Decision ID: 319ac91b-aaba-4959-a317-75d232848c30
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1955,
war
seit dem 1. August 2010
bei der
Y._
GmbH
als Verkaufssachbearbeiterin
in einem 80%-Pensum
tätig und damit
bei
der SWICA
Krankenver
sicherung AG (nachfolgend: SWICA
)
für die Folgen von krankheitsbedingtem Erwerbsausfall im Rahmen einer Kollektivtaggeldversi
cherung nach dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG)
kollek
tiv taggeldversichert (vgl.
Urk. 2/4 = Urk. 7/3,
Urk. 7/9; Urk. 21/43-44
).
Am 15. Juli 2015 wurde der SWICA eine seit dem 15. Juni 2015 bestehende voll
umfängliche Arbeitsunfähigkeit der Versicherten gemeldet (vgl. Urk. 2/4 = Urk. 7/3).
In der Folge richtete die SWICA nach Ablauf der Wartefrist
Kranken
taggelder
aus (
Urk. 2/8;
Urk. 7/40-41; vgl.
Urk. 7/7).
Am 27. Januar 2016 kün
digte die
Y._
GmbH das Arbeitsverhältnis mit der Versicherten per 31. März 2016 (Urk. 14/29).
Auf Veranlassung der
SWICA wurde die Versicherte
durch Dr. Z._
vertrauensärztlich untersucht
, wo
bei der Untersuchungsbericht
am 23. März 2016
erstattet wurde
(
Urk. 2/9 = Urk. 7/20
)
. Zudem holte die SWICA bei
Dr.
A._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiat
risches Gutachten ein, das am 4
. Oktober
(richtig: November)
2016 erstattet wurde (
Urk. 2/12
=
Urk. 7/29).
Mit Schreiben vom 15. November 2016 (Urk. 2/13 = Urk. 7/30) teilte die SWICA der Versicherten mit, dass es ihr gemäss Beurteilung des psychiatrischen Gutachters zumutbar sei, ab sofort wieder eine 100%ige Ar
beitsleistung zu erbringen, weshalb
bis zum 20. November 2016
Taggelder
zu 50 %
erbracht würden
. Darüber hinaus bestehe kein Taggeldanspruch mehr.
Am 16. November 2016 kündigte die
Y._
GmbH die Kollektivtaggeldversi
cherung bei der SWICA per 31. Dezember 2016 (Urk. 21/46). Die SWICA hielt
mit Schreiben vom 12. Dezember 2016 (Urk. 2/16 = Urk. 7/32) und vom 20.
Dezem
ber 2016 (Urk. 7/33) an ihrem Entscheid fest.
2.
Die Versicherte erhob am 14. August 2017 Klage gegen die SWICA und bean
tragte, diese sei zu verpflichten, ihr ab dem 1. November 2016 bis zum 31. März 2017 Krankentaggelder in der Höhe von Fr. 24'103.45 zuzüglich 5 % Zins ab dem 16.
Januar 2017
auszurichten (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1.1). Mit Klageantwort vom 20. September 2017 (Urk. 6) beantragte die SWICA die Abweisung der Klage. Mit Verfügung vom 9. Oktober 2017 (Urk. 8) wurde den Parteien eine Frist angesetzt, um mitzuteilen, ob eine Hauptverhandlung gewünscht werde. Die Beklagte ver
zichtete am 20. Oktober 2017 auf die Durchführung einer Hauptverhandlung (Urk. 10).
Mit Replik
vom 29. November 2017 (Urk. 13) hielt die Klägerin
an ihren Anträgen
fest und verkündete ihrer ehemaligen Arbeitgeberin, der
Y._
GmbH, den Streit gemäss
Art.
78 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO). Mit Verfügung vom 7. Dezember 2017 (Urk. 15) wurde die
Y._
GmbH über die Streitverkündung in Kenntnis gesetzt und es wurde ihr Gelegenheit ge
geben, in den Prozess einzutreten. Mit Eingabe vom 22. Januar 2018 (Urk. 18) teilte die
Y._
GmbH mit, dass sie dem Prozess nicht beitreten möchte.
Mit Duplik vom 13. Februar 2018 (Urk. 20) hielt die Beklagte an ihren Anträgen fest.
Mit Verfügung vom 27. Februar 2018 (Urk. 22) wurde den Parteien die Ein
gabe der
Y._
GmbH zur Kenntnis zugestellt.
Die Klägerin nahm m
it Eingabe vom 7. März 2018 (Urk. 23) zur Duplik der Beklagten Stellung; diese wurde der Beklagten am 19. März 2018 zur Stellungnahme zugestellt (Urk. 24).
Die Beklagte liess sich am 20. April 2018 vernehmen (Urk. 26), worüber die Klä
gerin am 7. Mai 2018 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 27). Die Klägerin nahm am 22. Mai 2018 zur Stellungnahme der Beklagten vom 20. April 2018 Stellung (Urk. 28). Diese wurde der Beklagten am 25. Mai 2018 zur Kenntnisnahme zuge
stellt.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitigkeiten aus einer Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung unterstehen gemäss
Art.
2
Abs.
2 Satz 2 des Bundesgesetzes vom 2
6.
September 2014 betreffend die Aufsicht über die soziale Krankenversicherung (Krankenver
sicherungsaufsichtsgesetz, KVAG) dem VVG
.
Sie
sind privatrechtlicher Natur (
BGE 138 III
2 E. 1.1).
Kollektive Kranken
taggeld
versicherungen werden vom Bundesgericht wie alle weiteren
Taggeld
versicherungen in ständiger Praxis unter den Begriff der Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung subsumiert (
BGE 142 V 448
E. 4.1
).
