Decision ID: 8cb69fcb-b20f-4a2d-afe5-b7c99754c2d9
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1978 geborene
X._
absolvierte Berufsausbildungen als Zimmer
mann und Maurer (
Urk.
8/3/12
,
Urk.
8/3/16). Er war bis im Mai 2013 als Maurer tätig und
meldete sich am 31. Mai 2013 bei der
Eidgenössischen Invalidenversi
cherung
wegen
einem Burnout zu
r beruflichen Integration und zum
Rentenbezug
an
(
Urk.
8/4)
.
Vom 13. Mai bis 29. Juni 2013 hielt er sic
h zur stationären psychiatrisch-
psychotherapeutischen Behandlung in der Klinik
Y._
auf (
Urk.
8/19/4-5).
Nach
erwerblichen und medizinischen Abklärun
gen (
Urk.
8/11,
Urk. Urk.
8/10,
Urk.
8/11,
Urk.
8/16,
Urk.
8/19,
Urk.
8/25)
stellte die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
,
mit
der
Mitteilung vom 1
2.
Februar 2014 fest, dass berufliche Massnahmen aufgrund des Gesund
heitszustandes des Versicherten
zur Zeit
nicht möglich seien (
Urk.
8/38).
Mit
dem
Vorbescheid vom 17. März 2014 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, da eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit für jegliche Tätigkeiten vorliege (
Urk.
8/42). Der Versicherte liess seinen behandeln
den Psychiater
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
der IV-Stelle
am 4. April 2014
eine Kopie
des
Arztbericht
s
vom 23. März 2014 ein
reichen (
Urk.
8/43,
Urk.
8/44). Mit
Verfügung vom 19. Mai 2014
entschied
die IV-Stelle
im Sinne ihres Vorbescheids (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Rémy
Wyssmann
, am 18. Juni 2014 Beschwerde erheben (
Urk.
1). Er beantragte
die
Aufhebung der
angefochtenen
Verfügung und die Anordnung eines gerichtlichen Gutach
tens zur Erhebung der Leistungsfähigkeit des Versicherten
, eventualiter
die Rückweisung zur Vornahme weiterer Abklärungen an die IV-Stelle und
sube
ventualiter
die
Zusprache
der gesetzlichen Leistungen
. Ausserdem beantragte er die Durchführung einer öffentlichen Gerichtsverhandlung im Sinne von Art. 6
Ziff.
1 EMRK
(
Urk.
1).
Die IV-Stelle schloss mit der Beschwerdeantwort vom 1
3.
August 2014 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7).
Am 2
0.
August 2014
wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
9B)
,
a
m 1
2.
November 2014 liess der Versicherte die Replik erstatten
(
Urk.
14) und
am 2
6.
November 2014 verzichtete
die IV-St
elle auf eine Duplik (
Urk.
17).
Rechtsanwalt
Wyssmann
führte am
8.
Januar 2015 telefonisch aus, im Falle einer Gutheis
sung der Besch
werde auf die Durchführung der öffentlichen
Verhandlung zu verzichten
, was er auch mit der gleichentags erfolgten schriftlichen Eingabe so festhielt
(
Urk.
19
,
Urk.
20
).
Zudem
reichte Rechtsanwalt
Wyssmann
mit dieser Eingabe vom
8.
Januar 2015
seine Kostennote ein
(
Urk.
20,
Urk.
21)
.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]) Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätig
keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beeinträchti
gung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die
ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die Verneinung des Leistungsanspruchs in der angefoch
tenen Verfügung vom 1
9.
Mai 2014 insbesondere damit, dass keine gesundheitlichen Einschränkungen mit Krankheitswert respektive mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen würden und dass auch der neu ein
gereichte Arztbericht von
Dr.
Z._
vom 2
3.
März 2014 nichts an dieser Beur
teilung ändere (
Urk.
2).
2
.2
Gemäss
dem
Arztbericht der
Y._
vom
8.
Juli 2013,
in welcher
der Beschwerdeführer vom 1
3.
