Decision ID: c6f8af6d-f66f-430b-b981-f7bef5e90ff9
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1985 geborene
X._
erlitt noch während ihrer Ausbildung an einer Kunstschule zur Restauratorin am
4.
September 2004 einen Autounfall mit multiplen Verletzungen auf der rechten Körperseite, insbesondere an der rechten Hüfte (
Urk.
6/13-14,
Urk.
6/259/3). Sie meldete sich deshalb im Januar 2006 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons
X._
, IV-Stelle, zum
Leistungsbe
zug
an. Diese nahm unter
Beizug
der Unfallversicherungsakten diverse medizi
nische und berufliche Abklärungen vor (unter anderem eine polydisziplinäre Begutachtung bei der
Medas
Y._
, Gutachten vom
5.
Oktober 2006,
Urk.
6/44) und übernahm die Mehrkosten der erstmaligen beruflichen Ausbildung zur Kosmetikerin einschliesslich Taggelder (
Urk.
6/65,
Urk.
6/67,
Urk.
6/73). Die Versicherte übte diesen Beruf zuletzt von November 2008 bis April 2012 in einem 60%-Pensum (
Urk.
6/78) und im Anschluss bis Ende Oktober 2013
im 40%-Pensum bei der
Z._
AG aus.
Hinsichtlich der Beurteilung des
anbegehrten
Rentenanspruchs zog die IV-Stelle das rheumatologische Gutachten von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Rheuma
tologie, vom 1
1.
Juni 2010 zu Händen der Unfallversicherung sowie einen Untersuchungsbericht ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD),
Dr.
A. Stamm, vom 3
1.
August 2010 (
Urk.
6/127) bei und ordnete mit Verfügung vom 1
9.
Januar 2012
die Erstellung eines rheumatologischen Gutachtens bei
Dr.
med.
A._
, FMH
Allgemeine Innere Medizin
,
FMH
Rheumatologie
, an
(
Urk.
6/165). Das beim Versicherungsgericht des Kantons
X._
gegen diese Verfügung erhobene Rechtsmittel (Urk. 6/168)
wurde gutgeheissen und
die Sache
an die IV-Stelle des Kantons
X._
zurück
-
gewiesen
.
Die
Rechtsmittel
instanz
begründete ihren Entscheid damit,
dass die Vorinstanz im angefochte
nen Entscheid sich nicht mit den vorhandenen medizinischen Akten auseinan
dergesetzt habe und eine Begründung, weshalb ein weiteres Gutachten einzu
holen sei, missen
lasse, weshalb sie den Anspruchs auf rechtliches Gehör ver
letzt habe;
dies allein
rechtfertige bereits eine Aufhebung des angefochtenen Entsc
heids (Urk.
6/188/
1-14
).
Die IV-Stelle des Kantons
X._
holte
in der Folge weitere medizinische
Verlaufsberichte ein
(Urk. 6/195,
Urk.
6/204-2
08,
Urk.
6/214,
Urk.
6/217, Urk. 6/
219)
und sah
in der Folge
von der Einholung des rheumatologischen Gutachtens ab (
Urk.
6/221). Am 2.
Mai 2013 wurde die Ver
sicherte Mutter einer Tochter, wo
rüber
sie die
IV-Stelle mit Schreiben vom
8.
Oktober 2013 in Kenntnis setzte (
Urk.
6/228).
In der Folge sprach d
ie IV-Stelle
der Versicherten
mit Verfügung vom
2
7.
Februar 2014
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100
%
eine befrist
ete ganze Invalidenrente vom 1.
September 2005 bis
am 31.
August 2006
und
vom 1. Oktober 2009
bis am 30.
April 2010
und
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 69
%
eine unbefris
tete
Dreiviertelsrente
ab 1.
Mai 2010 zu
(
Urk.
6/
238, Urk. 6/235 [Verfügungsteil 2]
)
.
X._
verlegte ihren Wohnsitz im
Jahr 2014 in den Kanton Zürich, worauf die IV-Stelle des Kantons Zürich örtlich zuständig wurde (
Urk.
6/243). Im Oktober 2014 wurde ein Revisionsverfahren
eingeleitet (Frage
bogen vom 28.
Oktober 2014
;
Urk.
6/245
).
Die IV-Stelle holte in der Folge
einen Bericht der behandelnden Hausä
rztin (
Urk.
6/248) sowie einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug,
Urk.
6/256) ein und zog
das zu Händen der Unfallversicherung ergangene Gutachten von Prof.
Dr.
med. et h.c.
B._
, Orthopädische Chirurgie FMH, spinale Chirurgie, vom 1
8.
August 2014 (
Urk.
6/259) bei.
Per 1
6.
Mai 2015 zog die Versich
erte in den Kanton
C._
(Urk. 6/2
50
)
, worauf
die IV-Stelle
des Kantons
C._
auf Ersuchen der zür
cherischen IV-Stelle
am 1. Juli 2015
eine Abklärung im Haushalt durch
führte
(Abklärungsbericht vom 1. Juli 2015, Urk. 6/255)
.
Nach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
(Vorbescheid vom 1
6.
September 2015 [
Urk.
