Decision ID: b64afccf-a913-552e-80d4-8f7f476c9963
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie
mit letztem Wohnsitz in B._, verliess seinen Heimatstaat eigenen
Angaben zufolge am (...) August 2017 auf dem Luftweg in Richtung
C._. Von dort aus gelangte er über die Türkei und Griechenland am
27. Juni 2018 in die Schweiz, wo er am 29. Juli 2018 um Asyl nachsuchte.
B.
B.a Im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) wurde der Beschwerde-
führer am 13. Juli 2018 summarisch befragt. Am 14. August 2019 wurde er
eingehend zu seinen Asylgründen angehört. Dabei machte er im Wesent-
lichen Folgendes geltend:
B.b Am 17. Mai 2017 habe er geheiratet und anschliessend zusammen mit
seiner Ehefrau in deren Elternhaus gelebt. Seine Ehefrau sei am 20. Juni
2017 von fünf Angehörigen des Criminal Investigation Department (CID)
und der Armee zuhause aufgesucht und zu Aktivitäten ihres Vaters – der
2015 nach Australien emigriert sei – im Zusammenhang mit dessen Hilfs-
tätigkeiten für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) befragt worden.
Er habe einen der Beamten, der seiner Frau zu nahe gekommen sei, weg-
gestossen und sei daraufhin am Hals gepackt und bedroht worden. Am
18. Juli 2017 sei er von drei Personen von zuhause für eine Befragung
mitgenommen worden. In dieser sei es um seinen Schwiegervater, dessen
Aufenthaltsort und mit ihm in Zusammenhang stehende, versteckte Be-
weismittel gegangen. Er sei nach dieser zweistündigen Befragung wieder
freigelassen worden, habe jedoch die Anweisung erhalten, regelmässig in
einem Marinecamp Unterschrift zu leisten. Um sein Leben und seine Si-
cherheit besorgt habe seine Familie darauf beharrt, dass er nicht in diesem
Marinecamp vorstellig werde. Er sei daraufhin ins Haus seiner Mutter ge-
zogen, wo er drei Wochen später erneut von Uniformierten zu einer Befra-
gung mitgenommen worden sei. Nach der Umgebung, wo sich die angeb-
lich versteckten Beweismittel befinden sollen, befragt, habe er die Behör-
den angelogen und ausgesagt, der Schmuck seiner Ehefrau sei dort ver-
graben. Die Beamten hätten ihm allerdings nicht geglaubt und die Absicht
geäussert, sowohl ihn als auch seinen Schwiegervater zu töten. Nach der
Befragung sei er wiederum freigelassen worden und in der Folge schliess-
lich am (...) August 2017 ausgereist.
B.c Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer
unter anderem eine Kopie seines Passes und seiner Identitätskarte, eine
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Übersetzung seines Eheregisterauszuges sowie diverse Bestätigungs-
schreiben betreffend seinen Schwiegervater zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 12. Juni 2020 – eröffnet am 17. Juni 2020 – verneinte
das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein
Asylgesuch ab und ordnete seine Wegweisung sowie den Vollzug an.
D.
D.a Der Beschwerdeführer liess mit Eingabe an das Bundesverwaltungs-
gericht vom 17. Juli 2020 Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfü-
gung erheben. Darin beantragte er die Aufhebung der angefochtenen Ver-
fügung und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz; eventualiter sei
ihm unter Anerkennung seiner Flüchtlingseigenschaft in der Schweiz Asyl
zu gewähren; subeventualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In
verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung, eventualiter um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses. Zudem ersuchte er um ergänzende Akteneinsicht und
Gelegenheit zur Beschwerdeergänzung. Er beantragte die Aufhebung der
französischsprachigen Verfügung und die Anweisung an die Vorinstanz,
die Verfügung in deutscher Sprache erneut zu eröffnen.
