Decision ID: dee31185-720b-4c16-9084-e9bc59ed44e8
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die afghanischen Staatsangehörigen A._ und B._ (nachfol-
gend: die Beschwerdeführenden) suchten am 7. Juni 2022 im Bundesas-
ylzentrum (BAZ) der Region C._ um Asyl nach.
B.
B.a Ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführenden mit der
europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab,
dass der Beschwerdeführer am (...) 2018 und die Beschwerdeführerin am
(...) 2020 in Griechenland Asylgesuche eingereicht hatten.
B.b Am 10. Juni 2022 mandatierten die Beschwerdeführenden die ihnen
im Bundesasylzentrum (BAZ) der Region C._ zugewiesene Rechts-
vertretung.
B.c Am 13. Juni 2022 führte das Staatssekretariat für Migration (SEM) die
Personalaufnahmen (PA) durch.
B.d Am 15. Juni 2022 gewährte das SEM den Beschwerdeführenden
schriftlich das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensent-
scheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998
(AsylG; SR 142.31) sowie zu einer möglichen Rückführung nach Griechen-
land. Zudem wurden sie auf ihre Pflicht zur Geltendmachung allfälliger me-
dizinischer Beeinträchtigungen aufmerksam gemacht.
B.e Am 16. Juni 2022 ersuchte das SEM die griechischen Behörden ge-
stützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und
des Rats vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfah-
ren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal anwesender Drittstaats-
angehöriger (nachfolgend: Rückführungs-Richtlinie) und das Abkommen
zwischen der Schweiz und Griechenland über die Rückübernahme von
Personen mit irregulärem Aufenthalt vom 28. August 2006 (SR 0.142.113.
729) um Rückübernahme der Beschwerdeführenden.
B.f Die griechischen Behörden stimmten am 21. Juni 2022 dem Rücküber-
nahmeersuchen des SEM zu und teilten mit, dass die Beschwerdeführen-
den als Flüchtlinge anerkannt worden und ihre Aufenthaltsbewilligungen
bis am (...) 2023 (Beschwerdeführer) respektive am (...) 2024 (Beschwer-
deführerin) gültig seien.
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B.g Im Rahmen der Stellungnahme vom 29. Juni 2022 beantragten die Be-
schwerdeführenden die vorläufige Aufnahme. Zur Begründung führten sie
im Wesentlichen aus, die griechischen Behörden hätten sie weder bei der
Arbeits- noch bei der Wohnungssuche oder bei der Finanzierung der Miete
unterstützt. Nur aufgrund ihrer eigenen Bemühungen und ihrer ausserge-
wöhnlichen Eigenleistungen sei es ihnen möglich gewesen, eine Arbeit zu
finden und ein Studio zu mieten. Am (...) 2021 sei der Beschwerdeführer
von drei Männern überfallen und mit Messern tätlich angegriffen worden.
Es sei in der Folge kein polizeiliches Ermittlungsverfahren eingeleitet wor-
den und die Beschwerdeführenden seien von einem Polizisten abschätzig
behandelt worden. Im (...) 2022 sei dann die Gesuchstellerin ebenfalls Op-
fer eines Angriffs geworden, wobei das Fenster ihrer Wohnung mit Steinen
zerstört worden sei. Aus Angst vor weiteren Angriffen und Erniedrigungen
seitens Polizeibeamten habe sie diesen Vorfall nicht gemeldet. Da die Si-
tuation für sie absolut unerträglich geworden sei, hätten sie sich schliess-
lich entschieden, Griechenland zu verlassen und in der Schweiz Asyl zu
beantragen.
Der Eingabe lagen eine Kopie ihrer Heiratsurkunde, Arbeitsbestätigungen
von (...), der (...) und des (...), ein Lebenslauf des Beschwerdeführers so-
wie ein Arztbericht betreffend den Beschwerdeführer bei.
C.
