Decision ID: 0a050dab-4f55-406c-902f-f61926460112
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1970 geborene
X._
absolvierte bis 1989 eine Lehre als kauf
männische Angestellte und arbeitete nach einem Vorpraktikum für Sozial
arbeit für verschiedene soziale Stellen (Notschlafstelle, Gassenstube, Arbeits
losenkasse etc.; Urk.
8
/3, Urk.
8
/89/2-3). Am 16. Juni 1994 wurde sie
überfallen und erlitt ein Gewalttrauma
(Urk. 8
/38/66-68).
Die Unfallversicherung Winterthur Ver
siche
rungen (heute: AXA Versicherungen AG; nachfolgend: AXA) erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Urk.
8
/38/35-36, Urk.
8
/222).
Am 10. Oktober 1996 meldete sich
die Versicherte
unter Hinweis auf eine psy
chische Er
kran
kung mit körperlichen Folge
schäden nach der Gewalt
trauma
tisierung im Juni 1994 bei der Eidgenössischen In
validenversicherung
zum
Leistungs
bezug
an
(Urk. 8
/2)
.
Die
Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
(nachfolgend: IV-Stelle)
,
klärte die
berufliche
n
und
medi
zinische
n
Verhältnisse ab und sprach
der Ver
sicherten mit Verfügung
en vom 15
.
Oktober
1996
mit Wirkung ab 1. Juni 1996 gestützt auf einen Invaliditäts
grad von 100 % eine ganze Rente zu, welche per 1. Mai 1997 bei einem Invali
ditätsgrad von 50 % auf eine halbe Rente herab
gesetzt wurde
(
Urk. 8
/23/3-4
, Urk. 8/27
)
.
1.2
Im Rahmen des
durch Antrag der Versicherten im Jahr 1999
eingeleiteten Revisi
o
nsverfahren
s wurde die bisherige halbe Rente ab dem 1. März 1999 auf eine ganze Invalidenrente erhöht (vgl. Mitteilung des Beschlusses vom 22. Sep
tember 1999, Urk.
8
/35
)
. I
n den Jahren 2001 und 200
4 bestätigte die IV-Stelle
die laufende ganze Rente bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
(Urk.
8
/40, Urk.
8
/52).
Seit 2002 ist die Versicherte
alleinerziehende Mutter (Urk. 8/41, Urk. 8
/49/2).
Mit Verfügung vom
1.
März 2005
lehnte
die IV-Stelle
ein Kosten
gesuch
für berufliche Massnahmen
zur Bewegungstherapeutin (Urk.
8
/55/1) auf
grund des
Gesundheitszustandes mit vollständiger Arbeitsun
fähigkeit ab (Urk.
8
/60).
Am 16. März 2006 zog sich die Versicherte bei einem
Schlittelunfall
eine
undislozierte
Vorderkantenimpressionsfraktur am 12. Brustwirbelkörper (BWK) zu (Urk.
8
/73/7).
1.3
Anlässlich des im Jahr
2007 (Urk. 8/65) eingeleiteten amtlichen Re
visions
ver
fah
rens holte die IV-Stelle unter anderem das Gutachten von Dr. med.
Y._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 17. März 2009 ein, der eine leichte Besserung des psychischen Gesundheits
zustan
des bei einer Arbeitsfähig
keit in der angestammten und in einer leidens
angepassten Tätigkeit von 30
%
attestierte (Urk.
8
/82/18). Gestützt darauf bestätigte die IV-Stelle mit Mitteilung vom 2
8.
April 2009 die bisherige ganze Rente bei einem Invaliditäts
grad von nun
mehr 70
%
(
Urk.
8
/88).
Mit Mitteilung vom 31. August 2009 sprach die IV-Stelle die Kosten für ein Auf
bau
training bei der Institu
tion
Z._
vom 7. September
bis 4. Dezember 2009 gut (Urk. 8
/93). Das Aufbautraining wurde aus gesund
heit
li
chen Gründen vorzeitig per Ende September 2009 abgebrochen (Urk.
8
/96). Mit Ver
fügung vom 6. Oktober 2009 wurde die Teilnahme an der Integrations
mass
nahme Aufbau
training in der Institution
Z._
als abgeschlossen be
zeichnet mit der Be
grün
dung, dass eine Weiter
führung der Integrationsmass
nahme zur
zeit aus ge
sund
heitlichen Grün
den nicht zumut
bar sei; eine Steigerung der Leistung habe nicht fest
ge
stellt werde
n können (Urk. 8
/99).
1.4
Im April 2010 eröffnete die IV-Stelle ein wei
teres Revisionsverfahren (Urk. 8
/100) und klärte die aktuellen erwerblichen und medizinischen Verhält
nisse ab. An
fang August 2010 nahm die Versicherte eine 50%ige Tätigkeit als Büro
ange
stellte
in der Buchhaltung
der
A._
auf (Urk.
8
/109, Urk.
8
/111-112
, Urk.
8
/204/14
). Nach Durch
führung des
Vor
be
scheid
verfahrens
(Urk. 8
/117) setzte die IV-Stelle die bis
herige ganze Rente mit Verfügung
vom 24. Februar 2011 auf Ende des der Zustellung der Ver
fügung folgenden Monats auf eine halbe Rente bei einem Invalid
itätsgrad von 50 % herab (Urk. 8
/119-120). Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Am 5. April 2011 teilte die Versicherte der IV-Stelle mit, dass sie ihre Arbe
its
stelle verloren habe (Urk. 8
/121).
1.5
1.5.1
Am 18. Mai 2012 machte die Versicherte eine Verschlechterung ihres Gesund
heitszustandes
geltend (Urk.
8
/122). Mit Vorbescheid vom 31. August 2012 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Einstellung der Renten
zahlung in Aus
sicht, weil sie den Revisionsfragebogen auch auf mehrmalige Auf
forderung h
in nicht zugestellt habe (Urk. 8
/127). Nachdem die IV-Stelle
die Ver
sicherte befragt (Urk. 8
/132) und weitere Abklärungen in medizinischer Hin
s
icht (Urk. 8
/134) getätigt hatte, teilte sie der Versicherten am 3. Januar 2012 mit, dass eine psy
chi
atrische Abklärung notwendig sei und diese bei med.
pract
.
