Decision ID: d00b5df1-63f3-54ec-a583-a960caee757b
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Zweck der A._ GmbH (im Folgenden: Arbeitgeberin, Beschwer-
degegnerin oder Beschwerdeführerin) liegt unter anderem in der
B._ (vgl. www.zefix.ch; zuletzt besucht am 9. November 2020). Als
Betrieb des Baugewerbes ist die Arbeitgeberin für die obligatorische Un-
fallversicherung der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (im Fol-
genden: Suva oder Vorinstanz) angeschlossen und in deren Prämientarif
für die Berufsunfallversicherung (BUV) der Risikogemeinschaft Klasse 41A
zugeteilt (vgl. bspw. Akten [im Folgenden: act.] der Suva 23 bis 25).
B.
B.a Am 8. August 2016 führte die Suva auf der Baustelle "C._" eine
Kontrolle durch und stellte fest, dass kein Arbeitsplan vorlag. Als Sofort-
massnahme war seitens der Arbeitgeberin ein Arbeitsplan zu erarbeiten
und dieser der Suva zuzustellen (Ziffer 1.1). Als Massnahme wurde formu-
liert, es sei sicherzustellen, dass für Astbestsanierungsarbeiten ein Arbeits-
plan gemäss den Vorgaben erarbeitet werde (Ziffer 1.2; act. 21). Vereinba-
rungsgemäss setzte die Arbeitgeberin die vereinbarten Massnahmen in-
nert Frist um (act. 20).
B.b Eine weitere Kontrolle fand am 10. Oktober 2017 auf der Baustelle
"D._" statt. Die Suva listete insgesamt sieben Feststellungen im Zu-
sammenhang mit der Liste der ausgebildeten Arbeitnehmenden, dem Ar-
beitsplan, dem Atemschutz, der Dekontaminations- resp. Materialschleuse,
dem Umgang von Asbestabfällen sowie der Aufhebung der Schutzmass-
nahmen auf und nannte dabei jeweils die von der Arbeitgeberin zu treffen-
den Massnahmen sofortiger und genereller Natur (act. 19). Mit Rückmel-
dung vom 27. Oktober 2017 orientierte die Arbeitgeberin die Suva, dass
"alle Feststellungen" behoben worden seien (act. 18).
B.c Mit Datum vom 6. Juni 2018 führte die Suva eine weitere Kontrolle
durch; dieses Mal auf der Baustelle "E._". Sie stellte fest, dass die
Hubarbeitsbühnen von Personen bedient wurden, die für diese Tätigkeit
nicht oder nur ungenügend ausgebildet waren, dass am Dachrand keine
Massnahmen ergriffen worden waren, um einen Absturz zu verhindern,
dass die Arbeitnehmenden, welche Arbeitseinsätze mit Atemschutzgeräten
leisten, nicht rasiert waren und dass die asbesthaltigen Faserzementplat-
ten nicht regelkonform entfernt wurden. Die Suva formulierte erneut Mass-
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nahmen, welche die Arbeitgeberin sofort und/oder generell innert Frist um-
zusetzen hatte; die entsprechende Ermahnung Stufe 1 erging mit Schrei-
ben vom 7. Juni 2018 (act. 17). Im Rahmen der Rückmeldung vom 18. Juni
2018 orientierte die Arbeitgeberin die Suva dahingehend, dass sämtliche
Massnahmen umgehend durchgeführt worden seien und die Sofortmass-
nahme gemäss Ziffer 1.1 nicht notwendig gewesen sei, da gemäss Anwe-
senheitsliste der Bediener über die nötige Ausbildung verfügt habe
(act. 16).
C.
Am 3. Juli 2018 fand zwischen der Suva und der Arbeitgeberin ein Audit
zur Anerkennung als Asbestsanierungsunternehmen gemäss den Bestim-
mungen von Art. 60b Abs. 2 der Verordnung über die Sicherheit und den
Gesundheitsschutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Bauar-
beiten vom 29. Juni 2005 (BauAV; SR 832.311.141) statt. Im Anhang "Fest-
stellungen und Massnahmen" wurden die besprochenen Feststellungen
und vereinbarten Massnahmen festgehalten (act. 15). In der am 28. Sep-
tember 2018 unterzeichneten Rückmeldung verwies die Arbeitgeberin auf
die Beilage und bestätigte, dass sie die im Schreiben vom 3. Juli 2018 fest-
gehaltenen Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitssicherheit und des
Gesundheitsschutzes getroffen habe (act. 14).
D.
D.a Mit Datum vom 23. Oktober 2018 erfolgte auf der Baustelle
"F._" eine weitere Kontrolle. Anlässlich dieser stellte die Suva fest,
dass während der Arbeitszeit nicht eine Luftdruckdifferenz von mindestens
10 Pa (Pascal) eingehalten, der Unterdruck nicht dauernd durch ein Mess-
gerät überwacht und aufgezeichnet und beim Abfall der Luftdruckdifferenz
kein akustischer oder optischer Alarm ausgelöst wurde. Die Suva formu-
lierte im Zusammenhang mit diesen drei Feststellungen die von der Arbeit-
geberin zu treffenden Sofortmassnahmen sowie andere, weniger dringli-
che Vorkehrungen und erliess am 30. Oktober 2018 zufolge der gesichte-
ten Mängel eine Ermahnung Stufe 2 (act. 12).
D.b Im Anschluss an die Kontrolle vom 23. Oktober 2018 teilte die Suva
der Arbeitgeberin mit Schreiben vom 31. Oktober 2018 unter anderem mit,
nachdem sie auf der genannten Baustelle schwerwiegende Mängel habe
feststellen müssen, befinde sich der Betrieb der Arbeitgeberin im Verfahren
über den Entzug der Anerkennung neu auf Stufe 1 (act. 11).
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D.c Mit Schreiben vom 8. November 2018 nahm die Arbeitgeberin zu den
Vorwürfen der Suva Stellung. Zusammengefasst führte sie aus, die effekti-
ven Sanierungsarbeiten seien am 22. Oktober 2018 beendet worden. Die
Arbeiter seien zum Zeitpunkt der Kontrolle bei der Nachkontrolle der Bau-
stelle gewesen, wobei die optischen und akustischen Warnsignale für den
Unterdruck vorhanden, jedoch ausgeschaltet gewesen seien. Ebenso sei
der Messschreiber in Betrieb und das Personal über den Ablauf anhand
eines Arbeitsplanes instruiert gewesen. Danach seien die Unterdruckge-
räte ganz abgestellt und die Zone für die Schlusskontrollmessung vorbe-
reitet worden. Am 23. Oktober 2018 seien die Schlusskontrollmessungen
installiert worden; diese seien bis am 24. Oktober 2018 gelaufen. An-
schliessend seien die Messfilter zur Auswertung in das Labor der GSAS
gegangen. Als Fazit wurde festgehalten, sämtliche Vorschriften der EKAS-
Richtlinie sowie die BauAV seien zu jedem Zeitpunkt eingehalten worden,
was Herr G._ bei der Kontrolle des vorhandenen Baustellenordners
und in Rücksprache mit dem Vorarbeiter/Bauleiter hätte erkennen können.
Es sei jedoch nur beobachtet bzw. kurz kontrolliert worden, und ohne Rück-
sprache sei die Ermahnung und der Entzug der Anerkennung in erster
Stufe erfolgt (act. 10).
D.d Zu diesen Einwänden vom 8. November 2018 nahm die Suva mit
Schreiben vom 19. Dezember 2018 Stellung. Sie erwog zusammenge-
fasst, nach Ziffer 7.4.11 der EKAS Richtlinie "Asbest", Nr. 6503, dürften die
Schutzmassnahmen bzw. die Sanierungszone erst aufgehoben werden,
wenn die ermittelte Asbestfaserkonzentration das Minimierungsgebot er-
fülle und keine Asbestfaserreste mehr sichtbar seien. Anlässlich der Kon-
trolle sei festgestellt worden, dass die Unterdruckgeräte nicht mehr in Be-
trieb gewesen seien, obschon noch Arbeitnehmende an der Arbeit gewe-
sen seien. Die Probe für die Asbestkonzentration sei dem Labor erst am
25. Oktober 2018 eingereicht worden. Gemäss Ziffer 7.4.11 der genannten
EKAS Richtlinie dürfe eine Sanierungszone frühestens nach Ermittlung der
Asbestfaserkonzentration aufgehoben werden. Dies sei offensichtlich nicht
der Fall gewesen. Aufgrund der Sachlage müsse an der Ermahnung Stufe
2 vom 30. Oktober 2018 und an der Erhöhung auf Stufe 1 im Verfahren um
Entzug der Anerkennung als Asbestsanierungsunternehmen festgehalten
werden (act. 8).
D.e Nachdem die Arbeitgeberin daraufhin mit Schreiben vom 15. Januar
2019 eine anfechtbare Verfügung verlangt hatte (act. 7), teilte ihr die Suva
am 28. Januar 2019 mit, die Suva halte sich strikt an die Regeln im EKAS
Leitfaden für das Durchführungsverfahren in der Arbeitssicherheit. Der
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Leitfaden sehe bei Ermahnungen keine Rechtsmittelbelehrung vor. Die Ar-
beitgeberin habe jedoch die Möglichkeit, beim Bundesverwaltungsgericht
eine Beschwerde zu erheben (act. 5). Daraufhin orientierte die Arbeitgebe-
rin, vertreten durch Rechtsanwalt Titus Bossart, die Suva am 7. Februar
2019 darüber, dass sie eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht
eingereicht habe; weiter bat sie um Zustellung der Akten zur Einsicht, wo-
bei allfällige Dokumentationen von Interesse seien, die anlässlich der strit-
tigen Kontrolle gemacht worden seien (act. 4). In der Folge liess die Suva
der Arbeitgeberin am 22. Februar 2019 das nach der Kontrolle erstellte Fo-
todossier zukommen (act. 1).
E.
E.a Mit Eingabe vom 6. Februar 2019 liess die Arbeitgeberin durch ihren
Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und
in formeller Hinsicht beantragen, es sei der Beschwerdeführerin die Mög-
lichkeit einzuräumen, ihre Beschwerde zu ergänzen bzw. Beschwerde-
gründe nachzureichen. Weiter liess sie den Antrag auf sofortigen Beizug
der Vorakten bei der Beschwerdegegnerin und die anschliessende Über-
sendung an die Beschwerdeführerin stellen. In materieller Hinsicht liess sie
beantragen, es sei der Entscheid vom 19. Dezember 2018 betreffend Ar-
beitssicherheit und Gesundheitsschutz aufzuheben und es sei festzustel-
len, dass kein Verstoss gegen die Verhütung von Unfällen und Berufs-
krankheiten vorliege und die Ermahnung Stufe 2 vom 30. Oktober 2018
nicht rechtmässig sei. Weiter sei festzustellen, dass kein Verstoss gegen
die EKAS Richtlinie "Asbest", Nr. 6503, vorliege, und die Beschwerdegeg-
nerin sei anzuweisen, auf die Erhöhung auf Stufe 1 im Verfahren um Ent-
zug der Anerkennung als Asbestsanierungsunternehmen zu verzichten.
