Decision ID: 9013ab7a-5c29-5415-b820-89a1f835b715
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 23. Juni 2016 zur Früherfassung (IV-act. 1) und am 14. Juli
2016 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 8). Im Rahmen
der Früherfassung hatte er angegeben, eine Berufslehre als Bäcker/Konditor EFZ
abgeschlossen und in dieser Tätigkeit zuletzt gearbeitet zu haben (IV-act. 1). Der
Hausarzt des Versicherten, Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH,
notierte im Bericht vom 15. August 2016 (IV-act. 17), dass der Versicherte seit einigen
Monaten an einer zunehmenden Anstrengungsdyspnoe leide. Als Diagnose hielt er eine
obstruktive Pneumopathie und eine arterielle Hypertonie fest. Seit dem 17. Mai 2016
sei der Versicherte bis auf Weiteres zu 80% arbeitsunfähig. Zukünftig kämen körperlich
leichtere Tätigkeiten im Stehen in Frage, die Arbeit als Bäcker sei körperlich sehr
anstrengend und auch aufgrund der äusseren Einflüsse nicht mehr möglich. Am 21.
April 2016 hatten die Fachärzte der Klinik für Pneumologie und Schlafmedizin des
Kantonsspitals St.Gallen berichtet, in Bezug auf die obstruktive Pneumopathie sei von
einer COPD GOLD Stadium 2A auszugehen (IV-act. 19). Beim Versicherten sei weiter
eine Allergie auf Weizen- und Roggenmehl festgestellt worden. Die RAD-Ärztin Dr.
med. C._ schätzte die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit am 30. August
2016 medizinisch-theoretisch auf 50% mit einer Steigerungsoption (IV-act. 26). Nach
einer berufsberaterischen Abklärung teilte die IV-Stelle dem Versicherten am 18. April
2017 mit, dass er keinen Anspruch auf berufliche Massnahmen habe (IV-act. 31, 42).
Mit der Nichteignungsverfügung vom selben Tag erklärte die Suva den Versicherten
rückwirkend auf den 1. Januar 2017 als nicht geeignet für die Tätigkeit als Bäcker/
Konditor (IV-act. 49-2 f.). Mit einem Schreiben vom 25. April 2017 wandte sich der
A.a.
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Versicherte an die IV-Stelle mit der Bitte um die Gewährung beruflicher Massnahmen,
da er aus gesundheitlichen Gründen nun definitiv eine neue berufliche Tätigkeit
ausüben müsse (IV-act. 45).
Dr. B._ hielt am 15. Mai 2017 fest, dass zwischenzeitlich die definitive Diagnose
des Bäckerasthmas erfolgt sei (IV-act. 49). Eine adaptierte Tätigkeit dürfe deshalb
keine Exposition gegenüber Mehl umfassen. Daraufhin war der Versicherte vom 4. Juli
2017 bis Mitte August 2017 100% arbeitsunfähig aufgrund eines Nichtberufsunfalls (IV-
act. 60-8). Anschliessend kam es aufgrund eines Tumors und einer Überbeinoperation
erneut zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit bis ca. Mitte Dezember 2017. Die RAD-
Ärztin Dr. C._ nahm am 6. November 2017 erneut Stellung zum Fall (IV-act. 63). Sie
schätzte die Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten und wechselbelastenden
Tätigkeit ─ auch rein sitzend möglich und ohne Mehlexposition ─ ab dem 11.
Dezember 2017 auf 50%. Am 8. Februar 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
erneut mit, dass er keinen Anspruch auf berufliche Massnahmen habe (IV-act. 68).
A.b.
Aufgrund zweier operativer Eingriffe an den Händen war der Versicherte vom
19. Februar 2018 bis zum 31. Dezember 2018 wiederum zu 100% arbeitsunfähig (IV-
act. 72, 86-7 ff.). Die RAD-Ärztin Dr. C._ hielt am 26. November 2018 fest (IV-act.
