Decision ID: 1cfb7fe6-c1e3-478e-a957-39ffb7258b7f
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1982
,
schloss nach der Schule
keine Berufslehre ab (
vgl.
Urk.
10/2/4,
Urk.
10/
9/8
,
Urk.
10/12/7
). Am 1
8.
Mai 2007
(Eingangs
da
tum)
meldete
er
sich
unter Hinweis auf ein seit der Pubertät bestehendes psy
chisches Leiden
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an
(
Urk.
10/2
/6
,
Urk.
10/5).
Nach
Abklärung
en
in
medizi
nischer
Hinsicht (
Urk.
10/11
)
und
zu den
beruflich-
erwerblichen
Verhält
nisse
n
(
Urk.
10
/7,
Urk.
10/9,
Urk.
10/16
)
gewährte
d
ie
IV-Stelle
dem Versicherten
beruf
liche Massnahmen in der Form von Kostengutsprachen für eine berufliche Ab
klärung (
Urk.
10/14,
Urk.
10/22) und für ein Arbeitstraining (
Urk.
10/26
,
Urk.
10/33
)
.
Hernach erteilte sie dem Versicherten am
3.
Juni 2008 Kosten
gut
sprache für die Mehrkosten der erstmaligen beruflichen Ausbildung zum Koch (
Urk.
10/35).
Am
8.
August 2011
schloss die IV-Stelle die beruflichen Mass
nah
men ab, weil gemäss der Einschätzung der Ausbildungsinstitution beim Versi
cherten keine verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr bestand (
Urk.
10/54).
Bei
der nachfolgenden Rentenprüfung
holte die IV-Stelle
insbesondere
das Gutachten von
PD
Dr.
med.
Y._
, Spezialarzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie für Erwachsene, vom 2
8.
Dezember 2011
(
Urk.
10/61
) ein.
Nachdem er die Ab
schlussprüfung bestanden hatte, erlangte der Versicherte am 3
0.
Januar 2012 das
Eidg.
Fähigkeitszeugnis als Koch (
Urk.
10/83). Die IV-Stelle auferlegte dem Versi
cherte
n
sodann
am
2
9.
Februar 2012 eine Schadenminderungspflicht im Sinne einer intensiven fachpsychiatrischen Therapie (
Urk.
10/65). Als
dann sprach sie ihm
nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(
Urk.
10/67) mit Verfügung vom
1
5.
Juni 2012
mit Wirkung ab
1.
Juli 2011
eine
Dreiviertelsrente
zu (
Urk.
10/71/2,
Urk.
10/78
).
1.2
Im Zuge einer im Mai
2013
eingele
iteten Rentenrevision (
vgl.
Urk.
10/92
)
liess
die IV-Stelle
den Versicherten
unter anderem
am
8.
und 2
9.
April 2014
durch
Dr.
med.
Z._
, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
unter
suchen (
Urk.
10/107/1)
.
Dr.
Z._
erstatte
te
sein Gutachten am
1
0.
Juni 2014
(
Urk.
10/107).
Die IV-Stelle auferlegte dem Versicherten
a
m 2
6.
Juni 2014
erneut
die
Pflicht zur
Durchführung einer intensiven fachpsychiatrischen Thera
pie zur Verbes
serung des Gesundheitszustandes
(
Urk.
10/109). Am selben Tag teilte sie
ihm
zu
dem mit, dass
sie
bei der
Überprüfung des Invaliditätsgrades keine Änderung festgestellt habe. Er habe deshalb weiterhin Anspruch auf die bisherige Invaliden
rente bei einem Invaliditätsgrad von 61
%
(
Urk.
10/110).
1.3
Im Mai 2015 leitete die IV-Stelle eine weitere Rentenrevision ein (
Urk.
10/116). Per
1.
Oktober 2015 erhöhte der Versicherte sein Arbeitspensum als Koch
für eine
Kindertagesstätte
von 30
%
auf 80
%
(
Urk.
10/116/4,
Urk.
10/126).
Mit Vor
be
scheid vom
2.
Februar 2016 kündigte
ihm
die IV-Stelle die Ein
stel
lung der bis
herigen
Dreiviertelsrente
an (
Urk.
10/133). Zur Begründung führte sie im We
sentlichen aus, dass
er
durch die Erhöhung des Arbeits
pen
sums auf 80
%
ein rentenausschliessendes
Einkommen
erzielen könne
(
Urk.
10/133/2). Unter Hin
weis darauf, dass sein Arbeitsverhältnis per 3
0.
April 2016 gekündigt worden sei, erhob der Versicherte am 2
9.
Februar 2016 Einwand gegen den Vorbesc
heid vom
2.
Februar 2016 (
Urk.
10/134
).
Vom
6.
Mai bis 1
5.
Juli 2016 befand
er
sich in der
Akut-Tagesklinik der p
sychiatrischen
K
linik
A._
(
Urk.
10
/162/2
). Die IV-Stelle zog
daraufhin
den Bericht der
A._
vom 2
2.
Novem
ber 2016
(
Urk.
10/162)
bei.
Dr.
med.
B._
, Fach
ärztin für Psy
chiatrie und Psychotherapie, vom
Regionale
n
Ärztliche
n
Dienst
(RAD)
der IV-Stelle
,
hielt am 1
3.
Februar 2017 fest, dass von einer vorüber
gehenden Ver
schlech
terung des Gesund
heitszustandes des Versicherten auszu
gehen und in drei Monaten ein Arzt
bericht des ambulanten Behandlers einzu
holen sei
(
Urk.
10/221
/
2
). In der Folge ging
bei
der IV-Stelle
der
Bericht
des damaligen Psychiaters des Versicherten,
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychotherapie und Psycho
therapie FMH, vom
6.
November 2017
(
Urk.
10/176)
ein
. In ihrer Aktenbeurteilung vom
8.
