Decision ID: a12f8441-b24c-55ab-a8de-e20e287761b9
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer oder Versicherter) wurde
(...) 1970 geboren. Der österreichische Staatsangehörige ist verheiratet,
Vater einer leiblichen Tochter mit Jahrgang 1997 und in seiner Heimat
wohnhaft. Er arbeitete sechs Jahre als Koch und Konditor und absolvierte
wegen einer Mehlstauballergie eine Ausbildung zum Psychiatriepfleger.
Auf diesem Beruf arbeitete er zwanzig Jahre. Zudem ist er Wundexperte
(Akten [nachfolgend: act.] der Invalidenversicherungsstelle für Versicherte
im Ausland IVSTA [nachfolgend: Vorinstanz] 1, 4, 50, Seite 39 f.).
A.b Ab Juli 2014 war der Versicherte in der Schweiz vollzeitlich als Wund-
und Stomaberater im Aussendienst angestellt. Gemäss Auszug aus dem
individuellen Konto erzielte er in dieser Funktion 2016 ein Jahreseinkom-
men von Fr. 94'765.-. Nach einem Sturz in der Badewanne, der sich am
19. Juli 2016 ereignete und bei dem er sich den Kopf anschlug, nahm er
die Erwerbstätigkeit nicht wieder auf, sodass ihm der Arbeitgeber kündigte.
Im Dezember 2016 erfolgte eine Operation an der Halswirbelsäule, deren
Folgen der Versicherte so beschrieb: Nach der Operation sei er mit starken
Schmerzen und danach Schwäche im rechten Arm aufgewacht. Die Be-
schwerden seien seither eher schlimmer geworden. Auch eine Rehabilita-
tionsbehandlung habe nichts gebracht. Er habe ganztags Schmerzen und
Verspannungen auf der rechten Halsseite. Diese würden immer im Laufe
des Tages zunehmen. Medikamente würden kaum etwas helfen (act. 50,
Seite 16 f., 23). Er meldete sich am 11. April 2017 zum Leistungsbezug bei
der schweizerischen Invalidenversicherung (IV) an (act. 1, 4, 6, 18).
A.c Das ärztliche Begutachtungsinstitut ABI nannte im Gutachten vom 20.
August 2018, nachdem es den Versicherten allgemeininternistisch, ortho-
pädisch, neurologisch und psychiatrisch untersucht hatte, folgende Diag-
nosen: (mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit) 1. Chronische Zervikobrachi-
algie unter Betonung der dominanten rechten Seite; 2. Anhaltende soma-
toforme Schmerzstörung nach Sturz auf den Hinterkopf; (ohne Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit) 3. Chronisches thorakolumbovertebrales Schmerz-
syndrom; 4. Allergische Rhinitis; 5. Verdacht auf arterielle Hypertonie; 6.
Übergewicht. Die Arbeitsfähigkeit wurde interdisziplinär in der angestamm-
ten Tätigkeit im Aussendienst mit 80 % und in einer optimal angepassten,
leichten und wechselbelastenden Tätigkeit mit 100 % angegeben (act. 50,
Seite 5 ff.).
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A.d Die IV-Stelle B._ stellte dem Versicherten mit Vorbescheid vom
6. September 2018 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht
(act. 54). Der Versicherte erhob, vertreten durch Inklusion Handicap, Ein-
wand (act. 66, 68, 70). Die Vorinstanz wies das Leistungsbegehren mit Ver-
fügung vom 27. März 2019 ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 20
% ab (act. 81).
B.
B.a Der Beschwerdeführer beantragte mit Beschwerde vom 9. Mai 2019
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewährung der ge-
setzlichen Leistungen (BVGer act. 1). Er führte im Wesentlichen aus, die
Angaben und Diagnosen im ABI-Gutachten seien unvollständig und falsch.
Die Untersuchungssituation sei sehr unfreundlich und zeitlich knapp be-
messen gewesen. Die medizinische Untersuchung sei mangelhaft durch-
geführt worden.
B.b Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 30. August 2019
unter Beilage einer Stellungnahme der IV-Stelle B._ die Abweisung
der Beschwerde und die Bestätigung der angefochtenen Verfügung
(BVGer act. 6). Die IV-Stelle B._ führte im Wesentlichen aus, dem
ABI-Gutachten komme volle Beweiskraft zu, weshalb beim Entscheid über
die Invalidenrente zu Recht darauf abgestellt worden sei.
