Decision ID: 26ff7f05-972d-41db-aa7a-de45df09e58d
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1960 geborene
X._
war zuletzt ab
1.
Mai 2012 als Mitarbeiterin Hauswirtschaft in einem 80
%
-Pensum im Pflegezentrum
Y._
angestellt. Am 1
0.
Juli 2014 meldete sie sich unter Hinweis auf eine Depression, Herz-/Kreislauf
beschwerden, Bluthochdruck und Diabetes bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (Urk. 9/1).
Die zuständige Vorsorgeeinrichtung sprach der Versicherten mit Verfügung vom
8.
Januar 2016 (
Urk.
3/5) ab 1. Februar 2016 eine Invalidenpension, eine Invali
denzusatzpension und einen Zuschuss zu.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizi
nische und erwerbliche Abklärungen und liess die Versicherte durch Dr. med.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachten (Expertise vom 2
4.
November 2016;
Urk.
9/75, ergänzt am
9.
Dezember 2016,
Urk.
9/77). In der Folge gab
sie
bei der Psychiatrischen
Klinik
A._
eine erneute Begutachtung in Auftrag (Ex
pertise vom 2
5.
März 2019, Urk.
9/119, ergänzt am 2
5.
April 2019,
Urk.
9/121). Nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Urk. 9/129,
Urk.
9/131 und
Urk.
9/133) wies sie das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 1
7.
Juni 2020 (Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 2
0.
August 2020 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr mit Wir
kung ab
1.
Januar 2015 eine ganze IV-Rente zuzusprechen. Eventualiter sei ihr ab
1.
Januar 2015 eine ganze und mit Wirkung ab
1.
März 2019 eine halbe IV
Rente zuzusprechen.
Subeventualiter
sei die Vorinstanz zu verpflichten, eine psy
chiatrische Begutachtung und eine Abklärung im Haushalt durchzuführen und gestützt darauf über ihren Anspruch auf eine IV-Rente neu zu verfügen. Am 2
5.
September 2020 (Urk. 8) beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzu
weisen, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2
8.
September 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom 1
7.
Juni 2020 (Urk. 2) damit, dass auf das psychiatrische Gutachten
von
Dr.
Z._
nicht habe abgestellt werden können, weshalb
bei der
Psychiatrischen Klinik A._
eine
psychiatrisch-neuropsychologische Begutachtung stattgefunden habe. Die Beschwer
deführerin habe ihre Mitwirkung im Rahmen der Begutachtung verletzt. Aufgrund einer erheblichen Übertreibungstendenz habe keine valide Stellung
nahme zur beruflichen Funktionsfähigkeit erfolgen können. Auf die im Gutachten attestierte Arbeitsunfähigkeit könne deshalb nicht abgestellt werden (S. 2). Bei der erneuten Begutachtung handle es sich nicht um eine
unzulässige
second
Opinion. Das Gutachten von
Dr.
Z._
habe sich vorwiegend auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin gestützt. Eine weitere Begutachtung sei deshalb unabdingbar gewesen. Aus Sicht des Rechtsanwenders seien die Kriterien für das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) - aus näher darge
legten Gründen - nicht erfüllt. Die Grenzen einer blossen Verdeutlichung seien klar überschritten worden. Eine Beweislosigkeit gehe zu Lasten der Beschwerde
führerin (S. 3).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), weder den im Auftrag der Vorsorgeeinrichtung erstellten Gutachten von
Dr.
med.
B._
, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, noch den Berichten ihrer
Behandler könne entnommen werden, dass sie ihre Beschwerden nicht authen
tisch präsentiere. Da die Grenzziehung zwischen einer Aggravation und einer blossen Verdeutlichungstendenz heikel sei, bedürfe es einer einzelfallbezogenen sorgfältigen Prüfung. Eine solche sei vorliegend unterlassen worden. Bis zur Begut
achtung durch
Dr.
Z._
sei eine 100%ige Erwerbsunfähigkeit ausge
wiesen (S. 7-12 und S. 18-21).
Dr.
Z._
begründe ausführlich, weshalb von der Diagnose einer PTBS ausgegangen werden müsse. Auf sein Gutachten könne voll
umfänglich abgestellt werden (S. 12-14). Das Gutachten der
Psychiatrischen Klinik A._
sei hingegen - aus näher dargelegten Gründen - nicht beweiskräftig (S. 14-21). Der Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung sei ausgewiesen. Werde wider Erwarten auf das Gutachten der
Psychiatrischen Klinik A._
abgestellt und ab der Begutachtung von einer 50%igen Leistungsfähigkeit ausgegangen, so sei die gemischte Methode anwendbar (80
%
Erwerb, 20
%
Haushalt). Im Haushalt sei sie ebenfalls zu 50
%
eingeschränkt, was eventualiter bis zur Begutachtung zu einem Anspruch auf eine ganze Rente und anschliessend auf eine halbe Rente führe. Da auf das Gut
achten der
Psychiatrischen Klinik A._
nicht abgestellt werden könne, dränge sich eine Neubegutachtung auf. In diesem Sinne werde der Subeventualantrag gestellt (S. 21).
3.
3.1
Die behandelnden Fachpersonen der Psychiatrie
C._
bei
welche
n
die Beschwerdeführerin vom 2
6.
Januar bis 1
9.
März 2015 (Bericht vom 1
9.
Mai 2015,
Urk.
9/42) stationär und vom 2
3.
Juni bis 2
7.
November 2015 in tagesklinischer Behandlung war, hielten in ihrem Bericht vom
2.
Dezember 2015 (
Urk.
