Decision ID: f943d3a2-70f5-5d62-ba33-73df922ae76a
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1958, meldete sich am 1
3.
Februar 2007
unter Hinweis auf
Kopf-, Nacken- und Knie
beschwerden
bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbezug an (Urk. 10/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle,
verneinte
mit Verfügung vom
2
0.
Mai 2009
bei einem
Invali
di
tätsgrad
von
7
%
eine
n
Leistungsanspruch
(Urk.
10/39
).
Die dagegen von der Versicherten am 2
2.
Juni 2009 erhobene Beschwerde (
Urk.
10/40/3-11) wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
im Verfahren IV.2009.00604
mit Urteil vom 1
4.
Februar 2011 ab (
Urk.
10/48).
1.2
Die Versicherte
meldete sich
am
4.
April 2011
erneut
bei der
Invalidenversiche
rung
zum Leistungsbezug an
(
Urk.
10/50). Die IV-Stelle holte in der Folge
unter
anderem bei
der MEDAS
ein
poly
disziplinäres Gutachten ein, das am
1
8.
Dezember 2012
erstattet wurde (Urk.
10/72
). Nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(
Urk.
10/80,
Urk.
10/92
)
verneinte
sie
mit Verfügung vom
1
8.
Novem
ber 2013
einen
Leistungsa
nspruch der Versicherten (Urk. 10/97
= Urk. 2
).
2.
Die Versicherte erhob am
4.
Dezember 2013
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
1
8.
November
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
die medizinische Situation erneut zu beurteilen
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
3.
Februar 2014
(
Urk.
9
)
die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
1
3.
Febru
ar 2014
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
11
).
Am 2
7.
Februar 2014 reichte die Versicherte eine weitere Stellungnahme ein
(
Urk.
12), welche der
Beschwer
degegnerin
am
4.
März 2014 zur Kenntnisnahme zugestellt wurde (
Urk.
14).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über den All
ge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung
des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.
2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hin
weisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. Augus
t 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszu
stan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheent
scheid, welche oder welcher auf einer mate
riellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsab
klä
rung
, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
be
messung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.3
Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29
des
Bundesgesetz
es
über die In
va
li
den
versicherung (IVG) frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Gel
tend
machung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühes
tens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (Abs. 1). Der An
spruch entsteht nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach Art. 2
2 IVG beanspruchen kann (Abs. 2).
Die Rente wird vom Beginn des Mo
nats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Abs. 3).
Beträgt der
Invali
di
tätsgrad
weniger als 50 %, so werden die entsprechenden Renten nur an Ver
si
cherte ausbezahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt
(Art. 13
ATSG) in der Schweiz haben. Diese Voraussetzung ist auch von Ange
hörigen zu erfüllen, für die eine Leistung beansprucht wird (Abs. 4)
.
1.
4
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprä
gung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere mit gewisser Intensität
und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche
Begleiterkrankun
gen
;
ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder pro
gredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein ausgewiese
ner sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeu
tisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich miss
glückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krank
heitsgewinn
; „Flucht in die Krankheit"); ein
unbefriedigendes
Behandlungser
gebnis
trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Be
handlung (auch
mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und geschei
terte
Rehabilita
tions
massnahmen
bei vorhandener Motivation und
Eigenan
strengung
(kooperative Haltung) der versicherten Person. Je mehr dieser Krite
rien zutreffen und je aus
geprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind
–
aus
nahms
weise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf die medizinischen Abklärungen, insbesondere das Gutachten
der MEDAS
vom
1
8.
Dezember 2012
(
Urk.
10/72
), davon aus, dass die Be
schwer
deführerin
ihre bisherige Tätigkeit nicht mehr
ausüb
en könne. Eine angepasste Tätigkeit se
i ihr jedoch zu 100
%
zumutbar.
Es sei keine Verschlechterung ein
getreten.
2.2
Die Beschwerdeführerin
bestritt beschwerdeweise (
Urk.
1) die von der
Beschwer
degegnerin
angenommene
volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
und machte geltend,
sie sei voll arbeitsunfähig
,
und den Ausführungen im Gutachten könne nicht gefolgt und zugestimmt werden. Die Diagnose
einer
de
pressiven Verstimmung könne sehr wohl gestellt werden
.
Dies festzustellen könne diagnostisch Schwierigkeiten bereiten, d
a die Gutachter die Beschwerde
füh
rerin nur kurz
ge
sehe
n
hätten
und
sie
unter schwerer medikamentöser Psy
chotherapie stehe
(S. 2 Punkt 1)
.
Alleine schon die
Intensivierung
und häufige Än
derung der medikamentösen Therapie zeige eine Zustandsverschlechterung.
Eine medizinisch nachvollziehbare Zustandsverschlechterung spiegle sich objek
tiv
auch
in den einzelnen schlechter werdenden MRI-Befunden wieder.
Ein ne
ga
ti
ves Leistungsprofil ergebe sich sehr wohl aus objektivierbaren Befunden (S. 2).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit,
ob und allenfalls
in welchem Ausmass sich der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
seit der Verfügung vom 2
0.
Mai 2009
verändert haben.
3.
3.1
Im
interdisziplinäre
n
Gutachten des
Zentrums Z._
vom
2.
Mai 2008
(
Urk.
10/22)
stellten
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Innere Medizin, Chefarzt,
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für
p
hysikalische Me
dizin und Rehabilitation, Stellvertretende Chefärztin
und
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, Gutachter, folgende Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 30
Ziff.
6.1):
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Ärzte (S. 30 f.
Ziff.
