Decision ID: 5655f361-b666-40d2-a77e-92251532ddd2
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1998, war seit dem 1. September 2017 als Balletttänzer bei der
Y._
AG tätig und damit bei der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend Zürich) für Berufs- und Nichtberufsunfälle sowie Berufs
krankheiten versichert, als er am 29. November 2019 während der Vorstellung
seine
Tanzpartnerin
mit gestreckten Armen in d
ie
Höhe hielt und
plötzlich einen starken Schmerz in der linken Schulter verspürte (vgl. Urk. 8/1)
.
Mit Schreiben vom 14. August 2020 (Urk. 8/31) und Verfügung vom 7. Oktober 2020 (Urk. 8/37) verneinte die Zürich eine Leistungspflicht mangels Vorliegens eines Unfalles sowie einer unfallähnlichen Körperschädigung. Die dagegen vom Versicherten erhobene Einsprache (Urk. 8/43) wies die Zürich mit Einspracheent
scheid vom 4. Februar 2022 (Urk. 8/49 = Urk. 2) ab.
2.
Der Versicherte erhob am 9. März 2022 Beschwerde gegen den Einspracheent
scheid vom 4. Februar 2022 (Urk. 2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und der Vorfall mit Verletzungsfolgen vom 29. November 2019 sei als Berufsunfall zu qualifizieren
mit
vollständige
r
Kosten- und Leistungsübernahme durch die Berufsunfallversicherung (Urk. 1 S. 1).
Die Zürich
beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1. Juni 2022 (Urk. 9)
die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 7. Juni 2022 (Urk. 10) zur Kenntnis gebracht wurde.
Mit Verfügung vom 12. Juli 2022 (Urk. 11) wurde die Beschwerdegegnerin zur Stellungnahme aufgefordert, weshalb die Akten nicht gemäss beiliegendem Aktenverzeichnis vollständig eingereicht wurden. Mit Ein
gabe vom 3. August 2022 (Urk. 13
) äusserte sich die Beschwerdegegnerin zu den fehlenden Akten
stücken und reichte
diese
nachträglich
ein (Urk. 14/23 + 27-30), was
dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 8. August 2022
(Urk. 15) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen
Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.2
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktor
s, sondern nur auf diesen selbst
. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er – nach einem objektiven Massstab – den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlag
gebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwir
kungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.1 und E. 4.3.1 mit Hinweis
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_368/2020 vom 17. September 2020 E. 4.2 mit Hinweisen
).
1.3
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam «programmwidrig» beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (
Urteil des Bundesgerichts 8C_395/2020 vom 28. Sep
tember 2020 E. 2.2 mit Hinweis auf
BG
E 130 V 117 E. 2.1
). Ohne besonderes Vorkomm
nis ist bei einer Sportverletzung das Merkmal der Ungewöhnlichkeit und damit das Vorliegen eines Unfalles zu verneinen (BGE 130 V 117 E. 2.2 mit Hinweis).
Selbst bei fehlender Störung des Bewegungsablaufs durch einen äusseren Faktor kann die Aussergewöhnlichkeit auch dann gegeben sein, wenn beim Heben oder Schieben einer Last zufolge ausserordentlichen Kraftaufwandes, das heisst einer sinnfälligen Überanstrengung, eine Schädigung eintritt. Es muss allerdings jeweils geprüft werden, ob die Anstrengung im Hinblick auf Konstitution und berufliche und ausserberufliche Gewöhnung der betreffenden Person ausser
ordentlicher Art war (
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_395/2020 vom 28. Sep
tember 2020 E. 4.2, insbesondere mit Hinweis auf
BG
E 116 V 136 E. 3b
). Kein Unfall liegt vor, wenn die Anstrengung nur wegen bestehender krankhafter Veränderungen zu Schädigungen führen kann, weil sich dann eine innere Ursache auswirkt, während der äussere, oft harmlose Anlass bloss den patholo
gischen Faktor manifest werden lässt (BGE 116 V 136 E. 3b mit Hinweisen).
