Decision ID: 89a34b15-0d13-50dc-bc26-c15dbded9cf3
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1961,
war
ab dem
1.
Juli 1991 bei der
Y._
AG als Betriebsarbeiter in der Gepäcksortierung angestellt
(
Urk.
6/1, 6/5).
Am 29.
August 1997 meldete er sich unter Hinweis auf Rückenprobleme bei der Invalidenversi
cherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte erwerbliche (
Urk.
6/5) sowie medizinische Abklärungen (
Urk.
6/3, 6/14 und 6/18 ff.), in deren Rahmen
sie
auch
bei
der MEDAS
Z._
ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag
gab
(MEDAS-Gutachten vom 2
5.
Februar 2004,
Urk.
6/30). Mit Verfügungen vom 2
5.
Mai 2004 sprach sie dem Versicherten rückwirkend ab dem
1.
Juli 2001 eine
halbe und ab dem
1.
Januar 2004 eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung zu (
Urk.
6/48).
1.2
Im Zuge der in den Jahren 2007 und 2010 durchgeführten Rentenrevisionsver
fahren wurde dem Versicherten jeweils mitgeteilt, dass er weiterhin unverändert Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
habe (
Urk.
6/56, 6/62).
1.3
Am
1.
April 2014 nahm der Versicherte bei der
O._
AG eine Tätigkeit als Hilfsarbeiter in einem Pensum von ungefähr 20
%
auf (
Urk.
6/79/21).
Am
1.
Oktober 2014 zog er sich bei einem Sturz von einer Hebe
bühne e
in leichtes Schädel-Hirnt
rauma sowie Frakturen
am linken Fuss und Wadenbein zu (
Urk.
6/79/122, 6/79/158).
Ein weiterer Arbeitnehmer verstarb noch auf der Unfallstelle (
Urk.
6/79/103).
Mit Gesuch vom 1
0.
April 2015
(Ein
gangsdatum:
7.
Mai 2015)
machte der Versicherte eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes
geltend, worauf die IV-Stelle nebst den Akten der Suva (
Urk.
6/79) insbesondere einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
6/84) sowie Arztberichte einholte (
Urk.
6/86, 6/93/3 ff. und 6/94). Ferner veranlasste sie eine polydiszipli
näre Begutachtung durch
d
as
Zentrum
A._
(
A._
-Gutachten vom 22. Dezember 2016,
Urk.
6/117).
Mit Vorbescheid vom
6.
April 2017 stell
t
e sie dem Versicherten die Abweisung des Rentenerhö
hungs
gesuches in Aussicht (Urk.
6/121), wogegen jener Einwand erhob (
Urk.
6/128, 6/130). Am 27. Oktober 2017 verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne (
Urk.
6/143 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 2
9.
November 2017 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei ihm spä
testens ab Januar 2015 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
Januar 2018 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5). Mit Verfügung vom 24. Januar 2018 wurde den Parteien Frist angesetzt, um sich zur Praxisänderung des Bundesge
richts in Bezug auf die invalidisierende Wirkung psychischer Leiden zu äussern (
Urk.
7). Mit Stellungnahmen vom
8.
respektive 1
9.
Februar 2018 hielten die Par
teien jeweils an ihren Anträgen fest (
Urk.
9 f.), worüber sie mit Verfügung vom 2
1.
Februar 2018 orientiert wurden (
Urk.
11).
Mit Eingabe vom 1
9.
März 2018 (
Urk.
12) reichte der Beschwerdeführer Unterlagen der Suva zu den Akten
(
Urk.
13/1-5), worauf die Beschwerdegegnerin mit Eingabe vom 6. April 2018 mitteilte, auf eine Stellungnahme zu verzichten (
Urk.
15).
Dies wurde dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom
9.
April 2018 eröffnet (
Urk.
16). Mit Ein
gabe vom 1
7.
April 2018 (
Urk.
17) reichte er die Verfügung der Suva vom 1
1.
April 2018 betreffend Invalidenrente ein (
Urk.
18), was der Beschwerdegeg
nerin mit Mitteilung vom 2
3.
April 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
19).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1
.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1
.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 2
7.
Oktober 2017
(
Urk.
2)
zog die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen in Erwägung, dass der Beschwerdeführer aufgrund eines rheumatologisch-orthopädischen Leidens seit Juli 2001 eine
Drei
viertelsrente
beziehe. Für die vor Eintritt des Gesundheitsschadens ausgeübte Tätigkeit als Gepäckträger habe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen
. Für eine angepasste Tätigkeit sei eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
attestiert wor
den.
Im Rahmen der Prüfung des Rentenerhöhungsgesuches vom
7.
Mai 2015 seien umfassende medizinische Abklärungen getätigt worden. Diese hätten erge
ben, dass keine wesentliche Verschlechterung der somatischen und psychischen Beschwerden eingetreten sei. Nach wie vor sei eine leidensadaptierte Tätigkeit in einem 50%-Pensum zumutbar.
