Decision ID: ee1d5276-8055-417f-ae12-73a6f8e4ef43
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 6. Oktober 2022 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte,
dass ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der europäischen Finger-
abdruck-Datenbank (Eurodac) vom 11. Oktober 2022 ergab, dass er am
4. Oktober 2022 bereits in Deutschland ein Asylgesuch gestellt hatte,
dass der Beschwerdeführer am 17. Oktober 2022 die gemäss Art. 102h
Abs. 1 AsylG (SR 142.31) zugewiesene Rechtsvertretung zur Vertretung
seiner Interessen im Asylverfahren bevollmächtigte,
dass ihm im Rahmen des sogenannten Dublin-Gesprächs vom 11. Novem-
ber 2022 das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Deutschlands für die
Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu einer allfälligen
Wegweisung dorthin sowie zum medizinischen Sachverhalt gewährt
wurde,
dass er hierbei vorbrachte, er habe am 30. September 2022 seinen Hei-
matstaat Türkei verlassen und sei über verschiedene Länder nach
Deutschland gereist sei, wobei sein Ziel die Schweiz gewesen sei,
dass er in Deutschland kurz vor der Weiterfahrt festgenommen und meh-
rere Stunden von den Behörden festgehalten worden sei, bevor er in die
Schweiz weitergereist sei,
dass ihn die Behandlung bei der Festnahme in Deutschland, als er sich
nackt zur Durchsuchung habe ausziehen müssen, an seine Haftzeit in der
Türkei erinnert und sich negativ auf sein psychisches Befinden ausgewirkt
habe, wobei er überdies gar kein Asylgesuch in Deutschland habe stellen
wollen,
dass er als weitere Gründe gegen eine Wegweisung nach Deutschland
vorbrachte, er sei einer der besten Studenten an einer der besten Univer-
sitäten der Türkei gewesen und würde gerne an der Universität in Zürich
Recht und Ökologie studieren,
dass er eine Wegweisung nach Deutschland so empfinden würde, als
würde man ihn töten und er schon einmal sein Leben in der Türkei verloren
habe,
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dass er in Deutschland keine Bekannten, in der Schweiz jedoch wenigs-
tens weit entfernte Verwandte und Familienfreunde habe,
dass er in medizinischer Hinsicht vorbrachte, er habe (...) sowie verstärkten
(...) und leide zudem an psychischen Problemen,
dass er wegen der in der Türkei erlebten Folter im Gefängnis an (...) und
(...)zuständen leide und medizinische Hilfe erhalte, wobei eine Überwei-
sung zu einem Psychologen geplant sei,
dass das SEM die deutschen Behörden am 11. November 2022 um Über-
nahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Ver-
ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-
mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-
angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags
auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) er-
suchte,
dass die deutschen Behörden das Übernahmeersuchen am 15. November
2022 guthiessen,
dass das SEM Abklärungen zum medizinischen Sachverhalt vornahm und
ein medizinisches Datenblatt des Bundesasylzentrums Basel vom 16. No-
vember 2022 vorliegt, wonach dem Beschwerdeführer wegen psychischer
Probleme (...) Antidepressiva verschrieben worden seien und er an einen
Psychologen überwiesen werde,
dass das SEM mit Verfügung vom 21. November 2022 – eröffnet gleichen-
tags – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch
nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Deutschland anord-
nete und den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz spätestens am
Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen,
dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-
scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten an den Beschwerdeführer verfügte,
dass die zugewiesene Rechtsvertreterin das SEM mit Schreiben vom
21. November 2022 über die Niederlegung des Mandats informierte,
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dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 28. November 2022 beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und beantragte, die vor-
instanzliche Verfügung des SEM sei aufzuheben, auf sein Asylgesuch sei
einzutreten und das Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen,
dass eventualiter die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache
zur erneuten Sachverhaltsfeststellung an die Vorinstanz zurückzuweisen
sei,
dass auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die un-
