Decision ID: a8c249c4-2b8b-42c8-8c81-246ad4b7a188
Year: 2022
Language: de
Court: VS_BZG
Chamber: VS_BZG_999
Canton: VS
Region: Région lémanique
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
in Sachen
W _ und X _ Y _, Berufungskläger,
gegen
INSPEKTORAT DER OBLIGATORISCHEN SCHULZEIT, Herr Z _,
Vorinstanz,
(Diverses)
Berufung gegen den Entscheid vom 23. Mai 2022.
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Sachverhalt
A. A _ Y _ (geboren 2006) und B _ Y _
(geboren 2008) besuchten im Schuljahr 2021/2022 die deutschsprachige Orientierungs-
schule in C _. Mit Schreiben vom 10. Januar 2022 informierte der Schulleiter
die Eltern der Schüler und Schülerinnen über das neue kantonale COVID-19 Sicher-
heitskonzept, welches unter anderem eine Pflicht zum Tragen von Schutzmasken in den
Schulhausinnenräumen für alle Schülerinnen und Schüler ab der 5H vorsah. Die Eltern
X _ Y _ und W _ Y _ wurden in der Folge mehr-
fach von der Schuldirektion und dem Schulinspektorat aufgefordert, die Schulabwesen-
heit ihrer Kinder A _ und B _ vom 11. Januar 2022 bis zum 4. Feb-
ruar 2022 durch gültige ärztliche Atteste/Masken-Atteste zu begründen. Mit Verfügung
vom 12. April 2022 befand der Schulinspektor X _ Y _ und
W _ Y _ der Verletzung von Art. 9 Abs. 1, Art. 12 Abs. 3 und 4 i.V.m.
Art. 16 des Reglements betreffend Urlaube und die im Rahmen der obligatorischen
Schulpflicht anwendbaren Disziplinarmassnahmen vom 14. Juli 2004 (SGS/VS 411.10;
fortan: RUD) für schuldig und verurteilte sie gesamtschuldnerisch zu einer Busse von Fr.
600.--. Der Schulinspektor führte im Wesentlichen aus, die Eltern hätten die Schulabwe-
senheit ihrer Kinder vom 11. Januar 2022 bis zum 4. Februar 2022 nicht durch gültige
ärztliche Atteste begründet.
B. Dagegen reichten X _ Y _ und W _ Y _ am
6. Mai 2022 beim Schulinspektor eine Einsprache ein. Sie machten geltend, ihren
Kindern sei der Zugang zur Schule in rechtswidriger und diskriminierender Weise ver
boten worden, bestritten die ihnen vorgeworfene Reglements-Verletzung und kritisierten
die Rechtsmittelbelehrung als falsch. Mit Einspracheentscheid vom 23. Mai 2022 wies
der Schulinspektor die Einsprache ab und bestätigte die ausgesprochene Busse von
Fr. 600.--.
C. Gegen diesen Entscheid reichten W _ Y _ und X _ Y
_ (fortan Berufungskläger) am 21. Juni 2022 "Beschwerde" (recte: Berufung)
bei der öffentlichrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts ein und stellten folgende
Rechtsbegehren:
"1. Der Einspracheentscheid des Inspektors Z _ vom 23. Mai 2022 sei aufzuheben und die Sache sei von einer unabhängigen Instanz neu zu beurteilen.
2. Inspektor Z _ habe im vorliegenden Fall in den Ausstand zu treten.
3. Inspektor Z _ habe die Kosten von Verfahren und Entscheid zu tragen."
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Die Berufungskläger machten eine unrichtige Anwendung des Rechts sowie eine falsche
Feststellung des rechterheblichen Sachverhalts geltend. Sie brachten vor, ihre Kinder
könnten aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen und würden über ärztliche
Atteste verfügen, welche seit Herbst 2020 mehrmals Klassenlehreinnen, dem Schuldi-
rektor und dem Schulinspektor gezeigt worden seien. Am 10. Januar 2022 hätte der
Schuldirektor A _ mitgeteilt, er und seine Schwester B _ dürften ab
Dienstag 11. Januar 2022 nicht mehr am Unterricht teilnehmen, da sie keine Maske
tragen könnten. Diese Anweisung habe die Familie unter Protest befolgt. Bis zum 11.
Januar 2022 hätten die Kinder aufgrund ihrer ärztlichen Atteste den Schulunterricht fast
eineinhalb Jahre lang ohne Maske besucht, was weder von Lehrpersonen noch vom
Schulleiter oder vom Schulinspektor beanstandet worden sei. Die Anschuldigung, die
Kinder würden über keine ärztlichen Atteste verfügen, seien falsch und unwahr. Die
Berufungskläger brachten weiter vor, sie hätten bereits mehrfach ausgeführt, dass sie
aus persönlichen Gründen die ärztlichen Originalatteste der Kinder nicht noch zusätzlich
in schriftlicher Form abgeben möchten. Sie hätten hierzu keine Rechtsbelehrung mit zu-
gehörigen Gesetzesbestimmungen vom Schulinspektor erhalten. Der Schulinspektor sei
vorliegend Beteiligter, Zeuge, Ankläger, Richter, Beschwerdeinstanz und Beschwerde-
gegner und sage nicht die Wahrheit, weshalb verlangt werde, dass er in den Ausstand
trete.
