Decision ID: 7fdfbc1f-65c0-4834-be97-16d8ee98deed
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1976, ist als
Coach
und Berater
tätig und der
Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, Ausgleichs
kasse,
seit
1.
Januar 2018
als
Selbstän
dig
erwerbender
ange
schlossen
(
Urk.
6/52)
.
Mit Anmeldungen vom 3
0.
November
2021 sowie vom 2., 8., 1
3.
und 1
9.
Dezember 2021 (Eingangs
datum) machte
der Ver
si
cher
te
gestützt auf die Ver
ord
nung über Massnahmen bei Er
werbs
ausfall im Zusammenhang mit dem
Corona
virus
(Covid-19-Verord
nung Er
werbs
aus
fall)
bei der Ausgleichskasse
einen Anspruch auf eine Corona-Erwerbs
ausfallent
schä
di
gung für die Zeit vom 1
7.
September
2020 bis
3
0.
Novem
ber
2021 geltend (Urk.
6/69,
Urk.
6/77-82,
Urk.
6/86,
Urk.
6/88,
Urk.
6/96,
Urk.
6/98-100). In den Anmeldeformularen gab er an, aufgrund behörd
licher Anordnungen eine erheb
liche Umsatzeinbusse erlitten zu haben. Nach der Prüfung des Anspruches richtete die Ausgleichskasse ihm für die Zeit
periode vom 1
7.
September 2020 bis 31. Au
gust 2021 eine Corona-Erwerbsaus
fallent
schädigung infolge er
heblicher Umsatz
ein
bussen aus (Urk. 6/130
-131). Für die Monate September, Oktober und
Novem
ber 2021 verneinte die Ausgleichs
kasse einen An
spruch auf Corona-Erwerbs
ersatz
ent
schädigung
, da der Erwerbs
ausfall nicht nachweislich mit den Ein
schrän
kun
gen aufgrund der vom Bund oder vom Kanton angeordneten Mass
nahmen zu
sam
men
hänge
(Verfügung vom 2
8.
Februar 2022, Urk. 6/132).
Die da
gegen vom Versicherten am
3.
März
2022 erhobene Einsprache (
Urk.
6/134) wies die Aus
gleichskasse mit
Einsprache
entscheid
vom
6.
Mai 2022 ab (
Urk.
6/141 = Urk. 2).
2.
Hiergegen
erhob
X._
am 30. Mai 2022 Beschwerde und beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die
Zusprache
einer Corona-Erwerbsausfallentschä
digung für die Monate September, Oktober und
No
vem
ber 2021 (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
1.
Juli
2022 schloss die Beschwerdegegnerin
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5, unter Beilage der Kassenakten
[Urk. 6/1-146]), was dem Beschwerdeführer mit Ver
fügung vom 1
4.
Juli 2022 zur Kennt
nis gebracht wurde (Urk. 7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit er
for
der
lich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Anspruch auf Corona-Erwerbsausfall
ent
schädigung mit der Begründung,
dass nur
selbständigerwerbende
Personen anspruchsberechtigt seien, die aufgrund kantonaler oder auf Bundesebene beschlossener Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
ihre Erwerbs
tätigkeit erheblich einschränken müssten und deshalb einen Erwerbs- oder Lohnausfall erlitten hätten
.
Der Zusammenhang zwischen der geltend gemachten Ein
schrän
kung in der Tätigkeit des Beschwerdeführers
mit den behördlichen Massnahmen sei nicht erwiesen
. Angst und Unsicherheit seitens Kunden seien nicht als Mass
nahmen zu werten (Urk.
2).
1.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber zusammengefasst geltend (Urk. 1), Grund für seine ausbleibenden Umsätze seien
ausbleibende Buchungen infolge Zertifikats- und Maskenpflicht. Seminare im Bereich Verhandlungstechnik, Job
inter
view, Lohnverhandlungen, Rollenspiele für Familienkonflikte seien mit Mas
ke oder via Zoom absolut ungeeignet, da der nonverbale Ausdruck mehr Ein
fluss als das eigentlich Gesprochene habe. Hinzu komme, dass er aufgrund seiner Lungen- und Atemwegserkrankung zur Gruppe besonders gefährdeter Personen gehöre.
