Decision ID: 40f5971d-1f89-5c43-8d8f-f57bb54646a6
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
A._ (nachfolgend Versicherter oder Beschwerdeführer), geboren
am (...) 1975, deutscher Staatsangehöriger, verheiratet, wohnhaft in (...)
(Deutschland), arbeitete in der Schweiz vom 1. August 1992 bis 31. März
2013 als Estrichleger. Ab April 2013 widmete er sich der Erziehung seiner
Tochter und dem Haushalt. Vom 1. April bis 21. Mai 2016 arbeitete er in
Deutschland im Akkordlohn als Estrichleger, musste die Beschäftigung je-
doch wegen gesundheitlicher Beschwerden schliesslich aufgeben.
B.
Am 21. Dezember 2016 (Eingang bei der Schweizerischen Ausgleichs-
kasse [SAK] am 29. Dezember 2016) stellte der Versicherte über den deut-
schen Versicherungsträger bei der SAK einen Antrag auf Invaliditätsrente
(Akten der IV-Stelle für Versicherte im Ausland [doc.] 5, 26). Nach Einholen
von Unterlagen zur medizinischen und erwerblichen Situation des Versi-
cherten, einer Stellungnahme von Dr. B._ des Regionalen Ärztli-
chen Dienstes (RAD) C._ vom 1. Juni 2017 und Durchführung ei-
nes Einkommensvergleichs vom 26. Juni 2017 teilte die IV-Stelle für Versi-
cherte im Ausland (nachfolgend IVSTA oder Vorinstanz) dem Versicherten
mit erstem Vorbescheid vom 4. Juli 2017 mit, dass sein Leistungsbegehren
abgewiesen werde (doc. 61-63). Nach Eingang verschiedenster Arztbe-
richte und eines Gutachtens aus Deutschland nahm die Ärztin des RAD
C._ am 20. April 2018 erneut Stellung. Die frühere Beurteilung sei
zu bestätigen, jedoch liege erst ab Dezember 2016 eine Arbeitsunfähigkeit
vor (doc. 109). Mit zweitem Vorbescheid vom 4. Mai 2018 teilte die IVSTA
mit, sie beabsichtige, das Leistungsbegehren abzuweisen (doc. 110). Der
Versicherte legte zusätzliche Arztberichte ins Recht, die von Dr. D._
des medizinischen Dienstes der Vorinstanz mit Stellungnahme vom 21. Au-
gust 2018 beurteilt wurden (doc. 142). Am 4. September 2018 teilte die
IVSTA in einem dritten Vorbescheid mit, es liege nach wie vor kein Sach-
verhalt vor, der Anspruch auf eine Invalidenrente gebe; der Invaliditätsgrad
liege bei (rentenausschliessenden) 15% (doc. 144). Nach dem Eingang
weiterer Arztberichte hielt Dr. B._ des RAD C._ mit Stellung-
nahme vom 16. November 2018 an ihrer Beurteilung fest. Ergänzend äus-
serte sich der Bereich Fachdienste der Vorinstanz zur wirtschaftlichen Si-
tuation des Beschwerdeführers. Am 10. Januar 2019 verfügte die IVSTA,
der Versicherte habe keinen Anspruch auf eine Invalidenrente (doc. 160).
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C.
C.a Mit Beschwerde vom 13. Februar 2019 focht A._ diese Verfü-
gung vor Bundesverwaltungsgericht an und stellte Antrag auf Aufhebung
der Verfügung und Gewährung einer Invalidenrente (Beschwerdeakten [B-
act.] 1).
C.b Am 21. März 2019 ging der vom Gericht verlangte Kostenvorschuss
von Fr. 800.– zur Deckung der mutmasslichen Verfahrenskosten in der Ge-
richtskasse ein (B-act. 3, 5).
C.c Mit Vernehmlassung vom 23. Mai 2019 beantragte die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde und Bestätigung der angefochtenen Verfü-
gung. Zur Begründung verwies sie auf die angefochtene Verfügung und die
ergänzende Stellungnahme von Dr. B._ des RAD C._ vom
18. April 2019 (B-act. 7).
C.d Mit Replik vom 17. Juni 2019 und ergänzender Replik vom 27. August
2019 reichte der Beschwerdeführer weitere Arztberichte zu den Akten und
hielt daran fest, dass eine berufliche Tätigkeit aus gesundheitlichen Grün-
den auch in einfachen Tätigkeiten und zeitlich eingeschränktem Masse
nicht mehr möglich sei (B-act. 10, 14).
C.e In ihrer Duplik vom 26. September 2019 hielt die Vorinstanz ihrerseits
– mit Verweis auf die Stellungnahme von Dr. B._ vom 23. Septem-
ber 2019 – an ihren Anträgen auf Abweisung der Beschwerde und Bestäti-
gung der angefochtenen Verfügung fest. Eine leichtere, hüftschonende
Verweistätigkeit sei nach wie vor möglich (B-act. 15).
C.f Der Beschwerdeführer ergänzte mit Triplik vom 1. November 2019 un-
ter Verweis auf weitere Arztberichte, dass diese massgeblichen Feststel-
lungen zu Funktionsbeeinträchtigungen und Einschränkungen des Leis-
tungsvermögens enthielten (B-act. 19, 20).
C.g Am 7. November 2019 brachte das Bundesverwaltungsgericht der IV-
STA die Triplik zur Kenntnis und schloss den Schriftenwechsel ab (B-act.
21).
C.h Mit ergänzender Triplik vom 24. März 2020 reichte der Beschwerde-
führer ein internistisches Gutachten von Dr. E._ vom 24. Februar
2020 zu den Akten (B-act. 22). Das Bundesverwaltungsgericht eröffnete
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daraufhin den Schriftenwechsel wieder und lud die IVSTA zu weiterer Stel-
lungnahme ein (B-act. 23). In ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 18.
Juni 2020 hielt die Vorinstanz – unter Hinweis auf eine Stellungnahme von
Dr. B._ des RAD C._ vom 16. Juni 2020 – an ihren Anträgen
fest (B-act. 24).
C.i Mit Stellungnahme vom 28. August 2020 hielt der Beschwerdeführer
daran fest, dass das Gutachten von Dr. E._ überzeugend die mas-
siven Funktionsbeeinträchtigungen infolge Morbus Crohn beschreibe, die
einer körperlich leichten und angepassten Tätigkeit entgegenstünden. Er
habe sich zudem mehrfach in stationäre Behandlung begeben müssen,
was ebenfalls zu berücksichtigen sei (B-act. 27 f.). Mit Eingabe vom 22.
September 2020 reichte der Beschwerdeführer weitere Arztberichte zu den
Akten und machte erneut geltend, aus diesen Unterlagen werde ersichtlich,
dass eine leichte, angepasste Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen
nicht möglich sei (B-act. 29 f.).
C.j Am 29. September 2020 brachte das Bundesverwaltungsgericht die
Eingabe und die beigelegten Beweismittel der Vorinstanz zur Kenntnis und
verzichtete auf die erneute Ansetzung einer Frist zur Stellungnahme (B-
act. 31).
D.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird
– soweit erforderlich – im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einge-
gangen.
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Seite 5

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69
Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invaliden-
versicherung (IVG, SR 831.20) sowie Art. 5 VwVG beurteilt das Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerden von Personen im Ausland gegen Verfü-
gungen der IVSTA. Eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht
vor.
1.2 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt.
Indes findet das VwVG aufgrund von Art. 3 Bst. dbis VwVG keine Anwen-
dung in Sozialversicherungssachen, soweit das Bundesgesetz vom 6. Ok-
tober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) anwendbar ist.
1.3 Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men; er ist durch die angefochtene Verfügung vom 10. Januar 2019 berührt
und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Anfechtung (Art. 59 ATSG).
Er ist daher zur Beschwerde legitimiert. Da die Beschwerde im Übrigen
frist- und formgerecht eingereicht und der Kostenvorschuss rechtzeitig ge-
leistet wurde, ist auf die Beschwerde einzutreten (Art. 60 ATSG, Art. 52 und
63 Abs. 4 VwVG).
2.
2.1 Der Beschwerdeführer ist Staatsangehöriger von Deutschland und hat
vor Ergehen der angefochtenen Verfügung zuletzt in Deutschland gearbei-
tet und dort Wohnsitz gehabt. Damit gelangen das Freizügigkeitsabkom-
men vom 21. Juni 1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die Regelwerke der
Gemeinschaft zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit ge-
mäss Anhang II des FZA, insbesondere die für die Schweiz am 1. April
2012 in Kraft getretenen Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR
0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009 (SR 0.831.109.268.11), zur Anwen-
dung. Seit dem 1. Januar 2015 sind auch die durch die Verordnungen (EU)
Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen an
den Verordnungen Nr. 883/2004 und Nr. 987/2009 zu beachten (siehe AS
2015 343, AS 2015 345, AS 2015 353). Das Vorliegen einer anspruchser-
heblichen Invalidität beurteilt sich indes auch im Anwendungsbereich des
FZA und der Koordinierungsvorschriften nach schweizerischem Recht (vgl.
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BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des BGer 9C_573/2012 vom 16. Januar 2013
E. 4).
2.2 Festzuhalten ist diesbezüglich, dass der Träger eines Mitgliedstaats
gemäss Art. 49 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 987/2009 die von den Trä-
gern der anderen Mitgliedstaaten erhaltenen ärztlichen Unterlagen und Be-
richte sowie die verwaltungsmässigen Auskünfte ebenso zu berücksichti-
gen hat, als wären sie in seinem eigenen Mitgliedstaat erstellt worden. Je-
der Träger behält indessen die Möglichkeit, die antragstellende Person
durch einen Arzt oder eine Ärztin seiner Wahl untersuchen zu lassen. Es
besteht hingegen keine Pflicht zur Durchführung einer solchen Untersu-
chung.
3.
3.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG; BENJAMIN
SCHINDLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesge-
setz über das Verwaltungsverfahren, 2. Aufl. 2019, Rz. 1 ff. zu Art. 49).
3.2 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente,
wenn die versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine Dreivier-
telsrente, wenn sie mindestens 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein solcher auf eine Viertelsrente.
Nach Art. 29 Abs. 4 IVG werden Renten, die einem Invaliditätsgrad von
weniger als 50% entsprechen, nur an Versicherte ausgerichtet, die ihren
Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz ha-
ben. In die Mitgliedstaaten der Europäischen Union sind Viertelsrenten je-
doch entgegen Art. 29 Abs. 4 IVG exportierbar (BGE 130 V 253 E. 2.3 und
3.1).
3.3 Die Behörde hat den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen
festzustellen (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG). Diese Untersuchungspflicht dauert
so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforder-
lichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Der Untersuchungsgrund-
satz weist enge Bezüge zum – auf Verwaltungs- und Gerichtsstufe gelten-
den – Grundsatz der freien Beweiswürdigung auf. Führen die im Rahmen
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des Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen vorzunehmenden Ab-
klärungen den Versicherungsträger oder das Gericht bei umfassender,
sorgfältiger, objektiver und inhaltsbezogener Beweiswürdigung (BGE 132
V 393 E. 4.1) zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als über-
wiegend wahrscheinlich (BGE 126 V 353 E. 5b, BGE 125 V 193 E. 2) zu
betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem fest-
stehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so liegt im Verzicht auf die Ab-
nahme weiterer Beweise keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 134 I 140 E. 5.3, BGE 124 V
90 E. 4b; Urteil des BGer 8C_392/2011 vom 19. September 2011 E. 2.2).
3.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be-
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4, BGE 115 V 133
E. 2; AHI-Praxis 2002 S. 62 E. 4b/cc).
3.5 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter-
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-
gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der me-
dizinischen Situation einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der Expertin
oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a)
und ob der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt
(Urteil des BGer 9C_736/2009 vom 26. Januar 2010 E. 2.1). Auch den Be-
richten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweiswert zu,
sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in
sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungs-
verhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde
Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonde-
rer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurtei-
lung objektiv als begründet erscheinen lassen (BGE 135 V 465 E. 4.4 m.H.
auf 125 V 351 E. 3b/ee und BGE 122 V 157 E. 1d).
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Seite 8
3.6
3.6.1 Aufgabe des Regionalen Ärztlichen Dienstes ist es, aus medizini-
scher Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien
in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsan-
spruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusam-
menzufassen und zu würdigen (vgl. SVR 2009 IV Nr. 50 [Urteil
8C_756/2008] E. 4.4 mit Hinweis; Urteil des BGer 9C_692/2014 vom 22.
Januar 2015 E. 3.3). Der ärztliche Dienst hat die vorhandenen Befunde
nach Massgabe des schweizerischen Rechts aus versicherungsmedizini-
scher Sicht zu würdigen. Dessen Stellungnahme kommt insbesondere
dann besondere Bedeutung zu, wenn keine Berichte von Sachverständi-
gen vorliegen, die mit den nach schweizerischem Recht erheblichen versi-
cherungsmedizinischen Fragen vertraut sind, sondern eine Vielzahl von
Berichten behandelnder sowie vom heimatlichen Versicherungsträger be-
auftragter Ärztinnen und Ärzte (vgl. Urteil des BVGer C-6027/2014 vom 8.
Februar 2016 E. 3.2.1; vgl. auch Urteile des BVGer C-5655/2015 vom 22.
Juni 2017 E. 4.7 und C-7367/2016 vom 1. März 2018 E. 6.2.2).
3.6.2 Die Stellungnahmen des ärztlichen Dienstes müssen den allgemei-
nen beweisrechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht (vgl.
oben E. 4.5) genügen. Die Ärztinnen und Ärzte müssen über die im Einzel-
fall gefragten persönlichen und fachlichen Qualifikationen verfügen (vgl.
Urteil des BGer 9C_323/2009 vom 14. Juli 2009 E. 4.3.1 mit Hinweis auf
BGE 125 V 351 E. 3a; Urteil des BGer 9C_904/2009 vom 7. Juni 2010 E.
2.2). Zu berücksichtigen ist zudem, dass die Ärztinnen und Ärzte ihre Be-
urteilungen nicht aufgrund eigener Untersuchungen abgeben, sondern le-
diglich die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht zu würdigen ha-
ben. Ihre Stellungnahmen können – wie Aktengutachten – beweiskräftig
sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur
um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizini-
schen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der
versicherten Person in den Hintergrund rückt (vgl. Urteile des BGer
9C_28/2015 vom 8. Juni 2015 E. 3.2 und 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014
E. 5.1.1 m.w.H.; vgl. auch Urteil C-7367/2016 E. 6.2.3). Nach der Recht-
sprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig o-
der im Wesentlichen gestützt auf Berichte versicherungsinterner medizini-
scher Fachpersonen zu entscheiden. Auf das Ergebnis versicherungsinter-
ner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – kann
allerdings nicht abgestellt werden und sind ergänzende Abklärungen vor-
zunehmen, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und
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Seite 9
Schlüssigkeit bestehen (BGE 139 V 225 E. 5.2; Urteil des BGer
8C_262/2016 vom 22. September 2016 E. 4.2 mit Hinweisen).
