Decision ID: 25a2099d-97ae-42ec-bc1a-83347c86287a
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1969, arbeitete zuletzt
seit Januar 2001
als
Reinigungs
angestellte
/Sortiererin
bei
der
Firma Z._
, als sie
am 1
3.
Dezember 2002 bei einem Arbeitsu
nfall eine Quetschung am
linken Mittel
fuss erlitt (
Urk.
6/4/82,
Urk.
6
/5).
Am 1
5.
Dezember 2003 meldete sich die
Versicherte erstmals bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an, ohne
dabei nähere Angaben über die Art der Behinderung zu machen (
Urk.
6/1).
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizi
ni
sche
u
nd erwerbliche Situation (
Urk.
6/
5-
6
,
Urk.
6/20,
Urk.
6/26,
Urk.
6/28,
Urk.
6/32
,
Urk.
6/40,
Urk.
6/55,
Urk.
6/57,
Urk.
6/70,
Urk.
6/74
,
Urk.
6/82,
Urk.
6/85-86
) ab,
zog die Akten der Schweizerischen Un
fallversicherungsanstalt (SUVA,
Urk.
6/4
,
Urk.
6/68
,
Urk.
6/84
)
bei
und veranlasste insbesondere eine interdisziplinäre Be
gut
achtung bei der Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS), über welche am 1
3.
November 2008 berichtet wurde (
Urk.
6/51)
,
sowie
eine interdisziplinäre Begutachtung beim
Zentrum A._
, über welche am
2.
April 2010 berichtet wurde (
Urk.
6/87)
.
Nach
wei
teren Abklärungen der medizinischen Situation (
Urk.
6/89,
Urk.
6/91,
Urk.
6/93
,
Urk.
6/107,
Urk.
6/109,
Urk.
6/114
)
verneinte
die IV-Stelle
mit Verfü
gung vom
4.
Mai 2011 (
Urk.
6/116) einen An
spruch auf eine Invalidenrente.
1.2
Am
2.
April 2013
meldete sich
die Versicherte
unter Beilage eines Arztberichtes
neu bei der Invalidenversicherung an
(
Urk.
6/13
0-13
1).
Nachdem die Versi
cher
te
weitere Arztberichte (
Urk.
6/135) ein
ge
reicht
hatte
, veranlasste die IV-Stelle
bei
beim
Institut
B
._
ein
polydiszipli
näres
Gu
tachten
, welche
s
am 2
0.
Januar 2014 erstattet wurde (
Urk.
6/147
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/154,
Urk.
6/157,
Urk.
6/160,
Urk.
6/1
66-1
67) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
4.
August 2014 (
Urk.
6/169
=
Urk.
2) einen Rentenanspruch.
2.
Die Versicherte erhob am 1
8.
September 2014 Beschwerde gegen die Verfügung
vom 1
4.
August 2014 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die
Verschlechterung erneut zu prüfen, wobei nicht auf das bemängelte Gut
achten abzustellen sei. Die Rente sei unter Einbezug der massgeblichen Verän
derungen neu zu berechnen
,
und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen zu er
bringen.
Eventualiter sei eine neue Begutachtung zu veranlassen (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stell
e beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
4.
Oktober 2014 (
Urk.
5) die Ab
weisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
3.
November 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
1.
2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wir
d nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die
Neuan
mel
dung
ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob
die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des
Invalidi
täts
grades
auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in ana
loger Weise
wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198
E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der
Invalidi
tätsgrad
seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Verän
derung e
rfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zu
nächst noch
zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine
anspruchs
begründende
Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im
Beschwer
defall
obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.
3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a,
122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2)
gestützt auf das Gutachten
des
Instituts B
._
davon aus,
dass seit der
anspruchsverneinenden
Ver
fügung keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes ausgewiesen sei. Es sei weiterhin von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer
behinderungsan
ge
passten
körperlich leichten bis selten mittelschweren, wechselbelastenden Tä
tig
keit auszugehen (S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (
Urk.
1),
es könne nicht auf das Gutachten des
Instituts B
._
abgestellt werden. Das Gutachten weise erhebliche Mängel und Fehler auf
(S. 3). Die Ärzte des Zentrums
C._
h
ätten
durch neuropsychologisch er
mittelte Defizite, Fremdanamnese und deutlich beschriebene Leistungsbilder
, die
schwere Depression stark objektiv belegen
können. Die Verschlechterung s
e
i
al
lein
aufgrund der schweren Depression, welche in der letzten Verfügung nicht
aus
gewiesen worden sei, objektiv vorhanden. Die Komorbidität sei erwiesen.
A
uf
grund der körperlichen und psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen
sei
die Beschwerdeführerin
für Arbeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu 100
%
ob
jektiv arbeits
unfähig und für Tätigkeiten im Haushalt zu 80
%
objektiv
arbeitsunfähig. Die Bedingung der Willensanstrengung zur Überwindung der
Dys
funktionalität
sei dabei bereits berücksichtigt worden (S. 4).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob seit der anspruchsverneinenden Verfügung vom
4.
Mai 2011 (
Urk.
6/116) eine erhebliche Veränderung des Gesundheitszustandes der Beschwe
rdeführerin eingetreten ist und
ob ihr infolgedessen ein Anspruch auf eine Rente zusteht.
3.
3.1
Die
anspruchsvernein
ende
Verfügung vom
4.
Mai 2011 (
Urk.
6/116)
stützte sich
im Wesentlichen auf die beiden von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gege
be
nen interdisziplinären Gutachten der
MEDAS
vom 1
3.
November 2008 (
Urk.
6/51) sowie des
Zentrums A._
vom
2.
