Decision ID: 28eede23-c7fe-5fcc-b144-acc248b625ee
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1971
, aus
Y._
stammend
, Mutter von drei Kindern Jg. 2001, 2005 und 2008
,
seit Februar 2013 geschieden
und ohne
Beruf und
Aus
bildung
, reiste im
Dezember 2005 in die Schweiz ein (
Urk.
12/3
Ziff.
1
, 2 und 3
).
Über die Gemeinde
Z._
, Abteilung für Soziales, meldete sie sich
u
nter Angabe
einer seit längere
r
Zeit oder eventuell sei
t Geburt bestehenden psychischen
Störung am 1
0.
Juli 2018
zum Leistungsbezug (Berufliche Integra
tion/Rente) bei der Eidgenössischen
Invalidenversicherung an (
Urk.
12
/
3
Ziff.
6.1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
klärte die
medizinischen und beruflichen Verhältnisse
ab
und stellte mit Vorbescheid vom
5.
Oktober 2018 die Verneinung eines Leistungsanspruchs in Aussicht (
Urk.
12
/17). Nach
dem die Versicherte dagegen
Einwand
erhoben hatte
(
Urk.
12/20 und
Urk.
12/25)
,
zog die IV-Stelle verschiedene weitere Berichte der behandelnden Ärzte sowie der Stiftung
A._
bei (
Urk.
12/27, 12/30, 12/31, 12/32, 12/34) und
veranlasste eine
psychiatrische Abklärung bei
Dr.
med.
B._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH (Expertise vom 29
.
Juli 2020;
Urk.
12
/
48
).
Nach
einer
Stellungnahme der Versicherten
zum Gutachten
(
Urk.
12/57)
,
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
(Rentenanspruch)
mit Verfügung vom 10.
November 2020 (
Urk.
2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 1
1.
Dezember 2020 Beschwerde mit folgenden Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
1.
Die
Verfügung vom 1
0.
November 2020 sei aufzuheben.
2.
Es sei ein Gerichtsgutachten der Fachrichtungen Psychiatrie, Neuro
psychologie und Rheumatologie zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu veranlassen.
3.
Eventualiter sei die Angelegenheit zu ergänzenden Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde
gegnerin.
In prozessualer Hinsicht ersuchte die Versicherte, es sei die unentgeltliche Prozessführung und
Verbeiständung
zu gewähren.
Die
Beschwerdegegnerin schloss am 2
7.
Januar 2021
auf
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11
), was der Beschwerdeführerin
am 2
8.
Januar 2021
zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
13
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend ob
jektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumut
bar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281
E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dür
fen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge
und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Leistungsabweisung damit (
Urk.
2), dass aufgrund von mangelnder Ausbildung und fehlender Deutschkenntnisse
der Beschwerdeführerin
die Voraussetzungen für berufliche Massnahmen nicht ge
geben gewesen seien.
Es sei deshalb
der Rentenanspruch geprüft und ein psychiatrisches Gutachten erstellt worden. Dabei habe keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden können. Ins
besondere liege keine Störung aus dem schizophrenen Formenkreis vor, was im Gutachten überzeugend dargelegt worden sei.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1 S.
4
f
f
.),
d
as psychiatrische Gutachten von
Dr.
B._
genüge den beweisrechtlichen Anforderungen nicht.
Eine entsprechende Prüfung sei vom Rechtsanwender zu Unrecht unterlassen worden.
Der Gutachter habe weder
die
Vorakten
vollständig zur Kenntnis genommen
noch
habe er
eine
Fremdanamnese
eingeholt
.
Dem
entsprechend fehle auch e
ine eigentliche Auseinandersetzung mit den Berichten der behandelnden
Ärzte
.
E
benso wenig sei e
ine Bewertung des Abschlussberichts der Stiftung
A._
vorgenommen worden
, bei der ein mehrmonatiger Arbeits
versuch absolviert worden sei
(S. 4 ff)
.
Aus der neuropsychologischen Testung vom 2
9.
Oktober 2020
ergebe
sich, dass
erhebliche Funktionseinschränkungen
vorhanden seien
.
Warum der psychiatrische Gutachter zum Schluss gekommen sei, eine testpsychologische Untersuchung der kognitiven Funktionen sei auf
grund des Gesamteindrucks nicht erforde
rlich, sei unverständlich, zumal sich be
reits aus rein neuropsychologischer Sicht eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit von 50-70
%
feststellen lasse (S. 9).
Auch eine vertiefte Abklärung der wahnhaft anmutenden Vorstellungen sei unterblieben. Da sie seit Jahren auch unter körperlichen Beschwerden leide, wäre auch aus somatischer Sicht zu beurteilen, ob Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit oder mit einer Einschränkung des zumutbaren Leistungsprofils bestünden (S. 10).
2.3
St
rittig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
3.
3.1
Im Austrittsbericht der Erwachsenenpsychiatrie Sektor
C._
vom 10.
März 2010 (
Urk.
12/30) über den Aufenthalt vom 1
5.
Januar bis
9.
