Decision ID: 69c40f0c-33b8-44fe-aa52-068e50ae711f
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der
1960 geborene X._ war zuletzt (mit Unterbrüchen während den Wintermonaten) vom 1. Juni 1988 bis 30. November 2013 als Stras
senbauer bei der A._ AG angestellt. Am 28. Januar 2014 meldete er sich unter Hinweis auf Rückenschmerzen bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (Urk. 9/5, Urk. 9/13 und Urk. 9/21). Die Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklä
rungen und liess den Versicherten insbesondere durch die
MEDAS
B._
polydisziplinär (allgemeininternistisch, neurologisch,
ophthalmologisch, rheuma
tologisch und psychiatrisch) begutachten (Expertise vom 1. Februar 2016; Urk. 9/60). Anschliessend erfolgte in der MEDAS eine zusätzliche kardiologische Begutachtung (Expertise vom 15. Juni 2016; Urk. 9/76). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren (Urk. 9/79,
Urk.
9/80,
Urk.
9/85,
Urk.
9/89 und
Urk.
9/99) wies
sie
das Leistungsbegehren
mit Verfügung vom 29. März 2017 (Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 12. Mai 2017 Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, die Verfügung vom 29. März 2017 sei aufzuheben und es sei ihm ab 1. No
vember 2014 eine ganze Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei ihm ab 1. November 2014 eine Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung auszurichten. Zudem sei ihm die unentgeltliche Prozessführung unter Bestellung einer unent
geltlichen Rechtsvertretung zu bewilligen (S. 2). Am 19. Juni 2017 (Urk. 8) bean
tragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 21. Juni 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom 29. März 2017 (Urk. 2) damit, dass der Beschwerdeführer in einer angepassten körperlich leichten und wechselbelastenden Tätigkeit zu 90 % ar
beitsfähig sei. Es bestehe ein Invaliditätsgrad von 10 % und somit kein Renten
anspruch (S. 1 f.). Sein Alter könne nicht berücksichtigt werden. Er sei 56-jährig und habe noch neun Jahre bis zu seiner Pensionierung. Der behandelnde Psy
chiater habe als Diagnose eine mittelgradige depressive Episode angegeben, eine solche sei definitionsgemäss nicht längerdauernd (S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
die Gutachter hätten seine psychischen, rheumatologischen und kardialen Beschwer
den nicht ausreichend berücksichtigt. Seine verschiedenen Erkrankungen würden zu einer schweren Beeinträchtigung führen (S. 10). Es beständen zahlreiche An
forderungen an das Zumutbarkeitsprofil in einer angepassten Tätigkeit, weshalb fraglich sei, ob seine Restarbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt realisti
scherweise überhaupt noch verwertet werden könne, zumal er im Juli 57 Jahre alt werde. Die gutachterliche Beurteilung erweise sich als nicht nachvollziehbar. Es sei von einer vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen und ihm ab 1. November 2014 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen (S. 10-11). Eventualiter sei insbe
sondere aufgrund der rheumatologischen und psychiatrischen Beeinträchtigung von einer mindestens 50%igen Einschränkung in einer angepassten Tätigkeit aus
zugehen. Unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 25 % ergebe dies ei
nen Invaliditätsgrad von 62 % und damit Anspruch auf eine Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung ab 1. November 2014 (S. 12).
3.
3.1
Dr. C._
, Rheumatologie, von der Klinik
D._
, stellte in seinem Bericht vom 1
6.
April 2014 (
Urk.
9/24/7-9) folgende Diagnosen:
-
chronisches und bis dato therapierefraktär verlaufendes lumbospondylogenes Syndrom beidseits mit/bei
-
massiver globaler Dekonditionierung
-
Beckentiefstand rechts mit Wirbelsäulenfehlform (leichte, s-förmige Sko
liose thorakolumbal) und -haltung (allgemeiner Shift der Wirbelsäule nach rechts und vorne)
-
mäss
ig ausgeprägten, lumbo
degenerativen Veränderungen der
Lendenwir
belsäule (
LWS
)
mit Diskusdegenerationen L3 bis S1, reaktiven Endplatten
veränderungen vom gemischten Typ (Modic II) L3/L4 mit mässigen Fora
minalstenosen L5/S1 bilateral und möglicher Reizung der L5-Spinalnerven
wurzeln beidseits (LWS-MRI vom 2
7.
November 2013)
-
Diabetes mellitus Typ II, insulinpflichtig mit/bei
-
diabetischem Spätsyndrom (rein sensible, distal-betonte Polyneuropathie der unteren Extremitäten)
-
Dyslipidämie
-
a
rterielle Hypertonie
-
Adipositas permagna
-
chronischer Nikotinabusus
Dazu führte er aus, das klinische Gesamtbild entspreche einem chronischen und bis dato therapierefraktär verlaufenden bilateralen lumbospondylogenen Syn
drom bei globaler Dekonditionierung, vermutlich im Rahmen einer monatelangen Inaktivität und bei Wirbelsäulenfehlhaltung/-form. Lumbal beständen mässig ausgeprägte degenerative Veränderungen, primär in Form von Diskusdegenera
tionen L3 bis S
1.
Hinzu kämen Endplattenveränderungen vom gemischten Typ (Modic II) auf Höhe L3/L
4.
Zusätzlich würden im LWS-MRI-Befund vom 2
7.
