Decision ID: 8cbd995f-152e-463e-b9df-438f41fa0279
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960, arbeitete vom 1. September 2004 bis zum 30. Juni 2005 bei der
Y._
AG in
Z._
als Hilfsarbeiter. Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses erfolgte durch die Arbeitgeberin aus strukturellen Gründen (Urk.
10
/1
6
). Letzter effektiver Arbeitstag war der 2. März 2005, da
X._
an diesem Tag einen Arbeitsunfall erlitt, bei welchem ihm die rechte Hand zwi
schen die rollenden Walzen einer Rollenteilmaschine geriet. Die Schwei
zeri
sche Unfallversicherungsanstalt (SUVA) erbrachte für diesen Unfall Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung, insbesondere richtete sie dem Versi
cherten für die Zeit vom 5. März bis zum 31. Oktober 2005 ein Taggeld von 100 % aus (Urk.
10
/
17
). In der Folge meldete sich
X._
bei der Arbeitslosenversi
cherung und bezog ab dem 1. November 2005 bei einer Vermittlungsfähigkeit von 100 % Arbeitslosentaggelder (Urk.
10
/
9
/1). Vom 9. Mai 2006 bis zum 31. Oktober 2006 (letzter effektiver Arbeitstag: 8. September 2006) arbeitete er bei der
A._
AG, Metallbau,
Z._
, als Hilfsarbeiter (Urk.
10
/1
5
). Die Arbeitgeberin löste dieses Arbeitsverhältnis wegen ungenügenden Leistungen auf. Die Kündigung führte beim Versicherten zu einem Zusammenbruch, und er musste sich notfallmässig in psychiatrische Behandlung begeben (Urk.
10
/
4
). Weil er sich wegen seiner Schmerzen nicht mehr erwerbsfähig fühlte, meldete er sich am 13. Dezember 2006 bei der Invali
den
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
10
/
6
). Die
Sozial
versicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, erkundigte sich bei der SYNA Arbeitslo
senk
asse
nach den von dieser erbrachten Leistungen (vgl. Fragebogen vom 21. Dezember 2006, Urk.
10
/
9
/1). Ausserdem holte sie die Arbeitgeberberichte der
Y._
AG vom 5. Januar 2007 (Urk.
10
/1
6
) und der
A._
AG vom 4. Januar 2007 (Urk.
10
/1
5
) sowie die Arztberichte von Dr. med.
B._
, Fachärztin Allgemeinmedizin FMH, vom 28. Dezember 2006 (Urk.
10/13
/1-5, unter Beilage weiterer
Arzt
berichte
, Urk.
10/13
/6-19), von Dr. med.
C._
, Orthopädische Chirurgie FMH,
vom 3. Januar 2007 (Urk.
10/14
/5, unter Beilage weiterer
Arzt
berichte
, Urk.
10/14
/6-12) und des
D._
vom 22. Januar 2007 (Urk.
10
/1
8
/6-10) ein.
Sodann
zog sie die Akten der SUVA bei (Urk.
10
/1
7
/1-38). Mit Vorbescheid vom 2. März 2007 kündigte die IV-Stelle
X._
an, sein
Leistungsbe
gehren
müsse abgewiesen werden, da er erst seit Dezember 2006 erheblich in seiner Arbeits- und Erwerbsfähigkeit einge
schränkt sei und somit frühestens im Dezember 2007 ein Anspruch auf eine Invalidenrente entstehen könne (Urk.
10/21
). Mit Einwand vom 18. März 2007 teilte der Versicherte der IV-Stelle mit, er sei bereits seit dem Unfall vom 2. März 2005 in seiner Arbeitsfä
higkeit eingeschränkt. Es sei deshalb ab diesem
Datum ein Leistungsanspruch zu prüfen (Urk.
10
/
25
). Die IV-Stelle wies jedoch das Leistungsbegehren mit Verfü
gung vom 30. Juli 2007 ab, da die einjährige Wartezeit erst per 11. September 2006 eröffnet werden könne (Urk.
10/27
).
1.2
Am 11. September 2007 erneuerte
X._
sein Leistungsbegehren, da er weiterhin zu 50 % in seiner Erwerbsfähigkeit eingeschränkt sei (Urk.
10/29
). Die IV-Stelle holte die Arztberichte von Dr.
B._
vom 27. September 2007 (Urk.
10/32
/7, unter Beilage weiterer Arztberichte, Urk.
10/32
/8-23), des
D._
vom 22. Oktober 2007 (Urk.
10/34
/1-7, unter Beilage wei
terer Arztberichte, Urk.
10/34
/8-13) und von Dr. med.
E._
,
Fa
charzt FMH für Innere Medizin und
Rheumatologie
,
vom
30.
Oktober 2007 (Urk. 10/35
) ein.
X._
teilte am 3. Oktober 2007 mit, dass er seit dem 11. September 2006 keine Erwerbstätigkeit mehr aufgenommen habe (Urk.
10/33). In der Folge liess die
IV-Stelle das polydisziplinäre Gutachten der Medizinischen
Ab
klärungsstelle
(MEDAS)
F._
vom 16. Mai 2008 erstellen (Urk.
10/46
/1-47). Am 20. August 2008 forderte die IV-Stelle den Versicherten auf, sich in
Nachach
tung
seiner Schadenminderungspflicht einer kontinuier
lichen psychiatrischen Behandlung einschliesslich notwendiger Pharmako
therapie (überwacht mittels Urinkontrollen) zu unterziehen (Urk.
10/49
). Mit Vorbescheid vom selben Datum teilte die IV-Stelle
X._
mit, es stehe ihm ab dem 1. September 2007 eine halbe und ab dem 1. März 2008 eine ganze Invalidenrente zu (Urk.
10/51
). Gegen diesen Vorbe
scheid liess der Versicherte durch Rechtsan
wältin Ursula Reger-
Wyttenbach
am 19. September 2008 Einwand erheben mit dem Antrag, es sei ihm bereits ab dem 1. September 2007 eine ganze Invalidenrente auszu
richten (Urk.
10/58
). Mit Einwand vom 25. September 2008 stellt
e die Pen
sions
kasse PV-
Promea
durch
Rechtsanwalt Andreas
Gnädinger
den Antrag, es sei festzu
stellen, dass der Versicherte kein Anrecht auf eine Rente der Invaliden
versicherung habe (Urk.
10/60
).
X._
liess zum Einwand der Pensions
kasse am 29. Januar 2009 Stellung nehmen und stellte gleichzeitig das Gesuch, es sei ihm für das
Vorbescheidverfahren
die unentgelt
liche Rechtspflege zu gewähren (Urk.
10/70
). Am 27. Februar 2009 (Urk.
10/72
) reichte er ausserdem das Schreiben von Dr. med.
G._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psycho
therapie, vom 6. Februar 2009 (Urk.