6/261],
Einwand vom 1
6.
Oktober 2015 [
Urk.
6/265])
hob die IV-Stelle des Kantons Zürich
die bisherige
Dreiviertelsrente
– unter Hinweis darauf, dass gemäss ihren Abklärun
gen ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad vorliege –
wiedererwägungs
weise
mit Verfügung vom
5. November 2015 (
Urk.
6/268 [=
Urk.
2]) auf Ende des der angefochtenen Verfügung folgenden Monats auf.
2.
Gegen diese Verfügung legte
die
Versicherte mit Eingabe vom
7.
Dezember
2015 beim Verwaltungsgericht des Kantons
C._
Beschwerde
(Urk. 2/1)
ein
, welches mit
Entscheid vom 1
0.
Dezember 2015
(
Urk.
1)
mangels
örtliche
r
Zuständigkeit
nicht auf die Beschwerde eintrat
und in der Folge die Beschwerde zur Beurteilung an das hiesige Gericht überwies. In
ihrer
Beschwerde stellte die Beschwerdeführerin
folgende Anträge:
„1.
Es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
5.
November 2015 aufzu
heben.
2.
Es sei der
es
chwerdeführerin
weiterhin die ihr zustehende Invalidenrente zuzusprechen.
3.
Es sei der Abklärungsbericht Haushalt/Rente vom
1.
Juli 2015 vollständig aus dem Recht zu weisen.
4.
Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen zwecks Durchführung einer neuen Haushaltsabklärung unter Wahrung der massgebenden verfahrensrechtlichen Bestimmungen des ATSG sowie des IVG.
5.
Es sei betreffend die Einschränkung der Beschwerdeführerin im Haushalt ein medizinisches Gutachten einzuholen.
6.
Eventualiter sei betreffend die Einschränkung der Beschwerdeführerin im Haushalt die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen zwecks Einholens eines medizinischen Administrativgutachtens
7.
Es sei ein zweiter Schriftenwechsel vorzunehmen.
8.
Es sei gestützt auf
Art.
6 EMRK eine öffentliche Verhandlung durchzufüh
ren.
9.
Es sei der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zuzuerken
nen.“
Mit Beschwerdeantwort vom
28
.
Januar
20
16
beantragte die IV-Stelle Abwei
sung der Beschwerde (Urk.
5
)
, wovon die Beschwerdeführerin mit
Verfügung vom 2
3.
Februar 2016
in Kenntnis gesetzt wurde. In derselben
Verfügung
wurde das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde abgewiesen und die Beschwerdeführerin darauf hingewiesen, dass das Gericht die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels nicht als notwendig erachte
(Urk.
7
).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
In formeller Hinsicht machte die Beschwerdeführerin zunächst geltend
,
es sei fraglich, ob die Beschwerdegegnerin eine Verfügung der Ausgleichskasse des Kantons
X._
überhaupt in Wiedererwägung ziehen könne (
Urk.
1 S. 10).
Diese Rüge
ist
vorab zu prüfen.
1.2
Angesichts der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ergibt sich, dass die
örtlich für das Revisionsverfahren zuständige Beschwerdegegnerin
zum Erlass der
Wie
dererwägungsverfügung
zuständig war.
Es verhält sich hier nicht anders, als wenn
eine bisher nicht beteiligte Ausgleichskasse die von einer anderen
Aus
gleichskasse
erlassene Verfügung
oder die sachlich neu zuständige IV-Stelle eine Verfügung der Ausgleichskasse
in Wiedererwägung ziehen kann
(BGE 122 V 169 E. 4b)
.
S
y
stembedingte Gründe
machen
die Änderung von
Zuständigkei
ten
unumgänglich
, im IV-Bereich je nachdem,
ob
die versicherte Person
ihren
Wohnsitz
ändert
,
und
im AHV-Bereich
abhängig
davon
, ob die beitragspflich
tige Person als Selbständig- oder
Unselbständigerwerbend
zu
qualifizier
en
ist
(
vgl. auch
SVR 2008 IV Nr. 46 = Urteil des Bundesgerichts I 143/06 vom 2
3.
Januar 2007; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts I 330/02 E. 6 vom 1
9.
Dezember 2003)
.
2.
2.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen).
2.2
Der Revisionsordnung gemäss
Art.
17 ATSG geht
jedoch
der Grundsatz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn diese zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 110 V 176 E. 2a;
Art.
53
Abs.
2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwal
tung eine
Renten
verfügung
auch dann abändern, wenn die Revisionsvorausset
zungen des
Art.
17
Abs.
1 ATSG nicht erfüllt sind.
2.3
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.4
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
2.
6
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach Mass
gabe des
Art.
69
Abs.
2
der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]
; vgl. auch
Rz
. 3084 ff. des Kreisschreibens des BSV über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH]) stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der gesundheitlichen Ein
schränkung im Haushalt dar (Urteil
des Bundesgerichts
9C_201/2011 vom 5. September 2011 E. 2, in: SVR 2012 IV Nr. 19 S. 86). Einer ärztlichen
Fach
person
, die sich zu den einzelnen Positionen der Haushaltführung unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat, bedarf es nur in Ausnahme
fällen, namentlich bei unglaubwürdigen Angaben der versicherten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen (Urteil des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 2
8.
