Decision ID: 04e1e4d4-876d-4631-b613-f049cc4ce781
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1961,
ist seit 1990 als selbständiger Schreine
r tätig (vgl. Urk. 7/77; Urk. 7/56
). Am
14. März 2013
meldete er sich
bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/
4
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, verneinte mit Verfügung vom 24. September 2014 bei einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
einen Rentenanspruch (Urk. 7/51).
Am 10. März 2015 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf zwei zer
schnit
tene Finger an der dominanten linken Hand erneut bei der IV-Stelle zum Leis
tungsbezug an (Urk. 7/52). Diese klärte die medizinische und erwerbliche Situa
tion ab und
diskutierte verschiedene Umschulungsmöglichkeiten mit dem Ver
si
cherten, welche von diesem mit dem Hinweis abgelehnt wurde
n
, er wolle weiter
hin
in seinem Betrieb als selbständiger Schreiner weiterarbeiten (vgl. Urk. 7/81 S. 1).
Mit Verfügung
vom 10. Juli 2017 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch mit der Begründung, dass der Versicherte nach Beendigung der zumutbaren Um
schulungsmassnahmen ein rentenausschliessende
s
Erwerbseinkommen
hätte erzie
len können (Urk. 7/93).
1.2
Am 2
4
. September 2018 erfolgte die Meldung zur Früherfassung (Urk. 7/97), be
vor sich der Versicherte am 29. Oktober 2018 unter Hinweis auf einen Herzinfarkt mit Herzmuskelentzündung erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
meldete (Urk. 7/103).
Die IV-Stelle klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und teilte dem Versicherten am 21. März 2019 mit, dass Eingliederungsmassnahmen nicht erforderlich seien, da dieser im Rahmen seiner gesundheitlichen Möglichkeiten seine selbständige Erwerbstätigkeit wiederaufnehmen wolle (Urk. 7/108).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7/126-132
)
verneinte
die IV-Stelle
mit Verfügung vom
24. Februar 2020
eine
n
Rentenanspruch
(Urk. 7/136
= Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
24. April 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom
24. Februar 2020
(Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Versicherungsleis
tung
en auszurichten
(Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
26. Mai 2020
(Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
1. September 2020
wurden antragsgemäss (vgl.
Urk. 1
S.
2 f.
) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zugestellt (Urk.
8
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhal
ten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
li
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
acht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht
(BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass aufgrund der selbständ
igen Tätigkeit eine Unterstützung
mit beruflichen Massnahmen nicht angezeigt gewesen sei. Seit August 2018 sei dem Be
schwer
deführer keine Erwerbstätigkeit mehr zumutbar gewesen. Im September 2019 habe sich sein Gesundheitszustand erfreulicherweise verbessert und er sei wieder in der Lage gewesen, 4 Stunden pro Tag tätig zu sein. Seit der durchgeführten
Fahrradergometrie
liege wieder eine volle Arbeitsfähigkeit vor. Auch aus psychia
trischer Sicht liege keine Einschränkung mehr vor (S. 1).
Vom Beschwerdeführer seien im
Einwandverfahren
Anträge auf Begutachtung und Umschulung gestellt worden
. Ein Gutachten werde unter anderem veranlasst, wenn die Aktenlage unklar sei, was vorliegend aber nicht der Fall sei. Berufliche Massnahmen seien bereits im März 2019 geprüft und als nicht angezeigt erachtet worden, da der Beschwerdeführer seine selbständige Tätigkeit im Rahmen seiner gesundheitlichen Möglichkeiten wieder habe aufnehmen wollen (S. 2
).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), wenn man der Aktenbeurteilung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 11. November 2019 folge, so habe mit Ablauf des Wartejahrs im August 2019 nach wie vor eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Er sei demnach per 1. August 2019 zu berenten. Der weitere Verlauf sei ungeklärt. Insbesondere seien in der erwähnten RAD-Beurteilung die gemäss
Vorakten
aus der Handverletzung links-dominant folgenden Einschränkungen nicht berücksichtigt worden. Er be
finde sich nach wie vor in psychiatrischer und hausärztlicher Behandlung, seine Arbeitsfähigkeit sei nach wie vor auch aus psychischen und kardiologischen Gründen eingeschränkt. Der langjährige Verlauf und die zahlreichen gesundheit
lichen Beschwerden erforderten zwingend eingehende und umfassende Abklä
rungen, weshalb eine polydisziplinäre Begutachtung zu veranlassen sei (S. 5 Ziff. 3).
2.3
Die Verfügung vom 10. Juli 2017 (Urk. 7/93), mit welcher die Beschwer
de
geg
nerin einen Rentenanspruch aufgrund eines zu geringe
n Invaliditätsgrades ver
neinte
,
beruhte auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechts
kon
former Sachverhaltsabklärung und Beweiswürdigung, wobei die Durchfüh
rung eines Einkommensvergleichs bei einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in an
gepasster Tätigkeit
angesichts des offenkundig
sehr bescheidenen
Validenein
kommen
s
(vgl. Urk. 7/77) entbehrlich
beziehungsweise die Annahme, dass nach Beendigung einer zumutbaren Umschulungsmassnahme ein rentenausschlies
sen
des Erwerbseinkommen
erzielbar gewesen wäre, nachvollziehbar
war. Der dieser Verfügung zugrundeliegende Sachverhalt bildet also vorliegend die Vergleichs
basis (vgl. vorstehend E. 1.4).
