Decision ID: 08db4ea6-5f2f-57ce-be79-d026688cb7bc
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 18. Juni 2015 in der Schweiz um Asyl
nach. Am 23. Juni 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) und nach
Beendigung des eingeleiteten Dublin-Verfahrens am 6. November 2017 die
Anhörung zu den Asylgründen statt.
B.
Anlässlich der Anhörung machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen
geltend, er und seine Familie seien aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu den
B._ – Menschen, welche über die Kraft des (...) verfügten – gesell-
schaftlich ausgegrenzt, beschimpft und beleidigt worden. Bereits als Kind
habe er unter diesem Ruf gelitten und habe deswegen die Schule in der
(...) Klasse abgebrochen und fortan im elterlichen C._ mitgeholfen.
Aufgrund seiner Zugehörigkeit zu den B._ habe er nur schwer eine
Frau finden können. Sie hätten es nicht einfach gehabt und seien deshalb
im Jahr (...) in den D._ ausgewandert. Nach der (...) Eritreas im
Jahr (...) seien sie, in der Hoffnung auf veränderte Gegebenheiten, wieder
nach Eritrea zurückgekehrt. Ihre Erwartungen seien indes enttäuscht wor-
den. Sie hätten weder Arbeit noch ein Grundstück erhalten und seien auch
an ihrem neuen Wohnort gesellschaftlich ausgeschlossen worden. Im Jahr
(...) hätten er und seine Familie versucht, ihr Glück in E._ zu finden.
Dieser Versuch sei gescheitert und sie seien wenige Wochen später wieder
nach Eritrea zurückgekehrt. Er habe sich mit einem F._ selbständig
gemacht und als G._ gearbeitet. Aus Angst, im Rahmen einer Raz-
zia von der Polizei aufgegriffen und in den Militärdienst eingezogen zu wer-
den, habe er sich im Jahr (...) entschlossen, eine schlecht bezahlte Regie-
rungsstelle in der (...) anzutreten. Als Regierungsmitarbeiter sei er wäh-
rend der Arbeit vor willkürlichen behördlichen Aufgriffen geschützt gewe-
sen. Privat sei er jedoch im Laufe der Jahre wiederholt festgenommen und
trotz Vorweisen seines Passierscheines inhaftiert worden. Letztmals sei
dies im Jahr (...) geschehen. Dank Intervention seines Arbeitgebers sei er
jeweils wieder freigelassen worden.
Im Oktober (...) seien die Behörden aufgrund der Desertion seines ältesten
Sohnes an ihn gelangt. Da er den geforderten Geldbetrag nicht habe be-
zahlen können, sei er inhaftiert, indessen dank einer Bürgschaft nach (...)
Monaten wieder auf freien Fuss gesetzt worden. Im Oktober (...) sei auch
sein zweitältester Sohn desertiert und habe Eritrea zusammen mit der äl-
teren Tochter des Beschwerdeführers illegal verlassen.
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Im Jahr (...) habe er eine einmonatige militärische Ausbildung absolvieren
müssen, in deren Rahmen er auch an der Waffe ausgebildet worden sei.
Im Anschluss an diese Ausbildung habe er parallel zu seiner Arbeitstätig-
keit in der H._ mehrmals pro Woche während der Nacht Wach-
dienst gehabt. Auf den (...) sei eine zweite militärische Ausbildung ange-
setzt worden. Die stete Ausgrenzung aus der Gesellschaft sowie die er-
neute Dienstleistung an einem anderen Ort habe ihn veranlasst, aus Erit-
rea auszureisen.
Der Beschwerdeführer reichte eine eritreische Postquittung, eine Kopie der
eritreischen Identitätskarte seines Vaters sowie mehrere Fotos zu den Ak-
ten. Bereits Eingang in die Akten hatte die Identitätskarte des Beschwer-
deführers gefunden (Überweisung der Eidgenössischen Zollverwaltung
vom 8. Oktober 2015). Gemäss Ausweisprüfbericht vom 2. Oktober 2015
weise das Dokument Fälschungsmerkmale auf. Ein eritreischer Führeraus-
weis wurde dem SEM am 16. Juni 2016 vom Strassenverkehrsamts des
Kantons I._ übermittelt.
