Decision ID: a3ca93fb-67de-4295-abf8-d39a10d188cf
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 15. Mai 2017 bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, IV-Stelle, wegen körperlicher (Knie)
und psychischer Probleme zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an
(IV-act. 1). Er absolvierte eine Lehre als Zimmermann und war zuletzt in einer
Festanstellung als technischer Kundendienstfahrer bis 28. Februar 2011 (vgl. IV-act. 7
und 11). Seither war er teilweise im Zwischenverdienst tätig, ging jedoch keiner
dauerhaften Erwerbstätigkeit mehr nach (vgl. IV-act. 7 und 25) und bezieht
Unterstützung vom Sozialamt (vgl. IV-act. 17 bzw. 120; act. G 6.1).
A.a.
Gemäss Arztberichten des behandelnden Psychiaters Dr. med. B._ vom 31. Mai
2017 und 5. Juli 2017 besteht beim Versicherten seit dem 27. Juli 2016 eine Angst- und
depressive Störung gemischt (ICD-10: F41.2), eine Neurasthenie (ICD-10: F48.0), eine
Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2) sowie eine sonstige Reaktion auf eine schwere
Belastung (ICD-10: F43.8). Insgesamt würden keine Funktionsausfälle die
Arbeitsfähigkeit behindern, es gebe keine Gründe, welche gegen eine (stufenweise)
Wiedereingliederung sprächen (IV-act. 14 und 21). Gemäss Arztbericht des
Kantonsspitals St. Gallen, Klinik für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, vom 28. April 2016 besteht eine Retraumatisierung bei medialer
Meniskusläsion Knie rechts nach Trauma am 27. April 2016 und ein Status nach
vorderer Kreuzbandruptur Kniegelenk rechts, Erstdiagnose 2003 (UV-act. 7). Der
Regionale Ärztliche Dienst Ostschweiz (RAD) ging in seiner Stellungnahme vom
15. September 2017 von einem Eingliederungspotential für ein 100 %-Pensum mit
fraglicher Leistungsminderung und somatisch qualitativen Einschränkungen aus (IV-
act. 24).
A.b.
Am 4. Oktober 2017 fand ein Gespräch zwischen dem Versicherten und dem
Eingliederungsverantwortlichen statt. Im Assessmentprotokoll vom 9. Oktober 2017
hielt der Eingliederungsverantwortliche dazu fest, dass aus seiner Sicht zur damaligen
A.c.
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Zudem wurden weitere Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt. Aus
somatischer/orthopädischer Sicht bestehe in der angestammten Tätigkeit als
Zimmermann seit April 2016 keine Arbeitsfähigkeit mehr. In Bezug auf die früher
ausgeübten Tätigkeiten in der Holzzuschneiderei einer Migros-Filiale oder im
Aussendienst im Verkauf von Industrieprodukten bestehe seit Juli 2016 aus rein
somatischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Aus psychiatrischer Sicht müsse
eine Einschränkung für Tätigkeiten mit Stress und Hektik und mit häufigen
Kundenkontakten gemacht werden, so dass für die frühere Tätigkeit im Aussendienst
seit Juli 2016 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen sei. Für die übrigen
ausgeführten Tätigkeiten als Monteur oder Tätigkeiten in der Migros-Filiale sei aus
psychiatrischer Sicht von einer 50-60%igen Arbeitsfähigkeit seit Juli 2016 auszugehen.
Für körperlich leichte Tätigkeiten ohne Steigen auf Leitern, Gerüsten oder häufigem
Treppensteigen, ohne häufiges Knien und Hocken, ohne regelmässige Tätigkeiten über
Schulterhöhe und ohne regelmässiges Gehen auf unebenen Böden bestehe aus
somatischer Sicht eine vollschichtige Arbeitsfähigkeit ab Juli 2016. Aus psychiatrischer
Sicht lasse sich die definitive Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit nicht exakt
Zeit nicht von einer verwertbaren Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne (IV-
act. 36). Nachdem diesbezüglich eine Diskrepanz zu den Ausführungen des
behandelnden Psychiaters bestand, wurde zur Klärung des medizinischen
Sachverhalts ein Gutachten zur umfassenden Klärung des Gesundheitszustands als
notwendig erachtet (IV-act. 33; vgl. Mitteilung der IV-Stelle vom 30. Oktober 2017, IV-
act. 38).
Im polydisziplinären (internistisch, orthopädisch, psychiatrisch) Gutachten des
Zentrums für Medizinische Begutachtung (nachfolgend: ZMB-Gutachten) vom 4. April
2018 wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt:
A.d.
Chronisches Schmerzsyndrom des rechten Kniegelenks mit ligamentärer
Insuffizienz und intermittierenden Blockierungen
–
Schultersyndrom links bei anterokaudaler Instabilität Grad I bis II–
Soziale Phobie (ICD-10: F40.1) mit ausgeprägter Somatisierungsneigung–
Unvollständig remittierte Depression (ICD-10: F32.0)–
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festlegen, weshalb eine berufliche Abklärung in einer BEFAS unter gleichzeitiger
psychotherapeutischer Begleitung empfohlen werde (IV-act. 53-33 ff.).