(act. im Beschwerdeverfahren [im Folgenden: B-act.] 1).
E.b Mit Zwischenverfügung vom 18. Februar 2019 wurde die Beschwerde-
führerin unter Hinweis auf die Säumnisfolgen (Nichteintreten auf die Be-
schwerde) aufgefordert, innert Frist einen Kostenvorschuss von Fr. 4'000.-
in der Höhe der mutmasslichen Verfahrenskosten zu leisten (B-act. 2); die-
ser Aufforderung kam die Beschwerdeführerin nach (B-act. 5).
E.c Mit prozessleitender Verfügung vom 18. Februar 2019 wurde das Ge-
such um Akteneinsicht und Beschwerdeergänzung vom Bundesverwal-
tungsgericht gutgeheissen und die Vorinstanz ersucht, innert Frist die ge-
samten Akten (nummeriert und in einem Aktenverzeichnis aufgenommen)
einzureichen (B-act. 3); mit Datum vom 11. März 2019 gingen die Akten
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betreffend das Durchführungsverfahren beim Bundesverwaltungsgericht
ein (B-act. 6).
E.d Mit prozessleitender Verfügung vom 12. März 2019 gingen die
vorinstanzlichen Akten in Kopie zur Kenntnisnahme an die Beschwerde-
führerin; diese wurde eingeladen, innert Frist eine Beschwerdeergänzung
in zwei Exemplaren und entsprechende Beweismittel einzureichen (B-act.
7).
E.e In ihrer Beschwerdeergänzung vom 9. April 2019 liess die Beschwer-
deführerin ihre Rechtsbegehren wiederholen und weitere Ausführungen
machen (B-act. 8).
E.f In ihrer Vernehmlassung vom 13. Mai 2019 beantragte die Vorinstanz,
der Antrag der Beschwerdeführerin auf Aufhebung des Entscheids vom
19. Dezember 2018 sei abzuweisen und auf die Feststellung, die Ermah-
nung Stufe 2 vom 30. Oktober 2018 sei nicht rechtmässig erfolgt, sei zu
verzichten. Weiter sei der Antrag, auf die Erhöhung auf Stufe 1 im Verfah-
ren um Entzug der Anerkennung als Asbestsanierungsunternehmen zu
verzichten, abzuweisen (B-act. 10).
E.g In ihrer Replik vom 17. Juni 2019 liess die Beschwerdeführerin an den
gestellten Rechtsbegehren festhalten und zu den Vorbringen der
Vorinstanz Stellung nehmen (B-act. 12).
E.h In ihrer Duplik vom 2. August 2019 nahm die Vorinstanz Bezug auf die
replicando vorgebrachten Argumente der Beschwerdeführerin und hielt an
den vernehmlassungsweise gestellten Anträgen fest (B-act. 14).
E.i Mit prozessleitender Verfügung vom 6. August 2019 wurde – unter dem
Vorbehalt weiterer Instruktionsmassnahmen – der Schriftenwechsel abge-
schlossen.
E.j Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften und Be-
weismittel der Parteien ist – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Er-
wägungen einzugehen.
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Seite 7

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht prüft von Amtes wegen und mit freier Kog-
nition, ob die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind und ob auf eine Be-
schwerde einzutreten ist (Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]); BVGE
2016/15 E. 1; 2014/4 E. 1.2).
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern keine Ausnahme nach
Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG genannten
Behörden. Die SUVA ist eine Vorinstanz im Sinne von Art. 33 Bst. e VGG.
Die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts zur Beurteilung von Be-
schwerden gegen Verfügungen der SUVA über Anordnungen zur Verhü-
tung von Unfällen, die nicht durch Einsprache anfechtbar sind, ergibt sich
aus Art. 109 Bst. c in Verbindung mit Art. 105a des Bundesgesetzes vom
20. März 1981 über die Unfallversicherung (UVG, SR 832.20).
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem Verwaltungsverfahrensgesetz, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz
nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Vorbehalten bleiben gemäss Art. 3
Bst. dbis VwVG die besonderen Bestimmungen des Bundesgesetzes vom
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1).
1.3 Nach Art. 59 ATSG ist zur Beschwerde berechtigt, wer durch die ange-
fochtene Verfügung (oder den angefochtenen Einspracheentscheid) be-
rührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Ände-
rung hat (vgl. auch Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG). Schutzwürdig ist das Inte-
resse grundsätzlich nur dann, wenn es nicht nur bei der Beschwerdeein-
reichung, sondern auch im Zeitpunkt der Urteilszeitfällung aktuell und prak-
tisch ist (BGE 123 II 285 E. 4, Urteil des Bundesgerichts [BGer]
2C_166/2009 vom 30. November 2009 E. 1.2.1, Urteil des BGer
8C_622/2009 vom 3. Dezember 2009 E. 1.1; zu den Ausnahmen vgl. bspw.
Urteil des BGer 2C_166/2009 vom 30. November 2009 E. 1.2.1, vgl. auch
BGE 135 I 79 E. 1.1). Aktuell ist das Interesse, wenn der durch die ange-
fochtene Verfügung erlittene Nachteil im Zeitpunkt des Entscheids der Be-
schwerdeinstanz noch besteht. Ein praktisches Interesse setzt voraus,
dass dieser Nachteil bei Gutheissung der Beschwerde beseitigt werden
kann. Das Interesse ist somit dann schutzwürdig, wenn durch den Ausgang
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des Verfahrens die tatsächliche oder rechtliche Situation der beschwerde-
führenden Person noch beeinflusst werden kann. Demgegenüber fehlt es
an einem aktuellen praktischen Interesse, wenn der Nachteil auch bei Gut-
heissung der Beschwerde nicht mehr behoben werden könnte (BVGE
2009/31 E. 3.1 mit Hinweisen). Fällt das schutzwürdige Interesse im Laufe
des Verfahrens dahin, wird die Sache als erledigt erklärt; fehlte es schon
bei der Beschwerdeeinreichung, ist auf die Eingabe nicht einzutreten (Ur-
teil des BGer 2C_1025/2014 vom 3. Dezember 2014 E. 2.2 mit Hinweis auf
BGE 137 I 23 E. 1.3 mit Hinweisen).
1.4 Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde anfechtbar sind Verfügungen im
Sinne von Art. 5 VwVG (Art. 44 VwVG, vgl. auch Art. 56 Abs. 1 ATSG). Als
Verfügungen im Sinne von Art. 5 Abs. 1 VwVG gelten individuelle, an den
Einzelnen gerichtete Hoheitsakte, durch die eine konkrete verwaltungs-
rechtliche Rechtsbeziehung rechtsgestaltend oder feststellend in verbind-
licher und erzwingbarer Weise geregelt wird. Für das Vorliegen einer Ver-
fügung ist dabei nicht massgebend, ob sie als solche gekennzeichnet ist
oder den gesetzlichen Formvorschriften für eine Verfügung entspricht.
Massgebend ist vielmehr, ob die Strukturmerkmale einer Verfügung vor-
handen sind (Urteil des BVGer A-8518/2007 vom 18. September 2008
E. 4.4 mit Hinweisen).
1.5
1.5.1 Angefochten ist einerseits die Ermahnung Stufe 2 der SUVA vom
30. Oktober 2018, worin die Beschwerdeführerin aufgefordert wurde, auf
der Baustelle "F._" im Zusammenhang mit der Einhaltung der Luft-
druckdifferenz von mindestens 20 Pa während der Arbeitszeit, der Über-
wachung und Aufzeichnung des Unterdrucks durch ein Messgerät und der
Auslösung eines akustischen oder optischen Alarms bei einem Abfall der
Luftdruckdifferenz zahlreiche Massnahmen und Sofort-Massnahmen zu er-
greifen (act. 12). Nachfolgend ist zu prüfen, ob der Ermahnung Stufe 2 vom
16. Juli 2015 Verfügungscharakter zukommt.
1.5.1.1 Nach der Rechtsprechung ist eine behördliche Mahnung einer Ver-
fügung im Sinne von Art. 5 VwVG gleichzustellen, wenn diese die Rechts-
stellung der Betroffenen verschlechtert (BGE 103 Ib 350 E. 2, vgl. auch
BGE 125 I 119 E. 2a). Im Bereich des Disziplinarrechts liegt insbesondere
dann eine anfechtbare Verfügung vor, wenn eine Ermahnung als Diszipli-
narmassnahme ausgestaltet ist (BGE 125 I 119 E. 2a). Verwarnungen,
Mahnungen und die Androhung belastender Anordnungen sind anfechtbar,
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wenn sie notwendige Voraussetzung für spätere, schärfere Massnahmen
bilden (Urteil des BVGer C-8135/2010 vom 10. Januar 2013 E. 1.5 mit Hin-
weis auf Urteil des BGer 5P.199/2003 vom 12. August 2003 E. 1.1), sofern
sich die aktuelle Rechtsstellung der betroffenen Person allein dadurch ver-
schlechtert (vgl. TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwaltungs-
recht, 3. Aufl., Bern 2009, § 28 N. 27; Urteil des BGer 1P.555/2001 vom
3. Januar 2002 E. 4.2 ff.). Im Falle einer Belehrung, eines Verweises, einer
Mahnung oder dergleichen gilt es zu prüfen, ob diesem Akt Sanktionscha-
rakter zukommt; dies trifft dann zu, wenn er den Vorwurf rechtswidrigen
Verhaltens in sich schliesst, dem Betreffenden nahe legt, dieses in Zukunft
zu unterlassen, und objektiv eine Massregelung darstellt. Von Bedeutung
ist sodann, inwiefern sich die früher verhängte Massnahme bei der Beur-
teilung in einem allfällig später eingeleiteten Disziplinarverfahren auswir-
ken würde (Urteil des BVGer C-8135/2010 vom 10. Januar 2013 E. 1.5 mit
Hinweis auf Urteil des BGer 5P.199/2003 vom 12. August 2003 E. 1.1 mit
Hinweisen).
