Decision ID: 79277fd6-2bc7-43b9-a5cb-630b3c55e05c
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1963 geborene
X._
ist gelernte Damenschneiderin und arbeitete vom 1. Januar 1997 bis zum 5. Februar 2007 vollzeitlich als solche in einem Mode
geschäft
in Chur. Am 11. September 2007 meldete sie sich unter Hinweis auf ein psychisches Leiden sowie Rückenbeschwerden zum Be
zug von Leis
tungen der Invalidenversicherung an (Urk.
8/2
). Die Sozialversicherungs
an
stalt des Kantons Graubünden klärte die medizinischen und erwerblichen Verhältnisse ab. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
8/51
) ver
neinte sie den An
spruch der Versicherten auf berufliche Massnahmen mit Verfügung vom 7. September 2009 (Urk.
8/54
). Mit Verfügung vom 1. Dezember 2009 sprach sie
der Versicherten
mit Wirkung ab dem 1. Februar 2008 eine ganze Invalidenrente zu (Urk.
8/60
, vgl. auch Urk.
8/56
).
1.2
Anlässlich eines im Dezember 2009 mittels Fragebogen
s
betreffend Rentenrevi
sion (Urk.
8/68
) eingeleiteten Revisionsverfahrens holte die Sozial
ver
sicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle), einen Auszug aus dem individuellen Konto der Versicherten (IK-Aus
zug; Urk.
8/69
) sowie Berichte der behandelnden Ärzte ein (Urk.
8/
70
-71
, Urk.
8
/7
4
) und teilte der Versicherten am 20. Juli 2010 mit, sie habe bei einem unveränderten Invaliditätsgrad von 100 % weiterhin Anspruch auf die bisherige Invalidenrente (Urk.
8
/7
6
).
1.3
Im August 2012 leitete die IV-Stelle erneut ein Revisionsverfahren ein,
in dessen Rahmen
sie
unter anderem
das Gutachten des
Zentrums
Y._
vom 3. September 2013 erstel
len liess (Urk.
8
/9
9). Nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/102 ff.)
hob sie die bisherige ganze Invalidenrente
m
it Verfügung vom 22. September 2015 mit Wirkung auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats
auf (Urk.
8
/12
1
).
Die von der Versicherten dagegen
am 23. Oktober 2015
erhobene Beschwerde
(Urk. 8/
129/3-10
)
wies das
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
mit Urteil IV.2015.01115 vom 2
9.
Mai 2017 ab
(Urk. 8/
148).
Die dagegen wiederum von der Versicherten erhobene Beschwerde
ans Bundesgericht
(Urk. 8/
152/2-12)
wies dieses
mit Urteil 9C_549/2017 vom 1
3.
Februar 2018 ab
(Urk. 8/
157).
1.4
Am
4.
Juni 2020 meldete sich die
Versicherte
unter Beilage medizinischer Berichte
(Urk. 8/
172) sowie unter Hinweis auf eine Verschlechterung sowohl ihres Gesundheitszustands als auch ihrer Erwerbsfähigkeit erneut zum Bezug einer Invalidenrente an
(Urk. 8/
173
-174
).
Am
9.
Juli 2020 gab sie der IV-Stelle auf deren Ersuchen vom
6.
Juli 2020 hin ihre behandelnden Ärzte sowie ihre Arbeit
geberin an
(Urk. 8/
177 und
Urk.
8/179). Die IV-Stelle holte daraufhin den Arbeit
geberfragebogen vom
1.
August 2020
(Urk. 8/
180)
sowie Berichte der behandelnden Ärzte ein
(Urk. 8/
187 und
Urk.
8/190).
Daraufhin legte sie das Dossier ihrem
Regionale
n
Ärztliche
n
Dienst
(RAD) vor, für welchen med.
pract
.
Z._
,
Facharzt
für Arbeitsmedizin, am 2
1.
Juni 2021 Stellung nahm
(Urk. 8/
193/6). Mit Vorbescheid vom 2
4.
Juni 2021 stellte sie der Versicherten die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht
(Urk. 8/
194). Dagegen erhob die
Versicherte
am 3
0.
September 2021 Einwand
(Urk. 8/
199).
M
it Verfügung vom 2
7.
Oktober 2021
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten
wie angekündigt
ab
(Urk. 8/
202 =
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte
am 2
4.
November 2021
Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und
die Beschwerdegegnerin sei anzuhalten, sie umfassend neurologisch, neuro
psychologisch, psychiatrisch, rheumatologisch und orthopädisch untersuchen zu lassen. Nach erfolgter Untersuchung sei der Invaliditätsgrad zu bestimmen und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine Invalidenrente, zuzu
sprechen (
Urk.
1 S. 2).
Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerde
antwort vom
1
9.
Januar 2022
auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
7
).
Die Beschwerdeführerin verzichtete am
1.
März 2022 auf das Einreichen einer Replik (
Urk.