87-3), der Beschwerdeführer sei in einer adaptierten Tätigkeit zu 50% arbeitsfähig. Am
28. Februar 2019 erfolgte eine monodisziplinäre Abklärung beim RAD Ostschweiz
durch Dr. med. D._, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie, Arbeitsmedizin FMH,
Sozialmedizin (D) und Psychotherapie (D, SAPPM), welche unter anderem eine
Spiroergometrie mit Blutgasanalyse umfasste (IV-act. 102). Dr. D._ hielt aufgrund der
eingeschränkten Mitarbeit des Versicherten eine erneute Lungenfunktionsuntersuchung
für notwendig. An einer Wiederholung der Untersuchung im Kantonsspital St. Gallen
wollte der Versicherte jedoch nicht teilnehmen (vgl. IV-act. 111 f.). Am 2. April 2019
warf der Versicherte Dr. D._ vor, ihn mit Fragen konfrontiert zu haben, die nichts mit
der zu untersuchenden Krankheit zu tun gehabt hätten. Er erklärte sich aber
schliesslich unter gewissen Bedingungen bereit zu einer neuerlichen Untersuchung (IV-
act. 114). Am 16. Mai 2019 lag der RAD-Bericht zur Untersuchung vom 28. Februar
2019 vor. Dr. med. D._ gab darin als Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (ICD-10: J44.8), eine
Sensibilisierung gegenüber Weizen- und Roggenmehl sowie einen Status nach Band-
A.c.
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Rekonstruktion (2018) im Bereich der Handwurzelknochen an (IV-act. 116-11). Gemäss
seinen Angaben liess sich trotz der eingeschränkten Mitarbeit des Versicherten bei der
Untersuchung eine obstruktive Ventilationsstörung objektiveren. Als
Funktionseinschränkungen stünden respiratorische Einschränkungen in Form von
belastungsabhängiger Luftnot und chronischem Husten im Vordergrund (IV-act.
116-14). Die angestammte Tätigkeit als Bäcker falle aufgrund des Berufsverbots ausser
Betracht. Für adaptierte Tätigkeiten mit bis mittelschwerer körperlicher Arbeit in
Wechselhaltung ohne repetitive kraftfordernde Beanspruchung der linken Hand
bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. Dabei sei die Exposition gegenüber höheren
Konzentrationen von atemwegsreizenden Stoffen oder Kälte, Nässe und Zugluft zu
vermeiden (IV-act. 116-15). Diese gutachterliche Leistungsbeurteilung gelte ab dem
Datum der aktuellen RAD-Abklärung. Mit einem Schreiben vom 3. Juni 2019 wandte
sich der RAD Ostschweiz an den Versicherten und nahm zu dessen Schreiben vom
2. April 2019 Stellung. Ein erneuter Lungenfunktionstest sei nicht nötig, da mit den
aktuell vorhandenen Informationen und Befunden die medizinischen Aspekte der
Leistungsprüfung bei der Invalidenversicherung ausreichend hätten gewürdigt werden
können. Die Fragen, die Dr. D._ im Rahmen der Untersuchung gestellt habe, seien
zulässig gewesen und anhand der gutachterlichen Leitlinien erfolgt (IV-act. 117).
Mit einem Vorbescheid vom 15. Juli 2019 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens vorsehe (IV-act. 122). Hiergegen liess
der Versicherte am 29. Januar 2020 einwenden, bei der Invaliditätsbemessung sei die
reale Lohnentwicklung ausser Acht gelassen worden. Zudem sei die
Restarbeitsfähigkeit aufgrund des fortgeschrittenen Alters nicht mehr verwertbar. Sollte
die IV-Stelle der Ansicht sein, die Resterwerbsfähigkeit sei noch verwertbar, ersuche
der Versicherte die IV-Stelle um berufliche Massnahmen (IV-act. 133). Mit einer
Verfügung vom 9. März 2020 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des Versicherten
bei einem Invaliditätsgrad von 19% ab. Sie hielt fest, es fänden sich keine Hinweise auf
ein höheres Valideneinkommen. Ausserdem könne nicht angenommen werden, dass
sich der Versicherte zum jetzigen Zeitpunkt tatsächlich berufliche Massnahmen
wünsche und dass diese zielführend wären (IV-act. 136).
