Decision ID: 1eb910b2-ed48-579b-bba1-37f44f32b55d
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren
1960,
war zuletzt ab Januar 1999 als selbständiger Kurierfahrer zu 100
%
arbeitstätig. Am 20
.
Oktober 2008 erlitt er e
inen subakuten inferioren Myokardinfarkt mit Lungenödem und er war in der Folge
zu 100
%
arbeitsunfähig.
Seit
dem 1. Mai 2009 ist er wieder zu 30
%
als Kurierfahrer tätig (
Urk.
7/
31 S. 1 Ziff. 1
)
.
Am
24.
Mai
2009 meldete sich der Versicherte bei der Invalidenversicherung an
und beantragte Massnahmen für die berufliche Eingliederung (
Urk.
7/8
,
Urk.
7/6).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
klärte die erwerb
li
chen (
Urk.
7/12
und
Urk.
7/15) und
medizinischen (
Urk.
7/16-20
,
Urk.
7/23
,
Urk.
7/27-28
und
Urk.
7/32-43
) Verhältnisse des Versicherten ab und
liess ihn am
26. Januar 2010
durch
das
Y._
,
Klinik und Poli
klinik für Innere Medizin,
kardiologisch begutachten (
Gutachten vom 8. Februar 2010,
Urk.
7/
31
). Am 1. Februar
2010
teilte
die IV-Stelle dem Versi
cherten
mit,
dass keine beruflichen Massn
ahmen möglich seien (
Urk.
7/29) und mit Vor
be
schei
d vom 27. August 2010 stellte sie ihm in Aussicht,
dass er keinen An
spruch
auf eine Invalidenrente habe.
Nachdem der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwältin
Dr.
Nicole Vögeli Gall
i
(
Urk.
7/53)
, am 10. September 2010
gegen den Vorbescheid
Einwand er
hoben hatte
(
Urk.
7/52)
, liess
ihn
die IV-Stelle durch Dr.
med.
Z._
, Facharzt für
Psy
chiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
A._
, Facharzt für
Rheuma
tolo
gie, bidisziplinär begutachten (
P
sychiatrisch-rheumatologisches Gutachten vom
23. Mai 201
1 [
Urk.
7/67-69
]
samt Beantwortung der von der IV-Stelle
ge
stellten Ergänzungsfragen [
Urk.
7/70-71]
).
Am 18. August 2011 auferlegte die IV-Stelle dem Ver
sicherten im Rahmen der
Schaden
minderungspflicht die Auflage, eine
zweimonatige
medizinische Trai
nings
therapie durchzuführen (
Urk.
7/73
,
Urk.
7/88
). In den folgenden Mo
naten er
folgten zahlreiche Abklärungen
, über welche die Rechtsvertreterin des Versi
cher
ten die IV-Stelle l
aufend informierte
(
Urk.
7/80 ff.)
.
D
er Versi
cherte musste sich am 21. Dezember 2011 (
Urk.
7/94 S. 3) und am
29.
Februar 2012
zwei wei
te
ren Operationen unterziehen (
Urk.
3/3
).
Mit Verfügung vom 14. März 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass
er keinen Anspruch auf eine Invalidenrente habe (
Urk.
2
).
2.
Gegen die Verfügung vom 14. März 2012
(
Urk.
2)
liess der Versicherte, weiter
hin
vertreten durch
Rechtsanwältin
Dr.
Nicole Vögeli Galli
(
Urk
.
4), Beschwerde er
heben
mit
folgendem Hauptantrag
:
„
Es sei die Verfügung vom 14. März 2012 (Versicherten Nr. 756.9217.8028.29) aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer ab 1. November 2009 eine Drei
viertelsrente der Invalidenversicherung zuzüglich Verzugszins zu 5
%
ab
1.