1.5.1.2 Nach Art. 62 Abs. 1 der Verordnung über die Verhütung von Unfäl-
len und Berufskrankheiten vom 19. Dezember 1983 (VUV; SR 832.30)
macht das für die Kontrolle zuständige Durchführungsorgan, wenn sich
aufgrund eines Betriebsbesuches herausstellt, dass Vorschriften über die
Arbeitssicherheit verletzt sind, den Arbeitgeber darauf aufmerksam und
setzt ihm eine angemessene Frist zur Einhaltung der Vorschrift. Diese Er-
mahnung ist dem Arbeitgeber schriftlich zu bestätigen. Wird der Ermah-
nung keine Folge geleistet, so ordnet das zuständige Durchführungsorgan,
nach Anhörung des Arbeitgebers und der unmittelbar betroffenen Arbeit-
nehmer, die erforderlichen Massnahmen durch Verfügung an und setzt
dem Arbeitgeber eine angemessene Frist zum Vollzug der Massnahmen
(Art. 64 Abs. 1 VUV). In dringenden Fällen ist die Verfügung ohne vorgän-
gige Ermahnung zu erlassen (vgl. Art. 62 Abs. 2 VUV). Leistet der Arbeit-
geber einer vollstreckbaren Verfügung keine Folge oder handelt er auf an-
dere Weise Vorschriften über die Arbeitssicherheit zuwider, kann sein Be-
trieb nach Art. 66 Abs. 1 VUV in Verbindung mit Art. 92 Abs. 3 UVG in eine
höhere Stufe des Prämientarifs versetzt werden (Prämienerhöhung). Diese
Höhereinreihung richtet sich gemäss Art. 113 Abs. 2 der Verordnung über
die Unfallversicherung vom 20. Dezember 1982 (UVV; SR 832.202) nach
den Bestimmungen der VUV, wobei der betroffene Betrieb in der Regel in
eine Stufe mit einem um mindestens 20% höheren Prämiensatz versetzt
werden soll. Ist dies innerhalb des Tarifs nicht möglich, so wird der Prämi-
ensatz der höchsten Stufe der betreffenden Klasse entsprechend erhöht.
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Ermahnungen des Kontrollorgans sind in der Regel notwendige Vorausset-
zung für eine spätere Sanktionierung in Form einer Prämienerhöhung nach
Art. 92 Abs. 3 UVG in Verbindung mit Art. 66 Abs. 1 VUV und verschlech-
tern die aktuelle Rechtsstellung eines betroffenen Betriebs.
1.5.1.3 Die am 30. Oktober 2018 ausgesprochen Ermahnung Stufe 2 kann
im Hinblick auf eine spätere Prämienerhöhung zu Lasten der Beschwerde-
führerin berücksichtigt werden. Da der Ermahnung Stufe 2 vom 30. Okto-
ber 2018 demnach Sanktionscharakter im Sinne der oben erwähnten
Rechtsprechung zukommt und das aktuelle Rechtsschutzinteresse der Be-
schwerdeführerin gegeben ist, kann diese Ermahnung beim Bundesver-
waltungsgericht grundsätzlich angefochten werden (vgl. hierzu BVGE
2010/37 E. 2.4.3 ff. mit Hinweisen [E. 2.4.4 mit Hinweis auf Urteil C-
3183/2006 vom 6. Juli 2007 E. 3.6]).
1.5.2 Andererseits wurde das Aberkennungsverfahren bzw. die Erhöhung
von Stufe 0 auf Stufe 1 vom 31. Oktober 2018 angefochten (act. 11).
1.5.2.1 Gemäss Art. 60b Abs. 1 BauAV dürfen Arbeiten, bei denen erhebli-
che Mengen gesundheitsgefährdender Asbestfasern freigesetzt werden
können, nur von anerkannten Asbestsanierungsunternehmen ausgeführt
werden. Die SUVA anerkennt Asbestsanierungsunternehmen, wenn diese
die Voraussetzungen gemäss Art. 60b Abs. 2 Bst. a bis d BauAV erfüllen.
Sind die Voraussetzungen für die Anerkennung nicht mehr erfüllt, so kann
die SUVA die Anerkennung entziehen (Art. 60b Abs. 3 BauAV).
1.5.2.2 Im Zusammenhang mit dem verfügungsweisen Entzug der Aner-
kennung gelangt seitens der Suva ein mehrstufiges Verfahren zur Anwen-
dung. Dabei beginnen alle Betriebe bei der Stufe 0 (noch kein Verfahren).
Vorliegend leitete die Suva zufolge der von ihr festgestellten, gravierenden
Mängeln das Verfahren für den Entzug der Anerkennung ein und setzte die
Beschwerdeführerin auf Stufe 1. Sollte die Suva zukünftig weitere schwer-
wiegende Sicherheitsmängel bei Sanierungsarbeiten feststellen, würde
das Verfahren für den Entzug der Anerkennung gemäss einer spezifischen
Tabelle fortgesetzt (vgl. hierzu https://www.suva.ch/de-CH/material/Doku-
mentationen/anerkennung-von-asbestsanierungsunternehmen-verfahren-
fuer-die-anerkennung-bzw-den-entzug-der-anerkennung-durch-die-suva;
zuletzt aufgerufen am 9. November 2020).
1.5.2.3 Da die Erhöhung von Stufe 0 auf Stufe 1 im Zusammenhang mit
dem (allfälligen künftigen) Entzug der Anerkennung die Rechtsstellung der
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Seite 11
Beschwerdeführerin unzweifelhaft negativ beeinflusst, dieser Erhöhung
disziplinarischen, belastenden Sanktionscharakter zukommt und sich
dadurch die aktuelle Rechtsstellung der über ein aktuelles Rechtsschutz-
interesse verfügende Beschwerdeführerin verschlechtert hat, kann diese
mit Blick auf die vorstehend zusammengefasst wiedergegebene Bundes-
gerichtsrechtsprechung ebenfalls beim Bundesverwaltungsgericht ange-
fochten werden (vgl. E. 1.5.1.1 und 1.5.1.3 hiervor).
1.5.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist zusammenfassend fest-
zuhalten, dass die Beschwerdeführerin durch die Ermahnung Stufe 2 der
SUVA vom 30. Oktober 2018 und das Aberkennungsverfahren bzw. die Er-
höhung von Stufe 0 auf Stufe 1 vom 31. Oktober 2018 berührt ist und ein
aktuelles, schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung
hat (Art. 59 ATSG; Art. 48 Abs. 1 VwVG). Als direkte Adressatin ist die Be-
schwerdeführerin demnach beschwerdelegitimiert. Da auch der Kostenvor-
schuss fristgerecht geleistet worden ist, ist auf die frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde (Art. 60 ATSG; Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1
VwVG) einzutreten. Unter diesen Umständen erübrigen sich Weiterungen
betreffend die Ausführungen der Beschwerdeführerin im Zusammenhang
mit einer fehlenden Rechtsmittelbelehrung und der Legitimation.
1.6
1.6.1 Streitig und zu prüfen ist demnach und mit Blick auf die Rechtsbe-
gehren der Beschwerdeführerin in materieller Hinsicht die Rechtmässigkeit
der Ermahnung Stufe 2 der SUVA vom 30. Oktober 2018 sowie des Aber-
kennungsverfahrens bzw. die Erhöhung von Stufe 0 auf Stufe 1 vom
31. Oktober 2018.
1.6.2 Nicht streitig und zu prüfen ist, dass die Suva für die Ermahnung
Stufe 2 vom 30. Oktober 2018 und für das Aberkennungsverfahren
bzw. die Erhöhung von Stufe 0 auf Stufe 1 vom 31. Oktober 2018 zuständig
war, was sich im Übrigen nicht beanstanden lässt.
1.6.3 Mit Blick auf die Anträge in formeller Hinsicht ist festzuhalten, dass
der Beschwerdeführerin im Rahmen der prozessleitenden Verfügung vom
12. März 2019 die vorinstanzlichen Akten in Kopie zur Kenntnisnahme zu-
gestellt worden sind (zur Zuständigkeit über Begehren um Akteneinsicht
vgl. BGE 132 V 387 E. 6.2 und 6.3; SVR 2018 KV Nr. 3 S. 21 E. 2.1) und
ihr die Möglichkeit zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung gegeben
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worden ist (B-act. 7). Insofern erübrigen sich Weiterungen zu den entspre-
chenden, formellen Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin (vgl. auch
E. 2. hiernach).
1.7 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdever-
fahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs
oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unange-
messenheit des Entscheids beanstanden (Art. 49 VwVG).
1.8 Nach der Rechtsprechung hat auch eine Rechtsmittelbehörde, der
volle Kognition zusteht, in Ermessensfragen einen Entscheidungsspiel-
raum der Vorinstanz zu respektieren. Sie hat eine unangemessene Ent-
scheidung zu korrigieren, kann aber der Vorinstanz die Wahl unter mehre-
ren angemessenen Lösungen überlassen (BGE 133 II 35 E. 3). Das Bun-
desverwaltungsgericht hat daher nur den Entscheid der unteren Instanz zu
überprüfen und sich nicht an deren Stelle zu setzen (vgl. BGE 126 V 75
E. 6). Insbesondere dann, wenn die Ermessensausübung, die Anwendung
unbestimmter Rechtsbegriffe oder die Sachverhaltswürdigung hochste-
hende, spezialisierte technische, wissenschaftliche oder wirtschaftliche
Kenntnisse erfordert, ist eine Zurückhaltung des Gerichts bei der Überprü-
fung vorinstanzlicher Bewertungen angezeigt (vgl. BGE 135 II 296 E. 4.4.3;
133 II 35 E. 3; 128 V 159 E. 3b/cc). Es stellt daher keine unzulässige Kog-
nitionsbeschränkung dar, wenn das Gericht − das nicht als Fachgericht
ausgestaltet ist − nicht ohne Not von der Auffassung der Vorinstanz ab-
weicht, soweit es um die Beurteilung technischer, wirtschaftlicher oder wis-
senschaftlicher Spezialfragen geht, in denen die Vorinstanz über ein be-
sonderes Fachwissen verfügt (vgl. BGE 135 II 296 E. 4.4.3; 133 II 35 E. 3
mit Hinweisen; siehe zum Ganzen auch YVO HANGARTNER, Behördenrecht-
liche Kognitionsbeschränkungen in der Verwaltungsrechtspflege, in:
Bovay/Nguyen [Hrsg.], Mélanges en l'honneur de Pierre Moor, 2005,
S. 319 ff.; FELLER/MÜLLER, Die Prüfungszuständigkeit des Bundesverwal-
tungsgerichts – Probleme in der praktischen Umsetzung, Schweizerisches
Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl] 110/2009 S. 442 ff.).
2.
Vorab ist mit Blick auf die Vorbringen der Beschwerdeführerin in formeller
Hinsicht zu prüfen, ob der Vorinstanz eine Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs resp. der (damit im Zusammenhang stehenden) Aktenführungspflicht
vorzuwerfen ist.
