Decision ID: a5072c11-e6a9-4d8e-8d73-67075e85ffd0
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1973
,
ausgebildete Arztsekretärin
,
ist seit
1.
Dezember 2007 in einem Teilzeitpensum
im
Z
entrum
Y._
(früher: Praxis Dr. med.
Z._
und Dr. med.
A._
) als Arztsekretärin angestellt
(Urk. 6/
8
S. 1
und
S.
6
, Urk. 6/21
, Urk. 6/88
).
Am
5
.
September
2008 meldete sie
sich unter
Hinweis auf
Erschöpfungssymptome, Erinnerungsstörungen, wieder
holte Aborte, unklare Schmerzen, Magen- und Darmprobleme, akute Schmerzen, unklare Diagnosen und wiederholte Rückfälle durch Medikamente
bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/
8
).
Die Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
sprach der Beschwerdeführerin
mit Verfügun
g
en
vom
23
. Juni
2009
(Urk. 6/
38-40
)
vom 1. Oktober
2007
bis 29. Februar 2008 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Invalidenrente, vom 1. März bis 31. Mai 2008 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von
67
% eine
Drei
viertelsrente
und ab dem 1. Juni 2008 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 44 % eine
Viertelsrente
zu
.
Anlässlich eines aufgrund eines Rentenerhöhungsgesuches vom 20. September 2010 (Urk. 6/44) eingeleiteten Revisionsverfahrens holte die Beschwerdegegnerin unter anderem ein polydisziplinäres Gutachten bei
der
B._
ein, das am 3. Februar 2012 (Urk. 6/58) erstattet wurde. Daraufhin stellte
die IV-Stelle
mit Verfügung vom 24. April
2012 (Urk. 6/64) die Rente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 12 % ein.
Die Ver
fügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Am
23
.
März
201
8 (Urk. 6/68
) meldete sich
die
Versicherte unter Hinweis auf
Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes aufgrund ihrer Autoimmunkrank
heit (neu mit weiteren Blutgerinnungsstörungen, einer
Vaskulitis
und einer Urtikaria-Symptomatik)
erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbe
zug an.
Daraufhin tätigte die IV-Stelle medizinische sowie erwerbliche Abklä
rungen und zog die Akten der
Krankentaggeldversicherung
bei (Urk. 6/
89
)
. Nach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/
70-71
, Urk. 6/74
)
wies die IV
Stelle das
Leistungs
begehren mit Verfügung vom 16.
April 2019 ab (Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 27. Mai 2019 (Urk. 1) Beschwerde gegen die Verfügung vom 16. April 2019 und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr rückwir
kend ab Oktober 2018 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen; eventualiter sei die Sache infolge glaubhafter Veränderung der Tatsachen seit der Rentenaufhe
bung zur ergänzenden Abklärung in Form einer interdisziplinären Begutachtung
an die IV-Stelle zurückzuweisen;
subeventualiter
sei eine Nachfrist von 20 Tagen ab Zugang der vollständigen IV-Akten zur allfälligen ergänzenden Begründung zu gewähren (S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 3. Juli 2019 (Urk. 5) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde
der
Beschwerdeführer
in
mit Verfügung vom 5. Juli 2019 zur Kenntnis gebracht (Urk. 7).
Mit
auf den
29. Juli 2019 datierter Eingabe (Urk. 8; Poststempel: 26. Juli 2019) hielt die Beschwerdeführerin an
ihrem
bisherigen Haupt- und Eventualantr
ag
fest. Dies wurde der Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 29. Juli 2019 zur Kenntnis gebracht (Urk. 9).
Mit
auf den
29. Juli 2019 datierter Eingabe (Urk. 10; Poststempel: 30. Juli 2019) reichte die Beschwerdeführerin diverse Arbeitsunfähigkeitszeugnisse ein (Urk. 11/1-4). Die Eingabe samt
den Zeugnissen wurde
der Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 31. Juli 2019 (Urk. 12) zur Kenntnis zugestellt.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Für die Umschreibung des Prozessthemas ist nach den Regeln über den
Anfech
tungs
- und Streitgegenstand zu verfahren. Streitgegenstand im System der nach
träglichen Verwaltungsrechtspflege ist das Rechtsverhältnis, welches – im Rah
men des durch die Verfügung bestimmten Anfechtungsgegenstandes – den aufgrund der Beschwerdebegehren effektiv angefochtenen Verfügungs
gegenstand bildet. A
nfechtungsgegenstand und Streit
gegenstand sind identisch, wenn die Verfügung insgesamt angefochten wird. Bezieht sich demgegenüber die Be
schwerde nur auf einzelne der durch die Verfügung bestimmten Rechtsverhält
nisse, gehören die nicht beanstandeten Rechtsverhältnisse zwar wohl zum
An
fechtungs
-, nicht aber zum Streitgegenstand.