B.c Der Versicherte teilte mit Eingabe vom 11. September 2019 mit, dass
ihm eine Wiederaufnahme der früheren Tätigkeit aus gesundheitlichen
Gründen unmöglich sei. Er wies darauf hin, dass das Landesgericht
C._ drei Fachärzte beauftragt habe, um seine österreichischen
Pensionsansprüche abzuklären. Sinngemäss beantragte er die Sistierung
des Beschwerdeverfahrens bis zum Vorliegen des entsprechenden Gut-
achtens (BVGer act. 9).
B.d Der Instruktionsrichter gab der Vorinstanz mit Verfügung vom 9. Okto-
ber 2019 Gelegenheit, zum Antrag auf Sistierung des Beschwerdeverfah-
rens Stellung zu nehmen (BVGer act. 10).
B.e Die Vorinstanz beantragte mit Stellungnahme vom 30. Oktober 2019
unter Beilage einer Stellungnahme der IV-Stelle B._ die Abweisung
des Sistierungsgesuchs (BVGer act. 13).
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B.f Der Instruktionsrichter wies das Sistierungsgesuch mit Zwischenverfü-
gung vom 7. November 2019 ab. Der Beschwerdeführer erhielt Gelegen-
heit, eine Replik einzureichen, wovon er innert der angesetzten Frist keinen
Gebrauch machte (BVGer act. 14, 16).
B.g Der Beschwerdeführer teilte mit unaufgeforderter Eingabe vom 13.
März 2020 mit, dass er fortwährend mit fachärztlicher Bestätigung arbeits-
unfähig gemeldet sei und es ihm nicht möglich sei, einer Arbeit nachzuge-
hen. Er reichte Unterlagen ein, darunter das österreichische Gutachten für
das Landesgericht C._ (vom 13. Dezember 2019) und eine an-
schauliche Beschreibung seiner beruflichen Tätigkeiten (BVGer act. 22).
B.h Die Vorinstanz beantragte mit Stellungnahme vom 8. Mai 2020 unter
Beilage einer Stellungnahme der IV-Stelle B._ die Abweisung der
Beschwerde und die Bestätigung der angefochtenen Verfügung (BVGer
act. 25).
B.i Der Instruktionsrichter schloss mit Verfügung vom 15. Mai 2020 den
Schriftenwechsel ab (BVGer act. 26).
B.j Auf die weiteren Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten
Unterlagen wird – soweit für die Entscheidfindung erforderlich – in den
nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG [SR 831.20]). Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochte-
nen Verfügungen durch diese besonders berührt und hat ein schutzwürdi-
ges Interesse an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb er zur Erhe-
bung der Beschwerden legitimiert ist (Art. 59 ATSG [SR 830.1]; Art. 48
Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichten Beschwerden
ist einzutreten (Art. 38 Abs. 4 lit. c und Art. 60 ATSG; Art. 50 Abs. 1 und
Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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Seite 5
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der Rechts-
anwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der Begehren der
Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann die Beschwerde auch
aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder den an-
gefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen, die
von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. BVGE 2013/46 E. 3.2).
2.3 Nach ständiger Rechtsprechung beschränkt sich die Prüfung des So-
zialversicherungsgerichts auf die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass
der angefochtenen Verwaltungsverfügung entwickelt haben (vgl. Urteil des
BGer 8C_489/2016 vom 29. November 2016 E. 5.2 m.H. auf BGE 132 V
215 E. 3.1.1; 130 V 138 E. 2.1; 121 V 362 E. 1b). Tatsachen, die jenen
Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand ei-
ner neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
2.4 Der Beschwerdeführer ist österreichischer Staatsangehöriger mit
Wohnsitz in Österreich. Damit gelangen das Freizügigkeitsabkommen vom
21. Juni 1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemein-
schaft zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss An-
hang II des FZA, insbesondere die für die Schweiz am 1. April 2012 in Kraft
getretenen Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR 0.831.109.268.1) und
Nr. 987/2009 (SR 0.831.109.268.11), zur Anwendung. Seit dem 1. Januar
2015 sind auch die durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010,
Nr. 465/2012 und Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in den Beziehun-
gen zwischen der Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten anwendbar. Das
Vorliegen einer anspruchserheblichen Invalidität beurteilt sich indes auch
im Anwendungsbereich des FZA und der Koordinierungsvorschriften nach
schweizerischem Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des BGer
9C_573/2012 vom 16. Januar 2013 E. 4).
