Decision ID: 49262a3a-3c58-5646-9665-f2cba4112174
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Mit Datum vom (...) richtete die französische Steuerbehörde (Direction
Générale des Finances Publiques, Service du Contrôle fiscal; nachfolgend:
DGFP oder ersuchende Behörde) gestützt auf Art. 28 des Abkommens
vom 9. September 1966 zwischen der Schweiz und Frankreich zur
Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom
Einkommen und vom Vermögen und zur Vermeidung von Steuerbetrug
und Steuerflucht (SR 0.672.934.91, DBA CH-FR) ein Amtshilfeersuchen an
die Eidgenössische Steuerverwaltung (nachfolgend: ESTV oder
Vorinstanz).
A.b Als vom Ersuchen betroffene Personen nannte die DGFP in ihrem
Amtshilfeersuchen die A._ S.A., welche in Frankreich eine nicht de-
klarierte feste Niederlassung («établissement stable») habe und daher
mutmasslich in Frankreich steuerpflichtig sei. Als Informationsinhaberin in
der Schweiz wurde die Bank B._ bzw. Bank C._ (welche die
erstgenannte Bank übernommen habe) genannt. Die Informationen wür-
den für die französische Körperschaftssteuer («impôt sur les sociétés») für
die Steuerjahre 2011 bis 2017 benötigt.
A.c Die DGFP begründet ihr Ersuchen damit, dass die nicht deklarierte,
feste Niederlassung der nach (...) Recht (des Staates A._) errich-
teten betroffenen Person Gegenstand einer Kontrolle in Frankreich sei. Die
dabei erlangten Hinweise würden zeigen, dass sich der Sitz der effektiven
Verwaltung der betroffenen Person in Frankreich befinde. Die Gesellschaft
werde nämlich geschäftlich sowie auch administrativ von D._,
wohnhaft in (...) (Ortschaft), Frankreich, geführt. Die betroffene Person
habe die benötigten Informationen trotz Aufforderung im Rahmen der Steu-
erkontrolle nicht übermittelt. Als Antwort auf ein in Staat A._ gestell-
tes Amtshilfeersuchen habe die französische Steuerverwaltung lediglich In-
formationen zu den in Staat A._ gehaltenen Bankkonten erhalten.
Die übermittelten Informationen hätten dabei keine Hinweise auf ein in der
Schweiz eröffnetes Bankkonto enthalten. Die durchgeführte Durchsuchung
(«perquisition fiscale») habe aber die Existenz eines solchen Bankkontos
der Gesellschaft in der Schweiz ans Licht gebracht. Im Rahmen des vor-
liegenden Amtshilfeersuchens werde nun die ESTV ersucht, die Kontoaus-
züge zum benannten Konto zu liefern, damit die Finanzflüsse identifiziert
und die in Frankreich steuerbaren Faktoren festgestellt werden könnten.
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Diese Informationen seien notwendig, um die Existenz der festen Nieder-
lassung der Gesellschaft in Frankreich zu untermauern und um die in
Frankreich aufgrund der von der Gesellschaft von Frankreich aus und mit
französischen Kunden realisierten Aktivitäten geschuldeten Steuern fest-
stellen zu können.
A.d Konkret ersucht die DGFP die ESTV für das aufgeführte Konto mit
IBAN (...) bei der Bank B._ (nachfolgend: Bank B._) um die
Übermittlung der folgenden Informationen für den Zeitraum vom 1. Januar
2011 bis 31. Dezember 2017:
(...) (Wiedergabe der ersuchten Informationen)
B.
B.a Mit Editionsverfügung vom 7. Mai 2019 forderte die Vorinstanz die
Bank C._ (nachfolgend: Bank C._) auf, die ersuchten Infor-
mationen einzureichen. Zudem bat die Vorinstanz die Bank, die im Ausland
ansässige betroffene Person über das Amtshilfeverfahren zu informieren.
B.b Die Bank C._ ist der Aufforderung der Vorinstanz mit Schreiben
vom 15. Mai 2019 fristgerecht nachgekommen und konnte die betroffene
Person am 10. Mai 2019 über das Amtshilfeverfahren informieren.
C.
Mit Schreiben vom 14. Mai 2019 teilten die Vertreter der betroffenen Per-
son der ESTV mit, dass sie von ebendieser mit der Wahrung der Interessen
beauftragt worden sei.
D.
Die Vorinstanz erkundigte sich am 3. Juni 2019 telefonisch bei der Bank
C._, ob es tatsächlich keine weiteren Konti bzw. Unterlagen in die-
ser Sache gebe, was seitens der Bank verneint wurde.
E.
Die von den Vertretern mit Eingabe vom 14. Mai 2019 geforderte Aktenein-
sicht wurde mit Schreiben der Vorinstanz vom 10. Juli 2019 gewährt. Dar-
über hinaus wurde die betroffene Person über das Amtshilfeverfahren ori-
entiert und es wurde Frist zur Einreichung einer Stellungnahme angesetzt.
F.
Innert mehrfach erstreckter Frist reichten die Vertreter der betroffenen Per-
son mit Schreiben vom 6. August 2019 ihre Stellungnahme ein und hielten
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fest, dass dem Amtshilfeersuchen der französischen Steuerbehörde nicht
stattgegeben werden dürfe, da es sich bei der Kontoinhaberin des betref-
fenden Kontos um eine völlig andere Gesellschaft handle als diejenige, de-
ren Steuersituation die französischen Behörden untersuchen würden. Die
von der Untersuchung der französischen Steuerbehörden betroffene Per-
son sei die A._ S.A. mit Sitz an (...) in Staat A._. Herr
D._ mit Wohnsitz in Frankreich arbeite als Geschäftsführer für diese
Gesellschaft. Die Gesellschaft, welche Inhaberin des von den französi-
schen Steuerbehörden genannten Kontos sei, sei jedoch eine andere Ge-
sellschaft, die lediglich gleich heisse, nämlich die E._ S.A. mit Sitz
an (...) in Staat E._. Überdies sei die Gesellschaft E._ S.A.
mit Sitz in Staat E._ Ende 2016 liquidiert und die Bankbeziehung
bei der Bank B._ bzw. Bank C._ geschlossen worden. Im
Januar und Februar 2017 seien die Kontosalden auf ein Konto der
F._ GmbH bei der Bank G._ in (...) (Ortschaft in Staat
F._) überwiesen worden und nicht etwa auf ein Konto der
A._ S.A. mit Sitz in Staat A._. Herr D._ sei auch an
der F._ GmbH weder beteiligt, noch habe er Zeichnungsberechti-
gung.
