Decision ID: ec15e92d-da8e-51c9-8ef7-67511459187d
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
Die A._ (nachfolgend: Versicherte) war bei der B._ als Marketingfachfrau mit
eidgenössischem Fachausweis angestellt und dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und
Nichtberufsunfällen versichert, als sie laut Schadenmeldung UVG der Arbeitgeberin
vom 22. Februar 2019 am 17. Februar 2019 beim Snowboardfahren verkantete und
rückwärts gegen den Hang (talabwärts) auf den Hinterkopf stürzte. Sie trug dabei einen
Helm (Suva-act.1).
A.a.
Die Erstbehandlung fand am Unfalltag bei Dr. C._ statt, der eine Commotio
cerebri diagnostizierte und die Versicherte nach Hause entliess (Suva-act. 1, 2). Am
selben Abend stellte sich die Versicherte wegen zunehmender Übelkeit in der Zentralen
Notaufnahme des Kantonsspital St. Gallen (KSSG) vor, worauf in der Klinik für
Neurochirurgie eine GCS-Überwachung durchgeführt wurde. Am 18. Februar 2019
wurde die Versicherte bei weiterhin leicht reduziertem Allgemeinzustand, bei aber
insgesamt besserem Beschwerdebild mit GCS 15 und ohne Vorliegen fokal-
neurologischer Defizite, nach Hause entlassen. Es wurde ihr vom 18. bis 20. Februar
2019 eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (Suva-act. 21). Die Suva erbrachte
für die Folgen des Unfalls vom 17. Februar 2019 die gesetzlichen
Versicherungsleistungen (Suva-act. 5).
A.b.
Am 11. Mai 2020 konsultierte die Versicherte Dr. med. E._, Allgemeine Innere
Medizin, der in der Anamnese insbesondere rezidivierende beidseitige
Kopfschmerzepisoden, vom Nacken in den Hinterkopf ausstrahlend, ohne
sensomotorische Ausfälle, und eine in letzter Zeit eher verstärkte Symptomatik über
teils mehrere Tage notierte. Als Diagnose stellte er einen Status nach
A.c.
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Schädelhirntrauma Grad I am 17. Februar 2019 (Snowboardsturz) mit/bei chronisch
rezidivierend vertebragenen Cephalgien linksbetont und muskulärer Dysbalance mit
Haltemuskelschwäche. Eine Arbeitsunfähigkeit wurde nicht attestiert (Suva-act. 26, vgl.
auch Suva-act. 27).
Am 12. Mai 2020 liess die Versicherte der Suva durch ihre Arbeitgeberin einen
Rückfall zum Unfall vom 17. Februar 2019 melden (Suva-act. 13; vgl. auch Suva-act.
14).
A.d.
Am 15. Mai 2020 ging bei der Suva das Arztzeugnis UVG von Dr. E._ ein (Suva-
act. 20). Am 30. Mai 2020 erstattete Dr. E._ einen hinsichtlich Befunden und
Diagnose identischen ärztlichen Zwischenbericht (Suva-act. 27).
A.e.
Am 2. Juni 2020 legte die Suva den Schadenfall ihrem Kreisarzt Dr. med. D._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie, zur Beurteilung der Frage vor, ob die aktuellen
Beschwerden auf den Unfall vom 17. Februar 2019 zurückzuführen seien. Dr. D._
bejahte eine überwiegend wahrscheinliche Unfallkausalität, empfahl aber eine MRT-
Untersuchung des Neurocraniums und der Halswirbelsäule (=HWS) zum Ausschluss
frischer oder älterer Strukturschäden (Suva-act. 28). Am 16. Juni 2020 wurde bei der
Versicherten in der Radiologie Nordost, Diagnosezentrum F._, eine entsprechende
MRT-Untersuchung durchgeführt. Der untersuchende Radiologe Dr. med. G._
sichtete keine strukturellen Läsionen des Neurocraniums, keine fokalen zerebralen
Läsionen, keinen Hinweis für eine stattgehabte Blutung oder ein Subduralhämatom,
keine Nasennebenhöhlenpathologien, keine Foramenstenosen oder
Nervenwurzelkompressionen und keine zervikale Myelopathie, sondern erhob als
Befund lediglich eine Streckfehlhaltung der HWS (Suva-act. 32). In seiner
nachfolgenden Beurteilung vom 14. Juli 2020 hielt Kreisarzt Dr. D._ insbesondere
basierend auf dem vorgenannten radiologischen Untersuchungsergebnis fest, dass die
aktuell beklagten Beschwerden nach klinischem und bildgebendem Ausschluss
unfallbedingter struktureller Läsionen des Neurocraniums und der HWS nicht in einem
Zusammenhang mit dem Unfallereignis 15 Monate zuvor stünden, sondern den schon
vor dem Ereignis bestehenden rezidivierenden Problemen geschuldet seien. Eine
Rückfallkausalität sei überwiegend wahrscheinlich zu verneinen (Suva-act. 33).
A.f.
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B.
C.
Mit Verfügung vom 16. Juli 2020 eröffnete die Suva der Versicherten, dass
zwischen den als Rückfall gemeldeten Kopf- und Nackenbeschwerden und dem Unfall
vom 17. Februar 2019 kein sicherer oder wahrscheinlicher Kausalzusammenhang
bestehe. Entgegenkommenderweise übernehme die Suva die bis zum
Verfügungsdatum entstandenen Behandlungskosten im Sinne von Abklärungskosten.
