Decision ID: 4576af60-4d78-5b58-a1cf-1c16899fa8f0
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 28. November 2016 in der Schweiz um
Asyl nach. Am 5. Dezember 2016 fand die Befragung zur Person (BzP)
statt und am 15. März 2019 wurde er vom SEM ausführlich zu seinen Asyl-
gründen angehört.
Dabei brachte der Beschwerdeführer vor, er sei tamilischer Ethnie und
habe bis im Jahr (...) in B._ (Distrikt C._, Nordprovinz) ge-
lebt. Er habe die Schule im Jahr (...) mit dem (...)-Level abgeschlossen.
Nach dem Tod seines Vaters habe er im Alter von (...) Jahren angefangen,
in einem (...)atelier zu arbeiten. Das habe er nach Schulabschluss noch
während (...) bis (...) Jahren gemacht. Er sei am (...) den Liberation Tigers
of Tamil Eelam (LTTE) beigetreten. Nach seinem Beitritt sei er in einem
politischen Büro der LTTE in D._ registriert worden und dann nach
E._ geschickt worden. Dort habe er ein (...) Training erhalten. Weil
er körperlich nicht fit gewesen sei, sei er versetzt und für (...)arbeiten ein-
gesetzt worden; dafür habe er Lohn erhalten. Am (...) sei er unterwegs bei
einer Raketenexplosion verletzt worden. Er habe für (...) Tage Urlaub er-
halten und sei kurz vor Kriegsausbruch nach C._ gegangen. Er
habe nicht mehr zu den LTTE zurückkehren wollen, weshalb er von diesen
gesucht worden sei. Nachdem jedoch die Strassenverbindung ins Vanni-
Gebiet gesperrt worden sei, habe er seitens der LTTE keine Probleme
mehr gehabt. Dann habe aber die sri-lankische Armee (SLA) begonnen,
Leute der LTTE in C._ zu suchen und zu töten. Deshalb sei er im
Jahr (...) per Schiff nach F._ und von dort nach G._ in
G._ gereist, wo er (...) Jahre lang mit einem Visum als Gastarbeiter
gelebt habe. Nach Kriegsende sei er nach Sri Lanka zurückgekehrt und
habe am (...) in H._ (Distrikt C._) geheiratet und in der Folge
dort gelebt. Ab (...) habe er eine eigene (...) betrieben. In den Jahren (...)
und (...) seien seine Kinder zur Welt gekommen.
Im Jahr (...) habe das Criminal Investigation Departement (CID; Geheim-
dienst) begonnen, ihn zu suchen. Er habe seinerzeit mit Kollegen zusam-
men bei den LTTE Fotos gemacht. Ein Junge aus I._, der mit ihm
auf einem Foto gewesen sei, sei verhaftet worden; mutmasslich sei er (Be-
schwerdeführer) von ihm verraten worden. Der Beschwerdeführer führte in
diesem Zusammenhang bei der BzP aus, das CID sei in seiner Abwesen-
heit am (...) zu seiner Mutter nach B._ und am (...) zu ihm nach
Hause gekommen. Die Behördenvertreter hätten zu seiner Frau gesagt, er
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habe für den Geheimdienst bei den LTTE gearbeitet, er werde nun gesucht
und sie kämen wieder. Seine Frau habe ihn nach dem Behördenbesuch
nach J._ geschickt, von wo aus er das Land am (...) verlassen
habe. Er wisse nicht, was mit dem erwischten Jungen oder seinen anderen
Kollegen passiert sei. Er kenne nur die Person namens K._, die
erwischt worden sei. Bei der Anhörung führte der Beschwerdeführer dies-
bezüglich aus, er sei von unbewaffneten Zivilpersonen am (...) bei seiner
Mutter in B._ und von bewaffneten Zivilpersonen am (...) bei seiner
Frau in H._ gesucht worden. Die Unbekannten hätten seine Frau
über ihn und seine Tätigkeit befragt und ihn beschuldigt, Kontakte zu ehe-
maligen LTTE-Mitgliedern und eine enge Beziehung zu einem Mann na-
mens K._ aus I._, der in der Geheimdienstabteilung tätig
gewesen sei, zu haben. Er kenne aber keinen Mann namens K._.