C-658/2019
Seite 13
2.1 Die Beschwerdeführerin liess geltend machen, entgegen aller Gepflo-
genheiten habe der Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin die Beschwerde-
führerin nicht kontaktiert. Er habe keine Rücksprache genommen und habe
sich auch nicht informieren lassen. Wenn der Kontrolleur der Suva in der
Tat die behauptete Antwort erhaben halten sollte, so wäre es dessen Auf-
gabe gewesen, sich zu erkundigen, in welchem Stadium der Sanierung
man sei. Erst wenn der Kontrolleur nämlich wisse, was genau gemacht
werde, könne er phasengerecht gemäss Kontrollliste kontrollieren. Die Be-
hauptung, wonach die von der Beschwerdegegnerin behaupteten Feststel-
lungen dokumentiert seien, sei komplett falsch. Die Suva solle aufzeigen,
wo sie diese Feststellungen dokumentiert habe. Sie belege die in ihren
Verfügungen erhobenen Vorwürfe nicht. Diese dokumentiere in ihren Akten
nicht, dass am 23. Oktober 2018 Sanierungsarbeiten durchgeführt worden
seien. Dies sei auch nicht der Fall gewesen. Nachdem die Beschwerde-
gegnerin einleitend ausführe, dass sich der rechtserhebliche Sachverhalt
aus den Suva-Akten 8, 11 und 12 ergebe, gehe es nicht an, wenn sie unter
Ziffer 4 neue (bestrittene) Behauptungen aufstelle. Die entsprechenden
Behauptungen seien denn auch nirgends protokolliert und fänden sich ins-
besondere nicht in den Schreiben der Suva vom 30. und 31. Oktober 2018.
Sie könnten im Rahmen des vorliegenden Verfahrens nicht berücksichtigt
werden. Sie seien zudem falsch.
2.2 Diesbezüglich machte die Vorinstanz zusammengefasst geltend, es
entspreche nicht den Tatsachen, dass der Mitarbeiter der Suva die Be-
schwerdeführerin nicht kontaktiert habe. Nach der Kontrolle habe der Mit-
arbeiter der Suva versucht, Herrn H._ telefonisch zu kontaktieren.
Es habe sich jedoch nur der Anrufbeantworter gemeldet. Am anderen Mor-
gen habe Herr H._ telefonisch kontaktiert werden können. Dieser
habe auf Herrn I._ verwiesen, mit welchem der Suva-Mitarbeiter am
Telefon habe sprechen können. Die Feststellungen seien, entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführerin, wie üblich dokumentiert. Dem Vorwurf,
sie führe Behauptungen an, die nicht in den rechtsrelevanten Dokumenten
enthalten und nicht protokolliert seien, sei entgegen zu halten, dass in Art.
61 Abs. 4 VUV bestimmt werde, dass die bei einem Betriebsbesuch ge-
machten Feststellungen und das Ergebnis einer Befragung vom zuständi-
gen Durchführungsorgan schriftlich festzuhalten seien. Dies decke sich mit
der Vorgabe im EKAS Leitfaden für das Durchführungsverfahren in der Ar-
beitssicherheit. In Ziffer 4.4.1 sei festgehalten, dass vor allem festgestellte
Mängel sowie das Ergebnis einer allfälligen Befragung wiederzugeben
seien. Insofern sei es nicht erforderlich, in den Ermahnungen jedes noch
C-658/2019
Seite 14
so kleine Detail aufzuführen. Vor allem die Verstösse gegen die einschlä-
gigen Vorschriften seien hieb- und stichfest zu dokumentieren und bildlich
festzuhalten. Das sei auch so gemacht worden. Es sei nicht einzusehen,
wieso diese Tatsachen im vorliegenden Verfahren nicht zu berücksichtigen
seien, nur weil sie nicht in der Ermahnung Stufe 2 vom 30. Oktober 2018
explizit erwähnt worden seien. Die Beschwerdeführerin müsse sich das,
was sie selbst in ihren Dokumenten behaupte, auch entgegenhalten lassen
müssen. Die Beschwerdeführerin interpretiere die Aussage der Suva "Es
war ein Kommen und Gehen" völlig falsch. Es sei seitens der Suva nie
behauptet worden, die Mitarbeitenden hätten ohne Schutzanzug die Sa-
nierungszone betreten. Mit der Aussage sei vielmehr gemeint gewesen,
dass die Asbestsanierung immer noch in Betrieb gewesen sei. Deshalb sei
die Sanierungszone später mehrmals betreten worden. Es handle sich da-
bei um Beobachtungen, die während der Kontrolle gemacht worden seien,
und keineswegs um nicht nachvollziehbare Behauptungen der Suva.
2.3
2.3.1 Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom
18. April 1999 [BV, SR 101]). Art. 29 Abs. 2 BV verleiht nicht den Anspruch,
sich in einer bestimmten – von der betroffenen Person gewünschten –
Form zu äussern (vgl. MICHELE ALBERTINI, Der verfassungsmässige An-
spruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren des modernen
Staates, Bern 2000, S. 336 f.). Das rechtliche Gehör dient einerseits der
Sachaufklärung, anderseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwir-
kungsrecht der Verfahrensbeteiligten beim Erlass von Verfügungen dar, die
ihre Rechtsstellung betreffen. Dazu gehört insbesondere das Recht der Be-
troffenen, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Ent-
scheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht
in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden
und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder
sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist,
den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1; Entscheid des BGer
8C_834/2013 vom 18. Juli 2014 E. 5.1). Im Verwaltungsverfahren gilt das
Mitwirkungs- und Äusserungsrecht der betroffenen Person namentlich im
Zusammenhang mit der Durchführung eines Augenscheins, der Befragung
von Zeugen sowie bezüglich eines Expertengutachtens. Auf diese Beweis-
mittel darf im Verwaltungsverfahren nicht abgestellt werden, ohne den Be-
troffenen Gelegenheit zu geben, an der Beweisabnahme teilzunehmen
C-658/2019
Seite 15
oder wenigstens nachträglich zum Beweisergebnis Stellung zu nehmen
(BGE 125 V 332 E. 3a).
2.3.2 Die Aktenführungspflicht von Verwaltung und Behörden bildet das
Gegenstück zum (aus Art. 29 Abs. 2 BV fliessenden) Akteneinsichts- und
Beweisführungsrecht, indem die Wahrnehmung des Akteneinsichtsrechts
durch die versicherte Person eine Aktenführungspflicht der Verwaltung
voraussetzt. Die Behörde ist verpflichtet, ein vollständiges Aktendossier
über das Verfahren zu führen, um gegebenenfalls ordnungsgemäss Akten-
einsicht gewähren und bei einem Weiterzug diese Unterlagen an die
Rechtsmittelinstanz weiterleiten zu können. Die Behörde hat alles in den
Akten festzuhalten, was zur Sache gehört. Der verfassungsmässige An-
spruch auf eine geordnete und übersichtliche Aktenführung verpflichtet die
Behörden und Gerichte, die Vollständigkeit der im Verfahren eingebrachten
und erstellten Akten sicherzustellen. Für die dem Allgemeinen Teil des So-
zialversicherungsrechts unterstellten Versicherer wurde in Art. 46 ATSG die
Aktenführungspflicht auf Gesetzesstufe konkretisiert. Danach sind für je-
des Sozialversicherungsverfahren alle Unterlagen, die massgeblich sein
können, vom Versicherungsträger systematisch zu erfassen (BGE 138 V
218 E. 8.1.2).
2.3.3 Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders schwerwie-
gende Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt gelten, wenn die be-
troffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz
zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen
kann. Die Heilung eines allfälligen Mangels soll aber die Ausnahme blei-
ben. Von einer Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen
Gehörs an die Verwaltung ist im Sinne einer Heilung des Mangels selbst
bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs abzusehen,
wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und
damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhö-
rung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderli-
chen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 137 I 195
E. 2.3.2, 126 V 130 E. 2b; SVR 2013 IV Nr. 26 S. 76 E. 4.2).
2.4
2.4.1 Die Auffassung der Vorinstanz, wonach in den Ermahnungen nicht
jedes noch so kleine Detail aufzuführen sei, trifft ohne weiteres zu. Indem
diese die – der Beschwerdeführerin zur Last gelegten – Verstösse gegen
die einschlägigen Vorschriften im Rahmen der Ermahnung Stufe 2 vom
C-658/2019
Seite 16
30. Oktober 2018 dokumentiert und mittels Fotodossier festgehalten hatte,
setzte sie die Bestimmungen von Art. 61 Abs. 4 VUV und Ziffer 4.4.1 des
EKAS Leitfadens für das Durchführungsverfahren in der Arbeitssicherheit
grundsätzlich um. Weiter lässt sich auch nicht beanstanden, dass die Be-
schwerdeführerin das, was sie selbst in ihren Dokumenten behauptet, sich
auch entgegenhalten lassen muss. Damit kann es jedoch nicht sein Be-
wenden haben.
2.4.2 Das Fotodossier betreffend die Baustelle "F._" enthält keine
Bilder des von der Suva geltend gemachten "Kommen und Gehens" von
Mitarbeitern der Beschwerdeführerin. Die von der Suva während der Kon-
trolle gemachten Beobachtungen (mehrmaliges Betreten der Sanierungs-
zone durch Mitarbeiter der Beschwerdeführerin während laufender Asbest-
sanierung) sind mit anderen Worten nicht dokumentiert und aktenkundig.
Weiter ergibt sich aufgrund der vorliegenden Akten, dass der Versuch der
Suva, Herrn H._ telefonisch zu kontaktieren, ebenso wenig doku-
mentiert ist wie das mit Herrn I._ geführte Telefongespräch sowie
dessen Inhalt. Ein entsprechender Hinweis auf die Herren H._ und
I._ ergibt sich zwar aus der Ermahnung Stufe 2 vom 30. Oktober
2018 (act. 12), nicht jedoch aus einer entsprechenden Aktennotiz der Suva
über die geführten Telefonate.
2.4.3 Die Frage nach der Verletzung des rechtlichen Gehörs kann jedoch
letztlich offengelassen werden, denn selbst wenn davon ausgegangen
würde, dass die Vorinstanz nach dem vorstehenden Dargelegten die Ak-
tenführungspflicht als Teilgehalt des Anspruchs auf rechtliches Gehör im
Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV verletzt hätte und die nicht dokumentierten
Beobachtungen und Telefonate nicht bloss als geringfügige Unzulänglich-
keiten bei der Dossierverwaltung zu qualifizieren wären (vgl. hierzu BGE
138 V 218 E. 8.3 S. 225), könnte dieser Mangel im vorliegenden Verfahren
als geheilt gelten. Dies insbesondere unter den Aspekten, dass sich der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin vor dem Bundesverwaltungsge-
richt – welches über eine volle Kognition verfügt (vgl. E. 1.7 hiervor) – im
Rahmen der Beschwerde vom 6. Februar 2019 (B-act. 1), der Beschwer-
deergänzung vom 9. April 2019 (B-act. 8) sowie der Replik vom 17. Juni
2019 (B-act. 12) ausführlich hatte äussern können und die Rückweisung
zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen
führen würde, die mit dem Interesse der Beschwerdeführerin an einer be-
förderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (vgl. hierzu
BGE 142 II 218 E. 2.8.1; 137 I 195 E. 2.3.2; je mit Hinweisen).