Mai bis
am
2
9.
Juni 2013 hospitalisiert
gewesen
war,
leidet
er
an einem seit der Kindheit bestehenden
Aufmerksam
keitsdefizitsyndrom
(
ADS
;
ICD-10 F98.8)
,
an
einer
Dysthymia
(ICD-10 F34.1)
und
an
Problemen mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung
(ICD-10 Z73)
. Zudem
sei
– was sich jedoch nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus
wirke –
eine
Lese- und Rechtschreibstörung
(ICD-10 F81.0) vorhanden
.
Der Versicherte fühle sich gemäss seinen Angaben seit Monaten ausgelaugt und überfordert. Das
Antidepressivum
Efexor
habe er nach sieben Jahren nun abgesetzt, da er sich mit dessen Einnahme emotional flach gefühlt habe. Er habe ein sehr schlechtes Verhältnis zu seinem Vater gehabt, welcher 2011 Suizid begangen habe. Bis jetzt habe er nicht um diesen trauern können, und tue dies nun. Die Arbeit selbst mache ihm Spass, doch er habe grosse Probleme mit unmotivierten Mitarbeitern und Kollegen
,
mit denen er sich kaum verständigen könne.
Die Oberärztin
Dr.
med.
A._
hielt fest, der Versicherte sei beim Berichten über seine Ärgernisse am Arbeitsplatz
deutlich
dysphorisch
und er sei psychomotorisch unruhig gewesen. Seine Auffassung und Konzentration seien leicht reduziert gewesen
. Als Austrittsmedikation wurde die Einnahme von
Venlafaxin
,
Zyprexa
und
Relaxane
vermerkt. Zur Arbeitsfähigkeit hielt
Dr.
A._
fest, der Versicherte sei in einer komplexen Teamsituation, mit Zeit
druck, mit der Vorgabe von genauer und zügiger Arbeit sowie mit Verantwor
tung für Mitarbeiter deutlich überfordert, denn seine Konzentrations- und Affektregulierungsfähigkeit reichten dafür nicht aus. Aggressionen und emotio
nale Dekompensationen könne der Versicherte, insbesondere in Konfliktsituati
onen, nur mit Mühe regulieren
.
Die bisherige Arbeitstätigkeit sei dem Versi
cherten aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar. Ob mit einer Wiederauf
nahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden könne, könne nicht eindeutig
beurteilt werden und es werde empfohlen, di
esbezüglich bei den ambulan
t
nachbehandelnden Ärzten
nachzufragen (
Urk.
8/16).
Im Austrittsbericht der
Y._
vom
2.
Juli 2013
wurde zudem
darauf hingewiesen, dass der Fokus der Behandlung auf der intensiven Bearbeitung der tiefliegenden strukturellen Störung bei Affektregulierung und Impulskontrolle sowie dem darau
s
resultierenden Selbstwertkonflikt
gelegen habe
. Zu Beginn der stationären Behandlung sei der Versicherte oft sehr wütend gewesen und habe insbesondere im Umgang mit schwierigen Mitpatienten grosse Probleme gehabt
,
mit seiner inneren Anspannung und Wut umzugehen. Durch sportliche Betätigung, Gestalt
ungst
herapie und aggressionsabführende Tätigkeiten wie Steine in den Inn werfen oder Ton zerkleinern, habe der Versi
cherte gegen Ende der Behandlung wesentlich besser mit seinen inneren Anspannungen und seiner Wut umgehen können. In der letzten Woche des stationären Aufenthaltes sei im Zusammenhang mit Differenzen mit Mitpatien
ten nochmals ein aggressiver Durchbruch erfolgt, der durch entsprechende Gespräche wieder habe geklärt und abgemildert werden könne
n
. Der Versicherte müsse in ambulanter Behandlung noch längere Zeit lernen
,
mit Aggressionen, Insuffizienzgefühlen und Affektdurchbrüchen umzugehen. Unumgänglich sei auch eine Veränderung seiner Arbeitstätigkeit unter
Vermeidung langfristiger Überforderung (
Urk.
