Decision ID: f422b77c-dd98-4e74-ae70-0f6dc148fcaa
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Februar 2008 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1 und 3). Im Auftrag der IV-Stelle erstattete das
medizinische Gutachtenzentrum St. Gallen (MGSG) am 18. Dezember 2008 ein
rheumatologisches und psychiatrisches Gutachten (IV-act. 51 f.). Die Sachverständigen
hielten fest, die Versicherte leide an einer postpartal ausgelösten, seit etwa April 2007
bestehenden mittelgradigen bis schweren depressiven Episode mit einem somatischen
Syndrom sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einem chronifizierten,
lokalisatorisch ausgedehnten musculo-skelettalen Schmerzsyndrom und an einem
residuellen Knieschmerz links. Aus psychiatrischer Sicht sei sie vollständig
arbeitsunfähig. Für eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit könne höchstens ein
Arbeitsfähigkeitsgrad von 30 Prozent attestiert werden. Mit einer Verfügung vom 13.
Januar 2010 sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Wirkung ab dem 1. März 2008
eine ganze Rente der Invalidenversicherung bei einem Invaliditätsgrad von 70 Prozent
zu (IV-act. 97).
A.a.
Im Mai 2014 beantragte die Versicherte unter Hinweis auf eine im Jahr 2012
erfolgte Operation an der rechten Hüfte eine Hilflosenentschädigung (IV-act. 114). Im
Auftrag der IV-Stelle erstellten die Psychiaterin Dr. med. B._ und der Facharzt für
orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates Dr. med. C._
am 14. Februar 2015 ein bidisziplinäres Gutachten (IV-act. 141). Sie hielten fest, die
Versicherte leide an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit paranoid-
misstrauischen, passiv-aggressiven und emotional-instabilen Anteilen, an einem
chronischen Panvertebralsyndrom, an Hüftgelenksschmerzen rechts sowie – ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einer gegenwärtig weitgehend remittierten
rezidivierenden depressiven Störung, an einer beginnenden Coxarthrose links und an
beidseitigen Knieschmerzen. Aus bidisziplinärer Sicht sei eine leidensadaptierte
A.b.
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Tätigkeit grundsätzlich während sieben Stunden pro Tag zumutbar. Aufgrund der
Dekonditionierung seien Integrationsmassnahmen mit einem langsamen Arbeitseinstieg
und einer schrittweisen Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu empfehlen. Innert Jahresfrist
könne mit einer Arbeitsfähigkeit von mindestens 50 Prozent gerechnet werden.
Medizinisch-theoretisch sei eine Steigerung auf 100 Prozent möglich. Auf eine
Nachfrage der IV-Stelle hin führten die Sachverständigen im März 2015 ergänzend aus
(IV-act. 147), die Arbeitsfähigkeit für eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit liege aktuell
bei 50 Prozent. Aufgrund der langjährigen Dekonditionierung seien aus psychiatrischer
Sicht Integrationsmassnahmen mit einem langsamen und schrittweisen Aufbau der
Arbeitsfähigkeit zu empfehlen. Im Juni 2015 berichtete der behandelnde Psychiater
med. pract. D._ (IV-act. 154), er hege den Verdacht, dass die Versicherte an einer
schizo-affektiven Störung, gegenwärtig depressiv, leide. Differentialdiagnostisch stehe
eine organische Erkrankung des Gehirns mit wahnhaften (schizophreniformen) und
depressiven Anteilen zur Diskussion. Die Versicherte sei vollständig arbeitsunfähig. Sie
könne nicht einmal in einem geschützten Rahmen arbeiten, weil sie den Vorgesetzten
und den Mitarbeitern nicht zumutbar sei. Selbst eine stationäre oder tagesklinische
Behandlung sei zum Scheitern verurteilt, weil die Versicherte den behandelnden Ärzten,
dem Pflegepersonal und den übrigen Patienten nicht zumutbar sei. Im Auftrag der IV-
Stelle wurde die Versicherte im Zeitraum vom 17. September 2015 bis zum 30.
September 2015 durch die CX Partners GmbH observiert. Die CX Partners GmbH hielt
in ihrem Observationsbericht vom 9. Oktober 2015 fest (IV-act. 164), die Versicherte
habe sich ohne sichtbare Einschränkungen oder Beschwerden bewegt. Sie habe
aufmerksam, beweglich und fit gewirkt. Sie habe gelacht und sie sei kommunikativ
gewesen. Sie sei täglich als Fahrzeuglenkerin unterwegs gewesen. Im November 2015
notierte Dr. med. E._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 167),
allein schon die Beobachtung, dass die Versicherte täglich als routinierte
Fahrzeuglenkerin unterwegs gewesen sei, könne mit den vom behandelnden
Psychiater D._ beschriebenen Einschränkungen der Konzentration und der
Auffassung sowie der angeblichen Verkennung von Situationen aufgrund eines
psychotischen Geschehens nicht vereinbart werden. Anlässlich eines
„Standortgesprächs“ räumte die Versicherte nach einer Konfrontation mit den
Observationsergebnissen am 2. Dezember 2015 ein (IV-act. 169), sie habe teilweise
unwahre Angaben gemacht. Sie habe ihre Krankheit verdeutlichen wollen.
