Decision ID: 3ef62bbe-a32b-5394-ad7c-47ed2c3e6dd3
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden, afghanische Staatsangehörige, ersuchten am
29. November 2015 in der Schweiz um Asyl.
B.
Am 8. Dezember 2015 befragte die Vorinstanz sie zur Person (Protokolle
in den SEM-Akten A14/15, Beschwerdeführer, und A15/14, Beschwerde-
führerin) und am 12. Januar 2018 hörte die Vorinstanz sie vertieft zu ihren
Asylgründen an (Protokolle in den SEM-Akten A31/16, Beschwerdeführe-
rin, und A32/14, Beschwerdeführer).
C.
Mit Verfügung vom 29. Juni 2018 stellte die Vorinstanz fest, die Beschwer-
deführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylge-
such ab und wies sie aus der Schweiz weg. Gleichzeitig ordnete die Vo-
rinstanz wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige
Aufnahme der Beschwerdeführenden an.
D.
Mit Eingabe vom 25. Juli 2018 erhoben die Beschwerdeführenden gegen
diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Dabei be-
antragen sie, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Flüchtlings-
eigenschaft anzuerkennen und ihnen Asyl zu gewähren. Zudem sei die Un-
zulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit der Wegweisung (recte:
des Wegweisungsvollzugs) festzustellen und die vorläufige Aufnahme an-
zuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses sowie um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbein-
standes. Eventualiter ersuchten sie um die Wiederherstellung der aufschie-
benden Wirkung der Beschwerde.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 6. August 2018 wies das Bundesverwaltungs-
gericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
und um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ab und forderte
die Beschwerdeführenden auf, innert Frist einen Kostenvorschuss von
Fr. 750.– einzuzahlen, ansonsten auf die Beschwerde unter Kostenfolge
nicht eingetreten werde. Zudem wies das Gericht das Gesuch um Beiord-
nung eines amtlichen Rechtsbeistandes ab.
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F.
In ihrer Eingabe vom 15. August 2018 machten die Beschwerdeführenden
neue Sachverhaltselemente geltend und baten das Bundesverwaltungsge-
richt, eine neue Chancenbeurteilung vorzunehmen und sie von der Kos-
tenvorschusspflicht zu befreien.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 22. August 2018 wies das Bundesverwal-
tungsgericht das Wiedererwägungsgesuch der Beschwerdeführenden be-
treffend die Abweisung des Gesuches um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung sowie Erhebung des Kostenvorschusses ab und forderte
sie auf, innert drei Tagen ab Erhalt der Verfügung den mit Zwischenverfü-
gung vom 6. August 2018 geforderten Kostenvorschuss von Fr. 750.– ein-
zuzahlen, ansonsten auf die Beschwerde unter Kostenfolge nicht eingetre-
ten werde.
H.
Am 27. August 2018 wurde der verlangte Kostenvorschuss bezahlt.
I.
Mit Eingabe vom 11. September 2018 reichten die Beschwerdeführenden
mehrere Beweismittel ein.
J.
Am 29. Januar 2019 reichte die Vorinstanz eine Vernehmlassung ein, in
der sie implizit die Abweisung der Beschwerde beantragt.
K.
Am 13. Februar 2019 reichten die Beschwerdeführenden eine Replik ein.
L.
Mit Eingabe vom 18. März 2019 machten die Beschwerdeführenden zu-
sätzliche Ausführungen zu ihrem Asylgesuch und reichten mehrere Be-
weismittel ein.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
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Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS
2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 1 AsylG [in der Fassung vom 1. Januar 2018], Art. 48
Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist – mit nachfol-
gender Einschränkung – einzutreten.
1.5 Die Beschwerdeführenden beantragen die Feststellung, der Wegwei-
sungsvollzug sei unzulässig, unzumutbar und unmöglich sowie die Anord-
nung einer vorläufigen Aufnahme. Da die Vorinstanz in der angefochtenen
Verfügung die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden wegen Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs anordnete, und da die Wegwei-
sungsvollzugshindernisse (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmög-
lichkeit) alternativer Natur sind (BVGE 2009/51 E. 5.4), ist auf diese
Rechtsbegehren mangels Beschwer nicht einzutreten. Streitig und zu prü-
fen sind entsprechend lediglich die Flüchtlingseigenschaft der Beschwer-
deführenden und, gegebenenfalls, die Gewährung von Asyl sowie die Weg-
weisung.
