Decision ID: aee32372-c6ff-4faf-b73f-f421d835486a
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1971, war ursprünglich Bäcker bei der
Y._
AG, musste diese Arbeit jedoch wegen eines Handekzems aufgrund der Feuchtarbeit mit Teig aufgeben und verlor die Stelle per Ende Juli 2004 (vgl. die Akten der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt [Suva] in
Urk.
12/105/5-375). Er meldete sich daraufhin im Juli 2004 bei der Invalidenversiche
rung an (Urk.
12/1). Nachdem er im Mai 2005 bei der
Z._
AG eine Voll
-
zeitstelle als Prozessoperator hatte antreten können (Arbeitsvertrag in Urk. 12/18/1-3), verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA), IV-Stelle, mit Verfügung vom 30. August 2005 einen Anspruch auf berufliche Massnahmen (
Urk.
12/20). Von der Suva wurde
X._
mit Verfügung vom 10. Oktober 2006 rückwirkend ab dem 1. August 2004 als nicht geeignet für alle Arbeiten mit Teig erklärt (Urk. 12/22) und erhielt deswegen eine
Über
gangsentschädigung
(Verfügungen vom 2. März 2007 und vom 13. Februar 2008,
Urk.
12/23 und
Urk.
12/24).
1.2
1.2.1
Im Jahr 2009 wurde
X._ wegen chronischer Kopf
schmerzen untersucht (Bericht des
A._
vom 1
0.
September 2009,
Urk.
12/40/7), und im Jahr 2010 wurde er wegen
thorakolumbovertebraler
Schmerzen, die Ende Februar 2010 akut geworden waren und zur Arbeitseinstellung geführt hatten, ärztlich behandelt (Bericht des
B._
vom 2
9.
März 2010,
Urk.
12/40/16-19). Er meldete sich deshalb im Juni 2010 e
rneut bei der Invalidenversiche
rung an (Urk.
12/28). Nachdem das Arbeitsverhältnis mit der
Z._
AG per Ende November 2010 aufgelöst worden war (vgl. das Verlaufsprotokoll der Eingliederungs
beratung vom Oktober 2010, Urk.
12/43/1+3), prüfte
die IV-Stelle den Rentenan
spruch.
Der IV-Stelle lagen
neben den Angaben der Arbeitgeberin vom 1
3.
Juli 2010 (
Urk.
12/33)
unter anderem die Berichte des
C._
vom 10. August 2010 über E
rstkonsultationen von Mitte 2010
, vom 26. Januar 2011 über eine interdisziplinäre Abklärung und vom 11. Mai 2011 vor (
Urk.
12/40/25-27,
Urk.
12/51 sowie Urk. 12/53/5-8 und Urk. 12/54) sowie der Kurzbericht der
D._
vom 19. Dezember 2011 zuhanden des Rechtsvertreters des Versicherten über einen stationären Aufenthalt von Ende Juni bis Ende August 2011 (Urk. 12/67). Des Weiteren liess die IV-Stelle durch die MEDAS
E._
das polydisziplinäre Gutachten vom
5.
Januar 2012 erstellen (Urk. 12/68, gezeichnet von Dr. med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, und Dr. med.
G._
, Spezialarzt für Rheumatologie
, Chefarzt
; Konsiliarbericht von Dr. med.
H._
,
Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 26. September 2011, Urk. 12/69/14-21; Konsiliarbericht von Dr. med.
I._
, Spezialarzt für Neurologie, vom 29. September 2011, Urk. 12/69/3-6; Konsiliarbericht von Dr. med.
J._
, Spezialarzt für Rheumatologie, vom 5. Oktober 2011, Urk. 12/69/7-13).
Nachdem der Versicherte im
Vorbescheidverfahren
eine Stellungnahme des
C._
vom 27. Februar 2012 zum MEDAS-Gutachten beigebracht hatte (Urk. 12/80/8-11), verneinte die IV-Stelle mit Verfü
gung vom 23. Mai 2012 den Anspruch von
X._
auf eine Invalidenrente gestützt auf
dieses
Gutachten (Urk. 12/83). Der Versicherte liess ihr anschliessend den Austrittsbericht der
D._
vom
7.
Mai 2012 über die nochmalige stationäre Behandlung von Ende Februar bis Ende April 2012 (
Urk.
12/84) sowie einen Kurzbericht der Klinik vom 1
5.
Mai 2012 zuhanden seines Rechtsvertreters zukommen (
Urk.
12/86/1), die IV-Stelle
teilte ihm jedoch mit Brief vom 2
1.
Juni 2012 mit, dass sie
an ihrer Beurteilung fest
halte
(
Urk.
12/88).
1.2.2
X._
, vertreten durch Milosav Milovanovic, Beratungsstelle für Ausländer,
liess gegen die Verfügung vom 2
3.
Mai 2012
beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich Beschwerde
erheben (Prozess Nr.
IV.2012.00681) und legte im Beschwerdeverfahren weitere Unterlagen vor, unter anderem eine Stellungnahme des
C._
vom 30.
Juni 2011 zu zwei medi
zinischen Gutachten zuhanden des Krankentaggeldversicherers (
Urk.
12/91/12-15), einen Bericht des
C._
vom 25. September 2012 (Urk. 12/95), einen Bericht von Prof. Dr. med.
K._
, Facharzt für Psychotherapie, Psychoanalyse und psychosomatische Medizin, den dieser am 20. September 2013 als Mitarbeiter des
C._
verfasst hatte (
Urk.
12/101/3), und einen Bericht von Prof.
K._
vom 1
7.
