Decision ID: 0ed723ca-f081-4129-a2f8-1d4be631205e
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1967, ist
(
bzw. w
ar
;
vgl.
Urk
.
6/145
) der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
Ausgleichskasse,
seit
dem Jahr
2014 als Selbständigerwerbende
im Bereich Fugendichtungen/
Reini
gungs
service
angeschlossen
, nachdem sie die entsprechende Einzelfirma per
1.
Januar 2014 von ihrem Ehemann übernommen hatte
(Urk.
6/5). Mit
Beitragsverfügung
vom
10.
Juni 2021 setzte die Ausgleichskasse die persönlichen Beiträge von
X._
für das Jahr 2018 auf Fr.
16'965.80
(
einschliesslich Verwaltungskosten,
Urk.
6
/137) fest
;
mit Verfügung vom gleichen Tag erhob sie
alsdann
Verzugszinsen
für auszugleichende persönliche Beiträge 2018
in Höhe von Fr.
770.20; Urk
.
6
/135)
. M
it Verfügung vom 15.
Juni 2021
setzte sie sodann
die persönlichen Beiträge für das Jahr 2017 auf Fr.
19'191.--
fest
(
einschliesslich
Verwaltungskosten;
Urk.
6
/141) und
verfügte
gleichentags
Verzugszinsen
für aus
zugleichende persönliche Beiträge 2017
in Höhe von F
r.
1'731.45; vgl. U
rk.
6
/140).
Den
Beitragsverfügungen
lagen
die Steuermeldungen des
Kantonalen Steuer
am
tes vom 26.
Januar 2021 (
Jahr 2017;
U
rk.
6
/118) bzw. vom 31.
Januar 2021 (
Jahr 2018;
U
rk.
6
/121)
zugrunde
, mit welchen
dieses
der Ausgleichskasse
–
je
weils gestützt
auf
eine
Ermessensveranlagung
-
ein Einkommen aus selbststän
diger E
rwerbstätigkeit in Höhe von Fr.
160'000.--
sowie ein im Betrieb inve
stiert
es Eigenkapital in Höhe von Fr.
23'000.
--
(
Jahr 2017;
U
rk.
6
/118)
bzw.
ein Ein
kommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit in Höhe von F
r.
140'000.--
sowie ein im Betrieb investiertes Eigenkapital in Höhe von F
r.
100'000.--
(
Jahr 2018;
U
rk.
6
/121) gemeldet hatte. Gegen diese
(Beitrags-)
Verfügungen erhob
X._
am 7.
Juli 2021 Einsprache (U
rk.
6
/142), welche die Ausgleichskasse
mit
Einspracheentscheid
vom 22.
Juli 2021 abwies (U
rk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
hierorts am 2
9.
August 2021 Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag um Aufhebung des angefochtenen
Einsprachentscheids
vom 2
2.
Juli 2021
sowie
Festsetzung der Beiträge der Jahre 2017 und 2018 nach Massgabe eines Einkommens aus selbständi
ger Erwerbs
tätigkeit von je Fr.
0.--
(Urk.
1).
M
it Vernehmlassung vom
8.
Oktober 2021
stellte die Ausgleichskasse
Antrag auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
5), wa
s der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 12.
Oktober 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Vom Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit werden AHV/IV/EO-Beiträge erhoben (Art.
3 f. und
Art.
8
f. des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinter
lassenenversicherung, AHVG; Art.
2 und Art.
3 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG; Art.
26 und Art.
27 des Bundes
gesetzes über den
Erwerbsersatz, EOG). Zudem unterstehen die obligatorisch in der AHV versicher
te
n Selbständigerwerbenden der Familienzulagenordnung des Kantons, in dem ihr Unternehmen seinen rechtlichen Sitz hat, oder, wenn ein solcher fehlt, ihres Wohnsitzkantons (Art.
12 Abs.
2 des Bundesgesetzes über die Familienzulagen,
FamZG
).
1.2
Gemäss Art.
22
der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung
(
AHVV
)
werden die Beiträge für jedes Beitragsjahr festgesetzt. Als Beitragsjahr gilt das Kalenderjahr (Abs.
1). Für die Bemessung der Beiträge massgebend ist das Einkommen nach dem Ergebnis des im Beitragsjahr abgeschlossenen Geschäfts
jahres und das am Ende des Geschäftsjahres im Betrieb investierte Eigenkapital (Abs.
2).
1.3
Nach Art.
23 Abs.
1 AHVV obliegt es in der Regel den Steuerbehörden, das für die Bemessung der Beiträge Selbständigerwerbender massgebende Erwerbsein
kommen aufgrund der rechtskräftigen Veranlagung für die direkte Bundessteuer und das im Betrieb investierte Eigenkapital aufgrund der entsprechenden rechts
kräftigen kantonalen Veranlagung unter Berücksichtigung der interkantonalen Repartitionswerte zu ermitteln. Die Angaben der Steuerbehörden hierüber sind für die Ausgleichskassen verbindlich (Art.
