Decision ID: d55cfcb1-5c7e-4233-a028-230c13d6850a
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1971 geborene
X._
meldete sich am 13. Januar 2003 (Eingangs
datum) unter Hinweis auf eine Mehlstauballergie (Rhinitis) erstmals bei der Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zu
m Leistungs
be
zug an (
Urk.
5/3), woraufhin ihm vorübergehend Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche durch die Stellenvermittlung der IV-Stelle gewährt wurde (Verfügung vom 21
.
Mä
rz 2003,
Urk.
5/16
, vgl. auch
Urk.
5/21). Am
1. Februar 2006 stellte der Versicherte erneut ein Gesuch um IV-Leistungen (
Urk.
5/24), welches am 24. Januar 2007 abgewiesen wurde (
Urk.
5/35).
Am 21. Februar 2011 (Eingangsdatum)
meldete sich
der Versicherte
unter Hin
weis auf Beeinträchtigungen durch Asthma und Rheuma abermals bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
(
Urk.
5/38).
Mit Verfügung vom 26. Juni 2012 wurde
der Anspruch auf eine Invalidenrente verneint
(
Urk.
5/91)
, zuvor und danach aber Beratung und Unterstützung bei d
er Stellensuche gewährt (vgl. ins
besondere
Urk.
5/83, 5/95
)
.
1.2
Am 12. August 2016 (Eingangsdatum) reichte der Versicherte eine weitere IV-Anmeldung ein und verwies dabei auf einen
am 4. September 2015
erlittenen Unfall (
Urk.
5/114).
Die IV-Stelle tätigte daraufhin beruflich-erwerb
liche sow
ie medizinische Abklärungen. Am 16. Februar 2018
stellte sie
dem Versicherten
mittels Vorbescheid die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
5/155). Nach erhobenem Einwand (
Urk.
5/156
, 5/166, 5/175
) wurden weitere Abklärungen getätigt und
insbesondere
die Medi
zinische Abklärungs
stelle Gutachtenzentrum
Y._
mit
einer polydisziplinären Begutachtung des
Ver
sicherten
beauftragt
(Gutachten vom
2
3.
Oktober 2018,
Urk.
5/192)
.
Es folgten Eingliederungsmassnahmen in Form von Arbeitsvermittlung Direkt (
Urk.
5/205) und einem Arbeitsversuch mit Job Coaching (
Urk.
5/218)
, wobei der Versicherte im Rahmen von letzterem am 30. Juni
2020 einen U
nfall mit einem Rasenmäher
erlitt (
Urk.
5/223, 5/226) und sich dabei
eine
Maisonneuve
-Fraktur OSG
links zuzog, welche operativ versorgt werden musste (
Urk.
5/224). Die Eingliederungsmassnahmen wurden anschlies
send abg
eschlossen (
Urk.
5/227) und n
ach weiteren medizinischen Abklärungen wurde m
it Vorbescheid vom 3.
Mai 2021 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht gestellt (
Urk.
5/256).
Nach Einwand
erhebung
vom 2
. Juni 2021 (
Urk.
5/264) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 30. Juli 2021
einen Anspruch auf IV-Leistungen
(
Urk.
2 =
Urk.
5/269).
2
.
Dagegen erhob der
Versicherte mit Eingabe vom
10.
September
2021 Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich und beantragte, es sei
die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflich
ten, ihm die gesetzlichen Leistungen auszurichten, wozu zunächst ergänzende Abklärungen durchzuführen seien
(
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwer
de
antwort vom
14. Oktober
2021 beantragte die Beschwerdegegnerin die Ab
wei
sung der Be
schwerde (
Urk.
4), was dem Beschwerde
führer
mit Verfügung vom
18. Oktober
2021 angezeigt wurde (
Urk.
6
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
1.
4
.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
4.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen all
seitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vor
akten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusam
menhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Ex
perten in einer Weise begründet sind, dass die rechts
anwendende Person sie prü
fend nach
vollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räu
mende Unsi
cherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen er
schweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a; 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
verneinte einen Leistungsanspruch
mit der Begründung,
dass dem Beschwerdeführer gestützt auf das Gutachten des
Y._
eine ange
passte Tätigkeit zu 80 % möglich sei. Damit könne er ein ebenso hohes Einkom
men erzielen wie in der früher ausgeübten Tätigkeit. Zwar sei es
aufgrund
eines weiteren Unfalles i
m Juni 2020
zu einer vorübergehenden Verschlechterung des Gesundheitszustandes gekommen. Zwischenzeitlich sei aber wieder die gutachter
lich beurteilte Arbeitsfähigkeit erreicht worden (
Urk.
2
).
2.2
Der Beschwerdeführer
machte
demgegenüber
eine Verletzung des Untersu
chungsgrundsatz
es
geltend. Trotz deutlicher Hinweise auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes in psychiatrischer Hinsicht seit der mittlerweile drei Jahre zurückliegenden Begutachtung habe die Beschwerdegegnerin kein Ver
laufsgutachten angeordnet. Der jetzige Gesundheitszustand sei
deshalb aktuali
siert abzuklären
(
Urk.
1).
3
.
3
.1
Die IV-Stelle stützte ihre Verfügung vom
30. Juli 2021
(
Urk.
2) in medi
zinischer Hinsicht im Wesentlichen a
uf das Gutachten des
Zentrums Y._
vom 23
.
Oktober 2018
(
Urk.
