Decision ID: 980d4e8a-ff20-497b-9b46-248984c4adea
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1963 geborene
X._
war zuletzt
ab
1.
Dezember 2012 in einem
P
ensum
von rund 76
%
als Flugzeugkabinenreiniger
bei
der
A._
AG angestellt. Am
1.
März 2016 meldete er sich unter Hinweis auf Knie-, Tibia- und Rückenbeschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (Urk. 6/10 und
Urk.
6/24). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und
erwerbliche Abklärungen und zog die Akten der Taggeldversicherung bei. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/40,
Urk.
6/46 und
Urk.
6/50) wies
sie das Leistungsbegehren mit Verfü
gung vom
21. März 2017
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
8.
Mai 2017 Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, die Verfügung vom 2
1.
März 2017 sei aufzuheben und es sei ihm eine ganze IV-Rente auszurichten. Zudem sei ihm die unentgeltliche Prozessführung unter Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung zu bewilligen (S. 2). Am 7. Juni 2017 (Urk. 5) beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
0.
Juni 2017 zur Kenntnis ge
bracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom 2
1.
März 2017 (Urk. 2) damit, dass dem Beschwerdeführer die ange
stammte Tätigkeit als Kabinenreiniger nicht mehr zumutbar sei. In einer ange
passten Tätigkeit sei er hingegen zu 100
%
arbeitsfähig. Es bestehe ein renten
ausschliessender Invaliditätsgrad von 14
%
(S. 1 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
aufgrund seiner Kniegelenksproblematik sei er in jeglicher Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig. So lange die diesbezügliche Behandlung andauere und eine defi
nitive Kniegelenksversorgung mit einer angemessenen Lösung nicht getroffen worden sei, könne von Arbeitsfähigkeit keine Rede sein. Ein Invaliditätsgrad von lediglich 14
%
sei nicht nachvollziehbar und schlicht willkürlich (S. 6).
3.
3.1
Die behandelnde Hausärztin
Dr.
B._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Me
dizin FMH, führte in ihrem Bericht vom 2
5.
April 2016 (
Urk.
6/26/1-5) aus, im Dezember 2015 sei es bei chronischen Schmerzen zu einer
Schmerzexazerbation
im rechten Knie gekommen. Ein Abszess beziehungsweise eine Osteomyelitis der proximalen Tibia rechts bei völlig deformiertem rechtem Kniegelenk rechts sei nachgewiesen. Die Prognose sei bescheiden. Eine etwaige Knie-T
otalprothese
rechts werde in naher Zukunft angestrebt, scheine aber bei dieser starken Defor
mierung als sehr schwierig. Seit dem 2
9.
Dezember 2015 sei der Beschwerdeführer wegen immobilisierenden Knieschmerzen rechts in seiner angestammten Tätig
keit zu 100 % arbeitsunfähig. Er könne nicht belasten, nur schlecht gehen und sei schwer mobil (S. 2). Eine kognitive/sitzende Tätigkeit sei hingegen ab sofort möglich (S. 3).
3.2
Dr.
C._
, Oberarzt i.V. Orthopädie, von der Universitätsklinik
D._
, stellte in seinem Bericht vom
7.
September 2016 (
Urk.
6/28/6-9) fol
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Posttraumatische schwere Gonarthrose nach Schussverletzung proximale Tibia in den 90er Jahren rechts mit
Varusinstabilität
unter Belastung
-
Status nach
Abszessexzision
medialer
Tibiakopf
rechts mit Kürettage
endome
dullär
bei Osteomyelitis der proximalen Tibia rechts am
8.
Januar 2016
-
Status nach Wundrevision rechtes Knie mit Anlage
Epikutan
-VAC am 20. Ja
nuar 2016
Als Befund hielt er Folgendes fest:
„
Deutliches Schonhinken rechts, deutlicher
Varus
Thrust
. Knie rechts: Reizlos verheilte Narbe, keinerlei Rötung, Schwellung oder Überwärmung. Flexion/Extension: 90-0-0°. Laterale
ligamentäre
Verhält
nisse grenzwertig, medial straff. Deutliche Krepitation beim Durchbewegen des Gelenkes. Periphere Durchblutung, Motorik und Sensibilität gut.
