Decision ID: d35e5a43-4928-4db9-a63e-481a9d406e8d
Year: 2012
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
komplexen Sachverhalt nicht ausreichend zu würdigen; denn die
Gesamtverlustverrechnung stelle eben nicht die sachgerechte
Ausscheidungsmethode dar und verletze übergeordnetes Recht (Art. 25 Abs. 2
StHG).
5. In ihrer Vernehmlassung beantragte die kantonale Steuerverwaltung die
Abweisung der Beschwerde soweit darauf eingetreten werden könne. Auf die
Anträge 1 und 2 der Beschwerde sei nicht einzutreten, da der
Einspracheentscheid in den umstrittenen Punkten durch den
Beschwerdeentscheid ersetzt werde. Im Jahr 2008 habe die
Beschwerdeführerin ihren Sitz in ... in Graubünden gehabt. Steuerrechtlich
habe sie bereits damals als interkantonales Unternehmen gegolten. Bezüglich
Gewinnermittlung massgebend für vorliegend angefochtene
Kantonssteuerveranlagung für das Jahr 2008 seien Art. 79 Abs. 1 StG (Saldo
der Erfolgsrechnung als steuerbarer Gewinn) und Art. 86 Abs. 1 StG zur
Verrechnung der verrechenbaren Verluste, wobei die Grundsätze des
interkantonalen Steuerrechts zur Steuerausscheidung und zur
Verlustverrechnung ebenfalls zu beachten seien. Es verstosse nicht gegen das
Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung, wenn der Kanton Graubünden
den Unternehmensgewinn beziehungsweise die verrechenbaren Verluste
anders als der Kanton ... ermittle. Nach ... Recht habe sich im monistischen
Grundstückgewinnsteuersystem vorliegend für das Jahr 2007 aufgrund der
Berücksichtigung eines Ersatzwertes anstelle der historischen
Anschaffungskosten ein steuerlicher Verlust aus den Grundstückverkäufen
2007 in ... ergeben. Dabei handle es sich aber bloss um einen virtuellen und
nicht um einen effektiven Verlust. Nach den bündnerischen
Gewinnermittlungsvorschriften habe sich aus den Grundstückverkäufen 2007 in
... ein Wertzuwachsgewinn, wie er auch in der Erfolgsrechnung 2007 unter der
Position Gewinn aus Verkauf aus betrieblichem Anlagevermögen verbucht
worden sei, ergeben. Vor Verlustverrechnung habe die Beschwerdeführerin
einen Reingewinn erzielt, der dann in teilweiser Verrechnung der
Betriebsverluste der Vorjahre zu einer Veranlagung im Jahr 2007 mit einem
steuerbaren Gewinn von Fr. 0.-- geführt habe. Im Jahr 2008 ergebe sich nach
Verrechnung der verbliebenen Vorjahresverluste ein Gewinn gemäss
Einspracheentscheid vom 12. Juni 2012. Massgebend bezüglich
Verlustverrechnung sei Art. 86 Abs. 2 StG, der bei der
Kantonssteuerveranlagung 2008 beachtet worden sei. Bei interkantonalen
Unternehmen seien nach Art. 25 StHG zwei Varianten der Verlustverrechnung
möglich, die Gesamtverlustverrechnung oder die Teilverlustverrechnung. Der
Kanton Graubünden wende in konstanter Praxis die Methode der
Gesamtverlustverrechnung an, wonach der verrechenbare Gesamtverlust aus
früheren Perioden vom Gesamtgewinn in Abzug gebracht werde und erst der
Restbetrag nach zuvor definierten Quoten den einzelnen Kantonen zur
Besteuerung zugewiesen werde. Die vorgenommene Veranlagung entspreche
auch den in den Ziffern 3.2.2 - 3.2.4 des Kreisschreibens 27 der SSK
festgelegten Grundsätzen. Das Bundesgericht habe in BGE 131 I 249
festgehalten, dass der Wertzuwachsgewinn aus der Veräusserung einer
Betriebsliegenschaft vorerst zwar dem Liegenschaftskanton zuzuweisen sei,
der Liegenschaftskanton einen im Sitz- oder in Betriebsstättenkantonen
angefallenen Geschäftsverlust aber damit verrechnen müsse. Diese
Praxisänderung aus dem Jahr 2004 gelte für alle interkantonalen Unternehmen
unabhängig von der im Liegenschaftskanton angewandten Methode der
Grundstückgewinnbesteuerung im dualistischen oder monistischen System.