1.2
Das Sozialversicherungsgericht ist als einzige kantonale Gerichtsinstanz für Kla
gen über Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversiche
rung nach dem
Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG)
zuständig (Art. 7 ZPO in Verbindung mit § 2 Abs. 2
lit
. b des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsg
ericht,
GSVGer
; BGE 138 III 2
E. 1.2.2
), ohne dass vorgängig ein Schlichtungsverfahren durchzuführen ist (BGE 138 III 558
E. 4
).
1.3
Gemäss Art. 243 Abs. 2
lit
.
f ZPO
werden
Ansprüche aus einer Zusatzversiche
rung zur sozialen Krankenversicherung nach dem KVG ohne Rücksicht auf den Streitwert im vereinfachten Verfahren n
ach Art. 243 ff. ZPO beurteilt
. Gemäss Art. 247 Abs. 2
lit
.
a in Verbindung mit Art. 243 Abs. 2
lit
.
f ZPO stellt das Ge
richt im Verfahren betreffend Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozia
len Krankenversicherung nach dem KVG den Sachverhalt von Amtes wegen fest.
1.4
Gemäss
Art.
8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB) hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Demgemäss hat die Partei, die einen Anspruch geltend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen, wäh
rend die Beweislast für die rechtsaufhebenden bzw. rechtsvernichtenden oder rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des Anspruchs behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit bestreitet. Diese Grund
regel kann durch abweichende gesetzliche Beweislastvorschriften verdrängt wer
den und ist im Einzelfall zu konkretisieren (BGE 128 III 271 E. 2a/
aa
). Sie gilt auch im Bereich des Versicherungsvertrags. Nach dieser Grundregel hat der An
spruchsberechtigte - in der Regel der Versicherungsnehmer, der versicherte Dritte oder der Begünstigte - die Tatsachen zur „Begründung des Versicherungsanspru
ches" (Marginalie zu
Art.
39 VVG) zu beweisen, also namentlich das Bestehen eines Versicherungsvertrags, den Eintritt des Versicherungsfalls und den Umfang des Anspruchs. Den Versicherer trifft die Beweislast für Tatsachen, die ihn zu einer Kürzung oder Verweigerung der vertraglichen Leistung berechtigen (z.B. wegen schuldhafter Herbeiführung des befürchteten Ereignisses:
Art.
14 VVG) o
der die den Versicherungsvertrag gegenüber dem Anspruchsberechtigten unver
bindlich machen (z.B. wegen betrügerischer Begründung des Versicherungsan
spruches:
Art.
40 VVG). Anspruchsberechtigter und Versicherer haben im Streit um vertragliche Leistungen je ihr eigenes Beweisthema und hierfür je den Haupt
beweis zu erbringen (BGE 130 III 321 E. 3.1).
1.5
Es obliegt der versicherten Person zu beweisen, dass sie (weiterhin) arbeitsunfähig ist und daher Anspruch auf
Taggeld
er hat, wenn die Versicherung zunächst
Tag
geld
er ausbezahlt hat und sodann geltend macht, die Umstände hätten sich ge
ändert oder die Leistungen seien von vornherein zu Unrecht erbracht worden und die versicherte Person sei (wieder) arbeitsfähig (BGE 141 III 241 E. 3.1). Den Ver
sicherer trifft demgegenüber die Beweislast für Tatsachen, die ihn zu einer Kür
zung oder Verweigerung der vertraglich vorgesehenen Leistung berechtigen oder die den
Versicherungsvertrag gegenüber dem Anspruchsberechtigten unverbind
lich machen (BGE 130 III 321 E. 3.1).
1.6
Da der Nachweis rechtsbegründender Tatsachen im Bereich des Versicherungs
vertrags regelmässig mit Schwierigkeiten verbunden ist, geniesst der beweis
pflichtige Anspruchsberechtigte insofern eine Beweiserleichterung, als er in der Regel nur eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für das Bestehen des geltend gemachten Versicherungsanspruchs darzutun hat. Allerdings kann der Versiche
rer im Rahmen des Gegenbeweises Indizien geltend machen, welche die Glaub
würdigkeit des Ansprechers erschüttern oder erhebliche Zweifel an seinen Schil
derungen erwecken. Gelingt der Gegenbeweis, dürfen die vom Anspruchsberech
tigten behaupteten Tatsachen nicht als überwiegend wahrscheinlich und damit nicht als bewiesen anerkannt werden. Der Hauptbeweis ist vielmehr gescheitert (BGE 130 III 321 E. 3.4).
1.7
Nach
Art.
168
Abs.
1 ZPO sind als Beweismittel zulässig: Zeugnis (
lit
. a), Urkunde (
lit
. b), Augenschein (
lit
. c), Gutachten (
lit
. d), schriftliche Auskunft (
lit
. e) sowie Parteibefragung und Beweisaussage (
lit
. f). Diese Aufzählung ist abschliessend; im Zivilprozessrecht besteht insofern ein
numerus
clausus der Beweismittel, vor
behalten bleiben nach
Art.
168
Abs.
2 ZPO lediglich die Bestimmungen über Kin
derbelange in familienrechtlichen Angelegenheiten (BGE 141 III 433 E. 2.5.1).
Art.
168
Abs.