5/192
) ab. Die Gutachter, Dr. med.
Z._
, Facharzt
FMH für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Dr. med.
A._
, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie
,
und
Dr. med.
B._
, Facharzt
FMH für
Allgemeine Innere Medizin, stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung a
uf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
5/192/37 f.)
:
-
Cervicovertebralsyndrom
bei
Spon
d
ylarthrose
C3/4 mit
Diskusprotrusion
und Irritation der Nervenwurzel C4 beidseits
-
Partialruptur der
Supraspinatus
- und
Subscapularissehne
mit Bursitis
sub
acromialis
bei AC-Arthrose und
Impingement
der rechten Schulter sowie leichte
Omarthrose
-
Horizontalriss des medialen
Meniskushinterhorns
mit
Ganglionbildung
, leicht
e
Chondropathie
des medialen
Femurcondylus
sowie fortgeschrit
tene
Chondropathie
der
Trochlea
bei Patella
bipartita
links
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, ICD-10 F33.1
-
Status nach
laparoskopischer
Roux-en-Y-
Magenbypassoperation
am 13.12.2013
3
.2
Aus orthopädischer Sicht wurde festgehalten, dass die Schmerzen in der Halswir
belsäule zumindest teilweise auf die im MRI
sichtbare
Spondylarthrose
C3/4
m
it
Diskusprotrusion
und Irritation der Nervenwurzel
C
4 beidseits zurückgefü
hrt werden könn
t
en. Das Ausmass der demonstrierten abnormen Untersuchungsbe
funde der HWS sei allerdings durch den Befund nur teilweise nachvollziehbar. Nachdem im MRI nur eine Kompression der Nervenwurzel C
4 beidseits nachge
w
i
e
sen sei, könne die bei der U
nt
ersuchung angegebene Hyposensibilität der gesamten rechten Körperhälfte nicht plausibilisiert werden. Die Schmerzen in der rechten Schulter könnten aufgrund der MRI-Befunde mit der Partialruptur der
Supraspinatus
- und
Subscapularissehne
,
der
Bursitis
subacromialis
und
dem verschmälerten
Subacromialraum
bei AC-Arthrose im
Rahmen eines
I
mpinge
ments
und der leichten
Omarthrose
erklärt werden. Wiederum könne das Ausmass der präsentierten pathologischen objektiven Befunde der rechten Schulter mit dem MRI-Befund nur ungenügend objektiviert werden. Die Schmerzen im linken Kniegelenk seien Folge des im MRI dargestellten Horizontalrisses des medialen
Meniskushinterhorns
mit
Ganglionbildung
, der leichten
Chondropathie
des medialen
Femurcondylus
sowie der fortgeschrittenen
Chondropathie
der
Trochlea
bei Patella
bipartita
links.
Die Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit habe eine erhebliche Symptomausweitung ergeben. Infolge derselben sowie Selbstlimitierung und Inkonsistenzen seien die Resultate der physischen Leis
tungstests für die Beurteilung der zumutbaren Belastbarkeit nicht verwertbar. Es sei davon auszugehen, dass bei gutem
Effort
eine bessere Leistung erbracht werden könne, als bei den Leistungstests gezeigt worden sei. Die Beurteilung der Zumutbarkeit stütze sich deshalb primär auf medizinisch-theoretische Überle
gungen unter Berücksichtigung der Beobachtungen bei den Leistungstests.
Dr. Z._
attestiert
e
in der angestammten Tätigkeit
eine Arbeitsfähigkeit von 65 %
bei voller Stundenpräsenz
. Körperlich leichte
Tätigkeit
en
in temperierten Räumen, ohne häufiges Sitzen oder Gehen, insbesondere
auf
Treppen, Leitern oder unebenem Boden, ohne kniende Positionen, ohne häufig inklinierte,
reklinierte
und rotierte Kopfhaltungen, ohne regelmässige Arbeiten über Tisch
höhe und ohne repetitive Bewegungen der rechten Schulter könnten seit Juni 2016 bei voller Stundenpräsenz zu 100 % zugemutet werden
(
Urk.
5/192/26 ff.).
3
.3
Von allgemeinmedizinischer Seite wurde ausgeführt, die
im Jahr 2013 durchge
führte
Magenbypassoperation
sei insofern erfolgreich gewesen,
als
der Beschwer
deführer initial fünfzig Kilogramm an Gewicht habe abnehmen können mit Normalisierung des Blutdruck
es
und der diabetischen Stoffwechsellage. Im Sinne einer J-
junction
habe er dann wieder zwanzig Kilogramm zugenommen mit Anstieg der Blutzuckerwerte, aber anhaltend normalem Blutdruck. Dadurch sei wieder eine antidiabetische Behandlung mit
Metformin
notwendig
geworden
. Allenfalls könne eine Umwandlung in eine
sleeve-gastrectomy
(Schlauchmagen) erwogen werden. Seit dem 13. Ja
n
uar 2014 liege eine
100%ige Arbeitsfähigkeit
bei voller Stundenpräsenz
sowohl in der bisherigen Tätigkeit als auch in jeder angepassten Tätig
keit vor
(
Urk.
5/192/50 f.).
