Decision ID: bb712343-f51f-5602-82e8-4fb5813842a2
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der am (...) 1964 geborene A._, ist deutscher Staatsangehöri-
ger (im Folgenden: Versicherter oder Beschwerdeführer) und wohnt in
Deutschland (Vorakten 2). Er war Grenzgänger und arbeitete als Spediti-
onsfachmann von Juli 1989 bis August 1992 bei der B._ AG in
D._ und ab September 1992 bei der C._ AG in D._
(Vorakten 6). Ab 16. März 2016 wurde er von seiner Hausärztin zu 100 %
krankgeschrieben (Vorakten 4/1, 8/10ff, 10/3). Am 18. März 2016 (Vorakten
8/15) bzw. 16. September 2016 (Vorakten 8/14) kündigte ihm seine Arbeit-
geberin, die C._ AG, unter Berücksichtigung einer Sperrfrist von
180 Tagen, auf den 31. März 2017. Während seiner Grenzgängertätigkeit
leistete der Beschwerdeführer die obligatorischen Beiträge an die schwei-
zerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (Vorakten 6,
54.8).
A.b Am 12. September 2016 (Posteingang bei der IV-Stelle D._;
Vorakten 2) meldete sich der Beschwerdeführer zum Bezug von Leistun-
gen der Invalidenversicherung an. Nach Einholen diverser medizinischer
Unterlagen (Vorakten 8/10ff., 9/2ff., 10/3ff., 15/2ff., 16/2ff., 17/2ff., 18, 21,
28/2ff., 29, 30/4f., 31/2ff., 33/2ff., 36/2ff., 39/2ff., 40/2ff., 42/2ff., 43), des
Fragebogens für Arbeitgebende (Vorakten 8/2ff.) und der Stellungnahme
ihres ärztlichen Dienstes vom 31. August 2017 (Vorakten 51/2ff.) teilte die
IV-Stelle D._ dem Beschwerdeführer am 6. Oktober 2017 (Vorakten
53) mit, dass vorgesehen sei, das Leistungsbegehren abzuweisen, da der
Invaliditätsgrad 20 % betrage und damit unter 40 % liege. Nach Eingang
weiterer ärztlicher Unterlagen (Vorakten 58/4ff.) verfügte die IV-Stelle für
Versicherte im Ausland IVSTA (im Folgenden: auch Vorinstanz) am 15. No-
vember 2017 (Vorakten 59/3ff.; BVGer act. 1/1) die Abweisung des Leis-
tungsbegehrens. Als Begründung hielt sie fest, seit März 2016 könne der
Beschwerdeführer seine Tätigkeit als Speditionskaufmann nur noch im
Pensum von 80 % ausüben. Da der Invaliditätsgrad unter 40 % liege, be-
stehe jedoch kein Rentenanspruch.
B.
Am 28. Dezember 2017 (BVGer act. 1) reichte der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, die Verfügung
der Vorinstanz vom 15. November 2017 sei aufzuheben und die Vorinstanz
zu verpflichten, dem Beschwerdeführer mindestens eine Viertelsrente auf
Basis eines Invaliditätsgrades von mindestens 40 % zuzusprechen und
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auszurichten. Eventualiter sei die Verfügung der Vorinstanz vom 15. No-
vember 2017 aufzuheben und für einen neu zu treffenden Leistungsent-
scheid ein gerichtliches polydisziplinäres medizinisches Gutachten bei
neutraler Stelle einzuholen. Als Begründung brachte er sinngemäss vor,
die Vorinstanz habe den Untersuchungsgrundsatz verletzt und die ange-
fochtene Verfügung auf Basis einer unzureichenden Aktenlage erlassen,
da sie kein polydisziplinäres Gutachten eingeholt habe. Der Beschwerde-
führer sei in seiner angestammten Tätigkeit und auch in einer seinen Lei-
den angepassten Verweistätigkeit erheblich eingeschränkt, woraus sich im
Rahmen eines Einkommensvergleichs ein Invaliditätsgrad von mindestens
40 % ergebe. Für die Bestimmung des Valideneinkommens sei nicht auf
Tabellenlöhne abzustellen, da die Kündigung krankheitsbedingt erfolgt sei.
C.
Der mit Zwischenverfügung vom 4. Januar 2018 (BVGer act. 2) eingefor-
derte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.- ging fristgerecht am
11. Januar 2018 in der Gerichtskasse ein (BVGer act. 4).
D.
Mit Vernehmlassung vom 13. März 2018 (BVGer act. 6) beantragte die Vor-
instanz, die Beschwerde sei abzuweisen und die angefochtene Verfügung
zu bestätigen. Zur Begründung verwies sie auf die Stellungnahme der IV-
Stelle D._ vom 8. März 2018 (BVGer act. 6/1), worin diese vor-
brachte, es würden ausschliesslich Beschwerden mit Auswirkungen auf
den Bewegungsapparat und psychische Beschwerden in Frage stehen.
Damit seien die Beschwerden mit einer bidisziplinären «Begutachtung» ab-
gedeckt. Das bidisziplinäre «Gutachten» von Dr. E._ und
Dr. F._ sei schlüssig und erbringe den vollen Beweis. Die Invalidi-
tätsbemessung sei korrekt erfolgt. Sowohl für das Valideneinkommen als
auch für das Invalideneinkommen sei zu Recht auf den Tabellenlohn der
LSE 2014, Tabelle TA1, Pos. 49-52, Kompetenzniveau 3, abgestellt wor-
den.
E.
Replikweise bestätigte der Beschwerdeführer am 3. Mai 2018 (BVGer
act. 8) seine bisherigen Anträge und deren Begründung. Er nahm einge-
hend zur Vernehmlassung der Vorinstanz Stellung und reichte eine medi-
zinische Beurteilung von Prof. Dr. G._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, vom 26. Februar 2018 ein, wonach eine Autismus-Spekt-
rum-Störung im Sinne eines hochfunktionalen Asperger-Syndroms (ICD-
10 F84.5), ein aktuell mittelgradiges depressives Syndrom bei Verdacht auf
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rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.1) und eine Somatisie-
rungsstörung (ICD-10 F45.0) vorliegen würden.
F.
Anlässlich der Duplik vom 22. Juni 2018 (BVGer act. 10) bestätigte die Vor-
instanz ihre bisherigen Anträge sowie deren Begründung und verwies er-
gänzend auf die Stellungnahme der IV-Stelle D._ vom 20. Juni 2018
(BVGer act. 10/1). Die IV-Stelle D._ hatte die medizinische Beurtei-
lung von Prof. Dr. G._ ihrem regionalen ärztlichen Dienst (RAD) un-
terbreitet. Dr. H._, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie
und Psychotherapie FMH, konstatierte am 4. Juni 2018, die von Prof. Dr.
G._ neu gestellte Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung
habe vergleichbare Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wie die von Dr.
E._ gestellte Diagnose der kombinierten Persönlichkeitsstörung. Es
könne an der Beurteilung einer 90%igen Arbeitsfähigkeit im Verweisprofil
und einer 80%igen Arbeitsfähigkeit als Speditionskaufmann festgehalten
werden.
G.
Der Schriftenwechsel wurde, unter Vorbehalt der Eingabe einer Stellung-
nahme seitens des Beschwerdeführers, mit Verfügung vom 27. Juni 2018
(BVGer act. 11) geschlossen.
H.
Mit Triplik vom 20. Juli 2018 (BVGer act. 12) nahm der Beschwerdeführer
zu den Vorbringen der Vorinstanz Stellung und brachte insbesondere vor,
das «Gutachten F._/E._» sei als verwaltungsinternes «Gut-
achten» zu betrachten, womit bereits bei geringen Zweifeln nicht darauf
abzustellen sei. Das «Gutachten F._/E._» sei nicht valide,
womit für die Beurteilung des Leistungsanspruchs von Seiten des Gerichts
eine medizinische Expertise bei neutraler und objektiver Stelle einzuholen
sei. Erst im Anschluss daran sei neu über den Anspruch des Beschwerde-
führers zu entscheiden. Weiter reichte der Beschwerdeführer mit unaufge-
forderter Eingabe vom 26. Juli 2018 (BVGer act. 14) Berichte von Dr.
I._, Psychiaterin, vom 3. Juli 2018 und 12. Juli 2018 ein.
I.
Mit Quadruplik vom 24. September 2018 (BVGer act. 16) übermittelte die
Vorinstanz die Stellungnahme der IV-Stelle D._ vom 24. September
2018, worin diese ausführte, der RAD habe am 31. August 2017 als Belas-
tungsprofil eine Bürotätigkeit ohne intensiven Kundenkontakt angegeben,
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was der Einschränkung, wie sie von Prof. Dr. G._ festgehalten wor-
den sei, entsprechen würde.
J.
Der Beschwerdeführer sandte dem Bundesverwaltungsgericht am 1. Feb-
ruar 2019 (BVGer act. 18) allgemeine Ausführungen von Dr. I._,
Psychiaterin, vom 17. Januar 2019 zum Asperger-Autismus.
K.
Am 22. November 2019 (BVGer act. 25) und 28. November 2019 (BVGer
act. 27) reichte der Beschwerdeführer einen Bericht von Dr. I._,
Psychiaterin, datierend vom 17. Oktober 2019 ein.
L.
Aufforderungsgemäss (BVGer act. 22) übermittelte die Vorinstanz dem
Bundesverwaltungsgericht am 2. Dezember 2019 (BVGer act. 28) den
Austrittsbericht der J._ Klinik vom 17. Januar 2018 sowie die Stel-
lungnahmen der IV-Stelle D._ vom 28. November 2019 und des re-
gionalen ärztlichen Dienstes vom 13. November 2019. Nach Einsicht in den
Bericht der J._ Klinik konstatierte Dr. H._, Fachärztin für Kin-
der- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie FMH, an der Einschät-
zung der Arbeitsfähigkeit vom 31. August 2017 könne festgehalten werden.
M.
Mit ergänzender Stellungnahme vom 16. Januar 2020 (BVGer act. 30) ver-
wies die Vorinstanz auf die Äusserungen der IV-Stelle D._ vom
9. Januar 2020 (BVGer act. 30/1), welche festhielt, Dr. E._ habe die
Diagnose einer Persönlichkeitsstörung gestellt, womit interaktionelle und
soziale Auffälligkeiten seit dem Jugendalter berücksichtigt worden seien.
N.
Am 16. Januar 2020 (BVGer act. 31) monierte der Beschwerdeführer,
Dr. E._ habe als psychiatrischer «Gutachter» den Umstand, dass
das Asperger-Syndrom schon früher bestanden habe, nicht berücksichtigt,
sodass seine Einschätzung nicht beweiskräftig sei. Auch die Vorinstanz
gehe davon aus, dass das Asperger-Syndrom seit Jahren bestanden habe,
womit sämtliche im Recht liegende Gutachten und medizinische Berichte,
die von nach der Verfügung vom 15. November 2017 datieren würden, mit-
zuberücksichtigen und in die Beweiswürdigung miteinzubeziehen seien.
O.
Mit unaufgeforderten Eingaben vom 21. Januar 2020 (BVGer act. 32) und
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25. Juni 2020 (BVGer act. 41) reichte der Beschwerdeführer die folgenden
Unterlagen ein: Bericht von Frau K._, Dipl.-Psychologin, vom
12. Dezember 2019, ärztliches Attest von Dr. I._ vom 16. Dezember
2019 und Abschlussbericht der L._ GmbH vom 14. April 2020.
P.
Mit Schreiben vom 28. Januar 2021 (BVGer act. 43) übermittelte die
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers eine Honorarnote in der Höhe
von Fr. 5'412.40.
Q.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterla-
gen wird, soweit dies für die Entscheidfindung erforderlich ist, in den nach-
folgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden
Beschwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG [SR 173.32]; Art. 69
Abs. 1 Bst. b IVG [SR 831.20]). Der Beschwerdeführer ist als Adressat der
angefochtenen Verfügung durch diese besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb
er zur Erhebung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59 ATSG [SR 830.1];
Art. 48 Abs. 1 VwVG [SR 172.021]). Nachdem auch der Kostenvorschuss
rechtzeitig geleistet wurde (Art. 63 Abs. 4 VwVG), ist auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde einzutreten (Art. 60 ATSG; Art. 50 Abs. 1
und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung und des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
1.3 Gemäss Art. 40 Abs. 2 IVV (SR 831.201) ist die IV-Stelle, in deren Tä-
tigkeitsgebiet ein Grenzgänger eine Erwerbstätigkeit ausübt, zur Entge-
gennahme und Prüfung der Anmeldung zuständig. Dies gilt auch für ehe-
malige Grenzgänger, sofern sie bei der Anmeldung ihren ordentlichen
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Wohnsitz noch in der benachbarten Grenzzone haben, und der Gesund-
heitsschaden auf die Zeit ihrer Tätigkeit als Grenzgänger zurückgeht. Die
Verfügungen werden von der IVSTA erlassen.
Der Beschwerdeführer war bei Anmeldung als Grenzgänger für die
C._ AG, D._, tätig (Vorakten 6/2), lebte namentlich auch im
Zeitpunkt der Anmeldung im Grenzgebiet und machte bei der Anmeldung
(Vorakten 2) als gesundheitliche Beeinträchtigung Depressionen, Burnout,
Verhaltensstörung, starke Schmerzen, wiederkehrende chronische Krank-
heiten, Entzündungen, Verletzungen des Rückens (HWS/BWS/LWS), Per-
sönlichkeitsstörung, Schwindel, Hörstürze, Tinnitus und Erschöpfung gel-
tend, die sich während seiner Grenzgängertätigkeit manifestiert hatten. Un-
ter diesen Umständen war die IV-Stelle D._ für die Entgegennahme
und Prüfung der Anmeldung und die Vorinstanz für den Erlass der ange-
fochtenen Verfügung zuständig.
2.
2.1 Der Beschwerdeführer ist deutscher Staatsangehöriger und wohnt in
Deutschland. Damit gelangen das Freizügigkeitsabkommen vom 21. Juni
1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemeinschaft zur
Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II des
FZA, insbesondere die für die Schweiz am 1. April 2012 in Kraft getretene
Verordnung (EG) Nr. 883/2004 (SR 0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009
(SR 0.831.109.268.11), zur Anwendung. Seit dem 1. Januar 2015 sind
auch die durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und
Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in den Beziehungen zwischen der
Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten anwendbar. Das Vorliegen einer an-
spruchserheblichen Invalidität beurteilt sich indes auch im Anwendungsbe-
reich des FZA und der Koordinierungsvorschriften nach schweizerischem
Recht (BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des BGer 9C_573/2012 vom 16. Ja-
nuar 2013 E. 4).
2.2 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechts-
folgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 132 V 215 E. 3.1.1),
weshalb jene Vorschriften Anwendung finden, die beim Erlass der Verfü-
gung vom 15. November 2017 in Kraft standen; weiter aber auch Vorschrif-
ten, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren, die aber
für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprüche von
Belang sind.
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Seite 8
2.3 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 15. November 2017) eingetretenen Sachver-
halt ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Später eingetretene Tatsachen (echte
Noven), die zu einer Änderung des Sachverhalts geführt haben, sind
grundsätzlich nicht im Rahmen des hängigen, sondern gegebenenfalls im
Rahmen eines weiteren Verfahrens zu berücksichtigen (BGE 132 V 215
E. 3.1.1; 121 V 362 E. 1b m.H.; vgl. auch Urteil des BGer 9C_24/2008 vom
27. Mai 2008 E. 2.3.1). Unterlagen, die nach dem Verfügungszeitpunkt da-
tieren, sind zu berücksichtigen, wenn und soweit sie sich auf den Zeitraum
vor Verfügungserlass beziehen respektive Rückschlüsse darauf zulassen
(Urteil des BGer 9C_175/2018 vom 16. April 2018 E. 3.3.2).
Der im vorliegenden Beschwerdeverfahren eingereichte psychologische
Bericht vom 22. September 2016 (BVGer act. 1/9) ist bereits aktenkundig.
Der Bericht vom 5. Oktober 2017 (BVGer act. 1/7), die Bescheinigung vom
5. Oktober 2017 (BVGer act. 1/5), die Laborwerte vom 5. Oktober 2017
(BVGer act. 1/6) und der Bericht vom 24. Oktober 2017 (BVGer act. 1/8)
sind vor Verfügungserlass ergangen und damit vorliegend ebenfalls be-
achtlich. Der ärztliche Entlassbericht vom 17. Januar 2018 (BVGer
act. 28/5) datiert zwar nach Verfügungserlass, jedoch betrifft er einen sta-
tionären Aufenthalt vom 10. Oktober 2017 bis zum 14. November 2017 und
damit vor Verfügungserlass, sodass er zu berücksichtigen ist. Das Privat-
gutachten von Prof. Dr. G._ vom 26. Februar 2018 (BVGer act. 8/1),
die Berichte des regionalen ärztlichen Dienstes vom 4. Juni 2018 (BVGer
act. 10/2) und 13. November 2019 (BVGer act. 28/2), sowie die ärztlichen
Atteste von Dr. I._ vom 3. Juli 2018 (BVGer act. 14/1), 12. Juli 2018
(BVGer act. 14/2), 17. Januar 2019 (BVGer act. 18/1) und 17. Oktober
2019 (BVGer act. 25/1) sind vorliegend insoweit zu berücksichtigen, als sie
sich zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Verfügungszeit-
punkt äussern. Hingegen stellt die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom
2. Mai 2018 (BVGer act. 8/2) betreffend Arbeitsunfähigkeit vom 2. Mai 2018
bis zum 30. Juni 2018 ein Novum dar und ist als solches vorliegend nicht
zu berücksichtigen. Ebenfalls stellen der psychologische Bericht vom 12.