April 2010 (
Urk.
6/87).
3.
2
Die Ärzte der
MEDAS
erstatteten ihr interdisziplinäres Gutachten
in den
Fachdis
ziplinen
Allgemeine Innere Medizin, Orthopädie, Neurologie und Psychiatrie
am
1
3.
November 2008 (
Urk.
6/51) und führten
a
ls Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
complex
regional
pain
syndrom
e
(CRPS) Typ II
mit er
heblicher iatrogener psychogener Überlagerung sei
t
dem 1
3.
Dezember 2002 au
f
(S. 24 Mitte
, S. 26
Ziff.
1.1
). Hinweise für eine eigenständige psychische Störung fänden sich nicht (S. 24 unten
, S. 26
Ziff.
3.2
).
Es l
ie
ge ein sekundärer
Krank
heitsgewinn
vor, welcher
zur
subjektiven Überzeugung völliger
Leistungsunfä
higkeit
geführt habe. Diese lasse sich ärztlicherseits nicht in diesem Ausmass objektivieren beziehungsweise begründen (S. 26 oben).
Tätigkeiten ausschliesslich im Stehen oder Stehen und Gehen kämen dauerhaft nicht mehr in Frage. Eine Tätigkeit mit überwiegend sitzender Körperhaltung
sei
problemlos möglich
.
Es
sollte eine physiotherapeutische Behandlung durchge
führt
werden, um die
Dekonditionierung
im Halte- und Bewegungssystem zu stoppen. Zudem bedürfe die Beschwerdeführerin wahrscheinlich einer gewissen
psychagogischen
Führung mit familientherapeutisch orientiertem Konzept, um
die Mechanismen
des
sekundären Krankheitsgewinns behutsam zu lösen. Auch sei
ein medikamentöses Behandlungskonzept notwendig (S.
25 Mitte). Erfah
rungs
gemäss würden sich die Therapieerfolge erst nach geraumer Zeit einstel
len.
Die Ärzte gingen
deshalb davon aus, dass die Beschwerdeführerin erst im Ver
lauf der nächsten 2 Jahre eine erhebliche Verbesserung erfahre. Für diesen Zeit
raum liege ihr Leistungsvermögen
aufgrund der
chronischen Schmerzen
selbst in einer angepassten Tätigkeit bei 70
%
und lasse sich
sodann
wahr
scheinlich auf 90
%
steigern (S.
25 unten
, S.
26
Ziff.
2
)
. Eine Wiederaufnahme der bishe
ri
gen Tätigkeit sei wegen des ständigen Stehen
s
und Gehens nicht mehr zumutbar (S. 26
Ziff.
3.1
, S. 27
Ziff.
3.4
).
3.3
Die Ärzte des
Zentrums A._
erstatteten ihr interdisziplinäres Gutachten in den
Fachdis
ziplinen
Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie, Neurologie und Psychiatri
e am
2.
April 2010 (
Urk.
6/87) und führten folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 41
Ziff.
6.1):
chronische, therapierefraktäre Fussschmerzen links mit/bei:
Status nach Vorfussquetschung mit Querfraktur der Basis des Os
Me
tatarsale
Dig
. II am 1
3.
Dezember 2003 (richtig: 2002)
sekundärer Schmerzausdehnung auf die gesamte linke Körperhälfte
myofasz
ialer
Komponente
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gaben sie
F
olgendes an (S. 41
Ziff.
6.2):
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
multifaktorielle Kopfschmerzen mit/bei:
chronischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp
Verdacht auf chronische Migräne
myofasz
ialer
Komponente
Dysthymia
(ICD-10 F34.1)
Die internistische Untersuchung
sei altersentsprechend
normal gewesen
(S.
46
oben).
Aus rheumatologischer Sicht
hätten
in der klinischen Untersuchung keine
eindeutigen Zeichen für
das
Vorliegen eines CRPS II objektiviert werden
können
. Anzumerken sei, dass sich trotz der ausgeprägten Schmerzen und anam
nes
tischer Belastungsintoleranz des linken Beines keine muskulären Atro
phien oder
Differenzen der
Fussbeschwielung
fänden.
Aufgrund der
schmerzbe
dingten
Belas
tungseinschränkung
sei der Beschwerdeführerin
zum jetzigen Zeitpunkt
aus rheumatologischer Sicht keine vorwiegend mittelschwere bis schwere Tätigkeit zumutbar.
In einer behinderungsangepassten, körperlich leichten, vorwiegend sitzenden Tätigkeit könne keine Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit begründet werden (S. 46 Mitte).
Die neurologische Untersuchung ergebe keinen sicheren oder wahrscheinlichen Anhalt für eine behindernde Lä
sion am zentralen oder peripheren Nervensystem. Der erhobene Befund sowie die klinischen und appa
rativen Voruntersuchungen
ergäben
insbesondere kei
nen sicheren Anhalt für
ein komplexes regionales Schmerzsyndrom (S.
46 un
ten). Aus psychiatrischer Sicht müsse von einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4
) ausgegangen werden. Dafür spreche, dass man den Schmerz nicht ganz alleine mit einem körperlichen Prozess begründen könne und dass der Schmerz in Verbindung mit schwerwiegenden emotionalen Konflikten und psychoso
zia
len Problemen aufgetreten sei (S. 47 unten). Es müsse weiter davon ausge
gangen werden, dass bei der Beschwerdeführerin eine
Dysthymia
(ICD-10 F34.1) vorliege. Die diagnostischen Kriterien für eine de
pressive Episode seien nicht erfüllt. So zeige
die Beschwerdeführerin
in der Un
te
rsuchung keine
Ermüdungs
zeichen
und
keine Gedächtnisstörungen. Die Be
schwerdeführerin sei aus psy
chiatrischer Sicht für eine Tätigkeit, die ihre eher eingeschränkten sozialen
Ressour
cen (mangelnde deutsche Sprachfähigkeit) berücksichtige
,
zu 100
%
arbeits
fähig (S. 48 oben).
