Decision ID: 129241ec-9234-53c8-a93e-ac3f42a35247
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 17. Oktober 2016 in der Schweiz um
Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 24. Oktober
2016 und der Anhörung vom 26. September 2019 machte er im Wesentli-
chen folgendes geltend:
Er sei tamilischer Ethnie und stamme aus B._, Distrikt Jaffna. Zu-
letzt habe er mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern in C._
– (...) – gelebt. Die Schule habe er im Jahr (...) mit dem O-Level abge-
schlossen. In der Folge habe er im Jahr (...) begonnen, für die Liberation
Tigers of Tamil Eelam (LTTE) Aufgaben zu verrichten. Er habe beispiels-
weise Flugblätter und Essen verteilt und an Propaganda-Anlässen teilge-
nommen. Daneben habe er geholfen, in Altersheimen und Waisenhäusern
der LTTE die Insassen zu betreuen. In einem der Heime habe er seine
zukünftige Frau kennengelernt. Nach der Heirat am (...) habe er ein Drei-
radtaxi und einen Van gekauft, mit welchen er Fahrten für die Bewegung
getätigt habe. Zudem sei er als Informant eingesetzt worden, wobei er über
die Situation in Jaffna habe informieren müssen. Nach der Geburt seines
ersten Sohnes sei er im Jahr (...) für ungefähr ein Jahr nach Katar gegan-
gen, um sich von der Bewegung zu distanzieren. Dort habe er als Gärtner
gearbeitet. Nach seiner Rückkehr Ende (...) – wobei die Einreise völlig
problemlos vonstattengegangen sei – habe er erneut für die LTTE gearbei-
tet. Später habe er für die Tamil National Alliance (TNA) Flugblätter verteilt
und Personen transportiert. Daneben habe er im Geschäft seines Vaters
gearbeitet.
Im (...) 2016 habe er anlässlich eines Fussballturniers rein zufällig einen
alten Bekannten, welcher mit ihm einst für die LTTE tätig gewesen sei, ge-
troffen. Etwa zehn Tage nach diesem Treffen hätten Beamte des Criminal
Investigation Department (CID) respektive unbekannte Personen bei ihm
zuhause nach ihm gesucht. Er habe zu diesem Zeitpunkt gearbeitet und
sei nicht zuhause gewesen. In der Folge sei weitere Male bei ihm zuhause
nach ihm gesucht worden, er sei jedoch jeweils nicht anwesend gewesen.
Man habe ihn zudem für Befragungen vorgeladen. Aus Angst, festgenom-
men und in ein Rehabilitationszentrum gebracht zu werden, habe er sich
versteckt. In D._ habe er Kontakt mit einem Schlepper aufgenom-
men, welcher seine Ausreise organisiert habe. Am (...) 2016 habe er Sri
Lanka mit seinem echten Reisepass über den Flughafen Colombo verlas-
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sen und sei mit dem Flugzeug nach Thailand gereist. Nach weiteren Zwi-
schenlandungen sei er nach Europa gelangt. Mit dem Zug und einem Taxi
sei er am 14. Oktober 2016 schliesslich in die Schweiz eingereist. Nach
seiner Ausreise sei er wiederholt bei seinen Eltern und Schwiegereltern
gesucht worden. Bei einem dieser Besuche habe man seiner Tante /
Schwiegermutter auf den Hinterkopf geschlagen, wobei sie ums Leben ge-
kommen sei.
A.b Mit schriftlicher Eingabe vom 21. Juni 2017 ergänzte der Beschwerde-
führer seine Asylgründe. Darin führte er aus, von (...) LTTE-Mitglied gewe-
sen zu sein. Ab dem Jahr 2008 sei er vom CID in unregelmässigen Abstän-
den zuhause gesucht worden. Da er sich in einer anderen Ortschaft ver-
steckt habe, sei er nie in Kontakt mit den Beamten gekommen; seine Frau
und sein Vater seien jedoch bedroht und aufgefordert worden, seinen Auf-
enthaltsort preiszugeben. Es sei auch zu Hausdurchsuchungen gekom-
men. Ab dem Jahr 2009 hätten die Besuche des CID abgenommen und er
sei wieder zu seiner Familie zurückgekehrt.
B.
Mit Verfügung vom 15. November 2019 verneinte die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte sein Asylgesuch ab.
Gleichzeitig verfügte sie seine Wegweisung aus der Schweiz und ordnete
den Vollzug an. Die Asylvorbringen wurden als unglaubhaft erachtet.
C.
Mit Urteil E-6740/2019 vom 19. August 2020 wies das Bundesverwaltungs-
gericht die am 19. Dezember 2019 gegen die Verfügung vom 15. Novem-
ber 2019 erhobene Beschwerde ab, wobei es die vorinstanzlichen Erwä-
gungen stützte.
D.
