Decision ID: eb5cd7bc-2ed1-5a37-887a-22acfdbdc92a
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am (...) in der Schweiz um Asyl nach.
Am 3. Juli 2017 fand die Befragung zur Person (BzP) statt und am 26. Sep-
tember 2019 wurde er vom SEM zu seinen Asylgründen angehört.
A.b Anlässlich der BzP führte der aus B._ im Bezirk C._
(D._/Nordprovinz) stammende tamilische Beschwerdeführer mit
letztem Wohnsitz in E._ zur Begründung seines Asylgesuchs aus,
er habe sich im (...) auf einem Sportplatz in G._ an einem Protest
beteiligt, der den Rückzug der Armee und die Freilassung ehemaliger
Kämpfer der E._ gefordert habe. Im (...) sei er deswegen vom Mili-
tär respektive Geheimdienst befragt und eingeschüchtert worden. Im Jahr
(...) habe er H._, der ehemaligen (Nennung Funktion) seine ganzen
Beanstandungen zu Menschenrechtsverletzungen in Sri Lanka zukommen
lassen. Nachdem der Geheimdienst davon erfahren habe, sei er mitge-
nommen und geschlagen worden. Man habe ihm vorgeworfen, Falschaus-
sagen zu machen. Im Jahr (...) sei er zu I._, der vormals bei der
Polizei der E._ gewesen sei, befragt worden und man habe insbe-
sondere wissen wollen, wo dessen Waffenverstecke gewesen seien. Er
habe jedoch gesagt, dass er dies nicht wisse. I._ habe in J._
gelebt und sei (Nennung Zeitpunkt) von Unbekannten erschossen worden.
Er habe das Gefühl bekommen, dass man ihn überall hin verfolge. Im (...)
habe man den (...)-jährigen Gedenktag von K._ gefeiert, wobei er
Flugblätter verteilt habe. Deswegen sei er von den Behörden festgenom-
men, geschlagen und gequält worden. Auch hätten sie seine (Nennung
Verwandte) aufgesucht und seinen Laptop sowie sein Handy mitgenom-
men. Etwas später habe er sich in G._ in der Ortschaft L._
bei einem Freund versteckt. Im (...) habe er sich wegen einer Beerdigung
eines Familienangehörigen zusammen mit Verwandten in deren Wagen
nach M._ begeben. Auf dem Rückweg habe er das Fahrzeug in
G._ verlassen. Seine (Nennung Verwandten) seien auf der weite-
ren Rückfahrt nach N._ von einem Bus gerammt worden und alle-
samt verstorben. Er vermute, dass dieser "Unfall" durch den Geheimdienst
arrangiert worden sei. Daraufhin habe er um sein Leben gefürchtet und sei
aus Sri Lanka ausgereist.
A.c Anlässlich der Anhörung brachte der Beschwerdeführer in Ergänzung
zu seinen bisherigen Äusserungen vor, bei K._ habe es sich um
einen ehemaligen Anführer der E._ gehandelt und die Behörden
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hätten ihm vorgeworfen, an vorderster Front bei der Organisation der Ver-
anstaltung vom (...) beteiligt gewesen zu sein. Er habe diese Gedenkfeier
denn auch tatsächlich zusammen mit (...) Freunden organisiert. Im Vorfeld
derselben hätten sie in jedem Haushalt Flugblätter verteilen lassen. An der
Veranstaltung selber habe er auf der Bühne zu den versammelten Leuten
über Menschenrechtsverletzungen gesprochen. Er sei in der Folge von
den Behörden respektive vermutungsweise dem Criminal Investigation De-
partment (CID) als Drahtzieher dieser Veranstaltung bezeichnet worden.
Am (...) seien irgendwelche Leute bei seinem Vater zuhause vorbeigekom-
men und hätten nach ihm (dem Beschwerdeführer) gesucht. Da zwei die-
ser Personen Singhalesisch gesprochen hätten, müssten diese Personen
Angehörige des CID gewesen sein. Dies habe ihm sein Vater (Nennung
Zeitpunkt) telefonisch mitgeteilt beziehungsweise über den Besitzer des
Hauses, in welchem er in G._ gewohnt habe, ausrichten lassen.
Danach habe er mit seinen Reisevorbereitungen begonnen und einen
Freund kontaktiert, der ihm einen Agenten besorgt habe. Im (...) habe er
dann von seinem Freund erfahren, dass sein Pass, worin sich weder sein
Name noch sein Foto befunden und mit dem er schliesslich das Land ver-
lassen habe, fertig sei. Nach seiner Ausreise sei er zirka im (...) von Poli-
zisten zuhause bei seinem Vater gesucht worden. Sein Vater habe den Be-
amten gesagt, dass er nicht wisse, wo sich sein Sohn befinde.
Der Beschwerdeführer reichte (Nennung Beweismittel) zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 3. April 2020 stellte das SEM fest, der Beschwerdefüh-
rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab.
Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz sowie den
Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 6. Mai 2020 erhob der Beschwerdeführer durch seinen
Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean-
tragte, es sei die Verfügung der Vorinstanz vom 3. April 2020 wegen der
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, eventuell wegen der Ver-
letzung der Begründungspflicht, eventuell zur Feststellung des vollständi-
gen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts aufzuheben und die Sa-
che sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventuell
sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl
zu gewähren, eventuell sei die Verfügung betreffend die Dispositivziffern 4
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und 5 aufzuheben und die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs festzustellen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei der Spruchkörper
bekanntzugeben und zu bestätigen, dass dieser zufällig ausgewählt wor-
den sei, andernfalls seien die objektiven Kriterien für die Auswahl des
Spruchkörpers bekanntzugeben. Ferner sei das SEM zu verpflichten, für
die verfassende Person der Verfügung vom 3. April 2020 (Nennung Per-
son) mittels eines eidgenössisch anerkannten Diploms (mindestens C1)
den Nachweis zu erbringen, dass diese der deutschen Sprache mächtig
sei.
Der Beschwerde lagen (Aufzählung Beweismittel) bei.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 13. Mai 2020 teilte der Instruktionsrichter dem
Beschwerdeführer mit, er dürfe den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten, und teilte ihm die damalige personelle Zusammenset-
zung des Spruchkörpers mit. Sodann forderte er ihn auf, bis zum 28. Mai
2020 einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.– einzuzahlen, un-
ter Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall.
Der Kostenvorschuss wurde am 28. Mai 2020 fristgerecht bezahlt.
