Decision ID: 0fcaff71-84d1-51dd-a4e5-beb68c3eec6e
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1970 geborene und zuletzt als
Raumpflegerin und Mitarbeiterin Produktion tätig gewesene
X._
meldete sich am 23. März 1999
unter Hinweis auf eine langanhaltende depressive Episode mittel- bis schweren Grades sekundären Ursprungs
erstmalig bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
6/3, Urk. 6/7 f., Urk. 7/15). Mit Verfügung vom 4. Mai 2000 (Urk. 7/23) sprach ihr die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, ab 1. Mai 1999
eine ganze Invalidenrente zu (
be
i einem Invaliditätsgrad von 67 %;
Urk. 7/23).
1.2
Nachdem die IV-Stelle
den Anspruch auf eine
Invalidenrente jeweils nach Durch
führung amtlicher Revisionen
mit Mitteilungen vom
1
2.
September 2002
(Urk. 6/40)
sowie 23. Septe
mber 2004 (Urk. 6/58) bestätigt hatte
, traf sie anläss
lich eines weiteren, im Jahr 2007 von Amtes wegen
durchgeführten Revisions
verfahrens (Urk. 6/60) neue medizinische und erwerbliche Abklärungen und liess die Versicherte insbesondere psychiatrisch
von
med.
pract
.
Y._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, sowie orthopädisch-
rheumatologisch von Dr. med.
Z._
, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH,
begutachten (Expertisen vom 16. Juni und 1. Juli 2011; Urk. 6/115). In der Folge verfügte die IV-Stelle am 14. Dezember 2011 (Urk. 6/120) die Einstellung der bisherigen ganzen Rente.
Eine Arbeitsvermittlung erklärte sie mit Mitteilung vom 6. Juni 2012 (Urk. 6/142) als zurzeit nicht möglich. Auf die Neuanmeldung vom
27. Februar 2014
(Urk. 6/
145
)
unter Hinweis auf eine Verschlechterung des psychischen Zustandes trat die IV-Stelle nicht ein (Verfügung vom 24. Juni 2014;
Urk. 6/158)
;
auch auf
die Neuanmeldung vom
31. Mai 2016 (Urk. 6/164) unter Hinweis auf chronische
Zervikalgien
(Nackens
chmerzen)/Kopfschmerzen, teils a
usstrahlend in beide Arme bei
Schmerzverarbeitungsstörung und
depressiven Episoden, trat
sie
nicht ein
(Verfügung vom 29. November 2016; Urk. 6/181).
1.3
Am 20. Februar 2018 (Urk. 6/184) meldete sich die Versicherte erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an.
Nach Abklärung der aktuellen medizinischen und erwerblichen Verhältnisse stellte ihr die IV-Stelle mit Vorbe
scheid vom 6. Juni 2018 (Urk. 6/194) in Aussicht, nicht auf das Leistungsbegeh
ren einzutreten. Im Anschluss an den erhobenen Einwand vom 5. Juli 2018 (Urk. 6/195) und weiteren medizinischen Abklärungen verfügte sie am
13. Au
gust 2019 (Urk. 2) im angekündigten Sinne.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 13. September 2019 (Urk. 1) Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 13. August 2019 sei aufzuheben, es seien ihr die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen, eventuell sei die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit
dies
e
materielle Abklärungen
tätige, namentlich ein externes psychiatrisches Gutachten in die Wege leite; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MwSt. zulasten der Beschwerde
gegnerin (S. 2).
Die IV-Stelle schloss am 18. Oktober 2019 (Urk. 5) auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 22. Oktober 2019 (Urk. 7) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
1.3
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung ist von Amtes wegen zu prüfen, ob seit der ersten Rentenverfügung zwischenzeitlich eine erneute materielle Prüfung des Rentenanspruchs stattgefunden hat. War dies nicht der Fall, so ist auf die Ent
wicklung der Verhältnisse seit der ersten Ablehnungsverfügung abzustellen; wie im Revisionsverfahren bleiben allfällige, vorangehende
Nichteintretensverfü
gungen
aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summarischen Begrün
dungsaufwandes der Verwaltung unbeachtlich. Erfolgte dagegen nach einer
ersten Leistungsverweigerung eine erneute materielle Prüfung des geltend gemachten Rentenanspruchs und wurde dieser nach rechtskonformer Sachver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) abermals rechtskräftig verneint, muss sich die leistungsansprechende Person dieses Ergebnis – vorbehältlich der Rechtspre
chung zur Wiedererwägung oder prozessualen
Revision (vgl. BGE 127 V 466 E.
