Decision ID: 8eec7786-1204-5f27-9b12-4b398396e96d
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967,
Mutter eines 1999 geborenen Sohnes
und einer 2006
geborenen Tochter (
Urk.
9/52 S. 2)
, gelernte
Coiffeuse
und seit 1988 als
Wicklerin
tätig (
Urk.
9/9),
meldete sich am 1
6.
Juli 2002 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/4). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Verfügung
en
vom 2
4.
September 2004 (
Urk.
9/36)
und vom 1
5.
Oktober 2004 (
Urk.
9/38)
eine ganze Rente ab Dezember 2001 zu.
A
m
1
9.
Juni 2006 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, sie habe weiterhin An
spruch auf die bisherige Rente bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
(
Urk.
9/51).
1.2
Nach Eingang des Revisionsfragebogens vom 1
7.
März 2014 (
Urk.
9/72) veran
lasste die IV-Stelle ein polydisziplinäres Gutachten, das am 1
6.
Februar 2016 erstattet wurde (
Urk.
9/97). Mit Vorbescheid vom
1.
April 2016 stellte sie der Ver
sicherten die Einstellung der bisher ausgerichteten Rente in Aussicht (
Urk.
9/101
=
Urk.
3
). Dagegen erhob diese am
2.
Mai 2016 (
Urk.
9/104)
,
am
8.
Juni 2016 (
Urk.
9/108)
und am
7.
Juli 2016 (
Urk.
9/112)
Einwände
.
Am
3.
November 2016 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für ein Arbeits
trai
ning von Dezember 2016 bis Mai 2017 (
Urk.
9/125). Am 1
5.
März 2017 forderte die IV-Stelle
die Versicherte
auf, in Wahrnehmung ihrer Mitwirkungspflicht ihre Präsenz per 2
7.
März 2017 auf 4 Stunden und per spätestens
1.
Mai 2017 auf mindestens 5 Stunden pro Tag zu steigern (
Urk.
9/135).
Per 3
1.
März 2017 wurde die Massnahme abgebrochen (
Urk.
9/141, vgl.
Urk.
9/139 =
Urk.
9/143).
Mit Verfügung vom
7.
November 2017 stellte die IV-Stelle die bisher ausge
rich
tete Rente ein (
Urk.
9/156 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
6.
Dezember 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom
7.
November 2017 (
Urk.
2) mit den Anträgen (
Urk.
1 S. 2 Mitte), diese sei auf
zuheben und es sei ihr die bisherige Rente weiter auszurichten (
Ziff.
1), eventuell sei die Sache zur Vornahme einer polydisziplinären Begutachtung an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Ziff.
2). Am 1
4.
Dezember 2017 reichte sie einen Arztbericht (
Urk.
6)
nach (vgl.
Urk.
5).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
Januar 2018 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
1.
Februar 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
3.
Die Versicherte wurde am
1
9.
Dezember 2000
Opfer einer Körperverletzung (
Urk.
9/14/99).
Die Suva sprach ihr mit Verfügung vom 1
3.
Februar 2004 eine Invalidenrente entsprechend einer Erwerbsunfähigkeit von 100
%
ab Februar 2004
(
Urk.
9/28
=
Urk.
9/48
/
4-6) und mit Verfügung vom
1.
Februar 2006 eine Integritätsentschädigung entsprechend einer Integritätseinbusse von 50
%
(
Urk.
9/48/2-3) zu.
Mit Verfügung vom 2
1.
Juni 2016 reduzierte
die Suva
die Rente ab Juli 2016 auf 38
%
(
Urk.
9/111 =
Urk.
9/114). Dies bestätigte sie mit
Einspracheentscheid
vom
3.
Januar 2017 (
Urk.
9/129).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
be
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
ga
benbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hin
wei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lich
en
gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
acht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
geh
end objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regel
fall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.5
Im Regelfall ist eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf dem Weg der Selbsteingliederung zu verwerten. Nach langjährigem Rentenbezug können ausnahmsweise Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medi
zinisch vorhandenen Leistungsfähigkeit und medizinisch möglichen Leis
tungs
entfaltung entgegenstehen, wenn aus den Akten einwandfrei hervorgeht,
dass die Verwertung eines bestimmten Leistungspotenzials ohne vorgängige Dur
ch
führung befähigender Massnahmen allein vermittels Eigenanstrengung der versicherten Person nicht möglich ist. Diese Rechtsprechung ist grundsätzlich auf Fälle zu beschränken, in denen die (revisions- oder wiedererwägungsweise) Her
ab
setzung oder Aufhebung der Invalidenrente eine versicherte Person betrifft, welche das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen hat.
Dies
bedeutet nicht, dass die darunter fallenden Rentnerinnen und Rentner einen Besitzstandsanspruch geltend machen könnten; es wird ihnen lediglich zugestanden, dass – von Ausnahmen abgesehen – aufgrund des fort
ge
schrittenen Alters oder einer langen Rentendauer die Selbsteingliederung nicht mehr zumutbar ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_39/2012 vom 24. April 2012 E. 5.1 mit Hinweisen; vgl. auch Urteile Bundesgerichts 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.4 und 9C_412/2014 vom 20. Oktober 2014 E. 3.1).
1.6
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1
IVG
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in
Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt
werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen
lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4
.2 mit Hinweisen).
1.7
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten
ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienst
jahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswir
kungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurch
schnitt
lichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf
25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
bb
-cc).
Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen kör
per
lich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Ein
schränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (Urteil 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1).
1.8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, das eingeholte Gutachten zeige, dass sich der Gesundheitszustand der Be
schwerdeführerin seit Januar 2015 verbessert habe (S. 2 oben). Die rechtspre
chungs
gemäss erforderliche Prüfung allfälliger Eingliederungsmassnahmen sei erfolgt, und eine erneute Begutachtung sei nicht erforderlich, da sich zwischen
zeitlich keine Veränderung der medizinischen Situation ergeben habe (S. 3 oben). Eine an ihren Gesundheitszustand angepasste Tätigkeit sei der Beschwerde
füh
rerin zu 80
%
zumutbar, womit ein Invaliditätsgrad von 20
%
resultiere (S. 2 unten).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), auf das eingeholte Gutachten könne aus näher dargelegten Gründen nicht abge
stellt werden (S. 5
Ziff.
1a, S. 8 f
f
.
Ziff.
2
). Die dem Entscheid zugrunde gelegte Beurteilung durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) beruhe auf falschen Annahmen (S. 6 f.
Ziff.