2.5 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 143 V 446 E. 3.3; 139 V 335 E. 6.2; 138 V 475 E. 3.1).
Deshalb finden die Vorschriften Anwendung, die spätestens beim Erlass
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der Verfügung vom 27. März 2019 in Kraft standen; weiter aber auch Vor-
schriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren, die
aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprüche
von Belang sind.
3.
Vorab ist zu prüfen, ob die Vorinstanz angesichts der von der IV-Stelle
B._ durchgeführten Abklärungen die zuständige Verfügungsbe-
hörde war.
3.1 Zuständig ist in der Regel die IV-Stelle, in deren Kantonsgebiet der Ver-
sicherte im Zeitpunkt der Anmeldung seinen Wohnsitz hat. Der Bundesrat
ordnet die Zuständigkeit in Sonderfällen (Art. 55 Abs. 1 IVG und Art. 40
Abs. 1 Bst. a IVV). Zuständig zur Entgegennahme und Prüfung der Anmel-
dungen von Grenzgängern ist die IV-Stelle, in deren Tätigkeitsgebiet der
Grenzgänger eine Erwerbstätigkeit ausübt. Dies gilt auch für ehemalige
Grenzgänger, sofern sie bei der Anmeldung ihren ordentlichen Wohnsitz
noch in der benachbarten Grenzzone haben und der Gesundheitsschaden
auf die Zeit ihrer Tätigkeit als Grenzgänger zurückgeht. Die Verfügungen
werden von der IV-Stelle für Versicherte im Ausland erlassen (Art. 40 Abs.
2 IVV).
3.2 Der Beschwerdeführer war zuletzt als Grenzgänger bei einem Arbeit-
geber im Kanton B._ angestellt (act. 18, 26, Seite 1). Er wohnt zu-
dem immer noch im benachbarten Grenzgebiet. Die Prüfung des Renten-
anspruchs durch die IV-Stelle B._ und der Erlass der Verfügung
durch die IV-Stelle für Versicherte im Ausland ist gemäss obenstehenden
Ausführungen nicht zu beanstanden.
4.
Zum Anspruch auf eine schweizerische Invalidenrente und den Abklärun-
gen, die in diesem Zusammenhang vorzunehmen sind, ist Folgendes vor-
auszuschicken:
4.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
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Seite 7
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
4.2 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben-
bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (Bst. a), während ei-
nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (Bst. b) und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. c). Bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindestens
60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens 70 % auf eine ganze
Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
4.3 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützen sich die Verwaltung
und – im Beschwerdefall – das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen
und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen
sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und
dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tä-
tigkeiten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Hinsichtlich des Beweis-
wertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Be-
lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen-
hänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss-
folgerungen der Expertinnen und Experten begründet sind (BGE 134 V 231
E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Eine begutachtende medizinische Fachperson
muss über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen (Urteil des
BGer 9C_555/2017 vom 22. November 2017 E. 3.1 mit Hinweisen).
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Seite 8
4.4 Zwar gilt für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsver-
fahren der Grundsatz der freien Beweiswürdigung, doch hat die Rechtspre-
chung in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gut-
achten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufgestellt (vgl. BGE 125 V 351
E. 3b). So kommt den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten
Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Be-
obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl.
BGE 137 V 210 E. 2.2.2, BGE 135 V 465 E. 4.4, BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
Berichte behandelnder Ärzte sind aufgrund deren auftragsrechtlichen Ver-
trauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen. Dies gilt für den
allgemein praktizierenden Hausarzt wie den behandelnden Spezialarzt
(Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 655/05 vom 20. März
2006 E. 5.4 m.H. auf BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Allerdings dürfen auch die
potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen wer-
den, namentlich wenn sie wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher
Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Be-
gutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des BGer
9C_24/2008 vom 27. Mai 2008 E. 2.3.2 m.H.). Den Berichten und Gutach-
ten versicherungsinterner Ärzte kommt ebenfalls Beweiswert zu, sofern sie
als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich wider-
spruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen.
Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis
zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivi-
tät und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Um-
stände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung ob-
jektiv als begründet erscheinen lassen (BGE 135 V 465 E. 4.4 m.H. auf 125
V 351 E. 3b/ee).