A.e. Mit Mitteilung vom 22. November 2018 sprach die IV-Stelle dem Versicherten
Arbeitsvermittlung zu (IV-act. 67 und 70). Mit Schreiben vom 5. Februar 2019
beantragte der Versicherte eine volle Rente und gab an, dass ihn der
Wiedereingliederungsversuch extrem belaste (IV-act. 72). Dies bestätigte er im
Gespräch mit dem Eingliederungsverantwortlichen am 18. Februar 2019 erneut (IV-
act. 73-6). Daher wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen
mit Mitteilung vom 25. Februar 2019 ab (IV-act. 75).
A.f. Mit Schreiben vom 23. August 2019 forderte die IV-Stelle den Versicherten unter
Hinweis auf die sozialversicherungsrechtliche Mitwirkungspflicht auf, sich während
mindestens drei Monaten einer wöchentlichen fachpsychiatrischen Behandlung zu
unterziehen (IV-act. 85). Mit E-Mail vom 29. Oktober 2019 teilte der Versicherte mit,
dass die aufgenommene Psychotherapie abgebrochen worden sei. Er bat um die
Durchführung einer weiteren Begutachtung (IV-act. 95 ff.). Mit Schreiben vom
7. November 2019 wurde er erneut auf seine Mitwirkungspflicht hingewiesen und
aufgefordert, sich einer fachpsychiatrischen Behandlung zu unterziehen (IV-act. 99).
Der neuerliche Versuch einer psychiatrischen Behandlung scheiterte ebenfalls (vgl. E-
Mail des Versicherten vom 31. Januar 2020, IV-act. 104). Weil nicht abschliessend
beurteilt werden könne, ob die Auflage zur fachpsychiatrischen Behandlung
gesundheitsbedingt oder aus IV-fremden Gründen nicht erfüllt worden sei, ordnete die
IV-Stelle ein erneutes psychiatrisches Gutachten an (vgl. RAD-Stellungnahme vom
10. März 2020, IV-act. 110, und Mitteilung der IV-Stelle vom 11. März 2020, IV-
act. 113).
A.g. Im psychiatrischen Fachgutachten von Prof. Dr. med. C._, Interdisziplinäre
Medizinische Expertisen (IME), vom 13. Mai 2020 wurde eine soziale Phobie (ICD-10:
Z40.1) mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert. Zudem wurden weitere
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt. In Bezug auf die
Arbeitsfähigkeit stellte der Gutachter fest, dass das verbliebene Leistungsprofil des
Versicherten derart eingeschränkt sei, dass keine Tätigkeiten mit anspruchsvollen
interpersonellen Interaktivitäten durchführbar seien. Geeignet seien hingegen
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Tätigkeiten, in welchen der Versicherte in flachen Hierarchien oder selbständig arbeiten
könne, auch solle die Tätigkeit eher geringgradig stressbesetzt sein (IV-act. 121).
A.h. Mit Vorbescheid vom 11. Juni 2020 stellte die IV-Stelle gestützt auf die
gutachterlich festgelegte Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer angepassten Tätigkeit und
einem ermittelten Invaliditätsgrad von 0 % die Abweisung des Leistungsbegehrens in
Aussicht (IV-act. 125). Mit E-Mail vom 13. Juni 2020 erhob der Versicherte Einwand (IV-
act. 126), den er mit E-Mail vom 15. August 2020 und Schreiben vom 1. September
2020 ergänzte (IV-act. 135 und 136). Mit E-Mail vom 25. September 2020 reichte der
Versicherte ein auf den 24. September 2020 datiertes Arztzeugnis nach, welches ihm
eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit von 100 % im Zeitraum von 24. September
2020 bis 11. Oktober 2020 attestierte (IV-act. 139 bzw. 140). Mit E-Mail vom
12. Oktober 2020 gab er bekannt, dass er nunmehr bei Dr. med. D._, Psychiatrie-
Zentrum E._, in Behandlung sei (IV-act. 141) und einen Bericht nachreichen werde
(E-Mail vom 16. Oktober 2020, IV-act. 142). Die IV-Stelle forderte ihn mit Schreiben
vom 3. November und 29. November 2020 unter Ansetzung bzw. Erstreckung von
Fristen auf, den angekündigten Bericht des derzeit behandelnden Psychiaters
zuzustellen (IV act. 143 und 150). Zusätzlich bat die IV-Stelle mit Schreiben vom
13. November 2020 direkt beim Psychiatrie-Zentrum E._ um einen medizinischen
Bericht (IV-act. 145). Telefonisch wurde am 19. Januar 2021 für die Einreichung des
Berichts eine letzte Fristerstreckung bis am 28. Februar 2021 vereinbart (IV-act. 151).
