Decision ID: 7a28ffdd-5a7c-4b4e-9401-0277303098c4
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie aus dem Vanni-Gebiet (B._) mit Aufenthalt im Bezirk
C._ – suchte am 25. April 2016 in der Schweiz um Asyl nach.
B.
Im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) vom 3. Mai 2016 und der An-
hörung vom 21. Juni 2018 machte der heute 27-jährige Beschwerdeführer
zur Begründung seines Asylgesuches im Wesentlichen geltend, seit dem
Verschwinden seines Vaters, einem Angehörigen der LTTE, habe seine
Mutter zur Bestreitung des Lebensunterhaltes für das Basislager der LTTE
und auch für den Ortspfarrer gekocht. Er sei im April 2009 von den LTTE
mitgenommen worden, habe aber entkommen und zu seiner Mutter zu-
rückkehren können. Am 23. April 2009 habe er sich in Begleitung seiner
Mutter und seiner Schwester in das von den sri-lankischen Armee (SLA)
kontrollierte Gebiet begeben. Sie seien in einem Flüchtlingslager befragt
und am 3. November 2009 wieder entlassen worden. Daraufhin habe er
sich zu einem Verwandten seiner Mutter nach D._ begeben, wo er
sich zwei Jahre aufgehalten habe. Zirka 2011/2012 sei er ins E._
zurückgekehrt. Ende 2014 sei er zwei, drei Mal von Angehörigen des CID
(Criminal Investigation Department) und der SLA zuerst zuhause, dann auf
dem Posten über die LTTE befragt worden. Er habe angegeben, von der
LTTE zwangsrekrutiert worden zu sein. Am 21. Juni 2015 hätten ihn fünf
Angehörige der Sicherheitskräfte zuhause überfallen und bewusstlos ge-
schlagen. Er habe seine Mutter in einem angeschlagenen Zustand zurück-
lassen müssen. Diese habe sich in der Folge meist bei ihrem Bruder in
Jaffna aufgehalten. Gegen Ende 2015 sei er mit einem Visum nach
F._ gereist, um dort einen Verwandten zu treffen. Danach sei er
wieder nach G._ zurückgekehrt und noch in derselben Nacht nach
H._ weitergereist. Seine Mutter habe ihm mitgeteilt, dass zwei Per-
sonen am 30. April 2016 wegen ihm zu ihr nach Hause gekommen seien.
Seit dem 1. April 2018 habe er keinen Kontakt mehr zu seiner Mutter, die
nach der Auskunft einer Nachbarin verhaftet worden sei.
Zum Nachweis seiner Identität und zur Stützung seiner Vorbringen reichte
der Beschwerdeführer auf Aufforderung des SEM unter anderem einen Ge-
burtsregisterauszug, eine vom Abteilungssekretariat D._ ausge-
stellte Ausweiskarte vom 3. November 2009 mit dem Namen seiner Mutter
als Familienoberhaupt, eine Kopie eines Schulberichts vom 25. Juni 2015,
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ein Rückkehrformular UNHCR vom 7./8. Dezember 2012, und ein Doku-
ment Umsiedlung «Resettlement» aus IDP Camp I._ vom 5. No-
vember 2009 ein.
C.
Mit Entscheid vom 7. Februar 2020 (Eröffnung am 11. Februar 2020) lehnte
das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 25. April 2016 we-
gen Unglaubhaftigkeit der Vorbringen ab, ordnete dessen Wegweisung aus
der Schweiz an und erachtete den Vollzug als zulässig, zumutbar und mög-
lich.
D.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner
Rechtsvertretung vom 12. März 2020 Beschwerde. Er beantragte die Auf-
hebung der angefochtenen Verfügung, die Anerkennung als Flüchtling und
die Asylgewährung. Eventualiter sei die Unzulässigkeit und/oder die Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Auf-
nahme anzuordnen. Subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an
die Vorinstanz zurückzuweisen.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 23. März 2020 erhob das Bundesverwaltungs-
gericht unter Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall einen
Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 750.- mit Zahlungsfrist bis zum 7. Ap-
ril 2020, der in der Folge fristgerecht einging.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
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1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah-
ren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
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4.1 Das SEM erachtete die zentralen Vorbringen des Beschwerdeführers,
Ende 2014 im E._ zwei, drei Mal von den Sicherheitsbehörden be-
fragt und am 21. Juni 2015 von diesen zuhause überfallen und bewusstlos
geschlagen worden zu sein, als nicht glaubhaft.
4.1.1 Es wies als erstes darauf hin, dass der Beschwerdeführer mit der
blossen Erklärung, der Schlepper habe ihm seinen Reisepass und die
Identitätskarte abgenommen (vgl. A5 F.4.02), keine Ausweisdokumente ab-
gegeben habe. Im Weiteren seien die Angaben zu den Ausreiseumständen
unstimmig ausgefallen. So habe der Beschwerdeführer im Rahmen der An-
hörung angegeben, sich zwischen dem 21. Juni 2015 und der Ausreise
vom 11. Dezember 2015 bei einem Onkel in C._ aufgehalten zu
haben (vgl. A18 F38). Am 11. Dezember 2015 sei er zunächst nach
F._ geflogen und noch in derselben Nacht nach H._ weiter-
gereist (vgl. A18 F37). Anlässlich der BzP habe er hingegen berichtet, am
29. Oktober 2015 nach F._ gereist zu sein, um seinen Onkel zu
besuchen. Am 11. Dezember 2015 sei er nach Sri Lanka zurückgekehrt
und noch in der gleichen Nacht nach H._ weitergereist (vgl. A5
2.05). Aus diesen Unstimmigkeiten würden sich erste Anzeichen dafür er-
geben, dass sich der Beschwerdeführer auf eine fiktive Asylbegründung
stütze.