1
lit
. d ZPO lässt einzig vom Gericht eingeholte Gutachten als Be
weismittel zu. Privatgutachten sind zwar zulässig, aber nicht als Beweismittel, sondern nur als Parteibehauptungen (BGE 141 III 433 E. 2.5.2)
1.8
Parteibehauptungen, denen ein Privatgutachten zugrunde liegt, werden indes meist besonders substantiiert sein. Entsprechend genügt eine pauschale Bestrei
tung nicht; die Gegenpartei ist vielmehr gehalten zu substantiieren, welche ein
zelnen Tatsachen sie konkret bestreitet. Wird jedoch eine Tatsachenbehauptung von der Gegenpartei substantiiert bestritten, so vermögen Parteigutachten als reine Parteibehauptungen diese allein nicht zu beweisen. Als Parteibehauptungen mögen sie allenfalls zusammen mit - durch Beweismittel nachgewiesenen - Indi
zien den Beweis zu erbringen. Werden sie aber nicht durch Indizien gestützt, so dürfen sie als bestrittene Behauptungen nicht als erwiesen erachtet werden (BGE 141 III 433 E. 2.6).
1.9
Auch Berichte von Fachärzten, welche die Taggeldversicherer beraten, sind als blosse Parteibehauptungen zu qualifizieren (Urteil des Bundesgerichts 4A_571/2016 vom 23. März 2017, E. 3.2 am Ende).
1.10
Das Arztzeugnis wird beweisrechtlich den Zeugnisurkunden, denen im Beweis
verfahren mit einer gewissen Zurückhaltung zu begegnen ist, zugeordnet und gilt im Bereich des Zivilprozessrechts gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts als Privatgutachten (BGE 140 III 24 E. 3.3.3; 140 III 16 E. 2.5). Nach der Lehre beweisen Arztzeugnisse grundsätzlich nur, dass die Erklärung von der ausstellen
den Person abgegeben wurde. Aufgrund des Fachwissens der ausstel
lenden Per
son sowie der strafrechtlichen Sanktion (Art. 318
StGB
)
kann zunächst von der Richtigkeit eines Arztzeugnisses ausgegangen werden. Der Beweiswert kann je
doch durch irgendwelche Beweismittel und Umstände erschüttert werden, wenn beispielsweise der Arzt den Patienten nicht untersucht und ausschliesslich auf dessen Aussagen abgestellt hat ober bei widersprüchlichem Verhalten des Pati
enten während bescheinigter Arbeitsunfähigkeit.
Solchenfalls
hat der Beweisfüh
rer bei unveränderter Beweislast den vollen Beweis für die mit dem Arztzeugnis bescheinigten Tatsachen zu erbringen (Heinrich Andreas Müller, in: Schweizeri
sche Zivilprozessordnung, ZPO, Kommentar, Brunner/Gasser/Schwander, Hrsg., 2. Auflage, Zürich 2016, Art. 177
Rz
9; Annette
Dolge
in:
Basler
Kommentar
zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl., Basel 2017, Art. 177
Rz
13).
2.
2.1
Es ist unbestritten, dass die
Klägerin aufgrund der von ihrer
(ehemaligen) Arbeit
geberin
, der
Y._
GmbH
, mit der Beklagten abgeschlossenen Kranken
taggeldversicherung (Vertragsnummer 2507248)
- zumindest für eine gewisse Zeit -
für ein Krankentaggeld versichert war. Zudem ist
- nachdem diesbezüglich
zuerst
Uneinigkeit bestand
(vgl.
Urk. 6 S. 9 f.; Urk. 13 S. 14 f.
Rz
57 ff.)
-
unbe
stritten, dass aufgrund des im Zeitpunkt des erstmaligen Eintretens der Arbeits
unfähigkeit der Klägerin am 15. Juni 2015 geltenden
P
olice vom 10. September 2010 (Urk. 21/44) die Allgemeine
n
Vertragsbedingungen (AVB), Ausgabe 2006
(Urk. 7/10)
,
für die kollektive Taggeldversicherung nach VVG massgebend sind
.
Ferner
wurde in der massgebenden Police vom 10. September 2010 (Urk. 21/44) zwischen der Beklagten und der
Y._
GmbH
besondere V
ertragsbestim
mungen
(BVB)
vereinbart
(S. 3).
D
ies ist ebenfalls unbestritten (Urk. 20 S. 8 f.
Rz
18 f.; Urk. 23 S. 1 f.; Urk. 26 S. 1 f.).
2.2
Die AVB, Ausgabe 2006 (Urk. 7/10), enthalten unter anderem folgende Bestim
mungen:
Die Beklagte gewährt
Versicherungsschutz gegen die wirtschaftlichen Folgen von Krankheit und Geburt im Rahmen der vereinbarten Leistungen (Ziff.
2 AVB).
Krankheit ist gemäss Ziff. 3 AVB jede Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalls ist und die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert oder eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat.
Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geis
tigen Gesundheit bedingte volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Nach drei Monaten Arbeits
unfähigkeit wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Auf
gabenbereich berücksichtigt (Ziff. 16 AVB).
Das Taggeld wird längstens während der im Vertrag festgelegten Dauer ausbe
zahlt (Ziff. 21 AVB).
Nach Erlöschen des Versicherungsschutzes entfällt die Leis
tungspflicht der Beklagten (Ziff. 25 AVB).
Für de
n
einzelnen Versicherten erlischt der Versicherungsschutz unter anderem mit seinem Austritt aus dem versicherten Betrieb sowie mit dem Erlöschen des Vertrags (Ziff. 42 AVB).
Bei Austritts aus dem Kreis der Versicherten oder bei Auflösung des Vertrags hat die versicherte Person das Recht, in die Einzelversicherung überzutreten (Ziff. 43 AVB). Besteht bei Übertritt Arbeitsunfähigkeit, werden bereits ausbezahlte Tag
gelder an die Leistungsdauer der Einzelversicherung angerechnet (Ziff. 47 AVB).