Unter anderem reichten die Vertreter der betroffenen Person eine Voll-
macht zur Vertretung der Gesellschaft E._ S.A. mit Sitz in Staat
E._ ein.
G.
Mit Schreiben vom 29. August 2019 erwiderte die Vorinstanz, dass der
Iiquidierten Gesellschaft E._ S.A. mit Sitz in Staat E._ im
vorliegenden Verfahren aufgrund fehlender Partei- und Prozessfähigkeit
keine Parteistellung zukomme und sie dementsprechend nicht am vorlie-
genden Amtshilfeverfahren teilnehmen könne. Demgegenüber habe je-
doch die betroffene Person, also die A._ S.A. mit Sitz in Staat
A._, im vorliegenden Amtshilfeverfahren Parteistellung. Des Weite-
ren wurde der betroffenen Person ergänzende Akteneinsicht gewährt.
H.
Mit Eingabe vom 30. August 2019 führten die Vertreter erneut aus, dass
die Gesellschaft A._ S.A. mit Sitz in Staat A._ mit der Über-
mittlung der Informationen an die französischen Steuerbehörden nicht ein-
verstanden sei.
I.
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In ihrer Schlussverfügung vom 18. September 2019 kam die Vorinstanz
zum Schluss, der DGFP in Bezug auf die betroffene Person Amtshilfe im
ersuchten Umfang zu leisten. Die formellen und materiellen Voraussetzun-
gen für die Leistung von Amtshilfe seien erfüllt. Zu den Einwänden der be-
troffenen Person hielt die ESTV insbesondere fest, dass sämtliche erwähn-
ten Gesellschaften – A._ S.A. mit Sitz in Staat A._,
E._ S.A. mit Sitz in Staat E._, und F._ GmbH mit Sitz
in der Staat F._ – miteinander verbunden seien. Dies zeige sich be-
reits nach einem kurzen Blick auf die Webseite von (...) (Gruppe
H._) ([...] [Wiedergabe Internetadresse]; zuletzt von der Vorinstanz
besucht am 30. August 2019), wo auf der Webseite unter der Rubrik
«contact us» als Kontaktadresse unter anderem die Adresse der betroffe-
nen Person in Staat A._ angegeben sei. Darüber hinaus seien un-
ter der Rubrik «about us» sowohl I._ als auch J._ als Grün-
dungspräsidenten («founding presidents») aufgeführt und diese beiden
Personen seien gemäss den Ausführungen der betroffenen Person bevoll-
mächtigt am vorliegend in Frage stehenden Konto bei der Bank B._
bzw. Bank C._ gewesen. Zudem seien diese zwei Personen ge-
mäss Handelsregistereintrag an der Gesellschaft F._ GmbH mit
Sitz in Staat F._ beteiligt, welche entsprechend den Ausführungen
der betroffenen Person nach der Liquidation der Gesellschaft E._
S.A. mit Sitz in Staat E._ und der Schliessung des Kontos bei der
Bank B._ bzw. Bank C._ die Kontosalden des besagten
Kontos übernommen habe. Damit würden gemäss Vorinstanz genügend
Hinweise auf eine Verbindung zwischen der betroffenen Person und den
am in Frage stehenden Konto beteiligten Personen vorliegen und es könne
nicht davon ausgegangen werden, dass die betroffene Person nichts mit
der E._ S.A. mit Sitz in Staat E._ und dem in Frage stehen-
den Konto zu tun habe. Ebenso könne nicht gesagt werden, dass die er-
suchten Bankinformationen nicht voraussichtlich erheblich für die Untersu-
chung in Frankreich seien, da die erfragten Informationen Aufschluss ge-
ben könnten über die Finanzflüsse im Zusammenhang mit dem ersuchten
Konto und damit die Existenz einer festen Niederlassung in Frankreich wei-
ter geprüft und die in Frankreich steuerbaren Faktoren festgestellt werden
könnten. Es spiele dafür keine Rolle, welche Gesellschaft der Gruppe
H._ effektiv Inhaberin des festgestellten Kontos bei der Bank
B._ bzw. Bank C._ gewesen sei. Infolgedessen seien diese
Einwände der betroffenen Person abzuweisen.
http://www.wss.eu.com/
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Im Einzelnen beabsichtigte die Vorinstanz, der DGFP für den Zeitraum vom
1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2017 folgende von der Bank C._
edierte Informationen zu übermitteln:
(...) (Wiedergabe der Informationen)
Informationen, die nicht amtshilfefähig seien und nicht ausgesondert wer-
den können, seien dabei von der Vorinstanz geschwärzt worden.
J.
Am 14. Oktober 2019 reichte die betroffene Person (nachfolgend: Be-
schwerdeführerin) gegen die Schlussverfügung der ESTV vom 18. Sep-
tember 2019 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Es wird be-
antragt, die Schlussverfügung sei aufzuheben. Die Herausgabe jedwelcher
Informationen über die Beschwerdeführerin bzw. die Bankverbindung IBAN
(...) an die französischen Steuerbehörden aufgrund des Amtshilfeersu-
chens vom (...) sei zu untersagen; alles unter Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen zulasten der ESTV.
Die Beschwerdeführerin stützt sich in ihrer Beschwerde überwiegend auf
das bereits mit Stellungnahme 6. August 2019 Gesagte. Zusätzlich kriti-
siert die Beschwerdeführerin, dass die Vorinstanz die drei Gesellschaften
– A._ S.A. in Staat A._, E._ S.A. in Staat E._
und F._ GmbH in Staat F._ – in einen Topf werfe, mit dem
Argument, J._ und I._ seien die Gründungspräsidenten der
(...) Gesellschaft (nach Recht des Staats A._), die Anteilsinhaber
der (...) Gesellschaft (in Staat F._) sowie Zeichnungsberechtigte
des von der DGFP erfragten Kontos bei der Bank B._ bzw. Bank
C._ und sich dabei auf den Standpunkt stelle, dass die edierten
Unterlagen daher für das Verfahren gegen die (...) Gesellschaft (nach
Recht des Staats A._) in Frankreich relevant seien sowie dass nicht
relevant sei, welche Gesellschaft tatsächlich Inhaberin des Bankkontos ge-
wesen sei. Dies gehe nicht an, da es sich vorliegend nicht um eine selb-
ständig erwerbstätige Person handle, bei welcher unter Umständen tat-
sächlich nicht klar sei, welchem Bereich ein Konto steuerlich zuzurechnen
sei, sondern es sich um Gesellschaften handle, welche als eigenständige
juristische Personen klar auseinanderzuhalten seien. Zudem gehe es im
Untersuchungsverfahren in Frankreich weder um J._ noch um
I._, sondern um die Person von D._. Dieser sei bzw. war
jedoch weder Gesellschafter
oder wirtschaftlich Berechtigter der Gesellschaft in Staat E._ noch
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wirtschaftlich Berechtigter oder Zeichnungsberechtigter des vorliegend in
Frage stehenden Kontos. Mit keinem Wort habe die ersuchende Steuerbe-
hörde erwähnt, sie wolle das Verhältnis zwischen den verschiedenen
gleich oder ähnlich heissenden Gesellschaften untersuchen.
