Decision ID: 87e08b44-bca4-4cbd-8c41-3365845bfc3f
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1956, zog
sich am
4.
Juli 2006 bei einer
Auffahr
kollision
ein Distorsionstrau
ma der Halswirbelsäule zu
. Er hatte bei einem Fussgängerstreifen angehalten, um einen Fussgänger die Strasse über
queren zu lassen, als ein Sattelschlepper a
uf das Heck seines VW Golf auf
prallte. Die Ersatzkasse UVG, bei welcher er für die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufsk
rankheiten versichert war, anerkannte
ihre Leistungspfli
cht dem Grundsatz nach
und
erbrachte die gesetzlichen Leis
tungen. Indessen stellte sie diese
mit Verf
ügung vom 1
2.
März 2010 und Ein
spracheentscheid vom 1
6.
Juli 2010 gestützt
auf ein Gutachten der
Y._
AG
,
vom 1
3.
Juli 2009 (mit psychiatrischer sowie neurologisch-neuropsychologischer Abklärung
durch das
Z._
, Institut für me
dizinisch-psychiatrische Expertensysteme
)
per 3
0.
Juni
2008 ein
. Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich bestätigte die Leistungseinstellung mit Entscheid vom 3
1.
Mai 2012 (
Urk.
2/2).
1.2
Am 3
1.
August 2012 beantragte
X._
unter Hinweis auf einen Bericht des
A._
, vom
9.
August 2012 die Revision des Entscheides vom 3
1.
Mai 2012 (
Urk.
2/1,
Urk.
2/3/2-5). Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich wies das Gesuch mit Beschluss vom 2
6.
September 2012 ab, soweit
es darauf eintrat
(
Urk.
2/5). Die
dagegegen
erhoben
e Beschwerde hiess das Bundesge
richt mit Urteil vom
7.
Mai 2013 gut und wies die Sache an das hiesige Gericht zu ergän
zenden A
b
klärungen und zur neuen Entscheidung über das Revisions-gesuch zurück (
Urk.
1).
1.3
Im Rahmen der ergänzenden Abklärungen nach erfolgter Rückweisung ergab sich, dass
X._
am 1
5.
Juli 2009 einen weiteren - bei der Ersatzkasse UVG nicht versicherten - Auffahrunfall erlitten hatte (
Urk.
16/5). Das Sozialversicherungsgericht zog die entsprechenden Unfallakten als auch die Akten des Hausarztes
Dr.
med.
B._
, FMH für Rheumatologie und Physika
lische Medizin,
bei und liess die Parteien dazu Stellung nehmen (
Urk.
16/1-6, 19, 22, 26, 27, 33A/1-38,
35, 36
).
1.4
Nachdem das Sozialversicherungsgericht m
it Beschluss vom 1
8.
Juni 2013
den Par
teien mit
geteilt hatte
, dass es beabsichtige,
beim
Y._
eine Ergänzung zu dessen
Gutachten einzuholen
, machte
X._
Ablehnungsgründe gegen das
Y._
sowie
gegen
Dr.
C._
, F
MH Innere Medizin/Rheumatologie,
PD
Dr.
med.
D._
,
MSc
, FMH Physikalische Medizin und Rehabili
ta
tion/Rheu
matologie
, und
Dr.
med.
E._
, FMH Neurologie (welche das Gut
achten vom 1
3.
Juli 2009 erstellt hatten)
gel
tend (
Urk.
3, 12).
Das
Ableh
n
ungs
begehren
wies das Sozialversicherungsgericht mit Beschluss vom 2
9.
August 2013 ab (
Urk.
17).
Mit Urteil vom 1
0.
Februar 2014
bestätigte das Bundesg
ericht diesen Entscheid (
Urk.
25
).
In der Folge veranlasste das
Sozi
alversicherungsge
richt
beim
Y._
das Gerichts
- resp. Ergänzungs
gutachten (
Urk.
37, 38),
welches
am
2.
Oktober 2015
(
Urk.
46)
erstattet wurde
. Dazu nah
men die Parteien
Stellung (
Urk.
51, 52). Da das zum Gerichtsgutachten gehö
rende Teilgutachten von
Dr.
E._
vom 2
0.
März 2015 (
Urk.
56) diesem nicht beigelegt war, wurde es vom Gericht
nachträglich
beigezogen (vgl.
Urk.
57). Zum
Teilgutach
ten
liess sich
die
Ersatzkasse UVG vernehmen (
Urk.
59).
X._
liess sich nicht vernehmen
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
61 lit. i
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (
ATSG
)
muss die Revision von Entscheiden wegen Entde
ckung neuer Tatsachen oder Beweismittel oder wegen Einwirkung durch Ver
brechen oder Vergehen im Verfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht gewährleistet sein.
