Decision ID: 31493609-1acc-55a0-82e6-0a84338aef81
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerinnen, zwei kurdische Schwestern mit letztem
Wohnsitz in C._ (Gouvernement al-Hasaka), reisten am (...) Okto-
ber 2017 mit Visa zusammen in die Schweiz ein, wo sie zwei Tage später
um Asyl nachsuchten. Im Rahmen ihrer Befragungen zur Person (BzP)
vom 20. Oktober 2017 und ihrer Anhörungen zu den Asylgründen vom
27. September 2018 (Beschwerdeführerin 2) respektive 29. November
2018 (Beschwerdeführerin 1) begründeten sie ihre Gesuche im Wesentli-
chen damit, dass die "Apoci" sie bedrängt hätten, für sie zu kämpfen. Ihr
Bruder D._ sei für die Apoci tätig gewesen und sei später wieder
aus ihren Reihen ausgetreten und habe das Land verlassen. Danach hät-
ten die Apoci immer wieder – zunächst im Monatsrhythmus, später in kür-
zeren Abständen – bei ihnen vorgesprochen und sie aufgefordert, die
Stelle ihres Bruders einzunehmen. Die Beschwerdeführerin 2 berichtete
zudem von schriftlichen Drohungen, die in ihren Hof geworfen worden
seien. Sie hätten sich diesen Behelligungen schliesslich durch die Ausreise
entzogen, zumal die allgemeinen Lebensumstände aufgrund der Kriegssi-
tuation immer unerträglicher geworden seien. Alle ihre Geschwister hätten
Syrien mittlerweile ebenfalls verlassen und würden sich im Nordirak und in
verschiedenen europäischen Staaten aufhalten, drei von ihnen in der
Schweiz.
B.
Mit zwei separaten Verfügungen vom 8. Mai 2020 – eröffnet je am 18. Mai
2020 – verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdefüh-
rerinnen, wies ihre Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz an, wobei es den Wegweisungsvollzug infolge Unzumutbarkeit
zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufschob.
C.
Die Beschwerdeführerinnen erhoben mit zwei separaten Eingaben an das
Bundesverwaltungsgericht vom 16. Juni 2020 (Datum der Postaufgabe)
Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfügung. Darin beantragten sie
jeweils die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Asylgewäh-
rung unter Anerkennung ihrer Flüchtlingseigenschaft. In verfahrensrechtli-
cher Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerden und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für die vorliegenden Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die beiden Beschwerden sind frist- und formgerecht eingereicht
worden. Die Beschwerdeführerinnen haben an den Verfahren vor der Vor-
instanz teilgenommen, sind durch die angefochtenen Verfügungen beson-
ders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung
beziehungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwer-
den legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie
Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.4 Auf die Beschwerden ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Aufgrund des engen sachlichen und persönlichen Zusammenhangs sind
die beiden Beschwerdeverfahren zu vereinigen. Es ist damit über die bei-
den Rechtsmittel in einem Urteil zu befinden.
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4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder
Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht
haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung
des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(Flüchtlingskonvention, FK; SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3
AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM begründete seine Asylentscheide im Wesentlichen damit,
dass eine zwangsweise Rekrutierung durch kurdische Milizen gemäss der
publizierten Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts flüchtlings-
rechtlich nicht relevant sei, weil es einerseits an einer relevanten Intensität
der zugefügten respektive zu befürchtenden Nachteile und andererseits an
einem asylrechtlich relevanten Motiv allfälliger Behelligungen fehle. Die
wiederholten Weigerungen der Beschwerdeführerinnen, den Platz ihres
Bruders D._ einzunehmen, hätten denn auch keine konkreten Kon-
sequenzen für sie gehabt. Soweit die Beschwerdeführerin 2 in vager und
unsubstanziierter Weise von schriftlichen Morddrohungen gesprochen
habe, sei dieses Vorbringen offensichtlich unglaubhaft, zumal ihre Schwes-
ter nichts Derartiges berichtet habe.
