Decision ID: 672ba196-fa78-45b5-980d-517b671f1d1e
Year: 2014
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: Steuerrecht
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1. Mit Veranlagungsverfügung für Kapitalleistungen Staatssteuer 2005 vom 20. Mai 2010
hat die Steuerverwaltung zwei Kapitalabfindungen vom 4. Februar bzw. 10. März 2005 aus ei-
nem Haftpflichtfall in Höhe von Fr. 160‘422.-- bzw. Fr. 220‘000.--, insgesamt Fr. 380‘422.-- mit
einem satzbestimmenden Einkommen von Fr. 13‘874.-- und einem Steuersatz von 2% besteu-
ert, was zu einem Steuerbetrag von Fr. 7‘608.45 führte.
2. Mit Eingabe vom 12. Juli 2010 erhob die Pflichtige mit dem sinngemässen Begehren, die
Verfügung vom 20. Mai 2010 sei aufzuheben, Einsprache. Zur Begründung machte sie geltend,
über die Frage einer allfälligen Steuerpflicht im Kanton Basel-Landschaft für das Jahr 2005 sei
bereits rechtskräftig entschieden worden, nämlich mit Einsprache-Entscheid vom 10. Januar
2007. Weiter stelle sich die Frage, woran die angebliche Steuerhoheit des Kantons Basel-
Landschaft für das Jahr 2005 über die Pflichtige angeknüpft werde, habe sie ihren Wohnsitz
doch am 31. Dezember 2005 nicht im Kanton Basel-Landschaft, sondern im Kanton B. gehabt.
3. Mit Einsprache-Entscheid vom 16. April 2013 wies die Steuerverwaltung die Einsprache
ab. Zur Begründung führte sie aus, Kapitalleistungen bei Tod und für bleibende körperliche oder
gesundheitliche Nachteile würden einer separaten Jahressteuer unterliegen. Der Wegzug habe
die Beendigung der persönlichen Zugehörigkeit und somit auch der unbeschränkten persönli-
chen Steuerpflicht bewirkt. Kapitalleistungen seien jedoch in dem Kanton steuerbar, in dem die
steuerpflichtige Person im Zeitpunkt der Fälligkeit ihren Wohnsitz habe.
4. Mit Eingaben vom 15. Juli sowie 28. September 2013 erhob die Pflichtige mit den sinn-
gemässen Begehren, 1. Es sei die Nichtigkeit der Veranlagungsverfügung sowie des Einspra-
che-Entscheides festzustellen, eventualiter seien diese aufzuheben, subeventualiter sei die
steuerbare Kapitalleistung auf Fr. 109‘933.-- festzulegen, wobei aus Billigkeitsgründen auf die
Erhebung von Verzugszinsen zu verzichten sei, 2. Unter o/e-Kostenfolge, Rekurs. Zur Begrün-
dung machte sie geltend, der seitens der Steuerverwaltung am 16. April 2013 der Post überge-
benen Einsprache-Entscheid sei ihr zusammen mit der restlichen zurückbehaltenen Post am
14. Juni 2013 zugestellt worden. Im vorinstanzlichen Verfahren seien bis zum Erlass des Ein-
sprache-Entscheides mehr als zwei Jahre unbenutzt verstrichen. Daher habe sie nicht damit
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rechnen müssen, dass die Steuerverwaltung ausgerechnet im April 2013 tätig werden würde.
Infolge fehlender rechtsgenügliche Begründung sei ihr Gehörsanspruch im Einspracheverfahren
verletzt worden, was zur Aufhebung des Einsprache-Entscheides führen müsse. Zudem sei die
Akteneinsicht verweigert worden. Da nach wie vor keine rechtskräftige Verfügung seitens der
Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) vorliege, habe mit dem Kanton Basel-Landschaft
eine unzuständige Stelle entschieden. Daher sei der angefochtene Entscheid als nichtig aufzu-
heben. Als Fälligkeit werde der Zeitpunkt bezeichnet, ab welchem der Gläubiger die Leistung
verlangen dürfe und auch rechtlich durchsetzen könne. Somit würden die Schadenersatz- und
Genugtuungsansprüche gegenüber der Haftpflichtversicherung bereits ab dem Unfallzeitpunkt
fällig. Damals habe sie ihren Wohnsitz im Kanton C. gehabt. Die Steuerhoheit habe damit im
Kanton C. gelegen. Selbst ohne die klare und eindeutige gesetzliche Regelung wäre die Steu-
erhoheit des Kantons C. über die Zahlungen der Haftpflichtversicherung sachlich die einzig
Richtige. Die Steuerhoheit über eine natürliche Person hänge massgeblich davon ab, welche
Art von Einkommen sie erziele. Sei eine Person selbständigerwerbend, werde sie am Ort ihres
Geschäftssitzes für ihre Einkünfte aus dem Geschäftsbetrieb besteuert. Somit seien die Scha-
denersatzzahlungen, soweit sie das Einkommen aus selbständiger Tätigkeit ersetzten, sachlo-
gisch der Steuerhoheit des Geschäftssitzes, d.h. dem Kanton C. unterworfen. Aus der Steuer-
ausscheidungsverfügung der Steuerverwaltung des Kantons C. vom 19. Februar 2007 ergebe
sich, dass ein gesamthaft steuerbares Einkommen für das Steuerjahr 2005 von Fr. 124‘721.--
festgelegt worden sei. Wäre der Kanton Basel-Landschaft nun tatsächlich zur Erhebung einer
Steuer auf den im Jahr 2005 geleisteten Zahlungen der Haftpflichtversicherung zuständig, so
wären exakt noch Fr. 109‘933.-- steuerbares Einkommen vorhanden, das bis anhin noch nicht
mit einer Steuer belegt worden sei. Es sei von diesem Betrag auszugehen, ansonsten ein
Verstoss gegen das Doppelbesteuerungsverbot vorliege. Auf die Erhebung von Verzugszinsen
auf der allfälligen Steuerforderung sei zu verzichten.
5. Mit Vernehmlassung vom 9. Dezember 2013 beantragte die Steuerverwaltung Nichtein-
treten bzw. Abweisung des Rekurses. Zur Begründung machte sie geltend, gemäss Sendever-
folgung sei der Einsprache-Entscheid am 17. April 2013 im Postfach avisiert worden. Werde die
Verfügung nicht innert der Abholungsfrist von 7 Tagen in Empfang genommen, so gelte sie ge-
mäss Zustellfiktion regelmässig als am letzten Tag der Frist zugestellt. Eine Wiederherstellung
der Frist sei nur zulässig, wenn es dem Steuerpflichtigen auch bei Aufwendung der erforderli-
chen Sorgfalt nicht möglich gewesen wäre, seine Interessen zu wahren. Es könnten deshalb
nur erhebliche Hinderungsgründe, welche ein fristgerechtes Handeln praktisch verunmöglich-
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ten, eine Wiederherstellung rechtfertigen. Im vorliegenden Fall sei die Rekurrentin ins Ausland
verreist und habe sich die Post zurückhalten lassen. Es handle sich also offensichtlich nicht um
eine nicht planbare und unvorhergesehene Auslandsabwesenheit. Somit wäre es ihr bei Auf-
wendung der nötigen Sorgfalt durchaus möglich gewesen, ihre Interessen zu wahren bzw. wah-
ren zu lassen. Beim Wechsel des steuerrechtlichen Wohnsitzes innerhalb der Schweiz bestehe
die Steuerpflicht auf Grund persönlicher Zugehörigkeit für die laufende Steuerperiode im Kan-
ton, in welchem der Steuerpflichtige am Ende dieser Periode seinen Wohnsitz habe. Der Argu-
mentation der Rekurrentin, wonach die Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche gegenüber
der Haftpflichtversicherung bereits ab dem Unfallzeitpunkt fällig gewesen seien, könne nicht
gefolgt werden. Zu diesem Zeitpunkt sei weder die Schuldfrage geklärt noch die Höhe der zu
zahlenden Leistung bestimmbar gewesen. Erst mit einem rechtskräftigen Urteil oder einer
Schuldanerkennung bzw. in concreto dem Erledigungsvorschlag der Haftpflichtversicherung
vom 12. Mai 2005 werde die Forderung fällig und rechtlich durchsetzbar. Bei den von der Haft-
pflichtversicherung geleisteten Zahlungen handle es sich um Zahlungsmodalitäten der gesam-
ten Schadensreglierung.
6. Anlässlich der Sitzung vom 11. April 2014 hat das Steuergericht den Fall, da unklar war,
ob der Erledigungsvorschlag der Haftpflichtversicherung vom 12. Mai 2005 von der Pflichtigen
angenommen worden ist und wann die Auszahlungen an dieselbe erfolgt sind, ausgestellt und
entsprechende amtliche Erkundigung bei der Haftpflichtversicherung eingeholt.
