Decision ID: 541c67a6-abd2-47a6-9a07-db64fe6dc005
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 21. November 2021 in der Schweiz um
Asyl nach. Er wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region (...) zuge-
wiesen und mandatierte am 26. November 2021 die ihm zugewiesene
Rechtsvertretung.
B.
B.a Am 30. März 2022 wurde der Beschwerdeführer vom SEM zu seinen
Asylgründen angehört. Er brachte im Wesentlichen vor, er sei afghanischer
Staatsangehöriger und ethnischer (...) und stamme aus der Provinz
C._. Sein Vater habe bei den Sicherheitskräften gearbeitet. Weil
dieser deswegen von den Taliban bedroht und zur Einstellung der Tätigkeit
aufgefordert worden sei, hätten sie nicht mehr dort leben können und seien
vor (...) Jahren nach D._ gezogen. Fünf bis sechs Jahre später sei
auch ein (...) väterlicherseits, der ebenfalls für die Sicherheitskräfte tätig
gewesen sei, mit seiner Familie zu ihnen nach D._ gezogen. In
D._ habe sein Vater bis zur Machtübernahme durch die Taliban im
Jahr 2021 im (...) gearbeitet und als (...) in verschiedenen Provinzen die
Tätigkeiten des (...) kontrolliert. Sein Vater habe ihn öfters auf dem Weg
zur Arbeit im Dienstwagen mitgenommen und zur Schule oder zum Sport-
training gebracht. Als sie am (...) gemeinsam auf der Heimfahrt gewesen
seien, sei eine Autobombe explodiert und er, sein Vater und der Chauffeur
seien dabei verletzt worden. Er habe Verletzungen an Rücken, Kopf und
Hand erlitten und die Nase sei gebrochen und Zähne seien abgebrochen
gewesen. Aufgrund der Kopfverletzung sei er mehrere Stunden im Koma
gelegen. Seither habe er Probleme mit dem Gedächtnis und höre auf ei-
nem Ohr schlecht. Wo genau die Bombe versteckt gewesen sei, ob an ih-
rem Auto oder auf der Strasse, könne er nicht sagen. Es hätten sich immer
wieder solche Anschläge gegen Staatsbedienstete und deren Dienstautos
gerichtet. Er habe die Schule mit dem Besuch der (...) Klasse beendet und
danach ein Diplom der (...) gemacht, mit dem er als (...) habe (...) können.
Die Prüfung für die Universität habe er wegen der Corona-Pandemie nicht
wie geplant machen können. Er sei Sportler ([...]) gewesen und habe so-
wohl in D._ als auch in verschiedenen Provinzen an Wettkämpfen
teilgenommen. Er habe mehrere Auszeichnungen erhalten und sich so für
Wettkämpfe im Ausland qualifiziert; wegen der Pandemie habe er aber
nicht wie geplant für Wettkämpfe nach E._ reisen können. Nebst
der Wettkampftätigkeit sei er auch bei mehreren Organisationen als Jury-
Mitglied tätig gewesen. In den Augen der Taliban sei Sport unislamisch und
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Sportler seien dementsprechend bedroht. Sein (...) sei deswegen Ende
(...) angeschossen worden. Des Weiteren sei er seit (...) respektive (...)
Mitglied in zwei Hilfsorganisationen gewesen, die sich für die Rechte von
Frauen und für die Zivilbevölkerung, insbesondere die Jugend, eingesetzt
hätten. Er habe an Sitzungen teilgenommen und Aktivitäten im Bereich
Sport unterstützt und organisiert. Da seine Familie im Sicherheitsbereich
tätig gewesen sei, sei es normal gewesen, dass sie Waffen zuhause ge-
habt hätten. Es sei auch normal gewesen, mit Waffen Fotos zu machen.
