Decision ID: f2d0574f-c47e-537c-8c9b-e8d4e4562ef4
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden – eritreische Staatsangehörige tigrinischer Eth-
nie – verliessen Eritrea eigenen Angaben zufolge am 3. April 2016 und ge-
langten über den Sudan, Libyen und Italien am 20. Dezember 2016 im
Rahmen eines Relocation-Programmes legal in die Schweiz, wo sie glei-
chentags ein Asylgesuch einreichten. Am 3. Januar 2017 wurde die Be-
schwerdeführerin im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) summarisch
befragt und am 20. Oktober 2017 einlässlich angehört.
Zur Begründung ihres Gesuches machte die Beschwerdeführerin im We-
sentlichen geltend, sie sei anlässlich einer Mahber (religiöses Treffen,
«Heilige Maria») in ihrem Haus (...) 2016 zusammen mit drei Teilnehme-
rinnen – mit Eritreern verheiratete Äthiopierinnen aus Tigray – festgenom-
men worden. Die Mahber habe sie während 18 Jahren monatlich gefeiert,
wobei die Treffen jeweils bei einer der insgesamt sechs Teilnehmerinnen
zuhause stattgefunden hätten. Sie sei unter dem Vorwurf festgenommen
und eine Nacht auf dem 6. Polizeiposten in C._ festgehalten wor-
den, regimekritische Äthiopierinnen aus Tigray zu versammeln. Dank einer
Bürgschaft sei sie am nächsten Tag wieder freigelassen worden. Sie habe
unterschreiben müssen, keine weiteren Versammlungen durchzuführen.
Über den Verbleib der Äthiopierinnen wisse sie nichts.
Zudem habe sie – eine gelernte Schneiderin mit eigenem Geschäft – wäh-
rend drei Jahren, teilweise des Nachts, unentgeltlich Festkleider für den
Unabhängigkeitstag nähen müssen, als Ersatzabgabe für ihren tauben und
deshalb militäruntauglichen Ehemann. Sie sei wohl auch aus der Haft ent-
lassen worden, um rechtzeitig die Festkleider fertig zu nähen. Weitere
Probleme hätten nach ihrer Haft begonnen, als ihr Haus aus unbekannten
Gründen abgebrannt und die Kundschaft ausgeblieben sei. Die Behörden
hätten ihr die Coupons für die Wasserlieferung entzogen und ihren Laden
schliesslich geschlossen. Ihre Kinder hätten in der Folge die Schule nicht
mehr besuchen können. Eine befreundete Nachbarin, eine Mitarbeiterin
des Hagerawi Dihnet (Sicherheitsdienst), habe sie eines Abends vor einer
weiteren Festnahme gewarnt und am nächsten Morgen sehr früh sei sie
mit dem Beschwerdeführer (das jüngste ihrer vier Kinder) ausgereist. Sie
hätten Eritrea mithilfe eines Schleppers illegal verlassen. Gegen Ende
2018 sei ihr Mann zusammen mit ihren weiteren drei Kindern nach Äthio-
pien ausgereist.
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Zur Stützung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin ihre Identi-
tätskarte im Original, Geburtsurkunden aller Familienmitglieder, einen Ehe-
schein, ihren Führerschein sowie Fotos von ihrem Laden (in Kopie) zu den
Akten.
B.
Mit Verfügung vom 11. Februar 2020 – eröffnet am 14. Februar 2020 –
lehnte das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführenden ab und ordnete
die Wegweisung sowie deren Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 16. März 2020 erhoben die Beschwerdeführenden gegen
diesen Entscheid Beschwerde und beantragten die Aufhebung der ange-
fochtenen Verfügung, die Asylgewährung, eventualiter die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme in der Schweiz, subeventualiter die Feststellung der
Unzulässigkeit beziehungsweise der Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs sowie subsubeventualiter die Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 25. März 2020 stellte die vormals zuständige
Instruktionsrichterin fest, die Beschwerdeführenden dürften den Ausgang
des Verfahrens in der Schweiz abwarten und hiess die Gesuche um Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie um Befreiung von der
Kostenvorschusspflicht gut und setzte die rubrizierte Rechtsvertreterin als
amtliche Rechtsbeiständin ein.
E.
Mit Eingabe vom 25. Juni 2020 reichten die Beschwerdeführenden ein Re-
ferenzschreiben des in der Schweiz wohnhaften Bruders der Beschwerde-
führerin zu den Akten.
F.
Am 8. Dezember 2020 informierten sie über die Situation ihrer Familie in
Äthiopien und baten um baldigen Abschluss des Verfahrens.
G.
Am 23. Dezember 2020 (Poststempel) reichten die Beschwerdeführenden
einen aktuellen Schulbericht bezüglich des Beschwerdeführers zu den Ak-
ten.
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H.
In seiner Vernehmlassung vom 15. Januar 2021 hielt das SEM vollumfäng-
lich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be-
schwerde.
I.
Mit Replik vom 4. Februar 2021 nahmen die Beschwerdeführenden zur
Vernehmlassung Stellung.
J.
Mit Eingabe vom 12. Februar 2021 reichten sie einen Arztbericht vom
3. Februar 2021 bezüglich einer neu diagnostizierten Erkrankung (Diabe-
tes Mellitus Typ I) des Beschwerdeführers zu den Akten.
K.
Am 8. April 2021 reichte sie weitere Informationen bezüglich des Sachver-
haltes sowie eine Kostennote zu den Akten.
L.
Das Verfahren wurde aus organisatorischen Gründen auf die im Rubrum
erwähnte vorsitzende Richterin umgeteilt.
M.
Mit Verfügung vom 1. Juni 2021 zog das SEM im Rahmen eines zweiten
Schriftenwechsels die angefochtene Verfügung teilweise in Wiedererwä-
gung, hob die Dispositivziffern 4 und 5 auf und ordnete – aufgrund der Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs – die vorläufige Aufnahme der Be-
schwerdeführenden an.
