Decision ID: 11923e26-8797-5151-86c9-7b8077a6ad8d
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer reiste am 27. Oktober 2016 nach zwei geschei-
terten Versuchen illegal von Italien kommend in die Schweiz ein und suchte
noch am selben Tag um Asyl nach. Dabei gab er an, am 10. Mai 2000 ge-
boren und damit noch minderjährig zu sein (vgl. Personalienblatt, act.
A2/2).
A.b Aufgrund von Zweifeln an den Altersangaben des Beschwerdeführers
beauftragte das SEM Dr. med. B._ am 1. November 2016 mit der
Durchführung einer Handknochenanalyse. Laut dem Befund des Arztes
vom 14. November 2016 ergab die radiologische Untersuchung beim Be-
schwerdeführer ein Knochenalter von 18 Jahren.
A.c Am 25. November 2016 erhob das SEM im Empfangs- und Verfah-
renszentrum (EVZ) C._ seine Personalien und befragte ihn sum-
marisch zum Reiseweg sowie zu den Gründen für das Verlassen des Hei-
matlandes (sogenannte Befragung zur Person; BzP). Weiter teilte die Vo-
rinstanz ihm mit, sie gehe aufgrund seiner unsubstanziierten und wider-
sprüchlichen Angaben zu seinem Alter, des Fehlens von Identitätspapie-
ren, seines äusseren Erscheinungsbildes sowie den Ergebnissen der Kno-
chenaltersanalyse davon aus, dass er älter als 16 1⁄2 Jahre sei. Da er seine
Minderjährigkeit somit weder glaubhaft gemacht noch zu beweisen ver-
mocht habe, gehe das SEM somit von seiner Volljährigkeit (1. Januar 1998)
aus. Schliesslich gewährte ihm das SEM das rechtliche Gehör zu einer all-
fälligen Wegweisung nach Italien im Rahmen des Dublin-Verfahrens.
A.d Am 19. Januar 2017 wies das SEM den Beschwerdeführer für die
Dauer des Asylverfahrens dem Kanton D._ zu. Mit Schreiben vom
9. Februar 2017 teilte ihm das SEM mit, das Dublin-Verfahren sei beendet
und es werde das nationale Asyl- und Wegweisungsverfahren durchge-
führt. Am 1. November 2017 hörte das SEM den Beschwerdeführer ein-
lässlich zu seinen Asylgründen an.
B.
Hinsichtlich seiner persönlichen Verhältnisse machte der Beschwerdefüh-
rer geltend, er sei tigrinischer Ethnie, in E._, Subzoba F._,
Zoba G._ geboren und aufgewachsen und habe drei Schwestern.
Er sei im Mai 2000 geboren, wisse aber das genaue Geburtsdatum nicht
(vgl. act. A10/12 S. 3, Ziff. 1.06 i.V.m. act. A23/22 S. 9 F87). Seine Einschu-
lung sei mit sieben Jahren erfolgt (vgl. act. A10/12 S. 3, Ziff. 1.06). Er habe
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die Schule bis zur sechsten Klasse besucht, wobei er die sechste Klasse
einmal habe wiederholen müssen (vgl. act. A23/22 S. 4 f. F28 f. und F34).
Danach habe er seine Familie unterstützt, indem er in der Landwirtschaft
und beim Viehhüten mitgeholfen habe. Er habe mit seiner Mutter sowie
seinen beiden jüngeren Geschwistern zusammengelebt, während sein Va-
ter bereits seit vielen Jahren als Soldat an einem anderen Ort stationiert
und nur selten zuhause gewesen sei.
In der BzP brachte er im Wesentlichen vor, die Schule im Juni 2012 verlas-
sen zu haben, um seine Familie zu unterstützen. Er habe Angst vor einem
Militäreinzug gehabt, da er nicht das gleiche Schicksal wie sein Vater hätte
erleben wollen, der seit 20 Jahren im Militärdienst weile und fast nie zu-
hause gewesen sei. Der Militärdienst sei bei ihm selbst vor der Ausreise
allerdings noch kein Thema gewesen. Zudem habe er nie irgendwelche
Probleme mit den heimatlichen Behörden oder Dritten gehabt.
Anlässlich der Anhörung erklärte er demgegenüber, seinen letzten Schul-
tag im Juli 2013 gehabt zu haben. An einem Tag im September 2013 sei er
von H._ nach E._ zurückgekehrt, wo er seinen Vater zu-
hause angetroffen habe. Kurz nach ihrer gegenseitigen Begrüssung habe
jemand an ihre Haustüre geklopft. Unmittelbar nachdem er die Türe geöff-
net habe, habe sein Vater die Flucht via eine Hintertür des Hauses ergrif-
fen. Mehrere Männer in Zivil, die sich später als Soldaten zu erkennen ge-
geben hätten, hätten dies bemerkt und ihm (dem Beschwerdeführer) so-
gleich Handschellen angelegt. Alsdann hätten sie sich nach dem Verbleib
seiner Eltern erkundigt, was er nicht zu beantworten vermocht habe, da
er eben erst nach Hause zurückgekehrt sei. Anschliessend hätten ihn die
Männer nach I._ mitgenommen, wobei sie ihm zu verstehen gege-
ben hätten, man lasse ihn erst wieder frei, wenn sein Vater sich stellen
würde. Trotzdem sei er nach drei Tagen wieder nach Hause entlassen, wor-
den, obwohl sein Vater sich den Behörden nicht gestellt habe. Vier Tage
später seien Soldaten nochmals abends bei ihnen zuhause vorbeigenom-
men und hätten dabei seinen schlafenden Vater festnehmen können. Da-
nach sei nichts mehr geschehen. Er selbst habe sich indessen angesichts
des Vorgefallenen sowie des perspektivlosen Lebens seines Vaters Ge-
danken über sein eigenes künftiges Leben gemacht. Denn bereits früher
sei es vorgekommen, dass sein Vater zuhause abgeführt worden sei, weil
er seinen ohnehin nur selten gewährten Urlaub geringfügig überzogen
habe. Aus diesem Grund sei ihm im September 2013 klargeworden, dass
ihn ein ähnliches Schicksal wie dasjenige seines Vaters ereilen könnte.
