Decision ID: 82e69b8f-86f4-441e-bf43-f6434a8994c4
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1954
geborene
X._
war bis im
April
2000 als selbständige Coiffeuse tätig
, zuletzt krankheitsbedingt in einem 50
%
-Pensum
(
Urk.
12/37)
.
Am 1
4.
Februar 2000 meldete sie sich bei der Invalidenversiche
rung unter Hinweis auf eine schwere Knieverletzung zum Leistungsbezug an (
Urk.
12/8).
Mit Verfügung vom 1
5.
Mai 2003 wurde ihr ab
1.
Februar 1999 eine halbe Rente und ab
1.
Juli 2000 eine ganze Rente der Invalidenver
si
cherung
zugesprochen (
Urk.
12/127).
Die
im Oktober 2004
und im März 2007 von Amtes wegen
eingeleiteten
Revisionsverfahren ergab
en
kein
e
Änderung des Renten
an
spruchs
(
Urk.
12/
151
,
Urk.
12/159).
1.2
Im April 2010 leitete die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle
,
erneut e
in Revisionsverfahren ein (Urk.
12/179).
Sie holte einen Aus
zug aus dem Individuellen Konto (IK) der Versicherten
(Urk.
12/180) sowie medizinische Berichte (
Urk.
12/181-182) ein und ordnete eine orthopädisch-psy
chiatrische Abklärung
bei der MEDAS
Y._
an
(Urk.
12/184).
Das Gutachten wurde am 2
3.
De
zember 2010 erstattet (Urk.
12/186). Gestützt auf die Schlussfolgerungen
der Gutachter
und nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren
(Urk.
12/189
191
)
stellte
die IV-Stelle die Rente
am 27.
Januar 2012
ein
(Urk. 12/207)
, hob die Einstellung der Rente jedoch m
it
Verfügung
vom 2.
Februar 2012
wieder
erwägungsweise auf (Urk.
12/213). Mit Verfügung vom 18.
Juli 2012
verneinte
sie
einen
Anspruch auf
b
erufliche Massnahmen (Urk.
12/220)
,
was
unan
ge
fochten blieb
. M
it
Verfügung vom 16. August
2012
hob sie
sodann
die Rente
per Ende September 2012
auf (Urk.
12/226).
2.
2.1
Dagegen erhob die Versicherte mit
nicht datierter und
von
med. pract.
Z._
verfasster
Eingabe
sinngemäss
Beschwerde
(
Urk.
1). Mit Verfügung
des hiesigen Gerichts
vom
18.
September
2012 wurde
ihr
Frist zur Verbesserung
der Beschwerde
angesetz
t (
Urk.
4). Mit Eingabe vom 19.
September 2012 reichte
sie
, vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Kristina Herenda, eine
verbesserte
Beschwerdeschrift ein und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuhe
ben und
es sei ihr
weiterhin ein
e
ganze Invalidenrente auszurichten. Eventuali
ter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und
es sei ihr
nach Einholung eines arbeitsmedizinischen Gutachtens eine ganze Invalidenrente auszurichten. Subeventualiter sei die angefochtene Verfügung
aufzuheben und mit der Ver
pf
lichtung
einer umfassenden arbeitsmedizinische
n
Abklärung
zur Neubeurtei
lung an die Vorinstanz zurückzuweisen
. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege
(
Urk.
5).
2.2
Die
Beschwerdegegnerin
beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
5.
Oktober 2012
die Abweisung der Beschwerde (Urk. 11).
Mit Verfügung des hiesigen Gerichts vom
6.
November 2012 wurde das Gesuch
der Beschwerdeführerin
um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde abgewiesen
(
Urk.
13)
. Mit derselben Verfügung wurde der Beschwerdeführerin das Doppel der Beschwerdeantwort zugestellt
(
Urk.
13).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisi
onsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades
bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Si
cht nicht überwindbar ist (Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen fest
zustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE
134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die IV-Stelle,
gemäss dem Gutachten der
Abklärungsstelle
Y._
bestehe
für di
e bisherige
Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei der Beschwerde
führerin zu 75
% zumutbar. Da nur noch leicht
e
bis mittelschwere, wechselbe
lastende Tätigkeiten möglich seien, sei ein leidensbedingter Abzug
von 10
%
zu gewähren.
Da der
Invaliditätsgrad 3
3
% betrage, bestehe kein Rentenanspruch
mehr
(
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber
im Wesentlichen
geltend,
es hätten Leistungstests durchgeführt werden müssen, um die rein theoretische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zu objektivieren,
da sie seit mehr als zehn Jahren keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen
sei
und voll berentet
wor
den
sei
. Dies umso mehr, als schon die Gutachter selbst davon ausgegangen seien, dass die Arbeitsfähigkeit nur in einer erheblich angepassten Tätigkeit verwertbar sei. Nicht nur aufgrund der langen Dauer der Berentung, sondern auch aufgrund des Alters hätte im vorliegenden Fall die funktionelle Leis
tungsfähigkeit evaluiert werden müssen.