A.d.
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B.
Dagegen liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 6. April 2020
eine Beschwerde erheben und die Aufhebung der Verfügung vom 9. März 2020 sowie
die Zusprache der gesetzlichen Leistungen beantragen. Zur Begründung liess er
ausführen, dass die angefochtene Verfügung auf einem falschen Valideneinkommen
beruhe. Für die Bemessung des Valideneinkommens sei nicht das letzte
Erwerbseinkommen massgebend. Stattdessen sei zu berücksichtigen, dass es sich
beim letzten Erwerbseinkommen um einen absichtlich tief angesetzten Einstiegslohn
gehandelt habe, welcher nicht die volle Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers
widerspiegle. Der Beschwerdeführer und der letzte Arbeitsgeber hätten vereinbart, das
Erwerbseinkommen per 1. Januar 2017 von Fr. 35/h auf Fr. 45/h zu erhöhen. Auch sei
eine Erhöhung des wöchentlichen Arbeitspensums auf 50 Stunden vereinbart worden.
Das Valideneinkommen sei dementsprechend nach oben zu korrigieren. Zudem sei
auch mit Blick auf den branchenüblichen Lohn gemäss LSE ersichtlich, dass der
Beschwerdeführer beim letzten Arbeitsplatz ein deutlich unterdurchschnittliches
Einkommen erhalten habe. Weiter sei die verbliebene Arbeitsfähigkeit aufgrund des
Alters des Beschwerdeführers nur sehr erschwert verwertbar (act. G 1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 18. Juni 2020 die Abweisung der
Beschwerde. Sie machte geltend, dass das Valideneinkommen überwiegend
wahrscheinlich mit dem letzten Erwerbseinkommen übereinstimme. Die Annahme eines
höheren Valideneinkommens sei aufgrund blosser Absichtserklärungen bezüglich des
Lohns und der Wochenarbeitsstunden nicht möglich. Ebenso wenig könne von einer
Nichtverwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit aufgrund des fortgeschrittenen Alters
ausgegangen werden. Zum Zeitpunkt der Nichteignungsverfügung sei der
Beschwerdeführer erst 59 Jahre alt gewesen. (act. G 3).
B.b.
In der Replik vom 5. August 2020 liess der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
festhalten. Er liess betonen, dass eine Anpassung der Arbeitsvertragskonditionen per
1. Januar 2017 überwiegend wahrscheinlich sei. Dementsprechend sei das der
Verfügung zugrundeliegende Valideneinkommen falsch (act. G 6).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 8).B.d.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 9. März 2020 hat die Beschwerdegegnerin das
Rentenbegehren des Beschwerdeführers abgewiesen. Da das Beschwerdeverfahren
die Prüfung der Rechtmässigkeit dieser Verfügung zum Ziel hat, muss es sich auf den
in der Verfügung enthaltenen Gegenstand beschränken. Folglich ist nur zu prüfen, ob
der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat.
2.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.1.
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Die drei Abteilungen des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen haben im Frühjahr 2019 in einem
Verfahren nach Art. 54 des Gerichtsgesetzes (sGS 941.1) folgende Frage mehrheitlich
bejaht: "Haben Versicherte, die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens zu 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und die nach
Ablauf dieses Jahres weiterhin zu mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig sind,
grundsätzlich Anspruch auf eine Rente, obwohl zumutbare
2.2.
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St.Galler Gerichte
3.
Eingliederungsmassnahmen, welche ihre Arbeitsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, wiederherstellen, erhalten oder verbessern können,
nicht abgeschlossen sind?" Damit hat das Versicherungsgericht im Ergebnis einen
alternativen Invaliditätsbegriff geschaffen, der sich von dem im Art. 8 Abs. 1 ATSG
definierten Invaliditätsbegriff darin unterscheidet, dass der Grundsatz der Eingliederung
vor Rente (vgl. etwa U. Kieser, ATSG-Kommentar, 4. A., Vorbemerkungen N. 86 ff.)
nicht zur Anwendung kommt. Der entsprechende Invaliditätsgrad wird in analoger
Anwendung des Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das
Valideneinkommen einem Invalideneinkommen gegenübergestellt wird, das ausgehend
von einer (i.d.R. fiktiven) Erwerbstätigkeit, die vor dem Beginn bzw. vor dem Abschluss
der (medizinischen und/oder beruflichen) Eingliederung ausgeübt wird bzw. ausgeübt
werden könnte. Massgebend ist der jeweils aktuelle Arbeitsfähigkeitsgrad einer in
dieser Situation zumutbaren Erwerbstätigkeit.
