Decision ID: ae7e3402-9c31-4403-a463-b33099f3def7
Year: 2007
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
des Sachverhaltes zu ermitteln, stattdessen unterschlage diese die beiden
Arbeitsbemühungen. Schon am 23. Juni 2006 habe er der
Beschwerdegegnerin mitgeteilt, er habe bereits 18 Monate vor seiner
Erwerbslosigkeit die Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit nach der
Beendigung seines Arbeitsverhältnisses bei der ... beabsichtigt. Die
Ausführungen der Beschwerdegegnerin betreffend qualitativer Kriterien der
Arbeitsbemühungen seien Erbsenzählerei. Er habe über 18 Monate vor seiner
Erwerbslosigkeit in über 2’000 Arbeitsstunden mit der Erstellung einer
Internetdienstleistung die Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit
geplant gehabt. Auch geldwerte Aufträge, ob sie nun in einem
Beschäftigungsverhältnis oder auf freiberuflicher Basis erteilt werden, stellten
Arbeitsbemühungen dar, zumal solche Tätigkeiten durchaus in ein
Beschäftigungsverhältnis münden könnten. Die Beschwerdegegnerin
honoriere Leistungen aus selbständiger Erwerbstätigkeit und
Zwischenverdienste. Dies sei widersprüchlich, weil sie dem
Beschwerdeführer durch den Besuch eines Kurses zur Aufnahme einer
selbständigen Erwerbstätigkeit bezüglich seiner Internetdienstleistungen
sogar noch helfe. Er sei am 31. März 2006 arbeitslos geworden. Damals habe
er gar nicht beabsichtigt, sich bei der ALV zu melden, sondern vielmehr eine
selbständige Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Dies sei aber durch die illegale
Aneignung seines Personenwagens durch einen Dritten vereitelt worden. Er
sei erschüttert über die Oberflächlichkeit des Vorgehens der
Beschwerdegegnerin, welche auf seine Argumentation gar nicht eingetreten
sei.
7. In ihrer Stellungnahme vom 22. Januar 2007 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zwar werde das vom
Versicherten innerhalb einer Kontrollperiode aus unselbständiger oder
selbständiger Erwerbstätigkeit erzielte Einkommen als Zwischenverdienst
berücksichtigt, jedoch sei der Beschwerdeführer im Rahmen seiner
Schadensminderungspflicht verpflichtet, zumutbare befristete
Beschäftigungen oder auch Zwischenverdienste anzunehmen. Demzufolge
könnten die zwei genannten Anfragen nicht berücksichtigt werden. Zudem
würden diese Anfragen im Ergebnis nichts ändern, selbst wenn sie als
Arbeitsbemühungen gewertet werden könnten. Der Beschwerdeführer hätte
dann fünf Arbeitsbemühungen vorgenommen, welche immer noch nicht
genügen würde. Die Erstellung einer Internetdienstleistung zur Planung der
Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit könne nicht berücksichtigt
werden. Es seien keine Anhaltspunkte ersichtlich, welche die Herabsetzung
der Einstelldauer rechtfertigen würden.
Auf die weiteren Ausführungen wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Am 1. Januar 2007 ist das neue Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege
(VRG; BR 370.100) in Kraft getreten, welches das bisherige
Verwaltungsgerichtsgesetz (VGG; BR 370.100) und für das
Versicherungsgericht (Art. 49 Abs. 2 VRG) die bisherige grossrätliche
Verordnung über das Verfahren in Sozialversicherungsstreitsachen (VVS; BR
542.300) abgelöst hat. Übergangsrechtlich bestimmt Art. 85 Abs. 2 VRG, dass
sich die Weiterziehbarkeit und das Rechtsmittelverfahren nach neuem Recht
richten, wenn bei dessen In-Kraft-Treten die Rechtsmittelfrist noch nicht
abgelaufen ist. Umgekehrt gilt noch das bisherige Recht, wenn die
Rechtsmittelfrist vor dem 1. Januar 2007 bereits abgelaufen ist. Hier hat die
30-tägige Beschwerdefrist gemäss Art. 60 VRG erst im Jahre 2007 geendet,
weshalb vorliegend neues Recht zur Anwendung kommt.
2. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Beschwerdeverfahren bildet der
Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 15. Dezember 2006 bzw.
die diesem zugrunde liegende Einstellungsverfügung vom 26. Juni 2006.
Nachfolgend gilt es zu prüfen, ob der Beschwerdeführer zu Recht für die
Dauer von 12 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt wurde, ob
diesem die angefallenen Kosten zu erstatten und die unentgeltliche
Prozessführung zu gewähren sind.
3. a) Gemäss Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0)
muss der Versicherte, unterstützt durch das Arbeitsamt, alles Zumutbare
unternehmen, um die Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen.
Insbesondere ist er verpflichtet, Arbeit zu suchen. Ist die Arbeitslosigkeit
bereits im Voraus absehbar, so verlangt die Schadenminderungspflicht die
Vornahme von Arbeitsbemühungen noch während des laufenden
Arbeitsverhältnisses (ARV 1987 Nr. 2 S. 41 E. 1). Diese Eigeninitiative des
Versicherten hat sich, wenn nötig, auch auf ausserberufliche
Arbeitsgelegenheiten zu erstrecken, allerdings unter Beachtung der
Zumutbarkeitsregeln von Art. 16 AVIG (Gerhards, Kommentar zum AVIG,
Bern 1988, Bd I, N 13 zu Art. 17). Wie intensiv die Arbeitsbemühungen sein
müssen, ist gesetzlich nicht festgelegt. Die Zahl richtet sich je nach Branche,
Arbeitsmarktlage und nach der persönlichen Situation des Arbeitslosen (vgl.
Spühler, Grundriss des Arbeitslosenversicherungsrechts, Bern 1985, S. 47
ff.). Wie viele Bewerbungen ein Versicherter einzureichen hat, lässt sich
demnach nicht in allgemein gültiger, genereller Weise festlegen. Vielmehr ist
auf die konkrete Situation des jeweiligen Einzelfalles unter Würdigung all
seiner Umstände Bezug zu nehmen. Die persönlichen Arbeitsbemühungen
müssen jedoch in der Regel streng beurteilt werden. Es gilt der Grundsatz,
dass die Arbeitsbemühungen umso intensiver sein müssen, je weniger
Aussicht ein Versicherter hat, eine Stelle zu finden. Es kommt dabei auf die
Tatsache und die Intensität des Bemühens an, nicht auf den Erfolg dieser
Bemühungen (vgl. VGE 439/95, VGU S 01 211). Nach konstanter Praxis des
Eidgenössischen Versicherungsgerichtes und des kantonalen
Verwaltungsgerichtes werden in der Regel acht bis zehn Bewerbungen im
Monat als ausreichend im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG angesehen (vgl.
ARV 1980 Nr. 45; PVG 1985 Nr. 78). Dabei ist nicht nur die Quantität der
eingereichten Bewerbungen von Bedeutung, sondern auch deren Qualität
(vgl. BGE 112 V 217 Erw. 1 b). Nach Art. 26 Abs. 1 der Verordnung über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung
(AVIV; SR 837.02) muss sich der Versicherte nämlich gezielt um Arbeit
bemühen, in der Regel in Form einer ordentlichen Bewerbung mit
schriftlichem Gesuch oder persönlicher Vorsprache. Grundsätzlich sind
monatlich zehn Arbeitsbemühungen nachzuweisen. Wird die persönliche
Bemühung um zumutbare Arbeit nicht genügend belegt, ist der Versicherte
nach Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG in der Anspruchsberechtigung einzustellen.