Dass die Einschätzung der Gutachter viel zu positiv ausgefallen sei, verdeutliche auch der Bericht des
A._
vom 1
4.
August 201
2.
Sämtliche involvierten Ärzte hätten die Arbeitsfähigkeit nach Durchführung der interdisziplinären Schmerz
behandlung als erheblich geringgradiger
eingeschätzt
als die
Gutachter der
Y._
(
Urk.
5 S
.
7 f.
)
.
Bei der Prüfung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit dürfe nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Sie sei 58 Jahre alt, habe ausschliesslich auf ihrem erlernten Beruf als Coiffeuse gearbeitet und sei bereits seit mehr als dreizehn Jahren nicht mehr erwerbsfähig gewesen. Es sei offensichtlich, dass sie schwer vermittelbar sei und ihre Chan
cen, auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt eine für sie zumutbare Arbeitsstelle zu finden, gegen Null tendierten. Sie könne nur noch in sehr eingeschränktem Umfang Hilfsarbeitertätigkeiten ausüben, welche tendenziell körperlich eher anstrengend seien. Ältere Arbeitssuchende seien gegenüber jüngeren auch für die Ausübung von Hilfstätigkeiten klar im Nachteil. Hinzu komme, dass sie nur noch beschränkt leistungsfähig sei.
Die ihr verbleibende Restarbeitsfähigkeit werde auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht mehr nachgefragt und deren Verwertung könne ihr auch gestützt auf die Selbstein
gliederungspflicht nicht mehr zugemutet werden. Da die Restarbeitsfähigkeit
wirtschaftlich nicht mehr verwertbar sei, liege eine vollständige Erwerbsunfä
higkeit vor und sie habe weiterhin Anspruch auf eine ganze Invalidenrente (
Urk.
5 S.
8 ff.
).
Der in der angefochtenen Verfügung veranschlagte Leidensabzug von 10
%
sei zu niedrig bemessen worden. Im Gutachten seien so viele Einschränkungen formuliert, dass sich ein höherer Leidensabzug rechtfertige. Unter Berücksichti
gung
des Umstandes
, dass die Beschwerdeführerin das durchschnittliche Lohn
niveau eines voll leistungsfähigen Hilfsarbeiters nicht mehr erreichen
könne
, sei der maximale Leidensabzug vo
n 25
%
zu gewähren (
Urk.
5 S. 1
0
).
3.
3.1
Am
2
3.
Dezember 2010
ersta
t
tete
die
Y._
ein orthopädisch-psychiatrisches Gutachten, welches sich auf die Akten, die Angaben der Beschwerdeführerin sowie auf die klinische Untersuchung vom
1.
November 2010 stützt (Urk. 12/186).
Die Gutachter stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Mit
Totaler Endoprothese (
TEP
)
versorgte posttraumatische Pangon
arthrose rechts
mit/
bei St
atus nach Motorradunfall im 17.
Lebensjahr, Entwicklung einer progredienten Gonarthrose mit mehrfachen arthro
skopischen Revisionen und erstmals 2002 implantierter TEP. Postopera
tiver Staphylokokkeninfekt, protrahiert verlaufend und erst 2006 mit Prothesenentfernung und Infektsanierung versorgt. Nach abgeschlosse
ner Infektsanierung am 2
9.
Dezember 2006 erneute TEP-Versorgung, bis dato problemlos. Mässig verbliebene Minderung der Oberschenkelmus
kulatur rechts und der Gesamtb
elastbarkeit des rechten Beines
Panvertebrales Schmerzsyndrom mit allenfalls gering über die altersüb
l
i
che Norm hinausgehenden degenerativen Schäden der Halswirbelsäule (HWS)
und der Lendenwirbelsäule (LWS)
Initiale posttraumatische Sprunggelenkarthrose links bei Status nach osteo
synthetisch versorgter Weber-B-Fraktur 2008,
Osteosynthese
Metall
entfernung (
OSME
)
1
5.
Dezember 2009
Initiale Hüftarthrose beidseits mit blanden klinisch funktionellen Befun
den, röntgenologisch unauffällig
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter eine allergische Diathese auf Nickel, Kobalt, Chrom und Quecksilber sowie auf Nahrungsmittel wie Pilze, Käse und Äpfel mit Beeinträchtigung operativer Opti
onen einschliesslich Zahnimplantaten
,
z.B. mit Substanzen, welche die vorbe
schriebenen Allergene enthalten sowie eine Dysthymie
(F.34.1)
und eine Abhängigkeit von psychotropen Substanzen
(F.19.2),
gegenwärtig abstinent (Urk. 12/186 S. 15 f.).
Die Gutachter führten aus,
die
gesundheitlichen Schäden mit Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit gründeten
derzeit
ausschlies
slich
auf orthopädischen Befunden. Die
se
Befunde
wirkten sich in ihrer Gesamtheit insofern beeinträchti
gend aus, als schwere und statisch belastende Arbeiten dauerhaft nicht mehr vorstellbar seien. Geeignet seien leichte und gelegentlich mittelschwere, rücken
adaptierte sowie an die Verhältnisse des rechten Kniegelenkes und das linke Sprunggelenk adaptierte Tätigkeiten. Eine Beeinträchtigung resultiere im Wesentlichen auf der Zeitachse. Qualitativ angepasste Tätigkeiten seien nicht mehr
vollschichtig,
sondern nur noch für einen Zeitrahmen von 6.5 Stunden möglich. Einem darüber hinausgehenden Pensum stünden die in weiten Berei
chen des Bewegungsapparates auszumachenden Aufbrauchbefunde entgegen. Diese entwickelten auch bei nur geringer statischer Beanspruchung bei länger
fristiger Belastung nachvollziehbare Beschwerden. Es resultiere somit eine
Arbeitsfähigkeit in der Grössen
ordnung von 75
%
. Die im Rahmen der bidis
ziplinären Begutachtung formulierte psychiatrische Diagnose einer Dysthymie begründe keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Somit bestehe aus bidis
ziplinärer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 75
%
für angepasste Tätigkeiten (
Urk.
12/186 S. 16).
Der Beschwerdeführerin seien wechselbelastende Tätigkei
ten mit einem Limit von einer Stunde für rein sitzend auszuübende Tätigkeiten und von 15
20
Minuten für stehend auszuübende Tätigkeiten
zumutbar
. Eine zumutbare Gehstrecke sei mit ca. 2000 Meter
n
limitiert. Zu meiden seien Arbei
ten in statisch belastenden Pos
itionen wie vornüber gebeugt stehen
d, kniend, hockend oder kauernd sowie h
äufiges Treppensteigen.
Ebenso
Tätigkei
ten auf unebenem Gelände, Gerüsten und Leitern und solche, welche mit einer erhöhten Unfallgefährdung einhergingen. Das Heben, Tragen und Bewegen von Lasten
sei mit 15 Kilogramm limitiert
. Derartige leichte bis mittelschwere und qualitativ angepasste Tätigkeiten könnten an 6.5 Stunden pro Arbeitstag und ohne weitere Leistungsminderung zugemutet werden.
Aus orthopädischer Sicht sei davon auszugehen, dass auch bei Alltagsbelastungen und bei der Ausübung qualitativ angepasster Tätigkeiten Rücken- Hüft- und Knieschmerzen sowie gelegentlich linksseitige Fussgelenkbeschwerden provoziert würden, die zu einer allgemeinen somatischen und physischen Erschöpfung beitragen würden, so dass die noch somatisch zumutbare Arbeitsfähigkeit mit einer Beschäftigung von 6.5 Stunden pro Arbeitstag ausgeschöpft sei.
Die bisherige Tätigkeit als selbständige Coiffeuse überfordere die vorhandenen Restleistungsreserven und könne dauerhaft nicht mehr zugemutet werden
(
Urk.
12/
186 S. 17).
Zum Verlauf führten die Gutachter aus, die Schäden am rechten Knie, welche die Rentenzusprache gemäss Mitteilung der IV
Stelle vom 28. November 2002 unter anderem mitbegründeten, hätten sich inzwischen zumindest teilweise
gebessert. Der Internist Dr.
B._
habe am 1. März 2000 eine 50%ige Arbeits
unfähigkeit attestiert, diese sei inzwischen kniegelenkbezogen gebessert. Dr.
C._
habe am 5. März 2000 wegen der Kniegelenkpathologie und einer mittelschweren Depression eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % ab 4/1992 und von 100 % ab 4/2000 attestiert. Auch insofern sei eine Besserung eingetreten. Die im Fragebogen Rentenrevision vom 3. November 2004 mitgeteilten grossen Probleme mit der Knieprothese hätten auf der seinerzeit nicht zeitgerecht erkannten und behandelten Staphylokokkeninfektion des operierten Kniegelen
kes gegründet. Die in einem Zwischenbericht vom 29. April 2007 von Dr.
D._
formulierte Überlegung, es müsse kniebedingt an eine sitzende Arbeit gedacht werden, könne relativiert werden; der Rehabilitationsverlauf sei relativ günstig, so dass nun wechselbelastende Arbeiten zumutbar seien. Am 10. März 2010 habe die
E._
vermutet, dass ein isolierter Patellarückflächenersatz die Restbeschwerden im Kniegelenk nicht suffizient lindern könne. Ein derarti
ger operativer Eingriff sei aktuell nicht erforderlich, da keine spezifische Schmerzlokalisation im Kniegelenk bestehe. Die Kniegelenkfunktion sei zumin
dest für angepasste Tätigkeiten ausreichend. Übereinstimmend mit der Stellung
nahme des RAD vom 25. August 2010 sei in wesentlichen Bereichen eine Bes
serung des Gesundheitszustandes eingetreten. Es bestehe nun eine Arbeitsfähig
keit von 6.5 Stunden pro Arbeitstag in einer qualitativ angepassten Tätigkeit (Urk. 12/186 S. 17 f.).
Zum Verlauf aus psychiatrischer Sicht führte der begutachtende Facharzt aus, im Bericht der
F._
vom 30. August 1999 sei von einem Erschöpfungszustand und einer psychosozialen Belastungsreaktion die Rede, die Versicherte habe sich zur Krisenintervention in stationäre Behandlung begeben. Im
Bericht der
F._
vom 24. September 1999 werde eine mit
telgradige depressive Episode beschrieben, die antidepressiv habe behandelt werden müssen. Im Zeitpunkt der Stellungnahme sei eine 100%ige Arbeitsfä
higkeit attestiert worden, eine weiterführende ambulante Psychotherapie sei jedoch empfohlen worden. Am 1. November 1999 sei ein
erhöhter CDT-Wert als deutlicher Indikator für Alkoholabusus beschrieben worden. Dr.
C._
habe
in seinem ärztlichen Zeugnis vom 26. April 2002 einen Status nach Alkoholkrank
heit mit mittelschwerer endogener Depression, Fibromyalgie sowie aktuell eine Hospitalisation wegen TEP-Ersatz bei posttraumatischer Gonarthrose rechts erwähnt. Aus dem psychiatrischen Gutachten von Dr.
G._
vom 12. Oktober 2002 gehe hervor, dass es sich um eine erhebliche depressive Entwicklung bei posttraumatischer Kniegelenkarthrose mit erheblicher Persönlichkeitsverände
rung mit narzisstischen histrionischen und passiv aggressiven Zügen handle; die Arbeitsfähigkeit liege bei 50 %. Der Internist Dr.
H._
habe am
10. Dezember 2004 über eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % wegen Knieschmer
zen, Schmerzsyndrom und begleitender depressiver Verstimmung berichtet, welche seit 9. Februar 2003 bis auf weiteres bestehe. Im Bericht des Psychiaters Dr.
I._
an die IV
Stelle vom 18. Juni 2010 werde eine Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung anderer Gefühle, gemischt mit teilweise depressiven Anteilen (F43.23) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit beschrieben. Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien anhaltende somatoforme Schmerzstörungen im rechten Knie; aus psychiatri
scher Sicht sei keine Arbeitsunfähigkeit gegeben. Die Versicherte sei im Zusammenhang mit ihrer Schmerzsymptomatik und einem Ehekonflikt in die Sprechstunde gekommen; Schmerzen würden ihr Leben negativ beeinträchtigen. Die anlässlich der gutachterlichen Untersuchung geklagten Beschwerden ent
sprächen der Diagnose einer Dysthymie. Zu deren Entwicklung habe der post
traumatische Schmerzzustand des rechten Knies, die schicksalhaften Verände
rungen in ihrer Kindheit und ihren Ehen sowie auch teilweise die frustrane Behandlung des noch bestehenden somatischen Leidens beigetragen. In diesem Zusammenhang sei auch der sekundäre Medikamenten- und Alkoholmissbrauch erwähnenswert, der jedoch gegenwärtig aufgrund der Behandlung nicht mehr bestehe. Die von Dr.
C._
im
Bericht aus dem Jahre 2002 genannte mittel
schwere endogene Depression sowie Fibromyalgie könnten gegenwärtig aus psychiatrischer Sicht nicht diagnostiziert werden (Urk. 12/186 S. 32 f.).
Zusammenfassend hielten die Gutachter fest, dass nach der endgültigen Sa
nierung des rechten Kniegelenks per Dezember 2006 eine Besserung in der Beweglichkeit und Belastbarkeit dieses Gelenks eingetreten sei. Retrospektiv sei eine genaue Beurteilung des Zeitpunktes der Verbesserung, insbesondere vor dem Hintergrund der Eigendynamik in der Entwicklung psychischer Störungen nicht möglich. Die anlässlich der gutachterlichen Untersuchung geklagten Beschwerden entsprächen der Diagnose einer Dysthymie. Die von Dr
.
C._
genannte mittelschwere endogene Depression sowie Fibromyalgie könnten gegen
wärtig aus psychiatrischer Sicht nicht diagnostiziert werden (Urk. 12/186 S. 22).
3.2
In dem von der Beschwerdeführerin eingereichten Bericht
des
A._
werden folgende Diagnosen genannt
(
Urk.
