Decision ID: c206ca75-e07d-5701-808c-d9983aabd32b
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin reiste am 26. März 2016 in die Schweiz ein und
suchte gleichentags um Asyl nach. Am 7. April 2016 wurde sie durch die
Vorinstanz zur Person befragt (BzP). Am 10. Juli 2018 wurde die Be-
schwerdeführerin eingehend angehört und gab dabei im Wesentlichen zu
Protokoll, sie habe wohl im Jahr (... nach iranischer Zeitrechnung (grego-
rianisch [...]) ihren ersten Ehemann geheiratet und mit ihm im (...) eine
Tochter bekommen. Da er sie wiederholt auch während der Schwanger-
schaft geschlagen habe, wodurch ihre Tochter eine Schädigung (...) erlit-
ten habe, habe sie sich von ihm scheiden lassen. Noch im selben Jahr
habe sie ihren zweiten Ehemann kennengelernt und sei schliesslich von
ihren Eltern gedrängt worden, diesen Mann zu heiraten. Auch der zweite
Ehemann habe sich ihr gegenüber indes gewalttätig verhalten. Sie habe
auf seinem Computer Dokumente gesehen und so herausgefunden, dass
er nicht den Beruf ausübe, welchen er ihr genannt habe, sondern für die
(...) tätig sei. Als ihr zweiter Ehemann bemerkt habe, dass sie seinen Com-
puter benützt habe, habe er sie bedroht. Bei einem geschäftlichen Emp-
fang, bei dem sie ihn begleitet habe, sei ihr etwas ins Getränk gemischt
worden. Ihr Ehemann habe gefilmt, wie sie von drei Männern vergewaltigt
worden sei, um ein Druckmittel gegen sie zu haben. Er habe den Film aber
niemandem gezeigt. Sie habe versucht, vom Balkon zu springen, er habe
sie aber zurückgehalten, weshalb sie sich die Pulsadern aufgeschnitten
habe. Kurz darauf sei sie in eine Klinik eingewiesen und dort mit (...) the-
rapiert worden. Schliesslich habe sie mit Hilfe eines Anwalts die Scheidung
von ihrem zweiten Ehemann erwirken können. Nicht ganz drei Monate
nach der Scheidung habe sie ihn, in Begleitung eines anderen Mannes, auf
der Strasse getroffen. Er sei ausgerastet und habe ihren Begleiter geschla-
gen. Es habe einen grossen Aufruhr gegeben und die Polizei sei gekom-
men. Sie sei sofort zu ihrer Familie, habe ihre Tasche geholt und sei dann
zu einer Freundin gegangen. Sie habe ungefähr einen Monat gebraucht,
um die Ausreise für sich und ihre Tochter vorzubereiten.
B.
Mit Verfügung vom 28. August 2019 stellte das SEM fest, die Beschwerde-
führerin und ihre Tochter erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte
ihre Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ord-
nete den Vollzug der Wegweisung an.
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C.
Mit Eingabe vom 27. September 2019 liess die Beschwerdeführerin durch
ihre Rechtsvertreterin dagegen beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde einreichen und beantragen, die Verfügung des SEM vom 28. Au-
gust 2019 sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, ihre Flüchtlings-
eigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die
Verfügung aufzuheben und wegen Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeventua-
liter sei die Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an
die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht sei ihr die unent-
geltliche Rechtspflege zu gewähren und ihr die unentgeltliche Verbeistän-
dung durch die die Beschwerde unterzeichnende Rechtsvertreterin zu be-
willigen sowie auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.
Mit der Rechtsmitteleingabe reichte die Beschwerdeführerin Fotos einer
Konversation auf Instagram mit einer Drittperson, Fotos von ihr mit ihrer
Tochter und ihrem Partner, Fotos ihrer Verlobungsfeier, einen kurzen Be-
richt der die Tochter behandelnden Psychologin vom 18. September 2019
und eine Verfügung über Sonderschulmassnahmen der Tochter vom
11. Juli 2019 zu den Akten.
D.
