Decision ID: 50e6efb3-b6b8-4288-b0f8-ad2aad1e7446
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1988, Mutter einer im Jahre 2008 geborenen Tochter (Urk. 7/2 Ziff. 3), absolvierte nach der obligatorischen Schulzeit eine
Vorlehre
am Berufs- und Weiterbildungszentrum
Y._
(Urk. 7/2 Ziff. 5.2
) und war zuletzt als Malerin in einem Arbeitsprogramm tätig (Urk. 7/7), bis sie sich am 2. Juli 2020 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
meldete (Urk. 7/
2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte in der Folge erwerbliche (Urk. 7/14) und medizinische Abklärungen (Urk. 7/9, Urk. 7/22-23, Urk. 7/32, Urk. 7/34-35)
und verneinte
n
ach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/42, Urk. 7/44-45) mit Verfügung vom 1. Februar 2022 einen Leistungsanspruch der Versicherten (Urk. 7/49 = Urk. 2).
2
.
Die Versicherte erhob am 4. März 2022 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1. Februar 2022 (Urk. 2) und beantragte die
Zusprache
der gesetzlichen Leistungen sowie die Durchführung einer medizinischen Begutachtung (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 2. Mai 2022 schloss die IV-Stelle auf Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin mit Gerichts
verfügung vom
24. Mai 2022
mitgeteilt wurde. Gleichzeitig wurden antrags
gemäss (Urk. 1 S. 1) die unentgeltliche Prozessführung
und Rechtsvertretung
bewilligt
(Urk.
8
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Eine Rente nach Abs. 1 wird nicht zugesprochen, solange die Möglichkeiten zur Eingliederung im Sinne von Art. 8 Abs. 1
bis
und 1
ter
nicht ausgeschöpft sind (Art. 28 Abs. 1
bis
IVG).
Gemäss Art. 28b Abs. 1 IVG wird die Höhe des Renten
anspruchs in prozentualen Anteilen an einer ganzen Rente festgelegt. Bei einem Invaliditätsgrad von 50-69 % entspricht der prozentuale Anteil dem Invaliditäts
grad (Abs. 2). Bei einem Invaliditätsgrad von 70 % besteht Anspruch auf eine ganze Rente (Abs. 3). Bei einem Invaliditätsgrad unter 50 % gelten die folgenden prozentualen Anteile (Abs. 4):
Invaliditätsgrad
prozentualer Anteil
49 Prozent
47.5
Prozent
48 Prozent
45
Prozent
47 Prozent
42.5
Prozent
46 Prozent
40
Prozent
45 Prozent
37.5
Prozent
44 Prozent
35
Prozent
43 Prozent
32.5
Prozent
42 Prozent
30
Prozent
41 Prozent
27.5
Prozent
40 Prozent
25
Prozent
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 140 V 193 E. 3.2 mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten ver
sicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Ver
sicherungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Ver
sicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Ab
klärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung aus, es seien keine Diagnosen ausgewiesen, welche die Arbeitsfähigkeit langandauernd beein
flusse
n würden
. Es sei der Beschwerdeführerin daher möglich, jegliche beruf
liche
n
Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt auszuführen und ein Einkommen zu
erzielen
, welches eine Invalidenrente ausschliesse. Das Leistungsgesuch werde daher abgewiesen (Urk. 2 S. 1).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, die Entscheidung der Beschwerdegegnerin lasse sich mit den getätigten Abklärungen nicht recht
fertigen. Diese wäre verpflichtet gewesen, den Sachverhalt weiter abzuklären (Urk. 1 S. 4
Rz
10).
Sie sei weder verwaltungsextern durch einen Gutachter noch durch die beteiligten RAD-Ärzte untersucht worden, der Leistungsentscheid basiere auf einer reinen Aktenbeurteilung seitens der involvierten RAD-Ärzte (S. 6
Rz
18). Die Beurteilung durch die RAD-Ärzte w
e
iche sowohl in der psychiatrischen als auch in der rheumatologischen Stellungnahme deutlich von derjenigen der behandelnden Ärzte ab (S. 7
Rz
20). Sie hätten sich weder mit dem Verlauf auseinandergesetzt noch mit den Wechselwirkungen zwischen der psychischen und rheumatologischen Erkrankung (S. 7
ff.
