Decision ID: 119c498f-89f1-582d-8d78-adbaa66951cb
Year: 2012
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein ethnischer Tamile aus dem B._-
Distrikt (Nordprovinz), reichte am 21. Oktober 2008 ein erstes Asylgesuch
in der Schweiz ein. Dieses wurde mit Verfügung des BFM vom 1. Juli
2009 abgewiesen und es wurde die Wegweisung samt Vollzug angeord-
net. Die gegen diesen Entscheid am 24. Juli 2009 erhobene Beschwerde
wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-4750/2009 vom 20. Ja-
nuar 2012 mangels Glaubhaftigkeit der Vorbringen vollumfänglich ab. Zur
Begründung wurde im Wesentlichen angeführt, dass die eingereichten
Beweismittel die Darlegungen nicht hinreichend zu belegen vermöchten.
Zudem sei die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vollzugs
nach Sri Lanka zu bejahen.
A.b Mit Eingabe vom 1. März 2012 stellte der Beschwerdeführer durch
seinen neu mandatierten Rechtsvertreter beim BFM – unter Beilage di-
verser Beweismittel (so insbesondere von Fotos, die ihn an einer Kund-
gebung in C._ zeigten) – ein "neues Asylgesuch" und legte darin
dar, seine effektive Tätigkeit für die Liberation Tigers of Tamil Eelam
(LTTE) und die daraus resultierende Gefährdung im abgeschlossenen
Asylverfahren nicht vorgebracht zu haben (Nennung Tätigkeit). Ferner
habe er sich regelmässig – besonders intensiv in den Frühjahren 2009
und 2012 – exilpolitisch betätigt. In diesem Zusammenhang habe er in
der Schweiz bereits Drohungen von regimetreuen Aktivisten erhalten. In
Anbetracht der geschilderten Situation sei im Rahmen des neuen Asylver-
fahrens eine Anhörung unerlässlich.
A.c Das BFM überwies die Akten gestützt auf Art. 8 Abs. 1 des Verwal-
tungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021)
am 14. März 2012 samt Begleitschreiben (mit Kopie an den Beschwerde-
führer) dem Bundesverwaltungsgericht. Dieses überwies die Akten am
16. März 2012 dem BFM und hielt fest, bei der Eingabe vom 1. März
2012 handle es sich um eine von einem patentierten Rechtsanwalt aus-
drücklich an das BFM gerichtete Rechtsschrift und mithin nicht um ein
Revisionsgesuch. Das Bundesverwaltungsgericht habe unter diesen Um-
ständen keine Veranlassung, sich damit zu befassen. Das Schreiben vom
16. März 2012 (mit Kopie an den Beschwerdeführer) kreuzte sich mit ei-
ner Eingabe des Beschwerdeführers vom 15. März 2012, worin er das
Bundesverwaltungsgericht für den Fall der Behandlung der Eingabe vom
1. März 2012 als Revisionsgesuch um Fristansetzung zwecks präzisie-
render Darlegung der entsprechenden Voraussetzungen ersucht hatte.
D-4631/2012
Seite 3
Mit Verfügung vom 21. März 2012 trat das BFM gestützt auf Art. 9 Abs. 2
VwVG in Verneinung seiner Zuständigkeit auf die Eingabe vom 1. März
2012 nicht ein. Mit zwei Eingaben vom 16. April 2012 gelangte der Be-
schwerdeführer an die Vorinstanz und rügte die Vorgehensweise des
BFM. Dabei hielt er fest, das BFM habe seine Zuständigkeit zu Unrecht
verneint. Das Bundesamt beantwortete die Eingaben am 18. respektive
23. April 2012. Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 30. April
2012 gegen die Verfügung des BFM vom 21. März 2012 beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde. Mit Zwischenverfügung vom 8. Mai 2012
räumte das Gericht dem Beschwerdeführer Frist ein zur Ergänzung der
Eingabe unter dem Aspekt eines Revisionsgesuches. Der Beschwerde-
führer liess dem Bundesverwaltungsgericht seine Stellungnahme am
23. Mai 2012 zukommen.
A.d Mit Urteil D-2423/2012 / D-2347/2012 vom 31. Juli 2012 wies das
Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde vom 30. April 2012 im Sinne
der Erwägungen ab, nahm die Eingabe vom 1. März 2012 und die Ergän-
zung vom 23. Mai 2012 als Revisionsgesuch gegen das Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts vom 20. Januar 2012 entgegen und wies es ab.
