Decision ID: 119f6e46-f848-4406-b7b1-d411e48c0fa7
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ stellte am 8. Juli 2021 bei der kantonalen Arbeitslosenkasse Antrag auf
Insolvenzentschädigung für Lohnausfall vom 1. Oktober 2020 bis 11. Dezember 2020 in
der Höhe von total Fr. 12'167.23 (act. G 4.1/25). Sie hatte vom 13. August bis
8. September 2020 zuerst im Stundenlohn und ab 1. Oktober 2020 im 80 % Pensum
für die B._ GmbH als Sachbearbeiterin/Assistentin gearbeitet (act. G 4.1/24, S. 94 f.
und act. G 4.1/22). Mit Schreiben vom 4. Dezember 2020 hatte ihr die Arbeitgeberin
aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt (act. G 4.1/24, S. 93). Die Versicherte hatte am
15. Dezember 2020 ein Betreibungsbegehren gegen die Arbeitgeberin im Umfang von
Fr. 12'178.75 beim Betreibungsamt der Gemeinde C._ eingereicht. Diese erhob
keinen Rechtsvorschlag (act. G 4.1/23, S. 89). Nachdem im Schweizerischen
Handelsamtsblatt am 18. Juni 2021 über die anstehende Löschung der Gesellschaft
aus dem Handelsregister informiert worden war (act. G 4.1/23, S. 90), stellte die
Versicherte am 12. Juli 2021 beim Handelsregisteramt den Antrag, eine Löschung aus
dem Handelsregister sei nicht vorzunehmen (act. G 4.1/18, S. 71). Die Versicherte
beantragte sodann am 18. August 2021 die Fortsetzung der Betreibung und stellte am
2. September 2021 beim Kreisgericht D._ das Gesuch um Eröffnung des Konkurses
(act. G 4.1/18, S. 64 und act. G 4.1/10, S. 40 f.).
A.a.
Mit Schreiben vom 7. September 2021 eröffnete die Kasse der Versicherten, sie
gehe davon aus, dass eine Verletzung der Schadenminderungspflicht vorliege, da sich
die Versicherte in der Zeit vom 5. Januar 2021 bis zum 12. Juli 2021 nicht mehr um die
Geltendmachung ihrer Lohnforderungen bemüht habe. Der Versicherten wurde
Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt (act. G 4.1/14, S. 55). Die Versicherte
A.b.
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brachte mit Schreiben vom 18. September 2021 vor, sie sei während dieses Zeitraums
nicht untätig gewesen. Sie habe nach Änderungen des Status der Arbeitgeberin
Ausschau gehalten, denn ihr sei seitens ihrer Anwältin geraten worden, vorerst das
Konkursbegehren bzw. den dafür erforderlichen Kostenvorschuss anderer Gläubiger
abzuwarten. Zudem sei ihr von einem Mitarbeiter mitgeteilt worden, dass der
Geschäftsführer zugesichert habe, den Konkurs selber einzuleiten, weshalb sie das
Verfahren vorerst nicht fortgesetzt habe. Sie sei jedoch am 18. Juni 2021 nach
Veröffentlichung der bevorstehenden Löschung der Gesellschaft im Schweizerischen
Handelsamtsblatt (SHAB) wieder tätig geworden und habe das Verfahren um
Konkurseröffnung im Sommer vollzogen (act. G 4.1/11 ff.).
Mit Verfügung vom 10. Dezember 2021 lehnte die Kasse den Antrag auf
Insolvenzentschädigung ab. Zur Begründung führte sie aus, die Versicherte habe
zwischen dem 21. Januar 2021 (Rücksendung des Zahlungsbefehls [act. G 4.1/23,
S. 91]) und dem 12. Juli 2021 (Antrag gegen eine Löschung aus dem Handelsregister
[act. G 4.1/18, S. 71]) ihre Arbeitgeberin nicht mehr schriftlich zur Lohnzahlung
aufgefordert. Arbeitnehmende hätten keinen Anspruch auf Insolvenzentschädigung,
wenn sie ihre Lohnforderung nicht mit tauglichen Mitteln durchsetzen wollten, mit der
Begründung, sie seien mit einem längeren Aufschub – Warten auf bessere Zeiten – der
Lohnzahlung einverstanden, ohne aber eine ernsthafte Garantie zu haben, dass der
Arbeitgeber in Zukunft in der Lage sein werde, seinen finanziellen Verpflichtungen
nachkommen zu können (act. G 4.1/9, S. 31).
