Decision ID: c6cf7b20-bed2-5f46-b5f0-7beb98469ced
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1966 geborene
X._
war zuletzt
ab dem
1.
Oktober 2004 für die
Y._
im Hotel
Z._
(50 - 70
%
) und zudem seit dem 24. März 2004 im
Hotel A._
(30 - 50 %) als Bankett- beziehungsweise Servicemitarbeiterin angestellt. Am 3
0.
Oktober 2015 meldete sie sich unter Hinweis auf eine allgemeine Schwäche, Händetremor, Bein
schwä
che und Kopfschmerzen bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (Urk. 14/2,
Urk.
14/10 und Urk. 14/12). Die Sozialver
sicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und zog die Akten der
Krankent
aggeldversicherungen bei
(
Urk.
14/24-26
, Urk. 14/34
)
. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 14/38) wies sie das Leistungsbe
gehren mit Verfügung vom
4.
Mai 2017
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
9.
Juni 2017 Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, die Verfügung vom
4.
Mai 2017 sei aufzuheben und es sei die Sache zwecks weiterer Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zudem sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen (S. 1). Mit Eingabe vom
5.
Juli 2017 (
Urk.
6) reichte sie einen Bericht von
Prof.
Dr.
med.
B._
, Leiter der Abteilung Gastroenterologie und Hepatologie
am Stadtspital
C._
, vom 27.
Juni 2017 nach (
Urk.
7). Am 2
5.
August 2017 (Urk. 13) beantragte die IV
Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen. Am 3
1.
A
ugust 2017 (
Urk.
16) und am 11.
September 2017 (
Urk.
19) legten die Parteien weitere Berichte auf (
Urk.
17 und
Urk.
20/1-4). Mit Replik vom 28. September 2017 (
Urk.
23) hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest und re
ichte erneut Berichte ein (Urk.
24/1-3). Am 2
7.
Oktober 2017 hielt die Beschwerdegegnerin ebenfalls an ihrem Antrag fest (
Urk.
26). Mit Eingaben vom 1
4.
November 2017 (
Urk.
28) und vom 1
5.
Mai 2018 (
Urk.
31) reichte die Beschwerdeführerin weitere Berichte nach (
Urk.
29 und
Urk.
32), was der Beschwerdegegnerin am 1
6.
November 2017 und am 1
8.
Mai 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
30 und
Urk.
33).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen
Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom
4.
Mai 2017 (Urk. 2) damit, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Serviceangestellte zu 50
%
und in einer angepassten leichten bis mittelschweren Tätigkeit ohne Wechselschichten zu 100
%
arbeitsfä
hig sei. Es bestehe ein Invaliditätsgrad von 0
%
und
somit
kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.
Im Laufe des Verfahrens ergänzte sie (
Urk.
13), die gemäss
Prof. Dr. med.
B._
bestehende 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei nicht nachvollziehbar. Von welcher Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit auszugehen sei, werde aus seinem Bericht zudem nicht ersichtlich. Soweit der Bericht überhaupt Beachtung finden dürfe,
sei er nicht beweiskräftig genug (S. 2). Die Beschwerdeführerin habe ihre Behandlung im Zentrum
D._
erst über zwei Monate nach Erlass der angefochtenen Verfügung begonnen. Zuvor hätten sich keine Hinweise auf eine depressive Störung ergeben. Auch aus deren Bericht könne
sie
nichts für sich ableiten. Aus dem Bericht von
Dr.
med.
E._
, Facharzt
FMH
für Med. Radiologie/Radio-Onkologie, vom
4.
September 2017 (
Urk.
20/1) gehe schliesslich klar hervor, dass es sich um Beurteilungen für den Zeitraum nach Verfügungserlass handle (
Urk.
26 S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), s
ie fühle sich nicht in der Lage
zu arbeiten. Ihr Gesundheitszustand verschlechtere sich stetig (S. 2).
Im Laufe des Verfahrens reichte sie mehrere neue Berichte ein (
Urk.
6,
Urk.
17,
Urk.
29 und
Urk.
32) und hielt ergänzend fest, dass sie höchstens noch zu 50
%
arbeitsfähig sei
;
z
udem beständen erhebliche psychische Beschwerden (
Urk.