No
vember 2013 mässige Foraminalstenosen auf Höhe L5/S1 beschrieben, klinisch lägen allerdings für ein konkomitantes L5-gebundenes Reiz- oder sensomotori
sche
s
Ausfallsyndrom keine Hinweise vor. Einer beidseitigen Funktionsein
schränkung der Hüfte liege konventionellradiologisch eine bilaterale und bis dato asymptoma
tisch verlaufende linksbetonte K
oxarthrose zugrunde. Über die rheu
matologische Problematik hinaus beständen verschiedene intern medizinische Probleme, welche
den
Gesamtzustand,
die
physische Belastbarkeit und damit auch
die
Arbeitsfähigkeit weiter einschränken dürften (S. 2 f.). In der aktuellen gesundheitlichen Verfassung sei eine Rückkehr an den alten Arbeitsplatz aus rheumatologischer Sicht ausgeschlossen. Körperlich leichte Tätigkeiten mit Wechselbelastung in einem 50 %-Pensum seien zumutbar. Die Aussichten einer erfolgreichen beruflichen Integration seien allerdings altersbedingt aufgrund der fehlenden Deutschkenntnisse gerade für Tätigkeiten, welche die geforderten Schonkriterien erfüllen würden, stark eingeschränkt (S. 3).
3.2
Dr. E._
, Allgemeine Innere Medizin FMH,
Dr. F._
, Facharzt FMH für Rheumatologie,
Dr. G._
, Fachärztin für Neurologie, Dr.
H._
, Facharzt Ophthalmologie, und
Dr. I._
, FMH für Psy
chiatrie und Psychotherapie, von der MEDAS
B._
, hielten in ihrem Gutachten vom
1.
Februar 2016 (
Urk.
9/60) folgende Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit fest (
Urk.
9/60/22):
-
Chronische Lumbalgien und bilaterale Lumbosakralgien mit Generalisierung bei
-
lumbalen Diskusprotrusionen L3/4, L4/5 mit Rezessusstenosen und beidsei
tigen Foraminalstenosen L5/S1 mit möglicher bilateraler Nervenwurzelrei
zung (MRI 2
7.
November 2013) und bei lumbaler Streckfehlform
-
Koxarthrose vor allem links (Röntgen
4.
August 2014)
-
Leichtgradige sensible, am ehesten diabetogen bedingte Polyneuropathie der unteren Extremitäten
Zudem führten sie folgende Diagnosen mit noch unbestimmter Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf (
Urk.
9/60/22 f.):
-
Schwere Aortenstenose 12/2015
-
EKG mit QT-Verlängerung (
Differentialdiagnose
Medikament-induziert, Oxy
norm)
-
Arterielle Hypertonie, therapieresistent trotz ausgebauter Therapie
Weiter stellten sie folgende Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit
,
aber mit Krankheitswert (
Urk.
9/60/23):
-
Metabolisches Syndrom
-
Diabetes mellitus Typ 2, insulinpflichtig
-
Nephro-/Polyneuropathie
-
keine Retinopathie
-
Hypercholesterinämie, Hypertriglyzeridämie
-
Adipositas (BMI 34)
-
Schweres Schlafapnoesyndrom, Erstdiagnose 05/2013
-
Fettleber
-
Differentialdiagnose
NASH, äthylbedingt, medikamentös
-
Episodischer Kopfschmerz vom Spannungstyp mit perikranialer Klopfemp
findlichkeit okzipital linksbetont sowie Kopfschmerz bei Analgetikaüberge
brauch
-
Cataracta senilis incipiens, rechts etwas mehr als links
-
Myopie/Hornhautastigmatismus, Presbyopie
-
Vitamin-3D-Mangel, anamnestisch
-
Nikotinabusus (20 Zigaretten täglich, 40 pack years)
-
Reduktion des Vitalgefühls, Herabgestimmtheit im Sinne einer überwiegend soziokulturell bedingten Dysthymia (ICD-10 F34.1)
Dazu führten sie aus, aus rheumatologischer Sicht sei dem Beschwerdeführer als Strassenbauarbeiter wohl eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit zu attestieren infolge des degenerativen Wirbelsäulenleidens mit fortgeschrittenen diskalen und ossären Veränderungen der LWS, zusätzlich kompliziert werde die verminderte Belastungstoleranz durch eine beidseitige Koxarthrose; in leidensangepasster Tä
tigkeit (manuell mittelschwer, Gewichte maximal 15 kg, wechselbelastend, nicht regelmässig stark vornübergebeugt) sei er jedoch als
zu
100
%
arbeitsfähig ein
zustufen. Seine ausgeprägten Klagen und das abnorme Schmerzgebaren anläss
lich der klinischen Untersuchung seien nicht durch entsprechend ausgeprägte Be
funde objektivierbar (
Urk.
9/60/21 f.).
Aus neurologischer Sicht seien dem Beschwerdeführer aufgrund der sensiblen, am ehesten diabetogen bedingten Polyneuropathie der unteren Extremitäten Tä
tigkeiten nicht mehr möglich, für welche ein ausgeprägter Gleichgewichtssinn nötig sei oder welche in der Höhe (Leitern, Gerüste) durchgeführt würden. An
sonsten sei in einer Verweistätigkeit lediglich von einer geringen 10%igen Ar
beitsunfähigkeit auszugehen (
Urk.
9/60/22).
Keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe aus ophthalmologischer
und allgemeininternistischer
Sicht
, wobei a
us intern-medizinischer Sicht noch zu er
wähnen
sei
, dass Chauffeurberufe und Tätigkeiten an gefährlichen Maschinen für den Beschwerdeführer ungeeignet seien (
Urk.
9/60/22).
Aus psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer in seinem Migrationshinter
grund gefangen geblieben und habe sich über viele Jahre damit zufriedengege
ben, seine Existenz durch ein minimales Einkommen zu sichern. Auf diesem Hin
tergrund und mit diesen bescheidenen Ansprüchen habe es keine Notwendigkeit gegeben
,
unsere Sprache und Kultur zu lernen oder sich durch eine Ausbildung zu irgendetwas Anspruchsvollem zu befähigen. Der Migrationshintergrund sei
somit
ein schwerer Risikofaktor für ein späteres Versagen unter der gesundheit
lichen Belastung gewesen. Mit angemessener, in unserer Zivilisation übliche
r
Ausbildung und guter soziokultureller Integration
wäre
er in der Lage, vollzeitig eine Tätigkeit auszuführen. Anders formuliert sei zu befürchten, dass er mit seiner aktuellen Problematik und Gesamtpersönlichkeit nie mehr Lohnarbeit werde ver
richten können und dass dafür aber keine psychiatrischen, sondern überwiegend - bei der Beurteilung eines Rentenanspruchs nicht zu berücksichtigende - sozio
kulturelle Faktoren ausschlaggebend seien. Im Stra
ss
enbau verfüge er praktisch über die einzige Berufserfahrung und aus einer eng gefassten psychiatrischen Sichtweise sei er dort - wie auch in einer Verweistätigkeit - nach wie vor voll arbeitsfähig (
Urk.
9/60/51 f.).
Aufgrund der neu diagnostizierten schweren Aortenstenose und auch der (thera
pieresistenten) Hypertonie sei eine abschliessende, noch durchzuführende kardi
ologische Beurteilung unabdingbar (
Urk.
9/60/22).
Zusammenfassend sei dem Beschwerdeführer seit dem
8.
November 2013 die an
gestammte Tätigkeit als Strassenbauarbeiter bleibend nicht mehr zumutbar. In einer behinderungsangepassten Tätigkeit (manuell leichte und mittelschwere Tä
tigkeiten, ohne Heben schwerer Lasten von über 15 kg, in Wechselstellungen aus
führbar,
also
ohne Steh- und Sitzzwang, ohne Besteigen von Leitern und Gerüs
ten, ohne regelmässig stark vornübergeneigte Rumpfhaltung sowie ohne Notwen
digkeit eines ausgeprägten Gleichgewichtsinns) bestehe eine 90%ige Restarbeits
fähigkeit aufgrund der sich diesbezüglich als limitierend erweisenden Polyneuro
pathie, dies unter dem Vorbehalt einer noch zu veranlassenden kardiologischen Beurteilung (
Urk.
9/60/22 f.).
Durch medizinische Massnahmen könne die Arbeitsfähigkeit aufgrund fehlender Leistungsbereitschaft und ungenügender Konsistenz/Motivation wahrscheinlich nicht wesentlich verbessert werden (
Urk.
9/60/23).
3.3
3.3.1
Nachdem gemäss
dem
Bericht des Herzzentrums des Universitätsspitals
J._
vom 4. Dezember 2015 ein gleichentags erstelltes Echokardiogramm den Ver
dacht auf eine schwere Aortenstenose bestätigt hatte (vgl.
Urk.
9/57/1-3), wurde am 20. Januar 2016 eine Koronarangiographie durchgeführt (Bericht des Herz
zentrums des Universitätsspitals
J._
vom 2
1.
Januar 2016;
Urk.
9/59) und am 1
8.
Februar 2016 eine Aortenklappenbioprothese implantiert (
B
ericht
e
des Herz
zentrums des Universitätsspitals
J._
vom 18.
/25.
Februar 2016; Urk. 9/67/
1
-6).
Anschliessend wurde auf entsprechende Empfehlung der MEDAS
B._
hin
(Urk. 9/72-73)
bei
Dr. K._
, Kardiologe FMH, vom Herzzentrum
L._,
ein zusätzliches kardiologisches Gut
achten eingeholt.
3.3.2
In seiner Expertise vom 1
5.
Juni 2016 (
Urk.
9/76) hielt
Dr. K._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (
Urk.
9/76/10):
-
Valvuläre Herzkrankheit
-
Verkalkte Aortenklappe mit schwerer Stenose
-
Paradoxical low flow low gradient, KÖF 0.9cm
2
, mittlerer Gradient 30mmHg
-
Normale linksventrikuläre systolische Funktion
-
Status nach Aortenklappenersatz (biologisch minimal-invasiv Edwards Pe
rimount Magna 3000, 23mm) am 1
8.