12), was der Beschwerdegegnerin mit gerichtlicher Verfügung vom
3.
März 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
13).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts I 659/04 vom 9. Februar 2005 E. 1.1).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheits
zustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesund
heitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisions
grund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hin
gegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärzt
lichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unter
schiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt so
mit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1
.5
Im Sozialversicherungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Danach haben der Versicherungsträger oder das Durchführungsorgan und im Beschwerdefall das kantonale Versicherungsgericht von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und Abs. 1
bis
sowie Art. 61
lit
. c in Verbindung mit Art. 2 ATSG).
Der Untersuchungsgrundsatz
schliesst
die Beweislast im Sinne einer Beweis
führungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweis
losigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbe
wiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Unter
suchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu er
mitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (Urteil des Bundesgerichts 8C_765/2020 vom 4. März 2021 E. 3.2.2 mit Hinweis auf BGE 144 V 427 E. 3.2). Bleiben jedoch erhebliche
Zweifel
an der Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen
Abklärungs
massnahmen
noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_257/2018 vom 24. August 2018 E. 3.3.2 mit Hinweis).
1.
6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt, die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin habe sich
seit der Einstellung ihrer Invalidenrente im Oktober 2015
nicht wesentlich verändert. Der Invaliditätsgrad liege wie bisher unter 40
%
(Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte beschwerdeweise vor,
namentlich im Bereich der Halswirbelsäule sei es seit 2016 nachweislich zu einer Verschlechterung gekommen, welche mit massiven Schmerzen einhergehe (
Urk.
1 S. 5-6). Ebenso habe sich seit 2017 die Handproblematik massiv verschlechtert (
Urk.
1 S. 6-7).
Als Folge dieser gesundheitlichen Verschlechterung habe sie ihr Arbeitspensum in einem Privathaushalt von 20
%
ab Anfang 2019 auf 15
%
reduzieren müssen.
Des Weiteren habe im Mai 2021 eine mittelgradig ausgeprägte Depression vor
gelegen, deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit im Rahmen eines poly
disziplinären Gutachtens abzuklären sei (
Urk.
1 S. 7).
Der
RAD-
Arzt verkenne, dass hinsichtlich des Vorliegens einer Verschlechterung
die attestierte 80%ige Arbeitsfähigkeit massgebend sei und nicht das Pensum von 20
%
, zu welchem sich die Beschwerdeführerin
effektiv
in der Lage gefühlt habe. Zusammenfassend habe sich ihr Gesundheitszustand massiv verschlechtert
und für die Beurteilung, wie sich diese Verschlechterung auf die Arbeitsfähigkeit auswirke, sei eine poly
disziplinäre Begutachtung erforderlich (Urk. 1 S. 8).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort führte die Beschwerdegegnerin aus, die Beschwerde
führerin habe bei ihrer Neuanmeldung im Wesentlichen die gleichen Beschwerden geltend gemacht, wie sie anlässlich der rheumatologischen Begut
achtung durch
das
Zentrum
Y._
bereits bestanden hätten.
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Radiologie
,
habe die Beschwerdeführerin nur vorübergehend behandelt, wodurch es zu einer
B
esserung gekommen sei - und eine Arbeitsunfähigkeit
habe
nicht zur Diskussion gestanden. Der behandelnde Psychiater habe nur kurzfristig eine Arbeitsunfähigkeit attestiert. Insgesamt habe keine invalidenversicherungs
rechtlich relevante Verschlechterung glaubhaft gemacht werden können, weshalb sie zu Recht nicht auf die Neuanmeldung
der Beschwerdeführerin
eingetreten sei (
Urk.
7 S. 2).
3.
3.1
3.1.1
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Aus
wirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108 E. 5.4
); mithin die Verfügung vom
2
2.
September 2015
(Urk. 8/
121).
3.1.2
Die Verfügung vom 2
2.
September 2015
basierte auf dem
zuvor eingeholten
Y._
-Gutachten
vom
3.
September 2013
(Urk. 8/121/3-4), dessen Beweiskraft auch vom hiesigen Gericht sowie vom Bundesgericht bestätigt wurde (Urk. 8/
157/6
E
.
3.3 am Ende).
D
ie
Y._
-Gut
achter
nannten in ihrer Konsens-Beurteilung
als
Diagnosen mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches
lumbospondylogenes
Schmerz
syndrom (ICD-10: M54.5), belastungsabhän
gige
Gonalgien
beidseits (ICD-10: M17.9), ein Belastungsdefizit beider Hände (ICD-10: M15.2) sowie ein chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyn
drom (ICD-10: M53.1). Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit massen sie der gegenwärtig remittierten rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F33.4), dem Verdacht auf Überlagerung durch eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) sowie dem fort
gesetzten Nikotinkonsum mit schädlichem Gebrauch (ICD-10: F17.1)
zu (Urk.
8
/9
9
/24-25).
