Decision ID: b33c0581-7aec-469d-a48c-6f1806886943
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1981,
war seit dem
2.
April 2013
bei
der
Y._
GmbH, Zürich, als Teamleiter angestellt
und
damit
bei
der
Suva
obli
gatorisch gegen Berufs- un
d Nichtberufsunfälle versichert. Mit Bagatellunfall
meldung vom
9.
April
2018
teilte die Arbe
itgeberin der Suva mit, dass
am 2
9.
August 2017
, als der Versicherte sich im Büro gegen die Wand gelehnt habe, die Decke aus der Verankerung gefallen sei und ihn
am Kopf/Nacken getroffen habe
(
Urk.
9/1
Ziff.
3-6
)
.
Der am
2
8.
September 2017
erstbehandelnde Arzt
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
diagnostizierte
einen Status nach Schädelkontusion (
Urk.
9/7
Ziff.
5
).
Gestützt auf die Stellungnahme
n
von Kreisärztin
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Chirurgie
,
vom
1
5.
November 2018 und vom
4.
Dezember 2019
(
Urk.
9/29
,
Urk.
9/49
)
verneinte die Suva mit Verfügu
ng vom
1
0.
Dezember 2019
(
Urk.
9/5
0
)
einen sicheren
oder wahrscheinlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 2
9.
August 2017 und den gemeldeten Beschwerden
und folglich
eine Leistungspflicht.
Die dagegen
vom Versicherten am 2
3.
Januar
und 2
8.
Februar erhobene Einsprache (
Urk.
9/55
,
Urk.
9/57
[
Einsprachebe
grün
dung
]
) wies die Suva nach ergänzend eingeholter neurologischer Beurteilung
durch
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Neurologie, vom
5.
Oktober 2020
(
Urk.
9/
66)
mit
Einspracheentscheid
vom
6.
Oktober 2020 (
Urk.
2) ab.
2.
Der Versicherte erhob am
6.
November 2020 Beschwerde gegen den
Einsprache
entscheid
vom
6.
Oktober 2020 (
Urk.
2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und es seien die Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung auszu
richten (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
1.
Februar 2021 beantragte die Suva die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8). Am 3
0.
Juni 2021 reichte der Beschwerdeführer seine Replik (
Urk.
16) ein
,
und die Beschwerdegegnerin erstattete am 1
3.
September
20
21 ihre Duplik (
Urk.
20)
, beide mit unveränderten Anträgen
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes üb
er die Unfallversicherung (UVG)
werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Be
rufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die
Ver
sicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei den im Einzelnen in Abs. 2 aufge
führten
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
di
tät, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natür
lichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.
3
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erschei
nen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das An
stellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungs
trä
ger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur
geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
in
ternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) damit, da
ss gestützt auf die
beweiskräftige
Beurteilung
durch
Dr.
B._
sowie der zeit
nächsten zum Unfall erstellten Dokumentation
mit überwiegender Wahrschein
lichkeit
davon auszugehen sei, dass es beim Unfall zu ein
er Schädelprellung
ohne
behandlungsbedürftige
äussere Verletzung und ohne Hinweis auf eine leichte traumatische Hirnverletzung (Commotio cerebri)
gekommen sei
.
Gegenüber dem erstbehandelnden Arzt
Dr.
Z._
habe der Beschwerdeführer angegeben, dass es zu keiner Bewusstlosigkeit gekommen sei. Der Informationsgehalt zeitnahe zum Unfall geäusserter anamnestische
r
Angaben sei höher zu werten, als spätere
anamnestische Angaben. Von weiteren Zeugeneinvernahmen seien drei Jahre nach
dem Unfallereignis keine zuverlässigen Erkenntnisse zu erwarten.
Weiter seien
d
ie Symptome eine
s
postkommotionellen
Syndroms nicht spezifisch für eine leichte
traumatische Hirnverletzung. Selbst
wenn eine - lediglich vermutete
- Commotio c
erebri vorgelegen hätte, wären d
eren Folgen
spätestens ein halbes J
ahr nach dem Unfall und
noch bevor
ihr
die Beschwerden gemeldet worden seien, abgeklungen
gewesen. Auf die Feststellung von
Dr.
B._
, wonach die gemeldeten klinischen
Beschwerden nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis zurückzuführen seien, k
ö
nne abgestellt werden
(
Urk.
2 S.
4
ff.
Ziff.
3-4).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend, d
ass
am 2
9.
August 2017
eine Metallplatte
mit der Kante auf seinem Hinterkopf auf
geschlagen sei, so dass er unter der Wucht des Aufpralls bewusstlos zusam
men
gebrochen sei (S. 3
Ziff.
3).
Die Neurologen Prof.
Dr.
med.
C._
,
Leitender Arzt, Interdisziplinäres Zentrum für Schwindel und
neurologische Sehstörungen, Universitätsspital
D._
,
Prof.
Dr.
med.
E._
,
Leitender Arzt, Klinik für
Neurologie,
Spital D._
,
und PD
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Neurologie,
Zentrum G._
, Klinik
H._
,
hätten übereinstimmend ein protrahiertes
postkommotionelles
Syndrom diagnostiziert (S. 4
Ziff.
7).
Als medizinischer Laie habe er dem beim Unfall erlittenen Bewusstseinsverlust keine Bedeutung zuge
messen
, weshalb er diese erst auf gezielte Befragung durch den Neurologen Prof.
C._
angegeben habe
(S. 6 Mitte). Mit Sicherheit würden sich die ge
nannten Augenzeugen noch an das Ereignis erinnern, weshalb sie zu befragen seien (S. 6 unten).
Aus dem länger protrahierten Verlauf sei zu schliessen, dass
eine schwerwiegendere traumatische Einwirkung im
Grenzbereich zu einer
Contusio
c
erebri vorgelegen habe und dass zusätzlich auch aufgrund der objek
tivierten vorbestehenden Hirnverletzungen nicht von einem Normalfall mit erfah
rungsgemässer Dauer der Beschwerden ausgegangen werden könne (S. 7
lit
. b). Die Beurteilung von
Dr.