Weitere Versicherungsleistungen (Heilkosten, Taggeld) könne sie indessen nicht mehr
übernehmen (Suva-act. 36).
A.g.
Gegen die Verfügung vom 16. Juli 2020 erhob die Versicherte mit Eingabe vom 29.
Juli 2020 Einsprache (Suva-act. 42).
B.a.
Am 6. Oktober 2020 verfasste Kreisarzt Dr. D._ eine ausführliche ärztliche
Beurteilung des medizinischen Sachverhalts sowie der kausalen Zusammenhänge im
laufenden Verfahren (Suva-act. 45).
B.b.
Mit Einspracheentscheid vom 16. Januar 2021 wies die Suva die Einsprache der
Versicherten ab (Suva-act. 50).
B.c.
Gegen den Einspracheentscheid erhob die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 28. Januar 2021 bei der Suva (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag, der angefochtene
Einspracheentscheid sei aufzuheben und es sei die Leistungspflicht der
Unfallversicherung für die am 12. Mai 2020 als Rückfall gemeldeten Beschwerden zu
bejahen. Die Beschwerdeführerin machte insbesondere geltend, dass die im
Einspracheentscheid erwähnten chronischen Schmerzen gemäss den beigelegten
Behandlungseinträgen von ihrem Hausarzt Dr. E._ (act. G 1.2) erstmals am 15. Mai
2020 (richtig: 11. Mai 2020) dokumentiert worden seien. Aus der von Dr. E._
gestellten Diagnose gehe klar hervor, dass die Schmerzen seit dem 17. Februar 2019
bestünden und nicht bereits davor bestanden hätten. Sie seien chronisch rezidivierend
seit dem 17. Februar 2019 (act. G 1). Die Eingabe wurde als Beschwerde
zuständigkeitshalber dem Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen überwiesen
(act. G 0).
C.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und vorliegend zu beurteilen ist die Leistungspflicht
der Beschwerdegegnerin für den am 12. Mai 2020 gemeldeten Rückfall zum Unfall vom
17. Februar 2019.
2.
In der Beschwerdeantwort vom 24. Februar 2021 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 3) und reichte aufgrund
der Vorbringen der Beschwerdeführerin eine ergänzende Stellungnahme von Dr. D._
vom 22. Februar 2021 ein (act. G 3.1).
C.b.
Am 18. März 2021 übermittelte die Beschwerdegegnerin dem
Versicherungsgericht zuständigkeitshalber (act. G 5) einen Arztbericht von Dr. E._
vom 12. März 2021, worin dieser insbesondere bestätigte, dass die
Beschwerdeführerin erstmalig am 11. Mai 2020 durch ihn untersucht worden sei. Die
Aussage von Kreisarzt Dr. D._ in seiner Beurteilung vom 22. Februar 2021 (act. G 3.1)
"im Erstbehandlungsbericht vom Unfalltag ..." sei nicht korrekt (act. G 5.1). Die vom
Versicherungsgericht der Beschwerdeführerin eingeräumte Gelegenheit, zum
Arztbericht von Dr. E._ Stellung zu nehmen, lief unbenützt ab, worauf das
Versicherungsgericht den Schriftenwechsel abschloss (act. G 7). Nachdem die
Beschwerdegegnerin aufgrund des Schreibens von Dr. E._ vom 12. März 2021 den
Schadenfall nochmals durch Kreisarzt Dr. D._ hatte beurteilen lassen (act. G 8.1),
reichte sie am 5. Mai 2021 zusammen mit der kreisärztlichen Beurteilung eine weitere
Eingabe ein (act. G 8). Die Beschwerdeführerin liess sich auch zu den vorgenannten
Akten nicht vernehmen, worauf das Versicherungsgericht den Schriftenwechsel erneut
abschloss (act. G 9).
C.c.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften und die Ausführungen in
den medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
C.d.
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Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen, Nichtberufs
unfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt.
Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung bildet die
Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht demnach nur für
Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten
Unfallereignis zusammenhängen (André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/
Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar zum
schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert: KOSS UVG];
Irene Hofer, N 63 ff. zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurz Pärli
[Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019 [nachfolgend zitiert: BSK
UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.). Für die
Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im
Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten oder
Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist
demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis
entwickelten Regeln zu beurteilen ist (KOSS UVG-Nabold, N 53, 59 zu Art. 6; BSK
UVG-Hofer, N 66, 74 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58; BGE 122 V 158 f.
E. b mit zahlreichen Hinweisen; SZS 2018 S. 357 f.). Bei physischen Unfallfolgen spielt
indessen die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle (BGE 134 V 112 E. 2.1, 127 V 103 E. 5b/bb, 118 V 291 f. E. 3a; SVR 2000 Nr. 14
S. 45). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar, ist eine
eigenständige Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei welcher wie folgt zu
differenzieren ist: Hat die versicherte Person beim Unfall kein Schleudertrauma bzw.
keine schleudertraumaähnliche Verletzung und kein Schädelhirntrauma erlitten, gelangt
die Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 140 E. 6c/aa zur Anwendung. Ergeben die
Abklärungen indessen das Vorliegen einer Schleudertraumaverletzung oder eines
Schädelhirntraumas, muss geprüft werden, ob zum typischen Beschwerdebild einer
solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise vorliegen, im
Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Trifft dies
zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE 115 V 140 E. 6c/aa für
Unfälle mit psychischen Unfallfolgen aufgestellten Grundsätze massgebend.
Andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz gemäss den in BGE 117 V 359
festgelegten und in BGE 134 V 109 präzisierten Kriterien. Die Anwendung der
Rechtsprechung zum adäquaten Kausalzusammenhang bei Schleudertraumen der
2.1.
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HWS und Schädelhirntraumen setzt voraus, dass die psychischen Beschwerden aus
dem Unfall hervorgehen und zusammen mit den organischen Beschwerden, die
ebenfalls auf das Unfallereignis zurückzuführen sind, ein komplexes Gesamtbild
ergeben (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 327 E. 3b).
Gemäss Art. 11 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202)
werden Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt, wobei
Rückfälle und Spätfolgen besondere revisionsrechtliche Tatbestände darstellen (vgl.
BGE 118 V 293; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S.79).
Praxisgemäss handelt es sich bei einem Rückfall um das Wiederaufflackern einer
vermeintlich geheilten Krankheit bzw. vermeintlich geheilter Unfallfolgen, so dass es
erneut zu ärztlicher Behandlung und möglicherweise zu einer weiteren
Arbeitsunfähigkeit kommt. Von Spätfolgen wird dann gesprochen, wenn ein scheinbar
geheiltes Leiden im Lauf längerer Zeit organische oder psychische Folgen bewirkt, die
zu einem andersgearteten Krankheitsbild führen können. Rückfälle und Spätfolgen
schliessen begrifflich an ein bestehendes Unfallereignis an. Dementsprechend können
sie eine Leistungspflicht des (damaligen) Unfallversicherers nur dann auslösen, wenn
zwischen den erneut vorgebrachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten
Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und ein adäquater
Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1, BGE 118 V 296 f. E. 2c; KOSS-
Nabold, N 89 f. zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 117 zu Art. 6).
2.2.
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung
des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Die Verwaltung als verfügende Instanz
und - im Beschwerdefall - das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen
annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht
hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse
Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht
(BGE 138 V 221 f. E. 6 mit Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die
Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des
Sozialversicherungsgerichts (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrecht [ATSG; SR 830.1]) oder der verfügenden
Verwaltungsstelle (Art. 43 Abs. 1 ATSG) ist, für die Zusammentragung des
Beweismaterials besorgt sind. Im Sozialversicherungsrecht tragen mithin die Parteien
in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid
zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
2.3.
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3.
Die von Dr. D._ am 22. Februar 2021 (act. G 3.1) und 12. April 2021 (act. G 8.1)
verfassten Beurteilungen betreffend Unfallkausalität der im Mai 2020 gemeldeten Kopf-
und Nackenschmerzen (Suva-act. 13 f.) wurden von der Beschwerdegegnerin während
Rechte ableiten wollte. Bei der hinsichtlich Rückfall zu erfüllenden
Anspruchsvoraussetzung eines erneuten natürlichen Kausalzusammenhangs handelt
es sich um eine anspruchsbegründende Tatsache. Die diesbezüglichen Konsequenzen
bei Beweislosigkeit trägt damit die versicherte Person (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E.
3b; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 79). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz,
wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf
Grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die
Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 221 E. 6
mit Hinweisen; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 4, 55).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln,
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind. Ausschlaggebend für den
Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich weder die Herkunft eines
Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen
Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen). Insofern kann rechtsprechungsgemäss auch Berichten und Gutachten,
welche die Versicherungen während des Administrativverfahrens von ihren eigenen
Ärzten und Ärztinnen einholen, Beweiswert beigemessen werden. Auf deren Ergebnis
kann jedoch nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen. In diesem Fall sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 229 E. 5.2, 135 V 470 ff. E. 4.4, 4.6 f.; Urteil des
Bundesgerichts vom 16. September 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.2; SVR 2018 IV Nr. 4,
S. 12, E. 3.2).
2.4.
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des laufenden Beschwerdeverfahrens, das heisst pendete lite, eingeholt. Grundsätzlich
kommt der Beschwerde an das kantonale Versicherungsgericht als ordentlichem
Rechtsmittel Devolutiveffekt zu; die Behandlung der Sache geht also mit Einreichung
der Beschwerde auf die Beschwerdeinstanz über. Insoweit ist es dem
Versicherungsträger grundsätzlich verwehrt, nach Einreichung der Beschwerde weiter
oder zusätzliche Abklärungen vorzunehmen; nach der Rechtsprechung sind lediglich
punktuelle Abklärungen (wie z.B. Einholen von Bestätigungen oder Rückfragen)
zugelassen (vgl. BGE 127 V 232 f E. 2b/bb.; Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl.
2020, N 133 zu Art. 61). Zunächst ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin den
versicherungsmedizinischen Sachverhalt bzw. die Frage der Unfallkausalität der als
Rückfall gemeldeten Kopf- und Nackenschmerzen bereits im Verwaltungsverfahren
durch Dr. D._ abklären liess. Dieser nahm insbesondere in seiner Beurteilung vom 6.