10/71
/1-3) zu den Akten. Am 11. Juni 2009 teilte die IV-Stelle dem Versi
cherten mit, es sei eine weitere medi
zinische Abklärung beim
H._
in
I._
notwendig (Urk.
10
/7
4
). Mit Schreiben vom 19. Juni 2009 wehrte sich Dr.
G._
gegen eine erneute Begutachtung. Eine solche sei unzumut
bar, für die Gesundheit schädigend und somit nicht zu verantworten. Die Verzweiflung des Versicherten sei offensicht
lich und sollte nicht noch mehr auf die Spitze getrieben werden (Urk.
10/81
). Am 24. Juni 2009 erhob
X._
durch Rechtsanwältin Reger-
Wyttenbach
Einwände gegen
eine erneute Begut
achtung im Allgemeinen und insbesondere gegen eine solche durch das
H._
(Urk.
10/82
). Die IV-Stelle hielt in der Folge nicht an der Erstellung eines weiteren polydisziplinären Gutachtens fest. Statt
dessen liess sie das psychiatri
sche Gutachten von Dr. med.
J._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie FMH,
K._
, vom 10. September 2010 erstellen (Urk.
10/117
/1-25). Am 30. September 2010 (Urk.
10/120
) nahmen der Rechts
vertreter der Pensionskasse und am 6. Oktober 2010 (Urk.
10/121
) die
Rechts
vertreterin
des Versicherten zum Gutachten von Dr.
J._
Stellung. Mit Vorbe
scheid vom 12. April 2011 stellte die IV-Stelle in Abänderung des Vorbe
scheids vom 20. August 2008 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aus
sicht, da gesamthaft ein invalidisierender Gesundheitsschaden zu verneinen sei (Urk.
10/130
). Gegen diesen Vorbescheid liess
X._
am 30. Mai 2011 Einwand erheben, wobei er gleichzeitig um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsvertretung für das
Vorbescheidverfahren
ersuchte bzw. das bereits ge
stellte Gesuch erneuerte (
Urk
10/138
). Mit Verfügung vom 8. Juni 2011 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren von
X._
ab (Urk.
10/140
).
Die gegen diese Verfügung am 1
1.
Juni 2011 (
Urk.
10/148) erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 2
5.
Juni 2013 in dem Sinne gut, dass es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache an die IV-Stelle zurückwies, damit sie nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen über den
Leis
tungsanspruch
des Versicherten neu verfüge (
Urk.
10/168).
1.3
Die IV-Stelle holte in der Folge die Arztberichte von
Dr.
med.
L._
, FMH Innere Medizin,
vom 1
5.
Oktober 2013 (
Urk.
10/176/1)
, von
Dr.
E._
vom 1
6.
Dezember 2013 (
Urk.
10/182)
und von
Dr.
G._
vom
9.
Januar 2014 (
Urk.
10/184/1-7; unter Beilage weiterer Arztbericht
e
,
Urk.
10/184/8-14) ein.
Sodann liess sie das
bidisziplinäre
(rheumatologisch/psychiatrisch) Gutach
ten von
Dr.
med.
M._
, Rheumatologie und Innere Medizin FMH, und
med.
pract
.
N._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psycho
therapie, vom
5.
September 2014 (
Urk.
10
/214; rheumato
logisches
Teilg
ut
ach
ten
,
Urk.
10/216) erstellen.
Mit Vorbescheid vom 2
9.
September 2014 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, es sei keine langdauernde Arbeitsun
fähigkeit ausgewiesen, weshalb das Leistungsbegehren abgewiesen werden müsse (
Urk.
10/218).
Dagegen erhob
X._
durch Rechtanwältin
Reger-Wyt
tenbach
am
6.
Oktober 2014
(
Urk.
10/219) bzw. am 1
8.
November 2014 (
Urk.
10/222) Einwand. Die IV-Stelle hielt jedoch an ihrem Entscheid fest und wies den Leistungsanspruch mit Verfügung vom 2
6.
November 2014 ab (
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
X._
durch Rechtsanwältin
Reger-Wytten
bach
am 1
2.
Januar 2015 Beschwerde mit folgenden Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
„Die Beschwerde sei gutzuheissen und die Beschwerdegegnerin sei unter Aufhe
bung der angefochtenen Verfügung zu verpflichten, dem Beschwerde
führer ab
1.
September 2007 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer zulas
ten der Beschwerdegegnerin.“
„Dem Beschwerdeführer sei für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unent
geltliche Prozessführung und die unentgeltliche Rechtsvertretung zu bewilligen und es sei ihm die Unterzeichnende als unentgeltliche
Rechts
vertreterin
zu bestellen.“
Die Beschwerdegegnerin ersuchte am 1
6.
Februar 2015 um Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9), was dem Beschwerdeführer
am 2
4.
Februar 2015 mitgeteilt wurde (
Urk.
11). Der Beschwerdeführer liess am 1
9.
März 2015 ein weiteres Mal Stellung nehmen (
Urk.
12). Diese Stellungnahme wurde der Beschwerdegegnerin am 2
3.
März 2015 zugestellt (
Urk.
13).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.2
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende somatoforme
Schmerz
störung
oder eine vergleichbare Störung ohne erkennbare organische Ursache begründet als solche
noch keine Invalidität. Nach der bisherigen Recht
sprechung bestand eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind.
Danach konnten bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügte. Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien
(BGE 130
V
352, 131 V 49 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3).
1.1.3
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd anschliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die
Invaliditätsbemes
sung
stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berück
sichtigen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen nieder
schlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE
130 V 352 begründete Rechtspre
chung die Sicherstellung eines gesetzmässigen Versicherungsvollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der
Überwindbarkeitsver
mutung
. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht festzuh
alten. Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturiertes Beweisverfahren er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweisl
ast der rentenansprechenden Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender somatoformer Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) trete
n im Regelfall beachtliche Stan
dardindikatoren. Diese lassen sich in die Ka
tegorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen ein
teilen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präponderanz
der psychiatrischen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist recht
lich
er Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der
Stan
dardindikatoren
wie auch bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Ein
zel
fall zusammen. Im Grunde konkre
tisieren die in E. 4 und 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psycho
somatischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Anerkennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funktionellen Auswirkun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der
Standardindi
katoren
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
scheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der
Beweislo
sigkeit
nach wi
e vor die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht i
n
BGE 141 V 281
wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
(E. 4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zelfall relevanten) Indikatoren geben, verschaffen den Rechtsanwendern In
dizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störu
ngen zu überbrücken (E. 4.1.3).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes ist ein theoretischer und abstrak
ter Begriff, welcher dazu dient, den Leistungsbereich der Invalidenversicherung von jenem der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Er umschliesst einerseits ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraus
setzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die invalide Person die Mög
lichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten, und ob sie ein
renten
ausschliessendes
Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE 110 V 273
E.
4b; ZAK 1991 S. 321 E. 3b und 1985 S. 462 E.
4b; vgl. auch BGE 130 V 343 E.
