Decision ID: eaacc6c6-e326-4111-8f5c-2e6c4aaa2450
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970,
war seit 2006 bei der
Y._
AG als Kommissioniererin tätig (
Urk.
8/44/1-2).
Am 2
1.
Mai 2014 meldete sie sich wegen Rücken- und Kniebeschwerden bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
8/16). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und sprach der Versicherten am 2
3.
Juli 2014 Frühin
terventionsmassnahmen in Form
einer
Arbeitsvermittlung
(
Urk.
8/27) und eines Ausbildungskurses (
Urk.
8/33) zu.
Sodann holte sie ein rheumatologisch-psychi
atrisches Gutachten ein, welches am
2
4.
November 2016
erstattet wurde
(
Urk.
8/79). Am
9.
Februar 2017 auferlegte die IV-Stelle der Versicherten eine Schadenminderungspflicht in Form einer multimodalen Schmerztherapie (
Urk.
8/84). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/85) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
3.
Juli 2017 (
Urk.
8/97) einen Leistungsanspruch der Versicherten. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Am 1
5.
Juni 2018 (
Urk.
8/103) beantragte die Versicherte die Zusprache berufli
cher Massnahmen.
Die IV-Stelle holte erneut medizinische Akten ein und veran
lasste ein weiteres rheumatologisch-psychiatrisches Gutachten, welches am 1
3.
Mai 2019 erstattet wurde (
Urk.
8/140/38-56). Nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(
Urk.
8/145;
Urk.
8/148;
Urk.
8/150;
Urk.
8/153;
Urk.
8/154) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
6.
Januar 2020 einen Leistungsan
spruch der Versicherten (
Urk.
8/158 =
Urk.
2).
2.
Am
4.
Februar 2020 erhob die Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom
6.
Januar 2020 (
Urk.
2) und beantragte die Aufhebung des angefochtenen Ent
scheides und die Zusprache einer Rente und beruflicher Massnahmen (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 2
0.
März 2020 (
Urk.
7) beantragte die Beschwerdegeg
nerin die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 1
5.
April 2020 unter gleichzeitiger Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.3
Versicherte, die seit mindestens sechs Monaten zu mindestens 50 % arbeitsunfä
hig (Art. 6 ATSG) sind, haben Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vorbe
reitung auf die berufliche Eingliederung (Integrationsmassnahmen), sofern dadurch die Voraussetzungen für die Durchführung von Massnahmen beruflicher Art geschaffen werden können (Art. 14a Abs. 1 IVG). Als Integrationsmassnah
men gelten gemäss Abs. 2 gezielte, auf die berufliche Eingliederung gerichtete Massnahmen zur sozialberuflichen Rehabilitation (
lit
. a) und Beschäftigungs
massnahmen (
lit
. b). Es geht darum, bei denjenigen Versicherten, die aktuell nicht eingliederungsfähig sind oder deren Eingliederungsfähigkeit verloren zu gehen droht, die Eingliederungsfähigkeit herzustellen oder zu erhalten.
Ist aber jemand in einer
anderen zumutbaren Tätigkeit arbeitsfähig, so ist er (in dieser anderen Tätigkeit) bereits eingliederungsfähig; er braucht keine Integrationsmassnahmen mehr, um die Eingliederungsfähigkeit herzustellen. Es gibt keinen Grund, Mass
nahmen zur Ermöglichung einer beruflichen Eingliederung durchzuführen, wenn auch ohne solche Massnahmen eine berufliche Eingliederung bereits umgesetzt werden kann (BGE 137 V 1 E. 7.2.3 mit Hinweisen).
1.4
Gesetz und Verordnung enthalten keine Vorschriften über die materiellrechtliche Revision von Eingliederungsleistungen wegen einer seit ihrer Zusprechung ein
getretenen Veränderung der Verhältnisse. Ebenso wenig ist geregelt, unter welchen Voraussetzungen im Falle einer vorangegangenen Verweigerung von Eingliederungsleistungen ein neues Gesuch entgegenzunehmen und zu prüfen ist. In BGE 105 V 173 hat das Bundesgericht entschieden, dass Eingliederungsleis
tungen gleich wie Renten und Hilflosenentschädigungen zu behandel
n sind und dass demzufolge Art.
