Decision ID: 06c00665-adf0-4a4e-ab2d-b3121f2a6cbd
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_006
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten:
A.
Vom 25. Februar bis 26. März 2013 lag in den Gemeinden S. und T. das
kantonale Wasserbauprojekt U., Hochwasserrückhaltebecken S., öffentlich
auf. Am 18. Dezember 2013 genehmigte der Regierungsrat das Projekt
und ermächtigte das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU), die
Bauarbeiten für das Projekt "Hochwasserrückhaltebecken S." auszuführen.
Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.
1.
Mit Eingabe vom 2. Mai 2022 stellte A. beim BVU folgenden Antrag:
Es sei festzustellen, dass die Öffnung einer 2. Benutzerachse für die  im Bereiche des Hochwasserschutzes in den C., S., mit dem nachträglichen Einbau einer 35-stufigen Treppe über dem westlichen Damm und Einlage von Trittsteinen in den verlegten G nicht rechtens sei.
Ich ersuche Sie um eine anfechtbare Verfügung mit .
2.
Nachdem die Sache zuständigkeitshalber an den Regierungsrat überwie-
sen worden war, fällte dieser am 7. September 2022 folgenden Entscheid:
1. Auf den Antrag von A. auf Feststellung der Unrechtmässigkeit der Öffnung einer zweiten Benutzerachse für die Öffentlichkeit mit Einbau einer Treppe in den westlichen Damm und Einlage von Trittsteinen in den G im  mit der Erstellung des Hochwasserrückhaltebeckens S., wird nicht eingetreten.
2. Im erstinstanzlichen Verfahren werden keine Verfahrenskosten erhoben.
C.
1.
Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde vom 29. September 2022 (Postauf-
gabe: 30. September 2022) stellte A. folgende Anträge:
Antrag Es sei richterlich festzustellen, ob die 2. Benutzerachse für die  im Bereiche des Hochwasserschutzes in den C., S., gekoppelt mit dem Bau einer 35 stufigen Treppe inkl. Überquerung des westlichen  und des verlegten G rechtens sei. Bei positiver  (nicht rechtens) sei ein Rückbau dieser Überquerung zwingend.
Eventualantrag
- 3 -
Falls wider Erwarten der Antrag des Beschwerdeführers abgewiesen würde, sei die Überquerung auf dem westlichen Hochwasserschutzdamm unter Einbezug des G unverzüglich zu verbieten, solange bis die  gesetzlichen Vorschriften baulich erfüllt sind.
2.
Das Verwaltungsgericht hat auf einen Schriftenwechsel verzichtet, da die
Beschwerde offensichtlich unbegründet ist (§ 45 Abs. 1 des Gesetzes über
die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Dezember 2007 [Verwaltungsrechts-
pflegesetz, VRPG, SAR 271.200]). Der Fall wurde auf dem Zirkluarweg ent-
schieden (§ 7 des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 6. Dezember 2011
[GOG; SAR 155.200]).

Considerations:
Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung:
I.
1.
Gegen letztinstanzliche Entscheide der Verwaltungsbehörden ist die Ver-
waltungsgerichtsbeschwerde zulässig (§ 54 Abs. 1 VRPG). Das gilt auch in
Bausachen (§ 61 Abs. 3 der Bauverordnung vom 25. Mai 2011 [BauV;
SAR 713.121]) sowie in Verfahren betreffend Strassen- und Wasserbau-
projekte (§ 95 Abs. 4 und § 120 Abs. 3 des Gesetzes über Raumentwick-
lung und Bauwesen vom 19. Januar 1993 [Baugesetz, BauG;
SAR 713.100]). Das Verwaltungsgericht ist somit zuständig.
2.
2.1.
2.1.1.