“ Der
Beschwer
deführer
habe vor 20 Jahren am rechten Unterschenkel eine Durchschussverlet
zung erlitten, welche in Afrika operiert worden sei. Seitdem bestünden immer Schmerzen. Bei einer posttraumatischen schweren Gonarthrose mit chronischer Osteomyelitis und akutem Aufflackern derselben im Januar 2016 sei es zu einer Verschlechterung des zuvor stabilen Zustandes gekommen. Mittelfristig sei mit einem weiteren chirurgischen Eingriff zu rechnen. Zielvorstellung sei die Implan
tation einer
Knietotalendoprothese
, wobei dies aktuell bei der noch frisch ausbe
handelten Osteomyelitis nicht erfolgen könne. Zur besseren Stabilisierung des Gelenks und
optimalerweise
Reduktion der Schmerzen sei eine massgefertigte Schiene angefertigt worden. Eine nächste Verlaufskontrolle sei am 2
2.
September 2016 geplant (S. 1-2). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Flugzeugreiniger sei er zu 100
%
arbeitsunfähig. Stehende und gehende Arbeitstätigkeiten seien auf
grund einer verminderten Belastbarkeit der rechten unteren Extremität bis auf Weiteres nicht möglich. Für rein sitzende administrative Tätigkeiten mit Bücken, Über-Kopf-Arbeiten, Rotation im Sitzen/Stehen sowie Heben/Tragen von maxi
mal 5 kg bestehe hingegen prinzipiell eine Arbeitsfähigkeit (S. 3-4).
3.3
Dr.
E._
, F
acharzt
für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, vom Re
gionalen Ärztlichen Dienst (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom 16. Sep
tember 2016 (
Urk.
6/39/5
) aus, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sei noch nicht stabil angesichts der noch nicht abgeschlossenen Wundbehandlung am rechten Knie/Unterschenkel. Für die bisherige Tätigkeit bestehe nachvollzieh
bar eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 2
9.
Dezember 2015 und aus orthopädi
scher Sicht überwiegend wahrscheinlich auf Dauer, da selbst im günstigsten Falle einer irgendwann möglichen Implantation
einer
Totalendoprothese
körperlich be
lastende Arbeiten insbesondere mit starker Belastung der unteren Extremitäten nicht mehr möglich seien. Für eine angepasste Tätigkeit sei in Übereinstimmung mit der Hausärztin
Dr.
B._
davon auszugehen, dass ab April 2016, spätestens ab Juli 2016 (
D._
), eine 100%ige Tätigkeit mit folgendem Belastungsprofil zumutbar sei: körperlich leichte Arbeiten, nahezu ausschliesslich im Sitzen, ohne Belastung der unteren Extremitäten durch beispielsweise Knien, Hocken oder Kauern, ohne T
r
agen von Lasten über 6-8 kg, ohne häufiges Besteigen von Leitern oder Treppensteigen.
3.4
Dr.
F._
, Oberarzt Kniechirurgie, und
Dr.
G._
, Assistenzarzt Orthopädie, von der Universitätsklinik
D._
hielten in ihrem Sprechstunden
bericht vom 2
2.
September 2016 (
Urk.
6/48/4-5) folgenden Befund fest:
„
Stark rechts hinkendes Gangbild. Kniegelenk rechts:
Inspektorisch
blande
Narbenver
hältnisse, intaktes Integument, deutliche
Varusfehlstellung
. Flexion/Extension 80-0-0°. Medial sowie lateral deutliche Aufklappbarkeit. Das Lachmannzeichen nicht
testbar
. Das
McMurray
-Zeichen ebenso. Das gestreckte Bein kann selbstän
dig gehoben und gehalten werden
“ (S. 1). Die Verlaufskontrolle sei positiv. Der
Beschwerdeführer
gebe an, von der massangefertigten Schiene zu profitieren. Eine deutlich einschränkende Schmerzsymptomatik sei allerdings weiterhin vor
handen. Die analgetische Therapie werde weiterhin regelmässig durchgeführt. Bei knapp kompensierter Beschwerdesituation wünsche er aktuell kein aktives Vor
gehen im Sinne einer operativen Versorgung. Nach erneuter Besprechung der operativen Optionen stehe er einer
Arthrodese
weiterhin sehr ablehnend gegen
über. Ein Wiederaufgebot in die Sprechstunde sei aktuell nicht geplant, bei Bedarf werde er sich selbständig melden (S. 2).