B._
stehe auch
im Widerspruch
zur B
eurteilung im
MEDAS-Gutachten, wonach der Unfall die überwiegend wahrscheinliche Ursache der invalidisierenden Beschwerden sei.
D
amit sei der natürliche Kausalzusam
men
hang rechtsgenügend erstellt (S. 7 f.
lit
. c). Eine Adäqua
nzprüfung sei ver
f
r
üht
(S. 8
Ziff.
12).
Im Übrigen wäre im vorliegenden Fall eines Schädel-Hirn
traumas im Grenzbereich zur
Contusio
cerebri die Adäquanzbeurteilung gemäss der Schleudertrauma-Praxis vorzunehmen, welche ergebe, dass die Leistungs
pflicht der Beschwerdegegnerin ausgewiesen sei (S. 8
f.
Ziff.
12 unten).
2.3
In ihrer
Beschwerdeantwort
(
Urk.
8) führte die Beschwerdegegnerin aus, dass die Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach er dem beim Unfall erlittenen Bewusstseinsverlust keine Bedeutung beigemessen habe, nicht glaubhaft seien. Zu
dem geh
e
aus dem Be
richt von
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Neurologie,
vom
1
1.
Dezem
ber 2017 hervor, dass die vom Beschwerdeführer beklagten Beschwer
den offenbar unfallvorbestehend seien (S. 3 f.
Ziff.
6 und
Ziff.
6.1).
Aufgrund der initialen Akten sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass es am 2
9.
August 2017 aufgrund der Schädelkontusion zu keiner Bewusstlosigkeit ge
kommen sei (S. 4
Ziff.
6.3). Weiter könne von einer allfälligen prätraumatisch
bestehenden Beschwerdefreiheit nicht auf eine Unfallkausalität geschlossen wer
den
(S. 4
Ziff.
7). Prof.
C._
und Prof.
E._
seien lediglich von einem Verdacht auf ein protrahiertes
postkommotionelles
Syndrom ausgegangen, und die initial nach dem Unfall vorhanden
en
medizinischen Unterlagen
, worin keine Bewusst
losig
keit erwähnt worden sei,
seien ihnen nicht bekannt gewesen.
Auch die
MEDAS-Gutachter hätten die Diagnose nicht als erstellt betrachtet (S. 4 f.
Ziff.
8.1).
Aus dem MEDAS-Gutachten vom 2
7.
September 2020 könne der Beschwerde
führer nichts zu seinen Gunsten ableiten
,
und die von ihm
geklagten
Beschwerden hätten sich auch nicht objektivieren lassen
. Weiter beruhe
die Begründung
der
Unfallkausalität
auf dem
«
post
hoc, ergo
propter
hoc-Prinzip
»
(S. 6 ff.
Ziff.
8.3-
9
)
.
Den Ausführungen des Beschwerdeführers zur Adäquanzprüfung könne nicht ge
folgt werden
,
und selbst wenn
er
am 2
9.
August 2017 eine Commotio cerebri erlitten hätte, wären die geklagten Beschwerden nicht adäquat kausal auf den Unfall vom 2
9.
August 2017 zurückzuführen (S. 9 ff.
Ziff.
9-10).
2.4
In seiner Replik (
Urk.
16) machte der Beschwerdeführer geltend,
d
ass
der Um
stand, dass
die Einwirkung des wuchtigen und harten Aufpralls der grossen Metalldeckenplatte auf den Hinterkopf eine Bewusstlosigkeit verursacht habe, für ihn kein besonders aussergewöhnliches Phänomen gewesen
sei
, weshalb er sich zu keiner Erwähnung veranlasst gesehen habe (S. 2 f.
Ziff.
3).
Dr.
I._
habe sich offensichtlich verschrieben, als er ausgeführt habe, dass diese Beschwerden seit «Anfang dieses Jahres» bestehen würden (S. 4 oben).
Die spezialärztlichen Unter
suchungen hätten die gesicherte Diagnose
von persistierenden posttraumatischen
Beschwerden nach Commotio cerebri ergeben (S. 4 f.
Ziff.
7)
. Vorgängig des Un
falls habe keine Symptomatik eines
postkommotionellen
Syndroms bestanden (S.
7
Ziff.
12).
Er habe vor dem Unfall höchstens einmal monatlich unter Migräne gelitten, ohne dass dadurch die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt worden wäre (S. 8 oben). Zudem sei sein Schwindel durch den
Downbeatnystagmus
klinisch ausge
wiesen (S. 8 Mitte).
2.5
In ihrer Duplik (
Urk.
20) machte die Beschwerdegegnerin geltend, dass nichts vor
gebracht werde
, was ihren Standpunkt ändere. Selbst wenn das vom Beschwer
de
führer angesprochene
Fatigue
-Syndrom sowie ein disk
r
eter
Downbeatnystag
mus
vorliegen sollten, könn
t
e
n
diese
nicht auf organische Unfallfolgen zurück
geführt werden.
Im
Rahmen der MEDAS-Begutachtung
hätten
aus neurologischer Sicht keine pathologischen Befunde erhoben werden können
(S. 1 f)
.
2.6
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht ihre Leistungs
pflicht für die vom Beschwerdeführer beklagten Beschwerden verneint hat.
3.
3.
1
Dr.
I._
führte in seinem Bericht vom 1
1.
Dezember 2017 (
Urk.
9/21/2) aus,
dass zur Abklärung
einer seit Anfang dieses Jahres
bestehende
n
Benommenheit,
Un
konzentriertheit und eines körperlichen und geistigen Erschöpfungsgefühls sowie eines
morgendlichen
Unwohlseins und einer Inappetenz am 2
4.
November 2017 ein Schädel-MRI durchgeführt worden
sei
. Der beurteilende Radiolog
e
habe als
Ursache der flächig konfigurierten Marklagerveränderung
juxta
-/subkortikal rechts
im Bereich der
anterioren
Inselrinde einen
demyelinisierenden
Prozess v
ermutet. Die weiteren Abklärungen
hätten jedoch
keine Hinweise auf eine multiple Skle
rose ergeben. Seines Erachtens müssten d
ifferenzialdiagnostisch ein Low-
Grade Gliom oder allenfalls
eine prä-/perinatale Schädigung
erwogen werden.
