Decision ID: 67eb3ee5-23c1-48d6-9b17-409f502f3c34
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren
1995
, leidet
in Folge eines kongenitalen Hydro
cephalus (
in Anhang zur Verordnung über Geburts
gebrechen
als Nr.
386
beschriebenes Geburtsgebrechen
) an schwerster
Mehrfachbehinderung, unter anderem an
spastischer
cerebrale
r
Bewegungsstörung
(
vgl.
Urk.
8/31)
und Epi
lepsie mit täglich auftretenden Anfällen (Urk.
8/456,
Urk.
8/5
52
)
.
Aufgrund der Behinderung sprach ihr die Eidgenössische Invalidenversicherung verschieden
e
Leistungen zu (medizinische Massnahmen,
Schulungsmassnahmen,
Hilfsmittel
, Kinderspitex; vgl.
Urk.
8/432
,
Urk.
8/531,
Urk.
8/535
).
Im Hinblick auf die Volljährigkeit wurde der Versicherten
am 19. März 2013
die Zusprache einer Hilflosenentschädigung
für Erwachsene
bei schwerer Hilflosig
keit in Aussicht gestellt (
Urk.
8/547
; Mi
tteilung vom 10. Mai 2013, Urk.
8/557-558
).
Die
diesbezügliche
Verfügung ist nicht aktenkundig.
1.2
Mit Vorbescheid
vom 19. März 2013
stell
t
e die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zudem mit Wirkung ab 1.
Januar 2013
die Zusprache eines
Assistenzbeitrag
es
an tatsächlich erbrachten Assistenzstunden von
mo
natlich durchschnittlich Fr.
7‘242.70 bezie
hungsweise jährlich maximal Fr.
79‘669.70
in
Aussicht (
Urk.
8/549). Nach Eingang des
Einwandes vom 3. Mai 2013 (Urk.
8/553) verfügte die IV-Stelle am 1
2.
Juni 2013 im angekündigten Sinne (Urk.
8/562 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom
1
2.
Juni 2013
erhob die Versicherte
mit Eingabe vom 1
2.
Juli 2013
Beschwerde
und beantragte,
sie
sei im Bereich der persönlichen Überwachung während des Tages statt in Stufe 2 in Stufe 4 einzuteilen (ent
sprechend 120
statt 30 Assistenzs
tunden pro Monat;
Urk.
1 S. 2).
Die IV
Stelle beantragte in der Beschwerdeantwort vom
19. August 2
013 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 7)
, was der Beschwerdeführerin am 20. August 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 42
quater
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG
) haben Versicherte, denen eine Hilflosenentschädigung der Invalidenversi
cherung ausgerichtet wird (lit. a), die zu Hause leben (lit. b) und die volljährig sind (lit. c), Anspruch auf einen Assistenzbeitrag.
1.2
Laut
Art.
42
quinquies
IVG wird ein Assistenzbeitrag gewährt für Hilfeleistungen, die von der versicherten Person benötigt und regelmässig von einer natürlichen Person (Assistenzperson) erbracht werden, die von der versicherten Person im Rahmen eines Arbeitsvertrages angestellt wird (lit. a), und weder mit der versi
cherten Person verheiratet ist, mit ihr in eingetragener Partnerschaft lebt oder
eine faktische Lebensgemeinschaft führt noch in gerader Linie mit ihr verwandt ist
(lit. b).
1.3
Hilfebedarf kann in den folgenden Bereichen anerkannt werden (
Art.
39c der Verordnung über die Invalidenversicherung
;
IVV):
a.
alltägliche Lebensverrichtungen;
b.
Haushaltsführung;
c.
gesellschaftliche Teilhabe und Freizeitgestaltung;
d.
Erziehung und Kinderbetreuung;
e.
Ausübung einer gemeinnützigen oder ehrenamtlichen Tätigkeit;
f.
berufliche Aus- und Weiterbildung;
g.
Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem regulären Arbeitsmarkt;
h.
