Decision ID: 60c51078-1475-4350-a9ea-e3208c85aa36
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1967 geborene
X._
erlitt am 29. November 1996 einen Ve
rkehrsunfall, bei welchem er sich
multiple
Kontusionen und eine Distorsion
der Halswirbelsäule
zuzog (Urk. 6/15-16).
Der Versicherte ist gelernter Auto
-
lackierer. Zuletzt, das heisst ab 1994 bis zum Unfall arbeitete er als Laborant bei der
Y._
. Die Arbeitgeberin kündigte das Arbeitsverhältnis per Ende März 1997 (Urk. 6/4,
Urk.
6/48/4). Im November und Dezember 1997 arbeitete der Versicherte als Chauffeur und Lagerist für die
Z._
(Urk. 6/70). 1998 bis und mit März 1999 bezog der Versicherte sodann
Arbeitslosenentschä
digung
(Urk. 6/128).
Am
7
.
Februa
r
1999
meldete er sich bei der
Eidgenössi
schen Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug an
(Urk. 6/
48).
Mit Verfügun
gen vom
2.
März 2001 sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, dem Versicherten für die Zeit vom 1. Februar 1998 bis Ende März 1999 eine ganze (Urk. 6/124), für die Zeit vom 1. April bis Ende Dezember 1999 eine halbe (Urk. 6/123) und mit Wirkung ab dem 1. Januar 2000 wiede
rum eine ganze (Urk. 6/122) Rente der Invalidenversicherung zu (vgl. auch Urk. 6/117).
Am 19. Januar 2004
sowie am 3. August 2007
teilte sie ihm mit,
bei der Überprüfung des Invaliditätsgrades sei keine rentenbeeinflussende Änderung festgestellt worden, weshalb er weiterhin Anspruch auf die bisher ausgerichtete ganze
Invalidenrente
habe
(Urk. 6/133
, Urk. 6/141
).
1.2
Im Jahr 2013 leitete die IV-Stelle erneut ein Revisionsverfahren ein. Der Versicherte füllte am 3. September 2013 den Fragebogen betreffend Revision der Invalidenrente aus (Urk. 6/147). Die IV-Stelle liess einen Auszug aus dem individuellen Konto des Versicherten erstellen (IK-Auszug, Urk. 6/149) und nahm
Berichte des behandelnden
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Neurolo
gie, zu den Akten (Urk. 6/150).
Am 2
8
.
März
201
4
teilte die IV-Stelle dem Ver
sicherten mit, dass
sie die Kosten für eine polydisziplinäre medizinische Abklä
rung in den Fachbereichen Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie, Neuro
logie, Psychiatrie und eventuell Neuropsychologie übernehme, da zur Klärung der Leistungsansprüche eine umfassende medizinische Untersuchung notwendig sei. Ohne schriftlich begründeten Gegenbericht bis am 10. April 2014 werde eine Gutachterstelle mit der Untersu
chung beauftragt, wobei die Wahl der
Gut
achterstelle
nach dem Zufallsprinzip erfolgen werde. Die IV-Stelle legte dem Schreiben ihre Fragen an die medizini
sche Fachstelle samt Merkblatt zur
poly
disziplinären
Begutachtung bei und räumte dem
Versicherten
zur Einreichung von Ergänzungsfragen
eine Frist
bis
zu
m 10. April 2014
ein (Urk.
6/155-156
).
D
er
Versi
cherte
erhob vorsorglich Einwendungen und ersuchte
um
Frister
-
streckung (Urk. 6/
158, Urk. 6/160
), worauf
hin
die angesetzte Frist bis zum
20. Mai
2014 erstreckt wurde (Urk. 6/
163
).
In
sein
em Schreiben vom 19. Mai 2014 stellte sich der Versicherte zusammengefasst auf den Standpunkt,
die
Renten
zusp
r
echung
sei namentlich wegen eines chronischen
cervicocephalen
Schmerzsyndroms mit Nacken- und Kopfschmerzen sowie damit zusammen
hängender neuropsychologischer Defizite zugesprochen worden. Für eine psychiatrische Begutachtung bestehe demnach kein Anlass. Dass keine Verbes
serung eingetreten sei, ergebe sich aus den Berichten von
Dr.