C.
Mit Urteil D-4378/2019 vom 15. Oktober 2019 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht eine am 2. September 2019 eingereichte Rechtsverzöge-
rungsbeschwerde gut und wies die Vorinstanz an, das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers beförderlich zu behandeln und einen baldigen Entscheid
zu treffen.
D.
Mit Verfügung vom 3. Februar 2020 – eröffnet am 5. Februar 2020 – stellte
die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG (SR 142.31), lehnte das Asylge-
such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an (Dispositivziffern
1 bis 3 der angefochtenen Verfügung), wobei es wegen Unzulässigkeit des
Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers
verfügte (Dispositivziffer 4).
E.
Mit Eingabe vom 28. Februar 2020 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragte die Aufhebung der Zif-
fern 2 und 3 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung und die Gewäh-
rung von Asyl. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der un-
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entgeltlichen Rechtspflege, um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses sowie um Beiordnung der Rechtsvertreterin als amtliche Rechts-
beiständin.
Gleichzeitig reichte er eine Fürsorgebestätigung der Stadt J._ (da-
tiert vom 24. Februar 2020) zu den Akten.
F.
Mit Schreiben vom 4. März 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
den Eingang der Beschwerde.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 16. März 2020 hiess die Instruktionsrichterin
die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie
Rechtsverbeiständung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses und ordnete dem Beschwerdeführer die rubrizierte Rechtsvertre-
terin als unentgeltliche Rechtsbeiständin bei.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das
AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM führte zur Begründung seines negativen Entscheides im We-
sentlichen aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anfor-
derungen an die Asylrelevanz gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. Bezüglich
seines Vorbringens, aufgrund seines Rufes als sogenannter B._,
der über die Kraft des (...) verfüge, sei er seit jeher von der Gesellschaft
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ausgeschlossen gewesen, hielt das SEM fest, dass diese Ausführungen
nachvollziehbar seien und vom SEM nicht in Abrede gestellt würden. Aller-
dings vermöge dieses Vorbringen keine asylrechtliche Relevanz zu entfal-
ten.
Hinsichtlich der geltend gemachten Desertion aus der Volksarmee führte
das SEM aus, aus den Ausführungen des Beschwerdeführers sei zu
schliessen, dass er ab Anfang des Jahres (...) Mitglied der eritreischen
Volksarmee gewesen sei und einer erneuten Aufforderung zur Absolvie-
rung einer militärischen Grundausbildung per (...) keine Folge geleistet
habe. Festzuhalten sei, dass für Personen, welche nicht mehr im national-
dienstpflichtigen Alter seien – wie dies beim heute (...)-jährigen Beschwer-
deführer ([...]-jährig im Zeitpunkt der Desertion) der Fall sei – die Strafbe-
stimmungen der Proklamation 82/1995 über den eritreischen National-
dienst nicht mehr zur Anwendung kämen. Der Hinweis des Beschwerde-
führers, wonach er der Aufforderung zur zweiten militärischen Ausbildung
keine Folge mehr geleistet habe, indem er das Land verlassen habe, lasse
für sich alleine betrachtet noch nicht auf eine drohende asylbeachtliche
Verfolgung schliessen. Vielmehr müssten, damit eine begründete Furcht
im Sinne von Art. 3 AsylG bejaht werden könnte, konkrete Indizien vorlie-
gen, aufgrund derer der Eintritt von für ihn asylrelevanten Nachteilen mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft zu erwarten
wäre. Dies sei vorliegend nicht der Fall, zumal er eine entsprechende Be-
fürchtung selber auch gar nicht geltend gemacht habe. Damit habe er zum
Zeitpunkt seiner Ausreise keine drohende asylrechtlich relevante Gefähr-
dung nachweisen können.
