Decision ID: 279ff3a2-cf96-4e27-983d-defc6c0067da
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Am 3
1.
Oktober 2018 (
Urk.
8/1/1-4) meldete si
ch X._
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als
Selb
ständigerwerbende
im Erwerbszweig
«
Relocation
Beratung und Marketing
/PR
»
unter der Firmenbezeichnung
«
Z._
»
an.
Mit Verfü
gung vom
3.
Juni 2020 (
Urk.
8/3
6
)
schloss
die Ausgleichskasse die Versicherte per
1.
März 2018 als
selbständigerwerbend
in der Branche Private
Relocation
Beratungen und Marketing an. Die
Erwerbstätigkeit für die Firma
A._,
von welcher sie unter anderem Mandate vermittelt bekommt,
quali
fizierte sie indes als
unselbständig
und legte fest, dass diese mit der zuständigen Ausgleichskasse die Einkommen abrechnen und die entsprechenden Sozialversi
cherungsbeiträge bezahlen muss.
In letzterem Sinne verfügte sie gleichentags gegenüber der
A._
(
Urk.
8/32)
.
Die
von der Versicherten sowie der
A._
am
3.
Juli 2020
erhobene Einsprache (
Urk.
8/58) wies die Ausgleichskasse
nach Einholen einer Stellungnahme der für die
A._
zuständigen
Caisse
interprofessionnelle
AVS de la
Fédération
des
Entreprises
Romandes
FER CIAM
vom 1
8.
August 2020 (
Urk.
8/64) mit Entscheid vom 2
7.
August 2020 (
Urk.
2) ab.
2.
Hiergegen
erhob
en X._
und die
A._
am 2
5.
September 2020 (
Urk.
1) Beschwerde mit den folgenden Anträgen (S. 2):
1.
Der
Einspracheentscheid
der Vorinstanz vom 2
7.
August 2020 sei aufzu
heben;
2.
Es sei festzustellen
, dass Frau X._
auch
bezüglich
der
A._
als
Selbständigerwerbende
gilt;
3.
Es sei die Vorinstanz anzuw
eisen, Frau X._
auch in Bezug auf die
A._
rückwirkend als
Selbständigerwerbende
zu registrieren;
4.
Eventualiter sei der
Einspracheentscheid
der Vorinstanz vom 2
7.
August 2020 aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung und zur Neube
urteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen;
5.
Den Beschwerdeführerinnen seien die Par
teikosten zu ersetzen.
Die Ausgleichskasse ersuchte am 2
3.
Oktober 2020 (
Urk.
7) um Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom
2.
Juni 2021 (
Urk.
10) zog das Gericht die Steu
erakten der Versicherten bei (
Urk.
11). Die Parteien äusserten sich hierzu am 2
3.
Juli 2021 (
Urk.
14) und 2
0.
August 2021 (
Urk.
15). Gleichzeitig wurde über die Übertragung der Stammanteile der
A._ auf die Y._
GmbH orientiert. Am
9.
September 2021 (
Urk.
21) äusserte sich die Ausgleichskasse erneut, was den Gegenparteien am 1
0.
September 2021 zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Vom Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit,
massgebender
Lohn genannt, werden paritätische Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge erhoben (
Art.
5 Abs. 1 und
Art.
13
des
Bundesgesetz
es
über die Alters- und
Hinter
las
senenversicherung
, AHVG
). Als
massgebender
Lohn gilt jedes Entgelt für in unselbständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit (
Art.
5
Abs.
2 AHVG). Vom Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit wird demgegenüber ein Beitrag des
Selbständigerwerbenden
erhoben (
Art.
8 AHVG). Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit ist jedes Erwerbseinkommen, das nicht Entgelt für in unselbständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt (
Art.
9 Abs. 1 AHVG).
Nach der Rechtsprechung beurteilt sich die Frage, ob im Einzelfall selbständige oder unselbständige Erwerbstätigkeit vorliegt, nicht auf Grund der Rechtsnatur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entscheidend sind vielmehr die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die zivilrecht
lichen Verhältnisse vermögen da
bei allenfalls gewisse Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu bie
ten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein.
