Decision ID: 09bc2cb1-2251-5ab7-867f-5ddc4d7e11ee
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1980, meldete sich am 30. September 2011 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an unter Hinweis auf eine bei einem Unfall am 4. Mai 2010 erlittene Schulterverletzung (Urk. 7/6). Die Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, führte am 13. Oktober 2011 ein Ressourcengespräch durch (Urk. 7/11), zog mehrmals die jeweils aktualisierten Akten der Suva bei und holte Arztberichte (Urk. 7/14 und Urk. 7/16) und eine Arbeitgeberauskunft (Urk. 7/15) ein. Vom 28. Dezember 2011 bis 25. Januar 2012 fand in der Rehaklinik Y._ eine ambulante berufliche Abklärung statt (Urk. 7/23). Die IV-Stelle bewilligte mit Mitteilung vom 10. April 2012 eine Frühinterventionsmassnahme in Form eines Ausbildungskurses (Urk. 7/27), die am 3. Juli 2012 wieder abgebrochen wurde, da der Versicherte nur dreimal am Kurs teilgenommen hatte (Urk. 7/31).
Mit Verfügung vom 27. November 2013 gewährte die Suva X._ mit Wir
kung ab 1. Dezember 2013 eine Invalidenrente aufgrund einer Erwerbsunfä
higkeit von 18 % und eine Integritätsentschädigung für eine 13%ige Integritäts
einbusse (Urk. 7/48), was sie mit Einspracheentscheid vom 23. Juli 2014 bestä
tigte (Urk. 7/60).
Die IV-Stelle erteilte nach Einholung weiterer Arztberichte (Urk. 7/58 und Urk. 7/59) Kostengutsprache für ein Arbeitstraining vom 12. Januar 2015 bis 9. Oktober 2015 im Heilsarmee Brockenhaus in Z._ (vgl. Mitteilung vom 29. Januar 2015, Urk. 7/74, und Mitteilung vom 2. Juli 2015 betreffend Verlän
gerung, Urk. 7/92). Mit Mitteilung vom 25. März 2015 wurde zudem eine Kos
tengutsprache für einen Grundkurs Staplerprüfung erteilt (Urk. 7/85). Das Ar
beitstraining wurde in der Folge per 18. September 2015 vorzeitig abgebrochen, da sich X._ nicht in der Lage sah, die Mindestanforderungen an die Präsenzzeit gemäss Zielvereinbarung zu erfüllen (vgl. die Mitteilung vom 21. September 2015, Urk. 7/102; vgl. auch den Bericht des Schweizerischen Ar
beiterhilfswerks A._ vom 10. Oktober 2015 betreffend Arbeitstraining und Ak
quisitionsphase, Urk. 7/111).
Die IV-Stelle holte im weiteren Verlauf einen Arztbericht (Urk. 7/116) und Stel
lungnahmen bei ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; Urk. 7/120 S. 8 f.) ein. Hernach erfolgte eine Ressourcenprüfung anhand der Akten durch die „Fachexpertin“ der IV-Stelle (Urk. 7/102 S. 8 f.). Mit Vorbescheid vom 30. Mai 2016 stellte die IV-Stelle X._ den Anspruch auf eine vom 1. April 2012 bis Februar 2014 befristete ganze Rente in Aussicht (Urk. 7/122). Der Versi
cherte liess dagegen am 23. Juni (Urk. 7/124) und 30. August 2016 Einwand (Urk. 7/131) erheben und einen Arztbericht des B._ vom 24. August 2016 (Urk. 7/130) beilegen, worauf wiederum eine Stellungnahme der „Fachexpertin“ Ressourcenprüfung der IV-Stelle erging (Urk. 7/134 S. 2 f.). Mit Email vom 30. November 2016 wandte sich der Anwalt des Versicherten erneut an die IV-Stelle (Urk. 7/137). Am 28. November 2016 stellte das B._ einen weiteren Bericht aus (Urk. 7/139). Mit Verfügung vom 14. Februar 2017 hielt die IV-Stelle an ihrem Vorbescheid fest und sprach dem Versicherten eine ganze vom 1. April 2012 bis Ende Februar 2014 befristete Rente zu (Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 14. Februar 2017 (Urk. 2) liess X._ am 17. März 2017 Beschwerde (Urk. 1) erheben und beantragen (S. 2), diese sei auf
zuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm ab 1. April 2012 eine unbefristete ganze Rente zuzusprechen. Eventuell sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zur medizinischen Abklärung (interdisziplinäres medizini
sches Gutachten) und Neubeurteilung der Leistungsansprüche zurückzuweisen. Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 26. April 2017 auf Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 6), wovon der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2. Mai 2017 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 8).