Der Beschwerdeführer hat das Anmeldeformular im Juli 2016 eingereicht. Zu
beachten gilt allerdings, dass er bereits im Juni 2016 eine Schadensanzeige mit dem
"Meldeformular für Erwachsene: Früherfassung" bei der Beschwerdegegnerin
vorgenommen hat. Es ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer bereits damit einen Leistungsanspruch gegenüber der
Invalidenversicherung hat geltend machen wollen. Diese Sichtweise wird dadurch
bestätigt, dass er auch gegenüber der Eingliederungsberatung angegeben hat, er
erwarte von der Invalidenversicherung eine finanzielle Unterstützung, wenn er nicht
mehr sollte arbeiten können (IV-act. 4-4). Eine nicht formgerechte Anmeldung schadet
der versicherten Person mit Bezug auf die damit verbundenen Rechtswirkungen nicht
(Art. 29 Abs. 3 ATSG). Das sogenannte Wartejahr im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG
ist im Juni 2016 bereits erfüllt gewesen (vgl. IV-act. 17). Unter der Berücksichtigung der
sechsmonatigen Verzögerung gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG ist der potentielle
Rentenbeginn folglich auf den 1. Dezember 2016 festzusetzen.
3.1.
Der Beschwerdeführer hat eine Berufslehre als Bäcker abgeschlossen und ist
danach bis zum Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung auch als Bäcker tätig
gewesen. Zuletzt, nämlich seit dem 22. April 2014, ist er bei einer Bäckerei angestellt
gewesen. Davor hatte er erfolgreich eine eigene Bäckerei geführt. Da er die
Selbständigkeit nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern aus freien Stücken und
vor Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung aufgegeben hat, ist nicht das erzielte
Einkommen als Selbständiger relevant für die Berechnung des Invaliditätsgrades,
sondern das zuletzt erzielte Einkommen als angestellter Bäcker. Die letzte
3.2.
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Arbeitgeberin des Beschwerdeführers hat in einem Schreiben vom 2. Januar 2020 (IV-
act. 133-5 f.) angegeben, sie habe mit dem Beschwerdeführer bereits bei Stelleneintritt
im April 2014 vereinbart, dass er einen Einstiegslohn von Fr. 35.-- erhalte; Ziellohn sei
ein Stundenlohn von Fr. 45.--. In Januar 2016 sei dann definitiv vereinbart worden,
dass im Jahr 2017 der Stundenlohn auf Fr. 45.-- und die Höchstarbeitszeit auf 50
Stunden pro Woche erhöht werde. Aufgrund der langjährigen Erfahrung als Bäcker und
wegen des mitgebrachten Know-hows (z.B. auch Rezepte) ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bereits beim
Stellenantritt im April 2014 über die qualitative und quantitative Leistungsfähigkeit
verfügt hat, die sowohl ein Entgelt von Fr. 45.-- pro Stunde als auch eine
Höchstarbeitszeit von 50 Stunden pro Woche gerechtfertigt hat. Dafür spricht auch,
dass er den Umsatz des Bäckereibetriebes bereits kurz nach der Arbeitsaufnahme hat
steigern können. Zur Berechnung des Valideneinkommens ist daher von einem
Stundenlohn von Fr. 45.-- und von einer fünfzigstündigen Arbeitswoche auszugehen.
Infolgedessen errechnet sich ein relevanter Jahreslohn bzw. ein Valideneinkommen von
Fr. 117'450.00 (Fr. 45.-- x 10 Arbeitsstunden x 261 Arbeitstage).
