Decision ID: 087a5e0b-a1df-486d-b676-e5eb583b00af
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1959 geborene
X._
meldete sich am 9. Januar 2002 unter Hin
weis auf einen Morbus
Sudeck
, starke Schmerzen an den Schultern bis in den Rücken und auf zeitweise starkes Kribbeln mit Schmerzen in den Fingern bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug (Berufs
bera
tung, Umschulung, Arbeitsvermittlung)
an
. Die
Sozialversiche
rungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte daraufhin einen Auszug aus dem individuellen Konto des Versicherten (IK-Auszug), einen
Arbeit
geberfragebogen
sowie medi
zinische Berichte der behande
lnden Ärzte
ein. Zudem führte sie mit dem Versi
cherten ein Gespräch b
ezüglich beruflicher Massnahmen
, woraufhin sie das Gesuch um Gewährung beruflicher Massnahmen mit Mitteilung vom 18. September 2002 abwi
es
. Gestützt auf die
Evaluation der funktionellen Leis
tungsfähigkeit
durch die Rehaklinik
Y._
(Bericht vom 9.
Juli 2002
) ging die IV-Stelle von einer 100%igen Arbeits
fähigkeit in angepasster Tätigkeit aus, wobei sie unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 25 % ein
Invaliden
einkommen
von Fr. 43‘439.-- und einen Invaliditätsgrad von 40 %
errechnete
. Demzufolge sprach sie dem Versicherten mit Verfügung vom 26. September 2003 mit Wirkung ab 1. Januar 2002 eine
Viertelsrente
zu
. Die hiergegen unter Beilage weiterer medizinischer Berichte erhobene Einsprache wies die IV
-
Stelle mit
Einspracheentscheid
vom 3.
Februar 2004 ab
. Dieser Entscheid blieb unan
gefochten
(Urk.
5/106/2)
.
1.2
Im Juli 2007 leitete die IV-Stelle ein Rentenrevisionsverfahren ein, in dessen Rahmen sie den Revisionsfragebogen vom Versicherten ausfüllen liess
(Urk.
5/5
), einen IK-Auszug einholte
(Urk.
5/6
) und Berichte der behandel
nden Ärzte
(Urk.
5/7-8
) sowie
Erwerb
s
- und Berufs
unterlagen
(Urk.
5/10,
Urk.
5/
12,
Urk.
5/14
) zu den Akten nahm. Am 22. November 2007 teilte sie dem Versi
cherten mit, er habe bei einem unveränderten Invaliditätsgrad von 40 % weiter
hin Anspruch auf die bisherige Rente
(Urk.
5/17
).
1.3
Im Rahmen einer weiteren revisionsweisen Rentenüberprüfung holte die IV
-
Stelle mehrere IK-Auszüge
(Urk.
5/29
,
5/41-42
,
5/51
, 5/61
), einen Arztbericht
(Urk.
5/58
) sowie Auskünfte des Versicherten
(Urk.
5/59
) ein. Nach durch
ge
führtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
5/63
, 5/65, 5/67
-
68
) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 11. März 2013 die
Viertelsrente
rückwirkend per Januar 2008 auf
(Urk.
5/72
) und stellte mit Vorbescheid vom 12. März 2013 die Rückforde
rung
von
seit Januar 2008 zu Unrecht bezogenen Leistungen in Aussicht
(Urk.
5/73
). Gegen die Verfügung vom 1
1. März 2013
erhob der
Versicherte
am 15. April 2013 Beschwerde (Urk.
5/83/3-4)
. Am 23. April 2013 verfügte die IV-
Stelle
wie im Vorbescheid vom 12. März 2013 angekündigt
die Rückzahlung der im Zeitraum vom 1. Januar 2008 bis zum 31. März 2013 bezogenen IV-Leistungen von total Fr. 31‘110.--
(Urk.
5/77
). Am 6. Mai 2013 teilte sie dem Versicherten jedoch mit, diese
Rückforderungs
verfügung
werde sie wegen des pendenten Beschwerdeverfahrens wieder aufheben
(Urk.
5/86). Mit Urteil IV.2013.00343 vom 30. September 2014 wies das hiesige Gericht
die gegen die
rentenaufhebende
Verfügung der IV-Stelle vom 11. März 2013 erhobene Beschwerde ab, soweit
es
darauf eintrat
(Urk. 5/
106).
Am 26. März 2015 ver
fügte die IV-Stelle erneut die Rückzahlung der im Zeitraum vom 1. Januar 2008 bis zum 31. März 2013 bezogenen Leistungen
der Invalidenversicherung
von total Fr. 31‘110.--
(Urk.
5
/112
).
Mit Schreiben vom
16. Juni 2015 ersuchte
d
er
Versicherte
um Bewilligung von Ratenzahlungen
(Urk. 5/
114). Am 9. Juli 2015 stellte er ein Gesuch um Erlass der Rückerstattung der zu viel erhaltenen Leis
tungen der Invalidenversicherung
(Urk. 5/
117).
Mit Schreiben vom 8. September 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie gedenke, das Gesuch um Erlass der Rückerstattung zu viel ausgerichteter Invalidenrenten abzuweisen, und gab ihm Gelegenheit, zum vorgesehenen Entscheid Stellung zu nehmen
(Urk. 5/
120).
Der
Versicherte
nahm am 29.
Oktober 2015 mündlich Stellung
(Urk. 5/
12
6
).
Am 6. November 2015 verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne
(Urk. 5/
127 =
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
X._
am 10. Dezember 2015 Beschwerde und beantragte deren Aufhebung sowie sinngemäss den Erlass der Rückerstattung
(Urk.
1).
Die Beschwerdegegnerin schloss in
der
Beschwerde
ant
wort
vom 1. Februar 2016 auf Abweisung der Beschwerde
(Urk.
4), was dem Beschwerdeführer am
2.
Februar 2016 mitgeteilt wurde
(Urk.
6).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
und Art. 4 Abs. 1 der Verordnung über den Allgemeinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts
[
ATSV
]
).
1.2
Nach der Rechtsprechung entfällt der gute Glaube als Erlassvoraussetzung von vornherein, wenn der Rückerstattungstatbestand (Melde
-
oder
Auskunftspflicht
verletzung
) durch ein arglistiges oder grobfahrlässiges Verhalten her
beigeführt wurde. Anderseits kann sich die versicherte Person auf den guten Glauben berufen, wenn ihre fehlerhafte Handlung oder Unter
lassung nur eine leichte Verletzung der Melde
-
oder Aus
kunftspfli
cht darstellt (BGE 112 V 103 E
. 2c mit Hinwei
sen).
Wie in anderen Bereichen beurteilt sich das Mass der erforderlichen Sorgfalt zwar nach einem objektiven Massstab, wobei aber das der betroffenen Person in ihrer Subjektivität noch Mögliche und Zumutbare (Urteilsfähigkeit, Gesund
heits
zustand, Bildungsgrad usw.) nicht ausgeblendet werden darf (BGE 138 V 218 E. 4 mit Hinweis
; Urteile des Bundesgerichts 8C_759/2008 vom 26. Novem
ber 2008
,
E. 3.
2
;
8C_556/2008 vom 10. März 2009
,
E. 2.2
mit Hinweis
).
2.
2.
1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung der Abweisung des Erlass
-
gesuches an,
der Beschwerdeführer sei in den jeweiligen Verfügungen betreffend Leistungen der Invalidenversicherung auf seine Meldepflicht namentlich bei Änderungen in den Einkommensverhältnissen hingewiesen worden.
Trotzdem habe er die von 2008 bis 2011 erzielten Einkommen nicht gemeldet und dadurch seine Meldepflicht verletzt, was gerichtlich bestätigt worden sei. Die Voraussetzung des guten Glaubens sei nicht erfüllt (Urk. 2 S. 2).
2.
2
Demgegenüber
brachte der Beschwerdeführer vor,
er habe die Löhne der SVA Zürich immer gemeldet
und die AHV-Beiträge bezahlt. Insbesondere habe er nie eine absichtliche Meldepflichtverletzung begangen, sondern es könne ihm höchstens leichte Fahrlässigkeit vorgeworfen werden. Er habe weder Tatsachen verschwiegen noch grobfahrlässig falsche Angaben gemacht. Zudem sei der Ertrag seiner Firma schwankend und er habe Reserven der Firma anzapfen müssen, um sich den Monatslohn von
Fr.
4‘200.-- auszubezahlen (Urk. 1 S. 2).
Ferner habe die IV-Stelle
sein
Valideneinkommen
zu tief festgesetzt. Zudem habe er
aufgrund des gemeinsamen Auftretens der Ausgleichskasse mit der IV-Stelle, namentlich
in der Fusszeile der Korrespondenz
,
nicht davon ausgehen müssen, dass eine zusätzliche Meldung an d
ie IV-Stelle erforderlich
gewesen
sei
(Urk. 1 S. 3).
3.
Die am
26. März 2015
verfügte Rückerstattung ist in Rechtskraft erwachsen, weshalb einzig
Gegenstand des Verfahrens
ist, ob die Erlassvoraussetzungen
erfüllt sind.
Dass der Beschwerdeführer seine Meldepflicht verletzt hat, wurde bereits im Urteil des hiesigen Gerichts IV.2013.00343 vom 30. September 2014, E. 5.2 festgehalten (Urk. 5/106/10).
Zu prüfen ist daher im Folgen
den, ob sein fehlerhaftes Verhalten eine grobe Fahrlässigkeit darstellt, welche der Annahme des guten Glaubens entgegensteht
(vgl. E. 1.2 vorstehend
).
De
m
Beschwerdeführer
war bekannt
, dass für die Berechnung seines
Invaliditäts
grades
im Jahr 2002 von e
inem Invalideneinkommen von Fr.
43‘439.-- ausgegangen worden war (Urk. 5/106/7).
Nachdem er bereits in den beiden ersten Monaten des Jahrs 2
008 ein Einkommen von total Fr.
86‘472.-- erzielt hatte (Urk. 5/51/1),
war sein Einkommen derart massiv höher, dass er bei der Aufwendung einer minimalen Sorgfalt hätte erkennen können, dass eine massgebliche
beziehungsweise meldepflichtige
Veränderung in seinen wirtschaftlichen Verhältnissen vorlag. B
ei der von ihm zu erwarten
den Umsicht
hätte er
ernsthafte Zweifel am Weiterbe
stand seines
Anspruch
s auf eine Rente
haben müssen, was auf eine Grobfahrlässigkeit bei der Verletzung der Meldepflicht hindeutet.
Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer im Revisionsfragebogen vom 10. Dezember 2012 angab, er verdiene circa
Fr.
2‘000.-- pro Monat (Urk. 5/59/2).
Selbst wenn er von schwankenden
Einkommen ausging, hätte von ihm erwartet werden dürfen, dass er die über Jahre hinweg wesen
tlich höheren Einkommen erwähnen würde.
Der Beschwerdeführer brachte
sinngemäss
vor,
er habe davon ausgehen dürfen, dass die Beschwerdegegnerin über seine
Einkünfte
orientiert sei, da sie
und die Ausgleichskasse
gemeinsam
aufträten
, beide unter „SVA Zürich“ firmieren wür
den, ihr Domizil an der selben Adresse hätten und das gleiche Briefpapier ver
wenden würden (Urk. 1 S. 2-3).
Aus dem Umstand, dass die IV-Stelle mittels eines IK-Auszuges die
Höhe des Erwerbseinkommens des Beschwerdeführers
selber hätte feststellen können, vermag
letzterer
nichts abzuleiten, weil dies
ihn nicht von seinen
eigenen Pflichten entband (Urteil des Bundesgerichts 9C_603/2013 vom 24. März 2014, E. 6.3
mit Hinweis). Hinzu kommt, dass man
, um als gutgläubig zu gelten,
s
elbst im Falle der Erfüllung der Meldepflicht in gewissen Konstellationen noch nachfragen
muss
, ob
die Meldung eingegangen und
der
weiterhin unveränderte
Rentenbezug tatsächlich
rechtens
ist
(BGE 138 V 218, Regeste b).
Der Beschwerdeführer hätte
bei
der
Aufwendung des Min
destmasses der von ihm
als vernünftigem und geistig nicht beeinträchtigtem Menschen
zu verlangenden Aufmerksamkeit
merken müssen, dass es nicht
rechtens
sein kann, dass
trotz seines erheblich höheren Einkommens
keine
Neu
berechnung
der Rente erfolgt.
Auch dem Einwand, die
Bestandesprovisionen
seien beim Invalideneinkommen berücksichtigt worden und beim
Validenein
kommen
nicht (Urk. 1 S. 3
Ziff.
7), ist nicht zu folgen. Denn nachdem für die Ermittlung des
Valideneinkommens
vom AHV-pflichtigen Einkommen ausge
gangen worden war (vgl. Urk. 5/106/7), musste der Beschwerdeführer damit rechnen, dass es auch
weiterhin
auf das abgerechnete Einkommen ankommt.
Unter
den geschilderten
Umständen stellt die unterlassen
e Meldung eine grobe Fahrlässig
keit dar.
D
a der gute Glaube
somit
zu verneinen ist, hat die Beschwerdegegnerin das
Erlassge
such
zu Recht abgewiesen und ist die Beschwerde abzuweisen.
5.
Das Verfahren ist kostenlos, da es nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht (vgl. BGE 122 V 221
E. 2
).