Decision ID: 412d7449-3c8d-4063-b98e-0482defb8902
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, gebor
en 1967, war
seit dem
1.
September 2006
als Elek
tr
iker bei der
Y._
,
Z._
,
ang
estellt
und damit bei der Suva
gemäss
Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) obligato
risch gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle sowie Berufskrankheiten versichert, als er
gemäss
der Bagatellunfall-Meldung UVG vom
17.
April 2018 am 26
.
Feb
ruar 2018 bei Haushaltsarbeiten von einer Trittleiter abgerutscht sei und sich eine Quetschung am rechten
Fussgelenk
zugezogen
habe
(Urk. 6
/1 Ziff. 3-6
,
Ziff.
9
). Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht (Urk.
6
/2
).
Mit Verfügung
vom 19. Juni 2019
stellte die S
uva
g
estützt auf die kreisärztliche Beurteilung
durch
med.
pract
.
A._
, Facharzt für Chirurgie (vgl. Urk. 6/15
), wonach der Status quo sine
spätestens am 3
0.
April 2018
erreicht gewesen sei
, die Leistungen
per 30
.
Juni 2019
ein (Urk.
6/16
).
Auf die vom Ver
sicherten am 1
8.
Oktober 2019 erhobene Ein
sprache
(
Urk.
6/23)
trat die Suva mangels Rechtzeitigkeit mit
Einspracheentscheid
vom 2
7.
November 2019 nicht ein (
Urk.
6
/26
=
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 1
4.
Januar 2020 Beschwerde gegen den
Einspracheent
scheid
vom 2
7.
November 2019 (
Urk.
2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und die Angelegenheit sei zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
11
.
Februar 2020 (Urk. 5
) beantragte die S
uva
die Abweisung der Beschwerd
e, was dem Beschwerdeführer am 13
.
Februar 2020
zur
Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Richtet sich die Beschwerde gegen einen
Nichteintretensentscheid
, hat das Gericht, ungeachtet
der Vorbringen
der
beschwerdeführenden
Partei, zu prüfen und darüber zu entscheiden, ob die Verwaltung zu Recht nicht auf das Leistungs- oder Feststellungsbegehren eingetreten ist. Der richterliche Entscheid in der Sache (Sachentscheid) hat in dieser besonderen verfahrensmässigen Situation den for
mellen Gesichtspunkt des Nichteintretens durch die untere Instanz zum Gegen
stand. Dagegen
hat sich das Gericht mit den materiellen Anträgen nicht zu befassen (BGE 121 V 157 E. 2b, 116 V 265 E. 2a, SVR 1997, UV Nr. 66 S. 225 E. 1a).
1.2
Gegen Verfügungen kann innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden; davon ausgenommen sind prozess- und verfahrens
leitende Verfügungen (Art.
52
Abs
.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts;
ATSG
).
Gemäss
Art. 38
Abs
.
1
in Verbindung mit Art.
52
Abs
.
1
ATSG
beginnt die
Ein
sprache
frist
am Tag nach ihrer Mitteilung zu laufen. Ist der letzte Tag der
Frist
ein Samstag, ein Sonntag oder ein vom Bundesrecht oder vom kantonalen Recht anerkannter Feiertag, so endet sie am nächstfolgenden Werktag (Art. 38
Abs
. 3 Satz
1
ATSG
). Gesetzliche oder behördliche
Frist
en, die nach Tagen oder Monaten bestimmt sind, stehen während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom
1
5. Juli bis und mit dem
1
5. August und vom
1
8. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 38
Abs
. 4
ATSG
).
1.3
Nach Art. 39
Abs
.
1
in Verbindung mit Art.
52
Abs
.
1
ATSG
ist die 30-tägige
Frist
zur Einsprache gewahrt, wenn die Einsprache spätestens am letzten Tag der
Frist
dem Versicherungsträger eingereicht oder zu dessen
Handen
der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben wird.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) damit,
dass die Verfügung vom 1
9.
Juni 2019 datiere und am gleichen Tag der Post übergeben worden sei. Gemäss Sendungsverfolgung sei die Verfügung dem Beschwerdeführer am 2
0.
Juni 2019 zugestellt worden. Die dreissigtägige Frist beginne somit am 2
1.
Juni 2019 und
ende
spätestens am 2
1.
August 2019 (S. 3
Ziff.
2
lit
. a). Die Einsprache des Beschwerdeführers sei mit dem 1
8.
Oktober
2019
datiert und gleichentags um 23:50 Uhr der Post übergeben worden. Der Poststem
pel sei mit dem 2
0.
Oktober 2019 datiert (S. 4
Ziff.
2
lit
. b). Demnach sei auf die Einsprache des
Beschwerdeführers
gegen die Verfügung vom 1
9.
Juni 2019 nicht einzutreten
, da sie den Anforderungen von
Art.
52
Abs.
1 ATSG nicht entspreche (S. 4
Ziff.
