Decision ID: acaddf74-ba02-48ec-8002-52cea126acc7
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
(
vormals
bis
zur Namensänderung vom
15. November 2016
Y._
, vgl.
Urk.
25), geboren 1983,
ist gelernter Elektromonteur und arbeitete zuletzt von Juni 2007 bis
November 2008 als Techniker bei der
Z._
AG
,
A._
(
Urk.
8/3
,
Urk.
8/8/1
,
Urk.
8/30
/6
). Am 3. Juni 2010 meldete er sich unter Hinweis auf eine Depression
,
ein
Burn-Out und Rückenprobleme bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/3).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte in der Folge einen Ar
beitgeberfragebogen (
Urk.
8/8) sowie einen Arztbericht (
Urk.
8/9) ein. In der Folge gewährte die IV-Stelle dem Versicherten
ab Januar 2011
im Rahmen von Frühinterventionsmassnahmen Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (
Urk.
8/17
ff.
)
, welche indes im Novemb
er 2011 beendet wurde (
Urk.
8/33
).
Nach Einholung eines Auszuges aus dem individuellen Konto des Versicher
ten (IK-Auszug;
Urk.
8/35) und weiteren medizinischen Abklärungen (
Urk.
8/41,
Urk.
8/51,
Urk.
8/56 und
Urk.
8/67) sowie
nach
Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (
RAD;
Urk.
8/74/3 ff.)
stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 6. Februar 2015 die Gewährung einer
Dreiviertel
s
rente
in Aussicht (
Urk.
8/76/3).
X._
erhob dagegen mit Schreiben vom 3. März 2015 Einsprache (richtig: Einwand;
Urk.
8/78)
, woraufhin indes die IV-Stelle am 11. August 2015 wie angekündigt den Anspruch des Versicherten auf eine
Dreiviertelsrente
ab 1. Dezember 2010
verfügte (
Urk.
8/91
=
Urk.
2
).
2.
Der Versicherte erhob am 2. September 2015 Beschwerde gegen die Verfü
gung vom 11. August 2015 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben, das Validen- und das Invalideneinkommen seien anzupassen und es sei ihm eine ganze Invalidenrente zuzusprechen
.
In prozessualer Hinsicht ersuchte der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer um
Gewährung der unentgelt
lichen Prozessführung und
eines unentgeltlichen Rechtsvertreters
(
Urk.
1
S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss in der Folge in ihrer Beschwerde
-
antwort
vom 7. Oktober 2015 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Mit gerichtlicher Verfügung vom 12. Oktober 2015 wurde dem Versicherten die unentgeltliche Prozessführung
gewährt und es wurde ihm Rechtsanwalt
Urs P. Keller, Zollikon, als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt. Zugleich wurde ihm die Beschwerdeantwort zur Kenntnis
nahme zugestellt (
Urk.
9).
Mit Eingaben vom 5. November 2015 (
Urk.
11) und 4. Februar 2016 (
Urk.
13) reichte der Beschwerdeführer
sodann
weitere medizinische Stellung
nahmen zu den Akten (
Urk.
12,
Urk.
14), woraufhin die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 22. Februar 2016 (
Urk.
16) eine weitere Stellungnahme des RAD (
Urk.
17) einreichte. Mit Eingabe vom 26. Februar 2016 (
Urk.
19) hielt der Versicherte in der Folge an seinen Anträgen gemäss Beschwerdeantwort fest, worauf die Beschwerdegegnerin schliesslich auf eine weitere Stellung
nahme verzichtete (
Urk.
22).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungs
gemäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer
Restarbeits
fähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c;
vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch
zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt
nis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begrün
det sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der
angefochtenen Verfügung
auf den Standpunkt, dass
dem Beschwerdeführer gemäss den medizinischen Abklä
rungen eine angepasste Tätigkeit mit selbstständig auszuführenden struk
turierenden Arbeiten zu einem Pensum von 40
%
zumutbar sei
und errech
nete
– ausgehend von einem
Valideneinkommen
von Fr. 69‘363.85 und einem Invalideneinkommen von Fr. 24‘465.80 pro Jahr -
eine
n
Invaliditäts
grad
von 65
%
. Ein Leidensabzug rechtfertige sich im vorliegenden Falle nicht, da die Einschränkungen bereits im verminderten zumutbaren Pensum von 40
%
berücksichtigt seien. Selbst wenn durch die Teilzeitarbeit eine 10%ige Lohneinbusse bestehen würde, ergäbe dies keinen Anspruch auf eine höhere Invalidenrente
(
Urk.
