Decision ID: 706861e4-b3e6-58ab-b167-39a4e844f25b
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Am 31. Juli 2020 ersuchte die Beschwerdeführerin im Bundesasylzentrum
Zürich (BAZ) um Asyl. Dabei reichte sie eine auf ihren Namen lautende,
von den griechischen Behörden ausgestellte, bis am 15. Juni 2020 gültige
Aufenthaltsbewilligung und ein griechisches Reisedokument, gültig bis am
29. November 2022, im Original ein.
B.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-
heit Eurodac) ergab, dass die Beschwerdeführerin am 12. April 2017 in
Griechenland um Asyl nachgesucht hatte und ihr am 2. Juni 2017 von den
griechischen Behörden internationaler Schutz gewährt worden war.
C.
Am 3. August 2020 ersuchte die Vorinstanz die griechischen Behörden ge-
stützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Ver-
fahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal anwesender Dritt-
staatsangehöriger (nachfolgend: Rückführungs-Richtlinie) und auf das Ab-
kommen zwischen der Schweiz und Griechenland über die Rücküber-
nahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt vom 28. August 2006 (SR
0.142.113.729) schriftlich um Rückübernahme der Beschwerdeführerin.
D.
Im Rahmen der Befragung zur Person (PA) stellte die Beschwerdeführerin,
zur Einreichung von Identitätsdokumenten aufgefordert, die Einreichung ih-
rer Taskera in Kopie in Aussicht und gab unter anderem an, über sehr gute
Englischkenntnisse zu verfügen. Am 6. August 2020 mandatierte sie die ihr
zugewiesene rubrizierte Rechtsvertretung zu ihrer Vertretung im Asylver-
fahren im BAZ.
E.
Am 10. August 2020 stimmten die griechischen Behörden dem Übernah-
meersuchen dem SEM vom 3. August 2020 zu. Sie teilten mit, dass der
Beschwerdeführerin am 2. Juni 2017 die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt
worden sei und sie über eine Aufenthaltsbewilligung in Griechenland ver-
füge, die zuletzt bis am 15. Juni 2023 verlängert worden sei.
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F.
Mit Schreiben vom 10. August 2020 orientierte das SEM die Rechtsvertre-
tung über den Inhalt dieses Antwortschreibens betreffend seine Abklärun-
gen bei den griechischen Behörden. Gleichzeitig teilte es mit, aufgrund des
hinreichend erstellten Sachverhalts betreffend die Zuständigkeit der Be-
handlung des eingereichten Asylgesuches auf die Durchführung eines
Dublin-Gesprächs zu verzichten. Im Weiteren hielt es fest, es beabsichtige,
auf das Asylgesuch in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR
142.31; Rückkehrmöglichkeit in einen sicheren Drittstaat) nicht einzutreten
und die Beschwerdeführerin nach Griechenland wegzuweisen. Hierzu
wurde das rechtliche Gehör gewährt.
G.
In ihrer Stellungnahme vom 13. August 2020 machte die Rechtsvertretung
geltend, die griechischen Behörden hätten «nach Ausstellung der Aufent-
haltsdokumente jegliche Unterstützung der Beschwerdeführerin einge-
stellt». Die Beschwerdeführerin habe sich zuerst zusammen mit ihrer Mut-
ter und ihren Brüdern in einem Camp in B._ aufgehalten
(C._), wo chaotische Zustände geherrscht hätten. Nach Erhalt des
positiven Asylentscheides sei sie der behördlichen Aufforderung, das
Camp zu verlassen, nicht nachgekommen. Durch ihr freiwilliges Engage-
ment bei einer im Camp tätigen Hilfsorganisation habe sie die Gelegenheit
erhalten, an einem Erasmus Volunteering Programm in Spanien teilzuneh-
men. Nach der Teilnahme an diesem auf sieben Monate befristeten Pro-
gramm sei sie wieder nach Griechenland in das Camp C._ zurück-
gekehrt. Ihre Familie habe sich aber bereits nicht mehr dort aufgehalten.
Sie sei alleine im Camp gewesen und eines Nachts von drei unbekannten
Männern vergewaltigt worden. Diesen Vorfall habe sie aber nicht zur An-
zeige gebracht. Dies weil sie sich ja «illegal» im Camp aufgehalten habe.