März 2010
hielten die Ärzte fest, die Beschwerdeführerin komme
per FFE
(fürsorgerische Freiheitsentziehung)
. Sie sei von
der
Polizei verwirrt und unbekle
idet auf der Strasse
angetroffen worden
,
sei
zeitlich und örtlich desorientiert
gewesen
und habe halluziniert. Bei
aktueller Temperatursituation
von
weniger als 0
°
C
habe akute Selbstgefährdung bestanden. Aufgrund des akut-psychotischen Zustands
bildes mit
religiös gefärbt
em
, bizarr
anmutendem Verhalte
n und mangelhafter Orientierung
habe die Beschwerdeführerin die ersten Tage im Abschirmzimmer verbringen müssen. Medikamentös sei
sie
mit
Zyprexa
und in der Akutphase zu
sätzlich
mit
Haldol
behandelt
worden. Die antipsychotische Wi
rkung habe sich erst nach etwa drei
Wochen
eingestellt
, als sich der Zustand langsam
ge
bessert
habe
. In mehreren Gesprächen mit dem Ehemann sei eruiert worden, dass die Beschwerdeführerin eine generell religiöse Frau und schon seit längerem sehr unter der Trennung
von
ihrer in
Y._
wohnhaften Familie leide. Offen
sichtlich sei das Paar auch bei der Betreuung ihrer drei Kinder überfordert und benötige dementsprechend Unterstützung.
Nach mehreren positiv verlaufenden Belastungswochenenden sei die Beschwerdeführerin mit ambulanter Anbindung und fix
geplanter Reise nach
Y._
mit
gutem Zustandsbild in die alten Ver
hältnisse entlassen worden.
3.2
Im Bericht
der
Erwachsenenpsychiatrie Sektor C._
vom 1
5.
Oktober 2010 über den stationären Aufenthalt vom
7.
April bis
6.
Juli 2010 (
Urk.
12/31) führten
d
ie Ärzte aus
, die Beschwerde
führerin komme
per FFE, aber
diesmal
mit ihrem Einverständnis und in Be
gleitung des Ehemannes
. Sie sei wenige Tage nach ihrer Rückkehr aus de
m Heimaturlaub in
Y._
aufg
rund einer psychotischen Dekom
pensation mit Un
ruhe, schlechtem
Nachtschlaf (schlafe erst morgens ein),
Palpitationen
, all
gemeine
r
Abgeschlagenheit, Stimmenhören in Form von einer beratenden/kommentierenden/befehlenden Stimme eines toten buddhistischen Mönches, zugewiesen worden. Im Vergleich zur Ersteintrittssituation habe sie sich dies
es M
al in einem besseren Zustands
bild gezeigt. Nach einer etwa drei
wöchigen Stabilisierungsphase und der klaren Ablehnung
des
vorgeschlagenen Prozedere
s
mit ambulanter Nachbetreuung in einer tagesklinischen Einrichtung
durch die Beschwerdeführerin
, sei sie gegen
den
ärztlichen Rat entlassen und
ihr
dadurch
die vom Ehemann bereits organisierte Reise nach
Y._
ermöglicht worden.
3.3
In einem weiteren Austrittsbericht der
Erwachsenenpsychiatrie Sektor C._
vom 2
4.
Januar 2012 (
Urk.
12/32)
über den stationären Aufenthalt vom
6.
bis 2
3.
Januar 2012
legten die Ärzte dar
, die Zuweisung
durch die Notfallärztin
erfolge erneut per F
F
E bei akuter Selbst- und Fremdgefährdung.
Im Anschluss an die letzte
Hospitalisation
sei die Beschwerdeführerin
für einige Zeit nach
Y._
gegangen und nach ihrer Rück
kehr sei sie bis drei Tage vor Eintritt stabil gewesen. Seit drei Tagen habe sie
nun
eine Tendenz zum Weglaufen, wobei sie auch bei schlechtem Wetter
hinaus
gegangen sei und sich sowie die Kinder nicht adäquat gekleidet habe. Der Ehe
mann habe sie deswegen zeitweilig sogar im Haus eingesperrt.
Die Beschwerde
führerin habe
ihrem Ehemann vor
geworfen
, dass er sie grundlos zuhause ein
gesperrt
habe, dass er "kein Herz" habe
und auch kein Verständnis
für ihre Kultur. Sie hege seit fünf
Jahren
einen Trennungswunsch. Die vom
Ehemann berichteten Veränderungen in den Tagen vor der
Hospitalisation
könne sie so nicht bestätigen. I
m gemeinsamen Gespräch mit d
em Ehemann habe sie situations
angemessen gewirkt und es hätten
sich keine Hinweise auf grobe psycho
pathologische Auffälligkeiten
ergeben, so dass die
fremdanamnestisch berich
teten, bizarr anmutenden Verhaltensweisen der
Beschwerdeführerin
der ärzt
lichen
Ein
schätzung
nach als kul
turell mitbedingt anzusehen seien. Es sei
im An
schluss an die
Hospitalisation
durch die Beschwerdeführerin
e
in längerer
Auf
enthalt in
Y._
geplant
und deshalb kein
Nachbehandlungstermin organisiert
worden.
3.4
Im Verlegungsbericht des Spitals
D._
vom
5.
Februar
2014 (
Urk.
12/34) über die
Hospitalisation
vom
4.
bis
6.
Februar 2014 nannten die Ärzte als Diagnosen den Verdacht auf eine schwere depressive Episode bei psychosozialer Belastungs
situation mit Status nach einem
katatone
n
Zustandsbild im Jahr 2010 mit
Auf
enthalt im
Psychiatriezentrum
E._
sowie ein
en
Verdacht auf Analge
tika-induzierte K
opfschmerzen. Die Beschwerdeführerin
sei
mit der
vom Freund der Beschwerdeführerin avisiert
en
Ambulanz gebracht
worden
. Der Freund habe berichtet, dass er auf dem Balkon gestanden habe und als er wieder ins Wohn
zimmer gekommen sei, habe er seine Freundin auf dem Boden liegend vor
gefunden. Sie sei etwa eine Minute lang nicht mehr ansprechbar gewesen, woraufhin er die Ambulanz angerufen habe. Die
Ärzte führten aus, die
Anamnese
habe
sich durch
die
erschwerte Kommunikation schwierig
gestaltet
.