A.i. Nachdem innert Frist kein ergänzender medizinischer Bericht bei der IV-Stelle
eingegangen war, wies diese das Leistungsbegehren des Versicherten auf eine
Invalidenrente wie angekündigt mit Verfügung vom 12. März 2021 ab (IV-act. 153).
B.
B.a. Am 14. März 2021 erhob der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer)
Beschwerde gegen die rentenabweisende Verfügung. Er beantragte sinngemäss die
Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer Rente der Invalidenversicherung. Er
machte im Wesentlichen geltend, dass keine Arbeitsfähigkeit von 100 % bestehen
könne, da er im Jahr 2018 einen Schlaganfall erlitten habe und aufgrund Drogen- und
Alkoholmissbrauchs sowie jahrelangen Depressionen und körperlichen Folgeschäden
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schwerst geschädigt sei. Auch aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung sei eine
Teilnahme am Berufsleben unmöglich, er lebe am besten für sich alleine und
zurückgezogen. Im IME-Gutachten sei die falsche Diagnose gestellt worden und es sei
einem Gutachter bei einer Gesprächsdauer von 1.5 Stunden nicht möglich, eine
genaue Diagnose zu stellen. Es sei der Arztbericht von Dr. D._ abzuwarten, der ihm
bisher als einziger richtig zugehört habe und ihn besser kenne. Es sei unverständlich,
dass die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) angesichts der jahrelangen
Verfahrensdauer nun derart Druck aufsetze und den Bericht von Dr. D._ nicht
abwarte (act. G 1).
B.b. Am 15. März 2021 reichten Dipl. med. F._ und Dr. med. D._ einen Bericht ein.
Sie führten darin aus, diagnostisch würden sie beim Beschwerdeführer neben einer
rezidivierenden depressiven Störung und einer Alkohol- und Substanzabhängigkeit
(derzeit abstinent) v.a. eine Persönlichkeitsstörung im Vordergrund sehen. Sie
schätzten die Möglichkeit einer beruflichen Eingliederung und der Erzielung einer
verwertbaren Restarbeitsfähigkeit prognostisch als schwierig bis unmöglich ein (IV-
act. 155).
B.c. Mit Schreiben vom 19. März 2021 ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung
unentgeltlicher Rechtspflege (act. G 3). Am 6. April 2021 reichte er das Formular
«Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege» sowie eine Bescheinigung der Sozialhilfe Au
ein (act. G 6).
B.d. In der Stellungnahme vom 3. Juni 2021 würdigte der RAD die vom
Beschwerdeführer im Zeitraum nach dem IME-Gutachten vorgebrachten somatischen
Beschwerden sowie den psychiatrischen Bericht von Dr. D._: Bezüglich der
somatischen Beschwerden hätten sich aufgrund der Nachfrage beim behandelnden
Hausarzt Dr. med. G._ und der Arztberichte von Dr. med. H._, Facharzt für
Augenheilkunde, und Dr. med. I._, Fachärztin für Neurologie, keine relevanten
somatischen Erkrankungen gezeigt (vgl. act. G 9.2-9.4). Beim eingereichten Bericht von
Dr. D._ handle es sich um eine andere Einschätzung desselben
Gesundheitsschadens. Es könne daher weiterhin auf das Gutachten von Prof. C._
abgestellt werden (act. G 9.1).
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B.e. In der Beschwerdeantwort vom 23. Juni 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung brachte sie zusammengefasst vor,
dass das Gutachten von Prof. C._ die vom Bundesgericht gestellten Anforderungen
an den Beweiswert erfülle. Es zeige ausserdem zu Recht auf, dass der Leidensdruck
des Beschwerdeführers als Folge seiner schwierigen psychosozialen Lebenssituation
entstehe. Ein Rentenanspruch falle ausser Betracht, soweit eine attestierte
Leistungseinschränkung direkte Folge psychosozialer und soziokultureller
Belastungsfaktoren sei. Die impulsive Persönlichkeitsakzentuierung sei einschränkend
zu werten und im qualitativen Leistungsprofil zu berücksichtigen. Demgegenüber seien
einige Ressourcen ersichtlich. Anzumerken sei auch, dass sich der Beschwerdeführer
in keiner psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung befinde und im IME-
Gutachten zu Recht seine therapeutische Compliance angezweifelt werde. Bezüglich
der Konsistenz werde sodann erwähnt, dass das private Aktivitätsniveau bis auf die
soziale Teilhabe keine gravierenden Einschränkungen zeige und zu den beruflich
geltend gemachten Defiziten kontrastiere. Im Weiteren sei festzuhalten, dass sich die
Beweistauglichkeit eines Gutachtens hauptsächlich aufgrund seiner Vollständigkeit und
Schlüssigkeit beurteile und es nicht auf die Dauer der Untersuchung ankomme. Es sei
nachvollziehbar, dass der begutachtende Prof. C._ nur einen leichten
Gesundheitsschaden aus psychiatrischen Gründen feststelle und auf eine
Arbeitsfähigkeit von 100 % in angepasster Tätigkeit schliesse. Bezüglich des
Arztberichts von Dr. D._ sei mit dem RAD davon auszugehen, dass es sich um eine
andere Einschätzung desselben Gesundheitsschadens handle und weiterhin auf das
IME-Gutachten abzustellen sei. In Bezug auf die Vorbringen des Beschwerdeführers,
dass er somatisch schwerst eingeschränkt sei, komme der RAD nach einer
telefonischen Abklärung beim behandelnden Hausarzt Dr. med. G._ und Eingang der
Arztberichte der Dres. H._ und I._ zum Schluss, dass keine weiteren relevanten
somatischen Erkrankungen vorlägen, womit weiterhin von der im ZMB Gutachten vom
4. April 2018 aus orthopädischer Sicht festgelegten Arbeitsfähigkeit von 100 % in
angepasster Tätigkeit auszugehen sei. Die rentenabweisende Verfügung sei daher zu
Recht erfolgt (act. G 9).
