Decision ID: 45f129cd-f5ce-47b3-a5e6-6f47a94470ff
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die
X._
GmbH, vertreten durch die
Gesellschafterin und
Geschäftsführerin
Y._
, meldete sich am
2.
Februar 2021 (Eingangsdatum) bei der Sozialver
siche
rungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, für den Bezug einer Erwerbs
ausfallentschädigung
gestützt auf die Verordnung über Massnahmen bei Erwerbs
ausfall im Zusammenhang mit dem
Coronavirus
(Covid-19; Covid-19-Ver
ord
nun
g Erwerbsausfall)
an. Sie beantragte eine Entschädigung für einen Erwerbs
ausfall
der beiden Gesellschafter und Geschäftsführer
Y._ und Z._
für Januar 2021
(
Urk.
8/2). Mit Verfügung vom
8.
März 2021
verneinte die Ausgleichskasse einen Anspruch
von
Y._
auf eine Er
werb
s
ausfallentschädigung
für Januar 2021
(
Urk.
8/4). Die dagegen erhobene Ein
spra
che (
Urk.
8/5) wies die Ausgleichskasse mit
Einspracheentscheid
vom 2
1.
April 2021 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die
X._
GmbH, vertreten durch
Y._
, Beschwerde und beantrage die Ausrichtung einer E
rw
erbsausfallentschädigung für Januar 2021 (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort
vom 11.
August 2021 (
Urk.
6) die Rückweisung der Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen. Die Beschwerd
eführerin liess sich am 2. September 2021 zur Be
schwer
deantwort
vernehmen (
Urk.
11), was der Beschwer
degegnerin mit Verfü
gung
vom 3.
September 2021 angezeigt wurde (
Urk.
13).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen
einge
gangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Vorliegend strittig ist der Anspruch auf eine Corona-Erwerbsentschädigung
von
Y._
für Januar 2021 (
Urk.
2,
Urk.
6,
Urk.
8/2). Es sind entsprechend die im Januar 2021 gültigen
gesetzlichen
Bestimmungen anwendbar (
BGE 130 V
445 E. 1.2.1
). Die nachfolgend genannten Gesetzes- und Verordnungsbestim
mungen entsprechen daher de
n
im Januar 2021 gültig gewesenen Fassungen.
2.
2
.1
Gemäss
Art. 2 Abs. 3 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
sind
Selbstständiger
werbende
im Sinne von
Art.
12
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
und Personen nach Art.
31
Abs.
3
lit
.
b und
c
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol
venzentschädigung (AVIG
;
das heisst
Personen, die in ihrer Eigenschaft als Ge
sell
schafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als Mitglieder eines
obersten betrieblichen Entschei
dungsgremiums die Entscheidungen des Arbeitgebers be
stim
men oder massgeblich beeinflussen können
sowie ihre mitarbeitenden Ehe
gatten bzw. die Ehegatten des Arbeitgebers
), welche
im Sinne des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG) obligatorisch versichert
sind
, anspruchsberechtigt,
wenn sie:
a)
ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie unterbrechen müssen; und
b)
einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden.
2
.2
Gemäss
Abs.
3
bis
von
Art.
2
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfal
l
sind
Selbst
ständigerwerbende
im Sinne vo
n
Art.
12 ATSG
und Personen nach
Art.
31
Abs.
3
lit
.
b und c AVIG, die nicht unter Absatz 3 fallen,
und welche
im Sinne
des
AHVG
obligatorisch versichert
sind,
anspruchsberechtigt, wenn:
a)
ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie massgeblich ein
ge
schränkt ist;
b)
sie einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden; und
c)
sie im Jahr 2019 für diese Tätigkeit ei
n AHV-pflichtiges Erwerbseinkom
men
von mindestens
Fr. 10'
000
.--
erzielt haben; diese Voraussetzung gilt sinn
ge
mäss, wenn die Tätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen wurde; wurde die Tätigkeit nicht während eines vollen Jahres ausgeübt, so gilt diese Voraussetzung proportional zu deren Dauer.