Als unselbständig erwerbstätig ist im Allgemeinen zu betrachten, wer von einer oder einem
Arbeitgebenden
in betriebswirtschaftlicher beziehungsweise arbeitsorganisatorischer Hinsicht
abhängig ist und kein spezifisches Unternehmerrisiko trägt. Aus diesen Grund
sätzen allein lassen sich indessen noch keine einheitlichen, schematisch anwend
baren Lösungen ableiten.
Die Vielfalt der im wirtschaftlichen Leben
anzu
-
treffenden
Sachverhalte zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellung einer erwerbstätigen Person jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Ein
zelfalles zu beurteilen. Weil dabei vielfach Merkmale beider Erwerbsarten zu Tage treten, muss sich der Entscheid oft danach richten, welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (BGE 146 V 139 E. 3.1 mit Hinweis).
1.2
Selbständige Erwerbstätigkeit liegt im Regelfall dann vor, wenn die beitrags
pflichtige Person durch Einsatz von Arbeit und Kapital in frei bestimmter Selbst
organisation und nach
aussen
sichtbar am wirtschaftlichen Verkehr teilnimmt mit dem Ziel, Dienstleistungen zu erbringen oder Produkte zu schaffen, deren Inanspruchnahme oder Erwerb durch finanzielle oder geldwerte Gegenleistungen abgegolten wird (BGE 115 V 161 E. 9a mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts sind die Tätigung erheblicher Investitionen, die Benützung
eigener Geschäftsräumlichkeiten sowie die Beschäftigung von eigenem Personal charakteristische Merkmale einer selbständigen Erwerbstätigkeit. Das spezifische Unternehmerrisiko besteht dabei darin, dass unabhängig vom Arbeitserfolg Kos
ten anfallen, die der Versicherte selber zu tragen hat. Für die Annahme selbstän
diger Erwerbstätigkeit spricht sodann die gleichzeitige Tätigkeit für mehrere Gesellschaften in eigenem Namen, ohne indessen von diesen abhängig zu sein.
Massgebend
ist dabei nicht die rechtliche Möglichkeit, Arbeiten von mehreren Auftraggebern anzunehmen, sondern die tatsächliche Auftragslage (BGE 122 V 169 E. 3c mit Hinweisen).
Von unselbständiger Erwerbstätigkeit ist auszugehen, wenn die für den Arbeits
vertrag typischen Merkmale vorliegen, das heisst wenn die versicherte Person Dienst auf Zeit zu leisten hat, wirtschaftlich von der oder dem «
Arbeitgebenden
» abhängig ist und während der Arbeitszeit auch im Betrieb der oder des
Arbeit
gebenden
eingeordnet ist, praktisch also keine andere Erwerbstätigkeit ausüben kann. Indizien dafür sind das Vorliegen eines bestimmten Arbeitsplans, die Not
wendigkeit, über den Stand der Arbeiten Bericht zu erstatten, sowie das
Ange
wiesensein
auf die Infrastruktur am Arbeitsort. Das wirtschaftliche Risiko der ver
sicherten Person erschöpft sich
diesfalls
in der (alleinigen) Abhängigkeit vom persönlichen Arbeitserfolg oder, bei einer regelmässig ausgeübten Tätigkeit, da
rin, dass bei Dahinfallen des Erwerbsverhältnisses eine ähnliche Situation eintritt, wie dies beim Stellenverlust von
Arbeitnehmenden
der Fall ist (BGE 122 V 169 E. 3c mit Hinweisen). Die Abhängigkeit der eigenen Existenz vom persönlichen Arbeitserfolg ist praxisgemäss nur dann als Risiko einer
selbständigerwerbenden
Person zu werten, wenn beträchtliche Investitionen zu tätigen oder Angestellten
löhne zu bezahlen sind (BGE 119 V 161 E. 3b). Hervorzuheben ist, dass sich die Frage nach der Arbeitnehmereigenschaft regelmässig nach der äusseren Erschei
nungsform wirtschaftlicher Sachverhalte und nicht nach allfällig davon abwei
chenden internen Vereinbarungen der Beteiligten beurteilt, was jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalls zu geschehen hat. Ent
schei
dend ist dabei, ob geleistete Arbeit, ein Unterordnungsverhältnis und die Verein
barung eines Lohnanspruchs in irgendeiner Form vorliegen (Urteil des Bundes
gerichts 8C_790/2018 vom 8. Mai 2019 E. 3.2 mit Hinweis).
