Decision ID: f2c3276a-c5e7-4228-b783-773946fc4ac5
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ und seine Ehefrau B._ meldeten sich erstmals im August 2016 bei der EL-
Durchführungsstelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu
ihren Altersrenten an (EL-act. 60). Mit Verfügung vom 19. November 2016 wies die EL-
Durchführungsstelle das Gesuch wegen eines Einnahmenüberschusses ab (EL-act. 56).
A.a.
Im August 2019 meldeten sich die Eheleute erneut zum Bezug von
Ergänzungsleistungen an (EL-act. 48). Sie gaben unter anderem an, am 5. Januar 2017
Grundeigentum zu einem Preis von Fr. 488'000.-- verkauft zu haben. Weder der
Ehemann (selbständigerwerbend) noch seine Ehefrau (Verdienst unter der gesetzlichen
Limite) seien zum Zeitpunkt ihrer Pensionierung bei einer Pensionskasse versichert
gewesen. Das Steueramt C._ hatte den Verkehrswert des Einfamilienhauses der
Eheleute am 7. Mai 2013 auf Fr. 463'000.-- und den Mietwert auf Fr. 17'400.--
geschätzt (EL-act. 50-1 f.). Laut dem Kaufvertrag vom 5. Januar 2017 hatten die
Eheleute das Einfamilienhaus (Grundstück Nr. 1735) sowie die Garagen (Grundstück
Nr. 1727) an ihre beiden Kinder verkauft (EL-act. 50-5 ff.). Der Kaufpreis hatte Fr.
488'000.-- betragen, wobei Fr. 456'500.-- durch die Übernahme der
Grundpfandschulden und Fr. 31'500.-- durch die Anrechnung des kapitalisierten
Wertes gemäss dem mit separatem Beleg neu zu begründenden lebenslänglichen
Nutzniessungsrechtes zugunsten der Eheleute getilgt worden waren. Im März 2019
hatten die Eheleute eine ihrem Sohn gehörende Wohnung bezogen (EL-act. 53-1 f.).
A.b.
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Laut dem Mietvertrag belief sich der Netto-Mietzins für die Wohnung auf Fr. 660.-- und
derjenige für den Tiefgaragenplatz auf Fr. 150.-- pro Monat; die Nebenkosten betrugen
Fr. 295.-- pro Monat (total Fr. 1'105.--). Der Brutto-Mietzins war jedoch auf lediglich
Fr. 1'005.-- festgelegt worden. Gemäss dem beiliegenden Kontoauszug hatte der
Ehemann einen Dauerauftrag zugunsten seines Sohnes in der Höhe von Fr. 1'005.--
eingerichtet (EL-act. 53-3).
Der von der EL-Durchführungsstelle beim Steueramt angeforderten
Steuerveranlagung war zu entnehmen, dass das Ehepaar im Jahr 2014 − neben den
Altersrenten − Einkünfte aus unselbständigem Nebenerwerb in der Höhe von Fr.
6'300.-- und aus selbständigem Erwerb von Fr. 174'305.-- gehabt hatte (EL-act. 55).
Die Wertschriften und Guthaben hatten sich auf Fr. 52'150.-- belaufen. Das
Reinvermögen hatte, unter Berücksichtigung von Geschäftsschulden in der Höhe von
Fr. 124'453.--, Fr. 21'557.-- betragen. Im Jahr 2018 hatten sich die Einkünfte aus der
selbständigen Erwerbstätigkeit des Ehemannes noch auf Fr. 58'762.-- belaufen und die
Einkünfte der Ehefrau aus dem unselbständigen Haupterwerb auf Fr. 16'800.--. Die
Wertschriften und Guthaben hatten Fr. 23'913.-- und die Einkünfte aus Wertschriften
und Guthaben Fr. 93.-- betragen. Abzüglich der Geschäftsschulden von Fr. 39'025.--
und der Privatschulden von Fr. 200'000.-- hatte das Reinvermögen einen negativen
Saldo von Fr. 139'358.-- ausgewiesen.
A.c.
Mit Verfügung vom 29. August 2019 wies die EL-Durchführungsstelle das Gesuch
der Eheleute um die Ausrichtung von Ergänzungsleistungen wegen eines
Einnahmenüberschusses erneut ab (EL-act. 44). In der Begründung wies sie darauf hin,
dass, sofern auf eine Nutzniessung verzichtet werde, der Betrag unter übrigem
Einkommen anzurechnen sei, als ob die Nutzniessung weiterhin bestünde. In der
Anspruchsberechnung hatte die EL-Durchführungsstelle (hypothetische) Erträge aus
der Nutzniessung von Fr. 11'187.-- pro Jahr berücksichtigt (EL-act. 45). Gegen diese
Verfügung erhoben die Eheleute am 9. September 2019 Einsprache (EL-act. 41). Sie
machten geltend, die Ergänzungsleistungen seien neu zu berechnen, da die
Nutzniessung grundbuchamtlich gelöscht worden sei. Laut einer beigelegten Kopie der
Löschungsbewilligung des Grundbuchamtes war die Nutzniessung zugunsten der
Eheleute bereits am 20./21. November 2018 wieder gelöscht worden (EL-act. 43).
A.d.
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Am 24. September 2019 bat der Teamleiter Ergänzungsleistungen den Ehemann
darum, einen Nachweis über eine allfällige Entschädigung für die Löschung der
Nutzniessung einzureichen (EL-act. 39). Er merkte an, dass wenn eine Person gänzlich
auf die Nutzniessung verzichte, deren Jahreswert als Einkommen aus unbeweglichem
Vermögen anzurechnen sei. Falls die Eheleute für das gelöschte Nutzniessungsrecht
angemessen entschädigt worden seien, liege kein Verzicht vor. Die Eheleute teilten
dem Teamleiter am 27. September 2019 mit, dass sie für die Löschung der
Nutzniessung im Grundbuch keine Entschädigung erhalten hätten (EL-act. 38-3).
A.e.
