Decision ID: f90ef8ec-aab4-4841-a123-d723e8731af5
Year: 2019
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
I. Sachverhalt:
1. A._ wurde 1966 geboren. Sie ist seit 2013 geschieden und hat drei
erwachsene Kinder. Von 1983 bis 1985 absolvierte sie eine Ausbildung als
Charcuterie-Verkäuferin. Bis am 1. Oktober 2008 arbeitete sie als
Kurierfahrerin für B._ in X._. Von August 2010 bis Oktober 2010
besuchte sie einen Kurs zur Pflegehelferin beim V._ in X._. Sie
arbeitete daraufhin vom 1. Oktober 2011 bis 30. April 2015 als
Pflegehelferin im Wohn- und Pflegeheim C._ in Y._ bei einem
Pensum von 70%.
2. Ab Sommer 2009 war A._ bei Dr. med. D._ und später bei Dr.
med. E._, beide Fachärzte für Oto-Rhino-Laryngologie, in Behandlung
wegen Schwerhörigkeit. Sie erhielt erstmals am 3. November 2009 (act.
C.12) und am 11. Dezember 2014 (act. C.23) je eine Kostengutsprache für
Hörgeräte.
3. Gemäss Zeugnis des behandelnden Arztes, Dr. med. F._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 15. Januar 2015 (act. C.25) erlitt
A._ eine depressive Episode, welche gegenwärtig mittelgradig mit
somatischem Syndrom verlief. Im ärztlichen Zeugnis wurde eine
Arbeitsunfähigkeit zu 100% seit dem 11. Dezember 2014 als Folge dieser
Krankheit festgestellt.
4. Am 14. April 2015 meldete sich A._ bei der IV-Stelle des Kantons
Graubünden zum Bezug von IV-Leistungen an (act. C.27), wobei sie auf die
depressive Episode und die diesbezügliche Behandlung seit dem 10.
Dezember 2014 verwies.
5. Die IV-Stelle veranlasste daraufhin die Erstellung eines Arztberichts durch
Dr. med. G._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin. Im Bericht vom
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6. Mai 2015 (act. C.41) diagnostizierte dieser bei A._ (1.)
rezidivierende depressive Episoden, mittelschwer bis schwer, (2.)
Adipositas Gr. III, BMI 42 kg/m2 (bei 160 cm und 100 kg), Status nach
laparoskopisches gastric banding im August 1998, Status nach
Magenbandentfernung im April 2014, (3.) Gonarthrose rechts, (4.)
Coxarthrose rechts, (5.) Status nach Unterschenkelvenenthrombose rechts
im Januar 2008, und (6.) Status nach kraniozervikalem
Beschleunigungstrauma G. II im November 2008, wobei letztere zwei
Punkte ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien. Gemäss Anamnese
zeige sie seit Herbst 2014 zunehmend depressive Symptome, seit Januar
2015 sei sie in psychologischer Behandlung bei Dr. med. F._ und habe
immer wieder belastungsabhängige Hüft- und Kniebeschwerden. Es
bestehe eine medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit im Umfang von
100% seit dem 10. Dezember 2014.
6. Dr. med. F._ erliess am 20. Mai 2015 einen Arztbericht (act. C.44), mit
welchem er ihr einen Rückfall attestierte und ab Juni 2015 eine
Teilarbeitsfähigkeit in Aussicht stellte.
7. Das Wohn- und Pflegeheim C._ reichte am 27. Mai 2015 mit dem
Fragebogen für Arbeitgebende (act. C.45) nebst der Beschreibung der
individuellen Tätigkeit auch die schriftliche Kündigung des
Arbeitsverhältnisses per 30. April 2015 ein, die es am 27. Februar 2015
ausgesprochen hatte.
8. Am 20. August 2015 verfasste Dr. med. F._ einen Verlaufsbericht (act.
C.48), mit welchem er eine Verbesserung des Gesundheitszustandes von
A._ seit zwei bis drei Wochen festhielt.
9. Die I._ holte bei Dr. med. H._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, einen fachärztlich-psychiatrischen Gutachtensbericht ein,
- 4 -
der am 26. Oktober 2015 erging (act. C.55). Darin wurde die
Verschlechterung im März 2015 als Anpassungsstörung angesehen. Der
vorherrschenden Symptomatik könne spätestens ab Ende März kaum mehr
Krankheitswert zukommen und es liege damit keine Arbeitsunfähigkeit
mehr vor, höchstens bezogen auf den angestammten Arbeitsplatz.
10. Am 18. November 2015 teilte die IV-Stelle A._ ihren Vorbescheid mit
(act. C.56). Gemäss Abklärungsergebnis sei sie ab dem 10. Dezember
2014 in ihrer Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen, ihr
Gesundheitszustand habe sich aber so gebessert, dass ihr ab dem 9.
September 2015 wieder eine 100%-prozentige Arbeitsfähigkeit in jeglicher
Tätigkeit zugemutet werden könne. Demnach sei die einjährige Wartefrist
nicht erfüllt und es habe kein Anspruch auf eine Invalidenrente entstehen
können.
11. Am 27. November 2015 stellte die I._ die Taggeld-Leistungen per
30. November 2015 ein (act. C.58).
12. Mit Verfügung vom 11. Januar 2016 (act. C.59) entschied die IV-Stelle, wie
im Vorbescheid dargelegt, dass A._ keinen Anspruch auf eine
Invalidenrente habe.
13. A._ reichte am 7. September 2016 eine neue Anmeldung zum Bezug
von IV-Leistungen ein (act. C.66). Darin machte sie eine Arthrose der
Wirbelsäule, der Hüfte und in beiden Knien geltend bei einer attestierten
Arbeitsfähigkeit von 50%, wobei die Diagnose im Frühling 2015 gestellt
worden sei.
14. Gemäss Arztbericht von Dr. med. K._, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 27. Oktober
2016 (act. C.70) lautete die Diagnose bei A._ Coxarthrose rechts,
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Bursitis trochanterica rechts mit Tendinopathie der Gluteus medius und
minimus Sehne mit Status nach mehreren Infiltrationen sowie
Anterolisthese LWK 4/5 mit rechtsbetonter Spondylarthrose und
Diskopathie und Spondylarthrose LWK 5/SWK 1. A._ wurde in
bisheriger Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit attestiert, in adaptierter Tätigkeit
wurde hingegen eine Arbeitsfähigkeit als orthopädisch vertretbar erachtet.
15. Die IV-Stelle veranlasste daraufhin die Erstellung zweier Arztberichte.
In ihrem Bericht vom 5. Dezember 2016 (act. C.75) diagnostizierte Dr. med.
L._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, bei A._ eine seit
Jahren bestehende Spondylarthrose lumbal, eine depressive Episode seit
mindestens 2007 sowie eine Gonarthrose beidseitig seit einigen Monaten.