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Im Auftrag der IV-Stelle erstatteten der Rheumatologe Dr. med. F._ und der
Psychiater PD Dr. med. G._ vom H._ am 10. November 2016 ein bidisziplinäres
Gutachten (IV-act. 191 f.). Der rheumatologische Sachverständige hielt fest, die
Versicherte leide an einem Status nach Implantation einer Hüft-Totalendoprothese
rechts, an chronischen Cervicalgien und Lumbalgien sowie – ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit – an einer möglichen beginnenden Coxarthrose links. Die Ergebnisse
der körperlichen Untersuchung seien abgesehen von einer deutlichen Fehlhaltung,
einer ausgeprägt demonstrierten Insuffizienz der rumpfstabilisierenden Muskulatur,
einer Druckdolenz des leicht hypertonen Musculus glutaeus medius rechts und leichten
Verkürzungen der hinteren Bein- und der vorderen Oberschenkelmuskulatur unauffällig
gewesen. Auch der radiologische Befund müsse als weitgehend unauffällig qualifiziert
werden. Es bestehe folglich eine Übereinstimmung zwischen den radiologischen
Befunden, den objektiv klinischen Befunden und den Observationsergebnissen. In
Übereinstimmung mit dem orthopädischen Sachverständigen Dr. C._ sei aufgrund
der Implantation einer Totalendoprothese der rechten Hüfte von einer leicht
verminderten Belastbarkeit auszugehen. Von Seiten der degenerativen, geringen
Veränderungen der Lendenwirbelsäule sei die Rückenbelastbarkeit geringgradig
eingeschränkt. Zusammenfassend seien ein häufiges, repetitives Heben, Tragen oder
Hantieren von Lasten über sieben Kilogramm oder von gelegentlichen Einzellasten über
20 Kilogramm zu vermeiden. Weitere Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit könnten
aus rheumatologischer Sicht nicht attestiert werden. Der psychiatrische
Sachverständige führte aus, die Versicherte habe in der Untersuchung eine
ausgeprägte Leidenshaltung eingenommen und mehrfach ausdrücklich darauf
hingewiesen, dass sie sich besonders schmerzschonend bewegen und halten müsse,
um einigermassen zurecht zu kommen. Dieses Verhalten habe in einem erheblichen
Kontrast zu jenem Verhalten gestanden, das in den Observationsvideos habe
beobachtet werden können. Die in der Untersuchungssituation mehrfach wiederholte
Aussage der Versicherten, wenn sie mit ihren Kindern unterwegs sei, um etwas
einzukaufen, sei sie „nur am Schreien“, weil sie sich nicht beherrschen könne, lasse
sich anhand der Observationsvideos nicht validieren. Angesichts des sehr wesentlichen
Kontrastes zwischen dem in den Observationsvideos dokumentierten und dem in der
Untersuchung präsentierten Verhalten stelle sich die Frage nach der medizinischen
Authentizität der Beschwerdedarstellung. Die Versicherte habe in den
A.c.
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testpsychologischen Selbstbeurteilungsskalen Extremwerte angekreuzt. Der SFSS-
Test habe eine sehr erhebliche Beschwerdeverdeutlichungstendenz nachgewiesen.
Das stehe in Übereinstimmung mit dem klinischen Untersuchungsbefund. In der
Untersuchung habe die Versicherte verstimmt, ängstlich und angespannt gewirkt.
Während eines Teils der Untersuchung habe sie sich stark an den Unterarmen gekratzt;
sie habe emotional extrem angespannt gewirkt. Mehrfach habe sie sich ungehalten und
vorwurfsvoll geäussert. Sie habe einen erheblich angespannt-aggressiven emotionalen
Zustand gezeigt. Die Stimmung habe insgesamt sehr stark moros, angespannt und
gereizt gewirkt. Die Grundstimmung sei dysthym, aber nicht eigentlich depressiv oder
devitalisiert gewesen. Der Affekt sei praktisch nicht auslenkbar, aber vital gewesen. Der
Antrieb sei gehemmt und gesteigert gewesen. Im Übrigen sei der klinische
Untersuchungsbefund unauffällig ausgefallen. Insgesamt lasse sich auf dem
psychiatrischen Fachgebiet keine krankheitswertige Störung belegen, die einen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätte. Die Versicherte leide zwar an einer Dysthymia,
aber diese habe keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Aufgrund der Angaben der
Versicherten könne eine gewisse Persönlichkeitsakzentuierung angenommen werden,
aber das ausschnitthaft dokumentierte Verhalten der Versicherten in den
Observationsvideos zeige ein ganz anderes Bild, sodass kein Grund zur Annahme einer
Persönlichkeitsakzentuierung oder einer Persönlichkeitsstörung bestehe. Bezüglich der
Diagnosen und der Arbeitsfähigkeitsschätzung bestehe eine weitgehende
Übereinstimmung zum psychiatrischen Teilgutachten von Dr. B._, in dem ebenfalls
eine überwiegend erhaltene Arbeitsfähigkeit attestiert worden sei. Die Versicherte sei
uneingeschränkt arbeitsfähig.
