Decision ID: 6ab9eba2-37b8-4961-8a4c-3056bdd7545c
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1961, war
als Betriebsinhaberin der
Y._
(vgl.
Urk.
2/3)
bei der
Sympany
Versicherungen AG (nachstehend
Sym
pany
) gegen Lohnausfall versichert (vgl.
Urk.
9/1)
.
Am 1
8.
November 2013 teilte sie der
Sympany
mit, es sei ein Tumor im Fuss
ge
lenk festgestellt worden, der baldmöglichst entfernt werden solle, und ersuchte um Taggeldleistungen, da sie eine neue Mitarbeiterin für sich eingestellt habe (
Urk.
9/7 =
Urk.
2/4). G
emäss Arztzeugnis vom 1
3.
März 2013
(
Urk.
9/6/1) war sie
vom 2
9.
November 2012 bis 3
1.
(richtig wohl: 28.)
Februar 2013 zu 100
%
und vom
1.
bis 2
4.
März 2013 zu 50
%
arbeitsunfähig. Die
Sympany
erbrachte
in der Folge T
aggeldleistungen
bis 3
0.
April 2015 (
Urk.
9/5; vgl.
Urk.
2/7).
Am 1
9.
März 2015 teilte die
Sympany
der Versicherten mit, gemäss ärztlicher Beur
teilung sei sie in der jetzigen Tätigkeit als
Dogwalkerin
zu 30
%
arbeits
unfähig. In
einer
anderen, den Beschwerden besser angepassten Tätigkeit sei hingegen in einer sitzenden Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
zu erwar
ten. Um einen möglichst
guten Wiedereinstieg im Betrieb zu ermöglichen
,
würden die
Taggeldleistungen noch
bis 3
0.
April 2015 erbracht (
Urk.
9/49 =
Urk.
2/8/1 =
Urk.
2/10/2). Die Versicherte teilte der
Sympany
am 2
0.
März 2015 mit, sie könne
dies aus näher dargelegten Gründen nicht akzeptieren (
Urk.
2/11/2
; vgl.
Urk.
9/
50
), worauf sie die
Sympany
per Mail darauf hinwies, wie sie weiter vorgehen könnte (
Urk.
9/50).
Am 2
4.
August 2015 teilte die
Sympany
der Versicherten mit, gestützt auf
Art.
2.3.1 der Allgemeinen Versicherungsbedingungen kündige sie den Versiche
rungs
vertrag per 3
1.
Dezember 2015 (
Urk.
9/3 =
Urk.
2/8/2 =
Urk.
2/10/1).
Die Versicherte teilte der
Sympany
am 1
4.
September 2015 mit, aus näher dar
gelegten Gründen sei sie mit der Kündigung nicht einverstanden
. Sie beantrage
die Wiederaufnahme der eingestellten Versicherungsleistungen und melde
te
einen
neuen Krankheitsfall an
(
Urk.
9/66/1 =
Urk.
2/11/1).
Die
Sympany
ersuchte da
rauf
hin um das Einreichen weiterer Unterlagen (
Urk.
9/73)
.
Am 1
2.
Januar 2016 lud die
Sympany
die Versicherte, nach einem offenbar glei
chentags gescheiterten Gespräch, zu einem weiteren Gesprächstermin ein (
Urk.
9/83
), worauf die nunmehr mandatierte Rechtsvertreterin um Aktenzu
stel
lung ersuchte
und
den Termin absagte (
Urk.
9/84).
Mit Schreiben vom 1
1.
März 2016 (
Urk.
9/93/1 =
Urk.
2/12) führte die
Rechts
vertreterin der
Versicherte
n
aus, dass sie aus näher dargelegten Gründen die Leistungseinstellung per Ende April 2015 als nicht gerechtfertigt erachte (S.
1.
f.), und ersuchte um Taggeldleistungen vom
1.
Mai 2015 bis 3
1.
März 2016 (S. 2).
Dazu nahm - offenbar im Auftrag der
Sympany
- am 2
7.
April 2016 die
Z._
Stellung (
Urk.
2/13), wobei sie unter anderem um zwei Datums
vorschläge für einen Gesprächstermin ersuchte (S. 2 unten).
Mit Schreiben vom
9.
März 2017 (
Urk.
9
/104) erbat die
Rechtsvertreterin
eine Ver
jährungsverzichtserklärung, welche die
Sympany
am 1
6.
März 2017 (
Urk.
9/105) und sodann am 1
6.
November 2017 (
Urk.
9/105) abgab.
2.
Die Versicherte erhob am
8.
Dezember 2017 Klage gegen die
Sympany
mit folgenden Rechtsbegehren (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
I):
1.
Es sei die Beklagte zu verurteilen, der Klägerin die für den Zeitraum vom
1.
Mai 2015 bis 2
4.
Januar 2016 inklusive Verzugszins von 5
%
ausstehenden 269 Krankentaggelder im Zusammenhang mit den Fussbeschwerden (Schadenfall Nr.
...
) in Höhe von insgesamt CHF 26'530.00 zu bezahlen.
2.
Eventualiter sei die Beklagte zu verurteilen, der Klägerin eine Anpassungsfrist von mindestens fünf Monaten zu gewähren und ihr die für diese Zeit geschuldeten Taggelder im Betrag von insgesamt CHF 15'089.625 - unter Anrechnung der während der gewährten 1.5-monatigen Anpassungsfrist bereits geleisteten Tag
gelder - inklusive Verzugszins von 5
%
zu bezahlen.
3.
Es sei die Beklagte zu verurteilen, der Klägerin die ihr im Zusammenhang mit der
psychischen Beeinträchtigung zustehenden Taggelder (Fallnummer
...
)
in Höhe von insgesamt CHF 81'431.375 inklusive Verzugszins von 5
%
sowie die in diesem Schadenfall künftig geschuldeten Taggeldleistungen zu bezahlen.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beklagten zuzüglich Mehr
wertsteuer.
Die
Sympany
beantragte mit Klageantwort vom
1
9.
April 2018 (
Urk.
8)
die Ab
weisung der Klage.
Die Parteien verzichteten ausdrücklich (
Urk.
13) beziehungsweise stillschweigend (vgl.
Urk.
10 S. 2
Ziff.
1
Abs.
2) auf eine Hauptverhandlung.
Die Klägerin hielt mit Replik vom 2
5.
Juni 2018 (
Urk.
16) an ihren Anträgen fest, die Beklagte mit Duplik vom 2
0.
September 2018 (
Urk.
21), was der Klägerin am 2
5.
September 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
23).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Streitigkeiten aus einer Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung unterstehen gemäss
Art.
2
Abs.
2 Satz 2 des Bundesgesetzes vom 2
6.
September 2014 betreffend die Aufsicht über die soziale Krankenversicherung (Krankenver
sicherungsaufsichtsgesetz, KVAG) dem Bundesgesetz über den Versicherungsver
trag (Versicherungsvertragsgesetz, VVG
)
.
Sie
sind privatrechtlicher Natur (
BGE 138 III
2 E. 1.1).
Kollektive Kranken
taggeld
versicherungen werden vom Bundes
ge
richt wie alle weiteren
Taggeld
versicherungen in ständiger Praxis unter den Begriff der Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung subsumiert (
BGE 142 V 448
E. 4.1
).
1.
2
Das Sozialversicherungsgericht ist als einzige kantonale Gerichtsinstanz für Klagen
über Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach dem KVG zuständig (Art. 7 der Schweizerischen Zivilprozessordnung, ZPO, in Verbindung mit § 2 Abs. 2
lit
. b des Gesetzes über das Sozialversiche
rungs
gericht;
GSVGer
; BGE 138 III 2
E. 1.2.2
), ohne dass vorgängig ein Schlichtungs
verfahren durchzuführen ist (BGE 138 III 558
E. 4
).
