Decision ID: 1b855c19-b5d5-50c6-ae11-2334dc7bd039
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ war bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva)
obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 18. Januar 2019 beim
Hinuntergehen einer Treppe stürzte und dabei die linke Schulter anschlug (vgl. Suva-
act. 2 f., 9). Der Unfall vom 18. Januar 2019 geschah infolge eines Umknickens des
instabilen rechten Sprunggelenks. Der Versicherte war am 26. Juli 2002 vier Meter in
die Tiefe gestürzt und hatte sich dabei eine Malleolarfraktur rechts Typ C sowie eine
Trümmerfraktur des rechten Olecranons zugezogen (Suva-act. 9, 38-2, 64-1).
A.a.
Die Erstbehandlung der Schulterverletzung links fand am 24. Januar 2019 (bzw.
gemäss Angaben des Versicherten am 19. Januar 2019; vgl. Suva-act. 9-2) bei Dr.
med. B._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, statt. In der klinischen Untersuchung erhob Dr. B._ eine
Konturverbreiterung über dem AC-Gelenk, welches indolent war, und eine
glenohumeral eingeschränkte Beweglichkeit mit deutlich subacromialem Reiben mit
Verdacht auf eine Subscapularis-/Supraspinatus-sehnenverletzung im Sinne einer
Zerrung/aktivierten Tendinopathie bei schmerzhafter Abduktion. In der
Röntgenuntersuchung zeigte sich in der rechten (richtig wohl: linken) Schulter
Flüssigkeit im Subdeltoidalbereich links mit deutlichem Acromionsporn und lateraler
Claviculaverbreiterung (Suva-act. 14-3, 60). Bei einer am 25. Januar 2019 im
Landesspital C._ durchgeführten MR-Untersuchung der linken Schulter zeigte sich
eine mild aktivierte bzw. traumatisierte geringe AC-Gelenksarthrose mit milder
Ergussbildung mit geringen subchondralen Ödemzonen, keine signifikante Einengung
A.b.
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des Subacromialraums bei down sloping eines Typ III Acromion bei kleiner
Spornbildung anteroinferior und milder Flüssigkeitsmarkierung der Bursa subacromialis
mit möglicher Impingementsymptomatik, ein ca. 10 x 15 mm grosser interstitieller
Partialriss der Supraspinatussehne ventral am tendoossären Übergang und zudem eine
ca. drei Millimeter breite bursaseitige Avulsion bei hier zusätzlicher Defektbildung der
oberflächlichen bursaseitigen Fasern (Suva-act. 4).
Mit Schreiben vom 26. Februar 2019 informierte der Rechtsvertreter des
Versicherten, Rechtsanwalt Dr. iur. Th. Struth, Vaduz (FL), die Suva darüber, dass eine
Operation am linken Schultergelenk erforderlich sei, welche am 1. Juli 2019 in D._
durchgeführt werde (Suva-act. 5). Mit Schreiben vom 6. März 2019 teilte die Suva dem
Versicherten mit, dass sie zu den Versicherungsleistungen noch nicht endgültig
Stellung nehmen könne. Sobald sie die Abklärungen durchgeführt habe, werde er über
ihre Leistungspflicht orientiert (Suva-act. 6; vgl. zu den Abklärungen der Suva Suva-act.
8 ff.).
A.c.
Mit E-Mail vom 26. April 2019 ersuchte Rechtsanwalt Struth die Suva um
Bestätigung der Übernahme der Kosten der bevorstehenden Operation an der linken
Schulter (Suva-act. 12-1). Mit Schreiben vom 6. Mai 2019 teilte Dr. B._ der Suva mit,
dass sich die Schulteroperation wegen einer Operation des rechten oberen
Sprunggelenks verzögert habe. Die Indikation zur Operation in Bezug auf das
Schultergelenk bestehe in einer erheblichen, aktiven AC-Gelenksarthrose und einer
Einschränkung im Subacromialraum mit einer Impingementsymptomatik. Geplant sei
eine Schulterarthoskopie mit subacromialer Dekompression sowie eventuell eine
laterale Clavicularesektion (Suva-act. 18-1).
A.d.
Am 20. Mai 2019 befand Suva-Kreisarzt Dr. med. E._, Facharzt für Orthopädie,
der Schaden, welcher am 1. Juli 2019 operiert werden sollte, sei nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 18. Januar 2019 zurückzuführen,
sondern durch krankhafte Veränderungen des Schultergelenks verursacht. Bei einer
vorübergehenden Verschlimmerung eines degenerativ-krankhaften Vorzustandes
spielten die Unfallfolgen im Beschwerdebild sechs bis acht Wochen nach dem
Unfallereignis überwiegend wahrscheinlich keine Rolle mehr (Suva-act. 19). Am 7. Juni
2019 beurteilte Dr. E._, dass sich in der am 25. Januar 2019 durchgeführten
A.e.
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B.
Kernspintomographie (vgl. Suva-act. 18) - also zeitnah nach dem Kontusionsereignis
vom 18. Januar 2019 - kein Nachweis struktureller Traumafolgen an der linken Schulter
gezeigt habe (Suva-act. 24).
Mit Verfügung vom 17. Juni 2019 teilte die Suva mit, sie richte für die Folgen des
Nichtberufsunfalls an der rechten und linken Schulter vom 18. Januar 2019
Versicherungsleistungen aus. Sie müsse den Fall jedoch per 15. März 2019
abschliessen und die Versicherungsleistungen auf diesen Zeitpunkt einstellen. Für die
Operation vom 1. Juli 2019 könne sie deshalb nicht mehr aufkommen (Suva-act. 33).
A.f.
Mit Schreiben vom 1. Juli 2019 ersuchte Dr. B._ die Suva um eine erneute
Beurteilung der Akten. Er führte aus, mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit sei die
linksseitige Schultergelenks-AC-Degeneration, welche mittels eines operativen Eingriffs
saniert werden sollte, durch die langfristige Überbeanspruchung der linken oberen
Extremität verursacht. Die Überbeanspruchung sei erfolgt, da das rechte
Ellbogengelenk unfallbedingt nur beschränkt belastbar sei. Seines Erachtens seien
deshalb auch die Frühdegenerationszeichen des linken Schultergelenks auf das frühere
Unfallereignis (des Jahres 2002) zurückzuführen (Suva-act. 37). Am 8. August 2019
verneinte Suva-Kreisarzt Dr. med. F._, Facharzt für orthopädische Chirurgie, indirekte
Folgen des Unfalls vom 26. Juli 2002 im Bereich der linken Schulter (Suva-act. 39; vgl.
auch Beurteilung von Dr. E._; Suva-act. 38). Die Suva teilte Dr. B._ mit Schreiben
vom 7. August 2019 mit, sie sei nicht leistungspflichtig (Suva-act. 40).
