Decision ID: 25fb61a5-c711-5f35-8a0b-27a4531f5c22
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964, war bei der Bäckerei-Konditorei
Y._
,
Z._
, als Verkäuferin tätig, als sie am 9. Dezember 2011 an ihrem Arbeits
platz auf nassem Boden ausglitt (Urk.
6
/9/67) und sich dabei Verletzungen im Bereich ihres linken Kniegelenks zuzog (Urk.
6
/9/50, Urk.
6
/9/66). In der Folge wurde
das linke Kniegelenk der Versicherten
am 7. August 2012
vorerst mittels einer T
eilprothese (Urk.
6
/9/7-8)
und am
7. August 2013
mittels einer T
otalpro
these (
Urk.
6/48/5,
Urk.
6
/48/49
,
Urk.
6/
134/87-88
)
prothetisch versorgt
. Am 24. Sep
tember 2012 (Urk.
6
/5) meldete sich die Versicherte
mit dem Hinweis auf Knieprobleme
bei
der Invalidenver
siche
rung zum Leis
tungs
bezug an
(Urk.
6
/5
Ziff. 6.2
). Die Sozialversi
cherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zog die Akten des Unfallversicherers, der
Swica
Versi
cherungen AG (
Swica
), betreffend den Unfall der Versicherten vom 9. Dezember 2011 bei (Urk.
6
/17/1-82, Urk.
6
/48/1-53, Urk.
6
/63/1-35
,
Urk.
6/134/1-138
)
und stellte im
Rahmen einer von der
Swica
angeordneten orthopädischen Begutachtung dem Gutachter Zu
satzfragen (Urk.
6
/21, Urk.
6
/30). Mit Mitteilungen vom 12. März 2014 (Urk.
6
/44) und vom 20. Januar 2015 (Urk.
6
/59)
verneinte
die IV-Stelle einen Anspruch der Versicherten auf berufliche Massnahmen.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
6
/72, Urk.
6
/87) sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 17. Dezember 2015 (Urk.
6
/93-94) für die Zeit vom 1. Dezember 2013 bis 31. August 2014 eine
Viertelsrente
zu und verneinte einen Rentenanspruch mit Wirkung ab 1. September 201
4.
In Gutheis
sung der dagegen erhobenen Beschwerde hob das hiesige Gericht mit dem in Rechtskraft erwachsenen Entscheid vom 3
0.
September 2016
(Prozess Nr.
IV.2016.00124;
Urk.
6/110)
die
Verfügung vom 1
7.
Dezember 2015 auf
und wies
die Sache
zu ergänzender Sachverhaltsabklärung und anschliessend erneuter Ver
fügung
über den
Rentena
nspruch der Beschwerdeführerin an die IV-Stelle
zurück.
1.2
In Nachachtung des Urteils
v
o
m 3
0.
September 2016 (
Urk.
6/110
) liess d
ie IV-Stelle die Versicherte
bi
disziplinär
(Fachgebiete: Psychiatrie und Orthopädie; Urk.
6/136)
begutachten (Gutachten vom 1
1.
August 2017
,
Urk.
6/140/97
;
Urk.
6/140/1-2
17) und
stellte
der Versicherten
mit Vorbescheid vom
8.
Dezember 2017
(
Urk.
6/149) die
Zusprache
einer ganzen Rente ab
1.
Dezember 2016 in Aus
sicht. Nachdem die Versicherte am
1.
Februar 2018 dagegen Einwendungen erhoben hatte (
Urk.
6/172)
, hob die IV-Stelle mit Erlass des Vorbescheids vom 2
5.
Juni 2019 (
Urk.
6/222) den
Vorbescheid vom
8.
Dezember 2017 wiederer
wägungsweise auf und stellte der Versicherten die
Zusprache
einer
Viertelsrente
ab
1.
November 2013 und einer ganzen Rente ab
1.
Dezember 2016 in Aussicht.
Dazu nahm die Versicherte am
6.
August 2019 Stellung (
Urk.
6/231). Mit Verfü
gung vom 2
2.
Oktober 2019 (Urk. 6/238 und
Urk.
6/235 =
Urk.
2) sprach die IV-Stelle der Versicherten für die Zeit ab
1.
November 2013 eine
Viertelsrente
und ab
1.
Dezember 2016 eine ganze Rente zu.
2.
Gegen die Verfügung vom
2
2.
Oktober 2019
(Urk. 2) erhob
die
Versicherte am
21.
November 2019
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, diese sei aufzuhe
ben und es sei ihr mit Wirkung ab 1.
März
2013 eine ganze Rente
zuzusprechen; eventuell sei ihr ab
1.
März 2013 eine halbe Rente, ab
1.
November 2013 eine
Dreiviertels
rente
und ab
1.
April 2014 eine ganze Rente
zuzusprechen (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
1
7.
Januar 2020
(Urk.
5
) beantragte die Beschwer
de
gegnerin die Abweisung der Beschwerde. Eine Kopie dieser Eingabe wurde der Beschwerdeführerin am
2
0.
Januar 2020
(Urk.
7
) zugestellt.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrech
ts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestimmun
gen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a
der Verordnung über
die Invali
denversicherung, IVV
) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinwei
sen; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revi
sionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeit
punkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsän
derung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich
unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Gemäss Art. 88a Abs. 2 IVV ist eine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, oder eine Zunahme der Hilflosigkeit oder Erhöhung des invaliditätsbedingten Betreuungsaufwandes
oder Hilfebedarfs zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat. Art. 29
bis
IVV ist sinngemäss anwendbar.
Die Erhöhung eines Rentenanspruchs setzt demnach eine relevante Verschlech
terung der Erwerbsfähigkeit von drei (vollen)
Monaten (vgl. BGE 130 V 343 E.
3.5.3 mit Hinweis auf ZAK 1986 S. 345), aber kein neues Wartejahr nach
Art.
28 Abs. 1
lit
. b IVG voraus (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_985/2009 vom 2. März 2010 E. 4.4.2 mit Hinweisen). Dies gilt nicht nur bei der revisionsweisen Neufest
setzung einer laufenden Rente, sondern auch dann, wenn gleichzeitig rückwir
kend beispielsweise eine halbe und eine diese ablösende ganze Rente zugespro
chen wird (BGE 121 V 264 E. 6a und E. 6b/
dd
mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 9C_718/2008 vom 2. Dezember 2008 E. 4.1.1 und I 792/06 vom 26. September 2007 E. 8.2).
1.6
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsve
rmögen einzuschätzen (BGE 141 V
281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbe
gründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete
versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.7
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsan
wendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchti
gun
gen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen las
sen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswür
digung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und so
mit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE
145 V
361 E. 4.3 – 4.4,
144 V 50 E. 4.3
).
1.8
Demnach besteht zum Einen das rechtsprechungsgemässe Verbot unzulässiger juristischer Parallelprüfung im Vergleich zur Arbeitsunfähigkeitsfestlegung durch die Gutachter. Zum Anderen umschreibt BGE 141 V 281 die Befugnis, im Rahmen der (freien) Überprüfung durch den Rechtsanwender von der ärztlichen Folgen
abschätzung abzuweichen.
Diese beiden Argumentationslinien sind wie folgt abzugrenzen: In allen Fällen ist durch den Versicherungsträger und im Beschwer
defall durch das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und nachvollziehbar begründet haben. Dazu ist erforderlich, dass die Sachverständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden medizinisch-psychiatrischen Gutachtensteil (mit Aktenauszug, Anamnese,
Befun
den, Diagnosen usw.), das heisst
sie haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden erhobenen medizinisch-psychiatrischen Ergeb
nisse fachgerechter klinischer Prüfung und Exploration. Ärztlicherseits ist also
substanziiert
darzulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen (BGE 143 V 418 E. 6). Am Beispiel rezidivierender depressiver Ent
wicklungen leichten bis mittleren Grades veranschaulicht, die in der IV-rechtlichen Invaliditätsprüfung sehr oft - und auch in
concreto
- im Vordergrund stehen, bedeutet dies: Es genügt nicht, dass der medizinisch-psychiatrische Sach
verständige vom diagnostizierten depressiven Geschehen direkt auf eine Arbeits
unfähigkeit, welchen Grades auch immer, schliesst; vielmehr hat er darzutun, dass, inwiefern und inwieweit wegen
der von ihm erhobenen Befunde (wie beispielsweide
Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Antriebsschwäche, Müdigkeit, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, verminderte Anpassungsfähig
keit) die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, und zwar - zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken - unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der rentenanspre
chenden
Person. Kommen die Experten dieser Aufgabe unter Berücksichtigung der durch BGE 141 V 281 normierten Beweisthemen überzeugend nach, wird die medizinisch-psychiatrische Folgenabschätzung auch aus der juristischen Sicht des Rechtsanwenders - Durchführungsstelle oder Gericht - Bestand haben. Andernfalls liegt ein triftiger Grund vor, der rechtlich ein Abweichen davon gebietet (
BGE 145 V 361 E. 4.3).
1.9
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging bei Erlass der angefochtenen Verfügung vom
2
2.
Oktober 2019
(Urk. 2) davon aus, dass die Beschwerdeführerin
vor Eintritt des Gesundheitsschadens ihr Arbeitspensum freiwillig auf ein Pensum von 80
%
reduziert habe, um mehr Freizeit zu haben, weshalb
davon auszugehen sei, dass
sie
ohne Gesundheitsschaden
im Umfang von 80
%
eine Erwerbstätigkeit
und
im
restlichen
Umfang von 20
%
nicht
versicherte
Freizeitaktivitäten
ausüben
würde.
Ab März 2013 sei ihr die Ausübung einer behinderungsangepassten Tätigkeit im Umfang eines Arbeitspensums von 75
%
zuzumuten gewesen. Im August 2013 habe sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert und es sei ihr nur noch die Aus
übung einer
behinderungsangepassten Tätigkeit im Umfang eines Arbeitspen
sums von
50
%
zuzumuten gewesen
.
Ab
1.
September 20
1
6 habe sich ihr Gesundheitszustand erneut verschlechtert und es sei ihr die Ausübung einer Erwerbstätigkeit nicht mehr zuzumuten gewesen.
2.2
Die Beschwerdeführerin bringt
hiegegen
vor, dass sie bereits im Jahre 2001 unter einer depressiven Störung gelitten habe. Infolge von Residuen
der
rezidivierenden Depression habe sie nicht mehr im vollzeitlichen Umfang als Verkäuferin tätig sein können, weshalb sie das Arbeitspensum bei der Bäckerei
Y._
aus gesundheitlichen Gründen
zuerst ab Januar 2010 auf 90
%
und ab August 2011 auf 80
%
reduziert habe (
Urk.
