Decision ID: 6b6bfe47-a604-49e4-9628-5a1fb330d0e7
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) schloss auf den 1. Mai 2015 eine Kollektiv-
Taggeldversicherung bei der Helsana Versicherungen AG (nachfolgend: Helsana) ab.
Die Höhe des Erwerbseinkommens wurde auf Fr. 48'000.-- festgesetzt (Police vom
12. Mai 2015, act. G 2a). Am 14. April 2016 meldete sie sich bei der
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 35).
A.a.
Die Helsana beantragte am 20. April 2016 gegenüber der IV-Stelle für den Fall
einer Zusprache einer Rente oder von beruflichen Massnahmen die Verrechnung ihrer
Krankentaggeldleistungen (IV-act. 37).
A.b.
Mit Vorbescheid vom 4. Dezember 2019 kündigte die IV-Stelle der Versicherten
die Zusprache einer ganzen Rente ab dem 1. November 2016, einer Dreiviertelsrente
ab dem 1. April 2018 und einer Viertelsrente ab dem 1. Juli 2019 an (IV-act. 33). Für die
Berechnung der Rentenhöhe wurde der Fall an die Ausgleichskasse der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (nachfolgend: AK) überwiesen.
Diese teilte am 5. Februar 2020 der Helsana mit, die Versicherte habe für die Zeit vom
1. November 2016 bis 29. Februar 2020 Anspruch auf Nachzahlung der IV in der Höhe
von Fr. 94'244.-- (IV-act. 28).
A.c.
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Die Helsana stellte am 4. März 2020 Antrag auf Verrechnung für die Zeit vom
1. Dezember 2016 bis 21. November 2017 (IV-act. 25-1 f.). Mit Schreiben vom 9. März
2020 informierte sie die Versicherte, sie habe ihr für den Zeitraum vom 1. November
2016 bis 21. November 2017 eine Überentschädigung von Fr. 42'942.50 ausgerichtet
und werde diese im Betrag von Fr. 39'108.55 direkt von der IV zurückfordern (IV-
act. 25-5 f.).
A.d.
Mit Schreiben vom 11. März 2020 machte die Versicherte gegenüber der Helsana
geltend, eine Verrechnung stehe ihr aus diversen Gründen nicht zu: Es bestehe eine
Lohnsummenversicherung in der Höhe von Fr. 48'000.--. Falls dennoch eine Schaden
versicherung vorliegen solle, sei von einem den Betrag von Fr. 48'000.-- wesentlich
überschreitenden Erwerbseinkommen auszugehen. Sodann seien die Leistungen der IV
weder sachlich noch personell kongruent zu den von ihr ausgerichteten Leistungen.
Weiter habe sie den Verrechnungsantrag erst am 4. März 2020, nach Ablauf der von
der IV gesetzten Frist am 24. Februar 2020, gestellt. Zudem sei der
Verrechnungsanspruch verjährt. Schliesslich sei der Verrechnungsantrag nicht gültig,
da ihre unterschriftliche Einverständniserklärung fehle. Sie habe daher ihren Anspruch
ihr – der Versicherten – gegenüber zivilrechtlich geltend zu machen (IV-act. 23-7 ff.).
A.e.
Mit Eingabe vom 11. März 2020 erklärte die Versicherte gegenüber der AK, sie
halte eine Verrechnung zugunsten der Helsana aus verschiedenen Gründen für
unzulässig. Die Verrechnungsgrundlagen der Helsana seien falsch/unvollständig.
Zudem sei ihr mit Vorbescheid vom 4. Dezember 2019 zur Verrechnung kein
rechtliches Gehör gewährt worden (IV-act. 23-1 f.). Am 19. März 2020 ersuchte die
Versicherte die AK um eine zeitnahe Verfügung über die ihr zustehenden
Rentenbeträge und deren Auszahlung (IV-act. 21-1 f.).
A.f.
Offenbar fand am 27. März 2020 ein Telefonat zwischen der Versicherten und der
Helsana statt (IV-act. 19-3, 6). Die Helsana nahm ergänzend per Mail Stellung, die
Versicherte verfüge über eine Schadenversicherung. Für die
Überentschädigungsgrenze seien die versicherten Leistungen in der Höhe von
Fr. 48'000.-- massgebend. Da sie bereits am 20. April 2016 einen Verrechnungsantrag
gestellt habe, sei ihr Anspruch nicht verjährt. Gemäss ihren Allgemeinen
Versicherungsbedingungen (AVB) könne sie Leistungen, die sie im Hinblick auf
A.g.
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B.