entgeltliche Prozessführung zu gewähren sei,
dass der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen sei und
die Vollzugsbehörden anzuweisen seien, auf Vollzugsmassnahmen zu ver-
zichten, bis über die Beschwerde entschieden worden sei,
dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am
29. November 2022 in elektronischer Form vorlagen,

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Verfahren sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel
– so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen
(Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 VGG;
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
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dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass in der Beschwerde ein Rückweisungsantrag wegen formeller Verfah-
rensfehler gestellt wurde,
dass das rechtliche Gehör verletzt worden sei, da seine Rechtsvertretung
während des gesamten Verfahrens nicht anwesend gewesen sei, weshalb
auch der Sachverhalt nicht umfassend habe erstellt werden können,
dass seine Rechtsvertretung ihn nicht auf das Dublin-Gespräch vorbereitet
habe und beim Gespräch nicht anwesend gewesen sei, weshalb er seine
Situation, wonach er sich bei einer Rückführung nach Deutschland wegen
der Auswirkungen einer Familienfehde in Lebensgefahr sehe, nicht ausrei-
chend habe erklären können,
dass er überdies nie ausdrücklich darauf verzichtet habe, dass ihm eine
angemessene Rechtsvertretung im Dublin-Verfahren zur Seite gestellt wer-
de,
dass zudem der Nichteintretensentscheid formelle Fehler dahingehend
aufweise, dass eine andere Person als der namentlich aufgeführte Fach-
spezialist die Verfügung unterschrieben habe,
dass in der Verfügung des SEM nicht berücksichtigt und erwähnt worden
sei, dass er in Deutschland bedroht werde und sein Leben in Gefahr sei
und auch der medizinische Sachverhalt nicht ausreichend erstellt worden
sei, sei doch der Arzttermin vom 7. Dezember 2022 nicht abgewartet wor-
den und habe sich sein psychischer Zustand durch den Behördenkontakt
in Deutschland verschlechtert,
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dass der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte und in den Art. 26 – 33 VwVG
konkretisierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs alle Befugnisse umfasst,
die einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirksam zur
Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1),
dass der Untersuchungsgrundsatz zu den allgemeinen Grundsätzen des
Verwaltungs- beziehungsweise Asylverfahrens gehört (Art. 12 VwVG i.V.m.
Art. 6 AsylG) und die Behörde demnach von Amtes wegen für die richtige
und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sor-
gen, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen zu beschaffen, die
rechtlich relevanten Umstände abzuklären und ordnungsgemäss darüber
Beweis zu führen hat,
dass das Dublin-Gespräch mit dem Beschwerdeführer vorliegend zwar in
Abwesenheit der zugewiesenen Rechtsvertretung geführt wurde, was je-
doch keine Verletzung rechtlicher Vorgaben zum Rechtsschutz im Dublin-
Verfahren beziehungsweise des rechtlichen Gehörs zur Folge hatte,
dass sich die Aufgaben der zugewiesenen Rechtsvertretung aus Art. 102h
Abs. 5 i.V.m. Art. 102k AsylG ergeben,
dass entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers die Anwesenheit
der Rechtsvertretung beim Dublin-Gespräch nicht zwingend vorgeschrie-
ben ist,
dass nämlich gemäss Art. 102k Abs. 1 Bst. b AsylG zu den Aufgaben der
Rechtsvertretung die Teilnahme an der Erstbefragung in der Vorberei-
tungsphase und an der Anhörung zu den Asylgründen gehört,
dass es sich bei dem Dublin-Gespräch hingegen nicht um eine Erstbefra-
gung im Rahmen der Vorbereitungsphase handelt, sondern vielmehr um
ein persönliches Gespräch (siehe Art. 5 Abs. 1 Dublin-III-VO), das nach
Art. 26b AsylG i.V. m. Art. 20b Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August
1999 (AsylV 1, SR 142.311) als rechtliches Gehörs zu einer allfälligen
Überstellung ausgestaltet ist (vgl. SCHWEIZERISCHE FLÜCHTLINGSHILFE
[SFH], Handbuch zum Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Auflage, 2021,
S. 160),
dass mögliche Asylvorbingen nicht Gegenstand des Dublin-Gespräches
sind, werden doch im Dublin-Gespräch im Gegensatz zur Erstbefragung
die Asylgründe grundsätzlich nicht erfragt,
