Decision ID: 3854d54f-4ec3-585d-a619-a1566c65d29e
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat eigenen Angaben
zufolge am (...), gelangte zunächst via Katar nach Italien und reiste am 17.
Februar 2016 illegal in die Schweiz ein. Sie suchte gleichentags im Emp-
fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._ um Asyl nach und wurde
dort am 1. März 2016 zu ihrer Identität, zum Reiseweg sowie summarisch
zu den Gesuchsgründen befragt. Ausserdem wurde ihr das rechtliche Ge-
hör zu allfälligen gesundheitlichen Beeinträchtigungen gewährt. Die aus-
führliche Anhörung zu den Asylgründen fand am 25. Juli 2018 statt.
A.b Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen geltend, sie sei Tamilin und stamme aus C._ bei
D._ (Distrikt Jaffna, Nordprovinz). Sie habe in Sri Lanka Probleme
mit Soldaten gehabt. Als sie Mitte (...) 2015 zusammen mit einigen Kolle-
ginnen unterwegs zu einem Kurs gewesen sei, seien sie von vier Soldaten
angehalten und unsittlich angefasst worden. Sie hätten geschrien, worauf
die Soldaten davongelaufen seien. In der Folge hätten sie einen anderen
Weg zum Kurs benutzt. Am (...) 2016 seien sie jedoch erneut von vier Sol-
daten – davon drei dieselben wie beim ersten Mal – aufgehalten worden.
Sie hätten niederknien müssen, dann hätten die Soldaten ihnen Fragen
gestellt, ihre Taschen durchsucht, sie sexuell belästigt und mit Waffen be-
droht. Ihr habe man ausserdem die Identitätskarte abgenommen und ge-
sagt, sie solle sie später im Armee-Camp abholen. Aus Angst, dort verge-
waltigt zu werden, habe sie dies nicht gemacht. Stattdessen sei sie noch
am selben Abend nach E._ gegangen, wo sie in der Folge bis zur
Ausreise geblieben sei. Während dieser Zeit, (...) 2016, hätten die Solda-
ten zuhause nach ihr gesucht und dabei ihren Vater sowie einen Bruder
(F._, N [...]; vgl. D-5077/2018) geschlagen. Ihre Eltern seien ge-
drängt worden, sie zur Rückkehr zu bewegen. Einer ihrer Freunde habe
den Soldaten ihren Wohnort und ihre Telefonnummer in E._ verra-
ten, worauf ihr Vermieter in E._ ebenfalls einen Anruf von den Sol-
daten erhalten habe und aufgefordert worden sei, sie nach Hause zu schi-
cken. Ihre Mutter habe aus diesen Gründen entschieden, dass sie ausrei-
sen müsse, und für sie einen Schlepper organisiert. Nachdem sie sich mit
dessen Hilfe einen Reisepass habe ausstellen lassen, sei sie am (...) aus
Sri Lanka ausgereist. Auch nach ihrer Ausreise hätten die Soldaten mehr-
fach bei ihrer Familie nach ihr gefragt. Ihr Bruder sei später ebenfalls aus-
gereist, nachdem er ihretwegen für drei Monate inhaftiert worden sei. Die
Beschwerdeführerin brachte im Weiteren vor, sie habe erst in der Schweiz
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erfahren, dass Schulkameradinnen aus Neid über ihre guten Schulnoten
Informationen über die Verbindungen ihrer Familie zu den Liberation Tigers
of Tamil Eelam (LTTE) an die Soldaten weitergegeben hätten; dies sei der
Grund für die Behelligungen durch die Soldaten gewesen. Ihre Tante sei
nämlich zweiter Leutnant bei den LTTE gewesen und im Jahr 1995 ums
Leben gekommen. Auch ihr Vater habe Verbindungen zu den LTTE gehabt,
sie wisse dazu aber nichts Näheres. Diese Schulkameradinnen hätten den
Soldaten zudem den Auftrag gegeben, sie zu vergewaltigen, damit sie nicht
mehr zurück an die Universität komme. Aus diesem Grund hätten die Sol-
daten auch noch nach ihrem Wegzug aus D._ nach ihr gesucht.
A.c Die Beschwerdeführerin reichte im Rahmen des vorinstanzlichen Ver-
fahrens einen Auszug aus dem Geburtsregister (inkl. Übersetzung) sowie
Schulzeugnisse zu den Akten.
B.
Das SEM stellte mit Verfügung vom 3. August 2018 fest, die Asylvorbringen
seien weder glaubhaft noch asylrelevant. Daher verneinte es die Flücht-
lingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte das Asylgesuch ab und
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvoll-
zug.
