Decision ID: 9da0bddb-9d0d-4fcf-8b02-b17fe570417d
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war vom 1. November 2017 bis 31. Januar 2021
im technischen Dienst der Klinik B._ tätig und dadurch bei der Helsana Unfall AG
(nachfolgend: Helsana) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie
Berufskrankheiten versichert. Mit Bagatellunfallmeldung UVG vom 4. November 2020
meldete die Arbeitgeberin, der Versicherte habe am 31. Oktober 2020 beim Verstellen
der Kopflehne eine Bewegungsblockade erlitten und sich einen Riss in der linken
Schulter zugezogen (UV-act. 1).
A.a.
Zur Erstbehandlung hatte sich der Versicherte am 3. November 2020 zu Dr. med.
C._, Facharzt für Allgemeinmedizin, begeben (UV-act. 17), welcher eine MRT-
Untersuchung des linken Schultergelenks in der Radiologie D._ veranlasste. Die MR-
Arthrographie vom 6. November 2020 zeigte laut Bericht des Radiologen Dr. med.
E._ einen offenbar rezentrierten Status nach ventroinferiorer Schulterluxation mit
flacher Hill-Sachs-Impression am posterolateralen Humeruskopf und einer Perthes-
Läsion des ventralen Labrums sowie weiteren Neben-/Detailbefunden (UV-act. 13).
A.b.
Vom 4. bis 6. Februar 2021 war der Versicherte in der Klinik F._ hospitalisiert,
wo durch Dr. med. G._ eine arthroskopische Labrum-Resektion mit Débridement der
langen Bicepssehne sowie eine offene Stabilisation der linken Schulter in der Latarjet-
Technik vorgenommen wurde (UV-act. 9, 11). Die Helsana hatte am 28. Januar 2021
A.c.
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B.
dazu Kostengutsprache für den Aufenthalt in der Privat-Abteilung erteilt (UV-act. 7, vgl.
auch Kostengutsprachegesuch vom 27. Januar 2021 [UV-act. 8]).
Am 26. März 2021 nahm der beratende Arzt der Helsana, Dr. med. H._, Facharzt
für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, zum
Versicherungsfall Stellung. Gestützt auf die Unterlagen kam er zum Schluss, dass eine
Listenverletzung gemäss Gesetz (eine Verrenkung von Gelenken) vorliege, es sich aber
nicht um eine frische Verletzung handle. Beim betroffenen Körperteil liege ein
Vorzustand vor. Das MRI beschreibe eine SLAP III Läsion und eine
Synovialzottenhypertrophie im Rezessus axillaris. Zeichen einer traumatischen
Verursachung vor allem am vorderen Glenoid würden fehlen. Die festgestellte
Listenverletzung sei vorwiegend auf eine Abnützung zurückzuführen. Ein natürlicher
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 31. Oktober 2020 und den erhobenen
Befunden/Diagnosen beurteilte der beratende Arzt nur als möglich (UV-act. 16).
A.d.
Am 6. April 2021 informierte die Helsana den Versicherten telefonisch über die
Beurteilung ihres beratenden Arztes. Sie erklärte weiter, dass es sich beim gemeldeten
Ereignis vom 31. Oktober 2020 nicht um einen Unfall im Sinne des Gesetzes handle.
Darauf erwähnte der Versicherte, er habe gegenüber seiner ehemaligen Arbeitgeberin
eigentlich zwei Ereignisse geltend gemacht, aber die Personalabteilung habe ihm
geraten, nur das letzte Ereignis anzugeben. Beim ersten Ereignis habe er sich beim
Training mit seinem eigenen Körpergewicht (Street Working) übernommen und
festgestellt, dass etwas mit der Schulter nicht in Ordnung sei (UV-act. 21).
A.e.
Mit Verfügung vom 6. April 2021 verneinte die Helsana einen Anspruch auf
Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung, da der Zusammenhang
zwischen den gesundheitlichen Beschwerden und dem Unfall nicht nachgewiesen sei.
Entgegenkommenderweise übernehme sie aber die Kosten für den Spitalaufenthalt in
der privaten Abteilung als Folge der Operation vom 4. Februar 2021, für welchen sie
fälschlicherweise Kostengutsprache erteilt habe (UV-act. 18).
A.f.
Gegen die Verfügung vom 6. April 2021 liess der Versicherte durch seine
Rechtsschutzversicherung am 29. April 2021 vorsorglich Einsprache erheben (UV-act.