D. Der Schulinspektor beantragte am 29. Juni 2022 die Abweisung der Berufung, die
Bestätigung des Einspracheentscheids vom 23. Mai 2022 sowie die Tragung der Kosten
von Verfahren und Entscheid durch die Berufungskläger. Er entgegnete, dass die ärztli-
chen Atteste im Original weder dem Schuldirektor noch ihm übermittelt worden seien.
Ihm seien zwei geschwärzte Atteste aus dem Jahr 2020 zugesandt worden, auf denen
weder die Namen der Ärzte noch eine gültige Unterschrift erkennbar gewesen seien. Die
Familie sei darauf hingewiesen worden, dass diese geschwärzten Atteste nicht gültig
seien. Es seien trotz mehrfacher Aufforderung keine gültigen und aktuellen Atteste vor-
gelegt worden, wonach den Kindern weder das Tragen einer Maske noch das Tragen
eines Gesichtsvisiers möglich sei, daher sei die Abwesenheit der Kinder unbegründet
gewesen. Der Schulinspektor führte zudem aus, die Schutzmassnahmen hätten wäh-
rend der Pandemie immer wieder angepasst werden müssen; eine Maskenpflicht habe
entgegen der Darstellung der Berufungskläger nicht immer gegolten. Er habe in Über-
einstimmung mit den gesetzlichen Grundlagen gehandelt und es bestehe für ihn kein
Grund, in den Ausstand zu treten. Er habe kein persönliches Interesse an der Angele-
genheit und habe auch keine persönliche Abneigung zum Ausdruck gebracht.
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E. Die Berufungskläger reichten am 28. Juli 2022 eine Stellungnahme ein und hielten
an ihren Rechtsbegehren fest. Sie erwiderten, die ärztlichen Atteste seien zeitlich nicht
begrenzt und hätten im Herbst 2020 sowie im Herbst 2021 genügt, als die Kinder trotz
Maskenpflicht ohne Masken die Schule besucht hätten. Diese Atteste seien dem Schul-
inspektor an den Sitzungen vom 11. November 2020 und vom 22. April 2021 vorgezeigt
worden. Aus persönlichen Gründen seien die Original-Atteste nicht in schriftlicher Form
abgegeben worden. Andere Atteste seien nicht verlangt worden und es bestehe keine
Pflicht zur schriftlichen Abgabe von ärztlichen Zeugnissen. Es liege sehr wohl ein per-
sönliches Interesse des Schulinspektors vor, da dieser nicht die Wahrheit sage und das
Verfahren nur darauf abziele, seien Ruf zu wahren.
Die Replik der Berufungskläger wurde dem Inspektorat der obligatorischen Schulzeit am
29. Juli 2022 zur Kenntnisnahme zugestellt.

Considerations:
Erwägungen
1. Gemäss Art. 26 RUD kann gegen die im Rahmen des Reglements erfolgten Bussen-
verfügungen "Einsprache und dann Beschwerde gemäss VVRG" erhoben werden. Dies
widerspricht sowohl Art. 34k Abs. 3 des Gesetzes über das Verwaltungsverfahren und
die Verwaltungsrechtspflege vom 6. Oktober 1976 (VVRG; SGS/VS 172.6) als auch Art.
11 Abs. 3 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung vom 11.
Februar 2009 (EGStPO; SGS/VS 312.0): Gemäss Art. 11 Abs. 3 EGStPO erkennt der
Einzelrichter des Kantonsgerichts unter anderem über Berufungen wegen Übertretun-
gen ergangener Urteile und Art. 34k Abs. 3 VVRG spricht unter dem Kapitel Verwal-
tungsstrafrecht ausdrücklich davon, dass der Einspracheentscheid als administrativer
Strafentscheid mittels Berufung bei einem Einzelrichter des Kantonsgerichts angefoch-
ten werden kann. Dasselbe Rechtsmittel sieht ferner Art. 34l VVRG für die Anfechtung
der erstinstanzlichen Entscheide im ordentlichen Administrativstrafverfahren vor. Daher
muss gemäss VVRG, auf welches Art. 26 Urlaubsreglement verweist, wie auch nach
EGStPO, gegen Entscheide im Bereich des Verwaltungsstrafrechts nicht Beschwerde
im Sinne von Art. 41 ff. VVRG, sondern Berufung an den Einzelrichter erhoben werden
(vgl. dazu das Urteil des Kantonsgerichts A3 11 11 vom 29. November 2011 E. 1.3). Der
Einspracheentscheid vom 23. Mai 2022 muss nach dem Gesagten mit Berufung beim
Einzelrichter des Kantonsgerichts angefochten werden. Die vom Schulinspektor im
Einspracheentscheid angegebene Rechtsmittelbelehrung ist daher korrekt.
