Decision ID: 1640ad33-8c87-4cb0-a8eb-d168cc3b680a
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1971, reiste im Jahr
1997 in die Schweiz ein (Urk. 7
/3/3). Vom 1. August 2001 bis 31. Dezember 2002 war er bei der
Y._
und vom 1. Januar bis 31. März 2003 bei der
Z._
als Chauffeur angestellt (Urk. 7/9 und Urk. 7
/11). Am 25. März 2003 zog er sich bei einem Auffahrunfall eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) zu (Unfall
meldung der
Z._
vom 31. März
2003, Urk. 7/2/377; vgl. Urk. 7
/2/354). Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Vom 23. Juli bis 25. August 2003 hielt sich
X._
in der
A._ auf (Urk. 7
/2/250). Mit Verfügung vom 29. August 2003 stellte die SUVA unter Hinweis darauf, dass laut Bericht der
A._
ab Austritt vom 27. August 2003 wieder e
ine volle Arbeits
fähigkeit respektive
Vermittelbarkeit für angepasste mittelschwere wechselbe
lastende Tätigkeiten bestehe, ihre Taggeldleistungen
per 1. Oktober 2003 ein (Urk. 7
/2/266-267). Dagegen erhob
X._
am 23. September 2003 vor
sorglich Einsprache und beantragte, es seien ihm weiterhin die gesetzlichen Leistungen zu erbringen und er sei neuropsychologisch und psychiat
risch ab
klä
ren zu lassen (Urk. 7
/2/240-241). Nachdem ihm sein Hausarzt, Dr. med.
B._
, FMH Innere Medizin, ab dem 26. November 2003 erneut eine 100%ige und ab dem 1. Januar 2004 eine 50%ige Arbeitsunfäh
igkeit bescheinigt hatte (Urk. 7
/2/227 und Ur
k. 7
/2/197), teilte er der SUVA am 19. Januar 2004 mit, dass
X._
ab dem 1. Februar 2004 wieder vo
ll vermittlungsfähig sei (Urk. 7
/2/192).
1.2
Indessen zog sich
X._
am 31. Januar 2004 bei einer neuerlichen Auffahrkollision – er wurde von hinten angefahren und prallte in der Folge mit seinem Personenwagen in eine Mauer – wiederum eine HWS-Distorsion sowie eine Kontusion der Brustwirbelsäule (BWS) zu (Unfallmeldung der
Z._
vom 5. Februar 2004, Urk. 7/2/182; vgl. Urk. 7/2/142). Seither war
er erneut arbeitsunfähig (Arztzeugnis UVG vom 27. Februar 2004, Urk. 7/2
/133). Die SUVA erbrachte deshalb weiterhin die gesetzlichen Leistungen. Mit Verfü
-gung vom 31. August 2004 (Urk. 7
/10/1-3) stellte sie diese per 30. September 2004 ein, wobei sie dies damit begründete, dass in Bezug auf die durch die Unfallereignisse vom 25. März 2003 und 31. Januar 2004 bedingten Beschwer
-
den keine weitere Arbeitsunfähigkeit mehr ausgewiesen sei. Für die jetzt noch geklagten psychischen Beschwerden bestehe keine Leistungspflicht der Unfall
versicherung.
2.
2.1
Zuvor hatte die SUVA der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, am 30. Juli 2004 die von
X._
am 28. Juli 2004 unter
zeichnete Anmeldung zum Leistungsbezug samt Unfallakten zur weiteren
Ver
anlassung zugestellt (Urk. 7/1 und Urk. 7/2/1-377). Die IV-Stelle liess einen Aus
zug
aus dem Individuellen Konto de
s Versicherten erstellen (Urk. 7
/7), erkun
digte sich bei dessen Arbeitgeberinnen nach
den Arbeitsverhältnissen (Urk. 7/9 und Urk. 7
/11), aktua
lisierte die Unfallakten (Urk. 7
/10) und holte die Berichte von Dr.
B._
vom 19. Oktober 2004 (Urk. 8/12/1-
4, mit diversen Beilagen [Urk. 7
/12/5-25]), von Dr. med.
C._
, FMH Psychiatrie und Psycho
therapie, vom 22. Novem
ber 2004 (Urk. 7
/13/1-7, unter Beilage des Berichtes
der D._ des E._ vom 2. April 2004 [Urk. 7
/13/8-10]) sowie des
F._ vom 22. Dezember 2004 (Urk. 7
/14) ein. Nach Beizug einer Stellungnahme des Regionalen
Ärztlichen Dienstes (RAD, Urk. 7
/15/3) sprach sie dem Versicherten, ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 100 %, mit Ver
fügung vom 17. März 2005 (Urk. 7
/24) mit Wirkung ab 1. März 2004 eine ganze Invalidenrente zu.
2.2
Die im Februar 2006 und Juli 2008 von der Beschwerdegegnerin eingeleiteten Rentenrevisionen ergaben einen unveränderten Invaliditätsgrad (100 %; Mitte
i-lungen vom 23. Mai 2006 [Urk. 7/37] und 25. August 2008 [Urk. 7
/50]).
2.3
Im Jahr 2012 führte die IV-Stelle eine neuerliche Rentenrevision durch, in deren Rahmen sie das psychiatrische Gutachten von Dr. med.
G._
, FMH
Psy
chiatrie und Psychotherapie, vom 27. Februar 2013 (Urk. 7/65) einholte. Nach
Beizug je einer Stellungnahme des
RAD (Urk. 7
/67/3-4) so
wie ihres Rechts
dienstes (Urk. 7/67/4 und Urk. 7
/70) sowie stattgehabtem Vorbescheidverfahren (Vorbesc
heid vom 19. August 2013 [Urk. 7
/69], Einwand des Versiche
rten vom 25. August 2013 [Urk. 7
/71]) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 30. Oktober 2013 die mit Verfügung vom 17. März 2005 zugesprochene Rente wiedererwä
gungsweise auf das Ende des der Zustellung der Verfügung
folgenden Monats auf (Urk. 7/74
).
