Decision ID: fc9f32f5-bb15-45c0-a12d-204d45614885
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1952, arbeitete
bis Ende Januar 2007 bei der
Y._
als Hilfsarbeiter
in einem 100%igen Pensum
(
Urk.
7/15)
.
In
folge einer
Rotatorenmanschettenruptur
war er zu 100
%
arbeitsunfähig
und
am 7. Mai 2007
wurde er
an der
linken
Schulter operiert
(
Urk.
7/14/2
Ziff.
1-2)
.
Da
die damit beabsichtigte Besserung nicht eintrat (Urk. 7/29/3)
, war er
ab Oktober 2007
lediglich
zu 50
%
arbeitsunfähig (Urk.
7/14/2
Ziff.
2).
Am 8. März 2008 meldete sich der Versicherte bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/8). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die erwerblichen (
Urk.
7/10), medizinischen (
Urk.
7/11 und
Urk.
7/14) und beruflichen (
Urk.
7/15-16) Verhältnisse des Versicherten ab und gewährte ihm Frühinterventionsmassnahmen in Form von Job Coaching (Urk. 7/21). Mit Mitteilung vom
9. Februar 2009 teilte ihm die IV-Stelle mit, dass die Arbeitsvermittlung erfolgreich abgeschlossen worden sei, nachdem der Arbeitsplatz seinen gesundheitlichen Erfordernissen angepasst worden sei, wo
mit er die Stelle bei
der
Y._
habe
behalten könne
n
(
Urk.
7/30). Ausserdem sprach ihm die IV-Stelle mit Verfügung vom 13. August 2009
(
Urk
7/45)
ab dem 1. Februar 200
8
eine halbe Invalidenrente
zu
.
Nachdem ihm
Ende 2009
von der Arbeitgeberin
gekündigt
worden war (
Urk.
7/7
3/1)
, nahm der Versicherte
ab Juli 2010
an einem Arbeitsvermittlungsprogramm
der
Z._
teil (Urk.
7/51 ff.), wobei er keine langfristige Anstellung finden konnte
(
Urk.
7/58)
.
Mit Eingabe vom 10. April 2012 beantragte der Versicherte unter Beilage von
Arztzeugnissen
(
Urk.
7/68) eine Erhöhung der Invalidenrente, da er seit dem 1. November 2011 zusätzlich zu den Schulterbeschwerden an psychischen
Problemen
leide und zu 100
%
arbeitsunfähig sei
(
Urk.
7/69)
.
Die IV-Stelle klärte die medizinischen Verhältnisse des Versicherten erneut ab (
Urk.
7/70-74
) und
lehnte
nach erfolgtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/77 ff.) mit Verfügung vom 5. Oktober 2012
(
Urk.
2)
das
Rentenerhöhungsgesuch ab
.
2.
Gegen die Verfügung vom 5. Okt
ober 2012
(
Urk.
2)
liess der Versicherte, vertre
ten durch Rechtsanwalt
Dr.
Kreso
Glavas
(
Urk.
4), am 6. November 2012 Beschwerde erheben und beantragen, es sei ihm eine ganze Invalidenrente zu
zusprechen
(
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
13. Dezember 2012 schloss die IV-Stelle auf Beschwerdeabweisung (
Urk.
6).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich,
in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sin
ne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar
.
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die mit Verfügung vom
5. Oktober 2012
erfolgte Ableh
nung einer Rentenerhöhung damit, der Gesundheitszustand des Versi
cherten habe sich seit der rentenzusprechenden Verfügung
vom 13. August 2009 (
Urk.
7/45)
nicht geändert (
Urk.
2).
Der Versicherte rügt zunächst eine Verletzung des rechtlichen Gehörs und des Untersuchungsgrundsatzes,
weil
die IV-Stelle vor Erlass der angefochtenen Verfügung keine
aktuelle medizinische Dokumentation
eingeholt und die medi
zinische Situation nicht genügend abgeklärt
habe
(
Urk.
1
Ziff.
3
).
Es könne allerdings bereits
den vorhandenen
Arztberichten
von
Dr.
A._
aus
dem Jahr 2011
(
Urk.
7/71/10 ff.)
sowie dem Bericht
de
s
B._
, datiert
vom 21. Dezember 2011
(Urk. 7/73)
,
entnommen werden
, dass er bereits
seit
November 2011 zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Da sich die Situation seitdem nicht verbessert habe, habe er Anspruch auf eine ganze Inva
lidenrente (
Urk.
1
Ziff.
3-5).
2.2
Streitig und zu prüfen ist
in materieller Hinsicht
, ob sich der Gesundheitszu
stand des Beschwerdeführers seit der rentenzusprechenden Verfügung
vom
13. August 2009 (
Urk.
7/45)
verschlechtert hat und er dementsprechend Anspruch auf
eine höhere Invalidenrente hat. Da lediglich
eine Verschlechterung in psychi
scher Hinsicht geltend gemacht wird,
und nach der Aktenlage keine Ver
änderung des somatischen Zustands ersichtlich ist, brauch
t
keine erneute Prü
fung der somatischen Situation
vorgenommen
zu
werden
.
3.
3.1
Dr.
med
.
