Decision ID: d93de31d-2d0e-456d-8384-35e6dcfa01d4
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1980,
war ab dem 1
1.
April 2005 bei
Y._
AG,
in Z._
, in einem 80%-Pensum als
Sales
Advisor
angestel
lt (
Urk.
9/1
). Aufgrund dieser Anstellung unterstand sie der kollektiven Krankentaggeldversicherung nach dem Bundesgesetz über den Versicherungs
vertrag (VVG), welche die Arbeitgeberin mit der SWICA Krankenversicherung AG (nachfolgend: SWICA) abgeschlossen hatte (
Urk.
9/
91 [Allgemeine Versiche
rungsbedingungen; AVB
],
Urk.
9
/92).
Vereinbart war bei einer Leistungsdauer von 730 Tagen und einer Wartefrist von 14 Tagen pro Fall ein Krankentaggeld von 90
%
der versicherten Lohnsumme (
Urk.
9/92/2).
Mit Krankheitsmeldung vom 1
7.
September 2012 orientierte die Arbeitgeberin die SWICA über die krankheitsbedingte Arbeitsniederlegung der Versicherten ab dem 2
1.
August 2012 (
Urk.
9/1).
Die SWICA richtete daraufhin Krankentaggelder aus (vgl.
Urk.
2/2 sowie
Urk.
9/5, 9/22 und
9/65).
Nach Eingang eines Berichtes von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiat
rie und Psychotherapie, vom 29.
Okto
ber 2012 (
Urk.
9/6) forderte sie die Versicherte auf, sich bei der Invalidenver
sicherung anzumelden (
Urk.
9/9), was diese am 1
6.
Januar 2013 tat (
Urk.
9/12). Das Arbeitsverhältnis wurde seitens der Arbeitgeberin am 2
5.
März 2013 per 3
0.
Juni 2013 aufgelöst (
Urk.
2/3, 9/15).
Nachdem
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, am 2
2.
Juli 201
3
sein von der SWICA in Auftrag gegebenes Gutachten erstattet hatte (
Urk.
9/20), teilte diese der Versicherten mit Schreiben vom 2
4.
Juli 2013 mit, die Taggeldleistungen noch bis zum 3
1.
Juli 2013 zu 100
%
zu erbringen. Ab dem 1. August 2013
würden die Taggelder auf 50
%
gekürzt und
danach
per 1
8.
August 2013 vollständig eingestellt (
Urk.
9/22).
Im weiteren Verlauf
opponierte
Dr.
A._
mit Berichten vom 1
8.
August und 10. November 2013 gegen die Beurteilung von
Dr.
B._
(
Urk.
9/24, 9/38). Die SWICA holte jeweils bei
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, eine Aktenbeurteilung ein (
Urk.
9/32, 9/41). Aufgrund derer Empfehlung (vgl.
Urk.
9/41/3) veranlasste die SWICA eine Verlaufsbegutachtung
bei
Dr.
B._
(
Urk.
9/43; Gutachten vom 8. Dezember 2013,
Urk.
9/48).
Mit Schreiben vom 2
0.
Januar 2014 hielt sie sodann an der Leistungseinstellung per 1
8.
August 2013 fest (
Urk.
9/52).
Die
Rechtsvertretung der Versicherten
legte
daraufhin
mit Schreiben vom
9.
April 2014 (
Urk.
9/56) ein von ihr bei
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in Auftrag gegebenes Gutachten vom 26. Februar 2014 vor (
Urk.
9/53)
, worauf die SWICA erneut an
Dr.
B._
gelangte (Stellungnahme vom
2
2.
Juli 2014,
Urk.
9/60). Des Weiteren
zog
sie die Akten der
Invalidenversiche
rung bei
(
Urk.
9/71),
welche der Versicherten zunächst Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining (
Urk.
9/
61
) und danach für diverse weitere berufliche Eingliederungsmassnahmen
erteilt hatte (
Urk.
9/66, 9/72, 9/75 und 9/77).
Nach
dem die SWICA wiederholt auf die Einrede der Verjährung verzichtet hatte, sofern diese nicht bereits eingetreten
gewesen
war (
Urk.
9/74, 9/79, 9/81 und 9/83), ersuchte der Rechtsvertreter der Versicherten m
it Schreiben vom 2
7.
September 2019
um Auszahlung der Taggelder für den Zeitraum vom 1. August 2013 bis zur Erschöpfung des Leistungsanspruchs am 2
0.
August 2014 (
Urk.
9/84).
Mit Schreiben vom
1.
November 2019 äusserte sich die SWICA dahingehend,
dass sie
nach Prüfung der Unterlagen an ihrem damaligen Leistungsentscheid fest
halte
(
Urk.
9/85).
2.
Am
3.
Dezember 2019 erhob
X._
Klage gegen die SWICA mit dem Rechtsbegehren,
diese
sei
zu verpflichten, ihr für die Zeit vom
1.
August 2013 bis zum 2
0.
August 2014
Fr.
25'254.80 zuzüglich Zins zu 5
%
seit dem 2
0.
August 2014 zu bezahlen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Klageantwort vom 1
2.
März 2020 beantragte die SWICA die Abweisung der Klage (
Urk.
8).
Mit Verfügung vom 1
6.
März 2020 wurde den Parteien Frist angesetzt um mitzuteilen, ob eine Hauptverhandlung gewünscht werde (
Urk.
11). Nachdem dies beide Parteien mit Eingaben vom 25. März 2020 (
Urk.
13) beziehungsweise
3.
April 2020 (
Urk.
15) verneint hatten, ordnete das Gericht mit Verfügung vom 1
4.
April 2020 einen zweiten Schriften
wechsel an (
Urk.
16). Mit Replik vom 1
9.
Mai 2020 hielt die Klägerin an ihren Rechtsbegehren fest (
Urk.
17). Gleiches tat die Beklagte mit
Duplik vom 23.
Juni 2020 (
Urk.
21; irrtümlich als «Klageantwort» bezeichnet), worüber die Klägerin mit Verfügung vom
1.
Juli 2020 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
22).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Zu beurteilen ist der Anspruch auf Taggeldleistungen aus einer Zusatzversiche
rung zur sozialen Krankenversicherung nach dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG). Ansprüche aus der Zusatzversicherung unterstehen nach
Art.
