Decision ID: f492db2a-8250-4537-bd41-8e1749a6eaa4
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1963, verfügt über keine Berufsausbildung. In der Schweiz übte sie von 1981 bis 1997 bei verschiedenen Arbeitgebern unterschied
liche Tätigkeiten aus und war von 1998 bis 2004 im Hausdienst des Alters- und Pflegeheims
Y._
tätig. Von
November
2004 bis Juni
2017 lebte die Versicherte in Sri Lanka, wo sie eine eigene Wäscherei betrieb. Zuletzt war sie von Juli bis Dezember 2018 als Reinigerin in einem Privathaushalt tätig (Urk. 7/1; Urk. 7/2; Urk. 7/5). Unter Hinweis auf
diverse somatische und psychi
sche Beschwerden
meldete sie sich am
11. Januar 2019
bei der Invalidenversi
cherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/1-2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab
und
verneinte
nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/22-47)
mit
Ver
fü
gung vom
17. September 2020 einen
Leistungs
anspruch (Urk. 7/49
= Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
15. Oktober 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom
17. September 2020
(Urk. 2) und beant
ragte
, diese sei aufzuheben,
es sei
die m
e
dizinische Situation zu prüfen
und es seien
ihr
Leistungen der Invalidenver
sicherung
zuzusprechen
(Urk. 1
S. 1
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
23. November 2020
(Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 1. Dezember 2020 (Urk. 8) wurde dies
der Beschwerdeführerin
mit der Mitteilung zur Kenntnis ge
bracht, das
s
über ihren Antrag auf unentgeltliche Prozessführung
(Urk. 1 S. 1)
zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
men
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.3
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird
und nachgewiesenermassen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psy
cho
soziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Fakto
ren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
schei
dende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psycho
sozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
stän
digte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invalidi
täts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens be
einflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, blei
ben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urtei
l des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
li
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner
– unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen ver
schlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen)
.
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bun
desgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte In
di
katoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas
tungs
fak
toren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ande
rerseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE
141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September
2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass
eine depressive Episode ausgewiesen werde, welche mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit bewirke. Die somati
schen Beschwerden seien ausgeheilt und die Behandlungen abgeschlossen. Es sei daher keine gesundheitliche Beeinträchtigung ausgewiesen, welche eine Ein
schränkung einer Tätigkeit begründe. Somit bestehe kein Anspruch auf Leistun
gen der Invalidenversicherung (S. 1).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
sie leide an diversen somatischen Beschwerden, wobei sie sich auch in psychia
trische Behandlung habe begeben mü
ssen. Ihr Gesundheitszustand sei
nie über längere Zeit
stabil gewesen. Stets seien neue Probleme hinzugekommen, wodurch sich auch ihre psychische Verfassung verschlechtert habe (S. 1 f.). D
ie Aussagen der Beschwerdegegnerin seien viel zu allgemein und passten nicht zum Krank
heitsverlauf und den gestellten Diagnosen.
Die ausgeheilten Knochenbrüche seien nicht der Grund für die Anmeldung bei der Invalidenversicherung gewesen, son
dern es gehe um ihre vielen Krankheiten und Symptome, unter denen sie leide und die ihren Alltag beeinträchtigten.
Ihre Depressionen dauerten bereits lange und sie sei deswegen nach wie vor in Behandlung. Bei psychischen Leiden komme es nicht auf die Therapierbarkeit an. Zudem stimme die Annahme der Beschwer
degegnerin, die depressive Episode würde keine langdauernde Arbeitsunfähigkeit begründen, nicht mit dem Arztzeugnis der behandelnden Psychiaterin überein. Die langanhaltenden und schweren Depressionen hätten
sodann
dazu geführt, dass sie dem Alkohol nicht widerstehen könne. Dies habe wiederum zur Folge, dass sie unmöglich einer Erwerbstätigkeit nachgehen könne (S. 2 f.).
Sie leide zudem an Leberzirrhosen in fortgeschrittenen Stadien mit angegriffener Milz und Nebenniere sowie an zu hohen Blutzuckerwerten. Diese Krankheitsbilder seien von der Beschwerdegegnerin weder erfasst noch beurteilt worden, womit ihr Gesundheitszustand nicht umfassend abgeklärt
und beurteilt worden sei. Sie bit
te um eine Überprüfung unter Mitberücksichtigung ihrer Beschwerden. Sie werde sich weiteren Untersuchungen unterziehen müssen und stelle zusätzliche Berichte zur Verfügung (S. 3 Mitte)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach der Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin und dabei insbesondere, ob die Beschwerdegegnerin den medizinischen Sachver
halt genügend abgeklärt hat.