8/25
/5-7
).
2.3
Der Hausarzt
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, hielt im Arztbericht vom 2
3.
Juli 2013 fest, beim Versicherte
n
seien typische depressive Symptome wie das Gefühl der Perspektivenlosigkeit, Angstzustände, Antriebs
losigkeit und häufiges Weinen sowie Schlafstörungen festzustellen.
Aufgrund der psychischen Erkrankung sei der Versicherte den Anforderungen seines Berufes als Schaler auf Baustellen
zur Zeit
nicht gewachsen. Mit einer Wieder
aufnahme der beruflichen Tätigkeit könne gerechnet werden. Der Versicherte fühle sich allerdings dem Stress und der Hektik bei seiner bisherigen Tätigkeit nicht gewachsen, weshalb eine berufliche
Neuorientierung
erwogen werden müsse (
Urk.
8/19).
2
.
4
Der behandelnde Psychiater
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte am
1.
Oktober 2013 aus, der Versicherte verfüge über wenig Selbstvertrauen, sei im persönlichen Kontakt mit anderen rasch verunsi
chert und seine Stimmungslage sei gedrückt. Das Wegfallen von konflikthaften Arbeitssituationen mildere die Symptome und den Leidensdruck.
Er hielt diesel
ben Diagnosen fest wie die
Y._
. Zu den Problemen am Arbeitsplatz hielt
Dr.
C._
fest,
ADS und
Dysthymie
führten zu
r
Störung der Impulskontrolle, was zu Konflikten mit Mitarbeitern und Vorgesetzten
führe
. Mit
einem
schwachem Selbstwertgefühl und
einem
Autoritätsproblem könne sich der Versicherte dabei nur schlecht behaupten, was durch
den
arbeitsplatz
spezifisch
rau
en Umgangston auf Baustellen noch verschärft werde. Daher lehne der Versicherte eine Rückkehr in den Beruf als Maurer ab. Um eine
behinde
rungsangepasste
Tätigkeit zu finden, sei eine intensive Abklärung
der
kogniti
ven und emotionalen Fähigkeiten nötig. Seit dem 1
3.
Mai 2013 bestehe bis auf
Weiteres
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit als Maurer.
Die Prognose bezüglich Arbeitsfähigkeit sei langfristig gut,
und es könne mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden
,
doch eine kurzfristig forcierte Rückkehr in den bisherigen Beruf sei mit dem hohen Risiko eines erneuten Scheiterns behaftet. Der Suizid des Vaters des Versicherten sei eine emotionale Belastung, mit welcher sich dieser bisher noch kaum habe beschäftigen könne
n
. Die aktu
elle Behandlung bestehe aus einer wöchentlich stattfindenden Psychotherapie
sowie
einer medikamentösen Behandlung mit
Olanzapin
und
Venlafaxin
(
Urk.
8/25/1-4)
.
2.5
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) hielt in seiner Stellungnahme vom
4.
März 2014 fest,
eine
Arbeitsunfähigkeit für die angestammte Tätigkeit ab Mai 2013
werde zwar bescheinigt
,
sei
jedoch versicherungsmedizinisch
noch nicht ausgewiesen.
Die Arbeitsfähigkeit sei zumindest anhaltend gefährdet. In einer angepassten Tätig
keit sei die Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt. Angepasst sei eine ruhige geordnete Tätigkeit in wohlwollender Umgebung. Die Prognose sei
gut. Der Versicherte habe sich im Rahmen seiner Schadenminderungspflicht einer nach
haltigen fachärztlichen Psycho- und Pharma
ko
therapie zu unterziehen. In Art, Schwere und Dauer sei kein leistungsspezifischer Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 28 IVG ausgewiesen, jedoch wohl ein
ausreichender
für
den Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen (
Urk.
8/40/3).
2
.
6
Ab dem
9.
Januar 2014 übernahm
Dr.
Z._
die psychiatrische
Behandlung
des Versicherten. Im Bericht vom 2
3.