1 S. 3). Zudem habe sie ihre bisherige kleine Wohnung aufgegeben und sei in ein grosses
Einfamilienhaus
um
gezogen
. Darin sei sie für
den Haushalt für sich, für ihren Lebenspartner und für ihre (erwach
sene) in Ausbildung befindliche Tochter
besorgt gewesen
. Da die Ausübung einer vollzeitlichen Erwerbs
tätigkeit und die gleichzeitige
Bewältigung
von
Familien
angelegenheiten zu einer Überforderung geführt hätten, habe sie ihr Erwerbspen
sum reduzieren müssen (
Urk.
1 S. 4).
Da sie das bisher ausgeü
bte vollzeitliche Arbeitspensum
auf Grund einer gesundheitlichen
Überforderung bei gleichzeiti
ger Bewältigung eines Aufgabenbereichs mit einem besonders aufwändigen Haushalt reduziert habe, sei davon auszugehen, dass sie ohne Gesundheitsscha
den im vollzeitlichen Umfang erwerbstätig gewesen wäre und es sei das
Validen
einkommen
anhand des von ihr im Jahre 2013 bei der Bäckerei
-Konditorei
Y._
erzielten Verdienstes, umgerechnet auf
einen hypothetisch bei einem
vollzeitlichen Arbeitspensum
erzielten Verdienst,
zu bemessen (
Urk.
1 S. 7).
Da
es
zudem
mit Abschluss der Berufsbildung
ihrer
Tochter im August 2013 zu einer Entlastung im Aufgabenbereich gekommen
wäre
,
sei von einer
Erhöhung des Arbeitspensum
s
auf ein vollzeitliches Pensum
im Gesundheitsfall spätestens ab diesem Zeitpunkt auszugehen
(
Urk.
1 S. 8).
2.3
Das hiesige Gericht erwog in dem in Rechtskraft erwachsenen
Entscheid
vom 30. Sep
tember 2016 in Sachen der Parteien (Prozess Nr.
IV.2016.00124
; Urk.
6/110), dass weder die Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen durch die Ärzte der
A._
in ihrem Gutachten
vom 12. Oktober 2014
(E. 4.5)
noch die Beurteilungen
durch die Ärzte des
B._
vom 5. Septem
ber 2014 und vom 18. Februar 2015
zu überzeugen vermocht hätten, weshalb der
Sachverhalt insbesondere in Bezug auf die psychi
schen Beschwerden nicht aus
reichend abgeklärt
worden
sei
(E. 4.6). Im Folgenden ist daher anhand der nach Erlass der Verfügung vom 1
7.
Dezember 2015 (
Urk.
6/93-94)
durchgeführten ergänzenden Sachverhalts
ab
klärungen zu prüfen, ob
die
Rentenzusprache
mit Erlass der angefochtenen Verfügung vom 2
2.
Oktober 2019 (
Urk.
2) zu Recht erfolgte.
3.
3.1
Vorerst zu prüfen ist die Statusfrage beziehungsweise die Frage, ob die Beschwer
deführerin im Gesundheitsfall
im vollzeitlichen oder in einem
teilzeitlich
en
Um
fang eine Erwerbstätigkeit ausüben würde
, zu prüfen
.
3.2
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rente
nanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invalidi
täts
be
messung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungs
vergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht,
welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Ge
sundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypo
thetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigun
g
en und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhält
nisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbs
tätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V
334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwa
ngsläufig eine hypothetische Be
ur
teilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4) und Urteil des Bundesgerichts 8C_27/2018 vom 26. September 2018 E. 4.1.1).
3.3
Die Beschwerdegegnerin qualifizierte die Beschwerdeführerin in der angefochte
nen Verfügung vom
2
2.
Oktober 2019 (
Urk.
2)
im Umfang von
8
0 % als Erwerbs
tätige und im rest
lichen Umfang von
20
%
als
eine
ohne anerkannten Aufgabenbereich
im nicht versicherten Freizeitbereich Tätige
(
Urk.
2). Von der Beschwer
deführerin wird diese Qualifikation bestritten (
Urk.
1 S.
7
).
3.4
Vor Eintritt des Gesundheitsschadens war die Beschwerdeführerin
vom
9.
September 2002 bis 3
0.
April 2008 bei der
C._
,
D._
, im Umfang eines Arbeitspensums von 50
%
als Bibliotheksmit
arbeiterin tätig (
Urk.
6/33/5-6 S. 1). Gemäss den Angaben der
C._
im Arbeitszeugnis vom 3
0.
April 2008 (
Urk.
6/33/5-6) habe die Beschwerdefüh
rerin die Arbeitsstelle bei der
C._
verlassen, um in ihrem ange
stammten Beruf eine Tätigkeit im Umfang eines vollzeitlichen Arb
eitspensums anzutreten (S. 2).
In der Folge war die Beschwerdeführerin vom
1.
August 2009 bis 3
1.
Oktober 2012 bei der Bäckerei-Konditorei
Y._
,
Z._
, als Confiserie-Verkäuferin tätig (
Urk.
6/33/4). Gemäss den Angaben der
Bäckerei-Konditorei
Y._
vom 2
3.
Juni 2013 (
Urk.
6/35)
war die Beschwerdeführerin bei dieser vom
1.
August bis 3
1.
Dezember 2009 im Umfang eines vollzeitlichen Arbeitspensums (bei einem Bruttomonatslohn von
Fr.
4'400.--), vom
1.
Januar 2010 bis 3
1.
Juli 2011 im Umfang eines Arbeitspensums von 90
%
(bei einem Bruttomonatslohn von
Fr.
3'960.--) und ab
1.
August 2011 im
Umfang eines Arbeitspensums von 80
%
(bei einem Bruttomonatslohn von
Fr.
3'520.--
) tätig.
3.5
In dem von ihr ausgefüllten Formular «Schadenmeldung UVG» vom
2
7.
Dezember 2011
(
Urk.
6/9/67) gab die Beschwerdeführerin an, dass sie bei der
Bäckerei-Konditorei
Y._
im Umfang eines Arbeitspensums von 80
%
beziehungs
weise im Umfang von 33.
6
Stunden in der Woche (bei einer betriebsüblichen Arbeitszeit von 42 Stunden in der Woche und bei einem Monatslohn von
Fr.
3'520.--) tätig
gewesen
sei.
3.
6
Dr.
med. E._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
beantwortete
in seiner Stellungnahme vom 1
1.
April 2013 (
Urk.
6/31)
die
Frage der Beschwerdegegnerin, ob die
Beschwerdeführerin
das
Arbeitspensums bei der
Bäckerei-Konditorei
Y._
aus gesundheitlichen Gründen beziehungsweise
auf Grund einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von 100
%
auf 80
%
reduziert
habe
, folgendermassen: «Die 20%-
ige
Einschrän
kung(en) war(en) ausschliesslich auf Grund privater Wünsche vereinbart. Sie konnte einfach Beruf und Familie nicht voll miteinander koordinieren». Demzu
folge gab die
Beschwerdeführerin
gegenüber
Dr.
E._
an, dass sie
auf ihren Wunsch
hin
und ausschliesslich aus privaten Gründen
eine Reduktion des Arbeitspensums um 20
%
mit der Bäckerei-Konditorei
Y._
vereinbart habe, weil sie
bei einem Arbeitspensum von 100
%
ihre beruflichen Verpflich
tungen und ihr Familienleben nicht
genügend
habe vereinbaren können.
3.7
In ihrer Stellungnahme vom
8.
September 2015 (
Urk.
6/85
/1-6)
zum V
orbescheid vom
3.
Juni 2015 (
Urk.
6/72) führt
e
die Beschwerdeführerin aus, dass es ihr
-
nach einem (psychischen) Zusammenbruch
im Jahre 2001 (S. 1) - ab dem Jahre 2002 möglich gewesen sei, neben der Führung des Haushalts und der Betreuung ihrer minderjährigen Kinder ein teilzeitliches Arbeitspensum
in
der Bibliothek der
C._
auszuüben. Diese Anstellung habe sie per Ende April 2008 gekündigt, um nach der Entlastung von der Kinderbetreuung eine Arbeitsstelle im angestammten Beruf in einem vollzeitlichen Umfang anzutreten. In der Folge habe sich indes gezeigt, dass sie die Ausübung einer Vollzeiterwerbstätigkeit wegen der Residuen der Depression nicht während einer längeren Zeit habe durchhalten können. Aus diesem Grunde habe sie das bis Ende Dezember 2009 geleistete vollzeitliche Erwerbspensum zuerst ab Januar 2010 auf 90
%
und an
schliessend ab August 2011 auf 80
%
reduziert (S. 2).
3.8
In der Beschwerde vom 2
7.
Januar 2016 (
Urk.
6/108/3-12) gegen die Verfügung vom 1
7.
Dezember 2015 (
Urk.
6/94) gab die Beschwerdeführerin erneut an, dass
sie die Ausübung einer Vollzeiterwerbstätigkeit
bei der Bäckerei-Konditorei
Y._
wegen Residuen der
rezidivierenden
Depression nicht während einer längeren Zeit
durchgehalten habe, und dass sie deshalb
das bis Ende Dezember 2009 geleistete vollzeitliche Erwerbspensum ab Januar 2010 auf 90
%
und ab August 2011 auf 80
%
reduziert
habe
(
Urk.
6/108/5), und dass sie ohne Gesund
heitsschaden im vollzeitlichen Umfang erwerbstätig wäre (
Urk.
6/108/11).
3.9
In ihrer Stellungnahme vom
1.
Februar 2018 (
Urk.
6/172) zum Vorbescheid vom
8.
Dezember 2017 (
Urk.
6/149) führte die Beschwerdeführerin aus, dass sie die Anstellung bei der
C._
im Umfang eines Arbeitspensums von 50 % per Ende April 2008 gekündigt habe, um in ihrem angestammten Beruf eine Voll
zeitstelle anzunehmen, da sie auf Grund des fortgeschrittenen Alters ihrer Kinder im Aufgabenbereich von der Betreuungsarbeit entlastet worden sei.
Die Beschwerdeführerin führte sodann aus, dass sie i
n der Folge wegen der Residuen der Depression die Vollzeiterwerbstätigkeit nicht für eine länge
re Zeit habe durch
halten können, und hielt fest: «Ein
z
ig gesundheitliche Gründe, keineswegs jedoch der im Vorbescheid angenommene Bedarf nach Freizeit zwang die Versicherte - entgegen ihrem ursprünglichen Willen - zur stufenweisen Herabsetzung des Erwerbspensums» (S. 2).
3.10
In ihrer Beschwerde vom
2
1.
November 2019 (
Urk.
