Decision ID: dbc6151c-3b33-5705-9b8d-035cd805ab68
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein türkischer Staatsangehöriger kurdischer Eth-
nie – suchte am 26. Januar 2019 im damaligen Empfangs- und Verfahren-
szentrum (EVZ) des SEM in B._ um Asyl nach. Am 12. Februar
2019 wurde er zu seiner Person, zum Reiseweg sowie summarisch zu den
Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person, BzP). Am 9. Septem-
ber 2019 wurde er einlässlich zu den Asylgründen angehört (Anhörung).
B.
Anlässlich seiner Befragungen machte der Beschwerdeführer im Wesent-
lichen geltend, dass er aus der Stadt C._ (Provinz C._)
stamme. Er sei im Jahr 2010 angegriffen worden, wobei es sich vermutlich
um Anhänger der Hisbollah gehandelt habe. Später als er als (...) für die
kurdische Zeitung "D._" und als freier Journalist in C._ ge-
arbeitet habe, sei er von der Polizei mit der Begründung verhaftet worden,
dass seine Arbeit für die Zeitung illegal sei. Er habe diese Tätigkeit aber
dennoch fortgesetzt. Im November 2013, während der Wahlen, habe er an
einer Hochzeit teilgenommen, die von Hisbollah-Anhängern angegriffen
worden sei, was zu sechs Verletzten und einem Toten geführt habe. Nach
diesem Ereignis habe er beschlossen nach E._ zu gehen und
gleichzeitig sein Engagement für die Zeitung fortzusetzen. Dort habe er an
Demonstrationen teilgenommen, bei denen er von der Polizei umzingelt
oder beleidigt worden sei. Als er 2014 in F._ die Aufgabe gehabt
habe, (...) für die Zeitung zu finden, sei er von einer Gruppe gefangen ge-
nommen worden, von der er nicht gewusst habe, ob es sich um die Polizei,
den Geheimdienst oder das Militär gehandelt habe, und ihm sei das Ange-
bot unterbreitet worden, ein "Agent" zu werden. Für den Fall einer Weige-
rung sei er mit dem Tod bedroht worden, weshalb er eingewilligt habe. Er
habe weitere 10 bis 15 Tage für die Zeitung gearbeitet, bevor er Angst be-
kommen habe und Anfang 2016 nach Südkurdistan (G._, Irak) ge-
gangen sei. Bereits zu diesem Zeitpunkt habe er sich dazu entschlossen,
die Türkei zu verlassen. Im Jahr 2016 seien gegen ihn Ermittlungen einge-
leitet worden. Ihm sei beispielsweise vorgeworfen worden, an Pressekon-
ferenzen teilgenommen zu haben, auf denen über illegale Handlungen des
Staates berichtet worden sei. Im Januar 2017 sei er in die Türkei zurück-
gekehrt und für etwa zwei Monate dortgeblieben, bevor er wiederum für ein
Jahr und zwei Monate bis Mai 2018 nach Südkurdistan gegangen sei. Zu-
rück in der Türkei habe er einige Monate in C._, dann eineinhalb
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Monate in H._ bei entfernten Bekannten und schliesslich einen Mo-
nat in I._ im Haus eines Freundes verbracht, bevor er am 17. Ja-
nuar 2019 mit seinem Reisepass illegal ausgereist sei. Nach seiner Aus-
reise sei die Polizei bei ihm zu Hause vorbeigekommen, um abzuklären,
weshalb er sich nicht zum Militärdienst gemeldet habe, was er schon vor
sieben Jahren hätte tun sollen. Sein Vater habe den Polizisten geantwortet,
dass er sich in der Schweiz befinde. Gemäss den Angaben seines türki-
schen Anwaltes sei in der Türkei kein Verfahren gegen ihn hängig.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer seine türkische Identitäts-
karte im Original, einen Presseausweis aus dem Jahr 2013, zwei medizini-
sche Berichte aus dem Jahr 2010, zwei Dokumente einer Menschenrechts-
organisation aus dem Jahr 2018 sowie Unterlagen betreffend seine (Ver-
wandte) zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 4. September 2020 – eröffnet am 7. September 2020 –
stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg und
ordnete den Vollzug an.
