Decision ID: 95d282f0-19f6-4308-80a2-2eb7ca9ff9a3
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1973 geborene
X._
, Vater eines Sohnes (Jahrgang 2000), ohne Berufsausbildung, arbeitete seit dem Jahr 2010 bis zu
seiner
Kündigung durch den Arbeitgeber
im Jahr 2013 im Service
als
Pizzaiolo
und Hilfskoch
(Urk.
7/17
und Urk.
7/25/1
).
Seit dem
1.
Dezember 2013 bezog er Taggelder der Arbeits
losenversicherung. Am
9.
Dezember 2013 erlitt er einen Treppensturz. Die Suva als zuständige Unfallversicherung erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen (Urk. 7/30/116).
Am 7.
April 2015 (Eingangsdatum) beantragte der Versicherte bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, den Bezug
eines Hörgeräts beidseits (Urk.
7/8). Nach erfolgten Abklärungen erteilte die IV-Stelle dem Vers
icherten mit Mitteilung vom 17.
April 2015 die entspre
chende Kostengutsprache (Urk.
7/14). Am 26.
Oktober 2015 (Eingangsdatum) meldete er sich unter Hinweis
auf eine
seit dem 9.
Dezember 2013
bestehende
gesund
heitliche Beeinträchtigung zur beruflichen Integration
bzw.
zu
einem Ren
tenbezug an (Urk.
7/17). Nach
einem
Standort
gespräch am 11. November 2015 zog die IV-Stelle zur Abklärung der medizinischen und erwerblichen Verhältnisse zunächst Auszüge aus dem individuellen Konto (Urk.
7/26 und Urk.
7/27) sow
ie die Akten der SUVA bei (Urk.
7/
28 und Urk. 7/
30). In der Folge
informierte
die IV-Stelle de
n
Versic
herten mit Mitteilung vom
13.
November 2015, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungs
mass
nahmen möglich seien (Urk.
7/29). Zudem holte die IV-Stelle Auskünfte bei der
Arbeitslosenversicherung (Urk.
7/32) sowie de
n behandelnden Ärzten ein (Urk. 7/33 und Urk.
7/36). Nach der Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienst
es (RAD)
vom
2
2.
Juni 2016 (Urk.
7/48/3) liess die IV-Stelle den Versicherten durch das
Y._
polydisziplinär
(internistisch, orthopädisch, neurologisch, psychiatrisch)
begutachten
(Expertise vom 1
3.
Dezember 2016, Urk. 7/46).
In der Folge ver
neinte die IV-Stelle mit
Vorbescheid vom 6. Januar 2017 einen Rentenanspruch, da der Versicherte in seiner angestammten Tätigkei
t zu 80
%
arbeitsfähig sei (Urk.
7/49). Dagegen erhob der Versicherte am 24. Januar
und am
3.
März 2017
Einwände (Urk. 7/51 und Urk.
7/54).
Diese veranlassten die IV
Stelle zur Einho
lung des Arztberichts der
Z._
vom 1
5.
Juni 2017 (Urk. 7/58), welche mit Bericht vom 1
9.
Juli 2017 zusätzlich über eine nach
träglich erfolgte Änderung der medizinischen Sachlage informierte (Urk. 7/59). Nach Eingang der Stellungnahme der
Y._
-Gutachter vom 1
3.
September 2017 zu diesen Berichten (Urk. 7/63) äusserte sich der Versicherte am 2
9.
November 2017 zu diesen neu eingeholten Akten (Urk. 7/77). In der Folge meldete der Ver
sicherte am 1
3.
Dezember 2017 (Urk. 7/80) und die
Z._
mit Brief vom 2
6.
Februar
2018 (
Urk.
7/87) eine Verschlechterung des Gesundheitszustands, worauf die IV-Stelle den Arztbericht der
Z._
vom 2
0.
März 2018 (Urk.7/89) bei
zog, der Versicherte weitere Arztberichte zu den Akten reichte (Urk. 7/93) und am 1
2.
Juni 2018 Stellung nahm (Urk. 7/95). Mit Verfügung 18. September 2018 ver
neinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch (Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 1
8.
Oktober 2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom 18.
September 2018 (Urk. 2) und beantragte,
ihm sei in Aufhebung der angefochtenen Verfügung
eine Invalidenrente auszurichten
, e
ventualiter sei die
vorliegende
Streitsache zu
weiteren
Abklärungen
zurückzuweisen
,
sub
eventuali
ter
sei
d
ie Beschwerdegeg
n
erin
wenigstens
zu verpflichten,
Eingliede
rungs
mass
nahmen
zu gewähren (Urk. 1
und
Urk.
3/1-3
). Die IV-Stelle
schloss
mit Beschwer
deantwort vom 2
3.
November 2018
auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 26.
November 2018 angezeigt wurde (
Urk.
8).
3.
Auf Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforder
lich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG]
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG]
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheits
schaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenaus
schliessendes Erwerbs
einkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes
oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK
1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beant
wortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Unter
suchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegeben
enfalls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verun
möglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen, dass
ausweislich des polydiszi
pli
nären Gutachtens
dem Beschwerdeführer in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
zumutbar sei. Anhand des Vergleichs des hypo
thetischen Einkommens ohne Gesundheits
schaden und demjenigen mit gesund
heitlicher Einschränkung ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 20
%
.
I
m Rahmen des
Vorbescheid
verfahrens
sei es
de
m
Beschwerdeführer
nicht gelungen
, neue diagnostische Aspekte hervorzubringen (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, dass die Beschwerde
gegnerin auf ein nicht schlüssiges und
oberflächliches
Gutachten abgestellt habe
, obwohl
seine
behandelnden Ärzte nachvollziehbar
hätten schildern können, dass er
aufgrund der psychischen Störungen arbeitsunfähig sei.
Sollte wider Erwarten nicht
auf die
se
Berichte der behandelnden Ärzte abgestellt werde
n
, sei aufgrund der oberflächlichen Begutachtung ein neues psychiatrisches Gutachten in Auftrag zu geben
, damit auch verlässliche Schlüsse zur Arbeitsfähigkeit gemacht werden könnten. Durch die bisherigen Abklärungen habe die Beschwerdegegnerin den Untersuchungsgrundsatz verletz
t
. Zudem liege noch kein definitiver Zustand vor, weshalb die Verfügung zu früh erlassen worden sei (
Urk.
1
).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung vom 18. Sep
tember 2018 im Wesentlichen auf das interdisziplinäre Gutachten vom 13. Dezember 2016 ab (
Urk.