1.
3
Nach
Art.
87 VVG steht demjenigen, zu dessen Gunsten eine kollektive Unfall- oder Krankenversicherung abgeschlossen worden ist, mit dem Eintritt des Unfalls oder der Krankheit ein selbständiges Forderungs
recht gegen den Versicherer zu (Urteil des Bundesgerichts 4A_10/2016 vom
8.
September 2016 - in BGE
142 III 671
nicht publizierte - E.
4.1
)
1.
4
Gemäss
Art. 243 Abs. 2
lit
. f ZPO
werden
Ansprüche aus einer Zusatzver
siche
rung zur sozialen Krankenversicherung nach dem KVG ohne Rücksicht auf den Streitwert im vereinfachten Verfahren n
ach Art. 243 ff. ZPO beurteilt
. Gemäss Art. 247 Abs. 2
lit
. a in Verbindung mit Art. 243 Abs. 2
lit
. f ZPO stellt das Gericht im Verfahren betreffend Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach dem KVG den Sachverhalt von Amtes wegen fest.
Der Untersuchungsgrundsatz befreit die Parteien indessen nicht davon, bei der Feststellung des
entscheidwesentlichen
Sachverhalts aktiv mitzuwirken. Das Ge
richt ist im Rahmen der sozialen Untersuchungsmaxime gemäss Art. 247 Abs. 2
lit
. a ZPO lediglich einer erhöhten Fragepflicht unterworfen. Wie unter der Ver
handlungsmaxime müssen die Parteien selbst den Stoff beschaffen. Das Gericht kommt ihnen nur mit spezifischen Fragen zur Hilfe, damit die erforderlichen
Behauptungen und die entsprechenden Beweismittel genau aufgezählt werden. Es ermittelt aber nicht aus eigenem Antrieb. Ist eine Partei durch einen Anwalt ver
treten, kann und muss sich das Gericht ihr gegenüber wie bei Geltung der Ver
handlungsmaxime zurückhalten (BGE 141 III 569 E. 2.3; Urteil des Bundes
ge
richts 4A_702/2016 vom 23. März 2017 E. 3.1).
1.
5
Gemäss
Art.
8 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuch
s
(ZGB) hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Demgemäss hat die Partei, die einen
Anspruch geltend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen, während
die Beweislast für die rechtsaufhebenden bzw. rechtsvernichtenden oder rechts
hindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des Anspruchs behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit bestreitet. Diese Grund
regel kann durch abweichende gesetzliche Beweislastvorschriften verdrängt werden
und ist im Einzelfall zu konkretisieren (BGE 128 III 271 E. 2a/
aa
). Sie gilt auch im Bereich des Versicherungsvertrags. Nach dieser Grundregel hat der An
spruchsberechtigte - in der Regel der Versicherungsnehmer, der versicherte Dritte
oder der Begünstigte - die Tatsachen zur «Begründung des Versiche
rungsan
spruches
» (Marginalie zu
Art.
39 VVG) zu beweisen, also namentlich das Bestehen eines Versicherungsvertrags, den Eintritt des Versicherungsfalls und den Umfang des Anspruchs. Den Versicherer trifft die Beweislast für Tatsachen, die ihn zu einer Kürzung oder Verweigerung der vertraglichen Leistung berechtigen (z.B. wegen schuldhafter Herbeiführung des befürchteten Ereignisses:
Art.
14 VVG) oder die den Versicherungsvertrag gegenüber dem Anspruchsberechtigten unver
bindlich machen (z.B. wegen betrügerischer Begründung des Versicherungsan
spruches:
Art.
40 VVG). Anspruchsberechtigter und Versicherer haben im Streit um vertragliche Leistungen je ihr eigenes Beweisthema und hierfür je den Haupt
beweis zu erbringen (BGE 130 III 321 E. 3.1).
1.
6
Es obliegt der
versicherte
n
Person zu beweisen, dass sie (weiterhin) arbeitsunfähig ist und daher Anspruch auf
Taggeld
er hat
,
wenn die Versicherung zunächst
Tag
geld
er ausbezahlt hat
und sodann geltend
macht, die Umstände hätten sich ge
ändert oder die Leistungen seien von vornherein zu Unrecht erbracht worden und die versicherte Person sei (wieder) arbeitsfähig (BGE 141 III 241 E. 3.1). Den Ver
sicherer trifft demgegenüber die Beweislast für Tatsachen, die ihn zu einer Kürzung oder Verweigerung der vertraglich vorgesehenen Leistung berechtigen oder die den Versicherungsvertrag gegenüber dem Anspruchsberechtigten unver
bindlich
machen (BGE 130 III 321 E. 3.1)
.
1.
7
Da der Nachweis rechtsbegründender Tatsachen im Bereich des Versicherungs
vertrags regelmässig mit Schwierigkeiten verbunden ist, geniesst der beweis
pflich
tige Anspruchsberechtigte insofern eine Beweiserleichterung, als er in der Regel nur eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für das Bestehen des geltend
gemachten Versicherungsanspruchs darzutun hat. Allerdings kann der Versiche
re
r im Rahmen des Gegenbeweises Indizien geltend machen, welche die Glaub
wür
dig
keit des Ansprechers erschüttern oder erhebliche Zweifel an seinen Schil
de
rungen erwecken. Gelingt der Gegenbeweis, dürfen die vom Anspruchsberech
tigten behaupteten Tatsachen nicht als überwiegend wahrscheinlich und damit nicht als bewiesen anerkannt werden. Der Hauptbeweis ist vielmehr gescheitert (BGE 130 III 32
1
E. 3.4).
1.
8
Ausnahmen vom Regelbeweismass des strikten Beweises, in denen eine überwie
gende Wahrscheinlichkeit als ausreichend betrachtet wird, ergeben sich einerseits aus dem Gesetz selbst
,
anderseits sind sie durch Rechtsprechung und Lehre her
ausgearbeitet worden. Den Ausnahmen liegt die Überlegung zu Grunde, dass die Rechtsdurchsetzung nicht an Beweisschwierigkeiten scheitern darf, die typischer
weise bei bestimmten Sachverhalten auftreten
(vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2
). Die Beweiserleichterung setzt demnach eine
«
Beweisnot
»
voraus. Diese Voraussetzung ist erfüllt, wenn ein strikter Beweis nach der Natur der Sache nicht möglich oder nicht zumutbar ist, insbesondere wenn die von der beweisbelasteten Partei be
haup
teten Tatsachen nur mittelbar durch Indizien bewiesen werden können. Die entsprechenden Überlegungen gelten unabhängig davon, welche Partei beweisbe
lastet ist. Das Bundesgericht hat denn auch in Bezug auf den vom Versicherer zu
erbringenden Beweis der absichtlichen Herbeiführung des versicherten Ereig
nis
se
s (
Art.
14 VVG) entschieden, dass der Versicherer sich ebenfalls auf eine Reduk
tion des Beweismasses auf den Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit be
ruf
en kann, wenn der strikte Beweis nach der Natur der Sache nicht
möglich bzw. nicht zumutbar ist. D
iese Beweiserleichterung
soll auch
für den Beweis der ab
sicht
lichen Herbeiführung des Versicherungsfalls (mit oder ohne Täuschungs
wille, der naturgemäss nur schwierig zu erbringen ist),
gelten
(
Urteil des Bundes
gerichts 4A_3
82/2014 vom 3. März 2015 E. 5.3
)
.
