Decision ID: b79eec9e-65c2-4539-a105-7446d32b4d4b
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1983, war seit 1. Oktober 2007 als Sprinklermonteur bei der Y._ tätig und damit bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (suva) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Gemäss Unfallmeldung vom 6. Juni 2008 stürzte er am 4. Juni 2008 bei der Montage einer Sprinkleranlage aus einer Höhe von ca. 4 m auf den Boden (Urk. 9/1). Dabei zog er sich mehrere Gesichtsschädel- und Felsenbeinfrakturen zu, welche am Z._ operativ versorgt wurden. (Austrittsbe
richt vom 24. Juni 2008, Urk. 9/4). Die suva ermittelte für den unfallbedingten irreversiblen Hörverlust links einen Integritätsschaden von 15 % und richtete eine Entschädigung von Fr. 18'900.-- aus (vgl. Verfügung vom 17. Juni 2011, Urk. 9/146). Im Übrigen beurteilte Kreisarzt PD Dr. med. A._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, den Versicherten mit Einschränkungen (keine absturz
gefährdenden Arbeiten bzw. auf ungesicherten Gerüsten) wieder als voll arbeits-fähig. Die suva übernahm aber weiterhin medizinische Leistungen zur Behand-lung der fortbestehenden Kopfschmerzen und die ohrenärztliche Betreu
ung (Bericht vom 4. Juni 2008, Urk. 9/29). Da der Versicherte nicht mehr voll einsatzfähig war, löste der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis per Ende Novem
ber 2009 auf (Urk. 9/51). Anlässlich einer weiteren kreisärztlichen Untersuchung (vom 12. November 2010, Urk. 9/128), hielt Kreisarzt Dr. med. B._, Fach
arzt für Orthopädische Chirurgie FMH, unverändert an der 100%igen Arbeitsfä
higkeit unter Einschränkungen fest. Ferner beurteilte er die Voraussetzungen für den Fallabschluss auf den Gebieten ORL, Kieferchirurgie und betreffend die Kleinfingerverletzung links als gegeben. Zur Kopfwehproblematik erachtete er weitere Abklärungen als angezeigt. Dementsprechend stellte die suva ihre Tag
geldleistungen per 1. Januar 2011 ein (Urk. 9/129). Vom 1. Juli 2011 bis 31. August 2012 war der Versicherte stundenweise bei der C._ beschäftigt, wobei er ab 25. Juni 2012 wieder arbeitsunfähig war (Urk. 9/148 S. 2 f. und Urk. 9/162; vgl. auch Bericht des D._ vom 2. Juli 2012, Urk. 9/161). Am 17. Juli 2012 ging bei der suva eine Rückfallmeldung zum Ereignis vom 4. Juni 2008 ein (Urk. 9/152). Weitere Abklärungen und Behandlungen der Kopfweh-Problematik fanden in der Folge hauptsächlich im E._ statt (vgl. Urk. 9/163, 9/173, 9/215, 9/220). Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 25. März 2015 beurteilte Dr. med. F._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie FMH, die funktionellen Defizite als im Wesentlichen unverändert und bestätigte den auf Anfang 2011 festgelegten medizinischen Endzustand (Urk. 9/252).
Im April 2015 begab sich X._ in Behandlung bei Dr. med. G._, Facharzt FMH für Neurologie, (Bericht vom 18. Mai 2015, Urk. 9/271). Dieser überwies den Versicherten für eine neuropsychologische Untersuchung an die Neuropsychologin Dr. phil. H._ (Urk. 9/268 S. 3). Im Untersu
chungsbericht vom 17. Juli 2015 schlug Dr. H._ aus neuropsychologischer Sicht verschiedene Rehabilitationsmassnahmen vor (Urk. 9/284). Es folgten neurologische Beurteilungen durch die Abteilung Versicherungsmedizin der suva, Dr. med. I._, Facharzt für Neurologie FMH, der aufgrund einer zwischenzeitlich angefertigten kranialen Computertomographie zum Schluss kam, es sei nicht von einer leichten traumatischen Hirnverletzung (wie von Dr. G._ diagnostiziert), sondern von einer substanziellen Hirnverlet
zung links temporobasal auszugehen. Zur Abklärung, ob aufgrund dieses Befundes eine kognitive Gesundheitsbeeinträchtigung mit Einfluss auf die berufliche Leistungsfähigkeit vorliege, schlug Dr. I._ eine neuropsycholo
gische Untersuchung einschliesslich Symptomvalidierung bei Prof. Dr. rer. nat. J._, Institut für Neuropsychologische Diagnostik und Bildgebung an der K._, vor (Urk. 9/289 und Urk. 9/321 S. 6). Mit mehreren Schreiben verlangte der Rechtsvertreter der Versicherten, die suva habe Kosten
gutsprache für eine neuropsychologische Therapie bei Dr. H._ zu überneh
men, ohne dass die Begutachtung bei Prof. J._ abzuwarten wäre (Urk. 9/326, 9/342 und 9/346). Mit Verfügung vom 14. Juni 2016 lehnte die suva eine Kos
tengutsprache für eine neuropsychologische Behandlung ab (Urk. 9/347), woran sie auf Einsprache hin mit Entscheid vom 2. September 2016 festhielt (Urk. 2).
2.
Hiergegen liess X._ mit Eingabe vom 4. Oktober 2016 Beschwerde erheben mit dem Rechtsbegehren, es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflich
ten, die Kosten für die Therapie bei der Neuropsychologin Dr. H._ zu übernehmen. Weiter beantragte er die unentgeltliche Rechtspflege und Rechts
vertretung (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 3. November 2016 ersuchte die Beschwerdegegne
rin um Abweisung der Beschwerde (Urk. 8; dem Beschwerdeführer zugestellt am 9. November 2016, Urk. 10). Am 23. November 2016 reichte der Beschwerde
führer unaufgefordert eine weitere Stellungnahme ein (Urk. 11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Entscheid die rechtlichen Grundla
gen zum Anspruch auf Heilbehandlung (Art. 10 Abs. 1 des Bundesge
setzes über die Unfallversicherung [UVG]) und Invalidenrente (Art. 19 Abs. 1 UVG) zutreffend dargelegt, worauf verwiesen werden kann. Verwiesen werden kann auch auf die zutreffenden Ausführungen mit Hinweisen auf die Rechtspre
chung zum Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, zum Beweiswert von Arztberichten und zum Untersuchungsgrundsatz, wonach
das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen
hat
(
Art.
61 lit. c
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG])
.
Dem entspricht im Ver
waltungsverfahren Art. 43 Abs. 1 ATSG, wonach der Versicherungsträger die Begehren prüft, die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vornimmt und die erforderlichen Auskünfte einholt.
2.
Strittig und zu prüfen ist einzig die Frage, ob die Beschwerdegegnerin die Kosten
gutsprache für eine neuropsychologische Therapie bei Dr. H._ zu Recht abgelehnt hat.
2.1
Die Beschwerdegegnerin macht im Wesentlichen geltend, es sei vorerst das bei Prof. J._ in Auftrag gegebene neuropsychologische Gutachten abzuwarten. Erst danach sei zu entscheiden, ob unfallbedingte neuropsychologisch behand
lungsbedürftige Einschränkungen vorliegen und wie diese allenfalls zweckmäs
sig zu behandeln wären (Urk. 2 und Urk. 8 S. 3 f.). Demgegenüber vertritt der Beschwerdeführer die Auffassung, die neuropsychologischen Einschränkungen seien eindeutig auf das Unfallereignis zurückzuführen, weshalb die Beschwer
degegnerin verpflichtet sei, alle Heilungskosten zu übernehmen. Die Beschwer
degegnerin habe nicht aufzeigen können, weshalb die Behandlung bei Dr. H._ nicht wirtschaftlich und zweckmässig sei. Sie verweigere deshalb die Kostengutsprache ungerechtfertigterweise (Urk. 1 S. 8).
2.2
Vorab ist festzuhalten, dass aufgrund der bisherigen Aktenlage keineswegs fest
steht, dass die neuropsychologischen Einschränkungen eindeutig auf das Unfallereignis am 4. Juni 2008 zurückzuführen sind, wie der Beschwerdeführer behauptet vgl. Urk. 1 S. 3). Hierzu bestehen zumindest unterschiedliche fach
ärztliche Meinungen (vgl. Urk. 9/321 S. 6 f.). Insbesondere zeigte sich in der neuesten CT-Untersuchung, dass eine substanzielle Hirnverletzung vorliegt und bereits aus diesem Grund weitere Abklärungen unter Einbezug dieses neuen Aspektes geboten sind, was auch der Beschwerdeführer nicht in Frage stellt. Daraus ergibt sich ohne Weiteres, dass die Notwendigkeit allfälliger unfallbe
dingter Therapien, welche in den Zuständigkeitsbereich der Beschwerdegegnerin fallen würden, erst nach Vorliegen der Gutachtensergebnisse beurteilt werden kann.
2.3
Weiter hat die Neuropsychologin Dr. H._ lediglich Vorschläge möglicher Thera
pien zur Funktionsverbesserung skizziert. Bevor mit der therapeutischen Arbeit begonnen werden könne, müsse es aber gelingen, den Schwindel zu reduzieren und das visuelle Scannen zu erleichtern (Urk. 9/284 S. 5). Zu den Auswirkungen der von ihr festgestellten mittelschweren neuropsychologischen Funktionsstörung äusserte sich Dr. H._ nicht. Der Beschwerdeführer seiner
seits lässt in seinem Begehren offen, welche der von Dr. H._ erwähnten The
rapien die Beschwerdegegnerin zu übernehmen hätte.
2.4
Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass dem Versicherungsträger nach der Rechtsprechung ein grosser Ermessenspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zusteht (vgl.
Kieser, ATSG-Kommentar,
3.
Auflage, Zürich 2015, Rz
20 zu Art. 43
mit Hin
weisen
). Nach Art.
48
Abs.
1 UVG
kann er überdies
die nötigen Anordnungen zur zweckmässigen Behandlung des Versicherten treffen. Er darf
daher
die diagnostischen und therapeutischen Massnahmen im Einzelfall festlegen
(BGE 123 V 53 E. 2b/bb). Im vorliegenden Fall ist die Beschwerdegegnerin mit der Anordnung der neuropsychologischen Begutachtung bei Prof. J._ ihrer Pflicht nachgekommen, mögliche kognitive Beeinträchtigungen aufgrund des Unfallereignisses abzuklären. Anders zu verfahren hätte eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes bedeutet, insbesondere weil mit dem radiologisch bestätigten Befund einer substanziellen Hirnverletzung neue Erkenntnisse zu berücksichtigen sind. Dass eine zweckmässige Therapie nicht angeordnet wer
den kann, bevor die unfallbedingten Beeinträchtigungen nicht zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit geklärt sind, ist als evi
dent zu erachten. Das Beharren des Beschwerdeführers auf sofortigem Beginn einer neuropsychologischen Therapie entbehrt damit einer objektiv nachvoll
ziehbaren Grundlage.
3.
Gestützt auf diese Erwägungen erweist sich die Beschwerde in jeder Beziehung als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
4.
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche Verbeistän
dung notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115). Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Pro
zessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten (ex ante betrachtet) beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aus
sichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünfti
ger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (BGE 133 III 614 E. 5 mit Hinweisen).
Wie die vorstehenden Erwägungen zeigen, fehlten der Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheides die erforderlichen Grundlagen, um zu entscheiden, ob und allenfalls welche unfallbedingten neuropsychologischen Beeinträchtigungen bestanden, ob und in welchem Umfang sich diese auf die Arbeitsfähigkeit auswirken und welche Therapien gegebenenfalls zweckmässi
gerweise einzusetzen wären. Dass die Beschwerdegegnerin vor der gutachtlichen Klärung der offenen Fragen keine Heilungskosten übernehmen würde, musste dem Beschwerdeführer bzw. seinem Rechtsvertreter klar sein, zumal er gegen die Begutachtung an sich keine Einwendungen vorbrachte. Der Beschwerde
führer konnte demnach
nicht ernsthaft mit
der Gutheissung der Beschwerde rechnen.
Die
se
erweist sich daher als aussichtslos, weshalb das Gesuch
um unentgeltliche Rechtsvertretung
abzuweisen ist.