2.
Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
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3.
3.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1A des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR
0.142.30), wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer
Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität befürchten
muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt
zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen
Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2, jeweils
m.w.H.). Die in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten fünf Verfolgungsmotive sind
über die sprachlich allenfalls engere Bedeutung ihrer Begrifflichkeit hinaus
so zu verstehen, dass die Verfolgung wegen äusserer oder innerer Merk-
male, die untrennbar mit der Person oder Persönlichkeit des Opfers ver-
bunden sind, erfolgt ist beziehungsweise droht (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.3).
Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die An-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-
troffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichen-
den Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2; 2008/4 E. 5.2).
Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation
im Zeitpunkt des Entscheides, wobei erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt
der Ausreise bestehende begründete Furcht vor Verfolgung auf andau-
ernde Gefährdung hinweisen kann. Veränderungen der Situation zwischen
Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsu-
chenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2; 2010/9
E. 5.2; 2007/31 E. 5.3 f., jeweils m.w.H.).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Die Beschwerdeführenden bringen vor, sie hätten ihren Lebensunter-
halt in E._, Provinz Herat, in der Landwirtschaft verdient. Gemein-
sam mit ihren beiden Kindern hätten sie sich ein Haus mit der Schwester
der Beschwerdeführerin, deren Ehemann und deren Kindern geteilt. Sie
führen aus, ihre Asylgründe stünden im Zusammenhang mit dem Bruder
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M. der Beschwerdeführerin. Sie wüssten nicht, in was für Probleme M. ver-
wickelt sei. Dessen Ehefrau und die gemeinsamen Kinder seien Mitte 2011
von F._ nach Afghanistan zurückgeschafft worden. Sie seien in Le-
bensgefahr gewesen und die Beschwerdeführenden seien von einem On-
kel um Hilfe gebeten worden, um der Ehefrau von M. und ihren Kindern die
Wiederausreise aus Afghanistan zu ermöglichen. Der Beschwerdeführer
und sein Schwager (der Ehemann der im gleichen Haus lebenden Schwes-
ter der Beschwerdeführerin) hätten daraufhin einen Teil ihres Landes ver-
kauft, um diese Wiederausreise zu finanzieren. Unterdessen sei M. mit sei-
ner Familie in der Schweiz und habe hier Asyl erhalten (N-Dossier [...]).
Nach der Ausreise der Ehefrau von M. und der Kinder aus Afghanistan
seien insgesamt fünfmal unbekannte Männer zu den Beschwerdeführen-
den nach Hause gekommen und hätten nach dem Verbleib von M. gefragt.
Das erste Mal seien die Männer wahrscheinlich ungefähr Anfang 2014 ge-
kommen. Obwohl der Beschwerdeführer und sein Schwager gesagt hät-
ten, sie wüssten seit Jahren nichts von M., seien sie von den Männern zu-
sammengeschlagen worden. Die Frauen und Kinder seien in separate Zim-
mer gebracht und mit dem Tod bedroht worden für den Fall, dass sie
schreien würden. Nach dem vierten Besuch der Männer, während dem die
zweijährige Nichte der Beschwerdeführerin sich aus Angst unter dem Ofen
versteckt und dabei tödliche Verbrennungen erlitten habe, hätten sie eine
Anzeige bei der Polizei gemacht. Mangels Angaben zur Identität oder zum
Aussehen der Männer habe die Polizei allerdings nichts unternehmen kön-
nen; sie habe aber gesagt, sie werde eine Untersuchung einleiten. Als die
Männer daraufhin zum fünften Mal gekommen seien, hätten sie von der
Anzeige gewusst und seien sehr erbost gewesen. Sie hätten den Schwa-
ger fast zu Tode geprügelt und die beiden Familien noch stärker bedroht.
Daraufhin hätten sie Afghanistan Mitte 2014 verlassen.
Im Beschwerdeverfahren machen die Beschwerdeführenden zudem neu
geltend, im April 2018 sei der Vater des Beschwerdeführers, der bereits im
Sommer 2015 entführt worden sei, in Afghanistan ermordet aufgefunden
worden. Bei seiner Leiche sei ein gegen den Beschwerdeführer und seine
Familie gerichteter Drohbrief gefunden worden.