Gleichzeitig gehe aus seinen Aussagen glaubhaft hervor, dass er Eritrea
im Februar (...) illegal verlassen habe. Basierend auf dem Referenzurteil
des Bundesverwaltungsgerichts D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 sei im
vorliegenden Fall – nebst der illegalen Ausreise – das Vorhandensein eines
zusätzlichen Anknüpfungspunkts beziehungsweise Gefährdungsfaktors zu
bejahen. Es sei davon auszugehen, dass er in den Augen des eritreischen
Regimes als missliebige Person angesehen werde, womit seine illegale
Ausreise zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft führe. Flüchtlingen
werde jedoch kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem
Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Aus-
reise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG geworden seien (Art. 54 AsylG;
subjektive Nachfluchtgründe). Da die flüchtlingsrelevanten Elemente erst
mit seiner illegalen Ausreise aus Eritrea entstanden seien, werde er von
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der Asylgewährung ausgeschlossen, indessen als Flüchtling in der
Schweiz vorläufig aufgenommen.
5.2 In der Rechtsmitteleingabe wird im Wesentlichen geltend gemacht, ent-
gegen der vorinstanzlichen Ansicht habe der Beschwerdeführer auch eine
objektiv begründete Furcht, aufgrund seiner Desertion aus der Volksarmee
in Eritrea asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt zu sein. Dem Bericht «Fo-
kus Eritrea: Volksarmee» des SEM vom 17. Dezember 2019 sei zu entneh-
men, dass keine rechtliche Grundlage der Volksarmee bekannt sei und da-
mit auch keine Richtlinien für die Bestrafung von Dienstverweigerern. Be-
kannt sei hingegen, dass Personen bis zum Alter von 70 oder mehr Jahren
dazu verpflichtet würden, Dienst im Rahmen der Volksarmee zu leisten.
Eingezogen würden auch Personen, welche aufgrund ihrer Gesundheit
oder ihres Alters aus dem Nationaldienst entlassen oder noch nicht für den
Nationaldienst aufgeboten worden seien. Es sei daher nicht nachvollzieh-
bar, weshalb die Vorinstanz zur Begründung ihrer Ablehnung der Flücht-
lingseigenschaft aufgrund der Desertion aus der Volksarmee die eritrei-
schen Strafbestimmungen bei Desertion und Verweigerung des National-
dienstes heranziehe und ausführe, dass diese beim Beschwerdeführer auf-
grund seines Alters nicht zur Anwendung kämen. Das SEM bezweifle nicht,
dass er Wachdienst im Rahmen der Volksarmee habe leisten müssen und
für eine zweite militärische Ausbildung einberufen worden sei. Auch die
Umstände würden dafür sprechen, dass er eine objektiv begründete Furcht
habe, aufgrund seiner Desertion aus der Volksarmee in Eritrea asylrele-
vanten Nachteilen ausgesetzt zu sein. Als B._, eine Person mit (...),
hätten er und seine Familie einen sehr tiefen sozialen Status und würden
von der Gesellschaft diskriminiert. Zudem müsse berücksichtigt werden,
dass bereits drei seiner Kinder das Land illegal verlassen hätten und der
Beschwerdeführer bereits zwei Mal inhaftiert worden sei (...). Auch sei er
während der Arbeit für K._ immer wieder vorübergehend festge-
nommen worden. Im Jahr (...) hätten sie nach der Flucht zwei ihrer Kinder
den Laden schliessen müssen. Nach seiner eigenen Flucht sei seine Ehe-
frau stark unter Druck gesetzt und während zweier Wochen täglich von
morgens bis abends auf der Polizeiwache festgehalten und zu ihrem Mann
befragt worden. Anschliessend seien ihr die L._ gestrichen worden,
was eine massive Verschlechterung ihrer Lebensumstände bedeute. Aus
diesen Gründen müsse davon ausgegangen werden, dass er aufgrund sei-
ner Weigerung, die zweite militärische Ausbildung zu absolvieren, asylre-
levante Konsequenzen zu befürchten hätte. Den Ausführungen in der an-
gefochtenen Verfügung, wonach der Beschwerdeführer eine entspre-
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chende Befürchtung selber gar nicht geltend gemacht habe, sei zu wider-
sprechen. Im Rahmen der Anhörung habe er zwar nicht explizit davon ge-
sprochen, welche Strafen ihn aufgrund seiner Verweigerung der militäri-
schen Weiterbildung erwarten würden, er habe aber ausgeführt, dass er
sein Land verlassen und grosse Angst habe. Er sei davon ausgegangen,
dass das SEM um die zu erwartende Strafe wissen würde, und habe sich
in der Erzählung auf andere für ihn wichtige Ereignisse konzentriert. Er sei
nie explizit danach gefragt worden, welche Strafe ihn aufgrund der Verwei-
gerung erwartet hätte. Auf die am Ende der Anhörung gestellte Frage, was
er bei einer Rückkehr nach Eritrea befürchten würde, habe er zu Protokoll
gegeben, dass er vielleicht im Gefängnis sterben würde, da ein Mann aus
Eritrea, der seine Waffe zurücklasse und das Land verlasse, lebenslang
ins Gefängnis komme.