Bei der psychiatrischen Untersuchung zeigten sich laut Gutachten einwand
freie kognitive Funktionen mit während der gesamten Untersuchung erhalte
ner Konzentration und Aufmerksamkeit, unauffälliger Psychomotorik und aus
geglichenem Affekt. Der Gutachter führte aus, die Beschwerdeführerin zeige einen praktisch unauffälligen Psychostatus mit ausgeglichener gefasster und
euthymer
Verfassung mit guter Schwingungsfähigkeit, lebhafter Mimik und offener sowie freier Kommunikation. Zurzeit sei die depressive Störung somit als remittiert an
zusehen (Urk.
8
/9
9
/12). Dass sie sich noch nicht in der Lage fühle, eine berufliche Tätigkeit aufzunehmen, begründe sie mit der redu
zierten Beweglichkeit im Rücken. Da die Arbeitsunfähigkeit aber aktuell nur teilweise mit den somatischen Befunden erklärt werden könne, sei von einer zusätzlichen psychischen Überlagerung im Sinne einer somatoformen Schmerzstörung auszugehen. Diese sei nur leicht aus
geprägt und eine aus
nahmsweise Unüberwindbarkeit sei unter Berücksichtigung der Foerster-Krite
rien nicht gegeben. Nach dem Gesagten sei die Arbeitsfähigkeit aus psychiat
rischer Sicht nicht mehr eingeschränkt (Urk.
8
/9
9
/13).
Die rheumatologische Gutachterin gab an, die Beschwerdeführerin habe über Dauerschmerzen im Lumbalbereich, Schmerzen im
Zervikalbereich
mit Aus
strahlung in beide Arme, über gelegentliches Einschlafen des ersten bis dritten Fingers der rechten Hand, über wiederkehrende Schmerzen und Schwellungen der PIP-Gelenke der
Digiti
(
Dig
.) II-V der Hände beidseits sowie über eine Morgen
steifigkeit der Hände und über belastungsabhängige Schmerzen im Bereich beider Kniegelenke geklagt (Urk.
8
/9
9
/15). Die Gutachterin hielt fest, aufgrund einer erst
malig im Jahr 2000 symptomatisch gewordenen
Spondylo
listhese
Grad I nach
Meyerding
L3/4 seien im Februar 2007 eine
Diskusher
nienoperation
L3/4 und L4/5 sowie eine dorsale
Distraktionsspondylodese
L3-S1 durchgeführt worden. Nach
dem es durch diese Operation zu einer massiven Beschwerdezunahme mit Generalisierung der Schmerzsymptomatik gekommen sei, seien zwischen Februar 2008 und Mai 2012 drei weitere Operationen im Lumbalbereich durchgeführt wor
den, wodurch insgesamt eine Verbesserung der Beschwerdesymptomatik habe er
zielt werden können. Dennoch sei es zur Entwicklung eines
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms gekommen. Die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule sei ent
sprechend der
Spondylodese
-Ope
rationen mit einer Versteifung zwischen L2 und S1 deutlich eingeschränkt. Die Re- und Inklination sowie die Seitneige beidseits erfolge nahezu ausschliess
lich aus der Brustwirbel
säule heraus. Klinische Hinweis
zeichen für eine
radi
kuläre
oder Wurzelkompressionssymptomatik fänden sich nicht. Der
Lasègue
sei beidseits negativ. Dies korreliere gut mit dem Befund der Computertomo
graphie der Lendenwirbelsäule vom Oktober 2010, bei welcher keine Dis
kushernie nachzuweisen gewesen sei. Es zeige sich ein regelrechter postopera
tiver Befund mit guter
ossärer
Durchbauung
L2 bis S1 und regelrecht einlie
genden Schrauben
iliosakral
rechts. Darüber hinaus bestehe ebenfalls seit etlichen Jahren ein chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom mit intermittierenden
Zervikobrachalgien
rechts bei
Dysbalancen
der Schultergür
telmuskulatur. Die Beweglichkeit d
er Halswirbel
säule (HWS) sei nur leichtgra
dig eingeschränkt. Auf den anlässlich der Begutachtung durchgeführten Rönt
genaufnahmen der HWS zeige sich eine
Spondylosis
deformans
C5/6, die sowohl für die Schmerzen als auch für die Funktionseinschränkungen mitver
antwortlich sei (Urk.
