Decision ID: 55671ec6-548d-590e-acaa-8a36965f46cc
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 2001
, wurde am 1
9.
März 2018 als Minder
jährige wegen Kinderlähmung b
ei der Invalidenversicherung an
gemeldet
(Urk.
7
/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, tätigte
medizinische Abklärungen
und verneinte mit Verfügung vom 1
0.
Dezember 2018 (
Urk.
7/29) eine Kostengutsprache für eine erstmalige berufliche Ausbildung.
1.2
Am
8.
Februar 2019 meldete sich die Versicherte wegen eines kongenitalen rechtsbetonten spastischen Dystonie-Syndroms erneut bei der Invalidenversiche
rung an (
Urk.
7/43). Mit Mitteilungen vom 1
9.
März 2019 erteilte die IV-Stelle der Versicherten eine Kostengutsprache für eine ambulante Ergotherapie (
Urk.
7/55), eine Kostengutsprache für medizinische Massnahmen (
Urk.
7/56) sowie eine Kostengutsprache für eine ambulante Physiotherapie (
Urk.
7/57). Mit Mitteilung vom 1
1.
Juni 2019 (
Urk.
7/83) erteilte die IV-Stelle der Versicherten sodann Kostengutsprache für die Abklärungskosten für elektronische Hi
lfsmittel am Arbeitsplatz und mit Mitteilung vom 1
0.
September 2019 einen Kostenbeitrag an Hilfsmittel für den Arbeitsplatz, zur Schulung und Ausbildung (
Urk.
7/117).
1.3
Die IV-Stelle veranlasste eine Abklärung vor Ort (
Ab
klärungsbericht für
Hilflo
senentschädigung
für Erwachsene vom
2
8.
Mai 2019
; Urk.
7
/
85
) und sprach de
r
Versicherten nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(Urk.
7
/
87-88,
Urk.
7/96,
Urk.
7/114
) mit Verfügung vom
1
8.
Dezember 2019
ab 1.
März 2018 bis 3
1.
März 2019
eine Entschädigung
für Minderjährige
für Hilflosigkeit leichten Grades
(
Urk.
7/135 =
Urk.
2/1) sowie mit Verfügung vom 3
0.
Dezember 2019 ab dem
1.
April 2019 eine Entschädigung für Erwachsene für Hilflosigkeit leichten Grades
zu (Urk.
7
/
142 =
Urk.
2/2).
2.
D
ie
Versicherte erhob am
9.
Januar 2020
Beschwerde gegen die Verfügung
en
vom
1
8.
und 3
0.
Dezember 2019
(Urk. 2
/1-2
) und beantragte deren Aufhebung sowie die
Zusprache
einer Entschädigung wegen
mittlerer Hilflosigkeit
(Urk. 1 S.
2
Ziff.
1 und 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
1.
Februar 2020
(Urk.
6
) bean
tragte die Beschwerdegegnerin die A
bweisung der Beschwerde, was der
Beschwerdeführer
in
am
1
3.
Februar 2020 mitgeteilt wurde (Urk. 8
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine
Hilflosenentschä
digung
. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der Verordnung über
die Invalidenversicherung; IVV). Praxisgemäss (BGE
121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensver
richtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
-
Ankleiden, Auskleiden;
-
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
-
Essen;
-
Körperpflege;
-
Verrichtung der Notdurft;
-
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.2
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
e.
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewie
sen ist.
1.3
Gemäss
Art.
37
Abs. 2
IVV
gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die versi
cherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; oder
c.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades nach Art. 37 Abs. 2
lit
. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebens
verrichtungen voraus (BGE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E. 2).
1.4
Gemäss
Art.
37
Abs.
1 IVV gilt die Hilflosigkeit als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter ange
wiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf.
1.5
Gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines Leistungsan
spruchs unter anderem Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen. Nach der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit (Art. 9 ATSG) oder des Pflegebedarfs folgenden Anforderungen zu genügen: Als Berichterstatterin oder Berichterstatter wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und
Hilfs
bedürftigkeiten
hat. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfra
gen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig (vgl. BGE 133 V 450 E. 11.1.1). Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie der tatbestandsmässigen Erfordernisse der dauernden Pflege und der persönlichen Überwachung und der lebenspraktischen Begleitung sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im
eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigen
den Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsper
son näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (
BGE 140 V 543
E. 3.2.1 mit Hinweisen; SVR 2012 IV Nr. 54 S. 195, Urteil des Bundesgerichts 8C_756/2011 vom 12. Juli 2012 E. 3.2). Diese Grundsätze gel
ten entsprechend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem Gesichts
punkt der lebenspraktischen Begleitung (BGE 133 V 450 E. 11.1.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_464/2015 vom 14. September 2015 E. 4) sowie unter dem Aspekt des Intensivpflegezuschlags (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_308/2016 vom 6. September 2016 E. 5.1 mit Hinweis auf 8C_756/2011 vom 12. Juli 2012 E. 3.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtenen Entscheide (Urk. 2/1-2) wie folgt:
Anrechenbar seien seit dem Zeitpunkt der Einreise der Beschwerdefüh
rerin und vorher zwei Lebensverrichtungen (Körperpflege und Fortbewe
gung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte). Die Leistung könne deshalb per Folge
monat nach Einreise in die Schweiz, also ab
1.
