Decision ID: a242565f-8cdc-5b61-b408-244124b8dfc8
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein 1981 geborener türkischer Staatsangehöriger,
lebte bis zu seinem 12. Altersjahr in der Türkei. Nachdem er in der
Schweiz erfolglos diverse Familiennachzugs- und Asylgesuche gestellt
hatte, wurde er am 28. Juni 2001 im Rahmen der "Humanitären Aktion
2000" zusammen mit einem Teil seiner Familie vorläufig aufgenommen.
B.
Am 6. Oktober 2003 wurde der Beschwerdeführer vom Bezirksamt Brugg
wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten Frei-
heitsstrafe von 10 Tagen verurteilt. Das Obergericht des Kantons Solo-
thurn verurteilte ihn am 24. November 2005 wegen Angriffs und grober
Verletzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten Freiheitsstrafe von
8 Monaten. Zudem wurde er bedingt für 5 Jahre des Landes verwiesen.
Das Bundesamt für Migration (BMF) hob die vorläufige Aufnahme darauf-
hin am 19. Juli 2006 auf.
C.
In der Folge stellte der Beschwerdeführer ein weiteres Asylgesuch, wel-
ches er hingegen am 25. Oktober 2006 wieder zurückzog. Im November
2006 reiste er in die Türkei zurück.
D.
Zwischenzeitlich hatte der Beschwerdeführer am 7. Januar 2006 in der
Schweiz eine türkische Staatsangehörige, welche mittlerweile über das
Schweizer Bürgerrecht verfügt, geheiratet.
E.
Am 11. September 2008 wurde der Beschwerdeführer in der Wohnung
seiner Eltern in Z._ festgenommen. Er war seit Februar 2008 u.a.
wegen Raubes zur Fahndung ausgeschrieben. Dabei wurden bei ihm
verschiedene, zum Teil gefälschte Papiere sichergestellt, aus denen her-
vorging, dass er die Türkei im April 2007 in Richtung Dänemark verlassen
hatte.
F.
Mit Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 30. April 2009 wurde
der Beschwerdeführer wegen Raubes und wegen Fälschung von Auswei-
sen zweitinstanzlich zu einer unbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von
2 Jahren verurteilt.
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G.
Ein am 19. Juni 2009 gestelltes Asylgesuch des Beschwerdeführers wur-
de von der Vorinstanz mit Verfügung vom 23. September 2009 abgewie-
sen (bestätigt durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
D-6681/2009 vom 12. Mai 2011).
H.
Am 25. Juni 2009 ersuchte der Beschwerdeführer beim Departement des
Innern des Kantons Solothurn (Migration und Schweizer Ausweise) um
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei seiner Ehefrau.
Dieses wies das Gesuch mit Verfügung vom 8. Februar 2012 ab. Gleich-
zeitig wurde der Beschwerdeführer aus der Schweiz weggewiesen. Da-
gegen gelangten die Eheleute mit einer Beschwerde an das Verwal-
tungsgericht des Kantons Solothurn. Nachdem das kantonale Gericht den
Antrag auf aufschiebende Wirkung der Beschwerde sowie das Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege samt Verbeiständung abgelehnt hatte
(bestätigt durch das Urteil des Bundesgerichts 2C_273/2012 vom 29. Mai
2012), erklärten die Eheleute am 27. Juni 2012 den Rückzug der Be-
schwerde. Daraufhin schrieb das kantonale Verwaltungsgericht die Be-
schwerde mit Urteil vom 28. Juni 2012 ab. Am 3. Juli 2012 reiste der Be-
schwerdeführer aus der Schweiz aus.
I.
Von seinem durch die kantonale Migrationsbehörde eingeräumten Recht,
sich zu einer geplanten Fernhaltemassnahme zu äussern, machte der
Beschwerdeführer mit Schreiben vom 10. August 2012 Gebrauch.
J.
Mit Verfügung vom 22. August 2012 verhängte die Vorinstanz gegen den
Beschwerdeführer ein zehnjähriges Einreiseverbot. Gleichzeitig wurde die
Ausschreibung der Fernhaltemassnahme im Schengener Informations-
system (SIS) angeordnet. Das Einreiseverbot wurde im Wesentlichen
damit begründet, dass nach der Rechtsprechung aus fremdenpolizeilicher
Sicht Verbrechen und Vergehen gegen die persönliche Integrität und da-
mit auch Raub zu denjenigen Verhaltensweisen gehören würden, welche
die öffentliche Ordnung und Sicherheit in einem besonders sensiblen Be-
reich träfen und deshalb im Rahmen der fremdenpolizeilichen Interes-
senabwägung einen strengen Massstab rechtfertigten. Es dürfe nur ein
sehr geringes Restrisiko eines Rückfalles in Kauf genommen werden. Ei-
ne Wiederholungs- und Rückfallgefahr könne aufgrund des Persönlich-
keitsprofils (mehrfach begangene Straftaten) nicht ausgeschlossen wer-
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den. Der Ausländer müsse deshalb über Jahre hinweg als Risikofaktor für
die öffentliche Sicherheit und Ordnung betrachtet werden. Angesichts der
teils schweren Verstösse und der damit einhergehenden Gefährdung der
öffentlichen Sicherheit und Ordnung sei der Erlass einer Fernhaltemass-
nahme im Sinne von Art. 67 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember
2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) ange-
zeigt. Der Ausländer sei nicht Bürger eines Schengenstaates. Er sei we-
gen mehrerer Straftaten angezeigt und entsprechend verurteilt worden.