B._
, Fach
ärztin für Psychiatrie und Psychother
apie, durchgeführt werde (Urk. 8
/141). Die Versicherte nahm den Untersuchungstermin bei med.
pract
.
B._
nicht wahr (
Urk.
8/143-144, Urk. 8
/146) und beantragte in der Folge,
es sei vo
n einer Be
gutachtung durch med.
pract
.
B._
abzusehen und eine Ver
laufs
kon
trolle bei PD
Dr. med.
Y._
in Auftrag zu geben
(Urk. 8
/153)
. Die IV-Stelle hielt nach weitere
n Schreiben der Parteien (
Urk.
8/161,
Urk.
8
/164) mit Zwischenverfügung vom 25. Juli 2013
an der Begutachtung durch med.
pra
ct
.
B._
fest (Urk.
8
/166). Die dagegen von der Ver
sicherten mit Eingabe vom 11. September 2013 erhobene Be
schwerde (Urk.
8
/167) hiess das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich im Ver
fahren Nr. IV.2013.00778 mit Urteil vom 14. März 2014 gut und wies die Sache zur Einholung eines Verlaufsgutachtens bei PD Dr.
Y._
an die Be
schwerdegegnerin zurück (Urk.
8
/176/10-11).
1.5.2
Die IV-Stelle holte
in der Folge
das Verlaufsgutachten von PD Dr.
Y._
vom 17. Oktober 2014 ein, der eine 40%ige Arbeitsfähigkeit in einer Tätigkeit ohne viel Verantwortung, ohne anhaltende, wiederkehrende Spannungsfelder und mit interaktionell wohlwollendem sowie angen
ehmem Umfeld attestierte (Urk. 8
/204/26-27). In der Zwischenzeit hatte die Versicherte ab Mitte Septem
ber 2014 eine 40%ige Tätigkeit als Mitarbeiterin in der Administration bei der
C._
AG aufgenommen (Urk.
8
/213).
Nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
hob die IV-Stelle
mit Verfügung vom 22. Juni 2015
die halbe Rente
per Ende Juli 2015
auf (Urk. 8/224
).
Die dagegen mit
Schreiben
vom 19. August 2015
erhobene
Beschwerde
(Urk.
8/231/3-12
)
hiess das Sozial
versiche
rungsge
richt des Kantons Zürich
im Verfahren Nr. IV.2015.00819
mit Urteil vom
23.
De
zember
2015 gut und stellte fest, dass die Versicherte
ab Juni 2012
Anspruch auf eine ganze Rente und
ab Januar 2015
auf min
destens eine
Drei
viertels
rente
habe
. Ausserdem wurde
die Sache an die IV-Stelle
zu
r ergänzenden
Abklärung
des
Rentenan
spruch
s
ab Januar 2015
zurückgewiesen (
Urk.
8/239/17).
Dag
egen erhob die IV-Stelle am 22.
Januar 2016 Beschwerde
(
Urk.
8/246). Das
Bundesgericht
hiess diese
mit Urteil 9C_59/2016 vom 6. Januar
2017
gut und hob
das Urteil des
Sozialver
siche
rungsge
richts des Kantons Zürich IV.2015.00819 vom 23.
De
zember
2015 auf sowie bestätigte die Verfügung der IV-Stelle vom 2
2.
Juni 2015
(Urk.
8/282/11).
1.6
In der Zwischenzeit
war die Anstellung der Versicherten bei der
C._
AG
per Ende April 2016 gekündigt worden (
Urk.
8/255/3-4
, Urk. 8/258/15
). Vom
2.
Mai
bis 3.
Juni
2016
nahm
die Versicherte
an einer be
ruflichen Abklä
rung
(Potentialabklärung)
d
urch die
D._
Arbeits
integration
teil
(Urk. 8/253
, Urk. 8/
268
).
Mit Mitteilung vom 22.
Juni 2016
schloss die IV-Stelle die beruflichen Eingliederungsmass
nahmen mit der Begrün
dung ab, dass auf
grund des Gesundheitszustandes der Versicherten zurzeit solche nicht möglich seien (
Urk.
8/266).
Der Unfallversicherer AXA
sprach
der Versicherten mit
Einspracheentscheid
vom 16. November 2016
unter anderem
eine Rente mit einem Invaliditätsgrad von 60 % ab August 2010 zu
(Urk. 8/
279/10
).
1.7
Mit Schreiben vom 2
5.
Januar 2017
beantrage die Versicherte bei der IV-Stelle mit
Verweis auf das Ergebnis der
D._
-Potentialabklärung die erneute Ren
tenprüfung
(Urk. 8/286).
Mit Schreiben vom
1.
März 2017 (
Urk.
8/291) gab die Versicherte den Bericht von
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
therapie, vom 2
7.
Februar
2017
(
Urk.
8/292)
zu den Akten.
Die IV-Stelle kündigte mit Vorbescheid vom
8.
Mai
2017 an, auf das neue Leistungsbegehren nicht ein
zutreten (
Urk.
8/295).
Die Versicherte erhob dagegen mit Schreiben vom
9.
Mai
2017 (
Urk.
8/296), ergänzt mit Schreiben vom
2
4.
Mai
2017 (Urk. 8/308), Einwände. Mit Verfügung vom 1
9.
Juni
2017 trat die IV-Stelle wie angekündigt auf das neue Leistungsbegehren nicht ein (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
10.
August
2017
Beschwerde und
be
antragte,
es sei
die Verfügung vom
1
9.
Juni
2017
aufzuheben
und die
Beschwerdegegnerin
sei zu verpflichten, auf ihr Leistu
ngsbegehren einzutreten und dieses materiell z
u prüfen.
In pro
zessualer Hinsicht beantragte die Be
schwer
deführerin,
es sei ihr die unentgeltliche Prozessführung
zu gewähren
und
eine unentgeltliche
Rechtsver
tretung in der Person von
Rechtsanwältin Melina
Tzikas
zu bestellen
(Urk. 1 S. 2).
