Decision ID: f26fad10-093b-44b8-aeec-ab783d9356b0
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1959 und ohne Berufsabschluss, arbeitete ab August 1989 in einem Vollzeitpensum als Bediener von Metallbearbeitungsmaschinen bei der
Y._
(Urk.
2/
8/9/28, Urk.
2/
8/11) und war dadurch bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen versichert. Überdies war er ab November 1997 nebener
werblich als Hauswart bei der
Z._
angestellt (Urk.
2/
8/6). Am 23. Februar 2008 stürzte
X._
beim Skifahren in
A._
und zog sich eine Verletzung an der rechten Schulter (dislozierte Humeruskopf-3-Fragmentfraktur rechts) zu, welche am 29. Februar 2008 im
B._
operativ versorgt wurde (Urk.
2/
8/9/45, Urk.
2/
8/9/51). Die Suva kam für die Heil
behandlung auf und gewährte dem Versicherten Taggelder. Sodann sprach sie ihm mit Verfügung vom 30. Juni 2011 (Urk.
2/
8/29) eine auf einer Erwerbs
unfä
higkeit von 25 % beruhende Invalidenrente ab 1. Mai 2011 sowie eine In
tegri
tätsentschädigung auf der Basis einer Integritätseinbusse von 25 % zu.
1.2
Unter Hinweis auf das vorerwähnte Unfallereignis meldete sich
X._
am 22. Dezember 2008 erstmals zum Bezug von Leistungen der Invalidenversiche
rung an (Urk.
2/
8/2). Ausgehend von einer verspäteten Anmeldung sprach ihm die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Verfügung vom 12. Januar 2012 (Urk.
2/
8/47-49) vom 1. Juni bis 31. Oktober 2009 eine ganze Rente (Invaliditätsgrad von 100 %) und vom 1. November 2009 bis 30. April 2011 eine halbe Rente (Invaliditätsgrad von 50 %) zu. Für die Zeit danach ver
neinte sie einen Rentenanspruch des Versicherten ausgehend von einem Invali
ditätsgrad von 25 %.
1.3
Am 3. Mai 2013 ersuchte
X._
unter Angabe einer anhaltenden somato
for
men Schmerzstörung und einer mittelgradigen depressiven Episode erneut um Leistungen der Invalidenversicherung (Urk.
2/
8/51). Im Zuge ihrer Abklärungen gab die IV-Stelle beim
C._
ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag, welches am 18. Ju
l
i 2014 (Urk.
2/
8/82) erstattet und am 17. Juli 2014 (Urk.
2/
8/86) mit Beantwortung von Rückfragen des regionalen ärztlichen Dienstes (RAD; Urk.
2/
8/84) ergänzt wurde. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 14. Oktober 2014, Urk.
2/
8/93; Einwand 28. Oktober 2014, Urk.
2/
8/98), in dessen Verlauf ergän
zende Abklärungen getätigt wurden (Urk.
2/
8/103-105), verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 11. Dezember 2014 (Urk.
2/
2) einen Rentenan
spruch des Ver
sicherten gestützt auf einen In
validitätsgrad von 37 %. Gleich
zeitig verneinte sie einen Anspruch auf Unterst
ützung bei der Stellensuche (Ar
beitsvermittlung) durch die
Invalidenversiche
rung, da diesbezüglich keine ge
sundheitlich bedingte Einschränkung bestehe und demzufolge das Regionale Arbeitsvermittlungszent
rum (RAV) zuständig sei.
1.4
Die gegen die Verfügung vom 11. Dezember 2014 erhobene Beschwerde (Urk. 2/1) wurde mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 19. Dezember 2017 (Urk. 2/10)
im Verfahren IV.2015.00099
abgewiesen. Mit Urteil 8C_125/2018 vom 9. Juli 2018 (Urk. 2/13 = Urk. 1) hiess das Bundesgericht die dagegen erho
bene Beschwerde teilweise gut, hob den Entscheid des hiesigen Gerichts vom 19. Dezember 2017 sowie die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 11. De
zember 2014 auf und wies die Sache an das kantonale Gericht zur Einholung eines Gerichtsgutachtens und zum Neuentscheid über den Leistungsanspruch zu
rück.
2.
Im vorliegenden, neu angelegten Verfahren erstattete
Dr.
med.
D._
, Facharzt Psychiatrie und Psychiatrie,
am 18. November 2019 das vom hiesigen Gericht in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten (Urk. 18).