Mit Eingabe vom 17. Oktober 2019 wurde ein aktueller Arztbericht über die
Beschwerdeführerin zu den Akten gereicht. Zudem wurde mitgeteilt, die
Beschwerdeführerin bemühe sich um ein Ehevorbereitungsverfahren,
wozu sie aber aufgrund mangelnder Identitätsdokumente zunächst ihre
Identität gerichtlich feststellen lassen müsse.
E.
Die damals zuständige Instruktionsrichterin hielt mit Zwischenverfügung
vom 21. Oktober 2019 fest, die Beschwerdeführerin und ihre Tochter dürf-
ten den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, sie hiess die
Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und amtlichen
Rechtsverbeiständung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses. Gleichzeitig bestellte sie der Beschwerdeführerin MLaw So-
phia Delgado als amtliche Rechtsbeiständin und lud die Vorinstanz zur Ver-
nehmlassung ein.
F.
In der Vernehmlassung vom 25. Oktober 2019 hielt die Vorinstanz vollum-
fänglich an ihren Erwägungen fest.
E-5047/2019
Seite 4
Dies wurde der Beschwerdeführerin am 28. Oktober 2019 zur Kenntnis ge-
bracht.
G.
Am 29. November 2019 reichte die Rechtsvertreterin eine Kostennote zu
den Akten. Weiter teilte sie mit, die Beschwerdeführerin versuche, für ihr
Ehevorbereitungsverfahren Dokumente aus dem Iran zu beschaffen.
H.
Mit Schreiben vom 27. Februar 2020 informierte die Rechtsvertreterin über
den Stand des Ehevorbereitungsverfahrens.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 12. Januar 2021 hielt die damals zuständige
Instruktionsrichterin fest, der Beschwerdeführerin sei infolge ihrer Heirat
am 13. November 2020 eine Aufenthaltsbewilligung erteilt worden. Vor die-
sem Hintergrund sei das Beschwerdeverfahren betreffend die Wegweisung
und den Wegweisungsvollzug gegenstandslos geworden, weshalb sich die
Frage stelle, ob die Beschwerdeführerin bezüglich Flüchtlingseigenschaft
und Asyl an der Beschwerde festhalten wolle.
J.
In ihrer Eingabe vom 26. Januar 2021 teilte die Rechtsvertreterin mit, die
Beschwerdeführerin halte an der Beschwerde fest, da die Bedrohungslage
für sie und ihre Tochter im Iran weiterhin aktuell sei.
K.
Aus organisatorischen Gründen hat die Abteilungsleitung das vorliegende
Beschwerdeverfahren zur weiteren Behandlung auf Richterin Gabriela
Freihofer übertragen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
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Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
4.
4.1 Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Vorbringen der Beschwerdeführerin hielten den Anforderungen an Art. 3
und Art. 7 AsylG nicht stand.
4.2 Zur Begründung hielt sie fest, zahlreiche Ungereimtheiten würden ge-
gen die von der Beschwerdeführerin vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung
sprechen. Wenn ihr Ex-Mann seine angebliche Tätigkeit bei der (...) vor
der Beschwerdeführerin habe verbergen wollen, scheine es höchst un-
wahrscheinlich, dass er ihrer Tochter das Passwort verraten und ihr den
Computer wiederholt zur Benutzung überlassen hätte. Somit bestünden
Zweifel an der Schilderung, wie die Beschwerdeführerin über die Tätigkeit
ihres Ehemannes bei der (...) erfahren und ob er überhaupt dort gearbeitet
habe. Weiter wirke die als Racheakt inszenierte, gefilmte Vergewaltigung
auffallend konstruiert und wenig überzeugend. Die geschilderten Um-
stände im Rahmen eines offiziellen Anlasses liessen erste Zweifel aufkom-
men. Zudem sei davon auszugehen, dass dem Ex-Ehemann – wenn er
tatsächlich bei der (...) gearbeitet hätte – andere Druckmittel zur Verfügung
gestanden wären, um ihr Schweigen sicherzustellen. Es scheine denn
auch nicht nachvollziehbar, dass der Ex-Ehemann seine angeblich ein-
flussreiche Stellung sowie die fraglichen Videoaufnahmen nicht dafür ein-
gesetzt habe, die Scheidung, das Eingreifen der Polizei oder die Verurtei-
lung zur Zahlung einer Genugtuung zu verhindern. Es überzeuge auch
nicht, dass der Ex-Mann trotz seiner diesbezüglichen Drohung das Video
bis heute nicht veröffentlich habe.