4.
4.1 Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung
hat, wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG) und
beim Eintritt der Invalidität während der gesetzlich vorgesehenen Dauer
Beiträge an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung geleis-
tet hat, das heisst während mindestens drei Jahren laut Art. 36 Abs. 1 IVG.
Diese Voraussetzungen müssen kumulativ gegeben sein; ist eine davon
nicht erfüllt, so entsteht kein Rentenanspruch, selbst wenn die andere zu
bejahen ist.
Gemäss dem Exposé der IVSTA vom 5. Mai 2017 (doc. 60) und der Bestä-
tigung des Arbeitgebers, der F._ GmbH in (...), vom 22. Juni 2018
(doc. 121) hat der Beschwerdeführer von 2004 bis 2013 in der Schweiz
gearbeitet und weist 103 Versicherungsmonate auf, weshalb er die Min-
destbeitragsdauer gemäss Art. 36 IVG (36 Monate) ohne Zweifel erfüllt.
4.2 Damit bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer invalid im Sinne des
Gesetzes ist. Den Vorakten und dem Beschwerdedossier sind dazu zahl-
reiche ärztliche Berichte zu entnehmen, die (insbesondere mit Blick auf den
Verfahrensausgang) nachfolgend aufgelistet werden:
- 29. April 2013: Röntgenbilder (doc. 126)
- 30. April 2013: MRT Angiographie Hirngefässe, MRT Kopf Nativ (doc. 133):
unauffälliges MRT des Neurokraniums.
- 17. Mai 2013: Arztbericht Dr. G._ (doc. 127): Konsultation am 23. April
2013. Ergebnis: vorübergehender Sehverlust unklarer Genese.
- 13. November 2013: Ergometrie (doc. 136.9)
- 13. November 2013: EKG (doc. 136.1-8)
- 13. Januar 2014: Arztbericht Dr. H._, Internist/Kardiologe, (...) (doc.
128). Ergebnis: kein Anhalt für eine koronare Herzerkrankung.
- 06. Februar 2014: Laborbericht (doc. 129.3 f.)
- 06. Februar 2014: Arztbericht Dr. I._, J._, K._,
L._ Krankenhaus (...) (doc. 93 und 84.2; 129.30; 129.11; 129.1): stati-
onäre Behandlung vom 4.-6. Februar 2014 wegen Kniegelenkserguss links.
- 06. Februar 2014: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Dr. I._,
L._ Krankenhaus (...) (doc. 129.18): Arbeitsunfähigkeit vom 5.-7. Feb-
ruar 2014.
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Seite 10
- 11. Februar 2014: MRT Kniegelenk links (doc. 129.17): Teilruptur des hinteren
Kreuzbandes, Gelenkserguss.
- 20. Februar 2014: Laborbericht Dr. M._, (...) (doc. 139)
- 21. Februar 2014: Laborbericht (doc. 131)
- 12. Februar 2014: Laborbericht (doc. 130)
- 12. März 2014: Arztbericht Dr. N._, Orthopädie, (...) (doc. 132.4;
132.3): orthopädische Kontrolle des linken Knies am 10. März 2014.
- 26. März 2014: Arztbericht Dr. N._, Orthopädie, (...) (doc. 92; 132.5;
132.1): Ergänzung des Berichts vom 19. März 2014.
- 30. April 2013: MRT Angiographie Hirngefässe und Kopf Nativ (doc. 133). Er-
gebnis: unauffälliges MRT des Neurokraniums.
- 27. Mai 2014: Laborbefund (doc. 138)
- 02. Juni 2014: Karteikarten Dr. O._, (...) (doc. 137): Einträge vom 29.
April 2013 - 2. Juni 2014, Ausschluss einer transitorischen ischämischen Atta-
cke.
- 21. Oktober 2014: Arztbericht Dr. P._, L._ (doc. 134): klinisch
unauffälliger urologischer Befund.
- 10. März 2015: Allergologie-Test, Dr. Q._, Hautärztin/Allergologie, (...)
(doc. 4)
- 25. Mai 2016: Laborbericht (doc. 106)
- 03. Juni 2016: Laborbericht Dr. R._, Hausarzt, (...) (doc. 6/7)
- 07. Juli 2016: Laborberichte (doc. 10.4 f.; 11.2 f.; B-act. 28 Beilage [B] 3)
- 07. Juli 2016: Pathologiebericht Darm, Dr. S._, MVZ (...) und (...), Kli-
nikum T._ (doc. 8.7; 10.6)
- 11. Juli 2016: Arztbericht Dr. U._, Klinikum V._ (doc. 8.4-6;
10.1; B-act. 28 B2): stationäre Behandlung vom 29. Juni - 7. Juli 2016 wegen
Schmerzen in Hüfte und Oberschenkel mit deutlicher Bewegungseinschrän-
kung.
- 08. August 2016: Arztbericht Dr. U._, Klinikum V._ (doc. 10.7;
11.1): Ergänzung zum Arztbrief vom 11. Juli 2016.
- 17. Oktober 2016: Arztbericht Dr. W._, Innere Medizin/Rheumatologie,
(...), zu Untersuchung am 6. Oktober 2016 (doc. 12; 13)
- 14. Dezember 2016: Röntgenbilder (doc. 16)
- 19. Dezember 2016: Untersuchungsbericht Dr. X._, Orthopädie, (...).
Verdacht auf Vorliegen einer Hüftkopfnekrose beidseits, Feststellung einer
Coxarthrose (doc. 16; 17)
- 22. Dezember 2016: Arztbericht Dr. Y._, Orthopädie/Unfallchirurgie,
Z._-Krankenhaus (...) (doc. 19-21; 39): ambulante Behandlung am 22.
Dezember 2016 und 13. Januar 2017, Feststellung von Hüftkopfnekrosen
beidseits und einer segmentierten Colitis.
- 23. Dezember 2016: Röntgenbilder (doc. 22)
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- 23. Dezember 2016: MRT Hüftgelenk rechts, Dr. Aa._, (...) (doc. 24;
B-act. 10 B5): Bestätigung der Hüftkopfnekrose im Stadium II.
- 06. Januar 2017: MRT Hüftgelenk links, Dr. Aa._, (...) (doc. 31; 32; B-
act. 10 B4): Bestätigung der Hüftkopfnekrose im Stadium II.
- 09. Januar 2017: Diverse Knochen-Scan, Z._-Krankenhaus, (...) (doc.
107)
- 11. Januar 2017: 2-Phasen-Knochen-Szintigramm, Z._-Krankenhaus,
(...) (doc. 33; 34; 94)
- 13. Januar 2017: Arztbericht, Dr. Y._, Orthopädie, Z._-Kran-
kenhaus, (...) (doc. 37; 40)
- 22. März 2017: Lungenfunktion, Ruhe-EKG, Knöchel-Arm-Index (ABI), Labo-
rergebnisse (doc. 53)
- 23. März 2017: Ausführlicher Ärztlicher Bericht E213, Dr. Bb._, Chirur-
gie, Dt. Rentenversicherung Cc._, Gutachterstelle (...) (doc. 52)
- 05. April 2017: Stellungnahme Dr. Dd._, Chirurgie/Sozialmedizin, ärzt-
licher Dienst des deutschen Versicherungsträgers (doc. 38): Empfehlung zur
Einholung eines orthopädischen/rheumatologischen Gutachtens.
- 06. April 2017: MRT Brustwirbelsäule, Z._-Krankenhaus, (...) (B-act.
10 B6)
- 07. April 2017: MRT Gehirn und MRT Halswirbelsäule, Z._-Kranken-
haus, (...) (B-act. 10 B7)
- 01. Juni 2017: Stellungnahme Dr. B._, RAD C._ (doc. 61)
- 14. Juli 2017: Ärztliche Stellungnahme Dr. R._, Hausarzt, (...) (doc. 66)
- 22. November 2017: Orthopädisch-Unfallchirurgisches Gutachten, Dr.
Ee._, Klinik Ff._, (...), zuhanden Gg._ AG (doc. 97; 104)
- 16. Dezember 2017: Arztbericht Dr. R._, Hausarzt, (...), zuhanden Dt.
Rentenversicherung (doc. 25)
- 21. Dezember 2017: Schreiben der Gg._ an den Versicherten, wonach
die Voraussetzungen für eine Leistungspflicht nicht erfüllt seien, da sich der
Hauptanteil der beruflichen Tätigkeit auf die Arbeit als Hausmann beziehe
(doc. 103.2)
- 29. Januar 2018: Laborbericht (doc. 86)
- 12. Februar 2018: Abdomen- und Darmsonographie (doc. 83)
- 22. Februar 2018: Arztbericht Dr. U._, Gastroenterologie, Klinikum
V._ betreffend Konsultation am 12. Februar 2018 (B-act. 28 B4)
- 20. April 2018: Stellungnahme Dr. B._, RAD C._, zu nachge-
reichten Arztberichten und zum Gutachten Ee._ (doc. 109)
- 18. Juli 2018: Laborbefund (doc. 138)
- 31. Juli 2018: Audiographie Dr. Hh._, HNO, (...) (B-act. 1 B18)
- 31. Juli 2018: Laborbefund Blut, z.H. Dr. Hh._ (B-act. 1 B14)
- 31. Juli 2018: Laborbefund Endokrinologie, z.H. Dr. Hh._ (B-act. 1 B15)
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Seite 12
- 31. Juli 2018: Arztbestätigung Dr. Hh._, HNO, an Dr. R._ (B-
act. 1 B13): Feststellung eines chronisch dekompensierten Tinnitus beidseits
mit Schlafstörungen.
- 21. August 2018: Stellungnahme Dr. D._, med. Dienst (doc. 142): Fest-
halten an der Beurteilung vom 20. April 2018.
- 05. September 2018: Arztbericht Dr. Ii._, MVZ (...) (B-act. 1 B17): Kon-
trolluntersuchung der Carotiden.
- 11. September 2018: Zahnarztbericht Dr. Jj._, (...) betreffend Schleim-
hautveränderungen im rechten und linken Wangenbereich (B-act. 1 B16)
- 19. September 2018: Radiologischer Befund Dr. Hh._, HNO, (...) (doc.
151; 154; B-act. 1 B11)
- 21. September 2018: Pathologiebericht, PD Dr. Kk._, (...) (B-act. 1
B13): Makroskopie der Wangenschleimhaut-Leukoplakie und Mikroskopie,
ohne Anhalt für Malignität.
- 01. Oktober 2018: Röntgen LWS, Becken, rechtes Kniegelenk, Dr. X._,
(...) (in B-act. 10 B2 S. 15)
- 01. Oktober 2018: Arztbericht Dr. X._, Orthopädie, (...) (doc. 152; 155;
B-act. 10 B3): dringender Verdacht auf Spondyloarthritis wegen chronisch-ent-
zündlicher Darmerkrankung.
- 11. Oktober 2018: Stellungnahme Dr. X._, Orthopädie, (...), z.H. Sozi-
algericht Ll._ (B-act. 1 B19)
- 16. Oktober 2018: Stellungnahme Dr. Hh._, HNO, (...), zuhanden So-
zialgericht Ll._ (B-act. 1 B10)
- 18. Oktober 2018: Stellungnahme Dr. R._, Hausarzt, an Sozialgericht
Ll._ (B-act. 1 B9)
- 26. Oktober 2018: Arztbericht Prof. Dr. Mm._, Internistin/Rheumatolo-
gie/Nephrologie, Nn._ Kliniken (...), an Dr. X._ (B-act. 10 B1):
ambulante Kontrolle am 5. Oktober 2018.
- 13. November 2018: Fachorthopädisches Gutachten, Dr. Oo._, (...),
z.H. Sozialgericht Ll._ (B-act. 10 B2)
- 16. November 2018: Stellungnahme Dr. B._, RAD C._ (doc.
157): Stellungnahme zu Radiologiebericht vom 19. September 2018 und Arzt-
bericht X._ vom 1. Oktober 2018.
- 20. November 2018: MRT Darm, Klinikum Pp._, Qq._-Kranken-
haus, (...) (B-act. 1 B5)
- 21. November 2018: MRT-Kopf, Klinikum Pp._, Qq._-Kranken-
haus, (...) (B-act. 1 B6)
- 21. November 2018: 2-Phasen-Ganzkörper Skelett Szintigraphie vom 19. No-
vember 2018, Klinikum Pp. Qq._-Krankenhaus, (...) (B-act. 1 B7)
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Seite 13
- 21. November 2018: Arztbericht Prof. Rr._, Ss._, Assistenzärz-
tin, Klinikum Pp._, Qq._-Krankenhaus, (...) (B-act. 1 B3): stati-
onäre Behandlung vom 14.-21. November 2018 wegen Verdachts auf entero-
pathische Oligoarthritis bei Morbus Crohn.
- 02. Januar 2019: Arztbericht Prof. Dr. Rr._, Klinikum Pp._
Qq._-Krankenhaus, (...) (B-act. 1 B8): Nachtrag zu ausstehenden Un-
tersuchungsbefunden.
- 11. Januar 2019: Ärztliche Stellungnahme, Dr. R._, Hausarzt, (...) (B-
act. 1 B4)
- 22. Februar 2019: Gutachtliche Stellungnahme, Dr. Tt._, Landesamt
Uu._, Cc._ (Bundesland), betreffend Grad der Behinderung
(GdB) (B-act. 10 B9)
- 26. Februar 2019: Beschluss des Landesamtes Uu._, Cc._
(Bundesland): Wiedererwägungsweise Anpassung des GdB neu auf 40 v.H.
(B-act. 10 B8)
- 18. April 2019: Stellungnahme Dr. B._, RAD C._ (B-act. 7 B1):
ergänzende Stellungnahme zu nachgereichten medizinischen Berichten.
- 23. August 2019: Gutachten, PD Dr. Vv._, Dr. Ww._, Orthopä-
die & Unfallchirurgie, Zentrum Xx._, (...) (B-act. 14 B1): gestützt auf
ambulante Untersuchung am 14. Juni 2019.