Die Be
schwerdegeg
n
e
rin schloss in der Be
schwerd
e
antwort vom
17
. September 201
7
auf Abweisung der Be
schwerde (Urk.
7
).
Zur Replik
vom 2
9.
Dezember 2017
(Urk. 14) reichte die
Beschwerde
führerin
das ärztliche Zeugnis
von
Dr.
E._
vom 2
9.
November 2017
ein (Urk. 15).
Die
Beschwerdegegnerin
verzichtete mit Eingabe vom 21.
Februar
2018 auf eine Stellungnahme (Urk. 20). Mit Verfügung vom 20.
März
2018 wurde der
Beschwerde
führerin
die unentgeltliche Prozessführung
gewährt und
Rechtsan
wältin Melina
Tzikas
als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren bestellt (
Urk.
25 S. 2).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundes
gesetzes über den Allge
m
ei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Er
werbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs
möglichkeiten auf dem in Betracht kom
men
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsun
fähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträch
tigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Ge
sundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die ver
sicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
ren
tenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG
,
BGE 139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E.
2.1). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl.
BGE 143 V 409 E. 4.2.1 unter Hin
weis auf 127 V 294 E. 4b/cc und 139 V 547 E. 5.2
).
1.3
B
ei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent ergibt sich ein Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Pro
zent Anspruch auf eine
Drei
viertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
1.4.1
Wird der Verwaltung eine Neuanmeldung eingereicht, so ist gemäss Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversiche
rung (IVV) da
rin glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität seit dem letzten leistungsabweisenden Entscheid in einer für den Anspruch erhebli
chen Weise geändert hat. Der versicherten Person kommt damit ausnahmsweise eine Beweisführungslast zu und der Untersuchungsgrundsatz spielt insoweit nicht (BGE 130 V 64 E. 5.2.5). Die Ver
wal
tung hat daher erst dann gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz von Amtes wegen für die rich
tige und vollstän
dige Abklärung des rechts
erheblichen Sach
verhaltes zu sorgen (Art. 43 ATSG, Art. 57 IVG in Ver
bindung mit Art. 69 ff. IVV), wenn sie auf das Leistungsbe
gehren eingetreten ist. Die Verwaltung hat nach dem Eingang einer Neuanmel
dung daher zunächst zu prüfen, ob die Vorbringen der versicherten Person über
haupt glaubhaft sind, und sie erledigt das Gesuch ohne weitere Abklärun
gen durch Nichteintreten, falls sie dies verneint.
1.4.2
Unter Glaubhaftmachen im Sinne von
Art.
87
Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2
IVV ist nicht der Beweis nach dem im Sozialversicherungsrecht allgemein mass
gebenden Grad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit zu verstehen. Die Be
weisanforderungen sind vielmehr herabgesetzt, indem nicht im Sinne eines vollen Beweises die Über
zeugung der Verwaltung
begründet zu werden braucht, dass seit der letzten, rechtskräftigen Entscheidung tatsächlich eine relevante Änderung eingetreten ist. Es genügt, dass für den geltend gemachten rechts
erheb
lichen Sachumstand wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Ab
klärung werde sich die behaup
tete Sachverhaltsänderung nicht erstellen lassen. Bei der Prüfung der Frage, ob die Vorbringen der versicherten Person glaubhaft sind, berücksichtigt die Ver
wal
tung unter anderem, ob seit der rechtskräftigen Erledigung
des letzten Leistungsgesuchs lediglich kurze oder schon längere Zeit vergangen ist; je nach
dem sind an die Glaubhaftmachung einer Änderung des rechts
erheb
lichen Sachver
halts höhere oder weniger hohe Anforderungen zu stellen (Urteil des Bundesge
richts
9C_236/2011 vom 8. Juli 2011
E. 2.1.1 mit Hinweisen). Insofern steht der Verwaltung ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grund
sätz
lich zu respektieren hat (BGE 109 V 108 E. 2b;
Urteil des Bundes
gerichts I 888/05 vom 7. Juni 2006 E. 2).
Die
Eintretensvoraussetzung
gemäss
Art. 87
Abs. 2 und
3 IVV soll verhindern, dass sich die Verwaltung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher begrün
deten Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 108 E. 5.3.1). Die Rechtskraft der früheren Verfügung steht einer neuen Prüfung so lange entge
gen, wie der seinerzeit beurteilte Sachverhalt sich in der Zwischenzeit nicht ver
ändert hat. Wenn die dem Revisionsgesuch beigelegten ärztlichen Be
richte so wenig sub
stantiiert sind, dass sich eine neue Prüfung nur aufgrund weiterer Er
kennt
nisse allenfalls rechtfertigen würde, ist die IV-Stelle zur Nach
forderung weiterer An
gaben nur, aber immerhin dann verpflichtet, wenn den - für sich allein genom
men nicht Glaubhaftigkeit begründenden - Arztberichten konkrete Hin
weise entnommen werden können, wonach möglicher
weise eine mit weite
ren Erhe
bungen erstellbare rechtserhebliche Änderung vorliegt (Urteil des Bun
des
ge
richts 8C_228/2010 vom 19. Juli 2010 E. 2.2 und E. 2.3 mit Hin
weisen
).
1.4.3
Das Gericht hat die Behandlung der
Eintretensfrage
durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist, das heisst wenn die Verwal
tung gestützt auf Art. 87 Abs. 3 IVV Nichteintreten beschlossen hat und die ver
si
cherte Person deswegen Beschwerde führt
. Seiner beschwerdeweisen Über
prü
fung hat das Gericht den Sachverhalt zugrunde zu legen, wie er sich der Ver
waltung bei Erlass des
Nichteintretensentscheides
bot (BGE 130 V 64 E. 5.2.5;
Urteil des Bundes
gerichts 8C_196/2008 vom 5. Juni 2008). Zeitlicher
Ausgangs
punkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invalidi
tätsgrades bildet bei der Neuan
meldung die letzte rechtskräftige Ver
fügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs beruht. Demgemäss sind die Ver
hältnisse bei Erlass der strittigen Verwaltungsverfügung mit denje
nigen im Zeitpunkt der letzten materiellen Abweisung zu vergleichen (BGE 130 V 64 E. 2, 130 V 71 E. 3, 133 V 108 E. 5.2 und E. 5.4). Dabei stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unver
än
dert geblie
benen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein ge
nommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich im angefochtenen Entscheid auf den Stand
punkt, die Beschwerdeführerin habe nicht glaub
haft gemacht, dass seit der renten
aufheb
enden Verfügung vom
2
2.
