Decision ID: ca087e20-8f51-43b4-beb9-68d46ff4f37b
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1971, war vom
6.
März
1998 bis am
9.
Januar 2015 mit einem Pensum von 100
%
als Raumpfleger bei der
Y._
tätig (
Urk.
10/13/1,
Urk.
10/5/5). Am 2
9.
Mai 2015 meldete er sich unter Hinweis auf einen chirurgischen Eingriff an der rechten Schulter bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
10/5). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, führte in der Folge medizinische und erwerbliche Abklärungen durch
und teilte dem Versicherten am 2
1.
September 2015 mit, dass zur
z
eit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
10/20).
Nachdem die
IV-Stelle
weitere medizinische Unterlagen eingeholt hatte, liess sie den Versicherten am 2
0.
Dezember 2016 durch
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Chirurgie, vom Regionalärztlichen Dienst (RAD) untersuchen (
Urk.
10/38).
Am 2
9.
Mai 2017
erteilte
die IV-Stelle eine Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining
vom
8.
Mai bis
7.
August 2017
(
Urk.
10/63)
und am 1
7.
August 2017 für ein Aufbautraining bei der
Arbeitsintegration A._
vom 2
1.
August 2017 bis am 2
0.
Februar 2018
(
Urk.
10/83).
Nachdem
es nicht ge
lungen war, den
Versicherte
n
in den Arbeitsmarkt zu integrieren
, wurde die Arbeitsvermittlung mit Mitteilung vom
5.
März 2018 abgeschlossen (
Urk.
10/116).
Am 2
7.
September 2018 wurde der Versicherte
je
durch
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
und med.
pract
.
C._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie, beide vom RAD
, untersucht
(
Urk.
10/127 f.).
Mit Vorbescheid vom 3
0.
Oktober 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Zusprache einer auf den Zeitraum vom
1.
Januar bis am 3
1.
Dezember 2016 befristeten ganzen In
validenrente in Aussicht (
Urk.
10/134).
Der Versicherte erhob am 2
7.
November 2018 Einwand gegen de
n Vorbescheid (
Urk.
10/145) und begründete dies
am 1
3.
Februar
2019
(
Urk.
10/152), worauf die IV-Stelle weitere
?
erichte
der be
handelnden
Ärzte einholte (
Urk.
10 /155
f
f.).
Der Versicherte
erhielt
im Rahmen des rechtlichen Gehörs
Gelegenheit
zur Stel
lungnahme zu diesen Abklärungen
(
Urk.
10/158), wovon er am 1
4.
August 2019 Gebrauch machte
(
Urk.
10/159).
Mit Verfügung vom 1
4.
November 2019 sprach die IV-Stelle dem Versicherten wie angekündigt eine vom
1.
Januar bis am 3
1.
Dezember 2016 befristete ganze In
validenrente zu (
Urk.
10/175 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Mark A.
Gla
vas
, am 1
3.
Dezember 2019 Beschwerde mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, eine poly
disziplinäre Abklärung durchführen zu lassen, worauf neu zu entscheiden sei. In formeller Hinsicht beantragte er sodann die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und
Verbeiständung
(
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
Januar 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9), wovon dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
5.
Februar 2020 Kenntnis erteilt wurde. Gleichzeitig wurde ihm die unentgeltlich
e Prozessführung gewährt und
Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
als unentgeltlicher Rechtsvertreter be
stellt (
Urk.
11).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psy
chiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei fest
gestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grund
sätz
lich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu be
urteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1
.4
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbs
tätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medi
zinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüf
methoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – ge
wissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu na
mentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG be
treffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung
(Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte ge
hören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die
angefochtene Verfügung
damit,
dass
aus orthopädischer Sicht festzuhalten sei, dass die geklagten starken Beschwerden im Kontrast zum geringen Schmerzmitteleinsatz stünden und sich keine objektiven Hinweise auf eine Minderbelastung des Armes durch Schonung ergäben (
Urk.
2 S. 4). B
ei der im psychiatrischen Untersuchungsbericht vom 2
2.
Dezember 2018 festge
stellten Anpassungsstörung
handle es sich sodann um eine Diagnose
, die aus versicherungsmedizinischer Sicht in der Regel vorübergehend sei und keinen dauerhaften Gesundheitsschaden darstelle (
Urk.
2 S. 5). Die nach der Einwand
erhebung zusätzlich getätigten medizinischen Abklärungen hätten sodann eine neu diagnostizierte chronische Schmerzstörung ergeben. Aus dem Bericht des be
handelnden Psychiaters
würden
jedoch keine psychischen Faktoren hervo
rgehen
,
die die beklagten Schmerzen aufrechterhielten
, in
der psychiatrischen Unter
suchung vom 2
7.
September 2018 hätten sich ebenfalls keine Hinweise auf eine psychische Mitbeteiligung der Schmerzen ergeben.
Der neu gestellten Diagnose könne mithin nicht gefolgt werden (
Urk.
2 S. 4 f.).
Ab
1
4.
Januar 2015
sei
für die bisherige Tätigkeit als Raumpfleger eine Arbeits
unfähigkeit von 100
%
ausgewiesen. Bis am
4.