Mai 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen
).
Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt einer versi
cherten Person sind – analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskraft von Arztberichten (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweis) – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhält
nissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beein
trächtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicher
ten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 [in BGE 129 V 67 nicht veröffentlichte Erwägung]; Urteil des Bundesgerichts I 733/03 vom
6.
April 2004 E. 5.1.2; vgl. auch BGE 130 V 61 E. 6.2 und 128 V 93 E. 4 betreffend Abklärungsberichte im Zusammenhang mit der Hauspflege und Hilflosigkeit). Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haushalt massgebend, sondern gelten analog für jenen Teil eines Abklärungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von teilerwerbstätigen Versicherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen
).
Der Abklärungsbericht ist seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Ausmasses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten, weshalb seine grundsätzliche Massgeblichkeit unter Umständen Einschränkungen erfah
ren kann, wenn die versicherte Person an psychischen Beschwerden leidet. Grundsätzlich jedoch stellt er auch dann eine beweistaugliche Grundlage dar, wenn es um die Bemessung einer psychisch bedingten Invalidität geht, das heisst wenn die Beurteilung psychischer Erkrankungen im Vordergrund steht (AHI 2004 S. 137 E. 5.3). Widersprechen sich die Ergebnisse der Abklärung vor Ort und die fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, ist aber in der Regel den ärztli
chen Stellungnahmen mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsabklärung, weil es der Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen (Urteile des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1,
9C_986/2009 vom 11. November 2010 E. 7.2 und 9C_631/2009 vom 2. Dezember 2009 E. 5.1.2, je mit Hinweisen).
3.
Streitig und zu prüfen ist, ob die von der Beschwerdegegnerin am
5.
November 2015 verfügte Renteneinstellung zu Recht erfolgt ist.
3.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid, nachdem die Be
schwerdeführerin am
2.
Mai 2013 Mutter einer Tochter geworden sei, hätte zwingend die Qualifikation im Erwerbs-/Aufgabenbereich neu ermittelt werden müssen
. Da die Sachverhaltsabklärung
aufgrund dieses Verfehlens
somit nicht rechtskonform erfolgt sei, sei die Verfügung vom 2
7.
Februar 2014 zweifellos unrichtig und in Wiedererwägung zu ziehen. Die
aktuellen
Abklärungen hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall nach der Geburt ihrer Tochter in einem 50%-Pensum im Erwerbsbereich tätig gewesen wäre
und dass 50
%
auf den Aufgabenbereich entfallen
wären
.
Gemäss dem Abklärungsbericht liege i
m Aufgabenbereich eine Einschränkung von 12
%
vor.
Zur Ermittlung der Einschränkungen im Haushal
t bedürfe es vorliegend
keines
Beizugs
einer ärztli
chen Fachperson.
Auf den
Haushaltsa
bklärungsbericht
könne abgestellt werden
.
Die Abklärungen hätten keine Einschränkung im Erwerbsbereich ergeben, d
ie Beschwerdeführerin sei in ihrer bisherigen Tätigkeit als Kosmetikerin zu 50
%
arbeitsfähig und auch in
einer angepassten Tätigkeit
sei es ihr zumutbar,
wäh
rend
mindestens vier bis sechs Stunden pro Tag zu arbeiten
(Urk.
2/2)
.
3
.2
D
ie
Beschwerdeführer
in brachte in ihrer
Beschwerde dagegen
im Wesentlichen
vor,
die Tatsache, dass die damals zuständige IV-Stelle des Kantons
X._
keine Abklärungen getroffen ha
be
, nachdem sie von der Beschwerdeführerin über die Geburt ihrer Tochter informiert worden
sei
, lasse die Verfügung vom 27. Februar 2014 nicht unrechtmässig erscheinen.
Es
werde bestritten, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung sich dahingehend geäussert haben soll, dass sie im Gesundheitsfall zu 50
%
arbeitstätig wäre und ihre Tochter
für den Rest der Zeit
in den Kinderhort geben würde.
Aufgrund ihres intakten Familienumfeldes und da sie mit einem Arzt verheiratet sei
,
hätte sie im Gesundheitsfall problemlos auch ein 80%-Pensum ausüben können
.
Die Einschränkungen im Haushalt seien mit 12
%
viel zu tief bemessen, weshalb zu dieser Frage eine Begut
achtung durchzuführen sei
.
Auf den Abklärungsbericht vom
1.
Juli 2015 dürfe nicht abgestellt werden. D
ie Anwendung der gemischten Methode verstosse
sodann
gegen
Art.
8 EMRK (
Urk.
2/
1).
4.
4.1
Zu prüfen ist zunächst, ob die Verfügung vom
27. Februar 2014 (
Urk.
6/238, Urk. 6/235 [Verfügungsteil 2])
, mit welcher der Beschwerdeführerin
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 69
%
ab
1.
Mai 2010
eine unbef
ristete
Dreiviertels
rente
zugesprochen wurde (
Urk.