2
Abs.
2 Satz 2 des Bundesgesetzes über die Aufsicht über die Krankenkassen (KVAG) dem VVG.
Art.
87 VVG gewährt demjenigen, zu dessen Gunsten die kollektive Unfall- oder Krankenversicherung abgeschlossen worden
ist, mit dem Eintritt des Unfalls oder der Krankheit ein selbständiges Forderungs
recht gegen den Versicherer (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5C.41/2001 vom
3.
Juli 2001 E. 2c; Peter Stein, Basler Kommentar VVG, Basel 2001,
Art.
87 VVG N 15; Willy
Koenig
, Der Versicherungsvertrag, in: Schweizerisches Privatrecht, VII/2, Basel 1979, S. 729). Die Kantone können gestützt auf
Art.
7
d
er Schweize
rischen
Zivilprozessordnung (ZPO)
ein Gericht bezeichnen, welches als einzige kantonale Instanz für Streitigkeiten über den Anspruch aus einer Zusatzversiche
rung sachlich zuständig ist. Im Kanton Zürich liegt die Zuständigkeit beim Sozialversicherungsgericht (
§
2
Abs.
2
lit
. b des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht;
GSVGer
).
1.2
Die für das Sozialversicherungsgericht verbindliche Regelung der örtlichen Zuständigkeit im Bereich der Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenver
sicherung findet sich in
Art.
32 ZPO. Demnach ist bei Streitigkeiten aus Konsumentenverträgen das Gericht am Wohnsitz oder Sitz einer der Parteien zuständig (
Art.
32
Abs.
1
lit
. a ZPO; vgl. Urs Feller/Jürg Bloch, in: Sutter-
Somm
/
Hasenböhler
/Leuenberger, ZPO-Kommentar,
3.
Auflage, Zürich 2016, Art.
32 N 45 ff.). Die Beklagte hat ihren Sitz im Kanton Zürich, womit die örtliche Zuständigkeit des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich gegeben ist.
1.3
Das Verfahren richtet sich nach der ZPO, wobei das vereinfachte Verfahren zur Anwendung gelangt (
Art.
243
Abs.
2
lit
. f ZPO) und die Klage direkt beim Gericht anhängig zu machen ist (BGE 138 III 558 E. 3.2 und 4.6). Das Gericht darf einer Partei nicht mehr und nichts Anderes zusprechen, als sie verlangt, und nicht weniger, als die Gegenpartei anerkannt hat (
Art.
58 ZPO). Es bildet seine Über
zeugung nach freier Würdigung der Beweise (
Art.
157 ZPO).
1.4
Nach
Art.
247
Abs.
2
lit
. a in Verbindung mit
Art.
243
Abs.
2
lit
. f ZPO untersteht die Streitigkeit der sogenannten sozialen Untersuchungsmaxime. Bei der sozial
politisch begründeten Untersuchungsmaxime geht es darum, die wirtschaftlich schwächere Partei zu schützen, die Gleichheit zwischen den Parteien herzustellen sowie das Verfahren zu beschleunigen. Die Parteien sind jedoch nicht davon befreit, bei der Feststellung des
entscheidwesentlichen
Sachverhalts aktiv mitzuwirken und die allenfalls zu erhebenden Beweise zu bezeichnen. Sie tragen im Bereich der sozialen Untersuchungsmaxime die Verantwortung für die Sach
verhaltsermittlung. Das Gericht hat lediglich seine Fragepflicht auszuüben, die Parteien auf ihre Mitwirkungspflicht sowie das Beibringen von Beweisen hinzu
weisen. Zudem hat es sich über die Vollständigkeit der Behauptungen und Beweise zu versichern, wenn diesbezüglich ernsthafte Zweifel bestehen. Es führt aber nicht von sich aus eigene Untersuchungen durch. Ist eine Partei durch einen
Anwalt vertreten, kann und muss sich das Gericht ihr gegenüber wie bei Geltung der Verhandlungsmaxime zurückhalten (Urteile des Bundesgerichts 4A_702/2016 vom 2
3.
März 2017 E. 3.1 und 4A_592/2015 vom 1
8.
März 2016 E. 3 mit Hinweis auf BGE 141 III 569).
1.5
Gemäss Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB) hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Demgemäss hat die Partei, die einen Anspruch geltend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen, während die Beweislast für die rechtsaufhebenden bzw. rechtsvernichtenden oder rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des Anspruchs behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit bestreitet. Diese Grund
regel kann durch abweichende gesetzliche Beweislastvorschriften verdrängt werden und ist im Einzelfall zu konkretisieren (BGE 128 III 271 E. 2a/
aa
). Es obliegt der versicherten Person zu beweisen, dass sie (weiterhin) arbeitsun
fähig ist und daher Anspruch auf Taggelder hat, wenn die Versicherung zunächst Taggelder ausbezahlt hat und sodann geltend macht, die Umstände hätten sich geändert oder die Leistungen seien von vornherein zu Unrecht erbracht worden und die versicherte Person sei (wieder) arbeitsfähig (BGE 141 III 241 E. 3.1). Den Versicherer trifft demgegenüber die Beweislast für Tatsachen, die ihn zu einer Kürzung oder Verweigerung der vertraglich vorgesehenen Leistung berechtigen oder die den Versicherungsvertrag gegenüber dem Anspruchsberech
tigten unverbindlich machen (BGE 130 III 321 E. 3.1).
1.6
Da der Nachweis rechtsbegründender Tatsachen im Bereich des Versicherungs
vertrags regelmässig mit Schwierigkeiten verbunden ist, geniesst der beweis
pflichtige Anspruchsberechtigte insofern eine Beweiserleichterung, als er in der Regel nur eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für das Bestehen des geltend gemachten Versicherungsanspruchs darzutun hat. Allerdings kann der Versicherer im Rahmen des Gegenbeweises Indizien geltend machen, welche die Glaubwürdigkeit des Ansprechers erschüttern oder erhebliche Zweifel an seinen Schilderungen erwecken. Gelingt der Gegenbeweis, dürfen die vom Anspruchs
berechtigten behaupteten Tatsachen nicht als überwiegend wahrscheinlich und damit nicht als bewiesen anerkannt werden. Der Hauptbeweis ist vielmehr gescheitert (BGE 130 III 321 E. 3.4).
