Decision ID: 34d599ae-49b3-49d3-88dc-855927ee58c3
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 19
...
geborene
X._
, deutscher Staatsangehöriger, reiste am 30. September 1997
in die Schweiz ein und verfügt
über eine Niederlassungs
bewilligung C (Urk.
7/
4/6). Er war
ab
Oktober 1997
als
ordentlicher Professor für
...
der
Y._
tätig
und emeritierte im Jahr 20
...
, als er das ordentliche Pensionsalter erreichte (
Urk. 1 S. 4,
Urk. 7/1
und Urk. 7/14/5
; vgl. auch die Homepage der
Y._
, auf welcher er als emeritierter Professor aufgeführt wird)
.
Am 23. Oktober 2015 stellte er bei der
Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich
ein Gesuch um Befreiung von der schweizerischen Krankenver
sicherungspflicht, da er seit einem Jahr emeritiert sei, seit dieser Zeit eine Gast
professur an der Universität
Z._
innehabe u
nd ein eigenes Haus in A._
bewohne, wo er auch seinen Wohnsitz habe; er habe seinen Lebens
mittelpunkt nicht mehr in der Schweiz
. Er bitte
daher
darum, dass die Verfügung vom 24. Oktober 2014 neu bewertet werde
(Urk. 7/1).
X._
wurde am 5. November 2015 von der
Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich
dazu aufge
fordert,
Unterlagen auf
zulegen
,
damit sein Gesuch geprüft
werden könne (Urk. 7/2
; vgl. auch den weiteren Schriftenwechsel per E-Mail [Urk. 7/5-7]
). Nach Prüfung der Unterlagen
wies die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich das Gesuch
um Befreiung von der Krankenversicherungspflicht
mit Verfügung vom 28. Januar 2016 mit der Begründung
ab
,
sie
gehe
von einem Wohnsitz in der Schweiz aus (Urk. 7/9). Dagegen erhob
X._
am 17. Februar 2016 Einsprache (Urk. 7/10).
Er wurde dazu aufgefordert,
die nötigen Unterlagen zu seiner Gastprofessur an der Universität
Z._
und weitere
Dokumente
einzu
reichen (Urk. 7/12 und Urk. 7/15).
X._
reichte diverse Unterlagen ein, unter anderem die Bestätigung der Universität
Z._
, wonach er vom 1. August 2014 bis 31. Juli 2016 als Gastwissenschaftler berufen worden sei (Urk. 7/19/4).
Am 27. Mai 2016 hob die
Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich
die Verfügung vom 28. Januar 2016 wiedererwägungsweise auf und teilte
X._
mit, dass er gemäss Art. 13 Abs. 3 der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 hinsichtlich Sozialversicherung vom 1. August 2014 bis 31. Juli 2016 dem Schweizer Recht nicht unterstehe, da er in einem EU-Mitgliedstaat eine abhängige Beschäftigung ausübe, während er in der Schweiz selbständig erwerbend sei. Er sei daher vom 1. August 2014 bis 31. Juli 2016 vom
Versicherungsobligatorium
in der Schweiz ausgenommen (Urk. 7/21).
1.2
Nachdem die Gastprofessur
von
X._
an der Universität
Z._
für zwei weitere Jahre verlängert worden war (Urk. 7/22-24
; vgl. insbesondere Urk. 7/23/1
),
teilte ihm die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich am
7. Sep
tember 2016
mit, dass
er auch
für die Zeit vom 1. August 2016 bis 31. Juli 2018 von der
Krankenv
ersicherun
gspflicht in der Schweiz ausgenommen sei
(Urk. 7/25).
1.3
Im Jahr 2018 stellte
X._
– nachdem er von den Städtischen Gesund
heitsdiensten vergeblich dazu
aufgefordert worden war,
mitzuteilen, bei welcher schweizerischen Krankenkasse
er versichert sei (Urk. 7/28 und Urk. 7/29/1
) –
er
neut ein Gesuch um Befreiung von der
Krankenv
ersicherungspflicht in der Schweiz (
zunächst
fälschlicherweise
datiert mit dem 20. Oktober 2015
[Urk. 7/27], später datiert mit dem 20. Oktober 2018 [Urk. 7/29/5]
).
Im Befrei
ungsgesuch
hielt
er
fest, er sei mit seiner Ehefrau nach wie vor in Deutschland als ehemaliger Beamter «beihilfeberechtigt» und geniesse einen Versicherungs
schutz, wie er ihn in der Schweiz nicht erreichen könnte (beispielsweise mit 100%iger Erstattung der Zahnarztkosten). Nach wie vor sei er an der Universität
Z._
(tätig)
und bewohne ein eigenes Haus in
A._
, wo sie beide ihren Wohnsitz hätten; der Lebensmittelpunkt sei nicht mehr in der Schweiz. Er bitte daher darum, die Verfügung vom 17. September 2016 zu verlängern (Urk
. 7/27
; vgl. auch das Befreiungsgesuch vom 26. November 2018 [Urk. 7/30/2]
). Darauf
hin
setzte ihm die
Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich
mit Schreiben vom 12. November 2018
eine 30-tägige Frist an, um
die erforderlichen Unterlagen einzureichen (Urk. 7/26).
