Decision ID: 1ad5dddd-1dc1-41e3-b1be-b0ae67b87159
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 3./8. Oktober 2018 (IV-act. 3) bei der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an. Sie (Mutter eines 200_ geborenen Kindes) habe eine
zweijährige Lehre (als _, vgl. Beilage IV-act. 6-19) absolviert. Seit ca. 2013 habe sie
Hüftprobleme (links zweimal operiert, rechts einmal) und ausserdem leide sie an
psychischer Belastung, andauernden Kopf- und Rückenschmerzen und fast täglicher
Migräne, Letzteres seit dem Kleinkindalter. Vom 29. März 2017 bis 30. April 2018 sei
sie zu 60 % als _/_ angestellt gewesen. Seit 1. Juni 2018 sei sie zu 100 %
arbeitslos. Vom 1. Juli 2018 bis 22. August 2018 habe sie in einem Pensum von ca.
35 % (bzw. 14 Stunden pro Woche) im Zwischenverdienst als _mitarbeiterin
gearbeitet. Sie sei zu 70 % arbeitsunfähig. - Die Versicherte legte ein Attest der Klinik
B._ vom 27. August 2018 (IV-act. 4) bei, wonach sie sich in regelmässigen
Abständen dort in ambulanter Behandlung befinde und derzeit (und in den nächsten
Monaten voraussichtlich ohne Besserung) aufgrund von anhaltenden
Hüftgelenksschmerzen keine Tätigkeit im Stehen ausüben könne.
A.a.
Die zuständige Arbeitslosenkasse teilte am 16. Oktober 2018 (IV-act. 10) mit, die
Versicherte habe sich ab 1. Juni 2018 als arbeitslos gemeldet und suche eine Stelle zu
80 %. Es werde ihr bei einem versicherten Lohn von Fr. 2'617.-- eine
Arbeitslosenentschädigung ausgerichtet.
A.b.
Die Arbeitgeberin der Anstellung als _ teilte am 24. _ 2018 (IV-act. 11)
telefonisch mit, sie könne den Arbeitgeberfragebogen wegen [...] nicht vor [...]
ausfüllen. - Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle hielt weiter fest (IV-act. 63), die
Arbeitgeberin habe ihr am 25. _ 2018 telefonisch zur Auskunft gegeben, die
Versicherte habe zu 60 % gearbeitet und ein Einkommen von 13-mal Fr. 2'_.--
erwirtschaftet (vgl. IV-act. 63-3). Die Versicherte selbst habe gleichentags (am 25. _
2018) auf ebenfalls telefonische Anfrage mitgeteilt, ohne Gesundheitsschaden würde
A.c.
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sie eine Stelle mit einem Pensum von 80 bis 100 % suchen. Sie habe ein Kind. Die
Tätigkeit im _ wäre wechselbelastend und damit ideal gewesen, doch habe sie aus
wirtschaftlichen Gründen die Kündigung bekommen (vgl. IV-act. 63-3). - Die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle notierte am 25. Oktober 2018 (vgl. IV-act. 63-4),
die Versicherte habe erklärt, vor den beiden Hüftoperationen ein höheres Pensum
ausgeübt zu haben. Beim RAV sei sie zu 80 % angemeldet. Sie werde als
Vollerwerbstätige qualifiziert.
Med. pract. C._, Allgemeinmedizin FMH, gab in seinem IV-Arztbericht zur
Eingliederung vom 21. Dezember 2018 (IV-act. 18 f.) an, bei der Versicherten
bestünden ein Status nach Re-Arthroskopie Hüfte links mit Offsetnachbesserung am
26.05.16, ein Status nach initialer Hüftarthroskopie und Mini open-Offsetkorrektur
12/2014, ein Status nach belastungsabhängigen Restbeschwerden Hüfte links im Sinn
einer Schwäche des M. gluteus medius bei positiven Trendelenburg-Zeichen und ein
Status nach Hüftgelenksarthroskopie und offener Schenkelhalsplastik rechts am
19.12.13. In den letzten drei bzw. zwei Jahren habe die Versicherte ohne ein
Arbeitsunfähigkeitsattest zu 20 bis 60 % (sc. ausserhäuslich) gearbeitet. Seit dem
29. November 2018 habe er ihr aufgrund der geschilderten Schmerzsymptomatik eine
Arbeitsunfähigkeit von 80 % attestiert. Es bestünden starke linksseitige
Hüftschmerzen, insbesondere beim langen Stehen oder Sitzen. Es persistierten
Dauerschmerzen, auch Nachtschmerzen. Für Tätigkeiten mit Wechselbelastung sei die
Versicherte nach ihren Angaben allerhöchstens zu 20 % arbeitsfähig bzw. mehr als
zwei bis drei Stunden Arbeit im Verkauf an einer _ seien ihr nicht zumutbar. Aufgrund
der Schmerzexazerbation müsse sie sich während der Haushaltaufgaben immer wieder
hinlegen. Die Arbeitsfähigkeit in einem Beruf im Stehen bzw. Sitzen bleibe aufgrund der
langjährigen Schmerzen ohne Aussicht auf erneute Operationserfolge - die seit 2016
persistierenden Schmerzen seien weder durch Physiotherapie noch durch Analgesie
adäquat beherrschbar - eingeschränkt. Das sollte durch ein Gutachten beurteilt
werden. Er selber habe die Hüfte nie untersucht. Die Versicherte habe eine
selbständige Medikation durchgeführt. - In einem beigelegten Bericht vom 30. Oktober
2014 (IV-act. 19-18 f.) hatte die _ D._ (Dr. med. E._) erklärt, es bestünden ein
Impingementsyndrom Hüfte links und ein St. n. Hüftgelenksarthroskopie und offener
Schenkelhalsplastik rechts 19.12.2013. Die Versicherte habe über seit gut drei Monaten
A.d.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 4/18
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bestehende Schmerzen des linken Hüftgelenks berichtet, identisch zur (sc. wohl
ehemaligen) Symptomatik rechts, wo sie postoperativ absolut beschwerdefrei sei. Am
1. Mai 2015 (IV-act. 19-12 f.) war berichtet worden, es bestünden (nebst dem oben
erwähnten Status rechts) ein St. n. CAM-Impingement Labrum vom 10.12.2014 bei
Hüftgelenksarthroskopie, Labrumglättung und offener Schenkelhalsplastik. Hinsichtlich
der inguinalen Schmerzen habe die Versicherte von der Operation deutlich profitiert
und sei praktisch beschwerdefrei. Zum Teil bestünden aber unverändert
belastungsabhängige, teilweise lageabhängige Schmerzen im Bereich der
Hüftgelenksaussenseite. Die Funktion des linken Hüftgelenks sei aktiv und passiv gut.
