Decision ID: 54b0ef07-969c-4ba5-a5d8-4772ff289553
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 197
3
,
gelernter Schuhmacher, reiste am
2.
August 1994 in die Schweiz ein, wurde am 29.
Mai 1996 vorläufig aufgenommen und war ab 2
2.
Februar 1995
in einem Hotel als
Casserolier
tätig (
Urk.
7/2
Ziff.
1.5, 5.2 und 5.3.1). A
m 29. August 1995
erlitt er
einen Unfall (
Urk.
7/7/28) und am
6. Januar 1997
meldete er sich
bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbe
zug
an (
Urk.
7/2)
. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
sprach
ihm mit
Verfügung vom 15. Juni 1999
bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
eine
ganze Invalidenrente ab 1. Januar 1997
zu
(
Urk.
7/30)
.
Am 2
2.
Januar 2001 (
Urk.
7/37) und am 21. August 2006 (
Urk.
7/48) teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, sein Rentenanspruch sei unverändert.
1.2
Nach Eingang des
R
e
visions
fragebogens vom 6. Oktober 2011
(
Urk.
7/66)
holte die IV-Stelle unter anderem ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am 31. Ok
-
tober
2013 erstattet (
Urk.
7/94) und am 17. Dezember 2013 ergänzt (
Urk.
7/98) wurde.
Nach einem Erstgespräch am 9. Juli 2014 und weiteren Kontakten (vgl.
Urk.
7/103 S. 4 f.) teilte die IV-Stelle dem Versicherten am 3. November 2014 den Abschluss beruflicher Eingliederungsmassnahmen mit (
Urk.
7/102).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/106,
Urk.
7/111) stellte die IV-Stelle mit Verfügung vom
2.
Juni 2015
die
Invalidenrente
ein
(
Urk.
7/128
=
Urk.
2
)
.
2.
Der Versicherte erhob am 6. Juli 2015
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
2.
Juni 2015 (
Urk.
2)
und beantragte, diese sei aufzuheben, die
Beschwerdegeg
nerin
sei zu verpflichten, die bisherige Rente weiter auszurichten
und ber
ufliche Massnahmen
durchzuführen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 9. September 2015 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Blick auf die beantragte
unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsvertre
tung
(
Urk.
1 S. 3 oben
) wurde das Verfahren m
it Verfügung vom 7. Dezem
ber 2015 bis zum Vorliegen eines Entscheids der Sozialbehörde sistiert (
Urk.
11)
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Ändert sich der
Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. Au
-
gust
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
1.3
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.4
Im Regelfall ist eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf dem Weg der Selbsteingliederung zu verwerten. Nach langjährigem
Renten
bezug
können ausnahmsweise Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch vorhandenen Leistungsfähigkeit und medizinisch möglichen Leistungsentfaltung entgegenstehen, wenn aus den Akten einwandfrei hervor
geht, dass die Verwertung eines bestimmten Leistungspotenzials ohne vorgän
gige Durchführung befähigender Massnahmen allein vermittels
Eigenanstren
gung
der versicherten Person nicht möglich ist. Diese Rechtsprechung ist grundsätzlich auf Fälle zu beschränken, in denen die (revisions- oder
wiederer
wägungsweise
) Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente eine versi
cherte Person betrifft, welche das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen hat.
Dies
bedeutet nicht, dass die
Versicherten
ei
nen Besitzstandsanspruch geltend machen könnten; es wird ihnen lediglich zu
gestanden, dass – von Ausnahmen abgesehen – aufgrund des fortgeschrittenen Alters oder einer langen Rentendauer die Selbsteingliederung nicht mehr zu
mutbar ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_39/2012 vom 24. April 2012 E. 5.1 mit Hinweisen; vgl. auch Urteile Bundesgerichts 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.4 und 9C_412/2014 vom 20. Oktober 2014 E. 3.1).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, dem Beschwerdeführer seien näher umschriebene angepasste Tätigkeiten im Umfang von 80
%
zumutbar (S. 2), womit kein rentenbegründender
Invalidi
tätsgrad
mehr resultiere (S. 2 Mitte).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), das von der Beschwerdegegnerin eingeholte Gutachten trage den näher ge
nannten psychischen Aspekten nicht ausreichend Rechnung (S. 6 f.