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1.1 Die Berufungskläger sind als Verurteilte zur Berufung legitimiert (Art. 34m lit. a
VVRG). Die falsche Bezeichnung des Rechtsmittels schadet nicht, sofern bezüglich des
jeweils statthaften Rechtsmittels sämtliche Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt sind (BGE
133 II 396 E. 3.1 mit Hinweis). Die als Beschwerde bezeichnete Eingabe vom 21. Juni
2022 erfüllt die übrigen Prozessvoraussetzungen der Berufung gegen einen administra-
tiven Strafentscheid und ist insbesondere form- und fristgerecht eingereicht worden,
weshalb auf das Rechtsmittel einzutreten ist (Art. 34m VVRG i.V.m. Art. 90 und Art. 91
StPO).
2. Unter Vorbehalt der Bestimmungen von Art. 34m lit. a-f VVRG regelt die StPO das
Berufungsverfahren (Art. 34m VVRG). In der Berufungserklärung ist nach Art. 34m
VVRG i.V.m. Art. 399 Abs. 3 der Schweizerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober
2007 (StPO; SR 312.0) anzugeben, ob das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen an-
gefochten wird, welche Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils verlangt werden und
welche Beweisanträge gestellt werden. Das erstinstanzliche Urteil wird nur in den ange-
fochtenen Punkten überprüft (Art. 34m VVRG i.V.m. Art. 404 Abs. 1 StPO). Das Gericht
kann den angefochtenen Entscheid bestätigen oder mildern (Art. 34m lit. f VVRG), eine
«reformatio in peius» ist in diesem Verfahrensstadium laut Gesetz jedoch unzulässig.
2.1 Bildeten ausschliesslich Übertretungen Gegenstand des erstinstanzlichen Haupt-
verfahrens, so kann mit der Berufung nur geltend gemacht werden, das Urteil sei rechts-
fehlerhaft oder die Feststellung des Sachverhalts sei offensichtlich unrichtig oder beruhe
auf einer Rechtsverletzung. Neue Behauptungen und Beweise können nicht vorgebracht
werden (Art. 34m VVRG i.V.m. Art. 398 Abs. 3 StPO).
2.2 Gemäss Art. 34m lit. e VVRG kann der Richter mit dem Einverständnis des Beru-
fungsklägers ohne Verhandlung und mithin aufgrund der Akten entscheiden. Das Kan-
tonsgericht hat den Berufungsklägern mit Schreiben vom 1. Juli 2022 mitgeteilt, dass
das Gericht ohne ihre ausdrückliche, anderslautende Erklärung bis zum 2. August 2022
davon ausgehe, sie verzichteten auf eine mündliche Berufungsverhandlung. Die Beru-
fungskläger haben sich nicht zur Durchführung einer mündlichen Verhandlung geäus-
sert. Damit haben sie auf die Durchführung einer mündlichen Berufungsverhandlung ver-
zichtet.
3. Die Berufungskläger beantragen als Beweismittel die von ihnen eingereichten Be-
lege. Das Kantonsgericht hat die von den Berufungsklägern hinterlegten Dokumente zu
den Akten genommen und damit dem Beweismittelantrag stattgegeben. Der Schulin-
spektor hat am 29. Juni 2022 die Akten des Verwaltungsstrafverfahrens eingereicht. Die
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vorhandenen Akten enthalten die entscheidrelevanten Sachverhaltselemente und genü-
gen, wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen, zur Beurteilung der rechtserheblichen
Fragen. Deshalb wird auf zusätzliche Beweisabnahmen verzichtet.
4. Die Berufungskläger machen geltend, der Schulinspektor müsse in den Ausstand tre-
ten bzw. hätte in den Ausstand treten müssen, da dieser vorbefasst sei und zudem ein
persönliches Interesse am Ausgang des Verfahrens habe; er habe nicht die Wahrheit
gesagt und nur eine Busse ausgesprochen, um seinen Ruf zu wahren.
4.1 Nach Art. 30 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
vom 18. April 1999 (BV; SR 101) und Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101) hat
jede Person Anspruch darauf, dass ihre Sache von einem unparteiischen, unvoreinge-
nommenen und unbefangenen Richter ohne Einwirken sachfremder Umstände entschie-
den wird. Die Rechtsprechung nimmt Voreingenommenheit und Befangenheit an, wenn
Umstände vorliegen, die bei objektiver Betrachtung geeignet sind, Misstrauen in die Un-
parteilichkeit des Richters zu erwecken. Solche Umstände können namentlich in einem
bestimmten Verhalten des Richters begründet sein. Dabei ist nicht auf das subjektive
Empfinden einer Partei abzustellen. Das Misstrauen in die Unvoreingenommenheit muss
vielmehr in objektiver Weise begründet erscheinen. Es genügt, wenn Umstände vorlie-
gen, die bei objektiver Betrachtung den Anschein der Befangenheit und Voreingenom-
menheit erwecken. Für die Ablehnung ist nicht erforderlich, dass der Richter tatsächlich
befangen ist (BGE 144 I 159 E. 4.3; 141 IV 178 E. 3.2.1, je mit Hinweisen). Für nichtge-
richtliche Behörden kommen Art. 30 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK nicht zur Anwen-
dung, hingegen gewährleistet Art. 29 Abs. 1 BV den Anspruch auf gleiche und gerechte
Behandlung; das Gebot der Unbefangenheit bildet einen Teilgehalt dieses Grundrechts.