März 2018 ausgerichtet werden.
Anlässlich des Gesprächs zu Hause sei angegeben worden, dass die Beschwerde
führerin insgesamt zwei Stunden brauche, um sich am Morgen zu richten. Damit sei das An-/Auskleiden, Körperpflege und
F
rühstücken gemeint. Dieser Zeitauf
wand könne zugemutet werden. Eine blosse Erschwernis oder Verlangsamung bei der Vornahme von Lebensverrichtungen begründe grundsätzlich keine
Hilflo
senentschädigung
. Es gebe zudem diverse Anziehhilfen. Es könne zugemutet wer
den, sich mit diesen zu behelfen.
Beim Bereich
«
Essen
»
sei angegeben worden, dass die rechte Hand bis zu einem gewissen Grad als Stützhand eingesetzt werden könne. Somit sei unter Einsatz von Hilfsmitteln mit überwiegender Wahrscheinlichkeit das
Z
erschneiden von Speisen möglich. Die Hilfe bei breiigen oder flüssigen Nahrungsmitteln erfolge nicht im regelmässigen und erheblichen Ausmass.
Bei
m
Bereich
«
Notdurft
»
sei die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben im Grossen und Ganzen selbständig. Einzig bei der Reinigung nach Verrichten der Notdurft benötige sie Hilfe. Dem Umstand, dass es im öffentlichen Raum keinen
Closomat
gebe, könne nicht Rechnung getragen werden, da man nicht jedes ein
zelne Mal bei der
Notdurftverrichtung
stuhlen müsse
und entsprechend Hilfe bei
der Reinigung benötige. Die Menstruation trete in der Regel einmal im Monat auf. Somit sei auch diese Hilfe nicht im regelmässigen Ausmass notwendig.
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen
geltend (
Urk.
1),
die Tatsache, dass sie für das eigenständige An- und Auskleiden zirka zwei Stunden benötige zeige bereits, dass die Einschränkung in diesem Bereich klar ausgewie
sen sei (S. 4 f.).
Sie sei nicht in der Lage, Essen mit dem Löffel zu sich zu nehmen. Hier sei sie vollständig auf Dritthilfe angewiesen. Auch das Schneiden von Mahlzeiten müsse durch eine Drittperson vollständig übernommen werden. Sie könne ein Messer überhaupt nicht benutzen. Es müsse ihr auch ein Sandwich entsprechend in die Hand gegeben oder eingegeben werden, damit sie selber essen könne (S. 6).
Ein
Closomat
finde sich im öffentlichen Raum nicht. Auch wenn sie zu Hause über einen
Closomat
verfügen würde, wäre sie weiterhin in diesem Bereich ein
geschränkt, wenn sie sich ausser Haus befinde. Die Einschränkung
im Bereich «Verrichten der Notdurft»
sei zweifelsfrei ausgewiesen (S. 7).
Zusammenfassend ergebe sich, dass sie in so vielen Lebensbereichen einge
schränkt sei, dass ihr mindestens eine
Hilflosenentschädigung
für mittelschwere Einschränkungen zustehe (S. 7).
2.3
Streitig und zu prüfen is
t der Grad der Hilflosigkeit der
Beschwerdeführer
in
.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
nannte mit
am
9.
April 2018
bei der Beschwerdegegnerin eingegangen Bericht
(
Urk.
7/8) als Diagnose einen Verdacht auf eine spastische Hemiparese rechts seit Geburt
(S. 1
Ziff.
1.1)
. Sie führte aus, die Beschwerdeführerin sei bei der berufli
chen Ausbildung eingeschränkt. Aufgrund des Grundleidens könnten nicht alle Berufe ausgeübt werden
(S. 1
Ziff.
1.2)
.
Es bestehe ein erhöhter Muskeltonus so
wie Haltungs- und Bewegungsanomalien (S. 2
Ziff.
2.4).
3.2
Dr.
med.
B._
,
Facharzt für
Neurologie,
berichtete am
6.
Dezember 20
18 (
Urk.
7/37/5-6)
und nannte folgende Diagnosen:
-
k
ongenitales rechtsbetontes spastisches Dystonie-Syndrom
-
klinisch: schwere
Dysarthropathie
, rechts armbetonte
dystoniforme
Bewe
gungsstörung
-
schwerer Vitamin D3 Mangel
Er führte aus, i
n der Anamneseerhebung sei vom Onkel der B
eschwerdeführerin
gesagt worden,
dass sich die Beschwerdeführerin
im Alltag
weitgehend selber
versorge (Ankleiden, Körper waschen)
.
