Decision ID: baeda31e-dfb0-5f17-a12a-5bf5a203ff4c
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die in der Schweiz niederlassungsberechtigte und um (...) Jahre ältere
Schwester der Beschwerdeführerin (B._; ebenfalls N [...]; im (...)
als Flüchtling in der Schweiz vorläufig aufgenommen und im (...) in das
Asyl ihres Ehemannes einbezogen) stellte am 26. September 2012 zu-
gunsten der damals noch in Eritrea wohnhaft gewesenen Beschwerdefüh-
rerin schriftlich ein «Asylgesuch aus dem Ausland» (inkl. Gesuch um Be-
willigung der Einreise in die Schweiz) gemäss dem damals in Kraft gewe-
senen (per 29. September 2012 aber aufgehobenen) Art. 20 AsylG
(SR 142.31). Das Gesuch wurde mit dem Umstand begründet, dass das
Beziehungsnetz der Beschwerdeführerin, die bei (...) die Mutter verloren
habe, in Eritrea insbesondere nach Verhaftungen und Ausreisen von An-
gehörigen der eigenen und der Schwiegerfamilie zerbrochen sei.
B._ sei schon in Eritrea wie eine Mutter zur Beschwerdeführerin
gewesen und es sei der ausdrückliche Wille der Beschwerdeführerin, zu
ihr in die Schweiz zu kommen. Nebst einer Vertretungsvollmacht der Be-
schwerdeführerin gab B._ als Beweismittel den Taufschein der Be-
schwerdeführerin, Fotos und einen handschriftlichen, unterzeichneten
Brief der Beschwerdeführerin zu den Akten.
Am 15. August 2014 erteilte das SEM antragsgemäss die Einreisebewilli-
gung für die inzwischen mit den betagten Schwiegereltern von B._
nach Äthiopien ausgereiste Beschwerdeführerin gestützt auf den (zwar for-
mell aufgehobenen, aber gemäss den Übergangsbestimmungen noch an-
wendbaren) aArt. 20 Abs. 2 AsylG. Am 2. Oktober 2015 orientierte
B._ das SEM über das zwischenzeitliche Versterben ihrer Schwie-
gereltern.
B.
Die Beschwerdeführerin reiste in Beanspruchung der ihr gewährten Einrei-
sebewilligung am 6. November 2015 in die Schweiz und meldete sich an-
weisungsgemäss zusammen mit B._ am 9. November 2015 beim
Migrationsamt des Wohnsitzkantons von B._. Dort wurde gleichen-
tags ein «Meldeformular für den Eltern nachgereiste Kinder unter 14 Jah-
ren» erstellt und von B._, der kantonalen Behörde sowie der Dol-
metscherin unterzeichnet. Mit Entscheid der zuständigen Kindes- und Er-
wachsenenschutzbehörde vom (...) 2016 wurde B._ und ihrem
Ehemann formell eine Pflegeplatzbewilligung für die Beschwerdeführerin
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erteilt. Am 17. August 2016 mandatierte die Beschwerdeführerin eine
Rechtsvertreterin betreffen ihr Asylverfahren.
Das SEM führte am 15. Juni 2017 eine Anhörung der Beschwerdeführerin
(im Beisein ihrer Rechtsvertreterin) zu ihren Asylgründen durch. Dabei
machte diese im Wesentlichen Folgendes geltend: Sie stamme aus
C._ (Eritrea), habe dort mit B._ und einem Bruder, der spä-
ter nach D._ ausgereist sei, zusammengelebt und verfüge über
eine dreijährige Schulbildung. Ihre Mutter sei bei (...) gestorben und ihr
Vater sei wegen des Glaubens – er gehöre wie die ganze Familie der (...)
an – lange in Haft gewesen, weshalb sie ihn nur von Fotos kenne. Er sei
nun aus gesundheitlichen Gründen aus dem Gefängnis entlassen worden.
Sie habe telefonischen Kontakt mit ihm. Zwei weitere Geschwister lebten
bei den Grosseltern in Eritrea, jedoch habe sie mit diesen keinen Kontakt.