D.
Mit Eingabe vom 6. Oktober 2020 erhob der Beschwerdeführer gegen die
vorinstanzliche Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht
und beantragte dabei in materieller Hinsicht, die angefochtene Verfügung
sei aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu
gewähren. Eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung
unzulässig, unzumutbar beziehungsweise unmöglich sei, und die vorläu-
fige Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei die Sache zur erneuten
Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht
beantragte der Beschwerdeführer die Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung einschliesslich des Verzichts auf Erhebung eines Kostenvor-
schusses sowie um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer von ihm verfasste Zeitungs-
artikel sowie eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung des (...) vom 28.
September 2020 zu den Akten.
E.
Mit Schreiben vom 7. Oktober 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015.).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist
als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG).
Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG
1.3 Zwar ist im Beschwerdeverfahren die Sprache des angefochtenen Ent-
scheides massgebend, indessen kann das Verfahren in einer anderen
Amtssprache geführt werden, wenn die Parteien eine solche verwenden
(vgl. Art. 33a Abs. 2 VwVG). In Übereinstimmung mit der Beschwerde-
schrift wird das vorliegende Beschwerdeverfahren deshalb in deutscher
Sprache geführt.
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer
Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
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des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur
Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht zum Zeitpunkt
der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit
verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit
ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine
bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen
konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus
einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung
als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch
und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5; Ent-
scheide und Mitteilungen der [ehemaligen] Asylrekurskommission 2005
Nr. 21 E. 7).
3.3 Eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion vermag gemäss Art. 3
Abs. 3 AsylG nicht für sich alleine, sondern nur verbunden mit einer Verfol-
gung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG die Flüchtlingseigenschaft zu be-
gründen. Mit anderen Worten muss die betroffene Person aus den in die-
sem Gesetzesartikel genannten Gründen (Rasse, Religion, Nationalität,
Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder politischen An-
schauungen) wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine
Behandlung zu gewärtigen haben, die ernsthaften Nachteilen gemäss
Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt (BVGE 2015/3 E. 5).
4.
4.1 Zur Begründung ihrer Verfügung führte die Vorinstanz aus, dass die
Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Flüchtlings-
eigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten würden. Einleitend sei
anzumerken, dass gemäss seinen Aussagen in der Türkei bis heute kein
Gerichtsverfahren gegen ihn eröffnet worden sei. Gefragt nach den Unter-
suchungen, denen er 2015 oder 2016 unterworfen gewesen sei und die er
an der Anhörung zunächst nicht von sich aus erwähnt habe, habe er ge-
antwortet, dass er darüber nicht gesprochen habe, weil er keine diesbe-
züglichen Beweise habe, und das seine Familie, die er gebeten habe, ihm
einen Beleg zukommen zu lassen, nicht in der Lage gewesen sei, ihm ei-
nen solchen zu übermitteln. Das Fehlen jeglicher Beweismittel diesbezüg-
lich erstaune. Es könne nicht hingenommen werden, dass er zu diesen
Untersuchungen keine Informationen respektive Dokumente erhalten
habe, zumal er in der Türkei über einen Anwalt verfüge. Ferner gehe aus
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seiner Anhörung nicht hervor, dass er vorbestraft sei. Selbst wenn er, wie
er behauptet habe, 2010 während des Referendums kurzzeitig inhaftiert
gewesen sei, was er übrigens an seiner Anhörung auch nicht spontan er-
wähnt habe, habe er angegeben, dass es sich um kurze Festnahmen ge-
handelt habe, die nicht protokolliert worden seien und die im Übrigen erst
2019 zu konkreten Massnahmen seinerseits geführt hätten. Darüber hin-
aus sei er nicht Mitglied einer politischen Partei oder als solches aktiv ge-
wesen. Insofern er dargelegt habe, dass die Arbeit für eine kurdische Zei-
tung an sich eine politische Tätigkeit sei, sei darauf hinzuweisen, dass er
für die (...) dieser Zeitung, was durch den eingereichten Presseausweis
bestätigt werde, für die (...) und für (...) zuständig gewesen sei. Was seine
Tätigkeit als freiberuflicher Journalist betreffe, so habe er selber darauf hin-
gewiesen, dass er sehr wenig geschrieben habe und dass es sich nur um
«normale» Artikel gehandelt habe, die keine spezielle Reaktion hervorge-
rufen hätten. Man könne sich fragen, weshalb er zum Beispiel keine von
ihm verfassten Artikel, keinen Presseausweis eines unabhängigen Journa-
listen oder Teilnahmebescheinigungen der zahlreichen Konferenzen, an
welchen er teilgenommen habe, eingereicht habe, um seine diesbezügli-
chen Vorbringen zu untermauern, deren Plausibilität daher fraglich bleibe.
