Decision ID: f3e4b6d8-744f-4694-be24-3c4a306558eb
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) ersuchte die Eidgenössische
Invalidenversicherung (IV) im September 2018 unter Hinweis auf Inkontinenz seit zwei
Darm-Operationen sowie auf Herzprobleme um eine Hilflosenentschädigung (IV-act. 1).
Ihr Hausarzt Dr. med. B._ nannte mit Bericht vom 20. September 2018 die Diagnosen
chronisches Reizdarmsyndrom, AV-Knoten-Reentrytachykardie, Status nach
Gallenblasenentfernung sowie rezidivierendes lumbovertebrales Schmerzsyndrom bei
Hyperlordose der LWS (IV-act. 5-2; betreffend die zweite Diagnose vgl. auch Bericht
der Klinik für Radiologie am Kantonsspital St. Gallen vom 18. September 2018 in IV-
act. 41). Mit Vorbescheid vom 14. November 2018 stellte die IV-Stelle der Versicherten
die Abweisung des Begehrens um Hilflosenentschädigung in Aussicht, da sie in allen
alltäglichen Verrichtungen mehrheitlich selbständig sei und keine regelmässige und
erhebliche Dritthilfe benötige (IV-act. 7). Die entsprechende Verfügung erging am 16.
Januar 2019 (IV-act. 8).
A.a.
Im April 2019 ersuchte die Versicherte die IV-Stelle unter Hinweis auf eine
chronische Darmentzündung mit sehr starken Schmerzen und Krämpfen sowie
chronischem Durchfall mit zeitweiser Inkontinenz um berufliche Massnahmen/
Rentenleistungen (IV-act. 11; vgl. auch IV-act. 9 f.). Dabei erklärte sie bezüglich ihrer
bisherigen Tätigkeit, dass sie eine Lehre zur medizinischen Praxisassistentin
abgebrochen, jedoch Naildesign-Diplome erlangt habe (IV-act. 11-6; zum Grund des
Lehrabbruchs [regelmässige Kollapse beim Blutabnehmen] vgl. IV-act. 72-20). Dr.
A.b.
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B._ führte am 6. Mai 2019 aus, aktuell schränke die rezidivierende Diarrhoe die
Arbeitsfähigkeit der Versicherten ein. Sie wäre grundsätzlich für eine leichte,
wechselbelastende Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig (IV-act. 22-3). Dr. med. C._,
Facharzt für Gastroenterologie und Innere Medizin, D._ Praxis, berichtete am 14. Mai
2019, die Ursache der für die Versicherte sehr einschränkenden
Abdominalbeschwerden sei ihm noch nicht klar (IV-act. 24). Am 29. Mai 2019 hielt der
Praxispartner von Dr. C._ nach einer Ileo-Koloskopie vom 24. Mai 2019 einen
normalen Befund ohne endoskopische Anhaltspunkte für eine Entzündung fest sowie
eine normale zirkuläre Stapleranastomose asymmetrisch nach Infekt bei Zustand nach
Rektumprolapsresektion. Auffallend sei, dass die Diarrhoe erst nach der
Rektumprolaps-Operation eingesetzt habe. Trotzdem liege für ihn eine cholagene
Diarrhoe an oberster Stelle der Differentialdiagnose (IV-act. 27). Am 12. Juni 2019
berichtete Dr. C._, dass er, weil die bisherigen Abklärungen (Labor, Koloskopie und
Glukosetestung) allesamt völlig unauffällig gewesen seien, am ehesten von einem
Reizdarmsyndrom ausgehe und der Versicherten nun versuchsweise Saroten
mitgegeben habe. Ein Versuch mit Quantalan habe nicht durchgeführt werden können,
da die Versicherte das Medikament nicht vertragen habe. Falls die Therapie mit
Saroten zu keiner Besserung führe, würde er im weiteren Verlauf noch Colestid
versuchen (IV-act. 38).
Ebenfalls am 12. Juni 2019 füllte die Versicherte den Fragebogen zur Renten
abklärung betreffend Erwerbstätigkeit / Haushalt aus (IV-act. 36). Dabei erklärte sie, seit
Dezember 2018 während 10 bis 12 Stunden pro Woche in Heimarbeit tätig zu sein. Im
Gesundheitsfall wäre sie zu 100 % als Naildesignerin erwerbstätig (IV-act. 36-1).
