Decision ID: 4603b6a7-3f4d-43dc-88a6-99f1143684e9
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1977 geborene X._
meldete sich unter Hinweis auf eine seit Mai 2019 bestehende Arbeitsunfähigkeit infolge von Diskushernien der Nackenwirbel 3-7 am 23. September 2019
(Eingangsdatum)
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenver
siche
rung an (Urk. 10/3).
Die IV-Stelle führte in der Folge ein Standortgespräch
durch
(Proto
koll vom 9. Oktober 2019, Urk. 10
/11)
, tätigte
medizinische Abklärungen (Urk. 10
/13-15
, 10
/25-27
) und zog die Akten des Kranke
ntaggeldversicherers bei
(Urk. 10
/22
)
,
beinhaltend das
Gutachten
der Abklärungsstelle
Y._
vom 9. Dezember 2019
(
Urk. 10
/22 S. 29-69
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbes
cheid vom 17. April 2020 [Urk. 10
/29]; Ei
nwand vom 24. April 2020 [Urk. 10
/30]; ergänzter
Einwand vom 28. Mai
2020 [Urk. 10
/37])
verne
i
n
te
die IV-Stelle mit Verfügung vom 7. Juli 2020
einen Anspruch
des Versicherten
auf berufliche Massnahmen und eine Invalidenrente (Urk. 2 [=Urk. 10
/39]).
Dagegen erteilte sie dem
Versicherte
n
auf Gesuch vom
18. August 2020
hin (Urk. 10/43)
mit Schreiben vom 11. September 2020 Kostengutsprache für eine
binaurale
Hör
gerätepauschale (Urk. 10
/47).
2.
Gegen die Verfügung vom 7. Juli 2020 (Urk. 2) erhob der Versicherte mit Eingabe vom 8. September 2020 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen zu gewähren, er sei durch das Gericht medizinisch begutachten zu lassen, eventualiter sei die Sache zwecks Einholung eines Gutachtens und an
schliessender Entscheidung über den Leistungsanspruch an die Beschwerde
geg
nerin zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu deren Lasten (Urk. 1). Mit Eingabe vom 25. September 2020 reichte der Beschwerde
führer so
dann eine fachärztliche Stellungnahme vom 8. September
2020 zu den Akten (Urk.
7
, 8
).
Die IV-Stelle schloss mit Beschwerdeantwort vom 15. Oktober 2020 auf Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 9), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 19. Oktober 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 11). Mit Eingabe vom 2. November 2020 reichte der Beschwerdeführer den Schlussbericht der Potential
abklärung
«Praxis CHECK»
d
er Z._
vom 28. Oktober 2020 zu den Akten (Urk. 12, 13).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesge
setzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Erwerbs
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psy
chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art.
28 Abs.
1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vor
akten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, und ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen
erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a; 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die IV-Stelle erwog in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen,
aus den medizinischen Akten sei ersichtlich, dass beim Beschwerdeführer seit 1. Januar 2020 eine vollständige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit vorliege, was auch für sämtliche anderen, körperlich leichten Tätigkeiten gelte. Aus diesem Grund bestehe
weder
ein Ans
pruch auf berufliche Massnahmen
noch ein solcher
auf eine Invalidenrente, zumal die Arbeitsunfähigkeit des Beschwer
deführers nicht mehr als ein Jahr angedauert
habe
.
A
b Ende Februar 2020 habe sich der Gesundheitszustand verbessert, so dass spätes
tens ab Juni 2020
keine
Einschrän
kungen mehr vorlägen
(Urk. 2).
In ihrer Vernehmlassung vom
15. Oktober 2020
führte die IV-Stelle ergänzend aus,
auf das vom Krankentaggeldversicherer veranlasste medizinische Gutachten könne abgestellt werden. Im psychiatrischen Befund hätten sich keine Auffällig
keiten objektivieren lassen, auch lie
ge keine depressive Episode vor
. Anlässlich der rheumatologischen Exploration hätten sich zudem Diskrepanzen zwischen den Schilderungen des Beschwerdeführers und den Beobachtungen des Gut
ach
ters gezeigt. Die dem Beschwerdeführer von seiner behandelnden Ärztin attes
tierte Arbeitsunfähigkeit von 60 % sei überdies mit invaliditätsf
remden Gründen begründet worden
. Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Zweifel an der Be
weiskraft des Gutachtens aufgrund von Strafanzeigen gegen Gutachter der
Y._
seien verfehlt, das Gutachten entspreche den rechtlichen Anforderungen. Schliesslich liege keine Notwendigkeit für berufliche Massnahmen vor, da es dem Beschwerdeführer möglich und zumutbar sei, in einem Vollzeitpensum seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit nachzugehen (Urk. 9).
2.2
Der Beschwerdeführer argumentierte demgegenüber,
an de
n
Beurteilung
en
der
Y._
sowie
des
RAD bestünden zumindest geringe Zweifel.