7. Mit Eingabe der Haftpflichtversicherung vom 6. Mai 2014 führte dieselbe aus, die Offerte
gemäss Schreiben vom 12. Mai 2005 über den Betrag von Fr. 3'987'809.-- resp. Fr. 3'737'809.--
, nach Abzug der bereits geleisteten Teil-Zahlung vom 10. März 2005 in Höhe von Fr. 250'000.--
, sei seitens der Pflichtigen bis heute nicht angenommen worden. Seit der Offerte habe man
folgende Akonto-Zahlungen geleistet: Am 27. Januar 2006 Fr. 750‘000.--, am 27. März 2007 Fr.
500‘000.-- und am 15. August 2008 Fr. 2'250'000.--, total somit Fr. 3'500'000.--.
8. Anlässlich der Sitzung des Steuergerichts vom 22. August 2014 wurde das Verfahren
erneut ausgestellt und gegenüber der Rekurrentin verfügt, dass man allenfalls eine reformatio in
peius (Schlechterstellung) vornehmen könnte, die darin bestehe, dass eine Kapitalleistung in
Höhe von total Fr. 3‘429‘435.-- (Anteil Erwerbsschaden gemäss Offerte vom 12. Mai 2005) be-
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steuert werde. Weiter wurde der Pflichtigen eine Frist zur Vernehmlassung bzw. zu einem allfäl-
ligen Rückzug des Rekurses angesetzt.
9. Mit Eingabe vom 29. September 2014 nahm die Pflichtige Stellung und führte aus, die
Ansprüche gegenüber der Haftpflichtversicherung seien im Jahr 1996 entstanden. Für die Be-
steuerung sei daher entscheidend, wo sie damals ihren Wohnsitz gehabt habe, nämlich im Kan-
ton C. Sie beantrage, es seien aus Gründen der Rechtssicherheit (Vermeidung u.a. der Dop-
pelbesteuerung) und der Prozessökonomie, die Kantone B. und C. zum vorliegenden Verfahren
beizuladen sowie das Verfahren bis zum Vorliegen eines von der sachlich und funktionell zu-
ständigen Behörde (nämlich dem Kanton C., eventualiter der ESTV) zu erlassenden Vorbe-
scheids hinsichtlich der Steuerhoheit (sog. Steuerdomizilentscheid) zu sistieren.
10. Mit Verfügung des Steuergerichts vom 3. Oktober 2014 wurden die beiden Anträge ab-
gewiesen.
11. Anlässlich der heutigen Sitzung beantragte die Steuerverwaltung, die Kapitalabfindung
sei im Umfang des Anteils Erwerbsschaden in der Offerte der Haftpflichtversicherung, d.h. in
Höhe von Fr. 3‘429‘435.-- zu besteuern. Zur Begründung führte sie aus, der Unfallzeitpunkt sei
nicht entscheidend, da dann die Höhe des Schadens unklar gewesen sei. Vielmehr sei auf die
Einigung abzustellen. Eine solche liege aufgrund der Offerte der Haftpflichtversicherung und der
anschliessenden Zahlungen vor.

Considerations:
Das Steuergericht zieht in Erwägung:
1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu-
ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurteilung des vorliegenden Rekurses zu-
ständig. Gemäss § 129 Abs. 2 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im
vorliegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr nicht übersteigt, vom Präsidenten des Steuerge-
richts und zwei Richterinnen und Richter beurteilt. Stellen sich bei Rekursen nach den Absätzen
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1 und 2 Rechtsfragen von grundsätzlicher Bedeutung, kann der Einzelrichter beziehungsweise
das Dreiergremium den Fall dem Fünfergremium zur Beurteilung übertragen (§ 129 Abs. 5
StG). Nach Prüfung des Sachverhaltes ist das Steuergericht zum Schluss gekommen, dass es
sich beim vorliegenden Rekurs um eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung handelt,
weshalb der Fall dem Fünfergremium zur Beurteilung übertragen wurde.
2. Bevor eine Streitsache materiell zu beurteilen ist, sind von Amtes wegen die Sachur-
teilsvoraussetzungen zu prüfen. Das Steuergericht als Rekursinstanz tritt nämlich nur dann auf
einen Rekurs ein und prüft diesen materiell, wenn die Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt sind.
Es entscheidet darüber als Rechtsfrage von Amtes wegen. Dazu gehört auch die Beurteilung
der Frage, ob der Rekurs innert der Rechtsmittelfrist ergangen ist (vgl. Rhinow/Koller/Kiss, Öf-
fentliches Prozessrecht und Justizverfassungsrecht des Bundes, u.a. Basel 1996, N 947-953
und N 1217 ff.).
a) Gegen Einsprache-Entscheide der Steuerverwaltung können gemäss § 124 Abs.
1 StG der Steuerpflichtige und bezüglich der Staats- und Gemeindesteuer die Gemeinde innert
30 Tagen nach der Zustellung beim Steuergericht schriftlich Rekurs erheben.
b) Vorliegend erfolgte die Zustellung des Einsprache-Entscheides per eingeschrie-
bener Briefpostsendung. Gemäss dem Zustellungsnachweis der Post (98.00.441000.
00207587) wurde der Einsprache-Entscheid vom 16. April 2013 am selben Tag der Post Liestal
übergeben und am 17. April 2013 von der Post C. zur Abholung gemeldet respektive im Post-
fach avisiert. Abgeholt beziehungsweise am Postschalter zugestellt wurde der Einsprache-
Entscheid am 14. Juni 2013. Es stellt sich die Frage, ob der am 15. Juli 2013 der Post überge-
bene Rekurs fristgerecht eingereicht wurde.
c) Für die Berechnung der Fristen gilt gemäss § 5 Abs. 1 des Verwaltungsverfah-
rensgesetzes vom 13. Juni 1988 (VwVG) das Gesetz über die Organisation der Gerichte (Ge-
richtsorganisationsgesetz, GOG) vom 22. Februar 2001. Bei der Berechnung von Fristen nach
§ 46 Abs. 1 GOG wird der Tag, an dem die Frist zu laufen beginnt, nicht mitgezählt. Für den
Fall, dass der letzte Tag ein Samstag, ein Sonntag oder ein staatlich anerkannter Feiertag ist,
endet die Frist am nächstfolgenden Werktag. Als Feiertage im Sinne dieser Bestimmung gelten
auch Tage, an denen die Büros der kantonalen Verwaltung ganztägig geschlossen sind (§ 46
Abs. 2 GOG). Die Frist gemäss § 46 Abs. 3 GOG ist eingehalten, wenn die Handlung während
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ihres Laufes vorgenommen wird. Schriftliche Eingaben und Geldsendungen müssen spätestens
am letzten Tag der Frist bei der Bestimmungsstelle eingetroffen oder für sie der schweizeri-
schen Post übergeben sein. Gesetzliche Fristen können nicht erstreckt werden. Im Versäumnis-
fall tritt die Behörde auf die Eingabe nicht ein (§ 5 Abs. 2 VwVG). Nach herrschender Lehre und
Rechtsprechung gelten behördliche Sendungen in Prozessverfahren nicht erst dann als zuge-
stellt, wenn der Adressat sie tatsächlich in Empfang nimmt. Es genügt, wenn die Sendung in
den Machtbereich des Adressaten gelangt, so dass er sie zur Kenntnis nehmen kann. Für den
Fall, dass der Adressat einer eingeschriebenen Briefpostsendung oder Gerichtsurkunde nicht
angetroffen und eine Abholeinladung in seinen Briefkasten oder in sein Postfach gelegt wird,
wird die Sendung in jenem Zeitpunkt als zugestellt betrachtet, in welchem sie auf der Poststelle
abgeholt wird. Für den Fall, dass dies nicht innert der 7-tägigen Frist geschieht, wird angenom-
men, dass die Sendung am letzten Tag dieser Frist zugestellt wurde (Zustellfiktion). Nach der
Rechtsprechung tritt die Zustellfiktion immer 7 Tage nach dem erfolglosen Zustellungsversuch
ein und markiert den Beginn der Rechtsmittelfrist. Zu deren Berechnung unerheblich ist, ob sie
an einem Werktag oder Samstag oder anerkannten Feiertag beginnt (vgl. Schöll Michael,
Rechtsmittelfrist bei nicht zugestellten behördlichen Akten, publ. in: Der Treuhandexperte
[Trex], 2 [2002], S. 68 f., mit Hinweisen; Entscheid des Bundesgerichts [BGE] 1C_85/2010 vom
4. Juni 2010, E. 1.4.2, mit weiteren Hinweisen). Nach den allgemeinen Grundsätzen muss die
Eröffnung dem Adressaten ermöglichen, von der Verfügung oder der Entscheidung Kenntnis zu
erlangen, um diese gegebenenfalls sachgerecht anfechten zu können. Der Entscheid gilt als
eröffnet, wenn er ordnungsgemäss zugestellt ist und der Steuerpflichtige davon Kenntnis neh-
men kann, wobei nicht erforderlich ist, dass er davon tatsächlich Kenntnis nimmt (vgl. BGE
2C_570/2011 vom 24. Januar 2012, E. 4.1, in: Steuer Revue [StR] 67/2012, S. 301 ff., unter
Verweis auf BGE 122 l 139, E. 1; 113 lb 296 E. 2a; für A-Post-Plus, BGE 2C.430/2009 vom 14.
