Decision ID: de4d6de8-5056-5d5a-a6b6-4f2347a0ddb3
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 27. November 2021 im Bundesasyl-
zentrum (BAZ) in B._ um Asyl nach. Er gab bei der Auf-nahme sei-
ner Personalien an, er sei am (...) geboren und damit noch minderjährig.
Er wurde für die weitere Behandlung seines Verfahrens dem BAZ
C._ zugewiesen.
A.b Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Euro-
dac) ergab, dass der Beschwerdeführer am 9. Oktober 2021 in Bulgarien
und am 21. November 2021 in Österreich um Asyl ersucht hatte.
A.c Am 30. November 2021 erkundigte sich das SEM bei den bulgarischen
Behörden mit einem sogenannten Informationsersuchen über die regis-
trierten Personalien des Beschwerdeführers, seinen Status und ob er dort
Angehörige habe.
A.d Am 2. Dezember 2021 bevollmächtigte der Beschwerdeführer eine
Rechtsvertretung.
A.e Am 13. Dezember 2021 führte das SEM eine Erstbefragung (Erstbe-
fragung unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender [EB UMA]) durch. Da-
bei machte der Beschwerdeführer geltend, er sei am (...) geboren. Ferner
wurden ihm Fragen zum Alter, Geburtsdatum und allenfalls vorhandenen
Identitätsdokumenten gestellt. Weiter gab er an, er habe über einen Ge-
burtsschein verfügt, der ihm in Bulgarien abgenommen worden sei. Gleich-
zeitig wurde er gefragt, weshalb auf dem Personalienblatt der (...) als Ge-
burtsdatum stehe. Dies erklärte er damit, er habe das Datum von der ihm
abgenommenen Karte aus Österreich, auf welcher dieses aufgeführt sei.
Er habe jedoch erklärt, dass dies falsch sei. Er habe in Österreich dieses
Datum und nicht den (...) angegeben, um zu vermeiden, dass er nach Pa-
kistan ausgeschafft werde. Weiter wurde ihm auf seine Angaben, die
Schule bis zur 5. Klasse besucht zu haben, vorgehalten, er habe in Öster-
reich geltend gemacht, die Schule während zehn Jahren besucht zu haben.
Er erwähnte dazu, er habe dort wie bereits hinsichtlich seines Alters gelo-
gen.
Im Weiteren wurde dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zur mög-
lichen Zuständigkeit Bulgariens oder Österreichs zur Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens gemäss der Verordnung (EU)
Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni
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2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-
gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen o-
der Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-
nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend Dublin-III-VO), zum Nichteintre-
tensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsyIG (SR 142.31) sowie zur
Wegweisung nach Österreich gewährt. In diesem Zusammenhang führte
er aus, in Österreich nicht medizinisch behandelt worden zu sein. Es sei
ihm zur Behandlung einer Bisswundes eines Hundes am Fuss lediglich
eine Salbe gegeben worden. Man habe sich nicht weiter um die Wunde
gekümmert.
Zum Gesundheitszustand erklärte er zudem, er habe ausser der erwähn-
ten Bisswunde keine gesundheitlichen Probleme. Im BAZ habe er eben-
falls eine Salbe erhalten und es seien ihm Tabletten versprochen worden,
die er noch nicht erhalten habe. Die anwesende Rechtsvertreterin wies ihn
darauf hin, sich für allfällige Probleme mit der Wunde bei der Pflege zu
melden.
A.f Am 14. Dezember 2021 reichte der Beschwerdeführer medizinische
Unterlagen ein.
A.g Die am (...) 2022 am Institut für Rechtsmedizin der Universität
C._ erstellte 3-Säulen-Modell-Analyse (körperliche, radiologische
und zahnärztliche Untersuchung/Beurteilung) zur Altersbestimmung ergab
ein zu berücksichtigendes höchstes Mindestalter des Beschwerdeführers
von 19 Jahren. Sein wahrscheinliches Alter liege darüber, weshalb die Al-
tersangabe von (...) Jahren und etwa (...) nicht plausibel erscheine. Da-
raufhin gewährte das SEM dem Beschwerdeführer am 14. Januar 2022
das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Anpassung seines Alters mit Ge-
burtsdatum auf den (...). Der Beschwerdeführer hielt mit Eingabe vom
17. Januar 2022 am geltend gemachten Geburtsdatum und an seiner Min-
derjährigkeit fest und stellte die Beibringung von Fotos und Kopien von Do-
kumenten in Aussicht. Gemäss der zahnärztlichen Beurteilung bestehe
eine Restwahrscheinlichkeit von 9,9% respektive 14,5%, dass er das
18. Lebensjahr noch nicht erreicht habe. Es sei im ZEMIS ein Bestreitungs-
vermerk anzubringen, da die vorgesehene Änderung des Geburtsdatums
auf den (...) bestritten werde.