17 ATSG sowie die dazugehörigen Verordnungsbestimmun
gen in analoger Weise auch auf die Revision von Eingliederungsleistungen
angewendet werden müssen. Art. 87 Abs.
3
der Verordnung über die Invaliden
versicherung (
IVV
)
betrifft – trotz seiner Stellung im Abschnitt E «Die Revision der Rente und der Hilflosenentschädigung» – zwar nicht die eigentliche materi
ellrechtliche Revision laufender Leistungen, sondern einen ander
e
n Sachverhalt, nämlich die Neuprüfung nach vorangegangener Leistungsverweigerung. Es recht
fertigt sich aber, die vorerwähn
te Rechtsprechung auch auf Art. 87 Abs.
3 IVV auszudehnen und diese Bestimmung ebenfalls in analoger Weise auf Eingliede
rungsleistungen anzuwenden. Aufgrund d
er dortigen Verweisung auf Art. 87 Abs.
2 IVV ist daher, wenn eine Eingliederungsleistung verweigert wurde, eine neue Anmeldung nur zu prüfen, wenn die versicherte Person glaubhaft mac
ht (vgl. BGE 130 V 64 E. 5.2, 71 E.
2.2 mit Hinweisen), dass sich die tatsächlichen Verhältnisse in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert haben (BGE
109 V 119 E.
3a
, vgl. auch 125 V 410 E.
2b
; AHI 2000 S. 233 E.
1b).
1.5
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Leistungs
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere
bildet
eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes
einen Revisionsgrund
. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Ände
rung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im
Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Anspruchs mit rechtskonformer Sachver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver
gleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkun
gen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt: Es seien neue Diagnosen genannt worden. Die ursprüngliche Tätigkeit als Kommissioniererin sei seit je her in einem Pensum von mindestens 80
%
zumut
bar. Die Therapiemöglichkeiten seien nicht vollständig ausgeschöpft. In einer angepassten körperlich sehr leichten bis selten leichten, nicht repetitiven, wech
selbelastenden und auf Arbeitshöhe durchzuführenden Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 80
%
. Ein Anspruch auf berufliche Massnahmen entstehe nicht; für die Stellensuche bestehe keine Einschränkung (S. 1
f.
).
Insge
samt werde der für eine Rente erforderliche Invaliditätsgrad nicht erreicht. Da die Beschwerdeführerin gesundheitsbedingt nicht bei der Arbeitssuche eingeschränkt sei, bestehe auch kein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen (
Urk.
7 S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin hielt dem entgegen (
Urk.
1), ihre gesundheitlichen Einschränkungen seien gravierend und sie sei auf Unterstützung bei der Wieder
ein
gliederung angewiesen. Die eingereichten Arztberichte seien von der Beschwer
degegnerin ignoriert worden. Es sei ihr nicht mehr möglich, als Kom
mis
sioniere
rin zu arbeiten, da die Arbeit körperlich sehr streng und gesundheitlich nicht mehr machbar sei.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob seit Erlass der anspruchsverneinenden Verfügung vom
1
3.
Juli 2017 (
Urk.
8/97)
eine relevante Veränderung eingetroffen ist und nunmehr ein Anspruch auf eine Rente oder Eingliederungsmassnahmen besteht.
3.
3.1
Die Leistungsabweisung vom 1
3.
Juli 2017 erging gestützt auf das
bidisziplinäre
Gutachten vom
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Innere Medizin, speziell Rheumaerkrankungen (
Urk.
8/68)
,
und Prof.
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2
4.
Nove
mber 2016 (
Urk.
8/79).
3.1.1
Dr.
Z._
stellte in ihrem rheumatologischen Teilgutachten vom 1
3.
Juli 2016 (
Urk.
8/68)
keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 78
Ziff.
9.1.). Die folgenden,
hier
verkürzt wiedergegebenen Diagnosen hätten keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S
.
78
Ziff.
