Decision ID: 84475a87-13ec-5cff-a99e-42128ac0f045
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess Sri Lanka gemäss eigenen Angaben am
28. Januar 2016. Am 16. Mai 2016 reiste er in die Schweiz ein und suchte
am gleichen Tag um Asyl nach. Am 25. Mai 2016 wurde er im Empfangs-
und Verfahrenszentrum zur Person befragt (BzP). Die Vorinstanz hörte den
Beschwerdeführer am 12. Juli 2018 zu seinen Asylgründen an.
Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, er sei Tamile und
habe zuletzt bei Verwandten in B._, im Quartier C._, gelebt.
Davor habe er in D._ gelebt. Er habe die Schule bis zum (...) be-
sucht, die Prüfung jedoch nicht abgelegt. Einen Beruf habe er ursprünglich
keinen erlernt und seinen Lebensunterhalt als (...), unter anderem als (...)-
und (...), verdient. Im Rahmen seiner Rehabilitierung sei er als (...) tätig
gewesen.
Im Jahre 2004 sei er von den Liberaton Tigers of Tamil Elam (LTTE) rekru-
tiert worden und habe während des Krieges dem Kommando der
E._ als (...) gedient. An Kampfeinsätzen habe er aber nicht teilneh-
men müssen. Im Mai 20(...) habe er sich der sri-lankischen Armee ergeben
und sei bis 20(...) oder 20(...) in verschiedenen Rehabilitationscamps in-
terniert gewesen. Während dieser Zeit sei er zu seinen Verbindungen zu
den LTTE befragt und gefoltert worden. Danach sei er während zirka eines
Jahres einer Meldepflicht unterstellt und danach einmal in der Woche oder
im Monat vorgeladen und befragt worden. Im (...) 20(...) hätten die Behör-
den in seinem Dorf (...) gefunden und er sei darüber einvernommen wor-
den. Anschliessend habe man ihn zwei Wochen lang vorgeladen und be-
fragt. Im (...) 20(...) habe es eine Explosion in der Nähe eines (...) gege-
ben. Daraufhin sei er wiederum mehrere Male befragt und geschlagen wor-
den. Man habe ihn verdächtigt, in Kontakt mit zwei gesuchten Personen zu
stehen. Er habe diese beiden Personen, welche er von früher kannte, einen
Monat vor der Explosion zufällig auf der Strasse getroffen und sich mit
ihnen unterhalten. Im (...) 20(...) sei er nochmals vorgeladen und über die
beiden Personen befragt worden. Am (...) 20(...) habe man ihn wiederum
vorgeladen und ihm eröffnet, dass man über sein Treffen mit den beiden
gesuchten Personen informiert sei. Hierbei sei der Verdacht geäussert wor-
den, dass er mit der Explosion etwas zu tun zu habe. Danach sei er aber
wieder freigelassen worden. Daraufhin habe er seine Flucht vorbereitet
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und sei noch im gleichen Monat mit seinem eigenen Pass über den Flug-
hafen F._ legal ausgereist, wobei der Schlepper das Flughafenper-
sonal bestochen habe.
B.
Mit Verfügung vom 12. März 2020 stellte die Vorinstanz fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch
ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnetet den Vollzug
der Wegweisung an.
C.
Mit Eingabe vom 14. April 2020 reichte der Beschwerdeführer gegen den
Entscheid der Vorinstanz Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht
ein. Er beantragt, das Gericht habe unverzüglich darzulegen, welche Ge-
richtspersonen mit der Behandlung der vorliegenden Sache betraut seien.
Gleichzeitig habe das Gericht bekannt zu geben, ob diese Gerichtsperso-
nen zufällig ausgewählt worden seien; und andernfalls die im vorliegenden
Verfahren konkret objektiven Kriterien bekannt zu geben, nach denen
diese Gerichtspersonen ausgewählt worden seien. Sodann sei ihm voll-
ständige Einsicht in die Akten der Vorinstanz, insbesondere in das konsul-
tierte "Referenzdossier" N (...), zu gewähren. Nach Gewährung der voll-
ständigen Akteneinsicht sei ihm eine angemessene Frist zur Einreichung
einer Beschwerdeergänzung anzusetzen. Des Weiteren sei die Verfügung
der Vorinstanz wegen Verletzung des Anspruchs auf das rechtliche Gehör
aufzuheben und die Sache sei an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventu-
aliter sei die angefochtene Verfügung wegen Verletzung der Begründungs-
pflicht aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter
sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Feststel-
lung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhaltes und
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sub-subeventuali-
ter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, seine Flüchtlingseigen-
schaft festzustellen und ihm Asyl in der Schweiz zu gewähren. Sub-sub-
subeventualiter sei die angefochtene Verfügung betreffend die Ziffern 3
und 4 aufzuheben und die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzuges festzustellen.