N.
Am 18. Juni 2021 teilten die Beschwerdeführenden dem Bundesverwal-
tungsgericht mit, sie hielten weiterhin an ihrer Beschwerde betreffend
Flüchtlingseigenschaft und Asylgewährung fest und informierten über die
Situation der sich in Äthiopien aufhaltenden Familie.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-
handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM. Dabei entschei-
det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht
zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor wel-
chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. Art. 105 AsylG
[SR 142.31] i.V.m. Art. 31-33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden die Fragen der Flücht-
lingseigenschaft, des Asyls und der verfügten Wegweisung. Der Wegwei-
sungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz die Be-
schwerdeführenden wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
vorläufig aufgenommen hat.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
4.
4.1 Von den Beschwerdeführenden wird im Sinne eines Eventualantrages
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache
an die Vorinstanz beantragt. Dabei machen sie geltend, die Vorinstanz
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habe es in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes und des rechtlichen
Gehörs unterlassen, diejenigen Elemente, welche für die Glaubhaftigkeit
der Aussagen sprechen, insbesondere die verschiedenen Realkennzei-
chen, im Rahmen einer Gesamtwürdigung zu berücksichtigen. Der Asyl-
entscheid erwecke vielmehr den Eindruck, es sei gezielt nach Widersprü-
chen gesucht worden.
4.2 Zunächst vermengen die Beschwerdeführenden die Frage der Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhaltes mit der Frage der rechtlichen
Würdigung der Sache. In seiner umfangreichen Begründung hat das SEM
nachvollziehbar alle wesentlichen Überlegungen genannt, welche es sei-
nem Entscheid zugrunde legte. Der blosse Umstand, dass die Beschwer-
deführenden die Auffassung des SEM nicht teilen und die Würdigung der
Glaubhaftigkeitselemente zu ihren Ungunsten ausgefallen ist, ist keine Ver-
letzung der Begründungspflicht, sondern eine Frage der materiellen Beur-
teilung. Somit fällt eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ausser
Betracht, womit ein Entscheid in der Sache zu fällen ist (vgl. Art. 61 Abs. 1
VwVG).
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG; vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1
m.w.H.).
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Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger
Praxis (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2).
6.
6.1 Zur Begründung seiner Verfügung hielt das SEM im Wesentlichen fest,
die Vorbringen der Beschwerdeführerin seien nicht glaubhaft. Es sei ihr
nicht gelungen, die zentralen Handlungselemente in einen logisch nach-
vollziehbaren Rahmen zu bringen und diese substantiiert und wider-
spruchsfrei wiederzugeben. Bezüglich ihrer Festnahme im (...) 2016 sei
höchst erstaunlich, dass sie nach 18-jähriger Durchführung der Mahber
festgenommen worden sei, ohne dass sie vorher Anzeichen bemerkt habe.
Weil es sich bei der Ausübung ihres Glaubens um einen Bestandteil der in
Eritrea anerkannten Religion handle, könne das SEM nicht erkennen, wes-
halb das Abhalten einer Mahber verboten sei. Ferner erstaune, dass die
Äthiopierinnen nicht bei sich zuhause, inklusive Kontrolle ihrer eritreischen
Ehemänner, verhaftet worden seien. Diesbezüglich sei ebenfalls auffal-
lend, dass ihre beim Sicherheitsdienst tätige Nachbarin nicht früher Mass-
nahmen getroffen habe.
Bezüglich ihrer Haftentlassung seien ihre Ausführungen unlogisch und wi-
dersprüchlich ausgefallen. So habe sie bei der Erstbefragung als Ausreise-
grund angegeben, man habe ihr die Coupons gestrichen und den Laden
geschlossen, während sie bei der Anhörung zu Protokoll gegeben habe,
ihr Laden sei erst nach ihrer Ausreise geschlossen worden. Erstaunlich sei,
dass sie in der Anhörung angegeben habe, vermutlich sei sie zur Fertig-
stellung der Kleider aus der Haft entlassen worden, zumal ihr Ehemann
angeblich auch in der Schneiderei gearbeitet habe. Ungenau seien ihre
Aussagen auch, da sie einerseits angegeben habe, ein Schreiben unter-
zeichnet zu haben, die Äthiopierinnen nicht mehr zu treffen; andererseits
habe sie angegeben, die Frauen dennoch immer wieder getroffen zu ha-
ben. Es entbehre jeder Logik, dass ein Treffen bei ihr zuhause zu gefährlich
sein solle, ein Treffen bei den Äthiopierinnen jedoch kein Problem zu sein
schien. Es sei auch zeitlich nicht schlüssig, dass sie einen Monat nach ihrer
Verhaftung ausgereist sei, obwohl sie die Mahber (jeweils einmal monat-
lich) mehrmals gefeiert habe. Bezüglich der Hausdurchsuchungen seien
auch Ungereimtheiten festzustellen. Bei der BzP habe sie angegeben, ihr
Haus sei zweimal durchsucht und anschliessend abgebrannt worden. In
der Anhörung habe sie nur erwähnt, ihr Zaun sei abgebrannt und Angehö-
rige der Hagerawi Dihnet hätten sie bedroht. Diese Bedrohungen habe sie
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anlässlich der BzP nicht erwähnt. Ihre Erklärung, das Haus sei damals bei
ihrer Verhaftung durchsucht worden, vermöge nicht zu überzeugen.
Als Ausreisegrund habe sie wiederholt und auch auf Nachfrage den Verlust
ihrer Versorgungscoupons und die diesbezüglichen Konsequenzen ge-
nannt. Erst auf Nachfrage, ob sie ein weiteres Mal in Haft gewesen sei,
habe sie von der Warnung der Nachbarin – die Behörden hätten vor, sie
ein zweites Mal zu verhaften – erzählt. Es sei für das SEM nicht nachvoll-
ziehbar, weshalb sie die angeblich drohende Inhaftierung nicht von selber
in der freien Rede erwähnt habe, zumal die drohende Haft Auslöser für ihre
unmittelbare Ausreise aus Eritrea gewesen sei.