3.4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
erachtete das Gutachten des
Zentrums A._
mit Schreiben vom 2
3.
Juni
2010 (
Urk.
6/89)
als derart mangelhaft, dass nicht darauf abgestellt werden könne.
Dabei
führte er aus
, dass Angaben zu Persönlichkeit, Persönlichkeitsstruktur, Ressourcen und Vul
ner
abilität unverzichtbare Bestandteile eines jeden psychiatrischen Gutachtens seien und diese fehlen würden (S. 1). Weiter würde sich der argumentative Um
fang mit den abweichenden Vordiagnosen auf blosse Negation beschränken oder Widerspruchsfreiheit
postulieren.
Er vermisse i
m Gutachten zudem die kri
tische Auseinandersetzung mit dem Krankheitsverlauf und den bisherigen the
rapeutischen Bemühungen. Auch sei der psychopathologische Befund für ein psychiatrisches Gutachten dürftig ausgefallen (S
.
2). Beschwerden und Befunde wü
rden vermischt. Auch hätten körperliche Befunde im Kapital Psychopatholo
gie nichts zu suchen. Schliesslich sei die Untersuchung nicht umfassend genug. Es würden Angaben zur Untersuchung und zur Person des Dolmetschers fehlen. Zu
letzt
sei die fehlen
de Sorgfalt zu erwähnen, die sich
im sprachlichen Aus
druck mit vielen Fehlern zeigen würde (S. 3).
3.
5
Die Ärzte des
Zentrums A._
nahmen am
2.
August 2010 (
Urk.
6/93) Stellung
zur
Kritik des behandelnden Psychiaters
Dr.
D._
.
Dabei führten die Ärzte aus, dass die
vorhandenen Ressourcen beschrieben worden seien. Die Beschwerdeführerin kön
ne
für sich schauen und auch fü
r ihre Problematiken einstehen.
Ebenso
sei sie in ein familiäres Netz eingebettet und sehe am Abend
fern
, so dass sie be
wusst Kontakte zur Aussenwelt herstelle (S.
1
Ziff.
1). Die Beschwerdeführerin habe weiter den Eindruck, dass ihr die psychiatrische Behandlung helfe. Dies sei ein Zeichen
dafür
, dass das psychiatrische Geschehen nicht unüberwindbar sei. Es seien somit weder ein unüberwindbarer Krankheitsverlauf noch die
Beck’sche
kognitive depressive Triade gegeben (S.
1 f.
Ziff.
2).
Die Ärzte führten weiter aus, s
ie hätten ganz klar anhand der Symptomliste des ICD-10 dargestellt,
wes
halb
die Beschwerdeführerin zwar eine
Dysthymia
aber keine depressive Episode
aufweise
(S. 2
Ziff.
3). Da sie davon ausgehen würden, dass die Arbeitsfähigkeit zu 100
%
gegeben sei, müsse auch nicht begründet werden, weshalb es nicht
ge
lungen sei, das Leiden zu mindern
und die Arbeitsfähigkeit wieder herzustel
len
.
Es stimme
zwar
, dass Beschwerden und Befunde vermischt worden seien,
dies
habe aber auf die Beurteilung keinen Einfluss. Die dargestellten körperli
chen Befunde seien vegetative Befunde und hätten somit in der Psychopatholo
gie sehr wohl etwas zu suchen
(S.
2
Ziff.
4). Schliesslich habe die
Untersu
chungszeit
gereicht, da der Dolmetscher sehr effizient übersetzt habe. Es sei
auch
kein Mangel am Gutachten,
wenn
der Name des Dolmetschers und dessen Hinter
grund nicht angegeben worden seien
. Bei einem professionellen Dolmet
scher
hätten
das Geschlecht, die Religion und sonstige Sachen keinen Einfluss
(S.
3
Ziff.
4).
3.6
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheu
matologie, gab mit Bericht vom 1
6.
November 2010 (
Urk.
6/107/28-31) an, dass er die Beschwerdeführerin seit März 2006 behandle (S. 2
Ziff.
1.2) und führte folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit auf (S.
1
Ziff.
1.1):
Depression
chronisches therapieresistentes Schmerzsyndrom der linken Körperhälfte mit/bei
Status nach Arbeitsunfall
im
Dezember 2002 mit ausgedehnter
Weich
teilquetschung
, Fraktur des Os
metatarsale
II links
posttraumatischem
Verdacht auf CRPS
multifaktorielle Kopfschmerzen mit/bei
chronische
n
Kopfschmerzen vom Spannungstyp
Verdacht auf chronische Migräne
Medikamentenübergebrauch induzierte
r
Kopfschmerzkomponente nicht
ausgeschlossen
nicht unerhebliche
r
Komponente im Rahmen eines chronischen Schmerzsyndroms der linken Körperhälfte
Depression
Angesichts der bisherigen Therapieresistenz in den letzten Jahren bestehe eine sehr schlechte Prognose bezüglich einer Verbesserung der gesundheitlichen Si
tuation
sowie
einer beruflichen Reintegration (S.
3
Ziff.
1.4). Die Beschwerde
führerin könne seit dem Unfall im Jahr 2002 nicht mehr arbeiten (S. 3
Ziff.