Seine Frau sei mit Füssen getreten worden und man habe ihr gesagt, dass
er in ein Rehabilitationszentrum gehen müsse. Als er nach Hause gekom-
men sei, habe seine Frau ihm geraten, sich zu verstecken. Er habe seine
Frau und Kinder zur Tante seiner Frau geschickt und sei noch am gleichen
Abend nach J._ gegangen, wo er sich versteckt habe und am (...)
mit Hilfe eines Schleppers über den Flughafen von F._ ausgereist
sei. Nach seiner Ausreise sei er weiterhin gesucht und seine Frau sei be-
droht worden. Um weitere Probleme zu vermeiden, lebe seine Frau nicht
mehr zu Hause, sondern abwechslungsweise bei ihrer Mutter und ihrer
Tante.
Der Beschwerdeführer reichte seine Identitätskarte (ID) im Original, eine
ID des Expatriates Affairs Department (Departement für auswärtige Ange-
legenheiten) von G._, sein Geburtszertifikat und diejenigen seiner
Frau und Kinder, sein Heiratszertifikat, drei Fotos von ihm in Uniform sowie
mehrere Schreiben der sri-lankischen Behörden und des L._ Hos-
pitals zu den Akten.
B.
Das SEM stellte mit Verfügung vom 24. September 2019 fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylge-
such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Voll-
zug der Wegweisung an.
C.
Der Beschwerdeführer erhob gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom
25. Oktober 2019 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er bean-
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tragte, es sei die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben, seine Flüchtlings-
eigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren, eventuell sei er vor-
läufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf Erhebung eines
Kostenvorschusses sowie um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistan-
des und um Feststellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde.
D.
Die Instruktionsrichterin hiess mit Zwischenverfügung vom 11. Dezember
2019 die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung so-
wie um amtliche Rechtsverbeiständung gut und forderte den Beschwerde-
führer auf, eine Rechtsvertretung zu bezeichnen.
E.
Nachdem die rubrizierte Rechtsvertreterin ihr Mandatsverhältnis angezeigt
hatte, ordnete die Instruktionsrichterin sie dem Beschwerdeführer mit Zwi-
schenverfügung vom 17. Dezember 2019 als amtliche Rechtsbeiständin
bei.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS
2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015 [SR 142.31]).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (Art. 108 aAbs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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1.4 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der
Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21
Abs. 1 VGG). Auch in diesen Fällen kann gestützt auf Art. 111a Abs. 1
AsylG auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet werden.
2.
Der vorliegenden Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende
Wirkung zu (Art. 55 Abs. 1 VwVG).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2012/5 E. 2.2).
4.
4.1 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers seien unglaubhaft. Zwischen seinen Schilde-
rungen in den BzP und in der Anhörung, wonach im (...) Behördenvertreter
zuerst zu seiner Mutter und dann zu ihm nach Hause gekommen seien,
gebe es mehrere Widersprüche, so betreffend seine Angaben, ob er die
Person namens K._ kenne, warum das CID plötzlich angefangen
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habe, ihn zu suchen, zum Inhalt der vom CID seiner Frau gegenüber ge-
äusserten (an ihn gerichteten) Vorwürfe, zur Bildung seines Entschlusses
nach J._ zu gehen und zu den Daten der Suche nach ihm. Zudem
seien seine Beschreibungen der angeblichen Suche nach ihm vage und
undifferenziert geblieben. Angesichts der Tragweite des geltend gemach-
ten Ereignisses wäre eine viel genauere Schilderung zu erwarten gewe-
sen. Es entstehe nicht der Eindruck, dass er ein tatsächlich erlebtes Ge-
spräch mit seiner Frau wiedergebe, in dessen Verlauf er die anderswo in
der Anhörung erwähnten Informationen zum Behördenbesuch erhalten
habe. Auch die weiteren Ereignisse an diesem Abend, bis er wieder weg-
gegangen sei, und die folgende Zeit, die er in J._ verbracht habe,
habe er sehr kurz und undifferenziert beschrieben; er habe beispielsweise
weder Gespräche mit seiner Frau oder anderen Familienmitgliedern über
das angebrachte weitere Vorgehen noch eigene Gedanken oder Gefühle
in diesem Zusammenhang erwähnt. Einige Elemente seiner Schilderung,
so die Suche der Behörden in B._ trotz seiner Registrierung seit
(...) in H._, die Suche der Behörden tagsüber zu Hause und nicht
in seinem (...)laden, würden auch inhaltlich unstimmig scheinen. Weiter
bleibe unklar, ob und wie er von Verhaftungen anderer ehemaliger LTTE-
Mitglieder erfahren habe beziehungsweise warum er dennoch bis zum Be-
hördenbesuch bei seiner Frau keinerlei Sicherheitsvorkehrungen getroffen
habe.
An dieser Einschätzung würden auch die eingereichten Beweismittel nichts
ändern. Entweder hätten sie keinen Bezug zu seinen Vorbringen oder es
handle sich um Schreiben ohne fälschungssichere Merkmale. Solche
Schreiben hätten deshalb kaum einen Beweiswert, da sie problemlos ge-
fälscht werden könnten und auch als Gefälligkeitsschreiben leicht erhältlich
seien. Weiter seien einige inhaltliche Unstimmigkeiten in den Schreiben
festzustellen.
Es lägen auch in Anbetracht der im bundesverwaltungsgerichtlichen Refe-
renzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 definierten Risikogruppen keine
Faktoren vor, welche eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG zu be-
gründen vermöchten. Die mögliche Befragung am Flughafen als Rückkeh-
rer und die allfällige Eröffnung eines Strafverfahrens wegen illegaler Aus-
reise würden keine asylrelevante Verfolgungsmassnahme darstellen. Der
Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft gemacht, vor seiner Ausreise asyl-
relevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu sein. Viel-
mehr sei er bis (...) in Sri Lanka wohnhaft gewesen, er habe also nach
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Kriegsende noch gut (...) Jahre in seinem Heimatstaat gelebt. Da kein asyl-
relevantes Vorbringen gegeben sei, erübrige es sich, die Glaubhaftigkeit
seiner geltend gemachten LTTE-Mitgliedschaft zu prüfen, welche wiede-
rum verschiedene Unglaubhaftigkeitselemente aufweise.
4.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in seiner Rechtsmitteleingabe, er
sei nicht gewohnt, detailliert zu erzählen und Fragen genau zu beantwor-
ten. Er habe immer noch Mühe, sein Misstrauen gegenüber Behörden ab-
zubauen. Des Weiteren habe er während der beiden Befragungen grosse
Angst verspürt. Seine Unerfahrenheit führe dazu, dass er sich oftmals un-
klar ausdrücke. Dies könne dazu führen, dass er sich auf den ersten Blick
eventuell sogar widerspreche. Dass seine Schilderungen an der Anhörung
teilweise zu wenig ausführlich gewesen seien, liege daran, dass er sich
nicht habe wiederholen wollen. Es liege nicht in seiner Art, zu einer schnell
beantwortbaren Frage viele Dinge zu erzählen. Er sei auch nicht sicher
gewesen, welche Arten von Antworten von ihm erwartet worden seien.
Der Eindruck der Vorinstanz, dass seine Erklärung, weshalb das CID eine
Verbindung zu K._ vermute, ausweichend sei, sei entstanden, weil
er nicht wisse und auch nicht wissen könne, wie das CID auf ihn aufmerk-
sam geworden sei. Es mute befremdend an, dass ihm die Vorinstanz vor-
werfe, etwas nicht zu wissen, was er gar nicht wissen könne. Die Ver-
wechslung der Daten zur Suche nach ihm – (...). und (...) beziehungsweise
(...) und (...) – an der BzP und an der Anhörung liege an seiner grossen
Nervosität. In naiver Art und Weise habe er die Bedeutung der beiden Be-
fragungen in seinem Asylverfahren unterschätzt. Die Beschreibungen der
Suche des CID nach ihm sei entgegen der Ansicht der Vorinstanz aber we-
der vage noch undifferenziert ausgefallen. Die Behördenvertreter seien al-
koholisiert gewesen und von Anfang an sehr provozierend und einschüch-
ternd aufgetreten. Er wisse nicht, weshalb die Behörden erst nach zwei
Tagen nach H._ gekommen seien. Es sei aber so, dass sie ihn zu-
erst in seinem (...) gesucht hätten und erst danach zu ihm nach Hause
gegangen seien. Er habe seit seiner Rückkehr im Jahr (...) nach Sri Lanka
keinen Grund zur Annahme gehabt, dass die Behörden ihn suchen würden.
Das Interesse an seiner Person sei erst im Zusammenhang mit K._
gekommen, der ein Spion der LTTE gewesen sei.
Weil er und sein Bruder Mitglieder der LTTE gewesen seien und ihm Ge-
heimdiensttätigkeiten unterstellt worden seien, sei er vom CID gesucht
worden. Für ihn habe keine Möglichkeit bestanden, sich zu schützen.
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Wenn er in Sri Lanka geblieben wäre, wäre es nur eine Frage der Zeit ge-
wesen, bis sein Aufenthaltsort hätte ausfindig gemacht und er verhaftet
worden wäre.
Als Tamile aus dem Norden würde er bereits bei der Einreise systematisch
ins Visier der Sicherheitskräfte geraten. Bei einer Rückkehr nach Sri Lanka
müsse er davon ausgehen, dass die Behörden ihn verhaften würden, denn
durch seine Flucht aus Sri Lanka würden sie sich in ihrem Verdacht bestä-
tigt fühlen, dass er ebenso wie K._ für die LTTE Spionagetätigkeiten
betrieben habe. Laut Aussagen seiner Frau sei die Situation in Sri Lanka
für ehemalige LTTE-Mitglieder unverändert geblieben.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer erklärt die ihm vorgehaltenen Widersprüche
und die mangelnde Substanz in seinen Angaben bei der BzP und der An-
hörung zunächst mit seinem Misstrauen und seiner Angst gegenüber Be-
hörden, seiner kommunikativen Unerfahrenheit sowie seiner Unsicherheit
betreffend die von ihm erwarteten Antworten.
Den Protokollen der BzP und der Anhörung ist zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer sowohl zu Beginn der BzP als auch der Anhörung auf
die Verschwiegenheitspflicht der Mitarbeiter der Vorinstanz hingewiesen
worden ist (vgl. SEM act. A5 S. 1 f. und A14 S. 2). Dem Protokollverlauf
beider Befragungen sind sodann keine Hinweise zu entnehmen, dass er
nicht imstande gewesen wäre, die jeweiligen Fragen zu verstehen und zu
beantworten (vgl. SEM act. A5 Ziff. 7.01 und A14 F. 53 ff.). Lediglich einmal
verstand er eine Frage nicht, hackte indessen nach und liess sich diese
wiederholen (vgl. SEM act. A14 F. 132). Dem Verlauf der Protokolle sind
keine Hinweise zu entnehmen, gemäss welchen der Beschwerdeführer
wegen Hemmungen, Angst, Nervosität oder Gedächtnismangels an der
Wiedergabe eines hinreichend detaillierten und mit Realkennzeichen ver-
sehenen Sachverhaltsvortrags gehindert worden wäre. Bezeichnender-
weise wurden sodann auch durch die Hilfswerkvertretung, welcher es ob-
liegt, die Einhaltung eines korrekten Ablaufs bei der Anhörung zu beobach-
ten, keine entsprechenden Beanstandungen festgehalten.
Ferner ist der Beschwerdeführer sowohl zu Beginn der BzP als auch der
Anhörung auf die Wichtigkeit vollständiger, lückenloser und wahrheitsge-
treuer Angaben wie auch auf seine Verantwortung für seine Aussagen hin-
gewiesen worden (vgl. SEM act. A5 S. 2 und A14 S. 2). Ein Asylbewerber
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hat lediglich selber Erlebtes wiederzugeben. Es darf deshalb erwartet wer-
den, dass die in Frage stehenden Ereignisse in den wesentlichen Zügen
und in der chronologisch richtigen Reihenfolge wiederholt korrekt erzählt
werden können, umso mehr als es sich – wie etwa bei den Schilderungen
des Vorfalls der behördlichen Suche nach ihm bei seiner Mutter und seiner
Frau sowie der Beziehung zu K._ – um einschneidende Ereignisse
handelt, die erfahrungsgemäss besonders gut im Gedächtnis haften blei-
ben.
Unter diesen Umständen können die Protokolle der BzP und der Anhörung
dem vorliegenden Entscheid zu Grunde gelegt werden.
5.2
5.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten über-
einstimmend mit der Vorinstanz zum Schluss, dass die vom Beschwerde-
führer vorgebrachte angebliche behördliche Suche nach ihm im Jahr (...)
unglaubhaft ist. In diesem Zusammenhang erscheint vorab das Kernele-
ment seines Ausreisegrundes aufgrund der widersprüchlichen Darlegun-
gen unglaubhaft. So gab der Beschwerdeführer an der BzP an, ein Junge
namens K._, der von den sri-lankischen Behörden erwischt worden
sei, habe ihn verraten. K._ sei aus I._. Er kenne nur
K._, die anderen Kollegen kenne er nicht (vgl. SEM act. A5
Ziff. 7.01). Anlässlich der Anhörung führte er hingegen aus, er kenne kei-
nen K._, vermutete aber gleichwohl, dass K._ ein normaler
Arbeiter wie er gewesen sei und gleichzeitig als Informant gearbeitet habe
(vgl. SEM act. A14 F121 ff., F124). Dieses widersprüchliche Aussagever-
halten ist nicht nachvollziehbar. Weiter ist nicht plausibel, dass die Behör-
den ihn angeblich zuerst bei seiner Mutter in B._ gesucht haben
sollten, obwohl er gemäss eigenen Angaben seit (...) mit seiner Frau und
den zwei Kindern in H._ gelebt hatte und dort auch offiziell regis-
triert war (vgl. SEM act. A5 Ziff. 2.01 und Ziff. 7.01). Soweit der Beschwer-
deführer auf angebliche Realkennzeichen in seinen Aussagen zur behörd-
lichen Suche hinweist (alkoholisierte Behördenvertreter; provozierender
und einschüchternder Auftritt), womit der Vorwurf der Vorinstanz, wonach
er vage und undifferenziert ausgesagt habe, widerlegt sei – vermag er nicht
zu überzeugen. Denn bei der angeblichen behördlichen Suche nach ihm
war er gar nicht anwesend, so dass es sich höchstens um Nacherzählun-
gen handeln kann. Das Gericht teilt in diesem Zusammenhang im Übrigen
die Auffassung der Vorinstanz, dass er die weiteren Ereignisse an besag-
tem Abend, als seine Frau ihm von der Behördensuche erzählt habe, sehr
kurz und inhaltsleer ausgeführt hat. So wäre beispielsweise zu erwarten
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gewesen, dass der Beschwerdeführer die Art und Weise und den Zeitpunkt
seiner Kenntnisnahme oder eine mögliche Besprechung mit seiner Ehefrau
beschrieben hätte.
Ansonsten erschöpfen sich die Beschwerdevorbringen in einer Wiederho-
lung des bereits dargelegten Sachverhalts sowie dem Festhalten daran,
dass seine Asylvorbringen durchaus glaubhaft und auch asylrelevant
seien. Damit setzt sich der Beschwerdeführer jedoch mit den vorinstanzli-
chen Erwägungen nicht mehr weiter auseinander, mithin legt er nicht dar,
inwiefern die Vorinstanz zu Unrecht auf Unglaubhaftigkeit geschlossen hat.
Insgesamt entsteht nicht der Eindruck, dass der Beschwerdeführer die be-
hördliche Suche nach ihm im Jahr (...) tatsächlich erlebt hat. Es ist ihm
demnach nicht gelungen, eine Verfolgung durch das CID glaubhaft darzu-
legen.
5.2.2 Die Vorinstanz hat demnach zutreffend festgestellt, dass keine be-
gründete Furcht vor künftiger Verfolgung vorliege. Auf die entsprechenden
Ausführungen in der angefochtenen Verfügung kann, um Wiederholungen
zu vermeiden, verwiesen werden.
5.3
5.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im als Referenzurteil publizierten
Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 eine aktuelle Analyse der Situation
von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorgenommen, auf die dortigen Erwä-
gungen kann verwiesen werden.
5.3.2 Aufgrund der Aktenlage ist nicht davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer einer Risikogruppe angehört. Er hat sodann vor seiner
Ausreise keine asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen glaubhaft ma-
chen können. Er ist zwar Tamile und führte aus, von (...) bis (...) Mitglied
der LTTE und für diese tätig gewesen zu sein, was zu seinem Risikoprofil
beitragen könnte. Jedoch ist dieses Engagement schon über (...) Jahre her
und die damit verbundenen geltend gemachten Verfolgungsakte ver-
mochte der Beschwerdeführer nicht in ausreichend glaubhafter Weise dar-
zustellen (vgl. E. 5.2). Es ist somit nicht davon auszugehen, dass die sri-
lankischen Behörden ein wesentliches Interesse an ihm beziehungsweise
an Informationen zu seiner vermeintlichen Unterstützung für die LTTE ha-
ben. Er führte weiter aus, sein älterer Bruder M._ sei ebenfalls Mit-
glied der LTTE gewesen. Selbst wenn von der Glaubhaftigkeit dieser Aus-
führung ausgegangen würde, liegt dieses Ereignis bereits lange zurück –
gemäss eigenen Angaben des Beschwerdeführers sei sein Bruder vor (...)
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oder (...) Jahren nach N._ ausgewandert –, so dass nicht davon
auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer den Behörden bei einer Rück-
kehr deswegen speziell auffallen wird. Dies umso mehr, dass für die Zeit
seit der Ausreise des Beschwerdeführers aus Sri Lanka aus den Akten je-
denfalls keinerlei Verfolgungsinteresse der sri-lankischen Behörden an den
im Land verbliebenen Angehörigen ersichtlich ist. Zudem spricht seine
Wiedereinreise ohne unmittelbare negative Konsequenzen nach dem etwa
(...) Aufenthalt in G._ nach Kriegsende im Jahr (...) gegen ein Risi-
koprofil seinerseits. So habe er am Flughafen keine Schwierigkeiten ge-
habt, weil es damals keine grossen Kontrollen gegeben habe. Die geltend
gemachten Verfolgungsakte, mehrere Jahre später von den Behörden be-
langt und zu Befragungszwecken mitgenommen worden zu sein, ver-
mochte er nicht ausreichend glaubhaft darzustellen (vgl. E. 5.2). Des Wei-
teren bleibt festzuhalten, dass der Beschwerdeführer seine Heimat eige-
nen Angaben zufolge legal mit seinem eigenen Reisepass via den streng
kontrollierten Flughafen F._ verlassen hat (vgl. SEM act. A5
Ziff. 5.02 und A14 F 118), was ebenfalls gegen ein staatliches Verfolgungs-
interesse an seiner Person spricht. Selbst seine Herkunft aus dem Norden
– trotz allenfalls erhöhter Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden im
Rahmen der Wiedereinreise und Wiedereingliederung – und seine über
(...) Landesabwesenheit in einem tamilischen Diasporazentrum wie die
Schweiz bieten keinen hinreichend begründeten Grund zur Annahme, er
habe Massnahmen zu befürchten, welche über einen sogenannten Back-
ground Check (Befragungen, Überprüfung von Auslandaufenthalten und
Tätigkeiten in Sri Lanka und im Ausland) hinausgehen. Schliesslich kann
sich der Beschwerdeführer zwar gemäss eigenen Angaben nicht mit einem
Reisepass ausweisen, jedoch reichte er zum Beweis seiner Identität seine
Identitätskarte im Original zu den Akten. Demzufolge hat er ein ordentliches
Identitätsdokument, wenn auch dieses nicht generell als Reisepapier dient.
Dass er über keine ordentlichen Reisedokumente verfügt, ist ferner auch
bloss ein schwach risikobegründeter Faktor. Für sich alleine genommen
führten solche – wie im vorliegenden Fall – nicht zur Annahme einer Ver-
folgungsgefahr.
5.3.3 Die Risikoprüfung fällt daher, wie von der Vorinstanz festgehalten, zu
Ungunsten des Beschwerdeführers aus.
5.4 Etwas anderes vermag der Beschwerdeführer auch nicht aus den ein-
gereichten Beweismitteln abzuleiten. Die Vorinstanz hat zutreffend ausge-
führt, dass die eingereichten Schreiben keine fälschungssicheren Merk-
male aufweisen, deshalb kaum einen Beweiswert haben, da sie problemlos
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gefälscht werden können und auch als Gefälligkeitsschreiben leicht erhält-
lich sind (vgl. SEM act. A6, BM 2) und sich die übrigen Beweismittel (ins-
besondere Fotos) auf den nicht relevanten Sachverhalt beziehen.
5.5 Schliesslich kann diese Gesamteinschätzung nicht durch die jüngsten
Ereignisse in Sri Lanka, namentlich der Wahl von Gotabaya Rajapaksa
zum Präsidenten wie auch der vorübergehenden diplomatischen Krise zwi-
schen Sri Lanka und der Schweiz, erschüttert werden. Aus den Akten er-
geben sich jedenfalls keine Hinweise, dass speziell der Beschwerdeführer
nunmehr einer erhöhten Gefahr asylrelevanter Verfolgung ausgesetzt
wäre.
5.6 Dem Beschwerdeführer gelingt es somit nicht, die Flüchtlingseigen-
schaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen, weshalb die
Vorinstanz das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat.
6.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungs-
vollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts
der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigen-
schaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich
ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24
E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
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Seite 13
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
7.2.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr nach Sri Lanka ist demnach unter
dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
7.2.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK, Art. 4 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder
Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichts-
hofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folteraus-
schusses muss der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr („real risk“)
nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung
Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des
EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Der EGMR hat zudem wiederholt festgestellt, dass
nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri Lanka eine
unmenschliche Behandlung. Vielmehr müsse eine Risikoeinschätzung im
Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frank-
reich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Die Einzelfallprüfung
fällt mangels hinreichender – glaubhafter – Anhaltspunkte vorliegend ne-
gativ aus (vgl. E. 5). Zudem lässt die allgemeine Menschenrechtssituation
– auch unter Beachtung der jüngsten Ereignisse in Sri Lanka (vgl. dazu
E. 5.5) – den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (vgl.
BVGE 2011/24 E. 10.4).
7.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
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7.3
7.3.1 Der Vollzug der Wegweisung kann nach Art. 83 Abs. 4 AIG unzumut-
bar sein, wenn der Ausländer oder die Ausländerin im Heimat- oder Her-
kunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner
Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet ist. Wird eine kon-
krete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG
– die vorläufige Aufnahme zu gewähren.
7.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Zurzeit herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. In den beiden Refe-
renzurteilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D-3619/2016 vom 16. Ok-
tober 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Einschätzung
der Lage in Sri Lanka vorgenommen. Dabei stellte es fest, dass der Weg-
weisungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter
Einschluss des Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorliegen von indi-
viduellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen
familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine ge-
sicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann. Auch die
jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka – namentlich die Wahl von
Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten und deren Folgen – sowie die
Nachwirkungen der Anschläge vom 21. April 2019 und des damals ver-
hängten, zwischenzeitlich wieder aufgehobenen, Ausnahmezustands füh-
ren nicht dazu, dass der Wegweisungsvollzug generell als unzumutbar an-
gesehen werden müsste.
7.3.3 Vorliegend sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Der Beschwerdeführer stammt ur-
sprünglich aus B._ im Distrikt C._ in der Nordprovinz. Er
lebte zuletzt im gleichen Distrikt in H._ und hat somit vor seiner
Ausreise – bis auf (...) Jahre in G._ – (...) Jahre lang in der Nord-
provinz gelebt. Bezüglich der individuellen Situation hat die Vorinstanz in
ihrer Verfügung zutreffend ausgeführt, dass der Beschwerdeführer in der
Heimat über ein Beziehungsnetz und aufgrund seines beruflichen Werde-
gangs über Erwerbsmöglichkeiten verfügt. Auf diese zutreffenden Erwä-
gungen der Vorinstanz kann verwiesen werden. Ihm ist die wirtschaftliche
Reintegration und der Aufbau einer neuen Existenz zuzumuten, zumal er
jung ist und über mehrjährige Arbeitserfahrung als (...) verfügt (vgl. SEM
act. A5 Ziff. 1.17.05).
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7.3.4 Der Beschwerdeführer vermutet in der Rechtsmittelschrift, dass sich
sein Gesundheitszustand bei einer Rückkehr nach Sri Lanka verschlech-
tern würde (Rechtsmittelschrift Ziff. 31). Praxisgemäss ist bei einer Rück-
weisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur dann von einer
medizinisch bedingten Unzumutbarkeit auszugehen, wenn die ungenü-
gende Möglichkeit einer Weiterbehandlung eine drastische und lebensbe-
drohliche Verschlechterung des Gesundheitszustands nach sich zöge (vgl.
BVGE 2011/50 E. 8.3). Diese Schwelle ist hier – abgesehen davon, dass
die Behauptung gänzlich unsubstanziiert bleibt und er sich anlässlich der
BzP als gesund bezeichnete (vgl. SEM act. A5 Ziff. 8.02) – nicht erreicht.
Die vorgebrachten vermuteten gesundheitlichen Beschwerden stellen
demnach kein Wegweisungshindernis dar.
7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm jedoch mit Instrukti-
onsverfügung vom 11. Dezember 2019 die unentgeltliche Prozessführung
gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.
9.2 Mit derselben Verfügung hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch um
amtliche Rechtsverbeiständung gestützt auf aArt. 110a Abs. 1 AsylG gut
und ordnete dem Beschwerdeführer die rubrizierte Rechtsvertreterin als
amtliche Rechtsbeiständin bei. Demnach ist dieser ein Honorar für ihre not-
wendigen Ausgaben im Beschwerdeverfahren auszurichten. Die Rechts-
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vertreterin reichte keine detaillierte Kostennote zu den Akten. Auf entspre-
chende Nachforderung, auch für den weiteren Vertretungsaufwand, kann
verzichtet werden, da sich die Vertretungskosten aufgrund der Akten hin-
reichend abschätzen lassen (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Demnach ist der amt-
lichen Rechtsbeiständin ein angemessen erscheinendes Honorar in der
Höhe von pauschal Fr. 200.– (inkl. Auslagen) zuzusprechen, da sie vorlie-
gend keine Rechtsschrift verfasst hat.
(Dispositiv nächste Seite)
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