1.7
Nach Art. 168 Abs. 1 ZPO sind als Beweismittel zulässig: Zeugnis (
lit
. a), Urkunde (
lit
. b), Augenschein (
lit
. c), Gutachten (
lit
. d), schriftliche Auskunft (
lit
. e) sowie Parteibefragung und Beweisaussage (
lit
. f). Diese Aufzählung ist abschliessend; im Zivilprozessrecht besteht insofern ein
numerus
clausus der Beweismittel,
vorbehalten bleiben nach Art. 168 Abs. 2 ZPO lediglich die Bestimmungen über Kinderbelange in familienrechtlichen Angelegenheiten (BGE 141 III 433 E. 2.5.1). Art. 168 Abs. 1
lit
. d ZPO lässt einzig vom Gericht eingeholte Gutachten als Beweismittel zu. Privatgutachten sind zwar zulässig, aber nicht als Beweismittel, sondern nur als Parteibehauptungen (BGE 141 III 433 E. 2.5.2).
2.
2.1
Gegenstand der Klage
vom
3.
Dezember 2019
bildet der geltend gemachte Anspruch auf Krankentaggelder für die Zeit vom
1.
August 2013 bis 2
0.
August 2014 im Gesamtbetrag von
Fr.
25'254.80 zuzü
glich Zins von 5
%
seit dem 20.
August 2014 (
Urk.
1 S. 2
und S. 12 f.
).
Zur Begründung dieses Anspruchs führt
e
die Klägerin im Wesentlichen an, die Berichte und die Behandlung durch
Dr.
A._
während der massgebenden Zeitspanne
sprächen
für die andauernde und volle Arbeitsunfähigkeit. Dessen Einschätzung sei durch das sehr ausführ
liche Gutachten vo
n Dr.
D._
bestätigt worden
.
Dieser habe zudem detailliert die Mängel der Gutachten von
Dr.
B._
aufgezeigt und belegt (
Urk.
1 S. 10 f.). In einer umfassenden Würdigung der vorhandenen Beweismittel zur
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
sei den überzeugenden Darlegungen der
Dres
.
A._
und
D._
der Vorzug zu geben. Diesen habe sich zu einem guten Teil auch die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, angeschlossen. Deren Massnahmen hätten schliesslich zu einer erfolgreichen Reintegration geführt. Insgesamt sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass bis zur mutmasslichen Erschöpfung der Taggeldleistungen am 2
0.
August 2014 eine mehr als 50%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe (
Urk.
1 S. 12).
2.2
In ihrer Klageantwort vom 1
2.
März 2020
bestritt die Beklagte ihre Leistungs
pflicht
gestützt auf die fachärztlichen Beurteilungen der
Dres
.
B._
und
C._
. Auf die Berichte von
Dr.
A._
könne nicht abgestellt werden, da diese insbeson
dere in Bezug auf die diagnostizierte Agoraphobie nicht nachvollziehbar seien. Es sei ausserdem zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärzte und Hausärzte erfahrungsgemäss eher zu Gunsten der versicherten Person aussagen, sodass im Streitfall eine direkte
Leistungszusprache
gestützt auf deren Angaben kaum je in Frage komme (
Urk.
8 S. 6 f.).
In Bezug auf das Gutachten von Dr.
D._
sei festzuhalten, dass jener sowohl für die angestammte Tätigkeit als Verkäuferin als auch für eine angepasste Tätigkeit mit längerem Arbeitsweg eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert habe. Für eine angepasste Tätigkeit ohne Leistungs
druck und Pausenmöglichkeit sei er von einer vorerst zweistündigen Leistungs
fähigkeit ausgegangen, welche im Verlauf gesteigert werden könne.
Damit
bestehe in einer leidensadaptierten Tätigkeit mit kurzem Arbeitsweg eine volle Arbeitsfähigkeit.
Dr.
B._
habe ebenfalls eine sofortige Arbeitsfähigkeit mit Steigerungsmöglichkeit bescheinigt.
Trotz entsprechender Aufforderung im Juli 2013 sei die Klägerin jedoch der in den AVB vorgesehenen Schadenminderungs
pflicht nicht nachgekommen
und habe sich nicht bei der Arbeitslosenversiche
rung angemeldet. Folglich wäre zumindest die entgangene Arbeitslosenent
schädigung von der Ta
ggeldleistung abzuziehen (
Urk.
8
S. 8).
Des Weiteren hätten die Abklärungen der Invalidenversicherung ergeben, dass keine anhaltende Arbeitsunfähigkeit von einem Jahr gegeben sei, weshalb der Klägerin keine befristete Invalidenrente zugesprochen worden sei.
Somit
habe ein Jahr nach der Krankmeldung
ab August 2013
wieder eine Arbeitsfähigkeit bestanden. Der Umstand, dass die Klägerin diese erst im Rahmen der verspätet eingeleiteten Integrationsmassnahmen der Invalidenversicherung umgesetzt habe, könne der Beklagten nicht zum Nachteil gereichen
. Gesamthaft habe die Klägerin den ihr obliegenden Beweis einer anhaltenden 100%igen
Arbeitsunfähigkeit ab August 2013 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erbracht
(
Urk.
8 S. 9).
2.3
Mit Replik vom 1
9.
Mai 2020
wies die Klägerin die Kritik an den Berichten von
Dr.
A._
zurück. Dessen Beurteilung
en
sei
en
insbesondere auch durch
Dr.
C._
nicht ernsthaft in Frage gestellt worden (
Urk.
17 S. 2 f.).
Überdies habe die Beklagte
Dr.
D._
nicht korrekt zitiert; gestützt auf dessen Ausführungen habe zweifellos nicht bereits im Juli 2013 eine volle Arbeitsfähigkeit vorgelegen. Der Hinweis auf die Verletzung der Schadenminderungspflicht ab Juli 2013 gehe fehl
, da
ihr
die geforderte Schadenminderung gar nicht möglich gewesen sei
(
Urk.
17 S. 4).
Im Übrigen sei
en
auch
der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) in seiner Stellungnahme vom 1
7.
April 2014 sowie
die IV-Stelle
den Ausführungen der
Dres
.
A._
und
D._
gefolgt
. Die Feststellungen und Schlussfolgerungen von
Dr.
D._
seien überzeugender als diejenigen von
Dr.