6.
6.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz dem Beschwerdeführer
die Asylgewährung zu Recht verweigert und als Folge davon die Wegwei-
sung angeordnet hat.
6.2 Im Sinne einer Vorbemerkung ist der Vollständigkeit halber anzumer-
ken, dass das SEM die Aussagen des Beschwerdeführers – wie vorste-
hend wiedergegeben – nicht bezweifelt hat. Für das Bundesverwaltungs-
gericht besteht nach Durchsicht der Akten keine Veranlassung, von dieser
Beurteilung abzuweichen.
6.3 Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass mögliche Nachteile, die auf die
allgemeinen wirtschaftlichen beziehungsweise sozialen Lebensbedingun-
gen in Eritrea zurückzuführen sind, die Anforderungen an eine asylerhebli-
che Gefährdung nicht zu erfüllen vermögen. Die vom Beschwerdeführer
geltend gemachte gesellschaftliche Ausgrenzung aufgrund seiner Zugehö-
rigkeit zu den B._, den Menschen, welche über die Kraft des (...)
verfügten, hat die Vorinstanz zu Recht als asylrechtlich nicht relevant qua-
lifiziert. Den diesbezüglichen Erwägungen wird auf Beschwerdeebene
denn auch nichts Stichhaltiges entgegengehalten, weshalb auf die zu be-
stätigenden Erläuterungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen
werden kann.
6.4 Damit bleibt zu prüfen, ob dem heute (...)-jährigen Beschwerdeführer
als Mitglied der Volksarmee und aufgrund seiner Weigerung, in diesem
Rahmen die zweite militärische Ausbildung zu absolvieren, begründete
Furcht vor Verfolgung zuzuerkennen ist beziehungsweise ob er – analog
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der nachfolgend dargestellten Rechtsprechung zum eritreischen National-
dienst – deswegen mit einer unverhältnismässigen Bestrafung zu rechnen
hat.