3.
3.1
Dr. med.
Z._
, Fachärztin für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psy
chotherapie, nannte im Bericht vom 5. April 2018 (Urk. 7/11/13-15)
als
Diagnose ein akutes Karpaltunnelsyndrom
links
, wobei Sensibilitätsstörungen vom Dau
men bis zum Mittelfinger (DI-DIII) persistierten.
3.2
Dr. med.
A._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates sowie für Handchirurgie,
Klinik B._
,
berichtete am 27. April 2018 (Urk. 7/11/19) über die am Vortag erfolgte Operation. Diese habe eine offene Dekompression des
Nervus
medianus links im Karpalkanal und eine partielle Synovektomie der Beugesehnen umfasst.
3.3
Die Psycholog
inn
en der
Klinik C._
nannten im Bericht vom 7. Dezem
ber 2018 (Urk. 7/11/22-24) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion (
ICD-10
F43.21)
-
Probleme in Verbindung mit Arbeitslosigkeit (Z56)
-
Probleme in Verbindung mit Wohnbedingungen und ökonomischen Ver
hältnissen (Z59)
Am Berichtsdatum sei die Patientin zum ersten Mal untersucht worden.
D
ie
se
berichte, 13 Jahre in Sri Lanka gelebt und in der eigenen Wäscherei gearbeitet zu haben. Vor rund eineinhalb Jahren habe sie zurück in die Schweiz kommen müs
sen, da ihr Visum nicht verlängert worden sei. Innerhalb weniger Monate habe sie alles organisieren und das Land verlassen müssen. Zurück in der Schweiz sei sie entgegen ihren Hoffnungen vom Bruder und von der Mutter nicht sehr herz
lich empfangen worden. Das Verhältnis zum Bruder sei immer schon schwierig gewesen. Sie habe gehofft, schnell eine Arbeit zu finden und in eine eigene Woh
nung ziehen zu können. Leider habe sie trotz über 300 Bewerbungen noch nichts gefunden. Seit Januar 2018 lebe sie von der Sozialhilfe, was ihr sehr unangenehm sei. Hinzu kämen aktuell gesundheitliche Probleme, welche sie sehr belasten wür
den. Sie fühle sich angespannt und unruhig und leide unter Zukunfts- und Exis
tenzängsten. Langsam werde ihr alles zu
viel (S. 1).
3.4
Die Ärzte der Abteilung Pneumologie/
Somnologie
des Spitals
D._
nannten im Bericht vom 28. Dezember 2018 (Urk.
7/11/25-29
) folgende, hier verkürzt wiedergegebene Diagnosen (S. 1):
-
sehr schwere obstruktive Schlafapnoe, Erstdiagnose (ED) November 2018
-
nicht-organische Insomnie, ED November 2018
-
Bruxismus nächtlich seit mindestens 1995
-
Restless-
L
egs
-Symptomatik
-
k
linisch Verdacht auf chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
In der Polysomnographie vom 21. November
2018 habe sich als Hauptbefund eine sehr schwere obstruktive Schlafapnoe ergeben, so dass bereits eine
Automa
tic
Positive
Airway
Pressure
(APAP) – Therapie eingeleitet worden sei. Zusätzlich sei der Schlaf durch eine kortikale
Hyperarousability
und die nervliche Anspan
nung der Patientin regelmässig unterbrochen, was die APAP-Therapie leicht behindere
(S. 2 oben)
.
Klinisch sei bei erheblichem Zigarettenkonsum von min
des
tens 35 Zigaretten pro Tag (
py
) eine COPD hoch wahrscheinlich. Die Restless
-
Legs
-
Symptomatik sei unter Lymphdrainage nun deutlich gebessert (S. 2 Mitte).
3.5
Die Ärzte der interdisziplinären Notfallstation des
D._
nannten im Bericht vom 17. Januar 2019 (Urk. 7/11/32-33) als Diagnose ein
e
leicht dislozierte, mehrfrag
mentäre, proximale Humerusfraktur rechts. Die Patientin berichte, am Vortag bei einem Stolpersturz auf die rechte Schulter gefallen zu sein (S. 1 oben).
Im Sprechstundenbericht vom
15.
