Decision ID: 26b13c28-bcc3-5214-a697-3467e5c4c6a1
Year: 2018
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_004
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A. A1_ und A2_ sind Grundeigentümer der streitbetroffenen Parzelle Nr. 001, welche im
südwestlichen Siedlungsbereich der Gemeinde B_ im Gebiet E_ liegt. Die rund 6681
m2 grosse Parzelle ist unüberbaut und befindet sich gemäss kommunalem Zonenplan
Nutzung und Art. 17 des Baureglements B_ (BauR) wie das ganze Gebiet E_ in der
Wohnzone W2a. Im Osten grenzt die Parzelle Nr. 001 an die in der Wohn- und
Gewerbezone WG2 liegenden Parzellen an der F_ an, im Norden wird sie durch die
Seite 3
G_strasse begrenzt, welche von der Kantonsstrasse (F_) westlich in das Gebiet
E_ abzweigt. Das zwischen der F_ und der G_strasse liegende Areal inkl. die
Parzelle Nr. 001 wird durch den Quartierplan E_ vom 12. April 1977 (mit einer
Teilrevision aus dem 10. Januar 1989) überlagert, welcher gemäss Art. 2 der
Sonderbauvorschriften eine ortsbaulich und architektonisch gute Überbauung, sowie eine
zweckmässige Erschliessung im Gebiet E_ bezweckt. Der Quartierplan E_ enthält
u.a. Strassenbaulinien, welche die Erschliessung des Plangebiets durch eine Ringstrasse,
sicherstellen sollen. Gemäss geltendem Quartierplan soll diese Ringstrasse von der
G_strasse südlich über die unüberbauten Parzellen Nrn. 001, 002 und 003 verlaufen
und dann nordwestlich bei den Parzellen Nrn. 004 und 005 wieder in die G_strasse
einmünden. Aus den Akten geht hervor, dass das nordwestlich in die G_strasse
einmündende Strassenstück mit der K_strasse, dem M_weg und der D_ bereits
seit mehr als 30 Jahren besteht. Diese Strassenzweige bilden zusammen die
Strassenparzelle Nr. 006, welche sich im Eigentum der Flurgenossenschaft H_
befindet. Die D_, welche die Parzellen Nrn. 001, 002 und 003 gemäss geltendem
Quartierplan E_ im Norden der Parzelle Nr. 001 mit der G_strasse verbinden soll,
endet zum heutigen Zeitpunkt an der südwestlichen Grenze der Parzelle Nr. 003, deren
Eigentümerin die Gemeinde B_ ist.
B. Nach erfolgter erster Auflage im Jahr 2011 legte der Gemeinderat B_ den Baulinienplan
E_, das Strassenbauprojekt Erschliessung D_/E_ inkl. Landerwerbsplan sowie
den Perimeterbeitragsplan vom 19. August 2013 bis zum 18. September 2013 ein zweites
Mal öffentlich auf. Das Strassenbauprojekt (act. 15/II 9) umfasst einen Ausbau des
Einlenkers der G_strasse in die F_ sowie das südlich über die Parzellen Nrn. 001,
002 und 003 ab der G_strasse abzweigende Verbindungsstück zur bestehenden D_
inkl. einer Trennsystementwässerung. Im Baulinienplan E_, der den über 40-jährigen
Quartierplan E_ ersetzen soll, wird mittels Strassenbaulinien ein Strassenkorridor
zwecks Sicherung des projektierten Teilstücks zwischen der Berg- und der G_strasse
festgelegt. Gemäss Landerwerbsplan (act.15/II 9e) soll auf der Parzelle Nr. 001 eine
Fläche von rund 849 m2 für den Strassenbau enteignet werden. Der
Perimeterumgrenzungsplan (act. 15/II 9i) umfasst nebst den unüberbauten Parzellen Nrn.
001, 002 und 003 auch die Strassenparzelle Nr. 006 und die Parzellen der Mitglieder der
Flurgenossenschaft H_. Gemäss Perimeterliste (act. 15/II 9l) sollen sich A1_ und
A2_ an den Erschliessungskosten mit CHF 542‘747.00 beteiligen. Nach der für den
Landerwerb vorgesehenen Entschädigung im Betrag von CHF 72‘307.00 wird von ihnen
ein Beitrag von 470‘440.00 erhoben, was einem Anteil von 49.3 % der
Erschliessungskosten entspricht.
Seite 4
C. Gegen diese Planerlasse liessen A1_ und A2_, vertreten durch RA AA_, mit
Eingaben vom 5. September 2013 beim Gemeinderat B_ Einsprache erheben. Dieser
wies die Einsprachen am 3. Juli 2014 je mit separatem Entscheid ab und erliess
gleichzeitig den Baulinienplan E_. Aufgrund formeller Mängel widerrief der
Gemeinderat B_ diese Entscheide je mit Entscheid vom 30. August 2016, hob den
Quartierplan E_ auf und erliess den Baulinienplan E_. Gleichzeitig wies er die gegen
den Baulinienplan und das Strassenbauprojekt sowie den Perimeterbeitragsplan
gerichteten Einsprachen von A1_ und A2_ vom 5. September 2013 erneut ab und
beantragte beim Departement Bau und Volkswirtschaft die Genehmigung der
betreffenden Planerlasse.
D. Gegen diese Einspracheentscheide liessen A1_ und A2_, vertreten durch RA
AA_, mit Eingaben vom 17. Oktober 2016 beim Departement Bau und Volkswirtschaft
Rekurs erheben u.a. mit den Anträgen, die Einspracheentscheide aufzuheben, die
betreffenden Planerlasse nicht zu bewilligen und die Unzulässigkeit der Enteignung
betreffend die Parzelle Nr. 001 festzustellen.
E. Mit Entscheid vom 7. November 2017 wies das Departement Bau und Volkswirtschaft den
Rekurs von A1_ und A2_ betreffend Strassenbauprojekt D_/E_ und
Baulinienplan E_ ab. Gleichzeitig genehmigte es den Baulinienplan E_ und die
Aufhebung des Quartierplans E_. Mit separatem Entscheid vom 7. November 2017
wurde der Rekurs von A1_ und A2_ betreffend Perimeterbeitragsplan ebenfalls
abgewiesen.
F. Gegen diese Rekursentscheide liessen A1_ und A2_ (im Folgenden:
Beschwerdeführer), vertreten durch RA AA_, mit Eingaben vom 21. Dezember 2017
beim Obergericht Beschwerde mit den eingangs erwähnten Rechtsbegehren erheben. Auf
Antrag der Beschwerdeführer wurden die beiden Verfahren von der Gerichtsleitung mit
Verfügung vom 12. Februar 2018 zu einem Verfahren vereinigt.
G. Mit Eingabe vom 23. Januar 2018 nahm die C_ AG, Grundeigentümerin der Parzelle
Nr. 002 (im Folgenden: Beigeladene) zu den Beschwerden Stellung, ohne einen
konkreten Antrag zu stellen. Mit Eingaben vom 14. März 2018 und 23. April 2018 liessen
sich das Departement Bau und Volkswirtschaft (im Folgenden: Vorinstanz) sowie der
Gemeinderat B_ (im Folgenden: Vorvorinstanz), vertreten durch RA BB_, mit den
eingangs erwähnten Rechtsbegehren zu den Beschwerden vernehmen.