Januar 2010, E. 2.4, in: StR 65/2010, S. 396 ff.; Entscheid des Steuergericht [StGE] vom 16.
Mai 2014, 510 13 107).
d) Durch den Auftrag "Post zurückbehalten" wird die Post angewiesen, Post, die an
eine Domiziladresse gerichtet ist, vorübergehend auf der lokalen Poststelle zurückzubehalten.
Dort kann sie vom Adressaten jederzeit abgeholt werden. Dieser kann auch für eine Zusendung
der angesammelten Post am Schluss der Zurückbehaltungszeit optieren. Ohne Verlängerung
ist der Postzurückbehaltungsauftrag zunächst auf längstens zwei Monate zu erstrecken (vgl.
Ernst/Oberholzer, Fristen und Fristberechnung gemäss Zivilprozessordnung [ZPO], Zürich/St.
Gallen 2013, N 151). Obschon der Adressat die Möglichkeit hat, die zurückbehaltene Post zwei
Monate lang abzuholen, ist gemäss Bundesgericht die Regelung der Zustellungsfiktion analog
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beim Postzurückbehaltungsauftrag anzuwenden. Somit gilt eine eingeschriebene Mitteilung
spätestens am siebten Tag als zugestellt, wobei diese Frist durch den Eingang bei der Poststel-
le am Ort des Empfängers ausgelöst wird (vgl. BGE 134 V 49, E. 4).
e) Die Zustellfiktion rechtfertigt sich, weil für die an einem Verfahren Beteiligten
nach dem Grundsatz von Treu und Glauben die Pflicht besteht, dafür zu sorgen, dass ihnen
behördliche Akte zugestellt werden können. Diese Rechtsprechung gilt mithin während eines
hängigen Verfahrens und wenn die Verfahrensbeteiligten mit der Zustellung eines behördlichen
oder gerichtlichen Entscheides oder einer Verfügung mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit
rechnen müssen. Unter dieser Voraussetzung ist von einem Verfahrensbeteiligten zu verlan-
gen, dass er seine Post regelmässig kontrolliert und allenfalls längere Ortsabwesenheiten der
Behörde mitteilt oder einen Stellvertreter ernennt (vgl. BGE 130 III 396, E. 1.2.3; BGE 119 V 89,
E. 4b/aa, je mit Hinweisen). Die Zustellfiktion kann jedoch bei langer Verfahrensdauer zeitlich
nicht unbeschränkt zur Anwendung gelangen. Das Bundesgericht hat verschiedentlich einen
Zeitraum bis zu einem Jahr seit der letzten verfahrensrechtlichen Handlung der Behörde als
vertretbar erachtet. Während dieser Zeit darf die Zustellfiktion aufrechterhalten werden (vgl.
etwa Urteil 6B_553/2008 vom 27. August 2008, E. 3 mit Hinweisen; BGE 2P.120/2005 vom 23.
März 2006, E. 4.2, in: Schweizerisches Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl]
108/2007, S. 46). In der Lehre wird ebenfalls ein Zeitraum von mehreren Monaten bis zu einem
Jahr genannt. Dauert die Untätigkeit der Behörde länger an, kann nach dieser Meinung die Zu-
stellfiktion nicht mehr greifen (vgl. Yves Donzallaz, La notification en droit interne suisse, Bern
2002, S. 501) (vgl. zum Ganzen: BGE 6B.511/2010, E. 3).
f) Vorliegend hat die Pflichtige mit Eingabe vom 12. Juli 2010 Einsprache erhoben.
Im Monat August 2010 wurden seitens der Steuerverwaltung weitere Unterlagen eingefordert
bzw. von der Pflichtigen nachgereicht. Im Anschluss daran versuchten die Parteien offenbar,
einen Besprechungstermin zu vereinbaren, gemäss einer Aktennotiz der Steuerverwaltung
letztmalig anlässlich eines Telefonats vom 8. November 2010. Ohne dass weitere aktenkundige
Handlungen der Steuerverwaltung ergangen wären, wurde mit Datum vom 16. April 2013 der
Einsprache-Entscheid versandt. Die Untätigkeit der Behörde dauerte somit über zwei Jahre, so
dass aufgrund der hiervor zitierten Praxis die Zustellfiktion nicht zur Anwendung gelangen kann.
Vielmehr ist auf die effektive Zustellung des Einsprache-Entscheides am 14. Juni 2013 abzu-
stellen. Die 30-tägige Rechtsmittelfrist begann somit am 15. Juni 2013 zu laufen und endete am
Sonntag, den 14. Juli 2013. Der am nächstfolgenden Werktag, am Montag, den 15. Juli 2013
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der Post übergebene Rekurs erfolgte damit rechtzeitig. Da auch die übrigen in formeller Hin-
sicht an einen Rekurs zu stellenden Anforderungen erfüllt sind, ist darauf einzutreten.
3. Weiter ist auf die Einwände der Pflichtigen, wonach der angefochtenen Einsprache-
Entscheid der Steuerverwaltung ohne rechtsgenügliche Begründung ergangen und ihr die Ak-
teneinsicht verweigert worden sei, einzugehen.
a) Im Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung
der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV) drückt sich ein zentraler Ge-
halt prozeduraler Fairness aus. Das rechtliche Gehör dient funktional einerseits der Sachver-
haltsabklärung, anderseits ist es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht ist. Rechtspre-
chung und Lehre haben aus dem verfassungsrechtlichen Gehörsanspruch verschiedene Teil-
gehalte abgeleitet: den Anspruch auf vorgängige Äusserung und Mitwirkung im Verfahren, das
Recht auf Akteneinsicht, auf Entscheidbegründung und auf Rechtsbeistand (vgl. Kie-
ner/Rütsche/Kuhn, Öffentliches Verfahrensrecht, N 226). Aus dem Anspruch der Parteien auf
Begründung erwächst den Behörden die Pflicht, die Vorbringen tatsächlich zu hören, sorgfältig
und ernsthaft zu prüfen und bei der Entscheidfindung zu berücksichtigen. Die Behörde muss
jedoch nicht alle vorgebrachten Argumente würdigen, sondern darf sich auf die Prüfung der
entscheidwesentlichen Argumente beschränken. Die Begründungsdichte genügt den verfas-
sungsrechtlichen Standards, wenn sich der Betroffene über die Tragweite des Entscheides Re-
chenschaft ablegen und diesen in voller Kenntnis der Sachlage gegebenenfalls anfechten kann
(vgl. Kiener/Rütsche/Kuhn, a.a.O., N 237 ff.). Die Konsequenz einer Verletzung des Gehörsan-
spruchs ist grundsätzlich die Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Aufgrund der formellen
Natur gilt dies unabhängig davon, ob der Entscheid in einem korrekten Verfahren anders oder
gleich ausgefallen wäre (Häfelin/Haller/Keller, Bundesstaatsrecht, N 839).
b) Die Steuerverwaltung hat dem Steuerpflichtigen gemäss § 123 Abs. 3 StG ihren
begründeten Entscheid schriftlich und mit einer Belehrung über die Rechtsmittel zu eröffnen.
Die Rechtsprechung des Bundesgerichts bejaht seit 1970 einen Begründungszwang selbst
dann, wenn keine entsprechende gesetzliche Norm vorliegt, denn es entspreche allgemeinen
rechtsstaatlichen Prinzipien, dass dem Rechtssuchenden die Entscheidungsgründe eröffnet
würden (vgl. Jürg Stadelwieser, Die Eröffnung von Verfügungen, Diss. St. Gallen, 1994, S. 186
f.). Während es nach gängiger Praxis genügt, beim Erlass der Veranlagung die Abweichungen
von der Deklaration aufzuzeigen, muss der Entscheid der Steuerverwaltung eine Begründung
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enthalten. Die Begründung hat die rechtlichen und tatsächlichen Erwägungen der Behörde auf-
zuzeigen, aufgrund derer der Entscheid getroffen wurde. Sie muss es dem Steuerpflichtigen
ermöglichen, die Erfolgschancen und die Kostenrisiken eines weiteren Rechtsmittelverfahrens
abzuschätzen (vgl. Ziegler in: Nefzger/Simonek/Wenk, Kommentar zum Steuergesetz des Kan-
tons Basel-Landschaft, § 123 N 10; StGE vom 14. Dezember 2007, 510 07 45, E. 3,
www.bl.ch/steuergericht). Die Behörde muss sich zwar wie dargetan nicht zu allen Rechtsvor-
bringen einer Partei äussern, sie darf sich vielmehr auf die für den Entscheid wesentlichen Ge-
sichtspunkte beschränken, aber je komplexer die Sach- und Rechtslage ist, desto höhere An-
forderungen werden an die Begründungspflicht gestellt (vgl. BGE 129 I 232, E. 3.3).