6.2):
chronisches Schmerzsyndrom des rechten mehr als des linken Kniege
lenks
chronisches
cervikocephales
und
cervikospondylogenes
Schmerzsyn
drom
Verdacht auf Panikstörung
metabolisches Syndrom
Die Beschwerdeführerin
klage
über andauernde, pulsierende Nackensch
m
erzen mit Ausbreitung in den Schultergürtel beidseits sowie in den Hinterkopf. Dane
ben habe sie ausgeprägte Knieschmerzen beidseits rechtsbetont beschrieben, die ausdauernd, teils stechend, teils dumpf seien und in den rechten Unterschenkel bis in die rechte
Fusssohle
ausstrahlen würden. Zudem mache sie sich Sorgen um ihre und die Gesundheit ihres psychisch kranken Sohnes; ferner leide sie an einer ausgeprägte Müdigkeit, Energie- und Freudlosigkeit, einer soziale Isolation und diffuse
n Ängsten (S. 33 f.
Ziff.
7.3).
Anlässlich der internistischen Untersuchung habe sich eine übergewichtige und kardiopulmonal kompensierte Beschwerdeführerin in einem guten
Allgemein
zustand
gezeigt. Der internistische Status sei bis auf eine arterielle Hypertonie unauffällig. Aus internistischer Sicht lasse sich aktuell keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit rechtfertigen (S. 34 oben
Ziff.
7.3).
Bei der rheumatologischen Untersuchung des rechten Kniegelenks habe eine erheb
liche Selbstlimitation und Inkonsistenz imponiert. So seien die demons
trierten Beschwerden und die teilweise massive Bewegungsverminderung im Bereich des rechten Kniegelenks im demonstrierten
Ausmass
nicht plausibel. Im Bereich der rechten unteren Extremität habe die Beschwerdeführerin über sehr starke, topographisch weit ausgeprägte Ruheschmerzen geklagt; das
Schmerz
muster
sei undifferenziert, teilweise seien die Beschwerden ohne Bewegung be
ziehungsweise Aktivität angegeben worden. In diesem Bereich habe sie über
vorsichtige Bewegungen, eine starke, abnorme Haltung, eine häufige
Schmerz
mimik
und verbale
Schmerzäusserungen
demonstriert. Zudem sei es zu über
triebenen Abwehrbewegungen bei der klinischen Untersuchung gekommen. Bildgebend würden sich abgesehen von einer
initialen
Femoropatellararthrose
und einer
initialen
medialen
Gonarthrose
rechts keine wesentlichen, über das altersentsprechende
Mass
hinausgehende degenerative Veränderungen zeigen (S. 34 unten
Ziff.
7.3). Insbesondere fänden sich auch keine Hinweise für ent
zündliche beziehungsweise destruktive Prozesse (S. 34 f.
Ziff.
7.3). Aus rheu
matologischer Sicht lasse sich zusammengefasst kein die Arbeitsfähigkeit limi
tierender Gesundheitsschaden formulieren. Sowohl in der angestammten als auch
in einer angepassten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
ar
beitsfähig (S. 35 oben
Ziff.
7.3).
Im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung habe sich eine meist weinende Beschwerdeführerin gezeigt. Es liege eine depressive Grundstimmung vor. Die Beschwerdeschilderungen hätten einen
appel
l
ativen
Charakter und seien teil
weise dramatisierend. Es werde eine Tendenz zur Aggravation deutlich. Ein
Lei
densdruck
sei dabei nur stellenweise spürbar, die Beschwerdeführerin wirke bei de
r Beschwerdeschilderung nicht durchwegs authentisch. Die Kriterien zur Di
agnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung seien bei der Be
schwer
deführerin erfüllt. Es
zeigten
sich Hinweise auf relevante innerseelische
Kon
flikte und psychosoziale Belastungsfaktoren (Erkrankung des Sohnes, Ar
beits
losigkeit des Ehemannes, fehlendes Einkommen der Beschwerdeführerin) und
Auffälligkeiten beim emotionalen Erleben, respektive bei der affektiven
Schwing
ungsfähigkeit
. Unter Einbezug der F
oe
rster-Kriterien lasse sich zwar keine auf
fällige prämorbide Persönlichkeitsstruktur beziehungsweise -
entwick
lung
oder eine schwere psychiatrische
Komorbidität
eruieren; es seien lediglich Hinweise auf eine Panikstörung mit episodisch auftretenden Angstattacken (etwa zweimal die Woche) vorhanden (S. 35 Mitte
Ziff.
7.3). Ferner sei ein Ver
lust der sozialen Integration (sozialer Rückzug, Verlust persönlicher Interessen)
zu erkennen
. Bis
her seien noch nicht alle denkbaren Behandlungsoptionen aus
geschöpft. Zum Beispiel wäre eine stationär-psychiatrische Behandlung mög
lich. Es
lägen
aber sicher unbefriedigende
Behandlungsmassnahmen
trotz kon
sequenter
Rehabili
tationsmassnahmen
und Therapien
vor
. Die F
oe
rster-Kriterien würden von der Beschwerdeführerin weitgehend erfüllt. Demzufolge sei sie aus psychiatrischer Sicht sowohl in der angestammten Tätigkeit als Reinigungskraft als auch in einer angepassten Tätigkeit zu 30
%
arbeitsunfähig (S. 35 unten
Ziff.
7.3). Im Haushalt lasse sich aktuell keine Einschränkung der Arbeitsfähig
keit recht
fer
ti
gen (S. 38
Ziff.
8.5).
3.2
Gestützt auf dieses Gutachten verneinte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 20. Mai 2009 in Anwendung der gemischten Methode einen
Leistungs
an
spruch
der Beschwerdeführerin, was das hiesige Gericht mit Urteil vom 14. Febru
ar 2011 bestätigte.