C.
Die Beschwerdeführerin focht diesen Entscheid mit Beschwerde vom
6. September 2018 beim Bundesverwaltungsgericht an. Sie beantragte die
Aufhebung der Dispositivziffern 1–4 der vorinstanzlichen Verfügung, die
Anerkennung als Flüchtling und die Gewährung von Asyl. Eventuell sei sie
als Flüchtling vorläufig aufzunehmen, subeventuell sei der vorinstanzliche
Entscheid aufzuheben und die Sache zwecks vollständiger Erhebung des
Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
sowie um unentgeltliche Verbeiständung.
Der Beschwerde lagen eine Kopie der vorinstanzlichen Verfügung vom
3. August 2018 sowie ein Foto bei.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 11. September 2018 hiess die Instruktions-
richterin die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
D-5083/2018
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und unentgeltlichen Verbeiständung unter Vorbehalt des Nachreichens ei-
ner Fürsorgebestätigung gut und forderte die Beschwerdeführerin auf, in-
nert Frist eine Fürsorgebestätigung einzureichen sowie eine Rechtsvertre-
tung zu bezeichnen, ansonsten auf die Verfügung betreffend Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege zurückzukommen sei und von einem
Rückzug des Gesuchs um amtliche Verbeiständung ausgegangen werde.
E.
Die daraufhin mandatierte Rechtsvertreterin reichte mit Eingabe vom
26. September 2018 eine Vollmacht vom 19. September 2018 sowie eine
Unterstützungsbestätigung vom 18. September 2018 zu den Akten.
F.
Mit Verfügung vom 2. Oktober 2018 wurde der Beschwerdeführerin ihre
Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet.
G.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 8. Oktober 2018 vollumfäng-
lich an seiner Verfügung fest. Der Beschwerdeführerin wurde diese Ver-
nehmlassung am 11. Oktober 2018 zur Kenntnis gebracht.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer Vor-
instanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das Sach-
gebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. Demnach
ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung von Be-
schwerden gegen Entscheide des SEM auf dem Gebiet des Asyls, und ent-
scheidet in diesem Bereich in der Regel – und so auch vorliegend – end-
gültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
D-5083/2018
Seite 5
1.4 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht. Die Be-
schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtenen Verfügungen besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist demnach einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentli-
chen aus, es sei der Beschwerdeführerin nicht gelungen, die Belästigun-
gen durch die Soldaten substanziiert und nachvollziehbar zu schildern. Ihr
Verhalten (Beantragung eines Reisepasses in E._, Mitteilung ihrer
Adresse und Telefonnummer in E._ an ihre Freundinnen) entspre-
che zudem nicht demjenigen einer verfolgten Person. Es sei ausserdem
realitätsfremd, dass die Soldaten, obwohl sie ihre Adresse in E._
gekannt hätten, sie nicht direkt vor Ort aufgesucht, sondern weiterhin ihre
Familie behelligt hätten. Es sei auch nicht nachvollziehbar, dass die Solda-
ten sie hätten vergewaltigen wollen, weil neidische Schulfreundinnen diese
über die LTTE-Verbindungen ihrer Familienangehörigen informiert und sie
angestiftet hätten, sie zu vergewaltigen, um sie von ihrem Studienplatz
fernzuhalten. Ihre Tante sei vor über zwanzig Jahren verstorben, und die
LTTE sei seit Mai 2009 besiegt. Ausserdem habe die Beschwerdeführerin
in der Befragung zur Person (BzP) mit keinem Wort erwähnt, dass auch ihr
Vater bei den LTTE gewesen sei. Es sei davon auszugehen, dass sie in-
haftiert und eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet worden wäre,
falls man sie ernsthaft verdächtigt hätte, mit den LTTE in Verbindung zu
stehen respektive diese zu unterstützen. Dies sei jedoch nicht geschehen.