Novembe
r 2011 zuzusprechen;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 8
%
Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin.“
sowie mit folgenden prozessualen Eventualanträgen
:
„
Es seien ausführliche Arztberichte
vom
Y._
, Medizinbereich
Herz-
Gefäss-
Thorax
und
Institut für Anästhesiologie über den Gesundheitszustand des Be
schwerdeführers ab Oktober 2011 und dessen Arbeits- sowie Erwerbsfähigkeit ab Oktober 2008 bzw. Oktober 2011 und auf längere Zeit – unter besonderer Berücksichtigung des Zusammenwirkens aller Beschwerden – einzuholen;
Es sei ein umfassendes, die Disziplinen übergreifendes, medizinisches Gutach
ten (insbesondere Kardiologie, Rheumatologie, Psychiatrie) über den Gesund
heitszustand und über die Arbeits-/Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers – unter besonderer Berücksichtigung des Zusammenwirkens aller Beschwerden – seit 2008 bis heute und auf längere Sicht anzuordnen;
Es sei eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit
und/oder eine Ab
klärung durch eine
berufliche Abklärungsstelle (je
inkl. Abklärung der Fähigkeiten für die Ausübung des Berufes zur Einstufung in die Tabellen, Sektoren, Berufe und Niveaus der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik) durchzuführen;
Die Gutachter seien nach dem Verfahren gemäss Art. 44
des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
zu bestim
men.“
Mit Beschwerdeantwort vom 18. Mai 2012 (
Urk.
6) schloss die IV-Stelle auf Be
schwerdeabweisung.
Am 21. Mai 2012 liess der Versicherte einen
Bericht des
Y._
einreichen
(
Urk.
9-10)
, welcher
mit Verfügung vom 23. Mai 2012 (Urk. 11) der IV-Stelle zur Stel
lungnahme zugestellt wurde. Am 5. Juni 2012 verzichtete die Beschwerdegeg
nerin auf die Einreichung einer solchen (
Urk.
12).
Auf die einzelnen Ausführungen der Parteien und die weiteren Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1
des
Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1 des Bun
desge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder
teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2
ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG)
sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem In
validitätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das
heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflicht
ge
mäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das So
zi
al
versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stamm
en,
objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Un
terlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten.
Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den
Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Grü
nde anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
ni
sche
These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist also ent
schei
dend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseiti
gen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
2.
2.1
Gestützt auf das
kardiologische
Gutachten
des
Y._
, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin, vom 8.
Februar 2010
(
Urk.
7/31
) und das psychiatrisch-rheu
ma
tologische Gutachten vom 23. Ma
i 2011 von
Dr.
Z._
und Dr.
A._
(
Urk.
7/67-69) samt Beantwortung der von der IV-Stelle ge
stellten Ergänzungs
fragen
(
Urk.
7/70-71)
stellte die Beschwerdegegnerin fest, der Beschwerdeführer sei
sowohl in der angestammten
selbständigen Kuriertätigkeit
als auch
in einer lei
densan
gepassten Tätigkeit zu 80 % ar
beitsfähig
. Da der Invaliditätsgrad somit lediglich 20
%
betrage, bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente
(Urk. 2 S.
2).
2.2
Dem hält der Beschwerdeführer
zusammengefasst
entgegen, es könne nicht auf d
ie
erwähnten Gutachten abgestellt werden,
da diese die tatsächlich noch vor
han
denen Ge
sundheitsbeschwerden, wie z.B. die Instabilität des Sternums, nicht berücksich
tigten. V
ielmehr
sei
bereits
aufgrund der Beurteilung der behandeln
den Ärzte davon auszugehen, dass
er
weiterhin sowohl in der angestammten als auch in einer leidensangepassten Tätigkeit lediglich
zu
3
0
%
arbeitsfähig sei (Urk. 1 S.
7-15
Ziff. 11-15
). Im Rahmen des Einkommensvergleichs ergebe sich
sowohl bei Berücksichtigung des tatsächlich erzielten Einkommens als auch beim
Abstellen auf die Tabellenlöhne
unter allfälliger Gewährung eines 25%igen
leidensbedingten Abzugs
eine
60 % übersteigende Invalidität, woraus sich der An
spruch auf eine Dreiviertelsrente ergebe
(
Urk.
1 S. 15-18 Ziff. 16-18.2)
. Auf
grund des am 24. Mai 2009 gestellten Gesuchs sei bei Berücksichti
gung von
Art.
29
Abs.
1 IVG ab November 2009 ein Rente
nanspruch vorhanden und es sei
ab jenem Zeitpunkt aufgrund von Art. 26
Abs.
2 ATSG und Art. 7
Abs.
1
der
Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSV
)
ein
Verzugszins von 5
%
zu gewähren
(
Urk.
1 S.
18-19 Ziff. 19-20)
.
Falls
das Ge
richt nicht direkt auf die vorhandenen Berichte der behandelnden Ärzte abstellen
könne, sei eine erneute Begutachtung samt Evaluation der funktionellen
Leis
tungs
fähigkeit
(E
FL
)
anzuordnen, wobei diese durch andere als die bisherigen Gutachter zu erfolgen habe
, welche unter Berücksichtigung von Art. 44 ATSG zu bestimmen seien (
Urk.