- 23. September 2019: Ergänzende Stellungnahme Dr. B._, RAD
C._ (B-act. 16 B2)
- 24. Februar 2020: Gutachten Dr. E._, Innere Medizin, L._ Kran-
kenhaus (...), z.H. Sozialgericht Ll._ (B-act. 22 B1): ambulante Unter-
suchung am 13. Januar 2020.
- 29. April 2020: Abdomen- und Darmsonographie (in B-act. 28 B6 S. 2): Fest-
stellung eines ausgeprägt aktiven Morbus Crohn des Colons mit mesenteria-
len Fistelbildungen.
- 30. April 2020: ÖGD (Ösophago-Gastro-Duodenoskopie; erwähnt in B-act. 28
B6 S. 2): Refluxösophagitis Grad B, ansonsten Normalbefund.
- 30. April 2020: Koloskopie (in B-act. 28 B6 S. 2): bekannter Morbus Crohn mit
mindestens einer Fistel und zwei relevanten Stenosen.
- 05. Mai 2020: Laborbefund (B-act. 28 B7)
- 07. Mai 2020: Entlassungsbericht Dr. U._, Gastroenterologie, Klinikum
V._ (B-act. 28 B6): stationärer Aufenthalt vom 29. April - 7. Mai 2020.
- 16. Juni 2020: Stellungnahme Dr. B._, RAD C._, zum Gutach-
ten von Dr. E._ (B-act. 24 B2)
- 16. Juni 2020: Befundbericht Dr. U._, Innere Medizin/Gastroenterolo-
gie, Medizinische Klinik, (...), z.H. Sozialgericht Ll._ (B-act. 28 B1)
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Seite 14
- 30. Juni 2020: Entlassungsbrief Dr. Yy._, Dr. Zz._, Endokrino-
logie, L._ Krankenhaus (...) (B-act. 28 B8): stationäre Behandlung vom
25. Juni - 10. Juli 2020 wegen Darmoperation und Anlage eines Ileostoma.
- 29. Juli 2020: Laborberichte (Anhang zum Entlassungsbericht vom 7. Septem-
ber 2020; B-act. 30 B4)
- 10. August 2020: Verlängerungsantrag Dr. Aaa._, Dr. Bbb._,
Klinik Ccc._, an Gg._ (B-act. 30 B1): Aufenthalt genehmigt: 28.
Juli - 17. August 2020, Antrag für Verlängerung bis 31. August 2020.
- 27. August 2020: Laborberichte (Anhang zum Entlassungsbericht vom 7. Sep-
tember 2020; B-act. 30 B3)
- 04. September 2020: Arztbericht Dr. R._, Hausarzt, an Sozialgericht
Ll._ (B-act. 30 B5): Konsultation am 4. September 2020.
- 07. September 2020: Entlassungsbericht Dr. Aaa._, Dr. Ddd._,
Klinik Ccc._, (...) (B-act. 30 B2): stationärer Aufenthalt vom 28. Juli -
31. August 2020.
- 16. September 2020: Entlassungsbericht Dr. Yy._, Dr. Eee._,
L._ Kliniken (...), an Hausarzt Dr. R._ (B-act. 30 B6): stationä-
rer Aufenthalt vom 9.-17. September 2020 für chirurgischen Eingriff.
- 17. September 2020: MRT Lendenwirbelsäule (in B-act. 30 B6 S. 2): Einriss
im Anulus fibrosus und mögliche Tangierung der rechten Nervenwurzel S1.
4.3 Den zentralen ärztlichen Berichten und/oder Gutachten sind für den
Zeitraum ab Aufgabe der Tätigkeit als Estrichleger (22. Mai 2016; doc. 5
S. 3 und 5, doc. 46 S. 6) folgende Ausführungen zur gesundheitlichen Si-
tuation zu entnehmen:
4.3.1 Dr. U._ des Klinikums V._ diagnostizierte in seinem
Arztbericht vom 11. Juli 2016 – nach stationärer Behandlung des Be-
schwerdeführers vom 29. Juni - 7. Juli 2016 – erstmals eine segmentierte
Colitis (fraglich Morbus Crohn), eine CED (chronisch entzündliche Darmer-
krankung) -assoziierte Enthesis/Coxitis beidseits bei Verdacht auf ankylo-
sierende Spondylitis sowie eine Refluxösophagitis und ordnete die medi-
kamentöse Behandlung mit Prednisolon, bedarfsweise (analgetisch) mit
Arcoxia, an (doc. 8 S. 4-6; doc. 10 S. 1; B-act. 28 B2). Mit ergänzendem
Bericht vom 8. August 2016 führte er aus, die Messung des Eiweisses
HLA-B27 sei negativ verlaufen; eine zusätzliche HLA-B27-positive Spon-
dylitis ankylosans bestätige sich damit nicht (doc. 10 S. 7).
4.3.2 Im Ausführlichen Ärztlichen Bericht E 213 vom 23. März 2017 nannte
Dr. Bb._, Facharzt für Chirurgie der Dt. Rentenversicherung
Cc._, Gutachterstelle (...), gestützt auf eine eigene Untersuchung
C-748/2019
Seite 15
des Beschwerdeführers folgende Diagnosen: 1. Hüftkopfnekrosen beid-
seits mit begleitenden Aufbrauchserscheinungen beider Hüftgelenke, mit
leichtgradiger Funktionseinschränkung beider Hüftgelenke. 2. muskulär
fehlstatisches Halswirbelsäulen- (HWS) und Lendenwirbelsäulen- (LWS)
Syndrom, mit muskulären Dysbalancen, ohne akuten Nervenwurzelreiz,
ohne neurologische Ausfälle, mit altersgerechter Funktionalität aller Wir-
belsäulen-Abschnitte. 3. Knick-Senk-Spreizfuss beidseits mit altersgerech-
ter Funktionalität der Sprung- und Fussgelenke. 4. Refluxösophagitis (vo-
rübergehend medikamentös behandelt). 5. segmentierte Colitis (Morbus
Crohn; vorübergehend medikamentös behandelt). 6. Nikotinabusus ohne
höhergradige Lungenfunktionsstörung. Zur Arbeitsfähigkeit hielt er fest, der
Explorand sei in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt, körperlich
schwere Arbeiten seien ihm nicht mehr zuzumuten (unter 3 Stunden). Die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Estrichleger sei nicht leidensgerecht. Mög-
lich seien leichte Tätigkeiten, vollzeitlich, mit der Möglichkeit zum freien
Wechsel der Körperhaltung, zu ebener Erde, überwiegend im Sitzen, unter
Schutz vor Nässe, Kälte und Luftzug, ohne häufiges Bücken und Hocken,
in einem zeitlichen Rahmen von sechs Stunden und mehr täglich. Ein Kraft-
fahrzeug könne geführt werden, die Wegefähigkeit sei erhalten. Als funkti-
onelle Einschränkungen seien zu berücksichtigen: Nässe, Kälte, häufiges
Bücken, Heben und Tragen von Lasten, Klettern oder Steigen, Absturzge-
fahr, Tätigkeiten nur mit wechselnder Körperhaltung. Es sei nicht bestimm-
bar, ab wann dieses Leistungsprofil gelte (doc. 52). Am 10. April 2017
lehnte die Deutsche Rentenversicherung das Rentenbegehren – nach Auf-
listen der im E 213 wortgleich genannten Diagnosen – wegen Nichterfül-
lens der medizinischen Voraussetzungen ab. Nach ihrer medizinischen Be-
urteilung könne der Beschwerdeführer noch mindestens 6 Stunden täglich
unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes erwerbs-
tätig sein (doc. 57, 91).
4.3.3 In seinem orthopädisch-unfallchirurgischen Gutachten vom 22. No-
vember 2017 führte Dr. Ee._, Klinik Ff._, (...), gestützt auf
eine persönliche Begutachtung des Beschwerdeführers am 8. November
2017, zuhanden der Gg._ AG (nachfolgend Gg._) aus, es
sei von einer Hüftkopfnekrose beidseits und begleitender Coxarthrose aus-
zugehen. Eine zusätzliche HLA-B27-positive Spondylitis ankylosans habe
nicht bestätigt werden können. Gegenwärtig bestehe diesbezüglich auch
keine wesentliche Symptomatik. Auch zeitweilig geäusserte Beschwerden
anderer grosser Gelenke könnten heute nicht bestätigt werden. Bezüglich
Darmerkrankung ergäben sich keine weiteren klinischen Merkmale, wes-
C-748/2019
Seite 16
halb nochmalig eine gastroenterologische Begutachtung zur Frage durch-
geführt werden sollte, inwieweit die Verdachtsdiagnose überhaupt zutreffe.
Der Gutachter nannte folgende Diagnosen mit Einfluss auf den Grad der
Behinderung: 1. Coxarthrose beidseits, 2. Inzipiente (beginnende) Hüft-
kopfnekrose beidseits, 3. Rezidivierende Coxitis (Entzündung Hüftgelenke)
beidseits, 4. Segmentierte Colitis mit Verdacht auf Morbus Crohn-assozi-
iertem Verlauf mit "P. m." am Colon transversum, 5. Refluxösophagitis
Grad C nach Los Angeles-Klassifikation, 6. Verdacht auf Morbus Bech-
terew (entzündliche Wirbelsäulen-Versteifung). Zur Arbeitsfähigkeit führte
er aus, der Beschwerdeführer sei als Estrichleger nicht mehr zu vermitteln,
da diese Tätigkeit mit häufig kniender, vornübergebeugter Tätigkeit, Heben
und Tragen schwerer Lasten sowie mit Arbeiten in kalten, nassen bzw. zü-
gigen Räumen verbunden sei. Dies gelte jedoch lediglich für Arbeiten in
kniender Position, gebückter Position, Heben und Tragen von Lasten über
10 kg; beaufsichtigende bzw. zuarbeitende Funktionen, Aufmass-Arbeiten,
Werkzeugpflege und Führen eines Fahrzeugs seien teilzeitlich nachvoll-
ziehbar. Als Estrichleger bestehe eine Berufsunfähigkeit von 40%. In der
Tätigkeit als Hausmann, in der die Schwerpunkttätigkeit nicht in extrem
körperlich belastender Arbeit liege und in der kniende, gebückte bzw. Tä-
tigkeiten mit maximaler Aussetzung in Kälte, Nässe bzw. Zugluft vermieden
werden könnten, sei von einer Berufsunfähigkeit von max. 25% bzw. einer
Belastung von mehr als 6 Stunden täglich auszugehen. Eingeschränkt
möglich seien: Tätigkeiten mit Arbeiten auf unebenem Untergrund, Leiter-
und Gerüsttätigkeiten, Arbeiten in Kälte und Nässe bzw. Zugluft, Arbeiten
in kniender bzw. gebeugter Körperhaltung, Heben und Tragen von Lasten
über 10 kg (doc. 97; 104).
4.3.4 Mit Arztbericht vom 5. September 2018 hielt Dr. Ii._, MVZ (...),
nach Kontrolluntersuchung der Carotiden (hirnversorgende Arterien) we-
gen Beschwerden im linken Ohr die Diagnosen Ausschluss einer ACI
(Halsschlagader) -Stenose beidseits bei Tinnitus links sowie einen chroni-
schen Nikotinabusus fest (B-act. 1 B17).
4.3.5 Mit Bericht vom 11. September 2018 hielt Zahnarzt Dr. Jj._,
(...), fest, dass die Schleimhautveränderungen im rechten und linken Wan-
genbereich mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit auf eine mechanische Irri-
tation durch Wangenbeissen zurückzuführen seien (B-act. 1 B16). Der Pa-
thologiebericht (Makroskopie der Wangenschleimhaut-Leukoplakien und
Mikroskopie) von PD Dr. Kk._, (...), an Dr. Hh._ vom 21.
C-748/2019
Seite 17
September 2018 bestätigte eine einfache Leukoplakie (verstärkte Verhor-
nung der obersten Gewebeschicht der Mundschleimhaut) ohne Anhalt für
Bösartigkeit (B-act. 1 B13).
4.3.6 Dr. X._, Orthopädie, (...), stellte in seinem Bericht vom 1. Ok-
tober 2018 an den Hausarzt – gestützt auf verschiedene, am selben Tag
erstellte Röntgenaufnahmen und Sonographien – in seiner Befundung
Sklerosen, eine Reduktion des Gelenkspaltes sowie eine deutliche Erosion
im Bereich des rechten Hüftkopfes fest. Das Röntgen des rechten Knies
sei – mit Ausnahme einer feinen suprapatellaren Erguss-Sichel – ohne Be-
fund geblieben. Am linken Knie sei kein Erguss feststellbar. Die Sonogra-
phie der Schulter zeige (etwas) Erguss in der ventralen Gelenkkammer
beidseits, die Rotatorenmanschetten seien intakt (doc. 152).
Mit Bericht vom 11. Oktober 2018 zuhanden des Sozialgerichts Ll._
führte derselbe Arzt aus, dass der Beschwerdeführer aktuell Schmerzen im
Bereich beider Hüften und der LWS beklage. Die bildgebenden Befunde
hätten Folgendes ergeben: Röntgen Hüften: Sklerose der Pfannendach-
grenzlamelle beidseits, zentrale Reduktion des Gelenkspaltes beidseits.
Links: Entmineralisierung der Hüftkopfkalotte und klein-zystische Verände-
rungen. Rechts: deutliche Erosion im Bereich des Hüftkopfes. Iliosacralge-
lenke imponierten verdichtet. Röntgen der LWS: keine Auffälligkeiten.
Röntgen rechtes Knie: dysplastische Kniescheibe. Sonographie beider
Kniegelenke: feine suprapatellare Erguss-Sichel, Verdickung der synovia-
len Formation. Sonographie linke Hüfte: etwas entrundet wirkender Hüft-
kopf mit Usuren, ohne Erguss. Sonographie rechte Schulter: kleine Usuren
am Humeruskopf, etwas Erguss in der ventralen Gelenkkammer. Sonogra-
phie linke Schulter: Erguss an der ventralen Gelenkkammer und um die
lange Bizepssehne herum, die Rotatorenmanschetten seien intakt. Als Di-
agnosen nannte er: 1. Dringender Verdacht auf enteropathische (darmer-
krankungsbedingte) Spondylarthritis, 2. Sekundäre Coxarthrose beidseits,
bei abgelaufener rheumatischer Coxitis und sekundärer Hüftkopfnekrose,
3. Morbus Crohn, 4. Oligarthritis mit Gelenksergüssen beide Schulterge-
lenke und beide Kniegelenke, 5. lumbosacrales Schmerzsyndrom. Seit Mai
2016 sei der Beschwerdeführer arbeitsunfähig (B-act. 1 B19).
