Decision ID: 77469cb0-9079-46dc-b161-61440199f6b3
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1957 geborene
X._
war seit
1.
August 2004 als Chauf
feur bei der
Y._
AG angestellt und in dieser Funktion bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) im Rah
men des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) obligatorisch versi
chert (
Urk.
8/257). Am
9.
Februar 2010 wurde er
als Fussgänger
von einem Motorradfahrer erfasst und mehrere Meter durch die Luft geschleudert (
Urk.
8/18 S. 7).
Dabei zog er sich ein Schädel-
Hirn-Trauma, eine
Unterarm
fraktur
, eine Kniekontusion sowie Schürfwunden zu (Urk. 8/3).
In der Folge erbrachte die SUVA die gesetzlichen Leistungen, nachdem sie ihm bereits auf
grund der in den Jah
ren 1984 und 1995 erlittenen
Körperschädigungen Leis
tungen gewährt hatte (vgl.
Urk.
9/1-62 und
Urk.
10/1-14). Mit Verfügung vom
4.
Februar 2014 sprach sie ihm mit Wirkung ab
1.
Dezember 2013
bei einem
Erwerbsunfähigkeits
grad von 19
%
eine
Inv
a
lidenr
ente sowie eine auf einer Integritätseinbusse von 15
%
basierende Ent
schädigung zu (
Urk.
8/363). Die dagegen
vom Versi
cherten
erhobene Einsprache vom 2
1.
Februar 2014 (Urk.
8/370) hiess sie
mit Entscheid vom
7.
August 2014
teilweise gut und erhöhte den Invaliditätsgrad
auf 22
%
. I
n Bezug auf die beantragte Erhöhung der
Integritäts
entschädigung
wies sie die Einspra
che ab (
Urk.
8/386 =
Urk.
2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom
7.
August 2014 erhob der Versicherte am 1
0.
September 2014 Beschwerde und beantragte,
der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei ihm eine angemessene, jedenfalls höhere Invalidenrente wie auch eine angemessene, jedenfalls höhere Integritätsentschädigung zuzu
sprechen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
Oktober 2014 schloss die SUVA auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was dem Beschwerdeführer am 2
0.
Oktober 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
10
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16
Abs.
1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10
%
(
Art.
8
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
) invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (
Art.
18
Abs.
1
UVG
). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (
Art.
19
Abs.
1 UVG).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Ein
gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkom
men
, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.3
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung pri
mär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versi
cherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstä
tigkeit aus, bei der
–
kumulativ
–
besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie
die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft,
und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung entweder Tabellenlöhne
gemäss
den vom Bundesamt für Sta
tistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) oder die DAP-Zahlen herangezogen werden (BGE 139
V 592 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
1.4
Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ange
messene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität erleidet. Die
Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abge
stuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundes
rat die Bemessung der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens minde
stens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhanges
3.
Fallen mehrere körperliche oder geistige
Integri
tätsschäden
aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die
Integri
tätsentschädigung
nach der gesamten Beeinträchtigung fest
gesetzt (Abs. 3).
1.5
Die Bemessung der Integritätsentschädigung richtet sich laut Art. 25 Abs. 1 UVG nach der Schwere des Integritätsschadens. Diese beurteilt sich nach dem medizinischen Befund. Bei gleichem medizinischem Befund ist der
Integritäts
schaden
für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär bemessen. Die Integritätsentschädigung der Unfallversicherung unterscheidet sich daher von der privatrechtlichen Genugtuung, mit welcher der immaterielle Nachteil indivi
duell unter Würdigung der besonderen Umstände bemessen wird. Es lassen sich im Gegensatz zur Bemessung der Genugtuungssumme im Zivilrecht (vgl. BGE 112 II 131 E. 2) ähnliche Unfallfolgen miteinander vergleichen und auf medizinischer Grundlage allgemein gültige Regeln zur Bemessung des
Integri
tätsschadens
aufstellen; spezielle Behinderungen der Betroffenen durch den Integritätsschaden bleiben dabei unberücksichtigt. Die Bemessung des
Integri
tätsschadens
hängt somit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalles ab; auch geht es bei ihr nicht um die Schätzung erlittener Unbill, sondern um die medizinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser Acht zu lassen sind (BGE 115 V 147 E. 1, 113 V 218 E. 4b mit Hinweisen; RKUV 2001 Nr. U 445 S.