B.a.
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C.
25). Am 17. Mai 2021 reichte die Rechtsschutzversicherung eine am selben Tag
verfasste chirurgisch-versicherungsmedizinische Beurteilung von Dr. med. I._,
Fachärztin für Chirurgie, MAS Versicherungsmedizin, FA Vertrauensärztin SGV, ein (UV-
act. 28, 30). In einem Schreiben hielt der Versicherte erneut fest, er habe aufgrund der
Empfehlung der Personalabteilung seiner damaligen Arbeitgeberin nur das Datum des
letzten Vorfalles bezüglich der Schulterverletzung angegeben. Die zwei vorherigen
Schadensereignisse der Schulter seien nicht mitgeteilt worden (UV-act. 26).
Mit Stellungnahme vom 25. Oktober 2021 beurteilte Dr. H._, es sei ohne Zweifel
von einem Vorzustand im Sinne einer Schulterluxation vor dem Ereignis vom 31.
Oktober 2020 auszugehen. Daraus resultiere, dass zum Zeitpunkt des Ereignisses vom
31. Oktober 2020 eine Schulterinstabilität bereits vorgelegen habe. In Folge des
Ereignisses vom 31. Oktober 2020 könnten keine frischen, strukturell traumatischen
Läsionen belegt werden. Eine Listendiagnose als Folge des Ereignisses vom 31.
Oktober 2020 liege ebenfalls nicht vor (UV-act. 32).
B.b.
Die Helsana wies die Einsprache mit Entscheid vom 9. November 2021 ab. Zur
Begründung hielt sie fest, es sei weder ein Unfall im Rechtssinne gegeben, noch wäre
bei Annahme eines Unfalls die Kausalität zwischen jenem und dem
Gesundheitsschaden zu bejahen. Vielmehr sei davon auszugehen, dass mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit an der linken Schulter ein Vorzustand bestehe. Es
liege jedoch gerade keine richtungsgebende Verschlimmerung vor. Es bestehe folglich
kein hinreichender natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom
31. Oktober 2020 und den geltend gemachten Beschwerden. Nachdem es sich nicht
um einen Unfall im Sinne des Gesetzes handle, müsse geprüft werden, ob eine
unfallähnliche Körperschädigung vorliege. Diesbezüglich kam die Helsana zum
Schluss, dass der Versicherte keine Listendiagnose erlitten habe. Aber selbst wenn von
einer solchen ausgegangen würde, sei ausreichend erstellt, dass diese vorwiegend auf
Abnützung und Erkrankung zurückzuführen sei (UV-act. 33).
B.c.
Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde von
Rechtsanwalt M. A. Glavas für den Versicherten (nachfolgend: Beschwerdeführer) vom
13. Dezember 2021. Der Rechtsvertreter beantragt die Aufhebung des angefochtenen
C.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Entscheids und die Übernahme der Unfallversicherungsleistungen durch die Helsana
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin). Eventualiter sei die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie weitere Abklärungen (zum
Unfallhergang und zur Unfallkausalität) veranlasse; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 31. Januar 2022 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (act. G 3).
C.b.
Mit Replik vom 17. März 2022 und Duplik vom 21. März 2022 halten die Parteien
an ihren Anträgen fest (act. G 5 und 7).
C.c.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
C.d.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin für das gemeldete Ereignis
vom 31. Oktober 2020 und die beim Beschwerdeführer in der Folge ärztlich
behandelten Gesundheitsstörungen im Bereich der linken Schulter, insbesondere die
am 4. Februar 2021 an der linken Schulter operativ therapierten
Gesundheitsschädigungen, leistungspflichtig ist. Bezüglich eines Antrags auf
Versicherungsleistungen für die anlässlich des Telefongesprächs vom 6. April 2021
geltend gemachten, im Rahmen eines Trainings mit dem eigenen Körpergewicht (Street
Workout) aufgetretenen Schulterprobleme (vgl. UV-act. 21) ist festzuhalten, dass dieser
Vorfall nicht Gegenstand des angefochtenen Einspracheentscheids und somit
vorliegend nicht Anfechtungsgegenstand ist (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1). Im Übrigen ist
dazu auch keine Unfallmeldung aktenkundig, wie sie Art. 45 des Bundesgesetzes über
die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) zwingend vorsieht. Folglich ist nicht darauf
einzutreten.
1.1.
Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Leistungen der Unfallversicherung bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der
Unfallversicherung bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des
1.2.