Die Beschwerdeführerin habe ferner widersprüchliche Angaben zu den
Umständen ihrer Ausreise gemacht und an der BzP erzählt, ihr Pass und
derjenige ihrer Tochter seien bei ihrer Familie im Iran, die sie nicht habe
ausreisen lassen wollen, weshalb sie weggelaufen sei. An der Anhörung
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hingegen habe sie ausgeführt, ihre Mutter habe den Pass lange gesucht,
bis ihr eingefallen sei, dass er sich wohl bei ihrem Ex-Ehemann befinden
müsse. An der BzP habe sie zudem angegeben, bereits am 23. Dezember
2015 ausgereist zu sein. Dies widerspreche ihren späteren Angaben in der
Anhörung, wonach sie kurz vor Ablauf der dreimonatigen Wartefrist nach
der Scheidung (am [...] 2015) ausgereist sei beziehungsweise die Vorbe-
reitung ihrer Ausreise nach einem Zusammenstoss mit dem Ex-Ehemann,
der kurz vor Ende der Dreimonatsfrist stattgefunden habe, nochmals einen
Monat in Anspruch genommen habe.
Die Schilderungen der Beschwerdeführerin zur vorgebrachten Bedro-
hungslage durch ihren zweiten Ex-Ehemann wiesen ferner kaum inhaltli-
che Merkmale auf, die auf eine tatsächliche Erlebnisgrundlage schliessen
liessen.
Die eingereichten Unterlagen (Nachweise eines stationären Aufenthaltes
in einer Klinik im Iran im Jahr [...]) seien nicht geeignet, die vorgebrachte
aktuelle Bedrohung durch ihren zweiten Ex-Ehemann zu belegen. Es be-
stünden indes keine überwiegenden Zweifel daran, dass die Beschwerde-
führerin im Iran Opfer häuslicher Gewalt geworden sei und sich dagegen
behördlich zur Wehr gesetzt habe.
Insgesamt könne der Beschwerdeführerin nicht geglaubt werden, dass sie
den Iran aufgrund einer aktuellen Bedrohungslage (durch ihren zweiten Ex-
Ehemann) verlassen habe und sie bei einer Rückkehr einer asylrelevanten
Gefährdung durch den zweiten Ex-Ehemann ausgesetzt wäre.
Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, der Vater ihrer Tochter habe seit
ihrer Einreise in die Schweiz versucht, ihren Aufenthaltsort ausfindig zu
machen, weil er die Tochter in den Iran zurückholen wolle, sei nicht glaub-
haft, da sich der Vater den Aussagen der Beschwerdeführerin zufolge bis-
her nie um die Tochter gekümmert habe und der Kontakt nahezu abgebro-
chen sei. Das Vorbringen, der Vater ihrer Tochter drohe damit, einen Kredit
an den Vater der Beschwerdeführerin nicht zurückzubezahlen, vermöge
zudem den Anforderungen von Art. 3 AsylG nicht standzuhalten.
4.3 Es sei in Zweifel zu ziehen, dass es sich bei den beiden ersten Ehen
der Beschwerdeführerin um Zwangsehen gehandelt habe. Angesichts der
eingereichten Polizeiberichte werde hingegen als glaubhaft erachtet, dass
die Beschwerdeführerin im Iran mehrfach Opfer häuslicher Gewalt gewor-
den sei. Ihren Schilderungen zufolge seien indes weder die Zwangsehen
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noch die häusliche Gewalt ausschlaggebend für ihre Ausreise gewesen,
weshalb der erforderliche sachliche und zeitliche Kausalzusammenhang
zwischen den Verfolgungsvorbringen und der Flucht nicht gegeben sei.