1) gab die Beschwerdeführerin erneut an, dass sie das vollzeitliche Arbeitspensum bei der Bäckerei-Konditorei
Y._
i
nfolge von Residuen einer rezidivierenden Depression ab Januar 2010 auf 90
%
und ab August 2011 auf 80
%
habe reduzieren müssen
(S. 3).
Zudem führte sie aus, dass
die Ausübung einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit und die gleichzeitige Bewältigung
eines besonders aufwändigen Haushalt
s in einem gros
sen Haus
zu einer Überforderung geführt hätten,
weshalb
sie ihr Erwerbspensum
habe
reduzieren müssen (
S. 4), und dass sie ohne Gesundheitsschaden
spätestens
nach
Abschluss der Berufsbildung ihrer
erwachsenen
Tochter im August 2013
– trotz der Residuen des depressiven Grundleidens -
erneut im vollzeitlichen Um
fang erwerbstätig gewesen wäre
(S.
8).
4.
4.1
Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die «Aussagen der ersten Stunde» ab, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbe
wusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
Dabei gilt es in Bezug auf die Beweiswürdigungsregel zu den «Aussagen der ers
ten Stunde» zu unterscheiden zwischen späteren Präzisierungen einerseits und später davon abweichenden Angaben andererseits. Letztere bleiben rechtspre
chungs
ge
mäss unbeachtlich (BGE 115 V 133 E. 8c; Urteile des Bundesgerichts 8C_225/2019 vom 2
0.
August 2019 E. 3.3 und 8C_637/2016 vom 1
3.
Dezember 2016 E. 3.2 und 4.2). Gemäss der Rechtsprechung sind
insbesondere
im Verlauf des
invalidenversicherungsrechtlichen
Abklärungsverfahrens getätigte Aussagen von versicherten Personen zur Statusfrage praxisgemäss stärker zu gewichten als spätere anderslautende Erklärungen, die von Überlegungen sozialversicherungs
rechtlicher Natur beeinflusst sein können (Urteile des Bundesgerichts 9C_846/2011 vom 1
5.
Mai 2012 E. 4.2 und 8C_50/2012 vom
1.
März 2012 E. 5.1).
4.2
Nach Gesagtem steht fest, dass die Beschwerdeführerin
anlässlich der Untersu
chung durch
Dr.
E._
vom 1
1.
Dezember 2012 (vgl.
Urk.
6/24/2) diesem gegenüber angegeben hat, ihr Arbeitspensum als Verkäuferin bei der Bäckerei-Konditorei
Y._
ausschliesslich aus privaten Gründen
von 100
%
auf 80
%
reduziert zu haben, um
ihre beruflichen Verpflichtungen und ihr Familienleben
besser in Einklang bringen zu können (vorstehend E.
3.6
). Demgegenüber gab die Beschwerdeführerin in
ihrer Stellungnahme vom
8.
September 2015 (
vorstehend E.
3.7
)
, in ihrer
Beschwerde vom 2
7.
Januar 2016 (
vorstehend E.
3.8
)
und in
ihrer Stellungnahme vom
1.
Februar 2018 (
vorstehend E.
3.9
) an, dass sie das vollzeit
liche Erwerbspensum
als Verkäuferin bei der Bäckerei-Konditorei
Y._
ausschliesslich auf Grund von Residuen einer Depression beziehungsweise aus ge
sundheitlichen Gründen
ab Januar 2010
vorerst
auf 90
%
und ab August 2011 auf 80
%
reduziert habe, und dass sie ohne Gesundheitsschaden im vollzeit
lichen Umfang erwerbstätig wäre. Schliesslich
machte
die Beschwerdeführerin
erst
mals in ihrer Beschwerde
vom 2
1.
November 2019 (
vorstehend E.
3.10
) und mithin nach Erlass der ange
fochtenen Verfügung vom
2
2.
Oktober 2019
(
Urk.
2)
geltend,
dass sie das vollzeitliche Arbeitspensum bei der Bäckerei-Konditorei
Y._
nicht nur
infolge von Residuen einer rezidivierenden Depression auf 80
%
habe reduzieren müssen
,
sondern dass sie das vollzeitliche Arbeitspensum zusätzlich auch deshalb habe reduzieren müssen, weil sie mit der
Bewältigung eines beson
ders aufwändigen Haushalts in einem grossen Haus
überfordert gewesen sei.
4.3
Vorliegend kann auf die Angaben der Beschwerdeführerin, dass sie das
vollzeit
liche Erwerbspensum bei der Bäckerei-Konditorei
Y._
aus
schliesslich auf Grund von Residuen einer Depression beziehungsweise aus gesundheitlichen Gründen
ab Januar 2010 auf 90
%
und ab August 2011 auf 80 % reduziert habe,
schon deshalb nicht abgestellt
werden, weil
den Akten keine Anhaltspunkte für
eine Beeinträchtigung aus psychischen Gründen in der Zeit von Januar 2010 bis August 2011 zu entnehmen
sind
. Denn obwohl die Ärzte des
B._
in ihrem Bericht vom
5.
September 2014 (Urk.
6/53)
angaben
, dass die Beschwerdeführerin seit ungefähr dem Jahre 2001 unter einer rezidivierenden depressiven Störung leide (
Ziff.
1.1)
und
dass
sie
von Juli 2001 bis Juli 2002 und von April 2003 bis September 2003 ambulant psychiatrisch wegen einer Anpas
sungsstörung im Rahmen einer Ehescheidung bei einem Status nach Tabletten
intoxikation behandelt worden sei, hielten
sie
ausdrücklich fest, dass die Beschwerdefü
hrerin
anschliessend
erst ab Februar 201
2
durch ihren Hausarzt
erneut antidepressiv medikamentös behandelt worden sei, und dass eine psy
chiatrische Behandlung erst im Mai 2013
(
durch
Dr.
med
.
F._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie
)
wieder
aufgenommen worden
sei
(
Ziff.
1.4). Damit übereinstimmend hielt
Dr.
F._
in ihrem Bericht vom 1
0.
Februar 2014 (
Urk.
6/43) fest, dass sie die Behandlung der Beschwerdeführe
rin
erst
am 1
4.
Mai 2013 aufgenommen habe (
Ziff.
1.2), und dass die Beschwer
deführerin seit Mai 2013 unter einer mittelgradigen depressiven Episode und seit September 2013 unter einer Agoraphobie mit Panikstörung leide (
Ziff.
1.1).
Sodann hielten
die Ärzte des
G._
im Austrittsbericht vom 1
4.
August 2012 (
Urk.
6/134/114-115)
in
Übereinstimmung mit der Beurteilung durch die Ärzte des
B._
fest
, dass die Beschwerdeführerin seit Beginn des Jahres 2012 unter einer Depression leide, und dass sie deswegen wäh
rend drei Monaten mit einem Antidepressivum behandelt worden sei (S. 1). Nach Gesagtem ist ein psychischer Gesundheitsschaden, welcher geeignet wäre, die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin einzuschränken, während der Zeit
von
Januar 2010
bis
August 2011
nicht erstellt. Unter diesen Umständen
sind gesund
heitliche Gründe, welche die Beschwerdeführerin dazu bewogen hätten, ihr
bisher ausgeübtes vollzeitliches Arbeitspensum
bei der Bäckerei-Konditorei
Y._
vorerst
ab Januar 2010 auf 90
%
und
anschliessend
ab August 2011 auf 80 %
zu reduzieren, mit dem
Beweisgerad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nicht
erstellt.
4.4
Die Beschwerdeführerin schilderte
erstmals in der Beschwerde vom 2
1.
November 2019 (vorstehend E.
3.10
)
und mithin
nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 2
2.
Oktober 2019 (
Urk.
2)
sowie
zu einem Zeitpunkt
, als sie
bereits
anwalt
lich vertreten war
, dass
sie das vollzeitliche Arbeitspensum bei der Bäckerei-Konditorei
Y._
nicht nur infolge von Residuen einer rezidivierenden Depression sondern zusätzlich auch wegen einer Überforderung in der Bewälti
gung ihres besonders aufwändigen Haushalts habe reduzieren müssen
. Demge
genüber
handelt es sich bei den gegenüber
Dr.
E._
anlässlich der Untersu
chung vom 1
1.
Dezember 2012
getätigten Aussagen der Beschwerdeführerin
,
wonach sie
ihr Arbeitspensum als Verkäuferin bei der Bäckerei-Konditorei
Y._
ausschliesslich aus privaten Gründen
beziehungsweise,
um ihre beruf
lichen Verpflichtungen und ihr Familienleben besser in Einklang bringen zu können
,
von 100
%
auf 80
%
reduziert
habe
,
um Aussagen, welche die Beschwer
de
führerin vor Erlass der ursprünglichen Rentenverfügung
vom 17. Dezember 2015 (Urk. 6/93-94)
sowie
zu einem Zeitpunkt, als sie noch nicht anwaltlich ver
treten war, tätigte. Vor diesem
Hintergrund liegt es nahe, in den Vorbringen
in
der
Beschwerde
vom 2
1.
November 2019
eine nachträgliche Konstruktion zu erblicken
.
In Würdigung der gesamten Umstände ist
diesbezüglich daher
auf die Angaben der Beschwerde
füh
rerin
gegenüber
Dr.
E._
abzustellen, da es sich hierbei um «
Aussagen der ersten Stunde
» handelte, welche
in der Regel unbefan
gener und zuverlässiger sind als spätere Schilderungen, die bewusst oder unbe
wusst von Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (
vorstehend E.
4.1
).
Demnach ist
davon auszugehen, dass die Beschwerde
füh
rerin
, welche keine minderjährigen Kinder mehr zu betreuen hatte,
ihr bisheriges vollzeitliches Arbeitspensum bei der Bäckerei-Konditorei
Y._
ab Januar 2010 auf 90
%
und ab August 2011 auf 80
%
reduzierte, um mehr Frei
zeit zu haben beziehungsweise,
um
in der zusätzlichen Freizeit
ihr Familienleben
besser pflegen
und
mit den beruflichen Verpflichtungen in Einklang bringen zu können.
Mangels weitere
r
p
ersönliche
r
, familiäre
r
, soziale
r
oder erwerbliche
r
Umstände, welche überwiegend wahrscheinlich auf ein
e Erhöhung des erwerbli
chen Pensums schliessen liessen, ist daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
im hypothetischen Gesundheits
fall weiterhin im bisherigen
teilzeitlichen
Umfang
eines Arbeitspensums von 80
%
erwerbs
tätig gewesen und im restlichen Umfang von 20
%
Freizeitaktivitäten nachgegangen wäre.