In Bezug auf das psychische Leiden liege keine Therapieresistenz vor, weshalb sich dieses nicht invalidisierend auswirke.
2.2
Demgegenüber macht
e
der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeschrift vom 29. November 2017 zusammengefasst geltend,
eine erhebliche gesundheitliche Verschlechterung sei mit Blick auf das
A._
-Gutachten vom 22. Dezember 2016 ausgewiesen.
Im Gegensatz zum Zeitpunkt der erstmaligen Rentenzusprechung könne er insbesondere nur noch leichte und keine mittelschweren Tätigkeiten mehr ausüben. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin habe sich auch die depressive Störung als chronifiziert und therapieresistent erwiesen. Im Ein
klang mit dem Gutachten sei von einer vollständigen Erwerbsunfähigkeit aus psychischen Gründen auszugehen, weshalb spätestens ab Januar 2015 eine ganze Rente geschuldet sei (
Urk.
1 S. 5 ff.).
2.3
Mit Stellungnahmen vom
8.
beziehungsweise 1
9.
Februar 2018 hielten die Par
teien jeweils
in Kenntnis
der neuen bundesgerichtlichen Praxis zur invalidisie
renden Wirkung psychischer Leiden an
ihren Rechtsbegehren fest (Urk.
9 f.).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin dem Gesuch um Rentener
höhung zu Recht nicht entsprochen hat. Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Ände
rung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht
(BGE 133 V 108; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_297/2016 vom 7. April 2017 E. 2.2, nicht publiziert in: BGE 143 V 77, aber in SVR 2017 IV Nr. 51 S. 152
).
Diese Voraussetzungen erfüllen im konkreten Fall einzig die Verfügungen vom 25. Mai 2004, mit welchen dem Beschwerdeführer erstmals rechtskräftig
eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung zugesprochen wurde (
Urk.
6/48).
Den rentenbestätigenden Mitteilungen vom 1
2.
September 2007 und 2
7.
Dezember 2010
(
Urk.
6/56, 6/62)
lagen demgegenüber keine rechtskonforme Sachverhalts
abklärung und Beweiswürdigung zu Grunde. Sie hätten im Falle eines inhaltlich
anderen Ergebnisses jedenfalls keine Rentenerhöhung,
-herabsetzung oder -aufhebung zu begründen vermocht. Im Übrigen sind sich auch die Parteien dahingehend einig, dass die Verfügungen vom 2
5.
Mai 2004 als Vergleichsbasis heranzuziehen sind (vgl.
Urk.
1 S. 5 und
Urk.
2 S. 1).
3.2
Die erstmalige Rentenzusprechung beruht
e
in erster Linie auf
dem polydiszipli
nären MEDAS-Gutachten vom 2
5.
Februar 200
4.
Diesem sind im Wesentlichen folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (Urk. 6/30/23
,
6/30/28 und
6/30/36
):
-
chronisches
lumboradikuläres
Schmerz- und sensomotorisches Ausfall
syndrom S1 links
-
beginnende
Coxarthrose
links
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig unter Therapie leichte Episode ohne somatische Symptome
(ICD-10 F33.00)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
.
Als Diagnosen ohne wesentliche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurden aufgeführt (
Urk.
6/30/24):
-
Nikotinabusus
-
AV-Block I, gelegentlich AV II Typ Wenckebach bei
Vagotonie
(in regel
mässiger kardiologischer Kontrolle
)
.
Vor diesem Hintergrund gelangten die Sachverständigen im interdisziplinären Konsens zum Schluss, dass dem Versicherten die angestammte Tätigkeit in der Gepäck
s
pedition der
Y._
aufgrund des objektivierbaren Rückenleidens nicht mehr zumutbar sei, da es sich hierbei um eine körperliche Schwerarbeit handle. Für leichte
bis
mittelschwere
und insbesondere möglichst wechselbelastende
Tätigkeiten attestierten sie demgegenüber
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(
Urk.
6/30/23 f.). Ausgehend von dieser Beurteilung
und einem Invaliditätsgrad von 61
%
(
vgl.
Urk.
6/35)
sprach die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD,
Urk.
6/34/2 f.) mit Verfügungen vom 2
5.
Mai 2004
rückwirkend ab
dem 1.
Juli 2001 eine halbe und ab dem
1.
Januar 2004 eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung zu (
Urk.
6/48).
3.3
3.3.1
Am
1.
Oktober 2014
stürzte der Beschwerdeführer mehrere Meter von einer Hebebühne, wobei er sich
unter anderem
ein leichtes Schädel-Hirntrauma sowie Frakturen am linken Fuss und Wadenbein zu
zog.
Zwecks medizinischer Behand
lung war er b
is zum
5.
Oktober 2014 im Universitätsspital
B._
hospita
lisiert (
Urk.