1.
9
Die Beweislastverteilung regelt die Folgen der Beweislosigkeit. Gelangt ein Ge
richt dagegen in Würdigung der Beweise zum Schluss, eine Tatsachenbehauptung sei bewiesen oder widerlegt, ist die Beweislastverteilung gegenstandslos. Tat
säch
liche Vermutungen lassen den Schluss auf das Vorhandensein oder das Fehlen bestimmter Tatsachen zu und bilden Teil der Beweiswürdigung. Dazu gehört auch
die allfällige Vermutung, dass eine versicherte Person auch bei gesunder Ver
fassung keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen wäre (BGE 141 III 241 E. 3.2).
1.
10
Nach
Art.
168
Abs.
1 ZPO sind als Beweismittel zulässig: Zeugnis (
lit
. a), Urkunde (
lit
. b), Augenschein (
lit
. c), Gutachten (
lit
. d), schriftliche Auskunft (
lit
. e) sowie Parteibefragung und Beweisaussage (
lit
. f). Diese Aufzählung ist abschliessend; im Zivilprozessrecht besteht insofern ein
Numerus
clausus der Beweismittel, vor
be
halten bleiben nach
Art.
168
Abs.
2 ZPO lediglich die Bestimmungen über Kinderbelange in familienrechtlichen Angelegenheiten (BGE 141 III 433 E. 2.5.1).
Art.
168
Abs.
1
lit
. d ZPO lässt einzig vom Gericht eingeholte Gutachten als Beweismittel zu. Privatgutachten sind zwar zulässig, aber nicht als Beweismittel, sondern nur als Parteibehauptungen (BGE 141 III 433 E. 2.5.2)
1.
11
Das Arztzeugnis wird beweisrechtlich den Zeugnisurkunden, denen im Beweis
ver
fahren mit einer gewissen Zurückhaltung zu begegnen ist, zugeordnet und gilt im Bereich des Zivilprozessrechts gemäss der Rechtsprechung des Bun
desgerichts als Privatgutachten (BGE 140 III 24 E. 3.3.3; 140 III 16 E. 2.5). Nach der Lehre beweisen Arztzeugnisse grundsätzlich nur, dass die Erklärung von der ausstellen
den Person abgegeben wurde. Aufgrund des Fachwissens der ausstel
lenden Per
son sowie der strafrechtlichen Sanktion (Art. 318 StGB) kann zunächst von der Richtigkeit eines Arztzeugnisses ausgegangen werden. Der Beweiswert kann je
doch durch irgendwelche Beweismittel und Umstände erschüttert werden, wenn beispielsweise der Arzt den Patienten nicht untersucht und ausschliesslich auf dessen Aussagen abgestellt hat ober bei widersprüch
lichem Verhalten des Patien
ten während bescheinigter Arbeitsunfähigkeit.
Solchenfalls
hat der Beweisführer bei unveränderter Beweislast den vollen Beweis für die mit dem Arztzeugnis bescheinigten Tatsachen zu erbringen (Heinrich Andreas Müller, in:
Schwei
ze
rische Zivilprozessordnung, ZPO, Kommentar, Brunner/Gasser/
Schwander
,
Hrsg., 2. Auflage, Zürich 2016, Art. 177
Rz
9
;
Annette
Dolge
in:
Basler
Kommentar
zur Schweizerischen Zivilprozessordnung,
3
. Aufl., Basel 201
7
, Art. 177
Rz
13
).
1.
12
Auch Berichte von Fachärzten, welche die Taggeldversicherer beraten, sind als
blosse Parteibehauptungen zu qualifizieren (Urteil des Bundesgerichts 4A_571/2016
vom 23. März 2017, E. 3.2
am Ende
).
2.
Die hier massgebenden Allgemeinen Versicherungsbedingungen (
AVB
) Ausgabe 2014 (
Urk.
9/2 =
Urk.
2/3) lauten auszugweise wie folgt:
2.3
Beendigung des Versicherungsvertrages
2.3.1
Kündigung per Ablauf
Der Versicherungsvertrag kann von beiden Vertragspartnern unter Einhaltung einer dreimonatigen Kündigungsfrist auf das Ende eines Kalenderjahres schriftlich gekündigt werden.
(...)
2.3.2 Erlöschen des Versicherungsvertrages
(...)
2.3.3 Auflösung durch
Sympany
(...)
2.3.4 Kündigung bei Prämienanpassung
(...)
2.3.5
Kündigungsverzicht im Leistungsfall
Sympany
verzichtet ausdrücklich auf ihr gesetzliches Recht, im Leistungsfall den Vertrag zu kündigen.
5.2
Ende des Versicherungsschutzes
Für die versicherte Person endet der Versicherungsschutz
(
...
)
f) mit der Beendigung des Versicherungsvertrages,
(
...
)
6.2
Arbeitsunfähigkeit
Eine Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person ganz oder teilweise ausserstande ist, ihren Beruf oder eine andere zumutbare Erwerbstätigkeit auszu
üben. Teilweise Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn eine Arbeitsunfähigkeit von min
destens 25 Prozent besteht.
Taggeldleistungen setzen eine ärztliche Bescheinigung über die Arbeitsunfähigkeit der versicherten Person voraus. Die Rückdatierung der Bescheinigung ist maximal bis zu drei Tagen möglich.
6.7
Nachdeckung
Für Personen, die im Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsverhältnisses voll oder teilweise arbeitsunfähig sind, besteht der Leistungsanspruch bis zum Ende des die Nachdeckung begründenden Leistungsfalls, längstens jedoch bis zum Ablauf der vereinbarten Leistungsdauer. Rückfälle geben keinen Anspruch auf weitere Leis
tungen.
(
...
)
8.2
Schadenminderung
Die versicherte Person hat alles zu tun, was zur Leistungsminderung beitragen kann. Die versicherte Person, welche in ihrem ursprünglichen Beruf voraussichtlich voll oder teilweise arbeitsunfähig bleibt, ist verpflichtet, ihre verbleibende Erwerbs
tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich zu
verwerten resp. sie hat sich bei der Arbeitslosenversicherung anzumelden.
Sympany
fordert die versicherte Person unter Ansetzung einer angemessenen Frist auf, die bisherige Tätigkeit anzu
passen oder einen Stellen- resp. Berufswechsel vorzunehmen.
(
...
)
8.3
Auskunftspflicht
Die versicherte Person resp. der Versicherungsnehmer stellt in allen Fällen, in denen ein Leistungsanspruch bei
Sympany
geltend gemacht wird,
Sympany
sämtliche erforderlichen
Informationen, die für die Beurteilung von Leistungspflicht,
Leistungs
höhe oder Leistungsdauer erforderlich sind, zur
Verfügung.
8.4
Verletzungen der Mitwirkungspflichten
Die Versicherungsleistungen werden vorübergehend oder dauernd gekürzt oder in schwerwiegenden Fällen verweigert,
a)
wenn die versicherte Person bzw. der Versicherungsnehmer die Pflichten aus diesen AVB in
unentschuldbarer Weise verletzt,
b)
wenn sich die versicherte Person Verfügungen von
Sympany
oder Anordnungen des Arztes wiederholt und in schwerer Weise widersetzt,
c)
wenn für die Feststellung des Versicherungsanspruchs notwendige Belege trotz schrift
licher Mahnung nicht innert 4 Wochen beigebracht werden.
3.
3.1
Die Klägerin führte zur Begründung ihrer Klage (
Urk.