Der behandelnde Psychiater D._ hielt in einer Stellungnahme vom 3. März 2017
zum psychiatrischen Teilgutachten von PD Dr. G._ fest (IV-act. 197), er könne die
Schlussfolgerungen des Sachverständigen nicht nachvollziehen. Die Versicherte zeige
in den Sitzungen stets ein sehr auffälliges Verhalten. Die Vorgutachter und auch PD Dr.
G._ hätten dieses sehr auffällige Verhalten ebenfalls festgestellt und beschrieben.
Aus medizinischer Sicht sei nicht nachvollziehbar, weshalb PD Dr. G._ den
Observationsergebnissen ein höheres Gewicht als den fachärztlichen Beurteilungen
eingeräumt habe. Rechtsprechungsgemäss dürfe Observationsmaterial ohnehin nicht
verwertet werden. Zu berücksichtigen sei auch, dass die Observationsergebnisse
A.d.
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zufällig genau jene Momente dokumentieren könnten, in denen es der Versicherten
verhältnismässig gut gegangen sei. Auch am Tag der Untersuchung durch PD Dr.
G._ könnte sich die Versicherte gerade in einer vorübergehenden Phase mit einer
weniger starken Ausprägung der depressiven Störung befunden haben. Am 17. Juli
2017 nahm PD Dr. G._ Stellung zu den Ausführungen des behandelnden Psychiaters
D._ (IV-act. 201). Er hielt fest, das auffällige Verhalten der Versicherten in der
Untersuchungssituation habe keine krankheitswertigen Formen angenommen. Die
Versicherte habe nur eine ausgeprägt leidensorientierte Beschwerdedarstellung
gezeigt. Sie sei kurz, aber heftig erbost gewesen, als sie mit den
Observationsergebnissen konfrontiert worden sei. Darüber hinaus habe sie lediglich
betont, wie elend und depressiv sie sich die ganze Zeit über fühle und wie sehr sie sich
schonen müsse. Der behandelnde Psychiater D._ habe nicht begründet, weshalb die
Versicherte arbeitsunfähig sein solle. In der klinischen Untersuchung habe jedenfalls
ganz wegleitend der Eindruck einer erheblichen Beschwerdeverdeutlichungstendenz
bestanden. Am 22. August 2017 berichtete der behandelnde Psychiater D._ (IV-act.
204), bei einer neuropsychologischen Testung habe das Vorliegen eines ADHS
ausgeschlossen werden können. Die Testung habe allerdings eine erhebliche
Intelligenzminderung gezeigt, wobei aber zu berücksichtigen sei, dass die
Symptomvalidierung auffällige Resultate geliefert habe. Im Bericht über die
neuropsychologische Testung vom 19. Juli 2017 war auf hoch auffällige Befunde in den
Symptomvalidierungsverfahren hingewiesen worden, weshalb die Neuropsychologen
festgehalten hatten, dass die objektivierten Befunde sehr wahrscheinlich nicht das
tatsächliche aktuelle kognitive Leistungsvermögen widerspiegelten (IV-act. 205). Mit
einer Verfügung vom 22. März 2018 hob die IV-Stelle die laufende Rente auf das Ende
des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf (IV-act. 215).
Die Versicherte liess am 28. April 2018 eine Beschwerde gegen die Verfügung vom
22. März 2018 erheben (vgl. IV-act. 230). Im Beschwerdeverfahren reichte sie
verschiedene medizinische Berichte ein: In einer Stellungnahme vom 3. Oktober 2018
hielt der behandelnde Psychiater D._ fest (vgl. IV-act. 242), die Versicherte zeige ein
hoch auffälliges Verhalten. Zudem leide sie an einer „Reizüberflutung“, an einer
mittelgradig ausgeprägten depressiven Episode sowie an neuropsychologischen
Defiziten. Sie sei vollständig arbeitsunfähig. Der Rheumatologe Dr. med. I._
A.e.
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berichtete am 8. November 2018 (vgl. IV-act. 246), der von ihm erhobene (detailliert
beschriebene) objektive klinische Befund sei weitgehend unauffällig gewesen, obwohl
die Versicherte über massive Schmerzen geklagt habe. Diagnostisch sei an ein
Fibromyalgiesyndrom zu denken. Die Klinik J._ hielt in einem Austrittsbericht vom 24.
