Decision ID: 13e89404-b0ed-4fc3-aeda-6ea373e2124d
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._, geboren am (...) 1969 (nachfolgend Versicherte oder Be-
schwerdeführerin), ist eine in Rumänien geborene deutsche Staatsange-
hörige und wohnt in Deutschland. Sie ist verheiratet, lebt jedoch seit Januar
2017 von ihrem Ehemann getrennt und hat zwei Söhne (geboren 2001 und
2006). Von 1. Februar 2010 bis 31. Mai 2014 arbeitete sie als Grenzgän-
gerin bei der B._ GmbH in (...) als Haartransplantationstechnikerin
und leistete dabei Beiträge an die Schweizerische Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenversicherung (Vorakten der IV-Stelle gemäss Aktenverzeich-
nis vom 24. Februar 2021 [IV-act.] 1; 6; 8; 85; 125).
B.
B.a Am 23. Mai 2014 stellte sie bei der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons C._ (nachfolgend IV-Stelle) wegen einer seit 16. Dezem-
ber 2013 bestehenden vollen Arbeitsunfähigkeit einen Leistungsantrag für
Berufliche Integration beziehungsweise Rente. Sie machte als gesundheit-
liche Beeinträchtigungen im Wesentlichen starke Schmerzen und Kraftlo-
sigkeit in beiden Händen und Fingern geltend (IV-act. 1). Im Rahmen der
weiteren Abklärungen der IV-Stelle wurden diverse medizinische Unterla-
gen eingeholt, gemäss welchen bei der Versicherten insbesondere ein Ra-
ynaud-Syndrom unklarer Genese sowie ein chronisches Lendenwirbelsäu-
len-Syndrom mit Bandscheibenprotrusion L5/S1 diagnostiziert worden wa-
ren (IV-act. 7 S. 2 ff.; 12 S. 1 ff., 5 ff., 9 ff., 15 ff. und 19 f.; 22).
B.b Mit Vorbescheid vom 18. August 2015 teilte die IV-Stelle der Versicher-
ten mit, gestützt auf die Abklärungen ihres regionalärztlichen Dienstes
(nachfolgend RAD) bestünden symptomatisch gut behandelbare Be-
schwerden ohne gravierende Arbeitsunfähigkeit. Eine langdauernde Ar-
beitsunfähigkeit in der letzten Tätigkeit sei nicht nachvollziehbar. Es liege
somit kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor, weshalb die Kriterien
für einen Leistungsanspruch nicht erfüllt seien. Das Leistungsbegehren sei
deshalb abzuweisen (IV-act. 26).
B.c Am 15. September 2015 reichte die Versicherte bei der IV-Stelle ihren
Einwand und eine weitere medizinische Dokumentation ein (IV-act. 31; 33).
Sie verwies darauf, dass sie in ihrer letzten Tätigkeit, in welcher sie intensiv
mit ihren Händen habe arbeiten müssen, weiter zu 100 % arbeitsunfähig
sei. Sie beantragte die Gewährung einer Umschulung, bei welcher die
Hände nicht belastet würden.
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B.d Die IV-Stelle holte in der Folge den von der Versicherten ausgefüllten
Fragebogen «Ergänzende Fragen im Hinblick auf eine mögliche Eingliede-
rung» vom 22. Oktober 2015 (IV-act. 36) sowie ein bidisziplinäres Gutach-
ten in den Fachbereichen Rheumatologie und Psychiatrie ein (IV-act. 46 =
70 S. 13 ff. [psychiatrisch]; 48 = 70 S. 34 ff. [internistisch-rheumatologisch];
51 = 70 S. 99 ff. [bidisziplinäre Zusammenfassung]).
B.e Mit zweitem Vorbescheid vom 27. Juli 2016 stellte die IV-Stelle der Ver-
sicherten wiederum in Aussicht, das Leistungsbegehren abzuweisen. Sie
begründete dies damit, dass kein invalidisierender Gesundheitsschaden
vorliege bei verminderter Belastbarkeit und Beschwerden der Lendenwir-
belsäule. Für die letzte Tätigkeit als Haartransplantationstechnikerin und
alle angepassten Tätigkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt bestehe gemäss
Gutachten eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (Belastungsprofil: Alle LWS-
schonenden Tätigkeiten mit einer Gewichtslast von 12,5 kg für das Hantie-
ren mit Lasten). Es habe nie eine lang andauernde Arbeitsunfähigkeit be-
standen. In der Haushaltstätigkeit bestehe ebenfalls keine Einschränkung
(IV-act. 53).
B.f In der Folge erhob die Versicherte am 5. August 2016 einen Einwand
gegen diesen Vorbescheid und beantragte erneut die Gewährung von Um-
schulungsmassnahmen. Sie verwies darauf, dass sie aufgrund ihrer Er-
krankung der Hände ihre letzte Tätigkeit als Haartransplantationstechnike-
rin und ihren Beruf als Kosmetikerin nicht mehr ausüben könne, ohne Aus-
bildung für eine andere Tätigkeit keine Stelle erhalte und auch im Haushalt
erhebliche gesundheitliche Einschränkungen bestünden. Gleichzeitig be-
antragte sie Akteneinsicht bezüglich der eingeholten Gutachten
(IV-act. 54). Die IV-Stelle übermittelte der Versicherten am 10. August 2016
antragsgemäss die eingeholten Gutachten (IV-act. 61).
B.g Mit Verfügung vom 25. August 2016 wies die IV-Stelle für Versicherte
im Ausland (nachfolgend Vorinstanz oder IVSTA) das Leistungsbegehren
mit im Wesentlichen derselben Begründung wie im Vorbescheid ab und
führte aus, im Einwand seien keine neuen medizinischen Tatsachen vor-
gebracht worden, die eine Änderung der bisherigen Leistungsbeurteilung,
welche sich auf die aktuellen eingeholten Gutachten stütze, erforderlich
machen würden (IV-act. 67).
B.h Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom 28. September
2016 Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht und beantragte sinnge-
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mäss die Prüfung ihres Leistungsanspruchs, insbesondere die Durchfüh-
rung von Umschulungsmassnahmen (IV-act. 70). Mit Entscheid vom
21. Februar 2019 hiess das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde
der Versicherten im Verfahren C-6006/2016 aufgrund ungenügender me-
dizinischer Sachverhaltsabklärungen insbesondere in internistisch-neuro-
logischer und gefässmedizinischer Hinsicht sowie gänzlich fehlender Ab-
klärungen zur beruflichen Situation insoweit gut, als es die Verfügung vom
25. August 2016 aufhob und die Sache an die Vorinstanz zurückwies, da-
mit diese den Sachverhalt mit ergänzender polydisziplinärer Begutachtung
(Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie, Neurologie, Psychiatrie und
ev. Angiologie) abkläre, den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin
prüfe und anschliessend neu darüber verfüge. In Bezug auf das eingeholte
Gutachten wurde insbesondere festgehalten, dass das rheumatologische
Gutachten inklusive die «Bidisziplinäre Zusammenfassung» nicht über
eine rechtsgenügliche Beweiskraft verfüge, während das psychiatrische
Gutachten in rein psychiatrischer Hinsicht voll beweiskräftig sei (vgl. Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer] C-6006/2016 vom 21. Februar
2019 E. 6.9, 7.1 und 7.3; IV-act. 79).
C.
C.a Aufgrund dieses Gerichtsurteils tätigte die IV-Stelle weitere Abklärun-
gen und holte insbesondere einen von der Versicherten ausgefüllten Fra-
gebogen vom 8. August 2019 (Eingangsdatum) mit weiteren medizini-
schen Unterlagen sowie einen Verlaufsbericht von Dr. D._ vom
26. September 2019 ein (IV-act. 85; 87; 90 S. 3 ff.).
C.b In der Folge fand ausserdem am 3., 6. und 8. Februar 2020 eine poly-
disziplinäre Begutachtung der Versicherten bei der E._ AG in den
Disziplinen Innere Medizin, Angiologie, Neurologie, Rheumatologie und
Psychiatrie statt. Die Gutachter/innen attestierten der Versicherten in allen
Disziplinen eine Arbeitsfähigkeit von 100 % sowohl in angestammter als
auch angepasster Tätigkeit, weil keine objektiven Befunde mit behindern-
dem Effekt in der angestammten Tätigkeit erkennbar seien und die Versi-
cherte bereits mit einem Teilpensum in einer körperlich leichten Tätigkeit in
geschlossenen Räumen tätig sei. Die Befunde würden dafür sprechen,
dass diese Tätigkeit auch vollschichtig ausgeübt werden könne. Für die
reklamierte hohe Schmerzintensität habe sich in den Befunden kein hinrei-
chendes Korrelat gefunden (E._-Gutachten vom 5. Mai 2020
[IV-act. 112 S. 1 und 13 f.]).
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C.c In seiner Stellungnahme vom 14. Mai 2020 hielt der RAD-Arzt
Dr. F._ fest, auf das E._-Gutachten könne abgestellt werden
(IV-act. 125 S. 7 f.).
C.d Mit Vorbescheid vom 3. Juni 2020 stellte die IV-Stelle der Versicherten
deshalb in Aussicht, das Leistungsbegehren abzuweisen, da die Beurtei-
lung der gesamten Unterlagen durch den RAD ergeben habe, dass kein
invalidisierender Gesundheitsschaden ausgewiesen sei (IV-act. 115).
C.e Diesbezüglich reichte die Versicherte am 22. Juni 2020 einen Einwand
ohne eingehende Begründung ein und am 14. August 2020 die Begrün-
dung mit weiteren Unterlagen nach (IV-act. 117-120). Sie machte insbe-
sondere geltend, sie leide seit langem an einer ausgeprägten
Schmerzsymptomatik bei Kälte und Stress, wobei es sich um ein atypi-
sches Morbus Raynaud-Syndrom und wahrscheinlich eine somatoforme
Schmerzstörung handle. Sie sei aufgrund der Schmerzen immer müde,
was zu einer verminderten Arbeitsfähigkeit führe, daher seien Probleme
schwer zu lösen, was zu Stress führe und dann immer weiter gehe. Die
Begutachtung in der Schweiz sei zwar korrekt durchgeführt worden, jedoch
seien dabei keine tieferen Details erreicht worden. Zudem bemängelte sie
bei allen Untersuchungen – ausser derjenigen durch den Rheumatologen
– verschiedene Punkte.
C.f Hinsichtlich des Einwands der Versicherten nahm der RAD-Arzt
Dr. F._ am 28. August 2020 dahingehend Stellung, dass im Ein-
wand und den Anlagen keine neuen objektiven Befunde vorgebracht wor-
den seien, die eine anhaltende höhergradige Arbeitsunfähigkeit begründen
könnten. Es werde daher empfohlen, an der gutachterlich abgestützten
Leistungsbeurteilung festzuhalten (IV-act. 125 S. 8 f.).
C.g Mit Verfügung vom 9. Oktober 2020 wies die IVSTA das Leistungsbe-
gehren der Versicherten entsprechend mit der Begründung ab, dass kein
invalidisierender Gesundheitsschaden habe ausgewiesen werden können
und keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit in angestammter
Tätigkeit (als Haartransplantationstechnikerin) gestellt worden seien. Die
aktuelle leichte Tätigkeit im Teilpensum könne auch in einem 100 % Pen-
sum ausgeübt werden. Im Einwandschreiben sowie den beigelegten Un-
terlagen seien keine neuen objektiven Befunde vorgebracht worden, wel-
che eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit begründen könnten (IV-act. 124).
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D.
D.a Mit Eingabe vom 6. November 2020 erhob die Beschwerdeführerin
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die Verfügung vom
9. Oktober 2020 und beantragte sinngemäss die Prüfung ihres Leistungs-
anspruchs, insbesondere die Zusprache einer IV-Rente (Akten im Be-
schwerdeverfahren [B-act.] 1).
D.b Aufgrund des in der Beschwerde gestellten Antrags auf unentgeltliche
Prozessführung forderte das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde-
führerin mit Zwischenverfügung vom 18. November 2020 auf, ihr Gesuch
substanziell zu ergänzen (B-act. 2). In der Folge reichte die Beschwerde-
führerin am 11. Dezember 2020 weitere Unterlagen beim Bundesgericht
ein, welches die Unterlagen zuständigkeitshalber an das Bundesverwal-
tungsgericht weiterleitete (B-act. 4). Mit Zwischenverfügung vom 7. Januar
2021 wies das Bundesverwaltungsgericht das Gesuch der Beschwerde-
führerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege schliesslich auf-
grund fehlender Bedürftigkeit ab (B-act. 5).
D.c Der ebenfalls mit Zwischenverfügung vom 7. Januar 2021 geforderte
Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.- (B-act. 5) ging am 5. Februar
2021 in der Gerichtskasse ein (B-act. 7).
D.d Nachdem das Bundesverwaltungsgericht die Vorinstanz mit Instrukti-
onsverfügung vom 17. Februar 2021 zur Vernehmlassung aufforderte
(B-act. 8), reichte die Beschwerdeführerin unaufgefordert eine auf den
4. März 2021 datierte ergänzende Stellungnahme ein (B-act. 9). Sie teilte
insbesondere mit, sie sei im Januar [2021] für drei Wochen stationär in eine
auf Autoimmunerkrankungen, Allergien und Umweltkrankheiten speziali-
sierte Klinik eingetreten, und reichte dem Gericht den entsprechenden Ent-
lassungsbericht ein (B-act. 9 Beilage 1).
D.e Am 12. März 2021 liess sich die Vorinstanz vernehmen und bean-
tragte, die Beschwerde sei abzuweisen und die angefochtene Verfügung
zu bestätigen. Sie verwies diesbezüglich auf die Stellungnahme der IV-
Stelle vom 10. März 2021 (B-act. 10).
D.f Das Bundesverwaltungsgericht stellte der Vorinstanz am 19. März
2021 die unaufgefordert eingereichte Beschwerdeergänzung vom 4. März
2021 zu und ersuchte gleichzeitig um ergänzende Stellungnahme
(B-act. 11).
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D.g Mit ergänzender Stellungnahme (bezeichnet als Duplik) vom 29. April
2021 stellte die Vorinstanz den unveränderten Antrag, die Beschwerde sei
abzuweisen und die angefochtene Verfügung zu bestätigen. Die IV-Stelle
hatte zu den neu eingereichten Unterlagen ausgeführt, diese seien nicht
geeignet, das Ergebnis der Begutachtung der E._ in Frage zu stel-
len (B-act. 12).
D.h Die zwischenzeitlich durch Rechtsanwalt Michael Stampfli vertretene
Beschwerdeführerin reichte am 7. Juni 2021 nach entsprechender Auffor-
derung durch das Bundesverwaltungsgericht eine Replik ein und stellte die
folgenden Anträge (B-act. 13 und 15):
1. Die Verfügung der IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA vom 9. Ok-
tober 2020 sei aufzuheben.
2. Der Beschwerdeführerin sei eine volle Rente der Invalidenversicherung zu-
zusprechen.
3. Eventualiter sei die Sache zu neuem Entscheid an die Beschwerdegegne-
rin zurückzuweisen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MwSt. zulasten der Be-
schwerdegegnerin.
Verfahrensantrag:
5. Es sei ein gerichtliches Gutachten über die Erwerbsfähigkeit der Beschwer-
deführerin anzuordnen.
Zur Begründung liess die Beschwerdeführerin zusammenfassend ausfüh-
ren, sie leide an verschiedenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, wel-
che ihr die Ausübung einer Arbeitstätigkeit sowohl im angestammten Be-
reich als auch in anderen beruflichen Tätigkeiten verunmöglichen würden.
