Decision ID: 232fe91f-9c8b-5d7b-ab1f-46b16ce2d0c5
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_BRK
Chamber: ZH_BRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
hat sich ergeben:
A.
Mit Bauentscheid Nr. 545/15 vom 22. April 2015 erteilte die Bausektion der
Stadt Zürich der R. GmbH die baurechtliche Bewilligung für 44 Aussensitz-
plätze auf privatem Grund beim bestehenden Restaurant an der XY-
Strasse in Zürich-Wipkingen. Die Öffnungszeiten für den Aussenbetrieb
wurden auf 07.00 Uhr bis 22.00 Uhr (Sonntag bis Donnerstag) sowie auf
07.00 Uhr bis 23.00 Uhr (Freitag und Samstag) beschränkt.
B.
S. H. gelangte mit Eingabe vom 28. Mai 2015 rechtzeitig an das Baure-
kursgericht des Kantons Zürich und beantragte die Aufhebung der Baube-
willigung. Eventualiter stellte sie den Antrag, es sei der Betrieb der Aussen-
gastwirtschaft bereits ab 19.00 Uhr, subeventualiter zumindest während al-
len Tagen ab 22.00 Uhr zu untersagen. Sodann seien zusätzliche geeigne-
te Auflagen zur Lärmreduktion anzuordnen, alles unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen zu Lasten der privaten Rekursgegnerin.
C.
Mit Verfügung vom 1. Juni 2015 wurde der Rekurseingang vorgemerkt und
das Vernehmlassungsverfahren eröffnet.
D.
In der Rekursantwort vom 6. Juli 2015 beantragte die private Rekursgegne-
rin nicht nur die Abweisung des Rekurses, sondern auch eine Verlängerung
der von der Vorinstanz bewilligten Öffnungszeiten der Aussengastwirtschaft
bis 23.00 Uhr (Sonntag bis Donnerstag) und bis 24.00 Uhr (Freitag und
Samstag), unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Rekur-
rentin.
E.
Die Vorinstanz beantragte in der Vernehmlassung vom 3. August 2015 die
Abweisung des Rekurses.
R1S.2015.05067 Seite 3
F.
In den Replik-, Duplik- und Triplikschriften vom 25. August 2015, 7. Sep-
tember 2015, 16. September 2015 und 1. Oktober 2015 hielten die Parteien
an ihren Anträgen fest.
G.
Am 10. September 2015 um 20.00 Uhr führte eine Delegation des Baure-
kursgerichts im Beisein der Parteien einen Augen- und Ohrenschein auf
dem Lokal durch.
H.
Auf die Ausführungen der Parteien und die Erkenntnisse des Lokaltermins
wird, soweit zur Entscheidbegründung erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Es kommt in Betracht:
1.
Das Baugrundstück grenzt nordöstlich an die XY-Strasse, südöstlich an
den M.-Weg südwestlich an den F.-Weg respektive an die Limmat und
nordwestlich [....] an das Grundstück der Rekurrentin an. [....] Das Bau-
grundstück liegt in der Quartiererhaltungszone QI4b mit der Lärmempfind-
lichkeitsstufe (ES) III. Im Erdgeschoss des Gebäudes wird bereits eine
Gastwirtschaft betrieben. Diese soll in dem zur XY-Strasse und dem M.-
Weg hin gewandten Teil des Baugrundstücks um einen 44 Sitzplätze um-
fassenden Aussenbereich erweitert werden.
2.
Zum Rekurs ist berechtigt, wer durch die angefochtene Anordnung berührt
ist und ein schutzwürdiges Interesse an ihrer Aufhebung oder Änderung hat
(§ 338a des Planungs- und Baugesetzes [PBG]). Als Eigentümerin des
nordwestlich an das Baugrundstück angrenzenden Grundstücks Kat.-
R1S.2015.05067 Seite 4
Nr. 0000 ist die Rekurrentin grundsätzlich zum Rekurs legitimiert. Hieran
ändert entgegen der Auffassung der privaten Rekursgegnerin nichts, dass
der streitbetroffene Aussengastwirtschaftsbereich in demjenigen Teil des
Baugrundstücks geplant ist, welcher vom Grundstück der Rekurrentin ab-
gewandt und namentlich durch das Restaurantgebäude an der XY-Strasse
selbst weitgehend abgeschirmt ist. Diese Umstände werden vielmehr bei
der materiellrechtlichen Prüfung der Streitsache zu berücksichtigen sein.
Weil auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf den Re-
kurs einzutreten. Soweit die Rekurslegitimation bezüglich einzelner Rügen
nicht bejaht werden kann, wird dies im Rahmen der nachfolgenden Erwä-
gungen dargetan.
3.1.
Die Rekurrentin beantragt in der Hauptsache die vollumfängliche Aufhe-
bung der Baubewilligung. Sie begründet dies damit, dass sich die Vorin-
stanz in der Baubewilligung zwar mit der Frage der Lärmemissionen sowie
am Rande mit den Anforderungen an das hindernisfreie Bauen beschäftigt
habe. Die bundesrechtlich zwingende Prüfung der Zonenkonformität und
der Erschliessung gemäss Art. 22 Abs. 2 lit. a und lit. b des Raumpla-
nungsgesetzes (RPG) habe sie indes komplett unterlassen.
3.2.
Die Vorinstanz entgegnet, eine Erläuterung und Begründung aller im Ver-
lauf der Projektprüfung erfolgten Arbeiten, Feststellungen und Überlegun-
gen sei faktisch unmöglich und werde auch nicht verlangt. Soweit die Bau-
bewilligung ohne Nebenbestimmungen habe erteilt werden können bzw. die
Auflagen oder Bedingungen selbsterklärend seien, sei auch keine Begrün-
dung in den Erwägungen erforderlich gewesen.