Die dagegen am 27. November 2013 erhobene Beschwerde (Urk. 7/81/1-14) wurde mit Urteil IV.2013.01090 vom 25. November 2014 in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 30. Oktober 2013 aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde, damit diese - nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen (Einholung eines psychiatrischen Gutachtens) - über den Rentenanspruch von X._ neu verfüge (Urk. 7/88).
2.4
Im Nachgang zu diesem Urteil aktualisierte die IV-Stelle die erwerbliche und medizinische Aktenlage und liess X._ durch Dr. med. H._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, psychiatrisch begutachten (psy
chia
trisches Gutachten vom 8. Februar 2016, Urk. 7/115). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren stellte die IV-Stelle mit Verfügung vom 31. August 2017 die bisherige ganze Invalidenrente per 31.
Dezember 2013 ein (Urk. 2).
3.
Hiergegen erhob X._ am 21. September 2017 Beschwerde und beantragte, es sei ihm unter Aufhebung der Verfügung vom 31. August 2017 eine ganze Invalidenrente auszurichten. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Bestellung von Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Stadler zum unentgeltlichen Rechtsbeistand (Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 27.
Oktober 2017
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 7/1-14
2), was dem Beschwerdeführer am 30. Oktober 2017 mitgeteilt wurde (Urk. 8).
4.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie di
e eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich -
im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesun
d
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heits
wert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130
V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezem
ber
2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts
8C_616/2014 vom 25. Februar 2015 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. Novem
ber
2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gege
n
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invalidi
tätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erle
di
gen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutach
tens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Unter
su
chungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gege
benen
falls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklar
heiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
2.1.1
Im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung vom 17. März 2005 (Urk. 7/24) präsentierte sich die medizinische Aktenlage im Wesentlichen wie folgt
:
2.1.2
Im Austrittsbericht der A._ vom 10. September 2003 (
Urk. 7/2/250-262) wurden als Diagnosen (A) ein HWS-Distorsionstrauma (Unfall
vom 25. März 2003, Heckauffahrkollision als Lenker) und (B) eine Anpassungs-
störung mit multiplen Ängsten, Besorgtheit, innerer Anspannung bei (narzis
stisch)
akzentuierten Persönlichkeitszügen und psychosozialen Belastungs
faktoren angeführt. Als aktuelle Probleme wurden (1) Restbeschwerden eines zervi
kalen und thorako-lumbovertebralen Schmerzsyndroms, (2) Schlafstörung
en,
Ängstlichkeit, Angespanntheit und (3) ein vermindertes Hörvermögen (sub
jektiv
) sowie zunehmende Handgelenks
beschwerden beidseits seit dem Unfall vom 25. März 2003 angeführt. Unter Berücksichtigung des bisherigen Verlaufes und der aktuellen Beschwerden bestehe eine Arbeitsfähigkeit im Rahmen des
Zumut
baren für leichte bis mit
telschwere wechselbelastende Arbeit mit Ein
schrän
kung
en bei Überkopfarbeiten oder bei Arbeiten in Zwangshaltungen (Urk. 7/2/250).
2.1.3
Nach einem gescheiterten Arbeitsversuch (17. bis 25. November 2003) attestierte Dr. B._ dem Beschwerdeführer ab dem 26. November 2003 wiederum eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und ab dem 1. Januar 2004 eine 50%ige Arbeits
un
fähigkeit (Urk. 7/2/227 und Urk. 7/2/197). Wegen des neuerlichen Auffahr
un
falles vom 31. Januar 2004 war der Beschwerdeführer indessen vom 31. Januar bis 1. Februar 2004 in der Klinik für Unfallchirurgie des E._ hospi
talisiert, wobei dort eine HWS-Distorsion sowie eine Kontusion der BWS diag
nostiziert wurden (Urk. 7/2/142). Laut Arztzeugnis UVG vom 27. Februar 2004 bestand nebst einer HWS-Distorsion eine posttraumatische Belastungsstörung und war der Beschwerdeführer ab dem 30. Januar 2004 bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 7/2/133). Auf Veranlassung von Dr. B._ (Urk. 7/2/84-85) fanden am 11. und 15. März 2004 Abklärungsgespräche in der D._ statt.
2.1.4
Im betreffenden Bericht der D._ vom 2. April 2004 (Urk. 7/2/59-61) wurden halluzinatorisch-wahnhafte Zustandsbilder (ICD-10 F22.0; Differentialdiagnose: epileptogen, drogeninduziert, psychogen) sowie Schwierigkeiten in Verbindung mit Arbeitslosigkeit und fehlender Tagesstruktur (ICD-10 Z56) diagnostiziert. Unter dem Titel „Beurteilung“ wurde angeführt, dass sich aus den Schilderun
gen des Beschwerdeführers sowie fremdanamnestisch primär Hinweise auf hal
luzinatorisch-wahnhafte Zustandsbilder ergäben. Ob die weitere Symptomatik (Hypervigilanz, Ängstlichkeit etc.) eine posttraumatische Belastungsstörung ausreichend begründeten, könne zur Zeit nicht beantwortet werden. Eine psy
chia
trisch-psychotherapeutische Behandlung werde darüber Klarheit bringen (Urk. 7/2/61). Daraufhin wurde der Beschwerdeführer am 15. April 2004 und 24. Juni 2004 im F._ behandelt (Urk. 7/2/19-24; vgl. E. 3.1.7).
2.1.5
Am 24. August 2004 wurde der Beschwerdeführer durch Kreisarzt Dr. med. I._, FMH Orthopädische Chirurgie, untersucht. Im Bericht vom gleichen Tag hielt er fest, die Beschwerden im Bewegungsapparat bestünden auch nach Angaben des Beschwerdeführers weit im Hintergrund. Zentrales Problem seien seine Angstzustände. Bekanntlich sei eine schizophreniforme psychotische Störung diagnostiziert worden. Auf somatischer Ebene müsse keine Beein
träch
ti
gung angenommen werden. Es wäre eine volle Arbeitsfähigkeit zu postulieren. Besondere Behandlungsmassnahmen seien nicht nötig. Weiterhin sehr behand
lungsbedürftig sei die psychische Problematik (Urk. 7/10/5-7).