6). Diese seien von der Beschwerdegegnerin nicht abgeklärt worden. Weiter leide sie an einer seltenen Krankheit mit starken Nebenwirkungen. Die Beschwerde
gegne
rin habe ihre Abklärungspflicht verletzt, da sie keine diesbezüglichen Berichte eingeholt habe (
Urk.
23). Sie stehe schon
seit
einigen Jahren bei
Dr.
B._
in Behandlung, so dass dessen Berichte die gesundheitlichen Ver
hältnisse vor dem
Zeitpunkt des
Erlass
es
der angefochtenen Verfügung erfassen würden und im vorliegenden Verfahren zu berücksichtigen seien (
Urk.
6 und
Urk.
28).
3.
3.1
Dr.
med.
F._
, Oberarzt in der Abteilung für Neurologie am Stadtspital
C._
, hielt in seinem Bericht vom 2
4.
Februar 2016 (
Urk.
14/24/9-10) folgende Diagnosen fest (S. 2):
-
chronische Spannungskopfschmerzen
-
Fatigue
-Symptomatik, am ehesten im Rahmen einer autoimmunen Hepatitis
Dazu führte er aus, bei der Beschwerdeführerin bestehe eine chronische Kopf
schmerzsymptomatik. Symptomatische Kopfschmerzursachen hätten in der durch
ge
führten Kernspintomographie ausgeschlossen werden können. Sichere Hinweise auf eine intrakranielle Hypertension hätten sich klinisch nicht ergeben, der partiellen
empty
Sella
in der
kraniellen
Kernspintomographie sei am ehesten keine pathologische Bedeutung beizumessen bei ansonsten fehlenden Zeichen einer
Liquordruckerhöhung
. Ursächlich sei daher am ehesten von chronischen Spannungskopfschmerzen auszugehen (S. 1).
3.2
In seinem ärztlichen Zwischenbericht zu Händen der
Krankent
aggeldversicherung vom 20. April 2016 (
Urk.
14/34/16-18) führte
Dr.
F._
zusätzlich aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem
8.
Juni 2015 arbeitsunfähig. Bei der gegen
wärtigen Tätigkeit sei sie aufgrund von Müdigkeit, verminderter Belastbarkeit und Konzentrationsstörungen eingeschränkt. Eine Wiedererlangung der Arbeits
fähigkeit sei zu erwarten. Der Heilungsverlauf werde jedoch durch die Auto
immunhepatitis und Luftnot ungünstig beeinflusst, eine
pneumologische
Abklä
rung sei ausstehend. In einer ruhigen Umgebung sei ihr die aktuelle Tätigkeit noch zu 20
%
zumutbar (S. 2).
3.3
Dr.
med.
G._
, Leitender Arzt der Abteilung für Pneumologie am Stadtspital
C._
, stellte in seinem Bericht vom 1
0.
Mai 2016 (
Urk.
14/24/6-7) folgende Diagnosen:
-
Anstrengungsdyspnoe
-
DD
Dekonditionierung
, Hyperventilation
-
kein Nachweis einer restriktiven oder obstruktiven Ventilationsstörung
-
spiroergometrisch
normale Leistungsfähigkeit
-
Autoimmune Hepatitis (Typ I)
-
Erstdiagnose Leber-Histologie 07/2015
-
systemische Steroide 08/2015 bis 02/2016
-
Spannungsk
opfschmerzen
-
Adipositas Grad I
, BMI 32.2 kg/m
2
-
Hypothyreose
Dazu hielt er fest, die Beschwerdeführerin sei zugewiesen worden zur Abklärung einer Anstrengungsdyspnoe, insbesondere mit der Frage nach einer interstitiellen
Pneumopathie
im Rahmen der autoimmunen Hepatitis. Hierfür fänden sich aber lungenfunktionell und konventionell radiologisch keine Hinweise. Eine obstruk
tive Ventilationsstörung lasse sich nicht nachweisen,
spiro
e
rgometrisch
auch kein Anstrengungs-Asthma. In der Spiroergometrie sei sie pulmonal nicht limitiert und es würden sich keine Hinweise für eine Koronar-Ischämie oder Rhythmus
störungen unter Belastung zeigen. Die Anstrengungsdyspnoe sei somit erklärbar durch eine
Dekonditionierung
und die Gewichtszunahme. Die permanente Ruhedyspnoe sei wohl funktionell bedingt. Auf weitergehende Abklärungen
und
insbesondere auch
auf
eine kardiale Abklärung könne verzichtet werden.