Ausserdem habe er abgesehen von seiner angeblichen Teilnahme an
Pressekonferenzen, rechtmässig organisierten Demonstrationen/Mär-
schen und seiner Mitgliedschaft in einem Komitee der HDP (Halklarin De-
mokratik Partisi; Demokratische Partei der Völker), einer ansonsten recht-
mässigen kurdischen Partei, an keinen Auseinandersetzungen teilgenom-
men. Angesichts der geltend gemachten Umstände sei nicht von politi-
schen Aktivitäten beziehungsweise davon auszugehen, dass er aufgrund
seiner Tätigkeit für eine kurdische Zeitung ein Risikoprofil erfülle. Nach
dem Gesagten und angesichts dessen, dass keine strafrechtlichen Ermitt-
lungen gegen ihn im Gang seien, gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass
er derzeit Gefahr laufe, einer asylrelevanten Verfolgungsmassnahme aus-
gesetzt zu werden. Darüber hinaus und angesichts des Fehlens eines po-
litischen Profils, welches für die türkischen Behörden von Interesse sein
könnte, blieben die Gründe unverständlich, warum jene ihn gebeten haben
sollen, als Agent für sie zu arbeiten und Informationen über seine Kollegen
von der Zeitung, die für die PKK (Partiya Karkerên Kurdistan, Arbeiterpartei
Kurdistans) gearbeitet hätten, zu sammeln. Als er nach der Identität jener
Personen gefragt worden sei, habe er zunächst angegeben, dass es Poli-
zeibeamte in Zivil gewesen seien. Dann habe er erklärt, dass es sich nicht
um staatliche Beamte gehandelt habe, und schliesslich habe er behauptet,
dass er nicht wisse, wer diese Personen gewesen seien, er nehme aber
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an, es habe sich um den Geheimdienst gehandelt. Er habe ferner zu Pro-
tokoll gegeben, dass sie ihn während den anderthalb Jahren, die zwischen
seinem letzten Arbeitstag bei der Zeitung und seiner Abreise nach Südkur-
distan verstrichen seien, nicht schnell hätten erreichen können, da es keine
staatlichen Behörden gewesen seien und er sich in kleinen Dörfern aufge-
halten habe. Auf die Frage, warum diese Leute weiterhin an ihm interessiert
gewesen seien, nachdem er die Zeitung etwa zehn Tage nach dem Vorfall
verlassen habe, habe er entgegnet, er wisse es nicht, nehme aber an, dass
sie ihn gezwungen hätten, wieder dort zu arbeiten. Hierbei handle es sich
jedoch um eine reine Vermutung seinerseits, die nicht auf konkreten Hin-
weisen beruhe. Und wenn aufgrund seiner (vergangenen) Aktivitäten ein
derart grosses Interesse an ihm bestanden hätte, hätten sicherlich Mittel
bestanden, ihn vor seiner Ausreise zu finden. Sodann sei festzustellen,
dass er nach seiner Rückkehr aus Südkurdistan im Jahr 2018 für einige
Monate nach C._ zurückgekehrt sei, ohne auf besondere Probleme
zu stossen. Es überrasche, dass eine Person, die sage, sie fürchte um ihr
Leben und lebe untergetaucht, in die Stadt zurückkehre, in der sie zuletzt
gelebt habe und wo sich die gesamte Familie befinde, da dies normaler-
weise der erste Ort sei, wo man gesucht werde.