3.3.
Die Rekurrentin repliziert, der angefochtene Beschluss verliere kein Wort
zur Zonenkonformität und zur Erschliessung, ferner auch nicht zur Einord-
nung der im Aussenbereich angebrachten Objekte (welche teilweise Be-
sondere Gebäude darstellten), zur Verkehrssicherheit, zu den Abstellplät-
zen für Personenwagen und Zweirädern und zur Frage der Anlieferung.
R1S.2015.05067 Seite 5
3.4.
Nach § 10 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes (VRG) sind unter
anderem schriftliche Anordnungen begründungspflichtig. Auf die Begrün-
dung einer Anordnung kann verzichtet werden, wenn den Begehren der Be-
troffenen vollständig entsprochen wird (§ 10a lit. a VRG). Die Baubewilli-
gung stellt hierfür einen typischen Anwendungsfall dar, indem mit dieser
dem Baugesuch entsprochen wird. Grundsätzlich sind somit nur in der
Baubewilligung statuierte Nebenbestimmungen begründungspflichtig, so-
fern sie nicht selbsterklärend sind. Regelmässig begründungspflichtig ist
ferner die Erteilung von Ausnahmebewilligungen (§ 320 Halbsatz 2 PBG).
Baubewilligungen sind in der Regel auch unter dem Aspekt der Anfech-
tungsbefugnis Dritter nicht bzw. höchstens punktuell zu begründen. Der In-
halt der Bewilligung ergibt sich aus der im Bewilligungsverfahren von je-
dermann einsehbaren (§ 314 PBG) Baueingabe. Vor allem in komplexeren
Fällen würde es den Rahmen eines angemessenen Aufwandes sprengen,
wenn in der Baubewilligung darzulegen wäre, weshalb das Bauvorhaben
sämtlichen einschlägigen öffentlich-rechtlichen Normen entspricht. Der in
der Lehre vertretenen Auffassung, ein Begründungsverzicht sei nur aus-
nahmsweise zulässig, dies insbesondere wegen der Selbstkontrollfunktion
der Behörden oder wegen der Interessen der Öffentlichkeit oder künftiger
Gesuchsteller (Kaspar Plüss, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/
Genf 2014, § 10a Rz. 10), kann im Kontext mit Baubewilligungen nicht ge-
folgt werden. Eine Pflicht zur Begründung des baurechtlichen Entscheides
(im Entscheid selbst) kann nur insoweit bestehen, als das Fehlen einer Be-
gründung wegen der Komplexität des Bauvorhabens bzw. einzelner Aspek-
te desselben eine Anfechtung der Bewilligung durch Dritte erheblich er-
schweren oder geradezu verunmöglichen würde. Die Aufhebung der Bau-
bewilligung zufolge fehlender bzw. ungenügender Begründung fällt nur
dann in Betracht, wenn die Anfechtung durch den Begründungsmangel er-
heblich erschwert wurde und dieser Mangel im Rekursverfahren nicht ge-
heilt werden konnte. Ein Grund zur Aufhebung liegt alsdann auch vor, wenn
der Begründungsmangel auf eine ungenügende Sachverhaltsabklärung
(§ 7 VRG) schliessen lässt. Schliesslich kann auch die sich in der inexisten-
ten bzw. ungenügenden Begründung manifestierende fehlende Wahrneh-
mung des Beurteilungsspielraums durch die Baubehörde einen Rückwei-
sungsgrund bilden (BRGE II Nr. 0301/2011 vom 20. Dezember 2011 in
BEZ 2012 Nr. 16, www.baurekursgericht-zh.ch).
R1S.2015.05067 Seite 6
Vorliegend ist keiner dieser Anwendungsfälle für die Aufhebung der Bau-
bewilligung zu erkennen. Die Rekurrentin legt nicht dar, inwiefern in Bezug
auf die von ihr in der Rekursschrift bloss stichwortartig genannten Aspekte
der Zonenkonformität und der Erschliessung irgendein Mangel zu vermuten
sein könnte. Unter diesen Umständen ist es auch nicht Aufgabe der Re-
kursinstanz, die angefochtene Anordnung hiernach abzusuchen. Ein Man-
gel ist jedenfalls nicht offensichtlich, zumal das Baugrundstück in der Quar-
tiererhaltungszone QI4b liegt und unmittelbar an eine Staatstrasse an-
grenzt. Weitere Aspekte (Verkehrssicherheit, Anlieferung, Installationen)
zählt die Rekurrentin stichwortartig erstmals in der Replik auf, und damit
− da Antrag und Begründung nach Ablauf der Rekursfrist grundsätzlich
nicht mehr erweitert werden können – verspätet und überdies auch nicht
ausreichend substantiiert. In Bezug auf die aufgestellten und auch am Au-
genschein zu erkennenden Installationen [....], bei denen die Rekurrentin
vermutet, dass es sich um Besondere Gebäude im Sinne von § 273 PBG
handeln könnte, ist zu bemerken, dass diese Objekte auch nicht Gegens-
tand des hier angefochtenen Beschlusses waren. Auch aus diesem Grund
können sie nicht Gegenstand des Rekursverfahrens sein. Die Vorinstanz
hat die private Rekursgegnerin indes mit Recht darauf hingewiesen, dass
diese Installationen grundsätzlich baubewilligungspflichtig sind und dem-
gemäss eine Baubewilligung einzuholen sei.
Die Rüge ist unbegründet.
4.1.
