Decision ID: 41dae99c-3f23-4578-abe8-9c0991a6b037
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964, verfügt über keine Berufs
ausbildung und war zuletzt
von
Februar 2001
bis April 2007
als Gle
isbauarbeiter bei der
Y._
, Zürich, angestellt (
Urk.
11/8-10
, 11/48
).
Am letzten effektiven Arbeitstag vom 2
2.
November 2005 rutschte er auf e
iner Treppe aus und
stürzte
auf die linke
Gesäss
seite
(
Urk.
11/24/84, 11/24/102).
Am
3.
Juli 2006 meldete
er sich
unter Hinweis auf
Bandscheibenprobleme
bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug (Umschulung) an (
Urk.
11/5). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte nebst einem Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug,
Urk.
11/8) einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
11/9) sowie
Arzt
berichte (
Urk.
11/7, 11/12) ein. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
11/22) wies sie das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 1
3.
Februar 2007 (
Urk.
11/23) ab.
1.2
Am 2
4.
Oktober 2008 meldete sich
der Versicherte erneut bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an
, wobei er auf Rücken-, Bein- und Kopf
schmerzen sowie psychische Beschwerden hinwies
(
Urk.
11/33). Nach Eingang von Arbeitgeberberichten (
Urk.
11/47 f.), mehreren ärztlichen Stellungnahmen (
Urk.
11/30, 11/40, 11/50 und 11/54) sowie
den
Akten des Unfallversicherers (
Urk.
11/
45, 11/53) sprach ihm die IV-Stelle nach durchgeführtem Vorbescheid
verfahren (
Urk.
11/58) mit Verfügung vom 2
5.
Januar 2010 (
Urk.
11/68) von Oktober 2007 bis September 2009 eine ganze und ab Oktober 2009 eine Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung zu.
1.3
Im Zuge eines
Rentenrevisionsverfahrens holte die IV-Stelle im Jahr 2013 nebst einem
vom
Versicherten ausgefüllten Fragebogen (
Urk.
11/83) verschiedene Arztberichte (
Urk.
11/86 f., 11/89) sowie einen aktuellen IK-Auszug (
Urk.
11/91) ein. Ausserdem gab sie bei
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie, sowie
Dr.
med. A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein bidisziplinäres Gutachten in Auftrag (Gutachten vom 2
2.
April 2014,
Urk.
11/110). Mit Vorbescheid vom 2
8.
August 2014 (
Urk.
11/111) stellte sie dem Versicherten die Aufhebung der Rente auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats in Aussicht
, wogegen jener Einwand erhob (
Urk.
11/113, 11/118). Nach Eingang weiterer Stellung
nahmen (
Urk.
11/125, 11/135) und medizinischer Unterlagen (
Urk.
11/116 f., 11/126 f., 11/134, 11/154 und 11/174 f.) holte die IV-Stelle bei der Medizi
nischen Abklärungsstelle
B._
ein polydisziplinäres Gutachten ein (MEDAS-Gutachten vom
4.
Januar 2017,
Urk.
11/182).
Der Versicherte reichte in der Fol
ge weitere
Stellungnahmen und Arztberichte ein (
Urk.
11/187-190). Am 1
9.
April 2017 verfügte die IV-Stelle schliesslich im Sinne des Vorbescheids
, wobei sie einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzog
(
Urk.
11/197 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 2
2.
Mai 2017 Beschwerde (
Urk.
1) mit dem Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei ersatzlos aufzuheben. Eventua
liter sei die Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Im Weiteren wurde um die
Bewilligung
der unentgeltlichen Prozessführung
sowie die Gewährung der unentgeltlichen Rechtsvertretung in der Person von Rechtsanwältin Claudia Schaumann ersucht.
Mit Eingabe vom 2
8.
Juni 2017 (
Urk.
9) wurden weitere Unterlagen zur Darle
gung der finanziellen Verhältnisse eingereicht (
Urk.
7 f.). Mit Beschwerdeant
wort vom 2
9.
Juni 2017 (
Urk.
10) schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Nach Eingang weiterer Dokumente betreffend die finanzielle Situa
tion des Versicherten (
Urk.
12 f.)
wurde das Gesuch um unentgeltliche Prozess
führung mit Verfügung vom
6.
Juli 2017 (
Urk.
14) bewilligt. Zudem wurde dem Versicherten Rechtsanwältin Claudia Schaumann als unentgeltliche Rechtsver
treterin bestellt.
Mit Schreiben vom
4.
September 2017 (
Urk.
20) verzichtete der Beschwerdeführer auf die Durchführung
der in der Beschwerdeschrift subsub
eventualiter beantragten
öffentlichen Verhandlung
(vgl.
Urk.
1 S. 2 und 17)
.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG
).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbe
zügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des
Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisi
onsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.4
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen
guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG
,
BGE 139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl.
BGE 143 V 409 E. 4.2.1 unter Hinweis auf 127 V 294 E. 4b/cc und 139 V 547 E. 5.2
).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung vom
1
9.
April 2017 (
Urk.
2) im Wesentlichen auf den Standpunkt, gestützt auf die vorliegenden medizinischen Gutachten habe sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit der Rentenzusprechung
erheblich verbessert. Die angestammte Tätigkeit als Hilfsarbeiter im Gleisbau sei zwar weiterhin nicht zumutbar; für leidensangepasste Tätigkeiten bestehe demgegenüber
jedoch
eine uneinge
schränkte Arbeitsfähigkeit.
Unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzuges vom Invalideneinkommen von 15
%
ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 24
%
, weshalb kein Rentenanspruch mehr bestehe.
2.2
In seiner Beschwerdeschrift vom 2
2.
Mai 2017 (
Urk.
1) machte der Versicherte zusammengefasst geltend,
weder auf das Gutachten der Dres.
Z._
und
A._
vom 2
2.
April 2014, noch auf dasjenige der MEDAS
B._
vom
4.
Januar 2017 könne abgestellt werden.
Letzteres beinhalte nicht nur erhebliche Diskrepanzen
zu sämtlichen früheren Beurteilungen, sondern sei auch verwirrend aufgebaut und inhaltlich nicht haltbar (S. 6 f
f
.).
Insbesondere auf das neuropsychologische und das psychiatrische Teilgutachten könne aus verschiedenen Gründen nicht abgestellt werden
(S. 10 ff.). Ausserdem sei keine ergebnisoffene Prüfung der vom Bundesgericht in BGE 141 V 281 festgelegten Indikatoren durchgeführt worden (S. 15 f.). Gesamthaft sei keine Verbesserung des Gesundheitszustandes ausgewiesen; es handle sich bloss um unterschiedliche Beurteilungen eines unveränderten Lebenssachverhaltes, weshalb kein Revisionsg
rund vorliege
(S. 16).
3.
3.1
Die IV-Stelle
hatte
dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
5.
Januar 2010 eine Rente zu
gesprochen
(
Urk.
11/68).