2.1.6
Dr. B._ führte in seinem Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 19. Oktober 2004 (Urk. 7/12/1-4) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (1) halluzinatorisch-wahnhafte Zustandsbilder, (2) einen Verdacht auf posttrauma
tische Belastungsstörung sowie (3) einen Status nach HWS-Distorsion bei Auto
unfall am 24. (richtig: 25.) März 2003 und 31. Januar 2004 an. Wie bereits nach dem ersten Unfall seien auch nach dem zweiten Unfall zunächst die körperli
chen Beschwerden (Nacken-/Kopfschmerzen, Schulter-/Armbeschwerden) im Vordergrund gewesen. Nach kurzer Zeit hätten akustische und optische Halluzi
nationen den Alltag zu dominieren begonnen. Nachdem bereits nach dem ersten Unfall Alpträume, Flashbacks und Hyperarousal aufgetreten seien, hätten sich
die Angstzustände aufgrund der Halluzinationen gesteigert, so dass der Be
schwer
deführer nicht mehr alleine sein könne und ständig Begleiter aus der Familie oder dem Freundeskreis brauche. Bezüglich des körperlichen Status
verweise er auf den Bericht von SUVA-Kreisarzt Dr.
I._
vom 24. August
2004. Dem Beschwerdeführer sei keine Tätigkeit mehr zumutbar.
2.1.7
Dr. med. J._, stellvertretender Oberarzt des F._, führte in seinem Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 22. Dezember 2004 (Urk. 7/14) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schizo
phreniforme psychotische Störung (ICD-10 F23.2), bestehend seit 15. April 2004
, anamnestisch zunehmend seit 24. (richtig: 25.) März 2003 und verstärkt seit
1. Januar 2004 an. Der Beschwerdeführer sei am 15. April und am 24. Juni 2004
im F._ in Behandlung gewesen, wobei sein Zustand am 24. Juni 2004 verschlechtert gewesen sei. Es sei die bereits von der D._ emp
fohlene Behandlung mit Zyprexa 10 Milligramm und Zoloft eingeleitet worden
mit Dosiserhöhung des Zyprexas auf 15 Milligramm. Die Prognose sei als günstig
geschätzt worden, eine gute Compliance beim Beschwerdeführer und ein gutes Ansprechen auch der Medikation vorausgesetzt. Hinsichtlich der Arbeits
fähig
keit führte Dr. J._ an, die Anpassungsfähigkeit sowie die Belast
barkeit des Beschwerdeführers seien am 15. April und am 24. Juni 2004 eingeschränkt ge
wesen. An diesen beiden Tagen sei ihm keine Tätigkeit mehr zumutbar gewesen. Ab wann und in welchem Umfang wieder eine Arbeitsfä
higkeit gegeben sei, könne er nicht sagen, da er keinen Kontakt mehr zum Beschwerdeführer gehabt habe, dürfte aber vor allem auch vom Erfolg der Behandlung abhängen.
2.1.8
Dr. C._ erhob in seinem Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 22. November 2004 (Urk. 7/13/1-7) als Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine paranoide Schizophrenie, unvollständige Remission
(ICD-10
F20.04), bestehend seit Jahren. Der Beschwerdeführer stehe seit dem 18. Juni 2004 bei ihm in Behandlung (Psychotherapie, unterstützt mit Neu
ro
lep
tika, zur
zeit Zyprexa 15 Milligramm und Buspar 10 Milligramm). Der Gesund
heitszu
stand des Beschwerdeführers sei sich verschlechternd. Die paranoide Schizo
phrenie sei der Grund der Invalidisierung. Eine Erwerbsfähigkeit werde dadurch verunmöglicht.
2.1.9
RAD-Arzt Dr. K._ hielt in seiner Stellungnahme vom 19. Januar 2005 fest, dass aufgrund der vorhandenen psychiatrischen Berichte von einer schizo
phre
niformen Erkrankung mit 100%iger Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit ab dem 25. März 2003 auszugehen sei (Urk. 7/15/3).
2.2
Im Rahmen der im Jahr 2006 durchgeführten Rentenrevision holte die Beschwer
degegnerin die Verlaufsberichte von Dr. B._ vom 30. März 2006 (Urk. 7/33) sowie von Dr. C._ vom 15. Mai 2006 (Urk. 7/35) ein.
Dr. B._ führte darin aus, dass sich die Situation nicht verändert habe. Die Prog
nose sei ungünstig. Die Beschwerden seien chronifiziert. Er habe dem Be
schwerdeführer schon mehrfach empfohlen, sich einer stationären psychiat
rischen Therapie zu unterziehen. Dieser habe sich bis zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht dafür entscheiden können (Urk. 7/33/2).
Dr. C._ diagnostizierte im Verlaufsbericht vom 15. Mai 2006 eine paranoide Schizophrenie (vollentwickeltes Wahnsystem) nach ICD-10 F20.04, ihm bekannt seit Juni 2004. Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sei stationär. Die paranoide Schizophrenie nehme einen chronischen Verlauf. Unter diesem Krankheitsbild sei eine Erwerbstätigkeit nicht zumutbar (Urk. 7/35/2).
2.3
Im Zuge des im Juli 2008 eingeleiteten Revisionsverfahrens zog die Beschwer
de
gegnerin den Verlaufsbericht von Dr. B._ vom 18. August 2008 (Urk. 7/48) bei. Darin führte Dr. B._ bei gleichen Diagnosen wie im Vor
bericht vom 30. März 2006 aus, der Gesundheitszustand sei stationär. Die Situ
ation mit den vorwiegend nächtlichen Halluzinationen habe sich leicht gebes
sert. Dennoch träten regelmässig akustische und visuelle Halluzinationen auf. Um die soziale Situation zu verbessern, sei 2007 ein Kontakt zu einer Frau in Syrien vermittelt worden, welche er schon früher gekannt und unterdessen geheiratet habe. Für sie sei ein Visum für die Schweiz beantragt worden. Damit sehe er seine Zu
kunft positiver und sei zuversichtlich, ein normaleres Leben führen zu können. Weiterhin sei es ihm nicht möglich, einer geregelten Tätig
keit nachzugehen.
2.4
2.4.1
Anlässlich des im Jahre 2012 eingeleiteten Revisionsverfahrens verlangte die Beschwerdegegnerin zunächst den „Fragebogen: Revision der Invalidenrente“ samt Angaben des behandelnden Arztes (Dr. med. L._, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie) vom 22. September/3. Oktober 2012 ein (Urk. 7/62). Dr.
