Decision ID: d6079dbb-5069-46ef-94e9-b1475458fde7
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
2002
(
Urk.
6/
4
/
2
)
,
wurde nach dem Tod
seines Vaters (
Urk.
6/1/1,
Urk.
6/2/1) mit
der
seine
r
Mutter
eröffneten
Ver
fügung
vom 1
7.
März 2017
mit Wirkung ab dem
1.
Februar 2017 eine Waisen
rente
der Eidgenössischen Alters- und
Hinterlassen
en
versicherung
zugesprochen (
Urk.
6/7). In der Folge
informierte
die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
Ausgleichskasse
,
die
Mutter
des Versicherten
mit Schreiben vom 1
8.
Feb
ruar 2020
, dass
der
Anspruch auf eine Waisenrente
erlösche, wenn der Versicherte das 1
8.
Altersjahr vollendet habe
, es sei denn
,
er
befinde sich noch in Ausbildung. Gegebenenfalls habe sie entsp
rechende Nachweise einzureichen
(
Urk.
6/13/1).
Hernach wurde
der
Ausgleichskasse mit Eingabe vom
2
2.
Juli 2020
(Urk. 6/18)
der
Lehrvertrag
des Versicherten
für eine Ausbildung
zum
Winzer EFZ
mit einer Bildungsdauer
vom 1
0.
August 2020 bis
9.
August 2021
(
Urk.
6/17/1)
zugestellt
. Daraufhin teilte sie dem Versicherten am 1
2.
August 2020 mit, dass sie die Waisenrente ab September 2020 (Folgemonat des Ausbildungsbeginns) wieder ausbezahlen werde (
Urk.
6/19/1). Am 1
7.
August 2020
meldete
die Mutter des Versicherte
n
der
Ausgleichskasse, dass ihr Sohn die Lehre abgebrochen habe (
Urk.
6/20).
X._
unterzeichnete
sodann
einen
Vertrag für ein Praktikum
als
Hundecoiffeur
im Hundesalon seiner Mutter
für die Zeit
periode
vom
1.
September 2020 bis
1.
September 2022 (
Urk.
3/7,
Urk.
6/22/1
)
und
mit
Eingabe vom 12. Februar 2021 wurde d
ie Ausgleichskasse
unter Hinweis auf
d
en Praktikumsvertrag
um
Fortzahlung der Waisenrente
ersucht
(
Urk.
6/23
). Die Ausgleichskasse wies d
en Antrag mit Verfügung vom 1
2.
April 2021 a
b (
Urk.
6/27). Die dagegen
vom Versicherten am
8.
Mai 2021 erhobene Einsprache (
Urk.
6/28) wies die Ausgleichskasse mit
Einspracheentscheid
vom
8.
Juni 2021 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
3.
Juli 2021 Beschwerde. Er beantrag
t
e sinngemäss, dass
ihm
für die Dauer seine
r
Ausbildung
weiterhin eine
Waisenrente
auszu
richten sei (Urk.
1 S.
1-2). Mit
Beschwerdeantwort
vom 13.
September
202
1
beantragte die Beschwerde
geg
nerin
Abweisung der Beschwerde (Urk.
5, unter Beilage der Kassenakten,
Urk.
6/1-38
), was
d
e
m Beschwer
deführer
mit Verfügung vom 16
.
September
202
1
zur Kennt
nis gebracht wurde (Urk.
7
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Kinder, deren Vater oder Mutter gestorben ist, haben Anspruch auf eine Waisen
rente (Art. 25 Abs. 1 Satz 1
des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlas
senenversicherung
,
AHVG). Der Anspruch auf die Waisenrente entsteht am ersten Tag des dem Tode des Vaters oder der Mutter folgenden Monats. Er erlischt mit der Vollendung des 18. Altersjahres oder mit dem Tod der Waise (Art. 25 Abs. 4 AHVG). Für Kinder, die noch in Ausbildung sind, dauert der Ren
tenanspruch bis zu deren Abschluss, längstens aber bis zum vollendeten 25. Alters
jahr. Der Bundesrat kann festlegen, was als Ausbildung gilt (Art. 25 Abs. 5 AHVG).
1.2
In Ausbildung ist ein Kind, wenn es sich auf der Grundlage eines ordnungsge
mässen, rechtlich oder zumindest faktisch anerkannten Bildungsganges systema
tisch und zeitlich überwiegend entweder auf einen Berufsabschluss vorbereitet oder sich eine Allgemeinausbildung erwirbt, die Grundlage bildet für den Erwerb verschiedener Berufe (Art. 49
bis
Abs. 1
der Verordnung über die Alters-
und
Hin
terlassenenversicherung
,
AHVV)
. Als in Ausbildung gilt ein Kind auch, wenn es Brückenangebote wahrnimmt wie Motivationssemester und Vorlehren sowie
Aupair
- und Sprachaufenthalte, sofern sie einen Anteil Schulunterricht enthalten
(Art. 49
bis
Abs. 2 AHVV). Nicht als in Ausbildung gilt ein Kind, wenn es ein durchschnittliches monatliches Erwerbseinkommen erzielt, das höher ist als die maximale volle Altersrente der AHV (Art. 49
bis
Abs. 3 AHVV).