Dezember
2017
gelang
t
e
RAD-Ärztin
Dr.
B._
zum Schluss
, dass beim Versicherten ab November 2017 eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt bestehe
(Urk. 10/221/4)
.
Nach dem Eingang des Schreibens von
Dr.
C._
vom
5.
März 2018
(
Urk.
10/180)
auferlegte die IV-Stelle dem Versicherten am 1
7.
April 2018
eine Abstinenz von Alkohol und Cannabis für mindestens 6 Monate (
Urk.
10/181).
Am
7.
Juni
2018 beantragte
der Ver
sicherte die Aufhebung dieser Auflage (
Urk.
10/190).
Nach Eingang der
Stellungnahme von
Dr.
med. univ.
D._
, Assistenzarzt Psychiatrie,
Zentrum E._
, vom
3.
Juli 2018 (
Urk.
10/194), hielt die IV-Stelle mit Schreiben vom 2
6.
Juli 2018 fest, dass auf die Abstinenz von Alkohol und Cannabis verzichtet werden könne, da sich diese destabilisierend auf den Gesund
heits
zu
stand des Versicherten aus
wirken würde. Im Rahmen der bereits statt
findenden Psychotherapie solle jedoch weiterhin eine Reduktion des Kon
sums von Alkohol und Cannabis thematisiert werden (
Urk.
10/195). Daraufhin
zog
die IV-Stelle den Verlaufsbericht von
Dr.
D._
vom 1
3.
November 2018 (
Urk.
10/197) und den Bericht der neuen Psychiaterin des Versicherten,
F._
, praktische Ärztin FMH, Eidg. anerkannte Psychotherapeutin für
Erwachsene
,
Dignität Psychiatrie und Psycho
therapie FMH, sowie der Psychotherapeutin,
lic.
phil.
G._
, Fach
psychologin für Psychotherapie, Eidg. anerkannte Psychotherapeutin für Erwach
sene FSP, vom 1
5.
März 2019
bei
(
Urk.
10/201
).
Sie
holte
zudem
das psychia
trische Gutachten
von med.
pract
.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
6.
September 2019 (
Urk.
10/209)
ein.
Am 2
6.
September 2019 hielt med.
pract
.
H._
sodann fest, dass er eine 80%ige Arbeitsfähigkeit des Versicherten ab
dem
Zeitpunkt
seiner Untersuchung vo
m
1
5.
Juli 2019 bestätigen könne (
Urk.
10/209/1,
Urk.
10/212/2).
Der Versicherte nahm am 2
7.
November 2019 zum Gutachten Stellung (
Urk.
10/220).
Hernach hob die IV-Stelle die bis
herige
Dreiviertelsrente
des Versicherten
m
it Verfügung vom
7.
Janua
r 20
20
auf Ende
des folgenden Monats auf
(
Urk.
2).
2.
Dagegen
erhob
X._
am
4.
Februar 2020
Beschwerde
und be
antragte, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 7. Janua
r 20
20 sei ihm
weiterhin eine
Dreiviertelsrente
zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1 S.
1).
Mit Be
schwerdeantwort vom 18. Mä
r
z 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
9, unter Beilage der IV-Akten,
Urk.
10/1-227), was dem Beschwerdeführer am 2
3.
März 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die
Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E
. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG).
1.4
1.4.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs-
oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Fe
rner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4.2
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung
bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche
auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu han
deln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer mate
riellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f IVV auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.5
1.5.1
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfe
n sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.5.2
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom 11. Juni 2019 E. 2 mit Hinweisen).
1.5.3
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfah
rungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patient
innen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und B
e
gutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander
seits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die
behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Ein
schät
zungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Be
urteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige - und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundes
gerichts 8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die bisherige
Dreiviertels
rente
des Beschwerdeführers zu Recht per
1.
März 2020 aufgehoben hat.
2.2
In der angefochtenen Verfügung vom
7.
Januar 2020 führte die Beschwerde
geg
nerin im Wesentlichen aus, dass
sich der Gesundheitszustand des Beschwerde
führers verbessert habe. Spätestens seit der Begutachtung im Juli 2019 bestehe nur noch eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit von 20
%
. Eine Tätigkeit wie die zuletzt ausgeübte
als Koch
sei dem Beschwerdeführer zu 80
%
zumut
bar. Dadurch könnte er ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen (
Urk.
2 S. 2)
.
2.3
Der Beschwerdeführer bringt demgegenüber
im Wesentlichen
vor, dass er ent
gegen der Annahme der Beschwerdegegnerin aufgrund seiner gesundheit
lichen Beschwerden weder in der angestammten noch in einer angepassten Tätigkeit in der Lage sei, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen
. Sein Gesund
heitszustand habe sich seit der letzten Rentenüberprüfung nicht verbessert. Zwar werde die depres
sive Störung heute als remittiert angesehen. Dies habe aber keine Auswirkungen auf seine Arbeitsfähigkeit,
weil sich diesbezüglich andere
Diag
nosen, wie die Persönlichkeitsstörungen und die
Aktivitäts- und Aufmerk
sam
keits
störung
viel gravierender auswirken würden. Im Übrigen sei auch vom psy
chiat
rischen Gutach
ter
med.
pract
.
H._
eine Dysthymie diagnostiziert worden. Im Ver
gleich zur Diag
nose rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig leicht
gra
dig
,
habe eine Dysthymie k
aum andere Auswirkungen auf seine Arbeits
fähigkeit. Weil sich sein Gesundheitszustand nicht verbessert habe, bestehe auch kein Grund für eine revisionsweise Aufhebung seiner bisherigen
Drei
viertelsrente
. Es handle sich nur um eine andere Beurteilung von einem in seiner Auswirkung unveränderten Sachverhalt. Zudem sei der Gutachter fälschlicherweise davon ausgegangen, dass er zu 80
%
arbeitstätig sei.