E.
Mit Eingabe vom 28. Mai 2020 teilte der Beschwerdeführer mit, dass er den
Kostenvorschuss fristgerecht einbezahlt habe, und machte ergänzende
Bemerkungen zur Zusammensetzung des Spruchkörpers. Unter Hinweis
auf den Entscheid des Bundesgerichts 12T_3/2018 vom 22. Mai 2018 for-
derte er, es sei Richter Yannick Felley durch eine nicht der SVP angehö-
rende Gerichtsperson zu ersetzen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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Seite 5
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
1.4 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.
2.1 Auf den Antrag auf Mitteilung betreffend die Bildung des Spruchkörpers
ist nicht einzutreten (Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai 2018
E. 4.3).
2.2 Der Antrag auf Bekanntgabe des Spruchgremiums wurde bereits mit
Instruktionsverfügung vom 13. Mai 2020 behandelt. Im Übrigen ist der
Spruchkörper aus dem Rubrum des vorliegenden Urteils ersichtlich.
3.
Zunächst macht der Beschwerdeführer eine Verletzung der Vorschriften
über die Besetzung des Gerichts geltend, zumal die in der vorliegenden
Sache mitwirkenden Richter Thurnheer und Felley beide Mitglieder der
Schweizerischen Volkspartei (SVP) seien, weshalb in korrekter Umsetzung
des Entscheids des Bundesgerichts 12T_3/2018 vom 22. Mai 2018 Richter
Felley durch eine nicht der SVP angehörenden Gerichtsperson zu ersetzen
sei. Diese Rüge erweist sich als unbegründet. Weder aus den gesetzlichen
noch aus den reglementarischen Vorgaben des Bundesverwaltungsge-
richts noch aus dem Entscheid des Bundesgerichts 12T_3/2018 vom
22. Mai 2018 ergibt sich eine Pflicht, bei Mehrheit der SVP, oder – wie vor-
liegend –, wenn der Spruchkörper ausschliesslich aus Mitgliedern der SVP
besteht, nachträglich in die personelle Besetzung einzugreifen (vgl. bspw.
Urteile des BVGer E-3822/2018 vom 12. Juli 2018, E-3816/2018 vom
10. Juli 2018 und D-3751/2018 vom 11. Juli 2018 je E. 6.1). Das Ersuchen
um Ersetzung von Richter Felley durch eine Gerichtsperson, welche nicht
der SVP angehört, ist demnach abzuweisen.
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Seite 6
4.
4.1 In der Beschwerde werden sodann verschiedene formelle Rügen (Ver-
letzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör inklusive Verletzung der Be-
gründungspflicht, unvollständige und unrichtige Abklärung des rechtser-
heblichen Sachverhalts) erhoben. Sie sind vorab zu beurteilen, da sie ge-
gebenenfalls geeignet sind eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung
zu bewirken.
4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss
so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht.
Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un-
richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
Kölz/Häner/Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege
des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
4.2.1 Der Beschwerdeführer erblickt zunächst eine Verletzung des rechtli-
chen Gehörs darin, dass die Verfügung in italienischer Sprache, mithin in
einer ihm fremden Verfahrenssprache, und nicht in der Sprache seines
Wohnsitzkantons (Deutsch) ergangen sei. Die Berufung der Vorinstanz auf
die Ausnahmeregelung von aArt. 16 Abs. 3 Bst. b AsylG sei nicht zulässig
und bewirke eine massive Beschränkung seines Rechtsschutzes, da sie-
vorliegend weder eine effizienzsteigernde Massnahme darstelle noch eine
Ausnahmesituation aufgrund hoher Gesuchszahlen oder ungenügender
personeller Ressourcen vorliege.
Vorliegend gelangt aArt. 16 Abs. 2 AsylG – und nicht die mit der jüngsten
Asylgesetzesrevision vorgenommene Neuformulierung von Art. 16 AsylG –
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zur Anwendung (vgl. E. 1.1 hievor). In der Regel ist dem in aArt. 16 Abs. 2
AsylG statuierten Grundsatz Rechnung zu tragen, dass die Verfügung in
der Sprache erlassen wird, die am Wohnsitz der asylsuchenden Person
Amtssprache ist. Eine Verfügung kann indes ausnahmsweise in einer an-
deren Amtssprache ergehen, wenn im Gegenzug gleichzeitig geeignete
Korrektiv-Massnahmen getroffen werden, die das Recht auf eine wirksame
Beschwerde und auf einen fairen Prozess gewährleisten. Eine der mögli-
chen Korrektiv-Massnahmen besteht in der mündlichen Übersetzung der
ergangenen Verfügung durch die Vorinstanz in eine der beschwerdefüh-
renden Person verständlichen Sprache. Soweit die Vorinstanz keine geeig-
neten Korrektiv-Massnahmen ergriffen hat und auch im Beschwerdever-
fahren das Versäumnis nicht nachholt, obwohl aus der Beschwerdeschrift
ersichtlich ist, dass die Partei den Entscheid nicht genügend verstanden
hat, ist die angefochtene Verfügung grundsätzlich zu kassieren, sofern die
beschwerdeführende Partei nicht von einem professionellen Rechtsvertre-
ter vertreten wird. Die Kassation der angefochtenen Verfügung einzig aus
dem Grund, dass die Regeln betreffend die anzuwendende Verfahrens-
sprache verletzt wurden, kommt demgegenüber grundsätzlich nicht in
Frage, wenn die beschwerdeführende Person im Beschwerdeverfahren
von einem professionellen Rechtsvertreter vertreten wird. Die Vorinstanz
kann in einem solchen Fall allerdings zur Leistung einer Entschädigung
verpflichtet werden für allfällige nützliche Auslagen, die der unterliegenden
Partei entstehen, um diesen Mangel zu beheben (vgl. mit diesbezüglich
ausführlicher Begründung: Urteil des BVGer E-5882/2019 vom 2. März
2020 E. 6.6 f.).
Der Beschwerdeführer hat seinen Wohnsitz im Kanton O._ und da-
mit in einem Gebiet, welches der deutschen Amtssprache untersteht (vgl.
