Decision ID: 166ef609-fddb-5cd3-bb83-8384e80fd165
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965, war ab 1. Februar 1988 als
Knüpferin
bei der
Y._
angestellt und bei der Schwei
zerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als sie sich am 12. Februar 2009 beim Versuch, ein herabfallendes Rohr festzuhalten, an verschiedenen Bereichen
der rechten oberen Extremität
verletzte (Urk. 7/1).
Die medizinische Erstversorgung fand am 21. April 2009 bei
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, statt; er diagnostizierte Schmerzen im Bereich des rechten Armes unklarer Ursache (Urk. 7/1 und Urk. 7/8). In der Folge wurden diverse bildgebende Untersuchungen durchgeführt (vgl. etwa Urk. 7/4, 7/6-8 und 7/14). PD
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Ortho
pädische Chirurgie, untersuchte die Versicherte am 18. August 2011 (Urk. 7/52). Am 4. Januar 2012 berichtete
Dr.
med.
B._
vom Spital
C._
über die Be
handlung der Versicherten (Urk. 7/60; vgl. auch Urk. 7/73). Am 17. April 2012 wurde sie im Spital
C._
operiert (Urk. 7/78: Schulterarthroskopie rechts und
arthroskopische
Tenotomie der langen
Bizepssehne
und offene laterale
Kla
vikularesektion
,
Akromioplastik
,
Bursektomie
und
Tenodese
der langen
Bi
zepssehne
rechts). Vom 3. bis 25. September 2012 hielt sich die Versicherte in der
D._
auf (Urk. 7/120). Am 1. November 2012 musste sie sich einem weiteren operativen Eingriff unterziehen (Urk. 7/139: Narkosemobilisation und
arthroskopische
Adhäsiolyse
subakromial
rechts). Am 5. November 2012 wurde in der
D._
eine berufliche Standort
bestimmung durchgeführt (Urk. 7/153). Kreisarzt
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, untersuchte die Versi
cherte am 18. April 2013 (Urk. 7/212; vgl. auch Urk. 7/213).
1.2
Mit Verfügung vom 22. April 2013 (Urk. 7/214) sprach die SUVA der Versicher
ten eine Integritätsentschädigung von 5 % zu. Diese Verfügung erwuchs unan
gefochten in Rechtskraft (vgl. Urk. 7/220).
1.3
Am 7. August 2013 erstattete
Dr.
med.
B._
, Belegarzt Traumatologie, vom Spi
tal
C._
Bericht (Urk. 7/227).
1.4
Mit Verfügung vom 21. August 2013 (Urk. 7/232) verneinte die SUVA den Ren
tenanspruch der Versicherten gestützt auf einen rentenausschliessenden
Invali
ditätsgrad
von rund 4 %. Die dagegen am 18. September 2013 erhobene Ein
sprache der Versicherten (Urk. 7/237) wies die SUVA mit Entscheid vom 18. November 2013 (Urk. 2 = Urk. 7/252) ab.
2.
Dagegen liess die Versicherte mit Eingabe vom 18. Dezember 2013 (Urk. 1) Be
schwerde erheben mit folgenden Anträgen:
1.
Die Beschwerde sei gutzuheissen. Der angefochtene
Einspracheent
scheid
vom 18.11.2013 [...] und die Verfügung vom 21.8.2013 [...] seien aufzuheben.
2.
Es sei der Beschwerdeführerin eine Invalidenrente von 100 % zu
zusprechen.
3.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der
Beschwer
degegnerin
.
Zudem liess die Versicherte im Sinne einer vorsorglichen Massnahme beantra
gen, es sei ihr bis zu
m
rechtskräftigen Entscheid eine Invalidenrente von 100 % auszurichten. Die SUVA liess in ihrer Beschwerdeantwort vom 12. Februar 2014 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei, schlies
sen.
Replicando
und
duplicando
liessen die Parteien an ihren Anträgen festhal
ten (Urk. 13 und 18). Mit Eingabe vom 24. November 2014 (Urk. 20) liess die Versicherte einen weiteren Arztbericht ins Recht reichen (vgl. Urk. 21). Die SUVA nahm dazu am 28. Januar 2015 Stellung (Urk. 25). Es folgten weitere Stellungnahmen (vgl. Urk. 27, 30 und 33), die den Parteien jeweils zur Kenntnis gebracht wurden (vgl. Urk. 28-29 und 34).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforder
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Ist die versicherte Person infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie gemäss Art. 18
Abs.
1 des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
Anspruch auf eine Invalidenrente. Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Er
werbsunfähigkeit (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
So
zialversicherungsrechts
[ATSG]). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Inva
lidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegliche
ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
Erwerbsein
kommen
, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG; vgl. BGE 130 V 121).
Nach Art. 18
Abs.
2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung des
Invaliditäts
grades
in Sonderfällen. Er kann dabei auch von Art. 16 ATSG abweichen.
1.1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der
Invaliditäts
grad
aufgrund eines
Einkom
mensvergleichs
zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versi
cherte Person nach Ein
tritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegliche
ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
Erwerbsein
kommen
, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffern
mässig möglichst ge
nau ermittelt und einander gegenüber
gestellt werden, worauf sich aus der
Ein
kommensdifferenz
der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die frag
lichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annä
herungswerte miteinander zu vergleichen.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des na
türlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit an
dern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwal
tung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse
Möglich
keit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129
V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte im angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk. 2) aus, dass bei der Rentenprüfung einzig die Unfallfolgen an der rechten Schulter zu berücksichtigen seien. Soweit die Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin durch anderweitige Beschwerden beeinträchtigt werde, seien diese im vorlie
genden Zusammenhang irrelevant. Der Zumutbarkeitsbeurteilung der
D._
sei zu entnehmen, dass der Beschwerdeführerin leichte bis mittel
schwere Tätigkeiten ohne ständige Überkopfarbeit ganztags zumutbar seien. Kreisarzt
Dr.
