Decision ID: e604bc95-41cd-492f-8669-a76a4e437b5d
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ litt an einer Multiplen Sklerose und bezog deshalb eine ganze Rente der
Invalidenversicherung (vgl. IV-act. 17). Nach einem Krankheitsschub im Oktober 2000
meldete er sich im Mai 2001 zum Bezug einer Hilflosenentschädigung der
Invalidenversicherung an (IV-act. 24). Er machte geltend, er benötige seit Oktober 2000
Hilfe beim Anziehen von Socken und Schuhen, bei der Zerkleinerung von Nahrung
(„zeitweise“), beim Ein- und Ausstieg in die respektive aus der Badewanne, beim
Haarewaschen sowie bei der Fortbewegung. Im Oktober 2001 führte die IV-Stelle eine
Abklärung in der Wohnung des Versicherten durch. Die Abklärungsbeauftragte
berichtete (IV-act. 18), der Versicherte könne sich nur noch mit der Hilfe Dritter an- und
auskleiden. Die Familie unterstütze ihn beim Aufstehen und Absitzen. Mithilfe des
Gehstocks sei der Versicherte grundsätzlich aber noch selbständig mobil. Er könne
auch normal am Tisch essen, wegen einer Kraftlosigkeit in beiden Händen die Speisen
aber nicht mehr selbständig zerkleinern. Der Versicherte könne sich nicht mehr selber
rasieren; auch beim Baden und Duschen sei er seit dem letzten grossen Schub auf eine
Dritthilfe angewiesen. Die Notdurft könne er selbständig verrichten. Im Freien könne er
sich nicht mehr selbständig fortbewegen. Ein Sachbearbeiter der IV-Stelle notierte (IV-
act. 17), der Versicherte benötige eine erhebliche und regelmässige Dritthilfe beim An-
und Auskleiden, beim Essen, bei der Körperpflege und bei der Fortbewegung, weshalb
ihm eine Entschädigung bei einer Hilflosigkeit mittleren Grades zustehe. Da die
Hilflosigkeit in diesem Ausmass seit Oktober 2000 bestehe, sei der Anspruchsbeginn
auf den 1. Oktober 2001 festzusetzen. Mit einer Verfügung vom 5. Dezember 2001
sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung ab dem 1. Oktober 2001 eine
Entschädigung bei einer Hilflosigkeit mittleren Grades zu (IV-act. 27).
A.a.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 3/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Im Dezember 2011 ersuchte der Versicherte um eine Kostengutsprache für einen
behinderungsbedingten Umbau an einem Personenkraftwagen (IV-act. 58 und 62) in
der Form eines zusätzlichen Gaspedals links vom Bremspedal (IV-act. 59). Der
Hausarzt des Versicherten Dr. med. B._ zeigte sich erstaunt darüber, dass der
Versicherte Auto fahre; er empfahl eine sehr genaue Abklärung und gab zu bedenken,
dass der Versicherte nicht mehr allzu lange in der Lage sein werde, ein Auto zu lenken
(IV-act. 65). Die IV-Stelle erteilte dem Versicherten am 23. Januar 2012 eine
Kostengutsprache (IV-act. 67).
A.b.
Im Oktober 2016 forderte die IV-Stelle den Versicherten auf, einen Fragebogen zur
Überprüfung der Hilflosenentschädigung auszufüllen. Mittels dieses Fragebogens gab
der Versicherte an (IV-act. 71), sein Zustand habe sich in den letzten Jahren zusehends
verschlechtert. Er leide insbesondere an zunehmenden Einschränkungen der Motorik
und der Sensorik in den Extremitäten. Er benötige eine regelmässige und erhebliche
Dritthilfe beim An- und Auskleiden, bei der Körperpflege, beim Verrichten der Notdurft,
bei der Fortbewegung und bei der Pflege von gesellschaftlichen Kontakten. Aufstehen,
absitzen und abliegen sowie essen könne er selbständig. Eine Sachbearbeiterin der IV-
Stelle notierte im November 2016 (IV-act. 75), der Gesundheitszustand des
Versicherten habe sich zwar verschlechtert, aber es liege weiterhin eine mittelgradige
Hilflosigkeit vor, da der Versicherte weiterhin keine regelmässige und erhebliche
Dritthilfe beim Aufstehen, Absitzen und Abliegen sowie beim Essen benötige. Am 18.
November 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass er weiterhin einen
unveränderten Anspruch auf die bisherige Hilflosenentschädigung habe (IV-act. 74).
A.c.