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dass die Anforderungen an das persönliche Gespräch in Art. 5 Dublin-III-
VO aufgeführt sind und danach der die Zuständigkeit prüfende Mitglieds-
staat ein solches zu führen hat, um das richtige Verständnis der dem An-
tragsteller gemäss Art. 4 Dublin-III-VO bereitgestellten Informationen zu er-
möglichen und auf welches gemäss Art. 5 Abs. 2 Dublin-III-VO ausnahms-
weise verzichtet werden darf, wobei die Norm keine Teilnahme der Rechts-
vertretung vorsieht (zur effektiven Rechtsberatung siehe nur Art. 27 Abs. 5
Dublin-III-Verordnung),
dass die Teilnahme der zugewiesenen Rechtsvertretung am Dublin-Ge-
spräch zur wirksamen Interessenvertretung im Asylverfahren im Einzelfall
notwendig sein kann, auch wenn diese Aufgabe in Art. 102k AsylG nicht
erwähnt wird,
dass der Entscheid über die Notwendigkeit der Teilnahme am Dublin-Ge-
spräch jedoch der zugewiesenen Rechtsvertretung obliegt (vgl. auch
Pflichtenheft SEM zum Projekt (18108) 420 Beratung und Rechtsvertre-
tung in den Bundesasylzentren vom 18. Juni 2018, Ziff. 4.1 Bst. c: «Bei
Bedarf Begleitung der asylsuchenden Person zum Dublin-Gespräch im
Sinn von Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013»; online einsehbar auf
www.simap.ch) und die Nicht-Teilnahme der Rechtsvertretung bei rechtzei-
tiger Mitteilung des Termins die Rechtswirkung der Verfahrensschritte nicht
hemmt (vgl. Art. 102j Abs. 2 AsylG),
dass sich der Beschwerdeführer zudem – anders als im Fall des von ihm
zitierten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-4638/2022 vom 21. Ok-
tober 2022 – und entgegen seinen Behauptungen in der Beschwerde aus-
drücklich einverstanden erklärt hat, das Dublin-Gespräch ohne seine
Rechtsvertretung zu führen (vgl. act. SEM 14/1), zu welchem diese im Üb-
rigen vom SEM korrekt und rechtzeitig eingeladen worden war (vgl.
act. SEM 13/2),
dass sodann für den Beschwerdeführer und seine Rechtsvertretung zwi-
schen dem Dublin-Gespräch am 11. November 2021 und dem Erlass des
Nichteintretensentscheids vom 21. November 2022 genügend Zeit zur Ver-
fügung gestanden hätte, sich bei Bedarf zum Ablauf und zum Protokoll des
Dublin-Gesprächs zu äussern,
dass ferner angesichts der Bevollmächtigung der Rechtsvertretung nach
Art. 102h Abs. 1 AsylG am 18. Oktober 2022 (vgl. act. SEM 12/1) nicht
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glaubhaft erscheint, wenn der Beschwerdeführer in der Beschwerde be-
hauptet, überhaupt keinen Kontakt zu seiner Rechtsvertretung gehabt zu
haben,
dass unter diesen Umständen im vorliegenden Fall keine hinreichenden
Anhaltspunkte dafür bestehen, der Anspruch des Beschwerdeführers auf
rechtliches Gehör sei verletzt worden,
dass auch die sinngemässe Rüge, die Verfügung sei aufgrund der mangel-
haften Eröffnung durch die fehlerhafte Unterzeichnung für nichtig zu erklä-
ren beziehungsweise die Verfügung sei aufzuheben und die Sache zur er-
neuten Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen, abzuweisen ist,
dass eine der beiden Unterschriften auf der angefochtenen Verfügung of-
fenbar tatsächlich von einer anderen Person als dem aufgeführten Fach-
spezialisten stammt,
dass den Parteien aus einer mangelhaften Eröffnung kein Nachteil erwach-
sen darf (Art. 38 VwVG), wobei die Berufung auf einen Eröffnungsmangel
durch den Grundsatz von Treu und Glauben begrenzt wird (vgl. Urteile des
BVGer A-6102/2019 vom 23. März 2020 E. 5.2 mit Hinweisen,
A-2588/2013 vom 4. Februar 2016 E. 2.6, A-4580/2007 vom 17. Januar
2008 E. 3.2),
dass die angefochtene Verfügung durch den zuständigen Sektionschef so-
wie – anstelle des zuständigen Fachspezialisten – durch eine andere, mög-
licherweise nicht unterschriftsberechtigte Person unterzeichnet wurde,
dass sich aus den Akten kein Hinweis darauf ergibt und auch in der Be-
schwerde nicht weiter substanziiert wird, inwiefern der Beschwerdeführer
durch den möglichen Verfahrensmangel irregeführt worden wäre und ihm
daraus ein Nachteil entstanden sein könnte,
dass vorliegend deshalb kein Anlass besteht, den Entscheid aus formellen
Gründen aufzuheben,
dass überdies der rechtserhebliche Sachverhalt als hinreichend erstellt zu
erachten ist, wobei der Beschwerdeführer in der Beschwerde neu vor-
bringt, in Deutschland wegen einer Familienfehde durch eine andere, gut
vernetzte und an verschiedenen Standorten lebende türkische Familie mit
