Decision ID: 353d47b5-31f2-5a68-9b42-7d7aa752eb2e
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 10. August 2020 in der Schweiz um Asyl
nach. Im Rahmen des Dublin-Gesprächs vom 20. August 2020 ergaben
sich Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer Opfer von Menschen-
handel geworden sein könnte, weshalb er am 7. September 2020 (Proto-
koll in den SEM-Akten 1072100-19/18 [in der Folge A19]) zunächst primär
zu diesem Sachverhalt befragt wurde. Die Vorinstanz wies den Beschwer-
deführer mit Verfügung vom 17. September 2020 dem erweiterten Verfah-
ren nach Art. 26d AsylG [SR 142.31] zu. Anlässlich der Personalienauf-
nahme (PA) vom 17. August 2020, der erwähnten Anhörung vom 7. Sep-
tember 2020 und den ergänzenden Anhörungen vom 25. November 2020
(Protokoll in den SEM-Akten 1072100-43/19 [in der Folge A43]) sowie vom
2. Februar 2021 (Protokoll in den SEM-Akten 1072100-49/15 [in der Folge
A49]) machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen Folgendes geltend:
Er sei kolumbianischer Staatsangehöriger und in B._ bei
C._ geboren, wo er zunächst zusammen mit seiner Mutter und (...)
gelebt habe. Da es aufgrund seiner Sexualität – er sei homosexuell – im-
mer wieder zu Streitigkeiten mit seiner Mutter gekommen sei, sei er zu sei-
ner Grossmutter gezogen. Er habe die obligatorische Schule abgeschlos-
sen und (...) gearbeitet. Er habe seine Arbeit geliebt. Ihm habe nichts ge-
fehlt ausser Liebe, Aufmerksamkeit und ein Leben ohne Diskriminierung.
Er sei seit seinen Schuljahren immer ausgegrenzt und schikaniert worden,
habe keine Freunde und Bezugspersonen gehabt. Als er sechzehn Jahre
alt gewesen sei, habe er Probleme mit einer beziehungsweise zwei bewaff-
neten und homophoben Gruppen – (...) – bekommen, da er seinen (...)
verteidigt habe, der (...) für die Gruppen tätig gewesen sei und mit ihnen
Probleme bekommen habe. Diese Banden hätten ihn dauernd verfolgt, ihn
geschlagen, ihn einmal vergewaltigt und immer wieder mittels Drohbriefen
mit dem Tod bedroht, sollte er das Land nicht verlassen. Auch seine Mutter
und seine Grossmutter seien in diesen Briefen bedroht worden. Ausserdem
hätten sie seine Katze getötet und den Kadaver vor seiner Tür aufgehängt
beziehungsweise ihr ein Auge ausgestochen. Daher sei er innerhalb des
Landes immer wieder umgezogen, sie hätten ihm aber überall wieder Droh-
briefe zugestellt. Seine Anzeige im Jahr 2016 aufgrund der erhaltenen
Drohbriefe bei der Polizei und beim Bürgermeisteramt habe nichts bewirkt.
Zudem hätten einige Polizisten gesagt, dass er es verdient habe. Nur
Frauen hätten ihm geholfen, diese hätten aber keine Macht.
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Sein Vater lebe in D._, weshalb er am (...) 2019 zunächst für zwei
Monate zu ihm gereist sei. Am (...). August 2019 sei er in die Schweiz ge-
kommen, wo er einen Monat bei (...) habe wohnen können. Da ihr Ehe-
mann ihn nicht länger bei sich habe wohnen lassen wollen, sei er zu ko-
lumbianischen Freundinnen in E._ gezogen und habe seither selbst
für seinen Lebensunterhalt aufkommen müssen. Via die Applikation
"Grindr" habe er einen Mann arabischer Ethnie kennengelernt, der ihn mit
falschen Versprechungen zur Prostitution angeworben, ihm jeweils nur ei-
nen geringen Anteil seines Lohnes ausbezahlt und ihn schliesslich um Fr.
