Decision ID: e334e55c-54d1-42d8-a997-22ba55ef7187
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die
1964 geborene X._ war nach Tätigkeiten als Fabrikarbei
terin und Zimmermädchen in verschiedenen Hotelbetrieben und zu
letzt, seit dem 1. Februar 2001, bei der Firma Y._ als Montagemitarbeiterin beschäftigt. Am 13. September 2002 meldete sie sich un
ter Hinweis auf Diabetes, Schilddrüsenerkrankung sowie Systemischen Lupus erythematodes bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
an (Urk. 13/1, Urk. 13/4 und Urk. 13/7).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen
und veranlasste eine polydisziplinäre Begutachtung (allgemeininternistisch, rheumatologisch, psychiatrisch)
im
Z._
(
Z._
; Expertise vom 27. November 2003; Urk. 13/20). Mit
Einspracheentscheid vom 2. April 2004
verneinte sie den Anspruch
auf eine Invalidenrente
(Urk. 13/30).
Dagegen erhob die Versicherte
mit Eingabe vom
14. Mai 2004
(Urk. 13/34/3-10)
beim hiesigen Gericht Beschwerde. Mit Urteil vom 30. Juni 2005 (Prozess Nr. IV.2004.00321; Urk. 13/46) wies das Gericht die Sache
zur Durchführung von weiteren Abklä
rungen an die IV-Stelle zurück.
1.2
Die IV-Stelle holte in der Folge weitere medizinische Berichte ein und liess die Versicherte durch Dr. med. A._, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychothera
pie, begutachten (Expertise vom 4. August 2007; Urk. 13/77). Mit Verfügung vom 15. November 2007 (Urk. 13/97) sprach sie der Versicherten von Mai bis Juli 2005 eine Viertelsrente und ab August 2005 eine ganze Rente der Invali
denversicherung zu.
1.3
Im Rahmen des im September 2008 von Amtes wegen eingeleiteten Revisionsver
fahrens wurde die Versicherte durch die B._ polydisziplinär (allgemeininternistisch, rheumato
logisch, psychiatrisch) begutachtet (Expertise vom 21. Januar 2010; Urk. 13/132). Mit Verfügung vom 9. April 2010 bestätigte die IV-Stelle die Weiter
ausrichtung einer ganzen Invalidenrente (Urk. 13/135).
1.4
Im Juni 2011 leitete die IV-Stelle erneut ein Revisionsverfahren ein und liess die Versicherte durch Dr. med. und Dr. sc. nat. ETH C._, Innere Medizin FMH spez. Rheumaerkrankungen, rheumatologisch (Expertise vom 5. Mai 2012; Urk. 13/158) sowie durch Prof. Dr. med. habil. D._, FMH Neurologie und FMH Psychiatrie und Psychotherapie, psychiatrisch (Expertise vom 2. Januar 2014; Urk. 13/164) begutachten. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 13/181) hob sie mit Verfügung vom 28. Oktober 2014 die Verfügung vom 15. November 2007 und die Mitteilung (richtig: Verfügung) vom 9. April 2010 wiedererwägungsweise auf. Ebenso hob sie die Rente nach Zustellung der Ver
fügung auf Ende des folgenden Monats auf (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 10. November 2014 (Urk. 1/1), ergänzt am 5. Januar 2015 (Urk. 1/2), bei der IV-Stelle Beschwerde, welche diese am 5. Februar 2015 (Urk. 4) zuständigkeitshalber an das hiesige Gericht überwies. Die Beschwerdeführerin beantragte, die Verfügung vom 28. Oktober 2014 sei auf
zuheben und es sei ihr weiterhin eine Rente auszurichten (Urk. 1/2 S. 2). Mit Eingabe vom 19. Februar 2015 beantragte sie zudem, es sei ihr die unentgeltli
che Prozessführung unter Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung zu bewilligen (Urk. 8 S. 2). Am 17. März 2015 (Urk. 12) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, sofern nicht von einer verspäteten Beschwerdeer
hebung ausgegangen werde. Mit Verfügung vom 27. April 2015 (Urk. 17) wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt. Mit Replik vom 31. August 2015 (Urk. 22) beantragte die Beschwer
deführerin zusätzlich, das rheumatologische Gutachten von Dr. C._ vom 5. Mai 2012 sei aus dem Recht zu weisen und sie sei im Sinne ergänzender me
dizinischer Abklärungen im Auftrag des Gerichts zu untersuchen und zu begut
achten. Am 6. Oktober 2015 (Urk. 26) verzichtete die Beschwerdegegnerin auf das Einreichen einer Duplik. Am 10. Januar 2017 (Urk. 30) reichte die Be
schwerdeführerin einen ärztlichen Bericht ein (Urk. 31).
Das Gericht
liess die Beschwerdeführerin durch
Dr. med.
E._
, Rheumatologie FMH EMBA,
rheumatologisch begutachten
(
Expertise vom 21. Juli 2017;
Urk. 40). Die Beschwerdegegnerin
liess sich dazu am 24.
August 2017 (Urk. 44), die Beschwerdeführerin am 2. Oktober 2017 (Urk. 47) vernehmen. Die
entspre
chenden
Stellungnahmen wurden der jeweils anderen Partei am 5
.
Oktober 2017
(Urk.
48) zur Kenntnis gebracht.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
In ihrer an die Beschwerdegegnerin gerichteten und mit „Rentenstopp, Ableh
nung Wiedererwägung“ betitelten Eingabe vom 10. November 2014 (Urk. 1/1) machte die Beschwerdeführerin unter anderem geltend, sie könne aufgrund ih
rer Beschwerden den Alltag nur mit Mühe und fremder Hilfe bewältigen. Gerne würde sie arbeiten, doch liege dies nicht drin mit ihren Schmerzen. Obwohl die Beschwerdeführerin zusätzlich um berufliche Massnahmen ersuchte, ist daraus ein Beschwerdewille ersichtlich, zumal bei Laieneingaben diesbezüglich keine hohen Anforderungen gestellt werden und die Eingabe zwei Wochen nach Er
lass der angefochtenen rentenaufhebenden Verfügung vom 28. Oktober 2014 (Urk. 2) erfolgte. Die Beschwerde ist damit also als gegen die Verfügung vom 28. Oktober 2014 gerichtete zu qualifizieren, und nachdem sie fristgerecht erho
ben wurde, ist auf sie einzutreten.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2
.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2
.
3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisi
onsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.1 mit Hinweisen).
2.4
Fehlen die in Art. 17 ATSG genannten Voraussetzungen, so kann die Rentenverfü
gung lediglich nach den für die Wiedererwägung rechtskräftiger Verwaltungsverfügungen geltenden Regeln abgeändert werden. Danach ist die Verwaltung befugt, auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Ge
genstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn sich diese als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von er
heblicher Bedeutung ist (Art. 53 A
bs. 2 ATSG; BGE 110 V 176 E. 2a
mit Hin
weisen). Das Gericht kann eine zu Unrecht ergangene Revisionsverfügung gege
benenfalls mit der substituierten Begründung schützen, dass die ursprüngliche Rentenverfügung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erheblicher Be
deutung ist (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 128 V 272 E. 5b/bb; Urteile des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom 3. September 2014 E. 3.2.2, 9C_762/2013 vom 24. Juni 2014 E. 4.2 und 9C_562/2008 vom 3. November 2008 E. 2.2 je mit Hinweisen).
Mit der zweifellosen Unrichtigkeit wird ein hoher Grad umschrieben. Es darf kein vernünftiger Zweifel daran möglich sein, dass eine Unrichtigkeit vorliegt, es ist ein einziger Schluss - eben derjenige auf eine Unrichtigkeit - möglich. So liegt kein Widererwägungsgrund vor, wenn eine Entscheidung notwendiger
weise Ermessenszüge aufweist und die bisherige Entscheidung als vertretbar erscheint. Die Frage der Unrichtigkeit beurteilt sich nach dem im Zeitpunkt des Erlasses der fraglichen Verfügung herrschenden Rechtszustand; dieser schliesst auch die damalige Rechtspraxis ein. Eine zweifellose Unrichtigkeit betrifft in der Regel einen Verwaltungsentscheid aufgrund falsch oder unzutreffend verstan
dener Rechtsregeln oder ein solcher, der massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt hat. Keine Wiedererwägung ist möglich, wenn allenfalls die Vergleichseinkommen nach Art. 16 ATSG unzutreffend festgesetzt wurden (Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N 52 ff. zu Art. 53 ATSG mit Hin
weisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung).