Juni 2015
eine rentenrele
vante Verän
derung der Verhältnisse, insbesondere eine erhebliche Verschlech
terung des Gesundheitszustands einge
treten sei.
Der
von der Be
schwer
de
füh
rerin
vorge
legte neue Arztbericht von
Dr.
E._
vom 2
7.
Februar 2017
mit den bereits bekannten Diagnosen
zeige keine
neuen medizinischen Sachverhalte auf. Daher sei auch die von
Dr.
E._
attestierte
Höchstarbeitszeit von zirka 10
Stunden pro Woche nicht nachvollziehbar. Das Resultat der Poten
tialab
klärung der
D._
sei im Übrigen bereits bei der Ent
scheidung zu den be
ruflichen Einglie
derungsmassnahmen berücksichtigt worden (
Urk.
2 S. 1
f.)
2.2
Die Beschwer
deführerin wendet dagegen ein, die Potentialabklärung der
D._
habe ergeben, dass sie
mit einer Leistungsfähigkeit von zirka 20
%
mit abnehmender
Tendenz
nicht über diejenigen Ressourcen zur Ausübung einer
100%igen
Erwerbstätigkeit verfüge, von welchen das Bundesgericht in seinem Urteil 9C_59/2016 vom
6.
Januar
2017 ausgegangen sei.
Aufgrund der Beur
teilung der
D._
sei erstellt, dass das Bundesgericht von falschen An
nahmen ausgegangen sei.
Dem Bericht von
Dr.
E._
vom 2
7.
Februar 2017 sei zudem zu entnehmen, da
ss in den letzten 15 Monaten infolge der Erwerbs
tätigkeit (bei
C._
AG) eine erhebliche Verschlechterung ihres körperlich-psychischen Gesundheitszustandes
eingetreten sei. Dies sei entgegen der An
sicht der Beschwerdegegnerin und des Regionalen Ärzten Dienstes (RAD) auch bei gleichlautenden Diagnosen möglich.
Zudem sei es rechtsprechungsgemäss willkürlich, der Ein
schätzung
von
Dr.
E._
von vorneherein die Glaub
würdigkeit abzusprechen, nur weil sie die behandelnde Psychiaterin sei. Eine renten
erhebliche Tatsachen
änderung sei glaubhaft dargelegt, weshalb auf das Rentengesuch einzutreten sei (
Urk.
1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin auf
das
neue Leistungs
begehren der Beschwerdeführerin vom
25.
Januar
2017
(Urk.
8/286
) zu Recht
nicht eingetreten ist,
weil die Be
schwer
deführerin eine
anspruchser
hebliche Än
derung seit der letzten materiellrechtlichen Leistungs
prüfung
mit renten
auf
hebender
Verfügung vom
2
2.
Juni 2015 (Urk. 8/224
), bestätigt mit Urteil des
Bundesgerichts 9C_59/2016 vom
6.
Januar 2017 (Urk. 8/282
), nicht glaub
haft zu machen vermochte.
3.
3.1
Zur Prüfung dieser Frage
ist
in medizinischer Hinsicht
allein
der
von der
Beschwerdeführerin im V
er
waltungsverfahren vorgelegte
Bericht
von Dr.
E._
vom
2
7.
Februar 2017 (Urk. 8/292
) beacht
lich, da
bei der beschwerdeweisen gerichtlichen Über
prü
fung jener Sachverhalt zu
grunde
zu legen
ist
, wie er sich der Ver
waltung bei Erlass des
Nichteintretensentscheides
geboten hat
(BGE 130 V 64 E. 5.2.5; Urteil des Bundes
gerichts
8C_196/2008 vom 5. Juni 2008).
Das
erst mit
der Beschwerde eingereichte ärztliche Zeugnis
von
Dr.
E._
vom
29. November 2017 (Urk. 15
) ist in die Beweiswürdigung daher nicht einzube
ziehen
.
3.2
3.2.1
In der renten
aufheb
enden Verfügung vo
m
22. Juni 2015
(Urk.
8
/
224
) war d
ie Beschwerdegegnerin
zum Schluss gekommen
,
es würden aus rechtlicher Sicht aufgrund der Ressourcenprüfung keine Gründe gegen eine vollum
fäng
liche Arbeitsfähigkeit der
Be
schwerde
führerin
in einer leichten Tätigkeit sprechen. Sie verfüge seit Ende 2009 über genügend Ressourcen, um die vor
handenen Be
-
schwerden
zu überwinden. Es sei erwiesen, dass ein geregelter Tagesablauf bestehe und sie (ab September 2014) einer Erwerbtätigkeit mit einem 40%igen Arbeitspensum nachgehe
(Urk. 8/224/2). Damit wich
die
Be
schwerdegegnerin
insofern
von der Einschätzung des psychia
trischen Gutachters PD Dr.
Y._
einer 60%igen Arbeitsunfähigkeit
ab September 2014
gemäss dem Ver
laufs
gutachten vom 17. Oktob
er 2014 (Urk. 8/204/26-27) ab.
PD Dr.
Y._
hatte
die attestierte 60%ige Arbeitsunfähigkeit auf die
an
dau
ernde Persön
lichkeits
ände
rung nach Ex
trem
belastung (ICD-10 F62.0) und den
Verdacht auf eine kombi
nierte Persön
lichkeitsstörung (ICD-10 F61.0)
zurück
geführt. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit
stellte er eine somatoforme autonome Funktionsstörung, Magen-Darmtrakt (ICD-10 F45.3; Urk.