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte sie weiter
Adipositas, Status nach Magenbanding 1998 sowie Hypercholesterinämie,
rezidiven Eisenmangel sowie rezidive grippale Infekte. Sie verwies für
Details, insbesondere betreffend Auswirkungen der Einschränkungen auf
die bisherige Tätigkeit, auf Dr. med. M._ [recte: wohl Dr. med.
K._].
In seinem Bericht vom 5. Dezember 2016 (act. C.76) diagnostizierte Dr.
med. N._, Facharzt für Chirurgie sowie für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates, bei A._ eine
Coxarthrose rechts, eine therapieresistente Bursitis trochanterica rechts mit
Tendinopathie der Gluteus medius und Gluteus minimus Sehne, eine
passagere Bursitis trochanterica auch linksseitig, sowie ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit auch eine Anterolisthesis LWK 4/5 mit
rechtsbetonter Spondylarthrose und Diskopathie und Spondylarthrose LWK
5/SWK 1. Auch dieser Arzt kam zum Schluss, es bestehe aus medizinischer
Sicht eine begründete Arbeitsunfähigkeit "sicher über 20%", weshalb die
bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei.
- 6 -
16. Im Anschluss dazu beauftragte die IV-Stelle das Medizinische
Gutachtenzentrum Region St. Gallen (MGSG) mit der Erstellung eines
monodisziplinären medizinischen Gutachtens über A._ (act. C.77-
C.87), Fachdisziplin Orthopädie, inklusive Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (EFL), sowie eines psychiatrischen Gutachtens.
17. Das psychiatrische Teilgutachten von Dr. med. O._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 8. Mai 2017 (act. C.88/1-27) stützte
sich auf die von der IV-Stelle gelieferten Unterlagen sowie auf eine eigene
psychiatrische Exploration mit Anamneseerhebung und klinische
Untersuchung vom 5. Mai 2017 ab. Der Gutachter stellte eine
Verschlechterung des psychischen Zustandsbildes seit Februar 2017 fest,
wobei der Zustand seither unverändert geblieben sei. Er erhob eine
rezidivierende depressive Störung bei einer leichten bis mittelgradigen
Episode. In der zuletzt ausgeübten, angestammten Tätigkeit könne aus rein
psychiatrischer Sicht, ohne Berücksichtigung der körperlich begründbaren
Beschwerden, eine 60-prozentige Arbeitsfähigkeit bei vollem
Stundenpensum seit etwa Februar 2017 angenommen werden. In einer
leidensadaptierten, angepassten Tätigkeit könne aus psychiatrischer Sicht
eine 75-prozentige Arbeitsfähigkeit bei vollem Stundenpensum seit etwa
Februar 2017 angenommen werden. Für den Zeitraum von März 2015 bis
Januar 2017 könne in beiden Tätigkeiten eine 100-prozentige
Arbeitsfähigkeit bei vollem Stundenpensum angenommen werden. Der
Zeitraum davor könne in beiden Tätigkeiten retrospektiv nicht eindeutig
eingeschätzt werden. Es stünden einer sofortigen beruflichen Eingliederung
keine medizinischen Hinderungsgründe entgegen und die Prognose
erscheine aus psychiatrischer Sicht nach dem bisherigen Krankheitsverlauf
eher günstig.
18. Das orthopädisch-psychiatrische Gutachten der Dres. med. O._ und
P._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
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Bewegungsapparates, vom 17. Mai 2017 (act. C.88/28-90) stützte sich
ebenfalls auf die von der IV-Stelle gelieferten Unterlagen sowie auf die
Untersuchungen vom 24. März 2017 und vom 5. Mai 2017 ab. Die darin
anlässlich der Konsensbeurteilung vom 10. Mai 2017 gefassten Diagnosen
lauteten in orthopädischer Hinsicht auf Lumbovertebralsyndrom bei
Osteochondrose und Diskushernie L4/5 sowie Spondylarthrose L4 bis S1
ohne neurale Kompression, Verdickung der ventralen Dura L4 bis S3
unklarer Genese und Spondylosisthesis Grad I nach Meyerding L5/S1,
zudem mässige Coxarthrose mit anterosuperiorer Labrumläsion rechts
sowie trikompartimentale Varusgonarthrose mit medialer Meniskusläsion
rechts und Adipositas. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit kämen
Senk-/Spreizfüsse hinzu. In psychiatrischer Hinsicht lauteten die Diagnosen
auf eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis
mittelgradige Episode, ICD-10 F33.0, F33.1. Dem Gutachtensabschnitt
über den polydisziplinären Konsens ist weiter zu entnehmen, dass die
derzeitige Physiotherapie wirkungslos sei, die Spritzenbehandlung die
Schmerzen nur temporär gelindert hätte, knien nicht möglich sei und sich
über Jahre keine psychischen Störungen mit Krankheitswert erheben
liessen. Die Untersuchte habe im Februar 2007 einen Suizidversuch mit
Tabletteneinnahme durchgeführt, sie sei seit etwa einem Jahr nicht mehr in
psychiatrischer oder psychotherapeutischer Behandlung, nehme jedoch
weiterhin die antidepressive Medikation ein. Zu empfehlen sei eine
regelmässige psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung,
kombiniert mit intensivierbarer, schlafverbessernder antidepressiver
Medikation. Die therapeutischen Optionen seien bisher nicht ausgenützt
und aus psychiatrischer Sicht könne trotz der rezidivierenden depressiven
Störung eine zumutbare Willensanstrengung zur Wiederaufnahme einer
beruflichen Tätigkeit mit Verwertung der Arbeitsfähigkeit angenommen
werden.
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Zur Arbeitsfähigkeit im Besonderen kamen die Gutachter in der
Konsensbeurteilung in Beantwortung der Fragen der IV-Stelle zum Schluss,
dass in bisheriger Tätigkeit seit Februar 2017 wegen der psychischen
Störung und orthopädischen Beschwerden eine Arbeitsfähigkeit im Umfang
von 60% bei voller Stundenpräsenz gegeben sei, für den Zeitraum von März
2015 bis Januar 2017 hingegen eine solche von 100% bei voller
Stundenpräsenz. Aus orthopädischer Sicht könne der Zeitraum vor der
Begutachtung retrospektiv nicht beurteilt werden, da nicht klar sei, seit wann
die nunmehr festgestellten degenerativen Veränderungen des
Bewegungsapparates in diesem Ausmass effektiv bestehen würden.