Aufgrund der erfolgten Scheidungen sei auch die Aktualität des Schutzbe-
dürfnisses vor häuslicher Gewalt zu verneinen. Es stelle sich allerdings die
Frage, ob sie im Falle einer Rückkehr in den Iran begründete Frucht habe,
(erneut) Opfer einer Zwangsheirat oder häuslicher Gewalt zu werden.
Den Akten seien keine konkreten Hinweise zu entnehmen, dass der Be-
schwerdeführerin bei einer Rückkehr in den Iran eine Zwangsverheiratung
drohen oder sie Gefahr laufen würde, erneut Opfer häuslicher Gewalt zu
werden. Darüber hinaus sei eine allfällige Furcht vor Verfolgung durch
Dritte nur dann asylrelevant, wenn der Staat seiner Schutzpflicht nicht
nachkomme oder nicht in der Lage sei, Schutz zu gewähren. Es sei auf-
grund ihrer Ausführungen nicht davon auszugehen, dass die staatlichen
Polizei- und Justizorgane der Beschwerdeführerin einen allfällig benötigten
Schutz verwehren würden. Aus den Akten gehe vielmehr hervor, dass die
Polizei in den von ihr angezeigten Fällen tätig geworden sei und Schutz-
massnahmen ergriffen habe. Ebenso sei sie in der Lage gewesen, sich von
ihren Ehemännern scheiden zu lassen.
Auch wenn Scheidungen in der Gesellschaft teilweise noch stark missbilligt
würden, seien angesichts des Umstands, dass die Beschwerdeführerin
nach der Trennung von ihrer Familie aufgenommen worden sei, keine hin-
reichenden Anhaltspunkte dafür gegeben, dass ihr im Falle einer Rückkehr
in den Iran aufgrund der Scheidung seitens ihres familiären Umfelds asyl-
relevante Nachteile drohten. Eine begründete Furcht, bei einer Rückkehr
in den Iran mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
Opfer von Zwangsheirat oder häuslicher Gewalt zu werden, sei zu vernei-
nen.
4.4
4.4.1 Schliesslich stelle sich noch die Frage, ob die Beschwerdeführerin
aufgrund ihrer in der Schweiz eingegangenen Beziehung bei einer Rück-
kehr begründete Furcht vor Verfolgungsmassnahmen hätte. Entspre-
chende Befürchtungen habe sie indes nicht geltend gemacht. Das Verhält-
nis zu ihren Familienangehörigen sei gut und diese akzeptierten die Part-
nerschaft. Sonstige Indizien für eine bevorstehende Verfolgung im Heimat-
land könnten den Akten nicht entnommen werden.
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4.4.2 Insoweit die Beschwerdeführerin angebe, sie sei in der Schweiz zum
Christentum konvertiert, habe sie keine exponierte Stellung oder Funktion
in der Glaubensgemeinschaft, welche ein Risikoprofil begründen würde.
Das Vorbringen vermögen keine Asylrelevanz zu entfalten.
4.4.3 Auch das vorgebrachte Engagement in der Schweiz für die Rechte
der Frauen, sei äusserst geringfügiger Natur und die Artikel über die Frei-
heit von Frauen im Iran seien nicht in ihrem Namen veröffentlicht worden.
Es bestünden keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass der Be-
schwerdeführerin bei einer Rückkehr in den Iran aufgrund des vorgebrach-
ten Engagements staatliche Verfolgungsmassnahmen drohen würden.
5.
