Decision ID: ab4dbf5c-bb95-4f82-a09e-77d9c9cbc33c
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Am 13. April 2010 wurde von der Zürich Lebensversicherungs-Gesellschaft AG (kurz: Zürich)
die fondsgebundene Lebensversicherungspolice Nr.
«...»
für den 1973 geborenen
X._
ausgestellt
. Die Versicherung wurde als gebundene Vorsorgeversicherung nach BVV 3 für eine Laufzeit von 28 Jahren mit Beginn am 1. Mai 2010 und Ablauf am 30. April 2038 abgeschlossen. Als versi
cherte Leistungen wurden ein Kapital im Erlebensfall, ein Kapital im Todesfall sowie eine Erwerbsunfähigkeits-Zusatzversicherung vereinbart.
Als Begünstigter im Erlebensfall wurde der Versicherungsnehmer aufgeführt.
Bei der
Erwerbsun
fähigkeits
-Zusatzversicherung wurden folgende Leistungen definiert: Prämien
befreiung bei Erwerbsunfähigkeit infolge Krankheit oder Unfall nach einer War
tefrist von drei Monaten bis am 30. April 2038
und
Rente bei Erwerbsunfähigkeit infolge Krankheit von Fr. 12'000.-- pro Jahr, vierteljährlich ausbezahlbar, nach einer Wartefrist von 24 Monaten bis am 30. April 2038.
Sodann wurde explizit festgehalten, dass bei Erwerbsunfähigkeit infolge eines Unfalls keine Leistung fällig werde. Zur
Definition eines Unfalls wurde
festgehalten: «Als Unfall gilt jede Körperschädigung, welche die versicherte Person durch plötzlich auf sie ein
wirkende äussere Gewalt unfreiwillig erleidet. Dem Unfall gleichgestellt sind: Ertrinken, Erfrieren, Hitzschlag und Sonnenstich, Vergiftungen und Verätzungen sowie das unfreiwillige Einatmen
von Gasen und Dämpfen» (Urk. 14/1
).
2.
2.1
Mit Eingabe vom 14. September 2020 erhob
X._
beim hiesigen Gericht eine (Teil-)Klage gegen die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG und beantragte, es sei die Beklagte zu verpflichten, ihm eine Rente gestützt auf eine volle Erwerbsunfähigkeit infolge Krankheit aus dem Privatversicherungsvertrag Police-Nr.
«...»
seit dem 24. Juli 2017 bis zum 24. Juli 2020 im Umfang von Fr. 36'000.-- zuzüglich Verzugszins von 5 % seit dem 24. Juli 2017 zu bezahlen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten (Urk. 1).
Zum Sachverhalt schilderte der Kläger zusammengefasst, er habe am 24. Juli 2015 in Begleitung seiner Tauchpartnerin und eines
Divemasters
im Roten Meer einen Tauchgang
absolviert
. Nachdem er beim Verlassen eines
Wracks mit seiner Tauchflasche
an diesem hängen geblieben sei, sei er beim Befreiungsversuch in leichte Panik geraten, wodurch das Auftauchen zunächst zügig erfolgt sei und nach Beruhigung dann normal. In der Folge sei eine Dekompressionskrankheit festgestellt worden mit
Myelonischämie
mit klinisch sensomotorischer Paraparese ab circa Höhe Th5 (Brustwirbel 5). Dadurch sei er stark gehbehindert und a
uf einen Rollstuhl angewiesen. D
ie Suva habe einen Leistungsanspruch verneint mit der Begründung, es liege weder ein Unfall noch eine unfallähnliche Körperschä
digung vor. Von der Invalidenversicherung sei ihm mit Vorbescheid vom 3. Ja
nuar 2019 eine ganze Invalidenrente ab dem 1. Juli 2016 bei einem Invaliditäts
grad von 84 % in Aussicht gestellt worden. Die Beklagte habe mit Schreiben vom 28. Oktober 2019 einen Leistungsanspruch für eine Invalidenrente abgelehnt, da es sich beim fraglichen E
reignis,
entgegen der Ansicht der S
uva,
um einen Unfall
im rechtlichen Sinne gehandelt habe. Daran habe die Beklagte nach weiterer Leis
tungsaufforderung festgehalten (Urk. 1).
Mit Eingabe vom 13. November 2020 beantragte der Kläger, es sei die Zürich Lebensversicherungs-Gesellschaft AG anstelle der Zürich Versicherungs-Gesell
schaft AG ins Rubrum als Beklagte aufzunehmen; es sei versehentlich die falsche Partei als Beklagte bezeichnet worden (Urk. 9).