So
sähen sich
ver
schiedene
Gutachter der
Y._
mit Strafanzeigen konfrontiert, das rheuma
tologische Teilgutachten
sei
nicht durch ei
nen Facharzt für Rheumatologie
er
stattet worden
und
in sich widersprüchlich, auch widerspreche es de
n
Einschät
zung
en
des RAD sowie der behandelnden Ärztin
. Es fehlten wichtige Befunde und der Untersuchung durch den rheumatologischen Gutachter habe es an Ob
jekt
ivität gemangelt
. Eine
Auseinandersetzung mit der
versuchte
n
,
aber ge
scheiterten
Steigerung der Arbeitsfähigkeit
fehle im Gutachten
. Auch die Auf
fassung des
RAD für den Zeitraum nach der Begutachtung widerspreche der
jenigen der be
han
delnden Ärztin, welche von einer Arbeitsunfähigkeit von 40 % ausgehe (Urk. 1).
Auch
aus psychiatrischer Sicht
sei
eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes festzustellen, zumal die Ausführungen des psychiatrischen Gutachters denjenigen des Beschwerdeführers widersprächen und biografische Belastungsfaktoren vor
handen
und
eine psychiatrische Belastung mit Burn
o
ut-Symptomatik aktenkun
dig sei
en
. Es falle hierbei ins Gewicht, dass kein Vertrauensverhältnis habe aufge
baut werden können und die Dauer der Begutachtung bloss 20 Minuten betragen habe, was
völlig unzureichend sei
. Da zudem nach
dem
Begutachtungszeitpunkt eine depressive Verstimmung mit Verdacht auf eine Anpassungsstörung zu der Schmerzsituation geäussert, eine psychiatrische Behandlung begonnen
(
und fort
gesetzt
)
und unterlassen worden sei, entsprechende Berichte einzuholen, basiere die Beurteilung aus psychiatrischer Sicht auf einem unzutreffenden, unge
nügend abgeklärten Sachverhalt
(Urk. 1).
3.
3.1
3.1.1
Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen auf
das vom Krankentaggeldversicherer veranlasste
bi
disziplinäre
Gutachten der
Y._
vom 9. Dezember 2019 (Urk. 10/22 S. 29-69).
Dr. med. A._
,
Facharzt
für
Physikalische Medizin und Re
habilitation, und Dr. med. B._
,
Facharzt
für
Psychiatrie und Psychotherapie, stellten darin keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 29).
3.1.2
Dr.
B._
führte aus, der Beschwerdeführer fühle sich vorrangig belastet durch zum Teil stark belastungsabhängige Schmerzen in der Nacken- und Lumbalre
gion. Er fühle sich
deswegen
zeitweise erschöpft und gereizt und habe Durch
schlafstörungen, depressive Kardinalsymptome (vitale Traurigkeit, Antriebs-, Freud- und Inte
ressenverlust)
würden nicht angegeben. Im AMDP-konform erho
benen psychia
trischen Befund liessen sich keine
namhaften
Auffälligkeiten ob
jek
tivieren, insbesondere lägen die ICD-10-konformen Achsenkriterien einer depres
siven Episode nicht vor. Auch sprächen die strukturierte Alltagsgestaltung,
die Verhaltensbeobachtung, die Selbsteinschätzung sowie die fehlende Inan
spruc
h
nahme psychiatrisch-psy
chotherapeutischer Behandlungsmassnahmen gegen ein
e namhafte psychia
trische und insbesondere gegen eine depressive Störung
, auch wenn
im Bericht der
Klinik C._
vom 10. September 2019
ein Burnout atte
stiert und eine psychotherapeutische Begleitung empfohlen worden sei
. Die zeit
weise
angegebenen Erschöpfungsgefühle und vermehrte Reizbarkeit seien am ehesten einer normalen psychologischen Reaktion auf chronische Schmerzen zu
zuordnen.
Die beschriebenen Wirbelsäulenbeschwerden seien keiner anhaltenden somatoformen Schmerzstörung zuzuordnen, da sich im klinischen Eindruck kein andauernder, schwerer und quälender Schmerz
finde und
sich auch kein unge
löster seelischer Konflikt oder eine schwerwiegende soziale Belastungssituation
erkennen lasse; die ICD-10-konfor
men Achsenkriterien
einer somatoformen Schmer
z
störung
seien folglich nicht er
füllt. Schliesslich seien keine psychischen Faktoren zu erkennen, welche eine wichtige Rolle für den Schweregrad, die Exa
zerbation und die Aufrechterhaltung der Schmerzen spielen könnten
, weshalb auch keine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakto
ren angenommen werden könne (S. 41 f.).
Dr.
A._
hielt fest, der Beschwerdeführer beklage Beschwerden, welche sich seit Ende April 2019 aufgrund höherer Anforderungen am Arbeitsplatz entwickelt hätten und zunächst viel schlimmer gewesen seien, sodass er sich zwei Monate lang nicht habe bewegen können.
Seit eineinhalb Monaten würden Symptomaus
wei
tungen der initial primär am linken Arm erlebten Beschwerden angegeben, wobei die Schmerzskalenwerte überwiegend im mittleren bis oberen Bereich an
gesiedelt seien. Eine Schmerzbeeinflussung erfahre er durch passive physiothera
peutische Massnahmen respektive durch Hinlegen und Schonung, durch die Schmerzmedikation erfahre er nur eine geringe Linderung.