4.1.2 Im Weiteren erscheine die Angabe des Beschwerdeführers, nach
dem Ende des Bürgerkrieges im Jahr 2011 (vgl. A5 7.01) beziehungsweise
2012 (vgl. A18 F42) an seinen Herkunftsort zurückgekehrt zu sein und zirka
Ende 2014 Probleme mit den Sicherheitsbehörden bekommen zu haben,
realitätsfremd, habe doch im damaligen Zeitraum in der Wohnregion des
Beschwerdeführers eine hohe Militärpräsenz geherrscht und wäre daher
zu erwarten gewesen, dass der Beschwerdeführer nicht erst nach zwei,
drei Jahren Aufenthalt in diesem Gebiet von den Sicherheitsbehörden kon-
taktiert worden wäre. Zudem falle auf, dass der Beschwerdeführer auf die
Frage, weshalb die Behörden im Jahre 2014 begonnen hätten, ihn und
seine Familie zu behelligen, entgegnet habe, er wisse es nicht (vgl. A18
F68), was im Widerspruch stehe zu der Angabe in der BzP, wonach die
Leute in dieser Gegend dem CID und der Armee erzählt hätten, dass er bei
den LTTE gewesen sei (vgl. A5 7.01).
4.1.3 Sodann habe der Beschwerdeführer in der BzP behauptet, gegen
Ende des Krieges von den LTTE zwangsrekrutiert worden zu sein, jedoch
sei ihm nach nur wenigen Tagen die Flucht in das von der Armee kontrol-
lierte Gebiet gelungen, wo er über sein Verhältnis zu den LTTE befragt
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worden sei (vgl. A5 7.01). Die angebliche Zwangsrekrutierung habe er im
Rahmen der Anhörung nicht mehr erwähnt. Ebensowenig habe er geschil-
dert, dass die Behörden ihn über sein eigenes Verhältnis zu den LTTE be-
fragt hätten. Der Beschwerdeführer habe abschliessend bestätigt, dass es
keine anderen Vorwürfe an ihn gegeben habe. Auf Vorhalt habe er sodann
behauptet, die LTTE hätten ihn sogar zweimal rekrutiert; beim ersten Mal
sei er sofort entkommen, beim zweiten Mal sei er zwei Tage dort gewesen.
Mit dieser Erklärung vermöge der Beschwerdeführer nicht plausibel zu er-
klären, wieso er die Zwangsrekrutierung nicht erwähnt habe.
4.1.4 Zu den angeblichen Befragungen habe er auffallend unbestimmte
Angaben gemacht. So habe er im Rahmen der freien Schilderung lediglich
angegeben, man habe ihn gefragt, wo sein Vater sei und ob seine Mutter
etwas über die LTTE wisse (vgl. A18 F34) und auch auf Nachfragen hin
keine gehaltvollen Erklärungen abgegeben. Im Weiteren sei die Schilde-
rung des geltend gemachten Übergriffs der Sicherheitsbehörden am
21. Juni 2015 (Überfall zuhause) teils widersprüchlich ausgefallen. So
habe der Beschwerdeführer zuerst angegeben, seine Mutter habe nach
dem behördlichen Überfall seinen Onkel, ihren eigenen Bruder, angerufen,
welcher zu ihm gekommen sei und dann alles für die Ausreise organisiert
habe (vgl. A 18 F34). Im weiteren Verlauf der Anhörung habe er behauptet,
auch dieser Onkel sei nicht nach Hause gekommen, es sei ihre Mutter ge-
wesen, die dann zum Haus seines Onkels gegangen sei (vgl. A18 F35).
4.1.5 Die eingereichten Beweismittel seien zum Nachweis der geltend ge-
machten Vorbringen nicht geeignet. Sie würden, ihre Authentizität voraus-
gesetzt, lediglich belegen, dass der Beschwerdeführer aus der J._
stamme, sich eine Zeitlang in einem IDP-Camp aufgehalten habe und
schliesslich an seinen Herkunftsort zurückgekehrt sei.
4.2 Somit habe der Beschwerdeführer eine Vorverfolgung nicht glaubhaft
machen können. Es gelte zu prüfen, ob er im Falle der Rückkehr nach Sri
Lanka begründete Furcht vor künftigen Verfolgungsmassnahmen im Sinne
von Art. 3 AsylG habe. Gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher Recht-
sprechung sei diese Prüfung anhand von Risikofaktoren vorzunehmen
(Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8, 9.1).
Wie bereits erwähnt, habe der Beschwerdeführer nicht glaubhaft machen
können, vor seiner Ausreise flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungs-
massnahmen ausgesetzt gewesen zu sein. Vielmehr sei er bis in die zweite
Hälfte 2015 in Sri Lanka wohnhaft gewesen, habe also nach Kriegsende
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noch insgesamt sechs Jahre in seinem Heimatsstaat gelebt. Allfällige, im
Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich kein Ver-
folgungsinteresse auszulösen vermocht. Es sei aufgrund der Aktenlage
nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer nach einer Rückkehr nach
Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten sollte. Auch die
mittlerweile über fünf Jahre dauernde Landesabwesenheit führe zu keiner
anderen Einschätzung. Auch die am 16. November 2019 erfolgte Präsi-
dentschaftswahl mit dem Sieg von Gotabaya Rajapaksa vermöge diese
Einschätzung nicht umzustossen. Voraussetzung für die Annahme einer
Verfolgungsgefahr aufgrund der genannten Präsidentschaftswahlen sei ein
persönlicher Bezug der asylsuchenden Person zu diesem Ergebnis bezie-
hungsweise dessen Folgen; ein solcher sei vorliegend nicht aufgezeigt
worden. Ebenso fehle ein Bezug des Beschwerdeführers zu den am
21. April 2019 verübten Terroranschlägen in Sri Lanka. Somit bestehe
keine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung. Der Beschwerdeführer
erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und sein Asylgesuch sei abzu-
lehnen.
5.
5.1 In der Beschwerde wurden verschiedene Verletzungen des formellen
Rechts durch die Vorinstanz gerügt. So habe das SEM das rechtliche Ge-
hör, den Untersuchungsgrundsatz und die Begründungspflicht verletzt. Auf
diese wird in den Erwägungen näher einzugehen sein.
5.2 In materieller Hinsicht wurde vorgebracht, entgegen der Auffassung
des SEM seien die Vorbringen als glaubhaft einzustufen.