Die Beschwerdeführerin berichte
, dass sie aktuell sehr stark psychisch belastet sei und sowohl Ärger mit dem Exmann als auch mit dem neuen Lebensgefährten habe.
Initial
habe
sie sich
mit einem GCS (
Glasgow
Coma
Score
) von 14 auf der Not
fallstation
präsentiert
. Bei fehlenden Hinweisen für einen Kopfanprall und an
schliessend immer einem GCS von 15 sei auf eine Bildgebung verzichtet worden. Anamnestisch und fremdanamnestisch lasse sich erfahren, dass das Paar vor dem Ereignis anscheinend gestritten habe. Ausserdem sei die Beschwerdeführerin durch grosse finanzielle und famili
äre Probleme stark belastet,
sehe ihre Kinder,
die beim Ex-Mann lebten, kaum, sei schlecht integriert,
und
werde
von der Sozialhilfe unterstützt
. Die ganzen Probleme überforder
te
n sie massiv und im Moment wolle sie eigentlich nur sterben. Akute Suizidalität werde aber verneint.
Es wurde zum weiteren
Procedere die Verlegung in das
E._
,
aufgeführt.
3.5
Im Beric
ht der
Erwachsenenpsychiatrie Sektor C._
vom 2
2.
August 2018 (
Urk.
12/8) über die seit 2
0.
Februar 2018 erfolgte ambulante Behandlung,
führten
die
zuständigen Fachpersonen aus, die
Beschwerdeführerin komme ca. alle drei Wochen zum Termin ins Ambulatorium
F._
. De
n
vorletzte
n
Termin
habe sie
unabgemeldet
nicht wahr
genommen
und im Mai und Juni seien sie ohne Nachricht von der Beschwerde
führerin verblieben. Eine Erhöhung der Regelmässigkeit der Konsultationen sei zwar grundsätzlich möglich, jedoch erwarte man hierdurch keine signifikante Verbesserung des Ge
sundheitszustands. Aufgrund der
Schwierigkeiten mit der deutschen und englische
n Sprache, den Auffassungs- und
Konz
entrations
einschränkungen sowie bei
deutlich mange
lhafter Introspektionsfähigkeit
sei
die Beschwerdeführerin für
psychotherapeutische
Interventionen nicht zugänglich, sodass die gegenwärtige integrierte Behandlung (IPPB) auf die Stabilisierung und Diagnostik ausgelegt sei. Zum psychopathologischen Befund führten die Fach
personen aus, die Kommunikation gestalte sich schwierig, da die aus
Y._
stammende Beschwerdeführerin nur bruchstückhaft Deutsch und Englisch spreche. Sie sei wach und insgesamt zeige sie sich freundlich. Ein geordnetes Gespräch sei jedoch nicht möglich. Sie verneine kognitive Beeinträchtigungen und im Gespräch seien mittelgradige Einschränkungen in der Auffassung, Konzentration und Gedächtnisleistung feststellbar. Affektiv sei sie positiv ge
stimmt, schwingungsfähig und ein akutes psychotisches
Erleben sei unwahr
scheinlich,
jedoch nicht vollumfänglich
eruierbar
. Fremdanamnestisch seien durch Vorberichte (2012) bizarres Verhalten bekannt.
Die Beschwerdeführerin
berichte von Anfällen von "Vood
oo"
beziehungsweise
"schwarzer Magie", die
bei ihr hohe Müdigkeit und Energielosigkeit auslösten.
Sie verneine
Stimmenhören und andere Halluzinationen
und
solche hätten auch nicht
festgestellt werden
können. Eine
Abgrenzung zu kulturellen Überzeugungen
sei nicht gänzlich mög
lich und es bestehe ein Verdacht auf
verminderte Krankheitseinsicht. Psycho
motorisch
seien
keine Auffälligkeiten
vorhanden und es bestünden leichte bis mittel
gradige An
triebsarmut und Antriebshemmung und l
eichte
Ein- und Durch
schlafstörungen.
Hinweise
auf Selbst- und Fremdgef
ä
hrdung
seien nicht vor
handen
(
Ziff.
2.2). Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit be
stünden (
Ziff.
2.5):
-
Bipolare affektive Störung, gegenwärtig leichte oder mittelgradige depressive Episode; Status nach schwerer depressiver Episode 04/2014 und manischer Phase im Sommer 2017 (F31.3)
-
Anamnestisch Verdacht auf akute polymorphe psychotische Störung mit Symptomen einer Schizophrenie, vollständige Remission (F23.05)
-
Probleme mit Bezug auf die Ausbildung und das Lese-Schreib-Vermögen: Analphabetismus (Z55.0)
-
Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung (Z60.3).
Bezüglich Prognose der Arbeitsfähigkeit sei
eine Eingli
ederung im ersten Arbeits
markt als unrealistisch
zu erachten.
Dabei habe ein
Austausch mit der Arbeit
s
integration Stiftung
A._
bestätigt, dass keine
für den ersten Arbeitsmarkt
zu
mutbare Leistungsfähigkeit bestehe, d
a
es zu vielen Ausfällen ohne
Abmeldung komme und
ba
sale Regeln nicht eingehalten w
ü
rden und
sich über mehrere Monate keine
Veränderungen ab
gezeichnet h
ätten
.
3.6
Im Bericht des Spital
s
D._
vom 1
5.
Februar 2019 (
Urk.
