Decision ID: 1822505c-f7b3-55e3-87cd-464d9385e65d
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am (...) in der Schweiz um Asyl nach.
Gemäss Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der "Eurodac"- Datenbank
war er am 7. September 2015 in B._ aufgegriffen worden.
A.b Am 3. November 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Da-
bei führte der aus C._ stammende Beschwerdeführer kurdischer
Volkszugehörigkeit zur Begründung seines Gesuchs an, er habe seit etwa
(Nennung Dauer) eine Beziehung zu seiner in D._ wohnhaften
(Nennung Verwandte) gehabt und mehrmals versucht, sie zu heiraten. De-
ren Vater gehöre der fundamentalistischen (Nennung Partei) an. Er sei in
dessen Augen ein Ungläubiger und ein schlechter Mensch. Eines Tages
habe er seine Verwandten in D._ zu einem Picknick getroffen. Da-
nach habe er seine (Nennung Verwandte) zuhause treffen wollen, sei dabei
jedoch von ihrem Vater erwischt worden, worauf er geflohen sei. Er sei
nach C._ zurückgekehrt und habe sich bei Freunden versteckt. Da-
raufhin seien der Vater und der (Nennung Verwandter) seiner (Nennung
Verwandte) bei seiner Familie erschienen, um ihn zu suchen. In der Folge
sei die Sache eskaliert und er habe einen Freund gebeten, sein Auto zu
verkaufen, um mit dem Geld zu flüchten. Ferner habe er verschiedenen
Organisationen, wie beispielsweise der (Nennung Organisation), angehört.
Diese hätten versucht, die Gesellschaft gegen die islamistischen Gruppen
zu mobilisieren. Zu diesem Zweck hätten sie (Nennung Tätigkeit) durchge-
führt. Er habe in seiner Heimat persönlich keine Probleme mit der Polizei
oder anderen Behörden gehabt. Ferner sei im Jahr (...) ein Brandanschlag
auf das Elternhaus verübt worden, wobei er erheblich verletzt worden sei.
Die Polizei habe den Vorfall untersucht, jedoch nichts über die Täterschaft
herausgefunden.
A.c Mit Verfügung vom 14. Januar 2016 trat das SEM in Anwendung von
Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein und
ordnete die Wegweisung aus der Schweiz nach B._ an. Die gegen
diese Verfügung erhobene Beschwerde wurde mit Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts D-728/2016 vom 26. Juni 2017 gutgeheissen, soweit die
Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung beantragt wurde, und die Sa-
che zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen.
A.d Mit Schreiben vom 7. September 2017 teilte das SEM dem Beschwer-
deführer mit, dass in seinem Fall das Dublin-Verfahren beendet worden sei
und sein Asylgesuch in der Schweiz geprüft werde.
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A.e Am 23. November 2017 wurde der Beschwerdeführer vom SEM zu
seinen Asylgründen angehört. Dabei brachte er in Ergänzung zu seinen
Ausführungen anlässlich der BzP vor, als Kleinkind habe er kurze Zeit in
D._ gelebt, sei aber in C._ aufgewachsen. Er habe mit sei-
ner (Nennung Verwandte) zirka seit dem Jahr (...) eine Beziehung geführt
und in dieser Zeit wiederholt erfolglos um ihre Hand angehalten. Dies des-
halb, weil deren Familie sehr religiös gewesen sei, deren Vater
(E._) der fundamentalistischen (Nennung Partei) angehört und man
ihn insbesondere wegen seiner Aktivitäten für Jugendorganisationen, de-
ren Ziel die Aufklärung der jungen Generation gewesen sei, als Ungläubi-
gen betrachtet habe. Er habe ständig gelesen und seine Bibliothek sei im
Wohnzimmer des Elternhauses gewesen, weshalb auch die Familie seiner
(Nennung Verwandte) seine Meinungen gekannt habe und zum Schluss
gekommen sei, er passe nicht zu ihrer Familie. Bei familiären Sitzungen
sei es deshalb auch immer wieder zu harten verbalen Auseinandersetzun-
gen gekommen. Etwa (Nennung Zeitpunkt) sei er heimlich nach D._
zu seiner (Nennung Verwandte) gereist, da sie ihn am Vortag informiert
habe, dass ihre Familie am nächsten Tag – ohne sie – zu einem Ausflug
aufbrechen werde und sie sich demnach sehen könnten. Nachdem er mit
seiner (Nennung Verwandte) geschlafen habe, sei deren Vater E._
unverhofft ins Haus zurückgekehrt. Dieser habe sie angegriffen respektive
ihn ununterbrochen geschlagen und geohrfeigt, obwohl er ihm wiederholt
gesagt habe, dass er aufhören solle. Schliesslich habe er einen (Nennung
Gegenstand) zu fassen bekommen und E._ auf den Kopf geschla-
gen, worauf dieser zu Boden gefallen sei. Er habe seine Kleider ergriffen
und sei nackt aus dem Haus geflohen, in sein Auto gestiegen und nach
C._ gefahren. Dort habe er sich bei einem Freund versteckt. Am
Abend des gleichen Tages habe ihn seine Mutter angerufen und ihn belei-
digt; im Hintergrund habe er seinen Vater schimpfen gehört. Seine Familie
habe ihm die Rückkehr nach Hause verboten. Auch sein Kollege sei wü-
tend geworden und habe ihn geohrfeigt, als er ihm den Vorfall berichtet
habe. Trotzdem sei ihm sein Kollege danach bei der Organisation seiner
Ausreise (...) behilflich gewesen. E._ sei nach dem Schlag auf den
Kopf ins Spital gebracht worden. Als dieser das Bewusstsein wiedererlangt
gehabt habe, habe ihn E._ zusammen mit dem (Nennung Verwand-
ter) der (Nennung Verwandte) bei seiner Familie gesucht. Nachdem die
Schlichtungsversuche seines Vaters erfolglos geblieben seien, sei er letzt-
lich gezwungen gewesen, den Irak zu verlassen. Nach seiner Ankunft in
der Schweiz habe er erfahren, dass seine (Nennung Verwandte) ein paar
Tage nach seiner Ausreise aus dem Irak angeblich bei (Nennung Ursache)
gestorben sei. E._ habe infolge seiner Kopfverletzung anlässlich
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Seite 4
von Zeitungsinterviews ausgeführt, er sei von einem Dieb angegriffen und
dabei am Kopf verletzt worden. Auf die Frage, weshalb die Tochter respek-
tive seine (Nennung Verwandte) so kurze Zeit nach dem Raubüberfall ge-
storben sei, habe E._ diesen Tod auf eine natürliche Ursache (Nen-
nung Ursache) zurückgeführt. Er sei sich jedoch sicher, dass seine (Nen-
nung Verwandte) durch deren Vater getötet worden sei. Zudem habe
E._ seinen (Nennung Verwandter) telefonisch aufgefordert, seinen
Aufenthaltsort bekanntzugeben. Zudem habe dieser gedroht, ihn überall zu
finden und zur Rechenschaft zu ziehen. Er habe Angst, durch E._
und (Nennung Verwandte) getötet zu werden, weil er deren Ansicht zufolge
die Ehre der Familie beschmutzt habe. In der Schweiz habe er einem (Nen-
nung Person) ein Interview zu seiner heimlichen Liebesbeziehung und den
abgelehnten Heiratsanträgen gegeben. Das Interview sei am (...) in einer
Zeitschrift namens "Facebook" publiziert worden.
Der Beschwerdeführer reichte diverse Beweismittel ein (Aufzählung Be-
weismittel).
B.
Mit Verfügung vom 9. November 2018 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte sein Asylge-
such ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung aus der Schweiz sowie
deren Vollzug an.
C.
Der Beschwerdeführer focht diesen Entscheid mit Beschwerde vom
11. Dezember 2018 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte, es
sei die angefochtene Verfügung vollumfänglich aufzuheben, seine Flücht-
lingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei
die Unzulässigkeit, subeventualiter die Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeven-
tualiter sei die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung sowie
zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrens-
rechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei die unentgeltliche Prozessführung
zu bewilligen, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten
und ihm in der Person seines Rechtsvertreters ein unentgeltlicher Rechts-
beistand zu bestellen.
Der Beschwerde lagen mehrere Unterlagen (Nennung Beweismittel) bei.
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Seite 5
D.