A._
und eine Rentenaufhebung gestützt
auf
lit
. a
Abs.
1 der Schlussbestimmungen zur Änderung des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
vom 18.
März 2011
sei wegen des mehr als 15 Jahre andauernden Rentenbezugs ohnehin nicht zulässig (Urk. 6/165).
Am
14
.
Janua
r 201
5
wurde der Auftrag nach dem Zufallsprinzip dem
B._
zugeteilt (Urk. 6/171). Mit Schreiben vom 21. Januar 2015 teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter des Versicherten die Abklärungsstelle und die Namen der Gutachter der einzelnen Fachdisziplinen mit und wies darauf hin, dass triftige Einwendungen gegen Gutachter bis am 4. Februar 2015 schriftlich einzureichen seien (Urk. 6/173). Am 23. Januar 2015 sandte das
B._
dem Versicherten das schriftli
che Aufgebot für die Untersuchungen zu (Urk. 6/174).
Am 26. Januar 2015 wies der Versicherte erneut darauf hin, dass er mit der Begutachtung nicht einverstanden sei, da es sich um das unzulässige Einholen einer
„
second
opinion
“
handle (Urk. 6/175).
Mit Zwischenverfügung vom 1
3
.
Febr
uar 201
5
hielt die IV-Stelle an der Notwendigkeit einer umfassen
den medizinischen Untersuchung fest (Urk. 6/
177 = Urk. 2
).
2.
Gegen diese Zwischenverfügung erhob der Versicherte
am 19. März 2015 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei von einer Begutachtung abzusehen und festzustellen, dass die von der IV-Stelle im Rahmen des Revisionsverfahrens bereits durchgeführten Abklärungen rechtsgenügend seien, um einen Rentenentscheid zu fällen
(Urk. 1
S. 2
). Die
Be
schwerdegegnerin
schloss in der
Beschwerdeantwort
vom
11
.
Mai
2015 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anfechtungsgegenstand in diesem Verfahren ist die Verfügung vom 13. Februar 2015 (Urk. 2), mit welcher die Beschwerdegegnerin an der polydisziplinären Be
gutachtung des Beschwerde
führers durch die Begutachtu
ngsstelle
B._
und an den vorge
s
ehe
nen Fachdisziplinen festhielt. Hierbei handelt es sich um eine
Zwischen
verfügung
im Sinne von Art. 55 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
), welche bei Bejahung des nicht wieder gutzumachenden Nachteils (Art. 46 Abs. 1
lit
. a
VwVG
; BGE 132 V 93 E. 6.1) grundsätzlich selbständig mit Beschwerde angefochten werden kann.
1.2
Die Anfechtbarkeitsvoraussetzung des nicht wieder gutzumachenden Nachteils ist beim
aktuellen
Verfahrensstand der Gutachtensanordnung mit Bezeich
nung des Gutachtensinstituts und der Gutachtenspersonen ohne Weiteres zu bejahen (vgl. dazu insbesondere BGE 138 V 271 E. 1.2.1 bis 1.2.3; Beschluss des Sozial
versicherungsgerichts des Kantons Zürich IV.2012.01042 vom 22. April 2013
,
E. 2.1-2.3
,
und Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich IV.2013.00867 vom 31. Dezember 2013
,
E. 1.2).
1.3
Im Lichte der mit dem Urteil
des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich
IV.2014.00665 vom 23. März 2015 präzisierten Rechtsprechung zum Verfahren der Anordnung eines polydisziplinären Gut
achtens (E. 1.3 bis 1.8 des zitierten Urteils) ist festzustellen, dass die IV-Stelle das Verfahren vollständig und korrekt durchgeführt hat:
Sie teilte dem Beschwerdeführer mit, dass eine polydisziplinäre Begutachtung an
ge
ordnet werde, erwähnte die beteiligten Fachdisziplinen, stellte ihm den
Fragen
katalog
zu und räumte ihm die Möglichkeit ein, Zusatzfragen zu stellen (Urk. 6/
155-156
). In der Folge wurde das Verfahren der Auftragsvergabe via
Suisse
MED@P
durchgeführt (vgl. Urk. 6/
171
).
