Decision ID: a8ef770e-111c-5260-a682-c939c67a7ec7
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 10. Juni 2016 im Empfangs- und
Verfahrenszentrum (EVZ) B._ um Asyl nach. Dort wurde er am 15.
Juni 2016 zu seinen Personalien und zu seinem Reiseweg sowie summa-
risch zu seinen Fluchtgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). Am
28. August 2018 wurde er durch eine Mitarbeiterin des SEM vertieft ange-
hört.
A.b Anlässlich der BzP und der Anhörung gab der Beschwerdeführer zu
Protokoll, er sei sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie und
stamme aus C._ (Distrikt Jaffna, Nordprovinz), habe aber später in
D._ und in E._ (Distrikt Vavuniya, Nordprovinz) gelebt. Er
habe die Schule (...) besucht, danach einen (...) absolviert und in
F._ ein eigenes (...) betrieben.
Zu seinen Fluchtgründen brachte er in der BzP vor, als Schüler, (...),
Mitglied der Tamil Students Union (TSU) gewesen zu sein. Deswegen sei
er verfolgt, schikaniert und im Januar 2007 für eine Woche inhaftiert
worden, wobei man ihm vorgeworfen habe, den Studentenflügel der
Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) unterstützt zu haben. Nach der
Freilassung sei er in seiner Abwesenheit etwa zehnmal zu Hause gesucht
worden. Wegen dieser Probleme hätten ihn seine Eltern im Jahr 2010 nach
E._ geschickt, wo er bis zur Ausreise im Quartier
G._registriert gewesen sei und in der (...) gearbeitet habe. Nach
seinem Wegzug sei er weitere fünf Male von unbekannten betrunkenen
Männern in schwarzer Kleidung, beziehungsweise von Militärangehörigen
in seinem Elternhaus in D._ gesucht worden. Da er einerseits in
E._ nicht habe heiraten und andererseits wegen der Probleme
dort auch nicht nach D._ habe zurückkehren können, habe er sich
entschieden, Sri Lanka zu verlassen. Am 3. Juni 2016 sei er nach Colombo
gefahren, von wo aus er vier Tage später mit seinem eigenen Pass auf
dem Luftweg via Katar nach Italien gelangt und schliesslich am 10. Juni
2016 unter Umgehung der Grenzkontrollen in einem Personenwagen in die
Schweiz eingereist sei. Den Reisepass habe er in Italien seinem Schlepper
abgeben müssen.
In der Anhörung gab der Beschwerdeführer an, ein mit ihm weit entfernt
verwandter Freund, der die TSU geleitet habe, sei im Jahr 2008
erschossen worden. In der Folge sei er – der Beschwerdeführer –
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verhaftet, für eine Nacht in Gewahrsam genommen und befragt worden. Er
sei daher untergetaucht und habe sich ein- bis eineinhalb Jahre lang in
E._ versteckt gehalten. Nach der Rückkehr nach D._ habe
er einen (...) besucht und im Jahr 2013 in seinem Haus ein eigenes
Geschäft eröffnet. Zwei- oder dreimal seien Angehörige des Criminal
Investigation Department (CID) in seinen Laden gekommen und hätten ihm
vorgeworfen, das Geschäft mit Geldern der LTTE aufgebaut zu haben. Da
er dadurch an der Arbeit gehindert worden sei, habe er seinen Laden
geschlossen und sich zwecks Organisation seiner Ausreise anfangs März
2016 nach E._ begeben, wo er bei einem Arbeitskollegen seines
Vaters habe wohnen können. Schliesslich machte der Beschwerdeführer
in der Anhörung gesundheitliche Beschwerden geltend. In Sri Lanka habe
er (...) gehabt. In der Schweiz mache er sich zu viele Sorgen und müsse
deshalb sowie wegen Problemen mit der Schilddrüse Medikamente
nehmen.
A.c Der Beschwerdeführer reichte im Verlauf des vorinstanzlichen Verfah-
rens nebst seiner Identitätskarte und seiner Geburtsurkunde zahlreiche im
Zusammenhang mit seiner Ausbildung und mit seinem (...) stehende Aus-
weise und Unterlagen sowie verschiede ärztliche Berichte und Bestätigun-
gen zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 29. August 2018 (recte: 2. Oktober 2018) – eröffnet am
4. Oktober 2018 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die
Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die
Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
C.
Am 23. Oktober 2018 ging beim SEM ein ärztlicher Bericht über den Be-
schwerdeführer ein.
D.
D.a Der Beschwerdeführer erhob durch seinen Rechtsvertreter mit Ein-
gabe vom 5. November 2018 beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde. Er beantragte die Aufhebung der SEM-Verfügung vom 2. Okto-
ber 2018 und die Gewährung des Asyls, eventualiter die Aufhebung der
Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der besagten SEM-Verfügung und die An-
ordnung der vorläufigen Aufnahme, subeventualiter die Rückweisung der
Sache an die Vorinstanz zwecks Durchführung einer Befragung durch ein
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reines Männerteam. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung samt Beiordnung seines
Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand, um Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses und um Ansetzung einer Frist zur Nachrei-
chung weiterer Beweismittel.