1.4
Gemäss Art. 6 Abs. 2
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
erbringt die Versicherung ihre Leistungen auch
bei folgenden
Körperschädigun
gen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzu
führen sind: Knochenbrüche (lit. a); Verrenkungen von Gelenken (lit. b), Meniskusrisse (lit. c), Muskelrisse (lit. d), Muskelzerrungen (lit. e), Sehnenrisse (lit. f), Bandläsionen (lit. g) und Trommelfellverletzungen (lit. h).
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist abschliessend (BGE
146 V 51 E. 7.1 sowie BGE
116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.5
Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die sogenannten Aussagen der ersten Stunde ab, denen in beweis
mässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrecht
licher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE
143 V 168 E. 5.2.2,
121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis
; Urteil des Bundesgerichts 8C_786/2021 vom 11. Februar 2022 E. 9.2
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Ablehnung der Leistungspflicht im Wesentlichen damit,
dass
der Beschwerdeführer im Fragebogen zum Unfallher
gang
die Frage nach einer Ungewöhnlichkeit im Bewegungsablauf
zwar
bejaht
und angegeben
habe,
dass sich
die Schulter verschoben/verrenkt
habe. Damit schildere er allerdings
lediglich
die Verletzung. D
ie Frage nach einer unkontrol
lierten Bewegung
habe er verneint
. Erst nachdem im Ablehnungsschreiben der Unfallbegriff verneint worden sei, habe er entgegen seinen früheren Aussagen neue und mehrere Versionen des Bewegungsablaufes geschildert. So habe er nun ein Beinahe
-E
ntgleiten der Tanzpartnerin mit anschliessendem Nachfassen
, ein Rutschen auf dem Boden sowie
eine Fehlbewegung bei
der Rückwärtsbewegung angegeben
.
Bei diesen erst nach der Leistungsablehnung vorgebrachten Elemen
ten handle es sich nicht
um eine Ergänzung des geschilderten Sachverhaltes, sondern um einen entscheidenden Widerspruch.
Deshalb sei auf den zuerst geschilderten Sachverhalt abzustellen
,
und gestützt darauf sei das
Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors zu verneinen. Das Hochheben und Tragen der Tanzpartnerin stelle
sodann
nichts Ungewöhnliches dar, habe der Beschwerde
führer dies im Novemb
er 2019
doch
einmal pro Woche ausgeübt
.
Der Unfall
begriff sei daher nicht erfüllt. Eine unfallähnliche Körperschädigung liege ebenfalls nicht vor.
D
emnach
bestehe
keine Leistungspflicht (vgl. Urk. 1 S. 3 f.).
In der Beschwerdeantwort (Urk. 9) führte die Beschwerdegegnerin ergänzend aus, dass der angebliche Fragebogen vom April 2020 nicht im bezeichneten Zeitraum und insbesondere nicht vor dem ihr tatsächlich zugegangenen Fragebogen vom Mai 2020 zugestellt worden sei, sondern erst auf das Ablehnungsschreiben vom 14. August 2020 hin. Der Beschwerde
führer sei Tänzer am
Y._
, weshalb
auch die bundesgerichtliche Rechtsprechung betreffend Sportunfälle beigezogen werden
könne
, wonach das Merkmal der Ungewöhnlichkeit ohne besonderes Vorkommnis bei einer Sportverletzung zu verneinen sei (S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer im Wesentlichen auf den Stand
punkt,
d
ie
Verletzung
sei durch einen Bewegungseinfluss der getragenen Tänzerin und einer damit verbundenen Fehlbewegung bei der Rückwärts
bewegung unter der Belastung des Gewichts von
48 kg entstanden
, wobei der Boden mit künst
lichem Schnee bedeckt gewesen sei
.
Der Unfallhergang sei in sämtlichen Dokumenten mit unterschiedlicher Detai
l
lierung beschrieben worden. Es treffe zwar zu, dass die Formulierung
in der Unfallmeldung sprachlich
nicht ganz präzise gleich sei
.
