Decision ID: c54960ec-2fe2-55fe-bdd0-c4a7c4f3d67e
Year: 2018
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 22. Mai 2015 in der Schweiz um Asyl.
Er führte im Wesentlichen aus, er sei afghanischer Staatsangehöriger. Er
stamme aus einem ihm unbekannten Dorf im afghanischen Distrikt
B._, Provinz C._. Im Alter von drei bis vier Jahren habe er
mit seiner Mutter und seiner Schwester Afghanistan verlassen und fortan
ohne Aufenthaltsstatus in D._, Pakistan, gelebt. Dort sei er zur
Schule gegangen und habe circa ab dem elften Lebensjahr Plastiksäcke
und Petflaschen verkauft. Wegen eines Bombenanschlags, eines Selbst-
mordattentats und einer knapp entgangenen Vergewaltigung sei er im Jahr
2013 in den Iran und zweieinhalb Jahre später in die Türkei ausgereist.
B.
Mit Verfügung vom 25. September 2017 stellte die Vorinstanz fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylge-
such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren
Vollzug an.
C.
Mit Urteil E-5677/2017 vom 17. Oktober 2017 wies das Bundesverwal-
tungsgericht die vom Beschwerdeführer gegen die vorinstanzliche Verfü-
gung erhobene Beschwerde ab. Das Gericht befand, der Beschwerdefüh-
rer habe durch die Verheimlichung beziehungsweise Verschleierung sei-
ner Herkunft und seiner persönlichen sowie familiären Situation die ihm
obliegende Mitwirkungspflicht verletzt. Es sei nicht Sache der Behörden,
bei fehlenden, gezielt vorenthaltenen Hinweisen nach allfälligen Hindernis-
sen für den Wegweisungsvollzug in hypothetischen Herkunftsländern zu
forschen. Vermutungsweise sei in solchen Fällen von der Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs auszugehen.
D.
Am 13. Dezember 2017 reichte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz
ein Wiedererwägungsgesuch ein und beantragte die vorläufige Aufnahme
in der Schweiz. Der Beschwerdeführer reichte Bestätigungen betreffend
seinen Besuch der E._, Arbeitsbestätigungen, einen Brief des Ver-
mieters in D._ und diverse Fotos ein.
E.
Am 22. Dezember 2017 überwies die Vorinstanz das Wiedererwägungsge-
such zuständigkeitshalber an das Bundesverwaltungsgericht.
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F.
Mit Schreiben vom 28. Dezember 2017 überwies das Bundesverwaltungs-
gericht die Eingabe des Beschwerdeführers vom 13. Dezember 2017 an
die Vorinstanz zurück, da der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers aus-
drücklich den Willen geäussert habe, die Eingabe sei nicht dem Bundes-
verwaltungsgericht zur Prüfung, ob Revisionsgründe vorlägen, zu überwei-
sen. Für eine Behandlung der Eingabe – selbst bei allfälliger Zuständigkeit
des Bundesverwaltungsgerichts – bestehe kein Raum.
G.
Mit Verfügung vom 11. Januar 2018 trat die Vorinstanz infolge Unzustän-
digkeit auf das Wiedererwägungsgesuch nicht ein.
H.
Mit Eingabe vom 9. März 2018 beantragte der Beschwerdeführer bei der
Vorinstanz eine Neuprüfung des Wiedererwägungsgesuchs vom 13. De-
zember 2017 und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. Seine Mutter
und seine Schwester seien im Juli 2017 von D._ via Kabul in den
Distrikt B._ gereist, um für sich und ihn eine Tazkira ausstellen zu
lassen. Seine Tazkira sei am 25. November 2017 ausgestellt und der Vo-
rinstanz mit Schreiben vom 7. Februar 2018 des schweizerischen Grenz-
wachtkorps übermittelt worden. Es dränge sich eine materielle Überprü-
fung des vorliegenden Gesuchs auf, bei welcher auch die mit der Eingabe
vom 13. Dezember 2017 eingereichten Beweismittel zu berücksichtigen
seien.
Der Beschwerdeführer reichte seine Tazkira im Original und das Schreiben
des Grenzwachtkorps ein.
I.
Mit Verfügung vom 20. Juli 2018 (eröffnet am 23. Juli 2018) wies die Vor-
instanz das Wiedererwägungsgesuch ab, soweit sie darauf eintrat, und er-
klärte die Verfügung vom 25. September 2017 für rechtskräftig und voll-
streckbar. Zudem wies sie darauf hin, dass einer allfälligen Beschwerde
keine aufschiebende Wirkung zukomme.