Gemäss § 43 Abs. 2 VRPG muss die Beschwerdeschrift einen Antrag so-
wie eine Begründung enthalten; auf Beschwerden, die diesen Anforderun-
gen nicht entsprechen, ist nicht einzutreten. Mit der Formulierung dieser
Bestimmung wurde faktisch die unter Geltung des Gesetzes über die Ver-
waltungsrechtspflege vom 9. Juli 1968 (aVRPG) geltende Praxis kodifiziert
(Botschaft des Regierungsrats des Kantons Aargau an den Grossen Rat
vom 14. Februar 2007, Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, 07.27
[Botschaft VRPG], S. 56 f.). Mit der Begründung ist darzulegen, in welchen
Punkten nach Auffassung des Beschwerdeführers der angefochtene Ent-
scheid Mängel aufweist (Aargauische Gerichts- und Verwaltungsent-
scheide [AGVE] 2009, S. 275, Erw. 3.1). Fehlt ein Antrag oder eine Begrün-
dung oder beides (trotz vollständiger Rechtsmittelbelehrung) vollständig
und ergibt sich der Antrag bei Laienbeschwerden auch nicht aus der Be-
gründung, ist ohne Nachfrist auf Nichteintreten zu erkennen (vgl. Botschaft
VRPG, S. 56 f.). Bei Laienbeschwerden werden an die Begründung keine
allzu hohen Anforderungen gestellt, wobei immerhin verlangt werden darf,
dass der Beschwerdeführer darlegt, weshalb er mit dem vorinstanzlichen
- 4 -
Entscheid nicht einverstanden ist und welche Erwägungen des angefoch-
tenen Entscheids aus welchen Gründen nicht zutreffen sollen (AGVE 2009,
S. 275, Erw. 3.1; Entscheide des Verwaltungsgerichts WBE.2019.316 vom
24. März 2020, Erw. I/2, WBE.2019.61 vom 15. Juli 2019, Erw. I/2.1, vgl.
auch Botschaft VRPG, S. 57). Handelt es sich beim angefochtenen Ent-
scheid um einen Nichteintretensentscheid, so muss in der Begründung dar-
gelegt werden, dass und weshalb die Vorinstanz auf das Begehren hätte
eintreten sollen (ALAIN GRIFFEL, in: Kommentar zum Verwaltungsrechts-
pflegegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. Aufl. 2014, N. 18 zu § 23).
2.1.2.
Die Vorinstanz beurteilte im angefochtenen Entscheid die Frage, ob der
Beschwerdeführer die (dreimonatige) Frist, innert welcher sich Nachbarn
im Fall der Erstellung einer Baute oder Anlage ohne oder entgegen einer
Bewilligung zur Wehr setzen können, verpasst hat. Diese Frage bejahte
sie. Auf den Antrag des Beschwerdeführers auf Feststellung der Unrecht-
mässigkeit der Öffnung einer zweiten Benutzerachse für die Öffentlichkeit
mit Einbau einer Treppe in den westlichen Damm und Einlage von Trittstei-
nen in den G im Zusammenhang mit der Erstellung des Hochwasserrück-
haltebeckens S. trat sie entsprechend nicht ein (angefochtener Entscheid,
S. 2 ff., 4 ff., 8 [Dispositiv Ziffer 1]). In der Rechtsmittelbelehrung des vor-
instanzlichen Entscheids wurde sodann darauf aufmerksam gemacht, dass
die fristgerecht einzureichende Beschwerdeschrift einen Antrag und eine
Begründung enthalten muss, d.h. es sei anzugeben, wie das Verwaltungs-
gericht entscheiden solle, und darzulegen, aus welchen Gründen diese an-
dere Entscheidung verlangt werde. Zudem wurde in der Rechtsmittelbeleh-
rung ausdrücklich auf die Folge des Nichteintretens hingewiesen, sofern
die Beschwerde diesen Anforderungen nicht entspricht (angefochtener
Entscheid, S. 9).
Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde richtet sich gegen den vorinstanzli-
chen Nichteintretensentscheid. Das Verwaltungsgericht hat daher zu prü-
fen, ob die Vorinstanz den Nichteintretensentscheid zu Recht gefällt hat
(vgl. AGVE 2003, S. 441, Erw. I/3; BGE 132 V 74, Erw. 1.1). Dagegen kann
auf die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde gestellten materiellen An-
träge (sowohl Haupt- als auch Eventualantrag) nicht eingetreten werden.
Gegen den Nichteintretensentscheid bringt der Beschwerdeführer in der
Beschwerdebegründung nur (aber immerhin) vor, die Öffnung der 2. Be-
nutzerachse (mit Bau einer 35 stufigen Treppe und Einlage von Trittsteinen
in den G) sei aus baulicher Sicht seit 2017 nicht beendet. Die Einhaltung
einer dreimonatigen Frist für den Beschwerdeführer sei deshalb illusorisch
und nicht richtig und dürfte auch für die Vorinstanz nicht Grund für ein
"Nichteintreten" resp. eine "Abweisung" sein (Beschwerde, S. 11 [Ziffer 4]).
Diese Erörterungen lassen im Ansatz erkennen, dass und weshalb der Be-
schwerdeführer mit dem vorinstanzlichen Nichteintretensentscheid nicht
- 5 -
einverstanden ist. Unter Berücksichtigung, dass es sich um eine Laienbe-
schwerde handelt, ist auf die Beschwerde insoweit einzutreten.