Schliesslich habe er die im Herbst geplanten Seminare absagen müssen.
2.
2.1
Nach
Art.
185
Abs.
3 der Bundesverfassung (BV) kann der Bundesrat Verordnun
gen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar drohenden schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusseren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen (und zwar auf [maxi
mal] sechs Monate, vgl.
Art.
7d
Abs.
2
lit
. a des Regierungs- und Ver
wal
tungsorganisationsgesetzes, RVOG).
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat – nebst anderen Verordnungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, die sich teilweise (auch) auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (
Epidemiengesetz
,
EpG
) stützten – am 2
0.
März 2020 die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall. Die Verordnung wurde rückwirkend per 1
7.
März 2020 in Kraft gesetzt (
Art.
11
Abs.
1 und 2 der Covid-19-Verordnung Erwerbs
ausfall vom 2
0.
März 2020). Mit dem Bundesgesetz über die gesetzlichen Grund
lagen für Verordnungen des Bundesrates zur Bewältigung der Covid-19-Epidemie vom 2
5.
September 2020 (Covid-19-Gesetz) wurde rückwirkend per 1
7.
Sep
tem
ber 2020 eine gesetzliche Grundlage für die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall geschaffen (
Art.
15 in Verbindung mit
Art.
21
Abs.
3 Covid-19-Gesetz). Seit ihrem Inkrafttreten per 1
7.
März 2020 wurde die Covid-19-Verordnung Erwerbs
ausfall vom Bundesrat mehrfach geändert.
2.2
Gestützt auf
Art.
7 des
Epidemiengesetzes
erliess der Bundesrat unter anderem die Covid-19-Verordnung 2, welche vom 1
3.
März bis 2
2.
Juni 2020 in Kraft war. Sie ordnete Massnahmen gegenüber der Bevölkerung, Organisationen und Insti
tutionen sowie den Kantonen zur Verminderung des Übertragungsrisikos und zur Bekämpfung des
Coronavirus
(Covid-19) an (
Art.
1
Abs.
1 dieser Verordnung). Gemäss
Art.
6
Abs.
1 der Covid-19-Verordnung 2 in der ab 1
7.
März 2020 gültig gewesenen Version war es verboten, öffentliche oder private Veranstaltungen durch
zuführen. Ferner empfahl der Bundesrat den Arbeitenden, wo möglich, Homeoffice zu machen (vgl. die Medienmitteilung des Bundesrates vom 1
3.
März 2020). In der Folge beschloss der Bundesrat am 2
7.
Mai 2020 eine weitgehende Lockerung der noch geltenden Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
per
6.
Juni 202
0.
Unter der Bedingung, dass für alle Einrichtungen und Veran
stal
tungen Schutzkonzepte vorhanden sind (
Art.
6d
Abs.
1 Covid-19-Verordnung 2 in der ab
6.
Juni 2020 gültig gewesenen Version), waren Veranstaltungen mit bis zu 300 Personen wieder erlaubt. Die Homeoffice-Empfehlung blieb bestehen (vgl.
die Medienmitteilung des Bundesrates vom 2
7.
Mai 2020).
Nach einer Zunahme der Ansteckungen mit dem
Coronavirus
im Herbst und Winter
2020 wurden weitere Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
beschlossen. Mit der Änderung der Verordnung über Massnahmen in der beson
de
ren Lage zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie (Covid-19-Verordnung beson
dere Lage) vom 1
9.
Oktober 2020 (aufgehoben mit
Art.
30 Covid-19-Verordnung besondere Lage vom 2
3.
Juni
2021) wurde die Empfehlung, die Arbeitspflichten von zu Hause aus zu erfüllen, in
Art.
10
Abs.
3 dieser Ver
ord
nung aufgenommen.