2.3
Die Beklagte und die
Y._
GmbH
vereinbarten in der massgebenden Po
lice vom 10. September 2010 (Urk. 21/44) eine Leistungsdauer der Krankentag
gelder von 730 Tagen bei einer Wartefrist von 30 Tagen (S. 2). Zudem vereinbar
ten sie
u
nter dem Titel «Nachleistung bei Austritt
mit laufender
Arbeitsunfähig
keit»
der BVB,
dass in Abänderung von Art. 25 und 47 AVB die Beklagte das Taggeld für Krankheiten, die während der Vertragsdauer eingetreten sind, noch bis zur Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit bezahlt, längstens jedoch bis zum Ablauf der vereinbarten Leistungsdauer. Diese Leistungen werden der Kollektiv
versicherung belastet. Neue Arbeitsunfähigkeiten sind nur versichert, sofern vom
Übertrittsrecht
in die Einzelversicherung Gebrauch gemacht wurde
(S. 3)
.
3.
3.1
Die Klägerin stellte sich auf den Standpunkt, dass sie ab November 2016 bis zum 30. März 2017 vollumfänglich arbeitsunfähig gewesen sei
. Nach der psychiatri
schen Begutachtung durch
Dr.
A._
am 18. Oktober 2016
habe sich ihr psychi
scher Gesundheitszustand verschlechtert, auch ein erneuter Klinikaufenthalt sei notwendig gewesen.
Deshalb habe sie für die
Zeitdauer
vom November 2016 bis zum März 2017
Anspruch auf
Krankentaggelder
(Urk. 1 S. 8 ff.
Rz
22 ff.).
3.2
Die Beklagte vertrat demgegenüber in ihrer Klageantwort die Ansicht, dass me
dizinisch nicht
rechtsgenüglich
nachgewiesen sei, dass die Klägerin vom 21. No
vember 2016 bis zum 31. März 2017 arbeitsunfähig gewesen sei, weshalb ihre Leistungspflicht entfalle.
Betreffend die Arbeitsfähigkeit der Klägerin für den strittigen Zeitraum sei ein Gerichtsgutachten einzuholen (Urk. 6 S. 7 ff).
3.3
In ihrer Replik führte die Klägerin aus, dass ihre 100%ige Arbeitsunfähigkeit durch Arztzeugnisse und Arztberichte untermauert sei und diese die Fehleinschät
zung des Gutachters begründe. Ein Gerichtsgutachten sei zudem nicht angezeigt. Ferner sei
en
die versicherungsinterne Stellungnahme respektive das von der Be
klagten in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten als private
Gutachten zu qualifizieren, die
gemäss Rechtsprechung lediglich Parteibehauptungen darstell
ten. Ausserdem bestünden ausreichende, konkrete Indizien, welche das Gegenteil belegten, nämlich die vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit. Deshalb könne dem Gutachten keine volle Beweiskraft zugesprochen werden (Urk. 13 S. 9 ff.
Rz
30 ff.).
3.4
In ihrer Duplik führte die Beklagte
aus, dass das Gutachten von Dr.
A._
über
zeuge. Auch wenn es prozessual als blosse Parteibehauptung gelten möge, sei es die einzige Beurteilung eines nicht behandelnden Facharztes. Demgegenüber würde es sich bei den Einschätzungen der behandelnden Ärztinnen und Ärzte aufgrund von deren Behandlungsauftrag und dem auftragsrechtlichen Verhältnis zu ihrer Patientin
von
vornherein um eingeschränkt beweiswertige Berichte han
deln
. Ausserdem habe die ehemalige Arbeitgeberin der Klägerin, die
Y._
GmbH, den Versicherungsvertrag per 31. Dezember 2016 gekündigt, weshalb eine Leistungspflicht über dieses Datum hinaus entfalle, selbst wenn eine
Versiche
rungsdeckung und ein Anspruch auf Krankentaggelder bejaht würden
(Urk. 20 S. 5 ff.
Rz
13 ff.).
3.5
Strittig ist
, ob
vom 1. November 2
016 bis zum 31. März 2017 eine anspruchsbe
gründende Arbeitsunfähigkeit der Klägerin
rechtsgenüglich
nachgewiesen ist.
4
.
4
.1
Die Ärztinnen der Privatklinik
B._
berichteten in ihrem Austrittsbericht vom 14. September 2015 (Urk. 2/6
= Urk. 7/6
) über die stationäre Behandlung der Klägerin vom 29. Juni bis zum 15. August 2015
,
und
diagnostizierten rezidivie
rende depressive Episoden, derzeit mittelgradig (ICD-10 Z33.1) bei multifaktori
eller psychosozialer Belastung (ICD-10 FZ56) mit Entwicklung eines Erschöp
fungssyndroms (ICD-10 Z73.0)
,
sowie eine Angst- und Panikstörung (ICD-10 F41.0). Während des stationären Aufenthaltes und darüber hinaus bis zum 30. August 2015 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen (S. 1).
4
.2
Dr. C._
, Oberarzt
, und D._
, Psychotherapeu
tin,
Institut
E._
, führten in
ihrem
Bericht vom 7. Februar 2016 (Urk. 2/7
= Urk
. 7/16
) aus, dass seit August 2015 wöchentliche integriert psychiatrisch-psy
chotherapeutische Therapiesitzungen stattgefunden hätten, und nannten fol
gende Diagnosen (S. 2):
-
rezidivierende depressive Störung, mittelgradig ausgeprägte Episode (ICD-10 F33.1); bei Eintritt in die ambulante Psychotherapie teilremittiert
-
psychophysische Erschöpfung (ICD-10 Z73.0)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
Aufgrund der aktuell erfolgten Kündigung sei es zu einer psychischen Destabili
sierung gekommen, so dass die Klägerin aktuell (Februar 2016) wieder zu 100 % arbeitsunfähig sei (S. 3).