Deswegen habe er sich zur Ausreise aus seiner Heimat entschlossen. Es
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sei ihm darum gegangen, den eritreischen Behörden zuvorzukommen, ihn
irgendwann als Schulabbrecher oder bei Erreichen der Volljährigkeit in den
Militärdienst einzuziehen. In der Folge habe er seine Heimat im Mai 2014
in Richtung Äthiopien verlassen. Anschliessend sei er via den Sudan, Li-
byen und Italien Ende Oktober 2016 in die Schweiz gelangt.
Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen des erstinstanzlichen Verfah-
rens Kopien der eritreischen Identitätskarten seiner Eltern sowie seines
Taufscheins (vgl. Beweismittelkuvert act. A24) zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 6. September 2019 – eröffnet am 10. September 2019
– stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
D.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 10. Oktober 2019 erhob der Be-
schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die
vorinstanzliche Verfügung und beantragte, die Verfügung der Vorinstanz
sei vollumfänglich aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, seine
Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventuali-
ter sei die Vorinstanz anzuweisen, seine Flüchtlingseigenschaft festzustel-
len und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei die vor-
läufige Aufnahme wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs anzu-
ordnen. Weiter beantragte er, es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung
zu gewähren, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten
und ihm in der Person seines Rechtsvertreters die unentgeltliche Verbei-
ständung zu bewilligen. Im Weiteren fügte er seiner Rechtsmitteleingabe
seine Taufurkunde im Original, die Kopie eines Schreibens des eritreischen
Verteidigungsministeriums bezüglich seines Vaters, ein Gutachten des
GIGA-Instituts (German Institute of Global and Area Studies, Leibnitz-Insti-
tut für Globale und Regionale Studien) vom 15. April 2018, eine CD mit
einem anlässlich einer Demonstration in J._ mit dem Beschwerde-
führer geführten Videointerview sowie eine Sozialhilfeunterstützungsbestä-
tigung der Stadt D._ vom 1. Oktober 2019 bei.
E.
Mit Schreiben vom 14. Oktober 2019 bestätigte das Bundesverwaltungs-
gericht den Eingang der vorliegenden Beschwerde.
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F.
Mit Zwischenverfügung vom 1. November 2019 hielt die zuständige In-
struktionsrichterin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Ver-
fahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65
Abs. 1 VwVG gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
und ordnete dem Beschwerdeführer den rubrizierten Rechtsvertreter als
amtlichen Rechtsbeistand bei. Zusätzlich forderte sie den Beschwerdefüh-
rer auf, das fremdsprachige Schreiben des eritreischen Innenministeriums
bezüglich seines Vaters soweit möglich innert 30 Tagen ab Erhalt dieser
Verfügung im Original nachzureichen und dieses Schreiben ebenso wie
das Videointerview auf der CD innert derselben Frist korrekt und vollstän-
dig in eine Amtssprache übersetzt einzureichen. Ferner forderte sie den
Beschwerdeführer auf darzulegen, durch wen und unter welchen Umstän-
den das Videointerview durchgeführt und auf welchen Plattformen dieses
veröffentlicht worden sei. Bei ungenutzter Frist werde das Verfahren ge-
stützt auf die bestehenden Akten fortgeführt.
G. Mit Begleitschreiben vom 3. Dezember 2019 sandte MLaw Rahel Moser
dem Bundesverwaltungsgericht unter Beifügung einer entsprechenden
Substitutionsvollmacht vom 27. November 2019 eine deutschsprachige
Übersetzung des Schreibens des eritreischen Verteidigungsministeriums
bezüglich des Vaters des Beschwerdeführers vom 2. Oktober 2019 sowie
ein übersetztes Wortprotokoll des Videointerviews mit dem Beschwerde-
führer zu. Weiter teilte sie mit, es sei bis anhin nicht gelungen, das Schrei-
ben des eritreischen Verteidigungsministeriums im Original aufzutreiben.
Der Beschwerdeführer sei indessen weiterhin darum bemüht, sich das Do-
kument aus seiner Heimat zu beschaffen. Dabei sei er jedoch auf die Hilfe
von Personen vor Ort angewiesen, wobei er selber von der Schweiz aus
nur wenig Einfluss auf den Beschaffungsprozess nehmen könne.
H.
Am 28. Januar 2020 lud das Bundesverwaltungsgericht die Vorinstanz zur
Einreichung einer Vernehmlassung bis zum 12. Februar 2020 ein
I.
Das SEM schloss in seiner Vernehmlassung vom 4. Februar 2020 auf Ab-
weisung der Beschwerde.
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J.
Am 12. Februar 2020 stellte das Bundesverwaltungsgericht dem Beschwer-
deführer die Vernehmlassung des SEM zur Einreichung einer Replik bis zum
27. Februar 2020 zu.
K.
