Decision ID: c75f9581-bf70-4575-99e2-106cb5d4a5d2
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1937, verwitwet seit dem 2
2.
November 1989
, ersuchte die Gemeinde
Y._
, Durchführungsstelle für Zusatzleistungen zur AHV/IV (nachfolgend: Durchführungsstelle), am 1
6.
Mai 2011 um Ausrichtung von Zusatzleistungen zu ihrer Altersrente (Urk. 9/76). Nach
verschiedenen
Abklärungen (Urk. 9/6
-22) rechnete die Durchführungsstelle der Versicherten im Rahmen der Bedarfsberechnung einen Vermögensverzicht von Fr. 1‘200‘000.- an und verneinte gestützt auf den daraus resu
ltierenden Einnahmenüberschuss
einen Anspruch auf Zusatzleistungen für die Zeit ab
1.
Oktober 2012 (Verfü
gung
vom 2
2.
Oktober 2012, Urk. 3/1
). Daran hielt sie nach erhobener Einspra
che vom 1
2.
November 2012 (Urk. 9/9) mit
Entscheid vom 1
4.
Dezember 2012 fest
(Urk. 2).
2.
Dagegen
liess die Versicherte am 1
6.
Januar 2013 Beschwerde erheben mit dem Antrag, in Aufhebung des angefochtenen Entscheids seien ihr Zusatzleistungen zuzusprechen (Urk. 1). In
der
Beschwerdeantwort vom 2
5.
Januar 2013 schloss die
Durchführungsstelle
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkann
ten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und In
validenversicherung, ELG).
Die anrechenbaren Einnahmen werden nach Ar
t. 11 ELG ermittelt. Als Einkom
men anzurechnen sind danach unter anderem
auch Einkünfte und Vermögens
werte, auf die verzichtet worden ist (Art. 11 Abs. 1
lit
. g ELG).
Gemäss
Art. 17a der Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELV) wird der anzurech
nende Betrag von Vermögenswerten, auf die verzichtet worden ist (Art. 11 Abs. 1
lit
. g ELG), jährlich um Fr. 10'000.- vermindert (Abs. 1). Der Wert des Vermögens im Zeitpunkt des Verzichts ist unverändert auf den 1. Januar des Jahres, das auf den Verzicht folgt, zu übertragen und dann jeweils nach einem Jahr zu vermindern (Abs. 2). Für die Berechnung der jährlichen
Ergänzungs
leistung
ist der verminderte Betrag am 1. Januar des Bezugsjahres
massgebend
(Abs. 3).
Eine Verzichtshandlung liegt vor, wenn die leistungsansprechende Person ohne rechtliche Verpflichtung oder ohne adäquate Ge
genleistung auf Einkünfte oder Vermögen verzichtet hat (BGE 131 V 329 E. 4.2 ff. mit Hinweisen). Wenn diese Voraussetzungen
für die Annahme eines Verzichts nicht vorliegen, hat eine Vermögensanrechnung selbst dann nicht zu erfolgen, wenn die
leistungs
anspre
chende
Person
vor der Anmeldung zum Bezug der Ergänzungsleistungen über ihre Verhältnisse gelebt haben könnte. Das Ergänzungsleistungssystem bietet keine gesetzliche Handhabe dafür, eine wie auch immer geartete „
Lebensfüh
rungskontrolle
" vorzunehmen und danach zu fragen, ob ein Ge
suchsteller in der Vergangenheit im Rahmen einer „Normalitätsgrenze" gelebt hat, die im Übrigen erst noch näher umschri
eben werden müsste. Vielmehr ha
ben die
Ergänzungs
leistungsbeh
örden
von den tatsächlichen Verhältnissen aus
zugehen, dass ein Gesuchsteller nicht über die notwendigen Mittel zur ange
messenen Deckung des Existenzbedarfs verfügt, und nicht danach zu fragen, warum dem so ist
(B
GE 121 V 204 E. 4b
).