A._
,
Facharzt für Innere Medizin, attestierte
dem Versicherten
in seinen Arztberichten an die Arbeitslosenversicherung
vom 14. und 26. November 2011 (Urk.
7/
68
/2-4
)
ab dem 1.
November 2011
eine Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit von 50 auf 100
%
, wobei er nicht
spezifizierte,
woraus sich diese
ergebe.
3.2
Am 2. Dezember 2011 begab sich der Versicherte in die Sprechstunde
der
B._
.
Diese berichtete darüber, dass der Versicherte wegen sch
ädlichen Ge
brauchs von Alkohol bereits
in Behandlung gewesen sei, letztmals im Jahr
2009 in der
C._
zum Entzug. Seit
her
trinke er zwar
, jedoch nur noch kon
trolliert. Er fühle sich
seit Neuem stark nervös, könne
sehr schlecht einschlafen, leide unter starkem Gedankenkreisen und neuerdings auch unter Gedächtnis
störungen. Zudem sei der Appetit stark vermindert. Somatisch habe er einen Diabetes mellitus,
der
aktuell
auch schwe
r einzustellen sei. Bis zum 16.
Januar 2012 sei er vom Hausarzt
Dr.
A._
zu 100
%
krankgeschrieben worden (
Urk.
7/73/1-2).
Der formale Gedankengang sei stark fixiert auf die Arbeitslosigkeit, auf den grossen Druck und auf die Zukunftsängste. Auf der affektiven Ebene seien die Vitalgefü
hle des Versicherten stark reduziert, er sei hoffnungs- und ratlos,
deprimiert und verzweifelt. Er habe Angst, keine Arbeitsstelle mehr zu finden, sei innerlich unruhig
, gereizt
und
fühle sich stark insuffizient
. Zudem habe er nächtliche Ein- und Durchschlafstörungen wegen Sorgen und starkem
Gedan
kenkreisen
, Morgentief und
Anhedonie
angegeben.
Infolge der misslungenen Schulteroperation sei der Versicherte nur noch zu 50 % arbeitsfähig gewesen, wodurch er
seine Stelle verloren habe. Dies habe eine grosse Belas
tung
und eine depressive Reaktion mittleren Grades ausgelöst (ICD-10: F32.10,
Z56, Z59 und Z60.0
). Aufgrund von schlechten
Copingstrate
gien
habe er in der Vergangenheit immer wieder zu Alkohol gegriffen (schädli
cher Gebrauch von Alkohol, ICD-10: F10.20). Aktuell seien seine Ressourcen reduziert. Aus diesen Gründen sei der
Versicherte
aus psychiatrischer Sicht
zur Zeit
nicht arbeit
s
fähig.
Kurzfristiges Nahziel seien eine stimmungsaufhellende, schlafanstossende und stabilisierende antidepressive Therapie sowie eine stützende Gesprächstherapie in der Muttersprache des Versicherten. Als Fernziel sei die sozialpsychiatrische Begleitung und Unterstützung bei der Arbeitssuche sowie die Reaktivierung von vorhandenen Ressourcen anzustreben. Eine schlafanstossende und
antidepres
sive
Therapie mit
Trazodon
(
Trittico
) in retardierter Form werde begonnen, zuerst mit 50 mg und anschliessend mit raschem
Aufdosieren
auf eine wirksame Dosis. Der nächste Termin in italienischer Sprache sei
am 12.
Dezember 2011 vorgesehen (
Urk.
7/73/2).
3
.
3
Dem Bericht
der
B._
ist
zu entnehmen, dass der Versicherte
infolge der ei
nge
tretenen Arbeitslosigkeit
depressiv wurde und an Zukunftsängsten, stark reduzierten Vitalgefühlen, Hoffnungs- und Ratlosigkeit, Aufmerksamkeit
s
- und Konzentrationsstörungen leidet. Zu berücksichtigen ist zudem, dass er
über schlechte
Copingstrategien
verfügt und seine Ressourcen reduziert sind, weshalb er in der Vergangenheit auch
unter Alkoholismus gelitten
habe. Es kann somit entgegen der Auffassung der IV-Stelle
(
Urk.
6)
ohne Vornahme weiterer Abklä
rungen nicht ausgeschlossen werden, dass
die
aufgetretenen psychischen Beschwerden eine Reduktion der Arbeitsfähigkeit
bewirken
.
D
ie Sache
ist daher
an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie
eine
psychiatri
sche Abklärung
veranlasse und
anschliessend
über das Rentenerhöhungsgesuch des Versicherten neu entscheide.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheis
sen. Damit
erübrigt sich eine nähere Prüfung hinsichtlich der
gerügten
Verlet
zung des rechtlichen Gehörs
und des Untersuchungsgrundsatzes (
Urk.
1/2
Ziff.
3).
4
.
4
.1
Gemäss Art. 69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren um die Bewilligung oder die Verweigerung von Invaliditätsleistungen vor dem kantonalen
Versi
cherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Ver
-
fahrensauf
wand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgelegt. Die Kosten für das vorliegende Verfahren sind ermessensweise auf
Fr.
600.-- festzulegen und der Beschwerdegegnerin als unterliegender Partei aufzuerlegen.
4
.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende
b
eschwerdeführende
Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung
in der Höhe von Fr. 1'600.--
hat.