Ferner habe er geltend gemacht, von seinem Vater eine Woche vor der
Anhörung erfahren zu haben, dass die Polizei ihn gebeten habe, zur Poli-
zeiwache zu kommen, um darüber Auskunft zu geben, weshalb er keinen
Militärdienst leiste, wobei er davon ausgehe, dass die Polizei womöglich
auch andere Absichten gehabt habe, ihn auf die Wache zu bringen. Auch
diesbezüglich handle es sich lediglich um eine Behauptung seinerseits, die
durch keinerlei Beweise gestützt werde. Das Ausbleiben eines Gerichts-
verfahrens gegen ihn führe zur Schlussfolgerung, dass seine Furcht vor
Nachteilen unbegründet sei. Sodann reiche nach ständiger Rechtspre-
chung der blosse Umstand, dass man von Dritten erfahren habe, man
werde gesucht, nicht für das Vorliegen einer begründeten Verfolgungs-
furcht aus.
Insofern er vorgebracht habe, er habe sich in den letzten Jahren dem Mili-
tärdienst entzogen, so könne diesbezüglich nicht von einer begründeten
Furcht vor Verfolgung aus politischen Gründen ausgegangen werden. Der
Zweck der Wehrpflicht bestehe darin, den Staat von inneren und äusseren
Gefahren zu schützen. Die Möglichkeit, in den türkischen Streitkräften zu
dienen, um einen Ausnahmezustand innerhalb des Staates zu bewältigen,
sei daher nicht gleichbedeutend mit einer Verfolgung im Sinne des Geset-
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zes, ebenso wenig wie ein Militärstrafverfahren wegen Nichterfüllung mili-
tärischer Verpflichtungen ein relevanter Grund für die Anerkennung des
Flüchtlingsstatus sei.
Insoweit er vorgebracht habe, dass Kurden derzeit nicht in der Türkei leben
könnten, da sie kein Recht auf Bildung, Unterkunft oder Meinungsfreiheit
hätten, sei darauf hinzuweisen, dass sich dieses Vorbringen auf einen all-
gemeinen Kontext beziehe, der nicht nur ihn persönlich betreffe. Selbst
wenn er behauptet hätte, er sei aufgrund seiner Zugehörigkeit zur kurdi-
schen Minderheit Opfer verschiedener Belästigungen und Diskriminierun-
gen geworden, seien solche Schikanen in der Türkei notorisch. Aus der
Sicht des Asylgesetzes erreichten diese Massnahmen jedoch keine aus-
reichende Intensität, die das Leben im Herkunftsland unmöglich oder un-
haltbar machen würden. Daher sei die allgemeine Situation, mit der die
kurdische Minderheit in der Türkei insgesamt konfrontiert sei, für sich allein
genommen nicht ausreichend für die Anerkennung der Flüchtlingseigen-
schaft. Diese Einschätzung sei trotz Verschlechterung der Menschen-
rechtslage nach dem Putschversuch von 2016, von der auch die Kurden,
insbesondere im Südosten des Landes, betroffen seien, nach wie vor gül-
tig. Mithin erweise sich dieses Vorbringen als nicht asylrelevant.