dem Tod bedroht zu sein,
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dass diesbezüglich jedoch mit Blick auf das vorliegende Verfahren kein
weiterer Abklärungsbedarf zu erkennen ist,
dass das SEM in der Verfügung überdies hinsichtlich geltend gemachter
behördlicher Benachteiligungen auf das funktionierende Justizsystem in
Deutschland hingewiesen hat (vgl. S. 3 der Verfügung) und auch hinsicht-
lich möglicher Bedrohungen durch Drittpersonen Gleiches gelten dürfte,
dass zur gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers Abklärungen
durch das SEM vorgenommen worden sind (vgl. act. SEM 21 f.) und auf-
grund der geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden kein weiterer
Arzttermin abzuwarten war, um die Überstellungsfähigkeit des Beschwer-
deführers zu beurteilen,
dass eine Überstellung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur
dann einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen kann, wenn die be-
troffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheits-
stadium und bereits in Todesnähe befindet (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hin-
weisen auf die Praxis des EGMR),
da sich das SEM ausführlich zu den Unterkunftsbedingungen inklusive der
medizinischen Versorgung und zur Gesundheitssituation des Beschwerde-
führers geäussert hat und sodann erwogen hat, die Unterbringung und be-
nötigte medizinische Versorgung des Beschwerdeführers in Deutschland
sei gewährleistet (vgl. Verfügung des SEM, S. 4 f.),
dass sich die formellen Rügen nach dem Gesagten insgesamt als unbe-
gründet erweisen, womit kein Anlass besteht, die angefochtene Verfügung
aufzuheben und die Sache an das SEM zurückzuweisen,
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), die Beurteilungskompetenz des Gerichts grund-
sätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das
Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4
E. 2.2, je m.w.H.),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
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dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass das Verfahren zur Bestimmung dieses Staates eingeleitet wird, so-
bald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20
Abs. 1 Dublin-III-VO), wobei von der Situation im Zeitpunkt, in dem die be-
treffende Person erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat,
auszugehen ist (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO; sog. Versteinerungsprinzip),
dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Eu-
rodac"-Datenbank ergab, dass dieser am 4. Oktober 2022 in Deutschland
ein Asylgesuch eingereicht hatte,
dass die deutschen Behörden am 15. November 2022 innert der dafür vor-
gesehenen Frist (Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO) der Wiederaufnahme des
Beschwerdeführers zustimmten,
dass die grundsätzliche Zuständigkeit Deutschlands somit gegeben ist und
die Behauptung des Beschwerdeführers, wonach er kein Asylgesuch in
Deutschland habe stellen wollen, daran nichts ändert, wobei die Dublin-III-
VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfen-
den Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3),
dass gemäss Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO der die Zuständig-
keit prüfende Mitgliedstaat für die Durchführung des Asylverfahrens zu-
ständig wird, falls es sich als unmöglich erweist, einen Antragsteller in den
eigentlich zuständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche
Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-
bedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grund-
rechte der Europäischen Union (ABl. C 364/1 vom 18.12.2000, nachfol-
gend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, und nach den Regeln der
Dublin-III-VO kein anderer zuständiger Mitgliedstaat bestimmt werden
kann,
dass es keine Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-
nahmebedingungen in Deutschland wiesen systemische Schwachstellen
im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf (vgl. statt vieler
Urteil des BVGer F-1675/2022 vom 12. April 2022 E. 4.2),
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dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-
schliessen kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder
Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch
wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die
Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO),
dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)
konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-
mung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür
gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre,
dass auf die Ausübung des Selbsteintrittsrechts ein einklagbarer Anspruch
besteht, wenn die Überstellung des Antragstellers in den an sich zuständi-
gen Mitgliedstaat übergeordnetes Recht, namentlich eine Norm des Völ-
kerrechts verletzen würde (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.2; ferner Urteil des
BVGer F-3457/2019 vom 11. Juli 2019 E. 4.4, je m.H),
dass der Beschwerdeführer geltend macht, er würde durch eine Wegwei-
sung nach Deutschland in eine lebensbedrohende Lage geraten und damit
sinngemäss geltend macht, die Wegweisung dorthin verstosse gegen
Art. 3 EMRK,
dass der Beschwerdeführer aufgrund einer Familienfehde mit einer ande-
ren türkischen Familie bei einer Rückkehr nach Deutschland in Lebensge-
fahr sei,
dass im Jahr 2013 zwei Familienmitglieder ermordet worden seien auf-
grund eines Ehrenmordes und sich seitdem der gewalttätige Konflikt zwi-
schen den beiden Familien immer weiter zugespitzt habe, weshalb auch
der nicht in die Fehde involvierte Beschwerdeführer allein durch seine Zu-
gehörigkeit zur Familie stark gefährdet sei,
dass nämlich die Familie, die für die Ermordung zwei seiner Familienange-
hörigen verantwortlich sei, über ein weit verzweigtes familiäres Netz in
Deutschland verfüge, weshalb er im gesamtdeutschen Raum gefährdet
sei,
dass er zudem an psychischen Problemen leide und er bei einer Überstel-
lung nach Deutschland angesichts der schlechten Behandlung durch die
deutsche Polizei, die ihn an seine Erfahrungen in der Türkei als politischer
Gefangener erinnert habe, eine Retraumatisierung befürchte,
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dass die Behandlung zudem zu einem Verlust des Vertrauens in die deut-
sche Polizei geführt habe, was nicht förderlich sei bei einem möglichem
Schutzersuchen an die Behörden im Zusammenhang mit den Bedrohun-
gen durch die Familienfehde,
dass festzuhalten ist, dass der Beschwerdeführer nach der Überstellung
nach Deutschland dort Zugang zu den asylrechtlichen Aufnahmestrukturen
erhält,
dass Deutschland Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nachkommt,
dass auch davon ausgegangen werden darf, Deutschland anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom
26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben,
dass zwar die Vermutung, Deutschland halte seine völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen ein, im Einzelfall widerlegt werden kann, es hierfür aber kon-
kreter und ernsthafter Hinweise bedarf, die gegebenenfalls vom Betroffe-
nen glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.; Urteil des BVGer
D-5698/2017 vom 6.3.2018 E. 5.3.1),
dass die Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach die Wegweisung
gegen Art. 3 EMRK verstosse, dieser Anforderung nicht genügen,
dass den Akten keine Gründe für die Annahme zu entnehmen sind,
Deutschland werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement
missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib,
sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG
gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein sol-
ches Land gezwungen zu werden,
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dass der Beschwerdeführer nicht glaubhaft dargetan hat, die ihn bei einer
Rückführung erwartenden Bedingungen in Deutschland könnten zu einer
Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3
FoK führen,
dass insbesondere nicht ersichtlich ist, weshalb die befürchteten Übergriffe
durch eine andere türkische Familie im gesamten Staatsgebiet Deutsch-
lands drohen sollten, nicht jedoch in der angrenzenden Schweiz,
dass sich der Beschwerdeführer sodann grundsätzlich an die deutsche Po-
lizei wenden und um Schutz ersuchen kann, zumal Deutschland ein
Rechtsstaat ist, der über ein funktionierendes Justiz- und Polizeisystem
verfügt,
dass keine Hinweise vorliegen, wonach die Sicherheitsbehörden dem Be-
schwerdeführer den allenfalls nötigen Schutz verwehren würden und der
Einwand, er sei retraumatisiert und habe kein Vertrauen in die Behörden
wegen der Umstände der Anhaltung bei der Einreise, nicht zu überzeugen