Ihre Schilderungen zum Inhalt des Gesprächs mit der Nachbarin und ihrem
Ehemann kurz vor ihrer Ausreise seien überdies unsubstantiiert geblieben.
Sie sei der Frage, was genau in der Nacht des Besuchs der Nachbarin
geschehen sei, ausgewichen. Zunächst habe sie angegeben von der
Nachbarin massiv bedroht worden zu sein, sollte sie jemanden von der
Warnung erzählen. Auf Nachfrage sei sie nicht mehr in der Lage gewesen,
konsistente Antworten zu diesem einschneidenden Gespräch wiederzuge-
ben, sondern habe lediglich angegeben, die Nachbarin habe ihr geraten,
sich in Sicherheit zu bringen. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb sie
nicht zumindest nachgefragt habe, aus welchem Grund sie inhaftiert wer-
den solle, zumal sie gemäss eigenen Angaben nie aktiv gegen die Regie-
rung vorgegangen sei. Ihre Vermutungen diesbezüglich würden sich bloss
auf Aussagen einer eritreischen Freundin, die sich in Äthiopien befinde,
stützen und seien auch unsubstantiiert geblieben. Zudem erstaune, dass
ihr Ehemann in Eritrea habe bleiben können; es sei zu erwarten gewesen,
dass auch er ins Visier der Behörden geraten würde. Nachgeschoben sei,
dass sie nach ihrer Ausreise eine Vorladung erhalten habe, weil sie keine
entsprechenden Beweismittel eingereicht und diesen Sachverhalt nie vor-
her erwähnt habe.
Das SEM schliesse zwar nicht aus, dass sie einige unentgeltliche Arbeiten
für die eritreischen Behörden habe machen müssen. Ihre Aussagen wür-
den aber nicht darauf hindeuten, dass ihre Stellung bei den Behörden
schlecht gewesen und sie erheblichem Druck ausgesetzt gewesen sei.
Denn sie habe sich gemäss eigenen Angaben erfolgreich weigern können,
für die eritreischen Behörden tätig zu sein. Somit würden ihre Vorbringen
den Anforderungen von Art. 7 AsylG nicht standhalten, weshalb auf die Prü-
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fung der Asylrelevanz verzichtet werden könne. Schliesslich sei sie auf-
grund ihrer illegalen Ausreise aus Eritrea – es lägen keine zusätzlichen An-
knüpfungspunkte vor – nicht in flüchtlingsrelevanter Weise verfolgt.
6.2 Die Beschwerdeführenden hielten den Ausführungen des SEM entge-
gen, die Aussagen der Beschwerdeführerin seien insgesamt glaubhaft ge-
wesen. Die Behörden hätten bei ihrer Verhaftungsaktion nicht primär auf
die Feier der Mahber reagiert, sondern auf die aus dem Tigray stammen-
den Frauen. Sie sei beschuldigt worden, die Mahber zu benützen, um ille-
gale politische Aktivitäten zu verdecken. Früher sei zwar das Abhalten der
Mahber nicht offiziell verboten gewesen, die Behörden hätten jedoch in
jüngster Zeit die Mahber-Feier als solche nicht mehr geduldet. Nach ihrer
Verhaftung hätten keine weiteren Mahber-Treffen mehr stattgefunden. Die
Mahber sei ein rein religiöses Treffen gewesen, wobei nicht über private
Angelegenheiten gesprochen worden sei; die Beschwerdeführerin habe
keine Kenntnis über politische Aktivitäten der Äthiopierinnen gehabt. Indes-
sen hätten die eritreischen Behörden über die Spionageaktivitäten der Äthi-
opierinnen erfahren, als sich diese im Haus der Beschwerdeführerin befun-
den hätten, weshalb sie dort verhaftet worden seien. Bis heute habe sie
keine Kenntnis über den Verbleib der Äthiopierinnen oder deren Ehemän-
ner. Diesbezüglich habe sie keine weiteren Informationen einholen können,
da sie davon ausgegangen sei, weiter von den Behörden überwacht zu
werden.
Der Vorwurf der Vorinstanz, ihre Aussagen in Bezug auf die Haftentlassung
seien widersprüchlich, sei zurückzuweisen. Sie habe in der Anhörung er-
klärt, ihre Haftentlassung sei nur durch eine Bürgschaft möglich gewesen.
Zudem sei sie nur vorläufig entlassen worden und habe sich den Behörden
zur Verfügung stellen müssen. Offensichtlich sei es bezüglich dem Wort
«Auflagen» zu Verständigungsproblemen gekommen. Es sei zu beachten,
dass sie ihre Asylgründe bei der BzP nur summarisch habe darlegen kön-
nen und die Vorinstanz nie konkret gefragt habe, weshalb sie aus der Haft
entlassen worden sei. Zu ihrem Ausreisegrund führte sie aus, der Entzug
der Versorgungscoupons habe ihr die Lebensgrundlage genommen. Die
Warnung der Nachbarin, von der sie im Übrigen bereits bei der BzP berich-
tet habe, sei ausschlaggebend für ihre Ausreise gewesen. Weil das Ge-
spräch mit ihrer Nachbarin sehr kurz gewesen sei, habe sie dieses entge-
gen der Meinung der Vorinstanz durchaus glaubhaft, erlebnisgeprägt und
konsistent zu schildern vermögen, indem sie beispielsweise den Namen
der Nachbarin wiederholt genannt und ihre Gefühle sowie Reaktion auf die
Nachricht der Nachbarin geschildert habe. Mit ihrem Ehemann habe sie
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nur in Gebärdensprache kommuniziert, weshalb sie diese Diskussion
ebenfalls glaubhaft geschildert habe; zudem habe sie mit ihm bereits früher
wegen ihrer Probleme über eine Ausreise gesprochen. Entgegen der An-
sicht der Vorinstanz habe ihr Ehemann in Eritrea nicht ohne Probleme ge-
lebt – er habe das Land inzwischen mit ihren drei Kindern verlassen.