5.2.1 So habe das SEM nicht plausibel dargelegt, warum die geltend ge-
machte Tatsache, dass der Schlepper dem Beschwerdeführer die Identi-
tätsdokumente abgenommen habe, als Schutzbehauptung auszulegen sei.
Gleichzeitig wiesen seine Angaben entgegen der Behauptung des SEM bei
näherer Betrachtung keine Unstimmigkeiten auf. Zwar bestehe auf den ers-
ten Blick der vom SEM festgestellte Widerspruch in den diesbezüglichen
Angaben zur Ausreise, habe der Beschwerdeführer doch abweichend von
der Aussage in der BzP, wonach er vom 30. Oktober 2015 bis am 11. De-
zember 2015 zu Besuch bei einem seiner Onkel in F._ gewesen
und am 11. Dezember 2015 zurückgekehrt sei, um noch in derselben Nacht
nach H._ zu reisen (vgl. A5 2.05), im Rahmen der Anhörung geltend
gemacht, er sei am 11. Dezember 2015 nach F._ gelangt und noch
in derselben Nacht nach H._ weitergereist (vgl. A18 F37). Jedoch
habe das SEM diese Aussage in der angefochtenen Verfügung aus dem
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Kontext herausgerissen, denn in der Antwort auf Frage 59 der Anhörung
habe er ausgesagt, er sei nach F._ gegangen und habe in einem
Hotel mit dem Onkel gewohnt, danach sei er nach Sri Lanka zurückgeflo-
gen und noch in derselben Nacht nach H._ geflogen (vgl. A18 F59).
Anscheinend habe das SEM die Antwort auf Frage 37 der Anhörung, wann
er Sri Lanka verlassen habe, bloss falsch verstanden. Die Aussage lasse
sich unter Berücksichtigung der gesamten Anhörung nur so interpretieren,
dass er sich für längere Zeit in F._ aufgehalten habe und am Tag
der Rückkehr nach Sri Lanka noch in derselben Nacht nach H._
weitergereist sei.
5.2.2 Beim Hinweis des SEM in der angefochtenen Verfügung, wonach es
angesichts der damaligen hohen Präsenz des sri-lankischen Militärs in der
Heimatregion des Beschwerdeführers realitätsfremd erscheine, dass die-
ser erst zwei, drei Jahre nach seiner Rückkehr befragt worden sei, handle
es sich um eine blosse Mutmassung.
5.2.3 Auch der vom SEM behauptete Widerspruch, wonach er abweichend
von der Aussage im Rahmen der BzP, die Leute in dieser Gegend hätten
dem CID und der Armee erzählt, dass er bei der LTTE gewesen sei (vgl.
A5 7.01), anlässlich der Anhörung angegeben habe, nicht zu wissen, wa-
rum die Behörden im Jahre 2014 begonnen hätten, ihn und seine Familie
zu belästigen und zu verfolgen, bestehe nicht. Er habe ausgesagt, ob an-
dere Familien auch Probleme gehabt hätten, das wisse er nicht. Er habe
also verneint, zu wissen, warum die anderen Familien (und nicht, warum
er und seine Familie) Probleme gehabt hätten.
5.2.4 Hinsichtlich des Vorwurfs, er habe in der Anhörung seine angebliche
Zwangsrekrutierung nicht aus eigenem Antrieb erwähnt und er habe nicht
geschildert, dass die sri-lankischen Sicherheitsbehörden ihn über sein ei-
genes Verhältnis zu den LTTE befragt hätten, sei festzuhalten, dass der
Beschwerdeführer wohl einfach davon ausgegangen sei, dass seine an-
lässlich der BzP gemachten Aussagen bereits aktenkundig seien und da-
her auch nicht wiederholt werden müssten.
5.2.5 Im Weiteren erblicke das SEM in den unterschiedlichen Aussagen
des Beschwerdeführers, wonach er einmal angegeben habe, sein Onkel
sei nach dem Überfall der Sicherheitsbehörden zum Haus gekommen, ein
anderes Mal, er habe bloss angerufen, einen gravierenden Widerspruch.
Aus der Antwort auf die anlässlich der Anhörung gestellte Frage 35 werde
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ersichtlich, dass es sich bei der Annahme, dass der Onkel zum Beschwer-
deführer und seiner Familie gekommen sei, bloss um ein Missverständnis
handle, das der Beschwerdeführer danach von sich aus korrigiert habe.
5.2.6 Schliesslich machte die Rechtsvertretung geltend, entgegen der Auf-
fassung des SEM wiesen die Angaben des Beschwerdeführers sehr wohl
Realkennzeichen auf. So habe der Beschwerdeführer bei der Schilderung
des Vorfalls vom 21. Juni 2015 (Überfall der Sicherheitsbehörden) erwähnt,
als «Christenhund» beschimpft worden zu sein.
5.2.7 Aufgrund der Glaubhaftigkeit der Vorbringen stehe fest, dass der Be-
schwerdeführer wegen seiner eigenen (zwangsweisen) Tätigkeit für die
LTTE und derjenigen seines Vaters begründete Furcht vor künftiger (Re-
flex)-Verfolgung habe. Im Zusammenhang mit Personen mit LTTE-Verbin-
dung sei auf die Erwägung E. 8.5.3 im Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 verwiesen. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz sei der Be-
schwerdeführer auch aktuell Verfolgung ausgesetzt. Mit dem Sieg von Go-
tabaya Rajapaksa bei der sri-lankischen Präsidentenschaftswahl vom
16. November 2019 habe sich die allgemeine Menschenrechtslage in Sri
Lanka grundlegend verändert und sich damit, entgegen der Einschätzung
des SEM, auch die Gefährdungssituation des Beschwerdeführers ver-
schärft. Hinsichtlich der Feststellung des SEM, wonach eine individuelle
Gefahr für den Beschwerdeführer aufgrund des Machtwechsels nicht dar-
gelegt worden sei, sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer im
Zeitpunkt der Anhörung im Jahre 2017 den später erfolgten Machtwechsel
in Sri Lanka nicht habe vorhersehen und damit auch nicht eine daraus ent-
stehende individuelle Gefährdungssituation habe darlegen können. Er-
schwerend komme hinzu, dass zurzeit die Notstandsverordnung gelte. Un-
ter dem Vorwand der Terrorbekämpfung würden auch unschuldige Aktivis-
ten und Studenten verhaftet.