Aus Furcht vor weiteren Behelligungen sei sie dann mit der Unterstützung
einer Freundin wieder nach Spanien gereist, wo sie sich von Januar 2020
bis zu ihrer Ausreise in die Schweiz im Juli 2020 aufgehalten habe. Sie
leide unter finanziellen und gesundheitlichen Schwierigkeiten (fehlende Er-
werbsmöglichkeit in Griechenland, psychisch labil wegen erlittener Verge-
waltigung, Haarausfall, Schlafstörungen) und die allgemeine Situation für
Flüchtlinge in Griechenland sei prekär. Der Sachverhalt sei in medizinsi-
cher Hinsicht nicht vollständig festgestellt, weswegen das Verfahren bis
zum Vorliegen eines ärztlichen Berichts zu sistieren sei. Im Weiteren ge-
höre die Beschwerdeführerin als alleinstehende Frau zu der Kategorie der
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besonders verletzlichen Personen. Es sei von der Unzulässigkeit oder zu-
mindest der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Griechen-
land auszugehen.
H.
Gemäss dem ärztlichen Bericht des Ambulatoriums Kanonengasse vom
28. August 2020 wurden bei der Beschwerdeführerin ein Vitamin-D-Man-
gel, Eisenmangelanämie und Anpassungsstörungen diagnostiziert und zur
Behandlung die Medikamente Redomin 500mg, Gyno-Tardyferon und Vi-
tamin-D-3 verschrieben.
I.
Im Bericht des (...) vom 1. September 2020 wird festgehalten, dass bei der
Beschwerdeführerin die Kriterien für das Vorliegen einer posttraumati-
schen Belastungsstörung nicht erfüllt seien. Es liege lediglich eine Reak-
tion auf eine schwere Belastung vor. Sie verbleibe bei der Schilderung ihrer
Geschichte eher allgemein und wirke distanziert. Dies könne auch als Ver-
meidungsverhalten gelten. Eine ambulante psychiatrisch-psychotherapeu-
tische Behandlung sei indiziert. Diese sollte organisiert werden, wenn der
Aufenthaltsort der Beschwerdeführerin feststehe.
J.
Am 8. September 2020 stellte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin den
Entscheidentwurf zu und gewährte ihr das rechtliche Gehör. Mit Eingabe
vom 9. September 2020 nahm die Rechtsvertretung Stellung. Sie wies er-
neut auf die allgemeine schwierige Situation für Asylsuchende und aner-
kannte Flüchtlinge in Griechenland und die fehlende Unterstützung der Be-
schwerdeführerin bei der Stellen- und Wohnungssuche hin. Auch wenn die
Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht erfüllt seien, sei
bei einer Rückkehr nach Griechenland mit einer Verschlechterung des psy-
chischen Zustands der Beschwerdeführerin zu rechnen, ja es bestehe ein
real risk dafür, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in eine
existenzielle Notlage geraten werde. Im Übrigen sei ergänzend festzuhal-
ten, dass sie im Camp nicht nur wegen ihres illegalen Aufenthalts im Camp,
sondern auch aus Furcht, dass man ihr nicht glauben werde, keine Anzeige
wegen der Vergewaltigung erstattet habe.
K.
Mit gleichentags eröffnetem Entscheid vom 10. September 2020 trat die
Vorinstanz auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein, wies sie
aus der Schweiz weg und forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt
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der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen, ansonsten sie in Haft genom-
men und unter Zwang nach Griechenland zurückgeführt werde. Sollte
diese Frist wegen der ausserordentlichen Lage aufgrund des Corona-Virus
nicht ausreichen, habe die Beschwerdeführerin die Möglichkeit, beim SEM
vor Ablauf der Frist schriftlich und begründet um Fristerstreckung zu ersu-
chen. Gleichzeitig beauftragte die Vorinstanz den zuständigen Kanton mit
dem Vollzug der Wegweisung und händigte der Beschwerdeführerin die
editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus.
L.
Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 17. September 2020 erhob die Be-
schwerdeführerin gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerde. Es wurde dessen Aufhebung, die Rückweisung der Sa-
che an die Vorinstanz zur vollständigen Abklärung des Sachverhalts und
zur Neubeurteilung, eventualiter die Anweisung an das SEM zum Eintreten
auf das Asylgesuch, subeventualiter die Gewährung der vorläufigen Auf-
nahme unter Feststellung der Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmög-
lichkeit des Wegweisungsvollzuges sowie subsubeventualiter die Anwei-
sung an die Vorinstanz, von den griechischen Behörden individuelle Ga-
rantien betreffend die adäquate Unterbringung und den benötigten Zugang
zu fachärztlicher Behandlung einzuholen. In prozessualer Hinsicht bean-
tragte die Rechtsvertretung die Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung mit Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
M.