Zur Frage des Vermögensverzichts im Zusammenhang mit Geldanlangen nahm das
Bundesgericht mehrfach Stellung. Danach ist d
ie Anlage eines Vermögens
grundsätzlich kein Vermögensverzicht (Urteil
des
Bundesgerichts
P 55/05 vom 26. Januar 2001
,
E. 3.2).
Es entspricht im Gegenteil der Norm
, dass Vermögen angelegt wird.
Auch die Gewährung eines Darlehens ist für sich allein keine
Ver
zichtshandlung
,
da ein Anspruch auf Rückzahlung besteht (Urteil
des Bundes
gerichts P 53/99 vom 22.
Januar 2000
,
E. 2b).
Jedoch ist von einem
Verzichts
tatbestand
auszu
gehen, wenn bei einer Geldanlage oder einem Darlehen unter den konkreten Umständen von Anfang an damit gerechnet werden muss, dass das Geld nicht zurückbezahlt wird, mithin die erfolgte Hingabe des Vermögens unter den gegebenen Umständen als V
abanque-Spiel erscheint (Urteil
des Bun
desgerichts 9C_180/2010 vom 15. Juni 2010, E. 5.2, mit Hinweisen
).
1.2
Das Verwaltungsverfahren und der erstinstanzliche Sozialversicherungsprozess sind vom
Untersuchungsgrund
satz
beherrscht (Art. 61
lit
. c des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Danach hat die Verwaltung oder das Gericht von Amtes wegen für die richtige und voll
ständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indes
sen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2; 122 V 157 E. 1a; vgl. BGE 130 I 180 E. 3.2).
Kommen Personen, die Leistungen beanspruchen, den Auskunfts- oder
Mitwir
kungspflichten
in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versiche
rungsträger aufgrund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen. Es ist ihnen eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
; Art. 43 Abs. 3 ATSG).
Dass eine Vermögenshingabe gegen eine adäquate Gegenleistung oder aufgrund einer Rechtspflicht erfolgt ist, ist als anspruchsbegründende Tatsache von der leistungsansprechenden Person zu beweisen, wobei der Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit massgebend ist und sie die Folgen allfälliger
Be
weislosigkeit
zu tragen hat, und zwar in dem Sinne, dass sie sich das angeblich entäusserte restliche Vermögen sowie den darauf entfallenden Ertrag
(vgl. Art. 11 Abs. 1
lit
. b ELG) anrechnen lassen muss (BGE 121 V 204 E. 6a; AHI 1995 S. 167 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts P 38/0
6 vom 11. Oktober 2007
,
E. 3.3.1)
.
1.
3
Gemäss Art. 52 Abs. 2
ATSG
sind
Einspracheentscheide
zu begründen. Die Begründungspflicht ist ein wesentlicher Bestandteil des verfassungsrechtlichen G
ehörsanspruchs (BGE 124 V 81 E
. 1a), wie er sich aus Art. 29 der Bundes
ver
fassung ergibt. Die Begründung muss wenigstens kurz die Überlegungen nen
nen, von denen sich die
Einspracheinstanz
leiten liess und auf welche sie ihren Entscheid stützt (
Kieser
, ATSG-Kommentar, 2. Auflage
2009,
Rz
33 zu
Art. 52
ATSG
).
2.
2.1
Gemäss dem
angefochtenen Entscheid vom 1
4.
Dezember 2012 (Urk. 2)
und den zugehörigen Berechnungsgrundlagen rechnete die Beschwerdegegnerin der Beschwerd
eführerin bei der Ermittlung des
Zusatzleistung
sanspruchs
per
1.
Januar 2011
einen
Vermögensv
erzicht
von
Fr.
1‘200‘000.-
an. Str
ittig
ist vor allem dieser Vermögensverzicht
.
2.2
Ermittelt hat die Beschwerdegegnerin den Vermögensverzicht von
Fr.