Dass sie in der Lage sei, eine Teilzeitarbeit auszuüben, sei ausschliesslich
auf ihren starken Willen zurückzuführen. Zudem habe sie keine andere
Wahl, als zu arbeiten, da sie ohne jegliche Unterstützung sei und als allein-
erziehende Mutter zwei Kinder grossziehe. Doch auch der Wille der Be-
schwerdeführerin habe Grenzen. Es liege daher zweifellos eine Invalidität
vor (B-act. 15 Rz. 18). Zum E._-Gutachten liess sie insbesondere
vorbringen, aufgrund des Umfangs und ihrer begrenzten Ressourcen sei
es nicht möglich gewesen, sämtliche Teile des Gutachtens im Einzelnen zu
widerlegen. Doch habe sich die Suche nach Widersprüchen und Unvoll-
ständigkeiten durch den Rechtsvertreter insgesamt nicht als überwiegend
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aufwendig gestaltet. Aus dem Umstand, dass die Mangelhaftigkeit des Gut-
achtens bei allen überprüften Einzelfragen zutage getreten sei, lasse sich
ohne weiteres extrapolieren, dass auch die nicht näher geprüften Aspekte
und als Folge daraus das Gesamtgutachten mangelhaft seien (B-act. 15
Rz. 27). Die massiven gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwer-
deführerin seien durch mehrere Arztberichte umfassend nachgewiesen.
Die angefochtene Verfügung erweise sich somit als falsch; sie sei aufzu-
heben und der Beschwerdeführerin eine volle Rente der Invalidenversiche-
rung zuzusprechen (B-act. 15 Rz. 37).
D.i Der Instruktionsrichter schloss den Schriftenwechsel am 1. September
2021 ab, nachdem sich die Vorinstanz innert angesetzter Frist nicht mehr
hatte vernehmen lassen (B-act. 16 und 17).
E.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien sowie auf die eingereichten
Unterlagen wird – soweit erforderlich – in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69 Abs. 1
Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversiche-
rung (IVG, SR 831.20) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-
den von Personen im Ausland gegen Verfügungen der IVSTA. Eine Aus-
nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungs-
gericht ist somit zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfah-
ren (VwVG, SR 172.021), soweit das VGG nichts anderes bestimmt
(Art. 37 VGG). Gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG bleiben in sozialversiche-
rungsrechtlichen Verfahren die besonderen Bestimmungen des Bundesge-
setzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche-
rungsrechts (ATSG, SR 830.1) vorbehalten. Gemäss Art. 2 ATSG sind die
Bestimmungen dieses Gesetzes auf die bundesgesetzlich geregelten So-
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zialversicherungen anwendbar, wenn und soweit die einzelnen Sozialver-
sicherungsgesetze es vorsehen. Nach Art. 1 IVG sind die Bestimmungen
des ATSG auf die Invalidenversicherung anwendbar (Art. 1a bis 26bis und
Art. 28 bis 70), soweit das IVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom
ATSG vorsieht.
1.3 Die Beschwerdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung berührt
und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung,
so dass sie im Sinne von Art. 59 ATSG beschwerdelegitimiert ist. Da die
Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 60 Abs. 1 ATSG und
Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereicht und der Kostenvorschuss innert Frist ge-
leistet wurde (B-act. 7), ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin ist deutsche Staatsangehörige und wohnt in
Deutschland. Damit gelangen das Freizügigkeitsabkommen vom 21. Juni
1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemeinschaft zur
Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II des
FZA, insbesondere die für die Schweiz am 1. April 2012 in Kraft getretenen
Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR 0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009
(SR 0.831.109.268.11), zur Anwendung. Seit dem 1. Januar 2015 sind
auch die durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und
Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in den Beziehungen zwischen der
Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten anwendbar. Das Vorliegen einer an-
spruchserheblichen Invalidität beurteilt sich indes auch im Anwendungsbe-
reich des FZA und der Koordinierungsvorschriften nach schweizerischem
Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des Bundesgerichts [BGer]
9C_573/2012 vom 16. Januar 2013 E. 4; Urteil des BVGer C-7544/2014
vom 13. Oktober 2016 E. 2).
2.2 Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
Verfügung vom 9. Oktober 2020, mit der die Vorinstanz den Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente und berufliche Massnahmen
verneint hat. Streitig und vom Bundesverwaltungsgericht zu prüfen ist die
Rechtmässigkeit dieser Verfügung und im Hinblick auf das materielle
Hauptbegehren der Beschwerdeführerin insbesondere, ob ein Anspruch
auf eine (ganze) IV-Rente besteht. Die Verweigerung von beruflichen Mas-
snahmen ist hingegen nicht angefochten.
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2.3 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
2.4 Gemäss dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen ist
das Bundesverwaltungsgericht nicht an die Begründung der Begehren der
Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann die Beschwerde auch
aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder den an-
gefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen, die
von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. BVGE 2013/46 E. 3.2).
2.5 Sowohl das Verwaltungsverfahren wie auch der erstinstanzliche Sozi-
alversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht
(Art. 43 Abs. 1 ATSG; Art. 61 Bst. c ATSG; Art. 12 VwVG). Danach hat die
Verwaltung und im Beschwerdeverfahren das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des erheblichen Sachverhalts zu
sorgen (BGE 136 V 376 E. 4.1.1). Sofern das Gesetz nicht etwas Abwei-
chendes vorsieht, gilt im Sozialversicherungsrecht der Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 143 V 168 E. 2; 138 V 218 E. 6).
2.6 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechts-
folgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 132 V 215 E. 3.1.1),
weshalb jene Vorschriften Anwendung finden, die spätestens beim Erlass
der Verfügung vom 9. Oktober 2020 in Kraft standen; weiter aber auch Vor-
schriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren, die
aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprüche
von Belang sind.
Im vorliegenden Fall sind damit insbesondere die erst per 1. Januar 2022
in Kraft getretenen Änderungen im Rahmen der sogenannten «Weiterent-
wicklung der IV» im Bundesgesetz vom 19. Juni 1959 über die Invaliden-
versicherung (SR 831.20), in der Verordnung vom 17. Januar 1961 über
die Invalidenversicherung (SR 831.201) sowie im Bundesgesetz vom
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(SR 830.1) nicht anwendbar. Die Ansprüche der Beschwerdeführerin ge-
genüber der IV beurteilen sich nach dem IVG und der IVV (jeweils Stand
am 1. Januar 2020) sowie dem ATSG und der Verordnung vom 11. Sep-
tember 2002 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSV, SR 830.11; jeweils Stand am 1. Oktober 2019).
C-5608/2020
Seite 11
2.7 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 9. Oktober 2020) eingetretenen Sachverhalt
ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither ver-
ändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungs-
verfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b). Berichte, die sich über den vorlie-
gend massgebenden Zeitraum aussprechen, hat das Gericht auch dann zu
berücksichtigen, wenn sie nach dem Verfügungserlass datieren (Urteil des
BGer 9C_175/2018 vom 16. April 2018 E. 3.3.2 m.w.H.).
3.
3.1 Gemäss Art. 40 Abs. 2 IVV (Stand am 1. Januar 2020, vgl. dazu oben
E. 2.6 zweiter Absatz) ist bei Grenzgängern die IV-Stelle, in deren Tätig-
keitsgebiet diese eine Erwerbstätigkeit ausüben, zur Entgegennahme und
Prüfung der Anmeldungen zuständig. Dies gilt auch für ehemalige Grenz-
gänger, sofern sie bei der Anmeldung ihren ordentlichen Wohnsitz noch in
der benachbarten Grenzzone haben und der Gesundheitsschaden auf die
Zeit ihrer Tätigkeit als Grenzgänger zurückgeht. Die Verfügungen werden
von der IVSTA erlassen.
3.2 Da die Beschwerdeführerin bei Eintritt des geltend gemachten Gesund-
heitsschadens als Grenzgängerin mit Wohnsitz in Deutschland im Kanton
C._ einer Arbeit nachging und zum Anmeldungszeitpunkt in (...),
Deutschland, Wohnsitz hatte, war die IV-Stelle für die Entgegennahme und
Prüfung der Anmeldung zuständig und wurde die angefochtene Verfügung
vom 9. Oktober 2020 zu Recht von der IVSTA erlassen.
4.
4.1 Anspruch auf eine ordentliche Rente haben Versicherte, die invalid im
Sinne des Gesetzes sind (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG [Stand am 1. Oktober
2019, vgl. dazu oben E. 2.6 zweiter Absatz]) und bei Eintritt der Invalidität
während mindestens drei Jahren Beiträge geleistet haben (Art. 36 Abs. 1
IVG [Stand am 1. Januar 2020, vgl. dazu oben E. 2.6 zweiter Absatz]). Für
die Erfüllung der dreijährigen Mindestbeitragsdauer können Beitragszeiten,
die in einem EU/EFTA-Staat zurückgelegt worden sind, mitberücksichtigt
werden (Art. 6 und Art. 45 VO [EG] 883/2004; vgl. auch BGE 131 V 390).
Allerdings ist für die Ausrichtung einer ordentlichen IV-Rente dennoch eine
Beitragszeit von mindestens einem Jahr in der Schweiz zu erfüllen (vgl.
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Rz. 3005 des Kreisschreibens über das Verfahren zur Leistungsfestset-
zung in der AHV/IV/EL vom 4. April 2016 [KSBIL; Stand: 1. Januar 2020];
vgl. auch Rz. 3004.3 der Wegleitung über die Renten Eidgenössischen Al-
ters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung vom 1. Januar 2003
[RWL; Stand: 1. Januar 2020]). Die Voraussetzungen müssen kumulativ
erfüllt sein; fehlt eine, so entsteht kein Rentenanspruch, auch wenn die an-
dere Voraussetzung erfüllt ist.
Gemäss Art. 36 Abs. 2 IVG sind für die Berechnung der ordentlichen Inva-
lidenrenten die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember
1946 über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG, SR 831.10;
Stand am 1. Januar 2020) sinngemäss anwendbar. Eine IV-spezifische Be-
sonderheit besteht darin, dass die Mindestbeitragszeit bei Eintritt der Inva-
lidität (Eintritt des Versicherungsfalls) geleistet sein muss (vgl. Urteil des
BGer 8C_721/2013 vom 4. März 2014 E. 4.1). Der Zeitpunkt des Eintritts
der Invalidität beurteilt sich nach Art. 28 Abs. 1 IVG. Die Invalidität bezie-
hungsweise der Versicherungsfall gilt erst mit der Entstehung des Renten-
anspruches als eingetreten, also frühestens mit Ablauf des Wartejahres ge-
mäss Art. 28 Abs. 1 Bst. b IVG (vgl. BGE 138 V 475 E. 3). Invalidität ist die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbs-
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs-
möglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits-
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Er-
werbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Be-
einträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem
nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG; der am 1. Januar 2008 in Kraft getretene Abs. 2 hat den Begriff der
Erwerbsunfähigkeit nicht modifiziert, BGE 135 V 215 E. 7.3). Arbeitsunfä-
higkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bis-
herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei lan-
ger Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder
Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
4.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7
C-5608/2020
Seite 13
ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG so-
wie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Be-
fundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann
anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchti-
gung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 141 V
281 E. 2.1). Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch nicht
gesagt, dass dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft,
beurteilt sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den
der Gesundheitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. Ent-
scheidend ist, ob der versicherten Person wegen des geklagten Leidens
nicht mehr zumutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb ist eine
objektivierte Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berücksichti-
gung von Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung massgeblich
(BGE 142 V 106 E. 4.4). Medizinisch-psychiatrisch nicht begründbare
Selbsteinschätzungen und -limitierungen, wie sie, gerichtsnotorisch, ärztli-
cherseits sehr oft unterstützt werden – wobei erst noch häufig gar keine
konsequente Behandlung stattfindet –, sind nicht als invalidisierende Ge-
sundheitsbeeinträchtigung anzuerkennen (BGE 141 V 281 E. 3.7.1).
Geht es um psychische Erkrankungen, namentlich eine anhaltende soma-
toforme Schmerzstörung oder ein damit vergleichbares psychosomati-
sches Leiden (vgl. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3), sind für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich, die – unter Berück-
sichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und
Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tat-
sächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281
E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; 143 V 418 E. 6 ff.). Ausgangspunkt der Prüfung
und damit erste Voraussetzung bildet eine psychiatrische, lege artis ge-
stellte Diagnose (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.1; 143 V 418 E. 6 und E. 8.1).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erwähnten Indikatoren hat das
Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie
«funktioneller Schweregrad» (E. 4.3) mit den Komplexen «Gesundheits-
schädigung» (Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symp-
tome; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz; Komorbidi-
täten [E. 4.3.1]), «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsentwicklung und -struk-
tur, grundlegende psychische Funktionen [E. 4.3.2]) und «sozialer Kon-
text» (E. 4.3.3) sowie Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhal-
tens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleichmässige Einschränkung des Aktivitä-
tenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1) und be-
handlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens-
druck (E. 4.4.2). Zu ergänzen bleibt, dass sich das Bundesgericht in zwei
C-5608/2020
Seite 14
wichtigen Leitentscheiden zur Beurteilung der invalidisierenden Wirkung
psychischer Leiden geäussert hat. Es distanzierte sich im Rahmen seiner
Praxisänderung zu Depressionen und anderen psychischen Leiden von
der (kurzen Episode der) Sonderrechtsprechung für Depressionen, weitete
die Indikatorenprüfung der neuen «Schmerzrechtsprechung» gemäss BGE
141 V 281 auf sämtliche psychischen Leiden aus und präzisierte einige der
Indikatoren (vgl. BGE 143 V 409 [= 8C_841/2016 vom 30. November 2017]
und 143 V 418 [=8C_130/2017 vom 30. November 2017]).
4.3 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben-
bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (Bst. a), während eines
Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 %
arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (Bst. b) und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. c).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindestens
60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens 70 % auf eine ganze
Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als 50 %,
so werden die entsprechenden Renten nur an Versicherte ausbezahlt, die
ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz
haben (Art. 29 Abs. 4 IVG). Diese Einschränkung gilt jedoch nicht für die
Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates der EU und der Schweiz, sofern
sie – wie vorliegend – in einem Mitgliedstaat der EU Wohnsitz haben (Art. 7
VO [EG] 883/2004; vgl. BGE 130 V 253 E. 2.3 und E. 3.1).
4.4 Vor der Berechnung des Invaliditätsgrades muss jeweils beurteilt
werden, ob die versicherte Person als (teil-)erwerbstätig oder nichter-
werbstätig einzustufen ist (Statusfrage), was entsprechenden Einfluss auf
die anzuwendende Methode der Invaliditätsgradbemessung hat (vgl.
Art. 28a IVG: vgl. auch nachfolgend E. 4.5.3). Zu prüfen ist, was die
versicherte Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn
keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (BGE 97 V 241; 125 V
146 E. 2c). Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den
Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung
entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im
Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialver-
sicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahr-
scheinlichkeit ausreicht (BGE 141 V 15 E. 3.1; 137 V 334 E. 3.2 m.w.H.).