D.b Mit seiner Beschwerde reichte der Beschwerdeführer ausserdem ein
Dokument ein, bei dem es sich um eine Kopie einer polizeilichen Vorladung
vom 10. Februar 2020 handeln soll.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 23. Juli 2020 stellte die zuständige Instrukti-
onsrichterin fest, dass der Rechtsvertreter unter Vorlage seiner Vollmacht
das SEM am 30. Juni 2020 um Einsicht in das Anhörungsprotokoll (act.
A23/22) ersucht habe, da sich dieses nicht bei den editierten Akten befun-
den habe und diesem Gesuch durch das SEM nachweislich der Akten erst
am 17. Juli 2020 entsprochen worden sei. Da die Akteneinsichtsgewährung
zeitgleich mit der Beschwerdeerhebung erfolgte wurde dem Beschwerde-
führer Frist zur allfälligen Ergänzung seines Rechtsmittels angesetzt.
F.
Der Beschwerdeführer ergänzte sein Rechtsmittel mit Eingabe vom 7. Au-
gust 2020 fristgerecht.
G.
Die Instruktionsrichterin hiess mit Zwischenverfügung vom 26. August
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2020 das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut und lud die Vor-
instanz zur Vernehmlassung ein.
H.
Die Vorinstanz liess sich am 10. September 2020 zur Beschwerde verneh-
men.
I.
Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 15. September
2020 zusammen mit einer Einladung zur Replik übermittelt.
J.
Der Beschwerdeführer liess die Gelegenheit zur Replik ungenutzt verstrei-
chen (nachdem er sich die Frist zur Stellungnahme von der Instruktions-
richterin hatte erstrecken lassen).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden.
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Seite 5
1.4 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzu-
treten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Wesentli-
chen mit der mangelnden Glaubhaftigkeit der Vorbringen. Zunächst sei er-
staunlich, dass die Behörden keine Kenntnis von der Ausreise des Schwie-
gervaters des Beschwerdeführers gehabt haben sollen. Nicht logisch er-
scheine zudem, dass der Beschwerdeführer nach der ersten Befragung –
anlässlich derer er keinerlei sachdienliche Hinweise gemacht habe – ohne
Weiteres zurück nach Hause gebracht worden sei. Vor dem Hintergrund
dieser ergebnislosen Befragung verwundere die Mitnahme zur zweiten Be-
fragung, während welcher ihm im Wesentlichen dieselben Fragen gestellt
worden seien, und die darauffolgende, von den Behörden unbemerkte Aus-
reise. Die vom Beschwerdeführer geschilderte Vorgehens- und Verhaltens-
weise der Behörden erscheine insgesamt nicht glaubhaft, da insbesondere
nicht nachvollziehbar sei, weshalb er nicht in anderer Form unter Druck
gesetzt worden sei. Wenig überzeugend sei zudem die Darstellung bezüg-
lich der Beweismittel, wonach die Suche nach diesen zweimal aufgrund
anwesender Personen verunmöglicht worden sei und ein drittes Mal
schliesslich aufgrund von Veränderungen in der Umgebung fehlgeschla-
gen sei. Zudem ergäben sich zahlreiche Widersprüche in den Aussagen
der BzP und der Anhörung. So habe er beispielsweise während der BzP
davon gesprochen, im Rahmen seiner ersten Befragung eine Ohrfeige er-
halten zu haben, wogegen bei der Anhörung von einem Schlag auf den
Hinterkopf die Rede gewesen sei. Unterschiedlich dargestellt habe er zu-
dem unter anderem den Ereignisablauf des ersten Behördenbesuchs und
ob er dabei selbst befragt worden sei.
