Decision ID: ac8f0d45-f0f7-4676-a29b-0e695039be0b
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1991
, war seit dem 4. Februar 2013 als Maler bei der
„
Z._
GmbH
“
,
tätig (
Urk.
3/6/1). Am 5. März 2013 zahlte die
„
Z._
GmbH
“
dem Versicherten einen Vorschuss auf den Lohn für den Februar 2013 im Betrag von
Fr.
3‘000.-- aus (
Urk.
3/6/2). Weitere
Lohnzahlun
gen
wurden von der
„
Z._
GmbH
“
nicht geleistet. Am 18. April 2013 for
derte der Versicherte die
„
Z._
GmbH
“
auf, ihm den ausstehenden Ver
dienst bis 2
2.
April 2013 auszubezahlen (
Urk.
7/17). Am 2
2.
April 2013 kün
digte der Versicherte den Arbeitsvertrag mit der
„
Z._
GmbH
“
telefonisch (beziehungsweise per SMS;
Urk.
7/24).
Mit Urteil vom 1
2.
November 2013 (
Urk.
3/5/11) verpflichtete das Arbeitsgericht
A._
die
Z._
GmbH
unter anderem
dem Versicherten Lohn
im Betrag von insgesamt
Fr.
13‘
708.50, zuzüglich Zins von 5
%
seit 1
2.
November 2013, zu be
zahlen. Dieses Urteil ist am 10. Dezember 2013 in Rechtskraft erwachsen (
Urk.
3/5/11).
1.
2
Mit Schreiben vom 7. Januar 2014 forderte der Versicherte die
„
Z._
GmbH
“
auf, die ausstehende Forderung für Lohn und
Zulagen
im Betrag von insgesamt
Fr.
15
‘
376.35 bis 14. Januar 2014 zu begleichen, ansonsten
er
die Forderung in Betreibung
setzen
werde (
Urk.
7/15)
. Mit Mail vom 10. Januar 2014 teilte
der Treuhänder der
„
Z._
GmbH
“
dem Versicherten mit
, dass die
Gesellschaft
die Forderung mangels Liquidität nicht erfüllen könne, dass sie ihre Geschäftstätigkeit bereits am 28. Februar 2013 eingestellt habe, und dass es vermutlich nur noch ein
e
Frage der Zeit sei, bis der Konkurs
über
sie eröffnet werde
n werde
(
Urk.
7/14).
Mit Urteil vom 1
2.
August 2014 hat der
Konkurs
richter
des Bezirksgerichts
C._
den Konkurs über die
Z._
GmbH eröff
net (SHAB Nr. KK 159 vom 2
0. August 2014), worauf der Versicherte am
11. September 2014
beim Konkursamt
B._
im Konkurs über die
„
Z._
GmbH
“
eine Forderung im Betrag von Fr. 16‘628.-- eingab (
Urk.
7/10). Mit Ur
teil des Konkursrichters vom 1. Oktober 2014 wurde das Konkursverfahren mangels Aktive
n
eingestellt (SHAB Nr. 195 vom 9. Oktober 2014).
1.3
Am 11. September 2014 ersuchte der Versicherte
die Arbeitslosenkasse des Kan
tons Zürich um Insolvenzentschädigung für die
ihm
für den Zeitraum
vom Februar
bis
April 2013
geschuldeten Löhne und Zulagen
im Betrag von Fr. 15‘804.05 (
Urk.
7/1
Ziff.
15)
.
Mit Verfügung vom
8. Oktober
2014
(Urk. 7/26)
verneinte die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich einen Anspruch
des Versicherten
auf Insolvenzentschädigung. Die
vom Versicherten am
17. März 2014 (
Urk.
7/27)
dagegen
erhobene Einsprache
wies die
Ar
beits
losenkasse
des Kantons Zürich mit Entscheid vom
15. Januar 2015
(Urk.
7/29
= Urk. 2) ab.
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom
15. Januar 2015
(Urk. 2) erhob der Ver
sicherte am
6. Februar 2015
Beschwerde und beantragte, dieser sei aufzuhe
ben
und es sei ihm die beantragte Insolvenzentschädigung
(im Betrag von Fr. 15‘804.05; vgl.
Urk.
7/1
Ziff.
15) zuzusprechen
(Urk. 1 S. 2).
Die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
6.
Februar
2015 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
2
7.
Februar
2015 zur Kenntnis gebracht (Urk. 9).
Der Einzelrichter

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
-
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Gemäss Art. 51 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) haben beitragspflichtige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Arbeitgebern, die in der Schweiz der Zwangsvollstreckung unterliegen oder in der Schweiz Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen, Anspruch auf Insolvenzentschädigung, wenn:
a)
gegen ihren Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen zustehen oder
b)
der Konkurs nur deswegen nicht eröffnet wird, weil sich infolge offen
sicht
licher Überschuldung des Arbeitgebers kein Gläubiger bereit findet, die Kosten vorzuschiessen, oder
c)
sie gegen ihren Arbeitgeber für Lohnforderungen das Pfändungsbegehren gestellt haben
oder bei Bewilligung der Nachlassstundung oder richterlichem Konkursaufschub (Art. 58 AVIG).
Die Aufzählung der Insolvenztatbestände in Art. 51 Abs. 1 und Art. 58 AVIG ist abschliessend (BGE 131 V 196).
1.3
Die Insolvenzentschädigung deckt für das gleiche Arbeitsverhältnis Lohnforderun
gen für höchstens die letzten vier Monate des Arbeitsverhältnisses, für jeden Monat jedoch nur bis zum Höchstbetrag nach
Art.
3
Abs.
2 AVIG. Als Lohn gelten auch die geschuldeten Zulagen (
Art.
52
Abs.
1 AVIG).
Die Insolvenzentschädigung deckt ausnahmsweise Lohnforderungen nach der Konkurseröffnung, solange die versicherte Person in guten Treuen nicht wissen konnte, dass der Konkurs eröffnet worden war, und es sich dabei nicht um Masseschulden handelt. Die maximale Bezugsdauer nach
Art.
52
Abs.
1 AVIG darf nicht überschritten werden (
Art.
52
Abs.
1
bis
AVIG).
1.4
Gemäss
Art.
55
Abs.
1 AVIG muss der Arbeitnehmer im Konkurs- oder
Pfän
dungsverfahren
alles unternehmen, um seine Ansprüche gegenüber dem Arbeit
geber zu wahren, bis die Kasse ihm mitteilt, dass sie an seiner Stelle in das Verfahren eingetreten ist. Danach muss er die Kasse bei der Verfolgung ihres Anspruchs in jeder zweckdienlichen Weise unterstützen.
Die Bestimmung von
Art.
55
Abs.
1 AVIG, wonach der Arbeitnehmer im
Kon
kurs- oder Pfändungsverfahren alles unternehmen muss, um seine An
sprüche
ge
genüber dem Arbeitgeber zu wahren, bezieht sich dem Wortlaut nach auf das Konkurs- und Pfändungsverfahren. Sie bildet jedoch Ausdruck der allgemeinen Schadenminderungspflicht, welche auch dann Platz greift, wenn das Arbeitsver
hältnis vor der Konkurseröffnung aufgelöst wird
(
BGE 114 V 56
E. 4
mit Hin
wei
sen;
Urteile des Bundesgerichts 8C_66/2013 vom 1
8.
November 2013 E. 4.1
und
8C_211/2014 vom 17.
Juli
2014 E.
6.1
). Eine ursprüngliche
Leistungsver
wei
gerung
infolge Verletzung der
Schadenminderungspflicht
setzt voraus, dass der versicherten Person ein schweres Verschulden, also vorsätzliches oder
grob
fahrlässiges
Handeln oder Unterlassen vorgeworfen werden kann. Dem Erfor
der
nis der
Verhältnismässigkeit
ist mit dem
Ausmass
der von den Arbeitneh
me
r
n
zu erwartenden Vorkehrungen Rechnung zu tragen
, welche sich nach den je
weiligen Umständen des Einzelfalls richtet
(Urteile des Bundesgerichts
8C_66/2013
vom 1
8.
November 2013 E. 4.1, 8C_211/2014 vom 1
7.
Juli 2014 E. 6.1 und 8C_641/2014 vom 2
7.
Januar 2015 E. 4.1
)
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Einspracheentscheid vom 1
5.
Januar 2015 (
Urk.
2) davon aus, dass der Beschwerdeführer nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils des Arbeitsgericht
A._
vom 1
2.
November 2013 am 1
0.
Dezember 2013 keine rechtlichen Schritte gegen
die
„
Z._
GmbH
“
vor der Konkurseröffnung über diese
unternommen habe, um die ausstehende
n
Lohnforderung
en
einzutreiben
. Damit sei er der
ihm obliegenden
Schadenmin
derungspflicht
nicht nachgekommen.
2.3
Der Beschwerdeführer
brachte
hiegegen
vor, dass er auch dann leer ausgegan
gen wäre, wenn er die
„
Z._
GmbH
“
in Betreibung gesetzt hätte. Er habe vielmehr bewusst auf die Einleitung einer Betreibung verzichtet, da er gewusst hätte, dass die
Gesellschaft
vermögenslos sei, und dass sie mangels Liquidität ihren Verpflichtungen nicht mehr habe nachkommen können (
Urk.
1 S. 2).
3.
3.1
Dem Beschwerdeführer, welcher
, nachdem das
zu seinen Gunsten lautende
Ur
teil des Arbeitsgerichts
A._
vom 1
2.
November 2013 am
1
0.
Dezember 2013 in Rechtskraft erwachsen war (
Urk.
7/15), die
„
Z._
GmbH
“
am
7.
Januar 2014 schriftlich zur Bezahlung der ihm vom Arbeitsgericht
A._
zugespro
chenen Lohnforderung aufgefordert hatte (
Urk.
7/15), musste spätestens bei Er
halt des Mails des Treuhänders der
„
Z._
GmbH
“
vom 1
0.
Januar 2014 (
Urk.
