Decision ID: 640852c9-3968-449e-bfa8-4d798ae09210
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964, war seit Mai 2020 als Maler und Gipser bei der
Y._
GmbH angestellt und über diese bei der Suva gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als er am 1
5.
J
un
i 2021
im Trep
penhaus ausrutschte und sich dabei eine Rippenfraktur zuzog (
Urk.
7/1,
Urk.
7/6
,
Urk.
7/20,
Urk.
7/25-27,
Urk.
7/32
)
.
Die Suva erbrachte für die Folgen des Ereig
nisses vom 1
5.
Juni
2021 die gesetzlichen Versi
cherungsleistungen
(vgl. Urk.
7
/
10
).
Mit Verfügung vom 1
8.
Januar 2022 (
Urk.
7/59) stellte die Suva ihre Versiche
rungsleistungen per 2
0.
Dezember 2021 ein.
Die vom zuständigen Krankenversi
cherer vorsorglich erhobene Einsprache (
Urk.
7/63) wurde am
4.
März 2022 wieder zurückgezogen (
Urk.
7/75).
Auf die am 2
3.
Februar 2022 vom Versicherten erhobene Einsprache (
Urk.
7/68) trat die Suva
mit Einspracheentscheid vom
1.
März 2022 nicht ein (
Urk.
7/74 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
4.
April 2022 Beschwerde gegen den Einspracheent
scheid vom
1.
März 2022 (
Urk.
2)
und beantragte, dieser sei aufzuheben
,
und der Fall sei an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und diese zu verpflichten
,
auf die Einsprache vom 2
6.
Januar 2022 einzutreten (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1 und 2).
Es sei ihm eine angemessene Nachfrist zur Einreichung einer formell korrekten Ergänzung der Einsprache zu gewähren (S. 1
Ziff.
3).
Die Suva beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
4.
Mai 2022 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde.
Dies wurde dem Beschwerdeführer am
25
.
Mai
2022 zur Kenntnis gebracht (Urk.
8
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) kann gegen Verfügungen innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden; davon ausgenommen sind prozess- und verfahrensleitende Verfügungen.
Eine gesetzliche Frist kann nicht erstreckt werden (Art. 40 Abs. 1 ATSG).
Berechnet sich eine Frist nach Tagen oder Monaten und bedarf sie der Mitteilung an die Parteien, so beginnt sie am Tag nach ihrer Mitteilung zu laufen (Art. 38 Abs. 1 ATSG). Ist der letzte Tag der Frist ein Samstag, ein Sonntag oder ein vom
Bundesrecht oder vom kantonalen Recht anerkannter Feiertag, so endet sie am nächstfolgenden Werktag (Art. 38 Abs. 3 Satz 1 ATSG). Gesetzliche oder behörd
liche F
r
isten, die nach Tagen oder Monaten bestimmt sind, stehen still (Art. 38 Abs. 4 ATSG):
a.
vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern;
b.
vom 15. Juli bis und mit dem 15. August;
c.
vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar.
1.2
Einsprachen müssen ein Rechtsbegehren und eine Begründung e
nth
alten (Art. 10 Abs. 1 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSV). Genügt die Einsprache den Anforderungen nach Abs. 1 nicht oder fehlt die Unterschrift, so setzt der Versicherer eine angemessene Frist zur Behebung der Mängel an und verbindet damit die Androhung, dass sonst auf die Einsprache nicht eingetreten wird (Art. 10 Abs. 5 ATSV).
1.3
Ist die gesuchstellende Person oder ihre Vertretung unverschuldeterweise abge
halten worden, binnen Frist zu handeln, so wird diese wiederhergestellt, sofern sie unter Angabe des Grundes innert 30 Tagen nach Wegfall des Hindernisses darum ersucht und die versäumte Rechtshandlung nachholt (Art. 41 ATSG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid (Urk. 2) fest, die Ver
fügung vom 1
8.