3
.4
In psychiatrischer Hins
icht
s
ei beim Beschwerdeführer eine unauffällige Kind
heitsentwicklung zu erheben, wobei es ab dem 10. Lebensjahr zu Kriegsereig
nissen gekommen sei, die ihn psychisch nicht belasten würden. Es bestünden keine vermehrten Erinnerungen an die Kriegserlebnisse, insbesondere keine bild
haften Erinnerungen oder Erinnerungen in Träumen.
Der Beschwerdeführer
sei 1989 in die Schweiz gekommen und fühle sich gut integriert.
Er
habe keine Berufsausbildung
und
sei vom Jahr
1990
an
verschiedenen beruflichen Tätig
keiten nachgegangen
.
Im Februar 20
11 habe er im
Zusammenhang mit psycho
sozialen Belastungsfaktoren eine mittelgradige depressive Episode entwickelt, die sich unter psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung sowie antide
pres
s
iver M
edikation offensichtl
i
c
h rasch gebessert habe. Im weiteren Verlauf
hätten
sich über Jahre keine psychischen Störungen mit Krankheitswert erheben
lassen
. Nach einem Arbeitsunfall im September 2015 habe sich das psychische Zustandsbild nach zwei bis drei Monaten wieder verschlechtert und der Beschwerdeführer habe
im
Zusammenhang mit anhaltenden körperlichen Beschwerden und psychosozialen Problemen seit etwa Mai 2016 eine anhaltende mittelgradige depressive Episode entwickelt. Diese sei gekennzeichnet durch bedrückte bis niedergeschlagene Stimmung mit verminderter Lust, verminderter Freu
d
e und mangelnder Unternehmungslust. Hinzu kämen Affektstörungen mit vermindertem affektivem Mitschwingen, wechselnd mit leichter Affektlabilität und weinerlichem Verhalten sowie einer Neigung zu psychomotorischer Unruhe. Der Antrieb erscheine vermindert und es würden subjektive Konzentrationsstö
rungen mit Vergesslichkeit angegeben, wobei während der psychiatrischen Exploration keine kognitiven Störungen
hätten erhoben werden können
. Der
Be
schwerdef
ü
hrer wirke im Denken
negativistisch
auf seine körperlichen Beschwerden, seine soziale Situation eingeengt und es würden
b
ei fehlenden Zukunftsperspektive
n
Z
ukunftsängste und E
xistenzängste geäussert. Auch seien zu Beginn der
Verschle
c
h
terung des psychischen Zustandsbildes gele
ge
ntliche S
uizidgedan
k
e
n aufgetreten, die in letzter Zeit nicht zu erheben sei
e
n. Die Moti
vation und Interessen erschienen vermindert. Es würden Schlafstörungen mit Ein- und Durchschlafstörungen angegeben, indem
der Beschwerdeführer
nach ein bis zwei Stunden einschlafe und nach zwei bis drei Stunden erwache.
Er versuche dann nochmals zu schlafen oder bleibe bis morgens wach, mit subjektiv vermehrter Müdigkeit tagsüber. Zum Untersuchungszeitpunkt
hätten
sich keine Hinweise für vermehrte Müdigkeit oder Erschöpfung
gefunden
. Es liessen sich keine Biorhythmusstörungen erheben. Das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
erscheine
vermindert.
Es hätten sich trotz der Kriegsereignisse in
C._
keine Hinweise für eine Persönlichkeitsstörung erheben lassen. Insbesondere bestünden keine tief verwurzelten oder anhaltenden Verhaltensmuster, die mit gestörter sozialer Funktions- und Leistungsfähigkeit einhergehen würden.
Aufgrund der multiplen körperlichen Beschwerden, mit schweren und quälenden Schmerzen, könne
aber
als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine anhal
tende somatoforme Schmerzstörung
(ICD-10 F45.4)
angenommen werden, bei der die Schmerzen durch eine organische Störung nicht vollständig erklärt
w
erden könnten und in Verbindung mit emotionalen Konflikten
und psychosozialen Problemen stü
nden. Auch fänden sich deutliche Hinweise für eine psychogene Überlagerung der körperlichen Beschwerden, mit Verdeutlichung der körperli
chen Beschw
erden, wiederholt demonstrativen
Hinweisen auf die Besc
h
werden, mit unpräziser Schilderung der Beschwerden, so dass eine Aggravation und ein sekundärer Kr
ankheitsgewinn anzunehmen seien
.
Der psychiatrische Gutachter attestierte
unter Berücksichtigung der IV-fremden psychosozialen Faktoren in angestammter Tätigkeit
eine
60%ige
Arbeitsfähigkeit
bei vollem Stundenpensum
. In angepasster Tätigkeit
ohne erhöhte emotio
n
a
le Belastung, ohne erhöhten
Zeit
druck
(Stressbelastung)
, ohne erforderliche geistige Flexibilität, ohne Anforde
rungen an die Konzentration, ohne vermehrte Kundenkontakte und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung, mit Vorgabe klarer Strukturen
wurde eine Leistungseinschränkung von 30 % bei vollem Stundenpensum angenommen. Bei Fortsetzung der regelmässigen psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung kombiniert mit einer ausreichend dosierten antidepressiven Medika
tion sei innerhalb eines Jahres
, in Abhängigkeit von psychosozialen Faktoren,
eine Besserung des psychischen Zustandsbildes m
it Leistungssteigerung und etwa
80%iger Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit medizinth
eoretisch zu erwarten (
Urk.
5/192/86 ff.).