J.
Mit Eingabe vom 22. August 2018 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die Verfügung der Vor-
instanz sei aufzuheben. Die Vorinstanz sei anzuweisen, infolge Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen.
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Es sei die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wieder herzustellen. Es
sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses zu verzichten. Es sei dem Beschwerdeführer in
der Person des Unterzeichneten ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu be-
stellen.
K.
Mit superprovisorischer Verfügung vom 24. August 2018 setzte der Instruk-
tionsrichter den Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers einstwei-
len aus.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-
den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Da Wiedererwägungsent-
scheide gemäss Lehre und Praxis grundsätzlich wie die ursprüngliche Ver-
fügung auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden kön-
nen, ist das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden
Beschwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der
Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur
Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1
AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens) sowie die
unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausländer-
rechts richtet sich die Kognition nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weite-
rungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 2
AsylG).
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Seite 5
3.
Der Antrag, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren,
ist mit vorliegendem Urteil gegenstandslos geworden.
4.
4.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist der Vor-
instanz innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes
schriftlich und begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfah-
ren nach den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG
(Art. 111b Abs. 1 AsylG).
4.2 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä-
gungsgesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an
eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage
(vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.).
4.3 Die Vorinstanz hat den Anspruch des Beschwerdeführers auf Behand-
lung seines Wiedererwägungsgesuchs nicht in Abrede gestellt und ist da-
rauf eingetreten. Das Bundesverwaltungsgericht hat folglich zu prüfen, ob
die Vorinstanz in zutreffender Weise das Bestehen von Wiedererwägungs-
gründen verneint und an ihrer ursprünglichen Verfügung vom 25. Septem-
ber 2017 festgehalten hat, wobei praxisgemäss der sich präsentierende
Sachverhalt im Urteilszeitpunkt massgebend ist.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, die mit dem Gesuch vom 13. Dezem-
ber 2017 eingereichten Beweismittel (insbesondere die Schul- und Arbeits-
bestätigungen) seien im vorliegenden Verfahren zu berücksichtigen, da sie
dazu dienten, bislang nicht geglaubte Vorbringen betreffend seine Herkunft
und Sozialisierung zu belegen und damit den Beweiswert der Tazkira stütz-
ten. Es spiele keine Rolle, ob die Dokumente bereits vor dem rechtskräfti-
gen Abschluss des ersten Asylverfahrens entstanden seien oder nicht. Erst
der Entscheid der Vorinstanz vom 25. September 2017 und das danach
ergangene Urteil des Bundesverwaltungsgerichts hätten Anlass gegeben,
Belege über seinen Aufenthalt in Pakistan einzubringen.
5.2 Der Beschwerdeführer wurde im Verlauf des ersten Asylverfahrens
mehrfach darauf aufmerksam gemacht, er habe im Rahmen seiner Mitwir-
kungspflicht nach Art. 8 AsylG Dokumente, welche seine Vorbringen bele-
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gen könnten, einzureichen. Dass er bis zum Entscheid des Bundesverwal-
tungsgerichts vom 17. Oktober 2017 keinerlei Belege für seine Herkunft
und Sozialisierung vorgelegt hat, spielt entgegen seiner Ansicht sehr wohl
eine Rolle. Das Einreichen eines ausserordentlichen Rechtsmittels sollte
der Ausnahmefall sein und ist daher an strenge Formvorschriften gebun-
den. Die Vorinstanz stellte in ihrem Nichteintretensentscheid vom 11. Ja-
nuar 2018 zu Recht fest, sie könne auf das Wiedererwägungsgesuch des
Beschwerdeführers nicht eintreten, da er keine neuen Wegweisungsvoll-
zugshindernisse geltend mache und die eingereichten Beweismittel bereits
vor dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 17. Oktober 2017 be-
standen hätten sowie vorbestandene Tatsachen belegen sollten. Dieser
Entscheid ist denn auch unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Mit der
gleichen Begründung lehnte die Vorinstanz mit Verfügung vom 20. Juli
2018 richtigerweise die Berücksichtigung dieser Beweismittel bei der Be-
urteilung des zweiten Wiedererwägungsgesuchs ab. Demzufolge bilden
die Beweismittel (Schul- und Arbeitsbestätigungen, Fotos, Schreiben des
Vermieters in D._) auch nicht Gegenstand des vorliegenden Ver-
fahrens.