3.5
Dr.
H._
, FMH Innere Medizin, spez. Rheumatologie, führte in seinem Low Level Assessment vom 1
0.
November 2016 (
Urk.
6/45) zu Händen der Taggeld
versicherung aus, am rechten Kniegelenk bestehe eine postoperativ reizlose Narbe mit ausgeprägter
Periarthropathie
und lokaler Schwellung über dem medialen Kompartiment, eine deutliche Instabilität mit lateraler Aufklappbarkeit, eine schmerzhafte Krepitation bei
Varusstress
, Flexion und Extension lediglich 100/0°
(S. 3). Die angestammte Tätigkeit sei vorläufig und für die nächsten mindestens sechs Monate nicht zumutbar. Falls eine Kunstgelenksversorgung erfolge und das Ergebnis gut sei, könne durchaus eine Wiederaufnahme dieser Tätigkeit diskutiert werden. Zum jetzigen Zeitpunkt könne dies aber weder genauer angegeben noch terminiert werden. Eine Verweistätigkeit beträfe eine vorwiegend sitzende Arbeit bei einer relevanten Kniegelenkspathologie rechts mit subtotaler Belastbar
keitseinschränkung und notwendigem Tragen einer Mass-Orthese (S. 3). Eine sit
zende Position bereite dem
Beschwerdeführer
beim Tragen der Orthese und bei fixierter Flexionsstellung erhebliche Probleme. Dies sei während der Untersu
chung offensichtlich geworden, es könne deshalb auch für eine leichte sitzende Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Zusammenfassend bestehe ak
tuell eine invalidisierende Kniegelenksproblematik rechts mit ausgeprägter Be
lastbarkeitseinschränkung, mit Ruhe- und Bewegungsschmerzen, weshalb aktuell keine Arbeitstätigkeit zumutbar sei. Theoretisch sei bei einem solchen Kniegelenk eine Kunstgelenksversorgung notwendig, jedoch bestehe ein Status nach Osteo
myelitis mit der Notwendigkeit einer mehrmonatigen Beobachtungsphase nach theoretischem Abheilen eines Infektes. Deshalb beurteile der Zuständige in der Klinik
D._
zwar die Indikation für eine Kunstgelenksversorgung als gegeben, aber vorläufig mit noch nicht fixiertem Termin. Die Alternative einer
Arthrodese
werde vom
Beschwerdeführer
verständlicherweise abgelehnt, eine Versteifung mit einem invalidisierenden Ergebnis sei einem 53-jährigen Versicherten nicht zumutbar (S. 3-4).
3.6
RAD-Arzt
Dr.
E._
hielt in seiner Stellungnahme vom 3
1.
Januar 2017 (Urk. 6/51/3) fest, der Bericht von
Dr.
H._
enthalte keine anderen als die be
reits bekannten Diagnosen und erwartungsgemäss dieselbe Beurteilung der Ar
beitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit (0
%
). Dies sei unstrittig. Dessen Aussage bezüglich der Unzumutbarkeit einer leichten sitzenden Tätigkeit entspre
che hingegen im Hinblick auf die diesbezüglich anderslautenden Angaben im Bericht der Universitätsklinik
D._
vom
7.
September 2016 einer anderen Be
urteilung desselben medizinischen Sachverhalts und sei medizintheoretisch aus orthopädischer Sicht nicht plausibel.
Am 1
4.
Februar 2017 ergänzte
Dr.
E._
nach Eingang des Berichts der Universi
tätsklinik
D._
vom 2
2.
September 2016 (E. 3.4
hievor
), aus versicherungsme
dizinischer Sicht bestehe keinerlei Differenz zwischen dem genannten Bericht und demjenigen vom
7.
September 2016 (E. 3.2
hievor
), weshalb an der RAD-Stellungnahme vom 3
1.
Januar 2017 festgehalten werde (Urk. 6/51/4).
3.7
Die weiteren aktenkundigen Arztberichte (
Urk.
6/9,
Urk.
6/16,
Urk.
6/22,
Urk.
6/
26/6-17,
Urk.