Am 22. April 2021 reichte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz ein als
"Asylgesuch resp. Mehrfachgesuch" bezeichnetes Schreiben ein. Zur Be-
gründung führte er aus, die Sicherheits- und Menschenrechtslage in Sri
Lanka habe sich aufgrund der Machtübernahme des Rajapaksa-Clans am
17. November 2019 erneut verschlechtert. Die Unterdrückung von Minder-
heiten und Andersdenkender sei intensiviert worden, wobei insbesondere
die spezifische Gefährdungslage des Beschwerdeführers aufgrund dieser
Ereignisse und seines Risikoprofils wesentlich erhöht worden sei. Bei einer
Rückkehr würde er verhaftet werden. Es sei ihm deshalb Asyl zu gewähren.
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Zur Untermauerung seines Gesuchs reichte der Beschwerdeführer 6 län-
derspezifische Berichte zu den Akten (vgl. act. 1094355-1/121, Beweismit-
telverzeichnis S. 18).
E.
Mit Verfügung vom 12. Mai 2021 (eröffnet am 17. Mai 2021) trat die Vor-
instanz auf das Wiedererwägungsgesuch nicht ein, verfügte die Wegwei-
sung aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an.
F.
Mit Eingabe vom 21. Mai 2021 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die Verfügung der Vor-
instanz sei aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung (mit der Anwei-
sung auf das Gesuch einzutreten und die vorgebrachten Gründe und Be-
weismittel materiell zu behandeln) an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzu-
stellen sowie ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. Sub-eventualiter sei
die Unzulässigkeit und/oder die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzu-
ges festzustellen und die vorläufige Aufnahme zu verfügen. Die kantonale
Migrationsbehörde sei anzuweisen, den Vollzug der Wegweisung auszu-
setzen. Es sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und auf die
Erhebung der Gerichtskosten zu verzichten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer
ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48
VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist – vor-
behältlich nachfolgender Erwägungen – einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG
und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Vorinstanz hat die Eingabe des Beschwerdeführers vom 21. Mai 2021
als weiteres Asylgesuch (Mehrfachgesuch) entgegengenommen. Der Be-
schwerde kommt deshalb von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu
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(Art. 55 Abs. 1 VwVG). Auf das Gesuch um Aussetzung des Vollzugs ist
daher mangels Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM
ablehnt, ein Gesuch materiell zu prüfen, ist die Beurteilungskompetenz der
Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vor-
instanz zu Recht auf das Gesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/19
E. 5). Die Beschwerdeinstanz enthält sich demnach – sofern sie den Nicht-
eintretensentscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen ma-
teriellen Prüfung, hebt die angefochtene Verfügung auf und weist die Sa-
che zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2014/30
E. 3 m.w.H.). Auf das Eventualbegehren, es sei die Flüchtlingseigenschaft
des Beschwerdeführers festzustellen sowie ihm in der Schweiz Asyl zu ge-
währen, ist somit nicht einzutreten.
Die Fragen der Wegweisung und des Vollzugs prüft die Vorinstanz materi-
ell, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition
zukommt.
5.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf
Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech-
sels verzichtet.
6.
6.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, die vorab zu be-
urteilen sind, da diese bei berechtigtem Vorbringen zur Kassation der an-
gefochtenen Verfügung führen können.
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Seite 6
6.2 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Anspruchs auf rechtli-
ches Gehör gemäss Art. 29 VwVG. Die Vorinstanz habe die Gefährdungs-
lage nicht unter Würdigung aller Vorbringen und Beweismittel geprüft und
sich nicht mit sämtlichen Vorbringen auseinandergesetzt, namentlich habe
sie die längerfristigen Folgen der Machtübernahme durch den Rajapaksa-
Clan sowie der Parlamentswahl nicht berücksichtigt.
Im Weiteren fehle eine konkrete Beurteilung des Falles anhand der durch
das Bundesverwaltungsgericht vorgegebenen Risikofaktoren mit dem Re-
ferenzurteil vollständig. Diesbezüglich habe die Vorinstanz ebenfalls das
rechtliche Gehör verletzt.
Daneben habe die Vorinstanz den rechtserheblichen Sachverhalt unvoll-
ständig festgestellt, mithin Art. 12 VwVG verletzt, indem sie sich nicht mit
sämtlichen Vorbringen auseinandergesetzt habe und auf das Mehrfachge-
such nicht eingetreten sei.
6.3 Der Beschwerdeführer vermengt vorliegend den Anspruch auf rechtli-
ches Gehör gemäss Art. 29 VwVG und den Untersuchungsgrundsatz nach
Art. 12 VwVG mit der rechtlichen Würdigung der Vorbringen. Er verkennt
zudem, dass die Vorinstanz vorliegend keine materielle Prüfung der Vor-
bringen vorgenommen hat, weil sie wegen fehlender substantiierter Be-
gründung auf das Mehrfachgesuch nicht eingetreten ist. Die Vorinstanz hat
in der angefochtenen Verfügung den Sachverhalt vollständig erhoben und
rechtsgenüglich ausgeführt, weshalb sie die neuen Vorbringen als nicht
ausreichend individualisiert und insoweit nicht hinreichend begründet be-
urteilt hat. Die Rügen sind unbegründet.
7.