Aus
dem zweiten Antrag - «
Es sei der Beschwerdeführerin rückwirkend ab Okto
ber 2018 eine halbe IV-Rente zuzusprechen» (Urk. 1 S. 2
) - und insgesamt der Begründung der Beschwerde vom
27. Mai
201
9
und der auf den 29. Juli 2019 datierten Eingabe
, worin sich
sich
lediglich
Ausführungen zu einem allfälligen Rentenanaspruch
finden
,
ohne
dass
je Bezug auf berufliche Massnahmen genom
men respektive
solche
überhaupt erwähnt
we
rden
(Urk. 1 S. 1-7, Urk. 8 S. 1-3)
,
ergibt sich augenfällig, dass
die
Beschwerdeführer
in
die leistungsabweisende Ver
fügung vom
16
.
April 2019 (Urk.
2)
einzig
dahingehend anficht, dass
damit
ein
Rentenanspruch – nicht aber weitere Leistungen – verneint wurden
. Folglich ist im vorliegenden Verfahren nur
der Rentenanspruch
Streitgegenstand und auch nur diese Frage Prozessthema.
2
.
2
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2
.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2
.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs.
3 der
Verordnung über die Invalidenversicherung
[
IVV
]
) so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
Anlass zur Rentenrevision
gemäss
Art.
17 ATSG
gibt jede
wesent
liche Än
derung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeig
net ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Ins
besondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustan
des revidierbar
(BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3).
2.
4
Wurde die Rente nach Verminderung des Invaliditätsgrades aufgehoben, erreicht dieser jedoch in den folgenden drei Jahren wegen einer auf dasselbe Leiden zu
rückzuführenden Arbeitsunfähigkeit erneut ein rentenbegründendes
Ausmass, so werden gemäss Art.
29
bis
IVV bei der Berechnu
ng der Wartezeit nach Art. 28 Abs.
1
lit
. b IVG früher zurückgelegte Zeiten angerechnet.
3
.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung vom 16. April 2019
(Urk. 2) aus, gemäss den
ihr
vorliegenden Unterlagen sei zur bestehenden Erkrankung eine neue Diagnose gestellt worden. Unter ent
spre
chen
der Therapie würden sich die Symptome zurückbilden. Somit sei keine langan
dauernde Ge
sundheitsbeeinträchtigung ausgewiesen, die eine Einschränkung als medizinische Praxisassistentin begründe (S. 1). Es werde nicht bestritten, dass gewisse gesund
heitliche Probleme vorlägen. Für den Leistungsanspruch sie jedoch massgebend, inwiefern diese die Arbeitsfähigkeit einschränken würden. Eine langandauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei nicht nachvoll
ziehbar (S. 2).
3
.2
Die
Beschwerdeführer
in
stellte sich hingegen in ihrer Beschwerde vom 27. Mai 2019 (Urk. 1) und ihrer mit 29. Juli 2019 datierten Eingabe (Urk. 8)
mit Verweis auf Art. 87
Abs.
2
IVV
unter anderem
auf den Standpunkt
,
die gesundheitliche Veränderung sei von ihr glaubhaft dargelegt worden
. Indem die Beschwerdegeg
nerin die
Anhandnahme
des neuen Gesuchs und einen neuen Anspruch oder we
nigstens eine erneute eingehende Prüfung verweigert habe, habe sie dies einfach missachtet
(Urk. 1 S. 4
Ziff. 1
, Urk. 8 S.
2
)
.