c) Die Besteuerung der Kapitalabfindung ist im vorliegenden Fall komplex und er-
fordert eine Begründung, die auf den Einzelfall eingeht. Dies gilt umso mehr, als die Pflichtige
eine sehr sorgfältig verfasste Einsprache eingereicht hat, in welcher sie ihre Standpunkte ein-
gehend dargetan und mit umfangreichen Belegen untermauert hat.
d) In ihrem Einsprache-Entscheid vom 16. April 2013 geht die Steuerverwaltung
nach einer kurzen Darstellung des Sachverhalts sowie der Erwähnung einiger Argumente der
Pflichtigen in den Erwägungen auch auf deren Argumentation ein. Die Steuerverwaltung greift
zwar nicht sämtliche Argumente der Pflichtigen auf und fasst sich in ihrer Begründung zu den
einzelnen Punkten eher kurz. Dennoch ist aus dieser summarischen Überprüfung, in welcher
sich die Steuerverwaltung mit der Besteuerung der von der Haftpflichtversicherung der Pflichti-
gen ausbezahlten Kapitalleistungen auseinandersetzt, deutlich erkennbar, aus welchen Grün-
den sie zu ihrem Schluss kommt. Diese Erkenntnis führt denn auch dazu, dass eine Verletzung
des rechtlichen Gehörs nicht feststellbar ist, zumal es der Pflichtigen möglich war auf Grundlage
dieses Entscheids einen sehr ausführlichen Rekurs zu verfassen, was ihr bei einem unzu-
reichend begründeten Entscheid kaum gelungen wäre.
e) Betreffend die geltend gemachte Verweigerung der Akteneinsicht ist festzuhal-
ten, dass, soweit ersichtlich, die Pflichtige im vorinstanzlichen Verfahren nirgends um Aktenein-
sicht ersucht hat. Zudem hat die Steuerverwaltung unter Verweis auf die bereits hiervor ge-
nannte Aktennotiz versucht, mit der Pflichtigen einen Besprechungstermin zu vereinbaren. An-
lässlich dieser Besprechung wären der Pflichtigen wohl auch die Akten zur Einsicht vorgelegt
worden. Von verweigerter Akteneinsicht kann jedenfalls keine Rede sein.
http://www.bl.ch/steuergericht
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4. In materieller Hinsicht unterliegt der Beurteilung, ob die der Pflichtigen seitens der Versi-
cherung im Jahr 2005 ausbezahlten Kapitalleistungen aus einem Haftpflichtfall aus dem Jahre
1996 zu Recht als Kapitalabfindungen mit einer separaten Jahressteuer belegt wurden. Streitig
und zu prüfen ist, in welchem Zeitpunkt die Haftpflichtleistungen unter steuerrechtlichem Ge-
sichtspunkt als realisiert zu betrachten sind.
5. Gemäss § 23 Abs. 1 StG unterliegen der Einkommenssteuer sämtliche wiederkehren-
den und einmaligen Einkünfte aller Art der natürlichen sowie der ihnen gleichgestellten juristi-
schen Personen.
a) Indem das basellandschaftliche Steuergesetz alle wiederkehrenden und einmali-
gen Einkünfte für steuerbar erklärt, folgt es dem Grundsatz der Gesamtreineinkommensbesteu-
erung (vgl. BGE 125 II 113, E. 4a). Dieses Prinzip beruht auf der sog. Reinvermögenszugangs-
theorie, nach der das Einkommen die Gesamtheit derjenigen Wirtschaftsgüter umfasst, welche
einem Individuum während eines bestimmten Zeitabschnittes zufliessen, und die es ohne
Schmälerung seines Vermögens zur Befriedigung seiner persönlichen Bedürfnisse und für sei-
ne laufende Wirtschaft verwenden kann. Daraus folgt, dass Einkünfte im Sinne einer Einkom-
mensgeneralklausel nur insoweit nicht steuerbar sind, als sie durch ausdrückliche gesetzliche
Anordnung für steuerfrei erklärt werden (vgl. Blumenstein/Locher, System des schweizerischen
Steuerrechts, 6. Auflage, Zürich 2002, S. 170 f. mit Hinweisen, sowie BGE vom 23. September
1996, publ. in: StE 1997, B 72.11 Nr. 5, E. 3a) (vgl. zum Ganzen: Entscheid der Steuerrekurs-
kommission des Kantons Basel-Stadt Nr. 6/2006 vom 20. Juli 2006, publ. in Basellandschaftli-
che und Baselstädtische Steuerpraxis [BStPra], Bd. XIX, S. 364 ff., E. 4a).
b) Der Begriff des Einkommens ist im Gegensatz zu demjenigen des Vermögens
kein zivilrechtlicher, sondern ein wirtschaftlicher. Dies bedeutet, dass er weder als Ganzes noch
in seinen Bestandteilen auf Erscheinungen beruht, die das Zivilrecht als solche zu umschreiben
und in ihren Beziehungen zur Person zu regeln hat. Einzig das Steuerrecht befasst sich im juris-
tischen Sinn mit dem Einkommen. Der steuerrechtliche Einkommensbegriff ist daher primär
aufgrund der geltenden gesetzlichen Regelungen auszulegen. Aufgrund der Reinvermögenszu-
gangstheorie folgt, dass es darauf ankommt, wann der Steuerpflichtige über einen bestimmten
Einkommensbestandteil disponieren kann (Realisierungsprinzip). Dies ist dann der Fall, wenn
der Steuerpflichtige Leistungen vereinnahmt oder einen festen Rechtsanspruch darauf erwirbt,
über den er tatsächlich verfügen kann. Grundsätzlich ist der einer Geldleistung vorausgehende
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Forderungserwerb massgebend, sofern die Erfüllung der Forderung nicht als unsicher er-
scheint. Es gilt damit ungeachtet des Fälligkeitstermins grundsätzlich die sogenannte Soll-
Methode. Ist der Rechtserwerb als unsicher zu qualifizieren, so wird die Besteuerung bis zum
Eingang der Leistung aufgeschoben, d.h. in solchen Fällen wird die sogenannte lst-Methode
angewandt (Blumenstein/Locher, a.a.O., S. 267 f., mit weiteren Hinweisen).
c) Für die steuerliche Zurechnung zu einer bestimmten Bemessungsperiode wird in
jedem Fall, also auch bei Anwendung der Soll-Methode, vorausgesetzt, dass der Steuerpflichti-
ge über den erworbenen Anspruch verfügen kann. Es bedarf eines abgeschlossenen Recht-
serwerbes. Im Bereich des Versicherungsrechts gelten grundsätzlich keine von den allgemei-
nen Grundsätzen abweichenden Regelungen. Massgebend ist somit auch hier der Zeitpunkt, in
welchem der Steuerpflichtige einen festen Rechtsanspruch erwirbt (vgl. Ruefener, Steuerfolgen
bei Personenschäden in: Personen-Schaden-Forum 2011 Tagungsbeiträge, S. 93 [109]). Ein
solcher liegt erst dann vor, wenn dem Steuerpflichtigen eine definitive, unbedingte und nicht
bloss anwartschaftliche Forderung zusteht (BGE 113 lb S. 26, E. 2e). Um Einkommen besteu-
ern zu können, muss es sich somit zu einem festen Anspruch konkretisiert haben. Erst dann
kann es steuerlich erfasst werden. Vor dieser Konkretisierung liegt bloss anwartschaftliches,
fiktives bzw. noch nicht realisiertes Einkommen vor. Ist beispielsweise die Zahlungspflicht des
Schuldners an Bedingungen geknüpft oder mit einem Vorbehalt verbunden, so kann die Erfas-
sung als Einkommen erst erfolgen, wenn die Bedingung erfüllt oder der Vorbehalt hinfällig ge-
worden ist. Vom Erwerb eines festen Anspruches auf Zahlung kann ebensowenig gesprochen
werden, wenn eine Forderung in ihrer Höhe noch völlig unbestimmt ist (vgl. Entscheid des Ver-
altungsgerichts des Kantons Luzern vom 7. März 1991, publ. in: Luzerner Gerichts- und Verwal-
tungsentscheide [LGVE] 1991 ll Nr. 15, E. 5c, www.gerichte.lu.ch).
