Decision ID: 9ea2e5b7-69d3-451d-a742-2aad942641d1
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie aus B._ mit letztem Wohnsitz in C._ (Distrikt Jaffna/
Nordprovinz) – suchte am 7. August 2017 in der Schweiz um Asyl nach.
Am 29. August 2017 erhob das SEM im damaligen Empfangs- und Verfah-
renszentrum (EVZ) D._ seine Personalien und befragte ihn sum-
marisch zu seinem Reiseweg sowie zu seinen Asylgründen (sogenannte
Befragung zur Person; BzP). Mit Zwischenverfügung vom 6. September
2017 wies ihn das SEM für die Dauer seines Aufenthalts in der Schweiz
dem Kanton E._ zu. Am 21. Januar 2020 hörte die Vorinstanz ihn
einlässlich zu seinen Asylgründen an.
In Bezug auf seine persönlichen Verhältnisse führte er aus, sieben oder
acht Jahre lang die Schule besucht zu haben. Seit (...) sei er verheiratet.
Er sei Vater von vier Kindern. Seinen Lebensunterhalt habe er bis zur Aus-
reise als (...) verdient. Nebst seiner Familie lebten in Sri Lanka noch seine
Eltern sowie seine vier Geschwister. Ein Bruder habe im Krieg sein Leben
verloren.
Hinsichtlich seiner Asylgründe machte er geltend, er sei im Jahr 2006 von
den LTTE ("Liberation Tigers of Tamil Eelam") zwangsrekrutiert worden,
wobei er hauptsächlich im Bunkerbau sowie im Wachdienst eingesetzt wor-
den sei. Im Oktober 2006 sei er verletzt und alsdann in Spitalpflege ge-
bracht worden. Erneut seien er und zusätzlich auch zwei seiner Söhne am
22. April 2009 bei einem Artillerieangriff der sri-lankischen Armee verletzt
worden; dabei habe der älteste Sohn schwere Verletzungen erlitten. Man
habe sie dann ins Spital von F._ überführt, wo sie medizinisch be-
handelt worden seien. Nachdem der Bürgerkrieg in Sri Lanka am 18. Mai
2009 zu Ende gegangen sei, habe er sich mit seiner Familie wie viele an-
dere Zivilisten auch in staatlich kontrolliertes Gebiet begeben. Danach sei
er ins Flüchtlingscamp (...) in G._/H._ gebracht worden. Ei-
nem Einzug in ein Rehabilitationsprogramm habe er sich dadurch entzie-
hen können, dass er sich immer in Begleitung seines verletzten ältesten
Sohnes I._ befunden habe. Seine Entlassung aus besagtem
Flüchtlingslager sei im Spätherbst 2009 erfolgt. Anschliessend habe er
seine Arbeit als (...) wiederaufgenommen, wobei das Geschäft gut gelau-
fen sei. Am 30. Januar 2013 sei sein ältester Sohn I._ an den Spät-
folgen seiner im April 2009 erlittenen Verletzungen gestorben. Im Jahr
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2015 habe er sich beruflich mit einem Mann namens J._ zusam-
mengetan, welcher im Krieg ebenfalls bei den LTTE gewesen sei. Letzterer
habe ein Rehabilitationsprogramm durchlaufen müssen. Nach einiger Zeit
sei es zwischen ihnen beiden im Zusammenhang mit finanziellen Unge-
reimtheiten bei der Ausführung einer (...)arbeit zu einem Streit gekommen.
In der Folge habe ihn J._ bei den heimatlichen Behörden denunziert
beziehungsweise diesen mitgeteilt, dass er sich der Rehabilitation entzo-
gen habe. Deswegen habe er Probleme bekommen und sich zur Flucht
aus seiner Heimat entschieden. Zunächst sei er nach K._ gegan-
gen und habe Sri Lanka schliesslich am 7. April 2016 mit seinem eigenen
Pass und einem von seinem Schlepper besorgten Visum für (...)
L._ verlassen. Anschliessend habe er mehr als ein Jahr lang (...)
L._ gelebt. Später sei er via unbekannte Länder (in einem (...) ver-
steckt) weitergereist und schliesslich am 7. August 2017 illegal in die
Schweiz gelangt. Nach dem Verlassen Sri Lankas hätten Angehörige des
CID (Criminal Investigation Department) weiterhin nach ihm gesucht, wo-
bei sie sich als Versicherungsvertreter ausgegeben hätten.
Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen des erstinstanzlichen Verfah-
rens unter anderem sechs Geburtsregisterauszüge aller Familienmitglie-
der, die Kopie seiner sri-lankischen Identitätskarte, einen Todesschein be-
treffend seinen verstorbenen ältesten Sohn, drei ärztliche Berichte bezüg-
lich der Spitalaufenthalte im April 2009, einen Eheschein, ein Schreiben,
welches seinen Aufenthalt in einem Flüchtlingslager bestätigt, ein "Return
Form" vom 10. Dezember 2009, das eine Genehmigung zum Wegzug des
Beschwerdeführers und dessen Familie nach Jaffna (nach der Entlassung
aus dem Flüchtlingslager) enthält, eine Lebensmittelkarte, drei Fotos, die
vermutlich Familienangehörige des Beschwerdeführers zeigen, sowie ein
Bestätigungsschreiben eines Bruders des Beschwerdeführers sowie wei-
terer Personen, dass der Beschwerdeführer früher als (...) und (...) gear-
beitet habe, zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 30. April 2020 – eröffnet am 6. Mai 2020 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte dessen Asylgesuch ab, verfügte seine Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
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C.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer durch seinen
Rechtsvertreter am 5. Juni 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-
richt. In dieser wird in materieller Hinsicht beantragt, die angefochtene Ver-
fügung sei wegen Verletzung des Anspruchs auf das rechtliche Gehör [2],
eventuell wegen Verletzung der Begründungspflicht [3], eventuell zur Fest-
stellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts [4]
aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen. Eventuell sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, seine
Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl zu ge-
währen [5]. Eventuell sei die angefochtene Verfügung betreffend die Dis-
positivziffern 4 bis 6 aufzuheben und die Unzulässigkeit oder zumindest die
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen [6].
In prozessualer Hinsicht wird beantragt, das Bundesverwaltungsgericht
habe nach dem Eingang der Beschwerde unverzüglich darzulegen, welche
Gerichtspersonen mit ihrer Behandlung betraut würden. Gleichzeitig habe
das Bundesverwaltungsgericht bekanntzugeben, ob diese Personen zufäl-
lig ausgewählt worden seien, und andernfalls die objektiven Kriterien be-
kanntzugeben, nach denen diese Gerichtspersonen ausgewählt worden
seien. Dazu sei ihm Einsicht in die Datei der Software des Bundesverwal-
tungsgerichts zu gewähren, mit welcher diese Auswahl nach Eingang der
Beschwerde kreiert worden sei, und es sei offenzulegen, wer diese Aus-
wahl getroffen habe [1]. Für den Fall, dass das Bundesverwaltungsgericht
materiell entscheiden sollte, stellte er verschiedene Beweisanträge (vgl.
Beschwerde S. 20).
Der Beschwerdeführer fügte der Rechtsmittelschrift unter anderem die Fo-
tografie einer angeblichen Kampftruppe der LTTE, auf welcher auch er
selbst abgebildet sein soll, sieben ihn betreffende Fotos von verschiedenen
Körpernarben sowie drei von seinem Rechtsvertreter persönlich verfasste
Berichte zur Lage in Sri Lanka in der Fassung vom 23. Januar 2020, ein
Länderupdate vom 26. Februar 2020 sowie einen Zusatzbericht zur La-
gesituation in Sri Lanka, Stand vom 10. April 2020, jeweils mit Beilagen auf
CD-Rom, bei.