1c)
, ebenso die Begründung der angefochtenen Verfügung (S. 10
Ziff.
3). Das
Valideneinkommen
sei unzutreffend festgesetzt worden (S. 11
Ziff.
4a) und das Invalideneinkommen sei unrealistisch hoch (S. 12
Ziff.
4b). Eine Selbsteingliederung sei ihr aus näher genannten Gründen nicht möglich (S. 12 ff.
Ziff.
5).
2.3
Strittig und zu prüfen
sind
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin und ob diesbezüglich auf das eingeholte Gutachten abgestellt werden kann, die Fra
ge der Eingliederungsmassnahmen
sowie die Invaliditätsbemessung.
3.
3.1
Am 1
9.
Dezember 2000 wurde die Beschwerdeführerin von ihrem ehemaligen Freund angegriffen und erlitt einen Unterschenkel-Durchschuss links mit
Tibiaschaft
-Trümmerfraktur (
Urk.
9/14/96-97 S. 1 Mitte).
3.2
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Chirurgie, Suva-Kreisarzt führte im Bericht vom 1
1.
September 2002 (
Urk.
9/14/4-7
=
Urk.
9/25/28-31 =
Urk.
9/77/231-234
) über die gleichentags erfolgte Untersuchung unter anderem aus, wenn man unab
hängig vom subjektiven Beschwerdebild lediglich die objektivierbaren Befunde betrachte, so wäre eigentlich eine halbtägige sitzende Arbeit, wie die als
Wicklerin
ausgeführte, zumutbar (S. 4 oben).
3.3
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
the
rapie
,
Suva Versicherungsmedizin, berichtete am 2
8.
April 2003 über ihre am 1
6.
April 2013 erfolgte Untersuchung (
Urk.
9/149/87-100).
Sie führte unter anderem aus, die Beschwerdeführerin berichte neben den anhaltenden Schmerzen im Bein und
phasenweise im Rücken über eine Grundstimmung der Angst. Daneben bestehe eine deutlich depressive Verstimmung in mittelschwerem Ausmass mit leichteren und schwereren Phasen. Zusätzlich
bestünden episodisch Angstzustände. Alle diese Beschwerden stünden in engem Zusammenhang mit dem konkreten Anlass der Fussverletzung und des vermuteten Tötungsversuchs
vom 1
9.
Dezember 20
00 sowie der fortgesetzten Bedrohung für sie und ihr Kind
durch den Täter.
Nach ICD-10
entspreche
dies einer Angst- und depressiven Reaktion gemischt (F43.22
)
.
Bei
den fortbestehenden Schmerzen stell
e
sich die
Frage, in welchem Ausmass diese durch die fortbestehende reale Bedrohung und die
Konfliktsituation ver
stärkt w
ü
rden. Man müsste dann von einer anhaltenden somatoformen
Schmerz
stö
run
g (
ICD-10
F45.4)
ausgehen (S. 13 oben)
.
Bezüglich Arbeitsfähigkeit sei deutlich geworden, dass die Beschwerdeführerin nicht aus Gründen der Schmerzen, sondern wesentlich aus Gründen der fortge
setzten Angst nicht in der Lage sei, die Arbeit
wieder aufzunehmen
. Die Sorgen um ihr Kind wirkten sich unter anderem auf ihre Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit am Arbeitsplatz aus (S. 13 unten).
3.4
Am
9.
Januar 20
0
6 berichtete
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.3) über ihre am 1
3.
Dezember 20
0
5 erfolgte Untersuchung (
Urk.
9/7
7
/156-
164).
Sie führte unter anderem aus, die Beschwerdeführerin
leide weiterhin unter einem aus
ge
prägten ängstlich depressiven Syndrom, das unterhalten werde durch die geäus
serten Drohungen, die von Zeit zu Zeit vom Täter zu ihr gelangten und durch den Zwang, ein äusserst kontrolliertes, eingeschränktes, zurückgezogenes Leben führen zu müssen. Das bedeute, dass weiterhin reale Anlässe zu Angst und Sorge
bestünden und verhinderten, dass sich die Symptomatik bessern könne (S. 6 oben
).
Aus versicherungspsychiatrischer Sicht sei die im Frühjahr 2003 beschriebene Symptomatik damit nicht abgeklungen, sondern müsse weiterhin als ausgeprägt und fünf Jahre nach dem Ereignis als in etwa demselben Ausmass dauerhaft betrachtet werden und gesamthaft als mittelschwer beurteilt werden, da sie die Beschwerdeführerin nicht nur in ihrer Arbeitsfähigkeit, sondern auch in ihrem alltäglichen Leben einschränke. Das entspreche einem Integritätsschaden von 50
%
(S. 6 Mitte).
4.
4.1
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.3) b
erichtete am 1
7.
Juli 2013 über ihre am
2
4.
April 2013 erfolgte Untersuchung der Beschwerdeführerin (
Urk.
9/77/27-37). Sie
führte unter anderem aus, diagnostisch habe die behandelnde Psychia
te
rin von einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) gesprochen. Das Ereig
nis
von 2000
sei potenziell lebensbedrohlich gewesen und die
lang anhaltende
Droh
ung gegenüber der Beschwerdeführerin und ihren Kindern habe eine erhebliche Belastung bedeutet, welche Symptome einer PTBS auslösen könne. Die von der Beschwerdeführerin beschriebenen Symptome entsprächen jedoch - aus näher dargelegten Gründen (S. 8 oben) - eher einer Anpassungsstörung (S. 8 unten). Sie
nannte folgende Diagnosen (S. 7 unten):
-
Angst und depressive Reaktion gemischt im Sinne einer protrahierten,
chronifizierten
Anpassungsstörung (ICD-10 F43.22)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
Sie führte unter anderem aus,
gegenüber den letzten beiden Untersuchungen habe die Beschwerdeführerin psychisch etwas stabiler gewirkt, jedoch nicht
so
ausge
prägt,
wie man das hätte erwarten können. Sie lebe mittlerweile seit vielen Jahren in stabilen Verhältnissen zusammen mit ihrem Partner, ihrem Sohn aus der ersten Beziehung und der Tochter aus der jetzigen Partnerschaft. Sie habe, wenn auch in bescheidenem Rahmen, einen neuen Bekanntenkreis, und ihren Kindern gehe es gut (S
. 8 oben).