Der Teamleiter hielt in der Stellungnahme des Fachbereichs Ergänzungsleistungen
vom 4. Oktober 2019 fest (EL-act. 37), bei einem ermittelten Einnahmenüberschuss von
Fr. 4'632.-- pro Jahr könne offenbleiben, ob zu Recht nur vom Eigenmietwert
ausgegangen worden sei, oder ob von einem vermutlich höheren marktkonformen
Mietzins hätte ausgegangen werden müssen. Beim ausgabenseitig angerechneten
Mietzins seien vom effektiv bezahlten Betrag von Fr. 1'005.-- richtigerweise der
Tiefgaragenplatz von Fr. 150.-- und vermutlich fälschlicherweise die Kosten für den
Radio-/TV-Anschluss von Fr. 20.-- pro Monat abgezogen worden. Auch diese
Ungenauigkeit bleibe jedoch ohne Einfluss auf das Ergebnis.
A.f.
Mit Entscheid vom 17. Oktober 2019 wies die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache ab (EL-act. 36). Zur Begründung hielt sie fest, in der entschädigungslosen
Löschung der Nutzniessung aus dem Grundbuch im November 2018 sei ein
Einkommensverzicht zu erblicken. Der jährliche Wert der Nutzniessung der Eheleute an
der Liegenschaft entspreche dem Eigenmietwert abzüglich der mit der Nutzniessung
verbundenen Kosten, also dem Hypothekarzins und den Unterhaltskosten. Bei einem
Eigenmietwert von Fr. 18'600.--, Gebäudeunterhaltskosten von Fr. 3'720.-- (20 % des
Eigenmietwerts) und Hypothekarzinsen von Fr. 2'826.-- pro Jahr resultiere ein
anrechenbarer Ertrag aus der Nutzniessung von Fr. 12'054.--. Der in der
angefochtenen Verfügung enthaltene Betrag von Fr. 11'094.-- sei demnach zu tief
angesetzt gewesen. Im Ergebnis sei die angefochtene Verfügung aber richtig. Dieser
Entscheid erwuchs unangefochten in formelle Rechtskraft.
A.g.
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B.
Im Oktober 2020 meldeten sich die Eheleute erneut zum Bezug von
Ergänzungsleistungen an (EL-act. 29). Sie gaben an, dass die Wohnungsmiete
weiterhin Fr. 855.-- pro Monat betrage. Sie besässen Wertschriften im Wert von Fr.
200.-- und ein Fahrzeug im Wert von Fr. 5'200.--. Ihre Altersrenten beliefen sich auf Fr.
21'528.-- und Fr. 21'132.-- pro Jahr. Ein Erwerbseinkommen erzielten sie nicht. Der
Anmeldung lag unter anderem die Schätzung des Steueramtes vom 7. Mai 2013
betreffend das Grundstück Nr. 1727 bei (EL-act. 31-1 f.). Der amtliche Verkehrswert der
Garagen war auf Fr. 25'000.-- und deren Mietwert auf Fr. 1'200.-- geschätzt worden.
Der Saldo auf dem Privatkonto des Ehemannes hatte per 31. Dezember 2019 Fr.
1'184.82 betragen (EL-act. 32-3). Dem Kontoauszug vom Dezember 2019 war zudem
zu entnehmen, dass der Ehemann am 27. Dezember 2019 eine Gutschrift mit dem
Vermerk "Honorar Dezember 19" in der Höhe von Fr. 1'085.-- erhalten hatte. Dieselbe
Person hatte dem Ehemann bereits am 4. Dezember 2019 einen Betrag von Fr. 975.--
überwiesen (ohne Textangabe). Am 31. Dezember 2019 war eine Gutschrift einer
anderen Person (ebenfalls ohne Textangabe) über den Betrag von Fr. 1'000.-- erfolgt.
Das Privatkonto der Ehefrau bei der Bank Z._ hatte am 31. Dezember 2019 einen
Betrag von Fr. 2'179.64 ausgewiesen (EL-act. 32-4).
B.a.
Am 16. Februar 2021 forderte die EL-Durchführungsstelle vom Ehemann die
Krankenkassenpolicen 2021 an (EL-act. 25). Am 15. März 2021 forderte sie weitere
Unterlagen zur Miete, der verkauften Liegenschaft, dem Vermögen und dem im Jahr
2020 erzielten Erwerbseinkommen an (EL-act. 23).
B.b.
Am selben Tag forderte die EL-Durchführungsstelle von der Ausgleichskasse das
Rentenberechnungsblatt oder, sofern nicht vorhanden, die IK-Auszüge der Eheleute an
(EL-act. 22). Die Ausgleichskasse stellte der EL-Durchführungsstelle die
entsprechenden Unterlagen am 17. März 2021 zu (EL-act. 20 f.). Die Ausgleichskasse
hatte für den Ehemann ein für die Rentenberechnung massgebendes
durchschnittliches Einkommen von Fr. 55'666.-- und für die Ehefrau ein solches von Fr.
52'898.-- ermittelt.
B.c.
Die Eheleute teilten der EL-Durchführungsstelle am 23. März 2021 mit, dass der
Ehemann seit Juni 2019 kein Architekturbüro mehr führe (EL-act. 19-3 ff.). Die Ehefrau
B.d.
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habe nur bis 30. Mai 2011 gearbeitet. Der Veranlagungsberechnung 2019 war zu
entnehmen, dass das Einkommen aus der selbständigen Erwerbstätigkeit im Jahr 2019
Fr. 22'510.-- betragen hatte (EL-act. 19-7 f.). Die Erträge aus Wertschriften und
Guthaben hatten sich auf Fr. 60.-- belaufen und der Ertrag aus Liegenschaften auf Fr.
2'170.--. Die Wertschriften und Guthaben hatten Fr. 5'015.--, der Wert des
Motorfahrzeugs hatte Fr. 4'800.-- und das Geschäftskapital in Personengesellschaften
hatte Fr. 1'185.-- betragen. Gemäss einem Auszug der Bank Z._ hatte die Swiss Life
Holding AG - Namenaktie des Ehemannes per 31. Dezember 2019 einen Marktwert von
Fr. 1'457.40 gehabt. Der Habenzins des Privatkontos bei der Bank Z._ hatte sich per
31. Dezember 2019 auf Fr. 0.21 belaufen. Per 31. Dezember 2020 hatte sich auf dem
Privatkonto des Ehemannes bei der Bank Z._ ein Betrag von Fr. 6'692.85 befunden
und der Zins 2020 hatte Fr. 0.02 betragen. Auf dem Privatkonto der Ehefrau bei
derselben Bank hatte sich das Guthaben auf Fr. 1'705.85 und der Zins auf Fr. 0.16
belaufen. Der Anteilsschein der Bank Z._ von Fr. 200.-- hatte einen Zins von Fr. 6.--
abgeworfen.