1.3
Gemäss der vom Bundesamt für Sozialversicherungen herausgegebenen Weglei
tung über den massgebenden Lohn in der AHV, IV und EO (WML; in der seit 1. Januar 2021 gültigen Fassung; vgl. zur Bedeutung von Verwaltungsweisungen BGE 133 V 587 E. 6.1) sind Merkmale für das Bestehen eines Unternehmerrisikos im Allgemeinen das Tätigen erheblicher Investitionen, die Verlusttragung, das Tragen des Inkasso- und Delkredererisikos, die Unkostentragung, das Handeln in
eigenem Namen und auf eigene Rechnung, das Beschaffen von Aufträgen, die Beschäftigung von Personal sowie eigene Geschäftsräumlichkeiten (
Rz
1019). Das wirtschaftliche beziehungsweise arbeitsorganisatorische Abhängigkeitsverhältnis kommt demgegenüber in der Regel beim Vorhandensein der folgenden Gegeben
heiten zum Aus
druck: Weisungsrecht, Unterordnungsverhältnis, Pflicht zur per
sönlichen Aufgabenerfüllung, Konkurrenzverbot, Präsenzpflicht (
Rz
1020).
1.
4
Übt eine versicherte Person gleichzeitig mehrere Erwerbstätigkeiten aus, ist die beitragsrechtliche Qualifikation nicht auf Grund einer Gesamtbeurteilung vorzu
nehmen. Vielmehr ist jedes einzelne Erwerbseinkommen dahin zu prüfen, ob es aus selbständiger oder unselbständiger Erwerbstätigkeit stammt (BGE
144 V 111 E. 6.1
; vorgenanntes Urteil 9C_3/2021 E. 3.1).
2.
2.1
2.1.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung ihres
Einspracheentscheides
aus, die Beschwerdeführerin 1 werde von der Beschwerdeführerin 2 hinzugezogen und sei in ihrer Funktion
für Kunden in der Region B._
tätig. Bei den Kunden
hand
l
e
es sich um Kunden der Beschwerdeführerin
2.
Zudem benutze die Beschwerdeführerin
1
die IT-Tools ihre
r
Auftraggebenden
und erhalte wiederkeh
rende Aufträge. Einer der wichtigsten Punkte sei die Rechnungsstellung.
Selb
ständigerwerbende
stell
t
en ihre Rechnung direkt an den Endkunden. Bei der Beschwerdeführerin 1 sei dies nicht der Fall, die Beschwerdeführerin 2 übernehme die Rechnung
s
stellung an den Endkunden. Hierbei handle es sich um ein klassi
sches Dreiecksverhältnis, welches in jedem Fall als unselbständig gelte (
Urk. 2 S.
2).
2.1.2
Am
9.
September 2021 (
Urk.
21) ergänzte die Beschwerdegegnerin, die Beschwer
deführerin 1 trage kein Unternehmerrisiko, habe sie doch keine wesentlichen Investitionen «zu tragen», die unabhängig vom Arbeitserfolg anfielen, und sie trage kein Inkassorisiko, werde sie doch von der Beschwerdeführerin 2 entschä
digt. Auch fielen keine Unkosten an, werde sie dafür doch von der Beschwerde
führerin 2 entschädigt. Sodann sei aus der steuerlichen Anerkennung der Ein
künfte als solche aus selbständiger Erwerbstätigkeit nichts abzuleiten, da keine bewusste Qualifikation vorgenommen worden sei und dies keine steuerlichen Konsequenzen nach sich gezogen habe.