Im Rahmen der rheu
matologischen Untersuchung lasse sich kein behinderungsrelevanter Befund objektivieren, die Schmerzangaben seien durchgehend nicht konsistent (bei Ab
len
kung nicht auslösbar). Eine namhafte Schmerzbeeinträchtigung sei in der Beob
achtung nicht zu erkennen. Hinzuweisen bleibe auf die deutliche Diskrepanz zwi
schen reklamierter aktueller Schmerzintensität und präsentierter Bewegungs
limi
tation bei weitgehend unbeeinträchtigt klinischem Eindruck sowie freier sponta
ner Motilität des Beschwerdeführers in der Beobachtung. Fünf von fünf
Waddell
-Zeichen seien positiv gewesen, weshalb von einer überwiegend demon
stra
tiven Beschwerdepräsentation auszugehen sei. Eine rheumatologische Erkran
kung im Sinne einer autoimmun-vermittelten Pathologie oder eine andere
ossäre
,
arthro
gene
,
myogene
oder
ligamentäre
Erkrankung sei nicht evident (S. 64 f.).
3.1.3
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, aus psychiatrischer Sicht ergäben sich keine Anhaltspunkte für eine die Arbeitsfähigkeit limitierende psychiatrische Erkrankung, es bestünden keine funktionellen Einschränkungen und keine eingeschränkte Leistungsfähigkeit (S. 43 f.).
Aus rheumatologischer Sicht sei die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sowie jedwede vergleichbare Arbeitstätig
keit für den Beschwerdeführer zu 100 % leistbar, per sofort geltend
; unter Berück
sichtigung des MRI-Befundes mit beginnenden degenerativen Veränderungen bei möglicher zwischenzeitlicher
foraminaler
Irritation der Wurzel C7 links seien Tätigkeiten mit überwiegender Überkopftätigkeit medizinisch-theoretisch eher zu vermeiden
(S. 65
f.
).
3.2
3.2.1
Neben dem Gutachten der
Y._
lagen im Verfügungszeitpunkt
insbesondere
folgende weiteren medizinischen
Einschätzungen
bei den Akten:
Dr. med. univ. D._
, Oberärztin
Klinik C._
, Wirbelsäulen
chi
rurgie, Orthopädie und Neurochirurgie, führte im Be
richt vom 18. März 2020 (Urk. 10/25) folgende Diagnosen auf:
-
Status nach Facettengelenksinfiltration C5/6 und
C
6/7 beidseits am 20. Januar 2020
-
Status nach
foraminaler
periradikulärer
Infiltration C5/6 und
C
6/7 rechts unter BV am 3. Februar 2020
-
Foraminale
Diskushernie C5/6 rechts und C6/7 links mit leichtem senso
motorischem Ausfallsyndrom C7 links, Erstmanifestation im Mai 2019 mit langsamer Verbesserung unter konservativer schmerztherapeutischer Be
handlung
-
Aktuell leichte Besserung der Beschwerden mit weiterhin Beeinträchti
gung der Lebensqualität
Dr.
D._
hielt fest,
die erste Infiltration im Januar 2020 habe zu keiner Be
schwerdeverbesserung geführt, die zweite Infiltration habe auf der rechten Seite zu einer deutlichen Verbesserung geführt, auf der linken Seite seien die Schmer
zen aber weiterhin persistierend. Die ausstrahlenden Schmerzen auf der linken Seite entsprächen einem C6- und C7-Dermatom und seien weiterhin intermittie
rend im Alltag vorhanden, die Nackenschmerzen wiesen mittlerweile einen
chro
nifizierten
Charakter auf. Lange stehende oder sitzende Tätigkeiten seien nicht
möglich
. Insgesamt berichte der Beschwerdeführer von einer Verbesserung der Beschwerden, so dass aus seiner Sicht ein Reintegrationsversuch in den Arbeits
alltag durchgeführt werden könne. Eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % sei
attestiert
worden
(vgl. Urk. 10/27)
, der Beschwerdeführer befi
nde sich aktuell in einer schwierigen
ökonomischen
Situation bezüglich seines Arbeitspensums sowie des
Reintegrationsversuches. Aus wirbelsäulenchirurgischer Sicht bestehe aktuell kein
Bedarf nach weiteren Konsultationen.
Im Arztzeugnis vom 20. Mai 2020 (Urk. 10/35) attestierte Dr.
D._
dem Be
schwerdeführer eine 40%ige Arb
eitsunfähigkeit für die Zeit vom
1. Mai 2020 bis 30. Juni 2020.
3.2.2
RAD-Arzt Dr. med. E._
, Facharzt
für
Chirurgie
sowie für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, nannte in seiner Stellungnahme vom 18. Juni 2020 (Urk. 10/38 S. 2-4) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom, sensomotorische C7-Radikulopathie C7 links,
Diskusprotrusion
mit
Foramenstenose
C6
/7
und C5/6 sowie Schmerzaus
weitung. Er führte aus, ab Mai 2019 habe ein
zervi
k
obrachiales
Schmerzsyndrom links bestanden, welches plausibel dargestellt und begründet werde. Unter der konservativen Behandlung habe sich die Symptomatik bis Herbst 2019 zurück
gebildet, weshalb auf die geplante Operation verzichtet worden sei. Im weiteren Verlauf werde eine Symptomausweitung beschrieben, welche durch die objek
tiven Befunde nicht erklärbar
sei
und im
Y._
-
G
utachten nachvoll
ziehbar be
gründet als nicht authentisch beschrieben werde. Im letzten Bericht von D
r.