Die für Gerichte geltenden Anforderungen an die Unbefangenheit können allerdings
nicht unbesehen auf das Verwaltungsverfahren übertragen werden. Gerade die system-
bedingten Unzulänglichkeiten des verwaltungsinternen Verfahrens haben zur Schaffung
unabhängiger richterlicher Instanzen geführt. Bei Exekutivbehörden ist dabei zu berück-
sichtigen, dass ihr Amt mit einer sachbedingten Kumulation verschiedener, auch politi-
scher Aufgaben einhergeht (BGE 140 I 326 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts
1C_278/2010 vom 31. Januar 2011 E. 2.2).
4.2 Gemäss Art. 10 Abs. 1 lit a und e VVRG treten Personen, die eine Verfügung zu
treffen oder diese vorzubereiten haben, unter anderem in Ausstand, wenn sie in der
Sache ein persönliches Interesse haben oder aus andern Gründen befangen sein könn-
ten.
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4.3 Der Schulinspektor hat den Berufungsklägern das rechtliche Gehör gewährt, wie es
Art. 27 RUD statuiert, bevor er mit Verfügung vom 12. April 2022 gestützt auf Art. 12 und
16 RUD eine Busse ausgesprochen hat (S. 47 und S. 49 f., siehe unten E. 5.5). An-
schliessend hat er ein Einspracheverfahren gemäss VVRG durchgeführt, wie es in Art.
26 RUD vorgesehen ist (vgl. S. 34 ff.): Nach Art. 34k Abs. 1 i.V.m. Art. 34a Abs. 2 VVRG
kann der Beschuldigte gegen den Strafbescheid bei derselben Behörde, die den Ent-
scheid ausgesprochen hat, innert 30 Tagen nach dessen Eröffnung Einsprache erheben.
Im Einspracheentscheid unterzieht die Behörde ihre Verfügung einer neuen, in tatsäch-
licher und rechtlicher Hinsicht freien Prüfung (Art. 34k Abs. 1 i.V.m. Art. 34e Abs. 1
VVRG). Das Vorgehen des Schulinspektors entspricht dem anwendbaren kantonalen
Verfahrensrecht und die Rechtsmittelbelehrung der Bussenverfügung des Schulinspek-
tors vom 12. April 2022 ist korrekt gewesen (vgl. S. 45). Weder die Gewährung des
rechtlichen Gehörs noch die Durchführung des Einspracheverfahrens stellt eine unzu-
lässige Vorbefassung dar. Im Übrigen legen die Berufungskläger nicht substantiiert dar,
inwiefern bzw. in welchem Verfahren der Schulinspektor als Beteiligter, Zeuge, Richter,
Beschwerdeinstanz oder Beschwerdegegner aufgetreten ist.
4.4 Aus den von den Berufungsklägern eingereichten Belegen und aus den Akten des
Schulinspektors gehen keine objektive Umstände hervor, die den Anschein erwecken,
dass der Schulinspektor ein eigenes, persönliches Interesse daran haben könnte, die
Berufungskläger mit einer Busse zu bestrafen und daher persönlich befangen wäre. Die
rein persönlichen Eindrücke der Berufungskläger oder ihre Rüge der falschen Sachver-
haltsfeststellung durch den Schulinspektor sind nicht ausreichend, um eine Ausstands-
pflicht des Schulinspektors zu begründen.
4.5 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wird gestützt auf den auch für die
Privaten geltenden Grundsatz von Treu und Glauben und das Verbot des Rechtsmiss-
brauchs (Art. 5 Abs. 3 BV) verlangt, dass ein echter oder vermeintlicher Organmangel
so früh wie möglich, d.h. nach dessen Kenntnis bei erster Gelegenheit, geltend gemacht
wird. Es verstösst gegen Treu und Glauben, Einwände dieser Art erst im Rechtsmittel-
verfahren vorzubringen, wenn der Mangel schon vorher hätte festgestellt und gerügt
werden können. Wer den Mangel nicht unverzüglich vorbringt, wenn er davon Kenntnis
erhält, sondern sich stillschweigend auf ein Verfahren einlässt, verwirkt den Anspruch
auf spätere Anrufung der vermeintlich verletzten Ausstandsbestimmungen (BGE 132 II
485 E. 4.3 mit Hinweisen).
4.6 Die Berufungskläger haben weder in ihren E-Mail Nachrichten an den Schulinspek-
tor vom 9. März 2022 und vom 18. März 2022 noch in ihrer Einsprache vom 6. Mai 2022
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verlangt, dass der Schulinspektor aufgrund eines persönlichen Interesses oder einer
Vorbefassung in den Ausstand treten solle. Sie legen nicht dar, weshalb sie diese Aus-
standsgründe erst im vorliegenden Berufungsverfahren vorbringen und dies auch nicht
ersichtlich, weshalb das Ausstandsgesuch ohnehin verspätet ist.