7/46). Darin werden die bis zur Begutachtung des Beschwerdeführers aktenkundigen medizinischen Berichte zusammengefasst (
Urk.
7/43/4-9), weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nachfolgenden Erwägungen aber darauf Bezug genommen.
3.2
Dr.
A._
, Facharzt für Innere Medizin,
Dr.
B._
,
Facharzt
für orthopädische Chirurgie,
Dr.
C._
, Facharzt für Neurologie
und
Dr.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
, hielten im
Y._
-Gutachten vom 1
3.
Dezember 2016 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (
Urk.
7/46/42
-43
):
-
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung
-
Differenzialdiagnose: dissoziative Störung, gemischt (=Konversions
störung) mit
-
r
ezidivierender depressiver Störung, gegenwärtig leichte Episode bei
-
hist
ri
oni
sch
und narzisstisch akzentuierte
n
P
e
rs
ö
nlichkeitszügen
Ohne Relevanz
für
die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie folgendes:
-
Restsymptome einer posttraumatischen Belastungsstörung anamne
s
tisch (Ängste vor Polizei) F43.1
-
Probleme bei der kulturellen Eingewöhnung Z60.3
-
Gonalgie
links
-
Ansatztendinopathie
Achillessehne links
bei
-
m
uskulärer
Dysbalance
und
Dekonditionierung
mit Muskelverkürzung M.
gastrocnemius
-
Plantarfasciitis
links
-
ISG-Dysfunktion links
-
Penicillin-Allergie laut Akten
-
Chronische Kopfschmerzen, wahrscheinlich multifaktoriell
-
Differenzialdiagnose: Medikamentenübergebrauchskopfschmerz
-
Inzidentelles, nicht
eingeblutetes
Kavenom
im Centrum se
m
iovale rechts (MRI 12/2013)
-
Schwerhörigkeit beidseits mit Ti
n
nitus
D
azu führten die Gutachter
in der interdisziplinären Zusammenfassung
aus
,
dass sich aus internistischer Sicht
keine Befunde mit Krankheitswert feststellen
liessen
(Urk.
7/46/43
).
Aus
orthopädische
r
Sicht
bestehe
eine
Ansatztendinopathie
der Achillessehne links bei muskulärer
Dysbalance
und
Dekonditionierung
sowie Muskelverkürzung des
Musculus
gastrocnem
ius
.
Weiter
habe
der
Beschwerde
führer
links nach der Kniedistorsion vom
9.
Dezember 2013 immer noch
über Knieschmerzen
geklagt
. Diesbezüglich sei der Verlauf
trotz Durchführung adä
quater konservativer Massnahmen
therapierefraktär
geblieben.
Pathomorpholo
gisch
hätten
die Beschwerden nicht auf ein objektives Korrelat zurückgeführt werden
können
. Klinisch habe
sich im Bereich des linken Kniegelenks eine moderate
Durckdolenz
über den medialen Kapselbandst
r
u
kturen sowie ein sub
jektiv angegebener
Pa
tellaschiebschmerz
ohne hiesige
s
Krepitieren
gezei
g
t
. Im Bereich des linken Fusses
habe
sich eine
Durckschmerzh
a
ftigkeit
der distalen Achillessehne im Ansatzbereich am
Calcaneus
ohne relevante
Verdickung
oder gar Diskontinuität
vorgefunden
.
Trotz dem nun fast dreijährigen Verlauf hätten sich k
einerlei Scho
nungszeichen im Ber
e
i
ch der linken unteren Extremität
finden lassen
. Zur
Arbeitsfähigkeit
hielten
die Gutachter
fest
, dass
aus
orthopädische
r Sicht
keine Einschränkung
bestehe
(
Urk.
7/46/44). Aus neurologischer Sicht
orientierten sie, dass
die Kopfschmerzproblematik erwähnt werden
könne
. Diese sei aktenmässig wenig dokumentiert. Der Neurostatus sei unauffällig gewesen, weshalb deskriptiv von einem
multilokulären
Schmerzsyndrom mit zahlreichen Beschwerden an verschiedensten Orten des Körpers verschiedenster Intensität auszugehen sei.
Die
Kopfschmerzproblema
t
ik könne
differentialdiagnostisch sicherlich im
Rahmen
eines
Medikamentenübergebrauchskopfschmerz
e
s
oder
auch
im Rahmen der nicht-
somatischen Problematik (psychosomatische Kompo
nente)
verstanden werden
.
Des Weiteren
bestehe
eine bilaterale Gehörsverminde
rung
, wobei
der
Beschwerdeführer
beidseits
auch
ein
en
Tinnitus
ange
ge
ben
habe
. Eine zentrale oder peripher-
vestibuläre
Funktionsstörung
habe diesbezüglich
aber
nicht objektiviert werden können. Beim
beklagten
Schwindel
dürfe
es sich eben
falls um ein psychosomatische
s
Symptom handeln. Das im Jahr 2013 al
s
Zufalls
befund
mittels
Magnetresonanztomographie
(
MRI
)
des
Neurokranium
s
entdeckte
klein
e
Kavernom im Centr
u
m semiovale rechts sei ein klinisch asymptomatischer Befund.
Die
anamnestisch nicht angegebene,
erst bei der Testung
festzustellende
sensible
Hemi
symptomatik
betreffend
den gesamten linken
H
e
micorpus
sei
als funktionell im Rahmen de
r
linksbetonten
Schmerzsymptomatik
zu werten.
Zudem ergäben sich
diskrete Hinweise
auf eine funktionelle Überlagerung,
da z.B.
der Finger-Nasen-Versuch links
repetitiv zielsicher mit Danebenzeigen demonstriert worden
sei
.
Zusammenfassend liege
keine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit vor
und die Kopfschmerzen
seien
im Rahmen der psychiatrischen Problematik zu berücksichtigen (
Urk.
7/46/44-45).
Aus
psychiatrischer
Sicht
führten sie aus
, dass
der
Beschwerdeführer aus eigenanamnetischen
Angaben
Angehöriger der kurdi
schen Minderheit sowie der
alevitischen
Religionsgemeinschaft sei. Er sei in einer Gegend
in der Türkei
aufgewachsen
, die von de
n
Auseinandersetzungen zwischen
Kurden
und Türken geprägt gewesen sei. Er habe Militärpräsenz und Miss
handlungen von Angehörigen seiner Volksgemeinschaft und Familie miterleben müssen. Unter anderem seien auch sein Vater und sein Bruder von der Polizei bzw. dem
Militär
, festgenommen und
gefoltert
worden. Er
selbst
sei im Jahr 2005 in Polizeigewahrsam
gekommen
. Dort habe man ihn zwei bis drei Stunden fest
gehalten und
gefoltert
. Er sei geschlagen worden und habe dabei Zahnver
letzungen erlitten. Danach
habe
er zuerst nach
Deutschland
und dann in die
Schweiz
flüchten können
. Aus der Kindheit bestünden
jedoch
keine neurotischen Brückensymptome. Der
Beschwerdeführer
habe seine familiäre
Struktur
als sehr gut erlebt.
Nach der Zerstörung des Dorfs durch die türkische
Armee habe er in
Istanbul
gelebt
, wo er in der Schule benachteiligt worden se
i
. Der heutige
psychopathologische
Befund zeige dominant ein psychosomatisches Geschehen. Der
Beschwerdeführer
habe
über multipelste und immer wieder wechselnde Beschwerden
berichtet
, die somatisch nicht erklärbar seien und die eindeutig für ein psychosomatisch
es
Gesche
he
n mit Magen
-
und
Bauchschmerzen
, Druck auf der Brust, Übelk
eit und Erbrechen, Luftmangel,
S
chw
a
nkschwindel
und Wa
nken, Zittern der linken Körper
seite
, Schwarzsehen und Blitze vor den Augen, einem beidseitigen Tinnitus, einem Globusgefühl, Herzstechen und Herzklopfen,
Lärm
empfindlichkeit, Parästhesien in den Händen u
nd in den Füssen
und
Muskel
krämpfe
sprächen. Weiter lasse sich
eine leichte,
anamnetisch auch
dysphorische
Depressivität
feststellen
, die der Beschwerdeführer selbst auf seine multiplen somatischen Bes
chwerden als Ursache zurückführe
. Die depressive Symptomatik sei gegenwertig als leichtgradig einzustufen, allerdings sei in der Vergangenheit ein Suizidversuch erwähnt worden. Aktuell liessen sich keine eindeutigen Symp
tome einer posttraumatischen Belastungsstörung mehr nachweisen. Der Beschwerdeführer habe unangenehme Träume
, diese seien jedoch nicht spezifisch
auf die
berichtete Folterung oder auf sonstige soziale Schwierigkeiten als Kurde in der Türkei zurückzuführen oder mit diese
n
in Verbindung zu setzen
. Ebenfalls
bestünden
keine eindeutigen Flashbacks, lediglich noch eine Angst vor Polizei
beamten.
Auch eine
Vermeidungshaltung
fehle
, da
der Beschwerdeführer ohne Probleme in die Türkei
reise
,
und e
s
könne
kein
Arousal
festgestellt werden
. Die vegetativen Symptome seien eindeutig im Rahmen der psychosomatischen Ent
wicklung zu verstehen.
Zudem
enthalte die ICD 10
-
Diagnose das Kriterium, wonach ein schwer traumatisierendes Ereignis vorliegen müsse, dass bei jeder
Person
eine gleiche oder ähnliche Reaktion ausgelöst hätte
, dies sei aber ein Adä
quanzkriterium und damit auch eine Frage
der
Rechtsprechung
. In diesem Zusammenhang sei auch darauf hinzuweisen, dass der
Beschwerdeführer
bis 2013 mit seiner allfälligen
p
osttraumatischen Belastungsstörung voll gearbeitet habe und die Tätigkeit nicht aus
psychischer Sicht
, sondern in Folge einer Traumati
sierung am Knie
aufgegeben habe
. Zur Arbeitsfähigkeit
hielten die Gutachter fest, d
ie
psychische Funktionsfähigkeit sei nur
ge
ring
gradig
eingeschränkt. Die Umstellfähi
g
keit und
Flexibilität
könne
infolge
der psychischen
Struktur
bei einer narzisstisch und
histrionisch
akzentuierten
Persönlichkeit
erschwert
sein. Die Durchhaltefähigkeit werde durch die leichte depressive Symptomatik und vor allen Dingen durch die psychosomatische Problematik negativ tangiert. Eine voll
schichtige Arbeitsunfähigkeit lasse sich aber nicht begründen (
Urk.
7/46/45-46).
Die
Gutachter
beurteilten anschliessend
die Arbeitsfähigkeit gesamthaft unter Berücksichtigung aller Aspekte und
hielten fest
, dass der Beschwerdeführer
in seiner angestammten Tätigkeit als Mitarbeiter in einem Restaurant, al
s
Pizzaiolo
,
aufgrund der psychiatrischen Faktoren zu 20
%
eingeschränkt
arbeitsfähig
sei.
Der Beschwerdeführer sei fest davon überzeugt, dass er erheblich krank sei und infolge seiner Beschwerden und Schmerzen nicht mehr arbeiten könne. Dies sei das Haupthindernis für seine gegenwärtige Nicht-Arbeitstätigkeit.
Der
Beschwer
deführer
habe die langjährige Arbeitstätigkeit als
Pizzaiolo
nach dem Bagatell
tra
u
ma vom 9.
Dezember 2013
niedergelegt
. Gemäss den Ak
t
en sei es
nach diesem Stur
z
zu einer therapierefraktären Situation
gekommen und dadurch zu einer
psychosomatischen
Entwicklung. In
Kenntnis
des
gesamten
Querverlaufs
gingen
die Gutachter davon aus, dass aus somatischer
Sicht
per Ende M
ä
rz 2014 die
Arbeitsfähigkeit
wieder erreicht
worden sei und diese aus psychiatrischer Sicht
zu diesem Zeitpunkt
nicht
eingeschränkt gewesen
sei
. Ab
dem
1
5.
Juni 2016 bis zum
Datum des Gutachtens
habe
, wie von der
Z._
beurteilt,
eine 100
%-
ige
Arbeitsunfähigkeit als
Pizzaiolo
bestanden
.
Dies gelte auch für sämtliche andere Tätigkeiten.
Die fehlenden Schritte Richtung beruflicher Rehabilitation liessen sich auch durch soziale, IV-fremde Faktoren sowie die Mischung zwischen unbewusster Motivation und auch einem bewusst
seinsnahen Agieren und Demonstrieren der vorhand
enen somatischen
Schmerzen
erklären
(
Urk
.
7/46/
48-49
)
.
3.3
Der Assistenzarzt
Dr.
med.
Ph
. D.
E._
und der Oberarzt Prof.
Dr.
med.
Dr.
phil.
F._
,
Z._
,
berichteten
am
1
5.
Juni 2017
, dass d
er Beschwer
deführer an
schweren depressiven Episoden ohne psychotische Symptome
(F.32.2)
und an
einer posttraumatischen Belastungsstörung
(F43.1) mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit
leide
(7/58/2)
.
Er sei deswegen vom 19. Januar 2017
bis am 2
8
.
März 2017
bei ihnen
in stationärer Behandlung
gewesen
.
Der Beschwerdeführer
habe
über seit zwei Monaten progr
e
diente Niedergeschlagen
heit, Antriebs-
und Freudlosigkeit, Konzentrationsstörungen, vermindertes Selbstwertgefühl, Selbstvorwürfe, Appetitverlust sowie Ein- und Durchschlafstö
rungen
berichtet
. Zudem
habe
er über intermittierende Intrusionen/Flashbacks an traumatisierende
Ereignisse
in der
Türkei
(Anwesenheit bei einem Bombenan
schla
g
in
Istanbul
im Sommer 2016, Tod seiner Cousine im Rahmen eines Anschlags auf eine Istanbuler Diskothek im Dezember 2016, Foltererfahrungen in der Jugend
)
, regelmässige
intensive
Albträume
sowie eine erhöhte Schreckhaf
tigkeit
geklagt
.
Darüber hinaus
belaste
ihn seine gegenwärtige finanzielle
Situation
sehr
. Unter der Behandlung habe die depressive Symptomatik innerhalb von vier Wochen eine deutliche
Regredienz
gezeigt. Nach Teil
r
emission de
r
Symptomatik
sowie weiterhin bestehenden Symptomen einer
posttraumatischen Belastungsstörung sei eine
tr
a
u
m
a
spezifische
Behandlung empfohlen worden
(
Urk.
7/58/3)
.
V
om 19.
Januar 2017 bis am 2
3.
März 2017
sei der Beschwerde
führer
voll
arbeitsunfähig gewesen. Aufgrund bestehender Konzentrations- und Aufmerksamkeitsst
ö
r
u
ngen
sowie
de
r
Symptome einer posttraumatischen Belastungsstör
u
ng sei unmittelbar nach der stationären Therapie eine Arbeit im
angestammten Arbeitsumfeld des
Beschwerdeführers
aus ärztlich-
psychiatrischer
Sicht als nicht umsetzbar zu erachten. Bei gegebener
adäquaten
tagesklinischer sowie
ambulanter
Weiterbehandlung bestehe die Möglichkeit, dass der
Beschwerdeführer
in
Abhängigkeit
von seinem Zustandsbild seine
Belastungen
ste
igern könn
t
e
,
jedoch
nur, sofern die kognitiven
Einschränkungen
genügend remittier
t
en
. Darüber hinaus bestehe
aus
psychiatrisch
-
ärztlicher Sicht
d
ie N
ot
wendigkeit der Etablierung einer
invalidenversicherungs
gestützten
Massnahme
, um eine
mögliche
Reintegration auf
dem
ersten
Arbeitsmarkt zu ermöglichen
(
Urk.
7/58/5).
3.4
Dr.
med.
G._
sowie die Psychologin M. Sc. H._
, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
am
I._
,
ergänzten am 1
9.
Juli 2017, dass auch
ein
hochgradige
r
Verdacht auf eine bipolare affektive Störung (ICD 10: F31.3)
bestehe
.
Der Beschwerdeführer sei
weiterhin
voll
arbeits
unfähig
(Urk.
7/59).
3.5
Die Gutachter de
s
Y._
nahmen
am
1
3.
September 2017
zu den beiden vorer
wähnten
Berichten
Stellung
und
konstatierten, dass
ihnen die diagnostischen Überlegungen der
Z._
aus den Berichten von 2015 und 2016
bekannt gewesen seien (
Urk.
7/63
/2). Sie seien mit der Diagnose einer grundsätzlich psychosoma
tischen Krankheit im Rahmen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung einverstanden
. Symptome einer Panikstörung seien bei ihnen nicht berichtet worden. Es sei normalpsychologisch nachvollziehbar, dass si
ch
eine depressive Symptomatik nach einem negativen IV-Entsche
i
d nicht verbessere, sondern eher verschlechtere. Auf die Abhängigkeit der Stimmung von äusseren sozialen Fak
toren sei hingewiesen worden.
Weiter sei es
nicht überraschend, dass dies bei einer
histrionisch
strukturierten Persönlichkeit entsprechend heftig ausfallen könne, da doch die
Hist
rionie
«la
grand
e
immitatrice
»
zum
Bereiche psychischer Symptome
gehöre
.
Vor
diesem Hintergrund seien auch d
er
Diagnoseshift
und die Diagnoseausweitung der Psychiatrischen Klinik mit einem Verdacht auf eine bipolare
Störung
am
ehesten
zu verstehen
. Weder in der Anamnese noch in ihren Untersuchungen hätten sich irgendwelche Hinweise dafür ergeben
(Urk.
7/6
3
/3).
In diesem Zusammenhang sei darauf hinzuweisen, dass die Aufgabe der berufli
chen Tätigkeit nicht aus psychischen Gründen, sondern primär durch einen Sturz und eine Kniekontusion bedingt gewesen sei und der Beschwerdeführer bis 2013 mit dieser Symptomatik, die jetzt als manifeste posttraumatische Belastungsstö
rung beurteilt werde, vollschichtig gearbeitet und sozial funktioniert habe. Den genannten Berichten könnten keine neuen diagnostischen Aspekte entnommen werden. Es verbleibe der Eindruck, dass die psychosomatische Entwicklung mit
multilokulärem
Schmerzsyndrom beziehungsweise somatoformer Schmerzstö
rung bei einer
Persönlichkeit mit
histrionisch
und narzisstisch akzentuierten Charakterzügen weiterhin anh
a
lt
e
und dass die im Gutachten
erwähnten
IV
fremden Faktoren mit den
Schwierigkeiten
bei der beruflichen Integration wei
terhin
interferieren würden
(
Urk.
7/63/4).
3.
6
Frau
H._
und
Dr.
G._
hielten in ihrer Stellungnahme
vom 2
2.
November 2017
zum
Y._
-Gutachten zuhanden der Anwältin des Beschwerdeführers
fol
gende Diagnose
n
fest
(
Urk.