A.c.
Gegen die Verfügung vom 10. Dezember 2021 liess die Versicherte am
14. Dezember 2021 Einsprache erheben. Sie sei keinesfalls untätig geblieben. Die
Arbeitgeberin habe nach wiederholten Aufforderungen versprochen, sie werde selbst
den Konkurs beantragen, weshalb ein weiteres Verfahren zur Fortsetzung der
Betreibung und Konkurseröffnung vorerst unterblieben sei. Als sich nach Konsultation
des Amtsblatts gezeigt habe, dass die Arbeitgeberin die Eröffnung des Konkurses nicht
selbst einleite, habe die Versicherte die drohende Löschung der Gesellschaft gestoppt
und danach das Fortsetzungsverfahren und die Konkurseröffnung beantragt. Sie habe
aufgrund ihrer Erfahrung als Laie alles Nötige getan, um ihre Lohnansprüche
durchzusetzen (act. G 4.1/6).
A.d.
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B.
Mit Entscheid vom 3. Januar 2022 wies die Kasse die Einsprache ab. Die
Versicherte sei zwar ihrer Schadensminderungspflicht während ihres
Arbeitsverhältnisses konsequent nachgekommen, nach dem Erhalt des
Zahlungsbefehls seien jedoch bis zum Ergreifen weiterer Schritte gegen die
Arbeitgeberin beinahe 6 Monate vergangen. Für die Untätigkeit während der Zeit vom
21. Januar 2021 bis zum 12. Juli 2021 müsse der Versicherten eine Verletzung ihrer
Schadenminderungspflicht vorgeworfen werden. Ebenfalls müsse ihr vorgeworfen
werden, dass sie ihre Forderungen nicht im am 9. November 2021 eröffneten
Konkursverfahren geltend gemacht habe. Die Versicherte sei verpflichtet gewesen, den
Insolvenztatbestand selbst durch Fortsetzung der Betreibung herbeizuführen, anstatt
zu warten, bis ein anderer Gläubiger das Konkursbegehren stellt. Aufgrund der für die
Versicherte abschätzbaren schlechten finanziellen Situation der Arbeitgeberin sei nicht
erfindlich, weshalb sie Ende Mai 2021 nicht umgehend das Fortsetzungsbegehren
gestellt, sondern auf andere Gläubiger oder den Geschäftsführer gewartet habe. Die
entsprechende Untätigkeit sei als grobfahrlässig zu qualifizieren und könne durch ihre
anderen Bemühungen nicht kompensiert werden (act. G 4.1/4).
A.e.