1 S. 19-20 Ziff.
21-23).
3.
3.1
Nach dem Herzinfarkt am 20. Oktober 2008 klagte der Versicherte über an
dau
ernde Müdigkeit und vor allem im Sitzen, Liegen und beim Heben von Lasten über Schmerzen im Bereich des Sternums und im Rücken im Bereich des linken Schulterblattes. Die berufliche Tätigkeit als Autokurier nahm er im Mai 2009 wegen rascher Erschöpfung nur im Umfang von 30 % auf. In kardialer Hinsicht
erachteten die Ärzte des Herzkreislaufzentrums
des
Y._
den
Versicherten im Bericht vom 21. Dezember 2009 als kompensiert, fanden jedoch, der Versicherte benötige eine rheumatologische Untersuchung zur Klärung der chronischen Schmer
zen
(Urk. 7/27). Im Rahmen einer daraufhin wahrgenommenen inter
dis
ziplinären Schmerzsprechstunde
am Spital
B
._
stellte
Dr.
med.
C._
, Fach
ärztin für Anästhesiologie, ge
meinsam mit
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatolo
gie,
med. pract
.
E._
,
Fachärztin für Psy
chiatrie und Psychotherapie,
und
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Chirurgie,
fol
gende Diagnosen
(
Urk.
7/28 S. 1)
:
1.
thoracospondylogenes Schmerzsyndrom bei Status nach Sternotomie
(
5-fache AC-Bypass
operation am 24. Oktober 2008)
2.
mittelgradige depressive Episode
3.
Eisenmangel.
Zur Behandlung des thoracospondylogenen Schmerzsyndroms, welches typi
scher
weise oft nach Sternotomie gefunden werde,
sei
eine Mobilisation der Brust
wirbelsäule durch einen Chiropraktiker empfohlen
worden
.
Durch den Herzin
farkt und die nachfolgende Operation sei der Versicherte völ
lig aus der Bahn geworfen worden und er leide einerseits unter der veränderten Situation seiner verminderten Belastungsfähigkeit und andererseits unter star
ken Ängsten hin
sichtlich eines neuen Herzinfarktes. Deshalb sei ihm dringend eine medikamen
töse antidepressive Therapie samt psychotherapeutischer Be
gleitung zur Verarbei
tung der traumatischen Vorkommnisse empfohlen worden. Da der Versicherte
diesbezüglich skeptisch
gewesen
sei,
sei
der Hausarzt
Dr.
med.
G._
, prakti
scher
Arzt,
gebeten
worden
, dieses Thema anzusprechen.
Die vom Versicherten
g
eklag
te
ausgeprägte Müdigkeit könne einerseits durch die Schlafstörung bedingt sein, andererseits liege labormässig auch ein Ferri
tinmangel vor. Diesbezüglich wurde eine Eiseninfusion empfohlen
(Urk. 7/28 S. 2)
.
3.2
Im seitens der IV-Stelle veranlassten kardiologischen Gutachten vom 8. Februar 2010
stellten die Ärzte
des
Y._
,
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin, fol
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 7/31 S.
3)
:
C
hro
ni
sche Rückenschmerzen und Schmerzen im Bereich des Sternums im Rahmen
eines chronischen Poststernotomie-Schmerzes
und eine
k
oronare 3-Gefässer
kran
kung
.
O
hne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde ein Eisenmangel ohne Anämie diagnostiziert.
Der 50 Jahre a
lte
Versicherte
sei zehn Jahre
lang
selbständig als Kurierfahrer in
einem von ihm angegebenen Arbeitspensum von 100
%
tätig
gewesen
. Nach einem
herzchirurgischen Eingriff (5-fach
em
Bypass nach STEMI bei koronarer Dreigefässerkrankung) im Ok
tober 2008 sei er wegen residuellen Beschwerden bis Mai 2009 voll arbeitsunfähig gewesen. Seit Mai 2009 habe er seine selb
ständige Tätigkeit im Ausmass von 30
%
wieder aufgenommen. Aktuell stün
den bei den Beschwerden des Versicherten chronische Rückenschmerzen sowie
Schmerzen im Bereich des Sternums nach Sternotomie im Vordergrund
(
Urk.
7/31 S. 3-4 Ziff. 6.1)
.