6.
Wie obenstehend erwähnt, werden in der Beschwerde verschiedene Ver-
letzungen des formellen Rechts durch die Vorinstanz gerügt (Verletzung
des rechtlichen Gehörs, des Untersuchungsgrundsatzes und der Begrün-
dungspflicht). Diese erweisen sich, wie nachfolgend aufgezeigt wird, als
unbegründet.
6.1 Der mit Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des rechtlichen
Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) umfasst eine Anzahl verschiedener verfas-
sungsrechtlicher Verfahrensgarantien. Der in Art. 32 VwVG konkretisierte
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Teilgehalt verpflichtet die Behörde nicht nur, den Parteien zu ermöglichen,
sich zu äussern und ihre Vorbringen tatsächlich zu hören (Art. 30 f. VwVG),
sondern sie auch sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheid-
findung zu berücksichtigen (vgl. KIENER/RÜTSCHE/KUHN, Öffentliches Ver-
fahrensrecht, 2. Aufl. 2015, S. 161).
Die Sachverhaltsfeststellung ist unvollständig, wenn die angefochtene Ver-
fügung nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände be-
rücksichtigt (KÖLZ/IHÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal-
tungsrechtspflege des Bundes, Zürich 2013, 3. Aufl., Rz. 456) und zusätz-
liche Abklärungen sind dann vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der Par-
teivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
Anlass besteht.
Eng damit zusammen hängt die Pflicht der Behörde, ihren Entscheid zu
begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Denn, ob sich die Behörde tatsächlich
mit allen erheblichen Vorbringen der Parteien befasst und auseinanderge-
setzt hat, lässt sich erst aufgrund der Begründung erkennen. Im Asylver-
fahren sind die Anforderungen an die Begründungsdichte regelmässig
hoch, wiegen die rechtlich geschützten Interessen der Betroffenen im Asyl-
entscheid doch allgemein schwer (vgl. PATRICK SUTTER, in: Auer/Mül-
ler/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal-
tungsverfahren [VwVG], 2. Aufl., 2019, Rz. 1 zu Art. 29, m.w.H.). Insgesamt
muss der Entscheid so abgefasst sein, dass ihn der Betroffene gegebe-
nenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur möglich ist, wenn sich so-
wohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite
des Entscheides ein Bild machen können. Dabei kann sich die Behörde in
ihrer Argumentation zwar auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichts-
punkte beschränken; sie darf aber nur diejenigen Argumente stillschwei-
gend übergehen, die für den Entscheid erkennbarerweise unbehelflich
sind. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt
werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr
Entscheid stützt (vgl. BGE 134 I 83 E. 4.1; BVGE 2007/21 E. 10.2 m.w.H.;
SUTTER, a.a.O., Kommentar VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG, Rz. 2).
6.2 In der Beschwerde wird gerügt, das SEM habe den Sachverhalt unvoll-
ständig, unrichtig und willkürlich festgestellt. Die Vorinstanz habe das recht-
liche Gehör verletzt, indem es sich mit den Vorbringen des Beschwerde-
führers nicht eingehend befasst habe. Auch habe es bei der Prüfung der
Gefährdungslage nicht alle Faktoren, welche das Bundesverwaltungsge-
richt in seinem Referenzurteil E-1866/2015 definiert habe, geprüft. Ebenso
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Seite 11
wenig habe es die allgemeine veränderte Lage in Sri Lanka seit dem No-
vember 2019 gewürdigt.
6.3 Entgegen der Behauptung in der Beschwerde hat die Vorinstanz den
rechtserheblichen Sachverhalt sowohl hinsichtlich der Frage der Flücht-
lingseigenschaft als auch bezüglich des Wegweisungsvollzugs vollständig
und richtig festgestellt. Dabei hat sie sich in der angefochtenen Verfügung
vertieft mit den einzelnen Elementen der Vorbringen auseinandergesetzt.
Aus der umfassenden Begründung wird in aller Deutlichkeit ersichtlich, aus
welchen Gründen das SEM die zentralen Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers als nicht glaubhaft erachtet hat. Die Hinweise in der Beschwerde auf
die Gründe, warum der Beschwerdeführer in den Fokus der Behörden ge-
raten sein sollte, betreffen die Würdigung des Sachverhalts und nicht den
Sachverhalt selbst. Ausgehend von einer fehlenden Verfolgung im Zeit-
punkt der Ausreise hat es im Weiteren in hinreichender Berücksichtigung
des Referenzurteils E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 die persönlichen Risi-
kofaktoren in Betracht gezogen und im Ergebnis eine Gefährdungssitua-
tion des Beschwerdeführers bei einer Rückkehr verneint, wobei es auch
die neuesten Entwicklungen in Sri Lanka hinreichend berücksichtigt hat.
Die geltend gemachten formellen Rügen erweisen sich nach dem Gesag-
ten als unbegründet und eine Kassation des angefochtenen Entscheides
mit Rückweisung an die Vorinstanz fällt ausser Betracht.
7.
Das SEM hat, wie nachfolgend aufgezeigt wird, in der angefochtenen Ver-
fügung die geltend gemachten Asylvorbringen des Beschwerdeführers zu
Recht und mit zutreffender Begründung als nicht glaubhaft erachtet.