Damit habe er bei der Ermittlung des für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
massgebenden Sachverhalts einen groben Fehler gemacht.
Daraus ergebe sich, dass
auf
die Schlussfolgerung
en
des Gutachte
r
s nicht abgestellt werden
könne.
Die Beschwerdegegnerin
sei
darauf
in der angefochtenen Verfügung vom
7.
Januar 2020 nicht eingegangen, obwohl
er dies
bereits im Einwand vorgebracht habe. Sie habe damit sein rechtliches Gehör verletzt. Falls sein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung abgewiesen
werde sollte, habe die Beschwerde
gegnerin folglich, unabhängig von
der Gutheissung oder Abweisung der Beschwerde, die Verfahrenskosten zu tragen
.
Und schliesslich sei s
eine behan
delnde Psychiaterin
mit dem Gutachten eben
falls nicht einverstanden. Er bitte das Sozialversicherungsgericht um die Anord
nung eines zweiten Schrif
ten
wechsels, damit er die Stellungnahme seiner Psychia
terin einreichen könne
(
Urk.
1 S. 2)
.
3.
3.1
Vergleichsbasis im vorliegenden
Revisions
verfahren bildet
die
Mitteil
ung
der Beschwerde
gegnerin
vom
2
6.
Juni 2014, wonach der Beschwerdeführer weiterhin An
spruch auf die bisherige Invaliden
rente bei einem Invaliditätsgrad von 61 %
habe
(Urk. 10/110).
Dabei stellte die Beschwerdegegnerin auf das psychiatrische Gutachten von Dr.
Z._
vom 10. Juni
2014 (Urk. 10/107) ab (Urk. 10/108/3-4).
3.2
3.2.1
Dr.
Z._
stellte in seinem Gutachten vom 10. Juni 2014 die
folgende
n
Diagnose
n
(
Urk.
10/15
/
21
):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10: F33.0)
-
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.3)
-
Anamnestisch Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10
: F90.0)
-
Status nach Alkohol- und Cannabismissbrauch, gegenwärtig abstinent.
3.2.2
Der Beurteilung von
Dr.
Z._
ist unter anderem zu entnehmen, dass es dem Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Untersuchung aus seiner Sicht nicht schlecht gegangen sei. Objektiv habe noch eine leichte depressive Episode bestanden. Er habe sich sehr positiv über seine Arbeit geäussert. Am Arbeitsplatz habe er sich sehr wohl gefühlt. Die Tätigkeit als Koch in der Krippe habe er als Glücksfall
bezeichnet. Seine Arbeitsleistung sei stabil. Es sei seit längerer Zeit nicht mehr zu Absenzen gekommen. Allerdings müsse er die Arbeitsabläufe bewusst struktu
rieren und auf ritualisierte Mechanismen zurückgreifen, um seine Aufgaben zuverlässig zu erledigen. Nach der Arbeit brauche er noch immer einige Zeit zur Erholung. Beim vom normalen Arbeitsalltag abweichenden Anforderungen trete noch eine erhöhte Erschöpfbarkeit auf. Die Verhältnisse am Arbeitsplatz, unter anderem die Arbeiten relativ eigenständig zu verrichten, die Notwendigkeit, Ver
antwortung und sozialpädagogische Aufgaben übernehmen zu müssen, hätten wesentlich zur
gesundheitlichen Stabilisierung und zum Entstehen einer beruf
lichen Perspektive beigetragen. Der Beschwerdeführer habe sich im Septem
ber 2013 noch vehement gegen ein Arbeitspensum von 50
%
gewehrt
, nun halte er eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 50
%
, eventuell sogar auf 60%
als durch
aus möglich. Die jetzt erbrachte Arbeitsleistung stimme zuversichtlich, die Dauer sei mit vier Wochen aber noch gering und erlaube erst eine vorläufige Beur
teilung (
Urk.
10/107/16)
. Es handle sich im
Fall
des Beschwerdeführers
um einen chro
nischen Verlauf einer bereits im Kindesalter aufgetretenen psychischen Krank
heit bei ausgesprochen schwere
r
hereditärer Belastung. Der Krankheits
verlauf
und die Auswirkungen auf die berufliche Tätigkeit würden wesentlich von der Persön
lichkeitsstörung und den depressiven Episoden bestimmt. Dank der psychia
trischen Behandlung habe eine vorläufige Stabilisierung des Gesundheits
zustan
des erreicht werden können. In Kombination mit den beruflichen Massnahmen habe der Beschwerdeführer eine Lehre abschliessen können. Seit
K
urzem arbeite er in einer Küche in einem Pensum von 30
%
und erbringe dort eine stabile Arbeits
leistung. Die Verhältnisse am Arbeitsplatz würden seinen gesundheitlich bedingten Einschränkungen entgegenkommen. Sein derzeitiger Gesund
heits
zu
stand erlaube eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 50
%
eventuell auch auf 60
%
. Die psychiatrische Behandlung sollte zwingend in der geforderten Inten
sität fortgeführt werden (
Urk.
10/107/18).
3.2.3
Zum Grad der Arbeitsfähigkeit im bisherigen Arbeitsverhältnis
hielt
Dr.
Z._
darüber hinaus fe
s
t
, dass die aktuell ausgeübte Tätigkeit als Koch (für eine Kindertagesstätte) als ideal leidensangepasst bezeichnet werden könne. In einer «normalen» Küche, beispielsweise mit einem à-la-carte-Angebot wäre mit einer wesentlich tief
eren Arbeitsfähigkeit von circa
25
%
zu rechnen (
Urk.
10/107/19).
3.2.4
Zur Frage, ob sich Grad der Arbeitsfähigkeit
seit der letzten Rentenrevision verändert habe, führte
Dr.
