Decision ID: 4904b6c8-7bf0-42e4-b301-1847d1647707
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1970 geborene
X._
war als Geschäftsführer der Firma
Y._
GmbH
,
Z._
,
tätig und in dieser Funktion bei der Basler Ver
sicherung AG (nachfolgend:
Basler) im Rahmen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) obligatorisch versichert (
Urk.
8/1/2.1). Am
8.
August 2007 wurde er von der Kantonspolizei Zürich verhaftet, mit den Händen auf dem Rücken in Handschellen gelegt und in einem Kastenwagen in die Untersu
chungshaft gefahren. Während des Transportes verlor er bei einer Unebenheit den Halt und erlitt dabei einen Schlag auf das rechte Handgelenk (
Urk.
8/1/2.1).
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, diagnostizierte im Arztzeugnis vom 2
4.
Oktober 2007 eine posttraumatische
Handgelenkssympto
matik
rechts mit Verdacht auf beginnende Sudeck-Dystrophie und attestierte dem Versicherten ab 9. August 2007 eine vollständige und ab 1
5.
Oktober 2007 eine
80%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk.
8/1/3.2). Die Basler anerkannte grundsätz
lich ihre Leistungspflicht.
1.2
Mit Verfügung vom
5.
März 2008
(
Urk.
8/2/5.1)
stellte sie die Taggeldzahlungen für die Dauer der Untersuchungshaft vom
8.
August bis 2
4.
September 2007 ein. Daran hielt sie mit
Einspracheentscheid
vom
8.
Oktober 2008 fest
(
Urk.
8/2/5.4)
.
Die
hie
gegen
erhobene Beschwerde hiess das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich – soweit es darauf eintrat – unter Aufhebung des
Einsprache
entscheids
vom
8.
Oktober 2008 mit der Feststellung gut, dass dem Versicherten auch während der Dauer der Untersuchungshaft ein Anspruch
auf
Taggeldleis
tungen
der Unfallversicherung zustehe, soweit die übrigen Anspruchsvorausset
zungen erfüllt seien (Urteil vom 1
4.
März 2011 [Prozess-Nr. UV.2008.00385]). Mit Urteil vom 2
8.
Februar 2012 hob das Bundesgericht diesen Entscheid auf und schützte die Einstellung der Taggeldzahlungen für die gesamte Dauer der Untersuchungshaft (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2011 [
Urk.
8/2/5.27]).
1.3
Am 1
0.
August 2009 verfügte die Basler eine Integritätse
ntschädigung von Fr. 21‘360.--
auf der Basis einer Integritätseinbusse vo
n
20
%
(
Urk.
8/2/5.17).
1.4
Am
4.
Dezember 2009 hielt die Unfallversicherung auf Ersuchen des Versicher
ten hin in Verfügungsform fest, dass der versicherte Verdienst für das Ereignis vom
8.
August 2007
Fr.
58‘500.-- betrage (
Urk.
8/2/5.17). Die dagegen erhobene Einsprache wies sie mit Ent
scheid vom 3
1.
Mai 2010 ab, ebenso das hiesige Ge
richt die in der Folge vom Versicherten gegen den
Einspracheentscheid
einge
reichte Beschwerde (Urteil vom 3
1.
Oktober 2011 [Prozess-Nr. UV.2010.00219;
Urk.
8/2/5.27]).
1.5
Nachdem der Versicherte in den Zeiträumen vom 1
0.
bis 1
9.
November 2009 und vom 1
0.
Februar bis am 2
5.
März 2010 in ihrem Auftrag observiert worden
war (
Urk.
8/3/10), stellte die Basler mit
Verfügung vom 3
0.
Juli 2010
die
Tag
geldleistungen
mit Wirkung per 3
1.
Juli 2009 ein
(
Urk.
8/2/5.30). Dagegen erhob
der Versicherte am
7.
September 2010 Einsprache
(
Urk.
8/2/5.32). Am 5.
Dezember 2011 teilte die Unfallversicherung die Sistierung des
Einsprache
ver
fahrens
bis zum Vorliegen des im Auftrag der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zu erstellenden
MEDAS
-Gutachten
s
mit (
Urk.
8/2/5.38).
Die besagte Expertise wurde am
12.
November 2012 erstattet (
Urk.
8/2/4.26)
. Am
8.
Februar 2013
verfügt
e die Basler –
unter Hinweis auf
das Fehlen einer unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit respektive eines invalidisieren
den Gesundheitsschadens – die Abweisung des Renten- und Taggeldanspruchs und die Einstellung der Heilbehandlungsleistungen mit sofortiger Wirkung (
Urk.
8/2/5.40).
D
er Versicherte
erhob
dagegen Einsprache (
Urk.
8/2/5.41a und Urk. 8/2/5.45),
worauf
die Basler die
Einspracheverfahren
gegen die Verfügun
gen vom 3
0.
Juli 2010 und
8.
Februar 2013
vereinigte
und
mit
Einspracheent
scheid
vom 14.
August 2013 sowohl
die
Einstellung der Taggelder mit Wi
rkung per 3
1.
Juli 2009 und
der Heilbehandlung per
8.
Februar 2013
als auch
die Abweisung des Rentenbegehrens
bestätigte
(
Urk.
8/2/5.46 =
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
4.
August 2013 (
Urk.
2) erhob der Versi
cherte am 2
0.
September 2013 Beschwerde und beantragte sinngemäss, der an
gefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei
en
nach Einholung eines durch einen CRPS-Spezialisten verfassten Gutachtens
die Taggeldleistungen auch über den 3
1.
Juli 2009 hinaus zu erbringen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (
Urk.
1 S. 2). Mit
Beschwerdeant
wort
vom 1
5.
Oktober 2013 schloss die Basler auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Mit
V
erfügung vom 2
1.
Oktober 2013
ordnete das hiesige Gericht einen zweiten Schriftenwechsel an (
Urk.