§ 7 Verfassung des Kantons O._). Es wäre mithin der Erlass einer
Verfügung in deutscher Sprache die Regel gewesen. In den auf Deutsch
gehaltenen Erklärungen zum Erfordernis effizienter und fristgerechter Er-
ledigungen von Asylgesuchen wurde darauf hingewiesen, dass das Verfü-
gungsdispositiv das Wesentlichste des Entscheids zusammenfasse und
der besseren Verständlichkeit halber auf Deutsch übersetzt worden sei. Die
Begründung und auch die Rechtsmittelbelehrung wurden jedoch nicht
übersetzt. Ob das vom SEM gewählte Vorgehen, namentlich die gewählte
Korrektivmassnahme generell als ausreichend anzusehen ist, um den in
Art. 29a BV und Art. 13 EMRK garantierten Anspruch auf effektiven Rechts-
schutz genügend Rechnung zu tragen, kann hier offenbleiben. Dem Be-
schwerdeführer war es offensichtlich mit Hilfe des von ihm mandatierten
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Rechtsvertreters möglich, eine in jeder Hinsicht rechtsgenügliche Be-
schwerde einzureichen, die sich mit allen Aspekten der vorinstanzlichen
Verfügung einlässlich auseinandergesetzt hat. Die Beschwerde wurde
auch fristgerecht erhoben. Der Beschwerdeführer respektive dessen
Rechtsvertreter hat in diesem Zusammenhang zwar eine massive Ein-
schränkung seines Rechtsschutzes gerügt. Alleine die Behauptung, dass
im Kanton O._ die Übersetzungsmöglichkeiten von Italienisch auf
Tamilisch wesentlich kleiner seien als beispielsweise im Kanton Tessin,
vermag jedoch eine konkrete Verletzung von Verfahrensrechten nicht dar-
zulegen. So weist er selber darauf hin, dass die meisten Asylgesuchsteller
der Sprache nicht mächtig seien, in welcher der Asylentscheid verfasst
worden sei, was in der Natur der Sache liege. Dass es vorliegend anders
gewesen wäre, wird vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht. Dem-
zufolge benötigte er – auch wenn der Asylentscheid in Deutsch ergangen
wäre – ohnehin eine Übersetzung der Ausführungen des SEM in seine Mut-
tersprache. Nach den Erkenntnissen des Gerichts befinden sich alleine in
der Stadt O._ mehrere Büros, die entsprechende Übersetzungs-
dienste anbieten. Sodann dürfte es für den Beschwerdeführer unter diesen
Umständen – entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht – auch
keine Rolle gespielt haben, dass die Anhörung auf Deutsch durchgeführt
und protokolliert wurde. Nicht einsichtig ist angesichts der Übersetzungs-
möglichkeiten in seinem Wohnsitzkanton deshalb auch, weshalb er eine
italienisch sprechende Rechtsvertretung hätte mandatieren müssen, was
für ihn von seinem Wohnsitzkanton aus angeblich um ein Vielfaches
schwieriger gewesen wäre. Die angeführten Einwände sind daher als un-
behelflich zu werten. Durch das Vorgehen der Vorinstanz wurde weder das
rechtliche Gehör verletzt noch liegt für den Beschwerdeführer irgendeine
Einschränkung seines Rechtsschutzes vor. Insgesamt gebieten sich dem-
nach eine Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung oder anderweitige In-
struktionsmassnahmen vorliegend nicht.
4.2.2 Im Weiteren rügt der Beschwerdeführer, seine Anhörung und die Aus-
fertigung der angefochtenen Verfügung seien nicht durch die gleiche sach-
bearbeitende Person durchgeführt worden. Jedoch sei in einem Rechts-
gutachten zur Praxis der Vorinstanz in Bezug auf Sri Lanka vom 24. März
2014 unter anderem die Empfehlung ausgesprochen worden, die Anhö-
rung und die Abfassung des Asylentscheids durch die gleiche Person
durchführen zu lassen. Das SEM wiederum habe in der Folge in einer Me-
dienmitteilung vom 26. Mai 2014 versprochen, dieser Empfehlung zu fol-
gen. Die Konstellation, dass verschiedene Personen für die Anhörung und
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den Asylentscheid verantwortlich gewesen seien, sei dem Beschwerdefüh-
rer im vorliegenden Fall zum Nachteil gereicht, wodurch sein Anspruch auf
korrekte Erteilung des rechtlichen Gehörs massiv verletzt worden sei. Je-
doch wird über diese blosse Behauptung hinaus weder ausgeführt, inwie-
fern dem Beschwerdeführer aus dem genannten Umstand ein konkreter
Nachteil entstanden sein soll, noch weshalb dies einer Verletzung des
rechtlichen Gehörs gleichkommen soll. Diese Rüge erweist sich somit als
unbegründet.
4.2.3 Ferner moniert der Beschwerdeführer, in der Anhörung seien die im
Handbuch "Asyl und Rückkehr" des SEM unter Punkt C 6.2 enthaltenen
Regeln nicht befolgt worden, da er aufgefordert worden sei, nur zu erzäh-
len, was ihn im Jahr (...) zur Flucht bewogen habe. Dadurch sei ihm zu
verstehen gegeben worden, dass die Vorkommnisse vor seiner Flucht im
Jahr (...) nicht relevant seien, obwohl dies die früheren Behelligungen
durch das CID sehr wohl seien. Zudem habe er nur wenige Zeilen seiner
Geschichte frei erzählen können, bevor er unterbrochen worden sei und
nur noch Einzelfragen gestellt worden seien. Diese Parteibehauptungen
werden durch das Anhörungsprotokoll jedoch nicht gestützt. Die Befragerin
forderte den Beschwerdeführer auf, die Ereignisse zu benennen, welche
ihn in der Zeit (...) direkt zur Ausreise bewogen hätten. Seine Nachfrage:
"Sie meinen von (...) an?" wurde nicht bejaht, sondern angeführt, dass er
einfach über seine Probleme sprechen solle, die ihn direkt zu seiner Aus-
reise veranlasst hätten (vgl. act. A12/20, S. 9, F73 f.). In der Folge schil-
derte er die Geschehnisse im Jahr (...) und nahm auch auf seine Probleme
im Jahr (...) Bezug (vgl. act. A12/20, S. 9 ff., F74 ff. und F84). Weiter skiz-
zierte der Beschwerdeführer in seiner Antwort zu F74 einen kurzen Abriss
der Gründe, die ihn zur Flucht aus Sri Lanka veranlasst hätten. Da er die-
sen Abriss nach wenigen Sätzen mit dem Satz: "Aus diesem Grund musste
ich ausreisen und hierherkommen." abschloss, gab er dadurch zu erken-
nen, dass er seinen freien Vortrag als beendet erachtete. Daher stellt sich
die nachfolgende Frage F75 nicht als Unterbrechung des freien Vortrags
dar. Doch selbst wenn dieser Ansicht beigepflichtet werden müsste, wäre
dem Beschwerdeführer daraus kein Nachteil entstanden. So erhielt er in
den nachfolgenden Vertiefungsfragen ausführlich Gelegenheit, seine Asyl-
gründe umfassend darzulegen, deren Vollständigkeit er am Schluss nach
Rückübersetzung unterschriftlich bestätigte (vgl. act. A12/20, S. 10 ff. und
S. 20). Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt nicht vor. Sodann han-
delt es sich beim zitierten Handbuch des SEM, das unter anderem Richtli-
nien für die korrekte Durchführung einer Anhörung enthalte, um eine in-
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terne Weisung und damit um eine Verwaltungsverordnung ohne Aussen-