6/231),
von der Beschwerdegegnerin zu Recht
ex
nunc
ez
pro
futuro
in Wiedererwägung gezogen wurde.
4.2
Die Verwaltung kann auf formell rechtskräftige Verfügungen zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erhebli
cher Bedeutung ist. Zweifellose Unrichtigkeit im wiedererwägungsrechtlichen Sinn liegt etwa vor, wenn die Verfügung aufgrund falscher oder unzutreffender Rechtsregeln erlassen oder wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewendet wurden. Weiter kann eine zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung auch bei unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts gegeben sein. Darunter fällt insbesondere eine unvollständige Sachverhaltsabklärung aufgrund einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61
lit
. c ATSG). Die Wiedererwägung im Sinne dieser Bestimmung dient somit der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststel
lung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts.
4.3
Die IV-Stelle des Kantons
X._
nahm
bei der
Rentenzusprache
vom
27. Februar 2014 (
Urk.
6/238, Urk. 6/235 [Verfügungsteil 2])
einen
Einkom
mensvergleich
vor und errechnete so den IV-Grad der Beschwerdeführerin. Am 2. Mai 2013 wurde die
Beschwerdeführerin
allerdings
Mutter einer Tochter. Hierüber setzte sie die
IV-Stelle mit Schreiben vom 8.
Oktober 2013 in Kenntnis
und teilte ihr zudem mit, sie habe aufgrund der Niederkunft ihrer Tochter ihre Anstellung als Kosmetikerin bei
ihrer bisherigen Arbeitgeberin
per 31. Oktober 2013 gekündigt
(
Urk.
6/228
, vgl. auch Urk.
6/230
).
Diese nach der damaligen Rechtslage revisionsrechtlich relevanten Umstände blieben
bei der Wahl der Bemessungsmethode unberücksichtigt.
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, führt je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbemessung (
Einkom
mensvergleich
, Betätigungsvergleich, gemischte Methode) und ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde.
Diese Prüfung fand nicht statt. Weder führte die damals zuständige IV-Stelle eine
Haushaltsabklä
rung
durch, noch betätigte sie sonst wie Abklärungen zur familiären Situation und dem hypothetischen Umfang der Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall. Damit klärte die IV-Stelle den Sachverhalt in Missachtung ihr im Zeitpunkt der
Rentenzusprache
bekannter Veränderungen in den massgeblichen Verhältnissen ungenügend ab und wandte die rechtlichen Grundlagen der unterschiedlichen Invaliditätsbemessungsmethoden nicht an. Jedenfalls lässt sich der Aktenlage nicht entnehmen, dass die damals zuständige IV-Stelle für die Zeitperiode nach Mai 2013 einen bewussten Entscheid zugunsten der
Einkommensvergleichsme
thode
fällte, was angesichts der fehlenden Sachverhaltsgrundlagen auch rechts
widrig gewesen wäre.
Somit steht fest, dass die
Rentenzusprache
nach Eintritt des Revisionsgrundes
aufgrund unrichtiger Rechtsanwendung
und unvollständiger
Sachverhaltsab
klärung
erfolgt ist
.
Nach Lage
der Akten
ist somit
die
Verfügung vom 2
7.
Februar 2014
als
zweifellos unrichtig im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG
hinsichtlich der
Zusprache
der unbefristeten Dreiviertelrente ab
1.
Mai 2010
zu qualifizieren.
Da die Berichtigung der Verfügung vom 2
7
. Februar 20
1
3, mit der eine Rente bzw. eine periodische Leistung zugesprochen wurde, auch von erheblicher Bedeutung ist, war die Beschwerdegegnerin demnach befugt,
wiedererwä
gungsweise
darauf zurückzukommen.
Die Verfügung vom 2
7
. Februar 20
1
3 wurde von der Beschwerdegegnerin daher zu Recht wiedererwägungsweise aufgehoben.
5.
Sind die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung erfüllt, müssen die Anspruchsberechtigung und allenfalls der Umfang des Anspruchs
ex
nunc
et
pro
futuro
geprüft werden. Wie bei einer materiellen Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG ist auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts der Invaliditätsgrad zu ermitteln (Urteile des Bundesgerichts 9C_837/2010 vom 30. August 2011 E. 3.1 und 9C_960/2008 vom 6. März 2009 E. 1.2 mit Hinweisen).
6.
Die medizinische Aktenlage zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfü
gung gestaltete sich wie folgt:
6
.
1
Dem orthopädischen Gutachten vom 1
8.
August 2014
von Prof.
Dr.
med
. B._
zu Händen de
s Unfallversicherers sind folgende Diagnosen zu entnehmen (
Urk.
6/259/13):
-
Status nach Osteosynthese einer mehrfragmentären
Acetabulum-Luxati
onsfraktur
rechts mit posttraumatischer
Coxarthrose
rechte Hüfte
-
Status nach Fusion und Dekompression einer posttraumatisch symptoma
tischen
Spondylolisthese
L5/S1 Grad
I
bei
Spondylolyse
L5
-
Status nach
Bursektomie
Knie rechts nach offener Verletzung
Sodann wurde ausgeführt von einer Hüftprothese bei
Coxarthrose
könne im Grunde genommen jetzt, aber auch in Zukunft, eine Besserung erwartet werden, wobei festzuhalten
sei
, dass je länge
r die schmerzhafte Hüfte
mit den entspre
chenden Einschränkungen und zusätzlichem ungünstigem Effekt auf die Rückenproblematik
bestehe
, desto wahrscheinlicher
sei
es, dass
Restbeschwer
den
nach der Operation
zurückbl
i
e
ben
.