Rz
21
ff.
).
Zudem sei der Status nicht korrekt ermittelt worden, dessen Feststellung sei eine reine Behauptung seitens der Beschwerdegegnerin (S. 9
Rz
29).
2.3
Strittig und zu prüfen ist damit der Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin sowie insbesondere die Frage, ob der medizinische Sachverhalt
rechtsgenüglich
abgeklärt wurde.
3.
3.
1
In ihrem Bericht vom 30. Oktober 2013 nannten die Ärzte des
Spitals Z._
, Rheumatologie, folgende Diagnosen (Urk. 7/34/17-19 S. 1):
-
Verdacht auf
e
osinophile
Fasziitis
-
wahrscheinlich primäres Raynaud-Syndrom (seit dem Kindesalter)
-
chronischer Nikotinabusus
Seit ungefähr einem halben Jahr bestünden Knieschmerzen links, innert kurzer Zeit sei es zu Schmerzen auch im rechten Knie gekommen sowie zu einem abend
lich betonten Spannungsgefühl und Schwellung beider Unterschenkel (S. 1).
Zum jetzigen Zeitpunkt könne eine
eosinophile
Fasziitis
als wahrscheinlichste Diagnose angenommen werden. Weil diese als Ausschlussdiagnose zu handhaben sei und hämatologische und rheumatologische Erkrankungen gehäuft assoziiert vorhanden seien, müsse in den nächsten Jahren eine engmaschige Beobachtung erfolgen. Aktuell sei die Beschwerdeführerin aufgrund der ausgeprägten Schwellungen mit unmöglichem Faustschluss vollständig arbeitsunfähig. Bei zu erwartendem rasche
m
Abklingen im Rahmen einer konsequenten Steroidtherapie sei
rheumatologischerseits
auch ein rasches Wiedererlangen der Arbeitsfähigkeit zu erwarten (S. 3).
3
.2
Am 10. Februar 2014 hielten die Ärzte des
Spitals Z._
einen zwischenzeitlich erfreulichen Verlauf fest. Es sei eine Besserung festzuhalten, der Befund sei aber immer noch deutlich ausgeprägt. Ab dem 10. Februar 2014 sei eine Arbeitsfähigkeit für leichte Tätigkeiten in trocken-warmer Umgebung und ohne Heben von schweren Lasten gegeben (Urk. 7/34/4-5 S. 2).
In ihrem Bericht vom 19. Dezember 2014 konstatierten die Ärzte Ein
schränkungen der Arbeitsfähigkeit für Arbeiten in kühler Umgebung und für manuell schwere Tätigkeiten. Die Schilderung der Beschwerdeführerin, dass sie zwischenzeitlich einen kurzen Temporär-Job in der Baumalerei zu 100 % und ohne Probleme bewältigt habe und sie diese Arbeit
als ideal empfinde, spreche für eine befriedigende Kontrolle der Grunderkrankung (Urk. 7/34/8-9 S. 2).
Am 27. Januar 2016 führten die Ärzte bei sehr erfreulichem Verlauf sodann aus, die Arbeitsfähigkeit für eine leichte Tätigkeit in normaler Umgebungstemperatur und unter Vermeidung von Wasser-/Chemikalienexposition der Hände sei aus rheumatologischer Sicht derzeit nicht eingeschränkt (Urk. 7/
34/
10-11 S. 2).
3.