2.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene rentenaufhebende Verfü
gung vom 28. Oktober 2014 (Urk. 2) damit, dass die ursprüngliche Rentenzu
sprache gestützt auf das Gutachten von Dr. A._ erfolgt sei. Die von diesem postulierte Arbeitsunfähigkeit von 70 % sei jedoch weder nachvollziehbar noch plausibel, weshalb auf das Gutachten - zumindest ohne weitere Abklärun
gen - nicht hätte abgestellt werden dürfen. Sie sei zudem fälschlicherweise von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen. Die ursprüngliche Verfügung vom 15. November 2007 (Urk. 13/97) sei damit offensichtlich unrichtig gewesen (S. 1 f.). Die rentenbestätigende Verfügung vom 9. April 2010 (Urk. 13/135) im vorangegangenen Revisionsverfahren habe sich auf das Gutachten der B._ gestützt. Bei diesem habe jedoch eine Fehldiagnostik vorgelegen, weshalb auch darauf nicht hätte abgestellt werden dürfen. Sowohl die ursprüngliche als auch die rentenbestätigende Verfügung seien deshalb als zweifellos unrichtig zu qua
lifizieren (S. 2). Die medizinischen Abklärungen im vorliegenden Revisionsver
fahren hätten ergeben, dass sowohl in der angestammten als auch in einer an
gepassten Tätigkeit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe (S. 2). Es sei der Beschwerdeführerin zuzumuten, die Beschwerden aufgrund der diagnos
tizierten somatoformen Schmerzstörung zu überwinden. Nachdem kein invali
disierender Gesundheitsschaden vorliege, werde die Rente für die Zukunft ein
gestellt (S. 3).
3
.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk.
22
),
die Beschwerdegegnerin habe vor der erstmaligen Rentenzusprache umfangreiche medizinische Abklärungen durchgeführt und sich auf ein aus
führliches Gutachten gestützt. Auch die rentenbestätigende Verfügung habe sich auf ein Gutachten gestützt. Unter diesen Umständen sei es unhaltbar davon auszugehen, dass die ursprüngliche Rentenzusprache zweifellos unrichtig ge
wesen sei. Eine Wiedererwägung sei vorliegend nicht erlaubt (S. 8). Die zuge
sprochene Rente dürfe auch nicht in Revision gezogen werden, da eine erhebli
che Verbesserung des Gesundheitszustandes seit 2010 nicht erwiesen sei (S. 9). Das im vorliegenden Revisionsverfahren eingeholte rheumatologische und das psychiatrische Gutachten seien - aus näher dargelegten Gründen - nicht be
weiskräftig, weshalb eine Neubegutachtung durch das Gericht beantragt werde (S. 10-16).
4.
4.1
Die rentenbestätigende Verfügung vom 9. April 2010 (Urk. 13/135) stützte sich auf das Gutachten der
B._
vom 21. Januar 2010 (Urk. 13/132). Dr. med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie, und Dr. med.
J._
, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin FMH, stellten
darin
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 20):
-
Systemischer Lupus erythematodes mit Polyarthralgie und sekundärem Fibro
myalgiesyndrom
-
Rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mittelgradige depressive Epi
sode
-
Diabetes mellitus Typ 1, Insulinpflichtig
Zudem hielten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit fest (S. 20):
-
Zustand nach Thyreoidektomie 1991 (anamnestisch nach Autoimmun-Thyreoi
ditis, Exophthalmus)
-
Grenzwertige diastolische Hypertonie
-
Zustand nach Revision des rechten Handgelenkes 1999 (Entfernung des Dis
cus articularis ulno-karpal?)
-
Anamnestisch mögliche anhaltend
e
somatoforme Schmerzstörung
Dazu führten sie aus, dass das Krankheitsbild der Beschwerdeführerin Züge ei
ner anhaltend somatoformen Schmerzstörung zeige. Aus rheumatologischer Sicht würden jedoch die von der Beschwerdeführerin angegebenen Schmerzen im Stütz- und Bewegungsapparat durch einen Systemischen Lupus erythemato
des durchaus erklärt werden können. Mit Blick auf diese Einschätzung könne man derzeit die Diagnose einer anhaltend somatoformen Schmerzstörung res
pektive Schmerzverarbeitungsstörung nicht stellen. Erst wenn sich herausstellen sollte, dass die beklagten Schmerzen nicht vollumfänglich auf ein körperliches Leiden zurückzuführen seien, sei die Diagnose einer anhaltend somatoformen Schmerzstörung nochmals zu diskutieren. Aus psychiatrischer Sicht sei auf eine insuffiziente psychopharmakologische Therapie hinzuweisen. Im Rahmen der depressiven Symptomatik und der damit einhergehenden Beeinträchtigungen
von
Affektregulation, Antrieb und Stimmungslage sei die Beschwerdeführerin nur in der Lage, etwa 4.5 Stunden arbeitstäglich Tätigkeiten einfacher geistiger Natur mit geringer Verantwortung zu verrichten. Damit bestehe aus rein psy
chiatrischer Optik eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % sowohl für die zuletzt aus
geübte Tätigkeit als Zimmermädchen als auch in Verweistätigkeiten (S. 17 f.).
Aus internistischer Sicht schränke der langjährige insulinpflichtige Diabetes mellitus die Beschwerdeführerin in jeglicher Tätigkeit um 20 % ein.
Sie
sei für Verweistätigkeiten mittlerer und leichter Art im Umfang von etwa 80 % ar
beitsfähig (S. 19).
Seit nunmehr acht Jahren bestünden bei der Beschwerdeführerin Hinweise einer
seits auf eine kollagene Bindegewebserkrankung (bei wiederholt positiv gefundenen antinukleären Faktoren) sowie ein ausgedehntes Schmerzbild, das vorerst als Fibromyalgietendenz, später als Fibromyalgie-Syndrom charakteri
siert worden sei. Die beiden Phänomene seien im Sinne einer kausalen Ver
knüpfung zu sehen, es bestehe
also
nicht ein sich ständig mehr ausweitendes und verstärkendes „idiopathisches" Fibromyalgie-Syndrom, wie es sehr häufig angetroffen werde, sondern hier liege seltenerweise diesem Geschehen tatsäch
lich eine immunserologisch fassbare Kollagenose
beziehungsweise
Autoimmun
erkrankung vom Typ vermutlich des Systemischen Lupus erythematodes zu
grunde, obschon dieses Krankheitsbild aufgrund nicht ganz vollständiger Krite
rien nicht mit letzter Sicherheit diagnostiziert werden könne. Die Existenz der aktuell erneut nachgewiesenen antinukleären Faktoren (mit de
m bislang höchsten Titer von 1:
1280), zusammen mit den für den Systemischen Lupus als hochspezifisch geltenden pathognomonischen Antikörpern gegen dsDNA sowie gegen SS-A
,
sei gemeinsam mit dem ausgedehnten, oft kurzfristig entzündlich auftretenden Gelenkschmerzbild stark für diese Diagnose sprechend. Ein Syste
mischer Lupus erythematodes könne, wie dies hier der Fall sei, gelegentlich von einem fibromyalgischen Syndrom begleitet sein, was den sonst oft milden Ver
lauf dieser Erkrankung dann im Erscheinungsbild deutlich verstärke (S. 38 f.). Aus rheumatologischer Sicht sei eine ausserhäusliche Tätigkeit in irgendwelcher Form unzumutbar. Selbst die Besorgung des eigenen kleinen Haushaltes sei nicht vollumfänglich möglich. Es bestehe deshalb in jeglicher Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 21).