Als B._ ungefähr im Jahre (...) aus ihr nicht bekannten Gründen
aus Eritrea geflüchtet sei, sei sie in die Obhut der Eltern des Ehemannes
von B._ gekommen. Mit dieser Familie sei sie in E._ wohn-
haft gewesen und später – sie sei damals in der 4. Klasse gewesen – zu
Fuss nach Äthiopien ausgereist, wo sie an verschiedenen Orten und ins-
besondere in einem UNHCR-Flüchtlingscamp gelebt hätten. Den Grund
der Ausreise aus Eritrea kenne sie nicht. An irgendwelche persönlichen
Probleme in Eritrea könne sie sich nicht erinnern; auch in Äthiopien habe
sie keine Probleme gehabt. Es sei stets ihr eigener Wunsch und jener von
B._ gewesen, sich in der Schweiz wieder zu vereinen. Als die Eltern
des Ehemannes von B._ gebrechlich geworden und alsbald gestor-
ben seien, sei sie von B._ in die Schweiz geholt worden. Eine Rück-
kehr nach Eritrea sei für sie nicht gänzlich undenkbar, aber laut B._
sei es nach einer illegalen Ausreise schwierig dorthin zurückzukehren.
C.
Am 20. Februar 2018 erhielt die Beschwerdeführerin antragsgemäss Ein-
sicht in die Asylverfahrensakten.
D.
Mit Verfügung vom 27. Februar 2018 stellte das SEM fest, die Beschwer-
deführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte deren Asyl-
gesuch ab. Gleichzeitig ordnete es ihre Wegweisung aus der Schweiz an.
Hingegen verzichtete das SEM infolge Unzumutbarkeit auf den Vollzug der
Wegweisung (in den Heimat- oder in einen Drittstaat) und gewährte ihr die
vorläufige Aufnahme in der Schweiz.
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Seite 4
Da diese Verfügung versehentlich nur der Beschwerdeführerin und nicht
auch der Rechtsvertreterin zugestellt worden war, erliess das SEM in der
Folge eine inhaltsgleiche, aber mit dem neuen Entscheiddatum des
19. März 2018 und dem Vermerk «Ersetzt unseren Entscheid vom 27. Feb-
ruar 2018» versehene Verfügung. Diese wurde am 20. März 2018 rechts-
gültig eröffnet.
E.
Mit Eingabe vom 18. April 2018 erhob die Beschwerdeführerin persönlich
und ohne Beizug ihrer zu jenem Zeitpunkt rechtsgültig mandatierten
Rechtsvertretung «gegen die Entscheidung von 27. Februar 2018» Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Darin beantragt sie sinnge-
mäss die Aufhebung des angefochtenen Entscheids, die Feststellung ihrer
Flüchtlingseigenschaft, die Gewährung des Asyls und den Verzicht auf die
Wegweisung. Mit Eingabe vom 16. Mai 2018 (Datum des Poststempels)
gab sie ferner je in Kopie das Asylgesuch vom 26. September 2012, das
Anhörungsprotokoll vom 15. Juni 2017 und die Verfügung vom 19. März
2018 zu den Beschwerdeakten.
F.
Mit Instruktionsverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 25. April
2018 wurde zum einen auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ver-
zichtet und zum andern das SEM zur Vernehmlassung bis zum
11. Mai 2018 eingeladen. Bei dieser Gelegenheit wurde das SEM um Be-
antwortung der Frage ersucht, weshalb sich das Protokoll der in der ange-
fochtenen Verfügung erwähnten summarischen Befragung vom 9. Novem-
ber 2015 durch das kantonale Migrationsamt nicht in den Akten befinde
beziehungsweise ob es sich beim „Meldeformular“ (vorinstanzliche Akte
C18) um das besagte Aktenstück handle.
Mit Vernehmlassung vom 4. Mai 2018 beantragt das SEM unter Verwei-
sung auf seine Erwägungen im angefochtenen Entscheid sinngemäss die
Abweisung der Beschwerde. Die in der Instruktionsverfügung vom 25. April
2018 gestellte Frage beantwortete das SEM dahingehend, dass für die Be-
schwerdeführerin keine Befragung zur Person stattgefunden habe, da sie
im November 2015 noch nicht vierzehn Jahre alt gewesen sei; vielmehr
habe sie sich in Begleitung ihrer Schwester direkt beim kantonalen Migra-
tionsamt gemeldet, wo das besagte Meldeformular ausgefüllt worden sei.
Am 8. Mai 2018 wurde die Vernehmlassung der Beschwerdeführerin zur
Kenntnis gebracht.
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Seite 5
G.