2 S. 5
f.
).
2.2
Hiergegen wandte der Beschwerdeführer im Wesentlichen ein, dass
das Gericht seinen Entscheid im Sozialversicherungsrecht, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsehe, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen habe. Es sei
ausgehend von dem durch die IV-Stelle bei
Dr.
B._
eingeholte
n
Gutachten (
Urk.
8/67)
nicht erstellt, dass eine 40%ige Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt umgesetzt werden könne, sondern es bestehe lediglich eine sehr fragliche Möglichkeit einer solchen Arbeitsfähigkeit.
Diese pessimistische Einschätzung decke sich auch mit den übrigen Arztberichten und den bisher gescheiterten Arbeitsbemühungen. Es sei demnach mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer nicht mehr im Arbeitsmarkt werde integrieren können und dauerhaft zu 100
%
erwerbsunfähig sei. Das
Invali
deneinkommen
des Versicherten müsse sich folglich entgegen der Ansicht der IV-Stelle auf Fr. 0.-- belaufen.
Wenn wider Erwarten von einer Arbeits
fähigkeit ausgegangen werden müsste, so wäre ein Leidens
abzug von 15
%
zu machen
, was zu einem Invalideneinkommen von Fr. 20‘795.
-- führen würde
(
Urk.
1 S. 7 ff.).
Ferner überzeuge die Berechnung des
Valideneinkommens
nicht, da die vom Beschwerdeführer abgeschlossene Berufslehre als Elektromonteur nicht berücksichtigt worden sei und daher das
Valideneinkommen
anhand der Tabellenlöhne auf Fr. 82‘530.
-- festzusetzen sei. Die Gegenüberstellung des Invaliden- und des
Valideneinkommens
erg
e
be somit
korrekt
einen
Invalidi
tätsgrad
von 75
%
und demzufolge
Anspruch auf
eine ganze Rente (
Urk.
1
S. 10).
3.
3.1
Die medizinische Aktenlage präsentiert sich zusammengefasst wie folgt:
Im Anschluss an die Klärung der Militärtauglichkeit war der Beschwerde
führer ab September 2009 bei
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
in Behandlung (
Urk.
8/9/1;
Urk.
8/28/1). Dieser
diag
nostizierte mit Bericht von 11. Oktober 2010 (
Urk.
8/9
; vgl.
Urk.
8/74/2) eine seit circa 2006 bestehende rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig mittelgradiger Episode (ICD-10
F33.1)
, einen Verdacht auf
Dysthymie
(F34.1) sowie eine Erschöpfungsdepression in andauernder Überlastungssituation (
Urk.
8/9/1). Er attestierte dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit als Elektromonteur seit Januar 2009 (
Urk.
8/9/2). Nach einer beruf
lichen Umorientierung könne mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit im Umfang von 20-50
%
ab Januar 2011 gerechnet werden (
Urk.
8/9/3).
3.2
In s
einem Bericht vom 28. Juli 2012
stellte
Dr.
C._
beim Beschwerdeführer die Diagnose
Dysthy
mie
(ICD-
10
F34.1
;
Urk.
8/41/1
). Als Elektromonteur sei Letzterer weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig. Im Bereich einer Beschäftigung im 2. Arbeitsmarkt bestehe von Januar 2012 bis Ende Juli 2012 ebenfalls eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
8/41/2)
.
Ab August 2012 könne mit einer Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit im Umfang von 50
%
gerechnet werden (
Urk.
8/41/3;
Urk.
8/41/6).
3.3
Vom 29. Januar bis 27. Februar 2013
hielt sich
der Beschwerdeführer statio
när in der
D._
auf
(
Urk.