Betreffend leidensadaptierte Tätigkeit kamen die Gutachter gemäss ihrer
Konsensbeurteilung zum Schluss, dass körperlich leichte Tätigkeiten in
temperierten Räumen, abwechslungsweise sitzend und stehend, ohne
häufiges Laufen, insbesondere auf Treppen und Leitern, ohne häufige
inklinierte, reklinierte und rotierte Körperhaltungen, ohne Positionen in der
Hocke oder kniende Positionen sowie Arbeiten ohne erhöhte emotionale
Belastung, ohne Stressbelastung, ohne erforderliche geistige Flexibilität,
ohne vermehrte Kundenkontakte und ohne überdurchschnittliche
Dauerbelastung seit Februar 2017 gesamthaft zu 75% zugemutet werden
könnten, mithin eine Arbeitsfähigkeit in diesem Umfang gegeben sei. Es
bestehe kein Überwiegen von psychosozialer Faktoren wie Arbeitslosigkeit
mit Abhängigkeit vom Arbeitslosengeld sowie zurückliegende Probleme am
Arbeitsplatz. Einer sofortigen beruflichen Eingliederung stünden keine
medizinischen Hinderungsgründe entgegen. Gemäss Prognose solle
vorerst die im MRI sichtbare, unklare Verdickung der ventralen Dura L4 bis
S3 weiter abgeklärt werden (was in der Folge geschah und ohne Befund
blieb, vgl. 24 unten und act. C.102). Zudem sollten die degenerativen
Veränderungen der Lendenwirbelsäule primär mittels einer massiven
Gewichtsabnahme, eines nicht-steroidalen Antirheumatikums und
Physiotherapie behandelt und die Hüft und Kniebeschwerden könnten mit
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Hüfttotalprothese und Knietotalprothese therapiert werden. Generell sei
eine massive Gewichtsreduktion notwendig, wobei die Prognose bei der
Schwierigkeit, die erforderliche Gewichtsreduktion zu erreichen, und den
diversen fortgeschrittenen degenerativen Veränderungen des
Bewegungsapparates ungünstig sei. Aus psychiatrischer Sicht erscheine
die Prognose nach bisherigem Krankheitsverlauf hingegen eher günstig.
Die Explorandin bedürfe einer regelmässigen psychiatrischen und
psychotherapeutischen Behandlung, kombiniert mit einer ausreichend
dosierten antidepressiven Medikation. Unter diesen therapeutischen
Massnahmen sei allerdings durchaus eine Besserung der depressiven
Störung innerhalb eines Jahres mit Leistungssteigerung und gesamthaft bei
voller Stundenpräsenz 100-prozentiger Arbeitsfähigkeit in angepasster
Tätigkeit zu erwarten.
19. Die Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) vom 30. März
2017 (act. C.89) stützte sich auf eine Untersuchung vom 28. und 29. März
2017. Die zusammenfassende Bewertung der Bereiche 'Beschreibung von
Schmerz und Einschränkungen', 'Schmerzverhalten', 'Leistungsverhalten'
und 'Konsistenz' lautet auf eine mässige Symptomausweitung. Es sei davon
auszugehen, dass bei gutem Effort eine bessere Leistung erbracht werden
könne, als bei den Leistungstests gezeigt worden sei. Das Ausmass der
demonstrierten physischen Einschränkungen lasse sich mit den
objektivierbaren pathologischen Befunden nur zum Teil erklären. Die
Tätigkeit als Pflegehelferin sei nicht vollumfänglich zumutbar. Für andere
berufliche Tätigkeiten sei mindestens leichte Arbeit bei wechselbelastender
Tätigkeit ganztags zumutbar, wobei zusätzliche Pausen bei längerem
Sitzen, Stehen und Gehen zu empfehlen seien. Es bestünden
Einschränkungen beim Heben von Gewichten sowie weitere spezielle
Einschränkungen. So seien häufiges Bücken, wiederholtes Kniebeugen,
schwer Stossen oder Ziehen, vorgeneigte Haltungen nur manchmal
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zumutbar, langdauernde monotone Haltungen, tiefe Kniebeugungen und
Hockestellungen seien nicht zumutbar und Treppen und Leitern steigen sei
selten zumutbar.
20. Am 10. August 2017 nahm die IV-Stelle eine Berechnung des
Invaliditätsgrades vor (act. C.91) und kam darin zu einem Minderverdienst
von rund 10%.
21. Die Q._ erstattete dem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
am 28. April 2017 einen Schlussbericht zum von A._ in der Zeit vom
4. August 2016 bis 28. April 2017 durchgeführten Einsatzprogramm (act.
C.94).
22. Am 8. September 2017 fand eine Besprechung zwischen A._, der
Ärztin des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) Dr. med. R._,
Fachärztin für Neurologie, der Eingliederungsberaterin S._ und der
Koordinatorin Eingliederung/Rente T._ statt (act. C.95). Nachdem ihr
die Ärztin des RAD das Ergebnis des Gutachtens erläuterte, gab A._
bekannt, ihr habe das Arbeitstraining bei der Q._ sehr gut gefallen. Sie
habe jeweils um 09:30 Uhr begonnen, weil sie Mühe habe, morgens aus
dem Bett zu kommen. Sie habe im 50%-Pensum gearbeitet, weil ihr Arzt ihr
das so empfohlen habe. Das sei gut gegangen, sie sei jedoch froh gewesen,
nach einem halben Tag wieder nach Hause gehen zu können.
23. Im Verlaufsprotokoll Eingliederung vom 24. November 2017 (act. C.96)
wurde festgehalten, die Arbeitsvermittlung durch die
Eingliederungsberaterin werde abgebrochen. A._ sehe sich maximal
vier Stunden arbeitsfähig, sie möchte zukünftig nicht nur noch arbeiten und
schlafen. Sie sehe sich von der IV und dem Sozialamt unter Druck gesetzt.
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Daraufhin erfolgte am 28. November 2017 die Mitteilung betreffend
Abschluss Arbeitsvermittlung (act. C.98).
24. A._ wurde anschliessend erneut einer Infiltration unterzogen. Laut dem
in der Folge beigezogenen Arztbericht von Dr. med. L._ aus der
Neurochirurgie am Kantonsspital Graubünden (KSGR) vom 17. Dezember
2017 (act. C.102) habe keine Diagnose bezüglich durale Verdickung
getroffen werden können.
25. Mit Vorbescheid vom 6. Februar 2018 (act. C.103) hielt die IV-Stelle fest,
dass bei A._ kein Anspruch auf eine Invaliditätsrente bestehe und sie
beabsichtige deshalb, das Leistungsbegehren abzuweisen. Der
Invaliditätsgrad betrage 29%, womit dieser unter der erforderlichen Marke
von 40% liege.