4.5 Geht es um psychische Erkrankungen, namentlich eine anhaltende so-
matoforme Schmerzstörung, ein damit vergleichbares psychosomatisches
Leiden (vgl. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen leicht- bis
mittelgradiger Natur (BGE 143 V 409), sind für die Beurteilung der Arbeits-
fähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich, die – unter Berücksichti-
gung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und
Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tat-
sächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281
E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; 143 V 418 E. 6 ff.). Ausgangspunkt der Prüfung
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und damit erste Voraussetzung bildet eine psychiatrische, lege artis ge-
stellte Diagnose (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.1; 143 V 418 E. 6 und E. 8.1).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erwähnten Indikatoren hat das
Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie
«funktioneller Schweregrad» (E. 4.3) mit den Komplexen «Gesundheits-
schädigung» (Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symp-
tome; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz; Komorbidi-
täten [E. 4.3.1]), «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsentwicklung und -struk-
tur, grundlegende psychische Funktionen [E. 4.3.2]) und «sozialer Kon-
text» (E. 4.3.3) sowie Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhal-
tens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleichmässige Einschränkung des Aktivitä-
tenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1) und be-
handlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens-
druck (E. 4.4.2).
5.
Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Vorinstanz einen Invalidenrentenan-
spruch des Beschwerdeführers mit der angefochtenen Verfügung zu Recht
abgewiesen hat.
5.1 Im ABI-Gutachten vom 20. August 2018 wurde als interdisziplinäre me-
dizinische Beurteilung ausgeführt (act. 50, Seite 6), der Versicherte leide
an chronischen Nacken-Armschmerzen mit Ausstrahlung nach rechts. Er
sei im Jahr 2000 und im Dezember 2016 operiert worden mit Stabilisierun-
gen. Radiologisch bestehe eine foraminale Enge HWK 3/4 rechts und im
Übrigen ein regelrechter postoperativer Befund. Vom Bewegungsapparat
her sei bei der orthopädischen Untersuchung ein chronisches Zervico-
brachialsyndrom diagnostiziert worden. Die klinischen Befunde könnten
die vom Versicherten angegebenen Beschwerden nicht vollständig bestä-
tigen. Die Belastbarkeit der Wirbelsäule sei etwas vermindert. Bei der neu-
rologischen Untersuchung sei ein residuelles radikuläres Syndrom C7 fest-
gestellt worden. Dadurch werde eine verminderte Belastbarkeit der HWS
neurologisch bestätigt. Bei der allgemeininternistischen Untersuchung sei
die Verdachtsdiagnose einer arteriellen Hypertonie gestellt worden. Weiter
leide der Versicherte an einer allergischen Rhinitis, weshalb er früher die
Tätigkeit habe wechseln müssen (vom Koch und Konditor zum Psychiat-
riepfleger und Wundexperten). Die klinischen Befunde seien weitgehend
unauffällig bis auf ein Übergewicht mit einem BMI 30. Eine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit für berufliche Tätigkeiten bestehe nicht, ausser für die-
jenigen, die Allergien auslösen würden. Bei der psychiatrischen Untersu-
chung sei eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert
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worden. Dadurch sei für den Versicherten der Umgang mit den Schmerzen
erschwert, was zu einer leichten Leistungseinschränkung führe. Zusam-
mengefasst seien dem Versicherten körperlich leichte, wechselbelastende
Tätigkeiten ohne Zwangshaltungen der HWS mit einer leichten, durch das
psychische Leiden verursachten Leistungseinschränkung zumutbar. Län-
ger dauernde Fahrten mit dem PKW ohne Pausen seien ungünstig.
5.2 Im ABI-Gutachten wurde weiter ausgeführt (act. 50, Seite 6 f.), der Ver-
sicherte habe sicher gute berufliche Ressourcen mit Ausbildung in ver-
schiedenen Tätigkeiten und regelmässiger Arbeitstätigkeit trotz früher be-
stehender Nackenschmerzen. Belastungsfaktoren könnten in der psycho-
sozialen Situation liegen mit der Tätigkeit als Grenzgänger, die sowohl
einen Arbeitsplatzwechsel als auch versicherungsmässige Ersatzeinkom-
men erschweren würde, was zu finanziellen Problemen führe. Bei der
orthopädischen Untersuchung seien diverse Inkonsistenzen zwischen den
Beschwerdeangaben des Versicherten und den objektiven medizinischen
Befunden festgestellt worden. Drei von fünf Waddell-Zeichen seien positiv
gewesen. Dasselbe sei auch bei der neurologischen Untersuchung festge-
stellt worden. In der allgemeinmedizinischen und psychiatrischen Untersu-
chung hätten sich keine Inkonsistenzen ergeben. In Bezug auf die Alltags-
aktivität sei festgestellt worden, dass insbesondere die Beschwielung der
Hände nicht mit der vom Versicherten angegebenen weitgehenden Untä-
tigkeit vereinbar sei.