2.2.
Die Vorinstanz erörterte, da der Beschwerdeführer nicht innert der Frist von
drei Monaten reagiert habe, seit er vom Bauvorhaben habe Kenntnis neh-
men können, befinde er sich in der gleichen Position wie ein Nichtlegitimier-
ter, d.h. es stehe ihm dann lediglich zu, nach Massgabe von § 38 VRPG
Aufsichtsanzeige zu erheben. Er habe dann einzig Anspruch auf eine be-
hördliche Antwort, doch könne er die Behörde mangels Parteirechten nicht
dazu verhalten, in dem von ihm anbegehrten Sinn tätig zu werden (ange-
fochtener Entscheid, S. 6). Nachdem die Vorinstanz den Rechtsschutzan-
spruch des Beschwerdeführers verneint hatte, beurteilte sie somit, ob An-
lass für ein aufsichtsrechtliches Einschreiten besteht. Dabei ist zu beach-
ten, dass die Aufsichtsanzeige ein formloser Rechtsbehelf ist, aus welchem
kein materieller Prüfungs- und Erledigungsanspruch ergeht (MICHAEL MER-
KER, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren nach dem aargaui-
schen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Kommentar zu den §§ 38
– 72 [a]VRPG, 1998, N. 3 zu § 59a). Jedoch hat die anzeigende Person
Anspruch auf Beantwortung der Anzeige (vgl. § 38 Abs. 2 VRPG). Dem ist
die Vorinstanz mit der aufsichtsrechtlichen Beurteilung nachgekommen, in
welcher sie erörterte, dass und weshalb ein aufsichtsrechtliches Einschrei-
ten nicht erforderlich ist. Der Aufsichtsanzeigeentscheid ist keine Verfü-
gung und eröffnet (ausser bei Kostenauflage und dann nur in diesem Um-
fang) entsprechend auch keinen Zugang zu einem ordentlichen Beschwer-
deverfahren (vgl. MERKER, a.a.O., N. 32 zu Art. 59a VRPG). Gemäss § 90
Abs. 1 der Verfassung des Kantons Aargau vom 25. Juni 1980 (KV;
SAR 110.000) beaufsichtigt der Regierungsrat die anderen Träger von öf-
fentlichen Aufgaben. Er ist die höchste und letzte Stelle für Aufsichtsanzei-
gen (KURT EICHENBERGER, Verfassung des Kantons Aargau, 1986, N. 7 zu
§ 90). Das Verwaltungsgericht ist aufgrund der Gewaltentrennung nicht
Aufsichtsbehörde über den Regierungsrat (MERKER, a.a.O., N. 33 zu
§ 59a). Deshalb kann gegen die Beantwortung der Aufsichtsanzeige kein
Rechtsmittel erhoben werden (vgl. zum Ganzen auch Entscheid des Ver-
waltungsgerichts WBE.2014.57 vom 18. September 2014, Erw. I/1). Soweit
in der Beschwerde die aufsichtsrechtliche Beurteilung des Regierungsrats
beanstandet wird, ist auf die entsprechenden Rügen daher nicht einzuge-
hen.
3.
Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde können die unrichtige oder unvoll-
ständige Feststellung des Sachverhalts sowie Rechtsverletzungen gerügt
werden (§ 55 Abs. 1 VRPG). Die Ermessensüberprüfung ist nach dieser
Bestimmung grundsätzlich ausgeschlossen (vgl. § 55 Abs. 2 und 3 VRPG).
Bei Wasserbauprojekten ist nach § 55 Abs. 3 lit. f VRPG i.V.m. Art. 33
Abs. 3 lit. b des Bundesgesetzes vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung
- 6 -
(Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700) i.V.m. § 120 Abs. 3 und § 95 Abs. 4
BauG zwar auch das Ermessen zu überprüfen (vgl. AGVE 2004, S. 183 ff.;
Entscheid des Verwaltungsgericht WBE.2017.35 vom 20. August 2020,
Erw. I/4), dem kommt vorliegend jedoch von vornherein keine Bedeutung
zu, da lediglich die Rechtsfrage im Raum steht, ob der Nichteintretensent-
scheid der Vorinstanz zu Recht erfolgte (vgl. Erw. I/2.1.2). Eine materielle
Überprüfung des Bauprojekts findet nicht statt.
II.
1.
1.1.
