Decision ID: 19f03eeb-a530-41c0-a74e-32f23fc8b6e2
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1977, Mutter von drei
Kindern (Jahrgä
ng
e
1998, 2004 und 2006), meldete sich am 16. Januar 2018 unter Hinweis auf
Brustkrebs, einen Bandscheibenvorfall sowie chronische Muskelschmerzen
bei der Invalidenver
si
cherun
g zum Leistungsbezug an (Urk. 7/10
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisch
e und erwerbliche Situation ab
und teilte der Versicherten am 1. Februar 2018 mit, es seien derzeit keine Ein
glie
derungsmassnahmen möglich (Urk. 7/15).
Zudem veranlasste
sie
eine Haushalt
abklärung, worüber am
30. Juli 2018 berichtet wurde (Urk. 7/24).
Nach
d
urch
ge
führtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7/38
-
40
; Urk. 7/45-46
)
verneinte di
e IV-Stelle
mit Verfügung vom 11. Mai 2020 (Urk. 7/51
= Urk. 2
)
einen R
entenanspruch.
2.
Die Versicherte erhob am 9. Juni 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom
11. Mai 2020 (Urk.
2) und beantragte, diese sei aufz
uheben und es sei
ihr
min
destens eine halbe Invalidenrente zuzusprechen, eventuell sei eine polydis
zipli
näre Abklärung anzuordnen (Urk. 1 S.
2
Ziff. 1-2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
24. Juli 2020
(Urk. 6
) die Abweisung der Beschwer
de.
Mit Eingabe vom 18. August 2020 (Urk. 8) reichte die
Beschwerdeführerin
weitere Unterlagen ein (Urk. 9/1-4). Mit Verfügung vom 31. August 2020 (Urk. 15) wurden antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2 Ziff. 3) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt sowie der Beschwerdeführerin die Beschwerde
antwort und der
Beschwerdegegnerin
die Eingabe der
Beschwerdeführerin
vom 18. August 2020 zugestellt.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
a
us (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2,
E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
ging
in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2)
davon
aus, dass die Beschwerdeführerin ab Mai 2017 vorübergehend eingeschränkt arbeitsfähig gewesen sei. Gemäss
den
Abklärungen bei der Beschwerdeführerin zu Hause würde sie heute bei guter Gesundheit zu 70 % einer Erwerbstätigkeit nachgehen, die restlichen 30 % würden in die Erledigung des Haushaltes und der Kinderbetreuung fallen. Nach Ablauf des einjährigen Wartejahres im Mai 2018 sei
die Beschwerdeführerin wieder in jeder Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ge
wesen, womit sie ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen könne. Daran ändere auch der eingereichte ärztliche Bericht nichts, wonach die Beschwerde
führerin aktuell an einer schweren depressiven Episode leide, gehe doch der Regional Ärztliche Dienst (RAD) davon aus, dass die Beschwerdeführerin eher an einer vorübergehenden reaktiven Störung im Sinne einer Anpassungsstörung nach schwerer Erkrankung leide.
Ferner
sei eine depressive Episode per Definition vorübergehend und
könne
daher keinen langandauernden Gesundheitsschaden begründen.
Es bestehe deshalb kein Anspruch auf Leistungen der Invaliden
ver
sicherung (S. 1 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber beschwerdeweise (Urk. 1) auf den Standpunkt,
dass auf Seiten der Beschwerdegegnerin keine vertiefte versi
cherungsmedizinische Auseinandersetzung
erfolgt sei. So habe der RAD gar nicht über sämtliche, potenziell IV-relevanten Diagnosen und Syndrome Rechenschaft
abgelegt
beziehungsweise
sei
nicht weiter auf ihre eindrückliche Symptomatik eingegangen.