D._
(vgl. vorstehend E. 3.2.1)
werde eine Besserung der Sympto
matik mit bloss noch intermittierenden Schmerzen beschrieben. Der nur spora
dische Schmerz
mit
tel
bedarf sowie die Angabe, eine weitere
w
irbelsäulenchirurgische
Behand
lung sei nicht erforderlich, bestätige den geringen Ausprägungsgrad der Be
schwerden. Die An
gabe zur Arbeitsfähigkeit werde durch einen Hinweis auf die schwierige öko
nomische Situation ergänzt. Folglich könne eine vorübergehende Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit durch das
zervikoradikulär
e
Schmerzsyndrom ange
nommen wer
den, eine relevante psychiatrische Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
liege nicht vor. Spätestens seit Abschluss der wirbelsäulen
chirurgischen Behandlung im Februar 2020 liege kei
ne relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten und jeder angepassten, rückenergo
no
mischen Tätigkeit mehr vor. Unter Anerkennung einer stufenweisen Wieder
ein
gliederung könne spätestens ab Juni 2020 die Wieder
herstellung der voll
stän
digen Arbeitsfähigkeit angenommen werden.
3.3
3.3.1
Im
Beschwerde
verfahren
reichte der Beschwerdeführer
insbesondere
die
fol
gende
n
medizinische
n
Berichte zu den Akten.
Dr. med. F._
, Fachärztin
für
Psychiatrie und Psychotherapie, führte im Bericht vom 1. März 2020
(Urk. 3/3)
aus, der Beschwerdeführer befinde sich seit Anfang Dezember in psychiatrischer Behandlung.
Anlässlich des Gutachtens sei ihm im Rahmen des – nach Angaben des Beschwerdeführers – 20minütigen Ge
spräch
e
s eine vollständige psychische Gesundheit attestiert worden. Sofern das Gespräch
tatsächlich bloss 20 Minuten gedauert habe, sei dies möglicherweise der Grund, weshalb der Psychiater
zum Schluss gekommen sei, der Beschwerdeführer habe keinerlei psychische Traumatisierungen erlitten, zumal offensichtlich keine Nachfragen erfolgt seien und der Beschwerdeführer auch ihr gegenüber die Trau
matisierungen nicht spontan geäussert habe.
In der Regel stellten Patienten mit chronischen Schmerzen jedoch keinen Zusammenhang mit dem Erlebten her, weshalb Nachfragen hätten gestellt werd
en müssen
.
Auch wenn beim Beschwer
deführer keine PTBS vorliege, leide er an einem Trauma, da bislang 52 Familien
mitglieder
in seinem Heimatland
getötet worden seien
;
die Rücke
n
schmerzen korrelierten mit de
r
psychischen Belastungssituation. Aus psychiatrischer Sicht bestehe folglich eine anhaltend
e
somatoforme Schmerzstörung infolge trau
ma
tischer Erlebnisse, die Achsenkriterien seien erfüllt.
3.3.
2
Dr.
D._
führte im Bericht vom 6. Juli 2020 (Urk. 3/5) als Hauptdiagnose eine unklare reduzierte Schwäche im rechten Arm mit Zittern und Tremor, seit drei Wochen mit Exazerbation der punktuellen Schmerzen in Unter
- und Oberarmbe
reich nicht
derm
atombezogen
auf.
Ebenso führte sie die chronischen
zerviko
spon
dylogenen
Schmerzen, aktuell
regredient
, auf
und hielt fest, der Beschwerde
führer
berichte
über eine unregelmässige
Dafalgan
- und
Novalgin
-Therapie im Alltag sowie über deutlich gebesserte Schmerzen im Nackenbereich. Die Ein
schränkungen im Alltag seien gemäss
seinen
Angabe
n
weiterhin sehr hoch, Spazier
gänge kaum möglich, auch
seien
langes Sitzen sowie Stehen einge
schränkt, die Konzentrationsfähigkeit sei vermindert, die Schlafqualität jedoch regelrecht. Es fehlten die klaren Beweise für eine C6-Radikulopathie auf der rechten Seite, die Beschwerden blieben weiterhin diffus,
der
Tremor auf der rech
ten Hand sowie die peripheren Schmerzen in der Muskulatur des Ober- und Unter
armes unspezifisch, in der MRI-Bildgebung
vom 27. Juni 2020 (vgl. Urk. 3/4)
zeige sich keine deutliche Progredienz der Befunde.
Die psychologische Betreu
ung werde seit Monaten nicht regelrecht durchgeführt. Eine
erneute Kontrolle in der Sprech
stunde sei nicht mehr vorge
sehen.
Dr.
D._
attestierte dem Be
schwerdeführer eine 40%ige Arbeits
unfähigkeit für den Zeitraum von 1. Juli 2020 bis 31. August 2020 (Urk. 3/6).
3.3.3
Dr.
D._
führte in
ihrer Stellungnahme
vom 11. September 2020 (Urk. 8)
hinsichtlich des Gutachtens der
Y._
aus, die radio
logische
n Untersuchun
ge
n
so
wie die konservativen Massnahmen
würden
nicht berücksich
tigt,
auch
erschein
e Dr.