Oktober 2020 (Suva-act. 45) umfassend Stellung (vgl. auch die kreisärztliche
Beurteilung vom 14. Juli 2020 [Suva-act. 33]). Zusammen mit der Beschwerde vom 28.
Januar 2021 (act. G 1) reichte nun aber die Beschwerdeführerin einen Auszug aus
Behandlungseinträgen von Dr. E._ (act. G 1.2) ein und am 12. März 2021 erging
zuhanden der Beschwerdegegnerin der Bericht von Dr. E._ vom 12. März 2021 (act.
G 5.1). Die Beschwerdegegnerin legte jeweils die erweiterte Aktenlage zur ärztlichen
Überprüfung der Kausalitätsfrage Dr. D._ vor. Die Einholung der entsprechenden
kreisärztlichen Beurteilungen vom 22. Februar 2021 (act. G 3.1) und 12. April 2021 (act.
G 8.1) war vor dem Hintergrund des oben Dargelegten zulässig (vgl. Urteile des
Bundesgerichts vom 16. Dezember 2014, 8C_284/2014, E. 5.5 und 15. Januar 2014,
8C_410/2013, E. 5). Die kreisärztlichen Aktenbeurteilungen wurden der
Beschwerdeführerin ausserdem jeweils mit den entsprechenden Eingaben der
Beschwerdegegnerin vom 24. Februar 2021 (act. G 3) und 5. Mai 2021 (act. G 8)
zugestellt und es wurde ihr die Gelegenheit eingeräumt, sich dazu zu äussern, weshalb
auch nicht von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs ausgegangen werden kann.
Aus diesen Gründen ist nicht von einer Verletzung des Devolutiveffekts auszugehen.
Vielmehr rechtfertigt es sich, die Beurteilungen von Dr. D._ aus
verfahrensökonomischen Gründen im vorliegenden Beschwerdeverfahren zu
berücksichtigen.
4.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob zwischen den von der Beschwerdeführerin am 12. Mai
2020 als Rückfall gemeldeten Kopf- und Nackenschmerzen und dem Unfall vom 17.
Februar 2019 ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht. Die
Beschwerdegegnerin hatte sich wegen der vorgenannten Beschwerden am 11. Mai
2020 bei Dr. E._ in Behandlung begeben. Unbestritten ist inzwischen, dass Dr. E._
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die von ihm im Behandlungseintrag vom 11. Mai 2020 (act. G 1.2), im Arztzeugnis UVG
vom 15. Mai 2020 (Suva-act. 20) sowie im ärztlichen Zwischenbericht vom 30. Mai
2020 identisch aufgeführten Befunde (vgl. auch Sachverhalt A.e) erstmalig anlässlich
der Konsultation vom 11. Mai 2020 erhoben hat und er diesbezüglich nicht - wie von
Dr. D._ in der ärztlichen Beurteilung vom 6. Oktober 2020 (Suva-act. 45)
angenommen - von vorbestehenden Beschwerden ausgeht. Laut Beurteilung von Dr.
E._ im Arztbericht vom 12. März 2021 sind die Befunde bzw. Beschwerden klar auf
das Unfallereignis vom 17. Februar 2019 zurückzuführen. Dr. D._ beurteilt
demgegenüber die ab Mai 2020 und damit knapp 15 Monate nach dem Unfall
beklagten Beschwerden nicht als überwiegend wahrscheinliche Folge des
Unfallereignisses vom 17. Februar 2019 (act. G 8.1). Nachfolgend ist zu entscheiden,
von welcher Kausalitätsbeurteilung mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit auszugehen ist.
5.
Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen werden grundsätzlich eine
strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares
Korrelat verlangt. Objektivierbar sind Ergebnisse, die reproduzierbar und von den
Angaben der untersuchenden Person und des Patienten bzw. der Patientin unabhängig
sind. Folglich kann von objektiv ausgewiesenen organisch-strukturellen Unfallfolgen
dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit - wissenschaftlich
anerkannten - apparativen/bildgebenden Abklärungen (Röntgen, MRT, CT, EEG)
bestätigt werden (vgl. BGE 134 V 121 f. E. 9, 134 V 232 E. 5.1 mit Hinweisen; Urteil des
Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009, 8C_216/2009, E. 2; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81
E. 5.4 mit Hinweisen [U 479/05]).
5.1.
Die beim Unfall erlittene Verletzung, festgehalten als Unfalldiagnose, bildet ein
massgebendes Kriterium für die Beurteilung des Vorliegens traumatischer
Folgeschäden. Die Erstbehandlung fand am Unfalltag bei Dr. C._ statt, der eine
Commotio cerebri diagnostizierte (Suva-act. 1, 2). Ebenfalls noch am 17. Februar 2019
stellte sich die Versicherte wegen zunehmender Übelkeit in der Zentralen Notaufnahme
des KSSG vor und wurde danach stationär in die Klinik für Neurochirurgie
aufgenommen, wo die behandelnden Ärzte ebenfalls ein Schädelhirntrauma Grad 1
klinisch ohne fokal-neurologische Defizite diagnostizierten (Suva-act. 21). In der durch
Dr. G._ am 16. Juni 2020 durchgeführten MRT-Untersuchung des Schädels und der
HWS der Beschwerdeführerin gelangte einzig eine Streckfehlhaltung zur Darstellung.