Zur Gesamtarbeitsfähigkeit hielten die Gutachter fest, aufgrund der
rezidivie
renden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, mit Beeinträch
tigung der emotionalen Belastbarkeit, der geistigen Flexibilität, des Antriebs, der Interessen, der Motivation und der Dauerbelastbarkeit
betrage die Arbeitsfähig
keit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Mitarbeiter Verkauf seit Mai 2016 bei vol
l
er Stundenpräsenz 60 %. Arbeiten ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne Stressbelastung, ohne erforderliche geistige Flexibilität, ohne Anforderungen an die Konzentration, ohne vermehrte Kundenkontakte und ohne überdurch
schnittliche Dauerbelastung mit Vorgabe klarer Strukturen
könnten
seit Mai 2016 bei voller Stundenpräsenz zu 70 % zugemutet werden. Seit J
uni 2016 sollte es sich zud
e
m
um körperlich leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen handeln, ohne häufiges Sitzen oder Gehen, insbesondere auf Treppen, Leitern oder unebe
nem Boden, ohne kniende Positionen, ohne häufig inklinierte,
reklinierte
und rotierte Kopfhaltungen, ohne regelmässige Arbeiten über Tischhöhe und ohne repetitive B
ewegungen der rechten Schulter (
Urk.
5/192/38
)
.
4
.
4
.1
Das Gutachten der
Y._
vom
23. Oktober 2018 (vgl. E.
3
) beruht auf sorg
fäl
tigen und umfassenden Abklärungen und erging in Kenntnis der
Vorakten
. Die Gutachter berücksichtigten die geklagten Beschwerden und legten die medizi
ni
schen Zusammenhänge einleuchtend dar, begründeten ihre Einschätzung in nachvollziehbarer Weise sowie in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
und be
antworteten die gestellten Fragen umfassend. Damit erfüllt das Gutachten die formalen Anforderungen an eine bewei
skräftige Expertise (vgl. E. 1.5
).
4
.2
So ist zunächst nachvollziehb
ar, dass Dr.
Z._
aus orthopädischer Sicht ver
schiedene Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte, gleichzeitig aber festhielt, dass das Ausmass der demonstrierten abnormen Untersuchungsbe
s
chwerden nur teilweise durch die
Befund
e
nachvollzogen werden
konnte
.
In diesem Zusammenhang verwies er insbesondere auf eine erhebliche Symptom
ausweitung, Selbstlimitierung und verschiedene Inkonsistenzen
(E. 3
.2)
.
Durch den Arbeitsunfall vom 30. Juni 2020, bei welchem sich der Beschwerdeführer eine
Maisonneuve
-Fraktur am OSG links
zuzog
, verschlechterte sich der somati
sche Gesundheitszustand zwar vorübergehend. A
llerdings wurde
der Beschwer
deführer nach operativer Versorgung
am 3.
Juli 2020
(
Urk.
5/224)
und
Entfernung der
S
tellschrauben am 19.
August 2020 (
Urk.
5/
246
/5
)
mit Bericht des Stadtspitals
D._
vom 25. Februar 2021 wieder zur vollen Bewegung und Belastung freigegeben (
Urk.
5/253/17
f.
).
Es verblieb zwar eine Störung des Gangbildes, welche
aber
bei gut ausgeheiltem OSG, fehlenden
Druckdolenzen
daselbst
, stabilem Ge
lenk und
freier Fussbeweglichkeit im Seitenvergleich (vgl.
Urk.
5/253/15 f.)
– auch gemäss
der
Einschätzung des Vertrauensarztes der Unfallversicherung (
Urk.
5/253/19 ff.) – keine Einschränkung der Arbeitsfähig
keit zu begründen vermag.
Daran ändert
auch
der äusserst knappe Bericht des Hausarztes D
r.
med.
E._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medi
zin, vom 14. J
anuar 2021
(
Urk.
5/246
/1 ff.
)
nichts, welcher sich mehr oder weniger in einer Aufzählung der Diagnosen sowie dem Hinweis, wonach der Beschwerdeführer nach Scheitern der Integrations-/Arbeitsversuche nicht mehr arbeitsfähig sei, erschöpft. Und noch weniger der Bericht des behandelnden Psy
chiaters
(Urk. 5/240)
,
da dieser als fachfremd zu beurteilen ist.
Somit ist aus orthopädischer Sicht aktuell wieder die gutachterlich durch Dr.
Z._
beur
teilte Arbeitsfähigkeit von 100 % ange
passt anzunehmen (vgl. auch
Stellung
nahme
des Regionalen Ärztlichen Dienstes, RAD,
vom 20. April 2021,
Urk.
5/255/7 f.).
4
.3
Dasselbe gilt für die von Dr.
B._
attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus allgemeinmedizinischer Sicht, zumal Dr.
B._
keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte, sondern einzig solche ohne
Einfluss
auf die Arb
eitsfähigkeit (E. 3
.3
)
.
4
.4
4
.4.1
Im Rahmen der psychiatrischen Exploration
führte Dr.
A._
zunächst schlüssig aus, dass der Beschwerdeführer unter einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), leide, welche namentlich durch bedrückte bis niedergeschlagene Stimmung mit verminderter Lust,
verminderter
Freude und mangelnder Unternehmungslust, Affektstörungen mit vermindertem affektivem Mitschwingen, wechselnd mit leichter Affektla
bilität und weinerlichem Verhalten sowie einer Neigung zu psychomotorischer Unruhe und vermindertem Antrieb gekennzeichnet
sei
(
Urk.