6.
Der Beschwerdeführer macht im Wiedererwägungsgesuch die Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs geltend. Gegenstand des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens bildet somit die Frage, ob die Wegweisung zu voll-
ziehen ist oder ob anstelle des Vollzugs eine vorläufige Aufnahme anzu-
ordnen ist (Art. 44 AsylG i.V m. Art. 83 AuG [SR 142.20]).
7.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl.
BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]).
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8.2 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernis-
sen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be-
weisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst,
sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls
wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). Vor-
bringen sind glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihre Richtigkeit mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind ins-
besondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet
oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder
massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt wer-
den (vgl. Art. 7 AsylG).
8.3 Nach Art. 83 Abs. 3 AuG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz eine Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen. Vorliegend kommt der Beschwerdeführerin keine Flücht-
lingseigenschaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von
Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwend-
bar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allge-
meinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3
BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und
andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der
Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaffung nach Afghanistan dort
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK
verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Auch die allgemeine
Menschenrechtssituation in Afghanistan lässt den Wegweisungsvollzug
zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.
8.4
8.4.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
8.4.2 Betreffend die allgemeine Lage in Afghanistan ist auf das als Refe-
renzurteil publizierte Urteil D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 zu verwei-
sen. Nach eingehender Lageanalyse stellte das Bundesverwaltungsgericht
http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/24
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darin fest, dass sich seit dem letzten Länderurteil des Bundesverwaltungs-
gerichts im Jahr 2011 (vgl. BVGE 2011/7) eine deutliche Verschlechterung
der Sicherheitslage über alle Regionen hinweg ergibt und derart schwierige
humanitäre Bedingungen in weiten Teilen Afghanistans bestehen, dass die
Situation als existenzbedrohend im Sinn von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifi-
zieren sei, weshalb der Wegweisungsvollzug nach wie vor als unzumutbar
zu beurteilen sei. Von dieser allgemeinen Feststellung könne die Haupt-
stadt Kabul betreffend abgewichen werden, falls besonders begünstigende
Faktoren vorliegen (Urteil D-5800/2016 E.8.4.1). Die Rückkehr nach Herat
(BVGE 2011/38) und Mazar-i-Sharif (BVGE 2011/49) kann zumutbar sein,
wenn begünstigende Umstände gegeben sind (soziales Netz, gesicherte
Existenz, Wohnraum, Gesundheit).
8.4.3 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, die Angaben des
Beschwerdeführers zu seinem Alter, seiner Identität, seiner Herkunft aus
B._ in der Provinz C._, seiner Ausreise, seiner Familie so-
wie seinem Beziehungsnetz in Afghanistan seien aufgrund zahlreicher Wi-
dersprüche sowohl vom SEM als auch vom Bundesverwaltungsgericht als
unglaubhaft eingeschätzt worden. Die nun eingereichte Tazkira vermöge
an dieser Einschätzung nichts zu ändern. So komme einer Tazkira kein
Beweiswert zu, da diese nicht persönlich ausgestellt werden müsse und in
Afghanistan sowie den umliegenden Ländern, insbesondere Pakistan,
leicht käuflich erwerbbar und leicht fälschbar sei. Zudem sei nicht nachvoll-
ziehbar, weshalb er in Verletzung seiner Mitwirkungspflicht die Tazkira erst
nach Ablauf des Asyl- und Beschwerdeverfahrens, mithin beinahe drei
Jahre nach der ersten Aufforderung zur Einreichung von Identitätspapie-
ren, eingereicht habe. Ebenso wenig sei nachvollziehbar, weshalb seine
Mutter und Schwester für die Ausstellung der Tazkira die beschwerliche
Reise nach Afghanistan hätten auf sich nehmen sollen, wenn es möglich
sei, die Tazkira ohne persönliche Vorsprache ausstellen zu lassen.
Schliesslich sei die Tazkira kein Beleg für ein fehlendes Familien- und Be-
ziehungsnetz in Afghanistan. Es würden somit keine Gründe oder Beweis-
mittel vorliegen, welche die Rechtskraft der Verfügung vom 25. September
2017 beseitigen könnten.