Februar 2016
-
Aktuell: normale Klappenfunktion, kein erhöhter Druckgradient, kein paravalvuläres Leck
-
Aktuell: normale linksventrikuläre Funktion, konzentrische linksventriku
läre Hypertrophie, leichte Ektasie der Aortenwurzel, Anstrengungsdyspnoe II
-
QTc-Verlängerung
-
Aktuell ohne Oxynorm Medikation
-
Dignität noch zu evaluieren
Zudem stellte er folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
9/76/10):
-
Peripher arterielle Verschlusskrankheit Stadium I beidseits
-
Koronare Risikofaktoren
-
Diabetes mellitus Typ II, insulinpflichtig
-
Arterielle Hypertonie
-
Gemischte Hyperlipidämie
-
Adipositas I WHO/viszerale Adipositas
-
Bewegungsmangel
-
Metabolisches Syndrom
-
Obstruktives Schlafapnoesyndrom
-
CPAP-Therapie
Dazu führte er aus, es lasse sich eine normale Funktion der Aortenklappenbiopro
these dokumentieren. Die linksventrikuläre Funktion sei erhalten. Das NT pro BNP sei völlig normal
,
womit zur
z
eit keine Herzinsuffizienz vorliege. Bezüglich des Vitiums sei der Beschwerdeführer adäquat therapiert und zeige einen normalen Verlauf. Bezüglich der QTc-Verlängerung seien weitere Abklärungen erforderlich. Als Strassenbauarbeiter sowie in jeglicher mittelschweren bis schweren körperli
chen Tätigkeit sei er zu 100
%
arbeitsunfähig. Eine leicht körperlich belastende Tätigkeit könne ihm hingegen aus rein kardialer Sicht vollschichtig zugemutet werden. Die QT-Verlängerung als solche beeinträchtige die Arbeitsfähigkeit nicht direkt, eine weitere Abklärung sei aber zwingend notwendig. Hinsichtlich einer leichten Tätigkeit dürfte sich hier auch in Zukunft keine Änderung ergeben, eine definitive Beurteilung könne aber erst nach gesicherter Diagnose und empfohle
ner Therapie geschlussfolgert werden (
Urk.
9/76/11 f.).
3.4
Dr. M._
, Oberarzt Invasive Elektrophysiologie am Herzzentrum des Uni
versitätsspitals
J._
, hielt in seinem Bericht vom
1.
November 2016 (Urk. 9/91) fest, es beständen eine normale systolische linksventrikuläre Funktion, hingegen keine Hinweise auf eine QT-Verlängerung oder ein hereditäres Long-QT-Syndrom (S. 1). Aus rhythmologischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit. Die schwere Depression des Beschwerdeführers sei neben dem lumbover
tebralen Schmerzsyndrom möglicherweise der Hauptgrund für seine Arbeitsun
fähigkeit. Die kardialen Befunde
sprächen
nicht gegen eine moderate körperliche berufliche Tätigkeit (S.
2
f.).
3.5
Der Facharzt FMH für Psychiatrie N._, bei welchem der Beschwerdeführer seit dem 26. September 2016 in Behandlung steht, stellte in seinem Bericht vom 28. Februar 2017 (Urk. 9/
95
) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit (S. 1):
-
mittelgradige depressive Episode
-
chronisches invalidisierendes lumbovertebrales Schmerzsyndrom
Dazu führte er aus, die psychotherapeutischen Gespräche hätten vorerst alle zwei Wochen stattgefunden und fänden mittlerweile monatlich statt. Nach Absprache mit Dr. M._ habe er dem Beschwerdeführer das Antidepressivum Sertalin ge
geben, welches keine QT-Verlängerung hervorrufe. Eine leichte Besserung der depressiven Symptomatik sei aufgetreten (S. 2). In seiner angestammten Tätigkeit als Strassenbauer sei er seit dem 8. November 2013 zu 100 % arbeitsunfähig. Es beständen eine Antriebslosigkeit, Kraftlosigkeit, Gedankenkreisen und Kon
zentrationsstörungen, ebenso ein chronisches invalidisierendes lumbovertebrales Schmerzsyndrom. Eine angepasste Tätigkeit im freien Arbeitsmarkt sei nicht zu
mutbar. Seit September 2016 seien Konzentrationsvermögen, Auffassungsvermö
gen, Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit merklich bis deutlich eingeschränkt (S. 3 f.).
4.
4.1
Das polydisziplinäre Gutachten
der MEDAS B._
vom
1. Februar 2016, ergänzt mit einer zusätzlichen Expertise am 15. Juni 2016
(E. 3.2
und E. 3.3.2 hievor
)
,
beruht auf den erforderlichen allgemeininternis
tischen, rheumatologi
schen, psychi
atrischen
, ophthalmologischen,
neurologischen
und kardiologischen
Untersuchungen, ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten Vorakten erstellt. Die Gut
achter legten die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar, beurteilten die medizinische Situation überzeugend und setzten sich mit den geklagten Be
schwerden und dem Verhalten de
s
Beschwerdeführer
s
auseinander.
Sie zeigten auf, dass
aus
ophthalmologischer
und allgemeininternistischer Sicht keine, aus neurologischer Sicht hingegen aufgrund der Polyneuropathie mit gelegentlichen Brennmissempfindungen an den Füssen eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 10 % bestehe. Sie legten dar, dass die bislang nicht schmerztherapeutisch angegangenen Kopfschmerzen bei Analgetika-Übergebrauch keine Arbeitsunfä
higkeit begründen (Urk. 9/60/20). Die Gutachter verneinten aus rheumatologi
scher und kardiologischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit in einer leichten be
schwerdeangepassten Tätigkeit. Sie führten auf, dass keine Herzinsuffizienz vor
liege und dass die
Aortenklappenbioprothese
normal funktioniere. Sie erachteten eine weitere Abklärung der
QT-Verlängerung
als zwingend notwendig, merkten jedoch an, dass diese die Arbeitsfähigkeit nicht direkt beeinträchtige (Urk. 9/60/19 und E. 3.3.2 hievor). Sie wiesen auf ein abnormes Schmerzgebaren hin, welches durch entsprechend ausgeprägte Befunde nicht objektivierbar sei, sowie darauf, dass die Mitwirkung in der rheumatologischen Untersuchung man
gelhaft gewesen sei. Auch in der neurologischen Untersuchung sei eine Selbstli
mitierung erkennbar gewesen (Urk. 9/60/19-20).
Die Gutachter
hielten
ausge
prägte
psychosoziale Belastungsfaktoren
fest und führten aus, dass die allgemeine Reduktion des Aktivitätenniveaus nicht auf psychische Gründe, sondern wohl auf die hohen Blutzuckerwerte und die Schwere der Dekonditionierung zurückzufüh
ren seien und dass auch die Unsicherheit in der Öffentlichkeit auf soziokulturelle Faktoren und eine fehlende Sozialkompetenz und nicht auf psychiatrische Symp
tome im engeren Sinne zurückzuführen sei. Schliesslich legten sie dar, weshalb keine Diagnose aus der F45 Gruppe zu stellen sei (Urk. 9/60/50-52).
Die Gutachter gelangten sodann zum ausführlich begründeten und nachvollziehbaren Schluss, dass
der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit als Strassenbauer seit dem 8. November 2013 nicht mehr arbeitsfähig ist und dass in einer den Beschwerden angepassten,
manuell leichte
n
Tätigkeit
ohne Heben schwerer Las
ten von über 15 kg, in Wechselstellungen ohne Steh- und Sitzzwang
ausführbar
, ohne Besteigen von Leitern und Gerüsten, ohne regelmässig stark vornüberge
neigte
r
Rumpfhaltung sowie ohne Notwendigkeit eines ausgeprägten Gleichge
wichtsinns
eine Arbeitsfähigkeit von 90 % besteht.
Das Gutachten entspricht da
mit den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige medi
zinische Entscheidungsgrundlage (vgl. E. 1.4 hievor).
4.2
4.2.1
Der Beschwerdeführer kritisierte das Gutachten in verschiedener Hinsicht. In Be
zug auf die kardialen Beschwerden ist jedoch festzuhalten, dass diese umfassend abgeklärt wurden. Gutachter Dr. K._ legte nachvollziehbar dar, dass keine Herzinsuffizienz vorliege, dass die
Aortenklappenbioprothese
normal funk
tioniere und dass die Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten Tätigkeit nicht eingeschränkt sei. Er erachtete eine Abklärung der QT-Verlängerung als notwen
dig, welche daraufhin durchgeführt wurde. Der behandelnde Dr. M._ berich
tete dazu, dass
keine Hinweise auf eine QT-Verlängerung oder ein hereditäres Long-QT-Syndrom
beständen und dass die
kardialen Befunde nicht gegen eine moderate körperliche berufliche Tätigkeit
sprächen (E. 3.4 hievor). Inwiefern die kardialen Beschwerden nicht ausreichend berücksichtigt worden sein sollen, ist damit nicht ersichtlich.
4.2.2
Dasselbe gilt für die geltend gemachten psychischen Beschwerden. Wie bereits dargelegt, sind gemäss Gutachter Dr. I._ für den Umstand, dass der Beschwer
deführer wohl keine Lohnarbeit mehr verrichten könne, weit überwiegend inva
lidenversicherungsrechtlich nicht relevante soziokulturelle Faktoren massgeblich. Anlässlich der Begutachtung war er denn auch durchaus in der Lage, Freude zu zeigen und zu lachen, und wirkte beim Gespräch über die Themen Essen, Aufent
halte in der Heimat und Kontakte zu Landsleuten ausgesprochen lebendig und kommunikativ (Urk. 9/60/50). Die Befunde des Gutachters lassen nicht auf eine mittelgradige oder gar schwere depressive Störung schliessen. Eine Diagnose aus der F45 Gruppe wurde vom Gutachter verneint. Im Zeitpunkt der Begutachtung hatte der Beschwerdeführer noch nie eine psychiatrische Behandlung in Anspruch genommen und nahm auch keine Psychopharmaka ein. Ein Leidensdruck scheint damit nicht vorhanden gewesen zu sein. Dass sich der psychische Zustand nach der Begutachtung verschlechtert hat (vgl. dazu E. 5.1 hernach), ändert nichts da
ran, dass auf die vom Gutachter attestierte volle Arbeitsfähigkeit aus psychischer Sicht jedenfalls bis zum Zeitpunkt der Begutachtung abzustellen ist.
4.2.3
In Bezug auf die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht berichtete Gutachter Dr. F._ von einem abnormen Schmerzgebaren und einer mangelhaften Mitwirkung. Auch in der neurologischen Untersuchung war eine Selbstlimitierung erkennbar. Zudem wurden bereits während der Abklärung und Evaluation der arbeitsbezogenen funktionellen Leistungsfähigkeit am 3. und 4. Februar 2014 durch das Zentrum O._ eine fragliche Leistungsbereitschaft und eine deutliche Selbstlimitierung fest
gestellt (Urk. 9/28/4). Ob Dr. C._ dieses Verhalten in seinem Bericht (E. 3.1 hievor) berücksichtigte, ist nicht ersichtlich. Zudem dürfte er die fachfremden allgemeininternistischen Diagnosen und die massive Dekonditionierung bei sei
ner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit miteinbezogen haben. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund dieser Beschwerden wurde von den Gutachtern je
doch nachvollziehbar verneint. Auch die von ihm attestierte 50%ige Arbeitsun
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit vermag damit die Beweiskraft des Gut
achtens nicht in Frage zu stellen.