Die Rekurrentin rügt weiter, die Erweiterung des Restaurantbetriebs um ei-
ne Aussenbestuhlung führe dazu, dass mindestens zwei Fahrzeugabstell-
plätze zu erstellen seien. Auch für das Personal seien Abstellplätze sicher-
zustellen. Auch hierzu verliere die Baubewilligung kein Wort. Offenbar sei-
en auf dem Baugrundstück überhaupt keine Abstellplätze vorhanden. Der
Mangel führe zur Aufhebung der Baubewilligung.
4.2.
Auf einen Rekurs ist nur insoweit einzutreten, als bei Gutheissung der ent-
sprechenden Rügen die angefochtene Bewilligung aufgehoben oder die
Gutheissung zumindest zu einer für den Nachbarn günstigen Nebenbe-
stimmung führen würde (vgl. BRKE II Nr. 0047/2010 in BEZ 2011 Nr. 17,
R1S.2015.05067 Seite 7
www.baurekursgericht-zh.ch, bestätigt mit VB.2010.00184 vom 17. Novem-
ber 2010, dieser bestätigt mit BGr 1C_37/2011 vom 14. April 2011).
Die Rekurrentin macht eine ungenügende Anzahl Fahrzeugabstellplätze
geltend. § 244 PBG zufolge gilt hinsichtlich der Fahrzeugabstellplätze das
Primat der Realerfüllung. Erst wenn dies nicht möglich ist, kann sich der
Bauherr mittels einer Ersatzabgabe oder der Teilnahme an einer Gemein-
schaftsanlage der Erstellungspflicht entschlagen. Zweifelsohne könnten auf
dem Baugrundstück wegen der dort herrschenden engen Platzverhältnisse
keine (weiteren) Abstellplätze mehr erstellt werden. Würde festgestellt,
dass dem Restaurantbetrieb zu wenig Fahrzeugabstellplätze bereit stün-
den, so führte dies daher nicht etwa zur Aufhebung der Baubewilligung,
sondern zur Statuierung einer Nebenbestimmung. Die private Rekursgeg-
nerin wäre alsdann zu verpflichten, sich an einer Gemeinschaftsanlage zu
beteiligen oder eine Ersatzabgabe zu bezahlen. Einen Vorteil entstünde der
Rekurrentin dadurch nicht, weshalb auf die Rüge nicht einzutreten ist.
4.3.
Die Rekurrentin moniert weiter, dass gemäss Art. 8bis PPV wegen der
neuen Aussengastwirtschaftsfläche auch mindestens fünf Abstellplätze für
leichte Zweiräder vorzusehen seien.
Diesbezüglich gilt Ebengesagtes analog. Zwar mag auf dem Baugrund-
stück Platz für die Erstellung von Abstellplätzen für leichte Zweiräder vor-
handen sein, weshalb Realerfüllung diesbezüglich in Frage käme. Es ist in-
des nicht zu ersehen, inwiefern eine entsprechende Auflage der Rekurren-
tin einen Vorteil verschaffen würde. Mithin ist auch in diesem Punkt das An-
fechtungsinteresse zu verneinen und auf den Rekurs nicht einzutreten.
5.1.
Die Rekurrentin rügt sodann, die Erweiterung des Restaurants um die be-
sagte Aussengastwirtschaftsfläche löse die Pflicht zur Erstellung einer be-
hindertengerechten Toilette aus.
5.2.
Die Vorinstanz entgegnet, weder im Bereich der neuen Aussenbestuhlung
noch im Innern des Gebäudes seien irgendwelche baulichen oder organisa-
R1S.2015.05067 Seite 8
torischen Anpassungen geplant. Die Baukosten betrügen Fr. 0.--. Zwar ha-
be eine Aussengastwirtschaft als Anlage zum Gastwirtschaftsbetrieb ge-
mäss Ziff. 2.51 der Besonderen Bauverordnung I (BBV I) grundsätzlich die
Vorgaben der SIA-Norm 500:2009 (Hindernisfreies Bauen) zu beachten
und müsste dementsprechend eine behindertengerechte Toilette aufwei-
sen. Die Statuierung einer entsprechenden Auflage in der Baubewilligung
setze aber voraus, dass die in Art. 11 f. des Behindertengleichstellungsge-
setzes (BehiG) und Art. 6 f. der Behindertengleichstellungsverordnung
(BehiV) festgelegten Anforderungen an die Verhältnismässigkeit erfüllt sei-
en. Angesichts der fehlenden Baukosten für die Aufstellung der Stühle in
der Aussengastwirtschaft wäre eine Auflage zur Erstellung einer behinder-
tengerecht ausgestalteten Toilette unverhältnismässig.
5.3.
Die private Rekursgegnerin argumentiert im nämlichen Sinne wie die Vor-
instanz und fügt hinzu, dass eine Auflage zur Erstellung einer behinderten-
gerechten Toilette nicht nur mangels irgendwelcher Baukosten, sondern
auch angesichts der beschränkten Nutzbarkeit der Aussengastwirtschaft
(rund 60 Betriebstage im Jahr) unverhältnismässig wäre.
5.4.
Auch diesbezüglich stellt sich die Frage der Rekursberechtigung. Wie ge-
sagt ist auf einen Rekurs nur insoweit einzutreten, als bei Gutheissung der
entsprechenden Rüge die angefochtene Bewilligung aufgehoben oder die
Gutheissung zumindest zu einer für den Nachbarn günstigen Nebenbe-
stimmung führen würde.