4.
4.1
Dr.
med.
E._
,
Facharzt für Rheumatologie, Oberarzt,
Spital F._
, nannte in seinem Bericht vom
1
6.
Juni 2011
(
Urk.
10/52/5-8)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1)
:
Complex
regional
pain
syndrome
(
CRPS
)
l nach MI-Osteotomie nach Krämer
August
2009 bei
Hallux
valgus
-D
eformität (
fecit
Dr.
Y._
)
symptomatische
Gonarthrose
und
Femoropatellararthrose
beidseits
rechts
betont
Status nach
arthroskopischer
Innen- und
Aussenteilmeniskektomie
beidseits und
bikale
Sektion am 1
4.
April
2005 rechts
Status nach
Re-Arthros
k
opie mit Nachresektion im medialen
Menis
kushinterho
rn
bereich
Knie rechts am 0
8.
September 20
05
c
hronisches
cervikospondylogenes
Syndrom der unteren
Halswirbelsäule (HWS)
beidseits
Chondrose
und
Diskusprot
rusion
C5/6 ohne Kontakt zur
Nerv
enwur
zel
(MRI HWS vom 1
7.
Februar 20
09)
K
opf
protraktion
, Hyperkyphose am
cervikot
horakalen
Übergang
c
hronisches
lumbospondylogenes
Syndrom bei degenerativen Verände
run
gen lumbal rechtsbetont
thorakal linkskonvexe Skoliose
myofasziales
Syndrom
Periarthropathia
humeroscapularis
(
PHS
)
tendopathica
rechts bei
Im
ping
e
mentsymptomatik
Verdacht auf
Partialruptur M.
supraspinatus
, AC-Gelenksarthrose (
Arthro
-MR
I
Schulter rechts vom 1
9.
Februar
2009
)
Status nach
Infiltration des AC-Gelenkes und der B
ur
sa
subacromialis
rechts
letztmals
am 1
7.
Mai
2011
a
nhaltende
somatoforme
Schmerzstörung und
Verdacht auf
Panikstö
rung
behandelte reaktive Depression
Als Diagnose ohne Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit nannte
e
r
(S. 1 un
ten)
:
metabolisches Syndrom
Diabetes mellitus Typ 2 unter OAD, art
erielle
Hypertonie, Adipositas
Er führte aus
, dass die Beschwerdeführerin durch die multiplen chronischen Schmerzen sowohl beim Gehen als auch beim Bücken und Anheben von Ge
genständen über Schulterhöhe eingeschränkt sei
(
Ziff.
1.7)
. In der zuletzt aus
geführten Tätigkeit als Reinigungsfachfrau bestehe seit dem Sturz im Jahr 2006 eine volle Arbeitsunfähigkeit
(
Ziff.
1.6)
. Grundsätzlich sei eine leichte
vorwie
gend sitzende
Tätigkeit mit Möglichkeit zum Positionswechsel zu
mindest teil
weise möglich (Arbeitsfähigkeit zirka 50
%
). Aufgrund der bereits lang andau
ernden Arbeitsunfähigkeit mit multiplen Beschwerdelokalisationen sowie einer
anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung sei die Arbeitsfähigkeit bezieh
ungs
weise das Belastungsprofil nur im Rahmen eines Gutachtens detail
liert
beurteil
bar
(S.
4
Ziff.
1.9)
.
4.2
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in s
einem Bericht vom 2
5.
Mai 2012
(
Urk.
10/66/6-7) aus, er behandle die Be
schwer
deführerin seit November 2003 (
Ziff.
1.2)
,
und nannte
folgende Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Ziff.
1.1)
:
c
hronisches Schmerzsyndrom mit symptomatischen und psychischen Fak
toren
chronisches
cerviko
spondylogenes
Syndrom,
Status nach
Distorsions
trauma
nach Treppensturz
Pa
nvertebralsyndrom
c
hronisches
lumbospondylogenes
Syndrom bei degenerativen Verän
de
run
gen der Wirbelsäule und leichter Skoliose
PHS
tendopathica
rechts, mit
Impingementsyndrom
s
ymptomatische
Gonarthrosen
beidseits
m
etabolisches Syndrom, Diabetes mellitus unter oralen Antidiabetika
Hypertonie
Ad
i
positas
Somatisierungstendenz
und Panikstörung,
Verdacht auf
reaktive Depres
sion
Dr.
G._
führte aus, dass d
ie Beschwerdeführerin seit März 2006 zu 100
% arbeitsunfähig
sei
(
Ziff.
1.6).
Bei Belastung
bestünden
starke Schmerzen im Bereich des gesamten Bewe
gungsapparates
, die Beschwerdeführerin sei psy
chisch ebenfalls massiv eingeschränkt.
Dr.
G._
erachtete die bishe
rige Tätigkeit als nicht mehr zumutbar (
Ziff.
1.7).
4.3
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Psy
chiatriezentrum
I._
,
führte in ihrem Bericht
vom
1.
Februar 2012
(
Urk.
10/91/3-4)
aus, sie behandle die Beschwerdeführerin seit August 2006
,
und
nannte
als
psychiatrische Diagnosen
(S. 1) eine
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) sowie
eine
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund des somatischen Gesundheitszustands, des bisherigen Behandlungsverlaufs im am
bulanten Rahmen sowie der
chronifizierten
psychiatrischen Erkrankung aktuell, mittel- und auch langfristig zu 100
%
arbeitsunfähig. Der psychische Zustand habe sich zusehends verschlechtert, sie sei nicht
ein
mal mehr in der Lage
,
die an
fallenden Arbeiten im Haushalt zu erledigen und sei auf die Unterstützung des Ehemannes angewiesen (S. 2).