Mit Eingabe vom 26. Februar 2020 reichte der Rechtsvertreter eine Replik
ein. Als Beweismittel reichte er den Ausdruck der Website des (...) ein. Zu-
sätzlich fügte er seiner Eingabe eine Kostennote vom 26. Februar 2020
bei.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor dem die beschwerdeführende Person
Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Aus-
nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das
Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das
AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
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Seite 7
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Das SEM begründet seinen Entscheid einleitend damit, der Beschwer-
deführer habe seine Minderjährigkeit nicht glaubhaft darzulegen vermocht.
Da er in materieller Hinsicht die Beweislast dafür trage, seine Minderjäh-
rigkeit zumindest glaubhaft zu machen (vgl. Entscheidungen und Mitteilun-
gen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 22),
gehe das SEM somit von seiner Volljährigkeit aus. Soweit er in der Anhö-
rung geltend gemacht habe, im September 2013 wegen seines flüchtigen
Vaters drei Tage lang behördlich festgehalten worden zu sein, müsse die-
ses Vorbringen als unglaubhaft bewertet werden, habe er das fragliche Ge-
schehnis in der BzP doch nicht ansatzweise erwähnt, sondern vielmehr
ausdrücklich verneint, mit den Behörden oder Dritten in der Heimat jemals
irgendwelche Probleme gehabt zu haben (vgl. act. A10/12 S. 8 Ziff. 7.01).
Hinsichtlich der geltend gemachten illegalen Ausreise des Beschwerdefüh-
rers aus Eritrea sei festzuhalten, dass gemäss dem Koordinationsent-
scheid D-7898/2015 des Bundesverwaltungsgerichts vom 30. Januar 2017
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nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen sei, dass
sich eritreische Staatsangehörige aufgrund einer illegalen Ausreise mit
Sanktionen ihres Heimatstaates konfrontiert sähen, die bezüglich ihrer In-
tensität und der politischen Motivation des Staates ernsthaft Nachteile ge-
mäss Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen würden.
Andere Anknüpfungspunkte, die den Beschwerdeführer in den Augen des
eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könnten,
seien ebenfalls nicht ersichtlich. So sei er im Zeitpunkt der Ausreise min-
derjährig und der Militärdienst für ihn vor seiner Ausreise noch kein Thema
gewesen. Den angeblichen Behördenkontakt im Zusammenhang mit sei-
nem damals flüchtigen Vater habe er weder glaubhaft machen können noch
wäre dieser bei der Beantwortung der Frage nach allfälligen Anknüpfungs-
punkten von Relevanz. Die geltend gemachte illegale Ausreise alleine ver-
möge keine Furcht vor einer zukünftigen asylrelevanten Verfolgung zu be-
gründen.
4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Vorinstanz gehe zu Un-
recht von der Volljährigkeit des Beschwerdeführers sowie der Unglaubhaf-
tigkeit seiner Asylvorbringen aus. Es treffe zwar zu, dass er im Verlaufe des
Verfahrens verschiedene Geburtsdaten angegeben habe. Er habe indes-
sen nie die Absicht gehabt, die Schweizer Behörden zu täuschen. Vielmehr
hänge sein Verhalten damit zusammen, dass er bei seiner Einreise noch
sehr jung gewesen sei, nur eine rudimentäre Schulbildung besitze, und
nach seinem beschwerlichen Reiseweg bei der Ankunft in der Schweiz psy-
chisch und physisch komplett ausgelaugt gewesen sei. In dieser Ausnah-
mesituation habe er (bei seinen beiden erfolglosen Einreiseversuchen in
die Schweiz) der Grenzwache gegenüber unüberlegt ein zufälliges Ge-
burtsdatum (20. Juni 1999) angegeben, das zu seinem tatsächlichen Ge-
burtsdatum in keinerlei Beziehung stehe. Auf dem Personalienblatt habe er
sodann den 10. Mai 2000 als Geburtsdatum angegeben. In der BzP und in
der Anhörung habe er jedoch offengelegt, sein Geburtsdatum nicht zu ken-
nen, sondern durch seine Eltern lediglich zu wissen, dass er im Mai 2000
geboren sei. Es sei aber höchstwahrscheinlich, dass seine Eltern mit Mai
2000 tatsächlich sein Taufdatum gemeint hätten, das im eingereichten
Taufschein mit dem 14. Mai 2000 angegeben werde, während er – wie im
Taufschein vermerkt – bereits einen Monat früher, nämlich am 3. April
2000, geboren worden sei. Ausserdem sei die Handknochenanalyse nach
Greulich und Pyle methodologisch nicht geeignet, Aufschluss über das
exakte Alter eines Probanden zu geben. Angesichts des Gesagten habe
der Beschwerdeführer seine Minderjährigkeit im Zeitpunkt der Einreichung
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seines Asylgesuchs glaubhaft gemacht. Damit könne ihm auch nicht ent-
gegengehalten werden, keine eritreische Identitätskarte eingereicht zu ha-
ben, erhielten doch eritreische Staatsangehörige eine solche erst mit Er-
reichen ihres 18. Altersjahres. Entsprechend hätte die Vorinstanz bei der
BzP auf seine Reife, seine Kapazität, Fragen zu verstehen, sich zu erin-
nern und sich auszudrücken sowie die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte
und das Verfahren zu verstehen, Rücksicht nehmen sollen. Das SEM habe
diesen Umständen aber durch seine pauschale Annahme, die in der Anhö-
rung vorgebrachten Asylgründe seien nachgeschoben und folglich un-
glaubhaft, nicht hinreichend Rechnung getragen. Daran ändere angesichts
der allgemeinen Überforderung des Beschwerdeführers bei der BzP auch
der Einwand des SEM in der angefochtenen Verfügung nichts, dieser habe
zwischen seiner Einreise in die Schweiz und der BzP einen Monat Zeit ge-
habt, sich zu sammeln. Darüber hinaus sei anzumerken, dass seine Aus-
sagen bei der Bundesanhörung, mithin zu einem Zeitpunkt, in dem er sich
zumindest ein Stück weit von den Geschehnissen auf der Flucht habe dis-
tanzieren und an die hiesigen Verhältnisse gewöhnen können, äusserst
substantiiert ausgefallen seien und zahlreiche Glaubhaftigkeitselemente
aufweisen würden. Er habe demnach nachweisen beziehungsweise glaub-
haft machen können, dass er in seinem Heimatland wegen seiner politi-
schen Anschauung, namentlich seiner illegalen Ausreise zwecks Flucht vor
dem Nationaldienst, an Leib und Leben sowie in seiner Freiheit gefährdet
sei. Somit erfülle er die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG und
habe Anspruch auf Asyl.