Die Vorinstanz legte im angefochtenen Entscheid eingehend die Recht-
sprechung zu den Möglichkeiten eines Nachbarn dar, der von nicht oder
jedenfalls nicht im korrekten Verfahren bewilligten Bau- und Nutzungsvor-
haben betroffen ist. In den Fällen eigenmächtigen Vorgehens des Bauherrn
habe der Nachbar innert drei Monaten, seit er vom Bauvorhaben habe
Kenntnis nehmen können, zu intervenieren (angefochtener Entscheid,
S. 4 f.).
Vorliegend sei der erste nachweisliche Kontakt des Beschwerdeführers be-
züglich der fraglichen Treppe mit Trittstein bzw. mit dem Vorbringen, dass
diese unrechtmässig sei, in Form eines Schreibens an den Gemeinderat
vom 4. Januar 2021 erfolgt. Mit dem BVU, Abteilung Landschaft und Ge-
wässer, sei eine erste telefonische Kontaktaufnahme im Februar 2019 er-
folgt. Diese Interventionen seien gemäss der dargelegten Rechtsprechung
offensichtlich verspätet. Die Treppe mit Trittstein bestehe nachweislich in
der heutigen Form seit spätestens März 2017. Die für eine Intervention of-
fenstehende Frist von drei Monaten seit Möglichkeit der Kenntnisnahme,
die spätestens dann bestehe, sobald die Dimensionen der (bewilligungslo-
sen) Baute für den Nachbarn sichtbar und die Baubewilligungspflicht für ihn
somit erkennbar geworden sei, habe damit allerspätestens am 30. Juni
2017 geendet. Die erstmalige Intervention des Beschwerdeführers knapp
zwei Jahre nach Fertigstellung der Baute sei damit offensichtlich verspätet
erfolgt, weshalb auf den Antrag nicht einzutreten sei (angefochtener Ent-
scheid, S. 6).
1.2.
Der Beschwerdeführer bringt vor, die Öffnung einer 2. Benutzerachse mit
Bau einer 35 stufigen Treppe und Einlage von Trittsteinen in den G sei aus
baulicher Sicht nicht beendet. Die Einhaltung einer dreimonatigen Frist für
den Beschwerdeführer sei deshalb illusorisch und nicht richtig und dürfte
auch für die Vorinstanz nicht Grund für "Nichteintreten" resp. "Abweisung"
sein. Die Verzögerung habe die Projektleitung selber verschuldet, die recht-
liche Beurteilung fehle weiterhin (vgl. Beschwerde, S. 11 f.).
- 7 -
2.
2.1.
Nach der Rechtsprechung kann, wer als Nachbar im Sinne von § 42 lit. a
VRPG von einem Bau- oder Nutzungsvorhaben betroffen ist, seinen
Rechtsschutzanspruch selbst bei eigenmächtigem Vorgehen des Bauherrn
später noch durchsetzen. Die Geltendmachung dieses Anspruchs ist je-
doch an Fristen gebunden, namentlich aus der Überlegung heraus, dass
der Rechtsuchende auch im Rechtsmittelverfahren auf befristete Rechts-
mittel verwiesen ist (vgl. AGVE 2015, S. 430, Erw. 4.4.1; 1994, S. 364,
Erw. 1b/aa; Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2018.394 vom
23. April 2019, Erw. II/2.6).
Liegt keine Baubewilligung vor, hat die Intervention des Betroffenen innert
nützlicher Frist zu erfolgen (vgl. AGVE 2015, S. 430, Erw. 4.4.1; 1994,
S. 364, Erw. 1b/aa). Die frühere Rechtsprechung zog in solchen Situatio-
nen die (damals) ordentliche Beschwerdefrist von 20 Tagen heran (§ 40
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 9. Juli 1968
[aVRPG]); diese begann mit der Kenntnis vom Bauvorhaben bzw. der Mög-
lichkeit der Kenntnisnahme zu laufen (vgl. AGVE 1994, S. 364, Erw. 1b/aa;
1988, S. 396, Erw. 2c/cc, je mit Hinweisen). Im Vergleich dazu konnte ein
Dritter, welcher gemäss § 27 lit. b aVRPG zu Unrecht nicht in ein (Baube-
willigungs-)Verfahren einbezogen worden war oder welchem ein Entscheid
zu Unrecht nicht eröffnet worden war, gemäss § 28 aVRPG (heute § 66
Abs. 1 VRPG) innert einer Frist von drei Monaten bei der Baubewilligungs-
behörde ein Wiederaufnahmebegehren stellen (vgl. AGVE 1988, S. 396,
Erw. 2c/dd/bbb). Damit verbunden war eine gewisse Besserstellung eines
eigenmächtigen, ohne Baubewilligung handelnden Bauherrn gegenüber
demjenigen, welcher ein Bewilligungsverfahren durchlaufen hatte, das mit
einem bestimmten Verfahrensfehler behaftet war. Diese unerwünschte Pri-
vilegierung des eigenmächtigen Bauherrn veranlasste die Rechtsprechung
zu einer Änderung hinsichtlich der nützlichen Frist (vgl. Entscheid des Ver-
waltungsgerichts WBE.2018.394 vom 23. April 2019, Erw. II/2.6).