Zur Beantwortung der Frage nach der Arbeitsfähigkeit hat die
Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer durch den RAD am 28. Februar 2019
pneumologisch abklären lassen (IV-act. 116). Der Abklärungsbericht von Dr. D._
beinhaltet eine umfassende Darstellung der vorhandenen Akten und eine ausführliche
Anamnese. Dr. D._ hat den Beschwerdeführer untersucht, sich eingehend mit den
ihm geklagten Beschwerden auseinandergesetzt und diese bei seiner Beurteilung
berücksichtigt. Die erhobenen Diagnosen sind aufgrund der objektiv festgestellten
Befunde nachvollziehbar. Aus den Akten ergeben sich auch keine Hinweise darauf,
dass die Beurteilung durch sachfremde, d.h. durch nicht medizinische Aspekte
beeinflusst worden wäre oder dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt
worden wären. Dr. D._ hat einleuchtend ausgeführt, dass der Beschwerdeführer -
schon im Hinblick auf die erlassene Nichteignungsverfügung der SUVA - nicht mehr in
seinem angestammten Beruf als Bäcker tätig sein kann. Weiter hat er aufgrund der
attestierten Diagnosen und den daraus hervorgehenden Einschränkungen überzeugend
angegeben, dass für sonstige Tätigkeiten mit bis zumindest mittelschwerer körperlicher
Arbeit in Wechselhaltung, ohne repetitive, kraftfordernde Beanspruchung des
linksseitigen Handgelenkes/der Handwurzelknochen eine vollschichtige Arbeitsfähigkeit
bestehe. Aus lungenärztlicher Sicht habe dabei die Exposition gegenüber höheren
Konzentrationen von atemwegsreizenden Stäuben, Dämpfen und Rauch, Kälte, Nässe
und Zugluft zu unterbleiben. Diese gutachterliche Leistungsbeurteilung gelte ab der
3.2.1.
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RAD-Abklärung vom 28. Februar 2019. Der Abklärungsbericht von Dr. D._ überzeugt;
auf ihn kann abgestellt werden, zumal der Beschwerdeführer keine konkreten
Einwände gegen den Abklärungsbericht von Dr. D._ vorgebracht hat. Im
Abklärungsbericht hat Dr. D._ nur eine Arbeitsfähigkeitsschätzung ab der RAD-
Abklärung vom 28. Februar 2019 abgegeben. Für vorangehende Arbeitsunfähigkeiten
in einer adaptierten Tätigkeit ist daher auf Behandler- und RAD-Berichte abzustellen.
Daraus ergeben sich infolge der eingeschränkten Lungenfunktion eine medizinisch-
theoretische 50%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem 30. August 2016 (IV-act. 26), eine
anschliessende, volle Arbeitsunfähigkeit infolge von Beschwerden und einer Operation
am Handgelenk nach einem Velounfall vom 4. Juli bis zum 10. Dezember 2017 (IV-act.
60-8) und eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem 11. Dezember 2017 (IV-act. 87-3) bis
höchstens zur RAD-Abklärung am 28. Februar 2019 aufgrund der damals erhobenen
pneumologischen Befunde. Aufgrund der jeweils nachgewiesenen eingeschränkten
Lungenfunktion ist eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem 30. August 2016 bis zum 4.
Juli 2017 und ab dem 11. Dezember 2017 bis 28. Februar 2019 nachvollziehbar, darauf
kann abgestellt werden. Dass aufgrund eines zwischenzeitlichen Velounfalls eine
Operation am Handgelenk und danach eine Heilungsphase notwendig gewesen ist,
was im Zeitraum vom 4. Juli bis 10. Dezember 2017 eine volle Arbeitsunfähigkeit für
jegliche Tätigkeiten zur Folge gehabt hat, ist ebenfalls überzeugend, weshalb auch auf
diese Arbeitsfähigkeitsangabe abgestellt werden kann.