9.2):
-
Nikotin-Abusus
-
Status nach Drogen-Abusus während der Adoleszenz, aktuell Cannabis-Konsum
-
Status nach chronischer Hepatitis C
-
ausgedehnte chronische Schmerzen, differentialdiagnostisch paraneoplas
tische Beschwerden bei dringendem Verdacht auf ein
Bronchuskarzinom
-
leichte bis mässige degenerative Veränderungen und mässige
Foraminals
tenose
C3/C4 links sowie flache Protrusion C6/C7 ohne Kontakt zu neurogenen Strukturen und
extraforaminale
Wurzeltaschenzyste C6/C7 links mit kräftiger und symmetrischer Nackenmuskulatur
-
kongenitale Übergangsanomalie mit partieller
Sakralisation
von L5 und
Neathros
beidseits mit altersentsprechend normalen Bandscheiben und Facettengelenken bei kräftiger und symmetrischer Rückenmuskulatur
-
Status nach Arthroskopie des rechten Knies am 2
8.
März 2014 mit medi
aler
Teilmeniskektomie
bei intakten Bändern
-
beginnende Fingerpolyarthrosen
Aus rheumatologischer Sicht lägen keine Befunde vor, die die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin einschränkten. Das Ausmass und die Dauer ihrer Beschwerden könnten aus rheumatologischer Sicht nicht erklärt werden, weshalb sie sämtliche Tätigkeit ausführen könne (S. 80 unten). Die Arbeitsfähigkeit in allen angestammten Tätigkeiten betrage 100
%
(S. 82 unten).
3.1.2
Prof.
A._
stellte
in seinem psychiatrischen Teilgutachten vom 2
3.
November 2016 (
Urk.
8/82)
keine psychiatrischen Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit (S.
48
lit
. E.
Ziff.
1). Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten psychopathologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifi
zierten Krankheiten (ICD-10 F54) und eine depressive Episode, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F32.4; S. 48
lit
. E
Ziff.
2). Der Verdacht auf ein Bronchialkar
zinom habe sich nicht bestätigt (S. 45 unten). Im Rahmen der psychosozialen Belastungen (Entlassung und Arbeitslosigkeit, kranke Kinder, finanzielle Prob
leme) und den Kr
änkungsgefühlen nach der Entlass
ung sei es offensichtlich zu einer vorübergehenden depressiven Entwicklung gekommen. Gegenwärtig beste
he jedoch keine Störung der Affektsteuerung mehr. Hinweise auf ein Sucht
verhalten fänden sich nicht. Im Psychostatus und in der Anamnese hätten keine ADHS-typischen Symptome erhoben werden können (S. 46). Die medikamentöse und multimodale Schmerztherapie sei unzureichend und es bestehe massives Verbesserungspotential (S. 48 oben).
Aus psychiatrisch-versicherungsmedizinischer Sicht lägen keine psychiatrischen Störungsbilder mit handicapierenden Fähigkeitsstörungen auf die mittel- und lang
fristige Arbeitsfähigkeit vor. Aus psychiatrischer Sicht könne die Beschwer
deführerin alle körperlichen leidensgerechten Tätigkeiten einer gleichaltrigen Person ausüben. Es habe in der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit keine Arbeitsunfä
higkeit aus psychiatrischer Sicht vorgelegen (S. 49).
3.1.3
Aus
bidisziplinärer
Sicht bestehe keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit. Die Beschwerdeführerin könne sämtliche Tätigkeiten, die Frauen ihres Alters üblicherweise machen könnten, uneingeschränkt ausführen (
Urk.
8/79).
3.2
Gestützt auf diese Beurteilung verneinte die Beschwerdegegnerin nach zuvor durchgeführten Eingliederungsmassnahmen einen weiteren Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin.
4.
4.1
Eine bildgebende Untersuchung der Lendenwirbelsäule vom
8.
August 2018 (
Urk.
8/131/19) ergab eine osteo-
diskale
neuroforaminale
Enge bei LWK 4/5 rechts mit Tangierung der Nervenwurzel L4 rechts, Zysten im Spinalkanal und am Eingang des
Neuroforamens
bei SWK 1, differentialdiagnostisch
Ligamentum
F
lavum
/
Tarlov
Zysten. Eine Reizung der Nervenwurzel S1 rechts sei möglich.
Eine bildgebende Untersuchung der Halswirbelsäule vom
8.
August 2018 (
Urk.
8/131/18) ergab eine
neuroforaminale
Enge bei CWK 3/4 und CWK 6/7 links mit Tangierung von C4 und C7 links, Nervenwurzeltaschenzysten und im Verlauf seit 2017 keine wesentliche Befundänderung.