Für den Fall, dass keine Rückweisung in der Sache erfolgen sollte, werde
als Beweisantrag um Abklärung seines psychischen Zustandes von Amtes
wegen, andernfalls um Ansetzung einer angemessenen Frist zur Einrei-
chung eines psychologischen Zeugnisses ersucht. Ferner sei er im Fall der
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Nichtrückweisung von einer in gesundheitlichen Beeinträchtigung geschul-
ten Person erneut anzuhören, es seien die zur Anhörung intern angelegten
Akten beizuziehen, die Herkunft seiner Körpernarben sei nötigenfalls mit-
tels einer spezialärztlichen Abklärung zu eruieren und es sei ihm angemes-
sene Frist zur Beibringung von weiteren Unterlagen zum Beweis seines
vollständigen Engagements zugunsten der LTTE anzusetzen (vgl. Be-
schwerde S. 52-53).
D.
Am 29. April 2020 reichte der Beschwerdeführer einen medizinischen Be-
richt von G._ vom 22. April 2020 zu den Akten.
E.
Mit Eingabe vom 4. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer diverse Foto-
grafien zu den Akten und machte ergänzende Ausführungen zur aktuellen
Situation in Sri Lanka und seiner Tätigkeit für die LTTE.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 13. Mai 2020 gab der Instruktionsrichter dem
Beschwerdeführer die Zusammensetzung des Spruchkörpers bekannt,
wies das Gesuch um Akteneinsicht ab und räumte ihm Gelegenheit ein,
innert Frist einen aktuellen fachärztlichen Bericht einzureichen. Ferner for-
derte er ihn dazu auf, innert Frist einen Kostenvorschuss in der Höhe von
Fr. 1'500.– zugunsten der Gerichtskasse einzuzahlen.
G.
Mit Eingabe vom 28. Mai 2020 ersuchte der Beschwerdeführer um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung, inklusive Verzicht auf den aufer-
legten Kostenvorschuss.
H.
Am 29. Mai 2020 ging beim Gericht die Fürsorgebestätigung des Be-
schwerdeführers vom 25. Mai 2020 ein.
I.
Mit Eingabe vom 5. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Erklärung
betreffend die Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht vom 3. Juni
2020 zu den Akten und ersucht um Fristverlängerung zwecks Einreichung
weitere medizinischer Berichte beziehungsweise um Abklärung seines Ge-
sundheitszustandes von Amtes wegen.
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Seite 5
J.
Der Beschwerdeführer ersuchte mit Schreiben vom 10. Juni 2020 um An-
setzung einer Frist zur Stellungnahme betreffend die Akten N (...), in wel-
che ihm die Vorinstanz zwischenzeitlich Einsicht gewährt habe.
K.
Am 11. Juni 2020 bewilligte der Instruktionsrichter die Fristgesuche vom
5. Juni 2020 beziehungsweise vom 10. Juni 2020 und räumte Frist bis am
3. Juli 2020 ein.
L.
In seiner Eingabe vom 3. Juli 2020 nahm der Beschwerdeführer insbeson-
dere Stellung zu den Akten des Verfahrens N (...) und reichte einen Arzt-
bericht von H._, vom 28. Juni 2020 zu den Akten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren
gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-
derung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden. Das Gericht wird nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-
nung verwenden.
2.
2.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwer-
deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
– unter nachstehendem Vorbehalt – einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG
und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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2.2 Auf den Antrag auf Mitteilung betreffend die Bildung des Spruchgremi-
ums ist nicht einzutreten (vgl. Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai
2018 E. 4).
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken.
Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch
ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Ver-
haltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG wurden
(subjektive Nachfluchtgründe).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2).
5.
Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen an
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Seite 7
das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht-
lingseigenschaft nach Art. 3 AsylG stand.
Zur Begründung wird in der Verfügung ausgeführt, der Beschwerdeführer
habe den in der Anhörung vorgebrachten Aufenthalt im I._ sowie
die Misshandlungen anlässlich der BzP nicht erwähnt. Sodann habe er die
Gefahr vor flüchtlingsrelevanten Nachteilen im Zusammenhang mit der
Meldepflicht anlässlich der Anhörung wesentlich dramatischer dargestellt,
als noch anlässlich der BzP. Seine Angaben zur Meldepflicht selber, insbe-
sondere zu deren Unterbrüchen beziehungsweise die Gründe für deren
Wiederaufnahme, seien ebenfalls unstimmig ausgefallen. Es entstehe der
Eindruck, der Beschwerdeführer berufe sich auf eine dramatisierte sowie
konstruierte Verfolgungssituation. Die eingereichten Beweismittel ver-
möchten an diesem Eindruck nichts zu ändern. Da er nicht habe glaubhaft
machen können, er sei nach seine Rehabilitation Opfer von Verfolgungs-
massnahmen geworden, könnten auch seine vorgebrachte niederschwel-
lige exilpolitische Tätigkeit sowie seine Behauptung, er trage viele Narben
am Körper, nicht zur Annahme führen, es bestünden Risikofaktoren, wel-
che ihn bei einer Rückkehr in sein Heimatland als besonders gefährdet er-
scheinen liessen. Auch die Präsidentschaftswahl im Jahre 2019 vermöge
diese Einschätzung nicht umzustossen.