3
In ihrem Bericht vom 31. August 2019 nannten die Ärzte der
Klinik A._
, Rheumatologie,
im Wesentlichen
folgende Diagnosen (Urk. 7/44/3-6 S. 1):
-
Polyarthritis mit auffällig
skleridermiformen
Hautveränderungen an den Ober- und Unterextremitäten
-
Status nach wahrscheinlich sekundärem Karpaltunnel
syndrom
-
Status nach
Polytoxikomanie
2016 bis August 2018
-
fortgesetzter Nikotinabusus
-
auffälliger, kontrollbedürftiger
Nävus
interskapulär
Es bestehe nach wie vor eine recht deutliche Aktivität bezüglich der ätiologisch unklaren entzündlich-rheumatologischen Erkrankung
mit aktuell Arthritiden vor allem noch am linken Handgelenk, nur gering dem rechten sowie am rechten Kniegelenk und weniger ausgeprägt
am
linken sowie mit
regredienten
Haut
veränderungen im Rahmen einer möglichen,
eosinophilen
Fasziitis
respektive Sklerodermie (S. 3). Die Beschwerdeführerin habe ihre Arbeit am
B._
auf
grund der Beschwerden aufgeben müssen. In der bisherigen Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 4).
3.
4
Am 30. März 2020 diagnostizierten die Ärzte der
Klinik A._
zu
sätzlich eine iatrogene Nebenniereninsuffizienz (Urk. 7/9/9-14 S. 2) und führten aus, es bestehe aktuell eine wahrscheinliche Remission bezüglich der ätiologisch unklaren Polyarthritis unter fortgesetzter Behandlung mit
Imurek
und
Spiricort
. Aufgrund einer telefonischen Besprechung etwas schwierig einzuordnen sei die relativ langanhaltende Morgensteifigkeit an einzelnen Gelenken. Dies könne Aus
druck einer gewissen entzündlichen Restaktivität sein.
Aktuell sei nicht ganz klar, wie sich die Arbeitsunfähigkeit entwickelt habe. Grundsätzlich sei eine An
meldung bei der Invalidenversicherung sinnvoll (S. 3).
3.
5
Der Hausarzt
C._
, Praktischer Arzt, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in seinem Bericht vom 30. Juli 2020 (Urk. 7/9/4-8) unter Verweis auf den Bericht der
Klinik A._
vom 30. März 2020 (Ziff. 2.4-6) aus, seit Februar 2019 sei die Beschwerdeführerin für das Arbeitsprogramm
B._
vollständig arbeitsunfähig (Ziff. 1.3). Die Prognose sei mässig bis gut (Ziff. 2.7 und 4.3)
und eine
angepasste Tätigkeit während zwei bis vier Stunden täglich zumutbar (Ziff. 4.2).
3.
6
In ihrem Bericht vom 16. Februar 2021 (Urk. 7/23) nannten die Ärzte des Uni
versitätsspitals
D._
, Klinik für Rheumatologie, folgende Diagnosen (S. 1):
-
undifferenzierte Polyarthritis
-
Status nach
eosinophiler
Fasziitis
-
Raynaud-Syndrom
-
f
unktionelles 3/6
Systolikum
p.M.
über Aorta
In Zusammenschau der Befunde gebe es aktuell keine Hinweise auf das Vorliegen einer Kollagenose. Am ehesten liege ein primäres Raynaud-Syndrom
vor. Da ein eher geringer Leidensdruck bestehe, erscheine aktuell keine symptomatische medikamentöse Therapie zwingend (S. 2). Bezüglich der Gelenkschmerzen bleibe die Diagnose einer undifferenzierten Polyarthritis unverändert. Eine axiale Beteiligung im Sinne einer Spondylarthritis habe mittels MRI ausgeschlossen werden können. Es seien keine weiteren Termine vorgesehen (S. 3).
3.