Mit Schreiben vom 18. September 2020 bestätigte das Bundesverwal-
tungsgericht den Eingang der Beschwerde.
N.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Gericht am 18. September 2020 in
elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 und 4 AsylG).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
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– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-
führerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vor-
instanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2
m.w.H.). Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Vollzugs hat das
SEM eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem Gericht diesbe-
züglich volle Kognition zukommt.
4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachfolgend
aufgezeigt wird, handelt es sich um eine solche, weshalb der Beschwerde-
entscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Ge-
stützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriften-
wechsel verzichtet.
5.
5.1 Die Rechtsvertretung rügte in ihrer Beschwerde in formeller Hinsicht,
die Vorinstanz habe den medizinischen Sachverhalt ungenügend festge-
stellt. Die Beschwerdeführerin leide an einer Blutanämie und sei psychisch
angeschlagen. Aus dem ärztlichen Bericht vom 1. September 2020 ergebe
sich, dass sie ein Vermeidungsverhalten gezeigt habe und dementspre-
chend das ganze Ausmass der psychischen Belastung wohl noch nicht an-
gesprochen und erörtert worden sei. Im neusten Bericht vom 11. Septem-
ber 2020 (vgl. F2 Formular vom 11. September 2020, ausgestellt von Frau
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D._) stelle die behandelnde Ärztin fest, dass eine ambulant-psychi-
atrische Behandlung indiziert sei und alsbald organisiert werden sollte. Die
Untersuchung einer psychischen Erkrankung benötige Zeit, ehe deren
Ausmass vollends diagnostiziert werden könne. Es sei daher nicht ausrei-
chend, sich auf Verdachtsdiagnosen zu stützen. Die Ansicht des SEM in
der angefochtenen Verfügung, wonach eine Verschlechterung der psychi-
schen Situation ohnehin keinen Grund zum Selbsteintritt darstellen könne,
widerspreche der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (u.a.
D-3333/2019 vom 12. Juli 2019, E-6952/2019 vom 13. Januar 2020). Da-
her sei auch im vorliegenden Fall eine Rückweisung der Sache zur voll-
ständigen Erstellung des medizinischen Sachverhalts erforderlich. Im Wei-
teren sei der Zugang zu medizinischer Versorgung in Griechenland selbst
für anerkannte Flüchtlinge nicht gegeben.
5.2 Das Asylverfahren wird vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht
(Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach die Behörde von Amtes wegen
für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachver-
haltes zu sorgen, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen zu be-
schaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzuklären und ordnungsge-
mäss darüber Beweis zu führen hat (BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.). Die
Behörde ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement
umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen
sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als
angezeigt erscheinen (vgl. dazu AUER/BINDER, in: Auer/Müller/Schindler
[Hrsg.], Kommentar zum VwVG, 2. Aufl. 2019, Rz. 16 zu Art. 12).
Die Rüge der unvollständigen Sachverhaltsfeststellung erweist sich vorlie-
gend als unbegründet. Auch wenn im ärztlichen Bericht vom 1. September
2020 auf die Möglichkeit hingewiesen wurde, dass die distanzierte Schil-
derung der Beschwerdeführerin auf ein Vermeidungsverhalten hindeuten
könnte, kann aufgrund dieses Hinweises nicht darauf geschlossen werden,
dass das «ganze Ausmass der psychischen Belastung noch nicht ange-
sprochen und erörtert worden sei», wie in der Beschwerde behauptet,
wurde doch im ärztlichen Bericht vom 1. September 2020 das Vorliegen
einer posttraumatischen Belastungsstörung explizit verneint und lediglich
eine Reaktion auf eine schwere Belastung diagnostiziert. Aufgrund dieser
Feststellungen stand der medizinische Sachverhalt hinreichend fest, um
die Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Grie-
chenland beurteilen zu können. Das SEM konnte daher von weiteren Sach-
verhaltsabklärungen absehen beziehungsweise davon ausgehen, dass bei
http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/10
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einem allfälligen Folgetermin keine derart schwerwiegende Diagnose erfol-
gen würde, die zu einer Änderung der ursprünglichen Einschätzung führte.
Aus dem aktuellen ärztlichen Bericht vom 11. September 2020 ergeben
sich denn auch keine konkreten Anhaltspunkte auf eine solche erschwe-
rende Diagnose, zumal von der Behandelbarkeit der psychischen Schwie-
rigkeiten der Beschwerdeführerin in Griechenland auszugehen ist.
5.3 Bei dieser Sachlage ist das Begehren um Rückweisung der Sache an
die Vorinstanz zwecks vollständiger Abklärung des Sachverhalts und Neu-
beurteilung abzuweisen.
6.
6.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein-
getreten wenn die asylsuchende Person in einen sicheren Drittstaat nach
Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren kann, in welchem sie sich vorher
aufgehalten hat.
6.2 Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellun-
gen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG
besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Durch den
Beschluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche
Länder der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandels-
assoziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet.
6.3 Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest,
dass es sich bei Griechenland, als Mitglied der EU, um einen sicheren Dritt-
staat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt. Den Akten ist zu
entnehmen, dass die griechischen Behörden die Beschwerdeführerin als
Flüchtling anerkannt, ihr eine Aufenthaltsbewilligung erteilt und ihrer Rück-
übernahme am 10. August 2020 ausdrücklich zugestimmt haben. Das
Land ist unter anderem Signatarstaat der FK und es bestehen weder ob-
jektive Anhaltspunkte noch substanzielle Hinweise für eine drohende Rück-
schiebung in ihren Heimatstaat unter Verletzung des Refoulement-Verbots.
Demnach sind die Voraussetzungen für einen Nichteintretensentscheid
(Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG) erfüllt.
7.
7.1 Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Regel
die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berück-
sichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG).
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7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dies wird in der
Beschwerde nicht bestritten.
7.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.
8.1 Das SEM wies in der angefochtenen Verfügung darauf hin, dass der
Vollzug zulässig sei, weil die Beschwerdeführerin im Drittstaat Griechen-
land Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finde und
das Non-Refoulement-Gebot bezüglich des Heimat- oder Herkunftsstaates
nicht zu prüfen sei.
8.2 Gemäss Art. 6a AsylG bestehe zugunsten sicherer Drittstaaten die Ver-
mutung, dass diese ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen einhielten. Ge-
stützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG bestehe ferner die Vermutung, dass eine Weg-
weisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar sei. Es ob-
liege der betroffenen Person, diese beiden Legalvermutungen umzustos-
sen.
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8.3 Im Rahmen des rechtlichen Gehörs sowie der Stellungnahme zum Ent-
scheidentwurf habe die Rechtsvertretung geltend gemacht, dass Griechen-
land seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen gegenüber den anerkannten
Schutzberechtigten nicht nachkomme und die dortigen Lebensbedingun-
gen für diese prekär seien. Es müsse davon ausgegangen werden, dass
die medizinische Versorgung der Beschwerdeführerin in Griechenland
nicht gewährleistet werden könne. Als alleinstehende Frau und Opfer einer
Vergewaltigung sei sie besonders vulnerabel.
Hierzu sei festzuhalten, dass Griechenland die Qualifikationsrichtlinie
2011/95/EU, welche unter anderem die Ansprüche von Personen mit inter-
nationalem Schutzstatus hinsichtlich Sozialleistungen bestimme sowie de-
ren Zugang zu Wohnraum, Beschäftigung und medizinischer Versorgung
regle, umgesetzt habe. Die Beschwerdeführerin könne die ihr zustehenden
Leistungen bei den griechischen Behörden geltend machen, nötigenfalls
auf dem Rechtsweg. Hinsichtlich des psychischen Zustands der Beschwer-
deführerin sei der Sachverhalt vollständig erstellt und es sei davon auszu-
gehen, dass die medizinische Versorgung der Beschwerdeführerin auch in
Griechenland sichergestellt sei, einschliesslich des Zugangs zu speziali-
sierter Behandlung, derer sie als Opfer einer Vergewaltigung bedürfen
könnte. Es handle sich bei der Beschwerdeführerin zudem nicht um eine
schwerkranke Person, die im Falle einer Rückschaffung nach Griechen-
land eine ernsthafte, rapide und irreversible Verschlechterung des Gesund-
heitszustands, verbunden mit übermässigem Leiden oder einer bedeuten-
den Verkürzung der Lebenserwartung, zu gewärtigen hätte.