9/60) folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest:
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel-
bis
schwergradige
Epi
sode
F 33.1/2
-
Verdacht auf PTBS
F 43.1
Dazu führten sie aus, die Beschwerdeführerin leide zunehmend unter
Depres
sions
- und Angstzuständen aufgrund einer Mobbingerfahrung am Arbeitsplatz. Ihre Symptome hätten 2012 angefangen und sich zunehmend gesteigert. In der Tagesklinik sei sie zunehmend überfordert gewesen, habe auch Schwierigkeiten gehabt, sich dort zu integrieren. Sie sei sehr misstrauisch, habe Schwierigkeiten in Kontakt mit anderen Menschen zu kommen. Eigentlich bestehe ihr Leben nur noch aus Angst (S. 3). Es sei von einer langanhaltenden Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Die Notwendigkeit einer geregelten Tagesstruktur sei indiziert und könnte in Form einer Platzierung auf dem zweiten Arbeitsmarkt umgesetzt
werden. Zum Austrittszeitpunkt habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestan
den. Dies aufgrund anhaltender physischer und psychischer Beeinträchtigungen.
Die Beschwerdeführerin
reagiere aufgrund der Beschwerden mit Hoffnungslosig
keit und Unsicherheit in Zusammenhang mit der Zukunft
und
leide unter Pseudo
halluzinationen, Energielosigkeit, sozialer Isolation, Konzentrationsstörungen, Angst, Müdigkeit sowie dissoziativ anmutenden Zuständen (S. 4).
3.2
Dr.
Z._
hielt in seinem psychiatrischen Gutachten vom 2
4.
November 2016 (
Urk.
9/75) folgende Diagnosen fest (S. 16):
-
depressive Entwicklung /
chronifizierte
mittelgradige depressive Episode
(ICD-10 F 32.1)
-
komplexe
PTBS
nach multiplen Belastungen in der Kindheit und Jugend (Suizidalität der Mutter, wiederholte Inhaftierung und Misshandlungen in Gefan
genschaft im Heimatland, Emigration) und Dekompensation ab Novem
ber 2013 im Sinne einer Persönlichkeitsänderung mit seither bestehendem aus
geprägtem regressivem Verhalten
(ICD-10 F 43.1, F 62.0)
Dazu hielt er fest, es sei eine Restdepressivität bei mittelgradiger depressiver Episode feststellbar gewesen. Im Längsverlauf sei eine deutliche Regression beschreib
bar. Die Beschwerdeführerin führe zuhause eine
vita
minima
, verlasse das Haus nicht alleine und entwickle kaum Eigenaktivität. Die ab 2013 beste
hende depressive Symptomatik sei nach Angaben der Beschwerdeführerin nie abge
klungen. Diagnostisch werde von einer
chronifizierten
depressiven Entwick
lung mit aktuell mittelgradigem depressivem Syndrom bei multiplen trauma
tischen Belastungen in der Lebensgeschichte ausgegangen. Zudem beständen Symptome einer
PTBS
mit Albträumen, intrusivem Wiedererleben der Gescheh
nisse im Heimatland mit dissoziativer Verarbeitung (Bewusstseinszustandsver
än
derung mit kurzen Absenzen). Das ausgeprägte regressive Verhalten sei Aus
druck einer Persönlichkeitsänderung nach Dekompensation der Bewältigungs
ressour
cen ab November 201
3.
Trotz intensiver und adäquater ambulanter, stati
onärer und teilstationärer Behandlung sei es nicht zu einer deutlichen Stabilisie
rung gekommen. Bezogen auf eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt werde von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen (S. 14).
3.3
Der behandelnde
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinem Bericht vom
6.
April 2017 (
Urk.
9/81) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
(ICD-10 F 33.1)
-
komplexe
PTBS
bei multiplen Belastungen in der Kindheit und Jugend sowie Erwachsenenalter
(ICD-10 F 43.0)
-
dissoziative Störungen (Konversionsstörungen) gemischt
(ICD-10 F 44.0)
-
andauernde Persönlichkeitsänderung bei kumulativen Traumatisierungen
(ICD-10 F 62.0)
Dazu führte er aus, die Beschwerdeführerin stehe seit dem 2
7.
März 2015 in seiner psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung. Es handle sich um eine integrative Behandlung der Depression, Angst und PT
BS
(Stabilis
ierung) mit
drei
wöchentlichem
Setting inklusive medikamentöser Therapie. Der bisherige Verlauf zeige sich sehr wechselhaft. Die Beschwerdeführerin zeige aufgrund der depres
siven Symptomatik wenig Interesse an ihrer Umwelt und ziehe sich tendenziell sozial zurück. Sie habe weiterhin grössere Schwierigkeiten, den Tagesablauf ange
messen zeitlich und inhaltlich zu strukturieren. Ihr Durchhaltevermögen sei körperlich und psychisch weiterhin deutlich vermindert. Sie sei in jeglicher Tätig
keit zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 2-3).
3.4
Med.
pract
.
E._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Assistenzarzt Dr. med.
Dr.
med. univ.
F._
und
lic
. phil.
G._
, Fachpsychologe für Neuropsycho
logie FSP, von der
Psychiatrischen Klinik A._
stellten in ihrem psychiatrisch-neuropsychologischen Gutachten vom 2
5.
März 2019 (
Urk.
9/119) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 35):
-
Anpassungsstörung mit einer längeren depressiven Reaktion
(F 43.21)
-
dependent
-histrione Persönlichkeitszüge
(Z 73.1)
Zudem hielten sie folgende Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 35):
-
Nikotinabhängigkeit
Weiter gaben sie folgende neuropsychologische Diagnose wider (S. 35):
-
unspezifischer Befund bei überwiegend wahrscheinlicher Vortäuschung von kog
nitiven Minderleistungen und psychischen Beschwerden
Schliesslich führten sie folgende aktenanamnestisch festgehaltene
n
somatische
n
Diagnosen auf (S. 35):
-
Hypertonie
-
Diabetes Mellitus Typ II
-
Adipositas
permagna
Dazu führten sie aus, bereits an der letzten Arbeitsstelle sei es bei der Beschwer
deführerin nach einem Chefwechsel zu zunehmenden Problemen am Arbeitsplatz gekommen. Hierbei habe sie sehr konzentriert und detailliert geschildert, dass ihre Erkrankung mit einem «Mobbing» begonnen habe und sich in der Folge zuneh
mende Existenzängste entwickelt hätten. Sie habe es nicht ausgehalten und sich deshalb eine neue Stelle gesucht. An der neuen Stellung habe sie ein 80
%
-
Pensum innegehabt. Hier habe sie Schwierigkeiten mit den Kollegen gehabt. Soweit retrospektiv beurteilbar, hätten im Verlauf die Konflikte mit den Mitar
beitenden sowie die subjektiv fehlende Anerkennung beim Mitarbeitergespräch 2013 zum erneuten Ausbruch sowie zur Fortsetzung der bereits 2012 aufgetre
tenen psychischen Komplikationen geführt. Hier würden sich Zustände von subjektiver Bedrängnis und emotionaler Beeinträchtigung zeigen, die im Allge
meinen soziale Funktionen und Leistungen behindern und während des Anpas
sungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung, in diesem Fall der Chefwechsel mit Misserfolg, auftreten würden. Hierbei könnten depressive Stim
mung, Angst, Sorge oder ein Mischbild wie bei der Beschwerdeführerin auf
treten. Ausserdem könne ein Gefühl bestehen, mit den alltäglichen Gegebenheiten nicht zurechtzukommen, diese nicht vorausplanen und nicht fortsetzen zu können. Die diagnostischen Kriterien würden eine identifizierbare psychosoziale Belastung (subjektiv empfundene ungerechte Beurteilung und Kündigungs
drohung) von einem nicht aussergewöhnlichen oder katastrophalen Ausmass umfassen, mit dem Beginn der Symptome innerhalb eines Monats. Des
W
eiter
e
n beständen Symptome und Verhaltensstörungen wie sie bei affektiven Störungen (F3), bei neurotischen, Belastungs- und somatoformen Störungen (F4) vorkämen. Die Kriterien der einzelnen Störungen seien jedoch nicht erfüllt. Bezüglich der in der Aktenlage häufig verwendeten Diagnose einer PTBS zeige sie weder bei Schil
derung potentiell traumatisierender Life-Events dissoziative Symptome, noch seien diese im Verlauf der mehrstündigen Explorationen beobachtet worden. Sie habe neutral (kurzes Weinen zu Beginn) ohne wesentliche emotionale Beteiligung (ausser bei den beruflichen Problemen) diese konkret und detailliert schildern können (Folterung/Verfolgung durch Polizei), Flashbacks seien nicht aufgetreten, auch keine Intrusionen. Während der gesamten Zeit habe keine Schreckhaftigkeit bemerkt werden können. Im Gegensatz hierzu sei sie mit dem Rücken zu
r
Tür gewandt gesessen und habe nicht einmal auf plötzliche Geräusche aus dem Flur
bereich, bei sehr hellhörigen Räumen des Begutachtungsbereichs, reagiert. Ein andauernder negativer emotionaler Zustand habe weder in der klinisch-psychi
atrischen noch während der neuropsychologischen Untersuchung konstatiert werden können. Die Affekte seien eher oberflächlich und nicht andauernd gewe
sen. Die Beschwerdeführerin habe auch keinerlei Schuldeingeständnis gezeigt, wie dies bei so einer Störung typisch wäre. Stattdessen habe sie die Problematik externalisiert und bei sich keine Ursache oder Auslöser für Konflikte oder Prob
leme gesehen. Ein Vermeidungsverhalten, das heisst, dass Personen Reize
n
oder Orte
n
aus dem Weg gehen, die sie an Traumata erinnern, müsse hierbei auch verneint werden. Die Beschwerdeführerin fahre regelmässig in die
H._
um ihre Familie zu besuchen. Hierauf angesprochen habe sie angegeben, den Kontakt zur Familie seit ihrer Emigration nicht abgebrochen zu haben und dort ihren Urlaub zu verbringen (S. 38-39).
Anlässlich der neuropsychologischen Testung seien die gezeigten Leistungen in allen untersuchten Funktionsbereichen zumeist weit unterdurchschnittlich aus
gefallen mit Versagen bei Aufgaben mit sehr geringen Anforderungen. In einem kognitiven Screening Verfahren habe sie 13 von 30 möglichen Punkten erzielt, was im Bereich einer Demenz liegen würde. Das erhobene kognitive Leistungs
profil sei nicht valide. Eine durchgeführte kognitive und psychologische Beschwer
de
validierung habe in allen eingesetzten Verfahren und eingebetteten
Validitätsindikatoren
auffällige Ergebnisse im Sinne einer reduzierten Test-Compliance und einer Übertreibung von kognitiven und psychischen Beschwer
den ergeben. In einem spezifischen Verfahren hätten sich deutliche Anzeichen für eine Vortäuschung von Symptomen einer
PTBS
ergeben. In einem weiteren psychologischen Beschwerdevalidierungsverfahren hätten sich ebenso klare Hin
weise auf eine Übertreibung von kognitiven und psychischen Beschwerden erge
ben. Aus den auffälligen Ergebnissen der
Performanzvalidierung
lasse sich ablei
ten, dass die Validität des erhobenen kognitiven Leistungsprofils nicht
gegeben
sei. Angesichts der Auffälligkeiten in der psychologischen Beschwerde
validierung sei die Glaubhaftigkeit der Selbstangaben der Beschwerdeführerin in Frage zu stellen. Die Diagnose von leichten bis mittelgradigen psychischen Störungen beruhe allerdings sehr stark auf authentischen Selbstangaben einer Person. Durch eine erhebliche Antwortverzerrung werde ein möglicher genuiner pathologischer Kern gewissermassen überlagert und könne letztlich nicht mehr valide beurteilt werden. Sofern eine psychische Störung diagnostiziert werde, sei die Diagnose mit einer erheblichen Unsicherheit behaftet (S. 34).
G
emäss der fachpsychiatrischen Beurteilung sprechen die Symptome des «Vor
bei
redens», die (im Verlauf) geltend gemachten nicht plausiblen und wechsel
haften
kognitiven
Defizite, die fehlenden Narben, die Auffälligkeiten in der neuro
psychologischen Untersuchung, sowie der externe An
reiz, hierbei
die IV-Berentung, für eine hochwahrscheinliche Aggravation (S. 43; vgl. auch S. 40 ff.). Die dysfunktionale Bewältigungsstrategie, der mangelhafte Umgang mit Krän
kungen, die nicht ausreichende Selbstbehauptung seien zum einen aufrechter
haltende Symptome der Erkrankung, jedoch lägen auch einige
medizinalfremde
Faktoren, die berücksichtigt werden müssten, vor, dazu gehörten das hohe Alter, die Sprachprobleme und die fehlende Ausbildung sowie ein deutlicher sekundärer Krankheitsgewinn
indem
ihre F
amilie sie überall hin
begleite und ihr Tätigkeiten abnehme (S.
43).
In einem wohlwollenden Umfeld, wie dies bei ihrer letzten Arbeitsstelle über mehrere Jahre Bestand gehabt habe, sei eine Arbeitsfähigkeit mit zunächst gerin
gerem Pensum, das im Verlauf gesteigert werden könnte, denkbar. Aus der jetzigen Perspektive sei dies aufgrund der Aggravation schwierig zu beurteilen, wahrscheinlich sei eine Tätigkeit zu Beginn von maximal 4 Stunden pro Tag durchführbar. Wichtig wäre die Möglichkeit von Pausen bei Bedarf. Es sei davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit dabei auf zu Beginn 50
%
reduziert sei (S. 44).
Eine fachpsychiatrisch begründbare Arbeitsunfähigkeit von 40
%
bestehe seit Ende 2013, allerdings sei darunter das psychische Funktionsniveau im Sinne einer dysfunktionalen
Copingstrategie
kontinuierlich gesunken
- dies im Sinne einer
Dekonditionierung
bei hohem sekundärem Krankheitsgewinn. Bezüglich der kog
nitiven Leistungsfähigkeit könne keine valide Aussage getroffen werden, da deren Testung aufgrund der Aggravation nicht möglich gewesen sei (S. 44-45).
Die Beeinträchtigungen würden sich durch konsequente Fortführung der psychi
atrisch-psychotherapeutischen Massnahmen im ambulanten Setting vermindern lassen. Dabei sollte die Behandlung in einer wöchentlichen Frequenz stattfinden. Des
W
eiter
e
n wäre eine regelmässige Kontrolle der Medikamenteneinnahme sinn
voll um eventuell einen Wechsel oder eine
Aufdosierung
der Medikation in Betracht zu ziehen (S. 45).
Seit dem
1.
Dezember 2018 seien der Beschwerdeführerin Arbeiten mit einer geringen Belastbarkeit, mit regelmässigen Feedbackmöglichkeiten und Super
vision möglich. Der Arbeitsplatz sollte ohne gefährliche Gegenstände sein, auf einer geraden Ebene, ohne Erfordernis zur schnellen Entscheidungsfindung / Reak
tion, am besten in Kontakt / in der Nähe zu anderen Mitarbeitenden. Aus der jetzigen Perspektive sei es schwierig zu beurteilen, wahrscheinlich wäre eine Tätigkeit von maximal 4 Stunden pro Tag zumutbar. Aufgrund der Schwere der Symp
tomatik werde von einer Leistungsfähigkeit von ungefähr 50
%
ausge
gangen (S. 45-46).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin berichtete von traumatisierenden Erfahrungen in ihrer Kindheit, Jugend und im jungen Erwachsenenalter (vgl. E. 3.4 hie
r
vor). Nach ihrer Einreise in die Schweiz im Alter von 31 Jahren war sie stets erwerbstätig, dies auch mit hohen
Arbeitspensen
und in der Regel jeweils während mehreren Jahren für denselben Arbeitgeber (vgl.
Urk.
9/14). So war sie etwa
mehr als 12 Jahre
bei
der Stiftung
I._
angestellt, wobei den Akten für einen Grossteil der Zeit eine unbeeinträchtigte Leistungsfähigkeit und erst nach einem Vorgesetz
tenwechsel Schwierigkeiten am Arbeitsplatz entnommen werden
können (vgl.
Urk.
9/119/38-39).
Dr.
Z._
diagnostizierte in seinem Gutachten vom 2
4.
No
vember 2016 (E. 3.2 hie
r
vor) eine komplexe
PTBS
(ICD-10 F
43.1) und Dekom
pensation ab November 2013 im Sinne einer Persönlichkeitsänderung (ICD-10 F
62.0).