2c
mit Hinweisen) – bei einer weiteren Neuanmeldung entgegenhalten lassen (BGE
130 V 71 E. 3.2.3; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.3 f.).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.5
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tatsachen
änderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheb
lichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine
(höhere) Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3
; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2
).
2.
Vorliegend ist lediglich die
Eintretensfrage
richterlich zu beurteilen. Auf die Anträge betreffend
Leistungszusprache
sowie Verpflichtung der Beschwerde
gegne
rin zur Veranlassung einer psychiatrischen Begutachtung
ist
mangels Anfech
tungsgegenstandes nicht
einzutreten
(
E.
1.
4
).
3.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom 13. Au
gust 2019 (Urk. 2) zur Hauptsache, um das Gesuch prüfen zu können, müsse sich die berufliche oder medizinische Situation wesentlich geändert haben. Solche Veränderungen hätten nicht festgestellt werden können (zum Beispiel keine neuen Diagnosen, keine neuen Befunde, etc.). Deshalb könne nicht auf das Gesuch eingetreten werden (S. 1).
3
.
2
Dagegen wendet die Beschwerdeführerin (Urk. 1) im Wesentlichen ein, die Beschwerdegegnerin habe sich mit der Beurteilung des behandelnden Psychiaters nicht näher befasst und verweise stattdessen auf ein Gutachten aus dem Jahre 2011, welches noch unter veralteter Rechtsprechung erstellt worden sei. Zum heutigen Zeitpunkt hätten weder eine
Indikatorenprüfung
noch eine externe Begutachtung noch eine Begutachtung durch den RAD stattgefunden. Die Abklä
rungen der Beschwerdegegnerin seien gleichermassen falsch wie unvollständig (S. 4).
3
.3
Vergleichszeitpunkt
für eine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin
bildet die rentenaufhebende Verfügung vom 14. Dezem
ber 2011 (Sachverhalt 1.2), welcher umfassende medizinische und erwerbliche Abklärungen zugrunde lagen.
Die Verfügung vom 24. Juni 2014 (
Urk. 6/158
) fällt hingegen ausser Acht, da es sich lediglich um eine
Nichteintretensverfügung
han
delt. Selbiges gilt für die Verfügung
vom 29. November 2016
(Urk. 6/181), wobei trotz Hinweis auf depressive Episoden in der Anmeldung
keine psychiatrischen und somit umfassenden Abklärungen
durch die Beschwerdegegnerin im Sinne der Rechtsprechung erfolgten
(
E. 1.3)
.
4
.
4
.1
Die rentenaufhebende Verfügung vom 14. Dezember 2011 basierte im Wesentli
chen
auf dem
bidisziplinären
Gutachten
der
Expertinnen m
ed.
pract
.
Y._
(psychiatrisch) und
Dr.