Februar 2019 (Urk. 7/11/35-36
= Urk. 7/17/7-8
)
wurde festgehalten, es sei eine zunehmende Konsolidierung vorhanden, wes
halb für die nächsten zwei Wochen eine belastungsfreie Mobilisation empfohlen werde (S. 1 unten).
3.6
Die Ärzte der
Klinik B._
Orthopädie (vorstehend E. 3.2) nannten im Bericht vom 4. April 2019 (Urk. 7/11/37) folgende Diagnosen:
-
symptomatisches Karpaltunnelsyndrom (CTS) rechts, neurologisch bereits 2018 nachgewiesen
-
Status nach Karpaldachspaltung links im April 2018 (fecit Dr.
A._
)
-
Status nach subkapitaler Humerusfraktur rechts im Januar 2019, in phy
siotherapeutischer Behandlung
Die Patientin berichte von einer zunehmenden Medianus-Symptomatik mit Schmerzen und
Dyästhesien
, nachdem sie sich im Januar bei einem Sturz einen Bruch an der rechten Schulter zugezogen habe. Trotz zunehmender Heilung der Fraktur habe die Symptomatik an der Hand persistiert. Die Patientin wünsche sobald möglich einen operativen Eingriff.
Der Operationsbericht vom 10. April
2019 (Urk. 7/11/41) dokumentiert die er
folgte offene Dekompression des
Nervus
medianus rechts im Karpalkanal.
Dem Bericht zur Sprechstunde vom 11. April 2019 (Urk. 7/11/40) ist zu entneh
men, dass die Patientin bereits von einer symptomatischen Verbesserung berich
tet habe. Es bestünden noch leichte
Dyästhesien
im Bereich des Mittelfingers bei guter Beweglichkeit.
3.7
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.1) führte im Bericht vom 23. April
2019 (Urk. 7/11/43-44) aus, die Patientin sei aufgrund von subjektiven kognitiven Ein
bussen vorstellig geworden, auch sei sie wiederholt (fast) gestürzt, was ihr Sorge bereitet habe.
Es bestünden erhebliche soziale Probleme aufgrund einer bestehen
den Arbeitslosigkeit seit 2 Jahren. Es
liege
eine deutliche Adipositas mit einem aktuellen Gewicht von 110 kg bei einer Grösse von 163 cm
vor
. Die Patientin trinke täglich Wein oder Bier und konsumiere täglich 20 Zigaretten (S. 1).
In der neurologischen Untersuchung habe sich kein fokal-neurologisches Defizit gezeigt (S. 2 oben). Es gebe sicherlich viele Faktoren, die zu einer Sturzneigung führen könnten. Es bestünden offensichtliche Gefässrisikofaktoren
(Nikotinkon
sum,
Adipositas, erhöhter Alkoholkonsum; vgl. Diagnose S. 1)
und eine sehr an
gespannte soziale Situation, welche den grössten Einfluss auf die gesundheitliche Situation tragen w
erde. Wichtig werde sein, dass d
ie
Patientin
wieder Fuss fasse im hiesigen Leben
, möglicherweise mit einer Teilarbeitsfähigkeit und Anstellung, was ihr eine Tagesstruktur und eine soziale Integration
ver
schaffen würde. Dies werde wahrscheinlich ausschlaggebend sein für alles andere (S. 2 Mitte).
3.
8
Dr. med.
E._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, führte in ihrem Bericht vom 7. Juni 2019 (Urk. 7/11/1-6) aus, sie habe eine Ar
beitsunfähigkeit von 100
%
attestiert vom 26. April bis 31. Mai 2018 sowie ab 16. Januar 2019 (S. 2 Ziff. 1.3). Die Problematik sei: Die Patientin sei körperlich beeinträchtigt, stellenlos und habe keine Ausbildung. Die Situation im Arbeits
markt sei schwierig, dies verursache die psychische Beeinträchtigung. Aber eine Diagnose allein sei kein Grund für eine ganze Arbeitsunfähigkeit. Eine einfache leichte
Teilzeitarbeit sollte möglich sein (Ziff. 2.7
).
3.9
Dr. med
.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
und
lic.
phil.