Da die Tätigkeit als Bäcker offensichtlich nicht mehr möglich ist und da eine
Umschulung aufgrund des Alters des Beschwerdeführers nicht verhältnismässig wäre,
kommt als Invalidenkarriere nur die Verrichtung einer ideal leidensadaptierten
Hilfsarbeit in Frage. Bis mittelschwere Tätigkeiten sind dem Beschwerdeführer noch
zumutbar (vgl. Erw. 3.2). Da kein statistischer Nachweis dafür existiert, dass körperlich
leichte bis mittelschwere Hilfsarbeiten wesentlich tiefer als körperlich anstrengende
Hilfsarbeiten entlöhnt würden, ist der statistische Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne als
Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens heranzuziehen.
Das durchschnittliche jährliche Einkommen eines Hilfsarbeiters hat im Jahr 2016 Fr.
66'803.-- brutto betragen (vgl. Anhang 2 der IV-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV,
Ausgabe 2019). Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer sowohl im
Rahmen seiner Selbständigkeit als auch danach als Angestellter stets
überdurchschnittlich leistungsfähig gewesen ist. Er ist stets gewillt gewesen, an seine
Leistungsgrenze zu gehen. Dadurch hat er innert kurzer Zeit ausserordentliche Erfolge
erzielt. Diese ausserordentliche Leistungswilligkeit ist bereits im Rahmen der Ermittlung
des Valideneinkommens (durch die Erhöhung des Stundenlohnes auf Fr. 45.-- und der
wöchentlichen Höchstarbeitszeit auf 50 Stunden) berücksichtigt worden.
3.3.
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– 01.12.2016 - 30.06.2017 (50% Arbeitsunfähigkeit; kein Zuschlag):
Valideneinkommen: Fr. 117'450.--
Invalideneinkommen: Fr. 33'401.50
Erwerbseinbusse: Fr. 84'048.50
Invaliditätsgrad: 71.56%
– 01.07.2017 - 30.11.2017 (volle Arbeitsunfähigkeit; kein Zuschlag):
Valideneinkommen: Fr. 117'450.--
Invalideneinkommen: Fr. 0.--
Konsequenterweise muss diese überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit und
Einsatzbereitschaft auch bei der Bemessung des Invalideneinkommens Einbezug
finden, denn aufgrund der Akten kann mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer auch in einer adaptierten Tätigkeit
bereit und in der Lage wäre, mehr zu leisten als ein durchschnittlich leistungsfähiger
Hilfsarbeiter. Daher ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass
ein ökonomisch denkender Arbeitgeber bereit wäre, dem Beschwerdeführer mehr Lohn
zu zahlen als einem durchschnittlich leistungsfähigen Hilfsarbeiter. Der
Beschwerdeführer würde als Hilfsarbeiter also zu jenen 50% gehören, deren Lohn über
dem Zentralwert liegt. Infolgedessen ist auf den statistischen Zentralwert der
Hilfsarbeiterlöhne ein Zuschlag von ermessensweise 10% vorzunehmen, womit ein
Invalideneinkommen von Fr. 73'483.30 (66'803.-- x 1.1) resultiert. Dieser Zuschlag ist
jedoch erst ab der RAD-Abklärung im Februar 2019 zu berücksichtigen, da aufgrund
der zuvor bestehenden Gesundheitsbeeinträchtigungen (stark eingeschränkte
Lungenfunktion und Verletzung/ Operation am Handgelenk) keine höhere
Leistungsfähigkeit möglich gewesen ist. Für die Zeit vor der RAD-Abklärung ist daher
vom statistischen Zentralwert auszugehen. Unter Berücksichtigung der retrospektiven
(vor der RAD-Abklärung festgehaltenen) Arbeitsunfähigkeitsgrade ergeben sich
(ausgerechnet auf ganze Monate, da die Rente gemäss Art. 29 Abs. 3 IVG jeweils vom
Beginn des Monats an ausbezahlt wird, an dem der Rentenanspruch entsteht) für die
Zeit vor der RAD-Abklärung folgende Invaliditätsgrade für die jeweiligen Zeiträume:
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Erwerbseinbusse: Fr. 117'450.--
Invaliditätsgrad: 100%
– 01.12.2018 - 31.01.2019 (50% Arbeitsunfähigkeit; kein Zuschlag):
Valideneinkommen: Fr. 117'450.--
Invalideneinkommen: Fr. 33'401.50
Erwerbseinbusse: Fr. 84'048.50
Invaliditätsgrad: 71.56%
Für den Zeitraum ab dem 1. Februar 2019 (RAD-Abklärung war am 28. Februar 2019,
aber Anspruch entsteht bereits zu Beginn des Monats gemäss Art. 29 Abs. 3 IVG)
errechnet sich damit unter Berücksichtigung der vollen Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit und des Tabellenlohnzuschlages von 10% ein zumutbarerweise
erzielbares Invalideneinkommen von Fr. 73'483.30 und damit ein Invaliditätsgrad von
gerundet 37.43%.