Weiter
würde sie bei
Beschwerdefrei
heit
zumindest zu 80 % arbeiten. Bei der vom behandelnden Arzt attestierten Arbeitsunfähigkeit von 50 % im Erwerbsbereich und einer angenommenen Ein
schränkung von 30 % im Haushalt (bei 20 %) sowie unter Beachtung eines lei
densbedingten Abzuges vom mindestens 10 % resultiere ein Invaliditätsgrad von 56 % und damit ein Anspruch auf eine halbe Rente (S. 5 f. Ziff. 2).
Ferner
habe sich der regional
e
ärztliche Dienst (RAD) ohne Begründung über die immunolo
gisch fachärztliche Meinung des
behandelnden Arztes
hinweggesetzt und
sich
die Beschwerdegegnerin nicht in genügender Weise mit den vorhandenen
medizini
schen
Unterlagen
auseinandergesetzt (S. 6 f. Ziff. 3
, Urk. 8 S. 2 f.
).
3.3
Aufgrund der in der Beschwerde
und der mit 29. Juli 2019 datierten Eingabe
(
Urk.
10)
vorgebrachten Argumentation
ist davon auszugehen
, dass die Be
schwerdeführerin die Verfügung vom
16
.
April
2019
für eine
Nichteintretensver
fügung
hält (
vgl. E. 3.2 vorstehend).
Entgegen dieser Ansicht handelt es sich bei der angefochtenen Verfügung jedoch zweifelsfrei um eine materielle
Abweisung
,
bei der die Verwaltung auf die Neuanmeldung
eingetreten ist
und eine materielle Prüfung
genommen hat
und nicht etwa um eine
Nichteintretensverfügung
, bei welcher es
lediglich
um die Frage der Glaubhaftmachung einer Tatsachenverän
derung geht
und bei nicht Glaubhaftmachung ein Nichteintreten ohne materielle Prüfu
ng erfolgt (BGE 117 V 198 E. 3a
)
.
Dies ergibt sich ein
deutig aus der Verfügung selbst,
trägt
sie
doch
den Titel «
Kein Anspruch auf IV-Leistungen
» und wird i
m Dispositiv festgehalten:
«Das Leis
tungsbegehren wird abgewiesen» und nicht
«Auf das Leistungsbegehren wird nicht eingetreten». In den Erwägungen wird
überdies
festgehalten, dass
der Ge
sundheitszustand abgeklärt und der Anspruch auf eine Leistung geprüft wurde
(«
Wir haben Ihren Gesundheitszustand abgeklärt und den Anspruch auf Leistun
gen geprüft
»
, «Somit ist keine langandauernde Gesundheitsbeeinträchtigung aus
gewiesen, die ein
e
Einschränkung als medizinische Praxisassistentin begründen würde»
[S.
1
unten
]
, «Im Rahmen des
Einwandverfahrens
haben wir weitere me
dizinische Abklärungen getätigt und zusätzliche Arztberichte eingeholt», «Aus den genannten Gründen sind die Voraussetzungen für eine IV-Rente oder beruf
liche Massnahmen nicht erfüllt.» [S. 2 oben
]
).
Die
Beschwerdegegnerin hat denn auch
selber
materielle Abklärungen
in medizinischer und erwerblicher Hinsicht
getätigt
.
Sie holte
eigens
Arztberichte
sowie
Angaben des Arbeit
gebers
ein und nahm
eine
materielle Prüfung des Anspruches
vor (vgl. Urk. 6/75-92)
.
3
.
4
Strittig und zu prüfen bleibt daher, ob die Beschwerdegegnerin
nach der Neuan
meldung
vom 23. März 2018 (Urk. 6/68) zu Recht den Anspruch der Beschwer
deführerin
auf eine
Invalidenrente
verneinte.
4.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrer
rentenaufhebenden
Verfügung vom
24
.
April
2012
(Urk.
6
/
64
) gemäss Feststellungsblatt vom
27
.
Februar
20
12
(Urk.
6
/
61
) auf das
po
lydisziplinäre
B._
-
Gutachten
mit
intermistischen
,
psychia
trischen
, rheumatologischen, neurologischen
und neuropsychologischen
Unter
suchungen
ab
(Urk.
6
/
58
S. 2
).
Die Gutachter
stellten folgende Diagnosen mit
Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 27
; verkürzt wiedergegeben
):
-
Primäres
Antiphospholipid
-Antiköpersyndrom, Erstdiagnose November 2006
-
Komplexe hereditäre
Thrombophilie
Daneben
stellten
sie
weitere
Diagnosen ohne
Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit (S.