6. Schadenersatz führt grundsätzlich nicht zu steuerbarem Einkommen. Es handelt sich
zwar um einen Zufluss von aussen. Diesem Zufluss steht jedoch ein Vermögensabgang gegen-
über, der nicht der Befriedigung eigener Bedürfnisse, sondern dem Ausgleich einer erlittenen
oder noch eintretenden wirtschaftlichen Einbusse dient, weshalb kein Reinvermögenszugang
vorliegt. Umgekehrt folgt daraus, dass Schadenersatzleistungen zu steuerbarem Einkommen
führen, soweit sie den effektiven Schaden übersteigen. In diesen Fällen wird der Vermögenszu-
fluss in Form der Schadenersatzleistung nicht oder nicht in vollem Umfang durch einen ent-
sprechenden Vermögensabgang neutralisiert. Steuerbar sind auch Leistungen, die dazu be-
stimmt sind, den Ausfall von Erwerbseinkommen zu ersetzen, wie z. B. die von einer Haft-
http://www.gerichte.lu.ch/
Seite 13
pflichtversicherung bezahlten Entschädigungen für den Erwerbsausfall eines Steuerpflichtigen
infolge Unfalls (vgl. Plüss in: Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 3. A., § 25 N 8, mit weite-
ren Hinweisen).
7. Entschädigungsansprüche aus Versorgerschaden gelten gemäss Art. 45 des Bundes-
gesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obli-
gationenrecht) vom 30. März 1911 (OR) unter steuerrechtlichen Aspekten nicht bereits im Zeit-
punkt des schädigenden Ereignisses als realisiert. Es trifft zwar zu, dass das Schuldverhältnis
zwischen Schädiger und Geschädigtem grundsätzlich mit der Zufügung des Schadens entsteht
(Art. 41 ff. OR). Die einzelnen Ansprüche dieses Schuldverhältnisses haben aber zumindest
steuerrechtlich im Zeitpunkt des schädigenden Ereignisses erst anwartschaftlichen Charakter.
Denn mit der Schadenszufügung sind oftmals nicht alle anspruchsbegründenden Tatbestandse-
lemente erfüllt. Art und Grösse des Schadens (Art. 42 und 45 OR), allfällige Reduktionsfaktoren
(Art. 44 OR) sowie Art und Umfang des Schadenersatzes bzw. einer allfälligen Genugtuung
(Art. 43 und Art. 47 OR) stehen in der Regel noch nicht fest. Unter Umständen kann die Haft-
pflicht selbst noch fraglich sein (Art. 41 und 54 OR; Verursachung, Verschulden usw.). Auch bei
einer rein zivilrechtlicher Betrachtungsweise kommt man also zum Schluss, dass im Zeitpunkt
des schädigenden Ereignisses oft noch gar nicht alle Schadenersatzansprüche entstanden sind
(Todesfallkosten, Heilungskosten, Nachteile einer Arbeitsunfähigkeit gemäss Art. 45 OR). Von
einem steuerrechtlich relevanten „abgeschlossenen Rechtserwerb“ (vgl. BGE 113 lb 26, E. 2e;
LGVE 1991 ll Nr. 15, E. 5, a.a.O.) kann im Zeitpunkt der Schadenszufügung deshalb nicht ge-
sprochen werden. Die einzelnen Entschädigungsansprüche sind noch unbestimmt, unsicher
und regelmässig von der Realisierung zusätzlicher Tatbestandselemente abhängig. Für eine
steuerliche Erfassung bedürfen die haftpflichtrechtlichen Entschädigungsansprüche der weite-
ren Konkretisierung, sei es durch Vereinbarung zwischen den Parteien, sei es durch richterli-
ches Urteil. Wollte man einen derart unbestimmten Anspruch bereits als Einkommen steuerlich
erfassen, so würde der Steuerpflichtige zu Recht einwenden, dieser Anspruch stehe dem Um-
fang nach noch nicht fest und dessen Realisierung sei ungewiss. Je nach finanzieller Situation
wäre der Steuerpflichtige mangels Verfügungsmöglichkeit über die anwartschaftlichen Ansprü-
che gar nicht in der Lage, die darauf entfallende Steuer zu entrichten. Eine Besteuerung derart
ungewisser Leistungen wäre schliesslich mit dem Grundsatz der Besteuerung nach der wirt-
schaftlichen Leistungsfähigkeit nicht in Einklang zu bringen. Die entsprechende Leistung kann
daher im Zeitpunkt des Ereignisses, das die spätere Leistung auslöst, noch nicht als zugeflos-
sen betrachtet werden. Ein definitiver Anspruch besteht erst nach Festlegung im Rahmen einer
Seite 14
Vereinbarung oder eines Vergleichs. Wird aber gar noch über die Forderung selbst verhandelt,
so kann von einem unbedingten, abgeschlossenen Rechtserwerb nicht die Rede sein (vgl. Ent-
scheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Luzern vom 17. Oktober 1995, publ. in: LGVE
1995 II Nr. 21, E. 4f., a.a.O.). Auch Art. 41 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Versiche-
rungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz, VVG) vom 2. April 1908, wonach die Forderung
aus dem Versicherungsvertrag mit dem Ablauf von vier Wochen, von dem Zeitpunkt an gerech-
net, fällig wird, in dem der Versicherer Angaben erhalten hat, aus denen er sich von der Rich-
tigkeit des Anspruches überzeugen kann, geht von diesem Ansatz aus. In Abweichung vom
allgemeinen Recht tritt die Fälligkeit erst ein, wenn die vorliegenden Informationen den Versi-
cherer habe überzeugen können, dass der Anspruch auf Versicherungsleistungen zu Recht
besteht (vgl. Nef in: Basler Kommentar zum Versicherungsvertragsgesetz [VVG], Basel 2012,
Art. 41 N 1). Für den Zeitpunkt der Besteuerung von Kapitalabfindungen ist daher auf das Da-
tum der Vereinbarung oder das gerichtliche Urteil abzustellen.
8. Fehlt eine Vereinbarung, kann aus praktischen Gründen auf den Zeitpunkt der Auszah-
lung abgestellt werden (vgl. Arbeitsgruppe Vorsorge der Schweizerischen Steuerkonferenz
[SSK], Besteuerungszeitpunkt von Kapitalleistungen aus Versicherung und Vorsorge, Ziff. 4.1).
Zwar bezieht sich die SSK auf den Besteuerungszeitpunkt von Kapitalleistungen für bleibende
körperliche Nachteile aus freier Vorsorge gemäss Säule 3b und nicht auf Leistungen einer Haft-
pflichtversicherung infolge eines Unfalles. Da aber § 36 Abs. 1 StG (vgl. dazu die Ausführungen
weiter unten) für die Besteuerung nicht zwischen Kapitalleistungen aus beruflicher Vorsorge
sowie aus anerkannten Formen der gebundenen Selbstvorsorge und Kapitalleistungen bei Tod
und für bleibende körperliche oder gesundheitliche Nachteile unterscheidet, können die Ausfüh-
rungen der SSK analog auch auf Leistungen einer Haftpflichtversicherung angewendet werden.
Dies gilt umso mehr, als auch das Bundesgericht im Entscheid 2C_158/2013 vom 26. August
2013 festhält, dass sich die Besteuerung nach Art. 38 des Bundesgesetzes über die direkte
Bundessteuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 (welcher § 36 Abs. 1 StG entspricht), welcher
auch Invaliditäts- und Todesfallkapitalien aus Unfallversicherung, Haftpflichtversicherung usw.
erfasse, auch auf Haftpflichtleistungen beziehe (vgl. E. 4.3). In einem Fall, welcher Vorsorge-
leistungen gemäss dem Bundesgesetz über die berufliche Alters- und Hinterlassenen- und In-
validenvorsorge (BVG) vom 25. Juni 1982 betraf, kam das Bundesgericht sodann zum Schluss,
dass gemäss Art. 84 BVG Ansprüche aus beruflicher und gebundener Vorsorge vor ihrer Fällig-
keit von den direkten Steuern des Bundes, der Kantone und Gemeinden befreit seien. Daraus
liesse sich folgern, dass als Besteuerungszeitpunkt für Kapitalleistungen grundsätzlich auf den
Seite 15
Fälligkeitszeitpunkt abzustellen sei, wobei zu relativieren sei, dass Art. 84 BVG nicht aus-
schliesse, dass Vorsorgeleistungen (erst) im Zeitpunkt der Auszahlung besteuert würden (vgl.
BGE 2P.389/1998, E. 3a; vgl. zum Ganzen auch SSK, Ziff. 2.1). Auch das Verwaltungsgericht
des Kantons Zürich kommt in einem Urteil vom 20. April 2005 (vgl. Der Steuerentscheid [StE]
2005 B 26.11 Nr. 2 = Zürcher Steuerpraxis [ZStP] 2005, 349 [352]) zu diesem Schluss, wenn es
ausführt, in Fällen, in denen der genaue Zeitpunkt der Fälligkeit unabklärbar oder der Anspruch
der steuerpflichtigen Person im Fälligkeitszeitpunkt besonders unsicher sei, müsse auf den
Zeitpunkt der (späteren) Auszahlung abgestellt werden (vgl. zum Ganzen auch Rich-
ner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. A. Zürich 2013, § 50 N
68, mit weiteren Hinweisen). Das Steuergericht des Kantons Basel-Landschaft hat mit Urteil Nr.
83/2005 vom 24. Juni 2005 (www.bl.ch/steuergericht) ebenfalls entschieden, dass steuerbare
haftpflichtrechtliche Kapitalzahlungen im Todesfall regelmässig noch unbestimmt und unsicher
seien, weshalb das Einkommen erst bei der endgültigen Erledigung der Haftpflichtfrage zuflies-
se. Daher sei die Versicherungsleistung im Auszahlungsjahr steuerbar (vgl. E. 3).
9. Gemäss Art. 68 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten
Steuern der Kantone und Gemeinden (Steuerharmonisierungsgesetz, StHG) vom 14. Dezem-
ber 1999 in der vorliegend gültigen Fassung besteht bei Wechsel des steuerrechtlichen Wohn-
sitzes innerhalb der Schweiz die Steuerpflicht auf Grund persönlicher Zugehörigkeit für die lau-
fende Steuerperiode im Kanton, in welchem der Steuerpflichtige am Ende dieser Periode sei-
nen Wohnsitz hat. Kapitalleistungen gemäss Art. 11 Abs. 3 StHG, d.h. Kapitalleistungen aus
Vorsorgeeinrichtungen sowie Zahlungen bei Tod und für bleibende körperliche oder gesundheit-
liche Nachteile, sind jedoch in dem Kanton steuerbar, in dem der Steuerpflichtige im Zeitpunkt
der Fälligkeit seinen Wohnsitz hat. Damit wird das System der Einheit von Bemessungs- und
Steuerperiode durchbrochen, da für die Besteuerung derartiger Kapitalleistungen in der Periode
des Wohnsitzwechsels nicht der Kanton zuständig ist, in welchem der Steuerpflichtige am Ende
der Periode seinen Wohnsitz hat, sondern derjenige Kanton, in welchem der Steuerpflichtige im
Zeitpunkt der Fälligkeit der Leistung seinen Wohnsitz hatte (vgl. Weber in: Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht I/1, Art. 68 StHG N 6). Aufgrund des ausdrücklichen Wortlautes
des per 1. Januar 2001 in Kraft getretenen Steuerharmonisierungsgesetzes in der vorgenann-
ten Bestimmung ist das Urteil des Verwaltungsgerichts (heute: Kantonsgericht) des Kantons
Basel-Landschaft vom 18. November 1998 (publ. in: BStPra, Bd. XIV, S. 462 ff.), wonach Scha-
denersatzzahlungen aus Haftpflicht für erlittenen Erwerbsschaden an einen Selbstständiger-
werbenden als Ersatzeinkommen an seinem Geschäftsdomizil und nicht an seinem Wohnort
http://www.bl.ch/steuergericht
Seite 16
steuerbar seien, zwischenzeitlich überholt. Es ist also auf den Wohnsitz und nicht das Ge-
schäftsdomizil abzustellen.
10. Vorliegend erlitt die Pflichtige am 19. Juni 1996 einen Verkehrsunfall. Aufgrund einer
Teilklage für den Zeitraum vom Unfalldatum bis zum 31. Januar 2000 wurde die Haftpflichtver-
sicherung der Unfallverursacherin mit Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung
Zivil- und Strafrecht vom 8. Juni 2004 (40-03/507 [A 150]) zur Zahlung unter den Titeln Hei-
lungskosten, Erwerbsausfall aus Haupttätigkeit, Erwerbsausfall aus Nebentätigkeit, Haushalt-
schaden, unfallbedingte Mehrkosten, beratungs- und vorprozessuale Anwaltskosten, Scha-
denszins, Genugtuung und Genugtuungszins von total Fr. 710‘514.95 an die Pflichtige verurteilt
(vgl. www.bl.ch/kantonsgericht). Die von der Haftpflichtversicherung gegen dieses Urteil erho-
bene Berufung wurde mit Urteil des Bundesgerichts vom 22. Dezember 2004 (vgl. BGE
4C.327/2004), soweit darauf eingetreten wurde, abgewiesen (vgl. www.bger.ch). Mit Veranla-
gungsverfügung für Kapitalleistungen Staatssteuer 2005 vom 20. Mai 2010 wurde seitens der
Steuerverwaltung u.a. eine Zahlung der Haftpflichtversicherung vom 4. Februar 2005 in Höhe
von Fr. 160‘422.-- veranlagt. Da diese Zahl nicht mit einem Schreiben der Steuerverwaltung des
Kantons C. an die Pflichtige vom 13. Juli 2010 übereinstimmte, wurde bei der Haftpflichtversi-
cherung eine entsprechende Anfrage gemacht. Gemäss telefonischer Auskunft der Haftpflicht-
versicherung wurde am 4. Februar 2005 ein Betrag von Fr. 188‘297.-- bezahlt, wobei es sich
dabei um eine Restzahlung aus der Teilklage gehandelt habe. Gestützt auf die zitierte Praxis ist
dieser Rechtsanspruch, auch wenn die Zahlung erst im Jahr 2005 erfolgte, im Steuerjahr 2004
entstanden. Da vorliegend das Steuerjahr 2005 zu beurteilen ist, ist die veranlagte Kapitalzah-
lung vom 4. Februar 2005 in Höhe von Fr. 160‘422.-- aufzuheben.
11. Mit Schreiben vom 12. Mai 2005 unterbreitete die Haftpflichtversicherung der Pflichtigen
gestützt auf die vorgenannten Urteile des Kantons- und Bundesgerichts für die Zeit ab dem 1.
Februar 2000 und für die Zukunft einen unpräjudiziellen Vorschlag zur vergleichsweisen Erledi-
gung der verbleibenden Haftpflichtansprüche, wobei sich die Ersatzpositionen wie folgt zusam-
mensetzten: Verbleibendender Erwerbsschaden direkt, nach Abzug einer ganzen IV-Rente: Fr.
3‘429‘435.-- + verbleibender Haushaltschaden: Fr. 339‘691.-- + Schadenzins: Fr. 133‘994.-- +
verbleibende Genugtuung inkl. Zins: Fr. 84‘689.--, total somit Fr. 3‘987‘809.--. Mit Eingabe der
Haftpflichtversicherung ans Steuergericht vom 6. Mai 2014 führte dieselbe aus, die Offerte sei
bis heute nicht angenommen worden. Man habe folgende Akonto-Zahlungen geleistet: Am 10.
http://www.bl.ch/kantonsgericht http://www.bger.ch/
Seite 17
März 2005 Fr. 250‘000.--, am 27. Januar 2006 Fr. 750‘000.--, am 27. März 2007 Fr. 500‘000.--
und am 15. August 2008 Fr. 2'250'000.--, total somit Fr. 3'750'000.--.
12. Die Pflichtige macht einerseits geltend, die Steuerhoheit über eine natürliche Person
hänge massgeblich davon ab, welche Art von Einkommen sie erziele. Sei eine Person selb-
ständigerwerbend, werde sie am Ort ihres Geschäftssitzes für ihre Einkünfte aus dem Geschäft
besteuert. Da sich der Geschäftssitz im Kanton C. befunden habe, seien die Schadenersatz-
zahlungen, soweit sie das Einkommen aus selbständiger Tätigkeit ersetzten, vom Kanton C. zu
besteuern. Wie weiter oben dargetan, beruft sich die Pflichtige damit auf eine überholte Praxis,
ist doch entgegen der von der Rekurrentin vertretenen Meinung für die Besteuerung der Kapi-
talleistung gemäss Steuerharmonisierungsgesetz nicht am Geschäftssitz anzuknüpfen, sondern
auf den Wohnsitz abzustellen.
13. Die Pflichtige macht andererseits geltend, für die Fälligkeit sei auf den Unfallzeitpunkt
abzustellen. Zur Begründung führt sie aus, als Fälligkeit werde der Zeitpunkt bezeichnet, ab
welchem der Gläubiger die Leistung verlangen dürfe und auch rechtlich durchsetzen könne.
Richtig ist, dass für die Fälligkeit in zivilrechtlicher Hinsicht auf den Unfallzeitpunkt abzustellen
ist. Unter Verweis auf die hiervor zitierte Lehre und Praxis bedürfen die haftpflichtrechtlichen
Entschädigungsansprüche für eine steuerliche Erfassung indes der weiteren Konkretisierung,
sei es durch Vereinbarung zwischen den Parteien, sei es durch ein richterliches Urteil. Das rich-
terliche Urteil hinsichtlich der Teilklage erfolgte vorliegend zwar im Jahr 2004, ist aber, da im
vorliegenden Verfahren das Steuerjahr 2005 zu beurteilen ist, wie gesehen hier nicht relevant.
Eine Vereinbarung über die restlichen Entschädigungsansprüche liegt bis heute, also über 18
Jahre nach dem Unfall, nicht vor. Daher kann von einem steuerrechtlich relevanten abge-
schlossenen Rechtserwerb im Zeitpunkt der Schadenszufügung im Jahr 1996 nicht gesprochen
werden.
14. Es ist daher nachstehend zu prüfen, ob für den Rechtserwerb auf den Zeitpunkt der Of-
ferte der Haftpflichtversicherung vom 12. Mai 2005 in Höhe von Fr. 3‘987‘809.-- abzustellen ist.
Gemäss Art. 1 Abs. 1 OR ist zum Abschluss eines Vertrages die übereinstimmende gegenseiti-
ge Willensäusserung der Parteien erforderlich. Vorliegend liegt eine Offerte der Haftpflichtversi-
cherung vor, welche bis heute nicht angenommen wurde. Da damit eine übereinstimmende ge-
Seite 18
genseitige Willensäusserung fehlt, ist kein Vertrag zustande gekommen. Dies gilt noch umso
mehr, als die Haftpflichtversicherung ihre Offerte ausdrücklich als unpräjudiziellen Vorschlag
bezeichnet hat, an welchen sie gemäss Art. 7 Abs. 1 OR nicht gebunden war. Trotzdem hat die
Haftpflichtversicherung quasi in einer vorweggenommenen Erfüllung Akonto-Zahlungen in Höhe
von total Fr. 3‘750‘000.-- bezahlt. Es stellt sich die Frage, ob durch die Entgegennahme der
Überweisungen ein stillschweigender oder konkludenter Vertrag im Sinne von Art. 1 Abs. 2 OR
abgeschlossen wurde. Der Überweisung liegt ein Anweisungsvertrag im Sinne von Art. 466 ff.
OR zugrunde. Bei einem Anweisungsvertrag ist der Anweisungsempfänger, in casu also die
Rekurrentin, nicht verpflichtet, die Anweisung anzunehmen. Ist er nicht gewillt, den Erfüllungs-
versuch seines Schuldners, in casu die Haftpflichtversicherung, zu akzeptieren, so muss er al-
lerdings gegenüber dem Anweisenden im Sinne von Art. 467 Abs. 3 OR ausdrücklich remonst-
rieren. Unterlässt der Anweisungsempfänger diese Mitteilung, so wird aber keine Annahme fin-
giert (vgl. BSK- OR I-Koller, Art. 467 N 6, mit weiteren Hinweisen). Auch durch die Annahme der
Zahlungen ist damit kein Vertrag zwischen der Haftpflichtversicherung und der Pflichtigen zu-
stande gekommen. Daher kann auch nicht von Zahlungsmodalitäten gesprochen werden, kann
ein Vertrag doch erst dann erfüllt werden, wenn er, was vorliegend eben gerade nicht der Fall
ist, entstanden ist. Es liegen daher lediglich anwartschaftliche Ansprüche vor, die entgegen der
von der Steuerverwaltung vertretenden Ansicht rechtlich, da die Forderung nicht auf einer durch
Unterschrift bekräftigten Schuldanerkennung im Sinne von Art. 82 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG) vom 11. April 1889 beruht, so dass kein Rechts-
öffnungstitel vorliegt, gerade nicht durchsetzbar ist. Entsprechend hat die Haftpflichtversiche-
rung auch lediglich Akonto-Zahlungen geleistet, welche gemeinhin als vorläufige Zahlungen
bezeichnet werden, wobei der Umfang der definitiv geschuldeten Leistung noch zu ermitteln ist
(vgl. BGE 126 III 119, E. 2b). Somit ist für die Besteuerung nicht auf den Zeitpunkt der Offerte
abzustellen.
15. Ohne dass ein Vertrag zustande gekommen ist, hat die Haftpflichtversicherung folgende
Akonto-Zahlungen an die anwartschaftlichen Ansprüche geleistet: Am 10. März 2005 Fr.
250‘000.--, am 27. Januar 2006 Fr. 750‘000.--, am 27. März 2007 Fr. 500‘000.-- und am 15.
August 2008 Fr. 2'250'000.--, total somit Fr. 3'750'000.--. Es stellt sich die Frage, wann diese
Zahlungen zu besteuern sind, wenn, wie vorliegend, keine Vereinbarung abgeschlossen wurde
und daher für die Besteuerung nicht auf den Zeitpunkt derselben abgestellt werden kann. Wie
weiter oben dargetan, folgt aus der Umschreibung des Einkommensbegriffes, dass es darauf
ankommt, wann der Steuerpflichtige über einen bestimmten Einkommensbestandteil disponie-
Seite 19
ren kann (Realisierungsprinzip). Dies ist dann der Fall, wenn der Steuerpflichtige Leistungen
vereinnahmt oder einen festen Rechtsanspruch darauf erwirbt, über den er tatsächlich verfügen
kann. Obwohl es vorliegend an einem Vergleich oder an einer Vereinbarung fehlt und damit der
Rechtserwerb unsicher ist, hat die Rekurrentin Leistungen vereinnahmt. Daher ist auf die Zah-
lungseingänge abzustellen, konnte doch die Pflichtige ab diesem Zeitpunkt über die jeweilige
Geldleistung disponieren, zumal dies auch mit dem Prinzip der wirtschaftlichen Leistungsfähig-
keit gemäss Art. 127 Abs. 2 BV vereinbar ist. Für die Fälligkeit im Sinne von Art. 68 Abs. 1
StHG ist somit vorliegend auf den Zeitpunkt der Auszahlung abzustellen.
16. Die Akonto-Zahlungen erfolgten am 10. März 2005, am 27. Januar 2006, am 27. März
2007 und am 15. August 2008. Am 10. März 2005 hatte die Pflichtige ihren Wohnsitz unbestrit-
tenermassen im Kanton Basel-Landschaft, so dass die Akonto-Zahlung vom 10. März 2005
seitens der Steuerverwaltung grundsätzlich zu Recht besteuert wurde. In diesem Zusammen-
hang ist der Einwand der Pflichtigen, wonach über das Steuerjahr 2005 bereits rechtskräftig
entschieden worden sei, zu prüfen. Mit Schreiben vom 10. Januar 2007 betreffend Steuererklä-
rung 2005 hat die Steuerverwaltung gegenüber der Pflichtigen festgehalten, dass sie per 28.
Dezember 2005 aus der Steuerpflicht entlassen werde. Die Steuerverwaltung bezog sich mit
diesem Schreiben auf die ordentlichen Steuern. Im vorliegenden Verfahren ist indes nicht die
ordentliche Steuer für das Steuerjahr 2005, sondern die Sondersteuer für die Kapitalleistung
strittig. Über diese wurde mit dem vorgenannten Schreiben entgegen der Meinung der Pflichti-
gen noch nicht rechtskräftig entschieden, zumal, wie hiervor gesehen, für die Besteuerung der
Kapitalleistung nicht wie bei den ordentlichen Steuern auf das Ende der betreffenden Steuerpe-
riode abgestellt wird, sondern das Datum der Zahlung der Kapitalleistung entscheidend ist. Was
die übrigen Akonto-Zahlungen, welche nicht im Steuerjahr 2005 überwiesen wurden, angeht,
kann im vorliegenden Verfahren offen bleiben, wie diese zu besteuern sind.
17. In quantitativer Hinsicht ist die Steuerverwaltung in ihrer Veranlagung vom 20. Mai 2010
von einem Betrag von Fr. 220‘000.-- ausgegangen. Da diese Zahl nicht mit einem Schreiben
der Steuerverwaltung des Kantons C. an die Pflichtige vom 13. Juli 2010 übereinstimmte, wurde
bei der Haftpflichtversicherung eine entsprechende Anfrage gemacht. Gemäss deren Offerte
vom 12. Mai 2005 sowie deren Eingabe ans Steuergericht vom 6. Mai 2014 wurde am 10. März
2005 ein Betrag von Fr. 250‘000.-- bezahlt.
Seite 20
18. Gemäss Vergleichsvorschlag der Haftpflichtversicherung vom 12. Mai 2005 setzt sich
die Haftpflichtentschädigung in Höhe von total Fr. 3‘987‘809.-- aus folgenden Komponenten
zusammen: Verbleibendender Erwerbsschaden direkt, nach Abzug einer ganzen IV-Rente: Fr.