Behandlungen
fänden alle 4 bis 6 Wochen statt.
4.4
Im Gutachten der MEDAS
vom 1
8.
Dezember 2012 (
Urk.
10/72
/1-70
)
stellten
Dr.
med. Dipl.-Psych.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Neurologie,
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Rheumatologie und für Allgemeine Innere Medizin,
und
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, fol
gen
de Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 49
oben
)
:
-
m
ultilokul
ä
res
Schmerzsyndrom
Gonarthrose
beidseits
Status nach
arthroskopischer
Teilmeniskektomie
medial und
l
ateral und
Plica
Resektion Knie rechts
April 20
05
Status nach
Rearthroskopie
mit Nachresektion medialer Meniskus rechtes Knie
September 20
05
Status nach Kontusion Knie beidseits
März 20
06
(
Status
n
ach
arthroskopischer
medialer
Teilmeniskektomie
links 2
3.
Januar
2012
)
p
anvertebrale
s
Schmerzsyndrom,
ce
rvikal
und lumbal betont bei
Wirbelsäulenfehlform/Wirbelsäulenfehlhaltung (linkskonvexe
Torsi
ons
skoliose
lumbal, muskuläre
Dysbalance
)
degenerativen Veränderunge
n (
Chondrose
mit
Protrusion
C5/
6, Spon
dylose LWS rec
htsseitig betont, vor allem L3/
4
magnetresonanztomo
graphisch
1.
Juni 20
12 exze
ntrische Diskushernie L3/
4 rechts
)
PHS
tendopathica
/
Impingementsymptomatik
re
chtsbetont beide Schul
tern mit/
bei
AC
-
Arthrose rechts, degenerativen Veränderungen
Rotatorenman
schet
t
e
rechts
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit nannten die Ärzte folgende
Diagnosen (S. 49
unten
):
Opiatabhängigkeit
s
syndrom (ICD-
10 F12.25)
Benzodiazepin-
Niedrigdosisabhängigkeit (ICD-
10 F13.80
)
c
hronische Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Faktoren (ICD-
10 F45.41)
Diabetes mellitus, Typ 2
Status nach
Commotio cerebri
März
2006
Status nach
M
1-
Osteotomie wegen
Hallux
valgus
2
0.
August
2009 mit postoperativem M
orbus
Sudeck
S
eitens der Fachgebiete
Allgemeine Innere
Medizin, Neurologie, Neuropsycholo
gie und Psychiatri
e
könne
keine Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit
gestellt
w
erden
(S. 49
M
itte
)
.
Bei zum Teil kooperationsbedingt eingeschränkter Prüfbarkeit seien
aus rheu
matologisch-internistischer Sicht
keine
radikulären
Reizphänomene
oder
moto
rische
n
Ausfallerscheinungen festgestellt worden.
Die angegebenen sensiblen Störungen hätten topographisch-anatomisch keiner neuralen Struktur zugeord
net werden können. Bei
einem
Status nach
Hallux
valgus
Operation links be
stünde zurzeit klinisch kein Hinweis für eine
Algodyst
rophie
. Die
Fibromyalgie
-Punkte wie auch
die Kontrollpunkte seien allesamt positiv gewesen.
Vorder
gründig scheine es sich um ein
multilokuläres
Schmerzsyndrom zu handeln (S. 61
unten).
Eine panvertebrale Schmerzproblematik, apikal und basal betont
,
ver
stärke diese Problematik durch etwas über das Alter hinausgehende degene
ra
tive Veränderungen vor allem lumbal. Die Schmerzhaftigkeit
sei
jedoch nicht allein
durch die
morphologischen und degenerativen Veränderungen, auch
jene
der Kniegelenke,
erklärbar
(S. 62 oben).
Die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychi
schen Faktoren (ICD-10 F45.41)
bleibe
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit
. Aus psychiatrischer Sicht könne von einer Überwindbarkeit der
Schmerz
symp
t
omatik
ausgegangen werden. Der Beschwerdeführerin gelänge es bei aus
rei
chen
der Willensanstrengung
,
die Schmerzen zu überwinden und län
gere ziel
gerich
tete Aktivitäten durchzuführen, wie beispielsweise die von ihr beschrie
benen Spaziergänge, Besuche im Altersheim sowie Ferienreise
n
nach Mazedo
nien. Die therapeutischen Möglichkeiten seien nicht ausgeschöpft.
V
on einer Intensivie
rung und insbesondere adäquaten Durchführung der psychiatri
schen Therapie
könne
eine Verbesserung der Schmerzsymptomatik erwartet werden
(S. 54 unten)
.
Im Rahmen der gutachterlichen Untersuchung seien die Symptome einer de
pressiven Störung
nicht erfüllt
gewesen. Insbesondere eine anhaltende depres
sive Beeinträchtigung, eine erhebliche Einschränkung des Antriebes sowie eine Beeinträchtigung der kognitiven Störungen könne nicht bestätigt werden. Unter Berücksichtigung der fehlenden Motivation der Beschwerdeführerin
,
bei den
Test
untersuchungen
und neuropsychologischen Abklärungen mitzuwirken, be
stehe eine klare Tendenz
zur
Aggravation.
Auch ein erheblicher Leidensdruck könne nicht im nachvollziehbaren Ausmass objektiviert werden. Trotz des sub
jektiv beschriebenen Leidensdrucks zeige
die Explorandin
keine Motivation
für die Intensivierung einer Behandlung. Eine depressive Verstimmung könne nicht ausgeschlossen werden, ein eigenständiger Krankheitswert könne dieser jedoch nicht beigemessen werden
(S. 53)
.