Erst nachdem das Unfallereignis und die immerhin etwas in den Hintergrund getre
tene Bedrohung durch den Täter zumindest partiell
entaktualisiert
sei
en
, träten die Persönlichkeitszüge der Beschwerdeführerin mehr zu Tage. Sie seien zwar theoretisch unfallfremd, setzten andererseits der Bewältigung der Unfall
folgen und der aktuellen Lebensbewältigung Grenzen. Sie werde deshalb wahr
scheinlich auch längerfristig auf psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung angewiesen sei. Warum dies so sei und warum sie nicht wieder arbeitsfähig geworden sei, werde dadurch zumindest partiell nachvollziehbar (S. 10 Mitte).
4.2
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in ihrem Bericht vom 1
1.
Dezember 2013 (
Urk.
9/77/16-17) unter anderem aus,
von Juli 2008 bis Dezember 2013
hätten bei ihr 97 Konsultationen stattgefunden, im Jahr 2013 habe sie die Patientin alle 2-5 Wochen gesehen (S. 1 Mitte).
4.3
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seinem Bericht vom
5.
Oktober 2014 (
Urk.
9/80) aus, er behandle die Beschwerde
führerin seit 2
9.
Januar 2014 (
Ziff.
1.2), und nannte folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
langjähriger Verlauf einer
PTBS
(ICD-10 F43.1)
-
Narbenschmerzen Unterschenkel links
-
chronisches
zervikospondylogenes
Syndrom
-
Migräne
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er einen Status nach Adipositas-
Magenbypassoperation
2012 und Operationen eines Karpal
tunnel
syndroms (CTS) rechts März 2014, links 2008 (
Ziff.
1.1).
Er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
für die zuletzt ausgeübte Tätig
keit als
Wicklerin
(
Ziff.
1.6). In einer leichten Tätigkeit in wechselnden Positionen und mit Pausen, beispielsweise im Haushalt, sei die Patientin zu 15
%
einsatz
fähig (
Ziff.
1.
11).
4.4
4.4.1
Am 1
6.
Februar 2016 erstatteten die Ärzte des
C._
ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
9/97/1-56). Sie stützten sich auf die ihnen überlassenen Akten (S.
2 f., S.
27 ff.), die von ihnen am
9.
Dezember 2015 (S. 2 oben) erhobenen Befunde sowie die
Ergebnisse einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL), die am 12./1
3.
Januar 2016 erfolgte (
Urk.
9/97/87-100).
4.4.2
In orthopädischer Hinsicht wurde zum jetzigen Leiden ausgeführt, seit dem letzten Eingriff am 1
8.
November 2002 persistier
t
en unveränderte Schmerzen im gesamten linken Bein, die nicht näher umschrieben werden könnten, in letzter Zeit zugenommen hätten und bis zum linken oberen Sprunggelenk und bis zur Halswirbelsäule ausstrahlten, wodurch der Schlaf gestört sei. Das Sitzen sei schmerz
bedingt auf fünfzehn Minuten und das Laufen auf zwanzig Minuten limitiert. Auf einen Gehstock werde verzichtet. Das Heben und Tragen von Lasten sei schmerzhaft. Analgetika würden regelmässig verwendet. Gelegentlich sei das linke Bein geschwollen (S. 3
Ziff.
3.2.1).
Bei den
orthopädischen
Untersuchungsbefunden (S. 6 f.
Ziff.
5.2) wurde unter anderem berichtet, alle Bewegungen der Halswirbelsäule seien schmerzhaft (S. 6 Mitte), Schulter-, Ellbogen- und Handgelenke seien beidseits un
auf
fällig
(S.
7 Mitte). Der Oberschenkelumfang
betrage
10 cm über dem proximalen
Patellapol
rechts 51 cm und links 50 cm, der grösste Wadenumfang rechts und links 39 cm und der Fesselumfang rechts und links 22 cm (S. 7).
Im Abschnitt über die EFL (S. 9 ff.
Ziff.
7.2) wurde unter anderem über eine fehlende Kraft im linken Bein in allen Richtungen bei manueller Überprüfung berichtet und ausgeführt, die sehr schwachen Kraftwerte links könnten nicht nachvollzogen werden,
insbesondere
weil nur eine mässige Muskelatrophie links in den Oberschenkeln festzustellen sei. Eine Schwäche im linken Unterschenkel könne eventuell nachvollzogen werden, eine Delle in den Dorsalflexoren und
Peroneusmuskeln
sei sichtbar. Die schwachen gemessenen Handkraftwerte könnten
ebenfalls nicht nachvollzogen werden (S. 12 oben). Die standardisierte Bewertung der einzelnen Bereiche habe eine mässige Symptomausweitung ergeben. Infolge
mässiger Symptomausweitung, Selbstlimitierung und Inkonsistenz seien die Resul
tate der Handkraft links und rechts für die Beurteilung der zumutbaren
Belast
barkeit nicht verwertbar. Es sei
davon auszugeben, dass bei gutem
Effort
eine
bessere Leistung
als die gezeigte erbracht werden könnte
.
Das Ausmass der demonstrierten physischen Einschränkungen
lasse
sich mit den
geringfügigen objektivierbaren pathologischen Befunden nicht erklären
(S. 12 unten)
.
Zumutbar sei leichte bis mittelschwere Arbeit, wechselbelastend sitzend, stehend und gehend (S. 13 Mitte). Die - näher beschriebene (S. 15 unten) - Tätigkeit sei, ohne oft fein koordinative Handarbeit, vollumfänglich zumutbar (S. 13 oben).
4.4.3
In psychiatrischer Hinsicht wurde unter anderem ausgeführt, die Explorandin habe nach der Schussverletzung 2000 Symptome einer
PTBS
entwickelt,
mit sich aufdrängenden bildhaften
Erinnerungen tags und nachts in Zusammenhang mit den damaligen
Partnerproblemen, verbunden mit depressiven Verstimmungen,
Angstzuständen, Schreckhaftigkeit, Vermeidungsverhalten, sozialem
Rückzug und
Schlafstörungen. Diese Symptome l
ie
ssen sich über Jahre erheben, wobei unter
psychotherapeutischer Behandlung eine Besserung des psychischen
Zustands
bildes eingetreten
sei.
Es l
ie
ssen sich inzwischen
lediglich
Restsymptome einer
PTBS
erheben mit gelegentlichen
Albträumen und Angstträumen, Schreckhaftig
keit
, und hinzu kä
men seit
Jahren Symptome einer Angst und depressiven Störung gemischt
.