8
/204/
21
)
.
3.2.2
Das Bundesgericht führte im Urteil vom
9C_59/2016 vom
6.
Januar 2017
(Urk. 8/282)
aus,
dass dem Gutachten (von PD
Dr.
Y._
) in diagnostischer Hin
sicht Beweiswert zukomme, sei unbestritten und gebe zu keinen Be
mer
kungen Anlass. Es sei eine frei überprüfbare Rechtsfrage, ob die im Gutachten gestellten psychiatrischen Diagnosen einen invalidisierenden Ge
sund
heits
scha
den nach
Art.
4
Abs.
1 IVG darstellen würden. Im psychiatrischen Kontext komme es grundsätzlich nicht auf die Diagnose, sondern einzig darauf an, welche Aus
wirkungen eine Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit habe. Mass
gebend sei in erster Linie der lege
artis
erhobene psychopathologische Befund und der Schwere
grad der Symptomatik (E.
6.1). Der
im Rahmen der Begutac
h
tung erhobene
psychopathologisch
e
Befund
sei
durchgehend unauffällig aus
gefallen
: Die
Beschwerdeführerin
sei allseits orientiert und bewusstseinsklar ge
wesen, habe psychomotorisch keinerlei Auffälligkeiten gezeigt sowie eine un
auffällige Auffassungsgabe, unauffällige kognitive und intellektuelle Res
sour
cen, sprach
motorisch seien überhaupt keine Auffälligkeiten zu verzeichnen gewesen, das formale und das inhaltliche Denken seien in der Untersuchung jederzeit unauf
fällig gewesen, die affektive Schwingungsfähigkeit und der affektive Rapport seien gut gewesen, die Grundstimmung sei
euthym
bis sub
depressiv, aber n
ie wirklich depressiv gewesen.
Bezüglich der (erwerblichen) Auswirkungen der diagnostizierten Störung
beziehungsweise
Verdachtsdiagnose
falle auf
, dass der Experte die Arbeitsfähigkeit von 30
%
ab März 2009
be
ziehungsweise
von 40
%
ab September 2014 explizit mit den zu diesen Zeit
punkten bestehenden An
stellungen
in ebendiesen Pensen begründet habe. Mit
hin scheine
es sich damit weniger um eine medizinisch-theoretische Schätzung der Arbeitsfähigkeit zu handeln, als vielmehr um die Annahme, die effektiv ausgeübten Pensen ent
sprächen gleichsam der maximal zumutbaren Arbeits
fähigkeit. Diese Annahme einer Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit (Arbeiten ohne viel Verant
wortung und ohne leitende Funktion, bei wohlwol
lender und angenehmer Interaktion mit Vorgesetzten und Mitarbeitern, ohne nennenswerte Spannungsfelder) von 30
%
b
eziehungsweise
40
%
werde
vom Gutachter denn auch nicht hin
reichend substanziell begründet. Soweit er als Begründung für die Unzumutbarkeit eines höheren Pensums auf das Scheitern d
er Beschwerdegegnerin in der 50
%igen
beziehungsweise alsdann 60
%igen An
stellung
verweise
- wobei die Beschwerdegegnerin gemäss eigenen Angaben nach der Kündigung des Ge
schäfts
leiters im Grunde ein 80
%
-Pensum ausgeübt habe -
vermöge
dies nicht zu überzeugen. Nach den gegenüber dem Sach
verständigen gemachten Aus
führungen
sei
die Beschwerdegegnerin nicht an der
pensenmässig
zu hohen Arbeitsbelastung, sondern explizit an der zu grossen Verantwortung
ge
s
cheitert
: Seit dem Weggang des Geschäftsleiters per Ende 2010 hätten ihr Leitungs
-
funktionen oblegen - Leitung der Buchhaltung und des Sekretariats, Leitung von vielen abendlichen Sitzungen -, in welchen sie Spar
massnahmen habe durchsetzen müssen und daher von verschiedenen Be
rufs
gruppen immer wieder "unter Beschuss genommen"
beziehungsweise
"ge
mobbt" worden sei. Diese anhal
tenden Spannungen hätten sie mit der Zeit derart belastet, dass sie ein weiteres Mal nervlich zusammengebrochen sei. Diese im Rahmen der Explo
ration gemachten, vom Experten durchgehend als glaub
haft
beziehungsweise
authentisch qualifizierten Angaben
würden
in keiner Weise darauf hin
deuten
, dass die Beschw
erdegegnerin die zunächst 50
%ige
be
ziehungsweise
in der Folge 60%ige Anstellung ohne die Leitungsfunktion
be
ziehungsweise
die daraus resultierenden schwer belastenden zwischen
men
schlichen Interaktionen, welche ihr gemäss Gutachten aufgrund des psychischen Leidens
beziehungsweise
dem damit einhergehenden Mangel an robusten inner
psychischen Ressourcen unzu
mutbar
seien
, nicht prästiert hätte. Dasselbe
gelte
im Übrigen für das im November 2011 begonnene 50%
ige
Prak
tikum bei der inte
grierten Psychiatrie
O._
. Dieses habe sie nach drei Monaten abgebrochen, weil sie die schizo
phrenen Patienten a
ls sehr belastend erlebt habe.
Alsdann
sei
nicht nach
voll
ziehbar, weshalb der Experte den halben Tag, an welchem die
Beschwerde
führerin
einen Raum
gemietet
und dort Entspannungs- und Bewegungsthe
rapien
angeboten habe
, im Rahmen der zumutbaren Arbeitsfähigkeit gänzlich ausser Acht
gelassen habe
.