Im Weiteren liege es nicht an den Schweizer Behörden sicherzustellen,
dass Personen mit Schutzstatus in Griechenland über ausreichende Le-
bensgrundlagen verfügten. Auch sei nicht darauf zu schliessen, dass Grie-
chenland sich künftig in einen Widerspruch zu seinen völkerrechtlichen
Verpflichtungen begeben werde. Die medizinische Grundversorgung in
Griechenland sei mit der Qualifikationsrichtlinie sichergestellt und es lägen
keine erhärteten Hinweise vor, wonach Griechenland der Beschwerdefüh-
rerin eine notwendige medizinische Behandlung verweigert hätte oder zu-
künftig verweigern würde. Das Land sei im Übrigen ein Rechtsstaat und
verfüge über eine funktionierende Polizeibehörde. Es sei davon auszuge-
hen, dass der Beschwerdeführerin die Möglichkeit der Einreichung einer
Strafanzeige im Zusammenhang mit der geltend gemachten Vergewalti-
gung nicht verwehrt worden wäre. Auch wenn die Lebensbedingungen in
Griechenland nicht einfach seien, lägen keine Hinweise für die Annahme
vor, dass der Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Griechenland
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eine unmenschliche oder erniedrigende Behandlung im Sinne von Art. 3
EMRK beziehungsweise eine Notlage oder Verelendung drohe. Ein Vollzug
der Wegweisung stelle auch keine anderweitige Verletzung der völker-
rechtlichen Verpflichtungen der Schweiz dar. Gestützt auf Art. 83 Abs. 5
AIG bestehe die Vermutung, dass ein Vollzug der Wegweisung in einen
EU- oder EFTA-Staat zumutbar sei. Der Beschwerdeführerin gelinge es
nicht, diese Vermutung umzustossen. Es lägen keine Hinweise vor, dass
sie bei einer Rückkehr in eine existenzielle Notlage geraten würde. Bei Un-
terstützungsbedarf könne sie sich an die griechischen Behörden wenden
und die erforderliche Hilfe einfordern. Auch ihre medizinische Versorgung
sei in Griechenland gewährleistet. Weder die dort herrschende Situation
noch andere Gründe sprächen gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs dorthin. Ausserdem sei der Vollzug der Wegweisung technisch
möglich und praktisch durchführbar. Eine entsprechende Zustimmung
Griechenlands liege vor und vorübergehende Einschränkungen des Flug-
verkehrs oder vorübergehende Einreisebeschränkungen durch die griechi-
schen Behörden im Zusammenhang mit dem Corona-Virus vermöchten
keine Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs zu begründen.
8.4 In der Beschwerde wurde wie bereits im Rahmen des rechtlichen Ge-
hörs auf die allgemeine schwierige Situation auch von anerkannten Flücht-
lingen in Griechenland hingewiesen. Die Regelvermutung, wonach Grie-
chenland seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkomme, könne
vorliegend nicht aufrechterhalten werden, weshalb die Wegweisung unzu-
lässig erscheine. Anerkannte Schutzberechtigte hätten – auch angesichts
der Wirtschaftskrise in Griechenland – keinen Zugang zu Arbeit oder Sozi-
alleistungen und erhielten keine Unterstützung bei der Wohnungssuche.
Sie seien oft mit unzulänglichen Lebensumständen und humanitären Stan-
dards sowie einer äusserst prekären sozioökonomischen Situation kon-
frontiert. Der tatsächliche Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen sei
durch einen erheblichen Ressourcen- und Kapazitätsmangel einge-
schränkt. Es bestehe die Gefahr, dass der Beschwerdeführerin die erfor-
derliche psychiatrische Behandlung in Griechenland möglicherweise ver-
wehrt bleibe. Dies würde ein Verstoss gegen Art. 14 FoK darstellen. Weiter
sei auf die jüngste Verschlechterung der Lage für Asylsuchende und
Flüchtlinge in Griechenland durch das seit dem 1. Januar 2020 verschärfte
Asylgesetz und die angekündigte Schliessung mehrerer Asylunterkünfte
hinzuweisen. Der griechische Migrationsminister habe erwähnt, dass finan-
zielle Unterstützungen für Flüchtlinge eingestellt werden könnten. Die Ar-
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Seite 12
gumentation des SEM – dass sich daraus nicht schliessen lasse, Griechen-
land werde sich in einen Widerspruch zu seinen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen begeben – könne sie nicht nachvollziehen.
Weder in der Schweiz noch in Griechenland sei zudem abzusehen, welche
Auswirkungen die Corona-Pandemie auf das nationale Gesundheitswesen
und auf die wirtschaftliche Situation der Länder haben werde. Bereits auf-
grund dieser ausserordentlichen Lage sei seine Wegweisung zum jetzigen
Zeitpunkt nicht vertretbar. Die Überforderung zeige sich bei der Versorgung
der Asylsuchenden auf den griechischen Inseln. Die derzeitige Zuspitzung
an der griechisch-türkischen Grenze führe zu einer weiteren Destabilisie-
rung. Aufgrund der angespannten und wechselhaften Situation sei aktuell
von Überstellungen nach Griechenland abzusehen und die entsprechende
Praxis und Rechtsprechung sei anzupassen.
Im Weiteren werde die Vermutung der Zumutbarkeit einer Wegweisung in
einen EU/EFTA-Staat dadurch umgestossen, dass die wirtschaftlichen Fol-
gen der aktuellen Corona-Pandemie noch nicht vollends abzusehen seien
und im wirtschaftlich bereits angeschlagenen Griechenland eine Finanz-
krise drohe. Das Einhalten der Qualifikationsrichtlinie werde dadurch in
Frage gestellt und Schutzberechtigte ohne soziales Beziehungsnetz in
Griechenland würden als erste unter den Auswirkungen fehlender Arbeit
und eingestellter Sozialleistungen zu leiden haben. Es bestünden mithin
Hinweise darauf, dass Betroffene möglicherweise in eine existenzielle Not-
lage geraten werden und eine Verletzung der grundlegenden Rechte aus
Art. 3 EMRK wahrscheinlich sei.
In Anbetracht der allgemeinen Lage in Griechenland und der individuellen
Situation der Beschwerdeführerin könne somit vorliegend nicht von einer
genügenden lebensnotwendigen Versorgung ausgegangen werden, son-
dern es bestünden individuelle Vollzugshindernisse sozialer, wirtschaftli-
cher und gesundheitlicher Art, aufgrund derer eine Wegweisung unzumut-
bar sei.
Sollte das Gericht die Auffassung, dass ihre Überstellung nach Griechen-
land ein „real risk" im Sinne von Art. 3 EMRK begründe und individuelle
Vollzugshindernisse bestehen würden, wider Erwarten nicht teilen, sei die
Vorinstanz entsprechend dem Subeventualbegehren zumindest anzuwei-
sen, von den griechischen Behörden individuelle Zusicherungen bezüglich
adäquater medizinischer Behandlung und adäquater Unterbringung einzu-
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Seite 13
holen. Im Weiteren müsse gemäss Art. 3 Abs. 6 des Rückübernahmeab-
kommens zwischen der Schweiz und Griechenland vom 28. August 2006
(SR 0.142.113.729) die ersuchende Vertragspartei, sollte die rücküberneh-
mende Person auf medizinische Betreuung angewiesen sein, Information
darüber liefern, ob diese einer besonderen ärztlichen oder anderen Be-
handlung bedürfe, überwacht oder mit der Ambulanz transportiert werden
müsse. Im Zeitpunkt des Rückübernahmeersuchens vom 3. August 2020
hätten die griechischen Behörden nicht über die erst mit dem ärztlichen
Zeugnis vom 1. September 2020 getroffenen Diagnosen und der Notwen-
digkeit einer psychiatrischen Behandlung informiert werden können. Diese
notwendige Information hätte nachträglich, jedoch noch vor Erlass des an-
gefochtenen Entscheides den griechischen Behörden mitgeteilt werden
müssen, damit diese hätten beurteilen können, ob sie der Situation der Be-
schwerdeführerin gerecht werden könnten. Daher sei die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen und diese gleichzeitig anzuweisen, eine entspre-
chende Bestätigung einzuholen.
9.
9.1 Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten die Ver-
mutung, dass diese ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen einhalten. Ge-
stützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Weg-
weisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist. Es obliegt
der betroffenen Person, diese beiden Legalvermutungen umzustossen.