6.
6.1 In der Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer im Wesentli-
chen geltend, die Vorinstanz habe bei der Durchführung der Anhörung, bei
der Prüfung der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen sowie beim Wegwei-
sungsvollzug seinen angeschlagenen psychischen Gesundheitszustand
zu wenig berücksichtigt und dadurch seinen Anspruch auf rechtliches Ge-
hör verletzt. Zudem hätte die Vorinstanz aufgrund der vorliegenden Indi-
zien weitere Abklärungen bezüglich seiner psychischen Gesundheit veran-
lassen müssen. Des Weiteren habe sich die Vorinstanz bei der Vorberei-
tung der Anhörung sowie der Würdigung seiner Aussagen nicht an die ei-
genen internen Richtlinien gehalten. Ferner sei er anlässlich der BzP im-
mer wieder dazu angehalten worden, sich kurz zu fassen. Die beschwerli-
che Reise sowie sein psychischer Zustand hätten sich ebenfalls negativ
auf sein Aussageverhalten ausgewirkt. Zudem hätte der zeitliche Abstand
zwischen BzP und Anhörung berücksichtigt werden müssen. Sodann seien
ihm auch aus dem Umstand, dass sich der Verfasser der angefochtenen
Verfügung lediglich auf die Befragungsprotokolle gestützt habe und über
keinen persönlichen Eindruck verfügt habe, Nachteile erwachsen.
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Die Glaubhaftigkeitsprüfung sei auch deshalb mangelhaft, da nicht berück-
sichtigt worden sei, dass es sich bei den Ergänzungen des Sachverhaltes
auf Beschwerdeebene um Konkretisierungen des bereits Vorgebrachten
gehandelt habe und als bekannt vorausgesetzt werden könne, dass Gefol-
terte nicht immer in der Lage seien, über ihre traumatischen Erlebnisse zu
sprechen. Des Weiteren seien die Abweichungen der Aussagen zwischen
BzP und Anhörung unter anderem auf den zeitlichen Abstand, die daraus
resultierenden Erinnerungslücken sowie übersetzungsbedingte Ungenau-
igkeiten zurückzuführen. Ferner seien die Abweichungen marginal.
6.2 Sodann habe die Vorinstanz den Sachverhalt insofern nicht gehörig ab-
geklärt, indem sie keine Abklärungen bezüglich der Herkunft seiner Kör-
pernarben vorgenommen habe. Eine solche hätte erfolgen müssen, zumal
die einvernehmende Person es anlässlich der Anhörung abgelehnt habe,
die vorgezeigten Narben zu begutachten, und die geltend gemachten Fol-
terungen nicht geglaubt worden seien.
6.3 Die Ausführungen der Vorinstanz zur allgemeinen Verfolgungsgefahr
von zurückkehrenden tamilischen Asylgesuchstellern sei unzutreffend. Ge-
rade angesichts des Umstandes, dass er ein Rehabilitationsprogramm
durchlaufen habe, gehöre er zu einer Gruppe, welche unter dem neuen
Regime in Sri Lanka spezifischer Verfolgungsgefahr ausgesetzt sei. Insbe-
sondere habe die Vergangenheit gezeigt, dass Untersuchungen gegen
vermeintliche Anhänger der LTTE aus politischen Motiven jederzeit wieder
aufgenommen werden und zu Bestrafungen führen könnten. Hinzu
komme, dass sich die Gefahr vor Verfolgung für Minderheiten in Sri Lanka
seit dem Regimewechsel im November 2019 noch verschärft habe. Die
Vorinstanz stütze ihren Entscheid diesbezüglich auf einen Lagebericht aus
dem Jahre 2016 und damit auf eine mangelhafte Basis.
Im vorliegenden Fall sei seine LTTE-Mitgliedschaft aufgrund seiner Reha-
bilitierung im Heimatland registriert. Da er sich in die Schweiz abgesetzt
habe, werde er in Sri Lanka nun womöglich als Unterstützer der LTTE ge-
sehen und es bestehe das Risiko, dass er sich auf einer Stop- oder Watch-
List befinde. Sodann mache er sich durch seinen langjährigen Aufenthalt
in der Schweiz, einem tamilischen Diasporazentrum, in den Augen der hei-
matlichen Behörden verdächtig, sich für den Wiederaufbau der LTTE zu
engagieren. In diesem Zusammenhang würdige die Vorinstanz auch seine
exilpolitische Tätigkeit unzutreffend.