Dezember 2019 (BVGer act. 32/1), das psychiatrische Attest vom 16. De-
zember 2019 (BVGer act. 32/2) und der Abschlussbericht der L._
GmbH vom 14. April 2020 (BVGer act. 41/1) nicht zu berücksichtigende
Noven dar, da die Schriftstücke nach Verfügungserlass erstellt wurden, und
eine Reha-Massnahme betreffen, die nach Verfügungserlass eingeleitet
wurde.
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Seite 9
3.
3.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
3.2 Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung
hat, wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (Art. 8 ATSG) und beim Eintritt
der Invalidität während der vom Gesetz vorgesehenen Dauer, das heisst,
während mindestens 3 Jahren (Art. 36 Abs. 1 IVG) Beiträge an die schwei-
zerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) ge-
leistet hat. Diese Bedingungen müssen kumulativ gegeben sein; fehlt eine,
so entsteht kein Rentenanspruch, selbst wenn die andere erfüllt ist.
Der Beschwerdeführer hat unbestrittenermassen während mehr als 3 Jah-
ren Beiträge an die schweizerische AHV/IV geleistet, so dass die Voraus-
setzungen der Mindestbeitragsdauer für den Anspruch auf eine ordentliche
Invalidenrente erfüllt sind.
3.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente,
wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreivier-
telsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei ei-
nem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertels-
rente. Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als 50 %, so werden die ent-
sprechenden Renten nur an Versicherte ausbezahlt, die ihren Wohnsitz
und gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz haben (Art. 29 Abs. 4 erster
Satz IVG). Diese Einschränkung gilt jedoch nicht für die Staatsangehörigen
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eines Mitgliedstaates der EU und der Schweiz, sofern sie in einem Mitglied-
staat der EU Wohnsitz haben (Art. 7 VO [EG] 833/2004; BGE 130 V 253
E. 2.3 und E. 3.1).
3.4 Art. 29 Abs. 1 IVG sieht vor, dass der Rentenanspruch frühestens nach
Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs
nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollen-
dung des 18. Altersjahres folgt, entsteht. Die Rente wird vom Beginn des
Monats, in dem der Rentenanspruch entsteht, ausbezahlt (Art. 29 Abs. 3
IVG).
Da der Rentenanspruch nach Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens sechs Monate
nach der Anmeldung entstehen kann, ist für das Wartejahr nach Art. 28
Abs. 1 Bst. b IVG allein der Sachverhalt sechs Monate vor der Anmeldung
von Bedeutung (Urteile des BVGer C-1066/2017 vom 25. Juli 2019 E. 4.3;
C-5352/2013 vom 7. September 2015 E. 2.3). Der Beschwerdeführer mel-
dete sich im September 2016 (Vorakten 2) zum Bezug von Versicherungs-
leistungen an, womit der Anspruch auf Versicherungsleistungen frühestens
ab März 2017 entstehen konnte. Vorliegend ist damit der medizinische
Sachverhalt ein Jahr vor dem frühesten Anspruchsbeginn mithin ab März
2016 bis zum Verfügungszeitpunkt vom 15. November 2017 relevant.
3.5 Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit stützen sich die Verwaltung und
im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen, die von Ärzten und gege-
benenfalls auch von anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind.
Aufgabe des Arztes bzw. der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu be-
urteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich
welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind
ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden kön-
nen (BGE 140 V 193 E. 3.2; 132 V 93 E. 4).
3.6 Die IV-Stelle prüft die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen
von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein (Art. 43 Abs.
1 ATSG, Art. 57 Abs. 3 IVG). Zur Beurteilung der medizinischen Vorausset-
zungen des Leistungsanspruchs stehen den IV-Stellen regionale ärztliche
Dienste zur Verfügung (Art. 59 Abs. 2bis Satz 1 IVG). Die RAD setzen die
für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle
Leistungsfähigkeit der Versicherten fest. Sie sind in ihrem medizinischen
Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2bis IVG).
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Seite 11
3.7 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren
gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versiche-
rungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen
(BGE 125 V 351 E. 3a).
3.8 Im Weiteren ist festzuhalten, dass die rechtsanwendenden Behörden
in der Schweiz nicht an die Feststellungen ausländischer Versicherungs-
träger, Behörden und Ärzte bezüglich Invaliditätsgrad und Anspruchsbe-
ginn gebunden sind (BGE 130 V 253 E. 2.4; AHI-Praxis 1996, S. 179;
vgl. auch Zeitschrift für die Ausgleichskassen [ZAK] 1989 S. 320 E. 2). Viel-
mehr unterstehen auch die aus dem Ausland stammenden Beweismittel
der freien Beweiswürdigung durch das Gericht (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts EVG, [heute: Bundesgericht, BGer] vom 11. De-
zember 1981 i.S. D.).
3.9 Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern
das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines
bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der
Richter und die Richterin haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu
folgen, die sie von allen möglichen Geschehensabläufen als die Wahr-
scheinlichste würdigen (BGE 126 V 353 E. 5b; 125 V 193 E. 2, je m.H.).
3.10 Bezüglich des Beweiswertes eines Berichtes oder eines Gutachtens
ist entscheidend, ob der Bericht oder das Gutachten für die streitigen Be-
lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen-
hänge und der medizinischen Situation einleuchtet, und ob die Schlussfol-
gerungen der Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweis-
wert ist somit weder die Herkunft des Beweismittels noch die Bezeichnung
der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht
oder als Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2;
134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Eine begutachtende medizinische
Fachperson muss zudem über die notwendigen fachlichen Qualifikationen
verfügen (Urteil des BGer 9C_555/2017 vom 22. November 2017 E. 3.1
m.H.).
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Seite 12
3.11 Die Rechtsprechung erachtet es mit dem Grundsatz der freien Be-
weiswürdigung als vereinbar, Richtlinien für die Beweiswürdigung in Bezug
auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten aufzustellen
(BGE 125 V 351 E. 3b; AHI 2001 S.114 E. 3b; Urteil des EVG I 128/98 vom
24. Januar 2000 E. 3b).
3.11.1 Dem im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutach-
ten externer Spezialärzte (Art. 44 ATSG), welche aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-
richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-
nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuer-
kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex-
pertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4; 125 V 351 E. 3b/bb m.H.).
3.11.2 Berichte der behandelnden Ärzte sind aufgrund der auftragsrechtli-
chen Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen, da da-
von auszugehen ist, dass sie in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Pati-
enten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Dies gilt für allgemein prakti-
zierende Hausärzte wie auch für behandelnde Spezialärzte (Urteil des
EVG I 655/05 vom 20. März 2006 E. 5.4 m.H.).
3.11.3 Bei Stellungnahmen eines IV-Arztes oder einer IV-Ärztin ist hinsicht-
lich des Beweiswertes zu unterscheiden, ob es sich um Aktenberichte im
Sinne von Art. 49 Abs. 3 IVV oder um Untersuchungsberichte im Sinne von
Art. 49 Abs. 2 IVV handelt.
Der Beweiswert eines Untersuchungsberichtes eines IV-Arztes oder einer
IV-Ärztin ist mit jenem von externen medizinischen Sachverständigengut-
achten im Sinne von Art. 44 ATSG vergleichbar, sofern er den von der
Rechtsprechung entwickelten Anforderungen an ein ärztliches Gutachten
genügt und der IV-Arzt oder die IV-Ärztin über die im Einzelfall erforderli-
chen persönlichen und fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210
E. 1.2.1; Urteile des BGer 9C_555/2017 vom 22. November 2017
E. 3.1 m.H.; 9C_28/2015 vom 8. Juni 2015 E. 3.2; 9C_736/2009 vom 26.
Januar 2010 E. 2.1; 9C_323/2009 vom 14. Juli 2009 E. 4.3.1).
Bei einem Aktenbericht beurteilt der IV-Arzt oder die IV-Ärztin die vorhan-
denen ärztlichen Unterlagen, fasst die medizinischen Untersuchungser-
gebnisse zusammen und gibt eine Empfehlung zur weiteren Bearbeitung
des Versicherungsfalles aus medizinischer Sicht ab. Ein Aktenbericht erfüllt
somit eine andere Funktion als ein medizinisches Gutachten, weshalb er
C-7354/2017
Seite 13
die inhaltlichen Anforderungen an medizinische Gutachten nicht erfüllen
kann und muss. Dennoch wird ihm nicht jegliche Aussen- oder Beweiswir-
kung aberkannt, vielmehr ist er ein entscheidrelevantes Aktenstück, sofern
die vom RAD beigezogenen Akten ein vollständiges Bild über Anamnese,
Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten
sind (Urteile des BGer 9C_28/2015 vom 8. Juni 2015 E. 3.2; 8C_641/2011
vom 22. Dezember 2011 E. 3.2.2 m.H.; Urteil des EVG I 143/07 vom
14. September 2007 E. 3.3; Urteil des BVGer C-135/2013 vom 22. Sep-
tember 2015 E. 4.3.4 m.H.). Ist das nicht der Fall, kann die Stellungnahme
des regionalen ärztlichen Dienstes in der Regel keine abschliessende Be-
urteilungsgrundlage bilden, sondern nur zu weitergehenden Abklärungen
Anlass geben (Urteil des BGer 9C_58/2011 vom 25. März 2011 E. 3.3).
3.11.4 Auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen, zu
denen auch RAD-Berichte gehören, kann nicht abgestellt werden, wenn
auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit beste-
hen (BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4; Urteil des BGer
8C_839/2016 vom 12. April 2017 E. 3.2).
3.11.5 Auch ein im Auftrag eines Taggeldversicherers erstellter Bericht ist
im Verfahren betreffend Prüfung eines IV-Rentenanspruchs auf dessen Be-
weiswert hin zu würdigen (Urteile des BGer 8C_71/2016 vom 1. Juli 2016
E. 5.2; 9C_229/2007 vom 28. August 2007 E. 2.1). Den vom Taggeldversi-
cherer nicht im gesetzlich vorgesehenen Verfahren nach Art. 44 ATSG ein-
geholten Berichten kommt der Beweiswert versicherungsinterner ärztlicher
Feststellungen zu (Urteile des BGer 8C_71/2016 E. 5; 8C_486/2015 vom
30. November 2015 E. 4.1.3).
3.12 Geht es um psychische Erkrankungen, namentlich eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung, ein damit vergleichbares psychosomati-
sches Leiden (BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen leicht-
bis mittelgradiger Natur (BGE 143 V 409 E. 4.5.2), sind für die Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich, die – unter Be-
rücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits
und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das
tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V
281 E. 2, E. 3.4 - 3.6 und E. 4.1; 143 V 418 E. 6 ff.). Gelangt der Rechts-
anwender nach der Beweiswürdigung zum Schluss, ein Gutachten erfülle
sowohl die mit BGE 141 V 281 definierten versicherungsmedizinischen
Massstäbe wie auch die allgemeinen rechtlichen Beweisanforderungen
C-7354/2017
Seite 14
(vgl. E. 3.10 hiervor), ist es beweiskräftig, und die darin formulierten Stel-
lungnahmen zur Arbeitsfähigkeit sind zu übernehmen. Eine davon losge-
löste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Be-
weisverfahrens soll nicht stattfinden (BGE 141 V 281 E. 5.2.3; 144 V 50
E. 4.3).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer monierte beschwerdeweise (BVGer act. 1), die
Vorinstanz habe sich einzig auf Behandlungsberichte und die bidisziplinäre
Abklärung der (...) Versicherungsgesellschaft AG gestützt, jedoch keine ei-
genen medizinischen Abklärungen getätigt. Die umfassende administrative
Erstbegutachtung sei regelmässig polydisziplinär und damit zufallsbasiert
anzulegen. Es handle sich vorliegend nicht um eine isoliert rheumatolo-
gisch-psychiatrische Beschwerdeproblematik. Das Beschwerdebild des
Beschwerdeführers sei nicht vollends gesichert und es würden weitere in-
terdisziplinäre Bezüge vorliegen. Zwar habe Dr. F._ die verschiede-
nen Beeinträchtigungen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers diskutiert und im Ergebnis verneint, was jedoch
ausserhalb ihres Kompetenzbereichs liege.
4.2 Die Vorinstanz hielt, mit Verweis auf die Stellungnahme der IV-Stelle
D._, vernehmlassungsweise (BVGer act. 6/1) dagegen, es würden
ausschliesslich Beschwerden mit Auswirkungen auf den Bewegungsappa-
rat und psychische Leiden in Frage stehen. Dr. F._ habe als Diag-
nosen ein chronisches generalisiertes myofasziales bzw. tendomyogenes
Schmerzsyndrom sowie ein Outlet-Impingement aufgeführt, und die restli-
chen Diagnosen als anamnestisch, das heisse, als nicht mehr aktuell ein-
gestuft. Damit seien die Beschwerden mit einer bidisziplinären «Begutach-
tung» abgedeckt. Das «Gutachten» von Dr. E._ und Dr. F._
sei schlüssig und erbringe den vollen Beweis.
4.3
4.3.1 Den von Taggeldversicherern in Auftrag gegebenen Berichten,
kommt der Beweiswert von versicherungsinternen ärztlichen Feststellun-
gen zu (vgl. E. 3.11.5 hiervor), daher ist die entsprechende bundesgericht-
liche Rechtsprechung zu den RAD-Berichten beizuziehen, welche besagt
(BGE 137 V 210 E. 1.2.1; 135 V 465 E. 4.6), dass kein förmlicher Anspruch
auf eine versicherungsexterne Begutachtung besteht. Eine solche ist indes
anzuordnen, wenn auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen beste-
C-7354/2017
Seite 15
hen. Ein externes Gutachten ist namentlich einzuholen, wenn der interdis-
ziplinäre Charakter einer medizinischen Problemlage dies gebietet, wenn
der RAD nicht über die nötigen fachlichen Ressourcen verfügt, sowie wenn
zwischen dem RAD-Bericht und dem allgemeinen Tenor im medizinischen
Dossier eine relevante Differenz besteht.
4.3.2 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung (BGE 139 V 349
E. 3.2) existieren keine festen Kriterien zur allgemeingültigen Abgrenzung
der Anwendungsfelder der verschiedenen Kategorien von Expertisen. Die
grosse Vielfalt von Begutachtungssituationen erfordert Flexibilität. In be-
gründeten Fällen kann von einer polydisziplinären Begutachtung abgese-
hen und eine mono- oder bidisziplinäre Untersuchung durchgeführt wer-
den, sofern die medizinische Situation offenkundig ausschliesslich ein oder
zwei Fachgebiete beschlägt; weder dürfen weitere interdisziplinäre Bezüge
(z.B. internistischer Art) notwendig sein noch darf ein besonderer arbeits-
medizinischer bzw. eingliederungsbezogener Klärungsbedarf bestehen.
Wie nachfolgend zu zeigen ist, liegt ein solcher Fall vor.
5.
Im Folgenden werden die Informationen aus den medizinischen Berichten
in Bezug auf somatische und psychische Beschwerden nach Fachberei-
chen geordnet dargestellt (Orthopädie [vgl. E. 5.1 hiernach], Dermatologie
und Kardiologie vgl. E. 5.2 hiernach], Gastroenterologie [vgl. E. 5.3 hier-
nach], Neurologie [vgl. E. 5.4 hiernach], Rheumatologie [vgl. E. 5.5 hier-
nach], Urologie [vgl. E. 5.6 hiernach], Hals- Nasen- Ohren-Heilkunde
[vgl. E. 5.7 hiernach], Ophthalmologie [vgl. E. 5.8 hiernach], Humangenetik
[vgl. E. 5.9 hiernach]) sowie Psychologie/Psychiatrie [vgl. E. 6 hiernach]
und es wird zugleich eine Würdigung vorgenommen.
5.1
5.1.1 In orthopädischer Hinsicht ergeben sich aus den medizinischen
Vorakten die nachfolgenden Informationen.
5.1.1.1 Am 17. August 2012 (BVGer act. 39/1, Vorakten 39/8) diagnosti-
zierte Dr. M._, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, eine
komplexe Schulter-Wirbelsäulenproblematik. Er erhob als Befund Hohl-
kreuz, verstärkte BWS-Kyphose, muskuläre Verkürzung des Hüftbeugers,
HWS und BWS mehrsegmental blockiert, keine Funktionsstörung der
Schulter.