4.3.7 In seiner Stellungnahme vom 16. Oktober 2018 an das Sozialgericht
Ll._ hielt Dr. Hh._, HNO (Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde) fol-
gende Erkrankungen fest: Septumdeviation links, Tinnitus aurium beidseits
seit 01/2018, Innenohrschwerhörigkeit beidseits, Epistaxis (Nasenbluten)
C-748/2019
Seite 18
beidseits sowie Verdacht auf Leukoplakie an der rechten Wangenschleim-
haut (B-act. 1 B10/11).
4.3.8 Dr. R._, Hausarzt des Beschwerdeführers, führte in seiner
Stellungnahme vom 18. Oktober 2018 an das Sozialgericht Ll._
aus, dass er den Beschwerdeführer erstmals am 6. Mai 2016 und letztmals
am heutigen Tag behandelt habe. Als Diagnosen halte er fest: Blutarmut
(23.5.2016), für weitere Diagnosen verweise er auf die Feststellungen im
Fff._ Krankenhaus (Abteilung Gastrologie). Er habe die Arbeitsun-
fähigkeit insgesamt bescheinigt vom 28. Oktober bis 23. Dezember 2016.
Die erhobenen Befunde hätten sich nicht gebessert. Als neue Leiden
nannte er einen Tinnitus, Knieschmerzen, einen Schultererguss beidseits,
eine Tendovaginitis der Hände beidseits sowie eine vegetative Erschöp-
fung. Im Verlauf seit 2016 seien immer wieder akute Verlaufsformen der
beschriebenen Erkrankungen aufgetreten (B-act. 1 B9).
4.3.9 Prof. Dr. Mm._, Internistin/Rheumatologin/Nephrologin,
Nn._ Kliniken (...), hielt in ihrem Bericht vom 26. Oktober 2018 an
Dr. X._ – gestützt auf eine ambulante Kontrolle am 5. Oktober 2018
– folgende Befunde fest: Gangbild humpelnd mit Schonung des rechten
Beins, Schultergelenke endgradig bei Aussenrotation und Abduktion
schmerzhaft eingeschränkt, verspannte Nackenmuskulatur und paraver-
tebrale Muskulatur, ansonsten keine Funktionseinschränkungen, Druck-
schmerz über dem Beckenkamm beidseits, beide Kniegelenke aktuell
ohne Befund. Als Diagnosen nannte sie: 1. Verdacht auf enteropathische
Spondyloarthritis/Oligoarthritis (HLA-B27 negativ) bei Morbus Crohn, bei
rheumatischer Manifestation im Sinne einer Oligoarthritis der Knie-, Schul-
ter- und Hüftgelenke, 2. sekundäre Gonarthrose rechts mehr als links, 3.
sekundäre Coxarthrose beidseits nach abgelaufener Coxitis und Hüftkopf-
nekrose rechts mehr als links, 4. lumbosakrales Schmerzsyndrom, 5. Zu-
stand nach Amaurosis unklarer Genese, 6. Tinnitus, 7. Nasenscheide-
wand-Verkrümmung (Operation geplant). In ihrer Beurteilung führte sie
aus, die Konstellation einer Oligoarthritis der grossen Gelenke in Verbin-
dung mit einem wahrscheinlichen Morbus Crohn (ED 2016) bestätige in
der Tat die Verdachtsdiagnose einer enteropathischen Spondyloarthritis,
offenbar bestehe im Hüftbereich beidseits eine sekundäre Hüftkopfnekrose
und Coxarthrose. Die Arthritis sei zum Untersuchungszeitpunkt nicht aktiv.
Es sei jedoch eine erneute gastroenterologische Untersuchung bei Prof.
Dr. Rr._ geplant, deren Ergebnis sinnvollerweise abzuwarten sei
(B-act. 10 B1).
C-748/2019
Seite 19
4.3.10 Gestützt auf eine persönliche Untersuchung des Beschwerdefüh-
rers am 5. November 2018 nannte Dr. Oo._, (...), in seinem fachor-
thopädischen Gutachten zuhanden des Sozialgerichts Ll._ am 13.
November 2018 folgende Diagnosen auf orthopädischem Fachgebiet:
1. Fehlstatisches, myoligamentäres und geringgradig degeneratives Lum-
bosacralsyndrom bei lumbosacraler Aufbaustörung und muskulär beding-
tem geringgradigem Funktionsdefizit ohne Nachweis einer Radikulopathie,
2. Hüftkopfnekrose beidseits, rechts betont, im Stadium II nach Ficat/Arlet
mit beginnender sekundärer Coxarthrose mit geringgradig konzentrisch
schmerzprovokativem Funktionsdefizit. Dazu führte er aus, die vorgetra-
gene Schmerzsymptomatik habe unter Würdigung der pathomorphologi-
schen Veränderungen, auch aber unter funktionellen Aspekten, insb. hin-
sichtlich dargelegter Schmerzintensität, nur eingeschränkt nachvollzogen
werden können. Aus gutachterlicher Sicht könnten die beschriebenen Kör-
perbeschwerden nicht vollumfänglich durch organmedizinische Befunde
erklärt werden; insofern sei eine psychosomatische Komponente im Sinne
einer Somatisierungsstörung im Umfeld der chronisch entzündlichen Dar-
merkrankung anzunehmen. Eine rheumatologische Grunderkrankung
werde mehrfach diskutiert, jedoch nicht eindeutig nachgewiesen: Diagno-
sen wie ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew), enteropathische
Spondylarthritis und rheumatische Coxitis würden nicht anhand der Unter-
suchungsergebnisse untermauert. Die aktuelle klinische Begutachtung
habe keinen Anhalt auf das Vorliegen einer Erkrankung des rheumatischen
Formenkreises mit arthritischen Gelenksveränderungen erbracht, insbe-
sondere liege keine einer Morbus Bechterew'schen Erkrankung entspre-
chende Iliosacralgelenkssymptomatik vor, auch keine arthritischen Reizzu-
stände der Gelenke. Die Hüftgelenke zeigten ein geringgradiges, konzent-
risch schmerzprovokatives Funktionsdefizit, insbesondere betreffend Ro-
tationskomponente. Ursächlich hierfür sei eine Hüftkopfnekrose beidseits,
radiologisch rechts betont, wobei sich diese gemäss kernspintomographi-
schen Befunden 12/2016 und 01/2017 verbessert habe. Zu diagnostizieren
sei eine Hüftkopfnekrose im Stadium II d.h. mit ersten Röntgenveränderun-
gen (Sklerosierungen, Zystenbildungen); eine Sequestrierung des Kopfes
(Stadium III) als auch eine subchondrale Fraktur mit Zusammenbruch des
Kopfes (Stadium IV) liege eindeutig nicht vor. Eine Hüftkopfanbohrung
könne als Versuch einer gelenkserhaltenden Therapie durchgeführt wer-
den; bei fortschreitender Hüftkopfnekrose werde letztendlich nur die en-
doprothetische Versorgung bleiben. Es liege eine Bewegungseinschrän-
kung der Hüftgelenke geringen Grades beidseitig (Grad der Behinderung
[GdB] von 20-30 v.H.) vor. Zur Lendenwirbelsäule führte er ergänzend aus,
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Seite 20
es bestehe ein fehlstatisches, myoligamentäres und geringgradig degene-
ratives Lumbosacralsyndrom bei lumbosacraler Aufbaustörung; die Facet-
tengelenke seien als schmerzführend anzusehen. Funktionell sei von ei-
nem gering- bis allenfalls mässiggradigen konzentrischen Bewegungsdefi-
zit mit Störung der Wirbeleinzelsegmententfaltung auszugehen, wobei eine
harte Radikulopathie nicht habe objektiviert werden können, sodass von
einem lokalen und auch pseudoradikulären Schmerzkomplex auszugehen
sei. Anzumerken bleibe, dass die Entfaltungsprüfung des Rumpfskelettes
im Stehen durch die Untersuchung im Langsitz doch deutlich zu relativie-
ren sei. Im Wechselspiel zu den Hüftgelenken sei eine Anerkennung (An-
merkung Gericht: der Einschränkung) gegeben, jedoch unter funktionellen
Aspekten eine Erhöhung des Teil-GdB auszuschliessen. Die gerichtlichen
Beweisfragen seien wie folgt zu beantworten: Hinsichtlich der orthopädi-
schen Beeinträchtigungen lägen vor: 1. Fehlstatisches, myoligamentäres
und geringgradig degeneratives LWS-Syndrom mit geringgradigen Funkti-
onsdefiziten und pseudoradikulärem Schmerzkomplex. 2. Hüftkopfnekrose
beidseits im Stadium II mit geringgradigen schmerzprovokativen Funkti-
onsdefiziten. Fachfremde Beeinträchtigung sei die chronisch entzündliche
Darmerkrankung (Morbus Crohn). Im Feststellungsbescheid vom 31. Mai
2017 sei die Bewertung der Funktionsstörung beider Hüftgelenke eher im
oberen Bemessungsspielraum angesetzt worden. Neu aufzunehmen sei
jedoch, insbesondere unter Berücksichtigung einer funktionell ungünstigen
schmerzverstärkenden Wechselwirkung zur dargelegten Hüftproblematik,
das hier diagnostizierte fehlstatische, myoligamentäre und degenerative
LWS-Syndrom mit geringgradigen funktionellen Auswirkungen. Es sei von
einem Gesamt-GdB von 30 v.H. auszugehen (Beeinträchtigung 1: 30 v.H.,
Beeinträchtigung 2: 10 v.H., Beeinträchtigung 3: 10 v.H.) (B-act. 10 B2).
4.3.11 In ihrem Bericht vom 21. November 2018 nannten Prof. Dr.
Rr._ und Dr. Ss._, Klinikum Pp._, Qq._-Kran-
kenhaus, (...), nach stationärer Behandlung des Beschwerdeführers vom
14.-21. November 2018 folgende Diagnosen: 1. Morbus Crohn (Erstdiag-
nose 2016) mit Verdacht auf extraintestinale Manifestationen mit Spondy-
loarthritis/Oligoarthritis (HLA-B27 negativ), bei Befall im proximalen Colon
descendens und Colon transversum mit Stenose (07/2016), bei sekundä-
rer Gonarthrose rechts mehr als links (10/2018), bei sekundärer Coxarth-
rose beidseits nach abgelaufener Coxitis und Hüftkopfnekrose rechts mehr
als links (10/2018). Aktuell lägen vor: ausgeprägte langstreckige, nahezu
circuläre Colitis Crohn mässiggradiger Aktivität (Grad 3 nach Riley), im
oberen Sigma nicht passierbare, polypoide, entzündliche, hochgradige
Stenose, multifokale Ösophagusulcera im distalen Segment, histologisch
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vereinbar mit Refluxösophagitis sowie zum anderen mit Crohn-Manifesta-
tion. 2. Tinnitus. 3. chronische Sinusitis maxillaris links basal. 4. Nasen-
scheidenwand-Verkrümmung (Operation geplant). 5. Allergie gegen Ar-
coxia und Novamin. 6. Status nach Amaurosis (Sehverlust) unklarer Ge-
nese. Der Patient sei am 14. November 2018 wegen Minderung des Allge-
meinzustandes aufgenommen worden. In der Ösophago-Gastro-Duodeno-
skopie hätten sich der Aspekt einer Typ-B Gastritis und einer multifokalen
Ösophagusulcera im distalen Segment gefunden, die zum einen mit einer
Refluxösophagitis und zum andern mit einem Morbus Crohn vereinbar
seien. Hierfür sei eine intravenöse hochdosierte PPI-Therapie eingeleitet
worden. In der ergänzenden Ileocoloskopie seien eine ausgeprägte lang-
streckige, nahezu circuläre Colitis Crohn, im proximalen Colon ascendens
beginnend bis ins obere Sigma reichend, festgestellt worden; dazwischen
seien kurzstreckige Colonsegmente nicht befallen. Im oberen Sigma habe
sich eine ausgeprägte, mit dem konventionellen Koloskop nicht passier-
bare, polypoide, entzündliche, hochgradige Stenose gezeigt. Das ergän-
zende MRT-Sellink habe im Dünndarm keine nennenswerten Auffälligkei-
ten ergeben. Am 21. November 2018 habe der Patient in die weitere haus-
ärztliche Betreuung entlassen werden können (B-act. 1 B3).
Mit Nachtrag vom 2. Januar 2019 nahm Prof. Dr. Rr._ ergänzend
zu den zwischenzeitlich erfolgten Untersuchungen (Knochenszintigraphie
vom 21.11.2018, MRT-Sellink vom 20.11.2018, MRT Kopf vom 21.11.2018)
Stellung. Aufgrund der erhobenen Befunde bestehe kein Zweifel an einem
Morbus Crohn mit Beteiligung der Speiseröhre und des Darms; die Krank-
heit sei aktiv. Er schliesse sich der Einschätzung von Prof. Dr. Mm._
hinsichtlich des Verdachts auf eine enteropathische Spondylarthritis/ Oli-
goarthritis (HLA-B27 negativ) vollumfänglich an. Er empfehle eine Anti-TNF
(Tumornekrosefaktor) -Therapie mit Adalimumab (B-act. 1 B8).
4.3.12 Dr. Tt._ des Landesamtes Uu._, Cc._ (Bun-
desland) führte in einer gutachtlichen Stellungnahme vom 22. Februar
2019 unter Bezugnahme auf das Gutachten von Dr. Oo._ aus, dass
eine wesentliche Erkrankung im HNO-Bereich habe ausgeschlossen wer-
den können. Eine akut entzündliche Veränderung insbesondere im Bereich
der Hüftkopfe und Hüftgelenke habe ebenfalls ausgeschlossen werden
können (Ggg._medizin (...), 21.11.2018). Während des stationären
Aufenthalts im Klinikum Pp._ (...) vom 14.-21. November 2018 sei
eine mässiggradige Aktivität des bekannten Morbus Crohn festgestellt und
eine medikamentöse Therapie mit Anti-TNF Adalimumab vorgeschlagen
worden. Der Beschwerdeführer lehne aber zum aktuellen Zeitpunkt eine
C-748/2019
Seite 22
operative oder medikamentöse Therapie wegen möglicher Nebenwirkun-
gen ab. Wegen der nachgewiesenen Aktivität des Morbus Crohn sei dieser
höher zu bewerten. Zusammenfassend schlage er ab Nachweis der Ver-
schlechterung des Morbus Crohn (14.11.2018) eine Erhöhung des Ge-
samt-GdB auf 40 v.H. vor (B-act. 10 B9).