A._
sehr fokussiert auf die Diskrepanz zwischen der angegebenen aktiven Einschränkung
in der Bewegungsdurchführung
und den passiv vollumfänglich möglichen Bewegungen bei kli
nischen Aufgaben.
Sie habe nie festgestellt, dass
alle fünf
Waddell
-Zeichen positiv ge
wesen sei
en
. Der Beschwerdeführer berichte,
dass der Gutachter ihn
von
Beginn weg als Simulanten eingeschätzt habe, sodass eine richtige Kommunikation und eine sachorientierte und neutrale Beurteilung kaum möglich gewesen seien. Es stün
den zusätzlich psychosoziale Aspekte im Vordergrund, welche im Gesamtkontext mit den
spondylogenen
Zerviko
brachial
gien
die Lebensqualität deutlich ein
schränkten. Seit der Begutachtung sei der Ge
sundheitszustand
unverändert
; auch wenn die ausstrahlenden Schmerzen
im C6- und C7-Dermatom
deutlich gebessert seien, seien die
myofas
zialen
Schmerzen, teilweise auch die lumbale Region betreffend, sehr limitierend im Alltag. Der Beschwerdeführer sei zu 60 % arbeitsfähig in einem leichten Beruf, eine Arbeits
fähigkeit von 70-80 %
beziehungsweise 80 %
sei anzustreben, wichtig sei, dass die psycho
sozialen Komponenten berücksichtigt würden. Zudem sei auf einen regelmässigen Körperpositionswechsel zu achten, die Konzentrationsfähigkeit sei aufgrund der Gesamtsituation aktuell eingeschränkt,
auch im Rahmen des Kon
fliktes mit dem Gutachter;
der Beschwerdeführer könne bloss leichte intellektuelle sowie lei
chte körperliche Tätigkeiten er
ledigen.
4.
4.1
D
as
von
Dres
.
B._
und
A._
zuhanden der Krankentaggeldversicherung erstattete
Y._
-
Gutachten vom 9. Dezember 2019 (
vgl. E. 3.1
)
ist auch für die
vorlie
gend streitigen Belange umfassend, beruht auf
den erforderlichen
allseiti
gen
Untersuchungen, be
rücksichtigt die geklagten Beschwerden, wurde in Kennt
nis der
Vorakten
abge
geben,
legt die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dar, beantwortet die gestellten Fragen und begründet die Schluss
folgerungen so, dass sie nachvollzogen werden können. Folglich erfüllt
das Gut
achten
die Anforde
rungen an eine beweiskräftige medizinische
Expertise (vgl. E. 1.
3
), weshalb
darauf
abgestellt werden kann
.
4.2
Hinsichtlich des Einwandes des Beschwerdeführers, wonach sich verschiedene Gutachter der
Y._
mit diversen Strafanzeigen konfrontiert sähen (vgl. E. 2.2), gilt Folgendes:
Abgesehen davon, dass der blosse Umstand, dass gegen
Y._
-Ärzte
Strafanzeige
erstattet wurde, gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung für die Beweiskraft des konkret zu beurteilenden Gutachtens unerheblich ist und eine grundsätzliche Befangenheit der
Gutachter
der
Y._
bundesgerichtlich nicht bestätigt wurde (Urteile des Bundesgerichts 9C_255/2020 vom 13.
August 2020 E.
3.2
;
8C_335/2020 vom 15.
Juli 2020 E.
4.2), verfügt das
Y._
weiter
hin über einen Vertrag mit dem BSV nach Artikel 72
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
;
vgl.
hierzu
https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/
home
/sozialversicherungen/iv/grundlagen-gesetze/
organisation-iv/medizinische-gut
achten-iv.html, abgerufen am
1
.
Juli
2021), weshalb d
as
diesbezügliche Vorbrin
gen des Beschwerd
eführers ins Leere
läuft
.
4.3
Soweit der Beschwerdeführer
weiter
vorbringt, das rheumatologische Teilgutach
ten sei nicht durch einen Facharzt für Rheumatologie erstattet worden, ist festzu
halten, dass Dr.
A._
über einen Facharzttitel in Physikalischer Medizin und Rehabilitation verfügt
,
welche Fachdisziplin
sich mit
muskuloskelettalen
und neurologischen Fun
ktionsstörungen, Amputationen, Funktionsstörungen der Becken
organe, internis
tischen, kardiovaskulären und pulmonalen Funktions
stö
rungen
sowie
mit Behin
derungen infolge akuter oder chronischer Schmerzen, Unfällen oder Krebserkran
kungen befasst (vgl. hierzu
das zum Erwerb des Facharzttitels zu absolvierende
Weiter
bildungsprogramm
,
https://www.siwf.ch/
files
/
pdf16/physikalische_medi
zin_
version_internet_d.pd
f, abgerufen am 1. Juli 2021).
Angesichts dessen ist
vorliegend nicht ersichtlich, inwiefern es Dr.
A._
an der für die
Beurteilung der somatischen Beschwerden
erforderlichen
Fach
kom
petenz mangeln sollte. Ent
sprechend
ist
auch dieses
Vorbringen des Beschwerde
führers
unbehelflich
.