Die Eingaben vom 30. April 2012 an die Vorinstanz und vom 29. Juni
2012 an das Bundesverwaltungsgericht wurden zur Behandlung an das
BFM rücküberwiesen. Gleichzeitig wurde festgehalten, dass der einstwei-
lige Vollzugsstopp bis zu einer anderslautenden Anordnung des BFM in
Kraft bleibe.
B.
Mit Verfügung vom 20. August 2012 – eröffnet am 29. August 2012 – trat
das BFM gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. e des Asylgesetzes vom 26. Juni
1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers
vom 30. April 2012 nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz
und den Vollzug für den Tag nach Eintritt der Rechtskraft an und händigte
dem Beschwerdeführer gleichzeitig die editionspflichtigen Akten gemäss
Aktenverzeichnis aus. Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung im We-
sentlichen damit, dass seit dem rechtskräftigen Abschluss des Asylverfah-
rens keine Ereignisse eingetreten seien, die für die Anerkennung der
Flüchtlingseigenschaft relevant wären. Der Vollzug der Wegweisung sei
als zulässig, zumutbar und möglich zu erachten.
C.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 5. September 2012 focht der
Beschwerdeführer die Verfügung des BFM vom 20. August 2012 beim
Bundesverwaltungsgericht an. Dabei beantragte er, die genannte Verfü-
D-4631/2012
Seite 4
gung sei wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs und wegen unvoll-
ständiger und unrichtiger Abklärung des Sachverhalts aufzuheben und
die Sache sei an das BFM zurückzuweisen. Eventuell sei die Verfügung
aufzuheben und das BFM anzuweisen, auf das neue Asylgesuch vom
30. April 2012 einzutreten. Eventuell sei die Verfügung aufzuheben, seine
Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl zu ge-
währen. Eventuell sei die Verfügung vom 20. August 2012 betreffend die
Dispositivziffern 4 und 5 aufzuheben und es sei die Unzulässigkeit, even-
tuell die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. Auf die
Begründung der Beschwerde und den Inhalt der eingereichten Beweis-
mittel wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen ein-
gegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden
nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs-
gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Personen, gegen die ein
Auslieferungsersuchen des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz er-
suchen (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne
von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt in casu nicht vor. Das Bundesverwal-
tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde.
1.2. Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher
zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1
AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist – unter
Vorbehalt nachfolgender Erwägungen in Ziffer 2.2 – einzutreten.
1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
D-4631/2012
Seite 5
1.4. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der
Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21
Abs. 1 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht kann auch in solchen Fällen
auf die Durchführung des Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1
AsylG).
2.
2.1. Bei der Beurteilung von Beschwerden gegen Nichteintretensent-
scheide des BFM hat die Beschwerdeinstanz hinsichtlich des Nichteintre-
tenstatbestandes einzig zu beurteilen, ob die Vorinstanz zu Recht auf das
Asylgesuch nicht eingetreten ist. Im Falle der Begründetheit des Rechts-
mittels in diesem Punkt ist die angefochtene Verfügung demzufolge auf-
zuheben und die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri-
schen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.).
Nicht beschränkt ist die Beurteilungszuständigkeit des Bundesverwal-
tungsgerichts dagegen hinsichtlich der Frage der Wegweisung und deren
Vollzugs, da das BFM diesbezüglich eine materielle Prüfung und Ent-
scheidung vorzunehmen hat (vgl. Art. 44 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1-4 des
Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und
Ausländer [AuG, SR 142.20]).
2.2. Demgegenüber bildet die Frage der Zuerkennung der Flüchtlingsei-
genschaft und der Gewährung von Asyl nicht Gegenstand des angefoch-
tenen Nichteintretensentscheides, weshalb auf die Eventualanträge, es
sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und
es sei ihm Asyl zu gewähren, nicht einzutreten ist.
2.3. Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht
eingetreten, wenn Asylsuchende in der Schweiz bereits ein Asylverfahren
erfolglos durchlaufen haben oder während des hängigen Asylverfahrens
in den Heimat- oder Herkunftsstaat zurückgekehrt sind, ausser es gebe
Hinweise, dass in der Zwischenzeit Ereignisse eingetreten sind, die ge-
eignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, oder die für die
Gewährung vorübergehenden Schutzes relevant sind.