Vorliegend habe der Betriebsstättekanton einen allfälligen
Ausscheidungsverlust zu vermeiden, indem er die erzielten
Wertzuwachsgewinne aus der Veräusserung von Betriebsliegenschaften mit
Betriebsverlusten verrechne. Faktisch sei dies auch geschehen; im Entscheid
über die Grundstückgewinnsteuer vom 25. Februar 2011 sei die Höhe des
Verlustes aufgrund des steuerbaren Grundstückgewinns von Fr. 0.--
ausdrücklich gar nicht geprüft worden. Eine Schlechterstellung der
Beschwerdeführerin gegenüber ausschliesslich in Graubünden steuerpflichtigen
Gesellschaften sei nicht auszumachen, da die Bestimmung der verrechenbaren
Verluste von innerkantonalen und interkantonalen Unternehmungen exakt nach
der gleichen Methode erfolge. Eine Verletzung des Grundsatzes der
Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit könne auch nicht
gegeben sein, nachdem die kantonale Steuerverwaltung 2008 von einem
steuerbaren Reingewinn von Fr. 8‘538‘462.-- ausgehe und jener der direkten
Bundessteuer Fr. 10‘309‘738.-- betrage. Nachdem die kantonale
Steuerverwaltung die vom Bundesgericht im BGE 131 I 249 festgelegten
Veranlagungsregeln voll beachtet habe, könne auch keine virtuelle
Doppelbesteuerung vorliegen. Aus der Anwendung der
Gesamtverlustverrechnung und der Grundsätze des interkantonalen
Steuerrechts ergebe sich für den Kanton ... eine Direktzuteilung des
Wertzuwachsgewinns von Fr. 3‘798‘700.-- (wie in der Einsprache verlangt und
im Einspracheentscheid vom 12. Juni 2012 gewährt) sowie eine quotenmässige
Gewinnzuweisung von 14.863 % des Betriebsgewinnes nach Präcipuum
(Fr. 281‘796.--). Wie der Kanton ... diesen direkt zugewiesenen Gewinn und die
zugewiesene Gewinnquote nach seinem Recht besteuere, sowie ob, und
welche Verluste nach diesem Recht noch verrechenbar seien, könne nicht
durch die Steuerausscheidung des Kantons Graubünden festgelegt werden.
6. In seiner Vernehmlassung beantragte das beigeladene kantonale Steueramt ...
die Abweisung der Beschwerde. Nach einer detaillierten Vorstellung des
monistischen Systems der Grundstückgewinnbesteuerung im inner- und im
interkantonalen Verhältnis im Kanton ... verwies das kantonale Steueramt auf
die neue Praxis des Bundesgerichts gemäss BGE 131 I 249 und 132 I 220 mit
dem Ergebnis, dass nicht mit anderen Erträgen verrechenbare Verluste in den
Liegenschaftskantonen zur Verrechnung gebracht werden sollten, zuerst
zulasten der wieder eingebrachten Abschreibungen und dann zulasten des
Wertzuwachsgewinns (KS 27 der SSK Ziff. 3.2.3). Auch im Schrifttum werde
festgehalten, dass der dem Liegenschaftskanton zugewiesene
Wertzuwachsgewinn Betriebsverluste und Verluste aus anderen Liegenschaften
zu übernehmen habe. Damit sei auch gewährleistet, dass interkantonale
Unternehmungen nicht in unzulässiger Weise von Besteuerungsvorteilen von
zwei verschiedenen Systemen profitieren könnten.
7. In ihrer Replik hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen und
Begründungen fest. Wenn der Kanton Graubünden nicht gewillt sei, die
verbotene Schlechterstellung gemäss Antrag 3 der Beschwerde zu beseitigen,
so habe er den Gewinn aus dem Verkauf der Liegenschaft in seiner
Ausscheidung zu berücksichtigen und dem Kanton ... im Umfang von
Fr. 21‘732‘640.-- gemäss ihrem Antrag 4 zuzuweisen.