5.3 Das interdisziplinäre ABI-Gutachten vom 20. August 2018 weist Wider-
sprüche und Ungereimtheiten auf und ist unvollständig. So wurde dem Ver-
sicherten einerseits eine leichte, durch das psychische Leiden verursachte
Leistungseinschränkung attestiert, die sich auch in einer leichten, wechsel-
belastenden Tätigkeit auswirkt. Andererseits wurde angegeben, dass sich
das psychische Leiden in einer angepassten Tätigkeit ohne schmerzaus-
lösende Belastungen nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Hier liegt ein
Widerspruch vor. Längere Fahrten mit dem PKW ohne Pausen wurden so-
dann zwar als ungünstig erachtet. Für die Tätigkeit im Aussendienst wurde
aber gleichwohl eine Arbeitsfähigkeit von 80 % postuliert (act. 50, Seite 6
f.). Dies, obwohl der Versicherte als Wund- und Stomaberater mit einem
Einsatzgebiet von Zürich bis St. Moritz offenbar stundenlang mit dem Auto
unterwegs war, wobei er nach eigener Angabe ein regelmässiges Wochen-
pensum von 60 Stunden bewältigte (act. 18, 50, Seite 17; BVGer act. 22,
Beilage). Angesichts der «ungünstigen» bzw. sogar «sehr ungünstigen»
Tatsache, dass stundenlange Autofahrten für die Tätigkeit im Aussendienst
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Seite 11
kennzeichnend sind, scheint fraglich, ob der Versicherte dafür noch geeig-
net ist (act. 50, Seite 36). Da Autofahren mit erheblichen mechanischen
Belastungen auf die Wirbelsäule durch abrupte Bewegungen und Vibratio-
nen verbunden ist, schliesst das österreichische Gutachten für das Lan-
desgericht C._ die Tätigkeit im Aussendienst aus, was nachvoll-
ziehbar ist (BVGer act. 22, Beilage). Im ABI-Gutachten wurde weiter aus-
geführt, der Verlauf nach der Operation an der Halswirbelsäule sei gut ge-
wesen, obwohl für diesen Eingriff keine klare Indikation bestand, in der
Folge Atrophien mehrerer Muskelgruppen auffielen und der Versicherte
seither fortwährend über starke Schmerzen und Verspannungen auf der
rechten Halsseite klagt, weshalb er die Tätigkeit als Wund- und Stomabe-
rater aufgab und sich bei der Invalidenversicherung anmeldete (act. 50,
Seite 7, 23, 28). Aus Sicht des medizinischen Laien entspricht dies keines-
wegs einem guten Verlauf. Das ABI-Gutachten ist in diesem Punkt falsch
und irreführend. Dass die Erwerbsaufgabe leichtfertig im Hinblick auf allfäl-
lige Rentenansprüche erfolgte, ist in Anbetracht der Erwerbsbiographie des
Versicherten nicht anzunehmen. Zudem fällt auf, dass Dr. D._ die
Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung im psychiatri-
schen Teilgutachten nicht sauber herleitete und die Standardindikatoren
nicht ausführlich genug prüfte und diskutierte (act. 50, Seite 38 ff.). Die
diesbezüglichen Angaben sind eher dünn und oberflächlich. So bleibt etwa
der funktionelle Schweregrad bzw. die Ausprägung der diagnoserelevanten
Befunde und Symptome unklar. Dies stellt einen gravierenden Mangel dar,
zumal sich aus der Vorgeschichte des Versicherten eine erhebliche Belas-
tung mit psychosozialen Faktoren ergibt, die – was Dr. D._ einräumt
– gegebenenfalls den Nährboden für das spätere Entstehen eines
Schmerzsyndroms bilden könnte (act. 50, Seite 42). Seine Ausführungen
zum Leistungsvermögen sind insofern für den Rechtsanwender nicht nach-
vollziehbar. Der ABI-Psychiater führte ferner aus, die frühere Tätigkeit als
Psychiatriepfleger könne vollschichtig ausgeübt werden, da dort kaum kör-
perliche Belastungen stattfinden würden (act. 50, Seite 43). Diese Aussage
kontrastiert stark mit der plastischen Beschreibung des Berufsbilds, die der
Versicherte selber gibt (BVGer act. 22, Beilage). Nachdem Dr. D._
seine Einschätzung nur lapidar begründete, ohne auf die konkreten Aufga-
ben eines Psychiatriepflegers einzugehen, ist darauf nicht abzustellen.