Nach wie vor galt, dass die öffentlich zugänglichen Betriebe ein Schutzkonzept haben mussten (
Art.
4 der Covid-19-Verordnung besondere Lage).
Bei Veran
stal
tungen mit bis zu 1000 Personen hatte neben der Erhebung der Kontaktdaten eine Unterteilung in Sektoren mit höchstens 100 Personen zu er
folgen (
Art.
6 Abs.
1 der Covid-19-Verordnung besondere Lage).
Ausserdem wurde mit
Art.
3b der Covid-19-Verordnung besondere Lage eine Maskenpflicht in öffentlich zu
gänglichen Innenräumen
und Aussenbereichen
von Betrieben und anderen Ein
richtungen eingeführt.
Davon ausgenommen waren Personen, die eine medizini
sche oder kosmetische Dienstleistung im Gesicht in Anspruch nehmen (
Art.
3b
Abs.
2
lit
. d der Covid-19-Verordnung besondere Lage).
Ab 1
8.
Januar
2021 galt eine Homeoffice-Pflicht (
Art.
10
Abs.
3 der Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 1
8.
Januar 2021 gültig gewesenen Version, vgl. auch Medien
mitteilung des Bundesrates vom 1
3.
Januar 2021). Ausserdem wurden mit
Art.
6
Abs.
1 der Covid-19-Verordnung besondere Lage die Durchführung von Veran
staltungen mit wenigen Ausnahmen wieder verboten. Erst per 1
9.
April 2021 konnten Veranstaltungen mit Publikum mit Einschrän
kungen wieder statt
finden. Die maximale Besucherzahl
wurde draussen auf 100 Personen und drinnen auf 50 Personen beschränkt (
Art.
6
Abs.
1
bis
lit
. a der Covid-19-Verord
nung beson
dere Lage in der ab 1
9.
April 2021 gü
ltig gewesenen Version). Am 31.
Mai
2021 erfolgte ein weiterer Öffnungsschritt und die Homeoffice-Pflicht wurde für jene Betriebe, die wiederholt testeten, in eine Homeoffice-Empfehlung umgewandelt (
Art.
10
Abs.
3
bis
der Covid-19-Ver
ordnung besondere Lage in der ab 3
1.
Mai 2021 gültig gewesenen Fassung; vgl. auch Medienmitteilung des Bun
des
rates vom 2
6.
Mai 2021). Weiter beschloss der Bundesrat in seiner Sitzung vom 2
6.
Mai 2021
,
wann und in welcher Form Gross
veranstaltungen wieder statt
finden konn
ten. Demnach waren mit einer Bewil
li
gung der zuständigen kanto
na
len Behörde ab
1.
Juli 2021 Grossveranstaltungen mit bis zu 1000 Personen wieder zulässig (
Art.
6a
Abs.
1 Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 27.
Mai 2021 gül
tig gewesenen Version). Per 2
6.
Juni 2021 wurde sodann die Pflicht eingeführt, ein Schutzkonzept zu erarbeiten und umzusetzen. Zusätzlich bestand ab diesem Zeitpunkt bei Grossveranstaltungen die Zertifikatspflicht für alle Personen ab 16 Jahren (
Art.
17 der Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 2
6.
Juni 2021 gültig gewesenen Version). Hingegen wurde die Homeoffice-Pflicht aufgehoben (vgl.
Art.
10 der Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 2
6.
Juni 2021 gültig gewesenen Fassung; vgl. auch Medienmitteilung des Bundesrates vom 2
3.
Juni 2021).
Ebenfalls wurde die bisher geltend gewesene Maskenpflicht in Aussenbereichen von öffentlich zugänglichen Einrichtungen, Freizeitbetrieben und Restaurantterrassen aufge
hoben. Hingegen
wurde die Maskenpflicht in den öffe
ntlich zugänglichen Innenräumen
fortgeführt, wobei für gewisse Personengruppen Ausnahmen vorge
sehen wurden
(
Art. 6
Abs.
1 und
2
der Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 2
6.