D.
Mit Schreiben vom 8. Juni 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
den Eingang der vorliegenden Beschwerde.
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Seite 5
E.
Mit Eingabe vom 6. Juli 2020 reichte der Beschwerdeführer durch seinen
Rechtsvertreter einen ärztlichen Bericht der Universitären Psychiatrischen
Dienste (UPD) E._ vom 26. Juni 2020 ein. Darin werden beim Be-
schwerdeführer eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reak-
tion (ICD-10: F43.2) wegen Flucht und negativen Asylentscheids (Z60) und
wegen Trennung von der Familie (Z63) sowie der Verdacht auf eine post-
traumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Im Weiteren reichte er die
Kopie einer anonymisierten Abklärung der Schweizerischen Botschaft in
Colombo zur Behandlungsmöglichkeit und -zugänglichkeit von psychologi-
schen Behandlungen in Sri Lanka vom 10. Januar 2019 im Verfahren N [...]
zu den Akten.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 10. Juli 2020 stellte der Instruktionsrichter
fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang seines Verfahrens in der
Schweiz abwarten. Im Weiteren forderte er ihn auf, bis zum 27. Juli 2020
einen Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 1500.– einzuzahlen, ansonsten auf
die Beschwerde nicht eingetreten werde. Zusätzlich teilte er dem Be-
schwerdeführer die damalige Zusammensetzung des Spruchkörpers mit.
Die Behandlung der übrigen Anträge und gegebenenfalls weitere Instrukti-
onsmassnahmen verschob er auf einen späteren Zeitpunkt.
G.
Mit Eingabe vom 27. Juli 2020 ersuchte der Beschwerdeführer mittels sei-
nes Rechtsvertreters unter Beilegung einer Unterstützungsbestätigung des
Schweizerischen Roten Kreuzes des Kantons E._ vom 22. Juli
2020 um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. Ferner machte
er weitere Ausführungen hinsichtlich der Entwicklung der allgemeinen po-
litischen Lage in Sri Lanka und reichte in diesem Zusammenhang einen
von seinem Rechtsvertreter verfassten Rapport Ländersituation Sri Lanka
vom 11. April bis 26. Juni 2020 ein.
H.
Mit Instruktionsverfügung vom 26. Oktober 2020 hiess der Instruktionsrich-
ter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG unter Vorbehalt einer nachträglichen Ver-
änderung der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers gut, hob
wiedererwägungsweise Ziff. 3 des Dispositivs seiner Zwischenverfügung
vom 10. Juli 2020 auf und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses. Gleichzeitig lud das Bundesverwaltungsgericht die Vorinstanz
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ein, bis zum 10. November 2020 eine Vernehmlassung zur Beschwerde
vom 5. Juni 2020 sowie zur Eingabe vom 27. Juli 2020 einzureichen.
I.
Am 29. Oktober 2020 liess sich das SEM vernehmen.
J.
Mit Verfügung vom 4. November 2020 räumte das Bundesverwaltungsge-
richt dem Beschwerdeführer die Gelegenheit ein, bis zum 19. November
2020 eine Replik einzureichen.
K.
Mit Eingabe vom 19. November 2020 liess der Beschwerdeführer durch
seinen Rechtsvertreter eine Replik einreichen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37
VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt
der E. 2.3 – einzutreten.
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1.4 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5).
2.
2.1 Den in der Beschwerde gestellten Antrag auf Bekanntgabe des Spruch-
körpers hat das Gericht – unter Vorbehalt allfälliger Wechsel bei Abwesen-
heiten – bereits mit Zwischenverfügung vom 10. Juli 2020 behandelt, auf
welche an dieser Stelle zu verweisen ist (vgl. Sachverhalt Bst. F). Nachdem
die bisherige Drittrichterin Claudia Cotting-Schalch inzwischen in eine an-
dere Abteilung des Bundesverwaltungsgerichts übergetreten ist, wurde
Chiara Piras als Drittrichterin bestimmt.
2.2 Gemäss Art. 26 Abs. 1 VwVG haben die Partei oder ihr Vertreter An-
spruch darauf, in ihrer Sache folgende Akten einzusehen: Eingaben von
Parteien und Vernehmlassungen von Behörden (Bst. a), alle als Beweis-
mittel dienenden Aktenstücke (Bst. b) und Niederschriften eröffneter Verfü-
gungen (Bst. c). Der Algorithmus beziehungsweise die Software, mit wel-
cher das Bundesverwaltungsgericht den Spruchkörper bestimmt, welcher
die bei ihm eingereichten Rechtsmittel beurteilt, ist als solche keine das
konkrete Verfahren betreffende Akte, in die Einsicht gewährt werden
könnte. Der im Rechtsbegehren [1] mitenthaltene Antrag, es sei über den
Algorithmus Auskunft zu erteilen, mittels dessen die Bestimmung des
Spruchkörpers vorgenommen worden sei, ist daher abzuweisen (vgl. das
Koordinationsurteil D-3946/2020 vom 21. April 2022 E.4.5).
2.3 Auf den Antrag auf Bestätigung der zufälligen Zusammensetzung des
Spruchkörpers ist nicht einzutreten (vgl. Teilurteil des BVGer D-1549/2017
vom 2. Mai 2018 E. 4).
3.
3.1 In der Beschwerde vom 5. Juni 2020 werden verschiedene formelle
Rügen erhoben (Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, Verlet-
zung der Begründungspflicht sowie unrichtige und unvollständige Abklä-
rung des rechtserheblichen Sachverhalts). Sie sind vorab zu beurteilen, da
sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der vorinstanzlichen Ver-
fügung zu bewirken (vgl. Rechtsbegehren Ziffn. 2–4 der Beschwerde).
3.2
3.2.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
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Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die
Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prü-
fen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht
erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten ein-
lässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi-
derlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
3.2.2 Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein fal-
scher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise
falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den
Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
3.3
3.3.1 Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs des Beschwerdeführers soll
vorab vorliegen, weil das SEM bei der Prüfung der Risikofaktoren im Lichte
der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. Referenzurteil
des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016) weder die von ihm erwähnten
Kriegsnarben noch die Tatsache gewürdigt habe, dass sein Bruder als Mär-
tyrer der LTTE im bewaffneten Kampfe gefallen sei. Damit habe die Vor-
instanz die Prüfung zweier Risikofaktoren unterlassen, weshalb die ange-
fochtene Verfügung aufzuheben sei (vgl. Beschwerde S. 10 ff. Ziff. 4.1).
3.3.2 In der Vernehmlassung wird diesbezüglich entgegnet, der Beschwer-
deführer habe die Narben nicht für die Zeit in Sri Lanka, sondern im Rah-
men seiner Reise von Sri Lanka in die Schweiz, namentlich in der Türkei,
geltend gemacht.