1.6). Aufgrund der linksbetonten generalisierten Schmerzen könne die Beschwerde
führerin ihren Haushalt nicht versorgen. Eine leichte berufliche Tätigkeit sei auch
deswegen nicht zumutbar (S.
4
Ziff.
1.7).
Die Wiederaufnahme einer - auch leichten - Tätigkeit sei medizinisch nicht vertretbar und unrealistisch (S.
4
Ziff.
1.9).
3.
7
Die Ärzte des
Zentrums A._
nahmen am 2
0.
Januar 2011 (
Urk.
6/109) Stellung zur ab
weichenden Beurteilung
durch
Dr.
E._
. Nach nochmaliger Durchsicht der Akten
, insbesondere der erhobenen Befunde mit fehlenden klinischen Hinweisen für das Vorliegen eines CRPS sowie fehlenden eindeutigen
Befunde
n
einer an
dau
ernden Schonung des linken Fusses bei symmetrischen Muskelumfängen und
Fussbeschwielung
, könn
t
e
n
aus rheumatologischer Sicht die subjektiv angege
benen Beschwerden und Belastungseinschränkung
en
keinem strukturellen Kor
relat zugeordnet werden und müssten eher im Rahmen einer
somatoformen
Schmerzverarbeitungsstörung gesehen werden. Daraus lasse sich jedoch aus rein rheumatologischer Sicht
k
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in jeglichen Tätigkeiten begründen, weshalb an dem im Gutachten dargelegten
Belastungs
profil
festgehalten werde. Im Bericht von
Dr.
E._
werde die Beschwerdeführe
rin aus psychischer und rheumatologischer Sicht beurteilt
. Die Attestierung einer vollen Arbeitsunfähigkeit in jeglichen Tätigkeiten sei aus rheumato
logi
scher Sicht nicht nachvollziehbar (S. 2).
3.8
Gestützt darauf verneinte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom
4.
Mai 2011 (
Urk.
6/116) einen Anspruch auf eine Invalidenrente und erachtete die Be
schwerdeführerin als zu 100
%
arbeitsfähig in einer körperlich leichten, vor
wie
gend sitzenden Tätigkeit.
4.
4.1
Für die Zeit nach der rechtskräftigen Verfügung vom Mai 2011 (
Urk.
6/116) finden sich in den Akten die folgenden
,
wesentlichen
medizinischen Berichte.
4.2
Die Ärzte des
Zentrums C._
führten mit Schreiben vom 1
9.
November 2012 (
Urk.
6/135/11-17)
folge
nde Diagnosen auf
(S. 2)
:
m
ultifaktorielle Kopfschmerzen
z
erviko
z
ephales
Schmerzsyndrom mit/bei
a
usgeprägte
r
Hyperlordose mit beginnender
Osteochondrose
C6/7 mit ventraler und dorsaler Spondylose.
Leichtgradige
Retroposition C4 auf C5 von 3mm
c
hronisches neuropathisches Schmerzsyndrom linker Fuss mit/bei
Status nach Arbeitsunfall im Dezember 2002 mit ausgedehnter Weichteil-Quetschung sowie Fraktur des Os
metatarsale
II links
Status nach posttraumatischer Entwicklung eines Morbus
Sudeck
(re
mittiert). Differentialdiagnose (DD) CRPS
a
usgeheilte
r
Metatarsale-2-Basisfraktur, keine
Osteopenie
nach Morbus
Sudeck
u
nklare chronisch-rezidivierende
Abdominalschmerzen
mit/bei
DD Adhäsionen bei Status nach
Salpingektomie
rechts
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom mit/bei
leichte
n
Spondylarthrosen
L4/5 und L5/S1
schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2)
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
Status nach Suizidversuch
Die Symptomatik habe sich seit 2008 verschlechtert. Die Beschwerdeführerin fühle sich subjektiv zu 100
%
arbeitsunfähig. Sie habe Mühe
,
den Alltag zu be
wältigen, könne ihre Hausarbeit nicht selbständig erledigen und müsse von der Schwiegermutter unterstützt werden. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund der somatischen und psychiatrischen Konsensbeurteilung in der bisherigen Tätigkeit als Sortiererin
und auch in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig
(S. 6 f.).
4.3
Die Ärzte des
Instituts B
._
erstatteten ihr
interdisziplinäres Gutachten in den
Fachdis
ziplinen
Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie, Neurologie und Psychiatrie am 2
0.
Januar 2014 (
Urk.
6/147)
.
Aus internistischer Sicht lägen keine Befunde und Diagnosen vor, so dass die Arbeitsfähigkeit dementsprechend nicht eingeschränkt sei (S. 1
2
Ziff.
3.3-4
).
In der psychiatrischen Untersuchung seien die Klagen über die Beschwerden im Vordergrund gestanden.
Die Beschwerdeführerin habe w
iederholt berichtet, dass sie sich an gewisse Dinge nicht erinnern
könne, da sie unter Gedächtnis-
und
Konzentrationsstörungen wegen der Depression leide. Als jeweils hartnäckig nach
gefragt worden sei, habe die Beschwerdeführerin aber genaue Angaben zu ihrer Anamnese machen können. Die geklagten Konzentrations- und Gedächt
nis
störungen hätten
daher
nicht objektiviert werden können. Die Stimmung sei
klagsam
,
dysphorisch
, gereizt, gelegentlich auch etwas depressiv gewesen. An
triebsstörun
gen hätten sich nicht gefunden (S.