5. Das Gericht hat anschliessend zu prüfen, ob die Berufungskläger sich des vorgewor-
fenen strafbaren Verhaltens schuldig gemacht haben.
5.1 Der Schulinspektor legt im angefochtenen Einspracheenetscheid dar, die Busse sei
gestützt auf Art. 12 und 16 RUD verfügt worden. A _ Y _ und
B _ Y _ hätten vom 11. Januar 2022 bis zum 4. Februar 2022 die
Schule nicht besucht. Die Eltern hätten der Schuldirektion für diese Absenzen Arztzeug-
nisse betreffend Maskendispens übermittelt, auf denen Name, Adresse und Unterschrift
des behandelnden Arztes/der behandelnden Ärztin jeweils geschwärzt gewesen seien.
Sie hätten sich geweigert, dem Schulinspektor gültige Arztzeugnisse zuzustellen. Die
Abwesenheit müsse durch gültige Arztzeugnisse begründet werden, ein Glaubhaftma-
chen reiche nicht aus. Die Eltern würden verkennen, dass den Kindern der Zugang zur
Schule nicht verboten worden sei, sondern lediglich mit der Bedingung versehen worden
sei, eine Maske oder alternativ ein Gesichtsvisier zu tragen. Das Bundesgericht habe
bereits vor dem Januar 2022 entschieden, dass die Pflicht zum Tragen einer Maske für
Schüler ab der 5H gerechtfertigt und verhältnismässig sei. Die Abwesenheit von
A _ und B _ sei weder durch gültige Arztzeugnisse noch durch eine
nachvollziehbare Erklärung gerechtfertigt, die Eltern würden keine spezifische gesund-
heitliche Störung angeben, welche ihren Kindern die Verwendung einer Maske
erschwere. Die Schulabwesenheit sei daher als unbegründet zu qualifizieren. Die Eltern
seien ihrer Verantwortung, die Kinder zur Schule zu schicken vom 11. Januar 2022 bis
zum 4. Februar 2022 nicht nachgekommen, weshalb ihre Einsprache abgewiesen werde
und sie gesamtschuldnerisch zu einer Busse von Fr. 600.-- verurteilt würden.
5.2 Die Berufungskläger bestreiten nicht, dass ihre Kinder A _ und
B _ vom 11. Januar 2022 bis zum 4. Februar 2022 die Schule nicht besucht
haben. Sie machen jedoch geltend, diese Schulabwesenheit sei begründet gewesen;
beide Kinder könnten aus medizinischen Gründen keine Maske tragen, wofür sie über
Arztzeugnisse verfügen würden. Der Schulinspektor habe diesbezüglich das Recht nicht
richtig angewandt und den Sachverhalt falsch festgestellt. Sie beantragen damit sinnge-
mäss, vom Vorwurf des Verstosses gegen Art. 12 i.V.m. Art. 16 RUD freigesprochen zu
werden.
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5.3 Gemäss Art. 40 Abs. 1 des Gesetzes über das öffentliche Unterrichtswesen vom 4.
Juli 1962 (GUW; SGS/VS 400.1) sind Eltern, Vormünder oder Drittpersonen, bei denen
sich Kinder aufhalten, verpflichtet, diese zur Schule zu schicken und jede Abwesenheit
vom Unterricht zu begründen (vgl. auch Art. 71a des Gesetzes über die Orientierungs-
schule vom 10. September 2009 [GOS; SGS/VS 411.2] i.V.m. Art. 33 Abs. 1 des Geset-
zes über die Primarschule vom 15. November 2013 [GPS; SGS/VS 411.0]). Die mögli-
chen Massnahmen bei einer Verletzung der schulischen Pflichten oder bei schwerwie-
genden Versäumnissen sowie die Kompetenzen jeder Behörde werden im RUD festge-
legt (Art. 71a GOS i.V.m. Art. 68 GPS). Der Besuch der Schule und aller im Stundenplan
vorgesehenen Unterrichtsstunden ist obligatorisch (Art. 9 Abs. 1 RUD). Nach Art. 11 Abs.
1 RUD kann bei krankheits- oder unfallbedingter Abwesenheit von mehr als drei Tagen
durch die Schuldirektion ein Arztzeugnis verlangt werden. Bei anders motivierten Abwe-
senheiten können andere Belege verlangt werden. Alle ungerechtfertigten Abwesenhei-
ten werden geahndet (Art. 11 Abs. 3 RUD). Art. 12 RUD regelt die Pflichten der Eltern.
Gemäss Art. 12 Abs. 3 RUD sind die Eltern vor allem verpflichtet, ihre Kinder zur Schule
zu schicken. Bei Missachtung dieser Bestimmungen werden die in Artikel 16 RUD vor-
gesehenen Sanktionen angewendet (Art. 12 Abs. 4 RUD).
5.4 In den Akten des Schulinspektors findet sich eine Kopie eines Arztzeugnisses für
A _ Y _ vom 2. November 2020, mit welchem bescheinigt wird, dass
der genannte Patient aus Krankheitsgründen keine Maske jeglicher Art tragen könne
(S. 55). Der Name und die Adresse der das Zeugnis ausstellenden Fachärztin sowie
deren Unterschrift sind unkenntlich gemacht worden. Auch auf der dem Schulinspektor
eingereichten Kopie des Arztzeugnisses für B _ Y _ vom 29. Oktober
2020, wonach diese aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen könne, sind
Name, Adresse und Unterschrift des ausstellenden Arztes/ der ausstellenden Ärztin un-
kenntlich gemacht worden (S. 54). Die Beilagen Nrn. 3 und 4 der Berufungskläger ent-
halten dieselben Arztzeugnisse mit unkenntlich gemachten Namen, Adressen und
Unterschriften der ausstellenden Ärztin/des ausstellenden Arztes (S. 10 f.). Die Beru-
fungskläger merken dazu an, die Arztzeugnisse würden aus persönlichen Gründen nicht
in schriftlicher Originalform abgegeben (vgl. S. 3 und 75 f.).
5.5 Aus den Akten geht hervor, dass die Berufungskläger zuerst vom Schulleiter aufge-
fordert worden sind, die Schulabwesenheit ihrer beiden Kinder vom 11. Januar 2022 bis
zum 4. Februar 2022 durch Arztzeugnisse zu begründen (S. 56 f.). Nachdem sie dem
Schulleiter Arztzeugnisse eingereicht hatten, auf denen jeweils Name, Adresse und Un-
terschrift des Artes/ der Ärztin nicht lesbar sind (vgl. S. 54 f.), sind sie vom Schulinspektor
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aufgefordert worden, gültige Arztzeugnisse einzureichen, auf denen die Angaben zur
Person des behandelnden Arztes ersichtlich sind (S. 52). Die Berufungskläger haben
sich geweigert, dem Schulinspektor diese Arztzeugnisse zu übermitteln (S. 51). Darauf-
hin hat der Schulinspektor die Berufungskläger mit Einschreiben vom 10. März 2022 auf
Art. 40 GUW und Art. 11 RUD hingewiesen und hat erläutert, dass ein blosses Glaub-
haftmachen, dass die Kinder über gültige ärztliche Atteste verfügen würden, nicht aus-
reiche und dass gültige ärztliche Atteste als Beweis vorgelegt werden müssten, um die
Abwesenheit der Kinder zu begründen (S. 49 f.). Er führt im genannten Einschreiben
weiter aus, ein gültiges Arztzeugnis dürfe nicht geschwärzt werden und es müssten die
Angaben des Arztes ersichtlich sein. Anschliessend zitiert der Schulinspektor Art. 12
RUD betreffend die Pflichten der Eltern vollständig und weist die Berufungskläger darauf
hin, dass er gestützt auf Art. 12 Abs. 3 und 4 i.V.m. Art. 16 RUD eine Busse aussprechen
müsse, sollten sich die Berufungskläger weiterhin weigern, die Abwesenheit ihrer Kinder
mit gültigen Arztzeugnissen zu begründen. Er gewährte den Berufungskläger eine Frist
bis zum 18. März 2022 um die gültigen Arztzeugnisse betreffend Maskendispens einzu-
reichen. Die Berufungskläger sind der Aufforderung zur Einreichung der Arztzeugnisse
erneut nicht nachgekommen, worauf der Schulinspektor ihnen eine letzte Frist bis zum
4. April 2022 zur Einreichung der Arztzeugnisse oder zur Abgabe einer schriftlichen Stel-
lungnahme betreffend eine Busse gewährt hat (S. 47 f.). Die Berufungskläger haben
geantwortet, die Arztzeugnisse der Kinder seien den Klassenlehrpersonen vorgezeigt
worden und würden aus persönlichen Gründen nicht zusätzlich schriftlich an den Schu-
linspektor weitergeleitet (S. 46). Der Einwand der Berufungskläger, sie hätten keine
Rechtsbelehrung mit den zugehörigen Gesetzesartikeln vom Schulinspektor erhalten,
wonach sie die Arztzeugnisse der Kinder in schriftlicher Form abgeben müssten, geht
nach dem Gesagten fehl.
5.6 Für Arztzeugnisse zur Schulfähigkeit gelten sinngemäss die inhaltlichen und formel-
len Mindestanforderungen für Arztzeugnisse zur Arbeitsunfähigkeit (Entscheid des Ver-
waltungsgerichts St. Gallen B 2019/242 vom 11. Mai 2020 E. 4.2.4; Urteil des Bundes-
gerichts 2C_522/2020 vom 1. Februar 2021 E. 7 ff.). Der Beweiswert des Arztzeugnisses
unterliegt der freien richterlichen Beweiswürdigung. Kann der Arbeitgeber mit andern
Beweismitteln die Arbeitsunfähigkeit nachweisen, darf die Berufung auf andere taugliche
Beweismittel nicht verwehrt werden (Roland Müller, Arztzeugnisse in arbeitsrechtlichen
Streitigkeiten, AJP 19/2010 S. 167 ff., S. 169).
5.7 Es ist weder nachvollziehbar noch zulässig, die Angaben zur Person des das Zeug-
nis ausstellenden Arztes bzw. der Ärztin zu anonymisieren oder zu schwärzen. Dies
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verunmöglicht die Überprüfung, ob das Arztzeugnis von einem zugelassenen Arzt resp.
einer zugelassenen Ärztin ausgestellt worden war (Urteil des Bundesgerichts
5A_404/2015 vom 27. Juni 2016 E. 4.1). Der Schulinspektor ist daher nicht verpflichtet
gewesen, die von den Berufungsklägern eingereichten Kopien der Arztzeugnisse für
A _ und B _, auf denen jeweils Name, Adresse und Unterschrift der
ausstellenden Ärztin bzw. des ausstellenden Arztes nicht lesbar sind, als Begründung
für die Schulabwesenheit der Kinder zu akzeptieren. Die Berufungskläger bestreiten
nicht, dass sie sich geweigert haben, dem Schulleiter oder dem Schulinspektor Arzt-
zeugnisse einzureichen, auf denen erkennbar ist, welcher Arzt oder welche Ärztin die
Zeugnisse ausgestellt hat (siehe oben E. 5.4). Aus den von den Berufungsklägern im
vorliegenden Verfahren vor Kantonsgericht eingereichten Beilagen geht nichts Anderes
hervor (S. 3 ff.). Die Berufungskläger haben dem Schulleiter oder dem Schulinspektor
neben den Arztzeugnissen mit unkenntlich gemachten Angaben zur Person der
Ärztin/des Arztes keine anderen Beweismittel eingereicht und keine andere Erklärung
für die Schulabwesenheit der Kinder vorgebracht als die nicht näher beschriebenen und
nicht ausreichend bewiesenen medizinischen Gründe. Daher geht auch der Einwand der
Berufungskläger fehl, sie seien in den Jahren 2020 und 2021 nicht zur schriftlichen Ein-
reichung von Arztzeugnissen aufgefordert worden bzw. hätten diese "vorgezeigt": Nach
Art. 11 RUD steht es der Schuldirektion frei, für jede krankheits- oder unfallbedingte Ab-
wesenheit einer Schülerin/ eines Schülers vom Unterricht von mehr als drei Tagen ein
Arztzeugnis zu verlangen. Allfällige frühere Schulabwesenheiten der Kinder oder die in
den Jahren 2020 und 2021 für die Schulen des Kantons Wallis geltenden COVID-19
Sicherheitskonzepte sind nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens.
5.8 Zudem ist anzumerken, dass gemäss dem Schreiben der Schule an die Eltern vom
10. Januar 2022 Schülerinnen und Schüler, welche auf der Grundlage eines ärztlichen
Attests vom Tragen einer gewöhnlichen Maske befreit sind, stattdessen ein Gesichtsvi-
sier hätten tragen können (S. 58). Laut den Arztzeugnissen können die Kinder "aus ge-
sundheitlichen Gründen keine Maske" bzw. "aus Krankheitsgründen keine Maske jegli-
cher Art" tragen; dass die Kinder auch kein Gesichtsvisier tragen können, geht aus die-
sen Formulierungen nicht hervor (S. 54 f.). In den an die Schulleitung und den Schulin-
spektor gerichteten Nachrichten und Schreiben der Berufungskläger und in ihren im vor-
liegenden Verfahren eingereichten Rechtsschriften und Beilagen findet sich keine
Begründung, weshalb A _ und B _ vom 11. Januar 2022 bis zum
4. Februar 2022 nicht mit einem Gesichtsvisier am Schulunterricht teilgenommen haben.
Soweit die Berufungskläger in Ziffer III ihrer Replik geltend machen wollen, dass das
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kantonale COVID-19 Sicherheitskonzept der Schulen vom 10. Januar 2022 verfas-
sungswidrig gewesen sei, kann auf das Urteil des Kantonsgerichts A1 22 25 vom
27. Oktober 2022 verwiesen werden.
5.9 Nach dem Gesagten liegt dem angefochtenen Einspracheentscheid des Schulin-
spektors weder eine fehlerhafte Rechtsanwendung noch eine falsche Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts zu Grunde. Indem die Berufungskläger ihre Kinder
A _ und B _ vom 11. Januar 2022 bis zum 4. Februar 2022 nicht zur
Schule geschickt und sich geweigert haben, die Absenzen durch Arztzeugnisse zu be-
gründen, auf denen die Angaben zur Person des das Zeugnis ausstellenden Arztes bzw.
der Ärztin lesbar sind, haben sie vorsätzlich ihre Pflichten gemäss Art. 12 Abs. 3 RUD
verletzt. Es sind keine Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe ersichtlich, daher
können die Berufungskläger gemäss Art. 12 Abs. 4 RUD mit den in Art. 16 RUD vorge-
sehenen Sanktionen bestraft werden.
6. Gemäss Art. 16 Abs. 1 RUD spricht der Schulinspektor gegen fehlbare Eltern Bussen
von Fr. 400.-- bis Fr. 1 000 Franken aus. Die Eltern sind gemäss Art. 16 Abs. 2 RUD
Gesamtschuldner der von den zuständigen Behörden gegen sie ausgesprochenen Bus-
sen. Die gegen die Berufungskläger ausgesprochene Busse in der Höhe von Fr. 600.--
liegt im unteren Bereich des gesetzlichen Strafrahmens. Die Berufungskläger machen
weder geltend, dass die Busse aufgrund ihrer persönlichen Verhältnisse unangemessen
hoch sei oder ihrem Verschulden nicht entspreche noch beanstanden sie die in Art. 16
Abs. 2 RUD statuierte Solidarität; die Höhe der Busse erscheint insbesondere angesichts
der ungerechtfertigten Schulabwesenheit der beiden Kinder von fast vier Wochen auch
nicht offensichtlich unverhältnismässig (Art. 47, 104 und 106 des Schweizerischen Straf-
gesetzbuches vom 21. Dezember 1937 [StGB; SR 311.0]; Art. 74 des Einführungsge-
setzes zum Strafgesetzbuch vom 12. Mai 2016 [EGStGB; SGS/VS 311.1]; Art. 296 Abs.
2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 [ZGB; SR 210]). Das
Kantonsgericht hat daher nicht mehr über die Rechtmässigkeit der Höhe der Busse zu
befinden und kann diese bestätigen (Art. 34m VVRG i.V.m. Art. 404 Abs. 1 StPO; Urteile
des Kantonsgerichts A3 17 24 vom 14. August 2018 S. 4; A3 16 24 vom 22. Januar 2018
E. 7.6; A3 11 11 vom 29. November 2011 E. 6.2).
7. Die Berufung wird nach dem Gesagten vollumfänglich abgewiesen. Es bleibt über die
Kosten zu befinden.
7.1 Gemäss Art. 1 Abs. 2 lit. c betreffend den Tarif der Kosten und Entschädigungen vor
Gerichts- oder Verwaltungsbehörden vom 11. Februar 2009 (GTar; SGS/VS 173.8) ist
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die Umschreibung der Kosten und Parteientschädigungen, die Kostentragung, die
Verteilung, die Stundung und der Erlass, die Kostenvorschüsse, die Sicherheitsleistung,
der Kostenentscheid und das Rechtsmittel in Strafsachen des Bundes und in kantonalen
Strafsachen grundsätzlich in der StPO geregelt. Ohne gegenteilige Bestimmung ist die
Strafprozessordnung, welche die Verfolgung und die Beurteilung der Bundesrechtsüber-
tretungen regelt, analog auf die kantonalen Übertretungen anwendbar (Art. 2 und Art. 11
Abs. 3 EGStPO).
7.2 Nach Art. 34m VVRG i.V.m. Art. 422 Abs. 1 StPO setzen sich die Verfahrenskosten
im Berufungsverfahren aus den Gebühren zur Deckung des Aufwands und den Ausla-
gen im konkreten Straffall zusammen. Unter Hinweis auf Art. 422 Abs. 2 StPO sind Aus-
gaben namentlich Kosten für die amtliche Verteidigung und unentgeltliche Verbeistän-
dung, Kosten für Übersetzungen, Kosten für Gutachten, Kosten für die Mitwirkung ande-
rer Behörden und Post-, Telefon- und ähnliche Spesen. Gemäss Art. 424 Abs. 1 StPO
regeln Bund und Kantone die Berechnung der Verfahrenskosten und legen die Gebüh-
ren fest. Die Gerichtsgebühr für das Berufungs- oder Revisionsverfahren vor dem Kan-
tonsgericht beträgt in der Regel zwischen Fr. 380.-- und Fr. 6 000.-- (Art. 22 lit. f GTar).
Die Akten waren nicht umfangreich und die Berufung fiel in die Zuständigkeit des Einzel-
richters. Somit rechtfertigt es sich, die Gerichtsgebühr auf Fr. 1 200.-- festzulegen. Die
Gerichtskosten des Berufungsverfahrens sind gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO und dem
Ausgang des Verfahrens von den Berufungsklägern unter solidarischer Haftbarkeit zu
tragen.
7.3 Das Kantonsgericht hat den Anspruch einer beschuldigten Person auf Parteient-
schädigung oder Genugtuung von Amtes wegen zu prüfen (Art. 34m VVRG i.V.m.
Art. 436 Abs. 1 und Art. 429 Abs. 2 StPO). Da die Berufungskläger unterliegen, haben
sie keinen Anspruch auf Parteientschädigung oder Genugtuung (Art. 429 Abs. 1 lit. a
und c StPO e contrario). Die StPO sieht keine Bestimmung vor, welche für die Behörden,
die obsiegen, eine Parteientschädigung vorsehen (vgl. auch Art. 91 Abs. 3 VVRG). Es
wird weder den Berufungsklägern noch dem Inspektorat der obligatorischen Schulzeit
eine Parteientschädigung zugesprochen.