3.3.3 In seiner Replik vom 19. November 2020 wendet der Beschwerde-
führer ein, die Vorinstanz habe mit ihrer Behauptung, seine Narben stamm-
ten nicht aus seiner Zeit in Sri Lanka, sondern aus Drittländern, namentlich
(...) L._, nicht ersichtlich Stellung zu den Ausführungen in der Be-
schwerde genommen. In Bezug auf (...) L._ habe er lediglich aus-
geführt, dort schlecht behandelt worden zu sein, was sich nach wie vor in
einem gekrümmten linken Finger manifestiere. Die erst mit der Beschwer-
deschrift dokumentierten Narben habe er bisher nicht geltend gemacht,
was damit zusammenhänge, dass die meisten Narben an seinem Körper
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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Seite 9
aus dessen langjähriger Zeit als Kämpfer bei den LTTE stammten, welche
er bisher ebenfalls verschwiegen habe (vgl. a.a.O. S. 4 f. Ziffn. 8–10).
3.3.4
3.3.4.1 Einleitend bleibt festzuhalten, dass der Beschwerdeführer anläss-
lich seiner Anhörung vom 21. Januar 2020 geltend gemacht hat, er habe
im Oktober 2006 während eines Einsatzes bei den LTTE zwei Verletzungen
am Rücken und am Bein erlitten. Ausserdem sei er am 22. April 2009 bei
einem Granatangriff am rechten Arm verletzt worden, wobei zusätzlich zwei
seiner Söhne verletzt worden seien (vgl. Akten SEM A12/21 S. 4 F22). Wei-
ter sagte er aus, bei einem Fussmarsch vom M._ in (...) L._
in den Bergen ausgerutscht zu sein und sich eine Platzwunde am Bein
zugezogen zu haben. Auch seien seine Beine wegen des Schnees in Mit-
leidenschaft gezogen worden. In (...) L._ sei er zusätzlich zusam-
mengeschlagen worden. Schliesslich habe man seine linke Hand in den
Schnee gesteckt und dann mit Schuhen auf die Finger getreten (vgl. a.a.O.
S. 5 F22). Bereits angesichts dieser Ausführungen stehen lediglich zwei
Verletzungen des Beschwerdeführers am Rücken in unmittelbarem Zu-
sammenhang mit seinem (angeblichen) Einsatz bei den LTTE, während
alle übrigen Verletzungen beziehungsweise Narben auf andere Begleitum-
stände zurückgeführt werden müssen.
3.3.4.2 Der Beschwerdeführer behauptet zwar auf Beschwerdeebene neu,
bis anhin verschwiegen zu haben, in den Jahren 1991 bis 1999 und zwi-
schen 2006 und 2009, mithin elf Jahre lang, Kämpfer bei den LTTE gewe-
sen zu sein, wobei ein Grossteil seiner Kriegsnarben auf die damaligen
Kampfeinsätze zurückzuführen seien. Da sich die diesbezüglichen Vorbrin-
gen indessen, wie in E. 6.2.1–6.2.3 nachstehend darzulegen sein wird, als
unglaubhaft erweisen, ist zu folgern, dass letztlich nur wenige Narben des
Beschwerdeführers in direktem Zusammenhang mit seiner (allfälligen)
kurzzeitigen Zugehörigkeit zu den LTTE im Supportbereich stehen können,
während die übrigen auf andere Ursachen zurückzuführen sind. Bei dieser
Sachlage hatte das SEM keine Veranlassung, die Körpernarben, die für
sich genommen lediglich schwach Risiko begründend sind, unter dem As-
pekt von Risikofaktoren explizit einer näheren Würdigung zu unterziehen.
Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist nicht erkennbar.
3.3.4.3 Soweit der Beschwerdeführer behauptet, das SEM habe bei der
Prüfung der Risikofaktoren (familiäre Verbindungen zu den LTTE) die Tat-
sache nicht berücksichtigt, dass er einen Bruder gehabt habe, der als Mär-
tyrer der LTTE gefallen sei, erweist sich diese Aussage als tatsachenwidrig.
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So wies das SEM in seiner Verfügung ausdrücklich darauf hin, der Be-
schwerdeführer habe zwar geltend gemacht, einen Bruder gehabt zu ha-
ben, der auf Seiten der LTTE im Kampfe gefallen sei. Es verneinte indes-
sen ein diesbezügliches Risikoprofil des Beschwerdeführers, da Letzterer
in diesem Zusammenhang nie geltend gemacht habe, irgendwelche be-
hördlichen Probleme gehabt zu haben (vgl. a.a.O. S. 6, Abs. 1).
3.3.5 Weiter moniert der Beschwerdeführer, das SEM habe trotz seines
Hinweises in der Anhörung, psychisch und körperlich angeschlagen zu
sein sowie wiederholter starker Emotionen während des Erzählvorgangs
ihn belastender Ereignisse keine medizinischen Abklärungen in die Wege
geleitet, womit es sein Recht auf rechtliches Gehör verletzt habe (vgl. Be-
schwerde S. 11 Ziff. 4.1).
3.3.6 Das SEM hält hierzu in seiner Vernehmlassung fest, der Beschwer-
deführer habe zu Beginn der Anhörung auf psychische Probleme hinge-
wiesen, in der Folge aber ohne Probleme am Gespräch teilnehmen kön-
nen. Am Ende der Anhörung habe er, nochmals darauf angesprochen, zum
Ausdruck gebracht, dass seine seelischen Probleme auf die Sorge um das
Wohlergehen seiner Familie zurückzuführen seien. Eine Traumatisierung
oder gewichtige psychische Probleme hätten hieraus nicht abgeleitet wer-
den können. Auch in dem auf Beschwerdeebene eingereichten Arztbericht
der UPD E._ vom 26. Juni 2020 werde festgehalten, dass beim Be-
schwerdeführer inhaltlich Sorgen um die Zukunft und um die Familie domi-
nieren würden.
3.3.7 Der Beschwerdeführer hält diesen Ausführungen in der Replik entge-
gen, der zuständige Fachreferent disqualifiziere sich selbst, indem er fest-
halte, im Anhörungsprotokoll keine Traumatisierung oder gewichtige psy-
chische Probleme erkennen zu können, hätten die UPD E._ ihm
(dem Beschwerdeführer) doch in ihrem ärztlichen Bericht vom 26. Juni
2020 sowohl eine Traumatisierung als auch gewichtige psychische Prob-
leme attestiert. Überdies seien gerade in seinem Fall die psychischen
Probleme Teil des gesamten rechtserheblichen Sachverhalts, welcher bis-
her von ihm verschwiegen worden sei (a.a.O. S. 5 f. Ziffn. 11–13).
3.3.8 Das Bundesverwaltungsgericht teilt die Einschätzung der Vorinstanz,
dass die psychischen Probleme des Beschwerdeführers keine derartige
Ausprägung aufwiesen, dass sie das SEM dazu verpflichtet hätten, von
Amtes wegen weitergehende medizinische Abklärungen zu veranlassen.
Diesbezüglich kann auf die Diagnose im ärztlichen Bericht der UPD
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Seite 11
E._ vom 26. Juni 2020 (vgl. Sachverhalt Bst. E) verwiesen werden.
Nur zur Verdeutlichung sei aber nochmals darauf hingewiesen, dass dort
beim Beschwerdeführer nebst einer Anpassungsstörung mit längerer de-
pressiver Reaktion nur der Verdacht einer posttraumatischen Belastungs-
störung diagnostiziert worden ist. Bezeichnenderweise hat der Rechtsver-
treter denn auch auf Beschwerdeebene im Rahmen der ihm obliegenden
Mitwirkungspflicht im Sinne von Art. 8 AsylG den vorerwähnten ärztlichen
Bericht zu den Akten gereicht. Dieser ist im Rahmen einer materiellen Be-
urteilung seiner Vorbringen zu berücksichtigen. Eine Verletzung des recht-
lichen Gehörs durch das SEM ist demgegenüber nicht ersichtlich.