M
it diesem Angebot
habe sie
eine Kapazität der psychophysi
schen Leistungsfähigkeit von 10
% zum Ausdruck
gebracht
, welche bezüglich des krankheitsbedingten Aus
masses der Arbeitsunfähigkeit zu berück
sichtigen wäre. S
chliesslich komme
hinzu, dass die
Beschwerdeführerin
trotz ihren psychischen Beschwerden unbe
strittenermassen in der Lage
gewesen
sei
, zahlreiche
familiäre, soziale und poli
tische Aktivitäten offenbar ohne Einschrän
kungen auszuüben. Dies auch ab September 2014, als sie eine 40
%
-Stelle
i
nne
gehabt habe
. Selbst wenn mit Gutachter und Vorinstanz hinsichtlich der einzelnen Aktivitäten von lediglich punktuellen Einsätzen ausgegangen würde, was gerade in Bezug auf das poli
tische Engagement fraglich erschein
e
, letztlich aber offen bl
ei
ben
könne
, so
spreche
doch die Gesamtheit der ausgeübten Aktivitäten für das Vorhandensein von hinreichenden Ressourcen, die das Aus
üben einer vollumfäng
lichen Er
werbstätigkeit erlauben würden (E. 6.2). Diese
Umstände
würden
darauf schlies
sen
lassen
, dass von der
Beschwerdeführerin
trotz des Gesund
heits
schadens erwartet werden
könne
(
Art.
7
Abs.
2 Satz 2 ATSG), in einer adap
tierten Tätigkeit in einem rentenausschliessenden Umfang erwerbstätig zu sein. Damit
sei
mit der Beschwerdeführerin ein invalidisierender G
esundheits
schaden zu verneinen (E. 6.3
; Urk. 8/282/7-9
).
Zur Beurteilung der Streitfrage ist von dieser Vergleichsbasis auszugehen.
3.3
Gemäss
dem aktuell vorgelegten
Bericht
der Psychiaterin
Dr.
E._
vom
27. Februar 2017
(
Urk.
8/292)
ist die
Beschwerdeführerin
bei ihr seit September 2015 in
regelmässiger
, wöchentlicher Behandlung
.
Dr.
E._
führte dieselben Diag
nosen wie bereits PD Dr.
Y._
im Gutachten vom
17.
Oktober
2014 (Urk. 8/207/21)
auf, mit der Ausnahme, dass sie nebst den Diagnosen einer
an
dau
ernde
n
Persön
lichkeitsänderung nach Ex
trem
belastung (ICD-10 F62.0) und einer somatoformen autonomen Funktionsstörung, Magen-Darmtrakt (ICD-10 F45.3
die Diagnose
- und nicht nur der Verdacht
-
einer
kombinierte
n
Persön
lichkeitsstörung (ICD-10 F61.0)
aufführte.
Des Weiteren
hielt
Dr.
E._
fest,
a
uf Nachfrage habe sich schnell heraus
gestellt, dass die von
der
Beschwerdeführerin
berichteten Aktivitäten eher ihren
Wünschen als der Realität entsprochen hätten, so
die
Tanztherapie, ein gün
stiger Raum
nur für sich selbst benutzt, inzwischen aufgegeben, die Teil
nahme beim Elternrat
,
in der Vergangenheit ein paar Sitzungen pro Jahr. Auch im politischen Amt sei sie nicht mehr aktiv. Die Erziehung ihres Sohnes mit begin
nender Pubertät und unzuverlässigem Kindsvater hätten sie
regelmässig
an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht. Sie habe daher für ihren Sohn eine Familienbegleiterin organisiert. Zur Unterstützung der
Beschwerde
führerin
habe sie,
Dr.
E._
, ab Oktober 2015
Psychiatriespitex
mit wöchent
lichen Terminen verordnet. Er
schwerend komme hinzu, dass
sie
ausser
zu ihrer Mutter und ihrem Stiefvater keine tragfähigen und anhaltenden freundschaftlichen Beziehungen habe.
Ab Oktober 2015 sei ihr bei der Arbeit mitgeteilt worden, dass sie ab sofort morgens immer ab 8.15 Uhr anwesend sein müsse. Dadurch sei si
e sehr unter Stress geraten, da
sie sehr
unregelmässig
schlafe.
Ausserdem
sei ihr Arbeitstempo als zu langsam kritisiert worden.
Auch habe sie sich von ihrer direkten Vorgesetzten zunehmend gemobbt gefühlt.
Ab November 2015 habe die
Beschwerdeführerin
wegen ihrer gastro
enterologischen Beschwerden (vor allem Beschwerden im Bauchraum), die sich vermutlich infolge der schwierigen
Arbeitssituation verstärkt hätten, wiederholt Termine im
Spital
F._
(
F._
)
wahrnehmen
müssen
. Unklare Lungen- und Gallenbefunde hätten sie noch mehr be
lastet. Es seien weitere diagnostische Untersuchungen er
forderlich geworden und die Schmerzsymptomatik habe in einem
Ausmass
zugenommen, dass sie sich am Arbeitsplatz meh
rfach habe krank
melden müssen.
Ende Januar sei ihre Stelle plötzlich per Ende April
2016
gekündigt worden. Sie habe den Eindruck erhalten, von den Mitarbeitern ignoriert zu werden, und habe die Atmosphäre als unklar und gegen sie gerichtet erlebt. Parallel dazu habe sich
ihr körperlich-psychischer Zustand innerhalb weniger Tage mit panikartigen Angstzuständen und Wiederauftreten der
Schmerz
symp
tomatik so stark ver
schlechtert, dass sie
die
Beschwerdeführerin
seither - ab Februar 2016 - als zu 100
%
arbeits
unfähig beurteilt habe.
Parallel zur Kündigung
ihrer
Arbeit Ende Januar 2016 seien immer wieder Probleme mit dem Sohn und dessen Betreuerin aufgetreten und die IV-Stelle habe eine neue Abklärung geplant, wodurch die
Be
schwerdeführerin
weiter unter Druck geraten sei, v
erstärkt mit Angst- und Schmerzsymptomen
reagiert habe und auch ihren Haushalt noch mehr ver
nachlässigt habe. Ab Februar 2016 seien zusätzlich zu
r
Psychiatriespitex
haus
wirtschaftliche Leistun
gen erforderlich geworden. Um aus der permanenten Stresssituation herauszu
kommen, habe sie der
Be
schwerdeführerin
eine mehr
wöchige stationäre Be
handlung in der Klinik
G._
empfohlen.
Nach dieser Behandlung, welche vom 2
9.