Da er derzeit kein Aufenthaltsrecht in einem Schengenstaat besitze, er-
achte das BFM die Ausschreibung im SIS als notwendig. Aus wichtigen
und erheblichen Gründen könne das Einreiseverbot – auf begründetes
Gesuch hin – befristet suspendiert werden.
K.
Dagegen gelangte der Beschwerdeführer mit Rechtsmitteleingabe vom
27. September 2012 an das Bundesverwaltungsgericht. Darin lässt er
beantragen, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben; gegen ihn sei
kein Einreiseverbot zu verfügen. Eventualiter sei das Einreiseverbot für
höchstens 4 Jahre, d.h. bis am 16. Juli 2016 zu verfügen. In jedem Fall
sei das BFM zu verpflichten, auf eine Ausschreibung im SIS und auf die
damit verbundene Ausdehnung des Einreiseverbots auf den gesamten
Schengenraum zu verzichten.
L.
Mit Zwischenverfügung vom 5. Oktober 2012 wies das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch des Beschwerdeführers um Wiederherstellung
der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde ab; am 4. März 2013 wurde
überdies dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege nicht stattgege-
ben.
M.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 23. April 2013 auf
Abweisung der Beschwerde.
N.
Von seinem Replikrecht machte der Beschwerdeführer mit schriftlicher
Eingabe vom 29. Mai 2013 Gebrauch.
O.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwä-
gungen eingegangen.
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Seite 5

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des BFM, mit denen ein Einreiseverbot im Sinne von
Art. 67 AuG verhängt wird, unterliegen der Beschwerde an das Bundes-
verwaltungsgericht (Art. 112 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 31 ff. des Verwal-
tungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz vom 20. Dezember 1968
(VwVG, SR 172.021), soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts ande-
res bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist zur Erhebung des Rechtsmittels legitimiert
(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Streit-
sache endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhaltes sowie – soweit nicht eine kantonale Behörde als
Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht
von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Be-
gründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch
aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder ab-
weisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines
Entscheides (vgl. BVGE 2012/21 E.5.1 und BVGE 2011/1 E. 2).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer beanstandet, das BFM habe seinen Anspruch
auf rechtliches Gehör verletzt (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]),
da es auf die Einwände in seiner Stellungnahme vom 10. August 2012
nur ganz am Rande eingegangen sei. Zudem fehle die Begründung für
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die Dauer des Einreiseverbots und auch für das Überschreiten der Gren-
ze von 5 Jahren gemäss Art. 67 Abs. 3 AuG. Schliesslich werde nicht
dargelegt, weshalb das Einreiseverbot auf den ganzen Schengen-Raum
ausgedehnt worden sei.
3.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst das Recht des Betroffe-
nen, sich vor Erlass eines in seine Rechtsstellung eingreifenden Akts zur
Sache äussern zu können. Er verlangt von der Behörde, dass sie seine
Vorbringen tatsächlich hört, ernsthaft prüft und in ihrer Entscheidfindung
angemessen berücksichtigt (vgl. Art. 29 ff. VwVG; BERNHARD WALD-
MANN/JÜRG BICKEL, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommen-
tar VwVG, Zürich 2009, Art. 32 N 7 ff.). Daraus folgt die Pflicht der Behör-
den, ihren Entscheid zu begründen (Art. 35 VwVG). Die Begründungs-
pflicht ist Teilgehalt des Anspruchs auf rechtliches Gehör im Sinne von
Art. 29 Abs. 2 BV. Sie soll verhindern, dass die Behörden sich von un-
sachlichen Motiven leiten lassen, und es der betroffenen Person ermögli-
chen, die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. Eine
sachgerechte Anfechtung ist nur möglich, wenn sich sowohl die Partei wie
auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild
machen können. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegun-
gen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und
auf welche sich ihre Verfügung stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass
sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem
rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf
die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE
133 III 439 E. 3.3 S. 445 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch BVGE
2007/27 E. 5.5.2 mit Hinweisen, sowie LORENZ KNEUBÜHLER, in: Chris-
toph Auer/Markus Müller/Benjamin Schindler [Hrsg.], Kommentar zum
Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich/St. Gallen
2008, Rz. 4 ff. und insb. 9 ff. zu Art. 35 VwVG).
