Decision ID: 0ab0220d-a406-546b-b55c-cca80576458b
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
X._ (nachfolgend auch: Steuerpflichtiger) betreibt eine Anwaltspra-
xis in (Ort). Der Steuerpflichtige ist aufgrund der von ihm ausgeübten Tä-
tigkeiten und der dabei erzielten Umsätze seit dem 1. Juli 2010 im Register
der Mehrwertsteuerpflichtigen bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung
(ESTV) eingetragen. In den Steuerjahren 2011 bis 2017 rechnete der Steu-
erpflichtige die Mehrwertsteuer nach der Saldosteuersatzmethode (an-
wendbarer Saldosteuersatz: 6.1%) sowie nach vereinbarten Entgelten ab.
B.
Gestützt auf eine am 10. August 2017, 15. Januar 2018 sowie 24. Septem-
ber 2018 beim Steuerpflichtigen durchgeführte (zuvor angekündigte) Kon-
trolle stellte die ESTV unter anderem das Vorliegen von Umsatzdifferenzen
sowie das Fehlen notwendiger Aufzeichnungen bzw. Unterlagen fest, wes-
wegen sie diverse Ermessenseinschätzungen vornahm. Insgesamt führten
die Feststellungen der ESTV gemäss der Einschätzungsmitteilung (EM)
Nr. (...) vom 2. November 2018 (für den Zeitraum vom 1. Januar 2011 bis
zum 31. Dezember 2015) zu einer Steuerkorrektur (Nachbelastung) von Fr.
59'573.-- zuzüglich Verzugszins seit dem 30. April 2014 (mittlerer Verfall)
bzw. gemäss der EM Nr. (...) vom 2. November 2018 (für den Zeitraum
vom 1. Januar 2016 bis zum 31. Dezember 2017) zu einer Steuerkorrektur
(Nachbelastung) von Fr. 59'057.-- zuzüglich Verzugszins seit dem 31. Mai
2017 (mittlerer Verfall).
C.
Mit Schreiben vom 28. Januar 2019 wurden die Ermessenseinschätzungen
der ESTV vom Steuerpflichtigen bestritten und es wurde eine Frist zur er-
gänzenden Begründung beantragt. Die in der Folge von der ESTV ge-
währte Frist wurde auf Ersuchen des Steuerpflichtigen fünf Mal erstreckt,
letztmals am 5. September 2019 bis zum 31. Oktober 2019 mit dem expli-
ziten Hinweis, dass die Fristverlängerung «letztmalig» sei und eine weitere
Erstreckung nicht möglich sei.
D.
Mittels Schreibens vom 31. Oktober 2019 ersuchte der Steuerpflichtige die
ESTV wegen Krankheit «und entsprechender Arbeitsunfähigkeit» um eine
weitere Fristverlängerung bis «Ende November 2019» und reichte in die-
sem Zusammenhang ein «Arbeitsunfähigkeitszeugnis» eines Arztes ein,
gemäss welchem ihm eine Arbeitsunfähigkeit (100%) für die Zeit vom
28. Oktober 2019 bis zum 17. November 2019 attestiert wurde.
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Seite 3
E.
Am 26. November 2019 erliess die ESTV eine Verfügung, wonach die
Mehrwertsteuerforderungen gegenüber dem Steuerpflichtigen für die Steu-
erperioden 2011 bis 2015 auf Fr. 53'890.-- zuzüglich Verzugszins seit dem
30. April 2014 (mittlerer Verfall) bzw. für die Steuerperioden 2016 sowie
2017 auf Fr. 51'213.-- zuzüglich Verzugszins seit dem 31. Mai 2017 (mitt-
lerer Verfall) betrage. Im Rahmen des Verfügungsverfahrens wurden auf-
grund diverser von der ESTV vorgenommener Korrekturen die Nachforde-
rung gemäss der EM Nr. (...) vom 2. November 2018 um Fr. 5'683.-- und
die Nachforderung gemäss der EM Nr. (...) vom 2. November 2018 um
Fr. 7'844.-- herabgesetzt.
F.
Mit Schreiben vom 13. Januar 2020 erhob der Steuerpflichtige Einsprache
gegen die Verfügung der ESTV vom 26. November 2020 und beantragte
die Aufhebung der Verfügung sowie die Einräumung einer Frist von 30 Ta-
gen zur ergänzenden Einsprachebegründung. Überdies sei die Frist ge-
mäss Fristverlängerungsgesuch vom 31. Oktober 2019 wiederherzustel-
len.
G.
In ihrem Schreiben vom 14. Februar 2020 räumte die ESTV dem Steuer-
pflichtigen eine nicht verlängerbare Nachfrist von fünf Tagen ab Zustellung
ihres Schreibens ein, um die fehlenden Beweismittel anzugeben und nach-
zureichen sowie um eine allfällige Ergänzung in Bezug auf die Begründung
der Einsprache vorzunehmen.
H.
Nachdem sich der Steuerpflichtige innert der letztgenannten Frist nicht ver-
nehmen liess, hielt die ESTV in ihrem Einspracheentscheid vom 26. März
2020 an ihrer mit Verfügung vom 26. November 2019 festgesetzten Steu-
erforderung gegenüber dem Steuerpflichtigen fest und wies dessen Ein-
sprache ab.
I.
Mit Eingabe vom 18. Mai 2020 erhebt der Steuerpflichtige (nachfolgend
auch: Beschwerdeführer) am Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ge-
gen den Einspracheentscheid der ESTV (nachfolgend auch: Vorinstanz)
vom 26. März 2020. Er beantragt was folgt: 1. Der Einspracheentscheid sei
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aufzuheben; 2. Eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen; 3. Es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen; 4. Es seien die
Verfahrensakten beizuziehen; 5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
J.
Mit Vernehmlassung vom 14. Juli 2020 beantragt die Vorinstanz die Abwei-
sung der Beschwerde unter Kostenfolge zulasten des Beschwerdeführers
sowie die Bestätigung des Einspracheentscheids vom 26. März 2020.
K.
Mit Verfügung vom 17. Juli 2020 wurde dem Beschwerdeführer Frist bis
zum 17. August 2020 gesetzt, um eine Stellungnahme zur Vernehmlas-
sung der Vorinstanz einzureichen. In der Folge wurde diese Frist mehrfach
verlängert, letztmalig bis zum 16. November 2020.
L.
Mit Eingabe vom 16. November 2020 stellt der Beschwerdeführer zusätz-
lich zu den bereits in seiner Beschwerde vom 18. Mai 2020 gestellten An-
trägen den Eventualantrag, die Wiederherstellung der Frist sei zu verfügen
und dem Beschwerdeführer sei eine entsprechende Frist formell einzuräu-
men.
M.
Mit Schreiben vom 25. November 2020 verzichtet die Vorinstanz auf eine
weitere Stellungnahme.