Er sei italienischer Muttersprache, weshalb er jeweils Hilfe für die Übersetzung benötige. Die Schilderungen des Unfallherganges seien inhaltlich jedoch gleich und entsprächen auch dem auf dem Video gezeigten Ablauf.
Die Unfallmeldung sei von der Personalsachbearbeiterin des
Y._
auf Deutsch übersetzt und zusammengefasst worden, wogegen er den Unfallhergang im Fragebogen vom April 2020 selbst
st
ändig in Englisch verfasst habe. Au
f diese Aussage sei abzustellen
. In diesem Zeitpunkt habe er noch keine Kenntnis
von der
Leistungsablehnung gehabt.
Die Unfallschilderungen seien konsistent und würden
die gleiche Situation schildern
. Der Vorfall sei nicht auf eine generelle Schwäche zurückzuführen, sondern auf eine unkoordinierte Bewegung unter grosser Belastung und auf den Einfluss
der
Bewegungen einer mit den gestreckten Armen getragenen Person. Der Vorfall sei somit als Unfall zu qualifizieren. B
ei der erlittenen Subluxation
(Bandläsion)
handle es sich zudem um eine unfallähn
liche Körperschädigung
(vgl. Urk. 1 S. 1
f
f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Leistungsanspruch des Beschwerdeführers aus der obligatorischen Unfallversicherung zu Recht verneint hat.
3.
3.1
Am 29. November 2019
habe
der Beschwerdeführer laut Unfallmeldung vom 5. Dezember 2019 (Urk. 8/1) bei der Ballettvorstellung «
Z._
» seine Tanzpartne
rin mit gestreckten Armen in d
i
e Höhe
gehalten
.
Er
sei
einen Schritt von der Wand
entfernt
gestanden
, die Tänzerin
sei
an die Wand gelehnt
gewesen
. Er
habe
sie (immer noch mit gestreckten Armen) weg von der Wand
geführt
und
sei
rückwärtsgelaufen
,
wobei er sie
jetzt über dem Kopf
gehalten habe
. Bei dieser Bewegung
habe
er plötzlich einen starken Schmerz in der linken Schulter
verspürt
und wie sich die Sch
ulter ein wenig verschoben habe
. Er
habe
die Vorstellung nicht zu Ende tanzen
können
, da er den Arm durch den Schulterschmerz nicht mehr
habe heben können
(Ziff. 6).
3.2
D
en
durch Dr. med.
A._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, ausgestellten Verordnungen zur Physiotherapie vom 30. Novem
ber 2019 (Urk. 8/5), vom 15. Januar 2020 (Urk. 8/6)
,
vom 28. Februar 2020 (Urk. 8/15)
sowie
vom 2. April 2020 (Urk. 8/16)
und vom 27. April 2020 (Urk. 8/21)
ist
als Diagnose
jeweils
Schulterschmerzen links bei Subluxation im Lift am 29. November 2019 zu entnehmen.
3
.3
Dem vom Beschwerdeführer am 5. Mai 2020 ausgefüllten Fragebogen (Urk. 8/17
) ist
folgender Hergang
des Vorfalls
zu entnehmen: «Bei der Vorstellung «
Z._
» halte ich meine Tanzpartnerin mit gestreckten Armen in die Höhe. Sie ist an der Wand gelehnt. Ich mache einige Schritte rückwärts immer noch die Partnerin tragend. Durch das ganze Gewicht und die Bewegung weg von der Wand spürte ich einen plötzlichen Schmerz in der linken Schulter. Ich konnte die Vorstellung nicht zu Ende tanzen» (S. 1 Ziff. 2.1). Die Frage, ob sich im Bewegungsablauf
anlässlich des Ereignisses
etwas Ungewöhnliches zugetragen habe, bejahte er und gab an, dass sich die Schulter verschoben
/verrenkt
habe (S. 1 Ziff. 2.2). Die Frage nach einer unkontrollierten Bewegung verneinte er (S. 1 Ziff. 2.3). Des Weiteren gab der Beschwerdeführer an, dass er diese oder eine ähnliche Tätigkeit seit November 2019 einmal pro Woche verrichtet habe
(S. 2 Ziff. 4). Die Frage nach vor dem Ereignis vorhandenen Beschwerden verneinte er (S. 2 Ziff. 5.1). Die Beschwerden seien sofort nach dem Ereignis aufgetreten (S. 2 Ziff. 6.1). Die Frage nach einer Arbeitsunfähigkeit bejahte er und gab an,
«
zu
100 %, aber keine Hebeübungen bis Ende 2019
»
(S. 2 Ziff. 6.3). Die Behandlung dauere noch an (S. 2 Ziff. 6.4).
