Decision ID: d2b50fe7-daf4-4eac-8052-23a5e6d3c748
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Mit Verfügung vom 5. September 2019 (Urk. 2/1 [= Urk. 10/
54]) wies die Beschwerdegegnerin das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers vom 24. Mai 2018 (Urk. 10/4) ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer sei
durch seine Fraktur am Sprunggelenk als gelernter Konstrukteur
in
einer sitzenden Tätigkeit nicht eingeschränkt.
Des Weiteren führe d
ie Diagnose ADS gemäss medizinischer Beurteilung
und das Suchtleiden aus rechtlicher Sicht
nicht zu einer langandauernden Arbeits
un
fähigkeit
, weshalb kein langanhaltender Gesundheitsschaden bestehe
.
M
ithin habe er keinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.
2.
2.1
Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 22. September 2019 (Schreiben an die SVA Zürich, Urk. 1/1) und ergänzend am 10. Oktober 2019 Beschwerde (Urk. 1/2)
.
Er
beantragte sinngemäss, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ein polydisziplinäres Gutachten
sei
einzuholen. Zudem sei nach neuster Praxis das strukturierte Beweisverfahren auf sein Suchtleiden anzuwenden.
2.2
Mit Beschwerdeantwort vom 14. November 2019 (Urk. 9) beantragte die Beschwerdegegnerin, die
Streitsache
sei an die IV-Stelle zurückzuweisen. Zur Begründung führte sie aus, der Sachverhalt
sei
insbesondere hinsichtlich der Suchtproblematik unzureichend abgeklärt und es seien keine Eingliederungs
massnahmen geprüft worden.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn
schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
rele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
Die Parteien beantragen übereinstimmend die Rückweisung der Angelegenheit zu weiteren Abklärungen, was mit der Rechts- und Aktenlage in Einklang steht.
Nach bisheriger und langjähriger höchstrichterlicher Rechtsprechung führten Suchterkrankungen als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes.
Die bisherige Rechtsprechung änderte das Bundesgericht mit BGE 145 V 215 dahingehend, dass - fachärztlich einwandfrei diagnostizierten
-
Abhängigkeits
syndromen beziehungsweise Substanzkonsumstörungen nicht zum vornherein jede invalidenversicherungsrechtliche Relevanz abgesprochen werden kann (E. 5.3.3), sondern diese vielmehr als invalidenversicherungsrechtlich beachtliche (psychische) Gesundheitsschäden in Betracht fallen (E. 6). Gemäss BGE 143 V 418 E. 6 f. ist die Frage nach den Auswirkungen sämtlicher psychischer Erkrankungen
-
worunter nunmehr auch Abhängigkeitssyndrome zu zählen sind -
auf das funk
tionelle Leistungsvermögen grundsätzlich unter Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zu beantworten.
Die Beschwerdegegnerin anerkannte, dass hinsichtlich der Suchtproblematik sich die Abklärung des Sach
ve
rhalts als unzureichend erweise. Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwer
deführer nach einem stationären Entzug
am 2
9.
Juni 2018
eine abstinenzorien
tierte suchttherapeutische Behandlung im
Y._
in Anspruch nahm (Urk. 10/18).
Aus dem Bericht
der fallführenden Psychotherapeutin
Z._
vom 9. Mai 2019
geht sodann herv
or, dass beim Beschwerdeführer P
sychische
-
und Verhaltensstörungen durch Alkohol (F10.1), Kokain (F14.1),
Cannabinoide
(F12.1) und Amphetamine (F12.1) aufgrund schädlichen Gebrauchs sowie ein Abhängigkeitssyndrom bei Tabak diagnostiziert wurden (Urk. 10/43/3).
Zudem bestehen eine einfache Aktivitäts- und Auf
merksamkeits
störung (F90) sowie ein obstruktives Schlafapnoesyndrom
und eine Migräne (vgl. auch Bericht der
Klinik
A._
vom 2
1.
Juni 2019
, Urk. 10/50/1
).
Der Beschwerdeführer wurde
jedoch
nicht begutachtet und die funktionellen Auswirkungen seiner Suchterkrankungen wurden bisher nicht eingehend geprüft. Als Grundlage für die Beurteilung der Arbeits- beziehungswe
i
se Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers wird die Beschwerdegegnerin
daher
ein psychiatrisches Gutachten einzuholen
haben, im Zuge dessen
insbesondere
ein strukturiertes Beweisverfahren durchzuführen ist
.
Nach abgeschlossener medizinischer Abklärungen ist zudem zu klären, ob beruf
liche Massnahmen
angezeigt sind
.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass die a
ngefochtene Verfügung vom 5. September 2019 (Urk. 2/1) aufzuheben und die
Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese die notwendi
gen medizinischen und erwerblichen Abklärungen vornehme und hernach über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu entscheide.
3.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
3
00.-- festzulegen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG]
), womit sich das Gesuch des Beschwerde
führers um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1/
2
) als gegen
standslos erweist.