26. A._ liess gegen diesen Vorbescheid am 26. Februar 2018 mit Hilfe der
Pro Infirmis zunächst Akteneinsicht verlangen (act. C.104), welche gewährt
wurde. Daraufhin erhob sie am 17. April 2018 Einwand gegen den
genannten Vorbescheid (act. C.112) und beantragte, dieser sei aufzuheben
und es sei basierend auf den dem Einwand beiliegenden zusätzlichen
Erkenntnissen ein neuer Entscheid zu erlassen und eine halbe Rente zu
verfügen. Sie sei nicht einverstanden mit der Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierter Tätigkeit. Sowohl Dr. med. N._
einerseits mit Arztbericht vom 3. April 2018 (act. C.112/4-6) als auch Dr.
med. U._, Praktische Ärztin und Fachärztin für Physikalische Medizin
und Rehabilitation sowie für Rheumatologie, andererseits mit Arztbericht
vom 22. März 2018 (act. C.112/7-10) hätten übereinstimmend eine 50-
prozentige Arbeitsfähigkeit in angepasster, leicht wechselbelastender
Tätigkeit in ausgeglichenem Beschäftigungsrahmen festgestellt. Dies
unabhängig von der Adipositas, die zurzeit die Arbeitsfähigkeit noch
zusätzlich reduziere. A._ legte ihrem Einwand zudem einen Arztbericht
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von Dr. med. K._ vom 3. April 2018 (act. C.109 und C.112/13) bei, der
darin im Auftrag der IV-Stelle zur Diagnose von Dr. med. P._ Stellung
nahm und diese als korrekt beurteilte.
27. Gemäss Case Report BM/RE fanden am 9. August 2017 respektive wohl
am 8. September 2017, dann am 5. Januar 2018 und am 31. Mai 2018
jeweils RAD-Beurteilungen durch Dr. med. R._ statt (act. C.114,
insbesondere S. 5 f., S. 9 ff. und S. 14 f.). Diese Ärztin erachtete das
Gutachten, unter Einschluss der Vorberichte, als umfassend und
nachvollziehbar. Laut ihrer Abschlussbeurteilung vom 5. Januar 2018 seien
die artdiagnostisch etwas unklaren Befunde in einem MRI der
Lendenwirbelsäule (vgl. 18 und 24 oben) nach dem Gutachten im Rahmen
einer aktuellen neurochirurgischen Konsultation geklärt und es bestehe
diesbezüglich weder eine Auswirkung auf die Beschwerden noch weiterer
Behandlungsbedarf. Der Gesundheitszustand habe sich seit dem
Gutachten nicht verändert. Am 31. Mai 2018 hielt sie weiter fest, die
Gutachter hätten bereits ohne Durchführung der Behandlungsvorschläge
eine höhere Arbeitsfähigkeit als zumutbar erachtet, weshalb die Argumente
gegen die vorgeschlagenen Operationen ins Leere führen würden. Dr. med.
N._ habe sich auf die Einschätzung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit
durch die Versicherte selbst abgestützt und Dr. med. U._ spreche von
"mindestens 50%" Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit und betone,
dass ihre Stellungnahme keine "Gegenargumente in einem Rechtsstreit"
darstellen würden. Dr. med. K._ schliesslich habe die Diagnose von
Dr. med. P._ als korrekt bezeichnet; er selber habe die Versicherte
nach 2016 nicht mehr bildgebend abgeklärt. In der Summe gehe also aus
den nachgereichten Berichten keine relevante Veränderung des
Gesundheitszustandes hervor. Die behandelnden Ärzte hätten einfach die
Arbeitsfähigkeit anders als die Gutachter beurteilt. Zusammenfassend hielt
daher Dr. med. R._ fest, ihre Abschlussbeurteilung bleibe unverändert,
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es könne weiterhin auf das Gutachten abgestellt werden, welches die
Arbeitsfähigkeit unter Einschluss der Resultate einer EFL bewerte.
28. Am 4. Juni 2018 erliess schliesslich die IV-Stelle die Verfügung, mit welcher
sie das Leistungsbegehren von A._ abwies.
29. A._ hat am 19. Juni 2018 gegen diesen Entscheid Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden erhoben (act. A.1), wiederum
mit Unterstützung der Pro Infirmis. Sie stellt den Antrag, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben und ihr sei eine Rente zuzusprechen und die
unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. Nebst den bereits dem Einwand
beiliegenden Dokumenten (act. B.1 = act. C.112/4-6, act. B.2 = act.
C.112/7-10, act. B.3 = act. C.112/11-12, act. B.4 = act. C.112/13, act. B.5 =
act. C.112/14-15, act. B.6 = C.112/1-3, act. B.7 = act. C.113/1-4) hat sie
zusätzlich die Verfügung des Sozialamts der Gemeinde Z._ betreffend
öffentliche Unterstützung vom 8. Januar 2018 eingereicht (act. B.8). Mit
diesem Entscheid wurde ihr, in Fortführung der bereits ab dem 1. August
2017 ausbezahlten Unterstützung, neu eine solche in Höhe von CHF
1'487.40 (abzüglich Eigenleistungen) ab dem 1. Januar 2018 und bis am
30. Juni 2018 zugesprochen. Gleichzeitig wurde die Beschwerdeführerin
verpflichtet, im Umfang ihrer 50-prozentigen Arbeitsfähigkeit monatlich fünf
Arbeitsbemühungen einzureichen.
30. Mit richterlicher Verfügung vom 22. Juni 2018 (act. D.1) zur Stellungnahme
eingeladen, hat sich die IV-Stelle mit Eingabe vom 3. Juli 2018 (act. A.2)
zur Beschwerde geäussert und deren Abweisung unter Kostenfolge
beantragt.
31. Letztere Stellungnahme ist der Beschwerdeführerin am 4. Juli 2018 zur
Kenntnisnahme übermittelt worden (act. D.2). Sie hat sich dazu nicht
geäussert.
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32. Auf die angefochtene Verfügung sowie auf die Begründungen in den
Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen:
1. Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959 (IVG; SR 831.20) sind
Verfügungen der kantonalen IV-Stelle direkt vor dem Versicherungsgericht
am Ort der IV-Stelle anfechtbar. Die sachliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden ergibt sich aus Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
vom 6. Oktober 2000 (ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 IVG
und Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom
31. August 2006 (VRG; BR 370.100). Als Adressatin der strittigen
Verfügung ist die Beschwerdeführerin berührt und weist ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Änderung auf (Art. 59 ATSG). Auf die
im Übrigen im Sinne von Art. 60 und 61 lit. b ATSG frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Streitgegenstand und somit zu prüfen ist, ob die Ablehnung der
Invaliditätsrente gemäss Verfügung vom 4. Juni 2018 korrekt ist, ob mithin
der festgestellte Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin eine
Arbeitsfähigkeit in bisheriger Tätigkeit zu 60% und in adaptierter Tätigkeit
zu 75% (leichte wechselbelastende Tätigkeit) seit Februar 2017 (Beginn der
einjährigen Wartefrist) zulässt und die darauf basierende Berechnung des
Invaliditätsgrades korrekt ist.