5/192/87 f.).
Darüber hinaus hielt er
nachvollziehbar
fest, dass beim Beschwerdeführer auf
grund der multiplen körperlichen Beschwerden mit schweren und quälenden Schmerzen eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
(ICD-10 F45.4)
ange
nommen werden könne, bei der die Schmerzen durch eine organische Störung nicht vollständig erklärt werden könn
t
en und
die
in Verbindung mit emotionalen Konflikten und psychosozialen Problemen
stehen
(
Urk.
5/192/88 f.)
.
Bezüglich die
ser beiden Diagnose
n
betonte Dr.
A._
allerdings, dass es sich bei der depressiven Störung nicht um eine von den Schmerzen unabhängige oder sich verselbständigte depressive Erkrankung handle und deshalb keine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer anzunehmen
sei
(
Urk.
5/192/89).
4
.4.2
Weiter
schloss Dr.
A._
nachvollziehbar
das Vorliegen einer Persönlichkeits
störung aus und hielt
diesbezüglich
fest, dass der Beschwerdeführer bis zum 10. Lebensjahr eine unauffällige Kindheitsentwicklung
durchlaufen
und
auch anschliessend trotz der
Kriegsereignisse in
C._
keine Traumatisierung
en erlitten habe
. Er
sei
über Jahrzehnte erwerblich aktiv
gewesen
,
sei
sozial gut integriert und es
lägen
keine
tief verwurzelten oder anhaltenden Verhaltens
muster
vor
, die mit gestörter sozialer Funktions- und Leistungsfähigkeit einher
gehen
würden
(
Urk.
5/192/88)
. Vor diesem Hintergrund erscheint der Ausschluss der eingangs genannten Diagnose nachvollziehbar.
Mangels entspre
chender Symptome verneinte Dr.
A._
sodann auch das Vorliegen einer posttraumati
schen Belastungsstörung (
Urk.
5/192/92)
, was ebenfalls überzeugt.
4
.4.3
Entsprechend ist aus psychiatrischer Sicht gestützt auf das Teilgutachten von Dr.
A._
erstellt, dass der
Be
schwerdeführer
an einer rezidivierenden depres
siven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
,
sowie einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
(ICD-10 F45.4)
leidet
, welche Diag
nosen
allerdings
nicht
selbständig
voneinander bestehen.
Ob sich dennoch die
Stellung beider Diagnosen rechtfertigt, ist fraglich, kann schliesslich aber offen
bleiben, ist doch im Ergebnis nicht die Diagnose, sondern einzig und allein ent
scheidend, ob die Beschwerden zu einer ausgewiesenen Arbeits- und Erwerbsun
fähigkeit führen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C
_501/2008 vom 15. Juli 2008 E. 2.2.1), was im nachfolgenden zu
erläutern
ist.
4
.5
4
.5.1
Zu prüfen bleibt
folglich
, ob die im Gutachten attestierte Arbeitsunfähigkeit aus psy
chiatrischer Sicht einer rechtlichen Überprüfung im Lichte der massgeblichen Standardindi
katoren standhält (vgl. E. 1.4.2
), wobei gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung von der medizinischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit abge
wichen werden kann, ohne dass eine beweiskräftige Expertise dadurch ihren Beweiswert verlöre (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom
15. März 2018 E. 3.2).
4
.5.2
Die erste Kategorie «funktioneller Schweregrad» umfasst die Komplexe «Gesund
heitsschädigung», «Persönlichkeit» sowie «sozialer Kontext» (vgl.
E. 1.4.2
).
Hinsichtlich der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde bezeichnete Dr.
A._
Auffassung und Aufmerksamkeit als intakt und trotz der subjektiven Konzentrationsschwierigkeiten
konnte der Gutachter
während der psychiatri
schen Exploration keine Konzentrationsstörungen erheben. Auch verneinte er Hi
nweise auf Gedächtnisstörungen
, in
haltliche Denkstörungen im Sinne von Wahnideen oder Halluzinationen,
Wahrnehmungsstörungen,
Zwänge oder Ich-Störungen. Der Beschwerdeführer wirke
in der Stimmung
bedrückt,
affektiv leicht vermindert mitschwingend, wiederholt kurz aufhellbar und erwecke einen spon
tanen, vitalen Eindruck. Psychomotorisch wirke er etwas unruhig und der Antrieb
sei
eher vermindert
.
Er
habe
sodann Zukunftsängste und Existenzängste
geäus
sert
.
Motivation und Interessen
seien
vorhanden, wenn auch vermindert.
Weiter
hätten
sich trotz der geschilderten Schlafstörungen keine Hinweise für vermehrte Müdigkeit oder Erschöpfung
ergeben
(
Urk.
5/192/84 f.
). In Bezug auf
Behand
lungs
- und Eingliederungserfolg oder -resistenz hielt Dr.
A._
fest, der Beschwerdeführer stehe seit
Mai
2016 zuerst zwei
mal pro Woche, anschliessend
einmal
wöchentlich
in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung
.