Die Ärzte erwogen, a
us rein internistischer Sicht bestehe bei leicht einge
schrän
kter kardiopulmo
naler Leistungsfähigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit in der an
gestammten Tätig
keit unter Ausklammerung von Trage- und Hebelbelastungen über 20 kg.
In ei
ner leidensangepassten Tätigkeit, in welcher Trage- und Hebel
be
lastungen von mehr als
20 kg vermieden werden können, bestehe aus inter
nis
tischer Sicht eine volle Arbeitsfähigke
it
(
Urk.
7/31 S. 4 Ziff. 6.2-3)
.
Im zeitlichen Verlauf sei d
ie Arbeitsfähigkeit in der angestammten
und in einer
lei
densangepassten Tä
tigkeit seit
der
Manifestation der koronaren Herzkrank
heit
im Oktober 2008 ein
geschränkt. Aus rein internistischer Sicht h
ätte
eine Arbeits
fähigkeit von 80 % sowohl in der angestammten als auch in einer leidens
ange
p
assten Tätigkeit ab Frühjahr 2009 erreicht werden können. Hindernd für die Um
setzung seien al
lerdings die muskuloskelettalen Schmerzen, weshalb eine
rheu
matologische Abklärung zur Beurteilung der Reduktion der Arbeitsfähigkeit aus rheumatolo
gischer Sicht empfohlen
werde
(
Urk.
7/31 S. 4 Ziff. 6.4)
.
3.3
Die behandelnden Ärzte der
Rheumatologie der
H._
berichteten
am
26. Mai 2010, die Skelettszintigraphie zeige eine erhöhte Aktivität im Bereich der Sternotomie, der Heilungsprozess sei noch nicht abgeschlossen. Daneben dia
gnostizierten sie ein thorakospondylogenes Schmerzsyndrom bei muskulärer Dysbalance und myofaszialen Befunden und empfahlen eine intensive physio
therapeutische Behandlung. Die vom Versicherten wahrgenommene Arbeits
fähig
keit von 30 % als Kurier hielten sie aus rheumatologischer Sicht für gerecht
fer
tigt, weil immer wieder Pakete bis 30 kg getragen werden müssten und teilwei
se in ungünstigen Positionen gearbeitet werden müsse (Urk. 7/41 S. 7). In einem Nachtrag vom 16. Juli 2010 erachteten sie sodann eine Arbeitsfähigkeit in einer leichten körperlichen Arbeit im Umfang von 50 % als gegeben (Urk. 7/43).
In jenem Zeitraum wurde der Versicherte - veranlasst durch den Kranken
tag
geld
versicherer - auch psychiatrisch begutachtet. Dr. med. et phil.
I._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, kam im Bericht vom 21. Februar 2010
zum Schluss, es liege keine psychiatrische Pathologie vor (Urk. 7/41 S. 11).
Ende 2010 wurde der Versicherte wiederum in
der
H._
, Rheuma
to
logie, untersucht. Die Ärzte berichteten am 3. Januar 2011 über den Fortbestand
der
Beschwerden trotz eines stationären
Rehabilitationsaufenthalts in der Reha
J._
vom 15. November bis 4. Dezember 2011. Der Versicherte klage über
Schmerzen, die sich von der ganzen Brustwirbelsäule nach zervikal aus
ge
weitet hätten. Er habe permanent Schmerzen, gelindert würden sie durch Wechsel
posi
tionen. Die Ärzte bestätigten die von ihnen zuvor attestierte 30%ige Arbeits
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit bzw. der 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer leichten Verweistätigkeit mit der Möglichkeit zur Wechselbelastung (Urk. 7/58 S. 7). Sie verwiesen darauf, dass dies nur eine provisorische Einschätzung sei, weil noch bildgebende Abklärungen gemacht würden (Urk. 7/58 S. 7).
3
.4
Die IV-Stelle veranlasste am 20. Januar 2011 eine psychiatrisch – rheuma
to
logische Begutachtung.
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
stellten
im Gutachten vom 23. Mai 2011 (
Urk.
7/67-69) folgende Diagnosen
(
Urk.
7/67 S.
13-
14
Ziff. 8.1-2)
:
A.
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
p
ersistierender, chronifizierter Thoraxschmerz bei Status nach Ster
notomie am 24. Oktober 2008 mit Schmerzausweitung in die Brustwir
belsäule und nach zervikal/zephal mit/bei:
-
radiologisch fehlendem strukturellem Korrelat
-
Fehlform, Fehlhaltung der Wirbelsäule und allgemeine Dekonditio
nierung
;
B.