B._
; die Beklagte habe diesen nichts entgegenzusetzen (
Urk.
17 S. 5). Insgesamt sei die Arbeits
un
fähig
keit durch schlüssige medizinische Berichte zeitnah mit dem genügenden Grad der Wahrscheinlichkeit belegt
worden
, weshalb die Klage gutzuheissen sei (
Urk.
17 S. 6).
2.4
In ihrer Duplik vom 2
3.
Juni 2020
betonte die Beklagte
insbesondere
, dass die Berichte von Dr.
A._
widersprüchlich seien
.
Dr.
C._
habe ausserdem festge
halten, dass es sich bei der von
Dr.
A._
im Bericht vom 1
8.
August 2013 diagnostizierten Agoraphobie um eine neu aufgetretene Störung handle. Dieses Krankheitsbild sei folglich nicht mehr versichert, da eine Nachleistungspflicht aus dem Kollektivvertrag nur für Krankheiten bestehe, die während der Vertragsdauer
aufgetreten seien. Auch für eine nach Juli 2013 erneut eingetretene Arbeitsun
fähigkeit hafte die Beklagte nicht mehr (
Urk.
21 S. 2 f.).
2.5
Strittig und zu prüfen ist somit, ob vom
1.
August 2013 bis 2
0.
August 2014 eine anspruchsbegründende Arbeitsunfähigkeit der Klägerin
rechtsgenüglich
nachge
wiesen ist.
3.
3.1
Es ist unbestritten, dass die Klägerin aufgrund der von ihrer (ehemaligen) Arbeit
geberin, der
Y._
AG, mit der
Beklagten abgeschlossenen
Krankentagg
eldversicherung (Vertragsnummer
«...»
)
zumindest
für eine gewisse Zeit
für ein Krankentaggeld versichert war. Der
Beginn
des
Versiche
rungsvertragsverhältnisses
wurde
auf den
1.
Januar 2012 fest
gelegt
und die AVB (Ausgabe 2006,
Urk.
9/91)
wurden
zum integrierenden Bestandteil des Vertrags
erklärt
(Urk. 9/92/5).
Zwischen den Vertragsparteien wurden ausserdem beson
dere Vertragsbestimmungen (BVB) vereinbart (Urk. 9/92/4).
3.2
Die Beklagte gewährt Versicherungsschutz gegen die wirtschaftlichen Folgen von Krankheit und Geburt im Rahmen der vereinbarten Leistungen (
Ziff.
2 AVB). Krankheit ist gemäss
Ziff.
3 AVB jede Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalls ist und die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert oder eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat.
Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit bedingte volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Nach drei Monaten Arbeitsunfähigkeit wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (
Ziff.
16 AVB). Ist die versicherte Person nach ärztlicher Feststellung arbeitsunfähig, bezahlt die Beklagte bei voller Arbeitsunfähigkeit das im Vertrag aufgeführte Taggeld (
Ziff.
12 AVB). Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit von mindestens 25
%
wird das Taggeld ent
sprechend dem Grad der Arbeitsunfähigkeit ausgerichtet (
Ziff.
13 AVB).
Unter dem Titel «Nachleistung bei Austritt
mit laufender
Arbeitsunfähigkeit»
wird
in
Ziff.
4.2 BVB festgehalten, dass in Abänderung von
Art.
25 und 47 AVB die Beklagte das Taggeld für Krankheiten, die während der Vertragsdauer eingetreten sind, noch bis zur Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit bezahlt, längstens jedoch bis zum Ablauf der vereinbarten Leistungsdauer. Diese Leistungen werden der Kollektivversicherung belastet. Neue Arbeitsunfähigkeiten sind nur versichert, sofern vom
Übertrittsrecht
in
die Einzelversicherung Gebrauch
gemacht wurde.
4
.
4
.1
Die Klägerin trägt die Beweislast für die anspruchsbegründenden Tatsachen, konkret die
von ihr behauptete
100%ige Arbeitsunfähigkeit während des stritti
gen Zeitraums vom 1. August 2013 bis zum 2
0.
August 2014
(vgl. vorstehende E. 1.5
). Sie offeriert
hierfür als Beweis die Berichte ihres behan
delnden Psychiaters
Dr.
A._
,
das psychiatrische Gutachten von Dr.
D._
vom 2
6.
Februar 2014
sowie die Zeugenaussagen dieser beiden Fachärzte (
Urk.
1 S. 10 f.,
Urk.
17 S. 2
Ziff.
3).
Demgegenüber vertritt die Beklagte gestützt auf die Beurteilungen der
Dres
.
B._
und
C._
den Standpunkt, dass
die Klägerin den Beweis für die ab August 2013 anhaltende 100%ige Arbeitsunfähigkeit nicht erbracht habe (
Urk.
8 S. 6-9,
Urk.
21 S. 2).
4.2
4.2.1
In seinem Bericht vom 2
9.
Oktober 2012 führte
Dr.
A._
unter dem Titel Anam
nese
aus, dass die Klägerin seit 2006 von einer Arbeitskollegin gemobbt w
orden sei
, wobei sich das Verhältnis seit Februar 2012 verschlimmert habe.
Ab Mai 2012 seien zu Hause Panikattacken aufgetreten, ab August 2012 auch im Geschäft. Zu den Befunden hielt
Dr.
A._
insbesondere fest, dass die gepflegte, allseits orien
tierte Klägerin psychomotorisch verlangsamt sei. Zudem sei sie niedergeschlagen und könne kaum Freude empfinden; das Selbstwertgefühl sei reduziert. Im Weiteren leide sie an Durchschlafstörungen, sehr rascher Ermüdung, reduziertem Appetit mit Gewichtsverlust und reduziertem Antrieb. Etwa drei Mal wöchentlich würden Panikattacken
mit einer Dauer von
ungefähr 15 bis 30
Minuten
auftreten.
Diagnostisch
lägen eine mittelgradige depressive Störung sowie eine Panik
störung vor, wobei derzeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit bestehe. Teilweise arbeitsfähig werde die Klägerin voraussichtlich in drei bis vier Monaten sein. Eine 100%ige Arbeitsfähigkeit könne prognostisch innerhalb von sechs bis zwölf Monaten erreicht werden (Urk. 9/6).
4.2.2
Dr.