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Unfallversicherers besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und
adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen (André Nabold,
N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018
[nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 63 ff. zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-
Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler
Kommentar, 2019 [nachfolgend zitiert: BSK UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre
Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer
[Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl.
2012, S. 53 ff.).
Die Unfallkausalität bildet Anspruchsvoraussetzung für sämtliche
Versicherungsleistungen der Unfallversicherung (Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Eine Leistungspflicht des
Unfallversicherers besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und
adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen (KOSS UVG-
Nabold, N 48 ff. zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 63 ff. zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 53 ff.). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf
Angaben medizinischer Sachverständiger angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten
Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den
von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (KOSS UVG-Nabold, N 53
zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58). Im
Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche
Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung
des Unfallversicherers praktisch keine Rolle (vgl. BGE 117 V 365 E. 5d/bb mit
Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung; BGE 118 V 291 f. E. 3a). Sind dagegen die
Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar, ist eine eigenständige
Adäquanzbeurteilung durchzuführen.
1.3.
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung
des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Die Verwaltung als verfügende Instanz
und - im Beschwerdefall - das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen
annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht
hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse
Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht
1.4.
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2.
(BGE 138 V 221 f. E. 6 mit Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine
Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Die Parteien
tragen aber eine Beweislast insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift indessen erst Platz, wenn es sich als
unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer
Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit
für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 221 f. E. 6 mit Hinweisen).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Bezüglich Beweiswert eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E.
3a mit Hinweisen). Berichte und Gutachten, welche die Versicherungen während des
Administrativverfahrens von ihren eigenen Ärztinnen und Ärzten einholen, können
beweistauglich sein. An deren Beweiswürdigung sind indes strenge Anforderungen zu
stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (BGE 135 V 470 f. E. 4.4 mit Hinweis; bestätigt in Urteil des
Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_592/2012, E. 5.3). Die Tatsache allein,
dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht,
lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es
bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit
der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen (BGE 125 V 353 f. E. 3b/ee).
1.5.
Vorab stellt sich die Frage, ob die Beschwerdegegnerin das vom
Beschwerdeführer gemeldete Ereignis vom 31. Oktober 2020 zu Recht nicht als Unfall
anerkannt hat.
2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/16
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Gemäss Bagatellunfall-Meldung vom 4. November 2020 trat beim
Beschwerdeführer am 31. Oktober 2020 beim "Kopflehne verstellen" eine
Bewegungsblockade an der linken Schulter ein (UV-act. 1). Im Bericht des Radiologen
Dr. E._ vom 6. November 2020 wird unter der Rubrik "Indikation" ausgeführt, nach
einem ruckartigen Runterdrücken der Kopfstütze als Beifahrer beim Fahrer seien bei
ihm Schulterschmerzen links aufgetreten. Seither habe er zweimal das Gefühl des
Auskugelns der linken Schulter verspürt (UV-act. 13). Der Hausarzt des
Beschwerdeführers, Dr. med. C._, schilderte im Arztzeugnis UVG am 23. März 2021,
der Beschwerdeführer habe angegeben, unter Schulterschmerzen links nach
ruckartigem Runterdrücken der Kopfstütze zu leiden (UV-act. 17). Anlässlich des
telefonischen Kontaktes der Beschwerdegegnerin mit dem Beschwerdeführer am 6.
April 2021 führte jener aus, die Schulter habe ihm auch schon vor dem gemeldeten
Ereignis vom 31. Oktober 2020 Probleme bereitet. Dieses Ereignis sei aber der
Auslöser gewesen, dass er sich in ärztliche Behandlung (inkl. MRI) begeben habe. Beim
ersten Ereignis habe er sich beim Training mit dem eigenen Körpergewicht (Street
Workout) übernommen und bereits damals festgestellt, dass mit der Schulter etwas
nicht in Ordnung gewesen sei (UV-act. 21). Der Hergang des Ereignisses vom
31. Oktober 2020 an sich ist mithin unbestritten und hat als überwiegend
wahrscheinlich nachgewiesen zu gelten (Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 4, 29; Thomas
Locher/Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70
N. 58 f.; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50; BGE 117 V 360 E. 4a mit Hinweisen). Der Nutzen
einer zusätzlichen Befragung durch die Beschwerdegegnerin als ergänzendes
Beweismittel, wie es der Beschwerdeführer im Eventualantrag geltend macht, ist bei
feststehendem Ereignishergang nicht ersichtlich. Dies zumal der Beschwerdeführer
auch im Beschwerdeverfahren keine weiteren, unberücksichtigt gebliebenen
Sachverhaltselemente vorbrachte.