1
5
Mitte). Wahnhaftes Denken
oder Wahnvorstellungen seien nicht vorhanden gewesen. Es habe keine An
halts
punkte für illusionäre Verkennungen, akustische, optische, olfaktorische oder tak
tile Halluzinationen gegeben. Hinweise auf Zwangshandlungen seien nicht vorhanden gewesen. Die Beschwerdeführerin habe auch nicht über Ängste oder Phobien berichtet (S. 1
5
unten). Aus psychiatrischer Sicht hätten keine Di
ag
nosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden können. Als Diag
nose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurde eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) genannt (S. 1
6
Ziff.
4.1.2). Das Ausmass der ge
klagten Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeugung nicht mehr ar
beiten zu können, hätten durch die somatischen Befunde nicht hinreichend ob
jektiviert werden können, so dass eine psychische Überlagerung der geklagten
Beschwerden angenommen werden müsse. Aufgrund der vorbestehenden psy
cho
sozialen Belastungen könne die Diagnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerz
störung
gestellt werden (S.
1
6
Mitte). Eine eigentliche depressive Stö
rung
liege nicht vor. Die Beschwerdeführerin habe keine Mühe mit aufstehen und
mache jeden Morgen während 30 Minuten gymnastische Übungen, was mit einer
depressiven Antriebsstörung nicht vereinbar sei. Sie leiste auch leichtere Ar
beiten im Haushalt und bereite einfache Mahlzeiten zu. Regelmässig
gehe
sie
alleine oder mit einer
Freundin spazieren
. Die Beziehung zu ihrem Ehemann und
den Kindern sei gut. Praktisch täglich besuche sie eine Therapie. Sie sei ohne
weiteres
in der Lage, alleine mit dem Zug zu fahren. Sie habe auch regel
mässig Kontakt
zu drei
Freundinnen.
Die Beschwerden würden auch zu einem gewissen sekundären Krankheitsgewinn führen, da sie ihre Arbeit habe aufge
ben können und sich um ihren damals wenige Monate alten Sohn habe küm
mern können (S.
16 unten, S. 17 oben). Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit. Ausser der anhaltenden
somatoformen
Schmerz
stö
rung
könne keine weitere psychiatrische Diagnose gestellt werden. Eine ausge
prägte psychiatrische Komorbidität liege nicht vor. Eine chronische körperliche Begleiterkrankung liege nicht vor. Ein ausgeprägter sozialer Rück
zug lasse sich nicht feststellen. Dass alle therapeutischen Bemühungen bisher gescheitert
seien, hänge wesentlich damit zusammen, dass die Beschwerdefüh
rerin auf
grund
der ausgeprägten subjektiven Krankheitsüberzeugung wenig Motivation zeige, trotz allfälliger Restbeschwerden sich aktiv um ihre Genesung zu bemühen und sich den Belastungen der Arbeitswe
l
t wieder auszusetzen. Es könne der Beschwerde
führerin zugemutet werden, trotz der geklagten Be
schwerden die nötige
Willens
anstrengung
aufzubringen, um ganztags einer beruflichen Tätigkeit
nachzu
gehen
(S. 1
7
Ziff.
4.1.4).
Als rheumatologische Diagnose führten
die Ärzte
F
olgendes au
f (S.
22
Ziff.
4.2.3):
p
osttraumatische Entwicklung eines Schmerzsyndroms der linken Kör
per
hälfte
Status nach Vorfussquetschung mit Querfraktur OS
metatarsale
II im Dezember 2002
r
etrospektiv/aktenmässig möglicher Status nach
Algodystrophie
am linken Fuss bei aktuell diesbezüglich fehlenden klinischen Hinweisen
m
yofasziale
Befunde im Lenden-Becken-Hüftbereich links und in der Nackenschultergürtelregion links
Verdacht auf Schmerzverarbeitungsstörung und/oder
Symptomaus
weitung
Die aktuelle klinische Untersuchung sei in erster Linie durch multiple Inkonsis
tenzen
geprägt gewesen
(S. 2
3
oben). Die hohe subjektive Beschwerdeintensität,
die vollständige Therapieresistenz und die geschilderte hochgradige Behinde
rung
könnten aufgrund der Untersuchungsbefunde am Bewegungsapparat nicht adä
quat begründet werden. Aus rheumatologischer Sicht bestehe deshalb der drin
gende Verdacht auf eine Schmerzverarbeitungsstörung oder eine
Symptom
aus
weitung
(S. 23 unten, S. 24 oben). Körperlich schwere Tätigkeiten seien nicht
mehr zumutbar. Für körperlich mittelschwere Tätigkeiten bestehe eine mässige Einschränkung um 50
%
. Für eine körperlich leichte
, wechselbelastende
Tätig
keit könne keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden (S.
2
4
Ziff.
4.2.5). Zur Behandlung der fassbaren
myofaszialen
Beschwerdekomponen
ten
sei eine Physiotherapie geeignet.
Au
s rheumatologischer Sicht
sei
die Er
haltung
der Mobilität beziehungsweise die Verhinderung einer
Dekonditionie
rung
wichtig
(S. 2
4
Ziff.
4.2.8).
Auch in der neurologischen Untersuchung h
abe
keine Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden können. Als Diagnosen ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit führten
die Ärzte
ein multifaktorielles
Kopf
schmerzsyndrom
, eine Symptomausweitung sowie ein
en
Status nach Verletzung linker
Vorfuss
im Dezember 2002 mit anamnestisch passagerem Verdacht auf CRPS auf (S.
26 f.
Ziff.
4.3.3).
Aus neurologischer Sicht bestehe keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 2
7
Ziff.
4.3.5).
4.4
Die Ärzte des
Instituts B
._
beantworteten mit Schreiben vom 2
0.
Februar 2014 (
Urk.