Überwachung während des Tages;
i.
Nachtdienst.
1.4
Die Bestimmung des anerkannten Hilfebedarfs wird in Art. 39e IVV geregelt. Der anerkannte monatliche Hilfebedarf wird in Stunden durch die IV-Stelle
be
stimmt
(
Abs.
1). Für die Überwachung während des Tages gemäss Art. 39c lit.
h gilt ein Höchstansatz von
monatlich
120 Stunden (Art. 39e
Abs.
2 lit. c
IVV
).
1.5
D
er Hilfebedarf wird mit Hilfe eines standardisierten Abklärungsinstrumentes (FAKT) sowohl für direkte als auch für indirekte Hilfeleistungen ermittelt
(vgl. Kreisschreiben über den Assistenzbeitrag, KSAB, Rz 4005).
Um die notwendige Einstufung für die einzelnen Hilfeleistungen zu bestimmen, müssen die IV-Stellen
Aussagen der versicherten Person, Anmerkungen der Ab
klärungsperson
sowie Erfahrungswerte berücksichtigen. Als Unterstützung sind im FAKT Fallbei
spiele hinterlegt, die eine möglichst standardisierte Erfassung erlauben (KSAB Rz 4101).
1.6
Der im KSAB verwendete Begriff der Überwachung während des Tages deckt sich im Wesentlichen mit den von der Rechtsprechung entwickelten Grundsät
zen zur persönlichen Überwachung bei der Hilflosenentschädigung (vgl. Art. 37 IVV; KSAB Rz 4063 ff. und Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH, Rz 8035 f.).
Unter dem Begriff der dauernden persönlichen Überwachung ist eine Hilfeleis
tung zu verstehen, welche infolge des physischen und/oder psychischen Ge
sundheitszustandes der versicherten Person wegen geistiger Absenzen nötig ist. Die versicherte Person darf während des ganzen Tages nicht allein gelassen werden oder eine Drittperson muss mit kleineren Unterbrüchen immer bei ihr anwesend sein. Ein Überwachungsbedarf muss angenommen werden, wenn die Versicherte ohne Überwachung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit selbst gefährdet ist oder Drittpersonen gefährden würde. Darüber hinaus darf der Überwachungsbedarf auch bei einer geringen Wahrscheinlichkeit der Gefähr
dung angenommen werden, wenn die fehlende Überwachung gesundheitsschä
digende Folgen haben könnte (KSAB Rz 4063
-4065
; vgl. auch
Urteil des Bun
desgerichts 9C_608/2007 vom 31. Januar 2008 E. 2.2.1 mit Hinweisen).
Erforderlich ist zudem, dass die Überwachung über eine längere Zeitdauer notwen
dig ist
, dies
im Gegensatz zu „vorübergehend“, wie zum Beispiel infolge einer zusätzlich hinzukommenden Krankheit (KSAB
Rz
4066). Das Bundesge
richt hat hiezu festgehalten, dass das Erfordernis der Dauer nicht bedingt, dass die betreuende Person ausschliesslich an die überwachte Person gebunden ist
; es
hat auch nicht die Bedeutung von „rund um die Uhr", sondern ist als Ge
gensatz zu „vorübergehend" zu verstehen. Dies kann auch erfüllt sein, wenn Anfälle zuweilen nur alle zwei bis drei Tage auftreten, aber unvermittelt und oft auch täglich oder täglich mehrmals erfolgen, so
dass tägliche Überwachung vonnöten ist (Urteil des Bun
desgerichts 8C_158/2008 vom 15.