2.2.
Als Unfall gilt gemäss Art. 4 ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die
eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur
Folge hat. Dabei bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die
Wirkung des äusseren Faktors, sondern auf den Faktor selbst. Ohne Belang für die
Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls
schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich gezogen hat (BGE 112 V 202 f. E. 1).
Ein äusserer Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen
Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich
im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (KOSS
UVG-Nabold, N 22 zu Art. 6, BSK UVG-Hofer, N 32 ff. zu Art. 6; BGE 134 V 76 E. 4.1
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/16
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und 129 V 404 f. E. 2.1, je mit Hinweisen). Gemäss der Rechtsprechung kann das
Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors auch in einer unkoordinierten
Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen ist das Merkmal der Ungewöhnlichkeit
bzw. des äusseren Faktors erfüllt, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand
den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam "programmwidrig" beeinflusst
hat (BGE 130 V 118 E. 2.1 sowie Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2014,
8C_783/2013, E. 4.2 je mit Hinweisen). Dies trifft beispielsweise dann zu, wenn die
versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an einem Gegenstand anstösst, oder wenn
sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrbewegung ausführt oder
auszuführen versucht (Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2014, 8C_783/2013,
E. 4.2 mit Hinweis). Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche
äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor - Veränderung zwischen Körper
und Aussenwelt - ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein
ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 118 E. 2.1). Dass es tatsächlich zu einem Sturz
kommt, wird mithin nicht vorausgesetzt. Wo sich eine Schädigung auf das
Körperinnere beschränkt und sie erfahrungsgemäss auch als alleinige Folge von
Krankheiten, namentlich von degenerativen Veränderungen eines Körperteils innerhalb
eines durchaus normalen Geschehensablaufs auftreten kann, muss die unkoordinierte
Bewegung als unmittelbare Ursache der Schädigung unter besonders sinnfälligen
Umständen gesetzt worden sein; denn ein Unfallereignis manifestiert sich in der Regel
in einer äusserlich wahrnehmbaren Schädigung, während bei deren Fehlen eine
erhöhte Wahrscheinlichkeit rein krankheitsbedingter Ursachen besteht (vgl. BGE 134 V
80 f. E. 4.3.2.1 mit Hinweisen; KOSS UVG-Nabold, N 32 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N
38 zu Art. 6; Rumo-Jungo/ Holzer, a.a.O., S. 40). Weiter bejaht die Rechtsprechung das
Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors dann, wenn beim Heben oder
Verschieben einer Last ein ganz ausserordentlicher Kraftaufwand erfolgt. Ein Beispiel
hierfür ist das sogenannte Verhebetrauma (KOSS UVG-Nabold, N 33 zu Art. 6; BSK
UVG-Hofer, N 40 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 42; BGE 116 V 138 f. E. 3b;
RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2).
Umstritten ist, ob beim vorliegenden Ereignishergang (vgl. Erwägung 2.2) im Sinne
von Gesetz und Rechtsprechung von einem ungewöhnlichen äusseren Faktor
auszugehen ist. Dies ist, wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen, zu verneinen.
2.4.
Beim Verstellen einer Kopfstütze handelt es sich um einen alltäglichen Vorgang.
Der Beschwerdeführer macht keinerlei Besonderheiten beim Bewegungsablauf
geltend, wodurch erkennbar wäre, dass eine unkoordinierte Bewegung erfolgt wäre. Es
ist eine Erfahrungstatsache, dass eine Schulter geschaffen ist, im alltäglichen
2.5.
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Bewegungsablauf verschiedenste Bewegungen und Kraftaufwendungen zu tolerieren
bzw. auszuhalten, ohne dass sie Schaden nimmt. Dies ist auch für ein ruckartiges
Verstellen einer Kopfstütze anzunehmen. Zu prüfen ist weiter, ob die äussere
Einwirkung durch eine ausserordentliche Kraftanwendung und eine damit verbundene
Überanstrengung zu bejahen wäre. Die höchstrichterliche Rechtsprechung orientiert
sich beim Heben und Verschieben von Gegenständen an Gewichten, welche von der
konkreten Person unter bestimmten Umständen getragen werden können. In Fällen, in
denen eine den Unfallbegriff erfüllende Überanstrengung verneint wurde, waren die zu
hebenden Lasten zwischen 50 und 100 kg schwer (Urteil des Bundesgerichts vom 25.