Januar 2022 sei dem Beschwerdeführer am 2
0.
Januar 2022 zugestellt worden, womit die Einsprachefrist am 2
1.
Februar 2022 effektiv abgelaufen sei. Die am 2
3.
Februar
2022 verfasste Einsprache sei somit verspätet erfolgt.
Die Verfügung sei am selbigen Tag auch der Arbeitgeberin des Beschwer
deführers zugestellt worden. Diese habe sich am 2
6.
Januar 2022 per E-Mail gemeldet und um Erklärungen zur Ermittlung des ausgerichteten Taggeldes betreffend prozentuale Höhe und zeitliche Dauer gebeten. Ein Anfechtungswille, also die Absicht, in eigenem Name
n
oder namens des Arbeitnehmers Einsprache erheben zu wollen, sei dieser E-Mail nicht zu entnehmen.
Mit E-Mail vom
3.
Februar 2022 sei der Eingang der vorgenannten Anfrage bestätigt worden
,
und es sei bestätigt worden, dass diese Fragen abgeklärt würden. Am
7.
Februar 2022 sei die Arbeitgeberin kontaktiert worden
,
und es seien die masslichen und zeit
lichen Grundlagen der bisherigen Taggeldabrechnungen erklärt worden, soweit dies aufgrund von datenschutzrechtlichen Einschränkungen möglich gewesen sei.
Anlässlich dieses Telefonats sei explizit nochmals darauf hingewiesen worden, dass der Beschwerdeführer Einsprache erheben möge, sollte er die Verfügung vom
1
8.
Januar 2022 nicht akzeptieren können (S. 3).
Vom Wortlaut her exakt dieselbe Anfrage wie diejenige der Arbeitgeberin vom 2
6.
Januar 2022 habe sodann auch der Beschwerdeführer am
8.
Februar 2022 nochmals per E-Mail und als Erinne
rung am 1
4.
Februar 2022 geschickt.
Im
direkte
n
Kontakt zum Beschwerdeführer sei mit E-Mail vom 1
8.
Februar 2022 auch an die Beurteilung des Kreisarztes sowie die Ausführungen in der erlassenen Verfügung erinnert worden und dabei erneut expressis verbis darauf hingewiesen worden, dass die Krankenkasse ihrer
seits bereits vorsorglich Einsprache erhoben habe. Keiner dieser aktenkundigen Kontaktaufnahmen des Beschwerdeführers sei auch nur ansatzweise ein Anfech
tungswille, die Absicht, Einsprache erheben zu wollen, zu entnehmen
, geschweige denn ein Antrag oder eine sachbezogene Begründung
. Dies
nota
bene
obwohl der Beschwerdeführer innert Frist noch daran erinnert worden sei, man möge Einsprache erheben, sollte man mit der Verfügung vom 1
8.
Januar 2022 nicht einverstanden sein
(S.
3 f.
4
)
.
2.2
Der Beschwerdeführer brachte
hiegegen
vor (
Urk.
1),
mit der Antwort-E-Mail der Beschwerdegegnerin vom
3.
Februar 2022 und den Worten «um Ihnen unseren Entscheid mitzuteilen» habe er darauf vertrauen dürfen, dass er rechtzeitig Ein
sprache erhoben habe und einen Einspracheentscheid erhalten werde (S. 6).
Auch aus der Formulierung
der Beschwerdegegnerin, dass seine Krankenkasse bereits vorsorglich Einsprache erhoben habe und «so lange das
Einspracheverfahren
offen ist, werden die Leistungen gemäss Verfügung vom 1
8.
Januar 2022 ausge
richtet»
habe
ein
Laie darauf vertrauen dürfen, dass rechtzeitig
Einsprache erhoben worden sei
(S. 7)
.
Er habe entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin
sowohl mündlich als auch mehrfach schriftlich innert Frist
seinen
Anfechtungs
willen kundgetan
(S. 7 f.)
.