7/78/3)
:
-
Posttraumatische Belastungsstörung
(F43.1), c
h
r
onisch, komplex
-
Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (F32.2)
-
Status nach Suizidversuch
-
Verdachtsdiagnose
bipolar
ll
Störung
-
Schwere Panikstörung (F41.01)
-
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung
(F.45.4)
Sie kritisierten, dass der Beschwerdeführer
als kleines Kind
unzählige traumati
sche Ereignisse erlebt habe. Er sei
Zeuge eines Genozids geworden
und habe
während der gesamten Kindheit öffentliche Folterungen als Zeuge miterlebt. Immer wieder sei es zu Bombenanschlägen gekommen und in
den
90er-jahren sei
sein Dorf
abgebrannt worden. Im Militär
hätten ihn
Kommandanten immer wieder blutig zusammengeschlagen und er habe miterlebt, wie
seine Freunde vor seinen
Augen umgekommen seien. Dies
seien
nur einige Ereignisse, welche bei jeder Person tiefgreifende Reaktionen
auslösten
. Der Beschwerdeführer erfülle daher die vollen Kriterien einer Posttraumatischen Belastungsstörung
. Zudem zeige ihre klinische Erfahrung, dass ein Bagatell
un
fall sehr wohl eine psychische Störung auslösen könne. Psychische Störungen müssten
vor
dem Hintergrund des Diathese-Stress-Modells betrachtet werden
.
Sie
würden
davon aus
gehen
, da
s
s bereits vor dem Umfall Symptome einer
subsyndromalen
posttraumatischen Belastungsstörung vorhanden gewesen seien. Der Suizidversuch vor mehr als zehn Jahren zeige, dass psychische Auffälligkeiten im Vorfeld bestanden hätten (
Urk.
7/78/2). Der Diagnose einer
histrionisch
strukturierten Persönlichkeit könnten sie sich nicht anschliessen. Der Beschwerdeführer sei eher
auf dem Hin
tergrund einer ängstlichen
Persönlichkeit und einer subklinischen hy
pochondri
schen Störung
einzustufen
.
Insgesamt hätten
die
posttraumatischen
Symptome durch die Therapie seit Klinikaustritt nicht
reduziert
werden
könne
n
. Die Leistungsfähigkeit
sei
weiterhin
stark
eingeschränkt und
der Beschwerdeführer sei voll arbeitsunfähig (
Urk.
7/78/3).
3.
7
Im Bericht der Ärzte der Akut-Tagesklinik
der
Z._
vom
2
0.
März 2018
wurde eine
rezidi
vierende depressive
Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne
psychotische
Symptom
e (F.33.2) und eine Posttraumatische Belastungsstörung
(F43.1) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
genannt.
Der Beschwerdeführer sei seit dem
3.
Januar 2018 für jegliche Tätigkeit voll arbeitsunfähig.
Unter psychothera
peutischer Behandlung
habe
sich eine Teilremission der depressiven Symptomatik
gezeigt (
Urk.
7/89/4).
Aufgrund
der noch persistierenden akuten Symptomatik könnten sie die
Prognose
der
Arbeitsfähigkeit
sowie
Zumutbarkeit
einer anderen Arbeit nicht definitiv
abschätzen
. In der Kr
a
nkheitsgeschichte seien mehrere kr
a
nkheitsspezifische psychotherapeutische sowie medikamentöse
Behandlungen
zu eruieren, welch
e
bisher
zu
keinen relevanten und anhaltenden Besserungen
der
Symptomatik
und der Arbeitsfähigkeit
geführt
hätten.
Deshalb sehe die Prog
nose hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit
mässig
bis schlecht aus (Urk.
7/89/5).
4.
4.1
Das
Y._
-Gutachten
vom 13. Dezember 2016 (
Urk.
7/46) sowie die ergänzende Stellungnahme vom 1
3.
September 2017 (
Urk.
7/60) beruhen auf für
die streitigen Belange
umfassenden fachärztlichen Untersuchungen und wurden in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) verfasst (
Urk.
7/46/4-9). Die vorhandenen Arztberichte wurden sorgfältig gewürdigt (7/46/
S. 16 f.
,
S.
20
f.
,
S.
24-28,
S.
39-40
, S. 51
). Die Gutachter haben detaillierte Befunde und hieraus begründete Diagnosen erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhal
ten des Beschwerdeführers ausführlich auseinandergesetzt. Zudem haben sie die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet. Das Gutachten der
Y._
erfüllt daher die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweistaugliche ärztliche Entscheidungsgrundlagen (vgl.
E. 1.5
).
4
.2
Der Beschwerdeführer kritisierte das Gutachten in verschiedener Hinsicht. So machte er unter and
e
rem geltend,
in Bezug auf
den Gesundheitsschaden und
die Arbeitsfähigkeit müsse auf die Einschätzungen von
Dr.
J._
im Bericht vom 24. März 2016
(vgl.
Urk.
7/33/1-23)
und
Dr.
G._
im Bericht vom
1.
September 2015
(vgl.
Urk.
7/33/18-22)
und
vom
1
5.
Juni 2016
(vgl.
Urk.
7/36)
abgestellt werden
.
Gemäss
Dr.
G._
habe
d
er
Beschwerdeführer
vermutlich
bereits bei der Einreise
unter posttraumatischen Symptomen gelitten,
sei
jedoch im Alltag noch funktionsfähig
gewesen
, zumal im Familienbetrieb auf seine psychische
Beein
trächtigung
habe
Rücksicht genommen
werden können.
Des Weiteren
seien
die traumatischen Ereignisse von den Gutachtern gar nicht bzw. bloss ober
flächlich aufgenommen worden (
Urk.
1 S.
3 f.
).
Dem ist entgegenzuhalten, dass d
ie Gut
achter sämtliche
von
Dr.
J._
und
Dr.
G._
erhobenen Befunde
berücksichtigt
haben
und in die Beurteilung einfliessen
liessen
(
Urk.
7/46/8-9,
Urk.
7/46/39-40
,
Urk.
7/46/51
)
. Der Umstand allein, da
s
s
behandelnde
Fachärzte eine
vom
einge
holten Gutachten abweichende
Meinung
äussern, gibt
nicht Anlass zu weiteren
Abklärungen
und
vermag
das Gutachten nicht in Frag
e
zu
stellen; anders würde es sich dann verhalten, wenn die behandelnden Ärzte konkrete objektiv fassbare
Aspekte
namhaft
machen, die
den
ärztlichen Experten
entgangen
sind oder mit denen sie
sich
nicht befasst haben (vgl. Urteil
U 58/06
des Bundesgerichts vom
2.
August 2006 E. 2.2
)
– was vorliegend allerding nicht der Fall ist
.