Es
hand
l
e sich dabei um das Vorhandensein von Angst und depressiver
Störung in leichter bis mittlerer Ausprägung. Zum Untersuchungs
zeitpunkt
best
ünd
en lediglich Hinweise für eine Angst und depressive Störung
gemischt in leichter Ausprägung
(S. 39 Mitte).
Es fänden sich
keine Hinweise für eine Persönlichkeitsstörung
(S. 39).
Aufgrund der anhaltenden Schmerzsymptomatik nach der
Schussverletzung im linken Bein mit Symptomausweitung und anhaltenden
Schmerzen k
önne
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
angenommen werden, bei der die Schmerzen durch eine organische
Störung nicht ausreichend erklärt werden könn
t
en und in Verbindung mit
emotionalen Konflikten und psychosozialen Prob
lemen st
ünd
en
(S. 39 unten)
.
Dabei
fänden
sich Hinweise auf einen sekundären Krankheitsgewinn
,
und es
bestehe
eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen
und dem gezeigten Verhalten. Es w
ü
rden intensive Schmerzen angegeben,
deren Charak
terisierung vage bleib
e
und es finde sich ein demonstrativ
vorgetragenes Klagen
(S. 41 oben)
.
N
eben der
psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung
sei
bisher keine psychosomatische Behandlung
erfolgt
und damit
seien
die
therapeutischen
Optionen nicht ausgenützt. Auch
habe die Explorandin
selbständig
die antide
pressive Medikation
reduziert,
und es l
asse
sich auch kein wesentlicher
Leidens
druck erkennen.
D
ie
Symptome einer
PTBS
hätten
sich unter therapeutischer Behandlung gebessert
u
nd es f
ä
nden sich
zum Untersuchungs
zeitpunkt lediglich Restsymptome
.
Symptome einer Angst und Depression liessen sich gegenwärtig nur in leichter Ausprägung erheben.
Damit besteh
e
keine psychische Komor
bi
dität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer
,
und es
sei
anzunehmen,
dass diese Angst und depressive Störung durchaus unter gezielten
therapeu
ti
schen Massnahmen weiter verbesserbar s
eien
. Die Explorandin
erhalte
seit Jahren eine psychiatrische und psychotherapeutische
Behandlung, kombiniert mit anti
de
pressiver Medikation, wobei sie
inzwischen die Antidepressiva selbständig reduziert ha
be
. Unter Fortsetzung
der antidepressiven, angstlösenden Medikation
sei
ein weitgehendes
Abklingen der Angst und depressiven Störung gemischt zu erwarten
(S. 41 Mitte)
.
Bei der Beurteilung des sozialen Kontexts l
ie
ssen sich derzeit
keine wesentlichen psychosozialen Faktoren erheben, die direkt negative
funktionelle Folgen zeig
t
en, nachdem die Explorandin seit Jahren eine volle
IV-Rente erh
alte
. Ausserdem ha
be
sie seit Jahren eine stabile Partnersituation
(S. 41 unten)
.
Bei der Beurteilung der Konsistenz
lasse
sich keine gleichmässige
Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren
Lebensbereichen erheben. Die Explorandin zeig
e
zahlreiche Aktivitäten
tagsüber, während sie glaub
e
, keiner be
ruflichen Tätigkeit nachgehen zu
können. Daneben
sei
zu erheben, dass vor
dem Eintritt der
Gesundheitsschädigung ausreichend Aktivitäten bestanden h
ätt
en
(S. 41 f.)
.
Zu den
Funktionseinschränkungen und Ressourcen
wurde im Gutachten ausge
führt, a
ufgrund der Angst und depressiven Störung gemischt in leichter
Aus
prägung und der Restsymptome einer
PTBS
ersch
ie
nen die emotionale Belast
bar
keit, die geistige
Flexibilität, Antrieb, Interessen, Motivation und Dauerbelast
bar
keit gering
beeinträchtigt
(S. 42
Ziff.
7.3).
Trotz der beschr
iebenen psychischen Störungen lie
ssen sich bei der
Explorandin Ressourcen erheben. Sie zeig
e
zahlreiche Aktivitäten im
Rahmen des Tagesab
laufes, würde die Tochter mit dem Auto zur Schule
fahren und abholen, gehe The
rapien nach, würde kochen, einkaufen, helfe
der Tochter bei den Hausauf
ga
ben, pfleg
e
gewisse soziale Kontakte,
sei
gut
kommunikationsfähig und gut kon
taktfähig
(S. 42 unten).
4.4.4
Nach am
2.
Februar 2016 erfolgter Konsensbesprechung
(S. 2 oben) nannten d
ie
Ärzte
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
53
Ziff.
12.1):
-
Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine Flexionseinschränkung des linken Kniegelenks nach Schussverletzung mit
Tibia
schaft-Trümmerfraktur
links, Revision der proximalen Tibia mit Osteotomie und
Sequestrektomie
sowie Second-Look-Operation November 2002, Senk-/Spreiz
fü
sse, eine
PTBS
(ICD-10 F43.1), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), eine arterielle Hypotonie, eine Hypothyreose, einen Status nach
Magenbypassoperation
2012 wegen morbider
Obesitas
und eine
Rhinoconjunctivitis
allergica
(S. 53 f.
Ziff.
12.2).
Zur Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit führten sie aus, nachdem die Schmerzen im gesamten linken Bein mit Ausstrahlung in den Nacken und in das linke obere Sprunggelenk und die demonstrierten pathologischen Untersuchungs
befunde bei unauffälligem radiologischem Befund nicht erklärt werden könnten, bestehe spätestens seit März 2003 bei voller Stundenpräsenz eine volle Arbeits
fähigkeit (Arbeitsunfähigkeit 0
%
) als
Magnetwicklerin
. Aufgrund der Angst und depressiven Störung gemischt in leichter Ausprägung seien die emotionale Belastbarkeit, die geistige Flexibilität, der Antrieb, die Interessen, die Motivation und die Dauerbelastbarkeit leicht beeinträchtigt, so dass die Arbeitsfähigkeit als
Magnetwicklerin
seit Januar 2015 gesamthaft bei voller Stundenpräsenz 70
%
(Arbeitsunfähigkeit 30
%
) betrage (S. 54
Ziff.
13.1).
Zur Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit führten sie aus, Tätig
keiten ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne Stressbelastung, ohne erforder
liche geistige Flexibilität, ohne vermehrte Kundenkontakte und ohne überdurch
schnittliche Dauerbelastung könnten gesamthaft bei voller Stundenpräsenz seit Januar 2015 zu 80
%
(Arbeitsunfähigkeit 20
%
) zugemutet werden. Vorangehend habe eine volle Arbeitsfähigkeit bereits in bisheriger Tätigkeit bestanden (S. 54
Ziff.