2.4. Bei der Prüfung, ob Hinweise auf eine Verfolgung vorliegen, welche
geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, ist vom engen
Verfolgungsbegriff im Sinne von Art. 3 AsylG auszugehen. Mit Grundsatz-
urteil vom 8. Juni 2006 i.S. A.I.I. (vgl. EMARK 2006 Nr. 18) erfuhr der en-
ge Verfolgungsbegriff in der Folge insofern eine Ausweitung, als bei der
Prüfung der flüchtlingsrechtlichen Relevanz von Vorbringen auch die Ver-
D-4631/2012
Seite 6
folgung durch private Dritte bei mangelnder Schutzfähigkeit der staatli-
chen Behörden und bei Nichtexistieren staatlicher Strukturen mitzube-
rücksichtigen ist. Bei dieser Prüfung kommt ein gegenüber der Glaub-
haftmachung reduzierter Beweismassstab zur Anwendung: Auf ein Asyl-
gesuch muss eingetreten werden, wenn sich Hinweise auf eine relevante
Verfolgung ergeben, die nicht zum Vornherein haltlos sind (vgl. BVGE
2008/57 E. 3.2 S. 780; EMARK 2005 Nr. 2 E. 4.3 S. 17).
3.
Das BFM fällte vorliegend seinen Nichteintretensentscheid vom 20. Au-
gust 2012 auf der Grundlage von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG. Es gilt daher
im Folgenden zu prüfen, ob die Voraussetzungen für ein Nichteintreten
nach dieser Bestimmung erfüllt sind.
3.1. Den Akten zufolge reichte der Beschwerdeführer am 21. Oktober
2008 ein Asylgesuch in der Schweiz ein. Dieses wurde mit Verfügung des
Bundesamtes vom 1. Juli 2009 abgelehnt und erwuchs mit Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts vom 20. Januar 2012 in Rechtskraft. Damit
steht fest, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz bereits ein Asylver-
fahren erfolglos durchlaufen hat.
3.2. Das BFM führte zur Begründung seines Entscheides vom 20. August
2012 im Wesentlichen aus, gemäss der Praxis des Bundesverwaltungs-
gerichts könne ohne nochmalige Gewährung des rechtlichen Gehörs ein
Nichteintretensentscheid gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG gefällt wer-
den, wenn der Sachverhalt aufgrund der schriftlichen Asylbegründung
und der eingereichten Beweismittel hinreichend klar sei. In diesem Sinne
sei entgegen der in der Eingabe vom 30. April 2012 gestellten Forderung
des Beschwerdeführers keine Anhörung erforderlich, da der Sachverhalt
hinreichend erstellt sei.
Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, Ende März 2012 ein ano-
nymes Drohschreiben erhalten zu haben, weshalb er entgegen den Er-
wägungen im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 20. Januar 2012
bei einer Rückkehr nach Sri Lanka gefährdet wäre. Dazu sei festzuhalten,
dass anonyme Drohbriefe wahllos an in der Schweiz lebende Tamilen
verschickt worden seien und es sich bei den vermuteten Absendern um
reine Spekulationen handle. Dabei hätten auch apolitische Personen sol-
che Briefe erhalten. Diese Briefe seien in der Woche (...) des Jahres (...)
auf einer Poststelle in der (Nennung Gemeinde) aufgegeben worden. Der
vom Beschwerdeführer eingereichte Drohbrief sei jedoch in der Woche
(...) des Jahres (...) in der Stadt C._ aufgegeben worden. Dies
D-4631/2012
Seite 7
lasse keinen anderen Schluss zu, als dass es sich beim eingereichten
Drohbrief um eine Fälschung handle. Zudem erstaune die Tatsache, dass
dieser Drohbrief in den beiden Eingaben des Rechtsvertreters vom
16. April 2012 mit keinem Wort erwähnt worden sei. Zusammenfassend
könne festgehalten werden, dass die geltend gemachten Vorbringen nicht
geglaubt und den Ausführungen des Beschwerdeführers somit keine
Hinweise entnommen werden könnten, die geeignet wären, die Flücht-
lingseigenschaft zu begründen.
Bezüglich der eingereichten Berichte, wonach abgewiesene Asylbewer-
ber, die zwangsweise von D._ nach Sri Lanka zurückgeführt wor-
den seien, asylrelevante Verfolgung hätten erdulden müssen, sei festzu-
halten, dass die Schweiz jedes Asylgesuch einzelfallspezifisch prüfe. Es
würden keine Flüchtlinge nach Sri Lanka zurückgeschickt, sondern nur
Personen, deren Asylgesuch abgelehnt und bei denen die Wegweisung
als zulässig und zumutbar erachtet worden sei. Zudem sei es bei der
Rückkehr von abgewiesenen Asylbewerbern aus der Schweiz in Sri Lan-
ka zu keinen Zwischenfällen gekommen. Aus den eingereichten Berichten
könnten somit keine Hinweise entnommen werden, die geeignet wären,
die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu begründen.