10). In der Folge reichte der Beschwerdefüh
rer keine Replik ein, was der Beschwerdegegnerin am 2. Dezember 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
3.
Mit Verfügung vom 2
1.
August 2013 verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, einen Leistungsanspruch des Beschwerdeführers. Die dagegen am 2
0.
September 2013 erhobene Beschwerde wurde mit heutigem Urteil des hiesigen Gerichts abgewiesen (Prozess-Nr. IV.2013.00850).
4.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 10
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Un
fall
folgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16
Abs.
1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10
%
(Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
) invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invali
denrente (Art. 18
Abs.
1
UVG
). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fort
setzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesund
heitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistun
gen dahin (Art. 19
Abs.
1 UVG).
1
.2
Bis zu welchem Zeitpunkt Heilbehandlung durch den Unfallversicherer zu gewäh
ren ist, kann Art. 10 UVG nicht entnommen werden. Dieser Zeitpunkt ergibt sich indessen aus Art. 19 UVG des zweiten Kapitels über Beginn und Ende der Invalidenrente, die, sofern die Voraussetzungen für deren Ausrichtung erfüllt sind, den vorübergehenden Leistungen folgt. Danach entsteht der Ren
ten
anspruch, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine nam
hafte Besserung des Gesundheitszustands des Versicherten mehr erwartet wer
den kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (Abs. 1 erster Satz). Mit dem Rentenbeginn fallen die Heil
behandlung und die Taggeldleistungen dahin (Abs. 1 zweiter Satz). Nach kon
stanter Rechtsprechung heisst dies, der Versicherer hat – sofern allfällige Ein
gliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind – die Heilbehandlung (und das Taggeld) nur solange zu gewähren, als von der Fort
setzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesund
heitszustands erwartet werden kann. Trifft dies nicht mehr zu, ist der Fall unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen mit gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und auf eine Integritätsentschädigung abzu
schliessen (Urteil des Bundesgerichts 8C_81/2013 vom 1
6.
April 2013 E. 3.1.1 mit weiteren Hinweisen). Der Abschluss des Falls durch den Unfallversicherer bedingt daher nicht, dass eine medizinische Behandlung nicht länger erforder
lich ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_756/2010 vom 1
5.
Dezember 2010 E. 3.3).
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die allei
nige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereig
nis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammen
hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwal
tung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglich
keit eines Zusammen
hangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.
4
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.5
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflicht
gemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu
würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztbe
richtes
ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete die Einstellung der Taggelder mit Wirkung per 3
1.
Juli 2009
und
der Heilbe
handlung per
8.
Februar 2013 wie auch
die Abweisung des Rentenbegehrens unter Hinweis auf das Gutachten des
B._
vom 1
2.
November 2012 damit, betreffend das geltend gemachte Unfallereignis habe seit jeher eine uneingeschränkte Ar
beitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Informatiker
bestanden (
Urk.
2 S. 3 ff.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
das
B._
-Gutachten sei nicht geeignet, etwas zur Sachverhaltsabklärung beizutragen. Die Experten würden die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aufgrund von Video-Se
quen
zen und nicht
gestützt auf
eine
eigene
Untersuchung vornehmen. Dass er beim Gehen eine besondere Haltung einnehme, hätten sie nicht näher beachtet. Aus dem Gutachten gehe alsdann hervor, dass die Benutzung der rechten Hand eingeschränkt sei.
Das
Verhalten
der Gutachter
habe zudem den Anschein von Befangenheit erweckt (
Urk.
1 S. 3 ff.).
3.
3.1
Soweit d
er Beschwerdeführer verlangt, die wiederholte Rechtsverzögerung und Rechtsverweigerung sowie das widerrechtliche oder
trölerische
Verhalten der
Be
schwerdegegnerin
sei
en
vom Gericht zu berücksichtigen (
Urk.
1 S. 2)
,
geht ein solches Handeln aus den Akten nicht hervor
.
Zu ergänzen bleibt, dass i
m
ver
waltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfah
ren
grund
sätzlich nur Rechts
ver
hält
nisse
zu überprüfen beziehungsweise zu beur
teilen
sind
, zu denen die
zustän
dige Verwaltungs
behörde vorgän
gig verbindlich - in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
- Stellung genom
men hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den
beschwer
dewei
se
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer
Sach
urteilsvoraussetzung
, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
er
gan
gen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
In diesem
Zusammen
hang ist ausserdem nicht zu bemängeln, dass die Beschwerdegegnerin die
Ein
sprache
verfahren
gegen die Verfügungen vom 3
0.
Juli 2010 un
d
8.
Februar 2013 vereinigte, zumal der Verfügung vom
8.
Februar 2013 die Begründung betref
fend Ablehnung des Rentenbegehrens und Einstellung der
Heilbehand
lungs
leistungen
– und nicht der Taggeldleistungen – zugrunde lag.
3.2
M
it Gerichtsverfügung vom 2
1.
Oktober 2013 (
Urk.
10)
wurde
ein zweiter
Schrif
tenwechsel
angeordnet
und der Beschwerdeführer erhielt die Möglichkeit
, am hiesigen Gericht Einsicht in die vollständigen Prozessakten zu nehmen
. Damit
ist seinem
sinngemäss gestellten Antrag auf Ergänzung seiner Beschwer
de
schrift und Akteneinsichtnahme (
Urk.
1 S. 2 und S. 5) Genüge getan.
4.
4.1
Nachd
em er den Beschwerdeführer am
8.
Dezember 2008 untersucht hatte, stellte
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Chirurgie und Handchirurgie,
in seinem Gutacht
en vom 1
5.
Dezember 2008 (
Urk.