3.2 Der Beschwerdeführer führte zur Begründung seines Rechtsmittels im
Wesentlichen aus, die Vorinstanz habe seine Vorbringen zu Unrecht als
unglaubhaft qualifiziert. Zunächst sei es keineswegs unlogisch, dass die
Behörden weiterhin nach seinem Schwiegervater fahnden würden. Auf-
grund der härteren Vorgehensweise in internationalen Asylsachen sei nicht
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auszuschliessen, dass dieser in der Zwischenzeit nach Sri Lanka zurück-
gekehrt sei. Ausserdem sei die Frage nach den versteckten Beweismitteln
weiterhin offen und die Behörden hätten ein anhaltendes Interesse, seines
Schwiegervaters habhaft zu werden. Insofern sei es auch nicht unlogisch,
dass ihm wiederholt die gleichen Fragen gestellt worden seien, richte sich
das Verfahren doch nach den Verdachtsgründen und könne dadurch Druck
aufgebaut werden. Aus der eingereichten Vorladung vom 10. Februar 2020
gehe zudem hervor, dass er nach wie vor gesucht werde. Dem Anhörungs-
protokoll vom 14. August 2019 sei zu entnehmen, dass er die drei geltend
gemachten Vorfälle mit den heimatlichen Behörden in glaubhafter Weise
geschildert habe. Verwirrung ergebe sich lediglich deshalb, weil die drei
Vorfälle miteinander vermengt worden seien. Es sei davon auszugehen,
dass er sich bereits anlässlich der BzP ausführlich zu den einzelnen Vor-
fällen habe äussern wollen, dies jedoch unterbunden worden sei. Insofern
sei lediglich auf das Anhörungsprotokoll abzustellen, aus dem hervorgehe,
dass es sich bei den angeblichen Widersprüchen lediglich um Schein-
widersprüche infolge der Vermengung handle.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer rügt, dass die Verfügung in französischer Spra-
che ergangen sei, obwohl er in der deutschen Sprachregion wohne und
keine Französischkenntnisse habe. Dadurch werde sein Rechtszugang
deutlich erschwert, respektive teilweise verweigert, weshalb die Verfügung
aus Fairnessgründen in Deutsch – der bisherigen Verfahrenssprache – er-
neut zu eröffnen sei. Die vorinstanzliche Begründung für dieses Vorgehen
mit Verweis auf Kapazitätsprobleme sei vor dem Hintergrund der stark sin-
kenden Asylfälle nicht nachvollziehbar.
4.2 Die angefochtene Verfügung erging in der Tat in französischer Sprache;
das Dispositiv wurde zweisprachig (Deutsch / Französisch) ausgefertigt. In
der Verfügung äusserte sich die Vorinstanz zu diesem Vorgehen und hielt
fest, es sei beim SEM noch eine grosse Anzahl älterer Verfahren hängig
(8000 Ende August 2019). Das EJPD habe sodann das SEM aufgrund des
Rückgangs der Asylgesuche angewiesen, den Abbau der Altfallpendenzen
zu beschleunigen und bis Herbst 2020 zu vollziehen. Die grosse Anzahl
der Pendenzen von Asylgesuchen in den deutschsprachigen Kantonen
mache eine vermehrte Umverteilung auch auf die anderen Regionen mit
den Verfahrenssprachen Italienisch und Französisch notwendig, um eine
optimale Auslastung und Ressourcenverteilung zu gewährleisten. Die
Massnahme sei vorübergehend bis zum Abbau der Altfälle vorgesehen
(vgl. Verfügung I, S. 2).
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Seite 7
4.3 Der Beschwerdeführer hat sein Asylgesuch am 29. Juni 2018 gestellt.
Massgeblich ist daher – wie bereits festgestellt (E. 1.2) – das zu diesem
Zeitpunkt geltende Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
4.4 Gemäss aArt. 16 Abs. 2 AsylG (in der Fassung Stand 1. Januar 2018)
werden Verfügungen oder Zwischenverfügungen des SEM in der Sprache
eröffnet, die am Wohnort der Asylsuchenden Amtssprache ist. Das SEM
kann gemäss Abs. 3 jedoch ausnahmsweise davon abweichen, wenn die
asylsuchende Person oder deren Rechtsvertreterin oder Rechtsvertreter
einer anderen Amtssprache mächtig ist (Bst. a); dies unter Berücksichti-
gung der Gesuchseingänge oder der Personalsituation vorübergehend für
eine effiziente und fristgerechte Gesuchserledigung erforderlich ist (Bst. b);
oder die asylsuchende Person in einem Empfangs- und Verfahrenszent-
rum direkt angehört und einem Kanton mit einer anderen Amtssprache zu-
gewiesen wird (Bst. c). Diese Bestimmung war mit der Asylgesetzrevision
am 1. Februar 2014 in das Asylgesetz aufgenommen worden.