A.g.
Mit Eingabe vom 13. August 2019 erhob Rechtsanwalt Struth für den Versicherten
Einsprache gegen die Verfügung vom 17. Juni 2019 und erklärte, dass dieser mit dem
angekündigten Abschluss des Falles und der Nichtübernahme der Kosten der von Dr.
B._ geplanten Operation an der linken Schulter nicht einverstanden sei (Suva-act.
43).
B.a.
Am 7. Oktober 2019 reichte Dr. med. G._, Facharzt für orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates, einen Bericht über eine Untersuchung
des Versicherten vom 2. Oktober 2019 ein. Darin beurteilte er, dass der Riss der
Supraspinatussehne sicherlich nicht auf eine Überlastung im Zusammenhang mit der
B.b.
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eingeschränkten Funktion des rechten Arms zurückzuführen sei. Es sei höchstens
möglich, dass die Unterseitenläsion der Supraspinatussehne links durch den
Treppensturz entstanden sei und dies die derzeitigen Beschwerden erkläre (Suva-act.
49).
Mit seiner Einsprachebegründung vom 11. Dezember 2019 reichte der Rechts
vertreter des Versicherten unter anderem einen Untersuchungsbericht über eine am 16.
Oktober 2019 in der Radiologie Z._, Diagnose Zentrum H._, durchgeführte MR-
Untersuchung des linken Schultergelenks ein. Er hielt fest, dass die Untersuchung
durch Dr. G._ sowie die MR-Abklärung klar ergeben hätten, dass die bestehenden
Beschwerden des Versicherten nicht auf einen degenerativen Vorzustand der linken
Schulter zurückzuführen seien, sondern ihre Ursache in einem Riss der
Supraspinatussehne hätten, den sich der Versicherte beim Treppensturz am 18. Januar
2019 zugezogen habe. Es sei auszuschliessen, dass der Riss der Supraspinatussehne
durch eine Überlastung der linken Schulter oder des linken Arms verursacht worden sei
(Suva-act. 52). Zusammen mit der Einsprachebegründung reichte der Rechtsvertreter
des Versicherten ausserdem einen Bericht von Dr. B._ vom 21. Oktober 2019 ein,
worin sich dieser zum Untersuchungsbericht von Dr. G._ vom 7. Oktober 2019 bzw.
zum MR-Untersuchungsergebnis vom 16. Oktober 2019 geäussert hatte (Suva-act.
52-10 f.).
B.c.
Auf Nachfrage der Suva erklärte Kreisarzt Dr. E._ am 9. Januar 2020, dass sich
durch die eingereichten Untersuchungsberichte nichts an seiner Stellungnahme vom 6.
Juni 2019 (Suva-act. 24) und an derjenigen von Dr. F._ vom 7. August 2019 (Suva-
act. 39) ändere (Suva-act. 57).
B.d.
Am 23. Januar 2020 beauftragte die Suva Prof. Dr. med. I._, Stadtspital Waid
und Triemli, Zürich, unter Vorlage der Röntgenbilder vom 24. Januar 2019 sowie der
MR-Bilder vom 25. Januar und 16. Oktober 2019 mit einer radiologischen
Zweitbefundung (Suva-act. 61). In seinem fachradiologischen Gutachten vom 7.
Februar 2020 stellte Prof. I._ fest, dass der Verlauf der Befunde deutlich mache, dass
zwischen den Untersuchungen vom 25. Januar und 16. Oktober 2019 eine
Veränderung im Sinne eines Heilungsprozesses stattgefunden habe, weshalb er zum
Schluss komme, dass ein Zusammenhang der dokumentierten
B.e.
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C.
Supraspinatussehnenläsion mit dem Trauma möglich sei. Zusätzlich zeige der Verlauf
der Untersuchungen, dass eine Traumatisierung des AC-Gelenks stattgefunden habe
(Suva-act. 62).
Im Auftrag der Suva (vgl. Suva-act. 63) beurteilte Dr. E._ den Schadenfall am 19.
Februar 2020 erneut (Suva-act. 64).
B.f.
Mit Schreiben vom 4. Mai 2020 fragte Dr. B._ bei der Suva an, inwieweit die
linksseitige Schulterverletzung über die Suva abgerechnet und die Schulterarthroskopie
links mit Dekompressionseingriff am 18. Mai 2020 durchgeführt werden könne (Suva-
act. 66).
B.g.
Mit Einspracheentscheid vom 14. Mai 2020 wies die Suva die Einsprache des
Versicherten ab (Suva-act. 70).
B.h.
Dagegen erhob der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer), vertreten durch
Fürsprecher M. Büchel, Oberuzwil, am 12. Juni 2020 die vorliegende Beschwerde.
Dieser beantragte darin, der Einspracheentscheid vom 14. Mai 2020 sei aufzuheben
und es seien dem Beschwerdeführer über den Zeitpunkt vom 15. März 2019 hinaus die
gesetzlichen Leistungen zu erbringen, insbesondere für die Operation vom 1. Juli 2019;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1). Am 10. Juli 2020 reichte der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine Beschwerdebegründung ein. Er hielt darin
an seinen Anträgen fest und präzisierte, die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
habe dem Beschwerdeführer insbesondere Kostengutsprache für die medizinisch
indizierte Schulterarthroskopie links mit Dekompressionseingriff bei Dr. B._ (gemäss
Kostengutsprachegesuch vom 4. Mai 2020) zu erteilen. Weiter machte er geltend, die
Beschwerdegegnerin habe das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt, da
sie ihm die kreisärztliche Stellungnahme vom 19. Februar 2020 (vgl. Suva-act. 64) vor
Erlass des Einspracheentscheids nicht zugestellt habe (act. G3).
C.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 12. November 2020 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G9).
C.b.
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Considerations:
Erwägungen
1.
