Decision ID: 06fe7e4a-b990-41be-b32e-9e72158b24db
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
betreffend Waffentragen ohne Bewilligung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, Einzelgericht, vom 13. Februar 2015 (GG140040)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 25. November
2014 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 14)
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- des Waffentragens ohne Bewilligung i.S.v. Art. 33 Abs. 1 lit. a WG
i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. a, Art. 27 Abs. 1 WG, Art. 28 Abs. 1 lit. c WG
sowie i.V.m. Art. 51 Abs. 1 WV
- des unsorgfältigen Aufbewahrens von Waffen i.S.v. Art. 34 Abs. 1 lit. e
WG i.V.m. Art. 26 Abs. 1 WG
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu
Fr. 290.- sowie mit einer Busse von Fr. 1'500.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 25. Novem-
ber 2014 (act. 13) beschlagnahmte Kalaschnikow, Serie Nr. ... (inkl. Maga-
zin) wird dem Beschuldigten innert 30 Tagen seit Rechtskraft dieses Urteils
auf erstes Verlangen ausgehändigt. Läuft die Frist ohne entsprechende Er-
klärung des Beschuldigten ab, wird die genannte Schusswaffe der Kantons-
polizei Zürich zur gutscheinenden Verwendung überlassen.
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6. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'800.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'500.– Gebühr Anklagebehörde.
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
Verlangt keine der Parteien eine schriftliche Begründung des Urteils, ermäs-
sigt sich die Gerichtsgebühr auf zwei Drittel.
7. Die Kosten gemäss vorstehender Ziffer werden dem Beschuldigten aufer-
legt.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 41 S. S 1)
1. Es sei der Beschuldigte von den Vorwürfen gemäss Anklageschrift frei-
zusprechen und es sei ihm eine angemessene Entschädigung zu be-
zahlen;
2. Die sichergestellte Kalaschnikow (Serie Nr. ...) inkl. Magazin sei dem
Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft auf Verlangen auszuhändi-
gen.
b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis:
(Urk. 36, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Considerations:
Das Gericht erwägt:
I.
1. Mit Urteil vom 13. Februar 2015 sprach das Einzelgericht in Strafsachen des
Bezirks Horgen den Beschuldigten in Anwendung des Bundesgesetzes über Waf-
fen, Waffenzubehör und Munition (WG) und der entsprechenden Verordnung
(WV) des Waffentragens ohne Bewilligung und des unsorgfältigen Aufbewahrens
von Waffen schuldig und bestrafte ihn mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu
Fr. 290.– und einer Busse von Fr. 1'500.–. Den Vollzug der Geldstrafe schob das
Einzelgericht unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren auf. Weiter regelte
es den Vollzug der Busse, die Herausgabe der beschlagnahmten Waffe und die
Kosten- und Entschädigungsfolgen (Urk. 32 S. 19 f.).
2. Gegen das mündlich eröffnete Urteil (Prot. I S. 6) meldete der Beschuldigte
mit Eingabe vom 16. Februar 2015 rechtzeitig Berufung an (Urk. 27; Art. 399
Abs. 1 StPO). Am 12. Mai 2015 stellte die Vorinstanz den Verfahrensbeteiligten
das begründete Urteil zu (vgl. Urk. 30/1 und Urk. 30/2) und übermittelte in der
Folge die Anmeldung der Berufung zusammen mit den Akten dem Obergericht.
3.1 Unter dem 20. Mai 2015 reichte der Beschuldigte der erkennenden Kammer
rechtzeitig die schriftliche Berufungserklärung ein (Urk. 33; Art. 399 Abs. 2 i.V.m.
Art. 90 StPO). Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis beantragte mit Eingabe
vom 29. Mai 2015 u.a. die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils, verzichtete
auf Beweisanträge und stellte unter Hinweis auf Art. 405 Abs. 2 StPO ein Gesuch
um Dispensation von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung (Urk. 36). Am
9. Juni 2015 gingen die mit Präsidialverfügung vom 26. Mai 2015 (Urk. 34) ver-
langten Auskünfte und Unterlagen betreffend die finanziellen Verhältnisse des
Beschuldigten hier ein (Urk. 37; Urk. 38/1-6).