Unbestritten und ohne Weiteres erstellt ist, dass mit dem Herzinfarkt im August 2018 und den drei anschliessenden Herzbeutelentzündungen
eine wesentliche Änderung in den
tatsächlichen Verhältnissen des Beschwerdeführers
eingetreten ist und
somit ein
Revisionsgrund vorliegt
(vgl. vorstehend E. 4.1)
. Strittig und zu prüfen ist demgegenüber,
ob
d
er
Beschwerdeführer
über einen Renten
anspruch verfügt
und
ob die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt rechtsgenügend abge
klärt hat.
3.
3.1
Der Verfügung vom 10. Juli 2017
lagen
im Wesentlichen die nachfolgenden
Berichte
zugrunde:
3.2
Die Ärzte des
Y._
nannten in ihrem Bericht vom 23. Oktober 2014
über die Behandlung
vom Vortag
(Urk. 7/62/7-8
= Urk. 7/65/21-22 = Urk. 7/65/23-34
= Urk. 7/82/57-58 = Urk. 7/82/61
) folgende Diagnosen (S. 1 oben):
-
Schnittverletzung über distaler Phalanx am linken Daumen (
Dig
. I Hand links) mit
ossärer
Beteiligung
-
Schnittverletzung über Fingerkuppe des linken Zeigefingers (
Dig
. II Hand links)
Der Patient habe sich notfallmässig selbst zugewiesen, nachdem er bei der Arbeit mit der Kreissäge abgerutscht sei.
Als Eintrittsbefunde wurden am linken Daumen drei grössere Schnittverletzungen im Bereich der distalen Phalanx angegeben. Die Wunden reichten bis in die Tiefe. Die Flexion im
Interphalangealgelenk
(IP-Gelenke) sei erhalten, die Sensibilität sei ebenfalls überall erhalten. Das Röntgen habe eine mehrfragmentäre Fraktur der distalen Phalanx gezeigt. Am linken Zeigefinger habe eine Schnittverletzung von 2 cm Länge über der distalen Phalanx vorgelegen. Die Flexion im Fingerendgelenk (DIP-Gelenk) und die
Sensi
biltät
seien erhalten. Das Röntgen habe hier keine
ossäre
Beteiligung gezeigt.
3.3
Am 1. April 2015 fand ein Standortgespräch des Beschwerdeführers mit der Beschwerdegegnerin statt (Urk. 7/56). Dabei gab er an, er sei als Geschäftsführer seiner Ein-Mann-Firma tätig. Im Büro erhalte er Unterstützung durch die Ehefrau, ansonsten übernehme er sämtliche Arbeiten, die im Betrieb anfielen
(S. 2 oben Ziff. 2)
.
Seine selbständige Erwerbstätigkeit dauere bereits seit 26 Jahren an. Für ihn sei grundsätzlich klar, dass er sein Geschäft nicht aufgeben
wolle
bezie
hungsweise könne (S. 2 Mitte Ziff. 2). In
den zerschnittenen Fingern der linken Hand
habe er weiterhin kein Gefühl. Er müsse nun die Feinmotorik der rechten Hand üben (S. 3 Ziff. 5). Ein Mitarbeiter würde seine Situation erleichtern, einen solchen könne er sich aber nicht leisten (S. 4 Ziff. 6)
.
3.4
Dr. med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
nannte
im Bericht
zuhanden der Beschwerdegegnerin
vom
25. Mai 2015 (Urk. 7/62
/1-5
)
als Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1) eine
residuelle
Hypästhesie und Hyperalgesie der Endglieder
Dig
I und II bei Status nach tiefer Schnittverletzung mit
ossärer
Beteiligung
Dig
I bei Unfall im Oktober
201
4.
Der Patient klage seit der Unfallverletzung
über
elektrisierende Berührungsschmerzen in den beiden betroffenen Fingern. Der
Pinzettengriff
sei reduziert (Ziff. 1.4).
In der bisherigen Tätigkeit als selbständiger Möbelschreiner bestehe für sämtliche Greifarbeiten eine reduzierte Einsatzfähigkeit. Die bisherige Tätigkeit sei in einem zeitlichen Rahmen von 50 bis 75
%
zumutbar. Es bestehe dabei eine verminderte Leistungsfähigkeit wegen des Einsatzes der Gegenhand und anderer Hilfsmittel (Ziff. 1.7).
Im gleichentags verfassten Bericht zuhanden der
Swica
als Kranken
tag
geld
ver
sicherung (Urk. 6/62/6
= Urk. 7/82/56
) führte Dr.
Z._
aus, es gebe seit dem Unfall keine Besserungstendenz.
Eine solche sei aber während des ersten Jahres nach dem Unfall durchaus zu erwarten. Sämtliche Arbeiten im hand
werklichen Beruf des Patienten benötigten deutlich mehr Zeit mit verminderte
r
Leistungsfähigkeit.
Im Bericht vom 17. September 2015 (Urk. 7/82/55)
zu
Handen
der
Swica
atte
stierte Dr.
Z._
aufgrund von Ineffizienz eine Arbeitsfähigkeit von 25
%
, zeitweilig auch bis maximal 50
%
(Ziff. 3).