Der Eventualantrag wird mit dem Vorhandensein subjektiver Nachflucht-
gründe begründet. So habe der Beschwerdeführer glaubhaft machen kön-
nen, dass er illegal aus Eritrea ausgereist sei. Ergänzend seien weitere
Faktoren gegeben, die ihn in den Augen des eritreischen Regimes als
missliebige Person erscheinen liessen: So befinde sich sein Vater seit über
20 Jahren im Militärdienst und sei bis heute nicht entlassen worden. Bereits
mehrfach sei dieser, nachdem er nicht rechtzeitig aus dem Urlaub zurück-
gekehrt sei, zwangsweise zu seiner Einheit zurückgeführt worden. Anläss-
lich einer solchen geplanten Rückführung des Vaters sei der Beschwerde-
führer selbst, da dessen Vater rechtzeitig aus dem Haus habe fliehen kön-
nen, festgenommen und drei Tage lang festgehalten worden. Somit sei
nicht nur seine Familie, sondern auch er selbst den eritreischen Offiziellen
namentlich bekannt. Schliesslich engagiere der Beschwerdeführer sich in
der Schweiz auch exilpolitisch. In diesem Zusammenhang werde mit der
Beschwerde ein Video zu den Akten gereicht, in dem er an einer Demonst-
ration gegen die in seinem Heimatland herrschenden Zustände teilnehme
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und im Zuge eines Videointerviews ausführlich Stellung beziehe. Dieses
Video sei auf verschiedenen Plattformen veröffentlich worden, weshalb es
sehr wahrscheinlich sei, dass die kritisierten Behörden von seinem Enga-
gement Kenntnis erhalten hätten.
4.3 In ihrer Vernehmlassung hält die Vorinstanz zunächst fest, die Be-
schwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweis-
mittel, die eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnten.
Ergänzend fügt das SEM an, die Nachreichung des originalen Taufscheins
ändere nichts an seinen Erwägungen zu seinem Alter im angefochtenen
Entscheid, wobei darin auch der Inhalt der Taufurkunde thematisiert wor-
den sei. Ferner dürfe grundsätzlich von jedem Asylsuchenden erwartet
werden, dass er das eigene Geburtsdatum – sofern bekannt – auch in
stressvollen Situationen korrekt wiedergeben könne.
Grundsätzlich bestreite das SEM die Angabe des Beschwerdeführers
nicht, wonach sich sein Vater seit langer Zeit im Nationaldienst befinde.
Dieser Umstand stelle jedoch kein Argument für die Glaubhaftigkeit der in
der Bundesanhörung dargelegten Verfolgung dar. Die nachgereichte Kopie
der Dienstbescheinigung des Vaters sei als Beweismittel untauglich, um
den Behördenkontakt zu belegen. Ferner sei festzuhalten, dass der vorge-
tragene, vom SEM jedoch als nachgeschoben qualifizierte Behördenkon-
takt nicht im Zusammenhang mit der Dienstpflicht des Beschwerdeführers
gestanden habe.
Hinsichtlich des eingereichten Videointerviews, eines hierdurch bestehen-
den erhöhten Gefährdungsprofils sowie exilpolitischer Aktivitäten des Be-
schwerdeführers in der Schweiz sei zunächst festzuhalten, dass der Be-
schwerdeschrift nicht zu entnehmen sei, auf welchen verschiedenen öf-
fentlichen Plattformen das Video veröffentlicht worden sein solle. Ferner
gehe aus der Abschrift der Interviewantworten hervor, dass sich der Be-
schwerdeführer eher über den ablehnenden Asylentscheid des SEM
äussere als dass er gehaltvolle regimekritische Aussagen mache.
Schliesslich wende er sich im Video denn auch an die Schweizer Behör-
den. Demnach teile das SEM den Standpunkt in der Beschwerde nicht,
dass die nachgereichte Videoaufnahme ein exilpolitisches Engagement
dokumentiere. Das Gesagte gelte umso mehr, als keine weiteren diesbe-
züglichen Beweismittel eingereicht worden seien. Die Videoaufnahme sei
nach der angefochtenen Verfügung angefertigt worden. Ansonsten ergä-
ben sich seit dem Asylgesuch vom 27. Oktober 2016 keine Hinweise auf
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allfällige exilpolitische Aktivitäten. Somit sei nicht davon auszugehen, dass
sich der Beschwerdeführer exilpolitisch exponiert habe. Anhand der nach-
gereichten Aufnahme sei denn auch kein relevantes politisches Profil des
Beschwerdeführers ersichtlich. Insgesamt würden sich aufgrund der Akten-
lage auch keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass irgendwelche staatli-
che Massnahmen gegen ihn ergriffen worden wären.