A.c.
Dr. med. E._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) notierte am 25. Juni 2019,
mit den medizinischen Akten sei kein Gesundheitsschaden ausgewiesen, welcher die
Arbeitsfähigkeit der Versicherten auch nach ausreichender medizinischer Behandlung
beeinträchtigen würde. Die Versicherte sei sowohl angestammt wie auch adaptiert voll
arbeitsfähig (IV-act. 47-4).
A.d.
Mit Vorbescheid vom 27. Juni 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Leistungsbegehrens um berufliche Massnahmen und Rentenleistungen
in Aussicht (IV-act. 49).
A.e.
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Hiergegen wandte sich Rechtsanwalt Dr. iur. W. Ritter, Ritter Advokatur, Widnau,
als Vertreter der Versicherten mit Einwand vom 29. August 2019 (IV-act. 53). Dem
Einwand war ein Schreiben von Dr. C._ vom 3. Juli 2019 beigelegt, laut welchem eine
volle Arbeitstätigkeit der Versicherten aufgrund starker Abdominalschmerzen und
Phasen von Durchfall, während welchen die Versicherte teilweise stundenlang an die
Toilette gebunden sei, nicht mehr möglich sei (IV-act. 54).
A.f.
Auf Veranlassung des RAD-Arztes Dr. E._ (vgl. IV-act. 55-2) wandte sich die IV-
Stelle am 19. September 2019 mit der Frage nach objektiven Befunden an Dr. C._
(IV-act. 56). Dieser antwortete am 25. September 2019 dahingehend, dass die
Versicherte, obwohl objektiv dafür keine gute Ursache gefunden werden könne, immer
wieder starke Durchfallepisoden habe. Aus seiner Sicht könne dieser Zustand sehr
wohl invalidisierend sein, auch wenn keine objektiven endoskopischen Befunde dafür
gefunden werden könnten. Weitere Untersuchungen habe er nicht mehr durchgeführt
und von seiner Seite her seien auch keine mehr geplant (IV-act. 57-2).
A.g.
Am 21. Oktober 2019 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass eine poly
disziplinäre Abklärung notwendig sei (IV-act. 58; für die entsprechende Notiz des RAD
vgl. IV-act. 62-2 f.). Nachdem die Versicherte zwischen Februar und Mai 2020
internistisch, kardiologisch, psychiatrisch, neuropsychologisch und gastroenterologisch
untersucht worden war (IV-act. 72-3), erstattete die SMAB AG (nachfolgend: SMAB) am
29. Juni 2020 das polydisziplinäre Gutachten (IV-act. 72). Die Gutachter stellten
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Reizdarmsyndrom,
Diarrhoe - prädominant, Zustand nach Rektumprolaps und minimale
neuropsychologische Störung unklarer Ätiologie (IV-act. 72-7). Sie stellten fest, dass
sich funktionelle Einschränkungen in allererster Linie durch die gastrointestinale
Symptomatik in Form von Durchfällen und wiederkehrenden abdominellen Schmerzen
ergäben. Diese würden das Rendement einschränken. Die Konzentrationsstörungen,
die der beschriebenen neuropsychologischen Störung anzulasten seien, seien
diesbezüglich nachrangig. Diese würden eine geringfügige, nicht zusätzliche Reduktion
des Rendements durch die Notwendigkeit kurzer Pausen bzw. erhöhten Zeitbedarf bei
den auszuführenden Verrichtungen ergeben. Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen
Tätigkeit schätzten sie mit 60 % ein und jene in leidensangepassten Tätigkeiten mit 80
% (IV-act. 72-9). Hinsichtlich des Belastungsprofils wiesen sie darauf hin, dass keine
A.h.
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erhöhten Anforderungen an das Arbeitsgedächtnis und an die Rechtschreibung
vorliegen sollten. Die Arbeitseinsätze sollten planbar, regelmässig und strukturiert sein
ohne Nacht- oder Schichtdienst. Kurze Pausen sollten möglich und eine jederzeit in
kurzer Frist erreichbare Toilette sollte vorhanden sein. Es dürfte keine Präsenzpflicht
bestehen und wenig bis kein Publikumsverkehr (IV-act. 72-8).