3.
2
PD
Dr.
med.
J._
, Leitender Arzt, Klinik für Neurochirurgie,
Spital D._
, nannte in seinem Bericht vom
1
9.
Februar 2018
(
Urk.
9/27/
2
-3
) als Diagnose eine unklare T2 und FLAIR-Hyperintensität
juxta
-kortikal angrenzend an den
Sulcus
semicir
cularis
insularis
anterior
rechts (S. 1 Mitte).
PD
Dr.
J._
führte aus, dass die vorliegende Läsion die allgemeine Symptomatik des Patienten nur schwerlich erklären könne. In Frage kämen ein entzündliches Geschehen,
eine fokale korti
kale Dysplasie
und ein Tumor sei sicherlich nicht ausgeschlossen, scheine aber von der B
ildgebung her atypisch zu sein
(S. 1 unten f.).
3.
3
Der am
2
8.
September 2017
erstbehandelnde
Dr.
Z._
nannte in seinem
Arzt
zeugnis vom
9.
Mai 2018
(
Urk.
9/7) als Diagnose einen Status nach Schädelkon
tusion (
Ziff.
5).
Dr.
Z._
führte aus, dass es g
emäss Angaben des Patienten am 2
9.
August 2017 zu einer Schädelkontusion durch ein herunterfallendes, metal
lenes Deckenteil gekommen
sei
. Es
sei
keine Bewusstlosigkeit
eingetreten und u
nmittelbar nach dem
Unfall
seien
auch keine Nackenbeschwerden
aufgetreten
(
Ziff.
2). Am 2
9.
September 2017 hätten eine Müdigkeit, eine rezidivierende Übel
keit und Oberbauchbeschwerden bestanden (
Ziff.
4). Zu den Unfallfolgen führte
Dr.
Z._
aus, dass die
unter
Ziff.
4 genannten Befunde nicht mit dem vom Patien
ten geltend gemachten Ereignis vereinbar und plausibel erschienen.
Er beurteile
die aktuelle Symptomatik nicht als rein
zervikospondylogen
(
Ziff.
6). Von Septem
ber 2017 bis zum jetzigen Zeitpunkt se
ien
klinische Untersuchungen, eine Gas
tros
kopie, ein Schädel-MRI und Blutuntersuchungen durchgeführt worden, ohne klare Erklärung für die Patientenbeschwerden (
Ziff.
7). Seit dem 1
7.
Oktober 2017 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
, ab
dem
1.
Januar 2018 eine Arbeits
fähigkeit von 50
% (
Ziff.
9). Anzumerken sei, dass das Schädel-MRI eine unklare Veränderung
juxtakortikal
rechts zeige. Diesbezüglich seien weitere Abklärungen geplant (
Ziff.
11).
3.
4
PD
Dr.
J._
nannte in seinem Bericht vom 2
5.
Mai 2018 (
Urk.
9/27/1
) die gleiche Diagnose wie in seinem Vorbericht
(S. 1 Mitte
, vorstehend E. 3.2
)
und
hielt fest
, es sei am 1
4.
Mai 2018 ein zusätzliches Schädel-MRI angefertigt wor
den
, wobei sich keine eindeutige
Progressio
n des Befundes zeige. Eine
Indikation für einen dringenden Eingriff
sei daher nicht
gestellt worden
(S. 1 unten).
3.
5
Kreisärztin
Dr.
A._
führte in ihrer Stellungnahme vom 1
5.
November 2018 (
Urk.
8/29)
aus, dass in
der vorlie
genden bildgebenden Diagnostik i
ntrakraniell keine frische traumatische strukturelle Läsion nachweisbar
sei
, welche auf das Ereignis vom 2
9.
August 2017 zurückzuführen sei. Entsprechend sei, wie dies be
reits der Hausarzt
Dr.
Z._
getan habe, davon auszugehen
,
dass es sich um einen
Status nach Schädelkontusion
ohne frische traumatische strukturelle intr
a
kra
nielle Läsion handle. Die Kontusionen ohne strukturelle Läsionen heilten in der Regel innerhalb von ein paar Tagen/Wochen folgenlos ab.
Spätestens zum Zeit
punkt der MRI-Untersuchung vom 1
4.
November 2017,
wo keine frische, trauma
tische strukturelle Läsion nachweisbar
gewesen
sei, welche auf das Ereignis vom 2
9.
August 2017 zurückzuführen sei, sei die Kontusion folgenlos abgeheilt.
3.
6
Prof.
C._
und
Dr.
med.
K._
, Assistenzär
z
tin, Interdisziplinäres Zentrum für Schwindel und neurologische Sehstörungen,
Spital D._
, stellten in ihrem Bericht vom
2
5.
Februar 2019
(
Urk.
9/47/2-5)
nach gleichentags erfolgter Erstkonsul
ta
tion des Beschwerdeführers
in der Hauptsache
folgende Diagnosen (S. 1):
-
Verdacht auf prot
rahiertes
postkommotionelles
Syndrom,
Erstmani
festa
tion (
EM
)
August 2017
-
unklare T2 und FLAIR-Hyperintensität
juxta
-kortikal angrenzend an den
Sulcus
semicircularis
insularis
anterior
rechts,
Erstdiagnose (
ED
)
Novem
ber 2017
Die Ärzte führten zur Anamnese aus, dass es zu einem Beschwerdebeginn im August 2017 gekommen sei. Der Beschwerdeführer habe einen Schwächeanfall erlitten und sich gegen eine Wand gelehnt. Dann sei ihm ein Teil der Decke des Raumes auf den Kopf gefallen.
Er sei kurz bewusstlos gewesen
(S. 1 unten
)
. Die Beschwerden würden bei Aufregung und Stress zunehmen. Kopfschmerzen habe der Beschw
erdeführer gelegentlich frontal. Zudem sei eine Migräne bekannt (S. 2 oben).
