Decision ID: 03746370-6ced-568e-88d9-f9eb3776c7d7
Year: 2017
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_004
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A. A.1
Mit E-Mail vom 21. Juni 2016 (Bf. act. 2.3) teilte A_ dem Sozialamt C_ mit, dass sie ab
dem folgenden Tag wieder in der Schweiz sei, weshalb ab dann wieder Anspruch auf
Sozialhilfe bestehe. Mit E-Mail vom 27. Juni 2016 (Bf. act. 2.4) bestätigte das Sozialamt
den Eingang der Mitteilung.
A.2
Mit Schreiben vom 20. August 2016 (Bg. act. 5.1) erhob A_
Rechtsverweigerungsbeschwerde beim Departement Gesundheit und Soziales (DGS) mit
dem Antrag, eine bis 30. September 2016 zu bezahlende Semesterrechnung vom 18. Juli
2016 (Bg. act. 5.1.2 und 5.1.3) rechtzeitig zu begleichen. Am 8. August 2016 habe sie beim
Sozialamt in C_ vorgesprochen, wobei ihr ein achtseitiges Formular betreffend
Unterstützungsgesuch übergeben und mitgeteilt worden sei, dass die Semesterrechnung
nicht übernommen werden könne, sondern aus den erst noch zu ermittelnden Stipendien
zu bezahlen sei.
A.3
Mit Schreiben vom 27. September 2016 (Bg. act. 5.6.1) teilte das Sozialamt C_
A_ mit, dass man das ihr abgegebene Formular Unterstützungsgesuch noch nicht
zurückerhalten habe, weshalb derzeit keine Auszahlung möglich sei. Ausserdem
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seien Sozialhilfeleistungen subsidiär und vorgängig Entscheide von vorleistungspflichtigen
Amtsstellen, z.B. betreffend Stipendien, zu erwirken.
A.4
Mit ebenfalls auf den 27. September 2016 datiertem Schreiben (Bg. act. 5.7) entgegnete
A_, sie reiche noch einmal das bereits am 25. August 2016 ausgefüllt bei der Post
aufgegebene Gesuchsformular ein.
A.5
Nach einem Antrag des Gemeinderats D_ vom 11. Oktober 2016 (Bg. act. 5.9) auf
Abweisung der Rechtsverweigerungsbeschwerde, da wegen fehlender Unterlagen die
Bedürftigkeit nicht abschliessend beurteilbar und damit eine Auszahlung derzeit nicht
möglich sei, erging seitens des DGS ein Entscheid vom 27. Oktober 2016 (Bg. act. 5.10),
wonach die Beschwerde als erledigt abgeschrieben werde, da die Gemeinde D_ A_
mit Schreiben vom 27. September 2016 zur Einreichung eines Sozialhilfe-antrags
aufgefordert habe, worauf beim DGS am 3. Oktober 2016 eine Kopie des
Unterstützungsgesuchs vom 27. September 2016 eingegangen sei.
B. B.1
Gegen diesen Entscheid liess die durch ihren Vater vertretene A_ mit Schreiben vom
4. November 2016 Beschwerde mit den eingangs wiedergegebenen Anträgen erheben.
Was sie nach der Mitteilung ihrer Rückkehr erlebt habe, sei als Schlamperei zu bezeichnen.
So habe die Verwaltung notwendige Unterlagen erst am 8. August 2016 einverlangt. Die
spätere Darstellung, der Unterstützungsantrag sei nicht komplett gewesen, wirke
heuchlerisch, da der Beschwerdeführerin die Wiederanmeldung und auch spätere
Mailanträge immer wieder bestätigt worden seien.
B.2
Mit Beschwerdeantwort vom 8. Dezember 2016 entgegnete das DGS, die Beschwerde-
führerin sei am 27. September 2016 von der Gemeinde D_ zur Einreichung des
Sozialhilfeantrags aufgefordert worden, weil erst hinterher über die Erstattung der Semes-
terrechnung entschieden werden könne. Nachdem erst am 3. Oktober 2016 eine Kopie des
Unterstützungsgesuchs vom 27. September 2016 eingelangt sei, liege keine Rechtsverwei-
gerung oder -verzögerung vor.