3.4
Dr.
A._
gab mit Bericht vom 17. Juni 2020 (Urk. 8/22) an, dass die Erst
behandlung am 2. Dezember 2019 erfolgt sei. Der Beschwerdeführer habe anläss
lich der Aufführung vom 29. November 2019 beim Anheben seiner Partnerin (ausserordentlich lange Zeit, zusätzlich Rückwärtslaufen) ein Schwächegefühl der linken Schulter, ein
en
Krampf, ein Einsinken und ein Gefühl der Subluxation gehabt. Anschliessend habe er den Arm auch ohne Belastung nicht mehr richtig anheben und keine weiteren Lifts mehr durchführen können (S. 1 Ziff. 1-2). Die
bildgebenden Befunde
ergäben
allenfalls eine leichte AC
-Gelenkkapselüber
dehnung
, ansonsten seien keine pathologischen Veränderungen in der lin
ken Schulter abgrenzbar (S. 2
Ziff. 4). Die erhobenen Befunde seien mit dem vom Beschwerdeführer geltend gemachten Ereignis vereinbar und würden plausibel erscheinen (S. 2 Ziff. 6). Als Behandlung sei
en
Physiotherapie sowie Arbeit im Bereich der glenohumeralen Zentrierung bei Status nach Subluxation und ungenügender sensomotorischer Zentrierung erfolgt (S. 2 Ziff. 7). Der Beschwerdeführer sei nicht arbeitsunfähig geschrieben worden.
M
it dem Arbeit
geber
habe
erreicht werden können, dass die tänzerischen Anforderungen der Problematik angepasst worden seien. Insbesondere habe verhindert werden können, dass der Beschwerdeführer P
artnerinnen anheben müsse
(S. 2 Ziff. 8). Der Behandlungsabschluss erfolge voraussichtlich in Wochen. Eine Verlaufs
kontrolle sei im August geplant (S. 2 Ziff. 9).
3.5
Mit Eingabe vom
1. September 2020
(Urk. 8/36)
reichte der Beschwerdeführer
der Beschwerdegegnerin
die erste Seite eines
nach eigenen Angaben
im
April 2020 in Englisch ausgefüllten Fragebogen
s
(Urk. 8/35) ein. Diesem ist folgender Hergang
des Vorfalls
zu entnehmen: «I was
dancing
on
stage
«
Z._
» on
the
29/11/19. I
lifted
my
partner
from
her
armpits
and I
had
her on top
of
me
vertically
. After I
lifted
her
,
I
need
to
put
her
against
a wall still
holding
the
lift
and after
few
seconds
(5 sec) I
have
to
walk
backwards
still
holding
the
lift
for
around
10/15
seconds
.
While
walking
back I
heard
that
my
shoulder
did
a
no
ise
and
the
strong
pain
started
.
I
put
my
partner
down but
my
shoulder
was
painful
. I
discover
after I
had
a
s
ubluxation
of
the
shoulder
»
(Ziff. 2.1). Die Frage, ob sich im Bewegungsablauf anlässlich des Ereignisses etwas Ungewöhnliches zugetra
gen habe, verneinte er (Ziff. 2.2). Die Frage, ob er anlässlich des Ereignisses eine unkontrollierte Bewegung gemacht habe, bejahte er und gab Folgendes an: «
It
was
the
first
time I
tried
the
lift
with
the
girl
and
the
stage
costume
. On
the
floor
there
was a
lot
of
«
fak
e
snow
»
from
the
ballet
and
walk
ing
backwards
I
slipped
a
little
bit
while
lifting
the
girl
. The
girl
scene
costume
was
slippery
» (Ziff. 2.3).