Die Teamleiterin Ergänzungsleistungen notierte im Feststellungsblatt vom 29. März
2021 unter anderem (EL-act. 18), dass sich der Ehemann als selbständig Erwerbender
per 31. Dezember 2018 abgemeldet habe. Für das Jahr 2019 habe er jedoch noch
Steuern bezahlt. Seine Ehefrau habe letztmals im Jahr 2018 Einkommen als
Arbeitnehmerin versteuert. Die Ehefrau habe sich 2011 − sie habe von 2006 bis 2010
ein BVG-pflichtiges Einkommen gehabt − Kapital auszahlen lassen (Fr. 18'339.90, siehe
EL-act. 62-5). Dieses sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit amortisiert.
B.e.
Mit Verfügung vom 30. März 2021 wies die EL-Durchführungsstelle das Gesuch um
Ergänzungsleistungen wegen eines Einnahmenüberschusses ab (kein EL-Anspruch ab
1. Oktober 2020, EL-act. 13). Zur Begründung hielt sie unter anderem fest, dass die
entschädigungslose Löschung der Nutzniessung aus dem Grundbuch im November
2018 einen Verzicht auf Einkommen darstelle, weshalb der Wert der Nutzniessung
weiterhin in der Berechnung der Ergänzungsleistungen zu berücksichtigen sei. Die EL-
Durchführungsstelle hatte bei den Einnahmen Erträge aus der Nutzniessung von Fr.
18'600.-- angerechnet; bei den Ausgaben hatte sie Hypothekarzinsen von Fr. 2'826.--
und Gebäudeunterhaltskosten von Fr. 3'720.-- berücksichtigt (EL-act. 14 f.). Für die
Zeit ab 1. Januar 2021 hatte sie zum Vergleich eine Berechnung nach den
B.f.
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altrechtlichen und nach den neurechtlichen Bestimmungen vorgenommen, wobei bei
beiden Berechnungen ein Einnahmenüberschuss resultiert hatte.
Gegen diese Verfügung erhoben die Eheleute am 26. April 2021 "vorsorglich"
Einsprache (EL-act. 12). Sie machten sinngemäss geltend, es sei nicht nachvollziehbar,
weshalb für die Zeit ab 1. Januar 2021 zwei Berechnungsblätter erstellt worden seien,
die unterschiedliche Krankenversicherungsprämien als Ausgaben berücksichtigten. Die
Nutzniessung hätten sie am 5. Januar 2017 auf Anraten des Grundbuchamtes
eingetragen. Für die Nutzniessung sei ihnen am 30. Oktober 2017 eine
Grundstücksgewinnsteuer in der Höhe von Fr. 5'629.80 in Rechnung gestellt worden.
Am 20. November 2018 sei die Nutzniessung wieder aus dem Grundbuch gelöscht
worden, da die Kinder das Einfamilienhaus im Januar 2019 verkauft hätten. In diesen
zwei Jahren hätten sie (die Eheleute) nie Geld für die Nutzniessung erhalten. Sie baten
darum, die angerechneten Liegenschaftserträge in der Höhe von Fr. 12'054.-- (Erträge
von Fr. 18'600.-- - Ausgaben von Fr. 6'546.--) in Vermögenswerte (Barwert)
umzurechnen.
B.g.
Mit Entscheid vom 8. Juli 2021 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache ab
(EL-act. 8). Zur Begründung hielt sie fest, dass auf den 1. Januar 2021 eine Revision
des ELG in Kraft getreten sei. Für Bezüger von Ergänzungsleistungen, für die die EL-
Reform insgesamt einen tieferen Betrag der jährlichen Ergänzungsleistungen oder
einen Verlust des Anspruchs auf eine jährliche Ergänzungsleistung zu Folge habe, gelte
während dreier Jahren ab Inkrafttreten der Änderung das bisherige Recht. Das
Übergangsrecht sei nur auf laufende EL-Fälle anwendbar. Demzufolge hätte die EL-
Durchführungsstelle keine Vergleichsberechnungen vornehmen dürfen, sondern es
hätte (ab 1. Januar 2021) lediglich eine Berechnung nach neuem Recht erfolgen sollen,
da vor dem 1. Januar 2021 kein EL-Anspruch bestanden habe. Bei der Berechnung
nach neuem Recht seien die effektiven Prämien für die obligatorische
Krankenversicherung anzurechnen. Da die effektiven Prämien der Eheleute mit je
Fr. 4'688.-- pro Jahr unter der maximal anrechenbaren Durchschnittsprämie lägen,
seien diese anzurechnen. Die Eheleute hätten mit der grundbuchamtlichen Löschung
der Nutzniessung auf die Ausübung der Nutzniessung verzichtet. Dies müsse den
Eheleuten als Verzicht auf Einkommen angerechnet werden. Gemäss den
Steuerunterlagen betrage der Mietwert des Einfamilienhauses mit den Garagen
B.h.
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C.
Fr. 18'600.--. Dieser Betrag müsse als Einkommensverzicht angerechnet werden. Als
Ausgaben seien die Hypothekarzinsen von Fr. 2'826.-- und die Unterhaltskosten von
Fr. 3'720.-- (20 % des Eigenmietwerts) zu berücksichtigen. Die angefochtene
Verfügung sei nicht zu beanstanden.
Mit Schreiben vom 22. Juli 2021 teilten die Eheleute (unterzeichnet nur vom
Ehemann) der zuständigen Rechtdienstmitarbeiterin der EL-Durchführungsstelle mit,
dass im Einspracheentscheid mit keinem Wort erwähnt worden sei, dass sie darum
gebeten hätten, die Liegenschaftserträge (Nutzniessung) in der Höhe von Fr. 12'054.--
(Erträge abzüglich Ausgaben) in Vermögenswerte (Barwerte) umzurechnen. Dies müsse
im Entscheid berücksichtigt werden. Die Eheleute baten darum, ihnen mitzuteilen, ob
die Vermögenswerte (Barwerte) von der GVA (Gebäudeversicherung) oder der
kantonalen Steuerverwaltung umgerechnet würden. Die EL-Durchführungsstelle leitete
dieses Schreiben als Beschwerde dem Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
weiter (act. G 1). Die verfahrensleitende Versicherungsrichterin forderte den Ehemann
am 17. August 2021 auf, dem Gericht bis spätestens 30. August 2021 seinen
Beschwerdewillen zu erklären (act. G 2). Ansonsten könnte auf die Beschwerde nicht
eingetreten werden.
C.a.
Der Ehemann informierte die verfahrensleitende Versicherungsrichterin am 25.
August 2021, dass sein Schreiben vom 22. Juli 2021 keine Beschwerde gewesen sei
(act. G 3). Dass die EL-Durchführungsstelle direkt an das Versicherungsgericht gelangt
sei, erstaune ihn sehr und er frage sich, ob die EL-Durchführungsstelle sein Anliegen
überhaupt verstanden habe. Sollte die EL-Durchführungsstelle die Umrechnung der
Nutzniessung in einen Barwert nicht können oder wollen, so werde er sich an die
kantonale Steuerbehörde wenden.
C.b.
Am 27. August 2021 erkundigte sich die zuständige Versicherungsrichterin tele
fonisch beim Ehemann, ob er tatsächlich keine Beschwerde erheben wolle (act. G 4).
Nachdem sie dem Ehemann erläutert habe, dass er gegen diesen Einspracheentscheid
Beschwerde erheben müsse, wenn er mit der Art der Nutzniessungsanrechnung bei
der EL-Berechnung nicht einverstanden sei, dass er für die Beschwerde keinen Anwalt
benötige und dass das Gerichtsverfahren kostenlos sei, erklärte der Ehemann, nun
C.c.
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Considerations:
Erwägungen
1.
doch Beschwerde führen zu wollen. Am 28. August 2021 (Postaufgabe 30. August
2021) erklärte der Ehemann (nachfolgend: Beschwerdeführer) gegenüber dem
Versicherungsgericht schriftlich, an der Beschwerde vom 22. Juli 2021 festzuhalten
(act. G 5).
Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am
29. September 2021 die Abweisung der Beschwerde (act. G 7). Zur Begründung hielt
sie fest, gemäss Rz. 3482.12 der Wegleitung über die Ergänzungsleistungen (WEL) sei
der Jahreswert der Nutzniessung als Einkommen aus unbeweglichem Vermögen
anzurechnen. Eine andere Berechnungsmethode sei nicht vorgesehen. Die vom
Beschwerdeführer beantragte Anrechnung des Barwertes sei nicht möglich.
C.d.
Der Beschwerdeführer machte in seiner Replik vom 8. November 2021 ergänzend
geltend (act. G 9), gemäss Rz. 3483.05 WEL (Stand 1. Januar 2020) habe die
Kapitalisierung von wiederkehrenden Leistungen − insbesondere von Nutzniessungen
und Wohnrechten − nach der "Tabelle zur Umrechnung Kapitalleistungen in
lebenslängliche Renten", herausgegeben von der Eidg. Steuerverwaltung, zu erfolgen.
Gemäss Rz. 3483.06 WEL sei der Betrag von Vermögenswerten, auf die verzichtet
worden sei, für die EL-Berechnung jährlich um Fr. 10'000.-- zu vermindern. Diese
Verminderung sei in der von der Beschwerdegegnerin erstellten Anspruchsberechnung
nirgends aufgeführt.
C.e.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 11).C.f.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist der Einspracheentscheid
vom 8. Juli 2021. Diesem liegt die Verfügung vom 30. März 2021 zugrunde, mit welcher
die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf Ergänzungsleistungen ab 1. Oktober
2020 wegen eines Einnahmenüberschusses verneint hatte. Da es sich um eine
Neuanmeldung gehandelt hat, sind alle Berechnungspositionen auf ihre Richtigkeit hin
zu überprüfen.
1.1.
Streitgegenstand ist ein möglicher EL-Anspruch für den Zeitraum 1. Oktober 2020
bis 30. März 2021. Per 1. Januar 2021 ist eine EL-Reform in Kraft getreten. Der EL-
1.2.
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2.
Anspruch ab 1. Oktober 2020 ist somit noch nach dem alten Recht zu beurteilen.
Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 22. März 2019 gilt für
Bezügerinnen und Bezüger von Ergänzungsleistungen, für die die EL-Reform
insgesamt einen tieferen Betrag der jährlichen Ergänzungsleistungen oder einen Verlust
des Anspruchs auf eine jährliche Ergänzungsleistung zur Folge hat, während dreier
Jahren ab Inkrafttreten dieser Änderung das bisherige Recht. Um zu bestimmen, ob
das alte oder das neue Recht vorteilhafter ist, sind die Ergänzungsleistungen bei
laufenden Fällen per 1. Januar 2021 einmal nach dem alten und einmal nach dem
neuen Recht zu berechnen (Rz. 2101 des Kreisschreibens zum Übergangsrecht der EL-
Reform, KS-R EL, gültig ab 1. Januar 2021). Als laufende EL-Fälle gelten Fälle, in denen
der EL-Anspruch vor dem 1. Januar 2021 entstanden ist. Dies gilt auch, wenn die
Ergänzungsleistung erst nach dem 1. Januar 2021 verfügt und ausbezahlt werden,
sofern der Beginn des EL-Anspruchs vor diesem Datum liegt (Rz. 1302 KS-R EL). Sollte
das Gericht zum Schluss kommen, dass der Beschwerdeführer ab dem 1. Oktober
2020 (resp. spätestens ab dem 1. Dezember 2020) einen Anspruch auf
Ergänzungsleistungen hat, so hätte per 1. Januar 2021 eine solche Vergleichsrechnung
zu erfolgen. Sollte für die Zeit vom 1. Oktober 2020 bis 31. Dezember 2020 jedoch kein
EL-Anspruch resultieren, wäre der EL-Anspruch ab 1. Januar 2021 lediglich nach dem
neuen Recht zu berechnen (vgl. Rz. 2104 KS-R EL).
Zunächst ist der EL-Anspruch ab 1. Oktober 2020 nach dem alten Recht zu prüfen.2.1.
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung in der bis 31. Dezember 2020 gültigen Fassung, nachfolgend
aELG, SR 831.30). Die anerkannten Ausgaben und die anrechenbaren Einnahmen
werden nach den Art. 10 und 11 aELG sowie den Art. 11 bis 18 der Verordnung über
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung in der bis
31. Dezember 2020 gültigen Fassung (aELV; SR 831.301) ermittelt.
2.2.