8/51/2), wobei für den genannten Zeitraum eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde (
Urk.
8/51/4).
Gemäss Arztbericht vom 29. April 2013 wurde eine
seit der Adoleszenz bestehende schizoide
Persönlichkeitsstörung (ICD-10
F60.1) diagnostiziert (
Urk.
8/51/2).
Eine Beurteilung der Zumutbarkeit der bisherigen beruflichen oder einer behinderungsangepassten Tätigkeit konnte allerdings nicht vorgenommen werden (
Urk.
8/51/4 f.).
3.4
Im Anschluss daran wurde der Beschwerdeführer im
E._
vom 7. März bis 14. August 2013 ambulant aufgrund des Verdachts auf eine schizoide
Persönlichkeitsstörung (ICD-10
F.60.1) behandelt (
Urk.
8/56/1). Gemäss Arztbericht vom 11. November 2013 war er in diesem Zeitraum zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
8/56/3).
Zudem wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer in der Alltagsbewältigung und beim Einhalten von Terminen deutlich überfordert gewesen sei. Er habe sich in Bezug auf seine Krankheit wenig ein
sichtig gezeigt und es sei schwie
r
ig
, mit ihm zusammen etwas therapeutisch zu erarbeiten. Aufgrund der Schwere der vorhandenen Symptomatik mit bereits bestehender
Chronifizierung
sowie einem grossen Mangel an Krankheitseinsicht und Behandlungsbedürftigkeit von Seiten des Beschwerdeführers sei eher von einer schlechten Prognose auszugehen (
Urk.
8/56/2).
Im Weiteren führten die Ärzte aus, dass der Beschwerdeführer infolge Denk
störungen auf eine sehr klar und einfach strukturierte Arbeit und eine begleitende engmaschige Betreuung angewiesen sei. Die Ausübung der bis
herigen Tätigkeit sei daher nicht mehr zumutbar. Für eine
behinderungsan
gepasste
Tätigkeit sei zurzeit von einer Arbeitsfähigkeit von maximal 30
%
beziehungsweise
von
maximal drei Stunden pro Tag auszugehen (
Urk.
8/56/3).
3.5
Im Rahmen ihrer Abklärungen gab die IV-Stelle am 11. Februar 2014 bei
Dr.
med.
Dr.
rer
.
n
at.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein Gutachten in Auftrag
(
Urk.
8/58 f.
)
, welches am 17. September 2014 vorgelegt wurde (
Urk.
8/67)
.
Dr.
B._
diagnostizierte beim Beschwerdeführer eine leicht- bis mittelgra
dige depressive Episode (ICD-10
F32.0/1)
sowie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit zwanghaften,
schizotypen
und p
assiv-aggressiven Zügen (ICD-10
F61.0). Zufolge einer Unfähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, mangelnder Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sowie wahrscheinlich auch einer eingeschränkten Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen bestehe im angestammten Beruf als Elektriker eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
8/67/10). In spezifischen Nischen, etwa in der EDV-Branche, sei eine Tätigkeit von maximal 40
%
denkbar, sofern der Beschwerdeführer sich seine Arbeit selbstständig strukturieren und gestalten könne.
Dies stimme mit der eigenen Einschätzung des Beschwerdeführers überein, der sich ein Arbeitspensum
von 30-40
%
(zwei Tage pro Woche) zutraue.
Allerdings sei sehr fraglich, ob dies unter den Bedingungen des ersten Arbeitsmarktes möglich ist, da sich im mehrjährigen und
chronifizierten
Verlauf hohe Schwellenängste und der bewussten Reflexion nicht zugängliche Vermeidungs
-
strategien
entwickelt hätten (
Urk.
8/67/1
0
f.
).
Im Rahmen der Beantwortung von Zusatzfragen ergänzte
Dr.
B._
am 17. September 2014 sodann, dass sich Persönlichkeitsstörungen durch tief verwurzelte, anhaltende dysfunktio
na
le Verhaltensmuster auszeichnen, die sich durch starre, inadäquate Reak
tionen in den verschiedensten Situationen äussern. Beim Beschwerdeführer sei es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Situationen gekommen, in denen er eindeutig inadäquate, starre Muster der Wahrnehmung, des Den
kens und der sozialen Interaktion aufgewiesen habe (
Urk.
8/70/1). Es sei fer
ner davon auszugehen, dass berufliche Massnahmen oder
Integrationsmass
nahmen
gegen den Willen des Beschwerdeführers, etwa unter Hinweis auf die Schadensminderungspflicht, zum aktuellen Zeitpunkt kontraproduktiv wären,
da dadurch dessen pathologische
und dysfunktionale Schemata
getriggert
würden (
Urk.
8/70/2).
3.6
Dr.
med.
F._
vom RAD, Facharzt für Psychologie und Psychotherapie, ordnete in seiner Stellungnahme vom 27. Januar 2015 die kombinierte Persönlichkeitsstörung (zwanghaft,
schizoty
pisch
, passiv-aggressiv; ICD-10
F61.0) sowie die leichte bis mittelgradige depressive Episode
als Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
ein. In der bisherigen Tätigkeit als Elektriker bestehe seit 2009 eine 100%ige und in angepasster Tätigkeit eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
8/74/5). Ergänzend wurde darauf hingewiesen, dass die Fähigkeit des Beschwerdeführers zur Mitwirkung
bei weiteren medizinischen Massnahmen infolge der unzu
reichenden Krankheitseinsicht reduziert sei (
Urk.
8/74/6).
3.7
Vom 5. bis 12. Oktober 2015 war der Beschwerdeführer freiwillig wegen zunehmender wahnhaft anmutender Symptomatik, dadurch bedingten ver
stärkten Ängsten und Leidensdruck sowie Suizidgedanken, Durchschlafstö
rungen bei der
G._
, Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, in Behandlung.
Gemäss Bericht vom 26. Oktober 2015
habe sich der Verdacht auf eine paranoide
Schizophrenie verstärkt und die Arbeitsfähigkeit sei als zu 100
%
eingeschränkt zu sehen (
Urk.
12).
3.8
In einer Stellungnahme vom 25. Januar 2016 (
Urk.
14) führte der seit
8. Dezember 2015 den Beschwerdeführer behandelnde Arzt
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, aus, dass die vom 9. Juli 2014 bis 17. September 2015 erfolgten psychiatrischen Beurteilungen und
diagnostischen Überlegungen dem aktuellen Krankheitsbild und der heute relevanten Diagnose nicht mehr gerecht würden (
Urk.
14 S. 1).
Man stünde heute vor dem Vollbild einer paranoiden Schizophrenie
(ICD 10 F20.0)
und das psychisch auffällige Zustandsbild des Beschwerdeführers sei über mehrere Jahre unzureichend exploriert worden. Im gegenwärtigen Zeitpunkt und in naher Zukunft könne nicht mit einer auch nur geringen Arbeitsfähigkeit gerechnet werden. Der Beschwerdeführer sei zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
14 S. 4).
3.9
Der RAD der Beschwerdegegnerin vertrat mit Stellungnahme vom 22. Feb
ruar 2016 (
Urk.
17) die Auffassung, dass sich das Vorliegen einer paranoiden Schizophrenie nicht zweifelsfrei belegen lasse. Mit Sicherheit liege aber ein schweres psychisches Störungsbild mit erheblichen funktionellen Einschrän
kungen vor. Die Behandlungseinsicht sei störungsbedingt nicht gegeben und es bleibe offen, ob eine theoretische Arbeitsfähigkeit von 40
%
auf dem all
gemeinen Arbeitsmarkt tatsächlich umgesetzt werden könne (
Urk.
17 S. 2).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist vorliegend der Anspruch auf eine ganze Invaliden
rente und in diesem Zusammenhang insbesondere
der Grad
der Arbeitsfähig
keit des Beschwerdeführers in einer angepassten Tätigkeit sowie die Berech
nung des konkreten Invaliditätsgrads.
4.2
Das Gutachten von
Dr.
B._
vom 9. Juli 2014 (
Urk.