September 2016 sei auch keine andere Tätigkeit zumutbar gewesen. Eine angepasste Tätigkeit, welche körperlich leicht und wechselbelastend sei, könne ab dem
5.
September 2016 zu 100
%
zu
gemutet werden. Dies begründe nach Ablauf der einjährigen Wartefrist einen Rentenanspruch mit einem Invaliditätsgrad von 100
%
. Die Verbesserung der ge
sundheitlichen Situation ab dem
5.
September 2016 werde nach drei Monaten berücksichtigt
, weshalb die Rente ab dem 3
1.
Dezember 2016 aufzuheben sei
(
Urk.
2 S. 5).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor, dass sich die Beschwerdegegnerin auf
widersprüchliche
RAD-
Beurteilungen
berufe.
Im Dezember 2016 habe eine echt
zeitliche Beurteilung der persistierenden Schmerzen durch
Dr.
Z._
vom RAD stattgefunden, wobei dieser die Beurteilung des behandelnden
Arztes
ge
stützt habe
,
wonach
er, der Beschwerdeführer,
auch in einer angepassten Tätigkeit eingeschränkt sei. Beinahe zwei Jahre später habe med.
pract
.
C._
be
hauptet, dass
er
bereits ab September 2016 in einer angepassten Tätigkeit arbeits
fähig gewesen sein soll
e
.
Dies sei nicht schlüssig
. Da die beiden RAD-Beurteilungen nicht stimmig seien, sei eine externe Begutachtung unerlässlich (
Urk.
1 S.
6). Weiter könne auch der psychiatrischen RAD
-Beurteilung
nicht ge
folgt werden.
Diese
sei kurz und knapp ausgefallen
, die gestellte Diagnose sei nicht anhand des psychopathologischen Befund
e
s begründet worden. Ferner sei
d
ie
Gutachterin
zum Schluss gekommen, dass eine psychische Mitbeteiligung der Schmerzen anlässlich der Untersuchung nicht habe festgestellt werden können. Allerdings hätte sie prüfen müssen, inwiefern die persistierenden Kopfschmerzen auf die psychischen Beschwerden zurückzuführen seien beziehungsweise wie diese sich gegenseitig beeinflussen würden. Auch die psychiatrische Unter
suchung beruhe somit nicht auf einer schlüssigen und die gesamte Anamnese berücksichtigende
n
Abklärung (
Urk.
1 S. 7). Insgesamt habe die Beschwerde
gegnerin
seinen
Gesundheitszustand bloss unge
nügend
abgeklärt
. Insbesondere wäre
zu prüfen gewesen, wie sich die somatische
n
und psychischen Beschwerden gegenseitig beeinflussen und die Arbeits- und Leistungsfähigkeit tangieren. In
dem sie dies
unterlassen habe, habe
die B
eschwerdegegnerin den Untersuchungs
grundsatz
verletzt. D
ie
Sache
sei daher zur Veranlassung einer polydisziplinären Begutachtung zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 7).
3.
3.1
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates
, führte am 1
4.
Januar 2015 bei Diagnose einer subtotalen
bursaseitigen
Supraspinatus-Partialruptur mit instabiler Biceps longus Sehne un
d
ausgeprägtem subacromialem Schmerzsyndrom, Acromion Typ III
eine Schulterarthroskopie
rechts
, eine
Tenodese
der Biceps longus Sehne,
eine
zirkumferenzielle
Kapsulotomie
,
eine
subacromiale
Burs
ektomie
und
Akromio
plastik
sowie eine
transossäre Supraspi
n
atus-Rekonstruktion ankerfrei durch (
Urk.
10/15/7). Am 2
4.
Februar
2015 berichtete er, knapp sechs Wochen post
operativ zeige sich das klinische Bild einer
retraktilen
Kapsulitis. Die langfristige Prognose sei günstig. Der Beschwerdeführer sei bis Ende März
2015
zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
10/10/6).
Bei den in der Folge durchgeführten Kontrollen hielt
Dr.
D._
jeweils einen hartnäckigen Verlauf der postoperativen
Frozen
Shoulder
fest, stellte jedoch weiterhin eine günstige langfristige Prognose. Er attestierte dem Beschwerde
führer jeweils bis zum nächsten Kontrollte
rmin eine Arbeitsunfähigkeit von
100
%
(
Urk.
10/10/7,
Urk.
10/10/12
,
Urk.
10/18/8).
Dr.
D._
berichtet
e
am 1
3.
November 2015,
am 2
3.
September 2015 sei beim Beschwerdeführer eine Revisionsarthroskopie rechts durchgeführt worden, wobei mikrobiologisch kein Keim habe nachgewiesen werden können. Für eine Aussage zur langfristigen Arbeitsfähigkeit sei es noch zu früh, er nehme jedoch an, dass der Beschwerdeführer noch bis Ende Februar arbeitsunfähig bleiben werde, anschliessend sei voraussichtlich mit einer teilweisen Arbeitsaufnahme zu rechnen (
Urk.
10/22/4).