G._
, eidgenössisch anerkannter Psychotherapeut,
nannte
n
in ihrem Bericht vom 31. Juli 2019 (Urk. 7/14) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 4 Ziff. 2.5):
-
länger dauernd
e Depression, mittelgradige-
schwere Episode (F32.10)
-
Verdacht auf COPD, chronische Bronchitis
-
Asthmaanfälle
-
Schlafapnoesyndrom
-
Adipositas
-
Radius Fraktur loco
classico
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
n
sie (S. 4 Ziff. 2.6):
-
Depression seit Monaten
-
COPD seit einigen Jahren
-
Sch
lafapnoesyndrom
Die ambulante Behandlung finde seit dem 3. Januar 2019 statt (S. 2 Ziff. 1.1). Die psychotherapeutischen Sitzungen im 10-tägigen Rhythmus nehme die Patientin zuverlässig wahr (S. 2 Ziff. 1.2). Der Verlauf der bisher attestierten Arbeitsunfä
higkeit sehe so aus, dass eine Arbeitsunfähigkeit von 70 bis
100
%
ab
3. Januar 2019 fortlaufend attestiert werde,
bis wann
werde von der Hausärztin einge
schätzt. Die Arbeitsunfähigkeit sei für sämtliche Tätigkeiten im primären Arbeits
markt attestiert worden (S. 2 Ziff. 1.3).
Gemäss somatischer Anamnese leide die Patientin unter chronischer Bronchitis und Asthma. Aufgrund des Hustens habe sie bereits zum zweiten Mal eine Rippe gebrochen (S. 3 Ziff. 2.2).
Die Bemühungen der Patientin, wieder Fuss zu fassen, seien bisher gescheitert, weswegen Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl erheblich beeinträchtigt seien. Sie leide unter Zukunftsängsten. Im Rahmen der depressiven Entwicklung hätten sich Resignation und Demotivation entwickelt. Des Weiteren manifestierten sich ein deutlicher Interessensverlust, Freudlosigkeit und erhebliche Schlafstörungen mit akzentuierten Durchschlafstörungen (S. 3 Ziff. 2.1). Auf der Hamilton Depres
sionsskala (HAMD) erreiche die Patientin 23 Punkte, was auf eine relevante de
pressive Störung hinweise (S. 3 Ziff. 2.4).
Die Patientin sei aktuell gemäss medizinischer Gesamtbeurteilung zu 100
%
ar
beitsunfähig
.
Die psychische und die körperliche Beeinträchtigung schränkten sie derart ein, dass eine Tätigkeit in geschützten Arbeitsstrukturen oder allenfalls ein Belastungstraining prüfenswert seien (S. 4 Ziff. 2.7).
Die Einschränkung
en
akzen
tuierten sich im Bereich der Kontaktfähigkeit zu Dritten, der Selbstbehauptungs
fähigkeit und der Durchhaltefähigkeit (S. 5 Ziff. 3.4). Die bisherige Tätigkeit sei im Rahmen von 2 bis 3 Stunden Haushaltarbeit zumutbar (S. 6 Ziff. 4.1). Eine dem Leiden angepasste Tätigkeit sei in der aktuellen Situation nur stundenweise zumutbar, sprich etwa 2 Stunden pro Halbtag mit ausreichenden Pausen (S. 6 Ziff. 4.2
).
3.10
Die Ärzte der
Abteilung Chirurgie des
D._
führten im Bericht vom 12. Oktober 2019 (Urk. 7/17/1-6) aus,
die letzte Kontrolle habe am 15. Februar 201
9 stattge
funden (S. 2 Ziff. 1.1;
vgl. vorstehend E. 3.5).
Die weitere Kontrolle ab dem 15. Februar 2019 sei in der hausärztlichen Sprechstunde erfolgt (S. 2 Ziff. 1.3).
3.11
Dr. med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in seinem Bericht vom 22.
Oktober
2019 (Urk. 7/18) einige somatische Diagnosen auf, die er jedoch allesamt als geheilt bezeichnete (S. 2 Ziff. 2.2). Die Arbeitsfä
higkeit in bisheriger und angepasster Tätigkeit könne er nicht beurteilen (S. 1 oben).
3.12
Die Ärzte der Klinik für Kardiologie des Universitätsspitals
H._
berich
teten am 18. Dezember 2019 über die Hospitalisation der Beschwerdeführerin vom 13. bis 16. Dezember 2019 (Urk. 7/20/2-
5
). Sie nannten folgende Diagnosen (S. 1):
-
koronare Mikrozirkulationsstörung
-
Diabetes mellitus Typ II, ED Dezember 2019
-
sehr schwere obstruktive Schlafapnoe
, ED November 2018
-
nichtorganische Insomnie, ED November 2018
-
Restless-
Legs
-Symptomatik
-
Adipositas (13. Dezember 2019
Body Mass Index [
BMI
]
von 43 kg/m
2
)
Es habe sich um eine elektive Zuweisung zur Koronarangiographie aufgrund einer typischen Angina Pectoris und Dyspnoe gehandelt (S. 1 unten).