L._
hielt
darin fest, dass der Beschwerdeführer seit Mai 2011 alle drei bis vier Wochen bei ihm in Behandlung sei. Er leide unter unklaren Wahnvorstellungen gefärbt mit leichter Depression. Er sollte begutachtet werden. Es sei unklar und durch einen Gut
achter zu beurteilen, in welchem Umfang und seit wann eine der Behinderung angepasste Tätigkeit möglich sei (Urk. 7/62/3).
2.4.2
Im daraufhin von der Beschwerdegegnerin eingeholten psychiatrischen Gut
achten vom 27. Februar 2013 (Urk. 7/65) erhob Gutachter Dr. G._ keine psychi
atrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er anamnestisch unklare, aty
pi
sche halluzinatorische Symptome sowie einen Verdacht auf Simulation (ICD-10
Z76.5). Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe zum Zeitpunkt der Untersuchung keine Arbeitsunfähigkeit (S. 10). Im Weiteren führte er aus, dass die Krankheits
geschichte sowie die in den Vorakten beschriebenen und in der aktuellen Unter
suchung wiederholten Symptome untypisch für eine psychotische Erkran
kung seien. Insbesondere habe der Beschwerdeführer immer wieder über vor
wiegend nächtliche Halluzinationen berichtet, während solche im Rahmen einer psycho
tischen Erkrankung typischerweise nur im Wachzustand aufträten. Die in den Vorakten geschilderten Befunde seien insgesamt widersprüchlich und reichten nicht aus, um die Diagnose einer schizophreniformen oder schizophre
nen Psy
chose nachvollziehbar zu begründen. Es falle auch auf, dass sich trotz fach
ärztlicher sowie medikamentöser Behandlung keine nennenswerte Verbes
serung des Zustandsbildes eingestellt habe. Eine bei Therapieresistenz indizierte Inten
sivierung der Behandlung durch Änderung oder Kombination der Medika
tion habe ebenso wenig stattgefunden wie eine stationäre Behandlung in einer psy
chiatrischen Klinik. Der aktuell behandelnde Psychiater Dr. L._ habe mas
sive Vorbehalte gegenüber der Glaubwürdigkeit der Diagnose einer psychoti
schen Erkrankung beim Versicherten geäussert. In der aktuellen Untersuchung hätten sich keine klaren Hinweise auf einen schweren psychischen Gesund
heits
scha
den, der eine langfristige Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen würde, erge
ben. Der Beschwerdeführer führe zudem ein aktives Privatleben. Er habe 2007 erneut geheiratet und mit seiner neuen Ehefrau eine zweite Familie mit zwei Kindern gegründet. Die bei schweren psychotischen Erkrankungen oft erkenn
bare Über
for
derung im Alltag mit sozialem Rückzug scheine nicht ausgeprägt vorzu
lie
gen, obwohl er gemäss Vorakten zeitweise auf intensive Betreuung durch Dritt
personen angewiesen gewesen sei. Gemäss eigenen Angaben sei er nach seinem Krankheitsausbruch auch nach Syrien, Iran, Deutschland und in die Türkei gereist, wobei er sich mehrfach ärztlich habe behandeln lassen und grosse Geld
beträge dafür ausgegeben habe. Sollte bei der Rentenzusprache 2004 tatsächlich ein schwerer psychischer Gesundheitsschaden vorgelegen haben, habe sich dieser im Verlauf bis heute zweifellos signifikant gebessert. Zusam
menfassend gehe er eher davon aus, dass der Beschwerdeführer seine halluzi
natorischen Beschwerden vortäusche, um Versicherungsleistungen zu erschlei
chen. Um den Sachverhalt weiter zu untersuchen, wäre allenfalls eine Observa
tion zu disku
tieren (S. 14).
3.
3.1
Im Urteil IV.2013.01090 vom 25. November 2014 (Urk. 7/88), wurde festgehal
ten, dass es zwar gewichtige Indizien dafür gebe, dass sich der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der ursprünglichen Rentenzu
sprache im März 2005 bis zum massgeblichen Zeitpunkt der rentenaufhebenden Verfügung vom 30. Oktober 2013 objektiv verbessert habe. Da aber das Aus-mass dieser Verbesserung sowie damit zusammenhängend die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht habe rechtsgenügend ermittelt werden können, wurde die Sache vom hiesigen
Gericht zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurück
gewiesen.
3.2
Im Austrittsbericht der M._ vom 23. Januar 2014 (Urk. 7/99/7-9), wo sich der Beschwerdeführer vom 13. Dezember 2013 bis 6. Januar 2014 auf Zuweisung von Dr. L._ in statio
närer Behandlung befand, wurde folgende Austrittsdiagnose genannt:
-
Sonstige Reaktionen auf schwere Belastungen (ICD-10: F 43.8)
-
ängstlich-depressive Reaktion auf aktuell beschriebene
Belastungen
-
differentialdiagnostisch: anhaltende Folgen von posttraumatischer
Belastung
-
aktenanamnestisch paranoide Schizophrenie vorbeschrieben
Aus der psychiatrisch-psychotherapeutischen Zusammenfassung ergibt sich, dass
der gemäss eigenen Angaben unter florid-psychotischen Symptomen leidende Beschwerdeführer auf die halboffen geführte Akutstation aufgenommen worden sei, um die in Frage gestellte, ursprünglich attestierte schizophrene Erkrankung durch die stationäre Verlaufsbeobachtung zu klären. Unter integrierter statio
nä-rer Behandlung mit Weiterführung der Pharmakotherapie (Solian 400 mg/d), pflegerischer Strukturierung und spezialtherapeutischer Aktivierung sei der Ver-lauf weitgehend unauffällig gewesen. Insbesondere habe der Beschwerdeführer kein den berichteten Sinnestäuschungen entsprechendes affektives Erleben gezeigt. Vielmehr sei er im Stationsalltag in Bezug auf Affektivität, Kognition und Volition als unauffällig und kontrolliert erlebt worden.