C-5608/2020
Seite 15
4.5
4.5.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärzt-
liche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen
haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be-
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können (Urteil des BGer 9C_462/2014 vom
16. September 2014 E. 3.2.1; BGE 140 V 193 E. 3.2; 132 V 93 E. 4; 125 V
256 E. 4). Die – arbeitsmedizinische – Aufgabe der Ärzte und Ärztinnen
besteht darin, sich dazu zu äussern, inwiefern die versicherte Person in
ihren körperlichen oder geistigen Funktionen leidensbedingt eingeschränkt
ist. Im Vordergrund stehen dabei vor allem jene Funktionen, welche für die
nach der Lebenserfahrung im Vordergrund stehenden Arbeitsmöglichkei-
ten der versicherten Person wesentlich sind. Die Frage, welche konkreten
beruflichen Tätigkeiten auf Grund der medizinischen Angaben und unter
Berücksichtigung der übrigen Fähigkeiten der versicherten Person in Frage
kommen, ist demgegenüber nicht von der Ärztin oder dem Arzt, sondern
von der Verwaltung beziehungsweise von der Berufsberatung zu beant-
worten (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 457/04
vom 26. Oktober 2004, in: SVR 2006 IV Nr. 10 E. 4.1 mit Verweis auf BGE
107 V 20 E. 2b).
4.5.2 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend,
ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un-
tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-
gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der me-
dizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Exper-
tin oder des Experten begründet sind (Urteil des BGer 9C_788/2019 vom
30. Januar 2020 E. 3.1.1; BGE 140 V 193; 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351
E. 3a). Unabhängig davon, ob es sich um eine nachweisliche organische
Pathologie oder um ein unklares Beschwerdebild handelt, setzt eine An-
spruchsberechtigung stets eine nachvollziehbare ärztliche Beurteilung der
Auswirkungen des Gesundheitsschadens auf die Arbeits- und Erwerbsfä-
higkeit voraus. Dabei können – insbesondere unklaren Beschwerdebildern
inhärente – Abklärungs- und Beweisschwierigkeiten die Berücksichtigung
C-5608/2020
Seite 16
weiterer Lebens- und Aktivitätsbereiche wie etwa Freizeitverhalten oder fa-
miliäres Engagement erfordern, um das Ausmass der Einschränkungen zu
plausibilisieren, wobei auch fremdanamnestische Angaben zu berücksich-
tigen sind. Ohne Einbezug solcher Indizien, wie sie im Rahmen der festen
Praxis zu den organisch nicht nachweisbaren unklaren Beschwerdebildern
(BGE 141 V 281 E. 4.4.1) regelmässig zu berücksichtigen sind, ist eine
ärztliche Arbeitsfähigkeitsbeurteilung nicht beweiskräftig (BGE 140 V 290
E. 3.3.2). In den konsistenten Nachweis einer gestörten Aktivität und Par-
tizipation einzubeziehen sind nur funktionelle Ausfälle, die sich aus denje-
nigen Befunden ergeben, welche auch für die Diagnose der Gesundheits-
beeinträchtigung massgebend gewesen sind. Die Einschränkung in den
Alltagsfunktionen, welche begrifflich zu einer lege artis gestellten Diagnose
gehört, wird mit den Anforderungen des Arbeitslebens abgeglichen und an-
hand von Schweregrad- und Konsistenzkriterien in eine allfällige Ein-
schränkung der Arbeitsfähigkeit umgesetzt. Auf diesem Weg können gel-
tend gemachte Funktionseinschränkungen über eine sorgfältige Plausibili-
tätsprüfung bestätigt oder verworfen werden (BGE 141 V 281 E. 2.1.2).
Die fachliche Qualifikation des Experten spielt für die richterliche Würdi-
gung einer Expertise eine erhebliche Rolle, denn bezüglich der medizini-
schen Stichhaltigkeit eines Gutachtens müssen sich Verwaltung und Ge-
richte auf seine Fachkenntnisse verlassen können. Deshalb ist für die Eig-
nung eines Arztes als Gutachter in einer bestimmten medizinischen Diszip-
lin ein entsprechender spezialärztlicher Titel des berichtenden oder zumin-
dest des den Bericht visierenden Arztes vorausgesetzt (Urteile des BGer
9C_410/2008 vom 8. September 2009 E. 3.3.1 in fine; I 142/07 vom
20. November 2007 E. 3.2.3; Urteil des Eidgenössischen Versicherungs-
gerichts [EVG] I 362/06 vom 10. April 2007 E. 3.2.1; vgl. auch SVR 2009
IV Nr. 53 E. 3.3.2 [nicht publizierte Textpassage der E. 3.3.2 des BGE 135
V 254]).
Das Bundesgericht hat zudem Richtlinien zur Würdigung bestimmter For-
men medizinischer Berichte und Gutachten aufgestellt (vgl. BGE 125 V 352
E. 3b; AHI 2001 S. 114 E. 3b). Im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein-
geholten Gutachten externer Spezialärzte, die aufgrund eingehender Be-
obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, ist demnach volle Beweiskraft zuzuerkennen – solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
125 V 353 E. 3.b.bb m.w.H.). Berichte behandelnder Haus- und Spezial-
C-5608/2020
Seite 17
ärzte sind aufgrund deren auftragsrechtlicher Vertrauensstellung zum Pa-
tienten hingegen mit Vorbehalt zu würdigen (BGE 125 V 353 E. 3.b.cc; Ur-
teil des EVG I 655/05 vom 20. März 2006 E. 5.4 m.w.H.), aber auch nicht
von vornherein unbeachtlich (Urteil des BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai
2008 E. 2.3.2).
Die Stellungnahmen des RAD oder des medizinischen Dienstes der IVSTA,
welche nicht auf eigenen Untersuchungen beruhen, können wie Aktengut-
achten beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im
Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich festste-
henden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Be-
fassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (vgl. Urteile
des BGer 9C_524/2017 vom 21. März 2018 E. 5.1; 9C_28/2015 vom
8. Juni 2015 E. 3.2; 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1, je m.H.). Die
Aufgabe der versicherungsinternen Fachpersonen besteht insbesondere
darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die
medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über
den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sach-
verhalt zusammenzufassen und versicherungsmedizinisch zu würdigen
(vgl. SVR 2009 IV Nr. 50 [Urteil 8C_756/2008] E. 4.4 m.H.; Urteil des BGer
9C_692/2014 vom 22. Januar 2015 E. 3.3). Sie haben die vorhandenen
Befunde aus medizinischer Sicht zu würdigen, wozu namentlich auch ge-
hört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzuneh-
men und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen
oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen ist (BGE 142 V 58
E. 5.1). Enthalten die Akten für die streitigen Belange keine beweistaugli-
chen Unterlagen, kann die Stellungnahme einer versicherungsinternen
Fachperson in der Regel keine abschliessende Beurteilungsgrundlage bil-
den, sondern nur zu weitergehenden Abklärungen Anlass geben (vgl. Urteil
des BGer 9C_58/2011 vom 25. März 2011 E. 3.3).
4.5.3 Um feststellen zu können, in welchem Masse eine versicherte Person
im Haushalt zufolge ihrer gesundheitlichen Beschwerden eingeschränkt
ist, bedarf es in der Regel einer Abklärung vor Ort (vgl. Art. 69 Abs. 2 IVV;
BGE 130 V 97 E. 3.3.1; Urteile des BGer 9C_121/2011 E. 3.1.1,
8C_671/2007 vom 13. Juni 2008 E. 3.2.1). Eine Abklärung der gesundheit-
lichen Einschränkungen im Haushalt ist von einer qualifizierten Person zu
verfassen und hat in Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse
sowie der sich aus den medizinischen Diagnosen ergebenden Beeinträch-
tigungen und Behinderungen zu erfolgen. Ebenso muss der Bericht plau-
sibel und begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen
C-5608/2020
Seite 18
Einschränkungen sein (statt vieler: Urteil des EVG I 568/04 vom 16. Feb-
ruar 2005 E. 4.2.1 m.H., BGE 130 V 97; vgl. für im Ausland wohnende Ver-
sicherte: Urteil des BVGer C-4121/2017 vom 20. September 2018
E. 3.7.4).
5.
Angefochten ist vorliegend eine Verfügung der IVSTA, in welcher der An-
trag der Beschwerdeführerin auf Ausrichtung einer Rente der Invalidenver-
sicherung abgewiesen wurde (vgl. auch oben E. 2.2).
5.1 Hinsichtlich der vorab vorzunehmenden Prüfung, ob die Anspruchsvo-
raussetzung der Mindestbeitragsdauer von drei Jahren beziehungsweise
36 Monaten erfüllt ist (vgl. oben E. 4.1 erster Absatz), ergibt sich aus den
Akten, dass die Beschwerdeführerin von 1. Februar 2010 bis zum 31. Mai
2014 in der Schweiz gearbeitet hat (vgl. Arbeitgeberfragebogen [IV-act. 8]).
Allerdings wurde im rechtskräftigen und damit verbindlichen Urteil
C-6006/2016 in Erwägung 7.2 diesbezüglich festgehalten, dass im Auszug
aus dem Individuellen Konto (IK) vom 10. Juni 2014 die AHV-Beiträge der
Beschwerdeführerin für den Zeitraum von Februar 2010 bis Dezember
2011 wieder vollständig ausgebucht worden seien und gemäss ergänzen-
dem IK-Auszug vom 31. Oktober 2018 nur Einträge für den Zeitraum von
Januar 2012 bis Mai 2014 (29 Monate) vermerkt seien. In den im aktuellen
Verfahren C-5608/2020 vorliegenden Vor- und Beschwerdeakten sind we-
der die erwähnten IK-Auszüge noch solche neueren Datums vorhanden.
Die Vorinstanz hat jedoch gemäss der Anweisung im Urteil C-6006/2016
weitere Abklärungen betreffend die ausländischen Versicherungszeiten der
Beschwerdeführerin getätigt. Gemäss den eingeholten Unterlagen hat die
Beschwerdeführerin insbesondere in Deutschland weitere Versicherungs-
zeiten zurückgelegt (vgl. dazu IV-act. 109). Entsprechend kann festgehal-
ten werden, dass die Beschwerdeführerin die Anspruchsvoraussetzung der
Mindestbeitragsdauer im frühest möglichen Zeitpunkt der Entstehung ei-
nes allfälligen Rentenanspruches (vgl. oben E. 4.1 zweiter Absatz), wel-
cher der 1. Dezember 2014 ist (vgl. dazu nachfolgend E. 5.2), mit einer
Beitragszeit von mindestens 29 Monaten in der Schweiz und den anre-
chenbaren ausländischen Beitragszeiten zweifelsfrei erfüllt, wovon im Üb-
rigen auch die Vorinstanz ausgeht (vgl. dazu IV-act. 125 S. 2).
5.2 Die Beschwerdeführerin macht vorliegend eine Arbeitsunfähigkeit von
100 % seit Dezember 2013 geltend. Unter Berücksichtigung von Art. 28
Abs. 1 Bst. b IVG (vgl. oben E. 4.1 zweiter Absatz) könnte der Versiche-
C-5608/2020
Seite 19
rungsfall damit frühestens im Dezember 2014 eingetreten sein. Ein Ren-
tenanspruch entsteht zudem gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach
Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs
nach Art. 29 Abs. 1 ATSG. Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdeführerin
ein vom 23. Mai 2014 datierendes Anmeldeformular eingereicht, welches
am 2. Juni 2014 – und damit rechtzeitig vor Anspruchsbeginn – bei der IV-
Stelle eingegangen ist (vgl. IV-act. 1). Demnach könnte der Beschwerde-
führerin zusammenfasend frühestens ab Dezember 2014 unter der Bedin-
gung, dass die materiellen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (vgl.
oben E. 4.3), eine IV-Rente ausgerichtet werden.
5.3 Im Zusammenhang mit der vorliegend angefochtenen Verfügung vom
9. Oktober 2020 (IV-act. 124 = B-act. 1 Beilage 3) stützte sich die Vor-
instanz betreffend den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und
dessen Auswirkungen auf ihre Arbeits- und Erwerbsfähigkeit in erster Linie
auf das – mit Urteil C-6006/2016 geforderte (vgl. oben Bst. B.h) – polydis-
ziplinäre E._-Gutachten vom 5. Mai 2020 (IV-act. 112) und die dies-
bezügliche Stellungnahme des RAD (IV-act. 125 S. 7 f.). Entsprechend ist
anhand dieser medizinischen Akten zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin
einen (befristeten oder unbefristeten) Rentenanspruch hat beziehungs-
weise ob die materiellen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (vgl. oben
E. 4.3).
5.3.1 Das unter der Fallführung von Dr. G._, Fachärztin für Psychi-
atrie und Psychotherapie, erstellte interdisziplinäre Gutachten der
E._ vom 5. Mai 2020 (IV-act. 112) umfasst die Teilgutachten in den
Fachbereichen Allgemeinmedizin (Untersuchung vom 6. Februar 2020
durch Dr. H._), Angiologie (Untersuchung vom 3. Februar 2020
durch Dr. I._), Neurologie (Untersuchung vom 6. Februar 2020
durch Dr. J._), Rheumatologie (Untersuchung vom 8. Februar 2020
durch Dr. K._) und Psychiatrie (Untersuchung vom 8. Februar 2020
durch Dr. G._). Insgesamt stellten die verschiedenen Fachgutach-
ter/innen in der Konsensbeurteilung keine Diagnosen mit Einfluss auf die
angestammte Tätigkeit und hielten folgende Diagnosen ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit fest (IV-act. 112 S. 12 f.):
- Aktuell keine Hinweise für ein Raynaud-Phänomen mit/bei aktenkundig
mehrfach beschriebener Raynaud-Symptomatik: Keine Hinweise für
eine manifeste organische Mikroangiopathie in der Kapillarmikrosko-
pie, Duplexsonographisch keine Hinweise für entzündliche Gefäss-
wandveränderungen im Rahmen einer Vaskulitis, kein Anhalt für eine
C-5608/2020
Seite 20
relevante Perfusionsstörung der oberen und unteren Extremitäten beid-
seits (Herleitung: Aktendaten, Anamnese, angiologische Untersu-
chung, Labor)
- Hypothyreose unter Substitution (Herleitung: Anamnese, Labor)
- Verdacht auf Raynaud-Syndrom in der hiesigen Untersuchung ohne
objektiven Störungsbefund unter Raumluft (Herleitung: Aktendaten,
Anamnese, rheumatologischer Befund)
- Verdacht auf Enchondrom Mittelphalanx D5 links (Anamnese, rheuma-
tologischer Befund)
- Untergewicht (Herleitung: BMI-Bestimmung)
- Degenerative Wirbelsäulenveränderungen insbesondere im lum-
bosakralen Übergang ohne klinisches Korrelat und ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit (Herleitung:
Anamnese, MRI, rheumatologischer Befund)
Einleitend hielten die Gutachter/innen fest, dass sich in den hiesigen ob-
jektiven Untersuchungen keine Befunde mit behinderndem Effekt in der
angestammten Tätigkeit gezeigt hätten. Die Beschwerdeführerin sei zu-
dem bereits mit einem Teilpensum in einer körperlich leichten Arbeit in ge-
schlossenen Räumen tätig. Die Befunde würden dafür sprechen, dass
diese Tätigkeit auch vollschichtig ausgeübt werden könnte. Ein Raynaud-
Syndrom könne in einer derartigen Tätigkeit nicht namhaft zum Tragen
kommen. Auch hätten sich keine namhaften klinischen Gelenks- oder spi-
nale Pathologien gefunden. Anamnestisch bestehe zudem eine Alltags-
selbständigkeit, Selbstversorgung und rege soziale Aktivität sowie eine Ar-
beitstätigkeit in einem Teilpensum, was insgesamt für eine Arbeitsfähigkeit
und gegen eine namhafte Limitation durch ein Raynaud-Syndrom spreche.
Für die reklamierte hohe Schmerzintensität habe sich in den erhobenen
Befunden kein hinreichendes Korrelat gefunden. Die aktenkundige Ein-
schätzung seitens Dr. L._ sei also zu teilen (S. 7 f.).
Die Einschätzung von Dr. M._ (Fachärztin für Innere Medizin, Kar-
diologie und Angiologie) der Universität R._ vom 9. September
2016 (vgl. IV-act. 70 S. 8 ff. = 87 S. 16 ff.) betreffend eine bestehende Ar-
beitsunfähigkeit bezüglich der bisherigen und der angepassten beruflichen
Tätigkeiten lasse sich zumindest hinsichtlich der jetzigen Tätigkeit und ver-
gleichbarer Arbeiten nicht teilen, da es sich um eine Tätigkeit in geschlos-
senen Räumen einer medizinischen Einrichtung handle, die zudem ohne
Exposition mit Nässe oder Kälte einhergehe (Ernährungsberatung). Zudem
hätten sich in den hiesigen Befunden keine Folgeschäden eines Raynaud-
Syndroms feststellen lassen.