8
/9
9
/18). Auch hier würden klinische Hinweiszeichen für ein
e
radikuläre
oder Wurzelkompres
sions
symptomatik wie Reflexausfälle
oder eine Abschwächung von Kenn
muskeln fehlen. Im Bereich des rechten Kniege
lenks finde sich nach
arthroskopischer
medialer und lateraler
Teilmeniskekto
mie
, Knorpelglättung und
Mikro
frakturierung
am 29. Mai 2013 eine leichte Überwärmung sowie ein frag
licher Er
guss. Beide Kniegelenke seien frei beweglich mit negativen Meniskus
zeichen und ohne Bandinstabilitäten. Auf den Röntgenaufnahmen sei eine beginnende mediale Gonarthrose zweiten Grades ersichtlich. Bezüglich der an
gegebenen Beschwerden an den Händen führte die Gutachterin aus, die Röntgen
aufnahmen zeigten noch keine
arthro
tischen
Veränderungen. Aufgrund der Beschwerdesymptomatik wie auch des klinischen Befundes bestünden dennoch beginnende Bouchard-Arthrosen mit der entsprechenden Beschwerdesymptomatik. Hinweise für ein entzündliches rheumatisches Geschehen seien weder klinisch noch labortechnisch noch radio
logisch vorhanden. Zusammengefasst fänden sich für die von der Beschwerde
führerin von Seiten des Bewegungsapparates angegebenen Schmerzen und Funktionseinschränkungen zum überwiegenden Teil ein ent
sprechendes morpho
logisches Korrelat. Die rheumatologische Gutachterin gelangte zum Schluss, die Beschwerdeführerin sei zu 80 % arbeitsfähig für leichte, wechsel
belastende Tätig
keiten ohne Einnahme von wirbelsäulenbelas
tenden Zwangs
haltungen, ohne Über
kopfarbeiten, ohne Tätigkeiten in knien
der oder hockender Haltung,
ohne das Arbeiten
auf unebenem Grund, ohne die Notwendig
keit des häufigen Treppen
steigens sowie ohne besondere Belastungen für die Hände beid
seits. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit einer Änderungsschneiderin in einem Braut- und Festmode
geschäft sei ihr nicht mehr zumutbar (Urk.
8
/9
9
/19). Bis August 2008 sowie nach der Operation im Jahr 2010 sowie nach jener vom 5. Mai 2012 habe während je
weils eines halben Jahres auch für angepasste Tätigkeiten keine Arbeits
fähigkeit bestanden (Urk.
8
/9
9
/19).
Dem neurologischen Teilgutachten ist zu entnehmen, bei der klinischen Unter
suchung sei eine tief thorakal rechtskonvexe Torsionsskoliose der Wir
belsäule aufgefallen. Im Bereich der Beine sei einzig eine Hyposensibilität an der
Medial
seite
des linken Unterschenkels bis oberhalb des Knöchels auffal
lend. Dieser Be
fund der
residuellen
radikulären
sensiblen Ausfallssymptoma
tik der Wurzel L4 links sei funktionell bedeutungslos. Hinweise auf eine anhaltende
radikuläre
Reiz- respektive motorische Ausfallssymptomatik wür
den klinisch fehlen. Die Beschwerdeführerin habe über konstant vorhandene Nackenschmerzen mit inter
mittierender Ausstrahlung in den rechten Arm bis zu den Fingern I-III geklagt. Die
radikulären
HWS-Provokationsmanöver seien aber negativ gewesen und sensomotorische Ausfälle oder Reflexano
malien seien keine zu finden gewesen (Urk. 8/99/23-24). Abschliessend hielt der Gutachter fest, aus neurologischer Sicht im engeren Sinn ergebe sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Bezüglich der reduzierten Belast
barkeit des Achsenorgans verwies er auf das rheumatologische Teilgutachten (Urk. 8/99/24).
Aus interdisziplinärer Sicht gelangten die
Y._
-Gutachter zum Schluss, die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei einzig aus rheumatologischer Sicht eingeschränkt. In einer entsprechend angepassten Tätigkeit sei die Beschwerde
führerin zu 80 % arbeitsfähig, wobei das Pensum vollschichtig mit erhöhtem Pausenbedarf umgesetzt werden könne. Die angestammte Tätigkeit sei seit Februar 2007 nicht mehr zumutbar. Für eine angepasste Tätigkeit habe wegen der Rückenoperationen vom Februar 2007 bis im August 2008 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Eine weitere vorübergehende vollständige Arbeits
unfähigkeit von jeweils sechs Monaten sei nach den Operationen im Jahr 2010 und vom 4. Mai 2012 anzunehmen. Aus psychiatrischer Sicht sei der Verlauf der Depression und der damit zusammenhängenden Arbeitsunfähigkeit seit 2007 schwankend gewesen. Höhere depressive Episoden seien jeweils bei vermehrten Rückenschmerzen aufgetreten. Im Dezember 2012 sei vom behandelnden Psychiater noch eine leichte depressive Episode angegeben worden. Bis zur Untersuchung durchs
Zentrum
Y._
habe sich die depressive Symptomatik vollständig zurückgebildet (Urk.
8
/9
9
/26). Die gutachterlich eruierte Arbeits
fähigkeit bestehe wahr
scheinlich seit Dezember 2012, sicher aber ab dem Untersuchungszeitpunkt im Juni 201
3.