4.2 In seiner Rechtsmitteleingabe bringt der Beschwerdeführer dagegen
vor, dass er die Gründe für die Ablehnung seines Asylgesuches nicht nach-
vollziehen könne. Er habe in seinem Asylverfahren geschildert, wie die tür-
kischen Behörden gegen ihn vorgegangen seien, gegen ihn ermittelt und
ihn sogar mit dem Tod bedroht hätten. All dies hätten sie aufgrund seiner
Arbeit für eine kurdische Zeitung getan. Daneben habe er auch an vielen
Kundgebungen teilgenommen, wobei er regelmässig von den türkischen
Sicherheitskräften schikaniert und diskriminiert worden sei. 2014 sei er
festgenommen und gezwungen worden als Agent zu arbeiten und seine
Kollegen bei der Zeitung zu bespitzeln. Ihm sei mit dem Tod gedroht wor-
den, wenn er sich weigern würde, diese Aufgabe zu erfüllen. Er habe diese
Aufgabe jedoch nicht erfüllen können, weshalb er sich kurz darauf dazu
gezwungen gesehen habe, nach Südkurdistan zu fliehen. Seither lebe er
insbesondere in der Türkei in ständiger Angst. Er fürchte sich davor, dass
die Drohung bei seiner Rückkehr in die Tat umgesetzt und er ermordet
würde. Mit der vorliegenden Beschwerde reiche er einige Artikel ein, die er
für die Zeitung "J._" geschrieben habe, die inzwischen geschlossen
worden sei. Den Artikeln beziehungsweise den beigelegten Übersetzungen
sei der Inhalt seiner Beiträge zu entnehmen. Er habe pro-kurdische und
regierungskritische Beiträge verfasst, da es ihm wichtig gewesen sei, seine
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Meinung zu den Ungerechtigkeiten gegen Kurden öffentlich mitzuteilen.
Seit den Anhörungen durch das SEM hätten die türkischen Behörden sei-
nen Vater ein weiteres Mal kontaktiert und nach seinem Aufenthaltsort ge-
fragt. Zudem sei seine Schwester kürzlich von den türkischen Sicherheits-
kräften festgenommen worden, weil sie einen regierungskritischen Beitrag
auf Twitter veröffentlicht habe. Seine Familie stehe mithin im Visier der tür-
kischen Behörden. Wenn er zurückkehre, würden letztere das sofort erfah-
ren. Beim Gedanken, zurück in die Türkei kehren zu müssen, habe er To-
desangst. Wegen seines politischen Engagements und seiner politischen
Arbeit sei er bereits mehrfacht mit den türkischen Behörden in Konflikt ge-
raten. Schliesslich habe sich das politische Klima in der Türkei allgemein
verschlechtert und die Gewalt gegen Kurden zugenommen, weshalb er als
Kurde ohnehin bereits generell gefährdet sei.
5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu
Recht abgelehnt hat. Sie hat den Sachverhalt richtig und vollständig abge-
klärt und in rechtsgenüglicher Weise die Gründe angeführt, welche auf die
fehlende Asylrelevanz der Vorbringen schliessen lassen. Zur Vermeidung
von Wiederholungen kann vollumfänglich auf die entsprechenden vo-
rinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden, die weder in rechtlicher
noch in tatsächlicher Hinsicht zu beanstanden sind und denen das Gericht
sich anschliesst (vgl. E. 4.1).
5.2 Die Beschwerde stellt dem nichts Stichhaltiges entgegen, sondern er-
schöpft sich vielmehr in Wiederholungen des aktenkundigen Sachverhal-
tes, womit sie nicht aufzeigt, inwiefern die vorinstanzliche Beweiswürdi-
gung Bundesrecht verletzen oder zu einer fehlerhaften Sachverhaltsfest-
stellung führen soll. Solches ist auch nicht ersichtlich.