C-5608/2020
Seite 21
Die in der Folge gestellten psychiatrischen Diagnosen chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie H.a.
somatoforme Schmerzanteile (F45.41, F45.40) und rezidivierende depres-
sive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit innerer Unruhe
(F33.1, R45.0) durch Dr. N._ des Universitätsklinikums R._
(vgl. IV-act. 87 S. 32 ff. = 90 S. 9 ff. = 90 S. 19 ff. = B-act. 1 Beilage 7) wür-
den sich nicht bestätigen lassen, zumindest liege angesichts des jetzigen
Befunds keine dauerhafte (invalidisierende) depressive Störung vor. Auch
würden sich die beschriebenen somatischen Befunde angesichts der hier
zu erhebenden guten spontanen Mobilität nicht (zumindest nicht mehr)
nachzeichnen lassen. Eine erhebliche somatische Beeinträchtigung sei
auch unter Berücksichtigung der Indikatoren (rege Alltagsaktivität) nicht
plausibel. Die hausärztliche Einschätzung durch Dr. D._ vom
26. September 2019 (vgl. IV-act. 90 S. 3), wonach eine Tätigkeit von mehr
als 50 % wie früher unwahrscheinlich sei, enthalte keine nähere Begrün-
dung und lasse sich versicherungsmedizinisch ebenfalls nicht teilen
(S. 8 ff.).
Entsprechend attestierten die Gutachter/innen der Beschwerdeführerin in
allen Disziplinen eine Arbeitsfähigkeit von 100 % in der bisherigen Tätigkeit
als Haartransplantationstechnikerin und in angepasster Tätigkeit (S. 14).
5.3.2 Im internistischen Teilgutachten stellte Dr. H._ fest, es be-
stehe kein Anhalt für eine die Arbeitsfähigkeit einschränkende internisti-
sche Diagnose (IV-act. 112 S. 69). Als Befund hielt er insbesondere fest,
es präsentiere sich eine 51-jährige, altersentsprechend wirkende Frau in
gut trainiert wirkendem Allgemein- und schlankem Ernährungszustand.
Ausserdem habe die Versicherte während der 90-minütigen Begutachtung
nicht schmerzgeplagt oder anderweitig beeinträchtigt gewirkt, was eine
Diskrepanz zur anamnestischen Schmerzangabe darstelle (S. 67).
Zudem führte er in der versicherungsmedizinischen Beurteilung insbeson-
dere aus, der erhobene internistische Befund zeige die kardiale und pul-
monale Befunderhebung vor und nach einer zügig im Laufen durchgeführ-
ten Belastungsphase wie auch den arteriellen Gefässstatus palpatorisch
unauffällig, die Hände und Füsse unauffällig koloriert und warm, die Blut-
druckmessungen hätten normotone Werte gezeigt. Nach jetzigem Kennt-
nisstand ergebe sich aus dem hiesigen Befund keine namhafte Einschrän-
kung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit. Die Labordiag-
nostik habe neben einem gering erniedrigten Wert des Kreatinins im Spon-
C-5608/2020
Seite 22
tanurin, dem als Bezugsmessgrösse per se sonst keine weitere pathophy-
siologische Bedeutung zukomme, internistisch relevant unauffällige Labor-
werte gezeigt. Die eigenberichtete Alltagsgestaltung mit den Befähigun-
gen, die Haushaltsbesorgungen vollständig selbständig zu besorgen, mit
aktuell einem 50 %-Pensum als angestellte Ernährungsberaterin in einer
deutschen Klinik zu arbeiten, die Hobbies Lesen und Lernen zu pflegen,
täglich Sport zu treiben oder spazieren zu gehen, ihre Besorgungen zu
Fuss zu erledigen und im Oktober 2019 eine Urlaubsreise mit dem Flug-
zeug nach Teneriffa zu unternehmen, würden für erhaltene Ressourcen
sprechen (S. 70 f.).
In der Beurteilung der Konsistenz und Plausibilität hielt der Gutachter fest,
für die anamnestisch reklamierte hohe Schmerzintensität habe im klini-
schen Eindruck kein ausreichendes Korrelat bestanden. Die Versicherte
sei während der internistischen Begutachtung stets attent und aufmerksam
gewesen, Hinweise für die anamnestisch reklamierten Beschwerden einer
Erschöpfung, Müdigkeit oder Konzentrationsstörungen hätten sich nicht
gezeigt (S. 73).
Die Beschwerdeführerin sei in angestammter Tätigkeit zu 100 % arbeitsfä-
hig (S. 74), eine Anpassung der Tätigkeit sei aus internistischer Sicht nicht
erforderlich (S. 75). Eigenberichtet würden sämtliche Haushaltsbesorgun-
gen, wie beispielsweise Kochen, Waschen der Wäsche, Reinigen der Woh-
nung und Einkaufen vollständig alleine erledigt. Hinweise für eine Ein-
schränkung würden sich anamnestisch und anhand des hiesigen Befunds
mithin nicht ergeben (S. 76).
5.3.3 Dr. I._ stellte im angiologischen Teilgutachten die Diagnose
einer Hypothyreose unter Substitution und hielt ansonsten fest, dass aktu-
ell keine Hinweise für ein Raynaud-Phänomen mit/bei aktenkundig mehr-
fach beschriebener Raynaud-Symptomatik und auch keine Hinweise für
eine rheumatologische Grunderkrankung bestünden. Die von der Versi-
cherten geschilderten Beschwerden könnten nicht auf eine vaskuläre Ur-
sache zurückgeführt werden. Insbesondere habe auch nach mehrfachem
Nachfragen ein Raynaud-Phänomen mit typischer Tricolore-Symptomatik
nicht erfasst werden können. Auch während der Konsultation habe klinisch
kein Raynaud-Phänomen festgestellt werden können, obwohl die Versi-
cherte zu dem Zeitpunkt Raynaud-Attacken angegeben habe. Die nichtin-
vasiven angiologischen Untersuchungsbefunde hätten bei Raumluft eine
sehr gute Perfusion sowohl der oberen und unteren Extremitäten inklusive
der Finger und der Zehen beidseits gezeigt. In der Kapillarmikroskopie
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habe eine leichte Kapillarektasie festgestellt werden können ohne Hin-
weise für manifeste Veränderungen im Rahmen einer organischen Mikro-
angiopathie. Zusammenfassend habe keine Perfusionsstörung festgestellt
werden können, insbesondere gebe es auch keine Hinweise für entzündli-
che Gefässwandveränderungen (IV-act. 112 S. 129). Als Befund hielt die
Gutachterin insbesondere fest, die Versicherte sei in gutem Allgemein- und
schlankem Ernährungszustand. Es bestünden keine Ödeme, keine offenen
Läsionen und keine Ulzerationen an den Fingern oder an den Zehen. Die
Versicherte habe warme Hände und warme Vorfüsse beidseits. Es bestün-
den keine Hinweise für ein Raynaud-Phänomen (S. 127 f.).
In der versicherungsmedizinischen Beurteilung führte sie zudem aus, die
51-jährige Versicherte habe unklare Schmerzen in den Händen und in den
Füssen seit 2012 mit subjektiver Progredienz der Beschwerden. Weder la-
borchemisch noch in der Kapillarmikroskopie hätten in den letzten Jahren
pathologische Befunde erhoben werden können. Ein Raynaud-Phänomen
sei seit 2012 angenommen worden bei gelegentlich geringer Minderperfu-
sion der Finger und der Zehen. Die Versicherte sei zunächst als Haartrans-
plantationstechnikerin tätig gewesen und nun aktuell zu 50 % als Ernäh-
rungsberaterin. Es habe nie eine länger andauernde Arbeitsunfähigkeit be-
standen. Im Haushalt bestehe anamnestisch keine Einschränkung
(S. 130).
Bei der Beurteilung der Konsistenz und Plausibilität wurde festgehalten, die
beklagten Symptome hätten nicht auf eine vaskuläre Ursache zurückge-
führt werden können bei unauffälligen Untersuchungsergebnissen
(S. 131).
In angestammter Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeitsfä-
hig (S. 131), eine Anpassung der Tätigkeit sei aus angiologischer Sicht
nicht erforderlich (S. 132). Auch im Haushalt liege keine Einschränkung vor
(S. 133).
5.3.4 Im neurologischen Teilgutachten stellte Dr. J._ fest, dass kein
Anhalt bestehe für eine die Arbeitsfähigkeit limitierende Erkrankung des
zentralen oder peripheren Nervensystems. Die Versicherte habe einen
Ganzkörperschmerz mit Ausstrahlung von beiden Händen bis in beide
Schultern sowie von beiden Füssen bis in beide Knie vorgetragen. Zudem
leide sie seit mehreren Jahren an zunehmender Konzentrations- und Ge-
dächtnisstörung. Die Schmerzausprägung sei erheblich und sei mit einem
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Maximum von 9-10/10 auf der NAS angegeben worden. Einer regelmässi-
gen täglichen analgetischen Medikation bedürfe die Versicherte nicht, Zol-
pidem nehme sie nur an Abenden eines bevorstehenden Arbeitstages ein.
Ein Schmerzkalender sei nicht vorgelegt worden. Im erhobenen neurologi-
schen Befund hätten sich keine Hinweise auf ein namhaft radikuläres De-
fizit ergeben, weder zervikal noch lumbal (kein muskulärer Hartspann,
keine radikuläre Schmerzfortleitung). Es habe eine vollständig freie Be-
weglichkeit des Kopfes und der Halswirbelsäule vorgelegen. Auch die Len-
denwirbelsäule habe sich nicht eingeschränkt beweglich und ohne Hin-
weise auf Nervendehnungszeichen gezeigt. Die anamnestisch angegebe-
nen sensiblen Störungen hätten sich im Befund nicht nachzeichnen lassen,
insbesondere habe sich kein dermatomartig verteiltes sensibles Störungs-
muster gezeigt. Der klinische Befund habe zudem seitengleich auslösbare
Dehnungsreflexe für L5-S1 ergeben, die Reflexe TPR und ASR seien dabei
im Niveau nicht reduziert oder gesteigert gewesen. Das Zeichen nach
Lasègue sei beidseits negativ gewesen. Hinweise auf muskuläre Atrophien
hätten sich bei symmetrisch ausgebildetem Muskelrelief nicht ergeben. Die
erhaltenen Kennreflexe würden zudem gegen eine namenhafte substanzi-
elle Wurzelläsion sprechen, da die Kennreflexe für den sensibelsten Para-
meter einer strukturellen Spinalwurzelläsion gelten würden. Die bildmor-
phologischen Hinweise auf eine «mögliche Reizung der Nervenwurzel S1
beidseits», wie sie im MRI der gesamten Wirbelsäule vom 24. Februar
2020 beschrieben würden, seien nur dann sinnvoll bewertbar, wenn auch
ein eindeutiges klinisches Korrelat vorliege, was befundgestützt bei erhal-
tenem ASR und negativem Zeichen nach Lasègue beidseits unwahr-
scheinlich sei. Der bildmorphologische Befund des MRI der gesamten Wir-
belsäule vom 24. Februar 2020 habe auch zervikal keinen Hinweis auf ei-
genständig behinderungsrelevante Veränderungen gegeben. Hinweise auf
traumabedingte Veränderungen der HWS als Folge des PKW-Unfalls 2017
hätten sich weder bildmorphologisch noch klinisch gezeigt. Die angegebe-
nen Schmerzen seien somit neurologisch nicht erklärt. Ein Anhalt für eine
namhafte Störung von Kognition oder Vigilanz habe sich im erhobenen
neurologischen Befund ebenfalls nicht ergeben. In der neurologischen Un-
tersuchung sei die Versicherte wach, attent, eloquent, mnestisch und in der
Auffassung sicher gewesen und sei im Verlauf nicht ermüdet. Die kernspin-
tomographische Untersuchung des Schädels vom 20. Februar 2020 habe
keine Hinweise auf ein morphologisches Korrelat der reklamierten Störun-
gen ergeben. Zusammenfassend ergebe sich somit kein ausreichender
Anhalt für eine die Arbeitsfähigkeit in der letzten oder einer anderen Tätig-
keit namhaft mindernde Läsion am zentralen oder peripheren Nervensys-
tem. Für die reklamierte hohe Schmerzintensität (Maximum NAS 9/10)
C-5608/2020
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habe sich kein ausreichendes Korrelat gefunden (IV-act. 112 S. 190 f.).
In angestammter Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 %, eine
Anpassung der Tätigkeit sei aus neurologischer Sicht nicht notwendig
(S. 196). Auch im Haushalt bestehe kein Anhalt für namhafte Einschrän-
kungen (S. 198).
5.3.5 Dr. K._ stellte im rheumatologischen Teilgutachten die Diag-
nosen Verdacht auf Raynaud-Syndrom (in der hiesigen Untersuchung
ohne objektiven Störungsbefund unter Raumluft), Verdacht auf Enchond-
rom Mittelphalanx D5 links, Untergewicht und degenerative Wirbelsäulen-
veränderungen ohne klinisches Korrelat und Auswirkung auf die Arbeitsfä-
higkeit in der angestammten Tätigkeit. Er führte dazu aus, die Versicherte
reklamiere Schmerzen in den Fingern und Händen mit Ausstrahlung in den
Schulter-/Nackenbereich beidseits sowie Schmerzen in den Zehen und
Füssen. Ebenso beklage die Versicherte Bauchschmerzen und Rücken-
schmerzen bei bekannter Skoliose und Bandscheibenschäden der unteren
Wirbelsäule. In der vorgenommenen Untersuchung habe die Versicherte
nicht namhaft schmerzlimitiert gewirkt. Die spontane Beweglichkeit sei frei
und ungehindert gewesen. Während der Anamneseerhebung sei die Ver-
sicherte ruhig, in entspannter Sitzposition mit übereinandergeschlagenen
Beinen gesessen. Das An- und Auskleiden sei im Stehen flüssig, unter
wechselseitiger Einbeinbelastung ohne Abstützen am Mobiliar dargeboten
worden. Verrichtungen über die Horizontale seien uneingeschränkt ausge-
führt worden. Sämtliche Gangvarianten habe die Versicherte flüssig und
ohne Einschränkungen darbieten können. Während der hiesigen Untersu-
chung hätten sich hinsichtlich des aktenkundig berichteten Raynaud-Syn-
droms keine lividen Verfärbungen der Akren der oberen und unteren Ext-
remität gezeigt. Die Rekapillarisierung sei bei lackierten Finger- und Fuss-
nägeln nicht verifizierbar gewesen. Sekundärschäden mit typischen Haut-
veränderungen oder Nekrosen hätten sich weder an den Fingern noch an
den Zehen nachweisen lassen. Die grobe Kraft geprüft im gekreuzten
Handgriff sei beidseits ordentlich gewesen. Die von der Versicherten be-
klagte Kraftlosigkeit in den Händen und der oberen Extremität beidseits
könne nicht bestätigt werden. In der hiesigen Untersuchung sei die Beweg-
lichkeit der oberen Extremitäten frei und nicht namhaft limitiert gewesen.
Der Faustschluss sei beidseits komplett. In der Umfangsmessung hätten
seitengleiche Umfangsmasse ohne Hinweis für eine seitendifferente Mus-
kulatur bestanden, mithin ohne Zeichen einer Minderinnervation. Die Funk-
tionsuntersuchung der Wirbelsäule habe keine wesentlichen Funktionsein-
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Seite 26
schränkungen gezeigt. Die Beweglichkeit der LWS sei frei ausgeführt wor-
den mit einem Finger-Boden-Abstand (FBA) von 3 cm. Namhafte schmerz-
limitierende Bewegungseinschränkungen hätten nicht bestanden. In der
hiesigen radiologischen Diagnostik der Wirbelsäule habe in Höhe BWK2/3
ein geringer degenerativer Verschleiss mit einer Diskusextrusion und leich-
ter Pelottierung des Duralschlauches von ventral bestanden. Im lum-
bosakralen Übergang habe eine breitbasige Diskusprotrusion mit bilateral
mässig schweren rezessalen Engen und möglicher Reizung der Nerven-
wurzel S1 beidseits bestanden. Die radiologisch beschriebenen degenera-
tiven Veränderungen seien alterstypisch und ohne epidemiologisch beleg-
ten eigenständigen Krankheitswert. Ein radikuläres Schmerzprojektions-
muster oder ein sensibles Störungsmuster habe sich nicht ableiten lassen,
auch keine umschriebenen Paresen. Die von der Versicherten reklamierten
Schmerzwerte auf der Numerischen Rating-Skala (NRS) von 1-10 bei Be-
wegung mit 2 bis 4 und unter Belastung zwischen 5 und 6 würden nicht mit
der hier weitgehend schmerzfreien und ungehinderten spontanen Mobilität
korrelieren. Aus rheumatologischer Sicht erscheine anhand der Anamnese
und des vorliegenden Aktenmaterials ein Raynaud-Syndrom als möglich,
in der hiesigen Untersuchung bei Raumluft hätten keine Raynaud-Stö-
rungszeichen vorgelegen. In der Untersuchung habe sich zudem kein aus-
reichendes Korrelat der reklamierten Beschwerden in den Händen, Füssen
und der Wirbelsäule ergeben. Die spontane Beweglichkeit sei frei und un-
eingeschränkt gewesen. Die Höhe der angegebenen Schmerzen auf der
NRS von 5 bis 6 unter Belastung korreliere nicht mit der freien Beweglich-
keit. Zudem gebe die Versicherte an, keine Schmerzmittel einzunehmen
(IV-act. 112 S. 254-257).
In der versicherungsmedizinischen Beurteilung führte er aus, in der Zusam-
menschau der erhobenen Befunde würden sich keine Hinweise auf eine
behinderungsrelevante rheumatologische Grunderkrankung ergeben. Un-
ter Berücksichtigung der vorliegenden Aktendokumente, dem hiesigen kli-
nischen Befund und der radiologischen Diagnostik erscheine aus rheuma-
tologischer Sicht ein Raynaud-Syndrom als möglich. Die geklagte Be-
schwerdesymptomatik in den Händen, der Wirbelsäule und den Füssen sei
dabei jedoch nicht ausreichend eindeutig auf die Raynaud-Symptomatik
zurückzuführen, zumal in der hiesigen Untersuchung unter Raumluft keine
Störungszeichen bestanden hätten. Die multiplen Beschwerden der gros-
sen und kleinen Gelenke, welche sich im Verlauf über den ganzen Körper
ausgebreitet hätten, würden sich rheumatologisch nicht begründen lassen
(S. 259 f.).
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Seite 27
Bei der Beurteilung der Konsistenz und Plausibilität hielt der Gutachter er-
neut fest, in der Untersuchung ohne nachweisbare Raynaud-Symptomatik
unter Raumluft ergebe sich für die reklamierten Beschwerden in den Hän-
den und Füssen sowie im Bereich der Wirbelsäule kein ausreichendes Kor-
relat. Die berichtete rege Alltagsaktivität sei mit einem erheblich beein-
trächtigenden Raynaud-Syndrom zudem nicht in Einklang zu bringen. Die
Versicherte sei sozial gut integriert, sei selbstständig, selbstversorgend
und aktiv. Sämtliche Hausarbeiten würden eigenständig verrichtet. Die sub-
jektiven Beschwerden seien also überwindbar (S. 261).
In angestammter Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 %, eine
Anpassung der Tätigkeit sei aus rheumatologischer Sicht nicht erforderlich.
Prophylaktisch sollten jedoch Arbeiten verbunden mit Kälteexposition ver-
mieden werden (S. 262 f.). Ausserdem sei eine erhebliche Limitierung im
Haushalt nicht wahrscheinlich (S. 265).
5.3.6 Im psychiatrischen Teilgutachten stellte Dr. G._ fest, es be-
stehe kein Anhalt für eine psychiatrische Erkrankung mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 112 S. 328). Als Befund hielt sie fest, die Versi-
cherte erscheine in der sozialen Interaktion unauffällig und angemessen.
In der Exploration habe es keine Hinweise auf verminderte Kooperation
oder Motivation gegeben. Die Versicherte habe ruhig und ausgeglichen ge-
wirkt. Sie sei zudem gepflegt gekleidet und wirke altersentsprechend sowie
im Gespräch ruhig und gelassen. Sie berichte mit ausreichender Sprach-
produktion ohne Antwortlatenzen, die Sprachmelodie sei lebhaft und Mimik
sowie Gestik würden unbeeinträchtigt wirken. Der Rapport sei geordnet
und im Gespräch werde Augenkontakt gehalten. Insgesamt bestehe kein
psychisch erheblich beeinträchtigter Eindruck. Auch bestehe kein Anhalt
für qualitative oder quantitative Bewusstseinsstörungen und die Versi-
cherte sei voll orientiert. Konzentration und Aufmerksamkeit seien unauf-
fällig, das formale Denken geordnet, in angemessener Geschwindigkeit
und auf das Wesentliche beschränkt. Es bestehe keine Grübelneigung.
Ängste und Befürchtungen würden nicht vorliegen und ein Vermeidungs-
verhalten sei nicht zu eruieren. Zwangsgedanken, -impulse oder -handlun-
gen würden nicht bestehen, ausserdem würden keine Hinweise für inhalt-
liche Denkstörungen vorliegen. Es würden sich auch keine Hinweise für
das Vorliegen von Halluzinationen finden. Die Stimmung der Versicherten
wirke euthym und affektiv gut schwingungsfähig. Die Auslenkung zum po-
sitiven Pol gelinge. Der Antrieb wirke unauffällig und es würden sich keine
psychomotorischen Auffälligkeiten zeigen. Die neuropsychologische Zu-
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Seite 28
satzdiagnostik habe zudem zusammenfassend mehrheitlich normale Test-
ergebnisse erbracht. Unterdurchschnittliche Ergebnisse hätten sich in den
Bereichen der intrinsischen Alertness, des Arbeitsgedächtnisses sowie des
logischen Denkens gezeigt. Das Beschwerdevalidierungsverfahren habe
keine Hinweise auf eine eingeschränkte Leistungsmotivation erbracht. Das
lnstruktionsverständnis und die Umstellfähigkeit seien ausreichend gege-
ben gewesen. Die Frustrationstoleranz sei gut gegeben. Es hätten sich
keine Ermüdungserscheinungen gezeigt und Pausen seien nicht reklamiert
worden. Die Arbeitsrichtung bei Papier/Bleistift-Aufgaben sei regelrecht,
die visuelle Exploration systematisch. In Zusammenschau der Ergebnisse
der kognitiven Testung ergebe sich gemäss dem kausalitätsunabhängigen
Beurteilungssystem nach Frei et al. der Verdacht auf eine minimale neu-
ropsychologische Störung (S. 319-327).
Im Rahmen der Diagnose führte die Gutachterin zudem aus, die Versi-
cherte berichte vorrangig Schmerzen in beiden Händen und Armen mit Vi-
suelle Analogskala (VAS) Stärke 8, in den Füssen VAS 5, bei Kälte und
Nässe, im Sommer und in Wärme Absinken auf VAS 2. Es sei ein Morbus
Raynaud diagnostiziert worden. Eine höhergradige psychische Beeinträch-
tigung komme nicht zum Vortrag und sei auch in der vertiefenden Explora-
tion nicht herauszuarbeiten. Erwähnenswert sei sicher eine nicht unerheb-
liche Belastung durch die Ehe mit einem «Messie», Erziehung von zwei
kleinen Kindern, alleinige Bewältigung des Haushaltes, tägliches Pendeln
von (...) nach (...) und Arbeit an einem feuchten kalten Arbeitsplatz in der
Vergangenheit. Dies habe sie nach eigenen Angaben belastet, allerdings
nicht in einem Ausmass, das aus Sicht der Versicherten eine (medikamen-
töse) psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung erforderlich
gemacht hätte. Im hiesigen AMDP-konform erhobenen Befund seien keine
erheblichen Auffälligkeiten zu objektivieren. Insbesondere Stimmung, An-
trieb und affektive Schwingungsfähigkeit würden nicht namhaft gestört im-
ponieren. Eine affektive Erkrankung sei somit bei fehlender Achsensymp-
tomatik nicht ICD-10-konform zu diagnostizieren. Auch für das Vorliegen
einer anderweitigen psychiatrischen Erkrankung würde sich kein Anhalt fin-
den: Eine Angst- oder Zwangserkrankung, Persönlichkeitsstörung,
Suchterkrankung, Traumafolgestörung oder anderweitige psychiatrische
Erkrankung sei nicht ICD-10-konform zu diagnostizieren, da die entspre-
chenden Kriterien fehlen würden. Auch eine somatoforme Schmerzstörung
liege nicht vor: Ein den Schmerzen zugrundeliegender erheblicher und un-
bewältigter seelischer oder psychosozialer Konflikt sei anamnestisch nicht
herauszuarbeiten. Es bestehe aktuell auch kein namhaft schmerzgeplagter
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Eindruck (trotz Schmerzangabe VAS 8). Eine ICD-10-konforme Diagnose-
stellung sei somit auch hier nicht möglich. Vergleiche man die aktuell erho-
benen Befunde mit den aktenkundigen Vorunterlagen, so sei seitens des
Universitätsklinikums R._ im Rahmen einer tagesklinischen Be-
handlung im September 2014 unter anderem die Diagnose einer chroni-
schen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(F45.41), einer leichten depressiven Episode (F32.0) sowie eines Burnout-
Erschöpfungssyndroms (Z73) gestellt worden. Die parallel gestellten Diag-
nosen F32.0/Z73 und F45.41 seien bereits nicht ICD-10-konform, da das
ICD-10 Regelwerk eine Stellung von jedweden F45.4-Diagnosen bei Stel-
lung einer affektiven Diagnose (hier F32.0 und zudem Z73) explizit aus-
schliesse. Hier sei also der irreleitende Eindruck einer Polymorbidität ver-
mittelt worden. Angesichts des jetzigen psychiatrischen Befunds nach
AMDP liege auch keine namhafte depressive Störung mehr vor und die
oben ausgeführte Prüfung der ICD-10-Achsenkriterien einer F45.4-Diag-
nose würden nicht zutreffen. Es könne hier also allenfalls eine nunmehr
remittierte, vorangehend berichtete Depression, mithin keine invalidisie-
rende depressive Störung angenommen werden. Eine aktenkundig emp-
fohlene ambulante Psychotherapie habe nie stattgefunden, ebenfalls keine
stationäre psychosomatische Behandlung. Beides spreche gegen einen
erheblichen Leidensdruck. Es sei 2015 nochmals der Verdacht auf einen
Somatisierungsstörungsanteil bei anamnestisch chronischer Schmerzstö-
rung und Analgetikaabusus im Rahmen eines psychosomatischen Konsils
geäussert worden. Ein Analgetikaabusus liege zum jetzigen Zeitpunkt nicht
vor. Die diagnostischen Kriterien für das Vorliegen einer Schmerzstörung
seien auch weiterhin nicht erfüllt. Auch die von Herrn O._, Arzt für
psychosomatische Medizin, im April 2015 nochmals gestellte Diagnose ei-
ner chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak-
toren (F45.41) lasse sich nicht bestätigen. Allein aus der Tatsache, dass
sich für eine reklamierte Schmerzsymptomatik kein organ-pathologischer
Befund erheben lasse, könne die Diagnose einer psychogenen Schmerz-
störung nicht abgeleitet werden. Letztere sei keine Restverwertungskate-
gorie somatisch unverstandener Schmerzangaben, sondern entsprechend
den ICD-10-Vorgaben definiert und zu prüfen. Der psychiatrische Befund
werde von O._ im Wesentlichen als unauffällig beschrieben, mit
Ausnahme einer auf Schmerzen und Erschöpfung konzentrierten Versi-
cherten. Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. P._,
habe die Versicherte gutachterlich im März 2016 untersucht und führe di-
agnostisch eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4) und
eine Neurasthenie (F48.0) an, sehe diese Diagnosen allerdings nicht in ei-
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Seite 30
nem Zusammenhang mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Die Versi-
cherte berichte auch aktuell über eine rasche Erschöpfbarkeit, aus subjek-
tiven Klagen würden sich jedoch keine objektiven Einschränkungen ablei-
ten lassen. Somit sei auch im jetzigen Zeitpunkt, auch wenn der damaligen
diagnostischen Einschätzung nicht mehr gefolgt werde, auf psychiatri-
schem Fachgebiet weiterhin von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % sowohl
für die angestammte als auch eine Verweistätigkeit auszugehen. Gleiches
gelte schlussendlich auch für die Einschätzung aus dem interdisziplinären
Schmerzzentrum des Universitätsklinikums R._ vom April 2019.
Hier werde auf zahlreiche psychosoziale Faktoren verwiesen. Eine Aus-
sage zur Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht erhalte der Bericht
nicht, der Empfehlung einer ambulanten psychotherapeutischen Behand-
lung könne aus aktueller gutachterlicher Sicht gefolgt werden. Der Diag-
nose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradig,
könne angesichts des jetzigen Befunds nicht (mehr) gefolgt werden. Eine
wesentliche Belastung lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt weder durch die
Erziehung der Kinder noch im Zusammenhang mit dem Ex-Partner (der sie
in der Erziehung der Kinder unterstütze) noch im Rahmen der beruflichen
Tätigkeit (die Versicherte arbeite mit 50 % Pensum als Ernährungsberate-
rin in einer Klinik für krebskranke Patienten) erkennen. Die zum damaligen
Zeitpunkt empfohlene ambulante Psychotherapie sei von der Versicherten
auch jetzt nicht aufgenommen worden, dies spreche gegen einen erhebli-
chen Leidensdruck seitens der Versicherten (S. 328-331).
Bei der Beurteilung der Konsistenz und Plausibilität hielt die Gutachterin
fest, die Versicherte habe nicht namhaft schmerzgeplagt gewirkt (S. 332).
In angestammter Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 %, eine
Anpassung der Tätigkeit sei aus psychiatrischer Sicht nicht erforderlich.
Auch im Haushalt bestehe keine Einschränkung (S. 332-335).
5.3.7 RAD-Arzt Dr. F._ beurteilte das E._-Gutachten am
14. Mai 2020 als umfassend, auf den erforderlichen allseitigen Untersu-
chungen beruhend, unter Berücksichtigung der beklagten Leiden der ver-
sicherten Person entstanden und sich mit dem Verhalten der versicherten
Person auseinandersetzend. Ausserdem beruhe das Gutachten auf einer
vollständigen Aktenlage, sei medizinisch nachvollziehbar und in den
Schlussfolgerungen plausibel. Die anderen ärztlichen Einschätzungen
seien diskutiert und begründet worden. Die Indikatoren gemäss BGE 141
V 261 [recte: BGE 141 V 281] seien aufgeführt. Das Gutachten erfülle da-
her die praxisgemässen Kriterien vollumfänglich, prüfe die Indikatoren und
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Seite 31
es könne deshalb darauf abgestellt werden. Bei der versicherten Person
bestehe kein invalidisierender Gesundheitsschaden und es bestehe 100 %
Arbeitsfähigkeit für die letzte Tätigkeit als Haartransplantationstechnikerin
(IV-act. 125 S. 7 f.).
5.4 Die Parteien äussern sich zum polydisziplinären Gutachten bezie-
hungsweise zu den einzelnen Teilgutachten, gestützt auf welches bezie-
hungsweise welche der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine IV-
Rente von der Vorinstanz verneint worden war, wie folgt:
5.4.1 Die Beschwerdeführerin bringt beschwerdeweise insbesondere vor,
sie leide an einem sehr ausgeprägten und schmerzhaften primären Ray-
naud-Syndrom. Ausserdem würden seit Jahren auch lumbale Rücken-
schmerzen als Folge eines degenerativen LWS-Syndroms mit Spondylar-
throse und Osteochondrose sowie lumbosakraler Bandscheibendegenera-
tion bestehen. Ihr grösstes Problem seien die anhaltenden und starken
Schmerzen beim geringsten Anzeichen von Kälte und Stress. Aufgrund der
Schmerzen sei sie immer müde und erschöpft, was zu einer verminderten
Arbeitsfähigkeit führe (vgl. B-act. 1 Ziff. B-D [Begründung]).
Die Begutachtung in der Schweiz sei «korrekt» durchgeführt worden, je-
doch ohne tiefere Details zu erreichen. Bei der ersten internistischen Un-
tersuchung vom 6. Februar 2020 beispielsweise habe sie aufgrund der
Kälte draussen solche Schmerzen gehabt, dass sie kaum habe sprechen
können und sie sei sehr unkonzentriert gewesen. Sie habe versucht, dem
Arzt zu erklären, dass es ihr nicht gut gehe, aber er habe ihr in einem kalten
Ton gesagt, dass sie nur auf das antworten solle, was er sie frage und sonst
nichts. Hinsichtlich der angiologischen Untersuchung rügt die Beschwer-
deführerin, dass kein Kälteprovokationstest durchgeführt worden sei. Sie
habe nicht die spezifische trikolore Verfärbung der Finger, aber ihre Hände
würden sehr blass und sie habe alle anderen spezifischen Symptome bei
Kälteunverträglichkeit sehr ausgeprägt. Es reiche aus, etwas kalten Wind
im Gesicht zu spüren und das löse bereits Schmerzen aus. In der Uniklinik
R._ habe sie nach einer Minute abbrechen müssen, weil die
Schmerzen (aufgrund der Kälteprovokation mit Eiswasser, vgl. IV-act. 36
S. 10 f.) so stark gewesen seien. Im Übrigen müsste die Ärztin wissen,
dass es auch unspezifische Raynaud-Syndrome gebe. Betreffend die neu-
rologische Untersuchung bringt sie vor, dass es ihr nach den Tests, welche
sehr anstrengend gewesen seien, sehr schlecht gegangen sei und sie nicht
mit dem Zug habe nach Hause fahren können. Doch im Gutachten werde
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ihre starke Erschöpfung mit keinem Wort erwähnt. Die psychiatrische Un-
tersuchung bei der Fallführerin sei eigentlich nur eine nette Konversation
gewesen. Es sei gar nicht über ihre Schmerzen gesprochen worden (vgl.
B-act. 1 Ziff. D1-D4 [Begründung]).
Hinsichtlich der angestammten Tätigkeit als Haartransplantationstechnike-
rin führt die Beschwerdeführerin unter anderem aus, die Transplantate wür-
den permanent in einer auf 4 Grad Celsius gekühlten physiologischen Lö-
sung gelagert. Bei der Bearbeitung unter dem Mikroskop müssten sie stets
feucht gehalten werden. Feucht halten bedeute, dass die Umgebung noch
kühler sei. Sie empfinde alles unter 17 Grad Celsius als sehr kalt und es
würden Schmerzen ausgelöst. Die Transplantate würden zudem mit Eis
gekühlt. Diese Arbeit sei für ihre schwere Symptomatik nicht angepasst,
doch die Angiologin habe sich nicht die Mühe gemacht zu recherchieren
(vgl. B-act. 1 Ziff. D2 [Begründung]).
Was ihre aktuelle Tätigkeit betrifft, ist die Beschwerdeführerin der Ansicht,
dass diese nicht als leicht einzustufen sei. Es sei gut, dass sie in der
Wärme sei und die Hände nicht benutzen müsse. Aber die Tätigkeit sei
verbunden mit einer starken psychischen Belastung, da sie in einer Klinik
für Krebskranke als Ernährungsberaterin arbeite. In den Herbst- und Win-
termonaten sei es für sie daher nicht möglich, zu 100 % zu arbeiten, da sie
dann ohnehin schon aufs äusserste erschöpft sei aufgrund der Schmerzen.
Es sei ihr mehrmals passiert, dass sie wegen zu starker Schmerzen plötz-
lich rumänisch mit den Patienten gesprochen habe (vgl. B-act. 1 Ziff. D6
[Begründung]).
In Bezug auf den Haushalt macht die Beschwerdeführerin geltend, es gebe
jede Menge im Haus zu tun. Sie könne sich mit ihrem Lohn keine Aushilfe
leisten. Aber zu Hause könne sie sich jederzeit hinlegen, wenn sie zu er-
schöpft sei und starke Schmerzen habe, niemand übe Druck auf sie aus.
Bei ihrer Tätigkeit als Ernährungsberaterin falle es ihr jedoch sehr schwer,
8 Stunden pro Tag durchzuhalten (vgl. B-act. 1 Ziff. E [Begründung]).
Sie leide sehr unter ihren Schmerzen und sei daher zurzeit in psychothe-
rapeutischer Behandlung (vgl. B-act. 1 Ziff. H [Begründung]).
Neben dem Geld der IV, welches ihr zustehe, bittet die Beschwerdeführerin
um eine Entschädigung für all die schweren Jahre ohne Unterstützung,
welche ihre Krankheit noch mehr verschärft hätten, insofern als sie am
Ende ihrer Kräfte sei (vgl. B-act. 1 Ziff. I [Begründung]).
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Seite 33
5.4.2 Mit unaufgeforderter Eingabe reichte die Beschwerdeführerin ergän-
zend zu ihrer Beschwerde den Entlassungsbericht der Klinik Q._,
Akutklinik zur Behandlung von Allergien, Haut- und Umwelterkrankungen,
vom 10. Februar 2021 hinsichtlich ihres stationären Aufenthalts vom
12. Januar bis 2. Februar 2021 ein. Gleichzeitig macht sie geltend, ihr Ge-
sundheitszustand habe sich noch mehr verschlechtert. Mit Beginn des
Herbstes habe sie wieder grosse Schmerzen und ihre Erschöpfung ein ext-
remes Stadium erreicht. Gleichzeitig könne sie nicht essen ohne Bauch-
schmerzen und Blähungen (vgl. B-act. 9).
5.4.3 Die Vorinstanz äussert sich in der Vernehmlassung dahingehend,
dass die Beschwerde abzuweisen und die angefochtene Verfügung zu be-
stätigen sei (vgl. B-act. 10). Die von der Vorinstanz einbezogene kantonale
IV-Stelle teilte mit, es werde am Entscheid, welcher auf dem E._-
Gutachten und den Stellungnahmen der RAD-Ärzte beruhe, festgehalten
(vgl. B-act. 10 Beilage 1).
Auch in der ergänzenden Stellungnahme hält die Vorinstanz an ihren An-
trägen fest (vgl. B-act. 12).
5.4.4 In ihrer Replik bringt die ab diesem Zeitpunkt anwaltlich vertretene
Beschwerdeführerin vor, ihre Erwerbsfähigkeit sei seit vielen Jahren mas-
siv eingeschränkt insbesondere aufgrund eines Raynaud-Syndroms, Nah-
rungsmittelunverträglichkeiten, eines chronischen Erschöpfungssyndroms
sowie einer depressiven Störung (vgl. B-act. 15 Rz. 5). Das Raynaud-Syn-
drom bestehe seit ungefähr 2011 und habe seit 2013 zu einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Haartransplantations-
technikerin geführt. Bereits geringe Kälte löse bei der Beschwerdeführerin
starke Schmerzen aus. Dass an einem Arbeitsplatz allenfalls ausreichend
warme Temperaturen herrschten, sei daher keine Lösung, denn die Ar-
beitstätigkeit sei mit dem Arbeitsweg verbunden. Die mit der Kälte verbun-
denen Beschwerden würden nicht mit Betreten der Arbeitsstätte ver-
schwinden, sondern würden während der Ausübung der Arbeitstätigkeit be-
stehen bleiben. Hinzu kämen die mit den Einschränkungen verbundene
Einbusse an Lebensqualität, welche psychische Probleme mit sich bringen
würde, die sich ebenfalls auf die Erwerbsfähigkeit auswirken würden (vgl.
B-act. 15 Rz. 6). Weiter leide die Beschwerdeführerin seit Jahren unter
häufigen und starken Erschöpfungszuständen, die typische Symptome ei-
nes chronischen Erschöpfungssyndroms seien, welches ihr der Entlas-
sungsbericht der Klinik Q._ ausdrücklich attestiere. Da das Vorlie-
gen eines chronischen Erschöpfungssyndroms aktenkundig sei, weil die
C-5608/2020
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vier Hauptkriterien gemäss internationalem Konsens erfüllt seien, stehe
zweifelsfrei fest, dass die Beschwerdeführerin daran leide. Die Auswirkun-
gen auf das Leben der Beschwerdeführerin seien gravierend und es dürfte
offenkundig sein, dass die Ausübung einer Erwerbstätigkeit unter diesen
Voraussetzungen nicht möglich sei (vgl. B-act. 15 Rz. 8-16). Ausserdem
leide die Beschwerdeführerin gemäss den Arztberichten von S._
und Dr. N._ an einer depressiven Störung (vgl. B-act. 15 Rz. 17).
Hinsichtlich des E._-Gutachtens bringt die Beschwerdeführerin vor,
dieses erweise sich über weite Strecken als unvollständig und sei nicht
nachvollziehbar. Es zitiere zwar frühere Arztberichte, bestreite aber deren
Korrektheit pauschal und komme ohne eingehende Begründung zum
Schluss, bei der Beschwerdeführerin lägen keine Diagnosen mit Auswir-
kung auf die Arbeitsfähigkeit vor. Dies sei insofern problematisch, als die
durchgeführten Explorationen nur 90 Minuten gedauert hätten und die Gut-
achterinnen und Gutachter die Beschwerdeführerin nicht kennen würden.
Die von dieser selbst ins Recht gelegten Arztberichte stammten von Fach-
personen, welche die Beschwerdeführerin über einen längeren Zeitraum
hätten beobachten können und sie teils schon seit Jahren kennen würden.
Nur schon aus diesem Grund komme dem E._-Gutachten ein ge-
ringerer Beweiswert zu (vgl. B-act. 15 Rz. 19). Hinsichtlich des Raynaud-
Syndroms moniert die Beschwerdeführerin insbesondere, dass das rheu-
matologische Gutachten dem Umstand, dass die Tätigkeit als Haartrans-
plantationstechnikerin bei Kälte und Feuchtigkeit ausgeübt werde, keine
Rechnung trage. Dennoch empfehle Dr. K._, prophylaktisch Arbei-
ten verbunden mit Kälteexposition zu vermeiden, während Dr. G._
hingegen bestätige, dass es sich um einen feuchten und kalten Arbeitsplatz
gehandelt habe. Irrelevant sei zudem, dass der Verdacht auf Vorliegen ei-
nes Raynaud-Syndroms ohne objektiven Störungsbefund unter Raumluft
sei, da es nicht möglich sei, sich immer nur in einer temperierten Umge-
bung aufzuhalten. Weiter sei die Beschwerdeführerin aufgrund äusserer
Umstände gezwungen, die notwendigen Alltagstätigkeiten zu verrichten.
Hieraus dürfe jedoch nicht geschlossen werden, diese Tätigkeiten würden
ihr leichtfallen. Vielmehr sei sie nur aufgrund eines starken Willens und der
Einnahme entsprechender Medikamente dazu in der Lage. Im Übrigen wi-
derspreche das Gutachten den früheren Diagnosen anderer Fachperso-
nen, ohne sich jedoch eingehend damit zu befassen (vgl. B-act. 15 Rz. 20-
23). Was die depressive Störung betreffe, bemängelt die Beschwerdefüh-
rerin, es sei schleierhaft, wie die Gutachterin zum Schluss habe kommen
können, es liege keine psychiatrische Erkrankung in Form einer depressi-
C-5608/2020
Seite 35
ven Störung vor. Eine solche sei weder Teil des Gesprächs noch der durch-
geführten Tests gewesen. Der Gutachterin sei schlicht und ergreifend nicht
genügend Zeit zur Verfügung gestanden, um diese Frage vertieft zu klären.
Die von Dr. N._ gestellten Diagnosen würden mit der pauschalen
Behauptung ignoriert, die gestellten psychiatrischen Diagnosen liessen
sich nicht bestätigen, zumindest liege angesichts des jetzigen Befunds
keine dauerhafte depressive Störung vor (vgl. B-act. 15 Rz. 24-25). Hin-
sichtlich des chronischen Erschöpfungssyndroms führt die Beschwerde-
führerin aus, die Option eines chronischen Erschöpfungssyndroms sei im
Gutachten nicht überprüft worden. Das Gutachten erweise sich in dieser
Hinsicht als unvollständig, weil die Beschwerdeführerin ausreichend Symp-
tome zur Diagnostizierung aufweise (vgl. B-act. 15 Rz. 26).
5.5 Nachfolgend ist das E._-Gutachten vom 5. Mai 2020, auf wel-
ches sich die Vorinstanz im Wesentlichen abstützt, daraufhin zu überprü-
fen, ob es begründet ist, sich mit den Vorbringen der Beschwerdeführerin
sowie den Beurteilungen der behandelnden Ärzte auseinandersetzt und
letztlich plausible, für das Gericht nachvollziehbare Schlussfolgerungen
enthält. Wesentlich ist dabei insbesondere, ob das Gutachten die gemäss
Urteil C-6006/2016 noch offenen Fragen klärt (vgl. dazu oben Bst. B.h).
5.5.1 Soweit die Beschwerdeführerin vorbringen lässt, dem E._-
Gutachten komme ein geringerer Beweiswert zu als den Berichten der be-
handelnden Ärzte (vgl. oben E. 5.4.4 zweiter Absatz), welche die Be-
schwerdeführerin im Gegensatz zu den Gutachter/innen seit Jahren ken-
nen würden, ist daran zu erinnern, dass gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung die Berichte behandelnder Haus- und Spezialärzte auf-
grund deren auftragsrechtlicher Vertrauensstellung zur Patientin mit Vor-
behalt zu würdigen sind. Ausserdem kommt einem Gutachten externer
Spezialärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchun-
gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte-
rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zu, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (vgl. oben E. 4.5.2 dritter Absatz).
5.5.2 Was die angestammte Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Haar-
transplantationstechnikerin betrifft, welche gemäss Erwägung 6.4.2 des
Urteils C-6006/2016 sitzend in Zwangsposition in einem kühlen Operati-
onssaal, die Hände in kaltem Eiswasser und mit intensiver feinmotorischer
Tätigkeit mit Mikroskopunterstützung erfolgt, ist mit der Beschwerdeführe-
C-5608/2020
Seite 36
rin festzuhalten, dass die Begründung der von den Gutachter/innen festge-
stellten Arbeitsfähigkeit von 100 % teilweise nicht schlüssig ist:
Es ist für das Gericht insbesondere nicht nachvollziehbar, wie die angiolo-
gische Gutachterin aufgrund der von ihr ausschliesslich unter Raumluft er-
hobenen Befunde und vor dem Hintergrund, dass die Rheumaambulanz
des Universitätsklinikums R._, das Interdisziplinäre Gefässzentrum
des Universitäts-Herzzentrums R._ und das Interdisziplinäre
Schmerzzentrum des Universitätsklinikums R._ im Zeitraum von
2015 bis 2020 bei der Beschwerdeführerin aktenkundig Schmerzen und
eine Minderperfusion teilweise nach Kälteprovokation festgestellt haben
(vgl. dazu IV-act. 36 S. 10 f.; 87 S. 19, S. 22 f., S. 32 ff.; 126 S. 64 f.), zum
Schluss kommen konnte, die Beschwerdeführerin sei in ihrer angestamm-
ten Tätigkeit, welche zwar keinen klassischen Kältearbeitsplatz darstellt,
aber bei der die Hände der Beschwerdeführerin dennoch jeweils kälteex-
poniert waren (vgl. Urteil C-6006/2016 E. 6.4.2), immer zu 100 % arbeits-
fähig gewesen. Zwar hat die Beschwerdeführerin gegenüber der Gutach-
terin angegeben, während der Untersuchung bereits bei Raumluft an Ray-
naud-Attacken zu leiden, was sich in der gutachterlichen Untersuchung
nicht bestätigte, dennoch wäre im Hinblick auf die angestammte Tätigkeit
der Beschwerdeführerin mit Kälteexposition der Hände zumindest eine dif-
ferenzierte Auseinandersetzung mit den obgenannten Arztberichten und
gegebenenfalls eine Untersuchung nach Kälteexposition – wie von der Be-
schwerdeführerin beanstandet (vgl. oben E. 5.4.4 zweiter Absatz) – erfor-
derlich gewesen.