März bis
2.
Mai 2016 durchgeführt worden sei, habe sie die berufliche
Integrationsmassnahme
bei
D._
begonnen.
Es sei sehr deutlich geworden, dass sie schon mit eher einfachen Anforderungen wie Einhaltung vorgegebener Arbeitszeiten oder Einhalten klarer Aufgaben
stel
lungen völlig überfordert sei. Die
Beschwerde
führerin
habe vermehrt unter Affektlabilität, Verzweiflung, Schlafstörungen bis Schlaflosigkeit und Magen
schmerzen gelitten.
Danach habe sie sich verstärkt um die Erziehung ihres Sohnes und die Haushaltsführung gekümmert sowie eine neue Wohnung und Verdienstmöglichkeit gesucht. Die Familienhelferin und
Psychiatriespitex
seien gestoppt worden. Zusätzlich zu den Thera
piesitzungen habe sich die
Be
schwer
de
führerin
in eine
traumaspezifische
Psychotherapie begeben. Seit dem Bundes
gerichtsentscheid, dass sie zu 100
%
arbeitsfähig sei, sei sie wieder ver
mehrt
mut
- und ratlos und leide unter existentiellen Ängsten.
Aus ihrer (psychiatrischen) Sicht habe sich der kör
perlich-psychische
Ge
sundheitszustand
in den letzten 15 Monaten infolge ihrer Arbeit be
ziehungsweise des damit einher
-
geh
enden Druckes sowie des per
manenten Scheiterns (zum Beispiel bei
D._
) eher noch verschlechtert. Die
Be
schwerdeführerin
sei bereits mit der Alltags
bewältigung stark gefordert bis überfordert. Daher rate sie von einer mehr als
stundenweisen Tätigkeit (zirka 10 Stunden pro Woche) dringend ab (
Urk.
8/
292).
3.
4
3.4.1
Dieser Bericht
von
Dr.
E._
zeigt glaubhaft auf, dass spätestens ab
Februar 2016 eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes der
Beschwerdeführerin
eingetreten ist.
Auch wenn die behandelnde Psychiaterin
Dr.
E._
in
ihrem
Bericht
vom 2
7.
Februar
2017
weitgehend
die
selben Di
agnosen aufführte wie schon Dr.
Y._
, ist damit entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin
nicht bereits eine rentenrelevante gesund
heitliche Veränderung seit Juni 2015
auszu
schliessen
.
Denn im Vergleich mit den von PD
Dr.
Y._
erhobenen und vom Bun
des
ge
richt
zitierten
weitgehend unauffälligen Befunden
(
allseits orien
tiert, be
wusst
seinsklar, psychomotorisch keinerlei Auffälligkeiten, un
auffällige Auffas
sungs
gabe, unauffällige kognitive und intellektuelle Res
sour
cen, sprach
moto
risch ohne
Auffälligkeiten, unauffälliges formales und inhalt
liches Denken, gute affek
tive Schwingungsfähigkeit und guter affektiver Rap
port,
euthyme
bis sub
depressive, aber nie wirklich depressive Grund
stim
mung, Urk. 8/
282/7
)
führte
Dr.
E._
nunmehr
panikartige
Angstzustände,
Affektlabilität, Ver
zweif
lung, Mut- und Ratlosigkeit, Schlafstörungen bis Schlaflosigkeit a
uf.
Zusätzlich wurde eine Zunahme der (somatoformen) gastroenterologischen Be
schwerden beschrieben, welche von PD
Dr.
Y._
noch als Beschwerden ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit geschildert worden waren
(
Urk.
8/204/21)
,
welche
in der Zeit ab Oktober 2015
gemäss
Dr.
E._
nunmehr jedoch zu Arbeits
ausfällen mit somatischen Behandlungen im
F._
führte
n
.
Dazu kamen
Lungen- und Gallen
beschwerden ohne klare Befunde, was
ebenfalls auf eine Verstärkung respektive Ausbreitung der psychosomatischen Thematik hindeutet
.
Des Weiteren hatte das Bundesgericht die von PD
Dr.
Y._
attesti
erte Arbeits
unfähigkeit insbesondere auch aufgrund de
s
damaligen
Aktivitätsniveau
s
der
Be
schwerde
führerin
verworfen
, welche
s
für das Vorhandensein von hin
reichen
den Ressourcen sprach, die das Ausüben einer vollumfänglichen Er
werbstätig
keit erlaubten (
Urk.
8/282/8-9). G
emäss
dem Bericht von Dr.
E._
fiel das Aktivi
tätsniveau der
Beschwerdeführerin
spätestens ab Februar 2016
deutlich geringer
aus
, was auf das Vorliegen geringerer Ressourcen hinweist
.
So war die
Beschwerdeführerin
bereits ab Februar 201
6
, mithin noch vor der Kündigung per Ende April 2016, aus gesund
heitlichen Gründen nicht mehr
erwerbstätig
(Urk.
8/258/1-2
)
.
Selbst i
m Haushalt mu
sste sie unterstützt werden. Den
ge
mietete
n
Therapieraum
benutzte
sie
laut
Dr.
E._
nur noch für sich selbst, beim Elternrat und im politischen Amt
war
sie
gemäss
ihrem Bericht
nicht mehr aktiv.
Die therapeutische Behandlung
musste
zudem mittels
Psychiatriespitex
, mehr
wöchiger stationärer Rehabilitationsbehandlung und zusätzlicher Trauma
therapie ausgebaut
werden.
3.4.2
Die
von
Dr.
E._
beschriebe
ne
Abnahme der
Leistungsfähigkeit der Be
schwer
deführerin steht zudem im Einklang mit dem Ergebnis der beruflichen
Potentiala
bklärung der
D._
vom
9.
Mai bis
3.
Juni 201
6.
Gemäss dem Schlussbericht der
D._
vom 1
5.