3.2 Die Berufungsverhandlung fand am 8. September 2015 in Anwesenheit des
Beschuldigten und seines Verteidigers statt (Prot. II S. 3). Die Staatsanwaltschaft
verzichtet auf die ihr freigestellte (Urk. 39 S. 2) Teilnahme an der Verhandlung.
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II.
1. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen den Schuld- und Straf-
punkt (Dispositivziffern 1 bis 4) sowie die Kostenauflage (Dispositivziffer 7). Aus-
serdem ficht der Beschuldigte Dispositivziffer 5 des vorinstanzlichen Urteils an
(Herausgabe der Kalaschnikow), wobei sein Antrag mit dem diesbezüglichen vo-
rinstanzlichen Entscheid übereinstimmt. Dispositivziffer 5 hat somit ebenfalls als
nicht angefochten zu gelten. Nicht angefochten und in Rechtskraft erwachsen
sind somit die Anordnung der Herausgabe der beschlagnahmten Kalaschnikow
an den Beschuldigten (Dispositivziffer 5) und die vorinstanzliche Kostenfestset-
zung (Dispositivziffer 6), was vorab festzustellen ist.
2.1 Am 13. Mai 2014 holte der Beschuldigte, der nicht über eine Waffentragbe-
willigung verfügt, um die Mittagszeit seine Waffe "Kalaschnikow" bei einem Waf-
fenhändler in B._ ab und legte diese (nicht abgedeckt) in den Fussraum hin-
ter dem Fahrersitz seines PW Mercedes. Dann fuhr er nach C._, wo er bei
einem Kollegen seinen Geburtstag feierte. Um ca. 15.30 Uhr machte er sich von
dort auf den Weg nach D._, wo er bei der Firma E._ etwas abholte.
Nach ca. einer Stunde Aufenthalt fuhr er via ... nach F._, parkierte sein
Fahrzeug um ca. 18.30 Uhr an der ...strasse ..., ass am Wurststand eine Wurst
und begab sich dann in die G._ Bar, wo er seinen Geburtstag feierte. Um ca.
01.50 Uhr in der Nacht (des 14. Mai 2014) verliess der Beschuldigte die Bar und
begab sich zu seinem Auto, um Geld zur Bezahlung seiner Konsumationen zu ho-
len. H._ folgte ihm. Nachdem der Beschuldigte die Fahrzeugtüre geöffnet
hatte, behändigte H._ die Waffe "Kalaschnikow" und nahm sie aus dem Au-
to. Der Beschuldigte nahm H._ die Waffe darauf wieder ab und legte sie zu-
rück in seinen Wagen. Kurz darauf (um ca. 02.00 Uhr) unterzog die von Nachbarn
alarmierte Polizei den Beschuldigten einer Personenkontrolle. Dabei wurde bei
ihm ein Atemlufttest durchgeführt, welcher einen Wert von 1,84 Promille ergab.
Nach der Polizeikontrolle begab sich der Beschuldigte zu Fuss zu seinem 500 bis
600 Meter entfernten Wohnort. Gemäss seiner Aussage hatte er ursprünglich be-
absichtigt, mit einem Taxi nach Hause zu fahren und die Waffe in eine Jacke ein-
gewickelt mitzunehmen (Urk. 2; Urk. 12; Prot. I S. 3 ff.; Prot. II S. 8 ff.).
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2.2 Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis wirft dem Beschuldigten von diesem
Sachverhalt ausgehend (vgl. Urk. 14) vor, eine Waffe ohne Bewilligung getragen
und sie unsorgfältig aufbewahrt zu haben. Die Vorinstanz folgte dieser Auffas-
sung.