B._
stellte in seinem psychiatrischen Gutachten vom 2
2.
Juli 2013 folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
9/20/7):
-
leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
-
Panikstörung, anamnestisch (ICD-10 F41.0)
-
Soziophobie, anamnestisch (ICD-10 F40.1).
Bei der Klägerin sei ein weitgehend normaler psychischer Befund erhoben worden. Sie habe von Panikattacken, soziophobischem Rückzug sowie Interes
sen- u
nd Initiativeverlust berichtet, wobei sie ihrer Meinung nach wegen Mobbings am Arbeitsplatz in diesen Zustand geraten sei. Die von ihr beschriebe
nen Symptome seien einer Angsterkrankung/Soziophobie zuzuordnen und sollten durch eine kognitiv-
behavioral
orientierte Psychotherapie behandelt werden. Nach einer psychischen Umstellungsphase von zwei Wochen bestehe Belastbar
keit für ein Arbeitspensum von 30
%
im angestammten Beruf respektive in einer Tätigkeit mit vergleichbarem Anforderungsprofil. Diese könne nach einem Monat auf 50
%
, nach weiteren drei Wochen auf 80
%
und danach innert zusätzlicher zwei Wochen auf allfällige 100
%
gesteigert werden. Mitte Juli 2013 wäre somit die Belastbarkeit für das ursprüngliche Arbeitspensum von 80
%
gegeben (
Urk.
9/20/7-9).
4.2.3
Mit Bericht vom 1
8.
August 2013 kritisierte
Dr.
A._
die Beurteilung von Dr.
B._
, welche nicht nachvollziehbar sei. Ohne entsprechende Diagnosekrite
rien und Symptome zu erwähnen, habe
Dr.
B._
eine Panikstörung und eine Soziophobie diagnostiziert. Für eine soziale Phobie gebe es eigentlich keine Anhaltspunkte. Es mache den Eindruck, dass im Gutachten Agoraphobie und soziale Phobie verwechselt worden seien
, da die Klägerin inzwischen zusätzlich eine Agoraphobie entwickelt habe, was bei Patienten mit Panikattacken häufig sei (
Urk.
9/24/1). Da die Agoraphobie sehr schwerwiegend sei, bestehe weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Zu einer gewissen Erleichterung habe inzwischen die Erhöhung der Medikation mit
Cipralex
geführt (
Urk.
9/24/2).
4.2.4
In ihrer Aktenbeurteilung vom
9.
Oktober 2013 stufte
Dr.
C._
einerseits die Diagnosestellung von
Dr.
B._
als korrekt ein. Andererseits wies sie darauf hin, dass die Klägerin gemäss
Dr.
A._
«inzwischen zusätzlich» eine Agoraphobie entwickelt habe, weswegen eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert werde. Es handle sich hierbei um eine neu aufgetretene Störung. In diesem Kontext seien weitere Abklärungen erforderlich, wobei in einem ersten Schritt ein ausführlicher Arztbericht eingeholt werden sollte (
Urk.
9/32).
4.2.5
In der Folge gelangte die Beklagte erneut an
Dr.
A._
(
Urk.
9/35), welcher am 10. November 2013 einen weiteren Bericht vorlegte.
Diesem ist unter anderem zu entnehmen, dass nebst einer mittelgradigen depressiven Störung (ICD-10 F32.1) eine Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01) vorliege
(
Urk.
9/38/2 f.)
. Nachdem die Panikattacken ab August 2012 auch im Geschäft aufgetreten seien, habe sich acht Monate später eine Angst entwickelt, sich ohne Begleitung ausserhalb der eigenen Wohnung zu bewegen
, weil dort eine Panikattacke mit Ohnmacht auftreten könnte. Die Klägerin habe nicht mehr alleine einkaufen gehen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen oder mit dem Auto fahren können.
Die
unklare Situation am Arbeitsplatz und die unsichere soziale Lage
hätten den
subjektiv wahrgenommene
n
Druck noch erhöht und eine Verbesserung des gesundheitlichen Zustandes
be
hindert (
Urk.
9/38/1).
Aufgrund der beiden Diag
nosen sei die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Die Klägerin sei namentlich weder in der Lage, Regeln und Routinen einzuhalten noch Aufgaben zu planen und zu strukturieren.
Des Weiteren
seien die Flexibilität, Umstellungs- sowie
Entschei
dungs
- und Urteilsfähigkeit mittelgradig beeinträchtigt. Schwere Einschränkun
gen seien in Bezug auf die Durchhalte- und Selbstbehauptungsfähigkeit sowie die Kontakt- und Gruppenfähigkeit vorhanden. Fast vollständig beeinträchtigt sei darüber hinaus die Verkehrsfähigkeit, da die Klägerin nur in Begleitung reisen könne. Die Prognose sei sehr von den äusseren Umständen (Stress) abhängig. Mit einer Teilarbeitsfähigkeit sei in etwa sechs Monaten zu rechnen (
Urk.
9/38/3).
4.2
.6
Am 1
7.
November 2013 nahm
Dr.
C._
erneut Stellung zu den Ausführungen von
Dr.
A._
, wobei sie festhielt,
dass dessen Diagnosen weder eindeutig bestätigt noch
widerlegt
werden könnten
(
Urk.
9/41/
1). Darüber hinaus wies sie auf klärungsbedürfte Diskrepanzen hin, wie beispielsweise einen psychopathologisch widersp
rüchlichen Befund (
Urk.
9/41/
2). Auf den aktuellen Bericht von Dr.
A._
könne nicht abgestellt werden; eine Verlaufsbegutachtung durch Dr.
B._
sei angezeigt (
Urk.
9/41/
3).
4.2.7
In seinem psychiatrischen Verlaufsgutachten vom
8.
Dezember 2013 gelangte Dr.
B._
zum Schluss, dass eine Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01) vorliege, welche sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirke
. Konkrete
Anhalts
punkte für die Störung hä
tten sich in der Untersuchungssituation nicht finden lassen, weshalb die Diagnose wie bereits zuvor aufgrund der Angaben der Klägerin gestellt werde
(
Urk.
9/48/7).
Im Rahmen der aktuellen Untersuchung sei erneut ein weitgehend normaler psychischer Befund erhoben worden.