Am 5. Februar 2019 beziehungsweise 5. März 2019 wurde er sodann dazu aufgefordert, eine Kopie des Formulars A1 (vormals E101) beizubringen (Urk. 7/31 f.
; vgl. auch den weiteren Schriftenwechsel [Urk. 7/32 f.
]
).
Mit Verfügung vom 31. Mai 2019 wies die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich das Gesuch
von
X._
um Befreiung von der Kran
kenversicherungspflicht in der Schweiz ab (Urk. 7/35). Die dagegen erhobene Ein
sprache vom 26. Juni 2019 (Urk. 7/36) wies sie nach einem weiteren Schriften
wechsel (vgl. Urk. 7/40 ff.) mit Entscheid vom 31. März 2021 ab (Urk. 2 [= Urk. 7/44])
.
2.
Dagegen erhob
X._
mit Eingabe vom 7. Mai 2021
(samt Beilagen)
Beschwerde und beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, und er sei vom
Versicherungsobligatorium
in der Schweiz zu befreien (Urk. 1
samt Bei
lagen [Urk. 2/3-5]
). Mit Beschwerdeantwort vom 14. Juni 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Am 18. Juni 2021 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Versand der Verfügung am 21. Juni 2021 [Urk. 8]).
Mit Eingabe vom 22. Juni 2021
übermittelte
der Beschwerdeführer
seine
Be
schwerde
vom 7. Mai 2021 samt Beilagen erneut
, da sich der Sendungsverfolgung der Schweizeri
schen Post nicht entnehmen lasse
, ob und wann die Eingabe vom
7. Mai 2021 zugestellt worden sei. Der Nachfors
chungsauftrag der Post habe
er
geben, dass die Eingabe nicht mehr auffindbar sei (Urk. 9
und Urk. 10/7
).
Bereits der Verfügung vom 11. Mai 2021, spätestens aber der Verfügung vom 18. Juni 2021,
welche dem Beschwerdeführer am 23. J
uni 2021 zugestellt worden war
(Urk.11), konnte entnommen werden, dass
das Gericht
die Beschwerdeschrift vom 7. Mai 2021
erhalten hatte. Es wurde seitens des Gerichts daher darauf ver
zichtet, weitere Verfahrensschritte einzuleiten oder der Beschwerdegegnerin die nochmals eingereichte Beschwerdeschrift samt Beilagen
(inklusive neue Beilagen betreffend die Sendungsverfolgung der Post)
zuzustellen.
Replicando
beziehungsweise
duplicando
hielten die Parteien an ihren Anträgen fest (Replik vom 17. September 2021 [Urk. 13] und Duplik vom 28. Oktober 2021 [Urk. 16]), worüber die jeweilige Gegenpartei in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 15 und Urk. 17). Mit Eingabe vom 15. November 2021 äusserte sich der Beschwer
deführer erneut zur Sache und legte
weitere Unterlagen auf (Urk. 18 und Urk.
19
/1-2
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1
.
1
.1
Der Beschwerdeführer mit
deutscher
Staatsangehörigkeit hatte seinen Wohnsitz
am 30. September 1997
von Deutschland in die Schweiz
verlegt und
war ab
Ok
tober 19
...
als
ordentlicher Professor für
...
am
...
der
Y._
tätig. Er emeritierte im Jahr 20
...
, als er das ord
entliche Pensionsalter erreicht
e (Urk. 1 S. 4, Urk. 7/1 und Urk. 7/14/5
)
, und übte
in der Folge in
Deutschland, also
einem EU-Mitgliedstaat
,
eine abhängige Beschäftigung als Gastprofessor aus
(vgl. die entsprechenden Bestätigungen [Urk. 7/19/4 und Urk. 7/23/1]). Aufgrund dessen
bestand
für die Zeit vom 1. August 2014
bis
31. Juli 2018
kein
Versiche
rungsobligatorium
in der Schweiz (
vgl.
Urk. 7/21 und Urk. 7/25).
Gemäss eigenen Angaben gab der Beschw
erdeführer seine Gastprofessur
en, auch
an der Universi
tät
Z._
,
ab (Urk. 1 S. 4
Rz
7) und
konnte dementsprechend auch keine
Bestä
tigung
derselben
mehr beibringen.
In der Schweiz blieb er
der Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse,
indes
als
selbständigerwer
bende
Person angeschlossen
, um seine geringen Vortragseinnahmen ordentlich versteuern zu können
(Urk.
7/
14/1
und Urk. 7/32 S. 2 [E-Mail-Schreiben des Be
schwerdeführers vom 16. März 2019]
). Nachdem der Beschwerdeführer zunächst angegeben hatte, er habe seinen Lebensmittelpunkt
nicht mehr in der Schweiz (Urk. 7/27), bestritt er dies in der Beschwerdeschrift
nun
nicht mehr (Urk. 1 S. 4
Rz
8 f.).
1
.2
1
.2.1
In räumlicher Hinsicht besteht
ein
grenzüberschreitender
Sachverhalt mit
Bezug zur EU, weshalb das am 1.
Juni 2002 in K
raft getretene Abkommen vom 21.
Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Euro
päischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizü
gigkeit (FZA)
zur Anwendung gelangt.