Ein Foto aus dem Jahr (...), auf dem er mit einer Waffe posiert habe, sei
zu den Taliban gelangt; ein (...) väterlicherseits, der öfters nach C._
gefahren sei, weil dessen Vater dort (...) gewesen sei, habe das Bild auf
dem Handy gehabt und es sei geteilt worden. Sein (...), der in der afghani-
schen Armee gedient und in einer (...) gearbeitet habe, lebe mittlerweile in
F._. Die G._ hätten ihre Mitarbeiter mitgenommen, als die
Taliban die Macht übernommen hätten, und auch seinen (...) im Sommer
(...) evakuiert. Die (...) Regierung habe bestätigt, dass seine ganze Familie
in Gefahr sei. Nachdem seine Familie wegen der Tätigkeiten seines Vaters
und seines (...) von den Taliban bedroht worden und er bei der besagten
Bombenexplosion schwer verletzt worden sei, habe er nicht mehr länger in
dieser gefährlichen Situation in Afghanistan bleiben können, zumal Sportler
und Personen wie er, die sich in Organisationen für die Zivilgesellschaft
engagiert hätten, in ständiger Gefahr vor den Taliban gewesen seien. Als
er soweit genesen und wieder reisefähig gewesen sei, sei er im (...) 2021
aus Afghanistan ausgereist und über den H._, die I._,
J._ und weitere europäische Länder am 21. November 2021 in die
Schweiz gelangt. Von der I._ aus habe er erfahren, dass sein (...)
väterlicherseits, der im gleichen Haushalt gelebt habe, im (...) oder (...)
2021 von den Taliban getötet worden sei. Ein (...) mütterlicherseits und ein
(...) väterlicherseits, die beim Militär gewesen seien, seien auch von den
Taliban getötet worden, und ein weiterer (...) väterlicherseits, der ebenfalls
für die Special Force gearbeitet habe, sei vor (...) Jahren nach K._
gegangen. Sein Vater wechsle aus Sicherheitsgründen häufig den Aufent-
haltsort und sei nur noch sporadisch zuhause. Auch wenn die Taliban an-
fangs angekündigt hätten, ehemalige Regierungsmitarbeiter nicht festzu-
nehmen, fühle sich sein Vater dennoch in Gefahr, seien doch Personen,
die sich gegen die Taliban geäussert hätten, trotz gegenteiliger Verspre-
chungen bereits mitgenommen worden.
B.b Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten
des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf das Protokoll und die (in Ko-
pie) eingereichten Beweismittel (Pass, e-Tazkira, Führerausweis, Fotos
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und Urkunden zu Sportlertätigkeit, Foto der Schusswunde des (...), Schul-
/Ausbildungsunterlagen, Dokumente zur Mitgliedschaft bei Hilfsorganisati-
onen, Unterlagen betreffend die Tätigkeit und Umsiedlung des (...), Foto
des Beschwerdeführers mit einer Waffe, Fotos und Facebook-Post zur Tä-
tigkeit des Vaters) verwiesen (vgl. vorinstanzliche Akten).
C.
Am 6. April 2022 unterbreitete das SEM dem Beschwerdeführer respektive
seiner Rechtsvertretung den Entwurf des Asylentscheids. Der Beschwer-
deführer zeigte sich in seiner Stellungnahme vom 7. April 2022 mit dem
geplanten Entscheid nicht einverstanden. Er bekräftigte, dass ihm auf-
grund der Tätigkeit seines Vaters sowie seines eigenen Engagements als
Sportler und Mitglied in Hilfsorganisationen (Reflex-)Verfolgung seitens der
Taliban gedroht habe und weiterhin drohe. Sein (...) habe das Foto, das
ihn mit einer Waffe zeige, in der Facebook-Story geteilt und gesehen, dass
Mitglieder der Taliban dieses angeschaut hätten. Der Bombenanschlag
habe eine spezifische Gefahr für seinen Vater und ihn dargestellt.
D.
D.a Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 8. April 2022 stellte das
SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht er-
fülle (Dispositivziffer 1). Es lehnte das Asylgesuch ab (Dispositivziffer 2)
und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an (Dispositivziffer 3), wobei
es den Vollzug der Wegweisung als unzumutbar erachtete und die vorläu-
fige Aufnahme des Beschwerdeführers verfügte (Dispositivziffern 4 und 5).
