Decision ID: 0b628ce5-1b30-4f75-a86c-dae7d9458bd8
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
D
er am 2
9.
Dezember
1955
geborene
X._
, diplo
mierter
Pastor
(
Urk.
8/23/11)
, arbeitete
vom
1.
September 2008
bis zur Kündi
gung durch den Arbeitgeber per 3
1.
März 2019
für die
Y._
(Urk.
8/23/6
,
Urk.
8/27/1,
Urk.
8/27/10
,
Urk.
8/29/1
).
Unter Hinweis auf eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit seit
dem
1.
Juli 2018
und D
epressionen meldete er sich
am 2
0.
Dezember 2018 (Eingangsdatum) bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug
(berufliche Integration/Rente)
an (
Urk.
8/23/1-7
). Die
Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
führte mit dem Versicherten ein Standortgespräch (
Urk.
8/28) und
traf berufliche Abklärungen (
Urk.
8/27, Urk.
8/30
,
Urk.
8/37
)
. Diese führten sie zur Schlussfolgerung, dass
Ein
gliede
rungs
massnahmen nicht angezeigt
seien
(
Urk.
8/3
4
).
Zudem holte
die IV
Stelle
die Akten des Krankentaggel
d
versicherers (
Urk.
8/32-33) sowie den Verlaufs
bericht des behandelnden
Dr.
med.
Z._
, Facharzt
für Psychiatrie und Psycho
therapie,
vom
8.
Juli 2019
ein
(
Urk.
8/
35/2-7
)
und legte das Dossier dem Regio
nalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur versicherungsmedizinischen Würdigung vor (
Urk.
8/
40/4
). Gestützt auf diese Abklärungen sowie
eine Ressourcenprüfung durch die zuständige
Kund
en
berater
in (
Urk.
8/38)
verneinte sie
– nach Durch
führung des
Vorbescheidverfahrens
(
Urk.
8/41,
Urk.
8/
43,
Urk.
8/
47-48)
– mit Verfügung vom
1
5.
Januar 2021
einen Anspruch des Versicherten auf eine Inva
lidenrente (
Urk.
8/57 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der V
ersicherte, vertreten durch die CAP Rechtsschutz-Versiche
rungsgesellschaft AG
mit Eingabe vom
1
8.
Februar 2021
B
eschwerde und bean
tragte, es sei ihm
gestützt auf die Einschätzungen des behandelnden Psychiaters
eine ganze Invalidenrente zuzusprechen; eventualiter sei ein
Ober
gutachten in den Bereichen Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie, Neurologie, Neuropsycho
logie und R
heu
matologie
anzuordnen
und anschliessend neu über den Leistungs
anspruch
zu entscheiden
(
Urk.
1 S. 2
).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
April 2021 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7)
, wovon
dem Beschwerdeführer am 1
5.
April 2021
Kenntnis gegeben wurde
(
Urk.
9).
Mit Gerichtsverfügung vom
3.
März 2022
wurde die
BVG-Sammelstiftung Swiss Life
zum Verfahren beigeladen (
Urk.
10
). Diese
verzichtete mit Eingabe vom 7.
März 2022 auf eine Vernehmlassung (
Urk.
12).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
1.3.1
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung).
Eine leicht- bis mittelgradige depressive Störung ohne nennenswerte Interferen
zen durch psychiatrische Komorbiditäten lässt sich im Allgemeinen nicht als schwere psychische Krankheit definieren. Besteht dazu noch ein bedeutendes therapeutisches Potential, so ist insbesondere auch die Dauerhaftigkeit des Gesundheitsschadens in Frage gestellt.
Diesfalls
müssen gewichtige Gründe vor
liegen, damit dennoch auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden kann (zur Publikation vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_280/2021 vom 17. November 2021 E. 6.2.2 mit Hinweis). Die Anerkennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.3.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.3.3
Ferner gilt n
ach
BGE 141 V 281
weiterhin
der Grundsatz, wonach das Invaliden
versicherungsrecht soziale Faktoren so weit ausklammert, als es darum geht, die für die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit kausalen versicherten Faktoren zu umschreiben.
Ein von psychosozialen und soziokulturellen Belastungsfaktoren verselbständigter psychischer Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ist unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Ein solcher liegt nicht vor, wenn anzunehmen ist, dass sich bei Wegfall der psychosozialen Faktoren auch die psychische Störung und die Arbeitsfähigkeit
wieder einstellen
würden. Dies gilt auch für den Fall, dass eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert worden ist.