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5.2 In den Beschwerden wird im Wesentlichen geltend gemacht, dass die-
se Rekrutierungsversuche im konkreten Fall durchaus hinreichend intensiv
gewesen seien, um als ernsthafte Nachteile im Sinn des Asylgesetzes
qualifiziert zu werden. Zudem sei ihr Bruder aus dem Dienst bei den Apoci
desertiert, weshalb seine Schwestern von diesen als Oppositionelle wahr-
genommen worden seien und ihnen deswegen ein Politmalus drohe.
6.
Das Bundesverwaltungsgericht hält nach Durchsicht der Akten Folgendes
fest:
6.1 Die Beschwerdeführerinnen machen Rekrutierungsversuche durch
"Apoci" geltend. Diese Bezeichnung (wörtlich: Anhänger des Kurden-
führers "Apo" Abdullah Öcalan) wird in Syrien für Angehörige der Partiya
Yekîtiya Demokrat (PYD) verwendet; diese gilt als Schwesterpartei der
1978 von Öcalan in der Türkei gegründeten Partiya Karkerên Kurdistanê
(PKK). Die sogenannten Volksverteidigungseinheiten (Yekîneyên Parastina
Gel, YPG) sind der bewaffnete Arm der PYD.
6.2 Das SEM hat die Praxis des Gerichts zur Desertion und Refraktion im
Zusammenhang mit der PYD/YPG korrekt wiedergegeben:
6.2.1 Im Jahr 2014 wurde von der PYD in den kurdischen Gebieten Syriens
zwar eine Dienstpflicht für alle (männlichen) Bürger zwischen 18 und 30
Jahren eingeführt. Gemäss den vorliegenden Berichten haben jedoch Per-
sonen, welche sich dieser Verpflichtung entziehen wollen, keine asylrele-
vanten Nachteile zu gewärtigen (vgl. zum Ganzen das Urteil BVGer
D-5329/2014 vom 23. Juni 2015 E. 5.3, als Referenzurteil publiziert).
6.2.2 Eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion vermag zudem für sich
allein die Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen (vgl. auch Art. 3 Abs. 3
AsylG). Diese ist erst dann anzuerkennen, wenn die Behandlung wegen
Wehrdienstverweigerung oder Desertion zu einer Verfolgung im Sinne von
Art. 3 Abs. 1 AsylG führt. Hierfür muss die betroffene Person aus den in
dieser Norm genannten Gründen (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehö-
rigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauun-
gen) wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine Behand-
lung zu gewärtigen haben, die ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2
AsylG gleichkommt. Die Militärdienstpflicht als solche knüpft gerade nicht
an eine der in Art. 3 AsylG aufgeführten Eigenschaften an, sondern an den
Wohnort, das Alter und das Geschlecht. Die Wehrpflicht respektive eine im
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Falle einer Rückkehr nach Syrien zu befürchtende Zwangsrekrutierung