August 2011, 8C_246/2011, E. 4.4, und 11. Januar 2010, 8C_1029/2009, E. 2.1; Urteile
des EVG vom 9. Oktober 2003, U 360/02, E 3.4, und 27. Juli 2001, U 7/00, E. 3). Dies
trifft auf den zu beurteilenden Fall nicht zu, zumal das Gewicht der Kopfstütze
eigentlich nicht zum Tragen kommt, sondern sich der Kraftaufwand nach dem
technischen Vorgang des Verschiebens einer Kopfstütze bestimmt und dieser
keinesfalls als ausserordentlich einzustufen ist. Kommt zum Heben oder Verschieben
einer Last ein zusätzliches Element hinzu (z.B. Eile, unangepasste Arbeitsposition), das
zu einer unkoordinierten Bewegung führt (Ausrutschen, Nachgreifen), ist die
Ungewöhnlichkeit zu bejahen (BSK UVG-Hofer, N 40 zu Art. 6). Aus dem zusätzlichen
Element der Ruckartigkeit des Verstellens hat sich jedoch - wie bereits erwähnt - keine
unkoordinierte Bewegung ergeben, die als programmwidrig im Sinne einer
ungewöhnlichen äusseren Einwirkung auf die linke Schulter des Beschwerdeführers
gewertet werden kann. Damit ist das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors
auch im Rahmen einer ausserordentlichen Kraftaufwendung zu verneinen.
Somit ist festzuhalten, dass das Unfallbegriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit des
äusseren Faktors mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht
erfüllt ist und folglich mangels Unfallereignisses nach Art. 6 Abs. 1 UVG keine
Versicherungsleistungen geschuldet sind.
2.6.
Demnach braucht grundsätzlich nicht weiter geprüft zu werden, ob das Ereignis
vom 31. Oktober 2020 zu einer Gesundheitsschädigung geführt hat, konkret ob der
beim Beschwerdeführer am 6. November 2020 in der MRI-Untersuchung der linken
Schulter durch Dr. E._ erhobene Befund eines rezentrierten Status nach
ventroinferiorer Schulterluxation mit flacher Hill-Sachs-Impression am posterolateralen
Humeruskopf und Perthes-Läsion des ventralen Labrums sowie einer
signalinhomogenen Insertion des mittleren ventralen glenohumeralen Bandes (DD
Quetsch-Zerrung/Partialriss des ventralen Kapsel-/Bandapparates; vgl. UV-act. 13)
vorbestanden hat bzw. degenerativ bedingt ist oder ob er in einem natürlichen und
2.7.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/16
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3.
adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Geschehen vom 31. Oktober 2020 steht
(vgl. dazu Erwägung 1.2). Selbst wenn trotz obiger Ausführungen von einem Unfall
auszugehen wäre, wäre jedoch, wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen, eine
Leistungspflicht gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG mangels unfallkausaler
Gesundheitsschädigung zu verneinen.
Der Beschwerdeführer geht von einer Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für
die Schulterproblematik links aus, wobei er sich auf die Beurteilung von Dr. I._ vom
17. Mai 2021 abstützt (UV-act. 30). Diese hielt fest, es sei überwiegend wahrscheinlich
von einem Vorzustand an der linken Schulter auszugehen (wahrscheinlich eine
stattgehabte Schulterluxation vor dem 31. Oktober 2020). Zwar sei seltsam, dass der
Beschwerdeführer wegen der Schulter zuvor nie in ärztlicher Behandlung gewesen sei,
obgleich er als ehemaliger Mitarbeiter im technischen Dienst gearbeitet und seine
Tätigkeit die Schulter beansprucht habe. Grundsätzlich erwarte man auch nicht, dass
das am 4. November 2020 gemeldete Ereignis, welches als Bagatelltrauma zu werten
sei, zu einer solch ausgedehnten SLAP-Läsion und zu einer Schulterinstabilität führe.
Daher sei mit Dr. H._ vom Vorliegen eines relevanten Vorzustandes an der linken
Schulter auszugehen. Dr. I._ blieb auch darin mit Dr. H._ einig, dass eine am 31.
Oktober 2020 stattgehabte Schulterluxation links MR-tomographisch nicht
ausgewiesen sei. Dr. G._ halte in der Stellungnahme vom 30. April 2021 ebenfalls
dafür, dass es anlässlich des besagten Ereignisses nicht zu einer Luxation, sondern zu
einer Subluxation der linken Schulter gekommen sei. Weiter könne auch die SLAP-
Läsion in toto nicht dem Bagatelltrauma vom 31. Oktober 2020 zugeordnet werden.