Der Beschuldigte stellt dagegen im Berufungsverfahren wie bereits vor Vorinstanz
in Abrede, durch das beschriebene Verhalten gegen das Waffengesetz verstos-
sen zu haben. Das Waffengesetz sei ein Missbrauchsgesetz, weshalb immer die
Frage zu beantworten sei, ob ein Recht missbraucht oder eine Pflicht gröblich
missachtet worden sei. Entgegen der volkstümlichen Meinung, man habe vom
Waffenhändler nach Hause den direkten Weg zu nehmen, verlange das Gesetz
nur, dass die Waffe nur so lange transportiert werden dürfe, als das "angemessen
erscheine". Der Beschuldigte habe das Recht gehabt, seine Waffe von B._
nach Hause zu transportieren. Der Zwischenhalt bei seinem Freund in C._,
der minimale Umweg über D._ und der Zwischenhalt am Imbissstand, um ei-
ne Wurst zu essen, könne nicht als Missbrauch bezeichnet werden. Selbst die
Verlängerung des Zwischenhaltes durch den Barbesuch könne nicht als solcher
betrachtet werden. Der Beschuldigte habe im Sinne des Gesetzes gehandelt, das
ausdrücklich keine direkte, sondern eine angemessene Heimfahrt verlange. Zwi-
schenhalte und geringfügige Umwege könnten ihm nicht zur Last gelegt werden,
ohne dass die Relativierung "angemessen" zum toten Buchstaben werde (Urk. 22
S. 5 f.; Urk. 33 S. 2; Urk. 41 S. 3 ff.). Für einen Transport sei die Waffe sodann
genügend sicher aufbewahrt gewesen. Aufgrund der verdunkelten Scheiben und
der Position des Gewehrs sei dieses weder am Tag noch in der Nacht sichtbar
gewesen. Es treffe zwar zu, dass die Waffe beim Öffnen der Türe von einer nahe
beim Fahrzeug stehenden Person hätte gesehen werden können. Das wäre aber
auch so gewesen, wenn sie im Kofferraum transportiert worden wäre und der Be-
schuldigte etwas hätte aus dem Kofferraum nehmen müssen. Und auch zuhause
sei es so, dass das Behältnis beim Entnehmen eines beliebigen Objektes aus ei-
ner Schublade oder einem Schrank einen Moment lang geöffnet sei und eine un-
befugte Person eine Waffe entdecken könne. Im Fall einer Kollision wäre die
Wahrscheinlichkeit, dass ein Türe aufgehe, zudem bedeutend kleiner, als dass
der Kofferraumdeckel sich öffne. Zudem könnten auch Fussgänger und Radfahrer
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eine Waffe während des Transportes nicht vor Blicken und Zugriffen Dritter ver-
stecken. Ein Schuldspruch des Beschuldigten mit dem Hinweis, er hätte die Waffe
eben im Kofferraum aufbewahren müssen, sei deshalb absurd. Der Beschuldigte
habe nicht damit zu rechnen gehabt, dass ihm eine Person ohne Bezug zu ihm
folgen und die Unverfrorenheit haben würde, nach dem im Fahrzeug befindlichen
Gewehr zu greifen. Eine Handlung, die nur möglich gewesen sei, weil der Be-
schuldigte kurzfristig die sonst verschlossene Wagentür geöffnet habe. Der Be-
schuldigte habe dem ungebetenen Besucher die Waffe umgehend abgenommen
und zurückgelegt und so eine Diebstahlsmöglichkeit verhindert (Urk. 22 S. 6 ff.;
Urk. 33 S. 3; Urk. 41 S. 7 ff.).
3.1 Dass es sich bei der beim Beschuldigten sichergestellten Kalaschnikow um
eine Waffe im Sinne von Art. 4 Abs. 1 lit. a WG handelt, ist zu Recht unbestritten.
Wer eine solche an öffentlich zugänglichen Orten tragen [oder sie transportieren]
will, benötigt grundsätzlich eine Waffentragbewilligung (Art. 27 Abs. 1 WG). Bewil-
ligungsfrei ist einzig das Mitführen entladener und von der Munition getrennter
Waffen zu einem besonderen Zweck im Sinne von Art. 28 WG, mithin der eigent-
liche Transport, und dies nur so lange, als es für den besonderen Zweck, der da-
zu berechtigt, angemessen erscheint (Art. 51 Abs. 1 WV). Zu unterscheiden ist
demnach das bewilligungspflichtige Tragen einer Waffe, worunter auch das stän-
dige Mitführen in einem Fahrzeug fällt (weshalb Art. 27 WG auch von transportie-
ren spricht), zum Zweck bewaffnet zu sein, und das bewilligungsfreie eigentliche
Transportieren, zum Zweck, die Waffe von einem Ort zum andern zu verbringen
(Art. 28 WG). Generelle Regeln dafür, was noch als angemessen im Sinne von
Art. 51 Abs. 1 WV gilt, bestehen nicht. Es ist jeder konkrete Einzelfall auf seine
Angemessenheit zu prüfen (WÜST, Schweizer Waffenrecht, Zürich 1999, S. 155).