E._
habe diese Einschätzung bestätigt. Die aufgelegten Doku
mentationen über Arbeitsplätze (DAP) berücksichtigten diese Einschränkungen, da es sich durchwegs um leichte bis sehr leichte Tätigkeiten handle. Aus den fünf DAP ergebe sich ein durchschnittliches Invalideneinkommen von Fr. 56'084.--. Da die Beschwerdeführerin sich auch im Gesundheitsfall beruflich neu hätte orientieren müssen, weil ihre frühere Arbeitgeberin die Produktion aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben habe, sei das
Valideneinkommen
ge
stützt auf die statistischen Werte der schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) zu ermitteln. Es sei somit von einem
Validenlohn
von Fr. 58'680.-- auszu
gehen. Daraus ergebe sich ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 4,42 %.
Im vorliegenden Prozess liess die Beschwerdegegnerin an diesen Ausführungen festhalten und ergänzen, dass die von der Beschwerdeführerin eingereichten Berichte nichts an den zutreffenden und einleuchtenden Beurteilungen der
D._
und des Kreisarztes änderten. Die Beschwerdegegnerin habe die grundsätzliche Arbeitswilligkeit der Beschwerdeführerin nie in Zweifel ge
zogen. Allerdings bestehe eine Leistungspflicht nur für unfallbedingte Beein
trächtigungen. Die Beschwerdeführerin müsse an das effektive Unfallereignis vom 12. Februar 2009 erinnert werden. Sie habe versucht, ein herabfallendes Rohr festzuhalten und dabei einen Schmerz in der rechten Schulter verspürt. Erst rund 70 Tage nach diesem Vorfall habe sie sich erstmals in ärztliche Be
handlung begeben. Arbeitsunfähig sei sie nicht gewesen; sie habe bis zu ihrem Stellenverlust gearbeitet. Das
bagatelläre
Ereignis habe erst Bedeutung bekom
men, als sie rund drei Jahre später ihren Arbeitsplatz aus wirtschaftlichen Gründen verloren habe (Urk. 6 und 18; vgl. auch Urk. 25).
2.2
Demgegenüber liess die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vortragen, sie könne in ihrem jetzigen Zustand, herrührend vom Unfall an der rechten Schul
ter, beim besten Willen keiner Arbeit mehr nachgehen. Zu diesem Ergebnis sei insbesondere auch das Team zur beruflichen Standortbestimmung der
D._
gekommen. Seither hätten sich die Gesundheitsbeeinträchtigungen der sehr arbeitswilligen Beschwerdeführerin noch verstärkt. Die behandelnden Ärzte teilten die Ansicht der Beschwerdeführerin, dass sie nicht mehr arbeiten könne. Die Beschwerdegegnerin gehe demgegenüber gestützt auf die Einschät
zungen des Kreisarztes und der
D._
von falschen Voraussetzun
gen aus und knüpfe daran die falschen Folgen. Die Beschwerdeführerin könne die in den DAP beschriebenen Arbeiten gesundheitsbedingt nicht ausführen. Der Kreisarzt sei voreingenommen gewesen und habe die ihm vorgelegten Fragen zum Teil „schnöde“ beantwortet, was aus den Akten hervorgehe. So habe er etwa erklärt, dass es nicht an ihm sei, die Kausalität eines Unfallereignisses zu beurteilen. Das sei eine administrativ-juristische Angelegenheit. Auch sonst seien die Äusserungen des Kreisarztes „gehässig“ und apodiktisch gewesen. Die Schmerzen seien durch den Unfall vom 12. Februar 2009 ausgelöst worden, und zwar so, dass die Nerven im Hals-Schulter-Nackenbereich geschädigt worden seien. Bei Schulterbeschwerden sei es in der Regel so, dass der Patient Schmer
zen und
Parästhesien
im gesamten Nacken-, Schulter-, Arm- und Handbereich habe. Die psychiatrische Beurteilung durch den Kreisarzt und die
D._
sei pauschal und unqualifiziert gewesen; sie dienten nur der Stim
mungsmache. Auch die neurologischen Auswirkungen des Unfalls seien nicht berücksichtigt worden. Die behandelnden Fachleute seien allesamt zum Schluss gelangt, dass
die Beschwerdeführerin arbeitsunfähig sei. Denkbar seien höchs
tens Verweistätigkeiten, in der sie den rechten Arm nicht gebrauchen und nichts heben müsse (Urk. 1 und 13; vgl. auch Urk. 20).
Weiter liess die Beschwerdeführerin ausführen, aus dem Bericht ihres ehemali
gen Vorgesetz
t
en ergebe sich, dass die Schmerzen auf den erlittenen Unfall vom 12. Februar 2009 zurückzuführen seien. Diese Schmerzen hinderten sie seit der ersten Operation vom 11. April 2012, irgendeiner Arbeit nachzugehen. Zudem sei auch die Adäquanz zu bejahen: Der Schlag auf die Schulter sei geeignet ge
wesen, eine Arbeitsunfähigkeit hervorzurufen. Die ärztliche Behandlung habe ungewöhnlich lange gedauert. Die körperlichen Dauerschmerzen seien uner
träglich. Die ärztlichen Behandlungen, namentlich die beiden Operationen, hät
ten die Unfallfolgen erheblich verschlimmert. Der Heilungsverlauf sei schwierig und mit erheblichen Komplikationen verbunden gewesen. Schliesslich sei die Beschwerdeführerin seit der ersten Operation dauernd und vollständig arbeits
unfähig gewesen (Urk. 33).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invali
denrente hat.
3.
Nachfolgend werden aus den umfangreichen medizinischen Akten nur diejeni
gen Berichte wiedergegeben, die zur Erhellung der streitentscheidenden Fragen betreffend Kausalität und Einschränkung der Arbeitsfähigkeit beitragen können:
3.1
Der erstbehandelnde Arzt
Dr.
