Decision ID: 07c078b6-903f-4dce-805f-599fa0a75f30
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juni 2015 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, er habe eine Berufsausbildung zum
Metallbauschlosser und eine zweite Berufsausbildung zum Landwirt absolviert. Aktuell
arbeite er im Bereich D._. Sein Monatslohn betrage 5’200 Franken. Die
Rheumatologin Dr. med. E._ berichtete im Juli 2015 (IV-act. 11), der Versicherte leide
an degenerativ bedingten, handbetonten Polyarthralgien. Die Beschwerden hätten
keinen entzündlichen Charakter; sie seien klar belastungsabhängig. In den letzten zwei
Jahren habe sich der Zustand nicht wesentlich verändert. Therapeutische Optionen
bestünden nicht. Der Versicherte habe sich Gedanken über eine Umschulung gemacht,
was aus rheumatologischer Sicht zu begrüssen sei. Allerdings dürfte sich der Umstand,
dass der Versicherte ein Legastheniker sei, erschwerend auf eine Umschulung
auswirken. Im Arbeitgeberfragebogen, den der Versicherte als Geschäftsführer jener
GmbH ausfüllte, für die er arbeitete, gab er an, dass sich sein Lohn auf 3’700 Franken
pro Monat respektive auf 48’000 Franken pro Jahr belaufe, da noch eine monatliche
Kostentschädigung von 300 Franken ausgerichtet werde (IV-act. 14).
A.a.
Ein Berufsberater der IV-Stelle notierte im September 2016 (IV-act. 29), man habe
im Rahmen der Berufsberatung rasch eine Alternative zum nicht mehr zumutbaren
Beruf des Metallbaukonstrukteurs gefunden. Die meisten praktischen Berufe seien
nicht in Frage gekommen, weil sie zu hohe Belastungsanforderungen an die Hände
gestellt hätten. Für eine Umschulung in den kaufmännischen Bereich oder einen höher
qualifizierten Beruf fehlten die erforderlichen kognitiven Fähigkeiten. Der Versicherte
habe früher als „Reitlehrer“ ohne Ausbildung auf dem Hof seiner Ehefrau gearbeitet.
Die Tätigkeit als Spezialist der Pferdebranche entspreche den Adaptionskriterien. Der
Versicherte verfüge über die notwendigen Voraussetzungen, Interessen, Neigungen
und Fähigkeiten. Eine entsprechende Umschulung werde mit hoher Wahrscheinlichkeit
A.b.
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zu einer rentenausschliessenden Integration in den ersten Arbeitsmarkt führen. Die
Umschulung werde drei Jahre dauern. Am 13. Dezember 2016 erteilte die IV-Stelle
dem Versicherten eine Kostengutsprache für eine Umschulung zum Spezialisten der
Pferdebranche (IV-act. 31). Im September 2017 musste die Umschulung „aufgrund
diverser Faktoren“ abgebrochen werden (vgl. IV-act. 44). Ausschlaggebend waren wohl
insbesondere unerwartete Kosten, die zu einer Verschuldung des Versicherten geführt
hätten, wenn dieser die Umschulung fortgeführt respektive abgeschlossen hätte (vgl.
IV-act. 42 ff.). Im Auftrag der IV-Stelle führte die Eingliederungsstätte der Kliniken F._
vom 13. November 2017 bis zum 9. Februar 2018 eine berufliche Abklärung durch. Im
Schlussbericht hielt sie fest (IV-act. 64), der Versicherte habe eine hohe
Leistungsbereitschaft und gute Fähigkeiten gezeigt. Er habe das vereinbarte Pensum
von 80 Prozent gut einhalten können. Seine Arbeitsleistung habe allerdings nicht auf
über 25 Prozent gesteigert werden können, weil er manuelle Arbeiten nur jeweils für
kurze Intervalle habe ausführen können. Tätigkeiten im Büro respektive am PC seien
mangels Fähigkeiten und Neigungen ungünstig gewesen. Die Chancen für eine
berufliche Eingliederung stünden insgesamt schlecht. Die IV-Stelle sollte die
Rentenberechtigung prüfen. Mit einer Mitteilung vom 20. Februar 2018 verneinte die IV-
Stelle einen Anspruch auf weitere berufliche Massnahmen (IV-act. 68).