3'000 bis 4'000.– betrogen habe. Ausserdem habe der Zuhälter ihn sexuell
genötigt und ihm aufgrund seiner (...) Religionszugehörigkeit gedroht. Da
er sich nicht weiter zu helfen gewusst habe, habe er schliesslich am 10. Au-
gust 2020 in der Schweiz um Asyl ersucht.
Hinsichtlich seines Gesundheitszustands gab der Beschwerdeführer zu
Protokoll, seit seiner Tätigkeit als "Escort" habe er (...).
Als Beweismittel legte er seinen Reisepass, seine Identitätskarte, ein USB-
Stick mit einem TikTok-Video mit einem Beitrag über die generelle Gewalt
in Kolumbien, eine Fotografie des Unterleibs seines ehemaligen Zuhälters,
verschiedene Arztberichte aus den Jahren 2006 und 2016 (in Kopie), eine
Bestätigung der LGBTIQ-Zugehörigkeit (in Kopie), einen Arztbericht von
F._ vom 15. September 2020 sowie einen Bericht über die Diskri-
minierung gegen LGBT in Kolumbien ins Recht.
B.
Mit Verfügung vom 15. Februar 2021 – tags darauf eröffnet – verneinte die
Vorinstanz das Vorliegen der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh-
rers, lehnte sein Asylgesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg und beauf-
tragte den Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung.
C.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 17. März 2021
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt die Aufhebung
der angefochtenen Verfügung, die Anerkennung als Flüchtling sowie die
Gewährung von Asyl. Eventualiter sei er in der Schweiz vorläufig aufzu-
nehmen. Subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen und ihm sei während der Dauer des Men-
schenhandel-Strafverfahrens eine Kurzaufenthaltsbewilligung vom kanto-
nalen Migrationsamt zu erteilen.
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In prozessualer Hinsicht ersucht er um unentgeltliche Prozessführung un-
ter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Einset-
zung eines amtlichen Rechtsbeistands. Der Beschwerde sei ausserdem
die aufschiebende Wirkung zu erteilen und allfällige Vollzugsmassnahmen
seien auszusetzen.
D.
Mit Verfügung vom 2. März 2021 bestätigte die Instruktionsrichterin den
Eingang der Beschwerde und stellte fest, der Beschwerdeführer könne den
Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist – unter Vorbehalt der nachstehenden Erwägungen – einzu-
treten.
1.4 Gemäss Art. 55 Abs. 1 VwVG hat die Beschwerde in Verwaltungssa-
chen aufschiebende Wirkung und das SEM hat diese der Beschwerde nicht
entzogen (Art. 55 Abs. 2 VwVG). Auf den Antrag, der Beschwerde sei die
aufschiebende Wirkung zu erteilen und es sei von allfälligen Vollzugsmass-
nahmen abzusehen, ist daher mangels Rechtsschutzinteresses nicht ein-
zutreten.
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1.5 Auf das Begehren des Beschwerdeführers, ihm sei während der Dauer
des Menschenhandel-Strafverfahrens eine Kurzaufenthaltsbewilligung
vom kantonalen Migrationsamt zu erteilen, ist nicht einzutreten, da eine
solche nicht Gegenstand des vorliegenden Asylbeschwerdeverfahrens bil-
den kann. Es ist dem Beschwerdeführer aber unbenommen, bei den kan-
tonalen Behörden um Erteilung einer Kurzaufenthaltsbewilligung zwecks
Mitwirkung an einem allfällig eröffneten Strafverfahren wegen Verdachts
auf Menschenhandel zu ersuchen.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründete ihren Asylentscheid im Wesentlichen mit
der Unglaubhaftigkeit beziehungsweise der fehlenden Asylrelevanz der
Vorbringen des Beschwerdeführers.