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Seite 9
6.4 Sodann habe er aus Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen bisher
nicht vorgebracht, dass er im Rahmen seiner Tätigkeit für die E._-
Einheit über zweieinhalb Jahre Leibwächter des J._ gewesen sei.
Da die Einheit auch (...) durchgeführt habe, sei es durchaus möglich, dass
das anhaltende Interesse an ihm auf seine Rolle als Leibwächter des (...)
und dem damit einhergehenden Einblick in die höchste Führungsebene der
LTTE zurückzuführen sei. Zudem ergebe sich seine Flüchtlingseigenschaft
auch aus seiner Zugehörigkeit zur Risikogruppe von Personen mit vergan-
gener, aktueller oder vermeintlicher Verbindung zu den LTTE oder zum ta-
milischen Separatismus beziehungsweise zur Risikogruppe von Personen,
welche aus tamilischen Diasporazentren nach längerer Zeit zurückkehren.
7.
7.1 Die vom Beschwerdeführer erhobenen formellen Rügen der Verletzung
des rechtlichen Gehörs beziehungsweise der Begründungspflicht sowie
der unrichtigen Sachverhaltserstellung sind vorab zu behandeln, da sie ge-
eignet sein könnten, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu be-
wirken.
7.2 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung seines Anspruchs auf
rechtliches Gehör, weil zwischen BzP und Anhörung ein zeitlicher Abstand
von beinahe zwei Jahren liegt.
Eine zeitnahe Anhörung ist durchaus wünschenswert. Gemäss konstanter
Rechtsprechung ist daraus jedoch nicht auf eine Verletzung des rechtli-
chen Gehörs zu schliessen, zumal es sich dabei nicht um eine justiziable
Verfahrenspflicht handelt (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E-1277/2018
vom 3. April 2018 E. 4.3). Die zwischen den Befragungen verstrichene Zeit
stellt keine Verletzung der Verfahrensrechte des Beschwerdeführers dar,
ist jedoch bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen ange-
messen zu berücksichtigen.
7.3 Der Beschwerdeführer erblickt im Umstand, dass die für die Anhörung
zuständige Person und die entscheidverfassende Person nicht identisch
sind, eine Verletzung seiner Verfahrensrechte.
Ein Asylgesuch wird insbesondere aufgrund der Konsistenz, Schlüssigkeit
sowie Plausibilität der Vorbringen der Gesuchstellenden beurteilt (vgl.
BVGE 2012/5 E. 2.2). Somit bildet ein rechtskonform erstelltes Protokoll
grundsätzlich genügende Grundlage für einen Asylentscheid. Dass die Er-
hebung des Sachverhalts beziehungsweise der Beweise (Anhörungen
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Seite 10
etc.) und die spätere Würdigung (Entscheidfällung) von derselben Person
vorgenommen werden müssen, lässt sich dem Gesetz nicht entnehmen.
Zum Hinweis auf die Medienmitteilung vom 26. Mai 2014 ist festzuhalten,
dass die personelle Trennung darin als einer von mehreren möglichen Fak-
toren für frühere Fehleinschätzungen genannt wurde (https://www.sem.ad-
min.ch/sem/de/home/aktuell/news/2014/2014-05-26.html; abgerufen am
4. September 2020). Allein aus dem Hinweis, die entscheidverfassende
Person habe keine persönlichen Eindrücke über den Beschwerdeführer
sammeln können, ergibt sich noch keine erhöhte Gefahr einer Fehlein-
schätzung. Die Verfahrensführung der Vorinstanz ist insofern nicht zu be-
anstanden. Zudem sind den Akten – entgegen der Behauptung in der
Rechtsmitteleingabe – keine Einschätzungen der für die Anhörung verant-
wortlichen Person zu entnehmen, weshalb auf die Begründetheit des An-
trags auf Beizug beziehungsweise Herausgabe des entsprechenden Ak-
tenstücks nicht weiter einzugehen ist (vgl. Urteil des BVGer E-2298/2020
vom 7. August 2020, E. 7.7.).
7.4 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, anlässlich der Befragungen sei
nicht in genügender Weise auf seine mentale Verfassung Rücksicht ge-
nommen worden, kann den betreffenden Protokollen kein diesebezügli-
ches Fehlverhalten der Vorinstanz entnommen werden und wird in der
Rechtsmitteleingabe auch nicht substantiiert dargelegt. Insbesondere aus
dem Umstand, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung mit
Widersprüchen konfrontiert worden sei, ist nicht auf eine unkorrekte Ver-
fahrensführung der Vorinstanz zu schliessen. Die in diesem Zusammen-
hang erhobene Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs erweist sich
als unbegründet und eine erneute Anhörung durch eine spezialisierte Per-
son erweist sich als nicht notwendig.