Zuvor hatte der Beschwer
deführer am 2
1.
Juni 2019 (
Urk.
11) wegen der eingetretenen Verzögerung um Begutachtung an einer anderen Stelle ersucht und einen medizinischen Bericht betreffend Hand- und Ellbogenverletzung aufgrund eines am
4.
Juni 2019 erlit
tenen Unfalls aufgelegt (
Urk.
12).
Am 4. Dezember 2019 (Urk. 24) teilte der Beschwerdeführer mit, dass das psychi
atrische Gutachten als Entscheidungsgrundlage nicht genüge. In ihrer Stellung
nahme vom 17. Dezember 2019 (Urk. 25) hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde und Bestätigung der angefochtenen Ver
fügung vom 11. Dezember 2015 fest.
Die Eingaben wurden der jeweiligen Gegen
partei am 18. Dezember 2019 zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 26).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Die rechtlichen Grundlagen und Grundsätze betreffend den Leistungsanspruch und die Invaliditätsbemessung (Art. 28 des Bundes
gesetzes über die Invaliden
ver
sicherung, IVG) sind im vorangegangenen Gerichtsurteil bereits umfassend wiedergegeben worden (Urk. 2/10 E. 1.1 bis E. 1.6). Darauf kann verwiesen wer
den.
2.
2.1
Mit - vom hiesigen Gericht bestätigter - Verfügung vom 1
1.
Dezember 2014 (
Urk.
2/1) verneinte die Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerdefüh
rers auf IV-Leistungen mit der Begründung, es liege kein IV-relevanter Gesund
heitsschaden vor. Medizinische Grundlage für die Beurteilung bildete in somati
scher Hinsicht das
C._
-Gutachten vom 1
8.
Juni 2014 (
Urk.
2/8/82), wobei bei der Diagnose eines posttraumatischen Schultersyndroms die Durchführung leich
ter Tätigkeiten als möglich erachtet wurde (S. 38 und S. 41). In psychiatrischer Hinsicht stützte sich die Beschwerdegegnerin auf die Einschätzung des RAD-Arztes med. prakt.
E._
, Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2
2.
Juli 2014 (
Urk.
2/8/92/5-6) ab. Dieser befand die von den
C._
-Ärzten attestierte Arbeits
unfähigkeit von 50
%
bei der Diagnose einer Zwangsstörung (
Urk.
2/8/82 S. 38 und S. 41) als nicht überzeugend in Bezug auf Tätigkeiten ohne besondere men
tale Anforderungen und ging von einer vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit aus.
2.
2
Das Bundesgericht erwog mit Urteil
8C_125/2018
vom
9
.
Juli 2018
(Urk. 1) zu
sammenfassend,
die Stellungnahme des RAD sei nicht schlüssig gewesen. Die Vorinstanz habe nicht dargelegt, inwieweit die Befunde der behandelnden Ärzte und der psychiatrischen Sachverständigen des
C._
in Frage zu stellen seien. In
dem allein auf die Auskünfte des RAD abgestellt worden sei, habe sie den Sach
verhalt unvollständig festgestellt. Die Sache sei daher an das kantonale Gericht zurückzuweisen, damit es den rechtserheblichen medizinischen Sachverhalt neu abkläre
(S.
5
).
2.3
Der Beschwerdeführer gab in seiner Stellungnahme am
4.
Dezember 2019 (Urk. 24) an, auf einen separaten Kommentar zum Gutachten von
Dr.
D._
ver
zichten zu wollen. Vielmehr rege er eine Auswertung der Gutachten von Dr.
D._
an, da in weniger als 10
%
eine dauernde Arbeitsunfähigkeit bestätigt worden sei. Nach dem neuen Unfall des Beschwerdeführers und den übrigen somatischen Problemen stelle
sich die Frage, ob der Fall nun auf der Basis des Gutachtens entschieden werden könne. Er gehe davon aus, dass dies nicht der Fall sei.
2.4
Nach Erstattung des Gutachtens von
Dr.
D._
hielt die Beschwerdegegnerin am 17. Dezember 2019 (Urk. 25) fest, dass seit der Neuanmeldung des Beschwerde
führers bis heute nie ein psychischen Leiden vorgelegen habe, welches die Leis
tungsfähigkeit des Beschwerdeführers dauerhaft hätte beeinträchtigen können. Das Gutachten erfülle zudem alle rechtlichen Voraussetzungen an den Beweis
wert eines psychiatrischen Gutachtens, so dass der gutachterlichen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gefolgt werden könne.