Ziff.
4)
und sei auch sonst ungenügend (S. 8
Ziff.
5). Überdies habe er Anspruch auf berufli
che Massnahmen (S. 8
Ziff.
6).
2.3
Streitig ist, ob sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers
derart
ver
-
bes
sert hat, dass er keinen
Rentenanspruch mehr hat
. Letztmals wur
de
der Anspruch
bei der
Zusprache
im
Juni 1999
(
Urk.
7/30) materiell geprüft. Bei den Revisionen von 2001 und 2006 fand keine Auseinandersetzung mit den medizi
nischen Berichten statt. Damit ist Juni 1999 Referenzzeitpunkt für die Prüfung der Veränderung.
3
.
3.1
Prof.
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Chirurgie und für Intensivmedizin, nannte in seinem Bericht
vom 17. April 1997 (
Urk.
7/14/2-4)
folgende Diagno
sen (S. 2 oben):
Status nach vorderer Kreuzbandersatzplastik am 20.
September 19
95 mit gutem Halt des Transplantates ohne nennenswerte Instabilität
Status nach R
esektion eines losgelösten Transplantatanteils in der
Fossa
und Resektion einer aufgetriebenen Lappenbildung am lateralen Menis
kus im Vorderhornbereich,
Notchplastik
und Resektion des medialen Meniskus im
Hinterhornbereich
bei
Streckimpingement
und
Streckaus
fall
am 20. Juni 1996;
jetzt normale Beweglichkeit des Kniegelenks
Status nach Resektion von prolabierenden
Synovi
a
liszotten
und Narben
-
bil
dungen
am 30.
September 19
96
Ansatztendinose
an beiden
Gastrocnemiusköpfchen
am distalen Ober
schenkel
E
r führte unter anderem aus, e
s sei wohl möglich, dass eine gewisse Schmerzsymptomatik weiter bestehe. Die vom Beschwerdeführer geschilderten äusserst starken Schmerzen seien unglaubwürdig, vor allem auch in Anbetracht der Tatsache, dass praktisch keine Muskelatrophie mehr bestehe. Es sei nicht denkbar, dass so gravierende Schmerzen nicht auch zu einer erheblichen Atro
phie der Oberschenkelmuskulatur führen würden. Unbeobachtet sei das Gang
bild weitgehend normal
(S. 2 Mitte)
.
Rein vom klinischen Befund des Kniegelenkes her und der jetzt guten Muskula
tur
würde
einer Arbeitsaufnahme nichts im Weg
e stehen (S. 2 unten)
.
3.
2
Im Bericht der Ärzte
der Schmerzsprechstunde, Neurologische Klinik,
Z._
, vom 2
2.
August 1997 (
Urk.
7/15)
wurden folgende
Di
agnosen
genannt (S. 4 oben)
:
m
ittelgradige depressive Episode bei psychosozialer Belastungssituation
Migräne ohne Aura
c
hronische Knieschmerzen rechts bei
Status nach vorderer Kreuzbandruptur mit Plastik 1995
Status nach zweimaliger Kniearthroskopie rechts mit
Teilmeniskekto
mie
1996
Verdacht auf neuropathische Schmerzkomponente
Der psychiatrische Befund einer mittelschweren Depression stehe ganz im Vorder
grund.
Der Patient sei als Emigrant und Asylant sozial isoliert, arbeitslos und stecke in finanziellen Schwierigkeiten (S. 4).
Angaben zur Arb
eitsfähigkeit wurden nicht gemacht.
3.3
Im Bericht der Ärzte der
Psychiatrische
n
Poliklinik
des
Z._
vom 23. April 1998 (
Urk.
7/21)
wurden
folgende Diagnosen genannt (
Ziff.