vermag,
dass der Beschwerdeführer sich ferner darauf beruft, sein Gesundheitszu-
stand stehe einer Überstellung nach Deutschland entgegen,
dass eine Überstellung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur
dann einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen kann, wenn die be-
troffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheits-
stadium und bereits in Todesnähe befindet (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hin-
weisen auf die Praxis des EGMR),
dass angesichts der Abklärungen des SEM und der vorliegenden Berichte
vom Bestehen gewisser psychischer Beschwerden (...) auszugehen ist,
dass daraus jedoch nicht geschlossen werden kann, der Beschwerdefüh-
rer sei aus medizinischer Sicht zwingend darauf angewiesen, sich weiter
in der Schweiz aufzuhalten,
dass vielmehr davon auszugehen ist, eine adäquate Behandlung der fest-
gestellten Leiden sei auch in Deutschland möglich und zumutbar, zumal
nicht ersichtlich ist, dass seine psychischen Probleme, die möglicherweise
durch Hafterlebnisse in der Türkei verursacht wurden, nicht in Deutschland
behandelt werden könnten,
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dass Deutschland im Übrigen über eine ausreichende medizinische Infra-
struktur verfügt und die Mitgliedstaaten verpflichtet sind, den Antragstellern
die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversor-
gung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und
schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19
Abs. 1 Aufnahmerichtlinie) und den Antragstellern mit besonderen Bedürf-
nissen die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich
nötigenfalls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren
(Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie),
dass es dem Beschwerdeführer überdies zugemutet werden kann, in
Deutschland seine Rechte in Bezug auf die medizinische Versorgung und
sonstige Unterstützung gemäss Art. 19 Aufnahmerichtlinie gegebenenfalls
bei den zuständigen staatlichen Stellen einzufordern und der Einwand, der
Vertrauensverlust in die deutschen Institutionen würde ihn davon abhalten,
nicht überzeugt,
dass keine Hinweise vorliegen, wonach Deutschland dem Beschwerdefüh-
rer eine adäquate medizinische Behandlung (konkret Fortführung entspre-
chender Medikation und allenfalls psychotherapeutische Betreuung) ver-
weigern würde,
dass darüber hinaus anzumerken gilt, dass die schweizerischen Behörden,
die mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftragt sind, den me-
dizinischen Umständen bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der
Überstellung des Beschwerdeführers Rechnung zu tragen und die deut-
schen Behörden vorgängig in geeigneter Weise über die spezifischen me-
dizinischen Umstände zu informieren sind (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO),
dass dies vorliegend geschehen ist, sind die jeweiligen Diagnosen (psychi-
sche Probleme, medikamentöse Behandlung, allfällig Anbindung an Psy-
chologen/Psychiater; [...]) in den Überstellungsmodalitäten hier aufgelistet
(SEM act. 23/1),
dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen
zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine
gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG)
durch die Vorinstanz zu entnehmen sind, weshalb sich das Bundesverwal-
tungsgericht unter diesen Umständen weiterer Ausführungen zur Frage ei-
nes Selbsteintritts enthält,
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dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und
in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach Deutschland ange-
ordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),
dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen ist,
dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist,
weshalb sich der Antrag um Aussetzung des Vollzugs sowie um Gewäh-
rung der aufschiebenden Wirkung als gegenstandslos erweist,
dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung ebenfalls abzuweisen ist, da die Begehren – wie
sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu be-
zeichnen waren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG
nicht erfüllt sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1 ‒ 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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