6/27) äussern sich nicht zur vorliegend strittigen (nachste
hend E. 4.1) Frage der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit.
4.
4
.1
Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit als Flugzeugreiniger nicht mehr arbeitsfähig ist. Zu prüfen ist hingegen die von der Beschwerdegegnerin angenommene 100%ige Arbeitsfähigkeit in ei
ner angepassten Tätigkeit. B
ei ihrer leistungsabweisenden Verfügung vom 2
1.
März 2017 (Urk. 2)
stützte sie sich diesbezüglich
auf die Stellungnahmen ihres RAD-Arztes
Dr.
E._
(E. 3.3 und E. 3.6
hievor
).
4
.2
Die RAD stehen den IV-Stellen zur Beurtei
lung der medizinischen Vorausset
zun
gen des Leistungsanspruchs zur Verfü
gung. Sie setzen die für die Invaliden
versi
cherung nach Art. 6 ATSG massge
bende funktionelle Leistungsfähigkeit der Ver
sicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben
be
reich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 der
Verordnung über die Inva
lidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungs
anspruchs. Die geeigneten Prüf
methoden können sie im Rahmen ihrer medi
zinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schrift
lich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – ge
wissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den ha
ben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu wür
digen, wozu na
mentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere An
sicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
nehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (vorerwähntes Ur
teil des Bun
desgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinwei
sen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abge
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerun
gen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bun
desgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem ex
ter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
siche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverläs
sigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesge
richts 8C_197/2014 vom 3. Ok
tober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
4.3
4.3.1
Dr.
E._
stützte sich
bei seiner Aktenbeurteilung insbesondere
auf den
Bericht des behandelnden
Dr.
C._
von der Universitätsklinik
D._
(E. 3.2
hievor
), welcher in einer angepassten Tätigkeit von einer 100%igen Arbeitsfähig
keit ausging, sowie
auf
das Low Level Assessment des vom Taggeldversicherer des Beschwerdeführers beauftragten
Dr.
H._
, welcher eine so
lche verneinte
(E. 3.5
hievor
).
4.3.2
Zu den genannten Berichten ist f
estzuhalten, dass anlässlich der
Konsultationen in der Universitätsklinik
D._
im September 2016 keinerlei Rötung, Schwel
lung oder Überwärmung festgestellt werden konnte (E. 3.2 und E. 3.4
hievor
), wohingegen
Dr.
H._
nach der Untersuchung vom 1
0.
November 2016 von ei
ner Schwellung berichtete (E. 3.5
hievor
). Es ist nicht auszuschliessen, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nach Ende der Sprechstunden in der Universitätsklinik
D._
wiederum verschlechterte und - wie von
Dr.
H._
attestiert
- auch in einer angepassten Tätigkeit eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit eintrat. Selbst wenn also
im Laufe des Jahres 2016
vorübergehend eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit bestanden
haben mag
, kann davon im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung nicht
mehr
ohne Weite
res ausgegangen werden.
Überdies begründete
Dr.
H._
das Fehlen einer Arbeitsfähigkeit in einer sitzen
den Verweistätigkeit auch damit, dass das dafür notwendige Tragen einer Orthese und die fixierte Flexionsstellung dem Beschwerdeführer erhebliche Probleme be
reiteten. Diese Problematik berücksichtigten weder
Dr.
C._
noch
Dr.
E._
bei ihrer Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit.
4.3.3
Ebenso wenig kann jedoch
v
on einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit ausgegangen werden
. Denn
Dr.
H._
setzte sich in seinem Low Level Assessment
weder mit den Vorberichten und der gemäss Universitätsklinik
D._
bestehenden 100%igen Arbeitsfähigkeit auseinander, noch äusserte er sich zum Umstand, dass der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben
von der massangefertigten Schiene
profitiert,
vorläufig auf eine operative Versorgung verzichtet
und die Behandlung in der Universitätsklinik
D._
eingestellt hat
. Letzteres stellt einen ausgewiesenen Leidensdruck zumindest
in Frage.