Am 1. Juli 2020 notierte Dr. med. F._ vom RAD, aus versicherungsmedizinischer
Sicht könne auf dieses Gutachten abgestellt werden (IV-act. 73).
A.i.
Am 22. Juli 2020 fand ein Gespräch zwischen der Versicherten und einem Ein
gliederungsverantwortlichen der IV statt (IV-act. 75). Dabei erklärte die Versicherte, sich
lediglich in Heimarbeit in ihrem aktuellen Pensum von ein bis zwei Stunden pro Tag
arbeitsfähig zu sehen (IV-act. 75-3 und 75-5).
A.j.
Mit Mitteilung vom 7. August 2020 informierte die IV-Stelle die Versicherte
darüber, dass keine beruflichen Massnahmen angezeigt seien, da sie sich nicht in der
Lage sehe, an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen (IV-act. 78). Am 9. September
2020 beantragte Rechtsanwalt Ritter bei der IV-Stelle Aktenzustellung und neuerliche
Fristansetzung, um betreffend berufliche Massnahmen eine beschwerdefähige
Verfügung verlangen zu können; eventualiter beantragte er den Erlass einer
beschwerdefähigen Verfügung (IV-act. 79).
A.k.
Mit Vorbescheid vom 4. Januar 2021 stellte die IV-Stelle der Versicherten bei einem
Invaliditätsgrad von 20 % die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 82).
A.l.
Am 30. Januar 2021 brachte die Versicherte einen Sohn zur Welt (IV-act. 87).A.m.
Mit Stellungnahme und Einwand vom 9. Februar 2021 ersuchte Rechtsanwalt
Ritter für die Versicherte um die Prüfung von beruflichen Massnahmen. Falls eine
berufliche Wiedereingliederung nicht möglich sei, sei der Versicherten eine ganze
Rente zuzusprechen (IV-act. 85).
A.n.
Mit Verfügung vom 15. Februar 2021 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch
der Versicherten. Betreffend berufliche Massnahmen hielt sie in dieser Verfügung fest,
diese seien mit Mitteilung vom 7. August 2020 rechtskräftig abgeschlossen worden (IV-
act. 88).
A.o.
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B.
Gegen die Verfügung vom 15. Februar 2021 richtet sich die Beschwerde vom 19.
März 2021, mit welcher Rechtsanwalt Ritter für die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) das Folgende beantragt: 1. Es sei die Verfügung vom 15. Februar
2021 aufzuheben. 2. Es sei ein gastro-enterologisches Obergutachten zur Ursache und
zu den Auswirkungen der Magen- und Darmprobleme der Beschwerdeführerin sowie
zu den Folgen dieser Probleme auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit der
Beschwerdeführerin einzuholen. 3. Aufgrund des gastroenterologischen
Obergutachtens sei über die Frage, ob ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf IV-
Leistungen bestehe und auf welche Leistungen, neu zu entscheiden. Aufgrund dieses
Entscheids seien der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen rückwirkend ab
der Einreichung des Gesuchs auf die Gewährung von IV-Leistungen auszurichten. 4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Barauslagen von pauschal 4 %
und Mehrwertsteuer zu Lasten der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin). Zur
Begründung der Beschwerde wird insbesondere vorgebracht, das
gastroenterologische Teilgutachten der SMAB trage kaum zur Klärung des
Sachverhalts bei. Es sei ein gastroenterologisches Obergutachten einzuholen, bei
welchem die Magen- und Darmprobleme der Beschwerdeführerin umfassend abgeklärt
würden; das nicht nur durch Aktenstudium, Befragungen und ein allgemeines Labor,
sondern durch eine umfassende Untersuchung des Magen- und Darmtrakts der
Beschwerdeführerin mit Ultraschall, Magen- und Darmspiegelung usw. Gestützt darauf
sei der Grad der Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit der Beschwerdeführerin zu ermitteln
(act. G1). Der Beschwerde ist ein Schreiben von Dr. C._ vom 17. März 2021
beigelegt, welchem zu entnehmen ist, dass die Beschwerden der Beschwerdeführerin
höchstwahrscheinlich ca. 2010 nach einer Cholezystektomie begonnen hätten, wobei
die Abdominal-Symptomatik nach zwei Rektum-Operationen 2015 exazerbiert sei.
