Decision ID: 1e902303-0ca0-4ace-a99a-83949511439f
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
betreffend vorsorgliche Massnahmen im Eheschutzverfahren
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Zürich, 4. Abteilung, vom 2. Dezember 2011 (EE110309)
Rechtsbegehren vorsorgliche Massnahmen: (Urk. 3/12 S. 1)
"1. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin für sich und die Kinder, C._ und D._, beide geboren am tt.mm.2002, für die Dauer des Eheschutzverfahrens monatliche, monatlich im  zahlbare Unterhaltsbeiträge von CHF 3'250.–, wovon je CHF 1'125.– für die Kinder und CHF 1'000.– für die Klägerin persön-
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lich, erstmals ab 1. August 2011, je zuzüglich Kinder- /Familienzulagen zu bezahlen.
2. Der Beklagte sei für berechtigt zu erklären, die Kinder bereits für die Dauer des Eheschutzverfahrens jedes zweite Wochenende von Freitagabend 19.00 Uhr bis Sonntagabend 18.00 Uhr auf  Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.)  des Beklagten, wobei deren Regelung für das vorliegende Massnahmeverfahren für den Endentscheid im bei Ihrem Gericht hängigen Eheschutzverfahren der Parteien vorzubehalten sei."
Rechtsbegehren superprovisorische Massnahmen: (Urk. 3/16 S. 2)
"1. Der Beklagte sei zu verpflichten, mit sofortiger Wirkung der  für sich und die Kinder, C._ und D._, beide geboren am tt.mm.2002, für die Dauer des Eheschutzverfahrens , monatlich im Voraus zahlbare Unterhaltsbeiträge von CHF 3'250.–, wovon je CHF 1'125.– für die Kinder und CHF 1'000.– für die Klägerin persönlich, je zuzüglich Kinder- /Familienzulagen zu bezahlen.
2. Diese Verfügung sei bis zu einem definitiven Entscheid aufrecht zu erhalten (alles im Sinne von Art. 265 ff. ZPO).
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.)  des Beklagten, wobei deren Regelung für das vorliegende Massnahmeverfahren für den Endentscheid im bei Ihrem Gericht hängigen Eheschutzverfahren der Parteien vorzubehalten sei."
Verfügung des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Zürich, 4. Abteilung, vom 2. Dezember 2011 (EE110309):
" Es wird verfügt:
1. Auf die Begehren der Gesuchstellerin um Anordnung vorsorglicher
Massnahmen und superprovisorischer Massnahmen in Bezug auf
die Unterhaltsbeiträge wird nicht eingetreten.
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2. Das Begehren der Gesuchstellerin um Anordnung vorsorglicher
Massnahmen in Bezug auf das Besuchsrecht wird abgewiesen.
3. Die Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen bleibt dem
Endentscheid vorbehalten.
4. (Mitteilung)
5. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
der Gesuchstellerin und Berufungsklägerin (Urk. 1 S. 2):
" 1. In Aufhebung von Dispositiv Ziffer 1 sei die Vorinstanz anzuweisen, auf das
Begehren um Anordnung von vorsorglichen Massnahmen und von  Massnahmen in Bezug auf die Unterhaltsbeiträge . Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten des Beklagten."
" 1. Der Berufungsklägerin sei für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche
Rechtspflege im Sinne von Art. 118 Abs. 1 lit. a und b ZPO zu gewähren. 2. Der Berufungsklägerin sei für das vorliegende Verfahren in der Person ihres
derzeitigen Rechtsvertreters eine unentgeltliche Rechtsbeiständin im Sinne von Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO zu bestellen."
des Gesuchsgegners und Berufungsbeklagten (Urk. 5 S. 2):
" 1. Es sei der Antrag der Gesuchstellerin auf Eintreten auf ihr Gesuch um vor-
sorgliche und superprovisorische Massnahmen betreffend Unterhalt .
2. Es sei das Gesuch der Gesuchstellerin um unentgeltliche Rechtspflege .
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Gesuchstellerin ( MwSt.)."
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Considerations:
Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Die Parteien stehen seit dem 8. September 2011 vor der Vorinstanz im Ehe-
schutzverfahren. Mit Verfügung vom 2. Dezember 2011 trat die Vorinstanz auf die
Begehren der Gesuchstellerin und Berufungsklägerin (fortan Gesuchstellerin) um
Anordnung vorsorglicher Massnahmen und superprovisorischer Massnahmen in
Bezug auf die Unterhaltsbeiträge nicht ein.
1.2. Hiergegen erhob die Gesuchstellerin am 19. Dezember 2011 rechtzeitig (vgl.
Urk. 3/21/1) Berufung mit den eingangs wiedergegebenen Anträgen (Urk. 1).
1.3. Am 20. Januar 2012 erstattete der Gesuchsgegner und Berufungsbeklagte
(fortan Gesuchsgegner) innert der ihm von der erkennenden Kammer mit Verfü-
gung vom 9. Januar 2012 angesetzten Frist Berufungsantwort und stellte die vor-
stehenden Anträge (Urk. 5).
2. Materielles
2.1. Die Vorinstanz trat unter Hinweis darauf, dass gemäss der Schweizerischen
Zivilprozessordnung die Leistung einer Geldzahlung als vorsorgliche Massnahme
nur in den vom Gesetz ausdrücklich vorgesehenen Fällen verfügt werden könne,
was für die im summarischen Verfahren zu behandelnden Eheschutzprozesse
nicht der Fall sei, auf das Begehren der Gesuchstellerin um Erlass vorsorglicher
sowie superprovisorischer Massnahmen nicht ein (Urk. 2 S. 3 f.).
2.2. Die Gesuchstellerin macht geltend, die Vorinstanz verletze durch ihr Nicht-
eintreten auf die Massnahmebegehren Art. 261 Abs. 1 lit. b und Art. 265 ZPO. Die
Vorinstanz mache es sich zu leicht, wenn sie entsprechende Massnahmebegeh-
ren einfach unter Hinweis auf das summarische Verfahren "abwürge", da selbiges
mitnichten schnelles Recht bewirke. Es gehe um fundamentale Werte eines
Rechtsstaates betreffend die Durchsetzung von materiellem Recht, und die Vor-
instanz könne die Einführung der Schweizerischen ZPO per 1. Januar 2011 nicht
anführen, um die Stellung von Rechtssuchenden gegenüber dem kantonalen
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Recht massiv zu verschlechtern. Zudem weist die Gesuchstellerin auf ein Ehe-
schutzverfahren eines gewissen Ehepaares "I.-G." hin, gibt angebliche terminliche
Eckdaten desselben wieder und erklärt, summarische Verfahren könnten auf-
grund der Geschäftslast im Bezirk Zürich lange dauern (Urk. 1 S. 3 ff.).
2.3. In seiner Berufungsantwort vom 20. Januar 2012 (Urk. 5) beantragt der Ge-
suchsteller die Abweisung der Begehren der Gesuchstellerin und begründet dies
unter anderem damit, dass die Verzögerungen des vorinstanzlichen Prozesses
von der Gesuchstellerin alleine verursacht worden seien. So hätten anlässlich der
Verhandlung vom 23. November 2011 vor Vorinstanz keine Vergleichsgespräche
geführt werden können, weil die Gesuchstellerin ihre finanziellen Verhältnisse
nicht offen gelegt bzw. belegt habe. Sie habe es bei blossen Behauptungen be-
lassen. Sodann sei die Gesuchstellerin ihrer Editionspflicht nur unvollständig
nachgekommen und habe ein Konto, auf welches jeweils ein Grossteil ihrer Ein-
nahmen aus selbständiger Erwerbstätigkeit geflossen sei, völlig verschwiegen.
Die heutige Zivilprozessordnung sehe alsdann keine Möglichkeit zur Verurteilung
zu einer vorsorglichen Geldzahlung im Rahmen eines Eheschutzverfahrens vor
(Urk. 5 S. 2 ff.).