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-II-218%3Ade&number_of_ranks=0#page218 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-I-195%3Ade&number_of_ranks=0#page195
C-658/2019
Seite 17
3.
Im Folgenden sind weitere, für das vorliegende Beschwerdeverfahren
massgebliche gesetzliche Normen zusammengefasst wiederzugeben:
3.1 Gemäss Art. 82 Abs. 1 UVG ist der Arbeitgeber verpflichtet, zur Verhü-
tung von Berufsunfällen und Berufskrankheiten alle Massnahmen zu tref-
fen, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik an-
wendbar und den gegebenen Verhältnissen angemessen sind. Gestützt
auf Art. 83 Abs. 1 UVG hat der Bundesrat neben der VUV weitere Verord-
nungen erlassen, in welchen die Anforderungen an die Arbeitssicherheit für
bestimmte Tätigkeiten konkretisiert werden. Dazu gehört namentlich die
BauAV.
3.2 Die gestützt auf Art. 85 Abs. 2 UVG eingesetzte eidgenössische Koor-
dinationskommission für die Arbeitssicherheit (EKAS) stimmt die einzelnen
Durchführungsbereiche aufeinander ab, soweit der Bundesrat hierüber
keine Bestimmungen erlassen hat; sie sorgt für eine einheitliche Anwen-
dung der Vorschriften über die Verhütung von Berufsunfällen und Berufs-
krankheiten in den Betrieben (Art. 85 Abs. 3 Satz 1 UVG). Die Beschlüsse
der EKAS sind für die Versicherer und die Durchführungsorgane des ArG
verbindlich (Art. 85 Abs. 4 UVG). Die EKAS kann insbesondere Ausfüh-
rungsbestimmungen zum Verfahren erlassen (Art. 53 Bst. a VUV), was sie
mit Richtlinien und einem Leitfaden (im Folgenden: EKAS-Leitfaden, 5.
Aufl. 2013) gemacht hat. Die EKAS-Richtlinien stellen nicht unmittelbar ver-
bindliches Recht dar, sondern sind konkretisierende Bestimmungen, wel-
che den Arbeitgeber nicht verpflichten (vgl. EKAS-Leitfaden Ziff. 2.3.3).
Gleiches gilt auch für den EKAS-Leitfaden, welcher den Durchführungsor-
ganen, die den Vollzug der gesetzlichen Vorschriften betreffend Arbeitssi-
cherheit zu überwachen und notfalls durchzusetzen haben, Anleitungen
gibt in der Absicht, ein einheitliches und rechtsgleiches Vorgehen in der
Praxis zu fördern (EKAS-Leitfaden Ziff. 1; vgl. auch Art. 52a Abs. 1 VUV).
3.3 Nach Art. 3 Abs. 1 BauAV müssen Bauarbeiten so geplant werden,
dass das Risiko von Berufsunfällen, Berufskrankheiten oder Gesundheits-
beeinträchtigungen möglichst klein ist und die notwendigen Sicherheits-
massnahmen, namentlich bei der Verwendung von Arbeitsmitteln, einge-
halten werden können. Überträgt der Arbeitgeber die Umsetzung des
Werkvertrags einem anderen Arbeitgeber, so muss er sicherstellen, dass
dieser die im Werkvertrag enthaltenen Sicherheits- und Gesundheits-
schutzmassnahmen realisiert (Art. 3 Abs. 4 BauAV). Der Arbeitgeber, der
C-658/2019
Seite 18
Bauarbeiten ausführt, hat dafür zu sorgen, dass geeignete Materialien, In-
stallationen und Geräte in genügender Menge und rechtzeitig zur Verfü-
gung stehen. Sie müssen sich in betriebssicherem Zustand befinden und
den Anforderungen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes
entsprechen (Art. 3 Abs. 5 BauAV). Die Arbeitsplätze müssen sicher und
über sichere Verkehrswege zu erreichen sein (Art. 8 Abs. 1 BauAV). Ge-
mäss Art. 60 Abs. 3 BauAV ist das Betreten von Gefahrenzonen durch
Schutzwände, Absperrungen oder Warnposten zu verhindern. Es ist na-
mentlich der Gefahr eines Seilbruches und von Materialwurf Rechnung zu
tragen. Die Arbeiten dürfen nur unter ständiger fachkundiger Aufsicht
durchgeführt werden (Art. 60 Abs. 4 BauAV). Laut Art. 60a Abs. 1 BauAV
sind die Arbeitgeber verpflichtet, die in Bst. a (Ziff. 1 bis 3) und b (Ziff. 1 bis
3) erwähnten Arbeiten vor deren Ausführung der Suva zu melden. Die
SUVA bestimmt Frist und Form der Meldungen nach Konsultation der inte-
ressierten Organisationen (Art. 60a Abs. 2 BauAV). Arbeiten, bei denen er-
hebliche Mengen gesundheitsgefährdender Asbestfasern freigesetzt wer-
den können, dürfen gemäss Art. 60b Abs. 1 BauAV nur von anerkannten
Asbestsanierungsunternehmen ausgeführt werden. Die SUVA anerkennt
Asbestsanierungsunternehmen, wenn diese die Voraussetzungen gemäss
Art. 60b Abs. 2 Bst. a bis d BauAV erfüllen. Sind die Voraussetzungen für
die Anerkennung nicht mehr erfüllt, so kann die SUVA die Anerkennung
entziehen (Art. 60b Abs. 3 BauAV).
3.4 Gemäss Art. 3 Abs. 1 VUV muss der Arbeitgeber zur Wahrung der Ar-
beitssicherheit alle Anordnungen und Schutzmassnahmen treffen, die den
Vorschriften der VUV und den für seinen Betrieb sonst geltenden Vorschrif-
ten über die Arbeitssicherheit sowie im Übrigen den anerkannten sicher-
heitstechnischen und arbeitsmedizinischen Regeln entsprechen. Der Ar-
beitgeber muss dafür sorgen, dass die Schutzmassnahmen und Schutz-
einrichtungen in ihrer Wirksamkeit nicht beeinträchtigt werden. Er hat dies
in angemessenen Zeitabständen zu überprüfen (Art. 3 Abs. 2 Satz 1 und 2
VUV). Das Betreten einer Arbeitsstätte muss für Unbefugte verboten oder
besonderen Bedingungen unterstellt werden, wenn dadurch eine Gefahr
für die dort beschäftigten oder hinzutretenden Arbeitnehmer entsteht. Bei
dauernder Gefahr sind die Zutrittsregeln bei den Zutrittsstellen anzuschla-
gen (Art. 39 VUV). Werden gesundheitsgefährdende Stoffe hergestellt, ver-
arbeitet, verwendet, konserviert, gehandhabt oder gelagert oder können
Arbeitnehmer sonst Stoffen in gesundheitsgefährdenden Konzentrationen
ausgesetzt sein, so müssen die Schutzmassnahmen getroffen werden, die
aufgrund der Eigenschaften dieser Stoffe notwendig sind (Art. 44 Abs. 1
VUV). Nach Art. 62 Abs. 1 VUV macht das für die Kontrolle zuständige
C-658/2019
Seite 19
Durchführungsorgan, wenn sich aufgrund eines Betriebsbesuchs heraus-
stellt, dass Vorschriften über die Arbeitssicherheit verletzt sind, den Arbeit-
geber darauf aufmerksam und setzt ihm eine angemessene Frist zur Ein-
haltung der Vorschrift. Diese Ermahnung ist dem Arbeitgeber schriftlich zu
bestätigen. Wird einer Ermahnung keine Folge geleistet, so ordnet das zu-
ständige Durchführungsorgan, nach Anhörung des Arbeitgebers und der
unmittelbar betroffenen Arbeitnehmer, die erforderlichen Massnahmen
durch Verfügung an und setzt dem Arbeitgeber eine angemessene Frist
zum Vollzug der Massnahmen (Art. 64 Abs. 1 VUV). In dringenden Fällen
ist die Verfügung nach Art. 64 Abs. 1 VUV ohne vorgängige Ermahnung zu
erlassen (vgl. Art. 62 Abs. 2 VUV).
3.5 Gemäss Art. 15 Abs. 3 des für die Schweiz am 16. Juni 1993 in Kraft
getretenen Übereinkommens Nr. 162 über Sicherheit bei der Verwendung
von Asbest (SR 0.822.726.2) hat der Arbeitgeber in allen Arbeitsstätten, in
denen Arbeitnehmer Asbest ausgesetzt sind, alle geeigneten Massnahmen
zu treffen, um die Freisetzung von Asbeststaub in die Luft zu verhindern
oder zu begrenzen, um sicherzustellen, dass die Expositionsgrenzwerte
oder die anderen Expositionskriterien eingehalten werden, und um die Ex-
position auf das niedrigste praktisch mögliche Niveau herabzusetzen. Rei-
chen die gemäss Abs. 3 dieses Artikels getroffenen Massnahmen nicht
aus, um die Exposition gegenüber Asbest innerhalb der Grenzwerte zu hal-
ten oder um den anderen Expositionskriterien zu entsprechen, die in Abs.
1 dieses Artikels vorgeschrieben sind, hat der Arbeitgeber je nach den Um-
ständen angemessene Atemschutzgeräte und Spezialschutzkleidung zur
Verfügung zu stellen, instand zu halten und erforderlichenfalls zu ersetzen,
ohne dass den Arbeitnehmern dadurch Kosten entstehen. Die Atemschutz-
geräte haben den von der zuständigen Stelle festgelegten Normen zu ent-
sprechen, und ihre Verwendung darf nur eine ergänzende, vorüberge-
hende, Not- oder aussergewöhnliche Massnahme und kein Ersatz für tech-
nische Verhütungsmassnahmen sein (Art. 15 Abs. 4 dieses Übereinkom-
mens).