Im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens reichte der Beschwerdeführer den vollständigen, im April 2020 in Englisch ausgefüllten Fragebogen (Urk. 3/7 = Urk. 8/54 Beilage 7) ein. Diesem ist zusätzlich zu entnehmen, dass die
hochge
hobene
Person 50 kg schwer gewesen sei
(S. 2 Ziff. 2.4). Er habe diese oder eine ähnliche Tätigkeit seit Anfang November in den Proben verrichtet (S. 2 Ziff. 4). Vor dem Ereignis hätten keine Beschwerden bestanden (S
.
2 Ziff. 5.1). Auf die Frage, wann die Beschwerden nach dem Ereignis erstmals aufgetreten seien, antwortete er Folgendes: «I
felt
the
pain
during
the
lift
and
as
soon
I
put
the
girl
down on
the
floor
I
could
not
lift
my
arm and
shoulder
» (S. 2 Ziff. 6.1). Die Behandlung mittels Physiotherapie dauere noch an (S
.
2 Ziff. 6.4).
4.
4.1
Vorab gilt es den für die Beurteilung massgebenden Sachverhalt festzust
ellen.
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, aufgrund der für die Aufführung vorgegebenen Choreographie und der Videodokumentation
könne klar aufgezeigt werden
, wie und wo sich der Unfall ereignet habe (vgl. Urk. 1 S. 4), kann dem nicht gefolgt werden. D
er grundsätzliche Ablauf der auszuübenden Tanzfigur
«
Pressage
»
aus dem Stück «
Z._
»
- die Choreographie -
wird
in sämtlichen Akten soweit gleich beschrieben (vgl.
Urk. 1 S. 1 f.;
Urk.
8/1 Ziff. 6; Urk. 8/17 S. 1 Ziff. 2.1
; Urk. 8/35 S. 1 Ziff. 2.1; Urk. 8/36 S. 1; Urk. 8/43 S. 1
), allerdings
finden sich
in den Akten
– wie nachfolgend aufgezeigt
wird
(vgl. nachstehend E. 4.2) -
unterschiedliche Schilderungen des
konkreten
Geschehensablaufes
anläss
lich der Aufführung
vom
29. November 2019. Bei dem eingereichten Video
(Urk. 4)
handelt es sich
sodann
um eine
im Dezember 2016 erfolgte
Aufzeichnung
(vgl. Rückseite des Umschlags der DVD)
,
w
eshalb
sich diesem nichts zum konkret abgespielten Hergang vom 29. November 2019 entnehmen lässt.
4.2
In der
Unfallmeldung vom Dezember 2019 sowie im Fragebogen vom Mai 2020
wird angegeben, dass der Beschwerdeführer seine Tanzpartnerin mit gestreckten Armen in d
i
e Höhe gehalten habe, er
einen Schritt von der Wand entfernt gestanden und sie an die Wand gelehnt gewesen sei, er sie sodann immer noch mit gestreckten Armen von der Wand weggeführt habe und
rückwärtsgelaufen sei, wobei er sie jetzt über dem Kopf gehalten und bei dieser Bewegung plötzlich einen starken Schmerz in der linken Schulter verspürt habe. Es wird keine unkontrollierte Bewegung beschrieben beziehungsweise nichts Ungewöhnliches im Geschehensablauf erwähnt (vgl. Urk. 8/1 Ziff. 6; Urk. 8/17 S. 1 Ziff. 2.1-2.3).
Die im ärztlic
hen Bericht von Dr.