4.2
Eine posttraumatische Belastungsstörung
nach ICD-10 F
43.1
soll nur dann diag
nostiziert werden, wenn sie innerhalb von 6 Monaten nach einem traumati
sierenden Ereignis von aussergewöhnlicher Schwere aufgetreten ist. Eine wahr
scheinliche Diagnose kann auch dann gestellt werden, wenn der Abstand zwischen dem Ereignis und dem Beginn der Störung mehr als 6 Monate beträgt, voraus
gesetzt, die klinischen Merkmale sind typisch und es kann keine andere Diagnose (wie Angst- oder Zwangsstörung oder depressive Episode) gestellt werden
. Späte,
chronifizierte
Folgen von extremer Belastung, d.h. solche, die noch Jahrzehnte nach der belastenden Erfahrung bestehen, sind unter F
62.0 (andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung) zu klassifizieren
.
Eine andauernde Persönlichkeitsänderung kann der Erfahrung von extremer Belastung folgen. Die Belastung muss so extrem sein, dass die Vulnerabilität der betreffenden Person als Erklärung für die tiefgreifende Auswirkung auf die Per
sönlichkeit als Erklärung nicht ausreicht. Beispiele hierfür sind Erfahrungen in einem Konzentrationslager, Folter, Katastrophen, andauernde lebensbedrohliche Situationen (als Geisel, lang andauernde Gefangenschaft mit drohender Todes
gefahr). Die Persönlichkeitsänderung muss über mindestens 2 Jahre bestehen und nicht auf eine vorher bestehende Persönlichkeitsstörung oder auf eine andere psychische Störung ausser einer posttraumatischen Belastungsstörung zurück
zuführen sein (
Dilling
/
M
o
mbour
/Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychi
scher Störungen: ICD-10 Kapitel V[F]: Klinisch diagnostische Leitlinien, 1
0.
Auf
l
age, Bern
2015, S.
208 und S. 286 f.
)
.
4.3
Zwischen den von der Beschwerdeführerin berichteten traumatisierenden Ereig
nissen und dem Ausbruch der von
Dr.
Z._
diagnostizierten PTBS mit an
schlies
sender Persönlichkeitsänderung vergingen mehrere Jahrzehnte, in welchen
sie
offensichtlich unbeeinträchtigt einer Erwerbstätigkeit nachgehen konnte. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung mag ein erst lange nach trau
matischen Ereignissen beginnender Krankheitsverlauf therapeutisch Sinn machen, hingegen verlangt die Leistungsberechtigung in der Invalidenversiche
rung zwangsläufig eine gewisse Objektivierung, weshalb solche Konstellationen ausser Betracht bleiben müssen (Urteil des Bundesgerichts 9C_228/2013 vom 2
6.
Juni 2013 E. 4.1.3 mit Hinweisen).
Dr.
Z._
anerkannte denn auch, dass die diagnostischen Kriterien gemäss ICD-10 nicht vollständig erfüllt sind, hielt aber an seinen Diagnosen fest (vgl.
Urk.
9/77 S. 3).
Soll ganz ausnahmsweise aus bestimmten Gründen eine erst nach sechs Monaten aufgetretene PTBS berück
sichtigt werden,
bedürfte
es
einer besonderen Begründung
(BGE 142 V 342 E. 5.2.2). Eine so
lche fehlt im Gutachten von Dr.
Z._
ebenso wie eine
spezifische Darlegung der Umstände, welche zur Traumatisierung beziehungsweise Jahr
zehnte später zum Ausbruch der PTBS geführt haben. Weshalb
die PTBS
ausge
rechnet
aufgrund des
von der Beschwerdeführerin als unfair empfundene
n
Qualifikationsgespräch
s
aus
ge
brochen sein soll, wird vom Gutachter nicht schlüssig begründet und ist insofern nicht nachvollziehbar, als davon auszugehen ist, dass
sie
bereits vor dem Gespräch ähnlich belastende Erlebnisse gehabt haben dürfte, ohne dass
diese eine PTBS ausgelöst hätten. L
ässt sich aufgrund der gut
achterlichen Angaben die Diagnose einer
PTBS
nicht hinreichend nachvollziehen und ist eine PTBS deshalb beweismässig nicht mit dem erforderlichen Beweismass gesichert, bildet dieses Leiden keine
rechtsgenügliche
Grundlage, um eine mög
liche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nachzuweisen (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_548/2019 vom 1
6.
Januar 2020
E. 6.3.
2 mit Hinweisen)
. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin auf
die Expertise
von
Dr.
Z._
und die von ihm
aufgrund der psychischen Beschwerden attestierte 100%ige Arbeitsunfähig
keit in jeglicher Tätigkeit nicht abstellte, sondern
eine erneute Begutachtung der Beschwerdeführerin veranlasst hat.
Bei
de
m
bei der
Psychiatrischen Klinik A._
eingeholten
Gutachten
(E. 3.4 hie
r
vor)
handelt es sich damit
nicht um eine unzulässige «
second
opinion
».
5.
5.1
Das
bidisziplinäre
Gutachten der
Psychiatrischen Klinik A._
vom 2
5.