Zur Untermauerung der Anträge – auf deren Begründung, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen
wird – wurden verschiedene, in der Beschwerdeschrift (unter Art. 2) aufge-
führte Beweismittel sowie eine am 29. Oktober 2018 ausgestellte Fürsor-
geabhängigkeitsbestätigung eingereicht.
D.b Mit Eingabe vom 7. November 2018 liess der Beschwerdeführer wei-
tere Beweismittel nachreichen.
E.
Die Instruktionsrichterin stellte mit Verfügung vom 13. November 2018 fest,
der Beschwerdeführer dürfe den Abschluss des Verfahrens gestützt auf
Art. 42 AsylG (SR 142.31) in der Schweiz abwarten. Sodann wurden die
Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um
Beiordnung von Fürsprecher Christian Wyss als amtlicher Rechtsbeistand
gutgeheissen und es wurde auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
verzichtet. Abgewiesen wurde hingegen – unter Hinweis auf Art. 32 VwVG
– das Gesuch um Ansetzung einer Frist zur Nachreichung weiterer Beweis-
mittel. Gleichzeitig übermittelte die Instruktionsrichterin die Akten an das
SEM und lud dieses zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.
F.
Mit Vernehmlassung vom 19. November 2018 beantragte das SEM sinn-
gemäss die Abweisung der Beschwerde.
G.
Der Beschwerdeführer nahm durch seinen Rechtsvertreter mit Replik vom
21. Dezember 2018 zu den Ausführungen in der Vernehmlassung vom
19. November 2018 Stellung und gab weitere Beweismittel zu den Akten.
Am 31. Dezember 2018 reichte er eine Kostennote sowie eine am 27. De-
zember 2018 ausgestellte ärztliche Bestätigung nach.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das
bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VwVG und Art. 6 AsylG).
1.4 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert, weshalb auf
die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten ist (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
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3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
3.3 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-
chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile
von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr
gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei-
matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie-
hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37).
Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die An-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-
troffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden
kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 7, 2008/12 E. 7.2.6.2, 2008/4 E. 5.2). Aus-
gangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage
nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begrün-
deten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylent-
scheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfol-
gungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation
im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zuguns-
ten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen
(vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4, WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi
Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, Rz. 11.17 und 11.18).
4.
4.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers vermöchten weder den Anforderun-
gen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die
Asylrelevanz im Sinne von Art. 3 AsylG zu genügen.
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4.1.1 Hinsichtlich der Frage der Glaubhaftigkeit der Vorbringen stellte das
SEM vorab fest, der Beschwerdeführer habe in der BzP und der Anhörung
zahlreiche unterschiedliche Angaben zu wesentlichen Punkten seiner Vor-
bringen und seiner Biografie gemacht. Während er etwa in der BzP gesagt
habe, seit 2010 in E._ gelebt und in der (...) gearbeitet zu haben,
habe er in der Anhörung zu Protokoll gegeben, er sei im Jahr 2008 für ein
bis eineinhalb Jahre nach E._ gegangen und dann wieder nach
D._ zurückgekehrt, wo er von 2013 bis zur Ausreise ein Geschäft
betrieben habe. Sodann widersprächen sich seine Angaben zu seiner Ver-
folgung. So habe er in der BzP gesagt, in seiner Abwesenheit etwa fünf-
zehn Mal gesucht worden zu sein, um dann in der Anhörung anzugeben,
zwei- bis dreimal persönlich Probleme mit dem CID gehabt zu haben. In
der Anhörung auf die Ungereimtheiten angesprochen, habe er diese damit
begründet, aus Angst um seine Familie in der BzP die Wahrheit verschwie-
gen zu haben. Diese Antwort müsse jedoch als Ausrede gewertet werden,
sei der Beschwerdeführer doch zum Zeitpunkt der BzP zweimal – einmal
in der Befragung selber und einmal in den Merkblättern – auf die Ver-
schwiegenheitspflicht der Behörden hingewiesen worden, und sei ihm in
der Anhörung mehrmals Gelegenheit gegeben worden, frei zu sprechen
und seine Gründe darzulegen; es wäre deshalb zu erwarten gewesen,
dass er seine falschen Aussagen aus der BzP im freien Bericht selbständig
und spontan verbessert hätte.
Im Weiteren habe der Beschwerdeführer auch widersprüchliche Angaben
zu den im Zusammenhang mit seiner Mitgliedschaft bei der TSU stehenden
Vorfällen gemacht. So habe er in der BzP die Freundschaft mit dem Leiter
dieser Organisation nicht erwähnt und folglich auch nicht, dass jener er-
schossen worden sei. Ferner habe er in der BzP gesagt, wegen seiner
TSU-Mitgliedschaft eine Woche lang inhaftiert worden zu sein, wohingegen
er in der Anhörung erklärt habe, deshalb nur eine Nacht lang in Gewahrsam
genommen worden zu sein. Auch diese Unstimmigkeit habe er auf entspre-
chenden Vorhalt hin nicht nachvollziehbar erklären können.