Beides trifft vorliegend nicht zu. Die Rekurrentin legt nicht dar noch ist
sonstwie zu erkennen, inwiefern ihr die Verpflichtung der privaten Rekurs-
gegnerin zur Erstellung einer behindertengerechten Toilette einen prakti-
schen Nutzen verschaffen würde. Zu bejahen wäre die diesbezügliche Le-
gitimation der Rekurrentin wohl höchstens dann, wenn die Vorinstanz die
Vorschriften über das behindertengerechte Bauen völlig ausser Acht gelas-
sen hätte und die Rekurrentin das Bauvorhaben mithin aus diesem Grund
zu Fall bringen könnte. Das ist hier aber nicht der Fall. Die Vorinstanz hat
sich mit den Vorschriften des behindertengerechten Bauens offenkundig
auseinandergesetzt. Eine diesbezügliche Nebenbestimmung würde der
R1S.2015.05067 Seite 9
Rekurrentin von vornherein nichts nützen. Auf die Rüge ist daher nicht ein-
zutreten.
Die Rüge wäre aber auch unbegründet. Die Argumentation der Vorinstanz
überzeugt. Bei Baukosten von Fr. 0.-- die private Rekursgegnerin auflage-
weise zur kostenintensiven Erstellung einer behindertengerechten Toilette
zu verpflichten, wäre offenkundig unverhältnismässig.
6.1.
Die Rekurrentin bemängelt das Bauvorhaben schliesslich in lärmmässiger
Hinsicht. Zusammengefasst hält sie dafür, dass die massgeblichen Richt-
werte der von der Vereinigung kantonaler Lärmschutzfachleute herausge-
gebenen Vollzugshilfe zur Ermittlung und Beurteilung der Lärmbelastung im
Zusammenhang mit dem Betrieb öffentlicher Lokale (Vollzugshilfe Cercle
Bruit) massiv überschritten würden. Überdies weise das erstellte Lärmgut-
achten einige Mängel auf und sei deshalb unvollständig.
6.2.
Die Vorinstanz bewilligte den Betrieb der Aussengastwirtschaft wie erwähnt
von Sonntag bis Donnerstag bis 22.00 Uhr sowie freitags und samstags bis
23.00 Uhr. Sie hält zusammengefasst dafür, dass das Lärmgutachten nur
einen unter mehreren zu berücksichtigenden Gesichtspunkten darstelle.
Die derzeit in Überarbeitung befindliche Vollzugshilfe Cercle Bruit weise
überdies einige Ungereimtheiten auf und die von ihr vorgeschlagenen
Richtwerte seien derart streng, dass bei einem ausschliesslichen Abstellen
auf sie in innerstädtischen Gebieten kaum mehr Aussengastwirtschaften
bewilligt werden könnten. Insgesamt und gemäss langjähriger Vollzugspra-
xis seien die Emissionen einer Aussengastwirtschaft in einer der Lärmemp-
findlichkeitsstufe ES III zugewiesenen Quartiererhaltungszone mit einem
Wohnanteil von 75 % grundsätzlich bis 22.00 Uhr und an Freitag sowie
Samstagen bis 23.00 Uhr zumutbar.
6.3.
Der Betrieb eines Restaurants stellt eine ortsfeste Anlage im Sinne von
Art. 7 Abs. 7 des Umweltschutzgesetzes (USG) dar, welcher somit den
bundesrechtlichen Bestimmungen über den Umweltschutz unterliegt. Da-
nach haben Anlagen Grenzwerte einzuhalten und den Vorsorgegrundsatz
R1S.2015.05067 Seite 10
zu beachten (Art. 11 Abs. 1 und 2 USG). Fehlen in der Lärmschutzverord-
nung (LSV) – wie bei Aussengastwirtschaften – direkt anwendbare Belas-
tungsgrenzwerte, haben die Vollzugsbehörden im Einzelfall zu beurteilen,
ob eine unzumutbare Störung vorliegt (Art. 40 Abs. 3 LSV). Bei der Neuer-
stellung einer Aussengastwirtschaft muss der Betrieb ein Immissionsniveau
einhalten, bei welchem höchstens geringfügige Störungen auftreten. Das
Bundesgericht führte in einem ein öffentliches Gartenrestaurant betreffen-
den Leitentscheid aus, dass für die Einzelfallbeurteilung unter Umständen
fachlich genügend abgestützte private Richtlinien wie die Vollzugshilfe
Cercle Bruit herangezogen werden können (BGE 137 II 30, E. 3, mit weite-
ren Hinweisen ["Fall Beckenried"]).
6.4.
In Nachachtung dieser Rechtsprechung hat die Vorinstanz ein Lärmgutach-
ten eingeholt. Gemäss diesem Gutachten werden die in Tabelle 2 der Voll-
zugshilfe Cercle Bruit vorgesehenen Richtwerte an den massgeblichen
lärmempfindlichsten Fenstern von Wohnräumen zu allen Tages- und
Nachtzeiten deutlich überschritten. Als massgebliche Fenster wurden die-
jenigen im 1. Obergeschoss des Gebäudes XY-Strasse – also des Restau-
rantgebäudes selbst – ermittelt. Der berechnete Schalldruckpegel beträgt
hier 61 dB (A). Für den Zeitraum von 07.00 Uhr bis 19.00 Uhr sieht Tabelle
2 der Vollzugshilfe in Wohnvierteln (was gemäss Cercle Bruit für die Beja-
hung einer "besonderen Situation" bereits ausreichen soll; vgl. die Erläute-
rungen zu Tabelle 2) indes einen Richtwert von maximal 45 dB (A) vor. Das
bedeutet, dass in diesem Zeitraum am erwähnten Fenster eine Überschrei-
tung des Richtwertes um 16 dB (A) vorliegt. Für den Zeitraum zwischen
19.00 Uhr und 22.00 Uhr beträgt die Überschreitung bei einem Richtwert
von 40 dB (A) 21 dB (A) und für den Zeitraum zwischen 22.00 Uhr und
07.00 Uhr bei einem Richtwert von 35 dB (A) 26 dB (A).
6.5.