8/2/4.1
3) folgende Diagnosen (S. 16):
Status nach Kontusions-/Distorsionstrauma (Hyperextension) des rechten Handgelenkes mit primärer, partieller Läsion sensibler
Radialis
-Nerven-Äste
(
Axonotmesis
Grad III-IV nach Sunderland des
Ramus
dorsalis
)
Traumatisch bedingtes komplexes-regionales Schmerzsyndrom Typ II (CRPS II)
Dorsales Handgelenksganglion
skapho-lunär
rechts und links (Akten
diagnose)
Er führte aus, es bestehe ein struktureller Schaden
der
obe
rflächlichen sensiblen
Nervenäste des
Ramus
superficialis
nervi
radialis
aufgrund einer direkten Kon
tusion am
8.
August
2007, welche charakterisiert sei
durch ein typisches
Tinel
-Hoffmann-Klopfzeichen über den einzelnen Nervenästen und
durch
unmittelbar
posttraumatisch aufgetretene sensible Störungen
.
Darüber hinaus sei es zu einem ausgeprägten komplex-regionalen Schmerzsyndrom Typ II gekommen,
das
bereits unmittelbar nach dem Unfallereignis mit Frühsymptomen in Erschei
nung
ge
tre
ten sei (Schwellungen, Überwärmung, Rötung und sensible Störun
gen). Diese Zeichen seien nicht üblich für eine Distorsion oder Kontusion, son
dern würden weit über das übliche Mass hinausgehen (S. 16). Der Beschwerde
führer – so der Gutachter weiter – führe
zwei Einzelfirmen. Die Tätigkeit in der einen Unter
nehmung beinhalte ausschliesslich handwerkliche Arbeiten. Die andere Firma habe einen gemischten Auftrag mit kleineren Installations- und
Applikationsar
bei
ten
, Webdienste
n
, Softwareinstallationen, Softwareanpassungen und Instruk
ti
onen vor Ort. Daneben seien unternehmerische und administrative Arbeiten zu erledigen.
Bezüglich der Arbeiten i
m ersten Betrieb
bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Für die zweite Firma schätze er aufgrund der vermehrten Büroarbeiten die Arbeitsunfähigkeit auf 30-40
%
. Gesamthaft könne höchstens von einer Arbeitsleistung von 50
%
ausgegangen werden
. Im Übrigen hielt
Dr.
C._
fest, die
Kraftlimite
zum Heben, Tragen und Festhalten mit der rechten Hand re
spek
tive der rechten Faust betrage sechs
bis
acht
Kilog
ramm
und sei zudem auf kurzfristige und
verein
zelte Griffe begrenzt
.
Greifbewegungen mit der rechten Hand sollten möglichst nicht länger dauernd
und
repetitiv sein
. Ungünstig seien Tätigkei
ten bei hängendem Arm, Arbeiten am Bode
n oder oberhalb Brust- und Kopfhöhe.
Aufgrund
der ausge
prägten Kälteintoleranz seien Tätigkeiten aussc
hliesslich bei üblicher Raumtemperatur zu empfehlen. S
itzen
de Tätigkeiten seien zu bevorzugen. Ste
hen und Gehen sei uneinge
schränkt mögli
ch. D
as Besteigen von Leitern oder steilen Treppen und der belastende Einsatz
beider Hände sei
en
dagegen zu ver
meiden
.
Staub- oder
Lärmexpositionen seien zumutbar. Zusammenfassen
d
führte er an,
anzustreben seien einhändige Verrichtungen
respektive
visuelle und
akustische
Kontroll
tä
tigkeiten
.
Arb
eiten am Computer
seien geeignet, aber quantitativ eingeschränkt
(S. 20 f.).
In seiner ergänzenden Stellungnahme vom
3.
Mai 2009 (
Urk.
8/2/4.23) attestierte Dr.
C._
in einer dem beschriebenen Leistungsprofil entsprechenden
Verweistätigkeit eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
. Bei die rechte Hand belastenden Tätigkeiten sei mit Arbeitspausen zu rechnen, welche durch das Schmerzsyndrom bedingt seien (S. 2).
4.2
In seiner im Auftrag der Beschwerdegegnerin verfassten Stellungnahme
vom 1
3.
Juni 2010 (
Urk.
8/2/4.24)
nannte
Dr.
med.
D._
,
Facharzt FMH für Allge
meine Innere Medizin
, nachstehende Diagnosen (S. 27):
CRPS I infolge Handgelenksdistorsion oder
-
kontusion am
8.
August 2007
Verdacht auf affektive Störung; Differentialdiagnose: Angsterkrankung
Rezidiv-Ganglion rechtes Handgelenk
Der nämliche Arzt berichtete unter Hinweis auf das Observationsmaterial, für die Arbeit als Informatiker beziehungsweise PC-Consultant erscheine ihm der Versicherte an acht bis achteinhalb Stunden am Tag arbeitsfähig, wobei ein erhöhter Pausenbedar
f zu beachten sei (S. 29).
4.3
Gestützt auf die Ergebnisse der allgemein-chirurgischen, orthopädischen, neuro
logischen, neuropsychologischen und psychiatrischen Untersuchungen
konnten
die
B._
-Gutachter (vgl. Expertise vom 1
2.
November 2012 [Urk. 8/2/4.26]) keine sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkenden Diagnosen stellen (S. 73). Den fol
gen
den Diagnosen massen sie keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bei (S.
73 f.):
Schmerzen und subjektive Sensibilitätsstörung der rechten Hand ohne nachvollziehbares organ-pathologisches Korrelat bei Status nach Ganglion-Resektion 2003 sowie Status nach Bagatelltrauma 2007
Dorsales Rezidiv-Handgelenksganglion
scapho-lunär
rechts
Kleines dorsales Handgelenksganglion
scapho-lunär
links
Episodischer Spannungskopfschmerz
Verdacht auf Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Grün
den (ICD-10 F68.0)
Die allgemein-chirurgische
Untersuchung habe
– so med.
pract
.