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete der Rheumatologe Dr. med. G._ am 7.
September 2018 ein rheumatologisches Gutachten (IV-act. 86). Er hielt fest, der
Versicherte leide an einem chronischen multilokulären muskulo-skelettalen
Schmerzsyndrom unklarer Ätiologie mit Polyarthralgien und einem thoraco-
lumbovertebralen Syndrom sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an
Spreizfüssen, an einem Übergewicht und an einer fokalen
Radionuklidmehranreicherung in der rechten Schilddrüsenloge unklarer Ätiologie. In
den aktuellen Röntgenaufnahmen der Hände und Füsse zeigten sich weder relevante
degenerative noch entzündliche Gelenksveränderungen. Klinisch hätten keine floride
Synovitiden, Tenosynovitiden oder Enthesitiden nachgewiesen werden können. Eine
serologische Entzündungsaktivität sei nie nachgewiesen worden. Die immunologischen
Parameter und das HLA-B27 seien negativ gewesen. Die vom Versicherten bezüglich
ihrer Lokalisation glaubhaft geschilderten multilokulären muskulo-skelettalen
Beschwerden hätten höchstens teilweise mit den klinischen Befunden korreliert. Aus
A.c.
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rheumatologischer Sicht bestehe zusammenfassend keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten. Schwere
Tätigkeiten seien nicht zu empfehlen. Das im Schlussbericht der Klinik F._
angegebene Limit der körperlichen Leistungsfähigkeit bei 25 Prozent sei aus
rheumatologischer Sicht nur schwer nachvollziehbar. Das Psychiatrie-Zentrum H._
berichtete im November 2018 (IV-act. 89), der Versicherte leide an einer chronischen
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie an einer
rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode.
Das Psychiatrie-Zentrum habe den Versicherten weder krankgeschrieben noch
Arbeitsunfähigkeitszeugnisse ausgestellt. Eine Arbeitsfähigkeitsschätzung könne nicht
abgegeben werden. Der IV-interne regionale ärztliche Dienst (RAD) erachtete das
Gutachten von Dr. G._ als überzeugend, empfahl aber angesichts der kürzlich in die
Wege geleiteten psychiatrischen Behandlung die Einholung eines bidisziplinären,
rheumatologischen und psychiatrischen Gutachtens, wobei das rheumatologische
Teilgutachten ein Verlaufsgutachten sein solle (IV-act. 91 f.). Am 18. September 2019
erstattete Dr. G._ das rheumatologische Verlaufsgutachten (IV-act. 108). Er hielt fest,
dass sich aus rheumatologischer Sicht bei der aktuellen Verlaufsbegutachtung keine
neuen Gesichtspunkte ergeben hätten. Der Psychiater Dr. med. I._ führte in seinem
psychiatrischen Teilgutachten vom 28. Oktober 2019 aus (IV-act. 112), bei der
Untersuchung hätten eine leicht depressive Stimmung, eine zeitweilige
Niedergeschlagenheit, leichte Schlafstörungen, gewisse Versagensängste und eine
leicht eingeschränkte Ausdauer nach verschiedenen Misserfolgen in Bezug auf eine
Realisierung einer neuen beruflichen Tätigkeit im freien Arbeitsmarkt festgestellt
werden können. Neben den allenfalls leichten depressiven Symptomen seien auch
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit insbesondere histrionisch-unreifen Anteilen
festzustellen gewesen. Als weitere Störung sei ein schädlicher Gebrauch von Alkohol
und Cannabinoiden zu erwähnen. Keine dieser Störungen wirke sich relevant auf die
Arbeits- und Leistungsfähigkeit aus. In ihrer Konsensbeurteilung attestierten die
Sachverständigen Dres. G._ und I._ für die erlernte Tätigkeit als
Metallbauschlosser eine vollständige Arbeitsunfähigkeit und für eine körperlich leichte
bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit.