Seite 5
H. Mit Eingabe vom 18. Mai 2018 liessen die Beschwerdeführer unter Aufrechterhaltung ihrer
Anträge eine Replik einreichen, wozu sich die Vorvorinstanz mit Duplik vom 12. Juni 2108
ebenfalls unter Aufrechterhaltung der Anträge vernehmen liess. Darauf folgten weitere
Eingaben durch die Beschwerdeführer vom 12. Juli 2018 und die Vorvorinstanz vom
20. August 2018.
I. Auf Eröffnung des Urteildispositivs hin verlangten die Beschwerdeführer mit Schreiben
vom 6. November 2018 eine Begründung des Urteils. Damit sind die Voraussetzungen für
die in Ziff. 4 des Dispositivs in Aussicht gestellte Reduktion der Entscheidgebühr nicht
gegeben.
J. Auf die Begründung der gestellten Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
näher eingegangen.

Considerations:
Erwägungen
1. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der prozessualen Voraussetzungen
ergibt, dass das Obergericht nach Art. 54 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS 143.1) generell zur Behandlung von Beschwerden
gegen verwaltungsinterne letztinstanzliche Verfügungen zuständig ist. Die Beschwerde
wurde frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführer sind als Adressaten der
angefochtenen Rekursentscheide formell beschwert. Als Eigentümer der Parzelle Nr. 001,
welche im Planungsperimeter liegt und über welche das geplante Teilstück zur D_
führen soll, sind sie in schutzwürdigen eigenen tatsächlichen und rechtlichen Interessen
besonders berührt und daher zur Beschwerde legitimiert (Art. 59 i. V. m. Art. 32 Abs. 1
VRPG). Auf die Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten. Nicht eingetreten werden kann
jedoch soweit die Beschwerdeführer eventualiter beantragen lassen, ihnen eine
wesentliche höhere Entschädigung für die Enteignung des Baulandes auszurichten, als im
Rahmen der aktuellen Planung vorgesehen sei. Wie schon die Vorinstanz richtig
festgestellt hat, erfolgt die Bereinigung von allfälligen Entschädigungsbegehren im
Schätzungsverfahren nach dem Gesetz über die Zwangsabtretung (Art. 40 Abs. 3 des
Strassengesetzes, StrG, bGS 731.11 i. V. m. Art. 20 ff. des Enteignungsgesetzes, EntG,
bGS 711.1). Die Höhe der Entschädigung kann demnach nicht Gegenstand dieses
Beschwerdeverfahrens bilden.
Seite 6
2. Im planungsrechtlichen Rekursverfahren, wie es die Beschwerdeführer eingeleitet haben,
hat die Rekursbehörde kommunale Nutzungspläne grundsätzlich mit voller Kognition nicht
nur auf ihre Gesetzmässigkeit, sondern auch auf Zweckmässigkeit und Angemessenheit
hin zu überprüfen (Art. 49 Abs. 2 des Gesetzes über die Raumplanung und das Baurecht,
BauG, bGS 721.1). Soweit den Gemeinden bei der Festsetzung der Bau- und
Zonenordnung Planungsautonomie zusteht, insbesondere wenn es für die Beurteilung auf
die örtlichen Verhältnisse ankommt, hat sich die Rekursbehörde bei der
Ermessenskontrolle allerdings Zurückhaltung aufzuerlegen. Der Nachweis, dass das
Gemeinwesen sich für eine zweckmässige Lösung entschieden hat, muss genügen, auch
wenn sich weitere ebenso zweckmässige Lösungen denken liessen (PETER HÄNNI,
Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 6. Aufl. 2016, S. 551). Ein
Eingreifen ist aber dann gerechtfertigt, wenn sich die kommunale Lösung aufgrund
überkommunaler Interessen als unzweckmässig erweist, diese den wegleitenden Zielen
und Grundsätzen der Raumplanung widerspricht oder wenn sie offensichtlich
unangemessen ist (MARCO DONATSCH, in: Alain Griffel, [Hrsg.], Kommentar zum
Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, §N. 77 zu Art. 20
VRG).
Demgegenüber ist das Obergericht gemäss Art. 56 Abs. 1 VRPG auf die Rechtskontrolle
einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens
beschränkt. Zudem kann die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts
gerügt werden. Eine Ermessenskontrolle ist dem Obergericht im Zusammenhang mit
raumplanerischen Akten dagegen verwehrt (Art. 56 Abs. 2 VRPG).
Im Folgenden werden als erstes die Rügen geprüft, welche in beiden Beschwerden
vorgebracht werden, anschliessend folgt eine Gliederung entsprechend den separaten
Beschwerdeeingaben.
3. Verletzung des rechtlichen Gehörs/unrichtige Sa chverhaltsfeststellung
3.1 Die Beschwerdeführer rügen eine Verletzung des rechtlichen Gehörs sowie eine
unrichtige und willkürliche Sachverhaltsfeststellung durch die Vorinstanz. Sie bringen
diesbezüglich vor, dass die am Augenschein anwesenden Vertreter der Vorinstanz am
Entscheid nicht mitgewirkt hätten und die Vorinstanz auf die Vorbringen der
Beschwerdeführer nicht eingegangen sei. Diese habe die Recht- und Zweckmässigkeit
des Baulinienplanes E_ sowie die von den Beschwerdeführern vorgeschlagenen
Alternativkonzepte nicht im Ansatz geprüft. Damit habe sie nicht feststellen können, ob die
Gemeinde B_ ihr Ermessen überschritten bzw. als betroffene Grundeigentümerin der
Seite 7
Parzelle Nr. 003 nicht sogar missbraucht habe. Richtigerweise hätte die Vorinstanz
feststellen müssen, dass die Gemeinde B_ ihr Ermessen überschritten habe und eine
Varianzstudie durchzuführen sei. Hätten die Vorvorinstanz und die Vorinstanz ihre
planungsrechtlichen Pflichten umfassend wahrgenommen, hätten sie zum Schluss
kommen müssen, dass die gemäss Baulinienplan E_ vorgesehene
Erschliessungsstrasse mindestens betreffend Parzelle Nr. 001 als rechtswidrig und
unzweckmässig gelte. Deshalb habe die Vorinstanz das rechtliche Gehör der
Beschwerdeführer auf das Massivste verletzt, weshalb der angefochtene Rekursentscheid
aufzuheben sei.
Des Weiteren seien von den Vorinstanzen zu keinem Zeitpunkt die notwendigen
Abklärungen getroffen, d.h. Sondierungen durchgeführt worden, um festzustellen, ob sich
die Erschliessungsstrasse gemäss Strassenbauprojekt überhaupt umsetzen lasse, bzw.
mit welchen allfälligen Mehrkosten aufgrund des schlechten Baugrundes zu rechnen sei.
Der Beschwerdeführer selbst habe mehrfach erklärt, dass er selbst im Gebiet Grabungen
vorgenommen habe und dabei festgestellt, dass der Baugrund schlecht sei. Es bestehe
nur deshalb keine Rutschgefahr, solange die Parzelle Nr. 001 in ihrer natürlichen Gestalt
belassen werde. Die Erstellung einer Erschliessungsstrasse habe aber erhebliche
Auswirkungen auf die Hangstabilität. Damit hätten bereits die Vorvorinstanz und
spätestens die Vorinstanz zur Abklärung des vollständigen Sachverhalts entsprechende
Sondierbohrungen bzw. ein geologisches Gutachten anordnen müssen, um festzustellen,
dass für den Bau der Erschliessungsstrasse wesentlich mehr Sicherungsmassnahmen
von Nöten sein würden, als sie in der aktuellen Kostenschätzung miteinbezogen worden
seien.