E._
,
Fach
ärz
tin
FMH für Chirurgie
–
das Bild eines 42-jährigen übergewichtigen und
kar
diopulmonal
kompensierten Versicherten in unauffälligem Allgemeinzustand ergeben. Der klinische Status sei altersentsprechend normal. Hinweise für eine Links- oder Rechtsherzinsuffizienz oder für eine Lungenerkrankung seien keine ersichtlich. Auch im
Abdominalstatus
lasse sich kein pathologischer Befund er
heben. Die im Neurostatus angegebene Hypästhesie beziehungsweise
Allodynie
lasse sich keinem anatomischen Korrelat zuordnen und sei zudem inkonsistent vorhanden. Es würden sich – so die Gutachterin weiter – zahlreiche wider
sprüchliche Untersuchungsresultate, vor allem im
R
ahmen der
Bewegungsprü
fung
der rechten Hand
, zeigen. In den Laborunte
rsuchungen würden sich
Nor
malwerte finden. Es bestehe eine deutliche Diskrepanz zwischen dem normalen Gebrauch der rechten Hand in den Videoaufnahmen und der vollständigen Un
tätigkeit im Ra
hmen der aktuellen Untersuchung
. Aus allgemein-chirurgischer Sicht lasse sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen (S. 77). Zu
sätzlich führte die Ärztin
E._
an, auffallend sei die unterschiedliche Schwel
lung und Rötung der rechten Hand bei den einzelnen Untersuchungen gewesen. Bei der Erstuntersuchung am 2
1.
Mai 2012 habe weder eine Schwel
lung noch eine Rötung festgestellt werden können. Bei
de
r orthopädischen Untersuchung eineinhalb Stunden später sei eine deutliche Schwellung und beim Hängenlas
sen des rechten Armes eine Rötung erkennbar gewesen. Bei den weiteren
Unter
suchungen habe
– unabhängig von der Tageszeit und der Dauer der Untersu
chung –
wiederum keine Schwellung b
emerkt werden können. Zudem sei die Sensibilitätsstörung bei den einzelnen Gutachtern unterschiedlich
angegeben worden (S. 38 f.).
Dr.
med.
F._
,
Facharzt FMH für Chirurgie
sowie
Orthopädische Chi
rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, berichtete in seinem ortho
pädischen Fachgutachten, die Wirbelsäule sei bei der Betrachtung
inspektorisch
gerade aufgebaut
. Die Muskulatur sei mittelkräftig entwickelt. Die
Halswirbel
säule
sei nach allen Richtungen regelrecht und ohne Einschränkungen frei be
weglich. Bei der Betrachtung der oberen Gliedmassen stünden beide Schultern gleich hoch. Die Muskulatur an Unter- und Oberarmen sei seitengleich ausge
bildet. Es sei keine Verfärbung der linken Hand bei längerem Hängenlassen der Arme ersichtlich; rechtsseitig komme es insbesondere im Bereich des Handrü
ckens zu einer vermehrten Rötung und ödematösen Schwellung.
Die
Hautfälte
lung
sei linksseitig unauffällig. Auf der rechten Seite sei sie aufgrund der leich
ten ödematösen Schwellung verstrichen. Der Händedruck sei linksseitig kräftig, rechtsseitig um circa die Hälfte eingeschränkt. Im Bereich des rechten Unterar
mes seien jedoch die Agonisten und Antagonisten im Sinne einer
Gegeninner
va
tion
gleichzeitig angespannt gewesen. Bezüglich der Handfunktion sei ein
Faust
schluss
links regelrecht und kräftig ausführbar gewesen. Auf der rechten Seite habe er nur angedeutet werden können.
Dabei sei wiederum eine erhebli
che Gegeninn
ervation erkennbar gewesen.
Spitzgriff und Klemmgriff seien links mit guter Kraft möglich gewesen. Rechts habe ein zusammengeklappte
r
Win
kelmesser nicht kraftvoll festgehalten werden können. Eine entsprechende
Wil
lensanstrengung
sei aber nicht vorhanden gewesen.
Die Schulter- und Ellbo
gen
gelenke seien beidseits seitengleich frei beweglich. Der Beckengürtel und die unteren Gliedmassen seien seitengleich geformt. Der freie Gang auf ebener Erde ohne Schuhwerk sei sicher und
hinkfrei
(S. 42 ff.).
Bei der orthopädischen Untersuchung – so der Gutachter weiter – würden äus
ser
s
t inkonsistent beschriebene Sensibilitätsstörungen im Ber
eich der rechten Hand auffallen
. Das gleichzeitig bestehende 5 x 5 x 2 mm grosse
scapho-lunäre
Rezidivganglion
könne die dargestellten Beschwerden und
Funktionseinschrän
kungen
nicht erklären. Für die weitere Bewertung und Stellungnahme zur Ar
beitsfähigkeit seien die Videosequenzen
betreffend den
Beschwerdeführer ent
scheidend, welche im Rahmen einer Observation angefertigt worden seien. E
s sei mehrmals erkennbar, dass
er seine rechte Hand sowohl im November 2009 als auch im März 2010
in seinem täglichen Leben
fast uneingeschränkt und ohne schmerzverzerrende G
esichtsmimik
einsetze. Einzig die Haltung des rech
ten Armes beim Gehen im Sinne einer leichten
Abspreizung
im Schultergelenk
und mit
leicht innengedrehter und nach
palmar
flektierter Hand mit entspannter Haltung der Finger lasse gegebenenfalls darauf schliessen, dass der Beschwer
deführer automatisch eine Posi
tion einnehme, in der
alle Muskeln des rechten
Armes entspannt seien.
Aus orthopädischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit für die angestammte Tätigkeit nicht eingeschränkt (S. 77 f.).
Dem neurologischen Teilgutachten von
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH für Neurologie, kann entnommen werden
, dass eine erhebliche Diskrepanz zwischen
der subjektiven
Schmerzangabe und
dem
objektiv nachvollziehbare
n
Schmerz
verhalten
auffallend
war
. Der Beschwerdeführer bemühe sich zwar
,
in der
Be
gut
achtungssituation
eine Schmerz- und Schonhaltung zu demonstrieren. Diese
sei
aber in keiner Weise konsistent
und
pathophysiologisch plausibel nach
vo
ll
ziehbar.