3.5
Dr. med.
A._
, Praktischer Arzt
, und
B._
, Dipl. Phy
sio
the
rapeutin, erstatteten am 9. November 2015 (Urk. 7/71
/2-11 = Urk. 7/82/45-54
) ihren Bericht zur Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL)
zuhanden der
Swica
. Sie führten aus, da seit Beginn keine deutliche Verbesserung der Sensibilität ersichtlich sei, müsse im Moment davon ausgegangen werden, dass diesbezüglich keine grossen Fortschritte mehr zu erwarten seien. Aus aktueller Sicht sei vor allem der Daumen - weniger intensiv auch der Zeigefinger – links für feinmotorische Tätigkeiten stark eingeschränkt. Zu erwarten sei, dass die feinmotorischen Fähigkeiten rechts mit der Zeit etwas zunehmen würden (S. 3 Mitte). In der Tätigkeit als Schreiner bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 75
%
wie bisher. Durch die deutlich limitierte Fingerkoordination/verminderte Feinmo
torik an seiner dominanten Hand sei der Beschwerdeführer nicht in der Lage, seine ursprüngliche Arbeit in der geforderten Zeit auszuführen (S. 3 unten).
Andere berufliche Tätigkeiten wie beratende/lehrende Tätigkeiten (zum Beispiel in einer geschützten Werkstatt/Ausbildung/Beratung) seien zu prüfen (S. 4 oben).
3.6
Dr
.
Z._
(vorstehend E. 3.4
) führte i
m Bericht vom 16. November 2015 (Urk. 7/68) aus, es bestünden vermehrt Kribbelparästhesien in den betroffenen Fingern (Ziff. 1.3).
Die bisherige Tätigkeit könne entsprechend einer Arbeitsun
fähigkeit
von 25 bis 50
%
stundenweise ausgeführt werden, wobei der Patient behinderungsbedingt bei den meisten Arbeiten unproduktiv, umständlich und mit vielen Pausen arbeite. Eine angepasste Tätigkeit beinhalte instruktive Tätigkeiten ohne Einsatz der Hand (Ziff. 2.1). Die Prognose sei ungewiss, eine dauerhafte Behinderung sei wahrscheinlich (Ziff. 3.3).
3.7
Pract
. med.
C._
, Facharzt für Arbeitsmedizin und Praktischer Arzt, RAD, führte in seiner Stellungnahme vom 10. Dezember 2015 (Urk. 7/91 S. 3) aus, in der bisherigen Tätigkeit als selbständiger Schreiner bestehe ab dem Un
falldatum eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und ab dem 1. Mai
2015 von 75
%.
In angepasster Tätigkeit bestehe spätestens ab November 2015 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit.
Das Prüfen von b
eruflichen Massnahmen erscheine aus versi
che
rungsmedizinischer Sicht sinnvoll.
3.
8
Gemäss dem Verlaufsprotokoll der Beschwerdegegnerin
vom 20. Dezember 2016
zur Berufsberatung (Urk. 7/81) seien mit dem Versicherten verschiedene Um
schulungsmöglichkeiten diskutiert und angeschaut worden.
Am
24. November und am 19. Dezember 2016 habe er am Telefon angegeben, dass er keine Um
schulung machen wolle
. Zudem wolle er keine Stellenvermittlung in Anspruch nehmen. Er wolle in seinem Betrieb als selbständiger Schreiner weiterarbeiten. Sein Ziel sei, dass sein Sohn ins Geschäft einsteige und ihn unterstütze, da er gesundheitsbedingt viele Aufgaben nicht mehr selber ausführen könne (S. 1). Wenn er keine Rente erhalte, so werde er ohne Unterstützung weiterarbeiten (S. 5 unten
).
Konkret sei insbesondere eine Umschulung zum Hauswart zur Diskussion gestanden (vgl. S. 4).
3.9
Im Abklärungsbericht für
Selbständigerwerbende
vom 7. April 2017
(Urk. 7/89) errechnete die Abklärungsperson der Beschwerdegegnerin abgestützt auf die Ge
schäftsabschlüsse 2010 und 2011 ein
Valideneinkommen
von Fr. 24'098.2
5.
Da der Beschwerdeführer mit seinem Einmannbetrieb stets nur bescheidene Ein
künfte erzielt habe, könne
ihm
eine berufliche Umstellung auf eine behinde
rungsangepasste Tätigkeit zugemutet werden (S. 7 Ziff. 4).
4.
4.1
Dr. med. D._
, Facharzt für Kardiologie sowie Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
Y._
, nannte im Bericht vom
5. Dezember 2018 (Urk. 7/113/3-4) folgende Diagnosen (S. 1):
-
drittes Rezidiv einer Dressler-End
o
karditis
-
perkutane
transluminale
Koronarangioplastie
(PTCA)/
Stenting
der RCX am 14. August 2018
-
transmurale
Infarktnarbe mit fokalem Ödem und Begleitperikarditis (Magnetresonanztomog
raphie [MRI] vom 15. August 2018
)
-
erstes Rezidiv einer Perikarditis im September 2018, zweites Rezidiv am 31. Oktober 2018 unter
Colchicin
-
aktuell persistierende,
perikarditische
, lageabhängige Schmerzen
-
koronare
Eingefässerkrankung
(Erstdiagnose am 14. August 2018)
-
subakuter ST-Hebungsinfarkt inferior am 14. August 2018
-
PTCA/2x DES der RCX am 14. August 2018 (
E._
)
-
global erhaltene systolische Funktion des linken Ventrikels (LV) bei leichter
infero
-basaler
Hy
pokinesie
(Echo orientierend
19. November 2018)
Die Kardiorehabilitation sei angesichts des komplizierten Verlaufs beendet worden
. Der Patient werde in drei Monaten nochmals für eine Fahrrad-Ergometrie auf
geboten (S. 2 Mitte).