Z._
F
olgendes aus: Bis zum Abschluss
der Kochlehre im Verein
O._
habe der Beschwerdeführer in einem 50%-Pensum gearbeitet. Seine durchschnittliche Leistungsfähigkeit sei (damals) mit 30 % angegeben worden. Zum Zeitpunkt der letzten Revision (richtig: der erst
maligen Rentenprüfung durch die Beschwerdegegnerin) sei gestützt auf das Gutachten von
Dr.
Y._
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
angegeben worden. Seit dem
1.
April 2014 arbeite der Beschwerdeführer in einem Pensum von 30
%
. Aufgrund der aktuellen Untersuchung sei die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht mit 50
%
anzunehmen. Eine weitere Steigerung auf 60
%
sei bei weiterhin gutem Verlauf und adäquater Behandlung realistisch
(
Urk.
10/107/20)
.
Des Wei
teren hielt
Dr.
Z._
fest, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerde
führers im Vergleich zur
Beurteilung von
Dr.
Y._
im Dezember 2011 leicht verbessert habe (
Urk.
10/107/21).
4.
4.1
Vor dem angefochtenen Entscheid
vom
7.
Januar 2020, mit welchem
die Be
schwerde
gegnerin die Aufhebung die bisherige
Dreiviertelsrente
des Beschw
erde
führers
auf Ende
des folgenden Monats
verfügte (
Urk.
2), finden sich die folgen
den
entscheidwesentlichen
ärztliche
n
Berich
te und Gutachten bei den Akten:
4.2
4.2.1
Dr.
med.
I._
, Oberärztin, und med.
pract
.
J._
, Assi
s
tenzarzt, Akut-Tagesklinik, Zentrum für Soziale Psychiatrie,
A._
, stellten in ihrem Bericht vom 2
2.
November 2016 die folgenden Diagnosen
(
Urk.
10/162/2)
:
-
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung: Impulsiver Typ (ICD-10: F60.30, bestehend seit der Jugend)
-
Dissoziale Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10: F60.2)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Schädlicher Ge
brauch (ICD-10: F10.1, bestehend seit der Jugend)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide: Schädlicher Gebrauch (ICD-10: F12.1, bestehend seit der Jugend)
-
Anamnestisch bipolare affektive Störung (ICD-10: F31.8)
4.2.2
Dazu hielten sie unter anderem fest, dass, soweit aktenanamnestisch beurteilbar, im
Rahmen des Aufenthalts in der Akut-Tagesklinik vom
6.
Mai bis 1
5.
Juli 2016 ein stationärer bis tendenziell verschlechterter Befund im Vergleich zur letzten Beurteilung im Jahr 2013 bestanden habe. Im Rahmen der klinischen Beurteilung und einer SKID-Untersuchung sei im Längs- und Querschnitt von einer emo
tional-instabilen Persönlichkeitsstörung mit dissozialen Anteilen bei komorbide
m
schädlichen Gebrauch von Alkohol und Cannabis ausgegangen worden. Für das Vorliegen einer bipolaren Erkrankung hätten sich keine Hinweise ergeben. Eine zusätzlich beschriebene vorbestehende psychotische Symptomatik mit Ich-Stö
rungen im Sinne von Gedankenausbreitung habe sich im Verlauf nicht ein
deutig bestätigen lassen. Differentialdiagnostisch könnte diesbezüglich das Vor
liegen einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis mit ent
sprechen
dem Resi
duum diskutiert werden (
Urk.
10/162/2).
Zu den funktionellen Einschränkungen des Beschwerdeführers hielten sie fest, dass ausgeprägte psychische Einschränkungen im Sinne einer deutlich reduzier
ten Frustrationstoleranz, emotionaler Instabilität, verminderter Belastbarkeit
und
Anpassungsfähigkeit/Flexibilität
vorliegen würden
. Ferner bestünden starke Stim
mungs
schwan
kungen mit Depressivität im Rahmen der emotional-instabilen Persönlichkeits
störung, differentialdiagnostisch auch im Rahmen der vorbe
schrie
benen rezi
divierenden depressiven Störung (
Urk.
10/162/3).
Die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers könne durch eine regelmässige am
bulante psychiatrisch-psychotherapeutische Betreu
ung und störungs
spezi
fische
Therapie
verbessert werden. Allerdings sei auch langfristig nicht mit einer Arbeit
s
fähigkeit von über 50
%
zu rechnen (
Urk.
10/162/6).
4.3
Dr.
med.
C._
stellte in seinem Verlaufsbericht vom
6. November 2017
im Wesentlichen die gleichen Diagnosen wie die Fachpersonen der
A._
(Urk. 10/176
/1
; vgl.
Urk.
10/162/6
)
.
Des Weiteren hielt er fest, dass sich d
er Be
schwerde
führer seit dem 4.
Oktober 2016 in
eine
r psychiatrisch-psychothera
peutischen, seine Ressourcen und Resilienz s
tützende
n
Behandlung
befinde
. Derzeit werde ein Arbeits
ver
such in einer Tagesschule mit ein- bis zweimaligem Kochen über Mittag durch
geführt
(Urk. 10/176/3)
.
Die Leistungsfähigkeit
schätzte er
um 80 % reduziert
ein
(Urk. 10/176/2
)
.
4.4
In ihrer Aktenbeurteilung vom 8. Dezember 2017
führte
RAD-Ärztin Dr.
B._
aus
, dass
der bereits bekannte Gesundheitsschaden des Beschwerdeführers
ab März 2016 wieder zu einer vollen Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt geführt
habe
. A
b November 2017
bestehe
eine 70%ige Arbeitsunfähigkei
t im ersten Arbeitsmarkt
. Der Gesundheitszustand solle unter Fortführung der fach
psychiatrischen Behandlung
und des Arbeitsversuchs in einem Jahr neu beurteilt werden
. Zur Vervollständigung (des Dossiers) sei noch ein aktueller Ver
laufs
be
richt des Behandlers mit Angaben zur Therapie, zur Frequenz der Sitzun
gen und Angaben zum Suchtmittelkonsum
einzuholen
(Urk. 10/221/4).