Dass dies gelingen könnte, hätte sie ernsthafte Anhaltpunkte dafür vorzu-
bringen, dass die Behörden des in Frage stehenden Staates im konkreten
Einzelfall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz ge-
währen oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen aussetzen wür-
den respektive dass sie im in Frage stehenden Staat aufgrund von indivi-
duellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in
eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. statt vieler das Urteil des
BVGer E-2617/2016 vom 28. März 2017 E. 4). Das Vorliegen eines Voll-
zugshindernisses unter dem Aspekt der Zulässigkeit bei Personen, denen
von den griechischen Behörden ein Schutzstatus verliehen wurde, wird
vom Bundesverwaltungsgericht praxisgemäss nur unter sehr strengen Vo-
raussetzungen bejaht. Das Gericht geht grundsätzlich davon aus, dass
Griechenland als Signatarstaat der EMRK, der FoK und der FK sowie des
Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) seinen ent-
sprechenden völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt. Zwar aner-
kennt das Gericht – auch aufgrund der von der Beschwerdeführerin zitier-
ten Berichte –, dass die Lebensbedingungen in Griechenland schwierig
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sind. Gemäss Rechtsprechung ist aber diesbezüglich nicht von einer un-
menschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von
Art. 3 EMRK respektive einer existenziellen Notlage auszugehen (vgl. Ur-
teile des BVGer D-559/2020 vom 13. Februar 2020 E. 8.2 m.w.H. [als Re-
ferenzurteil publiziert]; E-4866/2019 vom 2. Oktober 2019 E. 10.1; E-
2360/2019 vom 22. Mai 2019 E. 8.3.1 f.; D-5016/2017 vom 12. März 2018
E. 6.4 m.w.H.). Personen mit Schutzstatus sind griechischen Bürgerinnen
und Bürgern gleichgestellt in Bezug auf Fürsorge, den Zugang zu Gerich-
ten und den öffentlichen Schulunterricht respektive gleichgestellt mit ande-
ren Ausländern und Ausländerinnen beispielsweise in Bezug auf Erwerbs-
tätigkeit oder die Gewährung einer Unterkunft (vgl. Art. 16-24 FK). Unter-
stützungsleistungen und weitere Rechte können direkt bei den zuständigen
Behörden eingefordert werden, falls notwendig auf dem Rechtsweg. Nicht
zuletzt können Schutzberechtigte sich auch auf die Garantien in der Qua-
lifikationsrichtlinie berufen, insbesondere die Regeln betreffend den Zu-
gang von Personen mit Schutzstatus zu Beschäftigung (Art. 26), zu Bildung
(Art. 27), zu Sozialhilfeleistungen (Art. 29), zu Wohnraum (Art. 32) und zu
medizinischer Versorgung (Art. 30). Im Falle einer Verletzung der Garan-
tien der EMRK steht gestützt auf Art. 34 EMRK letztlich der Rechtsweg an
den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) offen (vgl. Ur-
teil D-559/2020 a.a.O.).
9.2 Aufgrund der Akten liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die Be-
schwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Griechenland dort einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre. Hinsichtlich der gesundheitlichen Aspekte ist auf die zutreffen-
den Ausführungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zu ver-
weisen. Es handelt sich bei ihr nicht um eine schwerkranke Person, bei der
die ernsthafte Gefahr besteht, dass sie bei einer Rückschaffung nach Grie-
chenland einer schwerwiegenden, rapiden und irreversiblen Verschlechte-
rung ihres Gesundheitszustandes, verbunden mit übermässigem Leiden
oder einer bedeutenden Verkürzung der Lebenserwartung, ausgesetzt
wäre. Die medizinische Versorgung in Griechenland (inkl. allfälliger psy-
chologischer resp. psychiatrischer Behandlungsmöglichkeiten) ist gewähr-
leistet. Weiter lassen weder ihre Vorbringen noch die vorliegenden Arztbe-
richte darauf schliessen, dass die geltend gemachten gesundheitlichen
Probleme so gravierend wären, als dass eine adäquate Behandelbarkeit
im EU-Staat Griechenland nicht gegeben wäre.
9.3 Schliesslich ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass Griechenland ein
Rechtsstaat ist, der über einen funktionierenden Polizei- und Justizapparat
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verfügt (vgl. Urteil D-559/2020 E. 9.2 m.w.H.; Urteil des BVGer
E-4234/2018 vom 30. Juli 2018 E. 6.3.3, m.w.H.). Bei Unterstützungsbe-
darf oder allfälligen Problemen mit Drittpersonen kann sich die Beschwer-
deführerin an die griechischen Behörden wenden und die erforderliche
Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Urteil D-559/2020
E. 8.2 und 9.1). Weiter steht ihr auch ohne Weiteres die Möglichkeit offen,
sich erneut ergänzend um Hilfe bei einer der vor Ort tätigen Hilfsorganisa-
tionen zu wenden. Hierzu darf darauf hingewiesen werden, dass die Be-
schwerdeführerin in der Vergangenheit bereits durch Vermittlung einer sol-
chen Organisation in den Genuss eines mehrmonatigen Erasmus Volunte-
ering Programm in Spanien gekommen ist. Dies zeigt illustrativ auf, dass
entsprechende Organisationen den Migranten vor Ort hilfestehend zur Ver-
fügung stehen beziehungsweise dass die Beschwerdeführerin bereits in
der Vergangenheit erfolgreich Zugang zu einer solchen Organisation in
Griechenland gefunden hat. Diese Möglichkeiten stehen ihr auch inskünftig
offen.