6/150)
die von der
Beschwerdegegnerin gestellten Zusatzf
ragen
dahinge
hend, dass a
us psychiatrischer Sicht von Dezember 2002 bis Juni 2003 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden
habe
. Ab Juli 2003 könne aus psychiat
rischer Sicht in einer leichten bis intermittierend mittelschweren,
wechselbelas
tenden
Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
attestiert werden. Auch im Haushalt habe ab diesem Zeitpunkt keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr bestanden (S.
1). Die Beschwerdeführerin sei während 13 Tagen im Sana
to
rium
F._
behandelt worden. Daraus könne geschlossen werden, dass sich die damals diagnostizierte schwere depressive Episode rasch zurückgebildet habe.
Ansonsten wäre es kaum möglich gewesen, die Beschwerdeführerin be
reits nach
13 Tagen wieder zu entlassen. Die Diagnose einer schweren depressi
ven Episode,
wie sie vom
Zentrum C._
gestellt worden sei, könne nicht nachvollzogen werden. Im
Rahmen der psychiatrischen Untersuchung hätten keine eigentlichen depressi
ven
Symptome festgestellt werden können (S. 2).
4.5
Dr.
med.
Dr.
rer
. pol.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD)
,
empfahl mit Stellungnahme vom 2
1.
März 2014 sowohl in Bezug auf die Diagnosen als auch in Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
vollumfänglich auf das Gutachten des
Instituts B
._
ab
zustellen (
Urk.
6/153 S. 3).
4.6
Die Ärzte des
Zentrums C._
nahmen mit Schreiben vom 2
5.
April 2014 (
Urk.
6/166) Stel
lung zum Gutachten des
Instituts B
._
.
Dabei gaben sie an, dass ihre
Ausführungen we
der
ein Parteigutachten, ein Arztbr
ief oder ein sonstiger Versuch
, den Zustand der
Beschwer
deführerin objektiv zu erfassen
, darstellen
würden
. Es würden viel
mehr
so deutliche Mängel an der Beweisführung im Gutachten aufgezeigt, dass auf ein solches Gutachten nicht abgestellt werden könne (S.
2
Ziff.
3).
Das Gutach
ten sei nicht vollständig und objektiv, fehle bei den wichtigsten
Vordo
kumenten
doch der Bericht der Interdisziplinären Schmerzbehandlung
des
Zentrums C._
vom 1
9.
November 2012 (S.
2
Ziff.
5).
Die Beschwerden seien sehr oberflächlich auf
genommen. Es gehe auch völlig an der Realität vorbei, wenn ein reichhalti
ges soziales, von interessengeprägtes Leben beschrieben werde (S.
2
Ziff.
6). Alle „
Langzeitbehandler
“ hätten bisher eine mittelgradige bis schwere Depression attestiert. Immerhin habe 2009 ein schwerer Suizidversuch stattgefunden (S.
3
Ziff.
7). Weiter
lägen
– die näher aufgelisteten – Gründe für die Diagnose einer schweren Depression vor (S. 3
Ziff.
8).
Zudem gehe das Gutachten mit keinem
Wort auf die neuropsychologisch ermittelten Defizite ein (S. 3
Ziff.
9).
Auch fehle
eine Fremdanamnese (S.
3
Ziff.
10). Die richtige Diagnose laute daher (S.
3
Ziff.
11):
schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2)
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
multifaktorielle Kopfschmerzen (
Neuromed
,
2
7.
November 2009)
chronisches neuropathisches Schmerzsyndrom linker Fuss mit/bei
Status nach Arbeitsunfall Dezember 2002 mit ausgedehnter
Weich
teil-Quetschung
sowie Fraktur des Os
metatarsale
II links
Status nach posttraumatischer Entwicklung eines Morbus
Sudeck
(re
mittiert), DD CRPS, keine
Osteopenie
nach Morbus
Sudeck
lumbovert
ebrales
Schmerzsyndrom
Status nach Suizidversuch
Auf Grund der Diagnose, der neuropsychologisch bestätigten Depression, der Fremdanamnese sowie des beschriebenen Leistungsbildes sei die Beschwerde
führerin zu 80
%
arbeitsunfähig
im Haushalt
und
zu 100
%
arbeitsunfähig
für
Tätigkeiten
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt (S. 3
Ziff.
8).
5.
5.1
Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der zumutbaren Arbeitsfähigkeit ist auf das Gutachten
des
Instituts B
._
(vorstehend E. 4.
3
) abzustellen. Das Gutachten
umfasste die Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie, Neu
ro
logie und Psychiatrie, wobei
sich das Gutachten für die zu beurteilenden Fra
gen als umfassend erweist.
Die Ärzte
berücksichtigte
n
die geklagten Beschwer
den und das Verhalten der Beschwerdeführerin und erstellte
n
das Gutachten in Kenntnis der
Vorakten
, wozu sie auch Stellung nahm
en
. Die Beurteilung leuch
tet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein und die vorge
nom
menen Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit werden ausführlich begründet. Das Gutachten erfüllt damit die praxisgemäs
sen Kriterien
(vorstehend E.
1.
4
) vollumfänglich, so dass für die
Entscheidfindung
darauf ab
ge
stellt werden kann.
Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit liegt somit einzig
eine posttraumatische Entwicklung eines Schmerzsyndroms der linken Körperhälfte vor
.
Körperliche schwere Tätigkeiten sind nicht mehr zumutbar. In einer körper
lich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ist die Beschwerdeführerin hingegen
zu 100
%
arbeitsfähig.
Insoweit ist eine Verschlechterung
des Gesundheitszu
standes
zu verneinen,
ging die Beschwerdegegnerin doch bereits in der
an
spruchsverneinenden
Verfügung vom
4.