Den Ausführungen der Vorinstanz in ihrer Schlussverfügung, wonach an-
hand der Finanzflüsse die Existenz einer festen Niederlassung in Frank-
reich geprüft und die in Frankreich steuerbaren Faktoren festgestellt wer-
den könnten, sei zu entgegnen, dass es sich höchstens um eine feste Nie-
derlassung bzw. die Steuerfaktoren der (...) Gesellschaft (in Staat
E._) handeln könne, nicht aber um eine solche der (...) Gesellschaft
(nach Recht des Staats A._), gegen welche sich das Untersu-
chungsverfahren in Frankreich allein richte.
Weiter würde die Übermittlung der Bankunterlagen an die französischen
Steuerbehörden dazu führen, dass diese die entsprechenden Vermögens-
werte der A._ S.A. zurechnen würde und Letztere bei Bejahung ei-
ner steuerlichen Betriebsstätte bzw. einer steuerlichen Ansässigkeit fälsch-
licherweise in Frankreich der Besteuerung unterworfen würde, da aus den
Unterlagen nicht erkannt werden könne, dass das Konto nicht der
A._ S.A. (mit Sitz in Staat A._), sondern der (...) Gesell-
schaft (in Staat E._) gehört habe.
K.
Mit Vernehmlassung vom 6. Dezember 2019 schliesst die Vorinstanz auf
kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde vom 14. Oktober 2019. Dabei
bejaht die Vorinstanz die Erfüllung der voraussichtlichen Erheblichkeit der
Informationen. Der vorausgesetzte Konnex zwischen den ersuchten Infor-
mationen und dem von der DGFP dargelegten Sachverhalt sowie der Nut-
zen der Informationsbeschaffung für das Untersuchungsverfahren der fran-
zösischen Steuerbehörden seien gegeben. Für die Plausibilität des Amts-
hilfeersuchens würde es auch keine Rolle spielen, wenn die DGFP irrtüm-
licherweise davon ausgehen würde, dass das ersuchte Bankkonto von der
Beschwerdeführerin gehalten würde. Zudem bestehe eine ausreichende
Verbindung zwischen der Gruppe H._ und Frankreich. Auch wenn
vorliegend drei eigenständige Gesellschaften involviert wären, stelle dies
keinen Grund dar, um die Verbindungen nicht zu beachten. Zudem dürften
im Amtshilfeverfahren nicht nur Informationen übermittelt werden, welche
die formell vom Amtshilfeersuchen betroffenen Personen betreffen würden,
sondern es dürften vielmehr sämtliche ersuchten und voraussichtlich er-
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heblichen Informationen übermittelt werden. Überdies würde es an der vo-
raussichtlichen Erheblichkeit auch nichts ändern, wenn die Finanzflüsse,
wie von der Beschwerdeführerin geltend gemacht, nur betreffend die Ge-
sellschaft in Staat E._ oder einer allfälligen festen Niederlassung
dieser Gesellschaft in Frankreich Aufschluss geben würden. Es dürften
nämlich auch Informationen übermittelt werden, welche dazu dienen könn-
ten, einen Verdacht zu widerlegen. Letztlich wäre die voraussichtliche Er-
heblichkeit auch zu bejahen gewesen, wenn die DGFP angegeben hätte,
dass das in Frage stehenden Konto der E._ S.A. mit Sitz in Staat
E._ gehöre. Daher würde eine Verweigerung der Amtshilfe auf-
grund dessen, dass die DGFP davon ausging, dass das Bankkonto der
Beschwerdeführerin zuzuschreiben sei, lediglich dazu führen, dass die
DGFP ein neues Amtshilfeersuchen einzureichen hätte, mit der Angabe,
dass das Konto der Gesellschaft in Staat E._ gehöre. Solche be-
hördlichen Leerläufe seien aber mit dem Sinn und Zweck der Amtshilfe
nicht vereinbar.
L.
Mit innert verlängerter Frist eingereichter Stellungnahme vom 23. Januar
2020 hält die Beschwerdeführerin vollumfänglich an ihren in der Be-
schwerde vom 14. Oktober 2019 gestellten Rechtsbegehren fest und
nimmt Stellung zur Vernehmlassung.
M.
Auf die weiteren Vorbringen in den Eingaben der Parteien wird – sofern sie
entscheidwesentlich sind – im Rahmen der folgenden Erwägungen einge-
gangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegt ein Amtshilfeersuchen der DGFP ge-
stützt auf Art. 28 DBA CH-FR zugrunde, welches am (...) eingereicht
wurde. Ebenso stützte sich das Ersuchen auf die Vereinbarung vom
25. Juni 2014 über die Änderung des Zusatzprotokolls zum revidierten Ab-
kommen zwischen der Schweiz und Frankreich vom 9. September 1966
zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom
Einkommen und vom Vermögen und zur Vermeidung von Steuerbetrug
und Steuerflucht (AS 2016 1195; nachfolgend: Vereinbarung 2014; diese
Vereinbarung ist teilweise ebenfalls unter der SR 0.672.934.91 wiederge-
geben). Der Vollzug der Amtshilfe wird durch das Bundesgesetz vom
28. September 2012 über die internationale Amtshilfe in Steuersachen
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(StAhiG, SR 651.1) geregelt (Art. 1 Abs. 1 Bst. a StAhiG). Demnach gelten
im Beschwerdeverfahren die Bestimmungen über die Bundesrechtspflege,
soweit das StAhiG nichts anderes bestimmt (Art. 19 Abs. 5 StAhiG). Ge-
mäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Zu den beim Bundesverwaltungs-
gericht anfechtbaren Verfügungen gehört damit auch die Schlussverfügung
der ESTV im Bereich der internationalen Amtshilfe in Steuersachen (Art. 32
VGG e contrario und Art. 19 Abs. 1 und 5 StAhiG). Die Zuständigkeit des
Bundesverwaltungsgerichts zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde
ist somit gegeben.