März 2014 führte er aus, der Versicherte traue sich eine Rückkehr in seinen angestammten Beruf nicht zu und sein Zustand habe sich psychisch verschlechtert, als er sich in diese Richtung gedrängt gefühlt habe.
Der Versicherte beschreibe Ängste in Form von sozialen Ängsten und von Selbstunsicherheit. Auffällig seien die geringe Frustrations- und Affekttoleranz des Versicherten sowie eine Impulskontrollstörung
und
eine massive Selbstwertproblematik.
Bei den Diagnosen vermerkte
Dr.
Z._
zusätz
lich zu den
von
der
Y._
festgehaltenen Diagnosen
eine akzentuierte Persönlichkeit mit impulsiven und selbstunsicheren Zügen (ICD-10 Z73.1)
als Differentialdiagnose
. Es bestehe aufgrund der psychischen Beschwer
den eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten sowie in einer opti
mal
angepassten Tätigkeit. Mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit könne grundsätzlich gerechnet werden, wobei eine berufliche Neuorientierung und Potentialabklärung sinnvoll erscheine. Mit entsprechender Unterstützung bei der beruflichen Rehabilitierung und psychiatrisch-psychotherapeutischen Mass
nahmen bestehe langfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit eine gute Prognose (
Urk.
8/44).
Am
9.
April 2014 ergänzte der RAD-Arzt
Dr.
D._
, dass er an seiner Stellung
nahme vom
4.
März 2013 nach Vorliegen dieses neuen Arztberichts festhalte (
Urk.
8/45).
3.
3.1
Ein "Burn-out" kann bei Personen mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen in psychosozialen Belastungssituationen auftreten.
Die Diagnose
wird unter dem Code ICD-10 Z73.0 aufgeführt
;
es entspricht aber keiner Erkrankung im Sinne der anerkannten internationalen Klassifikationssysteme. Bei den Z-Kodierungen handelt es sich um Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen. Die Kategorien Z00-Z999 sind für Fälle vorgesehen, in denen Sachverhalte als "Diagnosen" oder "Probleme" angegeben sind, die nicht als Krankheit, Verletzung oder äussere Ursache unter den Kategorien A00-Y89 klassifizierbar sind. "Burn-out" als solches fällt somit nicht unter den Begriff der invaliditätsrechtlich erheblichen
Gesundheitsbe
-
einträchtigung
und
stellt grundsätzlich keinen invalidisierenden Gesundheits
-
schaden dar.
Auch beim Burnout gilt jedoch, dass psychosoziale und soziokulturelle Faktoren selbstständig und insoweit direkte Ursachen der Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit sein und zu einer eigentlichen Beeinträchtigung der psychischen Integ
rität führen können, indem sie einen verselbstständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner - unabhängig von den
invalidi
tätsfremden
Elementen bestehenden - Folgen verschlimmern. Insoweit können sie sich also dennoch mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts
9C_537/2011
vom
2
8.
Juni 2012 mit Hinweisen)
.
3.2
Von den psychiatrischen Fachärzten
wurden
insbesondere eine geringe
Frustrati
ons
- und Affekttoleranz des Versicherten sowie eine
Impulskontroll
störung
und eine massive Selbstwertproblematik geschildert
(
Urk.
8/16,
Urk.
8/25,
Urk.
8/45)
. Diese
Hauptp
roblematik führte offenbar bei der Arbeit mehrfach zu Konflikten mit Arbeitskollegen und Vorgesetzten sowie während des stationären psychiatrischen Aufenthaltes zu Auseinandersetzungen mit Mit
patienten
(
Urk.
8/24,
Urk.
8/25/5-7)
. Von
Dr.
C._
w
urde
am
1.
Oktober 2013 deshalb
eine
Arbeitsunfähigkeit
für die angestammte Tätigkeit auf dem Bau attestiert
und eine Abklärung der Fähigkeiten des Versicherten empfohlen, um eine behinderungsangepasste Tätigkeit zu finden (
Urk.