4.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, führte mit Bericht vom 2
1.
August 2018 (
Urk.
8/131/30-31) aus, die klinische Untersuchung zeige eine Patientin mit einer ausgeglichenen Wirbelsäulenstatik, einer sehr guten Rumpfmobilität in allen Ebenen ohne jegliche Schmerzprovokation und keine Hinweise für sensomotorische Beeinträchtigungen. Bildgebend sehe man bezüg
lich der Lendenwirbelsäule ein physiologisches Profil, keine fortgeschrittenen Diskopathien, gegebenenfalls bei L4/5 rechts etwas hypertroph mit möglicher Kompromittierung der L5-Nervenwurzel. Sehr auffallend seien die extreme Schmerzsymptomatik thorakal mit Ausstrahlung nach ventral, die damit verbun
dene Atemproblematik und die
unklare Inkontinenz. Eine mögliche L5-Sympto
matik, die aufgrund der Bildgebung gerade n
och nachvollziehbar wäre, gebe d
ie
Beschwerdeführerin
in der Anamnese nicht an. Gegebenenfalls sei eine gynäko
logische/urologische Beurteilung sinnvoll. Im Moment sei von diagnostischen Injektionen im Bereich der Lendenwirbelsäule abzusehen (S. 2).
4.3
Lic. phil.
C._
, Neuropsychologin, und
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Neurologie, führten mit Bericht vom 1
8.
September 2018 (
Urk.
8/131/20-23) aus,
die Beschwerdeführerin berichte, sie sei bei ihrer Geburt aufgrund der um den Hals liegenden Nabelschnur blau angelaufen (Hypoxie) und mit Hilfe einer Saugglocke zur Welt gekommen (S. 2 oben). E
s bestehe unter Berücksichtigung der Befunde, der Ergebnisse in den ADHS-Fragebögen sowie der anamnestischen Angaben kein Zweifel
am Vorliegen einer primären
Aktivi
täts
- und Aufmerksamkeitsstörung seit der Kindheit mit Fortbestand im Erwach
senenalter als Folgen einer frühkindlich erworbenen zerebralen Entwicklungsstö
rung (Hypoxie im Rahmen der Geburt). Unter Berücksichtigung der schul- und berufsanamnestischen Angaben führten die kognitiven Befunde zu relevanten Auswirkungen auf die Alltagsfunktionalität und die Leistungsfähigkeit der Pati
entin, diese sei dringend auf IV-unterstützte berufliche Reintegrationsmassnah
men angewiesen (S. 2 unten f.).
4.4
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie für Rheumatologie
, stellte mit Bericht vom 1
1.
Oktober 2018 (
Urk.
8/131/16-17) folgende Diagnosen (S. 1):
-
chronisch rezidivierendes
zervikospondylogenes
beziehungsweise
zervikoradikuläres
Schmerzsyndrom bei
neuroforaminaler
Enge C3/4 und C6/7 links mit Tangierung von C4 und C7 links
-
chronisch rezidivierendes
lumbospondylogenes
beziehungsweise
lumbo
radikuläres
Schmerzsyndrom links bei
-
osteo-
diskale
neuroforaminaler
Enge bei LWK 4/5 rechts mit Tangie
rung der Nervenwurzel L4 rechts
-
Facettengelenksarthrose L1 bis S1 beidseits
-
psychiatrische Diagnosen anamnestisch
Aus rheumatologischer Sicht sei die Beschwerdeführerin aufgrund der jetzigen Schmerzen zu 100
%
arbeitsunfähig.
4.5
Mit Bericht vom
6.
November 2018 (
Urk.
8/131/8-14) stellten med.
pract
.
F._
und
lic.
phil.
G._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (
Ziff.
2.5):
-
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängigkeitssyn
drom, gegenwärtig Substanzgebrauch (ICD-10 F17.24)
-
Zustand nach psychische und Verhaltensstörung durch Opioide, abstinent seit
2006 (ICD-10 F11.20)
-
Zustand nach psychische und Verhaltensstörungen durch Kokain, absti
nent seit 2006 (ICD-10 F15.20)
-
Verdacht auf chronisches Schmerzsyndrom
-
Verdacht auf emotional instabile Persönlichkeitsakzentuierung, DD -störung,
Borderline
-Typ (ICD-10 F60.31)
Die Beschwerdeführerin sei seit
2.