C-7354/2017
Seite 16
5.1.1.2 Dr. N._ stellte am 11. und 22. November 2012 (Vorakten
39/6, 39/7) die Diagnose subacromiales Impingement der Schulter rechts
(ICD-10 M75.4). Er verordnete manuale Therapie sowie Reizstrom und
empfahl ein MRT der Schulter. Nach der Sonographie erkannte Dr.
N._ am 13. März 2013 (Vorakten 39/5) eine Rotatorenmanschet-
tenteilruptur Typ A der Spinatussehne rechts (ICD-10 M75.1). Er befand,
die Schulter sei nicht besser. Aufgrund des Beschwerdebildes und der ein-
deutigen klinischen und bildgebenden Befunde sei eine minimal-invasive
operative Behandlung indiziert.
5.1.1.3 Am 14. März 2013 (Vorakten 39/10) konstatierte Dr. O._,
der Beschwerdeführer leide seit längerer Zeit an Schulterproblemen
rechts, welche mit konservativer Therapie behandelt worden seien. Dr.
O._ erhob die Diagnosen Supraspinatussehnenteilruptur rechts
(ICD-10 M75.1), AC-Gelenksarthrose rechts (ICD-10 M19.91) und Bi-
zepssehnentendinitis rechts (ICD-10 M75.2).
5.1.1.4 Dr. P._, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
(https://das-orthopaedicum.de/aerzte/P._, zuletzt besucht am
24. September 2021), berichtete am 18. März 2015 (Vorakten 10/15), es
finde sich eine endgradig eingeschränkte HWS-Beweglichkeit mit
schmerzhaftem Irritationspunkt auf der Höhe C3/4 links sowie im Bereich
der HWS auf Höhe Th4 links physiologische BWS-Kyphose. Die periphere
Neurologie sei komplett unauffällig, gute Handkraft, Lasègue negativ und
Kennmuskeln kräftig. Dr. P._ führte eine manuelle Mobilisation im
Bereich der HWS und BWS durch. Er konstatierte, längere Spaziergänge
würden dem Beschwerdeführer beim Stressabbau dienen und die Be-
schwerden lindern. Die Leiden würden durch beruflichen Stress verstärkt.
Dr. P._ erhob die Diagnosen BWS-Syndrom (ICD-10 M54.6), Seg-
mentblockierung TH4 links (ICD-10 M99.0), chronisch rezidivierendes Zer-
vikalsyndrom (ICD-10 M47.21), Segmentblockierung (ICD-10 M99.0) und
Zervikobrachialgie links (ICD-10 M53.1). Am 15. Dezember 2015 (Vorakten
10/14, 29/8) führte Dr. P._ eine manuelle Mobilisation durch und
verordnete dem Beschwerdeführer Eigenübungen. Dr. P._ stellte
am 13. April 2016 (Vorakten 10/25, 16/8, 28/19, 58/30) zusätzlich die Diag-
nosen chronisches Schmerzsyndrom (ICD-10 R52.2), Osteochondrose
(ICD-10 M42.9) und Bandscheibenprotrusion (ICD-10 M51.2). Er berich-
tete, die HWS-Beweglichkeit sei mässig eingeschränkt mit schmerzhaften
Irritationspunkten der Etage C2/3 rechts sowie TH4 links. Die Handkraft sei
gut, Bizeps und Trizeps seien kräftig und die Schulter frei beweglich. Es
C-7354/2017
Seite 17
bestünden keine neurologischen Ausfälle und die Sensibilität sei voll gege-
ben. Aufgrund der Dauer der chronischen Schmerzen empfahl Dr.
P._ eine schmerztherapeutische Mitbehandlung. Aus orthopädi-
scher Sicht bestehe eine Arbeitsunfähigkeit. Am 16. August 2016 (Vorakten
28/13) stellte Dr. P._ fest, dem Patienten gehe es besser, sodass
auch längere Wanderungen möglich seien. Am 4. Oktober 2016 (Vorakten
21/5, 28/14) erhob Dr. P._ zusätzlich die Diagnose beginnende links
konvexe Thorakalskoliose (ICD-10 M41.0) und berichtete, der Patient
merke auf der linken Seite ein schnelles muskuläres Ermüden sowie
Schmerzen und könne den gestreckten Arm linksseitig nicht heben. Beim
Treppensteigen habe der Beschwerdeführer Beschwerden im linken Knie.
5.1.1.5 Im undatierten Bericht (Vorakten 21/1) von Dr. Q._, Fach-
arzt für Orthopädie (Gemeinschaftspraxis mit Dr. P._), erhob dieser
die Diagnosen degeneratives Zervikalsyndrom (ICD-10 M47.12), Band-
scheibenprotrusion (ICD-10 M51.2), chronisch rezidivierendes BWS-Syn-
drom (ICD-10 M54.6), ISG-Blockierung (ICD-10 M99.84), Insertionstendi-
nitis trapezius links, degeneratives BWS-Syndrom ICD-10 M47.1), Retro-
patellararthrose Knie (ICD-10 M22.2), beginnende linkskonvexe Thora-
kalskoliose (ICD-10 M41.0). Er hielt fest, es sei keine Krankschreibung er-
folgt. Trotzdem konstatierte Dr. Q._, langes Sitzen und konzentrier-
tes Arbeiten seien aufgrund der Schmerzen deutlich erschwert. Die bishe-
rige Tätigkeit sei höchstens ca. 4 Stunden täglich möglich. Schmerzbedingt
seien die Konzentrationsfähigkeit und die Belastbarkeit eingeschränkt.
5.1.1.6 Am 20. Januar 2016 (Vorakten 10/6, 10/10, 16/7, 28/20) berichteten
Dr. R._ und Dr. S._, Fachärzte für Orthopädie und Unfallchi-
rurgie, nach den Infiltrationen im Bereich der linken Schulter gehe es dem
Patienten deutlich besser. Dr. R._ hielt am 20. Januar 2016 (Vorak-
ten 10/11) fest, dass der Beschwerdeführer keine Zeit für Übungen habe.
5.1.1.7 Im [nicht unterzeichneten] Bericht vom 21. Oktober 2016 (Vorakten
10/12) wurde erkannt, die Beschwerden, welche nach Einnahme von Sortis
entstanden seien, seien deutlich rückläufig. Mittlerweile bestünden noch
Probleme im Bereich der linken Schulter bei beginnender Omarthrose und
deutlich muskulärer Dysbalance. Infiltration mit Hyaluronsäure im Bereich
der linken Schulter habe eine zunehmende Besserung gebracht. Weiterhin
bestünden noch Schmerzen in sämtlichen Muskelpartien.
5.1.1.8 Bei der Untersuchung vom 24. Januar 2017 konnte Dr. F._,
Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Manualmedizin,
C-7354/2017
Seite 18
Sportmedizin, Sonographie des Haltungs- und Bewegungsapparates, Aku-
punktur sowie Vertrauensärztin (SGV), am 12. Mai 2017 (Vorakten 43)
keine Funktionseinschränkungen der oberen Extremitäten objektivieren.
Sie stellte keine segmentalen Funktionsstörungen der Halswirbelsäule
fest, hingegen eine Insuffizienz der wirbelsäulenstabilisierenden Muskula-
tur sowie der Bauchmuskulatur. Anlässlich der neurologischen Untersu-
chung konnte Dr. F._ objektiv keine Paresen, keine Koordinations-
störungen, keine segmentbezogenen Muskelatrophien und keine derma-
tombezogenen Hypästhesien oder Hypalgesien feststellen. Die untersuch-
ten Laborparameter waren sämtliche im Normbereich.
Dr. F._ konstatierte, unter Berücksichtigung der Gegebenheiten und
der erhobenen Befunde bestehe auf muskuloskelettalem Fachgebiet eine
100%ige Arbeitsfähigkeit unter Beachtung des negativen Leistungsprofils:
– So seien bei subakromialem Impingement mit Partialruptur der Supra-
spinatussehne mehr als seltene Tätigkeiten über die Armhorizontale
hinaus zu vermeiden, ebenso das Hantieren von mehr als leichten Las-
ten körperfern und repetitive, stereotype Bewegungsabläufe im Bereich
der Schultergelenke.
– Aufgrund des (nicht objektivierbaren) Tinnitus sollten Tätigkeiten mit
grossen Lärmbelastungen durch Maschinen, Motoren oder laute Musik
vermieden werden (zum Tinnitus vgl. E. 5.7 hiernach).
– Bei initialer Retropatellararthrose seien mehr als seltene Tätigkeiten in
knienden/kauernden Positionen medizinisch nicht zumutbar, zudem
nicht mehr als das gelegentliche Bewältigen von Leitern und das zeit-
weise Bewältigen von Treppen.
– Das Arbeiten in Zwangshaltungen im Bereich des Haltungs- und Bewe-
gungsapparates sollte nicht mehr als gelegentlich anfallen, ebenso das
Hantieren von mittelschweren Lasten.
– Im Hinblick auf den anlässlich der ultrastrukturellen Beurteilung der
Haut mittels Elektronenmikroskopie vermuteten hypermobilen Typ des
Ehlers-Danlos-Syndroms (mit klinisch jedoch nur minimer Ausprägung
und nicht erfüllten Hauptcharakteristiken gemäss den seit dem
15. März 2017 geltenden neuen Diagnosekriterien), sollten Tätigkeiten
in Endstellungen der grossen und kleinen Körpergelenke vermieden
werden (zum Ehlers-Danlos-Syndrom vgl. E. 5.9 hiernach).
– Hingegen bestehe für leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tä-
tigkeiten unter Berücksichtigung des vorgenannten negativen Leis-
tungsprofils eine unlimitierte Arbeitsfähigkeit von 100 %.
C-7354/2017
Seite 19
Dr. F._ kam zum Schluss, die relative Selbsteinschätzung des Be-
schwerdeführers hinsichtlich der körperlichen Leistungsfähigkeit weise auf
eine deutliche nicht-organische Komponente des Beschwerdebildes hin
und könne objektiv nicht nachvollzogen werden. Für leichte bis mittel-
schwere, wechselbelastende Tätigkeiten liege, unter Berücksichtigung des
negativen Leistungsprofils, eine unlimitierte Arbeitsfähigkeit von 100 % vor.
5.1.2
5.1.2.1 Aus den Arztberichten ergibt sich, dass durch die Orthopäden
Dr. M._, Dr. N._, Dr. O._, Dr. R._ und Dr.
S._ (BVGer act. 39/1, Vorakten 39/8, 39/6, 39/7, 39/10, 28/20, 16/7,
10/10, 10/6) keine Krankschreibung erfolgte. Die Hausärztin des Be-
schwerdeführers, Dr. Aa._, führte die orthopädischen Diagnosen
als «ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit» auf (Vorakten 10/4), womit
auch sie davon ausging, dass aus orthopädischer Sicht keine Arbeitsunfä-
higkeit gegeben war. Ebenfalls führte Dr. F._ die orthopädischen Di-
agnosen als «ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit» auf. Diese Ärzte
gingen folglich von keiner generellen Arbeitsunfähigkeit aus, was den all-
gemeinen Tenor im medizinischen Dossier darstellt (vgl. E. 4.3.1 hiervor).
Daran ändert nichts, dass Dr. F._ ein negatives Leistungsprofil fest-
stellte (vgl. E. 5.1.1.8 hiervor).
5.1.2.2 Hingegen konstatierte Dr. P._, Facharzt für Orthopädie und
Unfallchirurgie, es bestünde aus orthopädischer Sicht eine Arbeitsunfähig-
keit (Vorakten 10/25, 16/8, 28/19, 58/30). Eine Krankschreibung erfolgte
jedoch nicht, worauf auch Dr. Q._ am 24. Oktober 2016 (Vorakten
21/1) hinwies. Dr. P._ begründete seine Annahme einer Arbeitsun-
fähigkeit nicht. Aus den Akten ist ersichtlich, dass er sich, wie in der Medizin
üblich, auf den biopsychosozialen Krankheitsbegriff stützte und die Prob-
leme des Beschwerdeführers an seinem Arbeitsplatz mitberücksichtigte
(Vorakten 10/15), was indes invalidenversicherungsrechtlich unbeachtlich
ist.
Dr. F._, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation,
Manualmedizin, Sportmedizin, Sonographie des Haltungs- und Bewe-
gungsapparates, Akupunktur sowie Vertrauensärztin (SGV), hielt zu den
Berichten von Dr. P._ und Dr. Q._ fest (Vorakten 43/110), Dr.
P._ führe pathologische Befunde auf, wobei er sich primär pauscha-
lisierender Beurteilungen bediene (z.B. mässig eingeschränkte HWS-Be-
weglichkeit), jedoch keine goniometrischen Messungen gemäss der Neut-
ral-Null-Methode mit aktiven und passiven Untersuchungen vorgenommen
C-7354/2017
Seite 20
habe. Dr. P._ habe festgehalten, der Beschwerdeführer sei aus or-
thopädischer Sicht arbeitsunfähig, jedoch fehle eine versicherungsmedizi-
nisch fundierte Begründung. Insbesondere könne den objektiven Untersu-
chungsbefunden des Orthopäden auch keine Funktionseinschränkung und
vor allem keine solche mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit entnommen
werden. Dr. P._ stütze sich primär auf die subjektiven Angaben des
Versicherten, jedoch seien in Anbetracht der sich mit Bezug auf Schmerzen
naturgemäss ergebenden Beweisschwierigkeiten im Rahmen der versi-
cherungsmedizinischen Leistungsprüfung die subjektiven Schmerzanga-
ben durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig feststellbare Befunde
hinreichend zu objektivieren. Es erstaune, dass Dr. P._ und
Dr. Q._ explizit betonen würden, zwar bestehe seit März 2016 eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers, aus ihrer Sicht sei je-
doch keine Krankschreibung erfolgt, und sie gleichzeitig festhalten würden,
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sei für höchstens ca. 4 Stunden medizi-
nisch zumutbar. Es sei nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer
selbst in einer seinen Leiden optimal angepassten Tätigkeit als nur ca. 4
Stunden arbeitsfähig beurteilt werde.
Die Einwände von Dr. F._ gegen die Berichte von Dr. P._
und Dr. Q._ leuchten ein, womit hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit
nicht auf die Einschätzung von Dr. P._ und Dr. Q._ abge-
stellt werden kann. Nachfolgend ist zu prüfen, ob von dem von Dr.
F._ festgestellten Leistungsprofil auszugehen ist (vgl. E. 5.1.1.8
hiervor).
5.1.2.3 Dr. F._ ist als Fachärztin für Physikalische Medizin und Re-
habilitation, Manualmedizin, Sportmedizin und Sonographie des Haltungs-
und Bewegungsapparates, kompetent, die Probleme des Beschwerdefüh-
rers hinsichtlich seines Haltungs- und Bewegungsapparates zu beurteilen
und insbesondere die funktionellen Einschränkungen darzulegen. Sie un-
tersuchte den Beschwerdeführer am 24. Januar 2017. Die Anamneseerhe-
bung dauerte rund 4 Stunden und die körperliche Exploration 55 Minuten.
Dr. F._ verschaffte sich einen Überblick über den Gesundheitszu-
stand des Beschwerdeführers, indem sie den Allgemeinstatus (Psyche,
Haut, Kopf und Hals, Thorax, Atmungsorgane, Herz-/Kreislauf und Abdo-
men) erhob, was einer lege artis durchgeführten somatischen Untersu-
chung entspricht (Urteil des BGer 9C_246/2019 E. 3.1).
C-7354/2017
Seite 21
Im versicherungsmedizinischen Bericht vom 12. Mai 2017 fasste sie die
medizinischen Vorakten ab Seite 5 zusammen. Die Kritik des Beschwerde-
führers (BVGer act. 1), wonach nicht ersichtlich sei, auf welche Akten sich
Dr. F._ gestützt habe, ist folglich aktenwidrig.
Die Beurteilungen von Dr. F._, basieren auf umfassenden fachärzt-
lichen Untersuchungen und Anamneseerhebungen. Der Bericht wurde un-
ter Berücksichtigung der beklagten Beschwerden und in Kenntnis der
Vorakten sowie nach Auseinandersetzung mit denselben erstattet. Die me-
dizinischen Zusammenhänge wurden nachvollziehbar aufgezeigt und die
Beurteilung der medizinischen Situation schlüssig dargelegt. Der Bericht
von Dr. F._ erfüllt die von der Rechtsprechung an den Beweiswert
von medizinischen Berichten und Gutachten gestellten Anforderungen.
Folglich ist von dem von Dr. F._ festgehaltenen Leistungsprofil aus-
zugehen, das heisst, dem Beschwerdeführer sind in somatischer Hinsicht
unter Berücksichtigung seiner Einschränkungen leichte bis mittelschwere,
wechselbelastende Tätigkeiten unter Berücksichtigung des negativen Leis-
tungsprofils (vgl. E. 5.1.1.8 hiervor) zumutbar.