Mit Beschluss vom 22. Juni 2017 stellte das Gericht den Parteien eine Rückwei
sung der Sache zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle in Aussicht. Der Be
schwerdeführer wurde in Nachachtung der Rechtsprechung (BGE 137 V 314) auf das Risiko einer Schlechterstellung und auf die Möglichkeit eines Beschwerde
rückzugs aufmerksam gemacht (Urk. 9), worauf sich der mit Vollmacht vom 1
2.
September 2017 (
Urk.
15) mandatierte neue Rechtsvertreter des Beschwer
deführers am 2
5.
September 2017 in dem Sinne vernehmen liess, dass an den gestellten Anträgen festgehalten werde. Sollte dem Hauptantrag nicht entspro
chen werden, sei sein Mandant mit der Rückweisung der Sache einverstanden (Urk. 13 S.
2
unter Beilage von Urk. 14).

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden somato
formen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosomati
schen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bun
desgericht wie folgt systematisiert hat
(
BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4):
Der Indikator einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in al
len vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufga
benbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitge
staltung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Dabei ist das bisherige Kriterium des sozialen Rückzugs (wiederum) so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Ein
schränkungen auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann ein krank
heitsbedingter Rückzug aber auch Ressourcen zusätzlich vermindern. Soweit er
hebbar, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung. Das Aktivitätsniveau der versicherten Per
son ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex "Gesundheitsschädigung") auf den tatsächlichen Leidensdruck hin. Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist. Nicht auf feh
lenden Leidensdruck zu schliessen ist, wenn die Nichtinanspruchnahme einer empfohlenen und zugänglichen Therapie oder die schlechte Compliance klarer
weise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurückzu
führen ist. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versi
cherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsis
tentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschrän
kung sei anders begründet als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchti
gung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/20
16 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
1.3
In Bezug auf mögliche psychische Komorbiditäten verliert eine depressive Proble
matik nicht bereits wegen einer medizinischen Konnexität zum Schmerz
leiden ihre Bedeutung als potentiell ressourcenhemmender Faktor
(BGE 141
V 281 E. 4.3.1.3). Bei Störungen im mittelgradigen Bereich ist indes die
invalidi
sierende Wirkung - weiterhin - besonders sorgfältig zu prüfen. Es darf nicht unbesehen darauf geschlossen werden, eine solche Störung vermöchte eine vor
aussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde (teilweise) Erwerbsunfähigkeit zu bewirken und wäre damit eine relevante Komorbidität
(
BGE 141 V 281
E. 4.3.1.3;
vgl. Urteile des Bundesgerichtes 9C_125/2015 vom 18
.
Novem
ber 2015 E.
7.2.1 mit Hinweis und 9C_168/2015 vom 1
3.
April 2016 E. 4.2). Auch nach der Praxis
änderung vom 3.
Juni 2015
(BGE 141 V 281)
gelten psychische Störungen der hier interessierenden Art nur als invali
-
disierend, wenn sie schwer und therapeutisch nicht (mehr) angehbar sind, was namentlich bei noch nicht lange chronifizierten Krankheitsgeschehen voraussetzt, dass keine therapeuti
sche Option mehr und somit eine Behandlungsresistenz besteht
(
BGE 141 V 281
E. 4.3.1.2; v
gl. Urteile des Bund
esgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5 und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
7.2.1). An der bundes
gerichtlichen Praxis, wonach leichte bis höchstens mittelschwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis in der Regel therapierbar sind und invalidenversi
cherungsrechtlich zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen (vgl. Urteile des Bund
esgerichtes 9C_836/2014 vom 23. März 2015 E. 3.1, 9C_474/2013 vom 20.
Februar 2014 E. 5.4, 9C_696/2012 vom 19.
Juni 2013 E.
4.3.2.1, 9C_250/201
2 vom 29. November 2012 E.
5, 9C_736/2011 vom 7.
Februar 2012 E. 4.2.2.1 sowie 9C_917/2012 E. 3.2 vom 14.
August 2013) hat
BGE 141 V 281
nichts geändert (vgl. Urteile des Bundesgerichtes 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E.
7.2.1 und 9C_168/2015 vom 13.
April 2016 E. 4.2 mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fallen leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, ein
zig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie erwiesenermas
sen therapieresistent sind (statt vieler:
BGE 140 V 193
E.
3.3 mit Hinweis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung De
pressionen im Allgemeinen therapeutisch gut angehbar sind - gesetzlich ver
langten Konstellation ist den no
rmativen Anforderungen des Art. 7 Abs.
2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (
BGE 141 V 281
E. 3.7.1 bis 3.7.3
). Ein solcher Sachverhalt muss überwiegend wahrscheinlich und darf nicht lediglich nicht auszuschliessen sein. Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und statio
nären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft wurden (
BGE 140 V 193
E. 3.3
;
BGE
137 V 64
E.
5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bun
desgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E.
4.1).
Ist eine mittelgradige depressive Episode eine
„blosse“
Begleiterscheinung (zum Beispiel Urteil des Bund
esgerichts 8C_689/2014 vom 19. Januar 2015 E. 3.4; vgl. auch Rahel Sager, Die bundesgerichtliche Rechtsprechung betreffend De
pression, in: SZS 2015 308 ff., 312)
zu einer somatoformen Schmerzstörung oder einem vergleichbaren psychosoma
tischen Leiden (vgl. BGE 137 V 64 E.
4
.2
), beurteilt sich die Frage der invalidisierenden Wirkung der gesundheitli
chen Beeinträchtigungen nach der Schme
rzrechtsprechung (BGE 141 V 281; vgl. BGE 140 V 290 E.
3.3.2; vgl. Urteile des Bundesgeri
chts 8C_624/2015 vom 25. Januar 2015 E.
3.2.2 und 9C_125/2015 v
om 18. November 2015 E. 4.4)
.
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung ihrer Verfügung vom 14. Februar 2017 (Urk. 2) aus, der Beschwerdeführer sei seit dem 4. Mai 2010 in seiner Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt. Da er sich erst am 5. Oktober 2011 zum Leistungsbezug angemeldet habe, würden die Leistungen ab dem 1. April 2012 ausgerichtet. Zu diesem Zeitpunkt habe der Beschwerdeführer aufgrund der Unfallfolgen keiner Erwerbstätigkeit nachgehen können, weshalb ein Invaliditätsgrad von 100 % vorliege (Urk. 2 S. 3 f.). Spätestens seit Fallab
schluss durch den Unfallversicherer im November 2013 sei dem Beschwerde
führer aus medizinischer Sicht eine angepasste Erwerbstätigkeit wieder zumut
bar. In einer körperlich leichten bis mittelschweren wechselbelastenden Tätig
keit ohne Überkopfarbeiten und ohne schlagende, stossende und vibrierende Kraftimpulse bestehe seither eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Die Beschwerde
gegnerin errechnete mit Wirkung ab 1. März 2014 (drei Monate nach Eintritt der Verbesserung im November 2013) einen unter der rentenbegründenden Schwelle von 40 % liegenden Invaliditätsgrad von 12 %. Sie gab an, die psy
chischen Beschwerden seien gut behandelbar und hätten keine langdauernden Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit zur Folge. Zudem würden die Therapie
möglichkeiten nicht ausgeschöpft (S. 4).
Mit Beschwerdeantwort vom 26. April 2017 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine weitere Stellungnahme (Urk. 6)
2.2
Der Beschwerdeführer liess dagegen in seiner Beschwerde vom 17. März 2017 (Urk. 1) im Wesentlichen einwenden, die Beschwerdegegnerin habe es unterlas
sen, das Dossier mit diversen fachpsychiatrischen Berichten durch einen Fach
psychiater des RAD beurteilen zu lassen (Ziff. 20). Es seien sodann weder eine Ressourcenprüfung durchgeführt noch eigene Abklärungen in psychiatrischer Hinsicht veranlasst worden (Ziff. 22). Im Ergebnis habe die Beschwerdegegnerin praktisch nur auf die Zumutbarkeitsbeurteilung des Suva-Kreisarztes vom 19. September 2012 abgestellt und damit die im unfallversicherungsrechtlichen Kontext ausser Acht gelassenen psychischen Beschwerden beziehungsweise die somatoforme Schmerzstörung nicht in die Leistungsbeurteilung einfliessen las
sen. Die Beschwerdegegnerin habe jedoch sämtliche invalidisierenden Gesund
heitsbeeinträchtigungen, sowohl jene mit unfall- als auch jene mit krankheits
bedingter Ursache, in ihre Leistungsprüfung einzubeziehen (Ziff. 23). Gestützt auf die fachpsychiatrischen Berichte des B._ sei auch über den Februar 2014 hinaus ein invalidisierender Gesundheitsschaden und damit ein weiterer An
spruch auf eine ganze Rente ausgewiesen (Ziff. 24). Eventuell sei die Sache zur interdisziplinären medizinischen Begutachtung und Neubeurteilung der Leis
tungsansprüche an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Ziff. 25).
3.