23 Abs.
4 AHVV).
Nach der Rechtsprechung begründet jede rechtskräftige Steuerveranlagung die nur mit Tatsachen widerlegbare Vermutung, dass sie der Wirklichkeit entspreche. Da die Ausgleichskassen an die Angaben der Steuerbehörden gebunden sind und das Sozialversicherungsgericht grundsätzlich nur die Kassenverfügung auf ihre Gesetzmässigkeit zu überprüfen hat, darf das Gericht von rechtskräftigen Steuer
taxationen bloss dann abweichen, wenn diese klar ausgewiesene Irrtümer ent
halten, die ohne weiteres richtig gestellt werden können, oder wenn sachliche Umstände gewürdigt werden müssen, die steuerrechtlich belanglos, sozialversi
cherungsrechtlich aber bedeutsam sind. Blosse Zweifel an der Richtigkeit einer Steuertaxation genügen
hiezu
nicht; denn die ordentliche Einkommensermittlung obliegt den Steuerbehörden, in deren Aufgabenkreis das Sozialversicherungs
ge
richt nicht mit eigenen Veranlagungsmassnahmen einzugreifen hat. Die
selbstän
dig
erwerbenden
Versicherten haben demnach ihre Rechte, auch im Hinblick auf die AHV-rechtliche Beitragspflicht, in erster Linie im Steuerjustizverfahren zu wahren
(BGE 139 V 537 E. 5.5 mit Hinweis, 110 V 369 E. 2a mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts
9C_543/2019 vom 20.
Januar 2020 E. 3.2.1 mit Hinweisen
).
1.4
Die Grundsätze betreffend die Verbindlichkeit von Steuermeldungen gelten auch hinsichtlich einer steuerlichen Ermessenstaxation. Die auf einer rechtskräftigen Ermessensveranlagung beruhende Steuermeldung ist somit für das AHV-Durch
führungsorgan beziehungsweise das Sozialversicherungsgericht ebenfalls ver
bind
lich, obschon die Ermessenseinschätzung einer im ordentlichen Veranlagungs
verfahren ergangenen, aufgrund von konkreten Positionen errechneten Taxation an Genauigkeit nachsteht (ZAK 1988 S.
298 E.
3 mit Hinweisen; Urteil des Bun
desgerichts H 210/06 vom 22.
Juni 2007 E.
3.3, vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_918/2013 vom 2.
Juli 2014 E.
1).
2.
2.1
Die A
usg
l
e
ichskasse begründete den angefochtenen Einspracheentscheid im Wes
entlichen, damit, dass die – gestützt auf
die jeweiligen
Ermessensveranlagung
en
– erfolgten Angaben der Steuerbehörde für sie verbindlich seien (
Urk.
2
; vgl. auch
Urk.
5
).
2.2
Dagegen macht die Beschwerdeführerin zur Hauptsache geltend, dass sie an einer schweren Depression leide un
d lediglich bis ca
.
2016 arbeits
f
ä
hig gewesen sei. Seit dem Tod ihres Buchhalt
ers vor mehreren Jahren sei sie
mit der Bürokratie, insbesondere mit der Thematik Steuern,
völlig
überfordert
, weshalb sie davon ausgehe,
dass
seit
her
das
eine oder andere nicht mehr geregelt worden sei. Da sie aufgrund ihrer Arbeitsunfähigkeit
seit mehreren Jahren
kein Einkommen mehr erziele, stimme für sie die Einschätzung des Steueramtes nicht. Die Forderungen der SVA seien
zu
stornieren. Schliesslich verfüge sie ü
ber kein Einkommen und
kein
Vermögen und
daher
sei es
auch
selbsterklärend, dass sie die Forderungen
der SVA
nicht begleichen könne
(
Urk.
1).
3.
3.1
V
orwegzuschicken ist, dass
aufgrund der
Vorbringen der Beschwerdeführerin
keine
Anhaltspunkte
dafür
besteh
en, dass sie die den Steuermeldungen
vom
2
6.
Januar 2021 bzw. vom 3
1.
Januar 2021
zugrundeliegenden Ermessenveran
lagungen
(vom 1
9.
Februar 2019 betr. das
Jahr 2017;
Urk.
6/118
bzw. vom 3
0.
Juni 2020 betr. das
Jahr 2018;
Urk.
6/121)
im Steuer
verfahren
angefochten hat (vgl. Urk.
1). Daher
und
mangels
entsprechender Hinweise
auch
in den Akten
ist daher davon auszugehen
,
dass
die den Steu
er
m
eld
ungen zugrundeliegenden
Steuerv
eranlagung
e
n für die
Steuerjahre
2017 und 2018
(Direkte
Bundessteuer)
in Rechtskraft erwachsen sind.
3.2
Vor diesem Hintergrund ist
nicht zu beanstanden, dass
die Verwaltung
ihren Bei
tragsverfügungen die
gena
n
nten
Steuermeldungen
zugrunde
legte
,
woran
– wie erwähnt
-
ni
c
hts ändert, dass
diese
auf einer
Ermessenseinschätzung
beruhen (E.
1.4 hievor)
.
