Decision ID: 1744a9f4-cf82-51a4-92ba-32f8ebeb8068
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die spanische Steuerbehörde (Agencia Tributaria, nachfolgend: AT
oder ersuchende Behörde) ersuchte die Eidgenössische Steuerverwaltung
(nachfolgend: ESTV) mit Schreiben vom [...] gestützt auf Art. 25bis des Ab-
kommens vom 26. April 1966 zwischen der Schweizerischen Eidgenos-
senschaft und Spanien zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem
Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen
(SR 0.672.933.21; nachfolgend: DBA CH-ES) um diverse Informationen
betreffend A._ (nachfolgend: betroffene Person) für den Zeitraum
vom 1. Januar 2014 bis 31. Dezember 2016.
A.b Die AT führt im Ersuchen aus, dass sie eine Prüfung im Zusammen-
hang mit der Einkommens- und Kapitalsteuer («Individual Income Tax and
Capital Tax») sowie der Deklaration von im Ausland gehaltenen Rechten
und Vermögenswerten («Declaration of Rights and Assets held abroad»)
der betroffenen Person durchführe. Die betroffene Person habe angege-
ben, seit [...] in der Schweiz steuerpflichtig zu sein, und seit selbigem Jahr
in Spanien keine Steuererklärung mehr eingereicht. Entgegen den Anga-
ben der betroffenen Person geht die AT davon aus, dass Erstere ihren steu-
erlichen Wohnsitz in Spanien hat. So lägen die wirtschaftlichen Interessen
der betroffenen Person als Vorsitzende und Eigentümerin der in Spanien
domizilierten B._ Group, welche sie durch die C._ SL halte,
in Spanien. Die betroffene Person arbeite in den Büros der B._ SA
in [..., Spanien] und ihr stünden verschiedene Wohnungen in Spanien zur
Verfügung (z.B. eine unvermietete Wohnung der «Real State Companies»
als Teil der «Company Group»), welche als gewöhnlicher Aufenthaltsort
gälten. Zudem habe die betroffene Person aufgrund ihrer teilweise noch
minderjährigen, in Spanien lebenden Nachkommen auch ihren privaten Le-
bensmittelpunkt in Spanien.
Die AT hegt den Verdacht, dass verschiedene Einkünfte auf Schweizer
Bankkonten verschoben wurden. Ungeachtet einer steuerlichen Ansässig-
keit gemäss dem spanischen Einkommenssteuergesetz für natürliche Per-
sonen seien ausländische Einkommen, Rechte und Vermögen zu deklarie-
ren, ansonsten diese als nicht gerechtfertigte Kapitalgewinne gälten. Die
Absicht des Ersuchens bestehe darin, die Steuersituation der betroffenen
Person zu verifizieren und ungeachtet der steuerlichen Ansässigkeit sämt-
liche Einkommen, Vermögen und weitere Rechte in der Schweiz offenzu-
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legen. Dazu müsse sie, die AT, wissen, ob einzig das Einkommen und Ver-
mögen in der Schweiz oder das weltweite Einkommen und Vermögen der
betroffenen Person besteuert werde. Die betroffene Person habe sich ge-
weigert, weitere Informationen zu liefern, bis die AT die Steueransässigkeit
in Spanien bewiesen habe. Letztlich habe die betroffene Person die AT ge-
beten, das Verfahren zu sistieren, bis das eingeleitete Verständigungsver-
fahren abgeschlossen sei.
A.c Die AT ersuchte mit ihrem Schreiben um Folgendes:
a) Tax returns submitted in Switzerland by [die betroffene Person]. Please
specify the amounts declared, the concepts or sources of income and
amounts for each financial year.
b) It is considered essential to know what tax scheme was applied to [die
betroffene Person] in the period under examination by the Swiss authori-
ties. Were [die betroffene Person] worldwide income and assets’ taxed or
was he taxed under a special tax scheme?
c) Did [die betroffene Person] apply to the Swiss administration to be consid-
ered tax resident in Switzerland? If affirmative please provide the following
information:
- Date of application.
- Identification of the person who acted on behalf of [die betroffene Per-
son].
- Documentation of the tax residence file.
- The procedure used and the requirements laid down and, where ap-
propriate, verified by the Swiss administration for the purpose of certi-
fying this person’s residence in Switzerland.
d) According to our information [die betroffene Person] could be the holder,
signatory or beneficial owner of the following bank accounts: [Kontonum-
mer 1] and [Kontonummer 2] in D._ (BIC: [...]). We kindly ask you
to confirm the previous information.
e) Please identify other bank accounts in D._ concerning the compa-
nies C._ SL and E._ SA, companies controlled by [die
betroffene Person] in which he may appear as signatory or beneficial
owner.
f) Our tax auditors have signs that the [...] bank cards [...] and [...] may have
been used by [die betroffene Person] Where appropriate, please confirm
and identify any bank cards associated to the bank accounts.
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g) Please provide bank statements of the account [Kontonummer 1] and
[Kontonummer 2] for the years 2014 to 2016.
h) Please identify any other financial investments held by [die betroffene Per-
son] as holder, signatory or beneficial owner. If any, please provide us with
the relevant balances and statements.
i) Does the dwelling located at [...] belong to [die betroffene Person]?
j) Please identify any known business or professional activity carried out by
[die betroffene Person] in Switzerland, with an indication of the remunera-
tion received.
k) Please identify the companies or entities of which [die betroffene Person]
is a partner or director, indicating the activities they carry out and the re-
muneration [die betroffene Person] receives from them.
A.d Mit Schreiben vom 6. Dezember 2019 ersuchte die ESTV die Dienst-
stelle Steuern Kanton [...] um Edition der ersuchten Informationen. Mit
Schreiben vom 9. Dezember 2019 folgte die Editionsverfügung an die
D._ (nachfolgend: Bank).
B.
Mit Schreiben vom 10. Januar 2020 reichte die betroffene Person eine Stel-
lungnahme ein, in welcher sie die ESTV über das laufende Steuerrevisi-
onsverfahren in Spanien sowie den Antrag um Einleitung eines Verständi-
gungsverfahrens informierten und die Sistierung des Amtshilfeverfahrens
beantragte.
C.
Mit Schreiben vom 23. März 2020 informierte die ESTV die betroffene Per-
son über das vorliegende Amtshilfeersuchen der AT und über die beabsich-
tigte Übermittlung der ersuchten Informationen. Gleichzeitig nahm die
ESTV Stellung zu den Vorbringen der betroffenen Person in ihrer Stellung-
nahme vom 10. Januar 2020. Mit selbigem Schreiben ersuchte die ESTV
die betroffene Person im Falle ihrer Zustimmung zur beabsichtigten Über-
mittlung der Informationen um Bestätigung innert 10 Kalendertagen.
D.
Mit Schreiben vom 14. Mai 2020 nahm die betroffene Person erneut Stel-
lung.
E.
Am 4. November 2020 erliess die ESTV eine Schlussverfügung gegenüber
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der betroffenen Person. Die ESTV verfügte, dass sie der AT Amtshilfe leiste
und bezeichnete die zu übermittelnden Informationen. Den Antrag der be-
troffenen Person, es sei keine Amtshilfe zu leisten bzw. das Verfahren sei
vorerst zu sistieren, wies die ESTV ab. Sie hielt überdies fest, dass sie die
AT auf das Spezialitätsprinzip und den Grundsatz der Geheimhaltung hin-
weisen werde.
F.
Mit Eingabe vom 4. Dezember 2020 lässt die betroffene Person (nachfol-
gend auch: Beschwerdeführer) gegen die Schlussverfügung der ESTV
(nachfolgend auch: Vorinstanz) vom 4. November 2020 Beschwerde ans
Bundesverwaltungsgericht erheben und beantragen, die Verfügung sei
aufzuheben und es sei keine Amtshilfe zu leisten. Eventualiter sei die Sa-
che an die Vorinstanz zurückzuweisen und das Verfahren zu sistieren. Sub-
eventualiter sei die Sache «zur Vornahme der gesetzeskonformen Schwär-
zungen» an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sub-subeventualiter seien die
zur Übermittlung vorgesehenen Informationen und die Enclosures 1 bis 5
in bestimmter Weise zu schwärzen bzw. anzupassen und erst in revidierter
Form auszutauschen. Überdies seien die Kosten- und Entschädigungsfol-
gen dem Bund aufzuerlegen.