Mai 2018 bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsun
fähig (
Ziff.
1.3). Der Arbeitsintegration stehe primär eine eingeschränkte kogni
tive Flexibilität, körperliche Einschränkungen aufgrund der chronischen Schmer
zen sowie eine psychische Instabilität und die damit einhergehende geringe Belastbarkeit entgegen. Die Beschwerdeführerin könne aufgrund der Schmerzsymptomatik nicht lange stehen oder sitzen, müsse sich immer wieder bewegen. Es bestehe eine erhöhte Erschöpfbarkeit in Abhängigkeit der Schmerzintensität (
Ziff.
2.7). Die Patientin könne nicht lange stehen oder sitzen, es seien keine Rücken- und Nackenbelastungen möglich, keine Überkopf-Tätig
keiten, keine langdauernde, eintönige Haltung. Sie benötige eine möglichst reiz
arme Umgebung (
Ziff.
3.4).
4.6
In seinem Teilgutachten vom
3.
Mai 2019 (
Urk.
8/138) stellte
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumaerkrankungen, folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 78):
-
unspezifische, panvertebrale Rückenschmerzen mit und bei
-
Chronifizierung und Symptomausweitung
-
ungenügender Rumpfstabilisation (Haltungsinsuffizienz)
-
Hohlrundrücken
-
symmetrischer Übergangsstörung mit
Sakralisation
von LWK 5
-
Diskopathie C6/7 und Nervenwurzelzyste C7 links, unverändert im MRI HWS vom
8.
August 2018
-
minimale Diskopathie L4/5 und spinale Zysten im MR vom
8.
August 2018
-
chronifizierte myofasziale Schulter-Nacken-Armschmerzen linksbetont bei
-
muskulärer Dysbalance
Die folgenden Diagnosen hätten keine Auswirku
ng auf die Arbeitsfähigkeit (S.
78):
-
Vitamin D-Mangel
-
latente Hypothyreose
-
chronischer Nikotinkonsum
-
Status nach Hepatitis C 2006
-
Status nach intravenösem Drogenabusus bis 2003
Die Beschwerdeführerin habe ihre Beschwerden auffallend gravierend und inva
lidisierend geschildert. Dabei seien die klinischen Befunde allesamt unspezifisch und für sich allein nicht einmal sicher pathologisch. Dennoch sei die Kooperation bei der Untersuchung durchaus zuverlässig gewesen. So habe sich die Beschwer
deführerin auch potentiell schmerzauslösenden belastenden Tests unterzogen. Schmerzhafte Funktionsstörungen hätten jedoch nicht beobachtet werden können. Dennoch seien aufgrund der muskulären Situation Beschwerden durch
aus erklärbar. Die Beschwerdeführerin habe jedoch ohne schmerzhafte Entlas
tungsreaktion während 1
1⁄2
Stunden ruhig sitzen und ihre Heimübungen korrekt ohne Schmerzauslösung demonstrieren können (S. 69).
Auch nach 2.5 Stunden Exploration sei sie durchaus aufmerksam gewesen und es habe sich kein Nach
lassen der Konzentration beobachten lassen (S. 70).
Objektiv gesehen habe sich aus somatischer Sicht am Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zwischenzeitlich nichts relevant geändert. Es bestünden wei
terhin ausgeprägte muskuläre Defizite. Medizinische und therapeutische Mass
nahmen schienen geeignet, die Beschwerden zu kontrollieren und zu verbessern. Eine grössere körperliche Leistungsfähigkeit scheine jedoch kaum realistisch. Es seien wohl nicht zu wenige, sondern eher zu viele Massnahmen durchgeführt worden. Vor allem die zahlreichen schmerztherapeutischen Interventionen schie
nen das somatische Krankheitsverständnis zu verstärken (S. 88). Die Beschwer
deführerin sei von wenig muskelkräftigem Habitus, zeige eine Fehlform der Wirbelsäule und habe muskuläre Defizite. Die Wirbelsäule sei somit vermindert belastbar
und reagiere mit Schmerzen, was auch für die Extremitäten und die peripheren Gelenke gelte. Ungünstig seien somit auch repetitive Tätigkeiten, solche in ungünstigen Positionen sowie in der Höhe. Trotz regelmässigen aktiven Therapien, Training und Heimübungen blieben offensichtlich relevante musku
läre Defizite. Dennoch sollte die Beschwerdeführerin persönlich durchaus Ressourcen haben, um ihr Funktionsniveau noch leicht zu verbessern und dann auch aufrecht erhalten zu können. Mit einer viel grösseren Leistungs- und Belas
tungsfähigkeit sei jedoch kaum mehr zu rechnen (S. 91).
