Decision ID: 6dfb5dd4-ac6f-5f5f-8442-451fb86a6694
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1989, ist seit dem
1.
Februar 2013 mit einem Pensum von 60
%
bei der
Y._
angestellt (
Urk.
1 S.
4
; vgl. Urk.
2/1). Im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses ist sie bei der Allianz Suisse
Ver
sicherungs
-Gesellschaft
AG
durch Kollektivvertrag gegen Lohnausfall bei Krankheit versichert (
Urk.
1 S. 4 und
8 S. 2
).
Am
1.
Juli 2014 meldete sie sich zum Leistungsbezug an
(
Urk.
1 S. 4; vgl.
Urk.
2/1)
. In der Folge erbrachte die Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG
mindestens
bis zu
m 2
2.
Juli 2015
Krankentaggeldleistungen (
Urk.
1 S. 4 sowie 8 S. 2 und 3)
.
2.
Die
Versicherte
reichte
, vertreten durch Rechtsanwalt
Jean Louis
Scenini
, mit Eingabe vom
2
2.
Dezember 2018
(
Urk.
1)
ein
Gesuch um vorsorgliche Beweis
führung
ein und beantragte, es
sei ein gerichtliches Gutachten
zu ihrer
Arbeits
fähig
keit
einzuholen
; ohne Kosten- und Entschädigungsfolgen
. Mit Verfügung vom
7.
Januar 2019
wurde der
Gesuchsgegnerin
eine Frist von
1
0
Tagen zur Ein
rei
chung
einer
Stellungnahme
angesetzt (
Urk.
4).
Die
Gesuchsgegnerin
stellte ein
Fristerstreckungsgesuch, worauf die Frist letztmals
bis zum
3
1.
Januar 2019 erstreckt wurde
(
Urk.
6). Die
Gesuchsgegnerin
liess sich mit Eingabe vom 31. Janu
ar 2019 (
Urk.
8; Datum der Postaufgabe, vgl.
Urk.
10
)
vernehmen und beantragte, das Gesuch sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Gesuchstellerin
. Davon wurde
der Gesuchstellerin mit Verfügung vom
4.
Februar 2019 Kenntnis gegeben (Urk
.
9).
Auf die Ausführungen der Parteien und die U
nterlagen wird, soweit erforder
lich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Streit
zwischen den Parteien betriff
t eine kollektive Krankentaggeld
ver
siche
rung, mithin eine Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung
(BGE 138 III 2 E. 1.1; vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts 4A_680/2014 vom 2
9.
April 2015 E. 2.1)
.
Er ist privatrechtlicher Natur
(BGE
138 III 558 E. 3.2 und
138 III 2 E. 1.1)
. Das
Sozialversicherungs
gericht
ist
als einzige kantonale Ge
richtsinstanz
für Klagen über Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozia
len
Krankenversicherung
zuständig
(
Art.
7 der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO] in Verbindung mit
§
2
Abs.
2
lit
. b des Gesetzes über das Sozial
versi
che
rungsgericht [
GSVGer
]
;
BGE
138 III 1.2.2
).
1.2
Gemäss
Art.
158
Abs.
1
ZPO
nimmt das Gericht jederzeit Beweis ab, wenn:
a.
das Gesetz einen entsprechenden Anspruch gewährt; oder
b.
die gesuchstellende Partei
eine Gefährdung der Beweismittel oder ein schut
z
würdiges Interesse glaubhaft macht.
Anzuwenden sind die Bestimmungen über die vorsorglichen Massnahmen (Art. 158
Abs.
2 ZPO).
1.3
Soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt, ist für die Anordnung vorsorglicher Massnahmen zwingend zuständig das Gericht am Ort, an dem:
a.
die Zuständigkeit für die Hauptsache gegeben ist; oder
b.
die Massnahme
vollstreckt werden soll.
Das summarische Verfahren ist anwendbar (
Art.
248
lit
. d ZPO).
In einem solchen entfällt das Schlichtungsverfahren (
Art.
198
lit
. a ZPO). Auch in einem allfälligen Hauptverfahren wäre kein Schlichtungsverfahren erforderlich (BGE 138 III 558 E. 4).
2.
2.1
In der
Ges
uchsbegründung
wurde ausgeführt,
die Gesuchstellerin sei seit dem 1. Juni 2014 arbeitsunfähig, da sie an einem persistierenden Erschöpfungs
syn
drom leide (
Urk.