wirkung, aus welcher der Beschwerdeführer keine Rechte und Pflichten
abzuleiten vermag, (vgl. Urteil des BVGer E-7803/2016 vom 9. Januar
2017 E. 3.3).
4.2.4 Sodann bringt der Beschwerdeführer vor, die Verfügung leide an
schweren fachlichen Fehlern, da die zuständige Sachbearbeiterin des
SEM darin festhalte, bei ihm handle es sich um einen "Singhalesen, tami-
lischer Ethnie" und dass seine (Nennung Verwandte) aus "(...)" geflüchtet
sei. Diese Feststellungen entbehrten jeglicher Grundlage und zeigten klar
die Inkompetenz und demnach die absolut fehlende Eignung der zuständi-
gen Mitarbeiterin des SEM zur Bearbeitung von Asylgesuchen aus Sri
Lanka auf. Angesichts einer solchen Arbeitsweise werde dem Recht auf ein
faires Verfahren nicht ansatzweise Genüge getan. Diese Kritik vermag
nicht zu überzeugen. Der Beschwerdeführer führt in seiner Rechtsmitte-
leingabe in zutreffender Weise selber eine Protokollstelle der BzP an, aus
welcher sich zweifelsfrei ergibt, dass seine (Nennung Verwandte) aus Sri
Lanka – und nicht aus (...) – ausgereist ist (vgl. act. A6/15, S. 9, Ziff. 5.04).
Ebenso selbstverständlich ergibt sich aus dem Rubrum sowie aus Ziff. 1.08
des erwähnten Protokolls, dass es sich bei ihm um einen Tamilen aus Sri
Lanka und nicht um einen "Singhalesen" handelt. Bei den gerügten Stellen
im angefochtenen Entscheid handelt es sich demnach unzweifelhaft um
blosse – wenn auch bedauerliche – Schreibfehler, aus denen dem Be-
schwerdeführer offensichtlich keinerlei Rechtsnachteile erwachsen sind.
So wurde in der Begründung des Asyl- und Wegweisungsentscheids unter
anderem denn auch auf die in diesem Zusammenhang vom Bundesver-
waltungsgericht entwickelte Rechtsprechung bezüglich sri-lankischer Asyl-
gesuchsteller tamilischer Ethnie Bezug genommen (vgl. act. A14/9, IV,
Ziffn. 1 und 2). Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist auch im vorlie-
genden Punkt nicht zu erkennen.
4.2.5 Angesichts der vorstehend in E. 4.2.3 und nachfolgend in E. 5.3. ent-
haltenen Darlegungen erweisen sich die vom Beschwerdeführer geäusser-
ten Zweifel an der sprachlichen Kompetenz der zuständigen Sachbearbei-
terin im Weiteren als klarerweise unbegründet. Eine Verletzung des recht-
lichen Gehörs ist zu verneinen. Das diesbezüglich gestellte Rechtsbegeh-
ren Ziffer 3 (Nachweis der Deutschkenntnisse der zuständigen Sachbear-
beiterin des SEM mittels Diplom) ist abzuweisen. Bei dieser Sachlage ist
auch dem Beweisantrag, es seien – sollte die angefochtene Verfügung
nicht an das SEM zurückgewiesen werden – die beim SEM zur Anhörung
intern angelegten Akten beizuziehen, aus welchen sich der persönliche
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Seite 11
Eindruck der für die Anhörung verantwortlichen Person zur Glaubhaftigkeit
der Vorbringen des Beschwerdeführers ergeben müsse, nicht stattzuge-
ben.
4.3 Eine Verletzung der Begründungspflicht als Teilgehalt des rechtlichen
Gehörs – welche es aufgrund der Ausgestaltung der Begründung dem Be-
troffenen ermöglichen soll, den Entscheid sachgerecht anzufechten, was
nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittel-
instanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl.
BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 2008/47 E. 3.2) – liegt ebenfalls nicht vor.
Die mit der Redaktion und dem Erlass der angefochtenen Verfügung be-
trauten Mitarbeiter des SEM (vgl. act. A14/9, S. 1) haben nachvollziehbar
und hinreichend differenziert aufgezeigt, von welchen Überlegungen sie
sich vorliegend leiten liessen, und haben sich auch mit sämtlichen zentra-
len Vorbringen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt. Dabei muss-
ten sie sich nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und
jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen, sondern durften sich auf
die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Der blosse Umstand, dass
der Beschwerdeführer die Auffassung und Schlussfolgerungen des SEM
nicht teilt – so auch bei der Lageeinschätzung zu Sri Lanka, der zitierten
Quellen zum Nachweis der Befürchtungen bestimmter Personenkreise, im
Nachgang zur Präsidentschaftswahl erhöhter Repression und Überwa-
chung ausgesetzt zu werden (vgl. Beschwerdeschrift S. 18-26) – ist keine
Verletzung der Begründungspflicht, sondern eine materielle Frage. Sodann
zeigt die ausführliche Beschwerdeeingabe deutlich auf, dass eine sachge-
rechte Anfechtung ohne weiteres möglich war.
4.4 Weiter beanstandet der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit in-
dividuellen Asylgründen (Sachverhaltsabklärung an der Anhörung vom
26. September 2019) sowie im Zusammenhang mit der Einschätzung der
länderspezifischen Lage in Sri Lanka (aktuelle Lage unter Berücksichti-
gung der Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten; Verschlechte-
rung der Sicherheits- und Menschenrechtslage unter Beachtung der
Corona-Krise; erhöhte Gefährdung für Risikogruppen und Minderheiten;
Hochrisikofaktor Schweiz) und dem Hinweis auf die von seinem Rechts-
vertreter verfassten diversen Länderberichte (vgl. Beschwerdeschrift
S. 27-34) eine unvollständige und unrichtige Feststellung des Sachver-
halts.