In
der Zusammenschau der Befunde
sei
am ehesten von einem prolongierten
post
kommotionellen
Syndrom bei Status nach Kopftrauma als Ursache der aktu
ellen Beschwerden
aus
zugehen
. In diesem Zusammenhang sei es am ehesten auch zu einer
Aggravierung
einer vorbestehenden Migräne- und Kopfschmerz
sympto
matik gekommen. Ein Zusammenhang der aktuellen Beschwerden mit der kern
spintomographisch detektierten Läsion
juxta
-kortikal angrenzend an den
Sulcus
semicircularis
insularis
anterior
rechts werde nicht gesehen. In den erfolgten Zu
satzabklärungen hätten sich keine Hinweise auf ein relevantes peripher
-vesti
buläres Defizit gefunden
(S. 3 Mitte)
.
3.
7
Dr.
phil.
L._
, Neuropsychologin, und Prof.
E._
, Klinik für Neurologie,
Spital D._
,
führten
in ihrem Bericht vom 2
0.
Mai 2019 (
Urk.
17)
nach neuropsy
cho
logischer Untersuchung des Beschwerdeführers vom 1
4.
Mai 2019
aus, der Be
schwerdeführer
habe
berichtet,
dass
er seit dem Unfall
«dauernd» unter Schwindel
leide
, welcher sich schon bei geringer Anstrengung bis zur körperlichen Übelkeit verstärke. Bereits vor dem Unfall habe
er
teilweise unter sporadischem Schwindel und Migräne gelitten. So sei es auch zum Unfall gekommen
, da er sich aufgrund von akutem Schwindel an eine Wand habe anlehnen müssen, woraufhin sich ein Teil der Decke gelöst habe und ihm auf den
Kopf gefallen sei
(S. 1 unten).
Der
Beschwerdeführer
habe sich
zur neuropsychologischen Standortbestimmung
vorgestellt bei Verdacht auf ein
post
concussion
-Syndrom.
Momentan müsse
trotz
testdiagnostisch normgerechten Leistungen
von einer substantiell einge
schrän
k
ten Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden (S. 3 oben). Ein leistungs
min
dernd
er Einfluss der
subinsulären
Läsion (DD
low
-grade-Gliom
)
sei unwahr
schein
lich
,
und die Befunde passten gut zum Bild einer persistierenden, unspezi
fischen Leis
tungsminderung bei Verdacht auf Schädelhirntrauma im Rahmen des erlittenen Umfalls (S. 3 Mitte).
3.8
Die neurologischen Fa
chärztinnen
Dr.
med.
M._
und PD
Dr.
F._
,
Zentrum G._
, Klinik
H._
, nannten in ihrem Bericht vom 2
3.
August 2019 (
Urk.
9/47/6-12) als
Diagnose persistierende posttraumatische Beschwerden nach Commotio cerebri durch Sturz von Deckenanteilen auf den Hinterkopf am 2
7.
August 2017
(S. 1).
Als relevante Nebendiagnosen nannten sie eine Migräne ohne Aura, E
M
unbekannt und
aggraviert
seit Februar 2019
,
sowie eine unklare T2 und FLAIR-Hyperintensität
juxta
-kortikal angrenzend an den
Sulcus
semicir
c
ularis
insularis
anterior
rechts,
ED
November 2017 (S. 2 Mitte).
Die Ärzt
innen
führten zur Anamnese aus, der Beschwerdeführer
habe
angegeben, dass ihm am 2
7.
August 2017 ein Deckenteil auf den Hinterkopf rechts gefallen sei und eine
kurze Bewusstlosigkeit
von weniger als ein
er Minute eingetreten sei.
Er sei auf dem Boden erwacht
, Arbeitskollegen seien anwesend gewesen.
Es sei keine Amnesie aufgetreten und er habe seine Tätigkeit nach etwa 20 Minuten
wieder aufgenommen beziehungsweise sei selbständig nach Hause gegangen
(S. 2
Mitte)
.
Die Ärztinnen führten aus, dass der Beschwerdeführer am 2
7.
August 2017 eine
Commotio cerebri
im Rahmen eines Kopftraumas durch
einen herabstürzen
den Deckenanteil
erlitten
habe
(S. 5 unten)
.
3.
9
In ihrem Bericht vom 1
5.
Oktober
2019 (
Urk.
9/47/13-19) stellten
Dr.
M._
und PD
Dr.
F._
die gleiche Diagnose
mit identischen
Nebendiagnosen wie in ihrem Vorbericht vom
2
3.
August 2019
(S. 1 f.; vorstehend E. 3.
8
)
. Die Ärztin
nen führten
aus, dass sich die Verdachtsdiagnose einer
dysautonomen
Herz-Kreis
lauf
reaktion in der weiteführenden Diagnostik mittels fahrradergometrische
n
Belas
tungstest
s
nicht bestätigt habe. Es zeige sich jedoch eine deutliche
allgemeine körp
erliche
Dekonditionierung
mit Hinweisen für eine Vermeidungshaltung für allgemeine körperliche Aktivität aus Angst vor Symptomzunahme/-Manifesta
tion
(S. 2 unten f.)
.
Die beschriebenen Symptome könnten durch die genannten Ursachen (Commotio cerebri am 2
7.
August 2017 und Migräne ohne Aura) nicht gänzlich erklärt werden. Als massgebliche Teilkomponente bleibe die psycho
physische Komponente bestehen. Inwiefern die Beschwerden im Zusammenhang
mit der kernspintomografisch nachgewiesenen Läsion rechtsfrontal stünden, m
üsse offenbleiben
(S. 3 oben)
.
3.
10
Kreisärztin
Dr.
A._
hielt
in ihrer Stellungnahme vom
4.
Dezember 2019 (
Urk.
9/49)
an
ihre
r
Beurteilung vom 1
5.
November 2018 (vorstehend E. 3.
5
)
fest
, da sämtliche bildgebende Diagno
stik
bereits vorgelegen
h
abe
.
Die von
PD
Dr.
J._
genannten
Verdachtsdiagnosen würden einer Krankheitsdiagnose entsprechen und seien nicht auf das Ereignis vom 2
9.
August 2017 zurück
zu
führen.
3.
11
Dr.
Z._
erklärte mit Schreiben vom
1
6.