Weiter geht der rheumatologische Gutachter – wie von der Beschwerde-
führerin vorgebracht (vgl. oben E. 5.4.4 zweiter Absatz) – bei seiner Beur-
teilung der Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit als Haartransplanta-
tionstechnikerin fälschlicherweise entgegen dem Urteil C-6006/2016 davon
aus, dass die Tätigkeit in normaltemperierten Räumlichkeiten ausgeführt
werde, und verweist lediglich darauf, dass in seiner Untersuchung unter
Raumluft keine Raynaud-Zeichen feststellbar gewesen seien. Gleichzeitig
empfiehlt er, Arbeiten mit Kälteexposition sollten prophylaktisch vermieden
werden. Entsprechend ist die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von 100 %
in angestammter Tätigkeit auch in rheumatologischer Hinsicht nicht voll-
ständig nachvollziehbar.
Zusätzlich fällt hinsichtlich der Diagnose des Raynaud-Syndroms auf, dass
die Gutachter/innen im Gegensatz zu den behandelnden Ärzten und Ärz-
C-5608/2020
Seite 37
tinnen keine definitive Diagnose festgehalten haben, da zumindest anläss-
lich der Begutachtung, welche jedoch lediglich unter Raumluft erfolgt ist,
keine die Diagnose bestätigenden Hinweise festgestellt werden konnten.
5.5.3 Hinsichtlich der aktuellen Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Er-
nährungsberaterin beziehungsweise in einer vergleichbaren Tätigkeit so-
wie in Bezug auf die Hausarbeit erweist sich das E._-Gutachten
hingegen als beweiskräftig. Es ist diesbezüglich umfassend, beruht auf ein-
gehenden Untersuchungen der Beschwerdeführerin und setzt sich mit den
von ihr geltend gemachten Beschwerden auseinander. Ferner ist es in
Kenntnis der bei den Akten liegenden medizinischen Berichte erstattet wor-
den (vgl. IV-act. 112 S. 337 ff.) und setzt sich mit diesen hinsichtlich der
Arbeitsfähigkeit – entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin (vgl.
oben E. 5.4.4 zweiter Absatz) – soweit erforderlich auseinander:
5.5.3.1 In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass insbeson-
dere die Berichte des Hausarztes Dr. D._ keine eigenen Befunde
aufweisen und die weiteren internistischen Unterlagen keine Aussagen zur
funktionalen Einschränkung der Beschwerdeführerin in ihrer aktuellen oder
in vergleichbaren Tätigkeiten enthalten. Wie bereits im rechtskräftigen Ur-
teil C-6006/2016 festgehalten, finden sich zudem in den Vorakten – abge-
sehen von unkommentierten Befunden der rheumatologischen Gutachterin
Dr. L._ (IV-act. 48) und einem Ausschluss eines Karpaltunnelsyn-
droms im März 2014 (IV-act. 12 S. 14) – keine fachmedizinischen Beurtei-
lungen in neurologischer Hinsicht (vgl. E. 6.8). In rheumatologischer Hin-
sicht konnte sodann – abgesehen vom Verdacht beziehungsweise der Di-
agnose eines Raynauds-Syndroms – aufgrund der erhobenen Befunde nie
eine Diagnose gestellt werden.
5.5.3.2 Die interdisziplinäre Gesamtbeurteilung (vgl. oben E. 5.3.1) nimmt
sodann insbesondere Bezug auf die Einschätzung des Universitätsklini-
kums R._ vom 9. September 2016 betreffend die Auswirkungen
des Raynaud-Syndroms auf die Arbeitsfähigkeit (vgl. dazu IV-act. 70
S. 8 ff. = 87 S. 16 ff.). Die Gutachter/innen teilen die Einschätzung von
Dr. M._ zumindest hinsichtlich der aktuellen Tätigkeit als Ernäh-
rungsberaterin und vergleichbaren Arbeiten nicht, dass eine «Arbeitsunfä-
higkeit bezüglich der bisherigen und der angepassten beruflichen Tätigkei-
ten [bestehe], da bei Kälte/Nässe Exposition (Haartransplantation/Kosme-
tik) eine deutliche Verschlechterung der Perfusion und somit der Raynaud
Symptomatik festzustellen ist». Dies ist für das Gericht aufgrund der Be-
C-5608/2020
Seite 38
funde der Begutachtung nachvollziehbar und nicht – wie von der Be-
schwerdeführerin vorgebracht (vgl. oben E. 5.4.4 zweiter Absatz) – unzu-
reichend begründet, denn die aktuelle Tätigkeit der Beschwerdeführerin als
Ernährungsberaterin geht klarerweise nicht mit einer Kälte/Nässe-Exposi-
tion einher, sondern findet in einem Raum mit Normaltemperatur statt. Zwar
bringt die Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren vor, etwas kalter
Wind im Gesicht reiche aus, sie empfinde bereits alles unter 17 Grad Cel-
sius als sehr kalt und es würden Schmerzen ausgelöst (vgl. oben E. 5.4.1
zweiter und dritter Absatz). Ihr Rechtsvertreter macht diesbezüglich weiter
geltend, die mit der Kälte verbundenen Beschwerden (auf dem Arbeitsweg)
würden nicht mit Betreten der Arbeitsstätte verschwinden, sondern wäh-
rend der Ausübung der Arbeitstätigkeit bestehen bleiben (vgl. oben E. 5.4.4
erster Absatz). In diesem Zusammenhang fällt jedoch auf, dass die von der
Beschwerdeführerin bemängelte Begutachtung im Februar 2020 und damit
in einem der kalten Wintermonate mit üblicherweise Temperaturen unter
17 Grad Celsius stattgefunden hat. Die Beschwerdeführerin selbst führt in
der Beschwerde auch aus, sie habe aufgrund der Kälte anlässlich der Be-
gutachtung unter Schmerzen gelitten und es sei ihr nicht gut gegangen
(vgl. oben E. 5.4.1 zweiter Absatz). Allerdings konnten alle Gutachter/innen
trotz jeweiliger Angabe einer hohen Schmerzintensität durch die Beschwer-
deführerin keinen übermässig schmerzgeplagten Eindruck anlässlich der
Untersuchungen feststellen. Vielmehr haben sie festgehalten, für die hohe
Schmerzangabe beziehungsweise die angegebenen Beschwerden be-
stehe kein ausreichendes Korrelat. Zudem konnten keine Anzeichen für
Müdigkeit, Erschöpfung oder eine Konzentrationsstörung festgestellt wer-
den (vgl. dazu oben E. 5.3.1 ff.).
5.5.3.3 Auch im psychiatrischen Teilgutachten setzt sich die Gutachterin
kritisch mit den Vorakten auseinander (vgl. oben E. 5.3.6). Aufgrund der im
Gutachten erhobenen Befunde sowie der Würdigung der Arztberichte
durch die Gutachterin ist für das Gericht nachvollziehbar, dass kein Anhalt
für eine psychiatrische Erkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
besteht. Die Beschwerdeführerin verfügt offensichtlich über erhaltene Res-
sourcen: So hat sie gemäss ihrem Lebenslauf trotz geltend gemachter Ar-
beitsunfähigkeit seit Dezember 2013 zwei Ausbildungen absolviert und
zwar als Entspannungstherapeutin von Juni bis September 2014 sowie ein
Masterstudium in Ernährungswissenschaft von Oktober 2015 bis Oktober
2017. Weiter hat die Beschwerdeführerin von Januar 2017 bis November
2018 für das T._-Insitut und von Juni 2018 bis Mai 2019 als SPA-
Rezeptionistin in einem Hotel gearbeitet. Aktuell ist sie seit Dezember 2018
als Ernährungsberaterin in einer onkologischen Klinik tätig (vgl. IV-act. 96
C-5608/2020
Seite 39
= B-act. 1 Beilage 1; vgl. dazu auch B-act. 1 Beilagen 9 und 11). Ausser-
dem liegt bei den Akten eine Bestätigung der U._ GmbH vom 4. Ok-
tober 2016 betreffend die Kündigung der Beschwerdeführerin per 15. Ok-
tober 2016 (B-act. 1 Beilage 10). Überdies hat die Beschwerdeführerin im
Sommer/Herbst 2019 eine Ferienreise nach Teneriffa unternommen, pflegt
ihre Hobbies sowie soziale Kontakte und besorgt die Hausarbeit (vgl. IV-
act. 112 S. 59 ff., 66). Auffallend ist zudem, dass die Beschwerdeführerin
gemäss den Vorakten nie eine konsequente ambulante psychiatrische Be-
handlung in Anspruch genommen hat. Erst im Beschwerdeverfahren hat
sie – unter Beilage eines Antrags auf Psychotherapie, datiert vom 16. Juli
2020 – ausgeführt, sie befinde sich zurzeit in psychotherapeutischer Be-
handlung (B-act. 1 Ziff. H [Begründung]; vgl. auch oben E. 5.4.1). Aller-
dings finden sich diesbezüglich keine weiteren Berichte in den vorliegen-
den Akten. Die Beschwerdeführerin hat sich darauf beschränkt, im Be-
schwerdeverfahren in psychiatrischer Hinsicht – abgesehen von den Be-
richten zu den Konsultationen im Interdisziplinären Schmerzzentrum der
Universitätsklinik R._ – einen Bericht von S._ vom 25. März
2019 (vgl. IV-act. 120 = B-act. 1 Beilage 8 = B-act. 15 Beilage 4) einzu-
reichen, in dem am Ende festgehalten wird, psychiatrischerseits sei kein
weiterer Wunsch seitens der Patientin geäussert worden und diese werde
sich bei Bedarf wieder melden. Vor dem Hintergrund, dass die Beschwer-
deführerin von sich aus alle neueren Berichte, beispielsweise der Klinik
Q._ und der Magen-Darm-Ambulanz des Universitätsklinikums
R._ (Beilagen zu B-act. 9 und 15), eingereicht hat, bestehen ent-
sprechende Zweifel an einer aktuellen konsequenten psychiatrischen Be-
handlung.
Die Feststellung der psychiatrischen Gutachterin, dass kein Anhalt für eine
psychiatrische Erkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe,
deckt sich im Übrigen insofern mit dem als beweiskräftig eingestuften psy-
chiatrischen Gutachten von Dr. P._ vom 26. März 2016 (vgl. oben
Bst. B.h), als ihr dieses einzig eine anhaltende somatoforme Schmerzstö-
rung sowie eine Neurasthenie als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Ar-
beitsfähigkeit attestierte. Der Gutachter hatte damals insbesondere festge-
halten, die Beschwerdeführerin verfüge über sehr gute kognitive Ressour-
cen und auch über genügend innerpsychische Ressourcen, sodass die
Konfliktsituationen im Zusammenhang mit der Schmerzstörung überwind-
bar seien, und bei der Neurasthenie handle es sich unter Berücksichtigung
der Tagesaktivitäten nicht um eine erhebliche Symptomatik (IV-act. 46
S. 14.).
C-5608/2020
Seite 40
Soweit die Beschwerdeführerin zudem beschwerdeweise vorbringt, die
psychiatrische Begutachtung sei nur eine nette Konversation gewesen,
ohne über die Schmerzen zu sprechen (vgl. oben E. 5.4.1 zweiter Absatz),
und in ihrer Replik weiter ausführen lässt, eine depressive Störung sei we-
der Teil des Gesprächs noch der durchgeführten Tests gewesen und der
Gutachterin sei schlicht und ergreifend nicht genügend Zeit zur Verfügung
gestanden, um diese Frage vertieft zu klären (vgl. oben E. 5.4.4 zweiter
Absatz), kann ihr nicht gefolgt werden: Dem psychiatrischen Teilgutachten
ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin über ihre Schmerzen und
ihre aktuelle Stimmung berichtet hat und dies von der Gutachterin entspre-
chend in ihre Beurteilung aufgenommen worden ist (vgl. IV-act. 112 S. 306-
315).
Was die weiteren Vorbringen betreffend die durch Dr. N._ und
S._ diagnostizierte depressive Störung betrifft (vgl. oben E. 5.4.4
zweiter Absatz), ist Folgendes festzuhalten: Im neusten von Dr. N._
(Fachärztin für Neurochirurgie /Spezielle Schmerztherapie), Dr. V._
(Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie / Spezielle Schmerzthera-
pie) und Dr. W._ (Psychologin) vorgelegten Bericht vom 18. April
2019 wird insbesondere eine rezidivierende depressive Störung, gegen-
wärtig mittelgradige Episode mit innerer Unruhe, diagnostiziert. In diesem
Zusammenhang wird festgehalten, dass Antrieb und Energieniveau deut-
lich vermindert und die Stimmungslage dauerhaft gedrückt seien sowie
weiterhin Gefühle von Müdigkeit und «Ausgelaugtsein» bestehen würden
(vgl. IV-act. 87 S. 32 ff. = 90 S. 9 ff. = 90 S. 19 ff. = B-act. 1 Beilage 7). Im
Gegensatz dazu hat die aktuelle psychiatrische Gutachterin insbesondere
festgehalten, der Antrieb wirke unauffällig, die Stimmung euthym, affektiv
gut schwingungsfähig und die Auslenkung zum positiven Pol gelinge. Sie
ist entsprechend nachvollziehbar und begründet zum Schluss gelangt,
dass aktuell keine namhafte depressive Störung mehr vorliege und es
könne allenfalls eine nunmehr remittierte, vorangehend berichtete Depres-
sion, mithin keine invalidisierende depressive Störung, angenommen wer-
den (vgl. oben E. 5.3.6 zweiter Absatz). Von der Fachärztin für Psychiatrie
S._ ist in den Akten neben Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen für
die Zeit vom 24. April 2019 bis 3. Juni 2019, 3. April 2020 bis 15. Mai 2020
und 13. bis 29. Oktober 2020 (vgl. B-act. 1 Beilagen 13 und 18) lediglich
ein Arztbericht vom 25. März 2019 enthalten (vgl. IV-act. 120 = B-act. 1
Beilage 8 = B-act. 15 Beilage 4; vgl. bereits oben E. 5.5.3.3 erster Absatz).
In diesem Bericht finden sich jedoch im Zusammenhang mit den gestellten
Diagnosen (insbesondere somatoforme Schmerzstörung und depressive
Episode) weder nachvollziehbare Begründungen noch Ausführungen zu
C-5608/2020
Seite 41
den funktionellen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde-
führerin. Es wird vielmehr festgehalten, der Beschwerdeführerin mache der
Nebenjob in der X._-Klinik als Diätassistentin Freude und ihr Ziel
sei es, eine halbe Stelle als Ernährungsberaterin der Klinik zu bekommen.