Nach §
29 lit. a des Gesetzes über das
Sozialversicherungsge
richt
(
GSVGer
) k
a
nn von den am Verfahren
Beteiligten unter anderem Revision gegen rechtkräftige Entscheide verlangt werden, wenn sie
neue erhebliche Tatsachen erfahren oder Beweismit
tel
auffinden
,
die sie im früheren Verfahren nicht beibringen konnten.
1.2
Neu sind
Tatsachen, die sich bis zum Zeitpunkt, da im Hauptverfahren noch tatsächliche Vorbringen prozessual zulässig waren, verwirklicht haben, jedoch dem Revisionsgesuchsteller trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt waren. Die neuen Tatsachen müssen ferner erheblich sein, d.h. sie müssen geeignet sein, die
tatbeständliche
Grundlage des zur Revision beantragten Entscheids zu verändern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einer andern Ent
scheidung zu führen. Neue Beweismittel haben entweder dem Beweis der die Revision begründenden neuen erheblichen Tatsachen oder dem Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewesen, aber zum Nachteil des Gesuchstellers unbewiesen geblieben sind. Erheblich ist ein Beweismittel, wenn anzunehmen ist, es hätte zu einem anderen Urteil geführt, falls das Gericht resp. die Verwaltung im Hauptverfahren davon Kenntnis gehabt hätte. Ausschlaggebend ist, dass das Beweismittel nicht bloss der
Sach
verhaltswürdigung
, sondern der Sachverhaltsermittlung dient. Ein
Revisions
grund
ist nicht schon dann gegeben, wenn das Gericht resp. die Verwaltung bereits im Hauptverfahren bekannte Tatsachen unrichtig gewürdigt hat. Notwendig ist vielmehr, dass die unrichtige Würdigung erfolgte, weil für den Entscheid wesentliche Tatsachen unbewiesen
geblieben sind (vg
l. BGE 134 III 669 E. 2.1; 127 V 353
; SVR 2012 UV Nr. 17 S. 63,
Bundesgerichtsurteil
8C_434/2011
vom
8.
Dezember 2011
E. 7.1
).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak-ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuch-tet
und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). Aus rechtlicher Sicht kann von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit abgewichen werden, ohne dass diese ihren Beweiswert verlöre (SVR 2015 IV Nr. 16 S. 45 E. 2.3 [9C_662/2013];
Bundesge-richtsurteil
9C_3/2015 vom 2
0.
Mai 2015 E. 3.3.2).
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachperson ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit
zur Verfügung zu stellen, um ei
nen bestimmten Sachverhalt medizinisch z
u erfassen. Ein Grund zum Abwei
chen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt.
Eine a
bweichende Beurteilung kann
ferner gerecht
fer
tigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Richter als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des
Gerichtsgutach
tens
in Frage zu stellen, sei es, dass er die Überprüfung durch einen
Oberexper
ten
für angezeigt hält, sei es, dass er ohne Oberexperti
se vom Ergebnis des Gerichtsgut
achtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 352 E.
3b/
aa
mit Hinweisen).
2.
2.1
Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich stützte sich im Urteil vom 3
1.
Mai 2012 auf das Gutachten des
Y._
vom 1
3.
Juli 200
9.
Massgebend für den bundesgerichtlichen Entscheid vom
7.
Mai 2013 war der Bericht des
A._
, vom
9.
August 2012.
2.2
I
m vorliegenden Verfahren
zu prüfen
ist, ob das Sozialversicherungsgericht bei Kenntnis des Berichts über die MRI-Untersuchung vom
9.
August 2012 mit Urteil vom 3
1.
Mai 2012
anders entsch
i
e
den
hätte
. Dies hängt massgebend davon ab, ob die
Y._
-Gutachter
im Gutachten vom 1
3.
Juli 2009
zu einer anderen Auffassung gelangt wären, wenn ihnen die Befunde der erst später erfolgten MRI-Untersuchung des Schädels vorgelegen
hätten
.
3.
3.1
Gemäss neurologisch-neuropsych
ologischer Einschätzung von
Dr.
E._
und
Dr.
med.
Dr.
phil.
F._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
(
Z._
-Gutachten vom
3.
Januar 2009) fanden sich bei subjektiver Einschrän
kung der Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen seit dem Unfallereignis aktuell unter Berücksichtigung eine
s prämorbid mittleren Leistungs
profils durchwegs unauffällige Befunde.
