Decision ID: 54235d90-18b6-5fd3-81dd-32b71b75eede
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer – ein 1990 geborener nordmazedonischer
Staatsangehöriger – in den Jahren 2017 und 2018 unter seinem früheren
Namen C._ in der Schweiz drei Mal wegen teils massiven Über-
schreitens des bewilligungsfreien Aufenthaltes und illegaler Erwerbstätig-
keit zur Anzeige gebracht worden war (Akten der Vorinstanz [SEM-act.]
1/35, 1/57 und 2/84),
dass er deswegen im Kanton Bern mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
des Kantons Bern, Region Berner Jura-Seeland, vom 30. November 2018
(SEM-act. 3/87) und im Kanton Zürich mit Strafbefehl des Statthalteramts
des Bezirks Bülach vom 10. April 2019 (SEM-act. 4/89) zur Rechenschaft
gezogen wurde,
dass die Vorinstanz gegen den Beschwerdeführer unter seinem früheren
Namen gestützt auf denselben Sachverhalt bereits am 30. Mai 2018 ein
bis 30. Mai 2020 befristetes Einreiseverbot mit Ausschreibung im Schen-
gener Informationssystem SIS II verfügte und die Verfügung unangefoch-
ten in Rechtskraft erwuchs (SEM-act. 1/60),
dass der Beschwerdeführer am 6. Oktober 2019 versuchte, unter dem zwi-
schenzeitlich neu angenommenen Namen B._ und mit einem auf
diesen Namen am 18. Januar 2019 ausgestellten nordmazedonischen Rei-
sepass über den Grenzübergang Basel Flughafen in die Schweiz einzurei-
sen (SEM-act. 5/105),
dass er an der Grenze zurückgewiesen wurde, nachdem in Erfahrung hatte
gebracht werden können, dass er sich unter dem neuen Namen bereits
149 Tage im Dublin-Raum aufgehalten hatte und dass gegen ihn unter sei-
nem alten Namen ein Einreiseverbot besteht,
dass die Vorinstanz gegen den Beschwerdeführer mit Verfügung vom
14. Oktober 2019 ein zweites, mit einer Ausschreibung im SIS II verbunde-
nes Einreiseverbot erliess, das sich unmittelbar an das erste Einreisever-
bot anschliesst und dessen Geltungsdauer die Zeitspanne von 31. Mai
2020 bis 30. Mai 2022 umfasst (SEM-act. 6/108),
dass die Verfügung dem Beschwerdeführer am 16. Juni 2020 eröffnet
wurde (SEM-act. 8/127),
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dass der Beschwerdeführer gegen die vorgenannte Verfügung am 17. Au-
gust 2020 Rechtsmittel beim Bundesverwaltungsgericht einlegte und be-
antragte, das Einreiseverbot sei ersatzlos aufzuheben oder auf eine ver-
hältnismässige Zeitdauer zu beschränken (Akten des BVGer [Rek-act.] 1),
dass die Vorinstanz mit Vernehmlassung vom 11. November 2020 auf Ab-
weisung der Beschwerde schloss (Rek-act. 6),
dass der Beschwerdeführer mit Replik vom 10. Dezember 2020 an seinem
Rechtsmittel festhielt (Rek-act. 8),
dass auf den weiteren Akteninhalt – soweit erheblich – in den Erwägungen
eingegangen wird,

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass Einreiseverbote des SEM der Beschwerde an das Bundesverwal-
tungsgericht unterliegen (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG),
dass sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das VGG nichts
anderes bestimmt (Art. 37 VGG),
dass der Beschwerdeführer zur Beschwerde legitimiert und auf sein frist-
und formgerecht eingereichtes Rechtsmittel einzutreten ist (Art. 49 ff.