Im
psychiatri
schen Teilgutachten
wurden
die
belastenden Lebensumstände
des Beschwerde
führers
ausführlich
dargelegt
(
Urk.
7/31-32), wobei
er
dem psychiatrischen Teil
gutachter
seine Kriegserlebnisse
offenbar
nicht
mehr im gleichen Umfang
wie
seinen behandelnden Ärzten schilderte
(Urk.
7/33/9 und
Urk.
7/33/20-21)
.
In der interdisziplinären Zusammenfassung hielten d
ie Gutachter
fest
, dass sie
bezüglich der berichteten erlebten Festnahme und dem
Geschlagenwerde
n
, was dann zur Diagnose einer Posttraumatischen Belastungsstörung in der Vergangenheit geführt habe,
auf die Angaben des Beschwerdeführers angewiesen seien. Dabei sei zu berücksichtigen, dass er bis 2013 auch mit einer allfälligen Posttraumati
schen Belastungsstörung immer gearbeitet und sozial offensichtlich funktioniert habe. Es bestehe
deshalb
zumindest der Verdacht einer bewussten Akzentuierung und Betonung dieses Problems (
Urk.
7/46/
47
).
Dem ist anzumerken,
dass die Stö
rung dem Trauma in
Anbetracht der
klinisch diagnostischen Leitlinien zur post
traumatischen Belastungsstörung
(vgl. Horst
Dilling
/Werner
Mombour
/Martin H.
Schmidt [Hrsg.],
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10, Kapitel V (F), 10. Auflage 2015, F
43.1
S.
208
),
mit einer Latenz folg
t
, die Wochen bis Monate dauern kann
, jedoch selten mehr als 6 Monate nach dem Trauma.
Beim Beschwerdeführer
wäre die
allfällige
Störung nach
acht bis zehn Jahren
oder
je nach auslösendem Ereignis noch später
aufgetreten
, was
vor
dem erwähn
ten Hintergrund der Leitlinien und der Arbeitstätigkeit des Beschwerdeführers in der Schweiz bis 2013 nicht
plausibel
und jedenfalls nicht überwiegend
w
ahr
scheinlich
erscheint. Darüber hinaus
wird im Gutachten detailliert und überzeu
gend dargelegt
, dass auch
die übrigen
Merkmale
einer posttraumatischen Belastungsstörung wie Flas
h
backs und Alpträume, die sich auf das trauma
tisierende
Ereignis beziehen,
sowie eine konsequentes Vermeidungsverhalten (der Beschwerdeführer reise ohne weiteres in die Türkei)
zum Zeitpunkt der Begutach
tung
gefehlt hätten (Urk. 7/46/
35
,
Urk.
7/46/
37
und
Urk.
7/46/
46).
Ferner
stellten
die Gutachter
in der Untersuchung
aufgrund des affektiven Befindens des Beschwerdeführers nur
noch eine
leichte
,
vorwiegen
d
aktuell
klagsame
,
anamne
tisch auch
dysphorisch
e
Depressivität
fest
(
Urk.
7/46/
33
-34
,
Urk.
7/46/
46 und Urk.
7/46/
51
)
. Die Ausführungen von Dr.
J._
und
Dr.
G._
vermögen das Gutachten entsprechend
vorliegend
nicht entkräften.
4.
3
D
er Beschwerdeführer
brachte zudem
vor
, sein Gesundheitszustand habe sich nach der Begutachtung verschlechtert
, was
vor allem dem Arztbericht vom
15.
Juni 2017
(vgl. E. 3.3)
mit Ergänzung vom 1
9.
Juli 2017
(vgl. 3.4)
zu en
t
nehmen sei. Diese Verschlechterung sei aber von den Gutachtern in ihrer Stellungnahme nicht anerkannt worden
(
Urk.
1 S. 4-5).
Entgegen den Aus
führungen des Beschwerdeführers haben die Gutachter in ihrer Stellungnahme
schlüssig
darauf hingewiesen, es
sei
nachvollziehbar, dass sich eine depressive Symptomatik nach einem negativen IV-Entscheid nicht verbesser
e, sondern eher verschlechtere
. Dass dies bei einer
histrionisch
strukturierten Persönlichkeit ent
sprechend heftig ausfallen könne, sei nicht überraschend
(
Urk.
7/63/4
-5
).
Darüber
hinaus
erscheint es wenig glaubhaft
, wenn de
r Beschwerdeführer
nach der Begutachtung
plötzlich
über Flashbacks
berichtete
(
Urk.
7/58/3 und
Urk.
7/89/3)
–
mithin
sie
in den vorergangenen Arztberichten nicht erwähnt
wurden
.
Des Weiteren
erwähnte er
hinsichtlich
der traumatischen
Ereignisse
erstmalig
auch die
Anwesenheit bei einem Bombenanschlag
im
Sommer 2016
in Istanbul
und den Tod seiner Cousine bei
einem
Anschlag im
Dezember 2016
in Istanbul
, wobei
au
s
dem
Arztbericht
der
Z._
nicht klar
hervorgeht,
ob
d
er
Beschwerdeführer
am
Anschlag
s
ort
überhaupt
anwesend war
.
Bei der Begutachtung im Oktober 2016 machte er bezüglich des Bombenanschlags in Istanbul im Sommer 2016
keine klaren Angaben, sondern
erzählte nur
diffus
bei der Befragung zu
Phobien, dass er vor kurzer Zeit ein Attentat in der Türkei erlebt habe und
dabei
leicht
verletzt worden sei
(
Urk.
7/46/35
).
Zusätzlich fehlen
allgemein
konkrete
und einheitliche
Beschreibungen
zu dem
Erlebnis
.
Insgesamt
ist
infolge
der
divergierenden
Aus
sagen
des Beschwerdeführers
nicht ersichtlich
, welches
Erlebnis
nun
ein belastendes Ereignis oder eine Situation aussergewöhnlicher Bedrohung oder
katastrophenartigem Ausmass
es
gewesen sein soll, die
bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde
(Horst
Dilling
/Werner
Mombour
/Martin H. Schmidt
[Hrsg.],
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10, Kapitel V
[
F
]
, 10. Auflage 2015, F
43.1
S.
207).
Bezüglich
de
s
geäusserten Verdacht
s
auf eine
bipolar
e
affektive Störung (ICD 10: F31.3)
im Schreiben
vom 1
9.
Juli
2017
(vgl. E. 3.4)
gilt es darauf hinzuweisen,
dass
dieser in sämtlich
en
nachfolgenden Arztberichten nicht
hatte
bestätigt wer
den können. Durch
die
Äusserung einer Verdachtsdiagnose
wird
der
erforderliche Beweisgrad nicht erreicht, weshalb
schon deshalb
nicht vom Vorliegen einer bipolaren affektiven St
örung ausgegangen werden kann
.