8/67 und 8/71) – auf welches die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) abgestellt hat -
basiert auf für die strittigen Belange umfassenden und allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, wurde in Kenntnis und Berücksichtigung der
Vorakten
erstellt und trägt der konkreten medizinischen Situation Rechnung. Es erfüllt damit die
praxisge
mässen
Kriterien an den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens (E. 1.5 hiervor).
Den Beweiswert der Expertise von
Dr.
B._
vermögen auch die vom Beschwerdeführer nachgereichten Arztberichte nicht zu schmälern.
So konnten die Ärzte der
G._
laut ihrer Stellungnahme vom 26. Oktober 2015 (
Urk.
12) keine genaue diagnostische Einschätzung vor
nehmen. Die lediglich diskrete Befunderhebung stützt sich im Weiteren zu einem Grossteil auf die persönlichen Angaben des Beschwerdeführers, weshalb
insgesamt nicht auf die Attestierung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit abgestellt werden kann.
Die
Stellungnahme
von
Dr.
H._
vom 25. Janu
ar 2016 (
Urk.
14) geht zwar
im direkten Vergleich mehr ins Detail
, ist jedoch
gleichzeitig
kritisch zu hinterfragen, da zwischen ihm als behandelndem Arzt und dem Beschwerdeführer ein besonderes Vertrauensverhältnis besteht, weshalb
Dr.
H._
in Zweifelsfällen eher zu Gunsten seines Patienten
Angaben machen dürfte
(vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc mit Hinweisen).
Indessen ist auch mit Bezug auf das Gutachten von
Dr.
B._
nicht
rechtsgenüglich
dargetan, dass der Beschwerdeführer seine
Restarbeitsfähig
keit
in der freien Wirtschaft wird umsetzen können.
Dr.
B._
sah sich veranlasst, die Umsetzbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt als sehr fraglich einzustufen und begründete dies mit dem Umstand, aufgrund des mehrjährigen Verlaufs hätten sich hohe
Schwellen
ängste
und der bewussten Reflexion nicht zugängliche
Vermeidungsstra
tegien
entwickelt (
Urk.
8/67/11
Ziff.
8.3). Da sich Persönlichkeitsstörungen durch tief verwurzelte, anhaltende dysfunktionale Verhaltensmuster und starre inadäquate Reaktionen in verschiedensten Situationen auszeichnen, mithin das Denken, die Wahrnehmung und die soziale Interaktion beein
trächtigen (vgl.
Urk.
8/70/1), sind die Darlegungen des Gutachters nachvoll
ziehbar. Können an sich vorhandene berufliche Ressourcen nicht mehr in der freien Wirtschaft, sondern nur noch unter ganz besonderen Voraussetzungen, insbesondere in geschütztem Rahmen umgesetzt werden, so liegt eine voll
ständige Erwerbsunfähigkeit vor und es besteht Anspruch auf eine ganze Rente.
4.3
Kein anderes Ergebnis resultiert auch unter der Annahme der Beschwerde
-
gegnerin
, es liege eine verwertbare Restarbeitsfähigkeit von 40 % vor.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Valideneinkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Ein
kommensentwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit erstellt sein (BG
E 134 V 322 E.
4.1 mit Hinweis
).
Der bei der Bemessung des Invalideneinkommens zu berücksichtigenden ausgeglichenen Arbeitsmarktlage (Art.
16 ATSG) ist grundsätzlich auch bei der Festsetzung des
Validenlohnes
Rechnung zu tragen, wobei auf die Ergebnisse der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweize
rischen Lohnstrukturerhebung (LSE) abgestellt werden kann (Urteil des Bun
desgerichts 9C_192/2014 vom 23. September 2014
E. 3.2 mit Hinweisen).
Der Beschwerdeführer arbeitete nach seiner Ausbildung als Elektromonteur im Jahr 2004 (
Urk.
8/30/6) nur unregelmässig und in kurzen Anstellungen, gelegentlich auch über
Temporärfirmen
, auf dem erlernten Beruf (vgl.
Urk.
8/35/1). Da gemäss
Dr.