1
.2.2
Nach Art. 1 Abs. 1 des auf der Grundlage von Art. 8 FZA ausgearbeiteten und Bestandteil des Abkommens bildenden (Art. 15 FZA) Anhangs II FZA (in der bis 31. März 2012 geltenden Fassung) in Verbindung mit Abschnitt A dieses An
hangs wenden die Vertragsparteien untereinander insbesondere die Verordnun
gen (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbstständige sowie deren Fami
lienangehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern, und (EW
G) Nr. 574/72 des Rates vom 21.
März 1972 über die Durchführung der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 oder gleichwertige Vorschriften an. Mit Wirkung auf 1. April 2012 sind diese beiden Rechtsakte durch die Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinie
rung der Systeme der sozialen Sicherheit (nachfolgend: VO Nr. 883/2004) sowie (EG) Nr. 987/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Septem
ber 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (nachfolgend: VO Nr. 987/2009) abgelöst worden (vgl. das Urteil des Bundesge
richts 9C_263/2017 vom 21. März 2018 E. 4.1 mit Hinweisen).
Diese neuen Verordnungen – in der seit 1.
Januar 2015 geltenden Fassung (somit einschliesslich der Änderung gemäss Verordnung [E
U] Nr.
465/2012 des Europä
ischen P
arlaments und des Rates vom 22.
Mai 2012 zur Ä
nderung der Verord
nung [EG] Nr.
883/2004
und der Verordnung [EG] Nr.
987/2009
)
–
sind auf den hier zu beurteilenden Fall in zeitlicher, persönlicher und sachlicher Hinsicht an
wendbar (
vgl.
obgenanntes Bundesgerichtsurteil
9C_263/2017 E. 4.2 mit Hinwei
sen)
.
1
.2.3
Titel II der VO Nr. 883/2004 (Art. 11-16) enthält allgemeine Kollisionsregeln zur Bestimmung der anzuwenden Rechtsvorschriften. Dabei legt Art. 11 Abs. 1 VO Nr. 883/2004 den kollisionsrechtlichen Grundsatz der Einheitlichkeit der an
wendbaren Rechtsvorschriften in dem Sinne fest, dass für jede betroffene Person die Rechtsvorschriften nur eines Mitgliedstaats massgebend sind.
Bei Arbeitnehmenden und Selbstständigerwerbenden gelten in der Regel die Rechtsvorschriften desjenigen Mitgliedstaats, in dem sie ihre Tätigkeit ausüben (Art. 11 Abs. 3 Bst. a VO Nr. 883/2004 [Beschäftigungsland- oder Erwerbsort
prinzip]). Nichterwerbstätige sind sodann ebenfalls den Rechtsvorschriften (nur) eines Mitgliedstaats unterstellt. Nach Art. 11 Abs. 3 Bst. e VO Nr. 883/2004 un
terliegen sie den Rechtsvorschriften des Wohnmitgliedstaats, sofern nichts anderes bestimmt ist. Dabei handelt es sich um einen eigenen Anspruch auf Grund des Wohnorts (vgl.
obgenanntes Bundesgerichtsurteil
9C_263/2017 E. 4.2.1.1 f. mit Hinweisen).
1
.3
Der Beschwerdeführer, welcher
in der Schweiz Wohnsitz hat und
der Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als Selbständigerwerben
der angeschlossen ist, unterliegt
aufgrund des Beschäftigungslandprinzips
den schweizerischen R
echtsvorschriften und damit der Versicherungspflicht in der Schweiz.
1
.4
1
.4.1
Gemäss
Art. 3 Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) muss sich jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz innert drei Monaten nach der Wohnsitznahme in der Schweiz für Kranke
npflege versichern lassen. Abs.
2 der genannten Bestimmung ermächtigt den Bun
desrat, Ausnahmen von der Versi
cherungspflicht
vorzusehen. Dieser hat in Art. 2 Abs.
2-8 der Verordnung über die Krankenversicherung (KVV) die Möglic
hkeit für verschiedene Personenkate
gorien geregelt, auf Gesuch hin vom
Versicherungsobligatori
um
befreit zu wer
den. Nach Art. 2 Abs.
8 KVV sind insbesondere Personen, für welche eine Unter
stellung unter die schweizerische Versicherung eine klare Verschlechterung des bisherigen Versicherungsschutzes oder der bisherigen Kostendeckung zur Folge hätte und die sich auf Grund ihres Al
ters und/oder ihres Gesundheits
zustandes nicht oder nur zu kaum tragbaren Bedingungen im bisherigen Umfang zusatz
versichern könnten, auf Gesuch hin von
der Versicherungspflicht ausge
nommen. Dem Gesuch ist eine schriftliche Bes
tätigung der zuständigen auslän
dischen Stelle mit allen erforderlichen Angaben beizulegen.