Oktober 2019 betreffend eine stationäre Behandlung der Versicherten im Zeitraum vom
30. Juli 2019 bis zum 2. Oktober 2019 fest (vgl. IV-act. 257), die Versicherte leide an
einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer mittelgradigen Episode, an einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, an einer
posttraumatischen Belastungsstörung sowie an einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung. Zudem bestehe der Verdacht auf eine Agoraphobie. Sie habe
in der Kindheit und Jugend bis ins Erwachsenenalter hinein unter sexuellem
Missbrauch, emotionaler Vernachlässigung und körperlicher Misshandlung gelitten. Auf
diesem traumatisierenden Hintergrund hätten sich eine rezidivierende depressive
Störung und ein agoraphobisch anmutendes Vermeidungsverhalten entwickelt. Der
behandelnde Psychiater D._ habe im Rahmen einer Exacerbation der depressiven
Störung dringlich zu einer stationären Behandlung geraten. Mit einem Entscheid vom 7.
Juli 2020 wies das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die Beschwerde gegen
die Verfügung vom 22. März 2018 ab (IV 2018/149; vgl. IV-act. 273). Es qualifizierte das
bidisziplinäre Gutachten von Dr. F._ und PD Dr. G._ als überzeugend. Bezüglich
des Austrittsberichtes der Klinik J._ vom 24. Oktober 2018 hielt es fest, dieser wecke
den Verdacht, dass die Ärzte unkritisch auf die Angaben der Versicherten abgestellt
und offenbar auch keine Kenntnis von den relevanten Vorakten, insbesondere vom
Gutachten von PD Dr. G._, gehabt hätten. Der behandelnde Psychiater D._ habe
offenkundig ebenfalls unkritisch auf die Angaben der Versicherten abgestellt, obwohl
ihm bewusst gewesen sein müsse, dass die Versicherte bei einer Observation ein
diametral anderes Verhalten als in Untersuchungs- und Behandlungssituationen
gezeigt habe und dass mehrere neuropsychologische Testungen unverwertbare
Ergebnisse produziert hätten, weil es nie gelungen sei, die Symptome zu validieren.
Weshalb sich der behandelnde Psychiater D._ darauf versteift habe, die subjektiven
Angaben der Beschwerdeführerin für bare Münze zu nehmen, sei nicht nachvollziehbar.
Noch unverständlicher sei, dass er sogar so weit gegangen sei, zur Verteidigung seines
Attestes einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auf die Ergebnisse der
neuropsychologischen Testungen zurückzugreifen, obwohl er gewusst habe, dass die
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Testergebnisse nicht verwertbar gewesen seien, weil die Symptomvalidierungstests
hoch auffällige Resultate gezeitigt hätten. Sein Einwand, die Observation sei
möglicherweise gerade in einem Zeitraum durchgeführt worden, an dem es der
Versicherten ausnahmsweise viel besser als sonst gegangen sei, sei nicht plausibel.
Die Berichte und vor allem auch die zahlreichen Stellungnahmen im
Beschwerdeverfahren zeichneten insgesamt ein sehr einseitiges Bild der Sachlage und
wiesen damit auf eine Befangenheit des behandelnden Psychiaters D._ zugunsten
der von ihm seit Jahren behandelten Versicherten hin, die sich allein mit dem
therapeutischen Auftrag wohl nicht erklären lasse.
Bereits am 12. Januar 2019 hatte die Versicherte erneut um Leistungen der
Invalidenversicherung ersucht (IV-act. 249). Die IV-Stelle forderte sie am 6. Oktober
2020 auf, eine relevante Veränderung des Sachverhaltes seit dem 22. März 2018
glaubhaft zu machen (IV-act. 275). Die Versicherte liess am 16. Dezember 2020 geltend
machen, die massgebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes sei mit den im
Beschwerdeverfahren IV 2018/149 eingereichten medizinischen Berichten glaubhaft
gemacht worden (IV-act. 281). Am 25. März 2021 liess sie einen Austrittsbericht der
psychiatrischen Tagesklinik L._ vom 23. März 2021 betreffend eine Behandlung vom
25. November 2020 bis zum 5. Februar 2021 einreichen (IV-act. 285 f.). Die Ärzte hatten
eine rezidivierende depressive Episode mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode,
eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit paranoiden und emotional instabilen Persönlichkeitsanteilen
diagnostiziert. Sie hielten fest, den Anlass für die tagesklinische Behandlung habe ein
Unfall des Ehemannes gebildet, in dessen Folge sich die Versicherte vor neue
Anforderungen gestellt gesehen habe, denen sie aufgrund ihrer langjährig bestehenden
chronifizierten depressiven Beschwerden nicht gewachsen zu sein scheine. Die RAD-
Ärztin Dr. med. M._ notierte am 14. April 2021 (IV-act. 287), die Berichte der
psychiatrischen Tagesklinik L._ vom 23. März 2021, der Klinik J._ vom 24. Oktober
2019 und des behandelnden Psychiaters D._ vom 30. Januar 2020, vom 16.