1) aus, die erfolgte Vertragskündigung sei gemäss
Art.
2.3.5 AVB unzulässig gewesen (S. 10
Ziff.
39), die Leistungseinstellung verbunden mit dem Ansinnen eines Berufswechsels sei unzulässig gewesen, weil noch kein stabiler Gesundheitszustand vorgelegen habe (S.
11 f.
Ziff.
45)
und
sie aufgrund unzulänglicher medizinischer Abklärungen erfolgt sei (S. 2
Ziff.
47)
,
sowie
-
im Eventualstandpunkt
-
die für den verlangten Wechsel angesetzte Frist sei zu kurz bemessen gewesen (S. 13 f.
Ziff.
57). Die Beklagte wolle im Schadenfall betreffend Psyche Leistungen von einem persön
lichen Gespräch mit der Klägerin abhängig machen (S. 14
Ziff.
59); sie verfüge aber au
s
näher dargelegten Gründen
bereits
über die
zur Prüfung des Leistungs
anspruchs
notwenigen
Informationen (S. 14
Ziff.
64).
3.2
Die Beklagte stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), die Kün
digung des Versicherungsvertrags per Ende 2015 sei wirksam und dieser per 3
1.
Dezember 2015 beendet (S. 10
Ziff.
1). Die Leistungseinstellung per Ende April 2015 sei aus näher dargelegten Gründen nicht zu beanstanden (S. 10 f.
Ziff.
2). Eine längere als
die gewährte Übergangsfrist sei nicht erforderlich gewe
sen (S. 11 f.
Ziff.
3). Die im zweiten Leistungsfall (Psyche) von behandelnder Seite gestellten D
iagnosen und daraus abgeleitete
Arbeitsunfähigkeit seien nicht nach
vollziehbar (S. 13 unten) und blieben unbewiesen (S. 14
Ziff.
8).
3.3
Strittig und zu prüfen sind die per Ende April 2015 erfolgte Leistungseinstellung sowie, ob im sogenannt zweiten Leistungsfall (Psyche) ein Taggeldanspruch in der eingeklagten Höhe besteht.
4.
Vorab ist zu klären, wie es sich mit der am 2
4.
August 2015 per Ende 2015 erklär
ten Vertragskündigung (
Urk.
9/3 =
Urk.
2/8/2 =
Urk.
2/10/1) verhält.
Die Beklagte stützte die Kündigung auf
Art.
2.3.1 AVB. Die Klägerin hielt dem entgegen, gemäss
Art.
2.3.5 AVB sei die Kündigung nicht zulässig gewesen (
Urk.
1 S. 10
Ziff.
39).
Art.
2.3
AVB
regelt verschiedene Konstellationen der Vertragsbeendigung, nämlich
in
Ziff.
1 die gewissermassen ordentliche Kündigung, in
Ziff.
2 das Erlöschen des Vertrags unter näher genannten Umständen, in
Ziff.
3 die Auflösung durch die Beklagte unter näher genannten Umständen, in
Ziff.
4 die Kündigung durch den Versicherungsnehmer im genannten Fall, und in
Ziff.
5
den Verzicht darauf, im Schadenfall vom Vertrag zurückzutreten, was gemäss
Art.
42 VVG beiden Par
teien möglich wäre.
Die Beklagte hat den Vertrag unter Hinweis auf
Art.
2.3.1 AV
B
ordentlich, fristgemäss und erst per Ende des Kalenderjahres gekündigt.
Um einen
Rücktritt
bei Schadenseintritt im Sinne von
Art.
42 VVG handelt es sich dabei nicht, womit der diesbezügliche
Art.
2.3.5 AVB nicht tangiert ist und einer Gültigkeit der Kün
digung nicht entgegensteht.
Damit endete gemäss
Art.
5.2
lit
. f AVB der Versicherungsschutz Ende 2015,
dies
ohne darüber hinausreichende Nachdeckung, die gemäss
Art.
6.7 AVB nur ein
tritt, wenn im Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsverhältnisses eine Arbeits
unfähigkeit besteht
.
5.
5.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in seinem Bericht vom
1
9.
August 2014
zuhanden der Invalidenversicherung
(
Urk.
9/37/2)
aus, er behandle die Klägerin seit 3
0.
September 2013 (
Ziff.
1.2), und nannte als Diagnose eine pigme
ntierte
villon
oduläre
Synovitis
(PVNS)
am Oberen Sprunggelenk rechts (Erstdiagnose Oktober 2013) mit Status nach Tumor
resektion am 2
0.
Mai 2014
(
Ziff.
1.1). Er attestierte für die zuletzt ausgeübte Tätig
keit als Hundetrainerin eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
vom 3
0.
Septem
ber 2013 bis
1.
April 2014, von 80
%
vom
2.
April bis 1
8.
Mai 2014 und von 100
%
seit 1
9.
Mai 2014 (
Ziff.
1.6). Eine starke Einschränkung der Gehfähigkeit wirke sich so aus, dass eine Betreuung der Hunde nicht möglich sei; die bisherige Tätigkeit sei im Rahmen von zirka 50
%
noch zumutbar (
Ziff.
1.7). Die Einschrän
kungen liessen sich durch eine Operation vermindern (
Ziff.
1.8).
5.2
In seinem Bericht gleichen Datums an die Beklagte (
Urk.
9/33/2) nannte
Dr.
A._
als funktionelle Einschränkung eine schmerzhafte Bewegungsein
schränkung durch die PVNS vor allem rechts (
Ziff.
1) und
bezeichnete
eine sitzende Tätigkeit
als
angepasst
(
Ziff.
4).
5.3
Am 2
1.
August 2014 berichteten die Ärzte der Universitätsklinik
B._
über die
gleichentags erfolgte klinisch-radiologische Verlaufskontrolle
(
Urk.
9/31
=
Urk.
9/37/3
)
. Sie führten aus, es zeige sich noch eine minimale Schwellung vor allem
anterolateral
im Bereich des OSG im Vergleich zur Gegenseite und eine noch leicht eingeschränkte OSG-Beweglichkeit (S.
1 unten). Sie empfahlen weiter
hin Physiotherapie und rezeptierten einen Spezialschuh (S. 2 oben).
5.4
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Beratender Arzt der Beklagten, führte in seiner Beurteilung vom
8.
Oktober 2014 (
Urk.
9/34 =
Urk.
2/6)
aus, es sei keine Begutachtung notwendig, eine Arbeitsunfähigkeit von 60
%
sei ausgewiesen. Ob allenfalls eine solche von 50
%
möglich wäre, sei ungewiss (
Ziff.
1). Die Prognose als
Dogwalkerin
sei schlecht. Für eine sitzende Tätigkeit bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. Aufgrund der Bestätigung der Erkrankung sei eine Verweistätigkeit indiziert (
Ziff.
3).
5.5
Prof.
Dr.
med.
D._
,
Leiter
Sarkomzentrum
E._
, führte im Bericht vom 1
8.
Dezember
2014
über eine Verlaufskontrolle in der Tumoren-Sprechstunde
(
Urk.
9/42 =
Urk.
2/14)
unter anderem aus, der Fuss sei mit zunehmender Tages
dauer auch zunehmend geschwollen. Da dies die Patientin extrem einschränke, suche sie eine Lösung mit der Invalidenversicherung, da sie natürlich ihre u
r
sprüngliche Tätigkeit, insbesondere auch auf unebenem Gelände, nicht mehr machen könne (S. 1 unten). Klinisch sehe der Fuss den Umständen entsprechend gut aus; noch vorhandene Schwellungen seien mehr oder weniger stationär, eben
so sei
der PVNS-Herd proximal der
Fibulaspitze
anterior. Es sei vorgesehen, in 6 Monaten eine nächste Kontrolle (mit MRI) durchzuführen, um die Situation wieder zu beurteilen (S. 2 oben).