C.a Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens wurden betreffend den Be-
schwerdeführer ein Formular "Medic-Help Zuweisungsschreiben Arzt (ehe-
mals F2)" vom 27. Juli 2022 inklusive eines ärztlichen Kurzberichts von
(...) vom 11. August 2022 sowie ein Konsultationsbericht von (...) vom
26. August 2022 und betreffend die Beschwerdeführerin ärztliche Kurzbe-
richte für das BAZ C._ vom 22. und 24. Juni 2022, ein Formular
"Medic-Help Zuweisungsschreiben Arzt (ehemals F2)" vom 2. Juli 2022 in-
klusive eines ärztlichen Kurzberichts von (...) vom 14. Juli 2022, ein Kon-
sultationsbericht der (...) vom 25. Juli 2022, ein Formular "Medic-Help Zu-
weisungsschreiben Arzt (ehemals F2)" vom 27. Juli 2022 inklusive eines
ärztlichen Kurzberichts von (...) vom 18. August 2022, ein ambulanter
Kurzbericht von Dr. med. (...), Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
(...), vom 6. August 2022 zu den Akten gereicht.
C.b Mit Eingabe vom 5. September 2022 liessen die Beschwerdeführen-
den einen ärztlichen Bericht der (...) vom 31. August 2022 betreffend den
Beschwerdeführer ins Recht legen.
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Seite 4
D.
D.a Am 28. September 2022 unterbreitete das SEM der Rechtsvertretung
den Entwurf des Entscheids betreffend Nichteintreten auf das Asylgesuch
und Drittstaatenwegweisung der Beschwerdeführenden nach Griechen-
land zur Stellungnahme.
D.b In der Stellungnahme vom gleichen Tag hielt die Rechtsvertretung fest,
die Beschwerdeführenden hätten auf verschiedenen Wegen vergeblich
versucht in Griechenland Schutz durch die Polizei zu erhalten. Sie hätten
grosse Angst vor einem erneuten Angriff bei einer Rückkehr. Sie seien Op-
fer von Rassismus und Diskriminierung durch die griechische Bevölkerung
geworden und hätten aufgrund ihres Weggangs alle sozialen Vorteile, wie
ihre Jobs und ihre Wohnung, verloren. Bei einer Rückkehr würde ihnen
keine soziale Hilfe zuteilwerden. Folglich wären sie bei einer Rückkehr der
Gefahr einer unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung im Sinne
von Art. 3 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grund-
freiheiten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101) ausgesetzt.
E.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 30. September 2022 trat das
SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch
der Beschwerdeführenden nicht ein, verfügte die Wegweisung nach Grie-
chenland und forderte sie auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf
der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig wurde der Kanton
C._ mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt. Überdies wurden
den Beschwerdeführenden die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenver-
zeichnis ausgehändigt.
F.
Am selben Tag teilte die Rechtsvertretung dem SEM die Beendigung des
Mandatsverhältnisses mit.
G.
G.a Mit Eingabe vom 5. Oktober 2022 (Datum des Poststempels) erhoben
die Beschwerdeführenden gegen die vorinstanzliche Verfügung beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragten die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung sowie die Anweisung an die Vorinstanz, ihre
Pflicht um Selbsteintritt auszuüben und sich für vorliegendes Asylverfahren
für zuständig zu erklären. Eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, ihr
Recht zum Selbsteintritt gestützt auf Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1
vom 11. August 1999 (AsylV 1; SR 142.311) auszuüben und sich für das
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Seite 5
vorliegende Asylverfahren für zuständig zu erklären. Subeventualiter sei
die Sache wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. Im Sinne vorsorglicher Massnahmen sei die aufschiebende
Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörden seien unverzüglich anzu-
weisen, von einer Überstellung nach Griechenland abzusehen, bis das
Bundesverwaltungsgericht über die vorliegende Beschwerde entschieden
habe. Sodann beantragten sie die unentgeltliche Prozessführung sowie
den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Es sei ihnen eine
angemessene Parteientschädigung zuzusprechen, aufgrund der Komple-
xität des Verfahrens eine amtliche Rechtsbeiständin oder einen amtlichen
Rechtsbeistand zu bestellen und eine angemessene Frist zur Bezeichnung
zu gewähren.
Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung des SEM
vom 30. September 2022 sowie der Empfangsbestätigung bei.
G.b Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
6. Oktober 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
Gleichentags bestätigte dieses den Eingang der Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsge-
richt vom 17. Juni 2005 (VGG; SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsge-
richt zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1986
(VwVG; SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls
in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni
2005 [BGG; SR 173.110]).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
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Seite 6
und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist somit – unter nachfolgenden Vorbehalten – einzutreten.
1.4 Nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage eines
Selbsteintrittrechts gestützt auf Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 (Zuständigkeitsprü-
fung aus humanitären Gründen), welches ausschliesslich in Dublin-Verfah-
ren nach Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG zur Anwendung kommt. Auf den ent-
sprechenden Antrag ist somit nicht einzutreten (vgl. Ziff. 3 der Beschwer-
deanträge).
1.5 Gemäss Art. 55 Abs. 1 VwVG hat die Beschwerde in Verwaltungssa-
chen aufschiebende Wirkung und das SEM hat der Beschwerde die auf-
schiebende Wirkung nicht entzogen (Art. 55 Abs. 2 VwVG). Die Beschwer-
deführenden dürfen den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten
(Art. 42 AsylG). Auf den Antrag, es sei der Beschwerde die aufschiebende
Wirkung zu erteilen (vgl. Ziff. 5 der Beschwerdeanträge), ist daher mangels
Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5
E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.2 Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem
Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt.
4.
Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt –
als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Durchführung eines
Schriftenwechsels zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 AsylG).
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Seite 7
5.
5.1 In der Beschwerde wurden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu
prüfen sind, da sie bei berechtigtem Vorbringen zur Kassation der ange-
fochtenen Verfügung führen können (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2).
5.2 Die Beschwerdeführenden beantragten, die angefochtene Verfügung
sei wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs zurückzuweisen (vgl. Ziff. 4
der Beschwerdeanträge). Die vorgebrachte Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs wurde als solches in der Beschwerde jedoch nicht weiter begründet.
Sodann sind auch den Akten keine Hinweise darauf zu entnehmen, das
SEM habe im vorliegenden Verfahren den Anspruch der Beschwerdefüh-
renden auf rechtliches Gehör verletzt.
5.3
5.3.1 Weiter machten die Beschwerdeführenden geltend, der medizinische
Sachverhalt sei nicht genügend abgeklärt worden, denn trotz verschiede-
ner Nachfragen und Bitten um psychiatrische Hilfe seien keine diesbezüg-
lichen Abklärungen vorgenommen worden (vgl. BVGer-Akte, Ziff. 4, S. 4).
5.3.2 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellt die Asylbehörde den
Sachverhalt von Amtes wegen fest. Die unvollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG bezie-
hungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG gerügt werden. Unvollständig ist
die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz der geltenden Unter-
suchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat,
oder nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände berücksich-
tigt worden sind (vgl. dazu BENJAMIN SCHINDLER, in: Kommentar zum
VwVG, 2. Auflage 2019, N 29 zu Art. 49 VwVG). Ihre Grenze findet die Un-
tersuchungspflicht der Behörde in der Mitwirkungspflicht der asylsuchen-
den Person (Art. 13 Abs. 1 VwVG und Art. 8 Abs. 1 AsylG).
5.3.3 Angesichts der in den Akten liegenden ärztlichen Unterlagen (vgl.
Bst. C hiervor) ist der rechtserhebliche medizinische Sachverhalt als voll-
ständig erstellt zu erachten. Die Beschwerdeführenden erwähnten erst-
mals auf Beschwerdeebene psychische Probleme, ohne diese jedoch wei-
ter zu konkretisieren. Aus den Akten geht sodann – entgegen ihrer Ausfüh-
rungen – nicht hervor, dass sie sich diesbezüglich selbst an die Pflege des
BAZ gewendet hätten. Insofern kann kaum von einer Missachtung der
vorinstanzlichen Untersuchungspflicht die Rede sein, zumal sich aufgrund
der Akten keine Anhaltspunkte ergaben, aufgrund derer sich weiterge-
hende Abklärungen aufgedrängt hätten.
D-4497/2022
Seite 8
5.4 Zusammenfassend erweisen sich die formellen Rügen als unbegrün-
det, weshalb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfügung auf-
zuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen.
6.
6.1 Das SEM führte zur Begründung seines Nichteintretensentscheids aus,
der Bundesrat habe Griechenland als sicheren Drittstaat im Sinne von
Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG bezeichnet, Abklärungen hätten ergeben, dass
die Beschwerdeführenden in Griechenland als Flüchtlinge anerkannt wor-
den seien, sie über gültige Aufenthaltsbewilligungen verfügen würden und
Griechenland sich bereit erklärt habe, sie zurückzunehmen. Sie könnten
nach Griechenland zurückkehren, ohne eine Rückschiebung in Verletzung
des Non-Refoulement-Prinzips im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG befürch-
ten zu müssen. Der medizinische Sachverhalt sei als erstellt zu erachten
und es würden keine Hinweise vorliegen, wonach anlässlich weiterer mög-
licher ärztlicher Konsultationen derart schwerwiegende Diagnosen gestellt
werden könnten, welche an der Einschätzung des SEM hinsichtlich der Zu-
lässigkeit, Zumutbarkeit und Verhältnismässigkeit ihrer Wegweisung nach
Griechenland etwas zu ändern vermögen könnten. Hinsichtlich des Voll-
zugs der Wegweisung stellte die Vorinstanz fest, Griechenland habe die
Richtlinie 2011/95/EU des europäischen Parlaments und des Rates vom
13. Dezember 2011 (nachfolgend: Qualifikationsrichtlinie) umgesetzt. Ent-
sprechend könnten sich Personen mit Schutzstatus auf die Garantien be-
rufen, wonach sie griechischen Bürgerinnen und Bürgern gleichgestellt
seien in Bezug auf Sozialleistungen, Wohnraum, Beschäftigung und medi-
zinische Versorgung, respektive gleichgestellt mit anderen Ausländern und
Ausländerinnen in Bezug auf Erwerbstätigkeit und Gewährung einer Un-
terkunft. Unterstützungsleistungen und weitere Rechte müssten direkt bei
den zuständigen Behörden eingefordert werden, falls notwendig auf dem
Rechtsweg, ergänzend bei einer der vor Ort tätigen Hilfsorganisationen.
Die in Griechenland allgemein schwierigen ökonomischen Lebensbedin-
gungen sowie die herrschende Wohnungsnot träfen die ganze Bevölke-
rung und vermöchten die Zulässigkeit und die Zumutbarkeit des Vollzugs
der Wegweisung nicht zu widerlegen. Weiter sei auch die medizinische
Versorgung des Beschwerdeführers gewährleistet und es würden keine er-
härteten Hinweise vorliegen, wonach ihnen Griechenland eine notwendige
medizinische Behandlung verweigert habe oder zukünftig verweigern
werde. Ihrem aktuellen Gesundheitszustand werde bei der Organisation
der Überstellung insofern Rechnung getragen, indem Griechenland vor der
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Seite 9
Überstellung bei Bedarf über alle notwendigen medizinischen Behandlun-
gen informiert werde. Der Vollzug der Wegweisung sei somit zulässig. Als-
dann würden weder die in Griechenland herrschende Situation noch an-
dere Gründe gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung sprechen. Schliess-
lich sei der Wegweisungsvollzug technisch möglich und durchführbar.
6.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe wendeten die Beschwerdeführenden im
Wesentlichen ein, sie seien in Griechenland Diskriminierung und Gewalt
ausgesetzt gewesen. So sei der Beschwerdeführer – entgegen den Aus-
führungen in der angefochtenen Verfügung und der Darstellungen in der
Stellungnahme der ehemaligen Rechtsvertretung vom 30. Juni 2022 – im
(...) 2022 auf offener Strasse mit einem Messer attackiert und schwer ver-
letzt worden. Die Polizeibeamten hätten ihre Anzeige nicht entgegenge-
nommen und ihnen mitgeteilt, dass sie in Griechenland nicht erwünscht
seien und die Polizei sich nicht um sie kümmern werde. Aufgrund der be-
stehenden groben Missstände betreffend die Wahrung der Verfahrens-
rechte von Geflüchteten in Griechenland sei es ihnen nicht möglich gewe-
sen, an das Aufsichtsorgan der Polizei zu gelangen, um ihre Rechte einzu-
fordern. Die griechischen Behörden seien nicht schutzwillig. Ausserdem sei
notorisch bekannt, dass Griechenland seit Jahren systematisch europäi-
sche Vereinbarungen und Abkommen betreffend die Rechte und Stellung
von Asylsuchenden und Flüchtlingen verletze. Aktuell sei der Zugang zur
Gesundheitsversorgung infolge eines erheblichen Ressourcen- und Kapa-
zitätsmangels deutlich erschwert. Im Hinblick auf die bei ihnen ärztlich fest-
gestellten Diagnosen, sei deshalb eine genügende medizinische Versor-
gung unwahrscheinlich. Hinzu komme, dass sich der psychische Gesund-
heitszustand des Beschwerdeführers, welcher bereits in Afghanistan Folter
ausgesetzt gewesen sei, bei einer Rückkehr nach Griechenland, wo er
durch den Angriff retraumatisiert worden sei, erneut destabilisieren würde.
Abschliessend sei darauf hinzuweisen, dass der Bericht des Anti-Folter-
Komitees des Europarats Griechenland für seinen teils menschenunwürdi-
gen Umgang mit Migranten und Flüchtlingen kritisiere und auch zahlreiche
Berichte von internationalen Organisationen darlegen würden, dass aner-
kannten Schutzberechtigen nicht einmal die minimalen Unterstützungsleis-
tungen zugänglich seien.
7.
7.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein-
getreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a Abs. 2
Bst. b AsylG als sicheren bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, in
welchem sie sich vorher aufgehalten hat.
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Seite 10
7.2 Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellun-
gen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG
besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Durch den
Beschluss des Bundesrats vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche
Länder der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandels-
assoziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet.
7.3 Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest,
dass es sich bei Griechenland – als Mitglied der EU – um einen sicheren
Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt und legte zutref-
fend dar, weshalb sie nicht auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden
eingetreten ist. Sodann ist den Akten zu entnehmen, dass die griechischen
Behörden die Beschwerdeführenden als Flüchtlinge anerkannten, ihnen
Aufenthaltsbewilligungen erteilten und ihrer Rückübernahme ausdrücklich
zugestimmt haben (vgl. SEM-Akte [...]-25/1).
7.4 Demnach sind die Voraussetzungen für einen Nichteintretensentscheid
nach Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG erfüllt, weshalb das SEM auf die Asylge-
suche der Beschwerdeführenden zu Recht nicht eingetreten ist, was im
Übrigen von den Beschwerdeführenden – trotz des Antrages, die Vor-
instanz sei anzuweisen, sich für das Asylverfahren für zuständig zu erklä-
ren (vgl. Ziff. 2 der Beschwerdeanträge).
8.
8.1 Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Regel
die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berück-
sichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen derzeit weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Zudem hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfü-
gung in zutreffender Weise aufgezeigt, dass sie aus der geltend gemach-
ten Beziehung zu D._, dem Bruder des Beschwerdeführers, wel-
cher gemäss dessen Angaben zurzeit in C._ wohnhaft sei (vgl.
SEM-Akte [...]-19/5, Ziff. 3.01), nichts – insbesondere gestützt auf Art. 8
EMRK – zu ihren Gunsten ableiten können (vgl. SEM-Akte [...]-41/16,
E. III, Ziff. 1, S. 8). Die Beschwerdeführenden brachten gegen diese Fest-
stellung in ihrer Rechtsmittelschrift denn auch keine Einwände vor. Die
Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. Art. 44 AsylG; vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
D-4497/2022
Seite 11
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Aus-
länderinnen und Ausländer und über die Integration [AIG; SR 142.20]). Bei
der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2, m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951 (FK; SR
0.142.30), Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid-
genossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101), Art. 3 des Übereinkom-
mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK; SR 0.105]
und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers
in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83
Abs. 3 AIG).
Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie aufgrund von Situationen wie Krieg, Bür-
gerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.
9.3
9.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Referenzurteil
E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 einlässlich mit der Situa-
tion in Griechenland auseinandergesetzt und an seiner bisherigen Recht-
sprechung festgehalten, wonach der Vollzug der Wegweisung nach Grie-
chenland für Personen, die dort einen Schutzstatus erhalten haben, grund-
sätzlich zulässig ist. Das Gericht geht nicht von einer Situation aus, in der
jeder Person mit Schutzstatus in Griechenland eine unangemessene und
erniedrigende Behandlung im Sinne einer Verletzung von Art. 3 EMRK dro-
hen würde. Trotz existierender Schwachstellen kann nicht von einem dys-
funktionalen Aufnahmesystem gesprochen werden. Gewisse Angebote
existieren in Griechenland, die auch für Schutzberechtigte offenstehen,
D-4497/2022
Seite 12
wenn auch die Kapazitäten kaum ausreichend sein dürften und Infrastruk-
turhilfen und Angebote bisher vor allem von internationalen Akteuren, zu-
vorderst der EU, dem Hohen Flüchtlingskommissariat der Vereinten Natio-
nen für Flüchtlinge (UNHCR) und der Internationalen Organisation für Mig-
ration (IOM) abhängen, die – in Zusammenarbeit mit der lokalen Zivilge-
sellschaft – Leistungen erbringen und finanzieren. Trotz dieser schwierigen
Verhältnisse geht das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass schutz-
berechtigte Personen grundsätzlich in der Lage sind, ihre existenziellen
Bedürfnisse abzudecken. Auch ist davon auszugehen, dass Rückkehren-
den keine menschenunwürdige Behandlung droht, weshalb für sie kein
"real risk" einer völkerrechtswidrigen Behandlung besteht (vgl. a.a.O.
E. 11.2).
Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine
Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist (vgl.
a.a.O. E. 11.3). Die Legalvermutung der Zumutbarkeit des Vollzugs der
Wegweisung gilt bezüglich Griechenland grundsätzlich auch für vulnerable
Personen, wie zum Beispiel Schwangere oder Personen, die an gesund-
heitlichen Problemen leiden, die nicht als schwerwiegende Erkrankung ein-
zustufen sind (vgl. a.a.O. E. 11.5.1).
9.3.2 Es obliegt grundsätzlich der betroffenen Person, diese Legalvermu-
tungen umzustossen. Dazu hat sie ernsthafte Anhaltpunkte dafür vorzu-
bringen, dass die Behörden im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen,
ihr nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdi-
gen Lebensumständen aussetzen würden respektive, dass sie in Grie-
chenland aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher
oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde
(vgl. a.a.O. E. 11.4).
10.
10.1
10.1.1 Die Beschwerdeführenden wurden in Griechenland als Flüchtlinge
anerkannt und sind im Besitz einer gültigen griechischen Aufenthaltsbewil-
ligung. Demnach können sie sich auf die Garantien der Qualifikationsricht-
linie berufen (insbesondere die Regeln betreffend den Zugang zu Beschäf-
tigung [Art. 26], zu Bildung [Art. 27], zu Sozialhilfeleistungen [Art. 29], zu
Wohnraum [Art. 32] und zu medizinischer Versorgung [Art. 30]), auf die
sich Griechenland als EU-Mitgliedstaat behaften lassen muss. Selbst wenn
Griechenland diese Garantien teils sehr unzureichend umsetzt und der All-
tag für Schutzberechtigte mit grossen Anstrengungen verbunden ist, geht
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Seite 13
das Gericht im vorliegenden Fall davon aus, dass die Beschwerdeführen-
den im Fall der Rückkehr in der Lage sein werden, ihren Alltag in Griechen-
land zu meistern und ihre nötigen Bedürfnisse zu decken. Dafür spricht
insbesondere, dass sie sich eigenen Angaben zufolge bereits eine eigene
Wohnung und Arbeitsstellen beschaffen konnten (vgl. SEM-Akte [...]-27/17
[nachfolgend: SEM-Akte 27/17], S. 2). Aufgrund der Akten liegen des Wei-
teren auch keine Anhaltspunkte vor, dass sie für den Fall einer Rückkehr
nach Griechenland dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wären. Die von den Beschwerdeführenden angeführten negativen Er-
fahrungen mit Polizeibeamten stellen dabei keine konkreten Hinweise für
die Annahme dar, dass die griechischen Behörden nicht schutzwillig und -
fähig seien. Die Angst vor weiteren Übergriffen und Diskriminierungen
durch die griechische Bevölkerung steht dem Wegweisungsvollzug eben-
falls nicht entgegen. Bei Unterstützungsbedarf oder allfälligen Problemen
mit Drittpersonen können sich die Beschwerdeführenden an die griechi-
schen Behörden wenden und die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem
Rechtsweg einfordern, wobei keine Hinwiese dafür vorliegen, dass die zu-
ständigen Behörden ihnen den erforderlichen Schutz oder eine Anzeigeer-
stattung verweigern würden. In Bezug auf die geltend gemachte Befürch-
tung, in Griechenland obdachlos zu werden und keinen Zugang zu elemen-
taren Leistungen zu erhalten, machten die Beschwerdeführenden nicht
geltend, sich während ihres Aufenthalts in Griechenland vergeblich um
Hilfe oder Unterstützung seitens der Behörden bemüht zu haben, und es
ist ausserdem nicht ersichtlich, dass sie rechtlich gegen eine allfällige Ver-
weigerung von Unterstützungsleistungen vorgegangen wären. Eine ent-
sprechende Initiative, die griechischen Behörden (allenfalls auch caritative
Hilfsorganisationen) um Unterstützung anzugehen, darf jedoch von ihnen
erwartet werden. Es ist unbestritten, dass die Lebensbedingungen in Grie-
chenland schwierig sind; dennoch ist unter diesen Umständen im heutigen
Zeitpunkt nicht von einem "real risk" auszugehen, dass sie bei einer Rück-
kehr nach Griechenland einer menschenrechtswidrigen Behandlung aus-
gesetzt wären. Auch unter Berücksichtigung der Schwächen des griechi-
schen Aufnahmesystems vermag allein die blosse Möglichkeit, in nicht ab-
sehbarer Zeit aus nicht voraussehbaren Gründen in eine missliche Lebens-
situation zu geraten, die einer Aussetzung einer existenziellen Notlage und
andauernden menschenrechtswidrigen Behandlung gleichkäme, die hohe
Schwelle zum "real risk" nicht zu erreichen.
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10.1.2
10.1.2.1 Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschen-
rechte (EGMR) kann der Vollzug der Wegweisung eines abgewiesenen
Asylsuchenden mit gesundheitlichen Problemen einen Verstoss gegen
Art. 3 EMRK darstellen; hierfür sind jedoch ganz aussergewöhnliche Um-
stände Voraussetzung (vgl. Urteil Paposhvili gegen Belgien vom 13. De-
zember 2016, 41738/10, § 183).
10.1.2.2 Die Beschwerdeführenden weisen offenkundig keine gravieren-
den Krankheitsbilder auf, welche die Annahme der Unzulässigkeit des Voll-
zugs der Wegweisung im Sinne der zitierten Rechtsprechung rechtfertigen
würden. So wurden beim Beschwerdeführer eine (...), eine (...), eine (...)
sowie ein (...)-Mangel (vgl. SEM-Akten [...]-30/5 und 37/3) und bei der Be-
schwerdeführerin eine (...), (...), (...), eine (...), vier (...) an der Hand, eine
(...), diffuser (...), ein Eisen- sowie ein (...)-Mangel, (vgl. SEM-Akten [...]-
31/2, 32/5, 33/5, 34/1, 35/2 und 36/3) diagnostiziert. Es liegen auch keine
konkreten Hinweise vor, dass sie im Falle ihrer Rückkehr nach Griechen-
land einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung im Sinne von
Art. 3 EMRK ausgesetzt wären.
10.1.3 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit als zulässig.
10.2
10.2.1 Betreffend die Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung ist mit
der Vorinstanz festzustellen, dass Griechenland, wie bereits erwähnt, an
die Qualifikationsrichtlinie gebunden ist. Obwohl eine adäquate Eingliede-
rung der Beschwerdeführenden in die sozialen Strukturen Griechenlands
als anerkannte Flüchtlinge mit nicht zu verkennenden Erschwernissen ver-
bunden ist, vermögen ihre pauschalen Vorbringen die hohen Anforderun-
gen an eine konkrete Gefährdung nicht zu erfüllen. An dieser Einschätzung
vermögen die Hinweise in der Beschwerde auf verschiedene öffentlich zu-
gängliche Berichte betreffend die Situation in Griechenland nichts zu än-
dern. Die Beschwerdeführenden lebten bereits mehrere Jahre in Griechen-
land, wobei sie beide arbeiteten und nach ihrer Hochzeit im (...) 2021 in
einer eigenen Wohnung zusammenwohnten (vgl. SEM-Akte [...]-27/17,
S. 2). Es ist davon auszugehen, dass sie auch zukünftig erneut eine Un-
terkunft und Arbeit finden werden, zumal sie sich für Sozialleistungen an
die entsprechenden Stellen wenden und im Bedarfsfall ihre Rechte einfor-
dern und um Zugang in ein Unterstützungsprogramm bemühen könnten.
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10.2.2 In Bezug auf den Gesundheitszustand der Beschwerdeführenden
ist festzuhalten, dass gemäss konstanter Praxis aus medizinischen Grün-
den nur dann auf die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu
schliessen ist, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Ziel-
staat nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und
lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes der be-
troffenen Person führen würde. Dabei wird als wesentlich die allgemeine
und dringende medizinische Behandlung erachtet, welche zur Gewährleis-
tung einer menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumut-
barkeit liegt jedenfalls noch nicht vor, wenn im Zielstaat eine nicht dem
schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung mög-
lich ist (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3, 2009/52 E. 10.1, 2009/51 E. 5.5,
2009/28 E. 9.3.1, 2009/2 E. 9.3.2).
10.2.2.1 Weder aus den geltend gemachten gesundheitlichen Beschwer-
den noch aus den gestellten Diagnosen kann geschlossen werden, die Be-
schwerdeführenden seien auf eine dringende oder spezielle und lücken-
lose medizinische Behandlung, welche zur Gewährleistung einer men-
schenwürdigen Existenz notwendig ist, angewiesen (vgl. Bst. C sowie
E. 10.1.2.2 hiervor). Ihre gesundheitlichen Leiden sind zwar nicht zu unter-
schätzen, dennoch sind sie nicht als eine schwerwiegende Erkrankung im
Sinne des Referenzurteils des BVGer E-3427/2021, E-3431/2021 vom
28. März 2022 einzustufen. Bei den Beschwerdeführenden handelt es sich
somit nicht um besonders vulnerable Personen, für welche sich der Weg-
weisungsvollzug grundsätzlich als unzumutbar erweisen würde.
10.2.2.2 Dass ein unausweichlich bevorstehender Wegweisungsvollzug
bei den damit konfrontierten ausländischen Personen zu einer nicht uner-
heblichen psychischen Belastung führt, ist nachvollziehbar. Die mit dem
Vollzug der Wegweisung beauftragten schweizerischen Behörden werden
sodann die griechischen Behörden vor der Durchführung der Wegweisung
über die besonderen medizinischen Bedürfnisse der Beschwerdeführen-
den zu informieren und diesen Umständen bei der Bestimmung geeigneter
Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen haben. Die Beschwerdeführen-
den sind ihrerseits gehalten, bei der Vorbereitung ihrer Rückkehr mit den
Vollzugsbehörden zu kooperieren. Es steht ihnen auch frei, von den Mög-
lichkeiten der Rückkehrhilfe Gebrauch zu machen (vgl. Art. 93 Abs. 1
Bst. d AsylG, Art. 75 der der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999
[AsylV 2; SR 142.312]).
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10.2.3 Insgesamt ist nicht davon auszugehen, die Beschwerdeführenden
würden bei einer Rückkehr nach Griechenland zwangsläufig in eine ihre
Existenz gefährdende Situation geraten. Damit erweist sich der Wegwei-
sungsvollzug als zumutbar.
10.3 Es ist schliesslich auch ohne weiteres von der Möglichkeit des Weg-
weisungsvollzugs auszugehen (Art. 83 Abs. 2 AIG), da sich Griechenland
– wie schon im Rahmen der Prüfung der Voraussetzungen von Art. 31a
Abs. 1 Bst. a AsylG festgestellt (vgl. E. 7.3 hiervor) – ausdrücklich zu einer
Wiederaufnahme der Beschwerdeführenden bereit erklärt hat.
10.4 Zusammenfassend kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug nach Griechenland
zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnete, weshalb die An-
ordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht fällt (Art. 83 Abs. 1–
4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
12.
12.1 Der Antrag um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
erweist sich mit vorliegendem Urteil als gegenstandslos.
12.2 Die Beschwerde erschien entsprechend den vorstehenden Erwägun-
gen bereits im Zeitpunkt der Einreichung als aussichtslos, weshalb die Ge-
suche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um amtli-
che Rechtsverbeiständung unabhängig vom Vorliegen einer allfälligen pro-
zessualen Bedürftigkeit abzuweisen sind (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Bei die-
sem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE; SR 173.320.2]).
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