3.1
Im Bericht vom 21. September 2011 (Urk. 7/55/299-300) an Dr. med. C._, FMH Allgemeine Medizin, gaben Dr. med. D._, Chefarzt, und Dr. med. E._, Oberärztin, tätig in der orthopädischen Klinik des F._, an, es bestünden nach dem Eingriff vom 1. Februar 2011 (offene Schulterstabilisation rechts mit Bankart-Repair und Kapselshift) nach wie vor deutliche Restbeschwerden. Dies sei am ehesten im Sinne eines diffusen Kapselreizes zu interpretieren, jedoch ohne Hinweise auf eine adhäsive Kompo
nente – soweit im Rahmen der postoperativen Bewegungseinschränkungen be
urteilbar – und aktuell mit fraglicher Überlagerung durch eine Tendinitis der langen Bizepssehne. Es bestehe weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
3.2
Am
1
4.
November 2011
berichtete Dr. med. G._, FMH
Allgemeinmedizin, der IV-Stelle (
Urk.
7/16
/5-11
). Er gab an, er habe den Beschwerdeführer, der seit dem 5.
Mai 2010 bei ihm in Behandlung sei, am 3
0.
März 2011 das letzte Mal gesehen. Dieser werde nun durch
Dr.
med.
C._
betreut.
Dr. G._ nannte die Diagnose eines
Status nach offener Schulterstabilisation rechts mit Bankart-Repair und Kapselshift am
1.
Februar 2011 bei traumatischer vorderer Schul
terinstabilität
rechts
bei Status nach knorpeliger Bankartläsion mit Impression des anterioren Glenoidrandes bei initial traumatischer Schulterluxation vom 4.
Mai 201
0.
Er gab an, letztmals bis am 3
0.
März 2011 eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit bescheinigt zu haben. Körperliche Einschränkungen bestünden durch den Unfall wahrscheinlich im Bereich der rechten Schulter. Aus seiner Sicht bestünden keine geistigen oder psychischen Einschränkungen.
3.3
3.3.1
Im Bericht zur kreisärztlichen Untersuchung vom 16. November 2011 (Urk. 7/55/284-288) gab Dr. med. H._, Facharzt für Chirurgie FMH, an, laut Schadenmeldung des Betriebs sei beim Ausschalen ein Spriess weggerutscht, wonach die Träger von der Decke auf den Kopf und die Schulter des Beschwer
deführers gefallen seien. Die Erstbehandlung sei bei Dr. C._ in Bassers
dorf erfolgt. Dessen Bericht sei unter der Rubrik „Angaben des Patienten“ zu entnehmen, dass ein Repositionsmanöver des rechten Schultergelenks durch ei
nen Arbeitskollegen bei wahrscheinlicher Luxation habe durchgeführt werden müssen. Das MRI vom 27. Mai 2010 habe einen Riss des Rotatorenmanschet
tenintervalls dokumentiert. Eine ossäre Läsion sei ausgeschlossen worden. Im weiteren Verlauf seien rezidivierende Schulterluxationen aufgetreten, so dass am 12. November 2010 eine fachärztliche Beurteilung am F._ durchgeführt worden sei. Dort sei eine traumatische vordere Schulterin
stabilität rechts bei knorpeliger Bankartläsion mit Impression des anterioren Glenoidrandes diagnostiziert worden. Am 1. Februar 2011 sei eine offene Schulterstabilisation rechts mit Bankartrepair und Kapselshift rechts durchge
führt worden. Im Operationsbericht seien intakte glenoidhumerale Knorpelver
hältnisse beschrieben worden. Im Weiteren habe eine Ablösung des Labrums zwischen zirka zwei und vier Uhr vorgelegen. Eine Läsion am glenohumeralen Ligament habe sich nicht sicher abgrenzen lassen. Das Labrum sei mit zwei Mitek-Ankern bei drei und fünf Uhr fixiert worden (S. 3). Der letzte Bericht der Verlaufsbeurteilung in der Schultersprechstunde datiere vom 21. September 2011. In der Rubrik „Beurteilung und Procedere“ würden nach wie vor beste
hende deutliche Restbeschwerden beschrieben, diese würden am ehesten einem diffusen Kapselreiz zugeordnet (S. 4).