Es seien keine psychiatrischen Störungen festgestellt worden, die eine dauernde Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit be
gründen würden (S. 64
Ziff.
2).
I
m
psyc
h
iatrisch
en
Teilgutachten (
Urk.
10/72/71-120)
w
u
rd
e
zudem
festge
hal
ten
,
dass die Explorandin über Einkäufe und Spaziergänge, tägliche Besuche im Al
tersheim
(S.
33 oben)
, jährliche Ferienfah
rten nach Mazedonien, jährliche
Be
such
e
des Bruders in Bern
sowie tä
gliche Telefonate mit der Schwe
ster und den Schwiegertöchtern berichtete
(
S.
34 unten)
.
Im Zusammenhang mit der chroni
schen Schmerzstörung
führte
der Gutachter
zudem aus
, dass
bei der Beschwer
de
führerin
emotionale Konflikte im Zusammenhang mit der nicht gelösten Trauer
arbeit
nach dem Tod der Mutter und des
psychischen Gesundheitszustan
des des
Sohne
s
bestünden
, über welche sie eine Kommunikation verwei
gere. Gemäss Be
ur
teilung des Gutachters seien keine Anhaltspunkte ersichtlich, weshalb diese
Kon
flikte therapeutisch nicht mehr
angehbar
sein sollen
(S. 38 Mitte, S. 44 oben
)
.
Die bisherigen Behandlungsergebnisse seien nicht unbefrie
digend, sondern nicht adäquat. Alternative Behandlungskonzepte seien trotz sechsjähriger psychia
trischer Behandlung
ohne Besserung
nicht versucht wor
den. Die
niedrigfre
quen
tierte
Gesprächsbehandlung führe hauptsächlich eine
Psychiatrie
-
Pflegefach
frau
durch (S.
44 Mitte).
Von
einer Intensivierung und insbesondere adäquaten Durchführung einer psychiatrischen Therapie
könne
eine Verbesserung der Schmerzsymptomatologie erwartet werden (S. 44 unten).
In der neuropsychologischen Untersuchung
hab
e die Beschwerdeführerin eine ungenügende Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft
gezeigt
und in allen Symptomvalidierungsaufgaben auffällige Ergebnisse
erreicht
.
Sie habe in allen geprüf
ten kognitiven Leistungsbereichen unter der Norm liegende Resultate erzielt. Die meisten Ergebnisse seien weit unter den zu erwartenden Werten und weitestge
hend nicht plausibel oder inkonsistent gewesen. Selbst einfache Auf
gaben, wel
che von schwer dementen Patienten korrekt gelöst werden könn
t
en, seien ihr nicht gelungen. Die Gutachter hielten dazu zusammenfassend fest, dass die festgestellten Leistungen in keiner Art und Weise mit einer vor sechs
Jahren er
littenen leichten traumatischen Hirnverletzung vereinbar seien
(S. 56 f.)
.
Eine objektivierbare hirnorganische Funktionsstörung liege nicht vor (S.
64
Ziff.
2).
Aus neurologischer Sicht
lasse sich die den ganzen Körper betreffende Schmerzsymptomatik keinem
neurologischen Krankheitsbild
zuordnen. Die an
gegebenen Sensibilitätsminderungen beziehungsweise –
a
us
fälle seien organisch nicht erklärbar. Die Arbeitsfähigkeit sei aus neurologischer Sicht nicht einge
schränkt
(S. 58)
.
Die bisherige Tätigkeit sei aus interdisziplinärer Sicht nicht mehr zumutbar. Zu
mutbar seien körperlich leichte, wechselbelastende, jedoch vorwiegend sitzend auszuführende Arbeiten
mit Gewichtsbelastung bis 7.5 kg
bei ausgeglichenem Raumklima
in einem zeitlichen Rahmen von 8.5 Stunden an 5 Tagen der Woche ohne dabei
verminderte
r
Leistungsfähigkeit. Ausgeschlossen seien Tätigkeiten mit
Positionsmonotonien
, Zwangshaltungen
sowie
repetitive Überkopfarbeiten
.
Aus versicherungspsychiatrischer, internistischer und neurologischer Sicht er
gebe sich kein zu begründendes besonderes Tätigkeitsprofil (S. 63 oben).
4.5
In seinem Bericht vom 1
9.
April 2013 (
Urk.
10/88) nannte
Dr.
G._
(vor
stehend E.
4
.
2
)
folgende Diagnosen:
c
hronisches Schmerzsyndrom mit somatischen und psychischen Fakto
ren
c
hronisches
Panvertebral
syndrom
, insbesondere
c
ervikospondylogenes
Syndrom und
l
umbospondylogenes
Syndrom bei degenerativen Verän
derungen der Wirbelsäule
Polyarthrose, insbeso
ndere
Gonarthrose
und Retropate
l
l
ararthrose beid
seits
m
etabolisches Syndrom mit Diabetes mellitus,
a
rterieller Hypertonie und Adipositas
r
eaktive Depression und Panikstörung
Dazu führte er aus, bei der Beschwerdeführerin bestehe ein sehr komplexes
Be
schwerdebild
. Schmerzen seitens des Bewegungsapparates
stünden
im Vorder
grund. Ausser der Adipositas seien die übrigen Beschwerden beherrschbar.
Es
bestehe eine sehr schwierige fami
liäre Situation
,
und
er
erachte
sie
als sicher nicht mehr arbeitsfähig (S. 1).
4.6
Dr.
H._
,
Psychiatriezentrum
I._
(vorstehend
E.