B.f. Die Präsidentin des Versicherungsgerichts hiess das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) mit Schreiben vom 30. Juni 2021 gut
(act. G 10).
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B.g. Mit Replik vom 27. Juni und 7. Juli 2021 machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, dass sich sein Gesundheitszustand gebessert habe, seit er bei
Dr. D._ in Behandlung sei, welcher ihm die korrektere Diagnose gestellt habe. Es sei
unrealistisch zu denken, dass er je wieder einen Job haben und diesen behalten werde.
Sein gesundheitlicher Zustand habe sich nur gebessert, seit er komplett auf
menschliche Interaktion verzichte, trotzdem bleibe nach seiner Einschätzung eine
Erwerbseinbusse von 90 % bestehen (act. G 12 und 13).
B.h. Mit Schreiben vom 14. Mai 2021 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine
Duplik (act. G 15).
Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Considerations:
Erwägungen
1.
2.
Am 1. Januar 2022 trat das revidierte Bundesgesetz über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) in Kraft. Die vorliegend angefochtene Verfügung erging vor dem
1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und
des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1) sind
daher die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) sowie des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in der bis
31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendbar (Urteil des Bundesgerichts
vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2). Sie werden nachfolgend in der alten
Fassung zitiert.
1.1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a); während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
2.1.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=01.01.2022&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=weiv+ivg&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-V-210%3Ade&number_of_ranks=0#page210
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/17
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mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % im Sinn von Art. 8 ATSG invalid sind (lit. c).
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der
medizinischen Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich
des Beweiswerts eines medizinischen Berichts ist entscheidend, ob er für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind
(BGE 125 V 351 E. 3a). Für somatisch unklare Beschwerdebilder (somatoforme
Schmerzstörung und vergleichbare Leiden) und psychische Erkrankungen wie
namentlich Depressionen ist der Beweis nach dem strukturierten Verfahren mittels
Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 143 V 418 E. 6 und E. 7.2; BGE 141 V 281 E. 3.5
und E. 4.2). Der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte
Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der
massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein
stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für
die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143 V 418 E. 6).
2.4.
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3.
Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16
ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Dieser legt fest, dass für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der
Invalidität durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte (Invalideneinkommen) in Beziehung gesetzt wird zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
2.5.
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b und BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
2.6.
Umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdegegnerin
den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente zu Recht verneint hat.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich dabei in somatischer Hinsicht auf das ZMB-
Gutachten vom 4. April 2018 und in psychiatrischer Hinsicht auf das Gutachten von
Prof. C._ vom 13. Mai 2020. Gemäss diesen Gutachten ist dem Beschwerdeführer
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit zumutbar. Der
Beschwerdeführer macht hingegen geltend, dass er aufgrund seiner verschiedenen
Gesundheitsschäden nicht arbeitsfähig sei und dies auch durch seinen behandelnden
Psychiater bestätigt werde. Vorab ist daher zu prüfen, ob der medizinische Sachverhalt
spruchreif abgeklärt wurde.
3.1.
Der internistische und orthopädische Teil des ZMB-Gutachtens äussert sich zum
somatischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers. Sie enthalten die Diagnosen
chronisches Schmerzsyndrom des rechten Kniegelenks und Schultersyndrom. Die
Funktionsstörung des rechten Kniegelenks wird als leicht bis mittelgradig beurteilt, die
sonstigen Funktionsstörungen (Rücken, Fuss, Schulter) als leichtgradig (Ziff. 4.2.5.2
ZMB-Gutachten, IV-act. 53-22). Für angepasste Tätigkeiten körperlich leichter Natur
bestehe eine vollschichtige Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht wurde eine
soziale Phobie mit ausgeprägter Somatisierungsneigung und eine unvollständig
remittierte Depression diagnostiziert. Die psychiatrische Gutachterin konnte die
definitive Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten nicht festlegen. Sie empfahl,
zunächst eine berufliche Abklärung durchzuführen und begleitend eine psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung (Ziff. 9.2 und 10.1 ZMB-Gutachten, IV-act. 53-38).