7.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, soweit der Beschwer-
deführer an seinen im ersten Asylgesuch geltend gemachten Asylgründen
festhalte, werde auf das rechtskräftige Urteil des BVGer E-6740/2019 ver-
wiesen, in welchem seine Vorbringen als unglaubhaft befunden, ein Risi-
koprofil verneint und sein Asylgesuch abgewiesen worden sei. Es gebe kei-
nen Anlass zur Annahme, dass ganze Volksgruppen unter Präsident Gota-
baya Rajapaksa kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt seien. Das
Verfolgungsrisiko werde im Einzelfall geprüft. Voraussetzung für die An-
nahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der Präsidentschaftswahlen vom
16. November 2019 sei ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Person
zu eben diesem Ereignis respektive dessen Folgen. Dafür reiche es nicht
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aus, pauschal auf politische Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit o-
der mögliche Zukunftsszenarien zu verweisen und dazu allgemeine Be-
weismittel einzureichen. Stattdessen sei eine hinreichende Subsumption
im Einzelfall notwendig. Eine solche sei vorliegend nicht überzeugend dar-
getan worden. Da zwischen dem Beschwerdeführer und den jüngsten Ent-
wicklungen in Sri Lanka kein hinreichender Bezug bestehe, sei dieses Vor-
bringen im Sinne von Art. 111c Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG
nicht gehörig begründet. Auf das Mehrfachgesuch sei folglich nicht einzu-
treten.
7.2 In der Rechtsmitteleingabe beschränkt sich der Beschwerdeführer im
Wesentlichen darauf, den aktenkundigen Sachverhalt zu wiederholen, er-
neut die allgemeine Lage in Sri Lanka ohne individualisierten Bezug zu ihm
aufzuführen und ohne weitere Begründung darauf zu beharren, das Mehr-
fachgesuch sei ausreichend begründet worden. Damit legt er indes nicht
dar, inwiefern die Vorinstanz zu Unrecht von einem unzureichend begrün-
deten Mehrfachgesuch ausgegangen und insoweit zu Unrecht auf das Ge-
such nicht eingetreten ist. Die Vorinstanz hat zutreffend festgestellt, der
Beschwerdeführer habe in seiner Eingabe vom 21. Mai 2021 in Bezug auf
die aktuelle Lageentwicklung in Sri Lanka im Nachgang zu den Präsident-
schaftswahlen im Herbst 2019 keine konkrete ihn betreffende Gefähr-
dungssituation dargetan. Gemäss Rechtsprechung gelten im Rahmen von
Mehrfachgesuchen erhöhte Formerfordernisse (vgl. BVGE 2014/39
E. 4.3). Mit dem Mehrfachgesuch vom 21. Mai 2021 ist der Beschwerde-
führer diesen – wie vorstehend dargelegt – nicht nachgekommen. Die Vor-
instanz ist somit zu Recht auf das Mehrfachgesuch mangels gehöriger Be-
gründung der neuen Asylvorbringen in Anwendung von Art. 111c AsylG
Abs. 1 i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht eingetreten.
8.
8.1
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der
Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AlG).
9.2.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AlG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AlG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.2.3 Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder
der Ausländer weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in
einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83
Abs. 2 AlG).
9.3 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri
Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
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nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka
lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts nicht als un-
zulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 E. 12.2 sowie statt vieler Urteil BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020
E. 9.2). Es ergeben sich aus den Akten auch keine konkreten Hinweise
darauf, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die
über einen so genannten «Background Check» (Befragung und Überprü-
fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass
er persönlich gefährdet wäre. Daran vermögen der Regierungswechsel
vom November 2019 sowie die seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts
zu ändern. Der Wegweisungsvollzug erweist sich somit nach wie vor als
zulässig.
9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
Was die Zumutbarkeit des Vollzugs betrifft, so ist mit der Vorinstanz auf
die Ausführungen im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
E-6740/2019 vom 19. August 2020 zu verweisen. In diesem rechtskräftig
abgeschlossenen Verfahren hat sich das Gericht bereits mit der Frage der
Zumutbarkeit auseinandergesetzt und diese bejaht (E. 8.6). Auf Beschwer-
deebene macht der Beschwerdeführer nichts geltend, das eine andere Be-
trachtungsweise aufdrängen würde. Auch die verschärften ethnischen und
religiösen Spannungen während des jüngsten Wahlkampfes und des Re-
gierungswechsels vom November 2019 sowie die aktuelle Situation in Sri
Lanka ändern nichts an dieser Beurteilung. Der Vollzug der Wegweisung
erweist sich nach wie vor als zumutbar.
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9.5 Ferner obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Ver-
tretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedoku-
mente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung nach wie vor auch
als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten ist.
11.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtpflege ist abzuweisen, da die Begeh-
ren, wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, als aussichtslos
zu bezeichnen sind. Die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG sind
somit – ungeachtet der geltend gemachten Bedürftigkeit – nicht erfüllt.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und praxisgemäss auf insgesamt
Fr. 1’500.– festzusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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