Z._
führte in seinem Bericht vom 11. Mai 2010 (Urk. 7/8) aus, die Erstbehandlung habe am 21. April 2009 stattgefunden. Die Beschwerdeführerin habe ihn wegen Schmerzen im Bereich der rechten Schulter und wegen des Einschlafens der rechten Hand aufgesucht. Sie habe insbeson
dere über Schmerzen im Bereich der
Supraspinatussehne
geklagt. Die Ursache der Schmerzen und die Kausalität seien unklar. Eine Arbeitsunfähigkeit sei in seiner Krankengeschichte nicht festgehalten.
3.2
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Neurologie, äusserte sich in seinem Be
richt vom 10. Juni 2009 (Urk. 7/13) dahingehend, dass er für die geklagten Be
schwerden keine Ursache habe finden können. Insbesondere habe sich weder ein Karpaltunnelsyndrom noch eine
radikuläre
Schädigung objektivieren lassen. Da auch Nackenschmerzen vorhanden seien, empfehle sich zunächst Physiothera
pie.
3.3
Dr.
med.
B._
, Beleg
arzt Traumatologie, vom S
pital
C._
diagnos
tizierte am 8. Juni 2010 eine
Brachialgie
rechts ungeklärter Ätiologie sowie eine
ausgeprägte
Impingementsymptomatik
der rechten Schulter mit Hals
, Schulter
, Armsyndrom rechtsseitig bei
Diskusprotrusion
C3/C4 und C4/C5. Die Beschwerdeführerin sei vorläufig zu 100 % arbeitsfähig. Bei ihrer Arbeitgeberin werde jedoch aktuell Kurzarbeit geleistet, das heisse zwei bis drei Tage pro Woche. Mehr könnte die Beschwerdeführerin wahrscheinlich wegen der Schmerzen sowieso nicht arbeiten (Urk. 7/12).
3.4
Dr.
med.
G._
, Fachärztin FMH für Physikalische Medizin und Rehabilitation, speziell Rheumatologie, diagnostizierte am 23. Juni 2010 (Urk. 7/14) eine post
traumatische Periarthritis
humeroscapularis
tendopathica
rechts mit sekundär ausgebildete
m
zerviko-spondylogenem
Syndrom rechtsbetont, traumatischer Verletzung des AC-Gelenks rechts und einer
Hämatobursa
subacromialis
rechts.
3.5
Dr.
B._
führte in seinem Bericht vom 15. Mai 2012 (Urk. 7/91) aus, dass vier Wochen nach der Schulteroperation ein ausgeprägtes postoperatives
Impinge
mentsyndrom
mit Entzündungszeichen im Schulterbereich
periartikulär
, aber auch mit
Myogelosen
im Schultermuskelbereich rechts vorhanden seien. Für körperlich schwere Arbeiten sei die Beschwerdeführerin ab 17. April 2012 für die Dauer von etwa drei bis vier Monaten arbeitsunfähig (vgl. auch Urk. 7/99 und 7/113, wobei im letztgenannten Bericht vom 26. September 2012 von einer Befristung der Arbeitsunfähigkeit und einer Beschränkung auf schwere Arbeiten nicht mehr die Rede war).
3.6
Assistenzarzt
Dr.
med.
H._
und Oberärztin
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Chirurgie und Allgemeinmedizin, von der
D._
, wo die Be
schwerdeführerin vom 3. bis 25. September 2012 hospitalisiert war, stellten in ihrem Bericht vom 26. September 2012 (Urk. 7/120) folgende Diagnosen (S. 1):
A.
Unfall vom 12.02.2009: Schlag auf die rechte Schulter bei erfolglo
sem Auffangversuch eines schweren Metallrohres
A1 SLAP-Läsion und
Tendinose
der distalen
Supraspinatussehne
mit chronischem, therapieresistentem
Impingem
en
tsyndrom
-
17.06.2010
Arthro
-MRI: ausgeprägte
Tendinose
der distalen
Sup
raspinatussehne
, SLAP-Läsion, beginnende
AC-Gelenks
arthrose
-
17.04.2012 Schultera
r
throskopie rechts und
arth
r
oskopische
Te
notomie der langen
Bizepssehne
sowie offene laterale
Klaviku
laresektion
,
Akromioplastik
,
Bursektomie
und
Tenodese
der lan
gen
Bizepssehne
rechts
B.
Zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom mit Kontribution an Hals-Schulter-Arm-Syndrom
-
05.06.2012 MRI HWS: C3/4: leichte
breitbasige
Diskusprotrusion
linksbetont mit leichter Einengung des linksseitigen
Neurofora
mens
. C4/5:
breitbasige
Protrusion
mit sagittalem
Spinalkanal
durchmesser
in diesem Segment von 9 mm. Geringfügige Ein
engung des linksseitigen
Neuroforamens
ohne
Nervenwurzel
kompression
.
C.
Coxalgie
rechts
-
12.03.2012 MR-
Arthrographie
rechte Hüfte: fünf kleine
sub
chondrale
Geröllzysten vorne im
Azetabulum
mit nur leichtgra
digen angrenzenden Knorpelschäden. Weder Zeichen eines Cam- noch eines
Pincer-Impingements
D.