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
e
rschwerte Schmerzbeschwerdeverarbeitung mit dysfunktionaler
,
auf Schonung ausgerichteter selbstlimitierender Fehlbewertung und dys
funktional dekonditionierten Verhaltensmustern (ICD-10: F54) bei
:
-
persistierendem chronifiziertem Thoraxschmerz bei Status nach Sternotomie am 24. Oktober 2008 mit Schmerzausweitung in die Brustwirbelsäule und nach zervikal/zephal mit radiologisch fehlen
dem strukture
llem
Korrelat und bei Fehlform
, Fehlhaltung der Wir
belsäule und allgemeiner Dekonditionierung
-
somatoforme, autonome Funktionsstörung betreffend das kardi
ovaskuläre System (Herzneurose, F45.30) bei Status nach 5-fachem AC-Bypass am 24. Oktober 2008
-
klinisch Verdacht auf Meralgia parästhetica links.
Aus psychiatrischer Sicht könne
keine
dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit abgeleitet werden
(
Urk.
7/67 S. 14 Ziff. 8.3)
.
Für körperlich schwere Tätigkeiten bestehe seit dem Myokardinfarkt mit nach
folgend notwendiger Sternotomie und AC-Bypass-Operation eine 100%ige Ar
beitsunfähigkeit
.
Aufgrund der praktisch normalen Befunde in den MRI der Hals- und Brustwirbelsäule im Januar bzw. Mai 2010 und Januar 2011 sei die nach der Herzoperation bestehende volle Arbeitsunfähigkeit auch für adaptierte
Tätigkeiten in erster Linie durch die schmerzhafte Sternotomie bedingt.
Diese sollte
nach 6 Monaten soweit abgeheilt
gewesen sein
, dass in einer angepass
ten, körperlich leichten Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit zumutbar gewe
sen sein müsse. Spätestens 12 Monate nach der Sternotomie sollte diese soweit abgeheilt sein, dass eine mindestens 80%ige Arbeitsfähigkeit mit Steigerung auf ein volles Pensum innert zweier weitere Monate medizinisch-theoretisch mög
lich gewesen sein mü
ss
e (
Urk.
7/
71 S 2 Ziff. 1-2)
.
Aus
rheumatologischer Sicht sei der Versicherte aufgrund der objektivierbaren
Be
funde für Kurierdienste, welche Briefe und Pakete mit einem Gewicht von unter 15 kg beförder
te
n und bei denen die Fahrzeit eine Stunde nicht über
steige,
medizinisch-theoretisch als voll arbeitsfähig einzustufen. Der tatsächli
che Anteil
an schweren Lasten
, welche
nachvollziehbar den Be
i
zug
einer Hilfs
person er
forderten, bestimme das Ausmass der aktuellen Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit als Kurierdienst, könne aber im Rahmen der erfolgten Be
gutachtung nicht definitiv eingeschätzt werden
(
Urk.
7/67 S. 14 Ziff. 8.3)
.
Für alle
den Behinderungen angepassten, wechselbelastenden Tätigkeiten unter Berücksichtigung der genannten Einschränkungen sei der Versicherte aus rheu
matologischer Sicht in seiner Arbeitsfähigkeit nicht dauerhaft einge
schränkt. Zum detaillierten Belastungsprofil wurde auf das beigelegte rheuma
tologische Gutachten verwiesen, wonach aufgrund der Rücken- und Thoraxbe
schwerden
körperlich schwere und teilweise mittelschwere Arbeiten nicht mehr ausgeführt
werden könnten, wobei die Einschränkungen in erster Linie das re
petitive Heben
und Tragen von Lasten über 5 kg bzw. von Einzellasten über 15 kg, das körper
ferne Heben und Tragen von Lasten und länger dauernde Zwangshaltungen der Wirbelsäule betr
ä
f
en
(
Urk.
7/67 S. 14 Ziff. 8.3
,
Urk.
7/68 S. 12 Ziff. 7
Abs.
1).
3.5
Ein
e
aufgrund der weiterhin bestehenden thorakalen Schmerzen mit Ausstrah
lung in den
Rücken
vom
Y._
, Medizinbereich
Herz- Gefäss- Thorax,
erstellte Computertomografie
vom 24. Oktober 2011
ergab ein stationär
nur
partiell kon
solidiertes Corpus sterni sowie ein stationär nicht konsolidiertes Manubrium ster
ni
(
Urk.
7/94 S. 1)
. Es wurde die Indikation zu einer Operation zur Entfer
nung der Drahtcerclagen gestellt, welche
am 21. Dezember 2011 vorgenommen wurde.
Im Operations-
bzw.
Austrittsbericht
des
Y._
,
Medizinbereich Herz- Gefäss- Thorax,
vom 21. Dezember 2011
(
Urk.
7/94 S. 4 ff.)
wurde darüber berichtet, dass
die
Ent
fernung der Drahtcerclagen
komplikationslos durchgeführt w
o
rden
sei
.
Die
abschliessende Röntgendiagnostik habe ebenfalls eine regelrechte Dar
stellung ge
zeigt. Die weiteren laborchemischen Ergebnisse seien auch unauffäl
lig gewesen, sodass der Versicherte in einem guten Allgemeinzustand mit blan
den Wundver
hältnisse
n
nach Hause entlassen worden sei.
Im Bericht der Poliklinik
des
Y._
, Medizinberei
ch
Herz- Gefäss- Thorax, vom 3.
Januar 2012 (
Urk.
7/96 S. 6-7) wurde festgehalten, der Versiche
rte
klage
über
immer noch bestehende t
horakale Schmerzen mit erheblicher Ausstrahlung in den
Rücken
.
Die Schmerzen verspüre er auch in Ruhe
,
und bei Belastung nehme die Schmerzintensität zu. Seine Leistungsfähigkeit im Alltag sei stark einge
schränkt und bereits geringe Anstrengungen verursachten Müdigkeit.
Eine am
5.
Januar 2012 erfolgte Computertomographie
ergab
eine Pseudarthrose im M
a
nu
brium
sterni, eine in leichter Fehlstellung mehrheitlich konsolidierte Ster
notomie im Corpus sterni und eine Imbibierung im prästernalen Fettgewebe
ge
zeigt
,
die
am ehesten
als
postoperativ nach Entfernung der Sternalcerclagen
ge
sehen wurden
.
Es werde f
ür den Fall, dass es nach vier Wochen zu keiner
Besserung der Be
schwerde
symptomatik kommen soll
t
e, eine Plattenosteosynthese in Erwägung
g
e
zogen
(
Urk
.
7/96 S. 9).
Diese erfolgte a
m
29. Februar 2012
i
n der Poliklinik des
Y._
, Medi
zinbereich Herz- Gefäss- Thorax
.
Am 1. März 2012 wurde der Versi
cherte in noch leicht reduziertem Allgemeinzustand nach Hause entlassen, wo
bei dort eine Weiterbetreu
u
ng erfolgte (
Urk.
3/3 S. 1-2).
In der Folge berichtete der Versicherte gemäss Bericht der
Poliklinik
des
Y._
, Medizinbereich Herz- Gefäss- Thorax, vom 20. März 2012 (
Urk.
3/4), weiterhin
unter Schmerzen im Sternumbereich zu leiden
. Er klage insbesondere über Rü
ckenschmerzen bei Oberkörperdrehung zur Seite und kraniale sternale Be
schwer
den. Er beric
hte über ein „stabileres Gefühl“ dank der Plattenosteosyn
these,
allerdings sei etwa Mitte März sternal eine Flüssigkeitskollektion aufge
treten, die ei
ne weitere Behandlung erfordert habe
. Als letzte Opt
ion, falls die Schmerzen weiter
bestünden
, habe
Dr.
K._
,
Facharzt für Herz- und thorakale Gefässchirurgie, das Entfernen der Platten am Sternum vorgeschlagen, falls es seit der Implantation zu einer Verschlechterung gekommen sei. Dies wolle der Versicherte aber nochmals überdenken und einen gewissen Zeitraum abwarten, ob die Heilung einkehre.
4.
Die Beschwerdegegnerin folgte in der angefochtenen rentenabweisenden Ver
fü
gung der Auffassung ihrer RAD-Ärztin med. pract.
L._
, Fachärztin für Innere Medizin/zertifizierte Gutachterin
SIM
, vom 12. März 2012, wonach in der bidis
ziplinären Begutachtung vom 23. Mai 2011 die Gesundheit des Versicherten vollständig erfasst worden sei und aus den übrigen eingereichten medizinischen Berichten nur das beurteilte gutachterlich beschriebene Beschwerdebild hervor
gehe (Urk. 7/100 S.
7). Dem kann jedoch nicht gefolgt werden. Denn b
ei der Be
urteilung der rheumatologischen Situation
ging
Dr.