1
.4.2
Mit Blick auf die gesetzgeberisch gewollte Solidarität zwischen Gesunden und Kranken sind die Ausnahmen von der Versicherungspflicht generell eng zu hal
ten, und es ist der Befürchtung des Gesetzgebers Rechnung zu tragen, dass sich das schweizerische Obligatorium unterlaufen liesse, wenn beispielsweise der Nachweis einer ausländischen freiwilligen privaten Versicherung allgemein als Befreiungsgrund akzeptiert würde. Für die Anwendung von Art. 2 Abs. 8 KVV sind daher strenge Massstäbe zu setzen. Insbesondere darf diese Bestimmung nicht dazu
dienen, blosse Nachteile zu verhindern, die eine Person dadurch erlei
det, dass das schweizerische System den Versicherungsschutz, den sie bisher un
ter dem ausländischen System genoss, überhaupt nicht oder nicht zu gleich güns
tigen Bedingungen vorsieht. Sie soll aber immerhin den Nachteil vermeiden, der daraus resultiert, dass eine Person bis zum Erreichen ihres bisherigen ausländi
schen Versicherungsniveaus von in der Schweiz tatsächlich vorhandenen Ange
boten wegen ihres Alters und/oder Gesundheitszustandes nicht oder nur zu kaum tragbaren Bedingungen Gebrauch machen kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_858/2016 vom 20. Juni 2017 E. 2.2.1 mit diversen Hinweisen, insbesondere auf BGE 132 V 310 E. 8.5.6).
1
.4.3
Es ist sachgerecht, für die Frage nach einer klaren Verschlechterung (Ebenbürtig
keit allein genügt nicht, vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_86/2016 vom 18. No
vember 2016 E. 4.3) des Versicherungsschutzes gemäss Art. 2 Abs. 8 KVV auch die Nachteile der bisherigen Versicherung zu berücksichtigen, wenn dadurch die KVG-Versicherungsdeckung unterschritten wird. Für die Befreiungstatbestände der Art. 2 Abs. 2-5 und 7 KVV ist jeweils explizit ein mit jenem nach KVG «gleichwertiger Versicherungsschutz» erforderlich. Auch wenn mit dem Wortlaut von Art. 2 Abs. 8 KVV nicht ausdrücklich ein gleichwertiger Versicherungsschutz verlangt wird, ist die Tatsache dessen Fehlens schon aus gesetzessystematischen Gründen und mit Blick auf einen umfassenden (Mindest-)Versicherungsschutz relevant. Ausserdem ist eine Lücke in der Versicherungsdeckung (im Vergleich zu den Mindestvorschriften des KVG) – jedenfalls wenn sie erheblich ist – auch an
gesichts der mit dem
Versicherungsobligatorium
angestrebten Solidarität zwi
schen Gesunden und Kranken als klarer Mangel zu werten, der durch Unterstel
lung unter die Versicherungspflicht behoben wird (obgenanntes Bund
esgerichts
urteil 9C_858/2016 E.
2.2.2 mit weiteren Hinweisen).
Gemäss konstanter bundesgerichtlicher Rechtspre
chung liegt angesichts der rest
riktiven Vorgaben des Gesetzes zum
Versicherungsobligatorium
in der Regel dann keine klare Verschlechterung des bisherigen Versicherungsschutzes oder der bisherigen
Kostendeckung im Sinne von Art.
2
Abs.
8 KVV vor, wenn die beste
hende Versicherung Pflegekosten nicht so deckt, dass
auch die Leistungen gemäss Art. 25a sowie Art. 25 Abs. 2
lit
. a KVG und Art.
7 der Verordnung des EDI über Leistungen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (KLV)
– zumin
dest annähernd – gewährleistet sind (obgenanntes Bundesgerichtsurteil 9C_
858/2016 E.
2.2.2; Urteil des Bun
desgerichts 9C_447/2017 vom 20.
Septem
ber 2017 E.
2.2).
2
.
2
.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 31. März 2021, eine Befreiung von der Versicherungspflicht in der Schweiz falle ausser Betracht, denn sie sei beim Vorliegen einer (ausländischen) gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen. Dies gelte auch bei Kombination einer gesetzlichen Krankenversicherung mit einer zusätzlichen Privatversicherung. Un
geachtet dessen, ob es sich bei der Beihilfe um eine obligatorische Krankenversi
cherung handle, genüge ein nur anteilsmässig gewährleisteter Vers
icherungs
schutz
den Anforderungen an die Gleichwertigkeit mangels voller Kostendeckung nicht. Dass der restliche Umfang der Krankheitskosten zusätzlich auf freiwilliger, privater Basis versichert werde, sei für die Frage der Gleichwertigkeit unbeacht
lich. Da kein gleichwertiger Versicherungsschutz vorliege, sei die erforderliche Voraussetzung einer klaren Verschlechterung des bisherigen Versicherungsschut
zes nicht erfüllt (Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte in seiner Beschwerde vom 7. Mai 2021 demgegen
über vor, er sei aufgrund seiner Tätigkeit an der Universität
Z._
über die deutsche Beihilfe für einen Teil der anfallenden Kosten im Krankheits-, Unfall- und Pflegefall versichert. Als pensionierter Beamter beziehe er ein Ruhegehalt, weshalb er zum Kreis der Versicherten und in den Genuss von Beihilfe-Leistungen komme. Die anfallenden Kosten würden bei pensionierten Beamten zu 70 % ver
gütet. Ebenso sei die Ehefrau des Beschwerdeführers mittelbar beihilfeberechtigt. Gemäss § 28 des Hamburgischen Beamtengesetzes würden die Kosten für Be
handlungen auch ausserhal
b der Bundesrepublik Deutschland
gemäss Leistungs
katalog §§
5-20 und 22-27 der Hamburgischen Beihilfeverordnung im Umfang von 70 % übernommen. Damit erweise sich der Leistungskatalog in sachlicher Hinsicht im Vergleich zum schweizerischen Pflichtleistungskatalog gemäss Art. 25 bis 31 KVG weit umfassender. Zusätzlich verfüge der Beschwerdeführer über eine private Krankheits- und Unfallversicherung bei der Allianz, welche die Differenz zwischen den Kosten und der Leistung der Beihilfe – auch für Leistun
gen ausserhalb der Bundesrepublik Deutschland – übernehme. Insgesamt verfüge der Beschwerdeführer über einen gleichwertigen beziehungsweise einen deutlich besseren ausländischen Versicherungsschutz im Vergleich zum schweizerischen Obligatorium, weshalb er gestützt auf Art. 2 Abs. 8 KVV vom
Versicherungsob
ligatorium
zu befreien sei. In der Schweiz müsste der Beschwerdeführer auch eine Zusatzversicherung abschliessen, um einen solchen Versicherungsschutz zu er
reichen, was ihm aufgrund des Alters von 72 Jahren kaum möglich
wäre
.
2.3
In der Beschwerdeantwort vom 14. Juni 2021
setzte sich die Beschwerdegegnerin eingehend mit dem Leistungs
katalog und dem Leistungs
umfang der deutschen und der schweizerischen Versicherung auseinander und gelangte zum Schluss, die
Unterstellung unter das schweizerische
Versicherungsobligatorium
habe für den Beschwerdeführer keine deutliche Schlechterstellung im Vergleich zu seiner deutschen Versicherungsdeckung zur Folge, auch wenn die Aufnahme in eine Zusatzversicherung in der Schweiz erschwert oder nicht mehr möglich sein sollte
(Urk. 6)
.
2.4
Der Beschwerdeführer wandte
replicando
ein, die Beschwerdegegnerin habe die Versicherungsdeckung in Deutschland, also
sowohl
die Versicherung über das Zentrum für Personaldienste Hamburg (kurz: ZPD) als auch über die Allianz Private Krankenversicherung-AG (kurz: Allianz), als Gesamtpaket zu beurteilen und nicht losgelöst voneinander. Mit der privaten Versicherung zusammen be
stehe eine vollumfängliche Deckung, welche die Schweizer Tarife akzeptiere. Dies werde so auch im H-Formular bestätigt. Die Beihilfe funktioniere nur zusammen mit einer privaten Versicherung bei der Allianz
(Urk. 13).
2.5
Die Beschwerdegegnerin
hielt in ihrer Duplik dafür,
die für eine Befreiung nach Art. 2 Abs. 8 KVV erforderliche Gleichwertigkeit müsse für die gesamte Dauer der Befreiung gegeben sein. Der Versicherungsschutz bei der Allianz zufolge
Aus
landsau
fenhalts
sei jedoch beschränkt
(Urk. 16).
2.6
Mit Eingabe vom 15. November 2021 reichte der Beschwerdeführer eine Beitrags
abrechnung
der Allianz bis 30. Oktober 2022 und die Police ab dem 1. August 2021 zu den Akten und machte geltend, gemäss dieser neuen Police sei die De
ckung zeitlich nicht mehr befristet (Urk. 18 und Urk. 19/1-2).
3
3.1
In F
rage steht die
Befreiung
des Beschwerdeführers
von der Versicherungspflicht in der Schweiz ab dem
1. August 2018
, denn b
is zum 31. Juli 2018 war
er
von dieser befreit (vgl. E. 1.1).
Ferner bildet
das Datum des angefochtenen
Einsprache
entscheids
vom
31. März 2021
die zeitliche Grenze der richterli
chen Überprü
fungsbefugnis
(BGE 131 V 9 E. 1, 130 V 445 E. 1.2, 122 V 77 E. 2b, je mit Hin
weis).
3.2
3.2.1
Der Beschwerdeführer ist gemäss dem Hamburgischen Beamtengesetz (
HmbBG
) in Verbindung mit der Hamburgischen Beihilfeverordnung (
HmbBeihVO
)
seit dem 1. Oktober 2014 beihilfeberechtigt (vgl. Urk. 7/30/1 und Urk.
7/
14/4).
3.2.2
Die Beihilfeberechtigung ist in § 80
HmbBG
geregelt. Für den Beschwerdeführer besteht
gemäss Schreiben der ZPD Hamburg vom 29. Juni 2021
seit dem 1. Oktober 2014 eine
Behilfeberechtigung
mit einem Bemessungssatz für die beihilfe
fähigen
Aufwendungen von 70 %, wenn nachweislich eine 30%ige private Kran
kenversicherung besteht.
Die ZPD Hamburg verweist in ihrem Schreiben darauf, dass die Beihilfefähigkeit der einzelnen Aufwendungen in der
HmbBeihVO
gere
gelt sei, welche sie ihrem Schrei
ben beigelegt habe (Urk.
14/4).