4.2 Die Vorinstanz führt aus, den Ausführungen der Beschwerdeführenden
seien keine Hinweise dafür zu entnehmen, dass die von ihnen geschilder-
ten Übergriffe auf einem flüchtlingsrechtlich relevanten Grund beruht hät-
ten. Vor dem Hintergrund, dass sie keine Kenntnis über die Identität oder
die genauen Beweggründe der fremden Männer hätten, fehle es sowohl
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den bislang erlittenen als auch den künftig befürchteten Nachteilen an ei-
nem für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft relevanten Verfol-
gungsmotiv. An dieser Einschätzung ändere auch das beigezogene Dos-
sier des Bruders M. der Beschwerdeführerin nichts. Demnach vermöge
selbst ein allfälliger Zusammenhang zwischen den Vorbringen zu keiner
anderen Beurteilung der vorliegend geltend gemachten Verfolgungssitua-
tion zu führen. Unter diesen Umständen erübrige es sich, auf allfällige Un-
glaubhaftigkeitselemente in den Schilderungen einzugehen.
5.
5.1 Bezüglich des rechtserheblichen Sachverhaltes stellt das Bundesver-
waltungsgericht fest, dass die Vorbringen der Beschwerdeführenden zu
den geltend gemachten Ereignissen vor ihrer Ausreise aus Afghanistan
grundsätzlich als glaubhaft anzusehen sind. Ihre Schilderungen sind aus-
führlich und detailliert ausgefallen und enthalten keine Widersprüche. Auch
wenn gewisse Zweifel bleiben – insbesondere aufgrund des Umstandes,
dass die Ehefrau von M. und ihre Kinder Mitte 2011 nach Afghanistan zu-
rückgeführt worden seien, die Überfälle auf die Beschwerdeführenden je-
doch erst Anfang 2014 anfingen – ist deshalb für die Prüfung der Flücht-
lingseigenschaft bezüglich der Ereignisse vor der Ausreise der Beschwer-
deführenden aus Afghanistan auf den Sachverhalt wie die Beschwerdefüh-
renden ihn vorbringen (vgl. E. 4.1) abzustellen.
5.2 Es ist damit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden vor
ihrer Ausreise aus Afghanistan mehrmals von ihnen unbekannten Männern
aufgesucht, bedroht und geschlagen sowie nach dem Verbleib von M. be-
fragt wurden. Dabei handelt es sich zweifellos um Nachteile, die eine flücht-
lingsrechtlich relevante Intensität erreichen. Zu prüfen ist jedoch, ob diese
Verfolgungshandlungen aus einem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv er-
folgt sind.
5.3
5.3.1 Die Beschwerdeführenden bringen vor, die Überfälle durch die frem-
den Männer stünden mit dem Bruder M. der Beschwerdeführerin in Zusam-
menhang. Sie wüssten nicht, wer die Männer seien und weshalb sie nach
M. gesucht hätten. Die Männer hätten während der Überfälle immer wieder
danach gefragt, wo M. sei. Die Beschwerdeführenden gehen davon aus,
dass sie von den Männern verfolgt wurden, weil sie der Frau von M. und
ihren Kindern nach deren zwischenzeitlicher Rückkehr nach Afghanistan
finanziell geholfen hätten. Die Beschwerdeführenden machen damit eine
Reflexverfolgung aufgrund der Verfolgung von M. geltend. Sie geben an,
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nicht zu wissen, weshalb M. und damit auch sie von den fremden Männern
verfolgt würden.
5.3.2 Dem SEM-Dossier von M. ist zu entnehmen, dass dieser (...) wäh-
rend einer nächtlichen Fahrt zwischen G._ und H._ mit sei-
nem Autobus, mit dem er beruflich Passagiere beförderte, von bewaffneten
Männern überfallen worden war. Er brachte vor, die Männer hätten die
Passagiere ausgeraubt und ihn an der Hand verletzt. Er habe einem Mann
mit einem Gegenstand über den Kopf geschlagen und sei dann geflüchtet.