Die Beschwerdeführerin habe zuletzt als Kosmetikerin gearbeitet, wo eine gute Arbeitsplatzadaptation erreicht werden könne. Das sei eine sitzende Tätigkeit mit einem Spezialstuhl. Es könne davon ausgegangen werden, dass diese Tätigkeit drei bis vier Monate postoperativ in gleichem Umfang wie präoperativ wieder aufgenommen werden könne. Ob das Pensum darüber hinaus gesteigert werden könne, bleibe abzuwarten (Urk. 6/259/16). Aufgrund der Kombination einer posttraumatischen
Coxarth
rose
auf der rechten Seite, die mit den Jahren mit überwiegender Wahrschein
lichkeit zunehmen werde und welche eine Arbeitsunfähigkeit von etwa 25 Pro
zent ausmache, mit einem Zustand nach
Spondylodese
L5/S1 wegen
Spondylo
listhese
Grad I-II, welche eine Einschränkung von etwa 20 Prozent ausmache, insbesondere für einen dauernd stehenden oder dauernd sitzenden Beruf, könne von einer zurzeit dauernden Arbeitsunfähigkeit von etwa 40 Prozent ausgegan
gen werden (
Urk.
6/259/18).
Auf die Frage nach den körperlichen Belastungen, Verrichtungen und Arbeiten, welche für die Beschwerdeführerin aufgrund der unfallbedingten gesundheitli
chen Beeinträchtigungen noch zumutbar seien, führte der Gutachter aus,
eine
Tätigkeit als Malerin komme kaum in Frage. Als Kosmetikerin dürfte sie in der sitzenden Position im angepassten Arbeitsstuhl eine mindestens vier- bis sechs
stündige Arbeitsleistung pro Tag erreichen. In einer optimal angepassten Tätig
keit werde die Arbeitsunfähigkeit auf 30-40 % geschätzt
(Urk.
6/259/18)
.
6.
2
Dem am 2
7.
Februar 2015 im
D._
erfassten Bericht der behandelnden
Hausärz
tin
Dr.
med.
E._
, FMH Allgemeine Innere Medizin,
FMH
Medizinische Onkologie
, zu Händen der Beschwerdegegnerin
(Urk.
6/248
/
1-5)
,
kann entnommen werden
,
als Kosmetikerin sei die Beschwer
deführerin
seit Januar 2010 und bis auf weiteres
zu 60
%
arbeitsunfähig (
Urk.
6/248/2). Auf die Frage unter Ziffer 1.7, ob die bisherige Tätigkeit aus medizinischer Sicht noch zumutbar sei, notierte die Hausärztin, „60
%
“. Auf die Frage, ob eine verminderte Leistungsfähigkeit bestehe und wenn ja, in welchem Ausmass, notierte sie sodann „40
%
[4
giorni
- 4
ore
di
lavoro
]
“ (
Urk.
6/248/3).
6.
3
Am
1.
Juli 2015 erfolgte eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeits
fähig
keit in Beruf und Haushalt.
Im Abklärungsbericht vom 1. Juli 2015 (Urk. 6/
255
) notierte die
Abkläru
ngs
person
,
die
Beschwerdeführerin habe erklärt, dass
sie vor der Geburt der Tochter an vier Tagen für vier Stunden im Modehaus
Z._
in der Kosmetikabteilung gearbeitet habe. Seit der Niederkunft des Kindes sei sie keiner ausserhäuslichen Tätigkeit mehr nachgegangen. Die Beschwerdeführerin habe sodann ausgesagt, dass sie im Gesundheitsfall im Rahmen von 50
%
einer ausserhäuslichen Tätigkeit nachgehen und ihre Tochter in den Kinderhort geben würde. Die Tochter gehe bereits jetzt zweimal wöchentlich in die
Kinderspiel
gruppe
(
Urk.
6/255/3)
.
Die Abklärungsperson kam sodann zum Schluss, dass es
„
im Lichte der Erwägungen
“
nachvollziehbar sei, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall aufgrund ihrer Ausbildung und ihrem Lebensstil einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Gemäss der “Statistik BFS 2014“ würden Mütter mit Kleinkindern im Alter von 0-6 Jahren mehrheitlich in Teilzeit arbei
ten. Sie werde daher als zu 50
%
im Erwerb- und zu 50
%
im Aufgabenbereich tätig qualifiziert (
Urk.
6/255/4).
Zudem notierte die Abklärungsperson die kon
kreten Aufgabenbereiche, deren prozentuale Gewichtung und die jeweiligen Einschränkungen und kam zum Schluss, die Beschwerdeführerin sei im Haus
halt zu
12
% eingeschränkt (Urk.
6
/
255
/
11
).
7.