4
.3
Dr.
Z._
, Vertrauensärztin der Beklagten,
untersuchte die Klägerin im Auf
trag der Beklagten
u
nd nannte in ihrem Untersuchungsbericht vom 23. März 2016 (Urk. 2/9 = Urk. 7/20) eine mittelgradige depressive Episode bei Verdacht auf eine rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.1) als Diagnose mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 3 unten).
Es bestehe eine vollumfängliche Ar
beitsunfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Medizinisch-theoretisch sei davon auszugehen, dass unter adäquater leitlinienkonformer Behandlung inner
halb der nächsten sechs bis acht Wochen eine Teilarbeitsfähigkeit von 50 % auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wiedererlangt werden könne und dass ab dem 1. Juli 2016 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bestehe (S. 5).
4
.4
Dr.
C._
und die Psychotherapeutin
D._
nannten
in ihrem Bericht vom 14. Juli
2016 (Urk. 2/10
= Urk. 7/26
)
folgende Diagnosen (S. 2 Ziff. 4):
-
rezidivierende depressive Störung, mittelgradig ausgeprägte Episode (ICD-10 F33.1); remittiert
-
psychophysische Erschöpfung (ICD-10 Z73.0)
-
Angst- und Panikstörung (ICD-10 F41.0); remittiert
Die Arbeitsfähigkeit werde aktuell durch rasche Ermüdbarkeit, zeitweilige innere Unruhe, leichte Zukunfts- und Versagensangst bei gleichzeitig hohem Leistungs
anspruch und noch fragiler Fähigkeit eigene Grenzen wahrzunehmen beeinträch
tigt. Im Juli 2016 habe die Arbeitsfähigkeit auf 50 % gesteigert werden können (S. 2 Ziff. 4). Unter Berücksichtigung der aktuellen Symptomatik sei davon aus
zugehen, dass die Klägerin mittelfristig ihre Arbeitsfähigkeit vollumfänglich zu
rückgewinnen könne. Die aktuell bei 50 % liegende Arbeitsfähigkeit sollte in den nächsten zwei bis drei Monaten schrittweise gesteigert werden (S. 3 Ziff. 1
0a).
4
.5
Dr.
A._
erstattete das von der Beklagten in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten am 4. November 2016 (Urk. 2/12 = Urk. 7/29) und
führte aus, dass keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, jedoch eine
Dysthymia
(ICD-10 F34.1) ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege (S. 11 Ziff. 3.2).
Psychiatrischerseits
bestehe wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit der Klägerin in der beruflichen Tätigkeit als Verkaufssachbearbeiterin, einer Tätigkeit mit vergleichbarem Anforderungsprofil oder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt unter Berücksichtigung des bisherigen Arbeitspensums von 80 % (S. 13 Ziff. 9a-c).
4
.6
Dr.
C._
und die Psychotherapeutin
D._
berichteten am 12. Januar 2017 (Urk. 2/17) über den Behandlungszeitraum vom 22. Oktober bis zum 9. Dezember
2016
, in welchem es zu einer psychischen Exazerbation gekommen sei. Für diesen Zeitraum sei die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwär
tig schwere Episode (ICD-10 F33.2), zu stellen (S. 1).
Bei der Kläge
rin hätten sich deutliche Anzeich
en der Leistungsbeeinträchtigung unmittelbar nach dem Begut
achtungsgespräch für die Taggeldversicherung im Oktober 2016 gezeigt. Ab No
vember 2016 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden (S. 3). Die Klägerin sei am 12. Oktober 2016 in die Klinik
F._
der Integrierten Psychiatr
ie
G._
eingetreten (S. 2).
In
diversen ärztlichen Zeugnissen attestierten
Dr.
C._
und
Dr.
H._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und ebenfalls im
Institut
E._
tätig, der Klägerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom
1. November
bis zum 12. Dezember
2016
und vom 1. Februar bis zum
31. März 2017 (Urk. 2/15
= Urk. 7/38/3
; Urk. 2/22; Urk. 2/23
; Urk. 7/38/4
)
.
4
.7
I._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psy
chotherapie, und
J._
, Fachpsychologin,
G._
, Klinik
F._
, berichteten in ihrem Austrittsbericht vom 7. Februar 2017 (Urk. 2/21) über die stationäre Behandlung der Klägerin vom 12. Dezember 2016 bis zum 27. Januar 2017, und nannten eine rezidivierende depressive Störung, gegenwär
tig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2), als Diagnose (S. 1).
Die schwere depressive Symptomatik sei im stationären Rahmen rasch ab
geklungen. Die Klägerin habe sich für einen vorzeitigen Austritt und die Fortfüh
rung der Psychotherapie im ambulanten Setting entschieden (S.2).
Die Arbeitsfä
higkeit sei weiterhin reduziert bei maximal 50 % des regulären Pensum
s (S. 1
unten).
I
n zwei Zeugnissen attestierten
I._
und die Psy
chologin
J._
der Klägerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 12. Dezember 2016 bis zum 31. Januar 2017 (Urk. 2/19; Urk.
38/2
)
.
4
.8
Dr.