2.2
2.2.1
Die Beschwerdeführerinnen brachten dagegen vor, die Beschwerdeführerin 1 erbringe
Re
l
ocation
Services im Raum B._
für Privatkunden. Sie berate und unterstütze ausländische
Mitarbeitende
, die von
international
tätigen
Unterneh
men vom Ausland her in die Schweiz transferiert würden, anlässlich ihrer hiesi
gen Ansiedelung
. Darunter falle etwa die Unterstützung bei Angelegenheiten mit dem Einwohnermelde- oder Migrationsamt, das Eröffnen von Schweizer Bank
konten oder die Beratung und Betreuung bei der Such
e
nach geeigneten Schulen für Kinder. Kern ihrer
Tätigkeit
bilde die Suche nach einer geeigneten Unterkunft (
Urk.
1 S. 6).
D
ie Geschäftsbeziehung
zwischen den Beschwerdeführerinnen
beschränke sich auf die gelegentliche Vermittlung von Privatkunden und die Rechnungsstellung an die Arbeitgeber der
Expats
durch die Beschwerdeführerin
2.
Die Beschwerde
führerin 1 sei allerdings stets frei, die Anfragen der Beschwerdeführerin 2 abzu
lehnen. Entscheide sich die Beschwerdeführerin 1 zur Übernahme der
Expats
als Kunden, so entstehe hierdurch keine fachliche oder administrative Unterordnung zur Beschwerdeführerin
2.
Die Beschwerdeführerin
1
sei in der Vertragsgestaltung und Umsetzung der
Relocation
Services frei und unterliege auch keinem
Wei
sungs
- und Instruktionsrecht der Beschwerdeführerin 2 un
d
sei auch nicht auf deren Infrastruktur angewiesen. Es sei der Beschwerdeführerin 1 durchaus bewusst, dass es möglich sei, dass sie über mehrere Monate keine Aufträge von der Beschwerdeführerin 2 erhalte und, sofern sie nicht anderweitig Kunden akquiriere, kein Einkommen generiere (S. 11 f.).
Zum Unternehmerrisiko führten die Beschwerdeführerinnen aus,
erhebliche
Investitionen
seien im Bereich
Relocation
Services naturgemäss nicht zu tätigen. Die notwendigen Arbeitsgeräte (etwa Computer und Programme) habe die Beschwerdeführerin 1 selber angeschafft; namentlich be
nu
tze sie keine IT-Infrastruktur der Beschwerdeführerin 2
(S. 15). Weiter trage sie finanzielle Ver
luste selber,
etwa,
wenn sie die eigenen Lebenskosten aufgrund der
Auftragslage
nicht selber decken könne (S. 16).
Zum
Inkasso- sowie Delkredererisiko
machten die Beschwerdeführerinnen geltend, dass die Rechnungsstellung durch die Beschwerdeführerin 2 nicht bedeute, dass die Beschwerdeführerin 1 automatisch als
unselbständig
erwerbstätig einzustufen sei. Trotz Dreiecksverhältnis fungiere das Beratungsunternehmen bloss als Verbindungsstelle und es finde daher weder
eine
fachliche noch administrative Unterordnung statt (S. 16). Die Beschwerde
führerin 1 trage weiter sämtliche Unkosten selber. Sie trete gegenüber ihren Pri
vatkunden unter ihrem eigenen Namen beziehungsweis
e unter dem Namen «Z._
» auf (S. 17). Sie beschaffe sich ihre Aufträge selber. Dabei würden ihr auch, aber eben nicht nur, Kunden durch die Beschwer
deführerin 2 vorgestellt (S. 18).
Die Erbringung von Dienstleistungen bringe es mit sich, dass
keine
grossen personellen Mittel erforderlich seien (S. 18). Sie arbeite vom Home-Office aus, das Kriterium der eigenen Geschäftsräumlichkeiten trete bei Dienstleistungen ohnehin in den Hintergrund (S. 18).