13.2).
Zur Prognose führten sie unter anderem aus,
diese erscheine
aus psychiatrischer Sicht nach dem bisherigen Krankheitsverlauf eher günstig. Unter psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung kombiniert mit antidepressiver Medika
tion habe seit Jahren eine zunehmende Besserung des psychischen Zustandsbilds erreicht werden können und seit mindestens einem Jahr lasse sich auch eine Besserung der exogenen Belastungen mit Wegfall der Drohungen (durch den Täter von 2000) feststellen. Die psychiatrische und psychotherapeutische Behand
lung
kombiniert mit angstlösender antidepressiver Medikation
sei
fortzusetzen
,
und
unter regelmässiger Medikamenteneinnahme
sei
eine weitere Besserung des
psychischen Zustandsbilds innerhalb eines Jahres mit Leistungssteigerung
und
voller Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit gesamthaft bei voller
Stunden
präsenz zu erwarten. Bezüglich der anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung bed
ürfe
die Explorandin ebenfalls einer regelmässigen
psychiatrischen und psy
chotherapeutischen Behandlung mit
verhaltenstherapeutischen Massnahmen und Erlernen von Strategien im
Umgang mit Schmerzen und zur Schmerzbe
wälti
gung. Daneben
seien
auch
psychosomatische Behandlungen oder teilstationäre Behandlungen möglich
(S. 55
Ziff.
13.4)
.
4.5
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in seinem Schreiben vom 1
6.
Juni 2016 (
Urk.
9/113) aus, die Beschwerdeführerin sei seit mehr als 10 Jahren bei ihm in Behandlung (S. 1
Ziff.
1). Er
nannte
die folgenden, hier verkürzt angeführten Diagnosen (S. 1
Ziff.
2):
-
ausgeprägte narbige Alteration der tiefen Unterschenkelmuskulatur
-
sekundäre Hüft- und Beckenbeschwerden in Folge von sekundärem Muskelhartspann der
Glutealmuskulatur
unter anderem mit
referred
pains
-
posttraumatische Angsterkrankung
Aus seiner Warte sei die Beurteilung im Gutachten (vorstehend E.
4.4
) da
hin
gehend zu ergänzen, dass tiefe Muskelstrukturen, narbige Wucherungen und Verklebungen und Adhäsionen für die Schmerzen verantwortlich sein müssten und nicht, wie beschrieben, der reizlose Zustand der äusserlich palpablen Narben (S. 1
Ziff.
4).
4.6
Dr.
B._
(vorstehend E.
4.3
)
nannte
in seinem Schreiben vom 2
9.
Juli 2016 (
Urk.
9/116) folgende Diagnosen (S. 1
Ziff.
2):
-
Angst und Depression gemischt, vorwiegend mittelgradig ausgeprägt (ICD-10 F41.2) bei Restsymptomatik einer PTBS
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Hypothyreose, unter Substitution kompensiert
Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Wicklerin
betrage 30-40
%
(S.
2
Ziff.
4). In einer behinderungsangepassten Tätigkeit (ohne psychische Belas
tung, in ruhiger Umgebung, ohne Leistungsdruck, mit wechselnden Körper
posi
tionen) betrage die Arbeitsfähigkeit 50
%
(S. 2
Ziff.
5).
4.7
Ein MRI der Halswirbelsäule (HWS) vom
4.
November 2016 ergab eine Seg
ment
degeneration C5/6 mit schwerer aktivierter
Unkovertebralarthrose
rechts und
begleitender
Diskusprotrusion
sowie eine beidseitige
Foraminalstenose
C5/6 rechts
mehr als links mit Kompression der Nervenwurzel C6 rechts und möglicher Reizung von C6 links (
Urk.
9/131).
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Kardiologie, der das MRI veranlasst hatte, gab auf Anfrage der Beschwerdeführerin als Grund dafür ein seit Jahren bestehendes
Taubheitsgefühl der oberen Extremitäten und einen Status nach Karpaltunnelsyndrom beidseits vor 3 Jahren an (
Urk.
9/133
Ziff.
1). Er habe eine symptomatische Therapie mit Analgetika und Antirheumatika sowie Physiothe
rapie veranlasst (
Urk.
9/133
Ziff.
3).
4.8
Im Schlussbericht vom 3
1.
März 2017 über das am 2
9.
November 2016 aufge
nommene und am 3
1.
März 2017 abgebrochene Arbeitstraining (
Urk.
9/139 =
Urk.
9/143) wurde unter anderem ausgeführt, die Beschwerdeführerin habe ab dem 1
6.
Januar 2016 die Präsenzzeiten auf 3 Stunden an 5 Tagen pro Woche steigern können (S. 4 oben). Sie sei damit glaubhaft an ihrer psychischen und physischen Belastbarkeitsgrenze gewesen (S. 4 unten).
Aufgrund der physischen und psychischen Einschränkungen werde zurzeit die Integration in den ersten Arbeitsmarkt als nicht gegeben gesehen (S. 5 unten).
4.9
Dipl. med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für
Neurologie, RAD, führte in seiner Beurteilung vom 1
9.
Mai 2017 (
Urk.
9/157 S. 2 f.
) aus,
die Eingliederungsmassnahmen seien abgebrochen worden, da die Beschwerdeführerin das Pens
um nicht über 3 Stunden habe
steigern können; es habe sich keine verwertbare Arbeitsleistung für den ersten Arbeitsmarkt ergeben. E
s bestehe
(somit)
eine Diskrepanz zwischen der medizinisch-theoretischen Beurteilung und der tatsächlich gezeigten Leistung. Zudem seien neue Unterlagen bezüglich der HWS eingereicht worden (S. 2 unten). Er empfahl eine erneute polydisziplinäre Begutachtung (S. 3 oben).
Med.
pract
.
G._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates, RAD, veranlasste das Einholen weiterer Unter
lagen (
Urk.
9/157 S. 3 Mitte) und führte sodann in ihrer Beurteilung vom 2
6.
Juli 2017 (
Urk.
9/157 S. 4 f.)
unter anderem
aus, im Vergleich zum
C._
-Gutachten sei kein neuer psychiatrischer Sachverhalt ausgewiesen (S. 4 Mitte). Mit dem MRI vom November 2016 sei zwar ein neuer Befund erhoben worden, die zugrundeliegenden Beschwerden bestünden jedoch seit Jahren, also auch im Zeitpunkt des Gutachtens.