7
Am 12. April 2021 hielten die Ärzte des
Universitätsspitals D._
, Klinik für Rheumatologie, fest, die Behandlung sei abgeschlossen (Urk. 7/22 Ziff. 1.2). Es sei keine Arbeitsunfähig
keit attestiert worden, möglicherweise werde die Arbeitsfähigkeit jedoch durch die undifferenzierte chronische Polyarthritis beeinflusst (Ziff. 2.5). Aufgrund der kurzen Behandlungsdauer sei eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähig
keit nicht möglich, insbesondere auch, da von Seiten der psychischen und psychiatrischen Diagnosen zu wenig Informationen vorlägen (Ziff. 2.7). Die Prog
nose sei allein aufgrund der Polyarthritis gut, andere Faktoren könnten dabei jedoch nicht miteinbezogen werden (Ziff. 4.3).
3.
8
In seinem Bericht vom 23. September 2021 nannte
der behandelnde
Arzt
des
Zentrums E._
folgende Diagnosen (Urk. 7/32 Ziff. 2.5):
-
psychische und Verhaltensstörung durch Opioide: Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwachten Ersatzdrogen
programm (ICD-10 F11.22)
-
S.
aureus
Bakteriämie am 10. April 2021 bei Abszess
Ellbeuge
links bei intravenösem Heroinkonsum
-
Polyarthritis
-
eosinophile
Fasziitis
Die Beschwerdeführerin sei
seit Oktober 2019
im
Zentrum E._
angebunden für die Sub
stitutionsbehandlung mit
Opioidagonisten
, weitere Behandlungsaufträge würden nicht vorliegen. Auf der psychiatrischen Ebene lägen vor allem die durch
Dekonditionierung
bedingte
n
früheren Erschöpfungserscheinungen vor, darüber hinaus bestünden noch mässig ausgeprägte soziale Ängste. Die weitere Sympto
matik werde bedingt durch die rheumatologische Erkrankung, es sei dies
bezüglich beim behandelnden Rheumatologen nachzufragen (Ziff. 2.2).
Die Beschwerde
führerin habe seit dem 2
5.
Lebensjahr regelmässig Heroin und Kokain konsumiert.
Im Jahr 2018 sei ihr der Führerschein abgenommen worden, da bei einer Kontrolle Konsumutensilien gefunden worden seien.
Momentan befinde sie sich in einer stabilen Substitutionsbehandlung mit einem langwirksamen Morphinpräparat (SROM). Im Vorjahr sei es zu einem einmaligen Konsumereignis gekommen. Am Wochenende konsumiere die Beschwerdeführerin gelegentlich Alkohol. Sie wohne in einer WG und sei in einer langjährigen Beziehung. Die 13-jährige Tochter werde hauptsächlich bei der Mutter der Beschwerdeführerin in
F._
erzogen (
Ziff.
2.1).
Die momentan vorliegende ein
geschränkte Arbeitsfähigkeit werde in psychischer Hinsicht durch die lange
Dekonditionierungszeit
bedingt, die Beschwerdeführerin habe letztmals vor 13 Jahren eine 100%ige Anstellung
innegehabt
. Momentan sei von e
iner Arbeits
fähigkeit von 40 % in geeignetem Setting auszugehen, welches im Rahmen einer Wiedereingli
eder
ungsmassnahme auszubauen sei. Aufgrund der rheuma
tologischen Krankheit bestünden laut Rheumatologen erhebliche Ein
schränkungen der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Malerin. Spezifische Angaben seien beim behandelnden Rheumatologen einzuholen (Ziff. 2.7). Aktuell sei die Beschwerdeführerin in einem Arbeitsprogramm auf dem zweiten Arbeitsmarkt als Hundetrainerin in einem Pensum von zirka 40 % tätig (Ziff. 3.1). Die Beschwerdeführerin sei eine
Tättowierkünstlerin
, dies mache sie fachkundig und sorgfältig. In diesem Bereich zeige sie Kompetenzen, die ihr sonstiges Arbeitsleistungsprofil übersteigen würden (Ziff. 3.5). Die bisherige Tätigkeit sei bis zu fünf Stunden täglich zumutbar, aber in einem Pensum von 50 % (Ziff. 4.1). Eine angepasste Tätigkeit wäre momentan während fünf Stunden zumutbar, dies wäre aber im Rahmen einer arbeitsrehabilitativen Massnahme auszubauen (Ziff. 4.2). Die Prognose werde vor allem durch die rheumatologische Problematik eingegrenzt. Auf der psychischen Ebene werde die Prognose als gut eingeschätzt. Es müsse dabei aber bemerkt werden, dass die Arbeitsbelastung während der Behandlung sehr niedrig gewesen sei im Vergleich mit der früheren Arbeitsfähigkeit vor 13 Jahren und die Beschwerdeführerin daher nie unter grösserer Arbeitsbelastungen habe beobachtet werden können (Ziff. 4.3).