7.1 Die Feststellung des SEM, wonach die Angaben zu den Ausreiseum-
ständen widersprüchlich ausgefallen seien, ist zu bestätigen. So hat der
Beschwerdeführer abweichend von der Aussage in der BzP, wonach er
vom 30. Oktober 2015 bis am 11. Dezember 2015 zu Besuch bei einem
seiner Onkel in F._ gewesen und am 11. Dezember 2015 nach Sri
Lanka zurückgekehrt sei, um noch in derselben Nacht nach H._ zu
reisen (vgl. A5 2.05), im Rahmen der Anhörung geltend gemacht, er sei am
11. Dezember 2015 nach F._ gelangt und noch in derselben Nacht
nach H._ weitergereist. Auf die konkrete Frage, wann er das Land
verlassen habe, gab er wörtlich zu Protokoll: «Es war am 11.12.2015. Ich
ging zuerst nach F._ und in derselben Nacht ging ich weiter nach
H._.» (vgl. A18 F37). Diese Aussage ist klar und unmissverständ-
lich. Aus ihr gehen zweierlei Informationen hervor. Zum einen, dass der
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Beschwerdeführer direkt von F._ aus nach H._ weitergereist
ist, ohne dazwischen wieder nach Sri Lanka zurückgekehrt zu sein, und
zum anderen, dass er keinen Besuchsaufenthalt in F._ verbracht
hat, sondern noch in derselben Nacht nach H._ weitergereist ist.
Seine spätere abweichende Behauptung, er sei nach F._ gereist,
wo er mehrere Wochen mit einem Onkel in einem Hotel gelebt habe und
von wo aus er schliesslich wieder nach Sri Lanka zurückgekehrt sei, ist
daher mit seiner ersten Aussage nicht in Einklang zu bringen. Der auf Be-
schwerdeebene vorgebrachte Erklärungsversuch, dass das SEM seine
Aussage vermutlich bloss missverstanden habe, ist als reine Schutzbe-
hauptung einzustufen und vermag den offensichtlichen Widerspruch nicht
zu erklären.
7.2 Die vom Beschwerdeführer behaupteten Ausreiseumstände, wonach
er richtigerweise von F._ noch einmal nach Sri Lanka zurückgekehrt
sei und erst von dort aus nach H._ gereist sei, erweisen sich im
Übrigen auch noch aus anderen Gründen als aufschlussreich und generie-
ren hierdurch sogar noch zusätzliche Unstimmigkeiten:
7.2.1 Hinsichtlich der behaupteten Ausreise aus Sri Lanka ist vorab festzu-
halten, dass der Beschwerdeführer trotz angeblicher Verfolgungsfurcht mit
seinem eigenen Pass über den gut gesicherten Flughaften ausgereist ist.
Eigenen Angaben zufolge seien er und sein Schlepper sodann auch effek-
tiv durch die Beamten kontrolliert und zu seinen Reisegründen befragt wor-
den. Bei beiden seien sogar Kopien der Reisepässe gemacht worden (vgl.
A 18 F60). Wäre der Beschwerdeführer also effektiv im Fokus der heimat-
lichen Behörden gestanden, so wäre anzunehmen gewesen, dass er bei
Kontrolle und Abgleich seines Passes verhaftet und von der Ausreise ab-
gehalten worden wäre. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer trotz
Kontrolle am Flughaften ohne Schwierigkeiten ausreisen konnte, spricht
daher gegen eine bestehende Verfolgungslage. Auch der Umstand, dass
sich der Beschwerdeführer bedenkenlos mit seinem eigenen Reisepass in
den Flughafen begab, wo er davon ausgehen musste, dass er kontrolliert
wird, spricht erheblich gegen eine subjektive Verfolgungsfurcht.
7.2.2 Vor dem Hintergrund einer behauptungsweisen Verfolgung durch die
heimatlichen Behörden ist schon einmal bemerkenswert, dass der Be-
schwerdeführer (bei der Ausreise) mit seinem eigenen Pass über den gut
kontrollierten Flughafen gereist ist. Dass er jedoch angeblich wenige Wo-
chen später sogar wieder nach Sri Lanka zurückgekehrt und dort noch ein
zweites Mal über den Flughafen gereist ist (diesmal bei Wiedereinreise und
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Seite 13
erneuter Ausreise), wo er wieder damit rechnen musste, erneut kontrolliert
zu werden, erscheint geradezu lebensfremd. Dies gilt umso mehr, als der
Beschwerdeführer zuvor vorbrachte, anlässlich der ersten Ausreise sei er
bereits kontrolliert und befragt worden und die Beamten hätten sogar Ko-
pien seines Reisepasses gemacht. Ein solch geradezu sorgloses Verhal-
ten ist mit der Situation einer effektiv in Furcht vor Verfolgung lebenden
Person nicht zu vereinbaren.
7.2.3 Weiter erscheinen auch die vorgebrachten Gründe, weshalb der Be-
schwerdeführer überhaupt nach F._ gereist und von dort aus wieder
nach Sri Lanka zurückgekehrt sei, als wenig realitätsnah. Eigenen Anga-
ben zufolge sei er nach F._ gereist, um dort einen in K._
lebenden Onkel seiner Mutter zu treffen, um das Geld für die Kosten seiner
Flucht zu beschaffen (vgl. A 18, F62 und 63). Dies erscheint wenig plausi-
bel. Vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer vor seiner Flucht
monatelang bei einem Onkel in Sri Lanka gelebt hat (vgl. A18 F 35 ff), wel-
cher für die umsichtige und vorsichtige Planung der Flucht des Beschwer-
deführers über ein halbes Jahr Zeit gehabt hat, ist kaum anzunehmen, die-
ser hätte die Finanzierung der Flucht nicht anderweitig organisieren kön-
nen und hätte statt dessen bewusst den angeblich behördlich verfolgten
Beschwerdeführer hierzu nach F._ geschickt und ihn somit bewusst
dem massiven Risiko ausgesetzt, dass dieser bei den Kontrollen am Flug-
hafen (und zwar sowohl bei der Ausreise als auch ein zweites Mal bei der
Einreise) verhaften werden könnte. Dies gilt umso mehr, als die Beschaf-
fung des Geldes ohne Weiteres auch auf risikofreie Weise (beispielsweise
durch Bankzahlungen oder durch Übergabe via Verwandten) möglich ge-
wesen wäre, ohne dass sich der Beschwerdeführer hierfür gänzlich unnötig
(und mehrfach) einem Verhaftungsrisiko ausgesetzt hätte.