C._
und die
Psychotherapeutin
D._
attestierten der Klägerin in ih
rem ärztlichen Zeugnis vom 15. Mai 2017 (Urk. 2/24) eine 100%ige Arbeitsfähig
keit ab dem 1. April 2017.
5
.
5
.1
Die Klägerin beantragte die
Zusprache
von Taggeldern vom
1. November 2
016 bis zum 31. März 201
7.
D
as Arbeitsverhältnis
der Klägerin endete
per 31. März 2016 (Urk. 14/29), es ist jedoch unbestritten, dass die Klägerin im Rahmen der BVB grundsätzlich
- nach Ansicht der Beklagten
läng
stens
bis Ende Dezember 2016 (vgl. vorstehend E. 3.4
) -
über eine Nachdeckung verfügt (vgl. vorstehend
E. 2.1)
.
Die Klägerin stützte ihre Annahme einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
auf den Bericht von Dr.
C._
und der Psychotherapeutin
D._
vom 12. Januar 2017 (
vgl.
vorstehend
E. 4
.6) sowie auf den Bericht
von I._
und der Psychologin
J._
vom 7. Februar 2017 (
vgl.
vorstehend
E. 4
.7
) und auf diverse ärztliche Zeugnisse (
vorstehend E. 3.1, E. 3.3; vgl.
vorste
hend
E. 4.6-4
.7).
Die Beklagte verneinte hingegen ihre Leistungsp
flicht gestützt auf das bei Dr.
A._
eingeholte psychiatrische Gutachten vom 4. November 2016 (vorstehend
E. 3.2, E. 3.4; vgl. vorstehend E. 4
.5).
5
.2
Zu prüfen ist mithin, ob die Klägerin den Be
weis für die von ihr behauptete 100%ige
Arbeitsunfähigkeit in der strittigen Periode erbringen kann (vorstehend
E. 1.5), oder ob der
Beklagte
n
der Gegenbeweis gelingt, mithin hinreichende In
dizien den Hauptbeweis scheitern lassen (vorstehend
E. 1.6
). Den ärztlichen Be
urteilungen, auf
die sich beide beruhen, kommt dabei der Stellenwert von Partei
behauptungen zu (vorstehend
E. 1.8-1.10
).
5
.3
Dr.
C._
und die Psychotherapeutin
D._
, welche die Klägerin seit Au
gust 2015 psychiatrisch-psychotherapeutisch behandeln (vgl. vorstehend
E. 4
.2),
berichteten am 12. Januar 2017 (vorstehend
E. 4
.6) über den Behandlungszeit
raum vom 22. Oktober bis zum 9. Dezember 2016
,
in welchem es zu einer psy
chischen Exazerbation
gekommen sei
,
und eine rezidivierende depressive
Stö
rung, gegenwärtig schwere Episode
(ICD-10 F33.2), vorgelegen habe.
In diversen ärztlichen Zeugnissen attestierten
Dr.
C._
und
Dr.
H._
der Klägerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 1. November bis zum 12. Dezem
ber 2016 und vom 1. Februar bis zum 31. März 2017 (vorstehend
E. 4
.6).
Dr.
C._
ist zwar Oberarzt, verfügt jedoch nicht über einen Facharzttitel
(vgl. vorstehend
E. 4
.6)
. Somit war
sowohl
er - als auch die Psychotherapeutin
D._
-
ohne psychiatrische Fachkenntnisse nicht befähigt
, ein
psychiatrische
s Krankheitsbild und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
zuverlässig
zu beurteilen
(vgl. hierzu das Urteil des Bundesgerichts
4A_445/2016 vom 16. Feb
ruar 2017 E. 3.2.2 und E. 4.2.1)
. Ausserdem sind dem Bericht
vom 12. Januar 2017
keine Testungen zu entnehmen, nach denen die diagnostizierte rezidivie
rende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode, fachlich korrekt und nachvol
lziehbar ermittelt worden wäre.
In Bezug auf die
in den ärztlichen Zeugnissen
durch
Dr.
C._
attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 1. November bis zum 12. Dezember 2016 (
vor
stehend E. 4.6; vgl.
Urk. 7/38/4; Urk. 2/15 = Urk. 7/38/3) ist, wie soeben festge
halten, darauf hinzuweisen, dass er nicht befähigt war, ohne psychiatrische Fach
kenntnisse die Arbeitsfähigkeit der Klägerin zu beurteilen.
Hinsichtlich der durch
Dr.
H._
in einem ärztlichen Zeugnis attestierten 100%igen Arbeitsunfähig
keit vom
1.
bis zum 28. Februar 2017 (
vorstehend E. 4.6; vgl.
Urk. 2/22) ist fest
zuhalten, dass sie zwar über den erforderlichen Facharzttitel verfügt (vgl. vorste
hend E.
4
.6) und daher grundsätzlich befähigt ist, die Arbeitsfähigkeit der Kläge
rin in psychiatrischer Hinsicht zu beurteilen, dem
ärztlichen Zeugnis
jedoch keine A
ngaben zu entnehmen sind
, weshalb die Klägerin arbeitsunfähig gewesen sein soll.
Schliesslich ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass die von der Klägerin eingereichten ärztlichen Zeugnisse von
Dr.
C._
, die eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit vom 1. November
2016
bis zum 31. Januar 2017 (
Urk. 2/18
; Urk. 2/20)
belegen soll
t
en, nicht die Klägerin, sondern zwei andere Personen betr
effen
. Die beiden ärztlichen Zeugnisse haben demnach bei der Beweiswürdigung unbeachtet zu bleiben.