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Considerations:
Erwägungen
1. 1.1
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt, dass
diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der Form- und
Fristerfordernisse erfüllt sind. Insoweit ist auf die Beschwerde einzutreten.
1.2
Betreffend Eintreten gilt es noch zu beachten, dass im verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahren grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen und zu
beurteilen sind, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich - in
Form einer Verfügung bzw. eines Entscheides - Stellung genommen hat. Insoweit
bestimmen die Verfügung bzw. der Entscheid den beschwerdeweise weiterziehbaren
Anfechtungsgegenstand (BGE 131 V 164 E. 2.1). Innerhalb des Anfechtungsgegenstandes
bilden die von der Beschwerde führenden Person gestellten Anträge den Streitgegenstand
(BGE 130 V 501 E. 1.1; Urteile des Bundesgerichts 8C_592/2012 vom 23. November 2012
E. 3.1, 8C_583/2014 vom 12. Dezember 2014 E. 3.1).
Anfechtungs- und damit Streitgegenstand bildet vorliegend nur der angefochtene
Abschreibungsbeschluss des DGS vom 27. Oktober 2016, nicht aber eine in Ziff. 1 des
Beschwerdeantrags vom 4. November 2016 ebenfalls erwähnte Abschreibungsverfügung
des DGS vom 10. August 2016, die eine Rechtsverweigerungsbeschwerde vom 18. April
2016 betraf, weshalb bezüglich letzterer auf die Beschwerde nicht einzutreten ist.
1.3
Auch auf den Beschwerdeantrag gemäss Ziff. 2 kann nicht eingetreten werden, da dieser
aufsichtsrechtlichen Charakter hat, wofür nicht das Obergericht, sondern der Regierungsrat
als Kollegium zuständig wäre.
Abgesehen davon wäre das erforderliche Feststellungsinteresse nur zu bejahen, wenn sich
die gerügte Rechtsverletzung jederzeit wiederholen könnte, eine rechtzeitige gerichtliche
Überprüfung im Einzelfall kaum je möglich wäre, die aufgeworfenen Fragen sich jederzeit
unter gleichen oder ähnlichen Umständen wieder stellen könnten und an ihrer
Beantwortung wegen ihrer grundsätzlichen Bedeutung ein hinreichendes öffentliches
Interesse bestünde (Urteil des Bundesgerichts 8C_848/2011 vom 15. Februar 2012). An
einem schutzwürdigen Interesse am Erlass eines Feststellungsentscheides fehlt es
namentlich dann, wenn das Rechtsschutzinteresse der klagenden Partei durch ein
rechtsgestaltendes Urteil gewahrt werden kann (BGE 132 V 66 Erw. 7).
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In Anbetracht des vorliegenden Verfahrens ist nicht davon auszugehen, dass sich bei der
Bearbeitung der von der Beschwerdeführerin beantragten Leistungen aus Sozialhilfe
seitens des Sozialamts C_ ungerechtfertigte Verzögerungen ergeben werden;
abgesehen davon ist vorliegend ein rechtsgestaltendes Urteil zu fällen, weshalb auch mit
Blick darauf auf den Beschwerdeantrag gemäss Ziff. 2 nicht einzutreten ist.
1.4
Schliesslich ist auch auf den dritten und letzten Antrag der Beschwerdeführerin auf
Verpflichtung der Sozialbehörde durch das DGS, die Semesterrechnung zu bezahlen, nicht
einzutreten, da dieser einen unzulässigen Vorgriff auf den noch nicht gefällten Entscheid in
der Sache selber bedeuten würde. Nur in ausgesprochenen Ausnahmefällen - ein solcher
ist hier nicht auszumachen - kommt es in Betracht, dass die Rechtsmittelinstanz aus
prozessökonomischen Gründen in der Hauptsache entscheidet (Jürg Bosshart/Martin
Bertschi, in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des
Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, N. 53 zu § 19 VRG; s. auch Entscheid des Bundesrates vom