Im November 2018 erfolgte ein organisatorisch bedingter Wechsel von der
bisherigen Instruktionsrichterin zum neu zuständigen Instruktionsrichter
Lorenz Noli.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
Mit den dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. September
2012, welche am 29. September 2012 in Kraft getreten sind, wurden unter
anderem die Bestimmungen betreffend die Einreichung von Asylgesuchen
aus dem Ausland aufgehoben. Die betreffende Übergangsbestimmung hält
jedoch fest, dass für die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung
vom 28. September 2012 gestellten Gesuche die massgeblichen Artikel in
der bisherigen (d.h. damaligen) Fassung anwendbar sind.
1.4 Anfechtungsobjekt ist gemäss der Beschwerdeschrift vom 18. April
2018 ausdrücklich «die Entscheidung vom 27. Februar 2018». Diese
wurde durch die neue Verfügung vom 19. März 2018 ersetzt. Da beide im
Raum stehenden Verfügungen inhaltsgleich sind, die zweite rechtsgültig
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eröffnet wurde, die Rechtsmitteleingabe eine offensichtliche Laienbe-
schwerde ist und die Beschwerdeführerin mit ihrer Ergänzungseingabe
vom 16. Mai 2018 die tatsächlich angefochtene Verfügung (vom 19. März
2018) aus eigener Initiative in Kopie nachgereicht hat, ist davon auszuge-
hen, sie habe tatsächlich die Verfügung vom 19. März 2018 anfechten wol-
len. Offensichtlich hat sie sich denn auch in der Wiedergabe des Verfü-
gungsdatums geirrt, denn die neue Verfügung trägt in kleiner Schrift das
neue Verfügungsdatum, in grosser Schrift jedoch das Datum der zu erset-
zenden Verfügung. Mithin richtet sich die Beschwerde gegen ein be-
schwerdetaugliches Anfechtungsobjekt.
1.5 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. insb. BVGE
2011/39 E.4) setzt das Stellen eines Asylgesuchs grundsätzlich Höchstper-
sönlichkeit und mithin Urteilsfähigkeit, nicht aber Mündigkeit voraus, wobei
sich Urteilsunfähige durch ihren gesetzlichen Vertreter, nicht aber durch ei-
nen gewillkürten Vertreter vertreten lassen können. Die Urteilsfähigkeit der
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung im Jahre 2012
mag tatsächlich fraglich gewesen sein, zumal sie damals erst (...)jährig
war. B._ war zudem zwar zeitweise faktisch ihre Mutter, nie aber
ihre gesetzliche Vertreterin. Eine Heilung eines solchen Mangels kann aber
gemäss der erwähnten Praxis dadurch erfolgen, dass der Inhalt eines ver-
tretungsweise eingereichten Asylgesuchs anlässlich einer mündlichen An-
hörung und jedenfalls vor Ergehen eines erstinstanzlichen Asylentscheides
"abgesegnet" wird. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin spätestens bei
ihrer Anhörung durch das SEM zweifelsfrei als (...)jährige Urteilsfähige per-
sönlich vor einer schweizerischen Asylbehörde aufgetreten und hat die Ge-
suchsgründe gemäss dem schriftlichen Asylgesuch vom 26. September
2012 im Wesentlichen bestätigt und ergänzt. Der Mangel der fehlenden
Höchstpersönlichkeit kann daher als geheilt betrachtet werden.
1.6 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
(sinngemässen) Beschwerdeanträge gemäss oben Buchstabe E sind zwar
in der Laienbeschwerde nicht explizit formuliert, aber im Ansatz durchaus
erkennbar; zudem liegen eine Beschwerdebegründung und die Unter-
schrift der Beschwerdeführerin vor. Die Beschwerdeführerin hat am Ver-
fahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfü-
gung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren
Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der
Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1
sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist, unter Mitberücksich-
tigung des zuvor in E. 1.4 und 1.5 Erwogenen, einzutreten.
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Nach der Klarstellung in der Vernehmlassung des SEM (vgl. oben Bst. F)
steht fest, dass die Akten vollständig vorhanden sind. Ob das am 9. No-
vember 2015 erstellte und ausgefüllte Meldeformular (vorinstanzliche Akte
C18; vgl. oben Bst. B, 1. Abschnitt) tatsächlich aufgrund einer «Befragung»
und zudem mit der Beschwerdeführerin (statt mit B._) zustande ge-
kommen ist und es sich im Weiteren beim ausgefüllten Formular um ein
Protokoll handelt, kann mangels Relevanz für das vorliegende Verfahren
dahingestellt bleiben: Tatsache ist, dass der Inhalt des ausgefüllten Melde-
formulars einzig in Angaben zur Person der Beschwerdeführerin besteht
und daraus insbesondere keine Asylgründe der Beschwerdeführerin her-
vorgehen; vielmehr bestand der Zweck der Migration der Beschwerdefüh-
rerin in die Schweiz gemäss der dortigen Ziffer 17 einzig in der Wiederver-
einigung mit ihrer Schwester B._. Für die nachfolgende Beurteilung
der Asylgründe stellt das Bundesverwaltungsgericht somit im Wesentlichen
auf das schriftliche Asylgesuch vom 26. September 2012 und vor allem auf
das Anhörungsprotokoll vom 15. Juni 2015 ab.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Wer erst durch die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder
wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgungssituation be-
gründet hat (sog. subjektive Nachfluchtgründe), hat grundsätzlich ebenfalls
Anspruch auf die Flüchtlingseigenschaft; verwehrt bleibt einzig das Asyl
(vgl. Art. 54 AsylG).