In der Replik vom 15. Dezember 2020 hielt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers an seinen Beschwerdeanträgen fest (act. G11). Er reichte eine von
vier Experten (Prof. Dr. med. J._, Prof. Dr. med. K._, Prof. Dr. med. L._, Prof. Dr.
med. M._) im Namen der Expertengruppe Schulter- und Ellbogenchirurgie der
Schweizerischen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie Swiss Orthopaedics
verfasste, auf den 1. Oktober 2020 datierte Stellungnahme (nachfolgend zitiert:
Expertengruppe Schulter- und Ellbogenchirurgie) zum Urteil des Bundesgerichts vom
22. Oktober 2019, 8C_446/2019, ein (act. G11.1).
C.c.
Mit Duplik vom 7. Januar 2021 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag fest
(act. G13).
C.d.
Nach Aufforderung der Verfahrensleitung (act. G15) reichte Fürsprecher M. Büchel
am 10. Februar 2021 ein Schreiben vom 12. Juni 2020 mit Fragenkatalog an Dr. B._
sowie eine Beurteilung desselben vom 18. Juni 2020 ein. Zudem teilte er mit, der
Beschwerdeführer habe die geplante Operation (am 18. Mai 2020) durch Dr. B._
mangels Kostengutsprache durch die Beschwerdegegnerin nicht durchführen lassen
(act. G16, G16.1 f.). Die Beschwerdegegnerin reichte am 1. März 2021 eine
Stellungnahme von Kreisarzt Dr. E._ vom 25. Februar 2021 ein (act. G18, G18.1).
C.e.
In formeller Hinsicht ist zu prüfen, ob der Anspruch des Beschwerdeführers auf
das rechtliche Gehör verletzt wurde. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers sieht
eine Gehörsverletzung darin, dass die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer die
Beurteilung von Dr. E._ vom 19. Februar 2020 (Suva-act. 64) nicht zur Stellungnahme
habe zukommen lassen, obwohl sie sich im angefochtenen Einspracheentscheid vor
allem auf diese abgestützt habe. Durch die Verweigerung des rechtlichen Gehörs sei
der Beschwerdeführer einer Instanz verlustig gegangen. Der angefochtene
Einspracheentscheid sei deshalb allein unter diesem Gesichtspunkt aufzuheben und
der Fall zur Neuprüfung des Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(act. G3).
1.1.
Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) haben Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das
1.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 8/21
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rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher
in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht,
sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu
äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in Akten zu nehmen, mit
erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher
Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 370 f. E. 3.1, 129
II 504 E. 2.2, 127 I 56 E. 2b, je mit Hinweisen). Für den Bereich der
Sozialversicherungen regelt Art. 42 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) den Anspruch der Parteien auf rechtliches
Gehör. Danach müssen die Parteien nicht angehört werden vor Verfügungen, die durch
Einsprache anfechtbar sind. Spätestens im Einspracheverfahren hat die Verwaltung
aber die allgemeinen Grundsätze des rechtlichen Gehörs zu wahren und folglich der
versicherten Person oder ihrem Vertreter Einsicht in die Akten zu gewähren, auf deren
Grundlage sie den Einspracheentscheid abstützt (BGE 132 V 389 E. 4.1 mit Hinweis).
Nach Art. 47 Abs. 1 lit. b ATSG steht das Recht auf Akteneinsicht den Parteien für die
Daten zu, die sie benötigen, um einen Anspruch oder eine Verpflichtung nach einem
Sozialversicherungsgesetz zu wahren oder zu erfüllen oder um ein Rechtsmittel gegen
eine auf Grund desselben Gesetzes erlassene Verfügung geltend zu machen, sofern
überwiegende Privatinteressen gewahrt bleiben.
Wie das Versicherungsgericht bereits in früheren Entscheiden befand (vgl. dies
bezüglich Urteil vom 6. April 2011, IV 2009/280, E. 1.1, bestätigt durch Urteil des
Bundesgerichts vom 5. August 2011, 9C_436/2011; Urteil vom 3. November 2015, UV
2014/86, E. 2), verschafft das rechtliche Gehör einen Anspruch darauf, sich zu den
tatsächlichen Fragen äussern zu können. Die Sachverhalts- bzw. Beweiswürdigung
gehört indes nicht zur Sachverhaltsermittlung, sondern zur Rechtsanwendung. Wie der
Beweiswert eines medizinischen Aktenstücks einzuschätzen ist, stellt demnach eine
Frage rechtlicher Natur dar. Dient die Stellungnahme des versicherungsmedizinischen
Dienstes nur dazu, dem mit der Sachverhaltswürdigung betrauten Sachbearbeiter zu
helfen, indem diesem medizinisches Fachwissen zur Verfügung gestellt wird, findet
keine Ergänzung des Sachverhalts statt. Eine solche erfolgt lediglich dann, wenn die
Stellungnahme des versicherungsmedizinischen Dienstes eine neue medizinische
Erkenntnis, die weder den bisherigen Akten noch allfälligen von der versicherten
Person eingereichten neuen Arztzeugnissen entnommen werden kann, enthält. In
diesem Fall besteht ein Anspruch auf die Gewährung des rechtlichen Gehörs.
1.3.
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2.
Vorliegend anerkannte die Beschwerdegegnerin eine Leistungspflicht im
Zusammenhang mit dem Unfall vom 18. Januar 2019 mit Beteiligung der linken
Schulter. Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die
Rechtsmässigkeit der Einstellung der Versicherungsleistungen per 15. März 2019.
Geprüft wurde von der Beschwerdegegnerin auch ihre Leistungspflicht bezüglich der
Schulterproblematik links im Zusammenhang mit einem früheren Unfall vom 26. Juli
2002. Dies im Sinne einer indirekten Unfallfolge durch eine Überbelastung der linken
Schulter infolge einer unfallbedingt eingeschränkten Belastbarkeit des rechten
Hingegen lässt die reine Mitwirkung bei der Würdigung der medizinischen Beweismittel
keinen Anspruch auf rechtliches Gehör entstehen.
Vorliegend hatte Dr. E._ vor seiner Beurteilung vom 19. Februar 2020 (Suva-act.
64) und vor Erlass der Verfügung vom 17. Juni 2019 (Suva-act. 33) bereits zwei andere
entscheidrelevante, interne Stellungnahmen bezüglich der Kausalität der
Schulterproblematik links abgegeben (Suva-act. 19, 24). Aus den Darlegungen in der
Verfügung ging der Inhalt der kreisärztlichen Beurteilung in Bezug auf das Vorliegen
einer unfallkausalen Schulterproblematik links hervor und war erkennbar, dass die
Beschwerdegegnerin auf diese kreisärztliche Beurteilung abstellte. Es ist nicht
aktenkundig, ob der damalige Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vor Erhebung
der Einsprache Akteneinsicht verlangte, doch wäre eine solche ohne Weiteres möglich
gewesen. In seiner ärztlichen Beurteilung vom 19. Februar 2020 hat Dr. E._ keine
neuen medizinischen Erkenntnisse dargelegt, sondern lediglich den Bericht von Dr.