5.1.2.4 Dr. F._ beschrieb im Bericht vom 12. Mai 2017 (Vorakten
43) eine Diskrepanz zwischen der subjektiven Beschwerdeschilderung des
Exploranden und den objektiv erhobenen Befunden. Damit bestehen Hin-
weise auf eine mögliche Aggravation. Die Feststellung von Aggravation,
Simulation oder Somatisierung ist Sache des psychiatrischen Facharztes
(Urteile des BGer 9C_520/2019 vom 22. Oktober 2019 E. 6.1;
9C_737/2018 vom 15. Februar 2019 E. 5.2; Urteil des BVGer C-1891/2019
vom 15. Juni 2021 E. 4.3). Zudem darf nicht jede Verdeutlichungstendenz,
welche das Wesen von Schmerzstörungen und vergleichbaren Leiden mit-
prägt, mit Aggravation gleichgesetzt werden. Eine Grenzziehung zwischen
einer Aggravation und einer blossen Verdeutlichungstendenz ist schwierig,
weshalb es hierfür einer einzelfallbezogenen, sorgfältigen Prüfung bedarf
und entsprechendes Fachwissen erfordert (Urteile des BGer 9C_899/2014
vom 29. Juni 2015 E. 4.2 m.H.; 9C_254/2016 vom 7. Juli 2016 E. 3.2.1;
Urteil des BVGer C-1891/2019 vom 15. Juni 2021 E. 4.3). Hinweise auf
Inkonsistenzen, Aggravation oder Simulation rufen nach einer vertiefenden
Prüfung des funktionellen Schweregrads (Urteil des BGer 9C_501/2018
vom 12. März 2019 E. 5.1 m.w.H.; Urteil des BVGer C-1891/2019 vom
15. Juni 2021 E. 4.3).
Dr. E._ erkannte gestützt auf die Werte, welche der Beschwerde-
führer beim Strukturierten Fragebogen Simulierter Symptome erzielte, eine
C-7354/2017
Seite 22
negative Antwortverzerrung und aufgrund des Amsterdamer Kurzzeitge-
dächtnistests eine gezeigte Leistung unterhalb des tatsächlichen Leis-
tungsniveaus (Vorakten 43/142f.). Hinsichtlich des funktionellen Schwere-
grades führte Dr. E._ aus, die Ausprägung der diagnoserelevanten
Befunde seien gering bis leichtgradig. Die Behandlungsmöglichkeiten
seien nicht ausgeschöpft worden. Hinsichtlich des Eingliederungserfolgs
bzw. -resistenz bestehe beim Versicherten eine Einschränkung seiner Ar-
beitsfähigkeit infolge der Auswirkungen einer kombinierten Persönlichkeits-
störung. Bezüglich der Komorbiditäten hielt Dr. E._ fest, dass beim
Beschwerdeführer seit seiner Kindheit und Jugend eine kombinierte Per-
sönlichkeitsstörung ausgewiesen sei. Zudem bestünden Einschränkungen
in den Ich-Funktionen und im sozialen Kontext. Hinsichtlich der Konsistenz
führte Dr. E._ aus, ein Leidensdruck könne nachvollzogen werden.
Dr. E._ orientierte sich bei der Einschätzung des funktionellen Leis-
tungsvermögens an den normativen Vorgaben nach BGE 141 V 281. Auf
seine Einschätzung, dass eine Beeinträchtigung der Kategorien ausgewie-
sen sei, ist abzustellen (zur weiteren Würdigung des Berichts von Dr.
E._ vgl. E. 6.2 hiernach). Aus dem Bericht von Dr. E._ geht
hervor, dass keine Aggravation besteht. Eine Aggravation wurde denn auch
von der Vorinstanz nicht angenommen, vielmehr sind sich die Parteien ei-
nig, dass eine Somatisierungsstörung vorliegt (BVGer act. 30/1). Damit
bleibt es bei dem von Dr. F._ festgestellten Leistungsprofil (vgl. E.
5.1.1.8 hiervor).
5.1.3
5.1.3.1 Entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers (BVGer act. 1)
berücksichtigte Dr. F._ das Tätigkeitsprofil als Speditionskaufmann
und führte im Bericht auf Seite 48 die Angaben des Arbeitgebers (Vorakten
8/2) auf, wonach selten schwere Gewichte gehoben oder getragen werden
mussten. Dem Beschwerdeführer war es möglich, seinen Beruf bis März
2016 trotz seiner Einschränkungen des Bewegungs- und Haltungsappara-
tes auszuüben. Daher ist es nachvollziehbar, dass Dr. F._, die Tä-
tigkeit als Speditionskaufmann aus der Sicht des Beschwerdeführers wei-
terhin als zumutbar erachtete (zur Arbeitsfähigkeit als Rechtsfrage vgl.
E. 8.2 hiernach).
5.1.3.2 Der Beschwerdeführer brachte selber vor (BVGer act. 1), dass sich
Dr. F._ zu den verschiedenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen
des Beschwerdeführers und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
geäussert hat. Der diesbezügliche Einwand des Beschwerdeführers, dass
C-7354/2017
Seite 23
Dr. F._ damit ausserhalb ihres Aufgabenbereiches tätig gewesen
sei, greift vorliegend nicht, denn eine allgemeine Abklärung ist Teil einer
lege artis durchgeführten Untersuchung (vgl. E. 5.1.2.3 hiervor). Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung vermittelt die Erhebung eines Allge-
meinstatus dem Gutachter einen fachübergreifenden Überblick über den
Gesundheitszustand des zu Untersuchenden (Urteil des BGer
9C_246/2019 vom 29. Mai 2019 E. 3.1). Zudem stützte sich Dr. F._
auf fachärztliche Berichte, wie nachfolgend zu zeigen ist (vgl. E. 5.2ff. hier-
nach).
5.2
5.2.1 In dermatologischer und kardiologischer Hinsicht lassen sich den me-
dizinischen Unterlagen die folgenden Informationen entnehmen.
5.2.1.1 Wegen dermatologischer Leiden war der Beschwerdeführer in den
Jahren 2000 bis 2010 wiederholt in medizinischer Behandlung (Vorakten
39/19, 39/11).
Am 6. April 2010 (Vorakten 19/18) erkannten die untersuchenden Derma-
tologen ein seborrhoisches Ekzem und am 16. September 2010 (Vorakten
39/16) Pityriasis versicolor sowie Folliculitis barbae candidomycetica.
Zudem stellte Prof. Dr. T._, Dermatologe, am 4. November 2013
(Vorakten 10/16) die folgenden Diagnosen: Akne pustulosa, Varikosis, Lip-
omatosis benigna symmetrica, Follikulitis capitis et barbae und Angiome.
Die farbkodierte Duplexsonographie zeigte eine Perforanteninsuffizienz.
Prof. Dr. T._ konstatierte, wegen der Lipomatose bestehe ein er-
höhtes kardiovaskuläres Risiko. Prof. Dr. T._ berichtete am
19. September 2016 (Vorakten 17/2) aus dermatologischer Sicht würden
keine Einschränkungen bestehen. Am 15. Februar 2017 (Vorakten 39/2)
stellte Prof. Dr. T._ aufgrund der seit Jahren multiplen, langsam in
Grösse zunehmenden, verschieblichen, teils schmerzhaften Fettgewebe-
geschwülste die Diagnose benigne symmetrische Lipomatose und äus-
serte den Verdacht auf ein Ehlers-Danlos-Syndrom (zum Ehlers-Danlos-
Syndrom vgl. E. 5.9 hiernach).
5.2.1.2 Der Beschwerdeführer leidet gemäss Bericht vom 1. März 2001
(Vorakten 39/14) unter chronisch venöser peripherer Insuffizienz. Am
16. Februar 2006 wurde eine Analthrombose exprimiert (Vorakten 39/13).
C-7354/2017
Seite 24
5.2.1.3 Bei der Untersuchung vom 15. März 2010 (Vorakten 18/2) zeigte
sich im Stressechokardiogramm kein Hinweis für eine Belastungskoronar-
insuffizienz. Bis auf eine Hypercholesterinämie wurden unauffällige Be-
funde erhoben (Vorakten 18/1).
5.2.2
5.2.2.1 Im vorliegenden Beschwerdeverfahren ist der Zeitraum von März
2016 bis 15. November 2017 massgebend (vgl. E. 3.4 hiervor). Aufgrund
der Lipomatose besteht zwar ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko
(vgl. E. 5.2.1.1 hiervor), welches sich jedoch bis zum Verfügungszeitpunkt
nicht manifestierte. Entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers
(BVGer act. 1) kann vorliegend somit nicht davon ausgegangen werden,
dass im Verfügungszeitpunkt ein kardiologisches oder kardiovaskuläres
Leiden vorgelegen hätte. Folglich veranlasste die Vorinstanz bzw. die kan-
tonale IV-Stelle zurecht bis zum Verfügungszeitpunkt keine weitergehen-
den kardiologischen oder kardiovaskulären Abklärungen (Urteil des BGer
9C_196/2014 vom 18 Juni 2014 E. 5.2).
5.2.2.2 Die Hefepilzerkrankungen (vgl. E. 5.2.1.1. hiervor) konnten behan-
delt werden und wurden dementsprechend in den später datierenden me-
dizinischen Vorakten nicht mehr erwähnt. Das heisst, im Beurteilungszeit-
raum lagen keine Hefepilzerkrankungen vor, welche zu berücksichtigen ge-
wesen wären.
5.2.2.3 Der Beschwerdeführer wendet gemäss Abklärungen von Dr.
F._ (Vorakten 43/1ff.) wegen der Ekzeme täglich im Bereich des
Gesichts Protopic-Salbe und bei Auftreten von Akneschüben zweimal täg-
lich Basocin-Aknelösung und Aknemycin-Plus-Lösung an. Folglich lagen
diese Beschwerden nicht nur in den Jahren 2000 bis 2010 vor, sondern
auch im Beurteilungszeitraum von März 2016 bis 15. November 2017.
Dr. F._ führte in ihrem Bericht vom 12. Mai 2017 (Vorakten 43) die
dermatologischen Arztberichte auf, erklärte die Wirkungsweisen der vom
Beschwerdeführer angewandten Medikamente und explorierte die Haut
des Beschwerdeführers. Dabei erkannte sie Lipome, multiple Narben im
Gesicht und Stamm sowie Dehnungsstreifen der Haut. Ansonsten stellte
sie ein unauffälliges Hautbild fest. Dr. F._ ist zwar keine Dermatolo-
gin, trotzdem ist überwiegend wahrscheinlich, dass sie ein krankhaftes
Hautbild erkannt hätte. Zudem konnte sie sich auf dermatologische Be-
richte stützen. Es leuchtet ein, dass Dr. F._, welche ein normales
Hautbild antraf, sich nicht weiter zur Akne und zu den Ekzemen äusserte,
C-7354/2017
Seite 25
sondern einzig die dermatologischen Diagnosen als «anamnestisch» auf-
führte.
Gemäss Prof. Dr. T._ bestehen aus dermatologischer Sicht keine
Einschränkungen (vgl. E. 5.2.1.1 hiervor). Prof. Dr. T._ hielt auch
nicht fest, dass Irritantien zu meiden wären. Dem Beschwerdeführer war
es denn auch möglich in einer «Werkstatt» handwerklich tätig zu sein
(Vorakten 43/134), obwohl es der allgemeinen Lebenserfahrung entspricht,
dass in einer «Werkstatt» Irritantien vorhanden sind.
Aus dem Gesagten erhellt, dass entgegen dem Vorbringen des Beschwer-
deführers (BVGer act. 1) die Vorinstanz ihre Untersuchungspflicht nicht
verletzte, wenn sie bzw. die IV-Stelle D._ keine Beurteilungen auf
dem Gebiet der Dermatologie in die Wege leitete, denn es bestehen keine
Hinweise darauf, dass die dermatologischen Leiden die Arbeitsfähigkeit
einschränken (Urteil des BGer 9C_196/2014 E. 5.2).
5.3
5.3.1 Aus den medizinischen Vorakten lassen sich auf dem Gebiet der
Gastroenterologie die folgenden Informationen entnehmen.
5.3.1.1 Der Beschwerdeführer war vom 21. Januar 2013 bis zum 28. Ja-
nuar 2013 (Vorakten 9/2ff.) im Ll._ Zentrum (...) wegen akuter Di-
vertikulitis hospitalisiert.
5.3.1.2 Am 1. April 2016 (Vorakten 10/22) berichtete Dr. U._, Fach-
arzt für Hals-, Nasen- Ohrenheilkunde, dass es nach dem operativen Ein-
griff an der Nase zu einer massiven abdominellen Beschwerdesymptoma-
tik sowie einer ausgeprägten Erschöpfungssymptomatik gekommen sei,
welche zu einer mehrwöchigen Arbeitsunfähigkeit geführt habe. Beim letz-
ten Vorstellungstermin am 23. März 2016 habe sich anamnestisch eine
deutlich rückläufige abdominelle Beschwerdesymptomatik ergeben.
5.3.1.3 Dr. F._ konstatierte am 12. Mai 2017 (Vorakten 45), der Be-
schwerdeführer habe angegeben, er leide unter Sodbrennen, einem sau-
ren Aufstossen und rezidivierenden Schmerzen im linken Unterbauch. Bei
der Untersuchung des Abdomens stellte die Ärztin indes eine weiche und
druckindolente Bauchdecke fest. Sie erkannte keine pathologischen Resis-
tenzen, keine Abwehrspannung und keine klinisch nachweisbare Hepato-
splenomegalie. Abgesehen von einem Ructus erhob sie einen blanden Be-
fund.
C-7354/2017
Seite 26
5.3.2
5.3.2.1 Gestützt auf den Hinweis von Dr. U._ und den Untersu-
chungsbefund von Dr. F._ sowie fehlenden anderweitigen Anhalts-
punkten ist überwiegend wahrscheinlich davon auszugehen, dass die ab-
dominelle Beschwerdesymptomatik sich zurückgebildet hat und die Ar-
beitsfähigkeit nicht beeinflusst.
5.3.2.2 Wie die Vorinstanz bzw. die IV-Stelle D._ zurecht vernehm-
lassungsweise festhielten (BVGer act. 6), kommt ihr bei der Auswahl der
abzuklärenden Fachgebiete ein erhebliches Ermessen zu und hat sie nicht
zu jeder in der Vergangenheit liegenden Diagnose in einem spezifischen
Fachgebiet zwingend ein Teilgutachten in diesem Fachgebiet einzuholen
(Urteil des BGer 8C_863/2015 vom 12. Februar 2016 E. 3). Dies vor allem,
wenn wie vorliegend, keine akuten oder chronischen gastroenterologi-
schen Leiden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen. Der Be-
schwerdeführer war zwar im Jahr 2016 während mehreren Wochen ar-
beitsunfähig, Grund hierfür war jedoch nicht einzig die damals akute Diver-
tikulitis, sondern der operative Eingriff an der Nase und die darauffolgende
Erschöpfungssymptomatik. Die gastroenterologischen Beschwerden bilde-
ten sich zurück und schränkten die Arbeitsfähigkeit nicht mehr ein. Eine
chronische gastroenterologische Beschwerdeproblematik mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit ist aus den Akten nicht ersichtlich. Zudem nimmt
der Beschwerdeführer keine regelmässige Medikation ein.
5.3.2.3 Der Beschwerdeführer brachte nicht substantiiert vor, warum auf-
grund der Divertikulitis ein invalidisierendes Leiden gegeben sein soll und
warum diesbezüglich ein Teilgutachten hätte eingeholt werden müssen.
5.3.2.4 Aus dem Gesagten folgt, dass die Vorinstanz bzw. die IV-Stelle
D._ zurecht keine weitergehenden gastroenterologischen Abklä-
rungen veranlasste, zumal eine solche zu keinem anderen Ergebnis ge-
führt hätte (Urteil des BGer 8C_863/2015 vom 12. Februar 2016 m.H.a.
BGE 139 V 349).
5.4
5.4.1 In neurologischer Hinsicht ergeben sich aus den Akten die folgenden
Hinweise.
5.4.1.1 Dr. V._, Neurologe, erhob am 7. März 2013 (Vorakten 30/5)
einen unauffälligen Befund mit normalisierten CK- und LDH-Werten und
C-7354/2017
Seite 27
befand für eine Myopathie oder andere neurologische Erkrankung gebe es
keine Anhaltspunkte.
5.4.1.2 Zu demselben Schluss kam Dr. F._ in ihrem Bericht vom
12. Mai 2017, nachdem beim Labor vom 24. Januar 2017 sämtliche Labor-
parameter im Normbereich lagen (Vorakten 43/67). Dr. F._ führte
aus, anlässlich der Exploration vom 24. Januar 2017 hätten keine Ver-
dachtsmomente für das Vorliegen einer Myopathie/Myositis objektiviert
werden können.
5.4.2 Nachdem die CK-Werte nur kurzfristig erhöht waren und mit keinem
pathologischen Befund in Zusammenhang standen und zudem keine An-
haltspunkte für eine neurologische Erkrankung vorlagen, bestand kein An-
lass für weitere medizinische Abklärungen seitens der Vorinstanz bzw. der
IV-Stelle D._ (Urteil des BVGer 9C_196/2014 E. 5.2).
5.5
5.5.1 Auf dem Fachgebiet der Rheumatologie lassen sich den medizini-
schen Vorakten die folgenden Hinweise entnehmen.
