Decision ID: 477a687d-8bbf-595a-a295-b707311d7d7b
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer stellte am 7. Januar 2021 im Bundesasylzen-
trum (BAZ) B._ ein Asylgesuch, nachdem er gleichentags aufgrund
der Bestimmungen der Verordnung der Europäischen Union (EU) Nr.
604/2013 (Dublin-III-Verordnung) von Amsterdam nach Zürich überstellt
worden war. Zur Überstellung kam es, weil der Beschwerdeführer am
14. September 2019 in Rotterdam, Niederlande, unter den Personalien
C._, geb. (...), ein Asylgesuch gestellt hatte, ihm aber gemäss Mel-
dung des zentralen Visa-Informationssystems (CS-VIS) am 20. Juni 2019
auf der Schweizer Botschaft in D._, E._, ein Schengen-Vi-
sum unter den rubrizierten Personalien erteilt worden war, welches vom
29. Juni 2019 bis 13. Juli 2019 gültig war, und somit die Schweiz für die
Prüfung seines Asylgesuchs zuständig sei.
A.b Der Beschwerdeführer wurde nach Einreichung seines Asylgesuchs
dem BAZ (...) zugeteilt. Anlässlich der dort durchgeführten Personalienauf-
nahme (PA) vom 18. Januar 2021, der Anhörung zu den Asylgründen vom
5. Februar 2021 sowie der ergänzenden Anhörung vom 15. April 2021
(nach Zuteilung vom 15. Februar 2021 ins erweiterte Verfahren) machte er
im Wesentlichen Folgendes geltend:
Er sei sierraleonischer Staatsangehöriger und am (...) geboren. Aufge-
wachsen sei er als Sohn eines strengen Imams in ärmlichen Verhältnissen.
Die Schule habe er (nur) bis zur Sekundarstufe besucht, weil sich seine
Eltern die Schulgebühren nicht mehr weiter hätten leisten können. Danach
habe er nichts mehr gemacht. Sein streng muslimischer Vater habe ihn
wiederholt aufgefordert, sich um seine Heirat zu kümmern. Konkrete An-
stalten, um ihn zu verheiraten, habe sein Vater jedoch nicht getroffen.
Anfangs zwanzig habe er sein Elternhaus verlassen und sei zu einem Kol-
legen nach F._ gezogen. Während er mit seinem Kollegen in des-
sen Wohnung zusammengewohnt habe, sei er von seinem Kollegen und
dessen Familie finanziert worden. In jener Zeit sei er von seinen Freunden
oftmals wegen seines weiblichen Körperbaus und Verhaltens gemobbt
worden, weshalb er seinen Körper als weiblich wahrgenommen habe und
nicht mehr mit Frauen habe zusammen sein wollen. Während des Zusam-
menlebens mit seinem Kollegen habe er dann bemerkt, dass er sich kör-
perlich zu Männern und vor allem zu seinem Kollegen hingezogen gefühlt
habe. Er habe dies, sowie die Tatsache, dass er sich als Frau wahrnehme,
jahrelang geheim gehalten. Anfangs Juli 2019 habe er diese Situation nicht
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mehr ertragen. Er habe versucht, sich seinem Kollegen, mit welchem er im
gleichen Bett geschlafen habe, körperlich zu nähern. Da dieser nicht darauf
reagiert habe, habe er (der Beschwerdeführer) ihn aufgeweckt, um mit ihm
über seine Gefühle zu sprechen. Daraufhin sei sein Kollege wütend gewor-
den, habe ihn beschimpft, mit einem Stock geschlagen und gedroht, wei-
teren Personen von seinen sexuellen Neigungen zu erzählen. Er sei des-
wegen aus der Wohnung zu einer Organisation namens «(...)» geflohen.
Bei dieser Organisation habe er G._ kennengelernt und diesem von
seinen Problemen berichtet. Dieser habe ihn bei sich wohnen lassen und
Abklärungen zu seinen geschilderten Problemen vorgenommen.
G._ habe herausgefunden, dass Bilder von ihm (dem Beschwerde-
führer) aufgehängt worden seien und er aufgrund seiner Sexualität von der
Polizei gesucht werde. Daraufhin habe G._ ihm mitgeteilt, dass er
Dokumente vorbereitet beziehungsweise organisiert habe, damit er das
Land verlassen könne. Vorgesehen sei gewesen, dass er für die Reise
nach Europa in den Restaurants von G._ arbeiten würde, um
dadurch die finanziellen Schulden zu begleichen. Eine direkte Gegenleis-
tung sei nicht vereinbart worden.
Am 22. oder 23. Juli 2019 habe er Sierra Leone verlassen und sei über
Guinea an die Elfenbeinküste gereist. Dort habe er auf der Schweizer Bot-
schaft die von einem Bekannten von G._ erhaltenen Unterlagen
eingereicht und daraufhin ein Schengen-Visum erhalten, mit welchem er
am 29. Juli 2019 von Guinea über Marokko in die Schweiz gereist sei. Bei
seiner Ankunft in der Schweiz habe eine Kontaktperson von G._
ihm seinen Pass abgenommen und ihn in die Niederlande gebracht, wo er
nach der Stellung seines Asylgesuchs Mitglied einer LGBTQ-Gemeinschaft
geworden sei. Dort habe er dann H._ kennengelernt, mit welchem
er in den Niederlanden eine (auch körperliche) Beziehung geführt habe.
Er befürchte, dass er bei einer Rückkehr nach Sierra Leone aufgrund sei-
ner Sexualität sowie seiner Identifizierung als Frau von der Gesellschaft
diskriminiert werde.
Zum Beweis seiner Vorbringen legte er Kopien verschiedener Mitgliedskar-
ten und Ausweisen sowie eine Mitgliedskarte der LQBTQ+-Organisation
aus den Niederlanden im Original und drei Schreiben von Drittpersonen ins
Recht.
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A.c Mit Schreiben vom 20. April 2021 gewährte die Vorinstanz dem Be-
schwerdeführer das rechtliche Gehör betreffend seine Identitätstäuschung,
da das SEM davon ausgehe, dass die Personalien des Beschwerdeführers
A._, geboren (...), lauten würden und nicht, wie im Asylgesuch gel-
tend gemacht, C._, geboren (...).
A.d Mit Stellungnahme vom 4. Mai 2021 reichte der Beschwerdeführer
eine Kopie eines Fotos einer im Jahr 2006 ausgestellten Geburtsurkunde,
die seine Schwester im Haus seiner Mutter gefunden habe, ein. Dies be-
lege seine Identität beziehungsweise sein Geburtsdatum.
B.
Mit Verfügung vom 20. Mai 2021 – eröffnet am 26. Mai 2021 – stellte die
Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte sein Asylgesuch vom 7. Januar 2021 ab und ordnete die Weg-
weisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
C.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 25. Juni 2021 liess der Be-
schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und
beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, ihm sei Asyl zu
gewähren, eventualiter sei die Unzulässigkeit allenfalls Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzuges festzustellen und ihm sei die vorläufige Auf-
nahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses und die Beiordnung eines amtlichen
Rechtsbeistands.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 30. Juni 2021 wies die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bei-
ordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes – nach summarischer Prüfung
infolge Aussichtslosigkeit – ab und forderte den Beschwerdeführer zur
Leistung eines Kostenvorschusses auf.
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E.
Am 12. Juli 2021 ging der Kostenvorschuss fristgerecht beim Bundesver-
waltungsgericht ein.
F.
Mit Schreiben vom 12. Juli 2021 – Eingang beim Bundesverwaltungsge-
richt am 14. Juli 2021 – reichte der Beschwerdeführer eine Fürsorgebestä-
tigung zu den Akten und setzte das Bundesverwaltungsgericht davon in
Kenntnis, dass seine Geburtsurkunde sowie ein Schulzertifikat zuhanden
des SEM sichergestellt worden seien.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
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Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
5.
5.1 Das SEM lehnte das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, weil die-
ser das SEM willentlich habe über seine Identität täuschen wollen und er
auch durch andere tatsachenwidrige und unglaubhafte Angaben generell
nicht habe glaubhaft machen können, dass er aufgrund einer Verfolgung
im Sinne von Art. 3 Abs. 1 und Abs. 2 AsylG schutzbedürftig sei.
5.1.1 Zur Begründung führte das SEM im Wesentlichen aus, dass ihm eine
CS-VIS Meldung vom 11. Januar 2021 vorliege, wonach dem Beschwer-
deführer bereits am 20. Juni 2019 auf der Schweizer Botschaft in
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D._, E._, ein Schengen-Visum erteilt worden sei. Gemäss
diesen Unterlagen würden die Personalien des Beschwerdeführers
A._, geboren am (...), Zivilstatus: «verheiratet», lauten. Gemäss ei-
nem offiziellen Bestätigungsschreiben vom 5. Juni 2019 des Ministeriums
für Information und Kommunikation, welches sich ebenfalls bei den Unter-
lagen befinde, sei er seit März 2013 als (...) tätig. Ein entsprechendes Ein-
stellungsschreiben sowie drei Lohnauszüge von Anfang 2019 seien zur Be-
stätigung eingereicht worden. Er hätte denn auch im Rahmen dieser Tätig-
keit vom 1. bis 12. Juli 2019 an einem offiziellen Meeting beziehungsweise
Kongress der (...) in der Schweiz teilnehmen sollen. Weiter würde sich bei
den Visumsunterlagen ein an die Schweizer Botschaft adressiertes Schrei-
ben der (...) in I._ vom 3. Juni 2019 befinden, worin eine Einladung
zur Veranstaltung (...) vom 1. bis 12. Juli 2019 bestätigt und um Beschleu-
nigung der Prüfung des Visumantrages gebeten worden sei. Diesem
Schreiben sei zudem ein Visa-Request-Formular von Ende Mai 2019, in
welchem bereits alle persönlichen Daten des Beschwerdeführers, wie Ge-
burtstag, Geburtsort sowie alle Informationen zu seinem Pass wie die
Passnummer, das Ausstellungs- und Ablaufdatum des Passes sowie An-
gaben zu seinem aktuellen Arbeitgeber und dem Reisegrund, aufgelistet
seien, angehängt worden. Die Online-Recherche des SEM habe sodann
ergeben, dass die im Schreiben an die Botschaft aufgelisteten Kontaktda-
ten mit denjenigen auf der offiziellen (...)-Webseite übereinstimmten. So-
dann fänden sich verschiedene auf den Beschwerdeführer lautende Bestä-
tigungen (Reiseversicherung, Flugbuchungen, Hotelreservation) in den Vi-
sumsunterlagen. Gemäss den Flugbuchungen habe der Reiseweg direkt
vom internationalen Flughafen in Freetown (Lunig International Airport,
Sierra Leone) über Conakry (Guinea) und Paris (Frankreich) in die Schweiz
geführt. Eine entsprechende Einreise in die Schweiz sei nicht erfasst wor-
den. Es wirke realitätsfremd, dass die Zufallsbekanntschaft G._, zu
welchem der Beschwerdeführer keinerlei substanziierte Informationen
habe geben können, innerhalb von zwei bis drei Wochen sämtliche Unter-
lagen für den Visumsantrag organisiert sowie den Pass beschafft haben
wolle. Zudem würden die vom Beschwerdeführer gemachten Aussagen, er
habe erst nach dem Vorfall Anfang Juli 2019 mit der Planung seiner Aus-
reise begonnen, sowie die Pass- und Unterlagenerhaltung Mitte Juli 2019
den vom SEM festgestellten Tatsachen des zeitlich viel früher gestellten
Visumsantrags widersprechen. Insgesamt würden zwischen den Angaben
des Beschwerdeführers und den im Visumsantrag festgehaltenen Informa-
tionen unvereinbare Widersprüche bestehen. Darauf angesprochen, habe
er lediglich ausgesagt, dass das SEM seine vorgebrachte Biografie halt
nachforschen müsse, wenn es ihm nicht glaube.
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Zur in Fotokopie eingereichten Geburtsurkunde führte das SEM aus, dass
nur amtliche Dokumente im Original für den Beweis der Identität als taug-
lich erachtet würden. Da der Beschwerdeführer zudem während des gan-
zen Asylverfahrens stets angegeben habe, keine Dokumente zu besitzen,
die seine Identität nachweisen beziehungsweise belegen würden, gehe es
davon aus, dass er sich diese Geburtsurkunde erst vor Kurzem habe an-
fertigen lassen. So stimme denn auch der Name der Mutter, welchen er bis
anhin mit J._ angegeben habe, nicht mit demjenigen auf der Ge-
burtsurkunde überein, wonach seine Mutter K._ heisse. Ebenfalls
nicht übereinstimmend sei sein angegebener Geburtsort L._, Pro-
vinz Western Area, da er laut Urkunde im 200 Kilometer entfernten
M._, Provinz Northern, geboren sei. Somit müsse davon ausgegan-
gen werden, dass er beabsichtigt habe, das SEM willentlich über seine
Identität zu täuschen.
5.1.2 Betreffend den biografischen Hintergrund des Beschwerdeführers
führte das SEM aus, dass seine diesbezüglichen Angaben generell sehr
vage und unverbindlich ausgefallen seien. Über sein Leben nach dem Um-
zug zu seinem Kollegen sowie zur Beziehung zu diesem habe er nur
knapp, vage und unpersönlich zu berichten vermocht. Auch sei er nicht im
Stande gewesen sein eigenes Alter korrekt zu benennen. Weshalb er sein
Alter mehrmals falsch angegeben habe, habe er nicht darzulegen ver-
mocht.
Weiter seien die Schilderungen betreffend die Auseinandersetzung mit sei-
ner sexuellen Orientierung plakativ und wenig realitätsnah ausgefallen. Die
geschilderten Erfahrungen und Emotionen des Beschwerdeführers zu sei-
nem ersten sexuellen Kontakt sowie die Beziehung zu H._ in den
Niederlanden seien ferner knapp, widersprüchlich, stereotyp und kaum er-
lebnisprägend ausgefallen. Zudem habe er kein differenziertes Bild seiner
Gedanken beziehungsweise Gefühlswelt nach dem ersten gleichge-
schlechtlichen sexuellen Kontakt zu zeichnen vermocht. Die in diesem Zu-
sammenhang eingereichten Schreiben von Dritten bezüglich seiner Sexu-
alität sowie der Zugehörigkeit zur LQBTQ+-Gemeinschaft seien als Gefäl-
ligkeitsschreiben zu taxieren. Sodann werde seine Mitgliedschaft in der
LQBTQ+-Vereinigung als rein berechnendes Verhalten angesehen, wel-
ches nur den Zweck erfüllen solle, die konstruierten Asylvorbringen zu un-
termauern.
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Seite 9
5.2
5.2.1 In der Beschwerde wird dagegen im Wesentlichen eingewendet,
dass die Ausführungen des Beschwerdeführers allesamt glaubhaft seien,
und die vorinstanzliche Verfügung damit Art. 7 AsylG aber zudem auch
Art. 3 AsylG und damit Bundesrecht verletze.
5.2.1.1 Der Beschwerdeführer habe sämtliche ihm möglichen Aussagen zu
seiner Visumserteilung gemacht. Weitere Erklärungen könne er nicht lie-
fern, da G._ sämtliche Unterlagen beschafft habe. Er habe diese
lediglich auf der Botschaft vorgewiesen, ohne sie vorher anzuschauen.
G._ müsse für die unterschiedlichen Angaben verantwortlich sein.
Es erstaune sodann nicht, dass dieser Zugang zu Fälschern und behördli-
chen Dokumenten gehabt habe, handle es sich bei ihm doch um einen
europäischen Grosseigentümer mit mehreren Etablissements in Europa
und dementsprechenden Einfluss in Sierra Leone. Einige der in den Unter-
lagen verwendeten E-Mail-Adressen begründeten jedoch den Verdacht,
dass G._ lediglich Namen von Staatsdienern verwendet habe, um
so gefälschte Unterlagen produzieren zu können. Hinzukomme, dass
Sierra Leone beim (...) 2019 nicht vertreten gewesen sei. Folglich habe die
Schweizer Vertretung in D._ die überaus auffälligen Unterlagen
nicht genügend geprüft.
Sodann sei entgegen der vorinstanzlichen Behauptung sehr wohl eine Ge-
genleistung für die Beschaffung der Unterlagen vereinbart worden. Der Be-
schwerdeführer hätte, um seine Schulden abzubezahlen, in den Restau-
rants von G._ in Europa arbeiten sollen. Nur weil die Schweizer
Vertretung bei der Visumausstellung getäuscht worden sei, könne nicht da-
von ausgegangen werden, dass die Angaben der CS-VIS Meldung mit den
tatsächlichen Angaben des Beschwerdeführers übereinstimmten. Ausser-
dem werde durch die nunmehr auf beschwerdeebene im Original einge-
gangene Geburtsurkunde bestätigt, dass er am (...) geboren sei. Verheira-
tet mit einer Frau sei er als homosexueller Mann nicht gewesen.
Weiter führte er aus, dass, wenn er eine höhere Schule für Informatik
besucht hätte und einer gut bezahlten Tätigkeit in der sierraleonischen
Verwaltung nachgegangen wäre, er wohl kaum sein Leben aufgegeben
hätte, um in der Schweiz Asyl zu beantragen. Von der Vorinstanz dürfe
erwartet werden, dass sie bei solch widersprüchlichen Biografien
Abklärungen tätige und selbstständig die Biografie des Beschwerdeführers
nachprüfe, bevor sie seine Schilderungen als unglaubhaft einstufe, zumal
der Beschwerdeführer die Vorinstanz auch dazu aufgefordert habe.
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Die angeblichen Widersprüche zwischen den Angaben der
Geburtsurkunde und den Aussagen des Beschwerdeführers liessen sich
damit erklären, dass er gar nicht gewusst habe, wo genau er geboren
worden sei, weshalb er den Ort N._ genannt habe, wo er seine
ersten Lebensjahre verbracht habe. Den Namen seiner Mutter habe er
nicht richtig angegeben, weil er nur an ihren umgangssprachlichen Namen
gedacht habe. Sodann habe er die Geburtsurkunde nicht früher einreichen
können, weil er sein Elternhaus bereits vor vielen Jahren verlassen und
nichts über die Existenz der Urkunde gewusst habe, weshalb er
angenommen habe, dass er seine Identität nicht nachweisen könne.
Nachdem die Vorinstanz ihm mitgeteilt habe, dass sie mangels eines
Identitätsnachweises seine Biografie nicht glaube, habe er seine
Schwester gebeten, das Haus nach allfälligen Unterlagen zu durchforsten.
Es handle sich diesbezüglich um eine legitime und glaubwürdige
Erklärung. Insofern sei nicht nachvollziehbar, wie die Vorinstanz zum
Schluss gelange, dass es sich bei der Geburtsurkunde um eine kürzlich
angefertigte Fälschung handle, da diesbezüglich keinerlei Hinweise
bestehen würden.
5.2.1.2 Betreffend die Freundschaft zu seinem Kollegen in Sierra Leone sei
seinen Schilderungen deutlich zu entnehmen, dass das Fundament der
gemeinsamen Freundschaft ihr offener Umgang miteinander gewesen sei.
Er habe sodann ausgesagt, seinen Geburtstag jeweils nicht zu feiern, wes-
halb er sein konkretes Alter nicht immer genau wisse. Er könne sich jeweils
nur merken, wie alt er im jeweiligen Jahr sein werde, was der Grund für
seine falschen Angaben gewesen sei.
Was seine Homosexualität anbelange, habe er davon berichtet, wie er sich
zu seinem Kollegen in Sierra Leone hingezogen gefühlte habe, was er an
Männern anziehend finde, seine erste sexuelle Erfahrung mit einem Mann
geschildert und von seiner Beziehung mit H._ berichtet. Die be-
schwerdeweise neu ins Recht gelegten Fotos, würden ihn sowie auch
H._ im LGBTIQ freundlichen Umfeld zeigen. Den ebenfalls neu zu
den Akten gereichten Chatverläufen und Anruflisten lasse sich zudem ent-
nehmen, dass er weiterhin eine Fernbeziehung mit H._ führe und
sie täglich telefonieren oder sich Sprachnachrichten schicken würden. So-
dann müsse berücksichtigt werden, dass die ergänzende Anhörung nicht
in seiner Muttersprache stattgefunden habe, sondern in Englisch. Er sei
somit «gezwungen» gewesen, über seine Gefühle und seine Beziehung in
einer Fremdsprache zu berichten. Die Vorinstanz habe ihn gefragt, ob er
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Seite 11
mehr hätte erzählen können, wenn die Anhörung in seiner Muttersprache
stattgefunden hätte, was er bejaht habe. Der Vergleich mit der ersten An-
hörung, welche in Krio stattgefunden habe und wonach der Beschwerde-
führer weniger detailliert ausgesagt habe, greife nicht, da bei der ergän-
zenden Anhörung Vertrauenspersonen von Queeramnesty ihn begleitet
und ihn dadurch ermutigt hätten, offen über seine Sexualität und die damit
einhergehenden Erfahrungen zu sprechen. Es liege somit ein Verfahrens-
mangel vor.
Weiter brachte der Beschwerdeführer vor, dass die Vorinstanz seine Ge-
schlechteridentifikation nicht genügend geprüft habe, obwohl diese einen
wichtigen Bestanteil seiner Fluchtgründe darstelle.
6.
Vorab ist die durch den Beschwerdeführer monierte Verletzung des recht-
lichen Gehörs im vorinstanzlichen Verfahren zu prüfen.
Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes we-
gen fest. Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29
Abs. 2 BV, Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG), welches alle Befugnisse um-
fasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirk-
sam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35
E. 6.4.1). Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich zur
Sache zu äussern, erhebliche Beweismittel beizubringen und mit erhebli-
chen Beweisanträgen gehört zu werden. Mit dem Gehörsanspruch korre-
liert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft
zu prüfen und in ihrer Entscheidung angemessen zu berücksichtigen. Die
Begründung muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person den Ent-
scheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (vgl. BGE 136 I 184
E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b).
Den Akten lässt sich entnehmen, dass für die ergänzende Anhörung des
Beschwerdeführers vom 15. April 2021 eine Krio sprechende Dolmetsche-
rin vorgesehen war, diese jedoch am Abend des 14. April 2021 den Termin
absagte. Infolge dieser späten Mitteilung sei bei der damaligen Rechtsver-
tretung des Beschwerdeführers niemand mehr erreichbar gewesen, wes-
halb am 15. April 2021 der Beschwerdeführer, seine damalige Rechtsver-
treterin sowie eine Begleitperson anreisten. Auf Bitten der damaligen
Rechtsvertreterin und unter ihrem ausdrücklichen Einverständnis sowie
demjenigen des Beschwerdeführers sei daraufhin ein Englisch sprechen-
der Ersatzdolmetscher für den Nachmittag aufgeboten worden. Am Morgen
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Seite 12
– vor der Buchung des Nachmittagstermins – habe ein kurzes Telefonge-
spräch zwischen dem Beschwerdeführer und dem Ersatzdolmetscher
stattgefunden, um zu prüfen, ob die beiden sich verstehen würden (vgl.
zum Ganzen SEM-Akte 1085199-30/1). Von einem angeblichen «Zwang»,
in einer Fremdsprache berichten zu müssen, kann somit - entgegen den
Ausführungen der jetzigen Rechtsvertreterin - offensichtlich nicht gespro-
chen werden. Dem Anhörungsprotokoll lässt sich sodann entnehmen, dass
der Beschwerdeführer angegeben hat, den Dolmetscher gut beziehungs-
weise sehr gut verstanden zu haben (SEM-Akte 1085199-29/16, F1 und
F127). Der Beschwerdeführer wurde zudem ausdrücklich danach gefragt,
ob er sich in seiner Muttersprache mehr hätte äussern können. Diese
Frage bejahte er zwar. Auf Nachfrage hin, was er denn mehr hätte berich-
ten können, wusste er aber keine Antwort zu geben (SEM-Akte 1085199-
29/16, F90 – F94). Hätte der rechtlich vertretene Beschwerdeführer tat-
sächlich weitere Ausführungen machen wollen, hätte er sich auch selbst-
ständig mit einem Schreiben direkt an die Vorinstanz wenden können. So-
dann wird in der Beschwerdeschrift nicht konkret dargelegt, was die Vor-
instanz betreffend die sexuelle Orientierung des Beschwerdeführers noch
an Sachverhaltsabklärungen hätte vornehmen sollen, zumal er ja selbst
ausführt, dass er sich anlässlich der Anhörung intensiv mit seiner eigenen
Sexualität auseinandergesetzt und sein Interesse an Männern detailreich
und voller persönlicher Elemente mit den Anwesenden Personen geteilt
habe (vgl. N 41 der Beschwerdeschrift). Die formelle Rüge erweist sich
dementsprechend als unbegründet.
7.
In der Beschwerde wird sodann in materieller Hinsicht gerügt, das SEM
habe Bundesrecht verletzt, indem es die Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers zu Unrecht als unglaubhaft erachtet habe.
7.1
7.1.1 Der Beschwerdeführer hält beschwerdeweise daran fest, dass er
sämtliche Dokumente, welche er zur Visumserteilung bei der Botschaft vor-
gelegt habe, von G._ erhalten und diese selbst nicht angeschaut
habe. Seine Personalien liessen sich der im Original bei den Akten liegen-
den Geburtsurkunde entnehmen.
Nach Durchsicht der Akten kommt das Gericht zum Schluss, dass die vor-
instanzlichen Erwägungen nicht zu beanstanden sind. In der angefochte-
nen Verfügung wird einlässlich dargelegt, weshalb die Vorbringen des Be-
schwerdeführers unglaubhaft ausgefallen sind. Um Wiederholungen zu
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Seite 13
vermeiden, kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen in der
angefochtenen Verfügung verwiesen werden mit folgenden Ergänzungen:
Bei den vom Beschwerdeführer beschwerdeweise geltend gemachten Un-
gereimtheiten in Bezug auf die bei der CS-VIS Meldung verwendeten E-
Mailadressen und Teilnehmerlisten, sowie beim Hinweis, bei G._
müsse es sich um einen europäischen Grosseigentümer mit entsprechen-
dem Einfluss handeln, handelt es sich um blosse Behauptungen. Diese
vermögen nichts daran zu ändern, dass der Visumsantrag mit den rubri-
zierten Personalien des Beschwerdeführers bereits am 3. Juni 2019 ge-
stellt worden ist, zu einem Zeitpunkt also, als der Beschwerdeführer noch
überhaupt keinen Fluchtgrund hatte. Gibt er doch selbst zu Protokoll, dass
sich der Vorfall mit seinem Kollegen, welcher das ausschlaggebende Er-
eignis für seine Flucht gewesen sei, erst anfangs Juli 2019 ereignet habe
(SEM-Akte 1085199-18/12, F77, F80, F82; 1085199-29/16, F77 und F78).
Zur nunmehr im Original eingegangenen Geburtsurkunde sowie den vom
Beschwerdeführer behaupteten Personalien ist folgendes festzuhalten:
Das Bundesverwaltungsgericht hat bereits früher festgestellt, dass
Geburtsurkunden Sierra Leones nicht fälschungssicher sind und diese
Dokumente käuflich erworben werden können (vgl. Urteil des BVGer D-
7271/2014 vom 28. Juli 2015 E. 4.3). Vorliegend füllte der
Beschwerdeführer das Personalienblatt eigenständig aus, gab dabei das
rubrizierte Geburtsdatum ([...]) sowie den Namen seiner Mutter mit
«J._» an (SEM-Akte 1085199-1/2). Anlässlich der PA gab er dann
zu Protokoll, er sei am (...) in N._ geboren. Der Name seiner Mutter
entsprach demjenigen des Personalblatts (SEM-Akte 085199-11/9). Im
weiteren Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens hielt der
Beschwerdeführer sodann an seinem behaupteten Geburtsdatum ([...])
fest. Weiter führte er aus, dass er keinen Kontakt mehr zu seiner Familie
habe (SEM-Akte 1085199-18/12, F22; 1085199-29/16, F35). Erst auf
ausdrückliche Nachfrage seiner Rechtsvertreterin sowie Ergänzungsfrage
der fragestellenden Person hin, gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, er
habe nach seiner Ausreise Kontakt über WhatsApp mit seiner Schwester
und seiner Mutter gehabt (SEM-Akte 1085199-29/16, F68 und F69).
Zudem hielt er bis und mit seiner ergänzenden Anhörung vom 15. April
2021 beharrlich daran fest, dass es ihm nicht möglich sei, Identitätspapiere
zu beschaffen (SEM-Akte 1085199-18/12, F51 und F52; 1085199-29/16,
F124). Erst nachdem er damit konfrontiert worden war, dass dem SEM
Beweise vorlägen, wonach seine Personalien beziehungsweise seine
gesamte Lebensgeschichte nicht derjenigen entspreche, welche er im
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Verfahren geltend gemacht habe, war es ihm innert 18 Tagen ohne jegliche
Schwierigkeiten möglich, ein Foto seiner (angeblichen) Geburtsurkunde
einzureichen. Als Begründung führte er an, seine Schwester habe die
Geburtsurkunde im Elternhaus gefunden. Weshalb er seine Schwester –
mit welcher er in Kontakt stand – nicht schon früher angewiesen hat, nach
allfälligen Dokumenten zu suchen, welche seine Geschichte sowie seine
Identität belegen könnten, ist für das Gericht nicht nachvollziehbar,
insbesondere deshalb, weil er während des Verfahrens oft genug auf seine
Mitwirkungspflicht hingewiesen wurde (SEM-Akte 1085199-11/9, S. 3;
1085199-18/12, F2; 1085199-29/16, F2, F124). Da die Fotokopie mit der
vor dem Bundesverwaltungsgericht eingereichten Geburtsurkunde
übereinstimmt, kann auch diesbezüglich auf die korrekten Ausführungen
des SEM verwiesen werden. Zumal der beschwerdeweise geltend
gemachte Einwand, der Name seiner Mutter stimme nur deshalb nicht mit
demjenigen der Geburtsurkunde überein, weil er den
umgangssprachlichen Namen genannt habe, schlicht nicht zu überzeugen
vermag, da es sich dabei um zwei komplett unterschiedliche Namen
handelt.
7.1.2 Asylsuchende sind gesetzlich dazu verpflichtet, an der Feststellung
des Sachverhalts mitzuwirken. Insbesondere müssen sie ihre Identität of-
fenlegen und Reisepapiere sowie Identitätsausweise abgeben (Art. 8
Abs. 1 Bst. a und b AsylG). Eine Verletzung der Mitwirkungspflicht im Rah-
men der freien Beweiswürdigung ist bei der Entscheidfindung zu berück-
sichtigen und die beweisbelastete Partei, die ihre Mitwirkungspflicht ver-
letzt, hat die Folgen einer allfälligen Beweislosigkeit zu tragen, indem die
Behörde auf weitere Abklärungen verzichtet und aufgrund der bestehen-
den Aktenlage entscheidet (vgl. BVGE 2008/46 E. 5.6.1; Urteil des BVGer
A-1987/2016 vom 6. September 2016 E. 8.7.4.1; siehe ferner Art. 40 BZP
i.V.m. Art. 19 VwVG; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem
Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 3.123; CLÉMENCE GRISEL,
L'obligation de collaborer des parties en procédure administrative, 2008,
Rz. 795 ff.).
Aufgrund dieser Rechtsprechung ist es vorliegend nicht Aufgabe der Vor-
instanz, die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Identität noch weiter
zu überprüfen. Das Bundesverwaltungsgericht kommt somit nach dem Ge-
sagten in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass der Be-
schwerdeführer willentlich versucht hat, die Asylbehörden über seine Iden-
tität zu täuschen.
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7.2 Betreffend die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Homosexua-
lität und dem damit einhergehenden Ereignis, welches ihn (angeblich) zur
Flucht veranlasst habe, ist folgendes festzuhalten: Der Beschwerdeführer
gibt an, dass er mehrere Jahre mit seinem besten Kollegen in einer Woh-
nung gewohnt habe. Was genau er während dieser Jahre getan habe, ver-
mochte er nicht zu schildern (SEM-Akte 1085199-29/16, F11 – F15). Weiter
war es ihm nicht möglich, ausführlich von seiner langen Freundschaft zu
seinem Kollegen zu berichten, er gab lediglich an, dass sie gemeinsam zu
Schule gegangen seien, er ihn finanziell unterstützt habe und sie alles mit-
einander geteilt hätten (SEM Akte 1085199-18/12, F12; 1085199-29/16,
F24 – F28). Von konkreten gemeinsamen Erlebnissen während ihrer
Freundschaft vermochte er nicht zu berichten, insgesamt fielen die Aussa-
gen des Beschwerdeführers nur vage, allgemein beziehungsweise gera-
dezu nichtssagend aus (SEM-Akte 1085199-29/16, F25).
Der Beschwerdeführer gab betreffend seine Homosexualität sowie seine
Identifizierung als Frau primär folgendes, ausschlaggebendes Ereignis an:
Bevor er bei seinem Kollegen eingezogen sei, sei er von seinen Freunden
gemobbt worden. Diese hätten gesagt, dass er sich wie eine Frau be-
nehme und auch so bewege. Sein Körper sehe aus, wie der einer Frau und
daraufhin habe er sich entschieden, nicht mehr mit Frauen zusammen zu
sein, woraufhin er dann Gefühle für seinen Kollegen entwickelt habe (SEM-
Akte 1085199-18/12, F55; 1085199-29/16, F40 und F41). Anlässlich der
ergänzenden Anhörung führte der Beschwerdeführer zwar etwas ausführ-
licher aus, was ihm an Männern gefalle, sowie von ersten sexuellen Erfah-
rungen mit Männern, die Aussagen fielen jedoch auch diesbezüglich wenig
differenziert und erlebnisprägend aus (SEM-Akte 1085199-29/16, F50 –
F63). Daran vermögen auch die neu ins Recht gelegten Fotos und
Screenshots von WhatsApp nichts zu ändern, da sie nicht geeignet sind,
um daraus auf die Homosexualität beziehungsweise die Identifizierung des
Beschwerdeführers als Frau zu schliessen. Den Fotos lässt sich entgegen
den Behauptungen in der Beschwerdeschrift nicht entnehmen, dass diese
in einem LGBTIQ freundlichen Umfeld aufgenommen wurden, da jegliche
Hinweise, welche auf ein solches Umfeld schliessen lassen könnten, feh-
len. Genau so wenig beweisen die WhatsApp Screenshots, dass der Be-
schwerdeführer sich nach wie vor ihn einer Beziehung mit H._ be-
findet.
7.3 Das Bundesverwaltungsgericht kommt demnach in Übereinstimmung
mit der Vorinstanz zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht
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standhalten. Andere Asylgründe als die als unglaubhaft qualifizierte Homo-
sexualität bringt er nicht vor und sind auch nicht ersichtlich. Dementspre-
chend erfüllt der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht. Das
SEM hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Wegweisungshindernisse sind grundsätzlich von Amtes wegen zu prü-
fen. Diese Untersuchungspflicht findet jedoch nach Treu und Glauben ihre
Grenzen in der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person (Art. 8
AsylG), die im Übrigen auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7 AsylG).
Es kann daher nicht Sache der Asylbehörden sein, nach allfälligen Weg-
weisungsvollzugshindernissen zu forschen (vgl. EMARK 2005 Nr. 1
E. 3.2.2 S. 4 f.).
9.3 Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, besteht, da der Be-
schwerdeführer über die Identität getäuscht hat, kein Grund zur Annahme
allfälliger Hinweise auf die Flüchtlingseigenschaft. Bei dieser Sachlage
kann auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1
AsylG nicht angewandt werden. Die allgemeine Menschenrechtslage in
Sierra Leone lässt den Vollzug der Wegweisung zum heutigen Zeitpunkt
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nicht als unzulässig erscheinen. Ferner ergeben sich aus den Akten keine
Anhaltspunkte dafür, dass dem Beschwerdeführer im Fall einer Rückkehr
in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3
EMRK verbotene Strafe oder Behandlung droht. Im Übrigen ist vollumfäng-
lich auf die korrekten Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen, wonach
keine Gründe vorliegen, welche gegen die Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs sprechen würden.
9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Deckung
dieser Kosten zu verwenden.
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