3.2.3
Gemäss § 28 Abs. 1
HmbBeihVO
sind ausserhalb der Bundesrepublik Deutschland entstandene Aufwendungen nur beihilfefähig, 1. wenn es sich um Aufwendungen nach den §§ 5 bis 20 oder 22 bis 27 handelt und 2. soweit sie auch bei einer Behandlung und dergleichen in der Freien und Hansestadt Hamburg entstanden und beihilfefähig gewesen wären. Die §§ 5 bis 20
HmbBeihVO
betreffen
Aufwen
dungen in Krankheitsfällen (§§5-19
[ambulante ärztliche Leistungen;
psychothe
rapeutische Leistungen;
zahnärztliche und
kieferorthopädische Leistungen; Arz
nei- und Verbandmittel; Heilbehandlungen; Komplexleistungen;
Aufwendungen für Hilfsmittel, Geräte zur Selbstbehandlung und Selbstkontrol
le sowie für Kör
perersatzstücke; Sehhilfen;
Häuslich
e Krankenpflege, Kurzzeitpflege; Familien- und Haushaltshilfe; Soziotherapie; Fahrtkosten;
Unterkunftskosten bei ausw
ärti
gen ambulanten Behandlungen; Krankenhausleistungen;
Palliativversorgung]) und Aufwendungen für Rehabilitationsleistungen
in Form von Behandlungen in Rehabilitationseinrichtungen (§ 20).
Kuren, welche ebenfalls als Aufwendungen für Rehabilitationsleistungen defi
niert werden (§ 21)
,
stellen keine gemäss § 28 Abs. 1
HmbBeihVO
beihilfefähige Aufwendung dar
; aus Anlass einer
Heilkur
ausserhalb des Gebiets der Europä
ischen Union entstandene Aufwendungen nach § 21 Absatz 5 Satz 1 Nummern 2 bis 6 sind nur beihilfefähig, wenn 1. ein Gutachten einer oder eines von der obersten Dienstbehörde bestimmten Ärztin oder Arztes darüber vorgelegt wird, dass die
Heilkur
we
gen wesentlich grösserer Erfolgsaussicht auss
erhalb der Euro
päischen Union dringend notwendig ist, und 2. die in § 21 genannten Vorausset
zungen vorliegen. Notwendige Aufwendungen nach § 21 Absatz 5 Satz
1 Num
mern 1 bis 4 sind
ausserdem nur
in angemessener Höhe beihilfefähig
.
Die §§ 22 bis 27
HmbBeihVO
betreffen die Aufwendungen in Pflegefällen (§ 22 [Aufwendungen bei dauernder Pflegebedürftigkeit]) und die Aufwendungen in sonstigen Fäl
len (§§ 23-27 [Erste Hilfe; Früherkennung von Krankheiten;
Vorsor
g
emassnahmen und Schutzimpfungen;
Künstliche Befruchtungen, Geburten, Schwan
gerschaften und Sterilisationen; Organtransplantationen;
Todesfälle]).
Die Einschränkung gemäss § 28 Abs. 1 Nummer 2
HmbBeihVO
gilt
gemäss § 28 Abs. 2
nur dann nicht,
wenn
1.
eine im Inland wohnende Beihilfeberechtigte oder ein im Inland wohnender Beihilfeberechtigter auf einer Dienstreise erkrankt und die Behandlung nicht bis zur Rückkehr in das Inland aufgeschoben werden kann oder
2.
ein Gutachten einer oder eines von der obersten Dienstbehörde bestimm
ten Ärztin oder Arztes darüber vorgelegt wird, dass diese
Behandlung wegen we
sentlich gröss
erer Erfolgsaussicht dringend geboten ist und die Festsetzungsstelle die Beihilfefähigkeit vorher anerkannt hat,
3.
zur Notfallversorgung das nächst
gelegene Krankenhaus aufgesucht werden musste, oder die Aufwendungen 1.000 Euro je Krankheitsfall nicht übersteigen.
3.2.4
Gemäss § 18
HmbBeihVO
sind
unter anderem
d
ie
Aufwendungen für vollstatio
näre und teilstationäre Krankenhausleistungen
nur
bis zur Höhe der Kosten für allgemeine Krankenhausleistungen
1. nach § 2 Absatz 2 der Bundespflegesatz
verordnung (BPflV) vom 26. September 1994 oder 2. nach § 2 Absatz 2 des Kran
kenhausentgeltgesetzes (
KHEntgG
) vom 23. April 2002
beihilfefähig
.
Bei einer Behandlung in einem Krankenhaus, das nicht nach dem Krankenhausfinanzie
rungsgesetz gefördert wird, sind die Aufwendungen höchstens bis zu dem Betrag beihilfefähig, der bei einer Behandlung in einem Hamburger Krankenhaus, das nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz gefördert wird, beihilfefähig wäre.
3.2.5
Zutreffend
wies die ZPD Hamburg in ihrem Schreiben vom 29. Juni 2021
som
i
t
darauf hin, e
s sei zu beachten, dass ausserhalb der Bundesrepublik Deutschland entstandene Aufwendungen nur beihilfefähig seien, soweit sie auch bei einer Be
handlung und dergleichen in Hamburg entstanden und beihilfefähig gewesen wä
ren (mit Verweis auf § 28
HmbBeihVO
). Bei stationärem Krankenhausaufenthalt im Ausland seien höchstens die Kosten berücksichtigungsfähig, die auch in einem hamburgischen staatlichen Krankenhaus angefallen und beihilfefähig wären. Ausnahmen von dieser Kostenbegrenzung bestünden gemäss § 28 Abs. 2
HmbBeihVO
nur, wenn es sich um eine Notfallbehandlung gehandelt habe. Dies gelte auch, wenn der Beihilfeberechtigte seinen Wohnsitz im Ausland habe
(Urk. 14/4)
.