Zusammenfassend habe die Beschwerdegegnerin m
it den Worten in der E-Mail vom
3.
Februar 20
22
bestätigt,
dass sie die Einsprache vom 2
6.
Januar 20
22 behandeln werde, andernfalls hätte sie
ihn
gestützt auf die Aufklär
ungspflicht gemäss
Art.
27 ATSG
darauf
hinweisen müssen, dass die Ein
sprache vom 2
6.
Januar 20
22 den formellen Anforderungen nicht genüge
(S. 9)
.
D
ie Telefonnotiz vom
7.
Februar 20
22 sei nicht verwertbar, da der Betriebsinhaber
Z._
über keine Vollmach
t von ihm
verfüge
(S. 10)
.
Die
elektronischen Eingaben
des Beschwerdeführers
seien allesamt mehrere Tage vor Fristenablauf erfolgt, weshalb die Möglichkeit bestanden hätte, die Formfehler vor Fristenablauf noch rechtzeitig zu beheben.
Die
B
eschwerdegegnerin
habe
ihn
nie auf die Formfehler aufmerksam gemacht, im Gegenteil
habe sie ihm
am
3.
Februar 20
22
noch
einen neuen Entscheid zugesichert.
Die
B
eschwerde
-
gegnerin
verhalte sich rechtsmissbräuchlich
, wenn sie nun behaupte, es habe nicht ansatzweise ein Anfechtungswille bestanden (S. 11)
.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin
zu Recht nicht
auf die E
insprache des Beschwerdeführers
eingetreten ist.
3.
3.1
Einer in d
en A
kten
liegenden T
elefonnotiz
einer Sachbearbeiterin der B
eschwer
degegnerin bezüglich eines Gesprächs
zwischen
ihr und
dem Beschwerdeführer vom 1
8.
Januar 2022
ist
zu entnehmen (
Urk.
7/53),
dass
sich
dieser
erkundig
t hab
e, wann die weiteren Taggeldleistungen entrichtet würden. Dem Beschwerde
führer sei mitgeteilt worden, dass der Bericht der
A._
eingetroffen sei
,
und gemäss Beurteilung sei die aktuelle volle Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Rückenproblematik attestiert. Da diese Beschwerden nicht durch den Unfall verursacht worden seien, könne
d
ie
Beschwerdegegnerin
dafür keine Versicherungs
leistungen erbringen. Das Taggeld werde noch bis zum 2
0.
Dezember 2021 bezahlt und danach eingestellt. Der Beschwerdeführer sei damit nicht einverstanden
gewesen
. Er habe
ausgeführt,
früher nie Rückenprob
leme gehabt
zu haben.
D
afür sei der Unfall vom 1
5.
Juni 2021 verantwortlich.
Der Beschwerdeführer sei informiert worden, dass eine detaillierte schriftliche Stellungnahme erfolgen werde
,
und er die Möglichkeit habe
,
Einsprache zu erheben.
3.2
Die Verfügung vom 1
8.
Januar 2022 (
Urk.
7/59), mit welcher die Beschwerdegeg
nerin die bisher erbrachten Leistungen per 2
0.
Dezember 2021 einstellte und fest
hielt
, dass die Beschwerden im Rückenbereich nicht mit überwiegender Wahr
-
scheinlichkeit
in ursächlichem Zusammenhang mit dem Unfall vom 1
5.
Juni 2021 stünden, wurde dem Beschwerdeführer
unbestrittenermassen
am
2
0.
J
anuar 2022 zugestellt.
Die Einsprachefrist begann demnach am 2
1.
Januar 202
2
zu laufen
. Da der letzte Tag auf einen Samstag fiel (1
9.
Februar 2022), endete die Frist gemäss
Art.
38
Abs.
3 Satz 1 ATSG am 2
1.
Februar 202
2.
3.3
Die Beschwerdegegnerin informierte die Arbeitgeberin des Beschwerdeführers
(die
Y._
GmbH wird vom Sohn des Beschwerdeführers geführt)
mit
S
chreiben vom 1
8.