Schliesslich sei auch aufgrund seiner Behinderung verständlich, dass er
sie nicht über weitere Behelligungen informieren konnte.
Ihre Ausführungen zur Schliessung ihres Ladens seien ebenfalls logisch
ausgefallen. Bis zu ihrer Ausreise habe sie in ihrem Laden gearbeitet, wo-
bei sie nach ihrer Haftentlassung fast nur noch für die Regierung genäht
habe. Ihre Aussage, ihr Laden sei «am Ende» geschlossen worden sei im
Kontext zu verstehen und die logische Konsequenz des Entzugs ihrer Ver-
sorgungscoupons. Auf einer Übersetzungsungenauigkeit oder einem Miss-
verständnis beruhe ihre in der freien Rede geäusserte Aussage, sie habe
die Äthiopierinnen nach ihrer Entlassung wieder getroffen. Es hätten keine
weiteren Mahber-Treffen stattgefunden. So habe sie bei ihrer Haftentlas-
sung unterschreiben müssen, die Äthiopierinnen nicht weiter zu treffen.
Dieses Missverständnis werde durch die Aussage untermauert, sie habe
nach ihrer Haftentlassung keine Informationen über den Verbleib der Äthi-
opierinnen gehabt. Ebensowenig sei ihre Aussage bezüglich den beiden
Hausdurchsuchungen, die sie bereits bei der BzP erwähnt habe, wider-
sprüchlich, zumal sie diese bei der Anhörung auf Nachfrage erwähnt habe.
Schliesslich sei die Erwähnung der Vorladung nicht nachgeschoben; sie
habe diese spontan an einer unerwarteten Stelle erwähnt, was die Glaub-
haftigkeit ihrer Asylvorbringen untermauere. Insgesamt seien ihre Schilde-
rungen betreffend ihre Verhaftung, der Ausreise und Flucht sehr detailreich
gewesen, wobei sie auch Nebensächliches erwähnt habe, womit ihre Aus-
sagen insgesamt glaubhaft seien. Der Entzug der Versorgungscoupons,
der Verlust der Kundschaft, die unentgeltlichen Arbeiten für die eritreischen
Behörden und die Ächtung durch die Nachbarschaft hätten einen unerträg-
lichen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 AsylG zur Folge gehabt, wes-
halb sie die Flüchtlingseigenschaft erfülle.
Zumindest wegen ihrer illegalen Ausreise und relevanter Anknüpfungsfak-
toren habe sie im Falle einer Rückkehr nach Eritrea aufgrund subjektiver
Nachfluchtgründe ernsthafte Nachteile zu befürchten. Angesichts ihrer Vor-
geschichte, der Inhaftierung sowie der nicht befolgten Vorladung habe sie
begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen. Dies zeige sich auch, da der
Familie die Versorgungscoupons entzogen worden seien und ihr Ehemann
sowie ihre anderen Kinder hätten ausreisen müssen.
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6.3 In ihrer Vernehmlassung verwies die Vorinstanz auf ihre Erwägungen
und die Situation des Beschwerdeführers in der Schweiz. Diesbezüglich
kann auf die Akten verwiesen werden.
6.4 In ihrer Replik äusserten sich die Beschwerdeführenden ebenfalls zur
Integration des Beschwerdeführers. Diesbezüglich kann ebenfalls auf die
Akten verwiesen werden.
7.
7.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-
gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der
Beschwerdeführerin. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtig-
keit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwie-
gen oder nicht. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine
Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des we-
sentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben,
persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller
bzw. die Gesuchstellerin sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstel-
lung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung
reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich
ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwie-
gende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre-
chen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57
E. 2.3).
7.2 Das Gericht kommt nach Durchsicht der Akten zum Schluss, dass die
Beschwerdeführerin über weite Strecken detailreich zu schildern in der
Lage war. Dass sie nicht immer chronologisch, sondern zuweilen sprung-
haft über ihre Erlebnisse berichtete, spricht dabei ebenfalls für die Glaub-
haftigkeit ihrer Aussagen – zumal es ihr gerade trotzdem noch gelingt, sub-
stantiiert zu erzählen. Zunächst berichtete die Beschwerdeführerin über die
Näharbeiten für die eritreische Regierung realitätsnah und erwähnte be-
reits bei der BzP verschiedene Nebensächlichkeiten, wie etwa einen
Stromausfall, und dass sie jeweils des Nachts nähen musste (vgl. A3 Ziff.
7.01). Sie brachte ihren Unmut über ihre unentgeltliche Arbeit für die Be-
hörden überzeugend zum Ausdruck («Für sie war es selbstverständlich,
dass ich schnell, sorgfältig und ohne Bezahlung Kleider nähe [...] sie war-
fen mir die Stoffe auf den Tisch...», vgl. A13 F107-108) und erzählte auch
über ihre finanziellen und gesellschaftlichen Belastungen nach dem Entzug
der Coupons in konstanter und nachvollziehbarer Weise (vgl. A13 F64).
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Die Glaubhaftigkeit ihrer diesbezüglichen Angaben, untermauert durch die
eingereichten Fotos, wird denn auch vom SEM nicht explizit in Zweifel ge-
zogen.