durch die PYD/YPG sind auch aus diesem Grund grundsätzlich nicht als
asylrechtlich relevant zu qualifizieren (vgl. dazu etwa die Urteile BVGer
D-7292/2014 vom 22. Mai 2015 E. 4.4.2, E-1063/2018 vom 14. März 2018
E. 7.1 oder E-1251/2017 vom 4. Dezember 2018 E. 5.4).
6.3 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin 2 im Zusammenhang mit den
schriftlichen Morddrohungen, welche in ihren Hof geworfen worden seien,
hat das SEM zu Recht als unglaubhaft qualifiziert: Sie gab zunächst zu
Protokoll, die Apoci hätten "so etwas wie eine Aufforderung in unseren Hof
geworfen. In dieser stand: 'Ihr müsst mit uns kommen' " (vgl. N [...] Proto-
koll A17 ad F69). Später war die Rede von Blättern, die "zwei oder drei Mal"
von ihnen in den Hof geworfen worden seien (vgl. a.a.O. ad F81). Darauf-
hin gab die Beschwerdeführerin 2 an, auf diesen in den Hof geworfenen
Blättern sei bloss eine Pistole abgebildet gewesen, und sie wisse nicht, ob
die Apoci diese impliziten Drohungen verfasst hätten oder jemand anderes,
zum Beispiel ihre Nachbarn (vgl. a.a.O. ad F 100 ff.). Diese Schilderungen
sind widersprüchlich. Zudem hat ihre Schwester nichts von solchen Ereig-
nissen berichtet. Und schliesslich wurden diese angeblichen Schriftstücke
ohne nachvollziehbaren Grund nicht zu den Akten gereicht.
6.4 Die Dauer der Rekrutierungsversuche wurde von der Beschwerdefüh-
rerin 2 mit "ungefähr zwei Jahre" angegeben (vgl. N [...], Protokoll A9 S. 7).
Ihre Schwester sprach – ohne Angabe einer Zeitspanne – von einer
"lange[n]" Zeit zwischen der Desertion und Ausreise des Bruders
D._ und dem Zeitpunkt ihrer eigenen Ausreise aus Syrien (vgl.
N [...], Protokoll A22 ad F68 und F69). Während dieser Zeitdauer haben
sie wegen ihrer Weigerung, den Platz des Bruders einzunehmen, gemäss
Akten keine ernsthaften Nachteile im Sinn von Art. 3 Abs. 2 AsylG erlitten
(was nebenbei letztlich die Richtigkeit der in E. 6.1.1 beschriebenen Praxis
des Bundesverwaltungsgerichts bestätigt). Es ist schon aus diesem Grund
nicht anzunehmen, dass sie bei der gänzlich hypothetischen – angesichts
ihrer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz – Rückkehr nach Syrien in ab-
sehbarer Zukunft eine andere Behandlung mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit zu gewärtigen hätten.
6.5 Soweit die Beschwerdeführerinnen auf das Urteil eines Landsmannes
verweisen lassen, in welchem die asylrechtliche Relevanz einer Zwangs-
rekrutierung durch die PYD/YPG vom Bundesverwaltungsgericht aner-
kannt worden sei (vgl. Beschwerde E-3108/2020 S. 3, Beschwerde
E-3109/2020 S. 6) ist Folgendes festzustellen: Im Urteil D-980/2017 vom
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12. September 2019 stellte das Gericht fest, dass es sich bei jenem Asyl-
suchenden um einen Politaktivisten handele, bei dem seine eigenen Akti-
vitäten und die herausragende politischen Stellung eines Verwandten in
Verbindung mit einer drohenden Entführung und/oder Rekrutierung durch
die PYD/YPG die Flüchtlingseigenschaft begründe (vgl. Urteil D-980/2017
E. 7.5 und E. 8). Die Beschwerdeführerinnen haben sich demgegenüber
gemäss ihren Angaben in Syrien nie politisch oder auf andere Weise be-
sonders exponiert. Ihre persönliche Situation ist mit derjenigen ihres
Landsmannes offenkundig nicht zu vergleichen, weshalb aus dessen Urteil
nichts zu ihren Gunsten abzuleiten ist.
6.6 Die Beschwerdeführerinnen haben – abgesehen von der bereits oben
erwähnten Desertion ihres Bruders D._ – nicht geltend gemacht,
sie seien wegen ihren Verwandten einer spezifischen Gefährdung im Sinn
einer sogenannten Reflexverfolgung ausgesetzt gewesen. Den Daten aus
dem Zentralen Migrationssystem (ZEMIS) ist bezüglich ihrer in der Schweiz
lebenden Geschwister Folgendes zu entnehmen:
6.6.1 Das am 14. Oktober 2015 gestellte Asylgesuch ihres Bruders
E._ (N [...]) wurde vom SEM mit Verfügung vom 30. Januar 2018
abgelehnt, wobei seine vorläufige Aufnahme infolge Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs angeordnet wurde. Eine gegen diese Verfügung er-