3.2 Der in Art. 29 Abs. 2 der Schweizerischen Bundesverfassung (BV, SR 101)
gewährleistete Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt, dass die Behörde die Vorbringen
der vom Entscheid in ihrer Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in
der Entscheidfindung berücksichtigt. Die Begründungspflicht und der Anspruch auf
Begründung sind jedoch nicht bereits dadurch verletzt, dass sich die urteilende Behörde
nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid
wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich
die Betroffenen über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller
Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen können. In diesem Sinne müssen
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat
leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (BGE 136 I 229 E. 5.2 S. 236).
Seite 8
Diese Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt. Die Vorinstanz hat in den Erwägungen 3c
und 3d des angefochtenen Entscheids betreffend Baulinienplan/Strassenbauprojekt die
strittigen Planerlasse mit den Projektvarianten der Beschwerdeführer verglichen. Sie hat
ihren Entscheid eingehend begründet und sich dabei mit sämtlichen entscheidrelevanten
Rügen der Beschwerdeführer auseinandergesetzt. Aus dem angefochtenen Entscheid
ergibt sich mit genügender Klarheit, weshalb die Vorinstanz davon ausging, dass sich die
strittigen Planerlasse als recht- und zweckmässig erweisen. Die Beschwerdeführer haben
damit ohne Weiteres erfassen können, welche Überlegungen die Vorinstanz geleitet
haben. Dass die Beschwerdeführer diese nicht teilen, belegt in keiner Weise eine
ungenügende Begründung.
In Ziff. 3d des Entscheids betreffend Perimeterbeitragsplan befasst sich die Vorinstanz mit
der Frage des Baugrunds und kommt dabei zum Schluss, dass mangels überlagernder
Gefahrenzone keine Verpflichtung bestehe, das Strassenbauprojekt mit einem
geologischen Gutachten zu ergänzen. Aufgrund des erst dreijährigen Zonenplans
Gefahren durfte die Vorinstanz davon ausgehen, dass es sich bei den Bauparzellen
grundsätzlich nicht um ungünstigen Baugrund handelt. Da die Beschwerdeführer den
Zonenplan Gefahren unangefochten in Rechtskraft erwachsen liessen, müssen sie sich
die Beständigkeit dieses Nutzungsplans in Bezug auf das Bauvorhaben entgegenhalten
lassen. Im Weiteren haben sich die Anforderungen an den Neubau von Strassen nach
den anerkannten Regeln der Strassenbautechnik zu richten (Art. 3 Abs. 3 StrG und Art.
21 des Strassenreglements B_, StR). Die renommierte beauftragte Ingenieurfirma L_
AG dürfte mit entsprechenden Situationen Erfahrung haben, womit für die Vorinstanzen
keine Veranlassung bestand, deren Kostenschätzung in Zweifel zu ziehen. Soweit die
Beschwerdeführer dennoch aufgrund von Sicherungsmassnahmen eine höhere
Kostenbeteiligung befürchten, hat die Vorinstanz ebenfalls zutreffend festgehalten, dass
gegen die Beitragsverfügung separat Einsprache erhoben werden kann (Art. 40 Abs. 3
der Strassenverordnung, StrV, bGS 731.111) und auch der Kostenanteil der Gemeinde
entsprechend erhöht würde. Damit ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanzen auf
die Einholung eines geologischen Gutachtens verzichtet haben.
Im Weiteren wird von den Beschwerdeführern nicht substantiiert, und es ergibt sich weder
aus dem Augenscheinprotokoll vom 28. April 2017 (act. 15/12) noch der
Protokollergänzung vom 23. Mai 2017 (act. 15/15), inwiefern der Augenschein vom 26.
April 2017 zu entscheidrelevanten Erkenntnissen geführt haben soll. Der Augenschein
vom 26. April 2017 diente den Beschwerdeführern offenkundig primär der Präsentation
ihres Alternativprojekts „Anders Wohnen“, bezüglich welchem die Vorvorinstanz keine
Kompromissbereitschaft zeigte. Es sind sind jedoch keine Feststellungen aktenkundig,
Seite 9
welche der Genehmigungsfähigkeit der strittigen Planerlasse entgegenstehen würden und
in den Entscheid hätten einfliessen müssen. Infolgedessen ist keine unrichtige bzw.
unvollständige Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz ersichtlich.
4. Baulinienplan E_/Strassenbauprojekt D_/E_
4.1 Die Vorinstanz kam im angefochtenen Entscheid in Ziff. 3b zum Schluss, dass mangels
Quartierplanpflicht nicht zu beanstanden sei, dass die Vorvorinstanz den aufzuhebenden
Quartierplan E_ durch einen Baulinienplan ersetze. Durch dessen Erlass und das
Strassenbauprojekt komme diese ihrer Pflicht nach, das Wohngebiet E_ vollständig zu
erschliessen. In Verbindung mit dem Strassenbauprojekt, welches koordiniert aufgelegen
sei, entspreche der Baulinienplan den Anforderungen von Art. 38 Abs. 1 BauG. Die
Linienführung sei schon seit 40 Jahren vorgegeben und sowohl von den
Beschwerdeführern als auch von der Beigeladenen in Kauf genommen worden, womit
das Vertrauen der Beigeladenen zu schützen sei. Das vorgesehene Verbindungsstück zur
G_strasse erweise sich durch die kurze Anbindung an das übergeordnete Strassennetz
(G_strasse und F_) als verkehrsplanerisch sinnvoll und zweckmässig. Damit könne
den künftigen Bewohnern der Parzellen Nrn. 002 und 003 im Gegensatz zu den von den
Rekurrenten vorgelegten Projektvarianten ein Umweg von bis zu einem halben Kilometer
erspart werden. Auch der Regierungsrat käme im Genehmigungsentscheid vom
19. Oktober 2004 betreffend Zonenplan B_ in Ziff. 5.6 zum Schluss, dass es sich beim
Gebiet E_, Parz. Nr. 001, um ein zentrumsnahes Gebiet handle, welches für die
Erschliessung der hinterliegenden Bauzone zweckmässig sei. Im Weiteren entspreche
das Strassenbauprojekt der Richtplankarte Verkehr/Infrastruktur und sei aufgrund des
vorgesehenen Trennsystems als sachgerecht einzustufen. Die projektierte Strasse stehe
abgesehen von einer kurzen Strecke auch mit den VSS-Normen im Einklang.
In Ziff. 3c wird ausgeführt, dass die von den Beschwerdeführern bevorzugten Projekte
„Anders Wohnen“ und die Projektstudie von N_ auf maximalen Kuben basierten,
welche mit den gestalterischen Vorschriften in Konflikt geraten könnten. Die Differenz der
möglichen Bebauungsfläche bei der Bebauungsstudie des Architekten O_, welche dem
Strassenbauprojekt zugrunde liege, käme im Vergleich zu den Projektstudien auf weniger
als 400 m2. Dabei wären auch Mehrfamilienhäuser und eine verdichtete Überbauung
möglich. Ein Ausnützungsbonus könne nur im Rahmen eines Quartierplans gewährt
werden, dessen Erlass für eine einzelne Parzelle nicht opportun sei. Gemäss dem Urteil
des Obergerichts O4V 12 16 vom 29. Mai 2013 führe eine Erhöhung der
Ausnützungsziffer nicht allein zu einer haushälterischen Nutzung des Bodens, wenn nicht
Seite 10
gleichzeitig die übrigen Wohn- und Mischzonen geringerer Dichte und Geschosszahl in
der Gemeinde B_ verkleinert würden.