Strittig sind vorliegend sowohl der Umfang der Erwerbstätigkeit im
Gesundheits
fall
(Statusfrage)
als auch die Einschränkung im Aufgabenbereich.
7.1
7.1.1
Die Beschwerdeführerin rügte in formeller Hinsicht,
der
Haushaltsabklärungsbe
richt
sei aus dem Recht zu weisen
, da die Beschwerdegegnerin es unterlassen habe,
den
Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin
schriftlich über die vorgese
hene Haushaltsabklärung zu informieren
,
und sich vielmehr direkt an sie gewandt
habe
, weshalb sie sich nicht über ihre Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit der Haushaltsabklärung habe informieren können. In die
sem Zusammenhang werde bestritten, dass sie der Beschwerdegegnerin mitge
teilt habe, dass ihr Rechtsvertreter nicht über den Abklärungstermin
zu infor
mieren sei (Urk. 1 S.
7
f.).
7.1.2
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers besteht bei einer Abklärung an Ort und Stelle kein Anspruch auf Begleitung durch einen Rechtsvertreter (Urteile des Bundesgerichts 8C_504/2014 vom 2
9.
September 2014 E. 5.2.2, 9C_144/2014 vom 1
9.
Mai 2014 E. 4
;
vgl. auch Kreisschreiben über das Ver
fahren in der Invalidenversicherung [KSVI] vom
1.
Januar 2010
Rz
. 2115, 1, 1/16; vgl. auch BGE 140 V 260 E. 3.2.3, 132 V 443; SVR 2008 IV Nr. 18 E. 4.5,
wo
in Bezug auf gutachterliche Abklärungen der Ausschluss der Teilnahme einer Drittperson als zulässig erachtet wurde). Auch bezüglich der Vorlage zur Durchsicht oder Unterzeichnung der an Ort und Stelle erfassten Angaben an die versicherte Person (oder deren Rechtsvertreter) besteht keine strikte Verpflichtung. Eine solche lässt sich weder aus dem Anspruch auf recht
liches Gehör noch aus den Mitwirkungsrechten im Verwaltungsverfahren ablei
ten. Auch
muss
die Anordnung der Durchführung einer Haushaltsuntersuchung nicht in Verfügungsform
erfolgen
(Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsge
richts
I 4
85/06 vom 2
7.
September 2006 E.
5.2). Das Bundesgericht erachtet als genügend, wenn der versicherten Person nachträglich – im Rahmen des
Vorbe
scheidverfahrens
– in den Bericht Einblick
gegeben wird
und zu den dortigen Schl
ussfolgerungen Stellung genommen werden kann
(BGE 128 V 93 E. 4, 119
Ia
262 E. 6c, Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsge
richt
s
I 202/03 vom
7.
April 2004 E.
2.2). Vorliegend konnte d
ie
Beschwerde
führer
in
resp. de
r
en Rechtsvertreter im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
zu den Ergebnissen der Haushaltsabklärung vom
1.
Juli 2015
Stellung nehmen. Es lieg
t
demnach keine
Veranlassung
vor, den Haushaltsabklärungsbericht aus dem Recht zu weisen. Die Beschwerdeführerin legte letztlich auch keine Gründe dar, die es rechtfertigen würden, zu einem anderen Schluss zu kommen. Da kein
Anspruch
auf Teilnahme
des Rechtsvertreters
an der Haushaltsab
klärung besteht, erübrigen sich
weitere Ausführungen zum Vorbringen, es entspreche nicht der Wahrheit,
dass
die Beschwerdeführerin
a
uf die Information ihres Rechtsvertreters über die anstehende Haushaltsabklärung verzichtet
habe
(vgl.
Urk.
6/267).
7.2
7.2.1
Die Abklärung der Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit im Haushalt vom
1. Juli 2015
(
Urk.
6/255/1-11)
wurde in Kenntnis der Diagnosen und Beschwer
den der Beschwerdeführerin
(
Status nach Verkehrsunfall
, Status nach Dash
board
injury
, Status nach
Spondylodese
L5/S1, Status nach Kniekontusion recht, Status nach
Bursektomie
rechts, aktuell sekundäre
Coxarthrose
rechts)
vorgenommen. Der Bericht enthält eine eingehende Abklärung der
Wohnver
hältnisse
sowie der im Haushalt der Beschwerdeführerin anfallenden Tätigkei
ten. In Übereinstimmung mit der diesbezüglichen Verwal
tungspraxis wurden darin die im Haushalt anfallenden Tätigkeiten in sieben Aufgabenbereiche auf
geteilt (Haushaltführung, Ernährung, Wohnungspflege, Einkauf, Wäsche und Kleiderpflege, Betreuung von Kindern oder anderen Fami
lienangehörigen, Ver
schiedenes). Die sieben Aufgabenbereiche wurden nach deren prozentualen Gewichtung im Vergleich zu sämtlichen anfallenden Tätig
keiten bewertet. Die Abklärungsperson ermittelte sodann für jeden der
sieben
Bereiche die konkrete Behinderung, woraus gesamthaft eine Einschränkung von
gerundet 12
% resul
tierte
,
wobei i
n den
Bereich
en
Haushaltsführung
, Einkauf, Wäsche und
Kleider
pflege
sowie
V
erschiedenes
keine Einschränkung angenommen wurd
e
. Die Abklärungsperson berücksichtigte dabei die Angaben der Beschwerdeführerin und begründete ihre Einschätzung pla
usi
bel und nachvollziehbar. Der
Abklä
rungsbericht
ist entsprechend voll beweis
kräftig (vgl.
E.
2.7
).
7.2.2
Die von der Beschwerdegegnerin ermittelte E
inschränkung im Haushalt von 12
% wurde von der Beschwerdeführerin bestritten und als zu tief
bemessen
bezeichnet.
Allerdings
brachte die Beschwerdeführerin
nicht vor, inwiefern die Beschwerdegegnerin ihr Ermessen über- oder unterschritten haben soll und in welchem Bereich aus welchen Gründen von einer höheren Einschränkung aus
zugehen
gewesen
wäre, weshalb sich weitere Ausführungen dazu erübrigen.
Da es einer
ärztlichen Fachperson, die sich zu den einzelnen Positionen der Haus
haltführung unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat,
nur dann
bedarf
, wenn die
versicherte Person
unglaubwürdige Angaben macht
, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen
(E. 2.7)
, besteht vorliegend
entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
keine Notwendigkeit, eine medi
zinische
Stellungnahme zu diesen Schilderungen
einzuholen.
7.2.3
Die Beschwerdeführerin
bestreitet,
gegenüber der Abklärungsperson geäussert
zu haben
, dass sie im Gesundheitsfall zu 50
%
arbeiten würde.
Vielmehr
könnte sie auch ein 80%-
Pensum ausüben
(
Urk.
2/1/11-12)
.
Der Bericht sei von ihr auch nicht unterschrieben.
Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin seit der Geburt ihrer Tochter im Mai 2013 Betreuungspflichten gegenüber dieser zu wahren hat
und nach gelebter Aufgabenaufteilung der Eheleute die Betreuung und Besorgung bzw. Organisation des Haushalts der Beschwerdeführerin obliegen. Der Hinweis der Beschwerdeführerin, ihr Ehemann sei Arzt (
Urk.
1 S. 12), bekräftigt diese
Auf
gabenaufteilung
und spricht keinesfalls für ein höheres Erwerbspensum. Ihren Vorbringen (intaktes Familienumfeld und Betreuungsmöglichkeiten) ist ferner entgegenzuhalten, dass nicht der theoretisch (maximal) mögliche Umfang, son
dern der im Gesundheitsfall überwiegend wahrscheinlich effektiv ausgeübte Umfang der Erwerbstätigkeit massgeblich ist. Vorliegend sprechen sämtliche Indizien (finanzielle Verhältnisse, Aufgabenaufteilung der Eheleute, Aufgabe ihrer erwerblichen Tätigkeit mit Geburt des Kindes) gegen ein
höhergradiges
Pensum. Hinzu kommen die im Bericht wiedergegebenen Aussagen zur hypo
thetisch ausgeübten ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit. Richtig ist, dass die Beschwerdeführerin den Abklärungsbericht nicht unterzeichnet hat. Es ist indes für die Beweiskraft nicht erforderlich, die vor Ort und Stelle erfassten Angaben der versicherten Person ihr zur Durchsicht und Bestätigung vorzulegen (vgl. BGE 128 V 94 E. 4 mit Hinweisen; vgl. E. 7.1.2). Die pauschale Bestreitung ihrer Äusserung zum hypothetischen Umfang der Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall ohne Angabe dessen, was sie ihrer Ansicht nach zu dieser Frage gesagt haben soll, ist weder glaubhaft noch lässt dies die Schlussfolgerung als unzutreffend erscheinen, weil bereits gewichtige Indizien einen Umfang von 50
%
nahe legen. Dem Bericht lassen sich keinerlei Hinweise daraufhin finden, dass die deutschsprachige Beschwerdeführerin die mit Sicherheit gestellte Frage nicht verstanden oder in ihrem Sinne nicht einwandfrei erfasst hätte.
7.3
Nach dem Gesagten erscheint die vorgenommene Qualifikation der Beschwerde
führerin als im Umfang von 50
%
erwerbstätig und zu 50
%
im Aufgabenbe
reich tätig als überwiegend wahrscheinlich, weshalb für den Zeitraum seit der Geburt der Tochter im Mai 2013 davon auszugehen ist.
Nicht auszuschliessen ist indes, dass im Zuge aktueller medizinischer Abklärun
gen (vgl.
nachstehend
E. 8) und in Kenntnis neuerer medizinischer Erkenntnisse über die Leistungseinschränkungen der Beschwerdeführerin eine aktuelle Beur
teilung der Einschränkung im Haushalt notwendig wird.
8
.
8
.1
Aus dem im Recht liegenden Arztbericht der Hausärztin
Dr.
E._
sowie dem orthopädischen Gutachten zu Händen des Unfallversicherers
(vgl. E.
6.1-6.2
) geht keine klar
e
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit hervor. Der aktuelle Bericht der Hausärztin
(E. 6.2)
ist dürftig und widersprüchlich, geht
Dr.
E._
doch unter
Ziff.
1
.6
von einer 60%igen Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit aus, notiert unter
Ziff.
1.7 dann jedoch, sie erachte die bisherige Tätigkeit als zu 60
%
zumutbar
. Sodann sei d
ie Leistungsfähigkeit d
er Beschwerdeführerin insofern
vermindert, als ihr die bisherige T
ä
tigkeit zu 40
%
in der Form von vier Stunden Arbeit an vier Tagen pro Woche
zumutbar sei (vgl.
Urk.
6/248/2-3).
Auch die
Ausführungen des
orthopädischen
Gutachters erweisen sich als
ungenügend und widersprüch
lich. Insbesondere wurde ausgeführt, dass nach der Operation der Beschwerde
führerin die vormals ausgeübte Tätigkeit im bisherigen Umfang wieder aufge
nommen werden
könne
, er lässt aber offen, ob das Pensum auch darüber hinaus gesteigert werden könnte (vgl. E.
6.1)
.
Der orthopädische Konsiliarius führte diesbezüglich
ausserdem
aus, eine 60%ige Arbeitsfähigkeit als Kosmetikerin im sitzenden Rendement, bei vier bis sechs Stunden pro Tag, sei zumutbar.
Dies entspricht indes
ein
em
höhere
n
Pensum, als
es
die Beschwerd
eführerin
vormals
ausgeübt hatte
. Gleichzeitig
bezeichnet es der Gutachter als offen, ob eine Stei
gerung der Leistungsfähigkeit möglich wäre.
Sechs Stunden Arbeit ergäben bei einer Normalarbeitszeit von 8,4 Stunden eine Einschränkung von lediglich 30
%
.
Zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit wurde lediglich aus
geführt, im jetzigen Zustand liege eine 30-40%ige Arbeitsunfähigkeit vor. Eine Begründung der Einschätzung oder weitere Angaben
zu den Anforderungen an eine angepasste Tätigkeit
hätten sich aufgedrängt,
sind dem Gutachten
jedoch
nicht zu entnehmen
(E. 6.1)
.
8
.2
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Beschwerdeg
egnerin die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung der Verfügung vom 2
7.
Februar 2014 zu Recht als erfüllt betrachtet hat. Eine zuverlässige Beurteilung des
aktu
ellen
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ist aufgrund der vorliegenden Akten jedoch nicht mög
lich.
Mit dem
Eventuala
ntrag auf E
inholung
eines Gerichtsgutachtens kann die
Beschwerdeführer
in
nicht gehört werden. Für die Einholung eines
Gerichtsgut
achtens
besteht vorliegend kei
n Raum, ist es im Rahmen der der
Beschwerde
gegnerin
obliegenden Abklärungspflicht doch Aufgabe der Beschwerdegegnerin
(
Art.
57
Abs.
1 IVG), die medizinische Grundlage für die
Entscheidfindung
zu schaffen
. Eine
solche
besteht
nach dem Gesagten noch nich
t
.
Es drängt sich somit eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin
auf (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.4, publiziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S. 3; vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2; § 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
)
.
Damit steht de
r
Beschwerdeführer
in
nach erfolgter Neubeurteilung durch die IV-Stelle wiederum der ganze Instanzenzug offen.
8.
3
Die angefochtene Verfügung ist deshalb insofern aufzuheben,
als die
Dreiviertels
r
ente
der Beschwerdeführerin mit Wirkung auf Ende des der Zustel
lung der Verfügung folgenden Monats
, mithin per Ende 2015,
aufgehoben wurde. Im Weiteren ist die Sache
an die Beschwerdegegnerin
(
örtliche Zuständigkeit in
Anwendun
g von
Art.
35 ATSG, Art.
55 IVG sowie
Art.
40
Abs.
1
lit
. a sowie
Abs.
3
i.V.m
.
Art.
88
Abs.
1 IVV)
zurückzuweisen, damit diese
den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und
dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
abklärt oder abklären lässt
. Gegebenenfalls
wird sie daran eine Haushaltsabklärung anzuschliessen haben. Danach hat sie über den Rentenanspruch der Beschwer
deführerin
ab 1. Januar 2016
neu zu verfügen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen
.
9.
Somit entfällt die Durchführung einer publikumsöffentlichen Verhandlung.
10.
Letztlich bleibt anzufügen, dass während des Abklärungsverfahrens bei der Beschwerdegegnerin bis zum Erlass der neuen Verwaltungsverfügung der Ent
zug der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde weiterhin bestehen bleibt. Wie bereits mit Verfügung vom 2
3.
Februar 2016 (
Urk.
7,
Ziff.
4) ausgeführt wurde, bestehen vorliegend keine Gründe zur Annahme, die Beschwerdeführerin habe ohne jegliche Grundlage eine Einstellung verfügt. Vielmehr erfolgte die
Wieder
erwägung
der Renten
verfügung
zu Recht.
11
.
11
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
11
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuem Entscheid als vollständiges Obsiegen, weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Prozessentschä
digung
hat. Diese ist gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht unter Berück
sichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr.
2‘
1
00
.--
(inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.