4.5
Dr.
C._
und
lic.
phil.
K._
, Fach
p
sychologe für Psycho
therapie FSP,
führte
n i
m Schreiben
vom 5. März 2018
aus, der Beschwer
de
führer wisse, dass er den Konsum von Alkohol und Cannabis ein
schränken müsse, wenn nach erfolgreichem Abschluss des Arbeitsversuchs sein Arbeits
pen
sum erhöht werden soll. Der Alkoholkonsum diene dem Beschwerde
führer dazu, seine Hemmungen und Ängste im sozialen Umfeld zu reduzieren und sei gleich
zeitig verbindendes Element mit seiner Peergruppe. Ziel der Therapie sei es ge
wesen, den Alkoholkonsum unter der Woch
e möglichst zu minimieren. Da
durch
soll
te seine
Schlaf-Wach-Rhythmus-Störung
reduziert und sein pünkt
liches Erscheinen am Arbeitsplatz verbessert werden
(Urk. 10/180
/1
)
.
Der Cannabis
konsum
ermögliche es dem Beschwerdeführer, seine Aggressionen ein
zu
schrän
ken, die innere Unruhe zu reduzieren sowie seine Arbeitsmotivation zu steigern.
Hinsichtlich einer Stabilisierung des Schlaf-Wach-
Rhythmus und einer Steige
rung seiner Arbeitseinsätze sei ein kontrollierter Konsum bei möglichst niedriger Dosis angestrebt worden (
Urk.
10/180/2).
4.6
Dr.
D._
hielt in seinem Schreiben vom
3. Juli 2018
fest, dass sich laut den Angaben des
Beschwerdeführer
s
und seiner ambulanten psychiatrisch-psycho
therapeutischen
Behandlerin
lic.
phil.
G._
in den letzten Jahren eine we
sentliche Verbesserung des psychischen Allgemeinzustandes gezeigt
habe
. Unter anderem durch die ambulante Behandlung bei
lic.
phil.
G._
habe nicht nur eine Stabilisierung des Beschwerdeführers, son
dern auch eine wesentliche Reduk
tion des Konsums von Cannabis und Alkohol erreicht werden können (Urk. 10/194/1).
Cannabis werde vom Beschwerdeführer als stabilisierende Mass
nahme eingesetzt, um den Stress zu reduzieren. Alkohol werde von ihm als Ge
nussfaktor in Gesellschaft konsumiert.
Zurzeit würde sich eine Abstinenz des Beschwerdeführers von Cannabis und Alkohol eher destabi
lisierend auswirken, da er nicht über funktionale Strategien
verfüge, um mit Stress umzugehen. Diese Strategien könnten während einer längeren stabilen
ambulanten psychothera
peutischen Behandlung erlangt werden. Aus psychia
trisch-psychotherapeutischer Sicht sei die Auflage einer Abstinenz von Cannabis und Alkohol mit dem hohen Risiko einer Zustandsverschlechterung verbunden
(Urk. 10/194
/2).
4.7
In seinem Verlaufsbericht vom 13. November 2018 führte Dr.
D._
die fol
genden Diagnosen an (Urk. 10/197/1):
-
Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F90.0)
-
Psychische und Verhaltensstörung durch Cannabinoide: Abhängigkeits
syndrom (ICD-10: F12.2)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4)
Während der Behandlung vom
7.
Mai bis 3
0.
August 2018 habe sich ein stabiler Verlauf gezeigt.
Es sei dem Beschwerdeführer gelungen, über mehrere Monate auf Alkohol und Cannabinoide völlig zu verzichten. Er habe sich
aber
weiterhin affektlabil und unruhig gezeigt. Gemäss seinen eigenen Angaben fühle sich der Beschwerde
führer bei zwischenmenschlichen Kontakten
, vor allem a
m Arbeits
platz, relativ schnell überfordert (
Urk.
10/197/5).
4.8
4.8.1
Im z
usammen mit der Psychotherapeutin
lic.
phil.
G._
verfassten Bericht
vom 1
5.
März 2019
stellte die Psychiaterin
F._
die folgenden Diag
nosen
(
Urk.
10/201/4)
:
-
Nichtorganische Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus (ICD-10: F51.2)
-
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typus (ICD-10: F60.3)
-
Akzentuiert dissoziale Persönlichkeitszüge
(keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
)
-
Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide: Abhängig
keitssyndrom, gegenwärtig abstinent (ICD-10: F12.2)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4)
-
Differentialdiagnostisch (DD:) gegenwärtig leichte bipolare affektive Störung mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F31.3)
Dazu wurde festgehalten, dass die oberen beiden Diagnosen früh und auch zu Recht gestellt worden seien. Allerdings stünden
diese Persönlichkeitsanteile nicht mehr im Vordergrund, auch wenn sie (vor allem die emotional
i
nstabilen) noch ansatzweise vorhanden seien. Statt
d
essen seien hohe Perfektionsansprüche und eine frühkindliche Bindungsstörung als Folge von Vernachlässigung und Verken
nung in der Kindheit festzustellen (
Urk.
10/201/4).
4.8.2
Zur Entwicklung des Beschwerdeführers
führten
die Psychiaterin
F._
und die Psychotherapeutin
G._
aus
, dass der Beschwerdeführer einen langen und letztlich heilsamen Weg hinter sich zu haben scheine. Er habe den Willen zur Integration und den Willen, an sich zu arbeiten. Dem Beschwerdeführer sei es gelungen, vom Leben auf der Strasse und nach einer
Politox
-Drogensucht ein geregeltes Leben zu führen und sogar
den Cannabiskonsum aufzugeben so
wie auch den Alkoholkonsum deutlich zu reduzieren. Seine allgemeine Belastbarkeit sei allerdings im Vergleich zu Arbeitnehmern auf dem freien Arbeitsmarkt noch deutlich reduziert, aber vermutlich nach längerer Psychotherapie ausbaufähig (
Urk.