Zur Thematik der wirtschaftlichen und arbeitsorganisatorischen Abhängigkeit führten die Beschwerdeführerinnen aus,
dass die Beschwerdeführerin 1 frei sei zu entscheiden, ob sie die von der Beschwerdeführerin 2 vorgestellten
Expats
betreuen möchte. Sie betreue daneben auch andere Privatkunden und erbringe auch für andere Unternehmen
Relocation
-Dienstleistungen. Damit sei sie in wirt
schaftlicher Hinsicht nicht von der Beschwerdeführerin 2 abhängig. Sie
sei
auch währe
nd
ihrer Tätigkeit für Kunden, die ihr von der Beschwerdeführerin 2 vorge
s
tellt worden seien, in keiner Weise in deren Betrieb eingeordnet, weder physisch, fachlich noch
administrativ
. Sie sei nicht auf
eine
Infrastruktur der Beschwerde
führerin 2 angewiesen noch bestehe ein bestimmter Arbeitsplan oder die Notwen
digkeit, über den Stand der Arbeiten Bericht zu erstatten. In allen Fällen betreue sie die
Expats
persönlich und in eigener Verantwortung. Die Kommunikation ver
laufe stets über die Beschwerdeführerin 1 und ihre private E-Mail-Adresse. Nehme sie einen Auftrag an, sei sie völlig frei, wie und in welchem Rahmen sie die
Relocation
-Dienstleistung erbringen möchte. Lediglich die Rechnungsstellung an die Arbeitgeber der
Expats
erfolge durch die Beschwerdeführerin
2.
Die Beschwerdeführerin 1 setze die Preise für ihre Aufwendungen selber fest, sie werde nicht pauschal entschädigt
(S. 19)
.
Die Beschwerdeführerin 1 fungiere nicht als einzige Kontaktstelle für die einzuwandernden Personen. Neben ihr würden noch weitere
Arbeitnehmende
und Consultants der Beschwerdeführerin 2 Dienst
leistungen erbringen (S. 19 f.). Der Beschwerdeführerin 1 sei sodann kein Kon
kurrenzverbot auferlegt worden, sie
sei
auch f
ür andere Unternehmen tätig (S.
20).
2.2.2
Mit Stellungnahme vom 2
0.
August 2021 (
Urk.
15) ergänzten die Beschwerde
führerin
nen, das kantonale Steueramt habe die Einkünfte der Beschwerdeführerin 1 in den Steuerperioden 2018 und 2019 zu Recht als Einkünfte aus selbständigem Erwerb qualifiziert. Diese Qualifikationen seien rechtskräftig veranlagt und wirk
ten sich auch steuerrechtlich aus. Das Steueramt habe bei der Veranlagung auf wirtschaftliche Gegebenheiten (z.B. geschäftsbedingte Unkosten) abgestellt. Ernsthafte Zweifel hinsichtlich der Richtigkeit ergäben sich nicht. Eine von der Steuerbehörde gemeldete rechtskräftige Qualifikation sei für die AHV-
Behörden
auch hinsichtlich der Frage, ob ein Erwerbseinkommen aus selbständiger oder unselbständiger Erwerbstätigkeit vorliege, grundsätzlich als verbindlich zu betrachten (S. 10).
3.
3.1
Nach der Darstellung der Beschwerdeführerinnen besteht kein schriftlicher Ver
trag über ihr Vertragsverhältnis (
Urk.
1 S. 8 oben).
Gleichwohl legten sie einen Auszug aus einem Rahmenvertrag auf (
Urk.
3/13). Wie dem auch sei, ist d
ie Tätigkeit der Beschwerdeführerin 1 nach Lage der Akten insoweit unbestritten, als sie einwanderungswilligen Ausländern den Umzug in die Schweiz ebnet, Wohngel
e
genheiten sucht, Behördengänge macht und sich um
Bankkonti
sowie Schulen für die Kinder kümmert. Kurzum, die
Expats
bekommen einen Rund
umservice, welcher einen geglückten Umzug samt Start in der Schweiz ermög
licht. Ebenso ausgewiesen ist, dass die Beschwerdeführerin 1 diese Tätigkeit nicht nur für von der Beschwerdeführerin 2 vermittelte Kunden durchführt, sondern selber Kunden akquiriert und Zuweisungen auch von anderen Firmen erhält.
3.2
Zur Thematik des Unternehmerrisikos ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin
1
praktisch keine Investitionen tätigte. Sie besitzt lediglich ein Privatauto und einen Computer
sowie ein Handy
(
Urk.
1 S. 15 f.
,
Urk.
8/47
). Indessen ist diese
s
Krite
rium nicht von
ausschlaggebender
Bedeutung, weil im Dienstleistungssegment grössere Investitionen
regelmässig
nicht notwendig sind.