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Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder
zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.2 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
5.
5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte das SEM aus,
die geltend gemachten Vorbringen der Beschwerdeführerin würden den
Anforderungen von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit
nicht genügen. Zum einen habe sie gemäss eigenen Angaben in Eritrea
keine Probleme gehabt, und zum andern sei gemäss dem Koordinations-
urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-7898/2015 vom 30. Januar 2017
grundsätzlich nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszuge-
hen, dass allein eine illegale Ausreise Sanktionen mit genügender Intensi-
tät und politischer Motivation nach sich ziehe und mithin eine begründete
Furcht vor ernsthaften Nachteilen mit sich bringe. Zudem sei die Beschwer-
deführerin bei ihrer Ausreise minderjährig gewesen und es sei auszu-
schliessen, dass sie vor der Ausreise als Kind direkten Behördenkontakt
gehabt habe. Sie erfülle daher die Flüchtlingseigenschaft nicht. Die gesetz-
liche Regelfolge der Ablehnung des Asylgesuchs sei die Wegweisung aus
der Schweiz.
5.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe zeigt sich die Beschwerdeführerin ent-
täuscht darüber, dass sie gemäss der Vorinstanz die Kriterien der Flücht-
lingseigenschaft nicht erfülle. Sie macht darauf aufmerksam, dass sie al-
tersbedingt noch keine Erfahrung mit Interviews gehabt habe und nicht in
der Lage gewesen sei die Fragen zu beantworten. Die Zeit vor und nach
dem Interview sei für sie nicht gut gewesen und sie habe das Interview aus
Frust schnell zu Ende bringen wollen, ohne die Konsequenzen zu beden-
ken. Sie sei die Tochter eines Angehörigen der (...), der auch sie als Kind
angehört habe, bis sie sich selber entschieden habe. Ihr Vater sei deswe-
gen ins Gefängnis gesteckt worden und sie habe deshalb «das Privileg,
aus politischen Gründen mit meinem Vater aufzuwachsen», verloren. Dass
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sie unter die Obhut der Familie des Mannes ihrer Schwester gebracht wor-
den und mit dieser Familie nach Äthiopien umgezogen sei, sei nicht ihre
Entscheidung gewesen. Das Leben mit dieser Familie in E._ sei
zwar nicht schlecht gewesen, jedoch habe ihr Wunsch stets in der Wieder-
vereinigung mit ihrer in der Schweiz lebenden Schwester bestanden. Sie
sei nicht in die Politik involviert gewesen, aber die politische Situation in
Eritrea habe indirekt ihr Leben beeinflusst. Sie sei froh, nun bei ihrer
Schwester sein zu dürfen.
5.3 In seiner Vernehmlassung verweist das SEM auf seine Erwägungen in
der angefochtenen Verfügung, an denen es festhalte.
6.