Diese
s Verfügungsdatum
ist
somit
als z
eitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung
, ob
ei
ne anspruchserhebliche
Ände
rung des Invaliditätsgrades
vorliegt,
heranzuziehen (vgl. E. 1.3).
Die Rentenzu
sprechung basierte im Wesentlichen auf folgenden medizinischen
Unterlagen
(vgl. Urk.
11/56/2 f.)
:
Dr.
med. C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
hielt
in seinem Bericht vom 1
5.
November 2008
fest
, auf die Arbeitsfähigkeit wirke sich namentlich eine Diskushernie L3/4 und L4/5
, eine Schmerzverarbeitungsstörung und Schmerzgeneralisierung (ICD-10 F45.1) sowie die Adipositas aus. Der Versicherte erscheine nur in grossen zeitlichen Abständen in der Praxis und klage jeweils über eine unerträgliche Lumbalgie. Als Eisenleger sei er zu 100
%
arbeitsunfähig. Eine andere, leichte Arbeit ohne Lastentragen sei
jedoch
aus
führbar (
Urk.
11/40/3 f
f
.).
3.
2
Dem Bericht von
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medi
zin, vom 3
0.
Mai 2009 sind folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit zu entnehmen (
Urk.
11/50/2):
-
lumboradikuläres Schmerzsyndrom bei Diskushernie mit Wurzel-kompression,
-
mittelschwere depressive Episode mit aggressiven Durchbrüchen.
Der Versicherte klage über lumbale Schmerzen mit Ausstrahlung in beide Beine und Instabilität. Er sei
verzweifelt, orientierungslos, habe sich schwer unter Kontrolle und neige zu Aggressionen.
Seit dem 2
7.
April 2007 bestehe bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit.
Wechselbelastende Tätigkeiten seien für zwei Stunden pro Tag in geschütztem Rahmen zumutbar (
Urk.
11/50/3, 11/50/5).
3.3
Vom 1
8.
April bis
3.
Juni 2009 war der Beschwerdeführer
zwecks Behandlung der mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1)
im
E._
hospitalisiert.
Aus dem Bericht vom 1
6.
Juli 2009 geht hervor
, dass es im Vorfeld aufgrund finanzieller Probleme immer wieder zu heftigen Auseinander
setzungen
mit der Ehefrau
gekommen sei
. Sie erwarte, dass er sich aktiver um eine Arbeit bemühe, was ihm jedoch wegen der Rückenschmerzen und der psychischen Probleme nicht möglich sei. Im Weiteren habe der Versicherte über Schlafstörungen und Kopfschmerzen geklagt. Er wisse auch oft nicht, ob er wach sei oder träume. Er sehe beispielsweise Bäume, die mit ihren Ästen wie mit Tentakeln nach ihm greifen würden.
Objektiv hätten sich allerdings keine Hinweise auf eine akute Wahnsymptomatik oder Sinnestäuschungen finden lassen. Im Affekt sei der Versicherte deutlich niedergestimmt gewesen. Anhalts
punkte für Gedächtnis- oder formale Denkstörungen hätten sich nicht ergeben (
Urk.
11/54/3). Im Rahmen der Behandlung habe der Beschwerdeführer von Stimmungsschwankungen und Gedankenkreisen berichtet. Aufgrund eines agitierten Zustandsbilds und Aggressivität auf
der
Station habe er vorüber
gehend isoliert und zwangsmediziert werden müssen. Die im weiteren Verlauf aufgetretene psychotische Symptomatik mit optischen Halluzinationen s
ei mittels einer neuroleptischen
Therapie behandelt worden. Daraufhin habe sich eine Besserung gezeigt, weshalb der Versicherte nach einem komplikationslosen Wochenendurlaub habe nach Hause entlassen werden können (
Urk.
11/54/4). Während des stationären Aufenthalts habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Seit dem
4.
Juni 2009 sei die bisherige Tätigkeit aus psychiatrischer Sicht zu 50
%
zumutbar
, wobei diese durch weitere ambulant-psychiatrische Betreuung gesteigert werden könne (
Urk.
11/54/5 f.).
3.4
3.4
.1
Im Rahmen des zu beurteilenden Rentenrevisionsverfahrens
holte die Beschwer
degegnerin zunächst bei den Dres.
Z._
und
A._
das rheumatologisch-psyc
hiatrische
Gutachten
vom 2
2.
April 2014
ein
(Urk.
11/110)
.
Im interdiszip
linären Konsens gelangten die
Gutachter
zum Schluss, dass sich das chronische lumbospondylogene Syndrom mit spondylogener Ausstrahlung in die Brustwir
belsäule und in die Beine auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Demgegenüber seien namentlich folgende Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
11/110/8
, 11/110/31
):
-
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung
(ICD-10 F45.4)
-
leichtgradige
depressive Episode (ICD-10 F32.0),
-
Eheprobleme
(ICD-10 Z63)
,
-
Chronisches Schmerzsyndrom des Rückens und der Beine
-
nicht ausreichend somatisch abstützbar,
-
diffuse Druckschmerzangabe,
-
Schlafstörungen, Müdigkeit,
-
Übergewicht mit Body-Mass-Index von 29.8 kg/m
2
.
Dr.
Z._
führte im rheumatologischen Teilgutachten aus,
es bestehe spätestens seit dem Zeitpunkt der Begutachtung kein Hinweis mehr auf ein radikuläres Reizsyndrom
der
Nervenwurzel
n
der Lendenwirbelsäule
. Ein radikuläres Aus
fallsyndrom sei angesichts des wieder symmetrisch vorhandenen Achilles
sehnenreflexes (ASR), der allseits normalen Muskelkraft und -trophik sowie der negativen Nervendehnungstests ebenfalls nicht objektivierbar.
Ferner würden die aktualisierten Röntgenaufnahmen der Brust- und Lendenwirbelsäule thora
kal keine Arthrose dokumentieren. Lumbal bestehe seit Juni 2013 eine als stationär einzustufende leichtgradige Osteochondrose des
Lendenwirbelkörpers L4/
5.
Die radiologisch festgestellte
Doppelskoliose sei derart diskret ausgeprägt, dass sie klinisch nicht objektiviert werden könne.
Im Übrigen seien weder an den oberen, noch an den unteren Extremitäten funktionelle Einschränkungen vorhanden (
Urk.
11/110/11 f.).
Aus somatisch-rheumatologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit für die Tätigkeit als Gleisbauer seit November 2005 und auch zukünftig nicht mehr gegeben. Für eine leidensangepasst
e
Tätigkeit habe zu keinem Zeitpunkt eine anhaltende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestan
den (
Urk.
11/110/17).
Dr.