b) Vorliegend machte der Beschwerdeführer geltend, er habe zusätzlich zu der
in der Verfügung vom 26. Juni 2006 aufgeführten Arbeitsbemühung weitere
fünf vor seiner Arbeitslosigkeit getätigt. Gemäss Art. 26 Abs. 2 AVIV muss der
Versicherte seine Bemühungen um Arbeit nachweisen. Die
Sachverhaltsermittlung hat zwar grundsätzlich von Amtes wegen zu erfolgen,
die betroffenen Parteien haben jedoch eine Mitwirkungspflicht, um die für die
Beurteilung des Sachverhaltes notwendigen Beweise im Rahmen des ihnen
zumutbaren zu erbringen, allenfalls sie die Folgen der Beweislosigkeit zu
tragen haben (ARV 1990 N 12 S.67 E.b). Der Beschwerdeführer hat nur
gerade zwei der fünf von ihm in seiner Einsprache behaupteten zusätzlichen
Arbeitsbemühungen nachweisen können. Dabei handelt es sich um die per
Email getätigten Bewerbungen bei der yahoo-inc und bei der alexa-inc. Bei
den anderen vom Beschwerdeführer eingereichten Unterlagen handelt es
sich um Anfragen betreffend Projektfinanzierung und Aufträge, weshalb sie
vorliegend nicht berücksichtigt werden können. Selbst wenn jedoch alle vom
Beschwerdeführer behaupteten angeführten Arbeitsbemühungen akzeptiert
werden könnten, könnte er höchstens sechs persönliche Arbeitsbemühungen
vorweisen, was im Hinblick auf die verlangten zehn Arbeitsbemühungen
eindeutig zu wenig ist. Somit ist erstellt, dass der Beschwerdegegner den
Beschwerdeführer zu Recht in der Anspruchsberechtigung eingestellt hat.
c) Damit bleibt zu klären, ob die angefochtene Verfügung vom 26. Juni 2006
auch hinsichtlich der Dauer der Einstellung rechtmässig ist. Gemäss Art. 30
Abs. 3 AVIG bemisst sich diese nach dem Grad des Verschuldens, das sich
der Beschwerdeführer vorwerfen lassen muss. Sie beträgt je nach
Einstellungsgrund höchstens 60 Tage. Bei leichtem Verschulden bewegt sie
sich zwischen einem und fünfzehn Tagen (Art. 45 Abs.2 AVIV). Die
Verfügungsinstanzen haben hierbei einen grossen Ermessensspielraum,
dabei entspricht es geltender Praxis, dass bei fehlenden oder ungenügenden
Arbeitsbemühungen die versicherte Person erst einmal im Bereich des
leichten Verschuldens eingestellt wird (Gerhards, a.a.O., Art. 30 N 52). Die
Tatsache, dass der Beschwerdeführer im Nachhinein zwei weitere
Arbeitsbemühungen nachweisen konnte, hat auf die Anzahl der Einstelltage
keine Auswirkungen. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer für
12 Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt. Gemäss dem
Kreisschreiben des Seco vom 1. Januar 2003, welchem für die
Verwaltungsorgane Weisungscharakter zukommt, entspricht die gewählte
Einstellungsdauer erwähnter Vorlage. An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen,
dass das Gericht an dieses Kreisschreiben nicht gebunden ist. Ergibt sich
jedoch, dass die Vorinstanz die Einstellungsdauer im Rahmen ihres
zulässigen Ermessens verfügt hat, gibt es keinen Grund, diese Verfügung zu
beanstanden. Unter Berücksichtigung der erwähnten Überlegungen ist die
Einstellung in der Anspruchsberechtigung im oberen Bereich des leichten
Verschuldens völlig korrekt berechnet worden.
4. Zusammenfassend ergibt sich somit, dass der Beschwerdeführer zu Recht in
der Anspruchsberechtigung eingestellt wurde. Die Einstellungsdauer von 12
Tagen erweist sich als korrekt, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
5. Gemäss Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ist das kantonale
Beschwerdeverfahren in Sozialversicherungsstreitigkeiten – ausser bei
leichtsinniger oder mutwilliger Prozessführung – kostenlos, weshalb
vorliegend keine Kosten erhoben werden. Somit ist das Begehren um
unentgeltliche Rechtspflege ohne Grundlage, zumal der Beschwerdeführer
auch nicht anwaltlich vertreten ist.
Eine aussergerichtliche Entschädigung für den Beschwerdegegner entfällt
gemäss Art. 61 lit. g ATSG (Umkehrschluss).