Die therapeutischen Optionen seien bisher nicht ausgeschöpft,
da keine antidepres
sive M
edikation erfolg
e. E
ine Fort
setzung der Therapie
kombiniert mit einer ausreichend dosierten antidepressiven Medikation
sei zu empfehlen
und dabei sei innerhalb eines Jahres, in Abhängigkeit von psychosozialen Faktoren, eine Besserung des psychischen Zustandsbildes mit Leistungssteigerung und etwa 80%iger Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit medizintheoretisch zu erwarten. B
ei ausbleibender Besserung könn
e auch eine teilstationäre tageskli
nische Behandlung durchgeführt werden
. Einer sofortigen beruflichen E
ingliede
rung ständen sodann kei
n
e
medizinischen Hinderungsgründe entgegen
und der Beschwerdeführ
er z
eige sich auch motiviert, einer angepassten Tätigkeit nachzu
gehen
(
Urk.
5/192/90
f.
). Angesichts der
eher
be
schei
denen Befunde im affektiven Bereich ist insge
samt auf eine geringe Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde zu schliessen, was umso mehr gilt, als die psychosozialen Faktoren offenkundig eine massgebliche Rolle zumindest als direkte Mitursache für di
e Leistungs
einschränkung spiel
en.
Dr.
A._
führte zum Komplex «Persönlichkeit» aus,
bei der Beurteilung der
Mini-ICF-APP hätten sich
zwar
Einschränkungen gezeigt
. Diese seien bei den zu erhebenden Ressourcen aber nicht derart stark ausgeprägt, dass sie eine Arbeits
fähigkeit verunmöglichen würden. So lasse sich die subjektive Einschränkung der Konzentration während der psychiatrischen Untersuchung nicht verifizieren und sei keinesfalls so stark, dass die Planung und Strukturierung von Aufgaben nicht möglich sei. Die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sei bei eingeengtem Denken beeinträchtigt. Allerdings sei keine wesentliche Einschränkung der Kom
petenz und Wissensanwendung erkennbar.
Das Durchhaltevermögen erschein
e beeinträchtigt mit Neigung zu Reizbarkeit bei Überforderung, jedoch nicht in dem beschriebenen Ausmass
,
und die Selbstbehauptungsfähigkeit erscheine relativ gut erhalten, sogar mit der Schwierigkeit, seine Grenzen gegenüber Vorgesetzten zu wahren.
Ressourcenhemmend würden sich die
anhaltenden körperlichen Beschwerden beziehungsweise die
Schmerzsymptomatik sowie die IV-fremden
psychosozialen Faktoren auswirken (
Arbeitslosigkeit
mit fehlenden Zukunftsper
spektiven
, finanzielle Sorgen,
Urk.
5/192/93
f.
).
Beim Beschwerdeführer
bestehen
sodann keine Hinweise
für eine Persönlichkeitsstörung
(
Urk.
5/192/88).
Selbst unter Berücksichtigung allfälliger Wechselwirkungen mit
den körperlichen E
in
schränkungen
–
bezüglich den psychiatrischen Diagnosen
der
rezidivierenden depressiven Störung
und der somatoformen
Schmerzstörung
ist wie erwähnt
keine Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer anzuneh
men (
Urk.
5/192/89) –
lässt die Prüfung der ersten Kategorie insgesamt nicht den Schluss auf einen erheblichen funktionellen Schweregrad der psychischen Störung zu. Dies
gilt umso mehr, als Dr.
A._
mit Blick auf den «sozialen Kon
text» nachvollziehbar festhielt, der Beschwerdeführer verfüge über vor
handene und mobilisierbare Ressourcen mit
intakter
Partnerbeziehung, ohne familiäre Probleme,
und
habe
normale, gute soziale Kontakte mit Bekannten und Kollegen.
Er zeige ver
schiedene Aktivitäten im Tagesablauf, indem er
verschiedene Termine wahrnehme, spazieren gehe,
etwa
s Fitness betreibe und Hausarbeiten verrichte, Bekannte treffe und Zeit mit den Kindern verbringe
. Zudem seien eine gewisse Motivation und Interessen erkennbar
(
Urk.
5/192
/81 ff., 93 f.
).
4
.5.
3
Hinsichtlich der beweisrechtlich relevanten Kategorie
der «Konsistenz» (vgl. E. 1.4.2
) verneinte Dr.
A._
die gleichmässige Einschränkung des
Aktivitäten
niveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen zu Recht, da der Beschwerde
führer
keiner beruflichen Tätigkeit nachgehe, jedoch
ver
schiedene Aktivitäten im Tagesab
lauf aufweise. S
o stehe er früh auf, schaue N
achricht
en, frühstücke und habe häufig gegen 8.00 Uhr Termine einzuhalten. Danach versuche er Bücher zu lesen, fernzusehen und nach dem Mittagessen habe er häufig wieder Termine. Ausserdem
laufe
er etwas oder
treffe
Bekannte. Auch mache er etwas Fitness und verrichte leichte Hausarbeiten. Danach verbringe er Zeit mit den Kindern und führe Gespräche mit der Familie (
Urk.
5/192/91
). Entsprechend ver
fügt der Beschwerdeführer über einen durchaus strukturier
ten Tagesablauf
. Anzu
merken ist in diesem Zusammenhang zudem, dass Dr.
A._
im Rahmen der Explora
tion Hinweise auf eine Aggravation und einen sekundären Krankheits
gew
inn feststellte (
Urk.
5/192/89
), auch wenn er die Untersuchungsergebnisse insgesamt als valide
und nachvollziehbar bezeichnete (
Urk.
5/192/92
).