Die vorgetragenen Schmerzen
würden
nicht einem typischen neuropa
thischen Schmerz
entsprechen
.
Es finde
sich allenfalls am rechten Handgelenk eine leichte Schwellung sowie eine leichte
Gefässrarif
i
zierung
vom Handr
ü
cken. Darüber hinaus
seien
keine trophischen Störungen, keine
Schweissmotorikstö
run
g
und keine relevante Temperatur
differenz an den Hän
den
ersichtlich
. Die angegebene Sensibilitätsstörung der rechten Hand
entspre
che
keinem segmen
talen (
radikulären
) oder peri
pher-
nervalen
M
uster.
Der Beschwerdeführer
kö
nn
e
seine Hand n
ormal einsetzen
. Die
Videos
equenzen
würden
zudem
klar
demonst
rieren, dass er
im Alltag die rechte Hand ohne grö
sseres Schmerz- und
Schon
verhalt
en
einset
ze
.
Aus neurologischer Sicht bestehe daher keine Arbeitsunfä
higkeit (S. 78 f).
Bei der neuropsychologische Exploration – so
Dr.
sc. hum. Dipl. Psych.
H._
-
zeig
e
sich das Bild eines 42-jährigen
Versicherten
, dessen Testergebnis
se als nicht valide angesehen wü
rden. Die Zu
sammenstellung der Befunde lasse
auf ein Aggravationsverhalten schliessen. Daher könn
t
en die Erge
bnisse der
Leis
tungstests
inhal
tlich nicht
ausgewertet werden und
sie
würden
wegen man
geln
der Mitarbeit keine verwertbaren neuropsychologischen Befunde
liefern. Unter diesen Umständen best
eh
e
zudem
das Risiko, dass tatsächliche und spezifische
kognitive Defizite differenzial
diagnostisch nicht festgestellt werden könn
t
en.
Daher könne
aus neuropsycho
l
ogischer Sicht keine Einschätzung der Arbeitsfä
higkeit vorgenommen werden
(S. 79 f.).
Dr.
med.
I._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete in ihrem psychiatrischen Fachgutachten
,
das Untersuchungsgespräch
werde vom Beschwerdeführer
in einem sehr sachlich dozierenden Ton geführt
.
Es
würden
sich Diskrepanzen zwischen dem dargestellten Unrecht
sowie
den Schmerzen in der
rechten Hand und dem
emotional unbeteiligten Erzäh
lstil
des
Beschwerdeführers ergeben.
Die Diagnose einer anhaltenden
s
omatoformen
Schmerz
störung
lasse
sich bei fehlendem Leidensdruck nicht stellen
.
Hinweise auf eine depressive Störung oder eine Angsterkrankung
würden sich keine er
geben
. Gegen eine
Persönlichkeitsstörung spreche
, dass der
Beschwerdeführer
von einer völlig unauffälligen Kindheit berichte, einen sehr guten Kontakt zu den Eltern und der Schwester
beschreibe
und
viele sehr gute Kollegen habe
.
I
m Gespräch
werde immer wieder deutlich
, wie
er
sich durch Ärzte, Versicherungen und die Polizei
sehr ungerecht behandelt fühl
e
.
Dadurch wären die diagnosti
schen Kriterien nach ICD-10 für die Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen erfüllt. Es könnte sich
daher
auch
– so die Gutachterin weiter –
um eine eher bewusstseinsnahe Aggrava
tion
oder Simulation handeln. Aus versicherungspsychiatrischer Sicht würde sich
aber ohnehin
kein Einfluss auf die
100%ige
Arbeitsfähigkeit ergeben
(S. 80).
Zur Frage der Arbeitsfähigkeit
führten die beteiligten Spezialisten zusammen
fassend aus, unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde sei der Beschwerdeführer aus
interdisziplinärer
Sicht
in der zuletzt ausgeübten Er
werbstätigkeit als Informatiker und Geschäftsführer
seit jeher
zu 100
%
ar
beitsfähig. Für sämtliche körperlich leichten Tätigkeiten ohne längeres Heben und Tragen von Lasten über zehn Kilogramm und ohne repetitive Beanspru
chung der rechten Hand bestehe ebenfalls
seit jeher
eine un
eingeschränkte Arbeits
fähigkeit
(S. 81 f.).
5.
5.1
Vorab ist
zu prüfen, ob aufgrund des Verhaltens der
B._
-
Experten
auf deren Voreingenommenheit zu schliessen ist (
Urk.
1 S. 4).
5.2
Für Sachverständige gelten grundsätzlich die gleichen Ausstands- und
Ableh
nungsgründe
, wie sie für Richter vorgesehen sind. Danach ist Befangenheit an
zu
nehmen, wenn Umstände vorliegen, die in objektiver Weise und nicht bloss aufgrund des subjektiven Empfindens der Partei geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit und Unvoreingenommenheit der sach
verständigen Person zu erwecken
. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche medizinischen Gutachten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit der begutachtenden Ärzte
ein strenger Massstab anzulegen (Urteil des Bundesge
richts 8C_905/2011 vom
6.
Juni 2012 E. 4.2).
5.3
Das Expertenverhalten während der Exploration kann objektiv den Anschein von Befangenheit erwecken. Zu denken ist etwa an Äusserungen, welche die Glaubhaftigkeit der Angaben des Exploranden oder der Explorandin zum Ge
sundheitszustand und zur Selbsteinschätzung der Arbeitsfähigkeit von vorn
he
rein mehr oder weniger offen verneinen, abschätzige Bemerkungen per
sön
licher Natur oder unter Umständen die Art und Weise, wie die Untersuchung durch
geführt wird und in diesem Zusammenh
ang auch die Dauer der Mass
nahme
. Die
Objektivität der Beurteilung steht auch in Frage, wenn die begutachtende Per
son von weitgehend sachfremden Kriterien auf Aspekte des Gesund
heitszustan
des schliesst, welche für die zumutbare Arbe
itsfähigkeit von Bedeutung sind
. Schliesslich kann die Abfassung einer medizinischen Expertise in beleidigendem Ton oder sonst auf unsachliche Art und Weise objektiv Zwei
fel an der Unvor
eingenommenheit der sachverständigen Person wecken.