Die Problematik der Richtwerte gemäss der Tabelle 2 der Vollzugshilfe
Cercle Bruit bei der Bewilligung von Aussengastwirtschaften in städtischen
Gebieten ist dem Baurekursgericht aus zahlreichen Rekursverfahren
− wovon naturgemäss einige aus der Stadt Zürich – bekannt. Ausgangs-
punkt ist letztlich der Umstand, dass trotz eines seit mittlerweile über
25 Jahren bestehenden gesetzgeberischen Auftrages an den Bundesrat
(Art. 13 Abs. 1 USG) in der LSV bis heute keine verbindlichen Belastungs-
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grenzwerte für den Betrieb von Aussengastwirtschaften festgesetzt worden
sind. Diese gesetzgeberische Ausgangslage führt zu Rechtsunsicherheiten
und gilt allgemein als unbefriedigend (vgl. zuletzt etwa Arnold Marti, Be-
sprechung des Urteils 1C_534/2011 vom 29. Mai 2012, www.bger.ch, in
ZBl 114/2013, S. 286 mit weiteren Hinweisen).
Bereits vor dem Fall Beckenried hielt die Rechtsprechung fest, dass fach-
lich genügend abgestützte ausländische bzw. private Richtlinien "eine Ent-
scheidungshilfe bieten [können], sofern die Kriterien, auf welchen diese Un-
terlagen beruhen, mit denjenigen des schweizerischen Lärmschutzrechts
vereinbar sind" (so etwa BGr 1A.180/2006 vom 9. August 2007, E. 5.4 und
5.8). Die Rechtsprechung forderte überdies auch seit jeher, dass stets eine
Einzelfallbeurteilung vorzunehmen sei, in deren Rahmen der Charakter des
Lärms, Zeitpunkt und Häufigkeit seines Auftretens sowie Lärmempfindlich-
keit und Lärmvorbelastung zu berücksichtigen seien (BGE 130 II 32, E. 2.2;
BGE 123 II 74, E. 5a; BGr 1A.282/2000 vom 15. Mai 2001, E. 4a, publiziert
in URP 2001 S. 923; BGr 1A.213/2000 vom 21. März 2001, E. 2a, publiziert
in URP 2001 S. 500, E. 2a; BGr 1A.111/1998 vom 20. November 1998,
E. 3a, publiziert in URP 1999 S. 264). Den Richtwerten gemäss der Tabel-
le 2 der Vollzugshilfe Cercle Bruit kann keinesfalls dieselbe Bedeutung wie
den Belastungsgrenzwerten in einer der ausdrücklich geregelten Katego-
rien im Anhang der LSV – beispielsweise für Strassenlärm – zukommen.
Dies wäre in rechtstaatlicher Hinsicht höchst problematisch, da es die er-
satzweise Rechtsetzung durch einen privaten Verein bedeutete. Es lässt
sich aus dem Fall Beckenried denn auch nicht etwa die Rechtsfolge ablei-
ten, dass eine festgestellte Überschreitung dieser Richtwerte zwingend zu
einer Bauverweigerung zu führen hätte. Aus dem Urteil (es ging um die
Frage, ob zu Recht oder zu Unrecht auf die Einholung einer Lärmprognose
verzichtet worden war) geht nur, aber immerhin hervor, dass eine Lärm-
prognose nach Massgabe der Vollzugshilfe Cercle Bruit als Entschei-
dungshilfe dienen kann, letztlich aber – wiederum – alle relevanten Um-
stände zu berücksichtigen sind.
6.6.
Die Richtwerte gemäss Tabelle 2 der Vollzugshilfe Cercle Bruit sind ausser-
ordentlich streng. Überdies sind sie ausdrücklich nicht für die Beurteilung
der Lärmquelle "Kundenverhalten und Bedienung auf der Terrasse" entwi-
ckelt worden, sondern für nach aussen dringende Musik aus dem Innern
R1S.2015.05067 Seite 12
eines Lokals (Lärmquelle S1). Die Übertragung von auf die Musik zuge-
schnittenen Richtwerten auf die Emissionen einer Aussengastwirtschaft ist
ganz grundsätzlich nicht sonderlich sinnvoll; der Charakter der Schallquel-
len ist kaum vergleichbar. Eine gar strikte Anwendung der unpassenden
Richtwerte führte sodann dazu, dass zumindest in städtischen Gebieten
praktisch keine Aussengastwirtschaften mehr bewilligt und betrieben wer-
den könnten. Wie der vorliegende Fall – einmal mehr – aufzeigt, gälte dies
sogar tagsüber, da bereits im Zeitraum zwischen 07.00 Uhr bis 19.00 Uhr
die auf diese Art und Weise eruierte Richtwertüberschreitung am massge-
blichen Empfangspunkt 16 dB (A) beträgt.
6.7.
Der Sinn des Umweltschutzrechts kann nicht in einem generellen Verbot
von Aussengastwirtschaften bestehen. Ein solches kann sich auch nicht
einfach aus einer strikten Anwendung von unpassenden Richtwerten erge-
ben, die in Ermangelung von LSV-Grenzwerten in einer von einem privaten
Verein herausgegebenen Vollzugshilfe statuiert worden sind.
Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle für einmal Folgendes er-
wähnt: Ein Blick in die Rechtsprechung anderer Kantone zeigt die nämli-
chen Probleme in Zusammenhang mit der Anwendung der Vollzugshilfe
Cercle Bruit. So hat beispielsweise das Verwaltungsgericht Solothurn in ei-
nem sehr ausführlich begründeten Entscheid vom 24. Februar 2015 die
Vollzugshilfe Cercle Bruit detailliert mit anderen fachmännischen Vollzugs-
hilfen verglichen, worunter etwa die vom Landesamt für Umweltschutz in
München herausgegebene Schrift "Geräusche aus Biergärten"
(http://staedtebauliche-laermfibel.de/pdf/Biergaerten.pdf [besucht am
28. Oktober 2015]), dem "Praxisleitfaden Gastgewerbe des österreichi-
schen Bundesumweltamtes" (http://www.bundesumweltamt.at/fileadmin/site
/publikationen/REP0157.pdf [besucht am 28. Oktober 2015]) sowie dem
Vorarlbergischen Leitfaden zur individuellen Beurteilung von Schallimmissi-
onen aus Anlagen (https://www.vorarlberg.at/pdf/vorarlberg-leitfaden.pdf
[besucht am 28. Oktober 2015]). Dabei wurde etwa festgestellt, dass die
Vollzugshilfe Cercle Bruit in der ES II (und – wie vorliegend – auch in der
ES III, da ein Wohnviertel vorliegt) Richtwerte definiere, welche im Vorarl-
berg für ein Kurgebiet gälten. Wende man diese Richtwerte konsequent
und streng an – so das Verwaltungsgericht Solothurn mit Recht resümie-
rend –, sei wohl jede grössere Gartenwirtschaft in der Schweiz um
R1S.2015.05067 Seite 13
19.00 Uhr zu schliessen (https://www.so.ch/fileadmin/internet/gerichte/Hir-
schen.pdf, S. 16 ff.).
In der Tat entspricht namentlich der von der Vollzugshilfe für den Zeitraum
von 19.00 Uhr bis 22.00 Uhr vorliegend definierte Richtwert von 40 dB (A)
in etwa einer am Immissionsort noch wahrnehmbaren Lautstärke des
− maximal – Flüsterns (die Lautstärke eines "normalen" Gesprächs liegt bei
etwa 65-70 dB (A), vgl. die Tabelle auf Seite 10 der erwähnten Schrift "Ge-
räusche aus Biergärten"). Ein derart strenger Richtwert ist in einem norma-
len städtischen Wohngebiet schlechterdings welt- und lebensfremd. Wäre
es tatsächlich das Ziel des Lärmschutzrechts, dass an warmen Sommer-
abenden im Umfeld von Gartenwirtschaften in städtischen Wohngebieten
bereits ab 19.00 Uhr nur noch die Wahrnehmung von maximal Flüsterlaut-
stärke als zumutbar gelten soll, bedürfte dies klarerweise einer im demokra-
tischen Entscheidungsprozess zustande gekommenen und daher sämtliche
− nicht nur lärmschutzrechtliche – Aspekte berücksichtigenden gesetzli-
chen Grundlage. Mit der Festlegung einer ES III wurde immerhin ein Stör-
potential erlaubt, das von Bundesrechts wegen für Mischzonen vorgesehen
ist und nur noch durch das in den Industriezonen zugelassene Immissions-
potential überboten wird (Art. 43 Abs. 1 LSV). Im vorliegenden Fall wäre ein
Betrieb der Aussengastwirtschaft wie erwähnt sogar tagsüber verboten,
was selbstredend ausser Diskussion steht. Immerhin dokumentiert auch
dieser Umstand die äusserst begrenzte Praxistauglichkeit der Richtwerte
gemäss der Tabelle 2 der Vollzugshilfe Cercle Bruit namentlich in städti-
schen Gebieten.
Schliesslich sei in diesem Zusammenhang auch erwähnt, dass es gemein-
hin unbefriedigend ist, wenn – worauf die Vorinstanz in Aussengastwirt-
schaftsfällen mit Recht und seit geraumer Zeit regelmässig verweist – die
diversen Ungereimtheiten der Vollzugshilfe Cercle Bruit deren Verfassern
offenbar durchaus bekannt sind, weshalb die Vollzugshilfe in Überarbeitung
sei. Indes findet sich auf der Homepage des Vereins "Cercle Bruit"
(www.cerclebruit.ch [besucht am 29. Oktober 2015]) keinerlei Hinweis hie-
rauf, noch gar auf die verfolgte Stossrichtung, einen zeitlichen Horizont für
das Erscheinen einer revidierten Vollzugshilfe usw.
Insgesamt lehnt die Vorinstanz eine Beurteilung der zumutbaren Emissio-
nen von Aussengastwirtschaften einzig nach Massgabe strenger und über-
dies unpassender Richtwerte gemäss der Tabelle 2 der Vollzugshilfe Cerc-
R1S.2015.05067 Seite 14
le Bruit mit Recht ab. Richtigerweise ist die Zumutbarkeit der Emissionen
von Aussengastwirtschaften im Rahmen einer umfassenden Einzelfallab-
wägung sowie unter Beachtung von Charakter, Zeitpunkt und Häufigkeit
des Lärms und namentlich unter Berücksichtigung der Lärmempfindlichkeit
und der Lärmvorbelastung am vorgesehenen Betriebsort zu überprüfen.
6.8.
Dem Baurekursgericht sind die differenzierten Bemühungen der Vorinstanz
bekannt, den Betrieb von Aussengastwirtschaften tagsüber und in den frü-
hen Abendstunden (bis 22.00 Uhr) einerseits sowie in den späten Abend-
stunden und während der Nacht andererseits nach Massgabe der Lärm-
empfindlichkeit und Lärmvorbelastung am konkreten Ort, nach Massgabe
der Unterscheidung Wochentag/Wochenende, stets aber auch unter Be-
rücksichtigung des Quartiercharakters respektive der Zonierung zu bewilli-
gen (oder zu verweigern). So war etwa trotz ihrer unbestrittenermassen
zentralen, innerstädtischen Lage in der Kernzone Kaserne der Betrieb einer
Aussengastwirtschaft auf einer Dachterrasse grundsätzlich (nur) bis
22.00 Uhr, am Wochenende bis Mitternacht, bewilligungsfähig (BRGE I
Nr. 0070/2014 in BEZ 2014 Nr. 42; www.baurekursgericht-zh.ch). Im glei-
chen Sinne war betreffend eine in der Kernzone Selnau gelegene Aussen-
gastwirtschaft zu befinden (BRKE I Nr. 0094/2005 vom 8. April 2005),
ebenso betreffend eine solche in Zürich-Wiedikon (BRKE I Nr. 0069/2007
vom 28. März 2007, bestätigt mit VB.2007.00201 vom 7. November 2007).