Die angebotene Infiltration wünsche die Versicherte nicht. - Die Klinik B._ hatte am
20. Juli 2018 (IV-act. 19-8 f., vgl. auch IV-act. 22-1 f.) festgehalten, vor zwei Jahren sei
eine Re-Arthroskopie erfolgt, die eine gewisse Besserung gebracht habe. Der
Dauerschmerz sei jedoch geblieben. Die ausgeprägten Hüftschmerzen links
beeinträchtigten die Versicherte im Alltag deutlich. In der klinischen Untersuchung habe
sich ein positiver vorderer und hinterer Impingement-Test gezeigt. Es sei ein neues
MRI, auch zur Beurteilung der Ausrichtung des Acetabulums, zu empfehlen. Die
Versicherte sei informiert worden, dass sie das verwendete Brufen (bis zu 5 à 800 mg)
wegen der bei Überdosierung bestehenden Nephrotoxizität nicht mehr einnehmen
solle. Am 22. August 2018 (IV-act. 19-10 f.) hatte die Klinik festgehalten, eine
intraartikuläre Genese für die Schmerzsymptomatik habe sich aus dem Bildmaterial
nicht erkennen lassen. Eine Tätigkeit im Sitzen, wie derzeit ausgeübt, sei der
Versicherten aufgrund der Beschwerdesymptomatik nicht möglich. Über den Erfolg des
Aufbautrainings werde sie in ca. drei Monaten berichten. Als Hauptdiagnose wurden
belastungsabhängige Restbeschwerden Hüfte links im Sinn einer Schwäche des
M. gluteus medius bei positivem Trendelenburg-Zeichen erwähnt, als Nebendiagnosen
einerseits ein chronisches zerviko- und thorakolumbales Schmerzsyndrom mit
Schulter- und Nackenhartspann und anderseits eine bekannte Migräne. Med. pract.
C._ antwortete am 28. März 2019 (IV-act. 42) auf Anfrage, an Migräne leide die
Versicherte seit Jahrzehnten und sie behandle die Symptome mittels Zomig. Die
zerviko- und thorakolumbalen Schmerzen würden sich durch die Hüftbeschwerden
erklären und würden weniger im Vordergrund zu stehen scheinen.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/18
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Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle hatte am 24. Januar 2019 (vgl. IV-
act. 63-3) festgehalten, die Versicherte habe erklärt, direkte Arbeitsunfähigkeitsatteste
für sie stelle die Klinik B._ nicht aus. Es habe sich ergeben, dass Physiotherapie
nichts bringe, weil kein muskuläres Problem bestehe. Sie sei zurzeit zu 20 % (zwei
Vormittage pro Woche) in einem Einsatzprogramm des Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrums (RAV). Am 25. Januar 2019 (vgl. IV-act. 63-4) wurde
festgehalten, der Eintritt des Gesundheitsschadens mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit sei auf den 29. November 2018 festzulegen.
A.e.
In seinem Gutachten vom 13. August 2019 (IV-act. 54 bis 61; Begutachtungen in
der Zeit vom 16. Juli bis 6. August 2019, IV-act. 54-4) benannte das BEGAZ Begut
achtungszentrum BL als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
Restbeschwerden Hüfte links bei St. n. Hüftarthroskopie links und Mini open-
Offsetkorrektur am 10.12.2014 und St. n. Rearthroskopie Hüfte links und
Offsetnachbesserung am 26.05.2016. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
seien der St. n. Hüftarthroskopie rechts und offener Schenkelhalsplastik am
19.12.2013, eine Misch-Cephalea (langjährige Migräne, Spannungskopfschmerz,
Medikamentenübergebrauchskopfschmerz) und u.a. ein St. n Zystenoperation der
Mamma. Tätigkeiten in ständigem (vgl. IV-act. 54-9) bzw. längerem (vgl. IV-act. 54-11)
Stehen und Gehen und solche mit repetitivem Tragen und Heben schwerer Lasten
seien aufgrund der verminderten Belastbarkeit wegen der anhaltenden residuellen
Hüftbeschwerden links dauerhaft nicht mehr geeignet. An den Migränetagen sei die
Versicherte zudem vorübergehend "ausser Gefecht gesetzt". Die diesbezügliche
Leistungseinschränkung mache insgesamt weniger als 10 % aus. Neurologisch
betrachtet sei die Versicherte vollschichtig arbeitsfähig. Wechselbelastende, also teils
im Sitzen, teils im Gehen auszuübende Tätigkeiten sollten ihr rein orthopädisch
medizinisch-theoretisch vollschichtig zumutbar sein, aufgrund der erheblichen
Beschwerdeproblematik mit einem vermehrten Pausenbedarf von 20 %. Diese
Einschätzung gelte spätestens nach Ablauf von sechs Monaten nach dem Hüfteingriff
links vom 26. Mai 2016 (vgl. IV-act. 54-12 oben) bzw. nach Konsensbesprechung
gesamtmedizinisch ab Januar 2017 (vgl. IV-act. 54-12 Mitte) für die angestammte
Tätigkeit als _. Diese Tätigkeit sei als weitgehend adaptiert zu betrachten, die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit in einem _ dagegen sei nicht zumutbar.