Im Weiteren habe sich die Beschwerdeführerin in Bezug auf die Frage, wie
die Soldaten in den Besitz ihrer Identitätskarte gekommen seien, wider-
sprochen. Ihre Aussage, wonach sie nicht ins Camp gegangen sei, um ihre
Identitätskarte abzuholen, weil ihr gesagt worden sei, sie müsse alleine
kommen, überzeuge nicht. Auch die Vorbringen, wonach es ihr ohne Iden-
titätskarte nicht möglich gewesen sei, die Universität zu besuchen, und sie
Sri Lanka nicht verlassen hätte, wenn ihr nicht die Identitätskarte abgenom-
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men worden wäre, seien nicht einleuchtend, zumal sie sich vor ihrer Aus-
reise einen sri-lankischen Reisepass habe ausstellen lassen, was ihr den
Zugang zur Universität ermöglicht hätte. Schliesslich sei auch nicht plausi-
bel, dass sie aus Zeitmangel und weil sie gehofft habe, die Identitätskarte
würde retourniert, keine Anzeige gegen die Soldaten erstattet habe. Die
Asylvorbringen seien aus diesen Gründen nicht glaubhaft. Im Übrigen wäre
auch die Asylrelevanz zu verneinen, da die Belästigungen nicht aus einem
Grund gemäss Art. 3 AsylG erfolgt und zudem von geringer Intensität ge-
wesen seien. Es bestehe sodann auch kein begründeter Anlass zur An-
nahme, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Sri Lanka
aus anderen Gründen mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehba-
rer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt wäre (Ver-
weis auf die im Referenzurteil E-1866/2015 des BVGer vom 15. Juli 2016
definierten Risikofaktoren). Die Vorbringen der Beschwerdeführerin wür-
den insgesamt den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit respektive die
Flüchtlingseigenschaft nicht standhalten, weshalb die Flüchtlingseigen-
schaft zu verneinen und das Asylgesuch abzulehnen sei. Das Dossier des
Bruders (N [...]) sei beigezogen worden und ändere nichts an dieser Ein-
schätzung. Die Vorinstanz legte im Weiteren dar, der Wegweisungsvollzug
nach Sri Lanka sei zulässig, zumutbar und möglich. Hinsichtlich der Frage
der individuellen Zumutbarkeit des Vollzugs verwies das SEM insbeson-
dere auf das am Herkunftsort bestehende Beziehungsnetz und die finanzi-
elle Unterstützung der Familie durch einen Onkel in Grossbritannien.
3.2 In der Beschwerde wiederholt die Beschwerdeführerin zunächst ihre
Asylgründe und macht geltend, ihre Aussagen in der Anhörung würden mit
denjenigen in der BzP übereinstimmen, seien detailliert und enthielten aus-
serdem ausreichend Realkennzeichen. Hinsichtlich der Abnahme der Iden-
titätskarte sei zu präzisieren, dass sie der Aufforderung, die Identitätskarte
vorzuweisen, nicht nachgekommen sei, worauf sie durchsucht und ihr die
Identitätskarte weggenommen worden sei. Bezüglich der Identität der Sol-
daten habe sie nicht die Wahrheit gesagt: Bei beiden Vorfällen seien die-
selben vier Soldaten anwesend gewesen, und einen davon habe sie im
Jahr 2011 in der Kadettenschule (vgl. das eingereichte Foto) kennenge-
lernt. Dieser sei massgeblich an den sexuellen Übergriffen beteiligt gewe-
sen. Dies erkläre das starke Interesse an ihrer Person sowie die Tatsache,
dass einzig ihre Identitätskarte eingezogen worden sei. Ihre Mutter habe
ihr geraten, dies nicht zu erwähnen. Dem (allfälligen) Vorwurf, diese Aus-
sage sei nachgeschoben, sei zu entgegnen, dass sexuelle Übergriffe auf-
grund von Schuld- und Schamempfinden häufig erst verspätet vorgebracht
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Seite 7
würden (Verweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri-
schen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 17 E. 4 a–c). Sie sei nur
dank äusserer Umstände nicht vergewaltigt worden; die Flucht infolge des
entstandenen psychischen Drucks sei nachvollziehbar. Aufgrund ihrer Be-
kanntschaft mit dem Haupttäter sowie der gemeinsamen Vergangenheit
sei von einer systematischen Verfolgung auszugehen, welche die gemäss
Art. 3 AsylG erforderliche Intensität aufweise. Die Gefährdung des Lebens
und der Freiheit stelle immer eine Verfolgung dar. Diese müsse eine ge-
wisse Intensität aufweisen und zielgerichtet sein, ausserdem seien die
frauenspezifischen Fluchtgründe zu beachten. Ihr Bruder wisse nicht, dass
sie den einen Soldaten gekannt habe und dass es schon im Vorfeld der im
Asylgesuch geltend gemachten Vorfälle zu Intimitäten und Grenzüber-
schreitungen gekommen sei; er dürfe dies auch nicht erfahren. Die Verbin-
dung ihrer Familie zu den LTTE habe sie in beiden Befragungen erwähnt.