C._
bereits seit circa 2006 gesundheitliche Störungen vorhanden waren (E. 3.1 hiervor), ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer spätestens von diesem Zeitpunkt an durch seine Krankheit eingeschränkt war und diese zumindest mitverantwortlich dafür war, dass er den Berufseinstieg als Elektromonteur nicht fand. Es rechtfertigt sich daher zur Ermittlung des
Valideneinkommens
auf die vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) abzustellen
.
Für die Vornahme des Einkommensvergleiches ist grundsätzlich auf die Gege
benheiten im Zeitpunkt des (hypothetischen) Rentenbeginns, mithin auf das Jahr 2010, abzustellen (BGE 128 V 174, BGE 129 V 222).
Die
Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung gestützt auf LSE 2010 (Tabelle TA1,
Ziff.
26, Niveau 4)
von einem
Valideneinkommen
von monatlich
Fr.
5‘558.-- beziehungsweise
Fr.
69‘363.85 für das Jahr 2010 aus (
Fr.
5‘558.
-- :
40 x 41.6 x 12;
Urk.
2 S. 3). Der Beschwerdeführer bringt indes zu Recht vor, dass die Einordnung im Anforderungsniveau 4 unzutref
fend sei, da er über eine abgeschlossene Berufslehre als Elektromonteur ver
füge (
Urk.
1 S. 10).
Das
Valideneinkommen
beträgt
aus diesem Grund kor
rekterweise
Fr.
6‘613.-- monatlich (LSE 2010, Tabelle TA1,
Ziff.
26, Niveau 3) beziehungsweise
gerundet
Fr.
82‘530.-- (
Fr.
6‘613.
-- :
40 x 41.6 x 12) jähr
lich.
4.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit auf
genommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstruk
turerhebungen
(LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abge
stellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom sogenannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von
40 Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung von einem jährlichen Invalideneinkommen von
Fr.
24‘465.80 bei einem 40%-Pensum als Hilfskraft aus (LSE 2010, Tabelle TA1,
Ziff.
1-93, Niveau 4;
Fr.
4‘901.
-- :
40 x 41.6 x 12 x 0.4;
Urk.
2 S. 4)
, was zu Recht unbeanstandet geblieben ist
.
Damit
ergibt sich unter Einbezug des
Valideneinkommens
von
Fr.
82‘530.--
(E. 4.3 hiervor)
ein Invaliditätsgrad von
gerundet 70
%
([
Fr.
82‘530.
-- .
/. 24‘465.80] x 100 /
Fr.
82‘530.--). Der Beschwerdeführer hat
aus diesem Grund
Anspruch auf eine ganze Rente seit Januar 201
0.
Eine weitergehende
Prüfung der Einwände des Beschwerdeführers in Bezug auf
den Grad der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
1 S. 7 ff.) sowie
die Höhe des
Invali
deneinkommens
(
Urk.
1 S. 9)
und
des allenfalls vorzunehmenden
Leidensab
zug
es
(
Urk.
1 S. 10)
erweist sich
folglich
vor diesem Hintergrund als obsolet.
5.
5.1
Da es vorliegend um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungs
leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten
sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen der gesetzlichen Vorgabe (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG) ermessensweise auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Diese sind ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuer
legen.
5.2
Dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer ist gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) ausgangsgemäss eine Prozessentschädigung zuzusprechen.
Der Beschwerdeführer liess am
1
6.
Januar 2017
eine Honorarnote einreichen (
Urk.
28
). Nach
§
34
Abs.
3
GSVGer
bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
D
er
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
macht
einen Aufwand von
10.10
Stunden
sowie
Barauslagen in Höhe von
Fr.
74.-- geltend (
Urk.
28
), wo
raus eine Entschädigung von
Fr.
2‘479.70 (10.10 Stunden x
Fr.
220
.-- zuzüglich
Barauslagen von
Fr.
74.--
zuzüglich Mehrwertsteuer von 8
%
) resultiert. Der geltend gemachte Aufwand
erweist sich
angesichts der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
als
angemessen.
Die dem Beschwerdeführer
zu Lasten der Beschwerdegegnerin
zuzusprechende
Partei
entschädigung
ist daher auf
Fr.
2‘
479.70
festzusetzen
.