555 ff.).
1.6
Im Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der
Inte
g
ritätsschäden
aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) wichtige und typi
sche Schäden prozentual gewichtet (RKUV 2004 Nr. U 514 S. 416). Für die darin genannten Integritätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (
Ziff.
1
Abs.
1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte
Integri
tätsschäden
wird nach
dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (
Ziff.
1
Abs.
2). Integritätsschäden, die gemäss der Skala 5 % nicht erreichen, geben keinen Anspruch auf Entschädigung (
Ziff.
1
Abs.
3). Die völlige
Gebrauchsunfä
higkeit
eines Organs wird dem Verlust gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und teilweiser Gebrauchsunfähigkeit wird der Integritätsschaden entsprechend geringer, wobei die Entschädigung jedoch ganz entfällt, wenn der
Integritäts
schaden
weniger als
5
%
des
Höchstbetrages des versicherten Verdienstes ergäbe (
Ziff.
2).
1.7
Die Medizinische Abteilung der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) hat in Weiterentwicklung der
bundesrätlichen
Skala weitere
Bemes
sungsgrundlagen
in tabellarischer Form (sog. Feinraster) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für die Parteien nicht verbindlich, umso mehr als
Ziff.
1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, dass der in der Skala angegebene Prozentsatz des
Integri
tätsschadens
für den «Regelfall» gilt, welcher im Einzelfall Abweichungen nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthal
ten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die
Zusprache
einer Invalidenrente
bei einem
Erwerbsunfä
higkei
tsgrad von 22
%
damit, die
DAP-Arbeitsplätze seien mit der
von der
Z._ AG
am 15.
August 2013 ermittelte
n
Zumutbarkeitsbeurteilung
vereinbar. Das
Inva
li
deneinkommen
sei daher aufgrund der DAP-Lohnangaben zu ermitteln. Ins
besondere könne nicht auf das effektiv vom Beschwerdeführer in einem Arbeitspensum von 60
%
erzielte Einkommen abgestellt werden, da er die ver
blei
bende Erwerbsfähigkeit nicht voll ausschöpfe (
Urk.
2 S. 4 f.
und
Urk.
7 S. 4 ff.
).
Gestützt auf die versicherungsmedizinische Beurteilung von
PD
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie,
sei von einer
Integritätsein
busse
am rechten Knie von 15
%
auszugehen, wogegen ein entschädigungs
pflichtiger Integritätsschaden am linken Unterarm zu verneinen sei (
Urk.
2 S. 6 und
Urk.
7 S. 7).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, in seinem Alter und aufgrund seiner Berufserfahrung könne er seine medizinisch-theore
tische Restarbeitsfähigkeit nicht besser als in seiner aktuell ausgeübten Täti
gkeit verwerten. Ihm sei die Auf
gabe dieser Arbeit zugunsten eines medizinisch-the
oretisch denkbaren
DAP-
Arbeitsplatzes nicht zumutbar.
Ausserdem würden die ermittelten DAP seinen verbleibenden Fähigkeiten nicht angemessen Rechnung tragen und ihm könne nicht zugemutet werden, für eine solche Tätigkeit einen
Arbeitsweg von täglich über drei Stunden in Kauf zu nehmen. Was den
Integ
ritätsschaden
anbelange, könne auf die Einschätzung von
Dr.
A._
nicht abge
stellt werden. Gemäss SUVA-Tabelle 5.2 betrage dieser bei schwerer
Femoro
tibial-Arthrose
15-30
%
. Angesichts dessen, dass bei ihm eine Totalprothese habe eingesetzt werden müssen, sei nicht nachvollziehbar, weshalb
Dr.
A._
den Integritätsschaden in den untersten Bereich einteile. Sodann seien noch die Folgen des Unfallereignisses vom
9.
Februar 2010 – am Knie und am linken Unterarm
–
zu berücksichtigen (
Urk.
1 S. 4 ff.).
3.
