Decision ID: 6dcd77b8-6f9f-4ccd-bb23-288348975fe9
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1. X._, geboren 1976, reiste 1995 in die Schweiz ein und arbeitete als Bodenleger. Nach dem Tod des langjährigen Arbeitgebers im April 2001 war er im Mai 2001 einige Tage zur Probe als Hilfsarbeiter bei der Firma Y._, im Gartenbau tätig (Urk. 8/48 S. 3). Am 17. Mai 2001 stürzte er beim Abladen von Steinen von einer Lieferwagenrampe direkt auf den Rücken mit Aufprall mit dem Schädel und zog sich einen inkompletten Berstungsbruch (BWK 12; Typ A3.1.1) und eine Schädelkontusion frontal rechts zu (Urk. 8/5). Aufgrund der anhaltenden Arbeitsunfähigkeit meldete sich der Versicherte am 10. Dezember 2002 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV‐Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 8/29). Die IV-Stelle nahm erwerbliche (Urk. 8/33, Urk. 8/34, Urk. 8/40 und Urk. 8/46‐48) und medizinische (Urk. 8/5-26, Urk. 8/31, 8/35, 8/38) Abklärungen vor. Mit Verfügung vom 14. September 2004 lehnte sie das Leistungsbegehren ab (Urk. 8/54). Nach der dagegen erhobenen Einsprache (Urk. 8/61) wurden weitere medizinische und berufliche Abklärungen vorgenommen (Urk. 8/67, Urk. 8/69, Urk. 8/72, Urk. 8/74, Urk. 8/75, Urk. 8/80 und Urk. 8/83) und in der Folge eine polydisziplinäre Abklärung durch das Z._ veranlasst (Urk. 8/86). Das Gutachten wurde am 5. Februar 2008 erstattet (Urk. 8/89) und die Gutachter attestierten dem Versicherten für seine bisherige Tätigkeit als Bodenleger und Hilfsarbeiter im Gartenbau eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, erachteten ihn jedoch in einer leidensangepassten Tätigkeit als zu 100 % arbeitsfähig (Urk. 8/89 S. 34). Nachdem die IV-Stelle darüber informiert worden war, dass sich der Versicherte in stationärer psychiatrischer Behandlung befinde (Urk. 8/97), wurden ergänzende medizinische Abklärungen vorgenommen (Urk. 8/98). Mit Einspracheentscheid vom 20. Juni 2008 hielt die IV-Stelle an ihrem Entscheid fest und wies die Einsprache ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 9 % ab (Urk. 8/101). Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
Der Versicherte reichte am 20. August 2008 einen neuen Arztbericht ein (Urk. 8/102), was die IV-Stelle als erneutes Leistungsgesuch qualifizierte. Mit Vorbescheid vom 16. Oktober 2008 (Urk. 8/106) wurde mangels glaubhaft gemachter Verschlechterung das Nichteintreten auf die Neuanmeldung in Aussicht gestellt, wogegen der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Reger-Wyttenbach, Einwand erhob, offensichtliche Unrichtigkeit geltend machte und die Aufhebung des ersten Entscheides sowie des Vorbescheides beantragte (Urk. 8/111 und Urk. 8/123). Mit Verfügung vom 23. Februar 2009 trat die IV‐Stelle auf das Wiedererwägungsgesuch nicht ein (Urk. 8/126). Diese Verfügung erwuchs ebenfalls unangefochten in Rechtskraft.