Über neun Monate nach dem operativen Eingriff sei der Beschwerdeführer in Ruhe weitgehend beschwerdefrei. Dagegen seien offensichtlich jegliche Bewe
gungen mit Beschwerden verbunden. In der klinischen Untersuchung bestünden keine Hinweise für eine Instabilität. Ebenso bestünden keine Hinweise für eine Insuffizienz der Rotatorenmanschette. Sowohl die aktive Flexion als auch die aktive Abduktion seien auf 110° limitiert. Es bestehe immer noch eine erhebli
che Funktionseinschränkung. Am 16. September 2011 hätten die ärztlichen Kollegen noch eine aktive Elevation von 150° gefunden. Bei positivem Bi
zepssehnen-Test könne eine Tendinitis der langen Bizepssehne nicht ausge
schlossen werden. Angaben über eine Pathologie am Anker der langen Bi
zepssehne seien dem Operationsbericht nicht zu entnehmen (S. 4).
Worauf die erhebliche Funktionseinschränkung bezüglich Abduktion und Eleva
tion zurückzuführen sei, könne er nicht konklusiv beurteilen (S. 4).
Aufgrund der aktuellen klinischen Befunde sei dem Beschwerdeführer eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit den ganzen Tag zumutbar. Das Gewicht sei bis Taillenhöhe auf 15 Kilogramm und bis Brusthöhe auf 10 Kilogramm limi
tiert. Überkopfarbeiten, die den Einsatz beider oberen Extremitäten erforderten, seien nicht mehr zumutbar. Repetitiv weit ausreichende Tätigkeiten mit der rechten oberen Extremität seien zu vermeiden. Tätigkeiten, die mit Impulswir
kung verbunden seien, wie Arbeiten mit stossenden oder vibrierenden Geräten, seien ungeeignet (S. 4).
3.3.2
Nach der kreisärztlichen Untersuchung vom 19. September 2012 (Urk. 7/55/187-193) gab Dr. H._ an, aus medizinischer Sicht sei von einem vorläufigen Endzustand auszugehen. Die therapeutischen Massnahmen seien ausgeschöpft. Bezüglich der Funktion sei im Vergleich zu den Befunden vom 16. November 2011 keine relevante Veränderung mehr eingetreten. Dr. H._ nannte dasselbe Belastungsprofil wie im Vorbericht und empfahl der Admi
nistration, den Fall mit dem Hinweis auf das Rückfallmelderecht abzuschliessen (S. 6).
Dr. H._ gab zudem an, er habe dem Versicherten empfohlen, auf die disku
tierte Latarjet-Operation in der Universitätsklinik I._ zu verzichten (S. 5 f.). Er zitierte in diesem Zusammenhang aus einem Überweisungsschreiben von Dr. D._, tätig in der orthopädischen Klinik des F._, in welcher der Versicherte regelmässig nachkontrolliert worden sei. Dr. D._ habe im Überweisungsschreiben zuhanden von PD Dr. J._, Universitätsklinik I._, angegeben, dass ein klares Korrelat für die angegebenen Beschwerden aus ihrer Sicht nicht fassbar sei. Fraglich bestehe eine Restinstabilität bei jedoch fehlender Anamnese hinsichtlich erneuter Luxationen/Subluxationen. Im Hin
blick auf den protrahierten Verlauf und den schwer fassbaren Patienten seien sie mit der Indikation bezüglich eines erneuten operativen Vorgehens sehr zu
rückhaltend (S. 4).
Dr. H._ erklärte weiter, die Prüfung der Stabilität sei bezüglich der diffusen Schmerzhaftigkeit und deutlichen Schreckhaftigkeit, die bereits im Bericht der orthopädischen Klinik des F._ vom 8. März 2012 erwähnt würden, nicht konklusiv möglich (S. 5).
3.
3
.3
Am
5.
November 2013 gab der Suva-Kreisarzt
Dr. H._
an, die Zumut
-
barkeitsbe
urteilung im
k
reisärztlichen Untersuchungsbericht vom 19.
September 2012 bleibe unverändert bestehen (
Urk.
7/55/63).
3.4
3.4.1
Im
Bericht vom 1
2.
Juni 2013
(Urk. 7/55/80-82) an den damaligen Rechtsvertre
ter des Beschwerdeführers nannten Dr. med. K._, Facharzt Psy
chiatrie und Psychotherapie FMH, sowie Dr. phil. L._, klinischer Psycho
loge und Supervisor, tätig im B._, die Diagnosen einer mittelgradigen depres
siven Episode (ICD-10 F32.1), einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), einer Störung durch Tabak sowie Schulterschmerzen rechts. Sie gaben an, der Beschwerdeführer sei aufgrund des positiven und negativen Leistungsbildes, der Diagnosen, der neuropsychologisch bestätigten Depression sowie der Fremdanamnese auch für angepasste Tätigkeiten zu 100 % arbeits
unfähig.