3.3. Demgegenüber brachte der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmit-
teleingabe vor, die Vorinstanz habe das rechtliche Gehör verletzt und den
rechtserheblichen Sachverhalt nur unvollständig abgeklärt. Vorliegend sei
nur belegt und abgeklärt, dass er den Drohbrief am (...) erhalten habe,
wobei ihm dieser persönlich zugestellt worden sei, was aus dem einge-
reichten Zustellkuvert erhelle. Alle übrigen Fragestellungen, so insbeson-
dere die Frage, warum der ihn betreffende Drohbrief zu einem späteren
Zeitpunkt als die in den Medien erwähnten Drohbriefe versandt worden
sei, die Frage nach dem Aufgabeort des Schreibens und wie die Absen-
der an seine Adresse gekommen seien, seien nicht abgeklärt worden.
Auch die Frage, ob diese Drohbriefe tatsächlich wahllos an in der
Schweiz lebende Tamilen verschickt worden seien, die Ermittlung deren
Absender sowie den Umstand, dass im Anschluss an die Zustellung die-
ser Schreiben polizeiliche Ermittlungen eingeleitet worden seien, habe
das BFM nicht näher abgeklärt. Bekannt sei weiter, dass nicht nur die in
den Medien erwähnte Serie von Drohbriefen versandt worden sei (Nen-
nung Online-Artikel), sondern dass man danach im grösseren Umfang
weitere solche Drohbriefe in der folgenden Woche versandt habe. Da das
BFM seine im angefochtenen Entscheid aufgeführten Argumente aus-
schliesslich aus den beiden erwähnten Internetartikeln beziehe, weiterge-
hende Erkenntnisse der Vorinstanz nicht vorliegen würden und solche
D-4631/2012
Seite 8
auch nicht eingeholt worden seien, sei sein Anspruch auf eine Anhörung,
in welcher er die Umstände des Erhalts des Schreibens sowie diejenigen
seiner politischen Tätigkeit in der Schweiz für die LTTE und die Hinter-
gründe der Entdeckung dieses Engagements hätte darlegen können, ver-
letzt worden. Weiter seien vorliegend die Originale des Drohbriefs und
des Zustellkuverts eingereicht worden, und es sei klar, dass der Versand
dieser Briefe polizeiliche Ermittlungen ausgelöst habe. Es liege auf der
Hand, dass das BFM bei einer korrekten Sachverhaltsabklärung mittels
der ihm zustehenden Möglichkeiten bei den entsprechenden Polizeistel-
len der Kantone, wo besonders viele Drohbriefe aufgetaucht seien (Auflis-
tung Kantone), die Echtheit der eingereichten Beweismittel ohne weiteres
hätte überprüfen können. So hätte auch die Behauptung der Vorinstanz,
dass solche Drohbriefe wahllos – auch an apolitische Personen – ver-
sandt worden seien, widerlegt werden können. Nicht nur die Führungsrie-
ge der in der Schweiz aktiven LTTE-Unterstützer, sondern auch Tamilen,
welche sich ohne besondere Funktion regelmässig an exilpolitischen Ak-
tivitäten der LTTE beteiligten, so beispielsweise durch Teilnahme an
Kundgebungen, hätten solche Drohbriefe erhalten. Da er Mitglied des
Clubs E._ sei, der jährlich ein Fest für die dort lebenden Tamilen
organisiere, sein Name dabei auf einer öffentlichen Spenderliste gestan-
den habe und zwei weitere Mitglieder dieses Clubs solche Drohbriefe er-
halten hätten, müsse davon ausgegangen werden, dass seine politischen
Aktivitäten und seine Adresse dadurch bekannt geworden seien. Zudem
sei in seiner Wohngegend in der Schweiz die regierungstreue, paramilitä-
rische Gruppierung der F._, welche bekanntlich mit dem sri-
lankischen Generalkonsulat und mit ihren paramilitärischen Gruppen im
Heimatland in engem Kontakt stehe, besonders aktiv, und die politischen
Tätigkeiten der dort lebenden Tamilen zugunsten der LTTE würden be-
kanntermassen ständig beobachtet. Er versuche in diesem Zusammen-
hang eine Spenderliste der E._ beizubringen, wozu ihm eine an-
gemessene Frist zur Einreichung der entsprechenden Unterlagen anzu-
setzen sei. Das Bundesamt habe es sodann unterlassen, für seinen Ent-
scheid Länderinformationen beizuziehen, so auch nicht Informationen be-
treffend die Überwachung von Exiltamilen in der Schweiz durch die sri-
lankischen Behörden und durch die hier mit diesen verbundenen aktiven
paramilitärischen Gruppen. Der rechtserhebliche Sachverhalt sei daher in
keiner Weise vollständig und richtig abgeklärt worden.