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Angerechnet werden auch Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet
worden ist (Art. 11 Abs. 1 lit. g aELG). Gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung ist der Tatbestand dieser Bestimmung erfüllt, wenn der
Anspruchsberechtigte ohne rechtliche Verpflichtung und ohne adäquate Gegenleistung
auf Einkünfte oder Vermögen verzichtet hat (Urteil des Bundesgerichts vom 19. Juni
2018, 9C_435/2017 E. 3.2; BGE 131 V 329 E. 4.2 mit Hinweisen).
2.3.
Wenn eine Person gänzlich auf die Nutzniessung verzichtet – insbesondere,
wenn die Nutzniessung (ohne Gegenleistung) aus dem Grundbuch gelöscht oder gar
nicht erst eingetragen wird – ist deren Jahreswert als Einkommen aus unbeweglichem
Vermögen anzurechnen. Der Jahreswert entspricht dem Mietwert abzüglich jener
Kosten, die vom Nutzniesser im Zusammenhang mit der Nutzniessung übernommen
wurden oder hätten übernommen werden müssen (üblicherweise Hypothekarzinsen
und Gebäudeunterhaltskosten). Für die Bemessung des Mietwerts ist von demjenigen
Ertrag auszugehen, der bei der Vermietung der Liegenschaft tatsächlich erzielt werden
könnte, d. h. von einem marktkonformen Mietzins (Rz. 3482.12 WEL, Stand 1. Januar
2020).
2.3.1.
Unbestritten und nachgewiesen ist, dass die Eheleute ihr Einfamilienhaus samt
Garagen am 5. Januar 2017 ihren beiden Kindern zum amtlichen Verkehrswert von
Fr. 488'000.-- verkauft haben (amtlicher Verkehrswert des Einfamilienhauses gemäss
Schätzung vom Mai 2013: Fr. 463'000.--; amtlicher Verkehrswert der Garagen:
Fr. 25'000.--). Der Kaufpreis war durch die Übernahme der Grundpfandschulden in der
Höhe von Fr. 456'500.-- sowie durch die Anrechnung des kapitalisierten Wertes
gemäss einem mit separatem Beleg neu zu begründenden (lebenslänglichen)
Nutzniessungsrechtes am Einfamilienhaus samt Garagen zugunsten der Eheleute
getilgt worden. Die Beschwerdegegnerin hat nicht geprüft, ob die Eheleute bereits
beim Verkauf der Liegenschaft auf Vermögen verzichtet haben. In der Regel ist der
Marktwert einer Liegenschaft nämlich höher als der amtliche Schätzwert. Allerdings ist
der Wert des lebenslänglichen Nutzniessungsrechtes mit Fr. 31'500.-- wohl auch
deutlich zu tief festgelegt worden. Sollte nicht ohnehin ein Einnahmenüberschuss
resultieren, so wäre noch zu prüfen, ob die Eheleute beim Verkauf ihrer Liegenschaft im
Januar 2017 angemessen entschädigt worden sind und welchen Wert die
Nutzniessung, ausgehend vom Marktmietwert der Liegenschaft (inkl. Garagen), effektiv
gehabt hat.
2.3.2.
Am 21. November 2018 ist das Nutzniessungsrecht bereits wieder aus dem
Grundbuch gelöscht worden. Die Eheleute sind von ihren Kindern für die Löschung der
2.3.3.
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Nutzniessung nicht entschädigt worden. Strittig ist, wie sich dieser Verzicht auf die
Nutzniessung auf die EL-Anspruchsberechnung ausgewirkt hat. Der Beschwerdeführer
hat geltend gemacht, der Verzicht auf die Nutzniessung stelle keinen
Einnahmenverzicht, sondern einen Vermögensverzicht dar, weshalb der Wert der
Nutzniessung in einen Barwert umzurechnen sei. Die Beschwerdegegnerin stellt sich
demgegenüber auf den Standpunkt, beim Verzicht auf die Nutzniessung handle es sich
um einen Einnahmenverzicht.
Der Nutzniesser hat das Recht auf den Besitz, den Gebrauch und die Nutzung
der Sache (Art. 755 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs, ZGB, SR 210). Die
Nutzniessung verleiht dem Nutzniesser also einen Anspruch auf den Ertrag aus einer
Sache. Bei einem Nutzniessungsvermögen ist dies der Zinsertrag, bei einer
Liegenschaft der Mietertrag (entweder in Natura, wenn der Nutzniesser die
Liegenschaft selbst bewohnt, oder in Form des Mietzinses, wenn die Liegenschaft
Dritten vermietet wird). Hätten die Eheleute die Nutzniessung nicht löschen lassen,
hätten sie das Einfamilienhaus zum Marktwert vermieten können. Durch die
grundbuchamtliche Löschung des Nutzniessungsrechtes haben sie also auf Einnahmen
und nicht auf Vermögen, wie der Beschwerdeführer geltend gemacht hat, verzichtet.
Der Beschwerdeführer hat in seiner Replik auf Rz. 3483.05 und Rz. 3483.06 WEL
(Stand 1. Januar 2020) verwiesen. Gemäss Rz. 3483.05 WEL (in der bis 31. Dezember
2020 gültigen Fassung) hat die Kapitalisierung von wiederkehrenden Leistungen −
insbesondere von Nutzniessungen und Wohnrechten − nach der „Tabelle zur
Umrechnung von Kapitalleistungen in lebenslängliche Renten“, herausgegeben von der
Eidg. Steuerverwaltung, zu erfolgen. Diese Regelung bezieht sich lediglich auf den in
Rz. 3483.04 WEL genannten Fall, nämlich wenn die Abtretung der Liegenschaft gegen
eine Nutzniessung oder ein Wohnrecht erfolgt. Sollte die Beschwerdegegnerin also
noch prüfen müssen, ob die Eheleute beim Verkauf der Liegenschaft im Januar 2017
auf Vermögen verzichtet haben, so wäre diese Bestimmung einschlägig. Rz. 3483.06
WEL gibt hauptsächlich Art. 17a aELV wieder. Gemäss Art. 17a Abs. 1 aELV wird der
anzurechnende Betrag von Vermögenswerten, auf die verzichtet worden ist, jährlich um
Fr. 10'000.-- vermindert. Diese Bestimmung bezieht sich also nur auf Fälle, in denen
auf Vermögen verzichtet worden ist. Für Einnahmenverzichte sieht das Gesetz keine
Amortisationsregelung vor. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die
Beschwerdegegnerin den Verzicht auf die Nutzniessung korrekterweise als
Einnahmenverzicht qualifiziert und in der Anspruchsberechnung damit zu Recht
hypothetische Erträge angerechnet hat.
2.3.4.
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Zu prüfen bleibt die Höhe der anzurechnenden hypothetischen Erträge aus dem
Verzicht auf die Nutzniessung. Entgegen der Vorgabe in Rz. 3482.12 WEL (Stand 1.
Januar 2020) hat die Beschwerdegegnerin zur Ermittlung der Höhe der anrechenbaren
hypothetischen Erträge den amtlichen Mietwert und nicht einen marktkonformen
Mietzins herangezogen. Da der marktkonforme Mietzins in der Regel höher ist als der
vom Steueramt festgelegte Mietwert, müsste also noch die Höhe des marktkonformen
Mietzinses ermittelt werden, sofern nicht bereits unter Berücksichtigung des amtlichen
Mietwerts ein Einnahmenüberschuss resultiert. Gemäss Rz. 3482.12 WEL (Stand 1.
Januar 2020) sind vom marktkonformen Mietzins diejenigen Kosten abzuziehen, die
vom Nutzniesser im Zusammenhang mit der Nutzniessung übernommen wurden oder
hätten übernommen werden müssen (üblicherweise Hypothekarzinsen und
Gebäudeunterhaltskosten). Die Beschwerdegegnerin hat auf der Ausgabenseite fiktive
Hypothekarzinsen von Fr. 2'826.-- pro Jahr und fiktive Gebäudeunterhaltskosten von
Fr. 3'720.-- pro Jahr abgezogen. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass es keine
gesetzliche Grundlage dafür gibt, die fiktiven Kosten aus der Nutzniessung auf der
Ausgabenseite zu berücksichtigen. Anders als beispielsweise bei einem Akzeptieren zu
hoher Unterhaltsbeiträge in einem Scheidungsverfahren begeht eine Person beim
Verzicht auf eine Nutzniessung in Bezug auf die fiktiven Hypothekarzinsen und
Gebäudeunterhaltskosten keine Verzichtshandlung, weshalb diese fiktiven Kosten nicht
gestützt auf Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG als Ausgaben in der Anspruchsberechnung
berücksichtigt werden können. Allerdings hat die Beschwerdegegnerin diesen Fehler
richtig kompensiert, indem sie auf der Einnahmenseite nicht den hypothetischen Netto-
Mietzins aus der Nutzniessung, sondern den Brutto-Mietzins angerechnet hat. Die
Verzichtshandlung hat sich effektiv nur auf das Fehlen des Netto-Nutzniessungsertrags
(also nach Abzug der mit der Nutzniessung verbundenen Ausgaben) ausgewirkt,
weshalb lediglich dieser von Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG abgedeckt ist. Die
Beschwerdegegnerin hat für die Höhe der Hypothekarzinsen auf die Steuerveranlagung
des Jahres 2018 abgestellt, in welcher Schuldzinsen von Fr. 2'826.-- ausgewiesen sind
(EL-act. 27). Die Höhe der Gebäudeunterhaltskosten hat sie anhand von Art. 16 Abs. 1
aELV ermittelt, gemäss welchem für die Gebäudeunterhaltskosten der für die direkte
kantonale Steuer im Wohnsitzkanton anwendbare Pauschalabzug gilt. Gemäss Art. 44
Abs. 4 des st. gallischen Steuergesetzes (sGS 811.1) i.V.m. Art. 29 Abs. 1 der
st. gallischen Steuerverordnung (sGS 811.11) kann für vorwiegend Wohnzwecken
dienende Liegenschaften anstelle der tatsächlichen Kosten ein Pauschalabzug von
20 % des Bruttomietertrags ohne Nebenkosten oder des angerechneten
Eigenmietwerts geltend gemacht werden. Die Beschwerdegegnerin hat bei der
Ermittlung der anrechenbaren hypothetischen Ausgaben des Nutzniessungsrechts
2.3.5.
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übersehen, dass es sich bei den Hypothekarzinsen und Gebäudeunterhaltskosten um
die üblicherweise vom Nutzniesser übernommenen Kosten handelt. Das
Schweizerische Zivilgesetzbuch (ZGB, SR 210) sieht in Art. 765 Abs. 1 vor, dass die
Auslagen für den gewöhnlichen Unterhalt und die Bewirtschaftung der Sache, die
Zinsen für die darauf haftenden Kapitalschulden sowie die Steuern und Abgaben im
Verhältnis zur Dauer seiner Berechtigung der Nutzniesser trägt. Diese Bestimmung ist
jedoch dispositiver Natur, das heisst, der Nutzniesser und die Eigentümer können eine
andere Aufteilung der Kostentragung vorsehen (Christoph Thurnherr, N 1 zu Art. 765
ZGB, in: Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Peter Breitschmid/Alexandra
Jungo [Hrsg.], 3. Auflage 2016). In Ziff. 14 des Kaufvertrags vom 5. Januar 2017 ist
festgehalten, dass die neuen Eigentümer (d.h. die Kinder) den Eheleuten gemäss
separater Vereinbarung das lebenslängliche Nutzniessungsrecht am Einfamilienhaus
und den Garagen gewähren. Diese separate Vereinbarung liegt nicht bei den Akten und
ist von der Beschwerdegegnerin auch nie angefordert worden. Somit ist nicht bekannt,
welche Ausgaben den Eheleuten im Zusammenhang mit der Nutzniessung angefallen
sind bzw. ohne die Löschung des Nutzniessungsrechts ab dem 1. Oktober 2020
(frühestmöglicher Beginn des EL-Anspruchs) weiterhin angefallen wären. Die
Beschwerdegegnerin wird somit vom Beschwerdeführer noch die entsprechende
Vereinbarung anfordern müssen. Sollte sich aus dieser Vereinbarung ergeben, dass die
Eheleute die Hypothekarzinsen zu tragen haben, so müsste die Beschwerdegegnerin
zudem noch die Höhe der im Zeitpunkt der Entstehung der Nutzniessung (Januar 2017)
auf der Sache lastenden Hypothekarzinsen anhand des entsprechenden
Hypothekarvertrags und der entsprechenden Zahlungsbelege ermitteln. Die Angaben in
den Steuerveranlagungen reichen hierfür nicht aus, zumal sich die abzugsfähigen
Schuldzinsen im Jahr 2018 (Fr. 2'826.--, EL-act. 47) gegenüber dem Jahr 2017 (Fr.