Oktober 2008
E. 5.2.1).
Gemäss
KSAB Rz. 4067 f.
können nur Zeiten aktiver Überwachung/Intervention übernommen werden. Es wird nur der tatsächliche Zeitbedarf für diese Hand
lungen entschädigt
; z
um Beispiel wenn die betreuende Person nachschauen muss, ob bei der zu überwachenden Person Selbst- oder Fremdgefährdung be
steht, oder wenn eine Person beruhigt werden muss oder im Falle eines Epilep
sie-Anfalles. Nicht anrechenbar sind reine Präsenzzeiten oder passive Überwa
chungszeiten, die keiner Intervention bedürfen und während denen zum Bei
spiel noch andere Tätigkeiten erledigt werden können. Die Person kann zwar nicht alleine gelassen werden, weil man nicht genau weiss, wann eine Interven
tion erforderlich sein wird, sie muss aber trotzdem nicht unmittelbar beaufsich
tigt werden.
2.
2.1
Zur Frage der Überwachung während des Tages führte d
ie Beschwerdegegnerin in de
r
angefochtenen Verfügung
aus, dass nur Zeiten aktiver Überwa
chung/Intervention und nur der tatsächliche Zeitaufwand für diese Handlungen entschädigt werde
n
. Nicht anrechenbar seien reine Präsenz- oder passive Über
wachungszeiten, während denen zum Beispiel noch eine andere Tätigkeit erle
digt werden kann. Gemäss Angaben des Vaters der Beschwerdeführerin träten täglich mehre
re
Absenzen und Epilepsieanfälle - wovon letztere vier bis fünfmal pro Woche in Form von Grand
-
mal-Anfällen - auf. Dafür
seien
täglich 60 Mi
nuten an
zurechnen
, eine Aufstufung könne nicht vorgenommen werden (
Urk.
2 S. 2).
2.2
Dagegen liess die Beschwerdeführerin vortragen, dass der Betreuungsaufwand aufgrund
ihrer
Mehrfachbehinderung enorm sei, weswegen sie seit Jahren eine Hilflosenentschädigung wegen schwerer Hilflosigkeit sowie den maximalen In
tensivpflegezuschlag beziehe
(letzteres bis zur Volljährigkeit)
.
Sie sei in allen Lebensverrichtung
en
auf Unterstützung angewiesen und könne auch tagsüber nie allein gelassen werden
. Insbesondere wegen der
Epilepsie
bedürfe sie
zwin
gender Überwachung. Bei mittleren Anfällen brauche sie Unterstützung und bei schweren Anfällen sei eine umgehende Betreuung unerlässlich,
da
der Beginn des Anfalls
für das richtige und rechtzeitige Verabreichen der Medikamente
nicht verpasst werden dürfe.
Sie
sei
daher
auf ständige Anwesenheit von Dritt
personen angewiesen, weshalb sie in Stufe 4 einzuteilen und 120 Stunden As
sistenz zuzusprechen sei
en
(
Urk.
1).
3.
3.
1
Dr.
med.
Z._
, Kinderarzt FMH, legte am 28. Juni 2007 dar, dass die Überwa
chung der Epilepsie, die Kontrolle der Atmung und der Aspiration ständig not
wendig sei (
Urk.
8/246/3).
Am
25.
Januar 2008 und 1
2.
März 2009
hielt
Dr.
Z._
fest, dass die Beschwerdeführerin unter anderem eine dauernde Über
wachung der Epilepsie mit eventueller Intervention benötige (
Urk.
8/261,
Urk.
8/315).
3.2
Die Beschwerdegegnerin schloss aus der medizinischen Aktenlage am 13. Februar 2008, die Beschwerdeführerin leide
unter
anderem an einer symp
tomatischen Epilepsie mit überwiegend tonischen Anfällen. Diese müssten durch Abgabe der Reservemedikamente kupiert werden, da es sonst zu einem lebensbedrohlichen Status epilepticus komme (
Urk.
8/263).
Am 19./21. September 2011 verfasste die Abklärungsperson der Beschwerdegeg
nerin den Abklärungsbericht für Hilflosenentschädigung für Minderjährige und Intensivpflegezuschlag (
Urk.
8/465).
Sie hielt fest, dass die intensive persönliche Überwachung (weiterhin) ausgewiesen sei.