3. Im Sozialversicherungsrecht gilt generell das Untersuchungsprinzip.
Demnach hat die Behörde den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes
wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien gebunden zu
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sein (Art. 43 Abs. 1 ATSG; vgl. UELI KIESER, Kommentar zum Bundesgesetz
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts ATSG, 4. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2020, N 13 ff. zu Art. 43 ATSG). Die
Untersuchungspflicht gilt sowohl im Verwaltungsverfahren als auch
grundsätzlich im kantonalen Gerichtsverfahren (UELI KIESER, a.a.O., N 30
zu Art. 43 ATSG). Die Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die
für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen
hinreichende Klarheit besteht. Wenn der Versicherungsträger oder das
kantonale Sozialversicherungsgericht im Rahmen einer umfassenden,
sorgfältigen, objektiven und inhaltsbezogenen Beweiswürdigung zur
Überzeugung gelangt, dass ein bestimmter Sachverhalt überwiegend
wahrscheinlich sei, steht dies einer antizipierten Beweiswürdigung nicht
entgegen. Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit
und/oder Richtigkeit der getroffenen Tatsachenfeststellungen bestehen, ist
weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch
neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (siehe Urteil des
Bundesgerichts 8C_398/2018 vom 5. Dezember 2018 E. 3.1; vgl. auch UELI
KIESER, a.a.O., N 17 ff. und N 29 zu Art. 43 ATSG).
3.1. Um beurteilen zu können, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten einer versicherten Person noch eine Erwerbstätigkeit zugemutet
werden kann und auch ob sich der Gesundheitszustand der versicherten
Person in anspruchserheblicher Weise geändert hat oder wie sich dieser im
massgebenden Zeitpunkt darstellt, sind die Verwaltung und das im
Beschwerdefall angerufene Gericht auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls andere Fachleute zur Verfügung stellen (BGE
140 V 193 E. 3.2; BGE 132 V 93 E. 4). Dabei können sich die IV-Stellen und
im Streitfall die Sozialversicherungsgerichte auf die Regionalen Ärztlichen
Dienste (RAD; Art. 59 Abs. 2bis Satz 1 IVG), auf die Berichte der
behandelnden Ärztinnen und Ärzte oder auf externe medizinische
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Sachverständige abstützen (Art. 59 Abs. 3 IVG). Das Bundesrecht schreibt
nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu würdigen sind, vielmehr gilt für
das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (BGE 143 V 124 E. 2.2.2; siehe
auch Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen.
Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle
Beweismittel – unabhängig davon, von wem sie stammen – objektiv zu
prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine
zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten.
Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen
Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial
zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht
auf die andere medizinische These abstellt (vgl. zum Ganzen BGE 143 V
124 E. 2.2.2 und BGE 125 V 351 E. 3.a).
3.2. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt,
in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; BGE 125 V 351 E. 3.a).
Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die
Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder
in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 143
V 124 E. 2.2.2; BGE 125 V 351 E. 3.a mit Hinweisen). Dennoch hat es die
Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte
- 17 -
und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125
V 351 E. 3.b). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten
Gutachten von externen Spezialärztinnen und Spezialärzten, welche
aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach
Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde
zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle
Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4; BGE 125
V 351 E. 3.b/bb). In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten
darf und soll das Gericht auch der Erfahrungstatsache Rechnung tragen,
dass diese Arztpersonen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten
aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5; BGE 125 V 351 E. 3.a und 3.b). Sodann
kommt auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner
Arztpersonen Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3.b/ee;
BGE 122 V 157 E. 1.c; BGE 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichtes
8C_245/2011 vom 25. August 2011 E. 5.3). Die Tatsache allein, dass die
befragte Arztperson in einem Anstellungsverhältnis zur versicherten Person
steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit
schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das
Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet
erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den
Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die
Unparteilichkeit der Gutachterin oder des Gutachters allerdings ein strenger
Massstab anzulegen (vgl. zum Ganzen BGE 125 V 351 E. 3.b/ee; BGE 122
V 157 E. 1.c). Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit
und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2; BGE 135
- 18 -
V 465 E. 4.3.2 und 4.4; Urteile des Bundesgerichtes 9C_415/2017 vom 21.
September 2017 E. 3.2, 8C_452/2016 vom 27. September 2016 E. 4.2.2 f.
und 8C_245/2011 vom 25. August 2011 E. 5.3; siehe zum Ganzen auch
Urteil des Verwaltungsgerichts S 18 73 vom 3. Dezember 2019 E. 3).
4. Anspruch auf eine Invalidenrente hat, wer im Sinne des Gesetzes invalid
ist. Bei versicherten Personen, die erwerbstätig sind, gilt als Invalidität die
durch einen körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschaden
verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
Erwerbsunfähigkeit (Art. 1 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG), welche die Folge
von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Die Invalidität gilt als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des
Anspruchs erforderliche Art und Schwere erreicht hat (Art. 4 Abs. 2 IVG).
Die Erwerbsunfähigkeit wiederum ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder
teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Zur Beurteilung der
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen, wobei eine Erwerbsunfähigkeit zudem
nur vorliegt, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs.
2 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität
und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt
zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).
Ein rentenbegründender Invaliditätsgrad liegt gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
vor, wenn eine versicherte Person ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit,
- 19 -
sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
kann (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen ist (lit. b) und
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid ist (lit. c). Sind diese
Voraussetzungen erfüllt, so steht der versicherten Person bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% eine Viertelsrente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50% eine halbe Rente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 60% eine Dreiviertelsrente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 70% eine ganze Rente zu (Art. 28 Abs. 2
IVG).
In zeitlicher Hinsicht ist im Beschwerdeverfahren für das angerufene Gericht
schliesslich der gesundheitliche Zustand massgebend, wie er sich bis zum
Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung verwirklicht hat (siehe UELI KIESER,
a.a.O., N 109 zu Art. 61 ATSG).
4.1. Im hier zu beurteilenden Fall hielt die IV-Stelle in der angefochtenen
Verfügung vom 4. Juni 2018 wie bereits im Vorbescheid fest, das
Valideneinkommen belaufe sich auf CHF 58'607.50. Für die Berechnung
dieses Betrages stützte sie sich auf die Zahlen der Lohnstrukturerhebung
des Bundesamtes für Statistik (LSE 2014) zum monatlichen Bruttolohn nach
Wirtschaftszweigen, privater Sektor (TA1_skill-level), für eine weibliche
Person im Kompetenzniveau 1 im Gesundheits- und Sozialwesen bei einem
Pensum von 100% (vgl. das Berechnungsblatt in act. C.115). Die
Arbeitsfähigkeit in bisheriger Tätigkeit als Pflegehelferin betrage 60%, in
adaptierter, leicht wechselbelastender Tätigkeit sei eine solche von 75%
möglich. Das Invalideneinkommen sei ebenfalls auf Basis der
Tabellenlöhne der LSE zu berechnen und konkret auf CHF 41'586.15 zu
bemessen (LSE 2014, Kompetenzniveau 1, für eine weibliche Person bei
einem Pensum von 75%). Ob eine mögliche Tätigkeit auch tatsächlich
- 20 -
ausgeübt werde, sei für die Bemessung der Invalidität unerheblich. Somit
betrage der Invaliditätsgrad rund 29% und erreiche die erforderliche
Schwelle von 40% gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG nicht, weshalb kein
Rentenanspruch bestehe.