7/1 S. 1)
:
Beginnende Gonarthrose rechts
Status nach Malleolus lateralis Fraktur Typ Weber B links
Zervikozephales Syndrom m/b
leicht
g
radige Streckfehlhal
tung der HWS. Fortgeschrittene O
s
t
eochond
rose C5-C7, mässig auch C4/5 sowie Spondylarthrosen und Unkover
tebralarthrosen in allen Segmenten. Keine posttraumatische
n
ossären Veränderungen fassbar
Lumbovertebrales Syndrom
m/b
l
eichtgradige linkskonvexe Skoliose der LWS. Mässige Osteochondrose L3/4 sowie diskrete Sp
o
ndylarthrose lumbosakral. Etwas auffallende Aortensklerose
Initiale Hüftarthrose beidseits
Cholezystolithiasis (Patientenangabe)
Mittelgradige depressive Episode
(ICD-10, F32.1)
An
h
altende somatoforme Schmerzstörung
(F45.4)
Status nach Alkoholabhängigkeit
(F10.20)
Status nach mehreren Suizidversuchen 1998/99
(X78)
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit wird im Bericht ausgeführt, die Beschwerde
führerin sei aus subjektiver Sicht auch für angepasste Tätigkeiten 100
%
arbeitsunfähig
(
Urk.
7/1 S. 5)
.
Aus chirurgischer Sicht bestehe eine verminderte Belastbarkeit des Achsenorga
nes. Für alle Tät
igkeiten mit schwerem Heben ode
r
Trag
e
n von Lasten sowie in wirbelsäulenbelastenden Tätigkeiten in Zwangshaltungen, für langandauerndes reines Stehen
,
insbesondere in vornübergeneigter Körperhaltung, für alle Tätig
keiten mit repetitiven Rumpf oder HWS-rotierenden Stereotypien sowie Arbei
ten überwiegend im Überkopfbereich, sei sie aufgrund der medizinischen Diag
nose nicht geeignet
. Zumutbar seien körperlich leichte bis mittelschwere Tätig
keiten in wirbelsäulenadaptierten Wechselpositionen mit der Möglichkeit zum Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen, insbesondere kein Heben von schweren Lasten, nicht mehr al
s 5 Kilogramm kurzfristig und 2
Kilogramm längerfristig. In einer solchen der Behinderung angepassten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin
aus somatischer Sicht höchstens
30
%
arbeitsfähig
(Urk. 7/1 S. 6)
.
Aus rein orthopädischer Sicht könne die Beschwerdeführerin den erlernten Beruf als Coiffeuse nicht mehr ausüben. Eine sitzende Tätigkeit sei ohne beschwerlichen Arbeitsweg und mit kurzen Pausen, um die Gelenke durchzube
wegen, mindestens halbtags zumutbar
(
Urk.
7/1 S. 6)
.
Aus rheumatologischer Sicht sei die Beschwerdeführerin für Tätigkeiten über
wiegend im Sitzen ohne längeres Stehen oder Gehen und ohne häufiges Trep
pensteigen und häufiges Bücken zu 100
%
arbeitsfähig. In ihrem zuletzt ausge
übten Beruf als Coiffeuse sei sie nicht mehr arbeitsfähig
(
Urk.
7/1 S. 6)
.
Als Konsens-Beurteilung aus somatischer und psychiatrischer Sicht wird schliess
lich festgehalten, der Beschwerdeführerin sei keine Tätigkeit zuzumuten,
sie sei 100
%
arbeitsunfähig für angepasste Tätigkeiten aufgrund des positiven und negativen Leistungsbildes, der ne
u
ropsychologisch bestätigten Depression, den Diagnosen sowie der Fremdanamnese (
Urk.
7/1 S. 6).
4.
4.1
Der angefochtene Entscheid gründet in erster Linie auf dem bidisziplinären Gut
achten
der
Y._
vom 2
3.
Dezember 2010
, welches für die Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin als umfassend zu qualifizieren ist
.
Das Gutachten beruht auf eigenen Untersuchun
gen der Gutachter und wurde in Kenntnis der relevanten Vorakten abgegeben. Es berücksichtigt die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden
(
Urk.
12/186 S. 8)
und
würdigt die vorhandenen Arztberichte
sorgfältig
(Urk. 12/186 S. 17
f., 32 f.
)
.
Die Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge
ist
einleuchtend und die Schlussfolgerungen sind nachvoll
ziehbar und begründet. So legten die Gutachter
überzeugend
dar, dass aus orthopädischer Sicht eine
Arbeitsfähigkeit von 75
% für angepasste Tätigkeiten bestehe
und
dass die
gegenwärtige
psychiatrische Diagnose einer Dysthymie keine Beeinträchtigung der Ar
beitsfähigkeit
mehr
begründe (Urk. 12/186 S.
16). Das Gutachten erfüllt somit sämtliche von der Rechtsprechung aufgestellten Kriterien (vgl. E.
1.6
), weshalb darauf abzustellen ist.