3.3 Die Begründung der angefochtenen Verfügung ist zwar tatsächlich
teilweise knapp gehalten, hingegen geht aus ihr klar hervor, aus welchen
Gründen die Vorinstanz eine längerfristige Fernhaltemassnahme für an-
gezeigt erachtet. Mit der Nennung der wichtigsten Verurteilungen und De-
liktsarten sowie der Hervorhebung der Schwere der begangenen Strafta-
ten – wobei die beanstandeten Verhaltensweisen dem Beschwerdeführer
hinlänglich bekannt sein dürften – hat das BFM hinlänglich konkretisiert,
weshalb es von einem schwerwiegenden Fall im Sinne von Art. 67 Abs. 3
AuG ausgeht. Zudem verwies es auf die Wiederholungs- und Rückfallge-
fahr sowie das Persönlichkeitsprofil des Massnahmebelasteten als Risi-
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kofaktor. Ebenso hat die Vorinstanz kurz Stellung zum Schreiben des Be-
schwerdeführers vom 10. August 2012 genommen. So machte sie aus-
drücklich geltend, die Angaben des Beschwerdeführers vom 10. August
2012 vermöchten keinen anderen Entscheid zu rechtfertigen. Ergänzend
wurde festgehalten, das Einreiseverbot könne auf begründetes Gesuch
hin befristet suspendiert werden und der Beschwerdeführer könne den
Kontakt zu seinen in der Schweiz lebenden Verwandten auch auf andere
Weise als durch Besuche pflegen. Aus diesen Ausführungen geht klar
hervor, dass sich das BFM mit dem erwähnten Schreiben auseinander-
gesetzt hat. Dass die Vorinstanz nicht auf alle Einzelheiten eingegangen
ist, kann ihr hingegen nicht vorgeworfen werden. Unbegründet ist auch
der Einwand, das BFM habe nicht dargelegt, wieso das Einreiseverbot
auf den ganzen Schengen-Raum ausgedehnt worden sei, macht doch die
Vorinstanz in der Verfügung vom 22. August 2012 explizit geltend, der
Beschwerdeführer sei nicht Bürger eines Schengen-Staates und wegen
mehrerer Straftaten angezeigt und verurteilt worden; da er derzeit kein
Aufenthaltsrecht in einem Schengenstaat besitze, erachte sie die Aus-
schreibung im SIS daher als notwendig (zur materiellen Beurteilung vgl.
E. 6 – 6.4). Diese Ausführungen erweisen sich im dargelegten Kontext als
ausreichend. Das BFM ist seiner Begründungspflicht demnach in genü-
gender Weise nachgekommen. Der Beschwerdeführer war denn auch in
der Lage, die vorinstanzliche Verfügung sachgerecht anzufechten.
4.
4.1 Das BFM verfügt Einreiseverbote gegenüber weggewiesenen Aus-
länderinnen und Ausländern, wenn die Wegweisung nach Art. 64d Abs. 2
Bst. a – c AuG sofort vollstreckt wird (Art. 67 Abs. 1 Bst. a AuG) oder die
betroffene Person der Ausreiseverpflichtung nicht innert Frist nachge-
kommen ist (Art. 67 Abs. 1 Bst. b AuG). Es kann sodann nach Art. 67
Abs. 2 AuG Einreiseverbote gegen ausländische Personen erlassen, die
gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im
Ausland verstossen haben oder diese gefährden (Art. 67 Abs. 2 Bst. a
AuG), Sozialhilfekosten verursacht haben (Art. 67 Abs. 2 Bst. b AuG) oder
in Vorbereitungs-, Ausschaffungs- oder Durchsetzungshaft genommen
worden sind (Art. 67 Abs. 2 Bst. c AuG). Das Einreiseverbot wird grund-
sätzlich für eine Dauer von höchstens fünf Jahren verhängt. Es kann für
eine längere Dauer verfügt werden, wenn die betroffene Person eine
schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung dar-
stellt (Art. 67 Abs. 3 AuG). Schliesslich kann die verfügende Behörde aus
humanitären oder anderen wichtigen Gründen von der Verhängung eines
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Einreiseverbots absehen oder ein Einreiseverbot vollständig oder vor-
übergehend aufheben (Art. 67 Abs. 5 AuG).
4.2 Das in Art. 67 AuG geregelte Einreiseverbot ist eine Massnahme zur
Abwendung einer künftigen Störung der öffentlichen Sicherheit und Ord-
nung (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und
Ausländer vom 8. März 2002 [nachfolgend: Botschaft], BBl 2002 3813).
Die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a
AuG bildet den Oberbegriff für die Gesamtheit der polizeilichen Schutzgü-
ter; sie umfasst u.a. die Unverletzlichkeit der objektiven Rechtsordnung
und der Rechtsgüter Einzelner (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 3809). Ein Ver-
stoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung liegt u.a. vor, wenn
gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügungen missachtet wer-
den (vgl. Art. 80 Abs. 1 Bst. a der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über
Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE, SR 142.201]).
4.3 Die Verhängung eines Einreiseverbots knüpft an das Bestehen eines
Risikos einer künftigen Gefährdung an. Es ist gestützt auf die gesamten
Umstände des Einzelfalls eine entsprechende Prognose zu stellen. Dabei
ist naturgemäss in erster Linie das vergangene Verhalten der betroffenen
Person zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
C-820/2009 vom 9. März 2011 E. 5.2 mit Hinweisen).
5.