7/14) Kenntnis davon gehabt haben, dass die
Gefahr bestand, dass die
„
Z._
GmbH
“
ihren Verpflichtungen mangels Liquidität nicht mehr nachkom
men, und dass eine Konkurs
eröffnung unmittelbar bevorstehen könnte
. Dem Beschwerdeführer musste daher spätestens zu diesem Zeitpunkt bekannt gewe
sen sein, dass seine Lohnforderungen gegenüber der
„
Z._
GmbH
“
gefähr
det waren.
Unter
diesen Umständen hätte der Beschwerdeführer daher in
Nach
achtung
der ihm obliegenden Schadenminderungspflicht umgehend die Betrei
bung gegen die
„
Z._
GmbH
“
einleiten müssen
. Mit diesem Schritt hätte er
nicht mehr länger zuwarten dürfen.
3.2
Indem der Beschwerdeführer jedoch auf eine betreibungsweise Geltendmachung seiner Lohnforderung verzichtete und sich damit begnügte, erst nach dem am 1
2.
August 2014 eröffneten Konkurs über die Gesellschaft am 1
1.
September 2014 seine Lohnforderung als Konkursforderung im Konkurs einzugeben (Urk.
7/4)
,
ist er der ihm obliegenden Schadenminderungspflicht
nicht
nachge
kommen. Daran ändert nichts, dass
er
offensichtlich
geglaubt hat
,
dass
die Ge
sellschaft über keine Liquidität und
über kein
Vermögen mehr verfüg
e
. Denn nach der Rechtsprechung
kann es
nicht Sache der ver
sicherten Person sein, dar
über zu entscheiden, ob sie weitere Vorkehren zur
Rea
lisierung der
Lohnansprü
che
treffen will und ob diese erfolgsversprechend sind
oder nicht.
3.3
Das für den Anspruch auf
Insolvenzentschädigung
gesetzlich
vorgeschriebene fortgeschrittene Zwangsvollstreckungsverfahren ist
vielmehr schon deswegen
sinn
voll, weil bekanntlich viele Schuldner erst unter dem Druck der unmittelbar
bevorstehenden Konkurseröffnung oder Pfändung ihren Zahlungspflichten nach
kommen (
BGE 131 V 196
E. 4.1.2).
Zur Erfüllung der
Schadenminderungspflicht
genügt es
daher
nicht, unmissverständliche Zeichen zur Gel
tend
machung der Lohnforderungen
gesetzt zu haben; erforderlich
ist
vielmehr
auch eine konse
quen
te und kontinuierliche Weiterverfolgung der eingeleiteten Schritte, welche in eine
s
der vom Gesetz geforderten zwangsvollstreckungsrechtlichen Stadien münden müssen
.
Dieses Erfordernis lässt ein längeres
u
ntätig
Bleiben
nicht zu
(
Urteile des Bundes
gerichts 8C_462/2009 vom
3.
August 2009 E. 3.3 und
8C_211/2014 vom 1
7.
Juli
2014 E. 6.1
).
Schliesslich
ist
auch
bei
eine
r
Üb
er
schuldung nicht auszuschliessen, dass eine Gesellschaft
n
och über liquide Mittel verfügt
, welche
für die
Bezahlung
von
Lohnausstände
n verwendet werden könnte
.
Entscheidend
ist, welche Anstreng
ungen von einer versicherten Person zur Geltendmachung ihrer
Lohn
an
sprüche
erwartet werden können (Urteil des Bundesgerichts 8C_211
/2014 vom 1
7.
Juli 2014 E. 6.1).
3.4
Vorliegend gilt es zu berücksichtigen, dass die
„
Z._
GmbH
“
abgesehen von einem Vorschuss von
Fr.
3‘000.-- seit Beginn des Arbeitsverhältnisses im Februar 2013
dem Beschwerdeführer
keinen Lohn
ausgerichtet hat
. Dem Be
schwerdeführer musste daher bereits auf Grund
dieses
Verhaltens seiner Arbeit
geberin klar sein, dass er die ihm durch das Arbeitsgericht zugesprochene Lohnforderung konsequent und zügig auf dem Betreibungsweg einzufordern
haben werde
. Unter diesen Umständen erscheint das Verhalten des Beschwer
deführers, welcher nach Erhalt des
Mails des Treuhänders der
„
Z._
GmbH
“
vom 1
0.
Januar 2014 (
Urk.
7/14)
bis zur Eingabe der Forderung im Konkurs am 1
1.
September 2014 und damit mehr als acht Monate mit weiteren rechtlichen Schritten zuwartete
,
als grobfahrlässig.
4.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer nach dem 10. Januar 2014 in grobfahrlässiger Weise auf die Einleitung einer Betreibung gegen seine frühere Arbeitgeberin verzichtete und in Verletzung der ihm obliegenden
Scha
denminderungspflicht
bis am 1
1.
September 2014 mit weiteren Schritten zur Durchset
zung der offenen Lohnforderungen zuwartete.
Demzufolge ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin im angefoch
tenen Einspracheentscheid vom 1
5.
Januar 2015 (
Urk.
2) einen An
spruch des Beschwerdeführers auf Insolvenzentschädigung verneinte, was zur Abweisung der Beschwerde führt.