4.2
Der Bericht des
A._
v
ermag das Gutachten nicht in Frage zu stellen. Dieser setzt sich
in keiner Weise
mit dem Gutachten auseinander und
enthält unbegründete und widersprüchliche Angaben.
So
wird
darin
aus chirurgischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätig
keit von 30 %, aus orthopädischer Sicht ein
e
solche von 50 % und aus rheu
matologischer S
icht eine solche von 100
%
attestiert. Als Schlussfolgerung wird sodann festgehalten, der Beschwerdeführerin sei keine Täti
gkeit zuzumuten, sie sei zu 100
% arbeitsunfähig für angepasste Tätigkeiten
(Urk. 7/1 S.
6), dies unter Hinweis auf das positive und negative Leistungsbild, das
jedoch
lediglich auf einer subjektiven Einschätzung der Beschwerd
eführerin beruht (Urk.
7/1 S.
5)
. Weiter wird eine neuropsychologisch bestätigte Depression erwähnt, die jedoch
durch keine
objektive
n
Befunde unterlegt wird
(Urk.
7/1 S. 6)
und es
wird auch nicht dargetan
, dass eine Willensanstrengung zur Überwindung der Beschwerden nicht zumutbar wäre
.
Insgesamt geht a
us
der Beurteilung
nicht hervor, weshalb und aufgrund welcher
konkreten
Befunde die Beschwerde
führerin arbeitsunfähig sein soll. Die attestierte Arbeitsunfähigkeit basiert
in erster Linie
auf subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin
.
Mangels überzeu
gender und nachvollziehbarer Begründung kann
auf den Bericht nicht
abgestellt
werden. Es besteht
somit
kein Anlass von der Beurteilung im Gutachten vom
2
3.
Dezember 2010
abzuweichen.
4.3
Zusammenfassend ist daher gestützt auf das bidisziplinäre Gutachten mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Arbeitsfä
higkeit der Beschwerdeführeri
n für angepasste Tätigkeiten
nunmehr blo
ss
noch
75
% beträgt.
Somit ist eine
anspruchsrelevante
Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG gegeben.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin macht
e
geltend, es hätte eine Evaluation der funktio
nel
len Leistungsfähigkeit (EFL)
erfolgen müssen (Urk.
5 S.
7).
5.2
Ein EFL-Testverfahren ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht in jedem Fall durchzuführen, sondern allenfalls in Betracht zu ziehen, wenn sich die beteiligten Fachärzte ausser Stande sehen, eine zuverlässige Einschätzung des leistungsmässig Machbaren vorzunehmen, und deshalb eine konkrete leis
tungsorientierte berufliche Abklärung als zweckmässigste Massnahme aus
drücklich empfehlen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_967/2010 vom 23. Februar 2011 E. 5.5). Dafür bestehen vorliegend keine Anhaltspunkte. In keinem ärztli
chen Bericht wird eine EFL empfohlen.
Im Übrigen ist angesichts der subjekti
ven Überzeugung der Beschwerdeführerin, nicht arbeiten zu können
(
Urk.
7/1 S.
5)
,
und ihrer Ablehnung beruflicher
Eingliederungsm
assnahmen
gegenüber
(
Urk. 12/224)
nicht davon auszugehen, dass eine EFL zusätzliche neue Erkennt
nisse
hätte bringen können
, denn d
ie Testergebnisse einer EFL sind bezüglich zumutbarer Belastbarkeit nur bei guter Leistungsbereitschaft zuverlässig
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_840/2009 vom
2.
Dezember 2009 E. 5.1)
.
Unter diesen Umständen und da
vorliegend
das vorhandene medizinisch
e
Gutachten eine hinreichend zuverlässige Grundlage für die Beurteilung der Arbeitsfähig
keit darstellt,
hat
die Beschwerdegegnerin
zu Recht
von einer EFL abgesehen.
5.3
Die Beschwerdeführerin macht
e
weiter geltend, die ihr verbleibende Rest
arbeits
fä
higkeit werde auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischer
weise
nicht mehr nach
gefragt und deren Verwertung könne ihr auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zugemutet werden
(Urk.
5 S. 10)
.
5.4
Die Beschwerdeführerin war bei Verfügungserlass am
1
6.
August 2012
58 Jahre alt. Damit
ist
hinsichtlich des Alters die Grenze für die Annahme einer vollstän
digen Erwerbsunfähigkeit mangels realistischer Verwertbarkeit der Rester
werbsfähigkeit nicht erreicht (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts
I 336/03 vom
8.
Januar 2004
E. 2 mit weiteren Hinweisen
).
Ausserdem verfügt sie über eine
Berufsausbildung als Coiffeuse und
war
mehrere Jahre
selbständig
erwerbend
, was für eine gewisse Eigeninitiative spricht
, die ihr auf dem Arbeitsmarkt zugutekommt
.