3.3
Dr. L._, welcher den Beschwerdeführer seit Mai 2011 ambulant behandelt und arabisch spricht, nannte in seinem Bericht vom 29. Juli 2015 (Urk. 7/99/1-6) zuhanden der Beschwerdegegnerin als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit eine
ängstlich-depressive Reaktion auf schwere Belastungs
er
eig
nisse
(Flucht aus seiner Heimat in die Schweiz, ICD-10: F 43.8. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verbleibe die psychosoziale Belastungssituation (keine Ausbildung, Sozialhilfe-Bezug). Der Beschwerdeführer beschreibe noch immer
wiederkehrende Bilder und Flashbacks bezüglich des im ersten Irakkrieg Erleb
te
n. Im November 2013 habe er in Marokko eine Magenbypass-Operation durch
führen lassen und sein Gewicht habe sich in der Folge von 120 Kilo
gramm auf 90 Kilogramm reduziert. Er klage über Schmerzen am ganzen Körper, Konzen
trationsschwäche sowie Ängste, vor allem bei Menschenansammlungen, und Schlafstörungen. Es gebe keine Anhaltspunkte für Sinnestäuschungen, Ich-Stö
rungen und Wahnideen. Psychomotorisch sei er ruhig und nicht suizidal. Die Prognose sei stationär. Die bisherige Tätigkeit sei ihm aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar.
3.4
Dr. B._ führte in seinem Verlaufsbericht vom 13. August 2015 (Urk. 7/100) zuhanden der Beschwerdegegnerin aus, dass er praktisch keinen Kontakt zum Beschwerdeführer gehabt habe und er deshalb über den weiteren Verlauf der Leistungsfähigkeit und des psychischen Befindens keine Auskunft mehr geben könne.
3.5
Med. pract. N._, welcher den Beschwerdeführer seit Februar 2014 zwei-wöchentlich behandelt, diagnostizierte in seinem Bericht vom 12. Novem
ber 2015 (Urk. 7/105) zuhanden der Beschwerdegegnerin eine para
noide Schizophrenie mit unvollständiger Remission (ICD-10: F 20.05; Differen
tial
diagnose: akut polymorphe psychotische Störung mit Symptomen einer Schizophrenie). Das Verhalten des Beschwerdeführers sei höflich und korrekt. Er sei wach, bewusstseinsklar und allseits orientiert. Die Aufmerksamkeit und Kon
zentration seien leicht vermindert und es sei eine Angst vor dem Versagen gut sichtbar. Der formale Gedankengang sei meistens kohärent, zeitweise auf sein Leiden eingeengt. Seine Darstellung seines psychischen Leidens und Lebens hätten meistens den Charakter eines Rapportes. Er berichte immer wieder von Krisen, die mehrere Stunden bis Tage dauerten. Hierbei sei er wenig schwing
ungsfähig und wirke kontrolliert. Im Vordergrund ständen die Angstanfälle.
Verfolgungswahn und Wahnstimmung lösten akustische, optische, zönäste
thische
Halluzinationen sowie hypochondrische Attacken aus. Er weise Ich-Störungen im Sinne von Derealisation und Depersonalisation auf. Er sei affektstarr und zeitweise parathym. Die Grundstimmung sei ängstlich, gelegentlich verzweifelt und begleitet von innerer Unruhe. Die Prognose sei sehr ungünstig, da die Beschwerden weitgehend chronifiziert seien. Der Beschwerdeführer sei seit circa 2004 bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Er habe eine reduzierte Auf
merksamkeit und Auffassung, die Konzentration sei vermindert sowie der An
trieb reduziert. Weiter seien Durchsetzungsvermögen, Kontaktfähigkeit und Ausdauer stark eingeschränkt. Er sei deshalb kaum belastbar und weise stark ungenügende Arbeitsleistungen auf. Das Erscheinungsbild des Beschwerde-füh
rers sei für eine paranoide Schizophrenie eher untypisch. Doch nach erfolg
ter Reduktion der antidepressiven und neuroleptischen Medikation hätten sich die Zustände umgehend wieder verstärkt. Die Medikamenten-Compliance des Beschwer
deführers sei höchstwahrscheinlich gut. Deshalb würden die Kriterien einer paranoiden Schizophrenie erfüllt.
3.6
Im psychiatrischen Gutachten von Dr. H._ vom 8. Februar 2016 (Urk. 7/115) wurden folgende Diagnosen genannt (S. 18
)
:
-
Anhaltende affektive Störung mit stereotyp psychotiformen Symptomen
(ICD-10: F 34)
-
Differentialdiagnose: Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis
-
Ängstlich-narzisstisch akzentuierte Persönlichkeit mit massiver trans
kul
tureller Problematik
Der
Beschwerdeführer
habe
in der Begutachtung zwar einen kompakten, aber schwierig zu interpretierenden Eindruck ab
gegeben
. Sowohl in seinem Habitus, seinem Verhalten wie in seinen Erzählungen und Symptomen
habe
er rigide, unflexibel
gewirkt
und er
habe
auf die Gepflogenheiten oder Erfordernisse seiner Umgebung praktisch nicht eingehen
können. Dazu passe
sehr, dass ihm sein Leiden in Gesicht und Habitus übergegangen
seien.
Er
habe
leidend
gewirkt
, wie jemand, der einfach so ist wie er ist, unfähig sich an irgendwelche Erfordernisse oder Konventionen anpassen zu können. In
der erzählten Lebens
geschichte li
essen sich keine durch ihn benannten schweren Traumatisierungen ausmachen, wenn man von den örtlichen Begebenheiten im Irak und im Kur
denkonflikt und der Flucht absehe.