Von der LTTE-Vergangenheit ihres Vaters habe sie erst in der Schweiz er-
fahren. Ihr Vater habe ihr ferner gesagt, er habe nach ihrer Geburt einige
Jahre lang in Saudi-Arabien gelebt, weil er sich vor strafrechtlicher Verfol-
gung gefürchtet habe. Die Familie habe damals an einen anderen Ort zie-
hen müssen. Als ihre Freundinnen die Soldaten über die LTTE-Vergangen-
heit ihres Vaters und ihrer Tante informiert hätten, habe sie sich bereits auf
der Flucht befunden. Es sei davon auszugehen, dass Untersuchungen ein-
geleitet worden seien und ihr im Falle einer Rückkehr ernsthafte Nachteile
erwachsen würden. Das SEM habe die Asylvorbringen nicht ausgewogen
geprüft und die Argumente, welche für ihre Vorbingen sprächen, nament-
lich die zahlreichen Realkennzeichen, nicht ausreichend gewürdigt. Damit
habe die Vorinstanz den Untersuchungsgrundsatz und den Anspruch auf
rechtliches Gehör verletzt, weshalb die Sache eventuell zur erneuten Ab-
klärung an die Vorinstanz zurückzuweisen sei.
4.
In der Beschwerde wird unter anderem gerügt, das SEM habe die ihm ob-
liegende Prüfungspflicht sowie den Untersuchungsgrundsatz verletzt.
Dazu ist Folgendes festzustellen: Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde
den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der
unter Buchstaben a–e aufgelisteten Beweismittel (Untersuchungsgrund-
satz). Alle erheblichen Parteivorbringen sind sodann zu prüfen und zu wür-
digen (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG; vgl. auch Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG
[Grundsatz des rechtlichen Gehörs]). Die Beschwerdeführerin rügt zwar
eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, führt jedoch nicht näher
aus, inwiefern sie den der vorinstanzlichen Verfügung zugrunde liegenden
Sachverhalt als unvollständig oder allenfalls unrichtig erachtet respektive
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inwiefern die Vorinstanz weitere Abklärungen hätte treffen müssen. Aus
Sicht des Gerichts sind keine Mängel in der Sachverhaltsfeststellung aus-
zumachen; der rechtserhebliche Sachverhalt wurde vom SEM ausreichend
erstellt. Die Vorinstanz hat ferner in ihrem Entscheid alle wesentlichen
Sachverhaltselemente geprüft und gewürdigt sowie ausführlich begründet,
weshalb ihrer Auffassung nach die Flüchtlingseigenschaft der Beschwer-
deführerin zu verneinen sei. Der blosse Umstand, dass die Beschwerde-
führerin mit der vom SEM vorgenommenen Sachverhaltswürdigung nicht
einverstanden ist, weist nicht auf eine Verletzung der Prüfungspflicht hin,
sondern beschlägt die Frage der materiellen Richtigkeit der vorinstanzli-
chen Verfügung. Die vorgebrachten formellen Rügen erweisen sich damit
als unbegründet, und es besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung zu kassieren.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politi-
schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder
begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rech-
nung zu tragen (Art. 3 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigen-
schaft erfüllt (vgl. Art. 3 und 7 AsylG).
6.1 Die Beschwerdeführerin begründet ihr Asylgesuch mit einer Verfolgung
durch Soldaten; diese hätten sie im (...) 2015 sowie im (...) 2016 sexuell
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belästigt und auch danach noch gesucht. Aufgrund ihrer Schilderungen so-
wie der bekannten Tatsache, dass Frauen in Sri Lanka sehr häufig Opfer
von sexueller Belästigung werden, kann grundsätzlich nicht ausgeschlos-
sen werden, dass die Beschwerdeführerin tatsächlich von Soldaten behel-
ligt wurde. Auf eine eingehende Prüfung der Glaubhaftigkeit dieses Vor-
bringens kann indessen verzichtet werden, da aus nachfolgenden Gründen
nicht davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin im Ausreisezeit-
punkt einer asylbeachtlichen Verfolgung ausgesetzt war oder im Zusam-
menhang mit den geltend gemachten Verfolgungshandlungen zukünftig
eine solche zu befürchten hätte.