5.5.1.1 Der Beschwerdeführer suchte am 21. Oktober 2014 (Vorakten
10/18) die Ambulanz des Universitätsklinikums (...) auf. Prof.
Dr. W._ erkannte, weder klinisch noch anamnestisch bestehe An-
halt für eine entzündlich-rheumatische Grunderkrankung. Prof. Dr.
W._ bestätigte am 24. November 2014 (Vorakten 10/18, 29/4), dass
keine Hinweise auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung bestünden.
Der gering erhöhte Rheumafaktor sei als unspezifisch zu werten.
5.5.1.2 Dr. Joseph, Ärztin für Nuklearmedizin, berichtete am 21. Juni 2016
(Vorakten 28/10, 58/7), dass die Zweiphasenskelettszintigraphie vom
20. Juni 2016 (Vorakten 16/2) keine rheumatypischen entzündlichen Ge-
lenkveränderungen ergeben hätten.
5.5.1.3 Dr. F._ hielt am 12. Mai 2017 (Vorakten 43) fest, eine allfäl-
lige Erkrankung aus dem entzündlichen-rheumatischen Formenkreis habe
ausgeschlossen werden können.
5.5.2 Aus den medizinischen Akten ergibt sich, dass auf dem Gebiet der
Rheumatologie keine Leiden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorla-
gen und folglich seitens der Vorinstanz bzw. der IV-Stelle D._ kein
Anlass für weitergehende rheumatologische Abklärungen bestand (Urteil
des BGer 9C_196/2014 E. 5.2).
C-7354/2017
Seite 28
5.6
5.6.1 Hinsichtlich des Fachgebiets der Urologie ergeben sich aus den
Vorakten die folgenden Informationen.
5.6.1.1 Da der Beschwerdeführer angab, trotz Training und Reha-Mass-
nahmen zum Muskelaufbau und zur allgemeinen Kräftigung keinen adä-
quaten Muskelaufbau erreichen zu können (Vorakten 29/9), wurden am
16. Dezember 2015 die Testosteronwerte bestimmt (Vorakten 10/9), wel-
che unauffällig waren.
Prof. Dr. X._ und Dr. Y._ schlossen am 13. Januar 2016
(Vorakten 10/8, 28/21, 28/22, 29/3) aufgrund der durchgeführten Laborun-
tersuchung ein Testosteronmangelsyndrom aus. Die vom Beschwerdefüh-
rer geschilderten Leiden, hätten andere Ursachen, die ausserhalb des uro-
logischen-andrologischen Fachgebietes liegen würden.
5.6.1.2 Eine urologische Ursache für die Beschwerden wurde ebenfalls am
20. Januar 2016 (Vorakten 10/11) und am 26. Oktober 2016 (Vorakten
29/1) ausgeschlossen. Anamnestisch führte Dr. Y._ aus, im Jahr
2001 sei beim Patienten eine überwiegend sensorische Harnblasenentlee-
rungsstörung sowie eine inkomplette erektile Dysfunktion diagnostiziert
worden. Im Jahr 2009 habe es keinen Anhalt für eine Harnblasenentlee-
rungsstörung mehr gegeben. Die inkomplette erektile Dysfunktion habe
auch im Dezember 2015 noch bestanden. Aus urologischer Sicht bestehe
keine Arbeitsunfähigkeit.
5.6.2 Aus den Vorakten ergibt sich, dass eine urologische Ursache der Lei-
den des Beschwerdeführers ausgeschlossen werden konnte, womit nach-
vollziehbar ist, dass Dr. F._ gestützt auf den Bericht von Dr.
Y._ festhielt, dass auf urologischem Fachgebiet keine Arbeitsunfä-
higkeit bestehe. Dr. F._ ist zwar keine Urologin, jedoch konnte sie
sich bei ihrer Einschätzung auf aussagekräftige urologische Berichte stüt-
zen, womit von ihrer Einschätzung auszugehen ist. Die Vorinstanz bzw. die
IV-Stelle D._ veranlasste zurecht keine urologischen Abklärungen,
da hierzu kein Anlass bestand (Urteil des BGer 9C_196/2014 E. 5.2).
5.7
5.7.1 In den Vorakten sind HNO-ärztliche Berichte mit den folgenden Infor-
mationen enthalten.
5.7.1.1 Wegen ausgeprägter Verschmälerung des knorpeligen Septums
und einer starken Blutungsneigung, wurde der Beschwerdeführer am
C-7354/2017
Seite 29
4. Februar 2016 (Vorakten 10/7, 33/2, 36/2) im Bereich der Nasenscheide-
wand sowie der Nasenmuschel operiert. Dr. U._, Facharzt für Hals-
, Nasen- und Ohrenheilkunde, berichtete am 1. April 2016 (Vorakten 10/22,
28/17) aus HNO-ärztlicher Sicht bestehe derzeit ein regelrechter postope-
rativer Heilungsverlauf. Unter Diagnosen führte Dr. U._ einen Tin-
nitus links (intermittierend) auf. Er befand, aus HNO-ärztlicher Sicht ergebe
sich bis auf die regelmässige Anwendung einer Nasendusche sowie gele-
gentlicher Anwendung eines salzhaltigen Nasensprays kein weiterer Hand-
lungsbedarf.
5.7.1.2 Aufgrund gelegentlicher Druckschmerzen im Bereich Spina nasalis
anterior sowie Anreicherung in der Knochenszintigraphie im Bereich der
linken Kieferhöhle empfahl Dr. U._ am 1. Juli 2016 (Vorakten 28/11)
die Durchführung einer Computertomographie (CT).
5.7.1.3 Die Computertomographie (CT) der Nasennebenhöhlen und der
maxillaren Zahnreihe vom 6. Juli 2016 (Vorakten 28/12, 58/8) ergab keinen
Nachweis einer akuten oder chronischen Sinusitis.
5.7.1.4 Am 8. Februar 2017 (Vorakten 39/4) wurde beim Beschwerdeführer
eine diskrete Schleimhautreizung im Bereich der mittleren Nasenmuschel
erkannt und eine Rhinitis diagnostiziert, welche mit Nasensalbe behandelt
wurde.
5.7.2
5.7.2.1 Gestützt auf die HNO-ärztlichen Berichte von Dr. U._ und
Dr. Heinert hielt Dr. F._ am 12. Mai 2017 (Vorakten 43) fest, es be-
stehe auf HNO-ärztlichem Fachgebiet keine Arbeitsunfähigkeit, was auf-
grund der erfolgreichen Operation der Nasenscheidewand und der damit
wieder freien Atmung einleuchtet. Es bestand folglich kein Anlass für wei-
tergehende Abklärungen (Urteil des BGer 9C_196/2014 E. 5.2).
5.7.2.2 Dr. F._ berücksichtigte den nicht objektivierbaren Tinnitus
im Leistungsprofil dahingehend (Vorakten 43/103), dass Tätigkeiten mit
grossen Lärmbelastungen durch Maschinen, Motoren oder lauter Musik
vermieden werden sollten, was im vorliegenden Fall einleuchtet.
5.8
5.8.1 In ophthalmologischer Hinsicht diagnostizierte Dr. Z._, Fach-
ärztin für Augenheilkunde, am 28. Oktober 2016 (Vorakten 31/2, 31/7) Au-
C-7354/2017
Seite 30
genbrennen, Mikrostrabismus, Anisometropie beidseits, Office-Eye-Syn-
drom, Myopie rechts und Hyperopie links. Es wurde eine Brille verordnet.
Eine Arbeitsunfähigkeit wurde nicht attestiert.
5.8.2 Die Fehlsichtigkeit des Beschwerdeführers konnte mit einer Brille
korrigiert werden und das Schielen ist nur leicht. Für Berufe mit durch-
schnittlichen Anforderungen an die Sehfähigkeit bestehen folglich keine
Einschränkungen. Ein besonderer Pausenbedarf wurde von Dr. Z._
nicht festgehalten.
5.9
5.9.1 Es wurden humangenetische Untersuchungen durchgeführt.
5.9.1.1 Dr. Aa._, Allgemeinmedizinerin, hielt am 4. August 2016
(Vorakten 28/15) fest, da die Beschwerden bisher ohne Krankheitsnach-
weis bestehen würden, sei eine humangenetische Abklärung notwendig.
5.9.1.2 Prof. Dr. Bb._ und Dr. Cc._ konstatierten am 22.
März 2017 (Vorakten 42/2), der vom Versicherten geschilderte Krankheits-
verlauf mit bereits kurz nach dem 20. Lebensjahr festgestelltem Gelenk-
verschleiss, Krampfadern, häufigen Infekten, Zahnschäden sowie chroni-
schen Rücken-, Gelenk- und Muskelschmerzen habe mit einer umfangrei-
chen rheumatologischen, endokrinologischen und bildgebenden Diagnos-
tik nicht hinreichend erklärt werden können. Das frühe Auftreten von
Krampfadern und untypischen Dehnungsstreifen der Haut würden auf ei-
nen zugrundeliegenden Bindegewebsdefekt hinweisen. Es wurde der Ver-
dacht auf ein Ehlers-Danlos-Syndrom gestellt.
5.9.1.3 Prof. Dr. Dd._, Oberarzt der Klinik (...), berichtete am
13. April 2017 (Vorakten 58/31), es seien keine eindeutigen Hinweise auf
ein Ehlers-Danlos-Syndrom erkennbar. Weitere Abklärungen diesbezüg-
lich halte er, wenn keine eindeutigen Hinweise bestehen würden, nicht für
zielführend. Prof. Dr. Dd._ empfahl die Vorstellung zur Abklärung
eines Burn-Outs und gegebenenfalls die Einleitung einer entsprechenden
Therapie.
5.9.1.4 Dr. Aa._ hielt am 3. August 2017 (Vorakten 58/35) fest, die
Abklärungen betreffend Ehlers-Danlos-Syndrom seien noch nicht abge-
schlossen.
5.9.2 Das Ehlers-Danlos-Syndrom Typ III ist eine genetisch bedingte Er-
krankung, bei der es zu einer Störung der Kollagensynthese kommt. Dies
https://flexikon.doccheck.com/de/Genetisch https://flexikon.doccheck.com/de/Erkrankung https://flexikon.doccheck.com/de/Erkrankung https://flexikon.doccheck.com/de/Kollagen
C-7354/2017
Seite 31
führt zu Überbeweglichkeit der Gelenke und zu häufigen Luxationen
(https://flexikon.doccheck.com/de/Ehlers-Danlos-Syndrom_Typ_III, zuletzt
besucht am 24. September 2021). Anlässlich des Berichts vom 12. Mai
2017 (Vorakten 43) setzte sich Dr. F._ vertieft mit dieser Diagnose
auseinander und fasste zusammen, unter Berücksichtigung aller Gegeben-
heiten und Befunde sei es zwar durchaus möglich, dass beim Versicherten
genetisch tatsächlich Hinweise für das Vorliegen eines Ehlers-Danlos-Syn-
droms des hypermobilen Typs objektiviert werden könnten, in der versiche-
rungsmedizinischen Einzelfallabklärung sei jedoch die Ausprägung der kli-
nischen Symptomatik von Bedeutung, das heisse, ob aus allfälligen gene-
tischen Mutationen tatsächlich Funktionseinschränkungen und insbeson-
dere solche mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit resultieren würden.
Dies sei beim Beschwerdeführer zu verneinen. Dr. F._ kam zum
Schluss, aufgrund des vermuteten hypermobilen Typs des Ehlers-Danlos-
Syndroms mit klinisch jedoch nur minimaler Ausprägung und nicht erfüllten
Hauptkriterien gemäss den seit 15. März 2017 geltenden Diagnosekrite-
rien, seien Tätigkeiten in Endstellung der grossen und kleinen Körperge-
lenke zu vermeiden. Diese Einschätzung von Dr. F._ und die Be-
rücksichtigung beim Zumutbarkeitsprofil ist nachvollziehbar.
5.10 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Bericht von Dr. F._
die Anforderungen der Rechtsprechung an beweiswertige Gutachten und
Berichte erfüllt (vgl. E. 3.10 hiervor). Es liegen keine medizinischen Unter-
lagen vor, die den Bericht von Dr. F._ in Zweifel zu ziehen vermöch-
ten. Die somatischen Beschwerden sind mit dieser Beurteilung und dem
Beizug der Behandlungsberichte hinreichend berücksichtigt worden und
die daraus gezogenen Schlüsse nachvollziehbar. Aus urologischer, HNO-
ärztlicher, internistischer, kardiologischer, ophthalmologischer und derma-
tologischer Sicht ist keine Arbeitsunfähigkeit gegeben. Hingegen besteht
aufgrund der eingeschränkten Belastbarkeit des Haltungs- und Bewe-
gungsapparates ein negatives Leistungsprofil (vgl. E. 5.1.1.8 hiervor).
6.
6.1 In psychiatrischer und psychologischer Hinsicht lassen sich den Akten
die folgenden Hinweise entnehmen.
6.1.1 Am 8. Januar 2001 (Vorakten 43/155) nannte Prof. Dr. Ee._,
Psychiater, als Diagnosen Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0), mittel-
gradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11)
und generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1).
C-7354/2017
Seite 32
6.1.2 Aufgrund der psychischen Leiden wurde der Beschwerdeführer am
12. April 2016 bei Frau Dipl.-Psych. Ff._, Psychologin, vorstellig,
welche am 22. September 2016 (Vorakten 28/9) berichtete, nach Konflikten
am Arbeitsplatz habe der Beschwerdeführer vor dem Hintergrund einer
Persönlichkeitsstörung, eine erneute depressive Symptomatik entwickelt.
Am 24. Februar 2017 (Vorakten 40/3, 58/37) ergänzte die Psychologin, der
Konflikt am Arbeitsplatz sei entstanden, weil sich der Beschwerdeführer
nicht ernst genommen und ungerecht behandelt gefühlt habe. Alte Bezie-
hungsmuster seien aktiviert worden und der Patient habe gekränkt rea-
giert. Soziale Konflikte seien entstanden und eskaliert, sodass ihm der Ar-
beitsplatz gekündigt worden sei. Am 23. August 2017 (Vorakten 58/46) hielt
die Psychologin fest, es bestehe ein stark erhöhtes Konfliktpotential.
6.1.3 Dr. Gg._, Psychiaterin, berichtete am 24. September 2016
(Vorakten 15/2), dass sie beim Beschwerdeführer am 26. April 2016 eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne
psychotische Symptome (ICD-10 F33.2) diagnostiziert habe. Die Krankheit
habe schleichend begonnen und sich durch den Stress am Arbeitsplatz bei
nicht ausreichendem Copingvermögen verschlimmert. Der Beschwerde-
führer habe unter Schlaf- Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen,
Antriebslosigkeit, Leistungsminderung, Verzweiflung und Ängsten, jedoch
ohne psychotische Symptome, gelitten. Zum damaligen Zeitpunkt sei für
mindestens drei Wochen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen.
6.1.4 Im Auftrag der Versicherungsgesellschaft (...) führte Dr. E._,
Psychiater, am 28. Februar 2017 eine Exploration durch und erstellte am
23. Mai 2017 (Vorakten 43/120ff.) einen Bericht. Dr. E._ hielt fest,
es würden weder Hinweise auf Wahn, Sinnestäuschung, Ich-Störungen,
Zwangshandlungen oder -gedanken noch auf Störungen der Konzentrati-
onsfähigkeit, Aufmerksamkeit oder Merkfähigkeit vorliegen, jedoch habe
der Beschwerdeführer Konzentrationsprobleme genannt. Der objektivier-
bare Antrieb sei ungestört. Der Beschwerdeführer habe indes Müdigkeit
und verminderte Belastbarkeit beschrieben. Eine Erschöpfung sei nicht er-
kennbar, so habe der Beschwerdeführer nach der vierstündigen Explora-
tion nicht ersichtlich müde gewirkt. Der Beschwerdeführer habe im Struk-
turierten Fragebogen Simulierter Symptome (SFSS) 29 Punkte erreicht,
was für eine negative Antwortverzerrung spreche (zum Ausschluss einer
Aggravation vgl. E. 5.1.2.4 hiervor).
C-7354/2017
Seite 33
Dr. E._ befand, es stünden die Auswirkungen einer Arbeitslosigkeit
im Vordergrund, jedoch habe keine relevante ängstlich-depressive Symp-
tomatik exploriert werden können. In der Gesamtschau seien die Eingangs-
kriterien für eine depressive Episode nicht (mehr) erfüllt.
Dr. E._ stellte die nachfolgenden Diagnosen:
Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
– Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, zwanghaften
und emotional-instabilen Anteilen (ICD-10 F61.0) mit/bei anamnestisch
Hinweisen auf ADHS (ICD-10 F90) während der Kindheit und Jugend.
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
– Anamnestisch Abhängigkeitssyndrom von Tabakwaren, gegenwärtig
abstinent (ICD-10 F17.20).
– Aktenanamnestisch depressive Episode, gegenwärtig nahezu vollstän-
dig remittiert (ICD-10 F32.4), differentialdiagnostisch Dysthymie (ICD-
10 F34.1).
– Aktenanamnestisch Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reak-
tion (F 43.21).