5
.4
I._
und
die Psychologin
J._
berichteten am 7. Februar 2017 (vorstehend
E. 4
.7) über die stationäre Behandlung der Klägerin vom 12. Dezember 2016 bis zum 27. Januar 2017 in der Klinik
F._
, und diagnostizierten eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2).
Sie führten aus, dass diag
nostisch eine schwere depressive Episode bei bestehender rezidivierender depres
siver Störung auf dem Boden eines ungelösten Autonomie-Abhängigkeits-Kon
flikts vorliege. Die aktuelle depressive Episode sei unter anderem durch die aktu
elle psychosoziale Belastungssituation
, namentlich den
Verlust des Arbeitsplatzes und
die
gestrichene Leistung der Krankentaggeldversicher
ung,
ausgelöst worden (Urk. 2/21
S. 2 unten
). Dem Bericht sind jedoch keine Testungen zu entnehmen, nach denen die diagnostizierte rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische
Symptome
, fachlich korrekt und nachvoll
ziehbar ermittelt worden wäre.
Auch überzeugt die
Diagnose einer
rezidivieren
de
n
depressive
n
Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symp
tome, nicht
ohne Weiteres
,
f
ührten doch
I._
und
die Psychologin
J._
aus, dass die Klägerin freiwillig wegen ausgeprägte
n
Lei
densdruck
s
bei in der Krise bestehender Unfähigkeit
,
alleine zu sein
,
in die Klinik eingetreten sei. Sie hätten eine interessierte, gepflegte und auch fürsorgliche Frau mit Ideen vorgefunden. D
ie schwere depressive Symptomatik
sei
sodann
im sta
tionä
ren Rahmen rasch abgeklungen und d
ie Klägerin
habe
sich für einen vor
zeitigen Austritt und die Fortführung der Psychotherapie i
m ambulanten Setting
entschieden
(Urk. 2/21 S. 1 f.).
Diese Indizien lassen an der
Richtigkeit der Diag
nose einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome, zweifeln.
Zudem waren
I._
und
die Psychologin
J._
der Ansicht, dass
die Arbeitsfähigkeit der Klägerin weiterhin reduziert maximal 50
%, und nicht wie von der Klägerin behauptet 100 %, des regulären Pensums betrage
(
vorstehend
E. 4
.7
).
5
.5
Dr.
A._
diagnostizierte in seinem im Auftrag der Beklagten erstellten
psychi
atrischen
Gutachten
vom 4. November 2016 (vorstehend E.
4
.5)
keine Diagnose mit Auswi
rkung auf die Arbeitsfähigkeit
, sondern lediglich eine
Dysthymia
(ICD-10 F34.1) ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Er legte in nachvollziehbarer Weise dar, dass sich anamnestisch zwar Hinweise auf eine rezidivierende depres
sive Störung mit
saisonalem Schwerpunkt in den Herbst- und Wintermonaten gefunden hätten, zum Zeitpunkt der Exploration jedoch ein weitgehend normaler psychischer Befund festgestellt worden sei. Eine Psychopharmakotherapie erfolge nicht, psychotherapeutische Behandlungen fänden im Abstand von zwei bis vier Wochen statt. Die von der Klägerin beschriebenen Zukunftsängste seien nach
vollziehbar. Ihrer selbständigen Tätigkeit im Rahmen von 20 % gehe sie weiter nach.
Psychiatrischerseits
seien keine Einschränkungen mehr für die bisherige berufliche Tätigkeit als Verkaufssachbearbeiterin im bisherigen Arbeitspensum von 80 % festgestellt worden (Urk. 2/12 = Urk. 7/29 S. 11 f. Ziff. 5). In der Folge kam
Dr.
A._
zum Schluss, dass aus psychischer Hinsicht wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit der Klägerin in der beruflichen Tätigkeit als Verkaufssachbear
beiterin, einer Tätigkeit mit vergleichbarem Anforderungsprofil oder auf dem all
gemeinen Arbeitsmarkt unter Berücksichtigung des bisherigen Arbeitspensums von 80 % bestehe (vorstehend E. 4.5).
Das Gutachten von Dr.
A._
ist, basierend auf den erforderlichen Untersuchun
gen, für die streitigen Be
lange
umfassend, in Kenntnis der
Vorakten
und in Be
rücksichtigung der geklagten Beschwerden abgegeben worden. Nachdem es auch in der Darlegung und Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge einleuchtet und zu nachvollziehbaren Schlussfolgerungen gelangt, erfüllt es alle rechtspre
chungsgemässen Kriterien (vgl.
BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c
), welche die Verwertbarkeit eines är
ztlichen Berichtes bestimmen.
5.
6
Die Würdigung der zugunsten der Parteistandpunkte ins Feld gef
ührten ärztlichen Berichte
führt zum Schluss, dass
der (Haupt-)
Beweis für den von der
Kläger
in
behaupteten Sachverhalt einer
100%ige Arbeitsunfähigkeit für die strittige Zeit
dauer vom 1. November 2016 bis zum 31. März 2017
nicht erbracht ist.
Grund dafür ist einerseits, dass
der behandelnde Arzt Dr.
C._
und die behan
delnde Psychotherapeutin
D._
ohne psychiatrische Fachkenntnisse nicht befähigt
waren
, ein psychiatrisches Krankheitsbild und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
zuverlässig
zu beurteilen. Ausserdem sind dem Bericht vom 12. Januar 2017 keine Testungen zu entnehmen, nach denen die diagnostizierte rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode, fachlich korrekt und nachvollziehbar ermittel
t worden wäre (vorstehend
E. 5.3
).
Auch
war dem durch
Dr.