A.f.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 6/18
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Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung hielt am
14. August 2019 (IV-act. 62) fest, auf das Gutachten könne abgestellt werden. Es gebe
Hinweise auf relevante Inkonsistenzen. Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle legte
am 30. August 2019 (IV-act. 64) dar, aufgrund der subjektiven Überzeugung der
Versicherten, lediglich zu 20 % arbeitsfähig zu sein, seien keine beruflichen
Massnahmen anzubieten.
A.g.
Mit Vorbescheid vom 30. August 2019 (IV-act. 65) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Versicherten eine Abweisung des Gesuchs um
berufliche Massnahmen in Aussicht. - Die Versicherte wandte am 8. Oktober 2019 (IV-
act. 72) ein, die Sache sei nochmals abzuklären, allenfalls durch eine ergänzende
Begutachtung. Der Invaliditätsgrad und die Rente seien zu erhöhen und es seien
berufliche Massnahmen zu gewähren. Sie befinde sich in einer Notsituation und sei
nicht in der Lage, zu 80 % zu arbeiten. Ihre Schmerzen seien schlimmer, als sie in den
Berichten der IV-Ärzte beschrieben worden seien. Med. pract. C._ habe erklärt, es
sei keine Besserung in Sicht und es bestünden mässige (gemeint ev. massive)
Schmerzen. Gemäss seinem beigelegten Zeugnis vom 25. September 2019 (IV-
act. 72-2) sei sie zu 80 % arbeitsunfähig. Dem beigelegten Bericht über das RAV-
Einsatzprogramm im F._ vom 5. April 2019 (IV-act. 72-3ff.) sei ebenfalls zu
entnehmen, dass es ihr nicht möglich sei, mehr als zu 20 % zu arbeiten. - Die
Einsatzprogrammleitung hatte in dem Bericht über die Arbeit vom 7. Januar bis
12. April 2019 erklärt, es seien neun Krankheitstage, drei Tage Kinderbetreuung und
eine Woche Ferien in diese Zeit gefallen. Die Versicherte sei an elf Tagen anwesend
gewesen (Präsenzzeit an zwei Vormittagen pro Woche). Während der Anwesenheit sei
es zu keinen Ausfällen wegen Migräneanfällen gekommen, da diese meistens am
Nachmittag und an einem anderen Wochentag aufgetreten seien. Wegen der Absenzen
und der Hüft- und Kopf-Schmerzsituation habe die Präsenzzeit von 20 % nicht erhöht
werden können. Wenn die Schmerzen in einem erträglichen Rahmen gewesen seien,
was ungefähr während der halben Zeit der Fall gewesen sei, habe die Versicherte eine
volle Leistung erbracht, bei sehr starken Schmerzen eine solche zwischen 50 und
60 %, durchschnittlich etwa 70 %. Die permanenten Schmerzen hätten die Versicherte
auch psychisch belastet. Im April habe sie Zysten operieren lassen müssen.
A.h.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/18
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B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die am 23. März 2020 bei der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen erhobene (IV-act. 80), von
dieser am 30. März 2020 zuständigkeitshalber dem Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen überwiesene (IV-act. 85) und von der Beschwerdeführerin am 24. April 2020
verbesserte Beschwerde (act. G 1.1). Die Beschwerdeführerin beantragt die
Ausrichtung einer Invalidenrente. Sie sei nicht in der Lage, zu 80 % zu arbeiten. Ihre
Schmerzen seien schlimmer als in den Berichten der IV-Ärzte beschrieben. Eine
nochmalige Operation würde die Situation noch verschlimmern. Sie nehme täglich bis
zu sechzehn Tabletten, darunter auch Morphin in Reserve. Dem Bericht über das
Der RAD hielt am 14. November 2019 (IV-act. 73) fest, eine ergänzende Abklärung
könne nicht erfolgen, da bereits eine umfassende Begutachtung mit nachvollziehbarem
Ergebnis stattgefunden habe. Dass die Versicherte zu 20 % am Einsatzprogramm
teilgenommen und dass der Hausarzt eine Arbeitsunfähigkeit von 80 % attestiert habe,
sei den Gutachtern bekannt gewesen. An den Schlussfolgerungen des Schlussberichts
über das Einsatzprogramm sei kein Arzt beteiligt gewesen, so dass keine zuverlässigen
Angaben zur objektiv noch realisierbaren Leistung möglich gewesen seien. Es lägen
keine medizinischen Fakten vor, die eine gesundheitliche Verschlechterung seit der
Begutachtung dokumentieren würden.
A.i.
Mit Verfügung vom 21. November 2019 (IV-act. 75) wies die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle einen Anspruch der Versicherten auf berufliche
Massnahmen ab. Ein entsprechendes Angebot sei nicht zielführend und zweckmässig,
da sie sich zurzeit in lediglich niedrigem Teilzeitpensum für arbeitsfähig halte.
A.j.
Mit Verfügung vom 24. Februar 2020 (IV-act. 79; nach einem Vorbescheid vom
7. Januar 2020, IV-act. 78) lehnte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons
St. Gallen einen Rentenanspruch der Versicherten ab. Sie berechnete den
Invaliditätsgrad nach der gemischten Methode mit einer Aufteilung in 80 %
Erwerbstätigkeit und 20 % Haushalttätigkeit. Seit Januar 2017 liege in angestammter
wie ideal adaptierter Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80 % vor. Werde die
entsprechende Einschränkung von 20 % auf den Anteil von 80 % bezogen, ergebe sich
im Erwerbsbereich ein Teilinvaliditätsgrad von 16 %. Im Haushaltbereich habe sie keine
Einschränkung geltend gemacht. Damit bleibe es bei einem Invaliditätsgrad von 16 %.