– Aktenanamnetisch somatoformer Schwindel (ICD-10 F45.8), differenti-
aldiagnostisch Schwindel im Rahmen einer Neurasthenie (ICD-10
F48.0).
– V.a. chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak-
toren (ICD-10 F45.41), differentialdiagnostisch Schmerzen im Rahmen
einer Neurasthenie (ICD-10 F48.0).
– Anamnestisch Zähneknirschen/Bruxismus (ICD-10 F45.8).
– Aktenanamnestisch Legasthenie (ICD-10 F81.0).
Dr. E._ konstatierte, der Beschwerdeführer verfüge über eine Viel-
zahl an Ressourcen und mittlerweile eine weitgehend funktionale Strategie
zur Stressbewältigung (Sport/Übungen). Er führe zudem eine Paarbezie-
hung und sei, wie in den ergänzenden Akten ersichtlich, auch in sozialen
Aktivitäten eingebunden («Schrauben» in einer Werkstatt, Treffen mit Kol-
legen/Stammtisch, Städtereisen, etc.). Ihm sei es auch gelungen, seine
Ausbildung abzuschliessen und sich in mehreren Berufsfeldern zu bewäh-
ren.
Dr. E._ diskutierte die Standardindikatoren (Vorakten 43/160ff.) und
kam zum Schluss, in der Gesamtschau sei eine Beeinträchtigung der sog.
«Kategorien» ausgewiesen, die indessen hauptsächlich als Auswirkung ei-
ner kombinierten Persönlichkeitsstörung zu verstehen seien. Es bestünden
C-7354/2017
Seite 34
Einschränkungen in den sogenannten komplexen Ich-Funktionen (Reali-
tätsprüfung und Urteilsbildung, Beziehungsfähigkeit und Kontaktgestal-
tung, Affektsteuerung und Impulskontrolle, Selbstwertregulation und Re-
gressionsfähigkeit, Intentionalität und Antrieb sowie Abwehrorganisation).
Es bestünden leichte Einschränkungen der Fähigkeit zur Anpassung an
Regeln und Routinen, der Fähigkeit zur Planung und Strukturierung, der
Selbstbehauptung, sowie der Kontakt-, Gruppen- und Beziehungsfähigkeit.
Dr. E._ stellte fest, für Tätigkeiten mit erhöhtem zwischenmenschli-
chem Kontakt, mit permanentem Zeit- und Termindruck, hohem Publikums-
verkehr sowie Tätigkeiten mit hohen Anforderungen an die Anpassungs-
und Umstellungsfähigkeit sei eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (von 100 %)
anzunehmen. Für Tätigkeiten mit wenig intensivem zwischenmenschlichen
Kontakt sei hingegen von einer Arbeitsunfähigkeit von 10 % (von 100 %)
auszugehen, zumal die Auswirkungen der gegenwärtig feststellbaren Psy-
chopathologie sich bei Arbeiten in einem Umfeld mit wenig intensivem zwi-
schenmenschlichen Kontakt überwiegend wahrscheinlich weniger deutlich
auswirken würden.
6.1.5 Im Gutachten zu Händen der Deutschen Rentenversicherung vom
21. September 2017 (Vorakten 58/9) konstatierte Dr. Hh._, Psychi-
aterin, insgesamt habe der zu Begutachtende die Aufgaben des gutachter-
lichen Gesprächs gut bewältigen können. Die Erinnerungsfähigkeit an bio-
graphische Daten sei gut möglich gewesen. Die Konzentrationsfähigkeit
sei gut ausgebildet. Grössere affektive Auslenkung sei ausgeblieben. Im
gutachterlichen Gespräch sei Schwingungsfähigkeit zu erreichen gewe-
sen. Lediglich die formalen Denkstörungen die zu detaillierte und weit-
schweifige Darstellungen mit schwerer Begrenzbarkeit hätten zu einem er-
schwerten Gesprächsverlauf geführt. Lange Jahre habe der zu Begutach-
tende den beruflichen Anforderungen Stand halten können, habe sich im
beruflichen Leben auch weitergebildet und qualifiziert. Ein negatives Leis-
tungsbild bestehe aufgrund der psychischen Defizite in einer verminderten
psychischen Belastbarkeit für Tätigkeiten, die mit Stressbelastungen und
mit hohen Anforderungen an Umstellungs- und Anpassungsvermögen ein-
hergehen würden. Gemäss dem positiven und negativen Leistungsbild sei
der zu Begutachtende im zuletzt ausgeübten Beruf als Disponent voll-
schichtig arbeitsfähig einzustufen, ebenso ordne sie die Leistungsfähigkeit
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ein. Somit würde aus psychiatrischer
Sicht die Voraussetzungen für den Erhalt einer Erwerbsunfähigkeitsrente
nicht vorliegen.
C-7354/2017
Seite 35
6.1.6 Der Beschwerdeführer war vom 10. Oktober 2017 bis zum 14. No-
vember 2017 zur stationären Reha in der J._ Klinik (BVGer
act. 28/5). Dr. Ii._, Dipl.-Psychologe, und Dr. Jj._, Psychia-
ter, hielten fest, diagnostisch liege eine mittelgradige depressive Episode
bei rezidivierender depressiver Störung (ICD-10 F33.1) vor. Differentialdi-
agnostisch komme neben einer möglichen Autismusdiagnose oder einer
Persönlichkeitsstörung auch die Diagnose einer komplexen posttraumati-
schen Belastungsstörung in Betracht. Letztlich hätten sich jedoch für keine
der genannten Differentialdiagnosen ausreichend Hinweise ergeben. Re-
levante quantitative Einschränkungen bezüglich des Leistungsbildes sa-
hen Dr. Ii._ und Dr. Jj._ weder für die Tätigkeit des Bezugs-
berufs noch für Tätigkeiten des allgemeinen Arbeitsmarktes.
6.1.7 Im Privatgutachten vom 26. Februar 2018 (BVGer act. 8/1) hielt
Prof. Dr. G._, Psychiater, fest, beim ADOS2-Test habe der Be-
schwerdeführer sowohl im Bereich Kommunikation als auch in der wech-
selseitigen sozialen Interaktion auffällige Werte im Sinne eines Autistischen
Spektrums erzielt. Es würden sich Auffälligkeiten im Hinblick auf einge-
engte Interessen, Routinen und rigiden, wenig modulierten behavioralen
Alltagstrukturen finden. Bereits vor dem Schuleintritt hätten wegen behavi-
oralen Problemen ein Kinder- und Jugendpsychiater oder Psychologe auf-
gesucht, der Kindergarten abgebrochen und die Einschulung um ein Jahr
verschoben werden müssen. Insofern seien bereits für die erste Dekade
Besonderheiten im Sinne eines Asperger-Syndroms nachweisbar. Auch
die aus der zweiten Dekade geschilderten Auffälligkeiten im Sinne psycho-
tischer Symptome, wie etwa der kurzen Episoden mit Halluzinationen, aber
auch die etwas paranoid gefärbte Persönlichkeitsstruktur sowie die Auffäl-
ligkeiten in somatisierendem Sinne fügten sich gut in das Bild einer hoch-
funktionalen Autismus-Spektrum-Störung ein. Weiter diagnostizierte Prof.
Dr. G._ ein mittelgradiges depressives Syndrom bei Verdacht auf
rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.1) und eine Somatisie-
rungsstörung (ICD-10 F45.0).
6.1.8 Dr. I._, Psychiaterin, berichtete am 3. Juli 2018 (BVGer
act. 14/1), 12. Juli 2018 (BVGer act. 14/2), 17. Januar 2019 (BVGer act.
18/1) und 17. Oktober 2019 (BVGer act. 25/1) der Beschwerdeführer be-
finde sich seit dem 2. Mai 2018 bei ihr in ambulanter psychiatrischer Be-
handlung wegen eines Asperger-Autismus (ICD-10 F84.5), einer mittelgra-
digen depressiven Episode bei rezidivierender Störung (ICD-10 F33.1) so-
wie einer Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0). Die entsprechende Diag-
nostik sei im Rahmen einer gutachterlichen Abklärung durch Prof. Dr.
C-7354/2017
Seite 36
G._ im Oktober 2017 erfolgt. Aufgrund des Asperger-Autismus sei
von einer Leistungsminderung von mindestens 50 % GdB auszugehen.
6.2 Die Vorinstanz stützte sich für die Beurteilung der psychischen Ein-
schränkungen insbesondere auf den Bericht von Dr. E._ vom 23.
Mai 2017 (vgl. E. 6.1.4 hiervor) ab.
6.2.1 Dr. E._ erhob die Anamnese (Vorakten 43/123ff.), hielt die
subjektiven Angaben des Beschwerdeführers fest (Vorakten 43/132ff.),
führte allseitige Untersuchungen durch und dokumentierte die objektiven
Befunde (Vorakten 43/140ff). Zudem wurden die Vorakten zwar nicht ein-
zeln aufgeführt, jedoch die Inhalte der psychiatrischen Akten zusammen-
gefasst wiedergegeben (Vorakten 43/155ff.); insbesondere ist ersichtlich
(Vorakten 43/155ff.), dass Dr. E._ Kenntnis von den Behandlungs-
berichten von Prof. Dr. Ee._ (E. 6.1.1), der Psychologin Ff._
(E. 6.1.2) und von Dr. Gg._ (E. 6.1.3) hatte. Er nahm eingehend zu
den Behandlungsberichten Stellung und begründete nachvollziehbar seine
Diagnosen. Aufgrund der erhobenen Befunde, des Tagesablaufs und der
Freizeitaktivitäten des Beschwerdeführers erachtete er die Diagnose «de-
pressive Episode», welche im medizinischen Dossier mehrmals erhoben
worden war, als weitgehend remittiert. Diese Schlussfolgerung leuchtet ein,
denn Dr. E._ konstatierte, «im Affekt war er (Beschwerdeführer)
durchgängig schwingungsfähig und überwiegend euthym. [...] zeigte er
sich oftmals auch scherzend und lachend. [...] Ein durchgängig vorhande-
ner depressiver Habitus war nicht erkennbar». Es zeigte sich weder ein
ausgeprägter depressiver Affekt noch ein Interessen- oder Freudenverlust
an Aktivitäten bzw. ein verminderter Antrieb oder eine gesteigerte Ermüd-
barkeit.
Dr. E._ äusserte sich zu den Standardindikatoren gemäss BGE 141
V 281 (vgl. E. 5.1.2.4 und E. 6.1.4 hiervor). Der IV-Arzt Dr. Kk._,
Facharzt für Allgemeinmedizin, hielt hierzu am 31. August 2017 fest
(Vorakten 51), die Standardindikatoren seien im «Gutachten» von Dr.
E._ detailliert diskutiert worden. Die «gutachterlich» festgestellten
gesundheitlichen Störungen seien hinsichtlich ihrer Symptomatologie, des
Krankheitsverlaufs und ihren Auswirkungen auf den Alltag anhand der
fachärztlich erhobenen Befunden nachvollziehbar festgestellt und bewertet
worden. Zur Behebung des vorliegenden Gesundheitsschadens seien be-
reits die hierfür indizierten Therapien durchgeführt worden und der Versi-
C-7354/2017
Seite 37
cherte habe hierbei ausreichend mitgewirkt. Das Bundesverwaltungsge-
richt folgt der Einschätzung von Dr. Kk._ hinsichtlich der Standar-
dindikatoren.
Dr. Kk._ wies auf die Hinweise in Richtung Aggravation hin. Aus
dem Bericht von Dr. E._, Psychiater, geht jedoch hervor (vgl. E.
5.1.2.4), dass eine Aggravation nicht ausgewiesen ist, sondern die Ver-
deutlichungstendenz mit den psychischen Beeinträchtigungen in Zusam-
menhang steht. Eine Aggravation wurde denn auch von der Vorinstanz
nicht angenommen.
Aus dem Gesagten folgt, dass der Bericht von Dr. E._ den allge-
meinen rechtlichen Anforderungen (vgl. E. 3.10 hiervor) entspricht und un-
ter Berücksichtigung eines strukturieren Beweisverfahrens (BGE 141 V
281; vgl. E. 3.12 hiervor) erstellt wurde, womit ihm volle Beweiskraft zu-
kommt.
6.2.2 Der Beschwerdeführer legte gegen den Bericht von Dr. E._
ein Privatgutachten von Prof. Dr. G._ vom 26. Februar 2018 ins
Recht (vgl. E. 6.1.7 hiervor).
6.2.2.1 Die IV-Ärztin Dr. H._, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsy-
chiatrie, äusserte sich am 4. Juni 2018 (BVGer act. 10/2) dahingehend, das
Privatgutachten mit Datum vom 26. Februar 2018 beruhe auf allseitigen
Untersuchungen (psychiatrisch, neuropsychologisch, autismusspezifisch,
somatisch). Die Untersuchungen seien an vier unterschiedlichen Terminen
gemacht worden und hätten sich über Monate erstreckt. Der Gutachter
habe die vom Versicherten geklagten Beschwerden berücksichtigt und
Kenntnis der Vorakten gehabt. Die dargelegten medizinischen Zusammen-
hänge seien verständlich. Das Privatgutachten setze sich mit den in den
Akten vorliegenden relevanten fachärztlichen Einschätzungen auseinan-
der. Hingegen diskutiere Prof. Dr. G._ die Standardindikatoren nicht
und äussere sich auch nicht zur Frage des Ausmasses der Arbeitsunfähig-
keit. Weiter vergleiche er die Aussagen des Versicherten in der eigenen
Untersuchung nicht mit denjenigen des «Gutachtens
F._/E._» und nehme keine kritische Würdigung vor. Zudem
fänden sich keine Aussagen zu bisherigen Eingliederungsbemühungen.
Die Aussagen zu Auswirkungen auf Beruf, Alltag und Freizeit seien meis-
tens sehr allgemein gehalten, ohne konkrete Einschränkungen anhand von
Beispielen aus dem Alltag des Beschwerdeführers zu erwähnen.
C-7354/2017
Seite 38
6.2.2.2 Einem Privatgutachten, das psychiatrische Diagnosen enthält
(vgl. E. 6.1.7), jedoch nicht anhand eines strukturierten Beweisverfahrens
erstellt wurde (vgl. E. 6.2.2.1 hiervor), kommt von vornherein keine volle
Beweiskraft zu (vgl. E. 3.12 hiervor). Hinzukommt, dass die funktionellen
Einschränkungen auf den konkreten Exploranden bezogen zu erörtern
sind. Wie die IV-Ärztin Dr. H._ zurecht konstatierte, sind die konkre-
ten Einschränkungen des betreffenden Versicherten anhand von Beispie-
len aus dessen Alltag darzulegen. Andernfalls sind die genannten funktio-
nalen Einschränkungen – auch für das Gericht – nicht nachvollziehbar, wo-
mit es an einer schlüssigen Begründung fehlt. Folglich genügt es nicht,
dass im Gutachten steht, «aus mittelgradigen Despressionen resultiert re-
gelhaft» oder «depressive Syndrome sind regelhaft» (Gutachten S. 54 und
57; BVGer act. 8/1), vielmehr hätte mit Beispielen aus dem Alltag begrün-
det werden müssen, warum dies auch auf den Beschwerdeführer zutreffen
soll. Das Privatgutachten erfüllt die Anforderungen an beweiswertige Gut-
achten und Berichte im Bereich der Invalidenversicherung nicht vollstän-
dig, womit ihm nur beschränkte Beweiskraft zukommt.
6.3
6.3.1 Beschwerdeweise monierte der Beschwerdeführer (BVGer act. 1),
Dr. E._ sei das Vorliegen einer Autismus-Spektrum-Störung im
Sinne eines Asperger Syndroms entgangen. Damit sei das «Gutachten»
von Dr. E._ nicht vollständig und nicht mehr aktuell.
6.3.1.1 Dr. E._ konstatierte auf Seite 30 seines Berichtes (Vorakten
43/149), «[...] eine sogenannte tiefgreifende Entwicklungsstörung (ICD-10
F.84) ist unter Berücksichtigung des Längsschnittverlaufs und dem aktuel-
len psychopathologischen Querschnittbefund wenig wahrscheinlich resp.
konnte nicht festgestellt werden. Insbesondere konnte kein Autismus fest-
gestellt werden». Entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers ist
Dr. E._ die Möglichkeit eines Autismus nicht entgangen, vielmehr
schloss er diese Diagnose bewusst aus.
6.3.1.2 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist dem Umstand
Rechnung zu tragen, dass die medizinische Folgenabschätzung notge-
drungen eine hohe Variabilität aufweist und unausweichlich Ermessens-
züge trägt (BGE 140 V 193 E. 3.1; 137 V 210 E. 3.4.2.3). Die psychiatri-
sche Exploration eröffnet dem begutachtenden Psychiater daher praktisch
immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizi-
nisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und rechtlich zu
respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist (BGE 145
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2021&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-V-193%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page193 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2021&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-V-210%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page210
C-7354/2017
Seite 39
V 361 E. 4.3; Urteile des BGer 9C_765/2019 E. 4.2 vom 11. Mai 2020
E. 4.2; 8C_629/2017 vom 29. Dezember 2017 E. 4.3 und 9C_77/2015 vom
27. März 2015 E. 5.4). Zudem ist eine abweichende Diagnose allein, nicht
entscheidend, massgebend sind vielmehr die funktionellen Einschränkun-
gen (Urteil des BGer 9C_112/2020 vom 4. September 2020 E.4.2.2.1), wel-
che sich aus der Befundlage ergeben (BGE 145 361 E. 4.3).
