Decision ID: 905a45a7-72ff-5d0f-be7a-3795f5701990
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
I.
A.
Der Beschwerdeführer stellte am 9. September 2019 in der Schweiz ein
erstes Asylgesuch, welches er im Wesentlichen damit begründete, er habe
Probleme mit der sri-lankischen Armee gehabt, nachdem diese im Jahr
2014 ein Camp auf einem Teil des Grundstücks seiner Familie errichtet
habe. Die Armeeangehörigen hätten ihn immer wieder mitgenommen, ge-
schlagen und unter dem Verdacht, den Liberation Tigers of Tamil Eelam
(LTTE) anzugehören, verhört. Zudem habe er ohne Entgelt für die Armee
Arbeiten verrichten müssen. Mitte Juli 2019 sei er vom Criminal Investiga-
tion Department (CID) nach B._ verschleppt und wiederum ge-
schlagen sowie nach Bomben und Karten der LTTE befragt worden.
B.
Mit Verfügung vom 22. Oktober 2019 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab
und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug.
Die vom Beschwerdeführer gegen diese Verfügung eingereichte Be-
schwerde wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-5669/2019
vom 7. November 2019 im vereinfachten Verfahren als offensichtlich unbe-
gründet vollumfänglich abgewiesen.
II.
C.
Ein erstes von der damaligen Rechtsvertretung des Beschwerdeführers
eingereichtes Mehrfachgesuch vom 9. Dezember 2019 wurde von dieser
mit Erklärung vom 28. April 2020 zurückgezogen (nachdem der Beschwer-
deführer seit dem 7. Februar 2020 untergetaucht war) und in der Folge vom
SEM am 5. Mai 2020 abgeschrieben.
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III.
D.
D.a Mit als "Mehrfachgesuch, eventualiter qualifiziertes Wiedererwägungs-
gesuch, sub-eventualiter einfaches Wiedererwägungsgesuch" bezeichne-
ter Eingabe vom 20. Oktober 2020 an das SEM beantragte der Beschwer-
deführer, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu
gewähren, eventualiter die Unzulässigkeit und/oder Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihm die vorläufige Aufnahme in
der Schweiz zu gewähren. In weiteren Eventualbegehren wurde bean-
tragte, es sei die Verfügung des SEM vom 22. Oktober 2019 in Wieder-
erwägung zu ziehen und ihm Asyl respektive die vorläufige Aufnahme zu
gewähren.
D.b Zur Begründung brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor,
er werde weiterhin von den sri-lankischen Sicherheitskräften gesucht. Am
(...) Mai 2020 sei seiner Mutter eine an ihn gerichtete polizeiliche Vorla-
dung ausgehändigt worden. Da er dieser keine Folge geleistet habe, seien
seine Eltern von Militärangehörigen behelligt und nach seinem Verbleib be-
fragt worden. Diesen Vorfall könne er mit mehreren Fotografien belegen,
welche von einem Verwandten heimlich aufgenommen worden seien. Zu-
dem werde die Glaubhaftigkeit seiner Asylvorbringen dadurch gestützt,
dass seine Eltern am (...) August 2019 bei der Menschenrechtskommis-
sion in Sri Lanka eine Beschwerde eingereicht hätten. Die genannten Do-
kumente seien erst im September 2020 einem in der Schweiz lebenden
Bekannten zugestellt und ihm dann von diesem ausgehändigt worden. Es
sei geboten, sein Risikoprofil unter Berücksichtigung der aktuellen Lage
neu zu beurteilen. Es sei zu beachten, dass die allgemeine Sicherheitslage
sich insbesondere für die tamilische Bevölkerung nach der Machtüber-
nahme durch den Rajapaksa-Clan nach den Wahlen vom 17. November
2019 massiv verschlechtert habe und die Machtposition der Regierung
durch die Parlamentswahlen vom 5. August 2020 noch gefestigt worden
sei. Er sei massiv gefährdet, weil er den Sicherheitsbehörden bekannt sei
und von diesen gesucht werde; er müsste im Falle einer Einreise mit einer
Verhaftung und Verhören rechnen. Tamilen mit seinem Profil (lange Lan-
desabwesenheit, Verwandtschaft zu einem ehemaligen LTTE-Mitglied)
stellten aus der Sicht der sri-lankischen Regierung eine potenzielle Gefahr
dar. Diese Einschätzung werde durch einen Bericht der "Working Group on
Arbitrary Detention" vom 23. Juli 2018 bekräftigt. Aufgrund der Gefahr von
Behelligungen und Misshandlungen durch Behörden oder paramilitärische
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Gruppierungen sei der Wegweisungsvollzug auch als unzulässig respek-
tive unzumutbar zu erachten. Hinzu komme, dass er aufgrund der fehlen-
den Bemühungen der sri-lankischen Regierung, die tamilische Bevölke-
rung vor der Pandemie zu schützten, einem hohen Risiko ausgesetzt wäre,
am Corona-Virus zu erkranken.