3.6 Gemäss Anhang 1.6 Abs. 1 der Verordnung zur Reduktion von Risiken
beim Umgang mit bestimmten besonders gefährlichen Stoffen, Zubereitun-
gen und Gegenständen vom 18. Mai 2005 (ChemRRV; SR 814.81) gelten
als Asbest die natürlichen Mineralfasern aus a.) Aktinolith (CAS-Nr. 77536-
66-4), b.) Amosit (CAS-Nr. 12172-73-5), c.) Anthophyllit (CAS-Nr. 77536-
67-5), d.) Chrysotil (CAS-Nr. 12001-29-5), e.) Krokydolith (CAS-Nr. 12001-
28-4), f.) Tremolit (CAS-Nr. 77536-68-6). Als asbesthaltige Zubereitungen
C-658/2019
Seite 20
gelten Zubereitungen, die Asbest nicht nur als unvermeidliche Verunreini-
gung enthalten (Anhang 1.6 Abs. 2). Als asbesthaltige Gegenstände gelten
Gegenstände, die Asbest nicht nur als unvermeidliche Verunreinigung ent-
halten, sowie Geräte und Einrichtungen wie Fahrzeuge, Maschinen, Appa-
rate, die asbesthaltige Bestandteile aufweisen (Anhang 1.6 Abs. 3).
3.7 Gemäss Art. 3 der Verfügung des Eidgenössischen Departementes
des Innern über die technischen Massnahmen zur Verhütung von Berufs-
krankheiten, die durch chemische Stoffe verursacht werden, vom 26. De-
zember 1960 (SR 832.321.11) ist durch technische Massnahmen, wie Ab-
saugevorrichtungen, dafür zu sorgen, dass gefährliche Gase, Dämpfe und
Stäube, welche aus den in Art. 1 der Verordnung vom 6. April 1956 über
Berufskrankheiten (AS 1956 622, 1960 1660 Art. 29 Abs. 2., 1963 758
Art. 4 Abs. 1; heute: aus den im Anhang 1 zur UVV) genannten Stoffen
bestehen, erfasst und von den Arbeitsplätzen abgeführt werden; insbeson-
dere ist ein Überschreiten der von der Schweizerischen Unfallversiche-
rungsanstalt bekanntgegebenen maximal zulässigen Konzentration am Ar-
beitsplatz zu vermeiden. Lässt sich der Kollektivschutz im Sinne von Artikel
3 aus besonderen Gründen nicht oder nicht ausreichend bewerkstelligen,
sind zusätzlich persönliche Schutzmittel, wie Atemschutzgeräte, zu ver-
wenden (Art. 4 dieser Verordnung).
3.8 Gemäss Ziffer 7.4.6 Abs. 1 der EKAS Richtlinie Nr. 6503, Asbest, Aus-
gabe Dezember 2008 (abrufbar unter www.ekas.admin.ch > Dokumenta-
tion > EKAS Richtlinien > Aktuell gültige EKAS Richtlinien > 6503 Asbest;
zuletzt aufgerufen am 9. November 2020) ist in der Sanierungszone und in
den Dekontaminationsschleusen mit einem Lüftungsaggregat ein Unter-
druck zur nicht abgeschotteten Umgebung zu erzeugen. Während der Ar-
beitszeit ist eine Luftdruckdifferenz von mindestens 20 Pa (Pascal) einzu-
halten. In der Ruhephase, z.B. nach Schichtende, darf sie auf 10 Pa ver-
mindert werden. Sind situationsbedingt verschiedene Umgebungsluftdrü-
cke vorhanden, so bezieht sich die Differenz auf den niedrigsten Umge-
bungswert. Der Unterdruck ist durch ein Messgerät dauernd zu überwa-
chen und aufzuzeichnen (Ziff. 7.4.6 Abs. 2 der EKAS Richtlinie Nr. 6503).
Gemäss Ziffer 7.4.6 Abs. 3 der EKAS Richtlinie Nr. 6503 ist bei unbeab-
sichtigter Aufhebung des vorgegebenen Unterdruckes, d.h. bei Abfall der
Luftdruckdifferenz, automatisch akustisch oder optisch ein Alarm auszulö-
sen. Nach der Alarmauslösung sind die Arbeiten umgehend einzustellen
und die notwendigen Massnahmen zu treffen, um die Ursache für den Ab-
fall der Luftdruckdifferenz zu beheben. Während der Arbeitszeit haben die
C-658/2019
Seite 21
anwesenden Arbeitnehmenden diese Massnahmen zu treffen. In der Ru-
hephase, z.B. am Wochenende, ist sicherzustellen, dass diese Arbeit durch
einen vorgängig bestimmten Verantwortlichen ausgeführt wird. Die Erzeu-
gung des Unterdrucks darf nur während der Freigabemessung unterbro-
chen und erst nach Aufhebung der Sanierungszone eingestellt werden
(Ziff. 7.4.6 Abs. 4 der EKAS Richtlinie Nr. 6503). Nach Entfernung sämtli-
cher schwachgebundener Asbestmaterialien ist die Sanierungszone einer
Schlussreinigung zu unterziehen. Alle Asbestreste sind mit Absaugvorrich-
tungen und/oder im Nassverfahren vollständig zu entfernen (Ziff. 7.4.9 der
EKAS Richtlinie Nr. 6503). Nach der Schlussreinigung ist mit einer visuel-
len Kontrolle sicherzustellen, dass keine Asbestreste mehr vorhanden sind.
Danach ist in der Sanierungszone die Faserkonzentration in der Luft zu
messen, wobei während der Probenahme die Luftzirkulation entsprechend
der nachträglichen Raumnutzung zu simulieren ist (Ziff. 7.4.10 der EKAS
Richtlinie Nr. 6503). Laut Ziffer 7.4.11 der EKAS Richtlinie Nr. 6503 können
die Schutzmassnahmen bzw. die Sanierungszone aufgehoben werden,
wenn die ermittelte Asbestfaserkonzentration das Minimierungsgebot
(siehe Ziff. 5.6 der EKAS Richtlinie Nr. 6503) erfüllt und keine Asbestfaser-
reste mehr sichtbar sind. Der Messbericht ist der Suva zuzustellen.
4.
Nachfolgend ist in einem weiteren Schritt zu prüfen, ob während der Ar-
beitszeit eine Luftdruckdifferenz von mindestens 20 Pa eingehalten und ob
der Unterdruck durch ein Messgerät dauernd überwacht und aufgezeichnet
worden war.
4.1 Die Beschwerdeführerin liess diesbezüglich ausführen, die Sanie-
rungsarbeiten seien am 22. Oktober 2018 abgeschlossen worden. Bis zu
diesem Zeitpunkt seien alle zur Verhütung von Berufskrankheiten erforder-
lichen Massnahmen (Einhaltung des Luftdrucks, Überwachung des Unter-
drucks, Alarmmelder in Betrieb) umgesetzt und alle Sicherheitsvorkehrun-
gen immer eingehalten worden. Es könne auf das Schreiben der Be-
schwerdeführerin vom 8. November 2018 verwiesen werden. Gemäss Zif-
fer 7.4.6 EKAS müsse nur während der Zeit, in welcher in der Zone gear-
beitet werde, ein Unterdruck von 20 Pa eingehalten werden. Allein die
Nichteinhaltung dieses Unterdrucks während der Arbeit in der Zone (Asbe-
stabbau) stelle einen groben Verstoss gegen die Anerkennungsbedingun-
gen dar. Einen solchen Verstoss behaupte die Beschwerdegegnerin aber
nicht. Während in den Schreiben vom 30. und 31. Oktober 2018 noch be-
hauptet werde, dass während der Arbeitszeit die Luftdruckdifferenz von 20
Pa nicht eingehalten worden sei (was nachweislich nicht zutreffe), heisse
C-658/2019
Seite 22
es nun nur noch, dass die Sanierungszone erst aufgehoben werden dürfe,
wenn die ermittelte Asbestfaserkonzentration das Minimierungsgebot er-
fülle und keine Asbestfaserreste mehr sichtbar seien. Etwas Anderes habe
die Beschwerdeführerin nicht gemacht. Bis zum Beginn der Schlussmes-
sung habe der Unterdruck immer 11 Pa betragen. Zudem würde das Un-
terlassen der Protokollierung des Unterdrucks gemäss Kontrollliste nicht
zu einem nächsten Schritt im Verfahren um Entzug der Anerkennung füh-
ren. Eine Abstufung könne nur dann erfolgen, falls während der Arbeit (As-
bestabbau) in der Zone die Luftdruckdifferenz von mindestens 20 Pa nicht
eingehalten werde. Solches stehe aber nicht zur Diskussion. Es werde be-
stritten, dass die Schutzeinrichtungen während der Vorbereitung der Zo-
nenfreimessung nicht im Unterdruckbetrieb gewesen seien. Der heute ein-
gereichte Messstreifen beweise dies. In ihrer Stellungnahme vom 8. No-
vember 2018 schreibe die Beschwerdeführerin, dass die Unterdruckgeräte
erst unmittelbar vor der Schlusskontrollmessung ganz abgestellt worden
seien. Die von der Beschwerdegegnerin für ihre Argumentation herange-
zogene Formulierung in der Beschwerdeergänzung sei ungenau bzw.
falsch. Allein während der Raumluftmessung müsse kein Unterdruckbe-
trieb herrschen. Die Erzeugung des Unterdrucks dürfe und müsse während
der Freigabemessung unterbrochen werden. Vor dieser sei zudem die
Schlussreinigung zu machen und mit einer visuellen Kontrolle sicherzustel-
len, dass keine Asbestreste mehr vorhanden seien. Danach erfolge die
Messung der Faserkonzentration in der Luft. Dabei müsse die Luftzirkula-
tion entsprechend der nachträglichen Raumnutzung simuliert werden (Zif-
fer 7.4.10 der EKAS Richtlinie). Auch aus dieser Bestimmung gehe hervor,
dass im Zeitpunkt der Endmessung oder unmittelbar vor dieser Endmes-
sung die Unterdruckgeräte nicht mehr in Betrieb sein könnten. Anlässlich
der Kontrolle seien die Unterdruckgeräte nur darum nicht in Betrieb gewe-
sen, weil die Freigabemessung im Gange gewesen sei. Während dieser
Zeit könne (und müsse) gemäss Ziffer 7.4.6 der EKAS Richtlinien auf den
Unterdruck verzichtet werden. Entsprechend habe die Beschwerdeführerin
gegen keine Richtlinien verstossen, wenn im Zeitpunkt der Kontrolle die
Unterdruckgeräte lediglich im reduzierten Betrieb (für den Luftwechsel) ge-
wesen seien. Insbesondere treffe es nicht zu, dass während der Arbeitszeit
die Luftdruckdifferenz von 20 Pa nicht eingehalten worden sei. Auch sei
nicht zutreffend, dass die Unterdruckgeräte nicht mehr im Betrieb gewesen
seien. Anlässlich der Kontrolle seien sie nur auf einer tieferen Stufe einge-
schaltet gewesen. Sie seien vor Ort und betriebsbereit gewesen. Fakt sei,
dass die Sanierungszone erst nach Vorliegen der Proben aufgehoben wor-
den sei. Die Beschwerdeführerin habe somit sämtliche Vorschriften und
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Richtlinien im Zusammenhang mit der Schlussmessung und der Aufhe-
bung der Sanierungszone eingehalten. Ein schwerwiegender Mangel, der
zu einem nächsten Schritt im Verfahren um Aberkennung führe, stehe un-
ter keinem Titel zur Diskussion. Die Vorwürfe der Beschwerdegegnerin
würden sich somit als haltlos und sachfremd erweisen. Am 23. Oktober
2018 sei in der Sanierungszone nicht mehr gearbeitet und die Schlusskon-
trollmessung vorbereitet/installiert worden, und es habe in der Sanierungs-
zone bewusst und systembedingt kein Unterdruck geherrscht. Die Sanie-
rungszone inklusive der nötigen Installationen sei noch gestanden und für
die Freigabemessung vorbereitet worden. Dies bedinge einen 200-fachen
Luftwechsel, ohne den die Schlussmessung nicht gemacht werden könne.