1.2 Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men und ist mit Blick auf die sie betreffenden, nach der angefochtenen
Schlussverfügung an die DGFP zu übermittelnden Informationen materiell
beschwert. Sie ist damit und als Adressatin der angefochtenen Verfügung
zur Beschwerdeführung berechtigt (vgl. Art. 19 Abs. 2 StAhiG i.V.m. Art. 48
Abs. 1 VwVG). Auf die form- und fristgerecht (vgl. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52
Abs. 1 VwVG, je in Verbindung mit Art. 19 Abs. 5 StAhiG) eingereichte Be-
schwerde ist somit einzutreten.
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführenden können neben der
Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder
unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49
Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG;
ANDRÉ MOSER et al., Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht,
2. Aufl. 2013, Rz. 2.149 ff.; ULRICH HÄFELIN et al., Allgemeines Verwal-
tungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 1146 ff.).
2.
2.1
2.1.1 Gemäss Art. 28 DBA CH-FR tauschen die zuständigen Behörden der
beiden Vertragsstaaten unter sich diejenigen Informationen aus, «die zur
Durchführung dieses Abkommens oder zur Anwendung oder Durchset-
zung des innerstaatlichen Rechts betreffend Steuern jeder Art und Be-
zeichnung, die für Rechnung der Vertragsstaaten oder ihrer politischen Un-
terabteilungen oder lokalen Körperschaften erhoben werden, voraussicht-
lich erheblich sind, soweit die diesem Recht entsprechende Besteuerung
nicht dem Abkommen widerspricht» (Art. 28 Abs. 1 Satz 1 DBA CH-FR; zu
hier nicht relevanten Einschränkungen dieser Amtshilfeverpflichtung vgl.
Art. 28 Abs. 3 und 5 DBA CH-FR). Der Informationsaustausch ist durch
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Art. 1 DBA CH-FR (persönlicher Anwendungsbereich) und Art. 2 DBA CH-
FR (sachlicher Anwendungsbereich) nicht eingeschränkt (Art. 28 Abs. 1
Satz 2 DBA CH-FR).
2.1.2 Ziff. XI Abs. 3 des Zusatzprotokolls zum DBA CH-FR führt die Infor-
mationen auf, welche die Steuerbehörden des ersuchenden Staates bei
der Stellung eines Amtshilfeersuchens zu liefern haben. Diese Anforderun-
gen gehen den ähnlichen Bestimmungen in Art. 6 Abs. 2 StAhiG vor (so
auch Art. 1 Abs. 2 StAhiG; Urteil des BVGer A-1488/2018 vom 30. Juli 2018
E. 2.7).
2.2
2.2.1 Als zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts
«voraussichtlich erheblich» gelten Informationen, die für den ersuchenden
Staat notwendig sind, damit eine in diesem Staat steuerpflichtige Person
korrekt besteuert werden kann (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.1 und BGE 141
II 436 E. 4.4.3; Urteile des BVGer A-2830/2018 vom 17. September 2018
E. 2.1.1 und A-272/2017 vom 5. Dezember 2017 E. 2.2, je m.w.H.).
2.2.2 Gemäss Ziff. XI Abs. 2 des Zusatzprotokolls zum DBA CH-FR soll der
Verweis auf «voraussichtlich erhebliche» Informationen in Art. 28 Abs. 1
DBA CH-FR «einen möglichst breiten Informationsaustausch in Steuersa-
chen gewährleisten, ohne dass die Vertragsstaaten ʹfishing expeditionsˈ
durchführen oder Informationen verlangen können, deren Erheblichkeit für
die Aufklärung der Steuerangelegenheiten bestimmter Steuerpflichtiger
wenig wahrscheinlich ist». In Ziff. XI Abs. 4 des Zusatzprotokolls zum DBA
CH-FR wird bestimmt, dass die erforderlichen Informationen gemäss
Ziff. XI Abs. 3 des Zusatzprotokolls zum DBA CH-FR (vgl. dazu bereits
E. 2.1.2) so auszulegen seien, dass sie einen wirksamen Informationsaus-
tausch nicht behindern.
2.2.3 Die «voraussichtliche Erheblichkeit» von geforderten Informationen
muss sich bereits aus dem Amtshilfeersuchen ergeben. Würde dies nicht
verlangt, könnten Ersuchen aufs Geratewohl gestellt werden und die er-
suchte Behörde müsste die Unterlagen auch dann zur Verfügung stellen,
wenn sie erst nach deren Erhebung deren voraussichtliche Erheblichkeit
feststellen würde. Auch nach der Edition der verlangten Unterlagen hat die
Steuerverwaltung des ersuchten Staates zu prüfen, ob die betreffenden In-
formationen für die Erhebung der Steuer voraussichtlich erheblich sind (vgl.
zum Ganzen: BGE 143 II 185 E. 3.3.2). Dem «voraussichtlich» kommt so-
mit eine doppelte Bedeutung zu: Zum einen bezieht es sich darauf, dass
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der ersuchende Staat die Erheblichkeit voraussehen und diese dem Amts-