Mit Zwischenverfügung vom 28. Dezember 2018 forderte die Instruktions-
richterin den Beschwerdeführer einerseits auf, bis zum 14. Januar 2019
entweder eine Fürsorgebestätigung nachzureichen oder einen Kostenvor-
schuss in der Höhe von Fr. 750.– zu bezahlen, unter Androhung des Nicht-
eintretens im Unterlassungsfall, und andererseits innert sieben Tagen ab
Erhalt dieser Verfügung einen (Nennung Beweismittel) einzureichen. Fer-
ner hiess sie das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung unter Vorbehalt der rechtzeitigen Nachreichung einer Fürsorgebestä-
tigung gut und verwies für den Entscheid über das Gesuch um Beiordnung
einer unentgeltlichen Rechtsvertretung auf einen Zeitpunkt nach Ablauf der
angesetzten Frist.
E.
Mit Eingabe vom 10. Januar 2019 legte der Beschwerdeführer diverse Un-
terlagen (Aufzählung Unterlagen) ins Recht.
F.
In ihrer Verfügung vom 23. Januar 2019 hiess die Instruktionsrichterin das
Gesuch um Ernennung eines amtlichen Rechtsbeistands gut und ordnete
dem Beschwerdeführer in der Person von Rechtsanwalt Bernhard Jüsi ei-
nen amtlichen Rechtsbeistand bei. Ferner lud sie das SEM ein, bis zum
7. Februar 2019 eine Vernehmlassung einzureichen.
G.
Nach gewährter Fristerstreckung hielt die Vorinstanz in der Vernehmlas-
sung vom 13. Februar 2019 nach einigen ergänzenden Bemerkungen voll-
umfänglich an ihren Erwägungen fest.
H.
Der Beschwerdeführer replizierte – ebenfalls nach einmalige gewährter
Fristerstreckung – mit Eingabe vom 19. März 2019.
I.
Mit Eingabe vom 3. Juli 2019 reichte der Beschwerdeführer ein weiteres
Beweismittel (Nennung Beweismittel) nach.
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Seite 6

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht, die Vorinstanz habe
die von ihm eingereichten Beweismittel willkürlich gewürdigt und das recht-
liche Gehör verletzt. Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prü-
fen, da sie allenfalls geeignet wäre, eine Kassation der vorinstanzlichen
Verfügung zu bewirken.
3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist,
dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-
nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 143 III 65 E. 5.2).
D-7030/2018
Seite 7
Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach die Be-
hörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-
digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-
klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen hat (BVGE 2015/10
E. 3.2 m.w.H.). Die Behörde ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu jedem
Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zu-
sätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie auf-
grund der Aktenlage als angezeigt erscheinen (vgl. dazu AUER/BINDER, in:
Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das
Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Rz. 16 zu Art. 12).
Weiter gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 19 VwVG i.V.m.
Art. 40 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszi-
vilprozess [BZP, SR 273]). Frei ist die Beweiswürdigung darin, dass sie
nicht an bestimmte starre Beweisregeln gebunden ist, welche der Behörde
genau vorschreiben, wie ein gültiger Beweis zustande kommt und welchen
Beweiswert die einzelnen Beweismittel im Verhältnis zueinander haben.
Freie Beweiswürdigung ist aber nicht mit freiem Ermessen zu verwechseln
(vgl. BVGE 2013/34 E. 6.2 mw.H.).
3.3
3.3.1 Zur Rüge einer willkürlichen Würdigung der eingereichten Beweismit-
tel ist festzuhalten, dass sich eine Beweiswürdigung dann als willkürlich
erweist, wenn sie Sinn und Tragweite eines Beweismittels offensichtlich
verkennt, ohne sachlichen Grund ein wichtiges und entscheidwesentliches
Beweismittel unberücksichtigt lässt oder auf der Grundlage der festgestell-
ten Tatsachen unhaltbare Schlussfolgerungen zieht. Allein dass die von der
Vorinstanz gezogenen Schlüsse nicht mit der eigenen Darstellung des Be-
schwerdeführers übereinstimmen, belegt noch keine Willkür (statt vieler:
BGE 140 III 264 E. 2.3). Vorliegend ist keine Willkür feststellbar. Der Be-
schwerdeführer bemängelt zur Hauptsache jeweils eine abweichende Wür-
digung, die nicht unter Aspekten des rechtlichen Gehörs, sondern der Er-
hebung und Würdigung des Sachverhalts zu beurteilen sind. Das SEM hat
sowohl im angefochtenen Entscheid als auch in seiner Vernehmlassung
nachvollziehbar aufgezeigt, weshalb es den ins Recht gelegten Dokumen-
ten die Beweiskraft zum Nachweis der geltend gemachten Verfolgungssi-
tuation abspricht (vgl. act. A38, S. 6; Vernehmlassung Bst. a, S. 1 f.). Dass
die Vorinstanz den in Frage stehenden Beweismitteln nicht das vom Be-
http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/10
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schwerdeführer erwünschte Gewicht beimisst, stellt für sich noch keine Ge-
hörsverletzung respektive willkürliche Beweiswürdigung dar. Auch die Kri-
tik, gemäss welcher die Vorinstanz die ihrer Ansicht nach beschädigte DVD
gewürdigt habe, ohne den Inhalt derselben überhaupt eingesehen zu ha-
ben, stösst ins Leere. So stützte sich das SEM bei ihrer Würdigung zwar
nicht auf die Audio-Datei – welche auf der DVD enthalten sei – jedoch auf
den in der Beschwerdeschrift auf Seite 5 (unter Beilage 3) dargelegten we-
sentlichen Inhalt derselben.
3.3.2 Soweit der Beschwerdeführer ferner sinngemäss eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs vorbringt, weil seine Anhörung mehr als zwei Jahre
nach der BzP stattgefunden habe, weshalb Unstimmigkeiten zwischen die-
sen Befragungen durch das lange Zuwarten der Vorinstanz verursacht wor-
den seien und nicht ihm zur Last gelegt werden dürften, erweist sich diese
Rüge als nicht stichhaltig. So stellt der Zeitraum von rund zwei Jahren zwi-
schen der BzP und Anhörung keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar.
Es ist zwar grundsätzlich wünschenswert, dass dazwischen ein relativ kur-
zer Zeitraum liegt. Allerdings gibt es diesbezüglich keine zwingende, mit
Rechtsfolgen versehene gesetzliche Verpflichtung des SEM. Der Länge
des zwischen Befragung und Anhörung verstrichenen Zeitraums ist indes-
sen bei der Würdigung der Aussagen Rechnung zu tragen.
3.4 Zusammenfassend erweisen sich die formellen Rügen als unbegrün-
det.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen
Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier
verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2012/5 E. 2.2).
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Seite 9
5.
5.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers würden weder den Anforderungen
an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG standhalten.
Dem Beschwerdeführer sei es nicht gelungen, seine Vorbringen substanti-
iert, nachvollziehbar und widerspruchsfrei darzulegen. Dies zeige sich bei-
spielhaft an seinen Aussagen zum Moment, als er zusammen mit seiner
(Nennung Verwandte) von deren Vater erwischt worden sei. Seine diesbe-
züglichen Aussagen seien als stereotyp zu werten und enthielten keine in-
haltlichen Besonderheiten oder Realkennzeichen. Seine Aussagen seien
auch auf weitere Nachfragen hin oberflächlich und unpersönlich geblieben,
ohne besondere Elemente, die von persönlichen Erlebnissen zeugten. So
habe er beispielsweise auf die Frage, wie seine Geliebte auf das Erschei-
nen ihres Vaters reagiert habe, geantwortet, dass sie ebenfalls schockiert
gewesen sei und geweint habe. Sie habe jahrelang keinen sexuellen Kon-
takt gehabt und sei in einer geschlossenen Gesellschaft in D._ als
Frau zu nichts fähig gewesen. Es wären vom Beschwerdeführer jedoch
detailliertere und erlebnisgeprägtere Angaben zu dieser einschneidenden
Situation zu erwarten gewesen. Im gleichen unpersönlichen Stil habe er
auch die weiteren Ereignisse wiedergegeben. Er habe seinen Kollegen an-
gerufen und sei danach zu diesem gegangen. Später habe er einen Anruf
seiner Mutter erhalten, welche ihn zu seiner Überraschung beleidigt habe.