Leistungen der IV erbringe, direkt und ohne Einverständniserklärung der Versicherten
von der IV zurückfordern (IV-act. 19-6 f.). In einem Schreiben vom 28. März 2020 an die
Helsana führte die Versicherte im Wesentlichen aus, die Vertragsbestimmungen der
Helsana seien rechtswidrig und widersprüchlich. Die Forderung einer Verrechnung
nach Ablauf der von der IV gesetzten Frist verstosse gegen Treu und Glauben. Ihr
Schreiben vom 20. April 2016 schliesse eine Verjährung nicht aus und sie habe keinen
Verjährungsverzicht abgegeben. Sie sei genötigt, entweder der Verrechnung
zuzustimmen oder aber weiterhin die Leistungen der IV abzuwarten (IV-act. 19-3 ff.).
Die Versicherte dokumentierte am 28. März 2020 die AK mit den Vorgängen vom
27./28. März 2020 und machte geltend, die AK sei nicht zuständig, das zivilrechtliche
Vertragsverhältnis zwischen ihr und der Helsana zu beurteilen. Sie erbete vor einer
allfälligen Überweisung an die Helsana eine Verfügung und gebe zu bedenken, dass ihr
dazu das rechtliche Gehör bislang nicht gewährt worden sei (IV-act. 19-1 f.).
Am 2. April 2020 verfügte die IV-Stelle die Zusprache einer abgestuften Rente
entsprechend dem Vorbescheid (ab 1. Juli 2019, IV-act. 14-1 ff.; für die Zeit vom
1. April 2018 bis 30. Juni 2019, IV-act. 11-1 ff. für die Zeit vom 1. November 2016 bis
31. März 2018, IV-act. 6-1 ff.). Die Höhe der monatlichen Rentenleistungen wurde
festgesetzt und für den Zeitraum vom 1. November 2016 bis 31. März 2018 die von der
Helsana beantragte Verrechnung in der Höhe von Fr. 39'108.55 vorgenommen (IV-
act. 5-1; IV-act. 6-1 ff.).
A.h.
Mit Beschwerde vom 28. April 2020 beantragt die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin), der verrechnungsweise von der Helsana geltend gemachte
Betrag sei an sie zu überweisen. Eventualiter sei ihr das rechtliche Gehör zur
Verrechnungsmöglichkeit zu gewähren bzw. sei dies nachzuholen. Subeventualiter sei
die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zu verpflichten, das Haftungsrisiko
aus dem zivilrechtlichen Verhältnis zwischen der Helsana und ihr zu übernehmen. Zur
Begründung macht sie geltend, es handle sich um eine Summenversicherung, weshalb
die Verrechnung nicht zulässig sei. Die Vertragsbestimmungen der Helsana zur
Verrechnung seien rechtswidrig. Falls von einer Schadenversicherung auszugehen sei,
sei für die Berechnung der Überentschädigung nicht vom Betrag gemäss der Police
B.a.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/15
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von Fr. 48'000.--, sondern vom von der IV angenommenen Valideneinkommen von
Fr. 56'538.-- auszugehen. Weiter habe die Helsana die von der IV gesetzte Frist zur
Verrechnungserklärung nicht gewahrt, weshalb die nun geforderte Verrechnung gegen
Treu und Glauben verstosse. Sodann fehle ihre zwingend erforderliche schriftliche
Einverständniserklärung. Schliesslich sei der Verrechnungsanspruch verjährt, eine
Verjährungsverzichtserklärung ihrerseits liege nicht vor. Zur weiteren Begründung
verweist die Beschwerdeführerin auf die mit der Beschwerde eingereichte
Korrespondenz (vgl. act. G 1-1 bis act. G 1-14).
Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 28. Mai 2020, die
Beschwerde sei abzuweisen. Sie bringt vor, eine ausdrückliche Zustimmung der
Beschwerdeführerin für eine Verrechnung sei gemäss den einschlägigen
Bestimmungen der AVB sei nicht erforderlich. Diese habe die Beschwerdeführerin mit
der Unterzeichnung des Vertrags akzeptiert. Ihr Anspruch auf Wahrung des rechtlichen
Gehörs sei nicht verletzt worden, da sie vorgängig über die von der Helsana beantragte
Verrechnung informiert worden sei und sich diesbezüglich hinlänglich habe äussern
können. Betreffend Rechtmässigkeit der Forderung der Helsana sei die
Beschwerdeführerin auf den Zivilrechtsweg zu verweisen. Die gesetzlichen
Voraussetzungen für die Verrechnung seien erfüllt. Die Rückforderung von
Vorschussleistungen müsse nicht rechtskräftig feststehen, wenn sie – die
Beschwerdegegnerin – die Verrechnung verfüge. Vielmehr habe sie nur die Plausibilität
und Fälligkeit von Vorschussleistungen zu prüfen, während die materielle
Begründetheit der Rückforderung ausschliesslich das Rechtsverhältnis zwischen der
versicherten Person und dem Dritten betreffe und dementsprechend auch dort zu
klären sei. Demzufolge seien die Einwände betreffend Summenversicherung und
Verjährung im vorliegenden Verfahren nicht zu hören (act. G 3).