Die
HmbBeihVO
gewährt somit – ausser in Notfällen – keinen Versicherungs
schutz für die bei Behandlungen in der Schweiz geltenden Tarife.
Ein gleichwertiger Ve
rsicherungsschutz besteht mit der Beihilfeberechtigung
nicht.
Der gleichwertige Versicherungsschutz bezieht sich auf das schweizerische Gesetz. Die ausländische Versicherung muss mindestens die Kosten nach dem KVG übernehmen. Es dürfen beispielsweise bei der ausländischen Krankenversi
cherung keine Limitierungen wie maximale Kosten pro Tag oder maximale Ver
sicherungsdeckung bestehen, da das KVG keine solchen Limitierungen kennt. Zu
dem müssen sämtliche Leistungen nach KVG auch von der ausländischen Versi
cherung übernommen werden (Urteil des Bu
ndesgerichts 9C_313/2010 vom 5.
November
2010 E.
4.3
mit Hinweis auf BGE 134 V 34 E.
5).
3.3
3.3.1
Es fragt sich daher, ob die
L
ücken in der Beihilfe durch die private Krankenver
sicherung des Beschwerdeführers
ab
gedeckt werden.
D
er Beschwerdeführer
ver
fügt
über eine private Versicherung bei der Allianz
in Deutschland (Urk. 3/3)
.
Gemäss den Versicherungsbedingungen Private Krankenversicherung,
(01) 01.12 – Januar 2012,
Teil A –
Baustein Krankheitskosten-Versicherung, Allgemeine Re
gelungen zum Baustein
, besteht
in allen europäischen Ländern Versicherungs
schutz (Urk. 3/4
S. 3,
Ziff. 1.1.7 Abs. 1)
. Der Versicherungsschutz kann durch eine gesonderte Vereinbarung auf aussereuropäische Länder ausgedehnt werden
. Während des ersten Monats eines vorübergehenden Aufenthalts im aussereuro
päischen Ausland besteht auch ohne besondere Vereinbarung Versicherungs
schutz. Eine Verlängerung dieses V
ersicherungsschutzes erfolgt
bloss in N
otfäl
len, längstens für zwei weitere Monate
(
vgl.
Urk. 3/4 S. 3, Ziff. 1.1.7 Abs. 2
mit Hinweis auf Ziff. 1.1.8 Abs. 2
)
.
Die Allgemeinen Regelungen zum Baustein ent
halten sodann Bestimmungen für den Fall, dass die versicherte Person ihren ge
wöhnlichen Aufenthalt
in einen Staat
innerhalb (Ziff. 1.1.8 Abs. 1) oder aus
serhalb (Ziff. 1.1.8 Abs. 2) der Europäischen Union oder des Europäischen Wirt
schaftsraums verlegt. Im Grundsatz enden die Tarife bei Verlegung des gewöhn
lichen Aufenthalts in einen Staat ausserhalb der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraums. Die Krankheitskosten können aber auch durch gesonderte Vereinbarung fortgesetzt werden. In diesem Fall ist die Allianz be
rechtigt, einen angemessenen Beitragszuschlag zu verlangen, welcher von dem Land abhängig ist, in welchen der gewöhnliche Aufenthalt verlegt wird (Urk. 3/4 S. 3 Ziff. 1.1.8).
3.3.2
Die Schweiz
zählt zu den Staaten ausserhalb der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraums.
Dementsprechend besteht ein
zeitlich unbe
schränkter
Versicherungsschutz des Beschwerdeführers, dessen Wohnsitz bezie
hungsweise gewöhnlicher Aufenthalt sich in der Schweiz befindet,
nur
dann, wenn dies
mit der Allianz gesondert vereinbart wird
.
Den Akten liegt
ein Schreiben der Allianz vom 27. Mai 2021
(Urk. 14/1)
bet
ref
fend den Beschwerdeführer und
dessen
Ehefrau bei. Darin wird Auskunft erteilt zur Ausdehnung
des Versicherungsschutzes für das aussereuropäische Ausland
.
Im Schreiben
wurde festgehalten,
es werde gewünscht
, dass die Krankenversiche
rung für
die
Kunden Frau B._ und Herrn X._
auch im aussereuropä
ischen A
usland gelte.
Bei längeren Auslandsaufenthalten, wie geschildert, werde gerne geprüft, ob der Versicherungsschutz für diesen Zeitraum ausgedehnt wer
den könne. Die Ausdehnung des Versicherungsschutzes erfolge gemäss den AVB.
Für die Ausdehnung des Versicherungsschutzes erhebe die Allianz aufgrund der höheren
Kosten im Gesundheitssystem in der Schweiz einen Zuschlag. Dieser be
trage für die Dauer des Auslandsaufenthaltes 40 %
des m
onatlichen Tarifbeitra
g
es
. Die Allianz erhebe diesen Zuschlag ab dem 1. August 2021, sofern der Wohn
sitz bis zum 1. Juli 2021 verlegt werde. Ein Vorschlag werde separat zugestellt (vgl. Urk. 14/1 Anhang). Per 1. August 2021 erfolgte die Ausdehnung des Versi
cherungsschutzes des Beschwerdeführers wegen Auslandaufenthaltes vom 1. Juli 2021 bis 31. August 2021 und für seine Ehefrau wegen Auslandaufenthaltes vom 1. Juni 2021 bis 1. Juni 2026 (Urk. 14/2 und Urk. 19/2).