Der Mitarbeiter der Beschwerdeführerin sei nach dem Besuch vom 23. Ok-
tober 2018 nicht mehr auf der Baustelle gewesen. Entsprechend könne er
auch nicht behaupten, feststellen und schreiben, dass sich die Sanierungs-
zone nach dem 23. bis zum 25. Oktober 2018 in einem unrechtmässigen
Zustand befunden habe. Dies sei nicht der Fall gewesen. Die Raumluft-
messung sei gemäss Abnahmeprotokoll am 24. Oktober 2018 abgebaut
und am nächsten Tag ins Labor gebracht worden. Bis zum Vorliegen der
Resultate des Labors sei die Sanierungszone nicht aufgehoben worden,
was heisse, dass diese hermetisch abgeriegelt gewesen sei und kein Ri-
siko bestanden habe, dass eventuelle Asbestfasern nach aussen hätten
dringen können. Die Unterdruckgeräte und der Messschreiber müssten
während der Vorbereitung zur Raumluftmessung nicht im Unterdruckbe-
trieb sein. Der Betrieb dieser Geräte würde die Raumluftmessung stark be-
einflussen, was in der Praxis bekannt und anerkannt sei.
4.2 Die Vorinstanz machte im Wesentlichen geltend, in Ziffer 7.4.6 Abs. 2
der EKAS Richtlinie sei festgehalten, dass der Unterdruck durch ein Mess-
gerät dauernd zu überwachen und aufzuzeichnen sei. Aus den eingereich-
ten Messprotokollen gehe eindeutig hervor, dass die letzte Messung am
22. Oktober 2018 um 13:22 Uhr erfolgt sei. Somit sei die Sanierungszone
im Zeitpunkt der Kontrolle am 23. Oktober 2018 nicht überwacht gewesen.
Entscheidend sei auch, dass nach Ziffer 7.4.6 Abs. 4 der EKAS Richtlinie
die Erzeugung des Unterdrucks nur während der Zonenfreimessung unter-
brochen werden dürfe und nicht schon während der Vorbereitung der Mes-
sung. Die Beschwerdeführerin gebe ja selbst in der Beschwerde zu, dass
die Zonenfreimessung am 23. Oktober 2018 installiert worden sei. Ein
Verstoss gegen die EKAS Richtlinie könne unter diesen Umständen nicht
abgestritten werden. Die Beschwerdeführerin versteife sich darauf, die
Suva könne die in ihren Verfügungen erhobenen Vorwürfe nicht belegen.
C-658/2019
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Dies sei im vorliegenden Kontext auch nicht nötig, gebe doch die Be-
schwerdeführerin unumwunden zu, dass die Schutzeinrichtungen wie Un-
terdruckgeräte und Messschreiber während der Vorbereitung der Zonen-
freimessung nicht im Unterdruckbetrieb gewesen seien. Dies trotz der kla-
ren Formulierung in Ziffer 7.4.6 Abs. 2 und 4 der EKAS Richtlinie. Ferner
werde ausgeführt, gemäss Ziffer 7.4.6 der EKAS Richtlinie müsse nur wäh-
rend der Zeit, in welcher in der Zone gearbeitet werde, ein Unterdruck von
20 Pa eingehalten werden. Dies sei insofern irrelevant, als auch nach
Schichtende oder während der Pausen der Unterdruck durch ein Messge-
rät dauernd zu überwachen und aufzuzeichnen sei. Dies sei nachweislich
nicht der Fall gewesen und werde von der Beschwerdeführerin auch nicht
bestritten. Die Beschwerdeführerin versteife sich darauf, dass die Asbest-
sanierung im Zeitpunkt der Kontrolle abgeschlossen gewesen sei, was so
nicht stimme. Es sei allgemein bekannt, dass, solange die Zonenfreimes-
sung nicht erfolgreich durchgeführt worden sei, eine Asbestsanierung nicht
abgeschlossen sei. Die Beschwerdeführerin verkenne, dass die Aberken-
nungskriterien klar formuliert seien und die erforderlichen Schutzvorkeh-
rungen in jeder Phase der Asbestsanierung eingehalten werden müssten.
Es reiche nicht aus, dass der Unterdruck dauernd überwacht werde. Mit
der Replik habe die Beschwerdeführerin neu ein Messprotokoll vom
23. Oktober 2018 eingereicht. Ein Zusammenhang mit der Baustelle
"F._" sei nicht ersichtlich und werde bestritten. Mit Schreiben vom
8. November 2018 sei schon ein Messprotokoll eingereicht worden. Die
Messungen in diesem Messprotokoll reichten aber nur bis zum 22. Oktober
2018, 13:22 Uhr. Es sei lediglich auf dieses Messprotokoll abzustellen. Der
eingereichte Messstreifen vermöge die aufgestellten Behauptungen nicht
zu beweisen.
4.3 Aus den vorliegenden Akten ergibt sich, dass ab dem 12. Oktober 2018
– soweit leserlich – dauernd ein Unterdruck von 20 Pa vorgelegen hatte
und die letzte Messung durch den Unterdruck-Messschreiber am 22. Ok-
tober 20018 um 13:22 Uhr erfolgt war; dies übereinstimmend mit den Aus-
führungen der Beschwerdeführerin, wonach die effektiven Sanierungsar-
beiten am 22. Oktober 2018 beendet worden seien (act. 10).
4.3.1 Aufgrund der sozialversicherungsrechtlichen Beweismaxime, wo-
nach die sogenannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Re-
gel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die be-
wusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungs-
rechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 143 V 168
E. 5.2.2, 121 V 45 E. 2a), ist die Beschwerdeführerin auf dieser Aussage
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zu behaften. Aufgrund dieser Ausführungen sowie des entsprechenden, in
der Beilage des Schreibens vom 8. November 2018 (act. 10) eingereichten
Messprotokolls ist nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Grundsatz der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 144 V 427 E. 3.2
und BGE 138 V 218 E. 6) erstellt, dass das von der Beschwerdeführerin
replicando zu den Akten gereichte Messprotokoll vom 23. Oktober 2018
ebenfalls von der Baustelle "F._" stammt.
4.3.2 Selbst wenn der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nicht zur Anwendung käme, führte dies zu keinem anderen Ergebnis. Der
Grund dafür liegt im Umstand, dass es sich diesfalls als unmöglich erwei-
sen würde, durch die Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der
zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hätte, der Wirklichkeit zu ent-
sprechen, was zufolge Beweislosigkeit auch zu Ungunsten der Beschwer-
deführerin ausfallen würde (BGE 144 V 427 E. 3.2 und BGE 138 V 218
E. 6). Unter diesen Umständen resp. zufolge des vorliegend nicht massge-
blichen, nachgereichten Messprotokolls kann somit entgegen den Ausfüh-
rungen der Beschwerdeführerin nicht davon ausgegangen werden, dass
keine "unbeaufsichtigte Aufhebung des Unterdrucks" vorgelegen hatte und
dieser "dauernd überwacht und aufgezeichnet" worden war (vgl. auch E.
4.4 ff. hiernach).
4.4 Wie vorstehend dargelegt (vgl. E. 3.8 hiervor), ist der Unterdruck ge-
mäss Ziffer 7.4.6 Abs. 2 der EKAS Richtlinie Nr. 6503 durch ein Messgerät
dauernd zu überwachen und aufzuzeichnen, und laut Ziff. 7.4.6 Abs. 4 der
EKAS Richtlinie Nr. 6503 darf die Erzeugung des Unterdrucks nur während
der Freigabemessung unterbrochen und erst nach Aufhebung der Sanie-
rungszone eingestellt werden.
4.4.1 Zwischen den Parteien ist zwar unbestritten, dass allein die Nichtein-
haltung des Unterdrucks von 20 Pa während der Arbeit in der Asbestzone
einen groben Verstoss gegen die Anerkennungsbedingungen darstellt und
die Zonenfreimessung am 23. Oktober 2018 installiert worden ist.
4.4.2 Entscheidend ist jedoch der Umstand, dass die letzte Messung ge-
mäss dem massgeblichen, in der Beilage des Schreibens vom 8. Novem-
ber 2018 eingereichten Messprotokoll (act. 10) am 22. Oktober 2018 um
13:22 Uhr erfolgt ist und in der Sanierungszone somit im Zeitpunkt der
Baustellenkontrolle vom 23. Oktober 2018 keine Messdaten mehr aufge-
zeichnet worden sind.
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4.4.3 Indem die Unterdruckgeräte vor resp. während der Vorbereitung der
Sanierungszone für die Schlusskontrollmessung und der anschliessenden
Installation am 23. Oktober 2018 nicht im Unterdruckbetrieb gewesen sind,
wurde der Unterdruck entgegen Ziffer 7.4.6 Abs. 2 der EKAS Richtlinie
Nr. 6503 nicht dauernd durch ein Messgerät überwacht und aufgezeichnet.
Wie vorstehend bereits dargelegt (vgl. E. 4.4 hiervor), ist eine Unterbre-
chung der Erzeugung des Unterdrucks gemäss Ziffer 7.4.6 Abs. 4 der
EKAS Richtlinie Nr. 6503 jedoch nur während der Freigabemessung er-
laubt und nicht bereits während den Vorbereitungshandlungen im Zusam-
menhang mit der Schlusskontrollmessung, und die Einstellung dieses Un-
terdrucks darf erst nach Aufhebung der Sanierungszone erfolgen. Insofern
sind auch die Ausführungen der Vorinstanz, wonach auch nach Schich-
tende oder während der Pausen der Unterdruck durch ein Messgerät dau-
ernd zu überwachen und aufzuzeichnen sei, nicht zu beanstanden.
4.4.4 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin gilt eine Asbestsa-
nierung erst nach erfolgreicher Durchführung der Zonenfreimessung im
Sinne der zwingend zu berücksichtigenden Ziffer 7.4.6 der EKAS Richtlinie
Nr. 6503 als abgeschlossen. Unter diesen Umständen hat die Beschwer-
deführerin zufolge zu früher Aufhebung der Schutzmassnahmen gegen die
Ziffer 7.4.6 Abs. 2 und 4 der EKAS Richtlinie Nr. 6503 verstossen. Schliess-
lich können gemäss Ziffer 7.4.11 der EKAS Richtlinie Nr. 6503 die Schutz-
massnahmen bzw. die Sanierungszone erst aufgehoben werden, wenn die
ermittelte Asbestfaserkonzentration das Minimierungsgebot (siehe Ziff. 5.6
der EKAS Richtlinie Nr. 6503) erfüllt und keine Asbestfaserreste mehr sicht-
bar sind, wobei der entsprechende Messbericht der Suva zuzustellen ist.
4.5 Nach dem Dargelegten ergibt sich zusammenfassend, dass die Ein-
stellung des Unterdrucks erst nach Aufhebung der Sanierungszone erfol-
gen darf und während der gesamten Dauer der Sanierungsarbeiten in der
Sanierungszone – das heisst ab dem Zeitpunkt des Beginns der Sanierung
bis zur Aufhebung der Sanierungszone nach Durchführung der erfolgrei-
chen Zonenfreimessung (Erfüllung des Minimierungsgebot durch die ermit-
telte Asbestfaserkonzentration [vgl. Ziffer 7.4.11 der EKAS Richtlinie
Nr. 6503]) – die Luftdruckdifferenz von mindestens 20 Pascal eingehalten
werden muss. Ein diesbezüglicher Verstoss stellt gemäss dem Formular
"Anerkennung Asbestsanierungsunternehmen: Kontrolle von Sanierungs-
baustellen; Kontrolle Sanierungsbaustelle" der Vorinstanz (abrufbar unter
https://www.suva.ch/de-ch/praevention/sachthemen/asbest#uxlibrary-
lwrslider=1&uxlibrary-open=/de-CH?atomid=a000a8e73db7485c8186d90
6a834ffb2%26showContainer=1; zuletzt besucht am 9. November 2020)
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ein Kriterium dar, dessen Nichterfüllen als grober Verstoss gegen die An-
erkennungsbedingungen gilt, was zu einem nächsten Schritt im Verfahren
für den Entzug der Anerkennung führt.
5.
Betreffend die Feststellung der Vorinstanz, bei Abfall der Luftdruckdifferenz
sei kein akustischer oder optischer Alarm ausgelöst worden, ergibt sich
weiter Folgendes:
5.1 Die Beschwerdeführerin liess diesbezüglich geltend machen, wenn
sich der Mitarbeiter der Sanierungsfirma auf der Baustelle ausserhalb der
Sanierungszone befinde, so müssten die Warnleuchte und das Alarmhorn
nicht eingeschaltet sein, weil die Sanierungszone durch die anwesenden
Mitarbeiter überwacht werde und das Unterdruckmessgerät, das aus-
serhalb der Sanierungszone stehe, über einen eigenen (aber nur leisen)
Alarm verfüge, der ausserhalb der Zone ohne Weiteres gehört werde. Zu-
dem werde der Beschwerdeführerin nicht vorgeworfen, die automatische
akustische oder optische Alarmauslösung habe nicht funktioniert. Vor der
Freigabemessung sei die Schlussreinigung zu machen und mit einer visu-
ellen Kontrolle sicherzustellen, dass keine Asbestreste mehr vorhanden
seien. Danach erfolge die Messung der Faserkonzentration in der Luft. Da-
bei müsse die Luftzirkulation entsprechend der nachträglichen Raumnut-
zung simuliert werden (Ziffer 7.4.10 der EKAS Richtlinie Nr. 6503). Auch
aus dieser Bestimmung gehe hervor, dass im Zeitpunkt der Endmessung
oder unmittelbar vor dieser Endmessung die Unterdruckgeräte nicht mehr
in Betrieb sein könnten. Entsprechend sei auch logisch, dass kein optischer
und akustischer Alarm ausgelöst werden könne und müsse.
5.2 Die Vorinstanz führte zusammengefasst aus, im vorliegenden Fall fehle
der Nachweis der Beschwerdeführerin, dass die optische und akustische
Alarmierung zur Zeit der Kontrolle in Betrieb gewesen sei, so dass bei ei-
nem allfälligen Druckabfall rechtzeitig hätte reagiert werden können
(vgl. Ermahnung Stufe 2 vom 30. Oktober 2018, Feststellung 3; act. 12).
Die erforderlichen Schutzvorkehrungen müssten in jeder Phase der As-
bestsanierung eingehalten werden. Es reiche nicht aus, dass der Unter-
druck dauernd überwacht werde.
5.3 Es trifft zu, dass die Vorinstanz der Beschwerdeführerin nicht vorge-
worfen hat, die automatische akustische oder optische Alarmauslösung
hätte nicht funktioniert. Daraus sowie aus der erwähnten Ziffer 7.4.10 der
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Seite 28
EKAS Richtlinie Nr. 6503 kann die Beschwerdeführerin jedoch nichts zu
ihren Gunsten ableiten.
5.3.1 Entscheidend ist, dass im Zeitpunkt der Kontrolle vom 23. Oktober
2018 die optischen und akustischen Warnsignale für den Unterdruck vor-
handen, jedoch ausgeschaltet gewesen waren, wie die Beschwerdeführe-
rin in ihrem Schreiben vom 8. November 2018 auch selber bestätigt hatte
(act. 10).
5.3.2 Da jedoch die Schutzvorkehrungen in jeder Phase einer Asbestsa-
nierung – das heisst ab dem Zeitpunkt des Beginns der Sanierung bis zur
Aufhebung der Sanierungszone nach Durchführung der erfolgreichen Zo-
nenfreimessung (Erfüllung des Minimierungsgebot durch die ermittelte As-
bestfaserkonzentration [vgl. Ziffer 7.4.11 der EKAS Richtlinie Nr. 6503]; vgl.
auch E. 4.4 ff. hiervor) – eingehalten werden müssen, stellen die ausser
Betrieb befindlichen, optischen oder akustischen Alarmsignale einen gro-
ben Verstoss gegen die Ziffer 7.4.6 Abs. 3 der EKAS Richtlinie Nr. 6503
dar, denn unter diesen Umständen war nicht gewährleistet, dass bei unbe-
absichtigter Aufhebung des vorgegebenen Unterdruckes, d.h. bei Abfall der
Luftdruckdifferenz, automatisch ein akustischer oder optischer Alarm aus-
gelöst worden wäre. Daran vermögen die diesbezüglich von der Beschwer-
deführerin gemachten Ausführungen nichts zu ändern.
5.4 Als weiteres Zwischenergebnis ergibt sich zusammenfassend, dass die
Schutzvorkehrungen in Form eines im Betrieb befindlichen optischen oder
akustischen Alarms nicht in jeder Phase der Asbestsanierung eingehalten
worden sind, was gemäss dem Formular "Anerkennung Asbestsanierungs-
unternehmen: Kontrolle von Sanierungsbaustellen; Kontrolle Sanierungs-
baustelle" der Vorinstanz (abrufbar unter https://www.suva.ch/de-
ch/praevention/sachthemen/asbest#uxlibrary-lwrslider=1&uxlibrary-o-
pen=/de-CH?atomid=a000a8e73db7485c8186d906a834ffb2%26show-
Container=1; zuletzt besucht am 9. November 2020) ebenfalls ein Krite-
rium darstellt, dessen Nichterfüllen als grober Verstoss gegen die Anerken-
nungsbedingungen gilt, was zu einem nächsten Schritt im Verfahren für
den Entzug der Anerkennung führt.
6.
Abschliessend ist mit Blick auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin
im Schreiben vom 8. November 2018, wonach das Personal über den Ab-
lauf anhand eines Arbeitsplans instruiert gewesen sei (act. 10), festzuhal-
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Seite 29
ten, dass die Instruktion und Information resp. die Übertragung von Aufga-
ben der Arbeitssicherheit die Arbeitgeberin jedoch nicht von ihrer Verant-
wortung für die Einhaltung der Vorschriften betreffend Arbeitssicherheit
entbindet (vgl. hierzu Urteil des BVGer C-2363/2012 vom 11. November
2013 E. 4.1.2 mit weiteren Hinweisen).
7.
Nach dem vorstehend Dargelegten ergibt sich zusammengefasst, dass
von der Vorinstanz in der Ermahnung Stufe 2 vom 30. Oktober 2018
(act. 12) zu Recht zwei Mängel im Zusammenhang mit der Ziffer 7.4.6 der
EKAS Richtlinie Nr. 6503 (Nichteinhaltung der Luftdruckdifferenz von min-
destens 20 Pa in der Sanierungszone während der Arbeit, optische und
akustische Warnsignale ausser Betrieb) beanstandet worden sind, die zu
schwerwiegenden Gesundheitsgefährdungen von Arbeitnehmenden füh-
ren können. Diese Mängel resp. die Missachtung der zwingend notwendi-
gen Schutzmassnahmen führt zwingend zu einer Ermahnung des Arbeit-
gebers und zu einer Erhöhung der Stufe im Verfahren für den Entzug der
Anerkennung als Asbestsanierungsunternehmen (vgl. auch E. 1.5.2 hier-
vor).
8.
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vom 6. Feb-
ruar 2019 gegen die Ermahnung Stufe 2 vom 30. Oktober 2018 und gegen
den Entzug der Anerkennung – Stufe 1 vom 31. Oktober 2018 abzuweisen.
9.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten sowie eine allfällige Partei-
entschädigung.
9.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG sind die Verfahrenskosten der unterlie-
genden Partei aufzuerlegen. Diese bemessen sich nach Umfang und
Schwierigkeit der Streitsache, Art der Prozessführung und finanzieller Lage
der Parteien (vgl. Art. 2 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Die von der unterliegenden Beschwerdeführerin
zu tragenden Verfahrenskosten sind vorliegend auf Fr. 4'000.- festzulegen
und dem geleisteten Verfahrenskostenvorschuss in gleicher Höhe zu ent-
nehmen.
9.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Begehren
eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig
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hohe Kosten zugesprochen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Die Vorinstanz
hat als mit einer öffentlichen Aufgabe betraute Organisation jedoch keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung (BGE 133 V 450 E. 13, BGE 126
V 143 E. 4a und BGE 123 V 309 E. 19 mit Hinweisen). Die unterliegende
Beschwerdeführerin hat ebenfalls keinen solchen Anspruch (vgl. BGE 128
V 124 E. 5b sowie Art. 7 Abs. 3 VGKE).