Leichte Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion ge
mischt (ICD-10: F43.2),
Akzentuierte Persönlichkeitszüge (perfektionistisch, leicht zwang
haft)
Bei Austritt aus der Klinik habe die Beschwerdeführerin über
bewegungsabhän
gige
Schulterschmerzen rechts, einen Hypertonus der
Schulter-Nackenmusku
latur
mit spannungsbedingten Kopfschmerzen und schmerzabhängige
Durch
schlafstörungen
geklagt. Im Rahmen der stationären Rehabilitation habe keine namhafte Verbesserung der Beschwerden erzielt werden können
(S. 4)
. Es sei eine mässige Symptomausweitung beobachtet worden. Es sei davon auszuge
hen, dass bei gutem
Effort
eine bessere Leistung erbracht werden könnte als diejenigen, die bei den Leistungstests und im Behandlungsprogramm gezeigt worden seien. Infolge Selbstlimitierung hätten die zu erwartenden Verbesserun
gen bezüglich Funktion und Belastbarkeit nicht erreicht werden können. Die Resultate der physischen Leistungstests seien deshalb für die Beurteilung der zumutbaren körperlichen Belastbarkeit nur teilweise verwertbar. Das Ausmass der demonstrierten physischen Einschränkungen lasse sich mit den objektivier
baren pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung und der
bildge
benden
Abklärung sowie den Diagnosen nur zum Teil erklären. Die Beurteilung der Zumutbarkeit stütze sich wesentlich auf medizinisch-theoretische Überle
gungen unter Berücksichtigung der Beobachtungen bei den Leistungstests und im Behandlungsprogramm. Aus psychiatrischer Sicht begründe die festgestellte psychische Störung aktuell keine arbeitsrelevante Leistungsminderung. „Zumut
barkeit für die berufliche Tätigkeit als Textilassistentin (Arbeitsvertrag ist nicht vorhanden): Arbeitszeit: Ganztags.“ Für andere berufliche Tätigkeiten bestehe folgendes Zumutbarkeitsprofil: „Zumutbarkeit in körperlicher Hinsicht: (Min
destens) leichte bis mittelschwere Arbeit. Spezielle Einschränkungen: Schulter rechts: nicht ständig über Kopf“ (S. 2).
3.7
Dr.
med.
J._
, Spezialarzt FMH für Chirurgie, hielt in seinem Bericht vom 8. Februar 2013 (Urk. 7/176) fest, dass die Beschwerdeführerin unter chroni
schen Schulterbeschwerden rechts leide, welche posttraumatisch 2009 begonnen
und unterdessen zu zwei Operationen geführt hätten. Nach der zweiten Opera
tion sei es zu einer deutlichen Verschlechterung der Schmerzen gekommen, was einerseits auf eine
retraktile
Kasulitis
hinweise, andererseits bei präoperativ
chronifizierten
Schmerzen leider nicht selten auftrete. Die sehr arbeitswillige Beschwerdeführerin könne sicherlich die Schulter auch in Zukunft nicht mehr mit Belastung einsetzen. Sie habe ihre Stelle infolge Geschäftsaufgabe verloren. Da sie aber gerne weiterarbeiten möchte, sei eine Umschulung in einen Sektor mit leichter Wechselarbeit ohne Heben von Lasten beziehungsweise mit nur marginalem Einsetzen der rechten Schulter sinnvoll.
3.8
Kreisarzt
Dr.
E._
führte in seinem Bericht vom 18. April 2013 (Urk. 7/212) aus, die Beschwerdeführerin klage über eine Verschlechterung der Situation durch die erste Schulteroperation rechts; und auch nach der zweiten Operation vom 1. November 2012 seien die Beschwerden nicht besser geworden. Es be
stünden Schmerzen rechtsseitig im Nacken mit täglichen Kopfschmerzen bis in die Stirne rechts und einer subjektiv gestörten Sensibilität der rechten
Ge
sichtsseite
, im Bereich der Schulter, insbesondere auch ventral über dem Schul
tergelenk, sowie ausstrahlend in den ganzen rechten Arm und alle vier Langfin
ger. Bei der klinischen Untersuchung habe er erhebliche Diskrepanzen, ein deutliches Schmerzdemonstrationsverhalten und zum Teil auch ein klar dys
funktionales Verhalten gefunden: Eine Faustschlusskraft von 5 kg auf der do
minanten rechten Seite (Gegenseite 26 kg) sei medizinisch nicht erklärbar. An
hand der Umfangmasse mit etwas besserer
Muskulierung
des dominanten rech
ten Armes könne eine langdauernde Schonung der rechten oberen Extremität aus medizinischer Sicht nicht nachvollzogen werden. Auch die erhebliche Ein
schränkung der bei der rein aktiven Untersuchung gezeigten HWS-Beweglich
keit habe kein Korrelat; während der ganzen übrigen Konsultation werde der Kopf normal mitbewegt, offensichtlich ohne Schmerzen. Klinische Hinweise auf ein
radikuläres
Ausfallsyndrom seien (ebenso wie in der bildgebenden Doku
mentation) nicht vorhanden (S. 11).
Als unfallkausal sei das Schmerzsyndrom an der rechten Schulter zu betrachten, wobei sowohl in der Beurteilung der
D._
als auch in derjenigen des behandelnden Schulterchirurgen
Dr.
B._
die Ätiologie unklar geblieben sei und medizinisch nicht habe nachvollzogen werden können. Ein Jahr nach der Indexoperation sei der Zustand offensichtlich seit Monaten stabil; deshalb sei der versicherungsmedizinische Fallabschluss jetzt zu forcieren. Er könne keine erfolgversprechende
n
alternative
n
Therapieoptionen nennen (S. 11).
Das in
D._
erstellte Zumutbarkeitsprofil sei nach wie vor korrekt. Die
Be
schwerdeführerin
beschreibe aktuell die genau gleichen Schmerzen wie vor der
zweiten Operation. Weiterhin zu übernehmen seien die Schmerzmedikamente, sofern sei der Behandlung der rechten Schulter dienten. Nicht zu übernehmen seien hingegen andere Medikamente und die kürzlich verordnete Physiothera
pie; sie seien nämlich wegen der nicht unfallkausalen Nackenbeschwerden mit
radikulärem
Reizsyndrom C7 erforderlich (S. 12)
angewendet worden.
Die unfallbedingt erlittene Integritätseinbusse schätzte
Dr.
E._
am 19. April 2013 auf 5 % (Urk. 7/213).
3.9
Dr.