März 2020 (
Urk.
9/62), dass er seine Angaben im Bericht vom
9.
Mai 2018 (vorstehend E. 3.
3
) korrigieren müsse. Damals habe er geschrieben, dass der Beschwerdeführer im Rahmen des Unfall
ereignisses nicht bewusstlos gewesen sei. Diese Angabe sei nicht korrekt. Offenbar sei der Patient nach der Schädelkontusion durch ein herunterfallendes Deckenteil kurze Zeit nicht ansprechbar gewesen.
Der Beschwerdeführer lege grossen Wert auf die Korrektur dieser Aussage.
3.
12
Am 2
7.
September 2020 erstatteten die Gutachter der
N._
AG MEDAS das von der Invalidenversicherung veranlasste polydisziplinäre Gutachten (
Urk.
3/2). Die Gutachter
stellten
zusammenfassend folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 10
Ziff.
4.2.1):
-
Verdacht auf ein protrahie
rtes
postkommotionelles
Syndrom, EM August 2017
-
anamnestisch: Sturz von Deckenanteilen auf Kopf im August 2017, kurze Bewusstlosigkeit, seither konstantes Benommenheitsgefühl, Kon
zen
trationsstörungen,
Fatigue
, Schwindel
-
klinisch: D
iskreter
Downbeatnystagmus
, ansonsten kein fokal-neu
rolo
gisches Defizit
-
diagnostisch: Vestibuläre Batterie März 2019 ohne Hinweise auf ein relevantes peripher-vestibuläres Defizit/EEG März 2019: Normale Grundaktivität. Zeichen von Schläfrigkeit. Kein sicherer Herdbefund.
Keine epileptischen Potentiale
-
chronische Kopfschmerzen mit Migräne ohne Aura, EM unbekannt
-
aggraviert
seit Februar 2019
-
Aggravation durch einen
drug-induced
headache
(Medikamenten
über
konsum-Kopfschmerz)
Zur Frage, ob die gesundheitlichen Beschwerden (Kopfweh, Schwindel, Übelkeit
, Benommenheitsgefühl, Konzentrationsstörungen, erhöhter Schlafbedarf,
Fatigue
, Tagesmüdigkeit, etc.) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zumindest teilweise
durch den Unfall vom 2
9.
August 2017 verursacht seien, führten die Gutachter aus
, dass das Beschwerdebild der chronischen Kopfschmerzen und des Schwindels über
wiegend
wahrscheinlich
auf das Unfallereignis im August 2017 zurückzu
führen sei, da vorgängig keine Akten mit diesen Beschwerden vorlägen und
der Explorand
eigenanamnestisch auch berichtet habe, dass er die Beschwerden erst seit dann habe. Somit fänden sich keine Hinweise für einen anderen chrono
lo
gischen Verlauf.
Berücksichtige man die Aktenlage, so
seien
die aktuellen Be
schwerden (Kopfschmerzen, Schwindel) auch durch die betreuenden Ärzt
e (zum Beispiel Prof.
C._
) als
postkommotionelle
Beschwerden gesehen
worden
, das heisse
,
sie seien
im Rahmen des Unfalles angesehen worden (S. 14 Mitte).
3.
1
3
Dr.
B._
führte in seiner neurologischen Beurteilung vom
5.
Oktober 2020 (
Urk.
9/66) aus, dass sich der Beschwerdeführer laut
Schadenmeldung vom
9.
April 2018 am 2
9.
August 2017
eine Schädelprellung zugezogen habe. Einen Monat später habe er sich erstmals bei seinem Hausarzt vorgestellt und über Müdigkeit, rezidivierende Übelkeit und Oberbauchbeschwerden geklagt. In der
Dokumentation des Hausarztes werde ausdrücklich erwähnt, dass der Beschwer
deführer nicht bewusstlos gewesen sei
und
anschliessend
auch keine speziellen Nackenbeschwerden gehabt habe. Weiter sei der Unfall
ein knappes Jahr später
im Aussendienstberi
cht vom 1
0.
August 2018 beschrie
ben.
Eine Bewusstlosigkeit
sei nicht erwähnt worden, ebenso wenig eine Amnesie für das Ereignis oder andere
Brückensymptome einer leichten traumatischen Hirnverletzung. Die Polizei sei nicht gerufen worden, und er habe seine angestammte Tätigkeit ohne Einschrän
kungen fortsetzen können
(S. 5 unten f.)
. Allerdings hätten ein Schwindelgefühl sowie eine Übelkeit seinen Alltag begleitet, sodass er sich schliesslich einen Monat später an den Hausarzt gewandt hätte.
Dr.
B._
hielt fest, d
ie beiden
zeitnächsten zum Unfall erstellten Dokumenta
tionen zum Unfallgeschehen
liessen
darauf schliessen
, dass eine Schädelprellung ohne
behandlungsbedürftige
äussere Verletzungen und ohne Hinweise für eine leichte traumatische Hirnverletzung (Commotio cerebri) stattgefunden habe
(S. 6 oben)
.
Erst eineinhalb Jahre s
päter gehe aus dem am 2
5.
Februar 2019 dokumentierten Bericht der Sprechstunde des interdisziplinären Zentrums für Schwindel des
Spital
s
D._
erstmals hervor, dass der Beschwerdeführer beim Unfall vom 2
7.
August 2017 kurz bewusstlos gewesen sein soll, woraus dann geschlossen werde, dass er eine leichte traumatisches Hirnverletzung (Commotio cerebri) erlitten habe und die nach wie vor vorliegenden Beschwerden als
postkommotionelles
Syndrom zu wer
t
en seien (S. 6
Mitte
).
Dr.
B._
führte aus, dass
selbst wenn dem so wäre und der
Beschwerdeführer
aus nicht verständlichen Gründen die Bewusstlosigkeit initial verschwiegen habe, davon auszugehen wäre, dass die Folgen der
v
ermuteten traumatischen Hirnver
letzung spätestens ein halbes Jahr nach dem Unfall nach aller Erfahrung abge
klungen seien.