3.2.
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In der Folge versuchte die Beschwerdegegnerin, berufliche Massnahmen durch
zuführen. Weil sich der Beschwerdeführer allerdings subjektiv nicht arbeitsfähig fühlte,
wurden diese abgebrochen (vgl. IV-act. 73 und 75). Im Rahmen der Mitwirkungspflicht
wurde der Beschwerdeführer zur Aufnahme einer fachpsychiatrischen Behandlung an
gehalten (IV-act. 85), eine solche konnte allerdings nicht erfolgreich durchgeführt
werden (vgl. IV-act. 95, 96, 106 und 110). Damit der psychische Gesundheitszustand
abschliessend abgeklärt werden konnte, ordnete die Beschwerdegegnerin ein erneutes
psychiatrisches Gutachten an (vgl. IV-act. 110-113).
3.3.
Im psychiatrischen Gutachten vom 13. Mai 2020 bestätigt Prof. C._ die Vor
diagnosen des ZMB-Gutachtens. Es bestehe eine soziale Phobie (ICD-10: F40.1) sowie
eine Persönlichkeitsakzentuierung mit impulsiven, aber auch narzisstischen Anteilen
(ICD-10: Z73.1). Die depressive Störung sei remittiert. Der Beschwerdeführer klage
noch über eine depressive Verstimmung reaktiv zu seiner schwierigen psychosozialen
Situation und einem eigenen Wertlosigkeitserleben. Prof. C._ rechnet diese einer
Dysthymia (ICD-10: F34.1) bei psychosozialen Problemen zu. Dabei seien allen voran
die hohen Schulden des Beschwerdeführers (ICD-10: Z59) sowie Probleme mit der Ex-
Frau und der jüngeren Tochter zu erwähnen (ICD-10: Z63.5). Psychopathologisch seien
noch minimste depressive Symptome im Sinn einer Dysthymia objektivierbar.
Unverändert sei die soziale Phobie und die Persönlichkeitsakzentuierung persistierend.
Die soziale Phobie habe dabei allfällig einen qualitativen Einfluss auf die mittel- und
langfristige psychische Gesundheit des Beschwerdeführers. Ansonsten würden die
Auswirkungen psychosozialer Belastungsfaktoren das psychopathologische Bild mit
depressiven Verstimmungen dominieren. Er sehe nur einen leichten
Gesundheitsschaden des Beschwerdeführers aus psychiatrischen Gründen. Die
sozialphobischen Verhaltensweisen würden dem Versicherten den interpersonellen
Kontakt erschweren. Das Leistungsprofil des Versicherten sei derart eingeschränkt,
dass keine Tätigkeiten mit anspruchsvollen interpersonellen Aktivitäten durchführbar
seien. Tätigkeiten, in welchen der Beschwerdeführer in flachen Hierarchien oder
selbständig arbeiten könne, seien hingegen geeignet. Die Tätigkeit solle ausserdem
eher wenig stressbesetzt sein. In einer derart angepassten Tätigkeit ergebe sich keine
weitergehende Einschränkung. Die genannte Einschätzung bestehe seit 2011, wobei es
im Verlauf wegen kurzfristigen depressiven Episoden zu zwischenzeitlichen Perioden
der Arbeitsunfähigkeit gekommen sei.
3.4.
Soweit der Beschwerdeführer die Schlüssigkeit des psychiatrischen Gutachtens
aufgrund der angeblich kurzen Dauer – tatsächlich dauerte die Untersuchung von 9.00
bis 10.50 Uhr (IV-act. 121-3) – der Untersuchung bemängelt, ist darauf hinzuweisen,
3.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/17
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dass es nicht auf die Dauer der Untersuchung ankommt; massgebend ist in erster
Linie, ob die Expertise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (Urteil des
Bundesgerichts vom 19. Mai 2020, 8C_767/2019, E. 3.4). Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass sowohl das ZMB-Gutachten als auch das psychiatrische Gutachten
von Prof. C._ in Kenntnis der Vorakten erstellt wurden. Die Gutachter untersuchten
den Beschwerdeführer persönlich und berücksichtigten nebst den klinischen Befunden
die geklagten Beschwerden. Die Gutachten sind umfassend und die medizinische
Beurteilung inklusive die Ausführungen zu den Standardindikatoren einleuchtend;
namentlich ist die Arbeitsfähigkeitsschätzung nachvollziehbar begründet. Zwar nahm
der psychiatrische Gutachter Prof. C._ nicht explizit zur von der RAD-Ärztin
gestellten Zusatzfrage betreffend die nicht erfüllte Auflage bzw. die nicht
aufgenommene psychiatrische Behandlung Stellung. Indessen ergibt sich aus den
übrigen Ausführungen im Gutachten unzweifelhaft, dass einerseits der Verlauf der
bisherigen gescheiterten Behandlungsversuche Eingang in das Gutachten fand und
andererseits festgestellt wurde, dass die therapeutische Compliance anzuzweifeln sei
und zwar nicht in Bezug auf das Nichtkönnen, sondern das Nichtwollen (IV-act.