Seither habe die Beschwerdeführerin praktisch andauernd Durchfall, zum Teil bis 20
Mal pro Tag, häufig auch in der Nacht. Es seien diverse gastroenterologische
Erkrankungen gesucht und ausgeschlossen sowie verschiedenste Therapieversuche
gemacht worden, wobei diese entweder keine Wirkung gezeigt oder aufgrund von
Nebenwirkungen wieder hätten gestoppt werden müssen. Schlussendlich handle es
sich wahrscheinlich um eine schwerste funktionelle Diarrhoe, welche für die
B.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Nachfolgend gilt es den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu prüfen (zum
Anspruch auf berufliche Massnahmen vgl. nachfolgende E. 4).
Beschwerdeführerin so invalidisierend sei, dass sie teilweise stundenlang an die
Toilette gebunden sei. An eine Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit sei in dieser
Situation nicht zu denken. Schon allein der Gedanke daran, dass keine Toilette in der
Nähe sei, führe bei der Beschwerdeführerin zu enormem Stress und verstärke die
gesamte Durchfall- und Schmerzproblematik (act. G1.3).
Die Beschwerdegegnerin beantragt am 6. Mai 2021 die Abweisung der
Beschwerde (act. G4).
B.b.
Rechtsanwalt Dr. Ritter erstattet am 13. September 2021 die Replik und hält an
den Anträgen gemäss Beschwerde fest (act. G12).
B.c.
Am 27. September 2021 verzichtet die Beschwerdegegnerin auf die Erstattung
einer Duplik (act. G14).
B.d.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40
% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
% invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
1.1.
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2.
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
1.4.
Streitig und zu prüfen ist zunächst die Frage, ob bei der Beschwerdeführerin eine
invaliditätsrelevante Arbeitsunfähigkeit nachgewiesen ist. Die Beschwerdegegnerin hat
der angefochtenen Verfügung gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten der SMAB
vom 29. Juni 2020 eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten
zugrunde gelegt und ist davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin mit einer
solchen auf dem 1. Arbeitsmarkt ein rentenausschliessendes Einkommen zu
erwirtschaften vermöge (IV-act. 88). Die Beschwerdeführerin ist demgegenüber der
Ansicht, dass es der gastroenterologische Gutachter der SMAB, Dr. med. G._,
einerseits pflichtwidrig unterlassen habe, die Ursachen ihrer gastroenterologischen
2.1.
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Probleme abzuklären, und andererseits ihrem Leiden zu wenig Beachtung geschenkt
habe. Wer von Bauchkrämpfen geplagt werde und täglich wegen Durchfalls wiederholt
das WC aufsuchen und dort mehrere Stunden verbringen müsse, könne nicht arbeiten.
Dr. G._ setze sich mit seiner Einschätzung ohne jede Grundlage in Form von
medizinischen Abklärungen in einen unauflösbaren Widerspruch zu den Feststellungen
von Dr. C._.
Die übrigen Teilgutachten der SMAB beanstandet die Beschwerdeführerin nicht,
was sich aufgrund der medizinischen Aktenlage ohne weiteres nachvollziehen lässt. Es
sind den Akten keine Anhaltspunkte zu entnehmen, welche gegen ein Abstellen auf das
internistische, kardiologische, psychiatrische und neuropsychologische Teilgutachten
der SMAB sprechen würden. Es gilt daher im Folgenden zu prüfen, ob auch das
gastroenterologische Teilgutachten von Dr. G._ die Beweisanforderungen erfüllt und
eine rechtsgenügliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zulässt.
2.2.
Dr. G._ hatte Kenntnis von den Vorakten (IV-act. 72-12 bis 16), untersuchte die
Beschwerdeführerin persönlich (IV-act. 72-54 bis 57) und liess sich deren Leiden von
ihr schildern (IV-act. 72-54 bis 56). Auch kontrollierte er die Blutwerte der
Beschwerdeführerin (IV-act. 75-57 und 78 f.). Dr. G._s Befragung der
Beschwerdeführerin ergab, dass die Probleme seit der zweiten Darmoperation 2015
bestünden mit fast täglich Bauchschmerzen und wässrigen Durchfällen bis zu achtmal
am Tag, weniger nachts. Die Bauchschmerzen seien vor allem im Unterbauch
druckförmig, dann messerstichartig im linken Mittel- bis Unterbauch immer mit
Besserung nach der, meist imperativ auftretenden, Stuhlentleerung, daneben auch
häufig Meteorismus. Ab und zu - vor allem ausser Hause - komme es auch zu
unwillentlichen Stuhlabgängen. Verschiedene Therapieversuche, Medikamente, aber
auch Diäten wie FODMAP seien ohne Erfolg geblieben. Diese Beschwerden und
Durchfälle würden die Beschwerdeführerin sehr beeinträchtigen und würden ihr zufolge
eine Heimarbeit von ca. zwei Stunden am Tag erlauben (IV-act. 72-54). Bei der
Untersuchung des Abdomens stellte Dr. G._ eine leichte Druckdolenz im linken
Mittel- bis Unterbauch fest. Die Darmgeräusche waren lebhaft bis leicht gesteigert.