3.
9
RAD-Arzt
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, gab am 19. Oktober 2021 seine Beurteilung ab, hielt jedoch als Vorbemerkung fest, er als Psychiater sei limitiert, ein rheumatologisches Krankheitsbild zu beur
teilen. Er habe trotzdem versucht, so gut es gehe eine versicherungs
medizinische Beurteilung vorzunehmen. Ein psychiatrischer Gesundheitsschaden mit an
haltender Beeinträchtigung sei fraglich, bei stabil eingestellter Substitution sei eine
Opioidabhängigkeit
nicht beeinträchtigend. Somatisch sei ein Gesund
heits
schaden mit anhaltender Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit wahrschein
lich, dies sollte jedoch ein Facharzt für Rheumatologie beurteilen. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt sei die Aktenlage widersprüchlich. Während von somatischer Seite die Arbeitsunfähigkeit wahrscheinlich unter
schätzt werde, werde sie vom Psychiater überschätzt. Die Aktenlage sei limitiert
,
Akten fehlten. Eine Prüfung
der Eingliederung mache eher keinen Sinn. Ob die Ressourcen ausreichend seien, bleibe aufgrund der limitierten Aussagekraft der Berichte unklar
(Urk. 7/41 S. 7).
3.
10
Der behandelnde Rheumatologe
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Innere Medizin, speziell Rheumatologie, führte am 27. Oktober 2021 aus, aufgrund der nachgewiesenen rheumatologischen Erkrankung wie auch der jetzigen Behandlung im
Zentrum E._
erachte er ein ergonomisches Gutachten zur Feststellung der weiteren beruflichen Möglichkeiten als dringend nötig. Die Beschwerde
führerin sei aufgr
u
nd der Gesamtsituation auf eine entsprechende Beratung an
gewiesen, um eine langjährige Arbeitsunfähigkeit zu vermeiden (Urk. 7/36).
3.
11
Am 26. November 2021
hielt RAD-Arzt
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie für Innere Medizin, fest, die rheumatologische Systemerkrankung, diagnostiziert im Jahre 2013 und seither praktisch symptomlos, scheine unter Behandlung (zuerst
Spiricort
, dann
Imurek
, jetzt
Methotrexat
oder wahrscheinlich ganz ohne Medikamente) kompensiert zu sein. Es gebe immer wieder Verläufe von rheuma
tologischen Systemerkrankungen, bei denen der Spontanverlauf eine vollständige Remission ergebe. Die Suchtproblematik scheine unter
Sevre
-Long ebenfalls stabil zu sein.
Zusammengefasst würden sich aus medizinischer Sicht keine genügenden Hinweise für ein
renten
relevantes Geschehen ergeben (Urk. 7/41 S. 9). Im Vordergrund stehe der Sozialkontext als alleinerziehende Frau ohne Ausbildung, mit 13-jähriger Tochter und Hund sowie Arbeitsabsenz seit über zehn Jahren, zusammen mit der Entwöhnungsbehandlung bei intravenösem Drogenkonsum bis im Jahr 2018 respektive 202
1.
Aus rheumatologischer Sicht sei die 2013 gestellte Diagnose fraglich und es bestehe derzeit keine entzündliche Aktivität. Sowohl in der bisherigen als auch in jeder anderen angepassten Tätig
keit in behüteter Umgebung bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (S. 10).
3
.12
In seinem Bericht vom 20. Dezember 2021 wies Dr.
H._
darauf hin, dass die seit Jahren bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen in den vorliegenden Berichten klar ersichtlich seien. Vor der Erstdiagnose einer Polyarthritis mit auf
fällig
skleridermiformen
Hautveränderungen im Jahre 2013 hätten sich aus
geprägte
Synovialitiden
an Knie-, Hand- und Schulter- wie Hüftgelenken gezeigt. Der Beschwerdeführerin sei es aus medizinischen Gründen nie möglich gewesen, eine entsprechende Ausbildung einzuleiten. Zusätzlich bestehe eine jahrelange Suchterkrankung, welche den Werdegang erschwere. Die Invalidenversicherung sei gesetzlich in der Pflicht, Patienten mit erheblichen Einschränkungen einzu
gliedern. Eine IV-Eingliederung sei unumgänglich (Urk. 7/44/1).
3.
13
Am 25. Januar 2022 hielt RAD-Arzt Dr.
I._
fest, die neu beigebrachten Dokumente hätten keine neuen Aspekte ergeben. Insbesondere nehme der Rheumatologe Dr.
H._
nicht Stellung zur aktuellen Arbeitsfähigkeit oder zur Arbeitsfähigkeit im Verlauf seit dem Jahre 2013 respektive zum zumutbaren Belastungsprofil. Die beigelegten Berichte seien bekannt und führten keine Befunde an, welche eine (andauernde) Arbeitsunfähigkeit dokumentierten oder eine Ausbildung verunmöglichten. Somit bleibe die Aussage bestehen, dass sich aus medizinischer Sicht keine genügenden Hinweise für ein
rentenrelevantes
Geschehen
ergäben
. Was das Thema Umschulung betreffe, sei es keine medizinische Aufgabe, die bisherige Bildung aufzurollen. Dr.
H._
mache geltend, dass die Beschwerdeführerin wegen Erkrankungen keine Ausbildung habe machen können, was möglicherweise zutreffe. Zu diesem Punkt würden je
doch keine Angaben bestehen, welche Ausbildung die Beschwerdeführerin habe machen wollen und aus medizinischen Gründen nicht habe machen können. Aus rheumatologischer Sicht hätten bei üblichen Tätigkeiten ohne körperliche Schwerarbeit keine Einschränkungen bestanden und würden auch weiterhin nicht bestehen (Urk. 7/48 S. 3).
3.
14
Die übrigen bei den Akten liegenden Arztberichte (Urk. 7/34/2-3, Urk. 7/34/6-7
, Urk. 7/34/12-16, Urk. 7/34/20-21
) enthalten keine für die Beurteilung der vor
liegend strittigen Fragen relevanten Angaben und insbesondere keine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, so dass auf deren detaillierte Wiedergabe verzichtet werden kann.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer leistungsabweisenden Verfügung (Urk. 2) im Wesentlichen auf die Stellungnahmen des RAD-Arztes Dr.
I._
(E. 3.11, E. 3.13), welcher jedoch keine eigenen Untersuchungen durchgeführt hatte und sich für seine Beurteilung
ausschliesslich
auf die vorhandenen Akten stützte. Dr.
I._
war dabei zum Schluss gelangt, dass keine genügenden Hin
weise für ein rentenrelevantes Geschehen vorlägen und der Sozialkontext der Beschwerdeführerin im Vordergrund stehe. Sowohl in der bisherigen als auch in jeder anderen angepassten Tätigkeit in behüteter Umgebung bestehe eine Arbeits
fähigkeit von 100 % (E. 3.11).
Dabei übersah er jedoch, dass die behandelnden Ärzte keine klaren Angaben zur Arbeitsfähigkeit machen konnten. Nachdem die Rheumatologen der
Klinik A._
im August 2019
zunächst eine volle Arbeitsunfähigkeit in der bis
herigen Tätigkeit attestiert hatten
(E. 3.3), hielten sie im März 2020 fest, es sei aktuell nicht ganz klar, wie sich die Arbeitsfähigkeit entwickelt habe (E. 3.4). Die Ärzte
des
Universitätsspitals D._
,
Klinik für Rheumatologie, konnten aufgrund der kurzen Behandlungsdauer keine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vor
nehmen, wiesen jedoch darauf hin, dass die Arbeitsfähigkeit möglicherweise durch die undifferenzierte chronische Polyarthritis beeinflusst werde (E. 3.7).
Der behandelnde Rheumatologe Dr.
H._
erachtete sodann eine ergonomische Begutachtung zur Feststellung der weiteren beruflichen Möglichkeiten als dringend nötig (E. 3.10).
Auch
der
behandelnde Psychiater des
Zentrums E._
äusserte sich nur zurückhaltend zur Arbeitsfähigkeit. Zwar hielt
er
die bisherige Tätigkeit
während
bis zu fünf Stun
den täglich in einem Pensum von 50 % für zumutbar und eine angepasste Tätig
keit während fünf Stunden pro Tag. Gleichzeitig wies
er
jedoch darauf hin, dass die Prognose vor allem durch die rheumatologische Problematik eingegrenzt werde
. A
uf der psychischen Ebene
sei zudem
zu berücksichtigen, dass die Arbeitsbelastung während der Behandlung sehr niedrig gewesen sei
, die Beschwerdeführerin die letzte Vollzeitarbeitsstelle 13 Jahre zuvor
inne gehabt
habe
und
sie
daher nie unter grösserer Arbeitsbelastung habe beobachtet werden können (E. 3.8).
Es ist auch zu berücksichtigen, dass der Behandlungsauftrag des
Zentrums E._
auf die Substitutionsbehandlung beschränkt ist (E. 3.8)
, was einer um
fassenden Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht wohl ent
gegensteht.
4.2
Insgesamt erweisen sich die vorhandenen medizinischen Unterlagen für eine ab
schliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin und damit des vorliegend strittigen Leistungsanspruchs als nicht genügend
.
Selbst der RAD-Psychiater Dr.
G._
bewertete die Aktenlage als widersprüchlich und limitiert, e
s würden Akten fehlen (E. 3.9). In den vorliegenden Arztberichten wurde mehr
fach mindestens implizit darauf hingewiesen, dass für eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit die Schlussfolgerungen der psychiatrischen respektive rheuma
tologischen Ärzte miteinzubeziehen seien (E. 3.7-8, E. 3.10).
Es erscheint damit wenig nachvollziehbar, dass die Beschwerdegegnerin bei dieser Aktenlage auf die Durchführung einer
bidisziplinären
Begutachtung verzichtete und stattdessen lediglich gestützt auf die Stellungnahme von Dr.
I._
den Leistungsentscheid fällte.
D
ie angefochtene Verfügung vom 1. Februar 2022 (Urk. 2) ist demnach aufzu
heben und die Sache
zur Durchführung einer psychiatrisch-rheumatologischen Begutachtung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, welche nach rechts
konformer Prüfung der Frage, ob und allenfalls in welchem Umfang anspruchs
relevante gesundheitliche Einschränkungen bestehen, über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu zu entscheiden haben wird. Die Sache ist in diesem Sinne gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung einer Sache an die Ver
waltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Ob
siegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten entsprechend dem Ausgang des Verfahrens
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen sind.
5.2
Ausgangsgemäss
hat die anwaltlich vertretene
Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung
.
Mit Honorarnote vom
2. Juni 2022
machte Rechts
anwältin
MLaw
Stephanie C. Elms
, Z
ug
, Aufwendungen von insgesamt
10.1
Stunden sowie Auslagen von Fr.
90.90
geltend (Urk.
11
), was
gerade noch
ange
messen erscheint. Unter Berücksichtigung eines Stundenansatzes von Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist
die Beschwerdegegnerin
zu verpflichten,
eine
Prozessentschädigung
von Fr.
2‘484.--
zu bezahlen.