3.4.2
Am 15. November 2013 (Urk. 7/55/40-46) berichteten die im B._ tätigen Dr. med. M._, Facharzt für Chirurgie FMH, Dr. med. O._, Facharzt für orthopädische Chirurgie FMH, Dr. med. P._, Facharzt für Anästhesiolo
gie FMH, Dr. med. Q._, Facharzt für Physikalische Therapie/Rheumatologie FMH, Dr. med. R._, Facharzt Kardiologie und Innere Medizin FMH, med. pract. S._, Facharzt für Psychiatrie FMH, und Dr. phil. T._ dem Haus
arzt Dr. C._. Sie nannten im Wesentlichen die bekannten Diagnosen und gaben an, aus schmerztherapeutischer und psychiatrischer Sicht bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit auch für angepasste Tätigkeiten. Aus gelenkchirur
gischer Sicht könnten sicher keine schweren Arbeiten ausgeführt werden.
3.5
3.5.1
Dr. med. U._, Facharzt für innere Medizin, bei welchem der Beschwerde
führer seit Mai 2010 in Behandlung war, nannte im Bericht vom 30. Juni 2014 (Urk. 7/58) die Diagnosen eines Status nach Schulterkontusion mit Riss des Ro
tatorenmanschettenintervalls sowie Zerrung der Supraspinatussehne, einer Dysthymie, einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1) und einer somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). Der Hausarzt bescheinigte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Schaler-Bauarbeiter seit dem Unfall vom 4. Mai 2010 bis auf weiteres. Er gab an, der rechte Arm sei nicht belastbar als Schaler. Der Versicherte sei psychisch resig
niert und antriebslos. Die Frage, in welchem Umfang und seit wann eine behin
derungsangepasste Tätigkeit möglich sei, beantwortete er mit „noch nicht“. Bei der Frage nach den noch zumutbaren behinderungsangepassten Tätigkeiten be
jahte er grundsätzlich eine ganztägige Zumutbarkeit von rein sitzenden Tätig
keiten bei eingeschränktem Konzentrationsvermögen und eingeschränkter Be
lastbarkeit. Er erachtete ferner einen Arbeitsplatzwechsel und eine Umschulung als angezeigt.
3.5.2
Am 4. September 2014 bestätigte Dr. U._ gegenüber dem damaligen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, dass unter Berücksichtigung einzig der organisch objektiv nachweisbaren Unfallfolgen die von der Suva beigezogenen DAP-Blätter-Arbeitsplatzprofile dem Beschwerdeführer ganztags zumutbar seien (Urk. 7/61).
3.6
Im Bericht des B._ vom 10. Juli 2014 (Urk. 7/59) wurden die bereits in den Vorberichten angegebenen Diagnosen genannt (S. 6). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Schaler attestierten Dr. K._ sowie Dr. phil. L._ eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem Unfall und bis heute (S. 2). Gegen den sofortigen Beginn der Wiedereingliederung spreche, dass bereits im Jahr 2012 Eingliede
rungsmassnahmen gescheitert seien (S. 3). Das Konzentrations
vermögen, das Auffassungsvermögen, die Anpassungsfähigkeit sowie die Belastbarkeit seien infolge Depression eingeschränkt (S. 5). Zudem hielten der Psychiater und der Psychologe unter der Überschrift „1.7 Auswirkungen auf die Arbeitstätigkeit“ fest, ständige Schulterschmerzen würden den Beschwerdeführer darin hindern, eine längerfristige Arbeit zu machen. Zusätzlich führten die Depressionen zu ei
ner deutlichen Verlangsamung (S. 7).
3.7
Im Verlaufsbericht von Dr. U._ vom 3. November 2015 (Urk. 7/116) nannte dieser die Diagnosen Restbeschwerden mit Bezug auf die Schulterverlet
zungen sowie psychische Schmerzsomatisierung. Auf dem Bau sei der Be
schwerdeführer im Umfang von zirka 50 % arbeitsfähig. In einer angepassten Tätigkeit ging Dr. U._ von einem möglichen zeitlichen Umfang von 100 % aus. Zudem gab er eine Verminderung der Leistungsfähigkeit von 50 % an. Die Arbeitsfähigkeit könne durch berufliche Anpassung verbessert werden.