Unterstützt
werde
dies durch mehrere Schädel-MRIs, die zu keinem Zeitpunkt irgendwelche strukturellen
Traumafolgen
am Gehirn des
Beschwerdeführers ge
zeigt
hätten. Der darin erhobene Befund mit dem dringenden Verdacht auf ein
low
-grad
e
Gliom stehe in keinem Zusammenhang zum Trauma (S. 6 Mitte).
Hinsichtlich der Argumentation des Rechtsanwaltes des
Beschwerdeführers
, wo
nach dieser unter dem typischen
postkommotionellen
Beschwerdebild mit Kopf
schmerzen, Schwindel, Übelkeit, Schwäche, Müdigkeit, Konzentrations- und Ge
dächtnisstörungen leide, weshalb er auch eine Commotio cerebri erlitten haben müsse, werde auf die Literatur verwiesen. Die Entit
ät eines «
postkommotionellen
Syn
droms» sei demnach umstritten. Danach seien die Symptome eines
post
kom
motionellen
Syndroms nicht spezifisch für eine leichte traumatische Hirnver
letzung (S. 6 unten).
Abschliessend hielt
Dr.
B._
fest
, die am 1
9.
April 2018 erstmals gemeldeten klinischen Beschwerden des
Beschwerdeführers seien
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht auf den Unfall vom 2
9.
August 2017 zurückzuführen (S. 7 oben).
3.
14
In seiner Stellungnahme vom 1
4.
Januar 2021 (
Urk.
11) führe
Dr.
B._
zum
Gutachten der
N._
AG MEDAS
aus, dass ab Zeitpunkt des Unter
su
chungsberichts von Prof.
C._
vom 2
5.
Februar 2019 von einem «Verdacht auf ein protrahiert
postkommotionelles
Syndrom» gesprochen werde. Prof.
C._
bez
iehe sich dabei auf die erstmals geäusserte Aussage des
Beschwer
de
führers
, bei
m
Unfall vom 2
9.
August 2017
kurz bewusstlos gewesen zu sein. Diese Verdachtsdiagnose halte sich in sämtlichen darauffolgenden Berichten, unabhän
gig vom Autor und werde auch im MEDAS-Gutachten übernommen. Sie werde zu keinem Zeitpunkt mehr hinterfragt.
Eine
stattgehabte Bewusstlosigkeit
sei
jedoch wesentlicher Begründungsfaktor für die Diagnose eines «
postkommotionellen
Syndroms». Ohne dass eine Bewusst
losigkeit stattgefunden habe oder wenigstens eine kurzfristige Amnesie vorliege, könne keine Commotio cerebri (leichte traumatische Hirnverletzung
)
diagnos
ti
ziert werden und ohne Commotio cerebri auch kein
postkommotionelles
Syndrom (
S. 2 Mitte).
W
enn eine Bewusstlosigkeit vorgelegen hätte,
hätten die angeblich anwesenden
Kollegen des
Beschwerdeführers
mit an Sicherheit grenzender Wahr
scheinlichkeit den Rettungsdienst benachrichtigt, um sich nicht dem Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung auszusetzen
,
und der
Beschwerdeführer
wäre auch nicht einfach «zur Tagesordnung» übergegangen. Zudem wäre er sicherlich auch von seiner Lebensgefährtin zur medizinischen Untersuchung aufgefordert worden (S. 2 unten). All dies sei nicht geschehen, und der Beschwerdeführer
habe
sich auch erst einen Monat später
mit den bekannten unspezifischen Symptomen
in hausärztlic
he Behandlung begeben
. Damit sei auch die im MEDAS-Gutachten
übernommene Verdachtsdiagnose eines «prolongierten
postkommotionellen
Syn
droms
» ohne Substanz
(S. 3 oben).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin
verneinte
gestützt auf die neurologische Beurteilung von
Dr.
B._
vom
5.
Oktober 2020
sowie seine ergänzende Stellungnahme vom 1
4.
Januar 2021
(vorstehend E. 3.
13-14)
eine Leistungspflicht
aus dem Ereignis
vom 2
9.
August 2017
für die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Be
schw
er
den
(vorstehend E. 2.1
, E. 2.3, E. 2.5
).
Dagegen machte der Beschwerdeführer geltend, infolge des Unfalles vom 2
9.
August 2017 an einem
postkommotionellen
Syndrom zu leiden (vorstehend E. 2.2
, E. 2.4
).
4.
2
Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts erfolgt die Diagnose einer Commotio cerebri beziehungsweise einer leichten traumatischen Hirnverletzung
aufgrund bestimmter Symptome nach kranialen Traumen und bedeutet nicht schon, dass eine objektiv nachweisbare Funktionsstörung vorliegt. Eine Commotio cerebri ist ein Zustand vorübergehender, schnell reversibler neurologischer Dysfunktion, der mit kurzzeitiger Bewusstlosigkeit kurz nach der Verletzung einhergeht. Der Ver
letzte hat oft eine Amnesie für die Zeit der Verletzung und/oder für die Zeit vor der Verletzung. Es bestehen aber keine neurologischen Auffälligkeiten. Zur Beja
hung eines Schädel-Hirntraumas ohne organisch nachweisbare (objektivierbare) Funktionsausfälle ist ausschlaggebend, ob sich innert der Latenzzeit von 24 bis 72 Stunden nach dem Unfall im Rahmen des typischen, bunten Beschwerdebildes auch Kopfschmerzen manifestierten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_14/2021 vom
3.
Mai 2021 E. 4.2.1 mit Hinweisen
).
Wie
Dr.
B._
in seiner Stellungnahme vom 1
4.
Januar 2021 (vorstehend E.
3.
1
4
)
korrekt
ausführte, setzt die Annahme einer
Commotio cerebri eine kurz
zeitige Bewusstlosigkeit voraus
, was auch für
die Annahme eines allenfalls nach einer Commotio cerebri resultierenden
postkommotionelle
n
Syndroms zu gelten
hat.
4.
3
Aus den vorliegenden Akten ergibt sich, dass der Beschwerdegegnerin das Ereig
nis vom 2
9.
August 2017 erst
am
9.