4
.
3
)
,
berichtete am 2
3.
April 2013
(
Urk.
3/7)
von einer
schwergradigen
depressiven Episode (ICD-10 F32.2)
. Im Übrigen entspricht der Bericht demjenigen vom
1.
Februar 2012
.
4.7
Die MEDAS-Gutachter nahmen z
u den nach Erstellung des Gutachten
s
einge
gangenen medizinischen Unterlagen mit Bericht vom 3
0.
Juli 2013
Stellung
(Urk. 10/95)
.
In psychiatrischer Hinsicht führten die Gutachter aus, dass mit dem gleichen
Befundstatus eine Zustandsverschlechterung begründet werde, ohne die Krite
rien
des ICD-10 zu berücksichtigen. Aus gutachterlicher und medizinischer Sicht
könne nicht nachvollzogen werden, dass die behandelnden Ärzte seit 2009 gleich
lautende Informationen zitierten und kopierten und auf dieser Basis eine depressive Störung diagnostiziert und wiederholt eine
Zustandsver
schlechterung
begründet hätten, obwohl diese im psychopathologischen Befund nicht beschrie
ben werde (S. 4 unten). Im MEDAS-Gutachten werde in Ausei
nandersetzung mit den vorhandenen medizinischen Akten ausführlich darge
legt, dass die Diagnose einer depressiven Stör
ung nicht gestellt werden könne.
Eine genaue Überprü
fung der kognitiven Funktionen habe nicht stattgefunden und die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin, dass
Ge
dächtnisleistungen
und
Konzentra
tions
- und Merkfähigkeitsleistungen vermin
dert seien, würden als objektive Befunde erwähnt. Es werde auf der Basis der subjektiven Angaben ein negatives Leistungsprofil erstellt, ohne dies mit objek
tivierbaren Befunden zu begründen. Auch eine Auseinandersetzung mit der vorliegenden Such
t
problematik sowie deren Folgen auf die Psyche w
ü
rde
n
nicht berücksichtigt.
Schliesslich soll
t
en die sozialen Belastungsfaktoren als
invalidi
tätsfremde
Faktoren bei der Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit ausser Acht gelas
sen werden (S. 3 unten).
Im Übrigen würden
auch die somatischen Diagnosen
im eingegangenen Bericht
von Dr.
G._
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begrün
d
en (S. 5 unten).
Unter Berücksichtigung der gesamten medizinischen Akten sei es seit Begutachtung zu keiner Zustandsverschlechterung gekommen (S. 6).
4.8
Am 24. Januar 2013 erfolgte eine CT-gesteuerte Infiltration L3/4 (Urk. 3/6).
Am 26. November 2013 berichteten die Ärzte der
Klinik
für Rheumatologie,
Spital F._
,
über eine lumbal unveränderte Beschwerdesymptomatik (Urk. 3/9 S.
1 unten).
Dr.
G._
(vorstehend E.
4
.
2
) führte am 9. Dezember 2013 aus, er be
stä
tige, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in den letzten zwei bis drei Jahren deutlich verschlechtert habe. Unter anderem bestehe ein deutlicher Erschöpfungszustand; seines Erachtens handle es sich um eine psy
chosoziale Überlastungssituation, insbesondere familiär (Urk. 3/10).
Dr.
H._
verwies mit dem beschwerdeweise eingereichten Bericht vom 18. Dezember 2013 (Urk. 7/2) auf die Feststellungen in ihrem Bericht vom 1. Febru
ar 2012 und ging weiterhin von einer vollen Arbeitsunfähigkeit der Beschwer
deführerin aus.
4.9
Weitere mit der Beschwerde eingereichte Berichte betreffen die Bildgebung der
HWS im Oktober 2008 und Februar 2009 und der Lendenwirbelsäule im Novem
ber 2011 (Urk. 3/1), eine hämatologische Abklärung im Dezember 2011 (Urk. 3/2),
die im Januar 2012 erfolgte (im MEDAS-Gutachten bei den Diagnosen aufge
führte) Kniearthroskopie (Urk. 3/3), Bildgebung der Lendenwirbelsäule im Juni 2012 (Urk. 3/4) und im Januar 2013 (Urk. 3/5) und eine erstmals im Mai 2013 erfolgte
chiropraktorische
Behandlung (Urk. 3/8).
5
.
5
.1
Strittig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundhe
itszustand der Beschwerdeführe
rin im relevanten Zeitraum (vgl. E. 2.3)
in einer für den Anspruch
erheblichen
Weise verschlechtert hat.
Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin in der ange
stammten Tätigkeit als Unterhaltsreinigerin inzwischen vollständig
a
rbeits
un
fähig ist. Dies erscheint mit Blick auf die medizinische Aktenlage auch ohne weiteres nachvollziehbar.
Während die Beschwerdegegnerin
ferner
davon ausging, dass in einer ange
passten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe, macht die Beschwer
de
führerin geltend, sie sei auch in einer angepassten Tätigkeit vollständig arbeits
unfähig.
Für die Bea
ntwortung der Frage, ob eine Verschlechterung des Gesund
he
itszu
stand
s
der Beschwerdeführerin
in einer für den Anspruch
erheblichen
Weise eingetreten ist, kann auf das polydisziplinäre Gutachten der MEDAS
abgestellt werden (vgl. E.
4.4
).
Das MEDAS-
Gutachten entspricht den erforderli
chen Kriterien an den Beweiswert einer Expertise (vgl. E
.
1.
5
). Die Beschwerde
führerin wurde ihren geltend gemachten Beschwerden entsprechend umfassend
ab
geklärt, das
MEDAS-
Gutachten beruht auf internistisch/rheu
ma
tologischen, psychiatrischen, neuropsychologischen und neurologischen Unter
suchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden und wurde in Kenntnis de
r
Vorakten
abgegeben. Sodann sind die Darlegungen der medizinischen Zusam
menhänge und die Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend und die Schluss
folgerungen in der Expertise begründet.
Die
Gutachter
der MEDAS
kamen in ihrer Gesamtbeurteilung zum nachvollziehbaren Schluss, dass eine
körperlich leichte, wechselbelastende, jedoch vorwiegen
d sitzend auszuführende Arbeit
mit Gewichtsbelastung bis 7.5 kg
bei ausgeglichenem Raumklima
seit Juli 2011
vollschichtig zumutbar sei.
5.2
Der Beschwerdeführerin ist insoweit zuzustimmen, als das strittige
MEDAS-
Gut
achten wie jedes Administrativgutachten im Sozialversicherungsverfahren auf einer Mom
entaufnahme beruht, während die behandelnden
Ärzte auf eine Langzeitbeobachtung zurückgreifen können. Es ist jedoch Wesensmerkmal einer jeden Begutachtung, dass sie nicht auf einem derart langen
Beobachtungszeit
raum
beruhen kann wie die Berichte behandelnder Ärzte, ohne dass dies allein ihrem Beweiswert abträglich wäre (
Urteil des
Bundesgerichts 9C_866/2012 vom 2
1.
November 2012 E. 3.2.1). Vielmehr verschaffen die mitunter schwierige Ab
grenzung von invaliditätsfremden Faktoren sowie die auf die IV-spezifischen Tatfragen zugeschnittenen Schlussfolgerungen dem
poly
disziplinären Gutachten einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Berichten der behandelnden Ärzte, welche aus therapeutischen Zusammenhängen
heraus
erstattet wurden (vgl. da
zu BGE 137 V 210 E. 1.2.4 mit Hinweisen).
5.3
Hinsichtlich der Dauer der psychiatrischen Untersuchung
(vgl. Urk.
1 S.
2 unten)
ist festzuhalten, dass es für den Aussagegehalt einer ärztlichen Stellung
nahme
rechtsprechungsge
mäss
nicht auf die Dauer der Untersuchung ankommt.
Massgeblich
ist vielmehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (
Urteil des Bundesgerichts
9C_252/2012 vom
7.
September 2012 E.
8.2).
Da die Beschwer
deführerin laut Angabe des Gutachters
die auf Deutsch gestellten Fragen in den meisten Fällen ohne nachfolgende Übersetzung direkt auf Albanisch dem Dol
metscher
be
antwortete und dies auf eine ausreichend gute Konzentrationsfähig
keit
schliessen
l
ie
ss
(
Urk.
10/72/108 f.),
besteht kein Grund zur Annahme, dass die psychiatrische Anamnese nur unvollständig er
hoben werden konnte. Weiter setzte sich
der psychiatrische Gutachter
eingeh
end mit den Beurteilungen der behandelnden Ärzte auseinander. Insgesamt liegen daher keine konkreten Hin
weise dafür vor, dass sich die
Untersu
chungs
dauer
negativ auf die Qualität des psychiatrischen Teilgutachtens ausgewirkt hätte.
Konkrete Hinweise, die unter diesem Aspekt gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens sprechen, werden
von der
Beschwerdeführer
in
nicht
genannt
.
Sie
unterliess
es aufzuzeigen, inwiefern sich die angeblich kurze
Untersuchungs
dauer
konkret negativ in der Qualität und der Aussagekraft des Gutachtens niedergeschlagen haben soll.
5.4
Soweit die Beschwerdeführerin bemängelt, die Diagnose einer depressiven Ver
stimmung könne
aktuell
sehr wohl gestellt werden
und eine
Zustandsver
schlech
terung
zeige
sich
alleine schon
durch
die
Intensivierung
und häufige Änderung der medikamentösen Therapie, verkennt sie, dass eine
Zustandsver
schlechterung
aus medizinischer Sicht erst dann nachvollzogen werden kann,
wenn die allfälligen Veränderun
gen des Gesundheitszustandes durch objekti
vier
bare Befunde belegt werden
können
.
Die Tatsache, dass in
späteren
Berich
ten des Psychiatriezentrums
I._
(E.
4.3
, E.
4.6
)
die psychopathologischen Befunde identisch sind, vermag
für sich allein
noch keine Verschlechterung des
psychiatrischen
Gesundheitszu
standes nachzuweisen
.
Aus der Stellungnahme der MEDAS vom 3
0.
Juli 2013
(E.
4.7
)
geht ausführlich und nachvollziehbar hervor, dass
die Diagnose einer depressiven Störung nicht gestellt werden könne, da die in den
B
erichten des Psychiatriezentrums
I._
erwähnte Symptomatolo
gie dafür nicht ausreiche
und auf Basis der subjek
tiven Angaben der Beschwerdeführerin ein negatives
Leistungs
profil
erstellt werde
,
ohne dies mit objektivierbaren Befunden zu begründen. So erfolgte auch keine
Berücksichtigung der vorliegenden Suchtproblematik oder ein
Ausklamm
ern
von psychosozialen und soziokulturellen Faktoren.
5.5
Soweit
die
Beschwerdeführer
in
einwendet,
bezüglich
körperlicher Symptome sei ebenfalls eine Verschlechte
rung eingetreten
und diese
spiegle sich in den ein
zeln schlechter werdenden Befunden
(Urk. 1
S. 3)
, ist zu bemerken, dass
für die
Eignung eines Gesundheitsschadens, die Leistungsfähigkeit rechtserheblich ein
zu
schränken, nicht bereits die
Befunde und
Diagnose
n
, sondern erst
deren
Folgen
abschätzung
entscheidend sind
.