Der postinterven
tionelle Verlauf habe sich komplikationslos gestaltet, die Patientin sei beschwer
defrei verblieben und elektrokardiografisch hätten sich unveränderte Befunde ge
geben. Die Patientin habe am 16. Dezember 2019 in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden können
. Es werde eine Lifestyle-Modifikation mit Gewichtsreduktion, regelmässiger körperlicher Betätigung sowie gesunder Ernäh
rung empfohlen
(S. 2 Mitte).
3.13
Dr. med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regiona
ler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom 27. Dezember 2019 (Urk. 7/21
S. 4-6
) aus,
die Ärzte des
D._
hätten am 12. Oktober 2019 (vor
stehend E.
3.
10) betreffend die
Humeruskopffraktur
berichtet, die Nachkontrolle sei abgeschlossen. Zur Weiterbehandlung werde an den Hausarzt verwiesen. Ge
mäss dem
Bericht von Dr.
E._
vom 22. Oktober 2019 (vorstehend E. 3.11) würden verschiedene anamnestisch bekannte Krankheiten oder Be
schwerden angegeben, welche allesamt als geheilt beurteilt würden
.
Im vorher
gehenden Bericht der Psychiaterin Dr.
F._
(vorstehend E.
3.9
) sei noch auf verschiedene körperliche Erkrankungen hingewiesen worden, welche im genann
ten Bericht des Hausarztes nicht bestätigt würden. Ebenso seien die genannten Rippenbrüche wegen Hustens nicht bestätigt worden (S. 5 unten).
Allein mit der Diagnose einer depressiven Episode liege mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit kein dauerhaft die Arbeitsfähigkeit einschränkender Gesundheits
schaden vor. Gemäss Bericht der Psychiaterin erhalte die Versicherte seit Januar 2018 Sozialhilfe. Aufgrund der im Bericht genannten verschiedenen inzwischen geheilten Beschwerden sei von den attestierten Arbeitsunfähigkeitszeiten gegen
über dem Sozialamt auszugehen. Damit liege jedoch mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit kein dauerhaft die Arbeitsfähigkeit einschränkender Gesundheits
schaden vor (S. 6 oben).
3.14
Die Ärzte des
D._
führten im Bericht vom 13. Februar 2020 (Urk. 7/33
/1-2
)
aus, initial sei der Eintritt der Patientin zur Hysterektomie bei grossem, unbekannt gewachsenem Uterus myomatosus geplant gew
esen. Die Patientin habe weiter
eine schwere COPD. Aufgrund der aktuell internistischen instabilen und nicht suffizient eingestellten gesamten Situation vor allem betreffend Diabetes Mellitus sei der Patientin empfohlen worden, den Eingriff zu verschieben (S. 2 oben).
3.15
Dr. med.
J._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Gastroenterologie, führte im Bericht vom 2. März 2020 zur gleichentags durchgeführten Konsultation mit
Abdomensonographie
und Share Wave
Elasto
graphie
(Urk. 7/33/3-4) aus,
es ergebe sich der Befund einer Leberzirrhose mit jedoch noch grosser,
steatotisch
erscheinender Leber (S. 2 oben). Eine primäre Lebererkrankung sei noch auszuschliessen. Die Ursache könne sowohl in der Adi
positas als auch nutritiv-toxisch gesehen werden. Eine konsequente
Noxenkarenz
sei anzuraten, eine Gewichtsreduktion unter ärztlicher Aufsicht sei sicherlich för
derlich (S. 2 Mitte).
3.16
Im Bericht vom 28. Juli 2020 (Urk. 7/40) führte Dr.
J._
zur medizi
nischen Situation bezüglich der Leber aus, es bestehe die Diagnose einer Leber
zirrhose Child A, bisher ohne Symptome (S. 2 Ziff. 2.2). Durch diese bestehe der
zeit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.5). Für die Beurteilung des Falles seien die Diagnosen ausserhalb ihres Fachgebiets, gegebenenfalls auch die psychiatrischen Diagnosen, wichtig (S. 5 Ziff. 5).
3.17
Dr. med.