Oktober 2013, nun Mitglied einer anderen Praxisgemeinschaft, über die Weiterbehandlung des Versicherten (Urk.
12
/105/2).
Mit Urteil vom 3
0.
Januar 2014 hob das Sozialversicherungsgericht die angefochtene Verfügung auf und wies die Sache zu weiteren medizinischen Abklärungen an die IV-Stelle
zurück (
Urk.
12/108).
Es erachtete die somatisch-medizinischen Einschätzungen im Gutachten der MEDAS
E._
als einleuchtend
(
Urk.
12/108/9-10 E. 3.4.2), beurteilte hingegen das psychiatrische
Konsiliargutachten
von
Dr.
H._
als unvollständig und beanstandete namentlich eine ungenügende Auseinanderset
zung mit den
Vorakten
(Urk.
12/108/10-12 E. 3.4.3)
.
Ausserdem konstatierte das Gericht Versäumnisse der IV-Stelle, indem diese keinen Bericht der
D._
über die beiden stationären Behandlungen eingeholt habe und es unterlassen habe,
die MEDAS
E._
zur
Überprüfung ihrer Beurteilung unter Berücksichtigung des Behandlungsverlaufs
aufzufordern
(Urk.
12/108/12
13 E. 3.4.4). Das Urteil blieb unangefochten.
1.3
Die IV-Stelle holte im Anschluss an das Urteil vom 3
0.
Januar 2014 den Bericht von Prof.
K._
vom 2
7.
März 2014 (
Urk.
12/112) und den Bericht der Klinik für Innere Medizin des
B._
vom 1
1.
August 2014 (Urk. 12/119/1-4) ein und nahm vom Versicherten den Bericht des
C._
vom 2
6.
August 2014 zuhanden seines Rech
t
svertreters entgegen (
Urk.
12/121). Danach liess sie den Versicherten durch die Institution
L._
nochmals polydisziplinär begutachten (Gutachten vom 2
0.
Februar 2015 von
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Allgemein- und Arbeitsmedizin, Fallführung, Dr. med.
N._
, Spezialärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. med.
O._
, Spezialarzt für Innere Medizin und Rheumatologie, und Dr. med. et phil.
P._
, Spezialarzt für Neurologie, mit den drei Fachgutachten der Psychiatrie, Rheumatologie und Neurologie,
Urk.
12/138).
Mit Vorbescheid vom
8.
Mai 2015 eröffnete die IV-Stelle dem Versicherten, dass sie einen Rentenanspruch zu verneinen gedenke (
Urk.
12/145). Dieser
, wiederum vertreten durch Milosav Milovanovic,
liess am
2.
Juni 2015 Einwendungen erheben (
Urk.
12/147) und eine Stellungnahme des
C._
vom 1
5.
Mai 2015 zum psychiatri
schen Teil des Gutachtens (Urk.
12/146/6-9) sowie eine psychiatrische Kurzbeurteilung von Prof.
K._
vom 1
9.
Mai 2015 zuhanden
de
s Rechtsvertreters (Urk. 12/146/4-5) einreichen. Ausserdem erhielt die IV-Stelle von der Gutachtenstelle
L._
die Ergänzungen vom 2
6.
August 2015 (
Urk.
12/149), die sie mit Schreiben vom 2
6.
Februar 2015 erbeten hatte (
Urk.
12/139). Schliesslich reichte der Versicherte eine weitere psychiatrische Kurzbeurteilung von Prof.
K._
vom 1
4.
September 2015 (
Urk.
12/150/1) und einen weiteren Bericht des
C._
vom 1
0.
September 2015 ein (
Urk.
12/150/2-3). Mit Verfügung vom 2
8.
Dezember 2015 entschied die IV-Stelle im Sinne ihres Vorbescheids und verneinte den Rentenanspruch des Versicherten (
Urk.
2 =
Urk.
12/155).
2.
Mit Eingabe vom
2.
Februar 2016 (
Urk.
1) liess
X._
durch Milosav Milovanovic gegen die Verfügung vom 2
8.
Dezember 2015 Beschwerde erheben und beantragen, die Verfügung sei aufzuheben und ihm sei eine ganze Rente zuzusprechen, eventualiter sei die Sache zu weiteren Abklärungen nochmals an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 1 f.). Als neues Beweismittel liess der Versicherte mit Eingabe vom 2
5.
Februar 2016 (
Urk.
6) eine aktuelle psychiat
rische Kurzbeurteilung von Prof.
K._
vom 1
6.
Februar 2016 nach
reichen (
Urk.
7). Die IV-Stelle schloss i
n der Beschwerdeantwort vom 14.
April 2016 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11). Mit Verfügung vom 1
5.
April 2016
ord
nete das Gericht einen zweiten Schriftenwechsel an (
Urk.
13), worauf der Ver
sicherte mit Eingabe vom
5.
Mai 2016 (
Urk.
18) einen i
nterdisziplinären Bericht des
C._
vom 20.
April 2016 über den Verlauf seit der letzten interdisziplinären Abklärung von April 2011
beibringen
liess
(Urk.
19/2). Das Gericht entsprach mit Verfügung vom 1
3.
Mai 2016 dem Gesuch des Versicherten um die unentgeltliche Prozessführung (
Urk.
20); die IV-Stelle
verzichtete mit Eingabe vom 2
6.
Mai 2016 auf eine Stellungnahme
zum neuen Bericht des
C._
(
Urk.
21).
Mit Verfügung vom 3
0.
Mai 2016 wurde die Eingabe der IV-Stelle dem Versicherten zur Kenntnis gebracht (
Urk.
