Decision ID: 394f6178-d88c-5060-a109-8f64e3a7b501
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die aus Eritrea stammende Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat
eigenen Angaben zufolge (...) 2015 in Richtung B._. Von dort ge-
langte sie via C._, D._ und E._ am 4. September
2015 in die Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte.
B.
Am 22. Oktober 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Am
6. Juni 2016 wurde die Anhörung zu den Asylgründen in Anwesenheit der
für die damals minderjährige Beschwerdeführerin bestimmten Vertrauens-
person (vgl. Art. 17 Abs. 3 AsylG [SR 142.31]) durchgeführt.
Dabei führte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, sie sei (...) Eth-
nie und habe seit ihrer Geburt zusammen mit ihrer Familie in F._
gelebt. Die Schule habe sie in G._ besucht und dort während der
Schulzeit im (...) gewohnt. Ihr Vater sei (...) und (...) gewesen, bis er im
Jahr 2009 aufgefordert worden sei, eine Waffe zu tragen. Da dies seiner
religiösen Gesinnung widersprochen habe, sei er aus Eritrea ausgereist.
Daraufhin hätten die Behörden eine Busse verhängt. Da die Familie diese
nicht habe begleichen können, sei es ständig zu Problemen mit der Polizei
gekommen. Zirka im Jahr 2013 habe ihre ältere Schwester eine Vorladung
erhalten und sich bei der Verwaltung gemeldet, woraufhin sie umgehend
verhaftet und für mehr als ein Jahr im Gefängnis H._ inhaftiert wor-
den sei. Nach ihrer Flucht sei sie nachhause gekommen und habe später
das Land verlassen. Deshalb hätten die Behörden wiederholt ihre gesund-
heitlich schwer angeschlagene Mutter mitgenommen. Diese sei dann ge-
gen Bürgschaft eines Verwandten wieder freigelassen worden. Dennoch
habe die Verfolgung durch die Behörden angehalten. Im (...) 2015 sei die
Beschwerdeführerin in den Semesterferien nachhause zurückgekehrt. Da-
bei habe ihr die Mutter mitgeteilt, dass ihr soeben eine sie betreffende be-
hördliche Vorladung zugestellt worden sei, wonach sie sich innert Wochen-
frist bei der zuständigen Stelle melden müsse. Diese Vorladung sei mög-
licherweise von einer bei der Verwaltung tätigen Nachbarin veranlasst wor-
den. Da sie befürchtet habe, dass ihr das gleiche Schicksal wie ihrer
Schwester widerfahren könnte, habe sie sich zur Ausreise entschieden.
Drei Tage später sei sie mit (Verwandten) und einer (...) via I._ nach
J._ gegangen, von wo sie zu Fuss nach B._ gelangt seien.
Unterwegs seien sie von einem Soldaten angehalten worden, der ihre Pas-
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sierscheine geprüft habe. Diesem hätten sie gesagt, dass sie an ihr Ur-
sprungsdorf zurückkehren würden, woraufhin er sie habe weiterziehen las-
sen und sie die Grenze illegal überquert hätten.
Zum Nachweis ihrer Identität reichte die Beschwerdeführerin eine (...) ein.
C.
Mit Verfügung vom 8. August 2016 – eröffnet am 12. August 2016 – lehnte
das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ordnete die
Wegweisung aus der Schweiz an, wobei es den Vollzug der Wegweisung
wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufschob.
D.
Mit Eingabe vom 12. September 2016 liess die Beschwerdeführerin beim
Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung des vorinstanzlichen Ent-
scheids, die Feststellung ihrer Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung
von Asyl beantragen. Ferner ersuchte sie um Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Beiordnung
ihrer Rechtsvertreterin als amtlichen Rechtsbeistand gemäss Art. 110a
Abs. 1 und 3 AsylG.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 20. September 2016 teilte der Instruktions-
richter der Beschwerdeführerin mit, dass sie den Ausgang des Verfahrens
in der Schweiz abwarten dürfe, hiess die Gesuche um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung und amtlichen Rechtsverbeiständung gut
und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-
rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
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Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG und 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der Regel in der Besetzung
mit drei Richtern oder drei Richterinnen (Art. 21 VGG), wobei gestützt auf
Art. 111a Abs. 1 AsylG auch in diesen Fällen auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet werden kann.
4.