Im Februar 2017 liess der Versicherte erneut einen Umbau eines
Personenkraftwagens beantragen (IV-act. 76). Die IV-Stelle erteilte am 25. Februar
2017 eine entsprechende Kostengutsprache (IV-act. 79).
A.d.
Im November 2020 ersuchte der Versicherte um eine Erhöhung der
Hilflosenentschädigung (IV-act. 85). Er gab an, seit dem Jahr 2017 sei er vollständig
hilflos: Er benötige eine regelmässige und erhebliche Dritthilfe beim An- und
Auskleiden, beim Aufstehen, Absitzen und Abliegen, beim Essen, bei der Körperpflege,
beim Verrichten der Notdurft und bei der Fortbewegung. Bezüglich des Essens führte
er aus: „Kann selbständig das Essen zerkleinern und zu sich nehmen, ist jedoch darauf
A.e.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 4/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
angewiesen, dass es sich um weiche Kost handelt, da eine zunehmende Dysphagie
besteht“ (IV-act. 85–3). Der Hausarzt Dr. B._ bestätigte im November 2020, dass die
Angaben des Versicherten aus medizinischer Sicht zutreffend seien (IV-act. 88). Eine
Sachbearbeiterin der IV-Stelle befragte am 3. Dezember 2020 die Tochter des
Versicherten telefonisch (IV-act. 90). Diese gab an, der Gesundheitszustand ihres
Vaters habe sich seit dem Jahr 2017 laufend verschlechtert. Er könne sich nicht mehr
selbständig vom Bett erheben. Er sei auch nicht mehr in der Lage, die (wegen
Wassereinlagerungen schweren) Beine selbständig ins Bett zu hieven, das heisst er
könne auch nicht mehr selbständig abliegen. Die Gabel und das Messer könne er noch
selber in die Hände nehmen. Er könne auch Schneidebewegungen ausführen und alle
gängige Nahrung selber zerkleinern und zum Mund führen. Auch das Trinken aus
einem Glas sei ihm noch möglich. Wegen der Schluckstörungen achte die Ehefrau
darauf, weiche Kost zuzubereiten. Sie koche viel Gemüse, Reis und Nudeln. Die
Nahrung müsse aber nicht püriert werden. Mit einem Vorbescheid vom 6. Januar 2021
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie vorsehe, sein Revisionsgesuch
abzuweisen, da er neu zwar in Bezug auf fünf alltägliche Lebensverrichtungen hilflos
sei, eine schwere Hilflosigkeit aber erst vorliege, wenn eine versicherte Person bei allen
sechs alltäglichen Lebensverrichtungen eine regelmässige und erhebliche Dritthilfe
benötige (IV-act. 91). Am 3. Februar 2021 wandte Dr. B._ ein (IV-act. 94), die
Einstufung der Hilflosigkeit des Versicherten als mittelgradig entspreche nicht dem
Leiden. Er bitte um eine Reevaluation. Der Versicherte benötige eine weitgehende Hilfe
bei den Verrichtungen des täglichen Lebens, auch beim Essen und Trinken. Die IV-
Stelle antwortete am 4. Februar 2021, dass nur der Versicherte selbst Einwände gegen
den Vorbescheid vorbringen könne (IV-act. 93). Mit einer Verfügung vom 25. Februar
2021 wies sie das Revisionsbegehren des Versicherten ab (IV-act. 95).
Am 12. April 2021 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 25. Februar 2021 erheben (act. G 1). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Zusprache einer Entschädigung bei einer Hilflosigkeit schweren Grades. Zur
Begründung führte er aus, der Beschwerdeführer benötige durchaus Hilfe beim Essen.
Seine Ehefrau müsse ihm weiche Speisen zubereiten. Häufig benötige er auch Hilfe bei
B.a.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Considerations:
Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung
vom 25. Februar 2021 auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem des
vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Das
Verwaltungsverfahren hat die Prüfung eines Revisionsbegehrens im Sinne des Art. 17
Abs. 2 ATSG betreffend eine laufende Hilflosenentschädigung zum Gegenstand
gehabt. Diese Prüfung hat sich auf die Frage beschränken müssen, ob sich der
massgebende Sachverhalt seit der letzten materiellen Prüfung des
Hilflosenentschädigungsanspruchs relevant verändert hatte. Auch dieses
Beschwerdeverfahren muss sich folglich auf die Frage nach einer solchen relevanten
Sachverhaltsveränderung beschränken.
der Nahrungsaufnahme, da er, wenn er zittere, „gefüttert“ werden müsse. Trinken
könne er nur teilweise selbständig. Nach der bundesgerichtlichen Auffassung liege eine
relevante Hilflosigkeit beim Essen vor, wenn eine versicherte Person beispielsweise
nicht einmal ein Butterbrot schmieren könne. Der Beschwerdeführer könne kein Messer
führen, um sich ein Butterbrot zu schmieren.
Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 31. Mai 2021
die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie an, der
Beschwerdeführer habe im Revisionsfragebogen angegeben, dass er sein Essen
selbständig zerkleinern und zu sich nehmen könne. Seine Tochter habe dies
unterschriftlich bestätigt. Diese Aussagen „der ersten Stunde“ hätten nach der
bundesgerichtlichen Auffassung einen besonders hohen Beweiswert. Die erst im
Beschwerdeverfahren vorgebrachte Behauptung, der Beschwerdeführer könne kein
Brot mit Butter bestreichen, sei nicht glaubhaft. Butter lasse sich im Übrigen gut auf
das Brot schmieren, wenn man sie nicht unmittelbar nach der Entnahme aus dem
Kühlschrank verwende. Auffallend sei auch, dass der Beschwerdeführer ein Auto
besitze, für das ihm im Februar 2017 ein Umbau finanziert worden sei. Das spreche
dafür, dass der Beschwerdeführer seine Hände durchaus noch benutzen könne.
B.b.
Der Beschwerdeführer liess am 31. August 2021 an seinen Anträgen festhalten
(act. G 10). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 12).
B.c.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 6/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.
Gemäss dem Art. 43 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträger die Begehren zu prüfen,
die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen und die erforderlichen
Auskünfte einzuholen. Diese Untersuchungspflicht zwingt den Versicherungsträger
dazu, alle relevanten Elemente des für die Rechtsanwendung massgebenden
Sachverhaltes sorgfältig zu ermitteln. Der relevante Sachverhalt muss mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen, damit
das Recht darauf angewendet werden kann. Im mit der angefochtenen Verfügung
abgeschlossenen Verwaltungsverfahren hat sich die Frage nach einer wesentlichen
Verschlechterung des Beschwerdeführers bezüglich dessen Fähigkeit, selbständig
aufzustehen, abzusitzen und abzuliegen sowie bezüglich der Fähigkeit, selbständig zu
essen, gestellt. Die Beschwerdegegnerin hat einen Formularbericht des Hausarztes Dr.
B._ eingeholt, der allerdings keine konkreten Angaben zu den relevanten Fragen
enthalten hat. Zusätzlich hat die Beschwerdegegnerin die Tochter des
Beschwerdeführers telefonisch befragt. Sowohl der Beschwerdeführer als auch die
Tochter haben einen gewissen Hilfebedarf des Beschwerdeführers beim Essen geltend
gemacht, andererseits aber auch auf eine weiterhin vorhandene teilweise
Selbständigkeit des Beschwerdeführers beim Essen hingewiesen. Die Angaben sind
also nicht eindeutig gewesen. Zudem sind zumindest die Angaben des
Beschwerdeführers teilweise widersprüchlich gewesen, weil er angekreuzt hat, dass er
eine regelmässige und erhebliche Dritthilfe beim Essen benötige, im Kommentar dazu
aber bemerkt hat, dass er verschiedene Teilverrichtungen noch selbständig verrichten
könne. Die Aussagen des Beschwerdeführers und seiner Tochter sind also nicht
geeignet gewesen, den massgebenden Sachverhalt mit dem erforderlichen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. Daran ändert der Umstand, dass es
sich dabei um „Aussagen der ersten Stunde“ gehandelt hat, nichts, denn entgegen der
Auffassung der Beschwerdegegnerin ist eine objektiv nicht überwiegend
wahrscheinlich richtige Aussage nicht allein deswegen als überwiegend wahrscheinlich
richtig zu qualifizieren, weil sie eine „Aussage der ersten Stunde“ ist. Es existiert keine
gesetzliche Regelung, die eine solche Qualifikation der Aussage der ersten Stunde
erlauben würde. Eine entsprechende Auslegung der Praxis zur Aussage der ersten
Stunde würde sich nicht mit der Pflicht der Verwaltung und der Gerichte vertragen, den
massgebenden Sachverhalt sorgfältig und umfassend abzuklären und dann frei zu
würdigen. Sie würde vielmehr dazu zwingen, sich allein daran zu orientieren, was der
Inhalt der Aussage der ersten Stunde ist. Dieser Inhalt würde aber oft vom Ergebnis
einer umfassenden und freien Beweiswürdigung abweichen (vgl. dazu den Entscheid
EL 2020/21 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 3. August 2021, E. 2.2).