D
ie vom RAD fokussierte schwere depressive Episode sei nicht
ihr
einzige
s
schwerwiegende
s
Leiden. Hinsichtlich der Beurteilung ihres psychischen
Leidens sei der RAD dahingehend zu kritisieren, dass dieser ausschliesslich an der Diagnostik der seit September 2019 behandelnden Psychiaterin festhalte und aus
führe, dass eine Episode kein dauerhaftes
Leiden sein könne. Dabei werde
ausser Acht gelassen, dass sie seit April 2017 von der belastenden Diagnose Kenntnis gehabt habe und seither eine Vielzahl von belastenden, zum Teil schmerzhaften Eingriffen und Behandlungen über sich habe ergehen lassen müssen
. Ferner sei nicht verständlich, dass auf Seiten der Beschwerdegegnerin die in den Akten schon früher auftauchende Fatigue keine weitere Beachtung gefunden habe, da sie dieses Leiden nebst den Schmerzen stark einschränke. Naheliegend wäre, dass es sich bei dieser Fatigue um eine Cancer-
related
Fatigue (
CrF
) handle. Dies
bezüglich sei eine sorgfältige Diagnostik zu verlangen. Ebenfalls sei mit dem
Ganzkörperschmerzsyndrom
beziehungsweise
mit dem krebsspezifischen Schmerz
syndrom im Bereich der erfolgten
Axilladissektion
keine Auseinandersetzung erfolgt.
Schliesslich fänden sich im Feststellungsblatt auch keine Einlassungen auf die Parästhesien im Arm und die deutlichen kognitiven Defizite. Das Ausmass dieser Einschränkung sei mittels einer neuropsychologischen Untersuchung näher zu bezeichnen
(S. 8 ff.
Rz
23 ff.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdeführerin
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung und dabei insbesondere auf eine Rente hat.
3.
3.1
PD
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe,
erstattete am 17. Januar 2018 im Auftrag der Beschwerdeführerin ein Konsilium im Hinblick auf eine allfällige Sorgfaltspflichtverletzung der involvierten Ärzte und Spitäler (Urk. 3/1). Dabei legte er dar, dass der behandelnden
Gynäkologin Dr.
Z._
, dem Spital
A._
, in welchem die Biopsie entnommen worden sei, und dem Stadtspital
B._
, in welchem das
Biopsiematerial
untersucht worden sei, Verstösse gegen die ärztliche Sorgfaltspflicht nachgewiesen werden könnten. Damit verteile sich die Verantwortung für die Verzögerung der Krebsdiagnose der Beschwerdeführerin um acht Monate gleichermassen auf alle drei beteiligten Instanzen. Ob diese Diagnoseverzögerung einen Einfluss auf den zukünftige
n Krankheitsverlauf habe, könne
e
r nicht abschliessend beurteilen (S. 7).
3.2
Prof.
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Medizinische Onkologie,
f
ührte in seinem Bericht vom 10. April
2018 (Urk. 7/18/2-5) aus, dass bei der Beschwerdeführerin im April 2017 Brustkrebs diagnostiziert
worden
und sie seit Ende Mai 2017 bei ihm in Behandlung sei (Ziff. 1.1, Ziff. 2.1). Aktuell leide die Beschwerdeführerin an einem Schmerz
syn
drom (Ziff. 2.2, Ziff. 2.5).
Die bisherige Tätigkeit als Aushilfe in der Spielgruppe sei der Beschwerdeführerin nicht mehr zumutbar, auch eine angepasste Tätigkeit sei nicht möglich (Ziff. 2.7, Ziff. 4.1-4.2).
3.
3
In seinem Bericht vom 9. Oktober 2018 (Urk. 7/26) nannte Prof.
C._
einen Brustkrebs beidseitig, Narbenbeschwerden und eine anamnestische Depression als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.2).
Die bisherige Tätigkeit könne die Beschwerdeführerin zwei Stunden pro Tag ausüben (Ziff. 2.1). Es liege eine Verminderung der Leistungsfähigkeit von zirka 50 % vor (Ziff. 2.2). Die Prognose sei recht gut (Ziff. 3.3).
3.
4
Prof.
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Hämatologie,
erstattete die durch die Beschwerdeführerin in Auftrag gegebene konsiliarischen Beurteilung am 29. April 2019 (Urk. 3/2) und nannte dabei ein Mammakarzinom links (Erstdiagnose April 2017) und ein duktales Karzinom in situ rechte Mamma (Erstdiagnose Mai 2017) als Diagnosen (S. 2 f. Ziff. 1).