2
.2
Mit Klageantwort vom
8. Januar 2021 beantragte die Beklagte, die Klage sei voll
umfänglich abzuweisen
, unter Entschädigungsfolgen zulasten des Klägers
. Dem vom Kläger beantragten Parteiwechsel stimmte sie zu (Urk. 13). Mit Verfügung vom 18. Januar 2021 wurde der Parteiwechsel vollzogen und die Zürich
Lebens
versicherungs
-Gesellschaft AG anstelle der Zürich Versicherungs-Gesellschaft im Rubrum aufgenommen. Sodann wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Urk. 17). Mit Replik vom 7. Mai 2021 (Urk. 25) hielt der Kläger an seiner K
lage fest, legte Einträge
eines Tauchlogbuchs vom 2
3./2
4. Juli 201
5
und vom 6. No
vember 2016
auf (Urk. 26/13) und reichte
einen Tauchcomputer ein (Urk. 26/14). Mit Verfügung vom 23. August 2021 (Urk. 30) wurde der Beklagten Frist zur Er
stattung der Duplik angesetzt unter dem Hinweis darauf, dass der Tauchcomputer als Originalbeweis beim Gericht verbleibe. Sollten sich die beantragten Beweis
massnahmen als notwendig erweisen, erfolge eine Veranlassung zu einem späte
ren Zeitpunkt (unter Wahrung der Parteirechte). Mit Eingabe vom 15. November
2021
erstattete die Beklagte die Duplik und hielt an ihrem Antrag auf Abweisung der Klage fest (Urk. 34
), was dem Kläger mit Verfügung vom 28. Januar 2022 zur Ken
ntnis gebracht wurde (Urk. 36).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Bei der von der Beklagten a
m 13. April 2010 auf den Namen des Klägers als Versicherungsnehmer und versicherte Person ausgestellten f
ondsgebundenen Lebensversicherung mit der Policen-Nr.
«...»
handelt es sich um eine Säule 3a-Police im Sinne von Art. 82 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen
-
und Invalidenvorsorge (BVG) in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1
lit
. a der Verordnung über die steuerliche Abzugsberechtigung für Beiträge an anerkannte Vorsorgeformen (BVV 3). Gemäss Art. 73 Abs. 1
lit
. b BVG fallen Streitigkeiten mit Einrichtungen gemäss Art. 82 Abs. 2 BVG in die sachliche Zu
ständigkeit des Berufsvor
sorgegerichts (BGE 141 V 439 E.
1.1). Örtlich zuständig ist das Gericht am schweizerischen Sitz oder Wohnsitz des Beklagten oder am Ort des Betriebes, bei dem der Versicherte angestellt wurde (Art. 73 Abs. 3 BVG).
Die Beklagte hat ihren Haupts
itz im Kanton Zürich.
Zürich wurde in den Ver
tragsbestandteil bildenden (vgl. S. 2 der
Police-Nr.
«...»
in Urk. 2/2
) Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB
;
Ausgabe 01/2010, Tarifvari
ante 7
)
als Hauptsitz der Beklagten – wahlweise nebst anderen Gerichtsständen –
ebenfalls
als Gerichtsstand vorgesehe
n (Ziff. 20 der AVB in Urk. 2/3 S. 8
).
Im Kanton Zürich fällt die Beurteilung derartiger Streitigkeite
n (gebundene Vor
sorge) gemäss § 2 Abs. 2
lit
.
a des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) in die sachliche Zuständigkeit des angerufenen Sozialversicherungs
gerichts. Die sachliche und örtliche Zuständigkeit des hiesigen Gerichts ist damit gegeben.
2.
2.1
Das Vorliegen einer Erwerbsunfähigkeit, welche
auf das
Ereignis vom 24. Juli 2015
zurückzuführen ist
,
ist unbestritten und ausgewiesen
. Der Kläger erlitt eine Dekompressions
krankheit
mit
Myelonischämie
, was eine sensomotorische Para
parese ab Höhe Th5 zur Folge hatte
. Es persistierte eine inkomplette Paraplegie mit ausgeprägter Spastik
(vgl.
2/8 f.
,
Urk. 13
Rz
25
, Urk. 14/6/6.1
,
Urk. 14/6/13
und Urk. 14/6/41
)
,
und dem Kläger wurde m
it Verfügung vom 1. Oktober 2019 ab dem 1. Juli 2016 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zugesprochen (Urk. 14/6 zweitletztes Dokument).
2.2
Die Lebensversicherungspolice Nr.
«...»
sieht bei Erwerbsunf
ähigkeit in
folge Krankheit
eine jährliche Rente von Fr. 12'000.-
- bis längstens am 30. April 2038 vor,
schliesst eine Leistung bei Erwerbsunfähigkeit infolge eines Unfalls
je
doch
aus. Während sich
die Beklagte auf den Standpunkt
stellt
,
beim Ereignis vom
24. Juli 2015
handle es sich um einen
Unfall, v
ertritt der Kläger die
gegen
teilige
A
uffassung
.
Umstritten ist
somit
einzig, ob das Ereignis
vom 24. Juli 2015
als Unfall zu qua
lifizieren und damit
vom Ausschluss
der Leistungspflicht in
der Lebensversiche
rungspolice Nr.
«...»
erfasst
wird
oder nicht.
2.3
Gemäss der
Vertragsbestandteil
bildenden
(Urk. 2/2 S. 2)
«Kundeninformation nach VVG»
, Ausgabe 01/2010
,
ergeben sich die versicherten Personen und Risi
ken sowie der Umfang des Versicherungsschutzes aus dem Antrag beziehungs
weise der Police und aus den Vertragsbedingungen (
Urk. 2/3
S. 2
unten
)
.