A.h Das Geburtsdatum des Beschwerdeführers wurde in der Folge im
ZEMIS – mit Bestreitungsvermerk – auf den (...) angepasst. Der Beschwer-
deführer wurde für das restliche Verfahren als volljährig erachtet.
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A.i Am 21. Januar 2022 ersuchte das SEM die bulgarischen und die öster-
reichischen Behörden um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers ge-
mäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Die österreichischen Behörden
hiessen das Ersuchen am 26. Januar 2022 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d
Dublin-III-VO gut.
A.j Am 27. Januar 2022 reichte der Beschwerdeführer eine Kopie seines
(angeblichen) Abschlusszeugnisses der fünften Klasse vom (...) als Be-
weismittel ein. Darin sei das Geburtsdatum vom (...) vermerkt, weshalb von
seiner Minderjährigkeit auszugehen sei.
B.
Mit Verfügung vom 27. Januar 2021 – eröffnet am 28. Januar 2021 – trat
das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylge-
such des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete dessen Wegweisung aus
der Schweiz nach Österreich an und forderte den Beschwerdeführer auf,
die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu ver-
lassen, ansonsten er inhaftiert und unter Zwang in den für ihn zuständigen
Dublin-Mitgliedstaat zurückgeführt werden könne. Der zuständige Kanton
wurde mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt. Ferner wurde die Aus-
händigung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den
Beschwerdeführer verfügt. Zudem stellte das SEM fest, das Geburtsdatum
des Beschwerdeführers sei im ZEMIS mit Bestreitungsvermerk auf den (...)
gesetzt worden. Schliesslich hielt es fest, einer allfälligen Beschwerde
komme keine aufschiebende Wirkung zu.
C.
Mit Eingabe vom 31. Januar 2021 teilte die damalige Rechtsvertretung
dem SEM die Beendigung des Mandatsverhältnisses mit.
D.
Mit Eingabe vom 2. Februar 2022 (Poststempel) beantragte der Beschwer-
deführer die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Behandlung
seines Asylgesuchs in der Schweiz. In formeller Hinsicht beantragte er, es
sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, es sei die un-
entgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses zu verzichten.
E.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
3. Februar 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Die
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zuständige Instruktionsrichterin setzte am gleichen Tag mit superprovisori-
scher Massnahme den Vollzug der Wegweisung einstweilen aus.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
Der Beschwerdeführer beantragt ausdrücklich die Aufhebung des Nicht-
eintretensentscheids des SEM und die Prüfung seines Asylgesuchs in der
Schweiz. Darin ist kein – auch nicht sinngemässes – Begehren auf Ände-
rung des im ZEMIS vermerkten Geburtsdatums zu erkennen. Damit ist da-
von auszugehen, dass er die vom SEM im Entscheid festgehaltene
Schlussfolgerung, wonach er die geltend gemachte Minderjährigkeit nicht
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habe glaubhaft machen können (vgl. SEM act. 1117384-37/15, S. 4 f.), an-
erkennt, zumal auch seiner Begründung in der Rechtsmitteleingabe nichts
Gegenteiliges zu entnehmen ist. Folglich hat der Beschwerdeführer die
Dispositivziffer 6 der Verfügung vom 27. Januar 2022 vorliegend nicht an-
gefochten, weshalb diese hier nicht Gegenstand des Verfahrens ist.
4.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten
Richterin oder eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weite-
rungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1
und 2 AsylG).
5.
5.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2 je m.w.H.).
5.2 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesbezüglich kommt die Dublin-III-VO zur Anwen-
dung.
6.
6.1 Die Vorinstanz hält zur Begründung der angefochtenen Verfügung be-
züglich der Zuständigkeit Österreichs fest, der Abgleich der Fingerabdrü-
cke mit der Datenbank Eurodac weise nach, dass der Beschwerdeführer
am 21. November 2021 in Österreich ein Asylgesuch eingereicht habe. Die
österreichischen Behörden hätten das Wiederaufnahmeersuchen gutge-
heissen, womit die Zuständigkeit bei Österreich liege, das weitere Verfah-
ren durchzuführen. Der Beschwerdeführer habe seine Registrierung als
Minderjähriger in Österreich nicht zu seinem Vorteil ableiten können, da die
österreichischen Behörden mit ihrer Zustimmung vom 20. Januar 2022 das
Ersuchen des SEM explizit gutgeheissen, sich für ihn als zuständig erklärt
und seiner Übernahme zugestimmt hätten. Die Ausführungen des Be-
schwerdeführers vermöchten die Zuständigkeit Österreichs zur Durchfüh-
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rung seines weiteren Verfahrens nicht zu widerlegen. Es gebe keine we-
sentlichen Gründe für die Annahme gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO,
dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende
in Österreich Schwachstellen aufweisen würden, die eine Gefahr einer un-
menschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 EMRK
mit sich bringen würden. Es würden keine konkreten Anhaltspunkte dafür
vorliegen, dass sich Österreich nicht an seine völkerrechtlichen Verpflich-
tungen halten und die Asyl- und Wegweisungsverfahren nicht korrekt
durchführen würde. Es sei nicht davon auszugehen, dass er bei einer Über-
stellung nach Österreich gravierenden Menschenrechtsverletzungen im
Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO und Art. 3 EMRK ausgesetzt werde,
in eine existenzielle Notlage gerate oder ohne Prüfung seines Asylgesuchs
und unter Verletzung des Non-Refoulement-Gebots in seinen Heimat- oder
Herkunftsstaat überstellt werde. Zudem lägen weder systemische Mängel
in Österreichs Asyl- und Aufnahmesystem noch Gründe gemäss Art. 16
Abs. 1 Dublin-III-VO vor, die die Schweiz verpflichten würden, sein Asylge-
such zu prüfen. Ferner verfüge Österreich über eine ausreichende medizi-
nische Infrastruktur und sei aufgrund der Aufnahmerichtlinie verpflichtet,
ihm die erforderliche medizinische Versorgung zu gewähren. Es lägen
keine Hinweise vor, wonach ihm Österreich eine medizinische Behandlung
verweigert hätte oder zukünftig verweigern würde. Somit würden sich keine
Gründe für die Anwendung der Souveränitätsklausel ergeben.
6.2 Der Beschwerdeführer wendet in seiner Beschwerdeschrift ein, ihm sei
in Österreich gesagt worden, dass er in seinen Heimatstaat zurückge-
schafft werde, weshalb er in die Schweiz gereist sei, wo ihm ein besseres
und ruhigeres Leben möglich sei.
7.
7.1 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird.
7.2 Im Falle einer unbegleiteten minderjährigen Person ohne familiäre An-
knüpfungspunkte (zu einem anderen Mitgliedstaat) ist gemäss Art. 8 Abs. 2
Dublin-III-VO der Staat zuständig, in welchem jene einen Antrag auf inter-
nationalen Schutz gestellt hat. Unbegleitete Minderjährige sind vom Wie-
deraufnahmeverfahren ausgenommen (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin-
III-VO, Wien 2014, Kap. 15 f. zu Art. 8, m.H.). Das Bundesverwaltungsge-
richt schliesst sich den Feststellungen in der angefochtenen Verfügung an,
dass die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers nicht glaubhaft gemacht
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wurde und von seiner Volljährigkeit auszugehen ist. Diese wurden in der
vorliegenden Rechtsmitteleingabe auch nicht bestritten. Damit besteht
keine der grundsätzlichen Wiederaufnahmezuständigkeit Österreichs vor-
rangige Zuständigkeit der Schweiz (vgl. statt vieler: Urteile des BVGer
D-3886/2021 vom 7. September 2021 E. 4.3 m.w.H.).
7.3 Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden grundsätzlich kein
Recht ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch
BVGE 2010/45 E. 8.3). Den vorliegenden Akten ist zu entnehmen, dass
der Beschwerdeführer am 21. November 2021 in Österreich Asyl bean-
tragte. Am 21. Januar 2022 ersuchte die Vorinstanz die österreichischen
und die bulgarischen Behörden gestützt auf die Angaben an der EB UMA,
die beiden in Eurodac verzeichneten Asylgesuche sowie das Altersgutach-
ten jeweils um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers. Dieses Ersuchen
wurde von den österreichischen Behörden am 26. Januar 2022 gestützt
auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO (Wiederaufnahme nach abgelehntem
Antrag auf internationalen Schutz) gutgeheissen. Die grundsätzliche Zu-
ständigkeit Österreichs ist somit gegeben.
8.
Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Rechtsprechung davon
aus, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für asylsu-
chende Personen in Österreich keine Schwachstellen im Sinne von Art. 3
Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO aufweist, die eine Gefahr einer un-
menschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4
der EU-Grundrechtcharta und Art. 3 EMRK mit sich bringen würden (vgl.
Urteile des BVGer E-5547/2021 vom 28. Dezember 2021, E-5576/2021
vom 28. Dezember 2021; D-5519/2021 vom 28. Dezember 2021 E. 8.2).
Zudem ist Österreich ein funktionierender Rechtsstaat und die Behörden
grundsätzlich gewillt und fähig, staatlichen Schutz zu gewähren. Sollte sich
der Beschwerdeführer rechtswidrig behandelt fühlen, kann er sich an die
zuständige Behörde wenden.
Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO
nicht gerechtfertigt.
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Seite 9
8.1
8.1.1 Das SEM hat sodann die Anwendung des Selbsteintrittsrechts im
Sinne von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu
Recht verneint.
8.1.2 Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar-
getan, die österreichischen Behörden würden sich weigern, ihn wiederauf-
zunehmen, beziehungsweise hätten seinen Antrag auf internationalen
Schutz nicht unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie geprüft.
Es liegen keine Hinweise dafür vor, dass die Behandlung seines Asylge-
suchs mangelhaft vorgenommen und eine allenfalls angeordnete Wegwei-
sung in Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips verfügt wurde. Den Ak-
ten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Öster-
reich werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missach-
ten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben
oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist
oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land ge-
zwungen zu werden. In diesem Zusammenhang ist der Vollständigkeit hal-
ber festzustellen, dass ein definitiver Entscheid über ein Asylgesuch und
die Wegweisung in das Heimatland nicht per se eine Verletzung des Non-
Refoulement-Prinzips darstellen. Das Prinzip der Überprüfung eines Asyl-
gesuchs durch einen einzigen Mitgliedstaat («one chance only») dient im
Gegenteil der Vermeidung von multiplen Asylgesuchen in verschiedenen
Staaten (vgl. BVGE 2017 VI/5 E.8.5.3.3).
8.1.3 Schliesslich liegen auch hinsichtlich der vom Beschwerdeführer er-
wähnten Bisswunden am Fuss keine substanziierten Hinweise vor, wonach
Österreich ihm eine adäquate medizinische Behandlung verweigert hat
oder in Zukunft verweigern würde. Er kann sich somit bei Bedarf dort (wei-
ter) behandeln lassen.
8.1.4 Zusammenfassend besteht kein Grund für eine Anwendung der Er-
messenklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO sowie von Art. 29a Abs. 3
AsylV 1.
8.2 Somit bleibt Österreich der zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-
VO und ist verpflichtet, den Beschwerdeführer gemäss Art. 23, 25 und 29
Dublin-III-VO wiederaufzunehmen.
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Seite 10
9.
Das SEM ist demnach zutreffend zur Erkenntnis gelangt, es sei in Anwen-
dung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch nicht einzutreten
und hat – weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufent-
halts- oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44
AsylG die Überstellung nach Österreich (Art. 32 Bst. a AsylV 1) angeord-
net.
10.
Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2
m.w.H.).
11.
Der am 3. Februar 2022 verfügte Vollzugsstopp fällt mit dem vorliegenden
Urteil dahin.
12.
12.1 Mit dem vorliegenden Urteil in der Hauptsache sind die Gesuche um
Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Befreiung von der Kosten-
vorschusspflicht gegenstandslos geworden.
12.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist
abzuweisen, da die Beschwerde im Dublin-Verfahren gemäss den vorste-
henden Erwägungen als aussichtslos zu bezeichnen war und es damit an
einer gesetzlichen Voraussetzung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG fehlt. Bei
diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzuset-
zen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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