Im Übrigen seien seine Schilderungen der Haft oder der Probleme mit dem
CID in seinem Geschäft – trotz mehrfacher Aufforderung, diese Ereignisse
detailliert zu schildern – insgesamt knapp und substanzarm geblieben. In
der Anhörung habe er insbesondere auch nicht nachvollziehbar erklären
können, was der Auslöser für seine Ausreise aus Sri Lanka gewesen sei
und was er bei einer Rückkehr zu befürchten hätte.
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4.1.2 Hinsichtlich der Beurteilung der Asylrelevanz der Vorbringen hielt das
SEM fest, der Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft machen können, vor
seiner Ausreise asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt ge-
wesen zu sein. Vielmehr sei er bis Juni 2016 in Sri Lanka wohnhaft gewe-
sen, habe also nach Kriegsende noch sechs Jahre in seinem Heimatstaat
gelebt. Allfällige, zum Zeitpunkt der Ausreise bestehende, Risikofaktoren
hätten folglich kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behör-
den auslösen können. Aufgrund der Aktenlage sei somit nicht ersichtlich,
weshalb er bei seiner Rückkehr nach Sri Lanka in den Fokus der Behörden
geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte.
4.2
4.2.1 In der Beschwerdeschrift wird teilweise der im vorinstanzlichen Ver-
fahren vorgebrachte Sachverhalt wiederholt und am Wahrheitsgehalt der
anlässlich der Anhörung vom 28. August 2018 gemachten Aussagen fest-
gehalten. In Ergänzung dazu führt der Beschwerdeführer aus, er sei nach
D._ zurückgekehrt, um sich einer Operation zu unterziehen, und
habe dann dort mit der Unterstützung seiner Eltern einen (...) im Stil eines
(...) eröffnet. Da das (...) von vielen Jugendlichen besucht worden sei, hät-
ten die Sicherheitskräfte vermutet, es sei ein Treffpunkt ehemaliger LTTE-
Anhänger, und ihn daher schikaniert und bedroht. Die Belästigungen seien
auch im Zusammenhang mit früheren Recherchen wegen seiner Tätigkeit
für die tamilische Studentenorganisation gestanden. Als sich im März und
April 2016 in F._ Round-Ups und Razzien gehäuft hätten, habe er sich
zur Ausreise entschlossen.
Sodann wird auf die bereits im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten
Dokumente verwiesen, und es werden weitere Beweismittel (teilweise erst
in Kopie) zu den Akten gegeben: amtlich beglaubigte Bestätigungen bezie-
hungsweise Erklärungen des Vaters, der Mutter, einer Nachbarin und eines
Geschäftsnachbarn des Beschwerdeführers sowie von zwei Verwaltungs-
beamten (...), Kopien von drei Zeitungsausschnitten betreffend den Tod
des Studentenführers P. K. im Januar 2008, betreffend eine Razzia und die
Verhaftung von Personen im Frühjahr 2016 sowie einer Todesanzeige für
P. K. und ein Zustellcouvert.
Ferner wird dargelegt, der Beschwerdeführer sei in der Erstbefragung ver-
ängstigt gewesen und habe befürchtet, es könne seiner Familie schaden,
wenn er die Wahrheit sage; seine dort gemachten Ausführungen seien da-
her unbrauchbar. Wohl aufgrund der schlechten Erfahrungen in Sri Lanka
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Seite 9
habe er die Beteuerungen, das SEM werde sich ans Amtsgeheimnis hal-
ten, nicht geglaubt, zumal es Dolmetscher gebe, die nicht vertrauenswür-
dig seien. Es sei für ihn auch nicht überprüfbar gewesen, welche Informa-
tionen aus den Interviews mit dem Schweizer Nachrichtendienst oder der
Bundespolizei ausgetauscht würden. Aus dem Affidavit seiner Mutter er-
gebe sich, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Festnahme im März
2008 misshandelt worden sei, wobei er im Anschluss daran wegen einer
Hodenquetschung habe behandelt werden müssen. Er sei jedoch nicht in
der Lage gewesen, diese Umstände im Beisein einer Befragerin zu be-
schreiben, weshalb die angefochtene Verfügung subeventualiter zu kas-
sieren und die Sache zur Durchführung einer korrekten Befragung durch
ein Männerteam an die Vorinstanz zurückzuweisen sei. Indem die Vorin-
stanz die Widersprüche im Vergleich der beiden Befragungen suche und
nicht die Aussagen des zweiten Interviews für sich allein gewichte, habe
sie eine in diesem Spezialfall untaugliche Methode der Glaubhaftigkeitsbe-
urteilung gewählt. Deshalb sei nun in erster Linie auf die nachgereichten
Dokumente abzustellen, sofern die Sache nicht zur erneuten Befragung
durch ein reines Männerteam zurückgewiesen werde. Zudem erlebe der
Beschwerdeführer infolge seiner Erkrankung in Stresssituationen Gedächt-
nisaussetzungen; die Einreichung eines Zeugnisses des behandelnden
Arztes werde vorbehalten.