5.4 Hinzu kommt, dass im österreichischen Gutachten für das Landesge-
richt C._ (vom 13. Dezember 2019) festgehalten wurde, dass von
der Operation an der Halswirbelsäule im Dezember 2016 «eine ausge-
prägte Nervenwurzelschädigung vor allem C6/7 mit einer eingetretenen
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Seite 12
Muskelatrophie in den Kennmuskeln der genannten Nervenwurzeln mit ei-
nem ausgeprägten Schmerzsyndrom und einer im Alltag deutlich beein-
trächtigenden Bewegungseinschränkung bei der Ellenbogenstreckung und
–beugung» verblieben sei. Es liege primär eine organische Ursache vor.
Durch die chronischen Schmerzen und Einschränkungen sei es sekundär
zu einer depressiven Entwicklung gekommen, wodurch die Schmerzsymp-
tomatik wiederum verstärkt werden könne. Der Versicherte sei aufgrund
der depressiven Entwicklung und der massiven somatischen (neuropathi-
schen) Schmerzsymptomatik nicht in der Lage, eine Tätigkeit unter den
üblichen Bedingungen eines Arbeitsverhältnisses zu verrichten. Hinweise
auf eine somatoforme Schmerzstörung, wie sie der ABI-Psychiater Dr.
D._ diagnostizierte, wurden aus neuropsychiatrischer Sicht explizit
verneint (BVGer act. 22, Beilage, Seite 7, 13 ff.). Durch die stark abwei-
chende Einschätzung im österreichischen Gutachten, an dem ein Ortho-
päde, ein Internist und ein Facharzt für Neurologie und Psychiatrie mitwirk-
ten, wird das ABI-Gutachten zusätzlich in Zweifel gezogen.
5.5 Auf das unvollständige und widersprüchliche ABI-Gutachten ist folglich
nicht abzustellen. Auf das österreichische Gutachten ist im Gegenzug auch
nicht abzustellen, weil dieses die für schweizerische Invalidenversicherung
geltenden Grundsätze nicht berücksichtigt. Namentlich fehlen die Prüfung
von Standardindikatoren und möglichen Verweistätigkeiten. Ob der Versi-
cherte auch für optimal angepasste, leichte und wechselbelastende Tätig-
keiten voll arbeitsunfähig ist, ist mithin nicht erstellt. Der Versicherte selber
äusserte anlässlich der ABI-Begutachtung den Wunsch, wieder als Wund-
experte in einer Institution zu arbeiten, und traut sich in seinem geliebten
Beruf offenbar zumindest ein Teilpensum ohne Reisetätigkeit zu (act. 50,
Seite 24, 41). Ob es sich dabei um eine leichte, wechselbelastende Tätig-
keiten ohne Zwangshaltungen der Halswirbelsäule handelt, scheint in An-
betracht der aktenkundigen, anschaulichen Beschreibung fraglich (BVGer
act. 22, Beilage). Welches Pensum allenfalls zumutbar wäre, wurde im ABI-
Gutachten nicht im Einzelnen erörtert.
6.
Nach dem Gesagten lassen sich Gesundheitszustand, Leistungsvermögen
und Invaliditätsgrad aufgrund der Aktenlage nicht zuverlässig beurteilen.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann zum Rentenanspruch noch kein Ent-
scheid getroffen werden. Die angefochtene Verfügung ist mithin aufzuhe-
ben. Zum weiteren Vorgehen ist Folgendes zu erwägen:
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6.1 Der Beweis über sozialversicherungsrechtliche Ansprüche ist schwer-
gewichtig auf Stufe des Administrativverfahrens zu führen (BGE 137 V 210
E. 2.2.2), auch wenn das Gericht reformatorisch entscheiden kann (Art. 61
VwVG). Nach bundesgerichtlicher Praxis ist ein Verfahren jedenfalls zu-
rückzuweisen, wenn die Ergänzung eines Gutachtens oder aber die not-
wendige Erhebung einer bisher völlig ungeklärten Frage ansteht (BGE 137
V 210 E. 4.4.1.4). Da Gesundheitszustand und Leistungsvermögen des
Beschwerdeführers als ungeklärt gelten müssen, ist die vorliegende Sache
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Insbesondere erlaubt es das ABI-Gut-
achten nicht, die Auswirkungen der diagnostizierten anhaltenden somato-
formen Schmerzstörung auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit im Lichte der
massgebenden Standardindikatoren schlüssig und zuverlässig zu beurtei-
len. Es ist daher unabdingbar, ein neues Gutachten einzuholen, in dem die
Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 ausführlich geprüft und dis-
kutiert werden. Zu diesem Zweck ist Rückweisung der Sache an die Vor-
instanz zulässig (vgl. Urteil des BGer 9C_450/2015 vom 29. März 2016
E. 4.2.2; Urteile des BVGer C-4329/2014 vom 11. Januar 2017 E. 10.2,
C-5000/2014 vom 21. Oktober 2016 E. 7 und C-4265/2014 vom 21. Januar
2016 E. 7).
6.2 Anzumerken ist, dass die aufgezeigten groben Widersprüche, Unge-
reimtheiten und Unvollständigkeiten im ABI-Gutachten - wie insbesondere
die fehlende ausführliche Prüfung der Standardindikatoren - für den Regi-
onalen Ärztlichen Dienst erkennbar waren. Weshalb er sich in seinen Stel-
lungnahmen nicht kritischer mit dem ABI-Gutachten auseinandersetzte, ist
nicht nachvollziehbar (act. 51, 71). Würde eine gravierend mangelhafte
Sachverhaltsabklärung im Verwaltungsverfahren durch Einholung eines
Gerichtsgutachtens im Beschwerdeverfahren korrigiert, bestünde die kon-
krete Gefahr der unerwünschten Verlagerung der den Durchführungsorga-
nen vom Gesetz übertragenen Pflicht zur Abklärung des rechtserheblichen
medizinischen Sachverhalts auf das Gericht mit entsprechender zeitlicher
und personeller Inanspruchnahme der Ressourcen (BGE 137 V 210 E. 4.2;
Urteil des BVGer C-1358/2014 vom 11. Dezember 2015 E. 5). Die Verwal-
tung soll nicht dazu verleitet werden, das Gericht die eigentliche Abklä-
rungsarbeit machen zu lassen (vgl. dazu MIRIAM LENDFERS, Sachverstän-
dige im Verwaltungsverfahren, in: Ueli Kieser/Miriam Lendfers [Hrsg.],
Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 2016, S. 187; Urteil des BVGer
C-2907/2018).
6.3 Um eine vollständige und umfassende Beurteilung des Gesundheits-
zustands und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu ermöglichen,
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erscheint die erneute Durchführung einer interdisziplinären medizinischen
Begutachtung unumgänglich. Die medizinische Aktenlage ist hierfür vor-
gängig zu aktualisieren, sodass der Verlauf bis zum Zeitpunkt der erneuten
Begutachtung möglichst lückenlos beurteilt werden kann. Soweit der Be-
schwerdeführer über medizinische Unterlagen verfügt, die er der Vor-
instanz noch nicht zugänglich gemacht hat, sind ihr diese umgehend zur
Verfügung zu stellen. Die Vorinstanz hat den Gutachtern sämtliche medizi-
nischen Unterlagen zugänglich zu machen, insbesondere auch das öster-
reichische Gutachten für das Landesgericht C._ und die anschauli-
che Beschreibung seiner beruflichen Tätigkeiten (BVGer act. 22). Die Ein-
schätzung im österreichischen Gutachten, die von jener im ABI-Gutachten
stark abweicht, ist aufzugreifen und zu diskutieren.
6.4 Angezeigt erscheint wiederum eine allgemeininternistische, orthopädi-
sche, neurologische und psychiatrische Begutachtung. Ob neben den ge-
nannten Fachdisziplinen noch weitere Spezialisten beigezogen werden, ist
dem pflichtgemessen Ermessen der Gutachter zu überlassen, zumal es
primär ihre Aufgabe ist, aufgrund der konkreten Fragestellung über die
erforderlichen Untersuchungen zu befinden (vgl. dazu Urteil des BGer
8C_124/2008 vom 17. Oktober 2008 E. 6.3.1). Mit der interdisziplinären
Begutachtung kann sichergestellt werden, dass alle relevanten Gesund-
heitsschädigungen erfasst und die daraus jeweils abgeleiteten Einflüsse
auf die Arbeitsfähigkeit würdigend in einem Gesamtergebnis ausgedrückt
werden (vgl. dazu SVR 2008 IV Nr. 15 S. 44, E. 2.1; Urteil des BVGer
C-2713/2015 vom 13. Oktober 2016 E. 5.1). Dabei sind unter dem Indikator
Komorbidität im Sinne einer Gesamtbetrachtung auch allfällige im konkre-
ten Fall ressourcenhemmende somatische Störungen zu berücksichtigen
(vgl. Urteil des BGer 9C_21/2017 E. 5.2.1 mit Hinweis auf BGE 141 V 281
E. 4.3.1.3). In der psychiatrischen Teilbegutachtung ist neben der Schmerz-
situation auch die konnexe depressive Entwicklung, die sowohl vom ABI-
Psychiater Dr. D._ als auch im österreichischen Gutachten be-
schrieben wird, darzustellen und zu würdigen.
6.5 Die polydisziplinäre Begutachtung hat in der Schweiz zu erfolgen, zu-
mal die Abklärungsstelle mit den Grundsätzen der schweizerischen Versi-
cherungsmedizin vertraut sein muss. Dies gilt im vorliegenden Fall nament-
lich mit Blick auf das strukturierte Beweisverfahren und die psychosozialen
Belastungsfaktoren (vgl. zur Begutachtung in der Schweiz das Urteil des
BGer 9C_235/2013 vom 10. September 2013 E. 3.2; Urteile des BVGer
C-5862/2014 vom 5. April 2016 E. 5.2 und C-329/2014 vom 8. Juli 2015
E. 5.3.1 je mit Hinweis auf C-4677/2011 vom 18. Oktober 2013 E. 3.6.3).
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Dem Beschwerdeführer ist das rechtliche Gehör zu gewähren und es ist
ihm Gelegenheit zu geben, Zusatzfragen zu stellen (BGE 137 V 210 E.
3.4.2.9). Des Weiteren erfolgt die Gutachterauswahl bei polydisziplinären
Begutachtungen in der Schweiz nach dem Zufallsprinzip (vgl. dazu BGE
139 V 349 E. 5.2.1), was im Interesse der Verfahrensbeteiligten liegt. Das
ABI scheidet als vorbefasstes Abklärungsinstitut von vornherein aus.
6.6 Das neue Gutachten hat sich insbesondere auch darüber auszuspre-
chen, ob und in welchem Umfang die Tätigkeit als Wundexperte noch zu-
mutbar ist, wenn diese in einer Institution (und ohne Reisetätigkeit) ausge-
übt werden kann. Auf der Grundlage des interdisziplinären Gutachtens hat
die Vorinstanz über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers erneut
zu befinden. Sein Invaliditätsgrad ist im Rahmen eines Einkommensver-
gleichs zu bemessen.
7.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich der Rentenanspruch des Be-
schwerdeführers aufgrund der bestehenden Aktenlage nicht mit überwie-
gender Wahrscheinlichkeit beurteilen lässt. Die Beschwerde wird daher in-
soweit gutgeheissen, als die angefochtene Verfügung aufgehoben und die
Sache zur weiteren Abklärung und Neubeurteilung im Sinne der Erwägung
6 an die Vorinstanz zurückgewiesen wird.
8.
8.1 Die Verfahrenskosten sind in der Regel der unterliegenden Partei auf-
zuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Rückweisung der Sache an die Vor-
instanz zu ergänzenden Abklärungen gilt praxisgemäss als Obsiegen; dem
Beschwerdeführer sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen, weshalb ihm
der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800.- nach Eintritt der Rechtskraft
dieses Urteils zurückzuerstatten ist (BVGer act. 4). Der Vorinstanz als un-
terliegende Partei werden keine Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2
VwVG).
8.2 Dem nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer sind durch das Be-
schwerdeverfahren keine unverhältnismässig hohen Kosten entstanden,
weshalb ihm keine Parteientschädigung zuzusprechen ist (vgl. Art. 64 Abs.
1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
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[VGKE, SR 173.320.2]). Die IV-Stelle für Versicherte im Ausland hat unab-
hängig vom Verfahrensausgang keinen Anspruch auf Parteientschädigung
(Art. 7 Abs. 3 VGKE).