3.4 Mit seinen Ausführungen unter dem Titel "Verletzung der Begründungs-
pflicht" (vgl. Beschwerde S. 12–18 Ziff. 4.2) erhebt der Beschwerdeführer
keine entsprechende Rüge, vielmehr kritisiert er die vorinstanzliche Be-
weiswürdigung. Einen formellen Mangel vermag er damit nicht darzulegen.
3.5
3.5.1 Zusätzlich wird bemängelt, der rechtserhebliche Sachverhalt sei in
Bezug auf die individuellen Vorbringen des Beschwerdeführers unvollstän-
dig und unrichtig abgeklärt worden. So habe die Vorinstanz den Umstand,
dass der Beschwerdeführer angesichts seines Engagements für die LTTE
als Kämpfer zwischen 1991 und 1999 sowie zwischen 2006 und 2009 und
der Tatsache, deswegen bis anhin nie bestraft beziehungsweise in Reha-
bilitation gewesen zu sein, über ein schwergewichtiges Risikoprofil in Be-
zug auf eine Asylanerkennung verfüge, den rechtserheblichen Sachverhalt
nicht hinreichend abgeklärt. Dieselbe Feststellung gelte in Bezug auf die
Abklärung seiner Gesundheitssituation, seines exilpolitischen Engage-
ments sowie der auf Beschwerdeebene durch zahlreiche Fotos dokumen-
tierten und unter dem Aspekt eines Risikoprofils relevanten Kriegsnarben.
Darüber hinaus habe die Vorinstanz die aktuelle Situation in Sri Lanka un-
vollständig und nicht korrekt abgeklärt. So habe sich die allgemeine politi-
sche Lage seit der Machtübernahme durch die neue Regierung unter Go-
tabaya Rajapaksa im November 2019 nachhaltig verschlechtert. Insbeson-
dere sei es zu einer Abkehr vom Reform- und Versöhnungsprozess unter
der früheren Regierung, einer zunehmenden Machtkonzentration in den
Händen des Rajapaksa-Clans, einer Militarisierung öffentlicher Institutio-
nen und zu anhaltenden Festnahmen, Übergriffen und Einschüchterungen
gegenüber Menschenrechtsaktivisten, Journalisten und Angehörigen eth-
nischer Minderheiten gekommen (vgl. Beschwerde S. 18–29 Ziff. 4.3).
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3.5.2 Die Vorinstanz hat die individuellen Asylgründe genügend abgeklärt.
Soweit der Beschwerdeführer in der Beschwerde erstmals geltend macht,
zwischen 1991 und 1999 sowie von 2006 bis 2009 für die LTTE als Kämp-
fer tätig gewesen zu sein, wird dieses Vorbringen im Rahmen der nachfol-
genden materiell-rechtlichen Würdigung seiner Asylvorbringen zu würdi-
gen sein. Auch die Bewertung der von ihm geltend gemachten psychischen
Probleme sowie der Körpernarben wird Gegenstand einer späteren inhalt-
lichen Prüfung sein (vgl. auch E. 3.3 hiervor). Hinsichtlich des Vorwurfs,
das SEM habe den Sachverhalt bezüglich exilpolitischer Aktivitäten des
Beschwerdeführers ungenügend abgeklärt (vgl. Beschwerde S. 21 Ziff.
4.3.2 Bst. c), bleibt festzustellen, dass der Beschwerdeführer anlässlich
seiner Anhörung ausdrücklich verneint hat, in der Schweiz politisch aktiv
zu sein (vgl. Akten SEM A12/21 S. 17 F103). Im Weiteren ist festzuhalten,
dass allein der Umstand, dass das SEM in seiner Länderpraxis zu Sri
Lanka einer anderen Linie folgt als vom Beschwerdeführer vertreten, und
es aus sachlichen Gründen zu einer anderen Würdigung der Vorbringen
(inklusive Risikoanalyse) gelangt als vom Beschwerdeführer verlangt,
keine ungenügende Sachverhaltsfeststellung darstellt.
3.6 Die formellen Rügen erweisen sich demzufolge als unbegründet, wes-
halb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfügung aus formel-
len Gründen aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Die diesbezüglichen Rechtsbegehren (Ziffn. 2–4) sind somit abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Seite 13
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-
scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar
2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.).
5.
5.1 Das SEM hält in seiner Verfügung vom 30. April 2020 fest, der Be-
schwerdeführer habe hinsichtlich der Dauer seines Einsatzes bei den LTTE
widersprüchliche und vage Angaben gemacht. So habe er in der BzP in
unbestimmter Weise angegeben, zwei bis drei Jahre bei den LTTE gewe-
sen zu sein. In der Anhörung habe er demgegenüber erklärt, im Juli 2006
zwangsrekrutiert, im Oktober 2006 bei Kampfhandlungen verletzt, ins Spi-
tal gebracht und nach 27-tägigem Spitalaufenthalt zur Erholung nachhause
geschickt worden zu sein. Danach habe er von einem Ort zum anderen
fliehen müssen, bis er am 22. April 2009 zusammen mit zwei seiner Kinder
erneut verletzt worden sei. Seine Aussagen während der Anhörung liessen
im Ergebnis darauf schliessen, dass er nicht oder jedenfalls nicht lange bei
den LTTE gewesen sei. Hätte er tatsächlich, wie in der BzP behauptet, zwi-
schen Juli 2006 und dem Kriegsende im Mai 2009 in den Reihen der LTTE
gewirkt, hätte er mit Bestimmtheit auch wesentlich detailliertere Ausführun-
gen hinsichtlich seines Engagements bei den LTTE machen können, habe
er doch im Wesentlichen nur angegeben, Hilfsdienste (wie Wache halten,
Nachschub sichern und Bunker bauen) geleistet zu haben. Somit sei nicht
glaubhaft, dass er mehrere Jahre lang bei den LTTE mitgewirkt habe. Falls
überhaupt ein entsprechender Einsatz stattgefunden haben sollte, so
könne dieser mehrere Jahre vor dem Kriegsende während bloss kurzer
Zeit erfolgt sein und müsse sich auf Hilfsaktivitäten beschränkt haben.
Angesichts der Tatsache, dass in den Monaten nach Kriegsende nament-
lich Männer durch die sri-lankischen Behörden einem intensiven Screening
hinsichtlich LTTE-Mitgliedschaft und -Kampfeinsatz unterzogen worden
seien und er auch mit Blick auf sein damaliges Alter zu einem besonders
beobachteten Personenkreis gehört habe, erscheine seine Behauptung,
der Rehabilitation entronnen zu sein, weil er stets in Begleitung seines ver-
letzten Kindes gewesen sei, wenig plausibel. Vielmehr spreche der Um-
D-2948/2020
Seite 14
stand, dass er seitens der sri-lankischen Behörden keinem Rehabilitations-
programm zugeführt worden sei, dafür, dass er aus Sicht der heimatlichen
Behörden keinen namhaften Kriegseinsatz auf Seiten der LTTE geleistet
habe.