Die psychische Belastung und Invalidisierung durch die erfolgten Therapien wären vermutlich unverändert. In wie weit die psychische Belastung jedoch durch das Wissen um die verzögerte Diagnosestellung und die vermutlich minimal schlech
tere Prognose mitbedingt sei, könne aufgrund der vorliegenden Unterlagen nicht beantworten werden.
Zusammenfassend habe d
ie verzög
erte Diagnosestellung
aller Wahrscheinlichkeit nach keine
Ausweitung der notwendigen therapeuti
schen
Massnahmen bedingt, wohl aber zu einer
minimal schlechteren Prognose geführt (S. 6 f.).
3.
5
In seinem Bericht vom 7. Mai 2019 (Urk. 7/34) nannte Prof.
C._
(vorstehend E.
3.2)
neben dem Brustkrebs und einem chronischen Schmerzsyndrom eine chro
nische Fatigue als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.2). Der Beschwerdeführerin sei weder die bisherige noch eine angepasste Tätigkeit zumutbar, ihre Leistungsfähigkeit sei zu 100 % vermindert (Ziff. 2.1-2.2). Es sei
unklar, ob die Arbeitsfähigkeit durch medizinische Massnahmen verbessert werden
könne (Ziff. 4.1).
Es bestünde zudem keine Belastbarkeit für Massnahmen der Wiedereingliederung im Umfang von mindestens zwei Stunden pro Tag (Ziff. 4.2).
3.
6
PD
Dr.
Y._
(vorstehend E. 3.1)
führte in seinem durch die Beschwerdeführerin in Auftrag gegebenen und am 29. Juni 20
19
erstatteten Konsilium
(Urk. 3/3)
aus, dass das Konsilium von Prof.
D._
(vgl. vorstehend E. 3.
4
) klar und schlüssig sei. Einerseits hätten anlässlich der Abklärung vom Juni/Juli 2016 ausnahmslos alle ärztlich Beteiligten Fehler begangen und damit die Diagnose und Behandlung um fast ein Jahr verzögert. Andererseits habe diese Verzögerung keine Konsequenz in Bezug auf die Art der Behandlung und eine nur minime Auswirkung auf die statistische Lebenserwartung der Beschwerdeführerin (S. 1 Mitte).
3.
7
Dipl.-Med.
E._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Prävention
und Gesundheitswesen, RAD, nannte
in ihrer Stellungnahme vom 29. August
2019 (Urk. 7/37/4-6
)
ein Mammakarzinom (Erstdiagnose April 2017), ein chronisches Schmerzsyndrom sowie eine Fatigue als Diagnosen mit dauer
hafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Die
Beschwerdeführerin
sei
in Bezug auf ihre bisherige Tätigkeit als Hilfsarbeiterin
dahingehend eingeschränkt
, dass sie keine schweren und mittelschweren Arbeiten sowie Tätigkeiten, welche ein Anheben der Arme über die Horizontale erfordern würden, verrichten könne.
Seit dem 30. Mai 2017 bestehe denn auch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit auf Dauer für schwere körperliche Tätigkeiten. Für die Tätigkeit als Mitarbeiterin in einer Spielgruppe liege seit Mai 2018 wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit vor. Angepasste, l
eichte, überwiegend im Sitzen auszuübende Tätigkeiten seien
der Beschwerdeführerin
abgesehen von dem Zeitraum, in dem Operationen/Chemo
therapien/Bestrahlung not
wendig gewesen seien, zumutbar
, wobei es der Be
schwerdeführerin ermöglicht werden sollte, Pausen einzulegen
. Für solch
e
ange
passte
n
Tätigkeiten habe vom 30. Mai 2017 bis zirka April 2018 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen, spätestens ab Mai 2018 sei die Beschwerde
füh
rerin wieder voll arbeitsfähig gewesen.
Aus versicherungsmedizinisch-theore
tischer Sicht seien zudem vorübergehende Einschränkungen der Tätigkeit im Haushalt plausibel, eine dauerhafte Einschränkung könne hieraus jedoch nicht abgeleitet werden.
Der behandelnde Arzt Prof.
C._
beziehe sich bei seiner Beurteilung
(vgl. vorstehend E. 3.