Juni
2021 gültig gewesenen Fassung
)
.
Die Zertifikatspflicht
wurde per 1
3.
September
2021 auf alle Veranstaltungen in Innenräumen aus
geweitet (vgl.
Medien
mitteilung des Bun
des
rates vom
8.
September
2021). Ab
2
0.
Dezem
ber
2021 wur
den die Mass
nah
men abermals verschärft. Zu Ver
an
stal
tungen im Innern hatten nur noch ge
impfte und genesene Personen (2G
Regel) Zugang. Ausserdem wurde die Home
office-Pflicht
wieder eingeführt
(
Art.
14 und
Art.
25
Abs.
5 der Covid-19-Ver
ord
nung besondere Lage in der ab 2
0.
Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung, vgl. auch Medienmitteilung vom 1
7.
Dezember
2021). Schliesslich wur
den die Home
office-Pflicht per
3.
Februar 2022 (vgl.
Art.
25
Abs.
5 der Covid-19-Ver
ord
nung besondere Lage in der ab
3.
Februar
2022 gültig gewesenen Fassung; vgl. auch Medienmitteilung des Bundesrates vom
2.
Februar 2022) und die Zer
ti
fi
katspflicht per 1
7.
Februar 2022 (vgl. Medienmi
tteilung des Bundesrats vom 16.
Februar 2022) wieder aufge
hoben.
2.3
In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze
massgebend
, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbe
standes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen).
D
as Sozialversicherungsgericht
stellt
bei der Beurteilung eines Falles grund
sätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung bezie
hungsweise des streitigen
Einspracheentschei
ds
eingetretenen Sachverhalt ab
(BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1).
Vorliegend streiti
g ist die Höhe des Anspruchs des Beschwerdeführers
auf eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung für die Monate
September bis November
202
1.
Entsprechend sind die in diesen Monaten gültigen Bestimmungen anwend
bar.
2.4
Laut
Art.
1 der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (gemäss sämtlichen Fassungen) sind die Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) auf die Entschädigungen gemäss dieser Verordnung anwendbar, soweit die nachstehenden Bestimmungen nicht aus
drücklich eine Abweichung vom ATSG vorsehen. Nach
Art.
8
Abs.
5 der Covid-19-Ver
ordnung Erwerbsausfall (gemäss sämtlichen Fassungen) wird die Ent
schädi
gung im formlosen Verfahren nach Artikel 51 ATSG festgesetzt. Dies gilt in Abweichung von Artikel 49 Absatz 1 ATSG auch für erhebliche Entschä
di
gun
gen.
2.5
2.5.1
Nach
Art.
2
Abs.
3 der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (Stand: 2
0.
Sep
tem
ber 2021) sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von Artikel 12 ATSG und Per
so
nen nach Artikel 31 Absatz 3 Buchstaben b und c des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) unter der Voraussetzung von Absatz 1
bis
Buchstabe c anspruchsberechtigt, wenn sie:
a. ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie unterbrechen müssen; und
b. einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden.
2.5.2
G
emäss
Art.
2
Abs.
3
bis
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (Stand:
20. Septem
ber 2021
) sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von
Art.
12 ATSG, die nicht
unter Absatz 3 fallen
, anspruchsberechtigt wenn:
a. ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie massgeblich eingeschränkt ist;
b. sie einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden; und
c. sie im Jahr 2019 für diese Tätigkeit ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen von mindestens Fr. 10'000.-- erzielt haben; diese Voraussetzung gilt sinn
ge
mäss, wenn die Tätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen wurde; wurde die Tätigkeit nicht während eines vollen Jahres ausgeübt, so gilt diese Voraus
setzung proportional zu deren Dauer.
Die Erwerbstätigkeit gilt gemäss
Art.
2
Abs.
3
ter
Satz 1 Cov
id-19-Verordnung Erwerbsausfall
als massgeblich eingeschränkt, wenn pro Monat eine
Umsatz
ein
busse von mindestens 3
0 Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen monat
li
chen Um
satz der Jahre 2015–2019 vorliegt.