27 f.
;
nur teilweise
wiedergegeben
):
-
Bekannter
Mitralklappenprolaps
(Erstdiagnose August 2008)
-
Multiple Allergien
-
Migräne ohne Aura
Die
B._
-
Gutacher
attestierten der Beschwerdeführerin
ab September 2010
für die angestammte Tätigkeit als Arztsekretärin eine 80%ige Arbeitsfähigkeit auf
grund der internistischen Beurteilung
. Ebenso attestierten sie ihr eine 80%ige Ar
beitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit, wobei sie zusätzlich körperlich schwere Tätigkeiten aufgrund der rheumatologischen Beurteilung als nicht zumutbar er
achteten (S. 32)
.
Die Beschwerdegegnerin schloss gestützt auf d
as
B._
-Gutachten
auf eine Ar
beitsfähigkeit von
80
% in
der angestammten
und zugleich leidensangepassten
Tätigkeit
als Arzthelferin
. Indem sie als
Valideneinkommen
ein an die
Nominal
lohnentwicklung
für das Jahr 2011
angepasstes Einkommen bei
Dr. med.
C._
aus dem Jahr 2005
einem auf
dem Lohn
im
Z
entrum
Y._
im Dezember 2007 im 30%-Pensum basierenden
, an die Nominalentwicklung
für das Jahr 2011 angepassten
und
auf ein 80 %-Pensum umgerechneten
Invalidenein
kommen
(vgl
. Urk. 6/60 S. 1, Urk
. 6/32 S. 1, Urk. 6/23 S. 4, Urk. 6/13)
gegenüber
stellte
, errechnete die Beschwerdegegnerin einen Invaliditätsgrad von
12
% und
hob
d
ie
Invalidenrente
in der Folge
auf
(Urk.
6
/
64
).
5.
5.1
Der ärztliche
Direktor Dr.
med.
D._
von
der
Abteilung für
Rehabilitation der Klinik
E._
,
wo die Beschwerdeführerin am 8. Februar 2017 unter
sucht wurde,
nannte in
seinem
Konsiliarbericht
vom
gleichen Tag
(Urk. 6/
67
/
1
4
) folgende Diagnosen (S. 1
f.; verkürzt wiedergegeben
):
-
Rezidivierende
Polychondritis
-
Beginn Juli 201
6
-
Rezidivierende aurikulä
r
e und nasale
Chondritiden
-
Rezidivierende Handgelenkarthritis beidseits
-
Assoziierte
urtikarielle
und knotige Hautveränderungen, insbesondere im Gesicht
-
Assoziierte leichtgradige systemische (humorale) Entzündungsaktivität
-
Gutes Ansprechen auf kurzzeitige hochdosierte Steroide
-
Basistherapie mit
Methotrexat
empfohlen
-
Primäres
Antipho
s
pholipidsyndrom
-
Rezidivierende Urtikaria
-
Beginn im Alter von 13 Jahren
-
Assoziierte
Quincke
-Ö
deme
-
Multiple Allergien
-
Komplexe hereditäre
Thrombophilie
-
Bekannter
Mitralklappenprolaps
(Erstdiagnose August 2008)
Dr.
D._
hielt fest
,
im
Juli 2016 habe sich erstmals eine schmerzhafte und ge
rötete Schwellung über dem rechten Handgelenk mit diskretem Juckreiz und star
ker schmerzbedingter Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit
manifestiert
. Gleichzeitig sei es zu einer schmerzhaften Rötung des linken Ohres und des Nasenrückens gekommen. Nach Einnahme von Prednison sei die Symptomatik in
nerhalb von vier Tagen vollständig abgeklungen. Auch bei Folgeepisoden sei es jeweils prompt zu einem Abklingen auf kurzzeitig Prednison gekommen
. Im Feb
ruar
hätten
sich erstmals assoziierte juckende gerötete Schwellungen über beiden Kniescheiben manifestiert, eine Beeinträchtigung der Gelenkfunktion und eine eigentliche Ergussbildung seien nicht vorhanden gewesen
(S. 2).
