Decision ID: b8a526ef-c6bc-5a53-a434-b428142764b3
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 18. Juni 2020 in der Schweiz um Asyl.
B.
Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck-
Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab, dass er am 16. Dezember 2019
(beziehungsweise 2. Januar 2020, vgl. SEM-Akte 1067583-21/1; nachfol-
gend Akte 21/1]) in Kroatien um Asyl ersucht hatte.
C.
Nachdem der Beschwerdeführer als Angehöriger einer COVID-19-Risiko-
gruppe seine Einwilligung für die Durchführung eines Dublin-Gesprächs
verweigert hatte, verzichtete das SEM darauf. Stattdessen gewährte es
ihm am 26. Juni 2020 schriftlich das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit von
Kroatien für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zum
Nichteintretensentscheid und zu einer Wegweisung nach Kroatien.
D.
Mit Schreiben vom 2. Juli 2020 nahm der Beschwerdeführer dazu Stellung.
Er machte dabei geltend, in Kroatien keinen Zugang zum Asylverfahren zu
haben. Er habe bei seiner Ankunft dort ein Asylgesuch stellen wollen. Dies
sei ihm verwehrt worden und stattdessen sei er inhaftiert und tags darauf
einem Haftrichter vorgeführt worden. Vor dem Haftrichter habe er seinen
Wunsch, um Asyl zu ersuchen, wiederholt, was ihm weiterhin verwehrt wor-
den sei. Er sei insgesamt während 39 Tagen inhaftiert gewesen. Während
dieser Zeit sei er vom Gefängnispersonal als Terrorist beschimpft, bespuckt
und geschlagen worden. Durch Unterstützung seines Anwalts sei er
schliesslich aus der Haft freigelassen worden und habe dann ein Asylge-
such stellen können. Jedoch sei ihm sein Reisepass nie abgenommen wor-
den, was darauf hinweise, dass die kroatischen Behörden nicht gewillt
seien, sein Asylgesuch zu behandeln. Anlässlich eines kurzen Gesprächs
mit den kroatischen Asylbehörden sei ihm nahegelegt worden, weiterzurei-
sen; Anhänger der B._ hätten nämlich in Kroatien keine Chance auf
Asyl.
Ausserdem fühle er sich in Kroatien nicht sicher, weil er dort keinen Schutz
vor den heimatlichen Behörden erfahre. Mitglieder der türkischen Bot-
schaft, welche vermutlich zum türkischen Geheimdienst gehörten, seien
sowohl im Gefängnis als auch in der Asylunterkunft in Zagreb erschienen
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und hätten ihn sowie andere türkische Staatsangehörige gefragt, ob ihnen
Mitglieder der B._ bekannt seien.
Schliesslich stünden seine gesundheitlichen Beschwerden einer Überstel-
lung nach Kroatien entgegen. Er leide unter starkem (...) und einem starken
Angstgefühl. Sein Gesundheitszustand habe sich während seines Aufent-
halts in Kroatien verschlechtert.
E.
Am 3. Juli 2020 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um Rück-
übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Ver-
ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-
mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-
angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags
auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).
Die kroatischen Behörden stimmten dem Rückübernahmeersuchen am
16. Juli 2020 zu.
F.
Mit Verfügung vom 17. August 2020 – am Folgetag eröffnet – trat das SEM
auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte seine Weg-
weisung nach Kroatien und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ab-
lauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte es den Kan-
ton Zürich mit dem Vollzug der Wegweisung und stellte fest, einer allfälligen
Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung
zu.
G.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 25. August 2020
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die ange-
fochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf
das Asylgesuch des Beschwerdeführers einzutreten sowie ein Asylverfah-
ren in der Schweiz durchzuführen. Eventualiter sei die Sache zur vollstän-
digen Feststellung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. In
prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der aufschiebenden Wir-
kung der Beschwerde. Zudem seien die Vorinstanz und die Vollzugsbehör-
den im Rahmen von vorsorglichen Massnahmen unverzüglich anzuweisen,
bis zum Entscheid über das Rechtsmittel von jeglichen Vollzugshandlun-
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gen abzusehen. Schliesslich beantragte er die Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses.