Schliesslich habe für den Beschwerdeführer ab Frühjahr 2016 eine grosse
Gefahr bestanden, erneut entführt und gepeinigt zu werden, was insbeson-
dere durch die neu eingereichten Beweismittel bestätigt werde. Die Zeit-
spanne von drei Monaten bis zur Flucht ins Ausland sei für die Vorbereitung
der Flucht nötig gewesen. Einem verletzlichen Menschen könne anderer-
seits auch nicht zugemutet werden, mit der Flucht zuzuwarten, bis sich die
drohende Gefahr realisiert habe, zumal es in D._ keinen staatlichen
Schutz vor solcher Bedrohung gebe. Daran ändere auch der Umstand
nichts, dass der Beschwerdeführer noch sieben Jahre nach Kriegsende in
Sri Lanka habe leben können. Selbst wenn die Verfolgung nicht primär vom
CID ausgegangen wäre, sondern singhalesische Mobs das Wissen um die
Studentenvergangenheit des Beschwerdeführers ausgenützt hätten, um
ihm gewaltsam den (...) wegzunehmen, wäre diese Bedrohung asylrele-
vant.
4.2.2 Am 7. November 2018 liess der Beschwerdeführer dem Bundesver-
waltungsgericht die Originale von vier bereits mit der Beschwerdeschrift
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Seite 10
eingereichten Dokumenten, ein weiteres Zustellcouvert sowie die Kopie ei-
ner Bestätigung, wonach er von 2002 bis 2009 das (...) besucht habe, zu-
kommen.
4.3 Das SEM hält in der Vernehmlassung vom 19. November 2018 an sei-
nen in der angefochtenen Verfügung vom 2. Oktober 2018 gemachten Er-
wägungen fest und erachtet sinngemäss die am 5. November 2018 und
am 7. November 2018 eingereichten Bestätigungen als nicht geeignet, die
Vorbringen des Beschwerdeführers in einem anderen Licht erscheinen zu
lassen. Sodann stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer habe zu kei-
nem Zeitpunkt des Verfahrens geschlechtsspezifische Vorbringen geltend
gemacht, obwohl ihm in den Befragungen die Möglichkeit dazu gegeben
worden sei. So sei in der BzP ein reines Männerteam anwesend gewesen,
und der Beschwerdeführer habe am Ende der Anhörung vom 28. August
2018 bestätigt, alles gesagt zu haben, was für sein Asylgesuch wesentlich
sei. Im Übrigen hätte es ihm freigestanden, sich im Verlauf des zweijähri-
gen Verfahrens schriftlich beim SEM um ein Männerteam zu bemühen.
Schliesslich seien auch dem verspätet eingereichten Arztbericht keine Hin-
weise zu entnehmen, die gegen die Zumutbarkeit eines Wegweisungsvoll-
zugs sprechen würden.
4.4 In der Replik wird beanstandet, die Vorinstanz verschliesse die Augen
vor der Schwierigkeit, an der BzP über genitale Folter zu berichten. Echte
Flüchtlinge seien gegen Ende der Befragung psychisch völlig am Anschlag
und entsprechend froh, wenn die Sache fertig sei. Die Frage 95 (Anmer-
kung des Gerichts: die Frage, ob der Beschwerdeführer alles Wesentliche
habe vorbringen können) sei am Schluss einer dreistündigen Anhörung er-
folgt, wobei in solchen Situationen ein "Ja" meist nur bedeute, dass der
Asylsuchende möchte, dass das Interview aufhöre. Nachdem sich nun her-
ausgestellt habe, dass der Umfang der erlebten Misshandlungen ungenü-
gend erfragt worden sei, müsse auf die neu eingereichten Beweismittel ab-
gestellt werden. Der Hinweis, der Beschwerdeführer habe es versäumt,
sich während des Verfahrens um Befragung durch ein Männerteam zu be-
mühen, wirke etwas arrogant. Auch sein Rechtsvertreter sei erst mit der
Problematik konfrontiert worden, als er den Bericht seiner Mutter habe le-
sen können; bei der Beschwerdeinstruktion habe er ihm gegenüber eben-
falls noch nichts erwähnt. Die Gründe seien nicht nachgeschoben, sondern
bei einem psychisch verschlossenen Exploranden erst entdeckt worden,
was die Behörde dazu zwinge, dem Beweismittel nachzugehen und die
Frage der Genitalfolter durch den CID vorurteilslos abzuklären.
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Seite 11
Als Beilagen zur Replik wurden ein weiteres, auf den 26. November 2018
datiertes Affidavit des Vaters samt Zustellcouvert sowie ein Reisehinweis
des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten
(EDA) für Sri Lanka und drei online abrufbare Berichte betreffend die Men-
schenrechtslage in Sri Lanka eingereicht beziehungsweise erwähnt. Im
Nachgang dazu, am 31. Dezember 2018, wurden ein auf den 27. Dezem-
ber 2018 datiertes Zeugnis eines Arztes für Allgemeine Innere Medizin so-
wie eine Kostennote zu den Akten gegeben.