Soweit der Beschwerdeführer zunächst erneut bemängelt, dass bei seiner
Anhörung die im Handbuch "Asyl und Rückkehr" des SEM unter Punkt
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Seite 12
C 6.2 enthaltenen Regeln nicht befolgt worden seien, ist auf die Ausführun-
gen in E. 4.2.3 zu verweisen, denen nichts beizufügen ist. Weiter hat die
Vorinstanz die individuellen Asylgründe genügend abgeklärt. Aus der Ver-
fügung gehen die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Ereignisse
der Jahre (...) bis (...), welche in behördlichen Benachteiligungen resultiert
und ihn letztlich zu seiner Ausreise veranlasst hätten, hervor. Die Vor-
instanz setzte sich mit den geltend gemachten Auswirkungen seiner Teil-
nahmen an einer Protestveranstaltung sowie insbesondere an einer Ge-
denkfeier am (...) sowie mit der aktuellen Lage in Sri Lanka auseinander
und berücksichtigte die Präsidentenwahlen vom November 2019 mit deren
Folgewirkungen. Allein der Umstand, dass die Vorinstanz in ihrer Länder-
praxis zu Sri Lanka einer anderen Linie folgt als vom Beschwerdeführer
vertreten, und sie aus sachlichen Gründen zu einer anderen Würdigung
der Vorbringen gelangt als vom Beschwerdeführer verlangt, spricht nicht
für eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung.
4.5 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-
begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen
Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbe-
züglichen Rechtsbegehren sind somit abzuweisen.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer beantragt für den Fall einer materiellen Beurtei-
lung seiner Beschwerde durch das Bundesverwaltungsgericht, er sei an-
gesichts der aktuellen neuen Gefährdungslage erneut zu seinen Asylgrün-
den anzuhören, das SEM sei anzuweisen abzuklären, welche Daten auf
dem Mobiltelefon der entführten Botschaftsmitarbeiterin erpresst worden
seien und ob sich darunter auch sein Name befinde, und das SEM habe
offenzulegen, auf welche Quellen es sich bei der Beurteilung der aktuellen
Lage in Sri Lanka stütze.
5.2 Soweit der Beschwerdeführer beantragt, er sei erneut anzuhören, ist
festzuhalten, dass nach der Rechtsprechung ein Anspruch auf mündliche
Anhörung nur ausnahmsweise gegeben ist, wenn eine solche zur Abklä-
rung des Sachverhaltes unumgänglich ist. Die Notwendigkeit einer Anhö-
rung kann insbesondere dann verneint werden, wenn eine Partei im Be-
schwerdeverfahren Gelegenheit hatte, ihre Sachverhaltsdarstellung und
Beweisanerbieten umfassend schriftlich einzubringen. Diese Vorausset-
zungen sind vorliegend als erfüllt zu erachten: Der Beschwerdeführer hatte
auf Beschwerdeebene mit der Einreichung einer Beschwerdeschrift inklu-
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Seite 13
sive umfangreicher Beilagen Gelegenheit, seine Asylvorbringen bezie-
hungsweise seine Sachverhaltsdarstellung und Beweisanerbieten schrift-
lich einzubringen. Zudem wurde der Sachverhalt, wie vorstehend darge-
legt, hinreichend erstellt. Der entsprechende Antrag ist somit abzuweisen.
5.3 Ebenso abzuweisen ist der Antrag, dass abzuklären sei, ob bei der Ent-
führung einer schweizerischen Botschaftsmitarbeiterin im Herbst 2019 Da-
ten des Beschwerdeführers respektive welche Daten im Allgemeinen auf
deren Mobiltelefon zur Herausgabe erpresst worden seien, zumal eine Ver-
bindung des Beschwerdeführers zu dieser Botschaftsmitarbeiterin nicht
substanziiert dargelegt worden ist (vgl. auch Urteil des BVGer D-5784/2019
vom 20. April 2020 E. 6).
5.4 Dem Antrag auf Offenlegung der von der Vorinstanz für seine Beurtei-
lung der aktuellen Lage verwendeten Quellen ist schliesslich ebenfalls
nicht stattzugeben. Die Vorinstanz stützte sich bei ihrer Einschätzung der
Situation auf allgemeine und öffentlich zugängliche Informationsquellen,
bei welchen das SEM keine Offenbarungspflicht trifft.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungs-
gericht hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in
verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Da-
rauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2012/5
E. 2.2).
7.
7.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers würden weder den Anforderungen
an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG standhalten.
D-2402/2020
Seite 14
Der Beschwerdeführer habe sich in seinen Aussagen in verschiedene Wi-
dersprüche verstrickt. So habe er sich gemäss Ausführungen in der Erst-
befragung dann zur Ausreise entschlossen, als sein (Nennung Verwandter)
und seine (Nennung Verwandte) auf der Rückfahrt von einer Beerdigung
in M._ durch den Zusammenprall mit einem Bus ums Leben ge-
kommen seien, zumal er dieses Ereignis dem Geheimdienst zugeschrie-
ben habe. Im Gegensatz dazu habe er anlässlich der Anhörung nicht er-
wähnt, dass ihn dieser Vorfall zum Verlassen seiner Heimat veranlasst
habe. Auf Vorhalt habe er keine plausible Rechtfertigung vorzubringen ver-
mocht. Weiter habe er in der BzP angeführt, er sei nach seiner Teilnahme
am Gedenktag für K._ von der Armee respektive vom Geheim-
dienst geschlagen und gefoltert worden, weil er ein Manifest verteilt und
eine öffentliche Rede über Menschenrechtsverletzungen gehalten habe.
Ausserdem seien die Behörden zum Haus seiner (Nennung Verwandte)
gekommen, um sein Mobiltelefon und seinen Computer zu kontrollieren.
Des Weiteren habe er angegeben, sich nach solchen Vorfällen bei einem
Freund in L._, G._, versteckt zu haben. Demgegenüber
habe er in der Anhörung erwähnt, das CID habe ihn am (...) im Haus seines
Vaters in B._ aufgesucht, ohne irgendeinen Hinweis auf Schläge
und Folterungen durch die Armee oder den Geheimdienst zu erwähnen.
Ausserdem sei er von (...) bis (...) bei seinem Freund in L._,
G._, versteckt gewesen. Auf Vorhalt, warum er in der Erstbefragung
ausgesagt habe, in den Jahren (...) bis (...) in P._, E._, bei
seiner (Nennung Verwandte) gelebt zu haben, habe er auf die oberflächli-
che Befragung in der BzP und die häufigen Besuche bei seiner (Nennung
Verwandte) verwiesen. Diese Begründung vermöge angesichts der erheb-
lichen Unterschiede der jeweils angeführten Wohndauer jedoch nicht zu
überzeugen. Einige Vorbringen seien ferner als unlogisch zu qualifizieren.
So hätte man ihn im Jahr (...) nicht zu einem ehemaligen Polizisten der
E._ befragen können, wäre er schon seit dem Jahr (...) versteckt
gewesen. Unsinnig erscheine ferner, dass er weiterhin in beschränktem
Umfang berufstätig gewesen sei, obwohl er in einem Versteck gelebt habe.
In besonderem Masse vernunftwidrig sei der Umstand zu erachten, dass
er im (...) das Risiko eingegangen sei, am Gedenktag für einen ehemaligen
Führer der E._ teilzunehmen und sich anschliessend an die Beer-
digung eines Verwandten in M._ zu begeben, wenn er sich doch
aus Angst vor der Armee respektive dem Geheimdienst habe verstecken
müssen. Schliesslich erstaune es, dass er sich (Nennung Dauer) in ein und
demselben Haus versteckt gehalten habe. Sodann habe er im Zusammen-
hang mit dem Kontrollbesuch der Behörden im Haus seines Vaters, der
(Nennung Zeitpunkt) stattgefunden haben solle und bei dem sein Vater
D-2402/2020
Seite 15
nach dem Verbleib seines Sohnes gefragt worden sei, zunächst angeführt,
die Leute hätten sich als Mitarbeiter des CID vorgestellt, um diese später
als Polizisten zu bezeichnen und zu präzisieren, die Beamten hätten die
offizielle Polizeiuniform getragen. Unlogisch sei auch, dass er nach seiner
Ausreise nur ein einziges Mal – und dies auch erst (...) Jahre später – von
den Behörden gesucht worden sei, wenn er tatsächlich, wie vorgebracht,
im Visier der Armee beziehungsweise des Geheimdienstes gestanden
hätte. Der Beschwerdeführer habe demnach nicht glaubhaft darlegen kön-
nen, dass er aus den von ihm genannten Gründen von den sri-lankischen
Behörden gesucht worden sei.
Ferner sei er gemäss Ausführungen in der BzP auf legalem Weg vom (...)
M._ aus mit seinem eigenen, im Jahr (...) erhaltenen Reisepass
ausgereist, um demgegenüber bei der Anhörung anzugeben, seine Heimat
im Besitz eines Passes einer anderen Person verlassen zu haben. Auf Vor-
halt habe er angegeben, bei der BzP gelogen zu haben, weil er angespannt
gewesen sei und Angst vor einer Rückschaffung in seine Heimat gehabt
habe. Eine solche Rechtfertigung gehe nicht an, da Falschaussagen wäh-
rend des Asylverfahrens – aus welchem Grund auch immer sie vorgebracht
würden – inakzeptabel seien.
Weiter seien die von ihm geltend gemachten behördlichen Schwierigkeiten
in den Jahren (...) bis (...) ohne weitere Konsequenzen für ihn geblieben.
Weder habe er diesbezüglich vorgebracht, in Gewahrsam oder in Haft ge-
nommen worden zu sein, noch dass er im Leben allgemein unter anderen
Konsequenzen zu leiden gehabt habe. Somit habe er nicht glaubhaft ver-
mitteln können, dass er Probleme mit der Armee und/oder dem Geheim-
dienst gehabt habe, aufgrund derer er keinen anderen Ausweg mehr gese-
hen hätte, als Sri Lanka zu verlassen. Auch sei kein Kausalzusammenhang
zwischen den von ihm vorgebrachten Problemen und seiner Flucht zu er-
kennen. Zudem würden sich die Befürchtungen des Beschwerdeführers
von ernsthaften Nachteilen als unbegründet erweisen. Zwar würden die
(Nennung Verwandte) in der Schweiz leben. In diesem Zusammenhang
habe er aber keine Details zu den Problemen der (Nennung Verwandte)
genannt und wolle selber auch nichts von deren Ausreise gewusst haben,
weil er und seine Angehörigen im Jahr (...) während des Krieges getrennt
in verschiedenen Lagern gelebt hätten.
7.2 Demgegenüber hält der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmittelein-
gabe an der Glaubhaftigkeit seiner Sachverhaltsvorbringen fest und be-
streitet, widersprüchliche oder unzureichende Angaben gemacht zu haben.
D-2402/2020
Seite 16
Vielmehr sei dieser Eindruck der fehlerhaft geführten Anhörung vom
26. September 2019 geschuldet. Es sei ihm – wie unter den formellen Rü-
gen bereits angeführt – kein Platz eingeräumt worden, sich frei zur Sache
zu äussern. Zudem sei er von der befragenden Person angehalten worden,
nur Angaben zu den Problemen im (...) zu machen. Es sei daher offensicht-
lich, dass er keine Gelegenheit erhalten habe, detaillierte Angaben zum
tatsächlich relevanten Sachverhalt anzuführen, zumal seine Probleme be-
reits im Jahr (...) begonnen und danach angehalten hätten. Darauf sei je-
doch nicht eingegangen worden. Die Verfasserin des Asylentscheids
könne sodann das in deutscher Sprache gehaltene Anhörungsprotokoll
vom 26. September 2019 nicht wirklich verstanden haben. Ansonsten hätte
ihr auffallen müssen, dass es sich bei seinen Aussagen nicht um Wider-
sprüche handle, sondern diese Aussagen das Resultat einer nicht korrekt
geführten Anhörung darstellten. Die im Asylentscheid durchgeführte
Glaubhaftigkeitsprüfung sei somit mangelhaft respektive schlicht falsch.
Dementsprechend müsse die Anhörung zu den Asylgründen wiederholt
werden. Es sei davon auszugehen, dass sämtliche von ihm vorgebrachten
Sachverhaltselemente entweder mittels objektiver Beweismittel belegt
oder aber zumindest glaubhaft gemacht worden seien.