3.
Dr.
D._
führte in seinem Gutachten vom 1
8.
November 2019 (
Urk.
18) aus
, dass a
us gutachterlicher Sicht bei den geschilderten gering ausgeprägten Symp
tomen allenfalls der Verdacht auf eine Zwangsstörung und keinesfalls die ein
deutige Diagnose einer Zwangsstörung gestellt werden
könne
. Auch hätten pa
thologische Ängste, Panikäquivalente, dissoziative Phänomene oder posttrauma
tische Symptome nicht verifiziert oder beobachtet werden könne
n
. Es sei davon auszugehen, dass weiterhin, wie schon in der ersten psychiatrischen Begutach
tung 2014
,
nur ein subjektiv beklagter Zählzwang als Zwangsgedanke nach An
gaben des Beschwerdeführers bestehe, der in der Untersuchung nicht habe objek
tiviert werden können. Andere oder weitere Zwangssymptome seien vom Be
schwerdeführer nicht angegeben worden und hätten auch bei näherem Nachfra
gen nicht eruiert werden können. Zwangshandlungen seien nicht festgestellt wor
den. Es hätten sich Hinweise auf leicht akzentuierte Persönlichkeitszüge mit nar
zisstischen und histrionisch-infantilen Anteilen mit gewissen Defiziten oder so
zialen Kompetenzen, insbesondere einer leicht verminderten Interaktions- und Konfliktfähigkeit und einer leicht verminderten Stress- und Frustrationstoleranz gefunden. Hinweise auf das Vorliegen einer über die somatisch nachvollziehbaren Schmerzen hinausgehenden Schmerzsymptomatik, die physiologisch nicht er
klärbar sei, also im Sinne einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung ein
zustufen wäre, habe aktuell aus psychiatrischer Sicht nicht festgestellt werden können (S. 19).
Aus psychiatrisch-gutachterlicher Sicht handle es sich anhand der aktuell erho
benen anamnestischen Auskünfte, der aktuellen Untersuchungsergebnisse und unter Einbezug und Kenntnis der umfangreichen psychiatrischen Vorbefunde und psychiatrischen Vorgutachten diagnostisch um einen Exploranden mit spätestens seit
der Jugendzeit bestehenden akzentuierten Persönlichkeitszügen mit narziss
tischen und histrionisch-infantilen Anteilen, also gewissen Auffälligkeiten der Persönlichkeit und einer Dysthymia, die sich im nun schon mehrjährigen Krank
heitsverlauf bei den bestehenden, unveränderten psychosozialen Belastungsfak
toren als andauernde Diagnose entwickelt habe.
Die vom Beschwerdeführer vor
gebrachte subjektive Ansicht, er könne wegen eines sogenannten Zählzwangs, bei dem nicht einmal eindeutig ein in der ICD-10 definitiver Grübelzwang habe belegt werden können, nicht mehr arbeiten, kön
ne aus aktueller psychiatrischer
und medizinischer Sicht nicht als psychiatrische Störung oder krankheitswertig bzw. invalidisierend im IV-rechtlichen Sinne eingestuft werden
(S. 20). Hier wür
den sich auch die histrionisch-infantilen Persönlichkeitszüge zeigen, indem ein sehr eigenwilliges Krankheitsverständnis mit einem bizarren Symptom gezeigt werde. Auch müssten zusätzlich dissoziale oder antisoziale Tendenzen bei dem Wunsch zur Erlangung von Versicherungsleistungen zumindest diskutiert wer
den. Dass von dem behandelnden Psychiater in seinem Bericht vom Juli 2013 und im Vorgutachten aus dem Jahr 2014 bei der Angabe dieser blanden Symp
tomatik eine Zwangsstörung als IV-relevante Diagnose klassifiziert worden sei, könne anhand der aktuellen Untersuchungsbefunde nicht nachvollzogen und nicht plausibilisiert werden.