B._
hielt in seinem Bericht vom 7. August 2013 (Urk. 7/227) folgende Diag
nosen fest:
Chronifiziertes
brachiozephales
Schmerzsyndrom mit Verdacht auf
retrak
tile
Kapsulitis
der rechten Schulter bei
-
Status nach Narkosemobilisation und
arthroskopischer
Adhäsiolyse
sub
acromial
rechte Schulter am 01.11.2012
-
lateraler
Clavikularesektion
,
Akromioplastik
,
Bursektomie
und
Teno
dese
der langen
Bizepssehne
rechts am 17.04.2012
-
Status nach Schultertrauma rechts am 12.02.2009
-
radikulärem
Reizsyndrom C7 rechts (nicht unfallkausal, SUVA-Beurtei
lung)
Es bestehe eine
Schmerzsymtpomatik
vom Nacken über die Schulter sporadisch bis zum rechten Ellbogen. Die rechte Hand sei nicht schmerzhaft. Die Sensibili
tät und das subjektive Gefühl seien von der Schulter bis zu den Fingerspitzen nicht mehr normal, das heisse nicht gleich wie am linken Arm. Die
Schulter
funktio
n
sei in allen Bewegungen schmer
zbedingt und auch kraftbedingt stark eingeschränkt. Die lange
Bizepssehne
sei keine Schmerzursache. Klinische Hin
weise für eine
frozen
shoulder
finde er nicht. Die rechte Schulter sei passiv recht gut und frei beweglich; die
Scapula
bewege sich erst ab etwa 80° Abduktion mit. Für die Sensibilitätsstörungen habe er keine Erklärung. Die Beschwerde
führerin sei seit dem 17. April 2012 nicht mehr arbeitsfähig. Aktuell könne die Beschwerdeführerin mit den genannten körperlichen Einschränkungen keine Arbeit suchen, da sie nicht einmal die geringsten körperlichen Tätigkeiten mit dem rechten Arm über mehr als 20 bis 30 Minuten ausführen könne.
3.10
Am 2. September 2013 ergänzte
Dr.
B._
, dass er zu
einer
anderen Beurteilung des Zustandes der Beschwerdeführerin komme als die Beschwerdegegnerin, ins
besondere auch was die Arbeitsfähigkeit betreffe. Seines Erachtens sei die Be
schwerdeführerin mit den jetzt erhobenen objektiven und subjektiven
Schmerz
angaben
des Hals-, Schulter- und
Armsyndromes
in einer belastenden manuel
len Tätigkeit nicht arbeitsfähig, vor allem wenn
der
rechte Arm und die rechte Schulter eingesetzt werden müssten. Es käme höchstens ein
e
ganz leichte Mon
tagearbeit in Frage. Aber auch diesbezüglich sei die sehr begrenzte Dauer eines
Einsatzes zu berücksichtigen. Die Besch
werdeführerin könn
e ihren rechten Arm nicht über längere Zeit, sicher beispielsweise nicht halbtags, belasten. Der Unfall vom 12. Februar 2009 habe ein doch erhebliches Trauma nach sich gezogen mit einer grossen
Hämatombildung
. Trotzdem habe sie anfänglich weiter ihre Arbeit ausgeführt, mit täglichen Schmerzen und aus Loyalität zu ihrer Arbeitgeberin, bis diese den Betrieb Ende April 2012 eingestellt habe. Erst dann und nach un
zähligen physiotherapeutischen und anderen
Therapieversuchen (
Kortisonin
f
i
l
tration
und Neuraltherapie) habe man sich zu operativen Eingriffen ent
schlossen, die aber keine wesentlichen Besserungen ergeben hätten. Dieser the
rapieresistente Schmerzverlauf sei gerade nach Schulteroperationen bekannt. Die Ursache dieser Schmerzen könne leider im organischen Sinne nicht immer objektiviert werden. Das zuletzt aufgefundene C7-Reizsyndrom am Hals sei ein Puzzlestein, der zu den insgesamt vorhandenen Hals-, Schulter- und
Arm
schmerzen
führe. Die
Chronifizierung
der jahrelangen Schmerzen sei natürlich ein weiterer negativer Punkt in der Entwicklung des Schmerzens. Aber natürlich könne diese ganze Leidens- und Schmerzgeschichte nicht nur auf rein anato
mische Begebenheiten zurückgeführt werden. Nach den jahrelangen Schmerzen
spiele
auch eine psychische Komponente in der Schmerzaufrechterhaltung mit. Dabei müsse man aber berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin bis zur ersten Operation mit starken Schulterschmerzen weitergearbeitet habe und auch jetzt wieder arbeiten möchte. Die sehr arbeitswillige Beschwerdeführerin werde die Schulter auch in Zukunft nicht mehr mit Belastung einsetzen können. Des
halb sei der ganze Fall sicherlich neu zu untersuchen und zu beurteilen (Urk. 7/235).
3.11
Dr.
K._
,
Chiropraktorin
, äusserte sich in ihrem Bericht vom 12. September 2013 (Urk. 7/240) dahingehend, dass sie den kreisärztlichen Bericht weder ver
stehen noch akzeptieren könne. Sie habe - im Gegensatz zu
Dr.
E._
- eine klare Sensib
i
litätsveränderung im Sinne einer Hypästhesie über dem rechten Nacken-Schulterbereich bis hin zur Hand festgestellt. Auch hätten ihre Messun
gen des Oberarmumfangs und des Faustschlusses ganz andere Werte ergeben als diejenigen, die von
Dr.
E._
festgehalten worden seien. Tatsache sei, dass die Beschwerdeführerin wegen der Schmerzen nicht fester zudrücken könne, was medizinisch als schmerzbedingte Einschränkung bezeichnet werde. Die Be
schwerdeführerin, eine einst sehr starke und zähe Frau, die unter starken Schmerzen arbeiten gegangen sei, sei mittlerweile sehr erschöpft und resigniert. An ihren Aussagen sei nicht zu zweifeln. Sie sei das komplette Gegenteil einer Patientin, die ein Rentenbegehren habe. Sie rate angesichts dessen, dass der
Auffassung von behandelnden Ärzten in der Regel weniger Glauben geschenkt werde, zur Einholung eines Gutachtens.
3.12
Dr.
med.