Im Übrigen erscheint in diesem Zusammenhang auch wenig lebensnah,
dass der Schlepper, ohne dass dieser die geforderte Geldsumme für die
Flucht bereits erhalten hätte, dem Beschwerdeführer quasi auf Vertrauens-
basis eine Reise nach F._ vorfinanziert haben sollte (vgl. A18 F 63),
damit dieser dort überhaupt erst einmal die finanziellen Mittel für die spä-
tere Bezahlung des Schleppers zu beschaffen versucht.
7.3 Im Weiteren erscheint es angesichts der damaligen hohen Präsenz des
sri-lankischen Militärs in der Heimatregion des Beschwerdeführers tatsäch-
lich realitätsfremd, dass dieser erst zwei, drei Jahre nach seiner Rückkehr
befragt worden sein soll. Hierbei handelt es sich entgegen der Behauptung
E-1473/2020
Seite 14
in der Beschwerde nicht um eine blosse Mutmassung der Vorinstanz. Zu-
dem hat der Beschwerdeführer, wie vom SEM zutreffend festgestellt, ab-
weichende Aussagen gemacht. Auf die Frage hin, weshalb die Behörden
im Jahre 2014 begonnen hätten, ihn und seine Familie zu behelligen, ent-
gegnet er in der Anhörung, er wisse es nicht (vgl. A18 F68). In Widerspruch
hierzu gab er in der BzP konkret an, der Grund hierfür liege darin, dass die
Leute in dieser Gegend dem CID und der Armee erzählt hätten, dass er bei
der LTTE gewesen sei (vgl. A5 7.01). Der Widerspruch ist offenkundig.
Hierbei geht es denn auch nicht darum, dass dem Beschwerdeführer die
Unkenntnis über die Beweggründe von Drittpersonen zu Last gelegt wer-
den sollte. Vielmehr geht es darum, dass er auf dieselbe Frage in der BzP
ganz konkrete und individuelle Gründe vorbrachte und diese unmissver-
ständlich in Zusammenhang mit seiner Behelligung brachte, während er
hiervon abweichend in der Anhörung behauptete, allfällige Gründe für die
Behelligung durch den CID überhaupt nicht zu kennen. Auch die auf Be-
schwerdeebene vorgetragenen Erklärungsversuche, erweisen sich als un-
behilflich. Dieser Widerspruch wird in der Beschwerde mit der Erklärung zu
beseitigen versucht, der Beschwerdeführer habe auf die Frage, ob andere
Familien auch Probleme gehabt hätten, entgegnet, das wisse er nicht. Er
habe also verneint, zu wissen, warum die anderen Familien (und nicht, wa-
rum er und seine Familie) Probleme gehabt hätten. Diese Erklärung ver-
mag nicht zu überzeugen und ist mit der zu Protokoll gegebenen Aussage
offenkundig nicht in Einklang zu bringen. So gab der Beschwerdeführer auf
die Frage hin, weshalb die Behörde 2014 begonnen habe, ihn und seine
Familie zu belästigen, zu Protokoll: «Das weiss ich nicht. Ich bin nur an
meiner Familie interessiert und habe nur von den Problemen meiner Fami-
lie hier geredet. » (vgl. A18 F68). Dieser Widerspruch lässt sich somit ent-
gegen der Auffassung des Beschwerdeführers nicht mit einem Missver-
ständnis erklären.
7.4 Im Weiteren hat das SEM zutreffend darauf hingewiesen, dass der Be-
schwerdeführer seine (noch in der BzP erwähnte) angebliche Zwangsrek-
rutierung durch die LTTE bei der Schilderung der Vorkommnisse im Hei-
matstaat im Rahmen der Anhörung nicht erwähnte, was angesichts der Tat-
sache, dass es sich hierbei um ein einschneidendes Erlebnis für den Be-
schwerdeführer handeln muss, nicht nachvollziehbar erscheint. Dies um so
mehr, als der Beschwerdeführer abschliessend sogar bestätigte, dass es
keine anderen Vorwürfe an ihn gegeben habe. Die Entgegnung in der Be-
schwerde, wonach der Beschwerdeführer wohl einfach davon ausgegan-
gen sei, dass seine anlässlich der BzP gemachten Aussagen bereits ak-
tenkundig seien und daher auch nicht wiederholt werden müssten, vermag
E-1473/2020
Seite 15
nicht zu überzeugen. Dies gilt auch für die Erklärung im Rahmen der An-
hörung, wonach die LTTE ihn zweimal zwangsrekrutiert hätten, beim ersten
Mal sei er sofort entkommen, beim zweiten Mal sei er zwei Tage dort ge-
wesen. Mit dieser Erklärung vermag der Beschwerdeführer nicht plausibel
zu erklären, weshalb er selber die Zwangsrekrutierung im Rahmen der An-
hörung nicht erwähnt hat. Dies gilt um so mehr, als der Beschwerdeführer
in der BzP, als er nach seinen Gesuchsgründen befragt wurde, gleich an
allererster Stelle die Mitnahme als Kind durch die LTTE nannte. Hierdurch
ist erkennbar, dass er diesem Aspekt einen hohen Stellenwert beimass.
Vor diesem Hintergrund ist kaum anzunehmen, der Beschwerdeführer
habe diesen Aspekt sodann in der Anhörung einfach bloss vergessen oder
habe diesem keinen besonderen Stellenwert mehr beigemessen.