Es teilte den Beschwerdeführer dem Kanton L._ zu und beauftragte
diesen Kanton mit der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme (Dispositivzif-
fer 6). Gleichzeitig stellte es fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen
die Kantonszuweisung keine aufschiebende Wirkung zukomme, und der
Beschwerdeführer den Ausgang einer diesbezüglichen Beschwerde im Zu-
weisungskanton abzuwarten hätte (Dispositivziffer 7). Des Weiteren stellte
es fest, dass dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss
Aktenverzeichnis ausgehändigt worden seien (Dispositivziffer 8).
D.b Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, die Vorbringen des Be-
schwerdeführers vermöchten den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-
schaft gemäss Art. 3 AsylG (SR 142.31) nicht standzuhalten. Es anerkenne
zwar das geltend gemachte Profil des Beschwerdeführers (Sportler, Mit-
glied in zwei Nichtregierungsorganisationen, als Sicherheitskräfte tätige
Familienangehörige) und dessen schwierige Situation; insbesondere die
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Explosion und die dabei erlittenen Verletzungen seien einschneidende Er-
lebnisse gewesen. Der Bombenanschlag und die vom Beschwerdeführer
genannten Gefahren hätten sich aber nicht direkt gegen ihn gerichtet.
Seine Furcht vor künftiger Verfolgung durch die Taliban sei daher nicht be-
gründet. Familienangehörige von missliebigen Personen könnten zwar von
Übergriffen betroffen sein, ein diesbezügliches systematisches Vorgehen
der Taliban sei jedoch nicht erkennbar. Eine begründete Furcht vor flücht-
lingsrechtlich relevanter Reflexverfolgung sei deshalb nur bei besonderen
Umständen zu bejahen, etwa wenn die betroffene Person bereits schwer-
wiegende Nachteile erlitten habe oder der Verdacht eigener, in den Augen
der Taliban oppositioneller Aktivitäten bestehe. Auch müsse seitens der Ta-
liban ein ausgeprägtes Interesse an der Ergreifung der aufgrund des spe-
zifischen Profils gesuchten Hauptperson bestehen. Von einer konkreten
Bedrohung des Vaters seit der Machtübernahme der Taliban habe der Be-
schwerdeführer nicht berichtet. Auch weitere Angehörige, darunter (...) und
(...) des Beschwerdeführers, seien nach wie vor in der Provinz D._
wohnhaft. Auch wenn das subjektive Gefühl einer Bedrohung des Vaters
und anderer Angehöriger verständlich sei, seien keine Sachverhaltsele-
mente ersichtlich, welche die Furcht objektiv bestätigen würden. Der Be-
schwerdeführer habe seine Wettkampftätigkeit spätestens mit der Ausreise
aufgegeben und es würden keine Hinweise vorliegen, wonach die Taliban
ihn für die vergangene Sportlertätigkeit verfolgen wollten. Sein Engage-
ment in Nichtregierungsorganisationen sei von kurzer Dauer und beschei-
denem Ausmass gewesen. Es sei daher nicht von einem konkreten Verfol-
gungsinteresse der Taliban an der Person des Beschwerdeführers auszu-
gehen. Es sei zwar nachvollziehbar, dass er befürchte, wegen seines fami-
liären Umfelds Opfer von Reflexverfolgung zu werden, die Furcht sei aber
objektiv nicht begründet.
E.
E.a Mit Eingabe vom 9. Mai 2022 erhob der Beschwerdeführer durch die
rubrizierte Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde.
Er ersuchte um Aufhebung der Dispositivziffern 1 bis 3 der vorinstanzlichen
Verfügung und um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie um Ge-
währung des Asyls, eventualiter um Rückweisung der Sache an das SEM
zur Neubeurteilung der Fragen der Flüchtlingseigenschaft und des Asyls.
Zudem ersuchte er in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses.
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E.b Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, sein Vater, der (...)
gegeben und dabei die Taliban kritisiert habe, sei in der Öffentlichkeit be-
kannt gewesen. Auch seine (...)-Wettkämpfe seien teils im Fernsehen
übertragen worden und er sei mit landesweit bekannten Sportlern in Kon-
takt gewesen. Ein (...), der ein grosser Fan von ihm gewesen sei, habe
mehrmals Fotos von ihm bei Wettkämpfen und beim Posieren mit einer
Waffe in der Facebook-Story gepostet, und nachverfolgen können, dass
Taliban-Mitglieder das Bild von ihm mit der Waffe gesehen hätten; bei einer
Facebook-Story sei jeweils sichtbar, wer diese angeschaut habe. Da die
Posts 24 Stunden nach Veröffentlichung gelöscht würden, könne er keinen
diesbezüglichen Beleg einreichen. Die Taliban hätten die Bombe am
Dienstauto des Vaters angebracht gehabt. Dienstfahrzeuge seien oft das
Ziel solcher Anschläge gewesen. Nach der Explosion habe er keinen Aus-
weg mehr gesehen und das Land deshalb nach dem Heilungsprozess ver-
lassen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass das SEM dem Bombenanschlag
die Zielgerichtetheit abspreche; es sei ein Dienstwagen und der Vater somit
klar als Staatsangestellter zu erkennen gewesen. Er (der Beschwerdefüh-
rer) sei aufgrund seiner Familienmitglieder, die grösstenteils für die Sicher-
heitskräfte tätig gewesen seien (Vater, [...], [...], [...]), exponiert und des-
halb ebenfalls in Gefahr gewesen. Erschwerend sei hinzugekommen, dass
er als (...)-Sportler und Mitglied in zwei Nichtregierungsorganisationen den
Vorstellungen der Taliban auch persönlich nicht entsprochen habe. Nach-
dem die Taliban Fotos von ihm gesehen hätten, sei er in deren Visier gera-
ten und damit einer gezielten Gefahr ausgesetzt gewesen. Mit der Macht-
übernahme der Taliban und dem Abzug internationaler Kräfte habe sich die
Aktualität seines Risikoprofils noch verschärft. Er verweise hinsichtlich der
aktuellen Situation in Afghanistan auf einschlägige Berichte verschiedener
Organisationen und die diesbezügliche Rechtsprechung des Bundesver-
waltungsgerichts. Sein Vater habe das Land nicht verlassen können, da
nur Personen, die für die G._ gearbeitet hätten, umgesiedelt wor-
den seien. Der Vater sei bereits in C._ von den Taliban mit dem Tod
bedroht worden, was ihren Umzug nach D._ bedingt habe. Es
könne ihm nicht vorgehalten werden, dass er über aktuelle Drohungen ge-
gen den Vater nichts wisse. Sie hätten nur selten Kontakt, zumal der Vater
seinen Aufenthaltsort aus Sicherheitsgründen ständig wechsle. Die zwi-
schenzeitliche Tötung des (...), der im gleichen Haus gelebt habe, zeige,
dass die Familie weiterhin aufgrund ihrer regierungsnahen Tätigkeiten im
Visier der Taliban stehe.
E.c Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer folgende
Unterlagen ein: (bereits aktenkundige) Fotos des Beschwerdeführers zur
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Sportlertätigkeit und mit einer Waffe, (bereits aktenkundige) Fotos des Va-
ters, (bereits aktenkundige) Schreiben betreffend die Umsiedlung des (...),
USB-Stick (Videos zur Übertragung von Wettkämpfen auf Sportsender und
zur Übertragung von (...) des (...) im Fernsehen).
F.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 10. Mai 2022 den Eingang
der Beschwerde.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 29. Juni 2022 verzichtete die Instruktionsrich-
terin einstweilen auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und verschob
den Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung auf einen späteren Zeitpunkt. Gleichzeitig lud sie die Vor-
instanz zur Vernehmlassung zur Beschwerde ein.
H.
In seiner Vernehmlassung vom 13. Juli 2022 beantragte das SEM die Ab-
weisung der Beschwerde. Es sei unbestritten, dass der Beschwerdeführer
als (...)-Sportler an Wettkämpfen teilgenommen und Turniere gewonnen
habe. Zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch die Taliban hätten aber
zahlreiche junge Männer diesen Sport ausgeübt und es seien auch andere
Sportarten ins Visier der Taliban geraten und verboten worden. Die sportli-
chen Erfolge des Beschwerdeführers sollten nicht kleingeredet werden. Es
sei aber davon auszugehen, dass sich seine Bekanntheit auf die Szene
der (...)-Sportler beschränkt habe. Gemäss dem eingereichten Video seien
Kämpfe des Beschwerdeführers auf dem Kanal (...) übertragen worden.