L._
, Facharzt FMH für Chirurgie, führte in seinem Bericht über die Untersuchungen vom 27. Oktober und 13. November 2014 (Urk. 21) aus, dass die komplizierte Geschichte für ein Schulterleiden rechts spreche, das im Prinzip weder durch die erste noch durch die zweite Operation günstig habe beeinflusst werden können. Eine Irritation der Nerven durch die Halswirbelsäule habe mehr oder weniger ausgeschlossen werden können. Somit bleibe eine neurologische Symptomatik, die nicht geklärt sei. Nach Aussagen der Beschwerdeführerin hätten die neurologischen Beschwerden vor allem nach der zweiten Operation begonnen und
seien
erst dann wirklich relevant geworden. Es bleibe die Frage, ob durch die Narkosemobilisation und die
Adhäsiologie
ein Teil des
Nervus
axillaris
beschädigt worden sei. Weiter sei fraglich, ob durch die Überdehnung der
caudalen
Kapsel auch eine Überdehnung des
Nervus
axillaris
erfolgt sei. Die klinische Untersuchung erlaube eine einschiessende, ruckartige Schmerzhaf
tigkeit bei allen aktiven selbständigen sowie auch geführten Bewegungen im rechten Schultergelenk. Sicher vermöge die Beschwerdeführerin die Schulter recht gut zu heben und zu abduzieren, aber sehr verlangsamt und unter immer wieder eintretenden ruckartigen Schmerzen. Der
Impingement
-Test nach Neer sei stark positiv. Die Palpation des
Sulcus
intertubercularis
sei stark schmerz
haft. Der
Supraspinatussehnen
-Ansatz sei schmerzhaft. Der
Jobe
-Test sei an sich negativ; ebenfalls sei der
Infraspinatus
wohl geschwächt, aber in der Kon
tinuität wohl in Ordnung. In der Zwischenzeit habe auch eine
Symptomaus
weitung
stattgefunden; die Beschwerdeführerin klage jetzt auch über Gefühls
störungen an der rechten Gesichtshälfte. Es sei auch zu überlastungsbedingten Schmerzen in der linken Schulter gekommen.
Das
Arthro
-MRI vom 13. November 2014 habe ausgedehnteste Verwachsungen und eine doch erhebliche
Subscapularis
-Ruptur gezeigt. Gleichzeitig sei auch der
Rezessus
axillaris
nicht voll entfaltet. Auf dem
Arthro
-MRI erkenne er eine massive
subacromiale
Verschwartung
mit vollständigem Aufheben des
Sub
acromialraumes
. Eine Bursa
acromialis
oder eine Neo-Bursa
subacromialis
exis
tierten nicht. Dies allein könne schon einen Grossteil der Beschwerden verursa
chen. Dazu komme, dass im Bereich des
Subscapularis
ein grosser Kontrastmit
tel-Austritt in die Bursa
subcoracoidalis
bestehe durch eine erhebliche
Subsca
pularis-Ruptur
/Läsion. Diese Ruptur könne durchaus durch die zweite Operation entstanden sein. Sie führe zu einer erheblichen Schwächung der Schulter
zentrierung. Die
Bicepstenodese
könne gut eingesehen werden und sei auf dem
Arthro
-MRI eher unverdächtig. Die SLAP-Läsion sei ausgedehnt. Am oberen
Glenoidal
-Limbus-Rand sei noch ein grosser
Bicepssehnenstumpf
sichtbar. Auch der
Recessus
a
x
illaris
sei nur unvollständig entfaltet; das Kapselbandgewebe sei noch stark verdickt. Insgesamt handle es sich um eine schwer beeinträchtigte Schulter. Gemäss klinischer Untersuchung, welche mit der
Arthro
-MRI-Untersu
chung korreliere, könne er festhalten, dass es sich um klare Pathologien handle, die vor allem auch postoperativ oder intraoperativ verursacht worden seien. Diese Pathologien würden die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwer
den vollumfänglich erklären. Er habe der Beschwerdeführerin erklärt, dass im Prinzip nur eine Revisions-Operation Abhilfe schaffen könne, in der Schicht für Schicht inspiziert und saniert werde. Dies beginne oben beim
Akromion
mit der Entfernung der ausgedehntesten
Verschwartungen
mit vollständigem Release des
Subacromialraumes
, der Revision der
Rotatorenmanschette
, insbesondere des
Subscapularis
und Versorgung desselben, sowie der Revision des Limbus
glenoidalis
apikal und eventuell der
Refixation
des abgelösten Limbus. Dies al
les sei nur durch eine offene Operation möglich. Es könne nicht garantiert wer
den, dass die Beschwerdeführerin eine voll funktionierende Schulter erhalten werden, aber er sei beinahe sicher, dass sie eine erhebliche Verbesserung der Schmerzhaftigkeit und der Funktion erwarten dürfe, so dass sie wieder arbeiten könne.
4.
4.1
Aus den wiedergegebenen Arztberichten ist ersichtlich, dass nach wie vor erhebli
che Gesundheitsbeeinträchtigungen an
der
rechten oberen Extremität, insbesondere der rechten Schulter, der Beschwerdeführerin vorhanden sind. Dass diese Gesundheitsbeeinträchtigungen grundsätzlich auf das Unfallereignis vom 12. Februar 2009 zurückzuführen sind, wird zu Recht auch von der
Be
schwerdegegnerin
nicht bestritten
,
zumindest nicht substantiiert. Soweit die Beschwerdegegnerin erstmals in ihrer Replik vom 25. Juni 2014 einen Zusam
menhang der aktuellen Beschwerden mit dem Unfallereignis unter Hinweis auf die lange Zeitspanne zwischen Unfall und Operationen in Frage stellt (
Urk.
18
S. 4) ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin nach Auskunft zweier ehemaliger Vorgesetzter nach dem Unfall unter Schmerzen und aus Loyalität zur Firma bis zur Schliessung weiterarbeitete (
Urk.
14/240 und
Urk.
27, vgl. auch
Urk.
7/78). Das In-Frage-Stellen des Vorliegens einer erheblicheren Verlet
zung scheitert bereits an den echtzeitlichen bildgebenden
Untersuchungsresul
taten
(Sonographien vom 23. Dezember 2009 [
Urk.