Als Beweismittel reichte er eine Pressemitteilung vom 9. Januar 2018 zur
Zusammenarbeit zwischen der kroatischen und türkischen Regierung so-
wie einen Bericht vom 22. Februar 2018 des Centre for Peace Studies in
Kroatien betreffend die mögliche Auslieferung eines in der Schweiz aner-
kannten Flüchtlings an die Türkei ins Recht.
H.
Am 26. August 2020 setzte die Instruktionsrichterin gestützt auf Art. 56
VwVG den Vollzug der Wegweisung per sofort einstweilen aus.
I.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
26. August 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
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2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh-
rung eines Schriftenwechsels verzichtet.
2.3 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.
3.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu
behandeln sind, da deren Gutheissung gegebenenfalls geeignet ist, eine
Kassation der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE
2013/34 E. 4.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal-
tungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.).
3.2 In der Rechtsmitteleingabe wird eine Verletzung der Begründungs-
pflicht gerügt, indem dem SEM vorgeworfen wird, es habe seinen Ent-
scheid auf eine pauschale Art begründet und sich ungenügend mit dem
vorliegenden Einzelfall auseinandergesetzt. Es habe festgehalten, dass im
kroatischen Asylsystem keine generellen systemischen Schwachstellen
vorlägen und dabei auf getätigte Abklärungen der Schweizerischen Bot-
schaft verwiesen, ohne näher auf diese einzugehen oder deren Inhalt zu
nennen. Insbesondere vor dem Hintergrund der Ausführungen des Be-
schwerdeführers sei aber in Kroatien nicht mit einer korrekten Durchfüh-
rung des Asylverfahrens zu rechnen.
3.3 Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs
wird für das Verwaltungsverfahren in Art. 26–33 VwVG konkretisiert. Dem
verfassungsmässigen Grundsatz des rechtlichen Gehörs erwachsen be-
hördliche Pflichten, wie insbesondere die Begründungspflicht.
Die Begründung soll die ernsthafte Prüfung der Vorbringen widerspiegeln
und es dem Betroffenen ermöglichen, den Entscheid gegebenenfalls sach-
gerecht anzufechten; dies ist nur möglich, wenn sich sowohl er als auch
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die Beschwerdeinstanz über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen
können. Die erforderliche Begründungsdichte richtet sich im Einzelfall nach
dem Verfügungsgegenstand, den Verfahrensumständen und den Interes-
sen des Betroffenen. Je weiter der Entscheidungsspielraum, je komplexer
die Sach- und Rechtslage und je schwerwiegender der Eingriff in die
Rechtsstellung der betroffenen Person, desto höhere Anforderungen sind
an die Begründung zu stellen (vgl. zum Ganzen BVGE 2012/24 E. 3.2.1 f.
m.w.H.; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, N 629 ff.).
3.4 Die Rüge der Verletzung der Begründungspflicht erweist sich vorlie-
gend als unbegründet. Die verfügende Behörde tut ihrer Begründungs-
pflicht dann Genüge, wenn sie im Rahmen der Begründung die wesentli-
chen Überlegungen nennt, welche sie ihrem Entscheid zugrunde legt. Sie
muss sich nicht ausdrücklich mit jeder tatbestandlichen Behauptung und
jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen, sondern darf sich auf die
wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Die Vorinstanz hat im ange-
fochtenen Entscheid alle wesentlichen Vorbringen berücksichtigt und in ei-
ner Gesamtwürdigung nachvollziehbar aufgezeigt, von welchen Überle-
gungen sie sich hat leiten lassen. Dabei hat sie keine entscheidwesentli-
chen Aspekte unbeantwortet gelassen. Dass die Vorinstanz nach Würdi-
gung der Parteivorbringen respektive der aktuellen Situation in Kroatien zu
einem anderen Schluss als der Beschwerdeführer kam, stellt keine Verlet-
zung der Begründungspflicht dar, sondern beschlägt die Frage der materi-
ellen Würdigung und ist an der entsprechenden Stelle durch das Gericht
zu berücksichtigen. Überdies ist festzuhalten, dass sich die Vorinstanz mit
den vorgebrachten Sachverhaltselementen des Beschwerdeführers diffe-
renziert auseinandersetzte und ihm dadurch eine sachgerechte Anfech-
tung ermöglichte (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2 m.w.H.). Damit ist sie den An-
forderungen an die Begründungspflicht gerecht geworden.
Vollständigkeitshalber ist festzuhalten, dass auch die fehlende Durchfüh-
rung eines Dublin-Gesprächs nicht zur Verletzung des rechtlichen Gehörs
führte. Der Beschwerdeführer konnte sich in seiner Stellungnahme vom
2. Juli 2020 rechtsgenüglich zu einer möglichen Überstellung nach Kroa-
tien äussern. Damit wurde seinem rechtlichen Gehör Genüge getan, was
im Übrigen auch nicht von ihm bestritten wird.
Es besteht demnach keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus
formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzu-
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weisen. Insbesondere ist das Eventualbegehren um Rückweisung der Sa-
che an die Vorinstanz zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts ab-
zuweisen und das Gericht hat in der Sache zu entscheiden (Art. 61 Abs. 1
VwVG).
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall
eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind die in
Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufge-
führten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl.
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation im
Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mitglied-
staat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rahmen ei-
nes Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demgegenüber
grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt
(vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).
Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Euro-
dac"-Datenbank ergab, dass dieser am 16. Dezember 2019 beziehungs-
weise am 2. Januar 2020 in Kroatien ein Asylgesuch eingereicht hatte. Das
SEM ersuchte deshalb die kroatischen Behörden am 3. Juli 2020 um Wie-
deraufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b
Dublin-III-VO. Die kroatischen Behörden stimmten dem Gesuch um Über-
nahme am 16. Juli 2020 zu. Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, in Kro-
atien ein Asylgesuch eingereicht zu haben, und auch die grundsätzliche
Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates blieb unbestritten.
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4.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-
ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die
Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-
sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-
lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen
Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin-
gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat
als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als
zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-
staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-
schliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staaten-
losen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er
nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung
zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht).
Dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)
konkretisiert und das SEM kann das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-
mung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln, wenn dafür ge-
mäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Würde eine Über-
stellung zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen, muss ein Selbstein-
tritt erfolgen.
5.
5.1 In der Beschwerde wird im Wesentlichen geltend gemacht, dass der
Beschwerdeführer in Kroatien keinen Zugang zum Asylverfahren habe und
dort keinen Schutz vor den heimatlichen Behörden erfahre. Während sei-
ner Haft sowie in der Asylunterkunft in Zagreb seien Mitglieder der türki-
schen Botschaft erschienen und hätten ihn sowie andere Türken gefragt,
ob ihnen [Anhänger der B._] in Kroatien bekannt seien. Er selbst
werde aufgrund seiner früheren Arbeitstätigkeit als Anhänger der
B._ betrachtet. Aufgrund seines Profils und der Zusammenarbeit
zwischen den türkischen und den kroatischen Behörden fühle er sich in
Kroatien nicht sicher.
5.1.1 Mit seinen Vorbringen fordert der Beschwerdeführer implizit die An-
wendung von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive Art. 29a Abs. 3
AsylV 1. Es ist daher nachfolgend im Licht von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO
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zu prüfen, ob wesentliche Gründe für die Annahme bestehen, das Asylver-
fahren und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Kroatien wür-
den systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer un-
menschlichen oder entwürdigenden Behandlung des Beschwerdeführers
im Sinn des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich bringen würden
und ob nach Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO das Selbsteintrittsrecht
auszuüben ist.
5.1.2 In Bezug auf den Dublin-Staat Kroatien ist festzuhalten, dass sich die
Berichterstattung nationaler und internationaler Organisationen häuft, wo-
nach die kroatischen Behörden Asylsuchenden den Zugang zu einer Asyl-
antragstellung verweigern und diese in grosser Zahl insbesondere zurück
an die Grenze nach Bosnien-Herzegowina schaffen und sie zur Ausreise
zwingen. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in seinem Urteil
E-3078/2019 vom 12. Juli 2019 eingehender zum Verhalten der kroati-
schen Behörden gegenüber Asylsuchenden geäussert. Hierbei wurde die
Frage, ob das kroatische Asylsystem systemische Schwachstellen auf-
weise, offengelassen, die Vorinstanz indes angehalten, auf der Grundlage
der heute vorliegenden Erkenntnisse jeweils eine entsprechende Einzel-
fallprüfung vorzunehmen (zum Ganzen vgl. Urteil des BVGer E-3078/2019
vom 12. Juli 2019 E. 5.5–5.8 m.w.H., publiziert als Referenzurteil).
Im Gegensatz zum Sachverhalt im Referenzurteil E-3078/2019 handelt es
sich vorliegend nicht um ein Aufnahmeverfahren, sondern um ein Wieder-
aufnahmeverfahren gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Das Refe-
renzurteil thematisiert sodann die Situation von Personen, welche auf der
illegalen Durchreise durch Kroatien aufgegriffen und zurück an die Grenze
zu Bosnien-Herzegowina verbracht wurden. Von diesen Push-Backs be-
troffen sein können ausserdem Asylsuchende, denen der Zugang zu einer
Asylgesuchstellung oder zu einem fairen Verfahren verweigert wurde (vgl.
hierzu: Urteil BVGer E-829/2020 vom 23. Januar 2020, E. 5.1.2 m.w.H.).
Die Vorinstanz hatte es in diesem Fall versäumt, sich mit den Vorbringen
des Beschwerdeführers einzelfallgerecht auseinanderzusetzen. Im vorlie-
genden Fall gehört der Beschwerdeführer keiner dieser Kategorien an.
Zwar hat er im vorinstanzlichen Verfahren angegeben, er sei bei seiner
Einreise in den Schengenraum an der kroatischen Grenze festgenommen
und danach während 39 Tagen inhaftiert worden, obwohl er mehrmals den
Wunsch geäussert habe, ein Asylgesuch einzureichen (vgl. SEM-Akte
1067583-16/4; nachfolgend Akte 16/4 und Rechtsmitteleingabe S. 3). Al-
lerdings wurde er schliesslich mithilfe seines Anwalts aus der Haft entlas-
sen und war in der Lage, in Kroatien einen Asylantrag zu stellen, was auch
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von den kroatischen Behörden bestätigt worden ist (vgl. Akte A21/1) und
im Übrigen vom Beschwerdeführer nicht bestritten wird (vgl. Rechtsmitte-
leingabe S. 3). Vor diesem Hintergrund ist somit nicht davon auszugehen,
dass ihm der Zugang zum Asylverfahren verweigert worden wäre. Aus den
Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer am 16. Dezember 2019 be-
ziehungsweise am 2. Januar 2020 in Kroatien um Asyl ersucht hat und sich
danach im Aufnahmezentrum in Zagreb aufhielt (vgl. Akte 21/1 und Rechts-
mitteleingabe S. 3). Am 18. Juni 2020 reichte er in der Schweiz ein Asylge-
such ein, ohne den Ausgang seines Verfahrens in Kroatien abzuwarten.
Damit hat er sich selbst einem Asylverfahren in Kroatien entzogen. Ange-
sichts dieses Verhaltens kann keine Rede davon sein, dass dem Be-
schwerdeführer in Kroatien der Zugang zum Asylverfahren verwehrt wor-
den sei. Der Umstand, dass die kroatischen Asylbehörden dem Beschwer-
deführer seinen Pass nicht abgenommen haben und ihn auf die schlechten
Chancen von [Anhänger der B._] im Asylverfahren hingewiesen ha-
ben sollen, lässt ebenfalls nicht den Schluss zu, dass er keinen Zugang
zum Asylverfahren gehabt hätte.
Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR
0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR
0.142.301). An der obengenannten Parteibehauptung betreffend die Zu-
sammenarbeit der kroatischen Behörden mit dem türkischen Geheimdienst
hat das Bundesverwaltungsgericht daher erhebliche Zweifel. Dieser Vor-
wurf ist weder belegt noch wird er durch die Länderberichte über Kroatien
gestützt. Die in der Beschwerdeschrift erwähnte Mitteilung über eine ver-
stärkte Zusammenarbeit zwischen der türkischen und kroatischen Regie-
rung in verschiedenen Bereichen führt ebenfalls nicht zur Vermutung, Kro-
atien würde gegen das völkerrechtliche Prinzip des Non-Refoulement
verstossen. Der Hinweis auf den Einzelfall des kurdischen Aktivisten
Nurettin Oral vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Den Akten
sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Kroatien
werde im Fall des Beschwerdeführers den Grundsatz des Non-Refoule-
ment missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein
Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1
AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein
solches Land gezwungen zu werden. Kroatien ist ein Rechtstaat mit einem
funktionierenden Polizei- und Justizsystem. Hinweise darauf, dass die zu-
ständigen kroatischen Organe dem Beschwerdeführer den erforderlichen
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Seite 11
Schutz oder eine Anzeigeerstattung verweigern würden, liegen nicht vor.
Der Umstand, dass der Beschwerdeführer bereits in der Vergangenheit ei-
nen Anwalt in seinem Verfahren beigezogen hat und dieser ihn bei der
Wahrung seiner Rechte (Haftentlassung und Asylgesuchstellung) erfolg-
reich unterstützt hat, zeigt, dass er sehr wohl in der Lage ist, seine Rechte
einzufordern. Es steht ihm die Möglichkeit offen, sich in Kroatien erneut an
seinen Anwalt zu wenden.
Schliesslich kann offenbleiben, ob sein Vorbringen, in der Haft geschlagen,
bespuckt und als Terrorist bezeichnet worden zu sein, glaubhaft ist. Aus
diesem Einzelfall könnte jedenfalls nicht geschlossen werden, dass Kroa-
tien systematisch gegen die Richtlinie des Europäischen Parlaments und
des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für
die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (Verfah-
rensrichtlinie) verstossen und ihm dauerhaft die ihm gemäss Richtlinie des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/33/EU vom 26. Juni 2013
zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internati-
onalen Schutz beantragen (Aufnahmerichtlinie), zustehenden minimalen
Lebensbedingungen vorenthalten würde. Bei einer allfälligen vorüberge-
henden Einschränkung könnte er sich im Übrigen an die dafür zuständigen
Behörden wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf
dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 der Aufnahmerichtlinie). Zudem
steht ihm die Möglichkeit offen, die vor Ort tätigen karitativen Organisatio-
nen zu kontaktieren.
5.1.3 Die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist nach dem Gesag-
ten nicht gerechtfertigt.
5.2 Der Beschwerdeführer beruft sich in der Beschwerdeschrift zudem da-
rauf, sein Gesundheitszustand stehe einer Überstellung entgegen. Ge-
mäss medizinischem Bericht vom 12. August 2020 bestehe bei ihm ein
Verdacht auf eine mittel- bis schwergradig depressive Episode. Die Diffe-
rentialdiagnose (DD) sei eine rezidivierende depressive Störung mit ge-
genwärtig schwerer Episode ohne psychotische Symptome. Zudem leide
er unter einer Anpassungsstörung sowie (...). Er berichte von Suizidgedan-
ken, zeige sich aber distanziert von einer handlungsrelevanten Suizidalität
(vgl. SEM-Akte 1067583-27/2 S. 2).
5.2.1 Mit dem Verweis auf seine gesundheitlichen Beschwerden macht der
Beschwerdeführer implizit geltend, die Überstellung nach Kroatien setze
ihn einer Gefahr für seine Gesundheit aus und verletze damit Art. 3 EMRK.
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Seite 12
5.2.2 Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen
Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3
EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene
Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium
und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem siche-
ren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwar-
ten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis
des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine wei-
tere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch
die Abschiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im
Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, ra-
schen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszu-
stands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheb-
lichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des
EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer
41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
5.2.3 Eine solche Situation ist vorliegend nicht gegeben. Aus den Akten ist
nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer nicht reisefähig wäre oder
eine Überstellung seine Gesundheit ernsthaft gefährden würde. Gemäss
medizinischem Bericht vom 4. August 2020 machten sich die psychischen
Symptome des Beschwerdeführers bereits in seinem Heimatland bemerk-
bar (vgl. SEM-Akte 1067583-26/2 S. 1). Insofern erscheint es nicht plausi-
bel, dass der Aufenthalt in Kroatien die Hauptursache für seine Leiden sein
soll. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellern die erforderli-
che medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die
unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psy-
chischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Auf-
nahmerichtlinie); den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist die
erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls
einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2
Aufnahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise vor, wonach Kroatien dem
Beschwerdeführer eine adäquate medizinische Behandlung verweigern
würde. Darüber hinaus hat das Bundesverwaltungsgericht im Urteil
E-6105/2019 vom 12. Dezember 2019 festgehalten, dass davon auszuge-
hen ist, dass Kroatien seinen Verpflichtungen im Rahmen der Dublin-III-VO
in medizinischer Hinsicht nachkommt (vgl. a.a.O. E. 6.2.2 m.w.H.; bestätigt
im Urteil des BVGer E-829/2020 vom 11. März 2020 E. 5.3.2). Der Zugang
zu einer angemessenen psychiatrischen Behandlung in Kroatien kann
zwar unter Umständen erschwert sein, da kein Überwachungsmechanis-
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Seite 13
mus besteht, um schutzbedürftige Asylsuchende mit besonderen Bedürf-
nissen und die zu ihren Gunsten zu treffenden Maßnahmen zu ermitteln
(vgl. Asylum Information Database [AIDA], Länderbericht: Kroatien, 2019,
Aktualisierung April 2020, S. 80). Im vorliegenden Fall ist aber darauf hin-
zuweisen, dass die Diagnosen bereits in der Schweiz gestellt und die er-
forderlichen Behandlungen definiert wurden, so dass die obengenannten
Schwierigkeiten in Bezug auf den Beschwerdeführer relativiert werden
müssen. Sodann hat die Vorinstanz bereits dargelegt, dass er sich bei all-
fälligen Schwierigkeiten beim Zugang zur medizinischen Versorgung an die
in Kroatien vorhandenen karitativen Organisationen wenden könne.
Was die seitens des Beschwerdeführers geäusserten Suizidgedanken an-
belangt, ist darauf hinzuweisen, dass gemäss bundesgerichtlicher Recht-
sprechung Suizidalität kein Vollzugshindernis darstellt (vgl. Urteil des BGer
2C_856/2015 vom 10. Oktober 2015 E. 3.2.1). Dies entspricht auch der
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts (siehe Urteil des BVGer
F-5933/2019 vom 23. Januar 2020 E. 7.6 m.w.H.).
Für das weitere Dublin-Verfahren ist einzig die Reisefähigkeit ausschlag-
gebend, welche erst kurz vor der Überstellung definitiv beurteilt wird. Eine
allenfalls fehlende Reisefähigkeit stellt lediglich ein temporäres Vollzugs-
hindernis dar. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass das SEM – wie es in der
angefochtenen Verfügung festhielt – dem aktuellen Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers bei der Organisation der Überstellung nach Kroa-
tien Rechnung trägt, indem es die kroatischen Behörden im Sinne von Art.