Mai 2011 (
Urk.
6/116) – gestützt auf die Beurteilung des
Zentrums A._
(vorstehend E.
3.3) - von keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
in einer leichten Tätigkeit
aus.
5.2
Aus psychischer Sicht ist
– entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin sowie der Ärzte des
Zentrums C._
-
weiterhin keine Diagnose mit Krankheitswert ausge
wiesen. Die Ärzte des
Instituts B
._
führten unter Bezugnahme
auf die
ICD-Kriterien
(vgl. Klinisch-diagnostische Leitlinien der Internationalen Klassifikation psychischer
Störungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10 Kapital V (F),
Dil
ling
/
Mom
bour
/
Schmidt (Herausgeber), 9. Auflage, Bern 2014, S.
169 ff.)
nach
voll
zieh
bar
auf, weshalb keine eigenstän
dige depressive Episode vorliegt
.
So konnte weder eine Konzentrations-
noch eine
Gedächtnisstörung objektiviert werden und auch eine Antriebsstörung wurde nicht gefunden. Die Beschwerde
führerin beklagte
zwar einen Lebensüberdruss, distanzierte sich
– nach einem im Jahr 2009 und daher vor der rechtskräftigen rentenabweisenden Verfügung vom
4.
Mai 2011 (
Urk.
6/116) erfolgten Suizidversuch -
aber explizit von
Sui
zid
ge
danken
und Suizidimpulsen (
Urk.
6/147 S. 1
5
Ziff.
4.1.2).
Weiter klagte sie zwar
über Schlafstörungen, die allerdings damit zusammenhängen
würden
, dass sie sich tagsüber immer wieder hinlege und zum Teil auch schlafe.
Die Be
schwer
deführerin habe keine Mühe mit aufstehen und mache jeden Morgen während 30 Minuten gymnastische Übungen, was mit einer depressiven An
triebsstörung
nicht vereinbar sei. Sie leiste auch leichtere Arbeiten im Haushalt und bereite ein
fache Mahlzeiten zu. Regelmässig
gehe
sie alleine oder mit einer
Freundin
spazieren
. Die Beziehung zu ihrem Eh
emann und den Kindern sei gut und s
i
e habe
auch
regelmässig
en
Kontakt
zu
drei
Freundinnen
(
Urk.
6/147 S.
1
6 f.
Ziff.
4.1.3).
Ferner
liegt
auch
k
ein
Gewichtsverlust vor, hatte die Beschwerde
füh
rerin in den Begutachtungen der
MEDAS
und des
Zentrums A._
in den Jahren 2008 und
2010 ein Normalgewicht von 63 kg sowie 65.5 kg (
Urk.
6/51 S.
16
Ziff.
4.1.1,
Urk.
6/87 S.
19
Ziff.
4.1).
Im Zeitpunkt
der Begutachtung im
Institut B
._
wog sie 66 kg
(
Urk.
6/147 S.
1
2
Ziff.
3.2.1
), so dass sogar eine ganz leichte Zunahme zu ver
zeich
nen ist.
5.
3
Soweit die Beschwerdeführerin
– unter Bezugnahme auf die geäusserte Kritik
des
Zentrums C._
(vorstehend E. 4.6
) – vorbringt, es könne nicht auf das mangelhafte und fehlerhafte Gutachten abgestellt werden (
Urk.
1 S.
3 f.), kann sie
aus den vor
gebrachten Rügen
nichts zu ihren Gunsten ableiten. So wurde das Gutachten
des
Instituts B
._
insbesondere
in Kenntnis des Berichts de
s
Zentrums C._
vom 1
9.
November 201
2 erstellt (vgl.
Urk.
6/147 S.
4
Ziff.
2.1.2)
, wobei es
– entgegen dem Vor
bringen der Ärzte des
Zentrums C._
-
an der Vollständigkeit und Objektivität
eines
Gut
achtens keinen Zweifel aufkommen lässt,
wenn
dieses nicht bei den wichtigsten
Vordo
kumenten
wörtlich zitiert wurde.
Sowohl in der rheumatologischen als auch in der psychiatrischen Teilbegutachtung wurde die Beurteilung der Ärzte des
Zentrums C._
sogar explizit
erwähnt
(
Urk.
6/147
S.
1
8
Ziff.
4.1.7 oben,
S.
2
0
Mitte,
S.
2
4
Ziff.
4.2.7)
.
Entgegen der Stellungnahme des
Zentrums C._
wurden auch
d
ie
von der Beschwerdeführerin geklagten
Beschwerden ausführlich
aufgeführt
(
Urk.
6/147
S.
1
0
Ziff.
3.1.1, S.
1
3
Ziff.
4.1.1.2
, S.
19
Ziff.
4.2.1.1, S.
2
5
Ziff.
4.3.1.2).
D
ie vor
gebrachte
Rüge, es gehe an der Realität vorbei, wenn ein reichhaltiges soziales, von
I
nteressen
geprägtes Leben beschrieben werde,
wurde
durch den von der Be
schwerdeführerin geschilderten Tagesablauf
widerlegt
(
Urk.
6/147 S.
1
4
f.).
Schliesslich wurde die von den Ärzten des
Zentrums C._
diagnosti
zierte schwere De
pression unter Bezugnahme der ICD-Kriterien nachvollziehbar verneint (
vgl.
vor
stehend E.
5.2
).
Dem testmässigen Erfassen der Psychopatho
logie kann im Rahmen
der psychiatrischen Exploration generell nur ergänzende Funktion bei
ge
messen werden. Ausschlaggebend bleibt die klinische Untersu
chung mit
Anam
neseerhebung
, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung (Urteile des Bun
desgerichts 9C_458/2008 vom 2
3.