Gegen den Einspracheentscheid vom 3. Januar 2022 lässt die Beschwerdeführerin
am 31. Januar 2022 Beschwerde einreichen. Sie beantragt, der Einspracheentscheid
sei aufzuheben und die geltend gemachte Insolvenzentschädigung sei ihr vollständig
zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zur Festsetzung der Insolvenzentschädigung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe ihre
Schadenminderungspflicht durch ihre intensiven Bemühungen um Geltendmachung
ihrer Löhne gegenüber der Arbeitgeberin und durch Einleitung verschiedener
Massnahmen und auch diverser rechtlicher Schritte, die zur Verfolgung der
Lohnzahlung erforderlich gewesen seien, erfüllt. Bereits während des
Arbeitsverhältnisses habe sie die Lohnforderungen mündlich und am 30. November
2020 und 14. Dezember 2020 auch schriftlich geltend gemacht. Am 14. Dezember
2020 habe sie zudem die Betreibung eingeleitet. In den folgenden Monaten sei die
Beschwerdeführerin nicht untätig geblieben. Sie habe sich bei ihrer Rechtsanwältin Rat
zum weiteren Vorgehen eingeholt. Letztere habe ihr geraten, sich immer wieder zu
B.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
erkundigen, ob gegen die Arbeitgeberin Konkurs eröffnet worden sei, und spätestens
bis Ende 2021 selbst ein Fortsetzungsbegehren zu stellen. Zudem habe sie weiterhin
Kontakt zu ihrer ehemaligen Arbeitgeberin gesucht. Diese habe nach mehrfacher
Nachfrage zugesichert, die Bilanz zu deponieren und selbst die Konkurseröffnung zu
beantragen, wovon die Beschwerdeführerin aufgrund der verlässlichen Angaben des
Geschäftsführers auch habe ausgehen dürfen. Als es sich abgezeichnet habe, dass die
Arbeitgeberin nicht von sich aus den Konkurs einleiten werde, habe sie am 8. Juli 2021
ein Insolvenzgesuch gestellt. Unter erheblichem Kostenaufwand habe sie die Löschung
der Arbeitgeberin aus dem Handelsregister verhindert und am 18. August 2021 die
Fortsetzung der Betreibung beantragt. Am 1. September 2021 habe sie die
Konkurseröffnung beantragt, den dafür erforderlichen Kostenvorschuss jedoch nicht
geleistet. Da die Überschuldung ihrer ehemaligen Arbeitgeberin offensichtlich gewesen
sei, habe sie ihre Ansprüche im später doch noch am 9. November 2021 eröffneten
Konkursverfahren nicht mehr geltend machen müssen. Insgesamt sei keinesfalls ein
grobfahrlässiges Verhalten ersichtlich, da sie verschiedenste und stete Bemühungen
nachweisen könne, welche allfälliges kurzfristiges, aber begründetes Nichthandeln
bezüglich Betreibungsfortsetzung zu kompensieren vermögen würden (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 22. März 2022 beantragt die Beschwerdegegnerin
unter Verweis auf den Einspracheentscheid vom 3. Januar 2022 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4).
B.b.
Beitragspflichtige Arbeitnehmende von Arbeitgebern, die in der Schweiz der
Zwangsvollstreckung unterliegen oder in der Schweiz Arbeitnehmende beschäftigen,
haben unter anderem Anspruch auf Insolvenzentschädigung, wenn gegen ihren
Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen
zustehen oder der Konkurs nur deswegen nicht eröffnet wird, weil sich infolge
offensichtlicher Überschuldung des Arbeitgebers kein Gläubiger bereit findet, die
Kosten vorzuschiessen (Art. 51 Abs. 1 lit. a und b des Bundesgesetzes über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG;
SR 837.0]). Die Insolvenzentschädigung deckt für das gleiche Arbeitsverhältnis
Lohnforderungen für höchstens die letzten vier Monate des Arbeitsverhältnisses, für
1.1.
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jeden Monat jedoch nur bis zum Höchstbetrag nach Art. 3 Abs. 2 AVIG (Art. 52 Abs. 1
Satz 1 AVIG).
Die Arbeitnehmenden müssen im Konkurs- oder Pfändungsverfahren alles
unternehmen, um ihre Ansprüche gegenüber ihren Arbeitgebern zu wahren, bis die
Kasse ihnen mitteilt, dass sie an ihrer Stelle in das Verfahren eingetreten ist (Art. 55
Abs. 1 Satz 1 AVIG). Sie müssen die Insolvenzentschädigung zurückerstatten, soweit
die Lohnforderung im Konkurs oder in der Pfändung abgewiesen oder aus Gründen
nicht gedeckt wird, welche die Arbeitnehmenden absichtlich oder grobfahrlässig
herbeigeführt haben, ebenso soweit sie von den Arbeitgebern nachträglich erfüllt
werden (Art. 55 Abs. 2 AVIG).
1.2.
Zieht eine Pflichtverletzung unter gewissen Umständen die Rückforderung der
Insolvenzentschädigung nach sich, muss a fortiori bereits deren Auszahlung verweigert
werden können, wenn ein massgebliches Säumnis der versicherten Person vorliegt
(Urs Burgherr, Die Insolvenzentschädigung, Zürich 2004, S. 163). Die Bestimmung von
Art. 55 Abs. 1 AVIG bezieht sich dem Wortlaut nach zwar auf das Konkurs- und
Pfändungsverfahren. Sie bildet jedoch Ausdruck der allgemeinen
Schadenminderungspflicht, welche auch dann Platz greift, wenn das Arbeitsverhältnis
vor der Konkurseröffnung aufgelöst wird. Versicherte Personen müssen gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht nur im Konkurs- und Pfändungsverfahren
und nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses ihre Lohnansprüche innert nützlicher Frist
geltend machen, sondern es obliegt ihnen bereits vor Auflösung des
Arbeitsverhältnisses eine Schadenminderungspflicht, wenn der Arbeitgeber der
Lohnzahlungspflicht nicht oder nur teilweise nachkommt und die Arbeitnehmenden mit
einem Verlust rechnen müssen. Eine Ablehnung der Insolvenzentschädigung infolge
Verletzung der Schadenminderungspflicht im Sinne der zu Art. 55 Abs. 1 AVIG
ergangenen Rechtsprechung setzt wie eine Rückerstattung bereits bezogener
Insolvenzentschädigung nach Art. 55 Abs. 2 AVIG voraus, dass der versicherten
Person ein schweres Verschulden, also vorsätzliches oder grobfahrlässiges Handeln
oder Unterlassen, vorgeworfen werden kann (Urteile des Bundesgerichts vom 29. April
2020, 8C_820/2019, E. 4.3.1, und vom 19. Juni 2019, 8C_85/2019, E. 4.1, je mit
Hinweisen; ARV 2010 Nr. 1 S. 48 E. 3 mit Hinweisen). Grobfahrlässig handelt, wer eine
elementare Vorsichtsmassnahme missachtet bzw. das ausser Acht lässt, was jedem
verständigen Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich
hätte einleuchten müssen, um eine nach dem natürlichen Lauf der Dinge
voraussehbare Schädigung der Versicherung zu vermeiden (Burgherr, a.a.O., S. 156;
1.3.
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Urteil des Bundesgerichts vom 18. Januar 2011, 9C_330/2010, E. 3.2 mit Verweis auf
BGE 119 II 443 E. 2a).
Das Ausmass der vorausgesetzten Schadenminderungspflicht richtet sich nach
den jeweiligen Umständen des Einzelfalls, wobei eine Gesamtbetrachtung der
Bemühungen der arbeitnehmenden Person Platz zu greifen hat (Burgherr, a.a.O.,
S. 166). Dabei ist es ausreichend, wenn die arbeitnehmende Person zunächst
unmissverständliche Zeichen (Mahnung, Einleiten der Betreibung usw.) setzt, aus
denen die Ernsthaftigkeit ihrer Lohnforderung zu erkennen ist. Sie darf allerdings nicht
untätig bleiben und zuwarten, bis der Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberin in Konkurs
fällt (Urteil des EVG vom 15. Oktober 2001, C 194/01, E. 2b mit Hinweisen; Burgherr,
a.a.O., S. 166).
1.4.
Nach konstanter Rechtsprechung genügt es für die Erfüllung der
Schadenminderungspflicht in der Regel nicht, wenn Lohnausstände lediglich mündlich
gemahnt werden. Dies gilt beispielsweise, wenn es um eine lang andauernde, das
heisst über zwei bis drei Monate hinaus andauernde Nichterfüllung der vertraglichen
Verpflichtung des Arbeitgebers geht; wenn überhaupt keine, also auch keine Akonto-
oder Teilzahlung erfolgt; wenn aus der Sicht der versicherten Person nicht mit guten
Gründen damit gerechnet werden kann, dass sich bald eine Besserung der Situation
ergibt, und wenn nicht andere, im Einzelfall verständliche Gründe vorliegen, die ein
Zuwarten mit zielgerichteten Schritten aus objektiver Sicht verständlich erscheinen
lassen (Bundesgerichtsurteil vom 29. August 2011, 8C_61/2011, E. 4.2; ARV 2010
Nr. 1, S. 48, E. 4.2).
1.5.
Die Insolvenzentschädigung ist dafür bestimmt, den Arbeitnehmenden und ihren
Familien in Zeiten plötzlicher und akuter Lohnknappheit unter die Arme zu greifen und
diesen den Gang zur Fürsorge zu ersparen. Macht die arbeitnehmende Person
während längerer Zeit keine Anstalten, ihrer Lohnforderung mit hinreichender
Deutlichkeit Ausdruck zu verleihen, signalisiert sie mangelndes Interesse und verliert
dadurch auch gegenüber der Arbeitslosenversicherung ihre Schutzbedürftigkeit und
Schutzwürdigkeit. Die Zielsetzung der Insolvenzentschädigung kann unter diesen
Voraussetzungen nicht mehr erreicht werden. Es kann nicht der Zweck dieser
Leistungsart sein, Lohnansprüche zu ersetzen, auf deren Geltendmachung die
arbeitnehmende Person ohne hinreichenden Grund verzichtet hat (vgl. Burgherr, a.a.O.,
S. 165).
1.6.
In seiner Rechtsprechung hat das Bundesgericht konkretisiert, ab welchem
Zeitpunkt es beim Zuwarten mit Vollstreckungshandlungen eine Verletzung der
1.7.
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2.
Schadensminderungspflicht als gegeben ansieht. Das Bundesgericht verneinte bisher
in Fällen, in denen mit schadensmindernden Handlungen 1 bis 2 Monate abgewartet
wurde, ein schweres Verschulden (z.B. Urteile des Bundesgerichts vom 19. Oktober
2006, C 144/06, E. 3.2, vom 23. September 2013, 8C_356/2013, E. 4.1, und vom
7. Oktober 2020, 8C_408/2020, E. 5.2). Grobfahrlässigkeit kann nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung bei Fällen bestehen, in denen etwa 3 Monate mit
schadensmindernden Handlungen zugewartet wird (ARV 2002 N 8, S. 64; Urteil des
Bundesgerichts vom 4. November 2008, 8C_643/2008, E. 4). In Fallkonstellationen, in
welchen während mehr als 3 Monaten die Lohnausstände nicht eingefordert wurden,
geht das Bundesgericht üblicherweise von einer Verletzung der
Schadenminderungspflicht aus, insbesondere wo es sich um massgebliche
Lohnausstände handelt und die versicherte Person von der Gefährdung der Ansprüche
aufgrund der finanziellen Situation der Arbeitgeberin weiss (vgl. Urteile des
Bundesgerichts vom 18. November 2013, 8C_66/2013, E. 4.3, und vom 7. Oktober
2020, 8C_408/2020, E. 5.2).
Die Beschwerdeführerin hat von der Arbeitgeberin einzig Lohn für ihre
stundenweise Tätigkeit vom 13. August bis 8. September 2020 erhalten. Die
entsprechende Abrechnung datiert vom 26. Oktober 2020, wobei offenbar keine
Abzüge für Sozialversicherungsbeiträge vorgenommen wurden (vgl. act. G 4.1/15
sowie act. G 4.1/22, S. 85). Die Auszahlung erfolgte am 3. November 2020 (act.
G 4.1/16, S. 60). Sämtliche Löhne seit der Festanstellung per 1. Oktober 2020 blieben
unbezahlt. Neben mündlichen Abmahnungen erfolgten seitens der Beschwerdeführerin
am 30. November 2020 auch eine schriftliche Mahnung (act. G 4.1/10, S. 47) sowie am
15. Dezember 2020 die Einleitung des Betreibungsverfahrens (act. G 4.1/23, S. 89).
Unbestrittenermassen ist damit die Beschwerdeführerin bis zur Rücksendung des
Zahlungsbefehls am 21. Januar 2021 ihrer Schadenminderungspflicht in genügender
Weise nachgekommen. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin aufgrund
ihres Verhaltens nach dem 21. Januar 2021 ihre Schadenminderungspflicht verletzt hat.
2.1.
Die Beschwerdeführerin macht zunächst geltend, Anfang Februar 2021 bei ihrer
Anwältin Rat zum weiteren Vorgehen eingeholt und sich anschliessend entsprechend
der erhaltenen Informationen verhalten zu haben. Wie dem Mail der Anwältin vom
5. Februar 2021 zu entnehmen ist, hatte diese einen Betreibungsregisterauszug
eingeholt, woraus sich ergab, dass einige Betreibungen und Pfändungen gegen die
Arbeitgeberin liefen. In diesem Mail schrieb die Anwältin: "Es ist fraglich, ob sich ein
Gläubiger findet, der den Kostenvorschuss bezahlt, ich gehe davon aus eher nicht.
2.2.
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Falls nicht, können Sie ein Gesuch um Insolvenzentschädigung bei der öffentlichen
Arbeitslosenkasse des Kantons einreichen, in dem die Betreibung eingeleitet wurde, in
Ihrem Fall also im Kanton St. Gallen". Die Anwältin wies die Beschwerdeführerin auf die
60-tägige Frist (ab Veröffentlichung des Konkurses, einer Nachlassstundung oder des
Konkursaufschubes bzw. ab Pfändungsvollzug oder Kenntnisnahme des unbenützten
Ablaufs der Frist für die Leistung des Kostenvorschusses nach gestelltem
Konkursbegehren) hin, innert welcher ein Antrag auf Insolvenzentschädigung gestellt
werden müsse. Es sei wichtig, dass sich die Beschwerdeführerin während der ganzen
Zeit immer wieder mal informiere, insbesondere im Amtsblatt, ob der Konkurs eröffnet
worden sei oder die Frist für die Leistung des Kostenvorschusses abgelaufen sei.
Ansonsten könne sie bis Ende Jahr noch immer das Fortsetzungsbegehren stellen und
damit das Verfahren weitertreiben (act. G 4.1/10, S. 43 ff.). Es trifft somit zu, dass sich
die Beschwerdeführerin entsprechend der von der Anwältin erhaltenen Informationen
verhalten hat. Letztere unterliess es insbesondere, die Beschwerdeführerin
ausdrücklich auf die weiter bestehende Schadenminderungspflicht hinzuweisen, was
angesichts der diesbezüglich konstanten Rechtsprechung des Bundesgerichts zu
erwarten gewesen wäre. Es stellt sich somit zunächst die Frage, ob diese fehlende
bzw. unvollständige Beratung die Beschwerdeführerin bezüglich
Schadenminderungspflicht entlastet. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
ist das Verhalten einer Rechtsvertretung auch im Sozialversicherungsrecht der
vertretenen Partei zuzurechnen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 2. Februar 2017,
9C_821/2016, E. 3.2 mit Verweis auf BGE 114 Ib 67). Auch eine falsche oder
unvollständige Auskunft eines Advokaturbüros ist einer Partei gleich wie das
Fehlverhalten der eigenen Rechtsvertretung zuzurechnen (Urteil des Bundesgerichts
vom 14. April 2020, 2C_258/2020, E. 3.3 mit Hinweisen). Die Beschwerdeführerin kann
sich somit wegen der falschen bzw. unvollständigen Auskunft ihrer Anwältin nicht auf
den Vertrauensschutz berufen.
Die Beschwerdeführerin macht im Weiteren geltend, ab Februar 2021 den Kontakt
zu ihrer ehemaligen Arbeitgeberin gesucht zu haben. Diese habe nach mehrfacher
Nachfrage zugesichert, die Bilanz zu deponieren und selbst die Konkurseröffnung zu
beantragen. Die Nachfrage der Beschwerdeführerin bei ihrer ehemaligen Arbeitgeberin
zielte ebenso wie die von ihr geltend gemachte wöchentliche Kontrolle, ob ein Konkurs
erfolgt sei, einzig auf den Erhalt der vorliegend streitigen Insolvenzentschädigung. Zwar
ist verständlich, dass sich die Beschwerdeführerin die zusätzlichen Kosten für die
Konkursandrohung sowie für das Gesuch um Konkurseröffnung sparen wollte. Gemäss
der konstanten bundesgerichtlichen Rechtsprechung war sie jedoch verpflichtet,
zeitnah die weiteren betreibungsrechtlichen Schritte einzuleiten. Weder die Nachfrage
2.3.
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bei der Arbeitgeberin noch die wöchentliche Kontrolle des Amtsblatts stellen
schadenmindernde Handlungen dar. Ob und wann die Beschwerdeführerin tatsächlich
Kontakt zu ihrer Arbeitgeberin gesucht hat - aktenkundig ist einzig ein WhatsApp
Gesprächsverlauf zwischen einem Mitarbeiter und dem Geschäftsführer der
ehemaligen Arbeitgeberin im Mai 2021 (act. G 4.1/18, S. 74 f.) - kann daher
offenbleiben.
Im vorerwähnten WhatsApp an einen Mitarbeiter bot die Arbeitgeberin am 31. Mai
2021 an, sie werde den Konkurs von sich aus einleiten. Das Bundesgericht hat im
Entscheid vom 7. April 2008 (8C_444/2007, E. 4.2) festgehalten, dass eine Zusage des
Arbeitgebers, im kommenden Monat die Bilanz zu deponieren, einen nachvollziehbaren
Grund für ein Abwarten mit dem Konkursbegehren darstellen kann. Im Folgenden muss
geprüft werden, ob sich die Beschwerdeführerin gutgläubig auf die Zusicherung der
Arbeitgeberin verlassen durfte und ob dadurch ein weiteres Zuwarten zu rechtfertigen
war. Als erstes ist festzuhalten, dass es sich beim eingereichten Gesprächsverlauf um
ein informelles Schreiben zwischen einem Mitarbeiter und dem Geschäftsführer
handelte. Aus der Nachricht des Geschäftsführers ergibt sich zudem, dass die
Einleitung des Konkurses durch die Arbeitgeberin nicht sicher feststand. Der
Geschäftsführer brachte vor, dass er für die Einleitung des Konkurses aus finanziellen
Gründen keine Dritthilfe beanspruchen könne, obwohl er dabei dringend Unterstützung
benötigen würde. Auch sicherte die Arbeitgeberin in der Folge keinen Zeitraum zu, in
welchem sie den Konkurs einzuleiten gedenke. Der Geschäftsführer deutet dagegen
an, dass dies einige Zeit in Anspruch nehmen könne. Zusammenfassend kann
festgehalten werden, dass die Zusicherung der Arbeitgeberin objektiv gesehen kein
begründetes Vertrauen darin erwecken konnte, dass der Konkurs eingeleitet wird. Die
Beschwerdeführerin wusste in diesem Zeitpunkt von der prekären finanziellen Situation
ihrer Arbeitgeberin und wäre aufgrund der hohen Lohnausstände gehalten gewesen,
das Betreibungsverfahren selbständig weiterzuführen.
2.4.
Der Vertreter der Beschwerdeführerin macht erstmals in der Beschwerde geltend,
die Beschwerdeführerin habe durch Direktinterventionen versucht, bei der ehemaligen
Arbeitgeberin doch noch wenigstens teilweise Löhne zu erhalten (vgl. act. G 1, S. 4,
Ziffer 5a). Selbst wenn dies zutreffen sollte, wäre dies angesichts der bekannten
schwierigen finanziellen Lage der ehemaligen Arbeitgeberin und des erheblichen
Lohnausstands nicht ausreichend gewesen, umso mehr als seit der einzigen Zahlung
vom 3. November 2020 überhaupt keine Lohnzahlungen mehr erfolgt waren. Die
Beschwerdeführerin hat solche Direktinterventionen betreffend Teilzahlungen in ihren
Stellungnahmen im Verwaltungsverfahren sodann nie erwähnt (vgl. act. G 4.1/11 und
2.5.
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3.