Die Erwerbstätigkeit gilt als massgeblich eingeschränkt, wenn pro Monat eine U
m
satzeinbusse von mindestens 40
%
im Vergleich zum durchschnittlichen monat
lichen Umsatz der Jahre 2015–2019 vorliegt. Wurde die Tätigkeit nach 2015 und vor 2020 aufgenommen, so ist der Durchschnitt
der entsprechenden Erwerbs
dauer massgebend. Personen, die ihre Erwerbstätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenom
men haben, müssen nachweisen, dass pro Monat eine Umsatzeinbusse von min
destens 40
%
im Vergleich zum durchschnittlichen Umsatz von mindestens drei Monaten vorliegt; massgebend ist der Durchschnitt der drei Monate mit den höchsten Umsätzen
(
Art.
2
Abs.
3
ter
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall).
2.3
Das Taggeld beträgt 80
%
des durchschnittlichen Erwerbseinkommens, das vor
Beginn des Anspruchs auf die Entschädigung erzielt wurde (
Art.
5
Abs.
1 Covid-19
-Verordnung Erwerbsausfall). Gemäss
Art.
5
Abs.
2 Covid-19-Verordnung Er
werbsausfall ist für die Ermittlung des Einkommens
Art.
11
Abs.
1 des Erwerbs
ersatzgesetzes (EOG) sinngemäss anwendbar.
Nach
Art.
11
Abs.
1 EOG bildet das Einkommen, von dem die Beiträge nach dem AHVG erhoben werden, Grundlage für die Ermittlung des durchschnittlichen vor
dienstlichen Erwerbseinkommens. Der Bundesrat erlässt Vorschriften über die Be
messung der Entschädigung und lässt durch das Bundesamt für Sozialversi
che
rungen verbindliche Tabellen mit aufgerundeten Beträgen a
ufstellen.
Der Bundesrat hat in
Art.
4
Abs.
1 der Verordnung über das Erwerbsersatzgesetz (EOV) bestimmt, dass die Entschädigung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitneh
mer aufgrund des letzten vor dem Einrücken erzielten und auf den Tag umge
rechneten massgebenden Lohns berechnet wird. Für die Umrechnung werden Tage nicht berücksichtigt, an denen eine Person kein oder nur ein vermindertes Erwerbseinkommen erzielt hat wegen:
a)
Krankheit;
b)
Unfall;
c)
Arbeitslosigkeit;
d)
Dienst im Sinne von Artikel 1a EOG;
e)
Mutterschaft;
f)
Betreuung eines gesundheitlich schwer beeinträchtigten Kindes im Sinne von
Art.
16o EOG;
g)
anderer Gründe, die nicht auf ihr Verschulden zurückzuführen sind.
3
.
3
.1
Die B
eschwerdegegnerin hielt im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 21.
April 2021
(
Urk.
2) fest, dass für die Ermittlung des massgebenden durch
schnittlichen Einkommens auf das für das Jahr 2019 deklarierte AHV-pflichtige Erwerbseinkommen abgestellt werde.
Daraus ergebe sich,
dass
Y._
im Januar 2021 keinen Erwerbsausfall erlitten
habe
.
3
.2
Die B
eschwerdeführerin
machte dagegen mit ihrer Beschwerde vom 1
1.
Mai 2021 geltend (
Urk.
1), es sei richtig, dass im Jahr 2019 aufgrund
einer Erkrankung von
Y._
weniger
AHV-Beiträge
als in den Vorjahren
entrichtet worden seien
.
Der
Verdienst
von
Y._
sei aber gleich wie in den
Jahren 2015, 2016, 2017 und 2018
gewesen
. Im Jahr 2019 seien
von
Y._
zusätzlich
Krankentaggelder bezogen worden, für welche keine AHV-Beiträge zu entrichten seien.
3
.3
Die Besch
werdegegnerin erklärte mit Beschwerdeantwort vom 1
1.
August 2021 (
Urk.
6),
i
n der Anmeldung vom
2.
Februar 2021 sei ein AHV-pflichtiger Jahres
lohn für das Jahr 2019 von Fr. 78'000.
--
angegeben worden. Au
s
dem Lohnaus
weis für das Jahr 2019
ergebe sich jedoch
ein Einkommen
Fr. 72'000.--. Aus dem IK-Auszug vom 3
0.
März 2020 gehe ein AHV-pflichtiges Einkommen von Fr. 18'787.
--
hervor.
Für die Bestimmung des massgebenden Einkommens 2019 müss
e
sie wissen, an wie vielen Tagen im Jahr 2019 beziehungsweise zu wie viel Prozent Krankentaggelder
bezogen worden seien
. Dafür seien weitere Abklä
run
gen notwendig.
Im
Januar 2021
seien
keine Krankentaggelder,
jedoch
Leistungen der Unfallver
sicherung
bezogen worden
.
Gestützt auf
die Akten
sei
zwar
davon auszugehen
, dass der Umsatzrückgang im Januar 2021 im Wesentlichen auf die Corona-Mass
nahmen zurückzuführen
sei
, es müsse aber der
Lohnausfall im Januar
2021
unter Berücksichtigung der Lei
stungen der Unfallversicherung
neu berechnet werden.
3
.4
Mit Replik vom
2.
September 2021 (
Urk.
11) erklärte die Beschwerdeführerin, im Jahr 2019 seien
«
zu 100
%
»
Krankentaggelder ausbezahlt worden. Das Kranken
taggeld sei imme
r auf 13 Monate berechnet worden, da normalerweise im Dezem
ber das 1
3.
Monatsgehalt ausbezahlt
werde
. Im Dezember 2019 sei das Weih
nachts
geld nicht ausbezahlt worden, da
das Jahr 2019
aufgrund
des Ausfalls von
Y._
wirtschaftlich schlecht gewesen sei
. Deshalb sei auch nur ein Lohn von Fr. 72'000.-- statt Fr. 78'000.
--
deklariert worden.
4
.
Die Parteien gehen übereinstimmend davon aus, dass die Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Einspracheentscheid
zu Unrecht das von der Beschwerdeführerin deklarierte AHV-pflichtige Einkommen von F
r
. 18'787.
-- (
Urk.
7)
als massge
bende Vergleichsgrösse für die Bestimmung des Erwerbsausfalls herangezogen hat. Diese Einschätzung der P
a
rteien erweist sich als rechtens, ist doch akten
kundig, dass
Y._
ab dem 2
8.
März 2019 arbeit
s
unfähig
war
und ab dem 2
7.
April 2019 Taggelder der
Krankentaggeldversicherung
bezogen hat (vgl.
Urk.
12/1-8). Auf Krankentaggelder sind keine AHV-Beiträge zu entrichten
(
Art.
6
Abs.
2
lit
. b
der Verordnung über die Alters-
und
Hinterlassenen
versi
cherung
,
AHVV)
, weshalb das deklarierte AHV-pflichtige Einkommen nicht dem gemäss
Art.
5
Abs.
1
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
in Verbindung mit
Art.
11
Abs.
1
EOG in
Verbindung
mit
Art.
4
Abs.
1 EOV massgebenden Ein
kommen entspricht.
Nachdem
Y._
im Januar 2021 teilweise arbeitsun
fähig war und anscheinend Leistungen der Unfallversicherung bezogen hat (
Urk.
8/2,
Urk.
8/5), welche jedoch nicht dokumentiert sind, rechtfertigt es sich
,
die Sache, wie von der Beschwerdegegnerin beantragt, an
diese
zurückzuweisen, damit sie
die notwendigen Abklärungen vornimmt
und hernach über den An
spruch auf eine Erwerbsausfallentschädigung für Januar 2021 neu entscheidet.