Dieser habe gegenüber Sendern wie Tolo TV oder Lemar TV eine unterge-
ordnete Bedeutung. Angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer seine
Wettkampftätigkeit nach dem Anschlag auf den Dienstwagen des Vaters im
(...) eingestellt habe, sei es unwahrscheinlich, dass er die Aufmerksamkeit
der Taliban auf sich ziehen könnte. Ein Risikoprofil aufgrund der (...)-Sport-
lertätigkeit sei somit zu verneinen. Hinsichtlich der Mitgliedschaft in zwei
zivilgesellschaftlichen Vereinen würden in der Beschwerde keine neuen In-
formationen oder Beweismittel geliefert.
I.
Am 15. Juli 2022 stellte die Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer die
Vernehmlassung zu und räumte ihm Gelegenheit zur Replik ein.
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J.
In der innert erstreckter Frist eingereichten Replik vom 16. August 2022
entgegnete der Beschwerdeführer im Wesentlichen, dass (...) sich in Af-
ghanistan grosser Popularität erfreuen und (...) eine gewisse Medienprä-
senz geniessen würden; jährlich seien über fünfzig (...) im Fernsehen über-
tragen worden. (...) sei vor der Schliessung im (...) der (...) in Afghanistan
verfügbare (...) und auf Rang (...) der meistgesehenen Sender des Landes
gewesen. Bei Tolo TV handle es sich um einen Nachrichten- und nicht um
einen Sportsender. Zurzeit seien (...) in Afghanistan verboten. (...) müss-
ten im Geheimen trainieren und seien in Gefahr. Die Sportart stehe insbe-
sondere deshalb im Visier der Taliban, weil (...), was gegen die Anstands-
normen der Taliban verstosse. Die Taliban hätten genügend Informationen,
um ihn ausfindig zu machen, zumal er örtlich bekannt gewesen sei. Er habe
sich nach dem Anschlag erholen müssen, habe sich aber hierzulande
schon nach Trainingsmöglichkeiten erkundigt und werde wieder trainieren
und (...). Von einer Aufgabe der Sporttätigkeit könne nicht die Rede sein.
Hinsichtlich der Mitgliedschaft in zwei Organisationen habe er dargelegt,
dass er sich für die Jugend und Frauen eingesetzt habe, und es wäre eine
Frage der Zeit gewesen, bis er diesbezüglich von den Taliban ausfindig
gemacht worden wäre. Die Taliban hätten in den sozialen Medien Fotos
von ihm mit einer Waffe und bei (...) gesehen. Er sei diesen somit bekannt.
Zudem sei er auch aufgrund seines Vaters in Gefahr gewesen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 der Verordnung über Massnahmen im Asylbe-
reich im Zusammenhang mit dem Coronavirus [Covid-19-Verordnung Asyl,
SR 142.318]; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsyG.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG, wenn sie Nachteile bestimmter Intensität erlitten hat respektive mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeter-
weise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss entfernte
Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht, vielmehr müssen konkrete
Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch und nach-
vollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). Massgeblich für
die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des
Asylentscheids. Die Gewährung des Asyls kann nicht dazu dienen, einen
Ausgleich für vergangenes Unrecht zu schaffen, sondern bezweckt, Schutz
vor künftiger Verfolgung zu gewähren (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4). Verände-
rungen der objektiven Situation im Heimat- oder Herkunftsstaat zwischen
Ausreise und Asylentscheid sind zugunsten und zulasten der asylsuchen-
den Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.6, 2008/34 E. 7.1
und 2008/12 E. 5.2). Objektive Nachfluchtgründe sind dann gegeben,
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wenn äussere Umstände, auf welche die asylsuchende Person keinen Ein-
fluss nehmen konnte, zur drohenden Verfolgung führen; der von Verfol-
gung bedrohten Person ist in diesen Fällen die Flüchtlingseigenschaft zu-
zuerkennen und Asyl zu gewähren.
Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffenen
Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexverfolgung
vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Reflexverfol-
gung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2
AsylG ausgesetzt ist oder die Zufügung solcher Nachteile mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss (vgl. zum
Begriff der Reflexverfolgung BVGE 2007/19 E. 3.3 m.w.H.).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Entscheidend ist, ob eine
Gesamtwürdigung der Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die Rich-
tigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Gesuchstellenden sprechen, bei ei-
ner objektiven Sichtweise überwiegen oder nicht (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1, 2012/5 E. 2.2).
4.
4.1 Das SEM erachtete die Vorbringen des Beschwerdeführers als den An-
forderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht genü-
gend. Dieser Einschätzung kann im Ergebnis nicht gefolgt werden.
4.2 Zunächst ist festzuhalten, dass die Vorinstanz einzig Zweifel an der
vom Beschwerdeführer geltend gemachten Kenntnis der Taliban von ei-
nem Foto von ihm, auf dem er mit einer Waffe posierte, äusserte; es handle
sich dabei nur um eine Vermutung des Beschwerdeführers. Die diesbezüg-
lichen Ausführungen der Vorinstanz erscheinen nachvollziehbar. Indessen
kann eine abschliessende Beurteilung unterbleiben, da dieser Frage letzt-
lich keine Entscheidrelevanz zukommt. Gegenüber den übrigen Vorbringen
des Beschwerdeführers äusserte das SEM keine Vorbehalte. Es stellte
nicht in Abrede, dass der Beschwerdeführer das von ihm geltend gemachte
Profil aufweist, nämlich dass er aus einer Familie stammt, in der mehrere
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Mitglieder den afghanischen Sicherheitskräften respektive der afghani-
schen Armee angehört haben, und er selbst (...)-Sportler sowie Mitglied in
zwei Nichtregierungsorganisationen gewesen ist, und dass er bei einer
Fahrt im Dienstwagen des Vaters Opfer eines Bombenattentats geworden
ist. Auch für das Bundesverwaltungsgericht besteht aufgrund der Akten-
lage keine Veranlassung, an der Glaubhaftigkeit der entsprechenden Vor-
bringen, welche der Beschwerdeführer hinreichend substanziiert dargelegt
hat, zu zweifeln.
4.3 Im Weiteren ist zu prüfen, ob die Vorbringen des Beschwerdeführers
die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft erfüllen beziehungsweise
ob er – wie er auf Beschwerdeebene geltend macht – aufgrund des glaub-
haft dargelegten Profils bei einer Rückkehr nach Afghanistan ernsthafte
Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hätte.
4.3.1 Das SEM vertritt die Ansicht, dass der Beschwerdeführer im Zeit-
punkt der Ausreise aus Afghanistan keine objektiv begründete Furcht vor
flüchtlingsrechtlich relevanter (Reflex-)Verfolgung gehabt habe und auch
heute die Furcht vor Verfolgung nicht begründet sei. Diese Einschätzung
vermag nicht zu überzeugen.
4.3.2 Gewisse Personen, insbesondere solche, die den vormaligen afgha-
nischen Behörden angehört oder für diese oder ausländische Akteure ge-
arbeitet haben, haben ein erhöhtes Risiko, in den Fokus der Taliban zu
geraten. Das Risiko hat sich seit der im August 2021 erfolgten Übernahme
der Kontrolle über das gesamte Staatsgebiet durch die Taliban und dem
inzwischen erfolgten vollständigen Abzug der ausländischen Streitkräfte
noch akzentuiert. Dies gilt umso mehr für Personen, die sich in besonderer
Weise exponiert haben (vgl. etwa Urteile des BVGer D-2511/2021 vom
8. Februar 2022 E. 7.3 und E-2720/2021 vom 19. Oktober 2021 E. 6.2.1).
Für die Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft ist erforderlich, dass sich die
abstrakte Gefährdung aufgrund eines erhöhten Risikoprofils individuell
konkretisiert. Der Zugehörigkeit zu einer sogenannten Risikogruppe kommt
dahingehend Bedeutung zu, als dass diesem Umstand bei der im Einzelfall
vorzunehmenden Prüfung, ob die asylsuchende Person die Elemente der
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt und entsprechend
begründete Furcht vor Verfolgung hat, besonderes Augenmerk zu schen-
ken ist (vgl. Urteil des BVGer E-2565/2022 vom 15. Juni 2022 E. 8.2).