Psychosoziale Belastungsfaktoren können jedoch mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn sie den Wirkungsgrad
der Folgen der
- unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden -
gesundheitlichen Beeinträchtigung
verschlimmern (Urteil
e
des Bundesgerichts 9C_371/2019
vom
7.
Oktober 2019 E. 5.1.3
und 5.4
unter
Hinweis auf
BGE 141 V 281
E. 3.4.2.1
und
4.3.3
, 8C_858/2017 vom 17. Mai 2018 E. 3.2 sowie 8C_582/2017 vom 22. März 2018 E. 5.1 und 5.4
vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts 9C_140/2014 vom
7.
Januar 2015 E. 3.3).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Alters
jahres folgt (Abs. 1). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Abs. 3).
2.
2.1
Die IV-Stelle
begründete die Abweisung des Leistungsbegehrens des Beschwerde
führers in der angefochtenen Verfügung damit, der Beschwerdeführer sei seit 2014 erhöhtem Druck und Kritik am Arbeitsplatz ausgesetzt gewesen. Es sei nach
vollziehbar, dass die Kündigung durch den Arbeitgeber nach einem 28 Jahre dauernden Arbeitsverhältnis als Kränkung empfunden
werde
und Enttäuschung sowie Wut auslöse (
Urk.
2 S. 1).
Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen seien überwiegend durch diese
psychosozialen Belastungsfaktoren
, das heisst die Belastung am Arbeitsplatz,
und
nicht durch eine Krankheit hervorgerufen wor
den, weshalb
sie bei der Bestimmung der
Erwerbsunfähigkeit nicht berücksichtigt werden könn
t
e
n
.
Der Schweregrad des Leidens und die Dauer der Arbeitsunfä
higkeit seien anhand der wenig objektiven Befunde nicht nachvollziehbar. Zudem seien die therapeutischen Optionen nicht ausgeschöpft worden,
indem
bisher keine optimale antidepressive Therapie durchgeführt worden
sei
. Bei der diagno
stizierten depressiven Episode handle es sich
überdies
um eine vorübergehende und nicht langdauernde Erkrankung im Sinne der Invalidenversicherung (
Urk.
2 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend,
massgeblich
sei
die psychiatrische Einschätzung von
Dr.
Z._
, wonach eine mittelgradige depressive Störung vorliege, welche gemäss Bericht vom 1
6.
Mai 2020 zu einer vollständi
gen Arbeitsunfähigkeit sowohl in der angestammten als auch in angepassten Tätigkeiten führe
. Die Depression stelle
eine verselbständigte G
esundheits
schädi
gung dar
, die nicht hinreichend durch die psychosozialen U
mstände
erklärt werden könne.
Diese Diagnose werde durch den Verlaufsbericht von
Dr.
Z._
vom
1.
Februar 2021 acht Monate später noch einmal nachvollziehbar bestätigt. Auch der RAD teile diese Einschätzung in seiner Stellungnahme vom 2
9.
August 201
9.
Die interne Ressourcenprüfung der IV-Stelle vom
3
0.
Dezember 2019
werde seiner Situation
dagegen
nicht gerecht, weshalb nicht darauf abgestellt werden dürfe.
Die Einschätzung von
Dr.
Z._
halte auch einer Überprüfung anhand der Standardindikatoren
stand. Der Schweregrad der erhobenen Befunde lasse eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit als plausibel erscheinen. Psychotherapeutische Behandlungen würden regelmässig bei
Dr.
Z._
durch
geführt, wobei die Behandlungsversuche mit einem
serotonergen
Anti
depressivum wegen subjektiver Unverträglichkeit und mit Johanniskraut wegen der Entwicklung eines Ha
utausschlags gescheitert seien
(
Urk.
1 S. 9 f.).
Im Übrigen wäre eine allfällige Restarbeitsfähigkeit auf dem
Arbeitsmarkt nicht verwertbar
. Massgebliches Datum sei die Ressourcenprüfung der IV-Stelle vom 3
0.
Dezember 2019, weil die IV-Stelle damals zum Schluss gelangt sei, dass er mangels invalidisierenden Leidens arbeitsfähig sei.