5.2
Klinikdirektor Prof.
Dr. med.
F._
, Oberärztin Dr. med.
G._
und Assis
tenzarzt Dr. med. et Dr. sc. nat.
H._
vom Zentrum für Hämatologie und Onko
logie vom Universitätsspital
I._
, wo die Beschwerde
führerin vom 24. Februar bis 8.
März 2017 hospitalisiert war, nannten in ihrem Austrittsbericht vom 8. März 2017 (Urk. 6/67/5-8) folgende Diagnosen (S. 1
; verkürzt wiederge
geben
):
-
Früh
e Cholezystitis bei
Cholezystoli
t
hiasis
-
Cholezystektomie
Februar 2017
-
Epigastrische
Schmerzen seit November 2016
-
Komplikation: Hämatom Nierenloge rechts (CT 28. Februar 2017)
-
Regredient
im Verlauf (Sonographie 6. März 2017)
-
Hochgradiger Verdacht auf Lupus
erythematodes
, Erstdiagnose März 2017
-
Antiphosp
h
olipidsyndrom
, Erstdiagnose
November 200
6
-
Komplexe hereditäre
Thrombophilie
-
Rezidivierende Urti
ka
ria seit 30 Jahren mit
Qui
n
cke
-Ö
deme
n
Die Fachärzte führten aus, am 25. Februar 2017 sei eine frühe
Cholezystektomie
durchgeführt worden.
Bei weiterhin persistierenden Schmerzen sei am 28.
Februar 2017 ein CT des Abdomens
gemacht
worden, welches ein Hämatom in der rechten Nebennierenloge gezeigt habe. Nachdem das Prednison erneut mit 100 mg/d gestartet worden sei, hätte sich die Beschwerdeführerin sowohl bezüg
lich der Hautveränderungen als auch der Schmerzsymptomatik rasch
regredient
ge
zeigt. Im Verlauf hätten sich die Tra
n
saminasen unter
fortführender
Ste
roid
gabe
weiter
reg
red
i
ent
gezeigt. Die
Beschwerdeführer
in
habe am 8.
März
2017 schmerzfrei und in gutem Allgemeinzustand nach Hause in die ambulant
e
Wei
terbe
treuung entlassen w
erden können.
Die aktuelle Schmerzsituation bleibe un
klar. Die Schmerzsymptomatik sei auch nach der
Cholezystektomie
bestehen ge
blieben und habe sich erst nach längerfristiger Gabe hochdosierter
[Steroide; vgl. Urk. 6/89 S. 14 Mitte]
vollständig
regredient
gezeigt
(S. 2)
.
Die Ärzte
vom Zentrum für Hämatologie und Onkologie des
I._
attestierte
n
der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
vom 24. Februar bis 24. März 2017 (Urk. 6/89/17-18).
5.3
Leitende Ä
rzt
in
PD Dr. med.
J._
und Assistenzärztin
K._
von der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin des
I._
, wo die Beschwerdeführerin vom 24. März bis 1
0.
Mai 2017 in ambulanter Behandlung war,
führten am 8. Mai 2017 (Urk. 6/67/13-15
)
aus
, die Beschwerdeführerin habe berichtet, seit Juli 2016 an rezidivierenden Arthritiden
der
Handgelenke
beidseits zu leiden. Diese habe sie jeweils
selbständig mit einer kurzzeit
igen
Cortisoneinnahme
behandelt. Kli
nisch habe sich die Beschwerdeführerin in gutem Allgemein- und Ernährungszu
stand und mit normwertigen Vitalparametern präsentiert. Es hätten, wie erwartet, unter d
er systemischen Steroidtherapie
keine Auffäl
ligkeiten im Bereich der Ge
len
ke, der
H
aut sowie der Schleimhä
ute dokumentiert werden können
. Grund
sätzlich sei als Schubprophylaxe eine Behandlung mit
Plaquenil
möglich. Weil die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit aber mit Nebenwirkungen auf
Plaquenil
reagiert habe, sei eine Behandlung mit
Chloroquin
zu evaluieren. Die Behandlung sei von der Beschwerdeführerin bisher nicht durchgeführt worden
. Die weitere Behandlung werde Dr.
D._
überlassen
(S. 2).
Assistenzärztin
K._
attestierte der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit vom 25. März bis 17. Mai 2017 und vom 1
8.
bis 31. Mai 2017 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 6/89/6, Urk. 6/89/9-10).
5.
4
Leitender Arzt Allergiestation Prof. Dr.
med.
L._
von der Der
matologischen Klinik des
I._
, bei welchem sich die Beschwerdeführerin seit 30.
Oktober 2007 in Behandlung befindet
, hielt in seinem Bericht vo
m 8. Oktober 2018 (Urk. 6/81/6-8
) fest, er behandle die Beschwerdeführerin in regelmässigen Abständen alle zwei bis drei Monate. Es seien immer wieder Phasen mit 100%iger Arbeitsunfähigkeit notwendig, letztmals vom 17. Mai 2017 100 %, dann 50 % bis 31. Mai 2017 attestiert
worden
(S. 1 Ziff. 1.1-1.3). Die Beschwerdeführerin leide immer wieder an Exazerbationen. Einerseits des
inflammatorischen
Syndroms mit Schmetterlingserythem, Arthritiden,
Thrombopenien
, vereinzelt auch Enzephalo
pathien, rezidivierende
Polychondritis
und
Pleuraergus
s
sowie
mehrfache Aborte und zusätzlich
an einer chronisch rezidivierenden Urtikaria mit
Quineck
Ödemen (S. 1 f. Ziff. 2.2).
Leider sei es bisher nicht gelungen, die Krankheit therapeutisch
voll zu kontroll
ieren. Die Beschwerdeführerin sei vor allem in ihrer Leistungsfä
higkeit massiv eingeschränkt. Zudem leid
e sie immer wieder an Ergüssen i
m Be
reich der
Pleura
, an rezidivierenden
Atritiden
, Fieberschüben, Urtikaria und
Quinke
Ödem, sodass ein normales
Funktionieren
im Alltag/Arbeitsprozess kaum
denkbar sei (S. 2 Ziff. 3.4
). Wie viele Stunden pro Tag die bisherige Tätigkeit zumutbar sei, hänge von der Krankheitsaktivität ab. Aktuell scheine maximal eine 50%ige Tätigkeit, allenfa
lls gar weniger möglich zu sein, a
lso maximal etwa vier Stunden pro Tag (S. 3 Ziff. 4.1
und 4.2
).
Prof. Dr.
L._
attestierte der Beschwerdeführer
in zudem
ab dem 3. Dezember 2018
bis 27. September 2019 (Urk. 11/1-4) durchgehend eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit.
6.
6.1
Nachdem seit der rentenaufhebenden Verfügung vom 24. April 2012 (Urk. 6/64) und der mit Neuanmeldung vom
23. März 2018 (Urk. 6/68)
geltend gemachten gesundheitlichen Einschränkungen mehr als drei Jahre vergangen sind
(vgl. E. 5.1-5.4),
bedarf es als Voraussetzung
für einen
Rentenanspruch unter anderem
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
eine
r
40%
ige
n
Arbeitsfähigkeit (
Wartejahr;
vgl.
E. 2.2
und E. 2.4)
.
Da
ein Rentenanspruch
gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühesten na
ch Ablauf einer halbjährigen Ka
renzfrist
nach Geltendmachung
und
somit
angesichts
der Neuan
meldung am 2
3.
März 2018
im September 2018 hätte entstehen können (vgl. zur
Karenzfrist
bei einer Neuanmeldung BGE 142 V 547 E. 3), käme als
theoretisch
frühestmöglicher
Beginn zur Berechnung des Wartejahres der
September 2017
in Frage.
Dementsprechend bräuchte es in der Zeit vom
1.
September 2017
bis zum Ren
tenentscheid am 16. April 2019
, dem für die richterliche Überprüfungsbefugnis massgeblichen Zeitpunkt (BGE 143 V 409 E. 2.1),
eine Periode von
365 Tagen
von
ununterbrochene
r
durchschnittliche
r
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 %
, um die Voraussetzung des Wartejahres
und somit für einen allfälligen Rentenan
spruch
zu erfüllen
.
6.2
Selbst wenn
– ohne dies näher zu prüfen -
davon ausgegangen würde, dass ein notwendiger
Revisionsgrund gegeben wäre, also
im Gegensatz zum Zeitpunkt der Rentenaufhebung
eine gesundheitliche
Veränderung mit neuen funktionellen
Einschränkung
en
vorläge, welche den Invaliditätsgrad in
rentenbegründender
Weise beeinträchtigen würde
(vgl. E. 2.3) und ohne kritische Würdigung auf die Einschätzungen der behandelnden Ärzte – insbesondere
von
Prof. Dr.
L._
–
abgestellt würde, mangelte es
an einem
vollendeten
Wartejahr
zum massgeblichen
Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung
am
16. April 2019.
Prof. Dr.
L._
attestierte
in seinem Bericht vom 8. Oktober 2018,
in welchem er
ohne
detaillierte
Ausführungen über die Art der funktionellen Ein
schränkungen und die Häufigkeit
,
mit welcher diese aufgrund der
Erkrankung
der Beschwerdeführerin überhaupt auftreten, erstmals eine 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mit dem
expliziten
Hinweis, dass
die
letzte Phase der Arbeitsunfähigkeit im Mai 2017
vorgelegen habe
(E. 5.
4
)
. Zwischen Mai 2017 und
8.
Oktober 2018 ist eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht aktenkundig
und wird von Prof. Dr.
L._
, bei welchem sich die Beschwerde
führerin seit dem Jahr 2007 in Behandlung befand
,
auch nicht
behauptet
. Dem
nach resultierte
vom 8. Oktober 2018
bis zum 16. April 2019 gerade mal eine ausgewiesene, ununterbrochene
Arbeits
un
fähigkeit
von etwas mehr als einem halben Jahr, womit das Wartejahr bei weitem nicht erfüllt
ist
.
Auch
unter der Annahme, dass
die von
den
B._
-Gutachtern
im Jahr 2012 (E. 4)
attestierte Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 20 %
immer noch
gegeben
war
– wofür
sich aus
den
medizinischen
Akten keinerlei Hinweise entnehmen lassen (E. 5.1-E. 5.
4
)
– und somit in der Zeit vor Oktober 2018 eine 20%ige Arbeitsun
fähigkeit bestanden hätte, führte dies nicht zur Erfüllung des Wartejahres
. Es läge unter dieser Annahme
für die Zeit vom 17. April 2018 bis
z
um 16.
April 2019
eine maximale durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von
rund 36
% vor
(
19
1
Tage [
8. Oktober 2018 bis 16. April 2019 (maximale Anzahl an zu berücksichtigen
den
Tagen mit einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit)
] x 50 % Arbeitsunfähigkeit +
17
4 Tage [17. April bis 7. Oktober 2018]
x 20 % Arbeitsunfähigkeit
).
Da
selbst unter diesen weitgehend
nicht
rechtsgenüglich
fundierten
Annahmen das Wartejahr als nicht erfüllt zu erachten wäre und
der
medizinische
n
Aktenlage keinerlei Hinweise zu entnehmen sind, welche darauf hindeute
t
e
n, dass eine über die von den Behandlern geschätzte Arbeitsunfähigkeit in der Zeit zwischen dem
1. März 2018 bis zum Rentenentscheid am 16. April 2019
vorliegen
könnte
, er
übrigen sich die von der
Beschwerdeführer
in
eventualiter beantragten weiteren medizinischen
Abklärungen (Urk. 1 S. 2).
Weitere
entscheidwesentliche
Erkennt
nisse
über die
Vollendung
des Wartejahres und damit die Erfüllung der Voraus
setzung für einen positiven
Rentenentscheid
sind davon nicht zu erwarten (anti
zipierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157 E. 1d).
6.3
Nach dem Gesagten
steht fest
, dass bei der Beschwerdeführerin kein Gesundheits
schaden ausgewiesen ist, welcher bis zum Erlass
der
angefochtenen
Verfügung
vom
16.
April 2019
(Urk. 2) eine dauerhafte, durchschnittlich mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit
während eines Jahres
ohne wesentlichen Unterbruch nach sich gezogen hat
te, womit ein Rentenanspruch nicht hatte entstehen können
.
Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
7
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
I
VG) und ermessensweise auf Fr. 7
00.-- anzu
setzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie von der unterliegen
den Beschwerdeführerin zu tragen.