6'879.--, EL-act. 17) und den Jahren 2014/2015 (Fr. 8'767.--, EL-act. 65-1 und 63-5
[Bankbeleg]; Steuerveranlagung/Bankbeleg 2016 liegt nicht bei den Akten) erheblich
reduziert haben. Bezüglich der Auslagen für den gewöhnlichen Unterhalt bleibt
anzumerken, dass sich der in Art. 16 aELV vorgesehene Pauschalabzug für die
Gebäudeunterhaltskosten auf den Normalfall des sämtliche Unterhaltskosten
tragenden Eigentümers bezieht, also nicht nur den gewöhnlichen Unterhalt, sondern
auch die Hauptreparaturen umfasst (vgl. Art. 10 Abs. 3 lit. b aELG). Ob sich die
Verwaltungspraxis, die auch beim Nutzniesser einer Liegenschaft diese
Unkostenpauschale in der Anspruchsberechnung berücksichtigt, mit Art. 10 Abs. 3 lit.
b aELG in Übereinstimmung bringen lässt, ist zu bezweifeln, da der Nutzniesser
dadurch einen ungerechtfertigten Vorteil in der Form zu hoher anerkannter Ausgaben
erlangen kann (Ralph Jöhl/Patricia Usinger-Egger, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV,
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in: Soziale Sicherheit, SBVR Bd. XIV, 3. Aufl. 2016, S. 1837, N 154). Sollte sich
herausstellen, dass die Eheleute (nur) die Kosten für den gewöhnlichen Unterhalt haben
bzw. hätten tragen müssen, so müsste wohl noch − sofern nicht bereits unter Abzug
des Pauschalbetrags ein Einnahmenüberschuss resultiert − die Höhe der gewöhnlichen
Unterhaltskosten (im Zeitpunkt des Beginns der Nutzniessung) ermittelt werden.
Demnach steht die Höhe der anrechenbaren hypothetischen Netto-Erträge aus der
Nutzniessung nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest.
Die Beschwerdegegnerin hat nicht geprüft, ob die Eheleute in den Jahren vor ihrer
Anmeldung zum Bezug von Ergänzungsleistungen allenfalls durch einen überhöhten
Vermögensverbrauch auf Vermögen verzichtet haben. Sollte trotz der Anrechnung der
hypothetischen Erträge aus der Nutzniessung − deren Höhe noch zu ermitteln sein wird
(vgl. E. 2.3) − ein Ausgabenüberschuss resultieren, so wären auch hierzu weitere
Abklärungen notwendig. Das Vermögen des Beschwerdeführers hat sich per
31. Dezember 2015 nämlich noch auf Fr. 120'764.87 belaufen (davon Fr. 88'731.65
Vorsorgevermögen; EL-act. 64), per 31. Dezember 2019 hingegen nur noch auf
Fr. 5'021.-- (siehe EL-act. 18-1 f., 19-11 f., 32-3, 29-4). Auffallend ist auch, dass die
Wertschriften und Guthaben, obwohl die Eheleute im Jahr 2018 Einkünfte in der Höhe
von insgesamt Fr. 117'955.-- gehabt haben (EL-act. 47-1), zwischen Ende 2017 und
Ende 2018 um Fr. 26'368.-- abgenommen haben (EL-act. 47-2).
2.4.
Gemäss Art. 10 Abs. 1 lit. b aELG werden bei zu Hause lebenden Personen der
Mietzins einer Wohnung und die damit zusammenhängenden Nebenkosten als
Ausgaben anerkannt; als jährlicher Höchstbetrag werden bei Ehepaaren Fr. 15'000.--
anerkannt (Ziff. 2). Laut dem eingereichten Mietvertrag (EL-act. 33) beträgt der Netto-
Mietzins für die Wohnung Fr. 660.--, der Mietzins für den Tiefgaragenplatz Fr. 150.--
und die Nebenkosten betragen Fr. 295.-- pro Monat. Der zu zahlende Mietzins müsste
sich also auf Fr. 1'105.-- belaufen. Im Mietvertrag steht allerdings, dass lediglich ein
Mietzins von total Fr. 1'005.-- pro Monat zu bezahlen sei. Gemäss dem eingereichten
Bankbeleg hat der Beschwerdeführer denn auch einen Dauerauftrag für eine
Überweisung von Fr. 1'005.-- an seinen Sohn, welcher gleichzeitig sein Vermieter ist,
eingerichtet (EL-act. 33-3). Ob es sich hierbei um ein Versehen oder um einen
absichtlichen Mietzinserlass um Fr. 100.-- pro Monat gehandelt hat, ergibt sich nicht
aus den Akten. Die Beschwerdegegnerin hat den anrechenbaren Mietzins ermittelt,
indem sie von den tatsächlich bezahlten Fr. 1'005.-- Fr. 150.-- für den Tiefgaragenplatz
und Fr. 20.-- für die Radio- und TV-Gebühren abgezogen hat. Den Mietzins für den
Tiefgaragenplatz hat die Beschwerdegegnerin richtigerweise nicht als Ausgabe
angerechnet, da dieser nicht dem Wohnzweck dient. Ob die Radio- und TV-Gebühren
2.5.
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im Mietzins enthalten sind oder nicht, geht aus dem Mietvertrag nicht hervor (siehe
auch EL-act. 37-2). Nur wenn sie im Mietzins enthalten sind, dürfen sie abgezogen
werden, da diese Kosten über den Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf zu decken
sind. Akzeptiert ist allerdings nicht die von der Beschwerdegegnerin selbst (zur
Verminderung des entsprechenden Abklärungsaufwandes) geschaffene Pauschale von
Fr. 20.--, sondern der effektive Betrag, der von der Beschwerdegegnerin noch
abzuklären ist. Ob es tatsächlich − wovon die Beschwerdegegnerin ausgegangen ist −
dem Willen der Parteien resp. insbesondere des Vermieters im Zeitpunkt des
Abschlusses des Vertrages entsprochen hat, einen Rabatt von Fr. 100.-- pro Monat
lediglich auf den Mietzins für die Wohnung zu gewähren, womit der effektive Mietzins
für die Wohnung noch Fr. 560.-- (statt wie angegeben Fr. 660.--) betragen hätte, geht
aus den Akten nicht hervor. Die Reduktion könnte sich nämlich auch anteilsmässig auf
alle Berechnungspositionen (Wohnung, Tiefgaragenplatz und Nebenkosten) bezogen
haben oder es könnte sich lediglich um eine Reduktion der Mietkosten für den
Tiefgaragenplatz gehandelt haben (d.h. dass dieser effektiv noch Fr. 50.-- pro Monat
gekostet hat und nicht Fr. 150.--). Die Beschwerdegegnerin wird somit hinsichtlich des
anrechenbaren Mietzinses noch weitere Abklärungen tätigen müssen.