3):
mittelgradige depressive Episode (F32.1)
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4) bei Status nach
Kniever
letzung
rechts am 29. August 1995 mit operativer vorderer Kreuzbandplastik und zweimaliger Revisions-Arthroskopie
Zu Behandlungsbeginn
(August 1997)
habe ein mittelschweres bis schweres depressives Zustandsbild bestanden, in den letzten Wochen habe sich eine ge
wisse Aufhellung der Depression gezeigt (
Ziff.
4.1).
Der Versicherte sei seit dem Unfall auf längere Sicht zu 100
%
arbeitsunfähig. Dies gelte für die angestammte und jede andere Tätigkeit (
Ziff.
1.1).
Der Versicherte befinde sich in einer psychosozial sehr belastenden Situation, die seine Krankheit perpetuiere und verschlechtere. Er sei als Zwanzigjähriger von seiner Herkunftsfamilie und seiner Kultur getrennt worden und sei in der Schweiz zwar seines Lebens sicher, sonst jedoc
h sozial völlig desintegriert (
S. 3 Mitte).
3
.4
Im
Feststellungsblatt vom 20. August 1998 (
Urk.
7/22)
wurde ausgeführt, für die
vorliegende Arbeitsunfähigkeit seien im Wesentlichen psychische beziehungs
weise psychosomatische Befunde massgebend; die Arbeitsunfähigkeit - auch für angepasste Tätigkeiten - wurde mit 100
%
beziffert (S. 2
Ziff.
2), womit auch ein Invaliditätsgrad von 100
%
resultierte (S. 2
Ziff.
3).
4.
4.1
Am 26. Juli 2004 wurde über die Abklärung
des Beschwerdeführers in der Inter
disziplinären Schmerz-Sprechstunde (RISS) des
Z._
berichtet (
Urk.
7/46/3-7). Dabei wurden die folgenden, hier verkürzt angeführten Diagnosen genannt (S. 1):
Gonarthrose rechts mit im Vordergrund stehender
retropatellärer
Proble
matik
chronisches
Lumbovertebralsyndrom
rezidivierend depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode
Es wurde unter anderem empfohlen, die Möglichkeiten der beruflichen Wieder
-
ein
gliederung
in eine überwiegend sitzende Tätigkeit zu prüfen (S. 2
Ziff.
3).
4.2
Im Rahmen des unfallversicherungsrechtlichen Verfahrens Nr. UV.2004.00273 holte das hiesige Gericht ein Gutachten ein, das von den Ärzten des
A._
a
m 26. April 2007
erstattet wurde
(
Urk.
7/82/95-138)
.
Im Gutachten wurden folgende
Diagnosen
genannt
(S. 40):
c
hronisches Schmerzsyndrom des rechten Knies
nach Verkehrsunfall vom 29. August 19
95
Status nach Ruptur des vorderen Kreuzbandes rechts
Status nach Rekons
t
ruktion des vorderen Kreuzbandes rechts
Status nach Arthroskopie rechtes Knie mit Resektion eines losgelösten Transplantatanteils und
Notchplastik
, Teilresektion des medialen und lateralen Meniskus
Status nach Arthroskopie rechtes Knie mit Resektion von
Syno
-
vialisan
teilen
und Narbenresektion
Status nach zweiter Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes mittels lateralen Drittels des Ligamentums
patellae
Verdacht auf beginnende Retropatellar
ar
throse rechts und auf Morbus
Sudeck
der Patella rechts
l
anganhaltende mittelgradige Episode einer depressiven Störung mit ausgeprägter
Somatisierungstendenz
Migräne ohne Aura
u
nspezifische Kreuzschmerzen
l
eichtgradige Adipositas (BMI 31)
Stehende wie auch körperlich anstrengende Tätigkeiten seien dem Beschwerde
führer nicht mehr zumutbar, weshalb als
Casserolier
sowie für Tätigkeiten in körperlichen Zwangshaltungen keine Arbeitsfähigkeit mehr gegeben sei (S.
41
Ziff.
4.5
). Für
- vorwiegend sitzende (S. 42
Ziff.