Nach der geltenden Rechtsprechung hat der Nachbar auch in den Fällen
eigenmächtigen Vorgehens des Bauherrn innert drei Monaten zu interve-
nieren, seit er vom Bauvorhaben Kenntnis nehmen konnte, d.h. seit er
Kenntnis genommen hat oder bei Anwendung der gebotenen Sorgfalt hät-
ten nehmen können (vgl. AGVE 2015, S. 430, Erw. 4.4.2; Entscheide des
Verwaltungsgerichts WBE.2018.394 vom 23. April 2019, Erw. II/2.6,
WBE.2003.287 vom 30. März 2005, Erw. II/2b/aa). Hierzu muss der be-
troffene Nachbar nicht mit einem förmlichen Begehren an den Gemeinde-
rat gelangen; es genügt eine formlose Intervention beim Bauherrn (vgl.
AGVE 2015, S. 430, Erw. 4.4.3; Entscheid des Verwaltungsgerichts
WBE.2018.394 vom 23. April 2019, Erw. II/2.6).
- 8 -
2.2.
Der Beschwerdeführer wirft dem BVU vor, baubewilligungspflichtige Bau-
ten bzw. Anlagen erstellt zu haben, die in den öffentlich aufgelegten und
vom Regierungsrat am 18. Dezember 2013 bewilligten Plänen nicht enthal-
ten gewesen seien. Er macht insoweit geltend, für die Bauten bzw. Anlagen
liege keine Bewilligung bzw. Genehmigung vor. Unter diesen Umständen
ist ein förmliches Wiederaufnahmebegehren im Sinne von § 65 VRPG nicht
erforderlich, es genügt, wenn der Beschwerdeführer innert drei Monaten,
seit er vom Bauvorhaben Kenntnis nehmen konnte, beim Bauherrn interve-
niert hat. Dass diese dreimonatige Frist klarerweise nicht eingehalten
wurde, legte bereits die Vorinstanz dar. Die vorinstanzliche Feststellung,
dass die Treppe mit Trittstein in der heutigen Form seit spätestens März
2017 besteht, ist unbestritten. Der Beschwerdeführer bestreitet auch nicht,
dass der erste nachweisliche Kontakt bezüglich der fraglichen Treppe mit
Trittstein bzw. mit dem Vorbringen, dass diese unrechtmässig sei, in Form
eines Schreibens an den Gemeinderat vom 4. Januar 2021 erfolgte. Zuvor
war im Februar 2019 eine erste telefonische Kontaktnahme mit dem BVU,
Abteilung Landschaft und Gewässer, erfolgt (angefochtener Entscheid,
S. 6). Diese tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz werden vom Be-
schwerdeführer nicht bestritten, weshalb kein Anlass besteht, an der Rich-
tigkeit dieser Angaben zu zweifeln.
Die Treppe mit Trittstein besteht in der heutigen Form somit seit spätestens
März 2017. Seit dann sind die Dimensionen der (bewilligungslosen) Baute
bzw. Anlage für den Nachbarn sichtbar und die Baubewilligungspflicht war
für ihn erkennbar. Entsprechend der dargelegten Rechtsprechung
(Erw. II/2.1) hatte der Beschwerdeführer ab diesem Zeitpunkt (März 2017)
drei Monate Zeit, um zu intervenieren. Diese Frist endete – wie die Vor-
instanz richtig festhielt – spätestens am 30. Juni 2017. Indem der Be-
schwerdeführer jedoch nach der Fertigstellung der Baute bzw. Anlage
knapp zwei Jahre zuwartete, bevor er erstmals intervenierte, erfolgte die
Intervention klar verspätet, weshalb die Vorinstanz auf den Antrag des Be-
schwerdeführers zurecht nicht eintrat. Die Beschwerde erweist sich inso-
weit als unbegründet.
3.
Demgemäss ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
III.
Bei diesem Verfahrensausgang wird der Beschwerdeführer kostenpflichtig
(§ 31 Abs. 2 VRPG). Parteikosten sind keine zu ersetzen (§ 32 Abs. 2
VRPG).
- 9 -