Zusammenfassend seien die Folgen der rheumatischen Erkrankung aktuell so ausgeprägt, dass die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeitsunfähig sei. Die lau
fende Behandlung sei jedoch aus rheumatologischer wie auch aus psychiatri
scher Sicht noch nicht ausgeschöpft. Offensichtlich sei bisher keine konsequente Behandlung des Systemischen Lupus erythematodes durchgeführt worden. Dies werde dringend empfohlen. Ferner ergebe sich aus psychiatrischer Sicht der Hinweis auf eine Optimierung der antidepressiven Psychopharmakobehandlung. Unter angemessener Therapie sei eine massgebliche Besserung der Arbeitsfähig
keit keineswegs unwahrscheinlich (S. 21).
4.2
Dem vorliegenden Revisionsverfahren liegen unter anderem nachstehende Beur
teilungen zugrunde:
4.2.1
Gemäss der behandelnden Psychologin lic. phil.
F._
, Psychologin FSP, leidet die Beschwerdeführerin an einer mittelgradigen depressiven Episode, wel
che reaktiv auf ihre Hauptleiden Diabetes mellitus und das Fibromyalgie
-S
yn
drom sei. Die Psychotherapiesitzungen fänden ein- bis zweimal monatlich statt im Sinne einer fortlaufenden Unterstützung und abhängig von der Befindlich
keit der Beschwerdeführerin. Diese stehe - nachdem sie vo
m
24. April 2005 bis 13. Oktober 2007 und vo
m
17. Juli bis 11. Dezember 2009 bereits von ihr the
rapiert worden sei - seit 19. August 2011 wiederum in ihrer Behandlung (Be
richt vom 10. Februar 2012; Urk. 13/148/1 und Urk. 13/148/5).
4.2.2
Dr.
C._
hielt in ihrem Gutachten vom 5. Mai 2012 (Urk. 13/158/2-74) un
ter anderem die Diagnose eines Diabetes mellitus Typ 1 fest, aufgrund welche
m
die Beschwerdeführerin je eine halbe Stunde zusätzliche Pause pro Halbtag be
nötige. In der angestammten und in einer angepassten Tätigkeit sei sie zu 100 % arbeitsfähig, könne jedoch keine Tätigkeiten mit potentieller Selbst- oder Fremdgefährdung und auch keine Schichtarbeit leisten (S. 66 und S. 69 f.). Die Beschwerdeführerin habe nie die Kriterien für die Diagnose eines Systemischen Lupus erythematodes erfüllt. Für diese Diagnosen müssten vier oder mehr Kri
terien nachweisbar sein, bei ihr seien es jedoch lediglich zwei gewesen. Eben
falls habe sie nie die Kriterien für die Diagnose einer undifferenzierten Kollage
nose erfüllt. Bei dieser müssten ausser pathologischen Laborbefunden auch do
kumentierte persistierende Entzündungszeichen vorhanden sein, was nie fest
gestellt worden sei. In der Dolorimetrie seien sämtliche (18 der 18) Tender Points pathologisch wie auch alle (8 der 8) Kontrollpunkte. Eine Fibromyalgie bestehe definitionsgemäss nicht, wenn die Mehrheit der Kontrollpunkte patho
logisch sei (S. 67).
4.2.3
Prof. Dr. habil.
D._
stellte in seinem Gutachten vom 2. Januar 2014 (Urk. 13/164) keine Diagnosen mit, hingegen folgende
Diagnosen ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 78 f.):
-
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung
-
Leichtgradige chronifizierte depressive Episode, reaktiv zur somatoformen Schmerzstörung
Dazu führte er aus, vier der Geschwister der Beschwerdeführerin würden in der Schweiz leben. Sie habe guten Kontakt zu ihrer Familie, man besuche sich vor
wiegend am Wochenende. Sie habe vor knapp 5 Jahren das erste Mal geheiratet, die Ehe verlaufe sehr gut, ihr Ehemann unterstütze sie in der Bewältigung ihrer Krankheit sehr. Ausserhalb der familiären Kontakte sei sie zudem gut kirchlich eingebunden. Als Hobby lese sie gerne Zeitschriften (S. 61 f.).
An zwei oder drei Tagen pro Woche stehe sie überhaupt nicht auf, weil es ihr schlecht gehe. An den anderen Tagen stehe sie zwischen 9.00 und 9.30 Uhr auf, nehme ihre Medikamente und nach der Morgentoilette ein ausgedehntes Bad, um ihre Muskeln zu entspannen. Anschliessend frühstücke sie und abhängig vom Wohlbefinden liege sie danach ab oder erledige Teile der Hausarbeit wie beispielsweise Abstauben. Die Spitex reinige am Vormittag die Wohnung und mache die Wäsche komplett fertig. Zum Mittag koche sie sich etwas Kleines. Am Nachmittag mache sie dasselbe wie am Morgen. In Abhängigkeit vom Wetter gehe sie zudem spazieren. Nach Rückkehr des Ehemannes von der Arbeit bereite man gemeinsam das Abendessen vor, wobei der Ehemann das Kochen übernehme. Nach dem Nachtessen gehe sie mit ihm im Sommer etwas spazie
ren, ansonsten schaue man Fernsehen. Zu Bett begebe sie sich zwischen 22.00 und 22.30 Uhr (S. 67).
Die Beschwerdeführerin stehe in keiner psychiatrisch fachärztlichen Behand
lung, gehe jedoch seit zwei Monaten erneut zu einer delegierten Psychothera
peutin, bislang habe sie dort zwei Termine wahrgenommen. Es sei unklar, ob sie eine psychiatrische Medikation einnehme (S. 66 und
S.
68).
Bei der Begutachtung habe die Beschwerdeführerin gewisse depressive Symp
tome mit einer leichten Verschiebung des Affektes zum depressiven Pol, einer reduzierten Schwingungsfähigkeit und einer Minderung der Fähigkeit
,
Freude zu empfinden, gezeigt. Weitere somatische Symptome einer Depression hätten vorgelegen, die die Diagnose einer inzwischen chronifizierten, jedoch im Ver
lauf gebesserten, nun leichtgradigen depressiven Episode rechtfertigen würden. Wann diese Verbesserung eingetreten sei, könne gutachterlich zeitlich nicht ge
nau bestimmt werden. Jedoch habe die Beschwerdeführerin im Januar 2012 die psychologisch-psychotherapeutische Behandlung beendet, weshalb dieser Zeit
punkt als Besserungstermin angenommen werden könne, wenn man unterstelle, dass die psychopathologische Besserung Grund für die Beendigung der Psy
chotherapie gewesen sei. Zumindest sei von der Besserung des affektiven Zu
standes ab Begutachtungstermin auszugehen (S. 75).
Die Ätiologie der affektiv depressiven Störung sei im Zusammenhang mit dem chronischen Schmerzsyndrom zu begreifen. Die Beschwerdeführerin habe immer wieder depressive Symptome in Abhängigkeit von den Schmerzen bis hin zu Suizidideen beschrieben. Es sei deshalb von einer reaktiven Depression zum Schmerzgeschehen auszugehen. Das Vorliegen einer primären Depression sei bei fehlender Heredität unwahrscheinlich. Zudem habe sich die Depression im Zu
sammenhang mit der Schmerzerkrankung entwickelt (S. 75 f.).
Für das Vorliegen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung sprächen die Symptomausweitung der Schmerzen, das Fehlen somatisch begründbarer Störungen, die die Intensität des subjektiven Schmerzempfindens verifizieren würden sowie die Schmerzintensivierung auf psychosoziale und emotionale Faktoren. Auch das Verlangen nach somatischen Behandlungen stütze diese Di
agnose. Zwar lasse sich keine Psychodynamik im Zusammenhang mit dem Auftreten der chronischen Schmerzerkrankung fassen. Dies sei jedoch bei einer somatoformen Störung nicht selten der Fall und spreche nicht gegen diese Di
agnose. Das Charakteristikum der somatoformen Störungen sei die wiederholte Darbietung körperlicher Symptome in Verbindung mit Forderungen nach medi
zinischen Untersuchungen trotz wiederholter negativer Ergebnisse. Bei der so
matoformen Schmerzstörung sei die vorherrschende Beschwerde ein andauern
der, schwerer und quälender Schmerz, der durch einen physiologischen Prozess oder eine körperliche Störung nicht vollständig erklärt werden könne. Die kör
perlichen Symptome würden nicht die Art und das Ausmass der subjektiv wahrgenommenen Symptome und die innerliche Beteiligung des Betroffenen erklären. Auch wenn Beginn und Fortdauer der Symptome eine Beziehung zu unangenehmen Lebensereignissen, Schwierigkeiten oder Konflikten aufweisen würden, widersetze sich der Erkrankte gewöhnlich den Versuchen, die Möglich
keit einer psychischen Ursache zu diskutieren, sogar bei deutlichen depressiven und Angstsymptomen. Bei der Beschwerdeführerin seien diese Faktoren gege
ben (S. 76).
Es lägen keine psychiatrischen Erkrankungen vor, die geeignet seien
,
das posi
tive Leistungsbild der Beschwerdeführerin im IV-relevanten Sinne mittel- und langfristig zu mindern. Aus psychiatrisch-versicherungsmedizinischer Sicht sei die Zumutbarkeit der Überwindung des psychischen Störungsbildes anzuneh
men (S. 79).
Die somatoforme Schmerzstörung bestehe unverändert hinfort. Der Schweregrad einer seit 2004 anhaltenden Depression habe sich jedoch kontinuierlich gebes
sert. Während im Jahre 2007 eine schwere Depression diagnostiziert worden sei, sei im Jahre 2010 eine mittelgradige Depression festgestellt worden. Nun sei von einer noch leichtgradigen Depression auszugehen, die reaktiv zum Schmerzgeschehen bestehe. Eine Verbesserung der affektiven Störung im Ver
lauf liege damit vor (S. 80).
4.2.4
Dr. med.
G._
, Leitender Arzt Endokrinologie,
von
der
H._
hielt in seinem Bericht vom 3. Oktober 2014 (Urk. 13/186) fest, in Bezug auf die Blutzuckereinstellung bestehe ein durchzogener Verlauf. Dank der Unterstüt
zung der Ernährungs- und Diabetesberatung nähere man sich in kleinen Schritten einer optimierten Einstellung an.
4.2.5
Dr.
E._
hielt in seinem Gutachten vom 21. Juli 2017 (Urk. 40) folgende Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S: 42):
-
Fibromyalgie-Syndrom
-
Arthrose im Grosszehengrundgelenk beidseits
Zudem stelle er folgende nicht rheumatologische Diagnosen mit unklaren Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 42):
-
Autoimmunes polyglanduläres endokrines Syndrom mit
-
Diabetes mellitus Typ 1 (ED 1994)
-
Morbus Basedow (ED 1982)
-
Status nach thyreostatischer Therapie 1982-1989
-
Status nach Hemithyreoidektomie ca. 1989
-
Status nach thyreostatischer Therapie bis 2001
-
Ablative Radiojodtherapie mit 336 Mbq (10/2008)
-
Erhöhte antinukleäre Antikörper (ANA), überwiegend wahrscheinlich im Rah
men eines autoimmunen polyglandulären endokrinen Syndroms
-
Passager Verdacht auf Lupus erythematodes (ED 2001)
-
Passager Basistherapie mit Plaquenil 2001/02
-
Kriterien für die Diagnose eines Lupus erythematodes aktuell nicht erfüllt
Dazu führte er aus, die Beschwerdeführerin wohne zusammen mit ihrem Mann in einem 4-Zimmerhaus, sie selber könne etwas abstauben, sie habe eine eigene Waschmaschine und einen Tumbler und könne so die Wäsche bewältigen, aber nicht bügeln. Sie könne kleinere Einkäufe selber tätigen und sie koche selber, das mache sie wirklich sehr gerne, sie koche einmal täglich, jeweils abends, nachdem der Mann nach Hause gekommen sei. Sie habe seit Jahren eine Spi
tex-Haushalthilfe, die komme alle 14 Tage für zwei Stunden, mache ihr die an
strengenderen Hausarbeiten und bügle die Wäsche, soweit dies nötig sei. Sie könne beispielsweise nicht selber Vorhänge waschen und aufhängen. Sie mache etwas Fitness selber zu Hause, habe in einem Zimmer ein Laufband und ein Trainingsvelo, sie trainiere etwa ein bis zwei Mal pro Woche 15 bis 20 Minuten, ausser Haus könne sie nicht Velo fahren und mache sonst keinen Sport. Als Hobby pflege sie gerne die Pflanzen im eigenen Garten und lese gerne. Sie pflege auch regelmässig Kontakte zu ihren Geschwistern und ihren Familien, die in ihrer Nähe wohnen würden (S. 22)
.
Es bestehe eine Diskrepanz zwischen dem Verhalten bei der Anamnesenerhe
bung und dem subjektiv sehr hohen Schmerzniveau von 8 Punkten auf der 10er Skala, ebenso
eine Diskrepanz
zwischen der Schmerzreaktion bei feinem Druck auf den linken Oberarm und ausbleibender Schmerzreaktion bei der Kompres
sion durch die Blutdruckmanschette bei der Blutdruckmessung
und auch
eine Diskrepanz zwischen dem Verhalten bei der Anamnesenerhebung und der Un
tersuchung (S. 35).
In zwei psychiatrischen Vorgutachten sei die Diagnose einer anhaltenden somato
formen Schmerzstörung gestellt worden, was die Erfahrung als Rheu
matologe bestätige, dass eine enge Verwandtschaft der beiden Krankheitsbilder somatoforme Schmerzstörung und Fibromyalgie bestehe, es sei sozusagen der gleiche „Elephant“ aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Im
B._
Gut
achten sei die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung nur deswegen verworfen worden, weil der Rheumatologe einen Lupus erythematodes postu
liert und den Schmerz als „somatisch" gedeutet habe (S. 39).
Laut den Akten sei mehrfach ein Lupus erythematodes postuliert worden, 2001/02 sei auch ein Behandlungsversuch mit Plaquenil erfolgt, einer eher mil
den Basistherapie, die häufig bei Lupus-Fällen eingesetzt werde. Diese Behand
lung habe keine Besserung der beklagten Beschwerden gebracht und sei deshalb wieder abgesetzt worden. Der Systemische Lupus erythematodes sei eine chro
nisch-entzündliche, systemische Autoimmunerkrankung, die Haut und Gelenke, Nieren, Nervensystem sowie seröse Häute und viszerale Organe befallen könne. Die Krankheitssymptomatik basiere auf einer lokal oder systemisch ablaufenden Vaskulitis (Entzündung der Blutgefässe). In klinischen Studien gelte ein Patient als an Systemischem Lupus erythematodes erkrankt, wenn bei ihm mindestens
4 von 11 - näher dargelegten - Kriterien (simultan oder zeitversetzt) erfüllt seien. Folge man dieser Kriterienliste, so lasse sich bei der Beschwerdeführerin die Di
agnose eines Systemischen Lupus erythematodes derzeit nicht stellen. Es be
ständen einzig erhöhte antinukleäre Antikörper und anti-dsDNS Antikörper, aber keine objektivierbare Arthritis, keine hämatologische Beteiligung und keine anderweitige Organbeteiligung. Die Blutsenkungsreaktion sei mit 13 mm/h ge
ring und das CRP gar nicht erhöht. Dies spreche gegen eine relevante systemi
sche Entzündungsaktivität. Auch ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus könne eine leichte Erhöhung der Blutsenkungsreaktion begründen und das CRP sei ein genauerer Indikator für eine systemische Entzündungsaktivität (S. 39-41).
Der Diabetes mellitus sei nicht optimal eingestellt. Diesbezüglich werde eher von einem medizinisch schwierig einstellbaren Diabetes und nicht von einer schlechten Compliance der Beschwerdeführerin ausgegangen. Die Autoimmun
serologie bestätige die seit Jahren festgestellte und aktenkundige Erhöhung der antinukleären Antikörper und der anti-dsDNS Antikörper. Damit allein lasse sich aber, wie bereits dargelegt, die Diagnose eines Lupus erythematodes nicht stellen. Erhöhte antinukleäre Antikörper würden auch bei autoimmunen poly
glandulären Syndromen beschrieben. Ein autoimmunes polyglanduläres Syn
drom liege bei der Beschwerdeführerin vor, bisher bekannt seien bei ihr eine autoimmune Schilddrüsenerkrankung und ein Diabetes mellitus Typ 1 (S. 41).
Patienten mit einem Fibromyalgie-Syndrom seien nicht geeignet für körperlich schwere Arbeiten, Arbeiten in Nässe und Kälte und ausgesprochen stereotyp-re
petitive Tätigkeiten. Da die letzte Tätigkeit mehr als 15 Jahre zurück liege und keine exakte Arbeitsplatzbeschreibung vorliege, könne nicht entschieden wer
den, inwiefern die zuletzt ausgeführte Tätigkeit aus rheumatologischer Sicht noch zumutbar gewesen sei. Wegen der Grosszehengrundgelenksarthrose seien ausschliesslich stehend-gehende Tätigkeiten ungünstig, der Anteil stehend-ge
hender Tätigkeiten sei auf maximal etwa 3/4 des Pensums zu beschränken. Tä
tigkeiten, welche diesen Einschränkungen Rechnung tragen würden, seien der Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht vollschichtig zumutbar (S. 43).
5.
5.1
5.1.1
Der psychiatrische Gutachter Prof. Dr. habil.
D._
setzte sich in seinem Gut
achten vom 2. Januar 2014 (E. 4.2.3 hievor) mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander, nahm die erforderli
chen Untersuchungen vor und legte die medizinischen Zusammenhänge ein
leuchtend dar. Das Gutachten ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der fallrelevanten Vorakten erstellt. Prof. Dr. habil.
D._
setzte sich mit diesen ausführlich auseinander und begründete allfällige abwei
chende Einschätzungen nachvollziehbar (S. 74-76). Er führte aus, dass die de
pressive Störung lediglich leichtgradig ist und zeigte auf, dass diese reaktiv zum chronischen Schmerzsyndrom besteht, unzureichend behandelt ist und keinen komorbiden Charakter gewinnt (S. 74-77). Zudem begründete er die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung ausführlich (S. 76). Der Gut
achter verneinte das Vorliegen psychosozialer Belastungsfaktoren und wies auf eine insuffiziente psychopharmakologische Therapie sowie das Fehlen einer psychiatrischen fachärztlichen Behandlung hin (S. 77 f. und S. 80). Er hielt fest, dass die beklagten Konzentrationsstörungen während der über zweistündigen Untersuchung nicht bestätigt werden konnten und ein Antriebsmangel im Un
tersuch nicht zu erkennen war (S. 70 f.). Prof. Dr. habil.
D._
gelangte so
dann zum ausführlich begründeten und nachvollziehbaren Schluss, dass die Beschwerdeführerin durch ihre psychischen Beschwerden nicht in der Arbeits
fähigkeit eingeschränkt ist (S. 79). Das Gutachten ist schlüssig, leuchtet in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und entspricht den rechtspre
chungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entschei
dungsgrundlage (vgl. E. 2.5 hievor).
5.1.2
Die Beschwerdeführerin bemängelte, die Begutachtung durch Prof. Dr. habil.
D._
habe lediglich 35 Minuten gedauert (Urk. 22 S. 14 f.). Dazu ist festzu
halten, dass gemäss Prof. Dr. habil.
D._
alleine die Erhebung des Tagesab
laufs bereits 35 Minuten dauert
e
,
da
die Beschwerdeführerin wiederholt ver
mied, konkret zu werden und zahlreiches Nachfragen seitens des Gutachters erforderlich machte (Urk. 13/164 S. 67). Der gesamte Untersuchungsverlauf hat hingegen über 2 Stunden gedauert (S. 70). Im Übrigen liegt die Explorations
dauer grundsätzlich im Ermessen des medizinischen Experten (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_246/2010 vom 11. Mai 2010 E. 2.2.2). Hinweise darauf, dass das Gutachten unsorgfältig und nicht lege artis erstellt worden wäre, ergeben sich keine.
Der Beschwerdeführerin ist zwar zuzustimmen, dass vereinzelte Formulierungen des Gutachters auffallen (vgl. Urk. 22 S. 15), doch vermag dies keinen Zweifel an
dessen
Neutralität zu erheben.
Der Ausdruck
„Aufzucht“ (Urk. 13/164/60) im Rahmen der Beschreibung der Herkunft ist sicherlich deplatziert, im gesamten Kontext aber als sprachliche Ungeschicktheit des Gutachters zu werten und nicht als Zeichen einer irgendwie gearteten Voreingenommenheit. Die Beschrei
bung der Kinder- und Jugendzeit erweist sich vielmehr als objektiv und auch respektvoll abgefasst. Die Beschreibung der Beschwerdeführerin als „Exploran
din X._“ erscheint ebenfalls als unglücklich aber nicht als diffamierend, sondern eher als standardisierter Ausdruck.
Ebenso trifft zu, dass es ungewöhn
lich sein mag, dass der gesamte Aktenauszug aus dem Gutachten von Dr.
C._
übernommen wurde. Es bestehen jedoch keine Hinweise darauf, dass Prof. Dr. habil.
D._
die Vorakten nicht bekannt gewesen wären. Ob der Gutach
ter Tests zur Diagnosevalidierung durchführt, liegt zudem in seinem Ermessen.
Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin
(Urk. 22 S. 15)
wird die Diagnose einer leichten depressiven Episode vom Gutachter begründet und ist in Anbetracht der erhobenen relativ geringen psychischen Befunde nachvoll
ziehbar. So zeigte sich an der Begutachtung eine leichte Verschiebung des Af
fektes zum depressiven Pol, hingegen ergaben sich keine Hinweise auf einen generellen Interessensverlust oder eine tief ausgeprägte Freudlosigkeit, es war lediglich eine Reduktion dieser Fähigkeiten zu bemerken. Ein Antriebsmangel war während der Begutachtung nicht zu erkennen, auch Konzentrationsstörun
gen konnten keine festgestellt werden. Die Beschwerdeführerin schilderte weder negative Zukunftsperspektiven noch Schuldgefühle oder ein vermindertes Selbstwertgefühl, auch ein Appetitverlust oder Schlafstörungen wurden nicht beklagt, ebenso wenig ergaben sich Hinweise auf Suizidgedanken (vgl. S. 70 f. und S. 75). Die Schlussfolgerung von Prof. Dr. habil.
D._
, dass sich die Depression im Verlauf gebessert hat und lediglich noch leichtgradig ist, leuchtet damit ein. Aktuelle Arztberichte, welche den diesbezüglichen Feststellungen von Prof. Dr. habil.
D._
widersprechen würden, liegen keine vor.
Die Beschwerdeführerin bemängelte, Prof. Dr. habil.
D._
habe in seinem Gutachten auf die Foerster-Kriterien und die Überwindbarkeit Bezug genom
men. Gemäss neuer Rechtsprechung sei die Überwindbarkeitsprüfung nicht mehr gestattet (Urk. 22 S. 16). Sofern jedoch die nach altem
Verfahrensstandard eingeholten, an den Foerster-Kriterien orientierten gutachterlichen Einschät
zungen auch mit Blick auf die materiell-beweisrechtlich geänderten Anforde
rungen bei der Einschätzung des funktionellen Leistungsvermögens eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren erlauben (vgl. dazu E. 7 hienach), erübrigt sich eine Ergänzung des medizinischen Sachver
halts (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_734/2016 vom 12. Juli 2017 E. 3.7.1 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 8).
Wie es sich damit verhält, bleibt nachfol
gend (E. 7) zu prüfen.
Zusammenfassend vermag die Kritik am Gutachten dessen Beweiswert nicht zu schmälern, sodass auf dieses ab
zustellen ist
.
Abschliessend ist festzuhalten, dass das Einholen eines aktuellen psychiatri
schen Gutachtens nicht erforderlich ist,
da
der Sachverhalt im Zeitpunkt der an
gefochtenen Verfügung massgebend ist
und dieser zuverlässig feststeht
. Zudem bestätigte Dr.
E._
in seinem Gutachten, dass die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig ist, mithin dass die von ihr geltend ge
machte volle Arbeitsunfähigkeit aus somatischer Sicht nicht nachvollziehbar ist.
Von diesem Sachverhalt (Arbeitsfähigkeit in somatischer Hinsicht)
ging auch Prof. Dr. habil.
D._
anlässlich seiner Begutachtung aus, so dass sich die Grundlage für sein Gutachten mit dem Einholen
des
rheumatologischen Ober
gutachtens nicht verändert hat
. Dem
Gutachten
von
Prof. Dr. habil.
D._
kommt
damit wei
terhin volle Beweiskraft zu
.
5.2
Im rheumatologischen Gutachten von Dr.
C._
vom 5. Mai 2012 (E. 4.2.2 hievor) widerspricht sowohl die Diagnosestellung als auch die Einschätzung der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit diametral den Ausführungen vom Vorgut
achter Dr.
J._
von der
B._
(E. 4.1 hievor). Dennoch setzte sich Dr.
C._
lediglich äusserst kurz mit dem Vorgutachten auseinander (vgl. Urk. 13/158/72). Die Beurteilung der medizinischen Situation kann so nicht nachvollzogen werden. Zudem wurde von Dr.
C._
nicht begründet, wes
halb die Beschwerdeführerin trotz eines zusätzlichen Pausenbedarfs von je einer halben Stunde pro Halbtag zu 100 % arbeitsfähig sein soll. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit überzeugt so nicht. Auf das Gutachten von Dr.
C._
kann nicht abgestellt werden, weshalb das Gericht ein rheumatologisches Ober
gutachten eingeholt hat.
5.3
Das rheumatologische Obergutachten von Dr.
E._
vom 21. Juli 2017 (E. 4.2.5 hievor) beruht auf den erforderlichen Untersuchungen, ist für die streitigen Be
lange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten Vorakten erstellt. Dr.
E._
legte die medizinischen Zusam
menhänge einleuchtend dar, beurteilte die medizinische Situation überzeugend und setzte sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten der Be
schwerdeführerin auseinander. Insbesondere zeigte er ausführlich und
nachvoll
ziehbar
auf, dass die Diagnose eines Systemischen Lupus erythematodes nicht bestätigt werden kann, sondern dass die Beschwerdeführerin an einem Fibro
myalgie-Syndrom leidet. Dr.
E._
gelangte sodann zum ausführlich begründe
ten und nachvollziehbaren Schluss, dass die Beschwerdeführerin aus rheuma
tologischer Sicht in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit zu 100 % ar
beitsfähig ist. Das Gutachten entspricht damit den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl. E. 2.5 hievor). Dies wird auch von den Parteien nicht bestritten. Auf das rheumatologische Gutachten Dr.
E._
ist damit abzustellen.
6.
6.1
Die Beschwerdegegnerin machte zur Begründung der Rentenaufhebung geltend, s
owohl die ursprüngliche als auch die rentenbestätigende Verfügung seien als zweifellos unrichtig zu qualifizieren und deshalb wiedererwägungsweise aufzu
heben.
Wird eine Rente revisionsweise herauf- oder herabgesetzt, so tritt die Revisions
verfügung an Stelle der zu revidierenden Verfügung. Dasselbe gilt auch dann, wenn in einem Revisionsverfahren die bisherige Rente nach materieller Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswür
digung und Durchführung eines Einkommensvergleichs bestätigt wird (Urteil des Bundesgerichts 8C_424/2013 vom 21. November 2014 E. 5.2), was vorlie
gend
im Rahmen der rentenbestätigenden
Verfügung vom 9. April 2010 der Beschwerdegegnerin
(Urk. 13/135)
der Fall war.
Die Verfügung vom 9. April 2010 stützte sich auf das polydisziplinäre Gutach
ten der
B._
vom 21. Januar 2010 (E. 4.1 hievor), gemäss welchem die Be
schwerdeführerin unter anderem aufgrund eines Systemischen Lupus erythe
matodes voll arbeitsunfähig
ist
. Die Diagnose eines Systemischen Lupus erythe
matodes konnte in der Folge zwar nicht bestätigt werden (E. 4.2.5 hievor), eine entsprechende (Verdachts-)Diagnose wurde jedoch zuvor von verschiedenen Ärzten postuliert (etwa Urk. 13/5/3, Urk. 13/5/6 und Urk. 13/6/5); 2001/02 er
folgte zudem ein entsprechender Behandlungsversuch (vgl. Urk. 13/5/
6-7
). Die
von B._-Gutachter Dr. J._ gestellte
Diagnose eines Systemischen Lupus erythematodes erweist sich damit nicht als von vornherein abwegig. Das Gut
achten wurde zudem vor Erlass der Verfügung vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) geprüft und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestätigt (Urk. 13/136/3).
Dass sich die gestellte Diagnose im Nachhinein als falsch er
wiesen hat, führt sodann nicht einfach zur zweifellosen Unrichtigkeit der ur
sprünglichen Rentenzusprache. Denn relevant ist nicht die Diagnose, sondern die effektiv vorhandene gesundheitsbedingte Einschränkung der Arbeitsfähig
keit.
In Anbetracht dieser Umstände kann die mit Verfügung vom 9. April 2010 bestätigte ganze Rente der Invalidenversicherung jedenfalls nicht als zweifellos unrichtig bezeichnet werden. Eine wiedererwägungsweise Aufhebung derselben fällt daher ausser Betracht.
6.2
Zu prüfen bleibt das Vorliegen eines Revisionsgrundes. Vergleichszeitpunkt für eine revisionsrechtlich relevante Veränderung des Gesundheitszustands der Be
schwerdeführerin bildet die Verfügung vom 9. April 2010 (Urk. 13/135), mit welcher die Beschwerdegegnerin die Weiterausrichtung einer ganzen Invali
denrente bestätigte. Die Verfügung beruhte
- wie bereits dargelegt -
auf dem Gutachten der
B._
vom 21. Januar 2010 (Urk. 13/132) und der entsprechen
den Stellungnahme des
RAD
(Urk. 13/136/3), mithin auf einer rechtskonformen Sachverhaltsabklärung und Beweiswürdigung.
Aus somatischer Sicht ist der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin ge
mäss Dr.
E._
seither weitgehend unverändert (vgl. Urk. 40 S. 41). An psychi
schen Beschwerden litt die Beschwerdeführerin hingegen im Vergleichszeit
punkt nebst der somatoformen Schmerzstörung unter anderem an einer mittel
gradigen depressiven Episode (E. 4.1 hievor). Die depressiven Beschwerden ha
ben sich jedoch gemäss den nachvollziehbaren Ausführungen von Prof. Dr. ha
bil.
D._
seither verbessert (E. 4.2.3 hievor), so dass zum Zeitpunkt der
psy
chiatrischen
Begutachtung nur noch eine leichte depressive Episode vorlag. Eine (erneute) Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes bis zum Zeit
punkt der angefochtenen Verfügung ist nicht erstellt und wurde auch nicht geltend gemacht. Es ist damit von einer leichten depressiven Episode im Zeit
punkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung auszugehen, was verglichen mit der vormalig diagnostizierten mittelgradigen depressiven Episode eine Ver
besserung des Gesundheitszustandes darstellt. Die Beschwerdeführerin scheint denn auch auf eine regelmässige psychotherapeutische Therapie nicht mehr an
gewiesen zu sein (vgl. Urk. 13/164 S. 68 und Urk. 13/186/3). Ein Revisions
grund ist damit ausgewiesen
,
eine Rentenherabsetzung oder -aufhebung grundsätzlich zulässig.
6.3
Zu prüfen bleibt, wie sich die
noch vorliegenden
Beschwerden auf die Arbeitsfä
higkeit der Beschwerdeführerin auswirken.
Dabei ist in somatischer Hinsicht von einer vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit (leicht bis mittelschwer, maximal zu 3⁄4 stehend-gehende Tätigkeit ohne Arbei
ten in Nässe und Kälte und ohne ausgesprochen stereotyp-repetitive Tätigkei
ten) auszugehen. In Bezug auf die im Vordergrund stehende somatoforme Schmerzstörung ergibt sich Folgendes.
7.
7.1
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung
zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organi
sc
he Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 und an
schliessende Urteile) angepasst und festgehalten, dass die Invaliditäts
be
mes
sung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichti
gen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE 130 V 352 begründete Rechtsprechung die Sicherstellung eines ge
setzmässigen Versi
cherungsvollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Über
windbarkeitsvermutung. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht festzuhalten. Das bisherige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein strukturier
tes Beweisverfahren ersetzt. An der Recht
sprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchti
gung und objektivierte Zumutbar
keitsprüfung bei materieller Beweislast der rentenansprechenden Person (Art. 7
Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch nichts. An die Stelle des bisheri
gen Kri
terienkatalogs (bei anhaltender somatoformer Schmerzstörung und vergleich
baren psychosomatischen Leiden) treten im Re
gelfall beachtliche Standard
indi
katoren. Diese lassen sich in die Kategorien Schweregrad und Konsistenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die Präponderanz der psychiatri
schen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur. Recht und Medizin wirken sowohl bei der Formulierung der Standardindika
to
ren wie auch bei
deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Einzelfall zusam
men. Im Grunde
konkretisieren die in E. 4 und 5 formulierten Beweis
themen und Vor
gehens
weisen für die Invaliditätsbemessung bei psychoso
matischen Lei
den die ge
setz
geberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die Aner
kennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funk
tionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen An
spruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardin
dikatoren schlüssig und
widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nach
ge
wiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (E. 6).
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden somato
formen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosoma
ti
schen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bun
desgericht wie folgt systematisiert hat (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sour
cen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen ver
gleich
ba
ren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungs
hin
dern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensati
onspoten
zia
len (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leis
tungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundes
ge
richts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Die Fibromyalgie weist zahlreiche mit den somatoformen Schmerzstörungen gemeinsame Aspekte auf, sodass es sich beim aktuellen Kenntnisstand aus ju
ristischer Sicht rechtfertigt, die von der Rechtsprechung im Bereich der soma
toformen Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze bei der Würdigung des invalidisierenden Charakters einer Fibromyalgie analog anzuwenden (BGE 132 V 65 E. 4).
7.2
7.2.1
Was den K
omplex „Gesundheitsschädigung" respektive den Indikator
der „Ausprä
gung der diagnoserelevanten Befunde“ angeht, ist festzuhalten, dass sowohl Prof. Dr. habil.
D._
als auch Dr.
E._
eine auf die anhaltende so
matoforme Schmerzstörung beziehungsweise die Fibromyalgie zurückzufüh
rende wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tä
tigkeit nachvollziehbar verneinten. Ein Leiden von einem erheblichen Schwere
grad ist damit nicht ausgewiesen.
Bezüglich des Indikators
„Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resi
stenz“ fehlt es sodann an einer adäquaten Ausschöpfung der Therapie
möglich
keiten (vgl. E. 7.2.5 hienach)
, was nicht auf eine besondere Ausprägung der Symptomatik schliessen lässt.
7.2.2
Als „Komorbiditäten“ sind lediglich krankheitswertige Störungen zu berück
sichtigen, welchen eine eigenständige invalidisierende Bedeutung zukommt.
Die leichtgradige depressive Episode vermag keine solche zu begründen, kommen
doch gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung als psychische Komorbiditä
ten nur schwere und therapeutisch nicht (mehr) angehbare psy
chische Krank
heiten in Betracht (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_168/2015 vom 13. April 2016 E. 4.2; Michael E. Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in: Jusletter vom 11. Juli 2016, S. 27).
Die
depressive Problematik wurde nicht (mehr) als selbständige Erkrankung gefasst, sondern einzig im Rahmen der Schmerzstörung, weshalb ihr keine eigenständige Bedeutung zukommt. Selbst wenn im Lichte des Urteils des Bundesgerichts 9C_596/2016 E. 5.1 vom 26. September 2017 auf etwas anderes zu schliessen wäre, änderte dies nichts am Ergebnis, dass höchstens eine leichte Problematik vorliegt, welche keine ausge
prägte Komorbidität augenscheinlich werden lässt.
Die Beschwerde
-
führerin ist trotz der Arthrose im Grosszehengrundgelenk in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig. Der Diabetes mellitus Typ 1 dürfte zwar eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirken, doch kann diese nicht als schwer qualifiziert werden (vgl. dazu E. 7.4 hienach).
7.2.3
Beim Komplex „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ ergibt sich Folgendes:
Die Beschwerdeführerin ist seit 2008 verheiratet, die Ehe verläuft sehr gut
. Sie hat vier Geschwister in der Schweiz, mit welchen sie sich regelmässig trifft. Ausser
dem ist sie kirchlich gut eingebunden. Nach dem Aufstehen nimmt sie ein aus
gedehntes Bad, frühstückt, legt sich hin oder erledigt Teile der Hausarbeit, kocht sich zu Mittag etwas
K
leines und geht
n
achmittags manchmal spazieren. Nach der Rückkehr des Ehemannes von der Arbeit bereitet sie mit ihm das Abendes
sen vor, anschliessend geht sie mit ihm spazieren oder schaut fern. Gegenüber Dr.
C._
berichtete sie zudem von täglichen gymnastischen Übungen, einer physiotherapeutischen Behandlung pro Woche und dass sie mit dem Auto in der Nähe einkaufen geht (Urk. 13/158/59). Dies dürfte gegenüber Prof. Dr. habil.
D._
unter anderem deshalb nicht zur Sprache gekommen sein, da sich die Erhebung des Tagesablaufes anlässlich der Begutachtung als sehr schwierig und langwierig gestaltete und die Beschwerdeführerin es - trotz zahlreichen Nach
fragen seitens des Gutachters - wiederholt vermied, konkret zu werden (vgl. Urk. 13/164 S. 67). Als Hobby liest die Beschwerdeführerin gerne Zeitschriften. Zwar gibt sie an, aufgrund ihrer Beschwerden an zwei oder drei Tagen pro Wo
che überhaupt nicht aufzustehen, dennoch erhält sie durch ihre Einbettung in die Familie und die ihr im Alltag obliegenden Pflichten eine Tagesstruktur. Trotz eines sozialen Rückzugs enthält der
soziale Lebenskontext bestätigende, sich potenziell günstig auf die Ressourcen auswirkende Faktoren.
7.2.4
In der
Kategorie „Konsistenz“ (bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Be
zü
gen zu den Komplexen „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ einge
hend Mi
chael E. Meier, a.a.O., S. 28 ff.) zielt
der Indikator „gleichmässige Ein
schränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensberei
chen“ auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Er
werb (
beziehungsweise
bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Le
bensbereichen (z.B. Freizeitgestaltung) anderseits gleich aus
geprägt ist, wobei das Aktivitätsniveau der versicherten Person stets im Ver
hältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Beschwerdeführerin sieht sich nicht mehr in der Lage, einer Arbeit nachzu
gehen.
Ihr
Tagesaktivitätsniveau ist zwar in einem gewissen Umfang einge
schränkt, jedoch (längst) nicht entsprechend der von ihr geltend gemachten 100%igen Arbeitsunfähigkeit. So ist sie in der Lage, alleine Auto zu fahren, wofür physische und kognitive Ressourcen erforderlich sind. Auch liest sie viele Bücher ihrer Religionsgemeinschaft und besucht deren Versammlungen. Im Sommer 2011 war sie zwei Wochen in Kalabrien, im Dezember 2011 10 Tage in Gran Canaria und Ostern 2012 ein paar Tage in Ligurien
in den Ferien
(Urk. 13/1
5
8/59), was ebenfalls gegen eine ausgeprägte Einschränkung im All
tag spricht.
7.2.5
Im Rahmen des Indikators „behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausge
wiesener Leidensdruck“ (zur Abgrenzung vom Indikator „Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz“ vgl. Michael E. Meier, a.a.O., S. 25 Rz 60) weist d
ie Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben ver
nach
lässigt werden (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Ein
gliede
rungs
erfolg oder -resistenz unter dem Komplex „Gesundheitsschädi
gung") auf
den tatsächli
chen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu be
rücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der be
ruflichen (Selbst-) Eingliederung. In
konsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Ein
schränkung sei anders begründet als durch eine ver
sicherte Gesundheitsbeein
trächtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
Die Beschwerdeführerin war - nach einem Unterbruch ab dem 12. Dezember 2009 - ab dem 19. August 2011 ein bis zweimal pro Monat in psychologischer Behandlung. Auch diese wurde wieder abgebrochen. Im Oktober 2013 begann sie erneut eine Therapie, dies mit höchstens einer Sitzung pro Monat (E. 4.2.1 und E. 4.2.3 hievor). Eine psychiatrische fachärztliche Behandlung findet nicht statt, ebenso wenig eine adäquate Therapie der Schmerzerkrankung. Ob sie eine antidepressive Medikation einnimmt, vermochte sie zudem nicht klar auszudrü
cken. Prof. Dr. habil.
D._
befand die depressive Störung entsprechend als unzureichend behandelt (E. 4.2.3 hievor). Von einem ausgewiesenen Leidens
druck kann in Anbetracht dieser geringen Behandlungsintensität offensichtlich nicht gesprochen werden. Eingliederungsmassnahmen standen bislang soweit ersichtlich nicht im Raum, weshalb aus diesem Aspekt keine Schlüsse gezogen werden können.
7.2.6
Bei gesamthafter Betrachtung über die massgeblichen Indikatoren ist eine medizi
nisch-gesundheitliche Anspruchsgrundlage, welche zur Anerkennung ei
ner Invalidität führen könnte, nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Das Gutachten von
Prof. Dr. habil.
D._
erlaubt
eine schlüs
sige Beurteilung der Leistungs- und Arbeitsfähigkeit auch gestützt auf die Grundsätze der geänderten Rechtsprechung, weshalb
sich
weitere diesbezügliche Abklärungen
erübrigen
.
7.3
Die Beschwerdeführerin ist damit aus psychiatrischer und rheumatologischer Sicht in einer angepassten
Tätig
keit zu 100 % arbeitsfähig.
Die Beschwerdefüh
rerin hat keinen erlernten Beruf und war seit ihrer Einreise in die Schweiz im Jahr 1991 stets als Hilfsarbeiterin tätig, wobei sie nie während längerer Zeit an einer Stelle verweilte (Urk. 13/4). Damit ist das Validen- wie auch Invalidenein
kommen anhand der identischen Tabellenwerte zu ermitteln, nämlich basierend auf einfachen Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art. Damit ent
spricht der Invaliditätsgrad dem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 0 %, wobei selbst bei Gewährung eines Abzuges vom Tabellenlohn aufgrund der (für Frauen im Alter der Beschwerdeführerin) lediglich leichten Einschränkungen ein renten
ausschliessender Invaliditätsgrad resultiert.
7.4
Die Beschwerdeführerin leidet zudem an einem Morbus Basedow, welcher ge
mäss dem behandelnden Endokrinologen dank entsprechender Medikation stabil ist (Urk. 13/186/
1
). Weder ist ersichtlich noch geltend gemacht, dass dieser die Beschwerdeführer in ihrer Arbeitsfähigkeit einschränkt. Ebenso leidet die Be
schwerdeführerin an einem Diabetes mellitus Typ 1, welcher sie gemäss den
B._
-Gutachtern in der Arbeitsfähigkeit zu 20 % einschränk
t
(E. 4.1 hievor) beziehungsweise gemäss Dr.
C._
eine zusätzliche Pause von einer halben Stund
e pro Halbtag erforderlich macht
(E. 4.2.2 hievor), was einer Einschrän
kung von rund 12 % entspricht. Eine höhere als eine 20%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund des Diabetes ist den Akten nicht zu entnehmen und wurde auch von der Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht. Der behan
delnde Endokrinologe führte zudem aus, man nähere sich in kleinen Schritten einer optimierten Einstellung an (E. 4.2.4 hievor).
D
amit
ist erstellt,
dass der Di
abetes mellitus Typ 1 die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
selbst bei ei
nem Tabellenlohnabzug von 10 %
nicht derart einschränkt, dass dies einen In
validitätsgrad von mindestens 40 % bewirken würde. Von weiteren medizini
schen Abklärung sind keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung (
vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hin
weisen)
verzichtet wird. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
8.
8.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig und sind die Gerichtskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ermessensweise auf Fr. 1‘000.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
8.2
8.2.1
Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss § 8 in Verbindung mit § 7 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (GebV SVGer) wird - auch im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung - namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
8.2.2
Der von Rechtsanwältin Lotti Sigg mit Eingabe vom 24. Oktober 2017 geltend gemachte Aufwand von 31.05 Stunden und Fr. 205.15 Barauslagen (Urk. 50) ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht ange
messen, namentlich erscheint ein Aufwand von jeweils 25 Minuten für die Fristerstreckungsgesuche sowie von vier Stunden für die wiederholte Kontakt
aufnahme mit der Beschwerdeführerin in diesem Umfang nicht als notwendig. Die Rechnungsstellung wird sodann nicht entschädigt, ebenso wenig die Zu
stellung von Unterlagen an die Beschwerdeführerin zum Anwaltstarif.
Angesichts der zu studierenden gut 200 Aktenstücke der Beschwerdegegnerin, der 3
-
, 5
-
und 16
-
seitigen Rechtsschriften, den Aufwendungen im Zusammen
hang
mit
der vom Gericht angeordneten Begutachtung der Beschwerdeführerin und
dem Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung sowie der in ähnli
chen Fällen zugesprochenen Beträgen ist die Entschädigung von
Rechtsanwältin Lotti Sigg
bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf Fr.
6‘400.--
(inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer) festzusetzen.
8.3
Die Beschwerdeführerin ist auf § 16 Abs. 4 GSVGer hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der
Gerichtskosten sowie der
Auslagen für die Vertretung ver
pflichtet werden kann, sofern sie dazu in der Lage ist.
8.
4
Die Kosten der Begutachtung durch Dr.
E._
in der Höhe von Fr. 7‘031.-- (Urk. 41) sind von der Beschwerdegegnerin zu tragen und somit dem Gericht zurückzuerstatten, war doch die Veranlassung eines Gerichtsgutachtens uner
lässlich, nachdem sich die Beschwerdegegnerin bei Erlass der angefochtenen Verfügung auf ein offensichtlich nicht beweiskräftiges Gutachten
(E. 5.2)
abge
stützt hatte (vgl. BGE 139 V 496 E. 4.4
und Urteil des Bundesgerichts 8C_113/2017 vom 29. Juni 2017 E. 7.2-3). Die Beschwerdegegnerin äusserte sich sodann zur Kostenauflage, weshalb das rechtliche Gehör - soweit bei ge
richtlicher prozessualer Anordnung überhaupt erforderlich - gewahrt ist. Eine weitere Stellungnahme beantragte sie lediglich, falls ein weiteres (psychiatri
sches) Gutachten eingeholt wird (Urk. 44 S. 2), was nicht der Fall ist. Der Auf
wand für das Gutachten von 20.5 Stunden erscheint als angemessen und die ausserordentliche Schwierigkeit bei vormals während Jahren falsch gestellter oder nunmehr nicht mehr zutreffender Diagnose ist ebenfalls offenkundig, wes
halb sich der Tarif von Fr. 300.-- pro Stunde rechtfertigt. Auch die übrigen Posten (Labor, Dolmetscher, Kopien) sind ausgewiesen.