10/201/3).
4.8.3
Die Arbeit als Koch (welche der Beschwerdeführer ab
1.
Juni 2018 für den Verein
L._
ausübte, vgl.
Urk.
10/184) ermüde ihn schnell, vor allem, wenn er Schlafschwierigkeiten habe. Die Konzentrationsfähigkeit sei durch den Schlafmangel (ungeregelter Tag-Nacht-Rhythmus) zusätzlich ein
ge
sch
ränkt. Das «Abschalten» von der Arbeit brauche bei ihm sehr lange, bis er wieder einen «freien Kopf
»
habe (
Urk.
10/201/5).
Die Tätigkeit als Koch
sei dem Beschwer
deführer während 2 x 4 Stunden pro Woche zumutbar. Ein tägliches Arbeiten sei zur Zeit wegen dem Schlafmangel/Schlafrhythmus noch nicht mög
lich.
Diese Angaben würden auch für
eine dem Leiden angepasste Tätigkeit gelten
. Aus therapeutischer Sicht wäre es sinnvoll, den Beschwerdeführer bei den gemachten Fortschritten zu unterstützen und ihn nicht gleich zu überfordern mit der Steigerung des Arbeitspensums
(
Urk.
10/201/6).
4.9
4.9
.1
M
ed.
pract
.
H._
stellte in seinem psychiatrischen Gutachten vom
6. September 2019
die folgenden
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
10/209/18):
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen, astheni
schen und passiv-aggressiven Zügen (ICD-10: F61)
-
Verdacht auf eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeits
stö
rung (ICD-10: F90.0)
-
Dysthymia
(ICD-10: F34.1)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4)
Dazu hielt er fest, dass die Diagnose einer nicht-organischen Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus e
rstmals im Arzt
bericht der Psychiaterin
F._
vom 15. März 2019 aufgeführt worden sei. Dagegen würden allerdings die eigenen Angaben des Beschwerdeführers sprechen. Er habe zwar über Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen sowie über ein längeres Ausschlafen an Tagen ohne Arbeit be
richtet. Er sei aber gleichwohl in der Lage, an den Arbeitstagen rechtzeitig auf
zustehen. Die Schlafstörung werde ebenfalls lediglich mit einem leichten Sedati
vum behandelt. Die berichteten Schlaf
störun
gen seien am ehesten im Rahmen der emotionalen und persönlichkeits
bedingten Problematik zu sehen.
Die emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ sei eine Per
sönlichkeitsstörung mit deutlicher Tendenz, impulsiv zu handeln, ohne Berück
sichtigung von Konsequenzen und mit wechselnder instabiler Stimmung. Die Fähigkeit vorauszuplanen sei gering und Ausbrüche intensiven Ärgers könnten zu oft gewalttätigem und explosivem Verhalten führen (Urk. 10/209/16). Die we
sentlichen Charakterzüge seien emotionale Instabilität und mangelnde Impuls
kontrolle. Ausbrüche von gewalttätigem und bedrohliche
m
Verhalten seien hä
ufig, vor allem bei Kritik durch andere. Beim Beschwerdeführer seien allerdings die Bereiche der emotionalen Instabilität und der Impulsivität von einer existen
ziellen diffusen Angst begleitet. Ebenfalls seien Verhaltensauffälligkeiten, min
des
tens in den letzten Berufsjahren, nicht bekannt, mindestens nicht in dem Aus
mass, welches die Diagnose rechtfertigen würde. Die Angstsymptomatik sowie die Beziehungsanamnese würden eher die Diagnose einer emotional-in
stabilen Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ (ICD-10: F60.32) unter
stützen. Werde
die berufliche Interaktion des Beschwerdeführers betrachtet, so würden sich aber auch bestimmte passiv-aggressive (negativistische) Persönlich
keitszüge
zeigen. S
einer Beschreibung seines Verhaltens unter bestehender Belastung würden sich ebenfalls einige asthenische Persönlichkeitszüge
ent
nehmen lassen
. In diesem Sinne wäre es geeigneter von einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen, asthenischen und passiv-ag
gressiven Zügen (ICD-10: F61) zu sprechen (Urk. 10/209/17).
Es werde ferner eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung be
schrie
ben. Aus den Akten sei allerdings nicht ersichtlich, dass diese Diagnose durch standardisierte und strukturelle Testverfahren bestätigt worden sei. Es bestünden allerdings Hinweise darauf: Die Auffälligkeiten beginnend im Kindes- und Jugend
alter, die Schwierigkeiten in der Planung und Strukturierung von Auf
ga
ben sowie die eingeschränkte emotionale Kontrolle. Korrekterweise müsse die Diagnose hier Verdacht auf eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeits
stö
rung im Erwachsenenalter (ICD-10: F90.0) lauten (Urk. 10/209/17).
Zu den in den Akten ebenfalls genannten Diagnose rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert
,
sei sodann festzuhalten: Laut den Angaben des Beschwerdeführers sei die letzte Episode im Frühling des Jahres
(2019)
gewesen, habe eine Dauer von einer Woche gehabt und sei spontan remittiert. Aber auf
grund der anhaltenden Antriebshemmung sowie
von anderen Beschwerden wie der Schlafstörung, der asthenischen Züge und der
teilweise vorhandene
n
Depres
sivität er
scheine die Diagnose einer
Dysthymia
(ICD-10: F34.1) als korrek
ter (Urk.
10
/209/17).