Das gilt auch in Bezug auf den Bericht der Hausärztin Dr. P._ vom 26. Februar 2015 (Urk. 9/40/6-7), zumal sie zwar eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit bescheinigte, sich zur Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit jedoch gar nicht äusserte. Ihre Ausführungen zum Rentenanspruch, dessen Beurteilung nicht in ihren Aufgabenbereich fällt, rechtfertigen zudem, ihren Bericht mit Zurückhal
tung zu würdigen
(
vgl. dazu
BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
4.2.4
Auf das Gutachten ist nach dem Gesagten abzustellen und es ist - jedenfalls bis zum Zeitpunkt der Begutachtung - von einer 90%igen Arbeitsfähigkeit in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit auszugehen.
5.
5.1
Der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers hat sich nach der Be
gutachtung verschlechtert. Entsprechend begab er sich – nach Erlass des Vorbe
scheids am 12. Juli 2016 (Urk. 9/79) - im September 2016 erstmals in psychiatri
sche Behandlung. Der behandelnde Psychiater berichtete von einer ab diesem Zeitpunkt bestehenden merklich bis deutlichen Einschränkung von Konzentra
tionsvermögen, Auffassungsvermögen, Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit, diagnostizierte eine mittelgradige depressive Episode und ein lumbovertebrales Schmerzsyndrom und attestierte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tä
tigkeit (E. 3.5 hievor). Dies gilt es nachfolgend zu prüfen.
5.
2
Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann die ärztliche Arbeitsfähig
keitsschätzung, zumindest ohne einlässliche Befassung mit den spezifischen nor
mativen Vorgaben und ohne entsprechende Begründung, zwar den rechtlich ge
forderten Beweis des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 Abs. 2 ATSG) nicht erbringen, weil sie weitgehend vom Ermessen des medizinisch-psychiatri
schen Sachverständigen abhängt. Die medizinische Einschätzung der Arbeitsfä
higkeit ist aber eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2). Dabei gilt, dass die versicherte Person als grundsätzlich gesund anzusehen ist und sie ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen kann (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.7.2). Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit haben sich sowohl die medizinischen Sachverständigen als auch die Or
gane der Rechtsanwendung bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den normativen Vorgaben zu orientieren; die Gutachter im Idealfall gemäss der entsprechend formulierten Fragestellung (BGE 141 V 281 E. 5.2). Die Rechtsan
wender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten ha
ben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 E. 6). Im Rahmen der Beweiswürdigung obliegt es den Rechts
anwendern zu überprüfen, ob in concreto ausschliesslich funktionelle Ausfälle bei der medizinischen Einschätzung berücksichtigt wurden und ob die Zumutbar
keitsbeurteilung auf einer objektivierten Grundlage erfolgte (BGE 141 V 281 E. 5.2.2; Art. 7 Abs. 2 ATSG). Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprü
fung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden (BGE 141 V 281 E. 5.2.3; vgl. auch Andreas Traub, in: Ueli Kieser [Hrsg.], Sozial
versicherungsrechtstagung 2016, S. 142 Ziff. 3.3.3), sondern im Rahmen der Be
weiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizi
nisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen (BGE 141 V 281 E. 6; Ur
teil des Bundesgerichts 8C_260/2017 vom 1. Dezember 2017 E. 4.2.4). Entschei
dend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Stö
rung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus ju
ristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsun
fähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der mass
geblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmi
ges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht ge
leistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3, 143 V 418 E. 6
).
5.
3
5.
3
.1
Beeinträchtigungen der psy
chischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschä
den eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In je
dem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit un
abhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
5.
3
.2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018
E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die
funktionellen
Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
-
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich
entscheidend
ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
5.
4
5.
4
.1
Was den K
omplex „Gesundheitsschädigung" respektive den Indikator
der „Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde“ angeht, ist festzuhalten, dass
nur dort, wo bereits in den Diagnosekriterien ein Bezug zum Schweregrad gefordert wird, ein solcher nicht erreichter Schweregrad gegebenenfalls bereits den Ausschluss einer krankheitswertigen Störung erlauben würde. Verallgemeinert auf sämtliche psychiatrischen Diagnosen angewendet, greift diese Auffassung jedoch zu kurz. Fehlt in der Diagnose die Schweregradbezogenheit, zeigt sich die Schwere der Störung in ihrer rechtlichen Relevanz erst bei deren funktionellen Auswirkungen (
vorgenannter BGE 143 V 418
E. 5.2.2). Der Beschwerdeführer leidet gemäss sei
nem behandelnden Psychiater an einer
mittelgradigen
depressiven Störung
sowie
an einem
lumbovertebralen Schmerzsyndrom
. Wie
aber
Gutachter
Dr. I._
ausführlich darlegte, stehen psychosoziale Belastungsfaktoren,
welche
rechtlich keine Invalidität zu begründen vermögen, ganz im Vordergrund des Beschwer
debildes. An diesen hat sich bis zum
Verfügungserlass nichts geändert. Der be
handelnde Psychiater hat sich bei seiner Arbeitsfähigkeitseinschätzung weder da
mit auseinandergesetzt noch diese ausgeschlossen.
