Decision ID: e8eb88d0-d260-47dd-aa23-523efb661119
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 19
65
,
war zuletzt seit dem
1.
Februar 2007 als Senior Client
Relationship
Manager bei der
Y._
AG angestellt (Urk. 7/16). Über ihre Arbeitgeberin war sie bei der
Visana
Services AG
durch Kollektivvertrag
gemäss Versicherungsvertragsgesetz (VVG)
gegen Lohnausfall bei Krankheit versichert
(vgl.
Urk.
7/3)
.
1.2
Die Versicherte erkrankte an einer Multisystematrophie
vom Par
kinson-Typ (MSA-P)
, weswegen ihr ab dem 11.
Juli 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert
wurde
(
Urk.
7/
5
). Die
Visana
Services AG erbrachte
darauf Taggeld
leis
tungen (
Urk.
7/6/1)
.
Im
November 2016 reichte sie bei der Sozialver
siche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, die Anmeldung der Versicherten zum Leis
tungsbezug
mit
diversen
Beilagen ein
(
Urk.
7/1, 7/5
-6 und
7/7
)
. Überdies
stellte
sie
einen Verrechnungsantrag
bezüglich
Nachzahlungen der Invalidenversiche
rung (
Urk.
7/3)
.
Mit Vorbescheid vom 11. September 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten eine ganze Invalidenrente ab dem 1
1.
Juli 2017 in Aussicht (
Urk.
7/27).
Am
4.
Dezember 2017 bezifferte d
ie
Visana
Services AG
ihre Verrech
nungsforderung
auf
Fr.
9'580.35 und legte ihre Überentschädigungsberechnung für die Zeit vom 1
1.
Juli bis zum 3
1.
Oktober 2017 dar (
Urk.
7/48).
1.3
Mit Verfügung vom 1
1.
Dezember 2017 sprach
die
IV-Stelle der Versicherten ab dem
1.
Juli 2017 eine ganze Invalidenrente
(à
Fr.
1'442.--)
samt zweier Kinder
renten
(à je
Fr.
577.--)
zu und hielt fest, mit der
Nachzahlung von Fr.
12'980.--
für die Zeit vom
1.
Juli bis zum 3
0.
November 2017
werde
ein Betrag von
Fr.
5'768.-- verrechnet, welcher an die
Visana
Services AG auszubezahlen sei (
Urk.
2 =
7/49
).
2.
Gegen die Verfügung vom 11. Dezember 2017 erhob die
Visana
Services AG
mit Eingabe vom 21. Dezember 2017 (Urk. 1) Beschwerde mit dem
sinngemässen
Antrag, die angefochtene Verfügung sei
insofern abzuändern, als der geltend gemachte Betrag von
Fr.
9'580.35 in vollem Umfang zur Verrechnung zuzulassen
und an sie auszubezahlen
sei
. Die IV-Stelle schloss am
15
.
Februar
2018 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Davon wurde der Beschwerdefüh
rerin mit Verfügung vom
23
.
Februar
2018 Kenntnis gegeben
, mit welcher auch
X._
zum Prozess beigeladen und zur Stellungnahme aufge
fordert wurde
(Urk. 8).
Mit Verfügung vom 2
5.
April 2018 wurde den Parteien mitgeteilt, dass sich die Beigeladene nicht
habe
vernehmen l
a
ss
en
(Urk.
10).
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften und die im Beschwerde
verfah
ren neu eingereichte
Unterlage
(Urk.
3/2
) wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Die Einzelrichterin

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
Arbeitgeber, Einrichtungen der beruflichen Vorsorge, Krankenversicherungen, öffentliche und private Fürsorgestellen oder Haftpflichtversicherungen mit Sitz in der Schweiz, welche im Hinblick auf eine Rente der Invalidenversicherung Vor
schussleistungen erbracht haben, können verlangen, dass die Nachzahlung dieser Rente bis zur Höhe ihrer Vorschussleistung verrechnet und an sie aus
bezahlt wird. Vorbehalten bleibt die Verrechnung nach Artikel 20
des Bundes
gesetzes über
die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(
AHVG
)
. Die bevor
schussenden Stellen haben ihren Anspruch mit besonderem Formular frühestens bei der Rentenanmeldung und spätestens im Zeitpunkt der Verfügung der IV-Stelle geltend zu machen
(
Art.