6.4.1 Dienstverweigerung und Desertion werden in Eritrea unverhältnis-
mässig streng bestraft. Die Furcht vor einer Bestrafung wegen Dienstver-
weigerung oder Desertion ist dann begründet, wenn die betroffene Person
in einem konkreten Kontakt zu den Militärbehörden stand. Ein solcher Kon-
takt ist regelmässig anzunehmen, wenn die betroffene Person im aktiven
Dienst stand und desertierte. Darüber hinaus ist jeglicher Kontakt zu den
Behörden relevant, aus dem erkennbar wird, dass die betroffene Person
rekrutiert werden sollte (z.B. Erhalt eines Marschbefehls). In diesen Fällen
droht grundsätzlich nicht allein eine Haftstrafe, sondern eine Inhaftierung
unter unmenschlichen Bedingungen und Folter, wobei Deserteure regel-
mässig der Willkür ihrer Vorgesetzten ausgesetzt sind. Die Desertion wird
von den eritreischen Behörden als Ausdruck der Regimefeindlichkeit auf-
gefasst. Demzufolge sind Personen, die begründete Furcht haben, einer
solchen Bestrafung ausgesetzt zu werden, als Flüchtlinge im Sinn von
Art. 1A Abs. 2 FK und Art. 3 Abs. 1–3 AsylG anzuerkennen (vgl. zum Gan-
zen beispielsweise Urteil des BVGer E-1740/2016 vom 9. Februar 2018
E. 5.1).
6.4.2 In Eritrea existiert parallel zum Nationaldienst die sogenannte Volks-
armee (people’s army in Englisch; hizbawi serawit in Tigrinisch; auch Zivil-
miliz genannt), welche in ihrer heutigen Form im Jahr 2012 nach zwei äthi-
opischen Angriffen auf eritreisches Territorium entstand und deren Zweck
wohl darin besteht, die durch zahlreiche Desertionen geschwächte eritrei-
sche Armee als kostengünstige Kompensation zu stärken. Die Dienstpflicht
in der Volksarmee beruht im Gegensatz zu derjenigen im Nationaldienst
auf keiner gesetzlichen Grundlage (vgl. European Asylum Support Office
EASO, EASO-Bericht über Herkunftsländerinformationen, Länderfokus
Eritrea, Mai 2015, S. 44; Landinfo, Country of Origin Information Centre,
Report National Service, 20. Mai 2016, S. 25; SEM, Fokus Eritrea, Volks-
armee "Volksmiliz", 31. Januar 2017, S. 4 f. und 8; SFH, Eritrea: Natio-
naldienst, Themenpapier der SFH-Länderanalyse, 30. Juni 2017, S. 19;
UN Human Rights Council, Report of the detailed findings of the Commis-
sion of Inquiry on Human Rights in Eritrea, 5. Juni 2015, < https://www.
ohchr.org/Documents/HRBodies/HRCouncil/CoIEritrea/A_HRC_29_CRP-
1.pdf >, abgerufen am 12. Oktober 2020). Unklar ist, ob die Volksarmee
zum Nationaldienst gehört. Nach Mai 2014 wurde sie dem Generalstabchef
unterstellt und damit wohl Teil der regulären Armee (vgl. SEM, Volksarmee,
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a.a.O., S. 12; SFH, Fokus Eritrea, Die Volksarmee  Hizbawi Serawit, Län-
deranalyse vom 6. Oktober 2016). Die Volksarmee kann folglich als eine
Verlängerung der militärischen Dienstpflicht qualifiziert werden (vgl. Urteil
des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 als Referenzurteil publi-
ziert E. 12.5, vgl. auch SEM, Volksarmee, a.a.O., S. 6; Landinfo, a.a.O.,
S. 25). Sie setzt sich aus (noch) nicht eingezogenen, demobilisierten und
aus dem Nationaldienst entlassenen sowie über 54-jährigen, nicht mehr
der Reserve angehörenden Personen zusammen (vgl. EASO-Bericht,
a.a.O., S. 44; Landinfo, a.a.O., S. 25; SEM, Volksarmee, a.a.O., S. 6 und
12; SFH, Die Volksarmee, a.a.O.; SFH, Themenpapier, S. 17 f.; UN Human
Rights Council, a.a.O., S. 428, Rz. 1450). Eine Rekrutierung ist noch bis
ins Alter von circa 70 Jahren, gemäss vereinzelten Quellen sogar bis circa
75 Jahren möglich (vgl. EASO-Bericht, S. 44; Landinfo, a.a.O., S. 25; SFH,
Die Volksarmee, a.a.O.; SFH, Themenpapier, a.a.O., S. 18; SEM, Volksar-
mee, a.a.O., S. 8 und 12; UN Human Rights Council, a.a.O., S. 428, Rz.
1451). Gemäss Quellen von Amnesty International seien ab dem Jahr 2015
auch Frauen mit Kindern rekrutiert worden (vgl. Amnesty International, Just
Deserters: Why indefinite national service in Eritrea has created a genera-
tion of refugees, Dezember 2015, < https://www.amnesty.org/en/
documents/afr64/ 2930/ 2015/en/ >, S. 8, abgerufen am 12. Oktober 2020).