Aus den eingereichten Zeitungsartikeln vermag der Beschwerdeführer
nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Zunächst lässt sich nicht verifizieren,
ob die entsprechenden Schriftstücke effektiv durch den Beschwerdeführer
verfasst worden oder auch in der besagten Zeitung erschienen sind. Selbst
wenn dies indessen der Fall sein sollte, vermögen die Artikel nicht zu einer
anderen Einschätzung zu führen. Wie bereits in der angefochtenen Verfü-
gung zutreffend ausgeführt wurde, hat der Beschwerdeführer im Hinblick
auf seine Tätigkeit als freiberuflicher Journalist in der Anhörung selber aus-
geführt, er habe nur sehr wenig geschrieben und es hätte sich um normale
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Artikel gehandelt, die keine besondere Reaktion hervorgerufen hätten. An-
gesichts dessen überzeugt es nicht, dass er daraus nun das (politische)
Profil eines ernstzunehmenden regierungskritischen Journalisten abzulei-
ten versucht.
Insofern der Beschwerdeführer vorgebracht hat, seit seinen Befragungen
sei sein Vater erneut von den türkischen Behörden kontaktiert und nach
seinem Aufenthaltsort gefragt worden beziehungsweise seine Schwester
sei aufgrund eines kritischen Beitrages auf Twitter von den türkischen Si-
cherheitskräften festgenommen worden, handelt es sich um unsubstanzi-
ierte und unbelegte Parteibehauptungen, welche die nötige Begründungs-
dichte vermissen lassen (vgl. BVGE 2014/39 E. 5.3). Zudem genügt, wie
bereits die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung bemerkt hat, der
Umstand, dass ein Asylsuchender von einer Drittperson erfahren haben
soll, gesucht zu werden, nicht für die Annahme einer begründeten Furcht
vor Verfolgung (vgl. WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, Ba-
sel/Frankfurt a.M. 1990, S. 144).
5.3 Zusammenfassend ist nach einer Gesamtwürdigung der Aktenlage
festzuhalten, dass die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgewiesen hat.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
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wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
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Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht
als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg-
weisung sowohl im Sinne der landes- als auch der völkerrechtlichen Best-
immungen zulässig.
7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.5 Gemäss konstanter Praxis und selbst unter Berücksichtigung der Ent-
wicklungen im Nachgang des Putschversuchs vom Juli 2016 ist nicht da-
von auszugehen, dass in der Türkei eine landesweite Situation allgemeiner
Gewalt herrscht. Auch in den vorwiegend von Kurden besiedelten Provin-
zen im Osten und Südosten des Landes ist nicht von einer flächendecken-
den Situation allgemeiner Gewalt oder bürgerkriegsähnlichen Verhältnis-
sen auszugehen. Ausgenommen sind die Provinzen Hakkari und Sirnak;
den Wegweisungsvollzug dorthin erachtet das Bundesverwaltungsgericht
aufgrund einer anhaltenden Situation allgemeiner Gewalt als unzumutbar
(vgl. BVGE 2013/2 E. 9.6). Demnach ist der Vollzug der Wegweisung des
Beschwerdeführers an seinen Herkunftsort (C._, Provinz
C._) oder nach E._ (Provinz E._), wo er zuletzt für
längere Zeit gelebt hat ([...]), als generell zumutbar zu erachten. Der Be-
schwerdeführer ist jung, gesund und alleinstehend ([...]). Er hat das Gym-
nasium bis zur 10. Klasse besucht und in einem (...), einem (...) sowie als
(...) und (...) gearbeitet. Auch ist er für eine Zeitung im (...) und der (...)
tätig gewesen. ([...]). Seine Mutter, sein Vater und seine Geschwister leben
nach wie vor in C._ und der Beschwerdeführer steht mit seiner Fa-
milie und diversen Bekannten in der Heimat immer noch in Kontakt ([...]).
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
7.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
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7.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Das Gesuch um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ist
mit vorliegendem Direktentscheid gegenstandslos geworden. Der Be-
schwerdeführer ersuchte um die Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und um die Einsetzung eines amtlichen
Rechtsbeistandes (aArt. 110a Abs. 1 AsylG). Aus den vorstehenden Erwä-
gungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu gelten haben.
Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gege-
ben, weshalb die Gesuche ungeachtet der ausgewiesenen Mittellosigkeit
abzuweisen sind.
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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D-4954/2020
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