Dabei ist allerdings der Zweck der Waffengesetzgebung im Auge zu behalten, der
darin besteht, die missbräuchliche Verwendung von Waffen zu bekämpfen (Art. 1
Abs. 1 WG). Davon ausgehend kann zwar nicht in allen Fällen verlangt werden,
dass die Waffe nach der Tätigkeit, welche zum freien Mitführen der Waffe berech-
tigt, auf direktem Weg nach Hause gebracht wird. Es müssen jedoch vernünftige
Gründe dafür bestehen, dass der Transport nach Hause nicht auf direktem Weg
und/oder mit zeitlichen Verzögerungen erfolgt (vgl. WÜST, a.a.O., S. 154 ff.).
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3.2 Im Grundsatz ist dem Beschuldigten zuzustimmen, wenn er geltend macht,
das Gesetz verlange keine direkte sondern nur eine angemessene Heimfahrt und
Zwischenhalte und geringfügige Umwege könnten ihm nicht unbesehen zur Last
gelegten werden. Davon ist auch die Vorinstanz ausgegangen (Urk. 32 S. 6 f.).
Seinen grundsätzlichen Überlegungen folgend kam das Einzelgericht sodann zu
Recht und der Argumentation der Verteidigung folgend zum Schluss, dass dem
Beschuldigten der Zwischenhalt in C._ nicht zum Vorwurf gemacht werden
könne (Urk. 32 S. 8). Gleiches muss auch für den zweiten Zwischenhalt in
D._ gelten, lag dieser doch immer noch auf dem Heimweg des Beschuldig-
ten (vgl. Urk. 41 S. 5) und auch in zeitlicher Hinsicht, kann der Zwischenhalt in
D._ mit Blick auf den Transportzweck noch nicht als unangemessen gelten.
Hinsichtlich des letzten, zeitlich ausgedehnten Zwischenhalts am Wurststand und
hernach in der Bar in F._ ist festzuhalten, dass allein die Absicht des Be-
schuldigten, die Waffe nach Hause transportieren zu wollen, nicht ausreicht, um
von einer dem Transportzweck noch angemessenen Handlung auszugehen.
Vielmehr bedarf es weiterer, objektiver Kriterien, welche für die Beurteilung der
Angemessenheit im Sinne von Art. 51 Abs. 1 WV heranzuziehen sind. Ein objekti-
ves Kriterium in diesem Sinne ist die zeitliche Dauer des Mitführens der Waffe.
Der Vorinstanz ist zuzustimmen, wenn sie erwägt, der Waffentransport habe sich
durch den Baraufenthalt des Beschuldigten auf rund vierzehn Stunden verlängert
(Urk. 32 S. 8). Dass aber das Mitführen bzw. Transportieren einer Waffe auch
über mehrere Tage hinweg noch als angemessen gelten kann, hat bereits die
Lehre festgehalten (Wüst, a.a.O., S. 155) und muss auch hier gelten. Die zeitliche
Ausdehnung des Transports durch den Baraufenthalt, mithin der Umstand, dass
der Beschuldigte nicht den zeitlich direktesten und damit schnellsten Weg wählte,
ist somit für sich allein noch nicht ohne weiteres als dem Zweck (Verbringen der
Waffe vom Waffenhändler nach Hause) unangemessen zu qualifizieren. Ein
Missbrauch des Rechts, die Waffe bewilligungsfrei zu transportieren liegt dem-
nach aufgrund der zeitlichen Komponente nicht vor. In räumlich/örtlicher Hinsicht
kann dem Beschuldigten nicht vorgeworfen werden, es sei von einer nicht mehr
angemessenen Handlung auszugehen, gerade weil er in der gleichen Ortschaft
einkehrte und es ihm ein Leichtes gewesen wäre, die Waffe vor dem Baraufent-
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halt zu Hause abzuladen. Mit der Verteidigung ist als Richtschnur lediglich unan-
gemessen, wenn der Beschuldigte am Zielort vorbeifährt, nicht aber, wenn er kurz
vor dem Zielort einen Zwischenhalt einschaltet. Auch dieser Zwischenhalt ist noch
vom ursprünglichen und eigentlichen Transportzweck gedeckt, eine unangemes-
sene räumliche Abweichung liegt nicht vor. Weitere objektive Umstände, welche
mit Blick auf den Transportzweck ein unangemessenes Vorgehen des Beschul-
digten begründen würden, liegen nicht vor. Die Zwischenhalte des Beschuldigten
waren vom Zweck, das Verbringen der Waffe vom Waffenhändler in die Wohnung
des Beschuldigten, gedeckt, weshalb ein bewilligungsfreies Transportieren der
Waffe im Sinne von Art. 28 WG vorliegt.