April 2018 und damit
gut
sieben
Monate
nach dem
Unfall gemeldet wurde
. Die ab dem 1
7.
Oktober 2017 eingetretene Arbeitsunfähigkeit sowie die durch den Hausarzt
Dr.
Z._
nach der erstmaligen Konsultation des Beschwerdeführers am 2
8.
September 2017 initiierten Abklä
rungen liefen über die Krankenversicherung (vgl.
Urk.
9/39).
Dr.
Z._
hielt in
seinem Bericht vom
9.
Mai 2018
(vorstehend E.
3.
3
)
fest, dass eine Schädelkont
usion stattgefunden habe
,
in deren Folge
keine Bewusstlosigkei
t
eingetreten sei. Unmittelbar nach dem Unfall seien auch keine speziellen Nacken
beschwerden aufgetreten. Der Beschwerdeführer habe über Müdigkeit, rezidivie
rende Übelkeit und Oberbauchbeschwerden geklagt.
Dass er über Kopfschmerzen geklagt hätte, lässt sich dem Bericht
ebenfalls
nicht entnehmen.
Zudem verneinte der Hausarzt die Frage, ob die erhobenen Befunde mit dem vom Patienten geltend gemachten Ereignis vereinbar seien und plausibel erschienen
.
Die
in der Folge veranlassten
umfassenden bildgebenden Abklärungen
des Schä
dels
(
Urk.
9/8-9
,
Urk.
9/10
) ergaben sodann keine Hinweise auf eine traumatische
Läsion
(vgl. vorstehend E. 3.1-2 und E. 3.4)
, weshalb Kreisärztin
Dr.
A._
in ihren
Stellungnahme
n
vom 1
5.
November 2018
und vom
4.
Dezember 2019
im Einklang
mit dem erstbehandelnden Arzt
Dr.
Z._
nachvollziehbar und in Über
einstimmung mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (E. 4.2)
auf
eine ein
fache Schädelkontusion ohne eine traumatische strukturelle intrakranielle Läsion schloss, welche in der Regel innerhalb von ein paar Tagen oder Wochen folgenlos abheile (vorstehend E. 3.5 und E. 3.
10
).
Bezeichnenderweise wurde denn auch
in keinem der Berichte über die radiologischen Abklärungen ein Schädelhirntrauma mit Bewusstlosigkeit
und initialen Kopfschmerzen
als Indikation
genannt
, son
dern einzig unklare Schwindelbeschwerden
(
Urk.
9/8-9,
Urk.
9/19).
Auch im Bericht zur ein Jahr nach dem Unfall erfolgten Besprechung mit der Beschwerdegegnerin vom
1
0.
August 2018
(
Urk.
9/22)
erwähnte
der Beschwerde
führer bei
der Unfallschilderung
keine
Bewusstlosigkeit
, konnte sich
vielmehr
daran erinnern, dass die Metallplatte nach dem Kopfanprall zunächst noch an der Verankerung hängen geblieben und danach auf den Tresen gefallen sei. Auch vermochte er sich
offensichtlich
daran zu erinnern, dass sich die Platte schwer angefühlt habe
Urk.
9/22 S. 1 Mitte)
, was mit der nunmehr behaupteten Bewusst
losigkeit
, welche -
wenn überh
aupt -
wohl unmittelbar auf den Kopfanprall ein
getreten wäre,
schwer zu vereinbaren ist
.
Die Begründung des Beschwerdeführers, dass er als medizinischer Laie der Be
wusstlosigkeit keine Bedeutung zugemessen habe, weshalb er diese erstmals auf die gezielte Befragung durch den Neurologen Prof.
C._
im Februar 2019 (vorstehend E. 3.
6
) erwähnt habe (
vorstehend E. 2.2 und E. 2.4
), überzeugt nicht. Soweit
damit
im Bericht von Prof.
C._
und
Dr.
K._
vom 2
5.
Februar
2019 (vorstehend E. 3.
6
)
rund eineinhalb Jahre nach dem
Ereignis vom 2
9.
August
2017
und
nach
am
2
2.
November 2018 ergangener Mitteilung
der Beschwerde
gegnerin
, wonach sie
eine Leistungspflicht ver
n
eine
(
Urk.
9/31)
,
erstmals
von einer kurzen Bewusstlosigkeit gesprochen w
ird
, ist darauf hinzuweisen, dass die Gerichte
praxisgemäss im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die sogenannten spontanen «Aussagen der ersten Stunde» abstellen, denen in be
weismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungs
recht
licher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 143 V 168 E. 5.2.2, 121 V 45 E. 2a, je mit Hinweisen).
Wie
Dr.
B._
zu Recht in seiner Stellungnahme vom 1
4.
Januar 2021 (vor
stehend E. 3.14) bemerkte, basierte die in den nachfolgenden Berichten von
Dr.
phil.
L._
und Prof.
E._
vom 2
0.
Mai 2019 (vorstehend E. 3.7)
sowie
von
Dr.
M._
und PD
Dr.
F._
vom 2
3.
August
und vom 1
5.
Oktober 2019 (vorstehend E. 3.8-9) gestellte Diagnose eines Verdachts auf ein protrahiertes
postkommotionelles
Syndrom respektive persistierender posttraumatischer Be
schwer
den nach Commotio cerebri auf der unkritischen Übernahme der von Prof.
C._
gestellten Verdachtsdiagnose
und
darauf, dass
nicht weiter hinterfrag
t
die vom Beschwerdeführer angegebene kurzzeitige Bewusstlosigkeit übernom
m
en worden ist.
Auch
die durch den Beschwerdeführer initiierte Aussage von
Dr.
Z._
in seinem Schreiben vom 1
6.
März 2020 (vorstehend E. 3.11), wonach entgegen seinen ursprünglichen Angaben (vorstehend E. 3.3) nun doch eine Bewusstlosigkeit vor
gelegen haben soll,
lässt nicht auf eine überwiegend wahrscheinlich stattgehabte Bewusstlosigkeit schliessen
.
Abgesehen davon
,
dass
diese nachträgliche Aussage aufgrund der
Erfahrungstatsache, wonach behandelnde Ärzte mitunter im Hin
blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc),
ohnehin zu relativieren ist
, sah sich
Dr.