5
)
ausschliesslich auf eine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und beziehe hier versicherungsfremde Aspekte ein, wenn er die Prognose bezüglich einer Wiedereingliederung beurteile. Hinsichtlich der Begrün
dung der krankheitserhaltenden Faktoren bleibe er vage. Es könne daher aus ver
sicherungsmedizinischer Sicht nicht nachvollzogen werden, warum die Be
schwerdeführerin zu 100 % und auf Dauer in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sein soll. Zudem sei keine psychische Erkrankung mit Krankheitswert ausge
wiesen, die Beschwerdeführerin habe sich zu keinem Zeitpunkt in fachspezifischer Behandlung befunden.
3.
8
Med.
pract
.
F._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie,
führte in ihrem Bericht vom 6. Dezember 2019 (Urk. 7/46/3-6) aus, dass sie die Beschwerdeführerin seit dem 16. September 2019 ambulant beha
ndle und seither sechs Gespräche
stattgefunden hätten
.
Im Gespräch habe sich aufgrund der Sprachbarriere - die Beschwerdeführerin sei türkisch sprechend und habe nur eine basale aktive Sprechfähigkeit im Deutschen -, wobei der Ehe
mann übersetzt habe, eine deutliche Unsicherheit
gezeigt
(S. 1).
Im Frühjahr sei die Beschwerdeführerin an Brustkrebs erkrankt, die diagnostische Phase und so
mit der Behandlungsbeginn hätten sich schleppend entwickelt. Darunter leide sie heute noch. Die Beschwerdeführerin sei davon überzeugt, dass ihr Krankheits
verlauf deutlich weniger komplikationsreich und weniger psychisch belastend hätte verlaufen können (S. 2 unten).
I
n Zusammenschau mit dem klinischen Bild, dem psychopathologischen Befund, den psychometrischen Untersuchungen und der Anamnese
ergäben sich die Diagnosen einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.3), eines Zustands nach Mammakarzinom (März 2017) und eine
s
Verdacht
s
auf einen Bandscheibenprolaps C5/C
6.
Zudem leide die Beschwerde
führerin aufgrund von chronischen Schmerzen, Tinnitus und sorgevollem bis quälendem Gedankenkreisen an massiven Ein- und Durchschlafstörungen, die bisher auch medikamentös kaum hätten kupiert werden können. Es sei deutlich
eine integrierte psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung indiziert.
Es lieg
e eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor; allein schon aufgrund der aktuellen depressiven Erkrankung zu
80
bis 100 %. Die Beschwerdeführerin sei seit Dezem
ber 2015 in einer Spielgruppe in Wädenswil zu zirka 20 % tätig, wobei sie nach der Krebserkrankung dieses geringe Arbeitspensum
kaum
habe uneingeschränkt bewältigen können. Sie könne die meisten Arbeiten dort nur noch mit Unter
stützung oder Entlastung der anderen Mitglieder aus dem Team leisten. Sie könne kaum etwas tragen oder sich rasch bewegen (S. 3).
3.
9
RAD-Ärztin Dipl.-Med.
E._
(vorstehend E. 3.7)
legte in ihrer Stellungnahme vom 28. Februar 2020 (Urk. 7/50/2-3) dar, dass
im Bericht der Psychiaterin med.
pract
.
F._
vom Dezember 2019 (vorstehend E. 3.
8
) eine schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2) diagnostiziert worden sei. Die psychische Symptomatik sei durch die Krebserkrankung ausgelöst worden und es bestehe eine Indikation für eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung. Ob diese tatsächlich begonnen worden sei, in welcher Frequenz Therapien stattfänden und ob Medi
kamente verordnet worden seien, sei dem Bericht nicht zu entnehmen. Aus Sicht des RAD handle es sich wahrscheinlich um eine vorübergehende reaktive Störung im Sinne einer Anpassungsstörung nach schwerer Erkrankung. Die Befunderhe
bung mit dem Ehemann als
Übersetzer müsse
als
fachlich fragwürdig angesehen werden. Es fehlten jegliche Angaben zum Verlauf und zur Prognose. Eine de
pres
sive Episode sei per definitionem vorübergehend und belege daher keinen dauer
haften Gesundheitsschaden. Die mitgeteilte Arbeitsunfähigkeit von 80-100 % für die angestammte Tätigkeit (20 % in einer Spielgruppe seit 2015) begründe die Psychiaterin zudem fachfremd, so sei die Beschwerdeführerin nach Angabe der Spielgruppenleitung nicht mehr in der Lage, etwas zu tragen oder sich zu be
wegen. Es werde daher an der Stellungnahme vom 29. August 2019 (vgl. vor
stehend
E. 3.
7
) festgehalten.