Der RAD-Arzt Dr. med. J._ qualifizierte das bidisziplinäre Gutachten als überzeugend
(IV-act. 113).
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B.
Mit einem Vorbescheid vom 2. Dezember 2019 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens mangels eines
rentenbegründenden Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 116). Dagegen liess der nun
anwaltlich vertretene Versicherte am 15. Januar 2020 einwenden (IV-act. 121), das von
der IV-Stelle berücksichtigte Valideneinkommen sei viel zu tief angesetzt. Die
Geschäftsabschlüsse der GmbH, an der der Versicherte allein wirtschaftlich berechtigt
gewesen sei, zeigten, dass sich der Versicherte mit einem bescheidenen Einkommen
begnügt habe, um erhebliche Mittel in das „Projekt Uruguay“ investieren zu können.
Die LSE zeige, dass er als ausgebildeter Metallbauschlosser mit viel Berufserfahrung
ein deutlich höheres Einkommen hätte erzielen können. Der Versicherte arbeite noch
immer für seine GmbH, verrichte nun aber lediglich leidensadaptierte Tätigkeiten. Der
seiner Leistung entsprechende Jahreslohn betrage höchstens 40 Prozent des
Valideneinkommens, weshalb der Versicherte einen Anspruch auf eine Dreiviertelsrente
haben müsse. Mit einer Verfügung vom 11. Februar 2020 wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren des Versicherten ab (IV-act. 125).
A.d.
Am 12. März 2020 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 11. Februar 2020 erheben (act. G 1). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Zusprache mindestens einer Dreiviertelsrente ab Juni 2015, alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Zur Begründung führte er aus, das Valideneinkommen betrage
mindestens 60’000 Franken. Der Beschwerdeführer erziele aktuell lediglich noch einen
seiner Arbeitsleistung angemessenen Lohn von 18’000 Franken netto respektive
22’000 Franken brutto. Die Erwerbseinbusse betrage also mindestens 60 Prozent.
B.a.
Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 13. Mai 2020
die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie an, im Jahr 2012
sei nur ein vernachlässigbarer Betrag von 170 Franken als Aufwand für das „Projekt
Uruguay“ verbucht worden. Die Erhöhung dieses Aufwandes in den Jahren 2013 und
2014 auf 36’000 Franken respektive auf 13’393 Franken habe keine Reduktion des
Lohnes zur Folge gehabt, den die im Eigentum des Beschwerdeführers stehende
GmbH diesem ausbezahlt habe. Der Beschwerdeführer habe sich abgesehen davon
B.b.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Da dieses Beschwerdeverfahren die Überprüfung der angefochtenen Verfügung auf
deren Rechtmässigkeit bezweckt, muss sein Gegenstand jenem des vorangegangenen
freiwillig mit einem tiefen Erwerbseinkommen begnügt. Zudem sei es
rechtsmissbräuchlich, dass der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit der
Beitragspflicht tiefe und im Versicherungsfall höhere Löhne geltend gemacht habe. Das
effektiv erzielte Einkommen sei nicht das zumutbarerweise erzielbare
Erwerbseinkommen, denn angesichts der medizinisch uneingeschränkten
Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten könne der Beschwerdeführer ein
Erwerbseinkommen von bis zu 50’505 Franken erzielen.
Der Beschwerdeführer liess am 1. Juli 2020 an seinen Anträgen festhalten (act. G
8). Zusätzlich beantragte sein Rechtsvertreter die Durchführung einer mündlichen
Hauptverhandlung.
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).B.d.
An der mündlichen Verhandlung vom 26. April 2022, an der die
Beschwerdegegnerin nicht teilnahm (vgl. act. G 19), machte der Beschwerdeführer
geltend, nach der Aufnahme der selbständigen Erwerbstätigkeiten sei es zu
Buchhaltungsfehlern gekommen. „Intern“ habe man einen Lohn von 5’500–6’000
Franken fakturiert. Da aber ein erheblicher Teil davon für das „Projekt Uruguay“
vorgesehen gewesen sei, habe man in der Buchhaltung nur einen Lohn von 4’000
Franken ausgewiesen. Diesen Fehler habe man später nicht mehr korrigieren können.