Auch sein Vater und sein (Nennung Verwandter) habe er im Hintergrund
schimpfen gehört und sein Kollege habe ihn ebenfalls beschimpft. In die-
sen Zusammenhang wären substanziierte Angaben zu seinen Gefühlen,
seinen Überlegungen zu Handlungsmöglichkeiten oder zu den Konse-
quenzen für seine (Nennung Verwandte) und seine eigenen Familienange-
hörigen zu erwarten gewesen. Auf Nachfragen hin seien seine Aussagen
jedoch oberflächlich und eindimensional geblieben und enthielten keine
Merkmale von einem effektiv selber erlebten Geschehen. Unsubstanziiert,
widersprüchlich und nicht nachvollziehbar seien sodann die Angaben zur
geltend gemachten jahrelangen heimlichen Beziehung zu seiner (Nennung
Verwandte). So habe er zunächst angeführt, er habe sich vor dem verhäng-
nisvollen Treffen nie mit ihr zu Hause treffen können, sondern vor allem per
SMS Kontakt gehabt. Manchmal habe er sie von weitem mit einem Kopf-
tuch gesehen. Bei gelegentlichen Treffen hätten sie sich höchstens an den
Händen halten können. Im Widerspruch dazu habe er später angegeben,
er habe mit seiner (Nennung Verwandte) nie direkt sprechen können und
sie lediglich einige Male bei seiner (Nennung Verwandte) gesehen, wo er
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aber nur in der Nähe von ihr gesessen sei. Sexuelle Kontakte zu ihr habe
er nie gehabt. An jenem Tag (Nennung Zeitpunkt) sei es einfach spontan
passiert, dass sie zusammen geschlafen hätten. Sie hätten nicht damit ge-
rechnet, dabei erwischt zu werden, und er habe sich glücklich gefühlt, an
diesem Tag bei seiner (Nennung Verwandte) zu sein. Auch in diesem Punkt
hätte eine ausführlichere Schilderung seiner Beziehung erwartet werden
dürfen. Ausserdem sei sein Handeln nicht nachvollziehbar, zumal es eige-
nen Angaben zufolge in islamischen Familien nicht einmal üblich sei, dass
verwandte Frauen und Männer gemeinsam essen würden und eine Frau
in den Augen der Gesellschaft keinen Wert mehr habe, wenn sie ihre Jung-
fräulichkeit verliere. Hätte der Beschwerdeführer effektiv während (Nen-
nung Dauer) eine heimliche Beziehung zu einer Frau aus einer streng kon-
servativen Familie gehabt, wäre zu erwarten gewesen, dass er sich die
Konsequenzen eines sexuellen Kontakts zu ihr sowie des für ihn bestehen-
den Risikos vorgängig gründlich vor Augen geführt hätte. Des Weiteren
habe er sich zum Ende seiner Arbeitstätigkeit widersprüchlich geäussert
und diesen Widerspruch auf Vorhalt nicht plausibel erklären können. Laut
BzP sei er bis (Nennung Zeitpunkt) bei einer Firma erwerbstätig gewesen,
um bei der Anhörung den Zeitpunkt auf (...) respektive auf den Tag des
Vorfalls bei seiner (Nennung Verwandte) zu legen. Da das geltend ge-
machte fluchtauslösende Ereignis seinen Angaben zufolge wenige Tage
vor seiner Ausreise im (Nennung Zeitpunkt) stattgefunden habe, wäre zu
erwarten gewesen, dass er sich genau erinnern könnte, ob er zu jenem
Zeitpunkt noch bei der besagten Firma gearbeitet hätte oder nicht.
Die ins Recht gelegten Beweismittel vermöchten an dieser Einschätzung
nichts zu ändern. So sei das geltend gemachte Verwandtschaftsverhältnis
zwischen ihm und E._ in keiner Weise belegt. Weder das einge-
reichte Interview mit E._ noch das (Nennung Beweismittel) an die-
sen vermöchten seine Ausführungen zu beweisen, zumal sein Name darin
nicht erwähnt werde. Auch in der angeblich von seinem (Nennung Ver-
wandter) eingereichten (...) Anfrage sei kein eindeutiger Zusammenhang
zu ihm oder seinen Schilderungen ersichtlich. Zudem sei sein Name
ebenso wenig erwähnt. Schliesslich vermöge auch die Kopie eines mit ihm
geführten und publizierten Interviews, worin er über seine heimliche Lie-
besbeziehung zu einer (Nennung Verwandte) und die abgelehnten Heirats-
anträge sowie den Tod des Mädchens spreche, seine Vorbringen nicht zu
beweisen, da es sich bei diesen um seine eigenen Angaben handle und
zudem weder der Name seiner (Nennung Verwandte) noch jener von
E._ darin enthalten seien.
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Seite 11
Im Weiteren habe er im Irak wegen seiner Tätigkeiten in den Jugendorga-
nisationen keine persönlichen Probleme gehabt. Seine Befürchtung, we-
gen einer heimlichen Liebesbeziehung zu seiner (Nennung Verwandte)
von E._ und den (Nennung Verwandte) mit dem Tod bedroht zu
werden, habe er nicht glaubhaft machen können. Es sei nicht davon aus-
zugehen, dass er aufgrund des Interviews mit (Nennung Person) im Irak
Nachteile asylrelevanten Ausmasses zu befürchten hätte. Aus den Akten
ergäben sich keine Hinweise, dass das angeblich am (...) in einer Zeitschrift
veröffentlichte einmalige Interview mit ihm einem grösseren Personenkreis
bekannt geworden wäre und er deswegen ernsthafte Nachteile zu befürch-
ten hätte. Solches habe er selber auch nicht geltend gemacht.
5.2 In seiner Beschwerde entgegnete er, das SEM habe den herabgesetz-
ten Beweisanforderungen von Art. 7 AsylG nicht hinreichend Rechnung ge-
tragen. Es vermöge bei einem Vergleich seiner Aussagen zwischen BzP
und der Anhörung nur einen einzigen Widerspruch zu nennen. Bezüglich
des Zeitpunkts der Entlassung sei aber nicht zwischen einer "Entlassung
im formellen Sinn" und "nicht mehr zur Arbeit gehen" unterschieden wor-
den. Er habe seinen Arbeitsplatz nicht mehr aufgesucht und sei erst später
effektiv entlassen worden, weshalb darin kein Widerspruch bestehe. Zu-
dem betreffe dieser kein zentrales Vorbringen, sondern stelle eine reine
Folge der Probleme dar, die zur Flucht geführt hätten. Die Vorinstanz stütze
ihren ablehnenden Entscheid betreffend Glaubhaftmachung einzig auf so-
genannte "Plausibilitätsüberlegungen". Solche Überlegungen dürften je-
doch nur mit Zurückhaltung als Argumente gegen die Glaubhaftmachung
verwendet werden, nämlich nur dann, wenn ein Vorkommnis offensichtlich
zu allgemein bekannten Tatsachen oder zum gesunden Menschenver-
stand in eklatantem Widerspruch stehe. Da er sich auf vielen Ebenen für
die Freiheit der Jugend und die Modernisierung der Gesellschaft eingesetzt
habe, müsse dies im Zusammenhang mit seinem eigenen, durchaus ju-
gendlich naiven Verhalten betrachtet werden. Dass ihn und seine (Nen-
nung Verwandte) während des erstmaligen alleinigen Zusammenseins die
Zuneigung überkommen habe, sei menschlich, aber nicht a priori unglaub-
haft. Die Vorinstanz habe nicht beachtet, dass ihm selbst seine eigene Fa-
milie nach dem Vorfall nicht mehr wohlgesinnt gewesen sei, was plausibel
sei. Unzutreffend sei der Vorhalt, er habe nicht die zu erwartenden Emoti-
onen gezeigt, zumal er an verschiedener Stelle der Anhörung in Tränen
ausgebrochen sei, so bei der Schilderung des Todes seiner (Nennung Ver-
wandte), des Moments, als sie von E._ überrascht worden seien
oder der Reaktionen seiner Familie. Ferner habe er als Realkennzeichen
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Seite 12
zu wertende unerwartete Einzelheiten geäussert, so den (Nennung Gegen-
stand) als Mittel zur Notwehr oder dass er zunächst nackt im Auto geflohen
sei und erst später die Kleider habe anziehen können. Weiter wirke authen-
tisch, wie er zwischen direkt erlebten Dingen und solchen, die er erst später
erfahren habe, unterscheide. Insbesondere könne nicht auf fehlende Plau-
sibilität abgestellt werden, wenn wie vorliegend viele der geltend gemach-
ten Vorbringen mit Beweismitteln belegt worden seien. Unter anderem
handle es sich darunter um ein Interview von ihm, dessen Authentizität von
der Vorinstanz nicht in Zweifel gezogen werden. Dass er dabei seinen Na-
men geändert oder verschwiegen habe, sei angesichts der Bedrohungs-
lage verständlich. Weiter habe sich der Versuch einer Anzeige gegen
E._ gerichtet und deren Text brauche seinen Namen nicht zu ent-
halten, zumal es sich dabei nicht um einen Polizeirapport mit allen Hinter-
gründen handle. Das SEM zweifle an seinen Beweisen mit Hypothesen
zum "erwarteten Verhalten" und nicht mit stichhaltigen Argumenten, ohne
dass eigentliche Fälschungsmerkmale oder ein unglaubhafter Inhalt gel-
tend gemacht würden. Seine in der Schweiz eingebürgerte (Nennung Ver-
wandte) habe einen eigenen Text zu den ihr bekannten Details der Vor-
kommnisse verfasst. Ferner seien seine Aktivitäten für eine freie Jugend
sehr wohl geeignet, eine Gefahr künftiger Verfolgung durch traditionalisti-
sche Kräfte im Irak nach sich zu ziehen, zumal er inzwischen einem brei-
teren Publikum bekannt sei und auch an (Nennung Projekte) mitwirke. Zu-
dem sei er auf Facebook sehr aktiv. Vor allem verkenne die Vorinstanz den
Zusammenhang zwischen seinen Aktivitäten und dem konkreten Verhal-
ten, das dann zu einer Bedrohungssituation geführt habe. Er habe glaub-
haft machen können, im Irak wegen seiner politischen und religiösen Ein-
stellung – so hinsichtlich des nötigen Wandels der Gesellschaft in Angele-
genheiten wie Sexualität und Liebe zwischen jungen Menschen – asylrele-
vant gefährdet zu sein. Er könne vom Staat keinen Schutz erwarten, son-
dern werde – falls es sich bei den Staatsdienern um ultrareligiöse oder ult-
rakonservative Personen handle – selber verfolgt. Es bestehe keine
Schutzalternative, weshalb er insgesamt die Flüchtlingseigenschaft erfülle.
Ferner lägen aufgrund seines Engagements auf Facebook zugunsten sei-
ner gesellschaftlichen Anliegen subjektive Nachfluchtgründe vor.
5.3 In seiner Vernehmlassung führte das SEM an, die mit der Beschwer-
deschrift eingereichten weiteren Beweismittel vermöchten die Glaubhaf-
tigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers nicht zu untermauern. Die
DVD mit der Aufnahme des angeblichen Drohtelefonats des Vaters des ge-
töteten Mädchens habe vom SEM – da sie allenfalls beschädigt sei – nicht
gelesen werden können. Diese Aufnahme sei aber ohnehin nicht geeignet,
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Seite 13
die geltend gemachten Schilderungen zu beweisen. Die Aufnahme des in
der Beschwerdeschrift beschriebenen Gesprächs lasse keine eindeutigen
Rückschlüsse auf die sprechenden Personen, die Umstände des Ge-
sprächs, den Ort und die Zeit zu. Es könne sich daher um ein beliebiges
Gespräch handeln. Ausserdem erstaune, dass er die Aufnahme, welche
ungefähr im (Nennung Zeitpunkt) auf eine DVD gebrannt worden sei, erst
jetzt zu den Akten gereicht habe. Die vollständigen Kopien der Zeitschrif-
ten, deren Auszüge bereits im erstinstanzlichen Verfahren eingereicht wor-
den seien, könnten höchstens für die tatsächliche Publikation der entspre-
chenden Texte sprechen. Da es sich jedoch immer noch lediglich um Ko-
pien der Zeitschriften handle und offen bleibe, weshalb die Originale der
Zeitschriften nicht eingereicht worden seien, sei auch dies nicht belegt. An
der bisherigen Würdigung dieser Texte durch das SEM vermöchten diese
Kopien nichts zu ändern. Das Schreiben der in der Schweiz eingebürgerten
(Nennung Verwandte) des Beschwerdeführers, in welchem sie dessen Vor-
bringen bestätige, sei als Gefälligkeitsschreiben zu beurteilen. Daran än-
dere auch die notarielle Beglaubigung nichts, da diese nicht die Richtigkeit
des Inhalts, sondern lediglich die Echtheit der Unterschrift der Verfasserin
bestätige. Bei den weiteren in Kopie eingereichten Unterlagen (Aufzählung
Beweismittel) sei festzuhalten, dass solche Dokumente im Irak problemlos
unrechtmässig erworben werden könnten, weshalb ihr Beweiswert von
vornherein als äusserst gering eingestuft werden müsse. Da es sich bei
den erwähnten Dokumenten lediglich um Kopien handle, könne deren
Echtheit und Authentizität vom SEM nicht geprüft werden. Zur Anzeige des
Vaters des Beschwerdeführers gegen (Nennung Verwandter) sei zudem
festzuhalten, dass der Beschwerdeführer diese bei der Anhörung mit kei-
nem Wort erwähnt habe, obwohl er ausführlich zur Situation bei seiner Fa-
milie und deren Vorgehensweise nach seiner Ausreise befragt worden sei.
Aufgrund dieses nachgeschobenen Vorbringens seien ernsthafte Zweifel
an der Echtheit dieser Anzeige angebracht. Hinsichtlich der geltend ge-
machten subjektiven Nachfluchtgründe habe der Beschwerdeführer Aus-
züge aus seinem Facebook-Dossier eingereicht, welche belegten, dass er
sich in den sozialen Medien sehr kritisch mit den herrschenden Verhältnis-
sen und der Führung im Nordirak auseinandersetze. Zudem habe er ge-
mäss dem Bestätigungsschreiben in der Schweiz im (Nennung Zeitpunkt)
beim Film (...) mitgewirkt. Zum Vorbringen, er würde deswegen bei einer
Rückkehr in den Irak mit grösster Wahrscheinlichkeit festgenommen und
unter Folter verhört, sei festzuhalten, dass aufgrund der Form, des Inhalts
und der relativ geringen Häufigkeit der geposteten Beiträge auf Facebook
([...] Beiträge im Zeitraum von [...] bis [...], wovon einer ein sogenannter
"Repost" sei), sowie der einmaligen Mitwirkung als [Nennung Tätigkeit] bei
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einer Filmproduktion in der Schweiz (über deren Inhalt keine Angaben ge-
macht worden seien respektive nicht dargelegt werde, inwiefern seine Mit-
wirkung für ihn zu einer Gefährdung führen sollte) nicht davon auszugehen
sei, dass er von den irakischen Behörden als ernsthafte Gefahr wahrge-
nommen würde. Den Akten seien keine Hinweise auf qualifizierte exilpoli-
tische Tätigkeiten zu entnehmen. Zudem bestünden keine Anhaltspunkte
für die Annahme, im Irak wären gegen ihn aufgrund der geltend gemachten
Aktivitäten behördliche Massnahmen eingeleitet worden. Bezüglich der ge-
sundheitlichen Situation sei anzuführen, dass gemäss (Nennung Beweis-
mittel) mit dem Beschwerdeführer nur am (...) ein Gespräch stattgefunden
habe. Der Beschwerdeführer habe damals berichtet, er (Nennung Inhalt).
Aufgrund der Anamnese seien die Symptome einer (Nennung Leiden und
dessen Schwere), diagnostiziert worden. Es sei wegen fehlender Behand-
lungsmöglichkeiten die Anmeldung bei einem niedergelassenen Psychia-
ter empfohlen worden. Da in den Akten keine weiteren Arztberichte vorlie-
gen würden, sei davon auszugehen, dass er sich aktuell nicht in ärztlicher
Behandlung befinde. Eine abschliessende Prüfung des Gesundheitszu-
stands des Beschwerdeführers sei daher nicht möglich. Aufgrund fehlender
aktueller Unterlagen sei aber nicht vom Vorliegen einer schweren Erkran-
kung auszugehen, die zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs füh-
ren würde.
5.4 Mit seiner Replik reichte der Beschwerdeführer eine neuerliche Audio-
Datei, enthaltend das Drohgespräch zwischen E._ und seinem
(Nennung Verwandter), sowie dessen Übersetzung ein. Sodann führte er
an, das Beweismittel sei deshalb relativ spät eingereicht worden, weil er
damals nicht vertreten und dabei gewesen sei, Beweismittel beizubringen,
die er gesamthaft habe einreichen wollen. Jedoch seien auch verspätet
eingereichte Beweise zu würdigen, wenn sie für den Entscheid wesentlich
seien. Bezüglich der eingereichten Zeitschriften sei es als erstellt zu erach-
ten, dass es die Vorinstanz für möglich halte, dass genau die darin enthal-
tenen Artikel, mithin die in Frage stehenden Interviews, publiziert worden
seien. Originale seien nicht in den Archiven vorhanden. Weiter sei die Zeu-
genaussage seiner (Nennung Verwandte) als Beweis für die Glaubhaf-
tigkeit zu würdigen. Es handle sich um Ereignisse der Familie, welche sei-
ner (Nennung Verwandte) eben bekannt seien. Die Beglaubigung ihrer
Aussagen bedeute, dass sie zu diesen auch stehe. Solche Beweise a priori
als Gefälligkeitsschreiben nicht zur Kenntnis zu nehmen, widerspreche ei-
ner sorgfältigen Würdigung der Beweise. Ferner könnten ihm nach seiner
Ausreise entstandene Tatsachen, die er erst später erfahren habe, nicht als
nachgeschoben unterstellt werden. Wären Originale eingereicht worden,
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hätte ihm das SEM zu Recht vorgehalten, solche seien nicht erhältlich. Da-
her sei es logisch und plausibel, dass nur Kopien beigebracht werden kön-
nen. Es sei unhaltbar, ohne eine Abklärung über die Schweizer Vertretung
an den geltend gemachten Vorkommnissen zu zweifeln.
6.
6.1 Die Ausführungen auf Beschwerdeebene und die zu deren Stützung
eingereichten Dokumente sind insgesamt nicht geeignet, die dargelegte
Asylbegründung in ihrer Gesamtheit als glaubhaft gemacht respektive als
asylrelevant erscheinen zu lassen und dadurch zu einer anderen Beurtei-
lung als die Vorinstanz zu gelangen.
6.1.1 Der Beschwerdeführer wendet zunächst ein, der vom SEM einzig
festgestellte Widerspruch zur Dauer seiner Erwerbstätigkeit betreffe kein
zentrales Vorbringen. Zudem sei bezüglich des Zeitpunkts der Entlassung
nicht zwischen einer "Entlassung im formellen Sinn" und "nicht mehr zur
Arbeit gehen" unterschieden worden. Er habe seinen Arbeitsplatz nicht
mehr aufgesucht und sei erst später effektiv entlassen worden, weshalb
darin kein Widerspruch bestehe. Diese Einwände vermögen bereits des-
halb nicht zu überzeugen, da eine Entlassung weder vom Beschwerdefüh-
rer in seiner Anhörung noch vom SEM im angefochtenen Entscheid jemals
thematisiert wurde. Vielmehr ging es um den letzten Arbeitstag. Auch an-
gesichts dessen, dass er auf Vorhalt versuchte, die Diskrepanz in den Aus-
sagen mit einem Fehler seinerseits (infolge Stress) oder einem solchen der
Dolmetscherin zu erklären (vgl. act. A33, F156), ist dies nicht stichhaltig.
Der Beschwerdeführer bestätigte am Schluss der BzP nach Rücküberset-
zung in seiner Muttersprache die Wahrheit und Korrektheit seiner Aussa-
gen mit seiner Unterschrift, weshalb er sich darauf behaften lassen muss.
Zum ersteren Einwand ist sodann anzuführen, dass es gemäss ständiger
Rechtsprechung zulässig ist, Widersprüche für die Beurteilung der Glaub-
haftigkeit heranzuziehen, wenn klare Aussagen im Empfangszentrum –
respektive in der BzP – in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von
den späteren Aussagen in der Anhörung diametral abweichen, oder wenn
bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asyl-
gründe genannt werden, nicht bereits anlässlich der Erstbefragung zumin-
dest ansatzweise erwähnt werden (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer
D-3114/2018 vom 28. Juni 2019 E. 5.1 m.w.H; EMARK 1993 Nr. 3). In der
angefochtenen Verfügung hat sich das SEM nicht in unzulässiger Weise
auf das Protokoll der BzP abgestützt und zu Recht angeführt, dass sich der
Beschwerdeführer im Gegensatz zu der späteren Anhörung zum Ende sei-
ner Arbeitstätigkeit im Irak widersprüchlich geäussert hat (vgl. act. A3, S. 4;
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A33, F44, F117 und F121). Wohl stellte die Aussage des Beschwerdefüh-
rers zum zeitlichen Ende seiner Erwerbstätigkeit für sich alleine betrachtet
– wie vom Beschwerdeführer moniert – noch kein zentrales Vorbringen dar.
Da aber seine Ausführungen zum letztlich fluchtauslösenden Ereignis mit
der Gestaltung seiner Arbeitswoche in einem derart engen zeitlichen und
inhaltlichen Zusammenhang stehen, betreffen die entsprechenden Ausfüh-
rungen zu seiner Arbeitstätigkeit in diesem Kontext durchaus einen we-
sentlichen Punkt seiner Asylbegründung. So brachte er anlässlich der An-
hörung explizit vor, er habe am Tag, als er seine (Nennung Verwandte) in
D._ besucht habe, nicht gearbeitet, da dies sein freier Tag (...) ge-
wesen sei, da er jeweils am (Nennung Tag) nicht gearbeitet habe, weshalb
er habe machen können, was er gewollt habe (vgl. act. A33, F121). Sodann
ist in seinen Aussagen bei einem Vergleich derselben zwischen BzP und
Anhörung ein weiterer gewichtiger Widerspruch auszumachen, so hinsicht-
lich des Tagesablaufs am besagten (Nennung Tag), an welchem er seine
(Nennung Verwandte) getroffen habe. In der BzP führte er dazu aus, er
habe Verwandte in D._ und habe mit diesen ein Picknick gemacht.
Danach habe er seine (Nennung Verwandte) zuhause treffen wollen (vgl.
act. A3, S. 6, Ziff. 7.01). In der Anhörung erwähnte der Beschwerdeführer
ein solches Picknick jedoch nicht, sondern gab an, nach dem Aufstehen
direkt zu seiner (Nennung Verwandte) gefahren zu sein (vgl. act. A33, F122
f.). Auf Vorhalt vermochte er keine plausible Erklärung vorzubringen. So
vermag der pauschale Hinweis, er habe ausführlich darüber sprechen wol-
len, aus Zeitmangel sei ihm aber gesagt worden, er solle sich kurz halten,
nicht zu überzeugen. Auch in der BzP erhielt der Beschwerdeführer die
Möglichkeit, seine in freier Erzählform vorgebrachten Gesuchsgründe zu
ergänzen. Zudem vermag diese Entgegnung die erheblich divergierenden
Aussagen nicht begreiflich zu machen.
6.1.2 Der Beschwerdeführer macht sodann geltend, das SEM stütze sich
in seinem Entscheid betreffend Glaubhaftmachung einzig auf sogenannte
"Plausibilitätsüberlegungen". Das Kriterium der Plausibilität dürfe jedoch
nur sehr zurückhaltend angewendet werden. Dem Beschwerdeführer ist
beizupflichten, dass sich das Bundesverwaltungsgericht beim Kriterium der
Plausibilität von Verfolgungshandlungen eine gewisse Zurückhaltung auf-
erlegt (vgl. Urteil des BVGer D-7912/2006 vom 12. Februar 2018 E. 5.1
m.w.H.). So können beispielsweise bei einer behördlichen Verfolgung über
den Modus Operandi der Behörden und deren Informationsstand in der
Regel nur Mutmassungen angestellt werden (vgl. auch D-5407/2017 vom
24. Februar 2020 E. 5.1.2). Diese Rechtsprechung lässt sich aber auf die
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Beurteilung der Handlungsweise des Beschwerdeführers nicht ohne Wei-
teres übertragen, zumal hier nicht die Plausibilität einer durch staatliche
Behörden verursachten Verfolgungshandlung in Frage steht, sondern die
Nachvollziehbarkeit seiner Handlungsweise mit Blick auf die Konsequen-
zen eines sexuellen Kontakts mit seiner (Nennung Verwandte). Vorliegend
wusste der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge sehr wohl um die
Stigmatisierung von jungen Frauen, die ihre Jungfräulichkeit vor der Ehe
verlieren (vgl. act. A33, F116 und F127), weshalb sein Handeln auch unter
den in der Beschwerdeschrift geschilderten Umständen in der Tat als lo-
gisch nicht nachvollziehbar beziehungsweise als realitätsfern zu erachten
ist. Im Übrigen hat das SEM die Schilderungen des Beschwerdeführers –
entgegen der in der Rechtsmitteleingabe vertretenen Ansicht – gerade
nicht einzig als unplausibel, sondern – nebst widersprüchlich – zu einem
grossen Teil als substanzlos, oberflächlich, unpersönlich und keine Real-
kennzeichen enthaltend bezeichnet.
6.1.3 Die Schilderungen des Beschwerdeführers erweisen sich denn auch
effektiv in den wesentlichen Punkten als stereotyp und unsubstanziiert so-
wie hinsichtlich seiner persönlichen Gefühlslage als kaum Realkennzei-
chen (so insbesondere Detailreichtum der Schilderung, freies assoziatives
Erzählen, Interaktionsschilderung sowie inhaltliche Besonderheiten) ent-
haltend. So seien er und seine (Nennung Verwandte) vom Vater derselben
in flagranti in deren Haus überrascht worden, worauf es zu einer handgreif-
lichen Auseinandersetzung gekommen sei, die zu seiner Flucht geführt
habe. Trotz wiederholter Nachfragen zu den genauen Umständen des
Handlungsablaufs, der Reaktion seiner (Nennung Verwandte) sowie der
nachfolgenden Ereignisse (...) entsteht aufgrund der Schilderungen des
Beschwerdeführers nicht der Eindruck, dass er über einen tatsächlich er-
lebten Sachverhalt berichtet. Der Beschwerdeführer wendet diesbezüglich
ein, er habe durchaus Emotionen gezeigt, zumal er an verschiedener Stelle
der Anhörung in Tränen ausgebrochen sei. Ferner habe er als unerwartete
Einzelheiten den (Nennung Gegenstand) als Mittel zur Notwehr oder seine
Flucht im Auto, in welchem er zunächst nackt losgefahren sei, erwähnt.
Weiter habe er in seinen Ausführungen zwischen direkt erlebten Dingen
und solchen, die er erst später erfahren habe, unterschieden. Diese Ent-
gegnungen vermögen jedoch den spärlichen Gehalt seiner Darlegungen
und die fehlenden Ausführungen zu seinen Gefühlen und Empfindungen
hinsichtlich der fluchtauslösenden Sachverhaltselemente nicht aufzuwie-
gen. Zwar vermochte er zu verschiedenen Punkten einzelne Details und
einige Sätze, welche zwischen ihm und seiner Mutter am Telefon geführt
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Seite 18
worden seien sowie ein paar Wörter, welche E._ anlässlich der Aus-
einandersetzung zu ihm gesagt habe, anzuführen. Dies alleine reicht je-
doch vorliegend nicht, um glaubhaft darzulegen, dass seinen diesbezügli-
chen Asylvorbringen eine genügende inhaltliche Dichte und Erlebnisrele-
vanz zukommt, die auf einen tatsächlich erlebten Sachverhalt hindeuteten.
So könnten sie in ihrer Einfachheit auch von einem am Geschehen unbe-
teiligten Dritten problemlos nacherzählt werden (vgl. act. A33, F88-95, F99-
107, F108-120). Zudem weisen seine Ausführungen kaum Realkennzei-
chen auf, so insbesondere zu Interaktionen sowie inhaltlichen Besonder-
heiten bezüglich der emotionalen Aspekte, zumal er sich seinen eigenen
Angaben zufolge gemäss irakischem Recht strafbar gemacht habe und
gravierende polizeiliche wie familiäre Konsequenzen befürchten musste
(vgl. act. A33, F116). Eine entsprechend gehaltvolle Schilderung wäre je-
doch unter den gegebenen Umständen ohne Weiteres zu erwarten gewe-
sen, handelte es sich um tatsächlich vom Beschwerdeführer erlebte Ereig-
nisse mit einer derartigen Aussenwirkung. So vermochte er ausser dem
Vorbringen, dass er sehr gute Gefühle gehabt habe, sehr zufrieden und
glücklich gewesen sei und sich keine Gedanken über mögliche Konse-
quenzen seines Handelns gemacht habe, da sie nicht damit gerechnet hät-
ten, erwischt zu werden (vgl. act. A33, F126 und F131), beziehungsweise
dass er im Auto vom Wohnort seiner (Nennung Verwandte) wegfahrend
nur den Weg gesehen habe und es wirklich schlimm gewesen sei (vgl. act.
A33, F106), keine weiteren Gefühle zu artikulieren. Zu keiner anderen Ein-
schätzung vermag der Hinweis, er habe anlässlich der Anhörung wieder-
holt geweint, zu führen, zumal die erst bei einer Befragung gezeigten Ge-
fühlsregungen nicht zwangsläufig auf die Glaubhaftigkeit der geschilderten
Sachverhaltselemente schliessen lassen und der Beschwerdeführer ver-
schiedentlich dann weinte, als es nicht um die Frage seiner Gefühle, Über-
legungen und Gedanken während oder nach geschilderten Handlungsab-
läufen ging (vgl. act. A33, F65, F91, F131).
6.1.4 Die vom Beschwerdeführer im Verlaufe des Verfahrens eingereichten
Beweismittel erweisen sich zum Beleg der vorgebrachten Gefährdungssi-
tuation als nicht beweiskräftig. Die Vorinstanz hat im angefochtenen Ent-
scheid in überzeugender Weise aufgezeigt, dass den ins Recht gelegten
Dokumenten keine Anhaltspunkte für eine gegen ihn gerichtete Verfol-
gungssituation entnommen werden können. Vorweg ist festzuhalten, dass
die auf Beschwerdeebene eingereichten Unterlagen überwiegend als Ko-
pien vorliegen, ausser das beglaubigte Schreiben der (Nennung Ver-
wandte) des Beschwerdeführers sowie der Mitschnitt eines Telefonge-
sprächs zwischen seinem (Nennung Verwandter) und E._. Kopien
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von Dokumenten kommt jedoch im Allgemeinen nur geringe Beweiskraft
zu, da eine Überprüfung der Authentizität von Kopien zugrundeliegenden
Originaldokumenten nicht möglich ist und solche Dokumente leicht herge-
stellt oder käuflich erworben werden können. Eine rechtsgenügliche Be-
glaubigung deren Echtheit fehlt. Die in Kopie vorliegenden Beweismittel
sind daher bereits deswegen als wenig beweiskräftig zu qualifizieren.
Hinzu kommt, dass diese Unterlagen zum Teil weitere Ungereimtheiten
enthalten oder sich gegenseitig widersprechen. Zunächst ist festzuhalten,
dass der Beschwerdeführer die vom SEM getroffene Feststellung, dass er
das angeführte Verwandtschaftsverhältnis zum Vater seiner (Nennung Ver-
wandte) (E._) nicht zu belegen vermöge, nicht umzustossen ver-
mag. Soweit er dazu auf die mit Eingabe vom 10. Januar 2019 eingereichte
Anzeige von E._ bei der Polizei verweist, worin er von E._
als (Nennung Ausdruck) bezeichnet werde, ist anzuführen, dass der Inhalt
dieser Anzeige ausschliesslich auf der Parteiaussage von E._ ba-
siert, was noch kein Beleg für das behauptete Verwandtschaftsverhältnis
darstellt. Sodann steht deren Inhalt in teilweisem Widerspruch zu den Aus-
führungen des Beschwerdeführers. So soll die (Nennung Gegenstand) laut
Anzeige im Besucherzimmerfenster gestanden sein, während diese laut
Beschwerdeführer im Flur neben dem Fenster gestanden habe (vgl. act.
A33, F88). Weiter wird in der Anzeige festgehalten, dass der Kläger
(E._) nach dem Schlag bewusstlos geworden sei, der Beschwerde-
führer in seinem am (Nennung Zeitpunkt) publizierten Interview (vgl. Be-
schwerdebeilage 5, Übersetzung S. 4) hingegen anführte, E._ habe
ihn und seine Familie – auch als dieser nach dem erhaltenen Schlag be-
reits am Boden gelegen sei – weiterhin beleidigt. Ein solches Verwandt-
schaftsverhältnis ergibt sich auch nicht aus dem Zeitungsinterview von
E._ (Beschwerdebeilage 5), oder dem beim SEM eingereichten
(Nennung Beweismittel), zumal darin der Name des Beschwerdeführers
nicht erwähnt wird, und auch nicht aus dem bereits erwähnten Interview
mit dem Beschwerdeführer selber, welches ebenfalls keinerlei Namensan-
gaben enthält. Letzteres Interview fusst im Übrigen ausschliesslich auf den
Angaben des Beschwerdeführers, weshalb er daraus für die Glaubhaftma-
chung seiner Angaben nichts zu seinen Gunsten abzuleiten vermag. So-
dann widersprechen sich die Ausführungen von E._ in dessen Zei-
tungsinterview zu der vom Beschwerdeführer vorgebrachten Sachlage er-
heblich wie auch zur Sterbeurkunde der (Nennung Verwandte). So gab
E._ in seinem Interview unter anderem an, er habe bei seiner Rück-
kehr die Haustüre aufgebrochen vorgefunden und der sich noch in der
Wohnung aufhaltende Räuber habe eine Maske getragen, weshalb er den
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Täter nicht erkannt habe. Weiter sei die Tochter im Zeitpunkt des Dieb-
stahls nicht zuhause gewesen und erst zu einem späteren Zeitpunkt durch
(Nennung Grund) umgekommen. Im Todesschein wird jedoch als Todesur-
sache (Nennung Ursache) angegeben. Sodann widerspricht auch die Dar-
stellung in der eingereichten Anzeige des Vaters des Beschwerdeführers
gegen E._, worin E._ gegenüber seinem Vater angegeben
habe, die Tochter (beziehungsweise die [Nennung Verwandte] des Be-
schwerdeführers) habe [Nennung Handlung], den Ausführungen von
E._ in dessen Zeitungsinterview. Bezüglich der Sterbeurkunde fällt
im Weiteren auf, dass das darin aufgeführte Geburtsdatum der (Nennung
Verwandte) (...) mit den wiederholten Ausführungen des Beschwerdefüh-
rers in der Anhörung, wonach sie im Jahr (...) geboren sei, nicht in Über-
einstimmung gebracht werden kann (vgl. act. A33, F153). Aus der Urkunde
kann im Übrigen auch nicht geschlossen werden, dass es sich bei der darin
vermerkten verstorbenen Person tatsächlich um die besagte (Nennung
Verwandte) des Beschwerdeführers handelt. Ferner lässt sich aus der (...)