Dementsprechend zog das Landesamt Uu._, Cc._ (Bun-
desland) am 26. Februar 2019 seinen früheren Beschluss betreffend den
Grad der Behinderung in Wiedererwägung. Dem Beschluss liegen fol-
gende Gesundheitsstörungen zugrunde: Chronisch-entzündliche Darmer-
krankung (Morbus Crohn), Funktionsstörung beider Hüftgelenke und Funk-
tionsstörung der Wirbelsäule. Als Gesundheitsstörungen mit einem GdB
unter 10 v.H. wurden Funktionsstörungen beider Kniegelenke und Tinnitus
genannt. Das Landesamt führte in seinem Beschluss aus, die Erhöhung
des Gesamt-GdB (von 30 auf 40 v.H.) ergebe sich aus einer Verschlimme-
rung der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung während des Klagever-
fahrens, in Übereinstimmung mit den Befundberichten des Klinikums
Pp._ (...) vom 21. November 2018 und 2. Januar 2019. Die Ver-
schlimmerung sei ab 14. November 2018 (Beginn der stationären Behand-
lung im Klinikum) nachweisbar (B-act. 10 B8).
4.3.13 PD Dr. Vv._ und Dr. Ww._, Orthopädie & Unfallchi-
rurgie, Zentrum Xx._, (...), nannten in ihrem Gutachten vom 23. Au-
gust 2019 – gestützt auf eine persönliche Begutachtung des Beschwerde-
führers am 14. Juni 2019 – zuhanden des Sozialgerichts Ll._ fol-
gende Diagnosen: 1. Verdacht auf enteropathische Spondylo-/Oligoarthri-
tis (HLA-B27 negativ) bei Morbus Crohn, rheumatische Manifestation im
Sinne einer Oligoarthritis der Kniegelenke, Schultergelenke und Hüftge-
lenke; 2. sekundäre Coxarthrose beidseits nach abgelaufener Coxitis und
Hüftkopfnekrose rechts mehr als links, 3. lumbosakrales Schmerzsyndrom,
4. Zustand nach Amaurosis unklarer Genese, 5. Tinnitus, 6. Nasenschei-
dewand-Verkrümmung, 7. chronische Sinusitis maxillaris links basal, 8. Al-
lergie gegen Arcoxia und Novaminsulfon. Zur Arbeitsfähigkeit führten sie
aus, wegen der sekundären Coxarthrose bei Hüftkopfnekrose seien ledig-
lich leichte körperliche Arbeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt durch-
führbar. Heben und Tragen schwerer Lasten über 10 kg, Arbeiten in
Zwangshaltungen wie vorübergebeugte Tätigkeiten, langes Stehen oder
Gehen sowie Arbeiten in kalten, nassen und zügigen Räumen seien der
Beschwerdesymptomatik beider Hüftgelenke mit Bewegungseinschrän-
kungen und erheblichen Schmerzen nicht zuträglich. Ebenfalls seien lange
sitzende Tätigkeiten ohne Arbeitspausen, ohne die Möglichkeit eines
C-748/2019
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Wechsels zu stehenden Tätigkeiten nicht verrichtbar. Als Estrichleger sei
der Beschwerdeführer aufgrund oben genannter Einschränkungen nicht
einsetzbar. In Bezug auf die enteropathische Spondyloarthritis/Oligoarthri-
tis bei Morbus Crohn unterliege die Einsatzfähigkeit einer starken Variabi-
lität in Abhängigkeit vom Aktivitätsniveau der Arthritis. In inaktiven Phasen
sei die Verrichtung leichter körperlicher Tätigkeit mit dem Wechsel einer
sitzenden/stehenden Arbeitshaltung möglich. Im akuten Krankheitsschub
bestünden immobilisierende Schmerzen der betroffenen Gelenke, beim
Beschwerdeführer speziell ein asymmetrischer Befall der Schultergelenke,
Kniegelenke, Hüftgelenke oder Wirbelsäule, und sei das Ausüben einer
leichten körperlichen Tätigkeit nicht möglich. Von einer Ausübung einer
leichten körperlichen Tätigkeit mit krankheitsbedingten Ausfällen sei daher
auszugehen. Von einer Einschränkung der Reaktionsfähigkeit – bedingt
durch schmerzhafte Bewegungseinschränkungen – sei auszugehen. Auf-
grund der orthopädischen Einschränkungen und des reduzierten Allge-
mein- und Ernährungszustandes im Rahmen des Morbus Crohn seien zeit-
weilige schwere oder mittelschwere körperliche Belastungen aktuell nicht
verrichtbar. Zur Frage, ob eine vollschichtige Tätigkeit ausgeübt werden
könne, ergänzten die Gutachter, im Rahmen des Arztberichtes von Dr.
Bb._ vom 23. März 2017 sei die Einsatzfähigkeit auf dem allgemei-
nen Arbeitsmarkt auf sechs Stunden eingestuft worden, unter Ausschöp-
fung der therapeutischen Massnahmen, was jedoch weder hinsichtlich
Hüftleiden noch Spondylo-/Oligo-Arthritis erfolgt sei. Im Gutachten von Dr.
Ee._ vom 22. November 2017 werde eine mögliche Teilzeitbeschäf-
tigung von drei Stunden pro Tag als Estrichleger attestiert. Seitdem sei eine
Verschlechterung der Beschwerden hinsichtlich enteropathische Spon-
dylo-/Oligoarthritis mit Affektion der Kniegelenke, Schultern und Hüftge-
lenke als auch betreffend Aktivität des Morbus Crohn mit Einschränkungen
der körperlichen Leistungsfähigkeit und Gewichtsverlust eingetreten. Zu-
dem sei eine Progression trotz andauernder Arbeitsunfähigkeit eingetreten.
Unter Arbeitsbelastung sei von einer Verschlechterung der muskuloske-
lettalen Beschwerden auszugehen. Aus diesem Grund sei die Belastbar-
keit zum aktuellen Zeitpunkt auf unter drei Stunden täglich einzustufen (B-
act. 14 B1).
4.3.14 In seinem Gutachten vom 24. Februar 2020 zuhanden des Sozial-
gerichts Ll._ hielt Dr. E._, Innere Medizin, L._ Kran-
kenhaus (...), gestützt auf eine ambulante Untersuchung des Beschwerde-
führers am 13. Januar 2020 in internistischer Hinsicht fest, dass im Be-
scheid vom 31. Mai 2017 (betreffend den GdB) die chronisch entzündliche
Darmerkrankung vom Typ Morbus Crohn ohne jegliche Komplexität und
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Ausbreitung der Grunderkrankung erwähnt worden sei (es fehlten die Kom-
plikation und Ausprägung des Krankheitszustandes). Es werde ein Morbus
Bechterew genannt, dieser sei jedoch nirgends dokumentiert, diagnosti-
ziert, behandelt oder vermutet worden und damit falsch. Es fehlten (zudem)
der Tinnitus, die Septumdeviation und die sekundären Folgeerkrankungen.
Der Morbus Crohn habe mutmasslich klinisch inapparent deutlich länger
(als seit 2016) bestanden, da bereits 2016 ein ausgeprägter segmentaler
Befall im Bereich des Dickdarms habe objektiviert werden können. Gemäss
den Berichten der Pp._ (...) und nachfolgender Diagnostik liege ein
segmental langstreckiger Befall des Colon-Rahmens vor, zudem sei als
Komplikation eine mit normalen Koloskopie-Instrumenten nicht zu überwin-
dende Stenose im proximalen Sigma aufgetreten, hier sei eine operative
Intervention in Zukunft nicht auszuschliessen. Als weiteres Befallmuster
würden 2016 und 2018 multifokale Ösophagus-Ulzera im unteren Drittel
der Speiseröhre beschrieben, die histologisch mit einer Crohn-Manifesta-
tion, verbunden mit Refluxösophagitis, vereinbar seien. Eine signifikante
Dünndarmbeteiligung des Morbus Crohn sei ausgeschlossen worden. Als
weitere Folge sei ein signifikanter Gewichtsverlust eingetreten, bei Inappe-
tenz und teilweise Nahrungsunverträglichkeit (BMI aktuell 18 kg/m2). Zu-
sätzlich liege eine dauerhafte Eisenmangelanämie vor, aktuell liege ein
akuter Entzündungsschub vor. Es sei prognostisch von einer weiteren Ver-
schlechterung auszugehen, da der Patient keinerlei krankheitsspezifische
Behandlung durchführe. Die wiederholt vorgeschlagene, wirksame Be-
handlung mit Anti-TNF (immunsuppressive Therapie) z.B. mit Adalimumab
werde vom Patienten aus Angst vor potentiellen Nebenwirkungen abge-
lehnt. Exakt diese Therapieempfehlung sei jedoch von Prof. Dr.
Rr._ und Prof. Dr. Mm._ ausgesprochen worden. Es liege
somit eine komplizierte Morbus Crohn-Erkrankung vor, mit schweren Aus-
wirkungen (erhebliche Beeinträchtigung des Kräfte- und Ernährungszu-
standes, Muskelabbau, Gewichtsreduktion um 9 kg bis BMI 18 kg/m2, täg-
liche Durchfälle und häufig rezidivierende erhebliche Beschwerden). Be-
treffend Verdacht auf extraintestinale Manifestation mit beidseitigen Hüft-
kopfnekrosen sowie sekundärer Gonarthrose sei auf das Gutachten
Ee._ und das Gutachten Oo._ zu verweisen. Gestützt auf
die heute festgestellten Bewegungsabläufe, die klinischen Untersuchungs-
befunde und ohne Sichtung der fachorthopädischen Bilddokumente könne
von einer Bewegungseinschränkung der Hüftgelenke geringen Grades
links und mittleren Grades rechts ausgegangen werden. Zum Verdacht auf
Vorliegen einer enteropathischen Spondylo-/Oligoarthritis liessen sich we-
der in den Vorbegutachtungen, den klinischen Untersuchungsberichten
noch in aktueller Untersuchung klinische Zeichen einer extraintestinalen
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Manifestation mit Arthritiden darstellen. Der Tinnitus werde als störend
empfunden, jedoch weder im Alltag noch in den Nachtphasen als entschei-
dendes Symptom angegeben. Somit sei er ohne nennenswerte psychische
Begleiterscheinung. Zur Septumdeviation der Nase hielt er fest, dass diese
Diagnose HNO-ärztlich objektiviert worden sei, wiederholte Nasenneben-
höhlenentzündungen aber nicht erfragbar seien und während der klini-
schen Untersuchung keine relevante Atembehinderung feststellbar sei. In
der Gesamtbegründung (des GdB) führte er schliesslich aus, der Morbus
Crohn zeige einen schubweisen Verlauf, dieser sei aktuell mit floriden Ent-
zündungszeichen im Blut objektivierbar. Es bestünden bereits Komplikati-
onen mit einer Beteiligung des distalen Ösophagus, einer – mit dem Ko-
loskop nicht mehr überwindbaren – Sigmastenose, einem relevanten Kräf-
teverfall des Patienten, einer signifikanten Gewichtsabnahme bis an die
Grenze der Kachexie (pathologischer Gewichtsverlust) und einer klinisch
spürbaren Eisenmangelanämie. In Anbetracht der fehlenden Medikation
der Grunderkrankung (der Beschwerdeführer lehne bisherige Thera-
piestrategien ab) sei von einer weiteren Verschlechterung auszugehen,
eine operative Intervention in naher Zukunft nicht auszuschliessen. Die
Grunderkrankung werde schubweise weiter fortschreiten. Auch der Allge-
meinzustand werde sich nicht verbessern (B-act. 22 B1).
4.3.15 Im Entlassungsbericht vom 7. Mai 2020 berichtete Dr. U._,
Gastroenterologie, Klinikum V._ über einen stationären Aufenthalt
des Beschwerdeführers vom 29. April - 7. Mai 2020. Er führte aus, der Be-
schwerdeführer habe wegen schleichenden Gewichtsverlust von 15 kg in
den letzten Monaten (recte: Jahren [s. unten]), allgemeiner Schwäche und
diffuser Beschwerden in den Extremitäten stationär aufgenommen werden
müssen. Auch wenn die klinische Symptomatik gering sei, bestehe ein zu
erwartender komplikativer Verlauf und eine erhebliche Erkrankungs-
schwere des Morbus Crohn; Indiz seien die erhebliche Gewichtsabnahme
mit hochpathologischer Bioimpedanzanalyse sowie CRP (C-reaktives Pro-
tein) -Erhöhung mit entsprechender Hypalbuminämie und bedeutsamer
Anämie. Hinzu komme der fortgesetzte Nikotinabusus, der den Verlauf der
Erkrankung sehr ungünstig beeinflusse. Durch fehlende Durchfälle oder
Blutabgang im Stuhl neige der Patient eher zur Dissimulation und einge-
schränkter Therapieadhärenz, sodass es bisher zu keiner vernünftigen im-
mun-modulatorischen Behandlung gekommen sei. Durch Gabe eines klas-
sischen Prednisolon-Schemas (während stationärem Aufenthalt) sei es zu
einem deutlichen Abfall der Entzündungsparameter und zur Appetitsteige-
rung mit Gewichtszunahme bis 52.8 kg gekommen. Koloskopisch bestün-
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Seite 26
den zwei dominante Stenosen im Colon mit kleinen sonographisch nach-
weisbaren Fistelbildungen ins Mesenterium (Aufhängevorrichtung Dünn-
darm). Für ein operatives Vorgehen sei der Patient nicht zu gewinnen, die
entnommenen Biopsien wiesen bislang keine Malignität auf. Die hypertro-
phen Colonstenosen seien jedoch bis zum Beweis des Gegenteils malig-
nomverdächtig. Die Entlassung sei am 7. Mai 2020 in leicht gebessertem
Zustand erfolgt; dem Beschwerdeführer sei eine Nikotinkarenz dringend
nahegelegt worden (B-act. 28 B6).