5.1 In der Beschwerde (Ziff. 18) wird vorgebracht, bei der Rücküberset-
zung des Anhörungsprotokolls sei es zu Problemen gekommen. Die Be-
schwerdeführerin habe der Dolmetscherin zum Teil mit Wörtern nachhelfen
müssen. Aus Angst, dass die Anhörung verschoben würde, habe sie nichts
einwenden wollen. Im Anhörungsprotokoll sind nur zwei Anmerkungen ge-
macht worden. Dabei handelt es sich um den Zusatz, dass die Beschwer-
deführerin mit «(...)» «(...)» gemeint habe (SEM-Akten A61/28 S. 16), und
die Präzisierung bei der Frage 135 (auf S. 27), dass sie ihren Bekannten,
seitdem sie in der Schweiz sei, nicht mehr habe kontaktieren können. Die
beschwerdeweise geltend gemachten Schwierigkeiten sind hingegen aus
dem Anhörungsprotokoll nicht erkennbar. Diesem ist vielmehr zu entneh-
men, dass die Beschwerdeführerin stets, teilweise ausführlich, auf die ge-
stellten Fragen geantwortet hat. Es liegen keine Hinweise für allfällige
Probleme bei der Übersetzung vor. Die Beschwerdeführerin erklärte zu-
dem, die Dolmetscherin gut zu verstehen (A61/28 F1). Das Anhörungspro-
tokoll kann dem vorliegenden Entscheid zugrunde gelegt werden.
5.2 In Ziffer 32 der Beschwerde wird in allgemeiner Weise festgehalten, die
Vorinstanz habe den Sachverhalt richtig und vollständig abzuklären und
sowohl die belastenden als auch die entlastenden Momente zu erfassen.
Die Vorinstanz habe es vorliegend unterlassen, bei ihrer Würdigung dieje-
nigen Elemente zu berücksichtigen, die für die Glaubhaftigkeit der Vorbrin-
gen der Beschwerdeführerin sprechen würden, insbesondere die Schwie-
rigkeiten, welche sie mit Zeitangaben habe. Das Gericht habe die Sache
im Sinne des Subeventualantrags an die Vorinstanz zurückzuweisen, wenn
es zum Schluss komme, der Sachverhalt sei nicht vollumfänglich abgeklärt
worden.
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Seite 10
Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird, unvollständig ist sie,
wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände be-
rücksichtigt werden. Es ist nicht ersichtlich und wird in der Beschwerde
auch nicht konkret dargelegt, inwiefern der Sachverhalt von der Vorinstanz
unvollständig abgeklärt worden sein soll. Aus der angefochtenen Verfü-
gung geht hervor, dass das SEM die Vorbringen der Beschwerdeführerin
ernsthaft geprüft und in ihrer Entscheidfindung angemessen berücksichtigt
hat. Die Würdigung und Gewichtung der einzelnen Vorbringen beschlägt
zudem nicht formelles Recht. Darauf ist unter Erwägung 5.5 näher einzu-
gehen. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (vgl. dazu RHINOW ET AL.,
Öffentliches Prozessrecht, 3. Aufl. 2014, Rz. 287) ist im vorliegenden Fall
nicht erkennbar. Für eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz bleibt
nach dem Gesagten kein Raum und das entsprechende Begehren ist ab-
zuweisen.
5.3 In der Beschwerde wird bezüglich der Glaubhaftigkeit der Vorbringen
angeführt, in Fällen einer Posttraumatischen Belastungsstörung, wie sie
bei der Beschwerdeführerin diagnostiziert worden sei, sei eine gewisse Un-
genauigkeit in der Erinnerung nachvollziehbar. Zum Zeitpunkt der Anhö-
rung sei die Beschwerdeführerin zudem unter Medikamenteneinfluss ge-
standen und habe an mehreren Stellen auf ihr nachlassendes Erinnerungs-
vermögen insbesondere in Bezug auf Daten und Jahreszahlen hingewie-
sen. Die Probleme hinsichtlich des ungenauen Zeitgefühls seien nachweis-
lich medizinisch bedingt, unter anderem, da sie im Iran mit (...) behandelt
worden sei. Die Beschwerdeführerin habe zudem anfänglich ihre Vorbrin-
gen sehr ausführlich geschildert, ihre Schilderung – insbesondere der Ver-
gewaltigung – auf Hinweis der Befragerin jedoch, verkürzen müssen.
5.3.1 Bezüglich des Arbeitscomputers ihres Ex-Ehemannes habe die Be-
schwerdeführerin entgegen den Feststellung der Vorinstanz nicht gesagt,
dass der Ex-Ehemann der Tochter das Passwort verraten habe. Er habe
den Computer jeweils nur während seiner Anwesenheit der Tochter zum
Spielen gegeben. Die Tochter habe ihn bei der Eingabe des Passworts
wiederholt beobachtet und sich dieses gemerkt.