3.2). An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdiens
t
aus
-
sichten sind praxisgemäss nicht übermässige Anforderungen zu stellen; diese hat viel
mehr nur so weit zu gehen, als im Einzelfall eine zuverlässige Ermittlung des Invaliditätsgrades gewährleistet ist. Für die Invaliditäts
-
bemessung ist nicht darauf abzustellen, ob eine invalide Person unter den konkreten
Arbeitsmarkt
verhältnissen
vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr ver
bliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nützen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI 1998 S. 290 f. E. 3b; Urteile des Bundesgerichts
I
273/04 vom 29. März 2005, I 591/02 vom 5. Mai 2004, I 285/99 vom 1
3.
März 2000 und U 176/98 vom 1
7.
April 2000). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte
Nischenar
beitsplätze
, also Stellen- und
Arbeitsange
-
bote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen vonseiten des Arbeitgebers rechnen können (Urteile des Bundesgerichts 9C_95/2007 vom 2
9.
August 2007 E. 4.3 und 9C_98/2014 vom 2
2.
April 2014 E. 3.1, je mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die
ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
2.1.1
Gemäss dem Arztbericht von Dr.
B._
vom 28. Dezember 2006 (Urk.
10
/
13
/1-5)
bestehen beim Beschwerdeführer eine Kraft- und
Beweglich
keitseinschränkung
beider Arme bei einem Status nach Unfall mit Verletzung der rechten Hand sowie nach Motorradunfall vor Jahren mit Verletzung des lin
ken Armes sowie eine Depression. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestehe ausserdem ein chronisches
Lumbovertebralsyndrom
bei Behandlung in der Klinik
O._
sowie bei Dr.
P._
in
Z._
. In der zuletzt ausgeüb
ten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer seit dem 11. September 2006 zu 100 % arbeitsunfähig. Die Behandlung nach dem Unfall im Jahre 2005 mit Verletzung
des rechten Handrückens sei am 1. November 2005 abge
schlossen und der Beschwerdeführer von der SUVA wieder zu 100 % arbeitsfähig beurteilt worden. Am 1. September 2006 habe er sich in einem psychischen Ausnahme
zustand in der Sprechstunde gemeldet, da ihm auf eine sehr verletzende Weise gekündigt worden sei. Er habe sofort in psychiatrische Behandlung überwiesen werden müssen. Die Beurteilung der Beschwerden an den Oberarmen werde ausserdem von Dr.
C._
vorgenommen. Der weitere Verlauf der Arbeitsfähigkeit könne deshalb von ihr
-
Dr.
B._
-
nicht beurteilt werden.
2.1.2
Am 27. September 2007 (Urk.
10
/3
2
/7) gab Dr.
B._
an, es sei dem Beschwer
deführer aus psychiatrischer sowie rheumatologischer Sicht ab dem 1. Juni 2007 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Die
Weiter
be
handlung
habe Dr.
E._
übernommen.
2.2
Dr.
C._
führte im Bericht vom 3. Januar 2007 (Urk.
10
/1
4
/5) aus,
beim
Beschwer
de
führer bestünden beidseitige
Schulter-/Armbeschwerden bei
Band
scheibendegeneration
C4/5 und C5/6 mit deformierenden
Spondyl
arthro
sen
und
Unkovertebralarthrosen
. Die radiologisch nachgewiesenen Ver
änderun
gen der HWS erschienen
szintigraphisch
nicht aktiv. Die angegebenen Beschwerden seien spezialärztlich orthopädisch nicht zu erklären. Die Beur
tei
lung der Arbeitsfähigkeit sei deshalb durch die Hausärztin oder die psychiat
risch behan
delnden Ärzte vorzunehmen.
2.3
2.3.1
Laut dem Bericht des
D._
vom 22. Januar 2007 (Urk.
10/18/6-10) besteht beim Beschwerdeführer eine mittelgradige depressive
Episode nach Arbeits
unfall 2005 und Kündigung der Arbeitsstelle per Ende September 2006 (ICD-10 F32.10), Differentialdiagnose: Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion nach Arbeitsunfall 2005 und Kündigung der Arbeitsstelle per Ende September 2006 (ICD-10 F.43.21). Der Beschwerdeführer sei am 7. November 2006 zu 50 bis 70 % arbeitsunfähig gewesen, und vom 1. Dezember 2006 bis zum 31. Januar 2007 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Aus psychiat
rischer Sicht sei es möglich und zur Vermeidung einer
Chronifizierung
im wei
teren Verlauf wünschbar, dass der Beschwerdeführer ab Februar 2007 zu 50 %, später zu 70 bis 80 % einer kognitiv wenig anspruchsvollen und körperlich leichten Arbeitstätigkeit nachgehen könne.
2.3.2
Im Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 22. Oktober 2007 (Urk.
10/34
/1-9) diagnostizierten die Ärzte des
D._
eine anhaltende somatoforme
Schmerzstö
rung
(ICD-10 F45.4). Sie be
scheinigten dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfä
higkeit von 100 % für die Zeit vom 1. Dezember 2006 bis zum 31. März 2007 und von 50 % ab dem 1. April 2007. Aus psychiatrischer Sicht sei dem
Beschwerdeführer die Auf
nahme einer angepassten Tätigkeit zu 80 % möglich. Es werde die Vornahme einer eingehenden medizinischen Abklärung empfoh
len.
2.4
Gemäss dem
bei
der Beschwerdegegnerin am
3
0.
Oktober 2007
eingegangenen
Bericht von Dr.
E._
(Urk.
10
/3
5
)
bestehen beim
Beschwerdeführer
ein chro
nisches
cervico-lumbovertebrales
Schmerzsyndrom bei Degenera
tionen C4/5 und C5/6, Degenerationen L3/4 und L5/S1, ein Status nach
lumbo
radi
kulärem
Reizsyndrom, anamnestisch
seit 2005, chronische
Ellbogenschmerzen links
seitig bei Status nach möglicher F
raktur vor 20 Jahren sowie eine
P
eri
arthro
pathia
humeroscapularis
links bei AC-Gelenksarthrose. Der Beschwerde
führer sei in der angestammten Tätigkeit von ca. Oktober/November 2006 bis März 2007 zu 100 % und seit April 2007 zu 50 % arbeitsunfähig. In einer kör
perlich leichten Tätigkeit mit Wechselbelastung bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %, bedingt durch körperliche Einschränkungen und vor allem den chro
nischen Schmerzzustand. Es sei eine psychische Störung und/oder eine soma
toforme Schmerzstörung wahrscheinlich, deren Stellenwert im Rahmen einer Begut
ach
tung abzuklären sei.
2.5
Die Ärzte der MEDAS
F._
stellten im Gutachten vom 16. Mai 2008 folgende Diagnosen (Urk.
10/46
/28-29):
„
Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
anhaltende Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und
Sozial
verhalten
(ICD-10 F43.25)
Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, aber mit Krankheitswert
Schulter-Arm-Schmerzsyndrom, mit somatischen Faktoren ungenügend erklär
bar
Status nach distaler
Humerusfraktur
links mit minimaler
Bewegungs
einschrän
kung
im Ellbogengelenk
leichte Arthrose im AC-Gelenk
leichtgradiges
Zervikalsyndrom
bei
Osteochondrosen
C4/5 und C5/6
unspezifische Rückenschmerzen
leichte Diskusdegeneration L5/S1,
Anulusriss
(MR 08/2005)
Restbeschwerden bei Status nach
Decollementverletzung
Handrücken rechts am 02.03.2005 mit
Thierschung
am 23.03.2005
Adipositas BMI 32.1 kg/m
2
Arterielle Hypertonie wahrscheinlich
Hyperlipidämie
anamnestisch
Rezidivierende Synkopen unklarer Genese
Tinnitus bei
Status nach Commotio cerebri und Kontusion des Gesichtsschädels bei Auto
unfall 1992 anamnestisch
Rhinitis
allergica
möglich
Tinea
pedis
links wahrscheinlich
Erythrasma
periscrotal
“
Für die Tätigkeit als Mitarbeiter in einer Fensterladenfabrik bestehe medizi
nisch-praktisch aufgrund der fehlenden psychischen Belastbarkeit vorderhand eine Arbeitsfähigkeit von 0 %. Medizinisch-theoretisch sei eine Aussage be
züg
lich der Arbeitsfähigkeit ausgesprochen schwierig. Es müsse noch nicht definitiv von einem langdauernden Gesundheitsschaden ausgegangen werden. Es werde des
halb eine Verlaufsbegutachtung nach 1 bis 2 Jahren empfohlen, wobei allenfalls eine Beurteilung durch die behandelnde Psychiaterin Dr.
G._
genüge. Die Arbeitsfähigkeit für eine adaptierte Tätigkeit sei gleich einzustufen. Aus rein rheumatologischer Sicht bestehe eine volle zeitliche Belastbarkeit des Be
wegungsapparates mit der Ausnahme, dass bezüglich Gewichtsbelastung und Arbeiten über der Schulterhorizontalen auf den linken Arm Rücksicht genom
men werden sollte. Eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sei allenfalls durch eine intensive Psychotherapie möglich. Eine genaue Angabe der möglichen Steigerung und des Zeitrahmens für deren Verwirklichung könne aber nicht gemacht werden. Für eine stabile Verbesserung bedürfe es sicher einer Therapie von ein bis zwei Jahren. Als Beginn der Behandlung wäre eine stationäre Reha
bilita
tion in einer auf Schmerzpatienten spezialisierten Klinik sinnvoll. Der Beginn der realpraktischen Arbeitsfähigkeit von 0 % sei auf Ende 2007 zu datieren, wobei der Beschwerdeführer seit Mitte September 2006 minimal zu 50 % arbeitsunfähig gewesen sei. Die Prognose sei unge
wiss (Urk.
10
/4
6
/28-30).
2.6
2.6.1
Die Psychiaterin Dr.
G._
diagnostizierte im
Schreiben an die
Rechts
vertre
terin
des Beschwerdeführers vom 6. Februar 2009 (Urk.
10
/
71
/1-3) eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD 10 F32.11). Weitere psychiatrische Symptome wie Ängste und Schlafstörungen beruhten vor allem auf den starken chronischen Schmerzzuständen, verschieden erfahre
nem Unrecht und Fehlbehandlungen sowie krankheitsbedingten
Existenzprob
lemen
. Es sei ein chronisches regionales Schmerzsyndrom (CRPD, ICD-10 M98.0) mit diversen somatischen Einschränkungen und seelischen Anteilen für einen Grossteil der psychischen Symptome mitverantwortlich und überlappe mit
diesen. Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %, welche klar auf körperli
chen Ursachen beruhe. An die Wiederaufnahme einer Tätigkeit sei in den nächsten Jahren nicht zu denken. Aus ihrer Sicht sei es miss
bräuchlich, wenn irgendein Sachbearbeiter einer Pensionskasse einen Einwand erheben könne, ohne den Beschwerdeführer je gesehen zu haben. Solche eigen
nützigen Machenschaften von Versicherungen seien für die betroffenen Patien
ten enorm belastend und wirkten oft verschlimmernd auf körperliche und see
lische Symp
tome.
2.6.2
Im Schreiben vom 19. Juni 2009 (Urk.
10
/
81
) teilte Dr.
G._
der
Beschwerde
gegnerin
mit, eine erneute medizinische Abklärung sei für den Beschwerdeführer unzumutbar, für die Gesundheit zusätzlich schädigend und somit nicht zu verantworten. Die Verzweiflung des Beschwerdeführers sei offensichtlich und sollte nicht noch mehr auf die Spitze getrieben werden.
2.7
Gemäss dem psychiatrischen Gutachten von Dr.
J._
vom 10. September 2010 (Urk.
10
/11
7
/22)
besteht beim Beschwerdeführer eine
Anpassungsstörung mit längerer
depressiver Reaktion (ICD-10 F
43.21), wobei die depressive Sympto
matik als mittelschwer einzustufen sei. Auch wenn nun die körperlichen Be
schwerden hinter den depressiven Symptomen und Beschwerden in den Hinter
grund getreten seien, so gelte es dennoch, eine weiterhin bestehende anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) festzuhalten. Nach gegenwärtigem Stand (September 2010) müsse beim Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit in den Raum gestellt werden, wobei diese primär nur auf den depres
siven Krankheitssymptomen gründe. Bezüglich Motivation müsse man von einem „nicht wollen können“ sprechen und könne das Verhalten des Beschwer
deführers nicht als Ausdruck eines „nicht können Wollens“, also einer aktiven Verweigerung ansehen. Es sei davon auszugehen, dass die 100%ige Arbeitsun
fähigkeit bereits seit mehreren Jahren bestehe und die im Jahre 2007 zeitweilig vom
D._
auf 50 % taxierte Arbeitsfähigkeit mehr einer medizinisch-theoreti
schen Arbeitsfähigkeit denn einer realen Restarbeitsfähigkeit ent
sprochen habe. Es seien keine Tätigkeiten vorstellbar, in denen die gesund
heitlichen Defizite nicht in gleicher Weise limitierend zum Tragen kommen würden wie in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Fabrikarbeiter. Die Prognose sei ungünstig. Berufliche Massnahmen seien aktuell nicht erfolgs
versprechend durchführbar.
2.8
Dr. med.
Q._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin führte in sei
ner Stellungnahme vom 10. November 2010 (Urk.
10/128
/3-4) an, aus
versiche
rungsmedizinischer
Sicht könne er sich der gutachterlichen Beurteilung von Dr.
J._
anschliessen. Das Gutachten erfülle die Anforderungen.
3.
3.1
Dr.
L._
gab ihm Bericht vom 1
5.
Oktober 2013 (
Urk.
10/176/1) an,
der Beschwerdeführer, welchen er letztmals am 2
0.
April 2011 gesehen habe,
habe bei mittelschwerem obstruktivem Schlafapnoesyndrom am 2
7.
März
2013 die Therapie abgebrochen.
3.2
Dr.
E._
hielt im Bericht vom 1
6.
Dezember 2013 (
Urk.
10/182) fest, der Beschwerdeführer sei schon länger nicht mehr arbeitsfähig.
3.3
Laut dem Bericht von
Dr.
G._
vom
9.
Januar 2014 (
Urk.
8/184/1-7) konnte beim Beschwerdeführer zwischenzeitlich die Diagnose einer chronischen Borreliose gestellt werden.
Die entsprechenden Symptome
,
wie starke Schmer
zen, Symptomausfälle, Schwindel, Schlafstörungen, Konzentrations
störungen, starke Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Vergesslichkeit und starke
Gewichtser
hö
hung
von 18 kg innerhalb eine
s
Jahr
es,
habe sie bereits am 7. Januar 2008 erwähnt, damals aber nicht gewusst, dass diese für eine chronische Borreliose verdächtig seien. Sie habe entsprechend der damaligen Fehldiagnose aller Ärzte den Beschwerdeführer zur Behandlung eines
Schmerz
syndroms
an die
Rheuma
klinik
des
R._
über
wiesen. Durch die falsche Behandlung habe die Krankheit ihren Lauf genommen und insbesondere durch die
Cortison
behandlungen
dürf
t
e die Borreliose gar noch verstärkt worden sein. Seit Behandlungsbeginn am
3.
Dezember 2007 sei der Beschwerdeführer bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig.
Je nach Erfolg der Langzeitantibiose gegen die chronische Borreliose könne der Beschwerdeführer wieder eine Arbeits
fähig
keit erreichen. Im ersten Jahr (somit 2014) müsse aber weiterhin von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Aktuell könne der Beschwerdeführer weder Arbeitszeiten einhalten (schwere Schlafstörungen), noch einen Arbeitsweg zurücklegen (starke Übelkeit etc. beim Reisen), noch die Konzentration aufbringen (kognitive Störungen) oder die vielen körperlichen Störungen überwinden. Zudem schränkten ihn auch Seh- und Gedächtnis
stö
rungen sowie durch die Borreliose bedingte Apathie, Müdigkeit etc. ein.
Die Leistungsfähigkeit sei massiv eingeschränkt und unzuverlässig, da die Krankheit schubweise Phasen mit Verschlimmerungen bringe. Zudem verlange die
Hei
lungsphase
eine strikte Medikamenteneinnahme. Eine Neubeurteilung sei nach Abschluss der A
nti
biose in zwei Jahren möglich.
3.4
Laut de
m
bidisziplinären
Gutachten
des Psychiaters
N._
und
des Rheuma
tologen
Dr.
M._
vom
5.
September 2014 (
Urk.
10/214
/1
9
) bestehen beim Beschwerdeführer
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit rheuma
tologisch ein chronisches
Zervikal
syndrom
bei
mässiggradigen
degenerativen Veränderungen
der unteren HWS sowie ein
lumbospondylogenes
Syndrom links bei
Diskopathie
L5/S1 mit
mediolateral
linksseitiger
breitbasiger
Diskushernie und kleinem Sequester links, klinisch keine Zeichen eines
radikulären
Reiz- oder
Ausfallsyn
droms
. Psychiatrisch gebe es keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden rheumatologisch ein Schulter-Arm-Syndrom linksbetont ohne objektivierbares somatisches Kor
relat, anamnestisch ein mittelschweres Schlafapnoe-Syndrom, ein Status nach erfolgreicher Spalthaut-Transplantation am rechten Handrücken bei Status nach
Ablederungsverletzung
am
2.
März 2005 und ein Status nach
supracondylärer
Humerusfraktur
links ca. 1976, konservativ therapiert, keine posttraumatische Arthrose
,
sowie psychiatrisch
eine an
hal
tende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) mit erschwerter
Schmerzbeschwerdever
arbeitung
(ICD-10 F54) mit/bei anamnestisch berichteter reaktiv depressiver Entwicklung im Rahmen eine
r
Anpassungsstörung (ICD-10 F43.21) beziehungs
weise zeitweisem
Aus
prä
gungsgrad
einer depressiven Episode (ICD-10 F32.0/1), aktuell nicht im Aus
mass entsprechend den ICD-10-Kriterien einer depressiven Episode gemäss Kategorie F
3.
Es liege keine affektive Erkrankung in Form eines anhaltenden, therapeutisch nicht mehr beeinflussbaren Krankheitsgeschehens mit Aus
wir
kung auf die Arbeitsfähigkeit vor. Die Foerster-Kriterien sei
en
mehr
heitlich nicht erfüllt und es könne entsprechend geltender
versicherungs
medizinischer
Richtlinien aktuell keine psychiatrisch begründbare Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit aus der Diagnose der anhaltenden somato
formen
Schmerz
stö
rung
abgeleitet werden.
Eine vorübergehende Einschränkung der Arbeits
fähig
keit sei gemäss Aktenlage Ende 2006/Anfang 2007 im Rahmen der psychiatri
schen Behandlung vorgelegen. Auch im Weiteren könnten temporäre Ein
schränkungen der Arbeitsfähigkeit im Rahmen eines im
Aus
prägungsgrad
schwankenden, aber grundsätzlich unter adäquater Medikation behandel- und besserbaren depressiven
Krankheits
geschehens
vorgelegen haben.
Eine an
dauernde psychiatrisch begründbare Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Rahmen eines anhaltenden, therapeutisch nicht mehr beeinflussbaren psychi
schen Krankheitsgeschehens habe im vorliegenden Fall zu keinem Zeit
punkt bestanden.
Bezogen auf ein Tätigkeitsprofil gemäss rheumatologischen Vor
ga
ben könne im Rahmen der vorliegenden
bidiszipli
nären
Abklärung keine anhaltende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Rahmen eines andauernden psychischen oder körperlichen
Beschwerde
geschehens
unter Anwendung gelten
der versicherungsmedizinischer Kriterien abgeleitet werden. Aufgrund der Hal
tung des Beschwerdeführers könnten berufliche Massnahmen als nicht erfolg
versprechend beurteilt werden, was nicht primär im Rahmen eines medizini
schen Krankheitsgeschehens begründbar sei.
Im rheumatologischen
Teilgutach
ten
hielt
Dr.
M._
fest, die von der behandelnden Psychiaterin diagnosti
zierte chronische Borreliose könne praktisch sicher verneint werden. Diese Diagnose müsse mit äusserster Zurück
haltung gestellt werden. Eine klassische Borreliose sei beim Beschwerde
führer weder aktendokumentiert noch aufgrund der zu erhebenden Anamnese diagnostiziert worden und eine frühere Behand
lung sei ebenfalls nicht erfolgt. Keines der für eine Borreliose typischen Krank
heitsbilder sei beim Beschwerde
führer beschrieben worden oder finde sich in der aktuellen Untersuchung. Insbesondere liege ein negativer Suchtest vor und die in der Laboruntersuchung nachgewiesenen Antikörper seien allenfalls höchstens mit einer Borreliose in frühem Stadium vereinbar. Eine
Borrelien
-Infektion als Ursache der aktuellen Beschwerden lasse sich damit weitgehend ausschliessen (
Urk.