A._
festgehaltene Anamneseerhebung
beschreibt
ebenfalls
nichts Auffälliges
im
Bewegung
sablauf
. So habe der Beschwerdeführer beim Anheben seiner Partnerin (ausserordentlich lange Zeit, zusätzlich Rückwärtslaufen) ein Schwächegefühl der linken Schulter, ein
en
Krampf, ein Einsinken und ein Gefühl der Subluxation
verspürt
(vgl. Urk. 8/22 S. 1 Ziff. 2)
.
Erstmals nachdem die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer formlos darüber informiert hatte, dass kein Anspruch auf Leistungen aus der obliga
torischen Unfallversicherung bestehe (vgl. Schreiben vom 14. August 2020, Ur
k. 8/31), beschrieb dieser ein
Ausrutschen auf dem
am Boden liegenden
Kunstschnee
beim Rückwärtslaufen sowie ei
n rutschiges Kleid der Tanzpartnerin
. Im Schreiben vom September 2020
erwähnte
er
zusätzlich
, dass
ihm
die Tanzp
artnerin fast
aus den
Händen entglitten sei und er
beim Versuch, dies zu verhindern, ein Geräusch
der Schulter gehört und ein starker Schmerz e
ingesetzt habe
(vgl. Urk. 8/
35
; Urk. 8/36 S. 1).
Mit Einsprache vom November 2020 sowie Beschwerde vom März 2022 machte er schliesslich eine
Fehlbewegung bei der Rückwärtsbewegung unter der Belastung von 48 kg
respektive einen
Bewegungs
einfluss der getragenen Tänzerin und einer damit verbundenen Fehlbewegung bei der Rückwärtsbewe
gung unter der Belastung von 48 kg
geltend
(vgl. Urk. 1 S. 2; Urk. 8/43 S. 2
).
4.3
Die
aktenkundigen
Schilderungen des konkreten Ereignishergangs weichen
somit
offensichtlich
voneinander ab. Im Zusammenhang mit der Praxis zu den Aus
sagen der ersten Stunden (vorstehend E. 1.
5
) ist
festzustellen, dass es sich bei den
erst nach der angekündigten Leistungsabweisung
beschriebenen Elementen des Beinahe
-E
ntgleitens der Tanzpartnerin, des Ausrutschens auf dem Boden sowie des Bewegungseinflusses der getragenen Tänzerin und einer damit verbundenen Fehlbewegung bei der Rückwärtsbewegung unter der Belastung von 48 kg nicht lediglich um spätere Präzisierungen, sondern um abweichende Angaben
handelt
, welche rechtsprechungsgemäss unbeachtlich bleiben
(Urteil des Bundesgerichts
8C_225/2019 vom 20. August 2019 E. 3.3
).
Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer über derart augenfällige Umstände von Beginn weg berichtet
respektive
seine
Arbeitgeberin
darüber unterrichtet
hätte, falls sie im Rahmen des Ereignisablaufs tatsächlich eine wesentliche Rolle gespielt hätten (Urteil des Bundesgerichts 8C_456/2018 vom 12. September 2018 E. 6.3.1). Das Vorbringen des Beschwerdeführers,
wonach
sowohl die Unfallmeldung als auch der Fragebogen vom Mai 2020
von der Personalsachbearbeiterin des
Y._
übersetzt und ausgefüllt
worden seien (vgl. Urk. 1 S. 2 f.
)
, ändert
daher
nichts
.
Zudem
hat der Beschwerdeführer den Fragebogen vom Mai 2020
– worin er aufgefordert wurde, den Vorgang detailliert, präzise und vollständig zu schildern -
eigenhändig unterzeichnet
und damit die Richtigkeit der Angaben bestätigt
(vgl. Urk. 8/17
S. 1 Ziff. 2.1,
S.
3
Ziff. 9
).
Bei
der einen
sich in den Akten befindenden Unfallmeldung vom 5. Dezember 2019 setzte
er
ebenfalls seine Unterschrift
unter die Sachverhaltsschilderung (vgl. Urk. 3/9 S. 2 = Urk. 8/54 «Beilage 9» S. 2).