Sie habe Schwierigkeiten, irgendwelche Tätigkeiten mit der rechten Hand zu verrichten. Beim Gehen sei die Beschwerde
führerin erheblich beeinträchtigt. Sie benötige Hilfe und könne sich praktisch nicht alleine fortbewegen.
Sehr schwierig sei
für die Beschwerdeführerin
die Be
nützung der Toilette.
Sie
benötige Hilfestellung im Transport von zu Hause in die Schule
(S. 1)
.
Es bestehe eine
d
eutlich rechtsbetonte
dystoniforme
Bewegungsstö
rung mit Spastik. Der re
chte
Arm werde flektiert
. Es bestehe eine
Flexion im Handgelenk sowie der Finger
. Zum Teil sei die Beschwerdeführerin
auch in der Lage, die Hand
spontan zu öffnen
(S. 2)
.
3.3
Dr.
B._
berichtete erneut am
2.
März 2019 (
Urk.
7/48) und führte aus,
es bestehe
ein beidseitiger,
schwerst
spastischer Gang. Die Beschwerdeführerin sei selbständig
gehfähig
, gehe dabei auf den Zehenspitzen, die Füsse seien in
pes
equinovaris
Stellung
(S. 2)
.
Es bestehe eine s
chwere Beeinträchtigung der Gehfä
higkeit
sowie eine b
ilaterale Spastik der Hände. Betr
effend
H
ilflosigkeit wurde festgehalten, dass
ein behinderungsbedingter Mehraufwand an Hilfeleistung
im Alltag bestehe. Aufgrund der
Gehbehinderung
sei sie
nicht in der Lage, selbstän
dig in die Schule zu gehen.
Sie
b
enötige
zudem
für Verrichtungen im Alltag Hilfe
(S. 3)
.
3.4
Am 3
0.
Mai 2019 führte
Dr.
B._
aus
(
Urk.
7/80)
, die Beschwerdeführerin b
e
nötige
einen
Transport
dienst, um zur Ausbildungsstelle
zu kommen.
In der Schule selber benötige sie
Hilfsmittel
, da die Fähigkeit zu schreiben erheblich beeinträch
tigt sei (S. 1).
Aufgrund
der
Beeinträchtigung der Funktion der oberen Extremität
bestehe
auch
eine
erhebliche Beeinträchtigung für tägliche Verri
chtungen im All
tag wie
Umziehen, Haushalttätigkeiten, Verrichtung der Körperpflege
(S. 2).
3.5
Am 1
7.
April 2019 fand die Abklärung der Hilflosigkeit bei der Beschwerdefüh
rerin zuhause im Beisein einer Freundin, welche als Übersetzerin fungiert habe, statt. Mit Bericht vom 2
8.
Mai 2019 (Urk. 7/85) nannte die Abklärungsperson
als Diagnose ein kongenitales rechtsbetontes spastisches Dystonie-Syndrom
und hielt fest,
d
ie
Beschwerdeführerin
habe an der gesamten rechten Körperseite Ein
schränkungen. Auch linksseitig habe sie Schwierigkeiten bei feinmotorischen Tätigkeiten. Schreiben als Beispiel sei ihr nicht möglich. Sie
vermöge
jedoch eine Tastatur
zu
bedienen. Gro
bmotorische Verrichtungen vermöge
sie mit der linken Hand
durchzuführen. Sprechen vermöge
sie nicht deutlich
, rein vom
K
ognitiven her vermöge
sie aber ihre Bedürfnisse
zu
äussern. Wenn sie ihre linke Hand ein
setze, zittere die rec
hte Hand. Die rechte Hand vermöge
sie bis zu einem gewissen Grad als Stützhand ein
zu
setzen
, z
um Beispiel bei groben Reissverschlüssen
oder beim Essen
(S. 1)
.
In Italien sei die Wohnung grosszügig gebaut und für ihre Behinderung angepasst mit genügenden Haltegriffen und dergleichen versehe
n gewesen. Sie habe sich dort mit
Hilfe des Rollators fortbewegen können und
damit auch in jeden Raum (inklusive
Nasszellen) hineingehen können. Hier in dieser Wohnung sei di
es nicht möglich. Die Räume seien eng beziehungsweise
die Türrahm
en
,
und es habe
Schwellen zwischen den Räumen. Dementsprechend benötige sie mehr Hilfe in den alltäglichen Verrichtungen. Hier in der Schweiz habe sie div
erse
Therapien - dank diesen habe es in Bezug auf die Funktionalität ihrer rechten Hand eine leichte Verbes
serung gegeben. In Italien habe
sie keine Therapien
gehabt bezie
hungsweise
nur
Physiotherapie für ihre Beine. In Italien
sei
sie
in einer Regel
schule gewesen und sei jeweils mit dem Auto
gefahren worden. Im Areal habe
sie
zwei
Assistenten
gehabt
, welche ihr be
i der Fortbewegung geholfen hätten
,
und sie habe
dort auch einen speziellen Stuhl für sich
gehabt. Weitere Hilfsmittel habe
es nicht
gegeben
, ausser ihrem Rollator, den sie zu Hause
benutzt habe
.