Ansonsten zeigte sich ein normales Kernspintomogramm; es konnten weder fokale
zerebrale Läsionen, Nasennebenhöhlenpathologien, Foramenstenosen,
5.2.
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Nervenwurzelkompressionen oder eine zervikale Myelopathie ausgemacht werden
noch ergaben sich Hinweise für eine stattgehabte Blutung oder ein Subduralhämatom
(Suva-act. 32). Vor diesem Hintergrund können damit - wie von Dr. D._ überzeugend
und nachvollziehbar festgestellt (Suva-act. 33-1, 45-3) - organisch-strukturelle
Unfallfolgen ausgeschlossen werden (zur Streckfehlhaltung vgl. Urteile des
Bundesgerichts vom 17. Oktober 2008, 8C_124/2008, E. 6 mit vielen Hinweisen, und 7.
Februar 2008, U 13/07, E. 3.2 und 3.3). Auch klinisch neurologisch liess sich
offensichtlich im KSSG keine ursächlich strukturelle Läsion feststellen (vgl. Suva-act.
21).
Auch die im Rahmen des Rückfalls erhobenen Befunde sowie die
Rückfalldiagnose, welche weitere bedeutsame Kriterien für die Beurteilung des
Vorliegens traumatischer Folgeschäden darstellen, lassen nicht mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf traumatische Folgeschäden schliessen.
5.3.
Am 11. Mai 2020 konsultierte die Beschwerdeführerin wegen Kopfschmerzen,
vom Nacken in den Hinterkopf ausstrahlend, Dr. E._. Dieser erhob als Befunde eine
relativ schwach ausgeprägte Haltemuskulatur mit Myogelosen zervikonuchal
linksbetont und Ausstrahlung occipitoparietal (Suva-act. 20, 27-1, act. G 1.2). Diese
Befunde sind für sich allein nicht als organisch hinreichend nachweisbare Unfallfolgen
zu betrachten (Urteile des Bundesgerichts vom 17. Oktober 2008, 8C_124/2008, E. 6
mit vielen Hinweisen, und 7. Februar 2008, U 13/07, E. 3.2 und 3.3). Eine unfallbedingt
schwach ausgeprägte Haltemuskulatur sowie unfallbedingte Myogelosen sind zwar
nicht ausgeschlossen. Sie können jedoch nur als sekundäre unfallkausale
Gesundheitsschädigungen vorkommen, d.h. sie gründen ihrerseits auf einer
unfallkausalen Körperverletzung wie beispielsweise einer Fraktur (vgl. dazu Alfred M.
Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. 2005, S. 131 f., 856, 860;
Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. 2017, S. 1205 "Myalgie", S. 1212
"Myogelose"; Roche Lexikon, Medizin, 5. Aufl. 2003, S. 1268 "Myalgie", S. 1379
"Myogelose"). Angesichts des Gesagten kann bei vorliegend fehlender unfallkausaler
Körperverletzung nicht von einem überwiegend wahrscheinlichen
Kausalzusammenhang der obgenannten Befunde mit dem Unfall vom 17. Februar 2019
ausgegangen werden.
5.3.1.
Als Rückfalldiagnose führte Dr. E._ einen Status nach Schädelhirntrauma Grad
1 am 17. Februar 2019 (Snowboardsturz) mit/bei chronisch rezidivierenden
vertebragenen Cephalgien linksbetont und muskulärer Dysbalance mit
Haltemuskelschwäche auf. Abgesehen vom Zusatz "Status", der lediglich anzeigt, dass
5.3.2.
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dem aktuellen Zustand ein bestimmter Umstand bzw. eine Gesundheitsschädigung
vorausgegangen ist, jedoch keine Folgen definiert, stimmt die Rückfalldiagnose mit der
Unfalldiagnose überein. Genannt wird zudem der Befund der Dysbalance mit
Haltemuskelschwäche (vgl. dazu Erwägung 5.3.1) sowie das bei der Versicherten
anamnestisch erhobene Beschwerdebild chronisch rezidivierender vertebragener
Cephalgien linksbetont (vgl. act. G 1.2). Auch aus der Rückfalldiagnose kann
überwiegend wahrscheinlich keine organisch-strukturelle Unfallrestfolge abgeleitet
werden. Hinsichtlich des Schädelhirntraumas Grad 1 und der Dysbalance mit
Haltemuskelschwäche ist auf die Ausführungen in den Erwägungen 5.2 und 5.3.1 zu
verweisen. Vertebragene Cephalgien sind sodann zwar ein typisches Symptom nach
einem Schädelhirntrauma (vgl. dazu Pschyrembel, a.a.O., S. 1599). In den
echtzeitlichen Untersuchungsberichten sind allerdings keine Kopf- und
Nackenschmerzen vermerkt, sondern wird (nur) eine Übelkeit beschrieben (Suva-act.