5.1 Die Vorinstanz stützte das Einreiseverbot allgemein auf Art. 67 AuG
und verwies zur Begründung auf die vom Beschwerdeführer begangenen
Straftaten: Am 6. Oktober 2003 wurde er vom Bezirksamt Brugg wegen
grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten Freiheitsstrafe
von 10 Tagen sowie zu einer Busse von Fr. 600.- und mit Urteil des Ober-
gerichts des Kantons Solothurn vom 24. November 2005 wurde er wegen
Angriffs und grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten
Freiheitsstrafe von 8 Monaten verurteilt. Zuletzt wurde er am 30. April
2009 vom Obergericht des Kantons Aargau wegen Raubes und Fäl-
schung von Ausweisen zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 2 Jahren
verurteilt (siehe auch Auszug aus dem Schweizerischen Strafregister vom
17. August 2012). Dass der Beschwerdeführer während seiner Anwesen-
heit in der Schweiz straffällig geworden ist, wird im Übrigen auch nicht
bestritten.
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Seite 9
5.2 Der Beschwerdeführer hat durch diese Straftaten klarerweise gegen
die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen. Damit steht fest, dass
er unter dem Gesichtspunkt von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG einen hinrei-
chenden Grund für die Verhängung einer Fernhaltemassnahme gesetzt
hat.
6.
Der Beschwerdeführer rügt des Weiteren, das BFM halte in der angefoch-
tenen Verfügung lediglich fest, es erachte die Ausschreibung im SIS für
notwendig. Dabei nehme es weder die verlangte Interessensabwägung
noch eine Verhältnismässigkeitsprüfung vor. Die Vorinstanz sei der irrigen
Meinung, dass neu verfügte Einreiseverbote automatisch im SIS ausge-
schrieben werden müssten. Dies sei jedoch falsch. Vielmehr müsse jeder
Einzelfall geprüft werden.
6.1 Ein Einreiseverbot gilt in räumlicher Hinsicht für die Schweiz und als
Regelfall für das Fürstentum Liechtenstein (vgl. Art. 10 Abs. 1 des Rah-
menvertrags vom 3. Dezember 2008 zwischen der Schweizerischen Eid-
genossenschaft und dem Fürstentum Liechtenstein über die Zusammen-
arbeit im Bereich des Visumverfahrens, der Einreise und des Aufenthalts
sowie über die polizeiliche Zusammenarbeit im Grenzraum, SR
0.360.514.2). Erfolgt, wie vorliegend geschehen, gestützt auf das Einrei-
severbot eine Ausschreibung der betroffenen Person im Schengener In-
formationssystems (SIS) zur Einreise- und Aufenthaltsverweigerung, so
werden die Wirkungen der Massnahme auf alle Schengen-Staaten aus-
gedehnt (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. d sowie Art. 13 Abs. 1 der Verordnung
[EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der
Grenzen durch Personen [Schengener Grenzkodex, SGK, Abl. L 105 vom
13. April 2006, S. 1-32]). Die Mitgliedstaaten können der betroffenen Per-
son aus wichtigen Gründen oder aufgrund internationaler Verpflichtungen
die Einreise in das eigene Hoheitsgebiet gestatten (vgl. Art. 13 Abs. 1
i.V.m. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK) bzw. ihr ein Schengen-Visum mit räumlich
beschränkter Gültigkeit ausstellen (vgl. Art. 25 Abs. 1 Bst. a [ii] der Ver-
ordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [Visakodex,
Abl. L 243 vom 15. September 2009, S. 1-58]).
6.2 Eine Person, die nicht die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaa-
tes besitzt (Drittstaatsangehörige), kann im SIS zur Einreise- und Aufent-
haltsverweigerung ausgeschrieben werden, wenn die "Angemessenheit,
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Seite 10
Relevanz und Bedeutung des Falles" eine solche Massnahme rechtferti-
gen (Art. 2 und 21 der Verordnung [EG] Nr. 1987/2006 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 20. Dezember 2006 über die Einrichtung,
den Betrieb und die Nutzung des Schengener Informationssystems der
zweiten Generation [SIS-II-Verordnung, Abl. L 381 vom 28. Dezember
2006, S. 4-239]). Voraussetzung der Ausschreibung im SIS ist eine natio-
nale Ausschreibung, die gestützt auf eine Entscheidung der zuständigen
nationalen Instanzen ergeht (Art. 24 Ziff. 1 SIS-II-Verordnung). Die Aus-
schreibung erfolgt, wenn die nationale Entscheidung mit der Gefahr für
die öffentliche Sicherheit und Ordnung oder die nationale Sicherheit be-
gründet wird, die die Anwesenheit der betreffenden Person in einem Mit-
gliedstaat darstellt. Das ist insbesondere der Fall, wenn die betreffende
Person in einem Mitgliedstaat wegen einer Straftat verurteilt wurde, die
mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bedroht ist (Art. 24
Ziff. 2 Bst. a SIS-II-Verordnung), oder wenn gegen sie der begründete
Verdacht besteht, dass sie schwere Straftaten begangen hat, oder wenn
konkrete Hinweise bestehen, dass sie solche Taten im Hoheitsgebiet ei-
nes Mitgliedstaats plant (Art. 24 Ziff. 2 Bst. b SIS-II-Verordnung).
