Decision ID: 188e299f-03bb-5f86-a806-1d3ae7d214a2
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 25. Mai 2021 – zusammen mit seiner
Schwester – in der Schweiz um Asyl (Akten der Vorinstanz [...] [SEM act.]
1).
B.
Ein Abgleich mit dem zentralen Visa-Informationssystem (CS-VIS) ergab,
dass dem Beschwerdeführer am 5. Mai 2021 von Frankreich ein vom
7. Mai 2021 bis 21. Juni 2021 gültiges Schengen-Visum ausgestellt wor-
den war (SEM act. 7).
C.
Am 8. Juni 2021 wurden die Personalien des Beschwerdeführers aufge-
nommen. Am 10. Juni 2021 führte das SEM mit ihm das persönliche Ge-
spräch nach Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist
(nachfolgend: Dublin-III-VO) und gewährte ihm das rechtliche Gehör zur
mutmasslichen Zuständigkeit Frankreichs für die Behandlung seines Asyl-
gesuchs sowie zu seinem Gesundheitszustand (SEM act. 9, 13).
D.
Am 11. Juni 2021 ersuchte die Vorinstanz die französischen Behörden um
Übernahme des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-
VO. Diese stimmten dem Ersuchen am 23. Juli 2021 gestützt auf die glei-
che Bestimmung zu (SEM act. 20).
E.
Mit Verfügung vom 24. August 2021 – eröffnet am 25. August 2021 – trat
das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylge-
such des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte die Wegweisung nach
Frankreich, forderte ihn – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlas-
sungsfall – auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu
verlassen, beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Weg-
weisung, händigte dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten ge-
mäss Aktenverzeichnis aus und stellte fest, eine allfällige Beschwerde ge-
gen die Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung (SEM act. 25).
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F.
Mit Eingabe vom 1. September 2021 erhob der Beschwerdeführer gegen
die vorinstanzliche Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde. Er beantragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung
vom 24. August 2021 und die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft so-
wie die Gewährung von Asyl; ferner sei festzustellen, dass der Vollzug der
Wegweisung unzulässig, unzumutbar und unmöglich und die vorläufige
Aufnahme anzuordnen sei. Es sei die unentgeltliche Prozessführung zu
gewähren, von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen und ein
amtlicher Rechtsbeistand einzusetzen. Eventualiter sei die aufschiebende
Wirkung wiederherzustellen (Akten des Bundesverwaltungsgerichts
[BVGer act.] 1).
G.
Die Instruktionsrichterin setzte am 2. September 2021 gestützt auf Art. 56
VwVG den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus (BVGer
act. 2).
H.
Gleichentags lagen die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsge-
richt in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist zustän-
dig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf
dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein
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schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung und ist zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG
i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde ist – unter Vorbehalt von Erwägung 2.3. – einzu-
treten (Art. 108 Abs. 3 und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
2.
2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). Die Fragen der Anerkennung der Flüchtlingsei-
genschaft und der Gewährung von Asyl bilden demgegenüber nicht Ge-
genstand des angefochtenen Nichteintretensentscheides und damit auch
nicht des vorliegenden Verfahrens. Auf die entsprechenden Beschwerde-
anträge ist deshalb nicht einzutreten.
2.3. Soweit der Beschwerdeführer beantragt, er sei als Flüchtling zu aner-
kennen und es sei ihr Asyl zu gewähren, ist darauf nicht einzutreten.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Vorliegend han-
delt es sich, wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche, weshalb das
Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt
auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel verzichtet.
4.
4.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung dieses Staates prüft das SEM die
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Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. Führt diese Prüfung zur
Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Beurteilung des Asyl-
gesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betreffende Mitglied-
staat einer Überstellung oder Rücküberstellung explizit oder implizit zuge-
stimmt hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
4.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung dieses
Staates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylan-
trag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
4.3. Ein Abgleich mit dem CS-VIS ergab, dass dem Beschwerdeführer von
Frankreich am 5. Mai 2021 ein vom 7. Mai 2021 bis zum 21. Juni 2021
gültiges Schengen-Visum ausgestellt worden war. Das SEM ersuchte des-
halb die französischen Behörden um Übernahme des Beschwerdeführers
im Sinne von Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO, welche dem Ersuchen am
23. Juli 2021 gestützt auf diese Bestimmung zustimmten. Vor diesem Hin-
tergrund ist die Zuständigkeit Frankreichs zur Durchführung des Asyl- und
Wegweisungsverfahrens grundsätzlich gegeben.