Arbiträr könne von einer vorangehend ab 2007 meist auf
ge
hobenen Arbeitsfähigkeit auch in Verweistätigkeiten ausgegangen werden (Urk.
8
/9
9
/27).
3.2
3.2.1
Im aktuellen Verfahren nahm die Beschwerdegegnerin die folgenden medizinischen Unterlagen zu den Akten:
Der Hausarzt
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte in seinem Bericht vom 2
8.
Juni 2019 eine
chronifizierte
Depression und Schmerzen nach
failed
back
surgery
, ein chronisches post
operatives Schmerzsyndrom nach fünfmaliger neurochirurgischer Operation so
wie ein
zervikoradikuläres
Reizsyndrom C6 links.
Er führte aus,
das
Leiden der Beschwerdeführerin inklusive Schmerzen würde unaufhaltbar progredient ver
laufen (Urk. 8/172/5).
3.2.
2
Am 2
1.
Oktober 2019 berichtete
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Ortho
pädische Chirurgie, seit 2016 habe sich vor allem im Bereich der HWS eine massive Verschlechterung eingestellt, weshalb nun ein erneuter Rentenantrag gestellt werden solle. Es liege ein chronisches
Cervico
-/
Zervikalsyndrom
bei massiven
spondylarthrotischen
Veränderungen mit Gelenkshypertrophie vor allem zwischen C4-C7
,
mit degenerativer Spinalkanalstenose und
mit
Dysästhesien
vor allem in
Dig
. II und III zu beiden Seiten vor (Urk. 8/172/1). Mittelfristig komme die Beschwerdeführerin seiner Einschätzung nach nicht um eine HWS-Fusion herum, welche nochmals zu einer Einschränkung der Wirbel
säulenbeweglichkeit führen werde (Urk. 8/172/2).
3.2.
3
Dem Bericht von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Radiologie, vom 4. Dezember 2020 ist zu entnehmen,
er habe die Beschwerdeführerin vom 23. Januar bis zum 2
2.
Mai 2019 behandelt und sie am
4.
Dezember 2020 zwecks Erstellung dieses Berichts untersucht
(Urk. 8/187/1). Eine Arbeitsunfähigkeit habe nie attestiert werden müssen, da eine solch
e nie zur Diskussion gestanden habe
(Urk. 8/187/2). Es lägen indes folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor: ein generalisiertes Schmerzsyndrom, Differentialdiagnose: Fibromyalgie-Syndrom,
sodann
ein chronisches
cervicoradikuläres
Reiz- und sensibles Ausfallsyndrom C6 und C7 beidseits, eine Fingerpolyarthrose, eine
Osteopenie
sowie eine Depression
. Die Prognose zur Arbeitsfähigkeit sei sehr schlecht
(Urk. 8/187/3).
Die Beschwerdeführerin übe während 6,5 Stunden pro Woche eine körperlich sehr leichte Tätigkeit in einem privaten Haushalt aus. Ihrer früheren Arbeit als Damenschneiderin könne sie aufgrund der ausgeprägten Fingerpolyarthrosen bestimmt nicht mehr nachkommen. Das generalisierte Schmerzsyndrom sowie die Depressionen würden zudem bewirken, dass die Beschwerdeführerin körperlich und psychisch nicht belastbar sei. Eine leidens
adaptierte Tätigkeit sei während zwei bis drei Stunden pro Tag zumutbar. Eine Eingliederung sei aus rein rheumatologischer Sicht nicht möglich wegen der Schmerzen am gesamten Körper, der Finger-Polyarthrosen sowie der starken Depressionen. Die Führung eines kleinen Haushaltes ohne Kinder sei grösstenteils möglich (Urk. 8/187/4).
3.2.
4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, gab in seinem Bericht vom 3
1.
Mai 2021 an, er behandle die Beschwerdeführerin seit dem 20. Mai 2008 etwa alle zwei bis drei Monate
. Für die Zeit vom 23.
März bis 19. April 2020 habe er der Beschwerdeführerin
aufgrund von starken Ängsten im Zusammenhang mit der Pandemie
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert.
Zum Verlauf führte er aus, ab Oktober 2015 seien wieder häufiger Stimmungs
schwankungen aufgetreten sowie Schlafstörungen mit nächtlichem Wachliegen und Gedankenkreisen wegen der Notwendigkeit der Suche einer Teilzeitarbeit, obwohl sie sich hierzu nicht in der Lage gefühlt habe (Urk. 8/190/2
-3
).