6/79/145).
Vom
5.
Februar bis 1
2.
März 2015 fand sodann ein stati
onärer Aufenthalt in der Rehaklinik
C._
statt. Im Austrittsbericht vom
1.
Mai 2015 wurde festgehalten, dass die bisherige Tätigkeit als Sandstrahlmaschinen
monteur aktuell nicht mehr zumutbar sei. Möglich seien sehr leichte körperliche Tätigkeiten, hauptsächlich im Sitzen oder Stehen, wobei die allgemeine Belast
barkeit deutlich reduziert und der Beschwerdeführer vermehrt auf Pausen ange
wiesen sei (
Urk.
6/86/1 f.).
Vom
4.
bis
8.
Dezember 2015 war der Beschwerdefüh
rer erneut im
B._
hospitalisiert, wobei eine Rekonstruktion der hinteren
Gehör
gangswand
vorgenommen wurde
(Urk.
6/93/3)
. Der postoperative Verlauf
gestal
tete
sich gemäss Bericht vom
7.
März 2016 sehr zufriedenstellend (
Urk.
6/94/2).
3.3.2
Im polydisziplinären
A._
-Gutachten vom 2
2.
Dezember 2016 sind folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt (
Urk.
6/117/51):
-
Status nach Sturzverletzung (Arbeitsunfall) am
1.
Oktober 2014 mit post
traumatischer Belastungsstörung, leichtem Schädel-Hirntrauma,
Maison
neuve-Fraktur
links, resultierender
Peroneusläsion
, mehrfragmentärer Fraktur des Os
cuboideum
, de
s
Os metacarpale V,
intraarticulärer
Fraktur des Os
metatarsale
V, Aussprengung am
Cuboid
links, mit guter Fuss- und Sprunggelenksfunktion und minimalen degenerativen Mittelfussverände
rungen ausgeheilt
-
dringender Verdacht auf funktionelle Beinparese links / Ausbau
d
er Beschwerden und Behinderungen links
-
Zahnbrückenfraktur mit nachfolgenden operativen Versorgungen
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung
-
depressive Episode, gegenwärtig mittelgradig ausgeprägt
-
chronisches
lumboradic
uläres
Schmerz- und
residuelles
sensomotorisches Ausfallsyndrom S1 links mit Gangstörung und verminderter Beweglich
keit der Lendenwirbelsäule bei
-
Discushernie
L5/S1
dorso
-lateral und
intraforaminal
bei
d
seits mit spontaner Rückbildung
-
l
inkskonvexer Torsionsskoliose der Lendenwirbelsäule, ausgeprägten
Osteochondrosen
und Spondylarthrosen L4-S1
-
chronisches
cervicovertebrogenes
Syndrom mit Bewegungseinschränkung bei leichteren
osteochondrotischen
,
spondylarthrotischen
und
unkover
tebral-arthrotischen
Veränderungen.
Ein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurde im Gegensatz dazu bezüglich folgen
der
Diagnosen
verneint (
Urk.
6/117/52):
-
chronische Otitis
media
links mit
Cholesteatombildung
, Status nach Ope
ration mit Rekonstruktion der linken
Gehörgangswand
2015 mit bleiben
der Hörstörung links und Status nach Operation eines
Cholesteatoms
am
7.
Dezember 2015
-
chronische posttraumatische
Cephalea
, mittlerweile als Medikamenten-übergebrauchskopfweh einzuordnen
-
Status nach posttraumatischem benignem paroxysmalem Lagerungs
schwindel
-
k
onstitutioneller Hohlfuss beidseits; Krallen- und Hammerzehenstellung mit beginnender Arthrose im MTP-Gelenk I
-
chronische
Coxalgie
beidseits bei
Tendomyosen
und
Insertionstendinosen
der Hüftaussen-Rotatoren
-
radiologisch mit leichten
Coxarthrosezeichen
links
-
chronische
Gonalgie
links bei
periarticulärer
Insertionstendinose
und
Ligamentose
; röntgenologisch ohne Auffälligkeit.
Dr. D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, konnte anlässlich seiner Untersuchung des Beschwerdeführers insbesondere keine kar
diovaskulären, pulmonalen oder abdominalen Auffälligkeiten feststellen. Er gelangte zum Schluss, dass aus allgemein-internistischer Sicht keine Erkrankun
gen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünden (
Urk.
6/117/21 f.).