Vielmehr sei eine leichtgradige depressive Störung anzunehmen, nachdem sich die mittelgradige depressive
Symptomatik, die im Jahr 2013 eventuell noch bestanden hat, zurückgebildet habe. Hier sei der Beur
teilung im Vorgutachten zuzustimmen. Dort sei eine leichte depressive Episode mit somatischem Syndrom diagnostiziert worden. Eine solche Störung bestehe definitionsgemäss in aller Regel eher Monate als Jahre. Da es sich
vorliegend
um eine länger anhaltende, leichte depressive Symptomatik handle, die schon viele Jahre bes
t
ehe und inzwischen eine beginnende Chronifizierung in allerdings sehr leichter Ausprägung zeige, sei aus aktueller gutachterlicher Sicht davon auszu
gehen, dass beim Beschwerdeführer definitionsgemäss nach der ICD-10 seit spä
testens 2013 eine Dysthymia vorgelegen habe, die damals jedoch nicht erkannt worden sei
(S. 21)
.
Weiter führte der Gutachter aus, die Psychopharmaka seien beim Beschwerdefüh
rer seit Jahren in Bezug auf das Körpergewicht und das Geschlecht eher niedrig dosiert bzw. als unterdosiert einzustufen. Durch diese Medikation
sei keine rele
vante Wirkung zu erwarten.
Bei einer Dysthymia würde
allerdings keine defini
tive
, sondern eher eine fakultative Indikation für eine Psychopharmakotherapie bestehen. Durch die Medikation werde die Symptomatik nicht verschlechtert, aber auch nicht wesentlich verbessert. Eine Veränderung von psychosozialen Belas
tungen durch Medikamente sei
nicht möglich. Ob der Beschwerdeführer die ver
ordneten Medikamente regelmässig einnehme und eine ausreichende Compliance vorhanden sei, habe bei der aktuellen eingehenden und konkreten Exploration und Befragung bei überwiegend vagen, ungenauen und fehlenden bzw. auswei
chenden Angaben nicht sicher festgestellt werden können (S. 22).
Der Experte gab weiter an, dass in der Schilderung des Tagesablaufs des Be
schwerdeführers neben allenfalls sehr geringen, zeitweilig und nicht andauernd auftretenden Einschränkungen durch die leichte dysthyme Symptomatik auch gute und ausbaufähige Ressourcen und eine grundsätzlich gute Prognose deutlich geworden seien. Der Beschwerdeführer sei in der Lage, seinen Haushalt selbstän
dig zu bewältigen. Zudem unternehme er täglich verschiedene Aktivitäten. Er bewege sich in der Gesellschaft unauffällig und
lebe nach seinen Angaben eher zurückgezogen. Im Alltag würden allenfalls leichte psychische Einschränkungen bestehen. Es erscheine aus medizinischer Sicht zumutbar, dass er die Ressourcen, welche ihm in der Freizeit zur Verfügung stehen, auch weiterhin im beruflichen Kontext und bei einer beruflichen Wiedereingliederung einsetze
n könne
(S. 22).
Hinsichtlich der psychosozialen Belastungsfaktoren
hielt
Dr.
D._
fest, dass ver
schiedene zu nennen seien. So zum Beispiel das subjektive, eigenwillige Krank
heitskonzept, der Migrationshintergrund, die sehr geringe Schulbildung und keine Berufsausbildung, das Ausüben von einfachen beruflichen Tätigkeiten in der Schweiz, sowie Konflikte am Arbeitsplatz und die Kündigung. Zu nennen s
eien
ausserdem die erschwerten Bedingungen in der freien Wirtschaft beim Alter von 60 Jahren bei geringen Qualifikationen, ein sehr geringer beruflicher Ehrgeiz, inzwischen eine Dekonditionierung von regulären beruflichen Tätigkeiten durch die lange Abstinenz vom freien Arbeitsmarkt, die seit Jahren bestehenden fami
liären Probleme, das Alleinleben, der Wunsch nach ausreichender Freizeitgestal
tung sowie der Renten- und Entschädigungswunsch (S. 23 f.).