3.1
0
In ihrem Bericht vom
27. April 2020
(Urk. 3/5) führte
med.
pract
.
F._
(vor
stehend E. 3.8)
aus, dass die Beschwerdeführerin aktuell medikamentös mit
Escitalopram
behandelt werde. In Bezug auf den bisherigen Verlauf legte sie dar, dass sich die Beschwerdeführerin im Herbst 2019 mit einem schweren depressiven Zustandsbild vorgestellt habe. Zunächst sei vor allem symptomorientiert auf die
ausgeprägte depressive Symptomatik mit einem Antidepressivum
b
ehandelt worden
, was bereits gute Wirkung tue. Allerdings befinde sich die Beschwerde
führerin in einer anhaltenden belastenden familiären Situation und habe auch wirtschaftliche Sorgen (S. 1).
Sie stehe der Beschwerdeführerin für regelmässige Gesprächstermine zur Verfügung, in denen tagesaktuelle Probleme angegangen würden als auch ihre persönliche Krankheitsgeschichte aufgearbeitet werde (S. 2 oben).
3.1
1
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
führte in seinem Bericht vom 7. Juni 2020 (Urk. 3/4) aus, dass sich die Beschwerdeführerin wieder bei ihm in der Sprechstunde gemeldet habe, nachdem er sie längere Zeit nicht gesehen habe. Anlässlich des Gesprächs vom 28. Mai 2020 habe die Beschwerdeführerin über tägliche Schmerzen im Rücken und im Schulter- und Achselbereich berichtet. Nach der Lymphknotenentfernung in der Axilla habe sie Mühe mit dem Arm
heben und habe Schmerzen im Bereich der Brust. Sie könne nur wenig Gewicht heben (zirka bis 1 kg) und sei deswegen im Haushalt massiv eingeschränkt. Sie müsse zirka alle ein
bis zwei Stunden eine Pause einlegen und sich hinlegen. Der Ehemann und die Tochter würden den Hauptanteil im Haushalt verrichten, die Belastung im Haushalt sei um zirka 70 % eingeschränkt. Ein Minimalpensum in der Kinderkrippe könne sie absolvieren (zirka drei Stunden pro Woche), dies jedoch nur in Ergänzung zu den anderen Mitarbeitern (S. 1 f. Ziff. 2).
Dr.
G._
legte dar, dass er seitens des onkologischen Leidens keine Prognose abgeben könne. Die psychische Situation hänge wohl sehr vom Ansprechen der onkologischen Behandlung und der psychosozialen Belastung ab (S. 2 Ziff. 4).
3.1
2
Med.
pract
.
F._
(vorstehend E. 3.8)
legte in ihrer E-Mail vom 16. Juni 2020 (Urk. 9/1) dar, dass die Therapie regulär, zurzeit wöchentlich, fortgesetzt werde. Zurzeit arbeite sie mit der Beschwerdeführerin im Einzelsetting. Es zeigten sich zwar sprachlich bedingte Einschränkungen für die Gesprächstherapie, aber die Beschwerdeführerin sei sehr motiviert, komme pünktlich und zuverlässig und habe einen hohen Leidensdruck und damit einen starken Verbesserungswunsch.
Es handle sich bei der Beschwerdeführerin um eine rezidivierende depressive Erkrankung und sie leide unter anhaltenden erschwerten Bedingungen (körperlich und psychosozial), die eine Genesung stark beeinträchtigten.
Die Beschwerde
füh
rerin nehme einige Medikamente ein, vor allem aber gegen die Folgen der Krebs
erkrankung und gegen die Nebenwirkungen der Behandlung dieser Krebser
krankung. Gegen die Symptome der Depression nehme sie ein Antidep
ressivum
(S. 3
).