N.
In seiner Eingabe vom 10. Dezember 2020 hält der Beschwerdeführer voll-
umfänglich an seinen bereits gestellten Anträgen fest.
O.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten Un-
terlagen wird – soweit entscheidwesentlich – im Rahmen der nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.
A-2589/2020
Seite 5

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes über das Verwal-
tungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG; SR 172.021). Eine Aus-
nahme in sachlicher Hinsicht nach Art. 32 VGG liegt nicht vor und die Vo-
rinstanz ist eine Behörde im Sinn von Art. 33 VGG.
Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem
VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Der Be-
schwerdeführer ist zur Erhebung der Beschwerde berechtigt (Art. 48 Abs. 1
VwVG), hat diese rechtzeitig und formgerecht eingereicht (Art. 50 Abs. 1
und Art. 52 Abs. 1 VwVG) sowie den Vorschuss für die Verfahrenskosten
fristgerecht bezahlt (Art. 63 Abs. 4 i.V.m. Art. 21 Abs. 3 VwVG).
Auf die Beschwerde ist demnach – mit der in E. 3.1.3 genannten Ein-
schränkung – einzutreten.
1.2 Der hier zu beurteilende Sachverhalt betrifft die Steuerperioden 2011
bis und mit 2017. In materieller Hinsicht findet daher vorliegend aus-
schliesslich das am 1. Januar 2010 in Kraft getretene Mehrwertsteuerge-
setz (MWSTG, AS 2009 5203) bzw. die dazugehörige Mehrwertsteuerver-
ordnung vom 27. November 2009 (MWSTV, AS 2009 6743) Anwendung,
auf welche nachfolgend referenziert wird. Nicht zu berücksichtigen sind im
vorliegenden Fall namentlich die per 1. Januar 2018 und 1. Januar 2019 in
Kraft getretenen Änderungen des MWSTG (SR 641.20).
Soweit im Folgenden auch auf die Rechtsprechung zum früheren Mehr-
wertsteuergesetz vom 2. September 1999 (aMWSTG, AS 2000 1300) bzw.
zur Verordnung vom 22. Juni 1994 über die Mehrwertsteuer (aMWSTV, AS
1994 1464) verwiesen wird, liegt der Grund darin, dass die gesetzlichen
Vorschriften soweit hier interessierend inhaltlich nicht geändert haben und
die Rechtsprechung für das MWSTG übernommen werden kann.
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Der Beschwerdeführer kann neben der Verlet-
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Seite 6
zung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder un-
vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49
Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG).
1.4 Im Beschwerdeverfahren gilt die Untersuchungsmaxime, wonach die
entscheidende Behörde den rechtlich relevanten Sachverhalt von sich aus
abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen muss (teilweise ein-
geschränkt durch Mitwirkungspflichten der Verfahrensbeteiligten). Die Be-
schwerdeinstanz nimmt jedoch nicht von sich aus zusätzliche Sachver-
haltsabklärungen vor oder untersucht weitere Rechtsstandpunkte, für die
sich aus den vorgebrachten Rügen oder den Akten nicht zumindest An-
haltspunkte ergeben (BVGE 2010/64 E. 1.4.1; anstelle vieler: Urteile des
BVGer A-5551/2019 vom 14. Januar 2021 E. 1.4, A-4544/2019 vom 5. Mai
2020 E. 1.5 m.w.H.).
1.5 Gelangt das Gericht trotz genügender Abklärung des Sachverhalts un-
ter Respektierung des Untersuchungsgrundsatzes und aufgrund der
(freien) Beweiswürdigung (vgl. Art. 81 Abs. 3 MWSTG) nicht zur Überzeu-
gung, eine rechtserhebliche Tatsache habe sich verwirklicht, so stellt sich
die Frage, wer die Folgen der Beweislosigkeit trägt. Im Steuerrecht gilt
grundsätzlich, dass die Steuerbehörde die (objektive) Beweislast für Tatsa-
chen trägt, welche die Steuerpflicht als solche begründen oder die Steuer-
forderung erhöhen (steuerbegründende und -erhöhende Tatsachen). Dem-
gegenüber ist die steuerpflichtige Person für die steueraufhebenden und
steuermindernden Tatsachen beweisbelastet, das heisst für solche Tatsa-
chen, welche eine Steuerbefreiung oder Steuerbegünstigung bewirken
(anstelle vieler: Urteil des BGer 2C_715/2013 vom 13. Januar 2014
E. 2.3.3; Urteile des BVGer A-4544/2019 vom 5. Mai 2020, E. 1.6,
A-6390/2016 und A-6393/2016 vom 14. September 2017 E. 1.4 m.w.H.).
2.
2.1 Der Mehrwertsteuer unterliegen die im Inland von steuerpflichtigen
Personen gegen Entgelt erbrachten Leistungen; sie sind steuerbar, soweit
das MWSTG keine Ausnahme vorsieht (Inlandsteuer, Art. 18 Abs. 1
MWSTG). Als Leistung gilt die Einräumung eines verbrauchsfähigen wirt-
schaftlichen Wertes an eine Drittperson in Erwartung eines Entgelts (Art. 3
Bst. c MWSTG). Sie besteht in einer Lieferung oder einer Dienstleistung
(vgl. Art. 3 Bst. d und e MWSTG).
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Seite 7
2.2 Mehrwertsteuerpflichtig ist, wer unabhängig von Rechtsform, Zweck
und Gewinnabsicht ein Unternehmen betreibt und nicht von der Steuer-
pflicht befreit ist. Ein Unternehmen betreibt, wer eine auf die nachhaltige
Erzielung von Einnahmen aus Leistungen ausgerichtete berufliche oder
gewerbliche Tätigkeit selbständig ausübt und unter eigenem Namen nach
aussen auftritt (Art. 10 Abs. 1 Bst. a und b MWSTG, in der hier massgebli-
chen Fassung, vgl. E. 1.2 [dies gilt auch im Folgenden]). Befreit ist ein
Steuerpflichtiger unter anderem, wenn er im Inland innerhalb eines Jahres
weniger als Fr. 100'000.-- Umsatz aus steuerbaren Leistungen erzielt, so-
fern er nicht auf die Befreiung von der Steuerpflicht verzichtet (Art. 10
Abs. 2 Bst. a MWSTG). Die Befreiung von der Steuerpflicht endet, sobald
das Total der im letzten Geschäftsjahr erzielten Umsätze die Grenze von
Fr. 100'000.-- erreicht hat oder absehbar ist, dass diese Grenze innerhalb
von 12 Monaten nach der Aufnahme oder Ausweitung der unternehmeri-
schen Tätigkeit überschritten wird (Art. 14 Abs. 3 MWSTG).