Resistenzen oder Organomegalien stellte er keine fest (IV-act. 72-54). Die Blutwerte
waren unauffällig, ohne Anämie, mit normalen Leberwerten, normalen
Entzündungsparametern und Euthyreose (substituiert; IV-act. 72-57 Ziff. 4.3). Vor
diesem Hintergrund hielt Dr. G._ fest, bei der Beschwerdeführerin bestehe seit einer
Reoperation nach Rektumvollwandprolaps 2015 ein Reizdarmsyndrom vom
Durchfalltyp. Vorher habe über mehrere Jahre eine Obstipation bestanden. Übliche
labormässige, endoskopische und bildgebende Abklärungen hätten andere
2.3.
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Durchfallerkrankungen ausgeschlossen. Eine chologene Diarrhöe bei Status nach
Cholezystektomie sei unwahrscheinlich, ein Therapieversuch mit Colestyramin habe
wegen Unverträglichkeit abgebrochen werden müssen. Das vermutete
Reizdarmsyndrom sei medikamentös, aber auch diätetisch bisher erfolglos behandelt
worden. Es bestünden weiterhin, vor allem morgens, häufige Stuhlentleerungen neben
Bauchschmerzen und Meteorismus. Die Symptomatik führe vor allem wegen der
Durchfälle zu einer deutlichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Eine zusätzliche
Stuhlinkontinenz sei vor allem auch bezüglich Arbeiten an externem Arbeitsplatz
problematisch. Die Beschwerdeführerin präsentiere sich in gutem körperlichem
Zustand (IV-act. 72-58). Dr. G._ notierte, dass während der ca. einstündigen
Untersuchung kein Toilettengang erfolgt sei (IV-act. 72-56). Er mass dieser
Beobachtung jedoch keine Bedeutung bei, was vor dem Hintergrund, dass die
Beschwerdeführerin gegenüber der psychiatrischen Teilgutachterin erklärt hatte, vor
der Untersuchung insgesamt acht Tabletten Imodium® eingenommen zu haben (IV-act.
72-44), einleuchtet. Als ideal adaptiert beschrieb Dr. G._ eine Tätigkeit mit
Toilettenzugang, ohne Kundenkontakt, allenfalls in Heimarbeit (IV-act. 72-60). In einer
solchen Tätigkeit erachtete er die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer
Abdominalschmerzen als ca. 20 % eingeschränkt (IV-act. 72-60). In der angestammten
Tätigkeit als ungelernte Hilfsarbeiterin erachtete er die Beschwerdeführerin als ca. 40
% eingeschränkt (IV-act. 72-59 f.). Insgesamt ist festzuhalten, dass Dr. G._s
Beurteilung der medizinischen Situation begründet und überzeugend ist. Vor dem
Hintergrund, dass bislang keine organische Ursache für die Beschwerden der
Beschwerdeführerin gefunden werden konnte, ist sodann nachvollziehbar, dass Dr.
G._ eine psychiatrische Mitbetreuung der Beschwerdeführerin empfahl (IV-act.
72-61). Dem beschwerdeführerischen Vorbringen, Dr. G._ hätte weitergehende
Untersuchungen vornehmen müssen, kann nicht gefolgt werden. Einerseits lagen Dr.