hilfeersuchen zu entnehmen sein muss (wobei im Einklang mit dem völker-
rechtlichen Vertrauensprinzip vermutet wird, dass der ersuchende Staat
nach Treu und Glauben handelt). Zum anderen sind nur solche Informatio-
nen zu übermitteln, die tatsächlich voraussichtlich erheblich sind (vgl. BGE
143 II 185 E. 3.3.2; Urteile des BVGer A-2830/2018 vom 17. September
2018 E. 2.1.2 und A-4331/2017 vom 16. November 2017 E. 4.1, m.w.H.).
Die Voraussetzung der voraussichtlichen Erheblichkeit ist erfüllt, wenn im
Zeitpunkt der Einreichung des Amtshilfeersuchens eine vernünftige Mög-
lichkeit besteht, dass sich die verlangten Informationen als erheblich erwei-
sen werden (BGE 143 II 185 E. 3.3.2). Keine Rolle spielt, ob sich diese
Informationen nach deren Übermittlung für den ersuchenden Staat letzten
Endes als nicht erheblich herausstellen (vgl. BGE 142 II 161 E. 2.1.1). Ob
eine Information tatsächlich erheblich ist, kann in der Regel nur der ersu-
chende Staat abschliessend feststellen (BGE 142 II 161 E. 2.1.1 f.; BGE
139 II 404 E. 7.2.2; statt vieler: Urteil des BVGer A-4218/2017 vom 28. Mai
2018 E. 2.3.1). Die Rolle des ersuchten Staates bei der Beurteilung der
voraussichtlichen Erheblichkeit beschränkt sich somit darauf, zu überprü-
fen, ob die vom ersuchenden Staat verlangten Informationen und Doku-
mente mit dem im Ersuchen dargestellten Sachverhalt zusammenhängen
und ob sie möglicherweise dazu geeignet sind, im ausländischen Verfah-
ren verwendet zu werden (BGE 142 II 161 E. 2.1.1; vgl. Urteile des BVGer
A-4218/2017 vom 28. Mai 2018 E. 2.3.1 und A-197/2018, A-200/2018 vom
2. Mai 2018 E. 2.3, je m.w.H.). Vor diesem Hintergrund darf der ersuchte
Staat Auskünfte – mit der Begründung, die verlangten Informationen seien
nicht «voraussichtlich erheblich» im Sinne von Art. 28 Abs. 1 Satz 1 DBA
CH-FR – nur verweigern, wenn ein Zusammenhang zwischen den verlang-
ten Angaben und der im ersuchenden Staat durchgeführten Untersuchung
wenig wahrscheinlich bzw. unwahrscheinlich erscheint (vgl. Ziff. XI Abs. 2
des Zusatzprotokolls zum DBA CH-FR; BGE 143 II 185 E. 3.3.2 und BGE
141 II 436 E. 4.4.3; vgl. Urteile des BVGer A-4218/2017 vom 28. Mai 2018
E. 2.3.1 und A-4353/2016 vom 27. Februar 2017 E. 2.2.2; vgl. auch die
vereinzelt uneinheitliche – [v.a.] französischsprachige – Rechtsprechung
des Bundesgerichts, welche verlangt, dass ein Zusammenhang zwischen
den verlangten Angaben und der Untersuchung mit Sicherheit [«avec cer-
titude»] nicht besteht: BGE 144 II 29 E. 4.2.2 und BGE 142 II 161 E. 2.1.1;
vgl. dazu Urteil des BVGer A-2830/2018 vom 17. September 2018 E. 2.1.3,
m.w.H.). In letzterem Sinne ist auch Art. 17 Abs. 2 StAhiG zu verstehen,
wonach Informationen, welche voraussichtlich nicht erheblich sind, nicht
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übermittelt werden dürfen und von der ESTV auszusondern oder unkennt-
lich zu machen sind (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer A-2830/2018 vom
17. September 2018 E. 2.1.3, m.w.H., sowie zum Ganzen: Urteil des
BVGer A-4144/2018 vom 28. Mai 2019 E. 2.1.6).
2.2.4 Rechtsprechungsgemäss ist der Begriff der «nicht betroffenen Per-
son» nach Art. 4 Abs. 3 StAhiG restriktiv zu verstehen (vgl. BGE 142 II 161
E. 4.6.1 f.). Damit sollen in Anwendung des Verhältnismässigkeitsprinzips
Personen geschützt werden, die nichts mit dem im Amtshilfeersuchen ge-
schilderten Sachverhalt zu tun haben, deren Namen also rein zufällig in
den weiterzuleitenden Dokumenten auftauchen («fruit d'un pur hasard»;
vgl. statt vieler: Urteil des BGer 2C_287/2019 vom 13. Juli 2020 E. 5; Ur-
teile des BVGer A-2981/2019 vom 1. September 2020 E. 2.2.3,
A-3791/2017 vom 5. Januar 2018 E. 5.2.2, m.w.H.). In gewissen Konstel-
lationen ist es unumgänglich, auch über Personen Informationen zu ertei-
len, deren Steuerpflicht im ersuchenden Staat nicht geltend gemacht wird
(statt vieler: Urteil des BVGer A-4228/2018 vom 26. August 2019 E. 2.6.3).
Können die ersuchten Informationen für die Steuerpflicht der im ersuchen-
den Staat zu besteuernden Person voraussichtlich erheblich sein und ist
ihre Übermittlung unter Verhältnismässigkeitsgesichtspunkten erforderlich,
d.h. wenn die Aussonderung, Schwärzung oder anderweitige Unkenntlich-
machung der Informationen den Zweck des Amtshilfeersuchens vereiteln
würde, so sind sie dem ersuchenden Staat zu übermitteln (vgl. ausführlich
mit Beispielen: BGE 144 II 29 E. 4.2.2 ff.; BGE 141 II 436 E. 4.4.3 f., Urteil
des BGer 2C_615/2018 vom 26. März 2019 E. 3.1; Urteile des BVGer
A-1745/2019 vom 1. November 2019 E. 2.5, A-4228/2018 vom 26. August
2019 E. 2.6.3, A-4144/2018 vom 28. Mai 2019 E. 2.4.1, A-4819/2016 vom
4. April 2018 E. 3.4 und 3.5).
2.3 Soweit die Behörden des ersuchenden Staates verpflichtet sind, den
massgeblichen Sachverhalt darzulegen, kann von ihnen nicht erwartet
werden, dass sie dies bereits lückenlos und völlig widerspruchsfrei tun.
Dies wäre mit dem Sinn und Zweck der Amtshilfe (wie mit jenem der
Rechtshilfe) nicht vereinbar, sollen doch aufgrund von Informationen und
Unterlagen, die sich im ersuchten Staat befinden, bisher im Dunkeln ge-
bliebene Punkte erst noch geklärt werden (vgl. BGE 142 II 161 E. 2.1.1;
BVGE 2011/14 E. 2; statt vieler: Urteil des BVGer A-7596/2016 vom
23. Februar 2018 E. 2.7). Daher verlangt die Rechtsprechung von der er-
suchenden Behörde nicht den strikten Beweis des Sachverhalts, sondern
sie muss nur (aber immerhin) hinreichende Verdachtsmomente für dessen
A-5383/2019
Seite 13
Vorliegen dartun (BGE 139 II 451 E. 2.1 und E. 2.2.1 sowie BGE 139 II 404
E. 7.2.2; Urteil des BVGer A-6102/2016 vom 15. März 2017 E. 2.5).
2.4 Ein wichtiges Element der internationalen Behördenzusammenarbeit
bildet der Grundsatz, wonach – ausser bei offenbarem Rechtsmissbrauch
oder bei berechtigten Fragen im Zusammenhang mit den in Art. 7 StAhiG
genannten Konstellationen – prinzipiell kein Anlass besteht, an Sachver-
haltsdarstellungen und Erklärungen anderer Staaten zu zweifeln (sog. völ-
kerrechtliches Vertrauensprinzip; BGE 144 II 206 E. 4.4, BGE 142 II 218
E. 3.3, BGE 142 II 161 E. 2.1.3 f.; Urteil des BVGer A-4992/2016 vom
29. November 2016 E. 4.3). Auf diesem Vertrauen gründet letztlich das
ganze Amtshilfeverfahren. Dementsprechend ist die ESTV an die Darstel-
lung des Sachverhalts im Ersuchen insoweit gebunden, als diese nicht we-
gen offensichtlicher Fehler, Lücken oder Widersprüche sofort entkräftet
werden kann (vgl. statt vieler: BGE 128 II 407 E. 5.2.1; Urteile des BVGer
A-381/2018 vom 21. November 2018 E. 4.2 und A-7622/2016 vom 23. Mai
2017 E. 2.3, m.w.H.). Gleiches gilt für die vom ersuchenden Staat abgege-
benen Erklärungen. Werden diese sofort entkräftet, kann der ersuchte
Staat ihnen nicht mehr vertrauen (Urteile des BVGer A-4144/2018 vom
28. Mai 2019 E. 2.2 und A-3716/2015 vom 16. Februar 2016 E. 3.5).
3.
3.1
3.1.1 Vorliegend führte die ersuchende Behörde in ihrem Amtshilfeersu-
chen an die Vorinstanz aus, dass die nach (...) Recht (des Staates
A._) errichtete betroffene Person Gegenstand einer Untersuchung
im Zusammenhang mit einer vermuteten, nicht deklarierten festen Nieder-
lassung bzw. Betriebsstätte («établissement stable») in Frankreich sei. Es
liege eine mutmasslich in Frankreich gegebene Steuerpflicht für die Steu-
erjahre 2011 bis 2017 vor. Bei einer Durchsuchung im Rahmen der steuer-
lichen Untersuchungen sei dann die Existenz des erfragten Bankkontos
der Gesellschaft in der Schweiz ans Licht gekommen. Mit den ersuchten
Informationen sollen die Finanzflüsse identifiziert und in Frankreich steuer-
bare Faktoren festgestellt werden können.
3.1.2 Die Beschwerdeführerin bringt nun vor, dass das erfragte Bankkonto
nicht von ihr selbst als vom Amtshilfeersuchen betroffene Person gehalten
werde, sondern von einer anderen Gesellschaft, welche lediglich gleich
heisse, nämlich von der «E._ S.A.» mit Sitz in Staat E._. Die
Beschwerdeführerin schliesst daraus, dass die Informationen betreffend
A-5383/2019
Seite 14
das nicht ihr gehörende Bankkonto nicht voraussichtlich erheblich seien
und infolgedessen nicht übermittelt werden dürften.
3.2 Die ersuchende Behörde geht in ihrem Amtshilfeersuchen wohl davon
aus, dass das von ihr genannte Bankkonto von der betroffenen Person ge-
halten wird. Selbst wenn jedoch das fragliche Konto tatsächlich nicht der
Beschwerdeführerin, sondern einer gleich- oder ähnlich lautenden anderen
Gesellschaft gehören würde, wäre diese allfällig falsche Annahme als sol-
ches für die Amtshilfeleistung nicht schädlich. Es ist daran zu erinnern,
dass der Sachverhalt, wie ihn die ersuchende Behörde darstellt, durchaus
Ungenauigkeiten, Unvollständigkeiten oder gar Fehler enthalten darf, dient
doch das Amtshilfeverfahren gerade dazu, Lücken im Sachverhalt zu
schliessen (vgl. dazu vorne E. 2.3). Vorliegend ist der Sachverhalt im Amts-
hilfeersuchen der französischen Steuerbehörden genügend konkret, um
eine «fishing expedition» ausschliessen zu können. Aus dem Amtshilfeer-
suchen ergibt sich insbesondere der Zweck der Untersuchung in Frank-
reich, die Kontonummer des erfragten Bankkontos unter Angabe des (ver-
muteten) Namens der Kontoinhaberin sowie die Erklärung, dass die fran-
zösischen Behörden im Rahmen einer Durchsuchung auf die Existenz die-
ses Bankkontos gestossen seien. Somit erfüllt das von der zuständigen
französischen Behörde gestellte Amtshilfeersuchen auch sämtliche formel-
len Voraussetzungen gemäss Ziff. XI Abs. 3 des Zusatzprotokolls zum DBA
CH-FR (vgl. dazu vorne E. 2.1.2; ferner auch: Urteil des BVGer
A-2468/2016 vom 19. Oktober 2016 E. 5.3.1). Aufgrund der Tatsache, dass
explizit Informationen zu einem genau bezeichneten Bankkonto erfragt
werden, liegt auch kein spontaner Informationsaustausch (vgl. dazu Replik
Rz. 14) vor.
3.3 Als Nächstes ist auf die Behauptung der Beschwerdeführerin einzuge-
hen, wonach das erfragte Bankkonto nicht ihr, sondern einer gleichlauten-
den (...) Gesellschaft (in Staat E._) gehöre.
Aufgrund der Aktenlage ist nicht eindeutig, ob das Konto, in Bezug auf wel-
ches Informationen ersucht werden, von der Beschwerdeführerin als «be-
troffene Person» oder aber von einer anderen Gesellschaft gehalten
wurde. Die Beschwerdeführerin selbst hält in ihrer Beschwerde fest, dass
aus den zur Übermittlung vorgesehenen Unterlagen nicht erkannt werden
könne, ob das Konto ihr (der [...] «A._ S.A.») oder der [...] Gesell-
schaft (in Staat E._) gehört habe (vgl. vorne Sachverhalt Bst. J).
Dies ist insofern zutreffend, als aus den zur Übermittlung vorgesehenen
A-5383/2019
Seite 15
Unterlagen (Kontoauszügen und Formular A) weder der Sitz noch eine Ad-
resse der Kontoinhaberin ersichtlich ist. Entgegen den Ausführungen der
Beschwerdeführerin ergibt sich die eindeutige Zuordnung des betroffenen
Bankkontos zu einer der beiden Gesellschaften jedoch auch nicht ohne
gänzliche Zweifel aus den von ihr eingereichten Kontoeröffnungsunterla-
gen (vgl. Beschwerdebeilage Nr. 5 und 6). Während die Beschwerdeführe-
rin die (...) Gesellschaft (in Staat E._), welche angeblich Kontoin-
haberin sei, als «A._ S.A.» bezeichnet, wird auf den Portfolio- bzw.