Der Beschwerdeführer habe zum einen gesagt, seine Katze sei getötet
worden, als er noch in B._ gewohnt habe. Zum anderen habe er
mitgeteilt, der Katze sei ein Auge ausgestochen worden, als er sich in
G._ aufgehalten habe. In der gleichen Anhörung habe er seine Aus-
sagen dahingehend korrigiert, dass seine Katze in C._ verletzt wor-
den sei und er diese vor seinem Umzug nach G._ zu seiner Gross-
mutter gebracht habe. Bei den besagten Widersprüchen handle es sich um
zwei in zeitlicher, örtlicher und inhaltlicher Hinsicht gänzlich verschiedene
Sachverhalte. Von einem Übersetzungsfehler könne deshalb nicht ausge-
gangen werden. Die Anhörung habe ausserdem in einem normalen zeitli-
chen Rahmen stattgefunden und sei – inklusive der Rückübersetzung – um
17.30 Uhr beendet worden. Da es bei diesem Vorfall somit zu unvereinba-
ren Ungereimtheiten gekommen sei, könne auch die Drohung in einer Dis-
kothek – ihm werde dasselbe wie seiner Katze geschehen – nicht geglaubt
werden. Sein Bericht sei zudem unpersönlich und stereotyp ausgefallen.
Auch hinsichtlich des Zeitpunkts des Erhalts des letzten Drohbriefs habe
er sich widersprochen. Trotz mehrfacher Aufforderung habe er keinen ein-
zigen der Drohbriefe eingereicht, obwohl er noch während der ersten An-
hörung angegeben habe, die Briefe noch zu besitzen, und es ihm möglich
sei, eine Person mit dem Versand in die Schweiz zu beauftragen.
Vergleiche man die Schilderungen zur Verfolgung und Bedrohungslage
nach 2016 mit den Aussagen zu seinen Erfahrungen in der Jugendzeit oder
seinem Leben in der Schweiz vor dem Asylgesuch, so zeige sich ein mar-
kanter qualitativer wie quantitativer Unterschied. Darüber hinaus wider-
spreche es dem Verhalten einer tatsächlich verfolgten Person, erst nach
über einem Jahr nach der Ankunft in der Schweiz um Asyl zu ersuchen. Im
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Weiteren müsse auch in Frage gestellt werden, wie es für die ihm unbe-
kannten Verfolger möglich gewesen sein sollte, ihn an jeder neuen Wohn-
adresse ausfindig zu machen. Ausserdem sei ein eigentliches Interesse,
ihn jederzeit und überall mit Drohbriefen zu behelligen, nicht ohne Weiteres
ersichtlich.
Die dargelegten Übergriffe und Behelligungen durch Dritte würden vom ko-
lumbianischen Staat weder unterstützt noch gebilligt und könnten diesem
folglich nicht angelastet werden. Selbst bei Wahrunterstellung der geltend
gemachten Verfolgung sei ihm anzulasten, dass er trotz des Erhalts von
Drohbriefen an drei respektive vier verschiedenen Wohnorten in
G._ weder die Polizei kontaktiert noch Anzeige erstattet habe. Er
habe zwar im Jahr 2016 eine Anzeige wegen der Drohbriefe erstattet, sich
aber danach nie wieder nach dem Verfahrensstand erkundigt oder an eine
LGBTQ+-Organisation gewendet. Der Polizei in G._ könne deshalb
keine Tatenlosigkeit vorgeworfen werden. Auch wenn es Polizisten mit ho-
mophoben Tendenzen in G._ oder Kolumbien geben möge, wäre
es dem Beschwerdeführer – allenfalls mit Hilfe einer entsprechenden Or-
ganisation – möglich und zuzumuten gewesen, den Rechtsweg zu bestrei-
ten. Seinen Aussagen sei zudem zu entnehmen, dass die kolumbianische
Polizei einen Teil der involvierten Bande aufgrund anderer Straftaten fest-
genommen habe. Dies zeige, dass die Polizei ihrer Pflicht, die Taten der
kriminellen Bande im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu verfolgen, nach-
komme. Ausserdem könne er sich den lokal oder regional beschränkten
Verfolgungsmassnahmen durch einen Wegzug in einen anderen Teil oder
in eine andere Stadt des Heimatlandes entziehen.
Die dem Beschwerdeführer Anfang des Jahres 2016 aufgrund seiner sex-
uellen Orientierung durch die bewaffnete Gruppe in B._ zugefügten
Nachteile habe er glaubhaft machen können. Das SEM sei sich bewusst,
dass dieses Erlebnis eine schlimme Erfahrung für ihn gewesen sein müsse
und in gewissen Regionen von Kolumbien Homophobie zum Alltag gehöre.
Das Ereignis habe aber über drei Jahre vor der Ausreise stattgefunden,
weshalb ihm keine flüchtlingsrechtliche Relevanz zugesprochen werden
könne. Auch die ihm in der Schweiz zugefügten Nachteile der sexuellen
Ausbeutung und Vergewaltigung seien asylrechtlich nicht relevant.
5.2 Der Beschwerdeführer entgegnete, es habe während der ersten ergän-
zenden Anhörung Verständigungsschwierigkeiten mit der Dolmetscherin
gegeben. Obwohl er seine Unzufriedenheit mit der Qualität der Überset-
zung mehrmals angesprochen habe, sei er durch den Hinweis des SEM
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auf die Mitwirkungspflicht eingeschüchtert worden und habe daher bei der
Rückübersetzung nichts mehr eingewendet. Er habe nie behauptet, die
Katze sei effektiv tot gewesen, sondern «wie tot» und schwer verletzt. In
Bezug auf die Örtlichkeiten sei das Gespräch mit anderen Fragen ver-
mischt worden. Es sei für ihn zudem schwer nachvollziehbar, warum das
SEM seine Aussagen für unpersönlich und stereotyp halte. Er sei eine
handlungsorientierte Person. Anstatt in Selbstmitleid und Angst zu versin-
ken, habe er die immer weitergehenden Bedrohungen nur mental aushal-
ten können, wenn er direkt an Lösungen gedacht habe. Diese Denkweise
habe er veranschaulicht und auch seine Gefühle habe er zum Teil konkret
geschildert. Darüber zu sprechen sei aber aufgrund der traumatischen Er-
eignisse, die er erlebt habe, nach wie vor nicht einfach. Auch bezüglich des
letzten Drohbriefs habe er sich nicht widersprochen, sondern einfach von
"einigen Tagen" gesprochen, was relativ sei. Er habe in seiner ersten er-
gänzenden Anhörung erzählt, dass er viele Drohbriefe aus Scham wegge-
worfen habe. Er bemühe sich weiterhin darum, einige Drohbriefe zu besor-
gen.
Er habe sich trotz seines Schamgefühls an die Polizei gewandt. Diese habe
ihn aber nur verspottet. Beim Bürgermeisteramt habe er sich nicht mehr
nach dem Verfahrensstand erkundigt, da ihm bereits vorgängig klar gewor-
den sei, dass man ihm nicht helfen könne. Er habe auch ausgeführt, wes-
halb er sich in G._ nicht wieder an die Polizei gewandt habe. Auf-
grund seiner Erfahrungen habe ihm nicht nur das Vertrauen in die Hand-
lungsbereitschaft der Polizei gefehlt, er habe sich auch vor den eventuellen
Repressalien gefürchtet, die ihm nach einer Anzeige hätten drohen kön-
nen. Der Vergleich mit der Festnahme einiger Gruppenmitglieder aufgrund
anderer Straftaten sei ausserdem fehl am Platz, da diese Festnahmen
nichts mit der Bereitschaft der staatlichen Organe zum Handeln im Kontext
einer Anzeige einer homosexuellen Person zu tun hätten. In Kolumbien be-
stehe eine grosse Diskrepanz zwischen den an sich existierenden legalen
Zusicherungen und dem effektiv gewährten Schutz. Es sei für ihn daher
unzumutbar gewesen, den Staat um Hilfe zu ersuchen. Eine anderweitige
Auslegung würde bedeuten, dass man ihn zwingen würde, sich staatlicher
Diskriminierung und einer weiteren Gefährdung des Leibes und Lebens
auszusetzen. Er sei ausserdem bereits etliche Male innerhalb von Kolum-
bien umgezogen, um sich der Verfolgung durch diese privaten Gruppierun-
gen zu entziehen, aber sie hätten ihn immer wieder gefunden. Das Netz-
werk dieser Gruppierungen erstrecke sich über das ganze Land und er
wäre auch in einer Grossstadt wie Bogotá nicht sicher. Es bestehe deswe-
gen keine landesinterne Fluchtalternative. Eine Rückkehr wäre für seine
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Menschenwürde sehr einschneidend, weil er sich dauernd fürchten müsste
und sich nicht persönlich entfalten könnte. Er finde es zudem stossend,
dass das SEM der traumatisierenden sexuellen Ausbeutung, die er in der
Schweiz erlebt habe, keine Bedeutung beimesse.
6.
6.1 Hinsichtlich der Ausführung zur Glaubhaftigkeit der Aussagen des Be-
schwerdeführers kann vollumfänglich auf die zutreffenden Argumente und
die Schlussfolgerung der Vorinstanz verwiesen werden, welche in E. 5.1
zusammengefasst wurden. Der Beschwerdeführer konnte – insbesondere
im Vergleich zu den Erzählungen betreffend die Jahre bis und mit 2016 –
nicht glaubhaft machen, in der geltend gemachten Intensität aufgrund sei-
ner Homosexualität verfolgt worden zu sein und deshalb mehrmals den
Wohnort gewechselt zu haben. Auch die Erklärungsversuche in der Be-
schwerdeschrift hinsichtlich des Vorfalls mit der Katze vermögen nicht zu
überzeugen. So hat der Beschwerdeführer beispielsweise ausgesagt, die
(tote) Katze sei vor das Haus seiner Grossmutter gelegt worden (vgl. A43
F99). Dass er nach der Misshandlung der Katze mit dieser zurück zur
Grossmutter gegangen sei (vgl. A49 F13 f., F26 und Beschwerdeschrift),
widerspricht daher klar seinen Aussagen. In Frage 100 der ersten ergän-
zenden Anhörung wurde er zudem ausdrücklich gefragt, wann seine Katze
"getötet" worden sei. Dabei erwähnte er nicht, dass die Katze noch lebe.
Dem Beschwerdeführer ist es folglich nicht gelungen, die geltend ge-
machte Verfolgung nach seinem Wegzug von B._ im Jahr 2016
glaubhaft zu machen.
Dem im Jahr 2016 erlittenen Übergriff fehlt es, wie die Vorinstanz richtig
festhält, an einem zeitlichen Kausalzusammenhang zur Ausreise des Be-
schwerdeführers im Jahr 2019, weshalb dieser als nicht asylrelevant ein-
zustufen ist. Dem Geschehen in der Schweiz kommt von vornherein keine
Asylrelevanz zu, weshalb sich die Vorinstanz nicht ausführlicher dazu hätte
äussern müssen. Die Ahndung dieser Geschehnisse liegt in der Kompe-
tenz der Strafbehörden.
6.2 Das SEM hat richtigerweise festgestellt, dass es sich vorliegend um
Übergriffe Dritter handelt, die auch bei Wahrunterstellung der Verfolgung
bis ins Jahr 2019 nicht asylrelevant sind.
6.2.1 Im Sinne der sogenannten Schutztheorie ist eine nichtstaatliche Ver-
folgung nur dann asylrelevant, wenn der Staat unfähig oder nicht willens
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ist, Schutz vor besagter Verfolgung zu bieten, beziehungsweise trotz allge-
meiner Schutzfähigkeit und allgemeinen Schutzwillens die Betroffenen aus
einem asylrechtlichen Motiv im Konkreten nicht geschützt werden. Es ist
dabei nicht eine faktische Garantie für langfristigen individuellen Schutz der
von nichtstaatlicher Verfolgung bedrohten Personen zu verlangen, weil es
keinem Staat gelingen kann, die absolute Sicherheit seiner Bürgerinnen
und Bürger jederzeit und überall zu garantieren. Erforderlich ist aber, dass
eine funktionierende und effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfügung steht,
wobei in erster Linie an polizeiliche Aufgaben wahrnehmende Organe wie
an ein Rechts- und Justizsystem zu denken ist, welches eine effektive
Strafverfolgung ermöglicht. Ob das bestehende Schutzsystem als in die-
sem Sinne effizient erachtet werden kann, hängt letztlich auch davon ab,
dass der Schutz die von Verfolgung betroffene Person tatsächlich erreicht
(vgl. BVGE 2011/51 E. 7.3 m.w.H.). Die Inanspruchnahme dieses Schutz-
systems muss der betroffenen Person demnach objektiv zugänglich und
individuell zumutbar sein, was jeweils im Rahmen einer Einzelfallprüfung
unter Berücksichtigung des länderspezifischen Kontextes zu beurteilen ist.
6.2.2 Kolumbien gilt offiziell als fortschrittliches Land, was die Rechte Ho-
mosexueller angeht. Diskriminierungshandlungen aufgrund der sexuellen
Ausrichtung werden mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe und einer Geld-
strafe bedroht. Wenn Handlungen von Beamten oder bei der Erbringung
öffentlicher Dienstleistungen begangen werden, wird die Strafe erhöht. Ar-
tikel 58 Absatz 3 des kolumbianischen Strafgesetzbuches kennt überdies
das strafschärfende Tatbestandsmerkmal der durch die sexuelle Orientie-
rung des Opfers motivierten Tatbegehung. Auch die Diskriminierung bei der
Arbeitssuche wird unter Strafe gestellt (vgl. International Lesbian, Gay, Bi-
sexual, Trans and Intersex Association [ILGA], State Sponsored Homo-
phobia, Global Legislation Overview Update, 2020, mit weiteren Hinwei-
sen, S. 95, 197, 221 und 241, www.ecoi.net/en/file/local/2044751/ILGA_
World_State_Sponsored_Homophobia_report_global_legislation_over-
view_update_December_2020.pdf, abgerufen am 15. April 2021). Im Juli
2011 entschied das Verfassungsgericht von Kolumbien, dass das Recht
auf Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare gelte (vgl. Advocate.com,
Colombian Court Rules for Marriage Equality, Juli 2011, ar-
chive.ph/20120719071559/http://www.advocate.com/News/Daily_News/
2011/07/27/Colombian_Court_Rules_for_Marriage_Equality/, abgerufen
am 15. April 2021; vgl. auch ILGA, a.a.O., S. 279 und 293). Seit dem Jahr
2015 dürfen homosexuelle Paare auch Kinder adoptieren (Queer.de, Ent-
scheidung des Obersten Gerichtshofs, Kolumbien erlaubt Adoption durch
Homo-Paare, 5. November 2015, www.queer.de/detail.php?article_id=24
http://www.ecoi.net/en/file/local/2044751/ILGA_World_State_Sponsored_Homophobia_report_global_legislation_overview_update_December_2020.pdf http://www.ecoi.net/en/file/local/2044751/ILGA_World_State_Sponsored_Homophobia_report_global_legislation_overview_update_December_2020.pdf http://www.ecoi.net/en/file/local/2044751/ILGA_World_State_Sponsored_Homophobia_report_global_legislation_overview_update_December_2020.pdf https://www.queer.de/detail.php?article_id=24973 https://www.queer.de/detail.php?article_id=24973 http://www.queer.de/detail.php?article_id=24973
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973, abgerufen am 15. April 2021; vgl. auch ILGA, a.a.O., S. 308 und 318).
In Bogotá amtiert beispielsweise Claudia López, die offen zu ihrer Homo-
sexualität steht und sich stark für die Rechte der LGBT-Community ein-
setzt, seit über einem Jahr als Bürgermeisterin (vgl. Colombia.co, LGBT
history in Colombia and facts you don’t want to miss. Happy Pride Month!,
www.colombia.co/en/colombia-travel/lgbt-history-in-colombia-and-facts-
you-dont-want-to-miss-happy-pride-month/, abgerufen am 15. April 2021).
6.2.3 Es existieren aber auch verschiedene Berichte über Gewalt gegen
und Diskriminierung von Personen aufgrund ihrer Homosexualität, wobei
offenbar die Gewalt unter anderem auch von Polizisten ausgeht (vgl. Hu-
man Rights Council, Situation of human rights in Colombia, Report of the
United Nations High Commissioner for Human Rights, S. 15 f., 19. März
2021, reliefweb.int/report/colombia/situation-human-rights-colombia-re-
port-united-nations-high-commissioner-human-0; Reuters, More than 60
LGBT, intersex people killed in Colombia in first eight months of 2020,
15. September 2020, www.reuters.com/article/us-colombia-lgbt-idUSKBN
26634G; beide abgerufen am 15. April 2021). Weiter ist nicht auszuschlies-
sen, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bevölkerung von Kolumbien
eine ablehnende Haltung gegenüber homosexuellen Personen einnimmt
und deren sexuelle Orientierung missbilligt, welche oft als Verstoss gegen
traditionelle Normen und Werte betrachtet wird.
6.2.4 Der Beschwerdeführer hat nach Erhalt der Drohbriefe in B._
bei der Polizei beziehungsweise beim Bürgermeisteramt Anzeige erstattet.
Es habe aber geheissen, er müsse Anzeige erstatten, das übliche Proze-
dere respektieren und warten, bis das ganze Verfahren abgeschlossen sei
(vgl. A19 F47). Er habe sich danach nicht mehr nach der Anzeige bezie-
hungsweise dem Verfahren erkundigt (vgl. A43 F87). In G._ habe
er schliesslich aufgrund seiner schlechten Erfahrung gar keine Anzeige
mehr erstattet.
Das Argument der Vorinstanz, wonach die kolumbianischen Behörden be-
reits gegen mehrere Bandenmitglieder vorgegangen seien, greift zwar zu
kurz. Der einzige – drei Jahre vor der Ausreise – erfolgte Versuch des Be-
schwerdeführers, die kolumbianischen Behörden um Schutz zu ersuchen,
vermag aber auch nicht die Annahme zu rechtfertigen, die Behörden seien
nicht willig und fähig gewesen, ihn zu schützen. Die Behörden haben ihm
den Schutz nicht verweigert, sondern ihn nur auf das Verfahren hingewie-
sen, das zu beachten sei. Der Beschwerdeführer hat zwar eine Anzeige
http://www.queer.de/detail.php?article_id=24973 http://www.reuters.com/article/us-colombia-lgbt-idUSKBN26634G http://www.reuters.com/article/us-colombia-lgbt-idUSKBN26634G
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erstattet, das geforderte Prozedere aber nicht einhalten und abwarten wol-
len und sich auch nicht mehr nach dem Stand seines Verfahren erkundigt.
Dass einzelne Polizisten ihn beleidigt hätten, vermag daher mangels ernst-
hafter Schutzsuche nicht den Schutzwillen und die Schutzfähigkeit der ko-
lumbianischen Behörden in Frage zu stellen. Auch in der Beschwerde
wurde die staatliche Schutzfähigkeit als solche nicht substanziiert ange-
zweifelt. Konkrete Anhaltspunkte hierzu sind im Übrigen weder den Akten
noch den Erkenntnisquellen zur allgemeinen Lage im Herkunftsstaat zu
entnehmen. Sollte die kolumbianische Polizei Angriffe der kriminellen
Gruppe schützen, steht es dem Beschwerdeführer offen, sich an eine hö-
here Instanz zu wenden. Die Möglichkeit, im Heimatstaat Schutz zu erhal-
ten, führt zufolge der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes pra-
xisgemäss zur Nichtanerkennung der Flüchtlingseigenschaft und zur Ver-
weigerung des Asyls. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass es dem Be-
schwerdeführer zuzumuten ist, sich alternativ auch in Bogotá niederzulas-
sen, sollte er nicht an seinen Herkunftsort zurückkehren wollen.
6.3 Auch wenn die Vorinstanz dem eingereichten USB-Stick – mit den vom
Beschwerdeführer angekündigten (vgl. Akte 1072100-20/1) allgemeinen
Informationen zur Lage in Kolumbien ohne Bezug zum Beschwerdeführer
(vom BVGer gesichtet) – offenbar keine Beachtung schenkte, da der Um-
schlag ungeöffnet bei den Akten lag, besteht für eine Rückweisung an und
Neubeurteilung durch die Vorinstanz in casu kein Anlass. Zusammenfas-
send hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was geeignet wäre,
seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu
machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
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gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungs-
vollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts
der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigen-
schaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich
ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24
E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
8.2.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
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Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht
als unzulässig erscheinen.
8.2.2 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.1 Die Vorinstanz führte hierzu aus, der Beschwerdeführer sei ein junger
Mann, weise eine solide Schulbildung auf und verfüge über Berufserfah-
rung in der (...). Er habe vor der Ausreise sein Leben in Kolumbien selb-
ständig finanziert und in verschiedenen Wohngemeinschaften und Kom-
munen gelebt. Seine Mutter und seine Grossmutter wohnten nach wie vor
in Kolumbien. Ausserdem könne ihn im Bedarfsfall auch sein Vater unter-
stützen. Was seinen Gesundheitszustand und seine Schlafprobleme be-
treffe, sei anzumerken, dass er keine Beschwerden aufweise, die in Ko-
lumbien nicht behandelbar wären oder es ihm verunmöglichten, in Kolum-
bien einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.
8.3.2 Der Beschwerdeführer machte diesbezüglich geltend, seine Bezie-
hung zu seinem Vater sei schlecht und dieser könne ihn nicht finanziell
unterstützen. Bei seinem Vater zu leben, würde ihn wiederum zu einem
Leben in emotionaler Gefangenschaft verdammen, da er in D._
seine Sexualität und seine Persönlichkeit nicht ausleben könne.
8.3.3 In Kolumbien fand über fünfzig Jahre lang ein bewaffneter Konflikt
zwischen den kolumbianischen Streitkräften, den Guerillas und paramilitä-
rischen Gruppen statt. Im November 2016 wurde ein Friedensvertrag zwi-
schen dem kolumbianischen Staat und den Fuerzas Armadas Revolucio-
narias de Colombia (FARC, dt. Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) ge-
schlossen, der später von beiden Kammern des Kongresses genehmigt
wurde. Nicht vergessen bleibt, dass allen Parteien während des Konflikts
schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen wurden; bei den meis-
ten Opfern handelt es sich um Zivilpersonen. Auch wenn im September
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2019 ein Teil der FARC die Wiederbewaffnung ankündigte, sind gemessen
an der allgemeinen Lage in Kolumbien von heute jedoch keine generellen
Vollzugshindernisse im Sinne der Unzumutbarkeit erkennbar.
8.3.4 Zur Begründung hinsichtlich der individuellen Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs kann auf die zutreffenden Argumente der Vorinstanz ver-
wiesen werden, denen in der Beschwerde neben der fehlenden Unterstüt-
zungsfähigkeit des Vaters – die an der Einschätzung nichts zu ändern ver-
mag – nichts entgegengesetzt wird.
8.3.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, der über einen Reise-
pass sowie eine Identitätskarte verfügt, sich bei der zuständigen Vertretung
des Heimatstaates die für eine Rückkehr allenfalls notwendigen Reisedo-
kumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
wird mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos.
10.2 Die mit der Beschwerde gestellten Anträge auf Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung sowie um Ernennung einer Rechtsvertretung
sind abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwä-
gungen ergibt – als aussichtlos zu gelten haben.
10.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
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über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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