Dezember 2019, vom 16. Oktober 2018, vom 3. Oktober 2018 sowie vom 10. Juli 2018
belegten keine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes seit dem 22. März
2018. Gemäss diesen Berichten leide die Versicherte nach wie vor an einer mittelgradig
ausgeprägten Depression. Diese Diagnosestellung sei von PD Dr. G._ mit einer
A.f.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/15
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überzeugenden Begründung als falsch verworfen worden. Der in den Berichten
beschriebene klinische Befund sei mit jenem in den Berichten der behandelnden Ärzte
vor dem 22. März 2018 identisch. Das Vorliegen einer posttraumatischen
Belastungsstörung sei von PD Dr. G._, der spezifisch nach entsprechenden
Symptomen geforscht habe, verneint worden. Die Kriterien gemäss dem ICD-10 seien
nicht erfüllt. Die angebliche Traumatisierung solle in der Kindheit und Jugend erfolgt
sein; eine neue Traumatisierung sei nirgends beschrieben worden. Folglich könne sich
diesbezüglich seit dem 22. März 2018 nichts geändert haben. Der Sachverständige PD
Dr. G._ habe eine Persönlichkeitsstörung ausschliessen können. Die Klinik J._
habe die entsprechende Diagnose mittlerweile ebenfalls aufgegeben und mit einer in
die „Restekategorie“ fallenden Diagnose eher beschreibend auf Symptome aus
therapeutischen Erwägungen hinweisen wollen. Eine Veränderung lasse sich aus den
aktuellen Berichten jedoch nicht ableiten. Am 12. April 2021 hatte die Versicherte einen
Bericht der S._ AG vom 2. Dezember 2020 einreichen lassen, in dem eine komplexe
posttraumatische Belastungsstörung, eine rezidivierende depressive Störung mit einer
gegenwärtig mittelgradigen Episode sowie eine Persönlichkeitsstörung mit paranoiden
und emotional instabilen Anteilen diagnostiziert worden waren und in dem die
zuständige Ärztin auf eine neu aufgetretene Belastungssituation durch einen
Arbeitsplatzwechsel des Ehemannes respektive durch einen neu wesentlich längeren
Arbeitsweg und eine damit einhergehende Reduktion der Mithilfe des Ehemannes im
Haushalt und in der Kindererziehung hingewiesen hatte (IV-act. 288 f.). Die RAD-Ärztin
Dr. M._ notierte am 5. Mai 2021, der Bericht enthalte keine Hinweise auf eine
Veränderung des Gesundheitszustandes (IV-act. 290).
Mit einem Vorbescheid vom 25. Mai 2021 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit
(IV-act. 291), dass sie vorsehe, nicht auf das neue Leistungsbegehren einzutreten. Zur
Begründung führte sie an, die nach dem 22. März 2018 eingereichten medizinischen
Berichte der behandelnden Ärzte enthielten keine Hinweise auf eine relevante
Veränderung des Gesundheitszustandes. Die behandelnden Ärzte hätten lediglich ihre
„bekannten anderen Beurteilungen des unveränderten Sachverhaltes“ wiederholt.
Dagegen liess die Versicherte am 19. Juli 2021 einwenden (IV-act. 296), im Rahmen der
Eintretensprüfung müsse eine relevante Sachverhaltsveränderung nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, sondern nur
A.g.
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glaubhaft gemacht werden. Der Eingabe lagen verschiedene medizinische Berichte bei:
In einem radiologischen Bericht vom 10. Juni 2020 waren diskret progrediente, nun
oligosegmentale Osteochondrosen beginnend ab C3/4 beschrieben worden (IV-act.
299–5); der Neurologe Dr. med. R._ hatte am 6. Juli 2020 über eine Migräne, über
chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp, über eine Cervicobrachialgie sowie
über eine Lumboischialgie bei einer bekannten depressiven Störung berichtet (IV-act.
299–7 f.); die Klinik N._ und der Chirurg Dr. med. O._ hatten am 29./30. April 2021
über eine symptomatische Behandlung einer Analvenenthrombose berichtet (IV-act.
299–9 ff.); das Schmerzzentrum des Kantonsspitals St. Gallen hatte die Versicherte am
1. Juni 2021 im Hinblick auf eine Behandlung des chronifizierten, vorwiegend
nozizeptiven Schmerzsyndroms untersucht (IV-act. 299–13 ff.); der Handchirurg Dr.
med. P._ hatte am 2. April 2020 berichtet, die Versicherte habe ihn wegen
Handgelenksschmerzen rechts nach mehreren Stürzen aufgesucht, die sich als eine
entzündliche Reaktion ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit als Hausfrau erwiesen
hätten (IV-act. 299–19); die Gynäkologin Dr. med. Q._ hatte am 2. Juni 2020 über
einen weitestgehend unauffälligen objektiven Befund berichtet (IV-act. 299–20); Dr.
O._ hatte am 25. Juni 2021 über eine Verlaufsuntersuchung mit einem weitgehend
unauffälligen objektiven Befund berichtet (IV-act. 299–21 f.). Die RAD-Ärztin Dr. M._
nahm am 18. August 2021 eingehend Stellung zu diesen Berichten (IV-act. 309). Sie
hielt fest, der Bericht von Dr. P._ belege, dass die Versicherte nur kurzzeitig unter
harmlosen Gelenksbeschwerden gelitten habe, die keinen Einfluss auf die
Erwerbsfähigkeit gehabt hätten. Der gynäkologische Bericht von Dr. Q._ enthalte
keine Hinweise auf relevante Gesundheitsbeeinträchtigungen, erwähne aber die
Angabe der Versicherten, sie pflege ein aktives Sexualleben, was sich kaum mit der
geltend gemachten schweren psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung vereinbaren
lasse. Die radiologischen Untersuchungen hätten „wenig bis nichts“ ergeben. Der von
Dr. R._ ausführlich beschriebene neurologische Befund sei unauffällig gewesen.
Bezüglich der Analvenenthrombose zeigten die Berichte, dass die Versicherte die
ärztlichen Empfehlungen „nahezu komplett“ ignoriert habe und dass sich die
Beschwerden trotzdem relevant verbessert hätten. Die Beckenbodensenkung sei
versicherungsmedizinisch irrelevant. Auch diesbezüglich sei dokumentiert worden,
dass die Versicherte „in erster Linie ihren eigenen Therapievorstellungen“ gefolgt sei.
Der Bericht des Schmerzzentrums belege „sehr klar“, dass die geltend gemachten
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/15
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B.
Probleme in erster Linie psychosozialen Belastungsfaktoren zuzuordnen seien. Zudem
enthalte er deutliche Hinweise auf Diskrepanzen und Inkonsistenzen. Mit einer
Verfügung vom 2. September 2021 trat die IV-Stelle nicht auf das neue
Leistungsbegehren ein (IV-act. 310).
Am 29. September 2021 liess die Versicherte (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 2. September 2021
erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung und die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) zur Abklärung des Sachverhaltes und zur materiellen Verfügung.
Zur Begründung führte er aus, die Beschwerdeführerin habe bereits im
Beschwerdeverfahren IV 2018/149 zahlreiche neue medizinische Berichte eingereicht.
Wenn das Versicherungsgericht damals den Verdacht geäussert habe, dass der
behandelnde Psychiater D._ und die Klinik J._ unkritisch auf die Angaben der
Beschwerdegegnerin abgestellt hätten, habe das nur die richterliche Beweiswürdigung
in Bezug auf die zum Urteilszeitpunkt vorliegenden Berichte bezüglich des
Gesundheitszustandes im Referenzzeitpunkt betroffen. Daraus könne nichts zu
Ungunsten der neu eingereichten Berichte abgeleitet werden. Hinzu komme, dass die
Verschlechterung nur glaubhaft gemacht werden müsse. Die RAD-Ärztin habe sich
intensiv mit den neu eingereichten Berichten befasst. Damit sei die
Beschwerdegegnerin de facto auf die Neuanmeldung eingetreten.
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 17. November 2021 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie an, der RAD habe die laufend neu
eingereichten Berichte sorgfältig geprüft und keine relevante Veränderung des
Gesundheitszustandes ausmachen können. In den Akten finde sich kein Anhaltspunkt
dafür, dass die Berichte des behandelnden Psychiaters D._ „und der übrigen
Behandler“ zuverlässiger geworden wären oder dass die Beschwerdeführerin „heute
plötzlich nur noch authentische Beschwerden präsentieren“ würde.
B.b.
Am 23. November 2021 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt (act. G 6).
B.c.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/15
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Considerations:
Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung
vom 2. September 2021 auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem
des vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Dieses hat sich auf
die Eintretensfrage beschränkt, das heisst es hat nur die Frage zum Gegenstand
gehabt, ob es der Beschwerdeführerin gelungen sei, eine wesentliche Veränderung des
relevanten Sachverhaltes seit der Aufhebung der früheren Rente glaubhaft zu machen.
Diese „Eintretenshürde“ hat die Beschwerdeführerin gemäss dem eindeutigen und
klaren Wortlaut des Art. 87 Abs. 3 IVV nur bezüglich eines Rentenanspruchs, aber nicht
auch bezüglich beruflicher Massnahmen meistern müssen. Da sie in ihren Eingaben
jeweils nur unspezifisch „Leistungen“ beantragt hat und da grundsätzlich eine Rente
oder berufliche Eingliederungsmassnahmen in Frage gekommen wären, stellt sich die
Frage, ob sie bei genauer Betrachtung nicht zwei Begehren (je eins um eine Rente und
um berufliche Eingliederungsmassnahmen) gestellt hat und ob die
Beschwerdegegnerin dementsprechend am 2. September 2021 nicht zwei
Nichteintretensentscheide erlassen hat. Diese Frage ist zu verneinen, denn die
Beschwerdeführerin hat sich dezidiert auf den Standpunkt gestellt, sie sei vollständig
arbeitsunfähig. Diese Behauptung hat notwendigerweise eine Unfähigkeit zur
beruflichen Eingliederung mit eingeschlossen, weshalb der Beschwerdeführerin nicht
unterstellt werden kann, sie habe um berufliche Eingliederungsmassnahmen ersucht.
Ihr unspezifisches Leistungsbegehren hat eindeutig nur auf eine Rente abgezielt,
weshalb in diesem Beschwerdeverfahren ausschliesslich zu prüfen ist, ob die
Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf dieses neue Rentenbegehren eingetreten ist.
2.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, die
Beschwerdegegnerin habe sich bereits so intensiv mit der Sache befasst, dass sie de
facto auf die Neuanmeldung eingetreten sei, weshalb es unzulässig gewesen sei, eine
Nichteintretensverfügung zu erlassen. Diese Argumentation ist nicht stichhaltig. Für
den seit langen Jahren im Sozialversicherungsrecht tätigen Rechtsvertreter ist
unschwer erkennbar gewesen, dass die neu eingereichten Berichte belanglos gewesen
Die Beschwerdeführerin liess am 5. Januar 2022 an ihren Anträgen festhalten,
ohne näher auf die Beschwerdeantwort vom 17. November 2021 einzugehen (act. G
10).
B.d.
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sind. Insbesondere die gynäkologischen und die eine Analvenenthrombose
betreffenden Berichte sowie der Bericht von Dr. P._ betreffend harmlose, rasch
abgeklungene Handgelenksbeschwerden zeigen klar, dass sich am
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im hier massgebenden Zeitraum keine
wesentlichen Änderungen mit dem notwendigen Dauercharakter ergeben haben. Der
Beschwerdegegnerin ist gar nichts anderes übrig geblieben, als all diese Berichte dem
RAD zur Würdigung vorzulegen, wenn sie sich nicht dem Vorwurf aussetzen wollte, den
Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör zu verletzen. Abgesehen
davon erweist sich die Argumentation des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin
auch als haltlos. Die Beschwerdegegnerin hat sich allein darauf beschränkt, in den vom
Rechtsvertreter selbst als „zahlreich“ bezeichneten medizinischen Berichten nach
einem Hinweis auf eine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes der
Beschwerdeführerin zu forschen. Sie hat keinerlei eigene Abklärungen getätigt und sie
hat sich mit keiner ausserhalb des Verfahrensgegenstandes liegenden Frage befasst.
Damit ist sie eindeutig nicht de facto auf die Neuanmeldung eingetreten.
3.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat bereits im Entscheid IV 2018/149
vom 7. Juli 2020 mit einer ausführlichen Begründung dargelegt, dass die Berichte des
behandelnden Psychiaters D._ und der Klinik J._ keinen Beweiswert haben.
Weshalb diese Argumentation für das vorliegende Verfahren irrelevant sein sollte, wie
der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ohne eine nachvollziehbare Begründung
behauptet hat, ist nicht einzusehen. Im Austrittsbericht vom 23. März 2021 haben die
behandelnden Ärzte der psychiatrischen Tagesklinik L._ offenkundig die im Bericht
der Klinik J._ vom 24. Oktober 2019 erwähnten Diagnosen unbesehen übernommen.