G._ sämtliche Berichte/Untersuchungsbefunde des behandelnden
Gastroenterologen vor und flossen somit in seine Beurteilung mit ein. Da selbst der
behandelnde Gastroenterologe keine weiteren Untersuchungen als angezeigt erachtete
(vgl. IV-act. 57-2) und auch die Beschwerdeführerin anscheinend keine solchen für
notwendig hielt, ist nicht ersichtlich, wieso der Gutachter solche Untersuchungen hätte
anstrengen sollen. Andererseits ist für die IV ohnehin nicht die Ursache der
gesundheitlichen Einschränkungen, sondern der objektive klinische Befund im Sinne
des konkreten, für die Arbeitsfähigkeitsschätzung massgebenden Zustandes
entscheidend. Dieser ist den aktuellen Beschwerden und den Untersuchungsbefunden
zu entnehmen (IV-act. 72-54 und 56 f.). Ihm wurde, wie dargelegt, im Gutachten
vollumfänglich Rechnung getragen. Der Ansicht, dass sich Dr. G._ mit seiner
Einschätzung der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin ohne Begründung in
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3.
Ausgehend von der Arbeitsfähigkeit gemäss E. 2.4 bleiben die erwerblichen
Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen. Wie die Beschwerdegegnerin
in der angefochtenen Verfügung zu Recht anführt, wäre aufgrund der Geburt des
Sohnes der Beschwerdeführerin am 30. Januar 2021 (vgl. IV-act. 87) im
Verfügungszeitpunkt am 15. Februar 2021 allenfalls nicht mehr von einer vollen
Erwerbstätigkeit, sondern einer teilweisen Erwerbstätigkeit mit einem Anteil
Haushaltstätigkeit auszugehen (vgl. IV-act. 88-3) und folglich der Invaliditätsgrad
anhand der gemischten Methode zu bestimmen gewesen (vgl. Art. 28a Abs. 3 IVG in
diametralen Widerspruch zum behandelnden Gastroenterologen Dr. C._ setze, kann
nicht gefolgt werden. Denn die pessimistische Einschätzung Dr. C._s scheint unter
anderem auf der Annahme zu fussen, dass die Beschwerdeführerin bei einer
Arbeitstätigkeit über keinen Toilettenzugang verfügen würde (vgl. act. G1.3). Ein
solcher wird von Dr. G._ jedoch ausdrücklich als Adaptionskriterium für eine
leidensadaptierte Tätigkeit genannt (IV-act. 72-60). Es stellt zwar einen Mangel dar,
dass Dr. G._ sich nicht explizit mit der Einschätzung des ehemals behandelnden
Facharztes auseinandersetzte. Dieser wiegt jedoch nicht so schwer, dass er die
Nachvollziehbarkeit seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung ernsthaft in Zweifel zu ziehen
vermöchte. Darüber hinaus erachtete Dr. C._ am 3. Juli 2019 lediglich eine
vollzeitliche Arbeitstätigkeit als nicht mehr möglich (IV-act. 54), währenddem er am 17.
März 2021 ohne weitergehende Begründung jegliche Tätigkeit als nicht mehr möglich
darstellte, ohne dass er eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes der
Beschwerdeführerin beschrieben hätte (act. G1.3). Jedenfalls vermag die Einschätzung
von Dr. C._ keine Aspekte aufzuzeigen, welche von Dr. G._ unberücksichtigt
geblieben wären, und damit auch keine Zweifel am gastroenterologischen
Teilgutachten aufkommen zu lassen.
Insgesamt ist in Übereinstimmung mit dem zuständigen Arzt vom RAD (vgl. IV-act.
73) festzuhalten, dass auf das polydisziplinäre SMAB- Gutachten abgestellt werden
kann. Folglich ist von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in
leidensadaptierten Tätigkeiten auszugehen (IV-act. 72-9). Solche Tätigkeiten müssen
das folgende Belastungsprofil berücksichtigen: Es sollten keine erhöhten
Anforderungen an das Arbeitsgedächtnis und an die Rechtschreibung vorliegen. Die
Arbeitseinsätze sollten planbar, regelmässig und strukturiert sein, ohne Nacht- oder
Schichtdienst. Kurze Pausen sollten möglich sowie eine jederzeit in kurzer Frist
erreichbare Toilette vorhanden sein. Es sollte keine Präsenzpflicht bestehen und nur
wenig bis kein Publikumsverkehr (IV-act. 72-8).
2.4.
https://www.swisslex.ch/doc/aol/3b482e74-06e0-4951-8164-9d24d90585a9/a1a1d458-104b-4ea1-903d-b25052d89755/source/document-link
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Verbindung mit Art. 27 der Verordnung über die Invalidenversicherung [SR 831.201]).