Die Beschwerdeführerin könne die zuletzt ausgeübte Tätigkeit, die mehrheitlich angepasst gewesen sei, auch heute noch ganztags ausüben. Dabei sei aufgrund eines vermehrten Pausenbedarfs von einer Leistungsminderung von 20
%
auszu
gehen, womit eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
bestehe. Es sei davon auszugehen, dass sich die Arbeitsfähigkeit seit Anfang 2017 nicht verändert habe (S. 92).
Eine der Behinderung optimal angepasste Tätigkeit sei körperlich sehr leicht bis selten leicht, nicht repetitiv, wechselbelastend und auf Arbeitshöhe durchzufüh
ren.
Eine solche angepasste Tätigkeit sei vollzeitig möglich, und es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin seit 2017 in einer angepassten Tätigkeit immer voll arbeitsfähig gewesen sei (S. 92 unten f.).
4.7
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinem psychiatrischen Teilgutachten vom
7.
Mai 2019 (
Urk.
8/140/1-37) keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Die folgenden Diagnosen hätten keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 27 f.):
-
Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängigkeitssyn
drom, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F17.24)
-
Differentialdiagnose: ADHS, rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
Im Kontext als Kommissioniererin habe das Mini-ICF-APP keine vollständigen, schweren oder mittelgradigen Beeinträchtigungen ergeben. Leicht eingeschränkt sei die Beschwerdeführerin in ihrer Selbstbehauptungsfähigkeit, ansonsten bestehe keine Einschränkung (S. 25 f.). Das Vorliegen eines ADHS habe in der Untersuchungssituation weder bestätigt noch ausgeschlossen werden können. Die Störung sei durch
lic.
phil.
C._
nachgewiesen worden, eine entsprechende medikamentöse Behandlung finde allerdings nicht statt. Auf
grund dessen seien die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit lediglich aufgrund des ADHS wenig nachvollziehbar (S. 28 unten). Es sei insgesamt von erheblichen Inkonsistenzen und nicht nachweisbarer Plausibilität der geschilderten Beschwerden auszugehen (S. 34).
Aufgrund des Fehlens einer psychischen Störung mit Krankheitswert respektive mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit könne keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus rein psychiatrischer Sicht begründet werden.
4.8
In ihrer interdisziplinären Gesamtbeurteilung (
Urk.
8/140/38-56) kamen die Gut
achter zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht in der angestammten Tätigkeit seit Anfang 2017 mindestens 80
%
arbeitsfähig sei. Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit (S.
17
Ziff.
4.7). Eine optimal der Behinderung angepasste, körperlich sehr leichte bis selten leichte, nicht
repetitive und wechselbelastende Tätigkeit auf Arbeitshöhe sei aus somati
scher Sicht seit Anfang 2017 immer zu 100
%
möglich gewesen (S. 18
Ziff.
4.8).
4.9
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Anästhesiologie und für Interventio
nelle Schmerztherapie, hielt mit Bericht vom 2
9.
Oktober 2019 (
Urk.
8/152/1-2) fest, es bestehe eine anhaltende, hartnäckige zervikale Wurzelreizsymptomatik sowie eine anhaltende
zervikospondylogene
wie auch
lumbospondylogene
Schmerzkomponente. Die Beschwerdeführerin sei mindestens mittelgradig in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Es sei eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit durchzuführen (S. 2).
5.
5.1
Ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG betrifft Änderungen in den persönlichen Verhältnissen der versicherten Person (BGE 133 V 454 E. 7.1). Dazu gehört namentlich der Gesundheitszustand. Dabei ist nicht die Diagnose massgebend, sondern in erster Linie der psychopathologische Befund und der Schweregrad der Symptomatik. Aus einer anderen Diagnose oder einer unter
schiedlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus medizinischer Sicht allein kann somit nicht auf eine für den Invaliditätsgrad erhebliche Tatsachenänderung geschlossen werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_602/2016 vom 1
4.