12/27/7-8
) legte der zuständige Arzt dar
, die
Zuweisung
erfolge
zu
m Ausschluss einer gynäkologisch
en Ursache der
diagnostizierten Eisenmangela
nämie.
Dabei sei die Jahreskontrolle unauffällig und es ergebe sich kein Hinweis auf ein gynäkologisches Problem als Ursache der
Anämie. Die Beschwerdeführerin wünsche sich ein
e
In-vitro-Fertilisation
und möchte sich diesbezüglich weiter
erkundigen
;
sie überleg
e
sich, eine
Eizell
en
spende in
G._
durchführen zu lassen.
3.7
Dr.
med.
H._
, Allgemeine Medizin FMH,
hielt
im Bericht zu Händen der Beschwerdegegnerin vom 1
2.
März 2019 (
Urk.
12/27
Ziff.
2.2 f.
)
fest
, die Beschwerdeführerin fühle sich aufgrund der Eisenmangelanämie chronisch müde und nicht in der Lage
,
mehr als einen halben Tag zu arbeiten. Aus somatischer Sicht bestehe keine Medika
tion ausser einer Reserve von Ri
opan-Gel und
Pantoprazol
bei Magenbeschwerden.
Zur Arbeitsfähigkeit
führte
der Arzt
aus
(
Ziff.
2.7)
, er
sei nicht sicher, in wie weit medizinische Diagnosen Grund für eine Arbeitsunfähigkeit
seien. V
iel mehr denke
er,
dass der soziokulturelle Hintergrund der
Beschwerdeführerin, die fehlenden
Sprach- und Arbeitskenntnisse und gegebenenfalls die Einst
ellung zur Arbeit
der
Grund für die
subjektiv beklagte Arbeitsunfähi
gkeit darstelle
.
Er sei sich nicht sicher
,
ob die Beschwerdeführerin ihre aktuelle Situation erfassen könne
.
V
or einem Entscheid
sollte
eine gründliche somatische Abklärung und gegebenenfalls Behandlung und eventuell auch eine fachpsychiatrische Neu
beurteilung stattfinden (
Ziff.
5).
3.8
Dr.
B._
führte
im
psychiatrischen Gutachten vom 2
9.
Juli 2020
(
Urk.
12/48) aufgrund seiner Exploration vom 2
8.
Februar 2020 aus
(S. 17 f
.),
gemäss Angaben der Beschwerdeführerin
sei
sie in
Y._
, im Norden
,
zirka 450 km von
I._
entfernt
, geboren. S
ie seien
elf Geschwister gewesen, wobei zusätzlich in der Familie auch noch die Kinder
der Geschwister gelebt
hätten. Sie habe sechs Klassen der Schule besucht und danach zunächst bei den Eltern im Haushalt und auf d
em Reisfeld geholfen. Sie könne
«...»
schreiben und lesen
. Dabei bestätige die
Dolmetscherin
, dass ein vom
begutachtenden
Referenten
diktierter Satz
durch
die Beschwerdeführerin
korrekt geschrieben worden sei. Die Aufgabe von 100 sieben abzuziehen
,
könne die Beschwerdeführerin bis 93 lösen, danach zeige sie sich angestrengt
,
die Aufgabe weiter zu lösen und
gebe an,
wie blockiert
zu sein;
der Kopf sei langsam und damals, als
sie
arbeiten g
egangen sei, sei es gut gegangen und seit sie hier sei, sei ihr Leben ein
St
ress, die Heirat, die Scheidung. Sie sei
23 Jahre alt
gewesen
und habe drei
Monate Zeit
gehabt
,
um
ihren Mann
kennenzulernen,
welchen sie nie
geliebt habe.
Sie sei dann schwanger geworden und nach
der
Geburt der Tochter in die Schweiz
gekommen und habe geheiratet. Der Ehegatte sei auch der Vater ihres zweiten und dritten Kindes.
E
r habe sich von ihr getrennt, als die jüngste Tochter eineinhalb Jahre alt gewesen sei und habe sich zwei Jahre später scheiden lassen. Er habe behauptet, dass sie psychisch krank sei und
habe
sie in das Psychiatriezentrum E._
geschickt. Dort sei sie zu
nächst zwei bis drei Monate und später dann noch einmal stationär behandelt worden. Die älteste Tochter habe eine A
usb
ildung zur Köchin absolviert, sei
vor zwei Jahren nach einem Streit mit dem Vater in einem Heim untergebracht
worden
und sei jetzt im vierten Monat schwanger. Der Sohn und die jüngste Tochter gingen auf die gleiche Schule. Sie wisse nicht
,
in welche Klasse und ihr geschiedener Ehemann wolle nicht, dass sie Kontakt zu ihnen habe.
Zu ihrem
jetzigen Leiden
erkläre
die Beschwerdeführerin
(S. 18 f.)
, sie könne nicht mehr länger stehen, habe Schmerzen im Bereich der linken Körperseite und
leide
gelegentlich unter Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Im Spital
D._
sei
eine
bildgebende Diagnostik
der Wirbelsäule und des Kopfes
erfolgt.
Es sei zutreffend, wa
s in den Berichten des Psychiatriezentrums E._
stehe. Aber dies verstehe man, wenn man buddhistischen Glaubens sei. Der
«
Geist
»
habe erst ihren Mann
gehabt
und das sei dann auf sie übertragen worden
,
sodass sie Probleme mit der Gesundheit be
kommen habe, oft wie eine Epilepsie. Der
«
Geist
»
habe gesagt, sie müsse raus aus der Wohnung. Es sei schwarze Magie gewesen, sie habe deswegen nach
Y._
reisen müssen und durch einen Mönch in einem Tempel sei die schwarze Magie weggegangen. Immer wenn sie zu ihrem Ehemann zurückgekehrt sei, sei die schwarze Magie wiedergekehrt, es sei wie eine Infektion gewesen, die
Trennung habe beiden gutgetan. Das Böse habe sie verlassen, nachdem sie Weihwasser getrunken habe.