Die verordneten Therapien liessen ebenfalls keine
schwerwiegende Veränderung des Gesundheitszustands vermuten (S. 4). Den Leis
tungsabrechnungen der Krankenkasse (vgl.
Urk.
9/148) sei keine Veränderung (Zunahme) der ärztlichen Interventionen seit Beginn der Eingliederung zu ent
nehmen (S. 4 unten).
4.10
Dr.
D._
(vorstehend E.
4.5
) führte in seinem Schreiben vom 2
9.
November 2017 (
Urk.
6) unter anderem zur Bemerkung im Gutachten, die Patientin habe immerhin wegen eines Todesfalles in ihre Heimat fliegen können, aus, die Angst, im Dunkeln überfallen zu werden
,
gehöre in eine andere Kategorie als Flugangst
in behüteter Gesellschaft, und kulturell bedingt habe für
die Patientin
die Teil
nahm
e
an der Beerdigung einen hohen Stellenwert gehabt (S. 1 unten).
5.
5.1
Zu prüfen ist in einem ersten Schritt die Verwertbarkeit des
C._
-Gutachtens, dies bezüglich der dagegen beschwerdeweise erhobenen Einwände (
Urk.
1 S. 7 ff.) und bezüglich der rechtsprechungsgemässen Vorgaben für ein strukturiertes Be
weisverfahren (vorstehend E. 1.4
).
5.2
In der Beschwerde (
Urk.
1) wurde geltend gemacht, das Gutachten bilde nicht ab, dass die Beschwerdeführerin nach wie vor an erheblichen gesundheitlichen Be
schwerden leide, die sie in ihrer Arbeitsfähigkeit unverändert einschränkten (S. 7
Ziff.
2a). Die Bedrohung durch den Ex-Ehemann werde zu Unrecht unterbewertet, obwohl diese «unverändert vorhanden» sei und die Beschwerdeführerin weiterhin erheblich ängstige und beeinträchtige. Sie habe den Wohnort mehrfach ge
wech
selt und lebe nach wie vor sozial sehr zurückgezogen (S. 8). Folgt man den Anga
ben von
Dr.
Z._
, welche die Beschwerdeführerin 2003, 2006 und 2013 untersucht hat, dann ist die genannte Bedrohung nicht «unverändert vor
han
den», sondern
«immerhin etwas in den Hintergrund getreten» und «zumindest partiell
entaktualisiert
» (vorstehend E. 4.1). Zudem trifft es zwar zu, dass die Beschwerdeführerin den Wohnort gewechselt hat, nämlich im Januar 2003 (
Urk.
9/42)
und sodann vor Juli 2010 (vgl.
Urk.
9/65), mithin
letztmals
vor vielen Jahren. Damit verliert der erhobene Einwand erheblich an Plausibilität.
Die im Gutachten getroffene Annahme einer erheblichen Verbesserung der Ge
sund
heit sei angesichts des zuvor jahrelang unverändert schlechten psychischen Gesundheitszustandes und auch im Vergleich mit den Ergebnissen der aus
führ
lichen psychiatrischen Untersuchung durch
Dr.
Z._
im April 2013 nicht nachvollziehbar und auch nicht überwiegend wahrscheinlich; diese habe
ausdrücklich auf Persönlichkeitszüge der Beschwerdeführerin hingewiesen, welche
die Bewältigung der Unfallfolgen erschwerten (S. 8
Ziff.
2b).
Dr.
Z._
hat
in ihrer Beurteilung von 2013 (vorstehend E. 4.1) nicht ausgeführt, der Gesundheitszustand habe sich im Zeitverlauf nicht verbessert, sondern ledig
lich - in ihrem Text allerdings nicht näher umschriebene - Persönlichkeitszüge erwähnt, die nach dem Abklingen der direkten Unfallfolgen der Bewältigung und der Lebensbewältigung Grenzen setzen würden. Wie es sich damit verhält, ist im Zusammenhang mit dem strukturieren Beweisverfahren (nachstehend E.
5.3
) zu erörtern.
Bezüglich der nach wie vor bestehenden unfallbedingten, somatischen Be
schwerden
geh
e
das Gutachten zu Unrecht von Selbstlimitierung,
Symptom
aus
weitung und Krankheitsgewinn und ähnlich negative
n
Beurteilungen aus
, dies
im Gegensatz zur Beurteilung der Suva, die nach wie vor somatische Unfallfolgen
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit anerkenn
e
und eine Rente ausgehend
von einem Invaliditätsgrad von 38
%
ausrichte (S
.
9
Ziff.
2d). Dieser Einwand verkennt, dass die Suva ihre
n Entscheid nicht in Abweichung vom Gutachten getroffen, sondern sich vielmehr auf eben dieses Gutachten abgestützt hat. Dies ergibt sich zweifelsfrei aus dem Aktenverzeichnis vom 1
8.
Juli
2017 (
Urk.
9/149/1-6), wo auf den Eingang des
C._
-Gutachtens am
1.
Juni 2016 (als Akten-Nummer 171) keine weiteren medizinischen Unterlagen mehr aufgeführt sind, sondern sogleich die Revisionsverfügung vom 2
1.
Juni 2016 (als Akten-Nummer 181)
mit dem auf 38
%
festgesetzten
Invaliditätsgrad. Gleiches gilt für die genannte Verfügung (
Urk.
9/111) selber, in welcher ausdrücklich (und aus
schliesslich) auf die Abklärungen der Invalidenversicherung Bezug genommen und die Arbeitsfähigkeit so umschrieben wurde
wie
im
C._
-Gutachten (S. 2 Mitte). Auch im
Einspracheentscheid
vom
3.
Januar 2017 (
Urk.
9/129) wurde das
C._
-Gutachten angeführt (S.
3
lit
. F) und unmittelbar anschliessen
d
die
Revisionsverfügung (S. 3
lit
. G
). Damit erweist sich der Hinweis auf den Entscheid als nicht stichhaltiger Einwand gegen das Gutachten.
Nachdem neben den unfallbedingten Beschwerden auch noch krankheitsbedingte Beschwerden hinzukämen, unter anderem die Folgen der Magenband-Operation, sei jedenfalls nach wie vor ein rentenerheblicher Invaliditätsgrad ausgewiesen (S.
9
Ziff.
2d). Welchen Einfluss die 2012 erfolgte und erfolgreich verlaufene Magenband-Operation auf den Invaliditätsgrad haben könnte, ist nicht dargetan worden und auch nicht ersichtlich.