Mai 2016
hat die Beschwerdeführerin trotz motivierter Teilnahme eine Leistungsfähigkeit von zirka 20
%
mit abnehmender Tendenz bei fortschreitender Massnahme gezeigt. Die notwendigen Rahmenbe
dingungen, die die Beschwerdeführerin benötige, seien in der freien Wirtschaft nicht vorhanden. Dies gelte selbst für den angepassten (2.) Arbeitsmarkt. Hierbei wären zusätzlich die niederschwelligen Arbeiten und das hohe Mass an wieder
kehrende
r
Routine für die psychische
Balance/Gesundheit der Beschwerde
füh
rerin
ungünstig
. Es werde daher erneut die Rentenprüfung empfohlen
(Urk.
8/269/6).
Zwar sind es in erster Linie
die psychiatrischen Fachärzte, welche die Arbeits- und Leistungsfähigkeit einer versicherten Person zu beurteilen haben, wenn - wie im vorliegenden Fall - die geltend gemachten gesundheitlichen Ein
schrän
kungen
psychischer oder
psychosomatischer Natur sind.
Wie bei der Haushalts
abklärung gilt jedoch auch bei Potentialabklärungen respektive beruflichen Abklärungsberichten, dass bei widersprüchlichen Fest
stellung den Einschätzun
gen der psychiatrischen Fachärzte vor jenen der Ab
klärungs
per
sonen vor Ort mehr Gewicht zukommt,
weil es der Abklä
rungs
person regel
mäs
sig nur be
schränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit ver
bunden
en Einschränkungen zu erkennen
(Urteil des Bundes
gericht 9C_185/2016 vom
8.
August 2016 E. 4.1
mit Hinweis
).
Da
hier
d
as
Ergebnis der Poten
tialabklärung
der
D._
mit der psychia
trischen Ein
schätzung von Dr.
E._
dagegen übereinstimmt,
vermag
der Abklä
rungsbericht
die rentenerhebliche Versch
lechterung des Gesundheits
zustandes der
Beschwerde
führerin
zu bestätigen und
zusammen mit dem Bericht von
Dr.
E._
- im Rahmen des Verfahrens zum
Nichtein
tretensentscheid
mit herab
gesetztem
Beweismass
-
glaubhaft zu machen.
3.5
Nach dem Gesagten ist die Beschwerdegegnerin zu Unrecht nicht auf die Neu
an
meldung der
Beschwerdeführerin
vom 2
5.
Januar 2017 (
Urk.
8/286) ein
ge
treten. Die angefochtene Verfügung vom 1
9.
Juni
2017 (
Urk.
2) ist daher in
Gutheissung
der Beschwerde aufzuheben und die
Beschwerdegegnerin ist zu ver
pflichte
n
, auf das Leistungsgesuch
der
Beschwerdeführerin
vom 2
5.
Januar 2017
einzu
treten.
4.
4.1
Da der Streitgegenstand die Be
willigung oder Verweigerung von Versicherungs
leistungen betrifft, ist das Ver
fahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), er
messens
weise
auf Fr.
7
00.-- anzusetzen und der Be
schwerdegegnerin aufzu
erlegen.
4.2
Der unent
geltlichen Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführer
in
,
Rechtsanwältin Melina
Tzikas
,
steht eine
E
ntschädigung zu, welche nach Art. 61
lit
. g
ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungs
gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen sowie unter
Berücksichtigung der Honorarnote vom
22. März 2018
(Urk. 2
7
)
festzu
setzen
ist, ein ungerechtfertigter Aufwand wird nicht entschädigt
.
Rechtsanwältin
Melina
Tzikas
macht einen Aufwand von
16,5
Stunde
n à Fr. 28
0.-- zuzüglich Barauslagen von
3
%
respektive
Fr.
138.60, mithin eine Ent
schädigung
von insgesamt Fr.
5'137.90
(inklusive Mehrwertsteuer) geltend. Dieser Aufwand ist der in zeitlicher und
thematischer Hinsicht begrenzten
Thematik der Neuanmeldung und der
Schwierig
keit des Prozesses
in keiner Weise ange
messen. Die relevanten Akten umfassen zudem lediglich wenige Arztberichte, die übrigen Akten sind bereits aus dem vorausgehenden Verfahren bekannt und die Be
schwerde enthält im Wesentliche
n dieselben Argumente wie sie im
Einwand
schreiben
(
Urk. 8/308
) vorgebracht worden waren. Die Be
schwerdeschrift umfasst denn auch nur
zehn
Seiten (Urk. 1)
, die weitere Eingabe vom 29. Dezember 2017 eine Seite (
Urk.
14).
Für diese beiden Eingaben, zusam
men mit dem Aktenstu
dium
und
der Vor
besprechung wurden
ein Aufwand von 10
Stunden
35 Minuten
geltend gemacht, dies ist auf ange
messene
7
Stunden zu kürzen. Für das Sub
stantiieren und Einreichen der Belege zum Gesuch um unentgeltliche Prozessführung mit zwei Eingaben (Urk.
5
und Urk.
16
),
das
Entgegennehmen von
vier
Verfügungen
(
Urk.
4, Urk. 9, Urk. 18
, Urk. 25
) sowie zwei Frister
streckungs
g
esuche (
Urk.
12-13)
wurde ausser
dem ein Aufwand von insgesamt
3
Stunden
25 Minuten
geltend gemacht, was auf ange
messene
2
Stunden zu kürzen ist.
Der weitere geltend gemachte Aufwand von insgesamt
2
Stunden 30 Minuten betrifft die Korrespondenz mit der
Be
schwerdeführerin
und die Einreichung der Honorar
note, was auf angemessene 1
Stunde zu kürzen ist.
Ausserdem ist der Stundenansatz von Fr. 280.-- auf den gerichtsüblichen Stun
den
ansatz von Fr. 220.-- herabzusetzen.
Damit resultiert
unter Berück
sichtigung der pauschal geltend gemachten
Baraus
lagen
von 3
%
respektive Fr. 66.-- und der Mehrwertsteuer (bis Ende 2017: 8
%
, ab Januar 2018: 7,7
%
) eine Prozess
entschädigung von Fr. 2'446.50 ([10 Stunden x Fr. 220.--] + Fr. 66; +
Fr.
160.-- + Fr. 20.50).