Dabei wies sie auf ein bis zweimal täglich auftretende Grand
-
mal-Anfälle hin, die jeweils etwa 20 Minuten dauerten, und auf zwei bis drei mittlere Anfälle von je zwei bis drei Minuten
. Der Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf eine schwere Hilflosenent
schädigung mit schwerem Intensivpflegezuschlag (
Urk.
8/429) wurde daraufhin bestätigt
(
Urk.
8/465/4
; Verfügung nicht aktenkundig
).
Im Fragebogen zum Kinderspitexeinsatz der Kinderspitex plus vom
16. April 2010 wie auch in jenem vom
3. September 2012 wurde angegeben, dass die Beschwerdeführerin grundsätzlich der permanenten Überwachung bedürfe, und zwar betreffend die Atmung und die Epilepsieanfälle, diesbezüglich wegen Selbstverletzung, Status epilepticus, Aspiration beim Essen/Trinken und Medi
kation (
Urk.
8/457 und
Urk.
8/523
S.
1 und
S.
7).
I
n Übereinstimmung mit diesen Beurteilungen wurde im FAKT
im Grundsatz
der Bedarf an dauernder persönlic
her Überwachung anerkannt (Urk.
8/561/6).
3.3
Nachdem
Dr.
Z._
-
zuletzt am 5. Mai 2012
-
einen im Vergleich zu einem Nicht
behinderten gleichen Alters behinderungsbedingten Mehraufwand an Hil
feleistung oder persönlicher Überwachung attestiert hatte (
Urk.
8/500/2), stellte er i
n der ärztlichen Verordnung für die me
dizinische Krankenpflege
(vgl. vor
stehende E. 3.2) vom 3.
September 2012
bei stationären Verhältnissen
folgende Diagnosen: schwerste Mehrfachbehinderungen mit Entwicklungsrückstand, Ce
rebralparese, Epilepsie, Katarakte und Glaukom, neurogene Blase, Skoliose, Hüftluxation, Hydrocephalus mit Shunt.
Zu überwachen seien die folgenden Kriterien: vi
t
ale Funktionen, Sauerstoffgabe, S
o
ndierung
,
Medikamentenverab
reichung, Katheterisierung, Hilfsmittelversorgung, Transfer, Lagerung, Absaugen bei Sekretproblemen, Epilepsie-Überwachung/Therapie
. Für die medizinische Pflege b
escheinigte Dr.
Z._
(weiterhin)
einen Aufwand von 18 Stunden pro Woche
(
Urk.
8/522).
3.
4
Im Protokoll der Regionalkoordinatorin der Kinderspitex plus vom 19.
September 2012 wird in Bezug auf die Überwachung ausgeführt, diese werde ständig gebraucht, da die Beschwerdeführerin dauern
d
in Krampfbereit
schaft sei und einen Epilepsieanfall erleiden könne. In diesem Falle müsse kom
petent gemäss Krampfschema reagiert werden können (
Urk.
8/531/8 Mitte).
3.
5
Am 20. Juli 2012 berichteten d
ie Ärzte des
O._
über die Hospitalisation der Beschwerdeführerin vom 2
2.
Mai bis 4. Juni 2012 (
Urk.
8/515).
Die Ärzte
erläuterten
, dass die deutliche Häufung der Anfälle der Grund für die Hospitalisation gewesen sei, und sahen eine neue Medikamenten
dosierung vor (S. 3). Sie bestätigten
die
im Bericht
von
Dr.
Z._
aufgeführten
Diagnosen
(vorstehende E. 3.3)
und ergänzten die Diagnose einer ze
ntralen Atemregulationsstörung (S. 1).
Im Bericht vom
2.
November 2012
beschrieben
sie
die im Gang befindliche Abdosierung der Epilepsiemedikamente und die in der
en
Folge häufiger aufgetretenen Anfälle
.
Im Bericht ist sodann die übliche Medikation der Epilepsie sowie die Reservedosen bei Anfällen dargestellt
(Urk.
8/532).