Betreffend Einwand der Versicherten sei einzig die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierter Tätigkeit und damit das
Invalideneinkommen strittig. Im konkreten Fall könne gemäss den korrekt
wiedergegebenen, oben erwähnten Beweisregeln – nebst der Beurteilung
des RAD Ostschweiz vom 5. Januar 2018 – insbesondere auf das
bidisziplinäre orthopädisch-psychiatrische Gutachten inkl. EFL des MGSG
abgestellt werden. Diese Einschätzungen würden einen Gesamtwert der
Arbeitsfähigkeit darstellen, auf der Vorgeschichte, den bisherigen Akten
sowie mehreren persönlichen Untersuchungen beruhen und in ihren
Ergebnissen schlüssig, nachvollziehbar und widerspruchsfrei erscheinen.
Die Berichte der behandelnden Ärzte hätten hingegen einen geringeren
Beweiswert und würden sich zudem auf die Einschätzung der
verbleibenden Arbeitsfähigkeit durch die Versicherte selbst abstützen. In
der Summe gehe jedenfalls aus den nachgereichten Berichten keine
relevante Veränderung des Gesundheitszustandes hervor.
4.2. Die Beschwerdeführerin bestätigt, dass das Valideneinkommen
unbestritten sei. Sie wehre sich demgegenüber gegen die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit. Die ihr vorliegenden aktuellen ärztlichen Berichte der Dres.
med. N._ (act. B.1), U._ (act. B.2), und K._ (act. B.3) würden
alle eine 50-prozentige Arbeitsunfähigkeit begründen. Laut dem Bericht der
Rheumatologin Dr. med. U._ (act. B.2) könne ein operativer Eingriff zur
Schmerzlinderung, wie dies laut Gutachten als Lösung vorgesehen sei,
aufgrund der Adipositas und der erhöhten Infektanfälligkeit aktuell nicht
durchgeführt werden. Zudem schmälere die erhöhte Belastung das
Outcome. Diese Ärztin habe aufgrund der enormen Dekonditionierung und
- 21 -
der schmerzhaften Einschränkungen eine 50-prozentige Arbeitsfähigkeit in
leicht wechselbelastender Tätigkeit diagnostiziert. Als therapeutische
Massnahme empfehle sie die Optimierung der Schmerztherapie und
Psychopharmaka. Der medizinische Gutachter Dr. med. N._ sei zu
einer ähnlichen Einschätzung gekommen (act. B.1). Er halte zudem eine
Neubeurteilung bezüglich der Adipositas permagna für wünschenswert.
Auch er gehe von einer zumutbaren, weitgehend objektiv einschätzbaren
und ausreichend abstützbaren Leistungsfähigkeit und realistisch zu
erwartenden Arbeitsfähigkeit von 50% für behindertengerechte, angepasste
und wechselbelastende Tätigkeiten in ausgeglichenem
Beschäftigungsrahmen aus. Somit kämen diese beiden Ärzte zum Schluss,
dass eine 50-prozentige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Der Gutachter der IV-
Stelle stehe mit seiner Einschätzung völlig alleine da und im Widerspruch
zu den drei übereinstimmenden behandelnden Fachärzten. Dies umso
mehr, als im Gutachten sogar eine 60% Arbeitsfähigkeit in bisheriger
Tätigkeit als Pflegehelferin attestiert werde, obschon die versicherte
Beschwerdeführerin aufgrund der Adipositas permagna und der
Atemlosigkeit offensichtlich nicht in der Lage sei, die angestammte Tätigkeit
auszuüben. Das Gutachten sei deshalb mit grossem Vorbehalt zu
beurteilen. Zu betonen sei, dass die nachgereichten Berichte nicht eine
relevante Veränderung des Gesundheitszustandes aufzeigen würden,
sondern eine andere Beurteilung der Arbeitsfähigkeit.
4.3. In ihrer Stellungnahme zur Beschwerde macht die IV-Stelle zunächst
geltend, massgebend sei der Sachverhalt zum Zeitpunkt des
Verfügungserlasses am 4. Juni 2018. Zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
in adaptierter Tätigkeit ab 1. März 2017 könne insbesondere auf das
orthopädisch-psychiatrische Gutachten der Dres. med. O._ und
P._ abgestellt werden, die eine Arbeitsfähigkeit von 75% attestiert
hätten. Diese Einschätzung stelle einen Gesamtwert der Arbeitsfähigkeit
- 22 -
dar, beruhe auf der Vorgeschichte, den bisherigen Akten, mehreren
persönlichen (orthopädischen wie psychiatrischen) Untersuchungen der
Beschwerdeführerin sowie einer Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (EFL) und erscheine in ihren Ergebnissen schlüssig,
nachvollziehbar und widerspruchsfrei. Die diesbezüglichen Ausführungen
der Beschwerdeführerin seien nicht überzeugend. Die Dres. med. O._
und P._ hätten in ihrem Gutachten den Ist-Zustand ohne erfolgte
Durchführung der von ihnen vorgeschlagenen Therapien/Behandlungen
beurteilt. Daher könne die Beschwerdeführerin aus dem Argument, dass die
Adipositas permagna einem operativen Eingriff im Wege stehe, nichts zu
ihren Gunsten ableiten. Weiter würden sich sowohl aus den in der
Beschwerde erwähnten Berichten als auch aus den übrigen Akten keine
Hinweise auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes der
Beschwerdeführerin seit der Begutachtung. Insofern bestehe kein Grund,
weitere Abklärungen vorzunehmen. Die Beschwerdeführerin habe denn
auch selbst ausdrücklich betont, dass die genannten Berichte nicht eine
relevante Veränderung ihres Gesundheitszustandes aufzeigen würden. Die
Arztberichte der Dres. med. N._ und U._ würden lediglich eine
andere Beurteilung des Gesundheitszustandes darstellen und das
Gutachten nicht zu erschüttern vermögen, da sie sich mit dem Gutachten
nicht auseinandersetzen würden und abgesehen davon auf Wunsch der
Beschwerdeführerin angefertigt worden seien. Zudem stünden die
Einschätzungen der Dres. med. N._ und U._ mit dem
orthopädisch-psychiatrischen Gutachten vom 17. Mai 2017 in Bezug auf die
Befunde und Diagnosen im Wesentlichen im Einklang. Sie würden sich
bloss in Bezug auf die Auswirkungen der gesundheitlichen Beschwerden
auf die Arbeitsfähigkeit unterscheiden, was eine geringe Diskrepanz
darstelle und bei ärztlichen Einschätzungen nicht ungewöhnlich sei. Auch
die in der Beschwerde erwähnten Berichte von Dr. med. K._ vom 2.