5.
In seiner Rechtsmitteleingabe machte der Beschwerdeführer geltend, er
habe versprochen, sich um seine Schwester zu kümmern. Er könne sie
nicht aus den Augen verlieren. Es gehe ihnen beiden psychisch nicht gut,
und er wolle mit ihr zusammenbleiben. In Frankreich müssten Flüchtlinge
auf der Strasse leben, und sie seien nie dort gewesen. Weiter bat er darum,
von Frankreich eine Garantie einzuholen, dass er mit seiner Schwester zu-
sammenbleiben könne. Sie habe Panikattacken. Er habe oft auch Angst-
zustände; aber bei ihr sei es lebensgefährlich. Sie habe schon öfters
Synkopen erlitten und es sei sehr dramatisch. Geschwister sollten nicht in
eine Situation gebracht werden, in der sie sich nicht mehr gegenseitig hel-
fen könnten (BVGer act. 1).
6.
6.1. Frankreich ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
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(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Ausserdem darf davon ausgegangen werden, dieser
Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus
den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU
vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und
Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) so-
wie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben.
6.2. Das Bundesverwaltungsgericht geht – entgegen dem pauschal geäus-
serten Vorbringen des Beschwerdeführers zum französischen Asylsystem
und in Kenntnisnahme des Beschlusses des deutschen Verwaltungsge-
richts Arnsberg vom 25. April 2019 (vgl. Beschwerdebeilage) – gemäss
konstanter Rechtsprechung davon aus, Asylsuchende in Frankreich erhiel-
ten die von der Aufnahmerichtlinie garantierten Grundleistungen und hät-
ten dort somit auch keine unmenschliche und erniedrigende Behandlung
im Sinne von Art. 3 EMRK zu befürchten (vgl. bspw. Urteile des BVGer
F- 128/2021 vom 15. Januar 2021 S. 5 f., F-1929/2020 vom 16. April 2020
E. 7.3; F-1342/2020 vom 12. März 2020 E. 4.2; F-612/2020 vom 11. Feb-
ruar 2020 E. 5.2; F-5826/2019 vom 12. November 2019 E. 5.2). Systemi-
sche Mängel betreffend die Asyl- und Aufnahmesituation in Frankreich kön-
nen damit nicht ausgemacht werden.
6.3. Im Übrigen steht es dem Beschwerdeführer bei einer allfälligen vor-
übergehenden Einschränkung des Betreuungsangebots offen, sich an die
zuständigen französischen Behörden zu wenden und die ihm zustehenden
Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einzufordern (vgl. Art. 26 Auf-
nahmerichtlinie). Es sind keine konkreten Anhaltspunkte dafür ersichtlich,
er geriete im Falle einer Wegweisung nach Frankreich wegen der dortigen
Aufenthaltsbedingungen in eine existenzielle Notlage. Er hat die Möglich-
keit, bei allfälligen Schwierigkeiten die dafür zuständigen Behörden bezie-
hungsweise die vor Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren.
Ausserdem steht es ihm frei, sich bei allfälligen Problemen bei der Unter-
bringung oder beim Zugang zum Asylverfahren an die zuständigen franzö-
sischen Justizbehörden zu wenden. Er kann überdies behördlichen Schutz
beanspruchen, sollte er von Drittpersonen bedroht werden.
6.4. Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO nicht gerechtfertigt.
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7.
7.1. Jeder Mitgliedstaat kann sodann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-
III-VO beschliessen, einen bei ihm gestellten Antrag auf internationalen
Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgeleg-
ten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dub-
lin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht). Das Selbsteintrittsrecht ist in Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)
konkretisiert und legt es ins pflichtgemässe Ermessen des SEM, ein Ge-
such aus humanitären Gründen auch dann zu behandeln, wenn die Prü-
fung ergeben hat, dass ein anderer Staat dafür zuständig ist.
7.2. Auf die Ausübung des Selbsteintrittsrechts besteht ein klagbarer An-
spruch, wenn die Überstellung des Antragstellers in den an sich zuständi-
gen Mitgliedstaat übergeordnetes Recht, namentlich eine Norm des Völ-
kerrechts verletzen würde (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.2; ferner Urteil des
BVGer E-2851/2021 vom 28. Juni 2021 E. 8.4.1 je m.H).
7.2.1. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, er wolle nicht von sei-
ner Schwester getrennt werden, so ist darauf hinzuweisen, dass die fran-
zösischen Behörden das Ersuchen des SEM betreffend Übernahme seiner
Schwester ebenfalls gutgeheissen haben. Die Vorinstanz ist auf das Asyl-
gesuch der Schwester sodann auch nicht eingetreten und sie wurde, wie
der Beschwerdeführer, nach Frankreich weggewiesen. Eine dagegen ge-
richtete Beschwerde wurde vom Bundesverwaltungsgericht – zeitgleich
zum vorliegenden Verfahren – abgewiesen (vgl. dazu Beschwerdeverfah-
ren F-3901/2021). Soweit die Geschwister in Frankreich unterschiedlichen
Präfekturen zugewiesen wurden (vgl. SEM act. 25 und 20), liegt es an
ihnen, bei den französischen Behörden um eine gemeinsame Unterbrin-
gung zu ersuchen beziehungsweise gegen einen allfälligen negativen Ent-
scheid die entsprechenden Rechtmittel zu ergreifen (vgl. E. 5.1). Eine ge-
meinsame Unterbringung wäre im Übrigen auch in der Schweiz nicht ga-
rantiert, zumal es sich bei den volljährigen Geschwistern nicht um Mitglie-
der einer Kernfamilie im Sinne von Art. 8 EMRK handelt und auch ein
schutzbedürftiges Abhängigkeitsverhältnis weder geltend gemacht noch
aus den Akten ersichtlich ist (vgl. dazu BGE 135 I 143 E. 3.1 m.H.).
7.2.2. Bezüglich des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers ist
dem Kurzbericht der B._ vom 30. Juni 2021 und der entsprechen-
den Zuweisung zu entnehmen, dass er schon länger Schmerzen im Brust-
korb habe; weiter mache er sich oft Gedanken darüber, was er in Pakistan
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erlebt habe. Es bestehe der Verdacht auf eine ältere Rippenfraktur; ge-
mäss einem Röntgenbild würden sich keine Veränderungen an den Rippen
zeigen, und der Herz- und Lungenbefund sei unauffällig (SEM act. 19). Ge-
mäss einem Kurzbericht vom 18. August 2021 begab er sich zudem wegen
eines Hordeolums (Gerstenkorn) am linken Unterlid in ärztliche Behand-
lung (SEM act. 23).
7.2.3. Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen
Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3
EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene
Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium
und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem siche-
ren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwar-
ten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis
des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine wei-
tere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch
die Abschiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im
Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, ra-
schen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszu-
stands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheb-
lichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des
EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer,
41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
7.2.4. Eine solche Situation ist vorliegend aufgrund der aktenkundigen und
geschilderten gesundheitlichen Beeinträchtigungen zweifellos nicht gege-
ben. Die medizinischen Probleme sind nicht von einer derartigen Schwere,
dass aus humanitären Gründen von einer Überstellung abgesehen werden
müsste. Schliesslich machte der Beschwerdeführer anlässlich des Dublin-
Gesprächs noch geltend, er würde sich gut fühlen; es ginge ihm gut (SEM
act. 13).
7.2.5. Ferner sind die Mitgliedstaaten verpflichtet, den Antragstellern die
erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung
und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schwe-
ren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1
Aufnahmerichtlinie. Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist die er-
forderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls ei-
ner geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2
Aufnahmerichtlinie). Es ist allgemein bekannt, dass Frankreich über eine
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ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt, weshalb sich der Be-
schwerdeführer im Bedarfsfall an das dafür zuständige medizinische Fach-
personal wenden kann.
7.3. Aufgrund dieser Ausführungen sind keine Gründe ersichtlich, welche
die Vorinstanz zu einem Selbsteintritt gemäss Art. 17 Dublin-III-VO bezie-
hungsweise Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 hätten verpflichten können. Schliess-
lich räumt die Dublin-III-Verordnung den Schutzsuchenden auch kein
Recht ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selbst auszuwählen.
8.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da er
nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung
ist, wurde die Überstellung nach Frankreich in Anwendung von Art. 44
AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1).
9.
Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2
m.w.H.).
10.
10.1. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist. Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil ab-
geschlossen, weshalb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden
Wirkung als gegenstandslos erweist.
10.2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
samt Verbeiständung wird abgewiesen, da die Begehren – wie sich aus
den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen
waren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt
sind.
10.3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.-
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
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11.
Der am 2. September 2021 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegen-
dem Urteil dahin.
(Dispositiv nächste Seite)
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