Im Januar 2016 sei es ihr «im Kopf wieder gut» gegangen, jedoch hätten sich zunehmende Schmerzen im Nacke
n
bereich und in beiden Armen bemerkbar gemacht. Bis im Spä
tsommer 2016 sei sie psychisch
weiterhin stabil geblieben, im Oktober 2016 sei es dann aber zu einer Verschlechterung des psychischen Befindens mit schnell ausgelöstem Weinen und Verzweiflung über ihre Situation gekommen. Im Januar 2017 hätten sie die Dosierung des Antidepressivums erhöht, was indes wegen Auftretens von Unruhe wieder rückgängig zu machen gewesen sei. Der weitere Verlauf sei schwankend gewesen
. Aktuell leide sie oft an seelischen Tiefs, diese würden jedoch nicht über mehrere Tage anhalten. Dann wolle sie im Bett bleiben, alleine sein, alles dunkel lassen und weinen können. Die Beschwerdeführerin nehme
Cymbalta
,
Surmontil
,
Irfen
sowie
Nexium
ein. Im Gespräch seien keine Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen aufgetreten, das Denken sei leicht eingeengt. Die Stimmung sei wechselhaft und die Beschwerdeführerin sei durch geringe Auslöser niedriggestimmt und habe immer wieder Tage mit Stimmungs
tiefs und Hoffnungslosigkeit, an welchen sie sich sozial zurückziehe. Ihre Energie se
i
mittelgradig vermindert mit erhöhter Ermüdbarkeit. Sie brauche viele Pausen. Der Antrieb sei vermindert, an schlechten Tagen stärker ausgeprägt (Urk. 8/190/3).
Als psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit nannte Dr.
D._
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
chronifizierte
leichtgradige Episode (ICD-10 F33.1;
Urk.
8/190/4). Bei ihrer aktuellen Tätigkeit habe sie es körperlich wenig streng, könne nach Bedarf Pausen machen oder früher aufhören und am nächsten Tag entsprechend mehr arbeiten, und es gebe keinen Druck bezüglich
des
Arbeitstempo
s (Urk. 8/
190/4-5).
Als vor
handene Funktionseinschränkungen nannte
Dr.
D._
eine eingeschränkte Belastbarkeit, eine erhöhte Ermüdbarkeit sowie einen erhöhten Pausenbedarf. Zur Klärung der Zumutbarkeit einer Arbeitstätigkeit sei eine multidisziplinäre Begut
achtung erforderlich (Urk. 8/190/5).
Im Haushalt sei die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht nicht eingeschränkt (Urk. 8/190/6).
3.2.
5
RAD-Arzt
Z._
gelangte
in seiner Stellungnahme vom 2
1.
Juni 2021
zum Schluss
, aus versicherungsmedizinischer Sicht sei nicht von einer Veränderung des Gesundheitszustands auszugehen.
Die Beschwerdeführerin sei vor Eintritt des Gesundheitsschadens in einem Pensum von etwa 20
%
tätig gewesen, weshalb sie als zu 20
%
erwerbstätig und zu 80
%
im Haushalt tätig zu qualifizieren sei. Für Aufgaben im Haushalt lägen keine (wesentlichen) Einschränkungen vor. Die Reduktion des Pensums sei erfolgt, da die Beschwerdeführerin das frühere Pen
sum als zu belastend empfunden habe. Eine wesentliche Veränderung
beziehungsweise
Verschlechterung des Gesundheitszustandes sei mit den vor
liegen Arztberichten nicht ausgewiesen
(Urk. 8/193/6).
4.
4.1
Vorab ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin – entgegen
ihrer An
gaben
in der Beschwerdeantwort (
Urk.
7 S. 2)
– gemäss de
n
Darlegungen
in
der an
gefochtenen Verfügung auf die Neuan
mel
dung
der Beschwerdeführerin
vom
4.
Juni 2020 eingetreten ist und ihr Leistungsbegehren
geprüft und in der Folge
abgewiesen hat.
Dabei hat
sie eine massgebende Verschlechterung des Gesund
heitszustandes verneint (Urk. 2
).
Auch de
r
der angefochtenen Verfügung an
gehängten
Zusammenstellung einschlägiger
Gesetz
estexte lässt sich kein Hin
weis darauf entnehmen, dass
die Beschwerdegegnerin beabsichtigte,
ein Nicht
eintreten
zu verfügen
(Urk. 8/
202
/3-4).
Namentlich
wurde in der ersten RAD-Stellungnahme vom 3. Juli 2020 eine Verschlechterung
gar
für möglich gehalten (Urk. 8/193/3), weshalb weitere medizinische Berichte eingeholt wurden.
Schliesslich gelangte die Beschwerdegegnerin
nach
Prüfung
der Berichte zum Schluss, es ergebe sich daraus
keine Veränderung des Gesundheitsschadens (Urk. 8/193/6).
4.2
Tritt die Verwaltung auf das erneute Leistungsbegehren ein, hat sie gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz von Amtes wegen für die richtige und vollstän
dige Abklärung des rechtserheb
lichen Sachverhaltes zu sorgen (Art. 43 ATSG, Art. 57 IVG in Verbindung mit Art. 69 ff. IVV; SVR 2006 IV Nr. 10 S. 39 E. 4.1 [I 457/04]; vgl. auch BGE 117 V 198 E. 3a).