März 2017 und vom 3. April 2018 stünden im Einklang mit dem
- 23 -
orthopädisch-psychiatrischen Gutachten vom 17. Mai 2017 und würden zur
Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsgeeigneten Tätigkeit keine Stellung
nehmen. Die verbleibende Arbeitsfähigkeit sei insgesamt verwertbar.
4.4. Das Gericht erachtet das psychiatrische Teilgutachten vom 8. Mai 2017
sowie das orthopädisch-psychiatrische Gutachten vom 17. Mai 2017 des
MGSG für die streitigen Belange für umfassend. Sie beruhen auf allseitigen
Untersuchungen, berücksichtigen alle geklagten medizinischen
Beschwerden und wurden in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben. Sie erscheinen zudem in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtend und die Schlussfolgerungen der Experten sind
nachvollziehbar begründet. Es bestehen für das Gericht keine Indizien, die
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Die Gutachten erfüllen
somit alle Voraussetzungen für die Beweistauglichkeit und es kann darauf
abgestellt werden. Dazu kommt, dass die RAD-Ärztin die gemachten
Einschätzungen vollumfänglich teilt.
Als nächster Schritt sind die von der Beschwerdeführerin zusätzlich
eingebrachten Arztberichte zu würdigen und insbesondere ist zu prüfen, ob
diese die Einschätzung der Gutachter umzustossen vermögen.
4.5. Aus Sicht des Gerichts ist dies nicht der Fall.
4.5.1. Dr. med. K._ hat in seinem Schreiben vom 3. April 2018 die Diagnose
von Dr. med. P._ ausdrücklich für korrekt befunden. Darüber hinaus
seien ihm keine Angaben möglich, schreibt er weiter, da er die Versicherte
nicht mehr abgeklärt habe und die Bildgebungen aus dem Jahr 2016
stammen, bzw. bezüglich der Hüfte gar aus dem Jahr 2013. Dieser
Arztbericht vermag somit die Gutachten nicht zu entkräften.
- 24 -
4.5.2. Dr. med. N._ hat seinerseits als behandelnder Arzt der
Beschwerdeführerin am 3. April 2018 in seinem
versicherungsmedizinischen Kurzgutachten zuhanden von Dr. med.
K._ (act. B.1) festgehalten, er habe die Patientin am 27. März 2018
eingehend befragt und untersucht. In seiner Anamnese erwähnt er
namentlich die IV-medizinische Beurteilung vom Mai 2017 von Dr. med.
P._, wonach bei der Beschwerdeführerin eine Arbeitsfähigkeit zu 60%
im Pflegeberuf und zu 75% als zumutbare Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit
bei ganztägiger Beschäftigung auf dem allgemeinen ausgeglichenen
Arbeitsmarkt bestehe. Er führt auch an, dass die Patientin ihre eigene
realisierbare Arbeitsfähigkeit bei wechselbelastenden Tätigkeiten mit 50%
einschätze. Ob ein Ergebnis einer objektivierbaren Leistungsfähigkeit im
Rahmen einer EFL vorliege, sei für ihn offen. Er stütze sich jedenfalls
weitgehend auf die vorliegenden Befunde und medizinischen
Abklärungsergebnisse, insbesondere die vom KSGR sowie die von Dr.
med. U._. Aus orthopädischer Sicht stünden klinisch die Rücken- und
Kniebeschwerden im Vordergrund. Er könne den Wirbelsäulen- und
Gelenkstatus bestätigen, es bestünden keine veränderten Befundhinweise
und eine operative Behandlung der gelenksbetonten Beschwerden stünden
aus seiner Sicht nicht im Vordergrund. Bezüglich der Adipositas permagna
sei jedoch eine Neubeurteilung erwünscht. In seiner Gesamtbeurteilung
bestehe seines Erachtens – unter Berücksichtigung der orthopädischen,
rheumatologischen und neurochirurgisch/neurologisch dokumentierten
Befunde sowie der medizinisch-somatischen Co-Faktoren, auch in Kenntnis
der familienanamnestisch belasteten Situation – eine realistisch zu
erwartende Arbeitsfähigkeit von 50% in adaptierter Tätigkeit.
Diese Einschätzung ist, wie oben dargelegt, mit Vorsicht zu werten, da sie
von einem behandelnden Arzt stammt und somit ihre Beweiskraft, wie oben
ausgeführt, geringer zu werten ist als diejenige eines konsistenten
- 25 -
Gutachtens. Nicht auszuschliessen ist auch, dass sich dieser Arzt von der
im Rahmen der Anamnese abgegebenen Einschätzung seiner Patientin
zumindest teilweise hat leiten lassen und so auf die 50-prozentige
Arbeitsfähigkeit gekommen ist. Jedenfalls ergibt sich aus seinem Bericht
nicht, wie diese Einschätzung zu stehen kommt und weshalb er zu einer
geringeren Arbeitsfähigkeit gelangt als die erwähnten Gutachter. Auch ist
mit der IV-Stelle zu betonen, dass die Diskrepanz zwischen den zwei
Einschätzungen nicht ausserordentlich gross ist. Dieser Arztbericht vermag
somit die Aussagekraft der in den interdisziplinären Gutachten gemachten
Ausführungen zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ebenfalls nicht
zu mindern.
4.5.3. Dr. med. U._, schliesslich, hat in ihrem Arztbericht vom 22. März 2018
(act. B.2) einleitend ausdrücklich betont, dass sie weder ein
Gegengutachten zum erfolgten IV Gutachten mache und auch im Rahmen
der Abklärung nicht explizit zur Arbeitsfähigkeit Stellung nehmen könne,
sondern in erster Linie eine rheumatologische Beurteilung erfolge und
soweit möglich eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, ohne dass diese
aber explizit dann auch als Gegenargument in einem Rechtsstreit
verwendet werde. Nur schon dieser Umstand alleine zwingt das Gericht,
ihrer dennoch abgegebenen Aussage betreffend Arbeitsfähigkeit nur
äusserst begrenzt Gewicht beizumessen. Dazu kommt jedoch noch, dass
auch sie explizit von einer Arbeitsfähigkeit von "mindestens 50%" für eine
leicht wechselbelastende sitzende Tätigkeit spricht, was die Patientin ja
auch selber so sehe. Somit ist auch ihre Einschätzung nicht weit von der
gutachterlichen entfernt.