8.4.4 Der Beschwerdeführer bringt vor, es würden mehrere Dokumente
vorliegen, welche seine Herkunft aus Afghanistan und seine Sozialisierung
in Pakistan beweisen könnten. Er habe sich noch im erstinstanzlichen Ver-
fahren um den Erhalt seiner Tazkira bemüht. Der Tazkira könne ein gewis-
ser Beweiswert nicht abgesprochen werden. Es sei widersprüchlich, ihm
vorzuwerfen, er habe keine glaubhaften Angaben zu seiner persönlichen
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Seite 9
und familiären Situation gemacht, und ihm gleichzeitig gute Kenntnisse
über seine Verwandtschaft zu attestieren. Es gebe genügend Hinweise,
dass er nur für kurze Zeit in Afghanistan gelebt habe und in Pakistan sozi-
alisiert worden sei.
8.4.5 Wie bereits festgestellt, kann im vorliegenden Verfahren einzig die
eingereichte Tazkira des Beschwerdeführers für die Beurteilung herange-
zogen werden. Da die Tazkira leicht käuflich erwerbbar und fälschbar ist,
kommt ihr ein äusserst geringer Beweiswert zu. Selbst wenn sie als echt
eingestuft würde, beweist sie lediglich, dass der Beschwerdeführer afgha-
nischer Staatsangehöriger ist. Dies wird von der Vorinstanz nicht bestritten.
Die Tazkira dient nicht als Beleg für ein fehlendes familiäres und soziales
Beziehungsnetz in Afghanistan. Der Beschwerdeführer bringt auch sonst
nichts vor, das eine Änderung der Einschätzung der Vorinstanz und des
Bundesverwaltungsgerichts im Urteil E-5677/2017 rechtfertigen würde.
Dem Gericht ist es demnach nicht möglich, sich in voller Kenntnis der tat-
sächlichen persönlichen und familiären Verhältnisse des Beschwerdefüh-
rers zur Zumutbarkeit des Vollzugs zu äussern, was aber für die Überprü-
fung von Vollzugshindernissen grundsätzlich Voraussetzung ist. Wegwei-
sungshindernisse sind zwar grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen
(Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Diese Untersuchungspflicht findet je-
doch nach Treu und Glauben ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der
beschwerdeführenden Person (Art. 8 AsylG), die im Übrigen auch die Sub-
stanziierungslast trägt (Art. 7 AsylG). Es kann nicht Sache der Asylbehör-
den sein, nach allfälligen Wegweisungsvollzugshindernissen zu forschen,
wenn – wie vorliegend – der Beschwerdeführer durch unglaubhafte bezie-
hungsweise fehlende, womöglich gezielt vorenthaltene, Angaben über sei-
nen genauen Herkunftsort und sein soziales Beziehungsnetz eine vernünf-
tige Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs verhindert. Ver-
mutungsweise ist deshalb davon auszugehen, einer Wegweisung stünden
keine landes- oder völkerrechtlichen Vollzugshindernisse im Sinne von
Art. 44 AsylG in Verbindung mit Art. 83 Abs. 2–4 AuG entgegen (vgl. Urteile
des BVGer E-1302/2016 vom 23. Juni 2016 E. 8.2; D-1326/2015 vom
8. Januar 2016; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen
Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 1 E. 3.2.2). Hinzuzufügen bleibt,
dass es dem Beschwerdeführer aufgrund seiner Sprachkenntnisse mög-
lich sein sollte, sich in Afghanistan rasch zu integrieren und eine existenz-
sichernde Arbeit zu finden. Zudem steht ihm eine Rückkehr nach Pakistan
offen (vgl. Urteil des BVGer E-5677/2017 E. 8.3).
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Seite 10
8.5 Nach Art. 83 Abs. 2 AuG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeich-
nen, weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich bei der zuständigen Ver-
tretung seines Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Reisedo-
kumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12).
8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz zu Recht das Wiedererwägungs-
gesuch abgewiesen und den Wegweisungsvollzug als zulässig, zumutbar
und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt
ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG).
9.
9.1 Die gestellten Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb die
Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und Beiordnung eines amtli-
chen Rechtsbeistandes ungeachtet einer allfälligen prozessualen Bedürf-
tigkeit abzuweisen sind (Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG).
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 1‘500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses ist mit vorliegendem Urteil gegenstandslos geworden.
10.
Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 24. August 2018 verfügte Vollzugs-
stopp dahin.
(Dispositiv nächste Seite)
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