Decision ID: f4b0ed76-7acb-4eec-9b6b-80bba8cc6ba0
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die X._
AG
ist der Sozialversicherungsanstalt des Kantons, Aus
gleichskasse, als Arbeitgeberin angeschlossen.
Gestützt auf die Arbeitgeberkon
trolle vom 1
5.
August 2016 für die Jahre 2011 bis 2015 forderte die Ausgleichs
kasse von ihr mit (zwei separaten) Nachzahlungsverfügungen vom 2
6.
August 2016 Lohnbeiträge von
Fr.
18'100.60 (für das Jahr 2011) und
Fr.
5'494.95 (für das Jahr 2012) nach
.
Dabei qualifizierte
die Ausgleichskasse
die von der X._
AG an
Z._
und
Y._
ausgerichteten Entgelte als Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit
(
Urk.
7/321, 7/327, 7/328
).
Daran hielt sie
mit
Einspracheentscheid
vom 2
7.
Februar 2017 fest (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
die
X._
AG
am 2
3.
März 2017 Beschwerde und beantragte
die Aufhebung des angefochtenen Entscheids respektive die Aufhe
bung der
«
Verfügungen in Sachen
Z._
und
Y._
»
(
Urk.
1 S. 2). Die Ausgleichskasse schloss in der Beschwerdeantwort vom 2
2.
Mai 2017 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6)
, wovon der Beschwerdeführerin am 2
3.
Mai 2017 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
8).
Mit Verfügung
vom
5.
November 2018 wurden
Z._
und
Y._
zum Verfahren beigelagen (
Urk.
11
)
. Diese liessen sich nicht vernehmen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die sozialversicherungsrechtliche Beitragspflicht Erwerbstätiger richtet sich unter anderem danach, ob das in einem bestimmten Zeitraum erzielte Erwerbseinkom
men als solches aus selbständiger oder aus unselbständiger Erwerbstätigkeit zu
qualifizieren ist (Art. 5 und 9 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlas
senenversicherung
[AHVG] sowie Art. 6 ff. der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
[AHVV]). Nach Art. 5 Abs. 2 AHVG gilt als massge
bender Lohn jedes Entgelt für in unselbständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit; als Einkommen aus selbständiger Erwerbstä
tigkeit gilt nach Art. 9 Abs. 1 AHVG jedes Einkommen, das nicht Entgelt für in unselbständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt.
Nach der Rechtsprechung beurteilt sich die Frage, ob im Einzelfall selbständige oder unselbständige Erwerbstätigkeit vorliegt, nicht aufgrund der Rechtsnatur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entscheidend sind vielmehr die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die zivilrechtlichen Verhältnisse vermögen da
bei allenfalls gewisse Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu bie
ten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein. Als unselbständig erwerbstätig ist im Allgemeinen zu betrachten, wer von einem Arbeitgeber in betriebswirt
schaftli
cher beziehungsweise arbeitsorganisatorischer Hinsicht abhängig ist und kein spezifisches Unternehmerrisiko trägt.
Aus diesen Grundsätzen allein lassen sich indessen noch keine einheitlichen, schematisch anwendbaren Lösungen ableiten. Die Vielfalt der im wirtschaftli
chen Leben anzutreffenden Sachverhalte zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellung einer erwerbstätigen Person jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Weil dabei vielfach Merkmale beider Erwerbsarten zu
tage treten, muss sich der Entscheid oft danach richten, welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (BGE 123 V 161 E. 1, 122 V 169 E. 3a, 283 E. 2a, 119 V 161 E. 2 mit Hinweisen).
1.2
Die beitragsrechtliche Unterscheidung des
Selbständigerwerbenden
vom
Un
selb
ständigerwerbenden
beruht auf einer unabhängigen Begriffsbildung, die sich insbesondere mit dem, was üblicherweise unter einem (
Un
-)Selbständigen verstan
den
werden mag, nicht zu decken braucht. In diesem Sinne ist bei einem Versi
cherten, der gleichzeitig mehrere Tätigkeiten ausübt, jedes Erwerbseinkommen dahingehend zu prüfen, ob es aus selbständiger oder unselbständiger Erwerbstä
tigkeit stammt, selbst wenn die Arbeiten für ein und dieselbe Firma vorge
nom
men werden (BGE 122 V 169 E. 3b; AHI-Praxis 1996 S. 241 f., je mit Hin
weisen).
1
.3
Charakteristische Merkmale einer selbständigen Erwerbstätigkeit sind die Täti
gung erheblicher Investitionen, die Benützung eigener Geschäftsräumlichkeiten sowie die Beschäftigung von eigenem Personal (BGE 119 V 163 E. 3b). Das spe
zifische Unternehmerrisiko besteht dabei darin, dass unabhängig vom Arbeits
er
folg Kosten anfallen, die der Versicherte selber zu tragen hat (ZAK 1986 S. 333
E. 2d und S. 121 E. 2b). Für die Annahme selbständiger Erwerbstätigkeit spricht sodann die gleichzeitige Tätigkeit für mehrere Gesellschaften in eigenem Namen, ohne indessen abhängig zu sein (ZAK 1982 S. 215). Massgebend ist da
bei nicht die rechtliche Möglichkeit, Arbeiten von mehreren Arbeitgebern anzu
nehmen, sondern die tatsächliche Ausgangslage (vgl. ZAK 1982 S. 186 E. 2b).
Von unselbständiger Erwerbstätigkeit ist auszugehen, wenn die für den Arbeits
vertrag typischen Merkmale vorliegen, das heisst wenn der Versicherte Dienst auf Zeit zu leisten hat, wirtschaftlich vom Arbeitgeber abhängig und während der Arbeitszeit auch in dessen Betrieb eingeordnet ist, praktisch also keine an
dere Erwerbstätigkeit ausüben kann. Indizien dafür sind das Vorliegen eines bestimm
ten Arbeitsplans, die Notwendigkeit, über den Stand der Arbeiten Be
richt zu er
statten, sowie das
Angewiesensein
auf die Infrastruktur am Arbeitsort (ZAK 1986 S. 121 E. 2b, S. 333 E. 2d) oder - bei einer regelmässig ausgeübten Tätig
keit - darin, dass bei Dahinfallen des Erwerbsverhältnisses eine ähnliche Situation
ent
steht, wie dies beim Stellenverlust eines Arbeitnehmers der Fall ist. Die Ab
hän
gigkeit der eigenen Existenz vom persönlichen Arbeitserfolg ist praxisgemäss
nur dann als Risiko eines
Selbständigerwerbenden
zu werten, wenn beträchtliche In
vestitionen zu tätigen oder Angestelltenlöhne zu bezahlen sind. Mit einem
Ar
beits
- und Lohnausfall müssen alle jene Personen rechnen, die ihre berufliche Tätigkeit von Fall zu Fall ausüben und nicht in einem fest
entlöhnten
Arbeitsver
hältnis stehen (BGE 119 V 163 E. 3b).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist, ob es sich bei den von der Beschwerdeführerin in den Jahren 2011 und 2012 an
Z._
und
Y._
bezahlten Entgel
ten um Einkommen aus selbständiger oder unselbständiger Erwerbstätigkeit han
delt.
2.2
Die Beschwerdeführerin richtete im Jahr 2011
Z._
Fr.
2
8
'864.-- und
Y._
Fr.
85'792.-- respektive
im Jahr 2012
Y._
Fr.
38'656.
an Entgelten aus. Darüber hinaus wurde anlässlich der Arbeitgeber
kontrolle
vom 1
5.
August 2016 festgehalten
, dass
A._
im Jahr 2011
Fr.
15'000.-- an (nicht deklariertem)
Mehrlohn
ausbezahlt worden sei (
Urk.
7/321).
Am 2
6.
August 2016 ste
llte die Ausgleichskasse
Rechnung
für
ausstehende Bei
träge samt Verzugszinsen für die Jahre 2011, 2012 und 2015 (
Urk.
7/
325). Die Beschwerdeführerin nimmt in der Beschwerde auf diese Rechnung Bezug, indem sie ausführt, sie bestreite den Betrag von
Fr.
2'001.
70 -
welcher
sich auf das Jahr 2015 bezieht
-
nicht (
Urk.
1 S. 2). Dabei verkennt sie, dass vorliegend nicht diese
Rechnung, sondern di
e beiden ebenfalls am 2
6.
August
2016 ergangenen Nach
tragverfügungen massgebend sind
(
Urk.
7/327, 7/328)
. Der Nachtragsverfügung betreffend das Jahr 2011 liegt eine Lohnsumme von
Fr.
129'656.-- zu Grunde. Diese beinhaltet die im Jahr 2011 ausbezahlten Entgelte an
A._
von
Fr.
15'000.--, an
Y._
von
Fr.
85'792.-- und an
Z._
von
Fr.
28'864.-- (
Urk.
7/321, 7/327). Der Nachtragsverfügung betreffend das Jahr 2012 liegt eine Lohnsumme von
Fr.
38'656.-- zu Grunde, was dem im Jahr 2012 ausbezahlten Entgelt an
Y._
entspricht.
Im Streit liegt, wie erwähnt,
bloss die Qualifikation der Entgelte, die
Z._
und
Y._
ausgerichtet wu
rden. Die Nachtragsverfügung betref
fend 2011
respektive der sie bestätigende
Einspracheentscheid
ist
somit
soweit unbestritten, als damit Beiträge für an
A._
ausbezahlten Lohn nachge
fordert werden.
3.
3.1
Bereits
anlässlich
einer früheren Arbeitgeberkontrolle vom
1
2.
Oktober
2012 für die Jahr
e 2007 bis 2010
war festgestellt worden
,
dass
Y._
in de
n
Jah
ren
2009 und 2010 für die Beschwerdeführerin tätig gewesen war. Im Jahr 2009 erhielt er ein Entgelt von
Fr.
18'443.--, im Jahr 2010 ein solches von
Fr.
81'180.-- (
Urk.
7/222, 7/225). In der Folge ging die Ausgleichskasse zunächst davon aus, dass die Tätigkeit von
Y._
, die er unter dem Namen
B._
erbracht hatte, in
Bezug auf die Beschwerdeführe
rin
als
unselbständigerwerbende
Erwerbstätigkeit
einzustufen sei
,
und forderte
dementsprechend von der Beschwerdeführerin
mit Nachtragsverfügungen
vo
m
7.
Dezember 2012
Lohnbeiträge nach (vgl.
Urk.
7/224, 7/228, 7/238). Die dagegen erhobene Einsprache hiess sie mit Entscheid vom 1
1.
April 2013 gut. Dabei führte sie Folgendes aus (
Urk.
7/238):
«
Mit Blick auf die Akten
l
age ergeben sich keine Hinweise, dass die
B._
Y._
in die Arbeitsorganisation der
X._
AG eingebunden ist, respektive war und ein Abhängigkeitsverhältnis im betriebswirtsch
aftlichen und arbeitsorganisato
rischen Sinne vorlag, bei dessen Wegfall eine ähnliche Situation ein
tritt, wie dies beim Stellenver
lust eines Ar
beitnehmers der Fall ist. Demgegenüber bestehen verschiedene Anhaltspunkte, dass die
B._
an eigener Adresse in eige
nen Geschäftsräumlichkeiten ihre Tätigkeit ausübt und projektbezogen ihre Dienstleistungen (Ausfertigen von Bauplänen mittels CAD) zur Verfügung stellt. Demnach ist vom Bestehen einer selbst
ändigen Erwerbstätigkeit der
B._
,
Y._
auszuge
h
en. Das oben aufge
führte von
Y._
erzielte Einkommen stellt demnach keinen massgeben
den Lohn aus unselbständiger Erwerbstätigkeit im Si
nne von
Art.
5
Abs.
2 AHVG
dar.»
3.2
A
us dieser früheren Einschätzung der Ausgleichskasse allein
vermag die Be
schwerdeführerin in Bezug auf das nun zu prüfende Beitragsstatut betreffend die Jahre 2011 und 2012 nichts zu ihren Gunsten ableiten. Insofern besteht kein Vertrauensschutz (Bundesgerichtsurteil 9C_708/2015 vom 1
1.
Juli 2016 E. 5.2.2). Jedoch ist unbestritten, dass sich das Vertragsverhältnis zwischen der Beschwer
deführerin und
Y._
, welcher nach wie vor unter dem Namen
B._
auftritt, in den Jahren 2011 und 2012 nicht anders gestaltete als dies früher der Fall gewesen war. In diesem Rahmen erfolgte sodann
auch die Tätigkeit von
Z._
(vgl. dazu auch
Urk.
3/6
-7
).
D
a die
im
Einspracheentscheid
vom
1
1.
April 2013
vorge
nom
mene Qualifikation überzeugt, besteht
angesichts der soweit unveränderten Verhältnisse kein
Anlass
,
nun davon abzuweichen.
4.
4.1
Die Argumentation der Ausgleichskasse für die nunmehrige Qualifikation der Bei
geladenen als Arbeitnehmer geht denn auch nicht dahin, dass sie die Vertragsbe
ziehungen zwischen der Beschwerdeführerin und den Beigeladenen
anders wür
d
igen würde
. Im angefochtenen
Einspracheentscheid
stellte sie sich
- vor dem Hintergrund, dass die
B._
bei ihr nicht angeschlossen ist -
vielmehr
auf den Standpunkt,
dass der Beschwerdeführerin
spätestens seit der Arbe
itgeberrevision vom 1
2.
Oktober
2012 bekannt sei, dass die Firma
B._
nicht als
Selbständigerwerbende
erfasst sei. Die Be
schwerdeführerin hätte
daher
bei einer Weiterbeschäftigung
auf Grund ihrer Pflicht
en
als Arbeitgeber
in
den Nachweis einholen müssen, dass die Firma
B._
nun über eine Bestätigung der Ausgleichskasse verfüge und
als
Selbstän
digerwerbende
Beiträge entrichte. Da für die bisherige Tätigkeit der Firma
B._
weder aus selbständiger noch a
u
s unselbständiger Erwerbstätigkeit Bei
träge entrichtet worden seien, müssten diese nun zu Lasten der Beschwerdefüh
rerin als Arbeitgeberin aufgerechnet werden (
Urk.
2, vgl. auch
Urk.
7/322
/5
).
4.2
In der Beschwerde brachte die Beschwerdeführerin unter Beilage entsprechender Belege vor,
dass
von der
B._
sämtliche Rechnungen für die Jahre 2011 und 2012 vor der
Arbeitgeberkontrolle vom 1
2.
Oktober
2012
gestellt worden seien und sie diese
auch vor diesem Zeitp
unkt beglichen habe
. Der Vorwurf, sie hätte aufgrund des Ergebnisses der Arbeitgeberkontrolle von der
B._
eine Bestätigung als
Selbst
ändig
erwerbende
verlangen müssen, verfange daher nicht (
Urk.
1 S. 4 f.,
Urk.
3/6
-7
). Dieser Einwand
der Beschwerdeführerin
ist ein
leuchtend
und wird soweit
auch von der Ausgleichskasse anerkannt.
In der Be
sch
werdeantwort stellte diese
sich
daher auf den Standpunkt, das Datum der
Rechnungsstellung sei nicht ausschlaggebend. Aufgrund der Arbeitgeberkontrolle hätte die Beschwerdeführerin reagieren und nachträglich die entsprechenden Zahlen für die Jahre 2011 und 2012 bei der Ausgleichskasse deklarieren müssen (
Urk.
6). Dieser Argumentation
kann
nicht gefolgt wer
den. Denn damit unter
schlägt die Ausgleichskasse
, dass sie selber mit
Einspracheentscheid
vom 1
1.
April 2013 i
n Würdigung des
Vertragsverhältnis
ses
zwischen der Beschwe
r
deführerin und
Y._
das Vorliegen einer unselbständigen Erwerbstä
tigkeit verneinte.
Angesichts dieses Entscheids hatte die Beschwerdeführerin keine Veranlassung, den Status der Beigeladenen als
Selbständigerwerbende
in Frage zu stellen.
Abgesehen davon hatte die Ausgleichskasse
spätestens ab d
em Zeitpunkt
ihres
Entscheids
Kenntnis von der
(
selbständigerwerbenden
)
Tätigkeit der
B._
. Es erscheint
daher stossend, wenn sie der Beschwerdeführerin Untätigkeit vorwirft, während sie
selber in Bezug auf
die
B._
nichts unternahm.
4.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der
Einspracheentscheid
vom 2
7.
Februar 2017 aufzuhebe
n ist mit der Feststellung, dass eine Pflicht zur Nachzahlung von Lohnbeiträgen auf den an
A._
(im Jahr 2011)
ausbezahlten Entgelt von
Fr.
15'000.-- (vgl.
Urk.
7/321, 7/327) besteht, aber nicht in Bezug auf die
(in den Jahren 2011 und 2012)
an
Z._
und
Y._
ausgerichteten Entgelte.
5.
Die Beschwerdeführerin
hat gestützt auf
Art.
61
lit
. g des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 und 3
GSVGer
Anspruch auf eine Prozessentschädigung, die unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Pro
zesses auf
Fr.
800.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen ist.