7.5 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz stütze ihren Ent-
scheid auf den Lagebericht aus dem Jahre 2016 und somit auf eine man-
gelhafte Grundlage. Sinngemäss rügt er damit unter anderem einer Verlet-
zung der Pflicht zur sorgfältigen Sachverhaltsabklärung.
Insbesondere mit dem in der Rechtsmitteleingabe enthaltenen Hinweis auf
nicht offengelegte Referenzen und der darauf basierenden Mutmassung,
der Bericht stütze sich auf manipulierte beziehungsweise nicht existierende
Quellen, kann die Qualität und Vertrauenswürdigkeit des Berichts nicht
ernsthaft in Frage gestellt werden. Sodann bestehen in diesem Zusam-
menhang starke Anzeichen dafür, dass es sich bei dem Vorbringen – ins-
besondere mit Blick auf dessen Begründung – sinngemäss um den vom
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Seite 11
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in anderen Verfahren bereits öf-
ters gestellten Antrag auf Offenlegung aller nicht öffentlich zugänglichen
Quellen des besagten Lagebildes handelt. Der Antrag ist – wie bis anhin –
abzuweisen (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E-5142/2018 vom 13. No-
vember 2018 E. 6.1).
7.6 Soweit der Beschwerdeführer eine unvollständige Sachverhaltsabklä-
rung darin erblickt, dass sein Gesundheitszustand und die Herkunft seiner
Körpernarben nicht genügend abgeklärt worden seien, kann auf die nach-
folgenden Ausführungen (E. 9.1 sowie E 9.2.3) verwiesen werden. Eine
ungenügende Abklärung des Sachverhaltes durch die Vorinstanz kann
nicht festgestellt werden. Aufgrund der vorliegenden Aktenlage drängen
sich für das Gericht auch keine weiteren Abklärungen auf.
7.7 Die formellen Rügen erweisen sich insgesamt als unbegründet, wes-
halb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzu-
heben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbezüglichen
Rechtsbegehren sind somit abzuweisen.
8.
Soweit der Beschwerdeführer die Beschaffung weiterer Beweismittel zu
seiner LTTE-Tätigkeit in Aussicht stellt – ohne diese näher zu konkretisie-
ren oder bisherige Bemühungen der Beweisbeschaffung darzulegen – und
zu deren Beibringung die Einräumung einer angemessenen Frist beantragt
(vgl. Beschwerdeschrift S. 53.), ist diesem Antrag nicht zu entsprechen, da
er keine gehörige Anerbietung tauglicher Beweise darstellt (vgl. Art. 33
Abs. 1 VwVG).
9.
9.1 Der Beschwerdeführer macht unter anderem geltend, dass er nach sei-
ner Rehablitierung erneuter Gefahr vor Verfolgung ausgesetzt gewesen
sei, da ihn die Behörden verdächtigt hätten, mit einem im (...) 20(...) er-
folgten Sprengstoffanschlag auf einen (...) verwickelt gewesen zu sein.
Es ist in diesem Zusammenhang mit der Vorinstanz darin übereinzugehen,
dass seine Vorbringen in Bezug auf diesen zentralen Sachverhaltskomplex
unvereinbar ausgefallen sind. Anlässlich der BzP äusserte er sich noch da-
hingehend, dass ihn die Behörden im Jahre 20(...) deshalb wieder intensi-
ver behelligt hätten, weil im Dorf Leute erschossen worden seien. Der in
der Anhörung vorgebrachte (...) im (...) 20(...) sowie der spätere Vorfall im
(...) 20(...) wurden im Rahmen der BzP mit keinem Wort erwähnt (vgl.
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SEM-Akten A5/12, Ziffer 7.01 f.). Diesen Widerspruch vermochte er auf
Vorhalt nicht aufzulösen; auch nicht mit dem simplen Hinweis, er habe sich
anlässlich der BzP kurz fassen müssen (vgl. SEM Akten A16/18 F74 f.).
Weiter fällt auf, dass er das Vorbringen anlässlich der BzP, es seien Leute
in seinem Dorf erschossen worden, an der Anhörung mit keinem Wort mehr
aufgegriffen oder weitergeführt hat. Sodann wirken seine Vorbringen auch
insofern inkonsistent, als er einerseits geltend macht, die Leute im Dorf
hätten ihn wegen der Überwachung sowie seiner Pflicht zur Zusammenar-
beit mit den Behörden gemieden, sich andererseits zwei mutmassliche At-
tentäter einen Monat vor dem Sprengstoffanschlag auf offener Strasse mit
ihm unterhalten haben sollen (vgl. a.a.O. F36).