Dezember 2016 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen).
Auch d
as Hinzutreten einer neuen Diagnose stellt nicht per se einen Revisions
grund dar, weil damit das quantitative Element der (erheblichen) Gesundheitsver
schlechterung nicht zwingend ausgewiesen ist (BGE 141 V 9 E. 5.2 mit Hinwei
sen). Massgebend ist einzig, ob bzw. in welchem Ausmass – unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie – den medizinischen Akten eine Verschlechterung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit im relevanten Zeitraum entnommen werden kann (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_664/2017 vom 25. Januar 2018 E. 9 und 9C_799/2016 vom 2
1.
März 2017 E. 5.2.1 mit weiteren Hinweisen).
5.2
Bei Erlass der Verfügung vom 1
3.
Juli 2017 lagen im wesentlichen chronische Schmerzen bei leichten bis mässigen Veränderungen der Halswirbelsäule mit kräftiger und symmetrischer Halsmuskulatur, eine angeborene Übergangsanoma
lie mit partieller
Sakralisation
von L5 und
Neathros
mit altersentsprechend normalen Bandscheiben und Facettengelenken und kräftiger und symmetrischer Rückenmuskulatur, ein Status nach Arthroskopie des rechten Knies im Jahr 2014 und beginnende Fingerpolyarthrosen vor, woraus sich nach gutachterlicher
Einschätzung keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergab. Da auch keine psy
chiatrischen Diagnosen feststellbar waren, war von voller Arbeitsfähigkeit auszugehen (vgl. vorstehend E. 3).
5.3
Im Vergleich dazu stellte
Dr.
H._
, dessen Expertise den beweisrechtlichen Anforderungen (vgl. vorstehend E. 1.6) genügt,
nach sorgfältiger und ausführli
cher Befunderhebung
aus somatischer Sicht
im Wesentlichen unverändert unspe
zifische, panvertebrale Rückenschmerzen bei unveränderter Diskopathie der Bereiche C6/7 und C7 der Halswirbelsäule sowie einer minimalen Diskopathie L4/5
und spinalen Zysten und chronifizierte myofasziale Schulter-Nacken-Arm
schmerzen linksbetont bei muskulärer Dysbalance fest. Kniebeschwerden waren nicht mehr
von Relevanz
.
Dr.
H._
hielt fest, dass die klinischen Befunde alle
samt unspezifisch und für sich allein nicht einmal sicher pathologisch seien, wobei aufgrund der muskulären Situation die Beschwerden erklärbar seien. Objektiv gesehen habe sich aus somatischer Sicht am Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zwischenzeitlich nichts geändert (vgl. vorstehend E. 4.6). Im Gegensatz zu
Dr.
Z._
trug
Dr.
H._
der Fehlform der Wirbelsäule und den muskulären Defiziten in dem Sinne Rechnung, als er die zuletzt ausgeübte Tätig
keit nicht zu 100, sondern lediglich zu 80
%
zumutbar erachtete. Damit nahm er jedoch eine lediglich andere und damit revisionsrechtlich unbeachtliche (vgl. vorstehend E. 1.5) Einschätzung eines unveränderten medizinischen Sachverhalts vor, zumal er ausdrücklich festhielt, dass sich die Arbeitsfähigkeit seit Anfang 2017 nicht verändert habe (vgl. vorstehend E. 4.6).
Der psychiatrische Teilgutachter
Dr.
I._
stellte unverändert zu 2017 keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (vorstehend E. 4.7) und
hielt fest, es lasse sich einzig in der Selbstbehauptungsfähigkeit eine leichte Einschrän
kung erheben und es sei insgesamt von erheblichen Inkonsistenzen und nicht nachweisbarer Plausibilität der geschilderten Beschwerden auszugehen. Zu Recht wies
Dr.
I._
darauf hin, dass bei fehlender Behandlung die Relevanz des ADHS auf die Arbeitsfähigkeit wenig nachvollziehbar sei. Dem ist beizufügen, dass die Beschwerdeführerin trotz dieser
Diagnose
von 2006 bis 2014 an der glei
chen Arbeitsstelle tätig sein konnte (vgl.