B._ vom 17. Januar 2020 (Suva-act. 60) und das fachradiologische Gutachten von
Prof. I._ vom 7. Februar 2020 (Suva-act. 62) gewürdigt. Die Würdigung beschränkte
sich im Wesentlichen auf die Wiedergabe der im genannten Bericht von Dr. B._ vom
17. Januar 2020 enthaltenen Ergebnisse seiner Erstuntersuchung vom 24. Januar 2019
(vgl. Suva-act. 60). Im Weiteren äusserte sich Dr. E._ zu den Ergebnissen der MR-
Untersuchungen vom 25. Januar und 16. Oktober 2019 (vgl. Suva-act. 52, 60). In der
zusammenfassenden Schlussfolgerung machte Dr. E._ schliesslich auch keine
neuen, relevanten medizinischen Aussagen. Das Dokument enthielt also keine
medizinischen Informationen, die dem Beschwerdeführer nicht schon vorher
zugänglich gewesen wären. Dem Beschwerdeführer war die kreisärztliche
Kausalitätsbeurteilung im Grundsatz also bekannt. Dadurch, dass die
Beschwerdegegnerin den Inhalt des Dokuments erst im Einspracheentscheid festhielt,
hat sie folglich den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör nicht
verletzt.
1.4.
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Ellbogens (vgl. dazu Suva-act. 9, 37 f.). Dr. F._ und Dr. G._ verneinten
übereinstimmend eine solche Kausalität (Suva-act. 39, 49). Nachdem die Akten eine
solche nicht nahelegen und auch der Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren eine
diesbezügliche Kausalität nicht mehr geltend macht, erübrigt sich die vertiefte Prüfung
dieser Frage.
3.
Gestützt auf Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) hat der Unfallversicherer bei Vorliegen eines Unfalls (vgl. dazu Art. 4 ATSG)
für einen Gesundheitsschaden nur insoweit Leistungen zu erbringen, als dieser in
einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis
steht (André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.],
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 63 ff.
zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.],
Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019 [nachfolgend zitiert: BSK UVG];
Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.). Für die
Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im
Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten oder
Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist
demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis
entwickelten Regeln zu beurteilen ist (KOSS UVG-Nabold, N 53, 59 zu Art. 6; BSK
UVG-Hofer, N 66, 74 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58; BGE 122 V 158 f.
E. b mit zahlreichen Hinweisen; SZS 2018 S. 357 f.). Bei physischen Unfallfolgen spielt
indessen die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle (BGE 118 V 291 f. E. 3a).
3.1.
Ist es durch einen Unfall zu keinen neuen unfallbedingten strukturellen Schäden
gekommen, trifft er aber auf einen vorgeschädigten Körper, kommt eine unfallkausale
Gesundheitsschädigung höchstens als vorübergehende oder richtungsgebende
Verschlimmerung des Vorzustandes in Betracht. Die Leistungspflicht des
Unfallversicherers bei einem durch einen Unfall verschlimmerten oder überhaupt
manifest gewordenen Vorzustand entfällt erst, wenn der Unfall nicht (mehr) die
natürliche oder adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also
Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft
3.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/21
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dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall
bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften oder andersartig geschädigten
Vorzustandes auch ohne den Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo
sine) erreicht ist (vgl. zum Ganzen RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b, mit Hinweisen;
Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2; Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 54). Von einer richtungsgebenden Verschlimmerung spricht die
Rechtsprechung nur dann, wenn medizinischerseits feststeht, dass weder der Status
quo ante noch der Status quo sine je wieder erreicht werden können (Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 54; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Oktober 2007, 8C_467/2007,
E. 3.1). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss
das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit
nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht (BGE
129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen; Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70 N. 58 f.; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S.
4).
Da es sich bei der Einstellung von Versicherungsleistungen um eine
anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast für den Wegfall der vom
Unfallversicherer zunächst anerkannten natürlichen Kausalität - anders als bei der
Frage, ob ein leistungsbegründender Kausalzusammenhang überhaupt je gegeben war
- nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U
363 S. 46 E. 2 mit Hinweisen; BGE 117 V 261 f. E. 3b; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S.
54 f.). Allerdings tragen die Parteien im Sozialversicherungsrecht in der Regel eine
Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten
jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten
wollte. Diese Beweisregel greift erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der
Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 222 E. 6 mit Hinweisen; Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 4, 55). Nach der telefonischen Unfallmeldung durch den Beschwerdeführer
(Suva-act. 2) und Eingang von zwei medizinischen Berichten (Suva-act. 3 f.) teilte die
Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer am 6. März 2019 mit, dass sie zu den
Versicherungsleistungen noch nicht endgültig Stellung nehmen könne und weitere
Abklärungen tätigen werde (Suva-act. 6). Eine Anerkennung einer Leistungspflicht
erfolgte nach Durchführung verschiedener Abklärungen (vgl. Suva-act. 8 f., 19, 24)
3.3.
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erstmals mit der Verfügung vom 17. Juni 2019 (Suva-act. 33). Diese beinhaltet
einerseits die Anerkennung einer Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für eine
vorübergehende Verschlimmerung eines degenerativen Vorzustandes für acht Wochen
bzw. bis 15. März 2019 und andererseits eine Verneinung einer Leistungspflicht für die
Operation vom 1. Juli 2019. Die Beschwerdegegnerin stützte sich dabei auf die
Beurteilung von Kreisarzt Dr. E._, der befunden hatte, dass die Operation aufgrund
eines degenerativen Vorzustands und nicht infolge einer strukturellen Traumafolge
indiziert sei und dass bei einer vorübergehenden Verschlimmerung eines degenerativ-
krankhaften Vorzustandes sechs bis acht Wochen nach dem Unfallereignis Unfallfolgen
im Beschwerdebild überwiegend wahrscheinlich keine Rolle mehr spielten (vgl. Suva-
act. 19, 24). Aus dem Gesagten ist zu folgern, dass die Beschwerdegegnerin die
Beweislast für den Nachweis des Dahinfallens einer vorübergehenden Verletzung zu
tragen hat, während hinsichtlich der Frage, ob sich der Beschwerdeführer beim Unfall
vom 18. Januar 2019 eine strukturelle Verletzung zugezogen hat, aufgrund welcher eine
Schulteroperation geplant worden war, der Beschwerdeführer beweisbelastet ist.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln,
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind. Ausschlaggebend für den
Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich weder die Herkunft eines
Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen
Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen). Insofern kann rechtsprechungsgemäss auch Berichten und Gutachten,
welche die Versicherungen während des Administrativverfahrens von ihren eigenen
Ärzten und Ärztinnen einholen, Beweiswert beigemessen werden. Auf deren Ergebnis
kann jedoch nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen. In diesem Fall sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4, 4.6 f.; Urteil des
3.4.