3.8
Dr. K._ und Dr. phil. L._ nannten im Bericht vom 24. August 2016 (Urk. 7/130) die bekannten Diagnosen und gaben an, der Beschwerdeführer sei sehr motiviert, äusserlich gepflegt, altersentsprechend, bewusstseinsklar und allseits orientiert. Er sei in der emotionellen Kontaktaufnahme zurückhaltend, gehemmt, sachlich und aktiv im Spontanverhalten. Die Stimmung sei deutlich depressiv-resigniert. Es bestehe eine deutliche Störung des Vitalgefühls (keine körperliche und seelische Frische, keine körperliche Ungestörtheit, keine Kraft). Der Beschwerdeführer sei kognitiv in Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfä
higkeit (10 Minuten) und Gedächtnis verlangsamt beziehungsweise einge
schränkt. Es bestehe eine deutliche Vergesslichkeit, aber keine Auffassungsstö
rung. Zudem liege eine erhaltene Krankheitseinsicht vor. Es gebe keine cir
cadiane Schwankung der Symptomatik. Die Schmerzen seien während 24 Stun
den vorhanden.
Faktisch habe vom 4. Mai 2010 bis 31. Mai 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit bestanden. Seit dem 1. Juni 2016 liege eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit in leichter sitzender Tätigkeit bei aktuell 20%iger Arbeitstätigkeit im Bereich Au
tovorführung und -vorbereitung vor. In der Tätigkeit als Schaler bestehe seit dem Unfall bis zum Tag der Berichterstattung eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
3.9
Im Kurzbericht zuhanden des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers vom 28. November 2016 betreffend eine Verfügung der Unia Arbeitslosenkasse vom 28. Oktober 2016 (Urk. 7/139) gaben Dr. med. K._ und Dr. phil L._ an, der Beschwerdeführer stehe seit dem 26. Januar 2013 kontinuierlich im B._ in Behandlung mit bis dahin 39 Einzeltherapien. Es existierten verschiedene Ar
beitsunfähigkeitsbeurteilungen vom 2. April 2013, 16. Juni 2013, 11. September 2014 und 28. April 2016. Dem Beschwerdeführer sei - mit Ausnahme seiner Selbsteinschätzung - am 11. September 2014 (wonach für eine sehr leichte Ar
beitstätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe) durchgehend eine mindes
tens 80%ige Arbeitsunfähigkeit (ab 1. Juni 2016, vorher 100%ige Arbeitsunfä
higkeit) attestiert worden. Die Depression sei „ab ca. 2013“ entstanden. Seitdem sei der Beschwerdeführer in regelmässiger auch psychopharmakologischer Be
handlung mit Antidepressiva im B._, bisher ohne genügenden Erfolg, aktuell habe Cymbalta auf 90mg erhöht werden müssen.
4.
4.1
Nach Lage der Akten ist erstellt, dass der Beschwerdeführer am 4. Mai 2010 bei der Arbeit einen Unfall erlitt und sich dabei an der rechten Schulter verletzte. Im Februar 2011 wurde er an der rechten Schulter operiert. Es stellte sich ein protrahierter Verlauf ein, wobei weder für die behandelnden Orthopäden im Kantonsspital Winterthur noch für den Suva-Kreisarzt ein klares Korrelat für die angegebenen Restbeschwerden fassbar war. Erstellt ist, dass der Beschwerde
führer aufgrund der somatischen Beschwerden längstens bis zum 19. September 2012 in allen Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig war und seither infolge der eingeschränkten Schulterbelastbarkeit nur noch Arbeiten ausführen kann, die mit dem vom Suva-Kreisarzt am 16. November 2011 und 19. September 2012 formulierten Belastungsprofil vereinbar sind (E. 3.3.1 und E. 3.3.2; vgl. auch die ersten Angaben des RAD-Arztes Dr. med. V._, Orthopädische Chirurgie FMH, vom 14. Januar 2012 und 23. November 2015, Urk. 7/120 S. 3 und 8, wobei seither aus somatischer Sicht keine Änderungen dokumentiert sind). Sol
che leidensangepassten Tätigkeiten sind dem Beschwerdeführer aus somatischer Sicht entsprechend den Angaben des Suva-Kreisarztes ganztätig zumutbar (auch aus dem neusten Bericht der Universitätsklinik I._ vom 4. August 2017, Urk. 14, lässt sich nichts Abweichendes ableiten). Da die bisherige Tätig
keit als Schaler das Anforderungsprofil übersteigt, wurden berufliche Einglie
derungsmassnahmen initiiert. Nach zunächst erfolgreichem Start wurde das Ar
beitstraining im Heilsarmee Brockenhaus Z._ am 18. September 2015 vor
zeitig abgebrochen, da die angestrebte Pensumsteigerung nicht erreicht werden konnte (vgl. Urk. 7/102 und Urk. 7/111).