4.5 Praxisgemäss ist in der Regel dem Grundsatz Rechnung zu tragen,
dass die Verfügung in der Sprache erlassen werde, die am Wohnsitz der
asylsuchenden Person Amtssprache ist. Die vom Gesetzgeber vorgesehe-
nen Ausnahmen sind begrenzt durch das Recht auf wirksame Beschwerde
und einen fairen Prozess (Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 13 EMRK). Eine Ver-
fügung kann ausnahmsweise in einer anderen Amtssprache ergehen,
wenn gleichzeitig im Gegenzug geeignete Korrektivmassnahmen getroffen
werden, die das Recht auf eine wirksame Beschwerde und auf einen fairen
Prozess gewährleisten. Sofern die Vorinstanz keine geeigneten Korrektiv-
massnahmen ergriffen hat – was sich regelmässig erst auf der Stufe des
Beschwerdeverfahrens herausstellt – kommt die Kassation der angefoch-
tenen Verfügung einzig aus dem Grund, dass die Regeln betreffend die
anzuwendende Verfahrenssprache verletzt wurden, grundsätzlich dann
nicht in Frage, wenn die beschwerdeführende Person im Beschwerdever-
fahren von einem professionellen Rechtsvertreter vertreten wird. Die Vor-
instanz kann in einem solchen Fall aber zur Leistung einer Entschädigung
verpflichtet werden für allfällige nützliche Auslagen, die der unterliegenden
Partei entstehen, um diesen Mangel zu beheben (vgl. Entscheide und Mit-
teilungen der ARK [EMARK 2004 Nr. 29 E. 7 ff.], Urteile des BVGer E-
5882/2019 vom 2. März 2020 E. 6 ff., D-1361/2020 vom 3. November 2020
E. 6 ff.).
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4.6 Der Beschwerdeführer hat seinen Wohnsitz im Kanton Aargau und so-
mit einem Gebiet, welches der deutschen Amtssprache untersteht (vgl.
Art. 71a der Verfassung des Kantons Aargau vom 25. Juni 1980). Es wäre
mithin der Erlass einer Verfügung in deutscher Sprache die Regel gewe-
sen. Das SEM beruft sich in der Begründung seiner materiellen Verfügung
auf eine Situation, welche es in Anwendung von aArt. 16 Abs. 3 Bst. b
AsylG rechtfertige, die Verfügung ausnahmsweise in einer anderen als der
am Wohnort gesprochenen Sprache, vorliegend in der französischen Spra-
che, zu erlassen. Als Korrektivmassnahme wurde das Dispositiv der Verfü-
gung auch in deutscher Sprache ausgefertigt. Eine Übersetzung der Ver-
fügung erfolgte nicht, auch die Rechtsmittelbelehrung wurde nicht über-
setzt.
4.7 Dem Beschwerdeführer war es vorliegend offensichtlich mit Hilfe des
von ihm mandatierten Rechtsvertreters möglich, eine in jeder Hinsicht
rechtsgenügliche Beschwerde einzureichen, die sich mit allen Aspekten
der vorinstanzlichen Verfügung einlässlich auseinandersetzt. Festzuhalten
ist, dass die Gelegenheit zur Beschwerdeergänzung auf die unvollständig
gewährte Akteneinsicht durch die Vorinstanz zurückzuführen ist und ge-
rade nicht durch die Verfügungssprache begründet wurde. Eine Aufhebung
der vorinstanzlichen Verfügung oder anderweitige Instruktionsmassnah-
men gebieten sich daher vorliegend nicht.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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Seite 9
6.