Insgesamt frage sie sich, ob es nicht Sinn machen würde, ein polydisziplinäres Gutachten erstellen zu lassen, da die Beschwerdeführerin unter anhaltenden Schmerzen nach den Operationen klage
,
a
ber auch über neurologische Symptome wie Tinnitus, Kopfschmerzen, Schwindel und Nystagmus. Zudem leide sie an rezidivierenden depressiven Episoden (S. 1).
3.1
3
Prof.
C._
(vorstehend E. 3.2)
berichtete am 25. Juni 2020 (Urk.
9/4) über den neuesten Verlauf,
wobei
die Beschwerdeführerin über diverse Missempfindungen, auch im Bereich der Kognition, Konzentration, emotionalen und körperlichen Empfindung, und auch was die Sexualität anbelange, berichtet
habe
. Zudem be
stünden Bewegungseinschränkungen und Schmerzen im Bereich der Operations
narbe und
des
Rücken
s
links, aber auch der beiden Brustimplantate
sowie
eine Dysästhesie in angrenzenden Hautbereichen. In der klinischen Untersuchung
habe
sich eine
Druckdolenz
bei erhaltener guter Verschiebbarkeit der Muskelhaut-Faszie im Bereich der linken hinteren
Thoraxapertur
gefunden
,
zudem hätten sich
keine pathologischen Lymphknotenstationen, keine Knoten im Bereich der
Brustoperationsstellen gezeigt (S. 1).
3.1
4
In ihrer E-Mail vom 29. Juni 2020 (Urk. 9/2) berichtete med.
pract
.
F._
(vor
stehend E. 3.8)
über die durchgeführte neuropsychologische Testung mit dem Hamburg-Wechsler-Intelligenz-Test (WAIS-IV), woraus deutlich folge, dass die Beschwerdeführerin erhebliche Einschränkungen in der kognitiven Leistungs
fähigkeit aufweise. Die Beschwerdeführerin beschreibe, dass dies vor ihrer Krebs
erkrankung noch nicht der Fall gewesen sei. Während der neuropsychologischen Testung habe die Beschwerdeführerin darüber geklagt, dass sie auch nicht lang mit dem Blick etwas habe fokussieren können. Nun stelle sich dabei die Frage, ob hier ein Nystagmus vorliege, im Sinne eines Fixationsnystagmus. Sie werde ein neurologisches
Konsil
veranlassen.
4.
4.1
Am 5. Juli 2018 fand eine Haushaltabklärung statt, worüber am 30. Juli 2018 berichtet wurde (Urk. 7/24). Die Abklärungsperson führte aus, dass die Beschwer
deführerin mit ihrem Ehemann und den drei Kindern (Jahrgänge 1998, 2004 und 2006) in einer Wohnung zusammenlebe. Die zwei jüngsten Kinder gingen in die Schule (
6.
Klasse und
1.
Sekundarstufe), die älteste Tochter arbeite auf Provision
als Versicherungsberaterin, investiere aber viel Zeit für die Betreuung ihrer Mutter
, sowohl im Haushalt als auch als Begleitperson zu Terminen. Der Ehemann arbeite in einem 100 %-Pensum (S. 4 Ziff. 2.3.1).
4.2
Die Beschwerdeführerin würde nach eigenen Angaben bei guter Gesundheit in einem 100 %-Pensum arbeiten, die Kinder
seien
selbständig. Sie habe ursprün
glich gedacht, dass sie Schicht arbeiten würde
,
und habe vor der Erkrankung auch Schichtanstellungen gesucht, damit sie und ihr Ehemann gemeinsam die Kinder
betreuung hätten sicherstellen können. Sie habe sich gezielt beworben und Stellen
im Internet gesucht. Als arbeitssuchend sei sie nicht gemeldet gewesen (S. 6 Ziff. 2.5). Die Abklärungsperson qualifizierte die Beschwerdeführerin in der Folge hingegen als zu 70 % Erwerbstätige und als zu 30 % im Haushalt Tätige. Dies begründete sie damit, dass eine 100%ige Erwerbstätigkeit zum jetzigen Zeitpunkt nicht nachvollziehbar sei. Hätte die Beschwerdeführerin aus finanziellen Gründen arbeiten wollen, hätte sie dies auch früher, spätestens als alle Kinder in die Schule gekommen seien, umsetzen können. Abgesehen von einem vereinzelten Einsatz in der
H._
und Aushilfstätigkeiten in Kinderspielgruppen habe die Beschwer
deführerin keine Anstellung gehabt. Eine zum jetzigen Zeitpunkt 100%ige Tätig
keit sei nicht mit ihrer Erwerbsbiografie vereinbar. Auch sei sie nicht als arbeits
suchend gemeldet gewesen. Nichtsdestotrotz könne der Argumentation der Be
schwerdeführerin, wonach sie jetzt, wo die Kinder grösser seien, aus dem Haus
kommen und anderweitig tätig sein möchte als
lediglich
im Haushalt, gefolgt werden. Überwiegend wahrscheinlich hätte sie zum jetzigen Zeitpunkt eine Teil
erwerbstätigkeit ausüben können. Gestützt auf die Statistik des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) «Erwerbsmodelle bei Paaren mit und ohne Kind(er) im Haushalt» sei
en
im Bereich «Paare, jüngstes Kind 13-24 Jahre», 32.7 % der Partnerinnen bei einem 100%igen arbeitenden Partner
t
eilzeiterwerbstätig,
dies
im Rahmen von 50 % bis 89 %. Für die Beschwerdeführerin sei vom Mittelwert, und daher von einer 70%igen Erwerbstätigkeit auszugehen; die restliche Zeit hätte sie für den Haushalt und die Kinderbetreuung aufgewendet (S. 6 Ziff. 2.6.1).
4.3
Die Abklärungsperson ermittelte sodann eine Einschränkung von 42 % im Haus
halt (S. 7 ff. Ziff. 6), was bei einem 30%igen Anteil im Haushaltsbereich einen Teilinvaliditätsgrad von 12.6 %
ergab
(S. 11 Ziff. 7).
5.
5
.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte das Vorliegen eines invalidisierenden Gesund
heitsschadens damit, dass die Beschwerdeführerin nach Ablauf des einjährigen Wartejahres im Mai 2018 wieder zu 100 % arbeitsfähig gewesen sei, womit sie ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen könne.
In Bezug auf die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte schweren depressiven Episode ging sie gestützt auf die Beurteilung durch den RAD
(vgl. vorstehend E. 3.10)
davon aus, dass die Beschwerdeführerin vielmehr an einer vorübergehenden reaktiven Stö
rung im Sinne einer Anpassungsstörung nach schwerer Erkrankung leide (vorste
hend E. 2.1).
5
.2
Den Akten lässt sich entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin seit Mitte September 2019 bei med.
pract
.
F._
in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung befindet
(vorstehend E. 3.
8
). Im Juni 2020 legte die Psychiaterin med.
pract
.
F._
dar, dass die Therapie
regulär, zurzeit wöchentlich, stattfinde (vorstehend E. 3.1
2
). Wie regelmässig die Beschwerdeführerin vorher therapiert wurde, lässt sich aufgrund der vorliegenden Akten jedoch nicht genau eruieren. Im Dezember 2019 diagnostizierte med.
pract
.
F._
sodann
eine schwere de
pressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.3; vorstehend E. 3.
8
; vgl. vorstehend E. 3.1
0
). Im Juni 2020 berichtete med.
pract
.
F._
, dass die Beschwerdeführerin an einer rezidivierenden depressiven Erkrankung leide
, ohne eine genauere Diagnose zu nennen
(vorstehend E. 3.1
2
).
Den Akten lässt sich ausserdem
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin, zumindest seit April 2020, mit dem Antidepressivum
Escitalo
pram
medikamentös behandelt wurde
(vorste
hend E. 3.1
0
, E. 3.1
2
).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit ging med.
pract
.
F._
im Dezember 2019 davon aus, dass die Beschwerdeführerin allein schon aufgrund ihrer
depressiven Erkrankung in ihrer Arbeitsfähigkeit zu 80 bis 100 % einge
schränkt sei (vorstehend E. 3.