Erheblich gegen die Glaubhaftigkeit der Ausführungen des Beschwerde-
führers spricht sodann der Umstand, dass er sich trotz der seit (...) 20(...)
angeblich wiederaufgeflammten behördlichen Behelligungen, Vorladungen
und Verdächtigungen völlig problemlos per (...) 20(...) einen heimatlichen
Pass hat ausstellen lassen (vgl. a.a.O. F38 f.). Hierbei musste er sich nicht
nur freiwillig zum Zweck der Passausstellung direkt an die Behörden (des
angeblichen Verfolgerstaates) wenden, sondern er hat die Behörden durch
sein Ersuchen um Passausstellung auch unmittelbar über seine Reiseab-
sichten in Kenntnis gesetzt. Probleme bei der Passbeantragung habe es
seinen Angaben zufolge aber keine gegeben (vgl. a.a.O. F 40). Hinzu
kommt, dass er in der Folge Sri Lanka regulär auf dem Luftweg verlassen
und hierbei seinen eigenen Reisepass verwendet hat. Die entsprechenden
Vorgänge sind nicht nur mit der Behauptung einer objektiveren Verfol-
gungssituation kaum zu vereinbaren, sondern stehen auch in Widerspruch
zu einer subjektiven Verfolgungsfurcht.
Die Hinweise auf seine Verfassung anlässlich der Befragungen sowie den
zeitlichen Abstand zwischen BzP und Anhörung vermögen die aufgezeig-
ten Inkonsistenzen in seinen Vorbringen nicht zu erklären. Im Übrigen ver-
möchten diese Umstände an der Beweisfolgenlast gemäss Art. 7 AsylG im
Grundsatz nichts zu ändern. Ergänzend ist festzuhalten, dass der Be-
schwerdeführer aus allfälligen Sachverhaltsparallelen im Zusammenhang
mit der Fluchtgeschichte eines anderen Gesuchstellers vorliegend nichts
zu seinen Gunsten ableiten kann.
Angesichts des Ausgeführten ist mit der Vorinstanz darin übereinzugehen,
dass es dem Beschwerdeführer nicht gelingt glaubhaft darzulegen, dass er
nach der Zeit seiner Rehabilitierung in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise
im Fokus der heimatlichen Behörden stand.
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Seite 13
9.2
9.2.1 Soweit der Beschwerdeführer die Gefahr vor Verfolgung aus seiner
Eigenschaft als rehabilitiertes LTTE-Mitglied sowie dem Ausgang und den
möglichen Auswirkungen der Präsidentschaftswahlen vom November
2019 ableitet, ist festzustellen, dass sich das Bundesverwaltungsgericht
bezüglich der aktuellen Veränderungen in Sri Lanka bewusst ist. Es beo-
bachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt sie bei seiner
Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von
einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszugehen, der
Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungs-
weise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesver-
waltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Fami-
lies of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heu-
tigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel
in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr
ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob
ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschafts-
wahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht (vgl. dazu
die Rechtsprechung aus jüngster Zeit: Urteile des BVGer E-2669/2017 vom
8. Mai 2020 E. 7.4.3 f., D-4628/2017 vom 30. April 2020 E. 6.4 sowie
E-1837/2020 vom 27. April 2020 E. 6.1).
9.2.2 Wie bereits unter der vorstehenden Ziffer ausgeführt wurde, vermag
der Beschwerdeführer nicht glaubhaft darzulegen, dass er im Zeitpunkt sei-
ner Ausreise in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise im Fokus der heimat-
lichen Behörden gestanden hat. Der Umstand, dass seine ehemalige An-
gehörigkeit zu den LTTE aufgrund der durchgeführten Rehabilitierung ak-
tenkundig sein könnte, vermag auch vor dem Hintergrund des Regime-
wechsels im November 2019 keine konkrete Gefahr vor Verfolgung zu be-
gründen. In diesem Zusammenhang ist ferner festzuhalten, dass die erst
auf Beschwerdeebene vorgebrachte Tätigkeit des Beschwerdeführers als
Leibwächter des J._ sich lediglich auf die Aussage des Beschwere-
führers beziehungsweise eines von ihm eingereichten Schreibens vom 30.
April 2020 (Beilage 28 zur Eingabe vom 4. Mai 2020) stützt. Seine darin
enthaltenen Ausführungen wirken insgesamt rudimentär und nachgescho-
ben und sind im Ergebnis – auch mit Blick auf die bereits erfolgten Ein-
schätzungen seiner Vorbringen – als unglaubhaft zu qualifizieren.