Die
Beschwerdeführerin
brauche für ihre Verrichtungen länger. Wenn sie sich am Morgen richten müsse (Ankleiden, inkl
usive Körperpflege, ohne Frühstück) brau
che sie zwei Stunden
(S. 2)
.
Zum Bereic
h
«
Ankleiden/Auskleiden
»
hielt die Abklärungsperson fest, dass die
Beschwerdef
ührer
in
Hosenknöpfe nicht schliessen
könne
. Sie trage deshalb Hosen mit Gummizug. Auch sonst sei ihre Bekleidung ihrer Behinderung angepasst. In der Schule
würden
ihr Kollegen
helfen
.
Sie trage seit sie 16jährig sei
normale Schuhe
, davor habe sie Spezialschuh
e
gehabt
. Sie benötige am rechten F
uss
Hilfe beim Hineinschlüpfen, weil sie sonst zu wenig Halt in den Schuhen habe. Allge
mein benötige sie viel Zeit, um sich selbst
ändig an-/auszuziehen. Sie vermö
g
e
Klettverschlüsse zu bedienen, Reissverschl
ü
ss
e
einfädeln gehe unter Schwierig
keiten. Sie könne ihre rechte Hand als Stützhand einsetzen, jedoch benötige sie sicher 10 - 15 Min
uten
bis der Reissverschluss einge
fädelt und zugezogen werden könne
. Die aktuelle Situation sei seit 2 Jahren entsprechend.
Die Abklärungsperson erachtete diesen Bereich als nicht ausgewiesen. G
rundsätz
lich könn
t
en der
Behinderung angepasste Kleider/Schuhe zugemutet werden. Auch Hilfsmittel
,
wie z
um Beispiel
ein verlängerter Schuhlöffe
l
,
könn
t
e
n
zuge
mutet werden. Es sei
nachvollziehbar, dass die
Beschwerdeführerin Einschrän
kungen habe
,
jedoch wäre sie mit geeigneten
Hilfsmitteln und auch entsprechen
der Bekleidung mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit selbständig (S. 2 f.).
Zum Bereich
«
Aufstehen/Absitzen/Abliegen
»
wurde ausgeführt, die Beschwerde
führerin schlafe in der Nacht durch. Sie vermöge die Positionswechsel seit ihrem
8.
Lebensjahr selbst durchzuführen, müsse sich aber abstützen können (S. 3 oben).
Auch der Bereich
«
Essen
»
wurde als nicht ausgewiesen erachtet.
Die
Beschwerde
führerin vermöge
mit ihrer linken Hand kleine Stücke
zu
essen. Auch der Umgang mit der Gabel gelinge ihr (aufspiessen), ein Teil des Essens gehe aber daneben, sodass es danach viel aufzuwischen gebe. Sie
könne
auch aus einem Becher/Glas trinken, als H
ilfsmittel
diene ihr ein Strohhalm. Die Löffelführung gehe nicht. Wenn es etwas Breiiges gebe (Risotto, Joghurt, etc.)
,
müsse ihre Mutter ihr das ei
nge
b
en. In der Woche esse sie zweimal
auswärts, sonst esse sie zu Hause. Meis
tens kaufe sie dort unterwegs ein Sandwich. H
ierbei helfe ihre Kollegin beim
Auf
machen des Packes. Wenn ihre Hand zittere, könne sie das Sandwich nicht richtig halten. Ihre Kollegin reiche ihr dann das Sandwich in einer Weise, dass sie es gut halten könne.
Das
Schneiden von Nahrungsmittel
n
müsse generell übernommen werden. Auch Fruchtsaftpackungen müsse ihre Kollegin ih
r öffnen. Zum Früh
stück esse sie
Brioche (in der Schule), dies
e
könne sie gut in ihrer Hand halten. Die Hilfe sei je nachdem, was es zum Essen gebe, notwendig. Es sei schwierig zu sagen, wie oft sie Hilfe benötig
e. Die Situation sei seit vier
Jahren entsprechend.