K._
,
D._
, nannte
im Bericht vom 4. August
2020 (Urk. 7/41/3-8) keine
pneumologischen
Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit (
Ziff. 2.5). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.6) nannte sie ein schweres obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS).
Die Behandlung finde gegenwärtig alle 6 Monate statt (Ziff. 1.2).
Unter Maskenthe
rapie (vgl. Ziff. 2.2) sei die Patientin in Bezug auf die Schlafapnoe gut eingestellt, betreffend die Insomnie jedoch noch nicht, mit persistierenden Ein- und Durch
schlafstörungen. Entsprechend sei die Tagesmüdigkeit noch vorhanden. Wie stark dies im Alltag beeinträchtige, sei mit den gegebenen Untersuchungen nicht be
urteilbar (Ziff. 3.4). An der Fahreignung gebe es aus pneumologischer Sicht keine Zweifel (Ziff. 3.6). Wie viele Stunden pro Tag die bisherige oder eine dem Leiden angepasste Tätigkeit zumutbar sei, sei aus pneumologischer Sicht nicht beurteil
bar (Ziff. 4.1-2).
Im Haushalt sei die Beschwerdeführerin aus pneumologischer Sicht wenig eingeschränkt (
Ziff.
4.5).
4.
4.1
In somatischer Hinsicht wurde die spezialärztliche Behandlung der im Januar 2019
erlittenen Humerusfraktur bereits am 15. Februar
2019 abgeschlossen (E. 3.5, E. 3.10). Der Hausarzt Dr.
E._
, in dessen Sprechstunde ab diesem Datum die weitere Kontrolle verlegt worden war, erwähnte die Humerusfraktur am 22. Oktober 2019 (E. 3.11) denn auch nicht mehr weiter. Die Beschwerdefüh
rerin selber gab entsprechend an, die ausgeheilten Knochenbrüche seien nicht der Grund für die Anmeldung bei der Invalidenversicherung gewesen (E. 2.2). Damit dürfte sie auch die potentiellen Rippenbrüche gemeint haben, d
eren objektives
Vorliegen mit dem RAD-Arzt
I._
(E.
3.13) allerdings ohnehin
durch
k
ei
nen Arztbericht bestätigt wurde
.
Eine Leberzirrhose liegt gemäss Berichten von Dr.
J._
vom März und Juli 2020 zwar vor, dies allerdings im leichtesten Stadium (Child A) und bisher ohne Symptome. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit verursache sie entsprechend nicht (E. 3.15-16). Unbelegt ist demgegenüber das Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach sie an Leberzirrhosen in fortgeschrittenem Stadium mit angegriffener Milz und Nebenniere leide (E. 2.2).
In pneumologischer Hinsicht nannte Dr.
K._
im August 2020 keine Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Unter Maskentherapie sei die Beschwerdeführerin in Bezug auf die Schlafapnoe gut eingestellt. Aufgrund der per
sistierenden Ein- und Durchschlafstörungen sei die Tagesmüdigkeit noch vorhan
den (E. 3.17). Zwar konnte oder wollte Dr.
K._
nicht beurteilen, wie beein
trächtigend die Tagesmüdigkeit sei. Bei weiterlaufender Therapie bezeich
ne
te sie die Insomnie indes als «noch nicht» gut eingestellt, was
auf
ein gutes Therapie
potential
schliessen
lässt.
Eine allfällige COPD, welche in anderen Berich
ten als Verdachtsdiagnose (E. 3.4, E. 3.9) formuliert oder als fachfremde Diagnose (E. 3.9, E. 3.14) genannt worden war, wird sodann durch den pneumologischen Bericht von Dr.
K._
nicht bestätigt.
Angesichts dessen, dass d
ie
se
die Fahr
eignung als zweifellos gegeben erachtete und keine Diagnosen nannte, die Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten,
erscheint
es
als unwahrscheinlich, dass die Ar
beitsfähigkeit in pneumologischer Hinsicht nachhaltig eingeschränkt wäre.
4.2
Nicht näher ein ging der RAD-Arzt
Dr.
I._
auf die weiteren
somatischen
Diagnosen koronare Mikrozirkulationsstörung, Diabetes mellitus Typ II
(Erstdiag
nose im Dezember 2019)
, Restless-
Legs
-Symptomatik und Adipositas, welche im Bericht der Kardiologen des
H._
vom 18. Dezember 2019 (E. 3.12) aufgeführt wurden.