Für die Frage, ob bestimmte Äusserungen oder das Verhalten des Experten oder der Expertin objektiv den Anschein der Befangenheit zu erwecken vermögen, kann allenfalls auch von Bedeutung sein, ob das Verhältnis zwischen der sach
verständigen und der zu explorierenden Person angespannt war, ohne dass An
haltspunkte für ein negatives
unkooperatives
Verhalten seitens d
er abzuklä
ren
den Person bestand.
Der Umstand, dass ein insbesondere im therapeutischen Kontext wichtiges Vertrauensverhältnis zwischen begutachtendem Arzt und
Pa
tient nicht hergestellt werden konnte, lässt jedoch nicht au
f Vor
ein
ge
nom
men
heit schliessen (Urteil des Bundesgerichts 8C_905/2011 vom
6.
Juni 2012 E.
4.2).
5.4
Weder im Umstand, dass der neurologische Facharzt von einem fast schon bizarr anmutenden
demonstrativen Schonverhalten – und nicht
Schmerzver
halten
(
Urk.
1 S. 4) – spricht (
Urk.
8/2/4.26 S. 57)
,
noch
in der unbelegten Rüge des Beschwerdeführers, wonach die Gutachter gestützt auf die lediglich einige Tage dauernde Observation auf eine
Regelmässigkeit der durch den Versicherten ausgeführten Tätigkeiten
ge
schlossen
hätten
(
Urk.
1 S.
4)
,
liegt ein Aspekt vor, der den Anschein der Befangenheit der
B._
-Sachverständigen begründen
könnte
.
Die Vorbringen
– wie auch die Akten –
vermögen
insbesondere keine Zweifel an der persönlichen Integrität
der
MEDAS
-Experten wie auch an ihrer
pflichtgemässen Ausübung der Gutachtertätigkeit aufkommen zu lassen.
Das Gutachten ist in einem sachlichen Ton gehalten, wobei einzig auf das wider
sprüchliche und demonstrative Verhalten des Beschwerdeführers hingewiesen wird.
Selbst wenn aufgrund der an mehreren Tagen beobachteten Tätigkeiten auf (noch) keine regelmässige Ausübung zu schliessen ist, erweckt dies für sich allein kein Anschein der Befangenheit
der
B._
-Experten
.
5.5
Entgegen der beschwerdeweise vertretenen Auffassung
(
Urk.
1 S. 5)
findet im
B._
-Gutachten eine Auseinandersetzung mit den abweichenden
Beurteilungen anderer Ärzte
statt
(
Urk.
8/2/4.26 S. 48 und S. 57 f.)
. So
legten die Experten
insbesondere
dar,
dass beziehungsweise
inwiefern das von
Dr.
C._
diagnosti
zierte CRPS II aufgrund des neurographischen B
efunds nicht nachvollziehbar sei
(
Urk.
8/2/4.26 S. 81 und S. 83). Sie hielten
zudem fest, dass die bisherigen me
di
zinischen Einschätzungen mit den in den Videoaufnahmen dokumentierten
Tätigkeiten und Aktivitäten nicht vereinbar gewesen seien (
Urk.
8/2/4.26 S. 82 f.).
5.6
D
a
s Gutachten des
B._
vom 1
2.
November 2012 ist demnach im üblichen Rah
men auf seine Beweiseignung
beziehungsweise
Beweisw
ertigkeit
hin zu über
prü
fen.
6.
6.1
In der von der IV-Stelle eingeholten Expertise
gelangten
die
B._
-Gutachter
in Kenntnis der relevanten
Vorakten
, gestützt auf die Ergebnisse
ihre
r
ein
lässli
chen allgemein-chirurgischen, orthopädischen, neurologischen, neuro
psy
cholo
gi
schen und
psychiatrischen Untersuchungen
und u
nter Berücksichti
gung der geklagten Beschwerden wie auch der Ergebnisse der Observation, die vor
lie
gend unbestrittenermassen rechtmässig erfolgt ist
(zur Beweissicherung und Observa
tion vor Ort vgl. Art. 59
Abs.
5 IVG und Art. 43 in Verbindung mit Art. 28
Abs.
2 A
TSG; BGE 137 I 327 E. 5.2 ff.) – mit nachvollziehbarer Begrün
dung
zum Schluss, dass die dargestellten Beschwerden und
Funktionseinschrän
kun
gen
nicht
durch ein organ-pathologisches Korrelat zu erklären sind
(vgl. zum Beweiswert eines Gutachtens E. 1.4
hievor
)
.
Sie legten einleuchtend dar, dass zwischen
den Angaben
des Beschwerdeführers
über die Auswirkungen des Lei
dens
im Rahmen
der Begutachtung
und d
en Ergebnissen der Überwachung eine deutliche Diskrepanz besteht.
D
a das Observationsmaterial
– auch ange
sichts der an mehreren Tagen stattgefunden
en
Überwachung –
ein zuverlässiges Bild über die Aktivitäten des Beschwerdeführers abgibt und
mittels medizini
scher Beurteilung
Rückschlüsse auf sein Leistungsvermögen erlaubt, ist g
estützt auf das
B._
-Gutachten
jedenfalls klar, dass
spätestens
ab dem Zeitpunkt der ersten Überwachung
sphase
im November 2009 eine vollständige Arbeitsfähig
keit in der bisherigen Tätigkeit best
and
.
6.2
Die
Einschätzung
der
B._
-Gutachter wird durch die Ergebnisse der Überwa
chung
und die Aktenbeurteilung von
Dr.
D._
gestützt.
Die Videoaufnahmen zeigen, dass der Beschwerdeführer
im Alltag in der Lage war,
seine rechte Hand deutlich intensiver zu beanspruchen, als er dies jeweils den behandelnden
Ärz
ten und Gutachtern erklärte.
So konnte die Überwachungsfirma den Beschwer
deführer
unter anderem dabei beobachten, wie er mit der rechten
Hand ohne erkennbare Behinderung
ein Garagentor verschloss, wie er während längerer Ze
it sein Mobiltelefon mühelos einhändig bediente, wie er ohne ersichtliche Funktionseinbusse sich mit der rechten Hand auf einer Rolltreppe in einem Bahnhof am rechten Handlauf abstützt
e
, wie er ohne auffallende Schwierigkei
ten einen
Billetautomaten
der SBB mit der rechten Hand bediente, wie er
wäh
rend Minuten
einen Regenschirm rechts hielt, wie er
ein handgeschaltetes
Auto
lenkte
und wie er wiederholt
ohne bedeutende Einschränkungen
in der rechten Hand einen Gegenstand mit sich führte
. Die erwähnten Tätigkeiten erledigte er jeweils ohne bedeutende Schonhaltung
en oder Anzeichen von Schmerzen
(
Urk.
8/3/10), wo
hingegen
er – im klaren Widerspruch dazu –
anlässlich
der Begutachtung von k
aum auszuhaltenden Schmerzen berichtete
(
Urk.
8/2/4.26 S.
35
, vgl. auch
Urk.
8/2/4.25 S. 3 f.
).
6.3
Die Vorbringen
in der B
eschwerde (
Urk.
1 S. 3 f.) rechtfertigen keine andere
Betrachtungsweise.
Soweit der
Beschwerdeführer vorträgt, der Umstand, dass er
als Rechtshänder
seine rechte Hand fast genauso einsetze wie seine linke zeige
eine
rechtsseitige
Einschränkung,
ist er darauf hinzuweisen,
dass für die Beur
teilung des Leistungsanspruchs einzig die objektiv bestehende Leistungsfähig
keit massgebend ist.
Aus diesem Grund ist insofern auch nicht bedeutsam, dass anlässlich der orthopädischen Untersuchung
eine Schwellung wie auch eine Rötung erkennbar war
en
, zumal bei den weiteren Abklärungen keine Schwel
lung bemerkt werden konnte (
Urk.
8/2/4.26 S. 38 f.).
Da auf das
effektiv gezeigte
Leistungsniveau abzustellen ist, ist ebenso ohne Belang, dass der Beschwerdeführer beim (schnelleren) Gehen mit dem rechten Arm eine beson
dere Position einnimmt
(
Urk.
8/2/4.26 S. 48). Dies gilt umso mehr, als ihn die Videoaufnahmen wiederholt beim spontanen Greifen respektive Tragen von verschiedenen Gegenständen mit der rechten Hand zeigen, wobei keine Behin
derung erkennbar war.
In diesem Zusammenhang ist ergänzend darauf hinzu
weisen, dass Schmerzen das funktionelle Leistungsvermögen grundsätzlich nicht aufheben (Urteil des Bundesgerichts I 994/06 vom 2
9.
August 2007 E. 3.3 mit Hinweisen).
Entgegen der beschwerdeweise vertretenen Auffassung beruht die
Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit
durch die
B._
-Gutachter auf den Ergebnissen ihrer fun
dierten Untersuchungen
.
Daran ändert nichts, dass sie ihre
Beurteilungen
unter Zuhilfenahme der Videoaufnahmen getroffen haben
,
bringt doch die
unmittel
bare Wahrnehmung einen anderen Erkenntnisgewinn
(vgl. BGE 137 I 327 E. 5.4.1)
. So
kontrastier
t
die
im Überwachungsfilm
gezeigte
Ausübung alltägli
cher Verrichtungen
mit der bislang geschilderten praktisch fehlenden Funk
ti
ons
fähig
keit
der rechten Hand. Im Rahmen der Begutachtung konnte sodann namentlich beim An- und Auskleiden keine relevante Einschränkung
bezüglich
Funktions
fähigkeit der rechten Hand beobachtet werden (8/2/4.26 S.
51 und S.
79).
6.4
Die
Beurteilung
von
Dr.
C._
(
Urk.
8/2/4.13 und
Urk.
8/2/4.23)
v
ermag keinen Zweifel an der Einschätzung
d
er gesundheitlichen Situation des Beschwerde
führers durch die
B._
-Gutachter
zu wecken
,
da die
durchgeführte
Untersu
chung
im Dezember 2008 und damit
ohne die Erkenntnisse der Observation
verfasst wurde.
Zudem ging Erstgenannter bereits damals davon aus, dass von einer weiteren ärztlichen Behandlung der Unfallfolgen eine namhafte Besserung des Gesundheitszustands zu
erwarten sei (
Urk.
8/2/4.13 S.
19), was im Rahmen der
knapp
ein Jahr später durchgeführten Überwachung auch bestätigt wurde. Auch d
ie
Bericht
e
von
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medi
zin, vom
1
7.
Juli 2010
, 2
3.
Februar 2011 und
4.
Januar 2012
(
Urk.
8/1/3.19
-20
), wobei
letztere jeweils auf einen unveränderten Gesundheitszustand hinw
ei
sen,
führen zu keinem anderem Ergebnis. Einerseits ist zu beachten, dass sich der betreffende Arzt in Bezug auf die Frage der zumutbaren Arbeitsfähigkeit in erster Linie auf die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers stützt
e
(
Urk.
8/1/3.19). Andererseits ist auch der Erfahrungstatsache Rechnung zu tra
gen, dass Hausärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 325 E. 3b/cc). Zudem wurden
die betreffenden Berichte
ebenfalls ohne Kenntnis der Observationsunterlagen erstellt.