A.k.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/18
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Einsatzprogramm könne entnommen werden, dass ihr eine Arbeit zu mehr als 20 %
nicht möglich sei. Eine Arbeitsunfähigkeit von 80 % werde ihr auch ärztlich bescheinigt.
- Am 29. Mai 2020 (act. G 7) beantragt die Beschwerdeführerin die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 8. Juli 2020 (act. G 11) beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Bei der Begutachtung habe eine
umfassende polydisziplinäre Untersuchung stattgefunden. Der gutachterlichen
Einschätzung komme ein grosses Gewicht zu. Das Gutachten habe sich auch mit der
hohen Medikamenteneinnahme der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt. Die Frage
nach den zumutbaren Arbeitsleistungen sei in erster Linie durch die Ärzte zu
beantworten. Das Ergebnis eines Einsatzprogramms sei erheblich von subjektiven
Aspekten wie der Motivation abhängig. Eine rein subjektive Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit sei nicht massgebend.
D.
Am 9. Juli 2020 (act. G 12) ist dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) entsprochen worden.
E.
Von der ihr mit Schreiben vom 9. Juli 2020 (act. G 13) eingeräumten Möglichkeit, zur
Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerin Stellung zu nehmen, hat die
Beschwerdeführerin keinen Gebrauch gemacht.

Considerations:
Erwägungen
1.
Im Streit liegt die Verfügung vom 24. Februar 2020, mit welcher die
Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin abgelehnt hat. -
Berufliche Massnahmen zu gewähren, hatte die Beschwerdegegnerin zuvor mit -
formell rechtskräftiger - Verfügung vom 21. November 2019 abgelehnt, da sich die
Beschwerdeführerin zu jenem Zeitpunkt in lediglich niedrigem Teilzeitpensum als
arbeitsfähig erachtet habe.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/18
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2.
Nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG, SR
831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch
auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch
auf eine Viertelsrente.
3.
Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen versicherten Personen ist
gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) anwendbar. Danach wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen; sog. allgemeine Methode der Invaliditätsbemessung). - Gemäss
Art. 28a IVG wird bei nicht erwerbstätigen versicherten Personen, die im
Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht
zugemutet werden kann, für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16
ATSG darauf abgestellt, in welchem Mass sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen (Abs. 2; spezifische Methode; vgl. auch Art. 8 Abs. 3 ATSG). - Bei
versicherten Personen, die nur zum Teil erwerbstätig sind (oder unentgeltlich im Betrieb
des Ehegatten mitarbeiten), wird die Invalidität gemäss Art. 28a Abs. 3 IVG für diesen
Teil nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig,
so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Abs. 2 festgelegt. In diesem Fall sind der
Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen
und ist der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte Methode).
3.1.
Die Beschwerdegegnerin hat den Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin in der
angefochtenen Verfügung nach der gemischten Methode mit einer Aufteilung in 80 %
Erwerbs- und 20 % Haushalttätigkeit berechnet. Diese Beurteilung erscheint nach der
Aktenlage plausibel, doch kann die Frage dahingestellt bleiben, da ihr keine
ausschlaggebende Bedeutung zukommt, wie sich aus dem Folgenden ergibt.
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/18
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4.
Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung (vgl. BGE 107 V 17 = ZAK 1982 S. 34, BGE 132 V 99 f. E. 4, vgl. BGE
141 V 281 E. 5.2.1).
4.1.
Der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sind im
Juli/August 2019 polydisziplinär begutachtet worden.
4.2.
Bei der allgemeininternistischen Begutachtung gab die Beschwerdeführerin an,
die Probleme mit dem krummen Rücken habe sie seit etwa dem 14. Lebensjahr (vgl.
IV-act. 55-6), die Hüftprobleme hätten etwa 2010 begonnen (vgl. IV-act. 55-7). Sie
erachte sich als zu 80 % arbeitsunfähig; einen Tag pro Woche könnte sie Arbeit im
Wechsel zwischen Sitzen, Gehen und Stehen ausüben (vgl. IV-act. 55-9). - Der
Gutachter der Allgemeinen Inneren Medizin beschrieb kurz den erhobenen Befund (vgl.
IV-act. 55-10). Er legte dar, welche Medikamente die Beschwerdeführerin einnehme
(vgl. IV-act. 55-9) und wies auf eine Blutserumspiegelmessung für Zaldiar (Paracetamol
und Tramadol) und Mephadolor (Mefenaminsäure) hin (vgl. IV-act. 55-10), ohne aber
die Ergebnisse zu benennen oder zu bewerten (vgl. aber IV-act. 59-3 und 61: Tramal
innerhalb Konsensusleitlinie, übrige beide - Paracetamol und Mefenaminsäure - nicht).
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit erhob er nicht (vgl. IV-act. 55-11). Als
Inkonsistenz benannte der Gutachter, dass die geklagten Schmerzen (von 5 auf der
VAS-Skala) klinisch nicht hätten nachvollzogen werden können (vgl. IV-act. 55-9).
4.2.1.
Bei der orthopädischen Begutachtung teilte die Beschwerdeführerin mit, sie
habe immerzu, auch nachts, Schmerzen. Beim Aufstehen komme es oft zu einer
Blockierung der linken Hüfte und zu einem Krampf mit Ausstrahlung in den
Kreuzbereich und in die linken Zehen, oft auch mit Taubheitsgefühl (vgl. IV-act. 56-6 f.).
