Decision ID: 7aad3c4b-c6f1-4dda-90e2-4f43d0a1e445
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 14. November 2022 in der Schweiz um
Asyl nachsuchte,
dass ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Euro-
dac) vom 16. November 2022 ergab, dass er bereits am 1. November 2022
in Österreich ein Asylgesuch eingereicht hatte,
dass am 22. November 2022 die Personalienaufnahme stattfand,
dass der Beschwerdeführer am 24. November 2022 der gemäss Art. 102h
Abs. 1 AsylG (SR 142.31) zugewiesenen Rechtsvertretung die Vollmacht
zur Vertretung seiner Interessen im Asylverfahren erteilte,
dass er im Rahmen des am 25. November 2022 durchgeführten persönli-
chen Gesprächs gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Eu-
ropäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung
der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die
Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder einem Staatenlosen
in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist, Abl. L 180/31 vom 29. Juni 2013 (nachfolgend: Dublin-III-VO)
angab, er habe in Österreich Behördenkontakt gehabt und sei gezwungen
worden, seine Fingerabdrücke abzugeben respektive ein Asylgesuch ein-
zureichen, er habe jedoch nicht um Asyl ersuchen wollen, weshalb er Ös-
terreich nach einigen Tagen Richtung Schweiz verlassen habe,
dass das SEM dem Beschwerdeführer mitteilte, es werde erwogen, auf
sein Asylgesuch nicht einzutreten und ihn bei gegebener Zuständigkeit
nach Österreich wegzuweisen,
dass er in Bezug auf die mögliche Wegweisung nach Österreich entgeg-
nete, sein Zielland sei die Schweiz gewesen, er habe in Österreich in einem
Park schlafen müssen, wo ein Krimineller versucht habe, ihn auszurauben,
dass er auf seine Gesundheitssituation angesprochen, ausführte, er leide
an Allergien und habe auf der Flucht sehr viele Schwierigkeiten erleben
müsse, weshalb es ihm psychisch nicht so gut gehe, er jedoch aktuell keine
medizinische Hilfe benötige,
dass die österreichischen Behörden das Ersuchen des SEM vom 25. No-
vember 2022 um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18
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Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO am mit einem vom 7. November 2022 datierten
standardisierten Schreiben beantworteten, wonach sie aufgrund der aus-
serordentlichen Arbeitsbelastungen keine expliziten Zustimmungen mehr
erteilten,
dass das SEM mit Verfügung vom 12. Dezember 2022 – eröffnet am
13. Dezember 2022 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf
das Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Ös-
terreich anordnete und den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz
spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen,
dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-
scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den
Beschwerdeführer verfügte,
dass die zugewiesene Rechtsvertretung mit Schreiben vom 13. Dezember
2022 über die Niederlegung des Mandates informierte,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 20. Dezember 2022 gegen
diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und
beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Vorinstanz
anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten und das nationale Asylver-
fahren durchzuführen, eventualiter sei sie gestützt auf Art. 29a Abs. 3 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) anzuweisen
sei, auf das Asylgesuch einzutreten,
dass in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Erteilung der aufschiebenden
Wirkung, um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Be-
freiung von der Pflicht zur Leistung des Kostenvorschusses ersucht wurde,
dass die zuständige Instruktionsrichterin am 21. Dezember 2022 einen su-
perprovisorischen Vollzugsstopp anordnete,
dass der Beschwerdeführer am 22. Dezember 2022 eine Bestätigung ein-
reichte, aus welcher sich ergebe, dass er im Heimatstaat bei einer ameri-
kanischen Nichtregierungsorganisation gearbeitet habe,
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Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass der Beschwerdeführer zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48
Abs. 1 VwVG) ist und somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde einzutreten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich
um ein solches Rechtsmittel handelt, weshalb das Urteil nur summarisch
zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG) und diesbezüglich die Dublin-III-VO zur Anwendung
kommt,
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit Eurodac
ergab, dass dieser am 1. November 2022 in Österreich ein Asylgesuch ein-
gereicht hatte,
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dass das SEM die österreichischen Behörden am 25. November 2022 um
Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 23 Dublin-III-VO
ersuchte,
dass die österreichischen Behörden das Übernahmeersuchen innert der in
Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet liessen, wo-
mit sie die Zuständigkeit Österreichs implizit anerkannten (Art. 25 Abs. 2
Dublin-III-VO),
dass der Beschwerdeführer vorbringt, er habe in Österreich nicht um Asyl
ersuchen wollen und die Schweiz sei immer sein Zielland gewesen,
dass er damit die grundsätzliche Zuständigkeit Österreichs nicht zu wider-
legen vermag und in diesem Zusammenhang auf die Erwägungen in der
angefochtenen Verfügung zu verweisen ist (vgl. angefochtene Verfügung
S. 3),
dass die grundsätzliche Zuständigkeit Österreichs somit gegeben ist,
dass es keine Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-
nahmebedingungen für Antragsteller in Österreich weise systemische
Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf,
dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann,
einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-
ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in
dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO),
dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a
Abs. 3 AsylV 1 konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss
dieser Bestimmung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln
kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre,
dass der Beschwerdeführer mit seinen Vorbringen, in Österreich sei es zu
einer Reihe von Gesetzesänderungen gekommen, welche den Zugang zu
unabhängigen Rechtsberatungsstellen erschwerten, er auch keine Unter-
kunft erhalten habe, weshalb ihm die erforderliche medizinische Behand-
lung sicher nicht zuteilwerde, implizit die Anwendung von Art. 17 Abs. 1
Dublin-III-VO respektive Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 fordert,
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dass Österreich Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR
0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtun-
gen nachkommt,
dass auch davon ausgegangen werden darf, dieser Staat anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom
26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (Aufnahmerichtlinie) ergeben,
dass der Beschwerdeführer kein konkretes und ernsthaftes Risiko darge-
tan hat, die österreichischen Behörden würden sich weigern ihn wiederauf-
zunehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung
der Regeln der erwähnten Richtlinien zu prüfen,
dass den Akten auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen sind,
Österreich werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement
missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib,
sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG
gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein sol-
ches Land gezwungen zu werden,
dass Österreich gestützt auf Art. 19 Abs. 1 der Aufnahmerichtlinie verpflich-
tet ist, Asylsuchenden die erforderliche medizinische Versorgung, die zu-
mindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung
von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugäng-
lich zu machen,
dass Antragstellenden mit besonderen Bedürfnissen die erforderliche me-
dizinische oder sonstige Hilfe, einschliesslich psychologischer Betreuung,
zu gewähren ist (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie),
dass es keine Hinweise dafür gibt, dass Österreich dem Beschwerdeführer
die allenfalls erforderliche medizinische Behandlung verweigern würde,
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dass vorliegend aufgrund der Akten zuverlässig festgestellt werden kann,
dass nicht davon auszugehen ist, dass die hohe Schwelle für eine dro-
hende Verletzung von Art. 3 EMRK vorliegend aufgrund gesundheitlicher
Gründe überschritten sein könnte und eine medizinische Notlage ausge-
schlossen werden kann,
dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen
zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine
gesetzeswidrige Ermessensausübung oder ein Über- oder Unterschreiten
des Ermessens (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG) durch die Vorinstanz zu
entnehmen sind,
dass das Bundesverwaltungsgericht sich unter diesen Umständen weiterer
Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält,
dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und
– weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts-
oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die
Überstellung nach Österreich angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),
dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen ist,
dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist,
weshalb sich die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und
um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses als gegenstands-
los erweisen,
dass der mit superprovisorischer Massnahme vom 21. Dezember 2022 an-
geordnete Vollzugsstopp mit dem vorliegenden Urteil dahinfällt,
dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus
den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen wa-
ren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt
sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1 ‒ 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
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