Pulsoxymetrisch
fänden sich auch keine Hinweise für eine schlaf-bezogene Atemstörung im Rahmen der Adipositas (S. 2).
3.4
Der behandelnde Hausarzt
Dr.
E._
führte in seinem Belastungsbericht zu Händen der Taggeldversicherung vom
3.
August 2016 (
Urk.
14/34/9-11) folgende für die Arbeitsunfähigkeit relevante Diagnosen auf (S. 1):
-
Autoimmune Hepatitis
-
Dis
k
ushernie LWK4/5
-
depressive Verstimmung
-
Hypothyreose
-
chronische Müdigkeit
Dazu führte er aus, in der angestammten Tätigkeit als Service-Mitarbeiterin bleibe die Arbeitsunfähigkeit zu 50
%
bestehen. Eine leichtere berufliche Tätigkeit sei ihr zumutbar. So sei sie zu 50
%
arbeitsfähig als Service-Angestellte im Restau
rationsbetrieb ab dem
7.
Juni 2016 bis zur Kontrolle bei
Prof.
Dr.
B._
, dann erfolge der Entscheid über das weitere Prozedere (S. 2).
3.5
Dr.
med.
H._
, Chefarzt an der Klinik für Rheumatologie des Stadtspitals
C._
, stellte in seinem Bericht zu Händen der Beschwerdegegnerin vom 2
4.
Oktober 2016 (
Urk.
14/27/6-7) folgende Diagnosen (S. 1):
-
unspezifische Beschwerden am Bewegungsapparat, insbesondere auch
passagère
retrosternale Schmerzen sowie chronisches lumbales Schmerz
syn
drom und unspezifische Knieschmerzen seit einem halben Jahr
-
klinisch kein Korrelat, keine Palpation eines Tietze-Knötchens
-
Röntgen (
RX
)
LWS, Becken, Knie 1
3.
Juli 2016:
Osteochondrose
L4/5, rechts
konvexe
skoliotische
Fehlhaltung,
geringgradige
Coxarthrose
beid
seits, Kniegelenkspaltverschmälerung
femorotibial
medial beidseits
-
wahrscheinlich Status nach Diskushernie L4/5 2006 USZ
-
Autoimmune Hepatitis Typ I
-
Erstdiagnose Leberhistologie
07/
2015
-
aktuell unter
Imurek
100 mg
-
Spannungskopfschmerzen
-
Adipositas Grad I BMI 32.2 kg/m
2
-
Hypothyreose
-
Anstrengungsdyspnoe mit
spiroergometrisch
normaler Leistungsfähigkeit,
Bodyplethysmographie
, ohne restriktive oder obstruktive Ventilationsstörung
Dazu hielt er fest, seinerseits bestehe keine Bestätigung einer Arbeitsunfähigkeit, angeblich sei die Beschwerdeführerin zu 50
%
im Service tätig (S. 2).
Zur Arbeits
fähigkeit in einer Verweistätigkeit äusserte er sich nicht (S. 5).
3.6
Prof.
Dr.
B._
hielt in seinem Bericht zu Händen der Taggeldversicherung vom
1.
November 2016 (
Urk.
14/34/2-3) folgende Diagnosen fest (S. 1):
-
Autoimmune Hepatitis Typ I, Erstdiagnose
07/
2015
-
Leberhistologie 2015: aktuell unter
Imurek
-
Spannungskopfschmerzen, MRI ohne pathologische Befunde
-
Adipositas Grad I BMI 32.2 kg/m
2
-
Hypothyreose
-
Anstrengungsdyspnoe mit
spiroergometrisch
normaler Leistungsfähigkeit,
Bodyplethysmographie
, ohne restriktive oder obstruktive Ventilationsstörung
-
unspezifische Beschwerden am Bewegungsapparat insbesondere auch
passa
gère
retrosternale Schmerzen sowie chronisches lumbales Schmerzsyndrom und unspezifische Knieschmerzen seit einem halben Jahr
-
klinisch kein Korrelat, keine Palpation eines Tietze-Knötchens
-
Status nach Diskushernie L4/5 2006 am USZ
-
RX LWS, Becken, Knie 1
3.