21). Im Regelfall werden jedoch verletzungstypische Beschwerden unmittelbar nach
dem Unfall oder zumindest in zeitlicher Nähe dazu wahrgenommen und es darf davon
ausgegangen werden, dass sie, sofern sie vorgelegen hätten, Eingang in die ärztlichen
Untersuchungsberichte gefunden hätten. Gerade in Bezug auf Kopf- und
Nackenschmerzen ist im Übrigen festzuhalten, dass deren Ursachenspektrum, wie
auch dasjenige von Myogelosen, vielfältig ist und in keiner Weise in einem Unfall liegen
muss. Die genannten Beschwerden vermögen sich zudem wechselseitig zu
beeinflussen bzw. gegenseitig zu unterhalten, weshalb sie erfahrungsgemäss auch
häufig zusammen beschrieben werden (vgl. z.B. "Kopfschmerz": Pschyrembel, a.a.O.,
S. 983; Roche Lexikon, a.a.O., S. 1286; Nackenschmerzen bzw. -steifigkeit:
Pschyrembel, a.a.O., 1120; "Myogelose": Pschyrembel, a.a.O., S. 1212; Debrunner,
a.a.O., S. 800). So beschrieb offenbar auch die Beschwerdeführerin gegenüber Dr.
E._ die Kopfschmerzen als vom Nacken in den Hinterkopf ausstrahlend. Der von Dr.
E._ in der Diagnose verwendete Zusatz "chronisch" untermauert die Unklarheit der
Ätiologie von Beschwerden. Im Verlauf einer Chronifizierung wird das Verhältnis
zwischen organischem Gesundheitsschaden und erlebter Behinderung immer
ungewisser. Andere Faktoren, wie zum Beispiel das Individuum selber mit seiner
Psyche, die Arbeitsumstände bzw. eine körperlich belastende Tätigkeit, das soziale
Umfeld, das medizinische und legale System sowie ökonomische Umstände spielen
eine massgebende Rolle (vgl. Bär/Kiener, Prellung, Verstauchung oder Zerrung der
Wirbelsäule, in: Medizinische Mitteilungen der Suva Nr. 67 [1994], S. 45 ff.).
Bezüglich der im konkreten Fall vorliegenden Unfalldiagnose eines leichten
Schädelhirntraumas wird sodann von Seiten der medizinischen Forschung (Gerhard
Jenzer, Klinische Aspekte bei HWS-Belastungen durch Kopfanprall oder
5.4.
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Beschleunigungsmechanismus; Grenzbereich zum leichten Schädel-Hirn-Trauma, SZS
40/1996, S. 462 ff. und insbesondere S. 467) festgehalten, dass der typische
posttraumatische Verlauf nach einer Commotio cerebri bzw. einem leichten
Schädelhirntrauma einer Erholung innert sechs bis zwölf Wochen entspreche.
Ungewöhnlich lang dauernde und schwere Verläufe nach
einerBeschleunigungsverletzung würden bei Fehlen der klinischen Kriterien einer
traumatischen Hirnschädigung nach einer Interpretation ausserhalb einer
hirnorganischen Schädigung rufen (Jenzer, a.a.O., S. 469 mit Hinweis und S. 463). Die
vorgenannte Heilungsdauer für ein leichtes Schädelhirntrauma findet gerade auch in
der konkreten Anamnese eine eindeutige Stütze. Im Grundfall ist als letzte ärztliche
Untersuchung diejenige in der Klinik für Neurochirurgie im KSSG vom 17. bis 18.
Februar 2019 aktenkundig (Suva-act. 21). Darauf folgte ein Intervall ohne aktenkundige
Heilbehandlungen von rund 15 Monaten bis zur Konsultation bei Dr. E._ am 11. Mai
2020 (act. G 1.2, vgl. auch act. G 5.1). Die Komponente des zeitlichen Ablaufs bildet ein
bedeutsames Indiz für unfallfremde Kopf- und Nackenschmerzen. Je grösser der
zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen
Beeinträchtigung ist, desto strengere Anforderungen sind an den
Wahrscheinlichkeitsbeweis des natürlichen Kausalzusammenhangs zu stellen (Urteil
des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2016, 8C_465/2016, E. 4.2). Die von der
Beschwerdeführerin geschilderten Brückensymptome bzw. die seit dem Unfall
angeblich bestehenden vertebragenen Cephalgien (Suva-act. 22, act. G 1.2 und G 5.1)
sind nicht nachgewiesen. Die Folgen dieser Beweislosigkeit wirken sich zu Lasten der
Beschwerdeführerin aus (vgl. Erwägung 2.3). Ohne dokumentierte Brückensymptome
lässt die Latenzzeit von rund 15 Monaten - wie von Dr. D._ in seinen Beurteilungen 6.
Oktober 2020 (Suva-act. 45) sowie 22. Februar und 12. April 2021 (act. G 3.1, G 8.1)
festgehalten bzw. entsprechend berücksichtigt - eine Rückfallkausalität als
unwahrscheinlich erscheinen. Angesichts des zeitlichen Ablaufs im vorliegenden Fall ist
mithin ein Zusammenhang höchstens möglich. Dass im konkreten Fall die Ursache für
die Schmerzen im Unfall liegt, ist damit nicht überwiegend wahrscheinlich.