Für eine gewisse Zeit wäre auch eine gänzliche Aufgabe der Erwerbstätigkeit denkbar,
was zu einem reinen Betätigungsvergleich führen würde (vgl. Art. 28 Abs. 3 IVG i.V.m.
Art. 27 IVV). Da angesichts der Art der Beschwerden der Beschwerdeführerin
(Durchfälle und wiederkehrende abdominelle Schmerzen; vgl. Sachverhalt A.h.) die
Einschränkung im Tätigkeitsbereich Haushalt sicher nicht grösser als im
Erwerbsbereich ausfallen würde, wird im Folgenden von einer vollen Erwerbstätigkeit
ausgegangen und der Invaliditätsgrad anhand eines Einkommensvergleichs bestimmt
(vgl. E. 1.2; nachfolgend E. 3.2). Weil die Beschwerdeführerin die Frage der
Verwertbarkeit ihrer Restarbeitsfähigkeit aufwirft (vgl. act. G1, Rz. E. 8), gilt es vorab
diese zu prüfen (nachfolgend E. 3.1).
bis
3.1.
Die Möglichkeit einer versicherten Person, das verbliebene Leistungsvermögen
auf dem allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt von den
konkreten Umständen des Einzelfalls ab. Massgebend sind rechtsprechungsgemäss
die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der
absehbare Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang
auch die Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten,
Ausbildung, beruflicher Werdegang oder die Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus
dem angestammten Bereich. Beim ausgeglichenen Arbeitsmarkt handelt es sich um
eine theoretische Grösse, so dass nicht leichthin angenommen werden kann, die
verbliebene Leistungsfähigkeit sei unverwertbar. Er umfasst auch sogenannte
Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen gesundheitlich
eingeschränkte Personen mit einem sozialen Entgegenkommen des Arbeitgebers
rechnen können. Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist insbesondere dann
anzunehmen, wenn die zumutbare Tätigkeit in nur so eingeschränkter Form möglich ist,
dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht
realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre
und das Finden einer entsprechenden Stelle daher zum Vornherein als ausgeschlossen
erscheint (vgl. SVR 2021 IV Nr. 26 S. 80, Urteil des Bundesgerichts vom 2. Dezember
2020, 8C_416/2020, E. 4 mit Hinweisen).
3.1.1.
Die Beschwerdeführerin nahm nach der obligatorischen Schulzeit eine Lehre zur
MPA in Angriff, welche sie jedoch abbrechen musste (vgl. Sachverhalt A.b.). Im
Anschluss absolvierte sie Kurse, um als H._ arbeiten zu können (IV-act. 11-6). Aktuell
fertigt sie zu Hause Hundeartikel wie Leinen und Halsbänder sowie Schlüsselanhänger
3.1.2.
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4.
Aus den Akten geht hervor, dass die Beschwerdegegnerin mit Mitteilung vom 7. August
2020 einen Anspruch auf berufliche Massnahmen der Beschwerdeführerin verneinte
(IV-act. 78). Entgegen dem von der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen
an (IV-act. 72-4). Vor diesem Hintergrund ist vom Profil einer ungelernten Hilfsarbeiterin
auszugehen. Aus gastroenterologischer Sicht adaptiert sind Tätigkeiten, welche einen
Zugang zu Toiletten aufweisen und ohne Kundenkontakte stattfinden, allenfalls in
Heimarbeit (IV-act. 72-60). Das Bundesgericht bestätigte die Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit eines Versicherten, welcher an einer chronisch entzündlichen
Darmerkrankung litt und ungehindert Toilettenzugang benötigt (Urteil des
Bundesgerichts vom 20. Oktober 2014, 9C_412/2014). Und auch jene eines anderen
Versicherten, welcher an einer vergleichbaren gastroenterologischen Problematik litt
(Urteil vom 19. Januar 2016, 8C_858/2015 E. 3.1 und 3.4). Selbst wenn der
Arbeitsprozess der Beschwerdeführerin kurzfristig unterbrechbar sein und ihr eine
innert Kürze erreichbare Toilette zur Verfügung stehen muss, vermag dies mit Blick auf
diese Rechtsprechung keine Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit zu begründen.