4.9
.2
U
nter der fortlaufenden psychotherapeutischen Behandlung
sei
eine bestimmte psychische Stabilisierung erreicht worden. Die vorbeschriebene rezidivierende depressive Störung bleibe auch ohne Einfluss von Antidepressiva
remittiert. Die geltend gemachten Schlafprobleme schi
e
nen durch Schlafhygiene und Willens
anstrengung überwindbar und könnten weder als Schlafstörung im Sinne der ICD-10 noch als invalidisierend betrachtet werden. Ausserdem würden diese lediglich durch Einnahme eines milden Sedativums behandelt (
Urk.
10/209/19).
4.9
.3
Der Beschwerdeführer weise mittelschwere Einschränkungen der folgenden Funk
tionen auf: Anpassung an Regeln und Routinen, Planung und Struktu
rierung von Aufgaben, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Widerstands- und Durchhalte
fähigkeit, Selbstbehaup
tungsfähigkeit sowie
Aufnehmen und Auf
rechterhalten von
engen dyadischen Beziehungen. Ausserdem bestünden leichte Einschrän
kun
gen im Bereich von Gruppenfähigkeit und Kontakt zu Dritten. Grundsätzlich seien allerdings Tätigkeiten in einem strukturierten Umfeld, ohne Publikumsver
kehr und ohne besonderen Anforderungen an das Anpassungsver
mögen
sowie nicht in leitender Pos
ition min
destens im Umfang von 80
%
möglich (
Urk.
10/209/23).
4.9
.4
Zusammenfassend führt
e
der Gutachter zunächst aus, der Beschwerdeführer sei aktuell zu 80 % in einem Schulbetrieb angestellt (Urk. 10/209/18). Zur Frage nach der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
hielt
er fest, i
n der zuletzt aus
geübten Tätigkeit als Koch in einfacher Anstellung könne der Beschwerdeführer mindestens sechs Stunden täglich
respektive in einem Pensum von 80 %
arbeiten
(
Urk.
10/209/23)
.
4.9
.5
Auf entsprechende Rückfrage der Beschwerdegegnerin führte m
ed.
pract
.
H._
in seinem Schreiben vom 26. September 2019 sodann aus, dass er eine 80%ige Arbeitsfähigkeit des Versicherten ab dem Zeitpunkt seiner Untersuchung vom 1
5.
Juli 2019 bestätigen könne (
Urk.
10/209/1, Urk. 10/212/2).
5.
5.1
Vorliegend sprechen verschiedene Indizi
en gegen die Zuverlässigkeit des
von der Beschwerdegegnerin eingeholten
Gutachtens
.
5.2
Wie bereits im
Vorbescheidverfahren
vorgebracht
wurde
(Urk. 10/220)
, ging der Gutachter fälschlicherweise davon aus, dass der Beschwerdeführer aktuell in einem 80 %-Pensum erwerbstätig sei. Ob diese unzutreffende Annahme (auch) einen Grund für die attestierte Arbeitsfähigkeit von 80 % bildete, lässt sich dem Gutachten nicht entnehmen. Sodann stellte der Gutachter fest, die Diagnose einer nicht-organischen Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus
sei
e
rstmals im Arzt
be
richt der Psychiaterin
F._
vom 15. März 2019 aufgeführt worden
und die Schlafstörung werde lediglich mit einem leichten Sedativum behandelt
, ohne darauf einzugehen, dass eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus insbesondere in Zusammenhang mit der von der Beschwerdegegnerin geforderten Cannabis
abstinenz eingehen
d
thematisiert worden ist (vgl. E. 4.5
sowie Urk. 10/176/2
).
5.3
5.3.1
Soweit der Gutachter bei seinen diagnostischen Überlegungen sodann feststellte, Verhaltensauffälligkeiten seien mindestens in den letzten Berufsjahren nicht be
kannt, mindestens nicht in dem Ausmass, welches die Diagnose
einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ
rechtfertigen würde
, ist
zudem
auf Folgendes hinzuweisen
:
5.3.2
Mit seinem Einwand gegen den (ersten) Vorbescheid vom
2.
Februar 2016 reichte der Beschwerdeführer
das
Kündigung
sschreiben
des
Arbeitgeber
s
(
M._
) vom 24.
Februar 2016 ein.
Darin wurde zur
Begründung der Auf
lösung des Arbeitsverhältnisses
(
per Ende April 2016
)
auf die «besprochenen Vor
kommnisse» verwiesen (
Urk.
10/135).
Nach der Aufforderung der Beschwerdegeg
nerin, den Grund der Kündigung mitzuteilen (Urk. 10/137),
führte der Beschwer
deführer in seiner Eingabe vom 29. Februar 2016 aus,
er könne ihr
die Begrün
dung für die Kündigung
leider nicht zusenden, weil der Arbeitgeber nicht gewillt sei, eine solche schriftliche Begründung zu erstellen (Urk. 10/141). Zuvor hatte der Arbeitgeber die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 11. April 2016 unter anderem darüber informiert, dass sie dem Beschwerdeführer per 30. April 2016 gekündigt habe; aufgrund verschiedener Vorfälle seien sie nicht mehr gewillt, das seit 2014 bestehende Arbeitsverhältnis weiterzuführen (Urk. 10/140).
Welche Vorfälle den Arbeitgeber
-
wenige Monate nach der Erhöhung des Arbeits
pensums von 30 % auf 80 % - zur Kündigung bewogen haben, geht aus den Akten nicht hervor.
Weiter lässt sich einem Bericht betreffend Arbeitstraining von
N._
,
Sozialpädagogin,
L._
(u
ndatiert, Eingang 11. Juni 2018
), en
t
nehmen, dass der
Beschwerdeführer
als Koch im Status freiwilliger unbezahlter Mitarbeiter für ca. 5-6 Stunden pro Woche arbeite. Durch die steigende Anzahl Kinder und die wachsende Konstanz des
Beschwerdeführer
s
sei auf 1. Juni 2018 ein Arbeitstraining eingerichtet worden mit dem Ziel, den
Beschwerdeführer
in Zukunft an der
L._
beschäftigen zu können. In der Zeit des freiwilligen Einsatzes habe er ein Mindestmass an Arbeitsfähigkeit erlangen können. Um ihn fest beschäftigen zu können, seien noch einige Ziele zu erreichen.