5.6
Mit Bericht vom
5.
Februar 2015 (
Urk.
9/46 =
Urk.
2/5)
beantworteten die Ärzte der Universitätsklinik
B._
die ihnen von der Beklagten unterbreiteten Fragen
. Sie führten aus, aufgrund der Erkrankung sei das Gehen und Stehen erschwert, gleichzeitig bestünden Ruheschmerzen (
Ziff.
1). Es handle sich um eine chro
ni
sche Erkrankung. Am 2
0.
Mai 2014 sei eine Operation erfolgt und seither seien regelmässige Verlaufskontrollen durchgeführt worden. Eine weitere Verlaufskon
trolle sei nun in einem halben Jahr geplant (
Ziff.
2). Die Arbeit als Hundebe
treu
erin erscheine aus ihrer Sicht nicht mehr möglich, eine Anpassung des Arbeits
platzes werde schwierig sein (
Ziff.
4).
5.7
Prof.
D._
(vorstehend E. 5.5) führte in seinem Bericht vom
9.
April 2015
(
Urk.
9/51 =
Urk.
9/93/2 =
Urk.
2/15)
über die erfolgte Verlaufskontrolle unter anderem aus, die Patientin berichte weiterhin über ein Anschwellen des Fusses ins
besondere bei sitzender Tätigkeit zirka nach 8-9 Stunden. Die Beschwerden gebe sie mit 2/10 auf der VAS-Skala an (S. 1 Mitte). Sie berichte explizit von Abklärungen der Arbeitsfähigkeit. Das Schlimmste sei für sie die Bürotätigkeit, da das Sitzen das Schwellen im Fuss verstärke. Sie habe aber auch Rücken
beschwerden (S. 1). Lokal sehe der Fuss - jetzt am Morgen - den Umständen ent
sprechend sehr gut aus, eine Schwellung bestehe lateral. In der heutigen Bildgebung zeigten sich gegenüber den Aufnahmen vom Dezember und vom S
eptember 2014 stationäre Befunde. Es sei eine erneute MRI-Untersuchung in einem halben Jahr vereinbart worden (S. 1 unten).
5.8
Im Bericht vom
9.
Juni 2015 (
Urk.
9/56 =
Urk.
2/16)
über die am
5.
Juni 2015 erfolgte Untersuchung in der Wirbelsäulen-Sprechstunde der Universitätsklinik
B._
wurde als neue Diagnose ein
thorakolumbaler
Morbus Scheuermann genannt (S. 1). Längeres Sitzen sei in dieser Situation unvorteilhaft, so dass eine
Tätigkeit mit wechselnden Bewegungsmodi befürwortet werden könne. Aus chiru
r
gischer Sicht bestehe aktuell bei moderatem Leidensdruck keine absolute Indika
tion zur chirurgischen Aufrichtung (S. 2 oben).
5.9
Am 2
6.
Januar 2015 fand ein Gespräch der Klägerin mit unter anderem einer Ein
gliederungsberaterin der Invalidenversicherung (vgl.
Urk.
9/30) statt, über welches die Klägerin der Beklagten am 2
8.
Januar 2015 berichtete (
Urk.
9/40). Sie habe dort unter anderem über Angstzustände und Existenzängste berichtet, die aufgetreten seien, nachdem man ihr mitgeteilt habe, die Versicherung zahle nicht mehr
. Es sei ihr im Dezember (2014) sehr schlecht gegangen
(
Ziff.
1a). Zum beruf
lichen Aspekt lautete der Bericht der Klägerin über das Gespräch bei der Invalidenversicherung - leicht redigiert - wie folgt (
Ziff.
2):
Hierzu wurde ich aufgefordert, Alternativen zu suchen, z.B. BIZ, Berufsberatung, und einen Fachwissentest zu absolvieren. Da ich keine Abschlüsse im kauf
männi
schen Bereich vorzuweisen habe, fragte man mich
,
ob ich nicht einen Personalassistenten oder ähnliches nachholen möchte.
Ich wurde gefragt, ob ich meine Teil-Selbständigkeit aufgeben würde. Da mich diese Ausbildung sehr viel Geld gekostet hat und ich den Beruf aufgrund meiner Rückenprobleme bei längerer sitzenden Tätigkeit gewählt habe, beantwortete ich dies mit: sehr ungern. Ich würde sehr viel Geld verlieren und mein jetzige
s
Einkommen. Zudem habe ich 2 Hunde.
Ich erwähnte, dass ich bereits selbst eine Verlagerung meiner ehemaligen Tätigkeit vorgenommen habe, von der
Dogwalkerin
zur Hundeferienbetreuerin. Diese Tätigkeit muss jedoch erst noch weiter anlaufen und ist auf eine Hundeanzahl begrenzt, somit auch finanziell eingeschränkt.
Ich erwähnte auch, dass ich mein Gelände zur Vermietung ausgeschrieben habe an selbständig erwerbende Hundebetreuer. Ich erziele somit eine kleine finan
zielle Unterstützung. Lege die Zahlen gerne vor.
Zudem sagte ich, dass ich beim RAV nach 20-40
%
Stellen schaue und auch mit dem RAV telefoniert habe. Die Antwort war: zuerst müsse meine Therapie ab
geschlossen sein, und eine klare Aussage von der Versicherung und IV vorliegen, sonst hätte man keine Anhaltspunkte.
5.10
Am 1
3.
Mai 2015 teilte die Invalidenversicherung der Klägerin mit, die Ein
gliederungsbemühungen würden abgeschlossen (
Urk.
9/55): Die Klägerin sei seit dem 1
7.
Februar 2015 wiederholt gebeten worden, ihre beruflichen Unterlagen ein
zureichen, um Eingliederungsmassnahmen planen zu können. Dies habe sie nicht getan, sondern mit Mail vom 2
0.
April 2015 mitgeteilt, dass sie weiterhin ihrer bisherigen Funktion auf selbständiger Basis nachgehen möchte. Sie habe sich entschieden, auf den Support seitens der IV-Stelle zu verzichten.
5.11
Die Klägerin war 2015
seit rund 10 Jahren
als diplomierte Hundebetreuerin
selb
ständigerwerbend
(vgl.
Urk.
9/
67 S. 1
Ziff.
1).
Laut Auszug aus dem Individuellen Konto (IK-Auszug) vom 1
4.
Oktober 2015 entrichtete
sie
Beiträge auf
folgenden
Einkommen
(
Urk.
9/77/8):
Jahr
Fr.
2006
28’400
2007
23’800
2008
33’300
2009
39’000
2010
16'000
2011
15'900
2012
14'600
2013
9'333
5.1
2
Beim Fussleiden der Klägerin handelt es sich um eine chronische Erkrankung (vorstehend E. 5.6), deren Verlauf in grossen zeitlichen Abständen von in der Regel einem halben Jahr kontrolliert wird
(vgl. vorstehend E. 5.5-7
; auch
E. 6.11 und
Urk.
9/78
). Bezogen auf ihre
bisherige Tätigkeit
attestierte ihr Hausarzt im August 2014 eine volle Arbeitsunfähigkeit, wobei er gleichzeitig angab, sie wäre noch im Rahmen von zirka 50
%
zumutbar (vorstehend E. 5.1); als angepasst bezeichnete er eine sitzende Tätigkeit (vorstehend E. 5.2). Prof.
D._
im Dezember 2014 (vorstehend E. 5.5) wie auch die Ärzte der Universitätsklinik
B._
im Februar 2015 (vorstehend E. 5.6) erachteten die bisherige Tätigkeit als nicht mehr möglich.
Gemäss
Art.
8.2
Satz 1
AVB
ist
d
ie versicherte Person, welche in ihrem ursprün
glichen Beruf voraussichtlich voll oder teilweise arbeitsunfähig bleibt, verpflich
tet, ihre verbleibende Erwerbstätigkeit in einem anderen Beruf zu verwerten
beziehungsweise sich
bei der Arbeitslosenversicherung anzumelden.
Die bleibende voraussichtliche volle oder teilweise Arbeitsunfähigkeit im ursprü
n
glichen Beruf ist von den die Klägerin behandelnden Ärzten übereinstimmend bestätigt worden. Damit ist die Voraussetzung erfüllt, unter welcher sie zu einem Berufswechsel verpflichtet werden konnte.
Mithin war die Beklagte grundsätzlich berechtigt, die Klägerin aufzufordern, die bisherige Tätigkeit anzupassen oder einen Berufswechsel vorzunehmen (
Art.
8.2 Satz 2 AVB).
In der entsprechenden Aufforderung vom 1
9.
März 2015 (
Urk.
9/49) ging die Beklagte von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer sitzenden Tätigkeit aus sowie davon, die Klägerin könne eine solche im eigenen Betrieb ausüben.
Die Erwähnung sitzender Tätigkeiten
basierte auf der diesbezüglichen Feststel
lung unter anderem des Hausarztes (vorstehend E. 5.1) und
ist
beim damaligen
Kenntnisstand der Beklagten nicht zu beanstanden. Dass später bei ausschliesslich
sitzenden Tätigkeiten nach 8-9 Stunden Beschwerden auf
ge
tr
e
ten
seien
(vor
steh
end E. 5.7) und aufgrund eines in den verfügbaren Akten erstmals im Juni 2015 diagnostizierten Rückenleidens eine wechselbelastende Tätigkeit als angepasst
erachtet wurde (vorstehend E. 5.8), ändert nichts an der Zulässigkeit der Auf
forderung an die Klägerin, ihre Arbeitsfähigkeit in einer geeigneteren als der bis
herigen Tätigkeit zu verwerten.
Die Annahme
sodann
, dies
sei ihr
im eigenen Betrieb möglich, stützte sich auf den damaligen, per August 2018 dokumentierten Internet-Auftritt der
-
auf der Startseite mit Foto abgebildeten
-
Klägerin (
Urk.
9/4).
Dass sich dies als unzu
treffend
erwies, ist nicht der Beklagten anzulasten und ändert nichts an der Zu
lässigkeit ihres Vorgehens.
Schliesslich erweist sich auch die der Klägerin für die verlangte Umstellung ein
geräumte Frist als angemessen. Entscheidend dafür ist der Umstand, dass der Klägerin gemäss ihren eigenen Angaben über das Gespräch bei der Invalidenver
sicherung im Januar 2015 (vorstehend E. 5.9) bereits im Dezember 2014 kommu
niziert worden war, dass eine Leistungseinstellung in Aussicht stehe, un
d sie be
reits damals aus eigenem
Antrieb gewisse Anpassungen unternommen wie auch die Arbeitslosenversicherung kontaktiert hat
te
.
Sodann stand beim Ge
spräch mit der Invalidenversicherung die Frage der beruflichen Umstellung eigentlich im Zentrum. Faktisch standen der Klägerin mithin von Dezember 2014 bis Ende April 2015 über vier Monate zur Verfügung, um die verlangte berufliche Umstellung zu realisieren. Es war der Klägerin, die
immerhin
das
Gymnasium
besucht
und ein Diplom
als
Gymnastiklehrerin erworben hat (
Urk.
9/81
Ziff.
5.2-3)
, zuzu
mu
ten, in dieser Zeit eine wechselbelastende, dem Fuss- und Rückenleiden ange
passte Tätigkeit zu suchen und zu finden, in der sie ein im Vergleich zum bisher erzielten (vorstehend E. 5.1
1
) gleiches oder wohl eher höheres Einkommen hätte erzielen können.
5.13
Aus diesen Gründen erweist sich die von der Beklagten per Ende April 2015 vor
genommene Leistungseinstellung als rechtens. Die Klage auf Ausrichtung weite
rer Taggelder für die durch das Fussleiden verursachte teilweise Arbeitsunfähig
keit ist deshalb abzuweisen.
6.
6.1
Am 1
3.
Juli 2015 stellte sich die Klägerin bei Doppelbildern und Taubheitsgefühl im Gesicht am 1
0.
Juli 2015 notfallmässig in der Klinik für Neurologie des Uni
ver
sitätsspitals
F._
vor. Sie zeigte sich klinisch fokal-neurologisch unauf
fällig (
Urk.
9/68/2 Mitte). Eine am 1
6.
Juli 2015 erfolgte radiologische Abklä
rung er
gab keinen Hinweis auf eine Ischämie, eine AVM (wohl:
a
rterio
venous
mal
formation
) oder einen Tumor (
Urk.
9/68/3).
6.2
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
attestierte
am
4.
August 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom 1
0.
Juli bis 1
5.
August
2015 (
Urk.
9/65).
I
n seinem Bericht vom 1
8.
August 2015 (
Urk.
9/60)
nannte
Dr.
G._
als Diagnosen einen Verdacht auf eine transitorische
ischiämische
Attacke (TIA), eine Depression, arterielle Hypertonie, und einen Status nach Sturz am 1
0.
August 2015 mit Schädel- und Hand-Kontusionen (
Ziff.
1). Die Prognose sei unsicher (
Ziff.
2). Eine
neurologische Abklärung - die TIA betreffend - laufe, eine psychia
trische Behandlung sei empfohlen (
Ziff.
5).
Er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom 1
0.
Ju
li bis 2
2.
August 2015 (
Ziff.
6
)
.
Am
2.
September 2015 attestierte er eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom 2
3.
August bis 1
1.
September 2015 (
Urk.
9/65).
6.3
Am 1
4.
September 2015 teilte die Klägerin der Beklagten unter anderem mit, sie wolle - unter Hinweis unter anderem auf
Dr.
G._
(vorstehend E. 6.
2
) und
Dr.
H._
(nachstehend E.
6.6
) -
einen
neuen Krankheitsverlauf anmelde
n (
Urk.
9/66/1 =
Urk.
2/11/1).
Wohl als Beilage zum genannten Schreiben findet sich in den Akten eine un
datierte, von der Beklagten ausgefüllte Unfallmeldung, in der sie angab, sie sei auf Kies ausgerutscht und gestürzt (
Ziff.
2) und habe sich am Handgelenk, den Rippen, dem Kopf, der Handinnenseite, am linken Knie und am rechten Fuss
gelenk verletzt (
Ziff.
4). Ein Datum für das Ereignis nannte sie nicht (
Ziff.
1).
6.4
Prof.
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete a
m 1
5.
September 2015 eine psychiatrische Kurzbeurteilung im Auftrag
der Beklagten (
Urk.
9/67).
E
r nannte folgende
(
lediglich mit dem Code nach
ICD-10
angeführte
)
Diagnosen (S. 1 f.
Ziff.
3):
-
Anpassungsstörung mit vorwiegender Störung von anderen Gefühlen (ICD-10 F43.23)
-
psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol, Abhängigkeits
syn
dro
m, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F10.20)
-
Kontaktanlässe mit Bezug auf das Berufsleben (ICD-10 Z56)
Er führte aus, bis zur Kl
ärung des somatischen Befundes
bestehe aus sozial
psy
chiatrischer Sicht keine beruflich zu verwertende Arbeitsfähigkeit (. 2
Ziff.
5).
Er empfahl die Wiedervorstellung der Versicherten zur erneuten versicherungs
medizinischen Beurteilung in spätestens 6 Wochen unter Beiziehung der zu erbitten
den somatischen und psychiatrischen Verlaufsberichte (S. 2
Ziff.
8).
6.5
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Neurologie, berichtete am 2
2.
September 2015 über seine am 1
8.
September 2015 erfolgte Untersuchung (
Urk.
9/69). Er nannte folgende Diagnose (S. 1):
-
rezidivierende neurologische Störung mit Doppelbildern, Taubheitsgefühl im Gesicht sowie Dysarthrie
-
am ehesten im Sinne eines Migräneäquivalents
-
magnetresonanztomografisch und auch klinisch zu wenige Hinweise auf rezidivierende TIA
Die Patientin sei - auf ihren Wunsch hin - für eine neuropsychologische Abklä
rung vorgemerkt worden (S. 3 oben).
6.6
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, attestierte
am 2
2.
September 2015 eine - nicht bezifferte - Arbeitsunfähigkeit seit 1
0.
Septem
ber
2015 voraussichtlich für mehrere Wochen (
Urk.
9/70).
Er erstattete am 2
6.
Oktober
2015 einen Bericht zuhanden der Beklagten (
Urk.
9/76
=
Urk.
2/18
). Er führte aus, er habe die Patientin am 1
0.
und 2
4.
September 2015 gesehen (S. 1 unten), und nannte folgende Diagnosen (S. 2
Ziff.
1):
-
anhaltende Depression, gegenwärtig schwere Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.2) im Sinne eines Erschöpfungssyndroms nach langer psychosozialer und gesundheitlicher Belastung
-
Differentialdiagnose (DD): rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33) bei Status nach erster Krise nach Scheidung 2000
-
Angststörung mit Panikattacken (ICD-10 F40.01)
-
PVNS-Tumor im rechten Fuss
Die Arbeitsfähigkeit sei aktuell aufgrund der schweren depressiven Symptomatik eingeschränkt. Durch eine adäquate antidepressive Medikation und psychothera
peutische Begleitung dürfte sich diese in den nächsten Monaten wieder zurück
bilden. Die Arbeitsfähigkeit als Hundeausführerin sei jedoch auch aus somati
schen Gründen (wegen des PVNS-Tumors) eingeschränkt (S. 4
Ziff.
10).
6.7
Dr.
J._
(vorstehend E.
6.5
) berichte
te
am 2
6.
November 2015 über die zwischen
zeitlich erfolgte neuropsychologische Untersuchung (
Urk.
9/79), die Befunde passte
n besser zu einer leichten Einschränkung mit verminderter Konzentration, vermindertem Antrieb und leicht vermindertem Abrufvermögen, wie sie bei einer Depression gesehen würden, als zu einer - von der Klägerin befürchteten (vgl.
Urk.
9/69 S. 3 oben) - Alzheimererkrankung (S. 2 oben).
6.8
Dr.
H._
(vorstehend E.
6.6
) attestierte am 1
9.
Januar 2016 eine Arbeitsun
fähig
keit von 100
%
vom 1
0.
September 2015 bis 3
1.
Januar 2016 (
Urk.
9/85).
Am
2.
Februar 2016 attestierte er eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
vom
1.
bis 2
9.
Februar 2016 (
Urk.
9/89), und am 2
2.
März 2016 eine solche von 100
%
vom
1.
bis 3
1.
März 2016 (
Urk.
9/94).
In seinem Bericht vom 2
4.
Mai 2016 (
Urk.
9/99) nannte er folgende, geänderte Diag
nosen (S. 2
Ziff.
1):
-
rezidivierende depressive Störung, in Remission befindlich, gegenwärtig noch mittelschwere Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11) im Sinne einer Erschöpfungsdepression nach langer psychosozialer und gesundheitlicher Belastung
,
Status nach erster Krise nach Scheidung 2000
-
paroxysmale
Angst
a
ttacken (ICD-10 F4
1.0
)
-
PVNS-Tumor im rechten Fuss
Seit dem letzten Bericht vom 2
6.
Oktober 2015 habe sich der Zustand der Explo
randin deutlich verbessert. Sie habe seit
1.
April 2016 wieder zu 50
%
zu arbeiten begonnen und zudem eine Weiterbildung (vgl. Kostengutsprache der Invaliden
versicherung vom 1
2.
Dezember 2016;
Urk.
9/102) begonnen (S. 2
Ziff.
2).
Dem Bericht beigefügt war eine am 2
0.
Mai 2016 ausgefüllte Hamilton-Depres
sionsskala, die mit 18 Punkten eine leichte Depression ergab.
6.9
Mit Zeugnis vom
7.
April 201
7
(
Urk.
2/17) nannte
Dr.
A._
(vorstehend
E. 5.1)
als Diagnose ein
e
pigmentierte
villonoduläre
Synovitis
(Erstdiagnose Oktober 2013
) mit Status nach Tumorresektion am 2
0.
Mai 2014, und führte aus, die Klägerin stehe seit 3
0.
September 2013 wegen chronischer Fussschmerzen und Schwellung rechts bei der genannten Diagnose in seiner Behandlung. Die Operation vom 2
0.
Mai 2014 habe nur wenig Besserung gebracht. Sie leide weiterhin unter chro
nischen Fussschmerzen mit Schwellung. Die körperliche Belastbarkeit sei deutlich eingeschränkt. Seit Behandlungsbeginn seien die Beschwerden konstant vorhan
den, der rechte Fuss sei chronisch geschwollen und schmerzhaft.
7.
7.1
Mit Schreiben vom 1
2.
Januar 2016 (
Urk.
9/83) teilte die Beklagte der Klägerin
mit,
dies
e
habe aus persönlichen Gründen den Besprechungstermin vom 1
2.
Janu
ar
2015 abgebrochen und lud zur erneuten Besprechung am - wie mündlich verein
bart - 2
1.
Januar 2016 ein
. Sie
forderte die Klägerin auf, zum Termin folgende Unterlagen mitzubringen (S. 1 Mitte):
-
allfällig vorhandene Arztzeugnisse, welche eine Arbeitsunfähigkeit vom 1
1.
September 2015 bis heute bestätigen
-
allfällige neue medizinischen Berichte, welche ihre aktuellen Einschrän
kungen detailliert beschrieben
Sie wies auf
Art.
9.4 AVB
(Verletzung der Mitwirkungspflichten)
hin und führte aus, zurzeit benötige sie Angaben über die psychischen Einschränkungen der Klägerin. Zudem habe diese am 1
0.
August 2015 ein Unfallereignis angemeldet. Auch hierzu benötige sie Detailangaben zu allfällig vorhandenen Beschwerden (S. 1 unten).
7.2
Mit Schreiben vom 1
5.
Januar 2016 sagte die (Rechtsvertreterin der) Klägerin den Termin ab, da ihr noch nicht alle Akten vorlägen (
Urk.
9/84). Am
8.
Februar 2016 ersuchte sie um eine Ergänzung der ihr zugestellten Akten (
Urk.
9/90).
Mit Schreiben vom 1
1.
März 2016 (
Urk.
9/93/1 =
Urk.
2/12) nahm sie zur per Ende April 2015 erfolgten Leistungseinstellung (vgl. vorstehend E. 5) Stellung (S.
1 f.) und ersuchte um Weiterbearbeitung und Leistungsausrichtung auch
des
2015 angemeldeten Leistungsfall
s
(S. 2 unten).
7.3
Dazu nahm die
Z._
, offenbar auch namens der Beklagten, am 2
7.
April 2016 Stellung (
Urk.
9/97 =
Urk.
2/13). Bezüglich des Schadenfalles von 2015, in welchem die Klägerin psychische Einschränkungen und eine Arbeitsun
fähigkeit von 100
%
geltend mache, liefen aktuell weitere medizinische Abklä
rungen, die Beklagte habe die entsprechenden Verlaufsberichte und weitere Detail
berichte der behandelnden Ärzte
einverlangt
. Nach Erhalt dieser entsprechenden Unterlagen werde zu diesem Fall ebenfalls Stellung genommen (S. 2).
Die Klägerin wurde gebeten, zwei mögliche Datenvorschläge zu unterbreiten, an denen ein Gespräch durchgeführt werden könne (S. 2 unten).
7.4
Mit Schreiben vom
9.
März 2017 (
Urk.
9/104) und
2.
Oktober 2017 (
Urk.
9/106) ersuchte die Klägerin um die Abgabe einer Verjährungsverzichtserklärung.
8.
8.1
Ein weiteres
Klagebegehren
der
Klägerin
lautete auf
Taggelder, die ihr im Zu
sammenhang mit der psychischen Beeinträchtigung zustünden (
Urk.
1 S.
2
Ziff.
I.3). Der im Klagebegehren genannte Betrag wurde in der Klage damit begründet, die Klägerin habe am 1
0.
Juli 2016 bei der Beklagten einen weiteren Leistungsfall aufgrund von psychischen Einschränkungen angemeldet (
Urk.
1 S. 8
Ziff.
25), folglich beginne der Taggeldanspruch am 1
8.
Juli 2016
, woraus sich gemäss der anschliessend aufgeführten Tabelle bis am 3
0.
November 2017 der im Klagebegehren genannte Betrag ergab
(
Urk.
1 S. 8 Ziff. 31).
Dem hielt die Beklagte entgegen, im genannten Zeitpunkt sei der Versiche
rungs
vertrag nicht mehr in Kraft gewesen (
Urk.
8 S. 12
Ziff.
5).
Daraufhin räumte die Klägerin ein, beim genannten Datum handle es sich tat
säch
lich um einen redaktionellen Fehler. In Wirklichkeit sei es so, dass die Be
klagte «bereits seit mindestens August 2015 Kenntnis von dem neuen Schaden
fall betreffend Psyche» gehabt habe (
Urk.
16 S. 7
Ziff.
26).
Von
wann
bis
wann
sie nunmehr Taggelder entsprechend welcher Arbeitsunfähigkeit und in welcher Gesamthöhe einklagte, führte sie nicht aus.
8.2
Als Anmeldung des allfälligen die Psyche betreffenden Leistungsfalls kann das Schreiben der Klägerin vom 1
4.
September 2015 (vorstehend E. 6.3) angesehen werden.
Für die damit geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit kann die Klägerin d
as Attest von
Dr.
G._
vom
4.
August 2015 und sein
en Bericht vom 1
8.
August 2015, in denen er eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
ab 1
0.
Juli 2015 attestierte
(vor
stehend E. 6.2)
, beibringen, sowie das Attest vom 2
2.
September 2015 und den Bericht vom 2
6.
Oktober 2015 des behandelnden
Dr.
H._
, in denen er eine nicht näher bezifferte Arbeitsunfähigkeit seit 1
0.
September attestierte (vorstehend E.
6.5).
Der Neurologe
Dr.
J._
machte keine Angaben zu einer allfälligen Arbeitsun
fähigkeit (vorstehend E. 6.4 und 6.6).
8.3
Soweit von behandelnder Seite Arbeitsunfähigkeiten mehr als drei Tage rückwir
kend attestiert wurden, muss sich die Beklagte diese
gemäss
Art.
6.2
Abs.
2
Satz
2
AVB nicht
entgegenhalten lassen.
Dass die Beklagte bereits Mitte September 2015 eine psychiatrische Abklärung veranlasste, macht deutlich, dass sie die vom Hausarzt attestierte Arbeitsunfähig
keit als klärungsbedürftig er
achtete und nicht beabsichtigte, umstandslos darauf abzustellen. In der Folge bestand dieser Klärungsbedarf weiter, weshalb die Be
klagte den Gesprächstermin vom 1
2.
Januar 2016 und anschliessend denjenigen vom 2
1.
Januar 2016 ansetzte, dies unter Angabe der mitzubringenden Unter
la
gen und unter Hinweis auf die Folgen einer Verletzung der Mitwirkungspflichten (vorstehend E. 7.1).
8.4
Die Klägerin ist dieser Aufforderung nicht nachgekommen. Sie hat - seit Januar 2016 anwaltlich vertreten - den erwähnten Gesprächstermin abgesagt
und hat
sich im März
2016 zur Leistungseinstellung per Ende April 2015 geäussert, ohne die zur Klärung des 2015 angemeldeten Anspruchs verlangten Unterlagen auch nur zu
erwähnen (vorstehend E.
7.2). Auf die Aufforderung im April 2016, Ge
sprächstermine vorzuschlagen, reagierte sie gar nicht (vorstehend E. 7.3).
Ende Dezember 2017 - mithin rund 1 3⁄4 Jahre später - reichte sie die hier zu beur
tei
lende Klage ein.
8.5
Mit ihrem Verhalten hat die Klägerin die ihr obliegende Auskunftspflicht (
Art.
8.3
AVB) wiederholt und empfindlich verletzt. Sie hat es der Beklagten verunmög
licht
,
zeitnah abzuklären, ob die Voraussetzungen gegeben seien, um weitere Leistung
en
zu erbringen. Dass die
Beklagte
ohne hinreichende Abklärung der Anspruchs
vor
aussetzungen keine Leistungen erbrachte, ist nicht zu beanstanden, zumal nicht ausgeschlossen ist, dass das Nichterbringen der Leistungen nur bis zur Klärung des Anspruchs angehalten
hätte und allfällige Leistungen auch rückwirkend hätten erbracht werden können, sofern die Klägerin
2015 und
im ersten Quartal 2016 an der Klärung des Sachverhalts pflichtgemäss mitgewirkt hätte.
Dies hat sie nicht getan
. S
ie
hat es zu vertreten
, dass die Beklagte die beantragten Leistungen nicht erbracht hat, weil die Anspruchsvoraussetzungen nicht hinrei
chend nachgewiesen waren. Den damals fehlenden Nachweis hat die Klägerin auch im vorliegenden Verfahren nicht erbracht, womit sich ihre Klage auf im Zusammenhang mit einer psychischen Beeinträchtigung zu erbringende Taggeld
leistungen als unbegründet erweist und abzuweisen ist.
8.6
Damit ist die Klage insgesamt abzuweisen.
9.
9.1
Gemäss
Art.
114
lit
. e ZPO ist das Verfahren kostenlos.
9.2
Die Beklagte wurde nicht durch einen externen Anwalt vertreten. Sie hat somit
entgegen ihrem Antrag (
Urk.
8 S. 2
lit
. A.2)
praxisgemäss - mangels eines be
sonderen Aufwandes (vgl. BGE 110 V 72 E. 7) - keinen Anspruch auf eine Partei
ent
schädigung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_355/2013 vom 2
2.
Oktober 2013 E. 4.2).