6.1 Nach Prüfung sämtlicher Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht
zum Schluss, dass die Vorinstanz die Vorbringen des Beschwerdeführers
zu Recht als unglaubhaft qualifiziert hat. Die Ausführungen in der Be-
schwerdeschrift vermögen den Erwägungen des SEM letztlich nichts Stich-
haltiges entgegenzusetzen. Somit kann vorab auf die zutreffenden Erwä-
gungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden.
Ergänzend hält das Bundesverwaltungsgericht Folgendes fest:
6.2 Zunächst fällt auf, dass der Beschwerdeführer anlässlich der BzP an
keiner Stelle von vorhandenen Beweismitteln im Zusammenhang mit sei-
nem Schwiegervater sprach. Er gab lediglich zu Protokoll, dass die Behör-
den seinen Schwiegervater im Haus der Familie seiner Ehefrau – in dem
er seit der Hochzeit ebenfalls gelebt habe – gesucht hätten (vgl. act. A10/15
2.01, 7.01). Demgegenüber gab der Beschwerdeführer im Rahmen der An-
hörung an, das Interesse der Behörden an ihm sei darauf zurückzuführen,
dass er und seine Ehefrau versteckte Beweismittel des Schwiegervaters
hätten sicherstellen sollen (vgl. act. A23/22 F83 ff.). Somit erscheint das
Vorbringen in der Anhörung, die Behörde habe nach versteckten Beweis-
mitteln gesucht, als ausschlaggebendes Element im gesamten Ablauf der
fluchtauslösenden Ereignisse. Dass dieser Umstand in der BzP nicht er-
wähnt wurde, begründet erste Zweifel an den Vorbringen des Beschwer-
deführers. Zudem vermochte dieser keine konkreten Angaben darüber zu
machen, um was für eine Art von Beweismittel es sich handelt (vgl. act.
A23/22 F89). Die Ausführungen sind sodann in sich nicht schlüssig. Zum
einen machte der Beschwerdeführer geltend, die Behörden hätten der Be-
weismittel habhaft werden wollen und ihn deshalb behelligt. Zum anderen
führte der Beschwerdeführer auch aus, er habe die Beweismittel ausgra-
ben wollen, um sie seinem in Australien lebenden Schwiegervater zukom-
men zu lassen (vgl. act. A23/22 F91).
6.3
6.3.1 Die Schilderungen des Beschwerdeführers bezüglich der gescheiter-
ten Ausgrabungsversuche der versteckten Beweismittel vermögen eben-
falls nicht zu überzeugen und es gelingt dem Beschwerdeführer insbeson-
dere nicht, den Zusammenhang zwischen den behaupteten behördlichen
Behelligungen und der fehlgeschlagenen Ausgrabungsaktion plausibel zu
machen. Zunächst machte der Beschwerdeführer widersprüchliche Anga-
ben darüber, wann er von der Existenz dieser Beweismittel erfahren haben
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Seite 10
will. Während er einerseits ausführte, erst nach der Eheschliessung – zu-
nächst von seiner Frau und später von besagtem Schwiegervater – von
den Beweismitteln erfahren zu haben, gab er andererseits auch an, bereits
im Februar vor der Heirat darüber informiert worden zu sein. Insgesamt
sind die Schilderungen des Beschwerdeführers zur angeblichen dreimali-
gen erfolglosen Suche sodann wenig ereignisgeprägt ausgefallen (vgl. act.
A23/22 F92 f.). Kaum plausibel ist zudem, dass die Suche während der
ersten beiden Male aufgrund von Personen, welche sich in der Nähe auf-
gehalten hätten, gescheitert sein soll, während der dritte Versuch schliess-
lich durch die veränderten geografischen Gegebenheiten vereitelt worden
sein soll (vgl. act. A23/22 F86 ff.). Es wäre anzunehmen, dass der Be-
schwerdeführer bereits beim ersten Besuch der Gegend, in welcher diese
Beweismittel vergraben worden seien, hätte feststellen können, dass die
vom Schwiegervater beschriebenen Gebäude zur Bestimmung des ge-
nauen Verstecks nicht mehr existierten.