4.3
Die IV-Stelle
vertritt
ge
stützt auf die Stellungnahme des
RAD-
Arztes
vom 2
1
.
Juni 2021
(Urk. 8/193/6)
den Standpunkt
,
es lägen keine Hinweise auf eine Veränderung des Gesundheitszustands vor, welche eine tiefere Arbeits
fähigkeit zu begründen vermöchte (
Urk.
2 S. 1, vgl. auch
Urk.
8/193/6 und Urk. 8/201/2)
.
Der RAD-Arzt med.
pract
.
Z._
ging bei seiner Beurteilung davon aus, die Beschwerdeführerin sei als zu 20
%
Erwerbstätige und zu 80
%
im Haushalt Tätige zu qualifizieren, weil sie vor Eintritt des Gesundheitsschadens zu 20
%
gearbeitet habe (Urk. 8/193/6).
Unter diesen Umständen wäre sein Hinweis da
rauf, dass selbst die behandelnden Ärzte nicht von einer wesentlichen Ein
schränkung im Haushalt ausgingen (Urk. 8/193/6), tatsächlich dazu geeignet, eine rentenrelevante Verschlechterung zu verneinen. Jedoch
liess
er dabei die Vor
geschichte der Beschwerdeführerin
unberücksichtigt
, welche vor Eintritt des Gesundheits
schadens
tatsächlich
vollzeitlich gearbeitet hatte (Urk. 8/7/2). Dass sie sich im Krankheitsfall nicht dazu in der Lage fühlte, mehr als 20
%
zu arbeiten (vgl. Urk. 8/
190/2
)
, lässt nicht darauf schliessen, dass sie auch im Gesundheitsfall ihr Arbeitspensum reduziert hätte.
Die RAD-Stellungnahme vom 2
1.
Juni 2021 überzeugt vor diesem Hintergrund nicht.
Hierzu ist überdies zu bemerken, dass
bereits bei
nur geringe
n
Zweifel
n
an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
von
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzu
nehmen
sind
(BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
4.4
Bei der Aufhebung der Invalidenrente betrug der Invaliditätsgrad 33
%
(Urk. 8/
148/20 E. 5.4)
, wobei von einer 80%iger Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit ausgegangen wurde (Urk. 8/148/18 E. 4.5, Urk. 8/148/20 E. 5.3).
Bei dieser Ausgangslage könnte sich eine tiefere Arbeitsfähigkeit
als Folge
eine
r
weitere
n
Reduktion der Leistungsfähigkeit
oder auch durch eine
Erhöhung des Pausenbedarfs
in rentenrelevanter Weise auswirken. Es bleibt daher zu prüfen, ob eine solche aufgrund der vorhandenen Unterlagen mit dem Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit verneint werden kann.
4.5
Für die Annahme einer Verschlechterung des Gesundheitszustand
s
müssen nicht zwingend neue Diagnosen gestellt worden sein
,
kommt es doch invaliden
versicherungsrechtlich nicht auf die Diagnose an, sondern darauf, welche Aus
wirk
ungen eine Krankheit auf die Ar
beitsfähigkeit hat (Urteil
e
des Bundesgerichts
9C_634/2015
vom 1
5.
März 2016 E. 6.1
,
9C_270/2011 vom 24. August 2011
E. 4.2
, jeweils
mit Hinweis
en
).
So liegt e
ine Veränderung der gesundheitlichen Ver
hältnisse auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai
2009
E. 1.2
,
8C_136/2017
vom
7.
August 2017 E. 4
).
D
er Hinweis der Beschwerdegegnerin, es handle sich im Wesentlichen um die bereits
im Vergleichszeitpunkt
vorhandenen
Beschwerden
(Urk.
7 S. 2
), ist daher nicht
entscheidend
.
4.6
Aus den im Neuanmeldungsverfahren eingereichten medizinischen Berichten er
geben sich Hinweise auf eine Verschlechterung.
So
lassen
sich dem Bericht von
Dr.
C._
vom 2
1.
Oktober 2019
Darlegungen betreffend
eine massive Ver
schlechterung der Beschwerden im Bereich der HWS
mit erheblichen
spondylarthrotischen
Veränderungen
entnehmen (E. 3.2.
2
vorstehend)
, mit welcher sich der RAD-Arzt mit keinem Wort auseinander
ge
setzt
hat
(Urk. 8/193/6).
Vor dem Hintergrund, dass es sich laut den Angaben von D
r.
B._
um ein
unaufhaltsam
progredient
verlaufend
es Leiden handelt
(Urk. 8/172/5)
, steht nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass sich der somatische Gesundheitszustand nicht in rentenrelevantem Ausmass ver
schlechtert hat.
Diesbezüglich drängen sich daher weitere Abklärungen auf.