4.
4
Weiter machte der Beschwerdeführer geltend, dass
Dr.
G._
in seiner Stellung
nahme
vom 2
2.
November 2017 (vgl. E. 3.6)
erläuterte, dass er die vollen Kriterien einer PTBS erfülle und der
Bagatellfall
geeignet sei
, eine psychische Störung aus
zulösen
. Dabei werde von einer PTSD,
delayed
specification
gesprochen,
welche bei einem Viertel von Kriegsveteranen
vorliege (
Urk.
1
S.
5 f.
).
Bezüglich de
s
Auf
treten
s
der posttraumatischen Belastungsstörung mit mehrjähriger Verzögerung ist darauf hinzuweisen, dass solche raren Konstellationen aufgrund dessen, dass in der Invalidenversicherung zwangsläufig eine gewisse Objektivierung verlangt wird, ausser Betracht bleiben müssen (Urteil des Bundesgerichts 9C_228/20
13 vom 26. Juni 2013 E. 4.1.3).
4.
5
D
er Bericht von
Dr.
K._
und
Dr.
L._
vom 2
0.
März 2018
(vgl. 3.7)
enthält
keine neuen medizinischen Erkenntnisse
, sondern
hat
weitgehend die vorher
ge
henden Diagnosen übernommen
.
Im G
esamten
lässt dieser
sowie
die
sämtlichen übrigen Arztberichte der behandelnden
Ärzte
die Verschiedenheit von
Behand
lungs
- und Begutachtungsauftrag (BGE 137 V 210 E. 1.2.4, 124 k 170 E.
4) zu Tage treten
sowie
die Erfahrungstatsache, dass behandelnde Ärzte und Ärztinnen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifels
fällen eher zu
Gunsten
ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
4.6
A
uch
die
am 1
2.
Juni 2018
nachger
eichten
Arztberichte
ändern nichts an
der Beurteilung
. Es handelt sich dabei
hauptsächlich um Kurzberichte der Notfallauf
nahme
des
M._
ohne Anamneseerhebung und Therapierung in Bezug auf die Grunderkrankung
(Urk. 7/94/8-22)
sowie
die Meldung einer Ver
schlechterung des Gesundheitszustands
von Frau
H._
vom 1
2.
Juni 2018 ohne objektive Befunde und Ausführungen zur Einschätzung
(Urk.
7/94/1-3) und
einen Bericht der Physiotherapie vom
8.
Juni 2018 (Urk. 7/94/4)
sowie einen
Bericht der
N._
vom 2
6.
August 2015
mit den aus den im Gutachten berücksichtigten bekannten Diagnosen und Anamnesen
(
Urk.
7/94/5-6).
4.7
Zusammenfassend ist das Gutachten vom 13. Dezember 2016 voll beweiskräftig und hat sich der Gesundheitszustand seither nicht erheblich verschlechtert. Von weiteren Abklärungen, wie vom Beschwerdeführer gefordert, sind keine zusätzli
chen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinwiesen) zu verzichten ist.
5.
5.1
G
emäss der mit
BGE 130 V 352
begründeten und seither stetig weiter entwickel
ten Rechtsprechung vermochten eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung und vergleichbare psychosomatische Leiden (
BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3, 142 V 342
) in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invali
dität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG führende Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Vielmehr bestand die Vermutung, dass solche Beschwerdebilder oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar seien und nur bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machten, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied sich im Ein
zelfall anhand verschiedener Kriterien (so genannte «Foerster-Kriterien», vgl.
BGE
130 V 352, BGE 131 V 49 E. 1.2, je wiedergegeben BGE 139 V 547 E. 5 mit weiteren Hinweisen).
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht die Überwindbarkeitsvermutung auf
gegeben und das bisherige Regel-/Ausnahme-Modell durch einen struktu
rierten normativen Prüfungsraster ersetzt. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tat
sächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfaktoren wie den vorhandenen Ressourcen Rechnung getragen wird (BGE 141 V 574 E. 4.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2 mit Hinweisen). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindi
katoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
scheinlichkeit nachge
wiesen
sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete ver
sicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 142 V 106 E. 4.5; Urteil des Bundesgerichts 8C_676/2017 vom 2
8.
Februar 2018 E. 6.3).
Gemäss BGE 143 V 418 (E. 7) sind neu sämtliche psychischen Leiden, laut BGE 143 V 409 (E. 4.5.2) namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressio
nen, einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unter
ziehen (Änderung der Rechtsprechung).
5.2
Für die Beurteilung der Arbeits
fähigkeit bei
psychischen Erkrankungen
sind
im Regelfall
Indikatoren beachtlich
(BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281)
, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat (BGE
141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad»
-
Komplex «Gesundheitsschädigung»
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen)
-
Komplex «Sozialer Kontext»
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungs
hindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensations
potenzialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungs
ver
mögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4):
Der Indikator einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die diskutierte Ein
schränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbe
reich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeit
gestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Dabei ist das bisherige Kriterium des sozialen Rückzugs (wiederum) so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Einschränkungen auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann ein krankheitsbedingter Rückzug aber auch Ressourcen zusätzlich vermindern. Soweit
erhebbar
, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung. Das
Aktivitätsniveau der ver
sicherten Person ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeits
unfähigkeit zu sehen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
resistenz
unter dem Komplex «Gesundheitsschädigung») auf den tat
sächli
chen Leidensdruck hin. Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist. Nicht auf fehlenden Leidensdruck zu schliessen ist, wenn die Nichtinanspruchnahme einer empfohlenen und zugänglichen Therapie oder die schlechte Compliance klarer
weise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurück
zu
führen ist. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicher
ten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung (BGE
141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
5.3
Unter dem Aspekt «funktioneller Schweregrad» ist in Betracht zu ziehen,
dass die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde gering ist
und bezogen auf den psychiatrischen Befund keine relevanten Einschränkungen zu nennen sind
(Urk.
7/
46
/48).
Zu
berücksichtigen ist ferner, dass
die Therapieoptionen noch nicht ausgeschöpft sind.
Die Gutachter empfehlen die
weitere
Behandlung in der Psychiatrie des
I._
. Dies wurde vom
Beschwerdeführer auch
so umgesetzt
, wobei er sich zwischenzeitlich auch einer stationären
Therapie sowie
einer ambulanten Therapie
in
der
Z._
unterzog (
Urk.
7/58/2 und 7/89/2). Die
Therapie
n führten jeweils zu einer
Teilremission der depressiven Symptomatik (
vgl. E. 3.3 und
3.7). Damit ist e
in gewisser Erfolg ersichtlich.
5
.4
Zum Komplex
«
Persönlichkeit
»
ist auf die
histrionisch
narzisstisch akzentuierten Charakterzüge hinzuweisen, welche
aber nur
einen
geringen
Belastungsfaktor darstell
en
.
Bezüglich
des Komplexes
«
Sozialer Kontext
»
ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer mit seinem Sohn zusammenlebt
,
mit welchem er das Morgen- und Abendessen einnimmt,
und dadurch
eine gewisse Tagesstruktur
aufrechterhält
(
Urk.
7/46/10 und
Urk.
7/46/12)
. Zudem pflegt
er regelmässigen Kontakt zu seinen
Geschwistern
(
Urk.
7/46/
31 und
Urk.
7/46/45)
.
Damit verfügt er doch über soziale Kontakt
e
.
5.
5
Hinsichtlich der
«
Konsistenz
»
ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
einer
seits
keinen
geregelten
Tagesablauf ein
zu
halten vermag. Er bleibe zuhause und habe keine Kraft und schlafe manchmal bis 14:00 Uhr.
Manchmal habe er Arzt
termine und manchmal komme auch seine Schwester vorbei und koche das Mittagessen.
Nachmittags nehme er Termine wahr oder sei einfach zu Hause und schlafe. Er
habe
keine Lust auf Aktivitäten
, gehe nicht spazieren
und treffe keine Kollegen
(Urk. 7/46/12)
.
Andererseits
ist es ihm jedoch möglich, Termine
und Arzttermine
wahrzunehmen und
sich zu pflegen sowie sauber zu
kleiden
(
Urk. 7/46/
33).
Die Gutachter können auch keine Einschränkungen der Spontan
aktivität, der Selbstpflege oder der Verkehrsfähigkeit postulieren
(
Urk. 7/46/49
)
.
Weiter lebt er zurückgezogen (Urk. 7/46/34)
, was aber im Widerspruch
steht
zum guten Kontakt zu seinen Geschwistern
(
Urk. 7/46/31)
,
den gelegentlichen Besu
chen
durch seine Schwester
bei
ihm
zu Hause
(
Urk. 7/46/12
)
sowie seinen Reisen in die Türkei
(Urk. 7/46/45)
.
Diskrepanzen im
Verhalten
und den Aussagen
des Beschwerdeführers
zu seinem Gesundheitszustand
ziehen sich
auch durch seine gesamte
Krankheitsgeschichte.
Der Beschwerdeführer arbeitete und funktionierte sozial
bis 2013 mit einer allfälligen Posttraumatischen Belastungsstörung
, womit
der Verdacht einer bewussten Akzentuieru
ng und Betonung dieses Problems besteht
(vgl. E. 4.2).
Hinzu
kommt, dass
die
Aussagen
zum traumatischen Ereig
nis
, welches geeignet ist
,
eine Posttraumatische Belastungsstörung auszulösen,
von den Arztberichten zur Begutachtung
(vgl.
E.
4.2)
und nach der Begutachtung
divergieren
(vgl.
E.4.3).
Des Weiteren
berichtete der Beschwerdeführer
nach der Begutachtung
bei den Arztbesuchen
neu
über
das noch geforderte
diagnostische
Merkmal der Flashbacks (vgl. E. 4.3)
.
Auch die Aussage, früher sei alles gut gewesen, er habe gerne Sport getrieben und er sei nie depressiv oder anderweitig in seinem Affekt verändert gewesen (
Urk.
7/46/34), steht wiederum im Gegensatz zur schwierig erlebten Kindheit und Jugend (
Urk.
7/46/).
Bezüglich de
r
somato
formen Schmerzen liegt
nach Aussicht der Gutachter
eine Mischung zwischen unbewusster Motivation und auch
einem bewusstseinsnah
e
n Agieren
und Demonstrieren der vorhandenen somatischen Beschwerden vor. Es ist nicht nach
vollziehbar, dass keinerlei medizinischen Massnahmen zu einer Besserung der
Beschwerden
führten
, insbesondere auch
die Knie
infiltration am linken
Knie nicht
. Auffällig sind
zudem
die fehlenden Schonungszeichen im
Bereich
der linken unteren Extremität. Die
Muskeltrophik
war ausg
emessen symmetrisch, die
Fussbeschw
ielung
symmetrisch kräftig,
was nicht
mit einer bald
dreijährigen
Schonungshaltung in
Einklang
gebracht werden
kann
. Es muss davon
ausgegan
gen
werden
, dass d
ie linke untere Extremität
im Alltag
gebraucht wird
, trotz
angegebenen
starken Schmerzen
(
Urk.
7/
47-48
).
5.6
Nach dem gesagten, sind gewisse leistungshindernde Belastungsfaktoren vorhan
den. Der beweisrechtlich entscheidende Aspekt der Konsistenz fällt vorliegend
jedoch massgeblich ins Gewicht. In der
Gesamtwürdigung
bildet sich aufgrund
der
aufgezeigten
widersprüchlichen subjektiven Angab
en des Beschwerdeführers
kein
kohärentes Bild
,
worauf gestützt
mit
überwiegender Wahr
scheinlichkeit
davon auszugehen
wäre
,
dass der Beschwerdeführer unter einer psychischen Stö
rung mit Krankheitswert leide
t
, welcher inva
lidisierender Charakter zukäme.
Damit hat es mit der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im polydisziplinären Gut
achten sein Bewenden und erfüllt der Beschwerdeführer die Voraussetzungen für einen Rentenanspruch nicht (vgl. E. 1.2).
6
.
Der Beschwerdeführer verlangt, dass die Beschwerdegegnerin zu verpflichten sei, Eingliederungsmassnahmen zu gewähren (
Urk.
1 S. 7 f.).
Zu einem allfälligen Anspruch auf berufliche Massna
hmen hat die Beschwerdegegnerin jedoch
keine Stellung genommen. Da
der
Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung war
, fehlt es vorliegend an einem Anfechtungsobjekt, womit
insoweit auf die Beschwerde nicht einzutreten ist.
7
.
Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als rechtens.
Dementsprechend
ist die Beschwerde abzuweisen.
8
.
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantona
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verwei
gerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzli
chen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr.
8
00.-- festzusetzen und dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.