2.3 Die Mehrwertsteuer wird vom tatsächlich empfangenen Entgelt berech-
net (Art. 24 Abs. 1 Satz 1 MWSTG).
2.4
2.4.1 Die Veranlagung und Entrichtung der Inlandsteuer erfolgt nach dem
Selbstveranlagungsprinzip. Der Steuerpflichtige stellt dabei eigenständig
fest, ob er die Voraussetzungen der subjektiven Steuerpflicht erfüllt (Art. 10
und 66 MWSTG), ermittelt die Steuerforderung selber (Art. 71 MWSTG)
und begleicht diese innerhalb von 60 Tagen nach Ablauf der Abrechnungs-
periode (Art. 86 Abs. 1 MWSTG). Dies bedeutet vorab, dass der Leistungs-
erbringer bereits für die Feststellung seiner Mehrwertsteuerpflicht selbst
verantwortlich ist und sich gegebenenfalls unaufgefordert anzumelden hat
(Art. 56 Abs. 1 aMWSTG; vgl. Urteil des BVGer A-4922/2012 vom 14. Juni
2013 E. 2.3). Bei festgestellter Steuerpflicht hat er sodann selbst und un-
aufgefordert über seine Umsätze und Vorsteuern abzurechnen und die
Steuer an die ESTV abzuliefern (vgl. Urteil des BGer 2C_1077/2012,
2C_1078/2012 vom 24. Mai 2014 E. 2.1 sowie Urteil des BVGer
A-3050/2015 vom 6. Oktober 2015 E. 2.5.1 m.w.H.). Allerdings kann die
ESTV bei steuerpflichtigen Personen Kontrollen durchführen (Art. 78
MWSTG). Solche Kontrollen sind innert 360 Tagen seit der Ankündigung
mit einer Einschätzungsmitteilung abzuschliessen, wobei darin der Umfang
der Steuerforderung für den kontrollierten Zeitraum festgehalten wird
(Art. 78 Abs. 5 MWSTG; Urteil des BGer 2C_326/2015 vom 24. November
2016 E. 3.2; zum Ganzen: Urteile des BVGer A-5551/2019 vom 14. Januar
2021 E. 2.4.1, A-1618/2018 vom 26. März 2019 E. 2.2.1).
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Seite 8
2.4.2 Zu den Pflichten der mehrwertsteuerpflichtigen Person gehört insbe-
sondere auch die ordentliche Buchführung. Der Mehrwertsteuerpflichtige
hat seine Geschäftsbücher und Aufzeichnungen nach den handelsrechtli-
chen Grundsätzen zu führen (Art. 70 Abs. 1 MWSTG). Die Buchführung ist
das lückenlose und planmässige Aufzeichnen sämtlicher Geschäftsvorfälle
einer Unternehmung auf der Grundlage von Belegen. Sie schlägt sich in
den Geschäftsbüchern und den zugehörigen Aufzeichnungen nieder (vgl.
Urteile des BVGer A-4580/2014 vom 9. Juni 2015 E. 3.4.2 und
A-6198/2012 vom 3. September 2013 E. 2.7.2; BEATRICE BLUM, in: Gei-
ger/Schluckebier [Hrsg.], MWSTG Kommentar, 2012, Rz. 3 ff. zu Art. 70
MWSTG; vgl. zum Ganzen etwa: Urteile des BVGer A-5551/2019 vom
14. Januar 2021 E. 2.4.2, A-5892/2018 vom 4. Juli 2019 E. 2.4.2, je
m.w.H.).
2.4.3 Auch Einzelunternehmen und Personengesellschaften mit weniger
als Fr. 500'000.-- Umsatzerlös im letzten Geschäftsjahr müssen über die
Einnahmen und Ausgaben sowie über die Vermögenslage Buch führen
(Art. 957 Abs. 2 Ziff. 1 OR [SR 220]), wobei auch für diese Unternehmen
die Grundsätze ordnungsmässiger Buchführung (Art. 957a Abs. 2 OR)
sinngemäss gelten (Art. 957 Abs. 3 OR). Die steuerpflichtige Person hat
ihre Geschäftsbücher und Aufzeichnungen gemäss Art. 70 Abs. 1 MWSTG
nach den handelsrechtlichen Grundsätzen zu führen. Die ESTV kann aus-
nahmsweise darüber hinausgehende Aufzeichnungspflichten erlassen,
wenn dies für die ordnungsgemässe Erhebung der Mehrwertsteuer uner-
lässlich ist. Art. 128 Abs. 1 Bst. b MWSTV wiederum bestimmt, dass die
ESTV von der steuerpflichtigen Person die Einreichung der rechtsgültig un-
terzeichneten Jahresrechnung oder, wenn die steuerpflichtige Person nicht
buchführungspflichtig ist, die Einreichung einer Aufstellung über die Ein-
nahmen und Ausgaben sowie über das Geschäftsvermögen zu Beginn und
am Ende der Steuerperiode verlangen kann.
2.5
2.5.1 Liegen keine oder nur unvollständige Aufzeichnungen vor (Verstoss
gegen die formellen Buchführungsvorschriften) oder stimmen die ausge-
wiesenen Ergebnisse mit dem wirklichen Sachverhalt offensichtlich nicht
überein (Verstoss gegen die materiellen Buchführungsregeln), so schätzt
die ESTV die Steuerforderung nach pflichtgemässem Ermessen ein
(Art. 79 Abs. 1 MWSTG) und die Festsetzung der Steuerforderung erfolgt
mit einer Einschätzungsmitteilung (Art. 79 Abs. 2 MWSTG; weiterführend
zum Ganzen: Urteil des BGer 2C_885/2019 vom 5. März 2020 E. 5.3
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Seite 9
m.w.H.; Urteile des BVGer A-1098/2019 vom 10. September 2019 E. 2.2.2,
A-5892/2018 vom 4. Juli 2019 E. 2.5.2, je m.w.H.).