F
ür Hilfsarbeitertätigkeiten
ist
indessen
weder eine Ausbildung
noch Berufspraxis erforderlich und die Beschwerdeführerin verfügt
auch
über keine
rlei sprachliche
Probleme
. Es ist im Übrigen davon auszugehen, dass auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend Arbeitsgelegenheiten für
das der Beschwerdeführerin zumutbare
Arbeitspensum von immerhin 75 %
bestehen
.
Gemäss
dem
Gutachten
der
Y._
kann
die Beschwerdeführerin
noch leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten ausführen. Zu meiden sind
zwar
Arbeiten in statisch belastenden Positionen wie vornüber gebeugt, stehend, kniend, hockend und kauernd
sowie
h
äufiges Treppensteigen
und
Tätigkeiten auf unebenem Gelände, Gerüsten und Leitern. Das Heben, Tragen und Bewegen von Lasten ist
jedoch
lediglich mit 15 Kilogramm limitiert. Das Belastungsp
rofil ist somit
nicht derart eingeschränkt, dass der ausgeglichene Arbeitsmarkt eine
der Beschwerdeführerin
zumutbare Tätigkeit nicht kennen würde oder
das Fin
den einer entsprechenden Stelle von einem
nicht realis
tischen
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers
abhängig
wäre.
Angesichts der persönli
chen und beruflichen Gegebenheiten ist
somit
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ihr
e
Restarbeitsfä
higkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit verwerten kann.
Im Übrigen hat die IV-Stelle der Beschwerdeführerin in Nachachtung der höchst
richterlichen Rechtsprechung (Urteile des Bundesgerichts 9C_163/2009 vom 1
0.
September 2010 E. 4.2.2 [SVR 2011 IV Nr. 30 S. 86] und 9C_228/2010 vom 2
6.
April 2011 E. 3.3 [SVR 2011 IV Nr. 73 S. 220]) vor Erlass der renten
aufhebenden Verfügung Hilfeleistungen bei der beruflichen Wiederein
glied
e
rung in Form eines Arbeitstrainings und Unterstützung durch die Eingliede
rungsberatung angeboten, was die Beschwerdeführerin trotz der von den Gut
achtern attestierten Eingliederungsfähigkeit aber ablehnte (Urk. 12/224).
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6.2
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebun
gen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 f. E. 3b/aa und bb, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40
Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 f. E. 3b/bb, 124 V 321 E. 3b/aa; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
6.3
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kür
zen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nurmehr beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest
)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in
Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der Vergleichsein
kommen mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
7.
7.1
Für die Ermittlung des
Valideneinkommens
ist entscheidend, was
die versicherte Person
im massgebenden Zeitpunkt aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Da nach empirischer Feststellung in der Regel die bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens grundsätzlich der letzte vor Eintritt der Gesundheits
schädigung erzielte, nötigenfalls der Teu
erung und der realen Einkommens
entwicklung angepasste Verdienst (BGE 134 V 322 E. 4.1). Angesichts der in
Art.
25
Abs.
1 IVV vorgeschriebenen Paralleli
sierung der IV-r
echtlich massgebenden hyp
othetischen Vergleichseinkommen mit den AHV-rechtlich beitragspflichtigen Einkommen kann das Validenein
kommen von Selbständigerwerbenden grundsätzlich aufgrund der IK-Einträge bestimmt werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_799/2008 vom 2
7.
Mai 2009 E.
3.4).
7.2
Die Beschwerdeführerin ist gelernte Coiffeuse und war bis
zum Eintritt der
Erwerbs
unfähigkeit als Selbständigerwerbende
in
ihrem erlernten Beruf tätig. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin das dem Einkom
mensvergleich zugrunde zu legende Valideneinkommen anhand der IK
Einträge
(
Urk.
12/16)
und unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung ermittelt hat
(
Urk.
2)
.
Das Valideneinkommen ist entsprechend auf
Fr.
53‘989.
--
festzuset
zen.
7.3
Für die Berechnung des Invalideneinkommens stützte sich die Beschwer
de
gegne
rin auf
die
Schweizerische
Lohnstrukturerhebung (LSE)
2008
,
Tabelle TA 1
, Sektor 3 Dienstleistungen,
Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten)
und
ging
von einem standardisierten Durchschnittslohn von
Fr.
4‘089.-- pro Monat aus.
Vorliegend erscheint es sachgerecht, auf die Tabellen
löhne für den Sektor Dienstleistungen abzustellen, um der verbleiben
den Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin Rechnung zu tragen. Die Be
schwerdegegnerin ermittelte
angepasst an die betriebsübliche durchschnittli
che wöchentliche Arbeitszeit und
unter Berücksichtigung der Nominallohnent
wicklung
sowie
der im Gutachten attestierten
Arbeitsfähigkeit von 75
%
ein
Brutto
einkommen von
Fr.
40‘302.--
(
Urk.
2), was nicht zu beanstanden ist.