4.6.2) -
Tätigkeiten, welche eine wechselnde Körperhaltung ermöglich
ten
, bestehe unter Berücksichtigung der psychischen Einschränkungen eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
; a
ufgrund der somatischen Einschränkungen bestehe hier keine Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit
(S. 39 Mitte)
. Tätigkeiten
, welche m
it vermehrtem Zeit- und Leistungs
druck
einhergingen, seien aufgrund des psychischen Leidens unzumutbar (S. 42
Ziff.
4.6.1)
Die Prognose sei in diesem Fall noch offen, zumal eine Besserung der psychi
schen Symptomatik durchaus möglich sei
(S. 39 Mitte)
.
5.
5.1
Die Ärzte der
M
edas
B._
erstatteten am 31. Oktober 2013 ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
7/94
/1-63
)
. Sie stützten sich dabei auf die ihnen überlassenen Akten (S. 3 ff.), die Angaben des Beschwerdeführers
(S. 35 ff.) und die von ihnen am 3. und 5. September 2013 erhobenen internisti
schen, psychiatrischen und orthopädischen Befunde (S. 1).
5.2
Die Gutachter nannten folgende
Diagnosen mit
Einschränkung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit (S. 55
Ziff.
7.1.1
)
p
osttraumatische Gonarthrose rechts mit
Femoropatellararthrose
bei/mit
Status nach komplexer Kniebinnenläsion 08/95
Status nach vordere
r
Kreuzbandplastik 1995
Status nach Revisionsoperation der vorderen Kreuzbandplastik 1998
Status nac
h 2-maliger
arthroskopischer
OP
mit medialer
Teilmenis
kektomie
1996 und 1998
c
hronisch
e
lumbovertebragene
Schmerzen
k
ombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und passiv-aggressi
ven Anteilen
(ICD-10 F61)
A
ls
Diagnosen ohne
wesentliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
nannten sie
(S. 55
Ziff.
7.1.2
)
.
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert
m
ässige Adipositas bei BMI 35
.
5
l
eichte Hyperurikämie
m
yogene
Nackenschmerzen ohne Hinweis auf signifikante degenerative Veränderungen
5.3
Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sei a
us orthopädischer Sicht
-
wegen des
redu
-
zier
ten Lastenhebens (unter 10 kg) bei Gonarthrose rechts mit
Femoropa
tellararthrose
und Funktionseinschränkungen des rechten Kniegelenks beim Abbiegen, beim Treppensteigen und Sitzen mit abgewinkeltem Bein
- nicht dauerhaft durchführbar
. Auch von Seiten der Lendenwirbelsäule seien bei wie
derholt auftretender Lumbago und
Spondylarthrosen
L4-S1 qualitative Ein
schränkungen für das Lastenheben und –tragen und das ständige Bücken
vor
handen
. Das Restleistungsvermögen sei wegen der Notwendigkeit von ver
mehrten Pausen, erhöhtem Zeitbedarf und einem Rendement um
zirka
20
%
re
duziert. Aufgrund der psychiatrischen Einschätzung sei
d
er
Beschwerdeführer
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig. Die Tätigkeit als
Kü
chengehilfe
liege auf der niedrigsten Hierarchiestufe in einem Team und sei aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur nicht möglich
(S. 60
Ziff.
8.1.1)
.
Für eine adaptierte Tätigkeit liege
- aus orthopädischer Sicht
aufgrund von ver
mehrten Pausen und einem eingeschränkten Rendement
(S. 62
Ziff.
9.2) -
eine quantitative Einschränkung vor
; e
s seien dem Beschwerdeführer nur noch Tä
tigkeiten in einem Pensum von 80
%
zumutbar
(S. 60
Ziff.
8.2.1)
.
Als adaptiert wurde eine nicht rein stehende Tätigkeit mit der Möglichkeit zu
Positionswech
seln
für das rechte Kniegelenk, ohne ständiges Treppensteigen,
ohne
Gehen auf unebenem Gelände
, ohne Hantieren von Lasten über 10 kg, bezeichnet (S. 62
Ziff.
9.2).