Es wurden folgende
Arbeitstrainingsziele festgelegt: Konstanz der Leistungs
fähi
g
keit unabhängig von äusseren Einflüssen; Stressbewältigungsstrategien finden und anwenden; Eigen- und Fremdeinschätzung nähern sich an; Wertschätzung sich selbst und der geleisteten Arbeit gegenüber; Anpassung der Arbeitsstruk
turen. Im neuen Jahr werde anhand der festgelegten Ziele besprochen, wie es im kommenden Schuljahr (August 2019) weitergehe und ob eine Anstellung in dem gewünschten Pensum realistisch sei
(Urk. 10/191; vgl. auch Urk. 10/185 und Urk. 10/184)
.
Die
L._
kündigte das Arbeitsverhältnis mit Schreiben vom 30. April 2019 per 31. Juli 2019 ohne Angabe von Gründen, jedoch unter Hinweis auf das persönliche Gespräch vom 15. März
2019 (Urk. 10/213).
Dem Grund für diese Kündigung ist die Beschwerdegegnerin nicht weiter nachgegangen.
5.3.3
Angesichts der vorliegend in Frage stehenden psychischen Störungen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wäre einerseits die Beschwerdegegnerin gehalten gewesen, Abklärungen zu den Gründen der Auflösung der beiden Arbeitsverhältnisse vorzunehmen
bevor sie ein psychiatrisches Gutachten einholt
, andererseits hätte dem Gutachter bei pflichtgemässer Würdigung der Akten
deren Lückenhaftigkeit (zumindest bezogen auf das Arbeitsverhältnis mit dem
M._
) auffallen müssen.
5.4
Schliesslich bleibt festzustellen, dass das psychiatrische Gutachten den Anfor
de
rungen
der Rechtsprechung
auch
deshalb nicht entspricht, weil der Gutachter seine Arbeitsunfähigkeitsschätzung nicht
mit Bezug auf die
normativ vorgegebe
nen Kriterien
(
Standardindikatoren
, vgl. E. 1.2.2) vorgenommen hat.
5.5
5.5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Eine Rück
weisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Ver
fahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundes
ge
richts 8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.4, publiziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S. 3)
.
5.5.2
Gemäss
Art.
29
Abs.
2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere
deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweiser
gebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt, dass die Behörde die Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt. Daraus folgt die Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu begründen (BGE 143 III 65 E. 5.2 mit Hinweisen).
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des recht
lichen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkreten Fall für den Ausgang der materi
el
len Streitentscheidung von Bedeutung ist, das heisst die Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 132 V 387 E. 5.1; 127 V 431 E. 3d/
aa
).
5.5.3
Die Rechtsprechung gemäss
B
GE 137 V 210
steht vorliegend einer Rückweisung an die Beschwerdegegnerin nicht entgegen. Den berechtigten Einwand des Be
schwerdeführers im
Vorbescheidverfahren
(Urk. 10/220)
betreffend falscher An
nahmen des Gutachters
zum damals ausgeübten Arbeitspensum
hat die Beschwer
degegnerin offensichtlich nicht berücksichtigt
(vgl. auch Urk. 10/221/11)
. Andernfalls hätte sie beim Gutachter klärende Rückfragen gestellt und (anschlies
send) vermutlich auch bemerkt, dass
die Umstände der Auflösung der beiden Arbeitsverhältnisse (
M._
und
L._
)
wei
terer Abklärung bedürfen
.
D
as rechtliche Gehör
stellt
-
wie hier deutlich wird -
nicht nur ein persönlichkeitsbezo
genes Mitwirkungsrecht dar
, sondern
dient
auch der Sachaufklärung (vgl. BGE 143 V 71 E. 4.1 mit Hinweisen)
;
eine Heilung der Gehörsverletzung
fällt
unter diesen Umständen
nicht in Betracht
.
Sodann
ändert BGE 137 V 210 nichts an der gesetzlichen Ordnung, wonach der Beweis über sozialversicherungsrechtliche Ansprüche primär auf der Stufe des Admini
strativverfahrens (vgl.
Art.
43 f. ATSG) und nicht im gerichtlichen Prozess geführt wird (vgl. BGE 137 V 210 E. 2.2.2 und 4.2). Wie das Bundesgericht festgestellt hat, litte die Rechtsstaatlichkeit der Versicherungsdurchführung empfindlich und wäre von einem Substanzverlust bedroht, wenn die Verwaltung von vornherein darauf bauen könnte, dass ihre Arbeit ohnehin in jedem verfügungsweise ab
ge
schlossenen Sozialversicherungsfall auf Beschwerde hin gleichsam gerichtli
cher Nachbesserung unterläge (BGE 137 V 210 E. 4.2).
5.6
Demnach ist
die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie
die Umstände der Auflösung der beiden Arbeitsverhältnisse mit dem
M._
und der
L._
abkläre
,
anschliessend
erneut
ein
psychiatrisches Gutachten einhole und danach
über den
Renten
anspruch neu entscheide. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6
.
6
.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61
lit
. a ATSG
(in der hier anwendbaren, bis 31. Dezember 2020 gültig gewesenen Fassung)
kostenpflichtig
(vgl. ab 1. Januar 2021
:
Art. 61
lit
.
f
bis
ATSG)
. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unab
hängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgelegt.
Eine die Rückweisung an die Verwaltung gilt nach ständiger Rechtsp
rechung als vollständiges Obsie
gen der Beschwerde füh
renden Partei (BGE 137 V 57 E. 2.29).
6
.2
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen. Das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird damit gegenstandslos.