G.
Mit Vernehmlassung vom 25. Januar 2021 beantragt die Vorinstanz die
kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde.
H.
Mit Replik vom 5. März 2021 nimmt der Beschwerdeführer innert gewährter
Frist erneut Stellung und bringt insbesondere vor, die AT habe «das diesem
Amtshilfeverfahren zugrunde liegende Verfahren in Spanien vorläufig» ein-
gestellt, und legt den entsprechenden Entscheid («Acuerdo de liquida-
ción») ins Recht. Die AT stellte in ihrem Entscheid im Wesentlichen fest,
sie könne nicht nachweisen, dass der Beschwerdeführer über eine stän-
dige Wohnstätte im Spanien verfüge, weshalb die Frage nach der Ansäs-
sigkeit vorläufig zugunsten der Schweiz zu entscheiden sei.
I.
Die Vorinstanz dupliziert mit Eingabe vom 8. April 2021 und hält fest, eine
Nachfrage bei der AT habe ergeben, dass diese die Informationen nach
wie vor benötige.
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J.
Mit einer weiteren Eingabe vom 19. April 2021 reicht die Vertreterin des
Beschwerdeführers eine Triplik ein und informiert gleichzeitig über den Hin-
schied des Beschwerdeführers.
K.
Auf die einzelnen Vorbringen in den Eingaben der Parteien wird – soweit
entscheidrelevant – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegt ein Amtshilfeersuchen der spani-
schen Steuerbehörde vom [...] gestützt auf Art. 25bis DBA CH-ES zu-
grunde. Die Durchführung der mit diesem Abkommen vereinbarten Best-
immungen richtet sich nach dem Steueramtshilfegesetz vom 28. Septem-
ber 2012 (StAhiG, SR 651.1; Art. 1 Abs. 1 Bst. a und Art. 24 StAhiG e
contrario).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung von Beschwerden
gegen Schlussverfügungen der ESTV betreffend die internationale Amts-
hilfe in Steuersachen zuständig (vgl. Art. 19 Abs. 5 StAhiG i.V.m. Art. 31 ff.
des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]).
Das Verfahren vor diesem Gericht richtet sich nach dem Verwaltungsver-
fahrensgesetz vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), soweit das
VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen
und ist als Adressat der angefochtenen Schlussverfügung und als Person,
die vom Amtshilfeersuchen betroffen ist, zur Beschwerdeführung legitimiert
(vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 19 Abs. 2 StAhiG).
1.3 Art. 18a StAhiG sieht vor, dass Amtshilfe betreffend verstorbene Per-
sonen geleistet werden kann. Deren Rechtsnachfolgerinnen und Rechts-
nachfolger erhalten Parteistellung. Die Schweiz hat laut der entsprechen-
den Botschaft sicherzustellen, dass Informationen über verstorbene Per-
sonen in jedem Fall ausgetauscht werden können. Deshalb darf die ge-
mäss schweizerischem Recht fehlende Partei- und Prozessfähigkeit nicht
dazu führen, dass die staatsvertraglich geschuldete Leistung von Amtshilfe
allein aus diesem Grund verunmöglicht wird. Vielmehr erhalten «Personen
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(einschliesslich Verstorbener), Sondervermögen und andere Rechtseinhei-
ten, über die im Amtshilfeersuchen Informationen verlangt werden, Partei-
stellung» (Botschaft des Bundesrates vom 21. November 2018 zur Umset-
zung der Empfehlungen des Globalen Forums über Transparenz und In-
formationsaustausch für Steuerzwecke im Bericht zur Phase 2 der Län-
derüberprüfung der Schweiz, BBl 2019 279, 303; vgl. auch Urteile des
BVGer A-5579/2020 vom 23. August 2021 E. 9.1 ff., A-2664/2020 vom
26. Januar 2021 E. 6.6).
Trotz des Hinschieds des Beschwerdeführers kommt diesem folglich Par-
teistellung zu und das vorliegende Verfahren ist weiterzuführen. Da weder
Rechtsnachfolgerinnen oder Rechtsnachfolger in Erscheinung getreten
sind noch um Parteistellung ersucht haben, kann im vorliegenden Verfah-
ren von der Ermittlung selbiger abgesehen werden. Im Übrigen war der
verstorbene Beschwerdeführer während des gesamten Verfahrens vor
Bundesverwaltungsgericht rechtsgültig vertreten. Die entsprechende Voll-
macht erlischt ausdrücklich erst zwölf Monate nach dem Ableben des Be-
schwerdeführers.
Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist folglich einzu-
treten (vgl. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Ent-
scheid grundsätzlich in vollem Umfang. Der Beschwerdeführer kann mit
der Beschwerde neben der Verletzung von Bundesrecht auch die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes
sowie die Unangemessenheit rügen (vgl. Art. 49 Bst. a bis c VwVG).
2.
2.1 Staatsvertragliche Grundlage für die Leistung von Amtshilfe in Steuer-
sachen gegenüber Spanien ist Art. 25bis DBA CH-ES sowie Ziff. IV des da-
zugehörigen Protokolls vom 29. Juni 2009 (nachfolgend: Protokoll) in den
geltenden Fassungen gemäss Art. 9 bzw. Art. 10-12 des Änderungsproto-
kolls vom 27. Juli 2011 (von der Bundesversammlung genehmigt am
15. Juni 2012, in Kraft seit 24. August 2013, und im Fall von Einkommens-
und Vermögenssteuern anwendbar auf die Steuerjahre seit 1. Januar
2010; Art. 13 Abs. 2 Bst. [iii] des Änderungsprotokolls, AS 2013 2367,
2375 f.; BBl 2011 9153). Gemäss Art. 25bis Abs. 1 DBA CH-ES tauschen
die zuständigen Behörden der Vertragsstaaten diejenigen Informationen
aus, die zur Durchführung des Abkommens oder zur Anwendung oder
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Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts über Steuern jeder Art und Be-
zeichnung, die für Rechnung der Vertragsstaaten, ihrer politischen Unter-
abteilungen oder lokalen Körperschaften erhoben werden, voraussichtlich
erheblich sind, soweit die diesem Recht entsprechende Besteuerung nicht
dem Abkommen widerspricht. Der Informationsaustausch ist dabei durch
die Art. 1 und 2 DBA CH-ES nicht eingeschränkt.
2.2
2.2.1 Das Verbot der Beweisausforschung ist Ausdruck des Verhältnismäs-
sigkeitsgrundsatzes. Es sollen soweit als möglich relevante Informationen
ausgetauscht werden können, ohne dass ein Vertragsstaat «fishing expe-
ditions» eines anderen Staates unterstützen oder Informationen liefern
muss, deren Relevanz unwahrscheinlich ist (BGE 144 II 206 E. 4.2; Urteil
des BVGer A-4192/2020, A-4194/2020, A-4196/2020 vom 25. März 2021
E. 2.3.1 mit Hinweisen).
2.2.2 Ziff. IV Abs. 3 des Protokolls hält dementsprechend fest, dass der
Zweck der Verweisung auf Informationen, die voraussichtlich erheblich
sind, darin besteht, einen möglichst weit gehenden Informationsaustausch
in Steuerbelangen zu gewährleisten, ohne den Vertragsstaaten zu erlau-
ben, «fishing expeditions» zu betreiben oder um Informationen zu ersu-
chen, deren Erheblichkeit hinsichtlich der Steuerbelange einer bestimmten
steuerpflichtigen Person unwahrscheinlich ist. Ziff. IV Abs. 2 des Protokolls
sieht zwar wichtige verfahrenstechnische Voraussetzungen für die Vermei-
dung von «fishing expeditions» vor; seine Bst. a-e sind jedoch nicht so aus-
zulegen, dass sie einen wirksamen Informationsaustausch behindern (Ur-
teile des BVGer A-4192/2020 vom 25. März 2021 E. 2.3.2, A-5737/2019
vom 26. August 2020 E. 4.2.1 [das BGer ist mit Urteil 2C_842/2020 vom
14. Oktober 2020 auf die Beschwerde nicht eingetreten]).
2.2.3 Als zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts
voraussichtlich erheblich gelten Informationen, die für den ersuchenden
Staat notwendig sind, um eine dort steuerpflichtige Person korrekt zu be-
steuern. Ob eine Information in diesem Sinne erheblich ist, kann in der Re-
gel nur der ersuchende Staat abschliessend beurteilen. Die Rolle des er-
suchten Staates beschränkt sich dabei darauf, zu überprüfen, ob die vom
ersuchenden Staat verlangten Informationen und Dokumente mit dem im
Ersuchen dargestellten Sachverhalt zusammenhängen und ob sie mög-
licherweise dazu geeignet sind, im ausländischen Verfahren verwendet zu
werden (sog. Plausibilitätskontrolle; zum Ganzen: BGE 144 II 29 E. 4.2.2,
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Seite 9
142 II 161 E. 2.1.1, je mit weiteren Hinweisen; Urteil des BVGer
A-4192/2020 vom 25. März 2021 E. 2.3.4).
Vor diesem Hintergrund darf der ersuchte Staat Auskünfte mit der Begrün-
dung, die verlangten Informationen seien nicht notwendig, nur verweigern,
wenn ein Zusammenhang zwischen den verlangten Angaben und der im
ersuchenden Staat durchgeführten Untersuchung unwahrscheinlich er-
scheint (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.2, 141 II 436 E. 4.4.3 mit weiteren Hin-
weisen; Urteil des BVGer A-4192/2020 vom 25. März 2021 E. 2.3.4; vgl.
zum Kriterium der voraussichtlichen Erheblichkeit auch Art. 26 Abs. 1 des
Musterabkommens der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung zur Vermeidung der Doppelbesteuerung von Einkommen
und Vermögen [nachfolgend: OECD-MA]). In letzterem Sinne ist auch
Art. 17 Abs. 2 StAhiG zu verstehen, wonach Informationen, welche voraus-
sichtlich nicht erheblich sind, nicht übermittelt werden dürfen (Urteil des
BVGer A-2175/2021 vom 22. September 2021 E. 2.2.1; vgl. auch Art. 4
Abs. 3 StAhiG). Keine Rolle spielt dagegen, wenn sich nach der Beschaf-
fung der Informationen herausstellt, dass diese nicht relevant sind (BGE
143 II 185 E. 3.3.2 mit Hinweisen).
2.2.4 Die Voraussetzung der voraussichtlichen Erheblichkeit ist demnach
erfüllt, wenn im Zeitpunkt der Gesuchstellung eine vernünftige Möglichkeit
besteht, dass sich die angefragten Angaben als in diesem Sinn erheblich
erweisen werden. Die voraussichtliche Erheblichkeit von geforderten Un-
terlagen oder Auskünften muss sich bereits aus dem Amtshilfegesuch er-
geben (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.2; Urteil des BVGer A-3810/2020 vom
16. März 2021 E. 2.2.3). Soweit die Behörden des ersuchenden Staates
verpflichtet sind, den massgeblichen Sachverhalt darzulegen, kann von
ihnen nicht erwartet werden, dass sie dies bereits lückenlos und völlig wi-
derspruchsfrei tun. Dies wäre mit Sinn und Zweck der Amtshilfe nicht ver-
einbar, sollen doch aufgrund von Informationen und Unterlagen, die sich
im ersuchten Staat befinden, bisher im Dunkeln gebliebene Punkte erst
noch geklärt werden. Daher ist gemäss Rechtsprechung von der ersuchen-
den Behörde nicht der strikte Beweis des Sachverhalts zu verlangen, doch
muss sie hinreichende Verdachtsmomente für dessen Vorliegen dartun
(Urteil des BVGer A-3810/2020 vom 16. März 2021 E. 2.4 mit Hinweisen).
2.2.5 Informationen können im abkommensrechtlichen Sinne nur dann als
voraussichtlich erheblich qualifiziert werden, wenn sie (unter anderem oder
ausschliesslich) Personen betreffen, deren unbeschränkte oder be-
schränkte Steuerpflicht im ersuchenden Staat während der massgebenden
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Seite 10
Zeitspanne wahrscheinlich ist. Dafür genügt bereits, dass der ersuchende
Staat Anhaltspunkte nennt, die eine beschränkte oder unbeschränkte Steu-
erpflicht der betroffenen Person in diesem Staat begründen könnten (Ur-
teile des BVGer A-4192/2020 vom 25. März 2021 E. 2.3.6, A-5146/2018
vom 28. Juli 2020 E. 5.2.4).
2.2.6 Die Übermittlung von Informationen zu Personen, die nicht betroffene
Personen sind, ist gemäss Art. 4 Abs. 3 StAhiG unzulässig, wenn diese In-
formationen für die Beurteilung der Steuersituation der betroffenen Person
nicht voraussichtlich relevant sind oder wenn berechtigte Interessen von
Personen, die nicht betroffene Personen sind, das Interesse der ersuchen-
den Seite an der Übermittlung der Informationen überwiegen.
Rechtsprechungsgemäss ist der Begriff der «nicht betroffenen Person»
nach Art. 4 Abs. 3 StAhiG restriktiv zu verstehen (vgl. BGE 142 II 161
E. 4.6.1 f.). Damit sollen in Anwendung des Verhältnismässigkeitsprinzips
nur Personen geschützt werden, die schlichtweg nichts mit dem im Amts-
hilfeersuchen geschilderten Sachverhalt zu tun haben, deren Namen also
rein zufällig in den weiterzuleitenden Dokumenten auftauchen («fruit d'un
pur hasard»; Botschaft des Bundesrates vom 5. Juni 2015 zur Genehmi-
gung des Übereinkommens des Europarats und der OECD über die ge-
genseitige Amtshilfe in Steuersachen und zu seiner Umsetzung [Änderung
des StAhiG], BBl 2015 5585, 5623; statt vieler: Urteil des BVGer
A-3791/2017 vom 5. Januar 2018 E. 5.2.2 m.w.H.). In gewissen Konstella-
tionen ist es aber unumgänglich, auch über Personen Informationen zu er-
teilen, welche nicht betroffene Personen sind. Können die ersuchten Infor-
mationen für die Steuerpflicht der im ersuchenden Staat zu besteuernden
Person «voraussichtlich erheblich» sein und ist ihre Übermittlung unter Ver-
hältnismässigkeitsgesichtspunkten erforderlich, d.h. wenn die Aussonde-
rung, Schwärzung oder anderweitige Unkenntlichmachung der Informatio-
nen den Zweck des Amtshilfeersuchens vereiteln würden, so sind sie dem
ersuchenden Staat zu übermitteln (vgl. ausführlich mit Beispielen: BGE 144
II 29 E. 4.2.2 ff., 143 II 506 E. 5.2.1, 142 II 161 E. 4.6.1; Urteile des BGer
2C_67/2021 vom 28. Januar 2021 E. 3.1, 2C_387/2016 vom 5. März 2018
E. 5.1; zum Ganzen statt vieler: Urteil des BVGer A-2177/2021 vom
22. September 2021 E. 3.3.4).
Das Bundesgericht hat insbesondere die Namen von an Banktransaktio-
nen beteiligten Dritten, da sie geeignet waren, den Wohnsitz des Steuer-
pflichtigen zu ermitteln, als voraussichtlich erheblich qualifiziert und somit
deren Ermittlung zugelassen (BGE 142 II 161 E. 4.6.2; vgl. auch Urteil des
A-6202/2020
Seite 11
BGer 2C_545/2019 vom 13. Juli 2020 E. 4.3). Dasselbe hat das Bundes-
gericht bezüglich der Namen von an einem Bankkonto einer Gesellschaft
wirtschaftlich Berechtigten entschieden, wenn ein genügend enger Zusam-
menhang zum Steuersachverhalt besteht und davon auszugehen ist, dass
dessen Identität geeignet ist, Letzteren weiter zu erhellen (Urteil des BGer
2C_545/2019 vom 13. Juli 2020 E. 4.4; vgl. auch Urteil des BGer
2C_387/2016 vom 5. März 2018 E. 5.2 f., wobei das Bundesgericht im
Sinne eines Spezialfalls nur die Namen der wirtschaftlich Berechtigten mit
demselben Familiennamen wie der Steuerpflichtige als voraussichtlich er-
heblich qualifizierte).
2.2.7 Weiter besteht nach Ziff. IV Abs. 2 des Protokolls Einvernehmen dar-
über, dass die Steuerbehörden des ersuchenden Staates bei der Stellung
eines Amtshilfebegehrens nach Art. 25bis DBA CH-ES den Steuerbehörden
des ersuchten Staates die nachstehenden Angaben zu liefern haben:
a) die Identität der in eine Überprüfung oder Untersuchung einbezogenen
Person;
b) die Zeitperiode, für welche die Informationen verlangt werden;
c) eine Beschreibung der verlangten Informationen sowie Angaben hin-
sichtlich der Form, in der der ersuchende Staat diese Informationen
vom ersuchten Staat zu erhalten wünscht;
d) den Steuerzweck, für den die Informationen verlangt werden;
e) soweit bekannt, den Namen und die Adresse des mutmasslichen
Inhabers der verlangten Informationen.
2.3 Ein wichtiges Element in der internationalen Behördenzusammenarbeit
bildet der Grundsatz, wonach – ausser bei offenbarem Rechtsmissbrauch
oder bei berechtigten Fragen im Zusammenhang mit den in Art. 7 StAhiG
genannten Konstellationen – prinzipiell kein Anlass besteht, an Sachver-
haltsdarstellungen und Erklärungen anderer Staaten zu zweifeln (sog. völ-
kerrechtliches Vertrauensprinzip; BGE 144 II 206 E. 4.4, 143 II 224 E. 6.3,
je mit weiteren Hinweisen; Urteil des BVGer A-2175/2021 vom 22. Septem-
ber E. 2.3). Auf diesem Vertrauen gründet letztlich das ganze Amtshilfever-
fahren. Dementsprechend ist die ESTV an die Darstellung des Sachver-
halts im Ersuchen insoweit gebunden, als diese nicht wegen offensichtli-
cher Fehler, Lücken oder Widersprüche sofort entkräftet werden kann (vgl.
A-6202/2020
Seite 12
BGE 139 II 451 E. 2.2.1; Urteile des BVGer A-2175/2021 vom 22. Septem-
ber E. 2.3, A-674/2020 vom 24. August 2021 E. 3.9). Gleiches gilt für die
vom ersuchenden Staat abgegebenen Erklärungen. Werden diese sofort
entkräftet, kann der ersuchte Staat ihnen nicht mehr vertrauen (vgl. Urteil
des BVGer A-674/2020 vom 24. August 2021 E. 3.9). Folglich ist die Wah-
rung des Grundsatzes erst bei konkreten Anhaltspunkten auf eine zweck-
widrige Verwendung im ersuchenden Staat zu überprüfen (vgl. BGE 128 II
407 E. 3.2; Urteil des BGer 2C_653/2018 vom 26. Juli 2019 E. 7.3; Urteil
des BVGer A-5034/2020 vom 7. Mai 2021 E. 2.4.1). Es liegt dabei an der
betroffenen Person, den Sachverhalt mittels Urkunden klarerweise und
entscheidend zu widerlegen (vgl. BGE 139 II 451 E. 2.3.3; Urteile des
BVGer A-674/2020 vom 24. August 2021 E. 3.9, A-5034/2020 vom 7. Mai
2021 E. 2.4.1).
2.4
2.4.1 Nach ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts bedeutet das
Spezialitätsprinzip, dass der ersuchende Staat die vom ersuchten Staat
erlangten Informationen einzig in Bezug auf Personen oder Handlungen
verwenden darf, für welche er sie verlangt und der ersuchte Staat sie ge-
währt hat (statt vieler und ausführlich hergeleitet: Urteile des BVGer
A-1348/2019 vom 3. März 2020 E. 4.5.1, A-108/2018 vom 13. Februar
2020 E. 10.1, A-5046/2018 vom 22. Mai 2019 E. 2.5). Die in den Unterla-
gen erwähnten Personen sind damit durch das Spezialitätsprinzip ge-
schützt, welches auch eine persönliche Dimension aufweist (BGE 147 II 13
E. 3.4.3 und 3.5, 146 I 172 E. 7.1.3).
2.4.2 Das völkerrechtliche Vertrauensprinzip (oben E. 2.3) spielt auch eine
Rolle in Bezug auf das Spezialitätsprinzip. Gestützt auf das Vertrauens-
prinzip kann grundsätzlich als selbstverständlich vorausgesetzt werden,
dass der Spezialitätsgrundsatz durch Staaten eingehalten wird, die mit der
Schweiz durch einen Amts- oder Rechtshilfevertrag verbunden sind, ohne
dass die Einholung einer ausdrücklichen Zusicherung notwendig wäre (vgl.
BGE 128 II 407 E. 3.2 und 4.3.1, 115 Ib 373 E. 8, 107 Ib 264 E. 4b; Urteil
des BGer 2C_653/2018 vom 26. Juli 2019 E. 7.3; BVGE 2018 III/1 E. 2.9.1;
zum Ganzen: Urteil des BVGer A-2177/2021 vom 22. September 2021
E. 3.5.2).
2.5
2.5.1 Nach dem in Ziff. IV Abs. 1 des Protokolls erwähnten Subsidiaritäts-
prinzip (vgl. dazu und zur vergleichbaren Regelung in Art. 6 Abs. 2 Bst. g
StAhiG statt vieler: Urteil des BVGer A-2725/2019 vom 25. Februar 2020
A-6202/2020
Seite 13
E. 2.6.1 mit Hinweisen) besteht Einvernehmen darüber, dass der ersu-
chende Vertragsstaat ein Begehren um Austausch von Informationen erst
dann stellt, wenn er zur Beschaffung der Informationen alle in seinem in-
nerstaatlichen Steuerverfahren vorgesehenen üblichen Mittel ausge-
schöpft hat, sofern dies nicht mit unverhältnismässigen Schwierigkeiten
verbunden ist.
2.5.2 Aufgrund des völkerrechtlichen Vertrauensprinzips (vgl. oben E. 2.3)
besteht rechtsprechungsgemäss kein Anlass, an einer von der ersuchen-
den Behörde abgegebenen Erklärung der Ausschöpfung aller üblichen in-
nerstaatlichen Mittel zu zweifeln, es sei denn, es liege ein gegen die Ein-
haltung des Subsidiaritätsprinzips sprechendes sowie ein ernsthafte Zwei-
fel an der Richtigkeit der Erklärung begründendes konkretes Element vor
(vgl. BGE 144 II 206 E. 3.3.2; Urteile des BVGer A-2175/2021 vom
22. September 2021 E. 2.5.2, A-5034/2020 vom 7. Mai 2021 E. 2.5.2).
3.
Vorweg ist auf die Ausführungen des Beschwerdeführers im Zusammen-
hang mit dem Subsidiaritätsprinzip einzugehen. Der Beschwerdeführer
moniert diesbezüglich, die Aussage der AT, er, der Beschwerdeführer, habe
sich kategorisch geweigert, Informationen zur Verfügung zu stellen, sei un-
wahr.
Aus den Akten (act. 19, S. 58) geht indes hervor, dass der Vertreter des
Beschwerdeführers am 26. Juni 2019 (frei übersetzt) mitteilte, dass er
keine weiteren Angaben mache, welche nur vonnöten wären, wenn der Be-
schwerdeführer über eine Wohnstätte in Spanien verfügte:
«En consecuencia, por aplicación del CDI, como la única vivienda que dispone
mi representado está en [...] (Suiza), éste es residente en Suiza, por lo que el
que suscribe considera que no procede aportar ninguna otra información, que
sólo sería precisa en el caso de que mi representado tuviera una vivienda en
España.»
Die Aussage der AT im Ersuchen erweist sich somit nicht als falsch. Dem
Beschwerdeführer gelingt es folglich nicht, die Erklärung der AT in Zweifel
zu ziehen, weshalb in Anwendung des völkerrechtlichen Vertrauensprin-
zips davon auszugehen ist, dass die AT alle in ihrem innerstaatlichen Steu-
erverfahren vorgesehenen üblichen Mittel ausgeschöpft hat (vgl. oben
E. 2.5.1 f.).
A-6202/2020
Seite 14
4.
In der Hauptsache macht der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend,
der von der AT dargelegte Sachverhalt weise etliche Fehler, Lücken, Wi-
dersprüche und gar Falschaussagen auf. Da der AT nicht gelinge, rechts-
genügende Anhaltspunkte für eine Steuerpflicht in Spanien nachzuweisen,
könne gar keine Plausibilitätskontrolle vorgenommen werden bzw. fehle es
an der voraussichtlichen Erheblichkeit der ersuchten Informationen.
4.1
4.1.1 Betreffend seine wirtschaftlichen Interessen in Spanien bringt der Be-
schwerdeführer vor, seine Tätigkeit verlange eine gewisse Anwesenheit
vor Ort. So sei er in den Jahren 2014 bis 2016 mehrfach nach [..., Spanien]
gereist und habe dabei ausnahmslos in Hotels übernachtet. Der Beschwer-
deführer untermauert diese Aussagen mit Rechnungen für Hotelübernach-
tungen und Flüge. Die Feststellung der AT, er habe jeweils zwischen 9.00
und 18.00 Uhr in [..., Spanien] in den Räumlichkeiten der B._ SA
gearbeitet, entspreche nicht den tatsächlichen Gegebenheiten, was die
B._ SA mit einem Schreiben auch klargestellt habe.
Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz vor, nicht erkannt zu haben,
dass die AT den Sachverhalt fehlerhaft geschildert habe, sowie die einge-
reichten Belege nicht zum Anlass genommen zu haben, die Sachverhalts-
darstellung der AT zu entkräften.
4.1.2 Der Beschwerdeführer vermag mit seinen Ausführungen zwar durch-
aus nachvollziehbar zu belegen, dass er jeweils in Hotels übernachtet hat.
Dass er in Spanien berufliche Interessen verfolgt, ist aber nicht zu überse-
hen und auch nicht bestritten. Bereits in diesem Umstand besteht ein mög-
licher Anknüpfungspunkt für die Besteuerung des Beschwerdeführers in
Spanien, werden doch beispielsweise auch in der Schweiz Verwaltungs-
räte mit Wohnsitz im Ausland besteuert (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. b des Bun-
desgesetzes über die direkte Bundessteuer [DBG, SR 642.11]).
In Anbetracht der wirtschaftlichen Interessen, insbesondere den Gesell-
schaften im Besitz des Beschwerdeführers, bestehen folglich Anknüp-
fungspunkte für eine Steuerpflicht in Spanien. Damit ist den Anforderungen
an das Amtshilfegesuch insofern genüge getan, als die Informationen
grundsätzlich als voraussichtlich erheblich gelten könnten (vgl. oben
E. 2.2.5). Eine nähere Untersuchung der Steuerpflicht drängt sich nicht auf.
Es ist grundsätzlich nicht Aufgabe der schweizerischen Behörden, zu be-
urteilen, ob nach spanischem Recht ein Steuerwohnsitz in Spanien besteht
A-6202/2020
Seite 15
(vgl. Urteil des BGer 2C_805/2018 vom 23. August 2019 E. 4.5 mit Hinweis
auf BGE 145 II 122 E. 2.2.2 und E. 3.2 sowie BGE 142 II 161 E. 2.2.2; Urteil
des BVGer A-1562/2018 vom 3. August 2020 E. 4.2). Auch auf die Grund-
lagen des innerstaatlichen spanischen Steuerrechts ist nicht weiter einzu-
gehen. Es obliegt nicht der ersuchten Behörde oder dem Bundesverwal-
tungsgericht, diese Rechtsgrundlagen auszulegen (vgl. Urteil des BVGer
A-140/2019 vom 13. Mai 2019 E. 5.3).
4.1.3 An dieser Feststellung vermag auch nichts zu ändern, dass der Be-
schwerdeführer nachvollziehbar begründet, dass er in Spanien über keine
ständige Wohnstätte verfügt und dies unter anderem mit zahlreichen Ho-
telrechnungen und Flugtickets belegt. Wenn die Vorinstanz in diesem Zu-
sammenhang die durch Rechnungen nachgewiesenen Hotelübernachtun-
gen als (reine) Parteibehauptungen würdigt, kann ihr insoweit nicht gefolgt
werden.
Es ist zudem davon auszugehen, dass die Wohnung im Besitz der
E._ SL aufgrund der vom Beschwerdeführer eingereichten Unterla-
gen tatsächlich vermietet wurde und dem Beschwerdeführer damit nicht
zur Verfügung gestanden hat. Ebenso scheint die Annahme der AT bzw.
der Vorinstanz, dass der Beschwerdeführer während seinen Aufenthalten
in [..., Spanien] die Wohnung seiner Ex-Frau bzw. seiner ehemaligen Part-
nerin genutzt haben soll, eher lebensfremd.
Der Vorinstanz kann des Weiteren nicht gefolgt werden, wenn sie dem Be-
schwerdeführer vorhält, seine Erklärungen reichten nicht aus, um den
Sachverhalt betreffend die verfügbaren Wohnungen zu widerlegen, da die
AT nicht präzisiert habe, um welche Wohnungen es sich handelt. Es kann
dem Beschwerdeführer nicht zum Nachteil gereichen, wenn die ersu-
chende Behörde bei der Darstellung des Sachverhalts Mutmassungen an-
stellt, welche es dem Beschwerdeführer faktisch verunmöglichen, diese
Vorbringen zu entkräften. Dem Beschwerdeführer ist zuzustimmen, wenn
er ausführt, das Amtshilfeersuchen sei so zu verstehen, dass sich die AT
auf eine Wohnung der E._ SL bezieht.
Insgesamt vermag der Beschwerdeführer bezüglich der ständigen
Wohnstätte rechtsgenügende Zweifel an der Sachverhaltsdarstellung der
AT zu erwecken. Wie vorstehend erwähnt, besteht indes im Grundsatz wei-
terhin ein Anknüpfungspunkt aufgrund der wirtschaftlichen Interessen des
Beschwerdeführers in Spanien (vgl. oben E. 4.1.2). Darin unterscheidet
sich der vorliegende Sachverhalt auch von demjenigen, welcher dem Urteil
A-6202/2020
Seite 16
des Bundesverwaltungsgerichts A-3374/2018 vom 3. April 2019 zugrunde
lag, auf welches sich der Beschwerdeführer mit seiner Argumentation
stützt.
4.2 Sodann stellt sich die Frage, ob die konkreten, ersuchten Informationen
als voraussichtlich erheblich gelten können. Wie erwähnt beschränkt sich
das Bundesverwaltungsgericht darauf, zu prüfen, ob die ersuchten Infor-
mationen mit dem im Ersuchen dargestellten Sachverhalt zusammenhän-
gen und ob sie möglicherweise dazu geeignet sind, im ausländischen Ver-
fahren verwendet zu werden bzw. ob im Zeitpunkt der Gesuchstellung eine
vernünftige Möglichkeit besteht, dass sich die Informationen als erheblich
erweisen werden (sog. Plausibilitätskontrolle; oben E. 2.2.3 f.).
4.2.1
4.2.1.1 Betreffend die zur Übermittlung vorgesehenen Steuererklärungen
bringt der Beschwerdeführer vor, die Bemessungsgrundlagen einer pau-
schal besteuerten Person seien laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung
nicht relevant für die anfragende Steuerbehörde. Aus den Informationen
aus den Steuererklärungen könne nicht hergeleitet werden, wie hoch sein
Einkommen bzw. das Vermögen sei.
4.2.1.2 Die Vorinstanz hält demgegenüber dafür, dass der Zweck des
Amtshilfeersuchens in der Überprüfung der Steuersituation des Beschwer-
deführers bestehe. Die Steuererklärungen, welche von der ersuchenden
Behörde explizit erfragt worden seien, seien erwartungsgemäss die ersten
und wichtigsten Dokumente, welche diesem Zweck dienten.
4.2.1.3 Der Beschwerdeführer verweist zurecht auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung, wonach die Bemessungsgrundlage für die Pauschalbe-
steuerung nicht als voraussichtlich erheblich gelten kann, da diese Beträge
keinen Aufschluss über die erzielten Einkünfte der pauschal besteuerten
Person geben (vgl. Urteil des BGer 2C_764/2018 vom 7. Juni 2019
E. 6.1.2). Die Bemessungsgrundlagen sind mithin nicht zu übermitteln.
Dies führt indes nicht dazu, dass die gesamten Steuererklärungen nicht zu
übermitteln sind. Die jeweils beiliegenden Aufstellungen über die Vermö-
genswerte geben (zumindest teilweise) Aufschluss über die Vermögens-
und Ertragslage des Beschwerdeführers und sind folglich geeignet zur
Überprüfung der Steuersituation desselben.
4.2.1.4 Somit können die Steuererklärungen des Beschwerdeführers zwar
übermittelt werden, die darin enthaltenen Bemessungsgrundlagen (Fr. [...])
A-6202/2020
Seite 17
sind indes vorgängig zu schwärzen. Entsprechend ist auch die Antwort zu
Frage a) (oben Sachverhalt Bst. A.c) anzupassen bzw. die Angaben zur
Bemessungsgrundlage zu löschen.
4.2.2
4.2.2.1 Des Weiteren moniert der Beschwerdeführer, die Antwort zu Frage
b) («According to the cantonal tax administration [...], the worldwide in-
come and assets were determined based on the lump-sum tax regime and
taxed by applying the ordinary income and wealth tax rates of that re-
gime.») betreffend die Art der Besteuerung des Beschwerdeführers sei
nicht geeignet, zum Gesamtbild über die finanzielle und steuerliche Situa-
tion beizutragen.
Im Sinne eines Eventualstandpunktes beantragt der Beschwerdeführer,
dass die Antwort, sollte sie übermittelt werden, insofern anzupassen sei,
als die Passage «of that regime» gestrichen werde.
4.2.2.2 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kann die Aus-
sage, dass er pauschal besteuert worden sei, sehr wohl dienlich sein für
das Gesamtbild über seine finanzielle und (einkommens-)steuerliche Situ-
ation (vgl. Urteil des BGer 2C_764/2018 vom 7. Juni 2019 E. 6.1.2). Die
erneute Argumentation im Hinblick auf die fehlende Erheblichkeit der Be-
messungsgrundlagen verfängt mit Blick auf die Antwort zu Frage b) nicht,
da es hier nicht um ebendiese Bemessungsgrundlagen geht, sondern um
die generelle Besteuerung des Beschwerdeführers.
Die Steuer bei der Besteuerung nach dem Aufwand wird nach dem ordentli-
chen Steuertarif berechnet (Art. 14 Abs. 4 DBG; Art. 6 Abs. 4 des Steuer-
harmonisierungsgesetzes vom 14. Dezember 1990 [StHG, SR 642.14]).
Für pauschal besteuerte Personen dient folglich derselbe Steuertarif zur
Berechnung der Steuer wie bei den übrigen ordentlich besteuerten Perso-
nen. Lediglich die Bemessungsgrundlage wird unterschiedlich hergeleitet.
Es stellt sich deshalb die Frage, ob die Aussage «[...] taxed by applying
the ordinary income and wealth tax rates of that [lump-sum tax] regime»
nicht in sich widersprüchlich ist. Einerseits wird damit auf den ordentlichen
Steuertarif verwiesen und anderseits gleichzeitig auf die Pauschalbesteu-
erung Bezug genommen. Zur Vermeidung dieses allfälligen Widerspruchs
oder von Fehlinterpretationen ist die Formulierung «of that regime» zu
streichen.
A-6202/2020
Seite 18
4.2.2.3 Somit ist die Antwort zu Frage b) grundsätzlich zu übermitteln, wo-
bei vorgängig die Formulierung «of that regime» zu löschen ist.
4.2.3
4.2.3.1 Betreffend das auszutauschende Ruling bringt der Beschwerdefüh-
rer im Wesentlichen vor, dieses sei nicht zu übermitteln und die Vorinstanz
stütze sich zu Unrecht auf die bundesverwaltungsgerichtliche Rechtspre-
chung betreffend die Übermittlung von Informationen im Zusammenhang
mit einem Dauerschuldverhältnis.
4.2.3.2 Vorweg ist festzuhalten, dass die AT – entgegen den Ausführungen
des Beschwerdeführers – ausdrücklich um die «Documentation of the tax
residence file» ersuchte, deren Bestandteil das Ruling bildet. Von einem
unzulässigen spontanen Informationsaustausch kann folglich keine Rede
sein.
Das Bundesverwaltungsgericht kam in seinem Urteil A-272/2017 vom
5. Dezember 2017 zum Schluss, dass Rulings grundsätzlich übermittelt
werden können. Es erwog, dass die «zur Übermittlung vorgesehenen In-
formationen aus dem Steuerruling [...] für die Steuerberechnung bzw. die
Besteuerung der Zinserträge» als voraussichtlich erheblich zu qualifizieren
seien.
Aus den Steuererklärungen («für die Besteuerung nach dem Aufwand»)
der vorliegend in Frage stehenden Steuerperioden 2014 bis 2016 geht her-
vor, dass die Steuern jeweils anhand des im Ruling festgelegten Aufwands
von Fr. [...] berechnet wurden. Es kann deshalb davon ausgegangen wer-
den, dass der Beschwerdeführer weiterhin gestützt auf das Ruling und die
darin festgehaltenen Lebensumstände besteuert wurde. Dass alljährlich
eine Kontrollrechnung vorgenommen wird, ändert daran nichts, ist diese
doch selbst im Ruling vorgesehen.
Im Übrigen legt der Beschwerdeführer auch nicht dar, inwiefern das Ruling
in den Jahren 2014 bis 2016 nicht mehr angewendet worden sein soll, son-
dern belässt es bei einer blossen Behauptung.
Mithin ist es nicht ausgeschlossen, dass die im Ruling enthaltenen Infor-
mationen – mit nachfolgender Ausnahme – der Erstellung eines Gesamt-
bildes zur finanziellen und steuerlichen Situation des Beschwerdeführers
dienlich sein können.
A-6202/2020
Seite 19
Im Sinne der obigen Erwägung (E. 4.2.1.4) sind die Bemessungsgrundla-
gen (Steuerbares Einkommen: Fr. [...]; Steuerbares Vermögen: Fr. [...])
vor der Übermittlung indes zu schwärzen.
4.2.4
4.2.4.1 Bezüglich der Antwort auf die Frage d) der ersuchenden Behörde,
ob der Beschwerdeführer Inhaber, Zeichnungsberechtigter oder wirtschaft-
lich Berechtigter der Konten [Kontonummer 1] und [Kontonummer 2] sei
(oben Sachverhalt Bst. A.c), beantragt der Beschwerdeführer die ersatz-
lose Streichung der Antwort betreffend ersteres Konto. Diese Information
sei nicht voraussichtlich erheblich, da sie nicht dazu diene, eine nicht zwei-
felsfreie Erkenntnis zu überprüfen. Mit derselben Begründung beantragt
der Beschwerdeführer die Löschung der Antwort zu Frage f) der ersuchen-
den Behörde (oben Sachverhalt Bst. A.c) betreffend allfällig vorhandene
Kreditkarten.
4.2.4.2 Wie der Beschwerdeführer richtigerweise ausführt, können die zu
übermittelnden Informationen auch dazu dienen, bereits vorhandene Da-
ten zu überprüfen. Dass der Beschwerdeführer Letztere angeblich bereits
selbst zur Verfügung gestellt hat, vermag daran auch nichts zu ändern. Oh-
nehin ist fraglich, kann aber vorliegend offenbleiben, ob dem Beschwerde-
führer diesbezüglich nicht das Rechtsschutzinteresse abgeht, stört er sich
doch nach eigenen Angaben nicht an der Übermittlung der Daten.
Somit ist der Antrag betreffend die Löschung eines Teils der Antwort zu
Frage d) sowie der Antwort zu Frage f) abzuweisen. Die Antworten können
daher wie in der vorinstanzlichen Schlussverfügung vorgesehen übermit-
telt werden.
4.2.5
4.2.5.1 Betreffend die Kontoauszüge zu Konto [Kontonummer 3] (Enclo-
sure 3) und weiteren Konten (vgl. Frage h) [oben Sachverhalt Bst. A.c] bzw.
Enclosure 5) beantragt der Beschwerdeführer, die Informationen zu Drit-
ten, welche im Zusammenhang mit Zahlungen in den Kontoauszügen ver-
merkt seien, seien auszusondern, zu schwärzen bzw. nicht auszutau-
schen. Als Begründung bringt der Beschwerdeführer vor, dass die Über-
mittlung von Informationen zu Personen, welche nicht als betroffen im
Sinne des StAhiG gälten, unzulässig sei, wenn diese Informationen für die
Beurteilung der Steuersituation der betroffenen Person nicht voraussicht-
lich erheblich seien. Aus dem «Amtshilfeverfahren» sei gerade nicht er-
sichtlich, inwiefern Angaben über die Identität von Zahlungsempfängern
A-6202/2020
Seite 20
der ersuchenden Behörde helfen könnten, seine Steueransässigkeit bzw.
sein Einkommen und Vermögen in der Schweiz festzulegen.
4.2.5.2 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers gelten gemäss
der gefestigten bundesgerichtlichen und bundesverwaltungsgerichtlichen
Rechtsprechung Informationen zu an Banktransaktionen beteiligten Dritten
als voraussichtlich erheblich, da sie geeignet sein können, den Wohnsitz
des Steuerpflichtigen zu ermitteln (oben E. 2.2.6). Der Beschwerdeführer
vermag mit der nicht weiter substantiierten Aufzählung gewisser Dritter
nicht rechtsgenüglich aufzuzeigen, inwiefern sich die entsprechenden In-
formationen nicht als Indizien für seinen steuerlichen Wohnsitz eignen soll-
ten. Mit anderen Worten kann nicht ausgeschlossen werden, dass die In-
formationen zu den erwähnten Dritten für die Klärung der steuerlichen und
finanziellen Situation des Beschwerdeführers voraussichtlich erheblich
sind.
Einzige Ausnahme bildet die Erwähnung von F._ (Enclosure 5,
S. 130). Es ist nicht ersichtlich, inwiefern dessen Nennung («Teilnahme Se-
minar [...] [von Herrn F._]») als Indiz für die Steueransässigkeit des
Beschwerdeführers geeignet sein soll bzw. für die Besteuerung desselben
voraussichtlich erheblich sein könnte. Vielmehr scheint dieser Name rein
zufällig in den Kontoauszügen des Beschwerdeführers aufzutauchen. Der
Name ist folglich zu schwärzen.
Im Übrigen sind alle Drittpersonen durch das Spezialitätsprinzip vor der
Verwendung ihrer Informationen durch den ersuchenden Staat gegen sie
selbst geschützt (vgl. oben E. 2.4.1). Die Vorinstanz hat in ihrer Schluss-
verfügung denn auch ausdrücklich festgehalten, dass die genannten Infor-
mationen nur im Verfahren gegen den Beschwerdeführer und nur für den
im Ersuchen genannten Sachverhalt verwertet werden dürfen. Im Lichte
des völkerrechtlichen Vertrauensprinzips gibt es vorliegend keinen Anlass,
an der Einhaltung des Spezialitätsprinzips durch den ersuchenden Staat
zu zweifeln (vgl. oben E. 2.4.2).
Sofern der Beschwerdeführer vorbringt, die zur Übermittlung vorgesehe-
nen Informationen lägen der ersuchenden Behörde bereits vor, so kann auf
die obigen Erwägungen (E. 4.2.4.2) verwiesen werden. Der Beschwerde-
führer dringt mit dieser Argumentation nicht durch.
Die Kontoauszüge zu Konto [Kontonummer 1] (Enclosure 3) sowie die Un-
terlagen zu den weiteren Konten des Beschwerdeführers (Enclosure 5)
A-6202/2020
Seite 21
können folglich nach vorgängiger Schwärzung des Namens von F._
(Enclosure 5, S. 130) übermittelt werden.
4.2.6
4.2.6.1 Betreffend die Kontoauszüge zu Konto [Kontonummer 2] (Enclo-
sure 4) macht der Beschwerdeführer geltend, dieses Konto sei nachweis-
lich nicht ihm zuzuordnen. Weder der Name der Kontoinhaberin noch der
Kontoauszug selbst seien relevant, um seine Steueransässigkeit bzw. sein
Einkommen und Vermögen festzustellen. Die ersuchende Behörde mache
diesen Umstand insofern selbst klar, als sie danach frage, ob das Konto
ihm (dem Beschwerdeführer) zuzuordnen sei und «auf weitere Ausführun-
gen für den Fall, dass dies nicht zutreffen sollte, verzichtet».
Die erforderliche Antwort bezüglich des besagten Kontos werde, so der
Beschwerdeführer weiter, bereits zu Frage d) (vgl. oben E. 4.2.4) erteilt.
Ein uneingeschränkter Austausch des ungeschwärzten Auszugs sei nicht
rechtmässig.
4.2.6.2 Die Vorinstanz hielt in ihrer Schlussverfügung diesbezüglich im We-
sentlichen fest, dass sie anlässlich ihrer durchgeführten Plausibilitätsprü-
fung festgestellt habe, dass die ersuchende Behörde Kenntnis eines
Schweizer Bankkontos habe, welches mit dem Beschwerdeführer in Ver-
bindung stehen könnte. Für die ersuchende Behörde sei es zur Beurteilung
der steuerlichen Situation des Beschwerdeführers notwendig zu wissen,
ob diesem über das besagte Konto und damit über einen informellen Weg
Gelder zugeflossen seien. Dass das Konto der damaligen Lebenspartnerin
gehört habe, bestätige die Vermutung, dass der Beschwerdeführer eine
Verbindung zu diesem Konto aufweise. Im Sinne des völkerrechtlichen Ver-
trauensprinzips dürfe davon ausgegangen werden, dass der in Frage ste-
hende Kontoauszug für die ersuchende Behörde eine Rolle spiele und für
die Abklärung der Steuerpflicht des Beschwerdeführers voraussichtlich er-
heblich sei.
4.2.6.3 Die ersuchende Behörde hegt die Vermutung, dass der Beschwer-
deführer (auch) der Inhaber, Zeichnungsberechtigte oder wirtschaftlich Be-
rechtigte des besagten Kontos sei. Diese Vermutung wird indes mit der
Antwort zu Frage d) widerlegt. Damit entfällt der einzige Anhaltspunkt im
Zusammenhang mit dem fraglichen Bankkonto, nämlich die Vermutung der
ersuchenden Behörde.
A-6202/2020
Seite 22
Durch die Frage d) manifestiert die ersuchende Behörde ihre Absicht,
Kenntnis über die Konten des Beschwerdeführers zu erlangen. Demge-
genüber ergibt sich aus dem Ersuchen nicht, dass auch Konten von Ehe-
gatten oder Lebensgefährten wie namentlich das Konto der damaligen Le-
benspartnerin des Beschwerdeführers für die ersuchende Behörde von Be-
deutung sind. Vielmehr stellt das Ersuchen bezüglich der besagten Konto-
auszüge im Lichte der widerlegten Vermutung eine Anfrage aufs Gerate-
wohl dar, ohne jeglichen, durch die ersuchende Behörde dargelegten An-
haltspunkt hinsichtlich deren voraussichtliche Erheblichkeit. Daran ändert
nichts, dass erst die Edition der Kontoauszüge den Umstand zu Tage
brachte, dass nicht der Beschwerdeführer, sondern die damalige Lebens-
partnerin Inhaberin des Kontos war, hat sich die voraussichtliche Erheb-
lichkeit doch bereits aus dem Ersuchen zu ergeben (vgl. oben E. 2.2.4).
Mithin sind die Kontoauszüge zu Konto [Kontonummer 2] (Enclosure 4)
aufgrund fehlender voraussichtlicher Erheblichkeit nicht zu übermitteln.
4.2.7 Letztlich macht der Beschwerdeführer geltend, die Antwort zu Frage
i) sei nicht zu übermitteln, da sie nicht der Überprüfung zweifelhafter Er-
kenntnisse dienen könne. Diesbezüglich kann erneut auf die obigen Erwä-
gungen (E. 4.2.4.2) verwiesen werden. Der Beschwerdeführer dringt mit
seiner Argumentation folglich nicht durch und die Antwort zu Frage i) ist wie
in der angefochtenen Schlussverfügung vorgesehen zu übermitteln.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist der Hauptantrag des Beschwerdeführers, die
Schlussverfügung sei aufzuheben und es sei keine Amtshilfe zu leisten, im
Sinne der obigen Erwägungen (E. 4.2.6.3) teilweise gutzuheissen.
5.2 Mit seinem Eventualbegehren beantragt der Beschwerdeführer die Sis-
tierung des Amtshilfeverfahrens während der Dauer des Verständigungs-
verfahrens.
5.2.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, der Zweck eines Amtshilfeersu-
chens könne unter anderem in der Beurteilung der Ansässigkeit des Be-
schwerdeführers liegen. Gleichzeitig bilde selbige Ansässigkeit ein zentra-
les Element des Verständigungsverfahrens. Auch wenn ein Amtshilfever-
fahren und ein Verständigungsverfahren parallel laufen dürften, so der Be-
schwerdeführer weiter, ergebe es aus prozessökonomischer Sicht keinen
Sinn, Informationen auszutauschen, ein Steuerverfahren in Spanien voran-
A-6202/2020
Seite 23
zutreiben und ihn (den Beschwerdeführer) zu veranlagen, während in ei-
nem parallelen Verfahren festgestellt werden könnte, ob dem ersuchenden
Staat überhaupt das Besteuerungsrecht zukomme.
5.2.2 Wie der Beschwerdeführer richtigerweise ausführt, ist die Frage des
strittigen Steuerdomizils nicht im Amtshilfeverfahren zu beantworten. Viel-
mehr können die im Rahmen eines Amtshilfeverfahrens ersuchten Infor-
mationen dem ersuchenden Staat dazu dienen, die Frage nach dem Steu-
erdomizil zu beantworten bzw. zu überprüfen (vgl. oben E. 2.2.4). Würde
das vorliegende Amtshilfeverfahren sistiert, so würden dem ersuchenden
Staat allenfalls genau jene Informationen vorenthalten, die im Rahmen des
Verständigungsverfahrens ausschlaggebend sein könnten.
Da es im Rahmen eines Amtshilfeverfahrens gerade nicht in der Kompe-
tenz der ersuchten Behörde bzw. des Bundesverwaltungsgerichts liegt, die
Frage nach dem Steuerdomizil zu beurteilen (vgl. BGE 145 II 112 E. 2.2.2,
142 II 161 E. 2.2.2), besteht diesbezüglich auch keine Gefahr widersprüch-
licher Urteile. Ebenso wenig ist ersichtlich, dass unter diesen Umständen
prozessökonomische Gründe für eine Sistierung sprechen sollen. Im Ge-
genteil ist das hier einzig zu beurteilende Amtshilfeverfahren möglichst zü-
gig durchzuführen (Art. 4 Abs. 2 StAhiG; zum Beschleunigungsgebot statt
vieler: Urteil des BGer 2C_804/2019 vom 21. April 2020 E. 3.1 ff.).
Der Eventualantrag auf Sistierung des vorliegenden Amtshilfeverfahrens
ist mithin abzuweisen.
5.3 Der Subeventualantrag des Beschwerdeführers auf Rückweisung der
Sache an die Vorinstanz zur «gesetzeskonformen Schwärzung» ist im
Sinne der obigen Erwägungen (E. 4.2.1.4, 4.2.3.2 und 4.2.5.2) teilweise
gutzuheissen.
5.4 Der Sub-Subeventualantrag des Beschwerdeführers auf Schwärzung
bzw. Anpassung bestimmter Antworten oder zu übermittelnder Unterlagen
ist im Sinne der obigen Erwägungen (E. 4.2.2.3) ebenfalls teilweise gutzu-
heissen, soweit er durch die teilweise Gutheissung des Subeventualan-
trags nicht bereits gegenstandslos geworden ist.
Die Sache ist insofern an die Vorinstanz zurückzuweisen.
6.
6.1 Die Verfahrenskosten werden in der Regel der unterliegenden Partei
auferlegt; unterliegt diese nur teilweise, so werden die Verfahrenskosten
A-6202/2020
Seite 24
ermässigt (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Insgesamt sind die Verfahrenskosten auf
Fr. 5'000.-- festzusetzen (vgl. Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und ausgangsgemäss dem
Beschwerdeführer im Umfang von Fr. 4'000.-- aufzuerlegen. Letzterer Be-
trag ist dem geleisteten Kostenvorschuss von insgesamt Fr. 5'000.-- zu
entnehmen. Der Restbetrag von Fr. 1'000.-- ist dem Beschwerdeführer
nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückzuerstatten.
Vorinstanzen sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2
VwVG).
6.2 Der teilweise obsiegende Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 VGKE).
Da die Rechtsvertreter des Beschwerdeführers keine Kostennote einge-
reicht haben, ist die Parteientschädigung aufgrund der Akten festzusetzen
(Art. 14 Abs. 2 VGKE). Wie aus Art. 12 in Verbindung mit Art. 8 Abs. 2 und
Art. 10 Abs. 1 VGKE hervorgeht, hat die Parteientschädigung nicht jeden
erdenklichen, sondern nur den notwendigen Aufwand zu ersetzen (Urteil
des BVGer A-2703/2020 vom 12. Mai 2021 E. 4.2.2).
Die reduzierte Parteientschädigung wird vorliegend praxisgemäss auf
Fr. 1'500.-- festgesetzt.
7.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h des Bundesgerichtsgesetzes vom
17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) innerhalb von 10 Tagen nur dann mit
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesge-
richt weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzli-
cher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen
besonders bedeutenden Fall im Sinne von Art. 84 Abs. 2 BGG handelt
(Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist, entscheidet
das Bundesgericht.
Für das Dispositiv wird auf die nächste Seite verwiesen.
A-6202/2020
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