4.4 In der Replik wird entgegnet, die Annahme der Vorinstanz, es dürfe von
jedem Asylsuchenden erwartet werden, das eigene Geburtsdatum auch in
stressvollen Situationen korrekt wiedergeben zu können, verkenne, dass
in Eritrea der Kalender, die Zeit und damit auch das Geburtsdatum nicht
wichtig seien.
Dass sein Vater seit über 20 Jahren im Militärdienst sei, hebe diesen und
seine Familie von der Durchschnittsbevölkerung ab, was bei der Beurtei-
lung eines zusätzlichen Anknüpfungspunkts im Rahmen der illegalen Aus-
reise zu berücksichtigen sei.
Das Videointerview mit dem Beschwerdeführer sei vom Journalisten des
(...), K._, geführt und als Live-Stream auf dessen Facebook-Seite
publiziert worden. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz habe der Be-
schwerdeführer im Videointerview deutlich seine Kritik am eritreischen Re-
gime erklärt. Dies sowie die Tatsache, dass seine Aussagen aufgrund der
(...) eine erhebliche Reichweite gehabt habe und von den Herrschern im
Heimatland aller Wahrscheinlichkeit nach registriert worden sei, sei bei der
Beurteilung einer künftigen Verfolgungsgefahr angemessen zu berücksich-
tigen.
5.
5.1 Das SEM hielt in seiner Verfügung zunächst fest, der Beschwerdefüh-
rer sei nicht in der Lage gewesen, die von ihm behauptete Minderjährigkeit
im Zeitpunkt der Asylgesuchstellung glaubhaft darzulegen. Dabei führte es
im Einzelnen unter Angabe der jeweiligen Protokollstelle aus, er habe bei
dem Schweizer Grenzwachkorps, auf dem Personalienblatt des SEM so-
wie anlässlich seiner Befragungen durch die Schweizer Asylbehörden un-
terschiedliche Geburtsdaten genannt. Grundsätzlich könne aber auch von
einer noch jungen Person erwartet werden, ihr Geburtsdatum auch bei
Müdigkeit oder Stress korrekt wiederzugeben. Hinzu komme, dass der
Fotokopie seiner Taufurkunde das Geburtsdatum des 3. April 2000 zu ent-
nehmen sei. Überdies handle es sich bei besagtem Dokument nicht um ein
gültiges Reise- oder Identitätspapier im Sinne von Art. 1a lit. b und c der
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Seite 12
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311). Ferner leg-
ten seine Aussagen anlässlich der BzP (Einschulung mit sieben Jahren;
Schuldauer von sieben Jahren und Schulabbruch im Jahr 2012) nahe, dass
er im Zeitpunkt des Schulabbruchs nicht 14, sondern vielmehr 16 Jahre alt
gewesen sein müsste. Das SEM habe ihm deshalb am 4. November 2016
aufgrund fehlender Ausweispapiere, seiner unstimmigen Aussagen, der
abweichenden Altersangaben sowie des Resultats der Handwurzelkno-
chenanalyse das rechtliche Gehör zu seinem Alter gewährt und ihn mit dem
Umstand konfrontiert, dass ihn das SEM künftig als volljährige Person er-
achten würde. Hinsichtlich seiner Asylvorbringen hielt es fest, diese müss-
ten als nachgeschoben und folglich als unglaubhaft bewertet werden.
5.2 Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich der Einschätzung der Vor-
instanz an, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, die behaup-
tete Minderjährigkeit zumindest bezogen auf den Zeitpunkt der Bundesan-
hörung vom 1. November 2017 glaubhaft zu machen. Angesichts seiner
Aussagen, mit sieben Jahren eingeschult worden zu sein und insgesamt
sieben Jahre lang die Schule besucht zu haben, ergibt sich unter Zugrun-
delegung eines Schulabbruchs im Juni 2012 (vgl. act. A10/12 S. 5 Ziff.
1.17.04) beziehungsweise im Juli 2013 (vgl. act. A23/22 S. 5 F33 i.V.m. S.
8 F65 f.) sowie des behaupteten Geburtsmonats Mai, dass er entweder im
Mai 1998 oder im Mai 1999 zur Welt gekommen sein müsste. Darüber hin-
aus hat auch die im November 2016 in der Schweiz durchgeführte Hand-
knochenanalyse ein chronologisches Knochenalter des Beschwerdefüh-
rers von 18 Jahren ergeben. Das SEM hat den Beschwerdeführer somit zu
Recht als volljährig eingeschätzt.
5.3 Ungeachtet dessen, ob das SEM die vom Beschwerdeführer geltend
gemachte dreitägige Inhaftierung wegen der Flucht seines Vaters vor einer
behördlichen Festnahme wegen Überschreitung des militärischen Urlaubs
zu Recht als unglaubhaft beurteilt hat oder nicht, kann deren Glaubhaf-
tigkeit aus den nachfolgenden Gründen offengelassen werden.
5.3.1 Selbst wenn anzunehmen wäre, dass die eritreischen Behörden den
Beschwerdeführer im September 2013 drei Tage lang festgehalten hätten,
um seinen flüchtigen Vater dazu zu bewegen, sich den heimatlichen Be-
hörden zu stellen, kommt einer solch kurzzeitigen Inhaftierung mangels hin-
reichender Intensität keine asylbeachtliche Bedeutung zu. Dies umso mehr,
als die eritreischen Behörden den Beschwerdeführer nach drei Tagen wie-
der nach Hause geschickt haben, obwohl sich sein Vater in dieser Zeit nicht
bei den Behörden gemeldet hat.