2.4.1. Eine Berufung gegen einen Entscheid betreffend superprovisorische
Massnahmen ist nicht möglich. Mit Berufung oder Beschwerde anfechtbar wird
der Entscheid erst, nachdem der Gegenpartei das rechtliche Gehör gewährt wur-
de (Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., N 20 zu Art. 265 ZPO).
Somit ist vorliegend auf die Berufung gegen das Nichteintreten der Vorinstanz auf
das Begehren der Gesuchstellerin um Erlass superprovisorischer Massnahmen
nicht einzutreten (Urk. 2 S. 3 f.).
2.4.2. Wie die Vorinstanz bereits richtig festgehalten hat, sieht die im vorlie-
genden Fall zur Anwendung kommende Schweizerische Zivilprozessordnung im
Eheschutzverfahren keine vorsorglichen Massnahmen vor (Art. 271 ff. ZPO). Dies
steht im Gegensatz zu Scheidungsverfahren (Art. 276 ZPO) oder Unterhaltskla-
gen (Art. 303 ZPO). Es handelt sich dabei nicht um eine Gesetzeslücke, werden
doch Scheidungen und Unterhaltsklagen im ordentlichen Verfahren behandelt,
während für Eheschutzbegehren das summarische Verfahren zur Anwendung
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kommt. Gemäss der Schweizerischen Zivilprozessordnung kann die Leistung ei-
ner Geldzahlung nur dann als vorsorgliche Massnahme verfügt werden, wenn
dies im Gesetz ausdrücklich so vorgesehen ist (Art. 262 lit. e ZPO). Die neue Zi-
vilprozessordnung zählt die möglichen Fälle abschliessend auf. Es besteht dem-
nach kein Raum für eine analoge Weichenstellung, da nicht anzunehmen ist, das
Gesetz sei dies bezüglich unvollständig redigiert (Botschaft zur schweizerischen
Zivilprozessordnung vom 28. Juni 2006, S. 7355). Es liegt somit keine Rechtsver-
letzung durch den vorinstanzlichen Entscheid vor. Soweit die Gesuchstellerin an-
führt, die Vorinstanz könne die Einführung der Schweizerischen Zivilprozessord-
nung per 1. Januar 2011 nicht anführen, um die Stellung von Rechtssuchenden
gegenüber dem kantonalen Recht massiv zu verschlechtern, ist ihr entgegenzu-
halten, dass sich das Gericht stets an das anwendbare Recht - vorliegend die seit
dem 1. Januar 2011 geltende Schweizerische Zivilprozessordnung - zu halten hat.
Lediglich der Vollständigkeit halber sei ausserdem angemerkt, dass der vor-
instanzliche Eheschutz - die Parteien sind auf den 14. Februar 2012 zur nächsten
Verhandlung vorgeladen (Urk. 3/22) - noch nicht übermässig lange dauert.
2.4.3. Somit ist die Berufung abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
3. Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
Dem Gesuch der Gesuchstellerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspfle-
ge für das obergerichtliche Verfahren kann angesichts der Aussichtslosigkeit des
Berufungsverfahrens nicht entsprochen werden (Art. 117 lit. b ZPO).
4. Kosten- und Entschädigungsfolgen
4.1. Die Entscheidgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von § 5
Abs. 1, § 8 Abs. 1 und § 12 Abs. 1 und 2 der Gebührenverordnung des Oberge-
richts (GebV OG) auf minimale Fr. 500.– festzusetzen und der Gesuchstellerin
aufzuerlegen, da sie vollumfänglich unterliegt (Art. 106 Abs. 1 ZPO).
4.2. Ausgangsgemäss ist die Gesuchstellerin zudem zu verpflichten, dem Ge-
suchsgegner eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen. Diese ist
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gestützt auf die Anwaltsgebührenverordnung auf Fr. 1'000.– zuzüglich Fr. 80.–
(8 % Mehrwertsteuer; vgl. Urk. 5 S. 2) festzulegen.