Die Männer hätten den zweiten Chauffeur des Autobusses entführt und
später umgebracht. Der Bruder des Chauffeurs, ein regionaler Polizeikom-
mandant, habe ihn, M., für dessen Tod verantwortlich gemacht. Er habe
Angst gehabt, dass dieser sich an ihm für den Tod des Chauffeurs rächen
würde. Der Bruder sei bereits am darauffolgenden Tag zu ihm nach Hause
gegangen, habe nach ihm gesucht und ihn aufgefordert, sich bei ihm auf
der Polizeistation zu melden. Er sei jedoch damals nicht zu Hause gewe-
sen. Daraufhin habe er Afghanistan verlassen, ohne noch einmal nach
Hause zurückzukehren.
5.3.3 Soweit davon auszugehen ist, dass sich der Polizeikommandant an
M. für den Tod seines Bruders rächen wollte, beruht diese Gefährdung
nicht auf einem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv. Ein solches wird we-
der von den Beschwerdeführenden geltend gemacht noch ergeben sich
aus den Akten Hinweise darauf. Obwohl ein Schutz durch die staatlichen
Behörden in Afghanistan unter den genannten Umständen kaum zu erwar-
ten wäre, liegen auch keine Hinweise dafür vor, dass eine eventuelle
Schutzverweigerung auf einem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv beru-
hen würde. Die Beschwerdeführenden führen aus, sie hätten die Überfälle
der Polizei gemeldet; diese habe deshalb nichts tun können, weil sie nichts
über die Identität der Männer gewusst hätten. Die Beschwerdeführenden
machen nicht geltend, dass die Polizei sie aus flüchtlingsrechtlich relevan-
ten Motiven nicht geschützt habe, und dafür sind den Akten auch keine
Hinweise zu entnehmen.
M. machte bezüglich des Überfalls auf seinen Autobus nicht geltend, die
Männer hätten es auf ihn persönlich abgesehen. Vielmehr lassen seine
Ausführungen darauf schliessen, dass es sich bei den Männern um Krimi-
nelle gehandelt hatte, die sich bereichern wollten. In der Kurzbefragung
vom 7. Januar 2013 sprach M. einerseits von «Räubern» und andererseits
von «Taliban» (SEM-Akte [N {...}] AA5/12 S. 7 f.). In der (französischspra-
chigen) Anhörung sprach er allerdings nicht mehr von Taliban, sondern von
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«quelques personnes armées» (SEM-Akte [N {...}] A16/12 Q12). Unabhän-
gig davon, lassen die Aussagen von M. ziemlich klar darauf schliessen,
dass die Männer es auf Wertgegenstände abgesehen hatten (vgl.
SEM-Akte [N {...}] A16/12 Q12, Q30 f. und Q34) und es sich nicht um einen
politisch oder religiös motivierten Überfall gehandelt hatte. M. macht denn
auch im Asylverfahren nie ausdrücklich eine Verfolgung durch die Taliban
geltend.
Die Ausführungen von M. lassen damit nicht auf eine Verfolgung aufgrund
eines flüchtlingsrechtlich relevanten Motivs schliessen. Die Flüchtlingsei-
genschaft und die Asylanerkennung von M. und dessen Familie durch die
Vorinstanz beruhen gemäss dem Dossier des SEM auf anderen Gründen,
die bezüglich der geltend gemachten Reflexverfolgung der Beschwerde-
führenden und damit für das vorliegende Verfahren nicht relevant sind.
Eine Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes von Art. 8 Abs. 1 BV liegt ent-
sprechend ebenfalls nicht vor.
5.3.4 Mit ihrer Eingabe vom 18. März 2019 reichten die Beschwerdefüh-
renden zudem mehrere Beweismittel inklusive Übersetzungen ein, die im
Zusammenhang mit den von ihnen geltend gemachten Geschehnissen in
Afghanistan stehen (gemäss Übersetzung handelt es sich dabei um: drei
Formulare des Sicherheitskommandos H._ mit Ausführungen zu ei-
nem der Überfälle der fremden Männer, datiert vom 10. Februar 2014 res-
pektive vom 11. Februar 2014, sowie zwei Schreiben des Sicherheitskom-
mandos H._, in denen um Hilfe für den Beschwerdeführer und sei-
nen Schwager gebeten wird). Sie führen jedoch nicht aus, was sie damit
belegen möchten oder wie sie die Beweismittel aus Afghanistan erhalten
haben. Unabhängig von der zweifelhaften Echtheit der eingereichten Do-
kumente sind den Beweismitteln auch keine Hinweise auf eine flüchtlings-
rechtlich relevante Motivation der von den Beschwerdeführenden erlittenen
Verfolgungshandlungen zu entnehmen.