Weiter habe er sich bezüglich der Umstände, die zu seiner behördlichen
Suche wegen angeblicher Umgehung einer Rehabilitation geführt hätten,
widersprochen. So habe er in der BzP erklärt, sein Geschäftspartner habe
ihn im März 2015 nach einem Streit denunziert, woraufhin ihn die sri-lanki-
sche Polizei in diesem Zusammenhang verhört habe. Anderthalb Monate
später hätten ihn auch Angehörige des CID hierzu befragt. Demgegenüber
habe er in der Anhörung ausgesagt, der Streit zwischen ihm und dem Ge-
schäftspartner habe im Januar oder Februar 2016 stattgefunden, wobei
bereits drei Tage später Mitarbeiter des CID bei seiner Mutter sowie bei
seiner Ehefrau vorstellig geworden seien und sich nach ihm erkundigt hät-
ten. Nachdem ihn seine Mutter telefonisch informiert habe, sei er nach
K._ geflohen, wo er sich bis zu seiner Ausreise versteckt gehalten
habe, ohne dass es zu einem persönlichen Kontakt mit dem CID gekom-
men sei. Angesichts des Gesagten sei auch nicht glaubhaft, dass er auf-
grund einer Denunziation wegen Umgehung der Rehabilitationshaft be-
hördlich gesucht worden sei.
5.2 In der Beschwerde wird zunächst eingeräumt, das SEM habe zu Recht
aufgrund von widersprüchlichen Aussagen auf Unglaubhaftigkeit des vom
Beschwerdeführer vor den Schweizer Asylbehörden geltend gemachten
Engagements von zwei Jahren in untergeordneter Stellung bei den LTTE
von 2006 bis 2008 respektive 2009 geschlossen. Tatsache sei aber, dass
er in Wirklichkeit "eine wesentlich andere und intensivere LTTE-Vergan-
genheit" habe "und dementsprechend auch die ihm drohende Verfolgung
als höchst wahrscheinlich angesehen werden" müsse (vgl. Beschwerde
S. 7). So sei er im Alter von 17 Jahren, also im Jahr 1991, durch die LTTE
rekrutiert worden, habe eine Ausbildung als Kämpfer absolviert und danach
bis im Jahr 1999 immer wieder an Kampfeinsätzen teilgenommen. Dabei
sei er wiederholt verwundet worden und weise verschiedene Narben aus
dieser Zeit auf. Nach seiner Heirat im Jahr 1999 habe er die LTTE verlas-
sen dürfen. Nachdem sich im Jahr 2006 die Spannungen zwischen der sri-
lankischen Armee und den LTTE verstärkt hätten, sei ein Aufruf an ehema-
lige LTTE-Kämpfer ergangen, sich wieder zu melden. Entsprechend habe
er sich im Juli 2006 wieder bei seinem früheren Kommandanten, (...)
N._, in der Einheit O._ gemeldet und sei zwischen Juli und
Oktober 2006 im Bereich der (...) tätig gewesen. Ab Oktober 2006 habe er
D-2948/2020
Seite 15
dann wieder an Kampfeinsätzen teilgenommen, sei dabei im Juni 2007 ver-
letzt worden und anschliessend bis Mitte August 2007 in einem LTTE-Spital
geblieben und dann nachhause geschickt worden. Anschliessend sei er
zurückgekehrt und habe in der Abteilung von O._ bis im März 2009
weitergekämpft. Danach habe er sich bewaffnet zu seiner Familie bege-
ben, um diese zu schützen, wobei er und seine beiden Söhne am 22. April
2009 bei einem Granatangriff der sri-lankischen Armee verletzt worden
seien. Er habe seine Ausbildung im Bereich der Infanterie erhalten und
phasenweise eine Einheit von sieben Personen geleitet. Er habe sein tat-
sächliches Engagement bei den LTTE bis anhin verschwiegen, weil ihn in
der Schweiz lebende frühere LTTE-Aktivisten darauf aufmerksam gemacht
hätten, dass er seine Familie und seine noch lebenden Kinder möglicher-
weise nie in die Schweiz kommen lassen könne, wenn er über seine tat-
sächliche LTTE-Tätigkeit berichte. Auch hätten ihm diese Leute, welche in
der Schweiz Asyl erhalten hätten, geraten, nicht zu viel über seine Tätigkeit
bei den LTTE zu berichten, da dies für den Ausgang seines Verfahrens
negative Auswirkungen haben könnte und er deswegen vielleicht zurück-
kehren müsste. Im Übrigen habe es während der Anhörung am Aufbau ei-
nes adäquaten Vertrauensverhältnisses gefehlt, welches dem Beschwer-
deführer allenfalls ermöglicht hätte, seine Ängste zu überwinden und über
die ganze Geschichte zu berichten (vgl. Beschwerde S. 6–9 Ziff. 3 und
S. 29 f. Ziff. 6.1).
5.3 In seiner Vernehmlassung hält das SEM hinsichtlich des erstmals in
der Beschwerde geltend gemachten langjährigen Engagements des Be-
schwerdeführers als Kämpfer in den Reihen der LTTE fest, dieser sei im
Rahmen des erstinstanzlichen Verfahrens mehrmals auf die Mitwirkungs-
und Wahrheitspflicht hingewiesen worden. Darüber hinaus überzeuge sein
Erklärungsversuch nicht, er habe sein wahres Engagement bei den LTTE
bis anhin verschwiegen, weil ihn ehemalige LTTE-Aktivisten in der Schweiz
vor negativen Auswirkungen auf sein Asylverfahren gewarnt hätten, wider-
spreche sie doch der gängigen Asylpraxis, welche bestimmt auch in der
tamilischen Diaspora bekannt sei.
5.4 In der Replik wird namentlich darauf hingewiesen, es entspreche tat-
sächlich der Asylpraxis des SEM, eine stärkere Involvierung in Tätigkeiten
der LTTE häufig als asylunwürdig einzustufen, was das bisherige Ver-
schweigen des tatsächlichen Engagements des Beschwerdeführers als
nachvollziehbar erscheinen lasse.
D-2948/2020
Seite 16
6.
6.1 Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch beim SEM im vor-
instanzlichen Verfahren im Wesentlichen damit, er habe sich zwei oder drei
Jahre lang im Supportbereich für die LTTE engagiert, nach Kriegsende ei-
ner Rehabilitierung entzogen und sei schliesslich aufgrund der Denunzia-
tion seines Geschäftspartners und früheren ehemaligen LTTE-Gefährten
von den heimatlichen Behörden gesucht worden.
6.1.1 Diesbezüglich kann vorab auf die zutreffenden Ausführungen des
SEM in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. E. 5.1 vor-
stehend). Das SEM hat dabei zu Recht ausgeführt, die Schilderungen des
Beschwerdeführers in Bezug auf seine Tätigkeit bei den LTTE seien viel zu
vage, als dass ihm ein mehrjähriges Engagement bei den LTTE zwischen
Juli 2006 bis zum Kriegsende, wie in der BzP behauptet, geglaubt werden
könne. Falls er überhaupt bei den LTTE gewesen sein sollte, muss ein ent-
sprechender Einsatz mehrere Jahre vor dem Kriegsende während bloss
kurzer Zeit erfolgt sein und sich auf Hilfsaktivitäten beschränkt haben. Wei-
ter führt die Vorinstanz zutreffend aus, der Umstand, dass er seitens der
sri-lankischen Behörden nach Kriegsende keinem Rehabilitationspro-
gramm zugeführt worden sei, spreche letztlich dafür, dass er aus Sicht der
heimatlichen Behörden keinen namhaften Kriegseinsatz auf Seiten der
LTTE geleistet habe. Da er sich schliesslich bezüglich Modalitäten im Zu-
sammenhang mit der angeblichen Denunziation im März 2015 beziehungs-
weise im Januar oder Februar 2016 durch seinen damaligen Geschäfts-
partner widersprochen habe, sei auch nicht glaubhaft, dass er vor seiner
Ausreise behördlich gesucht worden sei, weil er sich früher einem Rehabi-
litationsprogramm entzogen habe.