Er erfülle zahlreiche Risikofaktoren, die zur Annahme einer begründeten
Furcht bei einer Rückkehr nach Sri Lanka und in seinem Fall zur Bejahung
der Flüchtlingseigenschaft führen müssten, was nach den letzten Präsi-
dentschaftswahlen verstärkt Geltung habe. So habe er sich in Sri Lanka
politisch zugunsten der E._ engagiert. Er sei wiederholt ins Visier
der sri-lankischen Behörden geraten, sei im Zusammenhang mit seinem
politischen Engagement gesucht und seine Familie behelligt worden. Dies
habe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Niederschlag in den
Akten der sri-lankischen Behörden gefunden, weshalb er auf der Stop-
oder Watch-List eingetragen worden sein dürfte. Sodann sei er in die
Schweiz – welche ein Hort des tamilischen Separatismus sei – geflohen,
halte sich hierzulande schon eine lange Zeit auf und verfüge über keine
gültigen Reisedokumente. Einfluss auf die Gefährdungslage hätten ferner
auch die aktuelle Lage in Sri Lanka, welche sich nach der Wahl von Gota-
baya Rajapaksa am 16. November 2019 – gerade auch für Tamilen – mas-
siv zugespitzt habe und für seine Zugehörigkeit zur bestimmten sozialen
Gruppe der abgewiesenen tamilischen Asylsuchenden sowie der vermeint-
lichen oder tatsächlichen E._-Unterstützer.
D-2402/2020
Seite 17
8.
8.1 Die Vorinstanz ist in ihren Erwägungen zur zutreffenden Erkenntnis ge-
langt, die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Verfolgungsvorbrin-
gen würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit und Asylrelevanz
nicht genügen, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Auf die
betreffenden Erwägungen der Vorinstanz gemäss angefochtener Verfü-
gung und Zusammenfassung in E. 7.1 kann zur Vermeidung von Wieder-
holungen verwiesen werden; sie sind nicht zu beanstanden.
8.2 So bleiben die von der Vorinstanz zu Recht festgestellten, insbeson-
dere logischen Ungereimtheiten sowie die Widersprüche in der zeitlichen
Einbettung der geschilderten Ereignisse sowie die Feststellung von – vom
Beschwerdeführer im Übrigen zugegebenen – Falschaussagen bezüglich
der bei seiner legalen Ausreise aus Sri Lanka verwendeten Identitätsdoku-
mente inhaltlich unwidersprochen. Zwar wendet er in diesem Zusammen-
hang ein, die im Asylentscheid durchgeführte Glaubhaftigkeitsprüfung sei
infolge einer mangelhaft geführten Anhörung falsch, weshalb sich in seinen
Schilderungen keine Unglaubhaftigkeitselemente befinden würden. Diese
Einwände stellen aber eine Wiederholung der unter formellen Aspekten be-
reits erhobenen Rügen dar, welche vorliegend in E. 4.2 f. bereits geprüft
und als nicht stichhaltig erachtet wurden. Auch der erneut gestellte Antrag,
es müsse seine Anhörung zu den Asylgründen wiederholt werden (vgl. Be-
schwerdeschrift Ziff. 8.1.1, S. 37, zweitletzter Absatz), wurde in der vorste-
henden E. 5.2 schon abgehandelt und abgewiesen. Nachdem der Sach-
verhalt vorliegend korrekt festgestellt wurde und die Einwände in materiel-
ler Hinsicht somit nicht zu überzeugen vermögen, sind die entsprechenden
Erörterungen des SEM im angefochtenen Entscheid zur Unglaubhaftigkeit
der geltend gemachten Ausreisegründe vollumfänglich zu bestätigen. Der
Beschwerdeführer vermag demnach nicht glaubhaft zu machen, dass er
letztlich aufgrund der von ihm vorgebrachten Teilnahme an einer Gedenk-
feier für (Nennung Person) im (...) von den sri-lankischen Behörden ge-
sucht wurde.
Zudem stellen sich die Ereignisse der Jahre (...) bis (...) in Ermangelung
eines ausreiserelevanten Sachzusammenhangs – wie vom SEM mit zu-
treffender Begründung festgehalten – als nicht asylrelevant dar. Angesichts
fehlender Entgegnungen in der Beschwerdeschrift braucht darauf deshalb
nicht weiter eingegangen zu werden. Die diesbezüglichen Ausführungen
des SEM sind zu bestätigen.
D-2402/2020
Seite 18
8.3 Im Sinne eines Zwischenfazits ist festzuhalten, dass es dem Beschwer-
deführer nicht gelungen ist, eine ihm im Zeitpunkt seiner Ausreise dro-
hende flüchtlingsrelevante Gefährdungslage glaubhaft darzutun.
9.
Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer trotz fehlender Vorverfolgung
bei einer Rückkehr in sein Heimatland ernsthafte Nachteile im Sinne von
Art. 3 AsylG drohen würden.
9.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr
von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Zur Beurtei-
lung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form
von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risikofaktoren
identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene
Verbindung zu den E._, ein Eintrag in der «Stop List» und die Teil-
nahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als stark ri-
sikobegründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid dar-
gelegten Umständen bereits für sich allein genommen zur Bejahung einer
begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Fehlen or-
dentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und
eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach risiko-
begründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weitrei-
chenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene kleine Gruppe tat-
sächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne
von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen Behör-
den bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen
und so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die darge-
legten Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, de-
ren Namen in der am Flughafen in M._ abrufbaren «Stop-List» ver-
merkt seien und der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungs-
weise einen Strafregistereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen
oder vermuteten Verbindung zu den E._ enthalte. Entsprechendes
gelte für sri-lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch
betätigt hätten (vgl. a.a.O. E. 8).
9.2 Der Vorwurf einer ernstzunehmenden Verbindung zu den E._
und die behauptete Vorverfolgung haben sich als unglaubhaft respektive
als nicht asylrelevant erwiesen. Die Zugehörigkeit des Beschwerdeführers
D-2402/2020
Seite 19
zur tamilischen Ethnie, seine mehrjährige Landesabwesenheit, die Asylge-
suchstellung in einem tamilischen Diasporaland sowie das Fehlen ordentli-
cher Reisepapiere reichen nicht aus, um im Falle einer Rückkehr von Ver-
folgungsmassnahmen auszugehen (vgl. Referenzurteil des BVGer E-
1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.5.2). Weiter sind Angehörige der tamili-
schen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernst-
zunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt (vgl.
E-1866/2015 E. 8.3). Die Ausführungen, dass der Beschwerdeführer als
Mitglied einer bestimmten sozialen Gruppe respektive als Angehöriger der
Risikogruppe von Personen, die aus der Schweiz – einem tamilischen
Diasporazentrum – nach längerer Zeit zurückkehrten, verfolgt würde, geht
daher fehl.
9.3 Dies gilt auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Lage in
Sri Lanka. Die Präsidentschaftswahlen von November 2019 und daran an-
knüpfende Ereignisse vermögen diese Einschätzung nicht in Frage zu stel-
len (vgl. dazu im Einzelnen: Urteil des BVGer E-1156/2020 vom 20. März
2020 E. 6.2). Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der politischen Verän-
derungen in der Heimat des Beschwerdeführers bewusst. Es beobachtet
die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt sie bei seiner Ent-
scheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer
möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszugehen, der Perso-
nen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise
bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. E-1866/2015; Human Rights Watch
[HRW], Sri Lanka: Families of "Disappeard" Threatened, 16.02.2020). Den-
noch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit
dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv ei-
ner Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im
Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Perso-
nen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren
Folgen besteht. Für den Beschwerdeführer ist das nicht der Fall.
An der Lageeinschätzung des erwähnten Referenzurteils ist weiterhin fest-
zuhalten. Mit den Ausführungen zur allgemeinen Situation in Sri Lanka und
den dazu zahlreich eingereichten Dokumenten, Länderinformationen und
Quellenverweisen vermag der Beschwerdeführer keine auf seine Person
bezogene konkrete Gefährdung darzulegen. Objektive Nachfluchtgründe,
bei denen eine Gefährdung entstanden ist aufgrund von äusseren, nach
der Ausreise eingetretenen Umständen, auf die der Betreffende keinen Ein-
fluss nehmen konnte (vgl. BVGE 2010/44 E. 3.5 m.w.H.), liegen vorliegend
D-2402/2020
Seite 20
nicht vor. Es sind auch sonst keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass der Be-
schwerdeführer im aktuellen politischen Kontext in Sri Lanka in den Fokus
der sri-lankischen Behörden geraten wäre und mit asylrelevanter Verfol-
gung zu rechnen hätte, weshalb der Beschwerdeführer keine Verfolgung
oder begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3
AsylG nachzuweisen oder glaubhaft zu machen vermag.
9.4 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass das SEM zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat.
10.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
11.
11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
11.2
11.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
D-2402/2020
Seite 21
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
11.2.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender
Begründung erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin-
dernisse erkennbar sind. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch
die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungs-
vollzug als unzulässig erscheinen (vgl. E-1866/2015 E. 12.2 f.). Es besteht
keine Veranlassung, von dieser Lageeinschätzung abzurücken. Auch der
Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat wiederholt fest-
gestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Ta-
milen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoein-
schätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des
EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11,
Ziff. 37). Weder aus den Vorbringen des Beschwerdeführers noch in an-
derweitiger Hinsicht ergeben sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er im
Falle einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit einer gemäss der EMRK oder der FoK verbotenen Strafe oder Be-
handlung ausgesetzt wäre. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der Er-
gebnisse der Präsidentschaftswahlen von November 2019 und des diplo-
matischen Konflikts zwischen der Schweizer Botschaft und den sri-lanki-
schen Behörden.
Der Vollzug der Wegweisung ist somit sowohl im Sinne der landes- als
auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
11.3
11.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
D-2402/2020
Seite 22
11.3.2 Das SEM hat sich eingehend mit der Frage der Zumutbarkeit des
Vollzugs der Wegweisung des aus B._ (Bezirk
C._/D._) stammenden tamilischen Beschwerdeführers mit
letztem Wohnsitz laut BzP in E._ (F._; vgl. act. A [...]/12,
S. 5) respektive laut Anhörung in L._ (G._-Distrikt; (vgl. act.
A12/20, S. 5, F35) befasst und die Zumutbarkeit bejaht. Diesen zu bestäti-
genden Erwägungen ist grundsätzlich nichts beizufügen. Der Beschwerde-
führer setzt diesen Feststellungen nichts entgegen. Im D._ verfügt
er über ein weitreichendes familiäres Beziehungsnetz und eine gesicherte
Wohnsituation. Überdies besitzt er eine solide schulische Ausbildung sowie
diverse Berufserfahrungen als (...) (vgl. im Einzelnen act. A 6/15, S. 4 ff.).
Es ist somit davon auszugehen, dass sich der den Akten zufolge gesunde
Beschwerdeführer in seiner Heimat beruflich wieder integrieren und auf ein
tragfähiges Beziehungsnetz zurückgreifen kann, welches ihn nach einer
Rückkehr im Bedarfsfall unterstützen kann.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
11.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
11.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Es erübrigt sich, auf den weiteren Inhalt der
Beschwerde und die eingereichten Beweismittel – die sich ganz überwie-
gend auf die generelle Situation in Sri Lanka beziehen, ohne einen indivi-
duellen Bezug zum Beschwerdeführer zu haben – noch näher einzugehen.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
D-2402/2020
Seite 23
13.
13.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten infolge der sehr
umfangreichen Beschwerde mit zahlreichen Beilagen ohne individuellen
Bezug zum Beschwerdeführer praxisgemäss auf insgesamt Fr. 1'500.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
13.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers stellte im vorliegenden
Fall zum wiederholten Mal ein Rechtsbegehren, über das bereits in ande-
ren Verfahren mehrfach befunden worden ist (Bestätigung der Zufälligkeit
beziehungsweise Offenlegung der objektiven Kriterien der Zusammenset-
zung des Spruchkörpers). Diese unnötig verursachten Kosten sind deshalb
dem Rechtsvertreter persönlich aufzuerlegen und auf Fr. 100.– festzuset-
zen (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 66 Abs. 3 BGG; vgl. auch Urteil des Bundes-
gerichts 5D_56/2018 vom 18. Juli 2018 E. 6). Dieser Betrag ist von den
Gesamtverfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1ꞌ500.– in Abzug zu bringen.
13.3 Im restlichen Umfang von Fr. 1'400.– sind die Verfahrenskosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen. Dieser Betrag ist dem am 28. Mai 2020
geleisteten Kostenvorschuss zu entnehmen; der Restbetrag von Fr. 100.–
ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
(Dispositiv nächste Seite)
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