Z._
offensichtlich einzig gestützt auf die nunmehrige Angabe des Beschwerdeführers
dazu veranlasst
und nicht
aufgrund eines
entsprechenden
Eintrags in der Krankenakte
.
Damit er
scheint
es
als nicht überwiegend w
ahrscheinlich, dass der Beschwer
de
führer
im Zusammenhang mit dem
Ereignis vom 2
9.
August 20
17 kurz be
wusst
los gewesen ist
.
Sodann
lassen die zum Unfall zeitnächsten medizinischen Akten
(E. 3.1-3.3)
noch nicht einmal darauf
schliessen, das
s sich in der Latenzzeit von 24
bis 72 Stunden Kopfschmerz
e
n manifestierten
(E. 4.2)
,
weshalb
eine am 2
9.
August 2017 erlittene Commotio cerebri und ein in der Folge aufgetretenes
postkommotionelle
s
Syndrom nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen sind.
Aus den genannten Gründen kann der Beschwerdeführer auch aus den
Au
s
führungen der Gutachter
der
N._
AG MEDAS
in ihrem Gutachten vom 2
7.
September 2020 (vorstehend E. 3.12) nichts zu seinen Gunsten ableiten, gingen diese doch von einer nach dem Ereignis vom 2
9.
August 2017 kurzfristig eingetretenen Bewusstlosigkeit aus
, ebenfalls ohne dieses zu hinterfragen
.
Im Übrigen sind
deren
Ausführungen zur Unfallkausalität der Beschwerden
ent
sprechend der Argu
mentation nach der Formel «
post
hoc ergo
propter
hoc», nach deren Bedeutung eine gesundheitliche Schädigung schon dann als durch den Unfall verursacht gilt, weil s
ie nach diesem aufgetreten ist,
beweis
rechtlich nicht zulässig und vermögen
zum Nachweis der Unfallkausalität
ebenfalls
nicht zu genügen (BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
, Urteil des Bundesgerichts 8C_332/2013 vom 25. Juli 2013 E. 5.1).
Sodann finden sich in den Akten Hinweise, wonach
der Beschwerdeführer bereits vor dem Unfall an Schwindel und Kopfschmerzen litt
.
U
nabhängig davon, ob es sich bei den Ausführungen von
Dr.
I._
vom
1
1.
Dezember 2017
(vorstehend E. 3.
1
), wonach die Beschwerden seit Anfang des Jahres bestehen würden, u
m einen
Verschreiber
handelt
(vorstehend E.
2.4),
äusserte
der Beschwerdeführer
unter anderem auch
gegenüber den Fachpers
onen der Klinik für Neurologie,
Spital D._
, im Mai 2019
(vorstehend E.
3.7)
, bereits vor dem Unfall unter sporadischem Schwindel und Migräne gelitten
zu
habe
n
.
Dadurch sei es auch zum Unfallereignis gekommen, da er sich aufgrund von akutem Schwind
el an eine Wand habe
anlehnen müssen.
Abschliessend ist festzuhalten, dass
sich keine Zweifel an den
Beurteilungen
von
Dr.
B._
vom
5.
Oktober 2020 und vom 1
4.
Januar 2021 (vorstehend E. 3.13-1
4)
aufdrängen
und damit davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer am
2
9.
August 2017 eine einfache Schädelkontusion erlitten hat, welche innert kurzer
Zeit folgenlos abgeheilt ist.
Für die Annahme einer richtungsgebenden Ver
schlimmerung einer vorbestehenden Gesundheitsschädigung fehlt es sodann bereits an einem ärztlicherseits bestätigten hierfür massgeblichen Substrat.
Von der beantragten
Zeugenbefragung
sind keine zusätzlichen Erkenntnisse dazu zu erwarten, weshalb darauf
in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mi
t Hinweisen) zu verzichten ist.
Angesichts der langen Latenzzeit bis zur erstmaligen Dokumentierung einer
angeblichen
Bewusstlosigkeit im Bericht des
Spital
s
D._
vom 2
5.
Februar 2019 (E. 3.6), wo der Beschwerdeführer
erst
nach Erhalt
des
leistungsablehnenden
Schreibens der Beschwerdegegnerin vom 2
2.
Novem
be
r 2018 (
Urk.
9/31/2-3) und eine Woche nach Mandatierung seines Rechts
vertreters (vgl. Vollmacht:
Urk.
4) untersucht wurde, liess
en
sich
die Zweifel an der behaup
teten
Bewusstlosigkeit
im Lichte des augenfälligen zeitlichen Ablaufs
auch durch entsprechende Zeugenaussagen nicht
aus dem Weg räumen.
Sodann verlangt
die Diagnose einer Commotio cerebri nicht nur nach einer kurz
zeitigen Bewuss
t
losigkeit. Vielmehr liegt oft
eine Amnesie für die Zeit de
r Ver
letzung oder davor vor
, woran es im vorliegenden Fall bezeichnenderweise ebenfalls fehlt.
Ausserdem
liegt auch keine ärztliche Dokumentation vor, wonach sich innert 24 bis 72 Stunden Kopfschmerzen manifestiert hätten (E. 4.2), was der Annahme einer entsprechenden Verletzung selbst bei Vorliegen einer kurzen Bewusstlosigkeit entgegenstünde.
4.
4
Aufgrund des Gesagten erweist es sich als nicht überwiegend wahrscheinlich, dass
der Beschwerdeführer infolge des Ereignisses vom 2
9.
August 2017 eine Commo
tio
cerebi
mit nachfolgendem
postkommotionellen
Syndrom erlitten hat.
Auch lässt sich eine unfallbedingte Verschlechterung eines allfälligen Vorzustandes nicht erstellen.
Damit mangelt es bereits am natürlichen Kausalzusammenhang
zwischen den
geltend gemachten Beschwerden und dem Unfallereignis vom 2
9.
August 2017 weshalb sich die Adäquanzprüfung erübrigt.
Die Beschwerdegegnerin trifft folg
lich keine Leistungspflicht.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) erweist sich als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.