In der Klinik F._ habe man drei Monate lang intensiv alle Möglichkeiten erprobt. Für
den Beschwerdeführer sei es ein Schreck gewesen zu hören, dass er nicht mehr als 25
Prozent leisten könne. Er habe oft gebremst werden müssen. Er könne zwar neun
Stunden pro Tag arbeiten, komme aber nirgends hin. Für die Umschulung zum
Spezialist der Pferdebranche habe er aus eigenen Mitteln 50’000 Franken investiert.
Der Eingliederungsverantwortliche der Beschwerdegegnerin habe später verlangt, dass
er nochmals 20’000 Franken investiere, aber er habe keine finanziellen Mittel mehr
gehabt. Deshalb sei die Umschulung dann abgebrochen worden.
B.e.
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Verwaltungsverfahrens entsprechen. Das Verwaltungsverfahren hat sich auf die
Prüfung eines Rentenanspruchs des Beschwerdeführers beschränkt. Berufliche
Massnahmen haben nach dem Abschluss des entsprechenden Teils des
Verwaltungsverfahrens am 20. Februar 2018 nicht mehr zum Gegenstand des
Verwaltungsverfahrens gehört. Folglich ist in diesem Beschwerdeverfahren
ausschliesslich zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren des
Beschwerdeführers zu Recht abgewiesen hat.
2.
Invalidität ist gemäss dem Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Als Erwerbsunfähigkeit
wird im Art. 7 Abs. 1 ATSG der durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung verursachte
und nach der zumutbaren Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder
teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem (fiktiven) allgemeinen und
ausgeglichenen Arbeitsmarkt definiert. Die invalidenversicherungsrechtlich relevante
Invalidität ergibt sich also nicht direkt aus der Gesundheitsbeeinträchtigung.
Massgebend ist vielmehr der Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem (fiktiven)
allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt, wobei allerdings nur der durch eine
Gesundheitsbeeinträchtigung verursachte Verlust der Erwerbsmöglichkeiten relevant
ist. Der Invaliditätsbegriff wird im ATSG also nicht medizinisch, sondern ökonomisch
definiert. Diesem ökonomischen Invaliditätsbegriff entsprechend sieht der Art. 16 ATSG
die Bemessung der Invalidität anhand eines Einkommensvergleichs vor: Für die
Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung
der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei einer (fiktiv) ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (sog. zumutbarerweise erzielbares Invalideneinkommen), in Beziehung zu jenem
Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben wäre
(sog. Valideneinkommen). Die beiden Vergleichseinkommen – Invalideneinkommen und
Valideneinkommen – sind allerdings lediglich Messgrössen, die zur Bestimmung des
Invaliditätsgrades respektive zur Bemessung des Verlustes der Erwerbsmöglichkeiten
notwendig sind. Die eigentliche Frage lautet, welchen Teil ihrer Erwerbsmöglichkeiten
die versicherte Person aufgrund einer Gesundheitsbeeinträchtigung verloren hat. Weil
sich aber weder die Erwerbsmöglichkeiten vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung noch jene nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung quantifizieren lassen, müssen Messwerte herangezogen
werden, die eine Berechnung des Invaliditätsgrades erlauben. Diese Messwerte sind
2.1.
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die erzielbaren Erwerbseinkommen bei einer optimalen Ausschöpfung der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem (fiktiven) allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt.