10/216/23-24).
3.5
Laut der Stellungnahme von RAD-Arzt
Dr.
med.
S._
, Facharzt Anästhesiolo
gie FMH, vom 2
5.
September 2014 (
Urk.
10/217/6-7) erfüllt das rheumatologische-psychiatrische Gutachten von
Dr.
M._
und med.
pract
.
N._
die Anforderungen. Es sei gestützt darauf davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in körperlich leichten bis teilweise mittelschweren, wechsel
belastenden Tätigkeiten mit einer
Gewichtslimite
von 7,5 kg für repetitives und 20 kg für seltenes Heben und Tragen von Lasten, ohne Zwangshaltungen, voll arbeitsfähig sei. Eine relevante Arbeitsunfähigkeit sei lediglich für
die
Zeit von Juni 2006 bis Januar 2007 im Umfang von 100
%
und von April 2007 bis Oktober 2007 von 50
%
anzunehmen.
Eine langdauernde IV-relevante Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit sei zu keinem Zeitpunkt ausgewiesen.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin begründet die angefochtene Verfügung damit, die medi
zinischen Abklärungen hätten
ergeben
, dass der Beschwerdeführer lediglich in der Zeit vom
1.
Dezember 2006 bis zum
1.
Oktober 2007 in seiner Arbeitsfä
higkeit eingeschränkt gewesen sei. Aktuell sei ihm die Ausübung einer
behin
derungsangepassten
Tätigkeit zu 100
%
zumutbar. Da der Beschwerde
führer nicht länger als ein Jahr eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit erlitten habe, bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente. Die somatoforme Schmerzstörung bewirke laut ärztlicher Einschätzung kein
e
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
2).
4.2
Demgegenüber lässt der Beschwerdeführer geltend machen, die
Beschwerde
gegne
rin
sei zu Unrecht von der Überwindbarkeit der somatoformen
Schmerz
störung
ausgegangen.
In Gesamtwürdigung der medizinischen Akten sei von einer zunehmenden Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwer
deführers sowohl in körperlicher wie auch in psychischer Hinsicht auszugehen.
Aufgrund der Zunahme der körperlichen Beschwerden sowie der sicherlich unveränderten, erheblichen psychischen Beschwerden sei von einer vollen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers für jegliche Tätigkeiten auszugehen. Jedenfalls sei der Beschwerdeführer in seiner Arbeitsfähigkeit derart einge
schränkt, dass diese auf dem freien Arbeitsmarkt nicht mehr verwertbar sei, sondern der Beschwerdeführer höchstens noch einen
Nischen
arbeitsplatz
beset
zen könnte. Es sei ihm deshalb ab September 2007 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen (
Urk.
1).
5.
5.1
Das
bidisziplinäre
psychiatrische-rheumatologische G
utachten von Dr.
M._
und med.
pract
.
N._
vom
5.
September 2014 (
Urk.
10/214)
beruht auf für die streitigen Belange umfassenden fachärztlichen Untersuchungen und wurde in Kenntnis de
r
Vorakten
verfasst. Die Gutachter haben detaillierte Be
funde und hieraus begründete Diagnosen erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem
Verhalten des Beschwerdeführers
auseinandergesetzt. Zudem haben sie die medizinischen Zustände und Zusam
menhänge einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet. Das Gutachten erfüllt daher die
rechtsprechungs
gemässen
Anforde
rungen an beweistaugliche ärztliche
Entscheidungs
grundlagen
(vgl. E.
1.5
). Namentlich erlaubt es auch eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgebli
chen Indikatoren gemäss BGE 141 V 281 (vgl. dazu E.
1.1.3
).
5.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung führt die auf die Begrifflichkeit des medizinischen Klassifikationssystems abstellende Diagnose der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nur dann zur Feststellung einer
invaliden
versi
cherungsrechtlich
erheblichen Gesundheitsbeeinträchtigung, wenn die Diagnose auch unter dem Gesichtspunkt der - in der Praxis zu wenig beachteten -
Aus
schlussgründe
nach BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschäd
igung vor, soweit die
Leistungs
ein
schränkung
auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. Hinweise auf solche und andere Äusserungen eines sekundären Krankheitsgewinn
s ergeben sich nament
lich, wenn
eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizi
nische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichen
des Verhalten hin. Besteht im Einzelfall Klarheit darüber, dass solche
Aus
schlussgründe
die Annahme einer
Gesund
heitsbeeinträchtigung
verbieten, so besteht von vornherein keine Grundlage für eine Invalidenrente, selbst wenn die
klassifikatorischen
Merkmale einer somato
formen Schmerzstörung gegeben sein sollten (vgl.
Art.
7
Abs.
2 erster Satz ATSG). Soweit die betreffenden Anzeichen neben einer ausgewiesenen verselbständigten Gesundheitsschädigung auftreten, sind deren Auswirkungen derweil im Umfang der Aggravation zu bereinigen (BGE 141 V 281 E. 2.2).
5.3
Die klinische rheumatologische Untersuchung durch
Dr.
M._
hat nur sehr wenige objektiv
ierbare pathologische Befunde er
geben. Auffällig seien verschiedene Diskrepanzen zwischen gezielter Untersuchung und Beobach
tun
gen bei abgelenktem Beschwerdeführer gewesen. So sei die Rotation der HWS nach beiden Seiten
mässiggradig
und schmerzhaft eingeschränkt, während der Beschwerdeführer bei der Anamneseerhebung den Kopf beidseits frei rotiere, insbesondere nach links zum Dolmetscher hin, mindestens bis 80° ohne Schmerzäusserungen. Bei Prüfung der LWS-Beweglichkeit neige der Be
schwer
deführer den Oberkörper in der Inklinationsprüfung nur minimal vor, was dis
krepant sei zur weitgehend deutlich besseren Rumpfbeugung beim Aus
kleiden, wiederum ohne jegliche Schmerzäusserung und -mimik. Ebenso be
stünden Dis
krepanzen zwischen aktiver und passiver Schulterbeweglichkeit und die Prü
fung des Nackengriffs werde links grotesk eingeschränkt und mit der übrigen Beweglichkeitsprüfung nicht vereinbar demonstriert. Gegen eine chronische Schonung des linken Armes würden auch die seitengleichen Umfänge der Ober- und Unterarme sprechen und an den Händen gäbe es keinerlei pathologischen Befunde.
Auffällig sei, dass der Beschwerdeführer bei allen Krafttests alle
Mus
kelgruppen
symmetrisch und kräftig innervieren könne, bei subjektiver Angabe einer Kraftlosigkeit auf der linken Seite. Die Diskrepanz zwischen subjektiver Schmerzempfindung und objektiven Befunden liessen wie auch bereits in den früheren Untersuchungen auf eine im Vordergrund stehende
Symptomauswei
tung
schliessen. Insbesondere die Beschwerden im linken Arm liesse
n
sich nicht auf strukturelle Befunde zurückführen
,
und die vom Beschwerdeführer subjektiv empfundene Muskelschwäche könne klinisch in keiner Weise reproduziert wer
den (
Urk.
10/216/21-23).
In der psychiatrischen Untersuchung durch
med.
pract
.
N._
zeigte sich der Beschwerdeführer in der Beschwerdedarstellung sehr demonstrativ betonend, zum Teil inadäquat dramatisierend. Er betone insbeson
dere seine körperlichen Beschwerden und Schmerzen, die erfolgten
Fehlbe
handlungen
und falschen Diagnosen der Ärzte und seine starken
leistungsmäs
sigen
Einschränkungen im Rahmen einer dysfunktional selbstlimitierten Posi
tion bei gleichzeitigen Hinweisen für normale soziale Kontakte und
Alltagsakti
vitäten
im Familien- und Bekannten
kreis. In den Mittelpunkt stelle der Beschwerdeführer
ein
Schwäche
gefühl sowie seine körperlichen Beschwerden und eine ständige Müdigkeit, welche im klinischen Untersuchungsbefund und in der Verhaltensbeobachtung nicht objektiviert werden könne.
Im Rahmen der über 2-stündigen Abklärung habe der Beschwerdeführer objektiv keine
Ermü
dungszeichen
gezeigt (Urk. 10/214/11).
5.
4
Es
erscheint damit als äusserst fraglich, ob
überhaupt eine versicherte
Gesund
heitsschädigung
vorliegt oder ob
die Leistungseinschränkung
auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht.
5.
5
Die Beschwerdegegnerin bzw. die begutachtenden Ärzte
med.
pract
.
N._
und
Dr.
M._
sind
in Anwendung der bisherigen Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen
zum Ergebnis gelangt, dass die somatoforme Schmerzstörung des Beschwerdeführers als überwindbar zu gelten hat und der Beschwerdeführer in einer behinderungsangepassten Tätigkeit uneingeschränkt arbeitsfähig ist
.
Es ist zu prüfen, ob
die seit dem
3.
Juni 2015 geänderte bun
desgerichtliche Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren psych
osomatischen Leiden daran etwas ändert
(zur Anwendbar
keit dieser Rechtsprechung auf laufende Verf
ahren vgl. BGE 141 V 281 E. 8).
Insoweit erscheint die vom Beschwerdeführer an der „
Überwind
barkeitspraxis
“ geäusserte Kritik (
Urk.
1 S. 8) als berechtigt. Soweit er hingegen der Ansicht ist, es sei in Abweichung von
Art.
7
Abs.
2 ATSG
die Überwindbarkeit solcher Schmerzen nicht
länger
aufgrund objektiver Kriterien zu überprüfen
, ist ihm nicht zu folgen.
5.
6
Unter dem Aspekt „funktioneller Schweregrad“ ist in Betracht zu ziehen, dass die diagnoserelevanten Befunde und Symptome nicht besonders ausgeprägt erscheinen. Von einer Ausschöpfung der Behandlungsmöglichkeiten resp. einer Behandlungsresistenz ist aufgrund der gutachterlichen
Feststellungen nicht aus
zugehen, sondern es hat laut dem psychiatrischen Gutachter
N._
zu kei
nem Zeitpunkt ein nicht mehr beeinflussbares psychisches
Krankheits
geschehen
vorgelegen (
Urk.
10/214/17).
Ebenso wenig ist ersichtlich, dass sich durch eine konsequente physiotherapeutische oder allenfalls auch medikamen
töse Behandlung der körperlichen Beschwerden keine Behandlungs
erfolge mehr erzielen liessen.
Was den Indikator „Komorbiditäten“ betrifft, wies der psychiat
rische Gutachter zwar darauf hin,
dass anamnestisch eine reaktive depressive Entwicklung im Rahmen eine Anpassungsstörung bzw. zeitweisem
Ausprä
gungsgrad
einer depressiven Episode vorliege. In der aktuellen Untersuchung waren die Kriterien einer depressiven Episode aber nicht erfüllt und eine anhal
tende, therapeutisch nicht mehr beeinflussbare Erkrankung kann beim
Beschwerdeführer nicht nachvollzogen werden (
Urk.
10/214/15-16).
Es besteht sodann Grund zu Annahme, dass der psychische Zustand durch
invaliditäts
fremde
Faktoren (Stellenverlust
, finanzielle Probleme, Gesundheits
zustand der Ehefrau
) beeinflusst wird.
Das Vorliegen einer Borreliose hat
Dr.
M._
sodann mit überzeugender
Begründung ausgeschlossen (Urk.
10/216/23-24).
Er legt nachvollziehbar dar, dass einige typische Symptome der Borreliose in der Krankengeschichte des Beschwerdeführers fehlen und auch die Laborwerte nicht für eine chronische Borreliose sprechen. Die
von der Psychiaterin
Dr.
G._
gestellte – nicht
in ihren Fachbereich fallende –
Diagnose
beruht unter anderem auf dem Befundbericht des
T._
vom 2
7.
November 2013 (Urk. 10/184/8-11). Dieser stützt jedoch gerade nicht ihre These, sondern jene von
Dr.
M._
, sind doch laut diesem Bericht die serologischen Ergebnisse
, wenn überhaupt, nur
mit einer seit kurzer Zeit bestehenden
Borre
lien-Infektion
vereinbar, mit anderen Worten also nicht mit einer bereits seit mindestens 2007 bestehenden chronischen Infektion.
5.
7
Zum Komplex „Persönlichkeit“ ist festzuhalten, dass
der psychiatrische Gutach
ter den Beschwerdeführer als Person umschreibt, welche eine intakte
Alltags
funktionalität
aufweist, hinsichtlich einer erbringbaren Arbeitsleistung aber eine völlig selbstlimitierende dysfunktionale Position einnimmt
und sich zu keinerlei Erwerbstätigkeit mehr in der Lage sieht. Er zeige sich in der Schmerzdarstellung sehr demonstrativ und teilweise dramatisch betonend. Im Kontext mit den bio
graphischen Belastungsaspekten gebe es Hinweise auf eine erschwerte Beschwerdeverarbeitung (
Urk.
10/214/15). Abgesehen davon ergeben sich aber keine Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung.
Hinsichtlich des Komplexes „Sozialer Kontext“
kann
auf durchaus vorhandene Ressourcen
des Beschwer
deführers geschlossen werden (intakte Ehe, gutes Verhältnis zu Kindern und Enkeln, Kontakte zu Freunden und Bekannten, regelmässige Besuche der Moschee,
Ferienaufenthalte in der
U._
,
vgl.
Urk.
10/214/9).
Zum -
beweis
rechtlich
entscheidenden - Aspekt der Konsistenz ist einerseits zu erwähnen, dass die akten
kundigen Behandlungsbemühungen
nicht auf einen ausgeprägten Leidensdruck schliessen lassen.
Die Behandlungen der Psychiaterin
Dr.
G._
konzentrieren sich vor allem auf die von ihr diagnostizierte Borreliose, eine antidepre
ssive Medikation erfolgt nicht mehr (
Urk.
10/214/9)
.
Wie bereits erwähnt (vgl. E.5.
3
) stellten die Gutachter beim Beschwerdeführer schliesslich diverse Diskrepanzen zwischen
seine
r
Schmerzschilderung und seinem
Verhal
ten i
n
unbeobachteten Moment fest.
5.
8
Demnach sind auch unter Berücksichtigung der nunmehr im Regelfall beachtli
chen Standardindikatoren (vgl. E. 1.1.3) erhebliche funktionelle Auswirkungen der Schmerzstörung auf die Arbeitsfähigkeit nicht schlüssig und widerspruchs
frei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Aus rechtlicher Sicht ist daher die
somatoforme Schmerzstörung
nicht als invalidisierend zu betrach
ten.
5.
9
Es
ist damit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
in jeglichen körperlichen leichten oder teilweise mittelschweren Tätigkeiten mit Wechselbelastung und ohne repetitives Heben und Tragen von Lasten über 7,5 kg bzw. Einzellasten über 20 kg bzw. ohne Zwangshaltungen der Wirbelsäule (länger dauernd nach vorn geneigt stehend, länger dauernd rotierter Oberkörper bzw. häufige Arbei
ten über Kopf mit der Notwendigkeit, den Kopf zu
reklinieren
) zu 100
%
arbeitsfähig ist.
6.
6.1
Zu prüfen bleibt, wie sich die eingeschränkte Leistungsfähigkeit des Beschwerde
führers in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.
6.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6.3
Gemäss Arbeitgeberbericht der
A._
AG vom
4.
Januar 2006 (Urk. 10/15
) hätte der Beschwerdeführer ohne Eintritt des Gesundheitsschadens im Jahre
2006
ein Bruttoeinkommen von Fr.
5‘000.-- pro Monat bzw. Fr. 65‘000.-- pro Jahr (Fr. 5‘0
00.-- x 13) erzielt. Angepasst an d
ie
Nominal
lohn
entwicklung
für Män
ner (vgl. Bundesamt für Statistik, Lohne
ntwicklung
, Tabelle T
1.93: 2006
=
115.5
, 2011 =
117.4
) beträgt das hypothetische Einkom
men im Jahr 20
07
Fr.
66‘069.25
.
6.4
6.4.1
Entgegen der vom Beschwerdeführer vertretenen Auffassung steht ihm mit Blick auf die gutachterliche Einschätzung und das aus medizinischer Sicht objektiv
vorhandene Leistungspotenzial eine genügend breite Palette von zumutbaren Erwerbsmöglichkeiten offen, welche der ausgeglichene Arbeits
markt kennt. Nicht massgebend ist in diesem Zusammenhang, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermit
telt werden kann, sondern ein
zig, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würde. Zu berücksichtigen ist zudem, dass der ausgeglichene Arbeitsmarkt auch sogenannte Nischenarbeitsplätze umfasst, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Ent
gegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Namentlich beste
hen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt durchaus einfache, geistig wenig anspruchsvolle Überwachungs-, Prüf- und Kontrolltätigkeiten, welche keine Stressbelastungen enthalten (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_514/2013 vom 29. August 2013
E. 4.2 mit Hinweisen).
6.4.2
G
emäss Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE)
betrug der Durchschnittslohn für
die mit einfachen und repetitiven Tätig
keiten beschäftig
ten Männer im Jahr 20
06
pro Monat
Fr. 4‘
732
.-- (LSE
2006
TA 1 S.
25
)
bzw.
Fr.
56‘784.-- (
Fr.
4‘732.-- x 12) pro Jahr
. Bei einer durchschnittlichen
Wochen
arbeitszeit
im Jahr
2006 von 41,7
Stunden (
vgl. Bundesamt für Statistik,
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschafts
abteilungen in Stunden p
ro Woche [T 03.02.03.01.04.01]
) sowie unter Berücksichtigung der Nominallohnerhöhung für Männer (
vgl. Bundesamt für Statistik, Lohnentwicklung, Tabelle T1.93: 2006 = 115.5, 2011 = 117.4
) resultiert e
in mutmassli
ches Einkommen 2007
von Fr.
60‘171.10
(= Fr.
56‘784
.-- : 40 x 41.
7
:
115.5 x 117.4
) pro Jahr.
6.4.3
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer
dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der
Vergleichsein
kommen
mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
6.4.4
Dem Umstand, dass der Beschwerdeführer lediglich noch maximal mittel
schwere Hilfsarbeitertätigkeiten ausüben kann und auch darin gewis
se -
wenn auch nur relativ geringfügige
-
Einschränkungen erleidet, ist mit einem Abzug von 10
%
Rechnung zu tragen.
Das Invalideneinkommen ist demnach mit
Fr.
54‘
154.--
(
Fr.
60‘171.10 x 0.9)
zu bemessen. Vergli
chen mit dem ermittelten
Valideneinkommen
von
Fr. 66‘069.25
ergibt sich damit eine
Einkommensein
busse
von
11‘
915.25
bzw. ein Invaliditätsgrad von rund
1
8 %
. Demnach besteht kein Anspruch auf eine Invalidenrente,
was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7
.
7
.1
Der Beschwerdeführer hat ein Gesuch um unentgeltliche Pro
zessführung und Bestellung einer
unentgeltlichen Rechtsvertreterin
in der Person von Rechts
an
wältin Reger-
Wyttenbach
gestellt (
Urk.
1 S. 2). Als Beweis für seine Be
dürftig
keit hat er unter anderem die Unterstützungsbestätigung des
Sozial
dienstes
V._
vom
5.
Januar 2015 (
Urk.
8/2) eingereicht. Die Voraus
setzungen zur Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und zur Bestel
lung einer unentgeltlichen Rechtsvertret
ung gemäss
§
16
Abs.
1 und Abs.
2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) sind erfüllt. Dem Beschwerde
führer ist Rechtsanwältin Reger-
Wyttenbach
als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das Verfahren zu bestellen. Der Beschwerdeführer wird auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hingewiesen, wonach er zur Nachzahlung der ihm erlassenen Rechts
pflegekosten verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.
7
.2
Das Verfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
600.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, infolge bewilligter unentgeltlicher
Prozess
füh
rung
jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7
.3
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ist für ihre Bemühun
gen mit
Fr.
2‘300.
-- (vgl. §§ 7 und 8 der Verordnung über die Gebüh
ren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht)
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.