8. In ihrer Duplik führte die Steuerverwaltung des Kantons Graubünden ergänzend
aus, ein „zusätzlich noch nicht berücksichtigter Verlustvortrag im Umfang von
Fr. 21‘732‘640.--„ wie in der Replik der Beschwerdeführerin erwähnt, bestehe
nicht, da bei der Gewinnermittlung für die Veranlagung 2008 sämtliche
handelsrechtlich ausgewiesenen Verluste der Vorjahre berücksichtigt worden
seien. Die Höhe des steuerbaren Gewinns beziehungsweise der
verrechenbaren Verluste 2008 im Kanton ... könne allein durch dessen
Behörde festgelegt werden.
9. Das kantonale Steueramt ... verzichtete auf eine Duplik.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften sowie im
angefochtenen Einspracheentscheid wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet der
Einspracheentscheid vom 12. Juni 2012. Streitig und zu prüfen ist die Frage, ob
der tatsächliche Wertzuwachsgewinn aus dem Verkauf des ...areals in
Winterthur im Geschäftsjahr 2007 von der Steuerverwaltung des Kantons
Graubünden zu Recht mit Betriebsverlusten verrechnet wurde, oder ob dieser
Gewinn in der interkantonalen Steuerausscheidung ohne Verlustverrechnung
ausschliesslich dem Kanton ... zur Besteuerung hätte zugeteilt werden müssen.
2. Vorweg sei an dieser Stelle was folgt festzuhalten: Soweit die
Beschwerdeführerin in ihren Anträgen 1 und 2 die vollumfängliche Gutheissung
ihrer Einsprache vom 29. März 2012 betreffend die definitive
Veranlagungsverfügung vom 1. März 2012 für die Kantonssteuer 2008 (Ziff. 1)
beziehungsweise die Aufhebung und Korrektur der Veranlagungsverfügung
vom 1. März 2012 (Ziff. 2) verlangt, kann auf diese Anträge nicht eingetreten
werden. Denn Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet
einzig der Einspracheentscheid vom 12. Juni 2012, welcher - je nach Ausgang
des Verfahrens - zu bestätigen, aufzuheben oder abzuändern ist. Eine allfällige
Abänderung oder Aufhebung des Einspracheentscheides könnte sodann die
Konsequenz haben, dass indirekt auch Änderungen an der dem
Einspracheentscheid zugrunde liegenden Kantonssteuerveranlagung vom 1.
März 2012 entstehen könnten oder aber eine neue Veranlagung erlassen
werden muss. Eine Gutheissung der Einsprache vom 29. März 2012
beziehungsweise eine Aufhebung und Korrektur der Veranlagungsverfügung
vom 1. März 2012 in vorliegendem Beschwerdeverfahren ist jedoch
ausgeschlossen. Nachteile aus dieser falschen Formulierung der Anträge 1 und
2 können der Beschwerdeführerin aber aufgrund des zu beachtenden
Grundsatzes des verbotenen überspitzten Formalismus nicht entstehen. Die
Beschwerde ist daher materiell zu behandeln.
3. a) Streitig und zu prüfen ist vorliegend die Frage der Gewinnermittlung und
Verlustverrechnung. Für das bessere Verständnis dieser Thematik ist ein
Rückblick über die diesbezügliche Rechtsprechung des Bundesgerichtes der
letzten Jahre hilfreich.
b) Nach den Grundsätzen zur Vermeidung der interkantonalen
Doppelbesteuerung muss ein Steuerpflichtiger, der in mehreren Kantonen
steuerpflichtig ist, nicht mehr als sein gesamtes Reineinkommen
beziehungsweise seinen gesamten Reingewinn versteuern (BGE 107 Ia 41 E.
1a; ASA 60 S. 269 E. 2a). Diese Regelung musste nach der bisherigen
Rechtsprechung des Bundesgerichts jedoch zurücktreten gegenüber dem
Grundsatz, wonach das Grundeigentum dem Kanton, in dem es gelegen ist, zur
ausschliesslichen Besteuerung vorbehalten bleibt. Der Liegenschaftskanton
musste daher Verluste am Hauptsitz oder in einem anderen
Betriebsstättekanton nicht übernehmen. Das heisst, er war nicht verpflichtet,
solche Verluste auf den Ertrag der Liegenschaft oder auf den
Veräusserungsgewinn (Wertzuwachs und Buchgewinn) anzurechnen. Sich
daraus am Hauptsitz ergebende, sog. Ausscheidungsverluste waren zulässig.