Am 30. Oktober 2009 gelangte die Rechtsvertreterin des Versicherten erneut an die IV-Stelle, liess eine erhebliche Verschlechterung der psychischen Gesundheit geltend machen und eine ganze Invalidenrente beantragen (Urk. 8/128). Die IV‐Stelle nahm erneut medizinische Abklärungen vor (Urk. 8/131) und veranlasste in der Folge eine psychiatrische Begutachtung durch Dr. med. A._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie (Urk. 8/141). Das Gutachten wurde am 22. Juni 2010 erstattet (Urk. 8/144). Gestützt darauf stellte die IV‐Stelle die Ablehnung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 8/147). Aufgrund des dagegen erhobenen Einwandes und der zusätzlich eingereichten Unterlagen (Urk. 8/154 und Urk. 8/153, Urk. 8/157-160) gelangte die IV-Stelle erneut an Dr. A._ und ersuchte ihn zu prüfen, ob die neu eingereichten medizinischen Berichte etwas an seiner Beurteilung ändern würden (Urk. 8/161), was dieser jedoch verneinte (Urk. 8/164). Mit Verfügung vom 16. Juni 2011 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren erneut ab (Urk. 2).
2. Dagegen liess X._, nach wie vor vertreten durch Rechtsanwältin Reger-Wyttenbach, am 3. August 2011 Beschwerde erheben (Urk. 1) und die Zusprechung einer ganzen Invalidenrente ab 1. November 2009 beantragen. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, zusätzliche medizinische Abklärungen durchzuführen, oder es sei durch das angerufene Gericht eine solche vorzunehmen. In der Beschwerdeantwort vom 5. September 2011 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
#BeginnXX001
<Invaliditätsbegriff bei Erwerbstätigen mit vollendetem 20. Altersjahr; Gesetzestext (gültig ab 1.1.08; 5. IV-Revision) < letzte Revision: 01/10#
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
#EndeXX001#
1.2 Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 Prozent, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 Prozent, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 Prozent, oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 Prozent invalid sind.
1.3
#BeginnXX105
<Neuanmeldung, Eintreten auf Neuanmeldung (gültig seit 1.1.08) < letzte Revision: /#
Wurde eine Rente
oder eine Hilflosenentschädigung
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
oder wegen fehlender Hilflosigkeit
verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 4 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (vgl. dazu BGE 130 V 71; AHI 1999 S. 84 E. 1b mit Hinweisen; vgl. auch AHI 2000 S. 309 E. 1b mit Hinweisen). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 130 V 75 E. 3.2.2 und 3.2.3, 117 V 198 E. 3a, 109 V 115 E. 2b).
#EndeXX105#
1.4
#BeginnIV006
<psychische Gesundheitsschäden (gültig ab 1.1.04, 4. IV-Revision) < letzte Revision: 08/05#
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
#EndeIV006#
1.
5
#BeginnIV009
<Abklärung bei geistiger/psychischer Störung < letzte Revision: 09/06#
Jede psychogene Störung, ob einfache oder neurotische Form, kann im Einzelfall Krankheitswert haben, weshalb jeder Einzelfall sorgfältig geprüft werden muss. Notwendig sind in jedem Fall ein ausführlicher ärztlicher Bericht oder ein entsprechendes fachärztliches Gutachten sowie die Abklärung der erwerblichen Umstände (AHI 1997 S. 43 E. 5c). Dabei müssen psychiatrische Berichte in der Regel auf einer persönlichen Untersuchung beruhen (RKUV 2001 Nr. U 438 S. 345, Urteil des Bundesgerichts I 169/06 vom 8. August 2006 E. 4.4 mit Hinweisen).
#EndeIV009#
#BeginnXX075
<Beurteilung: Aufgabe des Arztes oder der Ärztin < letzte Revision: 10/02#Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
#EndeXX075#
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt ‐ was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist ‐, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer‐Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H. Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 3. Aufl. 1994, S. 24 f.).
#EndeVV042#
2.
2.1 Die IV-Stelle begründete die Abweisung des Leistungsbegehrens gestützt auf das Gutachten von Dr. A._ vom 22. Juni 2010 damit, dass sich der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nicht verschlechtert habe, ihm eine leidensangepasste Tätigkeit nach wie vor zu 100 % zumutbar sei und er dementsprechend in der Lage sei, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen (Urk. 2).