In den AVB (Ausgabe 01/2010, Tarifvariante 7, Ziff. 4) wird überdies festgelegt, dass Art und Höhe der Versicherungsleistungen in der Police umschrieben sind (Urk. 2/3 S. 5).
In der Lebensversicherungspolice Nr.
«...»
sowie in den ebenfalls Ver
tragsbestandteil bildenden
(Urk. 2/2 S. 2)
«
Bedingungen für die Rente bei Erwerbsunfähigkeit, Zusatzversicherung EUF ZR
»
(
Tarifvariante 7,
Ausgabe 01/2010,
Ziff. 1
)
, wird zur Definition eines Unfalls festgehalten: «Als Unfall gilt jede Körperschädigung, welche die versicherte Person durch plötzlich auf sie ein
wirkende äussere Gewalt unfreiwillig erleidet. Dem Unfall gleichgestellt sind: Ertrinken, Erfrieren, Hitzschlag und Sonnenstich, Vergiftungen und Verätzungen sowie das unfreiwillige Einatmen von Gasen und Dämpfen» (Urk. 2/2
sowie Urk. 14/1
).
2.4
2.4
.1
Der Kläger brachte
in seiner Klage
im Wesentlichen vor,
gemäss Definition des Unfallbegriffs in der Lebensversicherungspolice Nr.
«...»
sei einschrän
kend bloss eine «einwirkende äussere Gewalt» vorgesehen und nicht – wie in Art. 4 ATSG vorgesehen – ein äusserer Faktor (Urk. 1
Rz
16). Zudem fehle in der
vertraglichen
Definition des Unfallbegriffs das Erfordernis der Ungewöhnlichkeit (Urk. 1
Rz
18). Die Beklagte gehe demnach fehl, wenn sie sich auf den sozialver
sicherungsrechtliche
n
Unfallbegriff gemäss Art. 4 ATSG abstütze
. Massgebend sei die vertragliche Definition des Unfallbegriffs in der Police
(Urk. 1
Rz
19).
Selbst wenn auf den sozialversicherungsrechtlichen Unfallbegriff abgestellt würde, sei beim in Frage stehenden Tauchvorgang das Kriterium des ungewöhnlichen äusse
ren Faktors gemäss Art. 4 ATSG nicht erfüllt (Urk. 1
Rz
21 ff.)
2.4
.2
Die Beklagte machte demgegenüber geltend
(Urk. 13
Rz
24 ff.)
, das Ereignis vom 24. Juli 2015 sei als Unfall zu qualifizieren, unabhängig davon, ob für die Aus
legung der vertraglichen Definition des Unfallbegriffs Art. 4 ATSG und
damit
die dazugehörige Rechtsprechung und Lehr
e herangezogen werde
oder nicht
.
Eine äussere Einwirkung liege dann vor, wenn äussere, vom menschlichen Körper un
abhängige Kräfte auf diesen einwirkten. Das Merkmal des äusseren Faktors könne auch in einer unkoordinierten Eigenbewegung bestehen. Beim Tauchvorgang könne von einem solchen äusseren Faktor gesprochen werden, wenn ein in der Aussenwelt auftretendes Ereignis den normalen Bewegungsvorgang des Tau
chers, also das Verhältnis zwischen Körper und Aussenwelt, beeinflusse. Der Un
fallcharakter könne gemäss Bundesgericht unter anderem auch dann bejaht wer
den, wenn ein unerwartetes, schreckendes Ereignis, wie ein grosser Fisch oder eine plötzliche starke Wasserbewegung, eine Fehlreaktion des Tauchers begründe. Eine solche Fehlreaktion könne beispielsweise eine unzureichende Luftabgabe während dem Auftauchvorgang sein. Ausschlaggebend sei, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass einer Einwirkung auf den menschlichen Körper abhebe. Dem von der Beklagten in ihrer Police für die schädigende Einwirkung verwen
deten Begriff der «äusseren Gewalt» komme eine weite Bedeutung zu. Darunter sei nicht nur körperliche Gewalt zu verstehen, sondern jede
äussere Kraft. Dies habe
das Bundesgericht in seinem Entscheid vom 18. Oktober 2006
verdeutlicht
(
BGer
5C.18/2006 E. 2.2.), wo es um eine identische Definition des Unfallbegriffes wie in der vorliegend anwendbaren Police gegangen sei
. Dem Bundesgerichts
urteil
habe
folgender Sachverhalt zugrunde
gelegen: Bei einem Tauchgang sei durch einen Defekt im Tauchanzug kaltes Wasser eingedrungen, welches
die Kör
pertemperatur
gesenkt habe und zudem sei das Dekompressionsventil defekt gewesen. Das Bundesgericht habe diese Faktoren als «äussere Gewalt» («
action
violente
d'un
evenement
exterieur
») im Sinne der anwendbaren Vertragsbe
stimmungen beurteilt.
Das
Tatbestandsmerkmal der Ungewöhnlichkeit sei in der Definition des Unfallbegriffes in der Police nicht enthalten und habe demzufolge grundsätzlich in
casu
gar nicht vorzuliegen.