28. Oktober 1998 E. 3.1 [GAAC 63.14]).
2. Nach Art. 16 Abs. 1 des am 1. Januar 2008 in Kraft getretenen Gesetzes über die
öffentliche Sozialhilfe (Sozialhilfegesetz) vom 24. September 2007 (bGS 851.1; SHG) wird
wirtschaftliche Sozialhilfe ab Gesuchseinreichung ausgerichtet, falls die Voraussetzungen
für die Unterstützung erfüllt sind. Das Verfahren zur Abklärung von Ansprüchen auf
Sozialhilfe wird durch die hilfsbedürftige Person selber oder durch die Gemeinde eingeleitet
(Art. 29 Abs. 1 SHG), wobei die zuständige Stelle den Sachverhalt gemäss den kantonalen
Verfahrensvorschriften des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 9. September
2002 (VRPG; bGS 143.1) ermittelt (Art. 29 Abs. 2 und Art. 34 SHG).
3. 3.1
Nach Art. 3 Abs. 1 VRPG behandeln die Verwaltungsbehörden ein bei ihnen eingeleitetes
Verfahren beförderlich und sorgen ohne Verzug für dessen Erledigung. Mit einer
Rechtsverweigerungsbeschwerde kann die Verweigerung oder ungebührliche Verzögerung
einer Amtshandlung gerügt werden, sofern kein ordentliches Rechtsmittel gegeben ist (Art.
42 Abs. 1 VRPG). Die Beschwerde ist an die übergeordnete Verwaltungsbehörde zu
richten und ist, falls eine ungebührliche Verzögerung einer Amtshandlung gerügt wird, an
keine Frist gebunden (Art. 42 Abs. 2 und 3 VRPG). Ein Teil der Lehre geht allerdings davon
aus, dass vor der Beschwerde eine Mahnung an die säumige Behörde zu richten ist. Zwar
erscheint eine solche Mahnung oder zumindest eine Erkundigung nach dem Stand des
Verfahrens als in der Regel zweckmässig und zumutbar, als Eintretensvoraussetzung für
eine Rechtsverweigerungsbeschwerde sollte sie aber nicht aufgefasst werden
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(Bosshart/Bertschi, a.a.O., N. 48 zu § 19 VRG). Demgegenüber tendiert die
Rechtsprechung dazu, vor einer Rechtsverweigerungsbeschwerde eine Mahnung als nötig
zu erachten (BGE 125 V 373 E. 2b/cc; Urteile des Bundesgerichts 9C_190/2007 vom
24. Septem-ber 2007 E. 4.2, 1B_24/2013 vom 12. Februar 2013 E. 4, 1B_138/2016 vom
18. April 2016 E. 2). Eine Rechtsverweigerungsbeschwerde zielt bekanntlich darauf ab, die
Vorinstanz zu einer beförderlichen Verfahrenserledigung anzuhalten. Sie muss demnach
erhoben werden, solange der Entscheid der untätigen Behörde noch aussteht. Auf
Rechtsmittel, die erst nach Erlass des Entscheids erhoben werden, ist grundsätzlich
mangels aktuellen Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten. Ebenso sind hängige
Rechtsmittelverfahren in der Regel als gegenstandslos abzuschreiben, wenn die
ausstehende Anordnung vor dem Entscheid über die Rechtsverzögerung erging
(Bosshart/Bertschi, a.a.O., N. 52 zu § 19 VRG).
3.2
In Anbetracht dessen ist das Eintreten der Vorinstanz auf die Rechtsverweigerungs-
beschwerde nicht zu beanstanden. Doch hat sie diese mit Entscheid vom 27. Oktober 2016
zu Unrecht zufolge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben, da zum damaligen Zeitpunkt noch
gar nicht über die Semesterbeiträge entschieden worden war. Richtigerweise hätte die
Beschwerde mangels vorgängiger Mahnung des Sozialamts C_ durch die
Beschwerdeführerin abgewiesen werden müssen. In teilweiser Gutheissung der
vorliegenden Beschwerde, soweit auf diese einzutreten ist, ist der erwähnte Entscheid
deshalb aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zur Behandlung zurückzuweisen.
4. 4.1
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 34 SHG in Verbindung mit Art. 53 Abs. 1 und Art. 22
Abs. 2 lit. b VRPG).
4.2
Der nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin ist keine Parteientschädigung
zuzusprechen (Art. 34 SHG in Verbindung mit Art. 53 Abs. 3 und Art. 24 Abs. 1 VRPG).
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