Des Weiter
en
diskutierte
der Gutachter
Ausschlussgründe wie Aggravation und berichtete dazu, dass beim Beschwerdeführer ein hoher sekundärer Krankheitsge
winn, ein aus
geprägtes dysfunktionales Krankheits-, Schon- und Vermeidungs
verhalten und über Verdeutlichungstendenzen weit hinausgehende Tendenzen zu Aggravation hätten beobachtet werden können. Malingering oder Täuschungs
versuche hätten nicht ausgeschlossen werden können. Es seien kognitive Fähig
keiten im unteren Normbereich, aber eindeutig nicht darunter anzunehmen. Eine Intelligenzminderung
,
wie in der ICD-10 als deutlich unter dem Normbereich lie
gend definiert
,
liege mit
Sicherheit nicht
vor
. Da zudem keine Hinweise auf eine de
mentielle Entwicklung oder andere schwere kognitive Störungen
hätten
gefunden werden k
ö
nnen, seien die Angaben, das Lesen und Schreiben verlernt zu haben, wenig glaubhaft. Aus medizinischer Sicht gebe es für diese Behauptung keine Erklärung. Die vom Beschwerdeführer vorgebrachte Ansicht, er könne wegen ei
nes sogenannten «Zählzwangs» (3-6-9) nicht mehr arbeiten, wobei ein definitiver Grübelzwang nicht eindeutig habe belegt werden können, könne aus aktueller psychiatrischer und medizinischer Sicht nicht als psychiatrische Störung oder krankheitswertig bzw. invalidisierend im IV-rechtlichen Sinne eingestuft werden
(S. 24). Es habe zudem eine ganze Reihe von Inkonsistenzen in den Angaben des Exploranden und den subjektiv angegebenen Beschwerden und Einschränkungen aus subjektiver Sicht und dem gezeigten Verhalten in der aktuellen Exploration und in der Freizeitgestaltung festgestellt werden können.
Zudem sei auffällig ge
wesen, dass er es bei wiederholtem Nachfragen und bei sehr geringer Motivation zur Mitarbeit geschafft habe, konkrete und klare Antworten zu diesen Fragen zu vermeiden. Somit habe er gute manipulative Fähigkeiten bewiesen. Dies sei als eine weitere Ressource zu sehen, welche er auch im beruflichen Kontext für sich nutzen könne
(S. 28).
Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit habe ab März 2013 allenfalls vorüberge
hend für wenige Wochen eine Arbeitsunfähigkeit bestanden. Zum Zeitpunkt der Beurteilung durch den Vorgutachter
Dr.
F._
im Rahmen des interdiszipli
nären Gutachtens des
C._
hätte
retrospektiv
aus rein psychiatrischer Sicht be
trachtet schon zum damaligen Zeitpunkt die Diagnose einer Dysthymia gestellt werden müssen. Da die Zwangsstörung nicht bestätigt werden könne, könne auch die durch diese Störung postulierte Arbeitsunfähigkeit von 10
%
nicht bestätigt werden. Somit bestehe spätestens ab Juni 2014, mit überwiegender Wahrschein
lichkeit aber ab März 2013
,
eine Arbeitsunfähigkeit von 0
%
. Im weiteren Verlauf seit Juni 2014 bis zum aktuellen Untersuchungszeitpunkt im Oktober 2019 könne eine Arbeitsunfähigkeit von 0
%
aus psychiatrischer Sicht weiterhin und durch
gehend bestätigt werden (S. 29). Es sei davon auszugehen, dass die behandelnden Ärzte in Bezug auf ihre Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit aufgrund ihrer ver
tragsrechtlichen Vertrauensstellung zum Beschwerdeführer Aussagen zu dessen Gunsten gemacht
hätt
en. Auch hätten sie sich in ihren Beurteilungen überwie
gend auf
d
ie subjektiven Angaben des Beschwerdeführers gestützt und auch zu
sätzlich auf somatische Diagnosen oder Einschränkungen abgestellt. Zudem seien die psychosozialen Belastungsfaktoren in die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit miteinbezogen worden
(S. 33)
.
Eine neuropsychologische Untersuchung sei nicht indiziert, da keine psychiatrische Störung habe diagnostiziert werden können, die neuropsychologische Einschränkungen verursacht oder psychische Einschrän
kungen der Arbeitsfähigkeit bewirkt habe.
Somit sei davon auszugehen, dass keine relevanten neuropsychologischen Einschränkungen bestünden
(S. 34).
Zur
Therapie und
Prognose führte
Dr.
D._
aus
,
eine Fortführung der psychiat
risch-psychotherapeutischen Behandlung sei zur Unterstützung bei der Bewälti
gung der psychosozialen Probleme und Schwierigkeiten weiterhin zu empfehlen. Bezüglich der beruflichen Eingliederungsmassnahmen sei zunächst die Durchfüh
rung einer gründlichen Motivationsprüfung mit dem Beschwerdeführer zu emp
fehlen. Aktuell habe keine Motivation für berufliche Eingliederungsmassnahmen festgestellt werden können. Grundsätzlich erscheine medizintheoretisch nach der nun schon mehrjährigen Abstinenz des Beschwerdeführers vom Arbeitsmarkt eine stufenweise Steigerung in Hilfstätigkeiten, beginnend mit etwa 6 bis 7 Stun
den täglich mit kurzfristiger Steigerung des Arbeitspensums auf 8 bis 8.5 Stunden innerhalb von 8-10 Wochen täglich möglich. In einem Arbeitstraining im ge
schützten Rahmen würde der Beschwerdeführer voraussichtlich die Möglichkeit nutzen, Limitierungen zu demonstrieren. Die Prognose sei anhand der geschilder
ten Situation ohne relevante psychische Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit als grundsätzlich günstig einzuschätzen. Probleme mit der Motivation, dysfunktio
nale subjektive Krankheitsüberzeugungen und langjährige Auseinandersetzungen mit Versicherungen und Gerichten würden die Prognose von beruflichen Mass
nahmen in der Regel verschlechtern (S. 30).
Der Gutachter hielt zusammengefasst fest, dass keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt werden konnte und somit auch keine psychischen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Es hätten keine psychi
schen Störungen festgestellt werden können, welche die Arbeits- und Leistungs
fähigkeit beeinträchtigen würden. Es bestehe ein psychischer Befund mit leichten Auffälligkeiten, aber ohne relevante Einschränkungen der Arbeits- und Leis
tungsfähigkeit. In der angestammten Tätigkeit als Hilfsarbeiter bestehe aus rein psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkei
t von 100
%
. Auch in adaptierter
Tätig
keit sei aus psychiatrischer Sicht von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
auszuge
hen (S. 28 f.).
4.
Das ausführliche Gerichtsgutachten erfüllt die praxisgemässen Kriterien, setzt sich mit den Aspekten der gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerde
führers auseinander, berücksichtigt die medizinischen Vorakten und begründet Abweichungen, soweit die Beurteilung mit diesen nicht im Einklang steht. Das Gutachten ist nachvollziehbar und vermag zu überzeugen.
Die
retrospektive Beurteilung nahm
der
Gutachter nach eingehender Auseinan
dersetzung mit der Aktenlage vor (S. 2-10).
Er setzte
sich in differenzierter und kritischer Weise mit den Vorberichten, insbesondere dem psychiatrischen Gut
achten des
C._
, auseinander und begründete
seine
Abweichungen davon (S. 19, S. 21, S. 31 ff.).
Dr.
D._
führte aus, dass aus aktueller gutachterlicher Sicht keine Übereinstimmung mit der im Arztbericht des
G._
vom Juli 2013 und den im psychiatrischen Teilgutachten des interdi
s
ziplinären Gutachte
ns des
C._
vom Juni 2014
gestellten Diagnose einer Zwangsstörung bestehe
(S. 31)
.
Dass bei der Angabe der blanden Symptomatik des Beschwerdeführers durch den behandelnden Psychiater und den Gutachter des
C._
eine Zwangsstörung als IV-relevante Diagnose klassifiziert worden sei, könne nicht nachvollzogen und plausibilisiert werden.
Hingegen stimm
t
e
Dr.
D._
dem Vorgutachten
hinsichtlich
der Diagnose einer
leichten depressiven Epi
sode mit somatischem Syndrom insoweit zu, dass im Jahr 2013 eventuell eine mittelgradige Symptomatik bestanden hat, welche sich mittlerweile jedoch zu
rückgebildet hat. Da beim Beschwerdeführer eine länger anhaltende, leichte de
pressive Symptomatik vorhanden sei, habe spätestens seit dem Jahr 2013 eine Dysthymia vorgelegen, welche damals jedoch einfach noch nicht erkannt wurde
(S. 32).
Damit kann auch für die Vergangenheit nicht auf einen invalidisierenden Gesundheitsschaden geschlossen werden.
Gestützt auf die psychiatrische Untersuchung erscheint insbesondere schlüssig, dass keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen (Urk. 18 S.
28
f.
).
Dr.
D._
nahm eine einge
hende Anamne
se- und Befunderhebung vor (S. 10
ff.). Im Rahmen der Würdigung der medizinischen Sachlage berücksichtigte er neben den klinisch
en Befunden auch die Angaben des Beschwerdeführers
und
sein
Verhal
ten während der Untersuchung
.
So fand sich lediglich eine leicht be
drückte Grundstimmung bei nicht verminderter emotionaler Resonanzfähigkeit ohne Hinweise auf zirkadiane Besonderheiten. Auch konnten keine pathologi
schen Ängste, dissoziative Phänomene oder posttraumatische Symptome verifi
ziert oder beobachtet werden (
Urk.
18 S. 19).
Gestützt hierauf erscheint seine
Schlussfolgerung, dass im Zeit
punkt der Begutachtung keine krankheitswertige psychiatrische Erkrankung -
insbesondere
keine Zwangsstörung respektive kein Grübelzwang
- vorlag, vollumfänglich n
achvollziehbar.
Dr.
D._
legte dar
, dass
bei den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers über einen ungewöhnlichen Zählzwang im Rahmen der Begutachtung keine eindeutigen Zwangsgedanken bestätigt und objektiviert werden
konnten
(S. 19)
. Es
erscheint daher schlüssig,
dass
beim Beschwerdeführer allenfalls der Verdacht auf eine Zwangsstörung und keinesfalls die eindeutige Diagnose einer
solchen gestellt
wurde
.
Insbesondere un
ter Berücksichtigung anamnestischer Angaben diskutierte Dr.
D._
sodann auch
die Persönlichkeitsstruktur des Beschwerdeführers
und schloss diesbezüglich auf
akzentuierte Persönlichkeitszüge
mit narzisstischen und histrionisch-infantilen Anteilen, also gewissen Auffälligkeiten der Pe
rsönlichkeit
,
und eine
Dysthymia.
Zur Verdeutlichung seiner Einschätzung führte
der Gutach
ter verschiedene Verhaltensweisen auf, welche beim Beschwerdeführer zumindest zum Teil beobachtet werden
konnten
. So beispielsweise Egozentrik, selbstbezo
gene Nachgiebigkeit, Suggestibilität, leichte Beeinflussbarkeit durch andere Per
sonen, anhaltendes Verlangen nach Anerkennung, erhöhte
Kränkbarkeit, Gefühl der eigenen, grandiosen Wichtigkeit, Aggressivität in Reaktion auf Kritik, hohe Selbstzentriertheit und andauernd manipulatives Verhalten zur Befriedigung ei
gener Bedürfnisse sowie der Wunsch im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu ste
hen (S. 20).
Er erklärte sodann, dass es sich bei den akzentuierten Persönlich
keitszügen nicht um eine eigenständige psychiatrische Diagnose des Kapitels F der ICD-10, sondern um bestimmte Charaktereigenschaften handelt, die spätes
tens seit der Adoleszenz bestehen und eine sogenannte (Zusatz-) Diagnose aus dem Kapitel Z der ICD-10 darstellt
en
. Diese Z-Diagnosen haben jedoch
definiti
onsgemäss keine Relevanz in Bezug auf die Fragestellung nach psychischen Ein
schränkungen der Arbeitsfähigkeit (S. 20). Da beim Beschwerdeführer gemäss
Dr.
D._
nur einige und nicht der überwiegende Teil der aufgeführten Verhal
tensweisen teilweise und in eher leichter Ausprägung vorliegen,
kann
auch das Vorliege
n
einer manifesten, kombinierten Persönlichkeitsstörung nicht bestätigt werden.
Auch
erklärte Dr.
D._
einleuchtend
, dass aufgrund der länger anhal
tenden, leicht depressiven Symptomatik, die schon viele Jahre besteht und inzwi
schen eine beginnende Chronifizierung in allerdings sehr leichter Ausprägung zeigt, beim Beschwerdeführer eine Dysthymia vorliegt.
Schlüssig ist auch die
Schlussf
olgerung, dass mit dieser Störung Einschränkungen der Arbeits- und Leistungsfähigkeit oder insgesamt relevante Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit nicht begründet werden können
(S. 21).
Damit ist die attestierte volle Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit im Zeit
punkt der Begutachtung nicht zu beanstanden. Auf eine Prüfung der Indi
katoren (BGE 141 V 281) kann bei der nicht invalidisierenden Diagnose akzentu
ierter Persönlichkeitszüge und einer Dysthymia verzichtet werden.
5
.
In organischer Hinsicht blieb die Schlussfolgerung des hiesigen Gerichts im Urteil vom 1
9.
Dezember 2017 (
Urk.
2/10 E. 5.1), welches gestützt auf die Einschätzung der
C._
-Gutachter (Expertise vom 1
8.
Juni 2014 (
Urk.
2/8/82) von einer voll
umfänglichen Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten Tätigkeit ohne stärkere Belastungen der rechten Schulter und des rechten Arms sowie ohne häufige Tä
tigkeiten über Schulterhöhe ausging, im Wesentlichen unbeanstandet (
Urk.
1
E. 3.2). In seiner Beschwerde ans Bundesgericht vom 3
1.
Januar 2018 (
Urk.
2/12) liess es der Beschwerdeführer beim medizinisch nicht weiter begründeten Bestrei
ten einer Verbesserung der medizinischen Situation bei der rechten Schulter be
wenden (
Ziff.
9). Dass die Ausübung der gutachterlich umschriebenen Tätigkeit nicht möglich sein soll, brachte er indes nicht vor. Sodann ist nicht ersichtlich und auch nicht geltend gemacht, dass es seit der Renteneinstellung per
1.
Mai 2011 zu einer Verschlechterung der Schultersituation gekommen ist. Weiterun
gen hierzu erübrigen sich damit.
Die von Gutachter
Dr.
D._
ergänzend eingeholten jüngeren
Arzt
berichte (
Urk.
20/1-7) führen zu keiner anderen Beurteilung. Die im März 2018 festge
stellte Prostatasymptomatik (
Urk.
20/1) hatte sich im vorliegend relevanten Zeit
punkt (Verfügung vom 1
1.
Dezember 2014) offenkundig noch nicht bemerkbar gemacht wie auch die im Jahr 2019 geklagten Kopfschmerzen (
Urk.
20/3). Die bei einem Sturz vom
4.
Juni 2019 erlittene Handgelenksverletzung (
Urk.
20/4) ist für die vorliegend zu beantwortende Frage ebenfalls nicht von Relevanz.
6.
6.1
Das Bundesgericht ordnete weiter eine Prüfung der beruflichen Situation des Be
schwerdeführers im Hinblick auf den neu zu bestimmenden Invaliditätsgrad an. Strittig war diesbezüglich insbesondere die Frage, ob der Beschwerdeführer nach wie vor im Nebenerwerb als Hauswart tätig war (
Urk.
12
Ziff.
5 f.).
6.2
Im Verfahren vor Bundesgericht legte der Beschwerdeführer einen Arbeitsvertrag für Hauswartdienst vom 1
7.
Januar 2014 (
Urk.
2/12 Beilage 4) auf, welcher auf den Namen der Tochter des Beschwerdeführers ausgestellt war und einen Arbeits
beginn am
1.
März 2014 vorsah. Der Arbeitgeber (
H._
respektive
I._)
findet sich nicht im
IK-Auszug des Beschwerdeführers (
Urk.
2/8/58), weshalb sich sein Vorbringen, die Tochter habe den Arbeitsvertrag für Hauswartdienste am
1.
März 2014 übernommen und er selber übe die Tätig
keit nicht mehr aus (
Urk.
2/12
Ziff.
4 ff.), nicht ohne Weiteres aus den Akten ergibt. Wie es sich damit verhält, kann angesichts der eindeutigen Verhältnisse indes offen bleiben.
6.3
Der vom hiesigen Gericht im Urteil vom 1
9.
Dezember 2017 (
Urk.
2/12 E. 6.3) durchgeführte Einkommensvergleich hat nach wie vor Gültigkeit. Der Beschwer
deführer brachte nichts vor, was zu einem anderen Ergebnis führen könnte. Ins
besondere wurde das Einkommen als Hauswart beim Valideneinkommen berück
sichtigt, nicht aber beim Invalideneinkommen. Die vor Bundesgericht aufgewor
fene Thematik wurde demgemäss
–
zu
R
echt - bereits ursprünglich zu Gunsten des Beschwerdeführers entschieden. Es resultiert damit unter keinem möglichen Gesichtspunkt ein Invaliditätsgrad von mindestens 40
%
.
6.4
Zusammenfassend hat sich seit der am 1
2.
Januar 2012 verfügten befristeten Rentenzusprache mit Rentenaufhebung per
1.
Mai 2011 keine rentenbegründende Veränderung ergeben, weshalb der Beschwerdeführer kein
en
Anspruch eine Rente der Invalidenversicherung hat. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7
.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind nach dem Verfahrensauf
wand zu bemesse
n und ermessensweise auf Fr. 8
00.-- festzusetzen. In Anbe
tracht des Obsiegens der Beschw
erdegegnerin sind die Kosten dem Beschwerde
führer
aufzuerlegen.