Bei beiden Projektvarianten wäre zudem eine Stichstrasse auf der Parzelle Nr. 002 mit
Wendehammer erforderlich, was ebenfalls mit beträchtlichem Baulandverschleiss und
Geländeanpassungen verbunden wäre. Aufgrund der topografischen Verhältnisse sei die
vorgeschlagene Variante mit Wendehämmern bautechnisch als unzweckmässig zu
qualifizieren. Im Übrigen kämen die südlich geplanten Gebäude bei beiden Varianten
zwischen zwei Zufahrtsstrassen zu liegen, was baulich nicht unbedingt attraktiv sei. Daran
ändere auch der Umstand nichts, dass beim Projekt „Anders Wohnen“ die Stichstrasse
nur als „Notzufahrt“ ausgestaltet sei. Damit würden die öffentlichen und
entgegenstehenden privaten Interessen am besagten Verbindungsstück überwiegen. Den
Beschwerdeführern wäre es freigestanden, bezüglich dem Projekt „Anders Wohnen“ bei
der Gemeindebaubehörde ein Bauermittlungsgesuch einzureichen und einen
anfechtbaren Entscheid anzustreben. Daran änderten auch die nachträglich eingeholten
Unterschriften von Anstössern der F_ nichts, zumal von diesen offenkundig keine
Einsprache gegen das Strassenbauprojekt eingegangen sei. Aufgrund des erheblichen
Ermessensspielraums der Vorvorinstanz stehe es der Vorinstanz nicht zu, eine
zweckmässige Lösung durch eine ebenfalls zweckmässige Variante zu ersetzen, woran
auch der erforderliche Landabtausch nichts zu ändern vermöge. Insgesamt sei kein
Verstoss gegen übergeordnetes Recht zu erkennen und erwiesen sich die
Plangrundlagen als rechtmässig (E. 3d).
In Bezug auf die strittige Enteignung kommt die Vorinstanz zum Schluss, dass ein
öffentliches Interesse an der Realisierung des vorliegenden Strassenbauprojekts gegeben
sei, da die Gemeinde eine Erschliessungspflicht für eingezontes Bauland treffe. Die
Kapazität der Parzelle Nr. 001 werde mitnichten durch das vorgesehene
Verbindungsstück halbiert, und es sei trotzdem eine sinnvolle regelbaukonforme
Bebauung möglich. Zudem werde durch die geplante Verbindungsstrasse mit den
Werkleitungen auch die Parzelle Nr. 001 erschlossen und damit baureif. Daher könne
keinesfalls von einer materiellen Enteignung der Bauparzelle gesprochen werden, zumal
die Linienführung bereits seit dem Jahr 1977 bekannt sei und die Parzelle mit dieser
Eigentumsbeschränkung von den Beschwerdeführern übernommen worden sei. Zudem
seien auch die privaten Interessen der Eigentümer der Parzelle Nr. 002 an der
vorgesehenen Linienführung zu berücksichtigen. Damit erweise sich die vorgesehene
Enteignung als verhältnismässig (E. 3e).
Seite 11
4.2 Beim Vergleich der Rekurs- und der Beschwerdeschrift fällt auf, dass sich die anwaltlich
vertretenen Beschwerdeführer in der Beschwerdeschrift nach einer eingehenden
Darstellung des Sachverhalts und der Prozessgeschichte weitgehend darauf
beschränken, ihre Rekursvorbringen in der Beschwerdeschrift zu wiederholen, ohne sich
mit den Erwägungen des angefochtenen Entscheids auseinanderzusetzen. Inwiefern das
angefochtene Urteil in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht fehlerhaft sein soll, ergibt
sich aus der Beschwerde nur in wenigen Punkten. Dies steht der Begründungspflicht von
Art. 59 i. V. m. Art. 35 Abs. 2 VRPG entgegen, da aus der Beschwerdeschrift ersichtlich
sein muss, in welchen Punkten und weshalb der angefochtene Entscheid beanstandet
wird (BGE 131 II 449 E. 1.3; BGE 131 II 470 E. 1.3). Es rechtfertigt sich daher, nicht nur
vorab sondern weitgehend auf die ausführliche und nachvollziehbare Begründung der
Vor- und Genehmigungsinstanz in Ziff. 3 des angefochtenen Entscheids zu verweisen, wo
auch die rechtlichen Grundlagen korrekt aufgeführt sind. Nachfolgend wird deshalb nur
die von den Beschwerdeführern konkret vorgebrachte und begründete Kritik an den
entscheidwesentlichen Erwägungen der Vorinstanz geprüft.
5. Gestützt auf Art. 3 der Raumplanungsverordnung (RPV, SR 700.1) nehmen die Behörden
bei der Genehmigung von Nutzungsplänen eine umfassende Interessenabwägung vor.
Die Planungsgrundsätze nach Art. 3 des Bundesgesetzes über die Raumplanung (RPG,
SR 700) dienen - zusammen mit den Zielen nach Art. 1 RPG - als Anleitung und
Massstab der Interessenabwägung. Sie sind zum Teil widersprüchlich und müssen daher
gegeneinander abgewogen werden (AEMISEGGER/KISSLING, in:
Aemisegger/Moor/Ruch/Tschannen [Hrsg.], Praxiskommentar RPG: Nutzungsplanung,
2016, N. 12 zu den Vorbemerkungen). Die verschiedenen Planungsziele und
Planungsgrundsätze gemäss Art. 1 und 3 RPG bilden Entscheidungskriterien und
Zielvorgaben, die keine absolute Geltung beanspruchen, sondern im Rahmen der
Interessensabwägung mit und gegen andere, möglicherweise widersprechende
Planungsgrundsätze und anderswo gesetzlich fixierte Zielvorschriften abgewogen werden
müssen (BGE 134 II 97 E. 3.1). Ob die Interessen vollständig erfasst sind, ist eine
Rechtsfrage. Die relative Gewichtung der potentiell widerstreitenden Interessen ist jedoch
weitgehend eine Ermessensfrage (Urteil des Bundesgerichts 1C_230/2017 vom 24. Mai
2018 E. 5.1), womit die Kognition des Obergerichts diesbezüglich auf die Überprüfung
einer fehlerhaften Ermessensausübung beschränkt ist.
5.1
5.1.1 Die Beschwerdeführer rügen, dass die geplante Verbindungsstrasse quer durch die
Parzelle Nr. 001 erhebliche Immissionen für die umliegenden Grundeigentümer zur Folge
habe, sollten doch die Liegenschaften an der F_ mit der geplanten D_ nicht nur den
Seite 12
Verkehrslärm der F_, sondern neu auch der D_ ertragen müssen, da sie von den
beiden Strassen richtiggehend eingeklemmt würden. Deshalb erweise sich die geplante
Erschliessung auch unter diesem Aspekt nicht als recht- und zweckmässig, denn dem
Lärmschutz werde nicht Rechnung getragen. So hätten u.a. auch die Bewohner des
Wohnhauses F_ 26 Einsprache gegen das Strassenbauprojekt erhoben.