Im Befundbericht vom 16. Juni 2020 zuhanden des Sozialgerichts
Ll._ führte derselbe Arzt ergänzend aus, beim letzten stationären
Aufenthalt vom 29. April - 7. Mai 2020 habe eine deutliche Verschlechte-
rung der chronisch entzündlichen Darmerkrankung (Morbus Crohn) festge-
stellt werden müssen. Es bestehe ein deutlicher Gewichtsverlust und eine
Mangelernährung. Offenbar sei die Gelenksentzündung in beiden Hüftge-
lenken zur Ruhe gekommen, eine aktuelle rheumatologische oder ortho-
pädische Einschätzung liege ihm jedoch nicht vor. Als Funktionseinbussen
bestünden – bei erneuter entzündlicher Aktivität der Erkrankung – eine all-
gemeine Schwäche und Abgeschlagenheit im Rahmen der Entzündung
und der Blutarmut. Hierunter sei es zu schleichender Gewichtsabnahme
von 15 kg in den letzten vier Jahren gekommen. Durchfälle mit sichtbarem
Blutverlust hätten offenbar zu keinem Zeitpunkt bestanden (B-act. 28 B1).
4.3.16 Im Entlassungsbericht vom 30. Juni 2020 führten Dr. Yy._
und Dr. Zz._, Endokrinologie, L._ Krankenhaus (...), zur sta-
tionären Behandlung des Beschwerdeführers vom 25. Juni - 10. Juli 2020
aus, der Patient sei am 26. Juni 2020 mit radiologischem Hinweis auf eine
Perforation im Bereich des Colon descendens aus der internistischen Ab-
teilung übernommen worden. Gleichentags sei eine Laparotomie und auf-
grund der Befunde (perforiertes Colon descendens mit grossem retroperi-
tonealem Abszess mit Stenose und Ileus) eine erweiterte Hemikolektomie
links (Entfernung des Colon ascendens und des rechten Teils des Colon
transversum mit anschließender Verbindung des Dünndarms mit dem Co-
lon transversum) mit Ascendo-Decendostomie und doppelläufigem Ileo-
stoma durchgeführt worden. Am 10. Juli 2020 habe der Patient mit reizlo-
sen Wunden aus der stationären Behandlung entlassen werden können.
Eine Verlaufskontrolle sei am 22. Juli 2020 im MVZ (...) zur Planung der
Ileostomarückverlagerung geplant (B-act. 28 B8).
4.3.17 Mit Bericht vom 10. August 2020 stellten Dr. Aaa._ und Dr.
Bbb._ der Klinik Ccc._ einen Antrag auf Verlängerung des
C-748/2019
Seite 27
Spitalaufenthalts (vom 28. Juli - 17. August 2020) an die Gg._ (B-
act. 30 B1). Der Patient habe bei der Aufnahme geltend gemacht, er sei
völlig kraftlos, könne nicht mehr schlafen. Er wolle, dass die Aktivität des
Morbus Crohn nachlasse und die Entfernung des Ileostoma zulasse. Es
liege eine gute Stuhlentleerung über das reizlose Stoma vor, der Patient
habe keine Bauchschmerzen, aber chronische Gelenkschmerzen. Er sei
vom 28. Juli bis 17. August 2020 mit phytotherapeutischen Arzneimittelre-
zepturen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) behandelt wor-
den. Es sei bisher zu einer Verbesserung der Gelenkschmerzen gekom-
men; auch habe die Prednisolon-Therapie wie geplant reduziert werden
können. Allerdings seien die Nächte immer noch ruhelos, einerseits wegen
der Stomaentleerungen, anderseits wegen Ängsten und Grübelns. Aktuell
stehe die psychovegetative Erschöpfung im Vordergrund der Behandlung.
Eine Verlängerung der Behandlung um zwei Wochen sei dringend indiziert
und nicht durch ambulante Behandlungen ersetzbar. Die Ärzte hielten fol-
gende Diagnosen fest: 1. Psychovegetatives Erschöpfungssyndrom
(F48.0) mit Ein- und Durchschlafstörungen (F51.0) aufgrund eines Morbus
Crohn EM 2003 (K50.9), 2. Zustand nach Hemikolektomie, Appendekto-
mie, Abszessspaltung bei stenosiertem und perforiertem Kolon und Ileus
[Darmverschluss] mit Ileostoma-Anlage am 26.6.2020, 3. Arthritis bei
Crohn-Krankheit: Knie, Schulter und Zustand nach immobilisierender Coxi-
tis 2016 (M07.49), 4. chronische Eisenmangelanämie (B-act. 30 B1).
4.3.18 Wie dem Entlassungsbericht von Dr. Yy._ und Dr.
Eee._ der L._ Kliniken (...) vom 16. September 2020 ent-
nommen werden kann, wurde der Beschwerdeführer am 9. September
2020 zum geplanten chirurgischen Eingriff (Ileumsegmentresektion, Wie-
derherstellung der Kontinuität des Darmes mittels Klammernahtanasto-
mose) aufgenommen. Er konnte nach komplikationslosem Verlauf am 17.
September 2020 nahezu beschwerdefrei aus der Behandlung entlassen
werden (B-act. 30 B6).
4.3.19 In einem MRT der Lendenwirbelsäule vom 17. September 2020
wurden eine rechts betonte ausgeprägte Bandscheibenprotrusion L5/S1
mit Einriss im Anulus fibrosus und eine mögliche Tangierung der rechten
Nervenwurzel S1 genannt (erwähnt in B-act. 30 B6 S. 2).
C-748/2019
Seite 28
4.4
4.4.1 Dr. B._, Ärztin des RAD C._, nannte in einer ersten
Stellungnahme vom 1. Juni 2017 folgende Hauptdiagnose mit Auswirkun-
gen auf die Arbeitsfähigkeit: Hüftkopfnekrose beidseits unklarer Ätiologie,
bei Symptombeginn zirka Mai 2016, bis März 2017 ohne spezifische Be-
handlung. Als Nebendiagnosen ohne Auswirkungen hielt sie einen Ver-
dacht auf Morbus Crohn, eine Refluxösophagitis sowie einen Status nach
Anämie unbekannter Ätiologie Juni 2016, remittiert im Oktober 2016, fest.
Sie führte aus, dass nach einer Abklärungsodyssee schliesslich eine Hüft-
kopfnekrose beidseits gefunden worden sei. Ausser Schonung habe bis-
lang keine spezifische Therapie stattgefunden, längerfristig stehe eine hüft-
prothetische Versorgung an. Die gastrointestinalen Diagnosen (Verdacht
auf Morbus Crohn und Status nach Refluxösophagitis) sowie die vorüber-
gehende Anämie unklarer Ursache hätten keine längerfristigen Auswirkun-
gen auf die Arbeitsfähigkeit. Seit kurzem würden leichte Wirbelsäulen-Be-
schwerden beklagt, für die sich geringe muskuläre Verspannungen als Kor-
relat fänden, ohne zusätzliche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Der
Beschwerdeführer sei seit 2014 als Hausmann tätig. Von April 2015 bis am
21. Mai 2016 sei er noch zu 20% in seiner angestammten Tätigkeit be-
schäftigt gewesen. Infolge der Hüftkopfnekrose sei diese Tätigkeit nicht
mehr zumutbar, werde es auch nie mehr werden. Die Arbeitsaufgabe im
Mai 2016 aus gesundheitlichen Gründen sei nachvollziehbar. In einer an-
gepassten Tätigkeit (leicht, wechselbelastend, vorwiegend sitzend) habe
jedoch nie eine relevante Arbeitsunfähigkeit bestanden. Die im Haushalt-
fragebogen gemachten Angaben bezüglich fast völliger Arbeitsunfähigkeit
seien nicht nachvollziehbar. Es bestünden Limiten für schwere Arbeiten
(Gartenarbeiten, schwere Putzarbeiten), aber sonst nicht; diese Limiten
gälten ab Mai 2016. Mögliche Tätigkeiten seien: nicht qualifizierter Arbei-
ter/Hilfsarbeiter in einem Werk/Fabrik/Produktionsstätte, Verkauf auf dem
Korrespondenzweg/via Telefon/Internet, wenn die versicherte Person die
notwendigen Kenntnisse dafür habe (sitzende Tätigkeit), Reparatur von
Kleingeräten/Haushaltartikeln, Kassierer sitzend, Billetverkäufer (sitzend),
Empfang/Rezeption sitzend, Telefonvermittlung/Telefonistin sitzend, Da-
tenerfassung/Scannage sitzend. Die Arbeitsunfähigkeit liege bei 70% in
bisheriger Tätigkeit, bei 25.5% im Haushalt und bei 0% in angepasster Tä-
tigkeit, alle ab 22. Mai 2016. Als funktionelle Einschränkungen seien dabei
zu beachten: Arbeitsposition sitzend/stehend/wechselnd, Heben von Ge-
wichten bis max. 10 kg (3-4x/Tag), 5 kg repetitiv, keine schweren Arbeiten,
keine längeren Gehstrecken am Stück, nicht in unebenem Gelände, nicht
repetitiv Treppen gehen, keine Einflüsse wie Schlechtwetter, Feuchtigkeit
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und Kälte, nicht auf Leitern/Gerüste steigen, nicht länger kniend/kau-
ernd/vornüber geneigt. In der Haushaltführung bestünden folgende Invali-
ditäten: Haushaltführung: 0%, Ernährung: 0%, Wohnungspflege: 10%, Ein-
kauf: 5%, Wäsche und Kleiderpflege: 1%, Betreuung von Kindern: 2%, Ver-
schiedenes: 7.5% (doc. 61).
4.4.2 Daran wurde in späteren Stellungnahmen festgehalten: In ihrem Be-
richt vom 16. April 2018 nannte die Ärztin des RAD dieselben Diagnosen
und führte dazu aus, die eingereichten Unterlagen und insbesondere das
Gutachten Ee._ bestätigten die Beurteilung vom 1. Juni 2017 voll-
umfänglich. Die genannten Arbeitsunfähigkeits-Beurteilungen und geschil-
derten Limitationen seien praktisch identisch, lediglich werde der Beginn
der Arbeitsunfähigkeit auf einen späteren Zeitpunkt (12/2016) verlegt (doc.
109).
4.4.3 In einer Stellungnahme vom 21. August 2018 führte Dr. D._
des medizinischen Dienstes der Vorinstanz aus, es seien verschiedene
nicht mehr aktuelle Dokumente eingereicht worden. Darin seien keine
neuen Sachverhalte bekannt gemacht worden. Massgebend für die Invali-
dität seien die (bekannten) Funktionseinschränkungen gemäss vorgeleg-
ten Berichten und nicht die Arbeitsaufgabe des Beschwerdeführers. Die
Beurteilung vom 20. April 2018 bleibe bestehen (doc. 142).
4.4.4 Am 16. November 2018 nahm Dr. B._ des RAD C._
zum Radiologiebericht vom 19. September 2018 und zum Arztbericht von
Dr. X._ vom 1. Oktober 2018 Stellung und hielt fest, es würden
keine neuen, für die Arbeitsfähigkeit relevanten Informationen vorgelegt.
Bei angepassten Tätigkeiten würden die aufgeführten Limitationen gelten.
Die Verweistätigkeiten entsprächen einer Liste der Verwaltung. Diese Tä-
tigkeiten könnten konkret sehr unterschiedlich sein und gälten nur als an-
gepasst, wenn sie die geforderten Limitationen beachteten (doc. 157).
4.4.5 Mit ergänzender Stellungnahme vom 18. April 2019 (im Rahmen der
Vernehmlassung) prüfte Dr. B._ die eingereichten Berichte vom 31.
Juli 2018, 5. September 2018, 11. September 2018, 11. Oktober 2018, 16.
Oktober 2018, 18. Oktober 2018, 14.-21. November 2018 (stationäre Be-
handlung), 19. November 2018, 20. November 2018, 21. November 2018,
2. und 11. Januar 2019. Sie führte dazu aus, die Berichte des HNO-Arztes
zeigten einen Tinnitus, eine leichte Hochton-Schwerhörigkeit, eine benigne
Leukoplakie der Wangenschleimhaut, eine Nasenseptum-Deviation und ei-
nen Status nach Nasenbluten beidseits. Diese Symptome begründeten
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keine längerfristige Arbeitsunfähigkeit. Die Laborwerte zeigten eine minim
normochrome, normocytäre Anämie (Hb 12.3); in diesem Bereich spüre
der Beschwerdeführer davon nichts, ausser vielleicht bei aussergewöhnli-
chen Anstrengungen, die von ihm nicht verlangt würden. Eine Arbeitsunfä-
higkeit könne damit nicht begründet werden. Die übrigen Werte seien nor-
mal bzw. ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Ein Doppler der Carotiden
schliesse eine relevante Stenose aus. Der Bericht von Dr. X._ an
das Sozialgericht Ll._ vom 11. Oktober 2018 enthalte dieselben In-
formationen wie derjenige vom 1. Oktober 2018. In der Hospitalisierung
vom 14.-21. November 2018 habe sich als Hauptbefund eine langstreckige
Stenose des Colons infolge entzündlicher Darmerkrankung gezeigt. Die
übrigen Abklärungen seien bland oder zeigten bekannte Befunde (Arthro-
sen, Hüften). Die vom Spezialisten vorgeschlagene Therapie mit einem
TNF-alpha-Blocker werde vom Patienten aus Angst vor Nebenwirkungen
abgelehnt. Bezüglich des Morbus Crohn werde schon länger keine Thera-
pie durchgeführt, ein relevanter Leidensdruck sei nicht vorhanden. Die Be-
urteilung bleibe daher unverändert. Die vorgelegten Unterlagen begründe-
ten keine Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit (B-act. 7 B1).
4.4.6 Am 23. September 2019 nahm B._ (im Rahmen der Duplik)
ergänzend Stellung zu folgenden Arztberichten: MRI BWS vom 6. April
2017, MRI Schädel und HWS vom 7. April 2017, Arztbericht Dr.
Mm._ vom 5. Oktober 2018, Gutachten Dr. Oo._ vom 13.
November 2018, Arztbericht Dr. Tt._ vom 22. Februar 2019, Gut-
achten von PD Dr. Vv._ und Dr. Ww._ vom 23. August 2019.
