Decision ID: 3ad2e834-0d94-4161-809c-196fc401f044
Year: 2020
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
3. In der Folge klärte die IV-Stelle den Sachverhalt ab. Sie holte dabei
mehrere Berichte bei Dr. med. B._, Fachärztin für Kinder-
/Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, ein: Zum einen jenen vom
1. Mai 2018, dem ein Untersuchungsbericht vom 28. Mai 2018 beigelegt
wurde, zum anderen jenen vom 14. August 2018. Aus dem Bericht von Dr.
med. B._ vom 1. Mai 2018 geht u.a. hervor, dass A._ seit dem
18. Januar 2016 in psychotherapeutischer Behandlung ist und folgende
Diagnosen vorliegen: Störung des Sozialverhaltens (F91.2/F91.3), soziale
Adaptationsstörung (F43.23), Zwangsstörung im Kindesalter, Festhalten
an unbestimmten Gedanken und Mustern (F42.2) und erhöhte
Ängstlichkeit (F41.9).
4. Mit Vorbescheid vom 11. September 2018 stellte die IV-Stelle A._ die
Abweisung des Leistungsbegehrens (keine Kostengutsprache für
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Psychotherapie) in Aussicht. Gestützt auf die Beurteilung von Dr. med.
C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler
Ärztlicher Dienst Ostschweiz (RAD), hielt sie im Wesentlichen fest, dass
der Eingliederungscharakter der Behandlung nicht eindeutig überwiege,
sondern das Leiden an sich interdisziplinär mit verschiedenen
Therapiemethoden angegangen werde. Die Voraussetzungen zur
Kostenübernahme von Psychotherapie nach Art. 12 und Art. 13 IVG seien
nicht erfüllt.
5. Am 6. Oktober 2018 erhob A._ Einwand gegen den Vorbescheid der
IV-Stelle. Er hielt sinngemäss fest, dass die Voraussetzungen für eine
Kostenübernahme durch die IV-Stelle gegeben seien. Zur Begründung
verwies er auf ein Schreiben von Dr. med. B._ vom 3. Oktober 2018.
6. Am 1. November 2018 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des
Leistungsbegehrens (keine Kostengutsprache für Psychotherapie).
Gestützt auf eine weitere Beurteilung von Dr. med. C._, RAD, hielt sie
im Wesentlichen fest, dass die (im Untersuchungsbericht vom
28. Mai 2018) geschilderte Hauptproblematik nicht im schulischen Bereich
liege, sondern im Verhalten zu Hause. Wichtiger Fokus der Behandlung sei
die geschilderte Zwanghaftigkeit und Ängstlichkeit mit den von Dr. med.
B._ beschriebenen multimodalen Therapieansätzen. Es handle sich
um eine Leidensbehandlung, für welche die Invalidenversicherung nicht
aufzukommen habe. Die Voraussetzungen zur Kostenübernahme der
Psychotherapie nach Art. 12 und Art. 13 IVG seien nicht erfüllt.
7. Hiergegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 30.
November 2018 (Poststempel) Beschwerde beim Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden mit den Anträgen, es sei die Verfügung der IV-Stelle
aufzuheben und es sei ihm die nach Art. 12 IVG absolut gebotene
Massnahme einer Psychotherapie zu gewähren. Zur Begründung verwies
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er insbesondere auf ein Schreiben von Dr. phil. D._, Psychologe /
Psychotherapeut FSP, vom 22. November 2018.
8. In ihrer Vernehmlassung vom 8. Januar 2019 beantragte die IV-Stelle die
Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge zu Lasten des
Beschwerdeführers. Zur Begründung verwies sie auf die angefochtene
Verfügung vom 1. November 2018.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene
Verfügung sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-Stelle
des Kantons Graubünden vom 1. November 2018, worin das
Leistungsbegehren des Beschwerdeführers (Gesuch um
Kostengutsprache für Psychotherapie) abgewiesen wurde. Nach Art. 69
Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem
Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar. Die Verfügung der
IV-Stelle des Kantons Graubünden vom 1. November 2018 stellt somit ein
taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die sachliche
Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 57 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m.
Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100). Als Adressat der angefochtenen Verfügung ist der
Beschwerdeführer berührt und er weist ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung oder Änderung auf (Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen
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frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten
(Art. 60 und Art. 61 ATSG).
2. Vorliegend ist unbestritten, dass die beantragte Psychotherapie nicht der
Behandlung eines Geburtsgebrechens i.S.v. Art. 13 IVG dienen soll.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Kosten für die beantragte Psychotherapie
als medizinische Massnahme i.S.v. Art. 12 IVG von der
Invalidenversicherung zu übernehmen sind.
3.1. Gemäss Art. 12 Abs. 1 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 20.
Altersjahr Anspruch auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die
Behandlung des Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die
Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich gerichtet und
geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlichen zu verbessern
oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren. Als medizinische
Massnahmen i.S.v. Art. 12 IVG gelten dabei insbesondere
psychotherapeutische Vorkehren (vgl. Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über
die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
3.2. Art. 12 IVG bezweckt, die Aufgabenbereiche der Invalidenversicherung
einerseits und der sozialen Kranken- und Unfallversicherung andererseits
gegeneinander abzugrenzen (Urteil des Bundesgerichts 9C_912/2014 vom
7. Mai 2015 E.1.2). Um "Behandlung des Leidens an sich" geht es in der
Regel bei der Heilung oder Linderung labilen pathologischen Geschehens.
Unter solchen Umständen ist die Vorkehr nicht "unmittelbar" auf die
Eingliederung gerichtet (BGE 98 V 214 E.2). Die Invalidenversicherung
übernimmt folglich im Grundsatz nur solche medizinischen Vorkehren, die
auf die Beseitigung oder Korrektur stabiler oder wenigstens relativ stabiler
Defektzustände oder Funktionsausfälle hinzielen (vgl. BGE 105 V 19 S. 19
und BGE 98 V 214 E.2) und die geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder
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die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und
wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu
bewahren (vgl. Art. 12 Abs. 1 IVG).
Bei nichterwerbstätigen Minderjährigen können medizinische Vorkehren
allerdings schon dann überwiegend der beruflichen Eingliederung dienen
und trotz des einstweilen noch labilen Leidenscharakters von der
Invalidenversicherung übernommen werden, wenn ohne diese Vorkehren
in absehbarer Zeit eine Heilung mit Defekt oder ein sonst wie stabilisierter
Zustand einträte, welcher die Berufsbildung und/oder die Erwerbsfähigkeit
wahrscheinlich beeinträchtigen würde (BGE 105 V 19 S. 20 und BGE 98 V
214 E.2; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_912/2014 vom
7. Mai 2015 E.1.2). Die für die Beurteilung der Leistungspflicht der
Invalidenversicherung massgebliche fachärztliche Prognose muss zwei
Aussagen enthalten: Zunächst muss erstellt sein, dass ohne die
vorbeugende Behandlung in naher Zukunft eine bleibende
Beeinträchtigung eintreten würde; gleichzeitig muss ein ebenso stabiler
Zustand herbeigeführt werden können, in dem vergleichsweise erheblich
verbesserte Voraussetzungen für die spätere Ausbildung und
Erwerbsfähigkeit herrschen (Urteil des Bundesgerichts 9C_393/2012 vom
20. August 2012 E.3).
3.3. Für die Beurteilung des Eingliederungserfolgs einer bestimmten
medizinischen Massnahme sind die Verwaltung und die im Beschwerdefall
angerufenen Gerichte auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls andere Fachleute zur Verfügung stellen (vgl. BGE 125 V
256 E.4 und BGE 115 V 133 E.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_745/2008
vom 2. Dezember 2008 E.3.2). Im Beschwerdefall hat das angerufene
Gericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln,
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen (vgl. BGE 125 V 351
E.3a). Dabei ist der Zeitraum bis zum Abschluss des
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Verwaltungsverfahrens Bezugsgrösse für den entscheidungsrelevanten
Sachverhalt. Spätere Arztberichte sind aber in die Beurteilung
miteinzubeziehen, soweit sie Rückschlüsse auf die im Zeitpunkt des
Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegebene Situation erlauben
(Urteil des Bundesgerichts 8C_414/2019 vom 25. September 2019 E.2.2.2
m.w.H.). Schliesslich hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nichts Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (Urteil des Bundesgerichts 8C_414/2019 vom
