Decision ID: 59a73052-54b7-583b-a5fc-071504925d1c
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführenden 1 – 5 – syrische Staatsangehörige kurdi-
scher Ethnie – reisten am 1. Februar 2017 via Relocationprogramm aus
Griechenland in die Schweiz ein und suchten gleichentags um Asyl nach.
Am 6. Februar 2017 fand mit den Beschwerdeführenden 1 und 2 die Be-
fragung zur Person (BzP) statt. Die ganze Familie wurde am 7. Februar
2017 dem Kanton G._ zugwiesen. Am 23. April 2018 wurden die
Beschwerdeführenden 1 und 2 vertieft angehört.
A.b Mit Verfügung vom 10. September 2019 verneinte das SEM die Flücht-
lingseigenschaft der Beschwerdeführenden 1 – 5, lehnte ihr Asylgesuch ab
und wies sie aus der Schweiz weg. Sie wurden jedoch vorläufig aufgenom-
men, weil der Vollzug der Wegweisung nicht zumutbar sei. Zur Begründung
führte das SEM im Wesentlichen aus, die an der Anhörung ergänzend gel-
tend gemachten Vorbringen über regierungskritische Äusserungen des Be-
schwerdeführers 1 würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht
genügen. Die übrigen Vorbringen seien flüchtlingsrechtlich nicht relevant.
Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.c Am 6. September 2021 wurde der Sohn der Beschwerdeführenden 1
und 2, F._ (nachfolgend auch: Beschwerdeführer 6), in der Schweiz
geboren.
A.d Mit Eingabe vom 9. September 2021 ersuchten die Beschwerdefüh-
renden 1 und 2 um Einbezug ihres Kindes in ihre Flüchtlingseigenschaft.
B.
B.a Am 10. August 2021 reichten die Beschwerdeführenden 1–5 – vertre-
ten durch Lic. iur. Othman Bouslimi, (...) – beim SEM ein qualifiziertes Wie-
dererwägungsgesuch ein und beantragten sinngemäss, auf das Gesuch
sei einzutreten, weiter sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh-
rers 1 anzuerkennen und ihm sei in der Schweiz Asyl zu gewähren. Weiter
beantragten sie sinngemäss den Erlass von Prozesskosten. Sie machten
darin im Wesentlichen geltend, mittels neuer Beweismittel nachweisen zu
können, dass der Beschwerdeführer 1 in Syrien aufgrund seiner seinerzei-
tigen regierungskritischen Äusserungen als Regimegegner wahrgenom-
men werde und flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsmassnahmen zu
befürchten habe. Er habe zwischenzeitlich einen auf seine Person ausge-
stellten Strafregisterauszug sowie zwei Haftbefehle aus Syrien erhältlich
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machen können. Aus dem Strafregisterauszug gehe hervor, dass er in Sy-
rien am 9. August 2015 wegen eines «politischen Verbrechens» zu einer
15-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden sei. Gemäss den zwei Haftbe-
fehlen aus dem Jahr 2015 werde er im Heimatland wegen «Zusammenar-
beit mit den Bewaffneten der sogenannten 'freien Armee'» gesucht. Als Be-
weismittel reichte er die genannten Dokumente im Original zu den Akten.
B.b Mit Entscheid vom 5. November 2021 wies das SEM das Wiedererwä-
gungsgesuch ab. Es stellte fest, dass die Verfügung des SEM vom
10. September 2019 rechtskräftig und vollstreckbar sei (Dispositivziffern 1
und 2). Weiter wies es das Gesuch um Einbezug des Sohnes F._
in die Flüchtlingseigenschaft ab, nahm ihn gestützt auf Art. 44 AsylG in der
Schweiz vorläufig auf und beauftragte den Kanton G._ mit der Um-
setzung der vorläufigen Aufnahme von F._ (Dispositivziffern 3-5).
Das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten hiess das SEM gut und ver-
zichtete auf die Erhebung von Gebühren (Dispositivziffer 6).
C.
C.a Mit Eingabe des rubrizierten Vertreters vom 12. November 2021 (Post-
aufgabe: 13. November 2021) erhoben die Beschwerdeführenden 1–6 ge-
gen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und
beantragten, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Flüchtlings-
eigenschaft des «Mandanten» sei anzuerkennen und ihm sei in der
Schweiz Asyl zu gewähren (Beschwerdeakten [B-act.] 1).
C.b Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
15. November 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG).
C.c Mit Verfügung vom 18. November 2021 forderte das Bundesverwal-
tungsgericht die Beschwerdeführenden beziehungsweise den Beschwer-
deführer 1 auf, bis zum Ablauf der 30-tätigen Beschwerdefrist eine Voll-
macht im Original einzureichen und darzulegen, wer durch die Vollmacht
vertreten sei (B-act. 2).
C.d Mit Eingabe vom 26. November 2021 reichten die Beschwerdeführen-
den aufforderungsgemäss eine rechtsgültige Vollmacht – auch das letztge-
borene Kind betreffend – sowie eine Bescheinigung der wirtschaftlichen
Sozialhilfe (...) ein (B-act. 3).
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise
einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fragen
der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung. Der Wegwei-
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sungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz die Be-
schwerdeführenden wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
vorläufig aufgenommen hat.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Frauenspezifischen Gründen
ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-
chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile
von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürch-
ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive
durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zu-
gefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl.
BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37), ohne dass die betroffene Person in ihrem Hei-
mat- oder Herkunftsstaat ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE
2008/12 E.7.2.6.2, BVGE 2008/4 E. 5.2).
Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation
im Zeitpunkt des Entscheides. Die Verfolgung muss grundsätzlich auch im
Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein, wobei erlittene Verfolgung
oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende begründete Furcht vor Verfol-
gung auf eine andauernde Gefährdung hinweisen kann. Veränderungen
der Situation im Heimat- oder Herkunftsstaat zwischen Ausreise und Asyl-
entscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu
berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2, BVGE 2010/9 E. 5.2, BVGE
2007/31 E. 5.3 f., jeweils m.w.H.).
5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Das SEM führte in seiner Begründung einleitend aus, der Beschwerde-
führer 1 habe den Wiedererwägungsgrund nicht rechtzeitig (d.h. 30 Tage
nach Entdeckung) geltend gemacht, da die eingereichten Dokumente aus
dem Jahr 2015 stammen würden. Es sei nicht nachvollziehbar, dass er erst
jetzt davon erfahren habe. Was den Strafregisterauszug aus dem Jahr
2019 betreffe, sei dieser schon vor zwei Jahren, wahrscheinlich in seinem
Auftrag, beantragt und beschafft worden und hätte schon während des
hängigen Asylverfahrens, spätestens jedoch nach dem Asylentscheid vom
10. November 2019 eingereicht werden können. Die Vorinstanz machte
ausserdem erhebliche Zweifel an der Authentizität der eingereichten Be-
weismittel geltend, deren Beweiswert äusserst gering sei. Es sei bekannt,
dass in Syrien jegliche Art von amtlichen Dokumenten gegen Bezahlung
beschafft werden könnten, auch formell echte Dokumente. Der Beschwer-
deführer habe nicht erläutert, unter welchen Umständen die Dokumente
hätten beschafft werden können, und weshalb erst jetzt. Weiter wies das
SEM darauf hin, dass schon im Asylentscheid vom 10. November 2019
ausführlich begründet worden sei, dass das nachträglich geltend gemachte
Risikoprofil des Beschwerdeführers 1 den Anforderungen an die Glaubhaf-
tigkeit nicht genüge und eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung des
Beschwerdeführers 1 in Syrien zu verneinen sei. Die eingereichten Doku-
mente würden nicht zu den Angaben in der Anhörung passen und liessen
sich nicht in einen schlüssigen Sachverhaltskontext einbetten. Es lägen
keine Gründe vor, welche die Rechtskraft der Verfügung vom 10. Septem-
ber 2019 zu beseitigen vermöchten.
6.2 Der Beschwerdeführer hält beschwerdeweise fest, dass er aufgrund
von kritischen Äusserungen über Bashar al Assad am (...) 2016 gegenüber
einem Arbeitskollegen in Syrien als Oppositioneller gesucht werde. Dieser
Arbeitskollege sei ein Spitzel des syrischen Regimes gewesen. Wegen die-
sen Äusserungen drohe ihm bei der Rückkehr die Verhaftung durch das
syrische Regime. Soweit ihm von der Vorinstanz vorgeworfen werde, in der
ersten Befragung keine Angaben dazu gemacht zu haben, beruhe dies auf
einem Missverständnis. Er habe nicht verstanden, dass er bereits alle asyl-
rechtlich relevanten Gründe vorbringen müsse, da er sie nicht habe bewei-
sen können. Zudem habe er zu diesem Zeitpunkt gar nicht wissen können,
dass er wegen seinen politischen Aktivitäten in Syrien gesucht werde.
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Zu den neu eingereichten Beweismitteln gab er an, gemäss den Haftbe-
fehlen aus dem Jahr 2015 sei gegen ihn ein Haftbefehl wegen «Zusam-
menarbeit mit den Bewaffneten der sogenannten freien Armee» ausge-
sprochen worden, und er sei wegen politischen Motiven zu einer Freiheits-
strafe von (...) Jahren verurteilt worden. Diese Dokumente habe er erst im
Juli 2021 erhalten. Die Korrespondenzmöglichkeiten seien aufgrund der
aktuellen Lage in Syrien stark eingeschränkt. Sein Bruder sei Journalist in
Syrien und habe weitreichende Kontakte. Er sei deshalb an die Dokumente
gekommen. Insgesamt werde der Beschwerdeführer 1 in Syrien als Re-
gimegegner betrachtet. Ihm drohe im Fall einer Rückkehr nach Syrien eine
flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung durch das syrische Regime.
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich der Beurteilung des SEM
an. Die Vorinstanz hat das qualifizierte Wiedererwägungsgesuch zu Recht
damit begründet, dass die Vorbringen zu den eingereichten Beweismitteln
(Haftbefehle und eine Verurteilung zu einer langjährigen Gefängnisstrafe
aus politischen Gründen, je aus dem Jahr 2015) überhaupt nicht zum bis-
her Geschilderten des Beschwerdeführers 1 und seiner Ehefrau passen.
Soweit der Beschwerdeführer in der Anhörung einen konkreten Anlass für
die Ausreise der Familie aus Syrien nannte, bezog er sich auf eine Diskus-
sion mit einem Arbeitskollegen im (...) 2016, worin er Bashar Al Assad kri-
tisiert habe (Akten des SEM [A]11 F50, A57 ff.). Der Beschwerdeführer
führte dazu aus, dass es sich bei diesem Kollegen um einen Spitzel hätte
handeln können; er sei von anderen Kollegen in der Folge der Diskussion
vor diesem gewarnt worden. Einige Tage später sei die Familie aus Angst
vor Konsequenzen ausgereist. Ausser dieser Begebenheit beschreibt er in
der Anhörung und der BzP ausführlich die seit vielen Jahren bestehende
Situation der Kurden in Syrien, mit Diskriminierungen und Schikanierun-
gen. Er erwähnt dazu je eine Episode, die er als Kind in der Schule und
während des Militärdienstes im Jahr 1993 erlebt habe (A11 F47-49). Der
Vorfall im (...) 2016 sei die letzte dieser Erfahrungen gewesen (A11 F51),
wobei er keine weiteren konkreten, in der letzten Zeit erlebten Vorfälle
nannte. In der BzP verneinte der Beschwerdeführer explizit, je irgendwel-
che Probleme mit Polizei, Militär, Parteien oder irgendeiner Organisation
gehabt zu haben, abgesehen von verbalen Beleidigungen auf der Strasse
durch Araber (A4 F7.02 S. 9).
Unter diesen Umständen ist zu den wiedererwägungsweise vorgelegten
Dokumenten, die aus dem Jahr 2015 stammen sollen respektive sich auf
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dieses Jahr beziehen, keinerlei Zusammenhang mit den Schilderungen in
den BzP und den Anhörungen der Beschwerdeführenden 1 und 2 ersicht-
lich. Insbesondere findet sich kein Hinweis dazu, dass der Beschwerdefüh-
rer 1 schon vor der genannten Diskussion im (...) 2016 mit Kritik am syri-
schen Staat oder an dessen Staatspräsidenten aufgefallen, politisch aktiv
und deswegen in irgendwelcher Form vom syrischen Staat gesucht und
verfolgt worden wäre. Es findet sich auch keine Erwähnung einer Bezie-
hung oder eines Kontaktes zur oder mit der «freien Armee». Aufgrund der
Haftbefehle, die gemäss dem Beschwerdeführer vom Juli 2015 stammen,
wäre indes anzunehmen gewesen, dass der zur Verhaftung ausgeschrie-
bene Beschwerdeführer, der seit dem Jahr 2011 wieder in H._
wohnte und jeweils in der Umgebung (...) arbeitete, gesucht und von der
Militärpolizei auch gefunden und verhaftet worden wäre. Dass er von die-
ser angeblichen Verfolgung nichts gemerkt habe, ist nicht nachzuvollzie-
hen. Ebensowenig ist nachvollziehbar, dass er im (...) 2015 in H._
zu einer Gefängnisstrafe von (...) Jahren verurteilt worden sein soll, ohne
dass er von dieser Verurteilung erfahren hätte. Wenn der Beschwerdefüh-
rer schon im (...) 2015, das heisst ein (...) Jahr vor dem geschilderten Vor-
fall im (...) 2016, tatsächlich von schwerwiegenden Vorwürfen seitens des
syrischen Staates betroffen gewesen und verfolgt worden wäre, ist hinge-
gen anzunehmen, dass er die darauf erfolgten Massnahmen des syrischen
Staates erfahren und in der BzP oder der Anhörung auch erwähnt hätte.
Da sich in den Protokollen indes nicht ansatzweise entsprechende Hin-
weise dazu finden, kann er mit den im August 2021 eingereichten Doku-
menten keine Verfolgung durch den syrischen Staat glaubhaft machen, wie
die Vorinstanz zu Recht ausgeführt hat.
Die Vorinstanz hat weiter zu Recht festgehalten, dass die Authentizität der
eingereichten Dokumente äusserst zweifelhaft sei und die Umstände, wes-
halb und wie der Beschwerdeführer nunmehr zu diesen Dokumenten ge-
kommen sei, nicht nachvollziehbar erläutert worden seien. Letzteres gilt
auch für die Ausführungen in der Beschwerde. Insbesondere fehlt eine
nachvollziehbare Erklärung dazu, weshalb der Bruder des Beschwerdefüh-
rers 1 überhaupt nach diesen Dokumenten gesucht hat, oder wie er ohne
explizite Suche danach dazu gekommen ist. Da es dem Beschwerdefüh-
rer 1 jedoch nicht gelingt, eine Verfolgung durch den syrischen Staat glaub-
haft zu machen, braucht auf die Frage der Umstände, wie er zu diesen
Dokumenten gekommen ist, nicht weiter eingegangen zu werden. Offen
gelassen werden kann damit auch die Frage, ob der Beschwerdeführer 1
die genannten Akten früher hätte beibringen können, wie die Vorinstanz
ausführlich darlegte.
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7.2 Zusammenfassend gelingt es dem Beschwerdeführer 1 nicht, eine
asylrelevante Furcht vor Verfolgung durch den syrischen Staat glaubhaft
zu machen. Die Vorinstanz hat das Wiedererwägungsgesuch vom 10. Au-
gust 2021 deshalb zu Recht abgewiesen. Insgesamt besteht auch keine
Veranlassung, die Verfügung aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz
zurückzuweisen.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Der mit der Beschwerde gestellte Antrag auf Erlass der Verfahrens-
kosten ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden
Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen waren, weshalb die
Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 1’500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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