In kardiologischer Hinsicht konnte die Beschwerdeführerin indes be
schwerdefrei und in gutem Allgemeinzustand aus der viertägigen Hospitalisation mit
Koronarangiographie entlassen werden und es ergaben sich seither offenbar keine kardiologischen Komplikationen mehr.
Rechtsprechungsgemäss bewirkt eine Adipositas grundsätzlich keine zu Renten
leistungen berechtigende Invalidität
(
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_663/2017 vom 12. Dezember 2017 E. 3.2). Es ist weder aus den im Recht liegenden Arztbe
richten oder aus der Erwerbsbiografie der Beschwerdeführerin ersichtlich noch wird es von ihr dargetan, inwiefern die Adipositas vorliegend
selber
die Arbeits
fähigkeit beeinträchtigen oder entsprechende gesundheitliche Schäden verursa
chen und damit im Sinne der genannten Rechtsprechung ausnahmsweise einen Rentenanspruch begründen würde.
Dass ein Diabetes mellitus Typ 2
in der Regel
medikamentös gut
einstellbar
ist und für sich
allein noch
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirkt, darf als gerichtsnotorisch bezeichnet werden (vgl. etwa Urteil des Bundegerichts 9C_661/2019 vom 26. Mai 2020 E. 3.2
sowie Urteil des hiesigen Gerichts vom 22. Dezember 2020, Verfahrens-Nr. IV.2019.00466, E. 6.2.3 und E. 6.3.2
).
Gegen
teilige Anhaltspunkte oder insbesondere d
iabetische Folgeerscheinungen sind
vorliegend
keine ersichtlich. Weitere Abklärungen in somatischer Hinsicht ver
m
ö
g
en
somit weder diese Diagnose noch diejenige der ebenfalls gut behandelba
ren Restless-
Legs
-Symptomatik
(vgl. E. 3.4)
zu rechtfertigen.
4.3
In somatischer Hinsicht ergibt sich nach dem Gesagten keine relevante
dauerhafte
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
. Diesbezüglich wurde der Sachverhalt durch die Beschwerdegegnerin genügend abgeklärt.
4.4
In psychischer Hinsicht diagnostizierten die Psycholog
inn
en der
Klinik C._
im Dezember
2018
(E. 3.3)
eine Anpassungsstörung, längere depressive Reak
tion (
F43.21). Die ambulante Behandlung wurde danach von Dr.
F._
und
lic.
phil.
G._
weitergeführt. Al
s
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit nannte
n
sie Ende Juli 2019 (E. 3.9) eine länger dauernde Depression, mittelgradige-schwere Episode (F32.10). Die gewählte ICD-Codierung entspricht dabei allerdings einer mittelgradigen Episode. Es ist dies nicht die einzige Unstimmigkeit in ihrem Bericht. So erschliesst sich nicht, weshalb
sie
eine «Depres
sion seit Monaten» auch bei den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit aufführte
n
.
Ihre Einschätzung, eine dem Leiden angepasste Tä
tig
keit sei etwa 2 Stunden pro Halbtag zumutbar, widerspricht sodann ihrer «medizi
nischen Gesamtbeurteilung», wonach die Beschwerdeführerin zu 100% arbeits
unfähig sei.
Zur Frage, bis zu welchem Zeitpunkt
die
100%ige
Arbeits
unfähigkeit attestiert werde,
wurde
sodann auf die Hausärztin
verwiesen
. Auch diese lieferte indes im Juni 2019 (E. 3.
8
) keine nachvollziehbare Einschätzung der Arbeits
fähigkeit ab, indem sie einerseits angab,
sie habe eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit ab 16. Ja
nuar
2019 attestiert, und andererseits festhielt, eine einfache leichte Teilzeitarbeit sollte möglich sein.
Psychosoziale Belastungsfaktoren
sind oder waren
klarerweise vorhanden
, nach
dem die Beschwerdeführerin mehr oder weniger unverrichteter Dinge aus Sri Lanka abreisen musste, und zurück in der Schweiz weder bei ihrer Familie noch auf dem Arbeitsmarkt willkommen war (vgl. E. 3.3). So hielt Dr.
Z._
, welche
nicht nur über
d
en
Facharzttitel in Neurologie
, sondern auch
über denjenigen in Psychiatrie und Psychotherapie verfügt, im April 2019 fest, die sehr angespannte soziale Situation habe den grössten Einfluss auf die gesundheitliche Situation, es
sei wichtig, dass die Beschwerdeführerin
wieder Fuss f
asse im hiesigen Leben (E. 3.7). Dieser Bericht
liegt
wie derjenige der behandelnden Psychiaterin Dr.