Nichtsdestotrotz weise die MR-Tomographie vom 6. November 2020 als frisches
direktes Zeichen einer traumatischen Einwirkung ein schmales subperiostales Ödem/
Hämatom am ventralen Glenoid aus wie auch strukturelle Veränderungen am mittleren
ventralen glenohumeralen Band im Sinne einer Zerrung des ventralen Kapsel-
Bandapparates. Dadurch sei eine richtungsgebende Verschlimmerung eines
überwiegend wahrscheinlichen Vorzustandes ausgewiesen (UV-act. 30 S. 3). Dem hält
Dr. H._ überzeugend entgegen, für ihn ergebe sich ein unbestreitbarer Widerspruch
daraus, dass, obwohl Dr. I._ selbst einen strukturellen Schaden nicht für möglich
halte, sie das offensichtliche Bagatellereignis aufgrund des im MRI beschriebenen
Ödems und der strukturellen Veränderungen des glenohumeralen Bandes als
unfallkausale Veränderungen bewerte. Leider erkläre sie diesen Widerspruch nicht
näher. Würde man von einer unfallkausalen Läsion ausgehen, wären Zeichen einer
traumatischen Verursachung, wie z.B. ein Knochenmarködem oder traumatische
3.1.
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ligamentäre Begleitverletzungen zu fordern gewesen. Ein Ödem sei nicht beweisend für
eine frische Läsion; ein Hämatom sei kernspintomografisch von einem Ödem nicht zu
differenzieren. Folglich sei der bildgebende Nachweis einer richtungsgebenden
Verschlimmerung in der Folge des oben genannten Ereignisses nicht geführt (UV-act.
32 S. 2). Während Dr. E._ definierte, es bestehe ein Riss im ventralen und kaudalen
Labrum mit geringer Abhebung und schmalem subperiostalem Ödem/Hämatom am
ventralen Glenoid (UV-act. 13), liess er tatsächlich offen, ob es sich um ein Ödem oder
ein Hämatom handelte. Auch hinsichtlich der von Dr. I._ angesprochenen Zerrung
des glenohumeralen Bandes, weist Dr. H._ nachvollziehbar darauf hin, dass eine
Zerrung in der Befundung des MRI vom 6. November 2020 nicht zweifelsfrei
nachgewiesen worden ist. Der Radiologe habe in seinem Befund eine
"signalinhomogene Insertion des mittleren ventralen glenohumeralen Bandes"
angeführt. In Bezug auf die Interpretation sei er sich aber nicht sicher gewesen, ob
differentialdiagnostisch eine Quetsch-Zerrung/ein Partialriss des ventralen Kapsel-/
Band-apparates darunter subsumiert werden könne (UV-act. 32 S. 2).
Insgesamt zeigt sich Einigkeit zwischen den beiden Orthopäden Dres. H._ und
I._, dass von einem Vorzustand im Sinne einer Schulterluxation vor dem Ereignis vom
31. Oktober 2020 auszugehen ist und auch die SLAP III Läsion diesem Ereignis nicht
zugeordnet werden kann (UV-act. 16 S. 2, 30 S. 3 und 32 S. 3). Hinsichtlich der im
Radiologie-Bericht erwähnten Zerrung des ventralen Kapsel-/Bandapparates ist
festzuhalten, dass es sich nur um eine Differentialdiagnose handelt. Als solche
bezeichnet man eine Diagnose, die alternativ als Erklärung für die erhobenen
medizinischen Befunde oder Symptome (Krankheitszeichen) in Betracht zu ziehen ist
und damit nicht eindeutig feststeht. Wie Dr. H._ schlüssig festhält, wurde eine
Zerrung somit nicht zweifelsfrei nachgewiesen und gilt daher nicht als bewiesen (UV-
act. 32 S. 2). In Folge des Ereignisses vom 31. Oktober 2020 konnten zudem keine
frischen, strukturell traumatischen Läsionen belegt werden (vgl. Dr. H._: UV-act. 32
S. 3). Des Weiteren halten beide Orthopäden fest, dass der Unfallhergang gestützt auf
den (Unfall-)Mechanismus nicht geeignet erscheine bzw. nicht erwarten lasse, derart
strukturelle Schäden - wie eine Zerrung des ventralen Kapsel-Bandapparates -
verursachen zu können (vgl. UV-act. 30 S. 2 und 32 S. 2). Gestützt auf diese
Ausführungen ist folglich mit Dr. H._ mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die beim Beschwerdeführer nach dem
Herunterdrücken der Kopfstütze vom 31. Oktober 2020 festgestellten Befunde nicht
kausal auf dieses Ereignis zurückzuführen sind. Damit erübrigen sich weitere
medizinische Abklärungen, denn es sind weder Anhaltspunkte für begründete Zweifel
an der versicherungsinternen Beurteilung von Dr. H._ ersichtlich noch versprechen
3.2.
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4.
solche Abklärungen grössere Klarheit bezüglich der strittigen Kausalität. Auch von dem
von Dr. I._ zitierten Bericht von Dr. G._ vom 30. April 2021 (vgl. UV-act. 30 S. 2),
der den Akten nicht vorliegt, sind keine weiteren wesentlichen Hinweise zu erwarten,
weshalb auf eine Einsichtnahme verzichtet werden kann.
Das Ereignis datiert vom 31. Oktober 2020. Einzig die Tatsache, dass der
Beschwerdeführer zuvor infolge der Schulterprobleme nie einen Arzt aufsuchte, vermag
keine Unfallkausalität zu begründen. So kann in der blossen zeitlichen Abfolge kein
konkreter Faktor erkannt werden, aufgrund dessen die Annahme einer traumatisch
bedingten Schädigung überzeugend erscheinen würde. Der zeitliche Aspekt allein
reicht jedenfalls nicht aus, um von einer natürlich unfallkausalen organisch strukturellen
Schädigung auszugehen. Andernfalls würde man sich mit dem blossen Anschein eines
Beweises bzw. mit der blossen Möglichkeit begnügen und davon ausgehen, dass eine
gesundheitliche Schädigung schon dann durch einen Unfall verursacht sei, wenn sie
nach diesem auftrat (vgl. dazu die beweisrechtlich untaugliche Formel "post hoc ergo
propter hoc" z.B. in Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 96 zu Art. 4; Alfred
Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 460 N 1205;
SVR 2009 UV Nr. 113 [8C_590/2007], S. 52 E. 7.2.4 mit weiteren Hinweisen).
3.3.
Nachdem festgestellt worden ist, dass der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf
Leistungen der Unfallversicherung aus Art. 6 Abs. 1 UVG in Verbindung mit Art. 4 ATSG
hat, bleibt zu prüfen, ob eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin aufgrund einer
Listenverletzung nach Art. 6 Abs. 2 UVG besteht.
4.1.
Auch wenn der Unfallbegriff nicht erfüllt ist, erbringt die Unfallversicherung nach
Art. 6 Abs. 2 UVG (in der ab 1. Januar 2017 geltenden Fassung) Leistungen beim
Vorliegen folgender, abschliessend aufgelisteter Körperschädigungen (vgl. dazu KOSS
UVG-Nabold, N 42 zu Art. 6), sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder
Erkrankung zurückzuführen sind: a. Knochenbrüche, b. Verrenkungen von Gelenken; c.
Meniskusrisse; d. Muskelrisse, e. Muskelzerrungen; f. Sehnenrisse; g. Bandläsionen; h.
Trommelfellverletzungen. Mit Art. 6 Abs. 2 lit. a bis h UVG wird die gesetzliche
(Kausalitäts-)Vermutung statuiert, dass der Unfallversicherer bei erfüllter
Listendiagnose leistungspflichtig ist. Dieser kann sich aber von seiner Leistungspflicht
befreien, wenn er den Nachweis erbringt, dass die Körperschädigung vorwiegend auf
Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist (BGE 146 V 64 ff. E. 8.2.2; Evalotta
Samuelsson, Neuregelung der unfallähnlichen Körperschädigung, das Beispiel des
Meniskusrisses, in: SZS 2018 S. 358; Markus Hüsler, Erste UVG-Revision: wichtigste
4.2.
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Änderungen und mögliche Probleme bei der Umsetzung, in: SZS 2017 S. 33). Der
Gegenbeweis gilt gemäss der Rechtsprechung als erbracht, wenn die Listendiagnose
zu mehr als 50 % auf Abnützung oder Erkrankung beruht (BGE 146 V 64 E. 8.2.2.1 mit
Hinweisen).