Zu Beginn in der Schweiz und bis zum Unfall 2003
habe
er auch „völlig normal" funkti
oniert
und seine Arbeit als Chauffeur gewissenhaft, kompetent und problemlos ausführen können. Was sich in der Folge des ersten Unfalls 2003 dann genau
abgespielt habe, bleibe
zumin
dest aus heutiger Sicht unklar. Wesentlich
sei
nur, dass er seit diesem Zeitpunkt nie mehr im vorherigen Ausmass arbeitsfähig und später nur noch ein kurzer Arbeitsversuch von zwei bis drei Monaten möglich
gewesen sei
. Der zweite Auffahrunfall
sei
seinen Angaben gemäss nach der zweiten Kündigung
erfolgt
, seine Symptomatologie
sei
aber damals schon voll ausgeprägt
gewesen
. Die Berichte des Hausar
ztes und der Psychiater beschrieben deutlich psychotischere
Symptome, als sie in der aktuellen Begutachtung zu eruieren
gewesen seien
. Über die Jahre
scheine
sich trotz Therapien sowohl am Verhalten des Explo
randen, an seinen Möglichkeiten sowie an der Symptomatik nicht viel geändert zu haben, wenn man allenfalls von einer besser akzeptiert
en und wirksamen Medikation absehe
. Die Beschreibung seiner Symptome, insbesondere seiner Ängste, Sinnestäuschungen und nicht nach
vollziehbaren Handlungen scheine
ebenfalls über viele Jahre konstant. Auch in der Erzählung mit Übersetzung
sei
nie ganz klar
gewesen
, was sich heute und was sich früher
abgespielt habe
.
Die Beispiele blieben immer die
selben. In der Beschreibung seiner Sinnestäu
sch
ungen machten diese
eher den Eindruck von psychedel
ischen Wahrnehmungen, denn eigentlichen optischen oder kinästhetischen Halluzinationen. Die stereo
type Beschreibung und seine Art des Unbeteiligtseins über diese doch sehr
beängstigenden Phänomene verkomplizierten das Deutungsbild. Auch seine zu
m Teil bizarren Handlungen
li
essen sich nur schlecht nachvollziehen. Sie
stam
m-ten
wie aus einem anderen Kultur- und
Bezugskreis
. Am meisten
habe
in der Begutachtung die Art des emotionalen Unbeteiligtseins sowohl am eigenen Schicksal wie auch am eigenen Leiden, wenn man vom depressiven Ausdruck des Gesichts
ansehe, irritiert
. Er
habe
über seine Problematik aus einer Distanz
erzählt, die ihn nahezu unbeteiligt
und dem Gegenüber auch keine Möglichkeit zur Empathiebildung
gelassen habe
. Auch auf Nachfragen
sei
er so stereotyp, fast floskelhaft
gewesen
, dass es schwer
falle
, sein Leiden nachzuvollziehen. Über die Begutachtung
sei
so das Bild eines irgendwie kulturfremden Menschen
entstanden
, der einerseits nicht wirklich verstand
en habe
, was „hiesige Gepflo
gen
heiten" im sozialen und beruflichen Arrangement
seien
und er andererseits Versionen seiner Störung
zeige
, die sich in unserem Kulturkontex
t nur schlecht nachvollziehen liessen. Dies äusser
e sich insbesondere auch darin, dass er sein Leiden über die letzten zehn Jahre als
immer schlimmer werdend erlebt habe
, die Ärzte jedoch eine deutlich abnehmende Symptomatik beschrieben. Die Art der Schwieri
gkeiten der Beurteilung betreffe
aber nicht nur
ihn
als „kultur
fremden" Begutachter, sondern auch den Dolmetscher wie auch seinen ihn seit drei bis Jahre behandelnden Psychiater,
Dr. L._.
Symptomatisch und diag
nos
tisch
sei
also das Leiden
des Expl
oranden nur schwer interpretierbar. Klar
scheine
es, dass mit dem Auffahrunfall 2003 die vorher sehr gute und für den
Beschwerdeführer
sehr befriedigende Integration verloren
gegangen sei
. In der Folge
habe
er sich ausserhalb der durch den Auffahrunfall zu e
rwartenden Symp
tome und Verhal
tensweisen
verhalten. Retrospektiv lie
ssen sich die Diag
nosen der behandelnden Ärzte nach dem Unfall nicht mehr sicher verifizieren. In den letzten Jahren
habe der Beschwerdeführer
seine psychischen Ausnah
mesymptome nicht mehr klinisch nachvo
ll
ziehbar beschreiben
können
. Zentral an der D
ynamik der letzten Jahre scheine
seine Passivität, sowohl eigenen Bedürfnissen wie auch Anforderungen der Umgebung gegenüber. Kei
ne Moti
vation und keine Drohung -
bis nun auf d
en ablehnenden Entscheid der IV -
schienen ihn aus der Reserve locken zu können. Besonders auffallend
sei
auch die Tatsache, dass er anscheinend seiner Frau weder im Haushalt noch in der Kindere
rziehung irgendetwas helfen könne
, was auch dem klinischen Bild de
r Exploration etwas widerspreche
. Es ergab sich ein Bild, wie wenn er sich von seiner E
hefrau haushalten und umsorgen li
esse, ohne irgendwelche Dankbarkeit und Anerken
nung. Etwas Ähnliches gestalte
sich auch um die Begutachtung, in der alle Beteiligten sich bemühten, ihm näher zu kommen, ihn besser zu ver
stehen
beziehungsweise aus einer -
wenn auch nur minimale
n –
Schwingungs
fähigkeit etwas herauszulesen. Dies
sei jedoch nicht mit eindeutigen
Zuord
nungen möglich
gewesen (S. 14-16)
.
Zusammenfassend
könne
vielleicht von einer schweren Anpassungsstörung nach einem Umfallereignis gesprochen werden, ohne dass jedoch die Symptome eindeutig zugeordnet werde
n könnten. Der Explorand erfülle
weder die Kriterien einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis noch einer chronifi
-
zierten Schmerzverarbei
tungsstörung. Vielmehr scheine
es eine Art Störung der Persönlichkeit zu sein, die unfähig
sei
, sich in eine Umgebung ein- und anzu
passen. Ob dies allenfalls Folge einer endogen anmutenden depressiven Erkran
kung sein könnte,
habe
sich auch nicht verifizieren
lassen
. In seiner Rigidität und Passivität
sei
auch keine Arbeitsfähigkeit mehr vorzustellen. Auch die Möglichkeiten der Einführung einer Tagesstruktur oder gar einer Tagesbe
-
schäf
tigung
schienen
nicht auf einen entsprechenden Widerhall stossen zu können. Zurü
ck bleibe
das Bild eines sehr gestörten
,
aber nach gängigen Diagnosen nicht unbedingt kategorisierbaren
,
Menschen. Nicht unwesentlich
sei
allenfalls, dass in seiner Familie anscheinend psychische Beschwerden und
Erkrankungen vorkä
men
(S. 16)
.