2.4.3
Der Kläger räumte
replicando
zwar ein, es sei korrekt, dass die Frage, ob es sich beim Ereignis vom 25. Juli 2015 um einen Unfall gehandelt habe oder nicht, pri
mär gestützt auf die in der Police umschriebene Definition des Unfalls zu beant
worten sei, und dass für die Auslegung des Unfallbegriffs gemäss Police die Lehre und Rechtsprechung zu Art. 4 ATSG herangezogen werden könne. Letzteres habe jedoch erst in einem zweiten Schritt zu erfolgen, denn primär sei der Wortlaut der Definition in der Police massgebend. Eine synonyme Bedeutung der Termini «einwirkende äussere Gewalt» und «äusserer Faktor» werde bestritten.
Eine exten
sive Auslegung des Begriffs «äussere Gewalt» werde von der Beklagten weder substantiiert noch ergebe sich diese aus den massgeblichen AVB beziehungsweise Zusatzbedingungen
(ZB)
. Es sei durch eine normative Auslegung zu ermitteln, wie eine Durchschnittsperson den Begriff «äussere Gewalt» nach Vertrauens
prinzip zu verstehen habe, wobei eine enge Auslegung zu erfolgen habe. Darüber hinaus habe das Bundesgericht im von der Beklagten zitierten Urteil 5C.18/2006 keinen identischen Unfallbegriff auszulegen gehabt; es habe sich um einen sehr ähnlichen Unfallbegriff gehandelt. Zudem habe sich der
vom Bundesgericht zu beurteilende
Sachverhalt vom vorl
iegenden deutlich unterschieden:
Ein Hängen
bleiben an einem Wrack während eines regulären Tauchgangs könne nicht mit einem doppelten Materialdefekt während eines Notfalltauchgangs verglichen werden. Der K
läger ging
sodann mit der Beklagten darin einig, dass das Merkmal der Ungewöhnlichkeit von der Definition des Unfallbegriffs in der Police und den ZB nicht mitumfasst sei.
Er hielt
aber
dafür, dass das Merkmal der Plötzlichkeit nicht erfüllt sei, sei er doch zweimal am Wrack hängengeblieben.
Er
bestritt
über
dies
, dass der gesamte Auftauchvorgang panikartig erfolgt sei. Er sei nur für kurze Zeit in Panik geraten, habe sich jedoch wieder beruhigen und einen regulären Auftauchvorgang vollziehen können bis zu einer Tiefe von 4.5 Metern. Das Vor
liegen der Plötzlichkeit werde daher auch aus diesem Grund bestritten. Es werde auch bestritten, dass im gesamten ein irregulärer
oder ein programmwidriger
Auf
tauchvorgang vorgelegen habe. Die kausale Ursache für die Dekompressions
krankheit sei auch nicht das Hängenbleiben am Wrack gewesen. Vielmehr sei davon auszugehen, dass die Panik die kausale Ursache für die allenfalls falsche Atmung während des Auftauchvorgangs gewesen sei.
Aus dem Tauchprotokoll ergebe sich, dass auch nach dem unmittelbaren Hängenbleiben kein zu schneller Auftauchvorgang erfolgt sei. Damit sei erstellt, dass der natürliche Tauchvorgang durch das Hängenbleiben nicht relevant beeinflusst worden sei. Da die Programmwidrigkeit ein Teilelement der Ungewöhnlichkeitsprüfung im Rahmen von Art. 4 ATSG darstelle, habe
die Prüfung
dieses Tatbestandsmerkmal
aber ohnehin aussen vor zu bleiben. Bei der «Aussage der ersten Stunde» im Bericht des
Hyperbaric
Medical Centers
A._
habe es sich um eine mittelbare Wi
e
dergabe des Sachverhalts durch den behandelnden Arzt gehandelt und nicht um direkte An
gaben des Klägers und schon gar nicht um die Wiedergabe der Tauchprotokolle. Zudem sei nicht auszuschliessen, dass durch die Dekompressionskrankheit auch kognitive Einschränkungen hervorgerufen worden seien, welche gegebenenfalls eine (richtig wohl: keine) korrekte Wahrnehmung des zugetragenen Sachverhalts zur Folge gehabt hätten.
2.4.4
Die Beklagte machte
duplicando
im Wesentlichen geltend, der Wortlaut der Police sei im Gesamtkontext und nicht isoliert zu lesen und zu verstehen. Dem Begriff der «äusseren Gewalt» komme sehr wohl dieselbe Bedeutung zu wie dem
jenigen des
«äusseren Faktor
s»
.
Der Begriff Gewalt umfasse einen weiten Anwendungs
bereich und könne ganz grundsätzlich als das Wirken eines äusseren Umstandes betrachtet werden.
Der Kläger zeige selbst auf, dass das Bundesgericht den Begriff der äusseren Gewalt eher weit verstanden haben wolle, habe es im rubrizierten Entscheid
doch
lediglich einen Riss im Tauchanzug und ein fehlerhaftes Ventil als äussere Gewalt bezeichnet. Weshalb der Begriff der äusseren Gewalt und das bundesgerichtliche Verständnis für das in
casu
noch viel gewaltsamere Einwirken auf den Körper – das eigentliche Zurück- beziehungsweise Festhalten des Körpers des Tauchers – nicht verwendet werden könne, lasse der Kläger offen. Er bestreite im Übrigen nicht, dass das Hängenbleiben am Wrack eine Fehlreaktion, nämlich das zu rasche Aufsteigen und die falsche Atmung, ausgelöst habe. Damit bleibe unbestritten, dass der äussere Faktor beziehungsweise die äussere Gewalt tatsäch
lich auf ihn eingewirkt habe.