22).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen ein
ge
gangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2012 sind die im Zuge der Revision 6a geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher
Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurtei
lung jene Rechtsnormen zugrunde zu legen sind, die gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Die angefochtene Verfügung ist am
2
8.
Dezember
2012 ergangen. Da ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestim
mungen der IV-Revision 6a begonnen hat - zur Diskussion steht der Anspruch auf eine Rente aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit ab Februar 2010 - und die Verfügung eine Dauerleistung betrifft, ist entsprechend der dargelegten inter
temporalrecht
lichen Regelung für die Zeit bis Ende 2011 auf die damals gültig gewesenen Bestimmungen und für die Zeit ab Anfang 2012 auf die neuen Nor
men der IV
Revision 6a abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445;
Urteil des Bundesgerichts I 428/04 vom 7.
Juni 2006
E. 1). Soweit jedoch die Revision 6a keine substanziellen Änderungen gegenüber der früheren Rechts
lage gebracht hat, ist die zur altrechtlichen Regelung ergangene Rechtsprechung weiterhin massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2009 vom 19.
Mai 2009
E. 2).
2.
2
.1
2.1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG])
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arb
eitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen
(Art. 7 Abs. 2 Satz 1 ATSG)
. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überw
indbar ist (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG).
2.1.2
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 % oder auf eine
Viertelsrente
, wenn sie mindestens zu 40 % invalid sind.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG (in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Inva
lidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegliche
ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkommen
).
Der Rentenanspruch entsteht nach Art. 28 Abs. 1 IVG frühe
stens in dem Zeit
punkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig war (
lit
. b),
sofern sie nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid ist (
lit
. c). Die Wartezeit im Sinne Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröff
net, in welchem eine deutliche Beeinträch
tigung der Arbeitsfähigkeit ein
getreten ist. Als erheblich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (AHI 1998 S. 124 E. 3c; Urteil des Bundesgerich
ts I 10/05 vom 14. Juni 2005 E.
2.1.1 in
fine
mit Hinweisen).
2
.2
2
.2.1
Im Hinblick auf das Erfordernis in Art. 7 Abs. 2
Satz 2 ATSG hatte das Bundesge
richt die Arbeitsunfähigkeit bei bestimmten Leiden seit dem Jahr 2004 nach besonderen Grundsätzen beurteilt. Es hatte diese Leiden unter dem Begriff der p
athogenetisch
-ätiologisch unklare
n
syndromale
n
Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage
zusammengefasst und festgestellt, es seien dies Störungen,
die sich hinsichtlich ihrer invalidisierenden Wirkung einer objektiven Beurteilung weit
gehend entzögen
, weil sie
in erster Linie
auf den Angaben der Patienten basier
t
en
(BGE 139 V 547 E. 5.9). Das Bundesgericht war weiter zum Schluss gelangt, dass solche Störungen keinen
direkten Nach
weis einer anspruchsbegründen
den Arbeitsunfähigkeit erlaubten und der Nach
weis daher indirekt, gestützt auf Indizien, zu erbringen sei, wobei bei Beweis-losigkeit vermutet werde, dass sich der geklagte
Gesundheitsschaden nicht invali
disierend auswirke (
BGE 139 V 547 E. 7.2 und E. 8.1).
Für diesen Nachweis hatte das Bundesgericht in Anlehnung
an eine bestimmte medizinisch
e Lehrmeinung
(vgl. BGE 139 V 547 E. 3.2.3 mit Hinweis auf Klaus Foerster, Begutachtung und Erwerbsfähigkeit bei Patienten mit psychogenen Störungen, SZS 1996 S. 486 ff.) besondere Kriterien aufgestellt, die in gewisser Ausprägung und Zahl erfüllt sein mussten (BGE 137 V 64 E. 4.1). Als
Hauptkri
terium
hatte das Bundesgericht
eine psychische Komorbidität
genannt
, also die Diagnose einer weiteren, von der
pathogenetisch
-ätiologisch
unklaren Störung
zu unterscheidenden psychischen Krankheit von erheblicher Schwere, Ausprä
gung und Dau
er. Für den Fall des Fehlens einer
psychischen Komorbidität
hatte das Bundesgericht
weitere Faktoren
bezeichnet
, die bei entsprechender Intensi
tät auf eine Beeinträchtigung der Arbeits
fähigkeit hatten hinweisen können
, nämlich chronische körperliche Begleiterkrankungen und ein
en mehrjährigen
Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne län
ger dauernde Rückbildung, ein
en ausgewiesenen sozialen
Rückzug in allen Belangen des Lebens, ein
en verfestigten
, the
rapeutisch nicht mehr angehbaren innerseelischen
Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (sogenannter primärer Krankheitsgewinn, "Flucht in die Krankheit") sowie unbefriedigende Ergebnisse trotz konsequent durchgeführter
ambulanter oder stationärer Behandlungs- oder Rehabilitationsbemühungen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der versic
herten Person (BGE 139 V 547 E. 9.1.1, 137 V 64
E. 4.1, 131 V
49 E. 1.2, 130 V 352 E.
2.2.3).
Ursprünglich hatte das Bundesgericht diese Kriterien für die Diagnose der
anhaltenden
somatoformen
Sch
merzstörung
(Code F45.4 der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10)
entwickelt, später hatte es sie auf alle p
athogenetisch
-ätiologisch unklare
n
Beschwerdebilder im dargelegten Sinne ausgedehnt (vgl. die Kasuistik in BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3, 139 V 547 E. 2.2). Das
Bundesgericht hatte den Kriterien normativen Charakter zugeschrieben und dazu festgehalten, der ursprüngliche Katalog fachpsychologischer Prognosekriterien habe sich zu einem rechtlichen Anforderungsprofil verselbständigt (vgl. BGE 139 V 547 E. 3.2.3 und E. 7.2).