8
). Weitere Ausführungen zur Arbeitsfähigkeit machte
sie nicht.
Aufgrund der Berichte der behandelnden Psychiaterin med.
pract
.
F._
liegen entgegen der Ansicht der RAD-Ärztin Dipl.-Med.
E._
(vgl. vorstehend E. 3.
9
)
gewisse
Anhaltspunkte dafür vor, dass die Beschwerdeführerin an einer psychia
trischen Erkrankung leidet, und es sich dabei nicht nur um eine vorübergehende reaktive Störung im Sinne einer Anpassungsstörung nach schwerer Erkrankung handelt.
Gestützt auf die Berichte
der behandelnden Psychiaterin
med.
pract
.
F._
ist jedoch einerseits nicht klar erstellt, an welcher psychiatrischen Erkrankung die Beschwerdeführerin genau leidet und wie sich diese auf ihre Arbeitsfähigkeit auswirkt. Andererseits ist eine umfassende Prüfung der Stand
ardindikatoren, die nach der neuen Praxis des Bundesgerichts bei sämtlichen psy
chischen Erkrankungen durchzuführen ist (vgl. vorstehend E. 1.
4
), nicht möglich.
Eine abschliessende Beurteilung des
psychischen
Gesundheitszustandes der
Be
schwerdeführerin
und der Frage, welche Arbeitsleistung ihr noch zugemutet werden kann, ist gestützt auf die vorliegenden Berichte
somit
nicht möglich.
5
.3
Bei der Beurteilung des somatischen Gesundheitszustands der Beschwerde
füh
rerin ging die RAD-Ärztin Dipl.-Med.
E._
von einem Mammakarzinom, einem chronischen Schmerzsyndrom und einer Fatigue aus und kam zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin keine schweren und mittelschweren Arbeiten sowie
Tätigkeit
en
, welche ein Anheben der Arme über die Horizontale erfordern würden
, verrichten könne. Angepasste, leichte, überwiegend im Sitzen auszuübende Tätig
keiten seien ihr hingegeben abgesehen von dem Zeitraum, in dem Opera
tio
nen/Chemotherapien/Bestrahlung notwendig gewesen seien,
spätestens seit Mai 2018 wieder voll z
umutbar (vorstehend E. 3.
7
).
Den Akten lässt sich entnehmen, dass die behandelnde Psychiaterin med.
pract
.
F._
Mitte Juni 2020 über neurologische Symptome wie Tinnitus, Kopfschmer
zen, Schwindel und Nystagmus der Beschwerdeführerin berichtete (vorstehend E. 3.1
2
).
Auch Prof.
C._
berichtete im Juni 2020 über diverse Missempfin
dungen der Beschwerdeführerin unter anderem im Bereich der Kognition und Konzentration (vorstehend E. 3.1
3
).
Ende Juni 2020 berichtete med.
pract
.
F._
über eine durchgeführte neuro
ps
ychologische Testung, welche erhebliche Ein
schränkungen der Beschwerdeführerin in der kognitiven Leistungsfähigkeit auf
gezeigt habe (vorstehend
E. 3.1
4
).
Es bestehen demnach gewisse Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin in ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit einge
schränkt ist. Eine abschliessende Beurteilung ist angesichts der diesbezüglichen dürftigen Aktenlagen aber nicht möglich.
5
.4
Nach dem Gesagten kann der psychische und somatische Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin
gestützt auf die vorliegenden Berichte nicht abschliessend beurteilt werden. Vielmehr besteht weiterer Abklärungsbedarf bezüglich der Leis
tungseinschränkungen und deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Mithin ist die Sache
an die
Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit diese den Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin
und de
ss
en Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der neuen Rechtsprechung zur Beurtei
lung psychischer Erkrankungen
umfassend
abkläre und hernach über das Leis
tungsbegehren neu entscheide.
6
.
6
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Da der
unentgeltliche
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin vor Fällung des Endentscheids keine Kostennote eingereicht hat, ist die Entschädigung nach
§
7
Abs.
2 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem
Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) nach Ermessen festzusetzen. Vorlie
gend
erscheint beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- eine Prozessent
schädigung in der Höhe von
Fr.
2‘4
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwert
steuer) als angemessen.