Wurde die Tätigkeit nach 2015 und vor 2020 aufgenommen, so ist der Durchschnitt der entsprechenden Erwerbsdauer massgebend. Personen, die ihre Erwerbstätigkeit nach dem Jahr 2019 aufge
nom
men haben, müssen nachweisen, dass pro Monat eine Umsatzeinbusse von min
destens 30 Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen Umsatz von mindes
tens drei Monaten vorliegt; massgebend ist der Durchschnitt der drei Monate mit den höchsten Umsätzen (
Art.
2
Abs.
3
ter
).
3.
3.1
D
er Beschwerdeführer
ist bei der Beschwerdegegnerin als selbständig
er
Erwerbs
tätige
r
im Bereich
Coaching
gemeldet
(
Urk.
6/52)
.
Gemäss eigenen Angaben unter
stütz
e
er Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung.
Er biete Seminare im Bereich Verhandlungstechnik, Job
inter
view und Lohnverhandlungen sowie Rollen
spiele für Familienkonflikte an.
Dafür sei
weder
das Tragen einer Maske
noch die Durchführung über Zoom (Online)
ge
eig
net.
Seine Kunden würden seine Dienst
leistung
en
deshalb nicht mehr in Anspruch nehmen
(
Urk.
1
, Urk.
6/134)
.
Im Rahmen der Ab
rechnungen richtete die Beschwerdegegnerin die Corona-Er
werb
saus
fall
ent
schä
di
gung vom
1
7.
September 2020 bis 3
1.
August
2021
(allen
falls mit kürzeren Unterbrüchen)
aufgrund erheb
licher Umsatzeinbussen
infolge
einer schlechten Auftragslage
aus (vgl.
Urk. 6/130-131
), im
pli
zit also gestützt auf Art.
2 Abs.
3
bis
und
Abs.
3
ter
der Covid-19-Verordnung Er
werbs
ausfall (vgl.
E.
2.5.2 hiervor). Dass
der
Beschwerdeführer in den Monaten
September bis No
vem
ber
2021 eine Umsatzeinbusse von mindes
tens 30 Prozent im Vergleich zum durch
schnittlichen monatlichen Umsatz der Jahre 2015 bis 2019 erlitten hat,
hat er in den Anmeldeformularen vom 1
9.
Dezember 2021 substantiiert dargetan und
ist un
bestritten (vgl.
Urk.
6/
98-100
). In de
r
Verfügung vom
28. Februar
2022 sowie im
Einspracheentscheid
vom
6.
Mai
2022 äusserte sich die Beschwerde
geg
nerin ein
zig zu den behördlich ange
ordneten Mass
nah
men und dass
der
Beschwerde
führer von solchen nicht mehr betroffen sei, mithin die Kausalität der Umsatzein
busse mit den geltenden Massnahmen nicht mehr gegeben sei.
3.2
Massgebend ist, ob und inwiefern die Erwerbseinbusse des Beschwerdeführers in den Monaten
September, Oktober und
November
2021 auf die staatlich verord
ne
ten Mass
nahmen gegen das Corona-Virus zurückzuführen war.
Eine Home
office-Pflicht bestand im vorliegend interessierenden Zeitraum nicht.
Seit 1
3.
Sep
tem
ber 2021 galt
jedoch
insofern eine Einschränkung, als für Veranstal
tungen in Innen
räumen eine Zertifikatspflicht für alle Personen ab 16 Jahren bestand (vgl. vor
stehend E. 2.2).
Ausserdem galten d
ie Vorschriften, wonach in öffentlich zugäng
lichen Räumen von Betrieben eine Maske getragen werden muss und diese ein Schutzkonzept einhalten müssen, auch gemäs
s den vom 2
0.
September bis 20.
De
zember 2021 gültigen gewesenen Versionen der Verord
nung über Mass
nahmen in der besonderen Lage, mithin für den vor
liegend zu beurteilenden Zeit
raum vom
1.
September bis 3
0.