Aufgrund des von der Klägerin beschriebenen Funktionsniveaus und ihrer Angaben zum aktuellen Tagesablauf respektive zur aktuellen Lebenssituation würden sich keine Hinweise darauf ergeben, weshalb sie bei drei bis vier Mal wöchentlich auftre
tenden Panikattacken, die höchstens einmal pro Woche den Einsatz eines rasch wirksamen
Benzodiazepinderivats
erforderten, nicht wieder mit einem Pensum von 100
%
im angestammten Beruf arbeiten könne. Vor dem Hintergrund eines möglichen weiteren sekundären Krankheitsgewinns sei auch unter therapeu
tischen Gesichtspunkten eine sofortige Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit sinnvoll, da davon ausgegangen werden könne, dass ein ausreichender medika
mentöser Schutz bestehe und auch von
Dr.
A._
eine weitergehende Verhaltens
therapie wie beispielsweise in Form einer begleiteten Exposition nicht für notwendig erachtet werde (
Urk.
9/48/8).
4.2.8
Dem von der Rechtsschutzversicherung der Klägerin in Auftrag gegebenen psychiatrischen Gutachten von
Dr.
D._
vom 2
6.
Februar 2014 ist folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (
Urk.
9/53/16):
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01; mittelgradig), Panik
störung seit Mai 2012, Agoraphobie seit April 2013
Demgegenüber verneinte
Dr.
D._
einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit in Bezug auf folgende Diagnosen (
Urk.
9/53/16):
-
Status nach mittelgradiger depressiver Reaktion 2013 (ICD-10 F32.1)
-
Spinnenphobie seit Kindheit (ICD-10 F40.2)
-
Kontrollzwang, Beginn unbekannt (ICD-10 F42.1).
Im häuslichen Rahmen bestehe keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit; Haushaltstätigkeiten und auch Heimarbeit seien vollumfänglich zumutbar. Ausser Haus sei die Arbeitsfähigkeit eingeschränkt.
Agoraphobiekranke
würden sich in wachsender Entfernung zum sicheren Ort unsicher fühlen und mit Panik reagie
ren, wenn die Möglichkeit einer raschen Rückkehr bei einer allfälligen Panik
attacke verwehrt sei. Die eingeschränkte Verkehrsfähigkeit beziehe sich also nicht nur auf den Weg zur und von der Arbeitsstelle. Die ängstliche Belastung am Arbeitsort sei umso höher, je weiter dieser vom schützenden Daheim entfernt liege. Die Panikstörung mit der typischen Angst vor der Angst liesse die Klägerin wie auf Kohlen arbeiten, da sie in der Verkaufssituation jederz
eit eine neue Panikattacke ge
wärtigen müsse. Natürlich könnte sie diese dann
wie von Dr.
B._
beschrieben
mit
Temesta
coupieren
, nur dauere die Attacke ohnehin nur 15-30 Minuten, sodass die pharmakologische Wirkung zu spät
eintrete
. Die Angst vor der Angst sei in dieser Überlegung ebenso wenig berücksichtigt, wie die erhöhte Häufigkeit von Panikattacken in Belastungssituationen. Aktuell, unter Befreiung zahlreicher Pflichten, komme es zu circa zwei bis drei Panikattacken pro Woche. Unter den Anforderungen einer Arbeitssituation wäre die Anzahl anfangs sicherlich höher. Ohne weitere medizinische und berufliche Massnahmen
sei
vorerst von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der angestammte
n Tätigkeit als Verkäuferin aus
zug
ehen.
In angepassten Tätigkeiten mit längerem Arbeitsweg gelte das Gleiche. Für angepasste Tätigkeiten, die in nächster Nähe ohne Leistungsdruck und mit Pausenmöglichkeiten ausgeführt werden könnten, wäre hingegen eine vorerst zweistündige Leistungsfähigkeit vorhanden, die im Verlauf gesteigert werden könne (
Urk.
9/53/19).
Zu den Gutachten von
Dr.
B._
hielt
Dr.
D._
zusammengefasst fest, dass diese den Anforderungen an ein psychiatrisches Gutachten bezüglich Befund
erhebung, Diagnosestellung und Erfassung von funktionellen Einschränkungen
nicht genügen würden. Deswegen könne auch auf die darauf aufbauenden Schlussfolgerungen des Gutachters nicht abgestellt werden (Urk. 9/53/28 f.).
4.2.9
Auf entsprechende Anfrage der Beklagten (vgl.
Urk.
9/57 f.) bezog
Dr.
B._
am 2
2.
Juli 2014 zum Gutachten von
Dr.
D._
Stellung.
Dabei beanstandete er namentlich, dass
Dr.
D._
trotz Widersprüchen in den Angaben der Klägerin beziehungsweise der ebenfalls befragten Mutter keine kritische Beschwerde
vali
dierung vorgenommen habe (
Urk.
9/60/4, 9
/60/7).
Gesamthaft erkannte
Dr.
B._
keine logisch nachvollziehbaren Anhaltspunkte, um von seiner letzt
maligen Beurteilung abzuweichen, wonach keine Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit
mehr bestehe (
Urk.
9/60/11).
4.3
4.3.1
Nachdem die Beklagte die Taggeldleistungen gestützt auf das Gutachten von Dr.
B._
vom 2
2.
Juli 2013
(
Urk.
9/20)
per
1.
August 2013 zunächst auf 50
%
gekürzt und
in der Folge
per 1
8.
August 2013 voll
ständig eingestellt hatte (Urk.
9/22),
widersprach der behandelnde Psychiater
Dr.
A._
der
Einschätzung von
Dr.
B._
mit Bericht
en
vom
1
8.
August
und 1
0.
November
2013, wobei er
jeweils
eine
andauernde
100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigte
(
Urk.
9/24
/2,
9/38/3
).
Diese Einschätzung begründete
Dr.
A._
zunächst einzig damit, dass die bei der Klägerin bestehende Agoraphobie sehr schwerwiegend sei (
Urk.
9/24/2). Im nachfolgenden Bericht stellte er zusätzlich die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Störung, welche sich ebenfalls auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Des Weiteren erachtete er das funktionelle Leistungsvermögen der Klägerin in diver
sen Bereichen für schwer eingeschränkt (Urk. 9/38/2 f.).
Die Beklagte zweifelt die Ausführungen von
Dr.
A._
insbesondere unter Berufung auf die diesbezüglich von
Dr.
C._
erhobene Kritik an (Urk. 1 S. 6 f.). Jene wies in ihrer Stellungnahme vom 1
7.
November 2013
(
Urk.
9/41) zu
treffend
auf mehrere Diskrepanzen beziehungsweise Un
stimmigkeiten
hin.
Während dem Bericht vom 1
8.
August 2013 (
Urk.
9/24) keine objektiven Befunde zu entnehmen sind, wurden diese im nachfolgenden Bericht vom 1
0.
November 2013 (
Urk.
9/38) nicht konsequent von
rein
subjektiven Angaben der Klägerin abgegrenzt.
Dies z
og
sich in die Beurteilung
der funktionellen Leistungsfähigkeit
fort
, indem etwa die Anwendung fachlicher Kompetenzen sowie die Entscheidungs- und Urteils
fähigkeit aufgrund der subjektiv starken Konzentrations- und Gedächtnisstörun
gen als erheblich beeinträchtigt eingestuft wurden, obwohl klinisch keine kognitiven oder mnestischen Defizite objektiviert werden konnten.
Des Weiteren ist nicht schlüssig, weshalb
Dr.
A._
die Kontakt- und Gruppenfähigkeit aufgrund von Angst und Depression zwar als schwer beeinträchtigt einstufte,
davon
jedoch
gleichzeitig
die familiären und intimen Beziehungen
explizit
ausnahm
(
Urk.
9/38/2 f.)
.
Wie
Dr.
C._
berechtigterweise festhält, wäre bei den von
Dr.
A._
gestellten Diagnosen einer mittelgradigen depressiven Störung (ICD-10 F32.1) und einer Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01) keine derartige Selektivität der Funktionseinschränkungen zu erwarten.
Ein weiterer Wider
spruch ist überdies in Bezug auf die psychosozialen Belastungsfaktoren zu erblicken. So führte
Dr.
A._
zunächst unter dem Titel Anamnese
aus, dass
die
unklare Situation am Arbeitsplatz
und die unsichere soziale Lage
eine
r
Besserung
des Gesundheitszustandes
entgegengestanden habe
. Nach zwischenzeitlich mittels Behandlungsintensivierung erzielter Besserung sei die Angstsymptomatik nach der Ankündigung der Beklagten, die Leistungen einzustellen, wieder stärker ausgeprägt gewesen (
Urk.
9/38/1)
.
Gleichwohl gelangte
er danach
ohne nachvoll
ziehbare Begründung
zum Schluss, dass
psychosoziale respektive sozio
kulturelle Belastungsfaktoren keinen Einfluss auf die Schwere der Erkrankung hätten (Urk. 9/38/3)
.
Im Übrigen
ist
Dr.
C._
insofern
beizupflichten,
als der von
Dr.
A._
postulierte Schweregrad der Einschränkungen in zahlreichen Funk
tionsbereichen
sowie
die attestierte Arbeitsunfähigkeit
nicht mit der Art der Behandlung und der Therapiefreque
nz (eine Therapiesitzung alle 7 bis
14 Tage; U
rk.
9/38/3) in Einklang zu bringen ist.
Zu Recht sieht die Beklagte vor diesem Hintergrund die Erfahrungstatsache bekräftigt,
wonach behandelnde Arztperso
nen
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc
), was auch im zivilprozessualen Bereich im Rahmen der Beweiswürdigung zu berücksichtigen ist (Urteil des Bundesgerichts 4A_571/2016 vom 2
3.
März 2017 E. 4.2).
Im Lichte all dieser Umstände
sind
die Berichte von
Dr.
A._
nicht geeignet,
rechtsgenüglich
den Beweis für
eine ab dem
1.
August 2013 fortbestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit zu
erbringen
.
4.3.2
Die Klägerin offeriert zum Hauptbeweis
des Weiteren
das psychiatrische Gutach
ten von
Dr.
D._
vom 2
6.
Februar 2014
, welcher
für die angestammte Tätigkeit als Verkäuferin sowie für angepasste Tätigkeiten mit längerem Arbeitsweg «vorerst» eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestierte. Für in nächster Nähe, ohne Leistungsdruck und mit Pausenmöglichkeit ausführbare leidensadaptierte Tätigkeiten sei eine zunächst zweistündige Leistungsfähigkeit vorhanden, die dann im Verlauf gesteigert werden könne (
Urk.
9/53/19).
Soweit die Beklagte
aus dieser Formulierung
ab Juli 2013 eine
volle Arbeits
fähigkeit für angepasste Tätigkeiten mit kurzem Arbeitsweg ableiten will (
Urk.
8 S. 8),
kann ihr
mit der Klägerin (vgl.
Urk.
17 S. 4)
nicht gefolgt werden.
Damit ist jedoch noch nichts darüber gesagt, ob die gutachterlichen Schlussfolgerungen zur Arbeitsfähigkeit
im Ergebnis
zu überzeugen vermögen.
In diesem Zusammen
hang weist die Klägerin zwar grundsätzlich zutreffend darauf hin
(
Urk.
17 S. 5)
, dass
im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren seitens des RAD mit Stellungnahme vom 1
7.
April 2014
auf das Gutachten von
Dr.
D._
und nicht mehr auf diejenigen von
Dr.
B._
abgestellt wurde (Urk. 9/71/90/3).
Dies ist jedoch für sich allein nicht ausschlaggebend, da die rechtliche Relevanz einer von medizinischer Seite bescheinigten Arbeitsunfähigkeit vom Rechtsanwender zu prüfen ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_648/2017 vom 2
0.
November 2017 E. 1.2)
.
Zunächst
sticht
ins Auge, dass die anlässlich der Untersuchung durch
Dr.
D._
erhobenen objektiven Befunde durchgehend
unauffällig waren (
Urk.
9/53/10 f.). Selbiges
ergibt sich aus den
im Vorfeld
von
Dr.
B._
zuhanden der Beklagten erstellten
Gutachten
(
Urk.
9/20/6 f., 9/48/6 f.).
Dies ist nicht ausser Acht zu lassen, selbst wenn eine
streng
beobachtungszentrierte Psychopathologie für Angst
störungen wie Agoraphobie diagnostische P
robleme bereitet,
w
ie
Dr.