5.
5.1 Das SEM hat weder die Identität des Beschwerdeführers und dessen
Herkunft aus der Nordprovinz noch die von ihm geltend gemachte schuli-
sche Ausbildung und seine langjährige geschäftliche Tätigkeit (Inhaber ei-
nes [...] mit integriertem [...] in F._) grundsätzlich in Frage gestellt.
Ebenfalls nicht in Zweifel gezogen wurde die Aussage des Beschwerde-
führers, er sei in seiner Heimat an den (...) operiert worden und sein (...)
habe (...) entfernt werden müssen.
5.2 Die Vorinstanz erachtete es indessen nicht als glaubhaft, dass der Be-
schwerdeführer im Heimatland einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt
gewesen war.
5.2.1 Vorab ist festzuhalten, dass für das Bundesverwaltungsgericht – ent-
gegen der Darstellung in der Beschwerdeschrift (vgl. S. 7) – keine Veran-
lassung besteht, die Angaben des Beschwerdeführers anlässlich der BzP
über deren beschränkten Beweiswert hinaus (vgl. schon Entscheidungen
und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK]
1993 Nr. 3) als unbrauchbar zu qualifizieren. Angesichts der zahlreichen
Ungereimtheiten in den Vorbringen des Beschwerdeführers vertritt das
Bundesverwaltungsgericht die Auffassung, dass das SEM gestützt auf die
ihm zum Zeitpunkt seines Entscheids vorliegenden Akten die Glaubhaf-
tigkeit der geltend gemachten Verfolgungen zu Recht verneint hat, zumal
der Beschwerdeführer die Unstimmigkeiten auch auf entsprechenden Vor-
halt hin nicht überzeugend erklären konnte und sich aus den im vorinstanz-
lichen Verfahren eingereichten Dokumenten ebenfalls keine Hinweise auf
eine Verfolgungssituation ergeben. Zur Vermeidung unnötiger Wiederho-
lungen kann auf die entsprechenden Erwägungen in der angefochtenen
Verfügung sowie auf die Zusammenfassung unter E. 4.1.1 verwiesen wer-
den.
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Seite 12
5.2.2 Es stellt sich jedoch die Frage, ob sich angesichts der Ausführungen
auf Beschwerdeebene die Annahme rechtfertigt, er habe seine Flucht-
gründe im vorinstanzlichen Verfahren nicht vollständig darlegen können.
Dabei wird in der Beschwerdeschrift insbesondere auf den Umstand hin-
gewiesen, dass die den Beschwerdeführer in der Anhörung vom 28. August
2018 befragende Person eine Frau gewesen sein, mithin, dass der Be-
schwerdeführer seine Verfolgungssituation nicht in einem reinen Männer-
team habe schildern können.
Wie das SEM in seiner Vernehmlassung vom 19. November 2018 indessen
zutreffend bemerkte, machte der Beschwerdeführer zu keinem Zeitpunkt
des Verfahrens geschlechtsspezifische Vorbringen geltend. Insbesondere
brachte er in der BzP in Anwesenheit eines reinen Männerteams zwar vor,
eine Woche lang festgehalten und geschlagen worden zu sein, ohne aber
sexuelle Misshandlungen beziehungsweise Misshandlungen an den Ge-
schlechtsteilen geltend zu machen; vielmehr gab er an, er habe wegen
Schlägen im Bauch operiert werden müssen (vgl. Akten SEM A6 Ziff. 7.01).
Auch die eingehende Betrachtung des anlässlich der Anhörung vom
28. August 2018 erstellten Protokolls ergibt keine Anhaltspunkte dafür,
dass der Beschwerdeführer in der Haft sexuelle Übergriffe erlitten oder
Hemmungen gehabt haben könnte, geschlechtsspezifische Verfolgungs-
massnahmen vorzubringen. Die Bemerkung, mit der Bejahung der Frage,
ob der Beschwerdeführer alles für sein Asylgesuch Wesentliche habe vor-
bringen können, habe dieser nur seinen Wunsch nach Beendigung der An-
hörung zum Ausdruck gebracht, vermag ebenfalls nicht zu überzeugen.
Daran vermögen auch die auf Beschwerdeebene eingereichten Beweis-
mittel nichts zu ändern. In der Replik (vgl. Ziff. 3. b) führt der Rechtsvertre-
ter aus, er sei erst beim Lesen des Affidavits der Mutter des Beschwerde-
führers vom 29. Oktober 2018 mit der Frage der Genitalfolter konfrontiert
worden; sein Mandant habe anlässlich der Beschwerdeinstruktion derar-
tige Übergriffe ebenfalls noch nicht erwähnt. Dies erscheint angesichts des
Umstandes, dass es sich beim Rechtsvertreter um einen Mann handelt und
– gemäss Kostennote – zwei Instruktionsgespräche stattgefunden haben,
doch erstaunlich. Im Übrigen fällt auf, dass im besagten Affidavit (vgl.
Ziff. 13) – sowie auch im inhaltlich im Wesentlichen identischen Affidavit
des Vaters vom 21. Dezember 2018 (vgl. Ziff. 8) – festhalten wird, der Be-
schwerdeführer habe am 8. August 2011 aufgrund der am 10. März 2008
erlittenen Misshandlungen an der linken Hode operiert werden müssen,
wohingegen in den im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten, mit den
D-6324/2018
Seite 13
Aussagen des Beschwerdeführers (vgl. A13 zu F32) inhaltlich übereinstim-
menden "Diagnosis Tickets" von (...) die Rede ist und eines der drei "Diag-
nosis Tickets" ausdrücklich einen Spitaleintritt am 8. August 2011 wegen
(...) – und nicht, wie im Affidavit behauptet, einer (...) – bestätigt. Die bei-
den erwähnten Affidavits sind daher als Gefälligkeitsschreiben zu werten.
Auch die beiden von Dr. D. S., Arzt für Allgemeine Innere Medizin, erstell-
ten Kurzberichte vom 22. Oktober 2018 und vom 27. Dezember 2018 ge-
ben keine Hinweise auf erlittene sexuelle Misshandlungen. Im ersten Be-
richt ist von einer (...) im Jahr 2000, einer (...) im Jahr 2011 sowie der Di-
agnose einer (weiteren) (...) im selben Jahr die Rede, wobei ausdrücklich
festgehalten wird, es bestünden keine Angaben betreffend Gewalterfah-
rungen. Gemäss der Bestätigung vom 27. Dezember 2018 habe der Be-
schwerdeführer angegeben, unter anderem Schmerzen in den (...) und im
(...) zu haben, wobei bei einer Ultraschallkontrolle des (...) und des (...)
aber keine Spuren körperlicher Verletzungen festgestellt wurden.
Nach dem Gesagten ist nicht davon auszugehen, der Beschwerdeführer
sei aus Scham aufgrund der Anwesenheit einer Frau daran gehindert ge-
wesen, in der Anhörung seine Verfolgungssituation umfassend darzulegen.
Es besteht daher keine Veranlassung, die Sache zur erneuten Befragung
durch ein reines Männerteam an die Vorinstanz zurückzuweisen; der ent-
sprechende Subeventualantrag ist abzuweisen.
5.2.3 Die weiteren auf Beschwerdeebene eingereichten – überwiegend
kurz nach Ergehen der ablehnenden SEM-Verfügung ausgestellten – Be-
weismittel sind ebenfalls nicht geeignet, die Zweifel an der Glaubhaftigkeit
der Vorbringen des Beschwerdeführers zu beseitigen. So wird in der ärzt-
lichen Kurzbestätigung vom 27. Dezember 2018 bloss allgemein festge-
halten, in Stresssituationen blieben Erinnerungslücken zurück beziehungs-
weise es geschehe eine Verdrängung in die tieferen Schichten der Psyche.
Sodann basieren nicht nur die Affidavits der Eltern, sondern auch die wei-
teren Bestätigungen ausschliesslich auf Erklärungen einer Nachbarin, ei-
nes Geschäftsnachbarn und von mit der Familie des Beschwerdeführers
bekannten Verwaltungsbeamten (wobei die Bestätigung des (...) wiederum
bloss die Aussagen des Vaters wiedergibt) und lassen die Vorbringen des
Beschwerdeführers auch inhaltlich nicht in einem andern Licht erscheinen,
zumal den Bestätigungen konkrete Angaben zu vom Beschwerdeführer er-
littenen Nachstellungen fehlen. Ferner bestätigt das (...) lediglich, dass der
Beschwerdeführer von 2002 bis 2009 dort Schüler gewesen sei, und der
D-6324/2018
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(...), dass das (...) nunmehr vom Bruder des Beschwerdeführers betrieben
wird.
Schliesslich wird in den eingereichten Zeitungsberichten der Beschwerde-
führer oder dessen Familie nicht erwähnt, und auch der von Studenten der
(...) publizierten Todesanzeige für P. K. lassen sich keine Verbindung zum
Beschwerdeführer entnehmen, zumal der Beschwerdeführer gemäss sei-
nen Angaben auch nie an der besagten Universität studiert hat.
5.3 Nach den vorstehenden Ausführungen bleibt zu prüfen, ob dem Be-
schwerdeführer trotz fehlender Vorverfolgung bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden.
5.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Ge-
fahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Zur Be-
urteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in
Form von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risiko-
faktoren identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder
vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der "Stop List" und die
Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als
stark risikobegründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid
dargelegten Umständen bereits für sich allein genommen zur Bejahung ei-
ner begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Fehlen
ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und
eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach risiko-
begründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weitrei-
chenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene kleine Gruppe tat-
sächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne
von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen Behör-
den bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen
und so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die darge-
legten Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, de-
ren Namen in der am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop-List" ver-
merkt seien und der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungs-
weise einen Strafregistereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen
oder vermuteten Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte
für sri-lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch be-
tätigt hätten (vgl. a.a.O. E. 8).
