Decision ID: e61b19ea-ebf5-4081-b578-4994088f44a0
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1969 geborene X._
, ohne Berufsausbildung und Mutter zweier 1991 und 1998 geborener Kinder, war zuletzt bis Ende Dezember 2014 als Produktions
mitarbeiterin bei der Y._
AG tätig (Urk. 8/1, Urk. 8/35). Aufgrund einer im August 2013 erfolgten Anmeldung unter Hinweis auf zwei linksseitige Knieope
rationen bezog sie bis anfangs 2014 Leistungen der Invalidenversicherung (Arbeits
platzerhalt, vgl. Urk. 8/20 f.). Mit Datum vom 13. April 2015 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf psychische Probleme („sehr traurig, innere Un
ruhe, innere Leere, Schlafprobleme, keine Energie, Machtlosigkeit; hilflos, nicht mehr da sein zu wollen, Suizidgedanken, immer müde, Schuldgefühle,
Grübel
zwang
, Angst“) erneut bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/23). Nach entsprechenden Abklärungen und durchge
führtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 8/44, Urk. 8/46, Urk. 8/56) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 14. Oktober 2016 ab (Urk. 8/59). Die am 15. November 2016 dagegen erhobene Beschwerde wies das hiesige Gericht mit Urteil
IV.2016.01281
vom 11. Juli 2017 ab (Urk. 8/67).
1.2
Am 15. Januar 2019 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf (Knie-) Schmerzen und eine Depression sowie (sinngemäss) Verschlechterung ihres Zu
stan
des erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 8/74 ff.). Diese zog aktuelle Auszüge aus dem Individuellen Konto (IK
Auszug vom 25. März und 21. Oktober 2019, Urk. 8/80, Urk. 8/88) bei und tätigte medizinische Abklärungen (Urk. 8/85, Urk. 8/89, Urk. 8/91). Mit Vorbescheid vom 27. Juli 2020 stellte die IV-Stelle der Versicherten eine vom 1. Juli bis 20. November 2019 befristete ganze Rente und eine vom 1. Dezember 2019 bis 30. April 2020 befristete halbe Rente in Aussicht (Urk. 8/95). Auf Einwände der Versicherten hin (Urk. 8/101, Urk. 8/104, Urk. 8/106 ff.) tätigte die IV-Stelle weitere Abklärungen (Urk. 8/112 ff.) und zog die internen
Stellungnahmen von Dr. med. Z._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD)
,
vom 10. März 202
1 sowie RAD-Arzt Dr. med. A._
, Facharzt FMH für ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie, vom 17. März 2021 bei (vgl. Urk. 8/118/3 f.). Gestützt darauf sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung
en
vom 1. Juli 2021 eine vom 1. Juli bis 30. November 2019 befristete ganze und ab dem 1. Dezember 2019 eine unbefristete halbe Rente zu (Urk. 2/1-2).
2.
Dagegen erhob X._
am 31. August 2021 Beschwerde und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung vom 1. Juli 2021 in dem Sinne zu korrigieren, dass ihr
auch über den 30. November 2019 hinaus eine unbefristete ganze Rente zuzusprechen
sei
. Eventualiter seien weitere Sachverhaltsabklärungen (Einholung eines psychiatrischen Gutachtens) durchzuführen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerde
antwort vom 8. November 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was der Beschwerdeführerin am 11. November 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
3.
Mit Beschluss vom 2
2
.
April 2022
wurde der Beschwerdeführerin die vorläufige Einschätzung der Rechtslage mitgeteilt, unter dem Hinweis, dass ihr - sollte das Gericht an der vorläufigen Einschätzung festhalten und die Sache zur ergänzen
den medizinischen Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückweisen - eine Schlechterstellung drohe. Diese bestehe darin, dass die zu tätigenden Abklärun
gen zu einem Resultat führen könnten, welche einen Anspruch auf Ausrichtung der gesprochenen Rente
n
in Frage stellen könnte. Entsprechend wurde der Beschwerdeführerin Frist zur Stellungnahme und zur Erklärung darüber ange
setzt, ob sie an der Beschwerde festhalte oder ob sie diese zurückziehe (Urk.
10
). Innert der ihr mit Beschluss vom
2
2.
April 2022
angesetzten Frist
teilte die
Beschwerdeführerin mit, an der Beschwerde vom 3
1.
August 2021 festzuhalten (
Urk.
12)
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis
31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
1.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämt
liche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (E. 7.2; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1).
Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 unter Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2
; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3
).
1.3.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Wurde eine Rente
verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 IVV eine neue An
meldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, das
s sich der Grad der Invalidität
der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie
die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der ver
sicherten Person glaubhaft gemachte Ver
änderung des Invaliditätsgrades
auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (
Urteil des Bundes
gerichts 9C_351/2020 vom 21. September 2020 E. 3.1, insbesondere mit Hinweis auf
BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.6
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestimmungen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a IVV) analog anzu
wenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_122/2020 vom 26. Februar 2021 E. 2). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit dem
jenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV fest
zusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis).
1.7
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung (BGE 125 V 413 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2007 vom 27. August 2008 E. 2.3; vgl. Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
11 zu Art. 30–31). Rechtsprechungsgemäss bildet eine solche Verfügung insgesamt den Anfechtungs- und Streitgegenstand und unterliegt integral der gerichtlichen Prüfung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E. 5.1 [in BGE 144 V 153 nicht publiziert] und 9C_50/2011 vom 25. Mai 2011 E. 2.1).
Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine abgestufte oder befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des
Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blieben. Die gerichtliche Prüfung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Abstufung oder Aufhebung der Rente zu erfassen (BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; Urteile des Bundesgerichts 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008 E. 2 und I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen). Dabei ist in anfechtungs- und streit
gegenständlicher Hinsicht irrelevant, ob eine rückwirkende Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente in einer oder in mehreren Ver
fügungen gleichen Datums eröffnet wird (BGE 131 V 164 Regeste; Urteil des Bundesgerichts 8C_489/2009 vom 23. Oktober 2009 E. 4.1 mit Hinweis).
1.8
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung erwog die Beschwerdegegnerin, aufgrund der medizinischen Abklärungen habe sich der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin verschlechtert; vom 1. November 2017 bis 9. August 2019 sei sie für sämtliche Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Unter Berücksichtigung der Wartefrist bestehe damit seit dem 1. Juli 2019 ein Anspruch auf eine ganze Rente. Ab dem 10. August 2019 habe sich der Zustand der Beschwerdeführer in dem Sinne verbessert, als dass seither in einer angepassten Verweistätigkeit wie
derum eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bestehe. Die fortbestehenden Einschrän
kun
gen seien somatisch bedingt; aus psychiatrischer Sicht bestehe weiterhin keine IV-relevante Beeinträchtigung. Mithin habe die Beschwerdeführerin ab dem 1. De
zember 2019 Anspruch auf eine unbefristete halbe Rente der Invalidenver
sicherung (Urk. 2).
2.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin ein, es stelle eine Verletzung des Unter
suchungsgrundsatzes dar, dass die Beschwerdegegnerin einzig die somatischen, nicht aber die psychischen Leiden berücksichtigt habe. Insbesondere sei die Beschwer
deführerin letztmals im Jahre 2016 vom RAD psychiatrisch untersucht worden und könne sich seither – gerade bei psychischen Krankheiten – viel ver
ändern. Die Beschwerdeführerin sei denn auch vom 2. Dezember 2020 bis 28. Januar 2021 in der
Klinik B._
stationär behandelt wor
den. Dabei hätten die behandelnden Ärzte eine schwere Depression diagnos
tiziert. Mithin bestünden
erhebliche Zweifel an der Einschätzung der RAD-Psychiaterin, welche völlig singulär und ohne aktuelle Untersuchung davon aus
gehe, dass kein pathologischer Befund vorliege. Bei korrekter Abklärung und Würdigung des Sachverhalts ergebe sich, dass die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeitsunfähig sei und Anspruch auf eine unbefristete ganze Rente habe. Gege
benenfalls sei die Sache zur Durchführung einer psychiatrischen Expertise an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen (Urk. 1).
3.
Unter Hinweis auf die eingangs erläuterten Rechtsgrundlagen ist bei
zuvor ver
weigerter Rente und nach Eintreten der Verwaltung auf
die
Neuanmeldung (Art. 87 Abs. 3
IVV
)
im B
eschwerdeverfahren zu prüfen
, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (
vgl. E. 1.5
).
Alsdann ist die angefochtene Verfügung vom 1. Juli 2021 (Urk. 2/1-2) auf die gesamte Rentendauer ab dem 1. Juli 2019 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung einer gerichtlichen Überprüfung zu unterziehen (
vgl. E. 1.7
)
.
4.
4.1
Die gerichtlich bestätigte Verfügung vom 1
4.
Oktober 2016, womit das Leistungs
begehren der Beschwerdeführer
in
abgewiesen wurde
(
Urk.
8/59, Urk.
8/67)
, stützte sich im Wesentlichen auf den
psychiatrischen Unter
suchungsbericht von Dr. med. Z._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), vom 23. Mai 2016 (Urk.
8/43/1-7) ab.
4.2
Darin
diagnostizierte
diese
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine An
passungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F 43.2, Urk.
8
/43/5).
Die Beschwerdeführerin habe berichtet, seit dem Unfall 2012
[Kniegelenks
distorsion vom 1
1.
Juni 2021, vgl.
Urk.
8/15/13 ff.]
habe sich alles verändert. Sie habe seither immer Schmerzen im linken Knie und etwas später auch im rechten Oberschenkel bekommen. Seit einigen Monaten seien überall Schmerzen hinzu
gekommen. Seit dem Mobbing im November 2013 gehe es ihr auch psychisch schlecht. Sie sei müde und kraftlos, sie sei aber auch miss
trauisch anderen Menschen gegenüber und habe Angst, dass sie wieder einmal gemobbt werden könnte. Zudem sei ein weiterer Unfall passiert. Sie sei eine Woche nach Arbeits
beginn im November 2013 erneut auf dem nassen Boden gestürzt, kurz darauf sei sie vom Vorgesetzten zitiert worden und es sei ihr gesagt worden, dass man ihr kündige, da sie nicht flexibel genug sei. Dieser Vorfall habe sie schwer gekränkt.
Sie könne das nicht verstehen. Sie habe doch so gut gearbeitet und sei deswegen auch immer wieder gelobt worden. Seither liege sie den ganzen Tag herum und könnte immer schlafen. Im Haushalt könne sie nichts mehr machen, die Familie müsse helfen. Der Einkauf werde mehr
heitlich vom Ehemann erledigt, manchmal begleite sie ihn. Am Abend koche der Ehemann. Die Wäsche werde vom Sohn in den Keller getragen, bügeln tue sie praktisch nichts. Aktuell nehme sie
Trittico
100mg (0-0-0-1),
Relaxane
(1-0-0-0),
Cymbalta
60mg (1-0-0-0) und bei Bedarf
Nexium
Mups
40mg sowie div. Schmerzmittel ein (Urk.
8
/43/2).
Im Rahmen ihrer Befundung hielt Dr.
Z._
fest, die Beschwerdeführerin habe beim Gang über die Strasse sowie beim Treppensteigen wegen der Knie
schmer
zen ein Schmerzhinken gezeigt. Im Gespräch sei sie zurückhaltend gewesen und habe die Fragen monoton beantwortet. Hin und wieder habe sich ein Lächeln gezeigt. Angespannt und
dysphorisch
sei sie geworden, als sie sich bei den Be
richten über die verschiedenen Beschwerden und Arztbesuche verheddert habe. Beim Gespräch über den Tod des Vaters habe sie geweint. Erneut geweint habe sie bei den Dar
stellungen bezüglich Mobbing. Gleichzeitig sei sie dabei aber auch
dysphorisch
und angespannt gewesen. Während der gesamten Untersu
chungs
zeit hätten Auf
merksamkeit und Konzentration aufrechterhalten werden können. Die Gedächtnisleistungen hätten sich im Gespräch als unauffällig erwie
sen. Weiter hätten sich keine Hinweise auf formale Denkstörungen ergeben. Die Beschwerde
führerin habe jedoch angegeben, unter schwerem Grübeln zu leiden. Sodann habe sich keinerlei Anhalt für inhaltliche Denkstörungen oder Phobien ergeben. Dem
gegenüber bestehe eine Angst vor erneuten Mobbingsituationen. Der affektive Rapport sei herstellbar, die Schwingungsfähigkeit indes einge
schränkt. Im Affekt habe sich die Beschwerdeführerin schwankend zwischen
euthym
bis weinerlich und - je nach Thema -
dysphorisch
gezeigt. Sie habe allerdings nicht antriebs
gemindert gewirkt. Demgegenüber habe die Beschwer
deführerin angegeben
,
ohne Antrieb, müde u
nd kraftlos zu sein. Psychomoto
risch seien keine Auffälligkeiten zu verzeichnen. Einzig beim Thema Mobbing sei eine gewisse Anspannung auf
gekommen. S
chliesslich habe die Beschwerde
führerin berichtet, nachdem sie die Kündigung bekommen habe, hätte sie sich am liebsten erhängt. Sie tue sich aber wegen der Kinder nichts an. Sie betrachte sich selbst als krank und nicht arbeits
fähig.
Dr.
Z._
hob im Wesentlichen folgende Inkonsistenzen hervor: Während des gesamten Gespräches hätten sich entgegen den Darstellungen der Beschwerde
führerin keine Hinweise auf Schmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Müdig
keit, Kraftlosigkeit oder Antriebsstörungen
ergeben. Sodann habe sie angege
ben, dass es im November 2013 zu Mobbing gekommen sei. Allerdings sei in früheren
Unterlagen schon nach dem Unfall 2012 über Mobbing berichtet worden. Weiter habe die Beschwerdeführerin angegeben, dass sie seit einigen Monaten ein Weichteilrheuma habe. So habe der aufgesuchte Rheumatologe diese Diagnose letztes Jahr gestellt. Auf telefonische
Nachfrage habe Dr. med. C._
, Fach
arzt FMH für Rheumatologie und Innere Medizin, angegeben, die Beschwerde
führerin habe seit Jahren über Schmerzen in Armen, Händen, Füssen sowie am Rücken geklagt. Aufgrund verschiedener
Druckdolenzen
, mit allerdings zum Teil inadäquaten Schmerzäusserungen, habe er eine allgemeine
Tendomyopathie
(Fibromyalgie) ohne Entzündungszeichen diagnostiziert. Bei nur einmaligem Kontakt sei die Arbeitsfähigkeit nicht zu beurteilen. Schliesslich habe die Beschwerdeführerin ausgeführt, so Dr.
Z._
, wegen neu aufgetretener Schmerzen und Gefühlsstörungen im rech
ten Oberschenkel zu einem Neuro
logen geschickt worden zu sein. Allerdings sei d
ies weder vom Hausarzt, Dr. D._
, noch vom Rheumatologen, Dr.
C._
, bestätigt worden. Der Neurologe habe nach Angaben der Beschwerdeführerin keine Ursache gefunden. Jetzt warte sie auf einen Termin bei einem anderen Arzt. Welcher das sein sollte und vom wem sie dort an
gemeldet worden sei, habe die Beschwerdeführerin allerdings nicht gewusst. Aufgrund dieser Inkonsistenzen sei eine Aggravation und Selbst
limitierung wahrscheinlich (Urk.
8
/43/5).
Dr.
Z._
kam zum Schluss, aufgrund der psychosozialen Belastungen (Mobbing) vor Beginn der depressiven Symptomatik
könne am ehesten von einer An
pas
sungsstörung mit längerer depressiver R
eaktion (ICD-10: F 43.21) ausge
gangen werden, dies aufgrund anhaltender psychosozialer Belastungen. Da höchstwahr
scheinlich von einer Aggravation auszugehen sei, könnten die geschilderten Symptome nicht berücksichtigt werden. Im Gespräch habe sich höchstens bei den Schilderungen betreffend den Tod des Vaters sowie die Mobbingsituation einen kurzfristigen Stimmungseinbruch gezeigt, was als adäquat zu betrachten sei. Eine rezidivierende depressive Störung könne aufgrund fehlender früherer Episoden nicht nachvollzogen werden. Eine Angststörung könne bei der aktu
ellen Unter
suchung ebenfalls nicht diagnostiziert werden. Die geschilderten Ängste stünden vor allem mit einer möglichen Mobbingsituation bei erneuter Arbeitstätigkeit in Zusammenhang und seien in diesem Sinn nicht als patho
logisch zu werten. Ferner könnten die beschriebenen Schmerzsymptome und deren Ursachen - mit Ausnahme der Probleme im linken Knie - nicht wirklich nachvollzogen werden. Es liege denn auch kein Bericht eines Neurologen vor. Der einmalig besuchte Rheumatologe habe zw
ar eine allgemeine
Tendomyo
pathie
festgestellt, allerdings ohne Zeichen einer Entzündung. Bei alledem sei ein dauerhafter Gesundheits
schaden nicht ausgewiesen (Urk.
8
/43/7).
5.
5
.1
Im Rahmen der Neuanmeldung liegen im Wesentlichen die nachfolgenden Arzt
berichte bei den Akten:
5.2
Im Bericht vom
1.
März 2019
hielt
der seit
Ende
September 2014 behandelnde
Dr.
med. D._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, vor dem Hinter
grund chr
onischer Rückenschmerzen und
Po
lyarthralgien, einer Fibromyalgie so
wie
rezidivierenden
depressiven Störung
seit dem 2
4.
September 201
4
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
fest
. Im Übrigen verwies er auf die spezialärztlichen Berichte (
Urk.
8/79).
5
.3
Im B
ericht vom
9.
August
2019 hielt
die seit Juli 2017 behandelnde Dr.
med.
E._
, Fachärztin FMH für Rheumatologie und Innere Medizin,
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome
,
(ICD-10: F 33.2) fest. Ohne Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit notierte sie folgende
Hauptdiagnosen
(
Urk.
8/85/9f.):
-
hochgradiger
Verdacht auf Morbus B
echterew
-
chronisches
P
anvertebralsyndrom
-
chronische Polyarthralgien und M
yalgien
-
Fibr
omyalgie
-Syndrom
-
Schwindel unklarer Genese
-
Migräne ohne Aura
-
Reizdarmsyndrom ohne Diarrhoe
-
Laktoseintoleranz
-
Allergie auf Äpfel, Nüsse, Sellerie roh
-
Hämorrhoiden
MR
-tomographisch zeigten
sich
ak
tiv entzündliche
Veränderungen ventral
der Deckplatte LWK 1, der inter
spinösen Ligamen
te L2-S1 sowie postentzündliche
Veränderungen (vgl.
Urk.
8/85/9; MRI-Befund vom 2
1.
Dezember 2018,
Urk.
8/85/15
).
Es sei eine
Biologika
-Therapie mit
Simponi
geplant. Der bereits durchgeführte Therapieversuch mit
Simponi
habe eine Besserung der Beschwerdesymptomatik gezeigt.
Aus rheumatologischer Sicht sei die Prognose günstig. Allerdings bestünden bei der Beschwerdeführerin Kontextfaktoren mit negativen Auswirkungen auf die Prognose (
Urk.
8/85/10)
. I
m Verlaufsbericht vom
3.
Januar 2020 hielt
Dr.
E._
fest, aus rheumatologischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Vielmehr sei die Beschwer
deführerin
aufgrund einer depressiven Störung in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, wes
halb die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrische
r Sicht zu beurteilen sei (Urk.
8/89/4).
5.
4
Im November 2019 erfolgte eine verhaltensneurologisch-neuropsychologische Abklärung
vor dem Hintergrund der
depressiven Episoden sowie eigen
anamnestisch kognitiven Einschränkungen. Klinisch/testpsychologisch
hätten
sich eine Antriebsminderung, ve
rminderte Schwingungsfähigkeit,
schmerz
bedingt verminderte kognitive Belastbarkeit,
deutlich verminderte verbale Ideen
produktion, leicht eingeschränkte figurale Ideenproduktion sowie
eine
leicht unterdurchschnittliche A
ufmerksamkeit
ergeben
. Die beurteilende Neuro
psychologin
hielt fest
, es bestehe
eine mittelgradige Funktions
s
törung, vor
wiegend der
fronto
-limbischer Hirnareale mit Betonung der sprachdomina
n
ten Hemisphäre, gut im Rahmen der affektpathologischen Symptomatik
erklärbar; differenzialdiagnostisch sei von einer Befundaggravation durch die Schmerzsymptomatik sowie von medikamentösen Faktoren auszugehen
.
Aus
rei
n neurokognitiver Sicht
ergebe sich
aktuell eine 40-50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
8/91/44).
5.
5
Die
seit Ende
Mai 2015 a
mbulant behandelnden Ärzte des Zentrums F._
diagnostizierten
im Bericht
vom 1
6.
Januar 2020 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen eine seit März 2015 bestehende rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
,
(ICD-10: F33.1) sowie
eine
seit Januar 2016 bestehende generalisie
rte Angststörung (ICD-10: F41.1;
Urk.
8/91/9).
Die Beschwerdeführerin habe beklagt, seit 2012 unter Depressionen zu leiden. Ihr Selbstwertgefühl sei zerstört. Zudem bestünden Nervos
ität, Traurigkeit und Hoffnungsl
osigkeit, Grübeln, Ängste und ständiges Weinen, Antriebslosigkeit, Appetitverminderung. Die Beschwerden hätten sich in der letzten Zeit aufgrund der gesundheitlichen Probleme ihres Vaters verschlimmert.
Ausserdem leide sie an starken Knieschmerzen und einer Migräne.
In objektiver Hinsicht sei die Stimmung der Beschwerdeführer depressiv-resigniert. Sie sei ängstlich, gelähmt, distanziert, passiv im Spontanverhalten, affektiv
stuporös
, leicht irritierbar, ner
vös, im Gesprächsverlauf wortkarg, psychomotorisch reduziert, apathisch, den Blickkontakt kaum haltend, stimmlich leise
. Zudem sei die Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit und das Gedächtnis der Beschwerdeführerin ver
langsamt resp. deutlich eingeschränkt (
Urk.
8/91/8 ff.).
Infolge ihrer körperlichen und psychischen Einschränkungen sei die Beschwerde
führerin
seit Oktober 2014 für sämtliche Tätigkeiten
zu
100
%
arbeitsunfähig. In Anbetracht der fortschreitenden
Chronifizierung
und
des
ungenügende
n
Erfolg
s
bisheriger Therapien (aktuell
: Psychotherapie
im Monatstakt
und als Pharma
kotherapie
Cymbalta
Kaps 60 mg [1-0-0-0] sowie
Relaxana
Drag auf pflanzlicher Basis bei Bedarf
) sei die Prognose ungünstig (Urk.
8/91/7
,
Urk.
8/91/9f.
).
5.
6
Auf Zuweisung des
F._
erfolgten
Ende
2016, Ende 2018 sowie Ende 2020/
an
fangs 2021
mehrwöchig
e,
stationär
e psychiatrische Behandlungen
, wobei auch die
Pharmako
therapie
intensiviert
(vgl.
Urk.
8/79/14
,
Urk.
8/91/36,
Urk.
8/116/2) und i
n den Austrittsberichten de
s Sanatoriums G._
vom 15.
Dezember 2016 resp.
der
Klinik H._
vom 1
7.
Dezember 2018 und
8.
Februar 2021
(vgl.
Urk.
8
/79/11 ff.,
Urk.
8/91/35 ff.,
Urk.
8/116
)
jeweils eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psycho
tische Symptome
,
(ICD-10: F33.2) festgeha
lten
wurde
.
In klinischer Hinsicht wurden zuletzt unter anderem Konzentrationsstörungen, Affektlabilität und -armut, Insuffizienzgefühle, Störungen der Vitalgefühle, Hoffnungslosigkeit, Ängstlichkeit sowie eine
schwergradig
deprimierte Stimmung mit sozialem Rück
zug und latenter Suizidalität berichtet (vgl.
Urk.
8/116/4).
5.
7
Dr.
med. I._
, Facharzt FMH für C
hirurgie, hielt im November 2020 fest,
d
ie Bes
chwerdeführerin leide seit zwei
Stürzen
vor vier resp. fünf Jahren
an Knie- und ständigen panvertebrale
n
S
chmerzen
. Letztere hätten sich seit der ersten Knieoperation 2012 intensiviert. Aktuell komme es bei jeglicher körperlichen Belastung zu zunehmenden Nacken- und Kopfschmerzen mit Ausdehnung in die ganze Wirbelsäule, begleitet von ständigem
Schwankschwindel
. Letztere
s – so Dr.
I._
– könne keinem bestimmten Krankheitsbild zugeordnet werden. Ins
besondere würden sich keine Hinweise auf eine zentrale oder peripher-vestibuläre Ursache ergeben. Die geschilderten Kopfschmer
zen hätten die typischen Merk
mal
e einer Migräne. Bei
m
unauffälligen neurologischen Befund sei eine sympto
matische Form nicht anzunehmen. Aus orthopädisch-
traumatologischer
Sicht sei die Beschwerdeführerin für leichte, wechselbelastende Tätigkeiten (Sitzen/Stehen), ohne längeres Lastenheben von mehr als 2 kg und kurzfristiges Lastenheben von mehr als
5
kg, ohne Überkopfarbeiten, ohne Arbeiten in über
geneigter Haltung partiell arbeitsfähig; zur genauere
n
Evaluation der Arbeits
fähigkeit sei ein Leistungstest durchzuführen (
vgl. Bericht vom 5.
November 2020,
Urk.
8/108)
. Im Januar
2021
berichtete
Dr.
I._
,
b
ei der adipösen Beschwerdeführerin bestünden im Nacken-Schultergürtel verschiedentlich
Druckdolenzen
und
endphasisch
schmer
z
hafte Bewegungseinschränkungen. Sie sei seit 2014 zu 100% arbeits
un
fähig
krankgeschrieben [S. 2]
resp. seither übe sie keine Tätigkeit mehr aus. Das somatische Krankheitsbild
werde
von psychischen Leiden
belastet bzw. dominiert
. Die Prognose sei bei der schlechten Moti
v
ation
der Beschwerdeführerin schlecht (
vgl. Bericht vom 2
9.
Januar 2021,
Urk.
8
/
112/
1
ff.).
6.
6.1
Der angefochtenen Verfügung
en
vom
1.
Juli 2021
lag mit den zitierten
Berich
ten kein Sachverhalt zugrunde, welcher eine abschliessende und rechtskonforme Beurteilung der hier zu beurteilenden Fragen erlaubt hätte.
6.2
Die Beschwerdegegnerin bejahte
zwar
ge
stützt auf die Berichte von
Dres
. D._
und
E._
sowie
den
MRI-Befund vom
21. Dezember 2018
eine
wesentliche
Ver
änderung des somatischen Gesundheitszustandes seit
dem abschlägigen
E
nt
scheid
vom 14. Ok
tober 2016 (Urk. 8/93/2ff.
). In der Folge unterliess sie es jedoch, die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hinreichend abzuklären. Die Berichte der behandelnden Fachärzte erweisen sich diesbezüglich
indes
als widersprüchlich und
zu
wenig aufschlussreich.
Währenddem
Dr.
E._
in ihren Berichten vom 9. August 2019 und 3. Januar 2020 dazu lediglich fest
hielt, aus rheumatologischer Sicht sei die Prognose günstig resp. es bestehe keine Arbeitsunfähigkeit (Urk. 8/85/10, Urk. 8/89/4 f.),
postulierte Dr.
D._
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 2014 und
fü
hrte
Dr.
I._
in seinen Berichten vom 5. No
vember 2020 und 29. Januar 2021 aus, die B
eschwerde
führerin sei aus ortho
pädisch-
traumatologischer
Sicht in der bisherigen Tätigkeit seit 2014 zu 100 %
arbeitsunfähig
und hinsichtlich einer – näher umschriebenen – Verweistätigkeit partiell arbeitsfähig; zur genaueren Beurteilung sei ein Leistungstest durchzuführen (Urk. 8/108/2, Urk. 8/112/4). Die Stellungnahmen von RAD-Arzt Dr.
A._
vom 22. April 2020 und 17. März 2021, welche
ohne eigene fachärztliche Unter
suchung lediglich gestützt auf die (unzulängliche) Aktenlage ergingen und worin dieser zum Schluss kam, es bestehe seit November 2017 für sämtliche Tätigkeiten eine 100%ige und ab dem 10. August 2019 an
dauernd e
ine 50%ige Arbeits
unfähigkeit in einer – näher umschriebenen – angepassten Verweistätigkeit (Urk. 8/93/6, Urk. 8/118/4), sind nicht nachvoll
ziehbar. In psychiatrischer Hinsicht ging die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Stellungnahmen von RAD-Psychiaterin
Z._
vom 7. Juni 2019, 30. Juni 2020 und 10. März 2021 (Urk. 8/93/3, Urk. 8/93/7, Urk. 8/118/3) davon aus, es s
ei seit dem abschlägigen E
ntscheid vom
1
4.
Oktober 2016 keine Veränderung ein
getreten. Zwar trifft es zu, dass bei der Beschwerdeführerin seit
2015
/2016
eine rezidivierende depres
sive Störung
, vorwiegend
mittelgradigen
Ausmasses
,
sowie
eine
generalisierte Angststörung
di
agnostiziert
und ihr seither durchgängig eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert
werden
(vgl. etwa die
Bericht
e
von Dr. med.
J._
, Facharzt FMH für Psychiatr
ie und Psychotherapie,
F._
, vom
24.
August und
26. Oktober 201
5,
9.
März 2016,
Urk. 8/3
7
/2 ff.,
Urk.
8/39/7ff.
,
Urk.
8/41/4ff.
)
. Allerdings
wurde
seit
Ende
2016
mehrheitlich
eine
schwergradige
depressive
Episode
dokumentiert
und
begab sich die Beschwerdeführerin
seither
d
rei
fach
in
eine mehrwöchige, stati
onäre psychiatrische Behandlung, wobei auch die Psychopharmakotherapie intensiviert wurde
(Ende 2016, Ende 2018 sowie Ende 2020/anfangs 2021, Urk. 8/79/11 ff
.
, Urk. 8/91/35 ff., Urk. 8/11
6
; vgl. auch
Urk.
8/79/21 ff.
)
.
Zudem
wi
esen
auch
die
somatisch
behandelnden Ärzte
wieder
holt
auf eine psychische Überlagerung der somatischen Befunde hin (Urk. 8/108/2
f., Urk. 8/112/4, Urk. 8/112/6) und
k
ommen
schliesslich
die
im November 2019 festgestellten neurokognitive
n
Einschränkungen mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit
hinzu
(vgl. E
.
5.
4
)
.
6.3
Nach dem Gesagten
ist
eine sämtliche Aspekte des vorliegenden Falls umfassende (das
heisst
somatische und psychiatrische
sowie ggf. neuropsychologische
) medizinische Abklärung unter Einschluss der Frage,
ob und inwiefern sich der Gesundheitszustand
(objektive Befunde und Arbeits- sowie Leistungsfähigkeit)
der B
eschwerdeführerin im Zeitraum vom
1
4.
Oktober 2016 bis
1.
Juli
2021
ver
ändert hat
, angezeigt
. Dabei werden die beurteilenden Fachärzte
auch
zu den Standardindikatoren
und – mit Blick auf die wiederholten
Hinweise auf
IV-fremde Faktoren
(vgl.
Urk.
8/85/10
,
Urk. 8/85/12,
Urk.
8/91/43,
Urk. 8/112/4) -
zur Frage Stellung zu beziehen haben, ob und gegebenenfalls inwieweit IV-fremde Faktoren für das Leiden ursächlich sind resp. dessen Überwindung ver
hindern.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene Entscheid aufzuheben.
7
.
7
.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind vorliegend ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und (aufgrund der rechtsprechungsgemäss ebenfalls als vollständiges Obsiegen geltenden Rück
weisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Ver
fügung, vgl. BGE 137 V 57 E. 2.2) ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin auf
zuerlegen.
7
.2
Nach § 34 Abs. 3
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat d
ie
obsiegende Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine
Partei
entschädigung (vgl. auch Art. 61
lit
. g ATSG). Diese wird vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen. Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von Fr. 2’000.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.