7/14/5], 9. April 2010 [
Urk.
7/6], MRI-Untersuchung vom 17. Juni 2010 [
Urk.
7/23]) und den anläss
lich der ersten Operation gewonnenen Erkenntnissen (chronisches therapie
resistentes posttraumatisches
Impingementsyndrom
rechte Schulter bei SLAP-Läsion und symptomatischer AC-Gelenksarthrose und Tendinitis der langen
Bi
zepssehne
rechts,
Urk.
7/78). Bei dieser Aktenlage ist das Vorbringen, diese (wie auch die zweite) Operation seien lediglich aufgrund krankheitsbedingter Beein
trächtigungen notwendig geworden (
Urk.
18 S. 4), nicht zu hören, zumal dies in der medizinischen Aktenlage keine Stütze findet und auch Kreisarzt
Dr.
E._
nichts Derartiges äusserte (
Urk.
7/212).
Uneinigkeit besteht zwischen den Parteien hinsichtlich der Frage, inwieweit die Beschwerdeführerin durch diese unfallbedingte Schädigung in ihrer Arbeitsfä
higkeit eingeschränkt wird. Insoweit zeichnen auch die medizinischen Akten kein einheitliches Bild. Die Beschwerdegegnerin machte sich die Beurteilungen von Kreisarzt
Dr.
E._
und der
D._
zu eigen
, wonach die Beschwerdeführerin nicht nur als Textilassistentin, sondern auch in jeder ande
ren leichten bis mittelschweren Arbeit, soweit diese mit der rechten Extremität nicht ständig über Kopf ausgeübt werden müsse, vollumfänglich arbeitsfähig sei
(
E. 3.6 und 3.8). Bereits
Dr.
J._
widersprach dieser Ansicht, indem er die Meinung vertrat, dass (lediglich) eine leichte Wechselarbeit ohne Heben von Lasten beziehungsweise mit nur marginalem Einsatz der der rechten Schulter sinnvoll sei (E. 3.7).
Dr.
B._
erklärte, dass die Beschwerdeführerin seit dem 17. April 2012 nicht mehr arbeitsfähig sei. Sie könne nicht einmal die gerings
ten körperlichen Tätigkeiten mit dem rechten Arm über mehr als 20 bis 30 Mi
nuten ausführen (E. 3.9). Er widersprach der kreisärztlichen Einschätzung grundlegend (E. 3.10). Auch die
Chiropraktorin
Dr.
K._
wies den
kreis
ärztlichen
Bericht als unverständlich zurück (E. 3.11). In dieses Bild fügt sich schliesslich der ausführliche Bericht von
Dr.
L._
über die klinischen und
bild
gebenden
Untersuchungen vom 27. Oktober und 13. November 2014 (E. 3.12).
Dr.
L._
kam - nicht zuletzt durch die durchgeführte MRI-Untersuchung - zum Schluss, dass eine massive
subacromiale
Verschwartung
mit vollständigem Auf
heben des
Subacromialraumes
vorliege. Eine Bursa
acromialis
oder eine Neo-Bursa
subacromialis
existierten nicht. Hinzu komme eine erhebliche
Subsca
pularis-Ruptur
/Läsion. Diese Ruptur könne durchaus durch die zweite Operation entstanden sein. Sie führe zu einer erheblichen Schwächung der Schulter
zentrierung. Insgesamt handle es sich um eine schwer beeinträchtigte Schulter. Gemäss klinischer Untersuchung, welche mit der
Arthro
-MRI-Untersuchung korreliere, könne er festhalten, dass es sich um klare Pathologien handle, die vor allem auch postoperativ oder intraoperativ verursacht worden seien. Diese Pathologien würden die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden vollumfänglich erklären. Eine Verbesserung - so
Dr.
L._
weiter - sei nur durch
eine offene Operation möglich. Auch
diesfalls
könne aber nicht garantiert wer
den, dass die Schulter jemals wieder voll funktionstüchtig werde. Es sei aber beinahe sicher, dass durch die Operation eine erhebliche Verbesserung der
Schmerzhaftigkeit
und der Funktion erzielt werden könne.
Die Einschätzung von
Dr.
L._
vermag zu überzeugen und ist nachvollziehbar. Von ihm stammt - gemäss derzeitiger Aktenlage - die einzige detaillierte Er
klärung für die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden; zudem kann er sich dabei auf aktuelle bildgebende Untersuchungen stützen. Hinzu kommt, dass seine Einschätzungen in
da
s
jenige
Bild passen,
das
bereits von den
Dres
.
J._
,
B._
und
K._
gezeichnet wurde. Obwohl sich
Dr.
L._
nicht ausdrücklich
zur
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin äusserte, geht aus seinem Bericht implizit hervor, dass er mit der kreisärztlichen Einschätzung und mit dem in
D._
erstellten Zumutbarkeitsprofil, wonach die Beschwer
deführerin praktisch uneingeschränkt einer mittelschweren Arbeit nachgehen könnte, nicht einig geht, spricht er doch - gestützt auf die Ergebnisse der MRI-Untersuchung -
ausdrücklich von einer schwer beeinträchtigten Schulter.
Aus dem Gesagten folgt, dass sich die Beurteilungen und Einschätzungen von
Dr.
L._
(sowie der
Dres
.
J._
,
B._
und
K._
) als überzeugender und nachvollziehbarer erweisen als diejenigen, auf die sich die Beschwerdegegnerin stützte. Dies gilt insbesondere auch für die Einschätzung von
Dr.
L._
, dass die Beschwerden an der rechten Schulter durch eine
Reoperation
erheblich verbes
sert werden könnten.
4.2
Aus dem Gesagten folgt, dass die medizinischen Akten in zweierlei Hinsicht keine genügende Grundlage zur Beantwortung der streitentscheidenden Frage bilden, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invalidenrente hat. Zum einen ist nämlich aufgrund des detaillierten Operationsvorschlags von
Dr.