Unter diesen Umständen ist daher nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin in der angefochtenen Ver
fügung im Umfang von
80
%
als
Erwerbstätige und im restlichen Umfang von
20
%
als
ohne anerkannten Aufgabenbereich
im nicht versicherten Freizeitbe
reich Tätige
qualifizierte.
5
.
5
.1
Im Folgenden gilt es die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit massgebende medizinische Aktenlage zu prüfen.
5.2
Dr. med. H._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und
Trauma
to
lo
gie des Bewegungsapparates, diagnostizierte mit Bericht vom 25. April
2012 (Urk.
6/134/134-135
) einen
Verdacht auf
eine
(posttraumatische) Gon
arthrose links
und erwähnte, dass die Beschwerdeführerin gemäss ihren Anga
ben im
jugendlichen Alter
an ihren beiden Kniegelenken, wahrscheinlich
wegen einer
C
hondropathia
patellae
, operiert worden sei. Anschliessend sei sie indes in Bezug auf ihre Knie
gelenke schmerzfrei gewesen. Am 9. Dezember 2011
sei sie
bei
der Arbeit als Serviertochter auf nassem Boden ausgeglitten und
habe
sich das linke Knie ver
dreht
, welches
anfänglich stark geschwollen
und schmerzhaft gewesen sei
. Im Verlauf
hätten die
Schmerzen auf der Innenseite und auch im Knie
scheiben
bereich
persistiert, vor allem
beim
Treppensteigen
.
Anlässlich de
r
am 19. Dezem
ber 2011 durchgeführten
Magnetresonanztomographie (
MRI
)
des linken Knie
gelenks hätten sich
nur diskrete Knorpelschäden medial und
femoro
patellär
sowie ein gewisser
Gelenk
s
erguss
ohne
Meniskus- oder Kreuz
band
läsionen
gezeigt.
Die Gelenkbeweglichkeit
sei
vollständig frei
gewesen; positive
Meniskus
zeichen
seien nicht nachzuweisen gewesen (S. 1). Am
1
8. Mai 2012 seien
eine
(diag
nostische)
Arthroskopie und
eine
allfällige Gelenktoilette
vorge
sehen
(S. 2)
.
5.3
Dr.
H._
erwähnte im Operationsbericht vom 18. Mai 2012 (Urk.
6/
9/
50-51 =
Urk.
6/134/131-132
), dass bei der Beschwerdeführerin gleichentags eine Arthro
skopie mit
retropatellärem
und medialem
Knorpeldébridement
sowie
Pridie
bohrungen
am medialen
Kon
dylus
links durchgeführt worden sei, und diagnos
tizierte einen medialen und
femoropatellären
Knorpelschaden im Bereich des linken Kniegelenks.
Retropa
tellär
sei eine erhebliche Knorpelschädigung im Sinne einer
Chondromalazie
Grad II bis III und
femoralseitig
ein hochgradig ausgedünn
ter Knorpel in der ganzen Belastungszone festzustellen gewesen (S. 1), weshalb ein ausgedehntes
Knorpel
débridement
mit Entfernung der instabilen und vulnerablen Knorpelan
teile und multiple
Pridiebohrungen
in der Defektzone durchgeführt worden seien. Das vordere und hintere Kreuzband und die
Meniski
seien intakt und
rissfrei
gewesen (S. 2).
5.4
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
erwähnte in ihrem Bericht vom 1
0.
Februar 2014 (
Urk.
6/43), dass sie die Behand
lung der Beschwerdeführerin am 1
4.
Mai 2013 aufgenommen habe (
Ziff.
1.2), und dass die Beschwerdeführerin seit Mai 2013 unter einer mittelgradigen depressiven Episode und seit September 2013 unter einer Agoraphobie mit Panikstörung leide (
Ziff.
1.1). Die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin könne sie erst nach Abschluss einer geplanten halbstationären Behandlung beurteilen (
Ziff.
1.7).
5.5
Die Ärzte des
B._
diagnostizierten in ihrem Bericht vom
5.
September 2014 (Urk. 6/53) eine rezidivierende depressive Störung, seit
ungefähr dem Jahre 2001
, sowie eine Agoraphobie mit Panikstörung,
seit dem Jahre 2013
(
Ziff.
1.1)
,
und erwähnten, dass die Beschwerdeführerin von Juli 2001 bis Juli 2002 und von April 2003 bis September 2003 ambulant psychiatrisch wegen einer Anpassungsstörung im Rahmen einer Ehescheidung bei einem Status nach Tablettenin
toxikation behandelt worden sei. Anschliessend sei sie ab Februar 201
2 durch ihren Hausarzt antidepressiv medikamentös
und ab
Mai 2013 durch
Dr.
med.
F._
psychiatrisch behandelt worden
(
Ziff.
1.4).
Bei einer weiteren Remission der Symptome sei der Beschwerdeführerin die Aus
übung einer angepassten Tätigkeit mit der Möglichkeit zu häufigen Unterbre
chungen der Arbeit und
genügend Pausen ungefähr im Umfang eines Pensums von 40
%
bis 60
%
zuzumuten
(
Ziff.
1.7)
.
5.6
Die Ärzte der
I._
stellten in ihrem Bericht vom 20. Januar 2017 (Urk.
6/134/23-25
) die folgenden Diagnosen:
-
s
eptische Lockerung einer
Knietotalendoprothese
links mit Nachweis von Staphylokokkus
Epide
rm
idis
mit/bei
:
-
Status nach
diagnostischer K
niegelenksarthroskopie mit Entna
hme von Gew
ebe
biopsien vom
8. September
2016,
-
Status nach
Fistelverschluss im Bereich des
Arthroskopieportales
am
2. November
2016
-
Status nach
Konversion auf eine
Knietotalendoprothese
im Bereich des linken
Kniegelenk
s
im August 2013 mit/bei
Status nach
Implantation einer medialen
unikondylären
Knieteilprothese links im August 2012
und Status nach
Kniegelenksarthroskopie links im Mai 2012 nach Dis
torsion
des linken
Kniegelenk
s
im Dezember 201
1
Die Ärzte erwähnten, dass die Beschwerdeführerin nach den erwähnten
Eingriffen nie beschwerdefrei
gewesen sei
,
weshalb sie auf Grund einer
unklaren
f
emoropa
tellären
Schmerzsymptomatik am
8. September
2016
arthroskopiert
worden sei
. Im weiteren Verlauf
habe
ein Infekt durch eine
P
unktion bestätigt werden
kön
nen
.
Eine Untersuchung
mittels
Spect
-CT
(
Single Photon Emission
Computed
Tomography
/
Computed
Tomography
) habe
eine Lockerung der
tibialen
Kompo
nente
ergeben (S. 1)
. Auf
Grund
der
Infektsituation
bestehe
die Indikation zum zwei
zeitigen Knieprothesenwechsel
, wobei vorgesehen sei, die
Knietotal
endopro
these
in der ersten Operation zu entfernen
und
einen
Spacer
einzusetzen. Die Prothese sei anschliessend
nach einer Zeit von
ungefähr
sechs bis acht Wochen
erneut einzusetzen (S. 2).
5
.7
Im Austrittsber
icht vom 8. Februar 2017 (Urk. 6/134/20-22
) erwähnten die Ärzte der
I._
, dass die Beschwerdeführerin vom 5. bis 20. Februar 2017 hospitalisiert gewesen sei, und dass anlässlich des operativen Eingriffs im Bereich des linken Knies vom 6. Februar 2017 die
Knietotalendoprothese
ausgeba
u
t und ein
Spacer
implantiert worden sei. Sie stellten die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
s
eptische Lockerung einer
Knietotalendoprothese
links mit/bei
:
-
Nachweis von Staphylokokkus
epidermidis
-
Status nach
diagnostischer K
niegelenksarthroskopie mit Entna
hme von Gewebebiopsien vom
8. September 201
6
-
Status nach
Fistelverschluss im Bereich das
Arthroskopieportales
am
2. November
2016
-
Status nach
Konversion auf eine
Knietotalendoprothese
im Bereich des linken
Kniegelenk
s
im August 2013 mit/bei
Status nach
Implantation einer medialen
unikondylären
Knieteilprothese links im August 2012
und Status nach
Kniegelenksarthroskopie links im Mai 2012 nach Dis
torsion
des linken
Kniegelenk
s
im Dezember 2011
Im Weiteren stellten sie die folgenden
Nebendiagnosen
(S. 2)
:
-
Status nach Karpaltunnelsyndrom beidseits, Erstdiagnose
2014
-
z
ervikoradikuläres
Schmerzsyndrom
im Bereich
C5/C6 rechts mit/bei:
-
Sensibilitätsverminderung im Verlauf von C5/C6 sowie C7/C8 rechts bei Nachweis einer
Diskusprotrusion
mit
neuroforaminaler
Einengung C6 rechts
-
Periarthropathia
humeroscapul
aris
rechts
-
c
hronische
Rhinosinusitis
mit/bei:
-
Status nach
Infundibulotomie
beidseits,
Septumplastik
2008
-
Status nach
Revisionsethmoidektomie
und
Medialisierung
der mittleren Nasenmuschel beidseits
im Jahre
2008
-
Status nach
Sphenoidotomie
links
im Jahre
2010
-
l
umbospondylogenes
Schmerzsyndrom links mit/bei:
-
LWS Hyperlordose
-
Diskusprotrusion
L3/L4
Die Ärzte
erwähnten
, dass am 6. Februar
2
017 die
Knietotalendoprothese
ausge
baut und ein
Spacer
im linken Kniegelenk
implantiert worden sei (S. 2). Die
Schmerzsituation
habe
mittels adäquater Analgesie gut kompensiert werden
kön
nen
.
Anschliessend sei eine
Re
i
mplantation einer
Knietotalendoprothese
vorge
sehen (S. 3).
5
.8
Die Ärzte der
J._
,
K._
, erwähnten im Austrittsbericht vom 15. Mai 2017 (Urk.
6/140/218-220
), dass die Beschwerdeführerin vom 6. bis 8. Mai
2017
hos
pita
lisiert gewesen sei, und stellten die folgenden Diagnosen (S. 1):
p
sych
i
atrische Diagnosen und Belastungsfaktoren nach ICD-10
:
-
r
ezidiv
i
erende depressive St
örung, gegenwärtig mittelgradige
Episode
s
omatische Diagnosen nach ICD-10
:
-
s
eptische Lockerung einer
Knietotalendoprothese
links
-
zervikoradikuläres
Schmer
zsyndrom C5/C6 rechts
-
lumbospondylogenes
Schmerz
syndrom links
-
Refluxoesophagiti
s
Grad l nach Sava
r
y-Miller
-
Varizen der unteren Extremitäten
-
chronische
Rhinosinusiti
s
Die Ärzte
hielten fest
, dass die Beschwerdeführerin auf Grund einer akuten Krisensituation mit suizi
dalen Gedanken
und bei verschiedenen psychosozialen
Belastungsfaktoren
hospitalisiert worden sei, und dass sie sich durch den statio
nären Aufenthalt psychisch
rasch
habe
stabilisieren
können
.
Bei Klinikaustritt hätten keine suizi
dalen Gedanken mehr
bestanden. Es sei eine Weiterführung
der
medikamentösen antidepressiven Therapi
e
und eine
regelmässige
ambulante psy
chiatrisch-psychotherapeutische Therapi
e
angezeigt (S. 3).
5
.9
Die Ärzte der
I._
führten im Austrittsbericht vom 16. Mai 2017 (Urk.
6/140/245-247
) aus, dass die Beschwerdeführerin vom 10. bis 20. Mai 2017 zum Ausbau des
Spacers
und zur Implantation einer
Knietotalendoprothese
hos
pitalisiert worden sei. Dieser operative Eingriff sei am 11. Mai 2017 erfolgt (S. 1).
Der
peri
-
und
postoperative Verlauf
habe sich kompli
kationslos
gestaltet
. Die Mobilisation
sei unter physiotherapeutische
r Anleitung
erfolgt und die
intra
operativ entnommenen Gewebeproben
hätten
kein
en
Keimnachweis
ergeben
.
Die Beschwerdeführerin sei
am
20. Mai
2017
mit
reizlosen Wundverhältnissen und in gutem Allgemeinzustand in
die weitere ambulante Betr
euung entlassen
worden (S. 2)
.
5.10
Die Ärzte der
L._
, Dr. med.
M._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, und Dr. med.
N._
, Facharzt für Neurologie und für
Psychiatrie und Psycho
therapie, stellten in ihrem
bidisziplinären
Gutachten
vom
1
1.
August 2017
(
Urk.
6/140/89-97,
Urk.
6/140/1-88 und
Urk.
6/140/98-217
) die folgenden Diagnosen
(
Urk.
6/140/90-92):
bidisziplinäre
Diagnosen
mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit
:
-
c
hronische Schmerzsymptomatik mit Bewegung
s
- und Belastungs
ein
schränkung im Bereich des prothetisch ve
rsorgten linken Kniegelenks mit:
-
Beugedefizit von 30°
-
Streckdefizit von 10°
-
lymphödematöser Umfangsvermehrung von 7 Zentimeter
-
Status nach medialer
Arthrotomie
mit
Tuberosi
tasosteotomi
e
,
Spacer
ausbau
und neuerliche Implantation einer
Knietotalendoprothese
sowie
Patellarückflächenersatz
am 1
1.
Mai 2017
-
Status nach septischem Ausbau der linken Knieprothese mit zeitglei
cher Implantation eines
Spacers
bei antibiotischer Therapie am
6.
Februar 2017
-
Status nach Punktion des linken Kniegelenks mit positivem Nachweis von
Staphylococcus
epidermidis
am 2
5.
Januar 2017
-
Status nach Fistelverschluss i
m Bereich des linken Kniegelenkes am
2.
November 2016
-
Status nach Arthroskopie des linken Kniegelenks mit
peripatellärer
Adhäsiolyse
und Gewebebiopsien am
8.
September 2016
-
Status nach Wechsel auf eine
Knietotalendoprothese
am
7.
August 2013
-
Status nach Implantation einer
unikondylären
Schlittenprothese am
7.
August 2012
-
Status nach Arthroskopie des linken Kniegelenkes mit
retropatellä
rem
und medialem
Knorpeldebridement
sowie
Pridiebohrungen
am media
len
Kondylus
am 1
8.
Mai i2012
-
Status nach
Pattelazentrierung
m
it Abtragung von Auflagerungen i
m Jahre 1980
-
chronisches
zervikozephales
Schmerzsyndrom ohne
Radi
kulopathie
mit:
-
endgradig
eingeschränkter
Reklinati
on
-
beidseitiger Rotationsei
nschränkung um 20°
-
Osteochondrose
C5/C6 mit Endplattenveränderungen
-
d
orsale
Spondylophyten
C4-C7 und flache
Protrusion
(C4/C5) sowie
Bulging
(C3/C4 u
nd C5/C6)
-
leichten bis mä
ssigen
Foraminalstenosen
C4-C6 beidsei
ts bei
Unkarth
rosen
-
Bewegungseinschränkung i
m Bereich der Schultergelenke bei:
-
knöchernem
Outletimpingement
-
Burs
i
t
is
subacromiali
s
-
AC-Gelenksarthrose rechts mit
Randosteophyten
und
subtotal
aufge
brauchtem Gelenkspalt entsprechend einer
Chondropathie
Grad
Kellgren
II
-
b
eidse
iti
ges Karpalkanalsyndrom mit linkse
iti
ger Betonung
-
r
ezidivierende depress
i
ve Störung seit
März
2015
,
von
Februar 2013 bis Februar 2015 mittelgradige depressive Episode,
seit ungefähr März
2017
schwergradige
Ausprägung
-
Agoraphobi
e mit Panikstörung
bidisziplinäre
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
Senk-Spreizfuss beidseits
-
l
umbospon
dylogenes
Schmer
zsyndrom ohn
e
Radikulopathie
bei
Diskus
protru
s
i
on
im Segment L3/4
, gegenwärtig
ohne Funktions
ein
schränkung
-
Status nach
im Jahre 1982 erfolgter
Patellamedialisierung
rechts
,
gegen
wärtig
ohne Funktionseinschränkung sowie ohne Beschwerde
vortrag
Die Gutachter führten aus, dass die
Beschwerdeführerin
in somatischer Hinsicht durch funktionelle Einschränkungen der HWS, der Schultergelenke, der Hände und insbesondere des linken Kniegelenks
(
im Sinne von Einschränkungen in der Steh- und Gehfähigkeit
)
in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt sei (Urk. 6/140/65). Aus somatischen Gründen sei der Beschwerdeführerin die Aus
übung der bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin nicht mehr zuzumuten. Die Aus
übung einer leidensadaptierten, körperli
ch leichten, wechselbelastenden, über
wiegend sitzenden Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin in somatischer Hinsicht im Umfang eines Arbeitspensums von 60
%
zuzumuten
(
Urk.
6/140/
67).
I
n psychiatrischer Hinsicht
leide die Beschwerdeführerin
gegenwärtig unter einer
schwergradigen
depressiven Störung sowie unter einer Agoraphobie mit Panik
störung (Urk.
6/140/211
).
Demgegenüber habe im Jahre 2013 noch kein rezidi
vierender Verlauf bestanden, da zu dieser Zeit keine vorhergehende depressive Störung ausgewiesen gewesen sei.
Insbesondere habe es sich
bei der
Anpassungs
störung im Rahmen einer Ehescheidung mit Tablettenintoxikation
, unter welcher die Beschwerdeführerin in
der Zeit vom
Juli 2001 bis September 2003 gelitten habe, nicht um eine depressive Episode im Rahmen einer rezidivierenden depres
siven Störung gehandelt (
Urk.
6/140/203).
Bei der Beschwerdeführerin bestehe
infolge
eine
r
reduzierte
n
psychische
n
Resilienz
, welche durch psychische
Traumatisierungen im Rahmen der Ehescheidung
hervorgerufen worden sei
,
eine Aufweichung der Ich-Strukturen,
welche durch die somatische gesundheitliche Proble
matik zusätzlich belastet werde (
Urk
6/140/205)
.
Die
Ressourcenlage der
Beschwerdeführerin sei
im
Verlauf ihrer psychischen Erkrankung durch den lan
gen und inzwischen
chronifizierten
somatischen Krankheitsprozess und
durch die
psychosozialen Folgen der Erkrankung immer schlechter geworden und
habe
damit die Fähigkeit der Explorandin zur W
ill
ensanspannung zur Überwindung der psychischen Erkrankungen
zunehmend beeinträchtigt. Gegenwärtig sei sie
nicht m
ehr in der Lage
,
aus eigener Will
ensanstrengung die Schmerzen und die Folgen der Depression und der Agoraphobie zu überwinden.
Die Überwindbarkeit
sei
am Anfang der Erkrankung
im Mai 2013 alle
n
falls
n
och möglich gewesen
. Zu welchem Zeitpunkt
die Ressourcenlage soweit ausgedünnt
gewesen sei
, dass
eine
Willensanspannung
zur Überwindung
nicht mehr aufzubringen
gewesen sei
,
lasse sich nicht
zweifelsfrei
feststellen
. Medizintheoretisch
sei jedoch von einem
Beginn der
Chronifizierung
der Depression im Mai 2015
auszugehen (Urk. 6/140/206). Von einer schweren Depression sei medizintheoretisch spätes
tens seit Beginn der Selbstverletzungen im März 2017 auszugehen
(
Urk
6/140/208)
.
In der Zeit
ab März 2015
sei
die Ressourcenlage
der Beschwer
deführerin
derart unzureichend gewesen, dass
sie
per Willensanspannung nicht mehr in der
Lage
gewesen sei,
die Folgen der Erkrankung zu überwinden
. Von
März 2015 bis Februar 2017 habe hins
ichtlich behinderungsangepasster
Tätigkei
ten
, ohne erhöhte psychische Belastung, ohne erhöhte Anforderungen an kogni
tive Parameter und ohne Arbeiten in engen Räumen oder in Räumen mit vielen Personen,
aus psychischen Gründen eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
bestanden. Ab Februar 2017 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in
Bezug auf jeg
liche Tätigkeiten
(Urk.
6/140/11
3
).
Aus
bidisziplinärer
Sicht habe in adaptierten Tätigkeiten in der Zeit vom
1.
Januar bis 1
7.
Mai 2012 eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
, vom 1
8.
Mai bis 3
0.
Juni 2012 eine solche von 0
%
, vom
1.
Juli bis
6.
August 2012 eine solche von 50
%
, vom
7.
August bis 3
0.
September 2012 eine solche von 0
%
, vom
1.
Oktober bis 3
1.
Dezember 2012 eine solche von 50
%
, vom
1.
Januar bis
6.
August 2013 eine
solche
von 75
%
, vom
7.
August bis 3
0.
September 2013 eine solche von 0
%, vom
1.
Oktober bis 3
1.
Dezember 2013 eine solche von 50
%
, vom
1.
Januar 2014 bis
7.
Se
ptember 2016 eine solche von 40
%
(Urk. 6/140/97
)
und
ab
8.
September 2016
eine Arbeitsfä
higkeit von 0
%
bestan
den (Urk.
6/140/96-97
).
6.