Der massgebende ökonomische Invaliditätsbegriff zwingt also zum folgenden
Vorgehen bei der Bestimmung des Invaliditätsgrades: In einem ersten Schritt ist zu
ermitteln, welche Erwerbsmöglichkeiten der versicherten Person auf dem (fiktiven)
allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung
zur Verfügung gestanden hätten (sog. „Validenkarriere“) und welche
Erwerbsmöglichkeiten die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung, nach der medizinischen Behandlung und nach der
Durchführung der Eingliederungsmassnahmen auf dem (fiktiven) allgemeinen und
ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch hat (sog. „Invalidenkarriere“). In einem zweiten
Schritt ist zu bestimmen, welches Erwerbseinkommen die versicherte Person bei der
ihr zumutbaren Ausnutzung ihrer Erwerbsmöglichkeiten auf dem (fiktiven) allgemeinen
und ausgeglichenen Arbeitsmarkt – mit und ohne Gesundheitsbeeinträchtigung –
erzielen könnte. Damit werden das zumutbarerweise erzielbare Invalideneinkommen als
Messgrösse für die trotz der Gesundheitsbeeinträchtigung verbleibenden
Erwerbsmöglichkeiten auf dem (fiktiven) allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt
und das Valideneinkommen als Messgrösse für die Erwerbsmöglichkeiten auf dem
(fiktiven) allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung bestimmt. In einem dritten Schritt sind die
Erwerbseinbusse (Differenz zwischen den Vergleichseinkommen) und der
Invaliditätsgrad (Verhältnis der Erwerbseinbusse zum Valideneinkommen) zu berechnen
(vgl. zum Ganzen auch SVR 2021 IV Nr. 34).
Der Beschwerdeführer hat eine Ausbildung zum Metallbauschlosser und eine
Ausbildung zum Landwirt absolviert. Als Landwirt ist er nur vorübergehend tätig
gewesen, solange er zusammen mit seiner Ehefrau deren Hof bewirtschaftet hat. Davor
und danach hat er jahrelang als Metallbauschlosser gearbeitet. Seine
Erwerbsmöglichkeiten auf dem invalidenversicherungsrechtlich massgebenden
allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt haben also jenen eines ausgebildeten
Metallbauschlossers mit jahrelanger Berufserfahrung entsprochen. Gemäss der Tabelle
A1 der LSE 2016 hat sich der statistische Zentralwert der Löhne für Männer, die in den
Branchen 24/25 (Metallerzeugung und Herstellung von Metallerzeugnissen) tätig
gewesen sind und komplexe praktische Tätigkeiten verrichtet haben, die ein grosses
Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen (Kompetenzniveau 3), bei einer
standardisierten Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche auf 6’932 Franken pro Monat
belaufen. Da ein allfälliger Rentenanspruch frühestens im Dezember 2015 entstanden
sein könnte, ist auf diesen Betrag abzustellen. Unter Berücksichtigung einer
2.2.
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betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit in den Branchen 24/25 im Jahr 2015 von
41,4 Stunden entspricht das einem Jahreslohn von 86’095 Franken. Entgegen der
Ansicht der Beschwerdegegnerin spielt es keine Rolle, dass das vom
Beschwerdeführer effektiv erzielte Einkommen tiefer gewesen ist, denn die tatsächliche
Lohnhöhe ist von invalidenversicherungsrechtlich irrelevanten Faktoren des
tatsächlichen Arbeitsmarktes beeinflusst gewesen und kann deshalb keine zuverlässige
Messgrösse für die Erwerbsmöglichkeiten auf dem (fiktiven) allgemeinen und
ausgeglichenen Arbeitsmarkt sein. Würde man, der Argumentation der
Beschwerdegegnerin folgend, das Valideneinkommen anhand der Löhne auf dem
tatsächlichen Arbeitsmarkt und das Invalideneinkommen anhand der Löhne auf dem
(fiktiven) allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt bemessen, hätte das einen
Vergleich mit unterschiedlichen Messgrössen zur Folge, der nur ein verfälschtes
Ergebnis haben könnte. Die Befürchtung der Beschwerdegegnerin, mit der richtigen,
gesetzmässigen Bemessung des Invaliditätsgrades würde dem Rechtsmissbrauch Tür
und Tor geöffnet, ist unbegründet, denn die gegenüber der Beitragsabteilung
deklarierten Einnahmen bilden ja (unabhängig vom Invaliditätsgrad) die Basis für das
massgebende durchschnittliche Jahreseinkommen und damit für den Rentenbetrag.