Das SEM gab zur Begründung der ablehnenden Verfügung an, das Vor-
bringen, im (...) 2015 von den eritreischen Behörden eine Vorladung erhal-
ten und allfällige Konsequenzen befürchtet zu haben, sei nicht geeignet,
eine asylrelevante Furcht vor zukünftiger Verfolgung zu begründen. So
fehle es an objektiven Anhaltspunkten für eine ernsthafte Bedrohung in
flüchtlingsrelevantem Ausmass. Die Beschwerdeführerin habe ihre diesbe-
zügliche Befürchtung einzig mit dem Verweis auf ihre Schwester begrün-
det. Von deren Erlebnissen könne indes nicht automatisch darauf ge-
schlossen werden, dass ihr ebenfalls eine lange Inhaftierung gedroht habe.
Namentlich solle ihre Schwester im Alter von (...) Jahren eine Vorladung
erhalten haben. Demgegenüber habe die Beschwerdeführerin angegeben,
dass ihr die Vorladung ihrerseits als (...)-Jährige zugestellt worden sei. An-
gesichts ihrer damaligen Minderjährigkeit sowie der fortwährenden Schul-
pflicht sei nicht anzunehmen, dass sie von den Behörden inhaftiert und da-
nach für den Militärdienst rekrutiert worden wäre. Auch seien dem Doku-
ment gemäss ihren Aussagen inhaltlich keine Androhungen zu entnehmen
gewesen. Angesichts der fehlenden Asylrelevanz der Vorbringen könne auf
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die Prüfung der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beschwerdeführerin ver-
zichtet werden, obschon diesbezüglich explizite Zweifel anzubringen seien.
So habe sie sich bei Fragen zum zeitlichen Ablauf in wesentlichen Punkten
widersprochen und erscheine nicht plausibel, dass die Behörden sechs
Jahre nach der Ausreise des Vaters noch immer den besagten Aufwand
zur Bestrafung sämtlicher Familienmitglieder betreiben sollten. Zudem sei
zu bezweifeln, dass die bei der Verwaltung arbeitende Nachbarin gewusst
habe, wann die Beschwerdeführerin für die Semesterferien nach
F._ zurückkehren würde, und daraufhin den Versand der Vorladung
ausgelöst habe. Schliesslich lägen, ohne auf die Frage der Glaubhaftigkeit
der geltend gemachten illegalen Ausreise einzugehen, keine konkreten In-
dizien vor, die für den Falle einer Rückkehr nach Eritrea eine Verfolgung
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit nahezulegen vermöchten.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
Die Überprüfung der Akten ergibt, dass die Asylrelevanz der geltend ge-
machten Vorfluchtgründe von der Vorinstanz mit zutreffender Begründung
verneint wurde, weshalb sie diesbezüglich auf eine Prüfung der Glaubhaf-
tigkeit der Aussagen der Beschwerdeführerin verzichten konnte. Nament-
lich verneinte die Vorinstanz zu Recht das Vorliegen von objektiven An-
haltspunkten für eine ernsthafte Bedrohung der Beschwerdeführerin in
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flüchtlingsrelevantem Ausmass beziehungsweise dass aus den Erlebnis-
sen ihrer Schwester ohne Weiteres darauf geschlossen werden könne,
dass ihr selbst ebenfalls eine lange Inhaftierung gedroht hätte. So hatten
die geltend gemachten Behelligungen der Familie gemäss den Aussagen
der Beschwerdeführerin ihren Ursprung in der im Nachgang zur Ausreise
des Vaters durch die Behörden verhängten Busse (vgl. SEM-Akte [...],
[...]). Demnach wären die an ihre Schwester gerichtete Vorladung mit an-
schliessender Inhaftierung im Jahr 2013, mithin erst rund vier Jahre nach
der Verhängung der Busse erfolgt. Nach der Ausreise der Schwester, zirka
ab dem Jahr 2014, sei die Mutter der Beschwerdeführerin von den Behör-
den wiederholt mitgenommen worden (vgl. a.a.O., [...], [...]). Schliesslich
sei die Mutter freigekommen, nachdem eine Bürgschaft geleistet und die
Hälfte der Busse bezahlt worden sei, wobei ihr die Behörden auch nachher
noch Probleme gemacht hätten (vgl. a.a.O., [...], [...]). Zum einen wurden
diese Probleme von der Beschwerdeführerin anlässlich ihrer Anhörung in
lediglich pauschaler Weise vorgebracht, während sich die Rechtsmittelein-
gabe dazu mit keinem Wort äussert. Bereits aus diesem Grund erscheint
eine von der Beschwerdeführerin befürchtete Verhaftung als wenig wahr-
scheinlich, umso weniger, als die Freilassung ihrer Mutter ja durch Leistung
einer Bürgschaft und Bezahlung der Hälfte der Busse erwirkt worden sei.