A._
aus
drücklich
von de
r Prämisse aus, dass d
ie nach der Herzoperation vom 24. Oktober 2008 be
steh
ende schmerzhafte Sternotomie nach 6 Monaten soweit abgeheilt
gewesen sei
, dass in einer angepassten, körperlich leichten Tätigkeit eine 50%ige Arbeits
fähigkeit zumutbar gewesen sei
n müsse, und dass s
pätestens 12 Monate nach de
r Sternotomie
diese soweit abgeheilt gewesen sei
, dass eine mindestens 80%ige Arbeitsfähigkeit mit Steigerung auf ein volles Pensum in
nert zweier weitere Monate medizinisch-theoretisch möglich gewesen sein mü
ss
e (
Urk.
7/71 S
.
2 Ziff. 1-2).
D
en Berichten
des
Y._
, Medizinbereich
Herz- Gefäss- Thorax
,
vom
25. Oktober
(
Urk.
7/94 S. 1-2) und 21. Dezember (
Urk.
7/94 S. 3-6) 2011, 3. (
Urk.
7/96 S. 6-7
)
und 5. (
Urk.
7/96 S. 8-9) Januar sowie 14. (
Urk.
3/3) und 20.
(
Urk.
3/4)
März 2012
und
demjenigen
der
H._
vo
m 6. Februar 2012 (
Urk.
7/97 S.
5-8) ist jedoch zu entnehmen, dass der Heilungsverlauf
als
ausgeprägt retardiert
be
zeichnet werden musste
(
Urk.
7/97 S. 6 vorletzter Absatz) und
dass
entgegen der von Dr
.
A._
gestellten Prognose keine vollständige Konsolidierung des
Cor
pus
und des
Manubrium
sterni (
Urk.
7/94 S.
1)
eintrat,
weshalb am 21. Dezember
2011 eine
Operation zur Entfernung der Drahtcerclagen
(Urk.
7/94
S.
3-5)
und am
29. Februar 2012 eine
Plattenosteosynthese sterno
claviculär rechts
(
Urk.
3/3) durchgeführt werden mussten.
Von einer noch immer nicht verheilten Sternotomie hatten – wie gezeigt - die behandelnden Ärzte
der
H._
am
26. Mai 2010 berichtet (Urk. 7/41)
und erachteten aus diesem Grund die seitens des Beschwerdeführers nur zu 30 %
wahrgenommene selbständige Kuriertätigkeit als angemessen und die von ihm geklagten Thoraxschmerzen als einleuchtend. Dass vor allem auch diese soma
tisch bedingte gesundheitliche Beeinträchtigung für die Arbeitsfähigkeit bestimm
end ist, darauf wiesen schon die kardiologischen Gutachter der IV-Stelle im Gut
achten vom 8. Februar 2010 hin (Urk. 7/31). Damit kommt diesem, das Skelett betreffenden Bereich fraglos eine wichtige Bedeutung zu. Erst Anfang 2012
wurde die unvollständige Verheilung in der Computertomographie ersichtlich und
wurden die entsprechenden medizinischen Massnahmen
am
Y._
eingeleitet. In
Ermangelung der vollständigen Kenntnisse über die Pathologie und Genesung des
Versicherten hinsichtlich der Sternotomie und damit über eine Ursache der vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden kann jedoch auf die Einschätzung der Ärzte im bidisziplinären Gutachten nicht abgestellt werden. Es ist vielmehr eine
Neubegutachtung des Versicherten unter Berücksichtigung sämtlicher Leiden no
t
wendig. Ebenfalls neu abzuklären ist in diesem Zusammenhang die psychische und die kardiale Seite des Beschwerdebildes. Der Versicherte klagte konstant übe
r eine sehr eingeschränkte Leistungsfähigkeit aufgrund einer erheblichen Ermüd
barkeit, der erwähnten Schmerzen im Thorax bei Belastung aber auch bei sta
ti
schen Stellungen. Belastungsversuche zur Objektivierung der Leistungsfähigkeit
wurden vielfach abgebrochen aufgrund geklagter zunehmender Schmerzen im Thorax (Urk. 7/65 S. 2, 7/79 S. 3). Während der behandelnde Kardiologe Dr. med.
M._
in einem Schreiben an den Hausarzt vom 7. Juli 2011 aufgrund von erhobenen Werten von einer schweren myokardialen Leistungseinbusse sprach, an der nicht zu zweifeln sei (Urk. 7/79 S. 4), geht aus dem kardiologischen Gut
achten der IV-Stelle ein Jahr davor keine solche Einschätzung hervor (Urk. 7/31)
.