Allerdings
ist dem Beschwerde
führer ein gewisser Leidens
druck angesichts der T
herapie wohl nicht abzusprechen
– auch wenn es grundsätzlich an einer antidepressiven Medikation fehlt
und bisher auch keine stationäre Therapie stattfand
(
vgl.
Urk.
5/192/92
).
4
.5.4
Zusammengefasst ist aus der detaillierten Prüfung der Standardindikatoren sowie deren Gesamtwürdigung ersichtlich, dass die Ressourcen des Beschwerdeführers durch seine Beschwerden nur leicht beeinträchtigt sind und weder Be
hand
lungs
resistenz noch eine ressourcenhemmende Persönlichkeitsstruktur vorliegen. Im sozialen Kontext verfügt der Beschwerdeführer zudem über gute mobilisierende Ressourcen. Massgebend für die Be
ur
teilung sind schliesslich auch die vorstehend aufge
führten In
kon
sis
tenzen. Gesamthaft sprechen die objektiv
erhebbaren
psy
chopathologischen Befunde und die täglichen Aktivitäten, die dem Beschwer
de
führer möglich sind, sowie die gemäss Mini-ICF-APP-Rating-Bogen wenig relevanten Aktivitäts- und Partizipationsstörungen gegen eine
höhergradige
Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht.
Die von Dr.
A._
atte
stierte Arbeitsunfähigkeit von 3
0 %
in angepasster Tätigkeit
erscheint vor diesem Hin
ter
grund
zwar
als
eher
grosszügig,
es kann jedoch
vorliegend
darauf abgestellt werden.
4
.5
.5
Dr. med.
F._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
wies mit Bericht vom 23. November 2020
(
Urk.
5/240) auf eine Verschlechterung des
psychischen
Gesundheitszustandes hin. So führte er aus, dass in
den
letzten zwei Jahren zusätzliche Belastungen zu den bisherigen dazu gekommen seien (Tod des Vaters, verschiedene Operationen, zusätzlicher Unfall am Arbeitsplatz mit sehr langsam heilender Fussverletzung).
Die Einnahme vieler Schmerzmittel im Kon
text der körperlichen Beschwerden werde als psychisch belastend erlebt und schädige den bereits zuvor angegriffenen Magen. Der Beschwerdeführer erlebe eine starke Erschöpfung, auch durch die vielen Arzt- und Therapietermine sowie die seit vielen Jahren finanziell unsichere Zukunft seiner Familie. Zukunftsängste, Zeiten von Resignation sowie Gefühle von Wertlosigkeit hätten deutlich zuge
nommen. Die
chronifizierten
Schmerzen über viele Jahre würden als zermürbend erlebt, Konzentration, Merkfähigkeit und Aufmerksamkeit seien noch stärker eingeschränkt.
Der Beschwerdeführer sei in hohem Masse motiviert zu arbeiten und er traue sich eine Tätigkeit von 40 bis 50 % zu
, sofern seine Fussverletzung vollständig heilen werde
.
Allerdings sei es unsicher, ob er die Belastbarkeit sowie die Konzentration und Aufmerksamkeit für eine Teilanstellung im ersten Arbeits
markt aufbringen könne.
Sein Magen
sei
infolge des Magenbandes sowie der Ein
nahme starker Schmerzmittel über viele Jahre angegriffen. Er habe sich deshalb gegen die Einnahme
zusätzlicher Medikamente wie starker Antidepressiva
e
ntschieden, um diese Belastung
nicht noch mehr zu verstärken.
Aus diesem Bericht lässt sich vornehmlich eine Zunahme der psychosozialen Belastungen entnehmen, weniger aber der Befunde. Zwar erscheint es nachvoll
ziehbar, dass
infolge des Arbeitsunfalles vom
30.
Juni 2020 auch die psychischen Belastungen
vorübergehend
zugenommen haben. Jedoch waren die Unfallbe
schwerden mit Ausnahme der Gangstörung
nach einigen Monaten
verheilt
(vgl. E. 4
.2)
. In Bezug
auf
die Konzentrationsstörungen attestier
te Dr.
F._
sodann
bereits früher eine
ausgeprägte
Einschränkung, welche im Gutachten aber nicht bestätigt werden konnte. Auch sah er die Arbeitsfähigkeit bereits vor der Begut
achtung als komplett aufgehoben an
(vgl. Bericht vom 8. März 2018,
Urk.
5/165)
.
Folglich vermag der von Dr.
F._
erstellte Bericht keine langandauende Ver
schlechterung des psychischen Gesundheitszustandes
im Vergleich zum Gutach
tenszeitpunkt
zu belegen.
4
.5.6
Insofern
der Beschwerdeführer in Bezug auf das Belastungsprofil
auf den angeb
lichen Widerspruch hinwies
,
wonach
gemäss den Gutachtern lediglich eine Tätigkeit ohne Anforderungen an die Konzentration zumutbar sei, jede Arbeit im Rahmen eines Arbeitsvertrages (Arbeit gegen Lohn) jedoch Konzentration bedinge
(Urk. 1 S. 7)
,
vermag er daraus nichts zu seinen Gunsten abzuleiten
. Es versteht sich von selbst, dass mit der gutachterlichen Umschreibung nicht die Absenz jeglicher Konzentration, sondern lediglich das Fehl
en
einer erhöhten Kon
zentration
gemeint war. Dies nicht nur aus dem Grund, dass eine
andere
Inter
pretation keinerlei Sinn ergeben würde, sondern insbesondere auch deshalb, weil der psychiatrische Gutachter keinerlei Konzentrationsstörungen erheben konnte (Urk. 5/192/84).