1.3
1.3.1
Ein Praktikum wird gemäss
Rz
3361 der Wegleitung
des B
undesamtes für Sozial
versicherungen
über die Renten (RWL) in der Eidgenössischen Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenversicherung als Ausbildung anerkannt, wenn es gesetz
lich oder reglementarisch für die Zulassung zu einem Bildungsgang oder zu einer Prüfung vorausgesetzt ist oder zum Erwerb eines Diploms oder eines Berufs
abschlusses verlangt wird.
1.3.2
Sind diese Voraussetzungen nicht
erfüllt, wird gemäss
Rz
3361.1
RWL
ein Prak
tikum dennoch als Ausbildung anerkannt, wenn es für eine bestimmte Ausbil
dung faktisch geboten ist und mit dem Antritt des Praktikums tatsächlich die Absicht besteht, die angestrebte Ausbildung zu realisieren (BGE 139 V 209) und
das Praktikum im betreffenden Betrieb höchstens ein Jahr dauert (BGE 140 V
299).
1.3.3
Verwaltungsweisungen, wie etwa Wegleitungen oder Kreisschreiben, richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern
sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwend
baren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestre
ben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwen
dung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 146 V 224 E. 4.4.2, 141 V 365 E. 2.4 mit Hinweisen).
1.4
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich
-
in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
-
Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 144 I 11 E. 4.3, 131 V 164 E. 2.1, 125 V 413 E. 1a).
2.
2.
1
Mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid
vom
8.
Juni 2021 führte die Beschwerdegegnerin
zusammengefasst
aus,
g
emäss den eigenen Aussagen des Beschwerdeführers könne die Ausbildung zum
Hundecoiffeur
nur in Verbindung mit der Ausbildung zum Tierpfleger absolviert werden (
Urk.
2 S. 1). Da das Praktikum
(im Hundesalon seiner Mutter) somit
nicht dazu diene, danach eine entsprechende Ausbildung zu beginnen, seien die Voraussetzungen für eine Anerkennung dieses Praktikums als Ausbildung nicht erfüllt (
Urk.
2 S. 1-2).
2.
2
Der Beschwerdeführer bringt
im Wesentlichen
vor, dass er seit September 2020 ein Praktikum mache, um den Beruf
Hundecoiffeur
zu erlernen
(
Urk.
1 S. 1)
. Nebst diesem Praktikum habe er im Jahr 2020 während den Ferien und an den Wochenenden die
Fachschule Y._
besucht (
Urk.
1 S. 1,
Urk.
3/9). Er habe zunächst am 1
3.
November 2020 das Diplom als Masseur und danach am
6.
Dezember 2020 das Diplom als Bambusmasseur erlangt (
Urk.
1 S. 1,
Urk.
3/9). Ab dem 2
7.
S
eptember 2021 werde er mit dem nebenberuflichen
Lehrgang «Med. Grundlagen SPA» an der
Z._
beginnen
(
Urk.
1 S.
1,
Urk.
3/9)
.
So werde er schlussendlich zwei Berufe haben, zum einen
diplomierter
Hundecoiffeur
, zum anderen
Masseur, welcher
vo
n den Krankenkassen anerkannt werde
. Er befinde sich somit derzeit in der Ausbildung für zwei Berufe (
Urk.
1 S.
1).
Die Massagenausbildungen seien von der Beschwerdegegnerin
nicht aner
kannt
worden, weil er die Kurse nebst seinem
Hundecoiffeur
praktikum
besucht habe.
Zu ergänzen sei, dass e
r mit dem Praktikum und der Schule voll ausge
lastet
sei
, so dass er keiner Arbeit nachgehen könne
(
Urk.
1 S.
2
).
3.
3.1
Wie dem angefochtenen
Einsprache
entscheid
vom
8.
Juni 2021 (
Urk.
2) zu ent
nehmen ist, prüft die Beschwerdegegnerin in einem separaten Verfahren, ob
der
L
ehrgang «Med. Grundlagen SPA» an der
Z._
als Aus
bildung gilt und die Voraussetzungen für eine Weiterausrichtung der Waisen
rente
deswegen
erfüllt sind (
Urk.
2 S. 1).
Laut dem
B
eschwerdeführer
steht der Besuch dieses Lehrgangs im Zusammenhang mit den vorgängig bei
der
Fachschule Y._
erlangten Diplome
n
(E. 2.2). Nach Lage der Akten ist
die Frage, ob diese Kurse als Ausbildung im Sinne von
Art.
25
Abs.
5 AHVG qualifizieren,
von
der
Beschwerde
gegnerin bislang noch nicht
geprüft
worden. Der angefoch
tene
Einsprache
entscheid
vom
8.
Juni 2021 (
Urk.
2) betrifft einzig das Praktikum des Beschwer
de
führers im Hundesalon seiner Mutter (
Urk.
2 S. 1-2).
Daher ist m
angels Anfec
htungs
objekt (E. 1.4)
auf
seine
Vorbringen
zu den
in der
Fachschule Y._
erlangten Diplome
sowie zum
Lehrgang «Med. Grundlagen SPA» an der
Z._
nicht einzutreten.
3.2
3.2.1
Strittig und zu prüfen ist
hingegen
, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf eine
Waisen
rente über das 18. Altersjahr hinaus zu Recht verneint hat, weil das vom Beschwerdeführer begonnene Praktikum als
Hundecoiffeur
nicht als Aus
bil
dung im Sinne von Art. 25 Abs. 5 AHVG und Art. 49
bis
Abs. 1 AHVV zu qualifi
zieren ist, oder ob der Beschwerdeführer Anspruch auf die genannte Rente hat.
3.2.
2
Gemäss dem undatierten Praktikumsvertrag a
bsolviert der Beschwerdeführer
vom
1.
September 2020 bis
1.
September 2022 ein Praktikum
im Hundesalon seiner Mutter (
Urk.
6/24).
E
ntgegen der vom Beschwerdeführer offenbar vertretenen Ansicht (vgl.
seine
dahingehenden
Vorbringen
in der Einsprache
vom
8.
Mai 2021,
Urk.
6/28/1,
Urk.
6/29/1) ist es jedoch auch
für die Erlangung des Titels «
Hundecoiffeuse
/-
coiffeur
SVBT»
ohne Ausbildung zum Tierpflege
r
EFZ
des Schwei
ze
rischen Verbandes
für Bildung in Tierpflege nicht ausreichend, sich allein die praktischen Fähigkeiten eine
s
Hundecoiffeurs
anzueignen.
Gemäss
dem einschlägigen
R
eglement
des
SVBT
(abrufbar unter: www.tierpfleger.ch/svbt/
hun
de
coiffeuse
, besucht am 16. Februar 2022)
können nebst Tierpflegerinnen und Tierpfleger EFZ
t
iermedizinische Praxisassis
tentinnen und tiermedizinische Praxisassistenten
EFZ
sowie Personen mit
fachspezifische
r
berufsunabhängige
r
A
usbildung (FBA) für Tierbe
treuer/innen
zwar ebenfalls
den
Titel
«
Hunde
coif
feuse
/-
coiffeur
SVBT» erlangen. Das Diplom zur/m
Hunde
coiffeuse
/
Hunde
coiffeur
SVBT
wird laut
dem
Reglement des SVBT
aber erst ausgestellt, wenn dem SVBT das EFZ Tiermedizinische Praxisassistenten/in oder das Zertifikat FBA für Tier
be
treuer/innen
vorliegt.
Immerhin
gilt gemäss
demselben Reglement
zugleich
, dass
die
Ausbildung zum
Hundecoiffeur
grundsätzlich in einem Jahr absolviert werden kann.
Diesbezüglich wird
vom SVBT
zudem
nicht vorgegeben, in welchem Zeit
rahmen die benötigten Fähigkeiten erlernt werden.
Von einer syste
ma
tischen Vor
bereitung auf einen Berufsabschluss im Sinne von Art. 49
bis
Abs. 1
AHVV
könnte
im vorliegenden Fall indes
erst dann gesprochen werden, wenn
der Beschwer
deführer nachweisen könnte, dass er zusätzlich zu seinem Praktikum als
Hundecoiffeur
mit der dreijährige
n
Grundbildung zum Tiermedizinischen Praxis
assistenten begonnen hat (
Art.
2
Abs.
1 der Verordnung des
Staats
sekre
tariats für Bildung, Forschung und Innovation
[
SBFI
]
über die beruf
liche Grund
bildung Tiermedizinische Praxisassistentin/Tiermedizinischer Praxis
assistent EFZ, SR 412.101.220.64) oder bei eine
r
der vom
Bundesamt für Lebens
mittel
sicherheit und Veterinärwesen
(
BLV
)
anerkannte
n
Institutionen mit der
FBA
für Tierbetreuer angefangen hat
,
und darüber hinaus erkennbar wird, dass der Beschwerdeführer eine dieser Ausbildungen mit dem ihm objektiv zumut
baren Einsatz betreibt, um sie innert nützlicher Frist
abzuschliessen
(BGE 104 V 64 E.
3, Urteil des B
undesgerichts 9C_647/2014
vom 15. Januar 2015
E. 4.2 mit weiteren Hinweisen).
In den vorliegenden Akten finden sich dafür aber keine Hinweise.
3.2.3
Demnach erweist
sich
der
angefochtene
Einspracheentscheid
vom 8. Juni 2021
(
Urk.
2) als rechtens.
4.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde, soweit auf sie einzu
treten ist.