Kontoauszügen, in Formular A (vgl. Beschwerdebeilage Nr. 4 sowie An-
nexe 4 der zur Übermittlung vorgesehenen Unterlagen) sowie in den Be-
schwerdebeilagen Nr. 5 und 6 eine «K._ S.A.» (in einem Wort) ge-
nannt. Interessanterweise ist im Editionsschreiben der Bank (Vernehmlas-
sungsbeilage 6) wiederum von «(...)» (A._S.A. oder
E._S.A. [welche identische Namen haben, die sich lediglich auf-
grund der Schreibweise vom Namen der K._ S.A. unterscheiden]).
Weitere Unterlagen, welche eine Zuordnung des Bankkontos zur (...) Ge-
sellschaft (in Staat E._) oder eben zur Beschwerdeführerin selbst
ermöglichen, liegen dem Gericht nicht vor.
Allerdings ist die vorstehende Frage im vorliegenden Verfahren nicht ab-
schliessend zu prüfen, da gemäss der Rechtsprechung die Klärung mate-
riellrechtlicher Fragen nicht Zweck der Amtshilfe und somit nicht Sache der
ersuchten Behörden im Amtshilfeverfahren ist (Urteil des BGer
2C_726/2018 vom 14. Oktober 2019 E. 3.5, ebenso das Urteil des BVGer
A-6829/2017 vom 10. August 2018 E. 5.4.5 in gleicher Sache). Für die
Zwecke des vorliegenden Verfahrens ist einzig festzuhalten, dass insge-
samt zumindest gewisse Zweifel bezüglich der Identität der Halterin des
erfragten Kontos bestehen, dass aber die Behauptung der Beschwerde-
führerin, das Konto gehöre nicht ihr, sondern einer (...) Gesellschaft (in
Staat E._), nicht eindeutig erstellt ist.
3.4
3.4.1 Als nächster Schritt ist schliesslich zu prüfen, ob die vom ersuchen-
den Staat verlangten Informationen und Dokumente mit dem im Ersuchen
dargestellten Sachverhalt zusammenhängen und ob sie möglicherweise
dazu geeignet sind, im ausländischen Verfahren verwendet zu werden und
damit voraussichtlich erheblich sind (vgl. dazu vorne insb. E. 2.2.3). Zweck
des Ersuchens ist laut der DGFP die Feststellung einer allfälligen (aufgrund
der vermuteten Betriebsstätte wohl nur beschränkten) Steuerpflicht der Be-
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Seite 16
schwerdeführerin in Frankreich sowie die Ermittlung der Bemessungs-
grundlage der französischen Körperschaftssteuer bzw. der steuerbaren
Faktoren (vgl. Sachverhalt Bst. A).
3.4.2 Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen vor, dass die Bank-
unterlagen der «E._ S.A.» mit Sitz in Staat E._ für die Fest-
stellung, wo die effektive Verwaltungstätigkeit der gleichnamigen Gesell-
schaft mit Sitz in Staat A._ ausgeführt werde, nicht relevant seien.
Die Vorinstanz bejaht demgegenüber die voraussichtliche Erheblichkeit der
Bankunterlagen sowohl für den Fall, dass das Konto von der Beschwerde-
führerin selbst gehalten worden wäre (vgl. Vernehmlassung Ziff. 8), als
auch für den Fall, dass das Konto auf eine gleichnamige Gesellschaft in
Staat E._ gelautet hätte (vgl. Vernehmlassung Ziff. 8). Das «Nähe-
verhältnis» der beiden Gesellschaften sei dabei für die Bejahung der vo-
raussichtlichen Erheblichkeit ausschlaggebend. Dem wiederum hält die
Beschwerdeführerin entgegen, dass die Gesellschaften auseinanderzuhal-
ten seien. Herr D._, als Anknüpfungsperson der Untersuchungen in
Frankreich bezüglich der betroffenen Person, sei zudem weder Gesell-
schafter oder wirtschaftlich Berechtigter der Gesellschaft in Staat
E._ noch wirtschaftlich Berechtigter oder Zeichnungsberechtigter
des vorliegend in Frage stehenden Kontos.
3.4.3 Soweit die Beschwerdeführerin Inhaberin des ersuchten Kontos ge-
wesen wäre, wäre die voraussichtliche Erheblichkeit der Informationen
zweifellos gegeben. Die zur Übermittlung vorgesehenen Informationen wä-
ren geeignet, um Rückschlüsse auf ein mögliches «établissement stable»
der Beschwerdeführerin in Frankreich zu ziehen.
3.4.4 Fraglich ist nun allerdings, ob die voraussichtliche Erheblichkeit auch
in dem Fall bejaht werden könnte, wenn eine dritte Person (also die [...]
Gesellschaft [nach dem Recht des Staats E._], wie die Beschwer-
deführerin behauptet) dieses erfragte Bankkonto gehalten hätte.
Vorab ist festzuhalten, dass nach der einschlägigen Rechtsprechung auch
Daten betreffend Personen, deren Steuerpflicht im ersuchenden Staat
nicht geltend gemacht wird, zu übermitteln sind, wenn die Voraussetzung
der voraussichtlichen Erheblichkeit zu bejahen ist (vgl. dazu vorne
E. 2.2.4).
Wie die Vorinstanz ausführt, bestehen gewisse Verbindungen zwischen
der Beschwerdeführerin und der (...) Gesellschaft (in Staat E._)
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Seite 17
(vgl. Sachverhalt I). Neben der weitgehend gleichlautenden Bezeichnung
der Gesellschaften können etwa die folgenden personellen Überschnei-
dungen genannt werden: Gemäss Formular A (Beschwerdebeilage Nr. 4)
werden I._ und J._ als wirtschaftliche Berechtigte des er-
fragten Bankkontos ausgewiesen. Ebendiese beiden Personen werden auf
der Internetseite von (der Gruppe) H._ ([...] [Wiedergabe Internet-
seite]; zuletzt besucht am 9. November 2020) – neben dem bereits im Er-
suchen genannten D._ – als «founding presidents» präsentiert.