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4.
Bundesgerichts vom 16. September 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.2; SVR 2018 IV Nr. 4,
S. 12, E. 3.2).
Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird grundsätzlich eine
strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares
Korrelat verlangt. Objektivierbar sind Ergebnisse, die reproduzierbar und von der
Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten bzw. der Patientin
unabhängig sind. Folglich kann von objektiv ausgewiesenen organisch-strukturellen
Unfallfolgen dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit -
wissenschaftlich anerkannten - apparativen/bildgebenden Abklärungen (wie Röntgen,
MRT, CT, EEG) bestätigt werden (vgl. BGE 134 V 121 E. 9, 134 V 232 E. 5.1 mit
Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009, 8C_216/2009, E. 2; SVR
2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit Hinweisen [U 479/05]).
4.1.
Dr. B._ berichtete der Beschwerdegegnerin am 30. Januar 2019 über die am 24.
Januar 2019 erfolgte Erstbehandlung. Er führte aus, die Bewegungen in der Abduktion
und Elevation der linken Schulter seien in der seitlichen und vorderen Anhebung
schmerzhaft eingeschränkt gewesen. Die Untersuchung habe eine Konturverbreiterung
über dem AC-Gelenk gezeigt. Dieses sei indolent gewesen, glenohumeral sei die
Beweglichkeit eingeschränkt gewesen mit deutlich subacromialem Reiben mit
klinischem Verdacht auf eine Subscapularis-/Supraspinatusverletzung im Sinne einer
Zerrung oder aktivierten Tendinopathie bei schmerzhafter Abduktion. Die rechte (richtig
wohl: linke) Schulter habe im konventionell radiologischen Röntgenbild Flüssigkeit im
Subdeltoidalbereich links mit deutlichem Acromionsporn und lateraler
Claviculaverbreiterung gezeigt. Er habe deshalb eine MR-Untersuchung veranlasst,
welche am 25. Januar 2019 durchgeführt worden sei. Er empfehle eine abwartende
Haltung mit medikamentöser Optimierung. Falls die Beschwerden in vier bis sechs
Wochen weiterhin vorhanden seien, sei die subacromiale Impingementsymptomatik
anzugehen (Suva-act. 14-3). Am 25. Januar 2019 hatte Dr. med. N._, Facharzt für
Radiologie, Landesspital C._, die erwähnte MR-Untersuchung der linken Schulter
durchgeführt. Er hatte beurteilt, es liege eine mild aktivierte bzw. traumatisierte geringe
AC-Gelenksarthrose vor. Es bestehe keine signifikante Einengung des
Subacromialraums bei down sloping eines Typ III Acromions. Bei milder
Flüssigkeitsmarkierung der Bursa subacromialis sei jedoch eine
Impingementsymptomatik möglich (Differentialdiagnose: Posttraumatisch?). Weiter
habe sich ein ca. 10 x 15 mm breiter interstitieller Partialriss der Supraspinatussehne
ventral am tendoossären Übergang gezeigt (CID-Läsion). Es bestehe zudem eine ca. 3
4.2.
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mm breite Partialruptur bursaseitig im Sinne einer kleinen Reverse-PASTA-Läsion. Die
übrige Rotatorenmanschette sei intakt und die lange Bizepssehne regelrecht (Suva-act.
4).
Beim Beschwerdeführer bestand damit unbestritten bereits vor dem Unfall vom 18.
Januar 2019 eine degenerative Veränderung des AC-Gelenks (vgl. act. G16.2; vgl. auch
Suva-act. 18). Im Folgenden ist jedoch zu prüfen, ob der Beschwerdeführer beim Unfall
vom 18. Januar 2019 neue, strukturelle Gesundheitsschäden erlitten hat. Er lässt
geltend machen, er habe sich die diagnostizierte Läsion der Rotatorenmanschette links
anlässlich des Unfalls zugezogen (act. G3, G11). Die Beschwerdegegnerin stellt sich
dagegen, wie bereits erwähnt (vgl. E. 3.3), auf den Standpunkt, es sei lediglich zu einer
vorübergehenden Verschlimmerung des Vorzustandes gekommen (act. G9, G13).
Entgegen den Ausführungen von Kreisarzt Dr. E._ vom 20. Mai und 7. Juni 2019
(Suva-act. 19, 24) sollte die ursprünglich geplante Schulterarthroskopie gemäss Dr.
B._ nicht nur der Behandlung der AC-Gelenks-Arthrose, sondern auch der
Dekompression und damit der Entlastung der Supraspinatussehne dienen (vgl. act.
G16.1). Zur Beantwortung der Frage des Anspruchs auf Versicherungsleistungen über
den 15. März 2019 hinaus und insbesondere auf Übernahme der Operationskosten
durch die Beschwerdegegnerin ist damit die Ursächlichkeit des
Supraspinatussehnenrisses entscheidend.
4.3.
Kreisarzt Dr. E._ beurteilte am 20. Mai und 7. Juni 2019, der Schaden, welcher
ursprünglich am 1. Juli 2019 hätte operiert werden sollen, sei mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht auf den Unfall vom 18. Januar 2019 zurückzuführen (Suva-act.
19, 24). Am 14. Februar 2020 befand Dr. E._ schliesslich, es sei davon auszugehen,
dass das Unfallereignis lediglich zu einer vorübergehenden Traumatisierung einer
bereits vorbestehenden Degeneration am linken AC-Gelenk geführt, diese jedoch nicht
verursacht habe und deshalb die von Dr. B._ vorgesehene operative Versorgung des
linken AC-Gelenks nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 18.
Januar 2019 zurückzuführen sei (Suva-act. 64). Dr. E._ stellt sich damit auf den
Standpunkt, die vom Beschwerdeführer anlässlich seines Unfalls vom 18. Januar 2019
unbestritten erlittene Kontusion der linken Schulter (vgl. Suva-act. 2 f., 9) habe nur zu
einer vorübergehenden Verschlimmerung eines Vorzustandes führen, jedoch nicht die
beschriebene Verletzung der Rotatorenmanschette auslösen können.
4.4.
4.5.
Insbesondere für Rotatorenmanschettenläsionen werden in medizinischen
Fachartikeln konkrete Verletzungsmechanismen beschrieben, welche zu einer
4.5.1.
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traumatischen Sehnenruptur führen können. Als potenziell geeignete
Verletzungsmechanismen werden namentlich genannt: das Abscheren des
Sehnenansatzes von innen, sobald der maximal zulässige Rotationswinkel
überschritten ist und der Sehnenansatz mit dem Pfannenrand in Konflikt gerät
(sogenanntes inneres Impingement), z.B. bei einer Schulter(sub)luxation; die passive
Traktion, z.B. nach unten (beim Versuch einen schweren fallenden Gegenstand
aufzufangen), ventral oder medial; die exzentrische Belastung angespannter Anteile der
Rotatorenmanschette, z.B. bei passiv forcierter Aussen- oder Innenrotation bei
anliegendem oder abgespreiztem Arm, z.B. bei einem Sturz vom Gerüst nach vorn mit
dem Versuch, den Fall durch Festhalten abzufangen (Alexandre Lädermann/ Bernhard
Jost/Dominik Weishaupt/Didier Elsig/Matthias Zumstein, Revidierte
Unterscheidungskriterien, Degenerative oder traumatische Läsionen der
Rotatorenmanschette in: Swiss Medical Forum, Ausgabe 2019/15-16, S. 260-267, zu
finden unter: https://www. researchgate.net/publication/332331925_Degenerative
_oder_traumatische_Lasionen_der _Rotatorenmanschette, [Download full-text PDF],
abgerufen am 21. Juni 2021 [nachfolgend zitiert: Swiss Medical Forum]; S2e-Leitlinie
"Rotatorenmanschette", Version vom März 2017, zu finden unter: https://
www.awmf.org/uploads/tx_szleitlininen/
033-041l_S2e_Rotatorenmanschette_2017-04-02.pdf, abgerufen am 21. Juni 2021
[nachfolgend zitiert: AWMF-Leitlinien]).
Das Bundesgericht gab in seinem Urteil vom 22. Oktober 2019, 8C_446/2019, E.
5.2.2 f., die vorgenannten Unfallmechanismen wieder und ging gestützt auf eine
weitere Publikation davon aus, dass die direkte Krafteinwirkung auf die Schulter (Sturz,
Prellung, Schlag) ein ungeeigneter Hergang für eine Rotatorenmanschettenschädigung
sei, da die Rotatorenmanschette durch den knöchernen Schutz der Schulterhöhe
(Acromion) und durch den Delta-Muskel gut abgeschirmt sei. Das Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen hat in seinen früheren Entscheiden gestützt auf das
vorgenannte Bundesgerichtsurteil ein direktes Anpralltrauma der Schulter als
bedeutsamen Faktor gegen eine traumatische Genese einer
Rotatorenmanschettenläsion gewertet. In der Stellungnahme vom 1. Oktober 2020
widerspricht nun die Expertengruppe Schulter- und Ellbogenchirurgie (act. G11.1) der
Auffassung des Bundesgerichts und gelangt zum Schluss, dass ein direktes
Schultertrauma durchaus zu einer Rotatorenmanschettenruptur führen könne. Die
Expertengruppe Schulter- und Ellbogenchirurgie gibt an, die aktuelle, internationale
Literatur nochmals genau gesichtet und systematisch nach Artikeln gesucht zu haben,
die über akute, rein traumatisch bedingte Rotatorenmanschettenrupturen berichteten.
4.5.2.
https://www
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Sie führt die von ihr durchgesehenen Artikel an und hält fest, ihnen könne
zusammenfassend entnommen werden, dass ein direktes Schultertrauma durchaus ein
überwiegend wahrscheinlicher Mechanismus für eine akute/traumatische
Rotatorenmanschettenruptur sein könne und sogar einer der häufigsten Mechanismen
sei. Das Bundesgerichtsurteil sei demgegenüber nicht wissenschaftlich begründet,
basiere auf einer veralteten Expertenmeinung und ignoriere aktuelle, auf neuester
Literatur basierende Meinungen von Schulterexperten. Wenn das Bundesgericht seine
Entscheide auf aktuellste wissenschaftliche Erkenntnisse höchstmöglicher Evidenz
abstütze, könne das fragliche Bundesgerichtsurteil nicht als richtungsweisend
angesehen werden. Bereits in dem im Swiss Medical Forum veröffentlichten Artikel (S.
263) hatten Experten, darunter wiederum Mitglieder der Expertengruppe Schulter- und
Ellbogenchirurgie, ihre Meinung kundgetan, wonach eine Rotatorenmanschettenläsion
nicht nur durch die in fünf Studien beschriebenen, sondern auch durch andere
Verletzungsmechanismen, namentlich auch durch ein Direkttrauma der Schulter,
entstehen könne. Zur Begründung im Bundesgerichtsurteil - die Rotatorenmanschette
sei durch das darüber liegende Schulterdach (Acromion) und den Deltoideusmuskel vor
einer Gewalteinwirkung geschützt - führt die Expertengruppe in der Stellungnahme
vom 1. Oktober 2020 aus, dass diese Hypothese in keinem der von ihr gesichteten
Artikel durch eine biomechanische oder klinische Studie untermauert werde. Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat zwar, wie gesagt, in seinen früheren
Entscheiden hinsichtlich Verletzungsmechanismus auf die obgenannte
bundesgerichtliche Rechtsprechung abgestellt. Es hat jedoch den Artikel im Swiss
Medical Forum im Rahmen der Kausalitätsbeurteilung von
Rotatorenmanschettenläsionen grundsätzlich als wegweisend erachtet. Angesichts
dessen, dass der Nachweis des natürlichen Kausalzusammenhangs im Bereich der
Medizin in der Regel basierend auf Angaben ärztlicher Experten oder Expertinnen zu
erbringen ist (vgl. Erwägung 3.1) und die Expertengruppe Schulter- und
Ellbogenchirurgie in ihrer Stellungnahme vom 1. Oktober 2020 (act. G11.1) die bereits
im Swiss Medical Forum (S. 263) von einigen ihrer Experten geäusserte Meinung
nochmals bekräftigt hat, wonach bei einem Direkttrauma der Schulter ohne explizit
ausgestreckten Arm ebenfalls eine Rotatorenmanschettenläsion entstehen könne, hat
das Versicherungsgericht in seinen Entscheiden UV 2020/22 vom 20. April 2021 und
UV 2019/24 vom 21. April 2021 festgehalten, es sehe keinen Grund, künftig nicht auch
die plausible und nachvollziehbare Stellungnahme der Expertengruppe Schulter- und
Ellbogenchirurgie vom 1. Oktober 2020 zu berücksichtigen.
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Das Bundesgericht hat in seinen erst nach diesen Entscheiden publik
gewordenen Urteilen vom 7. April 2021, 8C_740/2020, E. 4, und 15. April 2021,
8C_672/2020, E. 4, ebenfalls auf die Stellungnahme der Expertengruppe Schulter- und
Ellbogenchirurgie vom 1. Oktober 2020 Bezug genommen. Dabei hat es darauf
hingewiesen, dass deren Meinungsäusserung wissenschaftlich nicht belegt sei und die
Frage, ob und inwiefern Anpralltraumen geeignet seien, Rotatorenmanschettenläsionen
zu verursachen, in der medizinischen Literatur kontrovers diskutiert werde. Es sei nicht
Aufgabe des Bundesgerichts, den Expertenstreit hinsichtlich des Nachweises der
Unfallkausalität von Rotatorenmanschettenläsionen zu entscheiden. Zur Beurteilung
der Unfallkausalität werde dem Kriterium des Unfallmechanismus keine übergeordnete
Bedeutung mehr beigemessen (vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts vom 14. April
2020, 8C_59/2020, E. 5.3. f.). Es gehe vielmehr darum, die einzelnen Kriterien, die für
oder gegen eine traumatische Genese der Verletzung sprächen, aus medizinischer
Sicht gegeneinander abzuwägen und den Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die
Wahrscheinlichkeit für sich habe, der Wahrheit zu entsprechen. Dabei gelte es etwa,
die bildgebenden Befunde, die Vorgeschichte, den Unfallhergang, den Primärbefund
und den Verlauf zu berücksichtigen (Urteile des Bundesgerichts vom 7. April 2021,
8C_740/2020, E. 4.2, und vom 15. April 2020, 8C_672/2020, E. 4.1.3).
4.5.3.
Der Beschwerdeführer erlitt am 18. Januar 2019 ein Direkttrauma der linken
Schulter (vgl. Suva-act. 2 f.). Vorliegend kann offenbleiben, ob dieses - entsprechend
der genannten neueren wissenschaftlichen Literatur (vgl. act. G11.1) - grundsätzlich
geeignet war, die Rotatorenmanschettenläsion zu verursachen. Dies, zumal der
Unfallmechanismus laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur ein (aber immerhin)
bedeutsames Merkmal darstellt und - wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen 4.6
ff. ergibt - der medizinische Sachverhalt auch hinsichtlich weiterer bedeutsamer
Kriterien nicht spruchreif abgeklärt wurde, weshalb eine Rückweisung an die
Beschwerdegegnerin notwendig ist.
4.5.4.
An der Beurteilung von Dr. E._ werden durch widersprechende Einschätzungen
von anderen Ärzten Zweifel geweckt. Am 16. Oktober 2019 führte Dr. med. O._,
Radiologie FMH, ein Arthro-MR der Schulter links durch. Er beurteilte, im Vergleich mit
dem Befund vom 25. Januar 2019 sei die Supraspinatusläsion knochennahe etwas
kleiner geworden, aber noch deutlich zu erkennen. Die kleine bursaseitige Läsion an
der Infraspinatussehne sei unverändert. Nun zeigten sich deutliche tendinistische
Zeichen der distalen Supraspinatussehne und wahrscheinlich ein Impingement
aufgrund der Veränderungen im Acromion. Es liege eine Bursitis subacromialis und
subdeltoidea vor (Suva-act. 52-9). Am 7. Februar 2020 erstellte Dr. I._ ein
4.6.
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fachradiologisches Gutachten zu den Ergebnissen der MR-Untersuchungen vom 25.
Januar und 16. Oktober 2019. In diesem Gutachten befand er, auffallend an der
Untersuchung vom 25. Januar 2019 sei, dass es im Bereich des AC-Gelenks wenig
Knochenmarksödem gegeben habe, welches im Verlauf nicht mehr nachweisbar
gewesen sei. Dies deute darauf hin, dass ein Trauma an der linken Schulter
stattgefunden habe. Ebenfalls auffallend sei, dass der distale Supraspinatussehnen-
Ansatz in der Untersuchung vom 25. Januar 2019 vermehrt Signal gezeigt habe und
auch der Erguss in der Bursa subacromiale/subdeltoidea verglichen mit der späteren
Untersuchung grösser gewesen sei. Der Verlauf dieser Befunde mache deutlich, dass
zwischen den Untersuchungen eine Veränderung im Sinne eines Heilungsprozesses
stattgefunden habe. Deshalb komme er aus radiologischer Perspektive zum Schluss,
dass ein Zusammenhang der dokumentierten Supraspinatussehnen-Läsion mit dem
Trauma möglich sei. Zusätzlich zeige der Verlauf der Untersuchungen, dass eine
Traumatisierung des AC-Gelenks stattgefunden habe (Suva-act. 62). Im Gegensatz zu
Dr. O._ und Prof. I._ führte Dr. E._ am 19. Februar 2020 aus, im Rahmen der MR-
arthrographischen Verlaufskontrolle am 16. Oktober 2019 habe sich ein
vergleichsweise unveränderter Befund am AC-Gelenk und eine vergleichsweise wenig
ausgeprägte Tendinose der distalen Supraspinatussehne gezeigt. Er begründete diese
Interpretation des Ergebnisses der MR-Untersuchung nicht weiter und schlussfolgerte,
es sei davon auszugehen, dass das Unfallereignis vom 18. Januar 2019 lediglich zu
einer vorübergehenden Traumatisierung einer bereits vorbestehenden Degeneration am
linken AC-Gelenk geführt, diese aber nicht verursacht habe (Suva-act. 64). Er setzte
sich nicht vertieft mit der abweichenden Einschätzung von Prof. I._ auseinander. Die
Beurteilung von Dr. E._ ist damit nicht nachvollziehbar. Die plausiblen Überlegungen
von Prof. I._ reichen zwar nicht aus, um die Unfallkausalität der
Schulterbeschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Sie stellen
die Einschätzung von Dr. E._ aber zumindest in Frage. Dasselbe gilt für die
Beurteilung von Dr. G._ vom 7. Oktober 2019. Dieser hatte ausgeführt, der Riss der
Supraspinatussehne sei sicher nicht auf eine Überlastung des linken Arms (infolge der
eingeschränkten Belastbarkeit des Ellbogens rechts) zurückzuführen (inzwischen
unbestritten, vgl. E. 2). Dies insbesondere, weil diese Sehne sehr empfindlich sei und
auch im Alter des Beschwerdeführers schon gewisse Menschen "in natürlicher Weise"
einen solchen Riss hätten. Er sehe höchstens die Möglichkeit, dass der Riss durch den
Treppensturz entstanden sei und die derzeitigen Probleme erkläre (Suva-act. 49).
Nachdem Dr. B._ anfänglich davon ausgegangen war, dass die Schulter
beschwerden links, insbesondere die AC-Degeneration, durch eine langfristige
Überbeanspruchung der linken oberen Extremität bedingt seien (Suva-act. 37, vgl.
4.7.
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sinngemäss auch Suva-act. 18), führte er am 9. Oktober 2019 aus, die
Supraspinatussehnenverletzung sei möglicherweise posttraumatisch nach dem letzten
Unfallereignis (Suva-act. 52-11). Nach Durchführung der MR-Untersuchung hielt Dr.
B._ am 21. Oktober 2019 fest, der Muskelsehnendefekt habe sich verkleinert. Dies
lasse eine traumatische Verletzung im Januar postulieren und nicht eine
Langzeitdegeneration durch Überlastung. Der Beschwerdeführer habe zwar eine gute
muskuläre Rekonvaleszenz durchgemacht, jedoch bleibe weiterhin ein Impingement
bestehen, welches mittels einer Schulterarthroskopie zu beheben wäre (Suva-act.
52-10). Dr. B._ hielt am 4. Mai 2020 sodann fest, es liege eine traumatische
Rotatorenmanschettenverletzung vor und die diesbezüglichen Beschwerden verliefen
progressiv. Er bitte um Kostengutsprache für die bereits seit Januar 2019 geplante
Schulterarthroskopie links mit Dekompressionseingriff (Suva-act. 66). Am 18. Juni 2020
führte Dr. B._ aus, die Läsion der Supraspinatussehne sei mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit teilweise auf das Unfallereignis zurückzuführen. Dies ergebe sich
insbesondere aus dem Vergleich der beiden MR-Untersuchungen, die einen
Heilungsverlauf dokumentierten. Ohne Unfall wären die Symptomatik der
Supraspinatussehne und das Impingement deutlich geringer ausgefallen oder in
diesem Lebensabschnitt gar nicht aufgetreten. Wie sich das AC-Gelenk entwickelt
hätte, lasse sich leider nicht postulieren (act. G16.2). Die neueren Beurteilungen von Dr.
B._ sprechen damit auch mindestens für eine Mitverursachung der
Rotatorenmanschettenläsion durch den Unfall und stellen die Einschätzung von Dr.
E._ ebenfalls in Frage.
Weiter kann auch mit Blick auf die zeitliche Komponente eine traumatische
Verursachung der Schulterbeschwerden nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Der Beschwerdeführer begab sich zwar
nicht am Unfalltag, aber bereits einen oder wenige Tage danach (je nach Angaben am
19. oder 24. Januar 2019; vgl. Suva-act. 9-2, 60) erstmals in Behandlung bei Dr. B._.
Dieser erhob den bereits erwähnten Befund (vgl. E. 4.1) und stellte klinisch den
Verdacht auf eine Subscapularis-/Suprapinatusverletzung, weshalb er eine MR-
Untersuchung veranlasste (vgl. Suva-act. 14). Diese wurde sodann am 25. Januar 2019
durchgeführt und erbrachte unter anderem den Nachweis einer mild aktivierten bzw.
traumatisierten geringen AC-Gelenksarthrose sowie eines Partialrisses der
Supraspinatussehne ventral und einer Partialruptur bursaseitig (Suva-act. 4). Die
Beurteilung von Dr. E._ vom 7. Juni 2019, wonach damals bildmorphologisch kein
Nachweis struktureller Traumafolgen gefunden worden sei (Suva-act. 24), ist damit
insofern nicht ohne Weiteres nachvollziehbar, als Dr. E._ die
Rotatorenmanschettenläsion nicht als traumatisch betrachtete. Neben der als
4.8.
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5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der medizinische Sachverhalt nicht spruchreif
abgeklärt ist. An der Beurteilung von Dr. E._ bestehen Zweifel und dem Gericht ist es
nicht möglich, mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu
beurteilen, ob die vorliegende Läsion der Rotatorenmanschette mindestens teilweise
auf den Unfall vom 18. Januar 2019 zurückzuführen ist. Angesichts des Gesagten wäre
die Beschwerdegegnerin gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1
ATSG) zur Einholung einer Begutachtung verpflichtet gewesen (BGE 135 V 470 E. 4.4).
Die Angelegenheit ist zur Veranlassung einer verwaltungsexternen Begutachtung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.
traumatisiert bezeichneten AC-Gelenksarthrose ist auch eine traumatische Genese des
genannten Partialrisses bzw. der Partialruptur, wie bereits ausgeführt, nicht
auszuschliessen. Allein aus der Tatsache, dass die Läsionen erstmals nach dem Unfall
festgestellt wurden, kann zwar nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
geschlossen werden, dass die Beschwerden kausal durch den Unfall verursacht
worden wären, da die Formel "post hoc ergo propter hoc", nach ständiger
Rechtsprechung für sich allein nicht ergiebig ist (vgl. SVR 2009 UV Nr. 13
[8C_590/2007], S. 52 E. 7.2.4 mit weiteren Hinweisen; BGE 119 V 340 E. 2b/bb). Die
zeitnah nach dem Unfall erstmals festgestellte strukturelle Verletzung ist aber immerhin
als Indiz für eine Unfallkausalität zu werten.
Die Beschwerde ist dahingehend gutzuheissen, dass der Einspracheentscheid
vom 14. Mai 2020 (Suva-act. 70) aufzuheben und die Streitsache zu ergänzenden
Abklärungen im Sinn der Erwägungen und anschliessender neuer Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
6.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (aArt. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember
2020 gültigen, für das vorliegende Verfahren gemäss Art. 83 ATSG noch anwendbaren
Fassung).
6.2.
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis
6.3.
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