Als Hauptdiagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie:
1. Hüftkopfnekrose beidseits unklarer Ätiologie (bei Symptombeginn wahr-
scheinlich 05/2016, bis 11/2017 ohne spezifische Behandlung). Als Neben-
diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hielt sie fest: 2. Mor-
bus Crohn (Erstdiagnose: entzündliche Darmerkrankung 2016, Refluxöso-
phagitis, keine Medikation 07/2016 bis 06/2017, Colonoskopie 07/2017
zeigt unspezifische Entzündung, 06/2017 - ??: Behandlung mit Salofalk
und Prednison [11/2017 keine Medikation], Colonoscopie/virtuelle Colono-
scopie vom 20. November 2018: langstreckige entzündliche Wandverän-
derungen Colon transversum und sigmoideum mit Stenosierung und Um-
gebungsfibrose im Bereich Colon transversum; Dünndarm o.B., vorge-
schlagene Behandlung mit Anti-TNF-alpha indiziert [01/2019], aber vom
Patienten abgelehnt [01/2019], 3. chronisches Lumbovertebralsyndrom,
bei Fehlhaltung, muskulärer Dysbalance, ohne neurologische Reiz-/Aus-
fallsymptomatik. Als Nebendiagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeits-
fähigkeit listete sie einen Tinnitus beidseits und eine Anämie unbekannter
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Ätiologie (06/2016, remittiert 10/2016; 07/2018: grenzwertig erniedrigtes
Hämoglobin). In ihrer Beurteilung hielt sie fest, dass offensichtlich eine
chronisch-entzündliche Darmerkrankung bestehe, am wahrscheinlichsten
ein Morbus Crohn. Vom 29. Juni bis ca. 14. Juli 2017 (recte wohl 2016:
Hospitalisierung vom 29. Juni bis 7. Juli 2016 und Kontroll-MRT der Hüfte
am 14. Juli 2016 [doc. 8]) habe wegen der Darmerkrankung eine Arbeits-
unfähigkeit bestanden; im November 2017 (Anmerkung Gericht: s. Gutach-
ten Ee._) bestünden anamnestisch keinerlei Beschwerden diesbe-
züglich. Vom 14.-21. November 2018 sei eine Hospitalisation erfolgt bei
hochgradiger entzündlicher Stenose im oberen Sigma. Im Januar 2019
werde eine Behandlung mit einem Biologicum vorgeschlagen, die der Pa-
tient abgelehnt habe. Im Gutachten von August 2019 berichte der Patient
von 1-2 Stuhlentleerungen mit imperativem Stuhlgang und Ängsten, die
Toilette nicht rechtzeitig zu erreichen. Eine Therapie erfolge weiterhin nicht.
Anhand der vorhandenen Unterlagen könne wegen der Darmerkrankung
keine längerfristige Arbeitsunfähigkeit nachempfunden werden. Es sei je-
doch zu postulieren, dass eine Toilette in der Nähe sei und diese jederzeit
aufgesucht werden könne. Im Weiteren bestünden verschiedene Be-
schwerden des Bewegungsapparates, deren Ursache teilweise unklar blie-
ben. Es werde der Verdacht auf eine enteropathische Arthritis geäussert.
Dieser könne aber nie belegt werden (mehrfache Szintigraphien hätten nie
entzündliche Anreicherungen gezeigt), eine entsprechende Therapie er-
folge nicht. Eine Arbeitsunfähigkeit für eine körperlich leichte Tätigkeit sei
nicht nachvollziehbar, die Arbeitsunfähigkeiten des letzten Gutachtens be-
ruhten auf rezidivierenden, unvorhersehbaren Krankheitsabsenzen wegen
akuter Schübe der Erkrankung. Auffallend sei aber der langsam stetige Ge-
wichtsverlust des Patienten. Die Ursache sei hier nicht belegt. Aber so
seien nur körperlich leichte Aufgaben möglich. Dr. B._ schloss auf
die bisher bereits festgehaltenen Arbeitsunfähigkeiten seit 22. Mai 2016
und führte dazu aus, infolge Hüftkopfnekrosen und sekundären Coxarthro-
sen bestehe ab 22. Mai 2016 (Anmerkung Gericht: Aufgabe der Teilbe-
schäftigung als Estrichleger) eine Arbeitsunfähigkeit von 70% als Estrich-
leger; diese Tätigkeit werde nie mehr zumutbar sein. Für eine hüftscho-
nende Tätigkeit sei aber keine IV-relevante Arbeitsunfähigkeit nachvoll-
ziehbar. Somit ändere sich die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit nach
nochmaliger detaillierter Gesamtanalyse aller vorliegenden Unterlagen
nicht. Das letzte (orthopädische) Gutachten sei bezüglich seiner Schluss-
folgerung bezüglich Arbeits(un)fähigkeit absolut nicht nachvollziehbar (B-
act. 16 B2).
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4.4.7 In ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 16. Juni 2020 führte Dr.
B._ aus, im Gutachten von Dr. E._ vom 24. Februar 2020
gehe es in erster Linie um die Beurteilung des GdB, was für die Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit in der CH bedeutungslos sei. Zum Morbus Crohn wür-
den ein Gewichtsverlust von 10 kg in vier Jahren, 3-4 Mal täglich breiiger
bis flüssiger Stuhlgang, teils mit Dranginkontinenz (klar für Crohn spre-
chend) und vor allem nächtliche Bauchschmerzen (möglicherweise Crohn-
bedingt) festgehalten. Die detaillierte körperliche Untersuchung (Bewe-
gungsapparat: keine groben Pathologien) zeige keine Hautmanifestationen
eines Morbus Crohn. Es finde sich ein rechts diskret abgeschwächter ASR
(Achillessehnenreflex). Im Darmultraschall fänden sich Wandverdickungen
im Colon transversum und atone (schlaffe) Segmente. Die korrekte Be-
handlung sei dem Patienten mehrfach vorgeschlagen worden, werde von
ihm aber aus Angst vor Nebenwirkungen verweigert. Der Patient nehme
lediglich ein homöopathisches Präparat gegen Traumaschmerzen ein. Es
werde der Befund der Colonoskopie 11/2018 mit nicht passierbarer Ste-
nose genannt. Sie schloss, das vorliegende Gutachten enthalte keine
neuen Aspekte; alles sei bekannt und bereits mehrfach dokumentiert. Eine
Aussage zur Arbeitsfähigkeit werde nicht gemacht. Die beklagten Be-
schwerden und geschilderten Befunde seien bekannt. Es gebe keinen
Grund, die Beurteilung zu ändern (B-act. 24 B2).
4.5
4.5.1 Einleitend ist (mit der Vorinstanz) darauf hinzuweisen, dass die Fest-
legung des Grads der Behinderung in Deutschland nicht mit der Bestim-
mung einer rentenrelevanten Invalidität nach schweizerischem Recht ver-
glichen werden kann (s. Urteil des BGer 9C_818/2013 vom 24. Februar
2014 E. 4.3.1 in fine). Entsprechende Festlegungen sind daher im vorlie-
genden Verfahren nicht zu berücksichtigen. Des Weiteren ist festzuhalten,
dass medizinische Berichte, die nach dem Verfügungszeitpunkt (10. Ja-
nuar 2019) erstellt worden sind und inhaltlich keine Rückschlüsse auf die
medizinische Situation vor diesem Zeitpunkt zulassen, im vorliegenden
Verfahren ebenfalls nicht zu berücksichtigen sind (BGE 130 V 329,
BGE 129 V 1 E. 1.2 mit Hinweisen). Diese zeitliche Einschränkung wird
vorliegend insbesondere bezüglich des Verlaufs der Morbus Crohn-Erkran-
kung (mit zunehmender Aktivität, Stenosierung und schliesslich operativem
Eingriff am 26. Juni 2020) zu beachten sein.
4.5.2 Im Vordergrund der gesundheitlichen Einschränkungen seit Aufgabe
der bisherigen Tätigkeit als Estrichleger im Mai 2016 stehen der im Juli
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2016 diagnostizierte und seither klinisch relevante Morbus Crohn sowie in
rheumatologischer Hinsicht die attestierten Hüftkopfnekrosen beidseits mit
stattgehabter Coxitis bzw. die umstritten diskutierten Auswirkungen der
Darmerkrankung auf verschiedene Gelenke (Wirbelsäule, Hüfte, Knie,
Schultern). Zu ersterer Erkrankung ist festzustellen, dass die Ärztin des
RAD davon ausgeht, der Morbus Crohn habe seit seiner Erstdiagnose im
Jahre 2016 bis zur angefochtenen Verfügung bezüglich der Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit keine wesentlichen Änderungen erfahren (E. 4.4.5-
4.4.7). Dabei übersieht sie, dass im Entlassungsbericht des Qq._-
Krankenhauses in (...) vom 21. November 2018 erstmals eine mit dem
konventionellen Koloskop nicht passierbare, polypoide, entzündliche,
hochgradige Stenose befundet wurde (B-act. 1 B3). Dementsprechend und
zu Recht gingen Dr. Tt._ des Landesamtes Uu._,
Cc._ (Bundesland) und das Landesamt selber von einer Ver-
schlechterung der gesundheitlichen Situation seit 14. November 2018 in-
folge Aktivierung des Morbus Crohns aus (E. 4.3.12). Auch PD Dr.
Vv._ und Dr. Ww._ führen in ihrem Gutachten vom 23. Au-
gust 2019 aus, im Gutachten von Dr. Ee._ vom 22. November 2017
werde eine mögliche Teilzeitbeschäftigung von drei Stunden pro Tag als
Estrichleger attestiert. Seitdem sei eine Verschlechterung der Beschwer-
den hinsichtlich enteropathische Spondylo-/Oligoarthritis mit Affektion der
Kniegelenke, Schultern und Hüftgelenke als auch betreffend Aktivität des
Morbus Crohn mit Einschränkungen der körperlichen Leistungsfähigkeit
und Gewichtsverlust eingetreten (E. 4.3.13). Diese Verschlechterungen
spiegeln sich in den im Beschwerdeverfahren abgegebenen Stellung-
nahme des RAD nicht: War im ersten Bericht von Dr. B._ vom 1.
Juni 2017 noch die Rede von einem Verdacht auf Vorliegens eines Morbus
Crohns (E. 4.4.1), führte sie in ihrer Stellungnahme vom 18. April 2019 in
Bezug auf die stationäre Behandlung vom 14.-21. November 2018 einzig
aus, bezüglich des Morbus Crohn werde schon länger keine Therapie
durchgeführt, ein relevanter Leidensdruck sei nicht vorhanden. Die Beur-
teilung bleibe daher unverändert (E. 4.4.5). Mit Stellungnahme vom 16.
Juni 2020 ergänzte sie nach eingehender Diskussion des Gutachtens von
Dr. E._, das Gutachten enthalte keine neuen Aspekte; alles sei be-
kannt und bereits mehrfach dokumentiert. Eine Aussage zur Arbeitsfähig-
keit werde (darin) nicht gemacht. Die beklagten Beschwerden und geschil-
derten Befunde seien bekannt. Es gebe keinen Grund, die Beurteilung zu
ändern. Entsprechend hielt sie die bereits im Bericht vom 1. Juni 2017 (E.
4.4.1) aufgelisteten Arbeitsfähigkeiten fest. Die medizinische Sachverhalts-
erhebung, wie sie dem angefochtenen Entscheid zugrunde lag, erweist
sich deshalb als unvollständig; zumindest ist sie geeignet, Zweifel an der
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Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Beurteilung zu wecken (E.
3.6.2).
4.5.3 Weiter ist festzustellen, dass sich die deutschen Ärzte nicht einig sind
darüber, ob beim Beschwerdeführer nicht-entzündliche bzw. rein behand-
lungsbedingte (iatrogene) Erkrankungen am Bewegungsapparat vorliegen
oder diese Folgen der chronischen Darmerkrankung und eines damit ver-
bundenen entzündlichen Prozesses mit Auswirkungen auf verschiedene
Gelenke (enteropathische Spondylarthritis, sekundäre Coxarthrose beid-
seits, abgelaufene rheumatischer Coxitis, sekundäre Hüftkopfnekrose, Go-
narthrose beidseits, entzündliche Schultergelenke) sind. Verneinend äus-
serten sich dazu: Dr. U._ in seinem Arztbericht vom 8. August 2016
("Eine zusätzliche HLA-B27-positive Spondylitis ankylosans bestätigte sich
nicht"; doc. 10 S. 7), Dr. Bb._ in seinem Ausführlichen Ärztlichen
Bericht vom 23. März 2017 ("keine Verdachtsdiagnose einer Arthritis, keine
Hinweise auf entzündlichen Prozess"; doc. 52 S. 12 f.), der Hausarzt
R._ in seiner Stellungnahme vom 14. Juli 2017 ("Behandlung der
akuten Entzündungsreaktion mit Corticosteroiden, die im weiteren Verlauf
zu einer Coxitis mit Schmerzen in Ruhe und Belastung beider Hüftgelenke
führte"; doc. 66), Dr. Ee._ in seinem orthopädisch-unfallchirurgi-
schen Gutachten vom 22. November 2017 ("Eine zusätzliche HLA-B27-
positive Spondylitis ankylosans konnte nicht bestätigt werden; gegenwärtig
keine wesentliche Symptomatik. Auch zeitweilig geäusserte Beschwerden
anderer grosser Gelenke können heute nicht bestätigt werden"; doc. 97 S.
43). Bejahend äusserten sich demgegenüber: Dr. Y._ in seinem Be-
richt vom 22. Dezember 2016 ("Verdacht auf ankylosierende Spondylitis
HLA-B27 positiv; doc. 19), Dr. R._ in seinem Bericht vom 16. De-
zember 2017 ("Diagnose: rheumatoide Arthritis", doc. 25 S. 1), Dr.
X._ im Bericht vom 1. Oktober 2018 ("Diagnosen: 1. Dringender
Verdacht auf enteropathische Spondylarthritis"; doc. 152), Prof. Dr.
Mm._ im Bericht vom 26. Oktober 2018 ("Verdacht auf enteropathi-
sche Spondyloarthritis/Oligoarthritis [HLA-B27 negativ] bei Morbus Crohn;
B-act. 10 B1), Prof. Dr. Rr._ und Dr. Ss._ in ihrem Bericht
vom 21. November 2018 ("Diagnose: Morbus Crohn [ED 2016] mit Ver-
dacht auf extraintestinale Manifestationen mit Spondyloarthritis/Oligoarth-
ritis [HLA-B27 negativ]; B-act. 1 B3), Prof. Dr. Rr._ in seinem Nach-
trag vom 2. Januar 2019 ("Wir schliessen uns der Einschätzung von Dr.
Mm._ hinsichtlich des Verdachts auf eine enteropathische Spon-
dylarthritis/ Oligoarthritis [HLA-B27 negativ] vollumfänglich an; B-act. 1 B8),
PD Dr. Vv._ und Dr. Ww._ in ihrem Gutachten vom 23. Au-
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gust 2019 ("Diagnose: Verdacht auf enteropathische Spondylo-/Oligoarth-
ritis [HLA-B27 negativ] bei Morbus Crohn"; B-act. 14 B1 S. 19), Dr.