Unterschiedliche Beurteilungen der Situation liegen auch hinsichtlich der psy
chi
schen Gesundheit vor. Während die den Versicherten seit 11. Januar 2011 behan
delnden Ärzte der
N._
in einem Bericht vom 1. Juli 2011 eine depressive
Symptomatik mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit dergestalt festhielten, dass die vom Versicherten wahrgenommene Arbeits
fähigkeit von 30 % der Symptomatik angemessen erscheine (Urk. 7/79 S.
10), ver
mochte Dr.
I._
überhaupt keine Pathologie zu erkennen. Der psychia
trische Gutachter der IV-Stelle
Dr.
Z._
wiederum liess sich bei der von ihm erkannten psychiatrischen Pathologie gemäss ICD-10 (F54), der er jedoch keine
die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende Wirkung zusprach, auch von den damali
ge
n Einschätzungen des Rheumatologen leiten, dass nämlich den Klagen des
Ver
sicherten über thorakale Schmerzen kein strukturelles Korrelat zugrunde liege,
was – wie gezeigt wurde – nicht zutrifft. Damit sind seine Schlussfolgerungen zur
psychischen Gesundheit und den Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eben
falls ungenügend abgestützt.
4.4
Angesichts der
aufgezeigten
Unvollständigkeiten
und
Unklarheiten
in den v
or
hande
nen Gutachten erweist sich eine umfassende interdisziplinäre Begutach
tung
als
notwendig
, welche die Situation nach den erfolgten Operationen in kardio
lo
gischer, rheumatologischer und psychiatrischer Hinsicht
zu berücksichtigen hat
.
Dabei erscheint es als sinnvoll, entsprechend der von
der
H._
ab
ge
gebenen Empfehlung zur Klärung des genauen Belastbarkeitsprofils
auch
eine E
FL
durchzuführen (Urk.
7/97 S. 7 Ziff. 1.7).
Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung ist Beweis über sozialversicherungs
recht
liche Ansprüche schwergewichtig auf der Stufe des Administrativ
verfah
rens zu führen und nicht im verwaltungsgerichtlichen Be
schwerdeverfahren. Diese Grundentscheidung hat der Gesetzgeber in Art. 43 Abs. 1 ATSG getroffen und deren Abänderung müsste in einem Gesetz im for
mellen Sinn vorgesehen sein (BGE 136 V 376 E. 4.2.1). Auch nach der neusten Rechtsprechung des Bundes
gerichts ist sodann eine Rückweisung an die Ver
waltung vorzunehmen,
wenn sie in der notwendigen Erhebung einer bisher ungeklärten Frage begrün
det
ist
bzw.
eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Aus
füh
rungen erforderlich ist
(BGE 137 V 210, E. 4.4.1.4)
. Die hier angeordnete
Ab
klärung
fällt insofern in
diese
Kate
gorien, als bisher
weder eine
polydisziplinäre Begutachtung
noch eine
EFL
er
folgt ist.
Zudem war die IV-Stelle darüber unter
richtet, dass n
och Operationen anstanden, deren Verlauf sinnvollermassen abzu
war
ten
gewesen wäre; dennoch hat sie die angefochtene Verfügung erlassen.
4.
5
Die Sache ist deshalb an die IV-Stelle zur Veranlassung einer
poly
dis
ziplinären
Be
gutachtung samt E
FL
und zu neuem Entscheid zurückzuweisen. In diesem Sinne
ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren um die Bewilligung
oder die Verweigerung von Invaliditätsleistungen vor dem kantonalen Versi
che
rungs
gericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensauf
wand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- fest
gelegt. Die Kosten für das vorliegende Verfahren sind ermessensweise auf Fr.
8
00
.--
festzulegen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach Art. 61 lit. g ATSG
hat die obsiegende beschwerdeführende Person An
spruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
des
Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht
[GSVGer]
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung
zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Rechtsvertreterin
Dr.
Nicole Vögeli Galli
macht
einen
Auf
wand von
16,42
Stunden sowie Barauslagen von
Fr.
5
1
.
20
geltend (
Urk.
15/1
). Dies er
scheint angemessen, wobei praxisgemäss ein Stundenansatz von
Fr.
200.-- statt
Fr.
2
80
.-- einzusetzen ist.
D
em Beschwerdeführer ist deshalb eine Prozessent
schädigung von
Fr.
3‘
602
.
--
zuzusprechen.