Der Unfallbegriff sei erfüllt.
2.5
2.5
.1
Die Säule 3a, die in der
bundesrätlichen
Botschaft vom 19. Dezember 1975 als «freiwillige berufliche Vorsorge» bezeichnet und so von der «Selbstvorsorge» der Säule 3b abgegrenzt wird, ergänzt die zweite Säule. Sie ist der zweiten Säule («zweite Säule im engeren Sinne») gleichgestellt und unterscheidet sich von dieser im Wesentlichen durch ihre Freiwilligkeit. Da sich die gebundene Vorsorge aus der zweiten Säule ableitet, hat die Praxis verschiedentlich subsidiär, soweit die BVV 3 keine einschlägigen Bestimmungen enthält, die Regelungen der zweiten Säule beigezogen (BGE 141 V 405 E. 3.2 mit Hinweisen und Beispielen). Darüber hinaus findet auf die im Rahmen der gebundenen Vorsorge abgeschlossenen Lebensversicherungen ergänzend das VVG Anwendung (BGE 141 V 405 E. 3.3).
2.5.2
Weder die BVV 3 noch das BVG oder das VVG enthalten besondere Regeln über die Auslegung von Verträgen.
Demgemäss gelten gemäss Art. 100 VV
G
für Ver
sicherungsverträge und AVB die allgemeinen Regeln über die Auslegung von Verträgen (
vgl.
BSK VVG-
Stoessel
, Nachführungsband, Basel 2012, Vor Art. 1-3 ad N 22).
Damit sind
Bestimmungen eines Versicherungsvertrages und ausdrück
lich einbezogene Klauseln in allgemeinen Geschäfts- oder Versicherungsbedin
gungen nach denselben Prinzipien auszulegen wie andere vertragliche Bestim
mungen. Ziel der Vertragsauslegung ist es, in erster Linie den übereinstimmenden wirklichen Willen der Parteien festzustellen (vgl. Art. 18 Abs. 1 OR). Wenn dieser unbewiesen bleibt, sind zur Ermittlung des mutmasslichen Parteiwillens die Er
klärungen der Parteien aufgrund des Vertrauensprinzips so auszulegen, wie sie nach ihrem Wortlaut und Zusammenhang sowie den gesamten Umständen ver
standen werden durften und mussten (
Urteil des Bundesgerichts 9C_635/2020 vom 6. Juli 2021 E. 8.1
mit Hinweisen,
u.a.
auf B
GE 142 III 671 E. 3.3
; vgl. auch 9C_603/2014 vom 18. Dezember 2014 E. 3.1 mit Hinweisen
).
2.5.3
Gemäss der im Streite liegenden Lebensversicherungspolice gilt als Unfall jede Körperschädigung, welche die versicherte Person durch plötzlich auf sie ein
wirkende äussere Gewalt unfreiwillig erleidet. Dem Unfall werden
sodann
na
mentlich aufgezählte Sachverhalte – welche hier nicht vorliegen und auf welche daher nicht weiter einzugehen ist – gleichgestellt.
Die
Parteien sind sich
darin
einig, dass
das Tatbestandsmerkmal der Ungewöh
n
lichkeit (vgl. Art. 4 ATSG)
in der Definition des Unfallbegriffs
gemäss Police nicht vorausgesetzt wird
und dass
der
vertraglich vereinbarte
Unfallbegriff
mit dem Unfallbegriff
gemäss Art. 4 ATSG
nicht identisch ist
.
Insoweit
ist
ein überein
stimmender wirklicher Parteiwille
festzustellen
.
Darüber hinaus
besteht jedoch kein Konsens betreffend den
vertraglich vereinbarten Unf
allbegriff,
weshalb eine
weitergehende
Auslegung nach dem Vertrauensprinzip zu erfolgen hat.
2.6.
2.6.1
Massgebend
ist der allgemeine Sprachgebrauch zur Zeit des Vertragsschlusses, somit im Sinne der damaligen
Alltags- oder Umgangssprache. Im Allgemeinen sind die von den Vertragsparteien gewählten Wörter in ihrem objektiven Sinn zu verstehen.
Abzustellen ist demnach auf den gebräuchlichen Wortsinn, wie er sich auch aus üblichen Wörterbüchern oder Lexika ergeben kann. Vorbehalten bleiben technische Ausdrücke, die für das konkret zu versichernde Risiko typisch sind, und Rechtsbegriffe mit fest umrissenem Inhalt; hier ist allerdings nicht einfach die für den Versicherten günstigere Bedeutung anzunehmen (vgl.
BSK VVG-
Stoessel
, a.a.O., Vor Art. 1-3 ad N 24).