5.3.2 Die Beschwerdeführerin habe sodann ausführlich über die Vergewal-
tigung berichtet, was entgegen der vorinstanzlichen Ansicht auf eine kon-
krete Ereignisgrundlage schliessen lasse. Es sei unklar, wie die Vorinstanz
darauf komme, es habe sich um Arbeitskollegen des Ex-Ehemannes ge-
handelt. Dies könne dem Anhörungsprotokoll nicht entnommen werden,
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Seite 11
vielmehr habe die Beschwerdeführerin ihre Peiniger nicht erkennen kön-
nen. Dass an einem gesellschaftlichen Anlass jemand unbemerkt in ein
anderes Zimmer gelangen könne, sei glaubhaft. Zudem sei die Beschwer-
deführerin am besagten Anlass mit niemandem ins Gespräch gekommen,
der ihr späteres Fehlen hätte bemerken können. Bei der Schilderung der
Vergewaltigung sei sie zudem unter Stress gestanden, da die befragende
Person sie zuvor bereits mehrmals unterbrochen und darauf hingewiesen
habe, sie solle sich kurz fassen. Es sei nicht im Interesse des Ex-Eheman-
nes gewesen, Aufsehen zu erregen. Mit der Vergewaltigung habe er ein
gezieltes Druckmittel alleine gegen die Beschwerdeführerin gehabt. Dass
der Ex-Ehemann seine damalige Frau nach deren Suizidversuch nicht ein-
fach in der Wohnung habe verbluten lassen, sei kein Indiz dafür, dass es
ihm nicht darum gegangen sei, ihr Schweigen sicherzustellen. Ihn deshalb
als sorgenden Partner und Vater darzustellen, sei lebensfremd; insbeson-
dere auch, weil er die Beschwerdeführerin einige Tage später in eine Klinik
habe einweisen lassen, wo sie (...) therapiert worden sei. Die Beschwer-
deführerin habe zudem einer Freundin schriftlich von der Vergewaltigung
berichtet und ihrem Mann gedroht, dass sich die Freundin an die Medien
wenden würde, sollte ihr (der Beschwerdeführerin) etwas geschehen. Sie
habe ihrem Ex-Mann auch gedroht, sie würde sich etwas antun, wenn er
nicht in die Scheidung einwillige.
5.3.3 Was den Ort betreffe, wo sich ihr Pass befinde, habe die Beschwer-
deführerin an der BzP mit «Familie» ihren Ex-Ehemann gemeint. Nach ih-
rer Ausreise habe sie dann bei ihrer Mutter nachgefragt, weil sie vergessen
gehabt habe, dass sich der Pass bei ihrem Ex-Mann befinde.
5.3.4 Die Beschwerdeführerin habe auch an der Anhörung bereits angege-
ben, sie wisse die einzelnen Daten nicht mehr genau. Bei der zeitlichen
Abfolge ergebe sich aus ihren Ausführungen aber ein schlüssiges Bild.
Nach der Anzeige wegen häuslicher Gewalt habe sie während einiger Zeit
in einem Vorort von C._ in einer eigenen Wohnung gelebt. Einige
Zeit nach der Scheidung sei es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung
zwischen ihrem Ex-Mann und einem Freund von ihr gekommen. Nach die-
sem Vorfall sei sie sofort nach D._ gereist und habe sich dort auf
die Ausreise vorbereitet, was zwischen einem bis zwei Monate gedauert
habe. Ende 2015 sei sie aus dem Iran ausgereist und im März 2016 in die
Schweiz gekommen. An der BzP habe sie das genaue Einreisedatum in
die Schweiz noch nennen können. Es sei indes verständlich, dass sie die-
ses an der Anhörung, zwei Jahre später, nicht mehr gewusst habe.
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5.3.5 Die Beschwerdeführerin habe sich zwar an die Polizei wenden kön-
nen, die zugesprochene Genugtuungssumme aber in beiden Fällen nicht
erhalten, weshalb es fraglich sei, ob der staatliche Schutzwille in diesem
Zusammenhang gegeben sei.
5.4 Der Beschwerdeführerin stehe im Iran in Bezug auf die Zwangsheirat,
die häusliche Gewalt und die Vergewaltigung kein effektiver Zugang zu ei-
nem Gericht offen. Sie und ihre Tochter seien von ihrem Ex-Mann massiv
bedroht worden. Der staatliche Schutzwille sei zu verneinen, weshalb sie
aufgrund frauenspezifischer Fluchtgründe als Flüchtling anzuerkennen und
ihr Asyl zu gewähren sei.
5.5 Nach einlässlicher Prüfung der Akten kommt das Gericht, wie die Vor-
instanz, zum Schluss, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin den
Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht zu genügen vermögen und im
Übrigen auch nicht als asylrelevant zu beurteilen sind.
Die Einwände in der Beschwerdeschrift sind insgesamt nicht geeignet, zu
einer anderen Einschätzung zu gelangen, obwohl einzelne Punkte der an-
gefochtenen Verfügung zu Recht kritisiert wurden. So trifft es zwar zu, dass
die Beschwerdeführerin nicht gesagt hat, ihr Ex-Ehemann habe ihr oder
ihrer Tochter das Passwort verraten. Die Vorinstanz hat in diesem Zusam-
menhang aber zu Recht festgestellt, es sei unwahrscheinlich, dass der Ex-
Ehemann die Tochter mit dem Laptop hätte spielen lassen, wenn sich da-
rauf solch sensible Daten befunden hätten beziehungsweise wäre anzu-
nehmen, er hätte diese zusätzlich geschützt.
Weiter wurde in der Beschwerde zu Recht darauf hingewiesen, dass die
Beschwerdeführerin entgegen den vorinstanzlichen Feststellungen nie da-
von gesprochen hat, ihre Peiniger seien Arbeitskollegen ihres Mannes ge-
wesen.
Dem Anhörungsprotokoll ist ebenfalls zu entnehmen, dass die Beschwer-
deführerin dazu angehalten worden ist, sich kurz zu fassen (SEM-Akten
A61/28 F103). Trotz dieses Hinweises ist aber davon auszugehen, dass
die Beschwerdeführerin die massgeblichen Ausführungen machen konnte.
Zum Einwand, die Beschwerdeführerin habe aufgrund ihres nachlassen-
den Erinnerungsvermögens Daten und Jahreszahlen nur ungenau nennen
können, ist festzustellen, dass die Daten und Jahreszahlen bei der Ge-
samtwürdigung der Vorbringen ohnehin kaum ins Gewicht fallen.
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In der Beschwerde wird behauptet, die Beschwerdeführerin habe die ihr
zugesprochenen Genugtuungssummen nie erhalten, was ein Indiz für den
mangelnden Schutzwillen der Behörden ihr gegenüber sei. Dies wider-
spricht jedoch den Angaben im Anhörungsprotokoll, wo die Beschwerde-
führerin ausführte, sie habe auf die Summe und ihre Brautgabe verzichtet,
damit ihr erster Ex-Ehemann in die Scheidung einwillige. Weshalb die of-
fenbar zugesprochene Genugtuungssumme nach Schlägen ihres zweiten
Ehemannes nicht (oder möglicherweise noch nicht) ausbezahlt wurde,
wurde an der Anhörung nicht vertieft (SEM-Akten A61/28 F21-24). Die Be-
schwerdeführerin gab aber diesbezüglich an, sie habe die Ordnungspolizei
gerufen, und reichte auch einen entsprechenden Bericht ein. Der Vorfall ist
demnach offensichtlich untersucht worden. Das jeweilige Eingreifen der
Polizei zeigt, dass das Schutzsystem funktioniert und die Behörden auch
gewillt sind, der Beschwerdeführerin den notwendigen Schutz zukommen
zu lassen. Es liegen keinerlei Hinweise dafür vor, dass die Behörden ihr bei
einer – zum heutigen Zeitpunkt rein hypothetischen – Rückkehr in den Iran
den notwendigen Schutz, sollte sie von ihrem Ex-Ehemann oder anderen
Drittpersonen bedroht werden, verwehren würden.
5.6 Die Vorinstanz hat nach dem Gesagten das Asylgesuch der Beschwer-
deführerin und ihrer Tochter zu Recht abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG). Die Wegweisung wird unter anderem dann nicht verfügt,
wenn die asylsuchende Person im Besitze einer gültigen Niederlassungs-
oder Aufenthaltsbewilligung ist (Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom
11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]) oder An-
spruch auf Erteilung einer solchen hat (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 mit Hin-
weisen auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre-
kurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21 E. 9.a).
6.2 Im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung verfügte die
Beschwerdeführerin weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbe-
willigung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Während
des Beschwerdeverfahrens heiratete sie nun aber einen Schweizer Bürger
und erlangte dadurch eine Aufenthaltsbewilligung. Damit sind die vom SEM
angeordnete Wegweisung aus der Schweiz und ihr Vollzug ohne Weiteres
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dahingefallen, weshalb die Beschwerde diesbezüglich als gegenstandslos
geworden abzuschreiben ist.
7.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde hinsichtlich der Frage
der Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und der Gewährung von Asyl
abzuweisen und im Übrigen als gegenstandslos geworden abzuschreiben
ist.
8.
8.1 Die Beschwerdeführerin ist mit ihrer Beschwerde teilweise unterlegen,
weshalb ihr grundsätzlich reduzierte Verfahrenskosten aufzuerlegen wä-
ren (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der Gutheissung des Gesuches um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (im Sinne von Art. 65 Abs. 1
VwVG) und da aufgrund der Akten keine Änderung in ihren finanziellen
Verhältnissen ersichtlich ist, ist jedoch von einer Kostenauflage abzuse-
hen.
8.2 Soweit die Beschwerde gegenstandslos geworden ist, sind die Kosten
auf Grund der Sachlage vor Eintritt der Gegenstandslosigkeit zu verlegen
(vgl. Art. 5 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Im konkreten Fall ist festzustellen, dass die angefochtene
Verfügung hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungs-
vollzuges aus einem ausserhalb des sachlich vorgegebenen Prozess-
gegenstandes liegenden Grund dahingefallen ist, mithin alleine wegen der
Erteilung eines ausländerrechtlichen Titels zufolge Heirat eines Schweizer
Bürgers. Die Gewinnaussichten bezogen auf die Frage der Zulässigkeit,
Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzuges sind im
Urteilszeitpunkt nicht als überwiegend zu bezeichnen; dies namentlich vor
dem Hintergrund der zum heutigen Zeitpunkt in der Heimat der
Beschwerdeführerin herrschenden Verhältnisse. Unter diesen Umständen
wären der Beschwerdeführerin auch betreffend den gegenstandslos
gewordenen Teil des Verfahrens Kosten aufzuerlegen gewesen.
8.3 Eine Parteientschädigung ist nach dem Gesagten nicht auszurichten
(vgl. Art. 64 VwVG, Art. 5, 7 und 15 VGKE).
8.4 Da mit Verfügung vom 21. Oktober 2019 das Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gemäss Art. 110a AsylG gutge-
heissen worden ist, ist der amtlich bestellten Rechtsbeiständin zulasten der
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Gerichtskasse ein Honorar für ihre Bemühungen auszurichten. Am 29. No-
vember 2019 reichte diese eine Kostennote ein, worin sie einen zeitlichen
Aufwand von 480 Minuten geltend machte. Dieser erscheint angemessen
und ist aufgrund der vom Gericht veranlassten weiteren Eingabe vom
26. Januar 2021 auf 490 Minuten zu erhöhen. Die Auslagen in der Höhe
von Fr. 55.– sind ausgewiesen, der Stundenansatz ist auf Fr. 150.– festzu-
setzen (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE), womit sich ein auszurich-
tendes amtliches Honorar von insgesamt Fr. 1'280.– ergibt.
(Dispositiv nächste Seite)
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