5.3.5 Insgesamt ist damit nicht davon auszugehen, dass die Beschwerde-
führenden bei ihrer Ausreise aus Afghanistan einer flüchtlingsrechtlich re-
levanten Verfolgung ausgesetzt waren
5.4 Auch der Tod des Vaters des Beschwerdeführers im April 2018 legt
nicht nahe, dass die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr nach Af-
ghanistan eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung zu befürchten hät-
ten.
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Die Beschwerdeführenden geben nicht an, von wem der Vater getötet wor-
den sei. Sie bringen auch nicht vor, der Tod des Vaters stehe in Zusam-
menhang mit den Problemen von M. Dies erscheint auch eher unwahr-
scheinlich, ist der Vater des Beschwerdeführers doch nicht mit M. ver-
wandt, da M. der Bruder der Beschwerdeführerin ist. Zudem sind weder
den Akten der Beschwerdeführenden noch denjenigen der Mutter des Be-
schwerdeführers, I._ (N-Dossier [...] und Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts E-4326/2018 vom heutigen Datum, E. 5.3), glaubhafte Hin-
weise dafür zu entnehmen, dass die Entführung des Vaters des Beschwer-
deführers im Sommer 2015 und dessen Tötung im April 2018 im Zusam-
menhang mit den Problemen von M. stehen.
Die Beschwerdeführenden reichten im Beschwerdeverfahren mehrere Be-
weismittel inklusive Übersetzungen bezüglich des Todes des Vaters des
Beschwerdeführers ein, ohne jedoch genauere Ausführungen dazu zu ma-
chen. Bei den Beweismitteln handelt es sich um zwei undatierte und un-
vollständig ausgefüllte Formulare, mit denen der Tod des Vaters des Be-
schwerdeführers an zwei Behördenstellen in H._ gemeldet wird; ein
Zeitungsbericht vom 13. August 2018, in dem berichtet wird, der Vater des
Beschwerdeführers sei am 25. April 2018 von Unbekannten erschossen
aufgefunden worden, der Grund für seinen Tod sei im Dorf bekannt und
sein Sohn habe Feinde gehabt; schliesslich ein Brief, der bei der Leiche
des Vaters gefunden worden sei, und in welchem dem Beschwerdeführer
gedroht wird (und der mit einem Stempel der Islamischen Republik Afgha-
nistan versehen ist). Diese Beweismittel vermögen – selbst abgesehen von
ihrer zweifelhaften Echtheit – keine flüchtlingsrechtlich relevante Motivation
für den Tod des Vaters des Beschwerdeführers oder eine entsprechende
Bedrohung für die Beschwerdeführenden aufzuzeigen. Insbesondere ist
völlig unklar – und führen die Beschwerdeführenden auch nicht aus –, wo-
rauf sich der Hinweis auf Feinde des Beschwerdeführers in dem einge-
reichten Zeitungsartikel bezieht, macht der Beschwerdeführer doch nicht
geltend, er habe Feinde, sondern lediglich, er werde aufgrund seines
Schwagers M. verfolgt.
Damit ist auch nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden
bei einer Rückkehr nach Afghanistan aufgrund des Todes des Vaters des
Beschwerdeführers einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung ausge-
setzt wären.
5.5 Insgesamt ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden bei ihrer
Ausreise aus Afghanistan keiner flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung
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ausgesetzt waren und auch bei einer Rückkehr keine begründete Furcht
vor einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung haben. Die Beschwer-
deführenden erfüllen die Flüchtlingseigenschaft damit nicht, weshalb ihnen
auch kein Asyl zu gewähren ist. Die Vorinstanz hat ihr Asylgesuch entspre-
chend zu Recht abgewiesen.
6.
Lehnt die Vorinstanz das Asylgesuch ab oder tritt sie darauf nicht ein, so
verfügt sie in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; sie berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie.
Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, jeweils m.w.H.).
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der am 27. August 2018 einbezahlte Kostenvor-
schuss in der gleichen Höhe ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu
verwenden.
8.2 Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen (Art. 64 Abs. 1
VwVG, Art. 7 Abs. 1 und 3 VGKE).
(Dispositiv nächste Seite)
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