Dazu hielt der Gutachter unter
Anmerkung
fest,
dass er dies
bezüglich nicht
weiter forciert
abgeklärt habe, um mögliche
a
ffektive Reaktionen nicht zu mobili
sieren, wobei die Besonderheit
en
des Erlebens von der
Beschwerdeführerin
in der Untersuchung
ohne affektive Beteiligung, eher sach
lich berichtet worden sei
en
. Weiter führte der Gutachter aus, i
n biographischer Hinsicht berichte
die Beschwerdeführerin
(S. 19),
dass sie
im
14
.
/1
5.
Lebensjahr
nach
I._
gekommen
sei
, dort als Hausangestellte und Näherin in einer Fabrik gearbeitet
und s
päter
bei
einer Tante im Verkauf geholfen
habe. D
anach
habe sie
in einem Beauty-Center gearbeitet, wo sie ihren Ehegatten kennen
gelernt habe. Im Beauty-Center sei
sie als
Coiffeuse
und
Tattoostecherin
tätig gewesen
,
habe
jedoch in keinem der Berufe eine qualifizierte Ausbildung gemacht
. Sie sei
dann
ein bis zwei Monate als Masseurin angelernt worden und habe sich im Rahmen ihrer Tätigkeit zunehmend qualifiziert. Sie plane jetzt einen Kurs als Kosmetikerin zu absolvieren. Im Jahr
2002 sei sie mit ihrer dazumal zwei
Jahre alten Tochter in die Schweiz gekommen und hier habe si
e nie in einer Anstellung im ersten
Arbeitsmarkt gearbeitet.
Heute
lebe
sie
allein
e
, manchmal kämen die Kinder sie besuchen. Nach der Trennung von ihrem Ehemann und den stationären Behandlungen sei ihr von Landsleuten in
J._
geholfen worden. Durch die Gemeinde seien ihr Deutschkurse und eine Tätigkeit bei der Stiftung
A._
in der Wäscherei vermittelt worden. In
Y._
sei sie das letzte Mal vor drei Jahren zur Beerdigung einer ihrer Brüder gewesen und sie erhalte finanzielle Unter
stützung von der Gemeinde, die sich
freundlich um sie kümmere (S. 19 f.
).
Zum psychiatrischen Befund führte der Gutachter aus
(S. 20 f.)
, die Beschwerde
führerin sei bewusstseinsklar und zu den Qualitäten Person, Situation, Ort und Zeit vollständig orientiert. Der Ernährungszustand sei gut, der
Allgemeinzustand unauffällig und d
er Kontakt
sei
problemlos sowohl direkt, als auch über
die Dolmetscherin herzustellen gewesen.
Gestik und Mimik
seien
uneingeschränkt eingesetzt und d
er Gedankengang formal geordnet.
Sie
berichte kohärent und
sachlich über
ihr
e aktuelle Lebenssituation. D
ie bes
onderen Denkinhalte, die zu den stationären Aufnahmen geführt hä
tten,
seien
von ihr d
istanziert und a
ffektiv entkoppelt
dargestellt
worden
. Hinweise auf
Wahrnehmungs- (
Gegenrede, Blick
wendung) oder Ich-Störungen
hätten sich nicht gefunden.
Sie
könne
«...»
lesen und
s
chreib
en, bei der Rechenaufgabe
,
von 100 sukzessive sieben abzu
ziehen
,
hätten sich zwar Konzentrationsstörungen gezeigt, wobei sich keine
Hin
weise auf Sperrungen oder Gedankenabreissen
ergeben
hätte
n
und die Beschwerdeführerin
in der Untersuchungssituation
auch nicht
durch Ängste, Phobien, Zwänge oder paranoide Ideen beeinträchtigt gewesen
sei
. Die Auf
fassung für die besprochenen
Themen seien intakt
gewesen
und sie habe thema
tisch folgen und Bezug zu den besprochenen Themen herstellen können. Der An
trieb sei normal und es habe keine Suizidalität bestanden (S. 20 f.).
D
er Gutachter
stellte
k
eine p
sychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 21)
. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannte er eine s
ozio
kulturelle Entwurzelung mit über viele Jahre anhaltender problematischer Ehesituation und psychotisch regressiver Symptomatik
in extremen Stresssituationen
bei eingeschränkten Kompensationsmöglichkeiten aufgrund fast vollständig fehlender Deutschkenntnisse und einem Verdacht auf Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z60, Z63, Z73).
Zur Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter aus, i
m Rahmen der Untersuchung sei ein Normalbefund festgestellt worden. Hinweise auf eine krankheitsbedingte, ins
besondere eine durch eine Erkrankung aus dem schizo
phrenen Formenkreis ver
ursachte
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit hätten sich nicht gefunden.
Die Beschwerdeführerin habe dem Gesprächsverlauf der zweistündigen Exploration problemlos folgen können und könne auf
«...»
schreiben und lesen. Die Stimmung sei ausgeglichen
gewesen. S
ie nehme keine Psychopharmaka ein
. E
ine testpsychologische Untersuchung der kognitiven Funktionen sei bei Berück
sichtigung des Ausbildungsweges und des beruflichen Werdeganges aufgrund des diesbezüglich relevanten Gesamteindrucks nicht erforderlich
gewesen
. Es ergäben sich auch keine Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführerin nach dem
6.