8/25/1-4). Auch
Dr.
Z._
empfahl
am 2
3.
März 2014
eine berufliche Neuorientierung (
Urk.
8/44)
.
Bei den spezifischen Persönlichkeitsstörungen
im Sinne von
ICD-10 F60 handelt es sich um schwere Störung
en
de
r
charakterlichen Konstitution und des Ver
haltens, die mehrere Bereiche der Persönlichkeit betr
effen
sowie meist mit per
s
ö
nlichen und sozialen Beeinträchtigungen einhergeh
en
. Diese Störungen zeigen sich in deutlicher Unausgeglichenheit in den Einstellungen und im Verhalten in mehreren Funktionsbereichen wie Affektivität, Antrieb,
Impuls
kontrolle
, Wahrnehmen und Denken sowie in den Beziehungen zu anderen. Das auffällige Verhaltensmuster ist tiefgreifend und in vielen persönlichen und sozialen Situationen eindeutig unpassend. Zudem sind diese Störungen meis
tens, aber nicht stets, mit deutlichen Einschränkungen der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit verbunden (Internationale Klassifikation psychischer Störungen
ICD-10 Kapitel V (F) Klinisch-diagnostische Leitlinien
,
9.
Auflage, Bern 2014, S.
276-277).
Die
vorliegenden
Arztberichte setzen sich nicht mit der Frage auseinander, ob beim Versicherten eine solche
Persönlichkeitsstörung vorliegt und allenfalls
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
zeitigt
.
Insbeson
dere wären die gestellte
„
Diagnose Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73)
“
und die von
Dr.
Z._
gestellte Differenti
aldiagnose
„
akzentuierte Persönlichkeit mit impulsiven und selbstunsicheren Zügen (ICD-10 Z73.1)
“
gegenüber einer
allfällig vorhandenen
Persönlichkeits
störung
abzugrenzen sowie die Diagnosen ausführlicher zu begründen gewesen als in den bisher vorhandenen
,
relativ knappen Arztberichten.
Zudem
ist
im Bericht der
Y._
vom
8.
Juli 2013
von Störungen der
Auffas
sung und Konzentration die Rede (
Urk.
8/16).
Dies
könnte im Zusammenhang m
it dem beim Versicherten schon jahrelang
bestehenden ADS stehen. Die IV-Stelle führte
in der Beschwerdeantwort
zwar zu Recht aus, der Versicherte habe trotz dieser Störung
zwei
berufliche Ausbildungen absol
vieren können
(
Urk.
7)
. Doch es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das ADS im Zusammenspiel mit einer allfälligen psychischen Störung Auswirkun
gen
im Berufsalltag und namentlich
auf die Arbeitsfähigkeit hat
, was ja denn auch in einzelnen Arztberichten angedeutet wird
. Diese Frage wäre ebenfalls
medizinisch
abzuklären gewesen, wobei
zur Festlegung
der
kognitiven Fähig
keiten
des Beschwerdeführers gegebenenfalls
eine neuropsychologische Testung nötig gewesen wäre.
3.3
Der Versicherte liess auch eine rheumatologische Abklärung beantragen (
Urk.
1), was er damit begründete, dass im Bericht von
Dr.
B._
vom 2
3.
Juli 2013 auf einen Status nach
Kalkaneusfraktur
links hingewiesen worden sei. Dies
er
habe zwar keinen direkten Einfluss auf die A
rbeitsfähigkeit,
sei aber als somatische Komorbidität im psychiatrischen Gesamtkontext zu würdigen (
Urk.
14 S. 9).
Dr.
B._
führte eine im April 2012 erlittene
Fersenbein
fraktur
bei den Diagnosen auf, welche keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben (
Urk.
8/19). Soweit aus den Akten ersichtlich
,
befindet sich der Versi
cherte diesbezüglich
aktuell
nicht in medizinischer Behandlung. Aus den sich bisher in den Akten befindenden Urkunden ergab sich somit keine Notwendig
keit einer rheumatologischen Begutachtung.
3.