4.
4.1. Vorweg sind die Rügen der unvollständigen Sachverhaltsfeststellung
sowie der Verletzung des rechtlichen Gehörs zu prüfen, da ein allenfalls
D-4631/2012
Seite 9
ungenügend abgeklärter Sachverhalt respektive eines Gehörsverletzung
eine materielle Beurteilung verunmöglichen würde.
Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen
des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i. V. m. Art. 6 AsylG). Demnach hat
die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung
des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Sie muss die für das
Verfahren notwendigen Sachverhaltsunterlagen beschaffen und die recht-
lich relevanten Umstände abklären sowie ordnungsgemäss darüber Be-
weis führen (beispielsweise durch die Einholung eines Gutachtens). Die-
ser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt, er findet sein Korrelat
in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 13 VwVG und Art. 8
Abs. 1 AsylG). Trotz Untersuchungsgrundsatzes kann sich die entschei-
dende Behörde in der Regel darauf beschränken, die Vorbringen eines
Gesuchstellers zu würdigen und die von ihm angebotenen Beweise ab-
zunehmen, ohne weitere Abklärungen vornehmen zu müssen. Vorliegend
ging die Vorinstanz aufgrund der eingereichten Unterlagen und Partei-
auskünfte (vgl. Art. 12 Bstn. a und b VwVG) offensichtlich davon aus,
dass der rechtserhebliche Sachverhalt als erstellt gelten könne und keine
weiteren Beweismassnahmen zu ergreifen seien. So gilt ein Sachverhalt
erst dann als unvollständig festgestellt, wenn in der Begründung des Ent-
scheides ein rechtswesentlicher Sachumstand übergangen beziehungs-
weise überhaupt nicht beachtet wird (vgl. FRITZ GYGI, Bundesverwal-
tungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 286). In diesem Zusammen-
hang ist anzuführen, dass die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid in
ihren Feststellungen den geltend gemachten Erhalt eines Drohschreibens
sowie die Befürchtung des Beschwerdeführers, deswegen bei einer
Rückkehr in seine Heimat einer Gefährdung ausgesetzt zu werden, sowie
den Umstand, dass allen tamilischen Asylsuchenden bei einer zwangs-
weisen Rückführung nach Sri Lanka asylrelevante Verfolgung drohe, an-
führte und anschliessend die in Frage stehenden Vorbringen im Lichte
von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG prüfte. Allein eine andere rechtliche Wür-
digung der Parteivorbringen respektive der aktuellen Situation in der
Heimat des Beschwerdeführers und die von der Vorinstanz daraus gezo-
genen Schlussfolgerungen stellen noch keine Verletzung des Untersu-
chungsgrundsatzes dar.
Sodann ist zu berücksichtigen, dass gemäss Art. 36 Abs. 1 Bst. b AsylG
in Fällen nach Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG eine Anhörung zu den Asyl-
gründen im Sinne von Art. 29 und 30 AsylG nur stattfindet, wenn die asyl-
suchende Person aus ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat in die Schweiz
zurückgekehrt ist. Das in Art. 36 Abs. 2 AsylG statuierte rechtliche Gehör
D-4631/2012
Seite 10
wird in der Regel mit der Einreichung eines schriftlichen Asylgesuches
wahrgenommen (vgl. betreffend die einzelnen Voraussetzungen BVGE
2009/53 E. 5 S. 769 ff.). Hinsichtlich des schriftlich eingereichten und zwei
Seiten umfassenden neuen Asylgesuchs vom 30. April 2012 ist festzuhal-
ten, dass sich der Beschwerdeführer darin relativ einlässlich zu den neu-
en Asylgründen äusserte und es mit verschiedenen Beilagen versah
(Drohbrief inkl. Zustellkuvert und Übersetzung). Mit Eingabe vom 29. Juni
2012 machte er einen weiteren, mit verschiedenen Beweismitteln doku-
mentierten Sachverhalt geltend (Gefährdung von sri-lankischen Staats-
angehörigen bei der Rückkehr in ihr Heimatland), der gemäss Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts D-2423/2012 / D-2347/2012 vom 31. Juli
2012 E. 14 im Rahmen eines zweiten Asylgesuchs zu prüfen war. Dies-
bezüglich musste sich die Vorinstanz – da das neue, schriftlich einge-
reichte Asylgesuch keine Lücken oder Unklarheiten aufwies und auch
nicht vom Fehlen von Beweismitteln ausgegangen werden musste – zu
Recht nicht veranlasst sehen, das rechtliche Gehör (nochmals) zu ge-