Juli 2010 aufgrund einer dem psychiatrischen Fachgebiet zuordenbaren Erkrankung für Tätigkeiten ihrem Ausbildungsniveau entsprechend arbeitsunfähig gewesen sei und es hätten
sich
auch keine krankheitsbedingten Beeinträchtigungen für den Bereich Ernährung, Wohnungs- und Hauspflege, Einkauf, Wäsche- und Kleiderpflege, Pflege und Betreuung von Kindern oder anderen Angehörigen ergeben. Die körperliche Aktivität sei nicht beeinträchtigt und eine Beeinträchtigung der Intelligenz im engeren Sinne bestehe nicht. Es bestünden auch keine motorischen Beeinträchtigungen. Die Anpassung an Regeln sei kultu
rell bedingt und aufgrund der unzureichenden Deutsch
kenntnisse leicht
, bei ein
fach strukturierten, repetitiven Tätigkeiten jedoch nicht beeinträchtigt. Demzu
folge sei auch die Anpassung an Routinen und die Strukturierung von Aufgaben entsprechend bezogen auf das bisherige Anforderungsniveau auch auf dem
ersten
Arbeitsmarkt nicht beeinträchtigt. Die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit seien mittelgradig beeinträchtigt
, ebenso
die fachliche Kompetenz sowie die
Ent
scheidungs
- und Urteilsfähigkeit. Die Durchhaltefähigkeit, Selbstversorgung, Mobilität und Wegefähigkeit seien aber nicht und die Kommunikationsfähigkeit nur aufgrund der fehlenden Deutschkenntnisse beeinträchtigt. Im Rahmen der
aktuellen Untersuchung mit Unterstützung einer Dolmetscherin sei sie für einen Zeitraum von
zwei
Stunden nicht beeinträchtigt gewesen (S. 24).
3.9
Im Bericht des Zentrums Verhaltensneurologie
Neuropsychologie
K._
vom 29.
Oktober 2020
(
Urk.
3/7)
zu Händen der Gemeinde / Soziales,
hielten
die Neuropsychologin FSP
L._
und
Dr.
med.
M._
, Verhaltensneurologin
, fest,
die Zuweisung zur neuropsychologischen Standortbestimmung sei bei Schwierig
keiten bei der beruflichen Integration erfolgt.
Es präsentiere sich eine zurück
haltende und etwas hilflos wirkende, teilweise durch die Aufgabenstellung über
forderte 49-jährige Beschwerdeführerin
«...»
Muttersprache mit geringen Deutschkenntnissen und themenbezogener affektiver Ansprechbarkeit sowie einer eingeschränkten, aber auslenkbaren affektiven Modulierbarkeit.
Test
diagnostisch seien folgende kognitive Befunde zu finden: M
nestische Defizite im Sinne einer verbalen Lern- und
Wiedererkennschwäche
(
leicht: Wiedererkennen; schwer: Lerndurchgänge,
Lernmass
) und einer mittelschweren figuralen Abruf
schwäche. Zudem
seien
attentionale
Einschränkungen (schwer: gerichtete und geteilte Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeitsaufrechterhaltung) sowie ein
dysexe
kutives
Syndrom (leicht: Planungs- und Strukturierungsfähigkeit; schwer: ver
bale Ideenproduktion) feststellbar. Weiterhin seien eine Dyskalkulie sowie im mündlichen/schriftlichen Ausdruck in der
«...»
Muttersprache grammatikalische Schwierigkeiten vorliegend. Als nicht eingeschränkt
hätten
sich im frontal-exekutiven Bereich die figurale Ideenproduktion sowie die Impulskontrolle
erwiesen
.
Als Diagnose aus neuropsychologischer Sicht
nannten die
Berichterstatter
(S. 2):
-
M
ultiple Teilleistungsschwächen im Sinne einer Aufmerksamkeits
-
schwäche (F90.9) sowie spezifische Lernstörungen mit Beeinträchtigung beim Rechnen (F81.2) und mit Beeinträchtigung beim schriftlichen Aus
druck (F81.81) als Folgen einer frühkindlich erworbenen
cerebralen
Ent
wicklungsstörung unklarer Ätiologie.
Unter Empfehlungen
und
Arbeitsfähigkeit
wurde festgehalten
: Aus
rein neuropsychologischer Sicht lasse sich eine Einschränkung
der
Arbeitsfähigkeit um 50 bis 70
%
(ausgehend v
on einem 100
%
-Pensum) ableiten.
4.
4.1
Das
psychiatrische Gutachten
von
Dr.
B._
vom 2
9.
Juli 2020
beruht auf einer
persönlichen
Untersuchung und wurde
- entgegen dem Einwand der Beschwerdeführerin -
in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den
wesentlichen
Vorakten
erstattet (vgl.
Urk.
12
/48/3-16)
,
es
berücksichtigt d
ie geklagten Beschwerden (
Urk.
12
/
48/1
8
f.)
und setzt sich mit diesen sowie dem
Verhalten der Beschwerdeführerin in der Untersuchung
auseinander (
Urk.
12/48/24 ff.).
Der
Experte
legte die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dar und seine Schlussfolgerung
en
sind nach
vollziehbar begründet.
So
zeigte er schlüssig auf, dass aufgrund der Befundung und Diagnostik auf psychiatrischem Fachgebiet keine Störung oder Symptomatik mit Krankheitswert
im Sinne der Invalidenversicherung
festzustellen ist und
sich
dementsprechend auch keine Diagnose mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit
stellen lässt
(vg
l.