1 S. 4). Z
wischen den Parteien sei strittig, ob die Gesuchstellerin
(nach der Einstellung der Krankentaggeldleistungen durch die
Gesuchsgegnerin
)
für weitere 333 Tage (d.h. bis
zum Ablauf der vertraglich vereinbarten maximalen Leistungsdauer pro Versicherungsfall) Anspruch auf Krankenversicherungs
tag
gelder habe (
Urk.
1 S. 3 und 5 f.). Mit dem beantragten ärztlichen Gutachten könnte das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit der Gesuchstellerin, welche eine Anspruchsvoraussetzung darstelle, bewiesen werden (
Urk.
1 S. 2).
Die Arbeitsunfähigkeit sei kein statisches Geschehen und könne sich im Verlauf der Zeit ändern. Es gelte, den medizinischen Sachverhalt während der ganzen Zeit der (potentiellen) Leistungspflicht der
Gesuchsgegnerin
zu klären
, also für den Zeitraum ab Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit
bis zum Ende der Arbeits
un
fähigkeit
im anspruchsbegründenden Mass oder allenfalls bis zur zeitlichen Erschöpfung des
Taggeldanspruchs. Für die Festlegung der bisherigen und der laufenden Arbeits
unfähigkeit sei es von eminenter Wichtigkeit, diese möglichst zeitnah in Form eines
gerichtlichen Gutachtens, welches als Beweis für den Anspruch der Gesuch
stellerin dienen könne, klären zu können. Je länger es dauere, bis das Gutachten
vorliege, desto grösser sei das
Erschwernis, den medizinischen Sachverhalt für den ganzen relevanten Zeitraum gutachterlich klären zu können Es sei möglich, dass die Arbeitsunfähigkeit nicht mehr oder nicht mehr im aktuellen Umfang be
stehe, wenn dereinst im Rahmen eines hängigen Klageverfahrens gegen die
Gesuchsgegnerin
oder in einem Verfahren bei einem Sozialversicherer ein medi
zinisches Gutachten eingeholt werde. In diesem Sinne drohe eine wesentliche Ge
fährdung der Beweismittel, wenn nicht durch vorsorgliche Beweismassnahmen rasch eine gerichtliche Begutachtung durchgeführt werden könne (
Urk.
1 S. 6).
Praxisgemäss bestehe ein schutzwürdiges Interesse an der Abk
l
ärung der Prozess- und Beweisaussichten, wenn es sich beim beantragten Beweismittel für einen nach
folgenden Prozess um ein taugliches und wichtiges Beweismittel handle. Die vorsorgliche Beweisführung solle der Gesuchstellerin nicht nur eine Abschätzung der Prozesschancen ermöglichen, sondern eine eigentliche Abklärung der Pro
zess
aussichten. Exakt dafür sei das Rechtsinstitut der vorsorglichen Beweis
füh
rung geschaffen. In Bezug auf medizinische Gutachten bestehe ein schutzwür
diges Interesse insbesondere dann, wenn nicht bereits Gutachten oder sonstige umfangreiche medizinische Akten aus einem Sozialversicherungs
verfahren vor
lä
gen (
Urk.
1 S. 6).
Im konkreten Fall lägen bisher lediglich diverse ärztliche Berichte vor. Eine um
fassende medizinische Beurteilung durch eine unabhängige Drittperson habe bis
her nicht stattgefunden. Bei dieser Ausgangslage habe die Gesuchstellerin ein grosses und schützenswertes Interesse, schon vor Beginn eines allfälligen Klage
verfahrens über die Taggeldansprüche über verbindliche fachliche Informationen zur medizinischen Situation mit Blick auf die bestehende Arbeitsunfähigkeit zu verfügen. Hierbei handle es sich um Tatfragen, die Gegenstand eines Beweises sei
n
könnten und die durch ein vom Gericht angeordnetes medizinisches Gut
achten zu klären seien (
Urk.
1 S. 6).
2.2
Demgegenüber machte die
Gesuchsgegnerin
geltend, die Leistungseinstellung sei nach umfangreiche
n medizinischen Abklärungen erfolgt. D
ie Gesuchstellerin ver
füge über keinen Anspruch auf eine medizinische Begutachtung.
Es sei auch nicht
möglich, mit einem im Jahr 2019 einzuholenden Gerichtsgutachten die Arbeits
un
fähigkeit im Jahr 2014 nachzuweisen. Zudem sei davon auszugehen, dass der geltend gemachte Taggeldanspruch verjährt sei. Es bestehe demnach auch kein schutzwürdiges Interesse der Gesuchstellerin an der beantragten vorsorglichen Beweisführung (
Urk.
8).
3.
3.1
Es kann offenbleiben
, ob
ein
Taggeldanspruch für die Dauer von 333 Tagen ab
dem
2
3.
Juli 2015 (
Urk.
1 S. 4)
oder ab
dem 2
3.
November 2015 (Urk. 8 S. 2 und
3)
strittig ist. In beiden Fällen wäre relevant, wie sich die Arbeitsfähigkeit der Gesuchstellerin
vom
jeweiligen Beginn
(2
3.
Juli oder 2
3.
November 2015) an während 333 Tage
n
präsentierte. Damit steht fest, dass ein bereits vor Ende 2016 verstrichener Zeitraum zu beurteilen ist.
Mit einer gutachterlichen Untersuchung der Gesuchstellerin im Rahmen dieses Ver
fahrens liessen sich lediglich der aktuelle Gesundheitszustand und die gegen
wärtige Arbeitsfähigkeit beurteilen.
Sie wäre als Beweismittel betreffend die weit zurückliegende strittige Periode folglich untauglich. Dies wurde im Grundsatz auch in der
Gesuchsbegründung
zutreffend erkannt (vgl.
Urk.
1 S. 6). In dieser Hinsicht ist folglich auch nicht von einer Beweismittelgefährdung auszugehen.
Eine solche bestünde ebenso wenig für ein Gerichtsgutachten zur Frage, wie Sach
verständige die vorhandenen medizinischen Unterlagen betreffend die Arbeits
unfähigkeit der Gesuchstellerin beurteilen.
3.2
Soweit das beantragte Gerichtsgutachten ohnehin nicht als Beweismittel in Frage kommt, kann es auch nicht zur Abschätzung der
Beweis- und
Prozesschancen dienen. Insofern besteht an dessen Einholung auch kein
schutzwürdiges Interesse
. Vom Gericht zu bestellende Gutachter könnten
(einzig)
allenfalls die vorhan
de
nen echtzeitlichen medizinischen Dokumente als Grundlage für ein Akten
gut
ach
ten benutzen.
Entsprechende ärztliche Unterlagen betreffend den hier inte
res
sie
renden Zeitraum, der bereits vor Ende 2016 verstrichen war, wurden nicht einge
reicht (vgl. insbesondere
Urk.
2/2-4).
Damit lässt sich auch nicht beurteilen, ob ein allein auf Akten basierendes Gerichtsgutachten
im hier zu beurteilenden Fall
überhaupt als Beweismittel tauglich ist
und
zu einer Klärung der Beweis- und Pro
zesschancen
beitragen kann
.
Insofern wurde von
d
er Gesuchstellerin kein schützenswertes Inter
esse dargelegt, geschweige denn
glaubhaft gemacht.
3.3
Da die Gesuchstellerin keinen Grund für
die beantragte
vorsorgliche Beweis
füh
rung
in Form eines Gerichtsgutachtens
glaubhaft gemacht
hat, ist ihr G
esuch abzuweisen.
Ob
die strittige Forderung wie von der
Gesuchsgegnerin
behauptet bereits verjährt ist (
Urk.
8 S. 3)
, kann unter diesen Umständen offenbleiben
.
4.
Das Verfahren ist kostenlos, da es eine Streitigkeit aus einer
Krankentaggeldver
-sicherung betrifft, welche gemäss bundesgerichtlicher Praxis unter den Begriff der Zusatzversicherung zur sozialen Kranken
versicherung (nach dem Bundesge
setz vom 18. März 1994 über die Krankenversicherung; KVG) zu subsumieren ist (vgl. Art. 114
lit
. e ZPO
i.V.m
. § 33 Abs. 1
GSVGer
und das Urteil des Bundes
gerichts 4A_680/2014 vom 29. April 2015 E. 2.1 mit Hinweisen). Der nicht durch einen externen Rechtsanwalt vertretenen
obsiegenden
Gesuchsgegnerin
steht praxisgemäss
keine Parteientschädigung
zu (BGE 133
III 439 E. 4
; vgl.
Art.
104
Abs.
3 ZPO
).