3‘429‘435.-- + verbleibender Haushaltschaden: Fr. 339‘691.-- + Schadenzins: Fr. 133‘994.-- +
verbleibende Genugtuung inkl. Zins: Fr. 84‘689.--. Die einzelnen Entschädigungskomponenten
werden steuerrechtlich unterschiedlich behandelt.
a) Gemäss § 36 Abs. 1 StG in der vorliegend gültigen Fassung werden Kapitalleis-
tungen aus beruflicher Vorsorge sowie aus anerkannten Formen der gebundenen Selbstvorsor-
ge gesondert besteuert. Ebenso unterliegen Kapitalleistungen bei Tod und für bleibende körper-
liche oder gesundheitliche Nachteile einer separaten Jahressteuer. Bei der Entschädigung der
Haftpflichtversicherung für den Erwerbsausfall handelt es sich unbestrittenermassen um eine
Kapitalleistung für bleibende körperliche oder gesundheitliche Nachteile, so dass dieselbe sepa-
rat zum privilegierten Vorsorgetarif gemäss § 36 Abs. 1 StG zu besteuern ist.
b) Da die wegfallenden Erwerbseinkünfte steuerbar sein müssen, kann der Scha-
denersatz für den Ausfall der den Haushalt führenden Person (sog. Haushaltschaden) nicht
besteuert werden, da die Arbeit im eigenen Haushalt nicht steuerbar ist (vgl. Rich-
ner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., § 22 N 92, mit weiteren Hinweisen). Die Entschädigung der
Haftpflichtversicherung für den Haushaltschaden ist damit nicht zu besteuern.
c) Gemäss § 24 lit. e StG gehören zum steuerbaren Einkommen alle Einkünfte aus
beweglichem Vermögen, namentlich Zinsen aus Guthaben. Der Schadens- oder Verzugszins
stellt damit steuerbaren Vermögensertrag dar, der zusammen mit dem übrigen Einkommen zu
versteuern ist. Die Entschädigung der Haftpflichtversicherung betreffend Schadenszins ist damit
ordentlich zu besteuern. Darüber ist aber nicht im vorliegenden Verfahren, in welchem die Be-
steuerung der Kapitalabfindung strittig ist, zu befinden.
d) Gemäss § 28 lit. l StG in der vorliegend gültigen Fassung sind Zahlungen von
Genugtuungssummen der Einkommenssteuer nicht unterworfen. Dahinter steht die Absicht,
dass sich der Staat am Unglück seiner Bürger nicht bereichern soll (vgl. Rich-
ner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., § 24 N 93, mit weiteren Hinweisen). Die Entschädigung der
Haftpflichtversicherung betreffend die Genugtuung ist damit nicht zu besteuern.
Seite 21
e) Zinsen auf einer empfangenen Versicherungsleistung sind auch dann steuerbar,
wenn die Abfindung selbst steuerfrei ist oder privilegiert besteuert wird (vgl. Rich-
ner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., § 20 N 30, mit weiteren Hinweisen). Die Entschädigung der
Haftpflichtversicherung betreffend Genugtuungszins ist damit ordentlich zu besteuern. Darüber
ist aber nicht im vorliegenden Verfahren, in welchem die Besteuerung der Kapitalabfindung strit-
tig ist, zu befinden.
f) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Entschädigung der Haftpflichtversiche-
rung für den Erwerbsausfall separat zum privilegierten Vorsorgetarif zu besteuern ist. Vom ge-
samten offerierten Betrag in Höhe von Fr. 3‘987‘809.-- macht der Anteil für den Erwerbsausfall
Fr. 3‘429‘435.-- und damit 86% aus. Der am 10. März 2005 ausbezahlte Betrag in Höhe von Fr.
250‘000.-- enthält nicht nur eine Entschädigung für den Erwerbsausfall, sondern auch Anteile
für Haushaltschaden, Schadenszins, Genugtuung und Genugtuungszins. Um diese Anteile,
welche überhaupt nicht der Besteuerung unterliegen bzw. über deren Besteuerung nicht im vor-
liegenden Verfahren zu befinden ist, sind die Fr. 250‘000.-- zu korrigieren, was Fr. 215‘000.--
(Fr. 250‘000.-- x 86%) ergibt. Die veranlagte Kapitalzahlung vom 10. März 2005 in Höhe von Fr.
220‘000.-- ist somit auf Fr. 215‘000.-- zu korrigieren.
19. Weiter unterliegt der Beurteilung, ob vom Bezug von Verzugszinsen Abstand zu nehmen
ist, macht die Rekurrentin doch geltend, die Belastung von Verzugszinsen sei vorliegend unbil-
lig. Aus Gründen der rechtsgleichen Behandlung gilt für alle steuerpflichtigen Personen, unbe-
kümmert über den jeweiligen Stand des Deklarations- und Veranlagungsverfahrens, ein einheit-
licher Fälligkeitstermin. Denn es können nicht alle steuerpflichtigen Personen gleichzeitig veran-
lagt werden. Es liegt ein sogenannter gesetzlicher Fälligkeitstermin vor (vgl. Blumen-
stein/Locher‚ a.a.O., S. 483 f; vgl. auch BGE 2C_520/2011 vom 8. Mai 2012, E. 3). Sinn dieses
Zinsausgleichs ist es, einer steuerpflichtigen Person, welche vor dem Fälligkeitstermin eine Vo-
rauszahlung leistet, mit einem Vergütungszins den Zins auszugleichen, den sie durch die vor-
zeitige Überweisung an die Verwaltung an anderer Stelle verlustig geht. Umgekehrt hat die
steuerpflichtige Person das Staatswesen dafür zu entschädigen, dass es durch die verspätete
Zahlung von Steuerforderungen gezwungen wird, sich auf dem Kapitalmarkt zu finanzieren und
dafür Zinsen zu bezahlen. Die Verzugszinsen haben somit nicht die Eigenschaft einer Strafe
(vgl. BGE 2C_939/2011 vom 7. August 2012, E. 6). Aufgrund ausdrücklicher gesetzlicher Be-
stimmung wird die Steuer auf Kapitalleistungen aus Vorsorge gemäss § 36 StG mit der Zustel-
lung der Verfügung fällig (§ 135 Abs. 4 lit. a StG). Nach Ablauf der Zahlungsfrist wird gemäss §
Seite 22
135a Abs. 3 StG ein Verzugszins erhoben. Für Steuerbeträge, welche nach diesem gesetzli-
chen Fälligkeitstermin entrichtet werden, ist - ohne Mahnung - ein Belastungszins geschuldet
(vgl. BGE 2C_546/2008 vom 29. Januar 2009, E. 4.2, publ. in: Der Steuerentscheid [StE] 2010
B 99.2 Nr. 22). Das Recht der Steuerverwaltung zur Erhebung des Belastungszinses bestreitet
die Pflichtige in grundsätzlicher Hinsicht nicht. Hingegen macht sie geltend, die Belastung von
Verzugszinsen sei vorliegend unbillig. Dem kann nicht gefolgt werden, geht doch aus der hier-
vor zitierten Norm hervor, dass die Steuer mit der Zustellung der Verfügung fällig wird. Ab die-
sem Zeitpunkt hat somit der Belastungszins für den nicht entrichteten Steuerbetrag zu laufen
begonnen. Der Antrag auf den Verzicht auf die Erhebung von allfälligen Verzugszinsen ist da-
her abzuweisen.
20. Abschliessend ist auf den Einwand der Pflichtigen, wonach durch die Besteuerung der
Kapitalabfindung das Doppelbesteuerungsverbot verletzt worden sei, einzugehen. Eine inter-
kantonale Doppelbesteuerung, welche nach Art. 127 Abs. 3 BV untersagt ist, liegt vor, wenn
derselbe Steuerpflichtige von zwei oder mehr Kantonen für den gleichen Zeitraum und für das
gleiche Einkommen oder Vermögen besteuert wird. Ein Pflichtiger kann sich gegen eine inter-
kantonale Doppelbesteuerung mit einer Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten
an das Bundesgericht wenden, wobei der kantonale Instanzenzug gestützt auf Art. 86 Abs. 1 lit.
a des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG) vom 17. Juni
2005 zuerst ausgeschöpft werden muss. Der Pflichtige ist indes gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung nicht verpflichtet, in jedem der betroffenen Kantone den gesamten Instanzen-
zug zu durchlaufen (vgl. BGE 133 I 300, E. 2.4). Gestützt darauf ist eine allfällige Doppelbe-
steuerung erst im Verfahren vor dem Bundesgericht und damit nicht im vorliegenden Verfahren
zu rügen.
Der Rekurs ist damit teilweise gutzuheissen und die steuerbare Kapitalabfindung von bisher Fr.
380‘422.-- auf neu Fr. 215‘000.-- zu reduzieren.
21. Es bleibt über die Kosten des Rekursverfahrens zu befinden.
a) Die Pflichtige ist mit ihren Begehren rund zur Hälfte durchgedrungen, weshalb ihr
nach § 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die Ver-
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fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) anteilsmässige Verfahrenskosten in Höhe
von Fr. 400.-- aufzuerlegen sind.
b) Gemäss § 130 StG i.V.m. § 21 Abs. 3 VPO kann der ganz oder teilweise obsie-
genden Partei für den Beizug eines Vertreters bzw. einer Vertreterin eine angemessene Partei-
entschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Die Pflichtige hat sich im Ver-
fahren vor Steuergericht nicht vertreten lassen, weshalb ihr keine Parteientschädigung zuzu-
sprechen ist (vgl. BGE 133 III 439, E. 4).
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