A._
hielt in
seiner
psychiatrischen Teilexpertise fest,
der Unfall im November 2005 habe ein lumboradikuläres Schmerzsyndrom mit sensiblen Aus
fällen ausgelöst. Der Versicherte habe zunächst vor allem an Rücken- und Kopf
schmerzen gelitten; später hätten sich die Schmerzen in beinahe alle Körperteile ausgedehnt. Es gebe Hinweise für das Vorliegen einer psychosomatischen Über
lagerung der Schmerzen. Der Beschwerdeführer sei auf diese fixiert, äussere hypochondrische Befürchtungen und zeige eine Schmerzausdehnung. Lebens
probleme würden oft zu einer Verstärkung der Schmerzen führen. Gesamthaft sei eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung vorhanden
.
Zusätzlich
sei seit Frühjahr 2013
von einer leichtgradigen depressiven Störung auszugehen. Die Kriterien einer mittelgradigen depressiven Episode seien dagegen nicht mehr erfüllt. Der Versicherte habe weiterhin diverse aktive Interessen, zeige keinen verminderten Appetit und hege keine Suizidgedanken. Zudem sei das Gedächt
nis in Ordnung.
Er habe eine regelmässige Tagesgestaltung, könne Ferien im
Heimatland machen und verfüge über rege soziale Kontakte sowie politische Interessen
(
Urk.
11/110/32 ff.). Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit des Versicherten insgesamt nicht eingeschränkt, wobei es ab Frühjahr 2013 zu einer Verbesserung gekommen sei
.
Es bestehe keine massgebliche psychische Störung, die zur Unüberwindbarkeit der Schmerzen führen würde. In Bezug auf die anhaltende somatoforme Schmerzstörung fehle es sowohl an einer psychi
schen Komorbidität, als auch an einer prämorbiden Persönlichkeitsstruktur. Zudem sei die soziale Integration erhalten (
Urk.
11/110/34 ff.).
Im interdisziplinären Konsens kamen die Gutachter zum Schluss, dass der Beschwerdeführer seit November 2005 nicht mehr als Gleisbauer arbeitsfähig sei. Für eine angepasste Tätigkeit sei bis Frühjahr 2013 von einer 40-50%igen Einschränkung auszugehen. Seither bestehe keine relevante Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit mehr (
Urk.
11/110/24).
3.4
.2
In
folge eines akuten Cauda-equina-
Syndroms wurde der Beschwerdeführer am 2
1.
Oktober 2014 im
F._
operativ versorgt (
Urk.
11/116).
In der Folge war er vom
2.
bis 2
5.
November 2014 in der
G._
hospitalisiert, wobei
die Mobilität habe verbessert und eine erste Schmerzlinde
rung habe erreicht werden können
(
Urk.
11/126/2 f.).
3.4
.3
Dem polydisziplinären MEDAS-Gutachten vom
4.
Januar 2017 ist folgende Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (
Urk.
11/182/25):
-
Chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei Status nach aku
tem Cauda-equina
-
Syndrom (2
1.
Oktober 2014) mit notfallmässiger Mikrodiskektomie L4/L5 links aktuell ohne Hinweis für radikuläre Störung.
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien demgegenüber insbesondere:
-
In ihrer Art und Ausprägung nicht-authentische kognitive Minder-leistungen in den Bereichen Aufmerksamkeit, Neugedächtnis, Exekutiv
funktionen, Sprache, Rechnen und Visuokonstruktion,
-
Problem mit Bezug auf die Lebensführung, nicht näher bezeichnet
(ICD-10 Z72.9),
-
Personen, die das Gesundheitswesen aus sonstigen näher bezeichneten Gründen in Anspruch nehmen (ICD-10 Z76.8),
-
Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1),
-
episodischer Spannungskopfschmerz ohne versicherungsmedizinische Relevanz.
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Rheumatologie und Traumatologie des Bewegungsapparates, hielt in ihrer Teilexpertise fest,
der Versicherte habe über chronische, ondulierende Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule mit Ausstrahlungen in beide Beine geklagt
(
Urk.
11/182/10).
Klinisch finde sich eine eingeschränkte Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule ohne radikuläre Zeichen. Radiologisch
zeige sich ein ordentliches Resultat nach Mikrodiskektomi
e L4/L5 bei akutem Cauda-equina-
Syndrom mit lumboradikulärem Ausfallsyndrom L5/S1 vom 2
1.
Oktober 201
4.
Hinzu kämen altersentsprechende degenerative Veränderungen der Lendenwirbelsäule ohne Hinweise auf Instabilitäten. Gesamthaft seien die Beschwerden des Versicherten orthopädisch teilweise nachvollziehbar. Das Heben und Tragen von Lasten über zehn Kilogramm sei nicht mehr zumutbar. Selbiges gelte für Arbeiten in gebeugter oder gebückter Haltung, mit Zwangshaltungen des Oberkörpers
sowie Tätigkeiten
in rein stehender, gehender oder sitzender Position
. Unzumutbar seien sodann Arbeiten mit Begehen von Gerüsten und Leitern sowie auf unebenem Boden. Für die angestammte Tätigkeit als Gleisbauer bestehe seit November 2005 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Seit November 2015 sei
der Versicherte in
eine
r
leidensan
gepasste
n
Tätigkeit
zu 100
%
arbeitsfähig (
Urk.
11/182/17 f.).
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
führte aus
, dass
aus internistischer Sicht keine objektivierbaren medizinischen Diagnosen oder Beschwerden vorliegen würden. Der Explorand habe über Rückenschmer
zen, Sensibilitätsstörungen und eine depressive Verstimmung geklagt. Beschwerden in Bezug auf die Atmung habe er nicht vorgebracht. Im Rahmen der klinischen Untersuchung hätten über allen Lungenfeldern ein sonorer Klopf
schall ohne Seitendifferenzen sowie ein normales vesikuläres Atemgeräusch ohne krankhafte Nebengeräusche festgestellt werden können. Die Arbeitsfähig
keit des Versicherten sei weder in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Gleis
bauer, noch in einer Verweistätigkeit eingeschränkt (
Urk.
11/182/33 f.).
Gegenüber
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, habe sich der Beschwerdeführer dahingehend geäussert, dass
er sich leer fühle und keine Ziele oder Perspektiven habe.
Zudem leide er unter Schlafstörungen. Er schaue fern und grüble nach. Es belaste ihn vor allem, dass er weniger Geld habe als früher, als er noch gearbeitet habe. Gegenwärtig sei er auch sexuell inaktiv (
Urk.
11/182/35).
Ferner habe er seit 2010 Dauerkopfschmerzen, teilwei
se verstärkt durch Belastungen. Panikattacken würden auftreten, wenn er allei
ne sei. Wenn er Telefonate oder schlechte Nachrichten erhalte, komme es auch dazu, dass Panik ausbreche. Dabei komme es zu Atembeschwerden, Zittern und Schwitzen.
Diese Beschwerden kämen etwa ein bis zwei Mal wöchentlich vor,
bei Telefonanrufen auch öfters. Wenn er allein zu Hause sei, höre er in letzter Zeit ausserdem Stimmen und sehe Bilder an der Wand (
Urk.
11/182/37).