Die Beschwerdegegnerin hat daher die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit zu
Recht als gegeben angesehen.
Mit der Beschwerdegegnerin (vgl. Einkommensvergleich in IV-act. 80) ist davon
auszugehen, dass im vorliegenden Fall angesichts einer fehlenden beruflichen
Ausbildung (vgl. vorstehend Sachverhalt A.b. sowie E. 3.1.2) sowohl hinsichtlich des
hypothetischen Valideneinkommens als auch bezüglich des Invalideneinkommens der
Lohn für Hilfsarbeiterinnen zugrunde zu legen ist und folglich der Einkommensvergleich
anhand eines sogenannten Prozentvergleichs vorgenommen werden kann. Dabei
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter
Berücksichtigung eines Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. BGE 126 V 75). Angesichts der
80%igen Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierten Tätigkeiten kann die Frage
offengelassen werden, ob ein solcher Abzug vorzunehmen ist. Denn selbst unter
Berücksichtigung eines 20%igen Abzugs, welcher in der vorliegenden Konstellation
sicherlich das Maximum bildet, würde noch ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad
von 36 % (100 % - [80 % x 0.8]) resultieren. Folglich hat die Beschwerdeführerin
keinen Anspruch auf eine Invalidenrente. Würde anstelle des ausschliesslichen
Einkommensvergleichs in Anwendung der gemischten Methode oder des reinen
Betätigungsvergleichs ein Anteil Haushalt/Betreuung mit einer 20% wohl
unterschreitenden Einschränkung angerechnet, läge der Gesamtinvaliditätsgrad
offenkundig noch tiefer.
3.2.
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Verfügung vertretenen Standpunkt, die beruflichen Massnahmen seien mit dieser
Mitteilung rechtskräftig abgeschlossen worden (IV-act. 88-3), kann von keiner
rechtskräftigen Beurteilung des Anspruchs auf berufliche Massnahmen der
Beschwerdeführerin ausgegangen werden. Einerseits erfolgte die Verneinung eines
solchen Anspruchs in Form einer Mitteilung gemäss Art. 51 ATSG. Eine solche wäre
nur zulässig, wenn die Beschwerdeführerin mit der Leistungsverneinung einverstanden
gewesen wäre (Art. 51 Abs. 1 i.V.m. Art. 49 Abs. 1 ATSG). Hiervon kann jedoch
vorliegend angesichts des rechtsvertreterischen Protestes dagegen vom 9. September
2020 (IV-act. 79) nicht ausgegangen werden. Darüber hinaus ersuchte der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin in diesem Schreiben explizit um Erlass einer
anfechtbaren Verfügung (IV-act. 79). Und auch im Einwand gegen den Vorbescheid
betreffend Rente vom 9. Februar 2021 beantragte Rechtsanwalt Dr. Ritter explizit
berufliche Massnahmen für die Beschwerdeführerin (IV-act. 85). Grundsätzlich könnte
zwar auch der im formlosen Verfahren erlassene Entscheid wie eine Verfügung – nach
einer bestimmten Frist – in Rechtskraft erwachsen (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4.
Aufl. 2020, N 29 zu Art. 51 ATSG). Angesichts der Eingaben von Rechtsanwalt
Dr. Ritter vom 9. September 2020 und vom 9. Februar 2021 kann der nicht in
Verfügungsform gekleideten Verneinung eines Anspruchs auf berufliche Massnahmen
aber offensichtlich keine Rechtskraft zugebilligt werden. Vielmehr ist die
Beschwerdegegnerin gehalten, ihre Mitteilung vom 7. August 2020 zu prüfen und nach
erfolgten Abklärungen über den Anspruch auf berufliche Massnahmen der
Beschwerdeführerin gegebenenfalls eine Verfügung zu erlassen. Hierfür wird die
Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin überwiesen (vgl. die Weiterleitungspflicht
des Gerichts in Art. 30 ATSG).
5.
Die Beschwerde vom 19. März 2021 ist nach dem Gesagten abzuweisen.5.1.
Die Sache wird zur Prüfung des Gesuchs vom 9. September 2020 betreffend
berufliche Massnahmen zuständigkeitshalber der Beschwerdegegnerin überwiesen.
5.2.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Diese ist
von der Beschwerdeführerin zu bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin anzurechnen.
5.3.
bis
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