2.2 Dem hält der Beschwerdeführer gestützt auf die Einschätzungen der Klinik B._ vom 13. Dezember 2010 (Oberarzt Dr. med. C._ und Stationsärztin Dr. med. D._; Urk. 3/5) sowie gestützt auf den Bericht des Therapiezentrums E._ vom 23. Mai 2011 (Oberärztin Dr. med. F._; Urk. 3/6) entgegen, dass eine erhebliche Verschlechterung ausgewiesen sei, aufgrund der massiven psychischen Beeinträchtigungen eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit bestehe und ihm ab 1. November 2009 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen sei (Urk. 1 S. 11 ff.).
3.
3.1 Die IV-Stelle ist auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers vom 30. Oktober 2009 (Urk. 8/128) materiell eingetreten. Es gilt somit zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im massgeblichen Zeitraum zwischen dem ersten Einspracheentscheid vom 20. Juni 2008 (Urk. 8/101), in welchem ein Anspruch auf eine Invalidenrente verneint worden ist, und der Verfügung vom 16. Juni 2011 (Urk. 2), welche die zeitliche Grenze für den zu beurteilenden Sachverhalt bildet, insoweit verschlechtert hat, dass nunmehr ein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht.
3.2 Massgeblich für die Beurteilung des Gesundheitszustandes im Zeitpunkt des ursprünglichen Einspracheentscheides vom 20. Juni 2008 war das Gutachten des Z._ vom 5. Februar 2008 (Urk. 8/89; vgl. Feststellungsblatt zum Beschluss, Urk. 8/99).
Als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurde damals aus rheumatologischer Sicht ein chronisches thorakovertebrales Syndrom mit/bei:
- Status nach traumatischer Berstungsfraktur BWK12 am 17.05.2001
- Status nach dorsaler Stabilisierung mit Fixateur interne BWK11 bis LWK1 am 18.05.2001
- Status nach Osteosynthesematerial-Entfernung und monosegmentaler ventraler Spondylodese Th11712 bei Pseudarthrose BWK12 am 15.05.2002 attestiert.
Psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden keine erhoben. Die festgestellte Dysthymia wurde als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit erachtet (Urk. 8/89 S. 29).
Zusammenfassend kamen die Gutachter im Februar 2008 zum Schluss, dass der Beschwerdeführer in einer körperlich leichten bis mittelschweren behinderungsangepassten Tätigkeit aus rheumatologischer und psychiatrischer Sicht zu 100 % arbeitsfähig sei. Für die zuletzt ausgeübten Tätigkeiten als Bodenleger und Gartenbauer wurde der Versicherte aufgrund der rheumatologischen Problematik als zu 100 % arbeitsunfähig beurteilt (Urk. 8/89 S. 35).
Gestützt auf diese medizinische Begutachtung stellte die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von 9 % fest, was zur Abweisung des Leistungsbegehrens führte.
3.3 Im massgebenden Vergleichszeitpunkt, am 16. Juni 2011 (Erlass der angefochtenen Verfügung), hatte sich der Gesundheitszustand aus rheumatologischer Sicht unbestrittenermassen nicht verändert. Strittig hingegen ist, ob sich der psychische Gesundheitszustand invalidenversicherungsrechtlich relevant verändert hat.