5.5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich aufgrund der ursprünglich
gestellten Unfalldiagnose, der im Rückfall erhobenen Diagnose und Befunde, des
zeitlichen Ablaufs sowie des Ergebnisses der radiologischen Untersuchung betreffend
Vorliegen relevanter unfallkausaler somatischer Befunde im Sinn struktureller
Veränderungen keinerlei Anhaltspunkte für eine Unfallkausalität der am 12. Mai 2020
gemeldeten Kopf- und Nackenbeschwerden ergeben. Die Beurteilungen von Dr. D._
5.5.1.
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6.
umfassen die im Rahmen der Kausalitätsbeurteilung massgebenden
Beurteilungskriterien und erscheinen damit in der Schlussfolgerung einer Verneinung
der Unfallkausalität der Kopf- und Nackenbeschwerden durchaus schlüssig und
überzeugend.
Die Beurteilung von Dr. E._ in seinem Bericht vom 12. März 2021, aus seiner
Sicht seien die chronisch rezidivierenden vertebragenen Cephalgien klar auf das
Unfallereignis zurückzuführen (act. G 5.1), vermag an dieser Beurteilung nichts zu
ändern. Auch Dr. E._ bestätigt, dass er die Beschwerdeführerin erstmals am 11. Mai
2020 wegen der vorgenannten Beschwerden untersucht habe. Im Übrigen fehlt im
Bericht eine nachvollziehbare, schlüssige medizinische Begründung seiner
Schlussfolgerung. Seine weitere Bestätigung, die Beschwerdeführerin leide seit dem
Unfall an den vertrebragenen Cephalgien, reicht nicht aus, um von einer natürlich
unfallkausalen organisch-strukturellen Schädigung auszugehen. Andernfalls würde man
sich mit dem blossen Anschein des Beweises bzw. mit der blossen Möglichkeit
begnügen und davon ausgehen, dass eine gesundheitliche Schädigung schon dann
durch den Unfall verursacht sei, wenn sie nach diesem auftrat (vgl. dazu die
beweisrechtlich untaugliche Formel "post hoc ergo propter hoc" z.B. Alfred Maurer,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. 1989, S. 460 N 1205; SVR 2009 UV
Nr. 13 [8C_590/2007], S. 52 E. 7.2.4 mit weiteren Hinweisen; BGE 119 V 340 E. 2b/bb).
Im Übrigen hatte die Beschwerdeführerin anlässlich des Telefongesprächs mit der
Beschwerdegegnerin vom 12. Mai 2020 betreffend Rückfallmeldung gemäss deren
Telefonnotiz angegeben, sie habe "in letzter Zeit" vermehrt Kopfschmerzen und einen
verspannten Nacken (Suva-act. 14). Diese Formulierung deutet ebenfalls nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf eine seit dem Unfall
durchgehend bestehende Beschwerdesymptomatik hin.
5.5.2.
Nach den Ergebnissen der medizinischen Forschung ist nun aber bekannt, dass
bei Schleudertraumen und äquivalenten Verletzungen wie Distorsionen der HWS sowie
Schädelhirntraumen (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom
17. August 2004, U 243/03; RKUV 2000 Nr. U 395 S. 316 E. 3; BGE 117 V 369) auch
ohne nachweisbare pathologische bzw. organische Befunde noch Jahre nach dem
Unfall funktionelle Ausfälle verschiedenster Art, unter anderem - wie von der
Beschwerdeführerin beklagt - Kopf- und Nackenschmerzen, aber auch zahlreiche
weitere Beschwerden auftreten können. Der Umstand, dass die für ein
Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung typischen Beschwerden nicht mit
entsprechenden Untersuchungsmethoden (Röntgen, Computertomogramm, EEG)
6.1.
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objektivierbar sind, rechtfertigt für sich allein nicht, die diesbezüglichen Beschwerden
in Abrede zu stellen (BGE 117 V 363 E. 5d/aa). Ist ein Schleudertrauma oder eine dem
Schleudertrauma äquivalente Verletzung diagnostiziert und liegt ein für diese
Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse
Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit,
rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression,
Wesensveränderung usw. vor, so ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen
dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit in der Regel
anzunehmen (BGE 117 V 359 E. 4b; vgl. auch BGE 117 V 369 E. 3e). Nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts (Urteile vom 29. Mai 2012, 8C_849/2011, E. 5.2;
30. Januar 2007, U 215/05; 15. März 2007, U 258/06) muss bei einer
schleudertraumaähnlichen Verletzung das typische Beschwerdebild mit einer Häufung
von Beschwerden nicht in seiner umfassenden Ausprägung innerhalb von 24 bis
höchstens 72 Stunden nach dem Unfall auftreten. Vielmehr genügt es, wenn sich in
diesem Zeitraum Beschwerden in der Halsregion oder an der HWS und bei einem
Schädelhirntrauma zusätzlich Kopfschmerzen manifestieren. Die anderen im Rahmen
eines Schleudertraumas oder einer äquivalenten Verletzung typischerweise
auftretenden Beschwerden müssen sich jedoch immerhin in einem Zeitraum
manifestieren, der es erlaubt, vom Vorhandensein eines natürlichen
Kausalzusammenhangs auszugehen.
Laut echtzeitlichem Bericht der Klinik für Neurochirurgie des KSSG vom 20.