März 2019 (E. 3.4 hie
r
vor) beruht auf den erforderlichen psy
chi
atrischen und neuropsychologischen Untersuchun
gen, ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der und in
Auseinandersetzung mit den fallrelevanten
Vorakten
erstellt. Die Gutachter legten die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar, beurteilten die medi
zi
nische Situation überzeugend und setzten sich mit den geklagten Beschwer
den und dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander. Sie zeig
ten auf, dass
die subjektiv fehlende Anerkennung beim Mitarbeitergespräch 2013
letztlich
zum Ausbruch ihrer psychischen Beschwerden geführt ha
t
, verneinten aber ausführlich
begründet
die Diagnose einer PTBS. So vermochten die Gutach
ter im Verlauf der mehrstündigen Explorationen weder dissoziative Symptome noch
eine
Schreckhaftigkeit zu beobachten,
auch traten keine Flashbacks oder Intrusionen auf. Ebenso wenig zeigt die Beschwerdeführerin ein Vermeidungs
verhalten, besucht sie doch ihre Familie in der
H._
seit ihrer Emigration regel
mässig. Anlässlich der neuropsychologischen Testung ergaben sich zudem in einem spezifischen Verfahren deutliche Anzeichen für eine Vortäuschung von Symptomen einer
PTBS
. In allen weiteren Verfahren zeigten sich auffällige Ergeb
nisse im Sinne einer reduzierten Test-Compliance und einer Übertreibung von kognitiven und psychischen Beschwerden. Angesichts der Auffälligkeiten in der psychologischen Beschwerdevalidierung stellten die Gutachter die Glaubhaf
tig
keit der Selbstangaben der Beschwerdeführerin in Frage. Die Gutachter begründe
ten ihre Diagnose
n
einer
Anpassungsstörung mit einer längeren depres
siven Reak
tion sowie von
dependent
-histrionen Persönlichkeitszügen
und emp
fahlen eine häufigere psychiatrische Behandlung sowie eine regelmässige Kontrolle der Medikamenteneinnahme.
Sie
wiesen auf psy
chosoziale Belastungs
faktoren
und einen sekundären Krankheitsgewinn sowie
auf
deutliche Anzeichen
für
eine Aggra
vation hin.
Die Gutachter gelangten so
dann zum begründeten Schluss, dass
die Beschwerdeführerin ab Ende 2013 zu 40
%
arbeitsunfähig war und ihr Funk
tionsniveau in der Fol
ge kontinuierlich gesunken ist. Derzeit kann sie
in jeglicher Tätigkeit lediglich
noch
vier Stunden pro Tag arbeiten und
ist
dabei in ihrer Leistungsfähigkeit zu 50
%
eingeschränkt, mithin
besteht
eine 75%ige Arbeits
unfähig
keit.
Das Gutachten entspricht damit den rechtsprechungs
gemässen Anforde
rungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungs
grundlage (vgl. E. 1.4 hie
r
vor).
5.2
Die Beschwerdeführerin kritisierte die Expertise der
Psychiatrischen Klinik A._
in verschiedener Hin
sicht. Soweit sie insbesondere eine Aggravation anlässlich der Begutachtung bestritt (
Urk.
S. 7-11
und S. 18-20
)
beziehungsweise geltend machte
,
es habe nur eine übertriebene Darstellung der tatsächlich vorhandenen Beschwerden vorge
legen
,
ist darauf mit Blick auf die nachfolgenden Ausführungen jedoch nicht weiter einzugehen.
Ebenso wenig bedürfen
ihre Vorbringen
in Bezug auf die geltend gemachte PTBS
(
Urk.
1 S. 14-17)
einer weiteren Auseinandersetzung, machen doch auch diese die Latenz von mehreren Jahrzehnten zwischen den traumatisierenden Ereignissen und dem Ausbruch der
selben
nicht nachvollzieh
bar.
Die Einwendungen der Beschwerdeführerin vermögen damit an der Beweis
kraft des Guta
chtens der
Psychiatrischen Klinik A._
nichts zu ändern, womit sich die von
ihr
subeven
tualiter
beantragte erneute psychiatrische Begutachtung erübrigt.
6.
6.1
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechts
anwendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Abschät
zung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträch
tigungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswür
digung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweis
themen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamt
bild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3
).
6
.2
Von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit kann damit aus rechtlicher Sicht abgewichen werden, ohne dass ein wie vorliegend grundsätzlich beweiskräftiges Gutachten dadurch seinen Beweiswert verlöre (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_106/
2015 vom
1.
April 2015 E. 6.3).
7
.
7.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
7.2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nach
gewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im
Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
7.3
7.3.1
Was den K
omplex
«
Gesundheitsschädigung
»
respektive den Indikator
der «Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde» angeht, ist festzuhalten, dass
nur dort, wo bereits in den Diagnosekriterien ein Bezug zum Schweregrad gefordert wird, ein solcher nicht erreichter Schweregrad gegebenenfalls bereits den Ausschluss einer krankheitswertigen Störung erlauben würde. Verallgemeinert auf sämtliche psychiatrischen Diagnosen angewendet, greift diese Auffassung jedoch zu kurz. Fehlt in der Diagnose die Schweregradbezogenheit, zeigt sich die Schwere der Störung in ihrer rechtlichen Relevanz erst bei deren funktionellen Auswirkungen (
vorgenannter BGE 143 V 418
E. 5.2
.2). D
ie
Beschwerdeführer
in
leidet an
einer
Anpassungsstörung mit einer längeren depressiven Reaktion (ICD-10 F
43.21)
, womit ein leichter depressiver Zustand als Reaktion auf eine länger anhaltende Belastungssituation gemeint ist (
Dill
ing
/
M
o
mbour
/Schmidt,
a.a.O., S. 210). Die ebenfalls diagnostizierten
dependent
-histrionen Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z
73.1
) stellen
als Z-Kodierung rechtlich keine erhebliche Gesundheitsbeeinträch
tigung dar (Urteil des Bundesgerichts 8C_821/2018 vom 1
8.
Juni 2019 E. 6.1.1).
In Bezug auf
den funktionellen Schweregrad erweist sich der Indikator der diag
noserelevanten Befunde damit als
lediglich geringfügig
ausgeprägt.