4.6. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die ins Recht gelegten
Berichte der Beschwerdeführerin auf dieselben Diagnosen beziehen, in
keinem von ihnen von einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes
ausgegangen wird, was auch die Beschwerdeführerin selbst ausdrücklich
- 26 -
einräumt, und die Einschätzungen der drei Ärzte gegenüber denjenigen der
beiden Gutachter nur sehr begrenzt abweichen und dies ausschliesslich
betreffend die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit (50% resp. "mindestens
50%" gegenüber 75% in adaptierter Tätigkeit). Wie die IV-Stelle zu Recht
vorbringt, ist es auch nicht ungewöhnlich, dass sich die Einschätzungen
verschiedener Arztpersonen unterscheiden können. In den beiden
eingeholten Gutachten sind jedenfalls keine Widersprüche ersichtlich und
es bestehen auch nach Vorliegen der von der Beschwerdeführerin
eingereichten Arztberichte keine Hinweise, welche Zweifel an der
gutachterlichen Einschätzung hervorrufen würden. Die Berichte vermögen
nach dem Gesagten also die Einschätzung der Gutachter nicht
umzustossen.
5. Betreffend die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bleibt somit festzuhalten,
dass das Gutachten beweistauglich ist, weshalb auf die darin enthaltene
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit abgestellt werden kann. Die
Beschwerdeführerin ist mithin im Umfang von 75% in adaptierter Tätigkeit
arbeitsfähig, unter den von den Gutachtern selbst erwähnten
Voraussetzungen. Dieses Ergebnis steht denn auch nicht im Widerspruch
zu den eigenen Erfahrungen der Beschwerdeführerin im Rahmen ihres
arbeitsmarktlichen Einsatzes bei der Q._ (vgl. Schlussbericht des RAV
vom 28. April 2017, act. C.94, sowie Besprechung mit der versicherten
Person vom 8. September 2017, act. C.95). Auch die EFL steht dazu nicht
im Widerspruch (act. C.89). Diese ergab zusammenfassend zwar eine
mässige Symptomausweitung. Die Gutachter gingen aber davon aus, dass
bei gutem Effort eine bessere Leistung erbracht werden könnte, als bei den
Leistungstests gezeigt worden sei. Das Ausmass der demonstrierten
physischen Einschränkungen lasse sich mit den objektivierbaren
pathologischen Befunden nur zum Teil erklären. Schliesslich wurde die
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen
- 27 -
Arbeitsmarkt nicht in Frage gestellt (vgl. ULRICH MEYER/MARCO REICHMUTH,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2014, N 141 ff. zu Art. 28a IVG).
6. Zu überprüfen ist noch die Berechnung des Invaliditätsgrades. Bei
erwerbstätigen Personen wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt
zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (sogenanntes Valideneinkommen; allgemeine Methode des
Einkommensvergleichs, Art. 16 ATSG, auf welchen Art. 28a Abs. 1 IVG
verweist).
Das Valideneinkommen ist vorliegend von der IV-Stelle auf CHF 58'607.50
festgesetzt worden. Dagegen hat die Beschwerdeführerin zu Recht nichts
eingewendet. Für die Berechnung des Invaliditätsgrades – und damit
sowohl für das Validen- wie auch für das Invalideneinkommen – zog die
Vorinstanz die am 15. April 2016 publizierte Tabelle der LSE 2014 bei (siehe
E. 4.1 oben). Das ist nicht zu beanstanden (vgl. etwa Urteil des
Bundesgerichts 9C_414/2017 vom 21. September 2017 E. 4.2). Die
nächstfolgende Ausgabe ist die LSE 2016 und diese wurde erst am 26.
Oktober 2018 veröffentlicht und somit erst nach Erlass der angefochtenen
Verfügung. Die IV-Stelle stützte sich auf die Tabelle TA1_skill-level für den
privaten Sektor ab. Sie nahm für das Valideneinkommen den monatlichen
Bruttolohn (Zentralwert bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden)
im Kompetenzniveau 1 für eine weibliche Person im Gesundheits- und
Sozialwesen (CHF 4'545.00). Bei einer üblichen durchschnittlichen
Arbeitszeit von 41.7 Wochenstunden eine Vollzeitanstellung ergab dies in
- 28 -
Berücksichtigung der Anpassung gemäss Nominallohnindex 2014-2018 ein
Valideneinkommen von CHF 58'607.47 (=CHF 4'545.00 / 40
[Stunden/Woche] * 41.7 [Stunden/Woche] * 12 [Monate] * 1.003674
[Lohnentwicklung 2015] * 1.006761 [Lohnentwicklung 2016] * 1.01
[Lohnentwicklung 2017] * 1.01 [Lohnentwicklung 2018]). Für das
Invalideneinkommen nahm sie den monatlichen Bruttolohn des Totals aller
Wirtschaftszweige im Kompetenzniveau 1 für eine weibliche Person (CHF
4'300.00) und rechnete mit einer 75% Leistungsfähigkeit. Sie kam so auf
ein aufgewertetes und parallelisiertes Invalideneinkommen von CHF
41'586.16 (=CHF 4'300.00 / 40 [Stunden/Woche] * 41.7 [Stunden/Woche] *
12 [Monate] * 0.75 [Arbeitsfähigkeit von 75%] 1.003674 [Lohnentwicklung
2015] * 1.006761 [Lohnentwicklung 2016] * 1.01 [Lohnentwicklung 2017] *
1.01 [Lohnentwicklung 2018]). Der Vergleich zwischen Valideneinkommen
und Invalideneinkommen führt somit bei einer Erwerbseinbusse von CHF
17'021.31 zu einem Invaliditätsgrad von gerundet 29% (vgl. BGE 130 V 121
E. 3). Die Beschwerdeführerin hat deshalb keinen Anspruch auf eine
Viertelrente (siehe Art. 28 Abs. 2 IVG). Ihre Beschwerde ist abzuweisen und
die angefochtene Verfügung ist zu bestätigen.
7. Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten
um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem
kantonalen Versicherungsgericht – abweichend von Art. 61 lit. a ATSG –
kostenpflichtig. Die Kosten sind laut dieser Bestimmung nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF
200.00 bis CHF 1'000.00 festzulegen. In Berücksichtigung aller
Bemessungsgrundsätze und der konstanten Rechtsprechung setzt das
Verwaltungsgericht die Gerichtskosten hier auf CHF 700.00 fest.
Diese Kosten gehen grundsätzlich zulasten der hier unterliegenden
Beschwerdeführerin (Art. 73 Abs. 1 VRG). Da sie aber als
Sozialhilfebezügerin klarerweise mittellos ist und ihre Beschwerde nicht von
- 29 -
vornherein aussichtslos erschien, kann ihr die unentgeltliche Rechtspflege
gewährt werden (Art. 76 Abs. 1 VRG). Somit sind die Kosten vorerst durch
die Gerichtskasse zu bezahlen. Sobald sich die Einkommens- oder
Vermögensverhältnisse der Beschwerdeführerin verbessern und sie dazu
in der Lage ist, hat sie das Erlassene zu erstatten (Art. 77 Abs. 1 VRG).
- 30 -

Considerations: