Decision ID: d844e032-3781-4499-8361-565adfe33eab
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A._ (die Beschwerdeführerin) ersuchte am 13. Juni 2022 mit ihren
minderjährigen Kindern B._ und C._ um Gewährung von
Asyl in der Schweiz. Am 15. Juni 2022 wurde die Beschwerdeführerin im
Rahmen der Personalienaufnahme zu ihren persönlichen Umständen und
zu ihrem Reiseweg befragt. Am 6. Juli 2022 wurde sie durch das SEM ein-
gehend zu ihren Fluchtgründen angehört (vgl. SEM-eAkte 1175060-18/17,
nachfolgend A18).
Dabei führte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, sie habe ihren
Ehemann im Jahr (...) kirchlich geheiratet. Nach (...) schönen Ehejahren
sei dieser plötzlich ständig genervt gewesen und habe sie und ihren ge-
meinsamen Sohn angeschrien. Aufgrund der Beziehungsprobleme hätten
sie gemeinsam Psychologen aufgesucht. Nachdem ihre Beziehung kurz
besser geworden sei, sei ihr Ehemann bald wieder jähzornig gewesen und
habe sie psychisch terrorisiert. Wegen der Beziehungsprobleme habe sie
im (...) 2020 ihren Bruder um Hilfe gebeten. Dieser habe ihrem Ehemann
erklärt, dass sie ihn verlassen würde, wenn er sich nicht professionell be-
handeln lasse. Daraufhin sei er zum Psychiater gegangen. Nach dieser
Therapie sei er ihr gegenüber aber noch aggressiver geworden, weswegen
ihre Schwester sie zu sich genommen habe. Wegen der Stresssituation
habe sie ihre Tochter – (...) 2020 – zu früh geboren. Ihr Ehemann sei über
die Geburt der Tochter erfreut gewesen und sie habe ihm eine zweite
Chance gegeben. Während der Covid-Pandemie habe ihr Sohn vermehrt
Streitigkeiten zwischen ihnen mitbekommen, weshalb er aufgehört habe zu
sprechen. Er sei daher einmal die Woche zur psycho-emotionalen Thera-
pie gegangen. Im (...) 2022 habe ihre Tochter versehentlich Medikamente
ihres Ehemannes eingenommen, sei deswegen hospitalisiert und an-
schliessend wieder entlassen worden. Dies sei für die Beschwerdeführerin
das ausschlaggebende Ereignis gewesen, weswegen sie habe ausreisen
wollen. Sie habe aufgrund des inadäquaten Verhaltens ihres Ehemannes
ihr Leben und dasjenige ihrer Kinder in Gefahr gesehen. An die heimatli-
chen Behörden habe sie sich nicht gewandt, da diese in solchen Fällen
sowieso nichts unternehmen würden. Stattdessen habe sie geplant, ge-
meinsam mit ihrer Schwester, ihrem Schwager und ihren Kindern zu ihrer
Cousine in die Schweiz zu reisen. Der Ehemann habe ihr seine Zustim-
mung zur Ausreise mit ihren Kindern gegeben, weil ihm gesagt worden sei,
sie würden gemeinsam Urlaub machen. Am (...) 2022 habe er einen Unfall
gehabt und sei wegen einer (... [Verletzung]) lange im Spital gewesen. Dies
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sei ein Glücksfall gewesen, da er sie aufgrund dessen an der Ausreise nicht
habe hindern können. Am (...) 2022 seien sie nach D._ geflogen
und von dort am (...) 2022 in die Schweiz gelangt. Offiziell habe sich das
Ehepaar nicht getrennt, aber sie sei seit dem Unfall nicht mehr mit ihm
zusammen gewesen.
B.
Am 12. Juli 2022 liess das SEM den Beschwerdeführenden über ihre
Rechtsvertretung den auf den 14. Juli 2022 datierenden Entwurf des Asyl-
und Wegweisungsentscheides zukommen. Die Rechtsvertretung reichte
am 13. Juli 2022 eine diesbezügliche Stellungnahme ein.
C.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 14. Juli 2022 stellte das SEM
im Rahmen des beschleunigten Verfahrens fest, die Beschwerdeführenden
würden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, und lehnte ihr Asylgesuch
ab, verbunden mit der Anordnung der Wegweisung aus der Schweiz und
des Wegweisungsvollzugs nach Georgien.
Am selben Tag erklärte die bisherige Rechtsvertretung ihr Mandat als be-
endet.
D.
Die Beschwerdeführenden erhoben mit Eingabe vom 15. Juli 2022 gegen
diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht selbständig Be-
schwerde, in welcher sie beantragten, sie seien als Flüchtlinge anzuerken-
nen und ihnen sei in der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter seien sie
aus humanitären Gründen vorläufig aufzunehmen. Die Anträge blieben un-
begründet, weil die 5-tägige Frist nicht für die Organisation der anwaltlichen
Vertretung sowie von weiteren Dokumenten genügt habe. In verfahrens-
rechtlicher Hinsicht ersuchten sie um unentgeltliche Rechtspflege und um
Verlängerung der Beschwerdefrist.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 19. Juli 2022 wurde festgestellt, dass die Be-
schwerde keine rechtsgenügende Begründung enthalte, weshalb die Be-
schwerdeführenden aufgefordert wurden, bis zum 29. Juli 2022 ihre
Rechtsbegehren zu begründen.
F.
Mit Eingabe vom 27. Juli 2022 präzisierte und begründete ihre neue
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Rechtsvertretung die bisherigen Rechtsbegehren. Die Beschwerdeführen-
den beantragten neu, die angefochtene Verfügung sei im Vollzugspunkt
der Wegweisung aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, die Be-
schwerdeführenden in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Eventualiter
sei die Verfügung zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung an die Vor-
instanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um unent-
geltliche Prozessführung ersucht.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
1.3 Prozessgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist gemäss Be-
schwerdeverbesserung ausdrücklich nur der angeordnete Vollzug der
Wegweisung. Die Dispositivziffern 1 – 3 der vorinstanzlichen Verfügung
vom 14. Juli 2022 sind demnach in Rechtskraft erwachsen.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE
2014/26 E. 5).
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3.
Die Beschwerde ist – wie nachfolgend aufzeigt – als offensichtlich unbe-
gründet zu erkennen, weshalb über diese in einzelrichterlicher Zuständig-
keit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zwei-
ten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG). Gestützt auf
Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech-
sels verzichtet.
4.
Vorab ist festzuhalten, dass der nicht weiter begründete Eventualantrag auf
Rückweisung an die Vorinstanz abzuweisen ist, zumal sich aus den Akten
keine Hinweise auf eine Gehörsverletzung beziehungsweise unvollstän-
dige Sachverhaltserstellung ergeben.
5.
5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
5.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
6.
6.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihrer Verfügung aus, dass die
Befürchtung der Beschwerdeführerin, künftig durch ihren Ehemann schwe-
re Gewalt zu erleiden, vor dem Hintergrund ihrer Angaben unverhältnis-
mässig und überzeichnet erscheine. Nach der Aktenlage spreche vorlie-
gend nichts für eine objektiv begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen.
Zudem gelte Georgien als ein verfolgungssicherer Staat, was unter ande-
rem zur gesetzlichen Regelvermutung führe, dass Schutz vor nichtstaatli-
cher Verfolgung gewährleistet sei. Sie bringe auch keinerlei Hinweise vor,
die diese Vermutung umstossen könnten.
Hinsichtlich des angeordneten Wegweisungsvollzugs führte die Vorinstanz
weiter aus, der Grundsatz der Nichtrückschiebung könne nicht angewen-
det werden, nachdem sich keine Hinweise auf die Flüchtlingseigenschaft
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der Beschwerdeführenden ergäben. Auch würden keine Anhaltspunkte da-
für bestehen, dass ihnen eine durch Art. 3 EMRK verbotene Behandlung
drohe. Der Wegweisungsvollzug sei daher als zulässig zu erachten. Weiter
sei auch dessen Zumutbarkeit zu bejahen. Es sei aufgrund der in Georgien
herrschenden allgemeinen politischen Lage nicht von der generellen Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs auszugehen. Aus den Akten wür-
den sich zudem weder individuelle Gründe noch besondere Umstände er-
geben, welche den Wegweisungsvollzug als unzumutbar erscheinen lies-
sen. Die Beschwerdeführenden würden in ihrer Heimat über ein intaktes
familiäres Beziehungsnetz verfügen, das sie bisher unterstützt habe und
sie mangels anderslautender Anhaltspunkte auch künftig unterstützen
werde. Die Beschwerdeführerin könne zudem eine gute Ausbildung und
berufliche Erfahrung im Heimatstaat vorweisen. Mit der Unterstützung ihrer
Familie sei es ihr auch bei einer definitiven Trennung von ihrem Ehemann
als alleinerziehende Mutter möglich, ihren Lebensunterhalt und den Alltag
mit zwei Kindern im Heimatland zu bewältigen. Ihr (...) Sohn und ihre (...)
Tochter würden sich sodann erst seit rund einem Monat in der Schweiz
aufhalten. Sie hätten somit die gesamte Sozialisation in Georgien erfahren
und würden weiterhin Georgisch sprechen. Auch die psychologische Be-
handlung des Sohnes lasse den Wegweisungsvollzug nicht als unzumut-
bar erscheinen, da der eingereichte medizinische Bericht zeige, dass die
Mutter seine Hauptbezugsperson sei und in Georgien Zugang zur nötigen
Infrastruktur bestehe. Folglich sei auch unter Berücksichtigung des Kindes-
wohles eine Rückkehr nach Georgien zumutbar. Die in der Stellungnahme
von 13. Juli 2022 vorgebrachte Integration der Kinder in der Schweiz nach
nur wenigen Wochen des Aufenthaltes, überzeuge nicht. Mittels geeigneter
Kindsschutzmassnahmen könne sodann einem allfällig unzulässig negati-
ven Einfluss des Vaters begegnet werden. Hinsichtlich der gesundheitli-
chen Probleme sei festzustellen, dass ihnen bei einer allfälligen Rückkehr
eine adäquate Behandlung im Heimatstaat zur Verfügung stehen werde,
zumal sie gemäss eigenen Angaben bereits dort in Behandlung gewesen
seien.
6.2 Die Beschwerdeführenden entgegneten in ihrer Rechtsmitteleingabe,
die Beschwerdeführerin sei als Opfer häuslicher Gewalt in Georgien be-
sonders gefährdet. In der Anhörung habe sie von verschiedenen Schika-
nen seitens ihres Ehemannes berichtet. Nachdem sie ihn nun verlassen
habe, seien künftig schlimmere Übergriffe – auch gegenüber den Kindern
– zu erwarten. Sie habe eine begründete Furcht ernsthaften Nachteilen
ausgesetzt zu werden, ohne mit einer wirksamen Unterstützung der Behör-
den rechnen zu können. So sei gut dokumentiert, dass Frauen, die Opfer
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häuslicher Gewalt geworden seien, in Georgien kaum auf Unterstützung
zählen dürften. In Georgien werde die häusliche Gewalt als Privatsache
betrachtet und von den Behörden nicht genügend verfolgt beziehungs-
weise bestraft. Dies würden verschiedene Gerichtsurteile und Berichte be-
stätigen. Somit sei eine Wegweisung nach Georgien unzumutbar.
7.
7.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
7.1.1 Da die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfül-
len, ist das Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30)
und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist
demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
7.1.2 Gemäss dem menschenrechtlichen Non-Refoulement-Gebot von
Art. 3 EMRK darf niemand in einen Staat ausgeschafft werden, in dem ihm
Folter oder eine andere Art unmenschlicher oder erniedrigender Strafe o-
der Behandlung drohen würde. So verstösst der Wegweisungsvollzug aber
nur gegen Art. 3 EMRK, wenn für die betroffene Person im Zielstaat die
ernsthafte Gefahr ("real risk") einer dieser Bestimmung widersprechenden
Behandlung besteht (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom
28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Die be-
fürchtete Gefahr muss zudem einen bestimmten Grad der Schwere auf-
weisen, damit sie unter das Verbot von Art. 3 EMRK fällt (vgl. Urteil Saadi
§ 134). Eine Verletzung von Art. 3 EMRK liegt namentlich dann vor, wenn
jemand in ein Land abgeschoben wird, in dem ihm schwere häusliche Ge-
walt droht und gleichzeitig Anhaltspunkte bestehen, dass die Behörden
diese billigen (vgl. Urteil des EGMR N. gegen Schweden vom 20. Juli 2010,
23505/09, §§ 54 ff.).
Die Umstände der Ehe und deren negativen Auswirkungen sind zwar sehr
bedauerlich, die geltend gemachte psychische Gewalt erreicht aber nicht
die nötige Schwere. So schilderte die Beschwerdeführerin, ihr Ehemann
habe sie und die Kinder angeschrien und psychisch terrorisiert. Bislang ist
es aber weder zu konkreten und schwerwiegenden Drohungen noch je zu
physischer Gewalt gekommen (vgl. A18/F78–80). Aus der Aktenlage erge-
ben sich ebenso wenig fundierte Indizien, dass sie künftig seitens ihres
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Ehemanns beziehungsweise Vaters mit ernsthaften Übergriffen zu rechnen
haben, zumal er in der Vergangenheit eine gewisse Kooperations- und
Besserungsbereitschaft offenbarte. So habe er ihretwegen eine Therapie
gemacht und versprochen, auf Drogen zu verzichten. Nach der Geburt ih-
rer Tochter im (...) 2020 habe sie ihm eine zweite Chance gegeben. Ob es
infolgedessen zu einer Besserung gekommen sei, erwähnte sie zwar nicht,
ebenso wenig machte sie jedoch geltend, dass es zu einer Verschlimme-
rung ihrer Beziehungsprobleme gekommen wäre, was sie zur Ausreise be-
wegt hätte (vgl. A18/F64 S. 10). Vielmehr habe sie – erst über ein Jahr
nach der Geburt ihrer Tochter – beschlossen, Georgien zu verlassen, weil
diese versehentlich Medikamente ihres Vaters eingenommen habe (vgl.
A18/F71). Dabei handelte es sich jedoch offensichtlich um einen Unfall.
Demzufolge stellt das Gericht insgesamt fest, dass es bislang zu keiner
Aggravation der Gewalt gekommen ist, die eine gesteigerte Gewaltbereit-
schaft des Ehemannes vermuten lassen würde. Die Befürchtung, dass ihr
Mann sie umbringen oder ihr anderweitig schwere Gewalt antun würde, ist
vor diesem Hintergrund nicht als objektiv begründet zu erachten. Zudem
stehen ihr sowohl bei ihrer Rückkehr als auch bei einer definitiven Tren-
nung von ihrem Mann die Unterstützung und der Schutz ihrer Familie, die
sie bereits vor ihrer Ausreise in Anspruch genommen habe, weiterhin zur
Verfügung. Sollte es in Georgien dennoch zu schwerwiegenden Drohun-
gen oder Übergriffen durch ihren Ehemann oder dessen Familie kommen,
ist es ihr ausserdem zumutbar und möglich, bei den Behörden um Schutz
zu ersuchen respektive die vorhandenen Angebote von Schutzeinrichtun-
gen in Anspruch zu nehmen. Die georgischen Behörden werden nach gel-
tender Praxis im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt als schutzfähig
und -willig qualifiziert (vgl. dazu statt vieler das Urteil des BVGer D-
2117/2020 vom 24. April 2020 E. 5.2.2 m.w.H.). Zudem darf die Beschwer-
deführerin auch in diesem Zusammenhang auf die Unterstützung ihrer Fa-
milie – der Bruder ist Jurist und die Schwester Psychologin – zählen. Allein
mit der Angabe, sie sei überzeugt gewesen, dass es nichts gebracht hätte,
bei den heimatlichen Behörden um Schutz zu ersuchen, vermag sie nicht
zu belegen, den georgischen Behörden würde es an der Schutzfähigkeit
und -willigkeit fehlen. Die in der Rechtsmitteleingabe referenzierten allge-
meinen Berichte zur häuslichen Gewalt in Georgien sind ebenfalls nicht
geeignet, zu einer anderen Einschätzung zu führen. Zur Vermeidung von
Wiederholungen kann diesbezüglich ausserdem auf die ausführlichen Er-
wägungen der angefochtenen Verfügung verwiesen werden ([...]). Die an-
derslautenden Beschwerdevorbringen vermögen dabei nicht zu überzeu-
gen. Es ist somit nicht ersichtlich, dass den Beschwerdeführenden bei ihrer
Rückkehr eine nach Art. 3 EMRK verbotene Behandlung drohen würde.
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Ferner lässt auch die allgemeine Menschenrechtssituation vor Ort den
Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten
ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der
völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
7.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
Georgien gilt als verfolgungssicherer Heimat- oder Herkunftsstaat im Sinne
von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG. Dies bedeutet, dass eine Rückkehr von
abgewiesenen Asylsuchenden grundsätzlich als zumutbar gelten kann. Die
Beschwerdeführerin vermag die gesetzliche Vermutung der Zumutbarkeit
der Rückkehr nach Georgien mit ihren Vorbringen im vorinstanzlichen Ver-
fahren und den Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe vom 27. Juli
2022 nicht umzustossen. Es ist folglich insgesamt nicht davon auszuge-
hen, die Beschwerdeführenden würden bei einer Rückkehr aus individuel-
len Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine
ihre Existenz gefährdende Situation geraten. An dieser Einschätzung ver-
mag das Argument der Beschwerdeführenden, der Wegweisungsvollzug
sei wegen der drohenden häuslichen Gewalt unzumutbar, nichts zu än-
dern, zumal diesbezüglich auf die obigen Erwägungen verwiesen werden
kann (vgl. E. 8.1.3.). Zudem halten sich die Eltern und Geschwister der
Beschwerdeführerin weiterhin in Georgien auf. Die Beschwerdeführenden
verfügen damit über ein intaktes und unterstützungsbereites Beziehungs-
netzwerk in der Heimat. Hinsichtlich der vorgebrachten gesundheitlichen
Probleme ist festzuhalten, dass sie bereits in Georgien Behandlungen in
Anspruch genommen haben und keine Verschlechterung ihres Gesund-
heitszustandes oder eine unzureichende medizinische Versorgung geltend
machen. Schliesslich vermag auch das Kindeswohl nach zutreffender Ar-
gumentation der Vorinstanz nicht gegen die Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs zu sprechen, da nach einem zweimonatigen Aufenthalt in
der Schweiz noch keine tiefe Verwurzelung oder gute Integration vorliegt.
Zudem besteht die Möglichkeit, die Kinder mittels Fernhaltemassnahmen
dem Einfluss des Vaters zu entziehen. Das Bundesverwaltungsgericht
kann sich somit hinsichtlich der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs der Beurteilung der Vorinstanz anschliessen. Zur Vermeidung von
Wiederholungen kann im Übrigen auf die zutreffenden und ausführlichen
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Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden ([...]).
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
7.3 Schliesslich verfügen die Beschwerdeführenden über gültige Reisepa-
piere, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeich-
nen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist
abzuweisen, da die Begehren, wie sich aus den vorstehenden Erwägun-
gen ergibt, als aussichtslos zu bezeichnen waren, weshalb die Vorausset-
zung von Art. 65 Abs. 1 VwVG – ungeachtet der geltend gemachten Mittel-
losigkeit der Beschwerdeführenden – nicht erfüllt sind.
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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