5.1.2 Nach dem Planungsgrundsatz von Art. 3 lit. b RPG sollen Wohngebiete vor schädlichen
oder lästigen Einwirkungen wie Luftverschmutzung, Lärm und Erschütterungen möglichst
verschont werden. Aus den Akten geht hervor, dass bei beiden Projektvarianten der
Beschwerdeführer zwei separate Stichstrassen mit Wendeplätzen notwendig wären,
welche nach Ansicht des Obergerichts aufgrund der erforderlichen Wendemanöver
ähnliche Immissionen für die Anwohner der F_ wie die strittige Erschliessungsstrasse
verursachen würden. Zudem dürfte der geltende Quartierplan E_ mit der vorgegebenen
Linienführung den Bewohnern der F_ bekannt gewesen sein. Daran vermag auch die
Einsprache von einzelnen Anwohnern nichts zu ändern, zumal sich diese offenbar ohne
Rechtsmittel erledigt hat. Wie die Vorinstanz in Ziff. 3d korrekt ausführt, kämen auch die
südlich geplanten Gebäude bei beiden Alternativprojekten zwischen zwei
Zufahrtsstrassen zu liegen, womit deren Bewohner ebenfalls von beidseitigen
Immissionen tangiert wären. Im Weiteren wird von den Beschwerdeführern nicht
aufgezeigt, wie sichergestellt wäre, dass die Zufahrt beim Projekt „Anders Wohnen“
effektiv nur in Notfällen genutzt wird. In Anbetracht dieser Umstände und angesichts des
grossen Umwegs und der beträchtlichen Geländeanpassungen, welche der Bau dieser
Stichstrassen erfordern würde, kann der vorinstanzlichen Interessensabwägung in diesem
Punkt kein fehlerhaftes Ermessen vorgeworfen werden.
5.2
5.2.1 Die Beschwerdeführer machen weiter geltend, dass die Feststellung der Vorinstanz,
wonach die gemäss Quartierplan E_ vorgesehene Erschliessungsstrasse
beizubehalten sei, weil die Beigeladene auf die Linienführung vertrauen dürfe, falsch sei.
Aufgrund der Überprüfungspflicht bei über 10-jährigen Quartierplänen, habe die
Beigeladene bereits seit längerer Zeit nicht mehr darauf vertrauen dürfen, dass die
Erschliessung ihres Grundstücks künftig entsprechend dem Quartierplan E_ erfolgen
werde. Die Vorinstanz habe den Vertrauensgrundsatz und damit geltendes Recht
offensichtlich falsch angewandt, zumal sich die Beigeladene vor dem Erwerb des
Grundstücks nachweislich über den Stand der Erschliessung informieren lassen habe.
Demgegenüber seien es die Beschwerdeführer, welche gestützt auf den Grundsatz von
Treu und Glauben im Verfahren vor der Vorinstanz geschützt werden müssten. Diese
habe mit Entscheid vom 9. Februar 2015 betreffend Neubau der Einfamilienhäuser Parz.
Seite 13
Nrn. 007, 008, 009 und 010 festgestellt, dass die G_strasse als Erschliessungsstrasse
für das Gebiet E_ genügend sei. Damit hätten die Beschwerdeführer darauf vertrauen
dürfen, dass die Verbindungsstrasse über ihr Grundstück nicht mehr notwendig sei.
Indem die Vorinstanz nun feststelle, dass die Erschliessungsstrasse quer durch das
Grundstück Nr. 001 als Erschliessungsstrasse notwendig sei, habe sie einen
widersprüchlichen Entscheid getroffen.
5.2.2 Aus den vorinstanzlichen Erwägungen in Ziff. 3b des angefochtenen Entscheids geht
hervor, dass es sich bei der Frage des Vertrauensschutzes nur um einen Teilaspekt der
Entscheidfindung handelte. In Übereinstimmung mit der Stellungnahme der Vorvorinstanz
kann daher davon ausgegangen werden, dass der Rekurs nicht primär in Anwendung des
Vertrauensgrundsatzes abgewiesen wurde. Immerhin gilt es diesbezüglich festzuhalten,
dass der Quartierplan E_ vom 12. April 1977, welcher die Strassenlinie der
projektierten Erschliessungsstrasse bereits verbindlich festlegt, noch immer gültig ist.
Zudem verkennen die Beschwerdeführer, dass in Art. 37 Abs. 5 BauG lediglich eine
Überprüfungspflicht, nicht jedoch eine Abänderungspflicht bestehender nicht umgesetzter
Quartierpläne vorgeschrieben wird. Insofern kann der Vorinstanz auch in dieser Hinsicht
keine fehlerhafte Rechtsanwendung vorgeworfen werden, wenn sie den Schutz des
Vertrauens der Beigeladenen in ihre Interessensabwägung miteinbezogen hat. Hingegen
lässt sich aus dem Rekursentscheid der Vorinstanz vom 9. Februar 2015 betreffend
Überbauung der Grundstücke Nrn. 007, 008, 009 und 010 kein Vertrauensschutz der
Beschwerdeführer ableiten. Aus diesem Entscheid ergibt sich nämlich lediglich, dass sich
die bewilligten Gebäude alle an der G_strasse befinden und diese hinsichtlich
Erschliessung nicht auf die D_ angewiesen sind. Jedoch sind darin keine Ausführungen
in Bezug auf die unüberbauten Grundstücke 001, 002 und 003 ersichtlich, welche
unbestrittenermassen zum heutigen Zeitpunkt nicht als erschlossen gelten können.
5.3
5.3.1 Die Beschwerdeführer machen weiter geltend, dass so oder so nicht ersichtlich sei,
weshalb der Quartierplan E_ durch den Baulinienplan E_ ersetzt werden soll,
welcher die Erschliessung gleich regle wie der Quartierplan E_. Obwohl erkannt
worden sei, dass sich die Verhältnisse seit 1977 wesentlich geändert hätten, hätten es
weder die Vorvorinstanz noch die Vorinstanz für nötig erachtet, eine Varianzstudie
durchzuführen und umfassend abzuklären, wie eine zweckmässige Erschliessung und
Überbauung der Parzellen Nrn. 002, 003 und 001 zu erfolgen habe. Die Vorinstanz gehe
mit keinem Wort darauf ein, dass die Vorvorinstanz als Grundeigentümerin der Parzelle
Nr. 003 ein erhebliches eigenes Interesse daran habe, diese so kostengünstig wie
möglich zu erschliessen. Diese habe aus Kostengründen die Variante mit Wendehammer
Seite 14
oberhalb der Parzelle Nr. 001 verworfen. Sie sei damit bereits aus diesem Grund
befangen und stelle offensichtlich ihre eigenen Interessen in den Vordergrund. Bei dieser
Ausgangslage komme ihr kein weiter Ermessenspielraum bei der Planung und
Erschliessung ihrer eigenen Parzelle zu.
Der Vorinstanz könne auch nicht gefolgt werden, wenn sie feststelle, vorliegend komme
Art. 96 Abs. 2 BauG nicht zur Anwendung. Das aktuell noch unüberbaute Baugebiet
(Parz. Nrn. 002, 003 und 001) weise eine nicht unwesentliche Fläche von ca. 14‘000 m2
auf. Die Erschliessung und Überbauung der genannten Parzellen habe sehr wohl
erhebliche Auswirkungen auf die Nutzungs- und Erschliessungsordnung sowie die
Lärmsituation der Anwohner an der F_, weshalb bezüglich dieser Bauparzellen eine
Quartierplanpflicht bestehe. Die Erschliessung der Parzellen Nrn. 001, 002 und 003
widerspreche nicht nur dem geltenden Raumplanungsrecht, sondern auch dem aktuellen
Leitbild der Gemeinde B_, wonach ein sehenswertes und gepflegtes Ortsbild mit dem
historischen Dorfkern sowie eine intakte Landschaft den Lebensraum der Gemeinde B_
als lebendigen Wohn-, Arbeits- und Erholungsraum prägten.
5.3.2 Vorab ist erneut darauf hinzuweisen, dass in Art. 37 Abs. 5 BauG lediglich eine
Überprüfungspflicht, nicht jedoch eine Anpassungspflicht bestehender Quartierpläne
vorgeschrieben wird. Im Weiteren ist hervorzuheben, dass die vorgesehene Linienführung
bereits im gültigen kommunalen Verkehrsrichtplan vorgegeben ist. Dieser sieht das
strittige Verbindungsstück über die Parzelle der Beschwerdeführer vor. Der
Gemeinderichtplan ist zwar nur behördenverbindlich, doch ist er insbesondere bei der
Überarbeitung bestehender und der Erarbeitung neuer Schutz-, Nutzungs- sowie
Sondernutzungspläne zu beachten (Art. 17 Abs. 3 BauG). Eine Erschliessungsplanung,
die sich an den Richtplan hält, hat zumindest die Vermutung für sich, einem sinnvollen
Gesamtkonzept zu entsprechen (Urteil des Bundesgerichts 1A.197/2001 vom 18. April
2002 E. 4.4). Insofern lässt sich keineswegs abstreiten, dass nach wie vor ein öffentliches
Interesse an der Beibehaltung der bisherigen Erschliessungsplanung vorhanden ist.
Die Gemeinden haben nach Art. 57 Abs. 1 BauG für eine zeit- und sachgerechte
Erschliessung der Bauzonen zu sorgen, woraus sich jedoch keine Pflicht zur
Durchführung von Varianzstudien zugunsten einer möglichst wirtschaftlichen Überbauung
für einzelne Grundeigentümer ergibt. Gemäss geltendem Zonenplan Nutzung besteht im
Gebiet E_ keine Quartierplanpflicht, womit von Gesetzes wegen keine vorgängige
Überprüfung stattfinden muss, wie eine optimale Bebauung erfolgen soll. Die
Beschwerdeführer verkennen diesbezüglich, dass sich Art. 96 Abs. 2 BauG auf konkrete
Bauvorhaben bezieht, welche erhebliche Auswirkungen auf Nutzungs- und
Seite 15
Erschliessungsordnung Umwelt oder Orts- und Landschaftsbild oder mit
ausserordentlichen Gefahren für Benützerinnen und Benützer und Nachbarschaft
verbunden sind. Solche Vorhaben sind im vorliegenden Verfahren nicht aktenkundig,
vielmehr können auf den Parzellen Nrn. 001, 002 und 003 derzeit nur zonenkonforme
Bauten realisiert werden.
Soweit die Beschwerdeführer erstmals geltend machen, dass die Vorvorinstanz als
Grundeigentümerin der Parzelle Nr. 003 ein erhebliches eigenes Interesse daran habe,
diese so kostengünstig wie möglich zu erschliessen und deshalb befangen sei, gilt es
festzuhalten, dass Ausstandsgründe nach Massgabe von Treu und Glauben sofort
geltend zu machen sind (BGE 136 I 207 E. 3.4), weshalb sich diese Vorbringen als
verspätet erweisen. Dennoch ist zu berücksichtigen, dass auch die Vorvorinstanz in
Bezug auf ihre Parzelle Nr. 003 perimeterbeitragspflichtig ist und sie sich nebst dem
Beitrag von 25 % gemäss ihrem Perimeteranteil auch mit 16.2 % an den Baukosten
beteiligt. Im Übrigen wird von den Beschwerdeführern nicht substantiiert, inwiefern die
Planerlasse dem Leitbild der Gemeinde B_ widersprechen sollen, wobei dieses
ohnehin nicht rechtsverbindlich ist.
5.4
5.4.1 Die Beschwerdeführer machen weiter geltend, dass die Projektstudie „N_“ sowie das
Projekt „Anders Wohnen“ lediglich dazu hätten dienen sollen, aufzuzeigen, dass mit den
von den Beschwerdeführern eingereichten Projekten den raumplanungsrechtlichen
Grundsätzen wesentlich besser Rechnung getragen werde, als mit der vorgesehenen
Erschliessung gemäss bestehendem Quartierplan E_ sowie dem angefochtenen
Baulinienplan E_. Die Beschwerdeführer hätten zu keinem Zeitpunkt ein Baugesuch
betreffend die eingereichten Projektvarianten eingegeben und zu keinem Zeitpunkt
behauptet, sie würden darauf bestehen, dass die Projektvarianten in der vorliegenden
Form zu bewilligen seien. Es sei aber beiden Projektvarianten zu entnehmen, dass
mindestens die Parzelle Nr. 001 mit der gemäss Baulinienplan vorgesehenen
Erschliessungsstrasse nicht recht- und zweckmässig erschlossen werde. Daher hätte die
Vorinstanz richtigerweise feststellen müssen, dass die Vorvorinstanz ihr Ermessen
überschritten habe und eine Varianzstudie durchzuführen sei. Das geplante
Strassenbauprojekt stelle keine recht- und zweckmässige Erschliessung dar, womit kein
entsprechendes öffentliches Interesse an dessen Realisierung bestehe.
5.4.2 Die Vorinstanz hat sich in Ziff. 3a mit den einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen
befasst und in Ziff. 3c und d die von den Beschwerdeführern bevorzugten
Projektvarianten mit den strittigen Planerlassen verglichen. Unter Berücksichtigung von
Seite 16
Art. 2 Abs. 3 RPG durfte sie nicht die Rolle der Planungsinstanz übernehmen und das
Ermessen der Vorvorinstanz durch ihr eigenes ersetzen. Dies gilt umso mehr für das
Obergericht, dessen Überprüfungsbefugnis auf Rechtsverletzungen beschränkt ist,
weshalb es der Vorvorinstanz umso weniger vorschreiben darf, eine andere
zweckmässige Lösung zu wählen. Die Ausführungen der Vorinstanz lassen keine
Ermessensüberschreitung erkennen. Die Beschwerdeführer stellen den vorinstanzlichen
Erwägungen lediglich ihre eigene Würdigung gegenüber, ohne näher darzulegen,
weshalb die Gewichtung der Kriterien durch die Vorinstanz (auch im Ergebnis) unhaltbar
sein sollte.