6.3.2 Insgesamt hinterlassen die Schilderungen des Beschwerdeführers
bezüglich dieser Beweismittel keinen überzeugenden, vielmehr einen kon-
struierten Eindruck, weshalb auch den Behelligungen durch das CID und
die Armee die Grundlage entzogen ist, handelte es sich bei den Beweis-
mitteln doch angeblich um einen der zentralen Aspekte bei den Befragun-
gen.
6.4 Zudem machte der Beschwerdeführer in weiteren zentralen Punkten
widersprüchliche oder wenig überzeugende Angaben.
6.4.1 Während der Beschwerdeführer an der BzP berichtete, beim ersten
Besuch der Behördenvertreter kurz im Haus befragt worden zu sein (vgl.
act. A10/15 7.01) schilderte er den Ereignisablauf anlässlich der Anhörung
anders. So habe er die Befragung seiner Frau durch Behördenvertreter vor
dem Haus unterbrochen, woraufhin es zu einem Handgemenge gekom-
men sei (vgl. act. A23/22 F51). Mit diesem Widerspruch konfrontiert gelang
es dem Beschwerdeführer nicht, diesen überzeugend aufzulösen und es
ist entgegen der Behauptung in der Beschwerde nicht davon auszugehen,
dieser Widerspruch sei auf die Vermengung der drei geltend gemachten
Vorfälle zurückzuführen (vgl. act. A23/22 F133).
6.4.2 Ebenfalls widersprüchliche Angaben machte der Beschwerdeführer
zu seinen Aufenthaltsorten nach der Hochzeit im Zeitraum von Mai 2017
bis zu seiner Ausreise im August 2017. Anlässlich der BzP gab der Be-
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Seite 11
schwerdeführer zu Protokoll, bis Juli 2017 im Haus der Familie seiner Ehe-
frau gelebt zu haben. Nachdem er im Juli 2017 das erste Mal von den Be-
hörden mitgenommen worden sei, habe er sich danach bis zu seiner Aus-
reise am (...) August 2017 bei seiner Mutter aufgehalten (vgl. act. A10/15
2.01, 7.01). Demgegenüber führte der Beschwerdeführer während der An-
hörung zunächst aus, ab dem 5. August 2017 für drei Tage bei seiner Mut-
ter untergekommen zu sein und sich anschliessend bis zur Ausreise in Co-
lombo aufgehalten zu haben (vgl. act. A23/22 F28 ff.). Auf den Widerspruch
angesprochen bestätigte der Beschwerdeführer später auf Nachfrage, vom
18. Juli 2017 bis zum 8. August 2017 bei seiner Mutter gewesen zu sein
(vgl. act. A23/22 F139 f.).
6.5 Weder die eingereichten Beweismittel betreffend die Probleme seines
Schwiegervaters noch das auf Beschwerdeebene beigebrachte Dokument,
bei dem es sich um eine polizeiliche Vorladung handeln soll, vermögen am
Gesagten etwas zu ändern.
6.5.1 Bis auf eine Ausnahme aus dem Jahr 2005 sind die Beweismittel be-
treffend den Schwiegervater undatiert. Überdies sind sie nicht geeignet, die
geltend gemachte Reflexverfolgung des Beschwerdeführers nach der Aus-
reise seines Schwiegervaters, die nach Angaben des Beschwerdeführers
im Jahr 2015 erfolgt sein soll, zu belegen. So stellen sie einerseits keinen
Bezug zum Beschwerdeführer her, und andererseits ist davon auszuge-
hen, dass sie – ihre Echtheit vorausgesetzt – aus der Zeit des Bürgerkriegs
stammen und somit keine abschliessende Beurteilung der Situation des
Schwiegervaters im Zeitpunkt seiner Ausreise zulassen.