3).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend, dass die Beschwerdegegnerin zu Unrecht auf seine Einsprache
nicht
eingetreten sei und sie den
Beweis für die Zustellung der Verfügung vom 1
9.
Juni 2
019 nicht zu erbringen vermöge
(S. 3 I.
Rz
7
,
S. 7
Rz
24
). Die Verfügung vom 1
9.
Juni 2019 sei ihm gar nicht eröffnet worden. Vielmehr habe er erst anlässlich einer ärztli
chen Konsultation
an
der
B._
am 1
9.
September 2019 davon Kennt
nis erlangt und eine Kopie der an die
B._
gerichtete
n
Kopie der Verfügung erhalten (S. 6
Rz
19
, S. 9
Rz
32
und
Rz
37
)
. Er leere seinen Briefkasten regelmässig und gehe die Post gründlich durch. Er sei es als Mitglied des
C._
gewohnt, wichtige Dokumente per Post zu erhalten
(S. 8
Rz
31).
Zudem sei in keiner Weise einzusehen, wieso er trotz Erhalts der Verfü
gung hätte untätig bleiben und erst im Nachgang dazu Einsprache hätte erheben sollen (S. 9
Rz
33).
Auch
hätte er sich nicht eine entsprechende Kopie der Verfü
gung der
B._
aushändigen lassen müssen (S. 9
Rz
34). All diese Umstände sowie der vermutete gute Glaube l
iessen
demnach darauf schliessen, dass es zu einem Fehler bei der Post gekommen sei, da diese nicht unfehlbar sei (S. 9
Rz
35).
Des Weiteren sei sein Anspruch auf ein faires Verfahren nach
Art.
29
Abs.
1
der
Schweizerischen Bundesverfassung (
BV
)
und
Art.
52
Abs.
1 ATSG ver
letzt worden
(S. 10
Ziff.
2
Rz
40-43).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
5)
wiederholte
die Beschwerdegegnerin, dass die an den Beschwerdeführer adressierte Verfügung am 1
9.
Juni 2019 der Post übergeben und per A-Post Plus versandt wor
den sei. Die Verfügung sei ihm
am 2
0.
Juni 2019 zugestellt worden
.
Die
Einsprachefrist
habe somit am 2
1.
Juni 2019 zu laufen begonnen und am 2
1.
August 2019 geendet. Die Einsprache vom 1
8.
Oktober 2019 sei als verspätet zu qualifizieren.
2.4
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht mangels Recht
zeitigkeit nicht auf die Einsprache des Beschwerdeführers vom
1
8. Oktober 20
1
9
(Urk.
6
/23
) eingetreten ist.
3.
3.1
Die
Verfügung vom 1
9.
Juni 2019 (
Urk.
6/16) wurde per A-Post Plus an die Adresse des Beschwerdeführers versandt.
Gemäss der in den Akten liegenden Sendungsverfolgung der Post (
Urk.
6/25
/2
) wurde die Verfügung vom 1
9.
Juni 2019 am gleichen Tag der Post aufgegeben und
a
m 2
0.
Juni 2019 um 10:44 Uhr zugestellt.
Der Beschwerdeführer stellte sich in seiner Beschwerde (
Urk.
1) im Wesentlichen auf den Standpunkt, dass
die Verfügung vom 1
9.
Juni 2019 (
Urk.
6/16) nie in seinem
Briefkasten gewesen
sei
und
er erst am 1
9.
September 2019 durch die Ärzte der
B._
von der Verfügung Kenntnis erlangt habe (vgl. vor
stehend E. 2.2).
3.2
Im Sozialversicherungsverfahren bestehen keine Vorschriften darüber, wie die Versicherungsträger ihre Verfügungen zustellen sollen. Aus dem Schweigen des Gesetzes in diesen und anderen verwaltungsrechtlichen Materien über die Art der
Zustellung
leitet das Bundesgericht grundsätzlich ab, dass es den Behörden frei
gestellt ist, auf welche Art sie ihre Verfügungen versenden. Insbesondere dürfen sie sich deshalb auch der Versandart "A-Post
Plus
" bedienen. Die Eröffnung muss
bloss
so erfolgen, dass sie dem Adressaten ermöglicht, von der Verfügung oder der Entscheidung Kenntnis zu erlangen, um diese gegebenenfalls sachgerecht anfechten zu können. Bei
uneingeschriebenem
Brief erfolgt die
Zustellung
bereits dadurch, dass er in den Briefkasten oder ins
Post
f
ach des Adressaten gelegt wird und damit in den Macht- beziehungsweise Verfügungsbereich des Empfängers gelangt
. Dass der Empfänger von der Verfügung tatsächlich Kenntnis nimmt, ist nicht erforderlich (BGE 142 III 599 E. 2.4.1; Urteil
des Bundesgerichts
8C_198/2015 vom 3
0.