währen oder eine Anhörung durchzuführen (vgl. BVGE 2009/53 E. 5.7
S. 772). Mit Blick auf die Rüge der unvollständigen Sachverhaltsfeststel-
lung und der oben dargelegten eingeschränkten Tragweite des Untersu-
chungsgrundsatzes ist sodann festzuhalten, dass die Vorinstanz nicht
verpflichtet war, die in der Rechtsmitteleingabe angeführten diversen Un-
tersuchungsmassnahmen und Nachforschungen bei schweizerischen Po-
lizeistellen oder der Bundesanwaltschaft vorzunehmen. In Anbetracht
dessen, dass es sich beim Drohbrief um eine anonymes Schreiben han-
delt, das an unbestimmt viele in der Schweiz lebende tamilische Perso-
nen verschickt wurde, wäre der mit einer allfälligen Abklärung verbundene
Aufwand als unverhältnismässig hoch einzustufen. Die Vorinstanz war
deshalb nicht gehalten, in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt
weitere Abklärungen (z.B. durch schweizerische Amts- oder Polizeistel-
len) vorzunehmen. Von einer Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes
im Rahmen einer unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhaltes kann demnach nicht ausgegangen wer-
den. Die Anträge auf Rückweisung der Sache an das BFM wegen Verlet-
zung des rechtlichen Gehörs respektive zur Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung durch die Vorinstanz sind
daher abzuweisen. Unter diesen Umständen – ebenso in Berücksichti-
gung der nachfolgenden Erwägungen – ist auch dem Antrag, die vom Be-
schwerdeführer als notwendig erachteten Sachverhaltsabklärungen (An-
hörung, Abklärungen bei der Bundesanwaltschaft und kantonalen Polizei-
behörden, kriminaltechnische Untersuchung des Drohbriefes und des Zu-
stellcouverts, Einvernahme von Zeugen, Ansetzung einer Frist zur Einrei-
chung von weiteren Beweismitteln) seien durch das Bundesverwaltungs-
D-4631/2012
Seite 11
gericht selber vorzunehmen beziehungsweise zu veranlassen, nicht statt-
zugeben.
4.2. Nach Würdigung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht in
materieller Hinsicht zum Schluss, dass die Erwägungen der Vorinstanz zu
den fehlenden Hinweisen auf nach Abschluss des ersten Asylverfahrens
eingetretene Ereignisse, welche geeignet wären, die Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers zu begründen, oder die für die Gewährung
vorübergehenden Schutzes relevant wären, zutreffen und die Ausführun-
gen in der Beschwerdeschrift sowie die diesbezüglich eingereichten Be-
weismittel nicht geeignet sind, sie in einem anderen Licht erscheinen zu
lassen.
Vorweg ist anzuführen, dass das Bundesverwaltungsgericht an die Be-
gründung in der angefochtenen Verfügung und an diejenige in der Be-
schwerdeschrift nicht gebunden ist (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts D-7561/2008 vom 15. April 2010 E. 1.3; EMARK 2002 Nr. 1 E. 1a),
weshalb insbesondere auf die diesbezüglichen Einwände zur vorinstanz-
lichen Argumentation, wonach es sich beim eingereichten Drohbrief um
eine Fälschung handle, nicht weiter eingegangen zu werden braucht. Es
ergeben sich, selbst in der Annahme, es handle sich bei der Kopie des
fraglichen Warnschreibens um ein "Original", daraus noch keine schlüssi-
gen Hinweise auf flüchtlingsrechtlich relevante Ereignisse. Bereits in
E. 4.1 wurde festgehalten, dass es sich beim eingereichten Drohbrief um
ein anonymes Schreiben handelt, das an unbestimmt viele in der Schweiz
lebende tamilische Personen verschickt wurde. Ein Vergleich der in den
in der Rechtsmitteleingabe ebenfalls erwähnten Medienberichten (Nen-
nung Internet-Artikel) enthaltenen Fotos des Drohbriefs mit dem vom Be-
schwerdeführer als Original zu den Akten gereichten Schreiben erhellt,
dass es sich beim eingereichten Dokument um einen Drohbrief handeln
dürfte, wie er in den erwähnten Medienberichten dargestellt wurde. Je-
doch lassen sich weder zur unten auf dem Drohbrief angeführten Urhe-
berschaft noch zu den vermuteten Absendern irgendwelche verlässliche
Angaben machen. So wird einerseits aus diesem Warnschreiben nicht er-
sichtlich, ob eine solche Gruppe effektiv existiert und das Schreiben tat-
sächlich durch Angehörige der darin aufgeführten Gruppe verfasst wurde.
Andererseits bleiben auch die möglichen Absender dieses Schreibens
vollständig im Dunkeln, und auch bei den vom Beschwerdeführer vermu-
teten Absendern (Regierungsvertreter oder regierungsnahe Personen)
handelt es sich in Ermangelung von irgendwelchen substanziellen Hin-
weisen um blosse Mutmassungen. Selbst wenn die Urheberschaft re-
spektive der oder die Absender des Drohbriefs ermittelt werden könnten
D-4631/2012
Seite 12
und man zur Erkenntnis gelangen würde, dass es sich dabei um Regie-
rungsvertreter Sri Lankas oder dieser Regierung nahestehende in der
Schweiz wohnhafte Personen handelt, würde dadurch nicht verunmög-
licht, dass solche Briefe von Nachahmern erhältlich gemacht und zu un-
lauteren Zwecken verwendet werden könnten, indem jene solche Briefe
entweder sich selber oder Bekannten zustellten.
Betreffend die zahlreichen eingereichten Berichte über die aktuelle Situa-
tion in Sri Lanka und die damit verbundene Befürchtung, bei einer
zwangsweisen Rückkehr einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt zu
werden, ist festzustellen, dass die diesbezüglichen Informationen gemäss
Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe (vgl. S. 10 unten) "für die Beur-
teilung der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers sachverhalts-
mässig beigezogen werden müssen". Gemäss E. 2.2 ist die Beurteilung
der Flüchtlingseigenschaft indessen nicht Gegenstand des vorinstanzli-
chen Nichteintretensentscheides, weshalb auf die entsprechenden Vor-
bringen des Beschwerdeführers nicht einzugehen ist.
In Berücksichtigung dieser Ausführungen und der Aktenlage ist festzustel-
len, dass der Beschwerdeführer offensichtlich kein Profil aufweist, das
darauf schliessen liesse, er würde seitens der sri-lankischen Behörde als
dissident oder politisch oppositionell wahrgenommen oder einer ander-
weitigen Risikogruppe angehören. Die Vorinstanz hat im angefochtenen
Entscheid zu Recht und mit zutreffender Begründung auf die einzelfall-
spezifische Prüfung jedes einzelnen Asylgesuchs hingewiesen. Diese
Prüfung sowie die Beurteilung der Zulässigkeit und Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs in die Heimat des Beschwerdeführers beruhen auf
einer laufenden Überprüfung der aktuell dort herrschenden Verhältnisse
und Sicherheitslage. Insgesamt liegen somit keine Hinweise auf ernsthaf-
te Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG vor, die sich nicht als haltlos erwei-
sen.
4.3. Aus dem Gesagten ergibt sich zusammenfassend, dass das BFM im
Ergebnis zu Recht in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG auf das
zweite Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist. Es erüb-
rigt sich bei dieser Sachlage, auf die übrigen Vorbringen des Beschwer-
deführers in der Beschwerdeschrift einzugehen, da sie am Ergebnis
nichts zu ändern vermögen.
5.
5.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord-
D-4631/2012
Seite 13
net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der
Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).
5.2. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E. 9.2
S. 510, EMARK 2001 Nr. 21).
6.
6.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus-
ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG).
6.2.
6.2.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers
in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art.
83 Abs. 3 AuG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid-
genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überein-
kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame,
unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK,
SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November
1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK,
SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-
gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
6.2.2. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen
schützt, die die Flüchtlingseigenschaft besitzen. Da es dem Beschwerde-
führer nicht gelungen ist, Hinweise vorzubringen, dass seit dem rechts-
kräftig abgeschlossenen zweiten Asylverfahren Ereignisse eingetreten
D-4631/2012
Seite 14
sind, die geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, kann
das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-
refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine
Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter
dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
6.2.3. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall ei-
ner Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes
für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse
Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde
Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen).
Der EGMR hat sich wiederholt mit der Gefährdungssituation im Hinblick
auf eine EMRK-widrige Behandlung von Tamilen befasst, die aus einem
europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen. Der EGMR
hält fest, dass dem Umstand gebührende Beachtung geschenkt werden
müsse, dass die in seiner Rechtsprechung erwähnten einzelnen Fakto-
ren, für sich alleine betrachtet, möglicherweise kein "real risk" darstellten,
jedoch bei einer kumulativen Würdigung diese Schwelle erreicht sein
könnte, namentlich unter der weiteren Berücksichtigung der aktuellen,
gegebenenfalls erhöhten, Sicherheitsvorkehrungen aufgrund der im Lan-
de herrschenden allgemeinen Lage (vgl. BVGE 2011/45 E. 10.4.2 mit wei-
teren Hinweisen).
6.2.4. Was die Prüfung derartiger Risikofaktoren betreffend die Situation
des Beschwerdeführers anbelangt, ist an dieser Stelle auf die vorange-
gangenen Erwägungen zu verweisen, aus welchen sich ergibt, dass er
keiner Risikogruppe zugerechnet werden kann und sich mithin keine
Hinweise auf eine relevante Verfolgung ergeben, die nicht zum Vornher-
ein haltlos sind (vgl. E. 4.). Weder die allgemeine Menschenrechtssituati-
on in Sri Lanka noch individuelle Faktoren in Bezug auf seine Situation
lassen demnach den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt als
unzulässig erscheinen.
Insoweit der Beschwerdeführer bezweckt, dass das mit der Beschwerde
eingereichte Informationsmaterial bei der Würdigung der Durchführbarkeit
D-4631/2012
Seite 15
des Wegweisungsvollzuges zu berücksichtigen sei, ist festzuhalten, dass
seine vorgebrachten Asylgründe sowie die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und
Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs bereits mit Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts D-4750/2009 vom 20. Januar 2012 beurteilt wurden.
Überdies wurde mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-2423/2012 /
D-2347/2012 vom 31. Juli 2012 die nach Abschluss des ordentlichen Ver-
fahrens angeführten Tätigkeiten für die LTTE als verspätet erachtet und
festgehalten, dass mit Blick auf die angebliche Gefährdungslage – inklu-
sive der geltend gemachten exilpolitischen Tätigkeiten – keine völker-
rechtlichen Vollzugshindernisse im Sinne von EMARK 1995 Nr. 9 E. 7 be-
stehen würden. Soweit bezüglich der Gefährdung von abgewiesenen
Asylsuchenden bei einer Rückkehr nach Sri Lanka auf einen Entscheid
des Obersten Gerichts von D._ verwiesen wird, ist festzuhalten,
dass dieses Urteil für das Bundesverwaltungsgericht nicht verbindlich ist,
weshalb darauf verzichtet werden kann, darauf einzugehen.
6.2.5. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
6.3.
6.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG ist der Vollzug der Wegweisung insbe-
sondere dann nicht zumutbar, wenn die beschwerdeführende Person bei
einer Rückkehr in ihren Heimatstaat einer konkreten Gefährdung ausge-
setzt wäre. Diese Bestimmung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen an-
gewendet, das heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels
persönlicher Verfolgung weder die Voraussetzungen der Flüchtlingsei-
genschaft noch jene des völkerrechtlichen Nonrefoulement-Prinzips erfül-
len, jedoch wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation
allgemeiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren können. Im
Weiteren findet sie Anwendung auf andere Personen, die nach ihrer
Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die
absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder
– aus objektiver Sicht – wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit
grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen
würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres
Gesundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wä-
ren (vgl. BVGE 2011/24 E. 11.1 S. 504 f., BVGE 2009/28 E. 9.3.1 S. 367).
6.3.2. Weder aus der allgemeinen Lage in Sri Lanka noch aus individuel-
len Gründen lässt sich ein Wegweisungshindernis für den Beschwerde-
führer ableiten. Diesbezüglich kann in grundsätzlicher Hinsicht auf die ak-
tuelle Praxis des Bundesverwaltungsgerichts in BVGE 2011/24 verwiesen
D-4631/2012
Seite 16
werden. In individueller Hinsicht ist seit Erlass des Urteils des Bundes-
verwaltungsgerichts D-4750/2009 vom 20. Januar 2012 keine veränderte
Sachlage ersichtlich, weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen voll-
umfänglich auf die dortigen Ausführungen zu verweisen ist.
6.3.3. In Berücksichtigung sämtlicher Umstände ist daher der Wegwei-
sungsvollzug (weiterhin) als zumutbar zu erachten.
6.4. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug
der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).
7.
Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Wegweisung
zu bestätigen. Die Vorinstanz hat den Wegweisungsvollzug zu Recht als
zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine
Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4
AuG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen, soweit darauf einzutreten
ist. Der Antrag, es sei vor Gutheissung der vorliegenden Beschwerde
dem unterzeichneten Rechtsanwalt eine angemessene Frist zur Einrei-
chung einer Kostennote zur Bestimmung der Parteientschädigung anzu-
setzen, erweist sich unter diesen Umständen als gegenstandslos.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1-
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
D-4631/2012
Seite 17