Da zudem
die aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV fliessende Begründungspflicht nicht gebietet, dass sich der Ver
sicherungsträger mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vo
rbringen ausdrücklich widerlegt, sich die Behörde v
ielmehr auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken
kann, ist auch nicht zu beanstanden, dass sich die IV-Stelle in der Verfügung vom 30. Juli 2021 nicht mit diesem Argument auseinandergesetzt hat
.
Kommt hinzu, dass
der Beschwer
deführer sein An
lie
gen mit der Beschwerde gegen die Verfügung
vom
30. Juli 2021
vor einer Beschwerdeinstanz, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei über
prüft, vortragen konnte, womit eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs ohnehin als geheilt zu betrachten wäre (vgl. BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
).
4.6
Soweit der Beschwerdeführer schliesslich eine Verletzung des Untersuchungs
grundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) dur
ch die IV-Stelle rügt
e
(vgl. E. 2
.2), kann ihm nicht gefolgt werden, zumal die IV-Stelle auf die Abnahme weiterer Beweise dann verzichten kann, wenn sie nach den von Amtes wegen vorzunehmenden Abklä
rungen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung gelangt, ein be
stimmter Sachverhalt sei als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten und wei
tere Beweismassnahmen könnten an diesem Ergebnis nichts mehr ändern (anti
zipierte Beweiswürdigung). Darin liegt weder eine Verletzung des Untersu
chungs
grundsatzes noch eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV; vgl.
144 V 361 E. 6.5, 136 I 299 E. 5.3
). Davon, dass die von ihr getätigten Ab
klärungen eine abschliessende Beurteilung des Leistungsanspruchs des Beschwer
deführers erlaubten, ging die IV-Stelle nach dem Gesagten denn auch zu Recht aus.
Mangels entsprechender Hinweise auf eine (
längerandauernde
) Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes in psychiatrischer Hinsicht bedurfte es folglich weder eines Verlaufsgutachtens noch einer Beurteilung durch einen Psy
chiater des RAD.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt, wie sich die aus
psychischen und
somatischen Gründen einge
schränkte Leis
tungsfähigkeit des Beschwerdeführers in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
5.2
Der Einkommensvergleich (Art. 16 ATSG) hat in der Regel in der Weise zu erfol
gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen (Validen- und Invali
deneinkommen) ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, woraus sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditäts
grad bestimmen lässt.
5.3
Vorliegend sind das
Valideneinkommen
(aufgrund der schwankenden, unregel
mässigen und weit
er
zurückliegenden Einkünfte kann nicht auf die effektiven Ein
nahmen abgestellt werden) und das Invalideneinkommen ausgehend vom glei
chen Tabellenwert zu berechnen, weshalb sich deren genaue Ermittlung erübrigt.
Diesfalls
entspricht der Invaliditätsgrad nämlich dem Grad der Arbeits
unfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn, der höchstens 25 % betragen darf (BGE 135 V 297 E. 5.2; Urteil des Bundesge
richts 8C_759/2016 vom 29. Dezember 2016
E. 4.2.2). Dies stellt keinen
«
Prozent
ver
gleich
»
im Sinne von BGE 104 V 135 E. 2b dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_675/201
6 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
Vorliegend besteht kein Anlass, einen leidensbe
dingten Abzug zu be
rücksichti
gen:
Zunächst führt die gesundheitlich bedingte Unmöglichkeit, (weiterhin) körperlich
schwere Arbeit zu verrichten, nicht automatisch zu einer V
erminderung
des hypo
thetischen
Invalidenlohns. Vielmehr ist der Umstand allein, dass nur mehr leichte Arbeiten zumutbar sind, sogar bei eingeschränkter Leistungs
fähigkeit kein Grund für einen zusätzlichen leidensbedingten Abzug, weil der Tabellenlohn im Kom
petenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten (und mittel
schweren) Tätig
kei
ten umfasst (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_82/2019 vom 19. September 2019 E. 6.3.2).
Zu beachten ist
weiter
, dass allfällige bereits in der Beur
teilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschrän
kungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliesse
n und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (
BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen). Mit dem reduzierten Rendement wurde den entsprechenden Ein
schränkungen bereits genügend Rechnung getragen.
Sodann führt ein allfällig fortge
schrittenes
Alter nicht automatisch zu einem Ab
zug, zumal sich dieses im Anfor
derungsniveau 4 (resp. Kompetenzni
veau 1 ge
mäss LSE 2016) sogar eher lohner
höhend auswirkt (Urteil des Bundes
gerichts 9C_455/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.2).
Und schliesslich sind auch mangelnde Sprachkenntnisse oder eine ungenügende Aus
bildung nicht abzugsrelevant, da diesen Aspekten bei der Wahl des Kom
pe
tenz
niveaus Rechnung zu tragen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_549/2019 vom 26. November 2019 E. 7.7).
Folglich ergibt sich
entsprechend
dem Grad der Arbeitsunfähigkeit
ein rentenaus
schliessender
Invaliditätsgrad von
30
%.
6
.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 30. Juli 2021 (
Urk.
2) im Ergebnis nicht zu beanstanden, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7
.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr.
7
00.-- festzuset
zen und entsprechend dem Verfahrensausgang dem Beschwerdeführer aufzuerle
gen.