Die Gutachter hätten zudem darauf verzichtet, sich die frühere Tätigkeit einer
Magnetwicklerin
genau beschreiben zu lassen (S. 9
Ziff.
2e und 2f). Dies trifft nicht
zu,
auf Seite 15 des Gutachtens findet sich eine detaillierte Beschreibung der Tätigkeit (vorstehend E. 4.4.2 am Ende).
Zusammenfassend führt dies zum Schluss, dass die beschwerdeweise gegen das Gutachten erhobenen Einwände nicht stichhaltig und somit nicht geeignet sind, die Verwertbarkeit des Gutachtens in Frage zu stellen.
5.3
Im Rahmen eines strukturierten Beweisverfahrens hat sich ein Gutachten an den mit BGE 141 V 281 etablierten Standardindikatoren (vorstehend E. 1.
4
) zu orien
tieren. Dies trifft auf das am 1
6.
Februar 2016 - mithin nach der Publikation von BGE 141 V 281 - erstattete Gutachten zu. So wurden die psychiatrischen Befunde
als lediglich leichtgradig ausgeprägt eingestuft, die - seit jedenfalls 2008 (vor
steh
end E. 4.2) - erfolgte psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung be
rück
sichtigt, das Fehlen von Komorbiditäten wie auch einer allfälligen Persön
lichkeitsstörung festgehalten, die persönlichen Ressourcen und der soziale Kon
text gewürdigt und bezüglich der Kategorie der Konsistenz namentlich auf die nicht gleichmässige Einschränkung im nicht-erwerblichen Bereich hingewiesen (vorstehend E. 4.4.3).
Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob sich die Gutachter an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsver
mögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt haben
, mithin die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und ausschliesslich funktio
nelle Ausfälle bei der medizinischen Einschätzung berücksichtigt wurden und die Zumutbarkeitsbeurteilung auf einer objektivierten Grundlage erfolgte (BGE 144 V 50 E. 3.4)
, ist demnach klar zu bejahen.
Somit ist
auch unter Berücksichtigung der Anforderungen an ein s
trukturierte
s
Beweisverfahren
auf das Gutachten abzustellen.
5.4
Weiter wurde in der Beschwerde
(
Urk.
1)
geltend gemacht, die Beschwer
de
gegnerin hätte entsprechend der RAD-Beurteilung ein neues Gutachten einholen müssen (
Urk.
1 S. 5
Ziff.
1a). Wohl trifft zu, dass RAD-Arzt
dipl.
med.
F._
am 1
9.
Mai 2017 eine erneute Begutachtung empfahl, was er mit einer Diskrepanz zwischen medizinisch-theoretischer Beurteilung und gezeigter Leistung sowie dem Eingang neuer Unterlagen bezüglich HWS begründete.
Dem wurde jedoch schon RAD-intern nicht gefolgt. Med.
pract
.
G._
ver
anlasste den
Beizug
weiterer Unterlagen und kam gestützt auf diese zum begrün
deten Schluss, namentlich die als neuer Befund erhobenen HWS-Beschwerden seien schon im Zeitpunkt des Gutachtens vorhanden gewesen, und auch die Leis
tungsabrechnungen der Krankenkasse liessen nicht auf eine näher zu über
prü
fen
de
Veränderung des Gesundheitszustands schliessen (vorstehend E. 4.9). Im Ver
gl
eich zu den im Gutachten gestellten Diagnosen
wurde im November 2016 lediglich eine bildgebend festgestellte HWS-Problematik berichtet (vorstehend E. 4.7). Eine solche wurde aber, ohne in die Diagnosestellung aufgenommen zu werden, schon im Rahmen der orthopädischen Befunderhebung im Gutachten angeführt (vor
stehend E. 4.4.2; Gutachten S. 6 Mitte).
Die Schlussfolgerung, es könne
betreffend
die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts auf das Gutachten abgestellt werden und es sei keine erneute Begutachtung erforderlich, erweist sich damit als gerechtfertigt.
5.5
Sodann wurde in der Beschwerde (
Urk.
1) geltend gemacht, in der Begründung der angefochtenen
Verfügung
sei die Beschwerdegegnerin von unzutreffenden Annahmen ausgegangen,
nämlich
dass die Beschwerdeführerin im Alltag keine ängstlichen Einschränkungen zeige, denn sie könne unter anderem mit dem Flugzeug in die Türkei fliegen und mit dem Auto zur Begutachtung fahren, und gehe zudem regelmässig Schwimmen
(S. 10
Ziff.
3a
)
.
In der Verfügung (
Urk.
2) wurde unter anderem ausgeführt, der begutachtende Psychiater habe keine wesentlichen Angstsymptome feststellen können, im Alltag zeige
d
ie
Beschwerdeführerin
kaum ängstliche Einschränkungen. Darauf folgte
eine
Aufzählung
verschiedener Aktivitäten
(S. 2 Mitte)
. Der Beschwerdeführerin ist darin zuzustimmen, dass sich im Gutachten keine - unzutreffende
–
Fest
stellung über eine Anreise mit dem Auto findet,
sondern
vielmehr
festgehalten
wurde, sie sei alleine mit dem Zug gekommen (S. 34 Mitte); und die in der Ver
fügung angegebene Aufzählung von Aktivitäten erfolgte nicht im Zusammen
hang mit der Frage ängstlicher Einschränkungen im Alltag, sondern bezogen auf
den Tagesablauf und die Freizeitgestaltung (S. 34
Ziff.
3.2.6) und die vorhan
denen
Ressourcen (S. 42
Ziff.
7.3).
Daraus ist zu schliessen, dass die kritisierte Passage in der Verfügungsbegründung eine unsorgfältige und teilweise unzutreffende Wiedergabe des
Gutachtens - in diesem Punkt - darstellt. Inwiefern dies eine Verletzung der Begründungsp
f
licht (
Urk.
1 S.
10
Ziff.
3) darstellen und inwiefern es die materielle Richtigkeit der Ver
fügung beeinträchtigen
sollte, ist aber weder dargetan worden noch ersicht
lich.
5.6
Weiter wurde in der Beschwerde (
Urk.
1) geltend gemacht, rechtspre
chungs
ge
mäss sei in einer Konstellation wie der vorliegenden die Verwertbarkeit der Rest
arbeitsfähigkeit beziehungsweise die Wiedereingliederung durch die Beschwerde
gegnerin gezielt zu prüfen (S. 13
Ziff.
5b).
Wenn es der Beschwerdeführerin (ge
meint wohl: Beschwerdegegnerin) nicht gelinge, die Beschwerdeführerin in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern, dann sei ihr auch die bisherige Rente weiter auszurichten (S. 15
Ziff.
5
h
).
Einen solchen Automatismus sieht die R
echtsprechung (vorstehend E. 1.5
) aber gerade nicht vor. Vielmehr geht es darum, in den betreffenden Fä
llen die ver
sicherte Person bei
ihrem Bemühen um eine Verwertung ihrer Arbeitsfähigkeit zu unterstützen. Wenn dies - wie hier - r
echtsprechungsgemäss stattfindet
, sich dabei aber herausstellt, dass nicht die Leistung erbracht wurde, die gemäss der
verbindlichen medizinisch-gutachterlichen Feststellung
zumutbarerweise
erwartet
werden könnte, führt dies nicht dazu, dass die attestierte Arbeitsfähigkeit gleich
sam ersetzt würde durch diejenige, die der gezeigten Leistung entsprechen würde.
5
.7
Schliesslich wurde in der Beschwerde (
Urk.
1) geltend gemacht, die Beschwerde
gegnerin hätte nach dem Scheitern der Eingliederungsmassnahmen - unter anderem - einen zweiten Vorbescheid erlassen sollen (S. 5 f.
Ziff.
1b), zumal der RAD-Arzt
dipl.
med.
F._
am 1
9.
Mai 2017 «von keiner verwertbaren Arbeits
leistung für den ersten Arbeitsmarkt» ausgegangen sei (S. 6 oben).
Das Zitat ist irreführend, denn es handelte sich dabei klarerweise nicht um eine von
dipl.
med.
F._
getroffene Feststellung, sondern um seine Wiedergabe dessen, was im Abschlussbericht über die Eingliederungsmassnahmen (vorsteh
end E.
4.8) ausgeführt worden war (vorstehend E. 4.9). Nachdem die Beschwerde
gegnerin schon mit Vorbescheid vom
1.
April 2016 (
Urk.
9/101) die Aufhebung der Rente in Aussicht gestellt hatte und daraufhin seitens der Beschwerdeführerin Eingliederungsmassnahmen angemahnt wurden und durch die Beschwerde
geg
nerin - wenn auch erfolglos - veranlasst und durchgeführt wurden (vorstehend E. 4.8), ist kein Grund ersichtlich, weshalb die Beschwerdegegnerin die daran anschliessende Rentenaufhebung noch einmal mit einem Vorbescheid in Aussicht zu stellen
gehabt hätte
.
5.8
Die Beschwerdegegnerin hat dem Einkommensvergleich (
Urk.
9/99) als
Validen
einkommen
einen statistischen Tabellenlohnwert
zugrunde gelegt
, dies mit der
Begründung,
bei der
Leistungszusprache
im Jahr 2004 sei auf Arbeitgeberan
ga
ben von 2001 abgestellt worden, die
«
nun veraltet
»
seien (S. 1 Mitte).
Für
die Ermittlung des
Valideneinkommens
wird in der Regel am zuletzt erziel
ten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange
passten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1;
134 V 322 E. 4.1).
Die Beschwerdeführerin übte seit
1.
September 1988 bis zum Eintritt des Gesund
heitsschadens im Januar 2000 bei der gleichen Arbeitgeberin die gleiche Tätigkeit aus (vgl.
Urk.
9/9). Es
ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszu
gehen, dass sie diese Tätigkeit im Gesundheitsfall weiterhin ausgeübt hätte. Für die gegenteilige Annahme
gibt
es
weder in den Ausführungen der Beschwer
de
gegnerin noch sonst in den Akten
irgendwelche Anhaltspunkte. Somit ist vom damals erzielten Einkommen auszugehen.
Gemäss Feststellungsblatt vom 2
4.
Mai 2004 (
Urk.
9/30) ging die Beschwerde
gegnerin von
einem
Einkommen ohne Gesundheitsschaden von
Fr.
58'500.
im Jahr 2001 aus (S. 1 Mitte). Dieser Betrag ist der Nominallohnentwicklung vom
Indexstand 2'
245
im Jahr 2001 auf den Indexstand 2'686 im Jahr 2015 (Bun
desamt für Statistik, Tabelle T 39, Entwicklung der Nominallöhne, Frauen) anzu
passen, was rund
Fr.
69
'
991
.--
ergibt (
Fr.
58'500.
-- :
2'
245
x 2'686).
5.9
Zur Bestimmung des Invalideneinkommens ist die Beschwerdegegnerin
vom (
tiefst
möglichen
) Tabellenlohn im Jahr 2015 von rund
Fr.
51'956.-- und der atte
stierten Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit von 80
%
ausgegangen, womit rund
Fr.
41'564.- (
Fr.
51’956.-- x 0.8) resultierten (
Urk.
9/99 S. 1).
Dagegen wurde eingewendet, dies sei «unrealistisch hoch», und angesichts der gesundheitlich bedingten Einschränkungen sei ein Leidensabzug
(von 25
%
) angezeigt (
Urk.
1 S. 12
Ziff.
4b).
Gemäss gutachterlicher Beurteilung (vorstehend E. 4.4.4) sind
Tätigkeiten ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne Stressbelas
tung, ohne erforderliche geistige Flexibilität, ohne vermehrte Kundenkontakte und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung
leidensangepasst. Diese nicht erheblichen Einschränkungen rechtfertigen keinen Abzug vom Tabe
llenlohn (vgl. vorstehend E. 1.7
).
5.10
Somit ist von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
69
'
991
.-- (vorstehend E. 5.8) und einem Invalideneinkommen von
Fr.
41'564.-- (vorstehend E.
5.9) auszugehen, womit die Einkommenseinbusse
Fr.
28
'
427
.-- beträgt, was einen Invaliditätsgrad von
40.61
%
und damit
rund 4
1
%
ergibt.
Demnach hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Viertelsrente
, dies ab dem Zeitpunkt der in der Verfügung vom
7.
November 2017 vorgenommenen Leistungsanpassung, mithin ab
1.
Januar 2018
.
In diesem Sinn ist die gegen die genannte Verfügung erhobene Beschwerde gut
zuheissen.
6.
6.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
900.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuer
legen
.
6.2
Der obsiegenden und anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin steht eine Pro
zessentschädigung zu, die nach Einsicht in die Aufwandzusammenstellung vom
6.
Juli 2018 (
Urk.
11/2) und beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
2
2
0.
(zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2'786.20 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen ist.