Diese Ergebnis erweist sich als sachgerecht, zumal es sich beim Waffengesetz -
wie von der Verteidigung ausgeführt (Urk. 41 S. 7) - um ein Missbrauchsgesetz
handelt. Mit Blick auf Art. 28 WG soll verhindert werden, dass jemand unter dem
Vorwand des Transports bewilligungsfrei eine Waffe auf sich trägt, um bewaffnet
zu sein. Dies kann dem Beschuldigten jedenfalls nicht zum Vorwurf gemacht wer-
den. Eine Absicht, in Umgehung der Bewilligungspflicht eine Waffe auf sich zu
tragen, kann dem Beschuldigten nicht nachgewiesen werden. Stattdessen war es
stets seine Absicht, die Waffe in seine Wohnung zu transportieren.
3.4 Selbst wenn die objektiven Voraussetzungen für das Tragen einer Waffe
ohne Bewilligung als erfüllt erachtet würden, wäre weder von einem vorsätzlichen
noch von einem eventualvorsätzlichen Handeln des Beschuldigten auszugehen.
Der Beschuldigte wusste zwar gemäss eigenen Angaben um seine gesetzliche
Pflicht, die Waffe in angemessener Weise vom Waffenhändler nach Hause zu
transportieren (Urk. 12 S. 2). Hingegen kann ihm aufgrund sämtlicher Umstände
kein anderer Wille als der Transport der Kalaschnikow vom Waffenhändler in sei-
ne Wohnung nachgewiesen werden. Auch nahm er durch die teils geplanten, teils
unverhofften Zwischenhalte nicht in Kauf, dass es sich nicht mehr um einen bewil-
ligungsfreien Transport handeln könnte. Davon geht im Übrigen auch die Ankla-
geschrift nicht aus. Der Beschuldigte erfüllt somit auch den subjektiven Tatbe-
stand nicht.
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3.5 Zusammengefasst hat der Beschuldigte den Tatbestand des Waffentragens
ohne Bewilligung im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 27
WG und Art. 51 Abs. 1 WV nicht erfüllt. Er ist von diesem Vorwurf freizusprechen.
4.1 Wer im Besitz von Waffen ist, hat diese gemäss Art. 26 WG sorgfältig auf-
zubewahren und vor dem Zugriff unberechtigter Dritter zu schützen, wobei je nach
Sachlage unterschiedliche Anforderungen an die zu beachtende Sorgfalt gestellt
werden (BGE 6B_884/2013, Erw. 3.3.2). Die Staatsanwaltschaft wirft dem Be-
schuldigten vor, dieser Pflicht nicht nachgekommen zu sein, weil er die Waffe
über längere Zeit, statt im verschlossenen Kofferraum, nicht abgedeckt im Auto
aufbewahrt habe und ein Dritter die Waffe habe sehen und behändigen können,
weil er, der Beschuldigte alkoholisiert gewesen sei und sich unvorsichtig verhalten
habe (Urk. 14).