D-5287/2019
Seite 13
5.3.2 Weitere behördliche Anstände hatte der Beschwerdeführer bis zu sei-
ner acht Monate später erfolgten Ausreise aus Eritrea nach eigenem Be-
kunden keine. Entsprechend erklärte er ausdrücklich, dass der Militär-
dienst im Zeitpunkt der Ausreise für ihn (als Minderjähriger) noch kein
Thema gewesen sei (vgl. act. A10/12 S. 8 Ziff. 7.01). Er stand somit vor
seiner Ausreise nie in behördlichem Kontakt, aus dem erkennbar gewesen
wäre, dass er rekrutiert werden sollte. Es gibt folglich keine Hinweise da-
rauf, dass ihm im Zeitpunkt seiner Ausreise konkret eine Einziehung in den
Militärdienst drohte.
5.3.3 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, seine Heimat aus Angst
vor einem Militäreinzug verlassen zu haben, bleibt anzumerken, dass die
blosse Möglichkeit, irgendwann in den Nationaldienst eingezogen zu wer-
den, nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts keine Asyl-
relevanz zu begründen vermag.
5.4 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, bezogen auf den Zeitpunkt seiner Ausreise eine asylre-
levante Verfolgung nachzuweisen beziehungsweise glaubhaft zu machen.
Die Rechtsmitteleingaben halten dem nichts Stichhaltiges entgegen.
6.
6.1 In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer in-
folge seiner Ausreise aus Eritrea allenfalls wegen subjektiver Nachflucht-
gründe die Flüchtlingseigenschaft erfüllt. Personen mit subjektiven Nach-
fluchtgründen im Sinne von Art. 54 AsylG machen geltend, dass durch ihr
Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimatstaat – etwa durch ein illega-
les Verlassen des Landes oder durch exilpolitische Aktivitäten – eine Ge-
fährdungssituation, die vor der Ausreise nicht bestand, erst geschaffen
wurde. Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigen-
schaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum
Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht
missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, die subjek-
tive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als
Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
6.2 Mit Urteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Referenzurteil publi-
ziert) hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass eine illegale Ausreise
allein zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft nicht ausreicht. Von der
begründeten Furcht vor intensiven und flüchtlingsrechtlich begründeten
Nachteilen ist nur dann auszugehen, wenn zur illegalen Ausreise weitere
D-5287/2019
Seite 14
Faktoren hinzukommen, welche die asylsuchende Person in den Augen
der eritreischen Behörden als missliebige Person erscheinen lassen
(vgl. a.a.O. E. 4.1 und 5.1 f.).
6.3 Vorliegend sind keine zusätzlichen Anknüpfungspunkte im Sinne der
geschilderten Rechtsprechung ersichtlich, die darauf schliessen lassen
würden, der Beschwerdeführer könnte in den Augen der eritreischen Be-
hörden mit hinreichender Wahrscheinlichkeit als missliebige Person wahr-
genommen werden.
6.3.1 Der Beschwerdeführer macht in diesem Zusammenhang zwar zu-
nächst geltend, er sei im September 2013 wegen seines flüchtigen Vaters
drei Tage lang von den heimatlichen Behörden festgehalten worden, um
seinen Vater dazu zu bewegen, sich den Behörden zu stellen. Der Be-
schwerdeführer wurde von diesen jedoch nach drei Tagen nach Hause ge-
schickt, obwohl sich sein Vater nicht bei den Behörden gemeldet hatte. In
der Folge hatte der Beschwerdeführer zudem bis zu seiner Ausreise kei-
nerlei Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden. Vor diesem Hinter-
grund ist nicht ersichtlich, weshalb ihn diese als missliebige Person erach-
ten sollten. Daran vermag der Umstand, dass sein Vater angeblich seit
mehr als 20 Jahren im Militärdienst weilt, nichts zu ändern.
6.3.2 Soweit in der Eingabe vom 3. Dezember 2019 ausgeführt wird, er
habe sich in seinem Videointerview "extrem kritisch zu den Zuständen in
seinem Heimatland" geäussert (vgl. S. 1), ergibt eine Auswertung des
Wortprotokolls, dass sich die Kritik des Beschwerdeführers an seiner Hei-
mat in der Feststellung erschöpft, es gebe dort keinen Frieden, und drama-
tisierend hinzugefügt wird, man werde ihn bei einer Rückkehr nach Eritrea
"mit Rasierklingen schlachten". Das Bundesverwaltungsgericht schliesst
sich diesbezüglich der Einschätzung der Vorinstanz in ihrer Vernehmlas-
sung an, dass es sich hierbei nicht um gehaltvolle regimekritische Aussa-
gen handelt, weshalb das Videointerview als solches nicht geeignet ist, ein
exilpolitisches Engagement des Beschwerdeführers zu dokumentieren.
Dies umso mehr, als – wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung ebenfalls
zutreffend vermerkt hat – keine weiteren Beweismittel aktenkundig sind, die
weitergehende exilpolitische Tätigkeiten des Beschwerdeführers doku-
mentieren würden. Solche sind bis heute nicht nachgereicht worden. Es ist
demnach nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer sich exil-
politisch exponiert hat. An letzterer Feststellung vermag auch der erst in
D-5287/2019
Seite 15
der Replik geäusserte Hinweis, das Videointerview sei auf der Facebook-
seite des Journalisten des (...), K._, aufgeschaltet worden, nichts
zu ändern.
6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die geltend gemachte illegale
Ausreise aus Eritrea mangels zusätzlicher Anknüpfungspunkte nicht zur
Annahme von subjektiven Nachfluchtgründen zu führen vermag. Die Vor-
instanz hat somit richtigerweise festgestellt, dass der Beschwerdeführer
die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Auslän-
der und über die Integration [AIG; SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2, m.w.H.).
8.2
8.2.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen.
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
D-5287/2019
Seite 16
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG;
vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem-
ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied-
rigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu
Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-
gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Art. 4 EMRK beinhal-
tet die Verbote der Sklaverei und Leibeigenschaft (Abs. 1) sowie der
Zwangs- oder Pflichtarbeit (Abs. 2 und 3).
8.2.2 Die Vorinstanz hielt in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend fest,
dass dem Beschwerdeführer keine Flüchtlingseigenschaft zukommt. Da es
ihm nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzu-
weisen oder glaubhaft zu machen, kann das flüchtlingsrechtliche Rück-
schiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 FK und Art. 5 AsylG im vorliegenden
Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückschaffung des Beschwerde-
führers in den Heimatstaat ist demnach rechtmässig. Die Zulässigkeit des
Vollzugs beurteilt sich deshalb vielmehr nach den allgemeinen verfas-
sungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 FoK;
Art. 3 und 4 EMRK).
8.2.3 Aufgrund des heutigen Alters des Beschwerdeführers kann ein allfäl-
liger Einzug in den Nationaldienst bei seiner Rückkehr nicht ausgeschlos-
sen werden (vgl. zur eritreischen Musterungspraxis auch das Referenzur-
teil des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017, E. 13.2–13.4). Die Frage
kann aber mit Verweis auf die nachfolgenden Erwägungen offenbleiben.
8.2.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Grundsatzentscheid
BVGE 2018 VI/4 vom 10. Juli 2018 mit der Frage befasst, ob der Vollzug
der Wegweisung auch angesichts einer drohenden Einziehung in den erit-
reischen Nationaldienst als zulässig (Art. 83 Abs. 3 AIG) und zumutbar
(Art. 83 Abs. 4 AIG) qualifiziert werden könne.
Das Gericht prüfte die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs unter den
Aspekten des Verbots der Sklaverei und der Leibeigenschaft (Art. 4
Abs. 1 EMRK), des Zwangsarbeitsverbots (Art. 4 Abs. 2 EMRK), des Fol-
terverbots und der unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung
(Art. 3 EMRK). Nach einer umfassenden Analyse der verfügbaren Quellen
D-5287/2019
Seite 17
gelangte das Bundesverwaltungsgericht im genannten Urteil zum Ergeb-
nis, dass die Bemessung der Dienstdauer und die Gewährung von Urlau-
ben im eritreischen Nationaldienst für die Einzelperson kaum vorhersehbar
seien. Die durchschnittliche Dienstdauer lasse sich nicht genau beziffern,
auszugehen sei jedoch davon, dass sie zwischen fünf und zehn Jahre be-
trage und in Einzelfällen darüber hinausgehen könne. Der im eritreischen
Nationaldienst effektiv zu befürchtende Nachteil, auf unabsehbare Zeit eine
niedrig entlöhnte Arbeit für den Staat ausführen zu müssen, sei zwar als
unverhältnismässige Last zu qualifizieren. Der Nachteil verletze aber nicht
den Kerngehalt von Art. 4 Abs. 2 EMRK (vgl. a.a.O., E. 6.1.5.2). Auch handle
es sich gemäss diesen Erwägungen weder um Sklaverei noch um Leibei-
genschaft im Sinne von Art. 4 Abs. 1 EMRK (vgl. a.a.O., E. 6.1.4). Mit Blick
auf Art. 3 EMRK müsste der Beschwerdeführer ferner das ernsthafte Ri-
siko ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl.
EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar
2008, Nr. 37201/06, §§ 124–127, m.w.H.). Diesbezüglich führte das Ge-
richt aus, dass keine hinreichenden Belege dafür existierten, Misshandlun-
gen und sexuelle Übergriffe fänden im Nationaldienst derart flächendeckend
statt, dass jede und jeder Dienstleistende dem ernsthaften Risiko ausgesetzt
wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden. Es bestehe daher kein ernsthaf-
tes Risiko einer Verletzung von Art. 3 EMRK im Falle einer Einziehung in
den eritreischen Nationaldienst bei einer freiwilligen Rückkehr nach Eritrea
(a.a.O., E. 6.1, insbesondere E. 6.1.6 und 6.1.8).
8.2.3.2 Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den
Akten ergeben sich – selbst bei einem Einzug in den Nationaldienst – An-
haltspunkte für die Annahme, er müsste bei einer freiwilligen Rückkehr in
den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotene Strafe oder Behandlung befürch-
ten. Auch die problematische allgemeine Menschenrechtssituation in Erit-
rea lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt praxisgemäss
nicht als unzulässig erscheinen.
8.2.4 Aus den Akten ergeben sich keine weiteren Gründe für die Annahme
der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. Dieser erweist sich damit im
Falle einer freiwilligen Rückkehr sowohl im Sinn der asyl- als auch der völ-
kerrechtlichen Bestimmungen als zulässig.
D-5287/2019
Seite 18
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Aus-
länderinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).
8.3.2 Im bereits zitierten Grundsatzentscheid BVGE 2018 IV/4 kam das
Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die drohende Einziehung in
den Nationaldienst nicht zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
führe (a.a.O., E. 6.2.3–6.2.5). Eine allfällige Einziehung des Beschwerde-
führers in den Nationaldienst bei einer (freiwilligen) Rückkehr nach Eritrea
führt damit nicht zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs.
8.3.3 Gemäss aktueller Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von einem
Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungs-
weise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausge-
gangen werden. In jüngster Zeit haben sich die Lebensbedingungen in ei-
nigen Bereichen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor
schwierig; die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssituation,
der Zugang zu Wasser und zur Bildung haben sich aber stabilisiert. Der
Krieg ist seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse Kon-
flikte sind nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch
die umfangreichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil
der Bevölkerung profitiere. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage
des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenz-
bedrohung ausgegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen.
Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung sind begünstigende
individuelle Faktoren nicht mehr zwingende Voraussetzung für die Zumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des BVGer
D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.).
8.3.4 Vorliegend sind keine besonderen Umstände ersichtlich, die es als
wahrscheinlich erscheinen liessen, dass der Beschwerdeführer im Falle ei-
ner Rückkehr nach Eritrea in eine existentiell bedrohliche Situation geraten
könnte. Seit Einreichung des Asylgesuchs haben sich überdies weitere
Verbesserungen ergeben; namentlich haben Äthiopien und Eritrea ein Frie-
densabkommen geschlossen (vgl. zum Beispiel Neue Zürcher Zeitung,
Trotz Friedensabkommen in Eritrea – Asylpraxis bei Eritreern ändert sich
D-5287/2019
Seite 19
vorerst nicht; 11. Juli 2018). Zu berücksichtigten ist vorliegend, dass es sich
beim Beschwerdeführer um einen jungen, volljährigen, gesunden, ledigen
und kinderlosen Mann mit sechsjähriger Schulbildung und intaktem famili-
ären Beziehungsnetz handelt. Der Beschwerdeführer hat vor seiner Aus-
reise in der Landwirtschaft gearbeitet. Seine Familie verfügt über eigenes
Land. Ausserdem war sie in der Lage, die Hälfte der Ernte auf dem Markt
zu verkaufen, was ihr nach seinen Aussagen ein gutes Auskommen be-
schert hat (vgl. act. A23/22 S. 4 F25 bis 27) Vor diesem Hintergrund ist
zusammen mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass sich der Beschwer-
deführer in Eritrea wieder zurechtfinden wird und sich eine Existenzgrund-
lage wird schaffen können. Es bleibt festzustellen, dass der Beschwerde-
führer – inzwischen auch nach eigenen Angaben – volljährig ist, weshalb
sich im Urteilszeitpunkt spezifische Abklärungen zur persönlichen Situation
des Beschwerdeführers unter dem Blickwinkel des Kindeswohls erübrigen.
Nach dem Gesagten stehen somit der Zumutbarkeit keine individuellen
Gründe entgegen. Diesbezüglich kann des Weiteren vollumfänglich auf die
zutreffenden Ausführungen gemäss der angefochtenen Verfügung (a.a.O.
E. III Ziffer 2) verwiesen werden.
8.3.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung so-
wohl allgemein als auch in individueller Hinsicht als zumutbar im Sinn von
Art. 83 Abs. 4 AIG.
8.4 Mit Blick auf die Möglichkeit des Vollzugs der Wegweisung im Sinne
von Art. 83 Abs. 2 AIG ist einzuräumen, dass die zwangsweise Rückfüh-
rung abgewiesener Asylsuchender nach Eritrea zurzeit generell nicht mög-
lich ist. Die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr steht jedoch praxisge-
mäss der Feststellung der Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs ent-
gegen. Es obliegt daher dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen
Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-
dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und vgl. dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist folglich auch als
möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Im Übrigen steht auch die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvoll-
zug nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt vo-
raus, dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, son-
dern voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf
Monate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären
Hindernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
D-5287/2019
Seite 20
[EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e und vgl. des Weiteren beispielsweise
das Urteil des BVGer D-4796/2019 vom 27. April 2020 E 8.9, m.w.H.). Bei
der Corona-Pandemie handelt es sich – wenn überhaupt – um ein bloss
temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im Rahmen der Vollzugsmo-
dalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem
etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatstaat angepasst
wird.
8.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die durch die Vorinstanz ver-
fügte Wegweisung und deren Vollzug in Übereinstimmung mit den zu be-
achtenden Bestimmungen stehen und zu bestätigen sind. Das SEM hat
den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich be-
zeichnet. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Be-
tracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Ver-
fügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt rich-
tig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbe-
züglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuwei-
sen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm jedoch mit
Zwischenverfügung vom 1. November 2019 die unentgeltliche Prozessfüh-
rung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und weiterhin von
der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist, sind ihm keine
Verfahrenskosten aufzuerlegen.
10.2 Dem amtlichen Rechtsbeistand ist ein Honorar auszurichten (vgl. für
die Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung Art. 7 ff. VGKE).
Der Rechtsvertreter hat mit Eingabe vom 26. Februar 2020 eine Kosten-
note eingereicht. Darin wurden die Kosten mit Fr. 4'124.80 beziffert, wobei
von einem Stundenansatz von Fr. 300.– ausgegangen wurde. Zudem
wurde ein zeitlicher Aufwand von 12.70 Stunden, Auslagen (für Kopien und
Porti) im Betrag von Fr. 19.90 sowie ein Mehrwertsteuerzuschlag von
Fr. 294.90 geltend gemacht. Der veranschlagte zeitliche Aufwand von ins-
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gesamt 12.70 Stunden erscheint angemessen, wobei das amtliche Hono-
rar auf Fr. 150.– zu kürzen ist, da dieses für nicht-anwaltliche Vertreterin-
nen und Vertreter, wie bereits in der erwähnten Zwischenverfügung festge-
halten, in der Regel Fr. 100.– bis Fr. 150.– beträgt. Unter Berücksichtigung
der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist dem
Rechtsvertreter somit ein Honorar von gerundet Fr. 2'075.– (inkl. Auslagen
und Mehrwertsteuerzuschlag) aus der Gerichtskasse zu entrichten
(vgl. Art. 12 und 14 Abs. 2 VGKE).
(Dispositiv nächste Seite)
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