6.1
6.1.1 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass das SEM im Sachver-
halt zwar die prozesshistorische Tatsache einer Asylgesuchstellung der
Beschwerdeführerin aus dem Ausland und ihre darauf gestützte bewilligte
Einreise vom 6. November 2015 erwähnt hat. Die vorliegend massgebli-
chen C-Akten beginnen denn auch mit dem schriftlichen Auslandgesuch
vom 26. September 2012. In der Verfügung bezeichnet das SEM jedoch
den 6. November 2015 als massgebliches Datum des Asylgesuchs. Das
Vorgehen bedarf einer Präzisierung: In- und Auslandverfahren unterschei-
den sich zwar wesentlich, und das Bundesverwaltungsgericht hat denn
auch explizit festgehalten, dass das BFM (Bundesamt für Migration, heute
SEM) ein erstinstanzlich hängiges Auslandverfahren als gegenstandslos
geworden abzuschreiben hat, wenn eine asylsuchende Person noch vor
Abschluss des erstinstanzlichen Verfahrens in die Schweiz einreist und ein
(neues) Asylgesuch einreicht (vgl. dazu BVGE 2011/26 E. 2.1 f.). Insbe-
sondere unterscheiden sich die beiden Verfahren auch in formeller Hin-
sicht, wird doch im Auslandverfahren der Sachverhalt anders erhoben. Es
handelt sich damit beim Auslandverfahren unabhängig möglicher Über-
schneidungen des Prüfungsgegenstandes um ein Verfahren sui generis
und eine allfällige Ablehnung des Asylgesuchs im Dispositiv darf nur so
verstanden werden, dass das Asylgesuch aus dem Ausland abgewiesen
wird. Mit einer unbewilligten Einreise in die Schweiz unterstellt sich ein
Asylsuchender den Bestimmungen zum Asylverfahren im Inland und hat
die entsprechenden Konsequenzen zu tragen. Demzufolge fällt das
Rechtsschutzinteresse bezüglich einer Ablehnung des Asylgesuches aus
dem Ausland weg und eine dagegen erhobene Beschwerde ist als gegen-
standslos geworden abzuschreiben (vgl. zum Ganzen BVGE 2012/13,
m.w.H.). Auch im vorliegenden Fall ist die Beschwerdeführerin in die
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Schweiz eingereist. Sie ist jedoch bewilligt und ohne vorgängige Ableh-
nung ihres Auslandgesuchs eingereist, und zwar antragsgemäss zum
Zweck der Durchführung des ordentlichen Asylverfahrens. Das Gesuch um
Bewilligung der Einreise der Beschwerdeführerin hat sich damit zwar ge-
genständlich erledigt, nicht aber die im Auslandgesuch geltend gemachten
Asylgründe. Massgebliches Asylgesuchsdatum ist somit der 26. Septem-
ber 2012, nicht der 6. November 2015. Das letztere Datum findet denn
auch keine Abstützung in den Akten, sondern stellt einzig das Einreiseda-
tum dar. Daraus folgt weiter, dass die gesamten, ab dem Aktenstück C1
generierten Akten für die Gesuchsprüfung und Entscheidfindung heranzu-
ziehen und zu würdigen sind. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist
vorliegend jedoch – im Gegensatz beispielsweise zu den Kassationsent-
scheiden des Bundesverwaltungsgerichts E-6815/2014 vom 17. Dezember
2014 und E-7525/2014 vom 15. Januar 2015 – nicht gegeben, denn Ge-
genstand der Akteneinsichtsgewährung vom 20. Februar 2018 war (zutref-
fend) der gesamte C-Aktenbestand und die konkrete Einsichtsgewährung
(an die Rechtsvertreterin) wurde auch nicht beanstandet. Hinzu kommt,
dass die Asylgründe des Auslandgesuchs inhaltlich nicht über jene gemäss
der ausführlichen Anhörung vom 15. Juni 2017 hinausgehen. Die Sachver-
haltserfassung des SEM ist denn auch – abgesehen vom nicht korrekt er-
fassten, aber für die Entscheidung unerheblichen Ort des Schulbesuchs
(E._ statt C._) – in keiner Weise zu beanstanden und enthält
insbesondere auch das zwischenzeitliche Versterben der Schwiegereltern
von B._.
6.1.2 Das SEM ist nach einwandfreier Sachverhaltsfeststellung in seinen
Erwägungen mit prägnanter und überzeugender Begründung sowie kor-
rekter Praxisabstützung zur zutreffenden Erkenntnis gelangt, die geltend
gemachten Vorbringen der Beschwerdeführerin würden den Anforderun-
gen von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genü-
gen, weshalb sie keinen Anspruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigen-
schaft und Gewährung des Asyls habe. Es kann zur Vermeidung von Wie-
derholungen auf die betreffenden Erwägungen gemäss angefochtener Ver-
fügung und deren Zusammenfassung oben (E. 5.1) verwiesen werden.
Diese sind nicht zu beanstanden. Dabei ist festzuhalten, dass sich die Vor-
fluchtgründe unter dem Aspekt von Art. 18 AsylG sogar an der Grenze zur
Einstufung als Asylgründe im Sinne des Ersuchens um Schutz vor Verfol-
gung im Sinne des weiten Verfolgungsbegriffs befinden. Wie das SEM zu-
treffend festhält, hat die Beschwerdeführerin ausdrücklich jegliche Prob-
leme in Eritrea verneint und letztlich einzig ihren Wunsch nach familiärer
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Vereinigung mit ihrer Schwester und faktischen Mutter B._ in der
Schweiz geltend gemacht.