Urk.
12/48/20
f.
). D
ie Expertise von
Dr.
B._
erfüllt damit
grundsätzlich
die
bundesgerichtlichen Vorgaben an ein beweiskräftiges Gut
achten (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen).
4.2
D
ie Beschwerdeführerin
bemängelt
,
dass
der Gutachter
de
n
Abschlussbericht der Stiftung
A._
(vgl.
Urk.
12/27/13-15)
nicht
weitergehend
b
ewert
et habe.
D
em
kann
nicht gefolgt werden
. D
er
Bericht
wurde nicht nur
ausführlich
erwähnt
, sondern es erfolgte auch
eine
Auseinandersetzung
mit diesem
, wobei ins
besondere festgehalten wurde, dass
auch
darin
keine psychotischen Symptome mehr beschrieben wurden (vgl.
Urk.
12/48/11-13 und 12/48/25 f.).
Es
trifft
zwar zu, dass
es
trotz
d
es mehrwöchigen
Arbeitsversuch
s
n
icht gelungen ist
, die Beschwerdeführerin auf dem ersten Arbeitsmarkt zu integrieren
.
Es
ist aber fest
zustellen, dass
sich
die Beschwerdeführerin
selber gegen eine Verlängerung
gestellt hat, da sie
eine sel
b
ständige Erwerbstätigkeit
aufnehmen wollte
.
Im Weiteren ergibt sich
gestützt auf die Akten
, dass
sie
seit d
er Einreise
in die Schweiz im Dezember 200
5
im Alter von
34 Jahre
n
gar nie im
hiesigen
ersten Arbeitsmarkt erwerbstätig war
und
dementsprechend
gar nicht gewohnt ist
,
einer Erwerbstätigkeit nachzugehen
(vgl. Auszug aus dem Individuellen Konto;
Urk.
12/6).
Dass
es
bei
hinzukommender
fehlender
(schulischer)
Ausbildung,
fehlender
Arbeits- und Berufserfahrung, ungenügenden
Sprachkenntnissen
und mangelnder
sozialer
Integration
nicht gelungen ist,
die Beschwerdeführerin, wel
che nach der Scheidung von ihrem Ehegatten
im Jahr 2013
mit folgender Sozialhilfeabhängigkeit
erstmals
angehalten wurde
,
für ihren Unterhalt selbständig zu sorgen
,
in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern,
überrascht
daher
nicht. Eine medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit
kann
daraus jedoch
nicht
hergeleitet werden
, woran
auch der Bericht der St
i
ftung
A._
(vgl.
Urk.
12/27/13-15) nichts zu ändern
vermag, zumal
gemäss
Rechtsprechung die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Mass
gabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleis
tung zu beantworten ist (Urteile des Bundesgerichts
8C_334/2018 vom
8.
Januar 2019 E. 4.2.1 und
8C_802/2017 vom
2
1.
Februar 2018 E. 5.1.1
je
mit Hinweisen)
.
Mit Blick auf die stationären
Auf
enthalt
e
in der
Erwachsenenpsychiatrie Sektor C._
und
im
Spital
D._
in den Jahren 2010, 2012 un
d 2014 (vgl. E. 3.1 bis E. 3.4)
ist
auch
festzustellen, dass
Auslöser der Krisen
,
die zur
Hospitalisierung
geführt hatten,
stets
psychosoz
iale
Belastungssituationen waren, wobei die
Trennung von der Familie in
Y._
,
die
Überforderung in der Betreuung der drei Kinder,
der
Trennungswunsch vom Ehegatten,
Ärger mit dem neuen Lebensgef
ährten und finanzielle Probleme
a
usschlaggebend
waren. Dabei sahen selbst d
ie
Behandler die
teilweise bizarr anmut
enden Verhaltensweisen
der Beschwerdeführerin zumindest
als
kulturell
und
religiös mitbedingt
an
. D
as Gut
achten von
Dr.
B._
steht dazu
nicht im Widerspruch und vermag
insbesondere
auch
darin zu überzeugen, dass
in der Zeit nach dem zweiten
stationären Auf
enthalt in der
Erwachsenenpsychiatrie Sektor C._
keine
klinisch relevante, die Arbeitsfähigkeit beeinträchti
gende psychotische Symptomatik
mehr beschrieben wurde
,
die einer Erkrankung aus dem schizophren
en Fo
rmenkreis zuzuordnen wäre
.
Daran ändert auch nicht, dass gewisse Verhaltensweisen wie etwa die Überlegungen der Beschwerdeführerin zu einer In-Vitro-Fertilisation im Februar 2019 (vgl. E. 3.6) schwer nachvollziehbar sind, wobei dieser Gedanke offenbar nicht
weiter verfolgt
wurde.
Dem Experten ist auch darin zu folgen, dass
die später
beschriebenen
depressive
n Symptome
gut
medikamentös
behandel
bar wären
,
i
ndes
aber gar
k
e
ine
angemessene
psycho
pharmakologische Behandlung
dokumentiert
oder eine solche
durch
den
behandelnden
Dr.
H._
eingeleitet w
urde
. Dies ist l
etztlich a
uch insofern nach
vollziehbar
, als
Dr.
H._
den
sozio
kulturelle
n
Hintergrund
,
fehlende Sprach
-
und
Arbeitskenntnisse
und
gegebenenfalls
die
Einste
llung zur Arbeit
und
nicht medizinische Gegebenheiten
als Grund für die subjektiv beklagte Arbeits
unfähigkeit
ins Feld führte
(vgl.
Urk.
12/48/26 und E.
3.
7 hiervor).
Am Beweiswert des Gutachtens von
Dr.
B._
ändert
auch die neuropsychologische Testuntersuchung vom
2
9.
Oktober 2020
des Zentrums für Verhaltensneurologie und Neuropsychologie nichts (vgl. 3.9 hiervor).
Denn e
inerseits lagen den Untersuchenden die medizinischen Akten und insbesondere das
psychiatrische
Gutachten von
Dr.
B._
offensichtlich
nicht
vor. Sowohl die
Anamneseerhebung
als auch
die
Testergebnisse
stell
t
en damit einzig auf
die
sub
jektive
n
Angaben der Beschwerdeführerin
ab
. Anderseits
wiesen die Untersucher
im Hinblick auf eine
verminderte
Belastbarkeit und
eine
affektpathologische Störung
auf
eine zusätzlich vorzunehmend
e psychiatrische B
eurteilung
hin
. Eine
verlässliche
Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit wurde damit nicht
abgegeben
.
Dazu k
ommt, dass die
aufgeführten
sprachliche
n
Defizite,
die
die
Integration
der Beschwerdeführerin
hindern
respektive
verunmöglichen
und
der Hinweis
,
dass
sie
auf
ein
Arbeitsumfeld
angewiesen sei,
welches
nur
im
geschützten
Rahmen
angeboten werde
,
nicht einer
medizinisch begründeten Beurteilung der Rest
arbeitsfähigkeit
entspricht
.
A
nlässlich der neuropsychologischen Testung
wurde
zudem
b
e
stätigt
, dass bereits seit dem Jahr 2019 gar keine psychiatrische Behandlung mehr st
attfindet, während
im Bericht der
Erwachsenenpsychiatrie Sektor C._
vom 2
2.
August 2018 noch über
eine
ambulante Behandlung seit Februar 2018 mit einer Frequenz von einmal alle drei Wochen
berichtet
worden war
(vgl. E. 3.8 hiervor)
.
M
angels
anderer (
neuer
) psychiatrischer
Erkenntnisse
seit der Expertise von
Dr.
B._
gibt damit die neuropsychologische Testung
auch
kein
Anlass für weitere
medizinische (psychiatrische)
Abklärungen (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b).
4.3
Nach dem Gesagten besteht k
eine Veranlassung
,
nicht auf das
psychiatrische
Gut
achten
von
Dr.
B._
vom 2
9.
Juli 2020
abzustellen.
Die Expertise
legt
mit Blick auf die
Vorakten
einleuchtend
dar, dass die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerde
führerin
im
hier interessierende
n Zeitraum
nach
ihrer
Anmeldung
vom 1
0.
Juli 2018 in eine
m
ihrem
soziokulturellen Hintergrund
,
ihrer
Schulbildung und
ihren
Sprachkenntnisse
n
entsprechenden Arbeitsumfeld aus psychiatrischer Sicht nicht beeinträchtigt ist
.
Da somit
im Rahmen
eines beweiswertigen fachärztlichen
Berichte
s
(vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar
begründeter Weise verneint wurde
und gegenteiligen Einschätzungen aus
den dargelegten
Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann
, durfte die Beschwerdegegnerin - entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin - a
us Gründen der Verhältnismässigkeit von einem strukturierten Beweisv
erfahren nach BGE 141 V 281 ab
sehen (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1).
Dass in somatischer Hinsicht ein
invalidisierendes Leiden vorläge, wird weder von der Beschwerdeführerin substantiiert dargelegt (
Urk.
1 S. 10
Rz
35) noch gibt es dafür ausreichende Hinweise in den Akten (vgl. etwa
Urk.
3/8-10,
Urk.
12/27/3,
Urk.
12/27/7 f.,
Urk.
12/27/20 f.).
Da
diesbezüglich
von weiteren medizinischen Abklärungen keine
entscheidrelevanten
Resultate zu erwarten
sind
,
kann
darauf verzichte
t werde
n
(antizipierte Beweiswürdigung; BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368 f., 136 I 229 E. 5.3 S. 236; Urteil
des Bundesgerichts
8C_54/2020 vom 2
6.
Mai 2020 E. 11.5).
Zusammenfassend steht
damit
fest, dass keine Arbeitsunfähigkeit vorliegt, aus der sich ein rentenbegründender Invaliditätsgrad ergibt. Dies führt zu
r
Abweisung der Beschwerde.
5.
5.1
D
ie Voraussetzungen für die
Gewährung der
unentgeltliche
n
Rechts
pflege
gemäss
§
16
Abs.
1 und 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
sind vorliegend erfüllt
(vgl. insbe
sondere
Urk.
8 und
Urk.
9). Demzufolge
is
t der
Beschwerdeführer
in
antragsgemäss
(
Urk.
1 S. 2)
die unentgeltliche Prozess
führung zu bewilligen und Rechtsanwältin Yolanda
Schweri
, Zürich, als unent
geltliche R
echtsvertreterin für das vorliegende Verfahren zu bestellen
.
5.2
Die Kosten des Verfahrens gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf
Fr.
800.-- fest
zusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.3
Bei diesem Verfahrensausgang steht der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
,
Rechtsanwältin
Yolanda
Schweri
, Zürich, eine Ent
schädigung aus der Gerichtskasse zu (
§
34
Abs.
3
GSVGer
in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 und
§
8 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht,
GebV
SVGer
), welche auf
Fr.
1‘800.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Die Beschwerdeführerin ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Prozesskosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.