25. September 2019 E.2.2.2).
4.1. Die IV-Stelle begründet die Abweisung des Leistungsbegehrens des
Beschwerdeführers gestützt auf die Beurteilung von Dr. med. C._,
Regionaler Ärztlicher Dienst Ostschweiz (RAD), im Wesentlichen wie folgt:
Gemäss den vorhandenen medizinischen Unterlagen käme es bei einer
Sistierung der Therapie zu einer Verunsicherung und zu einem
Vertrauensverlust. Nicht erstellt sei folglich, dass dies mit grosser
Wahrscheinlichkeit zu einem erheblichen, schwer korrigierbaren stabilen
Defekt führen würde. Der Eingliederungscharakter der Behandlung
überwiege nicht eindeutig, sondern es werde das Leiden an sich
interdisziplinär mit verschiedenen Therapiemethoden angegangen. Die (im
Untersuchungsbericht vom 28. Mai 2018) geschilderte Hauptproblematik
liege nicht im schulischen Bereich, sondern im Verhalten zu Hause.
Wichtiger Fokus der Behandlung sei die geschilderte Zwanghaftigkeit und
Ängstlichkeit mit den von Dr. med. B._ beschriebenen multimodalen
Therapieansätzen. Es handle sich um eine Leidensbehandlung, für welche
die Invalidenversicherung nicht aufzukommen habe.
4.2. Demgegenüber hält der Beschwerdeführer namentlich fest, der Schluss
der IV-Stelle, wonach die Annahme einer Verschlechterung und eines
Vertrauensverlustes nicht zwangsläufig zu einem stabilen, schwer
korrigierbaren Defekt führe, sei nicht zulässig. Es sei evident, dass die
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Sistierung der Therapie zuerst zu einer Verschlechterung der Symptomatik
führen würde, welche letztlich durchaus zu einem stabilen, schwer
korrigierbaren Defekt führen könne. Weiter hält der Beschwerdeführer
unter Hinweis auf ein Schreiben von Dr. phil. D._ vom 22.
November 2018 sinngemäss fest, aus dem Umstand, dass
familientherapeutische Konzepte angewendet würden und allgemein ein
multimodaler Ansatz bedeutsam sei, könne nicht der Schluss gezogen
werden, es handle sich weiterhin um eine Leidensbehandlung.
5. Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer an einer Störung des
Sozialverhaltens (F91.3), einer sozialen Adaptationsstörung (F43.23),
einer Zwangsstörung im Kindesalter (F42.2) und an erhöhter Ängstlichkeit
(F41.9) leidet. Aufgrund dieser Diagnosen befindet sich der
Beschwerdeführer seit Januar 2016 in psychotherapeutischer Behandlung
(vgl. IV-act. 45 f.). Rund zwei Jahre später konnte eine Besserung
hinsichtlich der sozialen Integration des Beschwerdeführers festgestellt
werden, die sich vor allem im schulischen Bereich zeigte. So wird im
Untersuchungsbericht vom 28. Mai 2018 ausgeführt, der
Beschwerdeführer beteilige sich gut am Unterricht, sei besser integriert als
früher und habe weniger Auseinandersetzungen mit Gleichaltrigen.
Hieraus zu schliessen, dass sich die persistierenden Schwierigkeiten auf
das Verhalten zu Hause und nicht auf den schulischen Bereich bezögen,
greift jedoch zu kurz. Immerhin geht aus dem Bericht der behandelnden
Psychotherapeutin Dr. med. B._ vom 1. Mai 2018 (inkl. Beiblatt)
hervor, dass – wenngleich sich die Problematik im familiären Kontext
verstärkt zeige – die soziale Integration in der Schule weiterhin einer
erhöhten Aufmerksamkeit bedürfe und nach wie vor erhebliche
Schwierigkeiten im sozialen Miteinander bestünden. Der
Beschwerdeführer müsse lernen, im Vertrauen auf seine eigenen
Möglichkeiten den Herausforderungen des Alltags zu begegnen, ohne dass
er sich ständig zurückziehen oder andere Kinder hartnäckig bedrängen
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oder ablehnen müsse. Insofern ist nicht von der Hand zu weisen, dass
weitere Fortschritte im Bereich der schulischen Eingliederung und des
Sozialverhaltens sowie eine Stabilisierung bereits verbesserter
psychischer Symptome erzielt werden können, womit die Voraussetzungen
für eine spätere berufliche Ausbildung und Erwerbstätigkeit geschaffen
werden können.
Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts sind die in den Arztberichten
geschilderten Defizite des Beschwerdeführers durchaus
eingliederungsrechtlich relevant. Gemäss dem Bericht von
Dr. med. B._ vom 1. Mai 2018 (inkl. Beiblatt) und dem
Untersuchungsbericht vom 28. Mai 2018 stehen beim Beschwerdeführer
erhebliche Schwierigkeiten im Sinne einer übermässigen Fokussierung auf
bestimmte Themen, Zwanghaftigkeit und fehlenden Präsenz im
Vordergrund. Sein Verhalten sei stark durch seine verminderte Erregung
gekennzeichnet – verbunden mit dysfunktionaler Stressverarbeitung,
Angstzuständen, auffälligem Sozialverhalten und sozialem Rückzug.
Ausserdem möge der Beschwerdeführer namentlich überhaupt keine
Veränderungen. Er habe die Tendenz, an einer eigenen Idee festzuhalten
und nicht auf andere zu hören, wolle, dass Dinge in einer bestimmten
Weise getan würden, habe immer wieder dieselben Gedanken, ziehe sich
sozial zurück, sei ängstlich und drifte häufig in eine andere Welt ab. Die
Fähigkeit zu sozialer Integration und Zusammenarbeit ist in der Ausbildung
und im Berufsleben aber genauso gefragt wie eine gewisse Belastbarkeit,
Flexibilität und die Bereitschaft zur Erfüllung der gemäss Pflichtenheft zu
erledigenden Aufgaben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_393/2012 vom
20. August 2012 E.5.2). Wenn nun die beantragte Psychotherapie – wie im
Bericht von Dr. med. B._ vom 1. Mai 2018 (inkl. Beiblatt) dargelegt –
bezweckt, die Eingliederung und Integration des Beschwerdeführers ins
soziale System zu verbessern und dem Beschwerdeführer zu ermöglichen,
seine Möglichkeiten im Rahmen der schulischen Entwicklung vermehrt zu
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zeigen, ist nach Auffassung des streitberufenen Gerichts davon
auszugehen, dass die beantragte Psychotherapie erheblich bessere
Voraussetzungen für die spätere Ausbildung und Erwerbsfähigkeit des
Beschwerdeführers schafft.
Der Eingliederungswirksamkeit der therapeutischen Vorkehr im Vergleich
zur Leidensbehandlung nur nachrangige Bedeutung beizumessen, geht
dabei fehl. Wenn die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung anmerkt,
bei einer Sistierung der Therapie käme es beim Beschwerdeführer zu einer
Verunsicherung und zu einem Vertrauensverlust, nicht aber zu einem
erheblichen, schwer korrigierbaren stabilen Defekt, gibt sie die
Einschätzung der behandelnden Psychotherapeutin Dr. med. B._ nur
verkürzt wieder. In ihrem Schreiben vom 14. August 2018 führt diese
nämlich aus, dass eine Sistierung der Behandlung beim Beschwerdeführer
neben einer Verunsicherung und einem Vertrauensverlust zudem zu einer
Zunahme der übermässigen Fokussierung, zu einer Verminderung der
Aktivierung sowie zu einer emotionalen Unklarheit hinsichtlich der eigenen
Möglichkeiten und des sozialen Miteinanders führen würde. Insofern
erscheint es aufgrund des komplexen und schweren Störungsbildes
naheliegend, dass ohne die beantragten psychotherapeutischen
Behandlungen in absehbarer Zeit ein die Berufsbildung und/oder die
Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Defektzustand eintreten würde.
Rechtsprechungsgemäss genügt es denn auch, wenn Psychotherapie
einen psychischen oder psychosozialen Entwicklungsschritt ermöglicht,
der seinerseits die Grundlage für den Erwerb wichtiger Fertigkeiten bildet,
deren Fehlen sich später als ein nicht mehr korrigierbarer Defekt darstellen
würde (Urteil des Bundesgerichts I 302/05 vom 31. Oktober 2005 E.3.2.3).
Wenn hierzu ein multimodaler Therapieansatz gewählt wird, der sowohl
familientherapeutische Aspekte als auch einzeltherapeutische
Mentalisierungskonzepte und -strategien umfasst, deutet dies darüber
hinaus nicht zwingend auf die Behandlung eines Leidens hin. Ein solcher
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Therapieansatz leuchtet vor dem Hintergrund der bestehenden
Schwierigkeiten des Beschwerdeführers im Bereich der sozialen
Integration durchaus ein, zumal diese Schwierigkeiten eine
Berücksichtigung von Aspekten der Person wie auch des sozialen
Netzwerks als notwendig erscheinen lassen.
Nach dem Gesagten und aufgrund der durch die psychotherapeutische
Behandlung beim Beschwerdeführer bereits erzielten Fortschritte ist es
somit nachvollziehbar, dass mit der beantragten Psychotherapie ein
Zustand herbeigeführt werden kann, in dem vergleichsweise verbesserte
Voraussetzungen für die spätere Ausbildung und Erwerbstätigkeit
herrschen würden, und dass ohne die beantragten psychotherapeutischen
Behandlungen in absehbarer Zeit ein die Berufsbildung und/oder die
Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Defektzustand eintreten würde.
Anhaltspunkte dafür, dass die Behandlung zeitlich unbegrenzt erforderlich
wäre, werden keine geltend gemacht und sind auch keine ersichtlich (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_393/2012 vom 20. August 2012 E.3).
6.1. Im Ergebnis kann somit festgehalten werden, dass die IV-Stelle die
Kostenübernahmepflicht der Invalidenversicherung für die beantragte
Psychotherapie als medizinische Massnahme i.S.v. Art. 12 IVG zu Unrecht
verneint hat. Die Beschwerde erweist sich somit als begründet, weshalb sie
gutzuheissen und die angefochtene Verfügung aufzuheben ist. Die IV-
Stelle wird verpflichtet, die Kosten für die Psychotherapie zu übernehmen.
6.2. Aus dem Bericht von Dr. med. B._ vom 1. Mai 2018 geht hervor, dass
die erste psychotherapeutische Behandlung am 18. Januar 2016 stattfand
(vgl. auch IV-act. 46). Ausserdem ist dem Beiblatt zum Bericht vom
1. Mai 2018 zu entnehmen, dass Dr. med. B._ die Durchführung von
1x pro Woche Psychotherapie für weitere zwei Jahre als sinnvoll erachtete.
Unter Berücksichtigung dieser fachärztlichen Einschätzung hat die IV-
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Stelle festzulegen, ab welchem Zeitpunkt die Kosten für die beantragten
Psychotherapien übernommen werden.
7.1. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in
Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem
kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach
dem jeweiligen Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Vorliegend legt das
Gericht die Kosten auf Fr. 700.-- fest. Entsprechend dem Ausgang des
Verfahrens sind die Kosten der unterliegenden IV-Stelle aufzuerlegen (vgl.
Art. 73 Abs. 1 VRG).
7.2. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende
Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der obsiegende
Beschwerdeführer durch seine Eltern (nicht anwaltlich) vertreten wird, steht
ihm praxisgemäss keine Parteientschädigung zu.