31 und Art. 32 Dublin-III-VO vorgängig über den Gesundheitszustand und
die notwendige medizinische Behandlung informieren wird. Die kroati-
schen Behörden werden damit in der Lage sein, die notwendigen Vorkeh-
rungen zu treffen.
5.3 Die geltend gemachten gesundheitlichen Probleme stehen somit einer
Überstellung des Beschwerdeführers nach Kroatien nicht entgegen. Be-
züglich der Reisefähigkeit sowie der Durchführung der Überstellung kann
im Übrigen auf die zutreffenden Ausführungen gemäss der angefochtenen
Verfügung verwiesen werden (dort S. 8). Es besteht kein konkretes und
ernsthaftes Risiko, dass die Überstellung des Beschwerdeführers nach
Kroatien gegen Art. 3 EMRK oder andere völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz oder Landesrecht verstossen würde.
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5.4
5.4.1 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei
der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über
einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Seit der Kognitions-
beschränkung durch die Asylgesetzrevision vom 1. Februar 2014 (Strei-
chung der Angemessenheitskontrolle des Bundesverwaltungsgerichts ge-
mäss aArt. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG) überprüft das Gericht den
vorinstanzlichen Verzicht der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht
mehr auf Angemessenheit hin; das Gericht beschränkt seine Beurteilung
nunmehr im Wesentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbe-
züglich korrekt und vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen
Rechnung getragen und seinen Ermessensspielraum genutzt hat (vgl.
Art. 106 Abs. 1 Bst. a und b AsylG).
Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung aus, in Würdigung der
Aktenlage und der geltend gemachten Umstände würden keine Gründe
vorliegen, die die Anwendung der Souveränitätsklausel der Schweiz recht-
fertigten (vgl. SEM-Akte 1067583-30/20; nachfolgend Akte A30/20 S. 9).
Es hat diesen Umständen in der angefochtenen Verfügung Rechnung ge-
tragen und sich insbesondere auch mit der gesundheitlichen Situation des
Beschwerdeführers hinreichend auseinandergesetzt (vgl. Akte A30/20
S. 5–8).
Die Vorinstanz hat nach dem Gesagten innerhalb ihres Ermessensspiel-
raums gehandelt, welcher im Ergebnis vom Bundesverwaltungsgericht
nicht mehr überprüft werden kann, weshalb es sich weiterer Ausführungen
zur Frage eines Selbsteintritts enthält.
5.5 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er-
messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. An dieser Stelle bleibt festzu-
halten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt,
den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE
2010/45 E. 8.3), weshalb der Beschwerdeführer aus seinem Wunsch nach
einem Verbleib in der Schweiz nichts zu seinen Gunsten abzuleiten ver-
mag.
5.6 Somit bleibt Kroatien der für die Behandlung des Asylgesuchs des
Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO. Kroa-
tien ist verpflichtet, das Asylverfahren gemäss Art. 23, 25 und 29 wieder-
aufzunehmen.
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6.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da
der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Nie-
derlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Kroatien in An-
wendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a
AsylV 1).
7.
Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2
m.w.H.).
8.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen.
9.
Der am 26. August 2020 verfügte Vollzugsstopp fällt mit dem vorliegenden
Urteil dahin.
10.
Mit dem vorliegenden Urteil in der Hauptsache sind die Gesuche um Ge-
währung der aufschiebenden Wirkung und um Befreiung von der Kosten-
vorschusspflicht gegenstandslos geworden.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da aber von der
Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist und sich zudem die
Beschwerde zum Zeitpunkt der Einreichung nicht als aussichtslos präsen-
tierte, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen und auf die Erhebung von Ver-
fahrenskosten zu verzichten.
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