Dr.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, hielt in seiner Teilexpertise fest, dass
eine erhebliche Inkonsistenz zwischen den anamnestischen Angaben und den objektiven Befun
den vorliege. Es sei von einem hochgradigen
lumboradiculären
Syndrom mit
Fusssenkerparese
und einer
Peroneusparese
links auszugehen. Diese Befunde seien als erheblich einzustufen. Die Unfallfolgen am linken Fuss und linken Sprunggelenk seien dagegen als leichtgradig einzuordnen, ebenso wie die Symp
tomatik im Bereich der Halswirbelsäule, der Hüften und des linken Kniegelenks. Der Beschwerdeführer sei hinsichtlich der Beweglichkeit und Belastbarkeit der Lendenwirbelsäule erheblich beeinträchtigt. Zudem sei das Geh- und Stehvermö
gen stark vermindert. Im Gegensatz zu überwiegend sitzenden Tätigkeiten seien solche im Knien und Kauern sowie Arbeiten in Überkopfhöhe aus orth
opädischer Sicht nicht möglich (
Urk.
6/117/32).
Dem neurologischen Teilgutachten von
Dr.
F._
, Facharzt für Neurologie, ist zu entnehmen
, dass sich der Beschwerdeführer vom erlittenen Schädel-Hirntrauma bis auf seither persistierende chronische Kopfschmerzen weitgehend erholt habe. Infolge eines derzeit über viele Monate bestehenden
Analgetikakonsums
sei von Analgetika-induzierten Kopfschmerzen auszugehen. Ganz ungewöhnlich habe sich der Beschwerdeführer
bei der Untersuchung prä
sentiert, da sowohl der linke Fuss als auch sämtliche Unterschenkelmuskeln prak
tisch total gelähmt gewesen seien. Dieser Eindruck habe initial, als der Beschwer
deführer an Krücken gehend eingetroffen sei, eigentlich nicht bestanden. Auch in Anbetracht der Ergebnisse der Elektromyographie und der Neurographie lasse sich die schwerste Unterschenkel- und Fusslähmung nicht einordnen, sodass der Verdacht auf einen massiven Ausbau von Beschwerden und Behinderungen bei aber zugrundeliegend isolierter Neuropathie des
Nervus
peroneus
links und einer vorbestehenden leichten Schädigung der Wurzel S1 links bestehe.
Insgesamt lasse sich der Schweregrad der Erkrankungen aufgrund des Ausbaus der Beschwerden nur schwer
festlegen
(
Urk.
6/117/37 f.).
Im Rahmen der Exploration durch
Dr.
G._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, habe der Beschwerdeführer berichtet,
dass er immer wieder an den Unfall zurückdenke und deswegen auch Albträume habe. Diese und die Schmerzen hätten auch Schlafprobleme zur Folge. Gedanken und Bilder an den Unfall träten auch tagsüber wiederholt auf. Er frage sich immer wieder, warum ein so schweres Unglück passiert und dabei sein Arbeitskollege gestorben sei. Seit dem Unfall habe er auch wenig Appetit und etwa zehn Kilo
gramm an Gewicht verloren; zum einen wegen Zahnproblemen und zum anderen aufgrund von Appetitlosigkeit. Er leide auch unter Schuldgefühlen, obwohl er wisse, dass er nicht die Schuld am Unfall trage. Früher sei er ein fröhlicher und aktiver Mensch gewesen. Nun habe er wenig Freude und sei mehrheitlich lustlos, auch in Bezug auf die Sexualität.
Insgesamt gehe es ihm psychisch nicht gut, wobei der Zustand wechselhaft sei. Hinsichtlich der guten Momente fehle jedoch die Konstanz (
Urk.
6/117/43 f.).
Anlässlich der Untersuchung sei
das Denken des
Beschwerdeführer
s
gemäss
Dr.
G._
geordnet, logisch und störungsfrei gewesen. Auffälligkeiten in Bezug auf Aufmerksamkeit, Konzentration und Merkfähigkeit hätten sich nicht ergeben. Während der Antrieb erhalten gewesen sei, hätten Mimik und Gestik etwas reduziert gewirkt. Anhaltsp
unkte für Wahn, Halluzinationen,
Ich-Erlebnisstörungen
, Zwänge oder pathologische Ängste
hät
ten sich nicht eruieren lassen.
Die Stimmung sei in den depressiven Bereich ver
schoben gewesen, einhergehend mit etwas reduzierter emotionaler Zugänglich
keit, verflachtem Affekt und verminderter Affektmodulation. Beim Berichten über den Unfall hätten sich eine deutliche emotionale Betroffenheit, Schuldgefühle sowie
eine Hilf- und Ratlosigkeit
gezeigt.
Der Beschwerdeführer habe ausserdem von einem Libidoverlust, Appetitlosigkeit sowie Gewichtsverlust seit 2014
berich
tet. Ferner habe er über Ein- und Durchschlafprobleme sowie wiederkehrende Gedanken und Bilder an das Unfallereignis geklagt. Hinweise auf Eigen- und/oder Fremdgefährdung hätten sich nicht ergeben (
Urk.
6/117/44 f.).
Gesamthaft bestehe aus psychiatrischer Sicht – bei überlappender Symptomatik – eine kom
plexe Störung aus Schmerzsymptomatik, Depression und posttraumatischer Belastungsstörung.
Die einzelnen Komponenten der Diagnosen würden sich gegenseitig verstärken. Der Beschwerdeführer sei mit sich und seinen Symptomen beschäftigt und nicht in der Lage, den Fokus nach aussen zu richten. Im Denken und Handeln sei er sehr eingeschränkt und die Flexibilität sei ebenfalls reduziert. Ansprüche von aussen nehme er als Stress oder auch als Bedrohung wahr. Die Folge sei eine vermehrte Schmerzsymptomatik (
Urk.
6/117/47). Derzeit scheine der Beschwerdeführer nicht arbeitsfähig zu sein. Zunächst sollte eine stationäre Therapie erfolgen und danach eine externe Tagesstruktur gestaltet werden. Sofern dies gelinge, sollte in einer leidensadaptierten Umgebung zumindest eine 30%ige Arbeitsfähigkeit wieder erreicht werden können (
Urk.
6/117/49).
Im interdisziplinären Konsens gelangten die Sachverständigen zur Auffassung, dass
sich der Gesundheitszustand seit 2010 verschlechtert
habe. D
urch den Unfall vom
1.
Oktober 2014
sei
eine erhebliche Minderung der körperlichen und psychi
sch
en Belastbarkeit eingetreten
.
Die Ausübung der Tätigkeit als Betriebsarbeiter in der Gepäcksortierung sei dem Beschwerdeführer bereits seit 1997 nicht mehr möglich. Aus orthopädischer Sicht seien leichte, überwiegend im Sitzen durchzu
führende Arbeiten seit Oktober 2014 halbschichtig zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht liege seither allerdings keine Arbeitsfähigkeit mehr vor (
Urk.
6/117/56 ff.).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Rentenerhöhungsge
such des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 2
7.
Oktober 2017 (Urk. 2) zu Recht abgewiesen hat. Da in erster Linie das
A._
-Gutachten vom 2
2.
Dezember 2016 (Urk. 6/117) als medizinische Grundlage für den angefochtenen Entscheid diente, ist zunächst auf dessen Beweiswert einzugehen.
Die Expertise
basiert auf umfassenden internistischen
,
orthopädischen,
neurolo
gischen sowie psychiatrischen Untersuchungen und wurde in detaillierter Kennt
nis der
Vorakten
erstellt (Urk.
6/117/4
ff.). Der Beschwerdeführer konnte gegen
über den einzelnen Sachverständigen seine aktuellen Beschwerden schildern und wurde von diesen jeweils - soweit fachspezifisch erforderlich - eingehend befragt.
Er
konnte sich namentlich zu verschiedenen Themenbereichen wie dem berufli
chen Werdegang, dem Krankheitsverlauf und
seinem
gewöhnlichen Tagesablauf äussern (Urk.
6/117/18 ff., 6/117/23 ff., 6/117/33 f. und 6/117/
41 ff.
). Die geklag
ten Leiden fanden sodann im Rahmen der
Diagnostik
Berücksichtigung, wobei sowohl diese als auch die aus medizinischer Sicht resultierenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit dargelegt und nachvollziehbar erläutert wurden (Urk.
6/117/22, 6/117/29 ff., 6/117/37 ff., 6/117/45 ff. und 6/117/51 ff.
).
Die Gut
achter nahmen ausserdem Stellung zu
vorangegangenen ärztlichen Beurteilun
gen (Urk.
6/117/22, 6/117/33, 6/117/39 f. und 6/117/48
).
Insgesamt erfüllt das
A._
-
Gutachten somit die vom Bundesgericht festgelegten formellen Kriterien für eine beweiswerte med
izinische Expertise (vgl. E. 1.5
), was die Parteien dem Grundsatz nach auch nicht in Frage stellen
.
4.2
Gestützt auf die
überzeugenden
Feststellungen der Gutachter ist eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit der erstmaligen Rentenzuspre
chung im Jahr 2004 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen.
Sie führten explizit aus, dass durch den Unfall vom
1.
Oktober 2014 eine erhebliche Minderung der körperlichen und psychischen Belastbarkeit eingetreten sei, was sich auch auf die Arbeitsfähigkeit auswirke (
Urk.
6/117/57 f.).
Im Unterschied zur Beurteilung der MEDAS-Gutachter vom 2
5.
Februar 200
4
(vgl.
Urk.
6/30/24) erachten die
A._
-Sachverständigen aus somatischer Sicht nur noch eine leichte und überwiegend sitzend auszuübende Tätigkeit in einem 50%-Pensum als zumutbar. Aufgrund der verschiedenen psychischen Leiden
–
insbesondere
auch der neu hinzugetretenen posttraumatischen Belastungsstörung –
gehen sie seit dem Unfallereignis
auch für leidensadaptierte Tätigkeiten
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit
aus (
Urk.
6/117/56).
Vor diesem Hintergrund
ist
ein Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG
zu bejahen
, sodass der Rentenanspruch im Folgenden umfassend und ohne Bindung an frühere Beurteilungen zu prüfen ist (vgl. E. 1.3).
4.3
4.
3.1
Uneinigkeit besteht bezüglich der Frage, ob auf die Beurteilung der Arbeitsfähig
keit durch
die
A._
-Gutachter – namentlich
auf
die von ihnen aus psychischen Gründen
attestierte volle
Arbeitsunfähigkeit ab Oktober 2014
–
abgestellt
werden kann, oder ob in diesem
Kontext
aus recht
licher Sicht von einem nicht invalidi
sierenden Gesundheitsschaden auszugehen ist. In diesem Zusammenhang ist vorab festzuhalten, dass das Bundesgericht erkannt hat, dass nunmehr grund
sätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind.
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderung eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen ent
scheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrund
lagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im konkreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutach
ten
– allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung anhand der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 5.2.2 und 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
4.
3.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
4.
3.3
Diese Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2017 vom 1. Dezember 2017 E. 4.2.3). Die Anerkennung eines rentenbe
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
lastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; 141 V 547 E. 2
).
4.4
4.4
.1
Zunächst ist anzumerken, dass die Standardindikatoren im
A._
-Gutachten nicht geprüft wurden, wodurch es seinen Beweiswert
rechtsprechungsgemäss
jedoch nicht
per se
einbüsst. Unter zusätzlicher Berücksichtigung der weiteren fachärzt
lichen Berichte, insbesondere dem von
Dr.
H._
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie, zuhanden der Suva am 1
6.
Januar 2018 erstellten psychiatrischen Untersuchungsbericht (
Urk.
13/2),
ist eine abschliessende Beur
teilung der massgeblichen Indikatoren möglich.
Dieser Bericht kann trotz des Umstands, dass er erst nach Abschluss des Verwaltungsverfahrens erstellt wurde, einbezogen werden, da er mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammen
hang steht und geeignet ist, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b, 99 V 98).
Der Beschwerdegegnerin war im Übrigen auch die Möglichkeit eröffnet worden, zu diesem Bericht Stellung zu nehmen, worauf sie verzichtete (vgl.
Urk.
14 f.).
4.4.2
Zum Komplex «Gesundheitsschädigung» ist festzuhalten, dass
Dr.
G._
nebst einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie eine depressive Episode, gegenwärtig mittleren Grades (IC
D-10 F32.1)
,
diagnostiziert
e
(
Urk.
6/117/45).
Dr.
H._
ging in seinem Bericht
vom 1
6.
Januar 2018
von
einer ungünstigen Entwicklung und
einer schweren depressiven Episode aus (
Urk.
13/2 S. 26).
Die diagnostizierte depressive
Störung
wie auch die Schmerzstörung weisen
jeden
falls
einen Bezug zum Schweregrad auf. Sie deuten insgesamt auf eine nicht mehr leichte psychische Erkrankung hin, die grundsätzlich invalidisierend sein kann (vgl. BGE 143 V 418 E. 5.2.2).
Entscheidend und zusätzlich zu prüfen ist rechtsprechungsgemäss allerdings, ob nach den übrigen Standardindikatoren auf einen funktionellen Schweregrad der psychischen Störung zu schliessen ist, der sich nach dessen konkreten Auswir
kungen und insbesondere danach beurteilt, wie stark die versicherte Person in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen dadurch beein
trächtigt ist (BGE 143 V 418 E. 5.2.3).
4.
4.3
Zum Indikator der Therapieresistenz ist zunächst anzumerken, dass entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin (vgl. Urk. 2) allein die fehlende Ausschöp
fung aller Behandlungsmöglichkeiten nicht (mehr) ausreicht, um einen invalidi
sierenden Gesundheitsschaden zu verneinen.
Die
A._
-Gutachter äusserten sich dahingehend, dass durch eine stationäre Therapie eine Verbesserung des Gesund
heitszustandes
im Sinne einer Verarbeitung des Unfallereignisses und einer Reduktion der depressiven Symptomatik
erreicht werden könn
e. Sie wiesen jedoch auch auf eine schwierige Prognose und auf eine bereits vorhandene Chro
nifizierung hin (
Urk.
6/117/57).
Im Rahmen der vom 1
2.
August bis 8. September 2017 wahrgenommenen stationären Behandlung im
Rehaz
entrum
I._
war es dem Beschwerdeführer nicht möglich, über das erlittene Trauma zu spre
chen. Die behandelnden Ärzte erachteten einen Wiedereinstieg ins Erwerbsleben als unrealistisch (
Urk.
6/138/4 f.).
In diesem Sinne äusserte sich sodann auch
Dr.
H._
am 1
6.
Januar 201
8.
Der Beschwerdeführer sei mit der Verarbeitung des Unfallereignisses massiv überfordert und unfähig dazu, dieses in sein Lebens
konzept zu integrieren (
Urk.
13/2 S. 27).
Dr.
H._
ging im Weiteren in Bezug auf die depressive Störung und die posttraumatische Belastungsstörung von einem therapieresistenten Verlauf aus (
Urk.
13/2 S. 26).
Die Fortsetzung der bis
herigen ambulanten psychiatrischen Therapie erachtete er als sinnvoll, um den psychischen Zustand auf tiefem Niveau zu stabilisieren, ohne dass jedoch mit einer Besserung zu rechnen sei (
Urk.
13/2 S. 28).
Gesamthaft kann
mit Blick auf diese Aktenlage festgehalten werden, dass die
chronifizierten
psychischen Leiden – wenn überhaupt – nur mehr schwer einer Therapie zugänglich zu sein scheinen. Die
gutachterliche
Prognose einer mögli
chen Verbesserung bei Inanspruchnahme einer stationären Behandlung hat sich nicht bestätigt.
4.
4.4
In Bezug auf den Indikator «Komorbiditäten» ist zu bemerken, dass
gemäss gut
achterlicher Einschätzung
Wech
selwirkungen zwischen den einzelnen
psychi
schen Leiden bestehen (vgl.
Urk.
6/117/47). Auch
Dr.
H._
hielt fest, dass sich die posttraumatischen und depressiven Symptome sowie die Schmerzen gegen
seitig in starker und ungünstiger Weise beeinflussen (
Urk.
13/2 S. 27).
Im Weite
ren liegt nahe, dass sich auch die – im Kern objektivierbare (vgl. Urk. 6/117/56) – eingeschränkte Funktionsfähigkeit der linken unteren Extremität negativ auf den psychischen Gesundheitszustand auswirkt.
4.
4.5
Was den Komplex «Persönlichkeit» anbelangt, gilt es zu beachten, dass
weder eine
Per
sönlichkeitsstörung im engeren Sinne
noch Akzentuierungen der Persön
lichkeit festgestellt wurden.
Dr.
H._
ging zudem von einer durchschnittlichen Intelligenz aus (
Urk.
13/2 S. 20).
Die
A._
-Gutachter machten allerdings darauf aufmerksam, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage sei, seinen Fokus nach aussen zu richten. Darüber hinaus sei er im Denken und Handeln sehr einge
schränkt und die Flexibilität sei ebenfalls reduziert
(Urk.
6/117/47).
Dies ist als ressourcenhemmender Faktor zu berücksichtigen.
4.
4.6
Zum sozialen Lebenskontext
ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
mit sei
ner Ehefrau und den beiden Söhnen zusammenlebt, zu denen er gemäss eigenen A
ngaben ein gutes Verhältnis hat
. Die Ehefrau leide aber insgesamt unter der Situation (
Urk.
6/117/42 f.).
Im Weiteren
steht
der Beschwerdeführer regelmässi
gen
mit
den in Serbien lebenden Familienmitgliedern (Eltern und älterer Bruder,
Urk.
6/117/18)
in Verbindung
.
Ansonsten verfügt
er nur noch über wenige soziale Kontakte und trifft sich etwa einmal pro Monat mit Freunden (Urk. 6/117/20,
Urk.
13/2 S. 18). Insgesamt finden sich somit Hinweise auf einen
gewissen krank
heitsbedingten sozialen R
ückzug
.
Der
Beschwerdeführer
verfügt aber
im Fami
lienkreis
über ein
ihn
stützendes Beziehungsnetz, welches
tendenziell
begünsti
gende Ressourcen bereithält.
Die Gefahr einer sozialen Isolation besteht nicht.
4.
4.7
In Bezug auf die beweisrechtlich entscheidende Kategorie «Konsistenz» ist
zunächst
festzu
halten, dass
weder
Dr.
G._
noch
Dr.
H._
auf
eine erheb
liche Verdeutlichung der psychischen Beschwerden oder eine
Aggravation
(
Urk.
6/117/48,
Urk.
13/2 S. 24)
schlossen
.
Mit Blick auf den gewöhnlichen Tagesablauf des Beschwerdeführers wird
im Weiteren
eine erhebliche Einschrän
kung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen deutlich.
So geht
er
seinen früher ausgeübten
Hobbies
wie etwa dem Fischen oder sportlichen Aktivitäten
nicht
mehr nach (
Urk.
6/117/20,
Urk.
13/2 S. 18).
Aufgaben im Haus
halt
übernimmt
er
ebenfalls
nicht.
Den Vormittag widme
t
er
meist
Arzt- und Therapietermine
n
; nachmittags untern
immt
er gelegentlich Spaziergänge, wobei dies aufgrund der körperlichen
Beeinträchtigungen
nicht so
gut gehe. Ansonsten beschäftigt
er sich mit Les
en oder Fernsehen. Oftmals sitzt
er auch
nur
untätig herum (
Urk.
6/117/20, 6/117/42 und
Urk.
13/2 S. 18).