Ein Grund, der dazu zwingen würde, bei der Bemessung des Valideneinkommens vom
massgebenden statistischen Zentralwert auf dem (fiktiven) allgemeinen und
ausgeglichenen Arbeitsmarkt abzuweichen, ist nicht ersichtlich, weshalb das
Valideneinkommen auf 86’095 Franken festzusetzen ist.
Für die Bemessung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist
massgebend, welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht in
welchem Umfang noch zugemutet werden können. Zur Beantwortung dieser Frage hat
die Beschwerdegegnerin die Sachverständigen Dres. G._ und I._ mit der Erstellung
eines bidisziplinären Gutachtens beauftragt. Die Sachverständigen haben den
Beschwerdeführer persönlich untersucht und sie haben die Berichte der behandelnden
Ärzte eingehend gewürdigt. In ihrem Gutachten haben sie die subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers und die von ihnen erhobenen objektiven klinischen und
bildgebenden Befunde ausführlich wiedergegeben, sodass kein ernsthafter Zweifel
daran besteht, dass sie den massgebenden medizinischen Sachverhalt vollständig
ermittelt haben. In ihrem Gutachten haben sie sorgfältig zwischen den subjektiven
Klagen des Beschwerdeführers und den objektiven – klinischen und bildgebenden –
Befunden unterschieden. Ihre Beurteilung, das heisst die Diagnosestellung und die
Arbeitsfähigkeitsschätzung, haben sie rein anhand der objektiven Befunde
überzeugend hergeleitet und begründet. Der rheumatologische Sachverständige Dr.
G._ hat anschaulich aufgezeigt, dass sowohl klinisch als auch in verschiedenen
2.3.
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bildgebenden Verfahren keine organische Ursache für die vom Beschwerdeführer als
stark beeinträchtigend geschilderten Beschwerden in den Händen hat gefunden
werden können. Ebenso überzeugend hat er dargelegt, dass die Einschätzung der
Klinik F._ aus rheumatologischer Sicht nicht nachvollziehbar ist und dass die vom
Beschwerdeführer zuletzt effektiv ausgeübte Tätigkeit das subjektiv vom Beschwerde
führer angegebene und das von der Klinik F._ „bestätigte“ Leistungslimit deutlich
übersteigt. Damit hat er aufgezeigt, dass die Klinik F._ sich bei ihrer Beurteilung zu
sehr von den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers hat leiten lassen, die
erwiesenermassen in einem deutlichen Widerspruch nicht nur zu den massgebenden
objektiven Befunden, sondern auch zur effektiven Belastung im Rahmen der tatsächlich
ausgeübten Tätigkeit gestanden haben. Der psychiatrische Sachverständige Dr. I._
hat objektiv klinisch lediglich eine leicht depressive Stimmung, eine zeitweilige
Niedergeschlagenheit, leichte Schlafstörungen, gewisse Versagensängste und eine
leicht eingeschränkte Ausdauer nach verschiedenen Misserfolgen bei der beruflichen
Wiedereingliederung festgestellt. Anhand dieser diskreten objektiven Befunde hat er
überzeugend dargelegt, dass der Beschwerdeführer nicht an Symptomen gelitten hat,
die so stark ausgeprägt gewesen wären, dass eine depressive Störung hätte
diagnostiziert werden können. Damit hat er die Diagnosestellung des Psychiatrie-
Zentrums H._ widerlegt. Zudem hat Dr. I._ auf einen schädlichen Gebrauch von
Alkohol und Cannabinoiden hingewiesen, den die Ärzte des Psychiatrie-Zentrums
H._ nicht erwähnt hatten. Damit hat er aufgezeigt, dass sich die Ärzte des
Psychiatrie-Zentrums zu sehr von den subjektiven Schilderungen des
Beschwerdeführers haben leiten lassen und dass sie dem massgebenden objektiven
klinischen Befund nicht hinreichend Rechnung getragen respektive diesen gar nicht
erst vollständig ermittelt haben, denn ansonsten hätten sie den schädlichen Gebrauch
von Alkohol und Cannabinoiden feststellen müssen. In den Akten findet sich
zusammenfassend also kein Hinweis, der einen ernsthaften Zweifel an der
Überzeugungskraft des Gutachtens wecken würde. Zusammenfassend steht deshalb
gestützt auf das bidisziplinäre Gutachten mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer zwar den erlernten
Beruf als Metallbauschlosser bleibend nicht mehr, eine leidensadaptierte – leichte bis
mittelschwere und wechselbelastende – Tätigkeit dagegen ohne eine Einschränkung
ausüben kann. Ein Anhaltspunkt, dass sich der Arbeitsfähigkeitsgrad des
Beschwerdeführers für die angestammte und für eine leidensadaptierte Tätigkeit in der
Zeit zwischen dem frühestmöglichen Rentenbeginn im Dezember 2015 (vgl. Art. 29
Abs. 1 IVG) und der Begutachtung im September/Oktober 2019 wesentlich verändert
hätte, ist nicht ersichtlich, weshalb auch mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, dass der Beschwerdeführer in der Zeit
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/12
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3.