L._
, der sich von einer
Reoperation
erhebliche Verbesserungen verspricht, unklar, ob der medizinische Endzustand bereits eingetreten ist. Falls dies nicht der Fall sein sollte, hätte die Beschwerdegegnerin die Rentenfrage ohnehin zu früh geprüft. Zum anderen liegt (selbst wenn man davon ausginge, der medizinische Endzu
stand sei erreicht) kein überzeugendes Zumutbarkeitsprofil vor. Jedenfalls kann auf das in der
D._
noch vor der zweiten Operation erstellte
Zu
mutbarkeitsprofil
, das vom Kreisarzt pauschal als weiterhin gültig deklariert wurde, angesichts der von den übrigen Fachärzten nachvollziehbar und detail
liert geäusserten Kritik nicht als Grundlage für die Invaliditätsbemessung die
nen.
Somit erweist sich die Sache als nicht spruchreif. Demzufolge ist der angefoch
tene
Einspracheentscheid
vom 18. November 2013 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die notwendigen Abklärungen veranlasse und hernach neu verfüge. Angesichts der Umstände erscheint es angezeigt, ein versicherungsunabhängiges Gutachten einzuholen.
4.3
Soweit die Parteien im vorliegenden Prozess Ausführungen zum adäquaten Kau
salzusammenhang von psychischen Beeinträchtigungen machten, ist darauf hinzuweisen, dass in der aktuellen medizinischen Aktenlage keine Anzeichen für eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch psychische Gesundheitsstö
rungen vorhanden sind. Solche Beeinträchtigungen wurde
n
zwar vereinzelt ge
schildert, was angesichts der langen Dauer der wenig erfolgreichen Behandlung der somatischen Unfallfolgen nicht erstaunt, eine eigenständige Bedeutung wurde ihnen - soweit ersichtlich - bislang aber nicht zugemessen. Angesichts des Ausgangs dieses Prozesses erübrigen sich weitere Ausführungen zum adä
quaten Kausalzusammenhang etwaiger psychischer
Gesundheitsbeeinträchti
gungen
mit relevanter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit jedoch ohnehin.
4.4
Schliesslich wirft die Methode der Bemessung des Invaliditätsgrades im angefoch
tenen
Einspracheentscheid
(vgl. Urk. 2 S. 5 f.) die Frage auf, ob es an
gemessen und korrekt ist, einerseits das Invalideneinkommen gestützt auf Do
kumentationen von Arbeitsplätzen (DAP) und andererseits das
Valideneinkom
men
anhand der Tabellen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) zu ermitteln. Angesichts des Ausgangs dieses Prozesses muss diese Frage nicht abschliessend beantwortet werden
.
5.
Soweit die Beschwerdeführerin beantragen liess, es
sei
die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr bis zum rechtskräftigen Entscheid eine auf einem
Invalidi
tätsgrad
von 100 % basierende Invalidenrente auszurichten, ist ihr entgegenzu
halten, dass
im Bereich des Unfallversicherungsrechts Begehren, die auf eine provisorische Verpflichtung des Versicherungsträger zur Erbringung von Geld
leistungen, (wenn überhaupt) sehr zurückhaltend gutgeheissen werden. Wie bei der Wiederherstellung der (zuvor vom Versicherungsträger entzogenen) auf
schiebenden Wirkung eines Rechtsmittels ist eine Interessenabwägung vorzu
nehmen (vgl. dazu etwa Ueli
Kieser
, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zü
rich/Basel/Genf 2015, N 56 f. zu Art. 56 ATSG und N 37 zu Art. 61 ATSG mit Hinweisen).
Insoweit ist festzuhalten, dass die höchstrichterliche Praxis regelmässig den Ent
zug der aufschiebenden Wirkung bei Verfügungen schützt, mit denen eine
laufende Rente im Revisionsverfahren herabgesetzt oder aufgehoben wird, und dabei das Interesse der Verwaltung an der Vermeidung möglicherweise nicht mehr einbringlicher Rückforderungen gegenüber demjenigen der Versicherten, nicht in eine vorübergehende finanzielle Notlage zu geraten, als vorrangig ge
wichtet (Barbara Kobel, in: Christian Zünd/Brigitte Pfiffner
Rauber
, Gesetz über das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, 2. Auflage, Zürich/Basel/ Genf 2009, N 33 zu § 17
GSVGer
mit Hinweisen;
vgl. insbesondere auch BGE 105 V 266 E. 3). Entsprechendes gilt
a
fortiori
im vorliegenden Fall.
Hinzu kommt, dass aufgrund der Aktenlage nicht mit der von der Rechtspre
chung geforderten grossen Wahrscheinlichkeit feststeht, dass die Beschwerde
führerin letztlich (vollumfänglich) obsiegen wird
(vgl. dazu auch das Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 46/04 vom 24. Februar 2004 E. 4.1 und 4.2). Vielmehr erscheint es bei – summarischer und globaler Betrachtung –
erfahrungsgemäss
eher unwahrscheinlich, dass sie (selbst wenn dereinst grundsätzlich ein Rentenanspruch bejaht werden sollte) Anspruch auf eine auf einem Invaliditätsgrad von 100 % basierende Invalidenrente haben wird.
Aus dem Gesagten folgt, dass das Begehren um Erlass vorsorglicher Massnah
men abzuweisen ist.
Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin, sollten die weite
ren Abklärungen tatsächlich die Beurteilung von
Dr.
L._
erhärten, wo
nach die unfallbedingte Behandlung noch nicht abgeschlossen ist, (weiterhin) einen Taggeldanspruch hat (vgl. Art. 16 UVG).
6.
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Nach ständiger Rechtsprechung gilt die
Rückwei
sung
der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfü
gung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Demzufolge ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten,
der Beschwerdeführerin eine angemessene Prozessentschädigung (inklusive Barauslagen und Mehrwert
steuer) in der Höhe von Fr.
4‘
0
00.
zu bezahlen.