Bei persistierenden
belastungsabhängigen subacromialen Schmerzen an der rech
ten
Schulter
mit Ausstrahlung in die
deltopectorale
Region und in den lateral
en Oberarm, war der Beschwerdeführer gemäss
Dr.
D._
auch am 3
0.
März 2016 nicht in der Lage
,
den rechten Arm über
die
Schulterblattebene zu abduzie
ren und zu flektieren. Er sei weiterhin nicht arbeitsfähig. Mitte April sei nochmals eine Revisionsarthroskopie mit AC-Gelenksresektion und subacromialem
Débridement
geplant (
Urk.
10/27).
Die genannte
Operation wurde am
1
3.
April 2016 durchgeführt. Anlässlich
einer Verlaufskontrolle vom 2
3.
Mai 2016 hielt
Dr.
D._
fest, es bestehe derzeit noch eine volle Arbeitsunfähigkeit, voraussichtlich bis Ende Juli. Bei positivem Verlauf
rechne er mit Vorsicht mit einer teilweisen Arbeitsaufnahme ab Anfang August (
Urk.
10/28/2).
Dr.
D._
hielt im Ver
laufsbericht vom
5.
September 2016 fest, die ange
stammte Reinigungsarbeit könne der Beschwerdeführer nicht durchführen. Leichte
Arbeiten
unter Brustniveau seien mög
lich, wobei keine Lasten über 8 k
g manipuliert werden sollten. In einer derart angepassten Tätigkeit könne der Beschwerdeführer sicherlich während etwa vier Stunden täglich tätig sein (
Urk.
10/31/4).
Angegeben würden
weiterhin Schmerzen
infraclavic
ulär
und
suprascapulär
rechts
.
Er
sehe hier das klinische Bild von ausgeprägten Myogelosen mit einer assoziierten Irritation des Plexus (
Urk.
10/31/5).
3.2
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Chirurgie, vom RAD, untersuchte den Beschwerdeführer am 2
0.
Dezember 2016 und stellte die Diagnose anhaltender und ausgeprägter Schulter- und Schulterblattbewegungsschmerzen rechts mit Einschränkung der Anteversion und der Abduktion ab 90 Grad, Kraftvermin
derung des rechten Arms, Einschränkung der Aussenrotation rechts,
Frozen
Shoulder
sowie einem dringenden Verdacht auf eine
Plexusirritation
bei Status nach den von
Dr.
D._
beschriebenen Schulteroperationen (
Urk.
10/38/7). Er kam zum Schluss, der Beschwerdeführer sei in seiner bisherigen
Tätigkeit
als Gebäudereiniger seit dem 1
4.
Januar 2015 zu 0
%
arbeitsfähig. Aus medizinischer Sicht sollten bei vorgeschädigter Schulter Tätigkeiten mit häufigen Schlägen und Vibrationseinwirkungen auf die rechte Schulter sowie Überkopfarbeiten und Ar
beiten in ständiger Armvorhalteposition, insbesondere repetitive Tätigkeiten mit Belastung des rechten Armes nicht mehr zugemutet werden. Das Heben, Tragen und Transportieren von Lasten über 5-8 kg (unter ungünstigen Hebeln), in günstiger Belastungsposition (körpernah, bis Lende
n
höhe) über 20 kg
,
sollte ver
mieden werden. Derart angepasste Tätigkeiten seien medizinisch-theoretisch weiterhin zumutbar. Allerding
s
bestehe aufgrund der noch massiven Beschwerdesymptomatik und dem dringenden Verdacht auf eine
Plexusirritation
auch in einer angepassten Tätigkeit noch keine Arbeitsfähigkeit von 100
%
. Es bestehe in Anlehnung an den Bericht von
Dr.
D._
seit dem
5.
September 2016 eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in
angepasster
Tätigkeit, aufgrund erhöhten Pausenbedarfs auch für leichte körperliche Tätigkeiten
(
Urk.
10/38/8).
3.3
Der
Beschwerdeführer
wurde am
5.
Januar 2017 von
Dr.
med.
E._
, leitender Arzt Neurologie an der
Klinik F._
, neurologisch und ele
ktrophysiologisch untersucht.
Dr.
E._
kam zum Schluss, der Beschwerdeführer leide unter invalidisierenden belastungsbetonten Schulterschmerzen rechts, Symptombeginn etwa im Jahr 2013 ohne vorausgehendes Trauma. Aus neurologischer Sicht finde sich keine Ursache,
insbesondere lägen zum jetzigen Zeitpunkt basierend auf Klink und Elektrophysiologie keine Hinweise für ein
zervikoradikuläres
Syndrom beziehungsweise eine weiter peripher gelegene Neuropathie (
Plexopathie
beziehungsweise Mononeuropathie im Schulterbereich) vor (
Urk.
10/54/3)
.
3.4
Med.
pract
.
G._
und
Dr.
med.
H._
, Facharzt und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, stellten in ihrem Bericht vom 2
0.
Januar 2017 in psychiatrischer Hinsicht die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1). Für die Festlegung der Arbeitsfähigkeit verwiesen sie grundsätzlich auf die somatischen Ärzte, wobei aus psychiatrischer Sicht zusätz
lich eine leichtgradig reduzierte Konzentration und eine geringe Frustrations
toleranz bestehe, die sich bei der Arbeit als sehr einschränkend auswirkten (
Urk.
10/48/3).
3.5
Dr.
D._
kam in seinem Bericht vom
1
3.
März 2017
zum Schluss, e
r sehe langfristig keine Möglichkeit der sinnvollen beruflichen Integration
,
und attestier
t
e weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 70
%
(in der angestammten) und eine
30%
ige
Arbeitsfähigkeit für leichte Tätigkeiten (
Urk.
10/57/3).
3.
6
Anlässlich einer klinisch-neurologischen und elektromyographischen Unter
suchung konnte
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Neurologie
,
keine Hinweise auf eine neurologische Ursache - insbesondere eine Pathologie des Armplexus oder eine zervikale Radikulopathie - der chronischen belastungsverstärkten rechtsseitigen Schulterschmerzen feststellen (
Urk.
10/105/1). Am 1
4.
November 2017 ergänzte er, aus rein neurologischer Sicht ergebe sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
10/1
06/
7).
3.7
Dr.
D._
hielt am 1
5.
Januar 2018 abschliessend fest, beim Beschwerde
führer bestehe ein ausgeprägtes Schmerzsyndrom
infraclaviculär
und
perisca
pulär
rechts. Bei der letzten der drei durchgeführten Schulterarthroskopien hätten keine weiteren Läsionen identifiziert werden könne
n
, die für diese Schmerz
symptomatik verantwortlich sein könnten. Dennoch seien Situationen nicht sel
ten, bei denen eine
R
eizung des Plexus brachialis aufgrund von wiederholten Voreingriffen bestehe, auch wenn dazu in der Bildgebung kein entsprechendes Korrelat
identifiziert
werden könne. Biologisch liege eine Alteration der Schmerz
verarbeitung und der Schmerztransmission vor. Diesem Umstand müsse absolut Rechnung getragen werden. Für den Beschwerdeführer werde auch langfristig keine sinnvolle Arbeit mehr in Frage kommen. Es mache keinen Sinn, noch weitere Umschulungsmassnahmen durchzuführen (
Urk.
10/112/2).
3.8
Am
2
7.
September
2018 erfolgte eine psychiatrische und orthopädische Unter
suchung durch den regionalärztlichen Dienst.
Dr.
med.
B._
, Fach
ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte dabei die Diagnose einer An
passungsstörung
(ICD-10 F43.23) in Folge der körperlichen Beschwerden mit Symptomen der Anspannung und Impulsdurchbrüchen, der sie keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zumass. Der Beschwerdeführer sei aus psychiatrischer Sicht zu 100
%
arbeitsfähig, auch retrospektiv lägen keine psychiatrisch beding
ten Einschränku
ngen der Arbeitsfähigkeit vor (
Urk.
10/127/5).
Anlässlich der orthopädischen Untersuchung
stellte med.
pract
.
C._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie, die Diag
nose einer schmerzhaften Bewegungs- und Belastungseinschränkung der rechten Schulter bei Status nach
mehrfachen Operationen. Wie bereits im Untersuchungs
bericht von
Dr.
Z._
beschrieben
,
falle eine ausgeprägte Fehlhaltung des Arme
s mit Schultertiefstand rechts
auf. Ein organisches Korrelat dafür könne nicht eruiert werden
.
Die geklagte Intensität der Beschwerden und der dazu kontrastierende geringe Einsatz von Schmerzmitteln liessen Zweifel am Leidens
druck aufkommen. Hinweise für eine dauerhafte
Schonung
des rechten Armes seien nicht zu ermitteln gewesen. Insbesondere hätte
n sich keine Befunde
erge
ben
, die eine K
raftminderung der rechten Hand erklären könnten, so dass die Ergebnisse der Kraftmessung der Hände auf eine Selbstlimitierung hindeuten würden. Nachdem nun die in der letzten RAD-Untersuchung vermutete neurolo
gische Ursache für die Beschwerden habe ausgeschlossen werden können, könne auf die Leistungsbeurteilung der letzten RAD-Untersuchung weiterhin abgestellt werden (
Urk.
10/128/7). In der bisherigen Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiter be
stehe 0
%
Arbeitsfähigkeit seit Januar 201
5.
In einer angepassten Tätigkeit mit körperlich leichten wechselbelastenden Arbeiten, ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastungen über 10 kg, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten sowie ohne häufige
,
den Schultergürtel belastende Arbeiten sei seit dem
5.
September 2016 eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
gegeben (
Urk.
10/128/8).
3.9
Am 2
0.
Februar 2019 suchte der Beschwerdeführer die Kopfwehsprechstunde der Klinik für Neurologie des Universitätsspitals
J._
auf, wo
Dr.
med. K._
, Oberarzt i.V.
,
und
Dr.
med.
L._
, Assistenzarzt,
hemikranielle
Kopf
schmerzen mit wahrscheinlich
trigeminoautonomer
Komponente, Erst
manifest
at
ion etwa im Januar 2018
,
sowie
bifrontale
Kopfschmerzen vom Spannungstyp, Erstmanifestation Mitte Januar 2019
,
diagnostizierten (
Urk.
10/157/1). Der Beschwerdeführer beschreibe im letzten Monat eine Zu
nahme der bekannten brennenden Kopfschmerzen rechts parietal mit Ausdeh
nung nach rechts frontal und okzipital. Die Schmerzen würden mehrere Stunden bis den ganzen Tag dauern und seien in den letzten Wochen fast täglich aufge
treten. Seit etwa drei Wochen bestehe ein zusätzlicher
holocephaler
drückender Kopfschmerz ohne Begleitsymptomatik und ohne Veränderung bei körperlicher Belastung (
Urk.
10/157/3).
3.10
Med.
pract
.
G._
und
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellten im Bericht vom 2
1.
März 2019 neu die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F33.11), eines Status nach An
passungsstörung, längere depressive Reaktion (ICD-10 F43.21) sowie einer chronischen Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10 F45.41
;
Urk.
10/155/3
).
Sie hielten fest, aufgrund der chronifizierten Schmerzen und der andauernden agitiert/depressiven Stimmung würden sie mit einer redu
zierten Arbeitsfähigkeit rechnen (
Urk.
10/155/4). Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar. Probeweise sei eine angepasste Tätigkeit während zwei bis drei Stunden täglich zumutbar. Das Heben/Tragen von Gewichten, die noch leichte Schmerzen auslösen
würden
, müsse vermieden werden, ansonsten bestehe die Gefahr der Generalisierung der Schmerzen. Der Beschwerdeführer müsse ent
sprechend ermutigt werden (
Urk.
10/155/6).
Mit Schreiben vom
9.
Juli 2019
ergänzten die behandelnden Psychiater
,
die chronifizierten Schmerzen würden bei jeder noch so kleinen Bewegung des rech
ten Armes als extrem verstärkt wahrgenommen und würden sich weiter auf die Brust und den Rücken ausdehnen. Starke Kopfschmerzen seien in diesem Zusammenhang aufgetreten. In einer angepassten Tätigkeit würden sie mit einer reduzierten Leistungsfähigkeit, zur
z
eit von drei bis vier Stunden t
äglich
,
rechnen (
Urk.
10/160/1).
3.11
In ihrer Stellungnahme vom
8.
April 2019 hielt med.
pract
.
C._
an ihrer
Beurteilung
vom 1
9.
Oktober 2018 fest.
Sie konkretisierte, dass
Dr.
Z._
im Rahmen der ersten RAD-Untersuchung festgestellt habe, dass angesichts des Verdachts auf eine
Plexusläsion
und der postoperativ noch starken Beschwerden noch keine Arbeitsfähigkeit von 100
%
bestehe. In der Zwischenzeit habe eine
Plexusläsio
n
ausgeschlossen werden können
(
Urk.
10/162/3).
Auch
Dr.
B._
hielt an ihrer Stellungnahme vom 1
9.
Ok
tober 2019 fest und ergänzte
, dass für die neu diagnostizierte chronische Schmerzstörung mit soma
tischen und psychischen Faktoren laut ICD-10 Schmerzen
vorausgesetzt
würden,
die durch psychische Faktoren aufrechterhalten beziehungsweise verstärkt wür
den, die vorliegend nicht ersichtlich seien. Auch in der Untersuchung vom 2
2.
Oktober 2018 hätten sich sodann keine Hinweise auf eine psychische Mit
beteiligung der Schmerzen ergeben
.
Der neu gestellten Diagnose könne also nicht gefolgt werden.
Bei der von ihr gestellten Diagnose eine
r
Anpassungsstörung handle es sich sodann um eine Diagnose
,
die aus versicherungsmedizinischer Sicht in der Regel vorübergehend sei und keinen dauerhaften Gesundheits
schaden darstelle
(
Urk.
10/162/4).
4.
4.1
4.1.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in somatischer Hinsicht auf den Unter
suchungsbericht von med.
pract
.
C._
, die ab dem
5.
September 2016 von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
in einer angepassten Tätigkeit aus
ging (
Urk.
2 S. 4).
Der Beschwerdeführer hält diesen indes nicht für schlüssig, da er Widersprüche zum Untersuchungsbericht vom 2
1.
Dezember 2016
von
RAD-Arzt
Dr.
Z._
enthalte (
Urk.
1 S.
6).
4.1.2
Dazu ist auszuführen, dass
Dr.
Z._
an
lässlich der Untersuchung vom 2
0.
Dezember 2016 zum Schluss kam, dem Beschwerdeführer sei die Ausübung einer angepassten Tätigkeit zumutbar. Aufgrund der noch massiven Beschwerde
symptomatik und de
s
dringenden Verdacht
s
auf eine
Plexusirritation
, bestehe auch bei dieser Tätigkeit ein erhöhter Pausenbedarf, weshalb die Arbeitsfähigkeit ab dem
5.
September 2016 auf 50
%
festzusetzen sei (
Urk.
10/38/8). Med.
pract
.
C._
hielt hingegen am 2
7.
September 2018
fest,
ab dem
5.
September 2016 - mithin dem gleichen Zeitpunkt, ab dem auch
die Beurteilung
von
Dr.
Z._
Geltung erlangte
- sei eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
in einer angepassten Tätigkeit gegeben (
Urk.
10/128/8).
Die beiden RAD-Beurteilungen sind damit grundsätzlich widersprüchlich. Dieser Widerspruch
lässt sich
auch nicht dadurch
erklären
, dass
Dr.
Z._
Annahmen
getroffen hätte, die sich
nachträglich als unrichtig herausgestellt hätten
, wie
med.
pract
.
C._
in ihrer Stellung
nahme vom
8.
April 2019 andeutete. So konnte zwar die von
Dr.
Z._
ver
mutete
Plexusirritation
aus neurologischer Sicht ausgeschlossen werden
(
Urk.
10/54/3,
Urk.
10/105/1). Aus den von med.
pract
.
C._
anlässlich der Untersuchung vom 2
2.
Oktober 2018 festgestellten Hinweisen, dass die Beschwerden nicht im geklagten Ausmass vorliegen könnten - sie erwähnte den geringen Schmerzmitteleinsatz, die nicht auf Schonung hindeutende fehlende Umfangdifferenz der Arme und eine erhebliche Selbstlimitierung bei der Kraft
messung der Hände
(
Urk.
10/128/7,
Urk.
10/162/4)
-
,
kann jedoch nicht ge
schlossen werden, dass dies auch bereits im Zeitpunkt der ersten Untersuchung am 2
1.
Dezember 2
016 der Fall gewesen wäre
.
Dr.
Z._
berichtete damals von
eine
r
Verschmächtigung
des Musculus Biceps im Sinne eines dringenden Verdachts auf einen Abriss der proxima
len Bizepssehne
, der sich
in einem redu
zierten Umfang des rechten Oberarms (rechts 31 cm und links 33 cm)
äusserte
(
Urk.
10/38/4 f.). Ferner
ist
im damaligen Zeitpunkt von einem deutlich höheren Schmerzmittelgebrauch
auszugehen
(
Urk.
10/38/1).
Die Beurteilung von
Dr.
Z._
beruhte somit auf
Untersuchungsbefunden, die
wesentlich
von
denjenigen von
Dr.
C._
abweichen
.
Die Möglichkeit, dass sich die Beschwerden beziehungsweise die objektiv feststellbaren Befunde in der Zwischenzeit verbessert haben könnten, zieht med.
pract
.
C._
indes
nicht in Betracht, so dass nicht beurteilt werden kann, ob
zwischen den Untersuchungs
terminen
eine Verbesserung eingetreten ist und allenfalls in welchem Zeitpunkt
, zumal sich eine solche auch nicht aus den Berichten des behandelnden Arztes
Dr.
D._
ergibt (
Urk.
10/57/3)
.
Die Einschätzungen der beiden RAD-Ärzte enthalten somit unauflösbare Widersprüche und stellen daher keine
schlüssige Beurteilungsgrundlage für den Gesundheitszustand und insbesondere die Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers dar. Es kann daher nicht darauf abgestellt wer
den.
4.1.3
Auch
gestützt auf
die Berichte des behandelnden
Dr.
D._
können
die Aus
wirkungen des Schulterleidens des Beschwerdeführers
nicht
rechtsgenüglich
be
urteilt werden
. Bereits aufgrund
der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte
und all
gemein behandelnde Ärzte
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten
ihrer Patienten aussagen, kommt
im Streitfall eine direkte
Leistungszusprache
einzig gestützt auf die An
ga
ben der behandelnden Ärzte kaum je in Frage
(vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5).
Hinzu kommt im vorliegenden Fall, dass
Dr.
D._
im Bericht vom
5.
September 2016 noch davon ausging, dass dem Beschwerdeführer eine leichte Arbeit während mindestens vier Stunden täglich möglich sei (
Urk.
10/31/4)
;
in der Folge
ging er
jeweils
ohne veränderte objektive Bef
unde
und ohne ander
weitige nachvollziehbare Begründung zunächst von einer Arbeitsfähigkeit von 30
%
(
Urk.
10/57/3)
und darauf
hin
von keiner verwertbaren Arbeitsfähigkeit
mehr
(
Urk.
10/112/2)
aus.
Dies erscheint nicht nachvollziehbar, zumal der Ge
sundheitsschaden des Beschwerdeführers einzig die rechte Schulter betrifft.
Auch der Beschwerdeführer erachtet sodann
diesbezüglich
ergänzende Abklärungen für erforderlich (
Urk.
1 S.
2).
4.1.4
Es ist ferner zu bemerken, dass auch für die Zeit vor der Untersuchung durch
Dr.
Z._
vom
5.
September 2016 keine den rechtlichen Anforderungen ge
nügende Beurteilung der gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers vor
liegt. Zwar kann den Akten entnommen werden, dass sich der Beschwerdeführer zwischen Januar 2015 und April 2016 drei Operationen der rechten Schulter unterziehen musste
(
Urk.
10/15/7,
Urk.
10/22/4,
Urk.
10/28/2
),
ob er jedoch während der gesamten Zeit - mithin
während
mehr als eineinhalb Jahre
n
- auch für eine angepasste Tätigkeit vollumfänglich
arbeitsunfähig war, kann aufgrund der vorliegenden Akten nicht abschliessend beurteilt werden. Auch diesbezüglich sind daher weitere Abklärungen erforderlich.
4.2
4.2.1
Was den psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers betrifft,
kam
die Beschwerdegegnerin
gestützt
auf die Beurteilung von RAD-Ä
rztin
Dr.
B._
, die einzig
eine
Anpassungsstörung ohne Einfluss
auf die Arbeits
fähigkeit diagnostizierte
(
Urk.
10/127/5)
, zum Schluss, es liege kein dauerhafter Gesundheitsschaden vor (
Urk.
2 S. 5)
. Der Beschwerdeführer
hält diese Beur
teilung indes nicht für beweiskräftig (
Urk.
1 S. 7).
4.2.2
Dem Beschwerdeführer ist dahingehend beizupflichten, dass die Beurteilung von
Dr.
B._
sehr knapp ausgefallen ist. Insbesondere begründete sie die ge
stellte Diagnose der Anpassungs
störung sowie deren fehlenden Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers (zunächst) nicht
(vgl.
Urk.
10/127/5)
. An
lässlich ihrer Stellungnahme
zum Einwand
hielt sie
dann
zwar pauschal
fest, bei einer
Anpassungsstörung handle es sich um eine Diagnose, die aus versicherungs
medizinischer Sicht in der Regel vorübergehend sei und keinen dauerhaften Gesundheitsschaden darstelle
(
Urk.
10/162/4)
. Dies mag grundsätzlich zutreffen,
zumal gemäss den ICD-10 Leitlinien
die Symptome einer Anpassungsstörung meist nicht länger als sechs Monate anhalten
(Ho
rst
Dilling
/Werner
Mombour
/Mart
in H. Schmidt, ICD-10,
Internationale
Klassifikation psy
chischer Störungen, 1
0.
Auflage, S. 209)
. Vorliegend ist jedoch die psychische Beein
trächtigung des Beschwerdeführers bereits während mindestens drei Jahren dokumentiert
(
Urk.
10/48/2)
, weshalb nicht ohne weiteres von einer bloss vorübergehenden Störung ausgegangen werden kann.
Diesen Aspekt hat
Dr.
B._
in ihrer Beurteilung jedoch nicht berücksichtigt, so dass bereits aus diesem Grund Zweifel an der von ihr gestellten Diagnose entstehen.
4.2.3
Ferner fällt auf
, dass die Beurteilung von
Dr.
B._
sowohl bezüglich der gestellten Diagnosen als auch der erhobenen psychiatrischen Befundlage erheb
lich von derjenigen der behandelnd
en Psychiater abweicht. M
ed.
pract
.
G._
und
Dr.
H._
beziehungsweise
Dr.
M._
beschrieben
den Beschwerdeführer
sowohl ein knappes Jahr vor der regionalärztlichen Unter
suchung im Oktober 2018 als auch einige Monate danach unter anderem als im
Affekt gedrückt und dysphorisch
, bei geminderter Konzentration und Auffassung
und
diagnostizierten
gestützt darauf eine mittelgradige depressive Episode beziehungsweise eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel
gradige Episode sowie eine chronische Schmerzstörung mit
somatischen
und psy
chischen Faktor
en
(
Urk.
10/48/3,
Urk.
10/155/3)
. Während sie zunächst zum Schluss kamen, die Arbeitsunfähigkeit sei aus somatischer Sicht festzulegen
, rechneten sie in ihrem B
ericht vom 2
1.
März 2019 aufgrund der chronifizierten Schmerzen und der andauernden agitiert / depressiven Stimmung mit einer re
duzierten Arbeitsfähigkeit
(auch) in psychischer Hinsicht
(
Urk.
10/155/4).
Dr.
B._
hielt im Gegensatz dazu
in ihrem Befund bei
euthymer
Affektlage einzig Impulsdurchbrüche sowie eine
psychomotorische
Anspannung
fest
und diagnostizierte eine Anpassungsstörung
(
Urk.
10/
127/3).
Dr.
B._
erklärte die divergierenden Diagnosen zwar dadurch, dass anlässlich der Untersuchung keine depressive Symptomatik habe festgestellt werden können und der Beschwerdeführer nicht über frühere depressive Episoden berichtet habe
. A
n
gesichts der Tatsache,
dass
der Beschwerdeführer
gemäss
Dr.
B._
Schwierigkeiten
hatte
, seine Gefühle in Worte zu fassen
, erscheint diese Schilderung jedoch nicht geeignet, die
vom behandelnden Psychiater
über eine längere Behandlungsdauer erfassten Beobachtungen
und Befunde
pauschal zu
entkräften
.
Obwohl
RAD-Stellungnahmen nicht einfach immer dann in Frage ge
stellt werden
können
, wenn die behandelnden Ärzte eine abweichende Meinung zur Arbeitsunfähigkeit äussern (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_668/
2015 vom 1
7.
Februar 2016 E. 3), lassen die vorliegend stark unterschiedlichen psychiatrischen Befunde
in Kombination mit der vorstehend diskutierten fehlen
den überzeugenden Begründung der von
Dr.
B._
gestellten Diagnose
zu
mindest geringe Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigke
it
des RAD-Berichtes entstehen
, so dass nicht darauf abgestellt werden kann.
4.3
Nach dem Gesagten fehlt es an einer beweiskräftigen medizinischen Grundlage, welche es ermöglichen würde, den allfälligen Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der Invalidenversicherung aus rechtlicher Sicht abschliessend zu beurteilen. Da sich der Sachverhalt somit als ungenügend ab
ge
klärt erweist, wird die Beschwerdegegnerin angesichts des geltenden Untersuchungsgrundsatzes (
Art.
43
Abs.
1 ATSG) weitere medizinische Abklärunge
n vorzunehmen haben (vgl. E. 1.5
vorstehend). Dabei drängt sich eine polydisziplinäre Begutachtung auf, da sowohl somatische als auch psychiatrische Beschwerdebilder vorliegen
- wobei die diagnostizierten
hemikraniellen
Kopfschmerzen des Beschwerdeführers
(
Urk.
10/157/1) bisher noch gar nicht in die Beurteilung einbezogen wurden
-
und eine Gesamtbetrachtung der Wechselwirkungen zwischen den krankheits
werti
gen Störungen erforderlich ist.
D
a
s
einzuholende
Gutachten hat
sich auch zu den entsprechenden Standardindikatoren zu
äussern
(vgl. BGE 143 V 409, 143 V 418). Ferner ist insbesondere der zeitliche Verlauf der Arbeitsfähigkeit näher zu untersuchen.
Demzufolge ist die angefochtene Verfügung vom
1
4.
November 2019
(
Urk.
2)
,
dem Antrag
des Beschwerdeführers
entsprechend
,
in Gutheissung der Beschwerde
aufzuheben und die Angelegenheit ist an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen, damit diese nach ergänzender Abklärung im Sinne der obigen Erwägungen eine neue Beurteilung vornehme und sodann über den Leistungs
anspruch neu entscheide.
4.4
Mit Blick auf die für die Zeit vom
1.
Januar bis 3
1.
Dezember 2016
zu
gesprochene ganze Rente bleibt Folgendes f
estzuhalten
:
Die rückwirkend ergangene Ver
fügung über eine befristete Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung (BGE 125 V 413 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2007 vom 27. August 2008 E. 2.3; vgl. Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflag
e 2014,
Rn
11 zu Art. 30–31
). Rechtsprechungsgemäss bildet eine solche Verfügung insgesamt den
An
fechtungs
- und Streitgegenstand und unterliegt integral der gerichtlichen Prü
fung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E. 5.1 [in BGE 144 V 153 nicht publiziert] und 9C_50/2011 vom 25. Mai 2011 E. 2.1).
Der Beschwerdeführer
hat sich nicht nur gegen die Renten
befristung gewehrt, sondern das Rechtsverhältnis als
ganzes
als unzureichend abgeklärt erachtet. Vor diesem Hintergrund wird im Rahmen des anschliessenden Verwaltungsverfahrens der Rentenanspruch für die ganze
von der angefochtenen Verfügung beschlagene Zeit zu prüfen sein. Da der Beschwerdeführer selbst
einzig und allein
die Rückweisung der Sache zur weiter
e
n Abklärung beantragte,
recht
fertigt sich,
vo
n dessen Anhörung und der Einräumung der
Gelegenheit zum Rückzug des Rechtsmittels
vor Erlass des Urteils (BGE
137 V 314
) abzusehen.
In Anbetracht der
rückwirkende
n
Zusprechung einer befristeten Invalidenrente
sind
die für die Rentenrevision geltenden Bestimmungen (Art. 17 ATSG in Ver
bindung mit Art. 88a IVV) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Ver
hältnisse eingetreten
und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist,
wird die Beschwerdegegnerin
auch
zu prüfen haben.
5.
5.1
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG
(in der hier anwendbaren, bis 3
1.
Dezember 2020 in Kraft gewesenen Fassung;
Art.
83 ATSG)
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- fest
gelegt und vorliegend auf Fr. 700.-- festgesetzt. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Ausserdem
steht dem
unentgeltlichen Rech
tsvertreter
des Beschwerdeführers
,
Rechtsanwalt Mark
Glavas
,
eine Prozessentschädigung zu.
Da der Rechtsvertreter trotz der ihm gewährten Gelegenheit (
Urk.
11 Dispositiv-Ziffer. 3) keine Honorarnote eingereicht hat, ist die Entschädigung
nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen ermessens
weise auf
Fr.
2‘1
00
.-- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzusetzen
.
Die Beschwer
degegnerin hat diesen Betrag dem
u
nentgeltlichen Rechtsvertreter
zu bezahlen.