6.1.2 Zusammenfassend ergibt sich, dass sich die diesbezüglichen Aus-
führungen als unglaubhaft erweisen, was denn auch in der Beschwerde
eingeräumt wird (vgl. a.a.O. S. 7 oben, S. 9 Abs. 3 und S. 19 Ziff. 4.3.2
Bst. a).
6.2 Der Beschwerdeführer brachte vor dem Bundesverwaltungsgericht
erstmals vor, er sei zwischen 1991 und 1999 und von Juli 2006 bis März
2009 als Kämpfer für die LTTE aktiv gewesen und dabei mehrmals verwun-
det worden. Zeitweise habe er eine Einheit von sieben Personen geführt.
6.2.1 Wie das SEM in seiner Vernehmlassung vom 29. Oktober 2020 zu-
treffend festgehalten hat, wurde der Beschwerdeführer im Verlaufe seiner
Befragungen durch die Schweizer Asylbehörden mehrere Male auf seine
D-2948/2020
Seite 17
Mitwirkungs- beziehungsweise Wahrheitspflicht und die Konsequenzen ih-
rer Missachtung hingewiesen (vgl. Akten SEM A4/13 S. 2 oben und A12/21
S. 2). Bereits aus diesem Grunde hegt das Gericht starke Zweifel an der
Glaubhaftigkeit der neuen Vorbringen des Beschwerdeführers, insgesamt
etwa zwölf Jahre lang Kämpfer in den Reihen der LTTE gewesen zu sein.
Hinzu kommt die Tatsache, dass es mit dem Verhalten eines Flüchtlings
grundsätzlich unvereinbar erscheint, dem um Schutze ersuchten Gastland
nicht von Anfang an die wirklichen Gründe offenzulegen, die ihn zur Stel-
lung eines Asylantrags veranlasst haben. Der Beschwerdeführer bringt
zwar gleichsam alternativ vor, nicht von Anfang an die Wahrheit erzählt zu
haben, weil ihn einerseits frühere LTTE-Aktivisten in der Schweiz, die hier
Asyl erhalten hätten, falsch beraten hätten, und das SEM es andererseits
versäumt habe, während seiner Befragung ein Vertrauensverhältnis zu ihm
aufzubauen, welches ihn in die Lage versetzt hätte, von Anfang an die
Wahrheit zu sagen (vgl. Beschwerde S. 6 f.). Beide Argumente vermögen
nicht zu überzeugen: So ist nicht nachvollziehbar, dass LTTE-Aktivisten in
der Schweiz, die – wie in der Beschwerde erwähnt – Asyl erhalten haben
sollen (vgl. E. 5.2 hiervor), und durch ihr eigenes Asylverfahren einen tie-
feren Einblick in die Verfahrensabläufe und die Gesetzmässigkeiten des
Schweizer Asylverfahrens erlangt hätten, den Beschwerdeführer dahinge-
hend instruiert haben sollen, er riskiere eine Ausschaffung aus der Schweiz
beziehungsweise die Verunmöglichung eines Familiennachzugs, falls er
"zu viel" über seine Tätigkeit bei den LTTE berichte. Dies umso mehr, als
die tamilische Diaspora in der Schweiz gut vernetzt und entsprechend bes-
tens über ihre Rechte und Pflichten im Schweizer Asylverfahren informiert
ist. Die entsprechenden Erklärungsversuche müssen deshalb als reine
Schutzbehauptungen taxiert werden. Andererseits ist nochmals auf die Mit-
wirkungs- und Wahrheitspflicht eines Asylsuchenden zu verweisen, die ihn
dazu verpflichtet, von Anfang an seine wahren Asylgründe offenzulegen.
6.2.2 Vor diesem Hintergrund gelangt das Gericht zum Schluss, dass die
erstmals auf Beschwerdeebene geltend gemachten Asylgründe als nach-
geschoben und folglich als unglaubhaft einzustufen sind. Damit ist die
Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers als solche nachhaltig erschüttert,
da er hinsichtlich seiner Asylgründe gleich zweimal die Unwahrheit gesagt
hat. An dieser Einschätzung vermag die vom Beschwerdeführer mit der
Beschwerdeschrift eingereichte Fotografie, die ihn in Begleitung von sie-
ben Kampfgefährten zeigen soll (vgl. Beschwerdebeilage 2), nichts zu än-
dern, erlaubt sie doch weder eine Identifizierung des (damals wesentlich
jüngeren) Beschwerdeführers noch erschliesst sich aus ihr, wann und in
welchen Zusammenhang sie entstanden sein soll. Bezeichnenderweise
D-2948/2020
Seite 18
hat es der Rechtsvertreter trotz Inaussichtstellung weiterer Beweismittel in
der Beschwerde (vgl. a.a.O. S. 19 f. Ziff. 4.3.2 Bst. a und S. 30 Ziff. 7.1) bis
heute unterlassen, solche nachzureichen, wiewohl er hierzu genügend Zeit
gehabt hätte. Aus diesem Grund ist auch der Antrag in der Beschwerde
abzuweisen, es sei dem Beschwerdeführer eine angemessene Frist (min-
destens 30 Tage) einzuräumen, um Beweismittel zu seiner LTTE-Tätigkeit
als LTTE-Kämpfer von 1991 bis 1999 und 2006 bis 2009 beizubringen (vgl.
a.a.O. S. 20 Ziff. 4.3.2 Bst. a).
6.2.3 Nach dem Gesagten ist übereinstimmend mit der Vorinstanz der
Schluss zu ziehen, dass der Beschwerdeführer bezogen auf den Zeitpunkt
seiner Ausreise aus Sri Lanka keine asylrelevante Verfolgung glaubhaft zu
machen vermochte. Bei dieser Sachlage entfällt auch eine – in der Be-
schwerde geforderte – Prüfung sogenannter zwingender Gründe (vgl.
a.a.O. S. 31 Ziff. 8), setzt diese doch unter anderem voraus, dass die be-
troffene Person die Flüchtlingseigenschaft im Zeitpunkt der Ausreise aus
der Heimat erfüllt.
6.3
6.3.1 Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer trotz fehlender Vorverfol-
gung bei einer Rückkehr in sein Heimatland ernsthafte Nachteile im Sinne
von Art. 3 AsylG drohen würden. Der Beschwerdeführer führt diesbezüg-
lich in der Beschwerde aus, er erfülle zufolge seines früheren langjährigen
Engagements als Kämpfer zugunsten der LTTE, der Nichtmeldung zur Re-
habilitation nach Kriegsende, der zahlreichen Kriegsnarben, der früheren
Mitgliedschaft seines Bruders in der LTTE und dessen Heldentods, seines
längeren Aufenthalts in der Schweiz und seiner exilpolitischen Aktivitäten
zahlreiche Risikofaktoren (vgl. a.a.O. S. 10 ff. Ziff. 4.1, S. 18 ff. Ziff. 4.3 und