6.3 Der Beschwerdeführer kann als Drittstaatsangehöriger grundsätzlich
zur Einreise- bzw. Aufenthaltsverweigerung im SIS ausgeschrieben wer-
den: Er wurde mit Urteil des Obergerichts des Kantons Solothurn vom
30. April 2009 zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt, womit er die
in Art. 24 Ziff. 2 Bst. a SIS-II-Verordnung geforderten Voraussetzungen er-
füllt. Ob bei dieser Rechtslage der Entscheid über die Ausschreibung
überhaupt in das Ermessen der zuständigen Behörde fällt, ist unklar,
denn vom Wortlaut her scheint Art. 24 Ziff. 2 SIS-II-Verordnung – entge-
gen dem beschwerdeweisen Vorbringen – einen Automatismus vorzuse-
hen ("Eine Ausschreibung wird eingegeben, wenn [...]), während Art. 21
SIS-II-Verordnung unter dem Titel "Verhältnismässigkeit" verlangt, dass
der ausschreibende Mitgliedstaat feststellt, "ob Angemessenheit, Rele-
vanz und Bedeutung des Falles eine Aufnahme der Ausschreibung (...)
rechtfertigen". Doch selbst wenn der Behörde ein Entschliessungsermes-
sen zukäme, wäre die Ausschreibung angesichts der Schwere des von
ihm begangenen Raubes und der von ihm ausgehenden Gefahr gerecht-
fertigt, zumal die Schweiz nicht nur eigene Interessen zu wahren hat,
sondern als getreue Sachwalterin zur Wahrung der Interessen der Ge-
samtheit aller Schengen-Staaten verpflichtet ist (vgl. BVGE 2011/48
E. 6.1). Die mit der Ausschreibung einhergehende zusätzliche Beein-
trächtigung seiner persönlichen Bewegungsfreiheit hat der Beschwerde-
führer in Kauf zu nehmen.
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Seite 11
6.4 Im Übrigen kann auch das Vorbringen des Beschwerdeführers nicht
gehört werden, eine Ausschreibung im SIS dürfe erst erfolgen, wenn das
Gericht entschieden habe, bzw. wenn das Beschwerdeverfahren rechts-
kräftig abgeschlossen sei. Gegen diese Annahme spricht an sich schon
der klare Wortlaut der fraglichen Bestimmung. Dem Beschwerdeführer ist
es zudem möglich, im Rahmen des Verfahrens vor Bundesverwaltungs-
gericht die – im Übrigen – von der zuständigen Verwaltungsbehörde vor-
genommene Ausschreibung im SIS gerichtlich überprüfen zu lassen.
7.
Es bleibt zu prüfen, ob die Massnahme in richtiger Ausübung des Ermes-
sens ergangen und angemessen ist. Der Grundsatz der Verhältnismäs-
sigkeit steht dabei im Vordergrund. Unter diesem Gesichtspunkt ist eine
wertende Abwägung zwischen dem öffentlichen Interesse an der Mass-
nahme und den beeinträchtigten privaten Interessen des Betroffenen vor-
zunehmen. Die Stellung der verletzten oder gefährdeten Rechtsgüter, die
Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die persönlichen
Verhältnisse des Verfügungsbelasteten bilden dabei den Ausgangspunkt
der Überlegungen (vgl. statt vieler ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX
UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010,
Rz. 613 ff.). In diesem Zusammenhang läuft der beschwerdeweise ge-
machte Vergleich des vorliegenden Verfahrens mit dem Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts C-7267/2010 vom 2. April 2012 ins Leere, wo das
BFM ein – vom Bundesverwaltungsgericht bestätigtes – Einreiseverbot
von sechs Jahren verfügt hatte, zumal es sich dort um eine ziemlich an-
dere Ausgangslage handelte, war der dortige Beschwerdeführer doch als
10-jähriger im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz eingereist
und war (bis zu ihrem Widerruf) im Besitze einer Niederlassungsbewilli-
gung.
7.1 Die Vorinstanz hat das Einreiseverbot auf zehn Jahre befristet und
stützt sich damit auf die Bestimmung von Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG,
welche Fernhaltemassnahmen von mehr als fünf Jahren Dauer zulässt,
wenn die betroffene Person eine schwerwiegende Gefahr für die öffentli-
che Sicherheit und Ordnung darstellt. Eine einfache Störung oder Ge-
fährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung genügt nicht. Verlangt
wird eine qualifizierte Gefährdungslage, worüber nach Massgabe aller
Umstände des Einzelfalles zu befinden ist. Im Sinne der neueren bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung kann sich eine solche schwerwiegende
Gefahr etwa aus der Hochwertigkeit des deliktisch bedrohten Rechtsguts
(z.B. Leib und Leben, körperliche und sexuelle Integrität und Gesundheit)