B.b.
In der Replik vom 10. Juli 2020 bringt die Beschwerdeführerin vor, die
Beschwerdeantwort sei inhaltlich zu wenig eingehend begründet. Die
Beschwerdegegnerin erkläre sich einerseits für legitimiert, den Vertrag auszulegen,
prüfe andererseits aber doch nicht, ob dieser rechtmässig sei. Sie beziehe keine
Stellung zu den (von ihr vorgebrachten) "vertieften" Voraussetzungen des Anspruchs.
Die Beschwerdegegnerin habe ihre eigenen Regeln umgangen, indem sie auf ihr
Einverständnis zur Verrechnung verzichtet habe, obwohl dies auf ihrem Formular
B.c.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 6/15
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Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Considerations:
Erwägungen
1.
Vorab ist die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Verletzung des rechtlichen
Gehörs zu prüfen. Dabei rügt sie, einerseits nicht vor Verfügungserlass angehört
worden zu sein und andererseits die fehlende Begründung in der angefochtenen
Verfügung.
vorgesehenen sei. Sie habe daher das Risiko bezüglich der Rechtmässigkeit des
Verrechnungsanspruchs zu tragen. Würde sich (nämlich) nach erfolgter Verrechnung
und Überweisung an die Krankentaggeldversicherung im Zivilprozess zeigen, dass der
Helsana die Verrechnung nicht zugestanden hätte, müsste sie das Risiko tragen, wenn
ihr Anspruch aus dem Versicherungsvertrag verjährt wäre (act. G 5).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 24. Juli 2020 auf eine Duplik (act. G 7).B.d.
Der in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) statuierte Anspruch auf rechtliches Gehör beinhaltet
unter anderem die Teilgehalte des Anspruchs auf Äusserung der betroffenen Person im
Verfahren und auf Begründung der Verfügung durch die Behörde. In Bezug auf die
vorgängige Anhörung ist im IV-Verfahren das Vorbescheidsverfahren vorgesehen
(Art. 42 und 49 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]) i.V.m. Art. 57a des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Gemäss Art. 57a Abs. 1 IVG teilt die IV-
Stelle der versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid über ein
Leistungsbegehren mittels Vorbescheid mit (Satz 1). Die versicherte Person hat
Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 42 ATSG (Satz 2). Gegenstand des
Vorbescheids sind nach Art. 73 Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]) Fragen, die in den Aufgabenbereich gemäss
Art. 57 Abs. 1 lit. a-d IVG der IV-Stellen fallen. Während die Aufgaben der IV-Stelle in
Art. 57 IVG geregelt sind, darunter insbesondere die Bemessung der Invalidität (Art. 57
Abs. 1 lit. f IVG) und der Erlass der Verfügungen über Leistungen der
1.1.
bis
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Invalidenversicherung (Art. 57 Abs. 1 lit. g IVG), obliegen Berechnung und Auszahlung
der Renten den Ausgleichskassen (Art. 60 Abs. 1 lit. b und c IVG).
In BGE 134 V 97 hat das Bundesgericht entschieden, dass die Pflicht zum Erlass
eines Vorbescheides ausschliesslich die Aufgaben der IV-Stelle, nicht aber diejenigen
der Ausgleichskassen betrifft (BGE 134 V 102 ff., E. 2.3 ff.). Dies bedeutet aber nicht,
dass im Zuständigkeitsbereich der Ausgleichskassen auf die Gewährung des
rechtlichen Gehörs verzichtet werden könnte; vielmehr ist dafür eine angemessene
Form zu suchen (BGE 134 V 107 f., E. 2.8 f.). Dementsprechend war die Durchführung
eines Vorbescheidsverfahren in Bezug auf die Verrechnung nicht notwendig, da die
Rentenberechnung und Anordnung der umstrittenen Verrechnung in den
Aufgabenbereich der Ausgleichskassen fällt. Im vorliegenden Fall war die
Beschwerdeführerin über die beantragte Verrechnung bzw. Rückforderung der Helsana
informiert (Schreiben der Helsana an die Beschwerdeführerin vom 9. März 2020, act.
G1, Beilage 6). Darüber hinaus gelangte sie direkt mit Schreiben vom 19. und 28. März
2020 an die AK und liess sich dahingehend vernehmen, dass sie einer Verrechnung
nicht zustimme. Damit war es der Beschwerdeführerin ohne Weiteres möglich, sich in
diesem Verfahren vorgängig zu äussern.
1.2.
1.3.
Die Begründungspflicht der Verwaltung bedeutet, dass die Behörde die
vorgebrachten Einwände tatsächlich hört, prüft und in der Entscheidfindung
angemessen berücksichtigt. Daraus folgt die Verpflichtung der Behörde, ihren
Entscheid zu begründen. Dabei ist es nicht erforderlich, dass sie sich mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich die betroffene
Person über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller
Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinn müssen
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat
leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (BGE 142 II 49, E. 9.2; Urteil des
Bundesgerichts vom 15. Mai 2021, 9C_562/2020, E. 3 mit weiteren Verweisen;
U. Kieser, Kommentar ATSG, 4. Aufl., 2020, N 7 zu Art. 42, N 66 zu Art. 49).
1.3.1.
Die Begründungspflicht wird vorliegend nur bedingt erfüllt. Trotz den bekannten
Einwänden der Beschwerdeführerin unterliess es die Beschwerdegegnerin, auch nur
kurz und knapp dazu Stellung zu nehmen. Obwohl dies wünschenswert gewesen wäre,
hatte die Beschwerdeführerin allerdings Kenntnis über das Ausmass der Verrechnung.
1.3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/15
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2.
Weiter ist näher auf den vorliegenden Streitgegenstand einzugehen. In der
angefochtenen Verfügung vom 2. April 2020 hat die Beschwerdegegnerin unter
anderem die Verrechnung der Nachzahlung der Invalidenrente der Beschwerdeführerin
für den Zeitraum vom 1. April 2018 bis 30. Juni 2019 mit der Forderung der Helsana,
der Kollektivtaggeldversicherung der Beschwerdeführerin nach dem Bundesgesetz
über den Versicherungsvertrag (VVG; SR 221.229.1), in der Höhe von Fr. 39'108.55
angeordnet. Anfechtungsgegenstand bildet einzig die Verfügung der
Beschwerdegegnerin und damit die Rechtmässigkeit der Verrechnung. Der
Streitgegenstand ist – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin – darauf zu
beschränken (siehe nachfolgend E. 2.2 und 2.3).
Somit war es ihr möglich, die Verfügung sachgerecht anzufechten. Denn aus der
angefochtenen Verfügung geht die Verrechnung, also welche Abzüge von der
Nachzahlung vorgenommen wurden, ohne Weiteres hervor. Folglich liegt keine
Verletzung des rechtlichen Gehörs vor. Selbst bei gegenteiliger Ansicht wäre der
Mangel aufgrund der vollen Prüfungsbefugnis des Versicherungsgerichts als
Beschwerdeinstanz geheilt (Urteil des Bundesgerichts vom 1. Juli 2019, 9C_279/2019,
E. 2.1; Kieser, a.a.O., N 15 zu Art. 42).
Die Beschwerdeführerin verfügt über eine Police Helsana Business Salary für
Startup-Unternehmen vom 15. Mai 2015. Dabei handelt es sich um eine Kollektiv-
Taggeldversicherung nach VVG (act. G1-2a). Diese gewährt unter anderem selbständig
Erwerbenden Schutz gegen die wirtschaftlichen Folgen von Arbeitsunfähigkeit infolge
Krankheit (Ziff. 1 und Ziff. 5.3 AVB).
2.1.
Kollektive Krankentaggeldversicherungen unterstehen gemäss ständiger
Rechtsprechung des Bundesgerichts als Zusatzversicherung dem
Privatversicherungsrecht (M. Köpfli, Basler Kommentar zum
Krankenversicherungsgesetz und zum Krankenversicherungsaufsichtsgesetz, Basel
2020, N 27 zu Art. 2 KVAG mit Verweisen auf das Urteil des Bundesgerichts vom
17. Oktober 2016, 4A_443/2016, E. 1 und weitere). Streitigkeiten aus dem Bereich der
Zusatzversicherungen sind nicht im verwaltungsrechtlichen Anfechtungsverfahren,
sondern – da privatrechtlicher Natur – auf dem Zivilrechtsweg geltend zu machen
(Köpfli, a.a.O., N 31 zu Art. KVAG). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
muss und darf die IV-Stelle lediglich über den Auszahlungsmodus der Rückforderung
des vorleistenden Drittversicherers, nicht aber über deren Höhe und Bestand
entscheiden (Urteile des Bundesgerichts vom 30. Mai 2012, 4A_24/2012, E. 4.3, und
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/15
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3.
vom 21. Oktober 2004, I 296/03, E. 4.2; Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 1. Juli 2014, IV 2013/74, E. 4.5, abrufbar unter www.sg.ch
unter: Recht/Gerichte Gerichtsurteile/Rechtsprechung Versicherungsgericht; vgl. auch
Ch. Häberli / D. Husmann, Krankentaggeld, versicherungs- und arbeitsrechtliche
Aspekte, 2015, Rz. 732).
Das vertragliche Rechtsverhältnis zwischen der Helsana und der
Beschwerdeführerin ist demnach zivilrechtlicher Natur, untersteht dem VVG und
allfällige Ansprüche daraus sind entsprechend im zivilrechtlichen Verfahren zu klären.
Das gilt für Fragen betreffend Höhe des versicherten Erwerbseinkommens, welches mit
der Helsana vereinbart wurde, ob die allgemeinen Vertragsbestimmungen bzw. der
Verrechnungsantrag der Helsana mit den Regelungen des VVG und des
Bundesgesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG; SR 241) in Einklang stehen,
die Unklarheitsregel und ob ein allfälliger Anspruch der Beschwerdeführerin gegen die
Helsana nach Art. 46 VVG verjährt wäre. Demgegenüber beschlägt die Frage, ob es der
IV zusteht, die von ihr geschuldeten Nachzahlungen mit den Leistungen der privaten
Krankentaggeldversicherung zu verrechnen, das sozialversicherungsrechtliche und als
solches das öffentlichrechtliche Rechtsverhältnis zwischen der Beschwerdegegnerin
und der Beschwerdeführerin. Dieses ist im ATSG und im IVG samt zugehöriger
Verordnung geregelt und Gegenstand der Rentenverfügung der Beschwerdegegnerin.
Dass die Rückforderung der Helsana gegen die Beschwerdeführerin bestritten ist bzw.
noch nicht rechtskräftig darüber entschieden wurde, schliesst mit Blick auf den auch
im Sozialversicherungsrecht anwendbaren Art. 120 Abs. 2 des Bundesgesetzes
betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil:
Obligationenrecht; OR; SR 220) die Verrechnung durch die Beschwerdegegnerin nicht
aus (vgl. F. Schlauri, Die zweigübergreifende Verrechnung und weitere Instrumente der
Vollstreckungskoordination des Sozialversicherungsrechts, in: R. Schaffhauser/F.
Schlauri [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2004, S. 147). Die die Verrechnung
anordnende Instanz hat lediglich eine Plausibilitätskontrolle vorzunehmen, ob die im
Verrechnungsantrag genannte Forderung überhaupt bestehen kann (Schlauri, a.a.O.,
S. 159).
2.3.
Vorfrageweise zu prüfen ist indes, ob die Beschwerdeführerin über eine
Summenversicherung oder eine Schadenversicherung verfügt, da nur bei einer
Schadenversicherung ein Verrechnungsrecht mit Rentennachzahlungen der IV
bestehen kann. Während die Leistungspflicht einer Summenversicherung lediglich den
Eintritt des versicherten Ereignisses voraussetzt, ist bei einer Schadenversicherung
3.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/15
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4.
zusätzlich der Eintritt eines Vermögensschadens notwendig (Ch. Häberli / D. Husmann,
a.a.O., Rz. 30 ff.; BGE 119 II 361; vgl. auch Ziff. 3.7 AVB der Helsana). Dabei ist –
vorbehältlich einer abweichenden Regelung in den allgemeinen
Versicherungsbedingungen – grundsätzlich von einer Schadenversicherung
auszugehen, wenn ein anpassbarer Bruttolohn und von einer Summenversicherung,
wenn eine fixe Lohnsumme anstelle des effektiven Einkommens versichert ist (Häberli /
Husmann, a.a.O., Rz. 42). Die Summenversicherung dient nicht der Deckung eines
konkreten Schadens, weshalb die ausgerichteten Leistungen typischerweise nicht an
andere Versicherungsleistungen angerechnet werden müssen und umgekehrt (Häberli /
Husmann, a.a.O., Rz. 32). Demgegenüber kann bei einer Schadenversicherung die
geschädigte Person den Ersatz des Schadens nur einmal einfordern.
Schadenversicherungen enthalten deshalb häufig Koordinationsbestimmungen, um
eine Überentschädigung auszuschliessen (Häberli / Husmann, a.a.O., Rz. 35).
Gemäss Ziff. 6.3 AVB der Helsana gilt die Versicherung als Schadenversicherung,
sofern in der Police keine Summenversicherung vereinbart ist. Aus der Police der
Versicherten ergibt sich keine Vereinbarung einer Summenversicherung, weshalb von
einer Schadenversicherung auszugehen ist. Dass die Police die Möglichkeit einer
Erhöhung des versicherten Erwerbseinkommens vorsieht, spricht ebenfalls für eine
Schadenversicherung. Weiter ist der Police zu entnehmen, dass der Versicherer in
Abänderung von Ziff. 13.2 AVB bei namentlich versicherten Selbständigerwerbenden
oder Betriebsinhabern während drei vollen Versicherungsjahren seit Beginn des ersten
Vertrages auf den Nachweis von Erwerbsausfall verzichte (act. G. 1-2a). Diese
Bestimmung statuiert lediglich eine Beweiserleichterung, ändert aber nichts am Inhalt
des Versicherungsvertrags. Sie vermag daher den Nachweis einer (allenfalls befristeten)
die Verrechnung ausschliessenden Summenversicherung nicht zu erbringen.
3.2.
Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, die Verrechnung hätte ihrer Zustimmung
bedurft. Ziff. 23 AVB der Helsana sieht unter dem Titel Überentschädigung Folgendes
vor: Das Zusammentreffen mit Leistungen von Sozialversicherern darf nicht zu einer
Überentschädigung der versicherten Person führen (Ziff. 23.1 Abs. 1). Die
Überentschädigungsgrenze liegt bei der Höhe der versicherten Leistungen. Die
Taggeldleistungen werden im Nachgang zu den Leistungen von Sozialversicherungen
(...) erbracht (Ziff. 23.1 Abs. 2). Der Versicherer fordert Leistungen, die er im Hinblick
auf Leistungen der Invalidenversicherung erbringt, ab dem Datum des Taggeld- bzw.
Rentenbeginns direkt von der Eidg. Invalidenversicherung zurück. Der Betrag der
Rückforderung entspricht der Höhe der Überentschädigung gemäss Ziff. 23.1 (Ziff.
4.1.
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23.2). Diese Bestimmungen begründen ein eindeutiges Rückforderungsrecht der
Helsana und beinhalten als Teil des mit der Beschwerdeführerin abgeschlossenen
Vertrages deren Zustimmung für eine allfällige Verrechnung von IV-Renten. Eine
separate Zustimmung der Beschwerdeführerin für die Vornahme der von der Helsana
beantragten Verrechnung ist somit nicht erforderlich. Daran vermag auch nichts zu
ändern, dass die auf dem von der Beschwerdegegnerin bzw. von der Helsana
verwendeten Formular für die Geltendmachung der Verrechnung für "andere
Leistungserbringer" (darunter Kollektivtaggeldversicherer gemäss VVG) die
Einverständniserklärung der versicherten Person vorgesehen ist (IV-act. 25-1, vgl.
Verweis durch *). Dies entspricht entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht
der oben geschilderten Rechtslage (Art. 85 Abs. 2 lit. a im Unterschied zu lit. b IVV).
Die Beschwerdeführerin kann sich sodann nicht auf eine Verletzung des Grundsatzes
von Treu und Glauben berufen, da sie vom Inhalt des nicht an sie, sondern an die
Beschwerdegegnerin gerichteten Formulars keine Kenntnis hatte und somit nicht in
Erwartung der Möglichkeit, die Verrechnung abzulehnen, hätte Dispositionen treffen
können. Zudem müsste sie im Falle einer unterbliebenen Verrechnung damit rechnen,
dass die Helsana die im Ausmass der Überentschädigung ausgerichteten Taggelder
bei ihr einfordern würde. Somit bleibt es dabei, dass entgegen der Meinung der
Beschwerdeführerin die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Verrechnung
keines Einverständnisses der Beschwerdeführerin bedurft hat.
bis
Nicht zu folgen ist der Ansicht der Beschwerdeführerin, die Helsana habe die
Verrechnung gegenüber der Beschwerdegegnerin nicht fristgerecht beantragt:
Art. 85 Abs. 1 Satz 3 IVV sieht vor, dass die bevorschussenden Stellen ihren
Anspruch mit besonderem Formular frühestens bei der Rentenanmeldung und
spätestens im Zeitpunkt der Verfügung der IV-Stelle geltend zu machen haben. Die
Helsana hat bereits mit Schreiben vom 20. April 2016 – mit der IV-Anmeldung – einen
Verrechnungsantrag gestellt (IV-act. 37) und am 4. März 2020 – vor Erlass der
angefochtenen Verfügung – die Verrechnung mit dem dafür vorgesehenen Formular für
einen konkreten Zeitpunkt fristgerecht beantragt (IV-act. 25-2).
4.2.
bis
Für den der Verrechnung zugrundeliegenden Rückforderungsanspruch der
Helsana sind die in Art. 25 Abs. 2 ATSG vorgesehenen Fristen massgebend, da es sich
um einen (zufolge einer Überentschädigung) unrechtmässigen Leistungsbezug handelt
(Kieser, a.a.O., N 92 zu Art. 69). Demnach erlischt das Rückforderungsrecht mit dem
Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten
hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der
einzelnen Leistung. Erfolgt die Rückerstattung jedoch aufgrund einer nachträglichen
4.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/15
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5.
Es bleiben die weiteren invalidenversicherungsrechtlichen Voraussetzungen der
bestrittenen Verrechnung zu prüfen.