6.1.1 Zunächst ist festzustellen, dass sich die Beschwerdeführerin vor der
Ausreise ungefähr drei Wochen lang in E._ aufgehalten hat und
dort keinerlei konkreten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war. Ihren
Angaben zufolge kannten die Soldaten zumindest die Telefonnummer ihres
Vermieters in E._ (vgl. A14 F78). Es ist daher davon auszugehen,
dass diese sie in E._ aufgesucht hätten, falls sie tatsächlich ernst-
haft daran interessiert gewesen wären, ihrer habhaft zu werden. Die Tatsa-
che, dass dies nicht geschehen ist, weist darauf hin, dass die Soldaten
bereits damals keine ernsthaften Verfolgungsabsichten (mehr) hegten. Es
kann aus diesem Grund auch nicht geglaubt werden, dass die Beschwer-
deführerin nach ihrem Weggang aus D._ mehrmals zuhause ge-
sucht wurde (angeblich, weil neidische Schulkameradinnen die Soldaten
angestiftet hätten, sie zu vergewaltigen [vgl. A14 F137]). Der Eindruck der
Unglaubhaftigkeit dieses Vorbringens wird erhärtet durch den Umstand,
dass sich die Beschwerdeführerin hinsichtlich der Anzahl Soldaten, welche
angeblich zuhause nach ihr gesucht haben, widersprochen hat (vgl. A3
Ziff. 7.01 [ein Soldat] vs. A14 F138 [vier Soldaten]). Darüber hinaus fällt
auf, dass die Beschwerdeführerin unterschiedliche Gründe für ihre Aus-
reise aus Sri Lanka vorbrachte: In der Beschwerde erklärt sie, sie sei aus
Furcht vor einer zukünftigen Vergewaltigung aus Sri Lanka ausgereist. Im
vorinstanzlichen Verfahren machte sie einmal geltend, sie sei ausgereist,
weil sie «gefoltert» worden sei (vgl. A14 F144), andernorts bringt sie vor,
sie sei davon ausgegangen, ohne Identitätskarte nicht zum Studium zuge-
lassen zu werden; letztlich sei sie aus diesem Grund ausgereist (vgl. vgl.
A3 S. 8, Ziff. 7.01; A14 F176). Diese Ungereimtheiten in Bezug auf den
effektiven Ausreisegrund stützen den Eindruck, dass die Beschwerdefüh-
rerin vor ihrer Ausreise keiner konkreten und aktuellen Verfolgung ausge-
setzt war.
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6.1.2 Im Weiteren ist nicht davon auszugehen, dass die erlittenen Belästi-
gungen einen Zusammenhang aufweisen mit den geltend gemachten
LTTE-Verbindungen von Familienangehörigen der Beschwerdeführerin.
Gemäss ihren Schilderungen im vorinstanzlichen Verfahren betrafen näm-
lich die Belästigungen nicht ausschliesslich sie, sondern auch ihre Kolle-
ginnen. Diese mussten angeblich nur deshalb ihre Identitätskarten nicht
abgeben, weil sie gar keine auf sich trugen (vgl. A14 F82 ff., F110 f.). Aus-
serdem ist die Tante, welche angeblich eine LTTE-Offizierin gewesen ist,
offenbar bereits im Jahr 1995 verstorben, und die angeblichen, nicht näher
spezifizierten Aktivitäten des Vaters für die LTTE liegen ebenfalls schon
viele Jahre zurück. Die Beschwerdeführerin machte weder geltend, des-
wegen schon früher Probleme gehabt zu haben, noch anlässlich der bei-
den Vorfälle von den Soldaten darauf angesprochen worden zu sein. Ihre
Darstellung, neidische Schulkameradinnen hätten den Soldaten von der
LTTE-Vergangenheit ihrer Familienangehörigen erzählt, um so die Verfol-
gung in Gang zu bringen und ihr damit das Studium zu vereiteln (vgl. A14
F116 ff.), ist daher als völlig unplausibel zu qualifizieren; diese Behauptung
widerspricht zudem dem Vorbringen in der Beschwerde, wonach der Grund
für die Belästigungen durch die Soldaten darin zu erblicken sei, dass der
eine Soldat an ihr interessiert gewesen sei; sie kenne ihn aus der Kadet-
tenschule, und er habe ihr schon früher unwillkommene Avancen gemacht
(vgl. dazu auch nachfolgend).
6.1.3 Aufgrund der Vorbringen der Beschwerdeführerin ist bei Wahrunter-
stellung nicht von einer offiziellen, von den Behörden ausgehenden Verfol-
gung aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Gründe auszugehen,
sondern von einem sexuell motivierten, individuellen Fehlverhalten einzel-
ner Soldaten. Den Schilderungen der Beschwerdeführerin zufolge liessen
die Männer jeweils von ihr und ihren Kolleginnen ab, als andere Personen
in die Nähe kamen, was darauf schliessen lässt, dass ihnen die Wider-
rechtlichkeit ihres Verhaltens durchaus bewusst war und sie sich dabei
nicht erwischen lassen wollten. Wie die Beschwerdeführerin (erst) in der
Beschwerde ausführt, kannte sie einen der Haupttäter aus der (...), welche
sie im Jahr (...) besucht habe; er sei schon damals übergriffig geworden.