Die Abklärungsperson gab an, es könne a
uch in diesem Bereich
nachvollzogen werden, dass die
Beschwerdeführerin Einschränkungen habe. Andererseits ver
möge
sie mit der Gabel zu essen und die rechte Hand als Stützhand ein
zu
setzen. Der Um
gang mit dem Löffel gelinge ihr zwar nicht, andererseits mü
ss
e
ihr das Essen nicht püriert
werden. Es sei
auch zumutbar, "offene" Sandwiches zu kaufen, welche nicht extra noch ausgepackt werden müss
ten
,
und auch sonst seien
H
ilfs
mittel
wie Antirutschset, Tellerrand und dergleichen
zumutbar (S. 3).
Der Bereich
«
Körperpflege
»
sei ausgewiesen; i
hre Mutter wasche ihr die Haare.
In und
aus der Badewanne
zu
steigen sei ihr möglich, ihre Mutter stehe aber dabei und sie benötige mehr Zeit. Sie habe als Hilfsmittel Haltegriffe, an denen sie sich festhalten könne. Vorne herum seife sie sich selbständig ein, ihre Mutter über
nehme ihr den Rücken. Abtrocknen erfolge selbständig. Ihre Mutter müsse ihr ihre Haare waschen. Sie lasse sich ihre Haare meistens an der Luft trocknen. Fri
sieren erfolge durch ihre Mutter, wenn sie
ihr die Haare föhne. Dies vermö
g
e
die Beschwerdeführerin
nicht selbst tun. Sie dusche jeden
zweiten
Tag, im Sommer täglich. Die Situation sei seit
zirka
einem
Jahr entsprechend
(S. 3)
.
Zum Bereich
«
Reinigung nach Verrichtung der Notdurft
»
führte die Beschwerde
führerin aus, sie
sei
kontinent
. Sie verrichte ihre Notdurft selbständig. Hilfe sei aber bei der Reinigung nach Verrichtung des Stuhlganges nötig. Es sei ihr mög
lich, sich ihre Kleider zu ordnen. In dieser Wohnung müsse
sie
zur Toilette be
gleitet werden. In Italien habe sie die Toilette mit Hilfe des Rollators aufsuchen können. Da die Wohnverhältnisse mehr ihren Behinderungen angepasst
gewesen seien
, habe sie auch mehr übernehmen können.
In der Schule werde ihr auch
geholfen - wenn sie fertig sei, rufe sie ihre Kollegin, welche ihr dann helfe. Im Schulhaus
gebe
es auch ein Behinderten WC. Trotzdem sei Begleitung nötig, weil es auch weitläufiger sei.
Die Abklärungsperson hielt diesbezüglich fest, dass die Beschwerdeführerin so
wohl in der Schule wie auch zu Hause zur Toilette
begleitet werden
müsse
.
Diese Hilfe werde
bereits bei der Fortbewegung angerechnet. Abgesehen davon
sei
sie jedoch selbständig in dem Bereich. Bei der Reinigung des Gesässes nach Verrich
tung der Notdurft würde ein
Closomat
Abhilfe schaffen
(S. 4)
.
Zum Bereich
«
Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte
»
führte die Ab
klärungsperson aus, die Beschwerdeführerin
wohne derzeit in einer Wohnung im
dritten
Stock. Treppen steigen sei schwierig und ermüdend. Man müsse sie stüt
zen, wenn sie nach unten
oder hinaufgehen wolle. In Italien
sei
sie stets mit dem Rollator unterwegs
gewesen
. Hier sei dieser keine Hilfe, weil innerhalb der Woh
nung alles eng sei und es Schwellen gebe
zwischen den Räumen. Sie bewege sich innerhalb der Wohnung selbständig fort, müsse sich aber an der Wand und an den Möbeln abstützen können. Es bestehe Sturzgefahr
,
letztmals gestürzt sei sie vor
zwei
Tagen. Die ö
ffentlichen
V
erkehrsmittel
könne sie nur in Begleitung be
nutzen. Kognitiv sei sie nicht eingeschränkt. Sie habe jedoch Schwierigkeiten mit dem Sprechen. Leute, die sie nicht kennen, würden nicht immer verstehen, was sie
ihnen sagen wolle. Sie vermöge
mit dem Handy um
zu
gehen.
Dieser
Bereich sei ausgewiesen (S. 4).
Lebenspraktische Begleitung sei nicht
ausgewiesen
,
da keine Begleitung statt
finde
. Somit werde
zur Anerkennung der lebenspraktischen Begleitung der Min
destaufwa
nd von 2 Stunden pro
Woche nicht erreicht
(S. 4 unten
)
.
Zusammenfassend seien zwei Bereiche ausgewiesen (Körperpflege und Fortbewe
gung). Damit bestehe Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
leichten Grades (S. 5 f.).
3.6
In der Stellungnahme vom 1
8.
Dezember 2019 (
Urk.