Sie habe wegen der Beschwerden schon zwölf Tabletten Zaldiar am Tag einnehmen
müssen; zusätzlich nehme sie regelmässig Mephadolor und Novalgin ein. Zurzeit - am
Untersuchungstag (2. August 2019) - habe sie starke Schmerzen und Kopfweh,
derentwegen sie bis zur Begutachtung bereits vier Tabletten Zaldiar und ausserdem ein
Migräne-Mittel (Zomig oro) eingenommen habe (vgl. IV-act. 56-7). Daneben mache sie
gegen die Beschwerden regelmässig die im Fitness erlernten Übungen, nehme oft ein
warmes Bad und verwende Tigerbalsam (vgl. IV-act. 56-7). Nachts wache sie im
Stundentakt auf. Spazieren könne sie für rund eine halbe Stunde, Sitzen ohne
Unterbruch rund eineinhalb Stunden. Am besten sei Liegen mit unterlegten Kissen, fast
am schlimmsten und für maximal etwa eine Stunde möglich sei das Stehen an Ort (vgl.
IV-act. 56-8). - Der Gutachter der Orthopädie beschrieb den erhobenen Befund (vgl. IV-
4.2.2.
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act. 56-10 ff.) und konnte radiologische Untersuchungsbefunde mitbeurteilen (vgl. IV-
act. 56-12 ff.). Es wurde festgehalten, ein Arthro-MRI vom 4. Februar 2016 habe
gemäss Bericht der Klinik B._ eine ausgesprochen grosszügige Resektion am
femoralen Kopf-/Hals-Übergang gezeigt. Die Restbeschwerden seien auf eine dortige
ossäre Kante zurückgeführt worden. Am 31. August 2016 sei von deutlichen
Fortschritten (sc. in der Besserung der linken Hüfte) berichtet worden (vgl. IV-act. 56-5).
Am 10. August 2018 habe bildgebend ein Kapseldefekt festgestellt werden können (vgl.
IV-act. 56-6). Beurteilend wies der Gutachter auf die bildgebend festgestellte
grosszügige Korrektur der Offset-Problematik hin. Klinisch finde sich eine an sich
beidseits gut erhaltene Hüftbeweglichkeit mit Endphasenschmerz insbesondere in
Flexion, aber auch in Innenrotation. Seitens der ISG und der LWS habe keine relevante
Pathologie bestanden (vgl. IV-act. 56-15). Es bestehe eine gewisse Diskrepanz
zwischen den geäusserten Beschwerden und den objektivierbaren Befunden. Im
spontanen Verhalten scheine die Beschwerdeführerin nicht sehr eingeschränkt zu sein.
Beim Endphasenschmerz sei es nicht zu einer schmerzbedingten Gegeninnervation
gekommen. Der SLR (wohl: Straight Leg Raise) sei links deutlich schwächer
vorgetragen worden als rechts, während die Muskelumfänge symmetrisch gewesen
seien (vgl. IV-act. 56-16). Es sei erstaunlich, dass die Beschwerden an der linken Hüfte
auch heute noch sehr gross seien (vgl. IV-act. 56-16).
Bei der psychiatrischen Begutachtung erklärte die Beschwerdeführerin, sie habe
keine psychischen Probleme. Die (sc. Schmerz-) Situation sei nicht ganz einfach und
führe teilweise allenfalls zu leichteren Stimmungsschwankungen. Seit Kindheit leide sie
an Durchschlafstörungen und schlafe in der Regel nicht mehr als vier oder fünf Stunden
(vgl. IV-act. 57-3). - Der Gutachter der Psychiatrie hielt fest, es hätten keine Hinweise
auf eine psychische Störung gefunden werden können (vgl. IV-act. 57-7). Die
psychosoziale Situation sei belastet durch eine unklare Zukunftsperspektive und eine
relativ hohe [...]. Die Beschwerdeführerin sei in der Lage, auf ihre Fähigkeiten
zurückzugreifen und diese anzuwenden (vgl. IV-act. 57-8 f.).
4.2.3.
Bei der neurologischen Begutachtung gab die Beschwerdeführerin an, die
Migräneattacken mit massiver Intensität (VAS 10) dauerten je nachdem acht bis zwölf
Stunden an. Sie träten in wechselnder Häufigkeit, im Durchschnitt zwischen einmal in
zwei Monaten und zweimal pro Monat auf. Die Attacken erforderten jeweils den Notarzt
oder die Ambulanz, die Morphium spritzten. Sie setze vier- bis zwölfmal täglich Zalidar,
zwei- bis achtmal täglich Mephadolor und drei- bis viermal pro Woche Zomig oro ein,
in Reserve sei Novalgin, einmal wöchentlich bis einmal alle zwei Wochen. Mit
Ausnahme von Zomig oro nehme sie die Medikamente aber vor allem auch wegen der
4.2.4.
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Hüftschmerzen ein. Das früher eingenommene Irfen/Brufen dürfe sie wegen
Magenproblemen nicht mehr einsetzen. Sie habe auch Physiotherapie, Massage- und
naturärztliche Behandlungen sowie Akupunktur versucht, alles ohne Erfolg (vgl. IV-
act. 58-5). Neben der Migräne leide sie auch unter andersartigen, täglich (mit
Ausnahme von höchstens einem bis maximal zwei Tagen pro Woche) auftretenden,
konstanten Kopfschmerzen. Zurzeit der Untersuchung betrage die
Kopfschmerzintensität VAS 6. Die Rückenschmerzen habe sie seit dem 17. bis
18. Lebensjahr, sie seien immer vorhanden und hätten im Lauf der Jahre zugenommen.
Zurzeit lägen sie bei VAS 7. Unter Fitnesstraining seien die Beschwerden noch viel
schlimmer geworden (vgl. IV-act. 58-6 f.). - Der Gutachter der Neurologie beschrieb die
erhobenen Befunde (vgl. IV-act. 58-11 f.). Mit der in erster Linie zu beurteilenden,
langjährigen, im Verlauf unveränderten Kopfschmerzproblematik könne die seit 2014
geltend gemachte erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht begründet
werden (vgl. IV-act. 58-13). Es bestehe ein chronisches unspezifisches vertebragenes
Schmerzsyndrom mit thorakalem Maximum. Im Rahmen der klinisch neurologischen
Untersuchung habe sich weder zervikal noch lumbal ein radikuläres Reiz- und
Ausfallssyndrom feststellen lassen. Auch der übrige neurologische Status sei
unauffällig gewesen (vgl. IV-act. 58-14). Das Verhalten der Beschwerdeführerin sei
adäquat gewesen; das geltend gemachte Schmerzerleben habe sich in Mimik und
Bewegungsverhalten jedoch nicht nachvollziehen lassen (vgl. IV-act. 58-14). Rein
neurologisch betrachtet sei die Beschwerdeführerin vollschichtig arbeitsfähig. Die
Leistungseinschränkung infolge der Migräne betrage insgesamt weniger als 10 % (vgl.
IV-act. 58-15). Der hohe Schmerzmittelgebrauch verfestige die Komponente eines
Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes (vgl. IV-act. 58-16).
Wie sich aus dem oben Dargelegten ergibt, basiert das Begutachtungsergebnis
von - die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin beeinträchtigenden -
Restbeschwerden an der Hüfte links auf einem vollständigen und nachvollziehbar
begründeten allseitigen Gutachten, das in Kenntnis der Aktenlage und nach Erfragen
der Anamnese und der geklagten Beschwerden ergangen ist. Dem Gutachten vom
13. August 2019 - mit dem Ergebnis einer Arbeitsunfähigkeit von 20 % - kommt daher
ein grosser Beweiswert zu.
4.3.
Im Einzelnen ist dazu des Weiteren festzuhalten, dass die schon seit Kindheit
bestehende Migräne (vgl. IV-act. 54-8) im Gutachten unter die Diagnosen ohne Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit eingeordnet wurde (vgl. IV-act. 54-9). Die dadurch bewirkte
Leistungseinschränkung betrage weniger als 10 % (vgl. IV-act. 54-12). Gemäss dem
Gutachten stehen die Hüftbeschwerden der Beschwerdeführerin im Vordergrund (vgl.
4.3.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/18
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IV-act. 54-8). Es ist davon auszugehen, dass auch der Medikamentengebrauch im
Gutachten ausreichend gewürdigt wurde.
Aus den Darlegungen der Beschwerdeführerin zum Tagesablauf wurde eine nicht
zu vernachlässigende Einschränkung der Leistungsfähigkeit ersichtlich. So gab die
Beschwerdeführerin bei der Begutachtung gegenüber dem Gutachter der Allgemeinen
Inneren Medizin an, sie mache (als Hausfrau und Mutter) alles, was sie könne, aber
langsam (vgl. IV-act. 55-8). Bei der psychiatrischen Expertise beschrieb sie, sie
verrichte den Haushalt in Etappen und lege sich dazwischen hin und entspanne sich,
ohne zu schlafen. Sobald sie schlafe, träten vermehrt Kopfschmerzen oder Migräne auf
(vgl. IV-act. 57-3). Anlässlich der neurologischen Begutachtung erklärte sie gar, die
Tage verbringe sie mehr liegend als stehend. Immer wieder müsse sie sich hinlegen
oder absitzen (vgl. IV-act. 58-9). Die Einschränkungen wurden - wie es erforderlich ist -
gutachterlich berücksichtigt.
4.3.2.
Zur Aussage des Gutachters der Orthopädie, es sei erstaunlich, dass die beiden
Hüfteingriffe links keinerlei schmerzlindernden Effekt mit sich gebracht hätten (vgl. IV-
act. 56-16), ist zu erwähnen, dass gleichzeitig immerhin von einer "grosszügigen
Korrektur" der Offset-Problematik (sowie von einem Kapseldefekt, nebst einer
ehemaligen ossären Kante) an der linken Hüfte die Rede war (vgl. IV-act. 56-5 f, 56-15).
Auch im spontanen Verhalten der Beschwerdeführerin war ein leichtes Schonhinken
beobachtet worden (vgl. IV-act. 56-10 f.). Dagegen fällt etwa auf, dass bei der
orthopädischen wie bei der neurologischen Untersuchung das Trendelenburg-Zeichen
beidseits negativ gewesen war (vgl. IV-act. 56-11 und IV-act. 58-11). Die Angaben des
Gutachters erscheinen insgesamt nachvollziehbar. Die bei der Begutachtung
vorgefundenen Restbeschwerden der Beschwerdeführerin haben nach der
einleuchtenden Beurteilung der Gutachter denn auch Grund für die attestierte (Teil-)
Arbeitsunfähigkeit gebildet.
4.3.3.
Im Gutachten wurden ferner auch Ausführungen zu möglichen weiteren
Abklärungsmassnahmen gemacht. So wurde erwähnt, bei anhaltenden Beschwerden,
die eine höhergradige Wiederaufnahme der Arbeit verunmöglichten, wäre unter
Umständen ein weiterführendes SPECT-CT der linken Hüfte (mit der Frage nach
relevanter ossärer/articulärer Hüftgelenkspathologie links) sinnvoll. Diagnostisch
ebenfalls hilfreich wäre ausserdem eine allenfalls in Betracht zu ziehende Infiltration.
Zum Ausschluss einer relevanten Weichteilpathologie wäre unter Umständen auch
nochmals eine sonographische Beurteilung mit der Möglichkeit einer sonographisch
gesteuerten Intervention sinnvoll. Es sei aber nochmals zu betonen, dass aus rein
4.3.4.