Auch wenn diese Rechtsprechung in der Lehre auf Kritik stiess, hielt das
Bundesgericht stets daran fest (BGE 116 Ia 127 E. 2b und 2c, 111 Ia 120 E. 2a;
ASA 59 S. 564 E. 3d, S. 568 E. 4).
c) Diese bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Nichtberücksichtigung von
Ausscheidungsverlusten bezog sich auf Kapitalanlageliegenschaften
interkantonaler Unternehmungen, einschliesslich Versicherungsgesellschaften
und Immobiliengesellschaften, ausserhalb des Sitzkantons sowie auf
Liegenschaften des Privatvermögens natürlicher Personen. Sie kam weiter auf
Liegenschaften von Liegenschaftenhändlern und Generalunternehmern im
Belegenheitskanton zur Anwendung. In einem Urteil aus dem Jahre 1999
wandte das Bundesgericht diese Rechtsprechung zudem auf die
Betriebsliegenschaft einer interkantonalen Unternehmung (Handelsgesellschaft)
an. Diese hatte ihre Betriebsliegenschaft im Kanton ... (Betriebsstättekanton)
veräussert. Dieser Kanton erfasste den Veräusserungsgewinn mit der
Reinertragssteuer unter Berücksichtigung seines Anteils am
Gesamtbetriebsverlust. Hingegen war er nicht verpflichtet, den im Sitzkanton
ungedeckt gebliebenen Teil des Betriebsverlustes zu verrechnen. Der
Ausscheidungsverlust war hinzunehmen, wie das Bundesgericht explizit
erkannte (Bundesgerichtsurteil 2P.439/1997 vom 27. Oktober 1999, E. 3c und
4, publ. in: StR 55/2000 S. 182).
d) In BGE 131 I 249 nahm das Bundesgericht sodann eine Verdeutlichung der
Praxis und eine Praxisänderung vor. Die Verdeutlichung der Praxis betraf die
Steuerausscheidung bei Betriebsliegenschaften von Liegenschaftenhändlern
und Generalunternehmern. Das Bundesgericht legte fest, dass der
Wertzuwachs aus der Veräusserung solcher Liegenschaften dem
Belegenheitskanton zur ausschliesslichen Besteuerung zustehe (BGE 131 I 249
E. 5.3). Diese Frage war in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bisher
nicht oder nicht mit der gewünschten Deutlichkeit entschieden worden (vgl.
auch den Vorbehalt in BGE 79 I 142 E. 2 S. 148 unten). Für
Betriebsliegenschaften der übrigen interkantonalen Unternehmen hatte das
Bundesgericht diesen Schritt bereits in BGE 83 I 257 E. 3 vollzogen und den
Wertzuwachs dem Belegenheitskanton zur ausschliesslichen Besteuerung
zugewiesen (siehe dazu auch BGE 131 I 249 E. 4.3 und 4.4). Andererseits
änderte das Bundesgericht seine Praxis, wonach der Betriebsstättekanton bei
der Besteuerung des Wertzuwachsgewinns aus der Veräusserung einer
Betriebsliegenschaft auf einen allfälligen Ausscheidungsverlust im Sitzkanton
keine Rücksicht zu nehmen brauche. Es verpflichtete den
Betriebsstättenkanton, den Geschäftsverlust, den die Unternehmung im
Sitzkanton und weiteren Kantonen mit Betriebsstätten aufwies, mit dem
Grundstückgewinn zu verrechnen. Das gelte auch dann, wenn der Kanton den
Wertzuwachs nicht mit der allgemeinen Einkommens- und Gewinnsteuer,
sondern mit einer Grundstückgewinnsteuer erfasse. Massgebend war für das
Bundesgericht die Überlegung, dass die Ausdehnung des Rechts des Kantons
der gelegenen Sache zur ausschliesslichen Besteuerung des Wertzuwachses
auf Betriebsliegenschaften von Liegenschaftenhändlern und
Generalunternehmern nicht dazu führen dürfe, dass dieser Kanton auf die
übrige Situation der Unternehmung überhaupt keine Rücksicht zu nehmen
brauche und den Gewinn auch dann voll besteuern dürfe, wenn die
Unternehmung mit einem Verlust abschliesse. Wenn schon der Wertzuwachs
auf Betriebsliegenschaften dem Liegenschaftskanton zur ausschliesslichen
Besteuerung zugewiesen werde, so sei andererseits dafür zu sorgen, dass sich
nicht vermehrt solche Ausscheidungsverluste ergeben (BGE 131 I 249 E. 6.3).
