Decision ID: 6d58e478-d29d-4ada-b5fe-2bcefa89d7a3
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 2. Juni 2022 in der Schweiz um
Asyl nach. Nach der Personalienaufnahme (PA) vom 22. Juni 2022 wurde
sie am 4. Juli 2022 zu den Asylgründen angehört.
Sie brachte im Wesentlichen vor, sie sei eine transgeschlechtliche Frau
malaiischer Ethnie. Nach ihrem (...)-Abschluss in (...) sei sie während ei-
niger Jahre in der (...) tätig gewesen. Danach habe sie zur (...)branche
gewechselt und zuletzt im Sex-Gewerbe und im Drogenhandel gearbeitet.
Eines Tages sei sie von einem Mann vergewaltigt worden. Sie habe eine
Anzeige erstattet. Ein Polizeidetektiv habe sie zu sich ins Büro gerufen und
ihr mitgeteilt, dass er den Bericht neu schreiben werde und sie darin als
bereitwillige Teilnehmerin genannt werden würde. Dies habe sie komplett
irritiert und verunsichert. Insbesondere deswegen, weil (...). Ihre Ersuchen
um Aushändigung einer Kopie sei abgelehnt worden. Aufgrund der allge-
mein schwierigen Lage für Transsexuelle und Personen mit Bezug zum
Drogenhandel habe sie beschlossen, das Land aus Sicherheitsgründen zu
verlassen. Es habe in letzter Zeit mehrere Vorfälle gegeben, bei denen Per-
sonen unrechtmässig Strafverfahren angehängt worden seien, um sie mit
der Todesstrafe zu bestrafen. Sie habe sich vor einer Festnahme gefürch-
tet. Als sie sich in der letzten Woche vor ihrer Ausreise im Flughafen auf-
gehalten habe, sei sie von der Drogenabteilung angehalten worden, wel-
che ihre Identitätskarte verlangt habe. Sie habe gefragt, ob etwas falsch
sei. Die Drogenabteilung habe verneint, aber sie hege den Verdacht, dass
eine justizielle Verfolgung gegen sie aufgebaut werde.
A.b Die Beschwerdeführerin reichte zwei Arztberichte des (...) vom 3. Juni
2022 und 29. Juni 2022 sowie einen Bericht der psychiatrischen Universi-
tätsklinik B._ vom 23. Juni 2022 ein. Diesen ist zu entnehmen, dass
sie an (...) leide und eine (...)störung ([...]) festgestellt werden könne.
A.c Am 11. Juli 2022 händigte das SEM der von Amtes wegen zugewiese-
nen Rechtsvertretung den Entscheidentwurf zur Stellungnahme aus. Letz-
tere datiert vom 12. Juli 2022 und ging am selben Tag beim SEM ein.
B.
Mit Verfügung vom 13. Juli 2022 (Eröffnung gleichentags) verneinte die
Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte ihr
Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete
den Wegweisungsvollzug an.
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C.
Am 13. Juli 2022 teilte die damalige Rechtsvertretung mit, dass ihr Mandat
im vorliegenden Asylverfahren beendet sei.
D.
Gegen den Entscheid vom 13. Juli 2022 erhob die Beschwerdeführerin
durch ihre neu mandatierte Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 12. August
2022 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Auf-
hebung der vorinstanzlichen Verfügung sowie die Zuerkennung der Flücht-
lingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, eventualiter die Aufhebung
der Dispositivziffern 3 und 4 sowie die Feststellung der Unzumutbarkeit des
Vollzugs der Wegweisung und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme.
In prozessualer Hinsicht wurde um Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses, Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bei-
ordnung der Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbeiständin ersucht.
Auf die Begründung der Begehren und die mit der Beschwerde eingereich-
ten Beweismittel wird – soweit für den Entscheid wesentlich – in den nach-
folgenden Erwägungen eingegangen.
E.
Mit Schreiben vom 15. August 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.
F.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am sel-
ben Tag in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG; SR 142.31).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwer-
deführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
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2.
Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel
in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1
VGG). Das Bundesverwaltungsgericht kann auch in solchen Fällen auf die
Durchführung eines Schriftenwechsels verzichten.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids
im Wesentlichen aus, dass aus den Vermutungen der Beschwerdeführerin
keine objektiv begründete Furcht vor Verfolgung hergeleitet werden könne.
Soweit sie geltend gemacht habe, sie sei von der Polizei verleumdet wor-
den, als sie eine Anzeige erstattet habe und bei ihr der Eindruck erweckt
worden sei, die Behörden würden gegen sie ein Ermittlungs- oder Strafver-
fahren aufbauen, sei zwar verständlich, dass sie in subjektiver Hinsicht be-
fürchte, ihr könnte etwas zustossen. In objektiver Hinsicht liessen sich den
Akten aber keine konkreten Hinweise darauf entnehmen. Sie habe selber
mehrmals gesagt, dass sie «es glaube» und «keine Beweise habe». Auf
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die Nachfrage, ob ihre Aktivitäten im Zusammenhang mit Drogen dem ma-
laysischen Staat bekannt seien, habe sie geantwortet, dass sie «es den-
ke», da sie überall in ihrer Umgebung Polizeiwagen antreffe. Sie könne es
sich auch nicht erklären. Zudem habe sie es unterlassen, Beweismittel be-
treffend die ihr vermeintlich drohende Verfolgung zu den Akten zu reichen,
die einen Hinweis dafür hätten liefern können, dass die geltend gemachte
Befürchtung vor einer künftigen Verfolgung wahr werden könnte. Aufgrund
dessen müssten ihre Vorbringen als nicht begründet und daher nicht rele-
vant im Sinne des Asylgesetzes angesehen werden. Die Vorbringen in ihrer
Stellungnahme, wonach die Vergewaltigung die gemäss Art. 3 AsylG ver-
langte Intensität der Verfolgung erreiche, der malaysische Staat ihr keinen
Schutz geboten habe und der nicht gewährte staatliche Schutz auf ein asyl-
relevantes Motiv zurückzuführen sei, nämlich ihre Zugehörigkeit zu der so-
zialen Gruppe der Transsexuellen, vermöchten keine Änderung des Stand-
punkts des SEM zu rechtfertigen.
5.2 In der Beschwerdeschrift wird unter Wiederholung der bisherigen Vor-
bringen an deren Asylrelevanz festgehalten. Dazu wird auf die als Beweis-
mittel eingereichten Berichte betreffend die Situation von transsexuellen
Personen in Malaysia und den mit der Todesstrafe sanktionierten Drogen-
handel verwiesen.
6.
6.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-
chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile
von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürch-
ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive
durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zu-
gefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl.
BVGE 2008/4 E. 5.2). Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von
Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme be-
steht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder
werde sich – aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in
absehbarer Zukunft verwirklichen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). Aufgrund
der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Anerken-
nung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene
Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden kann
(vgl. BVGE 2011/51 E. 7, 2008/12 E. 7.2.6.2, 2008/4 E. 5.2). Gemäss der
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Schutztheorie ist somit die flüchtlingsrechtliche Relevanz einer nichtstaat-
lichen Verfolgung vom Vorhandensein eines adäquaten Schutzes durch
den Heimatstaat abhängig. Dieser Schutz ist als hinreichend zu qualifizie-
ren, wenn die betroffene Person effektiven Zugang zu einer funktionieren-
den und effizienten Schutzinfrastruktur hat und ihr die Inanspruchnahme
eines solchen innerstaatlichen Schutzsystems individuell zumutbar ist (vgl.
BVGE 2011/51 E. 7.3).
6.2 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zu
Recht abgewiesen hat. Die Entgegnungen in der Beschwerdeschrift und
die darin angerufenen Beweismittel vermögen zu keiner anderen Betrach-
tungsweise zu führen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann vorab
auf die entsprechenden Erwägungen im angefochtenen Asylentscheid ver-
wiesen werden (vgl. E. 5.1).