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Aufgrund der Akten steht fest, dass der Beschwerdeführer mit einer Dysphagie und mit
einem Zittern der Hände sowie allgemein mit einer sich stetig vermindernden Motorik
und Sensorik der Extremitäten zu kämpfen hat. Die Beschwerdegegnerin scheint
angenommen zu haben, der Beschwerdeführer nehme nur noch weiche Speisen zu
sich, weil er härtere Speisen behinderungsbedingt nicht mehr selbständig zerkleinern
könne. Das trifft nicht zu, denn die Dysphagie verunmöglicht es dem
Beschwerdeführer, normal zerkleinerte Speisen zu essen. Zwar erscheint es in Bezug
auf das Zittern der Hände nicht als ausgeschlossen, dass der Beschwerdeführer
zumindest teilweise noch selbständig essen und trinken kann, aber das bedeutet nicht,
dass er überwiegend wahrscheinlich in allen Teilbereichen der Verpflegung noch
ausreichend selbständig wäre. So lässt sich aufgrund der Akten die von beiden
Parteien als besonderes relevant betrachtete Frage nicht beantworten, ob er noch fähig
gewesen ist, selbständig ein Brot mit weicher Butter zu bestreichen. Die Ermittlung des
konkreten Hilfebedarfs beim Essen hätte keine Schwierigkeiten bereitet. Die
Beschwerdegegnerin hätte nämlich einen Augenschein vornehmen, d.h. den
Beschwerdeführer beim Essen und Trinken beobachten können. Spätestens nach dem
Hinweis von Dr. B._, der Beschwerdeführer sei auch beim Essen und Trinken auf
eine relevante Dritthilfe angewiesen, hätte sie eine Abklärung an Ort und Stelle in der
Form eines Augenscheins, das heisst einer Beobachtung des Beschwerdeführers bei
der fraglichen alltäglichen Lebensverrichtung „Essen“, durchführen müssen. Indem sie
dies unterlassen und anhand der einer gesetzlichen Grundlage entbehrenden
pauschalen „Regel“, die Aussage der ersten Stunde sei immer überwiegend
wahrscheinlich richtig, auf nicht hinreichend aussagekräftige Angaben des
Beschwerdeführers und der Tochter des Beschwerdeführers abgestellt hat, hat sie ihre
Untersuchungspflicht verletzt. Die angefochtene Verfügung ist deshalb als rechtswidrig
aufzuheben. Da es nicht die Aufgabe des Versicherungsgerichtes sein kann, ein
Versäumnis der Beschwerdegegnerin bei der Erfüllung ihrer ureigensten Aufgabe – der
Sachverhaltsabklärung – zu beheben, und weil dem Beschwerdeführer nur so ein
vollständiger Rechtsmittelweg zur Verfügung steht, ist die Sache zur Vervollständigung
der Sachverhaltsermittlung an diese zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin wird in
Anwendung des Art. 56 Abs. 2 VRP verbindlich angewiesen, einen Augenschein in der
Wohnung des Beschwerdeführers durchzuführen, diesen beim Essen zu beobachten
und ihre Beobachtungen sorgfältig zu protokollieren. Da offenbar beide Parteien der
(fraglichen) Fähigkeit des Beschwerdeführers, eine Brotscheibe mit Butter zu
beschmieren, grösstes Gewicht beimessen, wird die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdeführer bei diesem Augenschein anhalten, ein Brot mit weicher Butter zu
bestreichen. Bei diesem Augenschein wird die Beschwerdegegnerin auch abklären, ob
der Beschwerdeführer noch immer selbständig einen Personenwagen lenken kann und
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wenn ja, wie sich dies mit der behaupteten Einschränkung bei den alltäglichen
Lebensverrichtungen, insbesondere wohl beim Essen und Trinken, in Übereinstimmung
bringen lässt.
3.
Die Rückweisung einer Sache gilt rechtsprechungsgemäss als ein vollständiges
Obsiegen der beschwerdeführenden Partei. Die angesichts des durchschnittlichen
Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten sind deshalb
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Dem Beschwerdeführer wird der von ihm
geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin
hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung auszurichten. Da der
Aktenumfang weit geringer als bei einem durchschnittlich aufwendigen IV-Rentenfall
gewesen ist und da, anders als bei einem IV-Rentenfall, keine komplexe Rechtslage
bestanden hat, ist der erforderliche Vertretungsaufwand deutlich unterdurchschnittlich
gewesen. Die Parteientschädigung ist deshalb auf 2’500 Franken (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.