Anläss
lich der Exploration sei aufgefallen, dass der Versicherte regelmässig versucht habe, die Gesprächsführung zu übernehmen und den Gutachter in seinen Fragen zu beeinflussen respektive zu lenken. Zu Beginn der Befragung sei der Beschwe
rdeführer teilweise grossspurig
aufgetreten und habe selbstgefällig, umständlich, sehr weitschweifig und monologisierend über seinen Zustand berichtet. Es sei ein theatralisch anmutendes, fast inszeniertes Verhalten zum Vorschein gekommen. Dieses habe insgesamt - bis auf das authentisch domi
nant geprägte Gebaren - aufgesetzt und unecht gewirkt. Zu keinem Zeitpunkt habe der Versicherte depressiv gewirkt; er habe verschmitzt gelächelt und bei seinem Auftritt teilweise sogar einen vergnügten Eindruck vermittelt. Sein Ver
halten habe demonstrativ, provo
kativ und aggravierend gewirkt (
Urk.
11/182/38 f.).
Dr.
J._
gelangte zur Auffassung, die geschilderten schweren kognitiven Defizite im Alltagsleben hätten sich im Rahmen der Begutachtung nicht repro
duzieren lassen und hätten nicht glaubhaft gewirkt. Im Weiteren bestehe mangels Vorliegens von Haupt- und Nebensymptomen keine depressive Störung. Von einer somatoformen Störung sei ebenfalls aufgrund fehlender Diagnosekriterien nicht auszugehen.
Unter der bestehenden narzisstischen Per
sönlichkeitsakzentuierung leide der Versicherte nicht. Bislang habe er Schwie
rigkeiten in seinem Leben ohne grössere Mühen gemeistert und stets auch Möglichkeiten gefunden, seine Interessen durchzusetzen. Die geschilderten halluzinatorischen Ereigniss
e
würden sich diagnostisch nicht einordnen lassen, zumal keine Hinweise für das Vorliegen einer psychotischen Erkrankung vorhanden seien. Insgesamt würden sich beim Versicherten zwar Probleme der Anpassungsfähigkeit beim Umgang mit anderen - bedingt durch seine Vorstel
lungen, überzogenen Wünsche sowie überhöhten Erwartungen und Forderun
gen - bei geringer Introspektionsfähigkeit des eigenen Verhaltens ergeben. Dies stelle jedoch kein versicherungsmedizinisch relevantes Problem dar. Darüber hinaus bestehe ein Aggravationsverhalten, welches in Anbetracht der Ergebnis
se der aktuellen Untersuchungen als bewusstseinsnah beurteilt werden müsse (
Urk.
11/182/44).
Aus psychiatrischer Sicht sei sowohl für die angestammte, als auch für ideal angepasste Tätigkeiten von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (
Urk.
11/82/46).
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Neurologie,
äusserte sich in dem Sinne, dass ausgehend vom gegenwärtigen klinisch-neurologischen Status keine moto
rischen Defizite feststellbar seien.
Neuropathische Schmerzquali
täten bestünden ebenfalls nicht und
konkrete radikuläre Störungsmuster seien verneint worden.
Es könne wohl vorübergehend eine akute Verschlechterung im Oktober 2014 angenommen werden, welche notfallmässig zur Mikrodiskektomie im Segment L4/5 geführt habe. Davon verbliebene, für die Funktionalität wesentliche Beein
trächtigungen seien aber nicht objektivierbar. Eine
gewisse Sensibilitätsstörung möge
zwar erklärbar sein; ohne neuropathische Schmerzqualität sei diese aller
dings für die Arbeitsfähigkeit nicht von Relevanz
. Dies gelte ferner auch für den episodischen Spannungskopfschmerz, welcher medikamentös sehr gut
vom Versicherten behandelt werden könne
. Zusammenfassend sei die angestammte Tätigkeit als Gleisbauer
aufgrund der verminderten Rückenbelastbarkeit
aus neurologischer Sicht nicht mehr geeignet
. Die Arbeitsfähigkeit für eine leidens
angepasste Tätigkeit - ohne häufiges Bücken, Verrichtungen in der Hocke, Zwangshaltungen des Oberkörpers sowie Kälte- und Nässeexposition - sei nicht eingeschränkt
(
Urk.
11/182/54
f.).
Lic. phil.
L._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie,
führte in ihrer Teilexpertise aus, die neuropsychologische Begutachtung sei wegen invaliden Ergebnissen nicht vollständig durchgeführt worden. Mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit entsprächen die gezeigten Leistungen nicht der tatsächlichen Leistungsfähigkeit. Diese seien in allen relevanten Durchgängen im Zufalls
bereich und damit deutlich unter dem kritischen Wert gewesen. Zudem fänden sich Diskrepanzen zwischen den subjektiven Angaben, den klinischen Beobach
tungen und den Testergebnissen. Falls das gezeigte Verhalten bewusstseinsnah sei
- was d
em psychiatrischen Gutachten zu entnehmen sei - liesse sich somit auf ei
ne Aggravation schliessen (Urk.
11/182/62
, 11/182/64
).
Wären die Resul
tate valide, so wäre der Versicherte eine kognitiv sehr deutlich eingeschränkte, verlangsamte Person, die in vielen Belangen des
täglichen Lebens Hilfe benötig
te
und über seine Erkrankungen und deren Verlauf nur diffus Auskunft geben könnte. Dies sei in Anbetracht der verfügbaren Informationen und der klinischen Beobachtung (beispielsweise keine Verlangsamung im Gespräch, keine Desorientierung, selbständige Anreise)
nicht glaubhaft.
Eine detaillierte Einschätzung der Leistungsfähigkeit sei aufgrund der invaliden Ergebnisse nicht möglich. Da die kognitiven Anforderungen an einen Gleisbauer ohne Ausbil
dung eher gering seien, könne aus streng neuropsychologischer Sicht von einer bereits eher angepassten Tätigkeit gesprochen werden. Für eine gut angepasste Tätigkeit mit reduziertem Zeitdruck sowie sich teilweise wiederholenden und vorgegebenen Abläufen
könne von einer mindestens 90%igen Leistungsfähig
keit ausgegangen werden (
Urk.
11/182/65).
Im polydisziplinären Konsens gelangten die Gutachter zum Schluss,
die Arbeits
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Gleisbauer sei seit November 2005 nicht mehr gegeben. Eine leidensangepasste Tätigkeit
mit reduzierter Rückenbe
lastung
sei dagegen zu 100
%
zumutbar
(
Urk.
11/182/26).
4.
4.1
Zwischen den Parteien ist strittig, ob
der Beschwerdeführer weiterhin Anspruch auf die mit Verfügung vom 2
5.
Januar 2010 (
Urk.
11/68) zugesprochene Rente der Invalidenversicherung hat.
In diesem Zusammenhang ist zunächst zu prüfen, ob ein Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorliegt. Die Beschwerdegegnerin erachtete einen solchen gestützt auf das MEDAS-Gutachten vom
4.
Januar 2017 (
Urk.