Unter diesen Umständen hätten die Behörden zur Eintreibung der Restanz
an die Bürgen gelangen können, was überdies Erfolg versprechender er-
scheint, nachdem ihnen die mehrjährige Erfahrung gezeigt hat, dass die
Familie offensichtlich nicht über genügend liquide Mittel verfügt. Zum an-
dern war die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt, als sie ihre Vorladung er-
halten haben will, erst (...) Jahre alt. Unter den gegebenen Umständen ist
nicht nachvollziehbar, inwiefern die Behörden ihrem angeblichen Ziel, der
vollständigen Eintreibung des Bussgelds, mit einer allfälligen Inhaftierung
der Beschwerdeführerin einen Schritt hätten näherkommen können. Auch
aus diesem Blickwinkel erscheint die von ihr befürchtete Verhaftung wenig
wahrscheinlich. Abgesehen davon, war sie nicht in der Lage, nähere Anga-
ben zur angeblich erhaltenen Vorladung zu machen. So habe es sich um
ein an sie gerichtetes Schreiben der Verwaltung gehandelt, wonach sie dort
gebraucht werde und innerhalb einer Woche zu erscheinen habe, wobei
kein Grund genannt worden sei (vgl. a.a.O., [...]). Nach dem Gesagten ver-
mögen die Vorbringen der Beschwerdeführerin in Übereinstimmung mit der
Vorinstanz keine objektiv begründete Furcht vor einer asylrelevanten Ver-
folgung zu begründen. Die Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe sind
nicht geeignet, zu einer andern Einschätzung zu gelangen, zumal sie sich
im Wesentlichen auf eine Wiederholung der Vorfluchtgründe beschränken,
an deren Glaubhaftigkeit und Asylrelevanz festgehalten wird.
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Seite 7
7.
7.1 Es bleibt somit zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin wegen ihrer Aus-
reise aus Eritrea bei einer Rückkehr dorthin – mithin wegen subjektiver
Nachfluchtgründe – befürchten müsste, ernsthaften Nachteilen im Sinne
von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden.
7.2 Als subjektive Nachfluchtgründe kommen insbesondere illegales Ver-
lassen des Heimatlandes (sogenannte Republikflucht), Einreichung eines
Asylgesuches im Ausland oder aus der Sicht der heimatstaatlichen Behör-
den unerwünschte exilpolitische Betätigung in Betracht. Dies aber nur
dann, wenn sie die Gefahr einer zukünftigen Verfolgung begründen. Per-
sonen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar gemäss Art. 54
AsylG kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen
(vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). Durch Republikflucht zum Flüchtling wird, wer
sich aufgrund der unerlaubten Ausreise mit Sanktionen seines Heimatstaa-
tes konfrontiert sieht, die bezüglich ihrer Art, ihres Ausmasses und der po-
litischen Motivation des Staates ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 Abs. 2
AsylG darstellen.
7.3 Die am 1. Februar 2014 in Kraft getretene Bestimmung von Art. 3
Abs. 4 AsylG hält zwar fest, dass Personen, die Gründe geltend machen,
die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden und weder Aus-
druck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat be-
stehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, nicht als Flüchtlinge gelten
können; diese einschränkende Feststellung wurde vom Gesetzgeber aller-
dings durch den ausdrücklichen Hinweis auf den Vorbehalt der Geltung des
Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951 (FK,
SR 0.142.30) relativiert (vgl. Art. 3 Abs. 4 in fine AsylG).
8.
8.1 In diesem Zusammenhang wird in der Rechtsmitteleingabe ausgeführt,
es sei unbestritten, dass die Beschwerdeführerin ihre Heimat illegal verlas-
sen habe. Das Bundesverwaltungsgericht habe in einem Entscheid vom
14. April 2015 festgehalten, dass eritreischen Staatsangehörigen, die ille-
gal aus ihrem Heimatland ausreisten, – unabhängig von ihrem Alter und
vom Grund der Ausreise – bei einer Rückkehr nicht nur eine Gefährdung
nach Art. 3 EMRK zu befürchten hätten, sondern ihnen auch ernsthafte
Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. Seit dem 23. Juni 2016
beurteile das SEM Asylgesuche von Personen aus Eritrea wesentlich
strenger. So könnten illegal ausgereiste Eritreer unter gewissen Bedingun-
gen straffrei in ihren Heimatstaat zurückkehren.