Die Beschwerde ist abzuweisen. Der Verfahrensaufwand ist mit Blick auf die
Durchführung einer mündlichen Verhandlung als leicht überdurchschnittlich zu
qualifizieren, weshalb die Gerichtskosten auf 800 Franken festzusetzen sind. Diese
Gerichtskosten sind dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der von ihm
zwischen Dezember 2015 und Oktober 2019 eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit
uneingeschränkt hätte ausüben können.
Die Beschwerdegegnerin hat zu Recht erkannt, dass der Beschwerdeführer vor
diesem Hintergrund einen Anspruch auf eine Berufsberatung und eine Umschulung
gehabt hat. Ihr weiteres diesbezügliches Vorgehen ist allerdings in mehreren Punkten
nicht nachvollziehbar: Obwohl der Beschwerdeführer in der Lage gewesen war, zwei
vollwertige Berufsausbildungen zu absolvieren, hat sie auf einen blossen Hinweis eines
behandelnden Arztes hin ohne jede weitere Abklärung angenommen, der
Beschwerdeführer sei ein Legastheniker, der nicht in der Lage sei, den schulischen Teil
einer weiteren Ausbildung zu bestehen oder im Büro zu arbeiten. Dadurch hat sie das
Spektrum der in Frage kommenden Umschulungsmöglichkeiten ohne eine
ausreichende Kenntnis des massgebenden Sachverhaltes vorschnell erheblich
eingeschränkt. Die Umschulung zum Pferdespezialisten dürfte mit Blick auf die
körperlichen Belastungen jener Tätigkeit nicht geeignet gewesen sein, den
Beschwerdeführer rentenausschliessend wieder einzugliedern. Nicht nachvollziehbar
ist schliesslich auch, weshalb die Beschwerdegegnerin die bereits begonnene
Umschulung abgebrochen hat. Weil der Entscheid der Beschwerdegegnerin, die
Umschulung abzubrechen und keine weitere Umschulung des Beschwerdeführers in
Angriff zu nehmen, aber verbindlich geworden ist, kann der Grundsatz „Eingliederung
vor Rente“ nicht zur Anwendung kommen. Das bedeutet, dass die Invalidenkarriere in
der Verrichtung einer leidensadaptierten Hilfsarbeit bestehen muss.
2.4.
Der statistische Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne im Jahr 2015 hat sich auf 66’633
Franken belaufen (Informationsstelle AHV/IV, Textausgabe IVG, 10. Aufl. 2019, Anh. 2).
Bei einem Valideneinkommen von 86’095 Franken und einem zumutbarerweise erziel
baren Invalideneinkommen von 66’633 Franken resultiert eine invaliditätsbedingte
Erwerbseinbusse von 19’462 Franken, was einem Invaliditätsgrad von 22,61 Prozent
respektive von 23 Prozent entspricht. Da erst ab einem Invaliditätsgrad von 40 Prozent
ein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung besteht, erweist sich die
angefochtene Verfügung im Ergebnis als rechtmässig.
2.5.
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geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken wird daran angerechnet. Der
unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.