6.1
Den erwähnten medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdefüh
rerin in somatischer Hinsicht
unter
einer
chronische
n
Schmerzsymptomatik mit Bewegungs- und Belastungs
ein
schränkung im Bereich
ihres am
7.
August 2012 erstmals prothetisch
ve
rsorgten linken Kniegelenks, einem chronischen
zerviko
zephalen
Schmerzsyndrom ohne
Radi
kulopathie
, einer
AC-Gelenksarthrose rechts
und unter einem
beidseiti
gen
Karpalkanalsyndrom
leide
, und dass sie
durch funk
tionelle Einschränkungen der HWS, der Schultergelenke, der Hände und insbe
sondere des linken Kniegelenks in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt
we
rde, wobei die Gutachter
der
L._
in ihrem Gutachten vom 1
1.
August 2017 (
vorste
hend E.
5.10
)
davon ausgingen, dass der Beschwerdeführerin
in somatischer Hin
sicht
die Ausübung einer angepassten
, körperlic
h leichten, wechselbelastenden und
überwiegend sitzenden Tätigkeit im Umfang eines Arbeitspensums von 60
%
zuzumuten
sei
.
6.2
In psych
iatr
ischer Hinsicht
litt die Beschwerdeführerin in der Zeit von Juli 2001 bis Juli 2002 und von April 2003 bis September 2003 unter einer Anpassungs
störung im Rahmen einer Ehescheidung bei einem Status nach Tablettenintoxi
kation (vorstehend E.
5.5
). Anschliessend wurde die Beschwerdeführerin nach einer medikamentösen antidepressiven Therapie durch den Hausarzt erst ab Mai 2013 erneut psychiatrisch behandelt (vorstehend E.
5.4 -
5.5
).
Die Ärzte der
L._
gingen in ihrem
Gutachten vom 1
1.
August 2017 (
vorstehend E.
5.10
) davon aus, dass die Beschwerdeführerin in psychi
atri
scher Hinsicht
von
Februar 2013 bis Februar 2015
unter einer
mittelgradige
n
depressive
n
Episode
und
spätestens ab März 2017
unter einer
rezidivierende
n
depressive
n
Störung
schwergradige
r
Aus
prägung
,
sowie unter einer
Agoraphobie mit Panikstörung
leide, wobei die
Ressourcenlage der Beschwerdeführerin im Verlauf ihrer psychischen Erkrankung durch den langen und inzwischen
chronifizierten
somatischen Krankheitsprozess und durch die psychosozialen Folgen der Erkrankung immer schlechter geworden
sei. Ab
März 2015
habe die Beschwerdeführerin
die Folgen der Erkrankung
nicht mehr willentlich zu
überwinden
vermocht, weshalb von
März 2015 bis Februar 2017 eine Arbeitsunfähigkeit
in angepassten Tätigkeiten
von 50
%
und
ab September 2016
(aus
bidisziplinärer
Sicht)
beziehungsweise
ab
Februar 2017 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in Bezug auf jegliche Tätigkeiten
bestanden habe
(
vorstehend E.
5.10
).
6.3
6.3.1
Das Gutachten
der
Ärzte der
L._
vom 1
1.
August 2017 (vorstehend E.
5.10
)
erfüllt die praxisgemässen Anfor
derungen für eine beweis
kräf
tige medizinische Ent
schei
dung
sgrundlage (vgl. vor
ste
hend E.
1.8
). Denn
die Gutachter, welche als Fach
ä
rzt
e
für Psychiatrie und Psychotherapie
und für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
über
für die Beur
teilung der psychischen
und somatischen
Gesundheitsbe
einträchtigung
en
der Beschwer
de
führerin ange
zeigte fachärztliche Aus- und Weiter
bildung
en verfügten
, hatte
n
Kennt
ni
s sämt
licher medi
zinischer Vor
ak
ten, setzte
n
sich in ange
messe
ner Weise mit den geäusser
ten Beschwerden
aus
einan
der und be
gründete
n
ihre
Schlussfolgerungen
in nachvoll
ziehbarer Weise
.
In inhaltlicher Hinsicht vermag
insbesondere
zu über
zeugen, dass
die Gutachter in psychischer Hinsicht davon ausgingen, dass
die Beschwerdeführerin
von
Februar 2013 bis Februar 2015 unter einer mittelgradi
gen depressiven Episode und ab März 201
7
unter einer rezidivierenden depressi
ven Störung
,
schwergradiger
Ausprägung
,
sowie unter einer Agoraphobie mit Panikstörung
gelitten habe
,
und dass deswegen in der Zeit
von
März 2015 bis Februar 2017 eine Arbeitsunfähigkeit in angepassten Tätigkeiten von 50
%
und ab
8.
September 2016
aus
bidisziplinärer
Sicht
eine vollständige Arbeitsunfähig
keit in Bezug auf jegliche Tätigkeiten
bestanden habe.
6.3.2
Bei Verfassen des Gutachtens der Ärzte der
L._
vom 1
1.
August 2017 (vorstehend E.
5.10
)
war die am 3
0.
November 2017 mit BGE 143 V 409 und 143 V 418 erfolgte Änderung der Rechtsprechung, wonach grundsätzlich sämtliche psychi
schen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind,
noch nicht
erfolgt. Die
Gutachter
der
L._
setzten sich
jedoch ohnehin
gemäss
der Fragestellung der
Beschwerdegegenerin
mit den S
tandardin
dikatoren auseinander und orientierten sich
bei der Beurteilung der Arbeitsfähig
keit an den normative
n Vorgaben
gemäss
BGE 141 V 281
(vgl. vorstehend E. 1.6
)
.
Die Gutachter begründe
te
n unter ausdrücklicher Bezugnahme auf die einschlägi
gen Indikatoren auf nachvollziehbare Weise das
Ausmass
der Leistungsminde
rung. Namentlich n
a
hmen sie Bezug auf den Schweregrad des Leidens und
äusser
te
n
sich zum Behandlungs- und Eingliederungserfolg
sowie zur Konsistenz und Plausibilität (vgl.
Urk
6/140/206
ff.
)
. Sie
trugen insbesondere auch
ausführ
lich
dem Umstand Rechnung, dass
die Ressourcenlage der Beschwerdeführerin im Verlauf ihrer psychischen Erkrankung immer schlechter
wurde,
und berücksich
tigen die
Persönlichkeit
der Beschwerdeführerin
und
den
sozialen Kontext (vgl.
Urk.
6/140/207 ff.)
. Sie
verneinten eine Aggravation, eine Selbstlimitierung und eine Simulation und
bejah
t
en ein konsistentes Verhalten im Erwerbsbereich und in anderen
Lebensbereichen (
Urk.
6/140/206;
vgl.
auch
Urteil
des Bundesgerichts
9C_755/2018 vom
9.
Mai 2019 E. 4.2.5).
Da die Gutachter bei der Beurteilung des
Leis
tungsvermögen
s
aus
schliesslich
funktionelle Ausfälle berücksichtigt
en
,
beruht ihre
versicherungs
medizinische Zumutbar
keits
beurteilung auf objektivier
ter Grundlage. Die von der Rechtsanwen
dung zu prüfende Frage, ob sich die Gut
achter an die
massgebenden
normativen Rahmen
bedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der ein
schlägigen Indikatoren einge
schätzt haben, ist daher zu bejahen.
Die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesund
heit
lichen Anspruchsgrundlage
sind
anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei
ausgewiesen.
Mit Blick darauf ergibt sich gesamthaft, dass sowohl eine gesundheitliche Beeinträchtigung von erheblichem Schweregrad als auch deren funktionelle Auswirkungen in erwerblicher Sicht objektiv (
Art.
7
Abs.
2 ATSG) kohärent und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen sind. Mithin kann der gut
achterlichen Einschätzung der Ar
beitsfähigkeit
auch
aus
rechtlicher Sicht
gefolgt werden.
Triftige
Gründe, welche
in
rechtlich
er Hinsicht
ein Abweichen davon gebieten würden (vorstehend E.
1.8
), sind nicht ersichtlich.
7.
Zusammenfassend erlaubt
das
Gutachten der Ärzte der
L._
vom 1
1.
August 2017 (vorstehend E.
5.10
)
,
welchem
volle Beweiskraft
zukommt
,
eine schlüssige Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
im Lichte der Indikatoren gemäss BGE 141 V 28
1.
Für eine gesonderte
rechtl
iche
Prüfung nach
Massgabe
des strukturierten Beweisverfahrens besteht daher kein Grund (vgl. E.
1.8
).
Gestützt
drauf
ist daher davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin die Aus
ü
bung behinderungsangepasster, körperlich leichter, wechselbelastender, über
wiegend sitzender Tätigkeiten
, ohne erhöhte psychische Belastung, ohne erhöhte Anforderungen an kognitive Parameter und ohne Arbeiten in engen Räumen oder in Räumen mit vielen Personen,
aus somatischen und psychischen Gründen wäh
rend der Zeit vom
1.
Januar bis 1
7.
Mai 2012 im Umfang eines Arbeitspensums von 60
%
, vom 1
8.
Mai bis 3
0.
Juni 2012
im Umfang eines solchen
von 0
%
, vom
1.
Juli bis
6.
August 2012 im Umfang eines solchen von 50
%
, vom
7.
August bis 3
0.
September 2012 im Umfang eines solchen von 0
%
, vom
1.
Oktober bis 3
1.
Dezember 2012 im Umfang eines solchen von 50
%
, vom
1.
Januar 2013 bis
6.
August 2013 im Umfang eines solchen von 75
%
, vom
7.
August bis 3
0.
September 2013 im Umfang eines solchen von 0 %, vom
1.
Oktober bis 3
1.
Dezember 2013
im Umfang eines
solche
n
von 50
%
,
vom
1.
Januar 2014 bis
7.
September 2016
im Umfang eines
solche
n
von 40 %
zuzumuten war, und dass
der Beschwerdeführerin ab
8.
September 2016
die Ausübung einer Erwerbstätig
keit nicht mehr zuzumuten war
(
vorstehend E.
5.10
).
8.
8.1
Im Folgenden sind die erwerblichen Auswirkungen zu prüfen.
8.2
Da vorliegend gestützt auf die Beurteilung durch
die
Ärzte der
L._
vom 1
1.
August 2017 (vorstehend E.
5.10: vgl. auch
Urk.
6/17/81
)
von einem Beginn der massgebenden Arbeitsunfähigkeit zum Unfallzeitpunkt am
9.
Dezember 2011
auszugehen ist,
und
da die Beschwerdeführerin ihren Leistungs
anspruch erstmals
am 2
4.
September 2012
geltend machte (
Art.
29 Abs.
1 ATSG; vgl.
Urk.
6/
5
)
,
konnte ein Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin daher
früh
estens im
März 2013
entstehen (
Art.
28
Abs.
1
lit
. b in Verbindung mit
Art.
29
Abs.
1 IVG), wes
halb bei der Invaliditätsbemessung die Verhältnisse zu diesem Zeitpunkt mass
ge
bend sind.
8.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
8.4
Bei einer hypothetisch im Gesundheitsfall lediglich teilerwerbstätigen versicher
ten Person
ohne
Aufgabenbereich im Sinne von
Art.
27 IVV
bemisst sich die Invalidität rechtsprechungsgemäss nach der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs oder einer Untervariante (Schätzungs- oder Prozentvergleich, ausserordentliches Bemessungsverfahren) davon. Dabei ist das
Valideneinkom
men
nach Massgabe der ohne Gesundheitsschaden ausgeübten Teilerwerbstätig
keit festzulegen, wobei entscheidend ist, was die versicherte Person als Gesunde tatsächlich an Einkommen
erzielen würde, und nicht, was sie bestenfalls verdie
nen könnte. Wäre sie gesundheitlich in der Lage, voll erwerbstätig zu sein, redu
ziert sie aber das Arbeitspensum, um mehr Freizeit zu haben, hat dafür nicht die Invalidenversicherung einzustehen. Das Invalideneinkommen bestimmt sich ent
sprechend den gesetzlichen Vorgaben danach, was die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte. Dabei kann das
–
ärztlich festzulegende
–
Arbeitspensum unter Umstän
den grösser sein als das ohne gesundheitliche Beeinträchtig
ung geleistete (BGE 131 V 51 E.
5.1.2; wi
edergegeben in BGE 142 V 290 E.
5).
In Präzisierung dieser Rechtsprechu
ng hat das Bundesgericht in BGE
142 V 290 entschieden, dass bei teilerwerbstätigen Versicherten ohne Aufgabenbereich die anhand der Einkommensvergleichsmethode zu ermittelnde Einschränkung im (allein versicherten) erwerblichen Bereich proportional – im Umfang der hypo
thetischen Teilerwerbstätigkeit – zu berücksichtigen ist
(E. 7.3)
.
8.5
Gemäss der Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts 9C_583/2018 vom
3.
Dezember 2018 E. 4.3) ändert das
am
1.
Januar 2018 für die Invaliditätsbemes
sung Teilerwerbstätiger mit einem Aufgabenbereich neu eingeführte Berech
nungsmodell (neu in Kraft getretene Absätze 2-4 von
Art.
27
bis
IVV)
an der mit
BGE 142 V 290
präzisierte
n
Methode der Invaliditätsbemessung teilerwerbstäti
ger Versicherter ohne einen Aufgabenbereich
zumindest bis 3
1.
Dezember 2017 nichts
. Da
die Invaliditätsbemessung teilerwerbstätiger Versicherter mit einem Aufgabenbereich bis Ende 2017 nach der
bisherigen
gemischten Methode zu erfolgen
habe
,
habe auch die
Invaliditätsbemessung teilerwerbstätiger Versicher
ter ohne einen Aufgabenbereich
zumindest bis 3
1.
Dezember 2017 nach der bisherigen, mit
BGE 142 V 290
präzisierten
Methode zu erfolgen
. Die
Frage nach der für die Zeit ab
1.
Januar 2018 geltenden Methode der
Invaliditätsbemessung teilerwerbstätiger Versicherter ohne einen Aufgabenbereich
hat die Rechtspre
chung
bisher
offen gelassen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_583/2018 vom
3.
Dezember 2018 E. 4.5).
8.6
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des
hypotheti
schen
Renten
be
ginns massgebend. Validen- und Invalideneinkommen sind auf zeitidenti
scher Grundlage zu erheben; allfällige rentenwirksame Änderungen der
Ver
gleichs
ein
kommen müssen bis zum Verfügungszeitpunkt berücksichtigt werden
(BGE
129 V 222 E.
4.1 und 4.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_22/2014 vom 1
8.
Februar 2014 E. 4.3).
8
.7
Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des
Valideneinkommens
ist grund
sätz
lich der letzte vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielte, der Nominal
lohn
entwicklung angepasste Verdienst (BGE 139 V 28 E. 3.3.2). Nach der Recht
spre
chung können die
im Individuellen Konto
(IK)
eingetragenen Einkommen aus unselbständiger oder selbständiger Erwerbstätigkeit Grundlage für die Bemessung des
Valideneinkommens
bilden,
wobei starken und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung getretenen Schwankungen dadurch Rechnung zu tragen ist, dass auf den Durchschnitt mehrerer
Jahre abgestellt wird (Urteil des Bundesgerichts
8C_211/2013 vom
3.
Oktober 2013
E. 4.2). Der versicherten Person sowie der IV-Stelle steht jedoch der Gegenbeweis offen, dass das tatsächlich erzielte (beitrags
pflichtige) Einkommen höher beziehungsweise tiefer ist als die Einkünfte gemäss dem IK-Auszug (
Art.
25
Abs.
1 IVV; Urteile des Bundesgerichts 9C_658/2015 vom
9.
Mai 2016 E. 5.1.1 und 8C_9/2009 vom 1
0.
November 2009 E. 3.4).
8
.8
Da die Beschwerdeführerin die bisher bei der
Bäckerei-Konditorei
Y._
aus
geübte
Tätig
keit
aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben konnte, ist davon auszugehen, dass sie ohne Gesundheitsschaden zum Zeitpunkt
des
frühest
möglichen Rentenbeginns im Jahre
2013 weiterhin an ihrem
bishe
ri
gen Arbeits
platz
als Verkäuferin
bei der
Bäckerei-Konditorei
Y._
im Umfang eines Arbeitspensums von
80
%
(vgl. vorstehend E.
3.1 ff.
)
tätig gewesen wäre. Grund
lage für die Be
messung des
Valideneinkommens
stellt
daher
der
von der Beschwerdeführerin vor Eintritt des Gesundheitsschadens
am
9.
Dezember 2011 bei der Bäckerei-Konditorei
Y._
erzielte Verdienst
dar. Gemäss dem IK-Auszug (
Urk.
6/50
)
hat die Beschwerdeführerin im Jahre
2011
bei dieser
bei einem Beschäftigungsgrad von 90
%
vom
1.
Januar bis 3
1.
Juli 2011 und bei einem solchen 80
%
vom
1.
August bis 3
1.
Dezember 2011 (vgl.
Urk.
6/35) einen AHV-beitragspflichtigen Verdienst von
insgesamt
Fr.
49'096.-- erzielt. Umgerechnet auf einen Beschäftigungsgrad von 80
%
für die Zeit
vom
1.
Jan
uar bis 3
1.
Dezember 2011 ergäbe
dies einen Verdienst von
Fr.
45
’
760
.
-- (
Fr.
3'520.-- x 13; vgl.
Urk.
6/35)
.
Unter
Berücksichtigung der durchschnittlichen Nominal
lohn
entwicklung im
Bereich «
Detailhandel
», welcher den Bereich «
Bäckereien - Tea-Rooms
» mit
umfasst (NOGA 2008, Allgemeine Systematik der Wirtschafts
zweige, Code
472402
;
www.bfs.admin.ch)
,
von
1.1
%
im Jahre 2012 und
von
1.1
%
im Jahre 2013
(www.bfs.admin.ch; T1.10
Nominal
lohnindex, 201
1
-2018
)
resultiert im
Jahre
2013
ein
Valideneinkommen
von
rund
Fr.
4
6'
77
2.--
(
Fr.
4
5’760
.-- x 1.0
11 x 1.011
).
Die Abweichung zum von der IV-Stelle
errrechneten
Betrag von
Fr.
49'934.-- (
Urk.
2,
Urk.
6/218/1) ergibt sich daraus, dass die IV-Stelle betref
fend das Jahr 2011 das Pensum von 90
%
unberücksichtigt liess.
8.9
8.9
.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausge
ge
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
8.9
.2
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allen
falls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Ein
zelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen kör
perlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Ein
schrän
kungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs ein
fliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts füh
ren dürfen (Urteile des
Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1 und 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE
126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abwei
chende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichtes 9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
8.9
.3
Ein Leidensabzug ist nach der Rechtsprechung auch dann nicht gerechtfertigt,
w
enn die gesundheitlichen Einschränkungen oder die eingeschränkte Leistungs
fähigkeit beziehungsweise das eingeschränkte Rendement vom medizinischen Experten in der von ihm attestierten Arbeitsunfähigkeit bereits berücksichtigt wurden (Urteil des Bundesgerichts 8C_20/2012 vom 4. April 2012 E. 3.2 und
3.3). Sodann rechtfertigt der Umstand, dass eine grundsätzlich vollzeitlich arbeits
fähige versicherte Person gesundheitlich bedingt lediglich reduziert leis
tungsfähig ist, nach der Rechtsprechung keinen Abzug vom Tabellenlohn (Urteile des Bundes
ge
richts 8C_827/2009 vom 26. April 2010 E. 4.2.1, 9C_980/2008 vom 4. März
2009 E. 3.1.2, 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008 E. 4.3.3, 9C_344/2008 vom 5. Juni 2008 E. 4 und I 69/07 vom 2. November 2007 E.
5.1).
8.9
.4
Vorliegend
ist der Beschwerdeführerin gemäss der
Beurteilung durch
die Gutachter der
L._
vom
1
1.
August 2017
die Ausübung
die Ausübung behinderungsange
passter, körperlich leichter, wechselbelastender, überwiegend sitzender Tätigkei
ten, ohne erhöhte psychische Belastung, ohne erhöhte Anforderungen an kogni
tive Parameter und ohne Arbeiten in engen Räumen oder in Räumen mit vielen Personen,
in der Zeit vom
1.
Januar bis
6.
August 2013 im Umfang eines
Arbeits
pensums
von 75
%
zuzumuten
.
Die
gesundheitlich bedingte Unmöglichkeit, körperlich schwere Arbeiten zu verrich
ten,
führt indes
nicht auto
ma
tisch zu einer Verminderung des hypothetischen Invaliden
lohns.
Denn das
trotz der gesund
heitlichen Beeinträch
tigung
zumutbarerweise
erzielbare Einkommen ist bezogen auf einen ausgegli
chenen Arbeitsmarkt zu ermitteln, der durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften gekenn
zeichnet ist und einen Fächer
verschiedenster Tätig
keiten aufweist (Urteil
des Bundesgerichts
9C_353/2019 vom 1
1.
Juli 2019 E. 3.3
;
BGE 138 V 457 E. 3.1).