Die Angehörigen der Volksarmee durchlaufen zunächst eine militärische
Grundausbildung (Waffenausbildung) und werden anschliessend für Be-
wachungsaktivitäten oder verschiedene Arbeitseinsätze aufgeboten, bei-
spielsweise in öffentlichen Entwicklungsprojekten oder in der Landwirt-
schaft. Die Einsätze werden an einzelnen Tagen oder über einige Wochen
hinweg ohne Bezahlung und ohne Entschädigung für den Erwerbsausfall
an ihrer üblichen Arbeitsstelle geleistet (vgl. EASO-Bericht, a.a.O., S. 44;
Danish Immigration Service, Eritrea: Drivers and Root Causes of Emigra-
tion, National Service and the Possiblity of Return, August und Oktober
2014, < https://www.nyidanmark.dk/NR/rdonlyres/B28905F5-5C3F-409B-
8A22-0DF0DACBDAEF/0/EritreareportEndeligversion.pdf > , abgerufen
am 12. Oktober 2020, S. 1 f.; Landinfo, a.a.O., S. 25; SEM, Volksarmee,
a.a.O., S. 8 ff.; SFH, Die Volksarmee, a.a.O.; SFH, Themenpapier, a.a.O.,
S. 18; UN Human Rights Council, a.a.O., S. 428, Rz. 1455 ff.).
Für die Verwaltung und die Umsetzung der Volksarmee sind die Lokalver-
waltungen zuständig. Sie (teils auch die Arbeitgeber) rekrutieren die Bevöl-
kerung in die Volksarmee, indem die Betroffenen aufgefordert werden, sich
zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu melden, wobei dies
auf sehr unterschiedliche Arten erfolgen kann, beispielswiese durch einen
https://www.amnesty.org/en/
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schriftlichen Brief der Lokalverwaltung oder durch Aushänge an öffentli-
chen Plätzen (vgl. Landinfo, a.a.O., S. 26; SEM, Volksarmee, a.a.O., S. 8
und 13 f.; UN Human Rights Council, a.a.O., S. 428, Rz. 1452 ff.).
6.4.3 Hinsichtlich der Konsequenzen bei Nichtbefolgung einer Aufforde-
rung zum Eintritt in die Volksarmee existieren unterschiedliche Informatio-
nen. Ausweislich der Quellenlage kommt als Bestrafung eine blosse Er-
mahnung, der Verlust von Lebensmittelcoupons und Identitätspapieren, ein
Entzug der Geschäftslizenz, die Beschlagnahmung von Eigentum oder gar
eine Inhaftierung in Frage (vgl. Amnesty International, a.a.O., S. 34 f.;
EASO-Bericht, a.a.O., S. 44; SEM, Volksarmee, a.a.O., S. 7 und 15 f.; SFH,
Die Volksarmee, a.a.O.; SFH, Themenpapier, a.a.O., S. 19). In gewissen
Quellen wird erwähnt, dass inhaftierte Volksarmeeverweigerer, wie bereits
Militärdienstverweigerer, einer unverhältnismässig harten Bestrafung aus-
gesetzt seien. So würden Betroffene  welche sich nicht durch Bestechung
freikaufen könnten  in Einzelzellen ohne Tageslicht inhaftiert, nicht genü-
gend Wasser und Essen erhalten und gefoltert werden (vgl. SFH, Themen-
papier, a.a.O., S. 19; UN Human Rights Council, a.a.O., S. 428, Rz. 1463
ff.). Teils würden auch Ehefrauen von Verweigerern verhaftet werden (vgl.
SEM, Volksarmee, a.a.O., S. 15). Vereinzelt wird die Meinung vertreten,
dass Personen, die sich der Einberufung zur Volksarmee durch Flucht ins
Ausland entziehen, als Deserteure betrachtet und wie Deserteure bestraft
würden (vgl. SFH, Die Volksarmee, a.a.O.).
6.4.4 Es kann somit nicht allgemein von einer asylrelevanten Bestrafung
ausgegangen werden. Hinsichtlich der Verhängung von Strafen bei Deser-
tion und Dienstverweigerung betreffend die Volksarmee ist vielmehr im Ein-
zelfall zu prüfen, ob asylrelevante Konsequenzen zu befürchten sind.