Hinsichtlich der gerügten Nichtbeachtung eines möglichen chronischen Er-
schöpfungssyndroms trotz entsprechender Symptome (vgl. oben E. 5.4.4
zweiter Absatz) hat die psychiatrische Gutachterin festgehalten, die Versi-
cherte berichte auch aktuell über eine rasche Erschöpfbarkeit, aus subjek-
tiven Klagen würden sich jedoch keine objektiven Einschränkungen ablei-
ten lassen (IV-act. 112 S. 330). In diesem Zusammenhang fällt zudem auf,
dass die Beschwerdeführerin auch anlässlich der neuropsychologischen
Testung gemäss Gutachten keine Ermüdungserscheinungen zeigte und
keine Pausen reklamiert hat (vgl. IV-act. 112 S. 326) und auch die übrigen
Gutachter/innen keine Anzeichen für Müdigkeit, Erschöpfung oder eine
Konzentrationsstörung feststellen konnten (vgl. oben E. 5.5.3.2), weshalb
die Ausführungen der Gutachterin in dieser Hinsicht durchaus schlüssig er-
scheinen.
5.5.3.4 Weiter ist betreffend das geltend gemachte chronische Erschöp-
fungssyndrom, welches der Beschwerdeführerin gemäss neu eingereich-
tem Entlassungsbericht der Klinik Q._ ausdrücklich attestiert wor-
den sei (vgl. oben E. 5.4.4 erster Absatz), Folgendes festzuhalten: Im erst
im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten Entlassungsbericht
der Klinik Q._ vom 10. Februar 2021, welcher über den stationären
Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 12. Januar bis 2. Februar 2021 be-
richtet, wird zwar ein chronisches Ermüdungssyndrom bei Mitochondriopa-
thie und Zustand nach Cytomegalie-, Epstein-Barr-, humanes Herpes Typ
6-, Varizella Zoster- und Herpes simplex-Virus-Infektionen als Diagnose
aufgeführt. Allerdings sind dem Bericht keine weiteren Angaben zu entneh-
men, welche die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte psychiat-
rische Diagnose eines chronischen Erschöpfungssyndroms für den vorlie-
gend relevanten Zeitraum bis 9. Oktober 2020 (vgl. dazu oben E. 2.7)
nachvollziehbar begründen würden. Ausserdem fehlen Ausführungen zur
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin (vgl. B-act. 9
Beilage 1 = B-act. 15 Beilage 2).
Hinsichtlich der im gleichen Entlassungsbericht attestierten Nahrungsmit-
telunverträglichkeiten ist festzuhalten, dass insbesondere lediglich mode-
rate Sensibilisierungen gegen gewisse Lebensmittel und Stoffe, erhöhte
Kupfer- und Bleiwerte sowie Hinweise auf eine gestörte Darmflora und eine
C-5608/2020
Seite 42
Störung der neuroendokrinen Stressachse festgehalten wurden. Allerdings
finden sich auch in diesem Zusammenhang keine Ausführungen oder Hin-
weise hinsichtlich des Einflusses auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde-
führerin in aktueller Tätigkeit. Im Übrigen wurde im Bericht festgehalten,
die Beschwerdeführerin sei in ausreichendem Allgemein- und Ernährungs-
zustand aufgenommen und in einem gebesserten Allgemeinzustand ent-
lassen worden.
5.5.3.5 Auch die übrigen neuen Arztberichte, welche die Beschwerdefüh-
rerin erst im Beschwerdeverfahren eingereicht hat und welche zeitlich nach
der vorliegend angefochtenen Verfügung ergangen sind, vermögen an den
bisherigen Feststellungen nichts zu ändern oder eine zwischenzeitlich ein-
getretene Verschlechterung des Gesundheitszustands zu belegen. Im un-
vollständigen Arztbericht vom 16. Oktober 2020 des Y._-Klinikums
betreffend thorakale Schmerzen wird, neben mehrheitlich unauffälligen Be-
funden, insbesondere eine spontane Besserung der Beschwerden festge-
halten (vgl. B-act. 1 Beilage 19 [Seite 4 fehlt]). Der Arztbericht vom 23. April
2021 der Magen-Darm-Ambulanz des Universitätsklinikums R._
enthält sodann keine Aussagen über den Einfluss der Bauchschmerzen
wegen allfälliger Nahrungsmittelallergien auf die Arbeitsfähigkeit der Be-
schwerdeführerin (B-act. 15 Beilage 3).
5.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Einschätzung der Gut-
achter/innen in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit von 100 % in der aktuellen
und in vergleichbaren Tätigkeiten (ohne Kälteexposition) schlüssig begrün-
det sind. Eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der ange-
stammten Tätigkeit als Haartransplantationstechnikerin ist allerdings nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit möglich. Zum einen bestätigen die
Gutachter/innen nur anamnestisch das Vorliegen eines Raynaud-Syn-
droms und halten aufgrund der eigenen Untersuchungsergebnisse diag-
nostisch einen Verdacht auf Raynaud-Syndrom fest (vgl. oben E. 5.3.1 und
5.5.2). Zum anderen gehen die Gutachter/innen trotz Konsensbeurteilung
teilweise von unterschiedlichen Annahmen aus, nämlich entweder von ei-
nem Arbeitsplatz mit Kälteexposition (z.B. psychiatrisches Teilgutachten
[IV-act. 112 S. 329) oder eben gerade nicht (z.B. rheumatologisches Teil-
gutachten [IV-act. 112 S. 262]). Entsprechend wäre das Gutachten in die-
ser beider Hinsicht zu ergänzen beziehungsweise zu präzisieren. Mit Blick
auf den Ausgang des Verfahrens und die Anweisungen an die Vorinstanz
ist dies vorliegend jedoch nicht zwingend erforderlich (vgl. dazu nachfol-
gend E. 7 [Zusammenfassung]). Sollte die Vorinstanz aber weiterhin auf
eine Arbeitsfähigkeit von 100 % in der angestammten Tätigkeit abstellen
C-5608/2020
Seite 43
wollen, wird sie das E._-Gutachten in dieser Hinsicht von den Gut-
achter/innen ergänzen beziehungsweise präzisieren lassen müssen.
6.
Mit einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in der aktuellen und in vergleichbaren
Tätigkeiten kann für die Beschwerdeführerin der Invaliditätsgrad berechnet
werden. Den Akten ist dazu zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin
in der angestammten Tätigkeit als Haartransplantationstechnikerin im Jahr
2013 jährlich Fr. 36'000.- in einem 60 %-Pensum bei einer 40-Stunden-
Woche verdient hat. Entsprechend dürfte, selbst wenn davon ausgegan-
gen wird, dass alle noch zu bestimmenden Parameter (vgl. nachfolgend
E. 6.1 und 6.2) zugunsten der Beschwerdeführerin festzustellen sind (Er-
werbstätigkeit 80 %, Haushaltstätigkeit 20 %; LSE 2018 TA1 Total privater
Sektor Kompetenzniveau 1 Frauen), letztlich und höchstwahrscheinlich ein
rentenausschliessender IV-Grad resultieren.
6.1 Vorliegend ist insbesondere der für die Rentenbemessung bedeutsame
invalidenversicherungsrechtliche Status der Beschwerdeführerin von der
Vorinstanz noch nicht abschliessend beurteilt worden:
6.1.1 Aus den Akten geht hervor, dass die Vorinstanz bereits mit Urteil
C-6006/2016 aufgefordert wurde, die berufliche Situation der Beschwerde-
führerin mit Statusfrage abzuklären (E. 7.3). In der Folge hat die Beschwer-
deführerin im Jahr 2019 auf Aufforderung hin gegenüber der IV-Stelle an-
gegeben, sie würde ohne gesundheitliche Einschränkungen eine Erwerbs-
tätigkeit ausüben und zwar zu 80 % gemäss ihren Qualifikationen. Die Er-
höhung dieses Arbeitspensums im Vergleich zur vormaligen Tätigkeit als
Haartransplantationstechnikerin, welcher sie lediglich in einem 60 %-Pen-
sum nachgegangen war (vgl. IV-act. 8 S. 2), hat sie mit der Trennung vom
Ehemann im Januar 2017 und damit, dass sie alleinerziehend mit zwei Kin-
dern sei, begründet (IV-act. 85 S. 2). Dennoch hält die IV-Stelle unter Pen-
sum/Status fest, dass die Beschwerdeführerin zu 60 % einer Erwerbstätig-
keit nachgehen und zu 40 % den Haushalt erledigen würde (vgl. IV-act. 125
S. 1), was grundsätzlich der Situation ihrer letzten Arbeitstätigkeit in der
Schweiz als Haartransplantationstechnikerin entspricht (vgl. IV-act. 8 S 2).
Eine differenzierte Begründung und Auseinandersetzung mit den Aussa-
gen der Beschwerdeführerin fehlt jedoch.
6.1.2 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig
oder als nichterwerbstätig einzustufen ist (Statusfrage), was je zur Anwen-
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dung einer anderen Methode der Invaliditätsbemessung (Einkommensver-
gleich, gemischte Methode, Betätigungsvergleich) führt, ergibt sich aus der
Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte,
wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist
nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im
Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum
sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Für die hypothetische Annahme einer
im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit ist der im Sozialver-
sicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich-
keit erforderlich (BGE 144 I 28 E. 2.3; 141 V 15 E. 3.1; je m.H.; vgl. auch
oben E. 4.4).
Die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person ohne gesundheit-
liche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, ist nach der Rechtsprechung mit
Rücksicht auf die gesamten Umstände, die persönlichen, familiären, sozi-
alen und erwerblichen Verhältnisse (namentlich allfällige Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähig-
keiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Bega-
bungen) zu beantworten (BGE 130 V 393 E. 3.3; 125 V 146 E. 2c m.H.).
6.1.3 Die Vorinstanz wird die konkreten Verhältnisse für die (hypothetische)
Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit an-
gesichts der erheblichen Bedeutung der Statusfrage für die Rentenbemes-
sung (nach wie vor) eingehend abzuklären und entsprechend zu begrün-
den haben.
Sollten die weiteren Abklärungen ergeben, dass von einem Haushaltanteil
auszugehen ist, was aufgrund der Akten als wahrscheinlich erscheint, so
wird die Vorinstanz über die IV-Stelle eine spezifische Abklärung mittels
Fragebogen für im Haushalt tätige Versicherte im Ausland veranlassen
müssen (vgl. dazu oben E. 4.5.3).
6.2 Weiter hat die Vorinstanz keinen Einkommensvergleich vorgenommen,
weil sie das Vorliegen eines Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 6 und
Art. 7 ATSG bislang verneint hat. Folglich hat sie auch keine Abklärungen
zum Validen- und Invalideneinkommen getroffen. In Anbetracht dessen,
dass sich die arbeitsmedizinischen Abklärungen zur früheren Tätigkeit als
Haartransplantationstechnikerin als ungenügend erweisen und die Auswir-
kungen der Ausübung einer angepassten Tätigkeit auf die Erwerbssituation
vorliegend nicht geprüft wurden, erweist sich der Sachverhalt auch diesbe-
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=soz&query_words=%2BAufteilung+%2B%22gemischte+Methode%22+%2BStatusfrage+%2BHaushalt+&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-V-393%3Ade&number_of_ranks=0#page393 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=soz&query_words=%2BAufteilung+%2B%22gemischte+Methode%22+%2BStatusfrage+%2BHaushalt+&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-V-146%3Ade&number_of_ranks=0#page146
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züglich als noch nicht verlässlich ermittelt. Ausserdem hat die Beschwer-
deführerin zur Rentenbemessung auch noch nicht Stellung nehmen kön-
nen. Die Sache ist daher auch unter diesem Aspekt an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen, damit sie den Invaliditätsgrad für den Erwerbsteil neu er-
mittle und anschliessend neu verfüge (vgl. dazu auch Urteil des BVGer
C-5842/2012 vom 30. November 2016 E. 5).
7.
7.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das E._-Gutachten
eine verlässliche Grundlage für die Beurteilung des Rentenanspruchs hin-
sichtlich der aktuell ausgeübten Verweistätigkeit als Ernährungsberaterin
bildet. Mit den überzeugenden Schlussfolgerungen der Gutachter/innen ist
folglich davon auszugehen, dass für die aktuelle sowie für vergleichbare
Tätigkeiten ohne Kälteexposition eine Arbeitsfähigkeit von 100 % besteht
und gestützt darauf der Invaliditätsgrad ermittelt werden kann.
Sollte die Vorinstanz weiterhin an der Zumutbarkeit einer Arbeitstätigkeit
von 100 % in der angestammten Tätigkeit festhalten wollen, wird sie das
E._-Gutachten in dieser Hinsicht von den Gutachter/innen ergän-
zen beziehungsweise präzisieren lassen müssen.
Falls die Vorinstanz jedoch auf die Verweistätigkeit abstellt, wird sie in ei-
nem ersten Schritt die Statusfrage zu prüfen haben. Ergeben die ergän-
zenden Abklärungen einen Erwerbsanteil von 100 %, erübrigen sich wei-
tere Untersuchungen bezüglich Art und Umfang der Einschränkungen im
Haushalt; andernfalls wird die Vorinstanz eine entsprechende Abklärung zu
veranlassen haben. Schliesslich hat die Vorinstanz die Rentenbemessung
auf der Grundlage der ordentlichen Methode des Einkommensvergleichs
oder alternativ nach der gemischten Methode durchzuführen.
7.2 Entsprechend ist es vorliegend nicht angezeigt, ein Gerichtsgutachten
über die Erwerbsfähigkeit – wie von der Beschwerdeführerin beantragt – in
Auftrag zu geben, denn die Schlussfolgerungen im E._-Gutachten
sind mit Blick auf die aktuell ausgeübte Tätigkeit als Ernährungsberaterin
sowie vergleichbare Tätigkeiten nachvollziehbar (vgl. oben E. 5.6) und die
Vorinstanz kann gestützt hierauf den Invaliditätsgrad – nach weiteren Ab-
klärungen – berechnen. Im Übrigen wäre die Angelegenheit ohnehin an die
Vorinstanz zurückzuweisen, weil das Gutachten hinsichtlich der Arbeitsfä-
higkeit in angestammter Tätigkeit lediglich ergänzt beziehungsweise präzi-
siert werden müsste (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4).
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7.3 Die Streitsache ist daher an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie
die gebotenen weiteren Abklärungen im Sinne der vorstehenden Ausfüh-
rungen tätige und anschliessend neu verfüge.
8.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
8.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis und 2
IVG), wobei die Verfahrenskosten grundsätzlich der unterliegenden Partei
auferlegt werden (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Rückweisung der Sache an
die Vorinstanz (mit noch offenem Ausgang) gilt praxisgemäss für die Frage
der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung als
vollständiges Obsiegen (vgl. Urteil des BGer 9C_617/2015 vom 19. Sep-
tember 2016 E. 4.1; vgl. auch BGE 137 V 210 E. 7.1). Entsprechend sind
der obsiegenden Beschwerdeführerin keine Verfahrenskosten aufzuerle-
gen.
Der Vorinstanz sind ebenfalls keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (vgl.
Art. 63 Abs. 2 VwVG).
8.2 Die obsiegende, anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat gemäss
Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 ff. des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) Anspruch auf eine Parteient-
schädigung zu Lasten der Verwaltung. Der Vertreter hat keine Kostennote
eingereicht, weshalb die Entschädigung aufgrund der Akten festzusetzen
ist (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Vorliegend sind für die von der Beschwer-
deführerin geltend gemachte Parteientschädigung der Aufwand für die Er-
stellung der 11-seitigen Replik vom 7. Juni 2021 (B-act. 15) zu berücksich-
tigen. Unter Berücksichtigung des Verfahrensausgangs, der zu prüfenden
Rügen, des gebotenen und aktenkundigen Aufwands, der Bedeutung der
Streitsache und der Schwierigkeit der vorliegend zu beurteilenden Fragen,
ist der Beschwerdeführerin zu Lasten der Vorinstanz die als angemessen
zu erachtende Parteientschädigung von Fr. 2'000.- (inkl. Auslagen und
exkl. Mehrwertsteuer [vgl. dazu Urteil des BVGer C-6173/2009 vom 29. Au-
gust 2011 m.H.]) zuzusprechen.
Die Vorinstanz hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 7
Abs. 3 VGKE).
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