D._
unter Verweis auf Fachliteratur
erläutert
hat
(
Urk.
9/53/24).
Des Weiteren ist fest
zuhalten, dass
Dr.
D._
die stark eingeschränkte Arbeitsfähigkeit im Wesent
lichen mit der
seines Erachtens
erheblich beeinträchtigten Verkehrsfähigkeit der Klägerin sowie der
en
«Angst vor der Angst» begründet hat, da
sie
in der Verkaufssituation jederzeit mit einer neuen Panikattacke rechnen müss
t
e und daher wie auf Kohlen arbeiten würde (U
rk.
9/53/19).
Die
starke Einschränkung der Verkehrsfähigkeit
lässt sich jedoch nicht mit den
Angaben
der Klägerin
z
u ihrem
tatsächlichen Leistungsniveau
vereinbaren
. Es verhält sich insbesondere nicht derart, dass es ihr
krankheitsbedingt
vollkommen
verunmöglicht gewesen wäre, ihr Zuhause (ohne Begleitung) zu verlassen.
Zwar äusserte sie sich zunächst dahingehend, nirgendwo allein hingehen zu können (Urk. 9/53/6).
Im Rahmen der weiteren detaillierten Exploration durch
Dr.
D._
relativierte die Klägerin
diese Aussage
allerdings
in bedeutender Weise
, indem sie unter anderem mitteilte
, im vertrauten Bereich von einem Kilometer um ihr Zuhause spazieren gehen zu können.
Auch sei
sie in der Lage
, während 30-40 Minuten auf ihr vertrauten Strecken Auto zu fahren
, wobei sie ihre Schwester besuche
oder
manchmal
mit Freunden in den
Ausgang gehe
.
Dem Gutachten ist ausserdem
zu entnehmen, dass
der Klägerin
die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel
insbesondere unter Vermeidung der Hauptverkehrszeiten
ebenfalls nicht verunmöglicht war
(U
rk.
9/53/8).
Doch nicht nur vor diesem Hintergrund vermag die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von
Dr.
D._
nicht zu überzeugen.
So erschliesst sich nicht, weshalb der Klägerin eine Erwerbstätigkeit in Heimarbeit vollumfänglich zumutbar sein
und
gleichzeitig für eine in nächster Nähe zum Wohnort zu verrichtende leidens
angepasste Tätigkeit
«vorerst» bloss eine zweistündige Leistungsfähigkeit [pro Tag] bestehen sollte
(
Urk.
9/53/19)
.
Ein Widerspruch ist
ausserdem
insoweit zu erkennen, als
Dr.
D._
zum einen von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin ausgeht, zum anderen jedoch beispielsweise eine
stundenweise
Tätigkeit «im nächstgelegenen
E._
» im Rahmen beruflicher Massnahmen
als
geeignet
en Wiedereinstieg in den Arbeits
markt
einstuft
(
Urk.
9/53/19 f.).
Im Übrigen ist festzuhalten, dass die Klägerin gegenüber
Dr.
D._
von etwa zwei bis drei Panikattacken pro Woche mit je einer Dauer von 15 bis 20 Minuten berichtete (
Urk.
9/53/7).
Anlässlich der
vorangegangenen Begutachtung
durch
Dr.
B._
hatte sie
eine sehr rasch einsetzende Wirkung der in diesen Fällen verwendeten Medikation beschrieben («nach 5 Minuten»;
Urk.
9/48/4).
Selbst wenn
wie von
Dr.
D._
in Betracht gezogen (Urk. 9/53/19)
unter den Anforderungen einer Arbeitssituation anfangs mit häufigeren Panikattacken zu rechnen wäre,
steht die seinerseits attestierte Arbeitsunfähigkeit
in einem
deutlichen
Missverhältnis zu den konkret durch die Attacken verursachten Einschränkungen
.
Gesamthaft
bestehen
somit
gewichtige Indizien
, die
gegen die Zuverlässigkeit der
von
Dr.
D._
vorgenommenen
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
sprechen
.
Nament
lich
mangelt es an einer
objektiven,
kritischen
Auseinandersetzung
mit dem tatsächlichen funktionellen Leistungsniveau
der Klägerin
, wie
auch
Dr.
B._
in seiner Stellungnahme vom 2
2.
Juli 2014 zu R
echt be
merkte (
Urk.
9/60/10).
Des Weiteren kann die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung durch den Rechtsanwender in mehrfacher Hinsicht nicht schlüssig nachvollzogen werden.
5.
Nach dem Gesagten ist
zusammenfassend
festzuhalten, dass
der Klägerin der Nachweis für die
ab dem 1. August 2013 geltend gemachte und
seitens der Beklagten bestrittene
n
Arbeitsunfähigkeit misslungen ist. Weder gestützt auf die Berichte des behandelnden Psychiaters
Dr.
A._
noch das Parteigutachten von
Dr.
D._
vermochte die Klägerin mit dem erforderlichen Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit eine anspruchsbegründende Arbeitsunfähigkeit zu belegen.
Der Vollständigkeit halber bleibt
anzumerken
, dass von weiteren Abklärungen
- nicht zuletzt mit Blick auf den Zeitablauf -
keine anderen
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten sind, weshalb davon abzusehen ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3, 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d). So ist insbesondere in Anbetracht des Umstands, dass ein Leistungs
anspruch für die Jahre 2013 und 2014 zur Diskussion stand, nicht ersichtlich, welche Aufschlüsse die von der Klägerin beantragte Zeugenbefragung der
Dres
.
A._
und
D._
(
Urk.
1 S. 10 f.) geben sollte, die nicht bereits in deren echtzeit
lichen schriftlichen Ausführungen enthalten sind.
Dies
hat die Abweisung der Klage zur Folge.
6.
6.1
Zu den Prozesskosten gehören gemäss
Art.
95
Abs.
1 ZPO die Gerichtskosten und die Parteientschädigung.
Gemäss
Art.
114
lit
. e ZPO ist das Verfahren
bei Streitigkeiten betreffend Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung
kostenlos.
6.2
Die
obsiegende
Beklagte wurde nicht durch einen externen Anwalt vertreten. Sie hat somit praxisgemäss
mangels eines besonderen Aufwands (vgl. BGE 110 V 72 E. 7)
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 4A_355/2013 vom 2
2.
Oktober 2013 E. 4.2).