4.2
Dem Bericht von Dr.
D._
zur
Fahrradergometrie
vom 1. März
2019 (Urk. 7/113/5) ist zu entnehmen, dass diese bei verminderter Leistungsfähigkeit aussagekräftig gewesen sei. Unter Belastung hätten sich klinisch und elektro
kardiografisch keine Anhaltspunkte für eine Myokardischämie ergeben. Blut
druck und Pulsverhalten seien normal gewesen. Die eingeschränkte Leistungs
fähigkeit sei im Rahmen eines Trainingsmangels erklärbar. Aus kardiologischer Sicht sei der Patient normal belastbar und leistungsfähig. Zur raschen Ver
besserung der Arbeitsfähigkeit könne nach unvollständiger ambulanter Kardiore
ha
bilitation im letzten Jahr auch aus kardiologischer Sicht eine erneute Reha
bilitation unterstützt werden.
4.3
Gemäss dem Verlaufsprotokoll der Beschwerdegegnerin zur
Eingliederungs
be
ratung
vom 21. März 2019 (Urk. 7/109) sei der Beschwerdeführer seit dem 14. August 2018 aufgrund eines Herzinfarktes mit Herzbeutelentzündung zu 100
%
arbeitsunfähig. Nach Abschluss der Rehabilitation plane er die Weiter
füh
rung seiner selbständigen Erwerbstätigkeit im Rahmen seiner gesundheit
lichen Möglichkeiten. Eingliederungsmassnahmen seitens der Beschwerdegeg
nerin seien daher nicht erforderlich (S. 1).
4.
4
Dr. med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
G._
, nannte im Bericht vom 24. April 2019 (Urk. 7/111) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.5) eine seit min
destens Februar 2019 bestehende rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1). Der Patient habe sich am 17. Januar 2019 vorgestellt, da er seit einem Herzinfarkt am 14. August 2018 und drei
an
schliessenden Herzbeutelentzündungen keine Perspektiven mehr sehe. Seither hätten bis zum 7. März 2019 fünf Konsultationen im Einzelsetting stattgefunden. Eine Arbeitsunfähigkeit sei keine attestiert worden (Ziff. 1.2, 1.3 und 2.1). Der Patient sei niedergedrückt mit vermindertem Selbstwertgefühl und Selbstver
trauen. Es bestehe eine pessimistische Zukunftseinstellung mit vor allem finan
ziellen Ängsten, aber auch gesundheitlichen Sorgen. Der Antrieb sei aufgrund fehlender Perspektiven
vermindert
(Ziff. 2.4). Bei adäquater Behandlung sei damit zu rechnen, dass der Patient seine Arbeitsfähigkeit wieder erhöhen könne (Ziff. 2.7).
Aufgrund der depressiven Symptomatik falle es dem Patienten derzeit schwer, mit Kunden in Kontakt zu treten und Arbeitsaufträge entgegenzunehmen. Der Mange
l an Energie und Antrieb
erschwere die Arbeitsabläufe und reduziere das Leistungsvermögen. Die Zukunftsängste und die Perspektivlosigkeit hemmten zusätzlich (Ziff. 3.4). Grundsätzlich sei der Patient Optimist und besitze viel Humor, auch um mit schwierigen Situationen umzugehen, positive Selbstin
struk
tion und Ehrgeiz (Ziff. 3.5). Zur Beurteilung des Eingliederungspotenzials sei d
ie Rehabilitation in der H._
abzuwarten (Ziff. 4.1-2).
4.
5
Die Ärzte der
H._
berichteten am 23. April 2019 (Urk. 7/113
/6-8 = Urk. 7/115
) über die stationäre Behandlung des Beschwerdeführers vom 26. März bis 18. April 201
9.
Ziel sei der Aufbau der körperlichen Fitness sowie einer Per
spektive für die Zukunft gewesen (S. 1 Mitte).
Der
Patient habe an einem multimodalen Therapiekonzept teilgenommen. Er
sei hochmotiviert zur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit in die
H._
eingetreten. Beim Austrittsgespräch habe sich gezeigt, dass hier kaum ein Fortschritt habe erzielt werden können. Dies liege in der langen Zeit der Inak
tivität begründet, die bereits im Januar 2018 begonnen habe. Dem Beschwer
deführer sei dringend empfohlen worden, ein intensives tägliches Trainingspro
gramm fortzuführen, um die verlorene Leistungsfähigkeit wieder aufzuholen. Der Beschwerdeführer habe sich aktuell noch nicht entschliessen können, seinen Nikotinkonsum anhaltend einzustellen, beabsichtige aber, dies in naher Zukunft anzugehen (S. 2 Mitte).