D.c Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine po-
lizeiliche Vorladung vom (...) Mai 2020, eine Kopie einer bei der Human
Rights Commission of Sri Lanka eingereichten Beschwerde vom (...) Au-
gust 2019 inklusive Eingangsbestätigung dieser Kommission, mehrere
Fotografien sowie einen Ausdruck eines Online-Zeitungsartikels vom
7. August 2020 ein.
E.
Mit Schreiben vom 29. Oktober 2019 forderte die Vorinstanz den Be-
schwerdeführer zur Nachreichung von Übersetzungen der eingereichten
Dokumente auf.
Am 25. November 2020 reichte der Beschwerdeführer innert erstreckter
Frist die verlangten Übersetzungen ein.
F.
Mit Verfügung vom 11. Dezember 2020 stellte das SEM fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und wies sein
Mehrfachgesuch ab. Auf die Vorbringen betreffend die Beschwerde an die
Menschenrechtskommission in Sri Lanka wurde mangels funktioneller Zu-
ständigkeit nicht eingetreten. Ferner wurde erneut die Wegweisung sowie
deren Vollzug angeordnet.
G.
Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 11. Januar 2021 erhob
der Beschwerdeführer Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfügung
und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei seine Flüchtlingseigen-
schaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, subeventualiter die
Unzulässigkeit und/oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs fest-
zustellen und ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In der Beilage
wurde ein Ausdruck eines Online-Zeitungsartikels vom 11. Dezember 2020
eingereicht.
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H.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
12. Januar 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 6 AsylG [SR
142.31]).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
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Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Zur Begründung ihrer Verfügung führte die Vorinstanz aus, es seien
erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerde-
führers hinsichtlich der polizeilichen Vorladung und der Behelligungen sei-
ner Familienangehörigen anzubringen. Zum einen lasse sein Abtauchen
nach der Einreichung des ersten Mehrfachgesuchs am Wahrheitsgehalt
der angeblichen Verfolgungssituation zweifeln. Zum anderen habe er nur
pauschal die bereits im ersten Asylverfahren behauptete Bedrohungslage
wiederholt, welche in der Verfügung vom 22. Oktober 2019 aufgrund seiner
widersprüchlichen und pauschalen Aussagen als unglaubhaft qualifiziert
worden sei. Der Beweiswert der polizeilichen Vorladung vom (...) Mai 2020
sei sehr gering; sie weise keine fälschungssicheren Merkmale auf und der-
artige Dokumente seien leicht fälschbar. Aus den eingereichten Fotografien
liessen sich keinerlei Rückschlüsse auf eine mögliche asylrelevante Verfol-
gung des Beschwerdeführers ziehen. Die Beschwerde an die Menschen-
rechtskommission vom (...) August 2019 lasse keine Rückschlüsse auf die
geltend gemachten Asylgründe zu und könne im vorliegenden Verfahren
nicht gewürdigt werden, sondern wäre allenfalls im Rahmen eines Revisi-
onsbegehrens beim Bundeverwaltungsgericht vorzubringen. Im Weiteren
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habe der Beschwerdeführer keinen persönlichen Bezug zum Sieg Rajapa-
ksas bei der Präsidentschaftswahl hergestellt. Es gebe keinen Anlass zur
Annahme, dass ganze Volksgruppen unter seiner Präsidentschaft kollektiv
einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt seien. Inwiefern er infolge des Macht-
wechsels in Sri Lanka vom 16. November 2019 gefährdet sein solle, sei
nicht nachvollziehbar begründet worden. Allein die Angabe, der Beschwer-
deführer weise ein Risikoprofil auf, vermöge keine Verfolgungsgefahr zu
begründen, zumal im vorangegangenen Asylverfahren bereits festgestellt
worden sei, dass seine Vorbringen in Bezug auf die familiären Verbindun-
gen zur LTTE unglaubhaft seien. Es bestünden keine neuen Hinweise auf
das Bestehen eines Risikoprofils. Insgesamt vermöchten auch die neuen
Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftig-
keit gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen.
5.2 Der Beschwerdeführer begründete seine Beschwerde im Wesentlichen
damit, die Vorinstanz habe seinen neuen Verfolgungsvorbringen sowie den
zu deren Beleg eingereichten Beweismitteln zu Unrecht die Glaubhaftigkeit
abgesprochen. Sie habe verkannt, dass er ein Risikoprofil aufweise, das
einen direkten Bezug zu den neueren politischen Entwicklungen in Sri
Lanka habe. Aufgrund der angespannten allgemeinen Sicherheitslage sei
eine Neubeurteilung der allgemeinen Gefährdungslage erforderlich.