In Bezug auf den funktionel
len Schweregrad erweist sich der Indikator der diagnoserelevanten Befunde
dem
nach
als
nicht
aus
geprägt.
5.
4
.
2
Bezüglich des Indikators
„Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resis
tenz“
nahm der Beschwerdeführer erstmals im September 2016 eine psychiatri
sche Behandlung in Anspruch. Sein Gesundheitszustand hat sich bis im Februar 2017 bereits wieder leicht gebessert und die psychotherapeutischen Gespräche konnten reduziert werden (E. 3.5 hievor). Von einer Behandlungsresistenz kann nach einer im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung erst sechs Monate andauernden Behandlung ohnehin nicht ausgegangen werden.
5.
4
.3
Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich be
deutsame Komorbiditäten in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen
hemmende Wirkung beizumessen ist (vorgenannter BGE 143 V 418 E. 8.1). Als „Komorbiditäten“ zu berücksichtigende krankheitswertige Störungen sind mit den somatischen Beschwerden ausgewiesen.
5.
4
.4
Bei den Komplexen „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ ergibt sich Folgen
des: Der Beschwerdeführer ist seit 1984 verheiratet, seine Ehefrau kümmert sich sehr um ihn. Auch wird er von der in unmittelbarer Nachbarschaft wohnenden Tochter unterstützt. Die Kontakte und Beziehungen innerhalb seiner Familie schilderte er anlässlich der Begutachtung als gut und es bestehen keine Hinweise, dass sich dies anschliessend
verändert
hätte. Der behandelnde Psychiater berich
tete, dass der Beschwerdeführer seine Tage zu Hause verbringe und sich kaum bewege, doch wies bereits Gutachter
Dr. I._
darauf hin, dass die allgemeine Reduktion des Aktivitätenniveaus nicht auf psychische Gründe, sondern wohl auf die hohen Blutzuckerwerte und die Schwere der Dekonditionierung zurückzufüh
ren seien und dass auch die Unsicherheit in der Öffentlichkeit auf soziokulturelle Faktoren und eine fehlende Sozialkompetenz und nicht auf psychiatrische Symp
tome im engeren Sinne zurückzuführen sei. Zudem vermag
er
immerhin jeden Tag das Haus zu verlassen und am Nachmittag jeweils 20 Minuten spazieren zu gehen (Urk. 3.2 und E. 3.5 hievor). Durch seine Einbettung in die Familie erhält der Beschwerdeführer eine Tagesstruktur. Trotz eines sozialen Rückzugs enthält sein
Lebenskontext damit bestätigende, sich potenziell günstig auf die Ressourcen auswirkende Faktoren. Hinweise auf eine auffällige Persönlichkeitsstruktur, wel
che negative Auswirkungen auf das Leistungsvermögen hätte, bestehen keine.
5.
4
.5
In der
Kategorie „Konsistenz“ (bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Bezü
gen zu den Komplexen „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ eingehend Michael E. Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in: Jusletter vom 11. Juli 2016, S. 28 ff. [nachfolgend: Ein Jahr Schmerzrechtsprechung], vgl. auch Michael E. Meier, Zwei Jahre neue Schmerzrechtsprechung, in: Riemer-Kafka/Hürzeler [Hrsg.], Das indikatorenorientierte Abklärungsverfahren, 2017, S. 105-148, S. 136 ff. [nachfolgend: Zwei Jahre Schmerzrechtsprechung]) zielt
der Indikator „gleich
mässige Ein
schränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbe
reichen“ auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereic
h) einerseits und in den sonsti
gen Lebensbereichen (z.B. Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist, wobei das Aktivitätsniveau der versicherten Person stets im Verhältnis zur gel
tend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Das Aktivitätsniveau des Beschwerdeführers ist deutlich eingeschränkt, dies je
doch nur teilweise aus krankheitsbedingten Gründen. So berichtete
e
r, dass er noch nie Hobbies gehabt habe, auch sei er noch nie Auto gefahren und im Haus
halt helfe er nicht mit, da dies Frauenarbeit sei. Er hat eine Tagesstruktur, isst regelmässig mit seiner Frau und geht jeden Tag spazieren
(vgl. E. 3.2 und E.
3.5 hievor).
E
ine
gleichmässige Eins
chränkung des Aktivitätsniveaus, die auf gesund
heitliche Beschwerden zurückzuführen wäre, ist
damit
nicht
ersichtlich.
5.
4
.6
Im Rahmen des Indikators „behandlungs- und eingliederungsanamnestisch aus
gewiesener Leidensdruck“ (zur Abgrenzung vom Indikator „Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz“ vgl. Michael E. Meier, Ein Jahr Schmerz
rechtsprechung, S. 25 Rz 60 und Michael E. Meier, Zwei Jahre Schmerzrecht
spre
chung, S. 129) weist d
ie Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben ver
nachlässigt wer
den (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliede
rungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex „Gesundheitsschädigung") auf
den tatsächlichen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Einglie
derung. Inkon
sistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend ge
machte Ein
schränkung sei anders begründet als durch eine ver
sicherte Gesund
heitsbeein
trächtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
Der Beschwerdeführer steht erst seit September 2016
– offensichtlich unter dem Eindruck des Vorbescheids -
in psychiatrischer B
ehandlung, dies mit
zunächst zweiwöchentlichen und
mindestens ab Februar 2017 lediglich noch einem psy
chotherapeutischen Gespräch pro Monat (E. 3.5 hievor). Eine stationäre psy
chiatrische Behandlung fand bislang nicht statt. In Anbetracht der geltend ge
machten ausgeprägten Beschwerden kann bei einer solch geringen Behandlungs
intensität nicht von einem ausgewiesenen Leidensdruck gesprochen werden.