D-6324/2018
Seite 15
5.3.2 Der Beschwerdeführer vermochte – wie vorstehend dargelegt – we-
der die geltend gemachte Inhaftierung im Januar 2007 beziehungsweise
im Nachgang zum Tod eines TSU-Aktivisten im Jahr 2008 noch weitere
Nachstellungen durch die sri-lankischen Behörden oder durch den Behör-
den nahe stehende Personen glaubhaft zu machen. Sodann ergeben sich
auch aus der tamilischen Ethnie des Beschwerdeführers und seiner vier-
jährigen Landesabwesenheit sowie aus dem Umstand, dass sich in seinem
(...) beziehungsweise im angegliederten (...) viele Jugendliche getroffen
haben sollen (was möglicherweise die Aufmerksamkeit der sri-lankischen
Behörden geweckt haben könnte), keine Hinweise auf ein aktuell beste-
hendes Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden. Daran
vermöchte auch die behauptete Mitgliedschaft bei der TSU nichts zu än-
dern, zumal diese nunmehr mehr als zehn Jahre zurückliegen würde.
Selbst wenn er ohne Reisepass respektive mit temporären Reisedokumen-
ten nach Sri Lanka zurückkehren müsste, würde dies zwar allenfalls bei
der Wiedereinreise in Sri Lanka zu einem "Background-Check" führen. Es
muss damit gerechnet werden, dass er nach dem Verbleib seiner Reisepa-
piere und zum Grund seiner Ausreise befragt und überprüft wird. Dabei
kann nicht ausgeschlossen werden, dass er wegen des fehlenden Reise-
passes gebüsst wird, wobei ein entsprechendes Vorgehen der sri-lanki-
schen Behörden aber keine flüchtlingsrechtliche Relevanz entfaltet (vgl.
Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.4.4). Nach dem Gesag-
ten ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Falle einer
Rückkehr in sein Heimatland dort Massnahmen zu befürchten hat, welche
über eine einfache Kontrolle hinausgehen, und er wegen seines Profils von
den Behörden als Bedrohung wahrgenommen wird.
An dieser Einschätzung ändern weder der Regierungswechsel vom
16. November 2019 noch die gegen Ende des letzten Jahres erfolgte Ver-
haftung einer sri-lankischen Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft in
Colombo etwas, da diesbezüglich kein individueller Bezug zum Beschwer-
deführer ersichtlich ist. Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der Verän-
derungen in Sri Lanka bewusst, beobachtet die Entwicklungen aufmerk-
sam und berücksichtigt sie bei der Entscheidfindung. Zwar ist beim derzei-
tigen Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Ge-
fährdungslage für Personen, die bestimmte Risikofaktoren erfüllen, auszu-
gehen (vgl. Referenzurteil E-1866/2015; vgl. auch beispielsweise Human
Rights Watch, Sri Lanka: Families of "Disappeard" Threatened,
16.02.2020). Zum heutigen Zeitpunkt gibt es aber keinen Grund zur An-
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Seite 16
nahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungs-
gruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen
Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asyl-
suchenden Personen zu den Präsidentschaftswahlen vom 16. Novem-
ber 2019 respektive deren Folgen besteht. Im vorliegenden Fall sind den
Akten keine Hinweise auf eine Verschärfung der persönlichen Situation der
Beschwerdeführerin aufgrund dieser Ereignisse zu entnehmen.
5.3.3 Insgesamt bestehen keine Hinweise, dass dem Beschwerdeführer im
Fall einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von
Art. 3 AsylG drohen könnte.
5.4 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, seine
Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu ma-
chen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2, m.w.H.).
7.2
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7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
7.2.2 Das SEM wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin,
dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen
schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche
Gefährdung glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte
Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-
wendung finden. Eine Rückkehr nach Sri Lanka ist demnach unter dem
Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
7.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, Saadi gegen Italien,
Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.).
Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegwei-
sungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil des
BVGer E-1866/2015 E. 12.2 sowie statt vieler Urteil des BVGer E-159/2018
vom 15. Dezember 2020 E. 9.2.2). Es ergeben sich aus den Akten – und
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auch aus den auf Beschwerdeebene eingereichten beziehungsweise er-
wähnten Berichten – keine konkreten Hinweise darauf, dass der Beschwer-
deführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genannten
"Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In-
und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet
wäre. Daran vermögen der Regierungswechsel vom November 2019 so-
wie die seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts zu ändern.
7.2.4 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich sowohl im Sinne der asyl-
als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig.
7.3
7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Das Bundesverwal-
tungsgericht geht weiterhin davon aus, dass der Wegweisungsvollzug zu-
mutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien
(insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Bezie-
hungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und
Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteile E-1866/2015
E. 13.2 [Nord- und Ostprovinz ohne Vanni-Gebiet] sowie D-3619/2016 vom
16. Oktober 2017 [Vanni-Gebiet]). Diese Einschätzung bleibt auch nach
den aktuellen Entwicklungen in Sri Lanka und insbesondere auch nach den
Parlamentswahlen vom 5. August 2020 weiterhin zutreffend.