Selbst wenn nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann, dass rehabili-
tierte LTTE-Mitglieder teilweise einer Überwachung unterzogen werden
können und die Rehabilitierung nicht in jedem Fall vor weiterer Verfolgung
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zu schützen vermag, ist es im vorliegenden Fall aufgrund des sehr nieder-
schwelligen Profils des Beschwerdeführers als blosser ehemaliger LTTE-
(...) und ohne Kampfeinsatz (vgl. SEM-Akten A16/18 F36, F47 ff., F51 und
F63) wenig wahrscheinlich, dass er weiteren Überwachungsmassnahmen
oder gar Ermittlungen ausgesetzt sein wird (vgl. auch Australian Depart-
ment of Foreign Affairs and Trade (DFAT), DFAT Country Information Re-
port Sri Lanka, 24.01.2017, http://dfat.gov.au/about-us/publica-
tions/Documents/country-information-report-sri-lanka.pdf, abgerufen am
4. September 2020; wie auch statt vieler: Urteil D-7286/2016 des BVGer
vom 5. Februar 2019, E. 6.2. 2. Absatz). Die vorinstanzlichen Erwägungen
hierzu sind zu bestätigen.
9.2.3 Im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 hat das Bundesver-
waltungsgericht festgehalten, dass aus Europa respektive der Schweiz zu-
rückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzuneh-
menden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien. Das Gericht
orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos von Rückkehrern, Opfer
ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an ver-
schiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es sich um das Vorhandensein
einer tatsächlichen oder vermeintlichen, aktuellen oder vergangenen Ver-
bindung zu den LTTE, um die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen
Handlungen und um das Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-lan-
kischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang mit einer tatsächli-
chen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE (sog. stark risikobegrün-
dende Faktoren). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft
zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen
Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach
Sri Lanka zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisa-
tion für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit
gut sichtbaren Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren). Das
Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Risiko-
faktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person
ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrer
eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3
AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zugeschrieben
wird, dass sie bestrebt sind, den tamilischen Separatismus wiederaufleben
zu lassen (vgl. a.a.O. E. 8). Diese Praxis gilt auch unter der in E. 9.1 bereits
dargelegten Lageeinschätzung im Zusammenhang mit den jüngeren Ent-
wicklungen in Sri Lanka weiter.
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Die mittlerweile rehabilitierte Verbindung des Beschwerdeführers zu den
LTTE – welche nach dem unter der vorstehenden Ziffer Ausgeführten nicht
als starker Risikofaktor zu qualifizieren ist –, seine geltend gemachten Kör-
pernarben – welche ihm nach seinen Angaben anlässlich seiner Rehabili-
tierung zugeführt worden seien –, sein Aufenthalt im Exil sowie seine nie-
derschwellige exilpolitische Tätigkeit (Teilnahmen an Kundgebungen) ver-
mögen insgesamt kein flüchtlingsrelevantes Risikoprofil im beschriebenen
Sinne zu begründen. In Bezug auf die Narben ist ergänzend festzuhalten,
dass diejenigen an (...) und (...) leicht verdeckt werden können und dieje-
nigen an den (...) nicht sichtbar oder bloss sehr dezent ausfallen (vgl. dazu
a.a.O. E. 8.4.5). Sodann ist abschliessend festzustellen, dass – entgegen
der Behauptung in der Rechtsmitteleingabe – der Beschwerdeführer über
gültige Reisepapiere verfügt (vgl. SEM-Akten A16/18 F37 f.).
9.2.4 Der Beschwerdeführer leitet seine Flüchtlingseigenschaft des Weite-
ren - unter Verweis auf das Urteil D-4543/2013 des BVGer vom 22. No-
vember 2017– aus einer erhöhten Verfolgungsempfindlichkeit ab.
Selbst bei der Annahme, der Beschwerdeführer sei aufgrund seiner gel-
tend gemachten Folter im Rahmen der Rehabilitierung traumatisiert, ist
festzuhalten, dass er danach noch mehrere Jahre im Land verbrachte.
Bloss weil er bei Rückführung in sein Heimatland allenfalls einen Back-
ground-Check bezüglich seiner rehabilitierten Vergangenheit und seines
Auslandaufenthalts zu gewärtigen hat, kann nicht zur Annahme der Flücht-
lingseigenschaft im Sinne der genannten Rechtsprechung führen.
9.2.5 Weiter ist festzuhalten, dass – entgegen der in der Rechtsmittelein-
gabe vertretenen Auffassung – die Gesamtheit der zurückkehrenden Ta-
milen keine soziale Gruppe im Sinne von Art. 3 AsylG darstellt, da die Cha-
rakteristik der "Rückkehr" nicht prägend ist für die Identität der betroffenen
Personen und ausserdem Rückkehrer von der Gesellschaft nicht als ho-
mogene Gruppe, die sich deutlich von der übrigen Gesellschaft unterschei-
det, wahrgenommen werden (vgl. bereits Urteil des BVGer D-6272/2012
vom 6. März 2013 S. 10).