7/133) führte die Abklä
rungsperson aus,
die Beschwerdeführerin habe vor Ort angegeben, dass sie zwei Stunden benötige, um sich zu richte
n
und zu frühstücken. Dieser Zeitaufwand könne zugemutet werden. Eine blosse Erschwernis oder Verlangsamung bei der Vornahme der Lebensverrichtungen begründe grundsätzlich keine
Hilflosenent
schädigung
. Es gebe diverse Hilfsmittel auf dem Markt, auch solche für Ver
schlüsse wie Knöpfe und Reissverschlüsse. Die Kleider könnten auch in einer Weise vers
orgt
werden, dass die Beschwerdeführerin gut hinkomme, zum Beispiel in einer Kommode mit Schubladen. Dass im Winter der Aufwand höher sei, sei nachvollziehbar. Wenn in dieser Jahreszeit auch Dritthilfe nötig sein sollte, so erfolge dies nicht in
einem
regelmässigen Ausmass (S. 1).
Beim Bereich
«
Essen
»
könne der Beschwerdeführerin durchaus zugemutet werde
n
, zweimal in der Woche über den Mittag Sandwiches zu essen. Es gebe deren viele gesunde Varianten auf dem Markt und gelte auch heutzutage bei vielen Arbeit
nehmern als Mittagessen. Die Beschwerdeführerin habe zudem angegeben, dass sie die rechte Hand bis zu einem Grad als Stützhand einsetzen könne. Es könne daher davon ausgegangen werden, dass sie mit Hilfsmitteln überwiegend selb
ständig wäre. Der Umstand, dass ihr breiige und flüssige Nahrungsmittel einge
geben werden müssten (Suppen, Joghurts), sei nicht anrechenbar, da dies nicht im regelmässigen Ausmass erfolge (S.
1 f.
).
Im Bereich
«
Notdurft
»
sei die Beschwerdeführerin im Grossen und Ganzen selb
ständig. Einzig bei der Reinigung nach Verrichten der Notdurft benötige sie Hilfe. Dem Umstand, dass es im öffentlichen Raum keinen
Closomat
gebe, könne nicht Rechnung getragen werden, da man nicht jedes einzelne Mal bei der
Notdurft
verrichtung
stuhlen müsse und entsprechend Hilfe bei der Reinigung benötige. Die Menstruation trete in aller Regel einmal im Monat auf. Somit sei auch diese Hilfe nicht im regelmässigen Ausmass notwendig. Der Bereich sei deshalb nicht anrechenbar
(S. 2 unten)
.
4.
4.1
N
ach Lage der Akten kann ohne weiteres verneint werden, dass die Be
schwer
de
führerin einer dauernden persönlichen Überwachung (Art. 37 Abs. 3
lit
. b IVV) oder einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und beson
ders
aufwendigen Pflege (Art. 37 Abs. 3
lit
. c IVV) bedürfte oder wegen einer
schweren Sinnesschä
digung oder eines schweren körperlichen Gebre
chens nur
dank
regelmässiger
und erheblicher Dienstleistungen Dritter ge
sellschaftliche Kontakte pflegen könnte (Art. 37 Abs. 3
lit
. d IVV).
4.2
Gestützt auf die Akten, insbesondere den Abklär
ungsbericht (vgl. vorstehend E.
3.5)
,
steht fest und
besteht Einigkeit darüber, dass die Beschwerdeführerin bezüg
lich der Lebens
verrichtungen «Köperpflege» und «Fortbewegung/Pflege gesell
schaftlicher Kontakte» in regelmässiger und erheblicher Weise der Hilfe Dritter bedarf.
Strittig und zu prüfen ist
indes
, inwieweit die Beschwerdeführerin in den
drei
a
lltäglichen Lebensverrichtungen «An- und Aus
kleiden», «Verrichten der Not
durft» und «Essen»
eingeschränkt und in regelmässiger und erheblicher Weise auf Dritt
hilfe angewiesen ist.
4.3
Zum Bereich „An- und Auskleiden“ wurde im Abklärungsbericht ausgeführt, die Beschwerdeführerin könne aufgrund der verminderten Feinmotorik die Knöpfe
nicht selbständig schliessen und den Reissverschluss nur unter Schwierigkeiten einfädeln (vgl. vorstehend E. 3.5).
Hilflosigkeit im Bereich „An- und Auskleiden“ liegt gemäss
dem
Kreisschreiben über Invalidität und Hi
lflosigkeit in der I
nvalidenversicherung
(KSIH
; Stand:
1.
Januar 2018
) vor, wenn die versicherte Person ein unentbehrliches Kleidungs
stück oder eine Prothese nicht selber an- oder ausziehen kann. Hilflosigkeit liegt auch vor, wenn sie sich zwar selber ankleiden kann, ihr hingegen die Kleider bereitgelegt werden müssen oder kontrolliert werden muss, ob sich die versicherte Person der Witterung entsprechend gekleidet hat oder ob sie die Vor- und Rück
seite der Kleidungs
stücke verwechselt hat (KSIH
Rz
8014).