2.5.2 Sind die Voraussetzungen für eine Ermessenstaxation erfüllt, so ist
die ESTV nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, eine solche nach
pflichtgemässem Ermessen vorzunehmen. Die ESTV hat dabei alle Um-
stände zu beachten, von denen sie Kenntnis hat. Wohl hat die Steuerbe-
hörde eine vorsichtige Schätzung anzustellen, doch ist sie nicht verpflich-
tet, im Zweifelsfall die für die steuerpflichtige Person günstigste Annahme
zu treffen. Im Gegenteil, es soll vermieden werden, dass Steuerpflichtige,
die ihren Mitwirkungspflichten nicht nachkommen, am Ende bessergestellt
werden als solche, die es tun. Die Verletzung von Verfahrenspflichten darf
sich nicht lohnen. Fälle, in denen die Steuerpflichtigen ihre Mitwirkungs-
pflichten nicht wahrnehmen bzw. keine, unvollständige oder ungenügende
Aufzeichnungen über ihre Umsätze (bzw. hinsichtlich der Feststellung oder
Überprüfung der Steuerpflicht) führen, dürfen keine Steuerausfälle zur
Folge haben (vgl. statt vieler: Urteil des BGer 2C_1077/2012,
2C_1078/2012 vom 24. Mai 2014 E. 2.3 m.w.H.; Urteile des BVGer
A-5892/2018 vom 4. Juli 2019 E. 2.6.1, A-7088/2016 vom 11. Dezember
2017 E. 2.5.1 und A-874/2017 vom 23. August 2017 E. 2.6.3 m.w.H.).
2.5.3 Ist die ESTV verpflichtet, eine Schätzung nach pflichtgemässem Er-
messen vorzunehmen, hat sie diejenige Schätzungsmethode zu wählen,
die den individuellen Verhältnissen im Betrieb der steuerpflichtigen Person
soweit als möglich Rechnung trägt, auf plausiblen Annahmen beruht und
deren Ergebnis der wirklichen Situation möglichst nahe kommt (statt vieler:
Urteile des BGer 2C_950/2015 vom 11. März 2016 E. 4.5, 2C_576/2015
vom 29. Februar 2016 E. 3.4 und 2C_1077/2012, 2C_1078/2012 vom
24. Mai 2014 E. 2.3). In Betracht kommen Schätzungsmethoden, die auf
eine Ergänzung oder Rekonstruktion der ungenügenden Buchhaltung hin-
auslaufen, aber auch Umsatzschätzungen aufgrund unbestrittener Teil-
Rechnungsergebnisse in Verbindung mit Erfahrungssätzen. Die brauchba-
ren Teile der Buchhaltung und allenfalls vorhandene Belege sind soweit als
möglich bei der Schätzung zu berücksichtigen. Sie können durchaus als
Basiswerte der Ermessenstaxation fungieren (statt vieler: Urteile des
BVGer A-874/2017 vom 23. August 2017 E. 2.6.4, A-3050/2015 vom 6. Ok-
tober 2015 E. 2.7.2 und A-665/2013 vom 10. Oktober 2013 E. 2.6.2, je
m.w.H.; PASCAL MOLLARD, TVA et taxation par estimation, ASA 69
S. 530 ff.).
A-2589/2020
Seite 10
2.5.4 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft das Vorliegen der Voraus-
setzungen für die Vornahme einer Ermessenstaxation uneingeschränkt.
Bei der Überprüfung von zulässigerweise erfolgten Ermessensveranlagun-
gen auferlegt sich das Bundesverwaltungsgericht als ausserhalb der Ver-
waltungsorganisation und Behördenhierarchie stehendes, von der richter-
lichen Unabhängigkeit bestimmtes Gericht trotz des möglichen Rügegrun-
des der Unangemessenheit (vgl. vorne E. 1.3) eine gewisse Zurückhaltung
und reduziert dergestalt seine Prüfungsdichte. Grundsätzlich setzt das
Bundesverwaltungsgericht nur dann sein eigenes Ermessen an die Stelle
desjenigen der Vorinstanz, wenn dieser bei der Schätzung erhebliche Er-
messensfehler unterlaufen sind. Diese Praxis wurde vom Bundesgericht
wiederholt bestätigt (vgl. Urteile des BGer 2C_950/2015 vom 11. März
2016 E. 4.5, 2C_970/2012 vom 1. April 2013 E. 4.3 und 2C_426/2007 vom
22. November 2007 E. 4.3; Urteile des BVGer A-5892/2018 vom 4. Juli
2019 E. 2.8.1, A-1133/2018 vom 26. September 2018 E. 2.8.1).
2.5.5 Für das Vorliegen der Voraussetzungen einer Ermessenseinschät-
zung ist nach der allgemeinen Beweislastregel die ESTV beweisbelastet
(E. 1.5). Sind die Voraussetzungen erfüllt («erste Stufe») und erscheint die
vorinstanzliche Schätzung nicht bereits im Rahmen der durch das Bundes-
verwaltungsgericht mit der gebotenen Zurückhaltung (E. 2.5.4) vorzuneh-
menden Prüfung als pflichtwidrig («zweite Stufe»), obliegt es – in Umkehr
der allgemeinen Beweislast – der steuerpflichtigen Person, den Nachweis
für die Unrichtigkeit der Schätzung zu erbringen («dritte Stufe»).
Weil das Ergebnis der Ermessensveranlagung selbst auf einer Schätzung
beruht, kann sich die steuerpflichtige Person gegen eine zulässigerweise
durchgeführte Ermessenseinschätzung nicht mit allgemeiner Kritik zur
Wehr setzen. Namentlich kann sie sich nicht darauf beschränken, die Kal-
kulationsgrundlagen der Ermessenseinschätzung pauschal zu kritisieren.
Vielmehr hat sie anhand von Belegen nachzuweisen, dass die von der
ESTV vorgenommene Schätzung offensichtlich unrichtig ist (statt vieler:
Urteile des BGer 2C_1077/2012, 2C_1078/2012 vom 24. Mai 2014 E. 2.5
und 2C_970/2012 vom 1. April 2013 E. 4.3; vgl. zum Ganzen statt vieler:
Urteil des BVGer A-7088/2016 vom 11. Dezember 2017 E. 2.6.3 m.w.H.).
Gelingt es der steuerpflichtigen Person nicht, zu beweisen, dass das Er-
gebnis der Ermessenseinschätzung klarerweise nicht mit den tatsächli-
chen Gegebenheiten übereinstimmt, hat sie die Folgen der Beweislosigkeit
zu tragen und es bleibt bei der bisherigen Schätzung. Dies ist das Resultat
einer Situation, die sie letztlich selber zu vertreten hat. Die steuerpflichtige
A-2589/2020
Seite 11
Person muss somit die Ungewissheit tragen, die eine Schätzung zwangs-
läufig mit sich bringt (vgl. Urteile des BVGer A-5892/2018 vom 4. Juli 2019
E. 2.8, A-1133/2018 vom 26. September 2018 E. 2.8.2 und A-7215/2014
vom 2. September 2015 E. 2.8.3).
2.6 Die Steuerforderung ist innert 60 Tagen nach Ablauf der Abrechnungs-
periode durch die steuerpflichtige Person zu begleichen (Zahlungsfrist;
Art. 86 Abs. 1 MWSTG). Bei verspäteter Zahlung ist ohne Mahnung und
unabhängig vom Verschulden ein Verzugszins zu bezahlen (Art. 87
MWSTG). Der Verzugszinssatz beläuft sich gemäss der massgeblichen
Verordnung für die Zeit bis zum 31. Dezember 2009 auf 5% und vom 1. Ja-
nuar 2010 bis zum 31. Dezember 2011 auf 4.5%. Ab dem 1. Januar 2012
beträgt er noch 4% (Art. 108 Bst. a MWSTG i.V.m. Art. 1 Abs. 2 Bst. a-c der
Verordnung des EFD vom 11. Dezember 2009 über die Verzugs- und Ver-
gütungszinssätze [SR 641.207.1]). Vom 20. März 2020 bis zum 31. De-
zember 2020 ist bei verspäteter Zahlung der Mehrwertsteuer allerdings
kein Verzugszins geschuldet (Art. 2 der Verordnung über den befristeten
Verzicht auf Verzugszinsen bei verspäteter Zahlung von Steuern, Len-
kungsabgaben und Zollabgaben sowie Verzicht auf die Darlehensrücker-
stattung durch die Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit vom
20. März 2020 [SR 641.207.2]). Sind mehrere Abrechnungsperioden be-
troffen wird der Verzugszins praxisgemäss ab dem mittleren Verfall erho-
ben (Urteile des BVGer A-719/2018 vom 2. Mai 2019 E. 3.8 und
A-6905/2015 vom 22. Juni 2016 E. 15.1 m.w.H.).
2.7
2.7.1 Die Regelung der Fristwiederherstellung gemäss Art. 24 VwVG ent-
spricht dem allgemeinen Grundsatz des Rechts auf ein faires Verfahren
(Art. 29 Abs. 1 BV; Urteile des BVGer A-643/2019 vom 11. September 2019
E. 2.6.1, A-5569/2018 vom 3. Juni 2019 E. 2.5.1 und A-2656/2018 vom
19. Dezember 2018 E. 3.4; STEFAN VOGEL, in: Auer/Müller/Schindler
[Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren
[VwVG], 2. Aufl. 2019 [nachfolgend: Kommentar VwVG], Art. 24 Rz. 2).
Demnach kann eine Frist auf Gesuch hin wiederhergestellt werden, wenn
die gesuchstellende Person (oder ihr Vertreter) unverschuldet davon abge-
halten worden ist, fristgemäss zu handeln. Hierfür muss sie innert 30 Tagen
seit Wegfall des Hindernisses ein begründetes Begehren um Wiederher-
stellung einreichen und zugleich die versäumte Rechtshandlung nachholen
(Art. 24 Abs. 1 VwVG). Die Wiederherstellung der versäumten Frist ist so-
mit sowohl an formelle als auch materielle Voraussetzungen geknüpft. Sind
Erstere gegeben, ist auf ein entsprechendes Gesuch einzutreten; werden
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Seite 12
auch die weiteren Anforderungen erfüllt, ist es überdies gutzuheissen (VO-
GEL, Kommentar VwVG, a.a.O., Art. 24 Rz. 6).
2.7.2 Als unverschuldet gilt ein Versäumnis dann, wenn der betroffenen
Person keine Nachlässigkeit vorgeworfen werden kann und objektive
Gründe, d.h. solche, auf die sie keinen Einfluss nehmen kann, vorliegen.
Massgeblich sind nur solche Gründe, welche einer Person die Wahrung
ihrer Interessen auch bei Einsatz der gehörigen Sorgfalt gänzlich verun-
möglichen oder in unzumutbarer Weise erschweren. Die Verhinderung
muss derart unvorhergesehen auftreten, dass es nicht mehr möglich ist,
die Vornahme der geforderten Handlung durch eine Drittperson zu bewir-
ken (Urteile des BVGer A-643/2019 vom 11. September 2019 E. 2.6.2,
A-1328/2018 vom 18. April 2018 E. 2.2 f.; VOGEL, Kommentar VwVG,
a.a.O., Art. 24 Rz. 10 f.). Nicht als unverschuldete Hindernisse gelten na-
mentlich Unkenntnis der gesetzlichen Vorschriften, Arbeitsüberlastung, Fe-
rienabwesenheit oder organisatorische Unzulänglichkeiten. Taugliche Ent-
schuldigungsgründe bilden etwa Naturkatastrophen, Militärdienst oder
schwerwiegende Erkrankungen. Aus Gründen der Rechtssicherheit und ei-
nes geordneten Verfahrens darf ein Hinderungsgrund nicht leichthin ange-
nommen werden. Die Rechtsprechung zur Wiederherstellung der Frist ist
allgemein (sehr) restriktiv (vgl. zum Ganzen: Urteil des BGer 2C_734/2012
vom 25. März 2013 E. 3.3; Urteil des BVGer A-2656/2018 vom 19. Dezem-
ber 2018 E. 3.4 m.w.H.; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor
dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.139 ff.; VOGEL, Kom-
mentar VwVG, a.a.O., Art. 24 Rz. 9 f.).
2.7.3 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Tatsache, dass
ein Krankheitszustand jegliches auf die Fristwahrung gerichtetes Handeln
verunmöglicht und somit ein unverschuldetes, zur Wiederherstellung füh-
rendes Hindernis darstellt, nur dann als bewiesen anzusehen, wenn dies
mit einschlägigen Arztzeugnissen belegt ist, wobei die blosse Bestätigung
eines Krankheitszustandes bzw. die Bestätigung einer vollständigen Ar-
beitsunfähigkeit regelmässig nicht genügt (Urteile des BGer 6B_230/2010
vom 15. Juli 2010 E. 2.2, 2C_444/2010 vom 10. Juni 2010 E. 2).
3.
3.1 Im vorliegenden Fall ist zunächst auf das Vorbringen des Beschwerde-
führers einzugehen, wonach ihm die ESTV trotz seines Gesuchs vom
31. Oktober 2019 keine Fristerstreckung bzw. Wiederherstellung der Frist
gewährt habe. In der Beschwerde beanstandet er, dass das rechtliche Ge-
A-2589/2020
Seite 13
hör verletzt worden sei, da die Vorinstanz auf die vom ihm geltend ge-
machte Arbeitsunfähigkeit nicht eingetreten sei. In der Eingabe vom
16. November 2020 bringt er vor, er habe rechtzeitig und ordentlich ein
Arztzeugnis wegen entsprechender Arbeitsunfähigkeit ins Recht gelegt.
Die Vorinstanz habe jedoch diesen Verhinderungsgrund nicht berücksich-
tigt und «dadurch nicht willkürfrei unter Verletzung der Verfahrensgarantie
des fairen Verfahrens und des Verfahrens in Beachtung von Treu und Glau-
ben» gehandelt. Die Vorinstanz wäre verpflichtet gewesen, bei Nichtge-
währung oder eines Nichtvorliegens eines Grundes für die Wiederherstel-
lung einer Frist separat zu verfügen. Der Beschwerdeführer sei somit in
«bona fide» davon ausgegangen, dass die Frist wiederhergestellt werde.
3.1.1 Der Beschwerdeführer hat mit dem Schreiben vom 31. Oktober 2019
bei der Vorinstanz ein Gesuch um Fristverlängerung bis «Ende November
2019» eingereicht. In diesem Zusammenhang hat er ein «Arbeitsunfähig-
keitszeugnis» eines Arztes vorgelegt, gemäss welchem ihm eine Arbeits-
unfähigkeit (100%) für die Zeit vom 28. Oktober 2019 bis zum 17. Novem-
ber 2019 attestiert wurde. Dem vorausgegangen waren bereits diverse
Fristverlängerungsgesuche des Beschwerdeführers, um zu den Einschät-
zungsmitteilungen Stellung nehmen zu können und Unterlagen einzu-
reichen, die von der ESTV jeweils bewilligt wurden. Schliesslich wurde mit-
tels Schreibens vom 5. September 2019 von der ESTV eine «letztmalige»
Verlängerung bis zum 31. Oktober 2019 genehmigt, wobei ausdrücklich
darauf hingewiesen wurde, dass eine weitere Verlängerung der Frist nicht
möglich sei. Die Verfügung der Vorinstanz zur Festsetzung der Mehrwert-
steuerforderung erging schliesslich am 26. November 2019.
3.1.2 In Anbetracht der zahlreichen Gesuche des Beschwerdeführers und
der in der Folge über viele Monate hinweg gewährten Fristerstreckungen
ist zunächst das Vorgehen der Vorinstanz, wonach dem Beschwerdeführer
die letztmalige Fristerstreckung ankündigungsgemäss nicht mehr erstreckt
bzw. verlängert wurde, nicht zu beanstanden.
3.1.3 Die Vorinstanz hat sodann, wie der Beschwerdeführer bemängelt, die
Frist auch nicht wiederhergestellt.
Zunächst einmal kann entgegen der Argumentation in der Beschwerde
nicht davon gesprochen werden, dass die Vorinstanz das Gesuch des Be-
schwerdeführers «ignoriert» hätte: So wurde bereits in der Verfügung vom
26. November 2019 das implizit am 31. Oktober 2019 gestellte Gesuch
unter dem Blickwinkel der Grundsätze zur Fristwiederherstellung gewürdigt
A-2589/2020
Seite 14
(Verfügung Ziff. 2.1, S. 5 unten) und in der Folge keine weitere «Fristerstre-
ckung» gewährt (Verfügung Ziff. 2.2, S. 6 oben), womit zweifellos auch ge-
meint war, dass keine Fristwiederherstellung gewährt werden sollte. Im
Einspracheentscheid wurde die Fristwiederherstellung, welche mit der Ein-
sprache beantragt worden war, erneut nicht gewährt (vgl. Einspracheent-
scheid Ziff. 2.1.2.2, S. 6). Die negative Beurteilung seines Gesuchs ergibt
sich also sowohl aus den Erwägungen in der Verfügung der Vorinstanz vom
26. November 2019 sowie aus denjenigen im Einspracheentscheid vom
26. März 2020 und der (vollumfänglichen) Abweisung seiner Einsprache.
Entsprechend konnte der Beschwerdeführer – entgegen seinem Vorbrin-
gen – auch nicht «bona fide» davon ausgehen, dass ihm eine solche Frist-
wiederherstellung gewährt würde. Und schliesslich war es auch nicht nötig,
die Ablehnung des Gesuchs in einer separaten Verfügung vorzunehmen,
wie der Beschwerdeführer beanstandet; die Vorinstanz konnte dies durch-
aus im Rahmen der genannten Verfügung bzw. des genannten Entscheids
tun.
Ein Fristwiederherstellungsgesuch ist sodann immer bei der Behörde zu
stellen, welche die Frist angeordnet hat. Dies gilt auch, wenn die Behörde
bereits einen Entscheid gefällt hat (vgl. dazu etwa Urteil des BGer
2C_345/2010 vom 10. Mai 2012 E. 2.2). Im vorliegenden Fall hat die
Vorinstanz die Frist angesetzt, weswegen auf das mit Eingabe vom 16. No-
vember 2020 an das Bundesverwaltungsgericht nochmals gestellte Frist-
wiederherstellungsgesuch (betreffend die gleiche Frist) nicht eingetreten
werden kann. Vielmehr ist vorliegend darüber zu befinden, ob die Vo-
rinstanz die Fristwiederherstellung zu Recht nicht gewährt hat.
Wie in E. 2.7.1 bereits ausgeführt, ist ein Fristwiederherstellungsgesuch an
formelle und materielle Voraussetzungen geknüpft. Auf formeller Seite wird
vorausgesetzt, dass innert 30 Tagen seit Wegfall des Hindernisses ein be-
gründetes Begehren um Wiederherstellung eingereicht und zugleich die
versäumte Handlung nachgeholt werden. Der Beschwerdeführer verlangte
zwar bei der Vorinstanz die Wiederherstellung der Frist, holte aber die
Handlung nicht nach, weder gleichzeitig mit dem Gesuch um Fristerstre-
ckung/-wiederherstellung, noch später nach Wegfall des (angeblichen)
Hindernisses. Mangels formeller Voraussetzung wäre die Vorinstanz somit
befugt gewesen, auf das Gesuch nicht eintreten.
Die Rechtsprechung zur Wiederherstellung der Frist ist allgemein sehr rest-
riktiv (vgl. dazu ausführlich vorne E. 2.7). Das vom Beschwerdeführer ein-
A-2589/2020
Seite 15
gereichte Arbeitsunfähigkeitszeugnis, welches ihm – ohne weitere Präzi-
sierungen – eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit vom 28. Oktober 2019 bis
17. November 2019 bescheinigt, genügt im Lichte der Rechtsprechung
nicht, um einen Krankheitszustand nachzuweisen, welcher jegliches auf
die Fristwahrung gerichtetes Handeln verunmöglicht und daher ein unver-
schuldetes, zur Wiederherstellung führendes Hindernis darstellt. Hinzu
kommt: Insgesamt hatte der Beschwerdeführer in Anbetracht der vielzähli-
gen vorgängigen Fristerstreckungen ungefähr neun Monate Zeit um die er-
suchte Eingabe einzureichen. Nicht zuletzt auch in diesem Kontext be-
trachtet und aufgrund der ausdrücklichen Androhung der Vorinstanz, diese
letztmalig gesetzte Frist nicht mehr zu verlängern, wäre vom Beschwerde-
führer zu verlangen und auch zumutbar gewesen, frühzeitig einen Vertreter
oder eine Hilfsperson mit der Aufgabe zu betrauen. Rechtsanwälte haben
sich gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich so zu or-
ganisieren, dass Fristen im Falle einer Verhinderung trotzdem gewahrt wer-
den können (vgl. vorne E. 2.7.2). Ein Wiederherstellungsgrund ist somit
vorliegend nicht nachgewiesen.
Schliesslich ist festzuhalten, dass die Nicht-Wiederherstellung der Frist
durch die Vorinstanz keinerlei Rechtsnachteile für den Beschwerdeführer
zur Folge hatte, da dieser seine Begründung und weitere Unterlagen jeder-
zeit hätte nachreichen können, welche entsprechend auch im Einsprache-
verfahren sowie im vorliegenden Beschwerdeverfahren noch berücksich-
tigt worden wären. Der Beschwerdeführer hat aber bis heute darauf ver-
zichtet, eine substantiierte Begründung oder weitere Unterlagen einzu-
reichen (vgl. dazu bereits E. 3.1.3 Absatz 2). Infolgedessen kann auch von
einer Verletzung des rechtlichen Gehörs keine Rede sein.
3.1.4 Insgesamt waren somit weder die formellen noch die materiellen Vo-
raussetzungen an eine Fristwiederherstellung erfüllt. Folglich ist die Be-
schwerde in diesem Punkt abzuweisen.
4.
4.1 Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz den Umsatz des Beschwerde-
führers betreffend die Steuerjahre 2011 bis 2017 ermessensweise ermittelt
und fordert (über die für diese Perioden bereits abgerechneten Beträge
hinaus) für die Steuerperioden 2011 bis 2015 Fr. 53'890.-- Mehrwertsteuer
zuzüglich Verzugszins seit dem 31. Mai 2017 sowie für die Steuerperioden
2016 und 2017 Fr. 51'213.-- Mehrwertsteuer nach.
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Seite 16
Der Beschwerdeführer bestreitet die Rechtmässigkeit dieser Steuernach-
forderungen. In der Beschwerde macht er geltend, dass für seine Einzel-
firma die Einkommenssteuerveranlagung berücksichtigt werden müsse,
welche aber noch nicht definitiv vorliege. Zudem seien die dem Entscheid
zugrunde gelegten Umsätze «nicht validiert» und würden bestritten. Es
gälte zu beachten und zu würdigen, welche Beträge Honorar und welche
Beträge «Drittsummen» darstellten (Beschwerde Ziff. II.2). Seiner Meinung
nach hätten die massgeblichen Unterlagen für eine Einschätzung der Vo-
rinstanz vorgelegen. Die Vorinstanz verkenne, dass ausser dem Ge-
schäftskonto bei der Bank keine weiteren Geschäftskonti beim Beschwer-
deführer vorgelegen hätten. Es sei bezüglich des Sachverhalts bis ins Jahr
2017 alles offengelegt worden und bis zu diesem Jahr seien auch die ent-
sprechenden Veranlagungen durch die Wohnsitzgemeinde vorgenommen
worden, was – so der Beschwerdeführer weiter – relevant sei, da er eine
Einzelfirma führe. Es bestehe zudem nur eine Aufzeichnungspflicht für
seine Einzelfirma, keine Buchführungspflicht. Weiter handle die Vorinstanz
bei ihrer Ermessenseinschätzung in dem Sinn willkürlich, dass sie für die
Folgejahre eine minimale jährliche Umsatzsteigerung von 25 bis 35% an-
nehme, was jeglicher Ermessenseinschätzungspraxis und auch den fakti-
schen Gegebenheiten widerspreche (zum Ganzen: Eingabe des Be-
schwerdeführers vom 16. November 2020 Ziff. 3 f.).
4.2 Als Erstes ist im Folgenden zu prüfen, ob die Vorinstanz berechtigt war,
eine Ermessenseinschätzung durchzuführen (E. 2.5.1 f.).
Den soeben erwähnten Ausführungen des Beschwerdeführers ist entge-
genzuhalten, dass er vorliegend sehr wohl dazu verpflichtet war, über seine
Einnahmen und Ausgaben sowie über seine Vermögenslage Buch zu füh-
ren (vgl. dazu ausführlich vorne E. 2.4, insbesondere E. 2.4.3). Dieser Auf-
zeichnungspflicht ist er jedoch nicht hinreichend nachgekommen. Der Vo-
rinstanz hat er zunächst lediglich teilweise Auszüge des Geschäftskontos
bei der Bank vorgelegt. Erst anlässlich der Kontrolle durch die Vorinstanz
hat der Treuhänder des Beschwerdeführers eine Aufstellung bezüglich der
auf dem Geschäftskonto in den betreffenden Jahren eingegangenen Gut-
schriften erstellt (vgl. Verfügung Ziff. 3.1, S. 6 und Einspracheentscheid
Ziff. 3.1.2, S. 7 f. sowie Vernehmlassungsbeilage Nr. 6). Vollständige Auf-
zeichnungen über alle Einnahmen und Ausgaben fehlten aber anlässlich
der Kontrolle nach wie vor (und fehlen auch bis heute). Die Vorinstanz
fragte gar beim für die direkten Steuern des Beschwerdeführers zuständi-
gen Steueramt nach, ob Buchhaltungsunterlagen vorliegen würden, was
A-2589/2020
Seite 17
aber verneint wurde. In der Folge war die Vorinstanz nicht nur befugt, son-
dern vielmehr verpflichtet eine teilweise Ermessenseinschätzung gemäss
Art. 79 MWSTG vorzunehmen (vgl. dazu vorne E. 2.5.1 f.).
Wie die Vorinstanz bereits richtigerweise ausgeführt hat, ist der Hinweis
des Beschwerdeführers auf die Einkommenssteuerveranlagung durch die
zuständige kantonale Steuerbehörde irrelevant. Für die mehrwertsteuerli-
che Betrachtung ist die Rechtslage im Bereich der direkten Steuern grund-
sätzlich nicht massgebend. Es handelt sich um verschieden geartete Steu-
ersysteme und den beiden Steuerarten liegen unterschiedliche Besteue-
rungsziele zugrunde (BGE 123 II 295 E. 6b; Urteil des Bundesgerichts
2A.222/2002 vom 4. September 2002 E. 3.4; Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts A-281/2009 vom 14. Oktober 2010 E. 6.1.4, A-1529/2006
vom 18. März 2008 E. 3.1.3; BVGE 2007/23 E. 2.3.3). Die Vorinstanz war
somit entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers nicht verpflichtet,
auf die Einkommenssteuerveranlagung abzustellen.
4.3
4.3.1 Nachdem die Rechtmässigkeit der Vornahme einer Ermessensein-
schätzung bejaht wurde (E. 4.2), ist im Nachfolgenden zu prüfen, ob die
Vorinstanz die Ermessensveranlagung pflichtgemäss vorgenommen hat
(sog. "zweite Stufe" [E. 2.5.3 f.]; dazu E. 4.3.2 f.) und, falls dies zu bejahen
ist, ob es dem Beschwerdeführer gelingt, die Unrichtigkeit der vorinstanzli-
chen Schätzung nachzuweisen (sog. "dritte Stufe" [E. 2.5.5]; dazu E. 4.4).