Januar 2022 (
Urk.
7/58) ebenfalls darüber, dass der An
spruch auf Versicherungsleistungen per 2
0.
Dezember 2021 ende. Aus Datenschutzgründen dürften keine näheren Angaben bekannt gegeben werden. Bei Fragen solle sie sich direkt an den Beschwerdeführer wenden.
Der Sohn des Beschwerdeführers, der gleichzeitig Betriebsinhaber der
Arbeitge
berin des Beschwerdeführers
ist,
meldete sich
in der Folge
m
it E-Mail vom 2
6.
Januar 2022 (
Urk.
7/60)
bei der Beschwerdegegnerin und bat um eine Erklä
rung zur Ermittlung des ausgerichteten Taggeldes im Dezember in prozentualer
Höhe und zeitlicher Dauer sowie
um Mitteilung der Entscheidungsgrundlage, weshalb die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers trotz ärztlichem Zeugnis nicht mehr akzeptiert werde.
Mit E-Mail vom
3.
Februar 2022 (
Urk.
7/62) bestätigte die Beschwerdegegnerin den Eingang der Anfrage und führte aus, sie werde den Fall erneut überprüfen und sich nach erfolgter Abklärung melden, um den Entscheid mitzuteilen.
Der Telefonnotiz vom
7.
Februar 2022 (
Urk.
7/64) kann entnommen werden, dass die
Sachbearbeiterin der
Beschwerdegegnerin
den Sohn beziehungsweise
die A
r
beit
geberin des Beschwerdeführers dahingehend informierte, es könnten aus Datenschutzgründen keine näheren Angaben über die Gründe der Einstellung der Taggelder per 2
0.
Dezember 2021 gemacht werden.
Sein V
ater sei ausführlich über die Gründe der Leistungseinstellung informiert worden
,
und dieser könne dagegen Einsprache erheben, sollte er mit dem Entscheid nicht einverstanden sein. Der Sohn des Beschwerdeführers
habe
dies so zur Kenntnis
genommen
.
3.4
Mit E-Mail vom
8.
Februar 2022 (
Urk.
7/66)
ersuchte der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin
(mit demselben Wortlaut wie die Arbeitgeberin mit E-Mail vom 2
6.
Januar 2022;
Urk.
7/60)
um Erklärung
zur Ermittlung des ausgerichteten Taggeldes im Dezember in prozentualer Höhe und zeitlicher Dauer sowie um Mit
teilung der Entscheidungsgrundlage, weshalb seine Arbeitsunfähigkeit trotz ärztlichem Zeugnis nicht mehr akzeptiert werde.
Mit E-Mail vom 1
4.
Februar 2022 (
Urk.
7/66) schickte der Beschwerdeführer eine Erinnerung an die Beschwerdegegnerin, wonach er noch keine Rückmeldung er
halten habe. Er habe ebenfalls versucht, sie telefonisch zu erreichen, jedoch ohne Erfolg.
Mit E-Mail vom 1
8.
Februar 2022 (
Urk.
7/67)
beantwortete die Beschwerdegeg
nerin die Anfrage des Beschwerdeführers damit, dass die Leistungen aufgrund der Beurteilung des Kreisarztes eingestellt worden seien. Eine ausführliche Stellung
nahme sei ihm mittels Verfügung vom 1
8.
Januar 2022 zugestellt worden. Seine Krankenkasse habe bereits vorsorglich Einsprache erhoben. Solange das
Ein
spracheverfahren
offen sei, würden die Leistungen gemäss Verfügung vom 1
8.
Januar 2022 ausgerichtet.
3.5
Mit Eingabe vom 2
3.
Februar 2022 (
Urk.
7/68)
richtete sich
die am selben Tag bevollmächtigte Rechtsschutzversicherung
(vgl.
Urk.
7/69)
des Beschwerde
führers
an die Beschwerdegegnerin
und führte aus, die Arbeitgeberin des Beschwer
deführers habe mit E-Mail vom 2
6.
Januar 2022 bereits mit bestem Wissen und Gewissen fristgerecht Einsprache erhoben.
Mit E-Mail von seiner
privaten E-Mail-Adresse habe sich der Beschwerdeführer am
8.
Februar 2022 er
neut an die Beschwerdegegnerin gewandt
und mit bestem Wissen und Gewissen fristgerecht Einsprache erhoben. Darin habe er klar seinen Anfechtungswillen zum Ausdruck gebracht.
Es werde
nun
um N
achfris
tansetzung
zur Behebung der
Einsprachemängel
sowie zur Stellung von Anträgen in der Sache, Ergänzung der Begründung und zur Stellung von Beweisanträgen ersucht.
4.
4.1
Die Einsprache setzt den
Einsprachewillen
voraus. Dieser Wille manifestiert sich insbesondere durch die Verwendung des Begriffs Einsprache und durch die Er
füllung der
Einsprachevoraussetzungen
(Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., 2020, N 38 zu Art. 52 ATSG).
Die Elemente des Rechtsbegehrens und der Begründung der Einsprache müssen mit Blick auf die pragmatische, die Beschreitung des Rechtsmittelwegs erleich
ternde Ausgestaltung des
Einspracheverfahrens
offen verstanden werden. Fehlt es vollständig an einem oder beiden Elementen, ist jedenfalls eine Nachfrist zur entsprechenden Verbesserung anzusetzen. Es reicht für die Annahme einer Ein
sprache aus, wenn der Wille feststeht, die erlassene Verfügung nicht zu akzeptie
ren; eine ausdrückliche Begründung kann beigefügt werden, doch handelt es sich nicht um eine zwingend zu erfüllende formelle Anforderung (BGE 115 V 426).
Die Einsprache kann schriftlich oder
bei persönlicher Vorsprache
mündlich er
ho
ben werden
(
Art.
10
Abs.
3 ATSV).
Die mündliche Einsprache erfolgt damit dadurch, dass die versicherte Person beim Versicherungsträger vorspricht und den
Einsprachewillen
äussert. In der Literatur wird auch die Möglichkeit einer telefonisch erhobenen Einsprache diskutiert
, was die bisherige Rechtsprechung indes abgelehnt hat und der Verordnungsgeber - wie erwähnt -
ausschliesst
(Kieser, ATSG-Kommentar, a.a.O., N 42 zu
Art.
52 ATSG).
Die elektronische Ein
sprache ist an sich nicht zulässig. Hier ist –
bedingt durch das Übermittlungs
medium – keine Unterschrift vorhanden, wobei zur allfälligen Verbesserung keine N
achfrist anzusetzen ist, da es nämlich bezogen auf die fehlende Unterschrift an der Unfreiwilligkeit fehlt (BGE 142 V 152 E. 4.6).
4.2
Die Frist zur Erhebung einer Einsprache gegen die Verfügung der Beschwerde
gegnerin vom 18. Januar 2022 lief am 21. Febr
uar 2022 ab (vgl. vorstehend E.
3.2). Die Eingabe der Rechtsschutzversicherung des Beschwerdeführers vom 2
3.
Februar 2022 (
Urk.
7/68)
, die von der Beschwerdegegnerin als Einsprache
betrachtet wurde,
erfolgte somit
unbestrittenermassen nach Ablauf der Ein
sprachefrist.
Zu prüfen bleibt, ob die vorherigen
(E-Mail-)
Schreiben
oder Telefonate
des Beschwerdeführers eine
n
Anfechtungswillen erkennen liessen.
4.3
D
ie formellen und inhalt
lichen Anforderungen, die an eine rechtsgültige Ein
sprache gestellt wer
den,
sind
gering
(vgl. vorstehend E. 4.1)
.
Soweit sich der Beschwerdeführer jedoch auf den Standpunkt stellt, aus
seinen E-Mails oder Telefongesprächen gehe
– auch wenn in einer an sich unzulässigen Form
(vgl. E.
4.1)
-
ein Anfechtungswille hervor, ist ihm nicht zu folgen.
Das anlässlich des Telefongesprächs vom 1
8.
Januar 2022 (vgl.
Urk.
7/53) geäusserte N
ichteinver
ständnis
kann nicht als Anfechtungswille gelten, zumal der Beschwerdeführer dies noch vor Erhalt der Verfügung
vom 1
8.
Januar 2022 (
Urk.
7/59)
und somit vor Beginn der Einsprachefrist
kundgetan hatte.
So wurde er
denn zu Recht darauf
hin
gewiesen
, er werde eine detaillierte schriftliche Stellungnahme erhalten und habe dann die Möglichkeit, diese mittels Einsprache anzufechten.
Auch der E-Mail
des Sohnes beziehungsweise
der Arbeitgeberin des Beschwerdeführers vom 2
6.
Januar 2022 (
Urk.
7/60) kann – entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers - kein Anfechtungswille entnommen werden. So geht aus diese
r
keine Absicht hervor, in eigenem Namen oder im Namen des Beschwerde
führers Einsprache erheben zu wollen
.
Vielmehr wurde um eine Erklärung zur Ermittlung des ausgerichteten Taggeldes im Dezember 2021 in prozentualer Höhe und zeitlicher Dauer sowie um Mitteilung der Entscheidungsgrundlage, weshalb die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers trotz ärztlichem Zeugnis nicht mehr akzeptiert werde, gebeten.
Es wird
somit zwar indirekt kundgetan, dass die Einstellung der Taggelder
per 2
0.
Dezember 2021
nicht nachvollziehbar sei, nicht jedoch, dass der Beschwerdeführer damit nicht einverstanden sei und dies an
fechten möchte.
Dies geht auch aus dem Schlusssatz hervor, wonach um eine Rückmeldung - und nicht um eine neue
Überprüfung und/oder
Entscheidung
- gebeten wurde.
Ausserdem bleibt anzumerken, dass
der Sohn beziehungsweise die Arbeitgeberin
mangels Bevollmächtigung gar nicht dazu berechtigt gewesen wäre,
Einsprache zu erheben.
Der Beschwerdeführer konnte denn auch nicht davon ausgehen, dass die Beschwer
degegnerin die E-Mail seines Sohnes beziehungsweise seiner Arbeitge
berin vom 2
6.
Januar 2022 als Einsprache entgegengenommen h
ä
tte. So
wies die Beschwerdegegnerin
anlässlich des Telefongesprächs mit dem Sohn beziehungs
weise der Arbeitgeberin des Beschwerdeführers vom
7.
Februar 2022 (
Urk.
7/64)
erneut
explizit darauf hin, dass
aus datenschutzrechtlichen Gründen keine nähe
ren Angaben gemacht werden könnten und der Beschwerdeführer Einsprache
erheben könne, sollte er mit dem Entscheid nicht einverstanden sein.
Die
darauf
folgende
E-Mail des Beschwerdeführers vom
8.
Februar 2022 (
Urk.
7/66)
entspricht inhaltlich
praktisch
wortwörtlich
der
A
nfrage des Sohnes beziehungsweise der Arbeitgeberin
vom 2
6.
Januar 2022 (
Urk.
7/60)
, womit
auch aus dieser kein klarer Anfechtungswille hervorgeh
en kann
.
Es wird denn auch
– nachdem
die Beschwerdegegnerin am
7.
Februar 2022 gegenüber dem Sohn des Beschwerde
führers explizit auf die Möglichkeit einer Einsprache hingewiesen hatte -
nirgends das Wort
«Einsprache»
verwendet
,
und es fehlen sowohl ein Begehren als auch eine Begründung.
Die Beschwerdegegnerin konnte nun
am 18. Februar 2022 während noch immer laufender Einsprachefrist
im direkten Kontakt mit dem Beschwerdeführer zur Erklärung der Anfrage auf die Beurteilung des Kreisarztes sowie die Ausführungen in der Verfügung hinweisen und machte den Beschwer
deführer explizit darauf aufmerksam, dass seine Krankenkasse bereits vorsorglich Einsprache erhoben habe
(
Urk.
7/67
; vgl. E. 3.4
)
.
Der Umkehrschluss, dass die Beschwerdegegnerin zu diesem Zeitpunkt davon ausging, der Beschwerdeführer seinerseits habe bisher noch keine Einsprache erhoben,
konnte und musste dieser auch als juristischer Laie ohne Weiteres ziehen. Entgegen dessen Argumentation (E. 2.2) durfte er daher nicht darauf vertrauen, er habe bereits rechtzeitig Einspra
che erhoben.
4.4
Aus keinen der Kontaktaufnahmen zwischen dem Beschwerdeführer beziehungs
weise seinem Sohn und der Beschwerdegegnerin ist ein Anfechtungswille, also die Absicht
,
Ei
n
sprache erheben zu wollen, ersichtlich. So fehlt es denn auch jeweils an einem Antrag und einer Begründung, und dies obwohl die Beschwer
degegnerin mehr als einmal auf die Möglichkeit
des Einreichens
einer Eins
p
rache hing
e
wiesen hatte
, sollte
der Beschwerdeführer
mit der Verfügung vom 1
8.
Januar 2022 nicht einverstanden sein.
Seitens des Beschwerdeführers beziehungsweise seines Sohnes wurde vielmehr nur um Erklärung betreffend das ausgerichtete Taggeld in masslicher und zeitlicher Hinsicht gebeten.
Aus diesem Umstand
kann
nach dem Gesagten
jedoch
nicht auf einen Anfechtungswillen geschlossen werden.
Allein die Kontaktaufnahme während laufender Einsprache
frist sagt noch nichts über das Vorhandensein eines Anfechtungswillens aus, geschweige denn bringt
sie
einen solchen Willen zum Ausdruck.
Daran vermag auch
die Antwort der Beschwerdegegnerin vom
3.
Februar 2022 (
Urk.
7/62) nichts
zu ändern
, wonach sie sich
nach erfolgter Abklärung
erneut melden werde, um den Entscheid mitzuteilen. D
iese
Formulierung erscheint in der Tat etwas irreführend,
bleibt
aber aufgrund der
nachfolgenden
Ausführungen der Beschwerdegeg
nerin vom
7.
Februar 2022 (
Urk.
7/64) ohne Konsequenzen.
So ist d
er Anfechtungswille nämlich von der versicherten Person (oder ih
rem
V
ertreter)
zum Ausdruck zu bringen. Der Umstand, dass die Be
schwerdegegnerin
in ihrer Ant
wort
vom
7.
Februar 2022
den Ausdruck «Entscheid» anstatt ein anderes Wort wie
«
Rückmeldung
»
,
«
Antwort
»
,
et
c
etera
verwendet hatte, kann den Ausdruck des geforderten Anfechtungswillens durch die versicherte Person ohnehin nicht ersetzen.
Selbst wenn hier ein Vertrauen des Beschwerdeführers betreffend recht
zeitige
Einspracheerhebung
geweckt worden sein sollte, so war dieses spätestens ab dem 18. Februar 2022 nicht mehr berechtigt (vgl. E. 4.3)
4.
5
Zusammenfassend können die E-Mails sowie Telefongespräche des Beschwerde
führers beziehungsweise seines Sohnes nicht als Einsprache qualifiziert werden
,
und die Eingabe vom 2
3.
Februar 2022 erfolgte erst nach Ablauf der dreissigtä
gigen Einsprachefrist, womit die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf die Ein
sprache eingetreten ist.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.