6.3 Die Beschwerdeführerin gab zu Protokoll, sie sei ein paar Monate nach
der geltend gemachten Vergewaltigung zur Polizei gegangen. Nachdem
ein Polizeibericht erstellt worden sei, sei sie von einem Detektiv in ein an-
deres Büro gerufen worden. Dieser habe eine neue Fassung des Berichts
erstellt und angedeutet, dass sie in die geltend gemachte sexuelle Miss-
handlung eingewilligt habe. Er habe ihr keine Kopie davon gegeben. Des-
halb sei sie ein bisschen argwöhnisch geworden. Sie habe nicht um eine
Kopie gebeten, da sie Angst gehabt und sich verletzlich gefühlt habe. Das
habe dazu geführt, dass sie ihr Land verlassen habe (vgl. SEM-Akte [...]-
12/13 F58). Allein daraus vermag die Beschwerdeführerin keine genügend
intensive Verfolgung im Sinne von Art. 3 abzuleiten.
6.4 Sodann ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz aufgrund der Akten-
lage vorliegend eine begründete Furcht vor Verfolgung der Beschwerde-
führerin durch die heimatlichen Behörden zu verneinen. Entgegen den
Ausführungen in der Beschwerde vermag die Beschwerdeführerin ihre
Furcht vor Verfolgung auch unter Verweis auf die Beschwerdebeilagen be-
treffend die Diskriminierung von transsexuellen Personen in Malaysia und
strafrechtliche Sanktionen des Drogenhandels objektiv nicht zu begründen.
Ihre Furcht vor einer Verfolgung begründete sie insbesondere auch damit,
dass es im Zusammenhang mit der allgemein schwierigen Lage für Trans-
sexuelle und Personen mit Bezug zum Drogenhandel in letzter Zeit meh-
rere Vorfälle gegeben habe, bei denen Personen unrechtmässig Strafver-
fahren angehängt worden seien, um sie mit der Todesstrafe zu bestrafen.
Ihre Angst, dass ein Strafverfahren gegen sie fabriziert beziehungsweise
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inszeniert werden könnte, begründete sie namentlich mit dem Politiker
C._. Dieser sei im Jahr (...) wegen (...) und Korruption verurteilt
worden. Dabei sei er einer der saubersten Politiker gewesen. Die Bevölke-
rung sei wegen dieses Urteils sehr aufgebracht gewesen, denn aus ihrer
Sicht sei der Politiker unschuldig gewesen und es sei ihm lediglich etwas
angehängt worden (vgl. a.a.O., F58 und F82). Auch aus diesem Jahr-
zehnte zurückliegenden Vorfall vermag die Beschwerdeführerin in objekti-
ver Hinsicht keine konkreten Hinweise auf eine begründete Furcht vor Ver-
folgung abzuleiten. Dasselbe gilt für ihre Befürchtungen im Zusammen-
hang mit Sanktionen für Personen mit Bezug zum Drogenhandel, umso
mehr, als sie angab, diesbezüglich während der letzten vier oder fünf Jahre
vor der Ausreise tätig gewesen zu sein (vgl. a.a.O., F47 f.). Unter diesen
Umständen ist davon auszugehen, dass die Behörden längst ein Verfahren
gegen sie eingeleitet hätten, wenn sie einen konkreten Tatverdacht gehegt
hätten.
6.5 Zusammenfassend hat die Beschwerdeführerin nichts vorgebracht und
ergibt sich nichts aus den Akten, was geeignet wäre, ihre Furcht vor einer
asylrechtlich relevanten Verfolgung als objektiv begründet erscheinen zu
lassen. Die Vorinstanz hat daher ihr Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an (Art. 44 AsylG).
7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
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wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Be-
schwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist demnach
unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr («real risk») nach-
weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
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§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation, die Si-
tuation von so genannten LGBT+-Personen und der Umgang mit Personen
mit Bezug zum Drogenhandel im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvoll-
zug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem
Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als
auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.4.1 Die allgemeine Lage in Malaysia ist weder durch Krieg, Bürgerkrieg
noch durch eine Situation allgemeiner Gewalt gekennzeichnet. Auch das
Vorbringen, wonach aus dem zu den Akten gereichten Bericht der Schwei-
zerischen Flüchtlingshilfe (SFH) hervorgehe, dass es einer Person mit
transsexueller Identität nicht möglich sei, offizielle Identitätsdokumente mit
«neuem» Geschlecht zu erhalten (vgl. Schnellrecherche der SFH-Länder-
analyse vom 4. April 2014 zu Malaysia: Situation für transsexuelle Perso-
nen; Beschwerdebeilage 4) lässt den Wegweisungsvollzug nicht als unzu-
mutbar erscheinen.
8.4.2 Darüber hinaus sind keine individuellen Gründe ersichtlich, welche
auf eine konkrete Gefährdung der Beschwerdeführerin im Falle einer Rück-
kehr schliessen liessen. Die Vorinstanz hielt zutreffend fest, dass die Be-
schwerdeführerin in ihrem Heimatstaat ein taugliches Beziehungsnetz be-
sitze sowie über eine gute Ausbildung und Arbeitserfahrung verfüge. Sie
bezeichnete ihr Verhältnis zu ihren Eltern und sechs Geschwistern als gut
(vgl. SEM-Akte 1173038-12/13 F38). Vor diesem Hintergrund ist davon
auszugehen, dass sie in ihrer Heimat über ein tragfähiges Beziehungsnetz
verfügt, welches sie bei einer Rückkehr bei ihrer sozialen als auch wirt-
schaftlichen Reintegration unterstützen kann. Zudem ist allein aufgrund
des Umstands, dass sie seit mehreren Jahren nicht mehr im Bereich ihrer
Ausbildung tätig ist, nicht zu darauf zu schliessen, dass sie bei einer Rück-
kehr gezwungen wäre, weiterhin in prekären Sektoren zu arbeiten. Bezüg-
lich der geltend gemachten psychischen Probleme wies das SEM sodann
zu Recht darauf hin, dass in Malaysia zahlreiche Möglichkeiten bestünden,
psychologische beziehungsweise psychiatrische Fachpersonen aufzusu-
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chen, und dass die Beschwerdeführerin bereits in ihrem Heimatstaat in Be-
handlung gewesen sei. Zudem könnte sie gegebenenfalls medizinische
Rückkehrhilfe beantragen. Es ist demnach nicht davon auszugehen, dass
die Beschwerdeführerin aus wirtschaftlichen, sozialen oder gesundheitli-
chen Gründen bei einer Rückkehr in eine existenzielle Notlage geraten
würde.
8.4.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.5 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin , sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Ihr Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1
VwVG ist aber gutzuheissen. Sie ist als bedürftig zu betrachten und die
Beschwerdebegehren können nicht als aussichtslos im Sinne dieser Be-
stimmung betrachtet werden. Auf die Erhebung von Verfahrenskosten ist
entsprechend zu verzichten.
10.2 Nachdem das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gutgeheis-
sen wird, ist auch jenes um amtliche Rechtsverbeiständung gutzuheissen.
Die mandatierte Rechtsvertreterin erfüllt die persönlichen Voraussetzun-
gen gemäss Art. 102m Abs. 3 AsylG i.V.m. Art. 53 der Asylverordnung 1
vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) und ist antragsgemäss als
amtliche Rechtsbeiständin einzusetzen. Es wurde keine Kostennote zu
den Akten gereicht. Auf eine Nachforderung kann verzichtet werden, da
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sich die Vertretungskosten aufgrund der Akten zuverlässig abschätzen las-
sen (Art. 14 Abs. 2 VGKE), wobei für die amtliche Verbeiständung bei nicht
anwaltlicher Vertretung praxisgemäss von einem Stundenansatz von
Fr. 100.– bis Fr. 150.– auszugehen ist. Unter Berücksichtigung der mass-
geblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) ist das durch das Bun-
desverwaltungsgericht auszurichtende Honorar der amtlichen Rechtsver-
treterin auf Fr. 975.– (inkl. Auslagen) festzusetzen. Das Gesuch um Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses (Art. 63 Abs. 4 VwVG) ist
mit vorliegendem Direktentscheid gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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