Laut Bericht vom 27. Februar 2013 verbesserte sich die Anfallsituation
nach Wiederherstellung der Ausgangsdosis, wenngleich der Ausgangszustand nicht wiedererlangt werden konnte
(
Urk.
8/545
= Urk. 3
).
3.
6
Die Abklärungsperson der Beschwerdegegnerin bestätigte im Abklärungsbericht vom 7. Januar 2013 die
erwähnten
Umstände (
Urk.
8/537).
Der Abklärungs
dienst führte am 19. März 2019 in der Stellungnahme zum FAKT zudem aus, aufgrund der Epilepsie sowie der Mehrfachbehinderung sei unverändert die dauernde persönliche Überwachung ausgewiesen (
Urk.
8/551), was die Be
schwerdegegnerin dementsprechend i
m Vorbescheid
vom 19. März 2013
be
treffend Hilflosenentschädigung anerkannte (
Urk.
8/547 S. 2 unten).
Am 12. Juni 2013 ergänzte die Abklärungsperson, ein Überwachungsbedarf sei auf
grund der Epilepsie ausgewiesen. Die vom Vater der Beschwerdeführerin im Einwandschreiben angegebenen Absenzen und Anfälle (vgl.
Urk.
8/553) seien im FAKT mit durchschnittlich 60 Minuten (Stufe 2) pro Tag angerechnet wor
den. Reine Präsenzzeiten oder reine Überwachungszeiten, während denen keine Intervention notwendig sei und noch andere Tätigkeiten erledigt werden kön
nen, seien hingegen nicht anrechenbar (
Urk.
8/563)
, welche Auffassung als Be
gründung der
angefochtene
n
Verfügung
herangezogen wurde
(
Urk.
2).
4.
4.1
Die
dargelegte
medizinische Aktenlage
macht
deutlich, dass die Beschwerdeführe
rin neben der aufwendigen Pflege
eine
r
andauernde
n Überwa
chung bedarf
, die über eine reine Präsenzzeit hinaus geht. Nötig ist eine aktive Überwachung
vor allem der Epilepsie
, so dass im Bedarfsfall unverzüglich ge
handelt werden kann. Rechtsprechungsgemäss ist der Überwachungsbedarf selbst bei einer geringen Wahrscheinlichkeit der Gefährdung gegeben, wenn die fehlende Überwachung gesundheitsgefährdende Folgen haben könnte, was bei der Beschwerdeführerin
unbestrittenermassen
der Fall ist. Bei
Auftreten eines Anfalles besteht - nicht zuletzt wegen der Gefahr des
Verschlucken
s
und des Eintritts eines Status epilepticus
-
rasch Lebensgefahr, denn die Beschwerde
führerin ist weder in der Lage, sich selber zu helfen, noch kann sie selber Hilfe organisieren.
Die Beschwerdegegnerin selbst
ging
davon aus, dass die unver
zügliche Medikation
bei Anfällen
zur Vermeidung eines lebensbedrohlichen Status epilepticus notwendig sei (vorstehend E. 3.2).
4.2
A
uch bei der Überwachung stehen im FAKT für die Ermittlung des Hilfebedarfs Stufen zur Verfügung (Stufen 0-4; vgl. Anhang 3 zum KSAB und
Ziff.
8/1 des FAKT
,
Urk.
8/561/47
), denen jeweils verschiedene Zeitwerte hinterlegt sind. Massgebend für die Einstufung ist, ob kein, respektive ein punktueller, ein stündlicher, ein viertelstündlicher oder ein permanenter Überwachungsbedarf besteht. Je nachdem wird kein Hilfebedarf berücksichtigt (Stufe 0) oder es wer
den pro Tag 30 Min
uten
(Stufe 1), 60 Min
uten
(Stufe 2), 120 Min
uten (Stufe
3) oder 240 Min
uten
(Stufe 4) berücksichtigt (vgl. Anhang 3 zum KSAB).