Di
e
Beschwerdeführerin 1 hat indes ihre eigenen Verluste zu tragen. Läuft das Geschäft nicht gut respektive werden ihr keine Kunden angeboten, verdient sie nichts. Bei fehlenden Fixkosten entstehen indes auch nur wenige oder gar keine Verluste. Es resultiert
lediglich
ein fehlendes Einkommen.
Das Inkasso- und Delkredererisiko ist praktisch inexistent und reduziert sich darauf, von der Beschwerdeführer
in
2 für die
geleisteten
Dienste entschädigt zu werden. Zahlungsausfälle seitens der Kunden brauchen sie nicht weiter zu inte
ressieren, wird sie doch nach den unbestritten gebliebenen Ausführungen der Beschwerdegegnerin (
Urk.
21 S. 2) von der Beschwerdeführerin 2 entschädigt.
Auch dies spricht eher für eine unselbständige Tätigkeit.
Die Beschwerdeführerin 1 handelt in eigenem Namen, tritt sie den Kunden ge
ge
nüber doch unter dem Namen
«
Z._
»
auf (
Urk.
1 S. 17)
, welche Darstellung unbestritten geblieben ist.
Ihre E-Mail-Signatur
– die Beschwerdeführerin kommuniziert mit ihrer privaten E-Mail-Adresse –
ent
hält indes die Beze
ichnung «Field Consultant A._
» und den Verweis a
uf die Homepage
sow
ie das Firmenzitat
(
Urk.
8/49/1).
Diese Umstände sprechen teilweise für eine selb
ständige und teilweise für eine unselbständige Tätigkeit.
Die Tätigkeiten erfolgen auf eigene Rechnung, welche sie indes der Beschwerde
führerin 2 in Rechnung stellt. Diese wiederum stellt Rechnung bei den entspre
chenden
auftraggebenden
Firmen.
Auch diese Umstände sprechen für beide Erwerbsarten.
D
as Beschaffen von Aufträgen
erfolgt mehrschichtig. So nimmt die Beschwerde
führerin 1 Vermittlungen von verschiedenen Seiten entgegen. Nebst der Beschwerdeführerin
2 wurden ihr von der Firma
Relocation
Experts
Kunden zugewiesen oder sie akquiriert selbständig Kunden über private Kontakte (
Urk.
1 S. 8 und
Urk.
8/50).
Das spricht für eine selbständige Tätigkeit.
Die Beschwerdeführerin
1
beschäftigt weder Personal noch hat sie externe Geschäftsräumlichkeiten angemietet. Beide Indizien spielen indes eine unterge
ordnete Rolle, weil die von der Beschwerdeführerin 1 ausgeübte Tätigkeit solches nicht zwingend erfordert.
3.3
Ein gewisses wirtschaftliches Abhängigkeitsverhältnis ist darin zu erblicken, dass der Grossteil der Einkommen
durch
von der Beschwerdeführerin 2 vermittelte Mandate generiert wurde. Die von der Beschwerdeführerin
1
aufgelegte Kunden
liste zeigt in den Jahren 2018 bis Mitte 2020 25 von der Beschwerdeführerin 2 vermittelte Aufträge und sieben anderweitig akquirierte Mandate (
Urk.
8/49/3 und
Urk.
8/50).
Indessen ist in
arbeitsorganisatorische
r Hinsicht kein
Abhängigkeitsverhältnis
zu ersehen. Die Beschwerdeführerin 2 hat kein Weisungsrecht, die Beschwerdefüh
rerin
1
führt die «Aufträge» in Eigenregie aus und wird dabei nicht von der Beschwerdeführerin 2 instruiert. Das wäre beim
vorliegenden
Modell auch nur schwer umsetzbar. Die Beschwerdeführerin 1 baut
eine Kundenbeziehung
auf und muss wohl jeweils rasch handeln und auf jeweilige Wünsche der Kunden oder Ereignisse - etwa auf Ämtern oder bei Wohnungsbesichtigungen - reagieren. Ein
Unterordnungsverhältnis
ist ebenfalls nicht zu erblicken. Die Beschwerdeführerin 1 kann
Aufträge
jederzeit ablehnen, obwohl dies wahrscheinlich nicht beliebig oft möglich wäre, um auf der Liste potentieller Dienstleis
t
ungserbringer der Beschwerdeführerin 2 zu verbleiben. Die Beschwerdeführerin 1 ist jedenfalls nicht in die Arbeitsorganisation der Beschwerdeführerin 2 eingebettet. Sie hat keinen Arbeitsplatz in den Büros der Beschwerdeführerin 2, sie hat kein Material, sie muss sich nicht regelmässig melden und sie kann sich vollkommen selbst orga
nisieren.