H._
verfassten
ärztlichen Zeugnis
keine Begründung
für die at
testierte 100%ige
Arbeitsunfähigkeit vom
1.
bis zum 28. Februar 2017 zu ent
nehmen (vorstehend
E. 5.3
).
Zudem
liegen der im Bericht von
I._
und
der Psychologin
J._
vom
7. Februar 2017
diagnostizier
ten
rezidivierende
n
depressive
n
Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psy
chotische Symptome
, keine
Testungen zu
grunde
, nach denen die
Diagnose
fach
lich korrekt und nachvollziehbar ermittelt worden wäre.
Ausserdem
überzeugt die
gestellte Diagnose
nicht.
Schliesslich waren
I._
und
die
Psychologin
J._
der Ansicht, dass die Arbeitsfähigkeit der Klägerin weiterhin reduziert maximal 50 %, und nicht wie von der Klägerin behauptet 100 %, des regulären Pensums betrage
(vorstehend E. 5.4).
Andererseits erscheint die schlüssige Beurteilung durch
Dr.
A._
in seinem psy
chiatrischen Gutachten
vom 4. November 2016 (vorstehend
E. 5.5
)
- auch wenn die psychiatrische Untersuchung am 18. Oktober 2016 und somit etwas vor dem vorliegend strittigen Zeitraum stattgefunden hat (vgl. Urk. 2/12 = Urk. 7/29 S. 1) -
geeignet, im Sinne eines Gegenbeweises derart ernsthafte Zweifel an de
m
von der Klägerin behaupteten Sachverhalt zu begründen, dass dieser als nicht über
wiegend wahrscheinlich und damit nicht als bewiesen anerkannt werden kann.
5
.7
Schliesslich offerierte die Beklagte im Rahmen des vorliegenden Verfahrens mehrfach als Beweis ein gerichtlich anzuordnendes psychiatrisches Gutachten (vorstehend E. 2.3
; vgl. Urk. 6 S. 10 f.; Urk. 20 S. 6 f.
Rz
15
).
Ein zum jetzigen Zeitpunkt angeordnetes und einige Monate später erstattetes Gutachten hätte
offensichtlicherweise
nicht den aktuellen Gesundheitszustand der Klägerin zum Thema, der für die hier strittige Frage der Arbeitsunfähigkeit
für die Zeitdauer vom 1. November 2016 bis zum 31. März 2017 bzw. nach An
sicht der Beklagten bis zum 31. Dezember 2016
nicht von Belang ist. Vielmehr wären die Verhältnisse in der massgebenden Zeitspanne zu beurteilen. Dafür könnte zwangsläufig nur auf die damaligen Berichte und allenfalls Angaben von da
mals involvierten Personen abge
stellt werden. Angesichts der unterdessen ver
strichenen Zeit
und des Umstands, dass die Klägerin seit
dem 1. April 2017 un
bestrittenermassen wieder voll arbeitsfähig ist (vorstehend E. 4.8; vgl. Urk. 1 S. 24
Rz
34),
könnte eine dermassen verspätete Begutachtung absehbar kein über die vorliegenden hinausgehenden zusätzlichen Erkenntnisse vermitteln. In anti
zipierter Beweiswürdigung (BGE 141 I 60 E. 3.3; 140 I 285 E. 6.3.1; 136 I 229
E. 5.3; 134 I 140 E. 5.3; Urteile des Bundesgerichts 4A_571/2016 vom 2
3.
März 2017 E. 4.1; 4A_445/2016 vom 16.
Februar 2017 E. 4.3; 4A_228/2012 vom 2
8.
August 2012, in BGE 138 III 625 nicht publizierte E. 2.3; 4A_45/2012 vom 1
2.
Juli 2012 E. 2.1) ist deshalb davon ab
zusehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_445/2016 vom 16. Februar 2017 E.
4.3).
5
.8
Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass der Beweis für den von der Klägerin behaupteten Sachverhalt nicht erbracht ist. Dies führt zu
r
Ab
weisung der Klage.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens kann vorliegend offengelassen wer
den, ob aufgrund der Kündigung des Versicherungsvertrags durch die ehemalige Arbeitgeberin der Klägerin
, der
Y._
GmbH,
über den 31. Dezember 2016 hinaus eine Versicherungsdeckung
bestanden hat (vgl. vorstehend
E. 2.1, E. 3.4
).
6.
6.1
Gemäss
Art.
114
lit
. e ZPO ist das Verfahren kostenlos.
6.2
Die Beklagte wurde nicht durch einen externen Anwalt vertreten. Sie hat somit praxisgemäss - mangels eines besonderen Aufwandes (vgl. BGE 110 V 72 E. 7) - keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_3
55/2013 vom 22. Oktober 2013 E.
4.2).
6.3
Die Klägerin beantragte eine Parteientschädigung (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1.2) und, un
abhängig vom Ausgang des Verfahrens, die Entschädigung des Mehraufwandes, der ihr durch das Verhalten der Beklagten entstanden sei (Urk. 23 S. 3
Rz
10).
Die anwaltlich vertretene Partei hat bei prozessualem Obsiegen Anspruch auf eine Entschädigung für ihre Anwaltskosten (Art. 106 Abs. 1 ZPO in Verbindung mit
Art. 95 Abs. 3
lit
. a ZPO). Das Gericht kann in bestimmten Fällen von den Ver
teilungsgrundsätzen abweichen und die Prozesskosten nach Ermessen verteilen (Art. 107 ZPO).
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens hat die unterliegende Klägerin weder Anspruch auf eine Parteientschädigung noch auf den Ersatz von allfälligen
Kos
ten für den geltend gemachten Mehraufwand.