4.2
Fraglich ist, ob der Beschwerdeführer aufgrund psychischer Leiden über den 12. September 2012 hinaus auch in angepassten Tätigkeiten eingeschränkt war oder immer noch ist. Mit Bezug auf diese Fragestellung liegen fachärztliche Bescheinigungen des B._ vor, die eine 100% Arbeitsunfähigkeit in allen Tätig
keiten seit dem Unfall bis zum 31. Mai 2016 mit anschliessend 80%iger Ar
beitsunfähigkeit attestieren. Die B._-Behandler diagnostizierten eine mittel
gradige depressive Episode und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, welche Diagnosen indes nicht schlüssig begründet wurden. Die entsprechenden Berichte wurden zudem nie einem RAD-Psychiater zur Prüfung vorgelegt (vgl. die kurzen Stellungnahmen des RAD-Arztes Dr. med. V._ vom 23. November 2015 und 22. Januar 2016, Urk. 7/120 S. 7 f.). Es erfolgte einzig eine Würdigung der Berichte im Rahmen einer „Ressourcenprüfung“, die sich allerdings – obwohl der Titel etwas anderes vermuten liesse – nur auf die pra
xisgemässen Voraussetzungen betreffend die invalidisierende Wirkung einer depressiven Episode bezog (Urk. 7/120 S. 8 und Urk. 7/134 S. 3 f.). Eine Ausein
andersetzung der Beschwerdegegnerin mit den rechtsprechungsgemäss massge
benden Standardindikatoren bezüglich einer allfälligen somatoformen Schmerzstörung (E. 1.2; BGE 141 V 281) fand nicht statt. Dabei gilt es zu be
rücksichtigen, dass auch in den Berichten des B._ - die zudem mit Bezug auf die nicht besonders ausgeprägten Befundangaben, die rückwirkend seit dem Unfalldatum bescheinigte 100%ige Arbeitsunfähigkeit trotz Behandlungsauf
nahme erst am 26. Januar 2013 sowie die Frage einer ununterbrochenen, re
gelmässigen Behandlung (vgl. E. 3.9, Urk. 7/120 S. 7 und Urk. 3) nicht schlüssig sind - nicht hinreichend begründet wurde, inwiefern
sich aus den funktionellen Ausfällen bei objektiver Zumutbarkeitsbeurteilung anhand der Standardindika
toren die angegebenen Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit ergebe
n sollte
(
v
gl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_125/2015
v
om 18. No
v
ember 2015 E. 5.4 mit Hinweisen)
.
Auch den übrigen Akten können nicht genügende Angaben für eine rechtsgenügliche Ressourcenprüfung entnommen werden;
konkrete Hin
weise für eine Aggravation bestehen ebenfalls nicht (vgl. auch den Bericht des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks A._ vom 10. Oktober 2015 zum Arbeits
training im Heilsarmee Brockenhaus in Z._, Urk. 7/111).
4.3
Da d
ie vorliegenden medizinischen Berichte
nach dem Gesagten
keine zuverläs
sige Beurteilung der gestellten
psychiatrischen
Diagnosen und attestierten Ar
beitsunfähigkeit nach Massgabe der
rechtsprechungsgemäss
relevanten Indika
toren
erlauben, ist die Durchführung einer namentlich psychiatrischen Begut
achtung unabdingbar.
Gegebenenfalls
– bei
diagnostizierter anhaltender
somatoformen Schmerzstö
rung respektive
diagnostiziertem
damit vergleichbaren
psychosomatischen Lei
den
– hat das Gutachten auch eine hinreichende Grundlage zu liefern, welche eine schlüssi
ge Beurteilung entsprechend dem
strukturierten Beweisverfahren (Prüfung der Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281
E. 4.3.1-4.4.2) erlau
ben würde (E. 1.2). Zudem sind beim Vorliegen einer depressiven Erkrankung die praxisgemässen Anforderungen an eine invalidisierende Wirkung von de
pressiven Störungen zu berücksichtigen (E. 1.3)
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
Die
angefochtene Verfügung vom 1
4.
Februar 2017
ist aufzuheben
und die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen
, damit diese die erforderlichen Abklärungen durchführe und hernach über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
4.4
Festzuhalten bleibt in diesem Zusammenhang, dass bei der rückwirkenden Zuspra
che einer befristeten Rente und der Anfechtung einzig der Leistungsbe
fristung
die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten
nicht
von der Beurteilung ausgeklammert bleiben (BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen).
Daher bleibt es der Beschwerdegegnerin unbenommen, gegebenenfalls auch auf die bereits er
folgte Leistungszusprache zurückzukommen.
5.
Das Verfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr.
800
.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Zudem steht dem Beschwerde
führer bei diesem Ausgang des Verfahrens eine Prozessentschädigung zu, die gemäss § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen
und
ermessensweise auf Fr.
1‘800
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen
ist
.