Unter Berücksichtigung der
fein
motorischen Defizite der Beschwerde
führe
rin
der linken Hand
erscheint es nicht als unmöglich, dass diese Reissverschlüsse lang
sam und allenfalls m
it Hilfsmitteln schliessen kann
, zumal sie die rechte Hand
gemäss eigener Aussage
immerhin als
Stützhand einsetzen kann. Ausserdem ist es ihr im Rahmen der Schadenminderungs
pflicht zumutbar, Kleidungsstücke ihren Einschränkungen entsprechend auszu
wählen und au
f unnötige Knöpfe zu verzichten. Dass die Mutter der Beschwerdeführerin die Kleider bereitlegt, wurde im Abklärungsbericht
zwar
nicht erwähnt, jedoch im Formular aufgeführt (vgl.
Urk.
7/84 S. 2
Ziff.
1.1.1).
Diesbezüglich blei
b
t anzumerken, dass es
der Beschwerdeführerin im Rahmen der Schadenminderungspflicht zumutbar
ist
, dass die Kleider in einer Kommode oder ähnlich versorgt werden, so dass die Beschwerdeführerin diese selber
he
rausnehmen kann.
Beim
Schliessen
von Knöp
fen und Reissver
schlüssen handelt es sich demnach nicht um eine nicht mehr durch die Beschwerdeführerin selber
ausübbare
Teilfunktion des An- und Aus
kleidens, zumal es sich beispielsweise bei einer Bluse nicht um ein unentbehr
li
ches Klei
dungsstück handelt.
Der von der Abklärungsperson verfasste
Bericht (vgl. vorstehend E. 3.5
) befasst sich umfassend mit den einzelnen Berei
chen der alltäglichen Lebensverrichtungen und umschreibt die an Ort und Stelle festge
stellten sowie von der Beschwerdeführerin geschilderten Einschränkungen in die
sen Bereichen. Vorliegend sind keine besonderen Umstände gegeben, wel
chen den Abklärungsbericht im Bereich „An- und Auskleiden“ als mangelhaft oder ungeeignet erscheinen liessen. Es bestehen somit keine Anhaltspunkte für Fehl
einschätzungen der Abklärungsperson in diesem Bereich und es kann somit dies
bezüglich auf den Abklärungsbericht abgestellt werden.
E
ine Hilf
s
bedürftigkeit im geforderten Ausmass ist im Bereich „An- und Aus
klei
den“ demnach nicht ausgewiesen.
4.4
Zum Bereich „Verrichten der Notdurft“ wurde im Abklärungsbericht ausgeführt,
die Beschwerdeführerin brauche Hilfe bei der Reinigung nach Verrichten de
s
Stuhlgangs
. Für die Reinigung des Gesässes könne ein
Closomat
zugemutet wer
den (vorstehend E. 3.5).
Dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer
motorischen
Defizite
der Hände
nicht
in der Lage ist, die Reinigung
genügend gründlich vorzunehmen, erscheint glaub
haft
und wird denn von der Beschwerdegegnerin auch nicht bestritten
. So kann davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin grundsätzlich nach je
dem Stuhlgang einer
Kontrolle
beziehungsweise Hilfe Dritter bedarf.
Hilflosigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person für die
Körperreinigung be
ziehungsweise
das Überprüfen der Reinlichkeit, für das Ordnen der Kleider od
er für das Absitzen beziehungsweise Wieder
aufstehen der Hilfe Dritter
bedarf (BGE
121 V 88 E
. 6).
Die Hilfe ist
regelmässig
, wenn die versicherte Person
sie
täglich benötigt oder eventuell täglich nötig hat (Urteil des
BGer
9C
_562/2016 vom 1
3.
Januar 2017).
Die Hilfe ist
erheblich
,
wenn die versicherte Person min
destens eine Teilfunktio
n einer einzelnen Lebensverrichtung
nicht mehr, nur mit unzu
mutbarem Aufwand oder nur auf unübliche Art und W
eise (BGE 106 V
153) selbst ausüben kann.
Nach dem Gesagten ha
ndelt es sich bei den
eventuell
täglich
notwendig
en R
eini
gungen
nach Stuhlgang
durch
eine Drittperson
um eine nicht mehr durch die Beschwerdeführerin selber
ausübbare
Teilfunktion des Ber
eichs «Verrichten der Notdurft»
.
Dass mit Hilfe eines
Closomats
Abhilfe geschaffen werden könnte, ist zwar nachvollziehbar, jedoch
ist ein
Closomat
tatsä
chlich nicht überall auffindbar und
trägt auch dem Umstand nicht Rechnung, dass
die Beschwerdeführerin doch einen grossen Teil des Tages nicht zu Hause, sondern in der S
chule verbringt. Die
Beschwerdeführerin
ist
in dieser Lebensverrichtung
somit
dauernd, regelmässig und in erheblicher Weise auf Hilfe angewie
sen
.