Die Ausführungen in der Beschwerde führen zu keiner anderen Betrach-
tungsweise: Es ist festzuhalten, dass die im Beisein der Rechtsvertreterin
und einer Hilfswerksvertretung durchgeführte Anhörung vom 15. Juni 2017
in keiner Weise zu beanstanden ist und damals von keiner Seite bean-
standet wurde. Sie präsentiert sich als durchaus altersgerecht und einfühl-
sam und es wurden Zusatzfragen sowohl der Rechtsvertreterin als auch
der Hilfswerksvertretung zugelassen. Die Beschwerdeführerin konnte of-
fensichtlich ungehindert alle wesentlichen Gründe deponieren. Der Hin-
weis auf ihre damals fehlende Erfahrung mit Interviews ist in keiner Weise
zu bestreiten. Dieser Umstand hatte für sie aber keine negativen Konse-
quenzen und aus der Betrachtung des Protokolls ergibt sich, dass sie
durchaus in der Lage war, alle gestellten Fragen zu beantworten. An keiner
Stelle kommt der Eindruck eines irgendwie gearteten Unwohlseins der Be-
schwerdeführerin oder gar einer Frustrierung auf. Dass sie gewisse Fragen
nicht habe beantworten können oder sie sich an gewisse Umstände und
Ereignisse aufgrund ihrer Kindheit nicht (mehr) erinnern könne, hat sie bei
den betreffenden Fragen klar deklariert und wird ihr weder vom SEM noch
vom Bundesverwaltungsgericht zur Last gelegt, zumal beide Behörden in
keinem Zeitpunkt des Verfahrens von der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen
nach Massgabe von Art. 7 AsylG oder gar von der persönlichen Unglaub-
würdigkeit der Beschwerdeführerin ausgehen. In der vorliegenden Be-
schwerde werden zudem keine Sachverhaltsergänzungen vorgenommen,
die im Rahmen der Anhörung aus irgendwelchen Gründen nicht zur Spra-
che gekommen seien. Ihre nun erwähnte Enttäuschung darüber, dass sie
ohne ihren aus religiösen beziehungsweise politischen Gründen inhaftiert
gewesenen Vater habe aufwachsen müssen, ist nachvollziehbar und be-
dauerlich; insoweit kann auch das Empfinden nachvollzogen werden, die
politische Situation in Eritrea habe indirekt ihr Leben beeinflusst. Eine ei-
gene Verfolgungslage vermag sie aus diesem Umstand aber nicht abzulei-
ten. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass zum einen
weder der Vater noch B._ noch weitere Familienangehörige oder
Verwandte Partei des vorliegenden Asylverfahrens sind und zum andern
eine allfällige auf diesen Personen basierende reflexive Verfolgung der Be-
schwerdeführerin nicht geltend gemacht wird. Eine allfällige Reflexverfol-
gung mit Bezug insbesondere auf den Vater wäre angesichts dessen Ent-
lassung aus der Haft und des Kindesalters der Beschwerdeführerin auch
objektiv nicht nachvollziehbar. Den Ausführungen des SEM betreffend die
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illegale Ausreise der Beschwerdeführerin aus Eritrea ist schliesslich nichts
beizufügen. Diese werden in der Beschwerde auch nicht beanstandet.
Das SEM hat somit das Bestehen einer nach Massgabe von Art. 3 AsylG
flüchtlingsrechtlich bedeutsamen Verfolgungssituation der Beschwerde-
führerin zu Recht verneint.
6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dies wird
in der Beschwerde substanziell auch nicht bestritten.
6.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin
keine Gründe im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft ma-
chen konnte und aus den vorgebrachten Fluchtgründen weder einen An-
spruch auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft noch auf Gewährung
des Asyls noch einen solchen auf Verzicht auf die Wegweisungsanordnung
ableiten kann.
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass die vom SEM mit der an-
gefochtenen Verfügung gewährte vorläufige Aufnahme der Beschwerde-
führerin von der vorliegenden Beschwerdeabweisung unberührt bleibt.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf deren Erhe-
bung ist jedoch aufgrund der Minderjährigkeit und offensichtlichen Mittello-
sigkeit der Beschwerdeführerin in Anwendung von Art. 6 Bst. b des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) von Amtes wegen
zu verzichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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