121-53). Es wird somit hinreichend klar beschrieben, dass der Beschwerdeführer die
ihm auferlegte fachpsychiatrische Behandlung nicht aus gesundheitsbedingten,
sondern aus IV-fremden Gründen nicht erfüllte. In dieselbe Richtung weist übrigens
auch die Einschätzung von Dr. med. J._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, die nach einem abgebrochenen Behandlungsversuch gegenüber dem
RAD äusserte, dass für den Beschwerdeführer eine Therapie sicher sinnvoll und
möglich sei (IV-act. 110). Zum Untersuchungszeitpunkt erachtete Prof. C._ jedoch
lediglich noch ein Sozialkompetenztraining für eine notwendige medizinische
Massnahme und keine psychiatrische Behandlung (IV-act. 121-55). Im Übrigen zielte
die Zusatzfrage auch lediglich darauf ab, ob dem Beschwerdeführer die Nichtaufnahme
einer fachpsychiatrischen Behandlung aus krankheitsbedingten Gründen oder aus IV-
fremden Gründen nicht möglich war und hat keinen Einfluss auf die Festsetzung der
Arbeitsfähigkeit. Folglich ist auch das psychiatrische Gutachten von Prof. C._
beweiskräftig. Dies gilt umso mehr, als sich die diagnostische Beurteilung von Prof.
C._ im Wesentlichen mit derjenigen der psychiatrischen ZMB-Gutachterin deckt
(siehe vorstehende E. 3.4 zu Beginn und IV-act. 121-47). Insbesondere erkannten beide
kein für die Arbeitsfähigkeit relevantes Suchtleiden (IV-act. 121-47; zu den Diagnosen
der psychiatrischen ZMB-Gutachterin siehe IV-act. 53-27). In damit zu vereinbarender
Weise hielten die behandelnden psychiatrischen Fachpersonen bezüglich der von
ihnen diagnostizierten Alkohol- und Substanzabhängigkeit immerhin fest, dass der
Beschwerdeführer «derzeit abstinent» sei. Ihrer suchtbezogenen Diagnose fehlt
allerdings eine nähere Begründung, insbesondere hinsichtlich daraus fliessenden
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Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit. Ausserdem sind trotz bestätigter aktueller
Abstinenz keine Entzugserscheinungen beschrieben worden. Damit kann in
somatischer Hinsicht auf das ZMB-Gutachten vom 4. April 2018 und in psychiatrischer
Hinsicht auf das Gutachten von Prof. C._ vom 13. Mai 2020 abgestellt werden.
Da der Beschwerdeführer im Einwandverfahren geltend machte, dass er sich neu
in psychiatrischer Behandlung befinde (vgl. IV-act. 141 f.), versuchte die
Beschwerdegegnerin einen medizinischen Bericht einzuholen. Nachdem der Bericht
innert mehrmals erstreckter Frist nicht eintraf, erliess die Beschwerdegegnerin am
12. März 2021 eine rentenabweisende Verfügung (vgl. IV-act. 143-151 und 153). Kurz
darauf ging ein Bericht des Psychiatrie-Zentrums E._ vom 15. März 2021 (verfasst
von dipl. Arzt F._ und Dr. med. D._) ein. Dem Beschwerdeführer wird darin neben
einer rezidivierenden depressiven Störung und einer Alkohol- und
Substanzabhängigkeit (derzeit abstinent), eine schizoide/schizotype
Persönlichkeitsstörung mit zusätzlichen dissozialen und passiv-aggressiven Anteilen
diagnostiziert, welche im Vordergrund stehe. Aufgrund dessen und der Tatsache, dass
er bereits seit 10 Jahren nicht mehr im Arbeitsleben stehe, würden sie es prognostisch
für schwierig bis unmöglich halten, ihn beruflich wieder einzugliedern und eine
verwertbare Arbeitsfähigkeit zu erzielen. Entgegen der etwa im Schreiben vom 27. Juni
2021 (Replik) geäusserten Ansicht des Beschwerdeführers lag der
Beschwerdegegnerin die Einschätzung der psychiatrischen Behandler zum Zeitpunkt
der Beschwerdeantwort vor und wurde von ihr, sobald sie vorlag, bei der Beurteilung
des Falles berücksichtigt (vgl. act. G 9, E. III.3).
3.6.
Ausserdem fragte die RAD-Ärztin Dr. med. K._ beim Hausarzt nach, ob sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in somatischer Hinsicht verändert habe.