7.3 Entgegen der Auffassung der Vorinstanz entsprechen Verhaftungen im
Rahmen von religiösen Feiern durchaus den Tatsachen im eritreischen
Kontext; dies lässt sich durch allgemeine Berichterstattung belegen (vgl.
die im Jahr 2020 erfolgten Verhaftungen bei religiösen Feiern, U.S. Depart-
ment of State, 2020 Report on International Religious Freedom: Eritrea,
12.05.2021, https://www.state.gov/reports/2020-report-on-international-re-
ligious-freedom/eritrea/, abgerufen am 07.10.2021). Ebenso würde die An-
wesenheit von äthiopischen Frauen aus Tigray angesichts der damaligen
Spannungen betreffend das Tigray-Gebiet wohl die Aufmerksamkeit der
Behörden auf sich gezogen haben. Es vermag zwar nicht den allgemeinen
Erwartungen entsprechen, dass die Beschwerdeführerin erst nach 18 Jah-
ren anlässlich der Mahber verhaftet wurde. Doch in einem Staat mit einem
komplexen sowie vielschichtigen Kontroll- und Spionagesystem, wo will-
kürliche Verhaftungen aufgrund eines Spionageverdachts nicht unüblich
sind (vgl. Referenzurteil des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017
E.16.5), kann ein plötzliches Interesse der Behörde an der Feier und ins-
besondere der Teilnahme der Äthiopierinnen durchaus möglich sein. Dies-
bezüglich ist darauf hinzuweisen, dass es sich beim Kriterium der Plausi-
bilität um ein kulturell- und persönlichkeitsabhängiges Konzept handelt,
wobei das Risiko besteht, dass die Beurteilung der Plausibilität von Vor-
bringen lediglich auf dem subjektiven Gefühl des Entscheidungsträgers ba-
siert und somit von Annahmen, Vorurteilen, Vermutungen und vorgefassten
Stereotypen ausgegangen wird, anstatt sich auf objektivierbare Kriterien
abzustützen. So ist bei einer Berücksichtigung der Glaubhaftigkeit unter
Einbezug der Plausibilität grosse Vorsicht angezeigt (vgl. Urteil des BVGer
D-1156/2017 vom 14. Februar 2019 E. 5.5.3).
7.4 Die Beschwerdeführerin war sodann durchaus im Stande, einige De-
tails zu ihrer Verhaftung erlebnisbasiert zu schildern; sie sei vor den Augen
der Nachbarn verhaftet worden und habe Kleider aus Chiffon getragen
(vgl. A13 F64 und F103). Auch innere Vorgänge – so habe sie sich ge-
schämt, vor ihren Nachbarn abgeführt zu werden – vermochte die Be-
schwerdeführerin überzeugend darzulegen (vgl. A13 F103). Zu ihrer Nacht
im Gefängnis machte sie zwar nicht besonders detaillierte Angaben, sie
erwähnte aber ihre Sorge um die Kinder und bestätigte auch, dass sie nicht
geschlagen oder gefoltert worden sei (vgl. A13 F104-105). Bei der Be-
schreibung der Befragung finden sich wiederum einige Realkennzeichen,
https://www.state.gov/reports/2020-report-on-international-religious-freedom/eritrea/ https://www.state.gov/reports/2020-report-on-international-religious-freedom/eritrea/
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wie direkte Rede oder ihre Überlegungen zur Suche nach einem Bürgen.
Vor allem aber der Vorwurf der befragenden Person, sie habe auch immer
gejammert, weil sie für die Behörden arbeiten musste, womit zwischen der
an sich unpolitischen Beschwerdeführerin und den angeblich regimekriti-
schen Äthiopierinnen eine Verbindung hergestellt wird (vgl. vgl. A13 F105),
stellt eine Verknüpfung dar, die auf tatsächlich Erlebtes hinweist. Die Um-
stände ihrer Haftentlassung hat sie in den Grundzügen in beiden Anhörun-
gen dargetan, weshalb auch hier kein offensichtlicher Widerspruch zu er-
kennen ist. Hinsichtlich des vermeintlichen Widerspruchs zur Auflage ist
festzustellen, dass der Dolmetscher anmerkte, das Wort «Auflage» könne
nicht übersetzt, sondern nur umschrieben und auch nicht rückübersetzt
werden (vgl. A13 F135-F137); die Beschwerdeführerin fragte diesbezüg-
lich auch mehrmals nach, weil sie die Frage nicht verstanden hatte
(vgl. A13 F136-F137).
7.5 Weiter vermag das Gericht in Bezug auf die Ladenschliessung, oder
bezüglich des Brandes keine diametral voneinander abweichenden Aussa-
gen erkennen. Vielmehr beinhaltet ihre Aussage an der BzP, die Behörden
hätten den Laden «am Ende» geschlossen (vgl. A3 Ziff. 7.01) keine genau-
ere Zeitangabe, wobei unklar bleibt, ob ihr Laden vor ihrer Ausreise ge-
schlossen wurde. Immerhin ergibt sich aus dem BzP-Protokoll, dass die
Ladenschliessung nicht als fluchtauslösendes Ereignis verstanden werden
kann. Auch gab sie an der Anhörung an, den Laden bis zur Ausreise geführt
zu haben (vgl. A13 F51). Weiter präzisierte die Beschwerdeführerin, ihr La-
den sei nach ihrer Ausreise geschlossen worden (vgl. A13 F116-F117). Es
kann ihr auch nicht vorgehalten werden, der Laden hätte nicht geschlossen
werden können, da ihr Ehemann dort gearbeitet habe. Denn die Lizenz lief
auf ihren Namen und sie nahm auch an den Versammlungen teil, womit sie
die Hauptverantwortung für die Schneiderei getragen hatte. Auch die Aus-
sage an der Anhörung (vgl. A13 F64 und F111), die Umzäunung sei ange-
zündet worden, woraufhin es im Hof des Hauses gebrannt habe, kann
durchaus als Konkretisierung der Aussage an der BzP verstanden werden,
nach einer Durchsuchung sei ihr Haus aus unerklärlichen Gründen abge-
brannt. Zumal letztere in keiner Weise weiter vertieft wurde.