6.5
6.5.1 Der Beschwerdeführer machte geltend, bei einer Rückkehr befürchte
er, vielleicht im Gefängnis zu sterben. Wenn ein Mann aus Eritrea seine
Waffe zurücklasse und das Land verlasse, komme er lebenslang ins Ge-
fängnis (vgl. C23/29 S. 25 F226). Diese Befürchtung bestätigte er am
Schluss der Anhörung (vgl. C23/29 S. 27 F232). Auf welchen Erfahrungen
oder Erkenntnissen diese Befürchtung beruhe, wurde er nicht gefragt. In-
sofern kann das Bundesverwaltungsgericht die vorinstanzliche Auffassung,
der Beschwerdeführer habe keine asylrelevanten Nachteile geltend ge-
macht, nicht vollumfänglich bestätigen.
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6.5.2 Aus den Akten ergibt sich, dass vor dem Beschwerdeführer bereits
drei seiner Kinder aus Eritrea ausgereist waren. Nach der Ausreise des
Sohnes M._ im Jahr (...) wurde der Beschwerdeführer für (...) Mo-
nate inhaftiert, die Freilassung erfolgte nach Leistung einer Bürgschaft
(vgl. C23/29 F157 ff.). Im Jahr (...) kam der Beschwerdeführer erneut für
(...) Monat und (...) Wochen in Haft, wobei der Grund dafür aus den Aus-
sagen nicht ganz klar hervorgeht (vgl. C23/29 F188). Nach der Ausreise
zweier weiterer Kinder im Jahr (...) wurde der Laden des Beschwerdefüh-
rers geschlossen (vgl. C23/29 F110) und er wurde angewiesen, sich in der
Gegend aufzuhalten (vgl. C23/29 F175), inhaftiert wurde er indessen nicht.
Als Folge der eigenen Ausreise wurde die Ehefrau des Beschwerdeführers
gemäss seinen Angaben während zweier Wochen einer täglichen Melde-
pflicht unterstellt (vgl. C23/29 F155). Schliesslich befand sich eine weitere
Tochter im Zeitpunkt der Anhörung seit (...) Monaten im Gefängnis, nach-
dem sie sich vom Militärdienst entfernt habe (vgl. C23/29 F81).
6.5.3 Unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände geht das Gericht nicht
von der hohen Wahrscheinlichkeit aus, dem Beschwerdeführer würde sei-
tens der eritreischen Behörden eine regimefeindliche Haltung unterstellt.
Zwar wurde er wegen der (illegalen) Ausreise des Sohnes M._ im
Jahr (...) in Haft genommen, die (illegale) Ausreise der beiden weiteren
Kinder im Jahr (...) hatte indessen wohl wirtschaftliche Folgen, aber er
wurde nicht mehr inhaftiert. Vielmehr blieb er bei einer staatlichen
H._ angestellt (vgl. C23/29 F34ff.). Insofern ist nicht davon auszu-
gehen, er hätte bereits vor der Ausreise im Fokus der Behörden gestanden.