Urk.
8/44/1
Ziff.
2.1), womit
mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit
nicht von einer infolge dieser Diagnose relevanten Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit auszugehen ist.
5.4
Aus den Berichten der behandelnden Ärzte ist
demgegenüber
nicht auf eine anspruchsrelevante Veränderung der Arbeitsfähigkeit zu schliessen.
Ganz grund
sätzlich
stehen
diese
in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versicherten Person und haben sich zudem in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrie
ren.
Ihre Berichte verfolgen daher nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die materiellen Anforde
rungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E. 3a. Aus diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte – beziehungsweise regelmässig behandelnde Spezialärzte (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 551/06 vom
2.
April 2007 E. 4.2) – mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, kommt im Streitfall ein direktes Abstellen einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte nur selten in Frage (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1055/2010 vom 1
7.
Februar 2011 E. 4.1).
5.5
Nebst diesen Kriterien ist darauf hinzuweisen, dass, wie
Dr.
I._
festhielt, dem Bericht von
Dr.
D._
und
lic.
phil.
C._
(vgl. vorstehend E. 4.3) keine relevanten Angaben zur Arbeitsfähigkeit der Besch
werdeführerin zu entnehmen sind. D
ass die kognitiven Befunde «relevante» Auswirkungen auf die Alltagsfunk
tionalität und die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin hätten, ist zu unge
nau, als dass
entscheidwesentlich
darauf abgestellt werden könnte.
Auch
Dr.
E._
(vorstehend E. 4.4) hielt in pauschaler und damit nicht genü
gend begründeter Weise fest, die Beschwerdeführerin sei aufgrund der Schmerzen zu 100
%
arbeitsunfähig. Eine substantiierte Auseinandersetzung mit den Anfor
derungen in der bisherigen Tätigkeit oder mit der Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit fehlt
und es ist davon auszugehen, dass
Dr.
E._
seine Einschätzung im Wesentlichen auf die anamnestischen Angaben der Beschwer
deführerin stützte
, zumal sein Bericht keine eigene Befunderhebung enthält
.
Dies gilt auch für die Angaben von
Dr.
J._
, der
einzig
von einer «mindestens mittelgradigen» Beeinträchtigung ausging (vorstehend E. 4.8).
Demgegenüber wies
Dr.
B._
in Übereinstimmung mit
Dr.
H._
auf eine ausgeglichene Wirbelsäulenstatik, eine sehr gute Rumpfmobilität in allen Ebenen ohne jegliche Schmerzprovokation und keine Hinweise für sensomotorische Beeinträchtigun
ge
n hin (vgl. vorstehend E. 4.2).
Med.
pract
F._
und
lic.
phil.
G._
stützten ihre Einschätzung (vorstehend E. 4.5), wonach die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsunfähig sei, auch auf somati
sche Befunde, was nicht in ihre Beurteilungskompetenz fällt.
Nebst diesem Umstand kann
mangels
psychiatrisch-
fachärztlicher Qualifikation ohnehin nicht
auf ihren Bericht
abgestellt werden. Rechtsprechungsgemäss
sind
f
ür die verläss
liche Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130 V
352 E. 2.2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.4).
5.6
Somit ist nach dem Gesagten von einer unveränderten Arbeitsfähigkeit in der angestammten und jeder anderen geeigneten Tätigkeit auszugehen und ein Revi
sionsgrund zu verneinen. Damit besteht weder ein Renten- noch ein Eingliede
rungsanspruch. Selbst wenn, wie von
Dr.
H._
postuliert, von einer nun lediglich 80%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auszugehen wäre, bestünde aufgrund der vollen Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten kein Anspruch auf Integrationsmassnahmen.
Bei dieser Sachlage
ist rechtsprechungs
gemäss von einer
selbständigen
Umsetzbarkeit der beruflichen Eingliederung aus
zugehen (vgl. vorstehend E. 1.3).
Der angefochtene Entscheid ist rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdefüh
rerin aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Beschwerdeführerin ist auf § 16 Abs. 4
des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht (
GSVGer
)
hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, sofern sie dazu in der Lage ist.