(rückwirkenden) Leistungserbringung durch eine andere Sozialversicherung, existiert
die Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs erst in jenem Zeitpunkt, in welchem die
tatbestandsmässigen Voraussetzungen der Leistungskoordination feststehen.
Dementsprechend beginnt im Falle der rückwirkenden Zusprechung einer Rente der IV
die fünfjährige absolute Verwirkungsfrist für die – dadurch begründete – Rückforderung
von Taggeldleistungen im Zeitpunkt zu laufen, in welchem die Rentenverfügung
rechtskräftig (geworden) ist (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Oktober 2013,
8C_138/2013, 8C_171/2013, E. 4.4.1 f.; Kieser, a.a.O., N 92 zu Art. 69). Folglich war die
von der Helsana mit der Nachzahlung der IV zu verrechnende Rückforderung im
Zeitpunkt des Verrechnungsantrages noch nicht verjährt und die Helsana hat die
Verrechnung frist- und formgerecht geltend gemacht.
Nach Art. 22 Abs. 1 lit. b ATSG können Nachzahlungen von Leistungen des
Sozialversicherers einer Versicherung, die Vorleistungen erbringt, abgetreten werden.
Im Verhältnis zwischen der IV und der ausserhalb der Sozialversicherungssystems
angesiedelten Kranken(taggeld)versicherungen gemäss VVG sind die Abtretung bzw.
Verrechnung von Nachzahlungen und Vorleistungen Gegenstand von Art. 85 IVV.
Danach können Krankenversicherer, welche im Hinblick auf eine Rente der
Invalidenversicherung Vorschussleistung erbracht haben, verlangen, dass die
Nachzahlung dieser Rente bis zur Höhe ihrer Vorschussleistung verrechnet und an sie
ausbezahlt wird (Art. 85 Abs. 1 und Abs. 2 lit. b). Als Vorschussleistung gelten
einerseits freiwillige Leistungen, sofern die versicherte Person zu deren Rückerstattung
verpflichtet ist und sie der Auszahlung der Rentennachzahlung an die
bevorschussende Stelle schriftlich zugestimmt hat (Art. 85 Abs. 2 lit. a IVV) und
andererseits vertraglich oder aufgrund eines Gesetzes erbrachte Leistungen, soweit
aus dem Vertrag oder dem Gesetz ein eindeutiges Rückforderungsrecht infolge der
Rentennachzahlung abgeleitet werden kann (Art. 85 Abs. 2 lit. b IVV).
5.1.
bis
bis
bis
bis
Es ist ohne Weiteres zulässig und üblich, dass Leistungen der
Krankentaggeldversicherung nach VVG subsidiär zur Rente der Invalidenversicherung
ausgerichtet werden (BGE 142 V 473, E. 3.3.4). Sinn und Zweck der Verrechnung der
Invalidenrentennachzahlung mit Rückforderungen anderer Leistungserbringer ist es,
über das bundesrechtliche Sozialversicherungssystem hinaus zu verhindern, dass aus
der Existenz weiterer Quellen für Leistungen, die der Deckung desselben Risikos wie
5.2.
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die Invalidenrente dienen, für den Leistungsbezüger und Invalidenrentner
ungerechtfertigte Vorteile resultieren, die nicht vorhanden wären, wenn es nur eine
einzige Leistungsquelle für das entsprechende soziale Risiko gäbe (vgl. Schlauri,
a.a.O., S. 190 f.). Leistungspflichtige Versicherer oder Versicherungszweige, die in der
Koordinationsreihenfolge erst nach der Invalidenversicherung erscheinen, (...) sollen
nicht mit dem Inkassoaufwand und -risiko belastet werden, welche mit der
Rückforderung ihrer zuviel ausgerichteten Leistungen beim Leistungsempfänger
persönlich unweigerlich verbunden wären. In diesem Sinn stellt jede Leistung eine
Vorschussleistung im Hinblick auf eine zu erwartende Invalidenrente dar, die dasselbe
soziale Risiko wie die Invalidenrente (krankheitsbedingte Erwerbseinbusse) deckt, aber
entsprechend der (meist selbst definierten) Einordnung in die koordinationsrechtliche
Rangfolge erst nach der Invalidenrente erscheint und deshalb – im Nachhinein
betrachtet – koordinationsrechtlich zu Unrecht ausgerichtet worden ist (sogenannte
sachlich kongruente Leistung, vgl. Schlauri, a.a.O., S. 197).