S. 30 Ziff. 8).
6.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hält im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 fest, bestimmte Risikofaktoren (Eintrag in die "Stop-List“,
Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivitäten) seien als stark risi-
kobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im Entscheid dargelegten
Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begrün-
deten Furcht führen könnten. Demgegenüber würden das Fehlen ordentli-
cher Identitätsdokumente, eine zwangsweise respektive durch die Interna-
tionale Organisation für Migration (IOM) begleitete Rückführung sowie gut
sichtbare Narben schwach risikobegründende Faktoren darstellen. Dies
bedeute, dass sie in der Regel für sich alleine genommen keine relevante
Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu begründen vermöchten. Jegliche
D-2948/2020
Seite 19
glaubhaft gemachten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ih-
rer Wechselwirkung sowie unter Berücksichtigung der konkreten Um-
stände in einer Einzelfallprüfung daraufhin abzuwägen, ob mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bejaht
werden müsse (vgl. vorgenanntes Referenzurteil E. 8.5.5). Dass sich dar-
über hinaus aufgrund der vom Rechtsvertreter in der Beschwerde sowie in
der Eingabe vom 27. Juli 2020 (vgl. Sachverhalt Bst. C und G) erwähnten
und dokumentierten Ereignisse, welche seit der Ausreise des Beschwer-
deführers eingetreten sind, in Sri Lanka das Risiko für tamilische Rückkeh-
rer, im Falle der Rückkehr Menschenrechtsverletzungen zu erleiden, gene-
rell verschärft hätte, lässt sich entgegen den in den Eingaben prognosti-
zierten Gefährdungsszenarien nicht feststellen. Die darin dokumentierte
Entwicklung verdeutlicht vielmehr, dass die im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 erwähnten Risikofaktoren, die zu einer asylrechtlich re-
levanten Gefährdung von nach Sri Lanka zurückkehrenden tamilischen
Personen führen können, nach wie vor aktuell und dementsprechend wei-
terhin zu prüfen sind.
6.3.3 Soweit in der Beschwerde behauptet wird, der Beschwerdeführer
habe sich früher langjährig als Kämpfer zugunsten der LTTE engagiert,
nach Kriegsende der Rehabilitation entzogen, und sei deswegen vor und
nach seiner Ausreise behördlich gesucht worden (vgl. a.a.O. S. 29 f. Ziff.
6.1), haben sich die entsprechenden Ausführungen als unglaubhaft erwie-
sen (vgl. E. 6.2.1–6.2.3 vorstehend). Somit ist aufgrund der Aktenlage da-
von auszugehen, dass er keiner Straftat angeklagt oder wegen einer sol-
chen verurteilt worden wäre. Demnach verfügt er auch nicht über einen
Strafregistereintrag. Die Darstellung in der Beschwerde, er habe einen Bru-
der gehabt, der bei den LTTE gewesen und im September 2007 (vgl. Akten
SEM A12/21 S. 18 F114) oder am 13. Oktober 2007 (vgl. Eingabe vom
6. Juli 2020 S. 2) beziehungsweise im Jahr 2009 (vgl. Akten SEM A4/13
S. 8 Ziff. 7.01) als Märtyrer ums Leben gekommen sei, stellt eine reine und
unbelegte Parteibehauptung dar. Davon abgesehen, hat der Beschwerde-
führer an keiner Stelle geltend gemacht, jenes Bruders wegen jemals be-
hördliche Anstände gehabt zu haben. Die Körpernarben des Beschwerde-
führers, die nur zum Teil auf den früheren Bürgerkrieg in Sri Lanka zurück-
zuführen sind, stellen als solche nur einen schwach risikobegründenden
Faktor dar. Alleine aus der tamilischen Ethnie, der mehrjährigen Landes-
abwesenheit und temporären Reisepapieren kann er ebenfalls keine Ge-
fährdung ableiten. Unter Würdigung aller Umstände ist somit anzunehmen,
dass der Beschwerdeführer von der sri-lankischen Regierung nicht zu je-
ner Gruppe gezählt wird, die bestrebt ist, den tamilischen Separatismus
D-2948/2020
Seite 20
wiederaufleben zu lassen, und so eine Gefahr für den sri-lankischen Ein-
heitsstaat darstellt. Es ist nicht davon auszugehen, dass ihm persönlich im
Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von
Art. 3 AsylG drohen würden.
6.4
6.4.1 Subjektive Nachfluchtgründe liegen vor, wenn eine asylsuchende Per-
son erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder
wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne von
Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Personen mit subjektiven Nachfluchtgrün-
den erhalten gemäss Art. 54 AsylG kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge
vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 und 2009/29 E. 5.1).
6.4.2 Die exilpolitischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers in der
Schweiz werden erstmals in der Beschwerde geltend gemacht. So habe er
regelmässig an den Heldengedenktagen der LTTE am 27. November und
an den Demonstrationen der LTTE im Frühjahr und Herbst in P._
(...) teilgenommen. Über die näheren Umstände der Teilnahmen wie auch
seine konkreten Tätigkeiten anlässlich dieser Veranstaltungen äusserte er
sich indes nicht und reichte trotz entsprechender Absichtserklärungen auch
keine Beweismittel zu den Akten (vgl. a.a.O. S. 21 Ziff. 4.3.2 Bst. c). Bei
dieser Sachlage ist – Glaubhaftigkeit der entsprechenden Vorbringen vo-
rausgesetzt – von einem niedrigschwelligen exilpolitischen Engagement
des Beschwerdeführers auszugehen, welches nicht geeignet ist, auf ihm
drohende ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG im Falle der Rück-
kehr nach Sri Lanka schliessen zu lassen.
6.5 Die im Beschwerdeverfahren eingereichten Beweismittel, sofern sie
überhaupt rechtserheblich sind, vermögen an dieser Einschätzung nichts
zu ändern. Dabei handelt es sich grossmehrheitlich um Dokumente, wel-
che die allgemeine Lage und die politische Situation in Sri Lanka beschrei-
ben. Der Beschwerdeführer kann daraus keine individuelle Verfolgung ab-
leiten.
6.6 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch beziehungs-
weise sein Gesuch um Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft zu Recht
abgelehnt.
D-2948/2020
Seite 21
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen.
8.2.1 Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist
– wie von der Vorinstanz zutreffend festgehalten – das flüchtlingsrechtliche
Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5
AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich viel-
mehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestim-
mungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem-
ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied-
rigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
8.2.2 Sodann ergeben sich – übereinstimmend mit der Vorinstanz und ent-
gegen der auf Beschwerdeebene vertretenen Ansicht – weder aus den
Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte da-
für, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit
D-2948/2020
Seite 22
beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK
verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis
des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener
des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine kon-
krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im
Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen
würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008,
Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127, m.w.H.).
Der EGMR hat sich wiederholt mit der Gefährdungssituation von Tamilen
auseinandergesetzt, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zu-
rückkehren müssen (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom
19. September 2013, Beschwerde Nr. 10466/11; T.N. gegen Dänemark,
Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. gegen Däne-
mark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08; N.A. gegen
Grossbritannien, Urteil vom 17. Juli 2008, Beschwerde Nr. 25904/07). Da-
bei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller Weise davon aus-
zugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Be-
handlung. Vielmehr müssten im Rahmen der Beurteilung, ob Betroffene
ernsthafte Gründe für die Befürchtung hätten, die Behörden hätten an ihrer
Festnahme und weitergehenden Befragung ein Interesse, verschiedene
Aspekte beziehungsweise persönliche Risikofaktoren in Betracht gezogen
werden (vgl. EGMR, T.N. gegen Dänemark, a.a.O, § 94). Die persönlichen
Risikofaktoren des Beschwerdeführers sprechen nach dem oben Gesag-
ten nicht für die Gefahr von über einen Backgroundcheck hinausgehenden
Massnahmen.
Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Weg-
weisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (vgl. dazu BVGE 2011/24
E. 10.4 und das weiterhin einschlägige Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 E. 12.2). An dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichti-
gung der aktuellen Entwicklungen in Sri Lanka festzuhalten.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
D-2948/2020
Seite 23
8.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Der Wegweisungs-
vollzug in die Nordprovinz Sri Lankas ist zumutbar, wenn das Vorliegen der
individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähi-
gen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine
gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Ur-
teil E-1866/2015 E. 13.2). An dieser Einschätzung ist auch angesichts der
aktuellen Entwicklungen in Sri Lanka festzuhalten. Zwar stellt sich die wirt-
schaftliche Situation in Sri Lanka zurzeit sehr schwierig dar. Allerdings kön-
nen wirtschaftliche Schwierigkeiten, von welchen die vor Ort ansässige Be-
völkerung generell betroffen ist, für sich allein keine konkrete Gefährdung
im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG darstellen (vgl. Entscheidungen und Mit-
teilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005
Nr. 24 E. 10.1 S. 215).
8.3.2 In individueller Hinsicht macht der Beschwerdeführer psychische
Probleme geltend, die der Zumutbarkeit des Vollzugs entgegenstehen wür-
den. Auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen
Gründen ist nach Lehre und konstanter Praxis dann zu schliessen, wenn
eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfü-
gung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden
Beeinträchtigung des Gesundheitszustands der betroffenen Person führen
würde (vgl. etwa BVGE 2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 9.3.1 je m.w.H.).
Demgegenüber liegt eine Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs noch
nicht vor, wenn eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende
medizinische Behandlung im Heimatland möglich ist (vgl. BVGE 2011/50
E. 8.3 und BVGE 2009/2 E. 9.3.2).
8.3.3 Der Beschwerdeführer macht in seiner Eingabe vom 6. Juli 2020 so-
wie in seiner Replik vom 19. November 2020 geltend, aus dem von den
Psychologinnen Q._, R._ sowie dem Arzt Dr. med.
S._ verfassten ärztlichen Bericht der UPD E._ vom 26. Juni
2020 (Ambulante Abklärung vom 20. Mai bis 24. Juni 2020) ergebe sich,
dass er an einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion so-
wie an einer posttraumatischen Belastungsstörung leide. Es werde festge-
halten, dass er sich über Ein- und Durchschlafstörungen, Gereiztheit und
Traurigkeit beschwere, von Gedankenkreisen und Ängsten um die Familie
und die Zukunft gequält werde und starke, belastungsabhängige Kopf-
schmerzen habe. Diese Symptome seien, wie ebenfalls im ärztlichen Be-
D-2948/2020
Seite 24
richt festgehalten, auf seine traumatischen Erlebnisse in Sri Lanka zurück-
zuführen. Er sei über 12 Jahre als LTTE-Kämpfer bei einer Sondereinheit
tätig gewesen und zeige bezüglich dieser Ereignisse ein Vermeidungsver-
halten. Sein zehn Jahre jüngerer Bruder sei bei Kämpfen für die LTTE am
13. Oktober 2007 getötet worden. Weiter habe er im Jahr 2013 seinen
Sohn verloren, der an den Folgen früher erlittener Verletzungen anlässlich
eines Artillerieangriffs verstorben sei. Nun habe er seine Familie seit über
fünf Jahren nicht mehr gesehen und habe Angst, dass diese wegen seiner
Flucht Verfolgung und Bedrohungen durch die sri-lankischen Sicherheits-
behörden erleiden müsse. Diese traumatischen Erlebnisse liessen nicht er-
staunen, dass er heute unter enormer psychischer Belastung leide und
eine Weiterführung einer psychischen Behandlung in der Schweiz dringend
notwendig sei. Auch im ärztlichen Bericht vom 26. Juni 2020 sei eine psy-
chiatrisch-psychotherapeutische Behandlung als erforderlich erachtet und
der Beschwerdeführer deshalb direkt dem (...) in T._ zugewiesen
worden.
8.3.4 Diesbezüglich ist aus Sicht des Gerichts festzustellen, dass den Ak-
ten nicht schlüssig zu entnehmen ist, dass sich der Beschwerdeführer seit
dem ärztlichen Bericht vom 26. Juni 2020, in welchem lediglich der Ver-
dacht einer psychosomatischen Belastungsstörung geäussert wurde, in
psychologische Behandlung begeben hat beziehungsweise eine solche
aktuell noch andauert. Ebensowenig hat er bis heute einen aktuellen ärzt-
lichen Bericht zu den Akten gereicht, wiewohl er hierzu hinreichend Gele-
genheit gehabt hätte. Zusätzlich bleibt festzustellen, dass sich die Asylvor-
bringen des Beschwerdeführers als solche (langjährige Tätigkeit des Be-
schwerdeführers als Kämpfer für die LTTE, Umgehung eines Rehabilitati-
onsprogramms nach Kriegsende und behördliche Suche deswegen auf-
grund der Denunziation durch seinen ehemaligen Geschäftspartner) als
unglaubhaft erwiesen haben, weshalb sein Gemütszustand nicht unmittel-
bar auf diese zurückgeführt werden kann. Somit ist davon auszugehen,
dass die psychischen Probleme des Beschwerdeführers, die hauptsächlich
in der Trauer um seinen verstorbenen Sohn und in der Sorge um die Ge-
sundheit beziehungsweise das Wohlergehen seiner Familienangehörigen
in Sri Lanka zu gründen scheinen, nicht derart sind, dass von einer medi-
zinischen Notlage im Sinne der vorstehend dargelegten Rechtsprechung
auszugehen ist. Ausserdem sind in Sri Lanka bei psychischen Erkrankun-
gen sowohl stationäre als auch ambulante Behandlungsmöglichkeiten ver-
fügbar (vgl. Urteil BVGer E-7137/2018 vom 23. Januar 2019 E. 12.3
m.w.H.). Es liegen demnach keine medizinischen Wegweisungsvollzugs-
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hindernisse vor. Schliesslich steht es dem Beschwerdeführer offen, medi-
zinische Rückkehrhilfe in Anspruch zu nehmen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d
AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2,
SR 142.312]).
8.3.5 Auch sonst liegen keine Gründe vor, die gegen die Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs sprechen. So hat der Beschwerdeführer vor seiner
Ausreise aus Sri Lanka lange in C._ in der Nordprovinz gelebt, wo-
hin der Vollzug der Wegweisung grundsätzlich als zumutbar zu erachten
ist. Ausserdem hat er sieben Jahre lang die Schule besucht, und hat vor
seiner Ausreise aus Sri Lanka eine berufliche Tätigkeit ausgeübt (vgl. Ak-
ten SEM A4/13 S. 4 Ziff. 1.17.04 und S. 8 Ziff. 7.01). Im Weiteren verfügt
er auch über ein familiäres Umfeld, leben doch in Sri Lanka seine Ehefrau
mit drei Kindern, seine Eltern sowie vier Geschwister (vgl. Akten SEM
A4/13 S. 6 Ziff. 3.01 und A12/21 S. 2 f. F6 ff.). Es ist somit nicht davon
auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in eine existenzi-
elle Notlage geraten wird. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich dem-
nach nicht als unzumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung seines Heimatlandes die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit auf
diese einzutreten ist.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm jedoch mit
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Verfügung vom 26. Oktober 2020 die unentgeltliche Prozessführung ge-
währt wurde und sich an den Voraussetzungen dazu nichts geändert hat,
sind ihm keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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