Decision ID: b18f6e14-6448-5494-9035-a1a736c8f57d
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein türkischer Staatsangehöriger kurdischer
Ethnie, stellte erstmals am 8. August 2018 in der Schweiz ein Asylgesuch.
Dieses wurde durch das SEM mit Verfügung vom 29. Juni 2020 abgelehnt
bei gleichzeitiger Anordnung der Wegweisung aus der Schweiz sowie des
Vollzugs.
A.b Mit einer als «neues Asylgesuch» bezeichneten Eingabe vom 31. Juli
2020 gelangte der Beschwerdeführer an die Vorinstanz, welche sich bei
laufender Beschwerdefrist als nicht zuständig erachtete und die Eingabe
dem Gericht zur weiteren Behandlung überwies.
A.c Da die Eingabe den Anforderungen an eine Beschwerdeschrift nicht
genügte, forderte die Instruktionsrichterin den Beschwerdeführer mit Zwi-
schenverfügung vom 14. August 2020 auf, innert Frist seinen Beschwer-
dewillen zu erklären und gegebenenfalls eine Beschwerdeverbesserung
einzureichen.
A.d Die Erklärung über den Beschwerdewillen und die Beschwerdeverbes-
serung ging am 28. August 2020 bei Gericht ein, woraufhin die Instruktions-
richterin mit Zwischenverfügung vom 10. September 2020 die Gesuche um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses abwies und den Beschwerdeführer zur
Leistung eines Kostenvorschusses bis zum 25. September 2020 auffor-
derte.
A.e Mit Eingabe vom 22. September 2020 erklärte der Beschwerdeführer
dem Gericht den Rückzug seiner Beschwerde und führte aus, die Beweis-
mittel seien nach dem Entscheid der Vorinstanz entstanden, weshalb er die
negative Entscheidung des SEM akzeptiere und mit den Beweismitteln ein
neues Asylgesuch stellen und sein Anwalt in der Türkei dazu ein detaillier-
tes Schreiben verfassen werde.
A.f Das Bundesverwaltungsgericht schrieb das Beschwerdeverfahren mit
Entscheid vom 29. September 2020 als durch Rückzug gegenstandslos
geworden ab.
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B.
Mit Eingabe vom 5. Oktober 2020 reichte der Beschwerdeführer der Vor-
instanz den Abschreibungsentscheid vom 29. September 2020 ein und er-
suchte sie, sein neues Asylgesuch vom 31. Juli 2020 zu überprüfen.
C.
Mit Verfügung vom 11. November 2020 (Datum der Eröffnung: 18. Novem-
ber 2020) trat das SEM auf dieses Gesuch (behandelt als Mehrfachgesuch
im Sinne von Art. 111c Abs. 1 AsylG) nicht ein und ordnete erneut die Weg-
weisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
Zudem erhob es eine Verfahrensgebühr von Fr. 600.–.
D.
Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner am
16. November 2020 bevollmächtigten Rechtsvertreterin vom 24. Novem-
ber 2020 beim Bundesverwaltungsgericht an und beantragte die Aufhe-
bung des Nichteintretensentscheides und die Rückweisung der Sache zur
materiellen Behandlung an die Vorinstanz. Dem Beschwerdeführer sei zu
bewilligen, den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abzuwarten, auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten und ihm die un-
entgeltliche Rechtspflege zu gewähren sowie ihm die die Beschwerde Un-
terzeichnende als unentgeltliche Rechtsbeiständin zu bestellen.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer eine Kopie einer «Unzu-
ständigkeitsverfügung» der Staatsanwaltschaft B._ datierend vom
6. Oktober 2020 inklusive Teile einer Übersetzung des entsprechenden
Dokuments ein.
E.
Die vorinstanzlichen Akten gingen am 26. November 2020 bei Gericht ein.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR, 142.31]).
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1
VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG)
ist einzutreten.
2.
2.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die
Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-
prüfen, ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätz-
lich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylge-
such nicht eingetreten ist (BVGE 2012/4 E. 2.2 m.w.H.).
2.2 Die Vorinstanz hat die Frage der Wegweisung und des Vollzugs mate-
riell geprüft, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle
Kognition zukommt.
3.