2.6.2
Beim
in der Police verwendeten
Begriff der
«
(
plötzlich
einwirkenden)
äusseren Gewalt» handelt es sich nicht um einen
in der
Alltags- oder Umgangssprache
üblicherweise verwendeten Begriff oder um einen
Rechtsbegriff mit fest umrisse
nem Inhalt
oder um einen bekannten technischen Ausdruck
.
Allerdings ist die Nähe zur Definition des Unfallbegriffs in Art. 4 ATSG
unübersehbar («Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat
»
), wobei die
dort vorausgesetzte
Ungewöhnlichkeit
hier
entfällt.
Der
«
äussere Faktor
»
gemäss Art. 4 ATSG ist gegeben, wenn äussere, vom menschlichen Körper unabhängige Kräfte auf diesen einwirken. Nicht als Unfall
ereignis anerkannt werden bei Art. 4 ATSG somit Ereignisse, die ihre Ursache ausschliesslich im Körperinnern haben (
Kieser
, ATSG-Kommentar, 4. Auflage, Zürich 2020, Art. 4 N 86).
Es versteht sich von selbst, dass
durch die
in der Police gewählte
Formulierung «äussere Gewalt» dieselbe Intention zum Ausdruck
ge
bracht
werden sollte
wie sie der Formulierung «äusserer Faktor» in Art. 4 ATSG
zugrunde liegt
, nämlich
eine
Abgrenzung zu denjenigen Sachverhalten, welche ihre Ursache im Körperinnern haben und damit unter den Begriff der «Krankheit» fallen.
Die beiden Begriffe
«äussere Gewalt» und «äusserer Faktor»
lassen sich so
mit synonym verwenden
und sind mit der Beklagten weit auszulegen
. Zum selben Schluss gelangte auch das Bundesgericht
im Urteil 5C.18/2006 vom 18. Oktober 2006
, wo es einen
fast identischen
–
in Allgemeinen Versicherungsbedingungen definierten
–
Unfallbegriff
(«
Un
accident
est
toute
lésion
corporelle
dont
l'assuré
est
atteint
involontairement
par
l'action
violente
d'un
événement
extérieur
sou
dain
»)
auszulegen hatte.
Dem Bundesgerichtsurteil lag im Wesentlichen folgender Sachverhalt zu Grunde:
Bei einem Taucher drang beim Versuch, einen anderen Taucher zu retten, durch einen Defekt im Tauchanzug kaltes Wasser ein
, wodurch seine Körpertemperatur gesenkt wurde
. Zudem war das Dekompressionsventil defekt.
Aufgrund dieser beiden
Umstände
ging
das Bundesgericht
von ei
ner
ge
waltsamen
Einwirkung eines
äusseren
plötzlichen Ereignisses aus und erachtete den
Un
fallbegriff als erfüllt.
2.6.3
Der Vollständigkeit halber ist a
nzufügen, dass – e
ntgegen der Ansicht des Klägers
–
die Auslegung des Begriffs «Gewalt» aus dem Strafgesetzbuch (vgl. den Hinweis auf das Urteil des
Appellationsgerichts
Basel-Stadt SB.2016.129 vom 20. März 2018 E. 3.3 in
Urk. 25
Rz
29) hier
nicht einschlägig
ist.
2.6.4
Als Zwischenfazit kann festgehalten werden, dass
das
Tatbestandsmerkmal der Ungewöhnlichkeit in der Definition des Unfallbegriffs gemäss
Police
(
anders als in Art. 4 ATSG) nicht vorausgesetzt
wird
, was sich aus dem – dem eindeutigen Wortlaut der Police folgenden – Konsens der Parteien ergibt
. Darüber hinaus ist bei der Auslegung des Unfallbegriffs gemäss Police der Au
ffassung der Beklagten zuzustimmen
, wonach der Begriff «äussere Gewalt» mit dem Begriff «äusserer Faktor» in Art. 4 ATSG gleichzusetzen ist. Es bleibt
schliesslich
zu prüfen, ob das Ereignis vom 24. Juli 2015
den Unfallbegriff gemäss
Police
erfüllt
oder nicht.
2.
7
2.7
.1
Gemäss Schadenmeldung der ehemaligen Arbeitgeberin des Klägers vom 26. Juli 2015 ereignete sich am 24. Juli 2015 in
Y._
ein «Tauchunfall»; der Kläger habe nach dem Tauchgang und einer Dusche Schmerzen im Brustbereich sowie ein Taubheitsgefühl
verspürt
(Urk. 17/7/1). Der
Kläger machte
am
23. Au
gust 2015 gegenüber der Suva
sodann
folgende Angaben: Am zweiten Tag seiner Ferien in
Y._
habe er mit seiner Freundin und
Z._
(
Divemaster
) zwei geführte Wracktauchgänge im Roten Meer unternommen. Der erste habe beim
Dunraven
-Wrack in einer Tiefe von 28 Metern und
mit
einer Dauer von 45 Minuten
stattgefunden
. Es sei alles normal verlaufen. Nach circa drei Stunden Oberflächenpause sei der zweite Tauchgang zum
Carnatic
-Wrack in einer Tiefe von 24 Metern und
mit
einer Dauer von 47 Minuten
erfolgt
. Alles sei normal verlaufen, bis zu dem Zeitpunkt, als
er
mit seiner Tauchflasche beim Verlassen des Wracks irgendwo hängen geblieben sei. Er habe sich zu befreien versucht, was aber zunächst nicht gelungen sei. Beim weiteren Versuch sei er in Panik geraten; er habe sich mit Gewalt losgerissen und sei schnell aus dem Wrack auf
getaucht. Nach einiger Zeit habe er sich wieder beruhigen können. Ihm sei zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst gewesen, dass er bei diesem Panikanfall nicht mehr konstant geatmet oder die Luft angehalten habe. Auch habe er nicht be
merkt, dass seine Tauchpartner
ihn
hätten aufhalten wollen. Der Tauchgang sei nach di
esem Vorfall beendet worden, da
die Luft sowieso
verbraucht
gewesen sei. Nach circa 15 Minuten, nachdem er wieder auf dem Boot gewesen sei, habe seine Brust zu brenne
n begonnen, und
es habe sich
ein Taubheitsgefühl in den Beinen bemerkbar gemacht. Nachdem er zwei Stunden Stauerstoff geatmet habe und die Symptome
sich verschlimmert hätten
, sei der Notfall in
Y._
infor
miert worden. Danach sei er mit einem Schnellboot vom Schiff geholt worden und in die
Dekompressionskammer
gebracht worden (Urk.
14/7/5 S. 3 = Urk.
14/
6/18.22 S. 3
).
2.7
.2
Gemäss dem undatierten und nicht unterzeichneten Bericht des
Hyperbaric
Me
dical Center
s
A._
wurde der Kläger am 24. Juli 2015 durch das Search &
Rescue
Team
eingeliefert
.
Zum zweiten Tauchgang wurde festgehalten, der Kläger habe im Wrack eine kurze Panikattac
ke erlitten und sei an die Wasseroberfläche geschos
sen. Seine Partnerin und der
Divemaster
hätten versucht
,
ihn aufzuhalten, doch sie hätten es nicht geschafft, seine Aufstiegsgeschwindigkeit zu kontrollieren. Er selbst könne sich nicht genau daran erinnern, ob er sich darauf konzentriert habe, während des Aufstiegs auszuatmen oder nicht
(
Urk. 14/6/6.2 S. 9
)
.
2.7
.3
Aufgrund der «Aussagen der ersten Stunde»
ist erstellt, dass der Kläger zu schnell aus dem Wrack auftauchte.
Seine beiden Tauchpartne
r scheiterten beim Versuch, ihn
aufzuhalten.
Auf diese sogenannten spontanen «Aussagen der ersten Stunde» ist abzustellen. Ihnen kommt
in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zu als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überle
gungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 143 V 168 E. 5.2.2, 121 V 45 E. 2a, je mit Hinweisen)
.
Demgemäss ist nicht auf die
davon
abweichenden Darstellungen in den klägerischen Eingaben an das hiesige G
eri
cht abzustellen. Das
Argument, bei den Angaben des behandelnden Arztes handle es sich um eine mittelbare Wiedergabe des Sachverhalts und nicht um direkte Angaben des Klägers, bei welchem die Dekompressionskrankheit auch kognitive Einschränkungen hervorgerufen haben könne (
Urk. 25
Rz
41),
verfängt
nicht.
Überdies berichtete der Kläger in seiner Klage selbst,
er sei «aus dem Wrack zunächst zügig» aufgetaucht (Urk. 1
Rz
6).
Letztlich
erweist
es
sich aber als irrelevant, ob der Aufstieg zu schnell erfolgte oder nicht. Massgebend ist,
dass
der Kläger
beim
«zunächst zügigen
Aufstieg
»
aus dem Wrack
infolge der
durch das Hängenbleiben am Wrack verursachten
Panik
nicht
mehr richtig ausatmete
, was sich auch den Schilderungen in der Klage
schrift explizit entnehmen lässt (Urk. 1
Rz
6 und
Rz
27). Das ungenügende Aus
atmen
bei einem Aufstieg aus einer Tiefe von
über
20 Metern
bildet
bereits
für sich alleine
betrachtet
eine erhebliche
Gefahrenquelle
.
Der
Kläger
räumte denn auch
selbst
ein,
die unzureichende A
tmung sei die
Ursache für die
Dekompres
sionskrankheit (
vgl.
Urk. 1
Rz
27). In diesem Sinne kann
in antizipierter Beweis
würdigung
auf die Auswertung des Tauchcomputers, auf die Einholung eines tauchmedizinischen Gutachtens sowie auf eine Parteibefragung
des Klägers
und
die
Zeugeneinvernahme der Tauchpartnerin (Urk. 25
Rz
6
,
Rz
23
und
Rz
39)
ver
zichtet werden,
um nachzuweisen, dass der Aufstieg nicht zu schnell erfolgt sei
n solle
,
sind davon doch
keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten.
Auch is
t es angesichts des vorstehend
Gesagten irrelevant, ob es sich
bei der
vom Kläger aufgelegten, im April 2017 vorgenommenen
A
uswertung eines
Tauchcomputers
betreffend einen Tauchgang vom
24. Juli 2015
(Urk. 2/12) um die
Auswertung des Tauchcomputers des Klägers handelt oder nicht.