Anfrage des (Nennung Verwandter) des Beschwerdeführers angesichts
deren allgemeinen Inhalts und der allgemein gehaltenen Auskunft des
(Nennung Person) keine direkte Verbindung zu den Vorbringen des Be-
schwerdeführers herleiten. Sodann ist zum (Nennung Dokument) anzu-
merken, dass die darin aufgeführten gesetzlichen Bestimmungen mit dem
in der Polizeianzeige von E._ gemachten Vorwurf der Vergewalti-
gung keinen Zusammenhang aufweisen respektive andere Straftatbe-
stände betreffen (vgl. Gender Justice & The Law; https://arabstates.un-
fpa.org/sites/default/files/pub-pdf/Iraq%20Country%20Assessment%20-
%20English_0.pdf. (letztmals abgerufen am 04.05.2021) sowie Iraq: Penal
Code [Iraq], No. 111 of 1969, July 1969, available at: https://www.ref-
world.org/docid/452524304.html (letztmals abgerufen am 04.05.2021).
Überdies lässt sich die Ausstellung eines (Nennung Dokument) nicht mit
den Aussagen von E._ in dessen Zeitungsinterview in Einklang
bringen. So gab dieser am Ende des Interviews an, er werde keine Anzeige
bei der Polizei wegen des Überfalls einreichen, da die Polizei deswegen
weder etwas tun könne noch tun wolle; sie werde sich höchstens über die
Anzeige lustig machen. Ferner wurde das beglaubigte Schreiben der (Nen-
nung Verwandte) des Beschwerdeführers offensichtlich allein gestützt auf
die Angaben von anderen Familienangehörigen verfasst und muss daher
als reines Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiswert qualifiziert werden. Da-
ran ändert nichts, dass dieses Schreiben notariell beglaubigt wurde, wird
dadurch – wie die Vorinstanz in zutreffender Weise erwog – nicht die Wahr-
heit des Inhalts, sondern lediglich die Echtheit der Unterschrift der Verfas-
serin bestätigt. Schliesslich ist auch die eingereichte Audio-Datei eines
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Drohgesprächs angeblich zwischen E._ und dem (Nennung Ver-
wandter) des Beschwerdeführers als nicht beweiskräftig zu qualifizieren,
zumal diese Aufnahme respektive die dazu ins Recht gelegte wörtliche
Übersetzung in der Tat keine sicheren Rückschlüsse auf die sprechenden
Personen sowie den Ort und die Zeit des Gesprächs zulassen. Überdies
erscheint befremdlich, dass die mit (Nennung Name) bezeichnete Person
– bei welcher es sich um E._ handeln soll – selber den Vorschlag
macht, dass die als (Nennung Name) dbezeichnete Person die als "Frau"
erwähnte Person heiraten solle, um den Zustand zu beenden, obwohl so-
wohl der Beschwerdeführer als auch seine Eltern wiederholt erfolglos bei
E._ um die Hand dieser "Frau" angehalten hätten (vgl. act. A3, S. 6;
A33, F119, F149, F152).
6.1.5 Angesichts der Darlegungen in den vorangehenden Erwägungen
6.1.1 bis 6.1.4 besteht keine Veranlassung, die vom Beschwerdeführer gel-
tend gemachten Fluchtgründe – wie in seiner Replik beantragt – im Rah-
men einer Abklärung durch die Schweizer Vertretung vor Ort zu überprü-
fen, weshalb der entsprechende Beweisantrag in antizipierter Beweiswür-
digung abzuweisen ist. Entsprechenden Aussagen von Verwandten des
Beschwerdeführers käme, angesichts deren fehlender Objektivität, keine
relevante Beweiskraft zu.
6.2 Nachdem der Beschwerdeführer angab, wegen seines Engagements
im Rahmen von Jugendorganisationen keine Probleme gehabt zu haben
und auch hinsichtlich des am (Nennung Zeitpunkt) publizierten Interviews
keine entsprechenden Befürchtungen geltend machte, ist in Ermangelung
konkreter Entgegnungen auf Beschwerdeebene sowie der oben festge-
stellten Unglaubhaftigkeit seiner Fluchtgründe auf die zu bestätigenden
Ausführungen des SEM im angefochtenen Entscheid zu verweisen (vgl.
act. A38, S. 6 f. Ziff. 2).
6.3 Sodann ist hinsichtlich der exilpolitischen Tätigkeiten des Beschwerde-
führers das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG
zu prüfen.
Wer sich darauf beruft, dass durch ein Verhalten nach der Ausreise aus
dem Heimat- oder Herkunftsland eine Gefährdungssituation geschaffen
worden sei, macht – wie bereits erwähnt – subjektive Nachfluchtgründe
geltend (Art. 54 AsylG). Diese begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft
im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Aus-
schluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht
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Seite 22
missbräuchlich gesetzt wurden (BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.). Entschei-
dend ist, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten der asylsuchenden
Person als staatsfeindlich einstufen und dieser deswegen bei der Rückkehr
in den Heimatstaat eine Verfolgung von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es
bleiben damit die Anforderungen an den Nachweis einer begründeten
Furcht massgeblich (Art. 3 und Art. 7 AsylG).
Der Beschwerdeführer reichte auf Beschwerdeebene einen Auszug seines
Facebook-Profils ein, worin er sich kritisch mit der Regierung im Nordirak
und den dortigen gesellschaftlichen Verhältnissen auseinandersetze bezie-
hungsweise -gesetzt habe. Zudem reichte er eine Bestätigung ein, gemäss
welcher er bei Filmarbeiten in der Schweiz im (Nennung Zeitpunkt) bei
(Nennung Tätigkeit) habe. Aus diesen Unterlagen ist jedoch nicht ersicht-
lich und wird auch nicht präzisiert, welche konkreten Schwierigkeiten oder
Nachteile dem Beschwerdeführer aus diesen Tätigkeiten drohen würden.
Vielmehr ist festzuhalten, dass angesichts des Inhalts und der geringen
Häufigkeit der geposteten Beiträge auf Facebook, die sich auf ein bis zwei
Beiträge pro Jahr beschränken, des letzten aktenkundigen Posts – der vom
(...) datiert – sowie einer einmaligen Mitwirkung bei einem Filmprojekt in
einer Hilfsfunktion, nicht davon auszugehen ist, seine in der Schweiz getä-
tigten Äusserungen auf Facebook oder sein Mittun an einem Filmprojekt
im Jahr (...) hätten ein Ausmass und eine Reichweite erlangt, welche dazu
führen könnten, dass er deswegen bei einer Rückkehr in den Irak gefährdet
wäre beziehungsweise von den irakischen Behörden respektive der Regie-
rung in der KDP-Region deswegen als ernsthafte Bedrohung wahrgenom-
men würde.
6.4 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer somit nicht gelungen,
eine relevante Verfolgungsgefahr im Sinne von Art. 3 respektive Art. 54
AsylG darzutun oder auch nur glaubhaft zu machen. Es erübrigt sich, auf
die weiteren Ausführungen in seinen Eingaben im Einzelnen sowie auf die
übrigen Beweismittel näher einzugehen, da sie an der vorgenommenen
Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. Die Vorinstanz
hat demzufolge zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh-
rers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie. Der Be-
schwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthalts-
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Seite 23
bewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die
Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungs-
vollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts
der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigen-
schaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich
ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24
E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Das flüchtlingsrecht-
liche Refoulement-Verbot schützt nur Personen, welche die Flüchtlingsei-
genschaft erfüllen.
Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich
erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der
in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen-
den Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerde-
führers in den Irak ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht-
mässig.
8.2.2 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu
Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-
gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
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Seite 24
Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten er-
geben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in
den Irak dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK
oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Ge-
mäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Dies ist ihm vorliegend nicht gelungen. Auch die all-
gemeine Menschenrechtssituation in der Herkunftsregion der Beschwer-
deführer lässt den Wegweisungsvollzug im heutigen Zeitpunkt nicht als un-
zulässig erscheinen.
8.2.3 Soweit sich der Beschwerdeführer auf seinen beeinträchtigten (...)
Gesundheitszustand beruft, ist mit Blick auf Art. 3 EMRK festzuhalten, dass
eine zwangsweise Wegweisung von Personen mit gesundheitlichen Prob-
lemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK dar-
stellen kann. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene Per-
son sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und
bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren
Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten
könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des
EGMR). Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwer-
kranke, die durch die Abschiebung – mangels angemessener medizini-
scher Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert wür-
den, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ih-
res Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden
oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde
(vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016,
Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H., und zum Ganzen auch
BVGE 2017 VI/7 E. 6).
Eine solche Situation ist vorliegend offensichtlich nicht gegeben. Der Ge-
sundheitszustand des Beschwerdeführers vermag eine Unzulässigkeit des
Wegweisungsvollzugs im Sinn dieser restriktiven Rechtsprechung nicht zu
rechtfertigen.
8.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
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8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
8.3.1 In seinem Referenzurteil E-3737/2015 vom 14. Dezember 2015
(E. 7.4) bestätigte das Bundesverwaltungsgericht seine in BVGE 2008/5
publizierte Praxis zur Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in
die kurdischen Provinzen im Nordirak. Es hielt dabei Folgendes fest: In den
vier Provinzen des „Kurdistan Regional Government (KRG) – das betref-
fende Gebiet wird seit Anfang 2015 durch die Provinzen Dohuk, Erbil, Su-
leimaniya sowie der von Letzterer abgespalteten Provinz Halabja gebildet
– sei nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83
Abs. 4 AIG auszugehen, und es lägen auch keine konkreten Anhaltspunkte
dafür vor, dass sich dies in absehbarer Zeit massgeblich ändern würde.
Diese Einschätzung hat nach wie vor Gültigkeit. Die langjährige Praxis im
Sinne von BVGE 2008/5 für aus dem KRG-Gebiet stammende Kurdinnen
und Kurden bleibt somit weiterhin anwendbar. Besonderes Gewicht ist dem
Vorliegen begünstigender individueller Faktoren beizumessen (vgl. u.a. Ur-
teile des BVGer E-2855/2018 vom 14. Januar 2019 E. 5.6.1; D-1779/2016
vom 6. Dezember 2018 E. 7.3.2; E-2036/2016 vom 21. November 2018
E. 6.3.1). Die Anordnung des Wegweisungsvollzugs setzt insbesondere
voraus, dass die betreffende Person ursprünglich aus der Region stammt
oder längere Zeit dort gelebt hat und dort über ein soziales Beziehungsnetz
(Familie, Verwandtschaft oder Bekanntenkreis) oder über Beziehungen zu
den herrschenden Parteien verfügt. Andernfalls dürfte eine soziale und
wirtschaftliche Integration in die kurdische Gesellschaft nicht gelingen, da
der Erhalt einer Arbeitsstelle oder von Wohnraum weitgehend von gesell-
schaftlichen und politischen Beziehungen abhängt (vgl. BVGE 2008/5
E. 7.5; ausführlich zudem das Urteil des BVGer E-6430/2016 vom 31. Ja-
nuar 2018 E. 6.4.1 ff., m.w.H.).
8.3.2 Vorliegend sind keine Hinweise ersichtlich, dass der Beschwerdefüh-
rer im Heimatland aus individuellen Gründen einer konkreten Gefährdung
im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG ausgesetzt sein könnte. Der Beschwerde-
führer stammt aus C._ in der gleichnamigen Provinz, Nordirak, wo
er sein ganzes bisheriges Leben verbracht hat. Er verfügt über eine lang-
jährige Schulbildung (...) und mehrjährige Berufserfahrungen (vgl. act. A3,
S. 4; A33, S. 4 ff.). Zudem halten sich in der Herkunftsregion des Be-
schwerdeführers weiterhin diverse Verwandte (Nennung Verwandte) auf,
mit welchen er in Kontakt steht (vgl. act. A33, S. 4 f.), weshalb von einem
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nach wie vor bestehenden tragfähigen Beziehungsnetz auszugehen ist,
welches ihm bei der sozialen und wirtschaftlichen Wiedereingliederung be-
hilflich sein kann. Insgesamt verfügt der Beschwerdeführer über die nöti-
gen Voraussetzungen für den Aufbau einer neuen Existenz, weshalb vom
Vorliegen begünstigender individueller Faktoren auszugehen ist.
8.3.3 Auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen
Gründen ist nach Lehre und konstanter Praxis nur dann zu schliessen,
wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur
Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährden-
den Beeinträchtigung des Gesundheitszustands der betroffenen Person
führen würde. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende me-
dizinische Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer men-
schenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jeden-
falls dann noch nicht vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat eine nicht
dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung
möglich ist (vgl. etwa BVGE 2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 9.3.1 je mit wei-
teren Hinweisen).
Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers lassen
nicht auf eine medizinische Notlage schliessen. Mit Eingabe vom 10. Ja-
nuar 2019 reichte er (Nennung Beweismittel) über eine einmalige Konsul-
tation am (...) ein. Darin wird (Nennung Diagnose und Therapieempfehlun-
gen). Der Beschwerdeführer reichte in der Folge keinerlei weiteren medizi-
nischen Unterlagen ein und sah sich in seiner Replik zur Vernehmlassung
offenbar auch nicht veranlasst, seine gesundheitliche Situation nochmals
zu thematisieren oder auf allfällige Probleme bei der Beschaffung von wei-
teren sachdienlichen Beweismitteln hinzuweisen. Es liegen daher keine
Hinweise vor, dass sich der Beschwerdeführer aktuell in ärztlicher Behand-
lung befindet. Dementsprechend kommt das Gericht zum Schluss, dass
sein (...) Gesundheitszustand nicht derart beeinträchtigt ist, dass von einer
akuten und existenziellen Gesundheitsgefährdung im Sinne von Art. 83
Abs. 4 AIG ausgegangen und der Wegweisungsvollzug demzufolge als un-
zumutbar erachtet werden müsste. Es ist auf die Möglichkeit, individuelle
medizinische Rückkehrhilfe zu beantragen, hinzuweisen (vgl. Art. 93 Abs.
1 Bst. d AsylG). Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers wird im
Übrigen bei der Ausgestaltung der konkreten Vollzugsmodalitäten ange-
messen zu berücksichtigen sein.
8.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
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8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit
Zwischenverfügung vom 28. Dezember 2018 das Gesuch um unentgeltli-
che Prozessführung gutgeheissen. Da sich seine finanzielle Lage seither
nicht in für das Verfahren relevanter Weise verändert hat, sind somit keine
Verfahrenskosten aufzuerlegen.
10.2 Mit Verfügung vom 23. Januar 2019 wurde ausserdem das Gesuch
um amtliche Verbeiständung gutgeheissen (Art. 110a Abs. 1 und 3 AsylG)
und dem Beschwerdeführer sein Rechtsvertreter als Rechtsbeistand be-
stellt. Demnach ist diesem ein amtliches Honorar für seine notwendigen
Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Mit Eingabe vom
19. März 2019 wurde eine Kostennote ins Recht gelegt, wonach sich die
Bemühungen des Rechtsvertreters auf 17.35 Stunden bei einem Stunden-
ansatz von Fr. 300.– belaufen. Zusätzlich werden Auslagen in der Höhe
von Fr. 106.70 aufgeführt. Mit Eingabe vom 3. Juli 2019 reichte er in Er-
gänzung seiner Kostennote eine Kopie der Rechnung für den eingereich-
ten Arztbericht vom 8. Januar 2019, ausmachend Fr. 120.–, ein. Nach Pra-
xis des Bundesverwaltungsgerichts werden amtlich eingesetzte anwaltli-
che Vertreterinnen und Vertreter mit einem Stundensatz von Fr. 200.– bis
220.– entschädigt (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE), worauf der
Rechtsvertreter mit Zwischenverfügung vom 23. Januar 2019 aufmerksam
gemacht wurde. Der Stundenansatz ist entsprechend auf Fr. 220.– herab-
zusetzen. Vorliegend erweist sich der geltend gemachte zeitliche Aufwand
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als angemessen. Unter Berücksichtigung der massgebenden Bemes-
sungsfaktoren ist das Honorar demnach gerundet auf insgesamt Fr. 4355.–
(inkl. sämtlicher Auslagen und MWSt) festzulegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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