4.7
Sodann beschrieb der behandelnde Psychiater
im Mai 2021
eine Verschlech
terung des psychischen Gesundheitszustands
seit
Oktober 2016 (E. 3.2.4
vorstehend)
im Sinne einer rezidivierenden
depressiven Störung
-
im Berichtszeitpunkt
als leicht
gradig
, aber
chronifiziert
qualifiziert
(Urk. 8/19
0
/4)
-
wohingegen
die depressive Störung
im Vergleichszeitpunkt vollständig remittiert
gewesen
war (Urk. 8/99/12).
Auch bei dieser Verschlechterung in psychiatrischer Hinsicht ist nicht auszuschliessen, dass sie sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt,
da bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen
ebenfalls
die für die Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit systematisierten Indikatoren beachtlich sind, die es – unter Berücksichtigung
leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tat
sächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1).
Zwar lässt sich e
ine leicht- bis mittelgradige depressive Störung ohne nennenswerte Interferenzen durch psychiatrische Komorbiditäten im Allgemeinen nicht als schwere p
sychische Krankheit definieren, doch kann im Einzelfall
dennoch auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden (BGE 148 V 49 E. 6.2.2 mit Hinweis).
Dies könnte bei der Beschwerdeführerin der Fall sein, zumal anlässlich der letzten psychiatrischen Begutachtung
zusätzlich eine Überlagerung durch eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung in Betracht gezogen worden war (
Urk.
8/99/12 f. und 25).
Folglich erweist sich der Sachverhalt auch im Hinblick auf den psychischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin als unzureichend abgeklärt.
4.8
Des Weiteren
bestehen
hinsichtlich der Fingerpolyarthrose Indizien
für
eine Ver
schlechterung.
Dr.
A._
bezeichnete diese in seinem Bericht vom 4.
Dezember 2020
als ausgeprägt
(Urk. 8/187/4),
währenddem
sie
sich
zur Zeit der Begut
achtung durchs
Y._
noch in einem beginnenden Stadium befunden hatte (Urk. 8/
99/19).
Obwohl
Dr.
A._
der Beschwerdeführerin
sodann
mangels Notwendigkeit nie ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis ausstellen musste (Urk. 8/187/2), beurteilte er die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin selbst in einer
leidens
angepassten Tätig
keit als gering, indem er von der
en
Zumutbarkeit während zwei bis drei Stunden täglich ausging (Urk. 8/187/4).
4.
9
Insgesamt erweisen sich die vorhandenen medizinischen Unterlagen für eine ab
schliessende Beurteilung des Verlaufs des Gesundheitszustandes und der Arbeits
fähigkeit de
r Beschwerdeführerin
und damit des vorliegend strittigen Leistungs
anspruchs als nicht genüge
nd. Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neu
anmeldung
der Beschwerdeführerin
eingetreten
und hat es damit
als möglich erachtet, dass eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes
der Beschwerde
führerin
einget
reten
ist
. Dennoch
hat sie aber die nötigen medizinischen Ab
klärungen
in Nachachtung des
Untersuchungsgrundsatzes (vgl. E. 1.5 vorstehend)
nicht
im erforderlichen Umfang
vorgenommen.
Dies ist nunmehr nachzuholen.
Folglich ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (vgl. E. 1.6 vorstehend).
Die Beschwerdegegnerin hat ergänzende medizinische Abklärungen vorzu
nehmen, die sämtliche
potentiell relevanten
Beschwerden
der Beschwerdeführerin
- also sowohl die somatischen als auch die psychischen -
umfassen und eine hinreichende fachärztliche Grundlage darstellen, welche
das
Vorliegen einer relevanten Veränderung
(vgl. vorstehende E. 1.4)
und
die Beurteilung der Arbeits
fähigkeit
der Beschwerdeführerin
erlauben.
Über die exakten Disziplinen
werden
dabei
im Falle einer polydisziplinären Begutachtung die Gutachter (BGE 139 V 349 E. 3.3) oder ansonsten der RAD (Urteil des Bundesgerichts 9C_656/2013 {T 0/2} vom 11. Dezember 2013 E. 3.2 mit Hinweis)
zu befinden haben
.
Hernach hat die Beschwerdegegnerin neu über den Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin
zu entscheiden.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom
2
7.
Oktober
2021 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache an die Beschwerde
gegnerin zur ergänzenden medizinischen Abklärung im Sinne der Erwägungen und zu neuem Entscheid über den Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin zurückzu
weisen.
5.
5.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
waltung zu weiterer Abklärung und neuem Entscheid als vollständiges Obsiegen (vgl. ZAK 1987 S. 268 f. E. 5 mit Hinweisen). Da der Streitgegenstand die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen betrifft, ist das Ver
fahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), ermessens
weise auf Fr. 700.-- anzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Ausserdem
hat
die Beschwerdeführerin
Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34
GSVGer
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeit
aufwand und den Barauslagen ermessens
weise auf Fr. 2‘
1
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.