VwVG),
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich
Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder un-
vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes und die Un-
angemessenheit gerügt werden kann (Art. 49 VwVG),
dass das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die
Begründung der Begehren nicht gebunden ist und die Beschwerde auch
aus anderen als von den Parteien bzw. der Vorinstanz genannten Gründen
gutheissen oder abweisen kann (vgl. BVGE 2009/61 E. 6.1 m.H.),
dass der Beschwerdeführer in formeller Hinsicht beanstandet, die Vor-
instanz sei ihrer Begründungspflicht nicht nachgekommen, denn sie habe
nicht erläutert, warum sie die Dauer des Einreiseverbots gerade auf zwei
Jahre festgesetzt habe,
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dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung die Gründe darlegt,
weshalb ihrer Auffassung nach eine «Verlängerung» der (bereits laufen-
den) Fernhaltemassnahme um zwei Jahre angezeigt und verhältnismässig
ist, ohne darauf einzugehen, warum es gerade zwei Jahre sein sollen,
dass der Einwand des Beschwerdeführers gleichwohl nicht gehört werden
kann, weil er angesichts der klaren und einfachen Interessenlage, der kur-
zen Massnahmedauer und der publizierten Rechtsprechung in vergleich-
baren Konstellationen (Zuwiderhandlungen gegen ausländerrechtliche
Bestimmungen) die Anforderungen an die Begründungsdichte überspannt,
dass der Beschwerdeführer durch die Begründung der angefochtenen Ver-
fügung denn auch ohne weitergehende Ausführungen zur Massnahme-
dauer in die Lage versetzt wurde, das Einreiseverbot sachgerecht anzu-
fechten, seine Rüge daher zurückzuweisen ist,
dass gegenüber Ausländerinnen oder Ausländern, die gegen die öffentli-
che Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen
haben oder diese gefährden, ein Einreiseverbot verfügt werden kann
(Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG),
dass ein Einreiseverbot für eine Dauer von höchstens fünf Jahren verhängt
wird, es sei denn, von der betroffenen ausländischen Person gehe eine
schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung aus
(Art. 67 Abs. 3 AIG),
dass ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung insbeson-
dere bei einer Missachtung gesetzlicher Vorschriften oder behördlicher
Verfügungen gegeben ist (Art. 77a Abs. 1 Bst. a der Verordnung vom
24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE,
SR 142.201]),
dass eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung vorliegt,
wenn konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Aufenthalt der be-
troffenen Person in der Schweiz mit erheblicher Wahrscheinlichkeit zu ei-
ner Nichtbeachtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung führen wird
(Art. 77 Abs. 2 VZAE),
dass von der Visumspflicht befreite drittstaatsangehörige Personen in das
Hoheitsgebiet der Schengen-Mitgliedstaaten einreisen und sich dort wäh-
rend höchstens 90 Tagen je Zeitraum von 180 Tagen aufhalten können,
wenn und solange sie die allgemeinen Einreisevoraussetzungen erfüllen
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(Art. 20 Abs. 1 des Schengener Durchführungsübereinkommens vom
19.06.1990 [SDÜ, ABl. L 239/19 vom 22.09.2000] in der Fassung der Ver-
ordnung [EU] Nr. 610/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 26.06.2013 [ABl. L 182/1 vom 29.06.2013]),
dass zu den allgemeinen Einreisevoraussetzungen gehört, dass eine dritt-
staatsangehörige Person nicht im SIS II zur Einreiseverweigerung ausge-
schrieben ist (Art. 6 Abs. 1 Bst. d SDÜ), ansonsten sie nur unter besonde-
ren Umständen (Aufenthaltstitel eines Schengen-Mitgliedstaats oder eine
durch einen Schengen-Mitgliedstaat ausgestellte humanitäre Einreisebe-
willigung) berechtigt ist, in den Schengen-Raum einzureisen und sich dort
aufzuhalten (vgl. Art. 6 Abs. 5 Bst. a und c sowie Art. 14 Abs. 1 der Verord-
nung [EG] Nr. 2016/399 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
9. März 2016 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der
Grenzen durch Personen [Kodifizierter Text] [SGK, Abl. L 77/1 vom
23.03.2016),
dass der Beschwerdeführer, ohne dass ihn die oben erwähnten besonde-
ren Umstände dazu berechtigt hätten, während der Geltungsdauer eines
Einreiseverbots und trotz Ausschreibung im SIS II zur Einreiseverweige-
rung mehrmals in den Schengen-Raum eingereist ist und sich dort mit 149
Tagen wesentlich länger aufgehalten hat, als er es selbst bei Erfüllung aller
Einreisevoraussetzungen hätte tun dürfen,
dass der Beschwerdeführer sein Vorgehen mit Nichtwissen in Bezug auf
das Einreiseverbot und die Ausgestaltung des bewilligungsfreien Aufent-
halts im Schengen-Raum zu rechtfertigen sucht, seine Vorbingen jedoch
unsubstantiiert bleiben, im Widerspruch zur Aktenlage stehen und insge-
samt als offensichtliche Schutzbehauptungen zurückzuweisen sind,
dass der Beschwerdeführer zudem nur deshalb in der Lage war, trotz Ein-
reiseverbots und der Ausschreibung im SIS II in den Schengen-Raum zu
reisen, weil diese auf seinen ursprünglichen Namen lauteten, er jedoch in
seiner Heimat eine Namensänderung und einen auf den neuen Namen
lautenden Reisepass erwirkte, den er in der Folge bei seinen Reisen be-
nutzte,
dass indessen die Namensänderung und die Ausstellung des neuen Rei-
sepasses (Ausstelldatum: 18. Januar 2019) innerhalb von nur vier Monaten
nach der Eröffnung des Einreiseverbots (Eröffnungsdatum: 17. September
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2018, vgl. SEM-act. 2/62) erfolgten, ohne dass der Beschwerdeführer auch
nur versuchen würde, dieses Verhalten nachvollziehbar zu erläutern,
dass unter den gegebenen Umständen mit der Vorinstanz davon auszuge-
hen ist, die Umgehung des Einreiseverbots und der Ausschreibung des
Beschwerdeführers im SIS II zur Einreiseverweigerung seien das eigentli-
che Ziel der Namensänderung und die Ausstellung eines auf den neuen
Namen lautenden Reisepasses gewesen,
dass – ebenfalls mit der Vorinstanz – dem Beschwerdeführer ein beträcht-
liches Mass an Unbelehrbarkeit attestiert werden muss, weil er wegen Ver-
letzung von ausländerrechtlichen Bestimmungen wiederholt strafrechtlich
zur Rechenschaft gezogen werden musste,
dass der Beschwerdeführer im Verlauf des Jahres 2019 vorsätzlich schen-
genrechtliche Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen missachtet und da-
mit den Fernhaltegrund der Verletzung der öffentlichen Sicherheit und Ord-
nung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a erster Halbsatz AIG gesetzt hat,
dass angesichts des aktenkundigen Fehlverhaltens des Beschwerdefüh-
rers – welches schwerer ins Gewicht fällt als seine Beteuerungen, inskünf-
tig die Rechtsordnung zu beachten – auch von einer reellen Gefahr weite-
rer Verletzungen der Rechtsordnung ausgegangen werden muss,
dass der Beschwerdeführer damit auch den alternativen Fernhaltegrund
der Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit im Sinne von
Art. 6 7 Abs. 2 Bst. a zweiter Halbsatz AIG erfüllt hat,
dass angesichts der Dauer des rechtswidrigen Aufenthaltes im Schengen-
Raum und der vom Beschwerdeführer ausgehenden Gefahr weiterer
Rechtsverletzungen aus general- und spezialpräventiven Gründen ein be-
trächtliches öffentliches Interesse an seiner Fernhaltung besteht,
dass der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, er sei Spezialist für die Er-
stellung von Trockenmauern und habe in der Schweiz bei einem Garten-
bauunternehmen eine Anstellung in Aussicht,
dass in seinem Fachbereich ein qualitativer und quantitativer Personal-
mangel bestehe und es folglich im öffentlichen Interesse liege, dass aus-
ländische Fachkräfte in der Schweiz Arbeitsleitungen erbringen können,
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dass sich jedoch die Frage, ob so motivierte Interessen der Fernhaltemass-
nahme entgegenstehen, erst stellt, wenn die zuständige kantonale Be-
hörde der Vorinstanz einen positiven arbeitsmarktlichen Vorentscheid zur
Zustimmung unterbreitet hat (vgl. Art. 83 VZAE),
dass andere Interessen privater oder öffentlicher Natur, die gegen das öf-
fentliche Fernhalteinteresse aufkommen könnten, weder geltend gemacht
werden noch ersichtlich sind,
dass unter den gegebenen Umständen das Einreiseverbot als solches und
seine Befristung bis zum 30. Mai 2022 – gerechnet ab Datum der Verhän-
gung des Einreiseverbots (vgl. zum Anschluss-Einreiseverboten Urteil des
BVGer F-3242/2016 vom 9. August 2017 E. 4.1 m.H.) – den Anforderungen
der Verhältnismässigkeit und Angemessenheit genügen,
dass die Wirkungen des Einreiseverbots mit der Ausschreibung des Be-
schwerdeführers im Schengener Informationssystem SIS II auf den ge-
samten Schengen-Raum ausgedehnt wurden (vgl. Art. 6 Abs. 1 Bst. d und
Art. 14 Abs. 1 SGK),
dass die Ausschreibung in Übereinstimmung steht mit Art. 24 Ziff. 3 der
Verordnung (EG) Nr. 1987/2006 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 20. Dezember 2006 über die Einrichtung, den Betrieb und die
Nutzung des Schengener Informationssystems der zweiten Generation
(SIS-II-Verordnung, Abl. L 381/4 vom 28.12.2006) und weder Gründe vor-
gebracht werden, noch solche ersichtlich sind, welche sie als eine unver-
hältnismässige Massnahme erscheinen liessen,
dass daher die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht
zu beanstanden und die Beschwerde demzufolge abzuweisen ist,
dass die Verfahrenskosten gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen und diese in Anwendung von Art. 1 ff. des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) auf Fr. 1'200.–
festzusetzen sind,
dass dieses Urteil endgültig ist (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
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