2.7.4
Das
Hängenbleiben am W
rack
qualifiziert das Ereignis vom 24. Juli 2015 als Un
fall im Sinne der Police.
Auf den Kläger wirkte
plötzlich
eine äussere Gewalt
ein, welche ihn daran hinderte, das Wrack
– wie beabsichtigt –
zu verlassen.
Dass sich der Kläger vom Wrack loszureissen versuchte und sogar
beim
ersten Versuch scheiterte, bringt
das Vorliegen einer äusseren Gewalt
sinnfällig
zum A
usdruck
.
Da der Begriff der «äusseren Gewalt» dem Begriff des «äusseren Faktors» gemäss Art. 4 ATSG entspricht (vgl. E. 2.6.2 und E. 2.6.4), kann diesbezüglich auf das Urteil des Bundesgerichts K 136/06 vom 18. Januar 2008 verwiesen werden, in welchem festgehalten wurde, der Unfallcharakter könne bejaht werden, wenn die Fehlreaktion (des Tauchers) in sinnfälligen äusseren Umständen begründet liege, wie in einem unerwarteten schreckenden Ereignis
wie zum Beispiel durch das Auftauchen
ein
es grossen
Fisch
es
oder
durch
eine plötzlich starke Wasserbewe
gung
(E. 4.2.2 mit Hinweisen)
.
Auch
das Merkmal der Plötzlichkeit
ist
gegeben
.
Wenn der Kläger
in seiner Replik neu vorbringt, er sei zweimal am Wrack hängengeblieben, womit das Tatbe
standsmerkmal der Plötzlichkeit nicht erfüllt sei (Urk. 25
Rz
20), setzt er sich zu seinen
übrigen Schilderungen in Widerspruch:
Er blieb nicht zweimal am Wrack hängen, sondern einmal. Allerdings scheiterte der erste Befreiungsversuch, wes
halb er einen weiteren Befreiungsversuch unternahm, bei welchem er in leichte Panik geriet (so vorgebracht in der Klage [Urk. 1
Rz
6]).
Das
Element der Plötz
lichkeit
ist
also
bereits durch
das Hängenbleiben am Wrack
(durch die äussere Gewalt) gegeben
; daran ändert die
Anzahl
der
Befreiungsversuche
nichts
. Dass die plötzliche Einwirkung der äusseren Gewalt unfreiwillig erfolgte, versteht sich von selbst, versuchte der Kläger doch
,
sich
zu befreien.
Mit der Beklagten kann sodann
erneut
(
vgl. E.
2.6.2
)
auf das
Bundesgerichtsurteil
5C.18/2006 vom
18. Oktober 2006
verwiesen werden, in
welchem
die Erfüllung eines
fast identischen
– in Allgemeinen Vers
icherungsbedingungen definierten
– Unfallbegriff
s
bei einem vergleichbaren
Ereignis in Frage stand. Das Bundesge
richt
ging von einer gewaltsamen Einwirkung eines äusseren plötzlichen Ereig
nisses aus und erachtete den Unfallbegriff
ebenfalls
als erfüllt.
3.
Nach dem Gesagten erweist sich die
Klage
als unbegründet, weshalb sie abzuwei
sen ist.
4.
In Anbetracht des Umstands, dass vorliegend einzig in Frage stand, ob der ver
traglich definierte Unfallbegriff erfüllt ist, was bloss bejaht oder verneint werden konnte, und dass die Parteien hierzu dezidierte Auffassungen vertraten, erachtete das Gericht die vom Kläger beantragte Durchführung einer Schlichtungsverhand
lung
(Urk. 1 S. 13)
als überflüssig, zumal eine solche in prozessualer Hinsicht nicht
vorausgesetzt
ist und
sich
die Beklagte
zu diesem
prozessualen
A
ntrag
nicht vernehmen liess.
5
.
5
.1
Da § 33 Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
(
GSVGer
) in Verbindung mit Art. 73 Abs.
2 BVG ein in der Regel kostenlo
ses Verfahren ga
rantiert und dem unterliegenden Kläger
keine mutwillige oder leichtsinnige Pro
zessführung
vorzuwerfen ist (e
contrario
§ 33 Abs.
2
GSVGer
), sind keine Gerichtskosten zu erheben.
5
.2
Die
Beklagte
, welche im hier
interessierenden Zusammenhang –
als Anbieterin einer gebundenen V
orsorgeversicherung (Säule 3a) –
eine öffentlich-rechtliche Aufgabe wahrnimmt, hat
grundsätzlich
keinen Anspruch auf eine Parteientschä
digung (
Urteil des Bundesgerichts
9C_635/2020
vom 6.
Juli 2021
E. 9
mit Hin
weisen, nicht
publ
. in: BGE 141 V
439, aber in: SVR 2016 BVG Nr. 5 S.
17).
Es besteht kein Grund, bei der Beklagten – trotz ihres entsprechenden Antrags (Urk. 13 S. 2) – anders zu verfahren.
Dem Kläger
steht ausgangsgemäss
keine Parteientschädigung
zu.