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, seine Flüchtlingseigenschaft
leite sich aus seiner Zugehörigkeit zur Risikogruppe ehemaliger LTTE-Mit-
glieder ab, ist darauf hinzuweisen, dass die ehemalige Verbindung zu den
LTTE bereits im Einzelfall nicht per se die Flüchtlingseigenschaft zu be-
gründen vermag (vgl. das unter E. 9.2.3 zum dort zitierten Referenzurteil
Ausgeführte). Auf das Vorbringen ist nicht weiter einzugehen.
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Seite 16
10.
Aufgrund des in den vorstehenden Erwägungen Ausgeführten ist das Vor-
liegen von Vor- sowie Nachfluchtgründen zu verneinen. Zusammenfas-
send ist somit festzuhalten, dass die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft
des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt
hat.
11.
11.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf
nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit
der Familie (Art. 44 AsylG).
11.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
12.
12.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
12.2
12.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in
den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83
Abs. 3 AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
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Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte
und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder un-
menschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen
werden.
Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erheb-
liche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in
Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen-
den Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des
Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von
Art. 5 AsylG rechtmässig.
12.2.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Zudem ergeben sich auch keine konkreten Hinweise darauf,
dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen sogenannten
"Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In-
und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet
wäre.
12.2.3 Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka für sich alleine
lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts nicht unzu-
lässig erscheinen (vgl. Urteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016
E. 12.2). Auch der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick
auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem
europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt be-
fasst (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013,
Beschwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O.; T.N. gegen
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Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. ge-
gen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08;
Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen, Entscheidung vom
11. Juli 2017, Beschwerde Nr. 44114/14). Dabei unterstreicht der Gerichts-
hof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehren-
den Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Daran vermögen der
Regierungswechsel vom November 2019 sowie die aktuelle Situation in Sri
Lanka nichts zu ändern (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E-2669/2017
vom 8. Mai 2020 E. 9.2).
12.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinn der flüchtlings- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zuläs-
sig.
12.3
12.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Bei der Frage des Vorhandens-
eins einer genügenden medizinischen Infrastruktur ist nicht erforderlich,
dass die Behandlung dort dem schweizerischen Standard entspricht (vgl.
BVGE 2009/2 E. 9.3.2 S. 21, Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei-
zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 24 E. 5a und b).
12.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Nach einer eingehen-
den Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundes-
verwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvoll-
zug in die Nordprovinz zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen
Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiä-
ren oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte
Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil
E-1866/2015 E. 13.2). In einem als Referenzurteil publizierten Entscheid
erachtet das Bundesverwaltungsgericht auch den Wegweisungsvollzug ins
„Vanni-Gebiet“ als zumutbar (vgl. Urteil des BVGer D-3619/2016 vom
16. Oktober 2017 E. 9.5).
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12.3.3 Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten physischen und psychi-
schen Leiden sind in seinem Heimatland behandelbar (vgl. dazu die zutref-
fenden Ausführungen der Vorinstanz zu den physischen Leiden sowie das
Urteil des BVGer D-7355/2016 vom 11. Februar 2019 E. 11.5.2 m.w.H.).
In Bezug auf die weiteren individuellen Wegweisungsvollzugshindernisse
(wirtschaftliche und soziale Verflechtung im Heimatland) wird auf Be-
schwerdeebene nichts Neues vorgebracht und es kann diesbezüglich auf
die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. Der
Wegweisungsvollzug erweist sich auch in individueller Hinsicht als zumut-
bar.
12.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). Allfällig im Zusammenhang mit dem
Coronavirus verfügte Einreiseverbote und ähnliche Massnahmen durch die
sri-lankischen Behörden stehen angesichts ihres vorübergehenden Cha-
rakters dem Wegweisungsvollzug nicht entgegen (vgl. Urteile des BVGer
D-968/2020 vom 31. März 2020; E-1575/2020 vom 19. Mai 2020 E. 9.4.3).
12.5 Zusammenfassend ist der Wegweisungsvollzug als zulässig, zumut-
bar und möglich zu bezeichnen. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme
fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
13.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und – soweit diesbezüglich überprüfbar – ange-
messen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
14.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit Eingabe
vom 28. Mai 2020 gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ist
vorliegend gutzuheissen, da die in der Rechtsmitteleingabe gestellten ma-
teriellen Anträge nicht von vornherein als aussichtlos zu qualifizieren waren
und die Bedürftigkeit des Beschwerdeführers aufgrund der eingereichten
Fürsorgebestätigung vom 25. Mai 2020 ausgewiesen ist. Der mit Zwi-
schenverfügung vom 13. Mai 2020 auferlegte Kostenvorschuss ist damit
gegenstandslos geworden.
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