V
or der Verschlechterung seines psychischen Gesundheitszustandes hat sich der Be
schwerdeführer
zudem
nie nachweislich um Eingliederungsmassnahmen bemüht. Eingliederungsanamnestisch ist damit ebenfalls kein Leidensdruck ausgewiesen.
5.
4
.7
Zusammenfassend ist bei gesamthafter Betrachtung über die massgeblichen Indi
katoren eine medizinisch-gesundheitliche Anspruchsgrundlage, welche zur An
erkennung einer
50- oder gar 100%igen
Arbeitsunfähigkeit aus psychischer Sicht führen könnte, nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
Es ist
somit
auch im Verfügungszeitpunkt von einer 90%igen Arbeitsfähigkeit in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit auszugehen.
6.
Der Gutachter formulierte folgendes Belastungsprofil: leichte wechselbelastende Tätigkeit ohne Besteigen von Leitern und Gerüsten,
ohne regelmässig stark vorn
übergeneigte
r
Rumpfhaltung sowie ohne Notwendigkeit eines ausgeprägten Gleichgewichtsinns
. Dass solche Tätigkeiten in einem 90 %-Pensum auf dem aus
geglichenen Arbeitsmarkt nicht vorhanden sein sollten, ist nicht nachvollziehbar. Dem Umstand, dass der Beschwerdeführer auch als Hilfsarbeiter gewisse Tätig
keiten nicht ausüben kann, ist jedoch mit einem Abzug vom Tabellenlohn (vgl. dazu E. 7 hernach) Rechnung zu tragen.
Auch das Alter des Beschwerdeführers spricht nicht gegen eine Verwertbarkeit der 90%igen Restarbeitsfähigkeit.
So wies
er
im diesbezüglich massgebenden (vgl. BGE 138 V 457 E.
3.3) Zeitpunkt der Arbeitsfähig
keitseinschätzung durch
die Gutachter der MEDAS B._
noch eine Resterwerbszeit von mehr als
neun
Jahren auf
.
Da Hilfsarbeiter auf dem hypothetisch ausgeglichenen Arbeits
markt grundsätzlich altersunabhängig nachgefragt werden und angesichts der relativ hohen Hürden, die das Bundesgericht für die Unverwertbarkeit der Rest
arbeitsfähigkeit älterer Menschen entwickelt hat (vgl. hiezu Urteil des Bundes
ge
richts
9
C_
253
/201
7
vom
6
.
Juli
201
7
E. 2.2.2 in fine mit Hinweisen),
ist ein in
validenversicherungsrechtlich erheblich
er
fehlender Zugang zum Arbeitsmarkt
trotz der vorliegend diesbezüglich erschwerenden Umstände (wenig Schulbil
dung, mangelhafte Sprachkenntnisse, Tätigkeit im Strassenbau während rund 25 Jahren)
zu verneinen
.
7.
Zu prüfen bleibt, wie sich das Leistungsvermögen des Beschwerdeführers in wirt
schaftlicher Hinsicht auswirkt.
Die
Beschwerdegegnerin
ging bei der Berechnung des IV-Grades von einem
Valideneinkommen von Fr. 66'820.-- und einem Inva
lideneinkommen von Fr. 59'807.80 in einem 90 %-Pensum aus (vgl. Urk. 9/77), was nicht zu beanstanden ist und vom Beschwerdeführer lediglich in Bezug auf den fehlenden Leidensabzug gerügt wurde (vgl. Urk. 1 S. 12). Nachdem jedoch selbst unter Berücksichtigung des maximal zulässigen leidensbedingten Abzugs von 25 % ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 33 % resultiert, kann offen bleiben, in welchem Umfang ein solcher zu gewähren ist.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
8.
8.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig und sind die Gerichtskosten gemäss Art. 69
Abs. 1
bis
IVG ermessensweise auf Fr.
8
00.-- festzusetzen
und a
usgangsgemäss
de
m
Beschwerdeführer aufzuerlegen
.
Da die Voraussetzungen für die unentgelt
liche
Prozessführung
gemäss § 16 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversiche
ru
ngsgericht (GSVGer) erfüllt sind, sind sie jedoch
einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
8.2
Ebenso sind die
Voraussetzungen für die unentgeltliche
Rechtsvertretung erfüllt und es ist Rechtsanwältin Ursula Reger-Wyttenbach aus der Gerichtskasse zu ent
schädigen.
Die
Entschädigung ist – gestützt auf
§
34
Abs.
3 GSVGer und nach Einsicht in die Kostennote vom
17. Mai 2018 (Urk. 11 und Urk. 12)
– auf Fr. 1
'876.60
(inkl. Barauslagen und MWSt) festzusetzen.
8
.3
Der
Beschwerdeführer ist auf
§
16
Abs.
4 GSVGer hinzuweisen, wonach
er
zur Nachzahlung der
Gerichtskosten sowie der
Auslagen für die Vertretung verpflich
tet werden kann, sofern
er
dazu in der Lage ist.