2
.2.2
Im Grundsatzurteil vom 3. Juni 2015 (BGE 141 V 281) hat das Bundesgericht entschieden, an der bisherigen Rechtsprechung zu den
pathogenetisch
-ätiolo
gisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage nicht länger festzuhalten und die sogenannte
Überwindbarkeitsver
mutung
aufzugeben. Stattdessen hat das Bundesgericht unter Aufstellung von Standardindikatoren
einen neuen
Prüfungsraster entwickelt, anhand dessen die Auswirkungen solcher Beschwerdebilder zu ermitteln sind. Er präsentiert sich wie folgt (BGE 141 V 281 E. 4.1.3 und E. 6):
Kategorie „fu
nktioneller Schweregrad"
Komplex „Gesundheitsschädigung"
Ausprägung der diagnos
erelevanten Befunde
Behandlungs- und Eingliederungserf
olg oder –
resistenz
Komorbiditäten
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, p
ersönliche Res
sourcen
)
Kompl
ex „Sozialer Kontext"
Kategorie „Konsistenz" (Gesich
tspunkte des Verhaltens)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivit
ätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewi
esener
Lei
dens
druck
Dieser Raster verzichtet insbesondere auf den
Begriff des primären
Krank
heitsgewinnes
und
auf die Bedeutung
der psychiatrische
n Komorbidität als Hauptkriterium (vgl. BGE 141 V 281 E. 6). Hingegen schreibt das Bundesgericht dem neuen Raster wiederum normativen Charakter zu, weist jedoch darauf hin, dass es die Aufgabe der medizinischen Fachpersonen sei, innerhalb der ein
schlägigen Indikatoren das Leistungsvermögen einzuschätzen (vgl. BGE 141 V 281 E. 5.1 und E. 5.2). Des Weiteren müssen d
ie
funktionellen Einschränkun
gen
nach wie vor m
it überwiegender Wahrsc
heinlichkeit nachgewiesen sein
nunmehr anhand der neuen Standardindikatoren -, und es ist die versicherte Person, welche die Beweislast dafür trägt (vgl. BGE 141 V 281 E. 6).
Was die Beweismittel betrifft, so verlieren Gutachten, die vor der dargelegten Rechtsprechungsänderung eingeholt worden sind, gemäss den Ausführungen des Bundesgerichts nicht zwangsläufig ihren Beweiswert. Vielmehr soll im ein
zelnen Fall geprüft werden, ob diese Gutachten, allenfalls zusammen mit
wei
teren fachärztlichen Berichten
,
eine schlüssige Beurteilung im Lichte der mass
geblichen In
dikatoren erlauben
(
vgl. BGE 141 V 281 E.
8).
2.3
Im sozialversicherungsrechtlichen Verfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Der Versicherungsträger prüft nach Art. 43 Abs. 1 ATSG die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein, wobei mündlich erteilte Auskünfte schriftlich festzuhalten sind.
B
ei Beweislosigkeit
fällt
der Entscheid zu Ungunsten jener Partei aus, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten
wollte
. Diese
Beweis
regel
kommt jedoch erst dann zum Zug
, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf
g
rund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V
261 E. 3b
).
3.
3.1
Im Urteil vom 3
0.
Januar 2014
wies
das Sozialversicherungsgericht
darauf hin
, dass das Wartejahr nach
Art. 28
Abs. 1
lit
. b IVG begonnen habe
, als der Beschwerdeführer seine
Arbeitstätigkeit
bei der
Z._
AG am 25.
Februar 2010 aus g
esundheitlichen Gründen
eingestellt habe
und a
b dann arbeitsunfähig geschrieben
gewesen
sei
, und dass der Beschwerdeführer somit b
ei einer
durchschnittlichen Arbeitsunfä
higkeit während eines Jahres von mindestens 40 %
frühestens
ab dem 1. Februar 2011 Anspruch auf eine Rente
habe
,
sofern er ab diesem Zeitpunkt eine krankheitsbedingte Erwerbseinbusse von mindestens 40 %
aufweise
(
Urk.
12/108/
8-9 E. 3.3). Diese Erwägungen sind nach wie vor massgebend.
3.2
Zu den erforderlichen zusätzlichen Abklärungen hielt das
Sozialversicherungs
gericht
im Urteil vom 3
0.
Januar 2014 fest,
es seien zunächst Berichte der behandelnden Ärz
te und Institutionen einzuholen und d
anach seien die Akten der MEDAS
E._
zur Ergänzung und Vervollständigung zu unterbreiten. Die Rückweisung schliesse zu
dem
die Auflage an die Beschwerdegegnerin
ein
, ein neues, vor allem psychiatrisches, Gutachten in Auftrag zu geben,
wenn dies nach der vorab veranlassten
Ergänzung geboten sein sollte; ferner könne e
in neues Gutachten anstelle der Ergänzung des bestehenden Gutachtens zur Beurteilung des Verlaufs im gesamten, bis in die Gegenwart reichenden Zeitraum in Betracht fallen (Urk. 12/108/13-14 E. 3.4.5).
Im Sinne dieser letzten Überlegung sah die Beschwerdegegnerin davon ab, Ergänzungen bei der MEDAS
E._
einzuholen, und gab
das
neue
polydisziplinäre Gutachten
der Gutachtenstelle
L._
in Auftrag. Es ist zu prü
fen, ob
der Rentenanspruch des Beschwerdeführers unter Berücksichtigung die
ses neuen Gutachtens beurteilbar ist.
3.3
3.3.1
In somatischer Hinsicht stimmen die Fachgutachten
des Rheumatologen Dr.
O._
und des Neurol
o
gen
Dr.
P._
der Gu
t
achtenstelle
L._
grundsätzlich überein mit den Beurteilungen
des Rheumatologen
Dr.
J._
und des Neu
rologen
Dr.
I._
im Gutachten der MEDAS
E._
, die das Gericht im Urteil vom 3
0.
Januar 2014 als einleuchten
d erachtet hatte (Urk. 12/108/9
10 E. 3.4.2).
3.3.2
Der Rheumatologe
Dr.
O._
bezeichnete die Befunde an Nacken und Rücken als unverändert gegenüber der Voruntersuchung (
Urk.
12/138/75-76) und beschrieb Kniebeschwerden als seither zusätzlich aufgetretene Problematik (Urk. 12/138/76-78), mass diesen jedoch wie den übrigen rheumatologischen Befunden keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu (
Urk.
12/138/78-79). Die Ausführungen von
Dr.
O._
sind eingehend, sorgfältig und einleuchtend,
sodass darauf abgestellt werden kann und
es keiner weiteren
rheumatologischen
Abklärungen bedarf.
Bei der neurologischen Untersuchung durch
Dr.
P._
standen wie schon bei
Dr.
I._
die chronischen Kopfschmerzen im Vordergrund, und
Dr.
P._
teilte hinsichtlich der Befunde die Beurteilung von
Dr.
I._
(
Urk.
12/138/87). Nur die Arbeitsfähigkeit beurteilte
Dr.
P._
leicht abweichend von
Dr.
I._
; während
Dr.
I._
dem Beschwerdeführer
auch unter Berücksichtigung der Kopfschmerzen keine Arbeitsunfähigkeit aus neurologischer Sicht attestierte (
Urk.
12/69/6), bemass Dr.
P._
die Arbeitsfähigkeit aus rein neurologischer Sicht wegen der chronischen Kopfschmerzen auf 80-90
%
(
Urk.
12/138/88). Hier handelt es sich aber nur um eine geringfügig andere Wertung. Sie wurde zudem nicht in die Gesamtbeurteilung
des Gutachtens der Gutachtenstelle
L._
über
nommen
;
dort wurde vielmehr
von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit in somatischer Hinsicht ausgegangen
(
Urk.
12/138/47). Deshalb sind
a
uch in neu
rologischer Hinsicht keine weiteren Abklärungen erforderlich.
3.3.3
Am fehlenden Abklärungsbedarf in somatischer Hinsicht ändert nichts, dass der Beschwerdeführer die
thorakolumbovertebralen
Schmerzen, die im Februar 2010 zu Behandlungen und zur Arbeitseinstellung geführt hatten, sowohl gegenüber den Gutachtern
der MEDAS
E._
als auch gegenüber den
Gutachtern der Gutachtenstelle
L._
auf einen Arbeitsunfall zurückführte (
Urk.
12/68/17, Urk. 12/138/22+23), ein solcher jedoch in den Akten nicht dokumentiert ist, weder im Bericht der Arbeitgeberin vom 1
3.
Juli 2010 (vgl.
Urk.
12/33/5), noch im Bericht des
B._
vom 2
9.
März 2010 (vgl. Urk. 12/40/18). Denn die Notfalluntersuchung im
Spital Q._
vom 25.
Februar 2010 und eine Sprechstunde in der Klinik
R._
vom 1
1.
März 2010 hatten offenbar nichts Auffälliges ergeben
(vgl.
Urk.
12/40/18 sowie Urk.
12/40/30-31).
3.4
3.4.1
Die Rückweisung im Urteil vom 3
0.
Januar 2014 war denn auch nicht zur Abklärung der somatischen Beeinträchtigungen erfolgt, sondern
zur ergänzen
den psychiatrischen Abklärung,
hauptsächlich wegen der fehlenden Auseinan
dersetzung
im psychiatrischen
Konsiliargutachten
der
MEDAS
E._
mit den vorangegangenen psychiatrischen Beurteilun
gen (Urk.
12/108/10-12 E. 3.4.3).
3.4.2
Die Gutachter der Gutachtenstelle
L._
waren
sich in Übereinstimmung mit den Gutachtern der MEDAS
E._
(
Urk.
12/68/23)
darüber einig, dass eine psychische Problematik dominiert. Der Rheumatologe
Dr.
O._
hielt fest, es stehe eine psychosomatische Fehlentwicklung im Vordergrund (Urk. 12/138/79), der Neuro
loge
Dr.
P._
erklärte ebenfalls, die psychiatrische Situation sei klar führend (
Urk.
12/138/88), und die Gesamtbeurteilung folgte dieser Einschätzung (
Urk.
12/138/44).
Dennoch erlaubt die psychiatrische Seite des
Gutachten
s
der Gutachtenstelle
L._
aus den nachfolgenden Gründen immer noch keine zuverlässige Beurtei
lung des Rentenanspruchs, auch nicht unter Be
rücksichtigung dessen, dass der Beschwerdeführer
die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat.
3.5
3.
5
.1
Die psychiatrischen Diagnosen des Psychiaters
Dr.
H._
im psychiatrischen
Konsiliargutachten
der MEDAS
E._
lauteten folgendermassen
(Urk.
12/69/18):
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
maligne Regression im Rahmen einer ängstlichen
,
(vermeidenden) Persönlichkeitsstörung (
ICD-10
Code F
60.6
)
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
aktenanamnestisch
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung und schwere depressive Episode (ICD-10 Code F45.4 und Code F32.3)
Die aktenanamnestischen Diagnosen waren damals insbesondere einem Bericht der
D._
vom 2
5.
August 2011 (
vgl. dessen
Zusammenfassung im Gutachten
der MEDAS
E._
,
Urk.
12/68/13-15) und den Berichten des
C._
vom 2
6.
Januar und vom 1
1.
Mai 2011 (Urk. 12/51 sowie
Urk.
12/53/5-8 und
Urk.
12/54) zu entnehmen gewesen.
Die beiden Institutionen hielten auch in der Folgezeit an
diesen Diagnosen
fest, die
D._
im Bericht vom
7.
Mai 2012 (
Urk.
12/84/1) und das
C._
beispielsweise im Bericht vom 25. September 2012 (
Urk.
12/95) und in einem aktuelleren Bericht vom 10. September 2015 (Urk. 12/150/3). Ausserdem stellte die
D._
im Bericht vom
7.
Mai 2012 die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (
Urk.
12/84/1), und das
C._
übernahm diese Diagnose in seinem Bericht vom 10. September 2015 (Urk. 12/150/3). Schliesslich diag
nostizierte auch Prof.
K._
in den Berichten vom 2
7.
März 2014 und vom 1
9.
Mai 2015 eine schwere beziehungsweise mittelschwere Depression und eine Schmerzstörung (ICD-10
Code
F45.40 oder 41) (
Urk.
12/112/1 und
Urk.
12/146/4).
3.5.
2
Die Psychiaterin
Dr.
N._
der Gutachtenstelle
L._
stellte die folgenden psychiatrischen Diagnosen (
Urk.
12/138/62):
c
hronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10 Code F45.2)
mittlere depressive Episode (ICD-10 Code F32.2)
ä
ngstlich-vermeidende akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10
Code
Z73.0)
Damit folgte sie grundsätzlich den Diagnosen der
D._
, des
C._
und von Prof.
K._
, abgesehen von der posttraumatischen Belastungsstörung, die sie explizit nicht bestätigen konnte (
Urk.
12/138/62
). Auch der Beurteilung von Dr.
H._
der MEDAS
E._
folgte sie insoweit, als sie ebenfalls eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstruktur beobachtete (
Urk.
12/138/63). Eine graduelle Abweichung besteht darin, dass
Dr.
N._
daraus keine eigenständige Diagnose ableitete, sondern ihr nur die Qualität von Zusatzfaktoren zuschrieb.
3.5.
3
In Bezug auf die Diagnosen hat die Begutachtung durch
die Gutachtenstelle
L._
somit
eine gewisse
Klärung gebracht. Denn im Urteil vom 3
0.
Januar 2014
war dem
Sozialversicherungsgericht
aufgefallen,
dass
der Psychiater
Dr.
H._
einzig der von ihm gestellte
n
Diagnose einer Persönlichkeitsstörung Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zugeschrieben hatte, ohne jedoch
die
Diagnosen einer anhaltende
n
somatoformen
Schmerzstörung und einer schweren depressiven Episode der vorbeurteilenden Ärzte
zu analysieren
und zu diskutieren
und
die eigene, divergierende
Beurteilung
zu begründen
(Urk.
12/108/10-12 E.
3.4.3).
Demgegenüber erwähnte
Dr.
N._
die Diagnosen der behandelnden Ärzte
nun
nicht me
hr nur aktenanamnestisch
, sondern
bestätigte
sie aufgrund ihrer eigenen Beurteilung
und Diskussion
(vgl.
Urk.
12/138/62-64).
Anders verhält es sich
mit der
Arbeitsfähigkeits
beurteilung, wie sich aus dem Folgenden ergibt.
3.6
3.6.
1
Dr.
H._
der MEDAS
E._
bemass die Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht auf 30
%
(
Urk.
12/69/21), und im Gesamtgutachten wurde die 30%ige Einschränkung übernommen (Urk. 12/68/23-24). Allerdings fügte
Dr.
H._
bei, bei der Festlegung der Arbeitsunfähigkeit auf 30
%
handle
es
sich um einen etwas willkürlichen Wert, weil die krankheitswertigen Faktoren von den übrigen Faktoren schwer abzugrenzen seien (
Urk.
12/69/21).
Dr.
N._
nahm demgegenüber keine Bezifferung der Arbeitsunfähigkeit vor, sondern hielt lediglich fest, aufgrund der anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung in Kombination mit der diagnostizierten affektiven Störung und den daraus resultierenden funktionellen Einschränkungen sei von einer begrenzten Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt auszugehen. Sie führte aber
- insoweit in Übereinstimmung mit
Dr.
H._
-
aus, die
Arbeitsfähig
keits
begrenzung
sei aufgrund einer
massiven Symptomausweitung nicht definitiv beurteilbar
, und hielt dafür, dass sich
am ehesten eine Begutachtung im statio
nären Rahmen empfehlen
würde
(
Urk.
12/138/64). Die Grenzen der
Beurteilbar
keit
gingen auch in die Gesamtbeurteilung ein; dort steht, die Arbeitsfähigkeit lasse sich aus psychiatrischer Sicht aufgrund der
Symptomauswei
tung
/Aggravation nicht sicher bestimmen ohne weiterführende Informationen,
und diese wären
im Rahmen einer stationären Begutachtung oder einer länge
ren Beobachtung im Alltag zur Abschätzung der effektiven Einschränkungen der Alltagsfunktionalität zu gewinnen (Urk. 12/138/46+47).
3.6.
2
Die Beschwerdegegnerin
gelangte
in der angefochtenen
rentenabweisenden
Verfügung
nach Einholen
eine
r
Beurteilung
ihres RAD-Arztes
Dr.
med.
S._
, Spezialarzt für Neurologie und für Psychiatrie und
Psychotherapie, vom 2
9.
April 20
15 (
Urk.
12/144/
4) zur Beurteilung, die ausgeprägte Symptomausweitung und Aggravation, die der Beschwerdeführer während der Begutachtung durch die Gutachtenstelle
L._
gezeigt habe, habe eine eindeutige Beurteilung nicht möglich gemacht, und eine stationäre Begutachtung würde keine weiteren Erkenntnisse bringen, da bereits zwei unabhängige Begutachtungsinstitute und mehrere Fachgutachter zu vergleichbaren Ergeb
nissen gelangt seien (
Urk.
2 S.
2).
3.6.
3
3.6.3.1
Wenn
das Gutachten der Gutachtenstelle
L._
klar
ergeben hätte
, dass eine Aggravation weit im Vordergrund stünde, so wäre
der Rentenanspruch des Beschwerdeführers im Sinne der Auffassung der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
2 S.
2,
Urk.
11 S. 2)
ohne
w
eitere
Abklärungen
zu verneinen,
dies gestützt auf die Rechtsprechung, dass keine versicherte Gesundheitsschädigung vorliegt,
soweit
eine
Leistungseinschränkung auf einer Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht (BGE 14
1 V 281 E. 2.2.1 und E. 2.2.2).
Klarheit über das Vorherrschen einer Aggravation besteht indessen entsprechend dem Fazit der Gutachter, die effektiven psychischen Einschränkungen seien im Rahmen der Begutachtung nicht definitiv beurteilbar gewesen, gerade nicht.
3.6.3.2
Zwar werden im Gutachten
der Gutachtenstelle
L._
einzelne
Ind
izien, die für eine
Aggrava
tion sprechen,
durchaus erwähnt, so die
vom Beschwerdeführer gleich zu Beginn der Exploration von sich aus genannte Diagnose einer D
epression (Urk. 12/138/22+42
) -
und im Rahmen der Vorbegutachtung in der MEDAS
E._
die spontane Verwendung de
r Schmerzintensitätsskala (
Urk. 12/69/3+8+20
) -,
der Eindruck der fehlenden Authentizität mit eingeübten Formulierungen (
Urk.
12/138/26+42)
sowie
ein in der Schweiz lebender Bruder, der
nach den Angaben des Beschwerdeführers
ebenfalls
an
Kopfschmerzen und Depressionen
leidet
und eine
Rente der Invalidenversicherung bezieht
(Urk.
12/138/25
+42).
Ferner fiel den
Gutachter
n
auf,
das
s sich
die zweite
Hos
pitalisation
in der
D._
von Februar bis
April 2012
unmittelbar an das Vorliegen des
Ergebnis
ses
der Begutachtung in der MEDAS
E._
angeschlossen hatte,
und sie zogen eine Trotzreaktion in Betracht
(Urk.
12/138/45
). Dies ist deshalb
nicht von vornherein abwegig, weil schon die
erste
Hospitalisa
tion
von Juni bis August 2011
kurz nach einer
Begutachtung im Auftrag der Krankenkasse vom April 2011
stattgefunden hatte (
vgl. zu dieser Begutachtung die Stellungnahme des
C._
vom 3
0.
Juni 2011, Urk.
12/91/12-15).
Diese
verschiedenen Punkte machen
jedoch
nicht vollumfänglich plausibel, weshalb gemäss der Formulierung in der Gesam
t
beurteilung sämtliche soma
tischen Untersuchungen im Rahmen des aktuellen Gutachtens wie auch der früheren Gutachten klar in Richtung einer mehr oder weniger bewusstseins
-
nahen Aggravation
hätten
hindeuten sollen. Denn im nächsten, diese Auffassung begründenden Satz wird lediglich dargetan, es seien keine objektivierbaren Befunde je zu erheben, die eine relevante Einschränkung der Leistungsfähigkeit begründen könnten, und aus somatischer Sicht könnten keine strukturellen Läsionen gesehen werden, die eine relevante Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
hätten (
Urk.
12/138/45).
Allein mit dem Fehlen von organischen Befunden lässt sich eine Aggravation indessen nicht begründen (vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_899/2014 vom 2
9.
Juni 2015 E. 4.3.1), da es sich
bei diesem Fehlen
um das zentrale Diagnosekriterium einer psychisch bedingten Schmerzstörung handelt.
3.6.3.3
Immerhin beobachtete der Rheumatologe
Dr.
O._
, dass der Beschwerdeführer den Kopf bei der Anamneseerhebung frei bewegt, auf die passive
Beweglich
keitsprüfung
jedoch mit Gegeninnervation reagiert habe, er interpretierte dies jedoch als Vermeidungsverhalten einer
chronifizierten
Schmerzverarbeitungs
störung
(Urk. 12/138/75
76; vgl. auch die Beschreibung des Kopfes als frei beweglich mit kräftiger Rotation bei der neurologischen Untersuchung,
Urk.
12/138/85). Wenn
Dr.
O._
daher andernorts eine manifeste
Selbstlimitie
rung
annahm (Urk. 12/138/79), so spricht diese Formulierung nicht zwingend für eine bewusstseinsnahe Aggravation. Der Begriff der Aggravation fehlt sodann auch im neurologischen Fachgutachten von Dr.
P._
.
Schliesslich verwendete
die psychiatrische Fachgutachterin
Dr.
N._
den Begriff der Aggravation
ebenfalls
nicht, sondern spr
ach von einer Symptomausweitung und führte
i
m Einzelnen aus,
d
er Beschwerdeführer weise eine komplexe Symptomatik auf, die bereits stark
chronifiziert
sei, und aktuell imponiere eine Schmerzsymptomatik, wobei es zu einer Symptomausweitung und starken funktionellen Überlagerung gekommen sei (
Urk.
12/138/63). Die
Symptomaus
weitung
erscheint als
Überbegriff f
ür eine Symptomatik
, die weder durch orga
nische noch durch psychische Befunde ohne Weiteres erklärt werden kann,
es
kann
jedoch nicht ohne Weiteres angenommen werden, Dr.
N._
verwende den Begriff als Synonym für eine bewusstseinsnahe Aggravation. Denn
Dr.
N._
hielt auch fest, es sei davon auszugehen, dass ein verfestigter und therapeutisch schwer angehbarer beziehungsweise nicht angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch ent
lastenden Konfliktbewältigung im
Sinne eines primären Krankheitsgewinns vorliege (
Urk.
12/138/63). Beim primären Krankheitsgewinn handelt es sich indessen um eines der Kriterien, die nach der alten Rechtsprechung zu den
somatoformen
Schmerzstörungen eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Beeinträchtigung zu belegen geeignet waren (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1). Und soweit im Gesamtgutachten ausgeführt wurde, die Diagnose der malignen Regression im Gutachten der MEDAS
E._
komme faktisch einer hochgradigen Aggravation gleich (Urk. 12/138/45), so verwendete Dr.
N._
diesen Begriff in ihrem Fachgutachten gar nicht und er wird weder im Gutachten der MEDAS
E._
noch im Gutachten der Gutachtenstelle
L._
hergeleitet und
näher
erläutert.
3.6.
4
Entgegen der Beurteilung der Beschwerdegegnerin kann sodann nicht von vornherein gesagt werden, von weiteren Abklärungen
seien keine neuen Erkenntnisse zu erwarten.
Denn
Dr.
N._
und die Gutachter der Gutachtenstelle
L._
in ihrer Gesamtheit
schlugen zur Gewinnung weiterführender Informationen
ausdrücklich
eine
stationäre Begutachtung
vor
(
Urk.
12/138/64 und Urk. 12/138/46+47
)
. D
ie Beschwerdegegnerin kann daher d
eren Entbehr
lichkeit nicht mit vergleichbaren Begutachtungser
gebnissen begründen.
3.6.5
Zusammengefasst war es den Gutachtern der Gutachtenstelle
L._
nicht mög
lich, definitive Aussagen zu den krankheitsbedingten Einschränkungen zu machen, sie sahen jedoch in einer stationären Begutachtung ein Mittel, zu solchen Aussagen zu gelangen.
Es kann
daher
nicht gesagt werden, die Beschwerdegegnerin habe bereits alles unternommen, was im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes
von ihr verlangt werden könne
,
und es sei
somit zu Ungunsten des Bes
chwerdeführers unbewiesen geblieben
, dass
dessen
Arbeits
fähigkeit durch ein Leiden mit Kra
nkheitswert beeinträchtigt werde. Vielmehr liess der Beschwerdeführer zu Recht beanstanden (vgl.
Urk.
1 S. 4), dass die Beschwerdegegnerin von einer stationären psychiatrischen Abklärung abgese
hen hatte.
3.7
Eine solche stationäre psychiatrische Abklärung ist daher noch na
chzuholen. Die Pflicht
zu
deren Veranlassung
ist der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen, denn es handelt sich um eine Ergänzung zur durchgeführten ambulanten Begutachtung auf die Empfehlung der Gutachter hin.
Die mit
der stationären
Begutachtung beauftragte Institution
wird zu beachten haben, dass für die Beurteilung der Auswirkungen des
erhobenen
Beschwerdebildes die neuen Standardindikatoren des Bundesgerichts massgebend sind, soweit dieses Beschwerdebild
zum
Ka
talog der davon erfassten Störungen gehört.
Sie wird deshalb insoweit die Sachverhaltsfragen zu beantworten haben, die den Indi
katoren zugrunde liegen. Des Weiteren
wird
sie
zu prüfen haben, ob die Anwendung von Testverfahren angezeigt ist, sie wird
die aktuellen Berichte der
behandelnden Ärzte
und Institutionen (
D._
,
C._
, Prof.
K._
)
zu berücksichtigen
und
fremdanamnestische Angaben
bei ihnen
zu beschaffen haben
,
und sie wird auch
danach zu fragen haben,
ob fremdanamnestische Angaben aus dem privaten Umfeld des Beschwerdeführers erhältlich sind.
Damit ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass die
angefochtene
Verfügung vom 2
8.
Dezember 2015 aufzuheben
und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese im Sinne der Erwägungen
eine stationäre psychiatrische Abklärung veranlasse
und hernach über
den Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu befinde
.
4.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Verfahren für die unterliegende Beschwerdegegnerin kostenpflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des g
esetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) ermessensweise auf Fr. 700.--
festzusetzen.
5.
Nach Art. 61
lit
. g ATSG hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person An
spruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten, die ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen si
nd; als weitere Bemessungskrite
rien nennen die ergänzenden kantonalen Vorschriften (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
] sowie
§ 8 der Verordnung über die Ge
büh
ren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht [
GebV
SVGer
]) den Zeitaufwand und die Barauslagen.
Unter Berücksichtigung dieser Kriterien rechtfertigt es sich, dem Beschwerde-führer eine Prozessentschädigung von
Fr.
1‘600.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.