November 2021 (E. 2.3
).
Die Beschwerdegegnerin verweist im angefochtenen
Einspracheentscheid
auf
Rz
. 1040.2
i.V.m
.
Rz
. 1041.2 des Kreisschreibens über die Entschädigung zur Bekämpfung des
Coronavirus
- Corona-Erwerbsersatz (KS CE). Darin wird aus
ge
führt, dass ab dem 1. September 2021, in Anbetracht der Aufhebung des ge
ne
rellen Veranstaltungs
verbotes und des Fehlens des erforderlichen Nachweises nach
Rz
. 1037 ff. (welche Randziffern den Anspruch infolge eines geltenden Ver
anstaltungsverbotes oder infolge Nichtgenehmigung der Veran
staltung aufgrund von Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
betreffen),
Selbständig
er
wer
bende
und Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung sowie deren mitarbei
tende Ehegatten oder einge
tragene Partner, die aufgrund von Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
einen Erwerbsausfall erlitten, Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz infolge mass
gebender Einschränkung der Erwerbstätigkeit gel
tend machen könnten. Diese Randziffer wurde mit der Version 19 des KS CE (gültig ab 17. September 2021, vgl. dazu das Vorwort zur Version 19) eingefügt, nachdem im Vorwort zur Ver
sion 18 festgehalten worden war, dass es aktuell kaum noch behördliche Ein
schränkungen gebe. Deshalb müssten die Ausgleichs
kassen ihr Augenmerk besonders auf die Gründe richten, die die Versicherten für eine er
hebliche Ein
schränkung geltend machten. Diese Gründe müssten im Zu
sam
men
hang mit den Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
stehen. Es ist der Beschwerdegeg
nerin somit beizupflichten, dass eine Umsatzeinbusse, die (alleine) darauf zurück
zuführen ist, dass sich das ökonomische Umfeld aufgrund der Pan
demie ändert, nicht durch die Corona-Erwerbsersatzentschädigung abge
deckt wird.
Jedoch wies der Beschwerdeführer
in nachvollziehbarer Weise
darauf hin, dass das Ausbleiben
der Inanspruchnahme
seiner Dienstleistungen auf die im September, Ok
tober und November 2021 nach wie vor geltend gewesene Mas
ken
pflicht sowie
Zer
ti
fikatspflicht für sämtliche Veranstaltungen in Innen
räumen zurückzuführen wa
ren.
Der Beschwerdeführer ist
Mental und Life Coach und bietet Karriere
beratung und Coaching an (vgl. Homepage «
...»
gefunden am
9.
August 2022).
Dass für Coachings der direkte Kontakt mit den Klienten zwecks Aufbau eines Vertrauensverhältnisses im Hinblick auf eine allfällige weitergehende Bera
tungs
tätigkeit des Beschwerdeführers von erheblicher Bedeutung ist, leuchtet ein. Ebenso erscheint plausibel, dass
seine Tätigkeit auch von den Emotionen und dem nonverbalen Ausdruck lebt (
Urk.
1).
Schliesslich kann der Beschwerdeführer seine Klienten nicht zu einem zu einem Zertifikat führenden Verhalten anhalten
,
um
damit der Maskenpflicht während Beratungsgesprächen
zu
entgehen. Es ist des
halb
davon auszugehen, dass
die Massnahmen des Bundesrates, insbesondere d
ie Maskenpflicht
und
die Zertifi
ka
tionspflicht
,
ein wesentlicher Grund für die Um
satz
einbusse des Beschwerde
führers war
en
,
auch wenn die all
gemeine, im Herbst 2021 sich verschlechternde Pandemiesituation mit
eine Rolle
gespielt haben dürf
te. Damit ist ein Anspruch auf Corona-Erwerbser
satz
ent
schä
di
gung ausgewiesen.
4.
Die Sache ist demnach zur Berechnung der Erwerbsausfallentschädigung gemäss
Art.
2
Abs.
3
bis
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall für
die
Monat
e September, Okto
ber
und November
2021 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In die
sem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.