1‘200‘0000.- gemäss den Akten (angefochtener Entscheid, Urk. 2; Verfügung und Begleitschreiben vom 2
2.
Oktober 2012
mit
Berechnungsblatt
;
Urk. 3/1
,
Urk. 9/10) im Wesentlichen
aufgrund der
Differenz
zwischen dem Vermö
gensaldo
im Zeitraum
der Jahre
1989/1990
von
Fr.
1‘
6
25
‘0
50
.- und dem Ver
mögensstand
im Zeitraum
der Jahre
2010/2011 von
rund
Fr.
200‘
000.-
unter
Berücksichtigung
von
Abzüge
n
nach
Art.
17a ELV
.
Den Vermögenssaldo von
Fr.
1‘625‘
050
.- berechnete sie aus dem Erbanteil der Beschwerdeführerin am
Nachlass ihres am 2
2.
November 1989 verstorbenen Ehemannes von
Fr.
2‘025‘0
50
.- (Erbteilungsvertrag vom 2
5.
September 1990, Urk. 9/67) abzüg
lich der Differenz von
Fr.
400‘000.- zwischen dem Anrechnungswert der im Erbanteil aufgeführten Liegenschaft von
Fr.
1‘600‘000.-
und dem
späteren Ver
kaufspreis dieser Liegenschaft von
Fr.
1‘200
‘000.-
(
Kauf
vertrag v
om 1
3.
Oktober 1997 Urk. 9/52).
2.3
Dieses Vorgehen (E. 2.2)
begründet
die Beschwerdegegnerin im
angefochtenen Entscheid (Urk. 2) im Wesentlichen damit, die für den Vermögensabbau des Nachlassvermögens von
Fr.
1‘625‘050.-
nachwei
spflichtige Beschwerdeführerin
habe diesbezüglich
keine Angaben geliefert, weshalb sie aufgrund der Akten
für die Zeit ab dem Jahre 1990 bis zum Jahr 2012 einen Vermögensverzicht von
Fr.
1‘200‘050.- ermittelt habe. Die Begründung der Versicherten in der Einspra
che
bezüglich des
Vermögensabbau
s
, unter anderem
betreffend Börsencras
h
s
, sei
nicht belegt.
Demgegenübe
r bringt die Beschwerdeführerin unter anderem
vor (Urk. 1),
schon
aus der Gegenüberstellung ihrer Einnahmen mit dem erst teilweise berücksich
tigten
betreibungsrechtlichen
Existenzminimum resultiere ein Minus von
Fr.
516‘497.-, woraus sich zusammen mit
den
aus den Steuererklärungen
ersichtlichen Verlusten aus den
Börsencrash
s
der Jahre
2001/2002 und 2008 von
Fr.
551‘
7
5
0.- eine Vermögensabnahme von
Fr.
1‘068‘247.- ergebe. Mit der restlichen Vermögensabnahme von
Fr.
8‘783.- pro Jahr habe sie lediglich einen angemessenen Lebensstil gepflegt. Die Beschwerdegegnerin begründe
nicht
, wo, wann und wie sie auf Vermögenswerte und/oder Einkünfte verzichtet habe und sei auch auf
die Ausführungen in ihrer Einsprache mit keinem Wort
eingegan
gen.
3.
3.1
Das in den obigen Erwägungen erwähnte Vorgehen der Beschwerdegegnerin bei der Ermittlung
des
Vermögensverzichts
von
Fr.
1‘200‘000.-
vermag
so
nicht zu überzeugen
:
Es geht nicht an,
einfach
die
Vermögensstände
der Versicherten über einen Zeit
raum von
rund
20 Jahren
zu vergleichen und
die Differenz
ohne B
erück
sichtigung von deren Leben
s
haltungskosten als
Vermögensverzicht
anzurech
nen.
Auf diese Weise
bleibt unklar, ob
und inwieweit
der Vermögensabbau auf einem Vermögensverzicht im oben erwähnten Sinne
beruht
oder
ob damit ins
besondere die laufenden Kosten für den Lebensunterhalt bestritten wurden.
Bezüglich dieser Kosten
hat
die Beschwerdegegnerin keine oder jedenfalls keine
rechtsgenüglichen
Abklärungen ge
tätigt
.
Schon deshalb mangelt es
dem Vorge
hen der Beschwerdegegnerin
an einem schlüssigen
Begründungsfundament
. Dem entspricht auch, dass
sie im angefochtenen Entscheid
auf die entsprechen
den Einwände der Versicherten in
deren
Einsprach
e
(
Urk.
9/9) in Verletzung
der
Begründungspflicht
nicht
näher
eingegangen ist.
Das Gleiche gilt auch bezüg
lich der konkreten Einwände der Versicherten in ihrer Einsprache, wonach
zwei Bör
s
encrash
s
im Zeitraum
der Jahre
2001 und 2008 erhebliches Vermögen ver
nichtet
hätte
n
, was aus ihren Steuererklärun
gen ersichtlich sei
.
Auch in dieser Hinsicht bleibt mit dem blossen Hinweis, dieser Einwand
sei
nicht belegt
(
Urk.
2),
völlig
u
nklar, auf welchen rechtlichen und
tatsächlichen Grundlagen
die Beschwerdegegnerin ihre
Beurteilung
vorgenommen hat.
Dies gilt umso mehr, als sie auf die erwähnten Hinweise der Versicherten auf ihre Steuer
er
klä
rungen nicht näher eingegangen ist
(
Urk.
2)
, obwohl
aufgrund
von
Ausführun
gen der Beschwerdegegnerin an anderer Stelle gleichwohl davon au
s
zugehen ist, dass die Steuerakten der Beschwerdeführerin zumindest teilweise berück
sichtigt wurden
(
Begleitschreiben vom 2
2.
Oktober 2012,
Urk.
9/10;
Aktennotiz
der Beschwerdegegnerin betreffend Anfrage,
Urk.
9/5).
Auch
hier
fehlt eine Beurteilungsgrundlage.
3.2
Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt in verschiede
ner Hinsicht nicht
rechtsgenüglich
abgeklärt und ihre Begründungspflicht klar verletzt.
An diese
n grundsätzlichen Mängel
n
ändern
auch die
ergangenen
Beweisauflagen nichts,
umso weniger als diese mangels einer klaren
Fristan
-
setzung zusammen mit einem entsprechenden Hinweis auf die Säumnisfolgen die Anforderungen an ein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
(
Art.
43
Abs.
3 ATSG) nicht erfüllen (
Urk.
9/22,
Urk.
9/20,
Urk.
9/13). Nachdem der jetzige Rechtsver
treter der Beschwerde
führerin
mit Schreiben vom 2
2.
August 2011 (
Urk.
9/19) mitgeteilt hatte, betreffend Zusatzleistungen sei er von der Beschwerdeführerin und
Z._
mit der Interessenwahrung beauftragt worden,
ist zudem fraglich, ob
die
an
Z._
gerichtete
Beweisauflage vom 2
5.
Januar 2012 (
Urk.
9/13)
nicht an den jetzigen Rechtsvertreter hätte zugestellt werden müssen. Diese Frage kann jedoch offen bleiben
.
3.3
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie im Sinne der Erwägungen den Sachverhalt ergänzend abklärt und bezüglich einer allfälligen Anrechnung eines
Vermögensverzichts
ein genügend detailliertes und schlüssiges Begründungsfundament erstellt. Hernach hat sie über die Zusatzleistungen
mit einer nachvollziehbaren Begründung
neu zu verfügen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
4.
Ausgangsgemäss hat
die Beschwerdeführerin
gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) Anspruch auf eine
Pro
zessentschädigung
. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsa
che und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
1‘900
.-
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.