11/182) als gegeben, da sich der Gesund
heitszustand des Versicherten erheblich gebessert habe (
Urk.
2 S. 2 f.).
Das polydisziplinäre
MEDAS
-Gutachten basiert auf umfassenden
orthopä
dischen
,
internistischen, psychiatrischen, neurologischen
sowie
neuropsycholo
gischen Untersuchungen, wobei
im Zuge dessen
insbesondere auch eine Blutanalyse
und eine Elektromyographie
durchgeführt
wurde
n
(
Urk.
11/182/33
, 11/182/51
). Die Expertise wurde des Weiteren in detaillierter Kenntnis der Vorakten erstellt (
Urk.
11/182/3
ff.
, 11/182/66 ff.
). D
er
Versicherte konnte gegenüber den einzelnen Gutachtern
seine
aktuellen Beschwerden schildern und wurde von
jenen
- soweit fachspezifisch erforderlich - eingehend befragt (
Urk.
11/182/
9 ff., 11/182/30 f
., 11/182/35 ff., 11/182/47 ff. und
11/182/59 f.
). Namentlich im Rahmen der psychiatrischen Exploration konnte
er
sich zu diversen Themenbereichen wie
seinem
beruflichen Werdegang, dem gewöhn
lichen Tagesablauf und der familiären Situation äussern (
Urk.
11/182/35 ff
.). Die geklagten Leiden fanden im Zuge der Feststellung der Diagnosen Berück
sichtigung, wobei sowohl diese als auch die aus medizinischer Sicht resultieren
den Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit überzeugend dargelegt und erläutert wurden (
Urk.
11/182/18, 11/182/25 f., 11/182/
34, 11/182/46 und
11/182/55 f.
). Soweit möglich erfolgte überdies eine Auseinandersetzung mit vorangegange
nen ärztlichen Beurteilungen (
Urk.
11/182/
19 ff., 11/182/
29, 11/182/33 f., 11/182/
45 und
11/182/54 f.
). Insgesamt erfüllt das
MEDAS
-Gutachten sämtliche praxisgemässen Kriterien an den Beweiswert einer medi
zinischen Expertise (vgl. E. 1.5
).
4.2
Der Beschwerdeführer
zweifelt allerdings die Beweiskraft des MEDAS-Gutachtens an und
erhebt
diverse Einwände
.
So macht er geltend
, de
r
Aufbau
der Expertise
sei verwirrend und die dreifache Wiedergabe des neuropsycholo
gischen Teilgutachtens
verleihe diesem übermässiges Gewicht
.
Er merkt jedoch selbst an, dass durch das genaue Studium des Gutachtens
klar we
rd
e
, welche Befunde von welchem Gutachter erhoben w
orden seien
(
Urk.
1
S. 7
Ziff.
2.13).
Es ist denn auch nicht von entscheidender Bedeutung, wie das Gutachten im Einzelnen strukturiert ist
, solange es die vom Bundesgericht
hin
sichtlich des Beweiswerts
gestellten Anforderungen erfüllt, was vorliegend der Fall ist (vgl.
E. 4.1 hievor).
Dem Beweiswert der Expertise ist demnach nicht abträglich, dass die interdisziplinäre Beurteilung
(
Urk.
11/182/19 ff.) im Anschluss an das orthopädische Teilgutachten und nicht am Ende des Gutach
tens aufgeführt wurde.
Selbiges gilt für d
ie dreifach
wiedergegebenen
Ergebnis
se der neuro
psychologischen Untersuchung
.
Selbst wenn
dies in gewisser Weise unnötig repetitiv wirken
mag
,
ist jeweils klar erkennbar, welche Ausführungen auf der neuropsychologischen Begutachtung beruhen (vgl.
Urk.
11/182/21, 11/182/41 und 11/182/57)
, was der Beschwerdeführer im Ergebnis auch nicht bestreitet.
Soweit er im Übrigen beanstandet, die Dauer der einzelnen Unter
suchungen sei in einzelnen Teilexpertisen nicht festgehalten worden (
Urk.
1 S. 7
Ziff.
2.13), ist darauf hinzuweisen,
dass es nach der Rechtsprechung für den Aussagegehalt einer medizinischen Berichterstattung grundsätzlich nicht auf die Dauer der jeweiligen Untersuchung ankommt.
Massgebend ist in erster Linie vielmehr, ob die darauf basierenden ärztlichen Folgerungen inhaltlich vollstän
dig und im Ergebnis schlüssig sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_848/2012 vom 1
6.
April 2013 E. 3.2.2 mit Hinweisen).
4.3
4.3.1
Hauptsächlich rügt der Versicherte, das MEDAS-Gutachten vom
4.
Januar 2017 sei inhaltlich nicht haltbar.
Soweit in diesem Zusammenhang
pauschal
auf bei den Akten liegende Eingaben und Stellungnahmen verwiesen wird beziehungs
weise diese zu integrierenden Bestandteilen der Beschwerde erklärt werden (vgl.
Urk.
1 S. 5
Ziff.
2.8 und
Urk.
1 S. 7
Ziff.
2.14), ist vorab festzuhalten,
dass
die betreffenden Vorbringen unbeachtlich sind (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 2A.31/2005 vom 2
6.
Mai 2005 E. 1.4).
4.3.2
Sowohl das orthopädische als auch das neurologische Teilgutachten stellt der Beschwerdeführer grundsätzlich nicht in Frage und erachtet in dieser Hinsicht zudem ergänzende medizinische Abklärungen nicht für
zwingend
notwendig
(vgl.
Urk.
1 S. 2
Ziff.
5 und
Urk.
1 S. 16
Ziff.
4.7).
So überzeugt
in Anbetracht der objektivierbaren Rückenbeschwerden ohne weiteres
die Einschätzung, dass die angestammte Tätigkeit als Gleisbauarbeiter seit dem Sturz im November 2005 nicht mehr zumutbar ist (vgl.
Urk.
11/182/17 f., 11/182/55).
Ebenso leuch
tet ein, dass für eine entsprechend dem individuellen Belastungsprofil angepass
te Tätigkeit - insbesondere ohne Heben und Tragen von Lasten über zehn Kilo
gramm und mit geringer Rückenbelastung (vgl.
Urk.
11/182/25) -
unter Berück
sichtigung der am 2
1.
Oktober 2014 erfolgten operativen Versorgung des akuten Cauda-equina Syndroms
aus orthopädischer und neurologischer Sicht
spätestens seit November 2015
wieder
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
vorliegt
(
Urk.
11/182/26)
.
Diese Beur
teilung korrespondiert denn auch mit früheren ärzt
lichen Einschätzungen wie
namentlich
jener
des Rheumatologen
Dr.
Z._
im Gutachten vom 2
2.
April 2014 (
Urk.
11/110/18)
.
4.3.3
In Bezug auf
seinen internistischen Status
führt der Versicherte an, er leide
seit Jahren an teilweise schweren Infektionen, welche auf einen primären Immunde
fekt mit schwerem Antikörpermangel zu
rückzuführen seien
.