4.5
Beim Bereich «Essen» liegt
gemäss
Rz
8018 KSIH
Hilflosigkeit vor, wenn die ver
sicherte Person zwar selber essen, dies jedoch nur auf eine nicht übliche Art und Weis
e ausführen kann (BGE 106 V 158;
z
um
Beispiel
wenn sie die Speisen nicht zerkleinern oder nur püriert essen oder nur mit den Fingern zum Munde führen kann
,
BGE 121 V 88). Ist die versicherte Person nur zum Zerschneiden harter Speisen auf direkte Dritthilfe angewiesen, liegt keine Hilflosigkeit vor, da solche Speisen nicht täglich gegessen werden und deswegen die versicherte Person nicht regelmässig und nicht erheblich auf Dritthilfe angewiesen ist (Urteil des Bundes
gerichts 8C_30/2010 vom 8. April 2010). Hingegen ist eine Hilflosigkeit gegeben, wenn die versicherte Person das Messer überhaupt nicht benutzen kann (also nicht einmal e
in Butterbrot strei
chen kann
, Urteil des Bundesgerichts
9C_346/2010 vom
6.
August 2010
).
Bei
Einarmigkeit
und funktioneller
Einarmig
keit
(gelähmter Arm) liegt eine Hilf
losig
keit vor
, sofern der gelähmte Arm auch nicht als
Stützarm
/-hand (zum Beispiel um einen Teller zu fixieren) eingesetzt werden kann
(
Rz
8018
.1
KSIH).
Im Abklärungsbericht wird festgehalten, dass die Beschwerdeführerin mit der lin
ken Hand kleine Stücke essen könne und auch der Umgang mit der Gabel gelinge. Die Löffelführung gehe nicht
und
das Schneiden von Nahrungsmitteln
müsse ge
nerell übernommen werden (vorstehend E. 3.5).
Gestützt auf die medizinischen Berichte
(vorstehend E. 3.1-3.4)
kann von einer massiv eingeschränkten Funktionsfähigkeit der rechten Hand ausgegangen wer
den, wobei auch die linke Hand lediglich eine grobmotorische Funktion zulässt.
Es ist demnach ausgewiesen, dass die Beschwerdeführerin ihre rechte Hand fast überhaupt nicht zum Essen einsetzen und diese lediglich als Stützfunktion dienen kann.
Das Bundesgericht hat unter Hinweis auf seine frühere Rechtsprechung und
Rz
8018 KSIH bestätigt, dass Hilfsbedürftigkeit im Bereich Essen gegeben sei, wenn die versicherte Person ohne Hilfe Dritter keine normal zubereitete Nahrung zu sich nehmen kann, und hat im konkreten Fall festgehalten, es könne nicht zugemutet werden,
ausschliesslich
zerkleinerte Lebensmittel einzukaufen oder nur Menus auszuwählen, die die versicherte Person ohne Dritthilfe essen könne (Urteil 8C_728/2010 vom 2
8.
Januar 2011 E. 2.4).
Auch im Urteil 9C_453/2010 vom
3.
September 2010, E. 2.2.1-2, wurde die Erheblichkeit und
Regelmässigkeit
von Dritthilfe vom Bundesgericht
bei einer versicherten Person
bejaht,
die
nur eine Hand ungehindert ein
setzen konnte und beim
Zerscheiden
von hartem Fleisch und beim Streichen von Brotscheiben
regelmässig
auf die Hilfe Dritter angewiesen war
. Entsprechend ist die
Beschwerdeführer
in vorliegend
regelmässig
und erheblich
– selbst
mit der Zuhilfenahme vo
n entsprechenden Hilfsmitteln -
auf Dritthilfe angewiesen, weshalb beim Lebensbereich Essen eine Hi
lfsbedürftig
keit im Rechtssinne
zu bejahen ist.
4
.
6
Zusammenfassend ist festzuhalt
en, dass die Beschwerdeführerin i
n den
vier
all
gemeine
n Lebensver
richtungen «Körperpflege», «Fortbewegung/Pflege gesell
schaftlicher Kontakte», »Verrichten der Notdurft» und «Essen»
regelmässig in er
heb
licher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und damit gemäss Art. 37 Abs. 2
lit
.
a
IVV Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
mittleren Grades hat.
Diese ist ihr ab
1.
März 2018 als
Hilflosenentschädigung
für Minderjährige und ab
1.
April 2019 als
Hilflosenentschädigung
für Erwachsene auszurichten.
Der angefochtene Entscheid ist somit nicht rechtens. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung erweist sich somit als
gegenstandslos.