4.4
Ebenso wenig ist ersichtlich, inwiefern wichtige Befunde unberücksichtigt ge
blieben sein sollten
(vgl. E. 2.2)
, hielten
Dres
.
A._
und
B._
doch explizit fest, dass die vollständigen Akten berücksichtigt wurden, auch wenn nur die zur Beantwortung der gestellten Fragen relevanten Akten kurz zitiert worden seien (vgl. Urk. 10/22 S. 35 und S. 50)
, was insbesondere daraus ersichtlich ist, dass Dr.
A._
bei der Beantwortung der gestellten Fragen
ausdrücklich
auf die MRI-Befunde Bezug nahm (Urk. 10/22 S. 66 und S. 68). Anzeichen für eine mangelnde Objektivität (vgl. E. 2.2) sind dem Gutachten sodann
keine
zu entnehmen; der blosse Umstand jedenfalls, dass Dr.
A._
die im Rahmen der Befundaufnahme beobachteten Inkonsistenzen ausführlich wiedergab, vermag – entgegen der Auf
fassung des Beschwerdeführers – keine fehlende Objektivität zu begründen, ist es doch gerade Aufgabe des Gutachters,
allfällige Diskrepanzen aufzuzeigen und zu würdigen (vgl. Urteile des Bundesgerichts I 754/
0
4 vom 19.
April 2005 E.
2 und 8C_282/2012 vom 11.
Mai 2012 E.
5
)
.
4.5
Schliesslich legte Dr.
A._
schlüssig und widerspruchsfrei dar, weshalb
er
beim Beschwerdeführer keine rheumatische Er
krankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
diagnostizierte
, zumal
sich die erhobenen Befunde nicht objekti
vieren liessen und die Schmerzangaben durch
gehend inkonsistent gewesen seien. Entsprechend attestierte er ihm eine vollstän
dige Arbeitsfähigkeit in ange
stam
mter wie auch in einer mit dieser vergleichbaren angepassten Tätigkeit und hielt
fest, unter Berücksichtigung des MRI-Befundes seien Tätigkeiten mit überwie
gender Überkopfarbeit eher zu vermeiden (vgl. E. 3.1.2 f.).
Diese gutachterliche Arbeitsfähigkeitseinschätzung ist – entgegen dem Standpunkt des Beschwer
de
führers (vgl. E. 2.2) – nicht mit einem inneren Widerspruch behaftet in Anbetracht dessen, dass die zuletzt ausgeübten Tätigkeiten als Mitarbeiter Administration respektive als Dolmetscher (Urk. 10/2 S. 1; ferner Urk. 10/22 S. 49) höchstens in
vernachlässigbarem Ausmass Überkopfarbeiten umfassen.
Übereinstimmend
führte
auch RAD-Arzt Dr.
E._
aus, das
zerviko
brachiale
Schmerzsyndrom habe sich unter der konservativen Behandlung bis Herbst 2019 zurückgebildet, der geringe Ausprägungsgrad der Beschwerden wer
de durch den sporadischen Schmerz
mittel
bedarf bestätigt, weshalb von einer
bloss
vorübergehenden Einschränkung auszugehen sei. Entsprechend attestierte auch RAD-Arzt Dr.
E._
eine voll
stän
dige Arbeitsfähigkeit ab spätestens
Februar 2020 beziehungsweise
Juni 2020 unter Anerkennung einer stufenweisen Wiedereingliederung (vgl. E. 3.2.2)
.
Dr.
D._
, welche entgegen der Angabe in der Beschwerde (Urk. 1 S. 5 Ziff. 11) nicht Rheumatologin ist, sondern über einen Facharzttitel in Neurochirurgie verfügt (vgl. www.medregom.admin.ch),
hielt im März 2020
(vgl. E. 3.2.1)
eben
falls
fest, der Beschwerde
führer berichte von einer Verbesserung der Beschwer
den
, und attestierte ihm eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit. V
or dem Hint
ergrund
, dass sie keine weiteren Konsultationen als notwendig erachtete, auf die schwie
rige ökonomische Situa
tion verwies und
in den r
adiologischen
Bericht
en
vom
5.
März 2020
(
Urk. 10/26) und
vom
27.
Juni 2020 (
Urk. 3/4
)
auf ein ähnliches Ausmass der degenerativen Veränderungen wie noch
im Juli 2019
ge
schloss
en
wurde
, ist die von Dr.
D._
attestierte 60%ige Arbeitsunfähigkeit
jedoch
nicht nachvollziehbar.
Auch aus dem
Physiotherapie-Bericht vom
4.
Dezember 2019 (
Urk. 3/9) vermag der Beschwerdeführer
nichts
zu
seinen Gunsten abzuleiten
, zumal dieser keine
fachärztlich gestellten
Diagnosen enthält und von subjektiv als stark be
zeichneten Schmerzen berichtet, obwohl
der Beschwerdeführer gegen
über Dr.
D._
selber
von einer Verbesserung berichtete.
Überdies hielt Dr.
D._
im Bericht vom Juli 2020 (vgl. E. 3.3.