Solches Verhalten ist in Sri Lanka grundsätzlich strafbar (vgl. Art. 354 des
sri-lankischen Strafgesetzbuchs), und es weist im vorliegenden Fall nichts
darauf hin, dass die sri-lankischen Behörden aufgrund einer frauenspezifi-
schen Diskriminierung das widerrechtliche Verhalten der Soldaten wissent-
lich geduldet und/oder einer (vorliegend aus nicht nachvollziehbaren Grün-
den nicht erfolgten; vgl. A14 F184 ff.) Strafanzeige keine Folge geleistet
hätten (vgl. auch Urteil des BVGer E-2449/2017 vom 7. Mai 2018, E. 6.3.1
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Seite 11
f.). Im Übrigen ist mit Blick auf die dargelegten Belästigungen (Berührun-
gen im Bauch- und Brustbereich sowie am Hintern, Küssen, Drohungen;
vgl. Ziff. 7.01; A14 F83, F103 f.) auch das Kriterium der genügenden Inten-
sität der Verfolgungshandlungen zu verneinen.
6.1.4 Aufgrund der Aktenlage sowie der vorstehenden Erwägungen ist da-
von auszugehen, dass seitens der sri-lankischen Behörden nichts gegen
die Beschwerdeführerin vorliegt. Für die in der Beschwerde (vgl. B. I. Bst. g
in fine) ohne nähere Angaben geäusserte Vermutung, es seien «Untersu-
chungen» gegen sie eingeleitet worden, finden sich in den Akten keinerlei
Hinweise.
6.1.5 Der Beschwerdeführerin ist es nach dem Gesagten insgesamt nicht
gelungen glaubhaft zu machen, dass sie im Ausreisezeitpunkt einer Verfol-
gung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt war. Aufgrund der vorstehenden
Erwägungen kann ihr auch keine begründete Furcht vor zukünftiger asyl-
beachtlicher Verfolgung im Zusammenhang mit den geltend gemachten
Behelligungen durch Soldaten zuerkannt werden.
6.2 Es bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin im Falle ihrer Rückkehr
nach Sri Lanka aus anderen Gründen flüchtlingsrechtlich relevante Verfol-
gungsmassnahmen zu befürchten hätte.
6.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 [als Referenzurteil publiziert] unter Berücksichtigung von
zahlreichen einschlägigen Quellen eine Analyse der Situation von Rück-
kehrenden nach Sri Lanka vorgenommen und dabei verschiedene Kriterien
aufgestellt, die ein Verfolgungsrisiko begründen. Drei Faktoren wurden da-
bei als stark risikobegründend qualifiziert: eine tatsächliche oder vermeint-
liche, aktuelle oder vergangene Verbindung zu den LTTE (darunter fallen
auch tatsächliche oder vermutete familiäre Verbindungen zu LTTE-Mitglie-
dern und Hilfeleistungen für die LTTE [a.a.O., E. 8.4.1]), die Teilnahme an
exilpolitischen regimekritischen Handlungen sowie frühere Verhaftungen
durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang mit
einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE. Demgegen-
über würden das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine zwangs-
weise respektive durch die International Organisation for Migration (IOM)
begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Narben schwach risikobegrün-
dende Faktoren darstellen. Im Urteil wird weiter ausgeführt, von den Rück-
kehrenden, die diese Risikofaktoren erfüllten, habe allerdings nur eine
kleine Gruppe tatsächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte
D-5083/2018
Seite 12
Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten; und zwar jene Perso-
nen, die nach Ansicht der sri-lankischen Behörden bestrebt seien, den ta-
milischen Separatismus wiederaufleben zu lassen, und deshalb eine Ge-
fahr für den sri-lankischen Einheitsstaat darstellten (a.a.O., E. 8.5.3). Mit
Blick auf die dargelegten Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkeh-
rer gefährdet, deren Namen in der am Flughafen in E._ abrufbaren
«Stop-List» vermerkt seien und deren Eintrag den Hinweis auf eine Verhaf-
tung beziehungsweise einen Strafregistereintrag im Zusammenhang mit
einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE enthalte.
Entsprechendes gelte für sri-lankische Staatsangehörige, die sich im Aus-
land regimekritisch betätigt hätten (a.a.O., E. 8.5.5).