4.2 Der Verteidigung ist zuzustimmen, wenn sie argumentiert, für den Transport
bestünden keinerlei Aufbewahrungsvorschriften, die über eine, während des
Transports getrennte Aufbewahrung von Waffe und Munition hinausgehen würden
(Urk. 41 S. 8). Ebenso ist der Verteidigung im Grundsatze zu folgen, wonach im
Zusammenhang mit dem Transport einer Waffe mit einem Fahrzeug keine weiter-
gehenden Sicherheitsmassnahmen verlangt werden können, als bei einem
Transport einer solchen zu Fuss oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bzw.
im Zusammenhang mit der Aufbewahrung zu Hause (Urk. 41 S. 9). Zugunsten
des Beschuldigten ist im vorliegenden Fall davon auszugehen, dass sein Fahr-
zeug, in welchem er die Waffe (nicht abgedeckt) transportierte und aufbewahrte,
verdunkelte Fenster aufwies, so dass das Fahrzeug von Aussen nicht eingesehen
werden konnte und es zudem über eine Einbruch- und Diebstahlsicherung wie
auch über eine Alarmanlage verfügte (Prot. II S. 10 und Urk. 41 S. 10). Damit war
nicht zu erkennen, dass der Beschuldigte eine Waffe in seinem Fahrzeug aufbe-
wahrte und einer Behändigung der Waffe durch einen Diebstahl durch den Dieb-
stahlschutz und die Alarmanlage angemessen entgegengewirkt. Der Beschuldigte
hat das ihm Mögliche getan, um einen Zugriff auf die Waffe durch einen Unbe-
rechtigten zu verhindern. Allein der theoretische Umstand, dass ein Unberechtig-
ter die Waffe bspw. im Falle eines Fahrzeugeinbruchs hätte behändigen können,
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reicht nicht aus, um ein unsorgfältiges Aufbewahren zu begründen. Somit ist auch
die Argumentation der Vorinstanz, die Kalaschnikow hätte im Kofferraum des
Fahrzeugs verstaut werden müssen, selbst dann nicht massgebend, wenn man
berücksichtigt, dass die Wahrscheinlichkeit eines Einbruchs im Fahrgastraum
grösser ist, als eine solche im Kofferraum. Demnach hat der Beschuldigte das in
seinem Machtbereich Liegende getan, um eine potentielle Missbrauchssituation
verhindern zu können. Ihm kann somit trotz des Aufbewahrens der Kalaschnikow
im Fussraum der Rückbank seines Fahrzeugs keine unsorgfältige Aufbewahrung
zum Vorwurf gemacht werden. Gleiches gilt auch im Zusammenhang mit dem
kurzzeitigen Behändigen der Waffe durch H._. So hätte auch eine Aufbewah-
rung im Kofferraum einen Zugriff durch eine Begleitperson nicht verhindert, wenn
der Beschuldigte statt eine Seitentüre die Kofferraumtüre hätte öffnen müssen,
weil er beispielsweise etwas hätte aus dem Kofferraum nehmen müssen. Zudem
konnte der Beschuldigte H._ die Waffe trotz Alkoholisierung sofort wieder
abnehmen, womit sich die Gefahr des Missbrauchs der Waffe durch einen Unbe-
rechtigten nicht verwirklichen konnte. Weitere Vorsichtsmassnahmen konnten
vom Beschuldigten nicht verlangt werden, eine unsorgfältige Aufbewahrung der
Waffe liegt nicht vor. Der Beschuldigte hat den objektiven Tatbestand damit nicht
erfüllt. Er ist der Übertretung des Waffengesetzes im Sinne von dessen Art. 34
Abs. 1 lit. e WG in Verbindung mit Art. 26 Abs. 1 WG nicht schuldig und auch von
diesem Vorwurf freizusprechen.
III.
1. Ausgangsgemäss sind die Kosten der Untersuchung und beider Gerichts-
verfahren auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 2 und Art. 428 StPO).
2. Dem Beschuldigten ist zudem für das gesamte Verfahren eine angemesse-
ne Prozessentschädigung für die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrech-
te aus der Gerichtskasse zuzusprechen (Art. 429 Abs. 1 lit. a und Art. 436 Abs. 1
StPO). Ausgehend von den geltend gemachten Aufwendungen der Verteidigung
(Urk. 25 und Urk. 40) sowie unter Berücksichtigung des durch die Teilnahme an
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der Berufungsverhandlung zusätzlich entstandenen Aufwands erweist sich eine
Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 8'200.– als angemessen.