E._ in seinem Gutachten vom 24. Februar 2020 ("Diagnose: Ver-
dacht auf extraintestinale Manifestation mit beidseitiger Hüftkopfnekrose,
rechts mehr als links, sekundäre Gonarthrose, wiederholter Verdacht auf
enteropathische Spondylo-/Oligoarthritis [HLA-B27 negativ] im Rahmen
der Grunderkrankung; B-act. 22 B 1 S. 11) sowie die Dres. Aaa._
und Ddd._ in ihrem Entlassungsbericht vom 7. September 2020
("Diagnosen: Arthritis bei Crohn-Krankheit [Knie, Schulter, Zustand nach
immobilisierender Coxitis 2016, Rheuma-Serologie und HLA-B27 negativ];
B-act. 30 B2).
Der RAD hielt hierzu in erster Stellungnahme vom 1. Juni 2017 fest, die
gastrointestinalen Diagnosen (Verdacht auf Morbus Crohn und Status nach
Refluxösophagitis) hätten keine längerfristigen Auswirkungen auf die Ar-
beitsfähigkeit. Für die leichten Beschwerden der Wirbelsäule liessen sich
nur geringe muskuläre Verspannungen als Korrelat finden (doc. 61 S. 4).
Mit Stellungnahme vom 18. April 2019 führte Dr. B._ weiter aus, im
Entlassungsbericht vom 21. November 2018 zeige sich als Hauptbefund
eine langstreckige Stenose des Colons infolge entzündlicher Darmerkran-
kung. Die übrigen Abklärungen seien bland oder zeigten bekannte Befunde
(Arthrosen, Hüften). Die Beurteilung bleibe unverändert. Die vorgelegten
Unterlagen begründeten keine Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit
(B-act. 7 B1). Im Rahmen der Duplik führte sie am 23. September 2019
zum Bewegungsapparat schliesslich aus, es bestünden verschiedene Be-
schwerden des Bewegungsapparates, deren Ursache teilweise unklar
bleibe. Es werde der Verdacht auf eine enteropathische Arthritis geäussert.
Dieser könne aber nie belegt werden (mehrfache Szintigraphien zeigten
nie entzündliche Anreicherungen), eine entsprechende Therapie erfolge
nicht. Eine Arbeitsunfähigkeit für eine körperlich leichte Tätigkeit sei nicht
nachvollziehbar. Die Arbeitsunfähigkeit des letzten Gutachtens beruhe auf
rezidivierenden, unvorhersehbaren Krankheitsabsenzen wegen akuter
Schübe der Erkrankung, dafür müsse aber die Erkrankung bewiesen sein,
was hier nicht der Fall sei, und eine entsprechende Therapie erfolglos sein,
was hier ebenfalls klar nicht der Fall sei (B-act. 16 B2). Die sich teilweise
widersprechenden Befunde und (Verdachts-) Diagnosen zum Bewegungs-
apparat wurden damit weder diskutiert noch wurden die Diskrepanzen
schlüssig aufgelöst. Auch erfolgte keine abschliessende bidisziplinäre Be-
urteilung, worum die Vorinstanz mit Zwischenverfügung vom 27. Mai 2020
gebeten wurde (B-act. 23). Der Sachverhalt erweist sich damit auch in die-
ser Hinsicht als ungenügend geklärt.
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4.5.4 Im Weiteren bleibt festzustellen, dass die gutachterlich und auf einer
persönlichen klinischen Prüfung des Beschwerdeführers erstellten Be-
richte von deutlichen Einschränkungen ausgehen, die sich in der Ausübung
einer den Leiden angepassten Tätigkeiten niederschlagen. Zwar hatte Dr.
Bb._ in seinem Ausführlichen Ärztlichen Bericht E 213 vom 23.
März 2017 zuhanden der Dt. Rentenversicherung noch ausgeführt, der Be-
schwerdeführer sei in angepasster Tätigkeit vollzeitlich d.h. noch zu min-
destens sechs Stunden täglich arbeitsfähig (E. 4.3.2). Dr. Ee._ er-
achtete den Beschwerdeführer in seinem (ausschliesslich) fachorthopädi-
schen Gutachten vom 22. November 2017 in der Tätigkeit als Hausmann,
in der die Schwerpunkttätigkeit nicht in extrem körperlich belastender Ar-
beit liege und in der kniende, gebückte bzw. Tätigkeiten mit maximaler Aus-
setzung in Kälte, Nässe bzw. Zugluft vermieden werden könnten, als zu
mehr als sechs Stunden täglich belastbar (Berufsunfähigkeit als Haus-
mann von max. 25%) (E. 4.3.3). Jedoch beurteilte Dr. X._, Ortho-
pädie, (...), den Beschwerdeführer in seinem Bericht vom 11. Oktober 2018
zuhanden des Sozialgerichts Ll._ als arbeitsunfähig, seit Mai 2016
(E. 4.3.6). Der Hausarzt des Beschwerdeführers hielt in seiner Stellung-
nahme vom 18. Oktober 2018 an das Sozialgericht Ll._ fest, er
habe den Beschwerdeführer vom 28. Oktober bis 23. Dezember 2016 ar-
beitsunfähig geschrieben Die erhobenen Befunde hätten sich (zwischen-
zeitlich) nicht gebessert (E. 4.3.8). PD Dr. Vv._ und Dr.
Ww._, Orthopädie & Unfallchirurgie, Zentrum Xx._, (...),
hielten in ihrem Gutachten vom 23. August 2019 schliesslich fest, infolge
Verschlechterung der Beschwerden hinsichtlich enteropathische Spon-
dylo-/Oligoarthritis mit Affektion der Kniegelenke, Schultern und Hüftge-
lenke als auch betreffend Aktivität des Morbus Crohn mit Einschränkungen
der körperlichen Leistungsfähigkeit und Gewichtsverlust, sei die Arbeitsfä-
higkeit zum aktuellen Zeitpunkt auf unter drei Stunden täglich einzustufen
(E. 4.3.13). Damit erscheint die Beurteilung des RAD bezüglich Restar-
beitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit für den vorliegenden relevanten
Zeitraum bis Januar 2019 als nicht schlüssig.
4.5.5 Bleibt darauf hinzuweisen, dass Dr. Oo._ in seinem fachor-
thopädischen Gutachten vom 13. November 2018 ein degeneratives Lum-
bosacralsyndrom mit lumbosacraler Aufbaustörung attestiert und unter an-
derem ausführt, es sei aufgrund dessen, dass die beschriebenen Körper-
beschwerden nicht vollumfängliche durch organmedizinische Befunde er-
klärt werden könnten, eine psychosomatische Komponente im Sinne einer
Somatisierungsstörung im Umfeld der chronisch entzündlichen Darmer-
krankung anzunehmen (B-act. 10 B2 S. 18 f.). Auch anderen Arztberichten
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sind Hinweise auf ein Halswirbelsäulen- und/oder Lumbalsyndrom zu ent-
nehmen (doc. 52, doc. 152, B-act. 1 B19, B-act. 10 B1, B-act. 10 B2, B-act.
14 B1). Diese Befunde lassen eine ergänzende Prüfung der gesundheitli-
chen Einschränkungen mittels Standardindikatoren i.S.v. BGE 141 V 281
als notwendig erscheinen. Eine solche Prüfung ist bisher nicht erfolgt und
deren Notwendigkeit vom ärztlichen Dienst auch nicht diskutiert worden.
4.6 Damit erweist sich die Ermittlung des medizinisch relevanten Sachver-
halts als unvollständig. Zudem besteht zwischen der Beurteilung durch den
medizinischen Dienst der IVSTA bzw. den RAD C._ zum einen und
den behandelnden Ärzten sowie Gutachtern zum anderen Dissens in der
Beurteilung des Krankheitsbildes und der Auswirkung der Erkrankungen
auf die Restarbeitsfähigkeit. Wie in E. 3.6 festgehalten ist, kommt den von
der Vorinstanz nicht im gesetzlich vorgesehenen Verfahren nach Art. 44
ATSG eingeholten Stellungnahmen des RAD und des medizinischen
Dienstes rechtsprechungsgemäss kein erhöhter Beweiswert, sondern
bloss der Beweiswert versicherungsinterner ärztlicher Feststellungen zu
(vgl. BGE 135 V 465 E. 4.4). Insofern genügen bereits geringe Zweifel im
Hinblick auf die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der Feststellungen der
Dres. B._ und D._, um den Beweiswert deren Stellungnah-
men entscheidend zu schmälern. Vorliegend sind die in E. 4.5 festgehalte-
nen Unstimmigkeiten geeignet, Zweifel an der (arbeits-) medizinischen
Sachverhaltserhebung, die der angefochtenen Verfügung zugrunde liegt,
zu wecken. Damit bilden die Stellungnahmen des RAD und des medizini-
schen Dienstes im vorliegenden Verfahren keine rechtsgenügliche Ent-
scheidgrundlage und kann darauf nicht abgestellt werden (vgl. BGE 125 V
351 und E. 3.6.2).
4.7
4.7.1 Damit ist der Gesundheitszustand und die Auswirkungen desselben
auf die Restarbeitsfähigkeit in einer den Leiden angepassten Tätigkeit nicht
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erhoben. Die
Sache ist deshalb zu weiteren Abklärungen und zu neuem Entscheid an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Aufgrund der im Vordergrund stehenden
Leiden ist eine polydisziplinäre Begutachtung in der Schweiz (vgl. für viele:
Urteil des BVGer C-3863/2018 vom 28. November 2018 S. 4 m.w.H.) in
den Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin, Gastroenterologie, Rheu-
matologie und Psychiatrie/Psychotherapie zu veranlassen. Es bleibt der
Gutachterstelle überlassen, bei Bedarf weitere Fachgutachter beizuziehen.
Die Gutachterstelle ist nach dem Zufallsprinzip gemäss Zuweisungssystem
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«SuisseMED@P» zu ermitteln (vgl. dazu BGE 139 V 349 E. 5.2.1 und Art.
72bis Abs. 2 IVV) und dem Beschwerdeführer sind die ihm zustehenden Mit-
wirkungsrechte einzuräumen (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9). Bei der Be-
gutachtung wird zu beachten sein, dass aus Sicht des Bundesverwaltungs-
gerichts während des Verfahrens erwiesenermassen eine Verschlechte-
rung des Gesundheitszustandes eingetreten ist, was eine sorgfältige Er-
mittlung des Verlaufs des Krankheitsbildes und allfälliger revisionsrechtlich
relevanter Zeitabschnitte notwendig machen wird. Die IV-Stelle wird darauf
aufbauend zu prüfen haben, ob für die Beurteilungsperiode ab Mai 2016
bis 10. Januar 2019 eine zum angefochtenen Entscheid abweichende Be-
urteilung zu erfolgen hat und ob sich die (nach heutiger Aktenlage) im No-
vember 2018 und Juni 2020 eingetretenen Veränderungen revisionsrecht-
lich auswirken (vgl. Urteil BGer 9C_262/2019 vom 23. März 2020 E. 4.3 f.).
4.7.2 Eine Rückweisung an die IV-Stelle bleibt auch nach neuerer Recht-
sprechung möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bis-
her vollständig ungeklärten Frage begründet ist, oder wenn lediglich eine
Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführun-
gen erforderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1 ff.). Vorliegend sind im Laufe
des Rentenverfahrens in der Schweiz weder die Interdisziplinarität des
multimorbiden Krankheitsbildes, die Zumutbarkeit von schadensmindern-
den Massnahmen (Behandlung des Morbus Crohn mit Anti-TNF-Therapie,
allfällige operative orthopädische Eingriffe am Bewegungsapparat bei Dar-
merkrankung), noch die bei Schmerzsyndromen erforderliche Standardin-
dikatoren-Prüfung beurteilt worden, weshalb sich eine erstmalige, gesamt-
heitliche Prüfung hierzu aufdrängt. Zudem litte die Rechtsstaatlichkeit der
Versicherungsdurchführung empfindlich und wäre von einem Substanzver-
lust bedroht, wenn die Verwaltung von vornherein darauf bauen könnte,
dass ihre Arbeit in jedem verfügungsweise abgeschlossenen Sozialversi-
cherungsfall auf Beschwerde hin gleichsam gerichtlicher Nachbesserung
unterliegt (BGE 137 V 210 E. 4.2). Vorliegend hat die Vorinstanz zudem
die Anweisung des Bundesverwaltungsgerichts, eine bidisziplinäre Beur-
teilung durch den RAD vornehmen zu lassen, nicht beachtet (vgl. B-act.
23, E. 4.5.3 in fine). Von der Einholung eines Gerichtsgutachtens ist bei
dieser Sachlage abzusehen.
4.8 Bei diesem Ausgang des Verfahrens kann darauf verzichtet werden,
auf weitere Rügen des Beschwerdeführers (genauere Bezeichnung eines
angepassten Arbeitsplatzes) näher einzugehen.
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5.
Damit ist die Beschwerde insoweit gutzuheissen, als der angefochtene Ent-
scheid aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zu weiteren Abklärun-
gen im Sinne der Erwägung 4 und zu neuem Entscheid zurückzuweisen
ist.
6.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt gemäss Art. 63 Abs. 1 und
Abs. 3 VwVG die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei.
Da eine Rückweisung praxisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führen-
den Partei gilt (BGE 132 V 215 E. 6), sind dem Beschwerdeführer keine
Verfahrenskosten aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss ist ihm
nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf ein von ihm zu bezeichnen-
des Konto zurückzuerstatten. Der Vorinstanz sind ebenfalls keine Verfah-
renskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
6.2 Der teilweise obsiegende und anwaltlich vertretene Beschwerdeführer
hat gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 ff. des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) Anspruch auf eine
Parteientschädigung zu Lasten der Vorinstanz. Der Anwalt hat keine Kos-
tennote eingereicht, weshalb das Gericht die Höhe der Parteientschädi-
gung aufgrund der Akten festsetzt (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Vorliegend er-
achtet das Bundesverwaltungsgericht – unter Berücksichtigung des not-
wendigen und aktenkundigen Aufwands, der Bedeutung der Streitsache
und der Schwierigkeit des vorliegend zu beurteilenden Beschwerdeverfah-
rens sowie in Anbetracht der in vergleichbaren Fällen gesprochenen Ent-
schädigung – eine Parteientschädigung von Fr. 2‘800.– (inklusive Ausla-
gen; Mehrwertsteuer ist nicht geschuldet [vgl. Art. 1 Abs. 2 Bst. a i.V.m. Art.
8 Abs. 1 MWSTG {SR 641.20} und Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE]), als ange-
messen.
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