hobene Beschwerde wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil
D-1249/2018 vom 11. Juli 2018 abgewiesen. Am 30. Januar 2019 stellte
der Bruder E._ beim SEM ein Wiedererwägungsgesuch, das am
12. Dezember 2019 abgewiesen wurde. Ein in der Folge eingeleitetes Be-
schwerdeverfahren wurde vom Gericht mit Beschluss D-305/2020 vom
12. Februar 2020 infolge Rückzugs abgeschrieben.
6.6.2 Die Schwester F._ (N [...]) stellte ebenfalls am 14. Oktober
2015 – offensichtlich gemeinsam mit ihrem Bruder E._ – in der
Schweiz ein Asylgesuch. Mit Verfügung des SEM vom 28. Februar 2017
wurde sie vom SEM in Anwendung von Art. 51 Abs. 1 AsylG in die Flücht-
lingseigenschaft ihres Ehemannes einbezogen, was die vorgängige Ver-
neinung der originären Flüchtlingseigenschaft voraussetzte (vgl. Art. 37 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1]). Diese Verfügung er-
wuchs unangefochten in Rechtskraft.
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6.6.3 Der Bruder G._ (N [...]) stellte in der Schweiz am 13. März
2019 ein Asylgesuch. Das SEM wies dieses Gesuch – unter Anordnung
der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs – mit Verfügung vom 11. Juli 2019 ab. Eine gegen diesen Asylent-
scheid erhobene Beschwerde ist beim Bundesverwaltungsgericht hängig
(Verfahren D-4034/2019).
6.6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in der Schweiz bisher bei
keinem der Geschwister der Beschwerdeführerinnen die originäre Flücht-
lingseigenschaft festgestellt worden ist. Der Geschäftsverwaltung des Bun-
desverwaltungsgerichts ist zu entnehmen, dass alle bisher hier eingelegten
Rechtsmittel vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerinnen verfasst
worden waren.
6.6.5 Nachdem die Beschwerdeführerinnen auch auf Beschwerdeebene
keine Reflexverfolgung geltend machen (oder die in den angefochtenen
Verfügungen transparent gemachte Auswertung der drei beigezogenen
Asyldossiers ihrer Geschwister in irgendeiner Form kritisieren), erübrigen
sich in diesem Zusammenhang weitere Ausführungen.
6.7 Für beide in der Schweiz vorläufig aufgenommenen Beschwerdeführe-
rinnen ist nach dem Gesagten zusammenfassend festzuhalten, dass sie in
der Vergangenheit keine flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteile erlitten
und solche auch bei einer (hypothetischen) Rückkehr nach Syrien nicht mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft zu gewärtigen
hätten. Die Vorinstanz hat demnach zu Recht ihre Flüchtlingseigenschaft
verneint und die Asylgesuche abgewiesen.
7.
Lehnt das SEM ein Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Die Beschwerdeführerinnen verfügen insbesondere weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solche. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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8.
Nachdem das SEM in seinen Verfügungen vom 8. Mai 2020 angesichts der
Lage in Syrien die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festgestellt
und die vorläufigen Aufnahmen der Beschwerdeführenden angeordnet hat,
erübrigen sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit und
Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtenen Verfügungen
Bundesrecht nicht verletzen und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellen.
Die Beschwerden sind abzuweisen.
10.
10.1 Nachdem die materiellen Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin-
nen als aussichtslos im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG qualifiziert werden
müssen, sind ihre Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung ungeachtet der (bisher erst behaupteten) Mittellosigkeit abzuwei-
sen.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der vereinigten
Verfahren den Beschwerdeführerinnen unter solidarischer Haftung aufzu-
erlegen und für beide Verfahren auf insgesamt Fr. 950.– festzusetzen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1–3 und Art. 6a des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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