Die Beschwerdegegnerin hat
im angefochtenen Entscheid für das behinde
rungs
be
dingt eingeschränkte Tätigkeitsspektrum
einen
leidensbedingten Abzug
von 10
%
vom Tabellenl
ohn vorgenommen. Die Rechtsprechung gewährt insbe
sondere dann einen leidensbedingten Abzug, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfä
higkeit eingeschränkt ist. Sind hingegen – wie vorliegend – leichte bis mittel
schwere Arbeiten zumutbar, ist allein deswegen auch bei eingeschränkter Leis
tungsfähigkeit noch kein Abzug gerechtfertigt, da der Tabellenlohn im Anfor
derungsniveau 4 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätig
keiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_72/2009 vom 3
0.
März 2009 E.
3.4). Mit der Reduktion der zumutbaren Arbeitsfähigkeit auf 75
%
wurde im Übrigen die eingeschränkte Leistungsfähigkeit bereits berücksichtigt. Mit dem von der Beschwerdegenerin gewährten Abzug von 10
%
vom Tabellenlohn
sind
sämtliche
persönlichen und beruflichen Umstände berücksichtigt.
Eine Erhö
hung des leidensbedingten Abzugs auf 25
%
– wie von der Beschwerdeführerin gefordert (
Urk.
5 S. 10) – ist nicht gerechtfertigt. Es resultiert somit ein Invali
deneinkommen von
Fr.
36‘27
2
.--.
7.4
Der Vergleich des Valideneinkommens von
Fr. Fr.
53‘989.
--
mit dem
Invaliden
einkommen von
Fr.
36‘27
2
.-- ergibt
eine Einkommenseinbusse von Fr.
17‘71
7
.-
-,
was einem
rentenausschliessenden
Invaliditätsgrad von
gerundet
33
%
ent
spricht
.
7.5
Die angefochtene Verfügung erweist sich somit als rechtens, weshalb die Be
schwerde abzuweisen ist.
8.
8.1
Die Beschwerdeführerin stellte ein Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (
Urk.
5 S.
2
). Vorliegend sind die Voraussetzungen gemäss
§
16
Abs.
1 und 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) erfüllt, weshalb dem Gesuch der Beschwerdeführerin zu entsprechen ist. Gemäss
§
16
Abs.
4 GSVGer ist die Beschwerdeführerin zur Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist.
8.2
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
700.
--
festzusetzen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, jedoch zufolge
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf die Gerichtskasse z
u
nehmen.
8.3
Der Beschwerdeführerin ist in der Person von Rechtsanwältin lic. iur. Kristina Herenda eine
unentgeltliche Rechtsvertreterin
für das vorliegende Verfahren zu bestellen
, welche
aus der
Gerichtskasse zu entschädigen
ist
.
Die unentgeltliche Rechtsvertretung hat dem Gericht eine detaillierte Zu
sammen
stellung über ihren Zeitaufwand und ihre Barauslagen einzureichen; unterlässt sie dies, wird die Entschädigung vom Gericht nach Ermessen fest
ge
setzt (
§
7
Abs.
2 in Verbindung mit
§
8 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht, GebV SVGer). Unnötiger oder geringfügiger Aufwand wird ausserdem nicht ent
schä
digt (
§
7
Abs.
1 in Verbindung mit
§
8 GebV SVGer).
Die
unentgeltliche
Rechtsvertrete
rin
der Beschwerdeführerin, Rechtsanwältin Kristina Herenda
,
macht
mit Honorarnote vom 2
2.
Oktober 2013
(
Urk.
22) einen Gesamtaufwand von 15.25
S
tunden und Barauslagen von
Fr.
79.--
geltend.
Angesichts der Tatsache, dass vorliegend keine schwierigen Rechtsfragen zu klären waren
und die unentgeltliche Rechtsvertreterin die Verischerte bereits im Verwaltungsverfahren vertreten hat
, erscheint dieser Aufwand als übersetzt.
Insbesondere der Aufwand von 10 Stunden für die Beschwerdeschrift erscheint als überhöht. Bei grosszügiger Betrachtung können eine Stunde Aufwand für Instruktion,
zwei
weitere Stunden für Aktenstudium sowie
vier
Stunden für das Abfassen einer sich auf das Wesentliche beschränkenden Rechtsschrift als gerechtfertigt betrachtet werden.
Zwei weitere Stunden können zudem aner
kannt werden, wenn berücksichtigt wird, dass die unentgeltliche Rechts
ver
tre
terin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mit einer weite
ren Eingabe zu substantiieren hatte und das Urteil mit der Beschwer
de
führerin noch zu besprechen hat.
Die geltend gemachten Barauslagen von Fr.
79.-- erscheinen als angemessen. Der unentgeltlichen Rechtsvertreterin ist daher eine Entschädigung in der Höhe von
Fr.
2
‘
029
.
30
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.