Im Vordergrund der psychotherapeutischen Behandlung sei die Sorge des Patien
ten gestanden, keine Kondition mehr zu erlangen, sowie die Angst, die regel
mässig aufgetreten sei, wenn er ein Ziehen oder Schmerzen in der linken Brust verspürt habe. Da er sich intensiv auf alle Behandlungsschritte habe einlassen können, habe er relativ zeitnah Erkenntnisse gewonnen. Diese hätten die Um
strukturierung der
Persönlichkeitsanteile unterstützt, welche vermehrt Stress empfänden, ungeduldig mit sich seien und in der Leistung immer nach dem Maximum strebten. So habe er eine neue Perspektive für seine berufliche und private Zukunft entwickeln können (S. 3 oben).
Während des stationären Aufenthalts habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden. Diese bestehe nach der Entlassung weiter bis zum 3. Mai 201
9.
Eine Eingliederungsphase, beginnend mit 40
%
des täglichen Arbeitspensums, werde zumindest für zwei Wochen ausdrücklich empfohlen (S. 3 Mitte). Wichtig sei, dass mit leichten Arbeiten begonnen werde und kein Zeitdruck bestehe (S. 3 unten).
4.
6
Dr.
D._
(vorstehend E. 4.1) hielt im Bericht vom 29. April 2019 (Urk. 7/113/1) fest, es bestehe aktuell eine vollständige Arbeitsfähigkeit für die Tätigkeit als Schreiner (Ziff. 1.3). Aus kardiologischer Sicht bestünden keine Einschränkungen (Ziff. 3.4).
4.
7
Dr. med.
I._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, führte im Bericht vom 2. September 2019 (Urk. 7/121/1-7) aus, der Patient sei gegenwärtig zirka alle zwei Monate bei ihr in Behandlung, zudem fänden psychothera
peu
tische Sitzungen und kardiologische Kontrollen statt (Ziff. 1.2).
Die letzte Kon
trolle habe am 28. September 2019 stattgefunden (Ziff. 1.1)
.
Kardiologisch sei der Patient gut erholt, psychisch noch leicht bedrückt und antriebsgemindert, allge
mein sei er somatisch und psychisch rasch erschöpfbar (Ziff. 2.2). Eine Arbeits
fähigkeit von 50
%
sei erreichbar (Ziff. 2.7). Die Wiederaufnahme der bisherigen Tätigkeit in einem kleinen Rahmen werde für einen guten Einstieg gehalten (Ziff. 3.3).
Funktioneinschränkungen
bei der bisherigen Tätigkeit äusserten sich in rascher Erschöpfbarkeit mit Zittern, Schweissausbrüchen, Schwindelgefühlen, Überforderungs- und Angstgefühlen bei Arbeitsversuchen (Ziff. 3.4). Die bishe
rige Tätigkeit sei 2 bis 5 Stunden pro Tag, eine angepasste Tätigkeit vier bis fünf Stunden pro Tag zumutbar (Ziff. 4.1-2). Falls keine selbständige Tätigkeit möglich sei, glaube Dr.
I._
nicht ans Gelingen einer Eingliederung (Ziff. 4.3). Eine Angestelltentätigkeit könne sich der Versicherte nicht vorstellen (Ziff. 4.4).
4.
8
Dr.
medic
. J._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothe
rapie,
G._
(vorstehend E. 4.
4
)
,
nannte
im Bericht vom 11. Oktober 2019
(Urk. 7/1
22
)
als Diagnose (Ziff. 1.2) eine rezidivierende depressive Störung, ge
gen
wärtig remittiert (ICD-10 F33.4).
Der Gesundheitszustand habe sich verbessert (Ziff. 1.1).
Die affektive Stimmungslage des Patienten sei ausgeglichen, opti
mistisch und hoffnungsvoll, im Antrieb bestünden keine Einschränkungen. Es bestehe kein Interessensverlust und kein sozialer Rückzug
mehr. Das Selbstver
trauen und das Selbstwertgefühl seien verbessert, es bestünden keine Schlaf
störungen mehr (Ziff. 1.3). Aus psychiatrisch-psychologischer Sicht könne der Patient seine bisherige Tätigkeit wieder uneingeschränkt aufnehmen, er sei zu 100
%
arbeitsfähig (Ziff. 2.1).
Die letzte Kontrolle habe am 8. August 2019 stattgefunden, die Behandlung sei beendet (Ziff. 3.1).
4.
9
Dr.
D._
(vorstehend E. 4.1) führte im Bericht zur
Fahrradergometrie
vom 8. Oktober 2019 (Urk. 7/124/5-6) aus, es handle sich um eine aussagekräftige Ergometrie bei deutlich submaximaler Leistungsfähigkeit, die sich jedoch im Ver
gleich zur Voruntersuchung verbessert habe. Unter Belastung bestünden klinisch und elektrokardiografisch keine Anhaltspunkte für eine Myokardis
chä
mie. Blut
druck und Pulsverhalten seien normal (S. 1 unten).
4.1
0
Dr. med.
K._
, RAD, führte in seiner Stellungnahme vom 11. November 2019 (Urk. 7/125 S. 5 f.) aus, das Belastungsprofil umfasse körper
lich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten in Wechselbelastung an einem ruhigen Arbeitsplatz. In Bezug auf die bisherige Tätigkeit ergäben sich funktionelle Einschränkungen dergestalt, dass keine Gewichte über 10 kg mehr gehoben wer
den sollten. Es werde empfohlen, eher in einer sehr kleinen Gruppe zu arbeiten. Die Arbeitsfähigkeit in bisheriger und in angepasster Tätigkeit gemäss Belas
tungsprofil betrage seit dem 14. August 2018 0
%
, seit dem Datum der letzten Konsultation vom 28. September 2019 vier Stunden pro Tag und seit der
Fahr
radergometrie
am
Y._
vom 8. Oktober 2019 wieder 100
%
.
Der Versicherte sei psychiatrisch remittiert und kardiologisch sei die Einschränkung nicht erklärbar.
5.
5.1
In psychischer Hinsicht lässt sich der Verlauf
nach
erlittenem
Herzinfarkt am 14. August 2018 anhand der vorliegenden Berichte der Behandler
wie folgt
nachzeichnen: Nach
dem
dem
Herzinfarkt drei Herzbeutelentzündungen im September, Oktober und (wohl) November 2018 (vgl. vorstehend E. 4.1)
gefolgt waren,
nahm der
Beschwerdeführer
aufgrund psychischer Beschwerden
vom
17. Januar bis zum 7. März 2019 eine ambulante psychiatrische Behandlung im Rahmen von fünf Einzelsettings bei
Dr.
F._
von der
G._
in Anspruch, welche
r
eine mittelgra
dige Depression diagnostizierte
(vorstehend E. 4.
4
).
Er be
schrieb
auch ein reduziertes Leistungsvermögen, ohne indes prozentuale Angaben zur Arbeitsunfä
higkeit zu machen.
Im Zuge der anschliessenden multimodalen Therapie in der
H._
vom 26. März bis 18. April 2019 gelang es dem motivierten Beschwerdeführer offen
bar, eine neue Perspektive für seine berufliche und private Zukunft zu entwickeln. Entsprechend attestierten ihm deren Ärzte eine volle Arbeitsunfähigkeit für lediglich zwei Wochen mehr, als der Klinikaufenthalt dauerte, nämlich bis am 3. Mai 2019 (vorstehend E. 4.
5
). Empfohlen wurde dem Beschwerdeführer, für weitere zwei Wochen nicht mehr als 40
%
zu arbeiten und mit leichten Arbeiten ohne Zeitdruck zu beginnen. Eine Arbeitsunfähigkeit für den Zeitraum nach dem
3. Mai 2019 wurde nicht mehr
attestiert
, womit
– damals allerdings noch im Sinne
einer Prognose -
aus
diesen Angaben
auf eine volle Arbeitsfähigkeit
in psy
chi
scher wie in somatischer Hinsicht
ab dem 17.
Mai 2019 geschlossen werden
kann.
Bestätigt wird die Richtigkeit dieser Prognose
in psychi
atri
scher Hinsicht durch den
von Dr.
J._
erstellten fachärztlichen Bericht der
G._
vom 11. Oktober 2019 (v
orstehend E. 4.
8
). Sie hielt
unmissverständlich fest, die depressive Störung sei remittiert und der
Beschwerdeführer
wieder zu 100
%
arbeitsfähig in seiner bisherigen Tätigkeit. Damit übereinstimmend ergaben sich im psychopatholo
gischen Befund keinerlei Einschränkungen
mehr
und die Behandlung wurde per 8. August 2019 beendet.
Unklar ist, ob die Hausärztin Dr.
I._
den
Beschwerdeführer
nach diesem Datum noch gesehen hatte, bevor sie ihren Bericht vom 2. September 2019
(vor
stehend E. 4.
7
)
verfasste.
Nicht stimmen kann ihre dortige Angabe, wonach sie den Beschwerdeführer zuletzt am 28. September 2019 gesehen habe, da dieses Datum damals noch in der Zukunft lag. Nicht
ohne Weiteres
nachvollziehbar ist zudem, weshalb sie eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
nur
als «erreichbar» erachtete, nachdem sie den Beschwerdeführer psychisch bei leichter Erschöpfbarkeit ledig
lich noch leicht bedrückt und antriebsgemindert beschrieb.
Weiter fällt ins
Ge
wicht, dass sie über keinen Facharzttitel für Psychiatrie und Psychotherapie verfügt und den Beschwerdeführer nur zirka alle zwei Monate sah, wobei nach dem 8. August 2019 bis zum Berichtsdatum
nach dem Gesagten
möglicherweise gar keine Konsultation mehr stattfand. Im Ergebnis ist daher au
f die Einschätzung der Fachärztin
Dr.
J._
abzustellen und nicht auf diejenige der Hausärztin
Dr.
I._
.
Die Behauptung des Beschwerdeführers wiederum, er befinde sich nach wie vor in psychiatrischer Behandlung (Ziff. 2.1), steht im Widerspruch zu den im Recht liegenden Akten und
kann
daher keine weiteren Abklärungen
indizieren
, zumal er beschwerdeweise auch keine entsprechenden Arztberichte einreichte
. Der Sach
verhalt
ist
damit
hinsichtlich des strittigen Zeitraums bis zum Verfügungserlass am 2
4.
Februar 2020 ausgewiesen
und es ist nicht ersichtlich, inwiefern die vom Beschwerdeführer geforderte polydisziplinäre Be
gutachtung neue, für die Beur
teilung des vorliegenden Falles entscheidende Er
kenntnisse liefern könnte. Auf weitere Abklärungen ist im Sinne der antizipier
ten Beweiswürdigung zu verzich
ten (BGE 122 V 157 E. 1d).
Es ist damit erstellt, dass spätestens ab dem Ende der psychiatrischen Behandlung am 8. August 2019 in psychischer Hinsicht eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
be
stand.
5.
2
In kardiologischer Hinsicht musste die Rehabilitation gemäss Bericht von Dr.
D._
vom 5. Dezember 2018 angesichts des komplizierten Verlaufs beendet werden (vorstehend E. 4.1).
Am 1. März 2019 konnte die
Fahrradergometrie
dann wie geplant
durchgeführt werden. Diese ergab zwar eine eingeschränkte Leis
tungsfähigkeit, welche jedoch im Rahmen eines Trainingsmangels erklärt werden
konnte. Gleichzeitig wurde festgehalten, der Beschwerdeführer sei aus kardio
lo
gi
scher Sicht normal belastbar und leistungsfähig (vorstehend E. 4.
2), was Dr.
D._
am 29. April 2019 noch einmal bestätigte und eine vollständige Arbeitsfähigkeit für die Tätigkeit als Schreiner attestierte (vorstehend E. 4.
6
). Zu keinem anderen Ergebnis führte bei verbesserter Leistungsfähigkeit die
Fahrradergometrie
vom 8. Oktober 2019 (vorstehend E. 4.
9
).
Weshalb erst dieser
späte
Zeitpunkt
(Oktober 2019)
gemäss RAD-Arzt
Dr.
K._
den Wiederbeginn einer vollständigen Arbeitsfähigkeit markieren sollte (vorste
hend E. 4.1
0
), wurde von diesem nicht weiter begründet und erschliesst sich
angesichts der Akten
nicht. Nicht völlig ausgeschlossen werden kann, dass
es sich um ein Versehen handelt
, worauf auch der von ihm genannte Zeitpunkt des Wie
dererlangens einer Arbeitsfähigkeit von
50
%
spricht:
Dies sei am 28. September 2019 gewesen, laut Dr.
K._
das Datum der letzten Konsultation. Ein Datum, das einerseits nicht stimmen kann (vgl. vorstehend E. 5.1) und andererseits aus dem Bericht der Hausärztin Dr.
I._
stammt (vorstehend E. 4.
7
), welche eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
lediglich als erreichbar erachtete und auf deren Ein
schätzung ohnehin nicht abgestellt werden kann (vgl. vorstehend E. 5.1).
Es ist kein Grund für ein Abweichen von der schlüssigen fachärztlichen Ein
schät
zung durch Dr.
D._
ersichtlich. Demnach war der Beschwerdeführer in kardio
logischer Hinsicht wohl
bereits
ab 1. März 2019, spätestens aber ab 29. April 2019
,
wieder zu 100
%
arbeitsfähig.
5.3
Grundsätzlich ist im Ergebnis somit
ab dem 8. August 2019
eine
wiederher
ge
stellte
Arbeitsfähigkeit
von 100
%
in psychischer und somatischer
(kardiolo
gischer)
Hinsicht erstellt.
Das
von Dr.
K._
formulierte Belastungsprofil
erscheint mit Blick
auf die unter
durchschnittliche konditionelle
Verfassung des Beschwerdeführers und
vor dem Hintergrund einer bereits
im Jahr 2013
einmal
aufgetretenen
Episode
einer depressiven Störung
(vgl.
Urk. 7/13; Urk. 7/27; Urk. 7/36
) als
grundsätzlich
plau
sibel.
Demnach ergeben sich i
n der bisherigen Tätigkeit als Schreiner funktionelle Einschränkungen dergestalt, dass keine Gewichte über 10 kg mehr gehoben werden sollten und die Arbeit nach Möglichkeit in einer sehr kleinen Gruppe zu erfolgen hat.
Beigepflichtet werden muss dem Beschwerdeführer
aber
dahingehend, dass in die
sem Belastungsprofil die aus seiner
Handverletzung links-dominant folgenden Einschränkungen nicht berücksichtigt worden sind (vorstehend E. 2.2). Auffal
lend ist dabei, dass diese nicht nur vom RAD, sondern auch in den übrigen aktu
ellen Arztberichten nicht mehr thematisiert wurden. Dies erstaunt
, da
der Unfall vom Oktober 2014 substanziell
e
Schnittverletzungen am linken Daumen und am linken Zeigefinger der dominanten linken Hand hinterlassen
hatte
(vorstehend E. 3.2)
, welche derart ausgeprägt waren
, dass die Experten
im Rahmen der von
der Kranken
taggeld
versicherung
veranlassten EFL
im November 2015
festhielten
, es seien betreffend Sensibilität keine grossen Fortschritte mehr zu erwarten (vor
stehend E. 3.5). Ihre Einschätzung einer Arbeitsunfähigkeit von 75
%
in der Tätigkeit als Schreiner wurde auch vom
damaligen
RAD-Arzt geteilt (vorstehend E. 3.7)
.
5.4
Für die vorliegend interessierende Frage nach dem Bestehen eines Rentenan
spruchs des Beschwerdeführers kann allerdings offenbleiben, ob und inwiefern
ihm die bisherige Tätigkeit als selbständiger Schreiner
angesichts potentiell weiter
hin bestehender Einschränkungen an der linken Hand effektiv
noch zugemutet werden kann. Entscheidend ist, dass ihm eine Aufgabe dieser Tätigkeit
zugunsten einer behinderungsangepassten,
ohne Leistungseinschränkungen
ausführbaren Tätig
keit
(vgl. vorstehend E. 3.7)
-
einschliesslich die hierfür
allenfalls
notwen
digen Eingliederungsmassnahmen -
unbestrittenermassen
weiterhin zugemutet werden kann
.
Diesbezüglich ist es zu keiner Veränderung seit der letzten Ver
fügung vom 1
0.
Juli 2017 (
Urk.
7/93) gekommen.
Es waren denn auch schon anlässlich des vorangehenden, von 2015 bis 2017 dauernden Verwaltungs
ver
fahrens verschiedene Umschulungsmöglichkeiten mit ihm diskutiert worden. Bereits damals lehnte er diese ab (vorstehend E. 3.3 und E. 3.8)
und blieb auch im Rahmen des aktuellen
Verwaltungsverfahrens dabei, dass er seine selbständige Erwerbstätigkeit im Rahmen seiner gesundheitlichen Möglichkeiten weiterführen wolle (vorstehend E. 4.3). Neben den
im damaligen V
erwaltungsv
erfahren
disku
tierten beratenden/lehrenden Tätigkeiten in einer Werkstatt, in der Ausbildung oder Beratung sowie als Hauswart steht dem Beschwerdeführer auch bei Be
achtung
sowohl
der
aktuell ausgewiesenen als auch der mutmasslich weiterhin
bestehenden Einschränkungen
(vorstehend E. 5.3)
eine breite Palette von Tätig
keiten offen.
5.5
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
Das von der Beschwerdegegnerin im April 2017 gestützt auf die Geschäfts
ab
schlüsse 2010 und 2011 ermittelte
und unbestritten gebliebene (vgl.
Urk.
1)
Valideneinkommen
von
rund
Fr. 24'098.
--
(vorstehend E. 3.9)
ist nicht zu bean
standen.
Die Berechnung des Invalideneinkommens hat vorliegend gestützt auf statistische Werte zu erfolgen (vgl. statt vieler
BGE 139 V 592 E. 2.3)
. Selbst unter Zugrunde
legung des praxisgemäss
tiefsten denkbaren Werts, nämlich des im Jahr 2016 von Männern im Durchschnitt aller einfachen Tätigkeiten körperlicher oder hand
werklicher Art in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors (LSE
2016, Tabellengruppe
TA1_tirage_skill_level
, Total
, Niveau 1) erzielte
n
und auf die durch
schnittliche wöchentliche Arbeitszeit im Jahr 2016 hochgerechneten Ein
kommens von F
r. 66'803.- pro Jahr ([Fr. 5‘340
.-- x 12]: 40.0 x 41.7]),
resultierte
selbst
unter Berücksichtigung des höchstmöglichen leidensbedingten Abzugs von 25
%
(vgl. statt vieler
BGE 135 V 297 E. 5.2
)
ein
Invalideneinkommen von
immer noch rund Fr. 50'102.-- (Fr. 66'803 x 0.
75).
Auch
im für den Bes
chwerdeführer
günstigsten
Fall ergibt
sich
also
aus einer
Gegenüberstellung des
Valid
eneinkommens
von rund Fr. 24'098.--
mit dem Invali
deneinkommen von rund Fr. 50'102
.--
kein
Rentenanspruch.
5.6
Nachdem er den Herzinfarkt am 14. August 2018 erlitt
en
hatte
und ab 8. August 2019 wieder zu 100
%
arbeitsfähig
war, ist entgegen dem Beschwerdeführer (vor
stehend
E. 2.2) auch die Voraussetzung des Wartejahres nach Art. 28 Abs. 1 IVG (vorstehend E. 1.2) nicht erfüllt, weshalb auch kein Anspruch auf eine befristete Rente besteht.
5.
7
Die Verfügung vom
2
4.
Februar 2020
erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
Dem Beschwerdeführer bleibt es
allerdings
weiterhin unbenommen, sich zwecks Eingliederungsmassnahmen an d
ie Beschwerdegegnerin zu wenden, um so seine Arbeitsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt unter Aufgabe seiner bisherigen selbstän
digen Tätigkeit als Schreiner auch effektiv verwerten zu können.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf Fr.
8
00.-- anzusetzen und dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge Gewährung der
unentgeltliche
n Prozess
führung sind die Gerichtskosten einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6.2
Dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wurde mit Verfügung vom 1. Septem
ber 2020 (Urk. 8) die Möglichkeit eingeräumt, dem Gericht eine detaillierte Zu
sammenstellung über den Zeitaufwand und die angefallenen Barauslagen ein
zureichen. Er hat diese Möglichkeit nicht wahrgenommen, weshalb seine Ent
schädigung wie angekündigt nach Ermessen festzusetzen ist.
Sie bemisst sich
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Pro
zesses und dem Mass des Obsiegens (§ 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht,
GSVGer
). Beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist die Entschädigung auf Fr. 1’200.-- (inklusive Bar
aus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.