Im internistischen Teilgutachten fehle diese Diagnose und die Diskussion der Auswirkungen dieser Erkrankung.
Aufgrund der häufig notwendigen Antibiotikatherapien
sei
die
Leistungsfähigkeit herabgesetzt (
Urk.
1 S. 10
Ziff.
3.8
,
Urk.
3/9
[=
Urk.
11/187]
).
Dr.
I._
wies im internistischen Teilgutachten
auf einen Status nach Bron
chiektasen
im Jahr
2012 hin. Einen Immundefekt stellte er nicht fest
,
konnte jedoch
im Zuge der klinischen Untersuchung des Beschwerdeführers
über
allen Lungenfeldern sonoren Klopfschall ohne Seitendifferenzen sowie ein normales vesikuläres Atemgeräusch ohne krankhafte Nebengeräusche
eruieren
.
Der Ver
sicherte habe
in diesem Kontext
auch keine Beschwerde
n
geäussert
(
Urk.
11/182/34).
Es trifft zwar zu, dass im MEDAS-Gutachten
die Diagnose eines primären
Immundefekt
s
nicht aufgeführt
worden ist. Allerdings fand die Untersuchung durch
Dr.
I._
bereits am 2
2.
Dezember 2015 (vgl.
Urk.
11/182/30) und damit einige Monate vor der erstmaligen Diagnosestellung durch
die behan
delnden Fachärzte
für Pneumologie
statt (vgl.
Urk.
11/174).
Entgegen der Auf
fassung des Versicherten
(vgl.
Urk.
1 S. 16
Ziff.
4.7) indiziert dieser Umstand jedoch keine weiteren medizinischen Abklärungen.
Aus keinem der vorliegen
den Berichte der behandelnden Ärzte geht hervor, dass
sich
die seit etwa sieben Jahren
bis zu zehn Mal pro Jahr
auftretenden Infektionen der Atemwege
wesentlich
auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten auswirken (vgl.
Urk.
3/9, 11/87/4 und 11/174).
Einerseits
war dadurch keine durchgehende antibiotische Behandlung erforderlich (vgl.
Urk.
11/110/2)
, andererseits zeigte sich eine stabile Leistungsfähigkeit unter Inhalationstherapie (
Urk.
11/174/2). Im Weite
ren besteht die Möglichkeit einer Nasennebenhöhlen-Sanierung (
Urk.
11/177).
Schliesslich äusserte sich der Beschwerdeführer insbesondere im Rahmen der Begutachtungen nicht dahingehend,
sich durch die Atemwegsinfektionen mass
geblich eingeschränkt zu fühlen, sondern stellte klar seine Rücken- und psy
chischen Beschwerden in den Vordergrund
(vgl.
Urk.
11/110/2, 11/110/29 und 11/182/30 f.).
4.3.4
Der Beschwerdeführer übt ferner Kritik an der neuropsychologischen Begutach
tung, wobei er
namentlich auf die Stellungnahme von lic. phil.
M._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie, vom 2
7.
Februar 2017 (
Urk.
3/10) Bezug nimmt (vgl.
Urk.
1 S. 11).
Lic. phil.
L._
gelangte im Rahmen der neuropsychologischen Begutachtung zum Schluss, dass
die gezeigten Leistungen mit überwiegender Wahrscheinlich
keit nicht der tatsächlichen Leistungsfähigkeit
entsprochen hätten. Diese seien in allen relevanten Durchgängen im Zufallsbereich und damit deutlich unter dem kritischen Wert gewesen. Zudem hätten sich Diskrepanzen zwischen den subjektiven Angaben, den klinischen Beobachtungen und den Testergebnissen ergeben, weshalb - bei bewusstseinsnahem Verhalten - auf eine Aggravation geschlossen werden könne
. Wären die Resultate valide, würde es sich beim Versicherten um eine kognitiv sehr deutlich eingeschränkte, verlangsamte Person handeln, die in vielen Belangen des täglichen Lebens Hilfe benötigen und über ihre Erkrankungen und deren Verlauf nur diffus Auskunft geben könnte
. Dies sei in Anbetracht der verfügbaren Informationen und der klini
schen Beobachtung nicht glaubhaft
(
Urk.
11/182/62, 11/182/64
f.
).
Entgegen der Argumentation des Beschwerdeführers kann auf diese Schluss
folgerungen abgestellt werden.
Zunächst ist anzumerken, dass
weder Gesetz noch Rechtsprechung eine Begutachtung nach fachspezifischen Leitlinien vorschreiben.
Selbst wenn die neuropsychologische Teilexpertise damit nicht in allen Teilen diesen Empfehlungen folgen sollte
(vgl.
Urk.
3/10
S. 5)
, würde sie
somit nicht automatisch ihre Beweiskraft einbüssen
(vgl. Urteil
e
des Bundesgerichts
I 58/06 vom 1
3.
Juni 2006 E. 2.1 und
9C_88/2017 vom 3
0.
März 2017 E. 3.3.1.1).
Im Weiteren
unterliegen
die Auswahl und die Durch
führung der testpsychologischen Untersuchungen grundsätzlich der Fachkennt
nis und dem Ermessensspielraum des Experten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_275/2016 vom 1
9.
August 2016 E. 4.3.2)
.
Es ist in diesem Kontext auch nachvollziehbar, dass lic. phil.
L._
auf eine differenzierte Untersuchung der verschiedenen Aufmerksamkeitskomponenten verzichtet hat (vgl.
Urk.
3/10
S. 4).
Eine entsprechende Untersuchung mag
im Rahmen
einer verkehrs
psycholo
gischen Abklär
ung der kognitiven Fahreignung,
welche am
9.
Novem
ber 2015 erfolgte und zum Entzug des Führerausweises führte (
Urk.
11/154)
,
durchaus zielführend
, angebracht
und zweckmässig
sein.
Es ist jedoch
weder
ersichtlich
noch substantiiert dargelegt
, inwiefern die
s
im konkre
ten Fall
für die
Frage
der Arbeitsfähigkeit
- namentlich als Hilfsarbeiter -
von wesentlicher
Bedeutung sein sollte.
Schliesslich bleibt festzuhalten, dass der Beschwerdeführer zu Unrecht
rügt
,
die Gutachterin
habe
die Befunde einseitig interpretiert, indem sie unter anderem den Test aufgrund invalider Ergebnisse vorzeitig abgebrochen und die Befunde einzig mit einer ungenügenden Anstrengungsbereitschaft erklärt habe
, ohne weitere Einflussfaktoren wie Ermü
dung, Schmerzexazerbation, Medikamente und langsames Arbeiten aufgrund der ungeübten Aufgaben zu berücksichtigen
(
Urk.
1 S. 11
Ziff.
3.11,
Urk.
3/10 S. 5).
Lic. phil.
L._
führte vielmehr unter Einbezug der Ergebnisse der klinischen Untersuchung detailliert aus,
weshalb die gezeigten Leistungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht der tatsächlichen Leistungsfähigkeit entsprochen hätten.
Die vom Versicherten vorgebrachten Einflussfaktoren
fan
den hierbei ebenfalls Beachtung.
So konnten während der über zweistündigen Abklärung weder zunehmende Ermüdungszeichen noch ein Leistungs
abfall festgestellt werden
(
Urk.
11/182/63, 11/182/6
5)
. Gemäss den Angaben des Versicherten kam es zudem zu keiner Schmerzexazerbation (
Urk.
11/182/60).
In Bezug auf die möglichen Nebenwirkungen der Medika
mente hielt die Gutachte
rin überdies klar fest, dass das gezeigte Ausmass und auch die Art der Defizite bei Weitem die zu erwartenden Einschränkungen überstiegen hätten (
Urk.
11/182/64).
Im Übrigen erweist sich auch der Verzicht auf die komplette neuropsychologische Untersuchung angesichts der eindeutig invaliden Ergeb
nisse als
nachvollziehbar
und gerechtfertigt (vgl.
Urk.
11/182/60).
4.3.5
In Bezug auf das psychiatrische Teilgutachten macht der Beschwerdeführer geltend, dieses halte inhaltlich nicht stand, was sich aus der Stellungnahme des behandelnden Psychiaters
Dr.
med. N._
vom
3.
März 2017 (
Urk.
3/11) ergebe. Ausserdem sei es widersprüchlich, die Diagnosen seien nicht ergebnis
offen abgeklärt worden
,
und auch der Vorwurf der bewusstseinsnahen Aggrava
tion gehe fehl (
Urk.
1 S. 12 f.).
Hinsichtlich der Beurteilung von
Dr.
N._
ist anzumerken, dass es die unter
schiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen Fachperson einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten andererseits
(BGE 124 I 170
E. 4
)
nicht zulässt, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklä
rungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen respektive Therapie
kräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Insbesondere ist die Erfah
rungstatsache zu berücksichtigen, dass jene mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E.
4.5, 125 V 351
E. 3b/cc).
In der Stellungnahme vom
3.
März 2017 (
Urk.
3/11) werden denn auch keine (neuen) Aspekte
oder Befunde
benannt, die bei der Begutachtung uner
kannt oder ungewürdigt geblieben sind.
Der Bericht beschränkt sic
h in weiten Teilen auf Vorwürfe an den
psychiatrische
n
Gutachter
, wonach dieser Mutmas
sungen und Unterstellungen geäussert habe, die nicht nachvollziehbar seien.
Dr.
J._
hat jedoch eindrücklich aufgezeigt, weshalb er das Verhalten des Versicherten als demonstrativ, provokativ und aggravierend einordnete
,
wobei er unter anderem auf die dominante Gesprächsführung
, die geringe Koopera
tionsbereitschaft sowie
auf
die vom Beschwerdeführer
nicht glaubhaft
geschil
derten schweren kognitiven Defizite im Alltagsleben hinwies (
Urk.
11/182/38 f., 11/182/43).
Ergänzend anzumerken ist in diesem Zusam
men
hang, dass ein solch demonstratives
und inkonsistentes
Verhalten bereits im Rahmen früherer ärztlicher Untersuchungen
(vgl.
Urk.
11/12/3, 11/24/9, 11/24/39 und 11/24/55) sowie bei der neuropsychologischen und der neurologischen Begutachtung
auf
gefallen war
(
Urk.
11/182/50, 11/182/54, 11/182/62 und 11/182/64 f.)
.
Ange
sichts dieser Gegebenheiten kann auch nicht mehr von einem in gewissem Ausmass noch
verständlichen
Mass an Verdeutlichung gesprochen werden
, wie es der Versicherte geltend macht (
Urk.
1 S. 8
Ziff.
3.2).
Der
mehrfach geäusserte Vorwurf
einer tendenziösen Sachverhaltsdarstellung durch die Gutachter erweist sich
ebenfalls als
nicht haltbar
.
In den Hintergrund tritt sodann, dass die Gut
achter
zu Unrecht
von einem
„
Symptomshift
“ ausgingen
(
Urk.
11/182/24). Weder existiert
zwar
der von ihnen genannte ablehnende Rentenbescheid
-
gemeint ist wohl die
Verfügung vom 1
3.
Februar 2007 betreffend
Abweisung des Gesuches um U
mschulung (
Urk.
11/23)
-
,
noch ergibt sich a
us den Akten, dass der
Versicherte
im weiteren Verlauf
statt somatische
psychische Beschwer
den vorgebracht hat.
Dies ändert jedoch nichts
an den
ausgewiesenen
Inkonsis
ten
zen beziehungs
weise der aggravierenden Verhaltensweise
. Zudem bezogen sich die Gutachter auf den angeblichen „
Symptomshift
“, um
rückwirkend zur
Entwicklung der Arbeitsfähigkeit von 2005 bis Oktober 2014
Stellung zu nehmen
.
Es ist damit nicht ersichtlich, inwiefern
dies für die aktuelle Beurtei
lung der Arbeits
fähigkeit des Versicherten
von entscheidender
Relevanz sein sollte.
Das psychiatrische Teilgutachten überzeugt überdies auch in Bezug auf die gestellten Diagnosen
(
Urk.
11/182/43 f.)
. So ist zum einen nachvollziehbar, dass
in Anbetracht der
objektiven Befunde
(
Urk.
11/182/39) keine Symptome einer depressiven Störung festgestellt werden konnten
.
Zum anderen verneinte
Dr.
J._
das Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung aufgrund fehlen
der Diagnosekriterien.
Aus dem Umstand, dass
Dr.
A._
in seinem Gutach
ten
vom 2
2.
April 2014
eben
diese Diagnose
gestellt hatte
, vermag der Ver
sicherte nichts zu seinen Gunsten abzuleiten, zumal sich
Dr.
A._
dahinge
hend
geäussert hatte
, dass diese Erkrankung die Arbeitsfähigkeit nicht beein
trächtige (
Urk.
11/110/32 ff.). Davon abgesehen ist nicht die diagnostische Einordnung eines Gesundheitsschadens entscheidend, sondern dessen konkrete Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit (Urteil des Bundesge
richts 9C_228/2013 vom 2
6.
Juni 2013 E. 4.1.4 mit Hinweis).
Entgegen der Argumentation des Beschwerdeführers hat
Dr.
J._
schliesslich
unter Diskus
sion verschiedener
potentiell
in Frage kommender psychotischer Erkrankungen detailliert dargelegt, weshalb trotz der geschilderten Halluzinationen keine ent
sprechende Diagnose gestellt werden k
önne
.
Anzufügen ist in diesem Zusam
menhang, dass sich bereits 2009 keine objektiven Anhaltspunkte für eine akute Wahnsymptomatik oder Sinnestäuschungen ergeben hatten (
Urk.
11/54/3).
Solche finden sich zudem
weder
im Gutachten von
Dr.
A._
(
Urk.
11/110/30 f.), noch in den Berichten des behandelnden Psychiaters
Dr.
N._
(
Urk.
3/11, 11/86/3 und 11/89/5).
Eine psychotische Erkrankung kann da
her
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.
Insgesamt
ist
somit auch der psychiatrischen Teilexpertise von
Dr.
J._
volle Beweiskraft zu
zusprechen
.
5.
5.1
Nach dem Gesagten kann festgehalten werden, dass
in allen Teilen auf das MEDAS-Gutachten vom
4.
Januar 2017 abgestellt werden kann. Folglich ist in zweierlei Hinsicht ein Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG aus
gewiesen.
Einerseits ist
im Vergleich zum Zeitpunkt der Rentenzusprechung
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von
einer Besserung des psychischen Gesund
heits
zustandes - namentlich einer Remission der depressiven Störung - auszugehen (
Urk.
11/182/29; vgl. auch
Urk.
11/110/38).
Die Diagnosen aus der Z-Kategorie (
Urk.
11/182/25) fallen als solche nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheitsschadens (Urteil des Bundesgerichts 9C_894/2015 vom 2
5.
April 2016 E. 5.1 mit Hinweis auf 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012
E. 3.1 mit weiteren Hinweisen).
Von einer bloss unterschiedlichen Beurteilung eines unveränderten Lebenssachverhalts (vgl.
Urk.
1 S. 16) kann keine Rede sein.
Andererseits ist die Revision der Invalidenrente auch aufgrund der festgestellten Aggravation zulässig (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_602/2016 vom
1
4.
Dezem
ber 2016 E. 5.2.2.2). Dem steht insbesondere nicht entgegen, dass
bereits im Zeitpunkt der Rentenzusprechung ärztliche Berichte
vorlagen
, welche auf ein theatralisches und demonstratives Verhalten sowie Inkonsistenzen hin
wiesen
(vgl. E. 4.3.5), zumal diese Feststellungen offenbar
nicht Eingang in die
erstmalige
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und des Invaliditätsgrades fanden (vgl.
Urk.
11/56)
.
Im Weiteren
entfällt gemäss bundesgerichtlicher Praxis die Durchführung eines strukturierten Beweisverf
ahrens (BGE 141 V 281 E. 2.2.1)
.
In diesem Zusammenhang ist der Vollständigkeit halber immerhin anzumerken, dass insbesondere keine Hinweise auf eine Therapieresistenz
beziehungsweise auf eine Ausschöpfung der zumutbaren Behandlungsmöglichkeiten bestehen.
Die im Zuge der gutachterlichen Untersuchungen durchgeführten Blutanalysen ergaben in Bezug auf
mehrere
vom Versicherten eingenommene
Medikamente wiederholt Werte unter dem Referenzbereich (
Urk.
11/110/21, 11/182/33 und 11/182/40).
In
ambulante psychi
atrische
Behandlung
begibt sich der Versicherte darüber hinaus seit 2009
bloss
etwa alle drei Wochen für jeweils eine Stunde (vgl.
Urk.
11/110/29,
Urk.
11/182/31 und 11/182/37).
Ein wesentlicher Leidens
druck wird
auch mit Blick auf das
vo
m Beschwerdeführer geschilderte
Aktivi
tätsniveau
beziehungsweise die gewöhnliche Tagesstruktur
nicht deutlich
(vgl.
Urk.
11/110/28 f., 11/182/
11 und 11/182/38).
5.2
Zu prüfen bleibt damit, ob die Beschwerdegegnerin den Invaliditätsgrad korrekt bemessen hat. Der Einkommensvergleich (
Urk.
11/119
,
Urk.
2 S. 2
) blieb seitens des Versicherten unbestritten und ist auch von Amtes wegen nicht zu beanstan
den
, weshalb darauf verwiesen werden kann und sich Weiterungen
grundsätz
lich
erübrigen.
Die IV-Stelle hat namentlich
- unter Einbezug der Nominallohn
entwicklung -
zwecks Bestimmung des Valideneinkommens zu Recht auf
das zuletzt vom Beschwerdeführer erzielte Einkommen als Gleisbauarbeiter abge
stellt. Bei der Festlegung des Invalideneinkommens wurde berücksichtigt, dass dem Versicherten nur noch eine leidensangepasste Tätigkeit zu 100
%
zumutbar ist, wobei
korrekterweise auf den Lohn für Hilfsarbeiten gemäss Schweizerischer Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) abgestellt und ein leidensbedingter Abzug
gewährt
wurde.
In Anbetracht des resultierenden Invaliditätsgrades von 24
%
hat die Beschwer
degegnerin die Rente
des Versicherten
berechtigterweise auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats aufgehoben (vgl. E. 1.2 und
Art.
88
bis
Abs.
2 lit. a der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]).
6.
Zusammenfassend
erweist sich die angefochtene Verfügung vom 1
9.
April 2017 (
Urk.
2) als korrekt. In Anbetracht des gebesserten Gesundheitszustandes und mangels eines Invaliditätsgrades von mindestens 40
%
hat die Beschwerdegeg
nerin die dem Versicherten mit Verfügung vom 2
5.
Januar 2010 (
Urk.
11/68) zugesprochene
Invalidenrente
zu Recht revisionsweise aufgehoben.
Hinsichtlich des
vom Beschwerdeführer gestellten Eventualantr
ages
bleibt anzufügen, dass
in Anbetracht der umfassenden und beweiskräftigen Aktenlage
kein Anlass für weitere medizinische Abklärungen besteht (antizipierte Beweiswürdigung, vgl. BGE 124 V 90 E. 4b; 122 V 157 E. 1d).
In diesem Sinne erweist sich auch eine Befragung des behandelnden Psychiaters durch das Gericht beziehungsweise die Einholung eines ausführlichen Arztberichtes
nicht als
erforderlich
.
Selbiges gilt sodann für die beantragte persönliche
Befragung des Beschwerdeführers
(vgl.
Urk.
1 S. 2 und 17
sowie
Urk.
20).
Dementsprechend ist die Beschwerde abzuweisen.
7
.
7
.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
900.-- anzusetzen. Sie sind dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen, infolge der ihm gewährten unentgeltlichen Prozessführung (vgl.
Urk.
14
) jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7
.2
Mit Verfügung vom
6.
Juli 2017 (
Urk.
14) wurde dem Beschwerdeführer Rechts
anwältin Claudia Schaumann als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt.
Eine Honorarnote wurde nicht eingereicht.
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Unter Berücksichtigung dieser Kriterien ist Rechtsanwältin Claudia Schaumann ermessensweise eine Entschädigung von
Fr.
2'
4
00.-- (inkl. Mehrwertsteuer von 8
%
und Barauslagen) zuzusprechen.
Der Beschwerdeführer ist auf
§
16
Abs.
4 GSVGer hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Entschädigung an die unentgeltliche Rechtsvertreterin verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.