5.4
Im psychiatrischen Teilgutachten (S. 42 ff.) wurde unter anderem ausgeführt,
die ICD-Kriterien für eine Persönlichkeitsstörung seien - aus näher dargelegten Gründen - erfüllt (S. 46 f.), diejenigen für eine somatoforme Schmerzstörung nicht
, weil gemäss den ICD-10-Kriterien unter anderem ein vermutlich psycho
gener Schmerz im Verlauf einer anderen psychiatrischen Erkrankung, wie bei
spielsweise einer Depression, ausschliesse
(S. 49
Ziff.
3).
I
n einer adaptierten Tätigkeit sei der Versicherte voll arbeitsfähig (S. 48
Ziff.
5.6.3). Die adaptierte Tätigkeit sollte möglichst selbständig erfolgen. Aus psychiatrischen Gründen sollte der Versicherte nicht
allzu viel Kontakt mit Mit
arbeitern oder Kunden haben und er sollte die Möglichkeit haben, sich bei so
matisch begründeten Beschwerden körperlich zu bewegen und seine Position zu wechseln. Eine Tätigkeit im - ursprünglich erlernten (
Urk.
7/15 S. 2 Mitte
) - Beruf als Schuhmacher könnte diesen Anforderungen entsprechen (S. 48
Ziff.
5.6.4).
5.5
Auf die Frage nach allfälligen Veränderungen seit 1999 führten die Gutachter aus, von Seiten des Kniegelenks sei der Gesundheitszustand eher stationär. 1999 sei eine deutliche psychische Überlagerung bei Depression und pathologischer Schmerzverarbeitung mit
Somatisierungstendenz
berichtet und der Versicherte als bei der Untersuchung deutlich depressiv beschrieben worden. Bei der aktu
ellen Untersuchung sei der Versicherte nicht mehr depressiv gewesen; die früher beschriebene psychosoziale Notsituation bestehe nicht (mehr). In diesem Sinn habe sich der Gesundheitszustand verbessert (S. 62
Ziff.
9.1).
6
.
6
.1
I
n somatischer Hinsicht
wurde bei der
Rentenzusprache
1999 gemäss der Beurtei
lung durch Prof.
Y._
1997 (vorstehend E. 3.1) und den Ausführungen im Feststellungsblatt 1998 (vorstehend E. 3.4)
für angepasste Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit
angenommen
.
Dies wurde auch
im Gutachten von 2004 (vorstehend E. 4.2)
bestätigt.
I
m Gutachten von 2013
wurde aus orthopädischer Sicht eine unter anderem durch erhöhten Pausenbedarf verursachte Einschränkung um 20
%
angenom
men
(vorstehend E.
5.3
).
6
.2
In psychischer Hinsicht wurden 1997 eine mittelgradige depressive Episode bei psychosozialer Belastungssituation (vorstehend E. 3.2) und 1998 eine mittelgra
dige depressive Episode (F32.1) und eine anhaltende somatoforme
Schmerzstö
rung
(F45.4) diagnostiziert (vorstehend E. 3.3), woraus auf eine vollständige Ar
beitsunfähigkeit geschlossen wurde (vorstehend E. 3.4).
Sodann wurde 2004 eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (vorstehend E. 4.1)
,
und 2007 eine langanhaltende mittelgradige Epi
sode einer depressiven Störung mit ausgeprägter
Somatisierungstendenz
(vor
stehend E. 4.2) diagnostiziert.
Im aktuellen Gutachten
wurde als psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und passiv-aggressiven Anteilen (ICD-10 F61)
und als solche ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine gegenwärtig remittierte depressive Störung ge
nannt (vorstehend E. 5.2).
6.3
Zu beurteilen ist nunmehr, ob sich der Gesundheitszustand in psychischer Hin
sicht revisionsrelevant (vorstehend E. 1.2) verändert hat
, und ob diesbezüglich auf die Feststellungen im aktuellen Gutachten abgestellt werden kann
.
In der Beschwerde (
Urk.
1) wurde dazu geltend gemacht, 1999 sei die Rente - zumindest teilweise - aufgrund einer Diagnose, die heute zu den gemäss BGE 141 V 281 zu beurteilenden Beschwerdebildern gehört, zugesprochen worden
(S. 5 f.). Die im aktuellen Gutachten genannte Diagnose einer gegenwärtig remit
tierten rezidivierenden depressiven Störung könnte deshalb höchstens teilweise
- und, da nur „gegenwärtig limitiert“, höchstens temporär
-
als Verbesserung der psychischen Beschwerden verstanden werden (S. 6
Ziff.
4). Im Gutachten sei ferner keine hinreichende Auseinandersetzung mit der 2007 gestellten Diagnose einer langanhaltenden mittelgradigen depressiven Episode mit ausgeprägter
Somatisierungstendenz
erfolgt (S. 6 f.). Auch sei der Aus
-
schluss der Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung ungenügend begründet worden (S. 7 Mitte).
Das Gutachten genüge den vom Bundesgericht mit (heute) BGE 141 V 281 gestellten Anforderungen nicht. Die diagnostischen Ausführungen seien ungenügend und unvollständig
und es fehlte
für die postulierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit eine nachvollziehbare Begründung
sowie
die geforderte Prüfung der Indikatoren (S. 8
Ziff.
5).
6.4
Die Kritik am Gutachten ist nicht stichhaltig. Die gestellte Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Persönlichkeitsstörung) wurde einlässlich begründet (vorstehend E. 5.4). Daraus folgt auch, dass der entsprechend begründete Aus
schluss einer somatoformen Schmerzstörung nachvollziehbar ist; auch der Be
schwerdeführer macht nicht geltend, der diesbezügliche - entscheidende - Hin
weis auf die ICD-10 sei unzutreffend. Mit der früher diagnostizierten
(
1997 und 2007 mittelgradigen, 2004 lediglich leichtgradigen
)
Depression haben sich die Gutachter ebenfalls auseinandergesetzt und insbesondere dargelegt, dass und warum diese als gegenwärtig remittiert zu beurteilen sei (vorstehend E. 5.5). S
o
dann
wurde auch der Umfang der Arbeitsfähigkeit, sowohl in der angestammten wie auch in angepasster Tätigkeit, sorgfältig begründet (vorstehend E. 5.3); weshalb dies nicht nachvollziehbar sein sollte, ist nicht ersichtlich und wurde auch in der Beschwerde nicht dargelegt. Schliesslich geht auch der Hinweis auf die Indikatoren im Sinne von BGE 141 V 281 fehl, kommt diese Betrachtungs
weise doch nur bei somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren psy
chosomatischen Leiden
in Frage
(BGE 141 V 281 E. 4.2), woran es vorliegend gerade fehlt.
Das aktuelle Gutachten erfüllt somit alle praxisgemässen Kriterien (vorstehend E. 1.5) vollumfänglich, so dass darauf abzustellen ist.
6.5
Die
Rentenzusprache
von 1999 basierte auf der Annahme einer durch eine mittel
gradige depressive Episode und eine anhaltende somatoforme
Schmerz
störung
verursachten vollständigen Arbeitsunfähigkeit. Die Depression wurde nunmehr als im Beurteilungszeitpunkt remittiert und ohne Einfluss auf die Ar
beitsfähigkeit beurteilt,
und
aufgrund der Persönlichkeitsstörung
besteht in ei
ner näher umschriebenen adaptierten Tätigkeit eine volle
Arbeitsfähigkeit
(vor
stehend E. 5.4).
Somit steht fest, dass die Arbeitsfähigkeit nicht mehr infolge psychischer Beein
trächtigungen vermindert ist, während allerdings - neu - eine Einschränkung um 20
%
aus somatischen Gründen (vorstehend E. 6.1) zu berücksichtigen ist.
Dahingehend ist der Sachverhalt erstellt.
6.6
Mit Blick auf die Invaliditätsbemessung machte der Beschwerdeführer geltend, für das
Valideneinkommen
sei nicht auf die Tabellenlöhne im Gastgewerbe, wo er nur wenige Monate gearbeitet habe, abzustellen, sondern
auf
diejenigen für Hilfsarbeiten allgemein, und beim Invalideneinkommen sei ein Leidensabzug von 25
%
ausgewiesen (
Urk.
1 S. 9
Ziff.
7).
Nach der Rechtsprechung ist beim Einkommensvergleich unter Verwendung statistischer Tabellenlöhne zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträch
tigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitneh
mern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurch
schnittlic
hen Lohnansätzen rechnen müssen
. Sodann ist dem Umstand Rech
nung zu tragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer versi
cherten Person, wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohn
höhe habe
n können
.
O
b und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind,
ist
von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalls (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationali
tät/Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad) abhängig
. Der Einfluss sämt
licher Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermes
sen gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf höchstens
25
%
zu begrenzen ist (BGE 129 V 472 E. 4.2.3
).
Das im Gutachten formulierte Belastungsprofil (vorstehend E. 5.3) entspricht einer wechselbelastenden Tätigkeit. Damit lässt sich kein Abzug vom
Tabellen
lohn
begründen. Auch von den übrigen in Frage kommenden Merkmalen ist, mit einer allfälligen A
usnahme, keines erfüllt; auch die Beschwerde
enthält
kei
nerlei diesbezüglichen Hinweise. Denkbar ist, die
Pensumseinschränkung
um 20
%
zu berücksichtigen, verdienen doch Männer auf der niedrigsten Lohnstufe in
Teilpensen
proportional weniger als im Vollpensum. Dafür kann ein Abzug von maximal 10
%
veranschlagt werden.
Damit kann offen bleiben, auf welche Tabellenlöhne beim
Valideneinkommen
abzustellen ist, denn wenn auf die vom Beschwerdeführer angeführten Löhne abgestellt wird, sind dies die gleichen wie beim Invalideneinkommen, womit bei einer Arbeitsfähigkeit von 80
%
und einem Abzug von 10
%
ein
Invalidenein
kommen
von 72
%
des
Valideneinkommens
und damit eine Einbusse und ein - nicht rentenbegründender - Invaliditätsgrad von 28
%
resultiert.
6.
7
Schliesslich
hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer die angesichts des langjährigen Rentenbezugs angezeigte Unterstützung bei der Verwertung der Restarbeitsfähigkeit (vorstehend E. 1.4) gewährt. Sie hat nach Eingang des Gutachtens ein entsprechendes Gespräch mit ihm geführt; dass im Anschluss daran allfällige berufliche Massnahmen nicht umgesetzt wurden, lag an der Säumnis des Beschwerdeführers (vgl.
Urk.
7/103).
Der verfügten Rentenaufhebung steht dies somit nicht im Weg. Sollte der Be
schwerdeführer nunmehr motivierter sein und ein entsprechendes Gesuch stel
len, wird die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf Eingliederungsmassnah
men erneut zu prüfen haben.
6.
8
Zusammengefasst erweist sich, dass auf das 2013 erstattete Gutachten abzustel
len ist, dass sich der Gesundheitszustand im Vergleich zur
Rentenzusprache
1999 revisionsrelevant verbessert hat und dass kein rentenbegründender
Invali
ditätsgrad
mehr besteht.
Damit erweist sich die verfügte Rentenaufhebung als rechtens, was zur Abwei
sung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
7.
7.1
Mit der Sistierungsverfügung vom 7. Dezember 2015 wurde dem
Beschwer
-
defüh
rer
aufgegeben, einen allfälligen Entscheid der
Sozialhilfebe
hörde
innert 10 Tagen seit Erhalt desselben einzureichen (
Urk.
11 S. 2
Dispositiv
Ziff.
2). Am 1
0.
Juni 2016 stellte der Beschwerdeführer in Aussicht, sich diesbe
züglich auf den aktuellen Stand zu bringen und sich wieder zu melden (
Urk.
13).
Wenn zwischenzeitlich ein Entscheid, wonach der Beschwerdeführer Sozialhilfe erhalte, ergangen wäre, hätte der Beschwerdeführer diesen auflagegemäss innert 10 Tagen eingereicht. Dies ist nicht der Fall.
Sein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertret
ung
ist demzu
folge mangels Substantiierung
(vgl.
Urk.
10)
abzuweisen.
7.2
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem
Beschwerdeführer aufzuerle
gen.