6.5
Bei dieser Sachlage ist nicht ersichtlich, inwiefern die Einholung eines medizini
schen Gutachtens neue, für die Beurteilung des vorliegenden Falls entschei
dende Erkenntnisse liefern könnte (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157 E. 1d mit weiteren Hinweisen). Folglich ist darauf zu verzichten.
7.
Die Beschwerdegegnerin gewährte
dem Beschwerdeführer
bis am 3
1.
Juli 2009
ein Taggeld, das in der Folge durch das von der Invalidenversicherung aufgrund von Umschulungsmassnahmen zugesprochene Taggeld abgelöst wurde
(vgl. Art.
16
Abs.
3 UVG)
. Mit Verfügung vom 2
7.
Mai 2010 sistierte die IV-Stelle die Taggeldleistungen per sofort
(
Urk.
8/2/5.30)
und bestätigte die
Leistungsein
stellung
im nachfolgenden Hauptverfahren (
Verfügung vom 21. August 2013 [
Urk.
13
]
)
.
A
us dem
B._
-Gutachten und den im Rahmen der Überwachung gewonnenen Erkenntnisse
n
geht
hervor, dass die rechte Hand des Beschwerde
führers spätestens seit November 2009 wieder voll einsetzbar war
,
weshalb die
Beschwerdegegnerin
richtigerweise
einen erneuten, über den 27.
Mai 2010
hin
ausgehenden Taggeldanspruch verneint
e
.
Folglich
– und
nachdem
die
Beschwer
degegnerin
mit der Einstellung der Leistungen keine Rückforderung verknüpfte
(
vgl.
BGE 130 V 380 E. 2.3.1) –
ist die Einstellung der Taggelder mit Wirkung per 3
1.
Juli 2009
nicht zu beanstanden
, was auch für die Einstellung der Heilbehandlung per
8.
Februar 2013 gilt
.
Denn i
m massgebenden Zeitpunkt der Einstellung bestand gestützt auf die Expertise des
B._
schon seit mehreren Jahren wieder eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit.
Die Gutachter konnten keine Therapievorschläge zur Verbesserung des Gesundheitszustands des Be
schwerdeführers nennen (Urk. 8/2/4.26 S. 82)
,
und der Hausarzt des Versicher
ten
hielt
die
Anordnung therapeutischer Massnahmen – mit Ausnahme einer Behandlung mit traditioneller chinesischer Medizin
und der Einnahme von Schmerzmedikamenten
–
nicht mehr für indiziert (
Urk.
8/1/3.20 S. 3) Vor die
sem Hintergrund
und aufgrund der nicht ausreichend gezeigten
Behandlungs
bereitschaft
des Beschwerdeführers
konnte die Beschwerdegegnerin zu Recht davon auszugehen, dass von der Fortführung der Heilbehandlung keine nam
hafte Besserung des Gesundheitszustands mehr zu erwarten ist. Angesichts der
bis am 2
7.
Mai 2010 ausbezahlten Tagge
lder der Invalidenversicherung
und dem Umstand, dass dem Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt
die bisherige Tätigkeit
zu 100
%
zumutbar war, ist auch die Abweisung des Rentenbegehrens nicht zu be
anstande
n.
Damit erübrigen sich grundsätzlich auch Ausführungen zum
Valideneinkommen
, wobei darauf hinzuweisen ist, dass mit Entscheid vom 31. Oktober 2011 bereits rechtskräftig darüber entschieden wurde (
Prozess-Nr. UV.2010.00219 [Urk.
8/2/5.27]).
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
8.
8.1
Zu prüfen bleibt das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unent
geltlichen Rechtspflege (
Urk.
1 S. 2). Vorab ist anzumerken, dass das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung infolge Kostenlosigkeit des Verfahrens (
Art.
61
lit
. a ATSG)
ohnehin
hinfällig ist
.
8.2
Gemäss
Art.
61
lit
. f ATSG muss im Verfahren vor dem kantonalen
Versiche
rungsgericht
das Recht, sich verbeiständen zu lassen, gewährleistet sein. Wo die Verhältnisse es rechtfertigen, wir
d
der Beschwerde führenden Person ein unent
geltlicher Rechtsbeistand bewilligt (vgl. auch
Art.
29
Abs.
3 der Bundesverfas
sung).
Nach der Praxis sind die Voraussetzungen für die Bewilligung der unent
geltlichen Rechtsvertretung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos erscheint sowie die Partei bedürftig und die anwaltliche Vertretung notwendig oder doch geboten ist (SVR 2009 UV Nr. 12 S. 49; Urteil des Bundesgerichts 8C_107/2010 vom
2.
August 2010 E. 8.1 mit weiterem Hinweis).
8.3
Soweit der Besch
werdeführer die Bestellung eines
unentgeltlichen Rechtsvertre
ters verlangt, fehlt es an der zur Wahrung seiner Rechte erforderlichen Notwen
digkeit. Mit der Beschwerdeschrift vom 2
0.
September 2013 hat er gezeigt, dass er in der Lage ist, seine Interessen auf sich allein gestellt zu wahren. Weiteres qualifiziertes Mitwirken am Verfahren, welches eine unentgeltliche Vertretung rechtfertigen würde, war nicht erforderlich. Eine Prüfung der weiteren Voraus
setzungen (Bedürftigkeit/Nichtaussichtslosigkeit) für die Gewährung der unent
geltlichen Vertretung ist daher grundsätzlich nicht erforderlich. Es bleibt jedoch
anzumerken, dass der Beschwerdeführer das ihm mit Verfügung vom 2
1.
Okto
ber 2013 (
Urk.
10) zugestellte Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürf
tig
keit nicht eingereicht hat, weshalb androhungsgemäss ohnehin davon auszugehen wäre, dass keine prozessuale Bedürftigkeit besteht.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung ist daher abzuweisen.