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orthopädischer Sicht klinisch ausser der schmerzbedingt eingeschränkten
Hüftbeweglichkeit keine relevante Funktionseinbusse des linken Hüftgelenks
festgestellt werden könne. Das Management der Kopfschmerzproblematik - mit dem
hohen Schmerzmittelgebrauch - sei ungünstig. Aus neurologischer Sicht sei die
Einleitung einer Migräne-Intervallbehandlung (Einsatz eines Betablockers Typ
Propranolol oder Metoprolol; oder etwa von Topiramat; allenfalls flankierend mit einem
gemischten Wiederaufnahmehemmer Typ Venlafaxin oder Duloxetin oder mit einem
Trizyklikum Typ Amitriptylin) zu empfehlen. - Diese Hinweise stellen die abschliessend
geäusserte Arbeitsfähigkeitsschätzung der Experten für den Begutachtungszeitraum
nicht in Frage. Denn abgestellt wird diesbezüglich gemäss der entsprechenden
Begründung auf den klinisch erhobenen Befund. Daher ist, auch wenn auf das Erstellen
aktueller Bilder bei der Begutachtung verzichtet wurde, für den damaligen
Gesundheitszustand mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer
Arbeitsunfähigkeit des gutachterlich festgelegten Ausmasses auszugehen.
Auch die abweichende Beurteilung von med. pract. C._ vermag keine
erheblichen Zweifel am Beweiswert des Gutachtens zu begründen. Es sind keine
Faktoren erwähnt, welche im Gutachten nicht berücksichtigt worden wären. Ebenso
verhält es sich mit den Angaben im Bericht über das RAV-Einsatzprogramm. Dem
Ergebnis der polydisziplinären Begutachtung der medizinisch zumutbaren Leistung
kommt deshalb vorliegend der Vorrang zu.
4.3.5.
Die Beschwerdegegnerin ist demnach für Tätigkeiten mit ständigem bzw. längerem
Stehen und Gehen und für solche mit repetitivem Tragen und Heben schwerer Lasten
nicht mehr arbeitsfähig, für wechselbelastende, also teils im Sitzen, teils im Gehen
auszuübende Tätigkeiten hingegen vollschichtig arbeitsfähig, jedoch wegen der
erheblichen Beschwerdeproblematik mit einem vermehrten Pausenbedarf von 20 %.
4.4.
Diese Arbeitsunfähigkeitsschätzung lässt sich auch auf den Haushalt übertragen.
Auch wenn in einem Haushalt auch Tätigkeiten im Stehen und Gehen (selten allenfalls
auch mit Tragen von Lasten über 5 bis 10 kg, vgl. IV-act. 54-11) erforderlich sind, ist
eine Wechselbelastung dort möglich. Unter dieser Voraussetzung wird im Gutachten
für eine ausserhäusliche Erwerbsarbeit eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % attestiert. Eine
höhere Arbeitsunfähigkeit kann demnach auch für den Tätigkeitsbereich im Haushalt
mit der vergleichsweise freieren Arbeitseinteilung nicht angenommen werden.
4.5.
Retrospektiv hielten die Gutachter fest, diese Einschätzung gelte spätestens ab
dem Ablauf von sechs Monaten nach dem Hüfteingriff links vom 26. Mai 2016 (vgl. IV-
act. 54-12 oben) bzw. gemäss der Konsensbesprechung gesamtmedizinisch ab Januar
4.6.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 15/18
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5.
2017 (vgl. IV-act. 54-12 Mitte) für die angestammte, weitgehend adaptierte Tätigkeit als
_. - Gemäss dieser Beurteilung ist davon auszugehen, dass in der Zeit vor diesem
Datum (vom Januar 2017) zumindest ab der Operation vom Mai 2016 eine höhere
Arbeitsunfähigkeit angenommen wurde (echtzeitlich dokumentiert wurde eine solche
von 100 % vom 12. Juli 2016 bis 18. September 2016, danach für wechselbelastende
Tätigkeiten eine solche von 50 %, vgl. IV-act. 33, 34, 36; dann weitere Verbesserung,
vgl. IV-act. 37). Nach Lage der Akten erscheinen auch bereits früher - vorübergehende
- höhere Arbeitsunfähigkeiten möglich, handelte es sich doch beim betreffenden
Eingriff vom Mai 2016 um eine Re-Arthroskopie Hüfte links mit Offsetnachbesserung
nach der ersten Hüftoperation links vom Dezember 2014. Med. pract. C._ hat dazu
festgehalten, die Beschwerdeführerin habe seit 2015 bzw. 2016 ohne Attest einer
Arbeitsunfähigkeit nur teilzeitlich - zu 20 bis 60 % - gearbeitet. Er hat der
Beschwerdeführerin allerdings erst ab 29. November 2018 ein solches Attest (einer
Arbeitsunfähigkeit von 80 %) ausgestellt. Nach dem Dargelegten rechtfertigt sich
insgesamt mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die Annahme, dass keine Wartezeit
von einem Jahr mit einer anhaltenden, ununterbrochenen, im Durchschnitt mindestens
40 % ausmachenden Arbeitsunfähigkeit ablief, an deren Ende zudem eine
Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität rentenbegründenden Ausmasses (vgl. unten E. 5)
vorlag.
In erwerblicher Hinsicht ist festzuhalten, dass der erlernte Beruf für die
Beschwerdeführerin weiterhin geeignet und ihr seine Ausübung nach gutachterlicher
medizinischer Beurteilung zu 80 % zumutbar ist.
5.1.
Bei der Invaliditätsbemessung wird wie in Art. 16 ATSG angeordnet eine
ausgeglichene Arbeitsmarktlage angenommen. Es kommt demnach nicht darauf an, ob
eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen tatsächlich an eine
Stelle vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob und in welchem Rahmen sie
die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die
verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprächen (vgl.
Bundesgerichtsurteil vom 4. Mai 2018, 9C_294/2017 E. 5.4.2., AHI 1998 S. 287 E. 3b).