Damals sei er 64 Jahre alt
und
sein ordentliches Pensionierungsalter sei nach weniger als einem Jahr erreicht gewesen. Die Anstellungschancen in der angestammten Tätigkeit als Pastor seien gering, da er aufgrund von Unterschieden im Glauben nicht einfach bei einer anderen religiösen Gemeinschaft tätig werden könne.
Da er zuletzt 28 Jahre als Pastor bei der Freikirche der
Y._
gearbeitet habe, sei seine Anpassungs- und Umstellungsfähigkeit im Hinblick auf
eine andere beru
f
liche Tätigkeit eingeschränkt
(
Urk.
1 S. 11).
Aus diesen Gründen habe er Anspruch auf eine ganze Rente. Werde nicht auf die Ausführungen von
Dr.
Z._
abgestellt,
sei ein Obergutachten einzuholen (
Urk.
1 S.
12).
3.
3.1
Hausarzt
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine und Innere Medizin, schilderte am 2
8.
August 2018 einen Zusammenbruch
seit
der Kündigung der Arbeitsstelle. Der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage, in seinem Beruf zu arbeiten (Urk.
8/33/14).
In seine
n
Bericht
en vom 1
5.
November 2018 (
Urk.
8/34/10-13) und
vom
8.
Juli 2019 diagnostizierte der Psychiater
Dr.
Z._
, der den Beschwerdeführer seit dem
1.
November 2018 behandelte
(
Urk.
8/35/2)
,
ei
ne längerdauernde depressive An
p
a
ssungsstörung (ICD-10 F43.21) im Rahmen eines möglichen Mobbings mit starken Hinweisen auf
eine
saisonale Verstärkung der Depression. Der Beschwer
deführer habe
berichtet,
seit rund sechs Jahren best
ünden
Probleme und Konflikte im Rahmen seiner Pastoren-Tätigkeit. Am 1
1.
Juli 2018 habe
ihm
der Präsident seiner Kirchensektion eröffnet, man gedenke
,
ihm zu kündigen.
Nach 28 Jahren Tätigkeit als Pastor habe ihn dies schwer erschüttert und zudem zu
existentiellen Ängsten geführt;
damals
habe er
zweieinhalb Jahr
e
vor dem Erreichen des Pen
sionsalters gestanden. Als objektive Befunde erwähnte
Dr.
Z._
eine deutlich ein
geschränkte affektive Schwingungsfähigkeit,
eine
eingeschränkte Aufmerksam
keit und Konzentration, psychomotorische Unruhe, gestörte Intonation der Stimme (Versagen der Stimme,
Dysphonie
),
ein
auf die Konfliktsituation mit dem Arbeitgeber und den Verlust des Selbstwertgefühls eingeengtes Denken,
eine
deutlich gedrückte Stimmung,
einen reduzierten Antrieb,
einen
sozialen
Rückzug, Schlaf
störungen und Alpträume
,
einen reduzierten
Appetit mit deutlicher Gewichtsabnahme (von 87 kg vor einem Jahr auf aktuell 73,5 kg), eine neu auf
getretene Zwangssymptomatik, existentielle Ängste und ein
en passiven
Sterbens
wunsch (
Urk.
8/35/2-4).
In therapeutischer Hinsicht sei nun die weitere integrierte psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung geplant. Zudem werde versucht, den Beschwerdeführer für eine antidepressive Medikation zu motivieren
(
Urk.
8/35/6)
.
Allerdings
nehme
er
bezüglich eines erneuten Behandlungsver
suchs
w
egen subjektiv als negativ empfundener Erfahrungen mit Antidepressiva
eine stark negative Haltung
ein (
Urk.
8/35/7
).
Er
sei seit dem 1
6.
Juli 2018 bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig in seiner angestammten Tätigkeit als Pastor (
Urk.
8/35/2).
Die Eingliederungsprogn
ose sei momentan schlecht;
die
S
chwere der depressiven Störung beziehungsweise die daraus folgenden Funkt
i
onsein
schränkungen stünden einer Eingliederung im Weg (
Urk.
8/35/6-7; vgl. auch
Urk.
8/33/2-3, Urk.
8/33/5,
Urk.
8/33/10-13).
Abweichend zur gegenüber der IV-Stelle gestellten Diagnose sprach
Dr.
Z._
im Bericht vom
8.