4
Hingegen
wäre die IV-Stelle
wie oben ausgeführt
verpflichtet gewesen, den Beschwerdeführer
psychiatrisch und eventuell neuropsychologisch
begutachten
zu lassen.
Weitere Abklärungen sind daher notwendig.
Dabei ist auch nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts eine Rückweisung an die Verwaltung vor
zunehmen, wenn sie in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist (
vgl. BGE 137 V 210
E. 4.4.1.4).
Dies trifft hier zu
, da
der Gesundheitszustand
noch nicht
ausreichend
abgeklärt wurde
(vgl
. E.
3
.
2) sowie
die Auswirkungen
aller
zuberücksichtigender
Störungen
im Zusam
menspiel
auf die Arbeit
sfähigkeit noch zu klären sind
.
3.
5
D
er Beschwerdeführer
ist
gemäss den behandelnden Psychiatern
zur Zeit
arbeits
unfähig, aber
diesbezüglich
wird eine gute Prognose gestellt
. Dazu ist anzumerken, dass die Therapierbarkeit eines Leidens einer rentenbegründenden Invalidität nicht im W
ege steht (BGE 127 V 294 E. 4).
Falls eine
Therapierbar
keit
gegeben ist, so ist der Beschwerdeführer mittels Mahn- und
Bedenkzeitver
fahren
zur Therapieaufnahme aufzufordern
, wobei der Umfang und die Dauer einer solchen Therapie
zu umschreiben
wäre
n
.
D
enn d
ie
versicherte Person
muss
gemäss Art. 7
Abs.
1 IVG alles ihr Zumutbare unternehmen, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) zu verringern und den Eintritt einer Invalidität (Art. 8 ATSG) zu verhin
dern. Deshalb muss
die
versicherte Person an allen zumutbaren Massnahmen, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Eingliederung ins Erwerbsleben dienen, aktiv teilnehmen. Gemäss Art. 17
Abs.
1 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann. Der Anspruch auf Umschulung setzt voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten und in den für
sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20
%
erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 130 V 488 E. 4.2, 124 V 108 E. 2a und b mit Hinweisen auf u.a. AHI 1997 S. 80 E. 1b; ZAK 1984 S. 91 oben, 1966 S. 439 E. 3). Sollte beim Versicherten eine solche Arbeitsunfähigkeit im bisher ausgeübten Beruf vorliegen, wäre somit vor dem Rentenanspruch ein Umschulungsanspruch zu prüfen.
3.
6
Die Beschwerde ist daher gutzuheissen, die Verfügung vom 1
9.
Mai 2014 (
Urk.
2) aufzuheben und die Sache zur ergänzenden medizinischen Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. N
ach Vornahme dieser Abklärun
gen
hat die IV-Stelle über den Leistungsanspruch des Versicherten neu zu ent
scheiden.
Bei diesem Ergebnis erübrigt sich in Übereinstimmung mit dem Rechtsvertreter des Versicherten die beantragte Durchführung einer
öffentlichen
Hauptverhandlung (
Urk.
1,
Urk.
19
,
Urk.
20
).
Zudem kann offen bleiben, ob das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers im Verwaltungsverfahren verletzt wor
den ist.
4
.
4.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen der gesetzlichen Vorgabe (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG) auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtspre
chung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklä
rung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (Urteil des Bundesge
richts U 199/02 vom 1
0.
Februar 2004 E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 57; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 E. 3). Die Kosten sind der unterliegenden
Beschwerde
geg
nerin
aufzuerlegen.
4.2
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers weist in der eingereichten
Kosten
note
vom
8.
Januar 2015
einen Zeitaufwand von
14.23 Stunden
und
Barausla
gen
von
Fr.
248.80
aus
(
Urk.
21)
. Diese Aufwendungen erscheinen als gerecht
fertigt, weshalb die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer
unter
Berück
sichtigung des
bis Ende 2014
gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
200.--
eine Prozessentschädigung in der Höhe von
Fr.
3‘
342.40
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen hat.