6.3.1.3 Die IV-Ärztin Dr. H._, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsy-
chiatrie, hielt am 4. Juni 2018 fest (BVGer act. 10/2), während Prof. Dr.
G._ eine Autismus-Spektrum-Störung im Sinne eines hochfunktio-
nalen Asperger-Syndroms (ICD-10 F84.5) diagnostiziere, stehe für Dr.
E._ die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit
narzisstischen, zwanghaften und emotional-instabilen Anteilen (ICD-10
F61.0) bei Hinweisen auf ein ADHS (ICD-10 F90.0) während Kindheit und
Jugend im Zentrum. Beide «Gutachter» würden darauf hinweisen, dass es
bereits in Kindheit und Jugend Hinweise auf die von ihnen diagnostizierte
Störung gegeben habe. Beide Störungsbilder umfassten Schwierigkeiten
im Bereich der Beziehungsgestaltung, der Kommunikation und der Flexibi-
lität, und sie seien in der Regel mit sozialen Beeinträchtigungen verbunden.
Ebenso würden beide «Gutachter» darauf hinweisen, dass der Versicherte
trotz des Störungsbildes während 27 Jahren bei der gleichen Firma seine
Arbeit als Disponent habe leisten können. Die Herleitung der Diagnose sei
in beiden «Gutachten» nachvollziehbar und plausibel. Die Angaben des
Versicherten würden sich in beiden «Gutachten» dahingehend unterschei-
den, dass sie auf die entsprechende Diagnosestellung hinführen würden.
Beim Privatgutachten von Prof. Dr. G._ sei nicht erkennbar, ob der
Versicherte alle Angaben spontan gemacht habe, oder ob der Gutachter
die entsprechenden Nachfragen gestellt habe. Ein entsprechendes Nach-
fragen zur Erhebung der relevanten Angaben sei zur Diagnose einer Autis-
mus-Spektrum-Störung in der Regel zwar sinnvoll, sollte aber erkennbar
sein. Die Profile der Einschränkung in der angestammten Tätigkeit und der
Verweistätigkeit würden sich grossmehrheitlich entsprechen. Beide «Gut-
achter» hätten die Auswirkungen der unterschiedlich benannten Störung
auf die Arbeitsfähigkeit mehr oder weniger gleich eingeschätzt. Massge-
bend zur Beurteilung eines Leistungsanspruchs seien für die Invalidenver-
sicherung die Auswirkungen des diagnostizierten Gesundheitsschadens
auf die Arbeitsfähigkeit. Diese würden von beiden «Gutachtern» gross-
mehrheitlich gleich beurteilt.
6.3.1.4 Beide Diagnosen wurden von den Ärzten lege artis erhoben und
korrelieren mit den durch sie erhobenen Befunden (vgl. E. 6.3.1.3 hiervor).
C-7354/2017
Seite 40
Die unterschiedlichen Diagnosen sind auf die unterschiedlichen Befunde
zurückzuführen (vgl. E. 6.3.1.3 hiervor). Die Aussagen des Beschwerde-
führers anlässlich der Begutachtung bei Prof. Dr. G._ weichen von
denjenigen in den anderen aktenkundigen Berichten ab. So erzählte der
Beschwerdeführer erstmals von Halluzinationen (BVGer act. 8/1 S. 48).
Dies ist nicht schlüssig, denn überwiegend wahrscheinlich wären solche
Halluzinationen in den früheren psychiatrischen Settings zur Sprache ge-
kommen; stattdessen wurden psychotische Symptome verneint (Vorakten
15/3). Es bestehen erhebliche Zweifel daran, dass die Angaben des Versi-
cherten anlässlich der Untersuchung durch Prof. Dr. G._ spontan
entstanden sind (vgl. E. 6.3.1.3 hiervor). Aus diesen Gründen ist die abwei-
chende Befunderhebung durch Prof. Dr. G._ unbeachtlich und es
ist von der Befundlage, wie sie durch Dr. E._ erhoben wurde, aus-
zugehen.
Daran ändern die Atteste von Dr. I._, welche gleich lauten wie das
Privatgutachten, nichts (vgl. E. 6.1.8 hiervor), da diese die Voraussetzun-
gen an beweiswertige Berichte (vgl. E. 3.10 hiervor) nicht erfüllen (keine
Anamnese, keine Diskussion der Vorakten, keine nachvollziehbare und
schlüssige Begründung) und auch nicht anhand eines strukturieren Be-
weisverfahrens erstellt wurden (vgl. E. 3.12 hiervor).
Ob die gesundheitliche Störung diagnostisch tatsächlich einer Persönlich-
keitsstörung gemäss ICD-10 F60.31 zuzuordnen ist, braucht vorliegend
nicht abschliessend geklärt zu werden. Entscheidend ist einzig die von
Dr. E._ erhobene Befundlage und die sich daraus ergebenden Ein-
schränkungen (vgl. E. 6.1.4 hiervor). Die abweichende Diagnosestellung
durch Prof. Dr. G._ und Dr. I._ spricht vorliegend folglich
nicht gegen die Beweiswertigkeit des Berichts von Dr. E._.
6.3.2
6.3.2.1 Der Beschwerdeführer beanstandete beschwerdeweise (BVGer
act. 1), Dr. E._ habe die psychischen und kognitiven Anforderungen
der Tätigkeit als Disponent in der Transportbranche nicht im notwendigen
Mass diskutiert und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers darob
nicht valid einschätzen können. Gerade die von Dr. E._ genannten
kritischen Tätigkeiten kämen im Beruf des Disponenten in hohem Masse
vor. Aus dem Bericht gehe nicht hervor, worin die reduzierte Arbeitsfähig-
keit bestehe, ob das Pensum zu reduzieren sei oder, ob sich die Minderung
der Arbeitsfähigkeit auf ein reduziertes Leistungsvermögen im Rahmen ei-
nes Vollpensums beziehe.
C-7354/2017
Seite 41
6.3.2.2 Da Dr. E._ leichte Einschränkungen im Bereich des sozia-
len Kontextes und der Fähigkeiten erhob (vgl. E. 6.1.4 hiervor), ist es
schlüssig, dass er eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit annahm. Diese bezieht
sich zweifellos auf ein 100 % Pensum, denn Dr. E._ hielt fest, dass
unter Berücksichtigung der beschriebenen Anforderungen als Speditions-
kaufmann von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von «20 % (von
100%)» auszugehen sei.
6.3.3
6.3.3.1 Der Beschwerdeführer brachte weiter vor (BVGer act. 8),
Prof. Dr. G._ habe festgestellt, dass Grossraumbüros vermieden
werden müssten.
6.3.3.2 Entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers schloss Prof.
Dr. G._ die Tätigkeit in einem Grossraumbüro nicht per se aus, viel-
mehr hielt er einzig fest, dass Grossraumbüros mit Reizüberflutung vermie-
den werden sollten (BVGer act. 8/1). Zudem wurden lärmige Arbeitsplätze
von Dr. F._ bereits aufgrund des Tinnitus als nicht zumutbar erach-
tet. Die Einschränkungen hinsichtlich Kundenverkehr und sozialkommuni-
kativen Leistungen wurden von Dr. E._ berücksichtigt.
6.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass dem Bericht von Dr. E._
volle Beweiskraft zukommt und die vom Beschwerdeführer eingereichten
medizinischen Unterlagen keine Zweifel am Bericht von Dr. E._ zu
wecken vermögen.
7.
7.1 Der Beschwerdeführer beantragte eventualiter, es sei ein polydiszipli-
näres Gutachten einzuholen (vgl. E. 4.1 hiervor und Rechtsbegehren 2).
7.2 Die Bereitstellung der medizinischen Entscheidungsgrundlage ist
nach Art. 43 Abs. 1 ATSG in erster Linie Sache des Sozialversicherungs-
trägers. Er befindet darüber, mit welchen Mitteln er den rechtserheblichen
Sachverhalt abklärt. Beim Entscheid, ob aufgrund der vorhandenen Akten
bereits eine rechtsgenügliche Beurteilung vorgenommen werden kann
oder eine zusätzliche Abklärung angezeigt ist, ebenso wie bei der Wahl der
Art der Abklärung, steht der Verwaltung ein Ermessensspielraum zu (Ur-
teile des BGer 9C_28/2010 vom 12. März 2010 E. 4.1; 8C_733/2010 vom
10. Dezember 2010 E. 5.2; Urteil des BVGer C-2437/2017 vom 11. April
C-7354/2017
Seite 42
2019 E. 2.6.2 und E. 2.6.3). In diesen Ermessensspielraum greifen die Ge-
richte ohne triftigen Grund nicht ein (Urteil des BGer 9C_235/2013 vom
10. September 2013 E. 2 m.H.).
7.3 Vorliegend beschlägt der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
zwar verschiedene medizinische Aspekte (vgl. E. 5.1 bis 5.9 sowie E. 6.1
hiervor), diese sind jedoch jeweils hinreichend abgeklärt und führen zu kei-
nen weitergehenden Einschränkungen, als sie von Dr. F._ und
Dr. E._ festgehalten wurden (vgl. E. 5.10 und E. 6.1.4 hiervor). Die
Wechselwirkungen zwischen den somatischen und den psychischen Be-
schwerden wurden von Dr. E._ diskutiert und dabei eine Aggrava-
tion ausgeschlossen und eine Somatisierungsstörung erkannt. Es sind
keine weiteren interdisziplinären Bezüge notwendig, und es besteht auch
kein besonderer arbeitsmedizinischer bzw. eingliederungsbezogener Klä-
rungsbedarf (vgl. E. 4.3.2 hiervor). Die Vorinstanz bzw. die IV-Stelle
D._ veranlassten daher zurecht keine polydisziplinäre Begutach-
tung. Von weiteren medizinischen Abklärungen sind für die Beurteilung des
vorliegend relevanten Sachverhalts keine neuen Erkenntnisse zu erwarten,
weshalb dem Eventualantrag des Beschwerdeführers, es sei eine polydis-
ziplinäre medizinische Abklärung durchzuführen, nicht stattzugeben ist (an-
tizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 122 V 162 E. 1d).
8.
8.1 Für die Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdefüh-
rers ist vorliegend auf den beweiswertigen bidisziplinären Bericht von
Dr. E._ und Dr. F._ abzustellen (vgl. E. 5ff. hiervor). Dr.
F._ stellte in somatischer Hinsicht ein negatives Leistungsprofil fest
(vgl. E. 5.1.1.8 hiervor), welches insbesondere das Hantieren mit schweren
Lasten ausschliesst. Dr. E._ erkannte insbesondere Einschränkun-
gen für Tätigkeiten mit erhöhtem zwischenmenschlichen Kontakt, perma-
nentem Zeit- und Termindruck, hohem Publikumsverkehr und hohen Anfor-
derungen an die Anpassungs- und Umstellungsfähigkeit (vgl. E. 6.1.4 hier-
vor). In der Konsensbeurteilung führten Dr. E._ und Dr. F._
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine kombinierte Per-
sönlichkeitsstörung mit narzisstischen, zwanghaften und emotional-insta-
bilen Anteilen (ICD-10 F61.0) mit anamnestisch Hinweise auf ADHS (ICD-
10 F90) während Kindheit und Jugend auf. Zudem listeten sie zahlreiche
somatische und psychiatrische Diagnosen ohne Auswirkung auf die Ar-
beitsfähigkeit auf (vgl. hierzu Bericht S. 183ff.). Zusammenfassend hielten
Dr. E._ und Dr. F._ fest, unter Berücksichtigung aller Gege-
benheiten und Befunde bestehe in der Tätigkeit als Speditionskaufmann
C-7354/2017
Seite 43
eine Einschränkung von 20 % (von 100 %). Für eine Verweistätigkeit mit
wenig intensivem zwischenmenschlichen Kontakt und unter Berücksichti-
gung des negativen Leistungsprofils gingen Dr. E._ und Dr.
F._ von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 10 % (von
100 %) aus.
8.2 Die Vorinstanz ging ohne Weiteres gestützt auf den bidisziplinären Be-
richt davon aus, dass dem Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit
zu 80% zumutbar sein soll. Vorliegend drängt sich jedoch eine andere ju-
ristische Würdigung auf, wie nachfolgend zu zeigen ist.
8.2.1 Von Tatfragen, wie der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit,
sind Rechtsfragen zu unterscheiden (BGE 132 V 393 E. 3.2; Urteil des
BGer 9C_567/2012 vom 10. Januar 2013 E. 2.2.1). Das Bundesgericht
hielt im Urteil 9C_128/2018 vom 17. Juli 2018 E. 2.2. fest, dass die Arbeits-
unfähigkeit einen unbestimmten Rechtsbegriff des formellen Gesetzes
(Art. 6 ATSG) darstellt. Die medizinische Beurteilung stellt keinen ab-
schliessenden Entscheid über die Folgen der erhobenen gesundheitlichen
Beeinträchtigungen dar. Vielmehr ist sie durch die rechtsanwendenden Be-
hörden im Rahmen der rechtlichen Vorgaben zu würdigen (BGE 140 V
193 E. 3.1 und 3.2). Weil die gesetzliche Definition der Arbeitsfähigkeit so-
mit keine rein medizinische ist, können sich Konstellationen ergeben, bei
welchen von der im medizinischen Gutachten festgestellten Arbeitsunfä-
higkeit abzuweichen ist, ohne dass dieses seinen Beweiswert verliert (SVR
2013 IV Nr. 9 S. 21, 8C_842/2011 E. 4.2.2; vgl. auch BGE 130 V 352 E. 3;
Urteile des BGer 9C_128/2018 vom 17. Juli 2018 E. 2.2 und 9C_651/2014
vom 23. Dezember 2014 E. 5.1). Dies gilt auch für medizinische Berichte.
8.2.2 Vorliegend stellt sich die Rechtsfrage, ob dem Beschwerdeführer aus
invalidenversicherungsrechtlicher Sicht die Tätigkeit als Speditionskauf-
mann/Disponent weiterhin zumutbar ist.
8.2.2.1 Gemäss Auskunft des ehemaligen Arbeitgebers (Vorakten 8/2) be-
inhaltet die angestammte Tätigkeit das seltene Hantieren und Tragen von
schweren Lasten. «Selten» bedeutet gemäss Fragebogen täglich 1-5 %
oder bis zu einer halben Stunde. Als Speditionskaufmann/Disponent
musste der Beschwerdeführer folglich täglich mit schweren Lasten hantie-
ren.
8.2.2.2 Der Beschwerdeführer weist erhebliche Einschränkungen hinsicht-
lich des Haltungs- und Bewegungsapparates auf und kann gemäss Dr.
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C-7354/2017
Seite 44
F._ selten körperfern nicht mehr als leichte Lasten und körpernah
gelegentlich mittelschwere Lasten hantieren. Als «gelegentlich» bezeich-
nete Dr. F._ bis zu 5 % der Arbeitszeit, was dem Ausdruck «selten»
des Fragebogens entspricht. Da Dr. F._ beim Zumutbarkeitsprofil
auch angab, welche Tätigkeiten selten oder gelegentlich ausgeübt werden
können, das Hantieren mit schweren Lasten jedoch nicht erwähnt wurde,
lässt sich daraus schliessen, dass der Beschwerdeführer selten einzig mit-
telschwere jedoch nicht auch schwere Lasten heben oder tragen kann.
8.2.2.3 Aufgrund der erheblichen eingeschränkten Belastbarkeit des Hal-
tungs- und Bewegungsapparats besteht gerichtsnotorisch die Gefahr, dass
sich der Beschwerdeführer beim Heben von schweren Lasten verletzen
oder sich die Beschwerden verschlimmern könnten, was weder zielführend
noch zumutbar ist. Ein Versicherter hat einerseits die verbleibende Leis-
tungsfähigkeit umzusetzen, anderseits jedoch Tätigkeiten zu meiden, die
eine weitergehende Beeinträchtigung seines Gesundheitszustandes und
damit seiner Arbeitsfähigkeit nach sich ziehen würde.
Es entspricht der allgemeinen Lebenserfahrung, dass ein Versicherter, der
keine schweren Gewichte heben oder tragen kann, eine Tätigkeit die auch
das seltene Hantieren von schweren Lasten beinhaltet, nicht ausüben
kann. Daran ändert nichts, dass es dem Beschwerdeführer offenbar ge-
lang, bis März 2016 diese Tätigkeit auszuüben, denn in der Invalidenversi-
cherung ist eine objektive Sicht einzunehmen (vgl. E. 3.1 hiervor).