April 2015 E. 3.2 mit Hinweisen). Bei der Versandmethode "A-Post
Plus
" wird der Brief mit einer Nummer versehen und ähnlich wie ein eingeschriebener Brief mit A-Post spediert. Im Unterschied zu den eingeschriebe
nen Briefpostsendungen wird aber der
Empfang nicht quittiert
. Der Adressat wird im Falle seiner Abwesenheit auch nicht durch Hinterlegung einer Abholungsein
ladung avisiert. Die
Zustellung
wird vielmehr elektronisch erfasst, wenn die Sen
dung in das
Post
f
ach oder in den Briefkasten des Empfängers gele
gt wird (BGE 144 IV 57 E. 2.3.1).
Direkt bewiesen wird mit einem "Track & Trace"-Auszug
demnach
nicht, dass die Sendung tatsächlich in den Empfangsbereich des Empfängers gelangt ist, sondern
lediglich
,
dass durch die Post ein entsprechender Eintrag in ihrem Erfassungssys
tem gemacht wurde
.
Aus diesem Eintrag lässt sich aber immerhin im Sinne
eines Indizes
darauf
schliessen
, dass die Sendung in den Briefkasten oder in das
Pos
t
f
a
ch des Adressaten gelegt wurde
(vgl. BGE 142 III 599 E. 2.2).
3.3
Dass die Sendung
in den Briefkasten des Empfängers gelangte, hat der Absender zu beweisen.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, die sich auch auf die Zustellungsart A-Post
Plus
bezieht, liegt ein Fehler bei der
Post
z
ustellung nicht
ausserhalb
jeder Wahrscheinlichkeit. Eine fehlerhafte
Post
z
ustellung ist allerdings nicht zu vermuten, sondern nur anzunehmen, wenn sie aufgrund der Umstände plausibel erscheint.
Auf die Darstellung des Adressaten, dass eine fehlerhafte
Postz
ustellung vorliegt, ist daher abzustellen, wenn seine Darlegung der Umstände
nachvollziehbar ist und einer gewissen Wahrscheinlichkeit entspricht, wobei sein guter Glaube zu vermuten ist
(
vgl. BGE 142 III 599 E. 2.4.1
)
. Rein hypothetische Überlegungen des Empfängers genügen dabei nicht (Urteil
des Bundesgerichts
2C_165/20
15 vom 2
1.
Februar 2015 E. 2.3), ebenso wenig die nie
auszuschliessende
Möglichkeit von Zustellfehlern der Post
, um die Vermutung
umzustossen
. Vielmehr müssen
konkrete Anzeichen
für einen Fehler vorhanden sein (
vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_16/2019
vom 1
0.
Januar 2019
E. 3.2.2 mit Hinweis auf
BGE 142 IV 201
E. 2.3
).
3.4
Vorliegend brachte der Beschwerdeführer vor, dass die Zustellung
der Verfügung vom 1
9.
Juni 2019 (
Urk.
6/16)
entgegen der Sendungsverfolgung
(
Urk.
6/25/2)
am 2
0.
Juni 2019 nicht erfolgt
sei
,
da er seinen Briefkasten
regelmässige
leere und die Post jeweils gründlich durchgehe. Er sei es als Mitglied des
C._
gewohnt, wichtige Dokumente per Post zu erhalten und diese gründlich durchzugehen
. Weiter hätte er sich bei einer erfolgten Zustellung der Verfügung auch nicht eine Kopie der Verfügung der
B._
aus
händigen
lassen müssen
und
hätte
direkt Einsprache erhoben
(vgl. vorstehend E. 2.2).
Der
Beschwerdeführer bestr
itt damit
die
gemäss
der Sendungsverfolgung (
Urk.
6/25/2) erfolgte
Zustellung der Verfügung
vom 1
9.
Juni 2019 (
Urk.
6/16)
lediglich in allgemeiner Weise
, ohne konkrete Anzeichen für einen Zustellungs
fehler der Post vorzubringen.
Dies reicht
jedoch
nicht aus, um aufzuzeigen, dass die vermutete Zustellung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht erfolgt sei
(vgl. vorstehend E. 3.3)
.
Die 30-tägige
Einsprache
frist
begann daher spätestens am Tag nach d
er Zustel
lung
gemäss
der Sendungsverfolgung (vgl.
Urk.
6/25/2) am 2
1.
Juni 2019
zu lau
fen und endete
unter Berücksichtigung des Fristenstillstandes vom 1
5.
Juli bis und mit dem 1
5.
August 2019
am M
ittwoch
,
21
.
August
201
9
(vgl. vorstehend E. 1.2)
.
Die
a
m 1
8.
Oktober 2019 erhobene Einsprache (
Urk.
6/23) gegen die Verfü
gung vom 1
9.
Juni 2019 (
Urk.
6/16) erfolgte demzufolge verspäte
t, weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die Einsprache nicht eingetreten ist.
3.5
Der angefochtene
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
4.
Das Verfahren ist kostenlos.