Im weiteren Verlauf
teilte
die IV-Stelle
dem Beschwerdeführer die nach dem Zufallsprinzip ausgewählte
Gutach
terstelle
mit den Fachdisziplinen und den vorgesehenen
Gutachter
personen
mit (Urk. 6/
173
). Gleichzeitig wurde er darauf hingewiesen, dass die Gutachterstelle den Ort und den Termin der Untersuchungen mitteilen werde, und es wurde ihm eine Frist angesetzt, um allfällige Einwendungen gegen die Gutachterpersonen zu erheben.
Entsprechend ist die angefochtene Verfügung materiell zu prüfen und abzu
klären, ob mit der angefochtenen Verfügung sämtliche noch offenen Punkte geregelt beziehungsweise sämtliche Einwendungen, denen nicht vollumfänglich stattgegeben wurde, behandelt wurden (Urteil IV.2014.00665 E 1.8).
2.
Der Beschwerdeführer
bestritt
bereits am
2.
April 2014
(Urk. 6/158), am 19. Mai 2014 (Urk. 6/165) und am 26. Januar 2015 (Urk. 6/175)
die Notwen
digkeit einer Begutachtung
(im Allgemeinen und speziell einer psychiatrischen)
und führte an, eine solche sei unzulässig
.
In seiner Beschwerde brachte er vor, angesichts dessen, dass Fragen bezüglich
eines
veränderten Gesundheitszustands im Rahmen von Revisionsverfahren in der Regel durch
Beizug
eines Berichts des behandelnden Arztes erledigt werden können, scheine das Einholen eines Gut
achtens fragwürdig. Es bestehe der Verdacht, dass die IV-Stelle aufgrund der massiv verschärften Gutachtenspraxis bei
Schleudertraumafällen
die Rente
auf
zuheben beabsichtigte. Liege keine Veränderung des Gesundheitszustands vor, müsse der Gesundheitszustand als solcher auch nicht abgeklärt werden (Urk. 1 S. 3). Weit
er führte er aus, er müsse sich
einer mediz
i
nischen Untersuchung
nur
unterziehen, wenn diese notwendig sei, das heisse wenn in
sachverhaltlicher
Hinsicht ein Wissensdefizit bestehe
. Hingegen dürfe nicht mittels einer erneuten Exploration eine
„
second
opinion
“
eingeholt werden. Eine Revision im Sinne von
Art.
17 ATSG setze eine erhebliche Veränderung des Gesundheitszustands voraus. Eine andere Beurteilung eines unverändert gebliebenes Sachverhalts reiche nicht aus (Urk. 1 S. 4 f.).
Die Rentenzuspr
echung
sei im Wesentlichen gestützt auf das von
Dr.
A._
diagnostizierte chronische
cervicocephale
Schmerzsyndrom bei Status nach Autounfall mit HWS-Trauma und
commotio
cerebri sowie wegen neuropsychologischer Funktionseinschränkungen erfolgt. Eine psychische Erkrankung sei
- abgesehen von einer posttraumatischen Anpassungsstörung
und einer bereits damals nicht mehr aktuellen Störung
-
nie diagnostiziert worden (Urk. 1 S. 6
f.
).
Aus den Berichten von
Dr.
A._
gehe hervor, dass sich der Gesundheitszustand nicht verbessert habe und die Arbeits
unfähigkeit weiterhin 100
%
betrage, weshalb kein Wissensdefizit bestehe. Im Übrigen leide er an einem
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebild ohne nachweisbare organische Grundlage, weshalb von einer somatischen Abklärung keine neuen Erkenntnisse zu erwarten seien (Urk. 1 S. 8). Eine Rentenaufhebung aufgrund der veränderten Rechtsprechung bezie
hungsweise gestützt auf
lit
. a
Abs.
1 der Schlussbestimmungen zur Änderung des
IVG vom 18. März 2011
sei unzulässig, da er bereits seit mehr als 15 Jahren eine Rente beziehe (Urk. 1 S. 9).
3
.
3
.1
Bei der Zusprechung der Rente wurden g
emäss
dem
Feststellungsblatt
vom 20. Oktober 2000
, Abschnitt „Medizinischer Sachverhalt“,
der
Bericht des
C._
(
C._
)
, Rheumapoliklinik, vom
5.
Mai 1999, die
Berichte von
Dr.
A._
vom 23.
April und vom
6.
Dezember 1999, der Bericht von
Dr.
med. M
arkus
Fritzsche, Facharzt für Allgemeinmedizin, vom
1.
Juni 1999,
die Berichte
des
C._
, Neurologisc
he Klinik, vom 2
0.
Juni und 16.
November 1999 sowie der Bericht von
Dr.
A._
vom 2
7.
September 2000 berücksich
tigt
. Zur abschliessenden Beurteilung wurde die Stellungnahme des
Medizi
-
nischen Dienstes vom 1
8.
Oktober 2000
eingeholt
(Urk. 6/115).
Der Stellungnahme von
Dr.
F.
F._
, Medizinischer Dienst,
vom 1
8.
Oktober 2000 ist zu entnehmen, gestützt auf das Gutachten
des Neuropsychologischen Instituts (NPI)
sei von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Dazu kämen die seit der Kindheit bekannte psychische Störung
(psychische Verhal
tensstörungen bei disharmonischer Entwicklung und Schulschwierigkeiten mit anschliessender Sonderschulung; vgl. Urk. 6/2/2)
sowie das rein somatische Element und die von
Dr.
A._
genannten Einschränkungen. Die Rheuma
-
klinik des
C._
, welche eine 50%ige Arbeitsfähig
keit attestiert habe, wisse wahrscheinlich nichts von den früheren IV-Problemen. Insgesamt werde der Beschwerdeführer wegen seiner Le
iden, vor allem wegen der neuro
psychologischen und psychiatrischen, von der Arbeits
welt nicht mehr akzeptiert. Die Arbeitsunfähigkeit liege daher in jedem Beruf über 70
%
(Urk. 6/114).
3.2
Dr.
A._
nannte in seinem Bericht vom 2
3.
Apri
l 1999 die Diagnosen eines
cervicocephalen
Schmerzsyndroms bei Status nach Überdehnungstrauma der Halswirbelsäule mit Kopfanprall und Commotio cerebri am 2
6.
November 1996 sowie leichte posttraumatische neuropsychologische Funktionsstörungen
. Er führte aus, der Beschwerdeführer leide an Nacken- und Kopfschmerzen, welche praktisch täglich aufträten und mindestens einmal pro Woche heftig
exazer
bierten
. Des Weiteren beklage er Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Die Kopfbeweglichkeit sei in allen Richtungen massiv eingeschränkt (Urk. 6/6
3
).
In seinem Bericht v
om 2
7.
September 2000 hielt Dr.
A._
fest, alle Arbeiten mit Belastungen im Schulter-Arm-Bereich führten zu einer Zunahme von Kopf- und Nackenschmerzen. Eine berufliche Umstellung sei wegen der gegenwärtigen Beschwerden nicht realisierbar. In Frage kämen Überwachungsfunktionen oder leichte körperliche Arbeiten. Dies während höchstens 30
%
beziehungsweise einer bis zwei Stunden pro Tag
(Urk. 6/112
/3
)
.
3.3
L
ic
.
phil.
A.
O._
, NPI, untersuchte den Beschwerdeführer am
2.
Dezember 1998 sowie am
8.
Januar 1999 und kam zum Schluss, es liege eine Schwäche in Teilbereichen der Sprache, vor allem im Schreiben vor, wobei es sich um eine vorbestehende Schwäche handle. Darüber hinaus hätten sich Defizite bezüglich Konzentrationsfähigkeit und Daueraufmerksamkeit gezeigt, am deutlichsten im auditiven Bereich (Urk. 6/42/3). Gesamthaft bestehe eine neuropsychologische Funktionsstörung einerseits im Sinne einer vorbestehenden sprachlichen Schwäche (Legasthenie), andererseits im Sinne einer leichten posttraumatischen Störung. Beruflich sei es wichtig, eine den körperlichen Beschwerden ange
passte Tätigkeit zu finden und dabei auch die festgestellten kognitiven Fähig
keiten und Schwierigkeiten zu berücksichtigen. Es sei wichtig, dass der Beschwerdeführer an bereits vorhandene Fähigkeiten anknüpfen könne (Urk. 6/42/4).
3.4
Dem Bericht der
Rheuma
poli
klinik
des
C._
vom
5.
Mai 1999
ist zu entnehmen, der Beschwerdeführer bedürfe einer regelmässigen Psychotherapie sowie einer aktiven Medizinischen Trainingstherapie (MTT). Bis zum
3.
Januar 1999 hätten sie ihn zu 100
%
arbeitsunfähig geschrieben, ab dem
4.
Januar 1999 noch zu 50
%
. Daraufhin sei eine rasche Steigerung der Arbeitsfähigkeit empfohlen worden. Seit dem Spitalaufenthalt mit Austritt am 2
7.
November 1998 habe man den Beschwerdeführer nicht mehr gesehen, weshalb keine sicheren Angaben zur Arbeitsfähigkeit möglich seien
. Als Diagnosen führten die Ärzte nebst dem chronischen
cervicospondylogenen
Syndrom namentlich eine posttraumatische Anpassungsstörung auf
(Urk. 6/55).
Im Bericht vom 1
0.
Dezember 1998 hatten sie zudem eine depressive Reaktion auf die lange Arbeitsunfähigkeit und die daraus resultierenden erheblichen finanziellen Probleme beschrieben, weswegen der Beschwerdeführer mit dem Antidepre
ssivum
Saroten
behandelt w
orden sei
(Urk. 6/40/1). Das psychiatrische Konsilium vom 2
5.
November 1998 habe eine längere depressive Reaktion und schwierige psychosoziale Verhältnisse ergeben. Empfohlen
wurden
die Fort
führung der eingeführten antidepressiven Therapie sowie der regelmässige Besuch einer ambulanten Psychotherapie (Urk. 6/40/4).
4.
Die Revision in den Jahren 2004 und 2007 schloss die Beschwerdegegnerin gestützt auf je einen vom Beschwerdeführer ausgefüllten Fragebogen betreffend Revision der Invalidenrente (Urk. 6/130, Urk. 6/137) sowie je einen bei Dr.
A._
eingeholten Bericht (Berichte vom 21. Dezember 2003 und 11. Juni 2007; Urk. 6/131 und Urk. 6/138) mit den Mitteilungen vom 19. Januar 2004
und 3. August 2007 ab (Urk. 6/133, Urk. 6/141). Während der Beschwerdeführer subjektiv über eine Beschwerdezunahme klagte (Urk. 6/130/1, Urk. 6/137/1), hatte Dr.
A._
in seinen Berichten bei unveränderter Diagnose einen statio
nären Zustand beschrieben. Im Bericht vom 11. Juni 2007 wies auch er zusätz
lich darauf hin, in den letzten Monaten hätten die Nacken- und die Kopf
schmerzen zugenommen (Urk. 6/138).
5.
5
.1
Im Rahmen des aktuellen Revisionsverfahrens
wurden der vom Beschwerdefüh
rer am
3.
September 2013 ausgefüllte Fragebogen betreffend Revision der Inva
lidenrente (Urk. 6/147), ein IK-Auszug (Urk. 6/149) sowie zwei Berichte des behandelnden Neurologen
Dr.
A._
(Urk. 6/150) zu den Akten genommen.
5
.2
Der Beschwerdeführer gab im Revisionsfragebogen an, seine ständigen Schmer
zen a
n
Genick, Kopf und Rücken sprächen gegen eine Arbeitsaufnahme. Als behandelnde Ärzte gab er
Dr.
A._
sowie
Dr.
med. D._
an. Er führte aus, sein Gesundheitszustand habe sich weder seit der ursprünglichen Rentenzusprechung noch seit der letztmaligen Überprüfung verbessert (Urk. 6/147/2-3).
5
.3
Dr.
A._
nannte in seinem zuhanden der Schweizerischen
Unfallver
-
sicherungs
anstalt
(Suva) verfassten Bericht vom 1
3.
April 2012 die Diagnose eines chronischen, posttraumatischen, therapieresistenten,
cervicoce
phalen
Schmerzsyndroms und leichter neuropsychologischer Defizite. Das
cer
vico
-
cephale
Beschwerdebild sei noch immer ausgeprägt. Relevante Befunde seien eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit der Halswirbelsäule mit ver
dickter und
druckdolenter
Nacken- und Schultermuskulatur auf beiden Seiten. Der Beschwerdeführer berichte über eine Zunahme der Na
c
ke
n
- und Kopf
schme
rzen mit gleichzeitig vermehrtem
Auftreten von Schwank
-S
chwindel, von Schmerz
-
ausstrahlungen in Gesicht und Zähne und über eine zunehmende Müdigkeit. Die Arbeitsunfähigkeit betrage nach wie vor 100
%
(Urk. 6/150/5-7).
Am 2
5.
November 2013
gab
Dr.
A._
an, der seitherige Verlauf sei schlecht. Wegen Schmerzen und Schwank-Schwindel, welche unter Belastung zunähmen, sei er weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig (Urk. 6/150/2).
Eine
behinderungs
ange
passte
Tätigkeit sei ebenfalls nicht möglich (Urk. 6/150/3).
Als zumutbare Tätigkeiten bezeichn
ete
Dr.
A._
einzig Treppen
steigen während einer bis zwei Stunden pro Tag. Konzentrationsvermögen, Auffassungsvermögen, Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit seien im Rahmen der chronischen Schmerzen eingeschränkt (Urk. 6/150/4).
5
.4
M
ed.
pract
. E._
, Fachärztin für orthopädis
che Chirurgie und Trau
matologie und Ärztin des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
,
merkte in ihrer Stellungnahme vom
1.
Februar 2014
a
n
,
bei der von
Dr.
A._
angege
benen faktischen
Einsteifung
der Halswirbelsäule wäre eine Ursachenabklärung mit zumindest Röntgenaufnah
men zu erwarten gewesen.
Des Weiteren
führte sie aus
, die schwere Verhaltensstörung,
die
Anpassungsstörung und die neu
ropsychologischen Defizite fänden in den aktuellen Berichten keine Erwähnung mehr
. Zusammengefasst sei unklar, ob ein organisches Korrelat der beschriebe
nen Funktionseinschränkung der Halswirbelsäule bestehe und ob ein psychi
scher Gesundheitsschaden (weiterhin) ausgewiesen sei
. Daher sei im Rahmen der Rentenrevision ein polydisziplinäres Gutachten auf internistischem, rheumato
logischem, neurologischem und psychiatrischem Fachgebiet
und nötigenfalls eine neuropsychologische Diagnostik
durchzuführen
(Urk. 6/179
S. 3
f.
)
.
6
.
6
.1
Aus der Stellungnahme von
Dr.
F._
vom 1
8.
Oktober 2000 geht
klar
hervor, dass bei
der ursprünglichen Rentenzusprechung
den psychischen sowie den neuropsychologischen Defiziten erhebliche Bedeutung zukam (vgl. vorstehende E. 3.1).
Die von
Dr.
F._
genannten „früheren IV-Probleme“ sind in den Akten knapp dokumentiert. Damals wurde die Diagnose
„
schwere psychische Verhal
tensstörung bei völlig disharmonischer Entwicklung
“
genannt (Urk. 6/2/2). Der Einwand des Beschwerdeführers, diese Diagnose sei allein gestützt auf seine Angaben festgehalten worden (Urk. 1 S. 7
Ziff.
16), ist demnach nicht stichhal
tig.
Ferner
wurde der Beschwerdeführer Ende 1998 mit Antidepressiva behan
delt und die Ärzte der Rheumapoliklinik des
C._
hielten fest, er bedürfe einer regelmässigen Psychotherapie (Urk. 6/40/1, Urk. 6/40/
4
, Urk. 6/55/1
). Anhand der im Revisionsverfahren eingeholten Berichte ist der Bedarf an Antidepressiva oder an einer Psychotherapie demgegenüber
nicht mehr dokumentiert, was einen Hinweis auf eine diesbezügliche Verbesserung des psychischen Gesund
heitszustands darstellt.
Letzteres ist bei der aktuellen Aktenlage
jedoch
noch nicht ausreichend abgeklärt. Die bei der Rentenzuspr
echung
massgeblichen neuropsychologischen Defizite erwähnte
Dr.
A._
in seinem neusten Bericht vom 2
5.
November 2013 nicht mehr (Urk. 6/
150/1-4). Am 13.
April 2012 führte er sie noch an, jedoch ohne entsprechende echtzeitliche Befunde zu nennen. Er gab lediglich an, leichte neuropsychologische Defizite seien bekannt (Urk. 6/150/5-7).
Es
rechtfertigen sich daher
auch
weitere Abklärungen
bezüg
lich des Verlaufs
der neuropsychologischen Defizite. Dies gilt umso mehr, als die Rentenzusprechung bereits etliche Jahre zurückliegt.
6
.2
Bezüglich der Einschränkung der Halswirbelsäulenbeweglichkeit fand med.
pract
.
E._
die von
Dr.
A._
ohne Ursachenabklärung oder Röntgen
aufnahmen angegebene Einschränkung von 80
%
nicht überzeugend (Urk. 6/179 S. 3).
Der Beschwerdeführer brachte vor, bei fortlaufenden Beschwerden habe kein Anlass bestanden, neue Bilder anzufertigen. Ohnehin fehle es an einer organisch nachweisbaren Grundlage (Urk. 1 S. 8
Ziff.
20
und 21).
Auch bei den Folgen eine
s Überdehnungstraumas der Halswirbelsäule
, d
as
nicht mit organisch nachweisbaren Schädigungen einhergeht, ist aber nicht ausgeschlossen, dass es im Verlauf der Zeit zu einer Verbesserung der Sympto
matik kommt.
Aus dem Bericht von
Dr.
A._
ergibt sich kein Hinweis darauf, dass er die Angaben seines Patienten kritisch überprüft hätte.
Eine Ver
besserung des diesbezüglichen Gesundheitszustands ist trotz gegenteiliger An
gaben des Beschwerdeführers denkbar, weshalb eine Abklärung durch einen Gutachter
zur Feststellung des Sachverhalts angemessen ist
.
6
.3
Der Beschwerdeführer machte geltend, aus den Berichten von
Dr.
A._
gehe hervor, dass keine Verbesserung stattgefunden habe, und die
Beschwerdegegne
rin
wolle nun mittels
eines
Gutachten
s
eine
„
second
opinion
“
einholen, was nicht zulässig sei
(Urk. 1 S. 4 ff.).
Die Rechtsprechung zur Unzulässigkeit des Einholens einer „
second
opinion
“ bezieht sich indes
sen
auf Fälle, in welchen ein bereits in einem Gutachten festgestellter Sachverhalt erneut abgeklärt werden soll, weil der Verwaltung das Ergebnis der Begutachtung nicht gefällt (BGE 136 V 156 E. 3.3
;
Urteile des Bundesgericht
s U
571/06 vom 2
9.
Mai 2007, E. 4.2
und
8C_148/2011 vom
5.
Juli 2011, E. 3.2).
Vorliegend liegt hingegen
noch kein Gutachten vor, weshalb diese Rechtsprechung nicht zur Anwendung gelangt. Hinzu kommt, dass der behandelnde Neurologe sich nicht fachärztlich zu sämt
lichen bei der Rentenzusprechung betroffenen medizinischen
Disziplinen
äussern kann.
Ob es sich beim Ergebnis der Begutachtung lediglich um eine andere Beurtei
lung oder um eine Verbesserung handelt, wird die IV-Stelle nach dem Vorliegen des Gutachtens zu beurteilen haben. Sobald
jedoch ein Revisionsgrund gegeben ist, hat die Verwaltung den Rentenanspruch in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend ("allseitig") zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht. Es ist nicht erforderlich, dass gerade die geänderte Tatsa
che zu einer Neufestsetzung der Invalidenrente führt; vielmehr kann sich bei der allseitigen Prüfung des Rentenanspruchs ergeben, dass ein anderes
Anspruch
selement
zu einer Herauf-, Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente führt (Urteil des Bundesgerichts 9C_378/2014 vom 2
1.
Oktober 2014, E. 4.2).
6
.4
Nach dem Gesagten
erweist sich die Beschwerde als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist,
wobei
die IV-Stelle den
Fragenkatalog
an die
nach Erlass der an
gefochtenen Verfügung geänderte
Rechtsprechung
zur
Invaliditäts
bemessung
bei Schmer
zstörungen ohne erkennbare orga
nische Ursache und
bei
vergleich
baren psychosomatisc
hen Leiden (Urteil des Bundesge
richts 9C_492/2014 vom
3.
Juni 2015)
anzupassen
haben
wird.
7
.
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Versiche
rungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenlos (Art. 61
lit
. a ATSG in Ver
bindung mit Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).