April 2019 an den Taggeldversicherer in psychiatrischer Hinsicht von
einer mittelgradigen depressive Episode
(ICD
10 F32.11) und von einer Zunahme der depressiven Symptomatik. Er bestätigte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Urk.
8/33/2-4).
Der Vertrauensarzt des Taggeldversicherers,
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie,
bestätigte am 2
3.
November 2018 die Arbeitsunfähigkeit. Seiner Ein
schätzung nach lasse sich die Arbeitsfähigkeit steigern bis zu 50
%
im März 2019 (
Urk.
8/33/5).
Davon rückte er offenbar in der Folge ab, denn g
emäss Telefonnotiz der Beschwerdegegnerin vom
2.
Juni 2019 habe der beratende Arzt in jenem Zeit
punkt die Arbeitsunfähigkeit
(weiterhin)
als
ausgewiesen
erachtet
(
Urk.
8/40/3).
3.2
In Würdigung des Berichts von
Dr.
Z._
vom
8.
Juli 2019
hielt
Dr.
C._
, Fach
ärztin für Innere Medizin vom RAD, in ihrer Stellungnahme vom 2
9.
August 2019 fest, aufgrund der geschilderten Symptome könne zumindest initial vom Bestehen einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Episode ausgegangen werden. Diese habe sich unter der regelmässigen Psychotherapie leicht gebessert und stabilisiert. Die medikamentöse Therapie
habe
wegen nicht tolerierbarer Neben
wirkungen abgesetzt werden
müssen. Zusätzlich werde die Belastbarkeit durch die ungewollte Gewichtsabnahme mit rascher Ermüdung eingeschränkt.
Es könne von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit seit Juli 2018 ausgegangen werden. Da sich die psychischen Leistungseinschränkungen in jeder Tätigkeit auswirkten, sei der Beschwerdeführer auch in einer angepassten Täti
gkeit zu 100
%
arbeitsunfähig. Es sei
nicht überwiegend wahrscheinlich
, dass bis zum Erreichen des AHV-Alters eine wesentliche gesundheitliche Verbesserung erreicht werden könne
(
Urk.
8/40/4).
3.
3
D
er
zuständige Kundenberater
der IV-Stelle
ging am 2
4.
Juni 2019 von einer seit
1.
Juli 2018 bestehenden Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und damit von der Erfüllung der Wartezeit
(am
1.
Juli 2019;
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG)
aus (Urk.
8/40/3).
Im Rahmen einer
Ressourcenprüfung
hielt
er
am 3
0.
Dezember 2019
i
m Fest
stellungsblatt im Weiteren
fest, aus den Akten ergäben sich keine Inkonsistenzen, Widersprüche oder Ausschlussgründe.
Eine Anpassungsstörung sei
allerdings
per Definition zeitlich begrenzt. Aufgrund eher weniger objektiver Befunde sei die
a
ttestierte volle Arbeitsunfähigkeit beziehungsweise das Vorliegen eines diese Einschätzung rechtfertigenden
schwergradigen
psychischen Leidens schwierig nachvollziehbar. Die therapeutischen Optionen seien nicht ausgeschöpft und der Beschwerdeführer habe bis anhin keine Eingliederungs
versuche unternommen. Das psychische Leiden sei laut dem Beschwerdeführer durch das Verhalten von Vorgesetzten und einzelnen Mitgliedern seiner Kirch
gemeinde ausgelöst worden. Zwar sei es nachvollziehbar, dass die Kündigung durch den Arbeitgeber nach einem 28 Jahre dauernden Arbeits
verhältnis als Kränkung empfunden werde und Enttäuschung sowie Wut auslöse. Hierbei handle es sich aber nicht um eine invalidisierende selbständige Gesund
heitsschädigung, sondern um psychosoziale Belastungsfaktoren
. Damit
sei
kein invalidenversicherungsrechtlich relevantes psychisches Leiden
ausgewiesen
(Urk.
8/38/2).
3.
4
Mit Bericht vom 1
6.
Mai 2020 nahm
Dr.
Z._
auf Anfrage des Beschwerdeführers zum leistungsablehnenden Vorbescheid der IV-Stelle vom
9.
März 2020 Stellung. Er legte dar, initial habe er als Arbeitsdiagnose eine längerdauernde depressive Anpassungsstörung gestellt, diese dann aber wegen des Schweregrades und der Ausprägung der Symptome auf eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.11) umgestellt
(
Urk.