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4.3.3 Den Angaben des Beschwerdeführers zufolge haben mehrere Mit-
glieder seiner Familie in der afghanischen Nationalarmee gedient respek-
tive für die afghanischen Sicherheitskräfte gearbeitet, darunter sein Vater
und der (...), mithin seine nächsten Angehörigen. Mehrere Verwandte, die
beim Militär gewesen seien, seien von den Taliban getötet worden ([...] und
[...] väterlicherseits, [...] mütterlicherseits). Der Vater sei aufgrund der Tä-
tigkeit für die afghanischen Sicherheitskräfte bereits in der Herkunftspro-
vinz C._ in den Fokus der Taliban geraten, was den Umzug der Fa-
milie nach D._ bedingt habe. Dort habe der Vater bis zur Macht-
übernahme der Taliban im Jahr 2021 als (...) im (...) gearbeitet und Tätig-
keiten der (...) kontrolliert. Der (...) des Beschwerdeführers habe im Rah-
men seiner Tätigkeit in der afghanischen Armee für die bis zur Machtüber-
nahme der Taliban in Afghanistan (...) gearbeitet. Der Vater und der be-
sagte (...) – die Kernfamilie – des Beschwerdeführers weisen ein erhöhtes
Risikoprofil auf (vgl. E. 4.3.2) und der Beschwerdeführer ist aufgrund der
familiären Verbindung zu seinem für die afghanische Regierung tätigen Va-
ter insofern selber zum Ziel der Taliban geworden, als er bei einem Bom-
benanschlag im Jahr (...) schwer verletzt worden sei, als er mit dem Vater
in dessen Dienstwagen unterwegs gewesen sei. Mit dem Einwand, der
Bombenanschlag habe sich nicht direkt gegen den Beschwerdeführer ge-
richtet, vermag das SEM die entsprechende (Reflex-)Verfolgungsgefähr-
dung des Beschwerdeführers nicht zu negieren. Es ist nachvollziehbar,
dass er nicht zu sagen vermag, wo genau die Bombe platziert gewesen
sei. Aber wenn das betreffende Fahrzeug, in welchem er oft mitgefahren
sei, da der Vater ihn regelmässig damit zur Schule und zum Sporttraining
gebracht habe, als Wagen eines Regierungsvertreters erkennbar gewesen
sei, was vom SEM nicht in Frage gestellt wird, ist dem Beschwerdeführer
angesichts des erlebten Anschlags auf den besagten Dienstwagen seines
Vaters jedenfalls eine begründete Furcht vor entsprechender Reflexverfol-
gung nicht abzusprechen. Zusätzlich war der Beschwerdeführer auch auf-
grund seines eigenen Wirkens als Bestreiter von (...) sowie Unterstützer
und Organisator von Aktivitäten im Bereich des Sports und der Bildung für
Frauen und Jugendliche in zwei Nichtregierungsorganisationen im Fokus.
Auch wenn dem SEM insofern zuzustimmen ist, als dass das Engagement
des Beschwerdeführers in den beiden Nichtregierungsorganisationen ab
(...) respektive (...) nicht von herausragendem Ausmass gewesen sein
dürfte, lassen die eingereichten Beweismittel darauf schliessen, dass er in
seiner Sportart in Afghanistan durchaus einen gewissen Bekanntheits- und
Öffentlichkeitsgrad und damit auch entsprechenden Einfluss gerade auf
junge Menschen erlangt hat. Auch absolvierte er einen (...) an einer (...)