4.3.2 An dieser Stelle ist also zu prüfen, ob das Vorgehen der Vorinstanz
bei der Ermessensveranlagung zu schützen ist (sog. «zweite Stufe»,
E. 2.5.3 f.). Das Bundesverwaltungsgericht übt bei dieser Prüfung Zurück-
haltung und setzt nur dann sein eigenes Ermessen an die Stelle desjenigen
der Vorinstanz, wenn dieser erhebliche Ermessensfehler unterlaufen sind,
sie ihr Ermessen mit anderen Worten nicht pflichtgemäss ausgeübt hat
(E. 2.5.4).
4.3.3 Die Vorinstanz legte in der Verfügung vom 26. November 2019 (insb.
in Ziff. 3 ff., S. 6 ff.) ihr Vorgehen bei der Ermittlung der Steuerforderung
einlässlich dar. Zudem ergibt sich das Vorgehen (welches anlässlich der
Verfügung allerdings noch etwas angepasst wurde) aus den Ermessen-
scheinschätzungen und deren Anhängen.
Die Vorinstanz hat sich dabei auf die erwähnte Aufstellung des Treuhän-
ders (vgl. Vernehmlassungsbeilage Nr. 6) abgestützt. Entsprechend den
A-2589/2020
Seite 18
Angaben des Beschwerdeführers, dass nur die in der Spalte «Netto» auf-
geführten Beträge Umsätze darstellten, hat die Vorinstanz zunächst diese
als steuerbaren Umsatz herangezogen (vgl. Verfügung Ziff. 3.1, S.6, EM
Position 1 «Umsatzdifferenzen»).
In einem weiteren Schritt hat sie zusätzlich diverse in der Aufstellung (in
der Spalte «Einzahlungen» bzw. «kein Honorar») enthaltene Gutschriften
ebenfalls als Umsatz aufgerechnet (vgl. Position 2 bis 3 bzw. 4 der EM),
weil der Beschwerdeführer keine Nachweise für die Behauptung, es handle
sich nicht um Umsätze, sondern um blosse Weiterleitungen bzw. private
Einzahlungen, erbrachte (vgl. Verfügung Ziff. 4 bis 6, S. 7 ff.).
Und schliesslich hat die Vorinstanz die so ermittelten Umsätze bezüglich
der Jahre 2011, 2013, 2014 und 2016 als plausibel, jene der Jahre 2012,
2015 und 2017 hingegen als nicht plausibel angesehen und für die beiden
letztgenannten Jahre zusätzlich eine Schätzung vorgenommen (vgl. Verfü-
gung Ziff. 7.3.2 f., S. 10 ff., Aufstellungen in Vernehmlassungsbeilage Nr. 7
sowie Position 4 bzw. 5 «Ermessenseinschätzung» der EM). Anders als
noch anlässlich der Kontrolle und gemäss den Einschätzungsmitteilungen
hat die Vorinstanz in der Verfügung vom 26. November 2019 keine alljähr-
lichen Umsatzsteigerungen unterstellt, sondern ist jeweils von gegenüber
den Vorjahren vergleichbaren Verhältnissen ausgegangen (vgl. Verfügung
Ziff. 7.3.2 f., S. 10 ff.). Wenn der Beschwerdeführer also die jährliche pro-
zentuale Umsatzsteigerung von 25 bis 35% beanstandet, so bezieht er sich
auf eine frühere, aktuell nicht mehr im Streit stehende Schätzungsmethode
und das entsprechende Vorbringen geht von vornherein fehl.
Das Vorgehen der Vorinstanz bei der Ermittlung der Steuerforderung kann
vorliegend nicht beanstandet werden. Die Vorinstanz stützte sich soweit
möglich auf die erhältlichen Unterlagen (namentlich die erwähnte Aufstel-
lung des Treuhänders des Beschwerdeführers) und hat ihr Vorgehen nach-
vollziehbar dargelegt. Unter Berücksichtigung der gebotenen Zurückhal-
tung ist der Vorinstanz nicht vorzuwerfen, sie hätte das Ermessen nicht
pflichtgemäss ausgeübt (vgl. dazu vorne E. 2.5.4).
4.4
4.4.1 Im Rahmen der «dritten Stufe» wäre es am Beschwerdeführer, mit-
tels Belegen nachzuweisen, dass die von der ESTV vorgenommene Schät-
zung offensichtlich unrichtig ist (vgl. vorne E. 2.5.5). Er bringt aber lediglich
– ohne dazu Beweise einzureichen – vor, sein Betriebskonto würde einer-
A-2589/2020
Seite 19
seits von Dritten gespiesen, welche Verfügungsgeschäfte im privaten Rah-
men gemacht hätten und in keinem Zusammenhang mit dem Geschäfts-
gang des Beschwerdeführers stehen würden, und andererseits sei das Be-
triebskonto gespiesen von seinen eigenen Konti bei einer anderen Bank.
Zudem unterscheide die Vorinstanz in ihrer Ermessenseinschätzung nicht
zwischen Honorar und Forderungen bzw. Beträgen, die weitergeleitet wor-
den seien (zum Ganzen: Eingabe des Beschwerdeführers vom 16. Novem-
ber 2020 Ziff. 6 ff., S. 2 f.).
4.4.2 Diese pauschalen Vorbringen des Beschwerdeführers sind ungenü-
gend substantiiert und stützen sich auf keinerlei entsprechende Nach-
weise. Das Einzige, was der Beschwerdeführer im Rahmen der Be-
schwerde an Unterlagen eingereicht hat, sind zwei Anhänge der Einschät-
zungsmitteilung (vgl. EM Nr. [...] Anhang Nr. 2 und 3). Was er mit diesen
beiden Anhängen beweisen möchte, legt er in der Beschwerde nicht dar
und ist für das Gericht auch nicht ersichtlich. Insgesamt ist es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen, den Nachweis der offensichtlichen Unrich-
tigkeit der vorinstanzlichen Schätzung zu erbringen (vgl. dazu vorne
E. 2.5.5).
4.5 Der angefochtene Einspracheentscheid erweist sich daher insgesamt
als rechtmässig. Die Beschwerde ist infolgedessen abzuweisen, soweit da-
rauf eingetreten wird.
5.
5.1 Ausgangsgemäss hat der unterliegende Beschwerdeführer die Verfah-
renskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind in Anwendung von
Art. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE; SR 173.320.2)
auf Fr. 4'250.-- festzusetzen. Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher
Höhe ist zur Bezahlung dieser Kosten zu verwenden.
5.2 Parteientschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG
e contrario sowie Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario und Art. 7 Abs. 3 VGKE).
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