8/47/1)
.
Aufgrund der beobachteten Symptome erfülle der Beschwerdeführer auf jeden Fall die Kriterien
für diese Diagnose.
Die Zweifel der IV-Stelle am Schweregrad des gesundheitlichen Leidens könne er nicht nach
vollziehen. Da der Beschwerdeführer auf die Behandlungsversuche mit einem
serotonergen
Antidepressivum mit subjektiver Unverträglichkeit und auf den Versuch mit Johanniskraut mit Hautausschlag reagiert habe, dürfe seines Erachtens auch nicht argumentiert werden, die therapeutischen Optionen seien nicht ausgeschöpft worden. Zur Arbeitsunfähigkeit verweise er auf das «Mini-ICF-Rating»
. Der Beschwerdeführer weise deutliche Einschränkungen auf (Urk.
8/47/2): So sei er etwa in den Bereichen Planung und Strukturierung von Aufgaben, Flexibilität und Umstellung, Durchhalte- und Selbstbehauptungs
fähigkeit, Kontakt zu Dritten, Spontan-Aktivitäten sowie Belastbarkeit im Alltag schwer eingeschränkt (
Urk.
8/47/3). Dies verunmögliche
ihm, in der
ange
-
stammten
wie auch in einer angepassten Tätigkeit zu arbeiten (
Urk.
8/47/2).
Im Verlaufsbericht vom
1.
Februar
2021 hielt
Dr.
Z._
fest, der Beschwerdeführer
habe durchgehend bis zum aktuellen Datum die Kriterien einer mittelgradigen depressiven Episode erfüllt
(
Urk.
3/2 S. 1)
. Auch nach Erreichen des Pensions
alters und damit Wegfall eines möglichen Druckes, eine neue Arbeitsstelle finden zu müssen, habe sich das psychische Zustandsbild nicht verbessert.
Da auch ein Behandlungsversuch mit
Vitango
keine Besserung erbracht habe, lehne der Beschwerdeführer weitere antidepressive Behandlungsversuche ab. Unzutreffend sei der Vorwurf der IV-Stelle, er habe nur eine Behandlung mit pflanzlichen Mit
teln versucht (
Urk.
3/2 S. 2).
4.
4.1
In diagnostischer Hinsicht ging der behandelnde Psychiater
Dr.
Z._
zu Beginn seiner Behandlung im November 2018 gemäss Bericht vom 1
5.
November 2018 noch von einer längerdauernden depressiven Anpassungsstörung aus (ICD-10 F43.21;
Urk.
8/33/12). Im weiteren Verlauf änderte er diese Diagnose
unter Hin
weis auf eine Zunahme der Symptomatik
ab zu einer
mittelgradigen
d
epressiven Episode.
Im Bericht vom 1
6.
Mai 2020 begründete er diese Diagnose
stellung
anhand der von ihm erhobenen U
ntersuchungsbefunde
und der
Diagnosekriterien nach ICD-10
in
überzeugender
Weise
(
Urk.
8/47/1-2)
.
Bereits am
2
9.
August 2019
hatte
die Internistin
Dr.
C._
vom RAD – basierend
allein
auf der Initialdiagnose einer Anpassungsstörung –
,
die von
Dr.
Z._
im Bericht vom
8.
Juli 2019 attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit als plausibel erachtet und war
da
von ausgegangen, dass sich die p
sychischen Einschränkungen auch in jeder anderen Tätigkeit auswirken wür
den
und
bis zum Erreichen des AHV-Alters nicht mit einer wesentlichen Besse
rung gerechnet werden könne (
Urk.
8/40/4).
In seinen späteren Berichten vom 1
6.
Mai 2020 und
1.
Februar 2021 hielt
Dr.
Z._
daran fest, dass der Beschwerde
führer in sämtlichen Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig sei (Urk.
3/2,
Urk.
8/47/2-3).
Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle von einer Arbeitsunfähigkeit seit dem
1.
Juli
2018
ausging (
Urk.
2 S. 1, Urk.
8/40/3).
4.2
D
ie vo
m
zuständigen Kundenberater der IV-Stelle am
3
0.