Im psychiatrischen Gutachten vom 22. Juni 2010 (Urk. 8/144 S. 10 ff.), welches auf einer einmaligen Untersuchung von unbekannter Dauer am 16. Juni 2010 sowie auf den von der IV-Stelle zur Verfügung gestellten Akten basiert, gab Dr. A._ an, dass der Beschwerdeführer in auffälliger Weise zur psychiatrischen Untersuchung erschienen sei. Er habe ausgesprochen müde und verhangen gewirkt und das Untersuchungszimmer leidend und mit schwankendem Gangbild betreten. Das von ihm präsentierte klinische Bild sei typisch für eine Überdosierung der vom Versicherten genannten und vor den Augen des Gutachters auch kurz vor der Exploration eingenommenen sedierenden Psychopharmaka (Remeron, Truxal und Oxycontin). Die Vigilanz (Daueraufmerksamkeit/Wachheit) sei deutlich beeinträchtigt gewesen und der Versicherte habe ausgesprochen verhangen gewirkt, die Sprache sei verwaschen gewesen. Appellativ anmutend habe er wiederholt in einer Art Selbstgespräch (vor sich hin flüsternd) auf seine Verzweiflung mit der aktuellen Lebenssituation verwiesen. Zahlreiche Fragen, zum Beispiel hinsichtlich Tagesstruktur, Freizeitaktivitäten und zum selbständigen Fahren des eigenen PKW seien eher vage beantwortet worden. Auf Nachfrage habe er bestätigt, täglich 6 bis 7 Tabletten Truxal 50 mg einzunehmen. Zu einem späteren Zeitpunkt habe er angegeben, hin und wieder mit dem eigenen Auto zu fahren, was ihm unter der von ihm angegebenen Psychopharmaka-Einnahme jedoch kaum möglich sein dürfte. Der Versicherte habe sich ausgesprochen klagsam und leidend präsentiert, dabei jedoch nicht durchgehend authentisch gewirkt und ein gravierender Leidensdruck sei nicht spürbar gewesen. Die Beschwerdeschilderungen seien insgesamt ausufernd und tendenziell dramatisierend gewesen, Inkonsistenzen seien erkennbar gewesen. Der formale Gedankengang sei verlangsamt, inhaltlich sei er im Denken auf die Beschwerdeschilderungen und die eigenen Defizite fokussiert gewesen. Neben einem dysfunktionalen Krankheitsverhalten hätten Tendenzen zur Selbstlimitierung imponiert. Die Gedächtnisfunktionen sowie Aufmerksamkeit, Konzentration und Intelligenz seien, soweit unter der medikamentösen Sedierung beurteilbar, klinisch intakt. Das Antriebsverhalten sei reduziert und der Versicherte sei psychomotorisch deutlich verlangsamt. Gegen Ende des Untersuchungsgespräches habe er sich lächelnd vom Referenten verabschiedet, nachdem er wenige Minuten zuvor wiederholt seinen nicht mehr bestehenden Lebenswillen zum Ausdruck gebracht habe. Die vom Versicherten wiederholt geäusserten Lebensüberdrussgedanken hätten einen deutlichen appellativen Charakter und sprächen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht für eine akute Selbstgefährdung.
Aus dem vorstehend Geschilderten ergab sich für den Gutachter das Bild eines durch Psychopharmaka übersedierten Versicherten.
Dr. A._ hielt weiter fest, dass in den ihm vorliegenden Unterlagen in diagnostischer Hinsicht vorrangig eine depressive Störung beziehungsweise eine Dysthymia sowie eine somatoforme Schmerzstörung angeführt seien. Seines Erachtens würden die Kriterien für eine depressive Störung gemäss ICD‐Klassifikation vom Versicherten jedoch nicht hinreichend erfüllt, da dieser in gepflegtem äusserem Erscheinungsbild und ohne Hinweise auf Vernachlässigung der Körperpflege zur Untersuchung erschienen sei und sich keine Hinweise auf einen depressiven Affekt oder gravierenden Leidensdruck ergeben hätten. Hinsichtlich Schmerzverarbeitung ergäben sich Hinweise auf dysfunktionale Bewältigungsmechanismen, die Kriterien zur Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung gemäss ICD-Klassifikation würden vom Versicherten jedoch ebenfalls nicht erfüllt. Aus versicherungsmedizinischer Sicht bestehe auf psychiatrischem Fachgebiet keine Erkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Die diagnostischen Einschätzungen im Arztbericht der Klinik B._ (zuletzt vom 26. April 2008) seien insgesamt nicht nachvollziehbar und spiegelten eher die subjektive Krankheitsüberzeugung des Versicherten wieder.
Abschliessend hielt der Gutachter fest, dass die Untersuchungsergebnisse diese Feststellung trotz der Psychopharmaka-Überdosierung zum Zeitpunkt der psychiatrischen Exploration zuliessen, wenngleich eine Nachuntersuchung auf psychiatrischem Fachgebiet, rein formal betrachtet, empfohlen werden müsse. Teilaspekte bei der psychopathologischen Befunderhebung könnten durch eine Psychopharmaka-Überdosierung überdeckt werden. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit würde eine erneute psychiatrische Untersuchung gesamthaft betrachtet jedoch zu keiner relevanten abweichenden Einschätzung der Arbeitsfähigkeit führen. Für den Fall einer von der IV-Stelle als notwendig erachteten Nachuntersuchung solle die Re-Evaluation nach 2-tägiger Aussetzung der Truxal-Medikation erfolgen (Urk. 8/144 S. 12).
Dr. A._ diagnostizierte zwar den Verdacht auf eine Dysthymia (ICD-10: F34.1) und eine Psychopharmaka-induzierte Vigilanzstörung (ICD-10: F13.0), eine eigenständige psychische Erkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte er aus versicherungsmedizinischer Sicht jedoch nicht fest (Urk. 8/144 S. 9 und 12).
3.4 Die IV-Stelle unterbreitete das Gutachten von Dr. A._ in der Folge ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur Prüfung. Dr. med. G._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, kam am 20. Juli 2010 für den RAD zum Schluss, dass auf das Gutachten von Dr. A._ abgestellt werden könne, beim Beschwerdeführer kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden und damit auch keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes vorliege und daher von einer unverändert bestehenden 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit auszugehen sei (Urk. 8/145 S. 5). Gestützt darauf stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 15. September 2010 die Ablehnung des Rentenanspruchs in Aussicht (Urk. 8/147).
3.5 Zusammen mit dem dagegen erhobenen Einwand liess der Beschwerdeführer einen Bericht des Psychiatriezentrums E._ (Dr. med. F._) vom 14. Oktober 2010 einreichen (Urk. 8/153), gemäss welchem er an einer chronifizierten Depression, derzeitig mittelgradig ausgeprägt mit somatischem Syndrom und Suizidalität (ICD-10 F32.11), sowie an einer chronifizierten, invalidisierenden somatoformen Schmerzstörung (ICD‐10 F45.4) leide. Am 3. Dezember 2010 teilte die Rechtsvertreterin der IV‐Stelle sodann mit, dass der Beschwerdeführer am 2. November 2010 aufgrund einer erheblichen gesundheitlichen Verschlechterung stationär in die Klinik B._ habe eintreten müssen (Urk. 8/158) und im Laufe dieses Aufenthaltes zudem eine notfallmässige Hospitalisation des Versicherten in der Klinik für Urologie des Spitals H._ notwendig gewesen sei (Urk. 8/157 und Urk. 8/160), der Beschwerdeführer am 23. November 2010 jedoch wieder in die Klinik B._ verlegt worden sei, welche er am 2. Dezember 2010 habe verlassen können.
3.6 Am 10. Januar 2011 stellte die IV-Stelle die Unterlagen der Klinik B._ vom 27. Oktober 2009, vom 3. Dezember 2009 und vom 14. Oktober 2010 Dr. A._ zu und ersuchte ihn zu prüfen, ob sich seine medizinische Beurteilung aufgrund dieser Berichte ändere (Urk. 8/161). Der am 16. Februar 2011 zusätzlich eingereichte Austrittsbericht der Klinik B._ vom 13. Dezember 2010 (Urk. 8/162 und 8/163), wurde jedoch nicht an den Gutachter weitergeleitet.
Mit Schreiben vom 7. März 2011 teilte Dr. A._ mit, dass er den bereits im Gutachten formulierten Überlegungen auch unter Berücksichtigung der nachträglich eingereichten Unterlagen nichts hinzuzufügen habe. Aus psychiatrischer Sicht lasse sich beim Beschwerdeführer kein versicherungsmedizinisch relevanter Gesundheitsschaden feststellen (Urk. 8/164 S. 3).