Eine Aussengastwirtschaft in einer fünfgeschossigen Zentrumszone an der
Heinrichstrasse in Zürich 5-Industriequartier war nach Ansicht des Baure-
kursgerichts gar täglich bis 23.00 Uhr bewilligungsfähig (BRKE I
Nr. 249/2007 vom 28. September 2007 [Vorinstanz: unter der Woche nur
bis 22.00 Uhr]). Andererseits war etwa eine Aussengastwirtschaft in einem
ruhigen, der Lärmempfindlichkeitsstufe ES II zugeordneten und gehobenen
Wohngebiet in Zürich-Witikon täglich bereits um 19.00 Uhr zu schliessen
(BGer 1A.139/2002 vom 5. März 2003, in Bestätigung von VB.2001.00187
= BEZ 2002 Nr. 27).
Die vom Baurekursgericht (weitestgehend) bestätigte, differenzierende
Vorgehensweise der Vorinstanz scheint – auch nachdem sich der regel-
mässige Beizug von Lärmgutachten bei der Beurteilung von Aussengast-
wirtschaften eingebürgert hat – weiterhin vernünftig. Das Ergebnis der in
hohem Masse einzelfallspezifischen Rechtsanwendung ist, wie sogleich zu
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zeigen sein wird (Erwägungsziffern 7.1. ff.), auch im vorliegenden Fall nicht
zu beanstanden.
7.1.
Vorliegend erscheint eine Schliessungszeit um 22.00 Uhr unter der Woche
und am Freitag und Samstag um 23.00 Uhr durchaus als der Nachbar-
schaft zumutbar. Zunächst ist festzuhalten, dass es sich bei der XY-Strasse
in Zürich-Wipkingen keineswegs um eine besonders ruhige Wohnlage wie
im allseits bekannten Fall aus Zürich-Witikon handelt, in welchem jene
Aussengastwirtschaft tatsächlich bereits um 19.00 Uhr zu schliessen war
(vgl. vorstehende Erwägungsziffer 6.8). Die XY-Strasse ist stark befahren,
die Immissionsgrenzwerte für den Strassenlärm sind überschritten, auch
wenn diesem Umstand allein, wie die Rekurrentin mit Recht bemerkt, keine
entscheidende Bedeutung zukommen darf. Zum Lärm der XY-Strasse
kommt der Eisenbahnlärm hinzu, da in knapp 30 m Entfernung das Eisen-
bahnviadukt unmittelbar vor bzw. nach dem Bahnhof Wipkingen verläuft. In
näherer Umgebung existieren einige weitere Restaurants. Zwar ist das
Quartier unbestrittenermassen kein Vergnügungsviertel, andererseits hat
es aber auch nicht etwa den Charakter einer blossen Schlafstadt.
7.2.
Aus Sicht der Rekurrentin sticht ins Auge, dass deren Liegenschaft an der
XY-Strasse gerade durch das Restaurantgebäude selbst vom Bereich der
Aussengastwirtschaftsfläche weitestgehend abgeschottet wird. Überdies
liegt die Liegenschaft der Rekurrentin in mindestens 20 m Entfernung von
der Aussengastwirtschaftsfläche. Wendet man die im Gutachten herange-
zogenen Formeln mit den von der Vorinstanz richtigerweise angebrachten
Korrekturen (L w, A, 1P von 63 dB [A] pro Person und nicht 71 dB [A], da nicht
von einer bierseligen Stimmung auszugehen ist; Zuschlagsfaktor + 6 dB [A]
für "deutlich hörbare Stimmen") an und setzt für das Gebäude der Rekur-
rentin einen Abstand von s = 20 m ein, ergibt sich Folgendes:
Schallleistungspegel der Aussengastwirtschaft (unverändert):
L W, A, eq = L w, A, 1P + 10 x log (0,75 x Anzahl Sitzplätze) = 78.2 dB (A)
Schalldruckpegel in einer Entfernung s von 20 m:
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L pA = L W, A, eq -11 + Q + 6 - 20 x log(s) = 50.2 dB (A)
wobei:
L W, A, eq = Schallleistungspegel der Aussengastwirtschaft (78,2 dB [A])
Q = Richtfaktor (hier mit +3 für eine Lärmquelle nahe am Boden, da von ei-
nem sitzenden Gast in einer Höhe von 1,2 m ausgegangen wird)
20 x log (s) = Abstandsdämpfung bei einer Punkquelle
Der tatsächliche Abstand s zu den lärmempfindlichen Wohnräumen im Ge-
bäude der Rekurrentin dürfte noch höher sein; die private Rekursgegnerin
geht von 23 m aus.
Ein Schalldruckpegel von 50,2 dB (A) entspricht in etwa einer wahrnehmba-
ren Lautstärke des (gedämpften) Sprechens. Dabei ist die zusätzliche Ab-
schottung des Schalls durch das Restaurantgebäude selbst noch nicht
einmal berücksichtigt. Dieser beim Gebäude der Rekurrentin in etwa be-
rechnete Schalldruckpegel wird aus klimatischen Gründen an schätzungs-
weise maximal 60 - 80 Betriebstagen pro Sommersaison erreicht werden
und spätestens um 22.00 Uhr respektive an Wochenenden um 23.00 Uhr
enden. Das ist in einem normalen städtischen Wohngebiet, zu welchem
unstreitig auch Gastwirtschaftsbetriebe gehören, ohne weiteres zumutbar.