Dezember 2019
vorge
nommene
rudimentäre
Ressourcenprüfung, die zum Ergebnis einer uneinge
schränkten Arbeitsfähigkeit aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht führte
(
Urk.
8/38/2
)
,
trägt
den
m
edizinischen
Unterlagen nicht hinreichend Rechnung
. Insbesondere wurde übersehen, dass
sich im Verlauf
ein mittelgradige
s
depressi
ve
s
Geschehen
entwickelte. Anders als bei einer Anpassungsstörung kann daher ein für die Invalidenversiche
r
ung
massgebliches Leiden
nicht ohne
rechts
genügliche
Ressourcenprüfung
ausgeschlossen werden.
Der Hinweis
im ange
fochtenen Entscheid
auf nicht n
ä
her präzisierte psychosoziale Belastungsfaktoren mag zwar mit Blick auf die das Beschwerdebild begründende Kündigung des langjährigen Arbeitsverhältnisse
s
zutreffen. Worin
solche
Belastung
s
f
aktoren jedoch im Zeitpunkt des Ablaufs des Wartejahres
zu erblicken sind
und inwiefern sie das Krankheitsgeschehen geprägt hätten
, ist
weder
ersichtlich
noch dargetan
.
Insofern kann der Ressourcenprüfung der Beschwerde
gegnerin nicht beigepflich
tet werden.
Die Annahme einer
invalidenversicherungsrechtlich
vollständigen Arbeits
fähig
keit
wird
im Rahmen der Ressourcenprüfung vom 3
0.
Dezember 2019
zudem
wesentlich
mit dem
Argument
gestützt
,
bisher
habe der Beschwerdeführer
nicht sämtliche therapeutischen Optionen ausgeschö
p
ft
(
Urk.
8/38/2)
, indem er den Behandlungsversuch von
Dr.
Z._
mit Antidepressiva ab
gebrochen
und einen erneuten Versuch ab
ge
lehnt
hab
e (
Urk.
8/35/7
,
Urk.
8/47/2
)
.
Eine mittelschw
ere Depression ist an sich gut t
herapierbar, wobei eine adäquate, leitliniengerechte antidepressive Therapie als notwendige Voraussetzung für einen günstigen Verlauf gilt (Urteil des Bundesgerichts 8C_300/2017 vom 1.
Februar 2018 E. 4.1.4.2 mit Hinweisen).
Zumutbarkeit einer medizinischen Behandlung setzt generell voraus, dass die Behandlung mit hoher Wahr
schein
lichkeit eine erhebliche Besserung verspricht und nicht Gründe von einer gewissen Schwere Unzumutbarkeit annehmen lassen
. Massgebend ist dabei das objektiv Zumutbare, nicht die subjektive Wertung der versicherten Person
(
Kieser
, ATSG-Kommentar,
4.
Auflage, Zürich 2020,
Art.
21
Rz
133-136 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts I 824/06
vo
m 1
3.
März 2007
E. 3.1).
Unzumutbar ist eine Behandlungsmassnahme, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellt (
Art.
21
Abs.
4 ATSG) beziehungsweise dem Gesundheitszustand nicht ange
messen ist (
Art.
7a IVG).
D
ie
dauernde Einnahme ärztlich verschriebener Medika
mente
stellt
in aller Regel eine jederzeit zumutbare Form allgemeiner Schaden
minderung dar, selbst wenn diese mit Nebenwirkungen verbunden ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_625/2016 vom 2
4.
Januar 2017 E. 3.4.1 mit Hinweisen).
Dr.
Z._
führte
den Unterbruch der
medikamentöse
n
Behandlung
au
f
eine
subjek
tive Unverträglichkeit der Antidepressiva
zurück
und hielt a
m 1
6.
Mai 2020
dafür
,
dass
die Beendigung der Therapie
aus diesem Grund
legitim
sei
(
Urk.
8/47/2).
Auch die RAD-
Internistin
Dr.
C._
ging
davon aus, die
Medikation
habe wegen nicht tolerierbaren Nebenwirkungen abgesetzt werden müssen (
Urk.
8/40/4).
Nähere Angaben zur Art
und Schwere
der medikamentösen Neben
wirkungen fehlen indes in den medizinischen Akten.
Auch äusserte sich
Dr.
Z._
nicht dazu, ob
von
eine
r
antidepressive
n
Behandlung mit anderen Medikamenten
gegebenenfalls
geringere Nebenwirkungen zu erwarten gewesen wären (vgl.