Namentlich sei zu berücksichtigen, dass die sri-lankischen Behörden im
Besitz geheimer Informationen über Asylsuchende in der Schweiz seien,
die sich auf dem Mobiltelefon einer Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft
in Colombo gefunden hätten.
6.
6.1 Mit Bezug auf die rechtliche Qualifikation der Gesuchseingabe vom
20. Oktober 2020 ist vorab festzustellen, dass der Beschwerdeführer darin
eine – auf die Flüchtlingseigenschaft und die Frage der Asylgewährung be-
zogene – nachträgliche Veränderung der Sachlage geltend gemacht hat.
Das SEM hat dieses Gesuch zu Recht als ein Mehrfachgesuch im Sinn von
Art. 111c AsylG angenommen und behandelt. Soweit der Beschwerdefüh-
rer in seiner Eingabe auf Vorfälle in Sri Lanka verweist, die sich vor dem
ihn betreffenden Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (vom 7. November
2019) zugetragen haben sollen (Einreichung einer Beschwerde bei Human
Rights Commission of Sri Lanka durch die Eltern des Beschwerdeführers
am [...] August 2019), hat das SEM zutreffend festgehalten, dass solches
mit einem Revisionsgesuch gegen das Beschwerdeurteil E-5669/2019 gel-
tend zu machen wäre, und ist auf die Eingabe zuständigkeitshalber zu
Recht nicht eingetreten.
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6.2 Beim Bundesverwaltungsgericht ist bisher kein Revisionsgesuch des
Beschwerdeführers eingegangen. Seine Beschwerde, die offenkundig von
einer juristisch geschulten Person verfasst worden ist, enthält ebenfalls
keine entsprechenden Anträge.
6.3 Soweit der Beschwerdeführer eine unvollständige und unrichtige res-
pektive willkürliche Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts durch
das SEM rügt, vermengt er die Frage der Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sache ver-
mengt. Alleine weil das SEM aus sachlichen Gründen zu einer anderen
Würdigung der Gesuchsvorbringen gelangt, als vom Beschwerdeführer
verlangt, liegt keine unvollständige oder falsche Sachverhaltsfeststellung
vor.
6.4 Nach Auffassung des Gerichts hinterlässt die Argumentation der Vor-
instanz im Asylpunkt nach Durchsicht der Akten im Ergebnis einen über-
zeugenden Eindruck. Es trifft zwar zu, dass aus dem Verhalten des Be-
schwerdeführers vor der Einreichung des vorliegenden Gesuchs (Abtau-
chen und Rückzug des ersten Mehrfachgesuchs) nicht ohne Weiteres auf
die Unglaubhaftigkeit der im vorliegenden Verfahren vorgebrachten – erst
nach dem Rückzug des vorherigen Gesuchs entstandenen – Beweismittel
und neuen Vorbringen geschlossen werden kann (vgl. Beschwerde S. 5 f.).
Ungeachtet dessen ist aber in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzu-
stellen, dass den im vorliegenden Verfahren zu beurteilenden neu vorge-
legten Beweismitteln (polizeiliche Vorladung vom [...] Mai 2020, Fotogra-
fien) kein relevanter Beweiswert beigemessen werden kann. Es kann dies-
bezüglich auf die überzeugenden Erwägungen in der angefochtenen Ver-
fügung verwiesen werden. Auch wenn diese Beweismittel in Kontext ge-
setzt werden zu den Asylvorbringen des Beschwerdeführers im ersten
Asylverfahren, welche sowohl vom SEM als auch vom Bundesverwal-
tungsgericht als offensichtlich unglaubhaft qualifiziert wurden, ergeben sich
hieraus keine stichhaltigen Hinweise auf eine begründete Verfolgungs-
furcht des Beschwerdeführers. Bei der aktuellen Aktenlage vermag der Be-
schwerdeführer nicht glaubhaft zu machen, dass er ein asylrechtlich rele-
vantes Risikoprofil aufweist. Der Vorwurf, die Vorinstanz habe dem herab-
gesetzten Beweisanforderungen von Art. 7 AsylG nicht hinreichend Rech-
nung getragen, ist nicht gerechtfertigt.
6.5 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers lässt auch die aktu-
elle allgemeine Situation in seinem Heimatstaat nicht auf eine asylrele-
vante Gefährdung schliessen. Seit Einreichung des Asylgesuchs durch den
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Beschwerdeführer war die Lage in Sri Lanka verschiedenen Veränderun-
gen unterworfen, wobei namentlich politische Spannungen, die verheeren-
den Terroranschläge an Ostern 2019 sowie die Wahl von Gotabaya
Rajapaksa zum Präsidenten von Sri Lanka zu erwähnen sind. Das Bun-
desverwaltungsgericht ist sich der Veränderungen in Sri Lanka in letzter
Zeit bewusst, beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksich-
tigt sie bei der Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage für Per-
sonen, die bestimmte Risikofaktoren erfüllen, auszugehen (vgl. Referenz-
urteil des Bundesverwaltungsgerichts E‐1866/2015 vom 15. Juli 2016;
HRW, Sri Lanka: Families of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Den-
noch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit
dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv
einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist
praxisgemäss im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asyl-
suchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019
respektive deren Folgen besteht (vgl. Urteil des BVGer D-6808/2019 vom
19. Mai 2020 E. 6.3 mit weiteren Hinweisen). Ein solcher Bezug ist vorlie-
gend nicht konkretisiert worden. Den im Referenzurteil E-1866/2015 entwi-
ckelten Risikofaktoren hat das Bundesverwaltungsgericht in seinem
rechtskräftigen Urteil E-5669/2019 vom 7. November 2019 Rechnung ge-
tragen und aufgrund der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwer-
deführers festgehalten, dass er keinen dieser Faktoren erfülle. Die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers im Mehrfachgesuch vom 20. Oktober 2020
sowie in der Beschwerdeeingabe enthalten keine stichhaltigen Argumente,
welche eine andere Einschätzung rechtfertigen würden.
6.6 Schliesslich kann der Beschwerdeführer kann aus dem Vorbringen,
dass die sri-lankischen Behörden im Besitz von geheimen Informationen
über Asylsuchende in der Schweiz seien, die sich auf deren Mobiltelefon
einer lokalen Angestellten der Schweizer Botschaft in Sri Lanka befunden
hätten, nichts zu seinen Gunsten ableiten. Ein konkreter Bezug dieser
angeblichen Ereignisse zu der von ihm behaupteten persönlichen Verfol-
gungssituation ist nicht ersichtlich.
6.7 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, das
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat demnach sein erneutes Mehr-
fachgesuch zu Recht abgelehnt.
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Seite 10
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
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8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
8.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes
für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka
lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts nicht als un-
zulässig erscheinen (vgl. Urteil des BVGer E-1866/2015, a.a.O., E. 12.2).
Auch der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine
EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä-
ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl.
EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Beschwer-
de Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O.; T.N. gegen Däne-
mark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. gegen
Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08; Recht-
sprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen, Entscheidung vom 11. Juli
2017, Beschwerde Nr. 44114/14). Dabei unterstreicht der Gerichtshof,
dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden
Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Den Akten lassen sich
keine stichhaltigen Hinweise dafür entnehmen, dass diese Einschätzung
nicht mehr zutreffend wäre.
8.2.4 Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte dafür,
dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen
"Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In-
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Seite 12
und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet
wäre.
8.2.5 Der Vollzug erweist sich damit als zulässig.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Ge-
mäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Nord- und Ost-
provinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskri-
terien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen
Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und
Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil E-1866/2015, a.a.O.,
E. 13.2). An dieser Einschätzung vermögen die Gewaltvorfälle in Sri Lanka
vom 21. April 2019, der gleichentags von der sri-lankischen Regierung ver-
hängte Ausnahmezustand, der am 28. August 2019 wieder aufgehoben
wurde, und die mit den Wahlen im November 2019 zusammenhängenden
gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu ändern.
8.3.2 In individueller Hinsicht sind im Rahmen des vorliegenden zweiten
Asylgesuchs bezüglich der Frage nach sozialen Auffangstrukturen im Hei-
matland, namentlich die Existenz eines familiären Beziehungsnetzes,
keine relevanten neuen Vorbringen erfolgt. Die geltend gemachten Behel-
ligungen, denen die Angehörigen ausgesetzt seien, sind nach den vorste-
henden Ausführungen unglaubhaft. Unter Hinweis auf die entsprechenden
Ausführungen im Urteil kann daher auf (lediglich wiederholende) weitere
Ausführungen verzichtet werden.
8.3.3 Schliesslich vermag auch die aktuelle COVID-19-Pandemie kein Voll-
zugshindernis zu begründen, da praxisgemäss davon auszugehen ist,
dass es sich dabei – wenn überhaupt – bloss um ein temporäres Hindernis
handelt, welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantona-
len Behörden Rechnung zu tragen ist (vgl. statt vieler etwa das Urteil des
BVGer E-5943/2020 vom 10. Dezember 2020 E. 8.5).
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Seite 13
8.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Für die eventualiter beantragte Rückwei-
sung der Sache an die Vorinstanz besteht keine Veranlassung. Die Be-
schwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.−
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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