7.3.3 Sodann sind auch keine individuellen Gründe erkennbar, welche ge-
gen die Rückkehr des Beschwerdeführers sprechen könnten. Der Be-
schwerdeführer verfügt über eine (...) Schulbildung (...) und hat nach Ab-
solvierung eines (...) während mehrerer Jahre ein eigenes (...) betrieben,
welches nun offenbar von seinem Bruder weitergeführt wird. Im Weiteren
besitzt der Beschwerdeführer in Sri Lanka ein tragfähiges Beziehungsnetz
(unter anderem Eltern, einen Bruder und zwei Schwestern), wobei er sel-
ber seine Familie als reich bezeichnete (vgl. A13 zu F31). Es ist daher nicht
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zu befürchten, dass er bei einer Rückkehr in seine Heimat in eine existen-
zielle Notlage geraten würde.
Schliesslich bestehen auch keine medizinischen Wegweisungsvollzugs-
hindernisse. Wie den vorinstanzlichen Akten entnommen werden kann,
musste sich der Beschwerdeführer in seiner Heimat (...) unterziehen. Ge-
mäss Kurzbericht von Dr. D. S. vom 22. Oktober 2018 hat eine Blutunter-
suchung eine (...) ergeben, welche medikamentös behandelt werden
sollte. Ansonsten erscheine er sowohl körperlich als auch psychisch unauf-
fällig, wobei aber eine (...) möglich sei. In einer weiteren, am 27. Dezember
2018 ausgestellten Bestätigung von Dr. D. S. werden im Wesentlichen die
vom Beschwerdeführer angegebenen Beschwerden (...) wiedergegeben;
ausserdem sei von einer (...) auszugehen. Hinweise auf allenfalls notwen-
dige Behandlungen der genannten Beschwerden finden sich in den beiden
ärztlichen Kurzberichten indessen keine; vielmehr wird in der Bestätigung
vom 27. Dezember 2018 (Ziff. 5) sogar ausdrücklich festgehalten, aus me-
dizinischen Gründen sei ein Vollzug der Wegweisung nicht unzumutbar. In
Ergänzung dazu ist festzuhalten, dass die geschilderten gesundheitlichen
Beschwerden (insbesondere die [...]) – sofern sie noch bestehen – auch in
Sri Lanka (medikamentös) behandelt werden könnte.
7.3.4 Demnach erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumut-
bar.
7.4
7.4.1 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.4.2 Hinsichtlich der allfälligen, aufgrund der Corona-Pandemie derzeit
gegebenen Unmöglichkeit des Vollzugs ist Folgendes festzuhalten: Ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist die Unmöglichkeit des
Vollzugs dann festzustellen, wenn sich sowohl eine freiwillige Ausreise als
auch ein zwangsweiser Vollzug klarerweise und aller Wahrscheinlichkeit
nach für die Dauer von mindestens einem Jahr als undurchführbar erwei-
sen (vgl. Urteil des BVGer E-7575/2016 vom 28. Juli 2017 E. 6.2). Dies ist
in Anbetracht der derzeitigen Entwicklung der Pandemie nicht anzuneh-
men. Der aktuellen Situation kann indessen im Rahmen der Ansetzung der
Ausreisefrist Rechnung getragen werden.
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Seite 20
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm jedoch mit Instrukti-
onsverfügung vom 13. November 2018 die unentgeltliche Prozessführung
im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und weiterhin von seiner
prozessualen Bedürftigkeit auszugehen ist, ist von der Kostenerhebung
abzusehen.
9.2 Mit Instruktionsverfügung vom 13. November 2018 wurde auch der An-
trag auf amtliche Rechtsverbeiständung gutgeheissen und Fürsprecher
Christian Wyss als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. Gemäss Praxis
wird bei amtlicher Vertretung in der Regel von einem Stundenansatz von
Fr. 200.– bis Fr. 220.– für Anwältinnen und Anwälte und Fr. 100.– bis
Fr. 150.– für nichtanwaltliche Vertreterinnen und Vertreter ausgegangen
(vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]) und nur der notwendige Aufwand entschädigt (vgl.
Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 VGKE).
Die Honorarnote vom 31. Dezember 2018 weist einen Aufwand von
12 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 200.‒ sowie Kosten für Porti,
Kopien, Telefon/Telefax und Übersetzungen in der Höhe von Fr. 194.60
aus. Der zeitliche Aufwand (auch unter Berücksichtigung, dass am 31. De-
zember 2018 ein weiterer ärztlicher Kurzbericht eingereicht wurde) und die
Auslagen erscheinen vorliegend angemessen. Dem Rechtsvertreter ist so-
mit der Betrag von (gerundet) Fr. 2'780.– (inkl. Auslagen und Mehrwert-
steuerzuschlag) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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