Urk.
8/47/2
,
Urk.
8/47/7
-8
).
Im Übrigen hielt
Dr.
Z._
in seinem Bericht vom
1
6.
Dezember 2019
fest,
ein tagesklinisches Behandlungssetting sei mit dem Beschwerdeführer besprochen worden, er könne sich dies aktuell aber nicht vor
stellen (
Urk.
8/47/8).
Ob eine solche
Intensivierung der
Therapie dem Beschwer
deführer unzumutbar sei, lässt sich seinem Bericht
ebenfalls
nicht entnehmen.
Angesichts
dieser Aktenlage
bleibt
unklar
, ob
übliche Therapieformen wie
eine leitliniengerechte antidepressive Therapie
und eine
tagesklinische Behandlung
dem Beschwerdeführer nicht
doch
zumutbar
gewesen wären.
D
iese in den ärztli
chen Kompetenzbereich fallende Frage hat die IV-Stelle
aber
nicht weiter
abklären lassen (
Urk.
8/56/2)
.
Ohne beweiskräftige fachärztlich-psychiatrische Stellungnahme
zu dieser Problematik
durfte
sie
im Rahmen der Ressourcen
prüfung nicht davon ausgehen, der Beschwerdeführer nehme die ihm zumutbaren therapeutischen Optionen
nicht war
.
A
us diese
n
Gr
ünden
ist die hauptsächlich auf die Ressourcenprüfung vom 30.
Dezember 2019 (
Urk.
8/38/2; vgl. auch
Urk.
8/56/2) basierende Verneinung eines
Rentenanspruchs nicht rechtens.
Auch der Umstand allein, dass
Dr.
Z._
als Verlaufsdiagnose
-
eine mittelgradige depressive Episode
und nicht eine rezidi
vierende depressive Störung
gestellt hat, bedeutet entgegen der Ansicht der IV
Stelle noch nicht, dass kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden vorliegt. Entscheidend ist nicht die Diagnosestellung, sondern die Symptomatik
im zeitlichen Verlauf
und deren Auswirkung auf die psychischen Funktionen.
4.3
Allerdings
darf
auch nicht
unbesehen
auf die von
Dr.
Z._
attestierte
und von der fachfremden RAD-Ärztin bestätigte
vollständige Arbeitsunfähigkeit in sämtli
chen Tätigkeiten abgestellt werden.
Zunächst ist, wie in der vorstehenden Erwägung dargelegt, nicht ohne Weiteres nachvollziehbar, weshalb dem Beschwerdeführer übliche Therapieformen zur Behandlung depressiver Störungen nicht zumutbar sein sollen.
Ob die depressive Störung wirklich therapieresistent ist, was einen erheblichen Einfluss auf die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei der diagnostizierten psychischen Störung
anhand der Standardindikatoren
(vorstehend E.
1.3.2
)
hat,
ist damit unkla
r.
Trotz
der Diagnose einer lediglich mittelgradigen depressiven
Episode
und der Feststellung
einer entsprechenden Symptom
a
tik
attestierte
Dr.
Z._
dem Beschwerde
führer in knapp der Hälfte der Fähigkeitsbereiche gemäss dem Mini-ICF-Rating
schwere Einschränkungen
(
Urk.
8/47/3)
, was auch nicht gänzlich zu überzeugen vermag
.
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften darf zudem die Erfahrungstatsache berücksichtigt werden, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
4.4
Obschon mit den Parteien von einer hinreichend belegten Arbeitsunfähigkeit
in der bisherigen Tätigkeit
auszugehen ist, erweist sich n
ach dem Gesagten der medizinische Sachverhalt
in Bezug auf
die invalidisierende Wirkung der Erkrankung
nicht
als
spruchreif; an sich wären deshalb weitere Abklärungen angezeigt.
Diese können vorliegend aus den nachfolgenden Erwägungen jedoch unterbleiben.
D
er Beschwerdeführer macht
geltend
,
eine allfällige Restarbeitsfähigkeit wäre auf dem (ausgeglichenen)
Arbeitsmarkt
wegen seines
f
ortgeschrittenen Alters
ohne
hin
nicht verwertbar.