Z._
(orthopädisch-rheumatologisch)
vom
16. Juni und 1. Juli 2011 (Sachverhalt 1.2; Urk. 6/115)
. Diese stellten
keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit diagnostizierten sie (Urk. 6/115/1-22 S. 15, Urk. 6/115/36):
-
Sta
t
us nach aktenanamnestischer Anpassungsstörung 2000, schwerer depressiver Episode 2002, aktuell remittiert
-
Chronisch rezidivierende
Cervikocephalgie
mit/bei
-
Fehlhaltung
-
Muskulärer
Dysbalance
/muskulärer
Dekonditionierung
-
Ohne weiteres nachweisbares pathologisch-strukturelles Korrelat
-
Rezidivierendes, selten auftretendes
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom mit/bei
-
Sta
t
us nach mässig ausgeprägtem Morbus Scheuermann
-
Initialen degenerativen Veränderungen der unteren Lendenwirbelsäule, nicht über das altersentsprechende Mass hinausgehend
-
Muskulärer
Dysbalance
/muskulärer
Dekonditionierung
Sie gelangten zum Schluss, zusammenfassend und unter Berücksichtigung aller Gegebenheit
en und Befunde bestehe weder aus psychiatrischer
noch au
s ortho
pädisch-rheumatologischer Sicht
ein Gesundheitsschaden, der versicherungs
medizinisch betrachtet eine dauerhafte Limitierung der Arbeitsfähigkeit, bezogen auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin
oder als Reini
gungskraft, begründen könnte. Auch für allfällige Verweistätigkeiten sei die Beschwerdeführerin gemäss ihrem allgemeinen Leistungsspektrum uneinge
schränkt arbeitsfähig. E
ine körperlich schwere Arbeit s
e
i
ihr jedoch aus
konstitu
tionellen (und somit IV-
fremden) Gründen medizinisch nicht mehr zumutbar.
Aufgrund einer fehlenden
fachärztlich-psychiatrischen Dokumentation könne der Beginn der aktuell ermittelten uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auf psychiat
rischem Fachgebiet nicht ermittelt werden. Überwiegend wahrscheinlich sei jedoch davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführerin
spätestens seit der Begutachtung durch
Dr.
A._
(13. März 2009) medizinisch eine volle Arbeitsfähigkeit zumutbar gewesen sei. Aus rein orthopädisch-rheumatologischer Sicht bestehe auch im retrospektiven Längsschnitt zu keinem Zeitpunkt ein Gesundheitsschaden, der versicherungsmedizinisch betrachtet eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in den zuletzt ausgeübten oder einer allfälli
gen Ve
rweistätigkeit begründen könnte (Urk. 6/115/39).
4
.2
4
.2.1
Zur Glaubhaftmachung einer gesundheitlichen Verschlechterung reichte die Beschwerdeführerin unter anderem den
Bericht des behandelnden
Psychiater
s
Dr. med.
B._
, FMH Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, v
om 16. Ap
ril 2018
ein
(Urk. 6/191
/1-4
)
. Darin werden
die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, mittlere bis schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2), einer Angststörung mit Panikattacken (ICD-10 F41.0), einer post
traumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1),
chronischer Schmerzen mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) sowie einer kombinierten Persö
nlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0
)
genannt
.
Aufgrund der genannten Störun
gen bestünden folgende Einschränkungen: erheblich eingeschränkte Anpassung an Regeln und Routinen,
erheblich eingeschränkte Planung und Strukturierung von Aufgaben,
erheblich eingeschränkte Flexibilität und Umstellungsfähigkeit,
voll ausgeprägte beeinträchtigte Kompetenz- und Wissen
s
anwendung
,
vol
l
ausgeprägte beeinträchtigte Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit,
erheblich
einge
schränkte Proaktivität und Spontanaktivitäten,
erheblich beeinträchtigte Wider
stands- und Durchhaltefähigkeit,
erheblich beeinträchtigte Selbstbehauptungs
fähigkeit,
erheblich beeinträchtigte Gruppenfähigkeit
(S. 4).
4.2.2
In Bestätigung vorgenannten Berichtes befand Dr.