Ergänzend dazu ist zu wiederholen, dass das öffentliche Interesse an der Erschliessung
des Baugebiets gesetzlich ausgewiesen ist (Art. 57 BauG) und der Verkehrsrichtplan eine
gesamtheitliche (Grob)Verkehrsplanung für das ganze Plangebiet enthält. Demgegenüber
ist das Planungsgebiet im kommunalen Richtplan Siedlung/Landschaft lediglich als
Wohngebiet mit niedriger bis mittlerer Dichte ausgewiesen, womit in diesem Gebiet
gegenwärtig keine bauliche Verdichtung vorgesehen ist. Der Gemeinde kommt bei der
Frage, wo verdichtet gebaut werden soll, ein grosser Ermessenspielraum zu, zumal eine
Verdichtung unter Umständen durch eine Reduktion der übrigen Bauzonen zu
kompensieren wäre. Das Obergericht stellte diesbezüglich bereits im Urteil O4V 12 16
vom 29. Mai 2013, wo die Erhöhung der Ausnützungsziffer in den Wohn- und
Gewerbezonen in der Gemeinde B_ umstritten war, in E. 2.2 fest, dass die Stagnation
der Einwohnerzahl in der Gemeinde B_ nicht auf die Notwendigkeit einer
Nachverdichtung bestehender Wohnzonen hindeute. Eine Verdichtung unter Erhöhung
der Ausnützungsziffern führe nicht allein zu einer haushälterischen Nutzung des Bodens,
wenn nicht gleichzeitig die übrigen Wohn- und Mischzonen geringerer Dichte verkleinert
würden. Insofern kann aus dem Planungsgrundsatz der verdichteten Bauweise (Art. 3
Abs. 3 lit abis RPG) kein individueller Anspruch auf eine möglichst wirtschaftliche
renditemässige Überbauung abgeleitet werden. Den beiden von den Beschwerdeführern
bevorzugten Stichstrassen steht im Übrigen der Grundsatz der haushälterischen
Bodennutzung (Art. 1 Abs. 1 RPG) entgegen. Wägt man die einzelnen Interessen
gegeneinander ab, ergibt sich, dass das im vorliegenden Fall zu relativierende öffentliche
Interesse an der verdichteten Bauweise und das private Interesse der Beschwerdeführer
an einer möglichst wirtschaftlichen Überbauung das öffentliche Interesse an einer
zweckmässigen Erschliessung mit einer direkten und nahen Anbindung der Betroffenen
an das öffentliche Strassennetz nicht aufzuwiegen vermögen. Im angefochtenen
Entscheid hat die Vorinstanz die relevanten Interessen insgesamt gebührend
berücksichtigt und eine haltbare Abwägung vorgenommen. Im Ergebnis ist die
Seite 17
Interessenabwägung der Vorinstanzen daher nicht als rechtsfehlerhaft zu qualifizieren
und damit nicht zu beanstanden.
6. Perimeterbeitragsplan zum Strassenbauprojekt D_ _/E_
6.1 Im angefochtenen Rekursentscheid kommt die Vorinstanz zum Schluss, dass die
öffentlichen und privaten Interessen am Strassenbauprojekt die Interessen an einer
Erschliessung, wie sie den Beschwerdeführern vorschwebt, überwiegen. Da sich die
Parzelle Nr. 001 weiterhin wirtschaftlich überbauen lasse, sei die Auferlegung eines
Sonderopfers zu verneinen, zumal die Beschwerdeführer die Parzelle Nr. 001 bereits
unter der Geltung des die Linienführung vorgebenden Quartierplans E_ erworben
hätten. Die Parzelle Nr. 001 werde durch das strittige Strassenbauprojekt erstmalig
baureif, weshalb die Vorvorinstanz zu Recht die Begründung eins Sondervorteils im Sinne
von Art. 83 Abs. 1 StrG bejaht habe (Ziff. 3b).
Die Strassenparzelle Nr. 006 der Flurgenossenschaft H_ im Wert von Fr. 750‘000.00
liege ebenfalls innerhalb des Perimeters und die Beschwerdeführer hätten sich nicht an
den Erstellungskosten dieser Strassenparzelle beteiligt. Die Parzellen der
Flurgenossenschaftsmitglieder seien zudem im Gegensatz zur Parzelle Nr. 001 bereits
vollumfänglich erschlossen, womit diese nicht direkt vom geplanten Verbindungsstück
profitierten. Müsste sich die Flurgenossenschaft nachträglich an den Kosten beteiligen,
wäre konsequenterweise auch von den Beschwerdeführern nachträglich ein Beitrag an
die Erstellungskosten der Strassenparzelle Nr. 006 zu fordern. Da die Strassenparzelle
Nr. 006 schon über 30 Jahre alt sei, stehe einer Verpflichtung zur Entrichtung
nachträglicher Beiträge zudem Art. 43 StrV entgegen. Dies gelte insbesondere auch für
die Anstösser der bereits hundertjährigen G_strasse, deren Parzellen schon seit
Jahrzehnten vollumfänglich überbaut und erschlossen seien. Verbesserte
Nutzungsmöglichkeiten seien aufgrund des erforderlichen Umwegs trotz der geringeren
Steigung des Verbindungsstücks weder für die Mitglieder der Flurgenossenschaft noch für
die Anstösser der oberen G_strasse auszumachen. Zudem handle es sich bei der
G_strasse um eine Gemeindestrasse, und die Gemeinde habe auch im Winter dafür zu
sorgen, dass diese ohne Probleme befahren werden könne. Damit erscheine ein
Ausweichen der Anrainer auf die D_ eher hypothetischer Natur, zumal im Winter auch
über die „J_“ zugefahren werden könne. Nach objektiven Gesichtspunkten sei deshalb
kein Sondervorteil der im oberen Teil der G_strasse befindlichen Liegenschaften
ersichtlich (Ziff. 3c).
Seite 18
6.2 Auch in der Beschwerde gegen den Rekursentscheid betreffend Perimeterbeitragsplan
beschränken sich die Beschwerdeführer weitgehend darauf, ihre Ausführungen in der
Rekursschrift zu wiederholen, ohne sich mit den Erwägungen des angefochtenen
Entscheids auseinanderzusetzen. Damit wird auch diesbezüglich vorab auf die
Begründung der Vorinstanz in Ziff. 3 des angefochtenen Entscheids verwiesen, wo die
rechtlichen Grundlagen ebenfalls korrekt aufgeführt sind. Geprüft wird auch nachfolgend
nur die von den Beschwerdeführern konkret vorgebrachte und begründete Kritik an den
entscheidwesentlichen Erwägungen der Vorinstanz.
6.2.1 Die Beschwerdeführer machen geltend, eine gesamthafte Interessenabwägung zeige,
dass eine Erschliessung, wie sie gemäss Baulinienplan beabsichtigt sei, weder zweck-
noch rechtmässig sei. Die geplante Erschliessungsstrasse sei nicht nur untauglich,
sondern führe vielmehr dazu, dass die Parzelle Nr. 001 faktisch nicht mehr wirtschaftlich
überbaut werden könne. Ihre Erschliessungsvarianten der bis heute unüberbaut
gebliebenen Parzellen Nrn. 001, 002 und 003 seien zweck- und rechtmässig und würden
dem Grundsatz der haushälterischen Bodennutzung Rechnung tragen. Deshalb liege
seitens der Beschwerdeführer ein Sonderopfer vor, für welches sie zu entschädigen
seien. Aus diesen Gründen entbehre der Perimeterbeitragsplan, wonach sie fast die
Hälfte der Erschliessungskosten übernehmen müssten, jeglicher Grundlage.
6.2.2 Die Vorinstanz hat in Ziff. 3b des angefochtenen Entscheids nachvollziehbar dargelegt,
dass die Parzelle Nr. 001 durch die geplanten Verbindungsstrasse erstmalig erschlossen
wird und die Parzelle zonenkonform nach der Regelbauweise überbaut werden kann.
Ergänzend ist hervorzuheben, dass die Parzelle Nr. 001 aufgrund der bestehenden
Baulinien des gültigen Quartierplans E_ auch bis anhin nicht voll ausnützungsfähig war.