Augenscheinlich ist ihnen das Gutachten von PD Dr. G._ nicht bekannt gewesen,
denn dieser hatte die im Bericht der Klinik J._ vom 24. Oktober 2019 erwähnten
Diagnosen überzeugend begründet als unzutreffend bezeichnet, worauf auch die RAD-
Ärztin Dr. M._ am 14. April 2021 nochmals hingewiesen hat. Der einzige Anhaltspunkt
für eine mögliche relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes im
Austrittsbericht der psychiatrischen Tagesklinik L._ vom 23. März 2021 könnte der
Hinweis auf einen Unfall des Ehemannes sein, der in der Folge zu einer
Überforderungssituation der Beschwerdeführerin geführt habe. Allerdings lässt sich
dem Bericht der S._ AG vom 2. Dezember 2020 entnehmen, dass der Ehemann wohl
gar keinen Unfall erlitten, sondern lediglich den Arbeitsplatz gewechselt hat und dass
er aufgrund des nun längeren Arbeitsweges nicht mehr so viel wie früher im Haushalt
und bei der Kinderbetreuung hat mithelfen können. Damit haben sich die familiären
Verhältnisse also nur geringfügig verändert, was eine neu eingetretene
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Überforderungssituation, die einen relevanten Einfluss auf den Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin hätte haben können, nicht erklären könnte, zumal die Kinder
damals aufgrund ihres Alters keine intensive Betreuung mehr benötigt haben. Der
Hinweis im Austrittsbericht der psychiatrischen Tagesklinik L._ vom 23. März 2021
auf einen angeblichen Unfall des Ehemannes eignet sich deshalb nicht, um eine
relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu machen. Die von der –
erwiesenermassen erheblich aggravierenden – Beschwerdeführerin gegenüber den
Ärzten der psychiatrischen Tagesklinik L._ und der S._ AG geltend gemachten
Beschwerden sind zudem weitgehend identisch mit den bereits früher vorgebrachten
Klagen gewesen, sodass sich insgesamt kein Anhaltspunkt für eine relevante
Veränderung ergibt. Im Übrigen haben auch die Ärzte der S._ AG die nachweislich
falschen Diagnosen im Bericht der Klinik J._ AG vom 24. Oktober 2019 unbesehen
übernommen, was den Beweiswert dieses Berichtes erheblich mindert. Der Bericht des
Schmerzzentrums St. Gallen vom 3. Juni 2021 belegt, dass die Angaben der
Beschwerdeführerin weiterhin von erheblichen Diskrepanzen und Inkonsistenzen
geprägt gewesen sind. Gesamthaft fehlt in den zahlreichen medizinischen Berichten
also jeder Hinweis auf eine relevante Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin nach dem 22. März 2018. Auch in
somatischer Hinsicht fehlt es gemäss der sorgfältig erarbeiteten und überzeugend
begründeten Aktenwürdigung der RAD-Ärztin Dr. M._ an einem Hinweis auf eine
relevante Veränderung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin nach dem
22. März 2018. Der Neurologe Dr. R._ hat den bei einer eingehenden Untersuchung
der Beschwerdeführerin von ihm erhobenen objektiven klinischen Befund detailliert
beschrieben. Dem Bericht lässt sich entnehmen, dass er keine neuen Befunde hatte
erheben können. Die übrigen Beschwerden, die in den von der Beschwerdeführerin
eingereichten Berichten beschrieben werden (vorübergehende
Handgelenksschmerzen, gynäkologische Probleme, Analvenenthrombose), sind mit
Blick auf einen allfälligen Rentenanspruch augenscheinlich irrelevant gewesen.
Zusammenfassend ist es der Beschwerdegegnerin nicht gelungen, eine relevante
Sachverhaltsveränderung nach dem 22. März 2018 glaubhaft zu machen, weshalb die
Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf die Neuanmeldung eingetreten ist.
4.
Die Beschwerde ist abzuweisen. Die angesichts des durchschnittlichen Verfahrens
aufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten wären an sich der unter
liegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Da ihr die unentgeltliche Prozessführung
bewilligt worden ist, ist sie von der Pflicht, die Gerichtskosten zu bezahlen, befreit.
Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung hat ihr
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Rechtsvertreter einen Anspruch auf eine Entschädigung, die 80 Prozent des
erforderlichen Vertretungsaufwandes abdeckt (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Der erforderliche
Vertretungsaufwand ist als minimal zu qualifizieren, da der massgebende Sachverhalt
dem langjährigen Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin bereits aus dem früheren
Beschwerdeverfahren IV 2018/149 bestens bekannt gewesen ist und da diesem
aufgrund der Lektüre des Beschwerdeentscheides IV 2018/149 vom 7. Juli 2020
bekannt sein musste, dass der Versuch, gestützt auf die nicht überzeugenden Berichte
der behandelnden Psychiater eine relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu
machen, zum Vorneherein zum Scheitern verurteilt gewesen ist. Für das Beschaffen
von medizinischen Berichten, die allenfalls eine relevante Sachverhaltsveränderung
hätten glaubhaft machen können, und für die Würdigung dieser Begriffe ist ein
gewisser Zusatzaufwand angefallen, der zu entschädigen ist. Der übrige
Vertretungsaufwand hat sich auf eine Auseinandersetzung mit der Begründung der
angefochtenen Verfügung beschränkt, die wiederum nur die isolierte Rechtsfrage
betroffen hat, ob es der Beschwerdeführerin gelungen sei, mit den eingereichten
medizinischen Berichten eine relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu machen.
Die Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im
Beschwerdeverfahren ist gesamthaft auf 80 Prozent von 1’500 Franken, also auf 1’200
Franken, festzusetzen. Sollten es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten,
wird die Beschwerdeführerin zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur
Rückerstattung der Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).