C-5068/2012
Seite 12
oder der Zugehörigkeit besagten Deliktes zur besonders schweren Krimi-
nalität mit grenzüberschreitender Dimension ergeben. Zu den letzteren
Kriminalitätsbereichen zählt das Bundesgericht unter Verweis auf Art. 83
Abs. 1 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (kon-
solidierte Fassung gemäss Lissabon-Vertrag, Abl. C 326 vom 26. Oktober
2012, S. 49 ff.) namentlich den Terrorismus, den Menschen- und den
Drogenhandel sowie die organisierte Kriminalität. Gemäss Bundesgericht
kann eine entsprechend qualifizierte Gefährdung überdies aus der zu-
nehmend schwereren Delinquenz bei Wiederholungstätern mit ungünsti-
ger Legalprognose resultieren (zum Ganzen vgl. BGE 139 II 121 E. 5 und
6 S. 125 ff.). Der Deliktskatalog ist relativ offen formuliert.
7.2 Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil des Obergerichts des Kan-
tons Solothurn vom 24. November 2005 wegen Angriffs (er schlug mit ei-
nem Metallrohr auf ein ihm unbekanntes und wehrloses Opfer ein) und
grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten Gefängnisstrafe
von acht Monaten verurteilt. Bereits zum damaligen Zeitpunkt wurde sein
Verschulden als schwer beurteilt. Das Obergericht stellte fest, der Be-
schwerdeführer habe durch sein Verhalten eine beträchtliche Sozialge-
fährlichkeit manifestiert und in massiver Weise gegen die hier geltende
Rechtsordnung verstossen (vgl. Urteil des Obergerichts des Kantons So-
lothurn vom 24. November 2005, S. 14). Zuletzt wurde der Beschwerde-
führer mit Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 30. April 2009
zu einer unbedingten zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt, weil er am
2. März 2006 zusammen mit zwei weiteren Personen einen Raubüberfall
auf einen Pizzakurier begangen hatte. Er selbst trug eine Schreck-
schusspistole auf sich und bedrohte damit das Opfer (vgl. Urteil des
Obergerichts des Kantons Aargau vom 30. April 2009, S. 11). Auch hier
befand die strafurteilende Behörde das Verschulden des Beschwerdefüh-
rers als schwer (vgl. S. 10 des genannten Urteils). Die begangenen Straf-
taten können vor diesem Hintergrund ohne Weiteres als eine schwerwie-
gende Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Sinne von
Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG qualifiziert werden.
7.3 Des Weiteren stellt sich die Frage, ob die Wahrscheinlichkeit einer er-
neuten Begehung vergleichbar schwerer Delikte hinreichend gross ist, um
von einer schwerwiegenden Gefahr für die öffentliche Sicherheit und
Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG ausgehen zu kön-
nen. Sie muss höher sein, als jene, welche der Annahme einer rechtlich
relevanten Gefahr im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG zu Grunde liegt.
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Seite 13
7.4 Der Beschwerdeführer macht diesbezüglich geltend, das Verhalten
des Beschwerdeführers sei nicht von grosser krimineller Energie geprägt;
aufgrund der beiden Urteile der Obergerichte Aargau und Solothurn sei
nicht davon auszugehen, er würde weiterhin delinquieren (vgl. Beschwer-
de vom 27. September 2012). Dem kann nicht zugestimmt werden. Be-
reits die begangenen Straftaten (Angriff und Raub) per se und deren Tat-
begehung weisen auf eine grosse kriminelle Energie hin (vgl. E. 7.2). Zu-
dem lässt sich aus dem Sachverhalt entnehmen, dass der Beschwerde-
führer den Raub bloss wenige Wochen, nachdem das Urteil des Oberge-
richts des Kantons Solothurn vom 24. November 2005 ergangen war,
verübte. Dieser Umstand lässt klar auf Uneinsichtigkeit und Unbelehrbar-
keit von Seiten des Beschwerdeführers schliessen. In Anbetracht der da-
mals begangenen Straftaten braucht denn auch ein relativ geringes Rück-
fallrisiko nicht hingenommen zu werden (vgl. zum Ganzen etwa Urteil des
Bundesgerichts 2C_282/2012 vom 31. Juli 2012 E. 2.5) und es kann
diesbezüglich (noch) nicht von einer günstigen Prognose ausgegangen
werden. Im Übrigen befand auch die strafurteilende Behörde die Progno-
se als schlecht, weshalb dem Beschwerdeführer der bedingte Strafvoll-
zug nicht gewährt wurde. Zur Begründung wurde ausgeführt, die bedingte
Gefängnisstrafe betreffend Angriff habe auf den Beschwerdeführer ledig-
lich ungenügend Eindruck gemacht. Andernfalls hätte er sich nicht nach
nur wenigen Wochen wiederum zu einem weiteren schweren Delikt hin-
reissen lassen. Auch die nachfolgende Flucht des Beschwerdeführers in
die Türkei sei zu seinen Ungunsten auszulegen. Zwar sei ihm diese frem-
denpolizeilich befohlen worden, allerdings habe er es aber versäumt, sei-
ne beabsichtigte Ausreise den zuständigen Strafverfolgungsbehörden zu
kommunizieren und entsprechend um Instruktionen zu ersuchen. Selbst
nach seiner Rückkehr in die Schweiz, die aus Gründen seiner gefährde-
ten Sicherheit in der Türkei erfolgt sei, habe er sich nicht bei den zustän-
digen Strafverfolgungsbehörden gemeldet. Vielmehr habe er ausge-
schrieben und verhaftet werden müssen. Es sei dem Beschwerdeführer
nicht nur keine besonders gute, sondern im Gegenteil eine schlechte
Prognose zu stellen (vgl. Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau
vom 30. April 2009, S. 14 f.).