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und liess sich so zum (...) ausbilden, was ihm eine weitere Zugangsmög-
lichkeit zu jungen Menschen eröffnete. Insgesamt betrachtet ist aufgrund
des Profils des Beschwerdeführers – familiäre Zugehörigkeit (Vater den af-
ghanischen Sicherheitskräften respektive dem [...] angehörend, [...] mit
Verbindung zu den [...], weitere Armeeangehörige), (...)-Sportlertätigkeit
mit gewissem Bekanntheitsgrad, (...)-Ausbildung, Mitglied in zwei Nichtre-
gierungsorganisationen mit Schwerpunkt Bildung und Sport für Frauen/Ju-
gend – davon auszugehen, dass er bei einem Verbleib in Afghanistan unter
Berücksichtigung sämtlicher Umstände in subjektiver Hinsicht durchaus
begründete Furcht vor flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteilen seitens
der Taliban hegen musste, welche aufgrund des bereits erlebten Bomben-
anschlags umso verständlicher war. Allerdings erstreckte sich der Einfluss
der Taliban im Zeitpunkt der Ausreise im (...) 2021 noch nicht über das
gesamte Staatsgebiet Afghanistans, so dass insbesondere für D._
im damaligen Zeitpunkt allenfalls noch nicht von einer objektiv begründeten
Furcht auszugehen wäre, was vorliegend jedoch nicht abschliessend ge-
prüft werden muss. Dies hat sich nämlich mit der vollumfänglichen Macht-
übernahme der Taliban geändert. Bei der Beurteilung der Aktualität der Ver-
folgungsfurcht sind – wie vorstehend erwähnt – Veränderungen der objek-
tiven Situation im Heimatstaat zwischen der Ausreise und dem Asylent-
scheid zu berücksichtigen. Zwar kann die Sicherheitslage in Afghanistan
nicht abschliessend beurteilt werden, sie hat sich aber nach der Macht-
übernahme der Taliban im August 2021 stark verschlechtert (vgl. etwa Ur-
teile des BVGer D-2511/2021 vom 8. Februar 2022 E. 8.3 und E-
4649/2021 vom 15. November 2021 E. 7.4.1 und 7.4.2). Vorliegend ist die
subjektive Furcht des Beschwerdeführers vor Übergriffen seitens der Tali-
ban, müsste er in sein Heimatland zurückkehren, angesichts der aktuellen
Situation und des zusehends manifestierten Einflusses der Taliban in allen
Landesteilen als objektiv begründet im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG zu
erachten. Dass sich der Vater des Beschwerdeführers weiterhin (versteckt)
in Afghanistan aufhält und offenbar nicht (erneut) Opfer einer konkreten
Verfolgungshandlung geworden ist, vermag an dieser Einschätzung nichts
zu ändern. Einerseits sind verschiedene Beweggründe denkbar, die eine
Person veranlassen können, trotz bestehender Gefährdung im Heimatland
zu verbleiben. Anderseits lassen die Zeitspanne seit der definitiven Macht-
übernahme der Taliban und die seitherigen unübersichtlichen Strukturen
der neuen Machthaber noch nicht den Schluss zu, es bestehe für den Vater
keine Verfolgungsgefahr und für den Beschwerdeführer keine (Reflex-)Ver-
folgungsgefahr (mehr).
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4.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt. Konkrete Hinweise für das
Vorliegen von Asylausschlussgründen im Sinne von Art. 53 AsylG liegen
aufgrund der Aktenlage nicht vor. Das SEM hat demzufolge das Asylge-
such des Beschwerdeführers zu Unrecht abgelehnt.
5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die Verfügung vom
8. April 2022 ist aufzuheben und das SEM anzuweisen, den Beschwerde-
führer gemäss Art. 3 AsylG als Flüchtling anzuerkennen und ihm in der
Schweiz Asyl zu gewähren.
6.
Mit vorliegendem Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen, wo-
mit der Antrag des Beschwerdeführers um definitiven Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos ist.
7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch des Beschwerdeführers um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG
ist damit gegenstandslos.
7.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung zu-
zusprechen, da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche
Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen
vom Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl.
auch Art. 111ater AsylG).
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