Dieser verneinte, reichte allerdings noch zwei Berichte betreffend eine
Augenuntersuchung ein (act. G 9.3 f.). Am 3. Juni 2021 nahm die RAD-Ärztin
abschliessend zum medizinischen Sachverhalt Stellung und kam zum Schluss, dass
weiterhin auf das Gutachten von Prof. C._ abgestellt werden könne (act. G 9.1). Wie
die RAD-Ärztin in ihrer Stellungnahme zu Recht feststellte, entsprechen die vom
behandelnden Psychiater des Psychiatrie-Zentrums E._ angegebenen Symptome
grösstenteils den bereits bekannten Auffälligkeiten. So beschrieben sowohl Dr. med.
L._ (psychiatrische ZMB-Gutachterin) als auch Prof. C._ den sozialen Rückzug
bzw. die Phobien des Beschwerdeführers. Sie massen diesem auch Gewicht zu, indem
sie diese Einschränkungen sowohl in der Diagnose (soziale Phobie) als auch in der
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in den Adaptionskriterien (keine Tätigkeiten mit
anspruchsvollen interpersonellen Interaktionen) berücksichtigten. Der Schweregrad der
3.7.
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rezidivierenden depressiven Störung wird vom behandelnden Psychiater nicht definiert.
Allerdings war auch die Diagnose einer Depression den Begutachtenden bekannt; im
ZMB-Gutachten wurde sie auch noch als nicht vollständig remittiert bezeichnet.
Prof. C._ konnte in seiner Untersuchung allerdings nur noch minimste depressive
Symptome objektivieren, wies aber darauf hin, dass zwischenzeitliche
Arbeitsunfähigkeiten wegen kurzfristiger depressiver Episoden möglich gewesen
wären. Die Beurteilung von Prof. C._ steht auch im Einklang mit den Ressourcen des
Beschwerdeführers. Aus dessen Alltagsaktivitäten ergibt sich zwar ein – mit den
prekären finanziellen Verhältnissen und dem vor allem deshalb geringen
Selbstwertgefühl zu vereinbarender (vgl. hierzu IV-act. 36-2 oben, 2. Absatz; zu den
daraus resultierenden Einschränkungen siehe IV-act. 73-2) – teilweiser sozialer
Rückzug, ansonsten sind aber keine relevanten Funktionseinschränkungen feststellbar.
So kann der Beschwerdeführer seinen kleinen Haushalt selbst versorgen. Er schaut
bewusst auf eine gesunde Ernährung und geht Einkaufen (IV-act. 121-40), auch in der
Stadt (IV-act. 36-3 oben und IV-act. 73-2). Zusätzlich ist er vielseitig interessiert (lese
oft Zeitungen und informiere sich auch im Internet, IV-act. 53-12 und IV-act. 53-26;
siehe zum Ganzen auch IV-act. 121-40 u.a. mit Hinweis auf die Beschäftigung mit
einem Aquarium und mit Pflanzen; zur von Prof. C._ gewürdigten Ressourcenlage
siehe IV-act. 121-54 oben).
Überdies sind die Einschätzungen behandelnder Ärzte und Ärztinnen aufgrund
deren auftragsrechtlicher Vertrauensstellung im Allgemeinen nur zurückhaltend zu
berücksichtigen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb). Die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und
Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten andererseits
lässt es ausserdem nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage
zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
Ärzte und Ärztinnen zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Anders verhält es
sich nur, wenn objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorgebracht werden, die im
Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben waren und die geeignet sind, zu einer
anderen Beurteilung zu führen (vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts vom
17. Februar 2021, 8C_783/2020, E. 5.2 und vom 15. Oktober 2020, 8C_370/2020,
E. 7.2). Ferner kann eine psychiatrische Untersuchung von der Natur der Sache her
nicht ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet einer psychiatrischen Fachperson – sei sie
nun in therapeutischer oder in begutachtender Funktion – daher praktisch immer einen
gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische
Interpretationen möglich, zulässig oder zu respektieren sind, sofern die Beurteilung des
Experten oder der Expertin die Beweisanforderungen erfüllt (BGE 145 V 361 E. 4.1.2).
3.8.
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4.