September 2008 E.
4.2 und I 391/06 vom
9.
August 2006 E. 3.2.2), so dass die diesbezügliche Kritik
der Ärzte de
s
Zentrums C._
ins
Leere läuft.
Zuletzt kann auch aus der gerügten
fehlenden
Fremda
namnese
nichts
abgeleitet werden, liegt doch das Einholen fremdanamnestischer Auskünfte im Ermessensspielraum des Gutachters (Urteile des Bundesgerichts 9C_65/2012 vom 2
8.
Februar 2012 E. 4.3 und 9C_482/2010 vom 2
1.
September 2010 E. 4.1), so dass sich weitere Ausführungen hierzu erübrigen.
Nach dem Gesagten lassen die Vorbringen der Beschwerdeführerin keine Zweifel
am
schlüssigen und
nach
vollziehbaren
Gutachten des
Instituts B
._
aufkommen.
5.4
D
en Ärzten des
Zentrums C._
ist zwar darin zuzustimmen, dass die einen längeren Zeit
raum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeiti
gen kann, doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten andererseits nicht zu, ein Admi
nistrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass wei
terer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bezie
h
ungsweise Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vor
be
halten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil
die anderslautenden Einschätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Inter
pretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung un
er
kannt oder ungewürdigt geblieben s
ind (Urteil des Bundesgerichts 8
C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2). Solche Gesichtspunkte sind
hier
nicht ersichtlich.
Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass eine psychiatrische Explora
tion von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet dem begut
ach
tenden Psychiater daher praktisch immer einen gewissen Spiel
raum, inner
halb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretatio
nen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_694/
2008 vom
5.
März 2009 E. 5.1).
Im Übrigen ist in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie
überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften auf
die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer
Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E.
4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
5.
5
Der Vollständigkeit halber ist schliesslich darauf hinzuweisen, dass d
ie Tatsache, dass das Bundesgericht mit zur amtlichen Publikation als BGE bestimmtem Ur
teil 9C_492/2014 vom
3.
Juni 2015 seine bisherige Rechtsprechung zur
Invali
ditätsbemessung
bei psychosomatischen Störungen neu gefasst hat,
nichts
an der vorliegenden Beurteilung
ändert
. Die Beschwerdegegnerin hat nach Prüfung der bis anhin geltenden Foerster-Kriterien (vgl.
BGE 130 V 352
) die ausgewie
sene anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eingeordnet
, da es der Beschwerdeführerin trotz der ge
klagten Beschwerden zumutbar sei, die nötige Willensanstrengung aufzubrin
gen,
um ganztags einer beruflichen Tätigkeit
nachzugehen
(vgl.
Urk.
6/147 S.
1
7
Ziff.
4.1.4).
Der psychiatrische Gutachter hat sich – wenn auch noch in Un
kenntnis der neuen bundesgerichtlichen Terminologie – mit dem funktionellen Schweregrad der Beeinträchtigung auseinandergesetzt.
E
benso
wurde erwähnt, weshalb der
Therapieverlauf
bisher scheiterte.
Hier ist besonders darauf hinzu
weisen, dass nur alle zwei Wochen eine psychiatrische Gesprächstherapie im
Zentrum C._
erfolgt und dies insbesondere ohne Dolmetscher (
Urk.
6/147 S.
1
3
Ziff.
4.1.1.2). Dies lässt
angesichts der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin mit der deut
schen Sprache deutliche Mühe bekundet und alle bisherigen Begut
achtungen in Anwesenheit eines Dolmetschers erfolgten, fraglich erscheinen, ob die Therapien
überhaupt wirkungsvoll
sind
und der Leidensdruck
daher
tatsäch
lich so gross
ist
.
Die Frage von begleitenden Erkrankungen (Komorbidität) wurde verneint.
D
er soziale Kontext
sowie
die
vorhandene
n
Ressourcen
wurde
n
im Gutachten eben
falls angesprochen und berücksichtigt.
Unter dem
beweis
rechtlich
relevanten Aspekt der Konsistenz ist somit festzuhalten, dass
die Be
urteilung der Ärzte des
Instituts B
._
auch unter Beachtung der neuen Rechtsprechung keine Zweifel aufkommen
lässt. Die diagnostizierte
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
ist vorlie
gen
d
ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit.
5.6
Aufgrund der schlüssigen Einschätzung ist
zuletzt
nicht ersichtlich, inwiefern die
von der Beschwerdeführerin eventualiter geforderte neue Begutachtung (
Urk.
1 S.
2)
für die Beurteilung des vorliegenden Falls entscheidende Erkennt
nisse lie
fern könnte, sodass darauf im Sinne der antizipierten Beweiswürdigung zu ver
zichten ist (BGE 122 V 157 E. 1d).
5.
7
Zusammenfassend ist gest
ützt auf das Gutachten des
Instituts B
._
mit dem im Sozialver
sicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit erstellt, dass weiterhin keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit ausgewiesen
ist. Als
medizinische
Diagnose
mit Auswir
kung
auf die Arbeitsfähigkeit
liegt einzig eine posttraumatische Entwicklung ei
nes Schmerzsyndroms der linken Körperhälfte vor.
In einer körperlich leichten,
wech
selbelastenden
Tätigkeit ist die Beschwerdeführerin
allerdings
weiterhin zu 100
%
arbeitsfähig.
Der Gesundheitszustand hat sich somit seit der letzten
Ren
tenabweisung
nicht wesentlich verschlechtert.
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur
Abwei
sung der Beschwerde führt.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen
(
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang
des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerle
gen.