3.7 Am 31. Mai 2011 nahm die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers zur erneuten Einschätzung von Dr. A._ Stellung und legte unter Beilage des Berichtes des Psychiatriezentrums E._ vom 23. Mai 2011 (Urk. 8/168) dar, dass Dr. A._ nicht auf die veränderte Situation des Versicherten eingehe, die Situation des Beschwerdeführers nicht zu erfassen scheine und nicht wahrzunehmen scheine, dass eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten sei, da sowohl die gemäss ICD-10 aufgestellten Kriterien für eine chronifizierte, mittelgradig ausgeprägte Depression mit somatischem Syndrom als auch die Voraussetzungen für eine somatoforme Schmerzstörung mit Krankheitswert erfüllt seien und dementsprechend beim Beschwerdeführer keine Arbeitsfähigkeit bestehe (Urk. 8/169).
3.8 Die IV-Stelle legte die beiden Stellungnahmen und die zusätzlich eingereichten Unterlagen erneut dem RAD zur Prüfung vor, welcher am 10. Juni 2011 festhielt, dass mit dem neu eingereichten Bericht vom 23. Mai 2011 kein neuer Sachverhalt geltend gemacht werde und selbst bei der Gültigkeit dieser diagnostischen Aussage keine anhaltende vollständige Arbeitsunfähigkeit, sondern allenfalls eine Teilarbeitsunfähigkeit begründet würde. Es solle daher weiterhin am Gutachten von Dr. A._ festgehalten werden (Urk. 8/171 S. 5).
4.
4.1 Dieser Einschätzung kann nicht gefolgt werden. Der Beschwerdeführer befand sich während der Exploration durch Dr. A._ aufgrund einer Psychopharmaka-Überdosierung mit Truxal in einem Zustand der Übersedierung mit Vigilianzstörung, was eine seriöse Exploration verunmöglichte. Dies umso mehr, als der Gutachter selbst festhielt, dass rein formal betrachtet eine psychiatrische Nachuntersuchung nach 2-tägiger Aussetzung der Truxal-Medikation empfohlen werden müsse, auch wenn er davon ausgehe, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine andere Einschätzung resultieren würde (Urk. 8/144 S. 12). Das Gutachten von Dr. A._ ist deshalb nicht verwertbar.
Dazu kommt, dass Dr. A._ im Zeitpunkt der Begutachtung nicht über die aktuellen Berichte der Klinik B._ und des Psychiatriezentrums E._ verfügte (Berichte vom 27.10.2009 und vom 3.12.2009) und sich sowohl im Gutachten selbst als auch in seiner späteren Stellungnahme nur rudimentär mit den abweichenden Diagnosen und Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit auseinandersetzte (insbesondere fand keine Diskussion der gemäss ICD‐10 geforderten Kriterien einer Depression statt). Dies lässt zusätzliche Zweifel am Gutachten aufkommen. Es erfüllt damit die Anforderungen des Bundesgerichts an ein Gutachten nicht (vgl. vorstehend E. 1.5), weshalb auch aus diesen Gründen nicht darauf abgestellt werden kann.
4.2
Zu prüfen ist demnach, ob auf die Beurteilung der Klinik B._ (Oberarzt Dr. C._ und Stationsärztin Dr. D._) vom 13. Dezember 2010 (Urk. 3/5 = 8/162) und die Einschätzung des Psychiatriezentrums E._ (Dr. F._) vom 27. Oktober 2009 (Urk. 8/127), vom 14. Oktober 2010 (Urk. 8/153 = Urk. 3/3) und vom 23. Mai 2011 (Urk. 3/6) abgestellt werden kann, welche
beim Beschwerdeführer eine deutliche Verschlechterung des psychischen Zustandsbildes feststellten und übereinstimmend die Diagnosen einer chronifizierten Depression mittelgradig ausgeprägt mit somatischem Syndrom und Suizidalität (ICD-10 F32.11) und einer chronifizierten somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F. 45.4) stellten sowie den Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht als vollständig arbeitsunfähig qualifizierten.