B._
in seiner Beurteilung zuhanden des
beschwerdeführerischen
Rechtsvertreters vom 24. Juli 2018 (Urk. 6/200/1-8)
präzisierend,
die Beschwerdeführerin sei zu Terminen sportlich und unauffällig gekleidet gekommen. Die Körperpflege und Kleidung seien schlicht und einfach gewesen. Die Frisur sei öfter vernachlässigt gewesen. Sie sei bewusstseinswach und -klar und zu allen Qualitäten voll orientiert gewesen. Die Mimik und Gestik seien unruhig, traurig, weinerlich und ängstlich gewesen. Die Psychomotorik sei gehemmt und verlangsamt gewesen. Die Körperhaltung sei gebeugt, müde, kraftlos und abgespannt gewesen. Die Sprache, Stimme und Sprechweise seien leise, langsam, manchmal undeutlich, müde und stockend gewesen. Im Kontakt sei sie gehemmt, verschlossen, zurückhaltend, skeptisch und misstrauisch gewesen. Sie habe sehr selten Augenkontakt gezeigt. Sie habe ihren Kopf nach vorn gebeugt. Die Stimmung sei gedrückt, traurig, hoffnungslos und freudlos gewesen. Die Affektivität sei eingeengt, apathisch und weinerlich gewe
sen. In der Therapie habe sie ständig geweint. Der Antrieb sei vermindert gewesen. Eine relevante Antriebsminderung im Sinne der depressiven Hemmung habe vorgelegen. Das formale Denken sei verlangsamt, umständlich, schwerfällig, gehemmt und ab und zu sprunghaft gewesen. Das inhaltliche Denken sei
negati
vistisch
, nihilistisch, phobisch und misstrauisch gewesen und durch Insuf
fi
zienzgefühle, Ängste, Traumatisie
rungen, Perspektivlosigkeit, Hilflosigkeit und Resig
nation geprägt gewesen. Es hätten keine Hinweise auf psychotische
Symptome sowie Halluzinationen, Wahn und
lch
-störungen bestanden. Eine residuale Minus-Symptomatik
sei
zum
Tragen
gekommen
. Es
hätten
Apathie,
Anhedonie
, reduzierte Aufmerksamkeit, Konzentration und
Merkfähigkeit, Auffassungs
störung und soziale Isolierung
bestanden
.
Während der Therapien habe sie apathisch, müde, unkonzentriert, erschöpft und niedergeschlagen gewirkt. Die Aufmerksamkeit, Konzentration und Merkfähigkeit seien reduziert gewesen. Im Rahmen der Therapie sei öfter ersichtlich, dass sie sich nicht auf das Gespräch konzentrieren und dem Gespräch habe folgen können. Es seien kleine Pausen gemacht worden. Das Altgedächtnis, Neugedächtnis und die Aufnahme, Speiche
rung und Wiedergabefähigkeit einfacher und komplexer Sinnin
halte seien leicht bis mittelmäss
ig beeinträchtigt gewesen.
Die
Intelligenzleistungen, die bei der Beschwerdeführerin zu beobachten
gewesen seien
, entspr
ä
chen dem Ausbil
dungsstand der
Beschwerdeführerin
und zeig
t
en keine
organisch bedingten Einbrüche oder Hinweise auf einen
dementiellen Prozess. Es handele
sich um eine sehr schlichte Primärpersönlichkeit
(S. 2 f.)
.
Es ergäben sich keine Hinweise auf das Vorliegen von Handlungs-, Kontroll- oder Gedankenzwängen. Die Ernährungsgewohnheiten seien unregelmäßig. Der Appe
tit sei reduziert gewesen. Sie zwinge sich, etwas zu essen
.
Die Schlafstruktur
sei
durch Ein- und
Durchschlafstörung geprägt
gewesen
. In der Expl
oration und Untersuchung hätten
bewusstseinsnahe
simulative
oder
aggravative
Tendenzen nicht festgestellt werden
können
. Die
Kritikfähigkeit und Urteilskraft
seien
nicht beeinträchtigt
gewesen
. Sie
habe
mehrmals geäuss
ert, dass
das Leben k
einen Sinn habe
. Es
hätten
Interessen- und Lustlosigkeit,
Verlust der Lebensfreude, Zukunfts
perspektivlosigkeit, Versagensgefühl, vermindertes
Selbstwertgefühl und die Störung der Vitalität und unterschiedliche Schmerzen, die teilweise
körperlich bedingt u
nd teilweise psychisch bedingt seien, bestanden
. Deswegen
würden
sie als chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren bezeichnet
(S. 3)
.
Zusammenfassend leide die Beschwerdeführerin an den oben genannten Störun
gen, die zu den schweren psychischen Störungen gehörten und die sich auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erheblich negativ auswirkten. Die Arbeitsunfähigkeit liege bei ihr zu 100 % vor (S. 6).