Einziger Hinweis auf eine gewisse Unterordnung ist die Stillschweige
vereinbarung (
Urk.
1 S. 11), welche indes nicht als ungewöhnlich, sondern eher - auch als Beauftragte - selbstverständlich erscheint.
Eine Pflicht zur
persönlichen Aufgabene
rfüllung
ist vorliegend nicht anzuneh
men. Dass noch andere Dienstleister mit Aufträgen von der Beschwerdeführerin 2 berücksichtigt werden (
Urk.
1 S. 19 f.), ist in diesem Zusammenhang irrelevant.
In den
Vorschriften über den Datenschutz
ist indes von Angestellten die Rede (
Supplier
shall
ensure
that
any
natural
person
acting
under
the
authority
of
S
upplier
who
has
access
to
A._
Personal Data
does
not
process
it
ex
cept
on
instructions
from
A._
...,
Urk.
8/7/11
Ziff.
4.1). Der Beschwerdeführerin 2 dürfte es einerlei sein, wer genau die Dienstleistung erbringt, solange die Zufriedenheit der Kunden und deren Arbeitgeber gesichert ist
.
Ein
Konkurrenzverbot
besteht offensichtlich nicht. Die Beschwerdeführerin
1
übt ihre Tätigkeit aufgrund verschiedener Akquisitionsbemühungen aus und wird von der Beschwerdeführerin 2 auch nur unregelmässig berücksichtigt.
Schliesslich besteht keine
Präsenzpflicht
. Die Beschwerdeführerin 1 kann ihre Dienstleistungen in Eigenorganisation erbringen und hat der Beschwerdeführerin 2 über ihren Arbeitsalltag keine Rechenschaft abzulegen. Freilich erfordert ihre Arbeit eine Präsenz bei den Kunden respektive im Rahmen der
jeweils
anfallenden Themen, etwa Wohnungsbesichtigungen. Gegenüber der Beschwerdeführerin 2 hat sie jedoch keine Präsenzpflicht.
3.4
Damit ergibt sich, dass in Bezug auf das Unternehmerrisiko gut die Hälfte der Punkte für eine
selbständigerwerbende
Tätigkeit sprechen, die anderen dagegen. Angesichts der investitionsarmen Tätigkeit als Dienstleisterin kommt diesen Punkten indes keine ausschlaggebende Bedeutung zu. Auch die wirtschaftliche Abhängigkeit ist - bereits aufgrund des bescheidenen Umsatzes - nicht derart, dass dies bereits ein schlagendes Argument für di
e Qualifikation als
Selbständig
e
rwerb
ende
wäre.
Rechtsprechungsgemäss kommt in Konstellationen wie der vorliegenden
(
typi
sche Dienstleistungstätigkeiten
)
der organisatorischen
betriebliche
n
Integration
ausschlaggebende Bedeutung zu
(BGE 144 V 111 E. 6.2.2).
Dies spricht vorlieg
end für eine Qualifikation als
S
elbständig
e
rwerbende
. Die Beschwerdeführerin 1 ist in ihrer Arbeitsgestaltung frei und unterliegt nur wenigen bis gar keinen Kontrollen seitens der Beschwerdeführerin
2.
Damit ist die Beschwerdeführerin 1 für ihre Tätigkeit bei der Beschwerdeführerin 2 als
Selbständigerwerbende
zu qualifizie
ren. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
4.
Bei d
iesem Ausgang des Verfahrens haben die
obsiegende
n
Beschwerdeführer
in
nen
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und
nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht). Vorliegend erscheint eine Prozessentschä
digung von
je
Fr.
1‘700.--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) als angemes
sen.