Folglich ist dem Beschwerdeführer aus objektiver, invalidenversicherungs-
rechtlicher Sicht die angestammte Tätigkeit als Disponent/Speditionskauf-
mann aufgrund der Einschränkungen des Haltungs- und Bewegungsappa-
rates nicht mehr zumutbar. Die aus rechtlicher Sicht andere Schlussfolge-
rung in Bezug auf die Zumutbarkeit der angestammten Tätigkeit ändert per
se nichts am vollen Beweiswert des bidisziplinären Berichts von Dr.
F._ und Dr. E._.
8.2.3 Aus dem Gesagten folgt, dass dem Beschwerdeführer die ange-
stammte Tätigkeit nicht mehr zumutbar und von einer Verweistätigkeit aus-
zugehen ist. In der versicherungsmedizinischen Konsensbeurteilung vom
23. Mai 2017 (Vorakten 43/183) schlossen Dr. F._ und Dr.
E._ auf eine Arbeitsunfähigkeit von 10 % für eine Verweistätigkeit
ohne intensiven zwischenmenschlichen Kontakt und unter Berücksichti-
gung der eingeschränkten Belastbarkeit des Haltungs- und Bewegungsap-
parats und des damit einhergehenden negativen Leistungsprofils (vgl. E.
C-7354/2017
Seite 45
8.1 hiervor). Demnach ist vorliegend von einer 90%igen Arbeitsfähigkeit für
eine leidensangepasste Tätigkeit auszugehen.
9.
9.1 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades nahm die Vorinstanz einen
Einkommensvergleich vor. Sie ging von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in
der angestammten Tätigkeit aus und zog sowohl für das Invaliden- als auch
für das Valideneinkommen Tabellenlöhne bei, namentlich Wirtschaftszweig
Landverkehr, Schifffahrt, Lagerei, 49-52, Männer, Kompetenzniveau 3. Die
Vorinstanz thematisierte den Tabellenabzug nicht. Sie berechnete einen In-
validitätsgrad von 20 %. Dieser Einkommensvergleich ist nachfolgend zu
korrigieren. Dabei ist zu berücksichtigen, dass dem Beschwerdeführer, wie
in E. 8.2.3 dargelegt, die angestammte Tätigkeit nicht mehr zumutbar, und
er selbst bei einer leidensangepassten Tätigkeit erheblich eingeschränkt
ist.
9.2 Es folgen allgemeine Ausführungen zur Invaliditätsgradbestimmung.
9.2.1 Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Ein-
kommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh-
rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmass-
nahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeits-
marktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt
zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der
Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbs-
einkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen-
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali-
ditätsgrad bestimmen lässt (BGE 130 V 343 E. 3.4.2; Urteil des
BGer 8C_536/2017 vom 5. März 2018 E. 5.1). Für den Einkommensver-
gleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothetischen) Beginns des
Rentenanspruchs, hier März 2017 (vgl. E. 3.4 hiervor), massgebend, wobei
Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erhe-
ben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen
bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295
E. 4.1.3).
C-7354/2017
Seite 46
9.2.2 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die
versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns, vor-
liegend März 2017 (vgl. E. 3.4 hiervor), nach dem Beweisgrad der über-
wiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Da-
bei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und
der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da
es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Ge-
sundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 135 V 58 E. 3.1 m.H.).
Ausnahmen von diesem Erfahrungssatz müssen mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 134 V 322 E. 4.1; Urteil
des BGer 8C_897/2017 vom 14. Mai 2018 E. 3.1).
9.2.3 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der be-
ruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Per-
son konkret steht. Ist kein tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gege-
ben, weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens
keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit
aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne ge-
mäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes
für Statistik (BFS) herangezogen werden (statt vieler: BGE 143 V 295
E. 2.2 S. 296 f; 139 V 592 E. 2.3 S. 593 f.). Da den LSE-Tabellenlöhnen
generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zu Grunde liegt, ist eine
Umrechnung auf eine betriebsübliche durchschnittliche Wochenarbeitszeit
erforderlich (BGE 126 V 75 E. 3b/bb). Bei der Anpassung an die Lohnent-
wicklung ist nach Geschlechtern zu differenzieren, das heisst, es ist auf
den branchenspezifischen Lohnindex für Frauen oder Männer abzustellen
(BGE 129 V 408 E. 3.1.2 und E. 4.2).
9.2.4 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen
Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabel-
lenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen
werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass
der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufent-
haltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben können (BGE 142 V 178 E. 1.3; 124 V 321 E. 3b/aa). Der Abzug soll
aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im
Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und
darf 25 % nicht übersteigen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
C-7354/2017
Seite 47
9.3
9.3.1 Hinsichtlich des Valideneinkommens brachte der Beschwerdeführer
vor, die Kündigung sei krankheitsbedingt erfolgt. Daher sei vom letzten
Lohn bei der C._ AG auszugehen und diesen der Teuerung anzu-
passen.
9.3.2 Die Vorinstanz hielt vernehmlassungsweise dagegen (BVGer act 6),
die Kündigung sei aufgrund eines Arbeitsplatzkonfliktes erfolgt und nicht
aus gesundheitlichen Gründen.
9.3.3 Der Beschwerdeführer sagte gegenüber Dr. E._, er habe eine
Abmahnung erhalten (Vorakten 43/47), womit auch der Beschwerdeführer
von einem Arbeitskonflikt sprach. Bei einer Persönlichkeitsstörung mit nar-
zisstischen Zügen, wie sie beim Beschwerdeführer vorliegt, besteht ein er-
hebliches Konfliktpotenzial (vgl. E. 6.1.2 hiervor), was auf die Beeinträchti-
gung der Ich-Funktionen zurückzuführen ist (vgl. E. 6.1.4 hiervor). Der
überwiegend wahrscheinlich krankheitsbedingte Arbeitskonflikt war vorlie-
gend jedoch nicht der Kündigungsgrund, sondern eine Umstrukturierung.
So wurde im Kündigungsschreiben vom 18. März 2016 (Vorakten 8/15) als
Grund für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses aufgeführt «Tatsache ist,
dass wir die Aufgaben anders aufgeteilt haben und das neue System bei-
behalten wollen». Die C._ AG gab zudem im Fragebogen für Arbeit-
gebende (Vorakten 8) als Kündigungsgrund eine Umorganisation an. Es ist
nicht einsehbar, weshalb die Firma diesen Kündigungsgrund genannt ha-
ben sollte, wenn er nicht zutraf (Urteil des BGer 9C_796/2018 E. 2.3.1).
Der Beschwerdeführer selber hielt fest, die Kündigung aufgrund einer Um-
organisation erhalten zu haben (Vorakten 43/129); die Arbeit sei immer
mehr geworden (Vorakten 43/47); der Arbeitgeber habe immer mehr gefor-
dert (Vorakten 43/128); er habe Arbeit eines Kollegen übernommen (Vorak-
ten 43/139).
9.3.4 Aus dem Gesagten folgt, dass der Verlust der Arbeitsstelle nicht auf
die Erkrankung des Beschwerdeführers zurückzuführen war, vielmehr
hätte er auch, wenn er gesund geblieben wäre, mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit aufgrund einer Umorganisation die Arbeitsstelle bei der
C._ AG verloren. Die Vorinstanz ging daher vorliegend zu Recht
sowohl für die Bestimmung des Valideneinkommens als auch des Invali-
deneinkommens von Tabellenlöhnen aus.
C-7354/2017
Seite 48
9.4
9.4.1 Für die Berechnung der beiden Einkommen ist vorliegend die Tabelle
LSE 2014 massgebend, zumal die aktuelleren Zahlen der LSE 2016 (hy-
pothetischer Rentenbeginn März 2017), die am 26. Oktober 2018 veröf-
fentlicht wurden, im Verfügungszeitpunkt vom 15. November 2017 noch
nicht vorlagen (Urteil des BGer 9C_699/2015 vom 6. Juli 2016 E. 5.2). Zu-
dem ist praxisgemäss beim anhand der LSE vorgenommenen Einkom-
mensvergleich von der Tabellengruppe A (standardisierte Bruttolöhne) aus-
zugehen (BGE 124 V 321 E. 3b/aa). Üblich ist die Tabelle TA1 (BGE 126
V 75 E. 7a). Die Vorinstanz zog folglich zurecht die Tabelle LSE 2014 TA1
bei. Hingegen ist entgegen den Erwägungen in der angefochtenen Verfü-
gung vorliegend nicht auf das Jahr 2016, sondern auf das Jahr 2017 zu
indexieren, da auf den hypothetischen Rentenbeginn abzustellen ist (Urteil
des BGer 8C_111/2020 vom 15. Juli 2020 E. 7.3.3). Die Nominallohnent-
wicklung betrug im Jahr 2015 0.3 %, im Jahr 2016 0.6 % und im Jahr 2017
0.4 % (vgl. https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-da-
tenbanken/ tabellen.assetdetail.16904722.html, zuletzt besucht am
24. September 2021). Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit im
Jahr 2017 betrug 41.7 Stunden (vgl. Tabelle T 03.02.03.01.04.01, Abschnitt
Total, Jahr 2017; https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kata-
loge-datenbanken/tabellen.assetdetail.17124394.html, zuletzt besucht am
24. September 2021).
9.4.2 Für die Bestimmung des Valideneinkommens ging die Vorinstanz zu-
recht vom Wirtschaftszweig Landverkehr, Schifffahrt, Luftfahrt, Lagerei 49-
52, Männer, Kompetenzniveau 3 aus, denn der Beschwerdeführer verfügt
in diesem Wirtschaftszweig über Spezialwissen. Das standardisierte mo-
natliche Einkommen von Fr. 7'993.- ist unter Berücksichtigung der durch-
schnittlichen Arbeitszeit im Jahr 2017 von 41.7 Stunden pro Woche und der
Nominallohnentwicklung bis 2017 auf ein Jahreseinkommen von
Fr. 101'297.74 hochzurechnen (Fr. 7'993.- x 12 : 40 x 41.7 x 1.003 x 1.006
x 1.004).
9.4.3
9.4.3.1 Hinsichtlich des Invalideneinkommens ist zu berücksichtigen, dass
die Tätigkeit als Disponent nicht mehr zumutbar (vgl. E. 8.2 hiervor) und
von einer Verweistätigkeit auszugehen ist. Bei einer Verweistätigkeit kann
nicht vom Kompetenzniveau 3 «komplexe praktische Tätigkeiten, welche
ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen» ausgegangen
werden, vielmehr ist das Kompetenzniveau 2 «praktische Tätigkeiten wie
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-V-321%3Ade&number_of_ranks=0#page321 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F126-V-75%3Ade&number_of_ranks=0#page75 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F126-V-75%3Ade&number_of_ranks=0#page75
C-7354/2017
Seite 49
Verkauf/Pflege/Datenerhebung und Administration/Bedienen von Maschi-
nen und elektronischen Geräten/Sicherheitsdienst/Fahrdienst» anzuneh-
men (Urteil des BGer 8C_111/2020 vom 15. Juli 2020 E. 7.3.3).
9.4.3.2 Das standardisierte monatliche Einkommen von Fr. 5'660.- ist unter
Berücksichtigung der durchschnittlichen Arbeitszeit im Jahr 2017 von 41.7
Stunden pro Woche und der Nominallohnentwicklung bis 2017 auf ein Jah-
reseinkommen von Fr. 71'730.91 hochzurechnen (Fr. 5'660.- x 12 : 40 x
41.7 x 1.003 x 1.006 x 1.004).
9.4.3.3 Hinsichtlich eines Abzugs vom Tabellenlohn können die Einschrän-
kungen, wie keine schweren Lasten tragen und keine Tätigkeiten mit inten-
sivem zwischenmenschlichen Kontakt, nicht erneut berücksichtigt werden,
da diese in der Annahme einer 90%igen Verweistätigkeit bereits enthalten
sind (Urteile des BGer 9C-182/2019 vom 12. September 2019 E. 4.3;
9C_264/2016 vom 7. Juli 2016 E. 5.2.2, je m.H.). Beachtlich ist jedoch,
dass der Beschwerdeführer auch eine Verweistätigkeit nur teilzeitig und
unter Vermeidung von Zeit-, Termin- und Leistungsdruck sowie nur bei ge-
ringen Anforderungen an die Anpassungs- und Umstellungsfähigkeit ausü-
ben kann. Ausserdem besteht aufgrund der Persönlichkeitsstörung ein er-
hebliches Konfliktpotential, was Verständnis seitens des Arbeitgebers er-
fordert. Zudem ist der Beschwerdeführer hinsichtlich des somatischen
Leistungsprofils auch bei einer Verweistätigkeit erheblich eingeschränkt.
Schliesslich erschwert die Lernschwäche die Einarbeitung in ein anderes
Arbeitsgebiet. Die genannten Gründe rechtfertigen in einer Gesamtschau
einen Abzug von 5 % vom Tabellenlohn. Bei einem Abzug von 10 % würde
kein höherer Invaliditätsgrad resultierten.
9.4.3.4 Vom Tabellenlohn von Fr. 71'730.91 sind 5 % abzuziehen, was
Fr. 68'144.3645 ergibt (71'730.91 - (71'730.91 x 0.05)). Das Invalidenein-
kommen (90 % Verweistätigkeit) beträgt Fr. 61'329.93 (68'144.3645 x 0.9).
9.4.4 Aus dem Validen- und Invalideneinkommen resultiert ein Invaliditäts-
grad von 39.45577 % (100 - (100 : 101'297.74 x 61'329.93)). Prozentzahlen
sind gemäss Bundesgericht (BGE 130 V 121 E. 3) mathematisch auf ganze
Prozentzahlen auf- oder abzurunden, vorliegend auf 40 %. Der Beschwer-
deführer hat folglich ab 1. März 2017 Anspruch auf eine Viertelsrente.
10.
Zusammengefasst ergibt sich, dass die Beschwerde gutzuheissen und die
Verfügung vom 15. November 2017 aufzuheben ist. Der Beschwerdeführer
C-7354/2017
Seite 50
hat ab März 2017 Anspruch auf eine Viertelsrente. Die Akten gehen an die
Vorinstanz zur Berechnung der geschuldeten Rente und zum Erlass einer
entsprechenden neuen Verfügung.
11.
11.1 Dem obsiegenden Beschwerdeführer und der Vorinstanz sind keine
Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG e contrario und
Art. 63 Abs. 2 VwVG). Der vom Beschwerdeführer geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 800.- ist ihm nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden
Urteils zurückzuerstatten.
11.2 Der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die von der Vorinstanz zu leisten ist (Art. 64 Abs. 1
und 2 VwVG i.V.m. Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173. 320.2]). Der Rechtsvertreter reichte eine Honorarnote im
Umfang von Fr. 5'412.40 (18.5 Stunden zu Fr. 280.- und Auslagen von
Fr. 232.40) ein. Vor dem Hintergrund, dass nur der notwendige Aufwand zu
entschädigen ist (Urteil des BGer 8C_426/2018 vom 10. August 2018
E. 5.3) und im Sozialversicherungsrecht die Untersuchungsmaxime gilt
(vgl. dazu Urteil des EVG I 786/05 vom 12. September 2006 E. 4.1), er-
scheint der geltend gemachte Aufwand von insgesamt 18.5 Stunden unter
Berücksichtigung des gebotenen und aktenkundigen Aufwands, der
Schwierigkeit des vorliegend zu beurteilenden Verfahrens und der Bedeu-
tung der Streitsache als zu hoch, weshalb die Honorarnote zu kürzen ist.
Mit Blick auf ähnlich gelagerte Fälle und unter Berücksichtigung des Zu-
satzaufwandes aufgrund der umfangreichen, komplexen Arztberichte und
der notwendigen Noveneingaben (BVGer act. 25, 18, 14) ist der geltend
gemachte Aufwand um 2 Stunden und 30 Minuten auf 16 Stunden zu re-
duzieren (0.15 Stunden Akteneinsichtsgesuch, 8.25 Stunden Beschwerde
[BVGer act. 1], 1.50 Stunden Replik [BVGer act. 8], 0.40 Stunden Triplik
[BVGer act. 12], 0.40 Stunden notwendige Noveneingaben [BVGer act. 25,
18, 14], 0.45 Stunden Stellungnahme [BVGer act. 31], 0.05 Stunden Kurz-
brief [BVGer act. 39], 0.20 Stunden Honorarnote [BVGer act. 43], 2 Stun-
den Besprechung mit Klient, 1 Stunde Urteilsanalyse und Abschlussge-
spräch mit Klient). Der geltend gemachte Stundenaufsatz von Fr. 280.- ist
innerhalb des Rahmens von Art. 10 Abs. 2 VGKE und aufgrund der Kom-
plexität des Falles gerechtfertigt. Zudem sind die geltend gemachten Aus-
lagen in der Höhe von Fr. 232.40 nicht zu beanstanden. Hieraus resultiert
eine Parteientschädigung von Fr. 4'712.40 ((16 x 280) + 232.40); ohne
C-7354/2017
Seite 51
Mehrwertsteuer; Urteil des BVGer C-1741/2014 vom 28. April 2016 E. 8.3;
Art. 9 Abs. 1 VGKE).
Für das Urteilsdispositiv wird auf die nächste Seite verwiesen.
C-7354/2017
Seite 52