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8.2 Zur vorherigen Praxis des Bundesverwaltungsgerichts die illegale Aus-
reise aus Eritrea betreffend kann auf das Referenzurteil D-7898/2015 vom
30. Januar 2017 verwiesen werden (vgl. E. 4.1 f.).
8.3 Im besagten Urteil wurde unter Bezugnahme auf die konsultierten
Quellen festgehalten, dass die bisherige Praxis, wonach eine illegale Aus-
reise per se zur Flüchtlingseigenschaft führe, nicht mehr aufrechterhalten
werden könne. Aus der vorgenommenen Analyse ergebe sich, dass zahl-
reiche Personen, welche illegal aus Eritrea ausgereist seien, relativ prob-
lemlos in ihre Heimat hätten zurückkehren können. Daher sei nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass einer Person
einzig aufgrund ihrer illegalen Ausreise aus Eritrea eine asylrelevante Ver-
folgung drohe. Damit erscheine die geltend gemachte Furcht vor ernsthaf-
ten Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG allein aufgrund einer illegalen
Ausreise nicht als objektiv begründet. Ein erhebliches Risiko einer Bestra-
fung bei einer Rückkehr gestützt auf asylrelevante Motive sei nur dann an-
zunehmen, wenn nebst der illegalen Ausreise weitere Faktoren hinzuträ-
ten, welche die asylsuchende Person in den Augen der eritreischen Behör-
den als missliebige Person erscheinen liessen (vgl. a.a.O. E. 5.1).
8.4 In Anbetracht der geänderten Rechtsprechung kann die Glaubhaftigkeit
der illegalen Ausreise vorliegend offen gelassen werden, da solche zusätz-
lichen Faktoren im Falle der Beschwerdeführerin zu verneinen sind. Es ge-
lang ihr gemäss vorstehenden Erwägungen nicht, Umstände darzulegen,
welche sie in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person
erscheinen lassen könnten.
Somit bleibt festzuhalten, dass allein die illegale Ausreise keine Furcht vor
einer zukünftigen flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung zu begründen
vermag, da keine zusätzlichen Faktoren für ein Risikoprofil zu erkennen
sind. Insbesondere sind die vorgebrachten Probleme der Familie nicht als
profilschärfende zusätzliche Faktoren zu würdigen. Auch das blosse Stel-
len eines Asylgesuchs im Ausland führt zu keiner entscheidrelevanten
Schärfung des Risikoprofils (vgl. Urteil des BVGer
D-1045/2016 vom 24. Mai 2016 E. 7.4). Wie bereits erwähnt, kann die
Frage der Glaubhaftigkeit der illegalen Ausreise mangels flüchtlingsrechtli-
cher Relevanz offen bleiben.
8.5 Nach dem Gesagten bestehen bei der Beschwerdeführerin auch keine
flüchtlingsrechtlich relevanten subjektiven Nachfluchtgründe
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9.
9.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG).
9.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.3 Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 8. August 2016 die vor-
läufige Aufnahme der Beschwerdeführerin in der Schweiz angeordnet hat,
erübrigen sich praxisgemäss weitere Ausführungen zum Vollzug der Weg-
weisung. Die vorläufige Aufnahme tritt mit dem vorliegenden Entscheid for-
mell in Kraft.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig festgestellt hat (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde
ist abzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-
deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem der Instruktions-
richter das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung gutgeheissen hat und den Akten keine Hinweise auf
eine Veränderung der finanziellen Verhältnisse zu entnehmen sind, ist von
einer Kostenauflage abzusehen.
11.2 Nachdem der Beschwerdeführerin mit derselben Verfügung ihre
Rechtsvertreterin als amtlicher Rechtsbeistand gemäss Art. 110a Abs. 1
AsylG beigeordnet worden ist, ist dieser ein entsprechendes Honorar aus-
zurichten (vgl. für die Grundsätze der Bemessung der Entschädigung an
Parteien und amtliche Vertreter und Vertreterinnen (vgl. Art. 8–11 sowie
Art. 12 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Der amtliche Rechtsbeistand hat keine Kostennote eingereicht. Auf ent-
sprechende Nachforderung kann verzichtet werden, da sich die Vertre-
tungskosten aufgrund der Akten einschätzen lassen (vgl. Art. 14 Abs. 2 in
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fine VGKE). Unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfak-
toren und der Entschädigungspraxis in Vergleichsfällen ist der amtlichen
Rechtsverbeiständung ein Stundenansatz von Fr. 220.– zugrunde zu legen
und das amtliche Honorar auf pauschal Fr. 600.– (inkl. Auslagen und Mehr-
wertsteuer) festzusetzen. Dieses ist Rechtsanwältin Linda Keller, St. Gal-
len, zu Lasten der Gerichtskasse auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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