Bezüglich der Dienstleistung in der Volksarmee ist festzuhalten, dass er
zwar erklärte, zur Leistung gezwungen worden zu sein, er indessen zu kei-
nem Zeitpunkt geltend machte, es habe eine Bedrohungssituation bestan-
den. Dass ihm für den Fall einer Weigerung Nachteile wie etwa Haft ange-
droht worden wären, ist seinen Aussagen nicht zu entnehmen (vgl. C23/29
F53). Schliesslich ist auch das fortgeschrittene Alter des Beschwerdefüh-
rers in die Überlegungen miteinzubeziehen. Die vorliegend geltend ge-
machte Dienstpflicht ist zwar nicht in Abrede zu stellen, jedoch erscheint
es wenig wahrscheinlich, dass der im Zeitpunkt der Ausreise beinahe (...)-
jährige Beschwerdeführer mit flüchtlingsrelevanten Konsequenzen zu
rechnen gehabt, beziehungsweise er heute im Alter von (...) Jahren noch
zu rechnen hätte. Es sind keine Anhaltspunkte für die Annahme ersichtlich,
gerade ihm wäre eine regimefeindliche Haltung unterstellt worden oder
würde eine solche unterstellt. Sodann ergibt sich aus den Aussagen des
Beschwerdeführers, dass er offensichtlich nicht damit rechnete, seine Ehe-
frau würde wegen seiner Ausreise mit erheblichen Konsequenzen rechnen
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müssen, ansonsten er sie wohl nicht beauftragt hätte, den Behörden seine
Waffe zu übergeben, und sie auch nicht geplant hätten, die restliche Fami-
lie würde ihm in den D._ nachreisen (vgl. C23/29 F151 f.). Hinzu
kommt, dass er, obschon er gemäss eigenen Angaben seit seiner Ankunft
in der Schweiz in ständigem telefonischen Kontakt mit seiner Ehefrau steht,
nicht geltend macht, sie berichte ihm von einer andauernden behördlichen
Suche nach ihm (vgl. C23/29 F 9). Schliesslich erwecken die Ausführungen
des Beschwerdeführers den Eindruck, als Auslöser für das Verlassen sei-
nes Heimatlandes hätten eher die schwierigen sozialen Lebensbedingun-
gen aufgrund seiner Zugehörigkeit zu den B._ im Vordergrund ge-
standen als die Furcht vor künftiger Verfolgung wegen Dienstverweige-
rung. So nannte er, nachdem er vom Befrager aufgefordert wurde, seine
Asylgründe noch ein wenig ausführlicher zu beschreiben, ausschliesslich
Benachteiligungen, welche er und seine Familie aufgrund ihrer sozialen
Ausgrenzung erlitten hätten (vgl. C23/29 F 80). Selbst auf die Nachfolge-
frage, ob er von sich aus noch etwas anzufügen habe, antwortete er mit
weiteren Aufzählungen von Schwierigkeiten und Diskriminierungen, wel-
che auf die soziale Ächtung zurückzuführen seien (vgl. C23/29 F 81).
6.5.3 Dem Beschwerdeführer ist es damit nicht gelungen, eine objektiv und
subjektiv begründete Furcht vor künftiger Verfolgung nachzuweisen oder
glaubhaft zu machen. Es kann deshalb darauf verzichtet werden, auf die
weiteren Vorbringen in der Beschwerde sowie die Hinweise auf Berichte
des SEM und der SFH einzugehen, da sie nicht geeignet sind, zu einer
anderen Beurteilung zu führen.
7.
Das Bundesverwaltungsgericht kommt zum Schluss, dass die flüchtlings-
rechtlich relevanten Elemente im vorliegenden Fall erst mit der illegalen
Ausreise des Beschwerdeführers entstanden sind, weshalb das SEM den
Beschwerdeführer zu Recht gestützt auf Art. 54 AsylG als Flüchtling aner-
kannt, ihn aber von der Asylgewährung ausgeschlossen hat.
8.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen.
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
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Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung vom 3. Februar 2020
die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz angeord-
net. Demnach erübrigen sich praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit,
Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich
dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
VwVG). Da das Bundesverwaltungsgericht das Gesuch um der unentgelt-
lichen Prozessführung mit Zwischenverfügung vom 16. März 2020 gutge-
heissen hat und keine Veränderung seiner finanziellen Verhältnisse er-
sichtlich ist, sind keine Kosten zu erheben.
10.2 Die amtliche Rechtsbeiständin hat keine Kostennote zu den Akten ge-
reicht. Auf die Nachforderung einer solchen kann indessen verzichtet wer-
den, weil der Vertretungsaufwand zuverlässig abgeschätzt werden kann
(Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). In Anwendung der genannten Bestimmung
und unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren
(Art. 8 ff. VGKE) ist der Rechtsvertretung zulasten der Gerichtskasse ein
Honorar in der Höhe von Fr. 500.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzu-
schlag) zu entrichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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