7.5 Nach dem bisher Gesagten kann nicht ernsthaft in Frage gestellt wer-
den, dass vom Beschwerdeführer eine Gefahr für die öffentliche Sicher-
heit und Ordnung ausgeht, welche die Verhängung einer Fernhaltemass-
nahme rechtfertigt. Eine solche Gefahr ist entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers nicht schon dadurch in Frage zu stellen, dass er sei-
ne Freiheitsstrafe verbüsst und der Strafvollzug ihn (angeblich) resoziali-
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siert habe (vgl. Beschwerde vom 27. September 2012). Die Strafgerichte
verfolgen durch die von ihnen auferlegten Sanktionen wesentlich andere
Ziele, als die von den Administrativbehörden ausgesprochenen Mass-
nahmen (vgl. dazu BGE 137 II 233 E. 5.2.2). Ist im Strafrecht das Interes-
se an Bestrafung und Resozialisierung vordergründig, ist bei ausländer-
rechtlichen Massnahmen – wie vorliegend – das gesamte Landesinteres-
se zu berücksichtigen, insbesondere das Interesse an der öffentlichen
Ordnung und Sicherheit (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
C-3202/2011 vom 19. April 2013 E. 7.3 mit Hinweis).
7.6 Vor dem Hintergrund der vorzunehmenden umfassenden Interessen-
abwägung kommt der Migrationsbehörde ein im Vergleich zu den Straf-
und Strafvollzugsbehörden strengerer Beurteilungsmassstab zu (vgl BGE
137 II 233 a.a.O mit Hinweisen). Zwar kann nicht ganz ausser Acht ge-
lassen kann, dass der Beschwerdeführer seit dem 11. September 2008 –
abgesehen von einer Busse von Fr. 100.- bzw. 1 Tag Freiheitsstrafe we-
gen Fahrens eines nicht betriebssicheren Fahrzeuges (Strafverfügung
der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurns vom 1. Oktober 2010) –
nicht mehr aktenkundig wurde, allerdings kann die von ihm ausgehende
Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (noch) nicht als hin-
fällig betrachtet werden, gilt es doch zu beachten, dass der Beschwerde-
führer am 30. Dezember 2009 bedingt aus dem Strafvollzug entlassen
wurde und er sich noch ein Jahr in der Probezeit befand.
7.7 Damit ist aufgrund des Charakters und der Schwere der begangenen
Hauptstraftaten (Angriff und Raub), wegen der Begehung des Raubs in
der Probezeit und des Fehlens einer guten Prognose eine schwerwie-
gende Gefahr im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG zu bejahen
(zum Ganzen siehe auch BGE 139 II 121 E. 6.2 und 6.3 S. 129 ff.). Das
gegen den Beschwerdeführer verhängte Einreiseverbot darf damit die
Dauer von fünf Jahren überschreiten.
8.
An persönlichen Interessen macht der Beschwerdeführer geltend, seine
Ehefrau, seine Eltern sowie seine zwei Schwestern würden in der
Schweiz leben. Damit er diese besuchen könne, müsse das Einreisever-
bot aufgehoben werden.
8.1 Diesbezüglich gilt es vorerst zu erwähnen, dass allfällige Einschrän-
kungen des Privat- bzw. Familienlebens des Beschwerdeführers im vor-
liegenden Zusammenhang aufgrund sachlicher und funktioneller Unzu-
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ständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts nicht Verfahrensgegenstand
sein können, soweit sie auf das Fehlen eines dauerhaften Aufenthalts-
rechts in der Schweiz zurückzuführen sind. Die Erteilung und Verlänge-
rung entsprechender Bewilligungen fällt grundsätzlich in die Zuständigkeit
der Kantone, wobei im Falle einer Bewilligungserteilung das bestehende
Einreiseverbot aufzuheben wäre. Die kantonale Migrationsbehörde wies
das Gesuch des Beschwerdeführers um Erteilung einer Aufenthaltsbewil-
ligung mit Verfügung vom 8. Februar 2012 ab. Die Pflege regelmässiger
persönlicher Kontakte zur Ehegattin sowie zu seinen Eltern und Schwes-
tern scheitert damit bereits am fehlenden Anwesenheitsrecht (zum Gan-
zen vgl. BVGE 2013/4 E. 7.4.1 mit Hinweisen).
8.2 Somit stellt sich nurmehr die Frage, ob die über die Verweigerung des
Aufenthaltsrechts hinausgehende, durch das Einreiseverbot bewirkte Er-
schwernis vor Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze
der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) bzw. Art. 13
Abs. 1 BV standhält.
Wie bereits die Vorinstanz erwähnte, bestehen die Wirkungen des Einrei-
severbots nicht darin, dem Beschwerdeführer während der Geltungsdau-
er der Massnahme Besuchsaufenthalte bei der Ehefrau in der Schweiz
schlichtweg zu untersagen. Vielmehr besteht die Möglichkeit, aus huma-
nitären oder anderen wichtigen Gründen mittels Gesuch die zeitweilige
Suspension der angeordneten Fernhaltemassnahme zu beantragen
(Art. 67 Abs. 5 AuG). Mit der Möglichkeit der Suspension der Fernhalte-
massnahme zu Besuchszwecken läuft das Vorbringen des Beschwerde-
führers ins Leere, das BFM ändere mit der angefochtenen Verfügung
nachträglich die Voraussetzungen des Bundesgerichtsurteils, da das
Bundesgericht davon ausgegangen sei, er könne weiterhin für Besuchs-
aufenthalte in die Schweiz einreisen (vgl. Beschwerde vom 27. Septem-
ber 2012). Diesbezüglich gilt es zudem darauf hinzuweisen, dass der Be-
schwerdeführer aufgrund seiner Nationalität für Einreisen in die Schweiz
ohnehin der Visumspflicht unterliegt. Es beinhaltet deshalb keinen we-
sentlich grösseren Aufwand, wenn er in zwingenden Fällen nebst einem
Visum auch die vorübergehende Suspension des Einreiseverbots (Art. 67
Abs. 5 AuG) beantragen muss. Die sich daraus ergebende Einschrän-
kung der Möglichkeit gegenseitiger Besuche ist vom öffentlichen Interes-
se an der Fernhaltung gedeckt und ist vom Beschwerdeführer hinzuneh-
men.
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Dass die Vorinstanz die Tendenz habe, solche Suspensionsgesuche ab-
zuweisen, ohne auf deren Gründe einzugehen, wie es replikweise geltend
gemacht wird, kann vom Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich nicht
bestätigt werden. Allerdings wird die Suspension praxisgemäss nur für ei-
ne kurze und klar begrenzte Zeit gewährt und sie soll ein Einreiseverbot
nicht aushöhlen (vgl. BVGE 2013/4 E. 7.4.3 mit Hinweis). Im dargelegten
Umfang und Rahmen kann den geltend gemachten privaten Interessen
Rechnung getragen werden. Daneben ist es der Ehefrau zumutbar, den
Beschwerdeführer im Heimatland zu besuchen und den Kontakt auf an-
dere Weise aufrecht zu erhalten (Briefverkehr, Videotelefonie, Telefonate,
etc.). Analoges gilt für die anderen hierzulande ansässigen Familienan-
gehörigen.
8.3 Selbst wenn von einem unter dem Gesichtspunkt von Art. 13 Abs. 1
BV und Art. 8 EMRK relevanten Eingriff ausgegangen würde, wäre ein
solcher unter den konkreten Begebenheiten gestützt auf Art. 8 Ziff. 2
EMRK als gerechtfertigt zu qualifizieren. Das deliktische Verhalten des
Beschwerdeführers erreicht nämlich die erforderliche Schwere, um unter
besagtem Blickwinkel einen Eingriff in das Privat- und Familienleben zu
begründen (vgl. Urteil des BVGer C-3593/2009 vom 18. Juni 2012 E. 7.3
mit Hinweisen).
8.4 Alles in allem ist festzustellen, dass die verwirklichten Störungen der
öffentlichen Sicherheit und Ordnung und die vom Beschwerdeführer aus-
gehende schwerwiegende Gefahr für diese Rechtsgüter (Art. 67 Abs. 3
Satz 2 AuG) ein gewichtiges, general- und spezialpräventiv motiviertes In-
teresse an einer langjährigen Fernhaltung zu begründen vermögen. Im
Sinne einer ausgewogenen Würdigung des öffentlichen Interesses am
Schutz der Allgemeinheit vor möglichen weiteren Straftaten einerseits und
des privaten Interesses des Beschwerdeführers und seiner Schweizer
Gattin andererseits ist dem Ehepaar aber insofern eine Perspektive zu
gewähren, als dass die durch das Einreiseverbot verursachte Erschwer-
nis des Familienlebens zwar von einiger, aber nicht überlanger Dauer
sein soll. Damit kann auch der Umstand gewürdigt werden, dass sich der
Beschwerdeführer seit der letzten Deliktsbegehung am 11. September
2008 (Fälschung von Ausweisen) und nach Entlassung aus dem Straf-
vollzug am 30. Dezember 2009 – abgesehen von einer Busse von
Fr. 100.- bzw. 1 Tag Freiheitsstrafe wegen Fahrens mit einem nicht be-
triebssicheren Fahrzeug – grundsätzlich klaglos verhalten hat. Der Be-
schwerdeführer muss sich hingen darüber im Klaren sein, dass besagte
Perspektive zwingend ein vollumfängliches Wohlverhalten während der
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Anwesenheit in der Türkei als auch anlässlich von Besuchen hierzulande
voraussetzt.
8.5 Eine wertende Gewichtung der sich entgegenstehenden Interessen
führt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass das Einreisever-
bot dem Grundsatze nach zu bestätigen ist, in der ausgesprochenen
Dauer jedoch nicht mehr als verhältnismässig im engeren Sinne betrach-
tet werden kann. Vielmehr erscheint es als angemessen, die Fernhalte-
massnahme auf die Zeitspanne von acht Jahren zu begrenzen.
9.
Aus diesen Erwägungen folgt, dass das auf zehn Jahre bemessene Ein-
reiseverbot Bundesrecht verletzt (vgl. Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist
daher teilweise gutzuheissen und das gegen den Beschwerdeführer ver-
hängte Einreiseverbot auf acht Jahre, bis zum 16. Juli 2020 zu befristen.
10.
Bei diesem Ausgang sind die ermässigten Verfahrenskosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss
zu verrechnen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Im
Umfang seines Obsiegens ist dem Beschwerdeführer eine gekürzte Par-
teientschädigung in gerichtlich festzusetzender Höhe zuzusprechen
(Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 ff. VGKE).
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