Die Beschwerdegegnerin hat in der Anspruchsberechnung ab 1. Oktober 2020
zwei Fahrzeuge zu einem Wert von insgesamt Fr. 7'400.-- berücksichtigt (Fr. 2'600.--
und Fr. 4'800.--, siehe EL-act. 18-2). Während in der Veranlagungsverfügung 2018
noch zwei Fahrzeuge angegeben sind (EL-act. 47-2), ist in der Veranlagungsverfügung
2019 lediglich noch eines enthalten (EL-act. 19-7). In der EL-Anmeldung vom August
2019 hat der Beschwerdeführer angegeben, dass das zweite Fahrzeug per 31.
Dezember 2019 wegfalle (EL-act. 48-4). Die Eheleute hatten gemäss dem Mietvertrag
denn auch nur bis 31. Dezember 2019 Anspruch auf die kostenlose Benützung eines
zweiten Tiefgaragenparkplatzes (EL-act. 33). Somit bleibt unklar, weshalb die
Beschwerdegegnerin das zweite Fahrzeug trotzdem in der Anspruchsberechnung ab 1.
Oktober 2020 berücksichtigt hat. Die Beschwerdegegnerin wird also noch einmal
überprüfen müssen, ob das Fahrzeug mit dem Wert von Fr. 2'600.-- tatsächlich noch
als Vermögenswert in der EL-Anspruchsberechnung zu berücksichtigen ist.
Betragsmässig hat sie die Werte der beiden Fahrzeuge richtig erfasst.
2.6.
Gemäss Art. 11 Abs. 1 lit b aELG werden auch Einkünfte aus beweglichem und
unbeweglichem Vermögen als Einnahmen angerechnet. Die Beschwerdegegnerin hat
ab dem 1. Oktober 2020 Erträge aus Sparguthaben und Wertschriften von Fr. 55.--
angerechnet. Im Feststellungsblatt vom 29. März 2021 hatte sie noch einen Zins von
Fr. 49.-- ermittelt (EL-act. 18-2). Die Steuerveranlagung 2019 weist Einkünfte aus
2.7.
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Wertschriften und Guthaben von Fr. 60.-- aus (EL-act. 19-7). Die Beschwerdegegnerin
wird somit auch die effektive Höhe der anrechenbaren Vermögenserträge ermitteln
müssen.
Als Einnahmen werden zwei Drittel der Erwerbseinkünfte, soweit sie bei Ehepaaren
Fr. 1'500.-- übersteigen, angerechnet (Art. 11 Abs. 1 lit. a aELG). Der Beschwerdeführer
hat in seinem Schreiben vom 23. März 2021 angegeben, dass er seit Juni 2019 kein
Architekturbüro mehr führe (EL-act. 19-3). Gemäss der Steuerveranlagung 2019 hat er
im Zeitraum 1. April 2019 bis 31. Dezember 2019 jedoch noch einen Umsatz von Fr.
23'052.-- erzielt (EL-act. 19-8). Des Weiteren ist dem Auszug des Privatkontos des
Beschwerdeführers bei der Bank Z._ vom Dezember 2019 ein Honorareingang
(explizit) für den Dezember 2019 von D._ zu entnehmen (27. Dezember 2019 über
den Betrag von Fr. 1'085.--). Auch bei weiteren Zahlungseingängen könnte es sich um
Honorare handeln: D._ hatte dem Beschwerdeführer bereits am 4. Dezember 2019
einen Betrag von Fr. 975.-- überwiesen (ohne Vermerk) und am 31. Dezember 2019
hatte der Beschwerdeführer von E._ eine Gutschrift von Fr. 1'000.-- erhalten
(ebenfalls ohne Vermerk). Die Beschwerdegegnerin wird also noch prüfen müssen, ob
der Beschwerdeführer ab dem 1. Oktober 2020 tatsächlich keine Erwerbseinkünfte
mehr erzielt hat.
2.8.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass insbesondere weitere Abklärungen
hinsichtlich der abzugsfähigen hypothetischen Liegenschaftsaufwände notwendig sind,
um beurteilen zu können, ob die Eheleute ab dem 1. Oktober 2020 einen Anspruch auf
Ergänzungsleistungen haben. Je nach Höhe der hypothetischen
Liegenschaftsaufwände wird die Beschwerdegegnerin auch weitere Abklärungen zum
marktkonformen Mietzins aus der Nutzniessung (hypothetischer Mietertrag), den
Vermögenserträgen, allfälligem Einkommen aus selbständiger Tätigkeit, dem Verbleib
des zweiten Fahrzeugs und dem Mietzins für die vom Beschwerdeführer und seiner
Ehefrau bewohnten Räumlichkeiten vornehmen müssen.
2.9.
Mit Bezug auf die Prüfung des EL-Anspruchs ab 1. Januar 2021 nach den
neurechtlichen Bestimmungen ist folgendes festzuhalten: Der als Ausgabe
anrechenbare Betrag für die obligatorische Krankenpflegeversicherung entspricht neu
lediglich noch der tatsächlichen Prämie, sofern diese tiefer ist als der jährliche
Pauschalbetrag in der Höhe der kantonalen bzw. regionalen Durchschnittsprämie der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung (Art. 10 Abs. 3 lit. d nELG). Da die
effektiven Krankenkassenprämien mit Fr. 4'688.40 je Ehepartner (EL-act. 24-2 f.) ab 1.
Januar 2021 tiefer gewesen sind als der Pauschalbetrag (Fr. 5'016.-- pro Person), hat
die Beschwerdegegnerin (in der Vergleichsrechnung nach den neurechtlichen
2.10.
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3.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. f ATSG).