S
o sind vorliegend
keine
klar ausgewiesen
e
n
Irrtümer oder sach
liche
n
Umstände
ersichtlich
, die steuerrechtlich belanglos, sozialversicherungs
recht
lich hingegen von Bedeutung wären
und daher
nach der Rechtsprechung
ein Abgehen von der Steuermeldung rechtfertigen würden
(vgl. E.
1.3)
.
Denn soweit
die
Beschwerdeführerin
geltend macht
,
sie sei
in den Jahren
2017 und 2018
aus gesundheitlichen Gründen nicht erwerbstätig gewesen
und habe kein Einkommen erzielt
,
war
dieser Umstand auch
steuerrechtlich
von
Bedeutung
, weshalb
er
bereits
im
Steuerverfahren bzw.
im
steuerlichen Rechtsmittelverfahren
hätte
vor
gebracht
werden müssen
.
Daran ändert nichts,
dass
die
Beschwerdeführerin
an
gibt, sie sei
nach dem
Tod
ihre
s
v
ormaligen Treuhänders mit der T
hemati
k Steuern übe
r
fordert gewesen
,
ergibt sich doch aus den Akten, dass sie
im Januar 2019
(
für die Belange der AHV
)
einen neuen Treuhänder
(
Y._
)
mand
a
tiert
hatte
(vgl.
Urk.
6/57)
,
an den sie sich auch für steuerliche Fragestellungen hätte wenden können
.
Des Weiteren
kann
aber
auch nicht gesagt werden,
es liege bezüglich
der Frage
, ob in den Jahren 2017 und 2018
eine
selbständige
Erwerbs
tätigkeit gegeben war
,
ein klar ausgewiesener Irrtum vor
;
s
o
hatte die Beschwer
deführerin
jedenfalls
noch
im Januar 2019 die Auszahlung von beitragspflich
ti
gen Löhnen an verschiedene Arbeitnehmende im Jahr
2018
deklariert
(Urk.
6/51
)
und
(erst) im Februar 2019 durch ihren Treuhänder darauf hinweisen lassen, dass sie aufgrund eines Unfalles
(und nicht
wegen
einer Depression)
«
bis auf Weiteres
»
kein Einkommen erzielen könne
; entsprechend hatte sie
darum ersuchen lassen,
die Akontorechnungen
«
für das laufende Jahr
»
[mithin 2019]
zu annullieren und eine Schlussabrechnung für das vergangene Jahr zu erstellen (
Urk.
6/59)
.
Eben
falls im Januar 2019 hatte sie für sich selbst –
offensichtlich
fälschlicherweise
ebenfalls
auf dem Formular „Lohndeklaration 2018“ und somit wie für eine unselbständige Erwerbstätigkeit - eine
„
Lohnsumme
“
von F
r.
39‘973.
--
gemeldet u
nd angegeben, ihre
zu erwartende
„
Lohnsumme
“
für das Jahr 2019 betrage
Fr.
36‘000.
-- (
Urk.
6/52)
.
Auch dies spricht
für die
fortdauernde selbständige Erwerbstätigkeit im Jahr 201
8.
Die Beschwerdeführerin brachte weiter nicht vor, dass sie oder ihr Ehemann in den Jahren
2017 und 2018
Einkünfte gehabt hätten,
die vom gemeldeten Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit
(
Urk.
6/118,
Urk.
6/121)
beziehungsweise
die von einem Gesamteinkommen auszuscheiden
wären.
Hinweise auf entsprechende Einkünfte sind auch
aus den A
kten
nicht ersichtlich (vgl.
Urk.
6
/45,
Urk.
6
/51-52,
Urk.
6
/
75,
Urk.
6
/86-87, U
rk.
6
/96/3
).
Sind
jedoch
mit Blick auf die Vorbringen der Beschwerdeführerin
keine Umstände ersichtlich, welche gegen die Verbindlichkeit der Steuermeldungen sprechen,
ist
nicht zu beanstanden, dass die
A
usg
l
e
ichskasse
die
persönli
c
hen
Beiträge für
die Jahre 2017 und 2018
gestützt auf die
entsprechenden
Steuermeldungen
vom
2
6.
Januar 2021 bzw. vom 31.
Januar 2021
festgesetzt
hat.
3.
3
D
ie Beitragsberechnung als solche
wird
von der Beschwerdeführerin
im
Übrigen
nicht
in Frage gestellt
, weshalb
kein Anlass für eine nähere Prüfung besteht
(vgl. zum R
üge
prinzip BGE 110 V 48 E.
4a).
Der angefochtene Entscheid erw
e
ist sich
somit
als rechtens
,
weshalb
die dagegen erhobene Beschwerde
abzuweisen
ist
.
4
.
S
oweit die Beschwerdeführerin geltend mach
t
, dass sie – da sie über kein
Ein
kommen und
kein
Vermögen verfüge - die F
orderungen
der SVA
nicht begleichen könne, ist es ihr unbenommen, bei der Ausgleichskasse ein Gesuch um
Herab
setzung
der pe
rsönlichen Beiträge zu stellen
(vgl. dazu Art.
11 AHVG, Art.
31 f. AHVV).