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumut
bar ist. Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt von den Umständen des Einzelfalles ab,
und zwar
nicht zuletzt davon, welcher Zeitraum der versicherten Person für eine berufliche Tätigkeit und vor allem auch für einen allfälligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht (BGE 138 V 457 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_645/2017 vom 23. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen). Gemäss BGE 138 V 457 richtet sich der Zeitpunkt, in welchem die Frage nach der Verwertbarkeit der Restarbeits
fä
higkeit bei vorgerücktem Alter beantwortet wird, nach dem Feststehen der medi
zinischen Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbstätigkeit (E. 3.3). Als ausge
wiesen gilt die medizinische Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbstätigkeit, sobald die medizini
schen Unterlagen diesbezüglich eine zuverlässige Sachver
halts
fest
stellung erlau
ben (BGE 143 V 431 E. 4.5.1; vgl. BGE 138 V 457 E. 3.4).
A
ufgrund der
unzulänglichen Aktenlage
und
vor dem Hintergrund, dass in sämt
lichen Arztberichten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert wird,
steht
aktuell nicht fest, dass eine
(Teil-)Erwerbstätigkeit medizinisch z
umutbar ist. Diesen Beweis könnten nur weitere fachärztliche Abklärungen erbringen.
Deren Ergebnis stünde aber erst nach Erreichen des AHV-Alters fest, da
der
am 29.
De
zember
1955
geborene Beschwerdeführer
das
ordentliche Pensionierungs
alter von 65 Jahren
bereits
am 2
9.
Dezember 2020 erreicht
hat
.
Da dem Beschwerde
führer eine allfällige (Teil-)Erwerbsfähigkeit nach der Rechtsprechung erst nach erreichtem Pensionierungsalter angerechnet werden könnte,
fehlt es
für die vor
herige Zeit
an einer wirtschaftlichen verwertbaren Restarbeitsfähigkeit. Denn es steht fest und ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätig
keit nicht mehr arbeitsfähig ist. Im Zeitpunkt der Erfüllung des Wartejahres am
1.
Juli 2019 hatte der am 2
9.
Dezember 1955 geborene Beschwerdeführer noch eine restliche Erwerbsdauer von knapp 1.5 Jahren vor sich.
Realistischerweise
kann nicht davon ausgegangen werden, dass seine Arbeitskraft auf dem ausge
glichenen Arbeitsmarkt noch nachgefragt war
. Da
bei ist auch zu berücksichtigen, dass er während 28 Jahren als Pastor in freikirchlichen Gemeinden tätig war, was - neben dem Krankheitsgeschehen - seine vom allgemeinen Arbeitsmarkt gefor
derte Flexibilität und Gewandtheit zweifelsfrei weiter beeinträchtigt. Da
ihm
höchstens
geringe Chance
n
auf eine Wieder- beziehungsweise Selbsteingliede
rung
einzuräumen sind
, ist
von
einer
vollständigen Erwerbsunfähigkeit auszuge
hen
(vgl.
BGE 138 V 457 E. 3.1)
, selbst wenn für eine andere Tätigkeit aus medi
zinischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit zumutbar wäre. Damit hat der Beschwerde
führer
Anspruch auf eine ganze Rente
.
Der Rentenanspruch
beginnt
am
1.
Juli 2019
, in welchem Zeitpunkt
der Beschwerdeführer laut den vorliegenden ärztlichen Attesten
im Sinne von Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG
während eines Jahres zu 100
%
arbeitsunfähig in der ange
stammten Tätigkeit gewesen
war
(
Urk.
8/40/5)
.
Zudem war
damals auch die sechsmonatige
Karenzfrist nach der Anmeldung im Dezember 2018 (
Urk.
8/23)
abgelaufen
(vgl. vorstehend E. 1.4
).
Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
5.
5.1
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von
Fr.
700.-- zulasten der unter
liegenden IV-Stelle (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
5.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Als weitere Bemessungskriterien nennen die kantonalen Vorschriften das Mass des Obsiegens, den Zeitaufwand und die Barauslagen (§ 34 des
Gesetz
es
über
das Sozialversicherungsgericht sowie
§
7 der
Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht
).
Unter Berücksichtigung dieser Kriterien ist die
dem Beschwerdeführer
zuzuspre
chende Parteientsch
ädigung ermessensweise auf
Fr.
1'
2
00.-- (inkl. Bar
auslagen und
MWSt
) festzusetzen.