Generell
sieht die
Verordnung ein
en
monatliche
n Höchstansatz von 120
Stunden für die Überwachung am Tag vor (Art. 39e
Abs.
2 lit. c IVV).
Abgesehen von der periodischen Überwachung von medizinischen Geräten oder auch der Überwachung im Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamen
ten ist es nicht nachvollziehbar, inwiefern die erwähnte Abstufung praktikabel ist. Kann eine Person im Bedarfsfall von sich aus aktiv werden, beispielsweise durch das Betätigen eines Alarmknopfes, ist eine dauernde Überwachung nicht nötig. Im umgekehrten Fall, das heisst wenn die versicherte Person, wie vorlie
gend die Beschwerdeführerin, ausser Stande ist, sich in einer sie gefährdenden Situation selber zu helfen oder sich zumindest bemerkbar zu machen, ist eine dauernde Überwachung unumgänglich.
Die dargelegte Abstufung macht in bei
den Fällen keinen Sinn, weswegen die diesbezügliche Weisung im KSAB nicht anzuwenden ist
(
vgl. dazu auch Urteil des hiesigen Gerichts IV.2013.00088 vom 1
5.
Juli 2014 E. 8.5 sowie
zur Bedeutung von Verwaltungsweisungen für das Gericht BGE 133 V 257 E. 3.2
)
.
Die Beschwerdegegnerin hat
in der angefochtenen Verfügung denn auch nichts vorgebracht, was ihre Behauptung zu stützen vermöchte, die aus
gewiesener
massen stetig notwendig
e
Überwachung
könne
mit blosser Präsenz
oder beim Erledigen von anderweitigen Aufgaben gewährleistet werden.
Diese Ausführun
gen stehen sodann im Widerspruch zu den Feststellungen im Zusammenhang
mit der Hilflosenentschädigung, in deren Rahmen die Beschwerdegegnerin den Bedarf an dauernder persönlicher Überwachung nicht in Frage gestellt hat (vgl. vorstehend
e
E. 3.
2
)
.
4.3
Im
FAKT hat die Beschwerdegegnerin einen
gesamten
Hilfebedarf von monat
lich 240 Stunden anerkannt
(
Urk.
8/561/50)
, entsprechend einer täglichen Hilfe von 7.
8
Stunden (240 Stunden : 30.42 Tage). Während dieser Zeit ist
stets eine Assistenzperson anwesend,
so dass derweil
keine zusätzliche Überwachung nö
tig
ist
. Im Bedarfsfall kann die anwesende Assistenzperson Hilfe leisten.
Ausgehend von e
iner Aktivitätsdauer von 16 Stunden
pro Tag
(vgl.
KSAB
Rz
4075, wonach von einer 8
-
stündigen Ruhepause ausgegangen wird), ver
bleibt ein Bedarf an reiner Überwachung von rund
8
Stunden pro Tag.
Ein täglicher Überwachungsbedarf von
8
Stunden erg
ibt
einen durchschnittli
chen monatlichen
Bedarf
von rund
243
Stunden (
30,42 x
8
Stunden)
,
was weit über dem Höchstansatz von 120 Stunden pro Monat
(Art.
39e
Abs.
2 lit. c IVV)
liegt
. Ange
sichts der Schwere der Behinderung
hat die Beschwerdeführerin
da
her
- in Ergänzung zum verfügungsweise zugesprochenen Assistenzbeitrag von
Fr.
7‘242.70 -
Anspruch auf einen
Assistenzbeitrag für die Überwachung wäh
rend des Tages für die Dauer der
maximal vorgesehene
n
Zeiteinheit
von 120
statt 30
Stunden pro Monat
.
Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
5.
Die Gerichtskosten gemäss Art. 69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
7
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
Bei diesem Verfahrensausgang ist der Beschwerdeführerin eine Prozessentschädi
gung zuzusprechen (
§
61 lit. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Diese ist u
nter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (§ 34 Abs. 3 GSVGer)
auf
Fr.
1‘
3
00.-- festzusetzen.