Diese Rechtsprechung wurde mit BGE 131 I 285 weitergeführt, wo ein
Nebensteuerdomizil (Spezialsteuerdomizil des Liegenschaftsortes) den
Gewinnungskostenüberschuss einer Privatliegenschaft am Hauptsteuerdomizil
zu übernehmen hatte. Mit BGE 132 I 220 wurde sodann einem
Nebensteuerdomizil (Spezialsteuerdomizil der Kapitalanlageliegenschaft) der
Verlust am Hauptsteuerdomizil angelastet. Gemäss BGE 133 I 19 sind
schliesslich die Schuldzinsen auch bei Liegenschaftshändlern proportional nach
Lage der Aktiven und nicht mehr objektmässig zu verlegen.
4. a) Gestützt auf die soeben dargestellte, mit BGE 131 I 249 eingeleitete neue
Rechtsprechung des Bundesgerichtes gab die Schweizerische Steuerkonferenz
(SSK) am 15. März 2007 das Kreisschreiben Nr. 27 „Die Vermeidung von
Ausscheidungsverlusten“ heraus. Dessen unter dem Titel „Juristische
Personen“ stehenden Ziffern 3.2.1 - 3.2.4 lauten wie folgt:
3.2.1 Verluste und Gewinnungskostenüberschüsse sind in erster Linie mit im gleichen Kanton steuerbaren Gewinnen/Erträgen zu verrechnen. Nicht im gleichen Kanton verrechenbare Verluste und Gewinnungskostenüberschüsse schmälern das nach Quoten zu verteilende Betriebsergebnis.
3.2.2 Ein negatives Gesamtbetriebsergebnis haben die Kantone mit Kapitalanlageliegenschaften zu übernehmen, zuerst jene, in denen sich Betriebsstätten befinden, dann die reinen Liegenschaftskantone. Es wird im Verhältnis der in den betroffenen Kantonen steuerbaren Reingewinne verlegt.
3.2.3 In den Liegenschaftskantonen erfolgt die Verrechnung mit Grundstückgewinnen, ungeachtet ob diese Gewinne mit der Gewinnsteuer oder mit der Grundstückgewinnsteuer erfasst werden. Kantone mit dem monistischen System der Grundstückgewinnsteuer verrechnen übernommene Verluste zuerst mit den wiedereingebrachten Abschreibungen und einen allenfalls verbleibenden Rest mit dem Wertzuwachsgewinn.
3.2.4 Die Übernahme von Verlusten und Gewinnungskostenüberschüssen ist definitiv. Weder das Hauptsteuerdomizil noch die sekundären oder Spezialsteuerdomizile belasten Verluste und Gewinnungskostenüberschüsse, die sie von einem anderen Steuerdomizil übernommen haben, an dieses zurück.
b) Das Bundesgericht hat sodann in einem Entscheid aus dem Jahre 2011 explizit
ausgeführt, dass das sich auf seine Rechtsprechung stützende Kreisschreiben
Nr. 27 der SSK die bundesgerichtliche Praxis korrekt wiedergebe und daraus
sachgerechte Schlüsse ziehe (Bundesgerichtsentscheid 2C_689/2010 vom 4.
April 2011 E. 4.3).
5. a) Vorliegend ist unbestritten, dass die ... Switzerland AG ihren Sitz im Jahr 2008
noch in ... im Kanton Graubünden hatte, auch wenn sie schon damals als
interkantonales Unternehmen galt. Dementsprechend befand sich ihr
Hauptsteuerdomizil im Jahre 2008 in Graubünden. Dies hat zur Folge, dass
grundsätzlich - unter Berücksichtigung und Beachtung der ausserkantonalen
Liegenschaften und Produktionsstandorte - sämtliche Gewinne sowie
sämtliches Kapital in Graubünden steuerbar war.