Soweit der Beschwerdef
ührer
schliesslich
vorbringt
, dass er den
in Englisch ausgefüllten Fragebogen bereits im April 2020 und damit noch vor der Leistungs
abweisung ausgefüllt habe (vgl. Urk. 1 S. 2),
kann dies nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit belegt werden
,
und es ist ihm diesbezüglich
insbesondere
entgegenzuhalten, dass d
ieser
Fragebogen erst nach der angekündigten
Leistungsablehnung bei der Beschwerdegegnerin eingereicht wurde. Gegentei
liges machte der Beschwerdeführer jedenfalls nicht geltend.
4.4
Nach dem Gesagten
ist
es
daher
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegeg
nerin ihrer Beurteilung in Nachachtung der Beweismaxime der Aussagen der ersten Stunde die in der
Unfall
meldung
vom Dezember 2019
sowie im Fragebo
gen vom Mai 2020
beschriebene Sachverhaltsdarstellung
zugrunde legte und weder
von einem Beinahe
-E
ntgleiten der Tanzpartnerin noch von einem Aus
rutschen auf dem Boden oder einer Fehlbewegung bei der Rückwärtsbewegung
ausging.
5.
5.1
Zur Beurteilung einer allfälligen Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin ist zunächst zu prüfen, ob das Ereignis vom 29. November 2019 den Unfallbegriff im Sinne von Art. 4 ATSG erfüllt. Gestützt auf die massgebenden Schilderungen des Beschwerdeführers (vgl. hierzu vorsteh
end E. 4
) steht fest, dass er sich eine Verletzung
der linken Schulter
zuzog, ohne dass der natürliche Ablauf der Körperbewegung durch etwas Programmwidriges wie beispielsweise Stolpern, Ausgleiten, Anstossen oder Abwehren eines Sturzes beeinträchtigt war
.
Ebenfalls fehlen Anhaltspunkte
dafür, dass die mit dem H
ochhalten
mit gestreckten Armen der 48 kg schweren Tanzpartnerin konkret verbundene Kraftanstrengung im Hinblick auf die Konstitution des Beschwerdeführers sowie seine
r
berufliche
n
Gewöhnung als Balletttänzer von ausserordentlicher Natur war
(vorstehend
E. 1.3)
.
Dem vorliegend zu beurteilenden Ereignis fehlt es folglich an einem – für die Qualifikation als Unfall erforderlichen – ungewöhnlichen äusseren F
aktor.
5.2
V
on ärztlicher Seite her
wurde beim Beschwerdeführer sodann
einzig
eine Subluxation der linken Schulter
respektive eine AC-Gelenkskapselüberdehnung
d
iagnostiziert (vorstehend E. 3.2, E. 3.4
).
Er zog sich
keine Fraktur zu und ein Meniskus-, Muskel- oder Sehnenriss
oder
eine
Bandläsion wurde
n ebenfalls
nicht erwähnt.
E
ine Subluxation
(unvollständige Verrenkung)
bedeutet
keine vollstän
dige, vollendete oder vollzogene Luxation, weshalb die vom Beschwerdeführer erlittene Subluxation der linken Schulter
auch
nicht unter die Gelenksverrenkun
gen nach Art. 6 Abs. 2 lit. b UVG fällt und daher
nicht als unfallähnliche Körperschädigung anerkannt werden kann (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_671/2019 vom 11. März 2020 E. 5.2
und 8C_552/2008 vom 29. Januar 2009 E. 6.1).
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (vgl. Urk. 1 S. 4) liegt damit
keine Körperschädigung im Sinne der in Art. 6 Abs. 2 UVG genannten Listenver
letzungen vor (vorstehend E. 1.4).
Eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin gestützt hierauf scheidet daher ebenfalls aus.
5.3
Zusammenfassend steht somit fest, dass weder ein Unfallereignis vorliegt noch eine unfallähnliche Körperschädigung ausgewiesen ist. Die Beschwerdegegnerin hat den Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der Unfallversicherung
folglich
zu Recht verneint.
Der angefochtene Einspracheentscheid erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.