Die im MEDAS-Gutachten enthaltenen Schlussfolgerungen, dass die Beschwer
de
führerin aus somatischer Sicht in einer angepassten Tätigkeit nicht einge
schränkt ist, sind nachvollziehbar und überzeugend.
Daran ändern auch die von der Beschwerdeführerin
beschwerdeweise eingereichten Berichte
(vorstehend E.
4.8 - 4.9)
nichts.
Teilweise
lagen
sie
bereits im Zeitpunkt der Begutachtung vor und wurden ent
sprechend
durch die Gutachter gewürdigt.
Zu
nach Begut
achtung
einge
reichten Berichte
n
nahmen die Gutachter
ebenfalls
ausführlich Stellung und kamen nachvollziehbar zum Schluss,
weshalb
sich
auch aus diesen keine anderweitige Beurteilung
begründen lasse
.
Von der Beschwer
deführerin
sowie den behandelnden Ärzten
w
u
rden
folglich
keine
objektiv fest
stellbaren
Aspekte genannt, welche im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder unge
würdigt geblieben
wären
und Zweifel am MEDAS-Gutachten begrün
den würden
.
5.6
Zusammenfassend ist
damit
der medizinische Sachverhalt als dahingehend er
stellt zu betrachten, dass
sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in
psychiatrischer
Hinsicht
nicht
in einer für den Anspruch
erheblichen
Weise verschlechtert hat
.
Aus somatischer Sicht hat sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführeri
n im relevanten Zeitraum
aufgrund der morphologischen und degenerativen Ver
änderungen insofern
verschlechtert, dass sie in ihrer angestammten Tätigkeit als
Unterhaltsreinigerin
nicht mehr arbeitsfähig ist.
Hingegen ist sie in einer
kör
perlich leichten, wechselbelastenden, jedoch vorwiegend sitzend auszuführen
den Tätigkeit mit Gewichtsbelastung bis 7.5 kg und ohne
Positionsmonotonien
, Zwangshaltungen sowie repetitive Überkopfarbeiten zu
100
%
a
rbeitsfähig
.
Daraus folgt, dass sich
der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
im rele
vanten Zeitraum
nicht in einer anspruchsbegründenden Weise verändert
hat
.
6
.
Der durch die Beschwerdegegnerin
zur Ermittlung der erwerblichen Auswirkun
gen
vorgenommene Einkommensvergleich ist
nicht zu beanstanden und wird durch die Beschwerdeführerin
auch
nicht
gerügt
.
Unbestritten blieb auch die Qualifikation der Beschwerdeführerin mit einem Anteil im Erwerbsbereich von 53 % und im Haushaltbereich von 47 % (vgl. Urk.
10/78/6).
V
on einer erneuten Abklärung im Aufgabenbereich
ist
abzusehen, da davon
keine
neuen Erkenntnisse
zu erwarten sind. Die
Beschwerdeführerin
wurde umfassend abgeklärt und
beurteilt, wobei den Gutachtern auch die Beurteilung und
das Ergebnis der ursprünglichen
Haushalt-
Ab
klärung vorgelegen hat (
Urk.
10/72/14)
und sie sich über die Wohnsituation der
Beschwerdeführerin
ein Bild machen konnten.
Trotzdem sind sie von keiner nennenswerten Ein
schrän
kung
beziehungsweise
Verschlechterung im Aufga
benbereich ausgegangen.
Dies wird durch den Umstand gestützt, dass die
Be
schwerdeführerin
in leichter
Tätigkeit voll arbeitsfähig ist und im Haushalt, im Gegensatz zur
beruflichen Tätigkeit, die Aufgaben und die Zeit frei einteilen kann.
R
echtsprechungsgemäss
ist zudem
darauf hinzuweisen, dass
die Mithilfe
der Familienangehörigen
in solchen Fällen
im Sinne der
Schadenminderungs
pflicht
weiter geht als der übliche Umfang, den man erwarten darf, wenn die Beschwerdeführerin
nicht an einem Gesundheitsschaden leiden würde (BGE 133 V 509 E. 4.2).
Die Frage, ob der Beschwerdeführerin zusätzlich ein behinderungsbedingter Ab
zug vom Tabellenlohn hätte gewährt werden müssen, kann
ebenso
offen blei
ben,
da selbst bei einer Gewährung des maximalen Abzugs kein
rentenbegrün
dender
Invaliditätsgrad resultieren würde.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, es gäbe für sie keine angepasste
Tätigkeit
(Urk.
1 S.
2)
, verkennt sie, dass das
invalidenversicherungsrechtlich
mass
gebende
In
valideneinkommen
rechtsprechungsgemäss
auf der Grundlage eines ausgegli
chenen Arbeitsmarktes
(
Art.
16 ATSG)
ermittelt
wird (
BGE 134 V 64 E.
4.2.1). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt ist dabei ein theoretischer und abstrakter Be
griff, welcher der Abgrenzung zwischen der Leistungspflicht der Arbeitslosen
versicherung und der Invalidenversicherung dient. Soweit der Weg
fall des Ein
kommens nicht auf gesundheitliche Gründe, sondern auf das kon
junk
turell be
dingte Fehlen zumutbarer Arbeitsstellen zurückzuführen ist, liegt keine Invali
dität vor.
Nach dem Gesagten erweist sich d
ie angefochtene Verfügung als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf Fr.
8
00.-- anzu
setzen und der
unterliegenden Beschwerdeführerin
aufzuerlegen.