Folglich können unter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Um
stände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausge
glichenen Arbeitsmarkt als ausserordentlich zu bezeichnen sind (Urteile des Bundesgerichts 8C_82/2019 vom 19. September 2019 E. 6.3.2 und 8C_61/2018 vom 23. Mär
z 2018 E. 6.5.2 mit Hinweisen).
Dementsprechend kann nach der Gerichtspraxis in der Regel
auch
eine psychisch bedingte verstärkte Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter und Arbeitskollegen nicht als eigenständiger Abzugsgrund anerkannt werden
(Urteil des Bundesgerichts
8C_327/2018
vom 3
1.
August 2018 E. 3.5).
Im Lichte dieser Grundsätze vermöchten jedenfalls die
von der Beschwerdegeg
nerin
angeführten Umstände
, wie das eingeschränkte Belastungsprofil und die Möglichkeit häufige Pausen einlegen zu können (
Urk.
2),
keinen höheren
als den von der IV-Stelle gewährten (vgl.
Urk.
2)
Abzug vom Tabellenlohn
von
10
%
zu rechtfertigen, dies umso weniger,
als
der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 (gemäss der LSE 2012 und der nach
folgenden LSE)
bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschwe
ren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_447/201
9 vom
8.
Oktober 2019 E. 4.3.2)
.
8.9.5
Bei Frauen im Kompetenzniveau 1 (bis LSE 2010 Anforderungsniveau 4) weisen die Statistiken für Teilzeitarbeit zwischen 50 % und 89 % höhere Löhne als für Vollbeschäftigung aus. Damit entfällt hier die Rechtfertigung für einen Tabellen
lohnabzug wegen Teilzeitarbeit (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_712/2012 vom 30. November 2012 E. 4.2.2 unter Bezugnahme auf LSE 2008 und 2010 und 9C_72/2017 vom 19. Juli 2017 E. 4.3 unter Bezugnahme auf LSE 2012 und 2014).
8.9.
6
Unter
Berücksichti
gung des Zentralwerts
der LSE 201
2
für
einfache Tätigkeiten
körperlicher oder handwerk
licher Art (Kompetenzniveau 1) für Frauen
(Total; Tabelle TA1, privater Sektor Schweiz 2012)
von Fr.
4’112
.--
,
resultiert unter
Berück
sichtigung der durchschnittlichen Nominal
lohn
entwicklung aller Wirt
sch
afts
zweige (Total)
von 0.
7
%
im Jahre 201
3
(www.bfs
.admin.ch; T1.10 Nomi
nallohnindex, 2011
-2018)
,
einer betriebs
üb
lichen
Wochenarbeitszeit im Jahre 2013
von ins
gesamt 41.7 Stunden (
www.bfs.
ad
min.ch;
Betriebsübliche Arbeits
zeit nach Wirtschafts
abteilungen
)
,
eines zumutbaren Beschäftigungsgrades von
75
%
sowie eines Abzugs vom Tabellenlohn von 10
%
ein hypothetisches Inv
ali
den
ein
kommen
im
März
2013
von Fr
.
34’966
.
--
(Fr. 4’112.-- x 1.007
x
12 Mo
nate ÷ 40 Stun
den x 41.7
Stunden
x 0.75 x 0.9
)
.
8.9
.7
Der
Vergleich des
Vali
deneinkommens
von Fr.
46
'
772
.--
mit dem
Invaliden
ein
kommen von
Fr.
34
'
966
.--
ergibt
im März 2013
eine Erwerbseinbusse von Fr.
11’806
.-
-
und
eine Einschränkung von
2
5
%
.
Bei einer hypothetischen Teil
zeitbeschäftigung im Umfang von 80
%
ohne Aufgabenbereich resultiert
ein gewichteter
Invaliditätsgrad
von
(gerundet; vgl. BGE 130 V 12) 20
%
(
25
%
x 0.
8
)
.
Damit wird ein für den An
spruch auf eine Invalidenrente vorausgesetzter Invali
ditätsgrad von min
des
tens 40 %
im März 2013
nicht erreicht.
9.
9.1
Gemäss der Beurteilung durch
die Ärzte der
L._
vom 1
1.
August 2017 (vorste
hend E.
5.10
)
hat sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin im August 2013 verschlechtert und es bestand
vom
7.
August bis 3
0.
September 2013
eine Arbeitsfähigkeit
von 0 %, vom
1.
Oktober bis 3
1.
Dezember 2013
eine
solche von 50
%
. Per Ende des Jahres 2013 hat sich der Gesundheitszustand der Beschwer
deführerin erneut verschlechtert und es war der Beschwerdeführerin die Aus
übung einer angepassten Tätigkeit
vom
1.
Januar 2014 bis
7.
September 2016
im Umfang
von 40 % zuzumuten
. Schliesslich kam es
im September 2016
erneut zu einer gesundheitlichen Verschlechterung
,
infolgedessen
der Beschwerde
führerin ab
8.
September 2016
die Ausübung einer Erwerbstätigkeit n
icht mehr zuzumuten war.
9.2
Am
7.
August 2013 resultiert unter
Berücksichti
gung des Zentralwerts
der LSE 2012
für
einfache Tätigkeiten
körperlicher oder handwerk
licher Art (Kompetenz
niveau 1) für Frauen
(Total; Tabelle TA1, privater Sektor Schweiz 2012)
von Fr.
4’112.--
,
einer
durchschnittlichen Nominal
lohn
entwicklung aller Wirt
sch
afts
zweige (Total)
im Jahre 201
3
von 0.7
%
(www.bfs
.admin.ch; T1.10 Nominallohn
index, 2011
-2018)
,
einer betriebs
üb
lichen Wochenarbeitszeit im Jahre 2013 von ins
gesamt 41.7 Stunden (www.bfs.
ad
min.ch;
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschafts
abteilungen
), eines zumutbaren Beschäftigungs
grades von
50
%
sowie eines Abzugs vom Tabellenlohn von 10
%
ein hypothetisches Inv
aliden
ein
kom
men von
rund
Fr
.
23'311.
--
(Fr. 4’112.-- x 1.007 x
12 Mo
nate ÷ 40 Stun
den x 41.7
Stunden
x 0.
5 x 0.9)
.
9.3
Der
Vergleich des
Vali
deneinkommens
von Fr.
46’772
.--
(vorstehend
E. 8.8 und
E.
8.9.7
)
mit dem
Invaliden
ein
kommen von
Fr.
23’311
.-- ergibt im
August
2013 eine Erwerbseinbusse von Fr.
23
’
461
.-- und eine Einschränkung von
rund 50
%
. Bei einer hypothetischen Teilzeitbeschäftigung
ohne Aufgabenbereich
im Umfang von 80
%
resultiert
ein gewichteter
Invaliditätsgrad
von
(gerundet)
40
%
(
50
%
x 0.8).
9.4
Da eine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit gemäss Art. 88a Abs. 2 IVV
erst dann
zu berücksichtigen ist, wenn sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate
gedauert
hat
(vorstehend E.
1.5
)
,
besteht ein Anspruch auf eine
Viertels
rente
ab
1.
November 201
3.
10.
10.1
Am
1.
Januar 2014
ist unter
Berücksichtigung der durchschnittlichen Nominal
lohn
entwicklung im Bereich «Detailhandel», welcher den Bereich «Bäckereien - Tea-Rooms» mitumfasst (NOGA 2008, Allgemeine Systematik der Wirtschafts
zweige, Code 472402; www.bfs.admin.ch), von 1.1
%
im Jahre 2012
,
von 1.1
% im Jahre 2013
und von 0.5
%
im Jahre 2014
(www.bfs.admin.ch; T1.10 Nominal
lohnindex, 2011-2018)
von einem
Valideneinkommen
von rund Fr.
47’006.-- (Fr. 45’760
.-- x 1.011 x 1.011
x 1.005
)
auszugehen
.
10.2
Unter
Berücksichti
gung des Zentralwerts
der LSE 2014
für
einfache Tätigkeiten
körperlicher oder handwerk
licher Art (Kompetenzniveau 1) für Frauen
(Total; Tabelle T
A1, privater Sektor Schweiz 2014
)
von Fr.
4’300.--
,
einer betriebs
üb
li
chen
Wochenarbeitszeit im Jahre 2014
von ins
gesamt 41.7 Stunden (www.bfs.
ad
min.ch;
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschafts
abteilungen
), eines zumutbaren Beschäftigungsgrades von
4
0
%
sowie eines Abzugs vom Tabellen
lohn von 10
%
resultiert am
1.
Januar 2014 ein
Inv
aliden
ein
kommen von
rund
Fr
.
19
’365
.--
(Fr. 4’300
.-- x
12 Mo
nate ÷ 40 Stun
den x 41.7
Stunden
x 0.
4
x 0.9)
.
10
.3
Der
Vergleich des
Vali
deneinkommens
von Fr.
47’006
.--
mit dem
Invaliden
ein
kommen von
Fr.
19’365
.-- ergibt
am
1.
Januar 20’14
eine Erwerbseinbusse von Fr.
27’641
.-- und eine Einschränkung von
rund 59
%
. Bei einer hypothetischen Teilzeitbeschäftigung
ohne Aufgabenbereich
im Umfang von 80
%
resultiert
ein gewichteter
Invaliditätsgrad
von
(gerundet)
47
%
(
59
%
x 0.8).
Für die Zeit ab
1.
Januar 2014 besteht daher weiterhin
ein Anspruch auf eine
Viertelsrente
.
11.
11.1
Da der Beschwerdeführerin ab dem
8.
September 2016
die Ausübung einer Erwerbstätigkeit nicht mehr zuzumuten
war, resultiert bei
einem fehlenden Inva
lideneinkommen eine
Einschränkung von
100
%
und bei
einer hypothetischen Teilzeitbeschäftigung
ohne Aufgabenbereich
im Umfang von 80
%
ein gewichte
ter
Invaliditätsgrad
von
80
%
.
11.2
Da eine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit gemäss
Art.
88a
Abs.
2 IVV
erst dann
zu berücksichtigen ist, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat (vorstehend E.
1.5
),
ist für die Zeit
ab
1.
Dezember 2016
ein Anspruch auf eine ganze Rente
ausgewiesen
.
12
.
Demzufolge ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin mit der an
ge
fochtenen Verfügung vom
2
2.
Oktober 2019
(Urk. 2)
der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab
1.
November 2013 eine
Viertelsrente
und ab
1.
Dezember 2016 eine ganze Rente zusprach, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abzuwei
sen ist.
13
.
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Bes
chwerdeverfahren vor dem kan
to
na
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
wei
gerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind
nach dem Ver
fahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert
unter Berücksichti
gung des
gesetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr.
9
00.-- fest
zusetzen und
der
unterlie
genden Beschwerde
führer
in aufzuerlegen
.