b) Wie vorstehend erläutert hat das Bundesgericht in BGE 131 I 249 festgehalten,
dass der Wertzuwachsgewinn aus der Veräusserung einer Betriebsliegenschaft
vorerst zwar dem Liegenschaftskanton zuzuweisen sei, der
Liegenschaftskanton einen im Sitz- oder Betriebsstättenkanton angefallenen
Geschäftsverlust aber damit verrechnen müsse (E. 6.5). Diese Praxisänderung
gilt für alle interkantonalen Unternehmen unabhängig von der im
Liegenschaftskanton angewandten Methode der
Grundstückgewinnbesteuerung im dualistischen oder monistischen System,
zumal es das Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der
Kantone und Gemeinden (StHG; SR 642.14) den Kantonen frei lässt, ob sie
Kapitalgewinne auf Liegenschaften des Geschäftsvermögens nach dem
dualistischen System mit der allgemeinen Einkommens- oder Gewinnsteuer
erfassen wollen, oder ob sie die entsprechenden Kapitalgewinne nach dem
monistischen System (Züricher System) wie private Grundstückgewinne der
besonderen Grundstückgewinnsteuer unterwerfen (Bernhard Zwahlen in:
Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/1 Art. 12 StHG N 3).
c) Auf den vorliegenden Fall bezogen bedeutet dies, dass der aus dem Verkauf
des ...areals im Jahr 2007 erzielte unternehmerische Grundstückgewinn
zunächst dem Liegenschaftskanton ... zur Besteuerung zustand. Dieser hat
einen allfälligen Ausscheidungsverlust zu vermeiden, indem er die erzielten
Wertzuwachsgewinne aus der Veräusserung der Betriebsliegenschaften mit
Betriebsverlusten verrechnet. Faktisch ist dies im vorliegenden Fall
grundsätzlich auch geschehen. Denn der Wertzuwachsgewinn wurde im Kanton
... mit einer separaten Grundstückgewinnsteuer erfasst (monistisches System),
wobei sich gemäss dem Beschluss des Grundsteuerausschusses der Stadt ...
vom 25., mitgeteilt am 28. Februar 2011, aus dem Verkauf des ...areals bei
einem Anlagewert von Fr. 29‘793‘618.-- (bestehend aus einem Verkehrswert
vor 20 Jahren von Fr. 26‘375‘200.-- und Altlastenkosten von Fr. 3‘418‘418.--)
und einem Verkaufserlös von Fr. 26‘000‘000.-- kein steuerpflichtiger
Grundstückgewinn ergab. Vielmehr ergab sich aus dem Verkauf des ...areals
aufgrund der Berücksichtigung des Verkehrswertes vor 20 Jahren von
Fr. 26‘375‘200.-- anstelle der historischen Anschaffungskosten ein Verlust,
wobei es sich dabei nicht um einen tatsächlichen, sondern bloss um einen
virtuellen Verlust handelte. Im entsprechenden Beschluss des
Grundsteuerausschusses der Stadt Winterthur vom 25. Februar 2011 wurde
sodann explizit erwähnt, dass der Verlust aus der Liegenschaftsveräusserung
anerkannt werde, dessen Höhe aber nicht geprüft worden sei. Die Tatsache,
dass in der Grundstückgewinnsteuerveranlagung des Kantons ... die Höhe der
verrechenbaren Verluste nicht überprüft wurde zeigt, dass über die
Verlustverrechnung noch nicht definitiv entschieden wurde.
d) Als Sitzkanton hatte der Kanton Graubünden anschliessend entsprechend der
mit BGE 131 I 429 eingeleiteten Rechtsprechung bei seiner Besteuerung am
Hauptsteuerdomizil die gesamte wirtschaftliche Situation des Unternehmens
unter Beachtung der interkantonalen Besteuerungspraxis zu berücksichtigen.