F._
und
lic.
phil.
G._
vom Juli 2019 indes mittlerweile bereits einige Zeit zurü
ck
,
weshalb unklar ist, inwiefern die erwähnten psychosozialen Faktoren
un
terdessen
noch vorhanden sind
und
welche Rolle sie
gegebenenfalls
spielen. Eine klare Abgrenzung dieser Faktoren von der diagnostizierten affektiven Störung wurde zu keiner Zeit vorgenommen, weshalb nicht
restlos
geklärt ist, ob und inwiefern
effektiv
eine psychische Störung im Sinne eines verselbständigten Ge
sundheitsschaden
s vorliegt. Anzumerken bleibt
allerdings
, dass schwierige und belastende Umstände oft mit verselbständigten psychischen Störungen einher
ge
hen
und deren Vorliegen somit alleine noch nicht in Frage zu stellen vermögen. Vielmehr können sie sich mittelbar invaliditätsbe
grün
dend auswirken, indem sie einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrecht
erhalten (vgl. vorstehend E. 1.3).
4.5
RAD-Arzt Dr.
I._
,
ebenfalls
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
und somit grundsätzlich
zur Beurteilung
qualifiziert
, zweifelte die Diagnose einer Depression nicht an. Wie er indes zum Schluss gelangte, es liege bei dieser Diag
nose mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein dauerhaft die Arbeitsfähigkeit einschränkender Gesundheitsschaden vor, liess er vollkommen im Dunkeln. Den
noch stützte sich die Beschwerdegegnerin auf
seine
Einschätzung ab, ohne
etwa
im
Einwandverfahren
einen aktuellen Bericht der Psychiaterin einzuholen, ge
schweige denn das höchstrichterlich vorgeschriebene strukturierte Beweisverfah
ren durchzuführen (vorstehend E. 1.4).
Es kann jedoch
nur
dort von einem strukturierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist.
Es bleibt dann
ent
behrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte eine Arbeits
unfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen
gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus an
deren Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (
BGE
143 V 409
E. 4.5.3).
Wie oben dargelegt, verneint
e
RAD-Arzt
I._
als
qualifizierter
Facharzt
zwar
eine Arbeitsunfähigkeit, begründet
e
dies aber gar nicht. Seiner Einschätzung kann daher kein Beweiswert zukommen (vgl. vorstehend E. 1.2), womit es bereits an der ersten Voraussetzung fehlt, um ausnahmsweise von einem strukturierten Beweisverfahren absehen zu können. Auch an der zweiten Voraussetzung dürfte es mangeln, da die
entgegenstehende
fachärztliche Einschätzung durch
die be
handelnde
Psychiaterin
Dr.
F._
und
lic.
phil.
G._
zwar Unstimmigkeiten aufweist (vgl. E. 4.4), ihr jedoch deswegen wohl
noch nicht jeglicher
Beweiswert abgesprochen werden kann.
4.6
Zusammenfassend kann g
estützt auf die medizinischen Berichte nicht ausge
schlossen werden, dass eine von psychosozialen Belastungsfaktoren zu unter
scheidende verse
lbständigte psychische Störung
mit Auswirkungen auf die Ar
beitsfähigkeit vorliegt.
Mangels schlüssiger aktueller fachärztlicher psychiatrischer Beurteilung, welche Aus
kunft über die Diagnosen, die konkreten Einschränkungen und die daraus resul
tierende Arbeitsfähigkeit in angestammter und allenfalls angepasster Tätig
keit geben würde, und angesichts der Unmöglichkeit, bei der derzeitigen Akten
lage
die erforderliche
Indikatorenprüfung
(vgl. vorstehend E. 1.4) vornehmen zu können
, lässt sich der medizinische Sachverhalt nicht erstellen.
4.7
Damit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid. Die Sache ist daher an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese eine psychiatrische Begut
achtung veranlasse, hernach eine neue Beurteilung vornehme und über den Leis
tungs
an
spruch der Beschwerdeführerin neu verfüge. In diesem Sinne ist die Be
schwerde
gutzuheissen
.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr. 600.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
g
en.
Unter diesen Umständen erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um un
entgeltliche
Prozessführung
(Urk. 1 S. 1) als gegenstandslos.