3.1
Betreffend die Auswirkungen der aus dem Unfall vom
9.
Februar 2010
verble
ibenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit geht aus den medizinischen Akten
im Wesentlichen
Folgendes hervor:
Dem ärztlichen Zeugnis von
Dr.
med.
B._
, Assistenzarzt an der Klinik für Unfallchirurgie des
C._
,
vom 2
6.
Oktober 2010 kann
das Wiedererlangen
eine
r
100%ige
n
Arbeitsfähigkeit
für Tätigkeiten ohne Belastung des Arms ab 8. November 2010 entnommen werden. Der nämliche Arzt hielt das Führen von Fahrzeugen für möglich (
Urk.
8/81; vgl. auch
Urk.
8/91 S. 1, 8/94/15-17 S. 2 und 8/95 S. 2).
3.2
Dr.
med.
D._
, Assistenzarzt am
E._
, gab in einem mit der Beschwerdegegnerin am
6.
Januar 2012 geführten Telefongespräch an, dem Beschwerdeführer sei betreffend die Unterarmverletzung wieder eine volle Arbeitsfähigkeit als Chauffeur zu attestieren (
Urk.
8/202). Diese Einschätzung wiederholte Dr. med.
F._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, in sei
nem Bericht vom
8.
Mai 2012 (
Urk.
8/243).
3.3
Gestützt auf die Ergebnisse der kreisärztlichen Untersuchung vom 2
1.
Januar 2013 nannte
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH für Chirurgie, in seinem gleichen
tags verfassten Bericht (
Urk.
8/284) folgende Diagnosen (S. 9):
Kollision mit Rollerfahrer am
9.
Februar
2010
mit:
Commotio cerebri
multiplen Schürfwunden
dislozierter Unterarmfraktur links mit
Kompartmentsyndrom
im Ver
lauf
Kontusion und Distorsion rechtes Knie bei implantierter TP
Status nach Arthroskopie rechtes Knie mit
Synovektomie
am 11. August 2010
verbliebener Muskellücke
ulnar
linker Unterarm
Status nach
Osteosynthesematerialentfernung
linker Unterarm am 18. Oktober 2011
Status nach Inlay-Wechsel und
Knie-TP-Revision am 1
4.
März 2012
Er hielt fes
t,
dem Beschwerdeführer sei
ab dem Untersuchungstag eine 60%ige Arbeitsfähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als LKW-Chauffeur ohne Ladetätigkeit
möglich
. Auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt bestehe
ab dem glei
chen Datum eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
mit folgendem
Zumutbarkeitspro
fil
:
Leichte bis mittelschwere
wechselbelastende Tätigkeiten, ohne Gehen oder Tragen von Lasten auf unebenem Gelände, ohne das Besteigen von Leitern und Gerüsten, ohne repetitives Treppengehen, ohne hockende, kniende und kau
ernde Arbeiten, ohne Gewichtsbelastung repetitiv über zehn Kilogramm für den linken Arm und ohne Arbeiten an stossenden, schlagenden und vibrierenden Ma
schinen mit dem linken Arm (S. 10; vgl. auch
Urk.
8/293 S. 2).
3.4
Die von PD
Dr.
A._
, Versicheru
ngsmedizin SUVA
, empfohlene Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (EFL [
Urk.
8/
316 S. 10]) fand am
8.
und 9. August 2013 in der
Z._
statt.
Dr. med.
H._
, Fachärztin FMH für Phy
sikalische Medizin und Rehabilitation, und die Physiotherapeutin Ebinger nannten in ihrem Bericht vom 1
5.
August 2013 (
Urk.
8/342) folgende Diagno
sen (S. 1 f.):
Subjektiv belastungsabhängige Knieschmerzen rechts bei/mit:
Status nach Inlay-Wechsel und Knie-TP-Revision am 1
4.
März 2012
Status nach Knie-TP-Implantation rechts am 1
4.
Juli 2009
Status nach Kniegelenksarthroskopie und
Synovektomie
rechts
am 11. August 2010
Status nach Kniegelenksdistorsion am
9.
Februar 2010
Chronische belastungsabhängige Handgelenks- und Unterarmschmerzen links bei/mit
:
Status nach dislozierter Unterarmfraktur am
9.
Februar 2010
Status nach Osteosynthese am 1
0.
Februar 2010
Status nach
C
ompart
mentsyndrom
Unterarm links
Logenspaltung Unterarm links 1
1.
Februar 2010
partiellem
Wundverschluss
am 1
5.
und 1
7.
Dezember 2010
Spalthau
t
transplantation Unterarm links am 2
4.
Februar 2010
Delate
Union Radius und
Ulna
links
Reosteosynthese
Radius links, Dekortikation und
Spongiosaplastik
vom linken vorderen Beckenkamm am 1
5.
September 2010
Faszienlücke
ulnarseitig
Vorderarm links
Sulcus
ulnaris
-Syndrom links
.
Erstdiagnose Mai 2011
aktenanamnes
tisch
im Bericht vom 1
9.
Oktober 2011 KSW
Die
EFL
ergab für eine leichte bis knapp mittelschwere Tät
igkeit mit seltenem horizontalen
Heben von 20 Kilogramm, Heben Boden- zu Taillenhöhe bis maxi
mal 20 Kilogramm und Heben Taillen- zu Kopfhöhe bis maximal 12.5 Kilo
gramm
eine ganztags bestehende volle Arbeitsfähigkeit, wobei alle
Bein
akti
vi
täten
wie Stehen, Gehen, wiederholte Kniebeugen, Stehen am Ort, Ziehen und Stossen, Treppe steigen und Arbeiten über Kopf lediglich manchmal (d.h. maximal drei Stunden pro Tag) und
tiefe Beinpositionen wie Knien, Hocken und auf Leitern steigen selten bis nie (d.h. maximal 30 Minuten pro Tag) vorkom
men sollten (S. 4 und S. 6).
3.5
Nachdem
Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie
, anfäng
lich eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit für möglich
gehalten hatte
(
Urk.
8/305 und
Urk.
3/310), ging er in sei
nem Bericht vom 3
0.
September 2013
implizit
davon aus, dass für eine adap
tierte Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit best
ehe. Er merkte zudem an, dass im
Gutachten nicht berücksichtigt werde, ob eine solche Arbeit den persönli
chen Fähigkeiten des Beurteilten entspreche und ob solche Arbeitsplätze auf dem Arbeitsmarkt vorhanden seien (
Urk.
8/347
/3
).
4.
4.1
Nach Lage der Akten steht fest, dass dem Beschwerdeführer die aktuell aus
geübte Tätigkeit als Chauffeur eines
Kipperlastwagens
bei der
J._
AG (
Urk.
8/315
und
Urk.
3
) aufgrund der verbleibenden Unfallfolgen zu 60
%
zumutbar ist (
Urk.
8/342 S. 5). In einer behinderungsangepassten Tätigkeit ist er indes – wie aus
den zitierten medizinischen Berichten übereinstimmend hervor
geht – zu 100
%
arbeitsfähig, was in Anbetracht der erhobenen Befunde und der daraus resultierenden funktionellen Einschränkungen durchaus einleuchtet. Dies wird vom Beschwerdeführer denn auch nicht
substantiiert
in Zweifel gezo
gen.
Zwischen den Parteien ist vielmehr
strittig, ob der Invalidenlohn auf der Grundlage des tatsächlich in einem 60
%
-Pensum erzielten Verdiensts bei der
J._
AG oder auf den auf einem Pensum von 100
%
basierenden DAP-Lohnangaben zu ermitteln ist
.
4.2
Bei der
Berechnung
des Invalideneinkommens setzt das Abstellen auf den tat
sächlich erzielten Verdienst unter anderem voraus, dass der Versicherte seine ihm verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft (E. 1.3
hievor
). Dies ist dann
– so auch vorliegend –
nicht der Fall, wenn die versi
cherte Person auf dem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt einen höheren als den tatsächlich erzielten Lohn
erlangen
könnte. Auf diesem hypo
thetischen Arbeitsmarkt wäre dem Beschwerdeführer ein Stellenwechsel zumut
bar. Daran vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass es für den Versi
cherten aufgrund der wirtschaftlichen Gegebenheiten auf dem tatsächlichen Arbeitsmarkt sehr schwierig oder gar unmöglich ist, eine entsprechende Stelle zu finden. Die Anrechnung dieses hypothetischen höheren Einkommens beruht dabei weniger auf der Schadenminderungspflicht, sondern auf der Überlegung, dass die Unfallversicherung lediglich die durch den unfallkausalen
Gesund
heitsschaden
bedingt
e Lohneinbusse ausgleichen soll (Urteil des Bundesgerichts 8C_237/2011 vom 1
9.
August 2011 E.
2.3). Im Übrigen war der
Beschwerde
führer im
Zeitpunkt der
Festsetzung der Arbeitsfähigkeit in der Verweistätigkeit durch die Gutachter der
Z._
respektive der Rentenfestsetzung noch nicht ein
mal 57
Jahre alt. Angesichts der verbleibenden Aktivitätsdauer, der Tatsache, dass der Beschwerdeführer keine länger dauernde Abstinenz vom Arbeitsmarkt aufwies und des Umstands, dass eine berufliche Umstellung hier keine relevante Umschulung voraussetzt,
ist nicht ersichtlich, inwiefern dem Versicherten auf
grund seines Alters ein Stellenwechsel und damit die Aufnahme einer Ver
weistätigkeit nicht möglich wäre.
4.3
Bei der Ermittlung des Invaliditätsgrads ging die Beschwerdegegnerin in ihrem Einspracheentscheid von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
76‘250.
-- (vgl.
Urk.
8/257 und
Urk.
8/373)
aus, was vom Beschwerdeführer nicht bestritten wird (
Urk.
1 S. 7).
Ob für die Bestimmung des Invalideneinkommens die von der Beschwerdegegnerin verwendeten DAP-Arbeitsplätze zumutbare Tätigkeiten darstellen
, braucht vorliegend nicht genauer geprüft zu werden. Denn andern
falls wären die Tabellenlöhne des Bundesamtes für Statistik beizuziehen. Im für den Beschwerdeführer noch in Frage kommenden Segment einfacher und repe
titiver Tätigkeiten weist die Tabelle TA1 der LSE 2010 ein Einkommen von
Fr.
4‘901.-- bei einer 40-Stundenwoche aus, was hochgerechnet auf die im Jahr 2013 betriebsübliche Wochenarbeitszeit von 41.7 Stunden (Die Volkswirtschaft 3-4/2015 S. 88 Tabelle B9.2) und unter Berücksichtigung der
Nominallohnent
wicklung
(von Index 2150 [2010] auf Index 2204
[2013],
Die Volkswirtschaft 3
4/2015 S.
89 Tabelle B10.3) ein mögliches Einkommen von
Fr.
62‘851.-- ergibt.
Die Gewährung eines leidensbedingten
Abzugs drängt sich
vorliegend nicht auf. Insbesondere führt das fortgeschrittene Alter
– der Beschwerdeführer war bei Erlass des
Einspracheentscheids
57 Jahre alt –
nicht automatisch zu einem
Abzug, zumal sich dieses im Anforderungsniveau 4 unter Umständen sogar
lohn
erhöhend
auswirkt. Es ist indes als abzugsrelevanter Aspekt unter Berück
sichtigung aller konkreten Umstände des Einzelfalls zu prüfen (
Urteil des Bundesgerichts 9C_455/2013 vom
4.
Oktober 2013 E. 4.2).
Vorliegend können
jedoch
weder
die im Zusammenhang mit
dem
Alter stehende verbleibende erwerbliche Aktivitätsdauer (acht Jahre) noch zu erwartende
gesundheitsbe
dingte
Absenzen als abzugsrelevant betrachtet werden. Insbesondere ergeben sich aus dem
Z._
-Gutachten vom
1
5.
August 2013 keine Anhaltspunkte für ein erhöhtes Krankheitsrisiko, das zu vermehrten und nicht kalkulierbaren Abwe
senheiten vom Arbeitsplatz führen würde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_672/2013 vom 2
0.
Februar 2014 E. 3.3). Angesichts der Erwerbsbiographie
des Beschwerdeführers
(vgl.
Urk.
1
S. 3), des Umstands, dass
er nach dem Unfallereignis vom 9. Februar 2010 wieder eine Erwerbstätigkeit
aufnahm und des ih
m verbliebenen funktionellen
Leistungsvermögens, ist sodann nicht von einer wesentlich erschwerten Integration in den Arbeitsmarkt auszugehen.
Anzufügen bleibt, dass nach
Art.
28
Abs.
4 der Verordnung über die Unfall
versicherung (UVV)
für die Bestimmung des Invaliditätsgrades die
Erwerbsein
kommen
massgebend
sind
, die ein Versicherter im mittleren Alter bei einer entsprechenden Gesundheitsschädigung erzielen könnte
, wenn
ein Versicherter nach dem Unfall die Erwerbstätigkeit altershalber nicht mehr auf
nimmt
oder sich das vorgerückte Alter erheblich als Ursache der Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit auswirkt.
Für die Einberechnung eines tieferen
Invalidenein
kommens
unter dem Aspekt des fortgeschrittenen Alters besteht demnach von vornherein kein Raum.
4.4
Nach dem Gesagten wirkt sich der von der Beschwerdegegnerin angenommene Invalidenlohn von
Fr.
59‘197.-- – an dem sie auch in der Beschwerdeantwort vom 1
4.
Oktober 2014 festgehalten hat (vgl.
Urk.
7 S. 7) –
zu Gunsten des Beschwerdeführers aus
. Es besteht daher
kein
Anlass, vom ermittelten
Invalidi
tätsgrad
von 22
%
abzuweichen.
5.
5.1
Betreffend
die Höhe der Integritätsentschädigung
liegen
zwei unterschiedliche Beur
teilungen bei den Akten.
Währen
d
dem
Dr.
G._
von einer
Integritäts
ein
busse
von
30
%
ausging
(
Urk.
8/285
und Urk.
8/298
),
schloss
PD
Dr.
A._
auf eine solche von 1
5
%
(
Urk.
8/337, 8/352 und 10/4).
Beide Ärzte legten ihren Einschätzungen die
SUVA-
Tabelle 5 zu
grunde.
5.2
Was die Verletzung am linken Unterarm betrifft, legte PD
Dr.
A._
– gestützt auf die bildgebenden Befunde und die anlässlich der kreisärztlichen Untersu
chung dokumentierte nahezu seitengleiche altersentsprechende F
unktion der oberen Extremitäten
–
überzeugend dar, dass ein Integritätsschaden erheblichen Ausmasses nicht eingetreten sei (Urk. 8/337).
Hiervon scheint auch
Dr.
G._
auszugehen, der hinsichtlich der Integritätsentschädigung
einzig
auf die Tabelle 5 (Integritätsschaden bei Arthrosen)
hinwies
und die
Integritäts
s
chädigung
ein
zig auf die früher erlittene Knieschädigung zurückführte
(
Urk.
8/285 S. 1). Ausserdem beurteilten bereits die Ärzte des
E._
in ihrem Bericht vom 1
7.
Mai 2011 die bestehenden Schmerzen im linken Handgelenk
als
durch die Ruhigstellung
in der Unterarm-Orthese bedingt (
Urk.
8
/112 S. 2). Das
Osteosynthesematerial
, das sie als
weitere Erklärung für die bestehenden Besc
hwerden heranzogen, wurde
am 18. Oktober 2011 entfernt (
Urk.
8/167).
5.3
5.3.1
Die im Vordergrund stehende Schädigung des rechten Knies wurde von den Ärzten als (
Femorotibial
)
arthrose
beschrieben.
Nach der Tabelle 5
wird der Schaden bei
Femorotibial
-Arthrosen schwerer Au
sprägung
auf
15-30
%
bezif
fert.
5.3.2
Die Ärzte des
E._
diagnostizierten am 2
4.
April 2009 eine rechtsbetonte Gonarthrose beidseits. Die von ihnen veranlasste MRI-Aufnahme des rechten Kniegelenks zeig
t
e eine ausgeprägte
Femorotibial
-Arthrose mit Betonung des lateralen Kompartimentes sowie ein subkortikales
Aktivierungs
ödem
am medialen
Tibiaplateau
.
Sie
hielten sowohl klinisch als auch radiolo
gisch die Indikation zu einer operativen Versorgung für gegeben (Bericht vom 2
4.
April 2009 mit Nachtrag vom 2
9.
April 2009 [
Urk.
9/5]).
Am 1
4.
Juli 2009 erfolgte dann die Versorgung mit einer
Totalendoprothese
des rechten Kniege
lenks (
Urk.
9/6).
Dabei zeigte sich eine ausge
dehnte
Retropatellärarthrose
wie auch
lateralseitig eine deutliche Arthrose
(
Urk.
9/7).
5
.3.3
Diesbezüglich ist zu beachten, dass bereits das Eidgenössische
Versicherungsge
richt
im Urteil U 40/01 vom
4.
September 2011 E. 4 entschieden hat, die Bemes
sung des Integritätsschadens bei Funktionsausfall oder
Gebrauchsunfä
hig
keit
eines Organs habe auch bei der Versorgung mit
Endoprothesen
nach dem
unkorrigierten
Zustand zu erfolgen (Urteil des Bundesgerichts 8C_600/2007 vom 2
8.
April 2008 E. 2.1.2). Dem Beschwerdeführer kann daher nicht gefolgt werden, wenn er bei der Ermittlung des Integritätsschadens vom Wert einer
Endo
prothese
mit schlechtem Erfol
g ausgehen möchte (
Urk.
1 S. 8), zumal diese Werte lediglich bei Versorgung direkt nach dem Unfall zur Anwendung kom
men.
5.3.4
Zutreffend ist der Vorhalt des Beschwerdeführers, die Beschwerdegegnerin habe nicht erklärt, weshalb sie der Meinung des
Dr.
A._
(15
%
) und nicht des
Dr.
G._
(30
%
) gefolgt sei (
Urk.
1 S. 7). Eine nähere Betrachtung der Berichte zeigt indes, dass
Dr.
G._
jegliche Begründung für seine Einschätzung ver
missen liess, weshalb sie nicht nachvollzogen werden kann.
Dr.
A._
hingegen legte in seinem Bericht vom 1
7.
Juni 2013 (
Urk.
10/4) anhand eines
Arthrogra
phie-Bildes
vorweg dar, dass (im Zeitpunkt des ersten Unfallereignisses im Jahr 1984) ein Vorzustand im Sinne mässiger degenerativer Veränderungen vorlag, weshalb sich - mangels entsprechender Kausalität - ein Abzug in der Höhe des Minimums bei mässiger
arthrotischer
Arthrose von 5
%
durchaus rechtfertigt. Weiter diagnostizierte
Dr.
A._
unter Verweis auf ein Röntgenbild vom April 2009 wohl eine ausgeprägte
femorotibiale
Arthrose, beschrieb aber gut einseh
bare Gelenkspalten und schloss
daraus auf eine erhaltene Gelenkknorpeldicke. Daraus erhellt, dass die
Femorotibial
-Arthrose nicht als ausgesprochen schwer gefasst werden kann, waren doch die Gelenkspalten nicht aufgelöst und damit noch Knorpelanteile vorhanden. Der Maximalwert von 30
%
fällt damit ausser Betracht. Wenn
Dr.
A._
den Schaden mit 20
%
bewertet und davon den
vor
bestehenden
Schaden in Abzug bringt, ist dies bei den ausgewiesenen Schäden nicht zu beanstanden. Die neueren bildgebenden Untersuchungen zeigten (auf
grund des nach der Implantation erlittenen Unfalls vom
9.
Februar 2010) keine verschlimmerten Verhältnisse (vgl.
Urk.
8/305), weshalb es mit der zugesproche
nen Integritätsentschädigung sein Bewenden hat. Weitere Abklärungen sind nicht angezeigt.
6.
Zusammenfassend erweisen sich sowohl der ermittelte Erwerbsunfähigkeitsgrad von 22
%
(jedenfalls aus Sicht des Beschwerdeführers) wie auch die geschätzte (unfallkausale) Integritätseinbusse von 15
%
als zutreffend, weshalb der ange
fochtene Einspracheentscheid zu bestätigen und die Beschwerde abzuweisen ist.