Die eingereichten Berichte beruhen zwar auf eigenen fachärztlichen Untersuchungen, doch finden sich in den Berichten keine Hinweise darauf, dass diese in Kenntnis der gesamten Aktenlage (und insbesondere in Kenntnis des Z._-Gutachtens vom 5. Februar 2008 als massgebende Vergleichsgrundlage) erstellt wurden. Auch erfolgte in den Berichten keine Auseinandersetzung mit der abweichenden Einschätzung von Dr. A._. Zudem soll und darf das Gericht in Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten
der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc.).
Die Berichte der Klinik B._ und des Therapiezentrums E._ enthalten zwar erhebliche Hinweise dafür, dass sich der psychische Zustand des Beschwerdeführers seit Erlass des ersten, ablehnenden Einspracheentscheides im Juni 2008 derart verschlechtert hat, dass seine Arbeitsfähigkeit nunmehr invalidenversicherungsrechtlich relevant beeinträchtigt ist, doch erfüllen die Berichte wie vorstehend ausgeführt, die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an ein Gutachten nicht und können für das Gericht daher nicht als Entscheidungsgrundlage dienen.
4.3 Auch die Beurteilung durch den RAD, welche ohne eigene Untersuchung lediglich gestützt auf die Akten erfolgte, vermag den Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage nicht zu genügen.
4.4 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Frage, ob, allenfalls ab welchem Zeitpunkt und in welchem Umfang sich der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit dem ersten, ablehnenden Einspracheentscheid vom 20. Juni 2008 verschlechtert hat, von den involvierten Ärzten (Gutachter, RAD und behandelnde Ärzte) diametral verschieden beantwortet wird. Während Dr. A._ und der RAD die Auffassung vertraten, dass der Beschwerdeführer in psychischer Hinsicht für eine leidensangepasste Tätigkeit 100 % arbeitsfähig sei, kamen sowohl die Ärzte der Klinik B._ als auch die behandelnde Psychiaterin des Therapiezentrums E._, Dr. F._, zum Schluss, dass eine erhebliche Verschlechterung ausgewiesen sei und aufgrund der massiven psychischen Beeinträchtigungen eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Da sowohl das von der IV-Stelle in Auftrag gegebene Gutachten, die Aktenbeurteilung durch den RAD als auch die vom Beschwerdeführer eingereichten medizinischen Berichte die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an ein Gutachten nicht erfüllen, kann über einen allfälligen Rentenanspruch nicht entschieden werden.
4.5 Im Grundsatzurteil 9C_243/2010 vom 28. Juni 2011, publiziert in BGE 137 V 210, hat das Bundesgericht in E. 4.4.1.1 festgehalten, dass, wenn die offene Tatfrage nicht anhand eines Gutachtens oder durch andere Beweismittel schlüssig beantwortet werden kann, das Gericht die ergänzende Abklärung nicht ohne Not durch Rückweisung an die Verwaltung delegieren dürfe. Gemäss Bundesgericht bleibt eine Rückweisung an die Verwaltung jedoch dann möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist (E. 4.4.1.4). Dies ist aufgrund des nicht verwertbaren Gutachtens von Dr. A._ und mangels anderer beweiskräftiger medizinischer Grundlagen vorliegend der Fall. Die Sache ist daher in Aufhebung der Verfügung vom 16. Juni 2011 zur Vornahme von fachärztlichen (psychiatrischen und gegebenenfalls weiteren) Abklärungen (bei einem/einer bisher nicht involvierten Facharzt/Fachärztin) an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie hernach über den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente neu entscheide. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Die Kosten sind ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und aufgrund der rechtsprechungsgemäss als vollständiges Obsiegen geltenden Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die im Verfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht obsiegende beschwerdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten.
Die Parteientschädigung für die Vertretung vor dem Sozialversicherungsgericht ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und nach Massgabe des Obsiegens auf Fr. 2'800.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.