ist demnach nicht möglich. Insoweit hat die Beschwerde
gegnerin ergänzende Abklärungen vorzunehmen.
4.3
Nach dem Gesagten erweist sich die vorliegende Aktenlage für eine abschlies
sende Beurteilung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den medizinischen Sachverhalt als unvollständig, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese
eine den aktuellen Anforderungen genügende Prüfung der Auswirkung der diagno
sti
zier
ten Leiden auf die Arbeitsfähigkeit vornehme und hernach über den Leistungs
anspruch
des Beschwerdeführers neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen
(
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Prozessentschädigung ist gemäss
Art.
61
lit
.
g ATSG in Verbindung mit
§
34
GSVGer
– ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen. Unter Berücksichtigung dieser Bemes
sungskriterien ist die Prozessents
chädigung vorliegend auf
Fr.
1'6
00.-- (inkl. Bar
auslagen und
MWSt
) festzusetzen.