6.5.2 Aus der Beschwerde geht nicht hervor, weshalb der Beschwerdefüh-
rer das eingereichte Dokument «Vorladung vom 10. Februar 2020» nicht
bereits früher zu den Akten reichte. Insgesamt wird nicht ersichtlich, wes-
halb die Behörden ihn rund zweieinhalb Jahre nach seiner legalen Aus-
reise, welche mit dem eigenen Reisepass erfolgt sein soll, vorladen sollten,
nachdem seit seiner Ausreise lediglich einmal im Mai 2019 bei seiner Mut-
ter nach ihm gefragt worden sein soll (vgl. act. A23/22 F120). Diesbezüg-
lich ist anzumerken, dass die Schilderungen des Beschwerdeführers inso-
fern auch nicht schlüssig sind, als sie sich kaum zu Problemen seiner im
Heimatstaat verbliebenen Ehefrau äussern. Aufgrund der geltend gemach-
ten Situation und des Umstands, dass der Vater seiner Ehefrau der Ur-
sprung der Probleme gewesen sein soll, ist zumindest erstaunlich, dass
der Beschwerdeführer keine weiteren Behelligungen betreffend die
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Seite 12
Schwiegerfamilie und insbesondere seiner Ehefrau erwähnt. Wenig über-
zeugend ist auch die entsprechende Erklärung, seine Ehefrau habe ihn zur
alleinigen Ausreise überredet (vgl. act. A23/22 F128).
7.
Das SEM hat insgesamt zutreffend festgestellt, dass es dem Beschwerde-
führer nicht gelungen ist, glaubhaft darzulegen, dass er im Zeitpunkt seiner
Ausreise im August 2017 in asylbeachtlicher Weise gefährdet war. Die Aus-
führungen in der Beschwerde sind nicht geeignet, die vorinstanzlichen Er-
wägungen in einem anderen Lichte erscheinen zu lassen. Insbesondere
erübrigt sich anhand der festgestellten Unglaubhaftigkeit der Vorbringen
deren Prüfung auf die Asylrelevanz hin, weshalb entgegen dem entspre-
chenden Beschwerdeantrag keine Veranlassung für die Rückweisung an
die Vorinstanz besteht (vgl. Beschwerde S. 6).
8.
8.1 Zutreffend verneinte das SEM in seiner Vernehmlassung sodann auch
das Vorliegen von Risikofaktoren, welche zum heutigen Zeitpunkt zur Be-
jahung einer begründeten Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Falle der
Rückkehr führen könnten (vgl. hierzu Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016
E. 8.5.5 [als Referenzurteil publiziert]). Der Beschwerdeführer weist in sei-
ner Person keine Faktoren im Sinne eines besonderen Profils auf, die im
Falle einer Wiedereinreise ein behördliches Interesse vermuten liessen.
Angesichts der festgestellten Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen des Be-
schwerdeführers ist nicht davon auszugehen, dass er aufgrund verwandt-
schaftlicher Verbindungen – namentlich durch den Schwiegervater – asyl-
relevante Verfolgung zu befürchten hätte. Zudem gab der Beschwerdefüh-
rer im Rahmen seines Asylverfahrens zu Protokoll, legal mit seinem eige-
nen Reisepass und einem C._ Visum ausgereist zu sein und dabei
keinerlei Schwierigkeiten gehabt zu haben (vgl. act. A10/15 2.05, 5.02). Al-
lein aus der tamilischen Ethnie und der mittlerweile zweieinhalbjährigen
Landesabwesenheit kann der Beschwerdeführer auch keine Gefährdung
ableiten. Es ist somit nicht anzunehmen, dass ihm persönlich im Falle einer
Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG
drohen.
8.2 An dieser Einschätzung vermag auch die aktuelle – zwar als volatil zu
bezeichnende – Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Das Bundesverwal-
tungsgericht ist sich der Veränderungen in Sri Lanka bewusst, beobachtet
die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Ent-
scheidfindung. Weder aus dem Machtwechsel im Jahr 2019 noch aus dem
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Seite 13
Vorfall betreffend eine Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft in Sri
Lanka vermag der Beschwerdeführer etwas zu seinen Gunsten abzuleiten.
Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, wonach speziell der Be-
schwerdeführer einer erhöhten Gefahr ausgesetzt wäre. Ebenso gibt es
zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Macht-
wechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfol-
gungsgefahr ausgesetzt wären.
9.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer aufgrund
des Dargelegten die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt und das SEM sein
Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat.
10.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet
(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
11.
11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
11.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
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11.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
11.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
11.2.3 Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den
Akten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhalts-
punkte dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten
hätte, die über einen sogenannten «Background Check» (Befragung und
Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden,
oder dass er persönlich gefährdet wäre.
11.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zur Einschätzung, dass sich
die jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka nicht in relevanter
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Weise auf den Beschwerdeführer auswirken dürften. Die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heu-
tigen Zeitpunkt weiterhin nicht als unzulässig erscheinen.
11.2.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
11.3
11.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
11.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt, dies gilt auch unter
Berücksichtigung der aktuellen dortigen Ereignisse und Entwicklungen.
Nach einer eingehenden Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri
Lanka ist das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass
der Wegweisungsvollzug in die Ostprovinz zumutbar ist, wenn das Vorlie-
gen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines
tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten
auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann
(vgl. Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.4).
11.3.3 In Bezug auf das Vorliegen individueller Zumutbarkeitskriterien kann
mit Verweis auf die Akten festgehalten werden, dass es sich beim Be-
schwerdeführer um einen gesunden Mann mit einem tragfähigen familiären
und sozialen Beziehungsnetz im Heimatstaat handelt. Seine Mutter lebt
von den Zinsen, den der Erlös eines Grundstückverkaufs ihr eingebracht
habe (vgl. act. A23/22 F26) und sie habe ihn auch während seines Aufent-
halts in Griechenland finanziell unterstützt (vgl. act. A10/15 8.01). Der Vater
seiner Ehefrau unterstützt diese regelmässig (vgl. act. A23/22 F20). Im
Lichte seiner Schul- und Ausbildung sowie der mehrjährigen Berufserfah-
rung ist davon auszugehen, dass es dem Beschwerdeführer durchaus
möglich ist, sich wieder eine Existenz aufzubauen. Zutreffend hat die Vor-
instanz sodann darauf verwiesen, dass trotz der jüngsten politischen Ge-
schehnisse keine gänzlich unsichere, von bewaffneten Konflikten oder an-
deren unberechenbaren Unruhen dominierte Lage im Heimatstaat
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herrscht, aufgrund derer Rückkehrer unabhängig ihres individuellen Hin-
tergrunds konkret gefährdet sind. An dieser Einschätzung vermag auch der
Machtwechsel mit der erfolgten Präsidentschaftswahl vom 16. November
2019 nichts zu ändern.
11.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
11.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
11.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
13.
13.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit In-
struktionsverfügung vom 26. August 2020 sein Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheis-
sen wurde und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich seine finan-
zielle Lage seither entscheidrelevant verändert hätte, ist von der Auflage
von Verfahrenskosten abzusehen.
13.2 Es ist sodann eine reduzierte Parteientschädigung für Verfahrensver-
letzungen der Vorinstanz zuzusprechen, die auf Beschwerdeebene geheilt
wurden. So hat die Vorinstanz dem Beschwerdeführer zunächst nur unvoll-
ständig Einsicht in die Akten gewährt und ist dem Ersuchen um vollständige
Akteneinsicht erst mehr als zwei Wochen nach dem entsprechenden
Gesuch, nämlich am letzten Tag der Beschwerdefrist nachgekommen.
Sodann hat sich die Vorinstanz erst auf Vernehmlassungsstufe zur Frage
des aktuellen Gefährdungsprofils im Sinne der Rechtspraxis geäussert.
Die Parteientschädigung ist auf Grund der Akten (Art. 14 Abs. 2 VGKE) und
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unter Berücksichtigung der Bemessungsfaktoren (Art. 8 ff. VGKE) auf ins-
gesamt Fr. 250.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) festzu-
setzen. Die Vorinstanz ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer diesen Be-
trag als Parteientschädigung auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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