Der massgebliche theoretische und abstrakte ausgeglichene Markt (vgl. BGE 134 V 64,
BGE 129 V 480 E. 4.2.2) hat nämlich rein hypothetischen Charakter und dient
ausserdem dazu, die Risiken von Arbeitslosigkeit und Invalidität voneinander
abzugrenzen (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 23. September 2014, 9C_192/2014 E. 3.1;
BGE 110 V 276 E. 4b, vgl. auch BGE 134 V 64, BGE 129 V 480 E. 4.2.2). Was die
verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch den körperlichen
5.2.
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Einsatz angeht, weist er einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten auf (vgl.
Bundesgerichtsentscheide vom 5. November 2018, 9C_304/2018 E. 5.1.1, und vom
10. April 2019, 8C_811/2018 E. 4.4.1). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
umfasst er selbst sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote,
bei welchen gesundheitlich Beeinträchtigte mit einem sozialen Entgegenkommen von
Seiten des Arbeitgebers rechnen können (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 18. Dezember
2019, 9C_693/2019 E. 5.1.3, und vom 28. November 2014, 9C_485/2014).
Realitätsfremde Einsatzmöglichkeiten dürfen bei der Invaliditätsbemessung aber nicht
berücksichtigt werden. Von einer zumutbaren Tätigkeit im Sinn von Art. 16 ATSG kann
insbesondere dort nicht gesprochen werden, wo sie nur in so eingeschränkter Form
möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt, oder dass sie
nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers
möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb von vornherein als
ausgeschlossen erscheint (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 8. Oktober 2015,
8C_582/2015, und vom 25. September 2018, 8C_290/2018 E. 5.4, ZAK 1991 S. 318
E. 3b).
In Anbetracht des Umstands, dass gemäss dem Gutachten eine teilweise
anfallsartig auftretende Arbeitsunfähigkeit ("an den Migränetagen ... vorübergehend
jeweils ausser Gefecht gesetzt", IV-act. 54-10) anzunehmen ist, erscheint die
Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin selbst auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt erschwert. Zum Intervall der Migräneanfälle gab die
Beschwerdeführerin bei der neurologischen Begutachtung an, diese träten in
wechselnder Häufigkeit, im Durchschnitt zwischen einmal in zwei Monaten und
zweimal pro Monat auf. Sie gab allerdings auch an, drei- bis viermal pro Woche (das
Migränetherapeutikum) Zomig oro einzunehmen (der entsprechende Serumspiegel
wurde - soweit ersichtlich - nicht gemessen). Gemäss dem Gutachten besteht die
Migräne wie erwähnt schon seit Kindheit (vgl. IV-act. 54-8) und das Leiden bewirkt -
nur, aber immerhin - eine Leistungseinschränkung von weniger als 10 % (vgl. IV-
act. 54-12). Die Ausübung der angestammten Tätigkeit ist der Beschwerdeführerin
nach gutachterlicher Beurteilung, welcher wie erwähnt gefolgt werden kann, insgesamt
weiterhin zu 80 % zumutbar. Die Beschwerdeführerin bezeichnete ihre zuletzt
tatsächlich ausgeübte Tätigkeit in einem _ als ideal; sie hat die - allerdings lediglich
teilzeitliche - Stelle nicht aus gesundheitlichen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen
verloren. In Anbetracht der oben dargelegten weitreichenden Möglichkeiten der
Verwertbarkeit von Arbeitsfähigkeit auf dem massgeblichen Arbeitsmarkt gemäss der
Rechtsprechung (einschliesslich gar von Nischenarbeitsplätzen) und der konkreten
Gegebenheiten kann angenommen werden, dass es auf einem ausgeglichenen
5.3.
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6.
Arbeitsmarkt ausreichend viele zugängliche Arbeitsmöglichkeiten für die
Beschwerdeführerin gibt.
Dementsprechend ist in einem Einkommensvergleich ein invaliditätsbedingter
Einkommensausfall von etwa 20 % zu erwarten, der (da unter 40 % liegend) keinen
Anspruch auf eine Rente gibt. Im Übrigen hat die Beschwerdeführerin vor Eintritt der
gesundheitlichen Beeinträchtigung gemäss IK-Auszug auch kein im Vergleich zu den
statistisch erhobenen Löhnen für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher
Art (gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik,
Kompetenzniveau 1) überdurchschnittliches Einkommen erzielt, so dass bei einer
allfälligen anderweitigen (als der angestammten) Tätigkeit kein Unterschied im
Lohnniveau für die Invaliditätsbemessung relevant ist. Ein Grund für einen
rentenrelevanten Abzug besteht nicht.
5.4.
Ein höherer Invaliditätsgrad ergibt sich wie oben dargelegt auch im Haushalt nicht.
Daher ist die Methode der Invaliditätsbemessung vorliegend nicht ausschlaggebend.
5.5.
Die angefochtene Rentenabweisung ist demnach nicht zu beanstanden.5.6.
Eine Prüfung beruflicher Massnahmen kann die Beschwerdeführerin angesichts
einer Arbeitsunfähigkeit von 20 % bei der Invalidenversicherung allenfalls nochmals
beantragen. Angemerkt werden kann, dass es Voraussetzung einer Zusprache ist, dass
die versicherte Person subjektiv eingliederungsfähig und -willig ist. Die Frage gehört
allerdings - mangels Rentenanspruchs ohne solche Massnahme - nicht zum
vorliegenden Streitgegenstand.
5.7.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.6.1.
Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Die
Beschwerdeführerin ist im Verfahren unterlegen, weshalb ihr die Gerichtskosten in der
Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen sind. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen
Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten) am 9. Juli 2020 ist sie jedoch von
deren Bezahlung zu befreien. - Wenn ihre wirtschaftlichen Verhältnisse es ihr gestatten,
kann sie jedoch zur Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet werden (vgl. Art. 123
6.2. bis
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