7.6 Hingegen sind die Ausführungen zu den Gesprächen mit ihrer Nachba-
rin und ihrem Ehemann vor ihrer Ausreise mit erheblichen Zweifeln behaf-
tet. In dem von Willkür geprägten eritreischen Kontext, in dem ungeplante
Verhaftungen möglich sind, verfängt der Einwand des SEM, ihre Nachbarin
hätte sie früher warnen können, oder die Beschwerdeführerin hätte ge-
nauer nach dem möglichen Grund der Gefahr fragen müssen, zwar nicht.
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Allerdings erzählte sie äusserst oberflächlich und vage von diesem Be-
such, wobei sie den Inhalt des Gesprächs mit ihrer Nachbarin nicht wieder-
zugeben vermochte (vgl. A13 F80). Fraglich ist auch, weshalb ihre Nach-
barin sich selbst für die Beschwerdeführerin in Gefahr hätte bringen sollen.
Vor allem aber scheint die Aussage nicht nachvollziehbar, der Ehemann
habe nicht gewusst, wer sie gewarnt habe, zumal sie offenbar unmittelbar
nach dem Besuch der Nachbarin ihre Ausreise mit dem Ehemann plante
und auch sofort umsetzte (vgl. A13 F78-F79). Dass ihr Ehemann hörbehin-
dert ist und das Gespräch mit der Nachbarin kurz dauerte, vermag diese
Zweifel nicht zu entschärfen. Bezeichnenderweise schob die Beschwerde-
führerin denn auch erst spät nach, sie habe nach ihrer Ausreise eine Vor-
ladung erhalten, die sie jedoch nicht einreichen konnte. Auch darüber, wie
es ihrem Ehemann nach ihrer Ausreise ergangen ist, will sie keine Informa-
tionen haben. Dass es sodann möglich gewesen sein soll, nach Ankunft in
Tesseney innerhalb von wenigen Stunden die illegale Ausreise für sich und
den Beschwerdeführer zu organisieren, weckt ebenfalls gewichtige Zweifel
(vgl. A13 F88-F90).
7.7 Für das Gericht nicht nachvollziehbar ist sodann, dass die Beschwer-
deführerin nichts über das Schicksal ihrer Freundinnen oder deren Ehe-
männer erfahren haben soll. Immerhin habe sie diese Frauen seit Jahren
gekannt und während 18 Jahren die Mahber gefeiert. Unter diesen Um-
ständen wäre zu erwarten, dass sie darüber informiert worden wäre, wenn
es auch zu Verhaftungen der Ehemänner beziehungsweise jahrelanger
Haft gekommen wäre. Insgesamt entsteht der Eindruck, die Beschwerde-
führerin versuche diesem Ereignis zeitlich und inhaltlich mehr Gewicht zu-
zuschreiben, als es tatsächlich gehabt hat. Dies wird dadurch bestätigt,
dass sie in der BzP erneute Mahber-Versammlungen bei den Äthiopierin-
nen zuhause erwähnt hat. Diese Aussage steht sodann im Widerspruch zu
ihren Angaben bei der Anhörung, keine Mahber-Treffen mehr durchgeführt
zu haben und nur einen Monat nach der Haft ausgereist zu sein. Obwohl
ihre Aussage bei der BzP in der freien Rede entstanden und in diesem
Kontext zu würdigen ist, deuten diese Unstimmigkeiten doch darauf hin,
dass die Beschwerdeführerin nach ihrer Verhaftung wieder Mahber-Treffen
durchgeführt hat und die entsprechende Haft wohl länger zurücklag und
nicht kausal für die Ausreise gewesen sein kann.
7.8 Dieser Schluss wird dadurch bestätigt, dass die Beschwerdeführerin
auf die Frage, wann die Probleme begannen, antwortete, dies sei nun zwei
Jahre her (vgl. A3 F7.02), obwohl die Haft gemäss ihren Vorbringen nur
einige Monate zurückgelegen haben soll. Als Ausreisegrund gab sie bei der
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BzP denn auch hauptsächlich den Entzug der Coupons an. Zusätzlich er-
klärte sie anlässlich der Anhörung immer wieder, dass die Schikanen durch
die Behörden bezüglich ihrer Tätigkeit in der Schneiderei bereits länger an-
dauerten und sie aus der Gesellschaft ausgeschlossen worden sei
(vgl. A13 F64, F106-F107, F113 und F115). So führte sie aus: «In der letz-
ten Zeit war das Leben für uns dort sehr schwierig. Wir hatten wenig Arbeit,
wir wurden von den Behörden belästigt und wir hatten keine Coupons und
wir hatten auch kein Wasser. Wir fühlten uns unwohl. Mein Mann äusserte
sich oft, dass man das Land verlassen soll.» (vgl. A13 F75). Eine solche
Beschreibung passt nicht auf den Zeitraum von nur einem Monat zwischen
Haft und Ausreise.
7.9 Die illegale Ausreise wurde von der Vorinstanz schliesslich nicht in
Zweifel gezogen und auch das Gericht hat keine Veranlassung, von einer
legalen Ausreise auszugehen. So ist festzuhalten, dass sie diese mit zahl-
reichen Realkennzeichen (die Verpflegung unterwegs, das Tragen des Kin-
des vom Schlepper, die Angst vor den Hyänen) sehr detailreich und an-
schaulich zu beschreiben vermochte (vgl. A13 F95). Unter Berücksichti-
gung der damaligen Lage (vgl. SEM, Focus Eritrea, Update Nationaldienst
und illegale Ausreise, vom 10. August 2016 [aktualisiert]) und des erforder-
lichen Beweismasses gemäss Art. 7 AsylG ist demnach davon auszuge-
hen, dass die illegale Ausreise aus Eritrea glaubhaft gemacht wurde.
7.10 Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass die Beschwerdefüh-
rerin für die eritreische Regierung über einen Zeitraum von drei Jahren un-
entgeltliche Näharbeiten erledigen musste und in diesem Zusammenhang
von den Behörden unter Druck gesetzt wurde. Dies als Ersatzleistung für
den dienstuntauglichen Ehemann. Ebenfalls erscheint glaubhaft, dass sie
an einer Mahber-Feier zusammen mit Äthiopierinnen aus Tigray kurzzeitig
verhaftet, ihr in der Folge Versorgungscoupons gestrichen wurden sowie
von der Gesellschaft ein gewisses Misstrauen entgegengebracht wurde.
Hingegen ist nicht davon auszugehen, dass sie nach ihrer Freilassung, ab-
gesehen von den Behelligungen im Zusammenhang mit den Näharbeiten,
weiter ernsthaften Nachteilen ausgesetzt war. Dass sie Eritrea bereits ei-
nen Monat nach der Haft beziehungsweise fluchtartig und innerhalb weni-
ger Stunden aufgrund einer Warnung ihrer Nachbarin verlassen hatte,
kann ihr ebenfalls nicht geglaubt werden. Vielmehr ist davon auszugehen,
dass die Ausreisegründe eher in den sich über einen längeren Zeitraum
aufgebauten wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten zu sehen sind,
wobei die Verhaftung anlässlich einer Mahber-Versammlung wohl dazu
beigetragen hat.
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8.
8.1 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen-
schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person
ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungs-
weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-
teile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen
oder zugefügt worden sein. Die betroffene Person muss zudem einer lan-
desweiten Verfolgung ausgesetzt sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung
der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine
Verfolgung oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand. Die
Verfolgungsfurcht muss im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein.
Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen dem
Ausreisezeitpunkt und dem Zeitpunkt des Asylentscheids sind deshalb zu-
gunsten und zulasten der Asylsuchenden zu berücksichtigen (vgl. dazu
BVGE 2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5 je m.w.H.).
8.2 Bezüglich des Vorbringens der Schikanen und unentgeltlichen Tätigkeit
für die Behörden ist vorliegend nicht von einer genügenden Intensität oder
einem unerträglichen psychischen Druck auszugehen, um eine Asylrele-
vanz zu begründen (vgl. BVGE 2014/29 E. 4.3 f. S. 478 ff). Die auferlegten
wirtschaftlichen Sanktionen (Entzug von Versorgungscoupons für die Was-
serlieferung) zeigten offensichtlich keine weitergehenden behördlichen Re-
aktionen, hatte die Beschwerdeführerin doch die Möglichkeit, teilweise
durch ersparte Coupons und private Aufträge ihren Lebensunterhalt zu si-
chern (vgl. dazu Urteil des BVGer D-3672/2017 vom 22. Oktober 2018 E.
5.2.1). Somit entzogen ihr diese Sanktionen vorliegend nicht gänzlich die
Existenzgrundlage, sodass ein menschenwürdiges Leben nicht mehr mög-
lich gewesen wäre (vgl. BVGE 2010/28 E. 3.3.1.1). Die Beschwerdeführe-
rin hat zudem gemäss eigenen Angaben weder eine Vorladung für den Mi-
litärdienst erhalten, noch ist sie jemals im Nationaldienst gewesen. Freilich
erledigte sie für die Behörden während drei Jahren – allerdings nur einmal
jährlich zum Unabhängigkeitstag – Näharbeiten, auch, weil ihr Ehemann
militäruntauglich ist. Obgleich diese Arbeiten für die Beschwerdeführerin
belastend gewesen sein mögen, stellen sie aufgrund fehlender Intensität
keine ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG dar.
8.3 Ebensowenig weist die einmalige Verhaftung anlässlich der Mahber-
Feier die Intensität einer asylrelevanten Verfolgung auf. Denn die Be-
schwerdeführerin ist bereits nach einer Nacht im Gefängnis durch eine
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Bürgschaft freigekommen. Somit zeitigte ihre Inhaftierung – sie wurde ge-
mäss eigenen Angaben weder gefoltert noch misshandelt – abgesehen
von den niederschwelligen Belästigungen der Behörden und dem Entzug
der Versorgungscoupons keine weiteren (nachteiligen) Folgen, weshalb
die notwendige Intensität der geltend gemachten Verfolgung nicht gegeben
ist. Eine subjektiv empfundene Furcht der Beschwerdeführerin aufgrund
ihrer Verhaftung ist zwar durchaus verständlich. Sie lebte jedoch nach ihrer
Freilassung bis zu ihrer Ausreise weiterhin bei ihrer Familie und musste
sich nicht versteckt halten. Weil das Gericht davon ausgeht, dass die Prob-
leme hinsichtlich der Mahber-Feier nicht fluchtauslösend waren – die War-
nung vor weiteren Verhaftungen konnte ihr nicht geglaubt werden – ist die
diesbezügliche Verfolgung auch nicht aktuell.
8.4 Zusammenfassend ist somit nicht davon auszugehen, dass die Be-
schwerdeführerin von den Behörden nach ihrer Ausreise gesucht wurde,
weshalb sie nach ihrer Haftentlassung keiner asylrelevanten Verfolgungs-
gefahr ausgesetzt war. Die geltend gemachte Verfolgung hinsichtlich der
unentgeltlichen Arbeiten für die eritreischen Behörden erreicht keine Inten-
sität, aufgrund derer die Beschwerdeführerin ernsthafte Nachteile im Sinne
von Art. 3 AsylG befürchten müsste. Gesamthaft ist daher für den Zeitpunkt
der Ausreise nicht von einer Situation auszugehen, welche die Flüchtlings-
eigenschaft begründen und zur Asylgewährung führen könnte.
9.
Als nächstes ist zu klären, ob der Beschwerdeführerin aufgrund der geltend
gemachten illegalen Ausreise eine Verfolgung droht.
9.1 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – etwa durch ein illegales Verlassen
des Landes – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht
sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG gel-
tend.
9.2 Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigen-
schaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum
Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht
missbräuchlich gesetzt wurden. Daher werden Personen, welche subjek-
tive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als
Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
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9.3 Gemäss aktueller Praxis in Referenzurteil des Bundesverwaltungsge-
richts D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (vgl. E. 4.6 ff., 5.1 f.) ist nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass einer Person
einzig aufgrund ihrer illegalen Ausreise aus Eritrea eine asylrelevante Ver-
folgung droht. Für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft im eritrei-
schen Kontext bedarf es neben der illegalen Ausreise zusätzlicher Anknüp-
fungspunkte, welche zu einer Verschärfung des Profils und dadurch zu ei-
ner flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsgefahr führen können.
9.4 Es ist vorliegend von Anknüpfungspunkten im Sinne des genannten
Referenzurteils, die zu einer Verschärfung des Profils der Beschwerdefüh-
rerin führen, auszugehen, womit sie in den Augen des eritreischen Re-
gimes als missliebige Person erscheinen dürfte. Bereits vor ihrer Ausreise
war sie wiederholt behördlichen Schikanen ausgesetzt. So wurde sie wäh-
rend einer Nacht unter dem Vorwurf, mit äthiopischen Frauen kollaboriert
zu haben, verhaftet und am nächsten Tag dank einer Bürgschaft wieder
freigelassen. Zwar waren diese Nachteile nicht genügend intensiv, um zum
Zeitpunkt der Ausreise eine asylrelevante Verfolgung zu begründen. Ange-
sichts der dauernden Behelligungen der eritreischen Behörden, inklusive
des Entzugs der notwendigen Coupons für die Wasserversorgung, muss
aber davon ausgegangen werden, dass sie behördlich registriert wurde. Es
ist anzunehmen, dass diese bereits erfolgte (und letztlich niederschwellige)
Verfolgung der Beschwerdeführerin durch die illegale Ausreise eine Akzen-
tuierung erfährt, weshalb darin zusätzliche Anknüpfungspunkte zu erken-
nen sind, welche zusammen mit ihrer illegalen Ausreise zur Bejahung einer
aktuellen Verfolgungsgefahr und folglich auch zur Bejahung der Flücht-
lingseigenschaft führt (vgl. Urteil des BVGer
D-6288/2017 vom 9. November 2018 E. 7.5).
9.5 Demnach kommt das Bundesverwaltungsgericht zusammenfassend
zum Schluss, dass die Voraussetzungen von Art. 3 AsylG gegeben sind
und die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft erfüllt. Die Be-
schwerde ist bezüglich des Antrags auf Anerkennung der Flüchtlingseigen-
schaft gutzuheissen. Der Sohn der Beschwerdeführerin ist in ihre Flücht-
lingseigenschaft einzubeziehen (Art. 51 Abs. 1 AsylG). Eine Asylgewäh-
rung bleibt indessen aufgrund subjektiver Nachfluchtgründen ausgeschlos-
sen (Art. 54 AsylG).
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Seite 19
10.
10.1 Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung
aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf ein-
tritt. Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen (vgl. Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999
[AsylV 1, SR 142.311] und BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung
wurde zu Recht angeordnet.
10.2 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwer-
deführerin aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe die Flüchtlingseigen-
schaft erfüllt. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach auch als
unzulässig. Die Beschwerde ist insoweit gutzuheissen, als die Anerken-
nung der Flüchtlingseigenschaft beantragt wird. Die angefochtene Verfü-
gung vom 11. Februar 2020 ist somit in der Dispositivziffer 1 aufzuheben
und das SEM ist anzuweisen, die Beschwerdeführenden als Flüchtlinge
vorläufig aufzunehmen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
11.
11.1 Die Beschwerde ist betreffend Wegweisungsvollzug gegenstandlos
geworden, weil das SEM die angefochtene Verfügung teilweise in Wieder-
erwägung gezogen hat. Dies ist auch angesichts der festgestellten Flücht-
lingseigenschaft im Kostenpunkt als Obsiegen der Beschwerdeführenden
zu qualifizieren (vgl. Art. 5 und Art. 15 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Demnach ist von einem Obsiegen der Be-
schwerdeführenden von zwei Dritteln auszugehen, weshalb sie die Verfah-
renskosten zu einem Drittel zu tragen hätten (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG).
Da ihnen mit Zwischenverfügung vom 25. März 2020 die unentgeltliche
Prozessführung gewährt wurde und den Akten keine Veränderungen der
finanziellen Verhältnisse zu entnehmen sind, haben sie vorliegend keine
Verfahrenskosten zu tragen.
11.2 Die Beschwerdeführenden sind weiter im Umfang ihres Obsiegens –
hier also zu zwei Dritteln – für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten
zu entschädigen (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 ff.). Die bei den Akten lie-
gende Kostennote, insgesamt einen Aufwand von neun Stunden (gerun-
det) aufweisend, erscheint den Verfahrensumständen als angemessen und
der seither angefallene Aufwand von ca. 45 Minuten ist dazuzurechnen.
Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–11
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VGKE) und gemäss dem in der Kostennote ausgewiesenen Stundenan-
satz von Fr. 250.– ist das SEM demnach anzuweisen, den Beschwerde-
führenden eine Parteientschädigung zu zwei Dritteln, mithin in der Höhe
von Fr. 1'650.– (inkl. anteilsmässige Auslagen; die Parteientschädigung
umfasst keinen Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c
VGKE) auszurichten.
11.3 Nachdem die rubrizierte Rechtsvertreterin den Beschwerdeführenden
mit Verfügung vom 25. März 2020 als amtliche Rechtsbeiständin beigeord-
net worden ist, ist sie im Umfang des Unterliegens – zu einem Drittel – für
ihren Aufwand unbesehen des Ausgangs des Verfahrens zu entschädigen,
soweit dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2
VKGE). Ausgehend von einem gekürzten Stundenansatz von Fr. 150.–
(vgl. Zwischenverfügung vom 25. März 2020) ist die Parteientschädigung
auf total Fr. 500.– (inkl. anteilsmässige Auslagen; das amtliche Honorar
umfasst keinen Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c
VGKE) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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