I._ wird als «[...] founding president and licensed agent in Staat
F._» und J._ als «[...] Staat F._ founding president»
vorgestellt. Es ist nicht ganz klar, welcher Gesellschaft diese Internetseite
zuzuordnen ist, denn als Kontaktadressen werden sowohl eine Adresse in
Staat F._ als auch eine in Staat A._ genannt. Gemeint sind
also soweit ersichtlich die Gesellschaften in Staat A._ (A._
S.A.) und jene in Staat F._ (F._ GmbH). Die personellen Ver-
bindungen zwischen diesen beiden Gesellschaften und der (...) Gesell-
schaft (in Staat E._) wären somit erstellt. Hinzu kommt, dass bei
der Auflösung des erfragten Bankkontos das restliche Vermögen auf ein
Konto der F._ GmbH bei der Bank G._ in (...) (Ortschaft in
Staat F._) überwiesen wurde (Kontoauszug in Annexe 5 der zur
Übermittlung vorgesehenen Unterlagen). Und schliesslich ist bemerkens-
wert, dass sich in den zur Übermittlung vorgesehenen Kontoauszügen
auch direkte Verbindungen zu D._ finden, welcher mehrfach als
Zahlungsempfänger ausgewiesen wird (vgl. Annexe 3 der zur Übermittlung
vorgesehenen Unterlagen).
Die Gesellschaft A._ S.A. (so jedenfalls gemäss den Bankunterla-
gen der Name der Kontoinhaberin) würde somit nicht rein zufällig als völlig
unbeteiligte Dritte im Rahmen der Untersuchungen rund um die betroffene
Person auftauchen (vgl. dazu oben E. 2.2.4). Insofern weisen die ersuch-
ten Informationen den im Rahmen einer reinen Plausibilitätskontrolle zu
prüfenden notwendigen Zusammenhang zum dargelegten Sachverhalt
auf. Es ist zumindest nicht auszuschliessen, dass die Bankunterlagen den
französischen Steuerbehörden die Möglichkeit geben, die für sie noch im
Unklaren liegende Situation besser zu verstehen und die Besteuerung der
(vermuteten) Betriebsstätte der Beschwerdeführerin korrekt vorzunehmen.
Abgesehen davon wird es – wie bereits in E. 3.3 ausgeführt – ohnehin zu-
nächst Aufgabe der französischen Behörden sein, abzuklären, wer Inhaber
oder wirtschaftlich Berechtigter an diesem Konto ist.
A-5383/2019
Seite 18
Im Übrigen ist daran zu erinnern, dass selbst wenn die französischen Steu-
erbehörden nach der Übermittlung der Unterlagen feststellen würden, dass
die ersuchten Informationen für das Verfahren gegen die Beschwerdefüh-
rerin irrelevant sind, dies keine Rolle für die Leistung der Amtshilfe spielt.
Die Auswertung und Interpretation von Informationen hat von der ersuch-
ten Behörde – wie bereits ausgeführt – lediglich im Rahmen einer Plausi-
bilitätskontrolle zu erfolgen. Darüber hinaus ist es Sache des ersuchenden
Staats zu bestimmen, welche Informationen voraussichtlich erheblich sind
(vgl. E. 2.2.3).
3.5
3.5.1 Die Beschwerdeführerin argumentiert in der Beschwerde weiter, dass
die Übermittlung der Bankunterlagen an die französischen Steuerbehörden
dazu führen würde, dass diese die entsprechenden Vermögenswerte der
betroffenen Person zurechnen würden und bei Bejahung einer steuerlichen
Betriebsstätte bzw. einer steuerlichen Ansässigkeit fälschlicherweise in
Frankreich der Besteuerung unterwerfen würden, da aus den Unterlagen
nicht erkannt werden könne, dass das Konto nicht der (...) Gesellschaft (in
Staat A._), sondern der (...) Gesellschaft (in Staat E._) ge-
hört habe.
3.5.2 Das Vorbringen der Beschwerdeführerin betrifft im Wesentlichen die
Auslegung und Qualifikation der ersuchten Informationen im Rahmen des
Steuerverfahrens in Frankreich. Der Beschwerdeführerin steht es offen,
ihre Einwände, namentlich dass das Konto nicht ihr gehöre, im Verfahren
in Frankreich vorzubringen.
Des Weiteren ist festzuhalten, dass sich, wie erwähnt, aus den Unterlagen
durchaus – auch für die französischen Behörden – gewisse Zweifel erge-
ben, ob das Konto der Beschwerdeführerin gehört, denn sowohl auf den
Kontoauszügen als auch auf dem Formular A ist als Kontoinhaberin die
«K._» bezeichnet, womit der Name nicht mit jenem der Beschwer-
deführerin identisch ist.
3.6 Die in den Bankunterlagen stehenden Personen sind zusätzlich durch
das Spezialitätsprinzip geschützt, welches auch eine persönliche Dimen-
sion aufweist (Urteile des BGer 2C_537/2019 vom 13. Juli 2020 [zur Pub-
likation vorgesehen] E. 3.4.3 und 3.5, 2C_376/2019 vom 13. Juli 2020 [zur
Publikation vorgesehen] E. 7.1). Der Spezialitätsvorbehalt ist in Art. 28
Abs. 2 DBA CH-FR enthalten (vgl. dazu etwa Urteil des BVGer
A-1534/2018 vom 3. August 2020 E. 2.1). Nachdem aber international wie
A-5383/2019
Seite 19
national unterschiedliche Auffassungen darüber bestehen, wie weit dieser
Spezialitätsvorbehalt reicht und insbesondere, ob ihm eine persönliche Di-
mension zukommt, ist es angezeigt, dass die ESTV der DGFP anlässlich
der Übermittlung der ersuchten Informationen über den Umfang der Ver-
wendungsbeschränkung informiert (Urteile des BGer 2C_537/2019 vom
13. Juli 2020 [zur Publikation vorgesehen] E. 3.7 2. Absatz, 2C_545/2019
vom 13. Juli 2020 E. 4.7). Die ESTV wird Ziff. 4 des Dispositivs der ange-
fochtenen Verfügung entsprechend zu präzisieren haben.
3.7 Insgesamt ist die Beschwerde somit abzuweisen.
4.
4.1 Ausgangsgemäss hat die unterliegende Beschwerdeführerin die Ver-
fahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Kosten sind auf
Fr. 5'000.-- festzusetzen (vgl. Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der von den Beschwerde-
führerinnen einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zur Bezah-
lung dieser Kosten zu verwenden.
4.2 Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1
VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3
VGKE).
5.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005
über das Bundesgericht (BGG, SR 173.110) innerhalb von 10 Tagen nur
dann mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das
Bundesgericht weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von
grundsätzlicher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen
um einen besonders bedeutenden Fall im Sinne von Art. 84 Abs. 2 BGG
handelt (Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist,
entscheidet das Bundesgericht.
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