Gestützt auf die vorliegenden Gutachten besteht in einer adaptierten Tätigkeit eine
100%ige Arbeitsfähigkeit. Das zumutbare Arbeitsprofil des Beschwerdeführers wird in
somatischer Hinsicht folgendermassen beschrieben: keine Tätigkeiten, welche das
Besteigen von Leitern, regelmässiges Begehen von unebenem Gelände, das Tragen
von schweren Lasten oder repetitive Überkopfarbeiten verlangen (IV-act. 53-37). In
psychiatrischer Hinsicht ist zusätzlich zu beachten, dass keine stressbesetzten
Tätigkeiten oder solche mit anspruchsvollen interpersonellen Interaktivitäten in Frage
kommen. Geeignet sind Tätigkeiten mit flachen Hierarchien und Möglichkeit zum
selbständigen Arbeiten (IV-act. 121-55). Denkbar erscheint dementsprechend
beispielsweise eine handwerkliche Tätigkeit, welche keinen erhöhten Kontakt mit
Kunden oder Vorgesetzten erfordert und weitgehend selbständig ausgeführt werden
kann. Auch leichte Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier- und Prüfarbeiten
entsprechen dem zumutbaren Arbeitsprofil. Es bleibt darauf hinzuweisen, dass auch
der Beschwerdeführer selbst am 20. November 2018 eine Zielvereinbarung für
Arbeitsvermittlung durch Dritte mit einem weitgehend identischen Zumutbarkeitsprofil
unterzeichnete und folglich davon ausging, dass es entsprechende Stellen gibt. Vor
diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer sein
verbleibendes Leistungsvermögen auf dem allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt
trotz gesundheitsbedingter Einschränkungen verwerten kann.
Schliesslich ist mit der RAD-Ärztin festzustellen, dass die nachträglich eingegangenen
bzw. von der Beschwerdegegnerin eingeholten medizinischen Berichte des Hausarztes
und des behandelnden Psychiaters keine wesentlichen objektiven Aspekte aufzeigen,
die in den Administrativgutachten ausser Acht gelassen worden wären (act. G 9.1).
Hinzu kommt, dass die medizinischen Fachpersonen des Psychiatrie-Zentrums E._
bei ihrer medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeitsschätzung zu Unrecht der
langjährigen Abwesenheit des Beschwerdeführers vom Arbeitsmarkt und damit einem
psychosozialen Faktor erhebliches Gewicht beimassen. Ausserdem haben sie ihre
Antwort zur Frage nach der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit mit dem nicht in
den medizinischen Sachverstand fallenden Aspekt der wirtschaftlichen Verwertbarkeit
einer Arbeitsfähigkeit vermischt (Stellungnahme vom 15. März 2021, IV-act. 155; siehe
Urteil des Bundesgerichts vom 6. Mai 2020, 8C_30/2020, E. 4.2). Daher vermögen die
Einschätzungen der behandelnden medizinischen Fachpersonen keine ernsthaften
Zweifel an den Ergebnissen der Begutachtungen zu wecken.
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5.
5.1. Die Ausrichtung einer Rente bedingt eine Invalidität von 40 % (Art. 28 Abs. 1 lit. c
IVG). Für die Bemessung der Invalidität ist das Invalideneinkommen in Beziehung zum
Valideneinkommen zu setzen (vgl. Art. 16 ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG, siehe auch
E. 2.5). Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist zunächst zu berücksichtigen,
dass der Beschwerdeführer über eine Ausbildung zum Zimmermann verfügt (IV-
act. 1-5). Er erzielte in der Vergangenheit stark schwankende Einkommen (einmalig
sogar in der Höhe von Fr. 83'789.-- im Jahr 2010) und bezog wiederholt
Arbeitslosenentschädigung (siehe den Auszug aus dem individuellen Konto, IV-act. 7).
In Anbetracht dieser Verhältnisse erscheint es angemessen, dem Valideneinkommen
den Tabellenlohn der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes
für Statistik, Privater Sektor, Kompetenzniveau 2, Männer, zugrunde zu legen. Im
Baugewerbe entsprach dieser Monatslohn Fr. 5'962.-- (Tabelle TA1_tirage_skill_level,
2018, Wirtschaftszweige Ziff. 41-43) bzw. hochgerechnet auf eine betriebsübliche
Arbeitswoche von 41.7 Stunden und auf ein Jahr Fr. 74'584.60. Der Beschwerdeführer
ist zurzeit nicht erwerbstätig. Unter Berücksichtigung der in angepasster Tätigkeit
verbleibenden Erwerbsmöglichkeiten (vgl. vorstehende E. 4) ist für die Ermittlung des
Invalideneinkommens der LSE-Tabellenlohn des Jahres 2018 heranzuziehen, allerdings
derjenige des Kompetenzniveaus 1, da dem Beschwerdeführer die angestammte
qualifizierte Tätigkeit nicht mehr offensteht. Dieser beträgt angepasst an die
betriebsübliche Arbeitszeit Fr. 67'767.-- (Anhang 2: Lohnentwicklung, IVG-Gesetzes
ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2022), womit ein Invaliditätsgrad von
abgerundet 9 % resultiert ([Fr. 74'584.60 - Fr. 67'767.--] / Fr. 74'584.60).
Dementsprechend erweist sich die abweisende Rentenverfügung als korrekt.
6.
6.1. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
6.2. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
bis
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unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.--
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu
befreien.
6.3. Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung der Gerichtskosten im Beschwerdeverfahren verpflichtet, sobald sie dazu
in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m.
Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; SGS 951.1]).