Der Vollständigkeit halber zu erwähnen ist, dass die im Gutachten verwen-
deten Formeln nicht zwingend sind. Verbreitet sind auch die nachfolgenden
Formeln:
Schallleistungspegel der Aussengastwirtschaft (Pegelmultiplikation bei ei-
nem gegebenen Schallleistungspegel von L W, A, 1P = 63 dB (A) pro Gast):
L W, A, eq = 10* log [Anzahl Sitzplätze x 10 L W, A, 1 P / 10] = 79.43 dB (A)
Schalldruckpegel am Immissionsort in einer Entfernung s = 20 m:
L pA = L W, A, eq - 10*log [ 4 s2 ] = 47.2 dB (A) Q
Berücksichtigt man auch hier einen Zuschlagfaktor von 6 dB (A) für "deut-
lich hörbare Stimmen", ergibt sich gemäss dieser Berechnungsweise ein
Schalldruckpegel am Immissionsort von 53.2 dB (A).
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Abschliessend ist festzuhalten, dass solcherlei Berechnungen stets auf
starken Vereinfachungen und theoretischen Annahmen (etwa: Gartenwirt-
schaft als Punktquelle, alle Gäste stets gleich laut, keine Luftdämpfung
usw.) beruhen. Solange der Gesetzgeber keine verbindlichen Belastungs-
grenzwerte und Beurteilungspegel festsetzt, vermögen sie ein (fach-)rich-
terliches Werturteil über die konkrete Situation daher nie zu ersetzen.
7.3.
Lärmschutzrechtlich relevanter Lärm aus dem Gebäudeinnern in Richtung
des Gebäudes der Rekurrentin ist schliesslich nicht zu erwarten. Der Ein-
und Ausgang für die Bedienung der Aussengastwirtschaftsfläche ist gegen
Südosten hin ausgerichtet, wo sich keinerlei lärmempfindlichen Räume be-
finden. Zwischen den Gebäuden XY-Strasse stehend ist, wovon sich die
Delegation des Baurekursgerichts am Lokaltermin überzeugen konnte, aus
dem Innern des Restaurants nichts zu hören. Mangels Parkplätzen entsteht
schliesslich auch kein Parkplatzlärm. Es handelt sich offenkundig um eine
Gastwirtschaft, welche realistischerweise nur zu Fuss oder per Fahrrad zu
erreichen ist.
7.4.
Mit den festgesetzten Öffnungszeiten wurde auch dem Vorsorgeprinzip
(Art. 1 Abs. 2 und Art. 11 Abs. 2 USG) hinreichend Rechnung getragen.
Zwar ist gemäss dem Vorsorgeprinzip unnötiger Lärm unzulässig, sofern
die Massnahmen zur Emissionsbegrenzung technisch und betrieblich mög-
lich und wirtschaftlich tragbar sind. Nach der bundesgerichtlichen Recht-
sprechung ist dies allerdings nicht so zu verstehen, dass jeder im strengen
Sinn nicht nötige Lärm völlig untersagt werden müsste. So ist der von Aus-
sengastwirtschaften ausgehende Lärm (wie etwa auch der Lärm von Ju-
gendtreffpunkten oder Kinderspielplätzen) zwar technisch streng genom-
men nicht nötig, um sich zu unterhalten oder in einer Aussengastwirtschaft
etwas konsumieren zu können. Indessen ist diese Aktivität nach allgemei-
ner Lebenserfahrung mit gewissen Geräuschen (z.B. gelegentliches La-
chen und Jauchzen) verbunden. Dies völlig einschränken zu wollen wäre
gleichbedeutend mit einem Verbot der Aktivität. Das wäre eine Konse-
quenz, die nicht im Sinne des USG sein kann (VB.2015.00001 vom 19. Au-
gust 2015, E. 5.4).
Mit Recht hat die Vorinstanz indes den Betrieb von Lautsprecher- und Ver-
stärkeranlagen im Freien untersagt und angeordnet, dass nach 20.00 Uhr
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im Freien auch keine lärmenden Aufräum- und Reinigungsarbeiten mehr
zulässig seien. Es besteht kein Anlass, diese Auflagen weiter zu verschär-
fen oder zusätzliche bauliche Massnahmen anzuordnen.
7.5.
Zusammengefasst erweist sich die Bewilligung des Betriebs der Aussen-
gastwirtschaft unter der Woche bis 22.00 Uhr sowie freitags und samstags
bis 23.00 Uhr als korrekt.
Eine Verlängerung dieser Öffnungszeiten um je eine Stunde, wie dies die
private Rekursgegnerin beantragt, kommt hingegen nicht in Frage. Die
Stunde zwischen 22.00 Uhr und 23.00 Uhr wochentags bzw. zwischen
23.00 Uhr und 24.00 Uhr an den Wochenenden stellt für den Grossteil der
Bevölkerung nach wie vor die deutlich lärmempfindlichere (und dement-
sprechend qualifiziert schützenswerte) Einschlafphase dar. Ab 22.00 Uhr
bzw. an den Wochenenden ab 23.00 Uhr überwiegt daher das Ruhebe-
dürfnis der Nachbarschaft die wirtschaftlichen Interessen der privaten Re-
kursgegnerin am Betrieb der Aussengastwirtschaft. Ohnehin hätte die pri-
vate Rekursgegnerin, wollte sie diese Verlängerung herbeiführen, den strit-
tigen Beschluss ihrerseits anfechten müssen.
8.