Juli 2016:
Osteochondrose
L4/5, rechtskonvexe
skoliotische
Fehlhaltung,
geringgradige
Coxarthrose
beidseits, Kniegelenk
spaltverschmälerung
femorotibial
medial beidseits
Dazu führte er aus, bei der gegenwärtigen Tätigkeit bestehe keine Einschränkung. Bezüglich der Autoimmunhepatitis sei die Beschwerdeführerin aktuell laborche
misch stabil, sie beklage jedoch eine Vielzahl von extrahepatischen Symptomen. Die Prognose in Bezug auf die Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit müsse geprüft werden. In Bezug auf die Arbeitsunfähigkeit am aktuellen Arbeitsplatz würden keine Angaben gemacht,
ebensowenig
in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit nach Stabilisierung des Gesundheitszustandes (S. 1 f.).
3.7
Dr.
E._
hielt in seinem Bericht zu Händen der Taggeldversicherung vom 28. Dezember 2016 (
Urk.
14/33/5) fest, die Beschwerdeführerin sei vom
7.
Juni bis 1
5.
Dezember 2016 zu 50
%
arbeitsfähig gewesen. Aufgrund einer akuten Verschlechterung sei sie seit dem 1
6.
Dezember 2016 wieder zu 100
%
arbeitsun
fähig. In einer anderen zumutbaren Erwerbstätigkeit bestehe im Moment keine Arbeitsunfähigkeit
(richtig wohl: Arbeitsfähigkeit)
. Mit einer künftigen Erhöhung der Arbeitsfähigkeit könne je nach Verlauf gerechnet werden, sie stehe noch immer unter
Imurek
.
3.8
Prof.
Dr.
B._
führte in seinem Bericht zu Händen der Taggeldversicherung vom 2
7.
Dezember 2016 (
Urk.
14/33/1) aus, die Beschwerdeführerin klage aktuell über eine ausgeprägte Kraftlosigkeit und Müdigkeit sowie immer wieder über Attacken von Luftnot. Bezüglich der Luftnot sei kein Korrelat gefunden worden. Bezüglich der Kraftlosigkeit und Müdigkeit könne es sich auch um eine extrahepatische Manifestation der bekannten autoimmunen Hepatitis handeln.
3.9
Dr.
med. Dr.
rer
. pol.
I._
, Facharzt für Innere Medizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) führte in seiner Stellungnahme vom
1.
März 2017 (Urk. 14/36/5) folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf:
-
chronische Spannungskopfschmerzen und
Fatigue
am ehesten im Rahmen einer Autoimmunerkrankung
Dazu hielt er fest, in der angestammten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin seit 7. Juni 2016 zu 50
%
arbeitsfähig. In einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit ohne Wechselschichten bestehe hingegen von jeher eine 100%ige Arbeitsfähig
keit.
3.10
In seinem Bericht zu Händen der Beschwerdeführerin vom 2
6.
Juni 2017 (
Urk.
7) führte
Prof.
Dr.
B._
aus,
sie
leide an einer autoimmunen Hepatitis. Diese sei unter der aktuellen immunsuppressiven Therapie mit
Imurek
2 x 50 mg labor
che
misch entzündungsfrei.
Sie
gebe jedoch eine Vielzahl von weiteren Sympto
men an wie Müdigkeit, Lethargie, Malaise, Anorexie, Nausea, diffuse abdominelle Schmerzen sowie Konzentrationsstörungen und unspezifische Arthralgien. Es sei bekannt, dass solche extrahepatischen Manifestationen im Rahmen der auto
immunen Hepatitis auftreten könnten. Ebenso könnte ein Teil der beschriebe
nen Symptome auf die zugrundeliegende Therapie mit
Imurek
zurück
zuführen sein. Unter Berücksichtigung der von
der Beschwerdeführerin
angege
benen Symptome sei aktuell von einer ma
ximalen Arbeitsfähigkeit von 50
% auszu
gehen. Die Begründung für diesen Prozentsatz sei die Tatsache, dass
sie
an einer Vielzahl von verschiedenen extrahepatischen Manifestationen leide, welche jede für sich genommen nicht wesentlich beeinträchtigend seien
,
aber
in der Summe die aktuelle Arbeitsunfähigkeit durchaus rechtfertigen könn
t
e
n
.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin geht in der angefochtenen Verfügung unter anderem von einer seit jeher bestehenden 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus, was von der Beschwerdeführerin bestritten wird. Die Beschwerde
gegnerin stützte sich dabei
auf die Stellungnahme ihres RAD-Arztes
Dr.
I._
(E. 3.9
hievor
).
4.2
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen
Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medi
zinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmetho
den können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Unter
suchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
ge
wissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben
den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versi
cherungsinterner ärztlicher Abklärungen
-
zu denen die RAD-Berichte gehören
-
nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
4.3
4.3.1
Bei der Beschwerdeführerin wurde im Juli 2015 eine autoimmune Hepatitis Typ I diagnostiziert, welche mit
Imurek
immunsuppressiv therapiert wird. Gemäss dem behandelnden
Prof.
Dr.
B._
sei bekannt, dass die von
ihr
geklagten Symp
tome wie Müdigkeit, Lethargie, Malaise, Anorexie, Nausea, diffuse abdominelle Schmerzen sowie Konzentrationsstörungen und unspezifische Arthralgien im Rahmen der autoimmunen Hepatitis auftreten oder zumindest teilweise auf die Therapie mit
Imurek
zurückzuführen sein könnten (E. 3.10
hievor
). Ob
Dr.
I._
vom RAD als
Facharzt für Innere Medizin über die
für einen solchen Fall
notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt, scheint zumindest fraglich, kann aber vorliegend
letztlich
offen bleiben
.
4.3.2
Bei seiner Stellungnahme stützte sich
Dr.
I._
unter anderem auf den Bericht von
Prof.
Dr.
B._
vom
1.
November 2016 (E. 3.6
hievor
), welcher explizit keine Angaben zur Arbeitsunfähigkeit am aktuellen Arbeitsplatz gemacht hat.
Nur wenige Wochen später
scheint sich der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin jedoch verschlechtert zu haben und
Dr.
E._
attestierte ab dem 1
6.
Dezember 2016 wiederum eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (E. 3.7
hievor
). Ohne auf diesen Umstand einzugehen, gin
g
Dr.
I._
von einer seit 7.
Juni 2016 bestehenden 50%igen Einschränkung in der angestammten und keiner Ein
schränkung in einer angepassten Tätigkeit aus.
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit attestierten die behandelnden Ärzte wiederholt eine solche von 0
%
,
so etwa am 1
3.
Juli 2015 (
Urk.
14/3/2), am 23. Oktober 2015 (
Urk.
14/3
/8), am 1
0.
November 2015 (Urk.
14/15/16), am 10. Oktober 2015 (
Urk.
14/15/17
), am 2
6.
Februar 2016 (Urk.
14/26/16) und
nach Ablauf des Wartejahres
wohl auch am 2
8.
Dezember 2016 (vgl. E. 3.7
hievor
). Auch
Dr.
med.
J._
, Leiter Medizinischer Dienst der AXA Winterthur, ging
am 13.
Januar 2017 von einer 100%igen Arbeitsunfä
higkeit in jeglicher Tätigkeit aus (
Urk.
14/33/5).
Dr.
I._
schätzte die Beschwerdeführerin hingegen ohne weitere Begründung in einer angepassten Tätigkeit als seit jeher zu 100
%
arbeitsfähig ein. Zwar äusserten sich die behan
delnden Ärzte in mehreren Berichten überhaupt nicht zu
r
Arbeitsfähigkeit oder nahmen keine Stellung zum Vorliegen einer solchen in einer angepassten Tätig
keit. Dies dürfte jedoch auch auf eine fehlende entsprechende Fragestellung
oder Verzicht auf die Antwort seitens der Beschwerdegegnerin
zurückzuführen sein (vgl. etwa E. 3.1
, E. 3.3
, E. 3.5
und E.