Auf einen nicht zu vernachlässigenden Leidensdruck lassen
zudem
die
vom Beschwerdeführer
seit geraumer Zeit
in Anspruch genommenen therapeu
tischen Optionen schliessen.
Seit 2015 befindet er sich bei
Dr.
J._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in ambulanter psychiatrischer Behand
lung
(vgl.
Urk.
6/131/2)
. Sitzungen finden zwar nur im Monatsintervall statt
(
Urk.
6/117/20, 6/117/42).
Zu berücksichtigen ist allerdings zum einen, dass der Beschwerdeführer zeitweilig zusätzlich die Unterstützung eines weiteren Psycho
therapeuten in Anspruch nahm (
vgl.
Urk.
6/117/20,
Urk.
13/2 S. 23).
Zum ande
ren
greift er auf zahlreiche Schmerzmedikamente und Psychopharmaka zurück (
Urk.
6/117/20,
Urk.
13/2 S. 18).
Erwähnenswert ist ferner, dass sich der Beschwerdeführer vom 1
2.
August bis 8. September 2017 auch in stationäre Behandlung begab (vgl.
Urk.
6/138) und
Dr.
H._
die durchgeführten thera
peutischen Massnahmen als angemessen und deren Fortführung als sinnvoll erachtete (
Urk.
13/2 S. 27 f.).
4.5
Zusammenfassend ergibt sich aus der Prüfung der Standardindikatoren und deren Gesamtwürdigung, dass
mehrere psychische Störungen von erheblichem Schwe
regrad vor
liegen
, welche
sich gegenseitig ungünstig beeinflussen. Hinzu treten die körperlichen Einschränkungen, welche namentlich die linke untere Extremität betreffen.
Die ps
ychischen Leiden sind einer Behandlung aus
ärztlicher
Sicht aus
serdem - wenn überhaupt – nur noch schwer zugänglich, was ebenfalls
als res
sourcenhemmender Faktor zu werten
ist.
Einzig das intakte Beziehungsnetz innerhalb der Familie scheint für den Beschwerdeführer
noch
gewisse Ressourcen bereitzuhalten.
Ein Leidensdruck ist mit Blick auf das eingeschränkte allgemeine Aktivitätsniveau und die wahrgenommenen medizinischen Behandlungen deut
lich spürbar.
Gesamthaft kann vor diesem Hintergrund auf die von den Sachver
ständigen ab Oktober 2014 auch für leidensadaptierte Tätigkeiten attestierte gänzliche Arbeitsunfähigkeit (vgl. Urk. 6/117/56) abgestellt werden.
5
.
Nach dem Gesagten liegt
seit Oktober 2014
mit überwiegender Wahrscheinlich
keit
eine vollständige Erwerbsunfähigkeit und folglich ein Invaliditätsgrad von 100
%
vor. Entgegen dem Antrag des Beschwerdeführers besteht jedoch nicht
bereits
seit
Januar 2015 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Zwar ist eine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat
(
Art.
88a
Abs.
2 IVV), was auf der Grundlage der gutachterlichen Beurteilung ab Januar 2015 der Fall war. Sofern
allerdings
die versicherte Person die Revision verlangt, was vorliegend zutrifft, hat die Erhöhung der Rente frühestens
von dem Monat an zu erfolgen, in dem das Revisionsbegehren gestellt wurde (
Art.
88
bis
Abs.
1
lit
. a IVV).
Das vom Beschwerdeführer
am 1
0.
April 2015
unterzeichnete
Rentenerhöhungsge
such (
Urk.
6/77)
ging unbestrittenermassen erst am
7.
Mai 2015 bei der Beschwer
degegnerin ein (vgl.
Urk.
2 S. 1), weshalb die Rentenerhöhung ab Mai 2015 vor
zunehmen ist.
Abschliessend
ist somit festzuhalten, dass die
Beschwerdegegnerin das Rentener
höhungsgesuch des Beschwerdeführers zu Unrecht abgewiesen hat.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 27. Oktober 2017
(
Urk.
2)
daher aufzuheben und es ist festzustellen, dass der Beschwerdefüh
rer
ab
dem
1.
Mai
2015 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat.
6
.
6
.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streitwert nach dem Verfahrensaufwand festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6
.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozes
ses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Unter Berücksichtigung der genannten Kriterien ist die von der Beschwerdegeg
nerin an den Beschwerdeführer zu leistende Entschädigung ermessensweise auf
Fr.
2’0
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Diese ist nicht zu reduzier
en, da das Rechtsbegehren des Beschwerdeführers, soweit über die
erst
ab Mai 2015
zuzusprechende ganze Invalidenrente hinausgehend (sog. «Überkla
gen»), den Prozessaufwand nicht wesentlich beeinflusst hat (BGE 117 V 401 E. 2c; Urteil des Bundesgerichts 9C_846/2015 vom
2.
März 2016 E. 3).