Februar 2019 betreffend die dortige Hospitalisation der Beschwerdeführerin vom 17.
bis 18. Februar 2019 litt diese innerhalb der erforderlichen Latenzzeit (vgl. Erwägung
6.1) unter Übelkeit. Die Beschwerdegegnerin gab zudem eine kurze Bewusstlosigkeit
an; sie könne sich aber an alles erinnern. Weitere Beschwerden sind dem Bericht nicht
zu entnehmen (Suva-act. 21). Die Erstbehandlung hatte davor bei Dr. C._
stattgefunden, dessen Honorarrechnung vom 17. Februar 2019 lediglich die Diagnose
"Commotio cerebri", jedoch keine weiteren medizinischen Angaben enthält (Suva-act.
2). Übelkeit ist zwar ein typisches Symptom nach einem Schädelhirntrauma (vgl. dazu
Liste Hans Schmidt und Jürg Senn [Hrsg.], Schleudertrauma - neuester Stand: Medizin,
Biomechanik, Recht und Case Management, 2004, S. 14 f.). Doch zeigt sich das in den
medizinischen Akten dokumentierte Beschwerdebild hinsichtlich seiner Vielfalt sehr
bescheiden und hat sich vor allem - wie bereits erwähnt - im Verlauf verändert, was mit
Blick auf die Ausführungen in Erwägung 6.1 untypisch ist. Selbst wenn also angesichts
der echtzeitlich gestellten Diagnose (Commotio cerebri bzw. Schädelhirntrauma Grad
1; Suva-act. 2, 21) von einer schleudertraumatypischen Verletzung ausgegangen
werden muss, ist festzuhalten, dass angesichts des Gesagten nicht mit dem
6.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 16/17
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Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine solche Verletzung mit
Langzeitfolgen bis zur erneuten Behandlung durch Dr. E._ am 11. Mai 2020
angenommen werden kann.
Ein Schädelhirntrauma, worunter sämtliche Hirnfunktionsstörungen mit oder ohne
morphologisch fassbarer Schädigung des Gehirns subsumiert werden, rechtfertigt die
analoge Anwendung der Schleudertrauma-Praxis (vgl. Erwägung 2.1) nur, wenn die
erlittene Hirnerschütterung mindestens im Grenzbereich zwischen Commotio und
Contusio cerebri liegt. Leichte Hirnerschütterungen hingegen reichen hierfür nicht aus
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. August 2014, 8C_358/2014, E. 2.4.1, vgl. auch
Urteile des EVG vom 13. Juni 2005, U 276/04, E. 2.2.1, und 6. Mai 2003, U 6/03). Die
Schwere eines Schädelhirntraumas wird üblicherweise nach dem Punktwert in der
Glasgow-Coma-Skala (GCS) eingeteilt. In dieser Skala erhalten der Patient oder die
Patientin für bestimmte Reaktionen (wie Augenöffnen, Reaktionen auf Schmerzreize
und sprachliche Äusserungen) eine Anzahl von Punkten, welche zum Schluss addiert
werden. Der schlechteste Wert beträgt 3, der beste 15. Von einem leichten
Schädelhirntrauma spricht man bei einem GCS-Wert von 13 bis 15 (mittelschwer: 9 bis
13, schwer 3 bis 8; vgl. Pschyrembel, a.a.O., S. 240 "Bewusstseinsstörung" und S. 673
"Glasgow Coma Scala"; Urteil des EVG vom 13. Juni 2005, U 276/04, E. 2.2.2). Die
Beschwerdeführerin zeigte sich am Unfalltag beim Eintritt in die Klinik für
Neurochirurgie voll orientiert. Die Pupillen waren beidseits mittelweit und isokor sowie
prompt reagibel auf das Licht. Die Augenmotorik war intakt und die
Beschwerdeführerin sah keine Doppelbilder. Anamnestisch gab sie sodann lediglich
eine kurze Bewusstlosigkeit mit einem uneingeschränkten Erinnerungsvermögen an.
Die bei ihr im KSSG durchgeführte GCS-Überwachung ergab jederzeit den Wert 15.
Die klinische Untersuchung zeigte sodann keine fokal-neurologischen Defizite.
Entsprechend wurde die Diagnose eines Schädelhirntraumas Grad 1 gestellt (Suva-act.
21), was eine Adäquanzprüfung nach Massgabe der in BGE 134 V 109 begründeten
Schleudertrauma-Praxis ausschliesst. Selbst wenn jedoch eine Adäquanzprüfung
durchzuführen wäre, müsste die Adäquanz verneint werden, wie die diesbezüglich
zutreffenden Ausführungen in der Eingabe der Beschwerdegegnerin vom 5. Mai 2021
zeigen (act. G 8).
6.3.
Ebenso unpassend würde sich in Bezug auf den vorliegenden Fall eine
Adäquanzprüfung nach Massgabe der in BGE 115 V 133 begründeten Rechtsprechung
zu den psychogenen Unfallfolgen bzw. der sogenannten "Psycho-Praxis" darstellen,
nachdem den vorliegenden Akten keinerlei Hinweise auf eine psychische Problematik
6.4.
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7.
Zusammenfassend lässt sich der angefochtene Einspracheentscheid vom 16. Januar
2021 nicht beanstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde ist im Sinn der
vorstehenden Erwägungen abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61
lit. f ATSG).