3.4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer von 1. Dezember
2016 bis 30. Juni 2017 zu 71.56%, vom 1. Juli bis 30. November 2017 zu 100%, vom
1. Dezember 2018 bis 31. Januar 2019 zu 71.56% und ab dem 1. Februar 2019 zu
37.43% invalid gewesen ist. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist bei der
rückwirkenden Zusprache einer befristeten Invalidenrente Art. 88a Abs. 1 IVV analog
anzuwenden, wenn noch vor Erlass der ersten Rentenverfügung eine
anspruchsbeeinflussende Änderung eingetreten ist. Dies bedeutet, dass die bisherige
höhere Rente grundsätzlich drei Monate über die Verbesserung des
Gesundheitszustands hinaus gewährt wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. April
2019, 8C_36/2019, E. 5). Infolge der dreimonatigen Verzögerung im Sinne von Art. 88a
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Abs. 1 IVV ist dem Beschwerdeführer vom 1. Dezember 2016 bis 30. April 2019 eine
ganze Rente zuzusprechen. Für die Zeit ab dem 1. Mai 2019 steht dem
Beschwerdeführer aufgrund eines IV-Grades von weniger als 40% keine Rente mehr
zu. Anzufügen bleibt, dass berufliche Eingliederungsmassnahmen im Sinne des
Grundsatzes "Eingliederung vor Rente" bei der Zusprache einer befristeten
Invalidenrente für die Vergangenheit nicht zur Diskussion stehen können. Aufgrund des
Alters des Beschwerdeführers kommen auch allfällige Umschulungen, die eine
Berentung verhindern könnten, nicht mehr in Frage, da der Beschwerdeführer bis zu
deren Abschluss bereits das Pensionsalter erreichen würde oder kurz davor stünde.
3.5. Demnach ist die angefochtene Verfügung vom 9. März 2020 aufzuheben und es ist
festzustellen, dass der Beschwerdeführer mit Wirkung vom 1. Dezember 2016 bis 30.
April 2019 Anspruch auf eine ganze Rente hat. Die Sache ist zur Festsetzung und
Ausrichtung des Rentenbetrages an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
4.1. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss wird dem Beschwerdeführer
zurückerstattet.
4.2. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis
Fr. 15'000.--. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat keine Honorarnote
eingereicht. In einem durchschnittlich aufwändigen IV-Rentenfall spricht das
Versicherungsgericht neu eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 4'000.-- zu. In
bis
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einer Plenarsitzung vom 25. Mai 2021 haben die Versicherungsrichterinnen und
Versicherungsrichter nämlich beschlossen, die durchschnittlichen Ansätze für die
Parteientschädigungen um Fr. 500.-- zu erhöhen. Aus Praktikabilitätsgründen soll diese
Praxisänderung sofort auf alle hängigen Fälle Anwendung finden. Diese
Übergangsregelung führt dazu, dass die Beschwerdegegnerin einen Nachteil erleidet,
denn sie hat nur deswegen eine um Fr. 500.-- höhere Parteientschädigung
auszurichten, weil die Beschwerde erst nach dem Plenumsbeschluss vom 25. Mai
2021 beurteilt wird. Die Beschwerdegegnerin soll dies gemäss dem Beschluss des
Richterplenums allerdings im Interesse der Praktikabilität in Kauf nehmen müssen. Der
Vertretungsaufwand erweist sich durchschnittlich, deshalb besteht ein Anspruch auf
eine Parteientschädigung von Fr. 4'000.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer).