Decision ID: 0c618969-a027-5ed4-87b2-0e1cf3b989ec
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der am 16. Mai 1955 in Kroatien geborene und dort wohnhafte X._
(im Folgenden: Versicherter oder Beschwerdeführer) besuchte in seiner
Heimat die Grundschule und arbeitete danach als Schlosser. Von 1977 bis
2006 war er mit Unterbrüchen in der Schweiz bei der A._ AG in (...),
Graubünden, als Vorarbeiter im Garten- und Landschaftsbau tätig. Er ent-
richtete während dieser Zeit Beiträge an die obligatorische schweizerische
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV). Ab Septem-
ber 2006 war er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeitsfähig. Am
18. Mai 2007 erfolgte eine Operation, bei welcher eine zementfreie Total-
endoprothese (TP) in der linken Hüfte implantiert wurde. Die Implantation
einer zementfreie TP in der rechten Hüfte erfolgte am 2. April 2009 (vgl.
Akten [im Folgenden: IV/GR-act.] der IV-Stelle der Sozialversicherungsan-
stalt des Kantons Graubünden (im Folgenden: IV-Stelle GR) 52, sowie Ak-
ten [im Folgenden: IV-act.] der IV-Stelle für Versicherte im Ausland [im Fol-
genden: IVSTA oder Vorinstanz] 9, 10).
B.
Der Beschwerdeführer meldete sich erstmals am 29. November 2007 bei
der IV-Stelle GR zum Bezug von Leistungen der schweizerischen Invali-
denversicherung (im Folgenden: IV) an. Das Gesuch ging bei der IV-Stelle
GR am 14. Dezember 2007 ein (IV/GR-act. 53, 57). Als Art der Behinde-
rung gab der Versicherte künstliche Hüftgelenke sowie Rücken- und Knie-
schmerzen an. In der Folge nahm die IV-Stelle GR im Rahmen einer Früh-
interventionsmassnahme erwerbliche und medizinische Abklärungen vor;
ein Erstgespräch erfolgte am 8. Februar 2008. Nach Vorliegen des Frage-
bogens für den Arbeitgeber (IV/GR-act. 43, 49) sowie des Gutachtens
„Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL)“ von Dr. med.
B._, Oberärztin Rheumatologie und des Physiotherapeuten
C._ des Rheuma- und Rehabilitationszentrum der Klinik D._
(IV/GR-act. 38) gab Dr. E._ vom medizinischen Dienst der IV-Stelle
GR am 24. April 2008 eine Abschlussbeurteilung ab. Am 2. Mai 2008
schloss die IV-Stelle die Frühinterventionsmassnahme ab. Gestützt auf
den Bericht der Klinik D._ sowie auf die Beurteilung von
Dr. E._ erliess die IV-Stelle GR am 6. Juni 2008 zwei Vorbescheide,
in welchen sie bei einem IV-Grad von 14 % die Abweisungen der Leis-
tungsbegehren betreffend die Kostengutsprache für Umschulung sowie die
Ausrichtung einer IV-Rente in Aussicht stellte (IV/GR-act. 30 – 32). Nach
Abschluss des Vorbescheidverfahrens erliess die IV-Stelle am 21. sowie
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am 22. Juli 2008 dem Vorbescheid im Ergebnis entsprechende Verfügun-
gen (IV/GR-act. 28, 27). Diese Entscheide erwuchsen unangefochten in
Rechtskraft. Infolge der Rückkehr des Beschwerdeführers in sein Heimat-
land Kroatien per 30. Juni 2009 wurden die Akten im September 2009 an
die zuständige IVSTA überwiesen (IV/GR-act. 1, 2, 20 sowie IV-act. 2, 5).
C.
Am 9. November 2012 (Eingangsdatum: 26. Mai 2014) meldete sich der
Beschwerdeführer unter Beilage diverser Unterlagen und medizinischer
Berichte neu an (IV-act. 11 – 13, 15 – 16). Nachdem die eingereichten me-
dizinischen Dokumente aus Kroatien am 27. Juni 2014 Dr. med.
F._, Facharzt des regionalen ärztlichen Dienstes Rhône (RAD), vor-
gelegt worden waren (IV-act. 21), gab dieser in seiner Stellungnahme vom
29. Juli 2014 (IV-act. 22) an, dass die mit der Anmeldung eingereichten Un-
terlagen keine Hinweise auf eine Veränderung des Gesundheitszustandes
beinhalten würden. In der Folge erliess die Vorinstanz am 6. August 2014
einen Vorbescheid (IV-act. 23), in welchem sie festhielt, dass eine neue
Anmeldung nur dann geprüft werde, wenn glaubhaft gemacht werde, dass
sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise
verändert habe. Diese Voraussetzungen seien nicht erfüllt, weshalb die IV-
STA nicht in der Lage sei, das neue Gesuch zu prüfen. Hiergegen brachte
der Versicherte, vertreten durch lic. iur. Gojko Reljic, am 13. August 2014
seinen Einwand sowie am 25. August 2014 eine Nachbegründung vor (IV-
act. 6, 24, 26) und verlangte neben der Überprüfung des Anmeldedatums,
die Einforderung sämtlicher medizinischer Unterlagen vom kroatischen
Versicherungsträger durch die IVSTA; danach sei eine neue Beurteilung
einzuholen. Daraufhin teilte die Vorinstanz dem Versicherten am 28. Au-
gust 2014 mit, dass bei einer erneuten Anmeldung ärztliche Unterlagen von
Amtes wegen nur eingeholt würden, wenn seitens des Versicherten glaub-
haft gemacht werde, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den An-
spruch erheblichen Weise verändert habe. Es liege am Versicherten, die-
sen Nachweis zu erbringen (IV-act. 27). In der Folge reichte der Beschwer-
deführer mit Schreiben vom 12. November 2014 weitere medizinische Be-
richte und Röntgenbilder ein und ersuchte die Vorinstanz, wiedererwä-
gungsweise ab 1. März 2008 den Anspruch auf eine ganze IV-Rente anzu-
erkennen (IV-act. 42). Nachdem die neu eingereichten ärztlichen Unterla-
gen am 1. Dezember 2014 erneut Dr. F._ unterbreitet worden wa-
ren, hielt dieser in der Stellungnahme vom 15. Dezember 2014 an seiner
Beurteilung vom 29. Juli 2014 fest (IV-act. 50, 52). Daraufhin erliess die
Vorinstanz am 22. Dezember 2014 eine Verfügung, welche inhaltlich dem
Vorbescheid vom 6. August 2014 entsprach (IV-act. 53, act. 1, Beilage 1).
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Mit Schreiben vom 12. Januar 2015 informierte die Vorinstanz den Be-
schwerdeführer dahingehend, dass eine Wiedererwägung nicht in Betracht
komme. Es stehe im freien Ermessen des Versicherungsträgers, ob diese
vorgenommen werde. Es bestehe kein Anspruch auf die Prüfung eines
Wiedererwägungsgesuchs; über das Nichteintreten ergehe keine Verfü-
gung (IV-act. 55).
D.
Gegen die Verfügung vom 22. Dezember 2014 (IV-act. 53; act. 1, Bei-
lage 1) liess der Beschwerdeführer, wiederum vertreten durch lic. iur. Gojko
Reljic, mit Eingabe vom 29. Januar 2015 (act. 1) unter Beilage seiner be-
reits im Vorverfahren an die Vorinstanz eingereichten Schreiben beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde erheben und die Aufhebung der Verfü-
gung vom 22. Dezember 2014 beantragen; zudem sei ihm eine ganze IV-
Rente zuzusprechen oder die Sache erneut abzuklären. Zur Begründung
wurde zusammengefasst ausgeführt, die Beurteilungen des medizinischen
Dienstes seien in Anbetracht der in den Akten vorhandenen spezialärztli-
chen Dokumentationen vollkommen inakzeptabel. Es seien zudem nicht
sämtliche medizinische Unterlagen aus Kroatien übersetzt sowie nicht die
vollständige medizinische Dokumentation vom kroatischen Versicherungs-
träger angefordert worden. Ausserdem hätte die Vorinstanz auf die Verfü-
gung vom 22. Juli 2008 wiedererwägungsweise zurückkommen und eine
Verfügung betreffend das Wiedererwägungsgesuch erlassen müssen. Im
Weiteren sei als Anmeldedatum der 3. Juli und nicht erst der 9. November
2012 anzunehmen.
E.
In ihrer Vernehmlassung vom 31. März 2015 (act. 3) beantragte die Vor-
instanz die Abweisung der Beschwerde. Zusammengefasst führte sie aus,
der beurteilende RAD-Arzt habe aus den vorliegenden Akten und auch aus
den vom kroatischen Versicherungsträger erhältlich gemachten Arztberich-
ten sowie Röntgenbildern keine neuen Sachverhaltselemente herauslesen
können. Im Ergebnis verbleibe es bei der von der IV-Stelle GR festgestell-
ten Einkommenseinbusse von 14 %, errechnet aus einer gänzlichen Ar-
beitsunfähigkeit als Vorarbeiter im Gartenbau und einer gänzlichen Arbeits-
fähigkeit in leichteren bis mittelschweren Tätigkeiten. Mangels rentenbe-
gründender Invalidität erübrige sich ferner die nachträgliche Prüfung des
Anmeldedatums. Betreffend das Wiedererwägungsgesuch verwies die
Vorinstanz auf ihr Schreiben vom 12. Januar 2015 (IV-act. 55).
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Seite 5
F.
Mit Zwischenverfügung vom 7. April 2015 (act. 4 und 6) wurde der Be-
schwerdeführer – unter Hinweis auf die Säumnisfolgen – aufgefordert, ei-
nen Kostenvorschuss von Fr. 400.- in der Höhe der mutmasslichen Verfah-
renskosten zu leisten; dieser Betrag wurde am 8. April 2015 zu Gunsten
der Gerichtskasse überwiesen.
G.
In seiner Replik vom 8. April 2015 (IV-act. 5) liess der Beschwerdeführer
an seinen beschwerdeweise gestellten Anträgen sowie Begründungen
festhalten.
H.
Mit Duplik vom 24. April 2015 (IV-act. 9) hielt die Vorinstanz an den in der
Vernehmlassung vom 31. März 2015 getroffenen Feststellungen und den
darin gestellten Anträgen fest.
I.
Mit Instruktionsverfügung vom 7. Dezember 2016 (IV-act. 12) wurde dem
Beschwerdeführer mitgeteilt, dass der Schriftenwechsel abgeschlossen
sei.
J.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften der Parteien
ist – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft von Amtes wegen und mit freier
Kognition, ob die Prozessvoraussetzungen vorliegen und auf die Be-
schwerde einzutreten ist (Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Ver-
waltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 [Verwaltungsverfahrensge-
setz; VwVG; SR 172.021]; BVGE 2007/6 E. 1 mit Hinweisen).
1.2 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Zu den anfechtbaren Verfügungen
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gehören jene der IVSTA, welche eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs-
gerichts darstellt (Art. 33 lit. d VGG; vgl. auch Art. 69 Abs. 1 lit. b des Bun-
desgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG, SR
831.20]). Eine Ausnahme, was das Sachgebiet angeht, ist vorliegend nicht
gegeben (Art. 32 VGG).
1.3 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG).
Gemäss Art. 3 lit. dbis VwVG bleiben in sozialversicherungsrechtlichen Ver-
fahren die besonderen Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 6. Okto-
ber 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG,
SR 830.1) vorbehalten. Gemäss Art. 2 ATSG sind die Bestimmungen die-
ses Gesetzes auf die bundesgesetzlich geregelten Sozialversicherungen
anwendbar, wenn und soweit die einzelnen Sozialversicherungsgesetze es
vorsehen. Nach Art. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die IV
anwendbar (Art. 1a-26bis und 28-70 IVG), soweit das IVG nicht ausdrücklich
eine Abweichung vom ATSG vorsieht. Dabei finden nach den allgemeinen
intertemporalrechtlichen Regeln in formellrechtlicher Hinsicht mangels an-
derslautender Übergangsbestimmungen grundsätzlich diejenigen
Rechtssätze Anwendung, welche im Zeitpunkt der Beschwerdebeurteilung
Geltung haben (BGE 130 V 1 E. 3.2).
1.4 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (vgl. Art. 22a
in Verbindung mit Art. 60 ATSG und Art. 52 Abs. 1 VwVG; act. 71). Als pri-
märer Adressat der angefochtenen Verfügung vom 22. Dezember 2014 ist
der Beschwerdeführer berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an de-
ren Aufhebung oder Änderung (vgl. Art. 59 ATSG). Nachdem der Be-
schwerdeführer den Kostenvorschusses innert Frist geleistet hat, ergibt
sich zusammenfassend, dass sämtliche Prozessvoraussetzungen erfüllt
sind. Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2.
Im Folgenden sind vorab die im vorliegenden Verfahren dem Grundsatz
nach anwendbaren Normen und Rechtsgrundsätze darzustellen.
2.1 Mit der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann gerügt
werden, die angefochtene Verfügung verletze Bundesrecht (einschliesslich
Überschreiten oder Missbrauch des Ermessens), beruhe auf einer unrich-
tigen oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts oder sei unangemessen (Art. 49 VwVG).
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Seite 7
2.2 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren
gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versiche-
rungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, das heisst
ohne förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu wür-
digen. Dies bedeutet für das Gericht, dass es alle Beweismittel, unabhän-
gig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden
hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strei-
tigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander wi-
dersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These
abstellt (vgl. zum Grundsatz der freien Beweiswürdigung BGE 125 V 351
E. 3a). Für die Beurteilung des Rentenanspruchs sind Feststellungen aus-
ländischer Versicherungsträger, Krankenkassen, Behörden und Ärzte be-
züglich Invaliditätsgrad und Anspruchsbeginn für die rechtsanwendenden
Behörden in der Schweiz nicht verbindlich (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4, AHI
1996, S. 179; vgl. auch ZAK 1989 S. 320 E. 2). Vielmehr unterstehen auch
aus dem Ausland stammende Beweismittel der freien Beweiswürdigung
des Gerichts (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG;
seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom
11. Dezember 1981 i.S. D.; zum Grundsatz der freien Beweiswürdigung:
BGE 125 V 351 E. 3a).
2.3 Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern
das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines
bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der
Richter und die Richterin haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu
folgen, die sie von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahr-
scheinlichste würdigen (BGE 126 V 353 E. 5b, BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen). Der Sozialversicherungsträger als verfügende Instanz und –
im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewie-
sen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (Urteil des
Bundesgerichts [BGer] 8C_494/2013 vom 22. April 2014 E. 5.4.1).
2.4 Das Sozialversicherungsverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz
beherrscht. Danach haben die Verwaltung und das Gericht von Amtes we-
gen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen
Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneinge-
schränkt. Zum einen findet er sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der
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Seite 8
Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, BGE 122 V 157 E. 1a, je mit Hinweisen);
zum anderen umfasst die behördliche und richterliche Abklärungspflicht
nicht unbesehen alles, was von einer Partei behauptet oder verlangt wird.
Vielmehr bezieht sie sich nur auf den im Rahmen des streitigen Rechtsver-
hältnisses (Streitgegenstand) rechtserheblichen Sachverhalt. Rechtser-
heblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist (vgl. GYGI, a.a.O., S.
43 und 273). In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und Sozial-
versicherungsgerichte zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen oder
zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer
sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass be-
steht (BGE 117 V 282 E. 4a mit Hinweis; Urteil des EVG I 520/99 vom 20.
Juli 2000).
2.5 Anfechtungsgegenstand und damit Grenze der Überprüfungsbefugnis
im Beschwerdeverfahren werden grundsätzlich durch die Verfügung im
Verwaltungsverfahren bestimmt (BGE 133 II 30; BGE 122 V 36 E. 2a). Vor-
liegend bildet die den Vorbescheid der Vorinstanz vom 6. August 2014 (IV-
act. 23) bestätigende Verwaltungsverfügung vom 22. Dezember 2014 (IV-
act. 53) das Anfechtungsobjekt.
2.6 Der Beschwerdeführer ist Staatsangehöriger von Kroatien, sodass vor-
liegend das Abkommen vom 9. April 1996 zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft und der Republik Kroatien über Soziale Sicherheit (SR
0.831.109.291.1; nachfolgend: Sozialversicherungsabkommen) sowie die
Verwaltungsvereinbarung vom 1. Januar 1998 zur Durchführung des Ab-
kommens vom 9. April 1996 zwischen der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft und der Republik Kroatien über Soziale Sicherheit (SR
0.831.109.291.12; nachfolgend: Verwaltungsvereinbarung) anwendbar
sind (vgl. Art. 3 des Sozialversicherungsabkommens). Nach Art. 4 Abs. 1
des Sozialversicherungsabkommens sind die Staatsangehörigen des ei-
nen Vertragsstaates in ihren Rechten und Pflichten aus den Rechtsvor-
schriften des anderen Vertragsstaates, zu denen gemäss Art. 1 Abs. 1 lit.
a in Verbindung mit Art. 2 A lit. i des Sozialversicherungsabkommens auch
die Bundesgesetzgebung über die schweizerische Invalidenversicherung
gehört, den Staatsangehörigen dieses Vertragsstaates gleichgestellt; ab-
weichende Bestimmungen in diesem Abkommen bleiben vorbehalten.
Mangels vorliegend anwendbarer, abweichender Vorschriften bestimmt
sich der Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der Invaliden-
versicherung demnach ausschliesslich nach schweizerischem Recht.
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Seite 9
2.7 Am 1. Januar 2008 sind im Rahmen der 5. IV-Revision Änderungen
des IVG und anderer Erlasse wie des ATSG in Kraft getreten. Weil in zeit-
licher Hinsicht – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelun-
gen – grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich sind, die bei der
Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tat-
bestandes Geltung haben (BGE 132 V 220 E. 3.1.1, 131 V 11 E. 1), sind
die vorliegend zu beurteilenden Leistungsansprüche nach den neuen Nor-
men zu prüfen.
Im vorliegenden Verfahren finden demnach grundsätzlich jene Vorschriften
Anwendung, die spätestens beim Erlass der Verfügung vom 22. Dezember
2014 in Kraft standen; weiter aber auch solche, die zu jenem Zeitpunkt
bereits ausser Kraft getreten waren, die aber für die Beurteilung allenfalls
früher entstandener Leistungsansprüche von Belang sind (das IVG ab dem
1. Januar 2008 in der Fassung vom 6. Oktober 2006 [AS 2007 5129; 5. IV-
Revision]; die Verordnung der Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in
der entsprechenden Fassung der 5. IV-Revision [AS 2003 3859 und 2007
5155]).
Mit Blick auf den Verfügungszeitpunkt (22. Dezember 2014) können auch
die Normen des vom Bundesrat auf den 1. Januar 2012 in Kraft gesetzten
ersten Teils der 6. IV-Revision (IV-Revision 6a) Anwendung finden.
2.8
2.8.1 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend,
ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un-
tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-
gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der me-
dizinischen Situation einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der Expertin
oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, BGE 125 V 351
E. 3a) und ob der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver-
fügt (Urteil des BGer 9C_736/2009 vom 26. Januar 2010 E. 2.1). Die
Rechtsprechung erachtet es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdi-
gung als vereinbar, Richtlinien für die Beweiswürdigung in Bezug auf be-
stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten aufzustellen (vgl.
hierzu BGE 125 V 352 E. 3b; AHI 2001 S. 114 E. 3b; Urteil des BGer I
128/98 vom 24. Januar 2000 E. 3b). Den im Rahmen des Verwaltungsver-
fahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärzte, die aufgrund einge-
hender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die
C-619/2015
Seite 10
Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen
Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu-
zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der
Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb, mit weiteren Hinweisen).
Berichte behandelnder Ärzte sind aufgrund deren auftragsrechtlicher Ver-
trauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen (BGE 125 V 353
E. 3b/cc). Dies gilt für den allgemein praktizierenden Hausarzt ebenso wie
für den behandelnden Spezialarzt (Urteil des BGer I 655/05 vom 20. März
2006 E. 5.4 mit Hinweisen; vgl. aber Urteil des BGer 9C_24/2008 vom
27. Mai 2008 E. 2.3.2).
2.8.2 Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Be-
weiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begrün-
det sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zu-
verlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem
Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf
mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf viel-
mehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit
der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen (BGE 125 V 351
E. 3b/ee mit Hinweisen).
3.
Vorliegend liegt eine Verfügung im Streit, mit der die Vorinstanz die Neu-
anmeldung des Beschwerdeführers vom 9. November 2012 nicht geprüft
hat. Der RAD-Arzt Dr. F._ hat auf Anfrage der Vorinstanz hin, in sei-
nen Stellungnahmen vom 29. Juli und 22. Dezember 2014 gegenüber der
Vorinstanz bestätigt, dass der Beschwerdeführer nicht glaubhaft machen
konnte, dass sich sein Gesundheitszustand wesentlich geändert habe (IV-
act. 22, 52). Auf der Anfrage der Vorinstanz befindet sich ein ausdrücklicher
Hinweis auf Art. 87 Abs. 3 IVV (IV-act. 21). Somit hat die Vorinstanz vorlie-
gend keine materielle Beurteilung der geltend gemachten Verschlechte-
rung des Gesundheitszustandes vorgenommen, sondern ist auf das neue
Gesuch vom 9. November 2012 nicht eingetreten. Das Bundesverwal-
tungsgericht hat daher einzig zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht auf die
Neuanmeldung nicht eingetreten ist.
3.1 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verwei-
gert, so wird auf eine Neuanmeldung nur dann eingetreten, wenn die ver-
sicherte Person glaubhaft macht, dass sich der Grad der Invalidität seither
in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat (vgl. Art. 87 Abs.
2 und 3 IVV in Verbindung mit Art. 17 Abs. 1 ATSG; vgl. hierzu BGE 130 V
C-619/2015
Seite 11
343 E. 3.4.3). Ist diese Voraussetzung nicht erfüllt, tritt die Verwaltung auf
das Gesuch nicht ein und eröffnet dies durch Nichteintretensverfügung
(BGE 109 V 108 E. 2b). Ist dagegen in einem für die Rentenberechtigung
erheblichen Tatsachenspektrum eine Änderung glaubhaft gemacht, ist die
Verwaltung verpflichtet, auf das Gesuch einzutreten und in tatsächlicher
und rechtlicher Hinsicht allseitig zu prüfen, ob die vom Versicherten glaub-
hafte Veränderung des Invaliditätsgrades tatsächlich eingetreten ist (vgl.
BGE 117 V 198 E. 4b).
3.2 Mit der Bestimmung von Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV soll verhindert wer-
den, dass sich die Verwaltung nach vorausgegangener rechtskräftiger
Rentenverweigerung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher
begründeten, das heisst keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden
Rentengesuchen befassen muss (BGE 130 V 64 E. 5.2.3; 125 V 410 E. 2b
und 117 V 198 E. 4b). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist
es in erster Linie Sache der versicherten Person selbst, substanzielle An-
haltspunkte für eine allfällige neue Prüfung des Leistungsanspruches dar-
zulegen (BGE 130 V 64 E. 5.2.5 und Urteil des BGer 8C_844/2012 vom 5.
Juni 2013 E. 3). In diesem Verfahrensstadium gilt demnach der Untersu-
chungsgrundsatz atypischerweise nicht. Vielmehr wird der versicherten
Person für das Eintreten auf eine Neuanmeldung eine Behauptungs- und
Beweisführungslast auferlegt (URS MÜLLER, Das Verwaltungsverfahren in
der Invalidenversicherung, Bern 2010, § 21 Rz. 955 mit Hinweis auf BGE
130 V 68 E. 5.2.5 und BGE 117 V 198). Es sind dabei grundsätzlich alleine
die im Verwaltungsverfahren eingereichten medizinischen Unterlagen zu
prüfen (Urteil des BGer 8C_264/2012 vom 4. Juli 2012 E. 2). Arztberichte,
welche aus der Zeit nach Erlass der angefochtenen Verfügung datieren
und erst im Beschwerdeverfahren aufgelegt wurden, sind bei der Beurtei-
lung der Frage, ob die Verwaltung auf die Neuanmeldung hätte eintreten
müssen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nicht zu berücksichtigen
(vgl. BGE 130 V 64 E. 5.2.5, 8C_844/2012E. 2.2; Urteile des Bundesver-
waltungsgerichts B-2615/2012 vom 7. November 2013 E. 6.3.1, C-
3632/2010 vom 5. März 2013 E. 4.4 und C-4362/2014 vom 23. Februar
2015 E. 2.3).
3.3 Unter Glaubhaftmachung ist nicht der Beweis nach dem im Sozialver-
sicherungsrecht allgemein massgebenden Grad der überwiegenden Wahr-
scheinlichkeit zu verstehen. Die Beweisanforderungen sind vielmehr her-
abgesetzt, indem nicht im Sinne eines vollen Beweises die Überzeugung
der Verwaltung begründet zu werden braucht, dass seit der letzten, rechts-
kräftigen Entscheidung tatsächlich eine relevante Änderung eingetreten ist.
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Seite 12
Es genügt, dass für den geltend gemachten rechtserheblichen Sachum-
stand wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus
noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde
sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. An die Glaubhaftma-
chung sind je nachdem, ob die frühere, auf einer umfassenden materiellen
Anspruchsprüfung beruhende Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit
zurückliegt, höhere oder weniger hohe Anforderungen zu stellen (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 9C_286/2009 vom 28. Mai 2009, mit Hinweis auf BGE
109 V 262 E. 3). Bereits ab einer Zeitspanne von 15 Monaten dürfen nach
der bundesgerichtlichen Praxis keine allzu hohen Anforderungen an die
Glaubhaftmachung gestellt werden (BGE 130 V 64 E. 6.2; vgl. ferner Ur-
teile des Bundesverwaltungsgerichts B-2615/2012 vom 7. November 2013
E. 5 sowie C-5007/2011 vom 21. Januar 2014 E. 5.1).
3.4 Wenn der Neuanmeldung zwar ärztliche Berichte beigelegt werden,
diese indessen so wenig substantiiert sind, dass sich eine neue Prüfung
nur aufgrund weiterer Erkenntnisse allenfalls rechtfertigen würde, ist die IV-
Stelle zur Nachforderung weiterer Angaben nur, aber immerhin verpflichtet,
wenn den für sich alleine genommen nicht Glaubhaftigkeit begründenden
Arztberichten konkrete Hinweise entnommen werden können, wonach
möglicherweise eine mit weiteren Erhebungen erstellbare rechtserhebliche
Änderung vorliegt. Auch ist es der Verwaltung in einem solchen Fall unbe-
nommen, entsprechende Erhebungen selbst anzustellen, ohne dass des-
wegen bereits auf ein materielles Eintreten auf die Neuanmeldung zu
schliessen wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom 5. Juni
2013 E. 2.1 am Ende, mit Hinweisen; siehe zum Ganzen auch Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts C-1691/2013 vom 6. September 2013 E. 3.3
sowie C-5007/2011 E. 3).
3.5 Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen
Änderung bildet die letzte der versicherten Person eröffnete rechtskräftige
Verfügung, welche auf einer materiellen Beurteilung des Rentenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durch-
führung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten einer Änderung
in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustandes) beruht
(BGE 133 V 108 E. 5.4). Diese Prüfung muss dabei denjenigen anspruchs-
erheblichen Aspekt umfasst haben, auf dessen (behauptete) Veränderung
sich die Neuanmeldung stützt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_899/2009
[= SVR 2010 IV Nr. 54] vom 26. März 2010 E. 2.1; Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts C-4362/2014 vom 23. Februar 2014 E. 2.4).
C-619/2015
Seite 13
4.
4.1 Die letzte materielle Würdigung des Rentenanspruchs des Beschwer-
deführers unter Berücksichtigung seines Gesundheitszustandes erfolgte
vorliegend mit der in Rechtskraft erwachsenen ersten Verfügung der Vor-
instanz vom 22. Juli 2008. Deshalb ist vorliegend zu prüfen, ob zwischen
dem 22. Juli 2008 und dem 22. Dezember 2014 eine durch die medizini-
sche Situation bedingte, für den Rentenanspruch erhebliche Änderung des
Invaliditätsgrades glaubhaft dargetan ist. Da zwischen diesen beiden Zeit-
punkten bereits sechs Jahre und fünf Monate verstrichen sind, dürfen an
die Glaubhaftmachung einer rentenrelevanten Gesundheitsverschlechte-
rung nicht allzu hohe Anforderungen gestellt werden (vgl. vorne E. 3.3).
4.1.1 Im Rahmen des Erlasses der Verfügung vom 22. Juli 2008 stützte
sich die Vorinstanz in medizinischer Hinsicht insbesondere auf das Gut-
achten „Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL)“ von
Dr. med. B._, Oberärztin Rheumatologie und des Physiotherapeu-
ten C._ des Rheuma- und Rehabilitationszentrum der Klinik
D._, vom 14. März 2008 (IV/GR-act. 38) sowie auf die Beurteilun-
gen des RAD-Arztes Dr. med. E._ vom 28. April und 15. Juli 2008
(IV/GR-act. 26, S. 7; 11). Die entsprechenden Berichte sowie weitere me-
dizinische Dokumente sind nachfolgend zusammengefasst wiederzuge-
ben.
4.1.1.1 Im Arztbericht vom 11. April 2007 (IV/GR-act. 47, IV-act. 43) hielt
Dr. med. G._, Facharzt für Radiologie anlässlich einer Magnetreso-
nanztomographie (MRI) der Lendenwirbelsäule (LWS) sowie des Beckens
zusammenfassend fest, der Hauptbefund sei eine segmentale Minder-
durchblutung des Femurkopfes links mit ausgedehnten reparativen Vor-
gängen sowie einem Gelenkserguss links. Ein ähnlicher Befund, allerdings
ohne Zeichen einer wesentlichen Durchblutungsstörung bzw. Reparation,
finde sich am Femurkopf rechts. Weiter wurden folgende Befunde aufge-
führt: etwas zunehmende paramediane Diskushernie LWK2/3 links mit
möglicher Irritation der durchziehenden Nervenwurzel L3 links, multiseg-
mentären Chondrosen der gesamten LWS mit Diskusprotrusionen in den
übrigen Segmenten sowie mässiggradige Spondylarthrose vor allem von
LWK3 bis S1, keine Wirbelkanalstenose.
4.1.1.2 Im Bericht vom 2. Mai 2007 (IV/GR-act. 67) des Kantonsspitals
Graubünden, Operative Disziplinen Kreuzspital, Abteilung für Orthopädie,
C-619/2015
Seite 14
stellte Dr. H._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma-
tologie des Bewegungsapparates, die Diagnosen idiopathische partielle
Femurkopfnekrose links und chronisches Lumbovertebralsyndrom bei mul-
tisegmentären Chondrosen mit zirkulären Discusprotrusionen sowie mäs-
siggradiger Spondylarthrose der LWS. In therapeutischer Sicht sei nur die
Implantation einer zementfreien Hüft-TP Erfolg versprechend. Der Opera-
tionstermin werde auf den 18. Mai 2007 angesetzt. Die Arbeitsunfähigkeit
betrage weiterhin 100 %.
4.1.1.3 Im Operationsbericht vom 21. Mai 2007 (IV/GR-act. 65), welcher
anlässlich der am 18. Mai 2007 durchgeführten Hüft-Operation erstellt wor-
den war, hielt Dr. med. H._ fest, dass die Indikation zur Implantation
einer zementfreien (TP) in der linken Hüfte aufgrund der Beschwerden so-
wie der radiologischen und kernspintomographischen Befunde wegen idi-
opathischer partieller Femurkopfnekrose gestellt worden sei. Im Bericht
vom 3. Juli 2007 über die ambulante Verlaufskontrolle führte Dr. med.
H._ aus, sechs Wochen nach der Hüft-TP links bestehe funktionell
wie radiologisch ein zeitgemässes Resultat. In therapeutischer Hinsicht sei
ab sofort ein Übergang zur Vollbelastung erlaubt. Die Arbeitsunfähigkeit
wurde weiterhin mit 100 % angegeben (IV/GR-act. 64). Im Bericht über die
ambulante Verlaufskontrolle vom 14. August 2007 gab Dr. med.
H._ an, es bestehe funktionell ein befriedigendes Resultat (IV/GR-
act. 63, IV-act. 4). Gemäss den Angaben des Patienten seien die residua-
len Hüftbeschwerden deutlich geringer als vor dem operativen Eingriff. Am
13. November 2007 hielt Dr. med. H._ anlässlich der ambulant
durchgeführten Verlaufskontrolle fest, sechs Monate nach der Implantation
der Hüft-TP bestehe funktionell wie radiologisch ein gutes Resultat mit
weitgehender Beschwerdefreiheit des Patienten. Aufgrund des chroni-
schen Lumbovertebralsyndroms sei er als Landschaftsgärtner nicht mehr
einsetzbar. Die Arbeitsunfähigkeit wurde weiterhin mit 100 % angegeben
(IV/GR-act. 61).
4.1.1.4 Im Arztbericht vom 23. Januar 2008 (IV/GR-act. 48; 60, S. 2 – 4)
zuhanden der IV-Stelle GR hielt Dr. med. I._, Facharzt für Allge-
meine Innere Medizin (vgl. http://www.doctorfmh.ch, aufgerufen am 18. Ap-
ril 2017) die Diagnosen ST. n. Hüft-TP am 18.05.2007 / idiopathische
Femurkopfnekrose, chronisches Lumbovertebralsyndrom/multiple Osteo-
chondrose, Spondylarthrose LWS, L3/L2 links sowie Obesitas fest und be-
fand den Versicherten ab dem 21. März 2007 zu 100 % arbeitsunfähig. Dr.
I._ führte zudem aus, der Versicherte komme aus Kroatien und
habe keinen Beruf gelernt. In der Schweiz habe er als Hilfsarbeiter in der
http://www.doctorfmh.ch/
C-619/2015
Seite 15
Gärtnerei gearbeitet und sei in diesem Beruf nicht mehr einsetzbar. Auch
für andere Berufstätigkeiten sei er kaum geeignet; er habe keine berufliche
Ausbildung.
4.1.1.5 Im Gutachten des Rheuma- und Rehabilitationszentrums der Klinik
D._ (IV/GR-act. 38) wurden anlässlich der Untersuchung vom 12.
und 13. März 2008 folgende Diagnosen gestellt:
1. Belastungsabhängiges lumbospondylogenes Schmerzsyndrom links
– Verdacht auf Spinalkanalstenose bei Claudicatio spinalis - 
– multisegmentale Chondrose und Spondylarthrosen
– Diskushernie L2/3 mit deutlich fokaler paramedian links liegender  einer diskusisointensen Struktur mit erheblicher  Kompression und möglicher Irritation der durchziehenden  L3 links (MRI vom 11.04.2007)
– Wirbelsäulenfehlform und Fehlhaltung mit Hyperlordose der LWS
– muskuläre Dysbalance, Haltungsinsuffizienz, ungünstige  durch zusätzliche Adipositas
– Symptomausweitung
– ICD-10 M48.0
2. Gonarthrose rechts
– Verdacht auf Meniskusläsion rechts
– ICD-10 M17.9
3. Status nach idiopathischer Femurkopfnekrose links
– Hüft-TP am 18..5.2007
– Verdacht auf idiopathische Femurkopfnekrose auch rechts (MRI 11.04.2007)
– ICD-10 M16.7
4. Verdacht auf Psoriasis vulgaris
– ICD-10 L40.0
5. Arterielle Hypertonie
– ICD-10 I10.90
Zusammengefasst wurde in den Schlussfolgerungen und Empfehlungen
ausgeführt, das arbeitsbezogene Problem sei eine allgemein verminderte
Belastbarkeit, welche nicht allein mit den Befunden der Lendenwirbelsäule
sowie des rechten Knies erklärt werden könne. Die Leistungsbereitschaft
werde im Wesentlichen nicht als zuverlässig beurteilt. Die Beobachtungen
bei den Tests wiesen auf eine Selbstlimitierung hin. Die Konsistenz bei den
C-619/2015
Seite 16
Tests sei schlecht. Trotz der beobachteten Selbstlimitierungen und der In-
konsistenzen habe sich der Klient bei den Hebetests bis zu 15 kg belasten
lassen. Gemäss der beobachteten Leistung in den Tests sei somit mindes-
tens eine leichte bis mittelschwere wechselbelastende Arbeit mit seltenen
Gewichtsbelastungen bis max. 15 kg möglich. Zur Arbeitsfähigkeit in der
bisherigen Tätigkeit als Landschaftsgärtner wurde ausgeführt, diese sei
aufgrund der bestehenden Diagnosen lumbal und insbesondere der
Femurnekrose im St. n. Hüft-TP links nicht mehr zumutbar. Für andere be-
rufliche Tätigkeiten wurde eine ganztätige, mindestens leichte bis mittel-
schwere wechselbelastende Arbeit mit seltenen Gewichtsbelastungen bis
max. 15 kg als zumutbar erachtet.
4.1.1.6 Nachdem das Gutachten der Klinik D._ dem RAD-Arzt Dr.
E._ unterbreitet wurden, äusserte sich dieser im Schlussbericht
vom 28. April 2008 dahingehend, dass eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit
von 100 % im angestammten Beruf als Landschaftsgärtner ab 21. März
2007 vorliege. In einem leidensadaptierten Beruf sei spätestens ab der
Konsultation am 13. November 2007 bei Dr. med. H._ von einer
100 % adaptieren Arbeitsfähigkeit auszugehen. Auch im Vorfeld sei even-
tuell schon eine Teilarbeitsfähigkeit möglich gewesen; diese sei aber retro-
spektiv schwierig zu bestimmen. Aus der Erfahrung sei eine (Teil- oder Voll-
) Arbeitsfähigkeit überwiegend wahrscheinlich vier Monate nach der Ope-
ration zu erwarten. Das würde auch ungefähr sich mit den eine Besserung
beschreibenden Formulierungen von Dr. H._ decken. Aus Sicht des
RAD dürfte eine mindestens 50 % adaptierte Arbeitsfähigkeit ab dem
19. September 2007 vorgelegen haben. Am 15. Juli 2008 hielt
Dr. E._ fest, dass aus der Sicht des RAD die Beschwerden des Ver-
sicherten im Rahmen der Würdigung der Arztberichte von Dr. I._
und des ELF-Gutachtens umfassend berücksichtigt worden seien. Gemäss
EFL-Gutachten sei eine minimale adaptierte Arbeitsfähigkeit trotz Selbstli-
mitierung und Inkonsistenzen im Rahmen einer leichten bis mittelschweren
wechselbelastenden Arbeit mit seltenen Gewichtsbelastungen bis max. 15
kg ganztags gesehen worden. Aus medizinischer Sicht werde kein Grund
gesehen, vom Entscheid abzuweichen (IV/GR-act. 26, S. 7, 11).
4.1.1.7 Anlässlich der am 13. Mai 2008 erfolgten ambulanten Verlaufskon-
trolle führte Dr. med. H._ des Kantonsspitals Graubünden aus, ein
Jahr nach der Hüft-TP links liege funktionell wie radiologisch nach wie vor
ein gutes Resultat mit noch leichten Trochanterbeschwerden vor, welche
C-619/2015
Seite 17
insbesondere beim Bergaufgehen vorhanden seien. Betreffend die lumba-
len Rückenschmerzen habe sich der Patient bei der IV angemeldet. Die
Arbeitsunfähigkeit betrage weiterhin 100 % (IV/GR-act. 36).
4.1.1.8 In dem am 22. September 2008 ausgestellten Arztzeugnis zuhan-
den der Arbeitslosenkasse Graubünden gab Dr. med. I._ an, der
Versicherte sei vom 21. März 2007 bis auf Weiteres zu 100 % in der bishe-
rigen Tätigkeit arbeitsunfähig (IV/GR-act. 18). Ab 9. September 2008 sei er
ganztags bei leichter wechselseitiger Arbeit mit seltenen Gewichtsbelas-
tungen bis 15 kg zu 100 % arbeitsfähig. Im Arztzeugnis vom 16. März 2009
führte Dr. I._ aus, der Versicherte sei zu 100 % arbeitsunfähig
(IV/GR-act. 15).
4.1.1.9 Am 18. Februar 2009 führte Dr. J._, Facharzt für Radiologie
des Diagnose Zentrums K._, anlässlich einer MRI der Hüfte aus, es
liege eine vermutlich frischere Femurkopfnekrose rechts mit grossflächiger
Ausdehnung fast die gesamte Knorpelfläche zumindest in der Belastungs-
zone miteinbeziehend vor. Weiter liege ein erhebliches Knochenmarks-
ödem im Schenkelhals und Femurkopf sowie auch ein deutlicher Ge-
lenkserguss vor (IV/GR-act. 13).
4.1.1.10 Im Bericht vom 12. März 2009 gab Dr. med. H._ vom Kan-
tonsspital Graubünden die Diagnosen idiopathische Femurkopfnekrose
rechts, St. n. zementfreier Hüft-TP links am 18. Mai 2007 bei idiopathische
partieller Femurkopfnekrose, chronisches Lumbovertebralsyndrom bei
Mehretagen-Discopathie an (IV/GR-act. 11). Nachdem am 2. April 2009
die Operation an der rechten Hüfte durchgeführt worden war, gab Dr. med.
H._ in seinem Bericht zur ambulanten Verlaufskontrolle vom
20. Mai 2009 an, sieben Wochen nach der Implantation der zementfreien
Hüft-TP rechts bestehe funktionell wie radiologisch ein zeitgemässes Re-
sultat. Ab sofort sei ein Übergang zur Vollbelastung erlaubt.
4.1.2 Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers
zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung (22. Dezember
2014) wurden folgende medizinische Berichte eingereicht:
4.1.2.1 Im radiologischen Befund vom 20. März 2013 des allgemeinen
Krankenhauses in (...) (IV-act. 16, S. 6; 38, S. 1; deutsche Übersetzung:
IV-act. 19, S. 1) hielt Dr. L._, Spezialarzt für Radiologie, anlässlich
einer Röntgenuntersuchung der lumbosakralen Wirbelsäule, des Beckens,
C-619/2015
Seite 18
der Hüften sowie beider Knie zusammengefasst fest, es lägen Zeichen ei-
ner deformierten Spondylarthrose mit massiven ventrolateralen Spondylo-
phyten vor; die Intervertebralräume seien von erhaltener Reife. Bezüglich
der Knie wurde angegeben, die Gelenkskörper seien kongruent und der
Gelenksraum zeige sich erhalten. Ausgeprägt seien gonarthrotische Ver-
änderungen, betont im Bereich des rechten Knies, wo osteophytäre Rand-
anbauten am Femurkondylus und insbesondere am Tibiakondylus sichtbar
seien. Ausserdem lägen atyptische Verkalkungen der Weichgewebestruk-
turen am dorsalen Rand des Femurkondylus, möglicherweise auch im Be-
reich der eigentlichen Blutgefässe und beidseits ausgeprägte Femoropa-
tellar-Arthrose, betonter rechts, vor.
4.1.2.2 Im Bericht der neurologischen Praxis in (...) vom 8. April 2013 (IV-
act. 16, S. 7; 38, S. 4; deutsche Übersetzung: IV-act. 20, S. 1) wurde zu-
sammengefasst angegeben, im Musculus extensor dig. brevis dex. (kurzer
Zehenstrecker) fänden sich Zeichen einer peripheren neuralen Läsion. Im
Musculus gastrocnemius (zweibäuchiger Wadenmuskel) bestehe eine
leichte Reduktion der motorischen Einheiten. Die neurographische Anaylse
des Nervus peroneus sei regelrecht. Solch eine Elektroneuromyographie
spreche für eine chronische radikuläre Läsion L5 rechts. Auch die Wurzel
S1 links sei in geringerem Masse affiziert.
4.1.2.3 Im von Dr. med. M._ unterzeichneten Bericht „Krankenge-
schichte“ des allgemeinen Krankenhauses in (...) (IV-act. 16, S. 5; 38, S. 5;
deutsche Übersetzung: IV-act. 18, S. 1) vom 16. April 2013 wurden fol-
gende Diagnosen festgehalten:
– Z96.6 Vorhandensein von orthopädischen Gelenkimplantaten
– SY LS chr. bilat. pp. dex.
– St. post TEP coxae bilat.
– Gonarthrosis bilat. pp. dex.
– Pedes plani et TP halluces valgi
Zusammengefasst wurde ausgeführt, an den Knien lägen Arthrosen und
Krepitationen sowie eine Verdickung der Kniegelenkskapsel, aber keine
Ergüsse vor. Die Bewegungen seien im letzten Fünftel und links terminal
eingeschränkt. Die Arbeitsfähigkeit des Versicherten sei dauerhaft einge-
schränkt.
4.1.2.4 Im anlässlich der Untersuchung vom 24. April 2014 erstellten Be-
fund „fachärztliche Meinung“ des kroatischen Instituts für die Rentenversi-
cherung, Abteilung für medizinische Gutachten (IV-act. 16, S. 1 f., deutsche
C-619/2015
Seite 19
Übersetzung: IV-act. 17) wurde zusammengefasst angegeben, der Versi-
cherte habe Schmerzen in fast allen Gelenken, ausgeprägter in den Knie-
und Schultergelenken. Aktuelle Beschwerden seien unter anderem er-
schwerte Beweglichkeit, Unvermögen zu längerem Stehen, Schmerzen in
den Knien und in beiden Schultern. Die Bewegungen beider Hüften seien
im letzten Fünftel eingeschränkt; in den Knien, mehr rechts, Krepitationen
und gonarthrotische Veränderungen, die Paravertebralmuskulatur sei an-
gespannt.
4.1.2.5 Im Bericht vom 29. April 2014 (IV-act. 16, S. 3 f.; deutsche Über-
setzung: IV-act. 17, S. 3, 5) führte die spezialisierte Kinderärztin und Gut-
achterin N._ unter Angabe der IDC-Codes Z96.6, M54, M17, I10,
L40 folgende Diagnosen auf:
– St. post TEP coxae bilat.
– Syndroma lumbosacrale chr.
– Gonarthrosis bilat. pp. lat. dex.
– Hypertensio art.
– Psoriasis vulgaris
In der epikritischen Zusammenfassung wurde angegeben, beim Versicher-
ten läge der Zustand nach der Totalendoprothese beider Hüften (2007 und
2009) vor. In Komorbidität sei Arthrose beider Knie durch Röntgen sowie
eine chronische radikuläre Läsion L5 rechts aufgrund eines chronischen
Lumbalsyndroms verifiziert worden. Der Bluthochdruck sei trotz angewen-
deter Therapie nicht gut reguliert. Der Patient sei erschwert beweglich,
habe Schmerzen in den grossen Gelenken, insbesondere in den beiden
Kniegelenken. Die Bewegungen der Hüften seien eingeschränkt. Es liege
eine Erwerbsunfähigkeit von mehr als 70 % vor.
4.1.2.6 Nach Würdigung der anlässlich der Neuanmeldung eingereichten
medizinischen Unterlagen hielt Dr. med. F._ des medizinischen
Dienstes der IVSTA in seiner Stellungnahme vom 29. Juli 2014 (IV-act. 22)
fest, dass diese Dokumentationen keine Hinweise auf eine wesentliche
Veränderung des Gesundheitszustandes beinhalten würden. Nachdem bei
der Vorinstanz erneut die unter E. 4.1.2.1 bis E. 4.1.2.5 eingereichten Be-
richte sowie Röngtenbilder (IV-act. 44 – 49) und der Laborbericht vom
19. März 2013 (IV-act. 37) eingegangen sind, hielt Dr. med. F._ am
15. Dezember 2014 an seiner Stellungnahme vom 29. Juli 2014 fest (IV-
act. 52).
C-619/2015
Seite 20
4.1.3 Aus den medizinischen Unterlagen, welche bis zum Zeitpunkt des
Erlasses der Verfügung vom 22. Juli 2008 vorgelegen haben, geht hervor,
dass der Beschwerdeführer ab September 2006 an einer idiopathischen
Femurkopfnekrose der linken Hüfte gelitten hat (vgl. E. 4.1.1.1). Nachdem
am 18. Mai 2007 die Implantation einer zementfreien Totalendoprothese
erfolgte, war der Beschwerdeführer weitgehend beschwerdefrei
(E. 4.1.1.3). Ab April 2007 stellte sich auch rechts der Verdacht auf idiopa-
thische Femurkopfnekrose (E. 4.1.1.5). Nach Erlass der Verfügung vom
22. Juli 2008 erfolgte am 2. April 2009 die Implantation einer Totalendop-
rothese der rechten Hüfte, woraufhin der Beschwerdeführer bis auf leichte
Trochanterbeschwerden ebenfalls beschwerdefrei war (E. 4.1.1.7). Bezüg-
lich der Hüftbeschwerden lässt sich somit eine Verbesserung bis zum
22. Dezember 2014 feststellen. Im Weiteren litt der Beschwerdeführer be-
reits zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung vom 22. Juli 2008 unter
multisegmentalen Chondrosen und Spondylarthrosen, einer Wirbelsäulen-
fehlform und Fehlhaltung mit Hyperlordose der LWS, Gonarthrosen, Pso-
riasis vulgaris sowie einer arteriellen Hypertonie. Ebenfalls lagen Mehreta-
gen-Discopathien bei lumbalen Rückenbeschwerden vor. Aufgrund des
chronischen Lumbovertebralsyndroms wurde der Beschwerdeführer für die
Tätigkeit in seinem angestammten Beruf als Landschaftsgärtner zu 100 %
arbeitsunfähig befunden. Für andere berufliche Tätigkeiten wurde eine
ganztätige, mindestens leichte bis mittelschwere wechselbelastende Arbeit
mit seltenen Gewichtsbelastungen bis max. 15 kg als zumutbar erachtet.
Aus den neu eingereichten Unterlagen lässt sich keine wesentliche Verän-
derung resp. eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes erkennen.
Die darin aufgeführten Diagnosen sind bereits in den ärztlichen Berichten
vor dem rechtsrelevanten Zeitraum aufgeführt und gewürdigt worden.
Ebenso werden in den neu eingereichten Berichten aus Kroatien, soweit
diese angegeben wurden, dieselben Diagnosecodes verwendet. Lediglich
Dr. N._ erwähnt in ihrem Bericht vom 29. April 2014 (IV-act. 16, S. 3
f.; 17, S. 3, 5) zusätzlich den Diagnosecode ICD-10 M54. Dabei handelt es
sich um Rückenschmerzen (vgl. http://www.icd-code.de/su-
che/icd/code/M54.-.html?sp=SM54, aufgerufen am 26. April 2017), welche
in den Arztberichten vor dem Erlass der Verfügung vom 22. Juli 2008 be-
reits differenzierter beschrieben worden sind. Dr. N._ erachtete den
Beschwerdeführer zu mehr als 70 % erwerbsunfähig, wobei unklar ist, ob
sich diese Angaben auf die angestammte Tätigkeit oder eine dem Leiden
adaptierte Tätigkeit beziehen. Diese Angaben lassen jedoch eine Verbes-
serung der Beschwerden vermuten, war der Versicherte doch zum Zeit-
punkt der ersten Rentenabweisung in seiner angestammten Tätigkeit zu
C-619/2015
Seite 21
100 % arbeitsunfähig. Bezüglich die Kniebeschwerden werden in den Be-
richten von Dr. med. M._ (IV-act. 16, S. 5; 38, S. 5; 18, S. 1) sowie
im Befund „fachärztliche Meinung“ des kroatischen Instituts für die Renten-
versicherung (IV-act. 16, S. 1 f., 17) Krepitationen erwähnt, welche jedoch
nicht näher beschrieben sind. Funktionelle Ausfälle konnten nicht festge-
stellt werden. Weiter wurde lediglich eine leichte Reduktion der motori-
schen Einheiten angegeben (vgl. E. 4.1.2.2). Ebenfalls ist unklar, ob der
Befund „fachärztliche Meinung“ des kroatischen Instituts für die Rentenver-
sicherung, Abteilung für medizinische Gutachten (E. 4.1.2.4) und die Aus-
führungen von Dr. N._ (E. 4.1.2.5) zum selben Dokument gehören.
Einerseits scheint der Bericht von Dr. N._ unvollständig, da der
Name des Versicherten nicht aufgeführt ist und zudem die Nummerierung
mit der Seite zwei beginnt. Andererseits besteht der Befund „fachärztliche
Meinung“ bereits aus zwei Seiten, sodass zwischen den beiden Berichten
kein Zusammenhang hergeleitet werden kann. Fraglich ist ebenso, inwie-
fern die Gutachterin Dr. N._ als spezialisierte Kinderärztin den Ge-
sundheitszustand des Versicherten in rheumatologischer und orthopädi-
scher Hinsicht zu beurteilen vermag. Die weitern, anlässlich des Anhö-
rungsverfahrens eingereichte Unterlagen (IV-act. 44 – 49) sowie der La-
borbericht vom 19. März 2013 (IV-act. 37) sind nicht aussagekräftig, so-
dass sich daraus keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes er-
kennen lässt. Insgesamt teilt das Bundesverwaltungsgericht die Beurtei-
lungen von Dr. med. F._ vom 29. Juli 2014 (IV-act. 22) sowie vom
15. Dezember 2014 (IV-act. 52), wonach aufgrund der eingereichten medi-
zinischen Unterlagen keine neuen Fakten zum Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers bekannt gemacht werden.
5.
Beschwerdeweise rügt der Versicherte mit Verweis auf das Schreiben der
Vorinstanz an den RAD-Arzt Dr. med. F._ (IV-act. 50), dass die Vo-
rinstanz die vor dem Erlass der Verfügung vom 22. Juli 2008 ausgestellten
medizinischen Unterlagen anlässlich der Überprüfung des Rentengesuchs
vom 14. Dezember 2007 nicht berücksichtigt habe. Die Vorinstanz hätte
deshalb auf die Verfügung vom 22. Juli 2008 zurückkommen müssen. Es
ist somit zu prüfen, ob die Vorinstanz den Antrag auf Wiedererwägung vom
12. November 2014 zu Recht nicht geprüft und darüber nicht verfügt hat.
5.1 Gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger auf formell
rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheentscheide zurückkommen,
wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von er-
heblicher Bedeutung ist. Die Wiedererwägung dient der nachträglichen
C-619/2015
Seite 22
Korrektur einer ursprünglich unrichtigen Rechtsanwendung oder Sachver-
haltsfeststellung durch die Verwaltung (BGE 117 V 8 E. 2c S. 17). Während
die Feststellungen, welche der Beurteilung des Rechtsbegriffs der zweifel-
losen Unrichtigkeit zu Grunde liegen, tatsächlicher Natur und dementspre-
chend nur beschränkt überprüfbar sind, ist die Auslegung des bundesrecht-
lichen Begriffs der zweifellosen Unrichtigkeit als Wiedererwägungsvoraus-
setzung nach Art. 53 Abs. 2 ATSG Bundesrechtsfrage, die frei zu beurteilen
ist (SVR 2011 IV Nr. 71 S. 213). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung liegt das Zurückkommen auf formell rechtskräftige Verfügungen
beim Fehlen eigentlicher Revisionsgründe im Ermessen des Versiche-
rungsträgers (Urteil 9C_245/2015 vom 19.08.2015, E. 4.3.). Revisions-
gründe betreffen eine mögliche ursprüngliche Fehlerhaftigkeit der Verfü-
gung, namentlich wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträ-
ger nach Erlass der Verfügung erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder
Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war (Art. 53
Abs. 1 ATSG). Die Wiedererwägung rechtskräftiger Verfügungen fällt nur
in Betracht, wenn es um die Korrektur grober Fehler der Verwaltung geht
(ZAK 1988 S. 255 E. 2b, vgl. 9C_429/2012, E. 2.2).
5.2 Die medizinischen Unterlagen, welche gemäss dem Schreiben der Vor-
instanz an den RAD-Arzt zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung vom
22. Juli 2008 noch nicht vorgelegen haben sollen, befinden sich in den Ak-
ten der IV-Stelle GR. Dabei handelt es sich um folgende Berichte: den La-
borbericht vom 27. März 2007 der (...), Labor für Medizinische Analytik AG,
in welchem die Ergebnisse der Untersuchung der Blutwerte vom 26. März
2007 des Versicherten in immunologischer und hämatologischer Hinsicht
festgehalten worden sind (IV/GR-act. 9); den Arztbericht vom 11. April 2007
von Dr. med. G._, welcher vom Beschwerdeführer ebenso wie die
Röngtenbilder vom 3., 12. und 24. Oktober 2007 (IV-act. 43, vgl. auch
E. 1.1.1.1) anlässlich des Anhörungsverfahrens erneut eingereicht worden
sind (IV-act. 43, 45, 47, 48) sowie den bereits unter E. 4.1.1.7 aufgeführten
Bericht von Dr. med. H._ des Kantonsspitals Graubünden, Opera-
tive Disziplinen Kreuzspital, Abteilung für Orthopädie vom 13. Mai 2008.
5.3 Es ist zu prüfen, ob diese Unterlagen erhebliche Tatsachen darstellen,
aufgrund welcher die Vorinstanz auf die unangefochten gebliebene und in
Rechtskraft erwachsene Verfügung vom 22. Juli 2008 hätte zurückgekom-
men müssen. Wie bereits ausgeführt (E. 4.1.3) wurde beim Versicherten
am 15. Mai 2007 eine TP in der linken Hüfte implantiert, woraufhin er be-
züglich der Hüftschmerzen weitgehend beschwerdefrei war. Der Arztbe-
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richt vom 11. April 2007 von Dr. med. G._ bezieht sich auf den Ge-
sundheitszustand vor der Operation. Die darin neben den Hüftbeschwer-
den beschriebenen Rückenleiden wurden in den übrigen Arztberichten so-
wie dem ELF-Gutachten gewürdigt. Der Bericht von Dr. med. G._
stellt somit kein neues Beweismittel dar, aufgrund welches die Verfügung
vom 22. Juli 2008 hätte geändert werden müssen. Im Bericht zur ambulan-
ten Verlaufskontrolle vom 13. Mai 2008 von Dr. med. H._, welcher
sich auf die ein Jahr zuvor erfolgte Operation bezieht, sind ebenfalls keine
Verschlechterungen des Gesundheitszustandes ersichtlich, sondern es
geht daraus klar hervor, dass sich dieser verbessert hat. Ebenso wenig
zeigen die übrigen Unterlagen neue Tatsachen auf. Bezüglich des Labor-
berichts vom 27. März 2007 ist ausserdem festzuhalten, dass alle Blut-
werte im Normalbereich lagen. Gestützt auf die in E. 5.2 aufgeführten me-
dizinischen Unterlagen lässt sich nicht feststellen, dass erhebliche neue
Tatsachen und Beweismittel vorgelegen haben, welche im früheren Verfah-
ren nicht bekannt gewesen sind. Mit Blick auf das Dargelegte ist ergibt sich,
dass die Verfügung vom 22. Juli 2008 nicht fehlerhaft war; die Vorausset-
zungen nach Ablauf der Rechtsmittelfrist darauf zurückzukommen, waren
vorliegend nicht gegeben. Die diesbezügliche Rüge des Beschwerdefüh-
rers erweist sich als unbegründet.
5.4 Der Beschwerdeführer bringt in diesem Zusammenhang vor, die Vor-
instanz sei verpflichtet gewesen, vor der angefochtenen Verfügung einen
Entscheid betreffend das Wiedererwägungsgesuch vom 12. November
2014 zu erlassen. Dazu ist vorab auf die bundesgerichtliche Rechtspre-
chung hinzuweisen, wonach die Verwaltungsbehörde frei ist, zu entschei-
den, ob sie auf das Gesuch eintreten will oder nicht (Urteil 9C_245/2015
vom 19.08.2015, E. 4.3.; vgl. E. 5.1). Im Übrigen hat der Beschwerdeführer
sein Wiedererwägungsgesuch im Rahmen des Anhörungsverfahrens im
Verfahren zur Neuanmeldung gestellt. Nachdem die Vorinstanz am 6. Au-
gust 2014 einen Vorbescheid erlassen und dem Beschwerdeführer die
Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt hatte (IV-act. 23), gewährte sie
ihm in der Folge mit Schreiben vom 8. Oktober (IV-act. 29) sowie vom
13. November 2014 (IV-act. 41) eine Fristerstreckung zur Einreichung me-
dizinischer Unterlagen. Am 12. November 2014 reichte der Beschwerde-
führer schliesslich die angeforderten Unterlagen ein und verlangte gleich-
zeitig, die Verfügung vom 22. Juli 2008 in Wiedererwägung zu ziehen. Da-
raufhin unterbreitete die Vorinstanz die gesamten Akten dem RAD-Arzt Dr.
med. F._, welcher keine Verschlechterung des Gesundheitszustan-
des feststellen konnte. Die Vorinstanz hat in der Folge das Gesuch um
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Neuanmeldung mit Verfügung vom 22. Dezember 2014 erledigt. Da die Vo-
raussetzungen für eine Wiedererwägung nicht gegeben sind (vgl. E. 5.3),
würde eine Rückweisung an die Vorinstanz zum Erlass eines Wiedererwä-
gungsentscheids zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnöti-
gen Verzögerungen führen. Die Rüge des Beschwerdeführers ist deswe-
gen abzuweisen. Die Vorbringen des Beschwerdeführers, die Vorinstanz
habe es versäumt, die medizinischen Unterlagen einzufordern, kann eben-
falls nicht gehört werden. Wie bereits ausgeführt (E. 3.2) ist es in erster
Linie Sache der versicherten Person selbst, substanzielle Anhaltspunkte
für eine allfällige neue Prüfung des Leistungsanspruches darzulegen. Für
das Eintreten wird ihr die Behauptungs- und Beweisführungslast auferlegt.
6.
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist zusammenfassend festzuhal-
ten, dass die Rügen des Beschwerdeführers unberechtigt sind. Die Vor-
instanz hat insgesamt zu Recht festgestellt, dass den gesamten neuen Un-
terlagen keine konkreten Hinweise auf eine Verschlechterung des Gesund-
heitszustandes des Beschwerdeführers entnommen werden können. Da
der Beschwerdeführer nicht glaubhaft machen konnte, dass sein Gesund-
heitszustand sich in erheblicher Weise verändert hat und zudem keine kon-
kreten Hinweise für eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes
bestehen, hat die Vorinstanz zu Recht keine neuen Erhebungen veranlasst
(vgl. vorne E. 3.4) und ist zu Recht nicht auf das neue Gesuch eingetreten.
Aus diesem Grund ist auf die Frage betreffend dessen Anmeldedatum nicht
weiter einzugehen.
7.
Die Beschwerde 29. Januar 2015 ist nach dem Gesagten abzuweisen und
die angefochtene Verfügung vom 22. Dezember 2014 zu bestätigen.
8.
Abschliessend ist über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung zu befinden.
8.1 Die Verfahrenskosten sind dem unterliegenden Beschwerdeführer auf-
zuerlegen (Art. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Sie werden unter Berücksichtigung
des Umfanges und der Schwierigkeit der Streitsache und insbesondere der
Art der Prozessführung auf Fr. 400.- festgesetzt (vgl. Art. 63 Abs. 4bis VwVG
in Verbindung mit Art. 1, Art. 2 Abs. 1 und 2 des Reglements über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
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173.320.2]). Sie sind durch die Bezahlung des Kostenvorschusses in der
gleichen Höhe bereits beglichen.
8.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Begehren
eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig
hohe Kosten zugesprochen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Als Bundes-
behörde hat die Vorinstanz jedoch keinen Anspruch auf Parteientschädi-
gung (Art. 7 Abs. 3 VGKE). Dem unterliegenden Beschwerdeführer ist ent-
sprechend dem Verfahrensausgang keine Parteientschädigung zuzuspre-
chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG).