Decision ID: b742e3fb-bb09-46e4-9dc4-b9d6b0cbae7a
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970,
meldete sich wegen einer Nieren
insuffizienz am 2
2.
Juni 2016 (Eingangsdatum) bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte die Arztberichte des
Spitals Y._
, Nephrologie, vom
5.
Juli 2016 (
Urk.
8/9) und vom 22. Februar 2017 (
Urk.
8/17) sowie des Kantons
spitals Z._
, Pneumologie, vom
5.
Januar 2017 (
Urk.
8/14) ein.
Am 2
7.
März
2017 nahm
dipl.-med.
A._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medi
zin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle Stellung (
Urk.
8/19/4). Mit Vorbescheid vom 1
1.
April 2017 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten an, ihm eine halbe Invalidenrente ab dem
1.
Dezember 2016 auszurichten (
Urk.
8/21). Nachdem dagegen kein Einwand erhoben worden war, sprach die IV-Stelle
X._
mit Verfügung vom 1
9.
Juni 2017 basierend auf einem
Invaliditätsgrad von 50
%
ab dem
1.
Dezember 2016 eine halbe Invalidenrente samt akzessorischen Kinderrenten zu (
Urk.
8/30-37).
1.2
Am
6.
Dezember 2017 (Eingangsdatum)
stellte
X._
bei der Invalidenversiche
rung
den Antrag, es seien ihm berufliche Mass
nahmen zu gewähren (
Urk.
8/43).
Am 1
4.
Mai 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, die Abklärungen hätten ergeben, dass in naher Zukunft eine Nieren
trans
plantation vorgesehen sei. Es könne deshalb im Moment keine Arbeits
vermittlung durchgeführt werden und diese werde abgeschlossen (Urk. 8/47). Am 3
1.
Mai 2018 teilte die IV-Stelle
X._
sodann mit, dass er weiterhin Anspruch auf eine halbe Invalidenrente habe (Urk. 8/53).
1.3
Am 2
3.
Mai 2019 (Eingangsdatum) ersuchte
X._
die IV-Stelle erneut, eine Abklärung zu seiner beruflichen Situation durchzuführen (
Urk.
8/55). Mit Schreiben vom 2
4.
Mai 2019 forderte die IV-Stelle den Versi
cher
ten auf, Beweismittel für eine wesentliche Veränderung der Verhältnisse einzu
reichen (
Urk.
8/56). Der Versicherte liess in der Folge mitteilen, dass die Nieren
transplantation noch nicht habe durchgeführt werden können und seine aktuelle Erwerbstätigkeit als Coiffeur mit der Dialyse schwer vereinbar sei
.
Er
benötige deshalb Unterstützung bei der beruflichen Integration unter Berück
sichtigung des Umstandes, dass er drei Mal pro Woche zur Dialyse gehen müsse
(Urk. 8/
59-60).
In der Folge konnte
die Nierentransplantation
am 30. Juni 2019 durchgeführt werden (
Urk.
8/65). Die IV-Stelle holte den
Arztbericht der Klinik für Nephrologie
des Universitätsspital
s
B._
vom 2
1.
Oktober 2019 ein (Urk.
8/69). Am 2
4.
Janu
ar 2020 teilte sie dem Versicherten mit, sie übernehme die Kosten für die Beratung und Unterstützung bei de
r Stellensuche durch
C._
im Umfang von maxi
mal 30
Job-Coaching-
Stunden (
Urk.
8/75). Am 3.
Juli 2020
(
Urk.
8/84) bzw. am 1
8.
September 2020 (
Urk.
8/88)
gewährte die IV-St
elle zusätzlich je
20 Job-Coaching-Stunden, da
der Versicherte keine definitive Anstellung finden konnte.
Am 1
0.
Dezember 2020 schloss die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung ab mit der Feststellung, dass es nicht gelungen sei, eine Arbeitsstelle für den Versicherten zu finden (
Urk.
8/89).
Sie nahm in der Folge die Berichte
der
Klinik für Nephro
log
ie
des Universitätsspital
B._
vom 30. Dezember 201
9
(
Urk.
8/98), vom
7.
Juli
2020 (
Urk.
8/94), vom 1
9.
August 2020 (
Urk.
8/96) und vom
4.
November 2020 (Urk. 8/97) zu den Akten und holte den Verlaufsbericht des
Spitals Y._
, Nephrologie, vom 2
6.
Februar 2021 (
Urk.
8/101) ein. Am 2
9.
März 2021 nahm
RAD-Ärztin
A._
dazu Stellung (
Urk.
8/102/5-6). Mit Vorbescheid vom
7.
April
2021 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Einstellung der Invaliden
rente in Aussicht
(Urk. 8/103)
. Nachdem dagegen kein Einwand erhoben worden war, stellte die IV-Stelle die Invalidenrente mit Verfügung vom 2
1.
Mai 2021 auf Ende des folgenden Monats ein (
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
X._
am 1
8.
Juni 2021 Beschwerde
mit dem sinngemässen Antrag, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihm weiterhin eine halbe Invalidenrente auszurichten (Urk. 1). Am 2
2.
Juni 2021 liess der Versicherte ausserdem den Antrag stellen, es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren (
Urk.
5). Am 2
6.
August 2021 ersuchte die IV-Stelle um Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was dem Beschwerdeführer am 3
0.
August 2021 mitgeteilt wurde (
Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs. 2 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung
[IVG]
).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
ab
gesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
benem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Recht
sprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Da
bei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu handeln.
Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Invaliden
versicherung
(
IVV
)
auf dem W
eg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssach
ver
halt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
desgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E.
3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 201
3 E.
3.1.2).
1.5
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt
nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nac
h
vollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen
praxisgemäss
nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung vom 2
1.
Mai 2021 (
Urk.
2) fest, nach der erfolgreichen Nierentransplantation im Juni 2019 bestün
den beim Beschwerdeführer keine zeitlichen Einschränkungen mehr bei der Arbeitsausübung.
Die
Arbeitsunfähigkeit
belaufe sich damit nicht mehr
länger
auf
50
%
. Ab Oktober 2020 sei der Beschwerdeführer in der bisherigen wie auch in einer optimal angepassten Tätigkeit zu 80
%
arbeitsfähig. Er sei damit in der
Lage
,
ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen.
Der Invali
ditäts
grad belaufe sich lediglich noch auf 20
%
, weshalb die bisher ausgerichtet
e
halbe Invalidenrente aufzuheben sei.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend
, er sei nach wie vor nur zu 50 % arbeitsfähig, weshalb ihm weiterhin eine halbe Invalidenrente auszurichten sei (
Urk.
1).
3.
Die Beschwerdegegnerin sprach dem Beschwerdeführer aufgrund folgender medi
zinischer Abklärungen mit Verfügung vom 1
9.
Juni 2017 (
Urk.
8/30-37) eine halbe
Invalidenrente zu:
3.1
Laut dem Arztbericht des
Spitals Y._
vom
5.
Juli 2016 (
Urk.
8/9) best
and
beim Beschwerdeführer eine dialysepflichtige Niereninsuffizienz bei AA
Amlyoi
dose
im Rahmen einer Lungentuberkulose und Dialyse sei
t
Juli 201
4.
Der Be
schwerdeführer komme drei Mal pro Woche zur Dialyse. Diese könne ambulant durchgeführt werden, stationäre Behandlungen seien in letzter Zeit nicht mehr nötig gewesen. Die Dialyse dauere 4 Stunden. Wie alle D
ialysepatienten leide
der Beschwerdeführer am «Dialysesyndrom» mit typischen Sympto
men und Zeichen, woraus eine deutlich reduzierte Leistungsfähigkeit resultiere. Deshalb und auf
grund der Behandlung selbst sei die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
deut
lich eingeschränkt. Der Beschwerdeführer sei zu 50
%
arbeitsfähig in Tätigkeiten mit niedrigem Belastungsprofil.
Bis zu einer Nierentransplantation bestehe die Dialysepflicht weiterhin.
Eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit lasse sich nur durch eine Nierentransplantation erreichen. Nach einer allfälligen Transplan
ta
tion müsste die Arbeitsfähigkeit neu beurteilt werden.
3.2
Die Ärz
te des Kantonsspitals Z._
führten im Bericht vom
5.
Januar 2017 (
Urk.
8/14) aus, der Beschwerdeführer sei wegen einer Lungentuberkulose des rechten Oberlappens vom 2
7.
Januar bis zum
7.
August 2012 behandelt worden. Anlässlich der folgenden Verlaufskontrollen – letztmals am 2
9.
Mai 2015 – habe der Beschwerdeführer jegliche pulmonalen Beschwerden verneint. Lungen
funk
tionell bestehe eine stabile, leichte restriktive Ventilationsstörung. Es sei somit von keinerlei Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus
pneumologischer
Sicht aus
zugehen.
3.3
Im Verlaufsbericht vom 2
2.
Februar 2017 (
Urk.
8/17) führten die Ärzte des
Spitals Y._
aus, es bestehe unverändert eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Der Beschwerdeführer befinde sich auf der Warteliste für eine Nieren
transplantation. Falls diese durchgeführt werden könne, sei die Prognose gut und die Arbeits
fähigkeit könne verbessert werden.
3.4
RAD-Ärztin
A._
führte am 2
7.
März 2017
(
Urk.
8/19/4)
aus, es liege beim Beschwerde
führer
aufgrund der dialysepflichtigen Niereninsuffizienz
ein Gesund
heitsschaden vor, welcher sich längerfristig auf die Arbeits
fähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit auswirke. Durch die Notwendig
keit regelmässiger
Hämodia
lysen
sei der Beschwerdeführer bereits rein zeitlich eingeschränkt. Bedingt durch die dialysespezifische Leistungsminderung könne lediglich ein 50%-Pensum rea
lisiert werden. Nach erfolgter Nierentransplantation sei von einem höheren Leis
tungsvermöge
n
auszugehen, so dass eine Neubeur
teilung des Sachverhalts erfor
derlich sei.
Den Diagnosen eines Status nach Lungentuberkulose 2011, einer
hypertensiven
Herzkrankheit und einer leichtgradigen
Refluxoesophagitis
mass sie keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bei.
4.
Nachdem am 3
0.
Juni 2019 in der Klinik für Nephrologi
e des Universitätsspitals B._
eine Nierentransplantation durchgeführt worden war, ergingen folgende Berichte:
4.1
Laut dem Bericht der Klinik für Nephrologi
e des Universitätsspitals B._
vom 2
1.
Oktober 2019 (
Urk.
8/
69) wurde beim Beschwerdeführer eine
Nierenal
lo
trans
plantation
(DCD)
iliakal
rechts am 3
0.
Juni 2019 durchgeführt. Der postoperative Verlauf sei kompliziert gewesen. Der Beschwerdeführer leide noch unter rezidi
vierenden Bauchschmerzen und gelegentlich Diarrhoe, sein Zustand habe sich jedoch im Verlauf etwas verbessert. Es seien eine regelmässige Medikamenten
einnahme und regelmässige
nephrologische
Kontrollen nötig. Aktuell sei der Be
schwerdeführer zu 50
%
arbeitsfähig. Ab November 2019 sei aber eine
Reeva
luation
und eine erneute Steigerung geplant. Der Beschwerde
führer sei motiviert, wieder zu arbeiten und eine Arbeitsstelle zu finden.
Die
Arbeitssuche
sei zu
sätzlich erschwert
, weil der Beschwerdeführer kaum über Deutsch
kenntnisse verfüge.
4.2
Im Bericht vom
7.
Juli 2020 (
Urk.
8/94) hielten die Ärzte der Klinik für Nephro
logi
e des Universitätsspitals B._
fest, anlässlich der ersten Jahreskontrolle nach der Nierentransplantation habe sich der Beschwerdeführer in gutem Allge
meinzustand präsentiert. Zusammenfassend könne festgehalten werden, dass es im ersten Jahr einen komplizierten Verlauf gegeben habe. Im letzten halben Jahr habe sich eine stabile Nierenfunktion gezeigt, welche jedoch aufgrund der BK-
Virämie
, der akuten T-Zell-vermittelten Abstossungsreaktion und der CMV-Reaktivierung deutlich unter dem erwarteten Zielbereich gelegen sei. Die CMV-Reaktivierung habe ab Februar
negativiert
werden können und auch die BK-
Virämie
sei unter der Anpassung der
Immunsuppressiva
sowie der Therapie mit
Privigen
(Stopp im Juni 2020) deutlich
regredient
. Laut Bericht vom 1
9.
August 2020 (
Urk.
8/96) ergaben sich keine wesentlichen Änderungen in der Beurteilung.
4.3
Am
4.
November 2020 (
Urk.
8/97) berichteten die Ärzte der Klinik für Nephro
lo
gie des Universitätsspitals B._
über die aufgrund einer Covid-19-Erkrankung erfolgte stationäre Behandlung des Beschwerdeführers vom 3
1.
Oktober bis zum
5.
November 202
0.
Hinweise auf
Covid
-typische Infiltrate hätten sich im Röntgen
nicht gezeigt. Aufgrund einer leichten
Hypervolämie
sei einmalig
Torasemid
ver
abreicht worden. Es sei eine unauffällige Überwachung mit stets normwertiger peripherer Sauerstoffsättigung und gutem klinischem und laborchemischem Ver
lauf erfolgt. Der Beschwerdeführer habe am
4.
November 2020 in die ambu
lante Weiterbetreuung entlassen werden können.
4.
4
Gemäss dem Abschlussbericht des
C._
vom
7. Januar 2021 (
Urk.
8/92) wurde zwischen dem 2
0.
Januar 2020 und dem 4. Janu
ar 2021 ein Job-C
oaching durchgeführt
mit dem Ziel, eine Festanstellung im ersten Arbeitsmarkt zu finden. Dieses Ziel sei nicht erreicht worden. Der Haupt
grund
habe
bei den ungenügenden Deutschkenntnissen gelegen. Weitere Hinder
nisse seien die mangelnden PC-Kenntnisse, der fehlende Zugang zum Internet für die Stellensuche,
der nicht vorhandene Fahrausweise Kat. B und der wegen der Corona-Pandemie eingeschränkte Arbeitsmarkt gewesen. Der Beschwerdeführer habe
zwar
die Dringlichkeit
erkannt
, ei
ne Anstellung zu finden
. Die ungenü
gen
den Deutschkenntnisse hätten
sich unter anderem
aber
darin gezeigt, dass
er
Stelleninserate nicht verstanden habe und nicht habe beurteilen können, ob er die Anforderungen erfülle. Der Beschwerdeführer scheine auch unrealistische Vorstellungen vom schweizerischen Arbeitsmarkt zu haben und habe wenig Bereitschaft gezeigt, Inputs von arbe
itsmarktnahen Personen entgegenzu
nehmen.
Er
sei arbeitswillig, sein eigener Einsatz zur Erreichung des Ziels sei aber äusserst begrenzt gewesen. Offerten des Sozialamtes für Deutschkurse und die Teilnahme am Beschäftigungsprogramm habe er abgelehnt und sich entschieden, in Eigen
regie Deutsch zu lernen. Das Job-Coaching sei schliesslich unterbrochen worden, da
genügende
Deutschkenntnisse
für
weitere Akquisen
fehlen
würden.
4.5
Gemäss dem Bericht des
Spitals Y._
vom 2
6.
Februar 2021 (
Urk.
8/101) hat sich nach anfänglich schwerem postoperativen Verlauf bei Nierentransplantation seit Oktober 2020 eine stabile
Graftfunktion
ohne
relevante infektiöse Komplika
tionen abgesehen von einer Covid-19-Infektion Ende Oktober 2020 gezeigt. Bei suffizienter Nierenfunktion mit einer
eGFR
um 40 ml/min nach CKD
Epi
benötige der Beschwerdeführer keine
Hämodialyse
-Behandlung mehr. Der Beschwerde
führer habe bis zum Beginn der Pandemie regelmässig bei einer Reinigung gear
beitet. Aktuell gebe er an, dies ca. 5 Stunden pro Tag durchführen zu können. Der Beschwerdeführer sei zu ca. 50
%
arbeitsfähig.
Bei Therapieadhärenz sei mit einer guten mittelfristigen Prognose der Nierenfunktion zu rechnen.
4.6
RAD-Ärztin
dipl.-med.
A._
führte am 2
9.
März 2020 (
Urk.
8/102/5-6) aus, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführer
s
habe sich durch die Nierentrans
plantation im Juni 2019 verbessert.
Er benötige nun keine
Hämodialyse
mehr. Es
liege ein Gesundheitsschaden vor, welcher sich längerfristig auf die Arbeits
fähig
keit in der angestammten Tätigkeit auswirke. Ungeachtet des Umstandes, dass sich
der Gesundheitszustand durch die Nierentransplantation verbessert habe, sei
der Beschwerdeführer der Auffassung, weiterhin nur in einem 50%-Pensum arbei
ten zu können. Das
Spital Y._
mache keine Angaben zu den Ein
schrän
kungen des Beschwerdeführers, es stelle auf d
ie
Angaben/Wünsche des Beschwer
de
füh
rers ab. Die Transplantatfunktion sei seit Oktober 2020 stabil.
Aus versiche
rungs
medizinisch-theoretischer Sicht habe sich durch den Wegfall der Dialyse
behand
lung die Arbeitsfähigkeit quantitativ verbessert. Eine Dialyse
behan
dlung bewirke bereits rein zeitlich eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
, was bei der
Rentenzu
sprache
berücksichtigt worden sei. Nach erfolgter Nieren
trans
plantation bestün
den keine zeitlichen Einschränkungen mehr hinsichtlich der Arbeitsausübung. Bei Fehlen schwerwiegender Krankheitssymptome, welche sich nachteilig auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würden, könne das Festhalten an einer Arbeitsun
fähig
keit von 50
%
nicht nachvollzogen werden. Anerkannt werden könne, dass der Beschwerdeführer regelmässig Nachuntersuchungen zur Sicherstellung der Transplantatfunktion benötige. Diesem Sachverhalt werde mit einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit Rechnung getragen.
Keine Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit mass
dipl.-med.
A._
sodann der Hypertonie und der heterozygoten Sichelzellanämie bei.
4.7
Mit Arztzeugnis vom 1
8.
Juni 2021 (
Urk.
3) bestätigte das
Spital Y._
, dass der Beschwerdeführer vom 3
0.
Oktober 2020 bis zum 1
8.
Juni 2021 in Behand
lung gewesen sei. Er sei seit dem
1.
Dezember 2020 bis auf weiteres zu 50 % arbeitsunfähig.
4.8
Am 2
2.
Juni 2021 (
Urk.
6/2)
führte das
Spital Y._
aus, der Beschwerde
führer habe am 3
0.
Juni 2019 eine Nierentransplantation erhalten. Bei
delayed
graft
function
sei der Beschwerdeführer bis zum
8.
Juli 2019 weiterhin dialyse
pflichtig gewesen. Der weitere postoperative Verlauf habe sich sehr kompli
ka
tionsreich gestaltet. Der Beschwerdeführer habe deswegen viel häufiger Arzt
kon
sultationen wahrnehmen müssen als nach einer Nieren
transplantation üblich. Zudem bestünden Komorbiditäten, welche den Beschwer
deführer trotz gebesser
ter Nierenfunktion gesundheitlich einschränken würden.
5.
5.1
Strittig und zu prüfen ist die Frage, ob sich der Gesundheitszustand des Be
schwerdeführers im Zeitraum zwischen der rentenzusprechenden Verfügung vom
1
9.
Juni
2017 (Urk. 8/30) und der vorliegend angefochtenen Verfügung vom
2
1.
Mai
2021 (Urk. 2) in anspruchsrelevanter Weise verbessert hat.
Die Beschwer
de
gegnerin ging, wie dargelegt (E. 2.1), davon aus, dass der Beschwerdeführer nunmehr in einer angepassten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig sei. Sie stützte sich dabei auf die Einschätzung der RAD-Ärztin
dipl.-med.
A._
.
5.2
Der Beschwerdeführer musste vor der Nierentransplantation drei Mal pro Woche zur Dialyse, welche pro Behandlung rund vier Stunden dauerte. Er litt ausserdem unter spezifischen
,
durch die Dialysebehandlung verursachten Beein
trächti
gun
gen. Das
Spital Y._
attestierte dem Beschwerdeführer aufgrund der durch die Dialyse verursachten Beeinträchtigungen und wegen der grossen zeit
lichen
Inanspruchnahme durch die Behandlung
eine Arbeitsunfähigkeit von 50
% (
Urk.
8/9). Diese Beurteilung wurde durch den RAD bestätigt
(
Urk.
8/19/4)
. So
wohl das
Spital Y._
als auch der RAD gingen aber
ausdrücklich davon aus, dass nach erfolgter
Nierentransplantation eine Steigerung der
Arbeits
fähigkeit möglich sein sollte und eine Neubeurteilung des Sachverhalts vorzunehmen sei.
5.3
Die Nierentransplantation ist am 3
0.
Juni 2019 erfolgt. Der postoperative Verlauf war zwar mit deutlich grösseren Komplikationen verbunden
,
als dies erhofft und
auch
erwartet
wurde
. Nichtsdestotrotz verbesserte sich die Nierenfunktion aber im Verlauf
und
ist
nun stabil. Insbesondere
muss
keine Dialyse mehr durchgeführt werden
. Damit ist
ein wesentlicher G
rund für die zuvor bescheinigte
Einschrän
kung der Ar
beitsfähigkeit des Beschwerdeführer
s
entfallen
, die Behand
lung seines L
eidens nimmt
nicht mehr derart viel Zeit in Anspruch
wie vor der Transplan
tation
.
Die Stellensuche, bei welcher ihm die Beschwerde
gegnerin Un
terstützung gewährte, hatte
nicht wegen der gesundheitlichen Beeinträchti
gung des Be
schwer
de
führers
keinen dauerhaften Erfolg
. Der Beschwerdeführer
erweist sich als
schwer vermittelbar, weil er über wenig Deutschkenntnisse verfügt. Ausser
dem hat er keine PC-Kenntnisse und auch keinen Führerauswei
s.
Schliesslich fiel die Stellen
suche in eine Zeit, in welcher der Arbeitsmarkt aufgrund der Corona-Pandemie generell erschwert war. Der Beschwerdeführer bezeichnete sich zwar als einge
schränkt arbeitsfähig, er gab aber selber an, mehr als 50
%
arbeiten zu können,
so führte er gegenüber der Stellenvermittlerin aus, er suche eine Arbeit in einem 50%-Pensum und möchte daneben weiterhin sein bisheriges Arbeits
pensum im
Coiffeursalon
eines Kollegen
von rund 20
%
beibehalten (Urk.
8/90/5)
. Gegenüber der behandelnden Ärztin des
Spitals Y._
führte er sodann aus, er könne die Tätigkeit bei einer Reinigungsfirma zu ca. 5 Stunden pro Tag aus
üben, was
selbst
ohne Berücksichtigung der zusätzlichen Tätigkeit im
Coiffeur
salon
bereits
mehr als einem 50%-Pensum entspricht.
Weshalb dem Beschwer
deführer
vom
Spital Y._
trotzdem
nur
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wird, ist unter diesen Umständen nicht nachvollziehbar.
5.4
Gemäss Ausführungen des
Spitals Y._
liegt seit Oktober 2020 eine stabile Nierenfunktion vor. Der
Umstand, dass der Bes
chwerdeführer regelmässige Nach
untersuchungen zur Sicherstellung der Transplantatfu
nktion benötigt, ist mit der
von der RAD-Ärztin
dipl.-med.
A._
attestierten Arbeitsunfähigkeit von 20 %
angemessen berück
sichtigt.
Zu Recht hält
dipl.-med.
A._
in ihrer Beurteilung
vom 29. März 2021 (
Urk. 8/102/5-6) fest
, dass
dem Bericht des
Spitals Y._
vom 26. Februar 2021 keine Befunde zu entnehmen sind, aus denen auf eine weitergehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu schliessen wäre. Dies gilt sowohl in Bezug auf den Status nach Nierentransplantation als auch in Bezug auf die arterielle Hypertonie und die heterozygote Sichelzellanämie. Vor diesem
Hintergrund überzeugt ihre auf dem Bericht des
Spitals Y._
vom 26.
Febru
ar 2021 respektive auf der darin enthaltenen Befunderhebung basierende Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit. Es ist somit davon auszugehen, dass dem Beschwer
deführer in einer leidensangepassten Tätigkeit nunmehr eine Arbeitsfähigkeit von 80 % zumutbar ist.
6.
6.1
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mens
vergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Pro
zentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbs
einkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalidenein
kom
men auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Sind Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentvergleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundesgerichts
8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1
).
6.2
Der Beschwerdeführer ist im August 2002 im Alter von 32 Jahren in die Schweiz eingereist. Er verfügt über keine in der Schweiz anerkannte A
usbildung, hat nur wenig berufliche Erfahrung und
bescheidene Deutschkenntnisse.
Auch ohne Ge
sundheitsschaden müsste der Beschwerdeführer eine einfache Hilfstätigkeit aus
üben, welche keine besonderen Anforderungen stellt. Validen- und Invaliden
einkommen sind somit ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen. Dem Umstand, dass der Beschwerde
führer zur Kontrolle seine
r
Nierenfunktion ver
mehrte medizinische Behandlung benötigt, ist mit der Fest
setz
ung
der Arbeits
fähigkeit auf 80
%
bereits Rechnung getragen worden. Ein weiterer Abzug ist beim Invalideneinkommen nicht vorzunehmen. Aus der Gegenüberstellung von Validen- und Invalideneinkommen ergibt sich damit eine Einkommenseinbusse bzw. ein Invaliditätsgrad von 20
%
. Bei diesem Invaliditätsgrad besteht kein An
spruch mehr auf eine Invalidenrente. Die von der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 2
1.
Mai 2021 vorgenommene Aufhebung der Invalidenrente erweist sich als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
7.
7
.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung erfüllt, wenn der Prozess nicht aus
sichtslos und die Partei bedürftig ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
7
.2
Diese Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt (Urk.
6/1
). Antragsgemäss (Urk.
3) ist dem
Beschwerdeführer deshalb die unentgeltliche Prozessführung zu bewilli
gen.
7
.3
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt.
7.4
Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von Fr.
6
00.-- als angemessen. Ausgangsgemäss ist diese
dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen, zufolge Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht (
GSVGer
).