Zur Frage, ob ein Gesundheitsschaden vorliege, führte Dr. H._ aus, dass - w
ie schon in der früheren Begutachtung von
Dr. G._
-
die sichere psychiatrische Einordnung der Symptomatik des
Beschwerdeführers
nicht mehr möglich
sei
. Was früher als halluzinatorisch und paranoid interpretiert
worden sei
,
lasse
sich heute anhand der geschilderten Symptomatik nicht mehr nachweisen.
Die „psy
chotischen" Symptome lie
ssen sich nicht mehr in ICD-F
2 einordnen und sie
ständen zu unverbunden und stereotyp ohne Veränderungen über die Zeit in der
ganzen Dynamik. Sein aktuell behandelnder und arabisch sprechende
r Psychia
ter
Dr. L._,
der den
Beschwerdeführer
am nächsten in seinem Alltag begleitet,
habe
gar
gemeint
, der
Beschwerdeführer
äussere die Symptome nur, wenn es nötig sei, sonst funktioniere er gar nicht so schlecht, ausser dass er nic
hts mache. Ein Suchtleiden liege
sicher nicht vor und die Compliance in
der Medi
kamenteneinnahme scheine
deutlich besser als früher
zu sein
und auch stabi
li
-
sierend auf Zustand und Symptomatik zu wirken. Das Persönlichkeitsbild des
Beschwerdeführers, das in den ersten Beurteilungen als ängstlich und narziss
tis
ch beschrieben
worden sei
,
sei weiter aktuell. So wie er sich erlebe
, wie er aber auch von aussen erlebt
werde
,
sei
sehr statisch und es
sei
nur schwer vor
stellbar, diese chronifizierten Haltungen zu dy
namisieren. Phänomenologisch habe
sein Zustandsbild etwas von einer anhaltenden affektiven Störung mit atypischen, nicht wahnhaften psychotiformen Symptomen. Wichtig hinsichtlich einer Arbeitsfähigkeit
seien
die deutlich defizitären kognitiven Funktionen, die ihm ein längeres Konzentrieren nur in sehr hoch strukturierten Situationen erlaub
t
en.
Aus psychiatrischer Sicht schie
nen mehrere invaliditätsfremde Fak
toren das aktuelle Bild mit zu beeinflussen. In erster Linie steh
e
hier
eine aus
geprägte transkulturelle Problematik, zumindest sei
aus Sicht des Exploranden seine Arbeitsfä
higkeit nicht mehr gegeben
. Auffallend
sei
, wie dieser anschei
nend nicht sehr massive Unfall die vorher sehr gute Anpassungs- und Inte
gra
tionsfähigkeit völlig zunichte
gemacht habe. Anscheinend habe
auch die „Ein
füh
rung" einer neuen Frau und die Geburt seiner zwei Kinder nichts bewirken können. Für diesen eigentlichen „K
nick in der Lebenslinie" scheine
der Unfall alleine zu wenig traumatisierend und für mas
sive kumulative Traumata erzähle
der
Beschwerdeführer
zu wenig über durchgemachte Entbehrungen und bedroh
-
liche Lebensereignisse
(S. 17)
.
Zum sozialen Kontext ergäben sich aus d
er Anamneseerhebung ausser den Bedrohungen vor der Flucht aus dem Irak und dem Unfallereignis keine mög
-
licherweise traumatisierenden oder das aktuelle Krankheitsbild hinreichend erklärenden Faktoren. Der Explorand
habe
hier in der Schweiz mehrere Jahre seinen Angaben gemäss völlig gesund und integriert
gelebt.
Aktuell imponiere
in erster Linie ein depressives Krankheitsbild, das ihm in Gesic
ht und Haltung geschrieben stehe
. Dies in Kombination mit einer Unfähigkeit, an seiner Situa
tion irgen
detwas zu ändern. Dies scheine
auch Folge einer grossen kulturellen und sozialen Isolation und der Einstellung, es gebe keine aktive Möglichkeit, seine Krankheit zu behandeln. In der Begutachtung
sei
auch keine wirklich tragende Idee bezüglich vorhandenen oder mobilisierbaren Ressourcen
entstan
den
. Alle diesbezüglichen Fragen oder Vorstellungen
seien
daran
gescheitert, dass der Explorand erklärt habe
, er sei zu kraftlos und es sei f
ür ihn nicht möglich, in irgend
einer Form aktiv zu werden
(S. 18).
Offen ist, ob der Explorand effektiv therapie- und integrationsfähig
sei. Angeb
lich unterwerfe
er sich gewissen Auflagen
und Forderungen, inhaltlich scheine
sich aber über die letzten Jahre auch mit Therapie in arabischer Sprache weder in der Symptomatik noch in den integrativen Parametern etwas wesentlich verändert zu haben. Der aktuell behandelnde Psychiater
sei
ebenfalls ratlos sowohl über die therapeutischen Möglichke
iten wie den Verlauf. Er scheine
sich mit dem Status
quo abgefunden zu haben und habe erklärt
, im Alltag funk
tio
niere der Explorand „gar nicht so sc
hlecht". Möglichkeiten zur basal
en Inte
gration, Tagesstrukturierung und auch einer Beschäftigung lägen zwar vor, sie
seien
jedoch an der Passivität und der Symptomatik des
Beschwerdeführers gescheitert.
Eine Tagesstruktur könnte die Situation zu Hause für die Ehefrau und die Kinder etwas entlasten. Der
Beschwerdeführer
unternehme aber nichts in diese Richtung, angeblich wegen seiner Kraftlosigkeit und seiner Konzen
trationsstörung infolge seiner negativen Gedanken. Aus gutachterlicher Sicht sch
eine
ihm das Verständnis für solche Interventionen zur Integration grund
-
sätzlich nicht zur Verfü
gung zu stehen. Subjektiv stell
e er sich auf den Stand
-
punkt, seine Krankheit sei so ausgeprägt, dass ihm nichts zuzumuten sei (S. 18 f.).