7.3.2
Bezüglich des Indikators
«Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resis
tenz
»
hat
sich der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin gemäss
den Gut
achtern der
Psychiatrischen Klinik A._
bei
einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung im dreiwöchentlichen Abstand seit 2013 kontinuierlich verschlechtert
. Nach gut
achterlicher Einschätzung
lassen sich
jedo
ch
die Beeinträchtigungen durch eine konsequente Fortführung und Intensivierung der psychiatrisch-psychotherapeu
tischen Massnahmen vermindern (
Urk.
9/119 S. 45)
.
Dies spricht
für
eine
eher leichte
Ausprägung der Symptomatik.
7.3.3
Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich be
deutsame Komorbiditäten in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen
hemmende Wirkung beizumessen ist
(vorgenannter BGE 143 V 418 E.
8.1).
Die
Beschwerdeführer
in
leidet nebst
der Anpassungsstörung an keinen Beschwerden, we
lche
sie
in
ihrer
Arbeitsfähigkeit einschränk
en
. Es sind damit
keine
als «Komor
biditäten» zu berücksichtigende krankheitswertige Störungen ausgewiesen.
7.3.4
Bei den Komplexen «Persönlichkeit» und «sozialer Kontext» ergibt sich Folgendes:
Die Beschwerdeführerin wohnt mit ihrem Ehemann, der Tochter, ihrem Schwie
gersohn und zwei Enkelkindern in eine
m
gemeinsamen
Haus
(Urk.
9/119/23). Mit ihren in der
H._
wohnenden Geschwistern steht sie in telefonischem Kontakt
, zudem besucht sie diese
dort
regelmässig
.
Ein Kontakt zu
Freundinnen oder Freunden
ist hingegen nicht ersichtlich
(
Urk.
9/119 S. 29)
.
Damit ist e
in gewisser sozialer Rückzug zwar
möglich
.
Durch
ihre
Einbettung in die Familie erhält
die
Beschwerdeführer
in
aber
eine Tagesstruktur. Der soziale Lebenskontext
e
nt
hält
somit
auch
bestätigende, sich potenziell günstig auf die
Ressourcen auswirkende Faktoren. Die
dependent
-histrionen Persönlichkeitszüge stellen wie bereits dar
gelegt rechtlich keine erhebliche Gesundheitsbeeinträchtigung dar, weshalb auch dem Komplex Persönlichkeit keine
relevante
ressourcenhemmende Wirkung bei
gemessen werden kann.
7.3.5
In der
Kategorie «Konsistenz» (bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Bezügen zu den Komplexen «Persönlichkeit» und «sozialer Kontext» eingehend Michael E. Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in:
Jusletter
vom 11. Juli 2016, S. 28 ff. [nachfolgend: Ein Jahr Schmerzrechtsprechung], vgl. auch Michael E. Meier, Zwei Jahre neue Schmerzrechtsprechung, in: Riemer-Kafka/
Hürzeler
[Hrsg.], Das
indikatorenorientierte
Abklärungsverfahren, 2017, S. 105-148, S. 136 ff. [nachfolgend: Zwei Jahre Schmerzrechtsprechung])
zielt der Indikator
«
gleich
mässige
Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebens
bereichen
»
auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonsti
gen Lebensbereichen (beispielsweise Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausge
prägt ist, wobei das
Aktivitätenniveau
der versicherten Person stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Beschwerdeführerin schläft viel, spielt mit den Enkelkindern, isst, raucht, malt
Mandala aus, ist politisch interessiert und besucht gelegentlich Therapien (Urk. 9/119/24-25)
. Anlässlich der Begutachtung ergaben sich jedoch
klare Hin
weise auf eine Übertreibung ihrer Beschwerden und die Gutachter stellten die Glaubhaftigkeit der Selbstangaben der Beschwerdeführerin in Frage. Der von den Gutachtern widergegebene Tagesablauf beruht einzig auf
ihren
Selbstangaben und ist deshalb mit Zurückhaltung zu würdigen. Ob
eine
gleichmässige
Ein
schränkung des
Aktivitätenniveaus
besteht, bleibt deshalb offen.
7.3.6
Im Rahmen des Indikators «behandlungs- und eingliederungsanamnestisch aus
gewiesener Leidensdruck» (zur Abgrenzung vom Indikator «Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz» vgl. Michael E. Meier, Ein Jahr Schmerz
rechtsprechung, S. 25
Rz
60 und Michael E. Meier, Zwei Jahre Schmerzrecht
sprechung, S. 129) weist d
ie
Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das
heisst
das
Ausmass
, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben ver
nachlässigt werden (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliede
rungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex
«
Gesundheitsschädigung
»
) auf
den tatsächlichen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Einglie
derung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine ver
sicherte Gesund
heitsbeeinträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
Die Beschwerdeführerin
liess
sich 2015 stationär und tagesklinisch behandeln
(E.
3.1 hie
r
vor). Seit März 2015 ist sie zudem bei
Dr.
D._
in Behandlung, dies jedoch stets mit lediglich alle drei Wochen stattfindenden Sitzungen
.
Von einem ausgewiesenen Leidensdruck kann in Anbetracht dieser geringen Behandlungsintensität offensichtlich nicht gesprochen werden.
Da die psychopharmazeutische Behandlung zu keiner Verbesserung der Beschwerden geführt hat, erachteten die Gutachter der
Psychiatrischen Klinik A._
zudem
eine regelmässige Kontrolle der Medikamenteneinnahme
als
sinnvoll
,
um eventuell einen Wechsel oder eine
Aufdosierung
der Medikation in Betracht zu ziehen
. Die Beschwerdeführerin bemühte sich nie um Eingliederungsmassnahmen, weshalb eingliederungsanam
nestisch ein allfälliger Leidensdruck nicht geprüft werden kann.
7.3.7
Zusammenfassend ist bei gesamthafter Betrachtung über
die
massgeblichen
Indikatoren
eine medizinisch-gesundheitliche Anspruchsgrundlage, welche zur Aner
kennung einer
gemäss
Gutachter
der
Psychiatrischen Klinik A._
75%igen
Arbeitsunfähigkeit aus psy
chi
scher Sicht führen könnte, nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nach
gewiesen.
Dies gilt erst recht für die nach Ansicht der Beschwerdeführerin bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit. Eine geringfügige Einschränkung mag zwar vorhanden sein
. Deren exakter Umfang lässt sich
auf
grund
des
übertreibenden
Verhaltens der Beschwerdeführerin
nicht feststellen, kann mit Bl
ick auf die nachfolgenden Ausführungen
jedoch letztlich
offenblei
ben.
7.4
Nachdem sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin gemäss den Gut
achtern der
Psychiatrischen Klinik A._
seit 2013 kontinuierlich verschlechtert hat, die frühere Arbeits
unfähigkeit entsprechend tiefer sein musste, als die derzeit ausgewiesene Arbeits
unfähigkeit in geringfügigem Ausmass,
erübrigt es sich, den genauen Umfang der Arbeitsfähigkeit zu einem früheren Zeitpunkt anhand der massgeblichen Stan
dardindikatoren zu prüfen.
7.5
Zu
beurteilen
bleibt, wie sich die Einschränkung des Leistungsvermögens der Beschwerdeführerin in wirt
schaftlicher Hinsicht auswirkt.
8.
8.1
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditätsbe
messung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b). Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betätigungs
vergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganz
tägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde.
Die Beschwerdeführerin war in den Jahren vor ihrer Erkrankung zu 80
%
erwerbs
tätig und es ist davon auszugehen, dass sie bei guter Gesundheit weiterhin in diesem Umfang erwerbstätig gewesen wäre. Hiervon scheint auch sie selbst auszugehen (vgl.
Urk.
1 S. 21). Angesichts dessen, dass ihre 1984 geborene Tochter längst volljährig ist und ihre Enkelkinder von der Tochter und dem Schwie
gersohn betreut werden
(
Urk.
9/119/27)
, ist zumindest fraglich, ob von einem Aufgabenbereich im Sinne von
Art.
27
der
Verordnung über die Invali
den
versicherung (IVV)
ausgegangen werden kann. Dies kann jedoch letztlich offen
bleiben.
8.2
Der für die Invaliditätsbemessung und damit den Rentenanspruch massge
bende Einkommensvergleich im Erwerbsbereich hat in der Regel in der Weise zu erfol
gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Ein
kommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (BGE 130 V 343 E. 3.4.2). Für die Ermittlung des
Valideneinkommens
, also des Einkommens, welches die versicherte Person nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte, wird in der Regel am zuletzt erzielten Ver
dienst angeknüpft.
8.3
Die Beschwerdeführerin hätte 2014 in einem 100
%
-Pensum bei guter Gesundheit ein Einkommen von
Fr.
60'882.90 erzielt (
Urk.
9/1/5,
9/20/2).
8.4
Nachdem der Beschwerdeführerin gemäss den Gutachtern der
Psychiatrischen Klinik A._
eine ähnliche Tätigkeit wie die bisherige, also eine Hilfstätigkeit im Gesundheits- und Sozial
wesen zu empfehlen ist, ist das Invalideneinkommen gestützt auf die Tabel
len
löhne des Bundesamtes für Statistik (LSE) 2014 TA1, Anforderungsniveau 1,
Ziff.
86-88
, Frauen,
zu ermitteln
, was bei einem 100 %-Pensum aufgerechnet auf
die betriebsübliche Arbeitszeit von 41.
5
Stunden ein Jahreseinkommen von Fr. 5
6
'
585.25
ergäbe (Fr. 4’
545
.-- x 12 / 40 x 41.
5
[Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Woche T 03.02.03.01.04.01,
Ziff.
86-88
]).
Die Aufrechnung der In
- und
Valideneinkommen
auf den frühestmöglichen Ren
tenbeginn am
1.
Januar
2015 kann - da proportional - unterbleiben.
8.5
Um Anspruch auf Ausrichtung einer
Viertelsrente
der Invalidenversicherung zu haben, müsste die Beschwerdeführerin
(
selbst
bei hypothetischer Qualifikation als Vollerwerbstätige)
mindestens zu 35
%
in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sein (100 -
[
100 x 0.65 x Fr. 56'585.25 /
Fr.
60'882.90
]
), nachdem keinerlei Hinweise darauf bestehen, dass sie im Haushalt stärker eingeschränkt ist als im Erwerbs
bereich.
Eine
Arbeitsunfähigkeit
in mindestens diesem Umfang ist
bei gesamt
hafter Betrachtung über die
massgeblichen
Indi
katoren
(E. 7
.3-7.4
hie
r
vor)
aber
nicht
ausgewiesen, lassen sich doch
daraus
lediglich geringfügige Einschrän
kungen ableiten.
Von der
subeventualiter
beantragten Abklärung im Haushalt
sind keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipier
ter Beweiswürdigung (
vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen)
ver
zichtet wird.
Die Beschwerde ist damit abzuweisen
.
9
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig und sind die Gerichtskosten gemäss Art. 69
Abs. 1
bis
IVG ermessensweise auf Fr.
800
.-- festzusetzen und ausgangsgemäss
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.