2
)
ihrerseits
fest, die Schmerzen im Nacken hätten sich deutlich gebessert,
obwohl sie noch im März 2020 von einem diesbe
züglich
chronifizierten
Charakter
gespro
ch
en hatte
(vgl. E. 3.
2.1
),
und
bezeichnete die vom Beschwerdeführer angegebenen Beschwerden (Tremor, periphere Schmerzen in der Muskulatur des Ober- und Unterarmes) als diffus und unspezifisch, zumal sich in der MRI-Bildgebung keine deutliche Progredienz der Befunde gezeigt habe
und klare Beweise für eine C6-Radikulopathie fehlten
.
Vor diesem Hintergrund und angesichts des Umstandes, dass
einerseits eine
Exazer
bation der punktuellen Schmerzen und
anamnestisch weiterhin sehr hohe
Ein
schränkungen im Alltag
festgehalten wurden
, der Beschwerdeführer
andererseits jedoch
von einer un
regelmässigen
Dafalgan
- und
Novalgin
-Therapie berichtete,
welcher Umstand auf einen geringen
L
eidensdruck schliessen lässt,
vermag
auch die von Dr.
D._
attestierte 40%ige Arbeitsunfähigkeit nicht zu überzeugen.
Soweit der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang vorbringt, das Gutachten widerspreche den Berichten der behandelnden Ärzt
in
, ist zudem auf die Erfah
rungstatsache hinzuweisen,
dass
diese mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patien
tinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5
;
125 V 351 E.
3b/cc).
Sodann
k
ann
w
ohl
die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Be
gutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgut
achten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen
beziehungsweise
Therapiekräfte zu anders
lautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab
weichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzun
gen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte be
nennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2 mit Hin
weisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr.
15 S.
43 E.
2.2.1 [I 514/06]).
Entgegen dem Dafürhalten des Beschwerdeführers (vgl. E. 2.2) fehlt es vorliegend an solch unberücksichtigt gebliebenen Aspekten, welche zu weiteren Abklärun
gen Anlass gäben
, weshalb
–
wie ausgeführt
–
die Berichte von Dr.
D._
die
Einschätzung Dr.
A._
s
nicht in Zweifel zu ziehen vermögen
und
auf letztere
abzustellen ist
.
4.6
Was die Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes des Beschwerdefüh
rers angeht,
ist zunächst festzuhalten, dass anhand der Akten nicht zu eruieren ist, wie lange die psychiatrische Begutachtung dauerte, mithin die Angabe des Beschwerdeführers, die Begutachtung habe bloss 20 Minuten betragen, weshalb kein Vertrauensverhältnis habe aufgebaut werden können (vgl. E. 2.2),
als
rein subjektive
Auffassung
einzustufen ist
. Auch sind dem Gutachten keine Hinweise auf ein mangelndes Vertrauensverhältnis zu entnehmen, hielt Dr.
B._
doch explizit fest, der Beschwerdeführer habe sich während der Untersuchung freund
lich, zugewandt und stets kooperativ verhalten und im Verlauf des Gespräch
e
s mehrfach ein Lächeln erwidert (vgl. Urk. 10/22 S. 39)
.
Sodann kommt es f
ür den
Aussagegehalt eines medizinischen Berichts
praxisgemäss n
icht in erster Linie auf die Dauer der Untersuchung an. Massgeblich ist vielmehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist. Der für eine psychiatrische Untersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand hängt stets von der Fragestellung und der zu be
urteilenden Psychopathologie ab, wobei wichtigste
Grundlage gutachterlicher Schlussfolgerungen
–
gegebenenfall
s neben standardisierten Tests –
die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung bildet
(Urteil des Bundesgerichts
9C_190/2019
vom 14. Mai 2019 E. 3.1).
Anhaltspunkte dafür, dass
der psychiatrische Sachverstän
dige
die entsprechenden Vorgaben nicht
beziehungsweise
nur ungenügend
be
achtete, sind nicht erkennbar und wurden vom Beschwerdeführer auch nicht substantiiert vorgetragen.
Im Gegensatz zu Dr.
F._
(vgl. E. 3.3.
1
) begründete Dr.
B._
zudem
nach
vollziehbar, aus welchen Gründen er die Diagnose einer anhaltenden somato
formen Schmerzstörung ausschloss, indem er festhielt, im klinischen Eindruck und nach Angaben zur Alltagsaktivität fände sich kein andauernder, schwerer und quälender Schmerz, insbesondere lasse sich kein ungelöster seelischer Kon
flikt oder eine schwerwiegende soziale Belastungssituation erkennen (vgl. E. 3.1.2)
.
Er
führte aus,
der Beschwerdeführer
berichte
nicht von psychischen Traumatisierungen, auch wenn er einige belastende Situationen im Leben – wie den Krebstod des Vaters im Jahr 2017 – erwähne,
er
berichte
von liebevollen und fürsorglichen Eltern sowie einer Kindheit und Jugend ohne Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung
sowie darüber, dass er nach Kriegsausbruch in seinem Heimatland im Jahr 2015 grosse Anstrengungen unternommen habe, um seine Familie in die Schweiz zu holen
(vgl. Urk. 10/22 S. 32-34).
Auch fänden sich, mit Ausnahme eines einmaligen Aufstehens zur Entlas
t
ung und eines Griffes an den Nacken
,
im Verlaufe des Gespräches keine Hinweise auf eine Schmerzbeeinträch
tigung (keine mimischen oder vegetativen Reaktionen, kein Schongang, keine Schonhaltung, vgl. Urk. 10/22 S. 39).
Schliesslich verneinte Dr.
B._
, in Kenntnis
des in den
Vorakten
erwähnten Burnouts, nachvollziehbar das Vorlie
gen einer namhaften psychiatrischen und insbesondere einer depressiven Störung
und hielt fest, die in den Akten angegebene psychische Belastung, die zeitweisen Erschöpfungssymptome sowie die vermehrte Reizbarkeit seien vielmehr einer normalen psychologischen Reaktion auf chronische Schmerzen zuzuordnen (Urk. 10/22 S. 41)
. Entsprechend vermag der Bericht von Dr.
F._
das psychia
trische Teilgutachten nicht in Zweifel zu ziehen, was
auch für den Umstand gilt,
dass sich der Beschwerdeführer mittlerweile in psychiatrischer Behandlung be
findet
, hinsichtlich welcher von Dr.
D._
im Juli 2020 festgehalten wurde, sie werde seit Monaten nicht regelrecht durchgeführt (vgl. E. 3.3.
2
).
4.7
Soweit der Beschwerdeführer schliesslich auf die von ihm nach Beschwerdeer
hebung eingereichten Berichte
n
von Dr.
D._
vom
11.
September
2020
(vgl. E.
3.3.3)
und
d
er Z._
vom
28.
Oktober 2020 (
Urk.
13
) verweist, ist daran zu erinnern, dass das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abstellt, sich die gerichtliche Überprüfungsbefugnis mithin auf diesen Zeitpunkt beschränkt (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2; 129 V 1 E. 1.2).
Ohnehin ist diesen Berichte
n
nichts zu entnehmen,
was Zweifel am Gutachten der
Y._
zu wecken vermöchte
;
vielmehr
hielt
Dr.
D._
fest, dass der Gesund
heitszustand des Beschwerdeführers seit der Begutachtung im Dezember 2019 gleich geblieben
sei
,
wies
abermals auf die im Vordergrund stehenden psycho
sozialen Aspekte hin, welche im
Gesamtkontext
mit den
spondylogenen
Zerviko
brachialgien
, welche sie noch im
Juli 2020
als diffus und unspezifisch bezeichnet hatte
(vgl. E. 3.3.2
)
, die Lebensqualität deutlich
einschränkten,
wenngleich
sich
die ausstrahlenden Schmerzen ge
bessert hätten
. Stark limitierend seien die
myo
faszialen
Schmerzen, welche indes bereits im Zeitpunkt des Gut
achtens bekannt waren und von Dr.
A._
nicht objektiviert werden konnten (vgl. Urk. 10/22 S. 64 f.).
Dasselbe gilt auch für den Schlussbericht «Praxis CHECK»
d
er Z._
vom 28. Oktober 2020
(
Urk.
13
)
, zumal in diesem die Befunde von Dr.
D._
wiederholt
,
auf die schwierige öko
nomische Situation des Beschwer
deführers sowie
auf
seine
Unmöglichkeit, handwerkliche Tätigkeiten auszuüben,
hingewiesen wurde, was indes vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer
zuletzt einer überwiegend sitzenden Tätigkeit als
Mitar
beiter Administration
fü
r die G._
sowie als selb
ständiger Dolmetscher
nachge
gangen war
(vgl.
Urk. 10/
2 S. 1
; ferner
Urk.
10/
22 S. 49
)
,
von bloss geringer Relevanz ist.
Im Übrigen ist
nach der Rechtsprechung die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv fest
stellbaren Gesundheitsschädigung in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjek
tiven Arbeitsleistung zu beantworten
(Urteil des Bundesgerichts 8C_802/2017 vom 21. Februar 2018 E. 5.1.1).
4.8
Zusammenfassend
ist gestützt auf das beweiskräftige Gutachten der
Y._
vom 9.
Dezember 2019 ab dem Begutachtungszeitpunkt
von einer 100%igen Arbeits
fähigkeit
in
angestammt
er
und angepasst
er Tätigkeit
auszu
gehen
, weshalb sich ein Einkommens
vergleich erübrigt
.
Da die vorhandenen medizinischen Akten eine schlüssige Beurteilung der Arbei
ts
fähig
keit
des Beschwerdeführers
erlauben, sind von
medizinischen
Weiterungen
keine
entscheidrelevanten
neuen Aufschlüsse zu erwarten.
Die
vom Beschwerde
führer
eventualiter beantragte
Einholung eines Gerichts- oder Administrativgut
achtens
(Urk. 1 S. 2)
ist
deshalb nicht erforderlich (antizipierte Bewe
iswürdigung, BGE 136 I 229 E.
5.3 mit Hinweisen
).
5.
Nach dem Gesagten hat die IV-Stelle den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente
und auf berufliche Massnahmen
mit der angefochtenen Ver
fügung vom 7. Juli
2020 (Urk. 2) zu Recht verneint, was zur Abweisung der Be
schwerde führt.
6.
Die Verfahrenskosten sind auf Fr.
8
00.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.