Bezüglich der Konsistenz sei festzuhalten, dass
es keine wirklich zwingende
Über
einstimmung zwischen Symptombild, Klinik und der Lebensbewährung gebe
.
Anscheinend mache
der
Beschwerdeführer
gar nichts, wo er doch vor dem Unfall hoch kompetent als Chauffeur gearbeite
t habe
. Für den Verlust dieser F
ähigkeiten und Fertigkeiten gebe
es keine objektivierbare Begründung.
Eine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsfeld
habe bis 2003 zu 100
%
bestanden
. 2003/2004
sei
er etwa ein Jahr
zu
100
%
arbeitsunfähig
gewesen
. Im Jahre 2004
sei
er für zwei Monate 100
%
arbeitsfähig
gewesen
, seither 100%ige Arbeits
unfähigkeit mit IV-Berentung zwischen 2004 und 201
4.
Die Chronifizie
rung der Erkrankung über mehr als zehn Jahre
lasse
eine Arbeitsfähigkeit im Sinne des ersten Arbeitsmarktes als nicht mehr realistisch erscheinen.
4.
4.1
Das psychiatrische Gutachten von Dr.
H._
vom
8. Februar 2016
(Urk. 7/
115
) basiert auf einer umfassenden psychiatrischen Untersuchung und wurde in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben. D
er Gutachter
hat nachvollziehbare Diagnosen erhoben und sich mit den vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden auseinandergesetzt. Zudem hat
er
die medizinischen Zusammenhänge und die medizinische Situation einleuchtend dargelegt und
seine
Schlussfolgerung nachvollziehbar begründet. Dem psychia
trischen Gutachten kommt daher grundsätzlich volle Beweiskraft zu (vgl.
E. 1.5).
4.2
Dr. H._ diagnostizierte in seinem ausführlichen Gutachten (vgl. E. 2.6) eine
anhaltende affektive Störung mit stereotyp psychotiformen Symptomen (ICD-10
: F 34)
, wobei differentialdiagnostisch auch eine
Erkrankung aus dem schizo
phre
nen Formenkreis
möglich sei. Ausserdem weise der Beschwerdeführer eine ä
ngstlich-narzisstisch akzentuier
te Persönlichkeit mit massiver
transkultureller Problematik
auf. Dabei bemerkte der psychiatrische Gutachter, dass es äussert schwierig sei, das Leiden des Beschwerdeführers symptomatisch und diagnos
tisch zu interpretieren und zu kategorisieren. Es sei aber eine Art Störung der Persönlichkeit, die es ihm verunmögliche, sich in eine Umgebung ein- oder anzupassen. Dass Dr. H._ diese schwierige Einordnung explizit eingesteht, lässt die gutachterliche Einschätzung, dass dennoch eine weiterhin invalidisie
rende psychische Erkrankung vorliegt, im zu beurteilenden Fall sogar plausibler erscheinen. Dabei hielt Dr. H._ fest, dass die Medikamenten-Compliance zwar besser sei und sich dies stabilisierend auf den Zustand und die Symp
tomatik auswirke. Eine eigentliche Verbesserung stellte er hingegen nicht fest. Angesichts der anlässlich der Begutachtung beobachteten deutlich defizitären kognitiven Funktionen schliesst er vielmehr auf eine seit 2004 unverändert bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit. Auch der behandelnde Psychiater Dr. N._ attestierte dem Beschwerdeführer bei einer diagnostizierten - wenn auch untypischen - paranoiden Schizophrenie eine seit 2004 bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit (vgl. E. 2.5). Für seine Beurteilung stützt sich Dr. N._ auch darauf, dass sich die Angstzustände und die psychotischen
Symptome des Beschwerdeführers bei einer versuchsweisen Reduktion der Medi
kamente umgehend verstärkt hätten. Zudem sei die Medikamenten-Compliance höchstwahrscheinlich gut. Dies lässt durchaus auf einen ausgeprägten Leidens
druck schliessen. Und obwohl demnach unter Umständen eine gewisse Anpas-sung an die Beschwerden stattgefunden hat, so ist angesichts der regelmässigen Einnahme seiner antidepressiven und neuroleptischen Medikamente zudem davon auszugehen, dass sich die psychische Störung des Beschwerdeführers auch gerade deswegen anlässlich der Begutachtung nicht so manifestiert zeigte.
Dr.
H._
wies zudem auf die ausgeprägte transkulturelle Problematik hin. Trotz
Vorliegen dieser invaliditätsfremden Faktoren, welche nach invalidenversiche
rungsrechtliche Kriterien nicht in die Beurteilung der medizinisch-theoreti
schen
Arbeitsfähigkeit miteinbezogen werden dürfen, attestierte er dem Beschwerde
führer eine andauernde vollständige Arbeitsunfähigkeit. Entgegen der Auffas
sung der Beschwerdegegnerin verneinte er damit implizit eine rele
vante Über
lagerung der psychischen Erkrankung durch invaliditätsfremde Um
stände.
4.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es zu keiner rechtserheblichen Ände
rung des psychischen Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers kam. Da dem
nach weder ein Wiedererwägungsgrund (vgl. Urteil IV.2013.01090 vom 25. November 2014) noch ein Revisionsgrund vorliegt, erfolgte die Rentenein-stellung durch die Beschwerdegegnerin zu Unrecht und die Beschwerde ist folglich in Aufhebung der angefochtenen Verfügung gutzuheissen.
5
.
5
.1
Die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- und Fr. 1‘000.-- festzusetzen sind (Art. 6
9 Abs. 1
bis
IVG), sind auf Fr. 6
00.-- anzusetzen und der unterliegenden Beschwer
degegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Nach Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende beschwerde
führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rück
sicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierig
keiten des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen. Rechtsanwalt
Dr. Peter Stadler
machte mit Eingabe vom
21. November 2017
einen Aufwand von
7
Stunden und Pauschal-Barauslagen von 3 % im Betrag von Fr.
46.20
gel
tend (Urk.
10
), wobei dieser Aufwand als angemessen erscheint. Deshalb ist dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung von Fr.
1‘713.10
(inklusive Bar
aus
lagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
5
.3
Entsprechend erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege als gegenstandslos.