3.3.3
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass für den Beschwerdeführer bis Ende Juli 2021 keine Ausdehnung des Versicherungsschutzes für das aussereuropäische Ausland
gemäss der vorgenannten Ziff. 1.1.8 Abs. 2 der Versicherungsbedingungen
bei der Allianz bestanden hat (
E. 3.3.1;
vgl.
auch
den Nachtrag zum Versicherungs
schein Kranken- und Pflegeversicherung mit Änderungstermin per 1. Januar 2019 [Urk. 7/30/4]
, in welchem ein entsprechender Hinweis auf eine Ausdeh
nungsvereinbarung fehlt
).
In diesem Sinne
bestätigte die Allianz am 15. Mai 2019
lediglich
einen weltweiten Krankenversicherungsschutz für den B
eschwerdefüh
rer und
seine Ehefrau für einen Zeitraum von zwei Monaten (Urk. 7/34/1).
3.3.4
Die Lücken in der Beihilfe werden somit durch die private Krankenversicherung des Beschwerdeführers für den gesamten hier zu beurteilenden Zeitraum (vgl. E. 3.1) nicht abgedeckt
, sodass kein gleichwertiger Versicherungsschutz besteht. Anzufügen ist
zum einen, dass das vom Beschwerdeführer eingereichte «Formular H» nicht dem von der Beschwerdegegnerin herausgegebenen Formular H ent
spricht und auch nicht alle erforderlichen Angaben enthält, welche eine schrift
liche Bestätigung der zuständigen ausländischen Stelle
(Art. 2 Abs. 8 KVV) ent
halten sollte
. Zum anderen wurde die
Geltungsdauer für die Ausdehnung des Versicherungsschutzes des Beschwerdeführers über
den hier zu beurteilenden
Zeitraum hinaus
bloss
bis
zum
31. August 2021
festgesetzt
(Urk. 19/2
S. 2: Aus
dehnungsvereinbarung wegen Auslandaufenthalt vom 01.07.2021 bis 31.08.2021
)
.
3.4
Der Beschwerdeführer brachte vor, er würde mit einer Unterstellung unter das schweizerische
Versicherungsobligatorium
eine deutliche Schlechterstellung im Vergleich zu seiner deutschen Versicherungsdeckung erfahren. Aufgrund seines Alters von 72 Jahren sei es ihm kaum möglich, in der Schweiz ebenfalls
eine Zusatzversicherung ab
zuschliessen (Urk. 1 S. 7
Rz
17 ff.).
Fehlt eine Gleichwertigkeit bei Weitem, wie dies hier der Fall ist, denn
ein Versi
cherungsschutz für die Schweiz galt im zu überprüfenden Zeitraum maximal für zwei Monate (E. 3.3.3)
, kann der Abschluss der obligatorischen Krankenpflege
versicherung nicht als klare Verschlechterung gelten
. E
ine Lücke in der Versiche
rungsdeckung (im Vergleich zu den Mindestvorschriften des
KVG) ist –
jed
enfalls wenn sie erheblich ist –
angesichts der mit dem
Versicherungsobligatorium
an
gestrebten Solidarität zwischen Gesunden und Kranken als klarer Mangel zu wer
ten, der durch Unterstellung unter die Versicherungspflicht behoben wird (
Urteil des Bundesgerichts 9C_86/2016 vom 18. November 2016 E. 2.2. mit Hinweis auf Urteil
9C_510
/2011 E.
4.4.3
;
vgl.
auch die vorstehende E. 1.4.3
).
Angesichts
des
sen
erübrigen sich Weiterungen.
3.5
Dass ein anderer Befreiun
gstatbestand als jener von Art. 2 Abs.
8 KVV in Betracht fallen würde, ist nicht ersichtlich und wird auch nicht geltend gemacht. Unter den gegebenen Umständen hat
die
Beschwerdegegner
in
zu Re
cht die Versiche
rungspflicht des Beschwerdeführers
nach KVG bejaht, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin beantragte die Zusprechung einer Entschädigung (Urk. 6 S. 2).
4.2
Im sozialversicherungsrechtlichen Verfahren darf obsiegenden Behörden oder mit
öffentlichrechtlichen
Aufgaben betrauten Organisationen in der Regel keine Par
teientschädigung zugesprochen werden. In Anwendung dieses Grundsatzes hat das Bundesgericht der Suva und den privaten UVG-Versicherern sowie – von Sonderfällen abgesehen – den Krankenkassen keine Parteientschädigungen zu
gesprochen, weil sie als Organisationen mit
öffentlichrechtlichen
Aufgaben zu qualifizieren sind (vgl. BGE 126 V 143 E. 4a; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2016 vom 24. März 2017 E. 9.2, je mit Hinweis).
Praxisgemäss ist der Beschwerdegegnerin daher keine Parteientschädigung zuzu
sprechen.