4.3.4
Beide Berichte werfen
somit
Fragen auf, welche nicht gestützt auf juristische Überlegungen zu
beantworten
, sondern in erster Linie medizinisch zu klären sind. Durch das erkennende Gericht kann nicht entschieden werden, welche Einschät
zung überwiegend wahrscheinlich die richtige ist. Dafür ist offensichtlich eine ausführliche und nachvollziehbare Auseinandersetzung
mit denselben
sowie eine schlüssige Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit seitens eines Facharztes notwen
dig.
Dr.
E._
führte jedoch zur Begründung, weshalb er auf den Bericht des be
handelnden
Dr.
C._
abstellte, lediglich aus, die Einschätzung von Dr.
H._
sei nicht plausibel. Weshalb er
diese
als nicht plausibel erachtete, liess er offen. Bei sich diametral widersprechenden Aussagen zweier Fachärzte - wel
che im Unterschied zu
Dr.
E._
den Beschwerdeführer beide untersucht hatten - ist eine derart knappe Stellungnahme unzureichend. Eine
uneingeschränkte Ar
beitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit kann
so
nicht nachvollzogen wer
den.
4.4
W
ie
bereits dargelegt
,
ist
auf einen RAD-Bericht nicht abzustellen, wenn – wie hier - auch nur geringe Zweifel an dessen Zuverlässig
keit und Schlüssigkeit be
stehen. A
ufgrund der Akten
kann nach dem Gesagten
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit festgelegt werden, in welchem Umfang der Beschwerdeführer arbeitsfähig ist. Angesichts des Verzichts der Beschwerdegegnerin auf eine ex
terne Begutachtung im Rahmen des Verwaltungsverfahrens rechtfertigt sich eine gerichtliche Begutachtung nicht. Der angefochtene Entscheid ist deshalb aufzu
heben und die Sache zur Abklärung und anschliessendem neuen Entscheid über die Leistungsansprüche des Beschwerdeführer
s
an die Beschwerdegegnerin zu
rückzuweisen.
5.
In Bezug auf die Berechnung des Invaliditätsgrades ist abschliessend darauf hin
zuweisen, dass die Beschwerdegegnerin aufgrund des tiefen
Valideneinkommens
des Beschwerdeführers zwar grundsätzlich zu Recht eine Parallelisierung der Ein
kommen prüfte (vgl.
Urk.
6/38/2). Für die Ermittlung der Unterdurchschnittlich
keit des
Valideneinkommens
ist jedoch der branchenübliche Tabellenlohn - vor
liegend die Reinigungsbranche (TA1,
Ziff.
77,79-82, Kompetenzniveau 1, der Ta
bellenlöhne gemäss der vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung [LSE]) - massgebend. Nicht relevant ist, ob der Beschwerdeführer in einem anderen Beruf mehr hätte verdienen können (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_437/2013 vom 2
7.
August 2013 E. 2.1), weshalb entgegen dem Vorgehen der Beschwerdegegnerin zum diesbezüglichen Vergleich nicht das Einkommen sämtlicher Hilfsarbeiter herangezogen werden kann.
6.
6
.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise
auf Fr.
6
00.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der
un
terliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) be
misst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Be
deutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Ob
siegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird - auch im Rahmen der un
entgeltlichen Rechtsvertretung - namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
Der von Rechtsanwalt Alex R. Le Soldat mit Eingabe vom 2
9.
Juni 2017 geltend gemachte Aufwand von 17.10 Stunden und
Fr.
68.80 Barauslagen (Urk. 9) ist der
Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass er den Beschwerdeführer schon im Vor
verfahren vertrat, die Akten somit grösstenteils bekannt waren und eine Entschä
digung für vor Erlass der angefochtenen Verfügung angefallene Aufwendungen im vorliegenden Verfahren
von Vornherein
nicht in Betracht kommt. Zudem er
scheint ein Aufwand von
insgesamt
7.25 Stunden für das Verfassen der
sechssei
tigen
Beschwerde als überhöht.
Angesichts der zu studierenden gut 50 Aktenstücke der Beschwerdegegnerin, der sechsseitigen Rechtsschrift, den Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Ge
such um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
sowie der in ähnlichen Fällen zu
gesprochenen Beträgen ist die Entschädigung von Rechtsanwalt Alex R. Le Soldat bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2'200.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
6.3
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Bestellung eines unentgelt
li
chen Rechtsbeistandes (Urk. 1 S. 2) erweist sich damit als gegenstandslos.