Dass die Leistung des Drittversicherers eine Vorschussleistung der IV-Nachzahlun
gen darstellt, bedingt zunächst, dass die Leistungen dasselbe Risiko abdecken
(sachliche Kongruenz). Vorliegend ist diese gegeben, denn sowohl die Taggelder der
Helsana als auch die nachzuzahlenden IV-Renten haben zum Zweck, die
wirtschaftlichen Folgen der Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit auszugleichen (vgl. Art. 1
AVB der Helsana und Art. 1a lit. b IVG). Die Beschwerdeführerin macht im Übrigen zu
Recht nicht geltend, die Kinderrenten hätten nicht in die Berechnung der
Überentschädigung einbezogen werden dürfen, zumal die Kinderrenten zur Hauptrente
strikt akzessorisch sind - mit anderen Worten untrennbar mit dieser verbunden sind -
und die Kinder keine Auszahlung an sie selbst beantragt hatten (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 30. Oktober 2013, KV-Z 2013/2,
E. 4; Wegleitung über die Renten [RWL] vom 1. Januar 2003, Stand 1. Januar 2021, Rz.
10074; Häberli / Husmann, a.a.O., Rz. 717 mit Verweis auf BGE 134 V 16 f., E. 2.3.3).
5.3.
Gemäss Art. 85 Abs. 3 IVV darf der bevorschussenden Stelle eine Summe
höchstens in der Höhe der Vorschussleistung und für den Zeitraum, für welchen diese
erbracht worden ist, ausbezahlt werden (sogenannte zeitliche Kongruenz).
5.4. bis
Die Helsana richtete der Beschwerdeführerin für die Zeit vom 1. November 2016
bis 21. November 2017 (rund 12,7 Monate) Leistungen in der Höhe von insgesamt
Fr. 42'451.40 aus, entsprechend der Arbeitsunfähigkeit bzw. dem Lohnausfall (IV-
act. 25-7). Gemäss Ziff. 23.1 Abs. 2 Satz 1 AVB der Helsana liegt die
Überentschädigungsgrenze bei der Höhe der versicherten Leistungen. Es besteht
5.4.1.
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6.
mithin keine davon abweichende Koordinationsgrenze (vgl. hierzu Häberli / Husmann,
a.a.O., Rz. 225). Hierzu ist zu bemerken, dass für die Berechnung der
Verrechnungssumme der von der Helsana tatsächlich ausgerichtete Betrag
massgebend ist. Dieser wird nicht bestritten. Vielmehr vertritt die Beschwerdeführerin
die Auffassung, das von der Helsana ausgerichtete Taggeld hätte ihrem effektiven
Einkommen entsprechend höher – analog zum von der IV angenommenen
Valideneinkommen – bemessen werden müssen. Dies hätte allerdings lediglich zur
Folge, dass die Helsana einen höheren Betrag zur Verrechnung bringen könnte, als sie
dies effektiv getan und die Beschwerdegegnerin tatsächlich verrechnet hat. Im
vorliegenden Verfahren ist diese Rüge jedoch nicht näher zu prüfen und die
Beschwerdeführerin ist zur allfälligen Klärung ihrer Ansprüche gegenüber der Helsana
auf das zivilrechtliche Verfahren zu verweisen.
Seitens der IV wurden der Beschwerdeführerin im nämlichen Zeitraum eine
ganze Rente in der Höhe von monatlich Fr. 1'880.-- sowie Kinderrenten für die beiden
Kinder von je Fr. 752.-- (Fr. 3'384.-- monatlich; IV-act. 28) bzw. gemäss der Helsana
insgesamt Fr. 42'942.50 ausgerichtet (IV-act. 25-7). Für die Zeit vom 1. November 2016
bis 5. April 2017 und vom 18. September bis 21. November 2017 übersteigt die IV-
Rente die durch die Helsana ausgerichtete Leistung, weshalb im vollen Ausmass der
von der Helsana ausgerichteten Leistung zu Gunsten der IV eine Überentschädigung
vorliegt. Für die Periode vom 6. April bis 17. September 2017 ist die von der Helsana
ausgerichtete Leistung höher als diejenige der IV, so dass die Überentschädigung nicht
der gesamten Leistung der Helsana entspricht. Somit resultiert eine
Überentschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 39'108.55 (vgl. im Detail IV-
act. 25-7). Zeitlich sind die Versicherungsleistungen der Helsana und die Renten der IV
kongruent.
5.4.2.
Schliesslich ist auch nicht ersichtlich, dass die von der Helsana begehrte
Verrechnung unzulässigerweise in das betreibungsrechtliche Existenzminimum der
Beschwerdeführerin eingreift (vgl. dazu BGE 138 V 402; Urteil des Bundesgerichts vom
21. Juni 2017, 9C_621/2016, E. 2.1; Schlauri, a.a.O., S. 148 ff.; Bundesamt für
Sozialversicherungen [BSV], Wegleitung über die Renten [RWL], Rz. 10921).
5.5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.6.1.
Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Da es sich bei Streitigkeiten um Verrechnung
6.2. bis
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