Zur Feststellung bzw. Beurteilung der medizinischen Verhältnisse - dem
Vorhandensein einer Listenverletzung sowie der Tatfrage, ob die Schädigung
vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist - ist die
rechtsanwendende Behörde auf eine sorgfältige Abklärung angewiesen, worin sich die
medizinischen Fachpersonen zum Gesundheitsschaden sowie zu den Wirkanteilen
äussern müssen (vgl. BGE 146 V 69 f. E. 8.6; BSK UVG-Hofer, N 58 f. zu Art. 6;
Samuelsson, a.a.O., S. 343, 357 f.; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 84).
4.3.
In BGE 146 V 51 prüfte das Bundesgericht, ob es als Notbehelf für denselben
Gesundheitsschaden eine subsidiäre Haftung nach Art. 6 Abs. 2 UVG gebe, wenn
Unfallfolgen verneint würden. Im vorliegenden Fall wurde der Beweis nicht erbracht,
dass das Ereignis vom 31. Oktober 2020 - wäre es überhaupt als Unfall im Sinne des
Gesetzes zu betrachten - eine Schulterluxation, eine SLAP III Läsion oder eine Zerrung
des glenohumeralen Bandes verursacht hat (vgl. Erwägung 3), wobei zumindest die
SLAP III Läsion ohnehin keine unfallähnliche Körperschädigung wäre (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 28. Januar 2014, 8C_835/2013, E. 4.3). Damit ist jedoch
gleichzeitig auch erstellt, dass die einzig nachgewiesene Listenverletzung, nämlich die
Schulterluxation (vgl. wiederum Erwägung 3), vorwiegend, d.h. zu mehr als 50%, auf
Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist, zumal es keinen Hinweis auf ein nach
dem Ereignis vom 31. Oktober 2020 eingetretenes initiales Ereignis gibt, wie es auch
für die unfallähnliche Körperschädigung gefordert wird (vgl. dazu Urteil des
Bundesgerichts vom 24. September 2019, 8C_22/2019, E. 8.6 mit Hinweisen), das
Anlass zu Weiterungen geben könnte. Die Vermutung der Leistungspflicht gemäss Art.
6 Abs. 2 UVG in der seit 1. Januar 2017 geltenden Fassung ist demnach umgestossen
und die Beschwerdegegnerin von ihrer Leistungspflicht befreit. Wie im obgenannten
Bundesgerichtsurteil festgestellt (insbesondere E. 9) erübrigt sich bei einem fehlenden
natürlichen Kausalzusammenhang zwischen einem Unfallereignis im Sinne von Art. 4
ATSG und einer Listenverletzung eine Prüfung der Leistungspflicht nach Art. 6 Abs. 2
UVG, jedenfalls solange kein anderes initiales Ereignis als Verletzungsursache in Frage
kommt.
4.4.
Im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 31. Oktober 2020 steht somit nur noch
die von Dr. G._ im Bericht vom 30. April 2021 erwähnte Schultersubluxation links zur
Diskussion. Gemäss Dr. G._ war es im Rahmen des besagten Ereignisses nicht zu
4.5.
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5.
Der Eventualantrag, die Beschwerdegegnerin habe zumindest bis zum Schreiben vom
22. März 2021 Leistungen zu erbringen (act. G 1, III., 13.), dringt nicht durch. Wie in den
obigen Erwägungen ausgeführt, fehlt ein Rechtsgrund für eine Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin, weshalb diese nicht leistungspflichtig ist. Mit dem Schreiben
vom 28. Januar 2021 erteilte die Beschwerdegegnerin lediglich Kostengutsprache für
den Spitalaufenthalt des Beschwerdeführers (Behandlungskosten für die Unfallfolgen
nach UVG in der Privat-Abteilung) mit Eintritt vom 4. Februar 2021. Die entsprechenden
Leistungen hat sie unbestrittenermassen erbracht. Eine weitergehende Anerkennung
zur Übernahme von Heilkosten und Taggeldern ist nicht ergangen. Somit ist auch
dieser Antrag abzuweisen.
6.
Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 9. November 2021
nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen, soweit
darauf einzutreten ist. Gerichtskosten sind mangels gesetzlicher Grundlage im UVG
keine zu erheben (vgl. dazu Art. 61 lit. f ATSG). Ausgangsgemäss hat der
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG).
7.
Da die Gerichtsschreiberin verhindert ist, wird der Entscheid für diese stellvertretend
von einem mitwirkenden Richter unterzeichnet (Art. 39ter Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).