6.2.2 Diesbezüglich ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin weder
in Sri Lanka noch in der Schweiz politisch aktiv war respektive ist und ins-
besondere nie als Befürworterin des tamilischen Separatismus in Erschei-
nung getreten ist. Es bestehen auch keine Hinweise darauf, dass sie per-
sönlich Kontakte zu den LTTE oder zu tamilischen Exilorganisationen un-
terhalten hat oder aktuell pflegt. Sie macht zwar geltend, ihr Vater sowie
ihre Tante seien Mitglieder der LTTE gewesen respektive hätten diese un-
terstützt, doch ist die Tante schon seit dem Jahr 1995 – mithin vor der Ge-
burt der Beschwerdeführerin – verstorben, und auch die angeblichen, der
Beschwerdeführerin nicht näher bekannten Aktivitäten des Vaters sind
lange her. Die Beschwerdeführerin geriet weder in der Vergangenheit noch
vor ihrer Ausreise aus Sri Lanka je deswegen ins Visier der sri-lankischen
Behörden (vgl. dazu bereits vorstehend E. 6.1.2). Das auf Beschwerde-
ebene nachgeschobene Vorbringen, der Vater habe nach der Geburt der
Beschwerdeführerin aufgrund einer befürchteten Verfolgung wegen seiner
Aktivitäten zugunsten der LTTE vorübergehend in Saudi-Arabien gelebt,
und die Familie habe damals umziehen müssen (vgl. Beschwerde B. I.
Bst. g), ist zu bezweifeln, da es der Aussage in der Anhörung widerspricht,
wonach die Beschwerdeführerin von Geburt bis einen Monat vor der Aus-
reise immer an derselben Adresse in D._ gelebt hat (vgl. A14
F41 f.). Mangels anderweitiger diesbezüglicher Hinweise ist daher davon
auszugehen, dass auch ihre Familienangehörigen keinen konkreten Ver-
folgungsmassnahmen aufgrund der angeblichen LTTE-Unterstützung des
Vaters und der Tante ausgesetzt waren oder sind. Damit erscheint es un-
wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka deswegen ernsthafte Nachteile zu gewärtigen hätte. Aus Europa
respektive der Schweiz nach Sri Lanka zurückkehrende tamilische Asylsu-
chende sind ferner nicht per se einer ernstzunehmenden Gefahr ausge-
setzt, bei ihrer Rückkehr ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu
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erleiden, sondern nur dann, wenn die sri-lankischen Behörden das Verhal-
ten der zurückkehrenden Person mutmasslich als staatsfeindlich einstufen.
Diese Voraussetzung ist vorliegend nicht erfüllt. Die Beschwerdeführerin
war in Sri Lanka nie inhaftiert oder gar angeklagt, hatte – abgesehen von
den vorstehend erörterten, inoffiziellen Behelligungen durch Soldaten –
keinerlei Probleme mit den heimatlichen Behörden, war wie bereits ausge-
führt nie politisch oder im LTTE-Umfeld tätig und ist legal aus Sri Lanka
ausgereist. Es ist aufgrund der Aktenlage nicht davon auszugehen, dass
sie in Sri Lanka einschlägig registriert ist oder gar auf einer Fahndungsliste
der heimatlichen Behörden steht und im Falle ihrer Rückkehr einer erhöh-
ten Verfolgungsgefahr unterliegt. Daher erscheint es selbst in Anbetracht
der jüngeren Lageentwicklung in Sri Lanka insgesamt unwahrscheinlich,
dass sie bei einer Rückkehr infolge ihres Aufenthalts in der Schweiz in asyl-
relevanter Weise gefährdet wäre.
6.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asyl-
gründe nicht geeignet sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrechtlich rele-
vante Verfolgung beziehungsweise eine entsprechende Verfolgungsfurcht
zu begründen. Die im vorliegenden Verfahren beigezogenen Akten des
Bruders (F._, N [...]; vgl. D-5077/2018), dessen Beschwerde mit
datumsgleichem Urteil abgewiesen wird, vermögen an dieser Einschät-
zung nichts zu ändern. Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände
folgt, dass die Beschwerdeführerin keine Gründe nach Art. 3 AsylG nach-
weisen oder glaubhaft machen konnte. Die Vorinstanz hat daher zu Recht
die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG).
7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
Abs. 1 AsylG; BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
D-5083/2018
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In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge-
mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be-
weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu
beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.1.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
8.1.2 Das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot schützt nur Personen,
welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin
nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung nachzu-
weisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte
Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-
wendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist demnach unter dem
Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
8.1.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdefüh-
rerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer
Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr («real risk») nach-
weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kam-
mer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde
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Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, m.w.H.). Der EGMR hat zudem wiederholt
festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe
in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Vielmehr müsse eine Risi-
koeinschätzung im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. beispielsweise
das EGMR-Urteil R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013,
Nr. 10466/11, Ziff. 37). Die Einzelfallprüfung fällt mangels hinreichender
Anhaltspunkte vorliegend negativ aus (vgl. vorstehend E. 6). Die vom
EGMR genannten Faktoren sind im Wesentlichen durch die im Referenz-
urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 in
den Erwägungen 8.4 und 8.5 identifizierten Risikofaktoren abgedeckt. Vor-
liegend wurde bereits festgestellt, dass aufgrund der Aktenlage nicht davon
auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr aus der
Schweiz nach Sri Lanka die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden
in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich ziehen wird.
Demnach bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, dass ihr aus densel-
ben Gründen eine menschenrechtswidrige Behandlung im Heimatland dro-
hen würde. Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den
Wegweisungsvollzug im heutigen Zeitpunkt ebenfalls nicht als unzulässig
erscheinen. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der jüngsten Ereignisse
in Sri Lanka, namentlich der im November 2019 erfolgten Wahl von Gota-
baya Rajapaksa zum Präsidenten.
8.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.2.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Zurzeit herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. In den beiden Refe-
renzurteilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D-3619/2016 vom 16. Ok-
tober 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Einschätzung
der Lage in Sri Lanka vorgenommen. Dabei hat es festgestellt, dass der
Wegweisungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz
unter Einschluss des Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorliegen von
bestimmten individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz
eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aus-
sicht auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden
kann. An dieser Einschätzung vermögen die Gewaltvorfälle in Sri Lanka
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vom 21. April 2019, der gleichentags von der sri-lankischen Regierung ver-
hängte und am 28. August 2019 aufgehobene Ausnahmezustand sowie die
mit den Wahlen im November 2019 zusammenhängenden gewalttätigen
Ausschreitungen nichts zu ändern (vgl. statt vieler Urteil des BVGer
E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.3).
8.2.2 Das SEM hat demnach den Vollzug der Wegweisung der Beschwer-
deführerin an ihren Herkunftsort im Distrikt Jaffna, Nordprovinz, zu Recht
als generell zumutbar erachtet.
8.2.3 In Bezug auf die individuellen Zumutbarkeitskriterien ist für den vor-
liegenden Fall festzustellen, dass es sich bei der Beschwerdeführerin um
eine heute (...)-jährigen Frau ohne aktenkundige gesundheitliche Prob-
leme und mit guter Schulbildung (A-Level-Abschluss) handelt. Es ist ihr
grundsätzlich zuzumuten, sich nach ihrer Rückkehr nach Sri Lanka eine
wirtschaftliche Lebensgrundlage aufzubauen. Ihren Angaben zufolge leben
mehrere Verwandte nach wie vor am Herkunftsort, darunter insbesondere
ihre Eltern und ihr jüngerer Bruder sowie zwei verheiratete Tanten. Die El-
tern verfügen über ein Eigenheim (vgl. A14 F55). Somit kann festgestellt
werden, dass die Beschwerdeführerin an ihrem Herkunftsort über ein trag-
fähiges soziales Beziehungsnetz sowie eine gesicherte Wohnmöglichkeit
verfügt. Die Beschwerde ihres älteren Bruders (F._, N [...]; vgl. D-
5077/2018) wird mit datumsgleichem Urteil ebenfalls abgewiesen. Es kann
daher davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin mit ihm
zusammen ins Heimatland zurückkehren kann. Insgesamt ist der Vollzug
der Wegweisung auch in individueller Hinsicht als zumutbar zu erachten.
8.3 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12 S. 513–515), weshalb der Vollzug der Wegweisung
auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei-
sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat.
Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht
(Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
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vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten der Be-
schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch
das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessfüh-
rung mit Verfügung vom 11. September 2018 gutgeheissen worden ist,
werden keine Verfahrenskosten erhoben.
10.2 Mit derselben Verfügung wurde ferner auch das Gesuch um amtliche
Verbeiständung gutgeheissen. Die Festsetzung des amtlichen Honorars
erfolgt in Anwendung der Art. 8–11 sowie Art. 12 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). In Ermangelung einer Kosten-
note sind die notwendigen Parteikosten aufgrund der Akten zu bestimmen
(Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Die am 19. September 2018 mandatierte
Rechtsvertreterin hat den Akten zufolge lediglich am 26. September 2018
ihre Mandatsübernahme mitgeteilt und eine Unterstützungsbestätigung be-
treffend die Beschwerdeführerin eingereicht. Anderweitige Aufwendungen
oder Auslagen sind nicht aktenkundig. Angesichts dessen wird der amtli-
chen Rechtsbeiständin ein amtliches Honorar von insgesamt Fr. 150.– aus-
gerichtet (Art. 7 Abs. 4 VGKE).
(Dispositiv nächste Seite)
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