Die Beschwerdeführer scheinen dabei zu verkennen, dass der Baulinienplan
diesbezüglich sogar zu Verbesserungen führt, wird doch darin der Strassenabstand um
einen Meter reduziert und sind Flachdächer nicht mehr kategorisch ausgeschlossen,
sondern unter den Voraussetzungen von Art. 35 Abs. 3 BauR erlaubt (vgl. S. 12 des
Planungsberichts vom 30. August 2016, act. 15/II 8). Demzufolge ist ein Sondervorteil der
Beschwerdeführer zu bejahen bzw. ein Sonderopfer klar zu verneinen.
6.3
6.3.1 Die Beschwerdeführer halten daran fest, dass es sich nicht von der Hand weisen lasse,
dass die geplante neue D_ auch von den Anrainern der bereits überbauten
Grundstücke oberhalb der Parzelle Nr. 001 genutzt würde. Konsequenterweise müssten
sich auch die Eigentümer dieser Liegenschaften an den Erschliessungskosten beteiligen
oder es sei auf die Ringstrasse zu verzichten. Die Strassenparzelle Nr. 006 der
Seite 19
Flurgenossenschaft bringe der Parzelle Nr. 001 keine verbesserten
Nutzungsmöglichkeiten oder Wertsteigerungen, sei doch nicht ersichtlich, weshalb die
künftigen Bewohner des Grundstücks Nr. 001 über die steile G_strasse bzw. die
Strassenparzelle Nr. 006 zum Grundstück Nr. 001 zufahren sollten. Dieses habe absolut
keinen Nutzen von der Strassenparzelle, weshalb die Vorinstanz offensichtlich in
willkürlicher Weise einen solchen Nutzen bejahe. Ebenfalls in willkürlicher Weise und im
Widerspruch zu ihrer Feststellung, dass die Erschliessungsstrasse von den Mitgliedern
der Flurgenossenschaft sowie den Anstössern der oberen G_strasse genützt werde,
stelle die Vorinstanz fest, es seien keine verbesserten Nutzungsmöglichkeiten oder
Wertsteigerungen auszumachen. Des Weiteren ergebe sich aus den Verfahrensakten und
dem angefochtenen Entscheid nicht, wie der Wert der Strassenparzelle Nr. 006 berechnet
worden sei. Die Vorinstanz habe damit in willkürlicher Weise einen Sondervorteil der im
oberen Teil der G_strasse befindlichen Liegenschaften verneint und damit auch
Bundesverfassungsrecht verletzt. Ebenfalls in willkürlicher Manier nicht
auseinandergesetzt habe sich die Vorinstanz mit dem Vorbringen der Beschwerdeführer,
gemäss Art. 27 StR betrügen die Perimeterbeiträge der Grundeigentümer an den Neu-
und Ausbau von Erschliessungsstrassen 50 - 90 %. Da die geplanten neuen
Werkleitungen auch weiteren, oberhalb des vorgesehenen Perimeters liegenden
Parzellen dienen würden, seien auch diese in den Perimeter einzubeziehen.
6.3.2 Mit der Vorinstanz ist darin übereinzugehen, dass für die Anstösser der G_strasse
aufgrund des erforderlichen Umwegs und des ausgebauten Einlenkers keine
Sondervorteile ersichtlich sind, welche sich durch den Bau der Verbindungsstrasse
ergeben würden. Zudem könnten diese aufgrund des Alters der G_strasse schon
aufgrund von Art. 43 StrV nicht mehr nachträglich zu Beiträgen verpflichtet werden. Es
lässt sich jedoch tatsächlich nicht von der Hand weisen, dass zumindest einige Anstösser
der K_strasse und des erstellten Teils der D_ aufgrund der geringeren Fahrdistanz
zum öffentlichen Strassennetz und aus topografischen Gründen von der geplanten
Verlängerung der D_ profitieren. Dies scheint die Vorinstanz zu verkennen, indem sie
per se einen Sondervorteil für die Mitglieder der Flurgenossenschaft verneint. Die
Strassenparzelle Nr. 006 wurde jedoch genau deshalb korrekterweise mit allen
Grundstücken der Mitglieder der Flurgenossenschaft in den Perimeterplan und die
Perimeterliste aufgenommen. Damit ergibt sich für den Bau der gesamten Ringstrasse
zulasten der Beschwerdeführer effektiv ein Perimeteranteil von 22.3 % (vgl. S. 10 der
Perimeterliste; act. 15/II 9l). Diese Perimeterliste erweist sich im Sinne von Art. 84 StrG i.
V. m. Art. 31 ff. StrV als gesetzeskonform, was im Übrigen auch von den
Beschwerdeführern nicht substantiiert bestritten wird. Da die Flurgenossenschaft selbst
für den Bau der bereits erstellten Erschliessungsstränge aufgekommen ist, besteht keine
Seite 20
Rechtsgrundlage, die Mitglieder der Flurgenossenschaft nachträglich zu
Perimeterbeiträgen für das geplante Verbindungsstück zu verpflichten. Aus S. 5 der
Perimeterliste geht zudem hervor, dass die Erstellungskosten der seit 30 Jahren
bestehenden Strassenparzelle Nr. 006 von Fr. 750‘000.-- von der fachkundigen L_ AG
auf Basis des Kostenvoranschlags abgeschätzt wurden. Damit besteht für das
Obergericht kein Anlass, diesen Wert erstmalig und damit quasi erstinstanzlich in Frage
zu stellen, zumal gegen die effektive Beitragsverfügung (nicht jedoch gegen den
prozentualen Anteil) gemäss Art. 40 Abs. 3 StrV ohnehin separat Einsprache erhoben
werden kann.
Da die Vorvorinstanz gemäss Art. 81 StrG und Art. 29 StR bei öffentlichen Strassen im
privaten Eigentum nur zu Beiträgen für den baulichen und betrieblichen Unterhalt
verpflichtet ist, ist im festgelegten Gemeindebeitrag von 25 % an die Erstellungskosten
ebenfalls keine Rechtsverletzung auszumachen. Im Übrigen ist nicht ersichtlich, welchen
oberhalb des vorgesehenen Perimeters liegenden Parzellen die geplanten Werkleitungen
dienen sollen, womit diese Rüge ebenfalls unbegründet ist.
7. Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass die Entscheide der Vorinstanz angesichts
ihrer durch die Gemeindeautonomie eingeschränkten Überprüfungsbefugnis nicht zu
beanstanden sind und sich die Planerlasse als rechtmässig erweisen. Die Beschwerden
sind damit abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
Nach Art. 19 Abs. 3 i. V. m. Art. 59 VRPG ist im Beschwerdeverfahren vor Obergericht
gebühren- und kostenpflichtig, wer ganz oder teilweise unterliegt oder auf dessen
Rechtsmittel nicht eingetreten wird. Kostenvermindernd ist zu berücksichtigen, dass sich
der Bearbeitungsaufwand aufgrund der Verfahrensvereinigung reduzieren liess. In
Anwendung von Art. 4a des Gesetzes über die Gebühren in Verwaltungssachen (bGS
233.2) wird die reduzierte Entscheidgebühr auf insgesamt Fr. 5‘000.-- festgesetzt, für
welche die Beschwerdeführer solidarisch haften. Der Kostenvorschuss von aus beiden
Verfahren von Fr. 8‘000.-- ist anzurechnen, womit den Beschwerdeführern von der
Gerichtskasse Fr. 3‘000.-- zurückzuerstatten ist.
Danach Art. 59 i. V. m. Art. 24 Abs. 3 lit. a VRPG an Behörden keine Parteientschädigung
ausgerichtet wird, ist auf die Zusprechung einer Parteientschädigung zugunsten der
Vorvorinstanz zu verzichten.
Seite 21