4
.2.
3
Med.
pract
.
C._
, Facharzt für Arbeitsmedizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin
gelangte
in seiner Stellungnahme vom 4. Juni 2018 (Urk. 6/193)
in psychiatrischer Hinsicht
zum Schluss
, im Vergleich zur fachpsychiatrischen Begutachtung im Jahr 2011 bestünde keine wesentliche Änderung der Befunde. Es werde jedoch jetzt eine 100%ige Arbeit
sunfähigkeit postuliert auf Grund einer schweren depressiven Störung (ICD-10 F33.2). Auf
Grund der Krankengeschichte sei diese Entwicklung im Vergleich zum Zeitpunkt der Begutachtung im Jahr 2011 nicht nachvollziehbar. Auffallend im Rahmen der Anamnese seien die Angaben zum Zeitpunkt des Auszug
s des Ehemanns (im Gut
achten werde das Jahr 2010 angegeben, jetzt erst 2014; S. 3).
5
.
Die IV-Stelle stützte sich bei ihrem Entscheid auf die Einschätzung des RAD-Arztes
Dr.
C._
. Zwar ist diesem darin beizupflichten, dass die Beschwerde
führerin gegenüber ihrem behandelnden Arzt
Dr.
B._
andere Angaben bezüg
lich dem Auszug ihres Ehemannes aus der Wohnung tätigte als gegenüber der Gutachterin. Im Bericht des
Dr.
B._
fehlt zudem eine nachvollziehbare, schlüs
sige Herleitung zu den von ihm gestellten Diagnosen sowie eine Auseinanderset
zung mit dem Gutachten von
Dr.
Y._
. Entgegen den Ausführungen von
Dr.
C._
werden im Bericht von
Dr.
B._
indes veränderte Befunde beschrieben. So hatte
Dr.
Y._
festgehalten, die Auffassung und Konzentration würden nicht beeinträchtigt erscheinen. Die
Unschärfen
bei einzelnen biographi
schen Daten seien auf ein von
Dekonditionierung
, Passivität, Motivationslosig
keit und erheblicher Selbstlimitierung geprägtes Zustandsbild zurückzuführen. Die Schwingungsfähigkeit sei reduziert bei generalisierter Passivität und Motiva
tionslosigkeit. Die Psychomotorik sei unauffällig, Gestik und Mimik seien herab
gesetzt (Urk. 6/115 S. 14). Im Bericht des
Dr.
B._
vom 16. April 2018 wird unter dem Titel «Psychostatus» festgehalten, die Psychomotorik sei verlangsamt und gemindert. Die Stimmungslage sei bedrückt, traurig und depressiv, emotional sei die Patientin unzureichend schwingungsfähig, wirke im Antrieb gehemmt und verlangsamt. Das formale Denken sei verlangsamt, gehemmt und teilweise umständlich. Die Aufmerksamkeit, Konzentration und Merkfähigkeit seien redu
ziert (Urk. 6/191 S. 3). Weiter ist zu berücksichtigen, dass
Dr.
C._
im Gegensatz zu
Dr.
B._
über kein ausgewiesenes Fachwissen im Bereich Psychi
atrie und Psychotherapie verfügt. Aus diesen Gründen rechtfertigt es sich nicht, unbesehen auf seine Stellungnahme abzustellen.
Nach dem Gesagten bleibt festzuhalten, dass gewisse Anhaltspunkte für eine mögliche relevante Verschlechterung des Gesundheitszustands vorliegen. Wie bereits ausgeführt (E. 1.5), reicht dies für eine Glaubhaftmachung einer Verände
rung aus. Die Beschwerdegegnerin wäre daher gehalten gewesen, auf das Leis
tungsgesuch einzutreten und weitere Abklärungen vorzunehmen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen und die Sache ist zur weiteren Abklärung und materiellen Beurteilung an die IV-Stelle zurückzuweisen.
6.
Die Kosten des Verfahrens (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) sind auf Fr.
7
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Die Beschwerdegeg
nerin ist sodann ausgangsgemäss zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine Prozessentschädigung von
Fr. 2'300.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezah
len.