Entgegen dem zürcherischen Recht und der Besteuerung im monistischen
Grundstückgewinnsteuersystem ergab sich nach den
Gewinnermittlungsvorschriften des Steuergesetzes für den Kanton Graubünden
(StG; BR 720.000) - insbesondere nach Art. 79 Abs. 1 StG (Saldo der
Erfolgsrechnung als steuerbarer Gewinn) und Art. 86 Abs. 1 StG (Berechnung
der verrechenbaren Verluste) - aus dem Verkauf des ...areals durch die
Beschwerdeführerin im Jahre 2007 ein Wertzuwachsgewinn, wie er im Übrigen
auch in der Erfolgsrechnung 2007 unter der Position „Gewinn aus Verkauf von
betrieblichem Anlagevermögen“ verbucht wurde. In der Steuerperiode 2007
erzielte die Beschwerdeführerin vor Verlustverrechnung einen Gewinn in der
Höhe von Fr 3‘602‘508.--. Nach Verrechnung durch anrechenbare Verluste der
Vorjahre wurde das Geschäftsjahr 2007 mit einer Gewinnsteuer von Fr. 0.--
veranlagt. Im Geschäftsjahr 2008 ergab sich schliesslich nach Verrechnung der
verbliebenen Vorjahresverluste ein steuerbarer Reingewinn von Fr. 8‘538‘462.--
, welcher in Anwendung der Gesamtverlustverrechnungsmethode sowie der
Grundsätze des interkantonalen Steuerrechts direkt auf die verschiedenen
Steuerdomizile zur Besteuerung aufgeteilt wurde. Dementsprechend hat aber
der Kanton Graubünden bei der Besteuerung der Beschwerdeführerin in
Beachtung der vorstehend dargestellten neueren bundesgerichtlichen Praxis
sowie des entsprechenden Kreisschreibens Nr. 27 der SSK die gesamte
wirtschaftliche Situation des Unternehmens berücksichtigt. Dass dies
tatsächlich so geschehen ist, bestätigen denn auch sowohl das kantonale
Steueramt ... als auch die Steuerverwaltung des Kantons Graubünden.
6. a) Durch ihre konkreten Anträge will nun die Beschwerdeführerin erreichen, dass
neben der auf Grund der Zürcher Grundstückgewinnsteuerbestimmungen
vorgenommenen Nullbesteuerung aufgrund einer angeblich bestehenden
virtuellen Doppelbesteuerung beziehungsweise einer Schlechterstellung
gegenüber innerkantonalen Unternehmen auch im Kanton Graubünden
entweder der Gewinn anteilsmässig am Hauptsitz nicht berücksichtigt werde
oder bei Berücksichtigung als Verlust im Kanton ... für die Zukunft in Abzug
gebracht werden könne.
b) Zu ersterem Antrag, der per 31. Dezember 2007 vortragbare steuerrechtliche
Verlustvortrag sei um Fr. 21‘732‘640.-- zu erhöhen und mit dem steuerbaren
Gewinn des Jahres 2008 zu verrechnen ist was folgt zu sagen: Das
Bundesgericht begründete seine mit BGE 131 I 249 geänderte Praxis zur
interkantonalen Verlustverrechnung primär mit dem Grundsatz der Besteuerung
nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, der in Art. 127 Abs. 2 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) und
in Art. 95 Abs. 1 der Verfassung des Kantons Graubünden (KV; BR 110.100)
explizit verankert ist. Dementsprechend verlangt es, dass der
Liegenschaftskanton bei der Besteuerung auf die Gesamtsituation der
Unternehmung Rücksicht zu nehmen hat. Dieser Forderung ist nun aber
vollumfänglich genüge getan, wenn der Betriebsverlust mit dem tatsächlich
erzielten Wertzuwachsgewinn verrechnet wird. Eine darüber hinausgehende
Verrechnung mit den in Graubünden steuerbaren Gewinnen - wie dies die
Beschwerdeführerin verlangt - stünde der Besteuerung nach der
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit diametral entgegen. Denn die von der
Beschwerdeführerin beantragte Verrechnung mit den in Graubünden
steuerbaren Gewinnen würde im Ergebnis dazu führen, dass die
Beschwerdeführerin als Folge der im Kanton ... abweichend vom tatsächlich
erzielten Wertzuwachsgewinn erfolgten Bemessung des Grundstückgewinns
nicht nur den tatsächlich erzielten Wertzuwachsgewinn nicht versteuern
müsste, sondern zusätzlich den Betriebsverlust im nicht mit dem besteuerten
Grundstückgewinn verrechneten Umfang abziehen könnte. Vor dem
Hintergrund des Grundsatzes der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit sowie der
mit BGE 131 I 249 eingeleiteten, neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung
ist eine über die Verrechnung des Betriebsverlustes mit dem tatsächlich
erzielten Wertzuwachsgewinn hinausgehende Verrechnung dementsprechend
weder gerechtfertigt noch angebracht.
c) Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin führt eine Verrechnung
des Betriebsverlustes mit dem tatsächlich erzielten Wertzuwachsgewinn - wie
von der kantonalen Steuerverwaltung vorgenommen - weder zu einer
Schlechterstellung im Vergleich zu einer innerkantonalen graubündnerischen
Steuerpflichtigen noch zu einer virtuellen Doppelbesteuerung. Denn einerseits
versteuern in Graubünden sowohl innerkantonale wie auch interkantonale
Unternehmen ihre Wertzuwachsgewinne nach der dualistischen Methode.
Dementsprechend erfolgt aber die Bestimmung der verrechenbaren Verluste
bei interkantonalen Unternehmen nach der genau gleichen Methode wie bei
innerkantonalen Gesellschaften. Eine Schlechterstellung interkantonaler
Unternehmen ist somit bereits aus diesem Grunde ausgeschlossen.
Andererseits liegt gemäss ständiger Praxis des Bundesgerichts bloss dann eine
gegen Art. 127 Abs. 3 BV verstossende Doppelbesteuerung vor, wenn eine
steuerpflichtige Person von zwei oder mehreren Kantonen für das gleiche
Steuerobjekt und für die gleiche Zeit zu Steuern herangezogen wird (aktuelle
Doppelbesteuerung) oder wenn ein Kanton in Verletzung der geltenden
Kollisionsnormen seine Steuerhoheit überschreitet und eine Steuer erhebt, zu
deren Erhebung ein anderer Kanton zuständig wäre (virtuelle
Doppelbesteuerung; statt vieler: BGE 131 I 249 E. 3.1). Vorliegend trifft es zwar
zu, dass der Kanton Graubünden den Unternehmensgewinn bzw. die
verrechenbaren Verluste nach seinem internen Recht anders ermittelt als der
Kanton ... Eine unterschiedliche zahlenmässige Ermittlung des im Kanton
steuerbaren Gewinns stellt jedoch keine unzulässige Doppelbesteuerung dar,
sofern beide Kantone dabei die Zuteilungsnormen und die Regeln für die
Steuerausscheidung richtig anwenden (Peter Mäusli-Allenspach, in:
Zweifel/Beusch/Mäusli-Allenspach [Hrsg.], Kommentar zum Interkantonalen
Steuerrecht, § 4 N 14). Wie vorstehend unter Erwägung 5 dargestellt, hat die
kantonale Steuerverwaltung anlässlich der Steuerveranlagung 2008 bei der
Gewinnermittlung und bei der Verlustverrechnung aber sowohl die mit BGE 131
I 249 neu definierten Kollisionsnormen als auch die Zuteilungsnormen und
Ausscheidungsregeln vollumfänglich beachtet und eingehalten. Dies wurde
denn auch sowohl vom kantonalen Steueramt ... als auch von der
Steuerverwaltung des Kantons Graubünden übereinstimmend bestätigt.
Dementsprechend ist aber eine virtuelle Doppelbesteuerung ausgeschlossen.
d) Was schliesslich den Antrag um Zuweisung des Verlustvortrages von
Fr. 21‘732‘640.-- mittels Teilverlustverrechnung an den Kanton ... betrifft ist
festzuhalten, dass eine solche Zuweisung an den Kanton ... dem Kanton
Graubünden schon kompetenzmässig gar nicht zusteht. Vielmehr ist es Sache
des Kantons ... zu bestimmen, wie er den ihm unter Anwendung der
Gesamtverlustverrechnungsmethode und der Grundsätze des interkantonalen
Steuerrechts direkt zugeteilten Wertzuwachsgewinn und die zugewiesene
Wertzuwachsquote nach seinem Recht besteuert und welche Verluste er nach
seinem Recht zur Verrechnung zulässt. Darauf ist demnach nicht einzutreten.
7. a) Zusammenfassend lässt sich demzufolge festhalten, dass die Veranlagung der
Kantonssteuer der ... Switzerland AG für die Steuerperiode 2008 unter
korrekter Anwendung der bündnerischen Gewinnermittlungsvorschriften sowie
unter Beachtung der Kollisionsregeln, wie sie das Bundesgericht in BGE 131 I
249 und die SSK im Kreisschreiben Nr. 27 festgelegt haben, erfolgt ist. Weder
der Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
noch das Schlechterstellungsverbot wurden dabei verletzt. Auch liegt keine
unzulässig interkantonale Doppelbesteuerung vor. Vor diesem Hintergrund
erweist sich die Beschwerde als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist,
soweit auf sie eingetreten werden kann.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Verfahrenskosten gemäss Art.
73 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100)
zulasten der Beschwerdeführerin. Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit
öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen wird gemäss Art. 78
Abs. 2 VRG in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in
ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegen. Davon abzuweichen besteht
vorliegend kein Anlass.