Auch die in der Stellungnahme im Rahmen des rechtlichen Gehörs und auf
Beschwerdeebene geltend gemachte Furcht vor möglichen Übergriffen
durch Privatpersonen ändert, von der grundsätzlichen Schutzfähigkeit der
griechischen Behörden ausgehend, nichts an dieser Einschätzung. Der
Beschwerdeführerin wäre es im Übrigen ohne Weiteres zuzumuten gewe-
sen, die geltend gemachten gewaltsamen Übergriffe im Camp bei den grie-
chischen Behörden zur Anzeige zu bringen. Ihre Erklärungsversuche (we-
gen ihres «illegalen» Aufenthalts im Camp wie auch aufgrund der Furcht,
man würde ihr ohnehin nicht glauben, habe sie auf eine Anzeige gegen die
Vergewaltiger verzichtet) vermögen nicht zu überzeugen. Sie verfügt eige-
nen Angaben zufolge über sehr gute Englischkenntnisse und über Bezie-
hungen zu im Camp tätigen Organisationen, so dass ihr eine Anzeige ohne
weiteres möglich gewesen wäre. Ferner verfügte sie über eine gültige Auf-
enthaltsbewilligung in Griechenland, so dass sie bei einem Behördenkon-
takt auch keinerlei negative Folgen zu befürchten gehabt hätte.
9.4 Im Weiteren bestehen keine Hinweise darauf, Griechenland würde der
Beschwerdeführerin dauerhaft die ihr gemäss der Richtlinie zustehenden
minimalen Lebensbedingungen vorenthalten und sie einer existenziellen
Notlage aussetzen. Es darf inskünftig von ihr erwartet werden, sich bei Un-
terstützungsbedarf an die griechischen Behörden zu wenden und die er-
forderliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzufordern.
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9.5 Aufgrund dieser Erwägungen erweist sich der Wegweisungsvollzug als
zulässig und zumutbar. Es besteht kein Anlass zur Einholung individueller
Garantien betreffend adäquate Unterbringung und medizinische Betreuung
(vgl. Urteil E-2169/2020 des BVGer vom 13. Mai 2020, E. 8.4 ).
10.
10.1 Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich nach Art. 84 Abs. 2 AIG
möglich, da die griechischen Behörden einer Rückübernahme der Be-
schwerdeführerin ausdrücklich zugestimmt haben, sie dort über subsidiä-
ren Schutz verfügt und den Akten keine Hinweise auf eine Reiseunfähigkeit
zu entnehmen sind. Ihrer gesundheitlichen Situation kann bei der Ausge-
staltung der Vollzugsmodalitäten – wie vom SEM im angefochtenen Ent-
scheid bereits in Aussicht gestellt – angemessen Rechnung getragen wer-
den. Der weitere Antrag, es sei bei den griechischen Behörden eine Bestä-
tigung einzuholen, dass diese auch in Berücksichtigung des psychischen
Zustands der Beschwerdeführerin in der Lage seien, «der Situation der Be-
schwerdeführerin gerecht zu werden», ist mangels Notwendigkeit abzuwei-
sen. Der in der Beschwerde erwähnte Art. 3 Abs. 6 des Rückübernahme-
abkommens zwischen der Schweiz und Griechenland vom 28. August
2006 bezieht sich auf die Notwendigkeit der Meldung besonderer medizi-
nischer Fälle, die im Zeitpunkt der Überstellung besonderer akuter Behand-
lung oder Betreuung bedürfen. Eine solche Notwendigkeit ist in Berück-
sichtigung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin vorliegend
ganz offensichtlich nicht gegeben.
10.2 Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvoll-
zug nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt vo-
raus, dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, son-
dern voraussichtlich eine gewisse Dauer bestehen bleibt. Ist dies nicht der
Fall, so ist dem temporären Hindernis bei den Vollzugsmodalitäten Rech-
nung zu tragen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri-
schen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e).
Bei der Corona-Pandemie handelt es sich – wenn überhaupt – um ein bloss
temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitä-
ten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa
der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Herkunftsland angepasst wird.
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11.
Zusammenfassend hat das SEM den Vollzug der Wegweisung nach Grie-
chenland zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine
Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht.
12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
13.
13.1 Ergehen des vorliegenden Urteils wird das Gesuch um Verzicht auf
das Erheben eines Kostenvorschusses gegenstandslos.
13.2 Die Beschwerde erschien im Zeitpunkt der Einreichung als aussichts-
los, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung abzuweisen ist. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf ins-
gesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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