3.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet über offensichtlich unbe-
gründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung
eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111
Bst. e AsylG). Wie nachfolgend aufgezeigt wird, handelt es sich vorliegend
um eine solche Beschwerde, weshalb das Urteil nur summarisch zu be-
gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Das SEM hat mit Verfügung vom 29. Juni 2020 über das erste Asylge-
such des Beschwerdeführers entschieden. Mit Rückzug der Beschwerde
und Abschreibung des Beschwerdeverfahrens wurde diese Verfügung
rechtskräftig. Mit Schreiben vom 5. Oktober 2020 reichte der Beschwerde-
führer der Vorinstanz den Abschreibungsentscheid vom 29. September
2020 ein und wollte seine als «neues Asylgesuch» bezeichnete Eingabe
vom 31. Juli 2020 als Bestandteil seiner Eingabe berücksichtigt wissen. Die
Vorinstanz hat die Eingabe vom 5. Oktober 2020 korrekterweise als Mehr-
fachgesuch im Sinne von Art. 111c Abs. 1 AsylG entgegengenommen. Das
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zweite Asylgesuch wurde somit offensichtlich innerhalb der Fünfjahresfrist
von Art. 111c AsylG eingereicht.
4.2 Asylgesuche, die innert fünf Jahren nach Eintritt der Rechtskraft des
Asyl- und Wegweisungsentscheides eingereicht werden, haben gemäss
Art. 111c Abs. 1 AsylG schriftlich und begründet zu erfolgen. Ausreichend
begründet ist ein Gesuch, wenn die Behörde in der Lage ist, über das Ge-
such zu entscheiden, auch ohne dass sie die gesuchstellende Person vor-
her anhört. Die Beschleunigung darf jedoch nicht auf Kosten der Rechts-
staatlichkeit der Verfahren geschehen. So ist auch dem Umstand Rech-
nung zu tragen, dass während der gesetzlich vorgesehenen Zeitspanne
von fünf Jahren seit Abschluss des ordentlichen früheren Asylverfahrens
auch die erneuten Asylgesuche jener Personen nach den Regeln von
Art. 111c AsylG zu behandeln sind, die zwischenzeitlich in ihren Heimat-
staat – mithin in den potentiellen und behaupteten Verfolgerstaat – zurück-
gekehrt sind. In diesen Fällen könnten tatsächlich neue beachtliche Grün-
de für eine Verfolgung geltend gemacht werden, welche von den Gesuch-
stellenden in einer schriftlichen (Laien-)Eingabe nicht ausführlich genug
dargelegt werden können. In Ermangelung einer Regelung im Asylgesetz
sind daher bei ungenügender Einhaltung der Formvorschriften die Regeln
nach Art. 52 VwVG zu beachten. Die analoge Anwendung der Vorschriften
hinsichtlich Beschwerdeverbesserung und -ergänzung in den Verfahren
betreffend Mehrfachgesuche ist auch mit Rücksicht auf die hochrangigen
Rechtsgüter geboten, welche Gegenstand des Asylverfahrens sind (vgl.
die Botschaft zur Änderung des Asylgesetzes vom 26. Mai 2010, BBl 2010
4455, 4473; BVGE 2014/39 E. 5.3 ff.).
4.3 Kommt eine asylsuchende Person im Rahmen eines Mehrfachgesuchs
ihrer Begründungspflicht offensichtlich nicht nach, hat die Behörde auch in
Verfahren, in denen nicht ohnehin schon die speziellen Voraussetzungen
der Art. 31a Abs. 1–3 AsylG vorliegen, die Möglichkeit, auf das Gesuch ge-
stützt auf Art. 111c Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht einzutre-
ten (BVGE 2014/39 E. 7.1 S. 699).
5.
5.1 Die Vorinstanz ist gestützt auf Art. 111c Abs. 1 AsylG in Verbindung mit
Art. 13 Abs. 2 VwVG auf das zweite Asylgesuch des Beschwerdeführers
nicht eingetreten; dies, weil der Beschwerdeführer keine veränderte Sach-
lage bezüglich seiner Flüchtlingseigenschaft habe dartun können. Im vor-
liegenden Beschwerdeverfahren ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht
auf das Gesuch nicht eingetreten ist.
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5.2 Die Vorinstanz berücksichtige neben dem Schreiben vom 5. Oktober
2020 auch die Eingabe des Beschwerdeführers vom 31. Juli 2020, worin
er vorbrachte, ihm drohe in der Türkei eine Haftstrafe von einem bis zu fünf
Jahren, da wegen «Propaganda für eine Terrororganisation» und «Belei-
dung des Staatspräsidenten» staatsanwaltliche Ermittlungen gegen ihn ge-
führt würden. Die im Beschwerdeverfahren E-4050/2020 dem Gericht ein-
gereichten Beweismittel (undatiertes Schreiben seiner Anwältin aus der
Türkei, Gesuch der Anwältin um Akteneinsicht bei der Generalsstaatsan-
waltschaft B._, Auszüge aus seinem Facebook-Profil) wurden von
der Vorinstanz ebenfalls gewürdigt. Sie hielt in der angefochtenen Verfü-
gung fest, der Beschwerdeführer habe in keiner Weise dargetan, worauf
sich seine Annahme, es würden Ermittlungen gegen ihn geführt, gründe.
Die Ausführungen seiner Anwältin beschränkten sich auf allgemeine Anga-
ben zum Strafmass bei bestimmten Verbrechen und Vergehen. Der Be-
schwerdeführer habe seit dem 27. August 2020 keine stichhaltigen Ausfüh-
rungen oder Beweismittel eingebracht. In Ermangelung von Beweisen für
eine strafrechtliche Untersuchung eigneten sich auch die Auszüge seines
Facebook-Profils nicht als Belege für eine Verfolgung in der Türkei. Seine
Eingaben stellten keine veränderte Sachlage in Bezug auf die Frage der
Flüchtlingseigenschaft dar.
5.3 In der Beschwerdeschrift wird bekräftigt, gegen den Beschwerdeführer
sei ein Verfahren wegen «Propaganda für eine Terrororganisation» eröffnet
worden. Als Beweismittel wurde eine vom 6. Oktober 2020 datierende «Un-
zuständigkeitsverfügung» der Staatsanwaltschaft B._ zu den Akten
gereicht.
Vorab ist festzuhalten, dass gewisse Zweifel an der Echtheit des einge-
reichten Dokuments bestehen. Der Beschwerdeführer legt in keiner Weise
dar, wie es ihm gelungen ist, an diese «Unzuständigkeitsverfügung» zu ge-
langen. Unklar bleibt auch, wieso er diese nicht bereits bei der Vorinstanz
eingereicht hat, datiert ihr Entscheid doch erst vom 11. November 2020. In
der Beschwerdeschrift finden sich diesbezüglich keine Ausführungen. Dem
lediglich in Kopie vorliegenden und nur teilweise übersetzten Dokument ist
zu entnehmen, dass die Tat «Propaganda terroristischer Organisation» am
6. Juli 2020 in C._ / D._ begangen worden sei und sich die
Staatsanwaltschaft B._ als nicht zuständig für eine Ermittlung ge-
gen den Beschwerdeführer erachte. Gemäss den Ausführungen in der Be-
schwerde wird dem Beschwerdeführer Propaganda in den sozialen Medien
vorgeworfen. Auffällig dabei ist, dass der Beschwerdeführer bereits an sei-
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ner Anhörung am 21. Januar 2020 angab, er habe Probleme mit den türki-
schen Behörden, weil er ein Foto auf Facebook gepostet habe (SEM-Akten
A17/29 F173 ff.). In einer Eingabe an die Vorinstanz vom 9. Mai 2020 gab
der Beschwerdeführer an, sein Facebook-Konto sei angegriffen und blo-
ckiert worden (SEM-Akten A21). Die im Beschwerdeverfahren
E-4050/2020 zu den Akten gereichten Auszüge aus Facebook datieren
vom 16. Februar und 18. März 2019, sowie vom 14. und 24. Juni, wobei
das Jahr nicht vermerkt wurde (Akten Beschwerdeverfahren E-4050/2020:
Beilagen 5 zur Beschwerdeverbesserung act. 3). Diese zahlreichen Un-
stimmigkeiten bleiben ungeklärt. Ferner fällt auf, dass im nicht übersetzten
Teil des betreffenden Dokuments offenbar auch namentlich ein Kläger auf-
geführt wird. Der Beschwerdeführer hat indes bisher nicht dargetan, es
habe ihn jemand angezeigt. Bezeichnenderweise erklärt er auch nicht, ob
ihm der Kläger bekannt sei beziehungsweise in welcher Beziehung er zu
diesem stehe.
Ob die im Dokument erwähnte Hauptstaatsanwaltschaft D._ tat-
sächlich eine Untersuchung gegen den Beschwerdeführer eröffnen wird,
ist zum heutigen Zeitpunkt offen. Der Beschwerdeführer behauptet, praxis-
gemäss werde ein Strafverfahren am zuständigen Ort erst nach einigen
Monaten eröffnet, weshalb seine Anwältin erst zu einem späteren (zukünf-
tigen) Zeitpunkt Einsicht in die Akten erlangen und Dokumente einreichen
können werde. Dass in D._ ein Verfahren gegen den Beschwerde-
führer eröffnet wird, ist indes zu bezweifeln, zumal der Beschwerdeführer
mit seiner Familie gemäss eigenen Angaben bereits seit seinem (...) Le-
bensjahr und bis zu seiner Ausreise im August 2018 in E._ gelebt
hat und dort auch offiziell gemeldet war (SEM-Akten A7 Ziff. 2.01 f.). Inso-
weit in der Beschwerde festgehalten wird, der letzte Wohnort des Be-
schwerdeführers sei D._ (Provinz C._) gewesen, wider-
spricht dies den ursprünglichen Angaben des Beschwerdeführers. Die Zu-
ständigkeit der Staatsanwaltschaft D._ erscheint also zumindest als
fraglich.
5.4 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass das Mehrfachgesuch vom
SEM zu Recht als unzureichend begründet angesehen worden ist. Die mit
der Beschwerde nachgereichte «Unzuständigkeitsverfügung» der Staats-
anwaltschaft B._ vom 6. Oktober 2020 vermag daran nichts zu än-
dern, da sie offensichtlich untauglich ist, die behauptete Hängigkeit eines
Strafverfahrens in der Türkei zu belegen. Mit den blossen Behauptungen,
welche der Beschwerdeführer auf das genannte Dokument abstützt, wird
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den erhöhten Anforderungen an die Begründungspflicht bei Mehrfachge-
suchen (Art. 111c Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2014/39) offensichtlich nicht
Genüge getan. Die Vorinstanz ist bei vorliegender Sachlage zu Recht auf
das zweite Asylgesuch nicht eingetreten.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4, 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]).
7.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft. Das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.3 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). Der Vollzug kann für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar
sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen
wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage kon-
kret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AIG).
7.4 Diese Voraussetzungen sind vorliegend nicht erfüllt. Die Vorinstanz er-
kannte in der angefochtenen Verfügung zutreffend, dass der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der
Flüchtlingseigenschaft keine Anwendung findet und keine anderweitigen
völkerrechtlichen Vollzugshindernisse erkennbar sind.
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7.5 Ebenso zutreffend stellte die Vorinstanz fest, dass weder die herr-
schende politische Situation noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit
einer Rückkehr in den Heimatstaat sprechen. Sie hielt fest, der Beschwer-
deführer habe gemäss eigenen Angaben seit seinem (...) Lebensjahr in
E._ gelebt, wo er über ein grosses Beziehungsnetz verfüge. Die in
der Beschwerde vorgebrachte Befürchtung, in die Provinz C._ zu-
rückkehren zu müssen, wo gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher
Rechtsprechung eine Situation allgemeiner Gewalt herrsche, ist damit un-
begründet. Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers in die
Türkei erweist sich als zulässig, zumutbar und möglich.
8.
Aus den Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bun-
desrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
9.
Der Antrag, dem Beschwerdeführer sei zu bewilligen, den Ausgang des
Verfahrens in der Schweiz abzuwarten, ist mit dem vorliegenden Entscheid
gegenstandslos geworden.
10.
10.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und amtlichen Rechtsverbeiständung. Aufgrund der vor-
stehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Begehren als aussichtlos zu
gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen
nicht gegeben, weshalb den Gesuchen nicht stattzugeben ist.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr.1'500.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
10.3 Mit dem vorliegenden Urteil ist der Antrag auf Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses gegenstandlos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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