7.5 Im Weiteren ist die Schilderung des geltend gemachten Übergriffs der
Sicherheitsbehörden am 21. Juni 2015 effektiv widersprüchlich ausgefal-
len. So hat der Beschwerdeführer zuerst angegeben, seine Mutter habe
nach dem behördlichen Überfall seinen Onkel, ihren eigenen Bruder, an-
gerufen, welcher zu ihm gekommen sei und dann alles für die Ausreise
organisiert habe (vgl. A 18 F34). Im weiteren Verlauf der Anhörung behaup-
tete er hingegen, auch dieser Onkel sei nicht nach Hause gekommen, es
sei seine Mutter gewesen, die dann zum Haus seines Onkels gegangen
sei (vgl. A18 F35). Ohne äussere Veranlassung änderte der Beschwerde-
führer somit seine Aussage in einem zentralen Punkt. Die Entgegnung in
der Beschwerde, dass es sich hierbei ebenfalls bloss um ein Missverständ-
nis handle, welches der Beschwerdeführer selber korrigiert habe, ohne
vom SEM auf den Widerspruch aufmerksam gemacht worden zu sein, ver-
mag die nachträgliche Änderung der Aussage in einem zentralen Punkt
nicht plausibel zu erklären.
7.6 Schliesslich ist mit dem SEM festzuhalten, dass die Schilderung der
angeblichen Befragungen auffallend unbestimmt ausgefallen ist. So gab
der Beschwerdeführer im Rahmen der freien Schilderung diesbezüglich le-
diglich an, man habe ihn gefragt, wo sein Vater sei und ob seine Mutter
etwas über die LTTE wisse (vgl. A18 F34). Auf konkrete Nachfrage hin die
Befragung zu schildern, gab der Beschwerdeführer zu Protokoll: «Ich
wurde geschlagen und misshandelt. Es waren zwei Personen dort und es
waren diese zwei, die mich schlugen und misshandelten. Sie schlugen
mich und sie fragen mich nach meinem Vater. Dann sind sie gegangen.».
(vgl. A18 F 48). Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass bei einer Person,
die effektiv Verfolgung und Misshandlung erlitten hat, zu erwarten gewesen
E-1473/2020
Seite 16
wäre, dass diese substanziell und detailliert hiervon berichten kann. Ent-
sprechendes liegt in casu nicht vor.
Ferner gibt auch das übrige Aussageverhalten des Beschwerdeführers An-
lass zu weiteren Zweifeln. So fällt vorab ein ungewöhnlicher Strukturbruch
auf. Während der Beschwerdeführer stellenweise Ereignisse, die etliche
Jahre zurückliegen, auf den Tag genau datieren kann (vgl. beispielsweise
A 18 F34, F 37, A 5 F 7.01), vermag er demgegenüber auf Nachfrage hin
andere Aspekte, die ebenfalls das Kerngeschehen betreffen, weder zeitlich
einzuordnen noch auch nur einer bestimmten Jahreszeit zuzuordnen (vgl.
A18, F46 hinsichtlich der Frage nach dem Zeitpunkt des ersten behördli-
chen Besuchs). Insgesamt erweckt die Struktur der Aussagen den Ein-
druck, als hätte der Beschwerdeführer diejenigen Aspekte, von welchen er
ausgehen konnte, dass diese in den Anhörungen thematisiert würden, gut
vorbereitet und mit einstudierten Details versehen hat (vgl. beispielsweise
A18 E33). Demgegenüber war der Beschwerdeführer jedoch in der Folge
nicht in der Lage, in vergleichbarer Struktur auf konkrete Nachfrage hin zu
antworten. Vielmehr erweisen sich seine entsprechenden Angaben viel-
fach sogar als auffallend substanzlos (vgl. beispielsweise A 18 F18 ff, 34,
38, 42, 45, 48, 49, 59, 62, 64ff). Insgesamt hinterlässt die Struktur der Aus-
sagen nicht den Eindruck, dass hier selber erlebte Ereignisse geschildert
würden. Zusätzlich kommt hinzu, dass der Beschwerdeführer stellenweise
sogar ein ungewöhnliches Desinteresse an Aspekten seiner eigenen Ver-
folgungsvorbringen zeigt. So brachte der Beschwerdeführer beispielsweise
mehrfach vor, er sei wegen der Tätigkeiten seines Vaters verhaftet, danach
befragt und hierbei misshandelt worden. Vor diesem Hintergrund ist nicht
nachvollziehbar, weshalb er bis zum heutigen Tag seine Mutter nicht nach
den Tätigkeiten seines Vaters gefragt haben sollte und ihn diese Fragen
bis dato schlicht nicht interessiert hätten (vgl. A 18, F30); dies obwohl die
Tätigkeit des Vaters im Kern ja der eigentliche Grund für seine eigene Be-
helligung darstellen würde. Ein solches Nichtwissen beziehungsweise ein
solches demonstratives Desinteresse erscheint vor diesem Hintergrund
nicht nachvollziehbar.
7.7 Wie das SEM in der angefochtenen Verfügung zutreffend festhielt, sind
die eingereichten Beweismittel mangels hinreichendem Sachzusammen-
hang mit den Vorbringen zu deren Nachweis nicht geeignet.
7.8 Insgesamt ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine Verfol-
gung im Heimatstaat glaubhaft darzulegen. Das Vorliegen der Flüchtlings-
eigenschaft im Zeitpunkt der Ausreise ist zu verneinen.
E-1473/2020
Seite 17
8.
Vor dem Hintergrund der unglaubhaften Ausreisegründe des Beschwerde-
führers ist auch nicht von einem Risikoprofil im Sinne des Referenzurteils
des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 auszuge-
hen. Es bestehen keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass dem Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka persönlich ernsthafte
Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen könnten.
An dieser Einschätzung vermögen auch die jüngsten Entwicklungen in Sri
Lanka nichts zu ändern. Aufgrund der Akten ist nicht davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer einen individuellen Bezug etwa zum Regie-
rungswechsel 2019, der diplomatischen Krise zwischen Sri Lanka und der
Schweiz Ende 2019 oder der aktuell schwelenden Regierungskrise in Sri
Lanka aufweist, aufgrund dessen er einer möglichen Gefährdung ausge-
setzt sein könnte.
9.
Das SEM hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das
Asylgesuch des Beschwerdeführers abgelehnt.
10.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl.
BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
11.
11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
11.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen.
Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist das
flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
E-1473/2020
Seite 18
SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG auf ihn nicht anwendbar. Die Zulässigkeit
des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs-
und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame,
unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR
0.105]; Art. 3 EMRK).
Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegwei-
sungsvollzug – auch mit Blick auf die in der Beschwerde zitierten Berichte
– nicht als unzulässig erscheinen (BVGE 2011/24 E. 10.4). Auch der Euro-
päische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat wiederholt festge-
stellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri
Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse
im Einzelfall vorgenommen werden (Urteil des EGMR R.J. gegen Frank-
reich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). An dieser Einschätzung
vermögen die politischen Entwicklungen insbesondere im Umfeld der Kom-
munalwahlen vom Februar 2018 (vgl. Urteil des BVGer D-5880/2018 vom
12. Februar 2019 E. 11.2.2), die Ende 2019 erfolgten Präsidentschaftswah-
len sowie die Parlamentswahlen vom August 2020 nichts Grundlegendes
zu ändern. Dasselbe gilt für die neuesten Ereignisse im Zusammenhang
mit Rücktritten von Regierungsmitgliedern (einschliesslich des Präsidenten
und des Premierministers).
Weder aus den Beschwerdeausführungen noch aus den Akten ergeben
sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer für den Fall
einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlich-
keit einer nach EMRK oder FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. So weist der Beschwerdeführer kein Profil auf, das auf die
Gefahr hindeutet, zukünftig staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausge-
setzt zu sein. Es sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, nach denen der Be-
schwerdeführer Massnahmen zu befürchten hätte, die – wenn überhaupt –
über einen sogenannten background check (Befragung und Überprüfung
von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgingen oder dass ihm persönlich
im Falle einer Rückkehr eine Gefährdung drohen würde.
11.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
E-1473/2020
Seite 19
Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den
LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka we-
der Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt; dies gilt auch angesichts
der dortigen aktuellen Ereignisse (vgl. Urteil des BVGer D-2205/2018 vom
25. Januar 2019, E. 11.2.1). Mit Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 hat das Bundesverwaltungsgericht seine bisherige Rechtsprechung
(vgl. BVGE 2011/24) und die gegenwärtige Praxis des SEM bestätigt, wo-
nach der Wegweisungsvollzug in die Ost- und Nordprovinz grundsätzlich
zumutbar ist, was gemäss Urteil D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 (als
Referenzurteil publiziert) auch für das E._ gilt.
Der Vollständigkeit halber bleibt anzumerken, dass sich Sri Lanka derzeit
in einer sehr schwierigen wirtschaftlichen Situation befindet, welche zu Un-
ruhen und der Ausrufung eines Notstandes während einiger Tage geführt
hat. Diese Schwierigkeiten betreffen indessen die gesamte sri-lankische
Bevölkerung und vermögen angesichts des oben Ausgeführten nicht zur
Annahme zu führen, der Beschwerdeführer werde nach der Rückkehr in
eine existenzielle Notlage geraten.
Das SEM hielt bezüglich der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs fest,
dass sich der ursprünglich aus L._, M._ in der N._
stammende Beschwerdeführer einige Jahre in der Region von D._
aufgehalten habe und danach wieder an seinen Herkunftsort zurückge-
kehrt sei. Zuletzt habe er während rund einem halben Jahr bei einem Ver-
wandten im Distrikt C._ gewohnt. Angesichts der Aktenlage seien
die von der Praxis geforderten Voraussetzungen für Personen mit Herkunft
aus dem E._ (gesicherte Wohnsituation, Gewährleistung der De-
ckung des Grundbedarfs) wahrscheinlich nicht erfüllt. Einlässliche Erwä-
gungen dazu erübrigten sich jedoch, da dieser über eine Wohnsitzalterna-
tive im Distrikt C._ verfüge. So wohne der Onkel des Beschwerde-
führers, der ihm bei der Ausreise behilflich gewesen sei, im Dorf
O._. Zudem habe der Beschwerdeführer einen weiteren Onkel er-
wähnt, indem er angegeben habe, seine Mutter habe nach ihrer Ausreise
bei seinen Onkeln gewohnt. Eine andere, vom Beschwerdeführer als Tante
bezeichnete nahe Verwandte lebe im Dorf P._ (vgl. A18 F14). Zu-
sätzilch habe der Bescherdeführer selber angegeben, dass er über «viele
Verwandte verfüge (vgl. A18, F35). Zusätzlich verfüge er über im Landes-
vergleich wohlhabende Verwandte, welche für ihn die Reisekosten von
12'000 Euro bezahlt hätten. Im Weiteren sei der Beschwerdeführer jung
und nach eigenen Angaben gesund und habe sowohl in Sri Lanka als auch
E-1473/2020
Seite 20
in der Schweiz berufliche Erfahrungen machen können. Diese Ansicht er-
weist sich auch aus Sicht des Gerichts als zutreffend.
In der Beschwerde wird den vorinstanzlichen Ausführungen entgegenge-
halten, das SEM habe nicht berücksichtigt, dass der in Q._ wohn-
hafte Onkel selbst zwei Kinder habe und zudem Angst gehabt habe, auf-
grund der Unterbringung des Beschwerdeführers selbst in den Fokus zu
geraten (vgl. A18 F58). Hierzu ist festzuhalten, dass nicht ersichtlich ist,
warum der genannte Onkel den Beschwerdeführer bei einer Rückkehr
nicht wieder für eine erste Zeit bei sich aufnehmen könnte, zumal sich die
behördlichen Behelligungen als nicht glaubhaft erwiesen haben. Aufgrund
der Unglaubhaftigkeit der geltend gemachten Verfolgungsmassnahmen ist
auch nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer seine vorherige
berufliche Tätigkeit nicht wieder ausüben könnte und dass sein psychi-
scher Zustand aufgrund der genannten Vorkommnisse als labil bezeichnet
werden müsste. Im Ergebnis werden in der Beschwerde keine Argumente
vorgebracht, welche die Einschätzung des SEM in Frage stellen würden.
Die Zumutbarkeit des Vollzugs wurde von der Vorinstanz zu Recht bejaht.
11.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).
11.5 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zu-
mutbar und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung der vorläufigen Auf-
nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
13.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1‒
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der in gleicher
Höhe bezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten
verwendet.
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