3.8
hievor
) beziehungsweise auf ein unsorg
fältiges Erstellen der Berichte (vgl. etwa
Urk.
14/
26/25 und
Urk.
14/
26/28, in wel
chen
Prof.
Dr.
B._
jeweils am 10.
November 2015
gegenüber
der Helsana
ausführte
, der Beschwerdeführerin sei die angestammte Tätigkeit wieder zumut
bar, hingegen gegenüber der A
XA
Winterthur eine
zwar zeitlich beschränkte, aber diesbezüglich nicht weiter spezifizierte
Arbeitsunfähigkeit attestierte oder E. 3.7
hievor
in Bezug auf die Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit oder
Urk.
14/34/10, in welcher sich die Ausführungen von
Dr.
E._
entgegen der Fragestellung nicht auf eine angepasste, sondern auf die angestammte Tätigkeit beziehen). Jedenfalls kann aus den fehlenden Angaben - bei zuvor
zumindest
vorübergehend
attestierter 100%iger Arbeit
sun
fähigkeit in jeglicher Tätigkeit und einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes im Dezember 2016
-
nicht ohne
eingehende und nachvollziehbare Begründung
auf eine seit jeher bestehende 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit geschlossen werden.
Auch
ist nicht ersichtlich
, weshalb die von
Dr.
I._
gestellte Diagnose von chronischen Spannungskopfschmerzen und einer
Fatigue
zwar die Arbeitsfähig
keit in der angestammten Tätigkeit als Servicemitarbeiterin zu 50
%
einschränkt, bei einer angepassten leichten bis mittelschweren Tätigkeit ohne Wechselschich
ten
hingegen zu keiner Beeinträchtigung führt
, zumal er die darüber hinaus geklagten multiplen Schmerzen ausser Acht liess
.
Bestehen - wie hier - auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit des RAD-Berichtes, kann auf diesen nicht abgestellt werden.
4.3.3
Die behandelnden Ärzte äusserten sich nach Ablauf des Wartejahres wie bereits dargelegt mehrheitlich nicht zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin beziehungsweise nur zu einer solchen in der angestammten Tätigkeit. Einzig der Hausarzt Dr.
E._
scheint vom
7.
Juni bis 1
5.
Dezember 2016 von einer 50%igen und ab dem 1
6.
Dezember 2016 von einer 100%igen Arbeits
un
fähigkeit in jeglicher Tätigkeit auszugehen (vgl. E. 3.4 und E. 3.7
hievor
), doch wurde dies von ihm weder begründet, noch führte er in seinen knappen Fo
rmularberichten die Befunde auf
Prof.
Dr.
B._
vermochte sich in Bezug auf eine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit nicht festzulegen (vgl. E. 3.6
hievor
), in seinem nach Erlass der angefochtenen Verfügung erstellten Bericht (E. 3.10
hievor
) äusserte er sich lediglich zur Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit. Auch aus den Berichten der behandelnden Ärzte kann damit die konkrete Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht nachvollzogen werden.
4.4
N
ach dem Gesagten
kann anhand
der Akten nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit festgelegt werden, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin arbeitsfähig ist. Angesichts des Verzichts der Beschwerdegegnerin auf eine externe Begutachtung im Rahmen des Verwaltungsverfahrens rechtfertigt sich eine gerichtliche Begutachtung nicht. Der angefochtene Entscheid ist deshalb auf
zuheben und die Sache zur Abklärung und
-
unter Berücksichtigung der im Ver
fahren aufgelegten, aber hier nicht
weiter führenden
Arztberichte -
anschliessen
dem neuen Entscheid über die Leistungs
ansprüche der Beschwerdeführerin an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5
.
5.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unter
liegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 1) erweist sich damit als gegenstandslos.
5
.3
Der Beschwerdeführerin steht eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festge
setzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des
Gesetzes über das Sozialversicherungs
gericht,
GSVGer
). Entsprechend ist ihr eine
Prozessentschädigung von Fr. 1‘500.--
(inkl.
Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.