85
bis
Abs.
1
der Verordnung über die Invaliden
versicherung; IVV)
.
Als Vorschussleistungen gelten
(
Abs.
2)
:
a.
freiwillige Leistungen, sofern die versicherte Person zu deren Rücker
stattung verpflichtet ist und sie der Auszahlung der Rentennachzahlung an die bevorschussende Stelle schriftlich zugestimmt hat;
b.
vertraglich oder aufgrund eines Gesetzes erbrachte Leistungen, soweit aus dem Vertrag oder dem Gesetz ein eindeutiges Rückforderungsrecht infolge der Rentennachzahlung abgeleitet werden kann.
Die Nachzahlung darf der bevorschussenden Stelle höchstens im Betrag der Vorschussleistung und für den Zeitraum, in welchem diese erbracht worden ist, ausbezahlt werden
(
Abs.
3)
.
3.
Es ist strittig und zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin nicht nur
Fr.
5'768.--
, sondern den gesamten geforderten Betrag von
Fr.
9'580.35
von den der Versi
cher
ten zustehenden Rentennachzahlungen zwecks Verrechnung
an die Beschwer
d
eführerin
auszuzahlen hat (
Urk.
1, 2 und
6
).
4.
4.1
Unter Hinweis auf die vertraglichen Bestimmungen, woraus ein direktes Rück
forderungsrecht gegenüber der AHV/IV hervorgehe, stellte die Beschwerdefüh
rerin
am
4.
Dezember 2017
mit dem besonderen Formular
einen Verrechnungs
antrag für
in der
Zeit vom 1
1.
Juli bis zum 3
1.
Oktober 2017
ausgerichtete Leistungen
im Betrag von
Fr.
9'580.35
(Urk. 7/48/1-2).
Der Anspruch wurde da
mit
rechtzeitig und formell korrekt geltend gemacht.
4.2
Gemäss den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB), gültig ab 2011 (Urk. 3/2),
wird der
Anspruch der versicherten Person auf Leistungen von staat
lichen oder betrieblichen Versicherungen
oder von einem ha
ftpflichtigen Dritten im Rahmen
der
Leistungspflicht
der Versicherung
bis zu
r
Höhe des versicherten Taggelds
ergänzt
(
Art.
17.1 AVB). Steht der Rentenanspruch einer staatlichen oder betrieblichen Versicherung noch nicht fest, so erbringt die
Versicherung das versicherte Taggeld im Sinne einer Vorleistung. Die versicherte Person muss, um in den Genuss dieser Vorleistung zu gelangen, die schriftliche Zustimmung zur direkten Verrechnung mit den erwähnten Versicherern erteilen (
Art.
17.2 AVB)
.
Eine entsprechende schriftliche Einverständniserklärung hat die Versicherte am
1.
August 2016 abgegeben (
Urk.
7/1).
Von derselben waren sowohl die Stamm
- als auch die Kinderrenten mit
umfasst, zumal die letztgenannten keine eigen
ständigen Leistungen darstellen, die sich vom Grundanspruch auf die Stammrente loslösen liessen
, sondern akzessorischer Natur sind
(vgl. BGE 1
43
V
241
E.
5.2
).
4.
3
In der Folge hat die
Beschwerdeführerin
unbestritten
die vertraglich vereinbarten Vorschussleistungen erbracht
(vgl.
Urk.
7/48)
, für welche ein eindeutiges Rück
forderungsrecht infolge der Rentennachzahlung vereinbart wurde
(
Urk.
7/1 und
Art.
17.2 AVB)
.
4.4
Die Beschwerdegegnerin vertrat indessen die Auffassung,
die Kinderrenten seien keiner Verrechnung zugänglich, da sie dem Unterhalt des Kindes dienten und nicht den Einkommensausfall der versicherten Person deckten (
Urk.
6 S. 1).
4.
5
Männer und Frauen, denen eine Invalidenrente zusteht, haben für jedes Kind, das im Falle ihres Todes eine Waisenrente der Alters- und
Hinterlassenenversicherung
beanspruchen könnte, Anspruch auf eine Kinderrente (
Art.
35
Abs.
1 des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung; IVG).
Die Auszahlung der Kinderrenten erfolgt grundsätzlich zusammen mit der Hauptrente an die rentenberechtigte
Per
son (vgl. die Wegleitung über die Renten [RWL] in der Eidgenössischen Alters-,
Hinterlassenen
, und Invalidenversicherung,
Rz
10006).
Bei Vorschussleistungen eines bevorschussenden Dritten kann daher grundsätzlich auch die Nachzahlung der Kinderrenten mit dem Vorschuss verrechnet werden. Nur wenn die Voraus
setzungen zur Getrenntauszahlung der Kinderrenten erfüllt sind, bilden diese nich
t Gegenstand der Verrechnung (RWL
Rz
10074).
Die letztgenannte Ausnahme
konstellation
ist
vorliegend indessen nicht
gegeben
, da die 2001 und 2005 ge
borenen minderjährigen Kinder mit der Versicherten zusammen im selben Haus
halt leben
und die Kinderrenten – dem Grundsatz entsprechend – zusammen mit der Hauptrente ausbezahlt werden
(
Urk.
2, 7/7/3, 7/12/3 und 7/20/1
; vgl. RWL
Rz
10006 ff.).
Einer Verrechnung steht daher nichts entgegen.
Insbesondere ist dem Einwand der Beschwerdegegnerin, mit einer Kinderrente sei der Kinderunterhalt zu bestreiten (
Urk.
6 S. 1)
,
entgegenzuhalten, dass das Sozial
versicherungsrecht bei der Festsetzung seiner Leistungen keine Bestimmung zur Koordination mit dem Unterhaltsrecht kennt. Die Kinderrenten in der IV werden schematisch festgesetzt. Die Frage, wie hoch der Unterhaltsbedarf des Kindes ist, spielt dabei ebenso wenig eine Rolle wie die Frage, ob der unterhaltspflichtige Elternteil mit den ihm verbleibenden Leistungen seinen eigenen Unterhaltsbedarf decken kann (vgl. das zur Publikation vorgesehene Urteil des Bundesgerichts 8C_630/2018 vom 12. Februar 2019 E. 5.2.2 mit Hinweisen).
Bei den Kinder
renten handelt es sich nicht um einen eigenen Anspruch des Kindes, sondern um einen kinderbedingten Rentenzuschlag auf der Stammrente des rentenbe
zieh
en
den Elternteils, weshalb es sich auch um eine personell kongruente Leistung handelt (vgl. das zur Publikation vorgesehene Urteil des Bundesgerichts 8C_630/2018 vom 12. Februar 2019 E. 5.2.3 mit Hinweisen).
4.6
Es bleibt zu berücksichtigen, dass die Nachzahlung
für den Zeitraum vom
1
1.
Juli bis zum 3
1.
Oktober 2017
, in welchem die Vorschussleistung erbracht wurde, lediglich
Fr.
9'546.60
– und nicht wie von der Beschwerdeführerin angenommen
Fr.
9’580.35 –
beträgt (
vgl.
Urk.
2 S. 2
;
[
Fr.
1'442.-- +
Fr.
577.-- +
Fr.
577.
-- ]
x 3 + [
Fr.
1'442.-- +
Fr.
577.-- +
Fr.
577.-- ] : 31 x 21
= 9'546.60
).
4.7
Aus dem Gesagten folgt, dass
eine
Verrechnung
der Vorschussleistung
mit
der Nachzahlung
(für die Stammrente und die Kinderrenten)
für die Zeit vom 1
1.
Juli bis zum 3
1.
Oktober 2017 im Betrag von Fr. 9'546.60
zulässig
ist
.
Die Beschwerde ist daher
teilweise
gutzuheissen und die angefochtene Verfügung
entsprechend
abzuändern.