Decision ID: 18f5012d-ca00-4e99-b353-56c0c05dba36
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 17. September 2021 in der Schweiz um
Asyl nachsuchte,
dass das SEM mit Verfügung vom 7. März 2022 – eröffnet am 8. März 2022
– in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asyl-
gesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Italien anord-
nete und den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz spätestens am
Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen,
dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-
scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Be-
schwerdeführer verfügte,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 15. März 2022 gegen diesen
Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und dabei
beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und auf das Asyl-
gesuch sei einzutreten,
dass eventualiter eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur
rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung beantragt wurde und das SEM
subeventualiter zumindest anzuweisen sei, bei den italienischen Behörden
individuelle Garantien für eine adäquate Unterbringung und medizinische
Behandlung einzuholen,
dass in prozessualer Hinsicht um superprovisorische Massnahmen, Ge-
währung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und um unentgelt-
liche Prozessführung ersucht wurde,
dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am
16. März 2022 in elektronischer Form vorlagen (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG),
dass das Gericht am 16. März 2022 den Vollzug der Wegweisung einstwei-
len aussetzte,
dass mit Zwischenverfügung vom 22. März 2022 das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG un-
ter der Voraussetzung des Nachreichens einer Fürsorgebestätigung gut-
geheissen wurde,
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dass gleichzeitig auch der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wir-
kung gutgeheissen wurde,
dass der Beschwerdeführer am 25. März 2022 eine Fürsorgebestätigung
nachreichte,

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
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dass diesbezüglich die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist,
(nachfolgend: Dublin-III-VO) zur Anwendung kommt,
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Eu-
rodac"-Datenbank vom 22. September 2021 ergab, dass er sich vor seiner
Einreise in die Schweiz in Italien aufgehalten hatte,
dass das SEM die italienischen Behörden am 23. September 2021 um Auf-
nahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 21 i.V.m. Art. 13 Abs. 1
Dublin-III-VO ersuchte,
dass die italienischen Behörden das Übernahmeersuchen innert der in
Art. 22 Abs. 1 [und 6] Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet lies-
sen, womit sie die Zuständigkeit Italiens implizit anerkannten (Art. 22
Abs. 7 Dublin-III-VO),
dass der Beschwerdeführer anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 7. Ok-
tober 2021 ausführte, er sei auf dem Meeresweg nach Italien gelangt, auf-
gegriffen und daktyloskopiert worden, ohne aber ein Asylgesuch einzu-
reichen,
dass die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens somit gegeben ist,
dass es keine Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-
nahmebedingungen für Antragsteller in Italien würden systemische
Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf-
weisen (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts D-4235/2021
vom 19. April 2022 E. 10.2),
dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann,
einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-
ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in
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dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO),
dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)
konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-
mung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür
gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre,
dass der bereits im vorinstanzlichen Verfahren vertretene Beschwerdefüh-
rer im Rahmen des Dublin-Gesprächs vom 7. Oktober 2021 zu einer mög-
lichen Überstellung nach Italien ausführte, in Sri Lanka im Jahre 2008 wäh-
rend eines Jahres inhaftiert gewesen und dabei gefoltert worden zu sein,
dass er derzeit psychisch angeschlagen und deprimiert sei, unter Schlaf-
störungen, Angst- und Panikzuständen leide, sowie Schmerzen am rech-
ten Bein und Arm habe,
dass das SEM dazu in seiner Verfügung erwog, das italienische Aufnah-
mesystem erbringe angemessene medizinische Versorgungsleistungen
und gewährleiste Asylsuchenden Zugang zu notwendiger medizinischer
Behandlung,
dass in der Beschwerde eingewendet wurde, der Gesundheitszustand sei
nur unzureichend abgeklärt worden und dem Beschwerdeführer sei kein
Zugang zu einer psychiatrischen Behandlung gewährt worden,
dass es sich beim Beschwerdeführer als Folteropfer um eine besonders
vulnerable Person handle, was vom SEM nicht gewürdigt worden sei, res-
pektive vom SEM die dafür nötigen Sachverhaltsfeststellungen nicht ge-
troffen worden seien,
dass das SEM dadurch seiner Pflicht zur gesetzeskonformen Ermes-
sensausübung nicht nachgekommen sei,
dass eine hinreichende medizinische Versorgung zudem nicht sicherge-
stellt sei und deshalb zumindest individuelle Garantien für eine adäquate
Unterbringung und medizinische Behandlung einzuholen seien,
dass diese Einwände nicht überzeugen,
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dass das SEM den Gesundheitszustand hinreichend abgeklärt hat, zumal
sowohl die körperlichen Leiden (vgl. das medizinische Datenblatt
[act. 1109640-33/2) als auch die psychischen Beschwerden (vgl. Arztbe-
richt vom 7.01.2022 [act. 1109640-32/1]) aktenkundig gemacht wurden,
dass die Rüge, dem Beschwerdeführer sei als Folteropfer die notwendige
medizinische Versorgung nicht gewährt worden, aufgrund der Akten keine
Stütze findet, zumal ihm Zugang zu psychiatrischen Fachpersonen ge-
währt wurde und Medikamente verschrieben worden sind,
dass sodann auf das kürzlich ergangene Referenzurteil des Bundesver-
waltungsgerichts D-4235/2021 vom 19. April 2022 zu verweisen ist, wo-
nach angesichts einer verbesserten Rechtslage und Aufnahmesituation in
Italien in Änderung der bisherigen Rechtsprechung (E-962/2019 vom
17. Dezember 2019) bei «take charge»-Fällen (d.h. bei Personen, die noch
kein Asylgesuch in Italien gestellt haben) – wie vorliegend – auch bei Per-
sonen mit gravierenden Gesundheitsproblemen keine vorgängigen indivi-
duellen Garantien mehr einzuholen sind (vgl. Urteil des BVGer
D-4235/2021 vom 19. April 2022 E. 10.4.3.3, 10.4.4 und 10.5.2),
dass die Erwägungen des SEM aufgrund dieser Praxisänderung zu bestä-
tigen sind,
dass sich entgegen den Beschwerdevorbringen aus den Akten keine Hin-
weise darauf entnehmen lassen, der Vulnerabilität des Beschwerdeführers
sei nicht genügend Rechnung getragen worden,
dass sich das SEM vielmehr zutreffend auf den Standpunkt stellt, Italien
verfüge über eine ausreichende medizinische Infrastruktur, die eine adä-
quate Behandlung des Beschwerdeführers gewährleisten könne,
dass es jedoch dem SEM obliegt, die italienischen Behörden vor der Über-
stellung über die gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers zu
informieren sowie die nötige Betreuung bei der Vorbereitung und der Über-
stellung selbst zu gewährleisten,
dass das SEM nicht gehalten ist, vorgängige Garantien einzuholen,
dass somit kein Grund für weitere Sachverhaltsabklärungen oder eine An-
wendung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive
Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 besteht und das SEM sein Ermessen pflichtgemäss
ausgeübt hat,
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dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und
– weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts-
oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die
Überstellung nach Italien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),
dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen wären,
dass ihm jedoch am 22. März 2022 die unentgeltliche Prozessführung ge-
währt wurde, weshalb keine Kosten zu erheben sind.
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