Sie hielt fest, i
nsbesondere hätten keine Hin
weise auf eine kortikale oder subkortikale Funktionsstörung beziehungsweise für eine hirnorganisch bedingte Leistungseinschränkung bestanden. Ebenso ergebe sich gestützt auf die aktuellen
Konsensuskriterien
für die Feststellung einer substantiellen beziehungsweise strukturellen Hirnschädigung der diesbe
züglichen massgeblichen Begutachtungsleitlinien kein Anhalt für eine im Rahmen des Unfalls erlittene traumatische Hirnschädigung. Die subjektiven neurokognitiven Beschwerden seien hinreichend durch die
chronifizierte
Schmerzsymptomatik und Müdigkeits-assoziierte Interferenzen erklärbar. Eine durch das Unfallereignis bedingte dauernde oder erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität lasse sich nicht ableiten. Nach Auffassung von
Dr.
E._
blieben die vom Versicherten beschriebenen
präsynkopalen
Zustände unklar, die einerseits beim Stehen sowie beim Gehen ausgeprägt seien und subjektiv mit einer Gangunsicherheit und Gangabweichung einhergingen, anderseits auch beim Essen in sitzender und weniger in stehen
der
Körperposi
tion
verspürt wür
den. Phänomenologie und Verlauf der Symptomatik würden gegen epileptische Anfälle sprechen. Aus neurologischer Sicht wurde zum Aus
schluss einer vaskulär-
enzephalopathischen
Komponente bei vaskulärem
Risi
koprofil
(insbesondere arterielle Hypertonie) eine Bildgebung des Kopfes empfoh
len; ein direkter Zu
sammenhang der
präsynkopalen
Zustände oder der Entwicklung der arteriellen Hypertonie mit dem Unfallereignis liess sich indes
sen nicht ableiten. Zur Arbeitsfähigkeit aus neurologisch-neuropsychologischer Sicht wurde ausgeführt, dass es dem Versicherten vor dem Hintergrund d
ieser gutachterlich festgestell
ten klinischen Schweregradbeurteilung aus
neuropsy
chiatrischer
Sicht normativ zumutbar sei, seiner angestammten Tätigkeit bezie
hungsweise einer
ausbil
dungsadäquaten Verweistätigkeit im Umfange von 1
00
%
nachzugehen (beige
zogene Akten UV.2010.00279
Urk.
11/M35).
Laut
dem von PD
Dr.
D._
,
Dr.
C._
, sowie
Physiotherapeutin
G._
verfassten
Y._
-Gutachten
vom 1
3.
Juli 2009
blieben die geschilderten, nach
Angaben des Versicherten im Vor
dergrund stehenden Ohnmachtszustände ätiologisch unklar.
Sie führten aus, a
uch eine intern-medizinische Ursache könne die Symptomatik kaum
erklären. Weiter hielten die Gutachter unter Ver
weis auf die Ausführungen von
Dr.
E._
fest, die Phänomenologie der beschriebenen Symptomatik und der bisherige Verlauf mit unveränderter Symptomatik über zwei Jahre spreche gegen epileptische Anfälle. Ferner lägen keine Hinweise für eine milde traumatische Hirnschädigung vor. Auch eine damit zusammenhängende zervikale Funktionsstörung erscheine sehr unwahr
scheinlich. Nach Auffassung der Gutachter waren sodann die Resultate der in einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit durchgeführten
Belastbar
keitstests
wegen Selbstlimitierung nur teilweise verwertbar. Insbesondere auf
grund der Annahme, dass sich der Versicherte keine traumatische
Hirnverlet
zung
zugezogen habe, wurden weiterhin anhaltende
Unfallfolgen ausge
schlos
sen. Die Folgen des HWS-Distorsionstraumas seien spätestens zwei Jahre nach dem Unfallereignis abgeklungen. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit wurde sodann ausgeführt, unabhängig von der Unfallk
ausalität sei die zuletzt ausge
übte Tätigkeit aus rheumatologischer und psychiatrischer Sicht ganztags und in vollem Leistungsausmass zumutbar (beigezogene Akten UV.2010.00279
Urk.
11/M37).
3.2
Die MRI-Untersuchung vom
9.
August 2012 zei
gte multiple Läsionen im
Mark
la
ger
und im Bereich des
Crus
cerebri sowie eine leichte allgemeine
Volumen
minderung
im Grosshirn. In der Befunderhebung wurde ausgeführt, dass im Kontext des erlittenen Traumas - von welchem der Radiologe gemäss dem Rechtsvertreter erst nach seiner Untersuchung auf Rückfrage beim
Gesuchsteller
hin erfuhr (vgl.
Urk.
2/7) - sich diese Veränderungen durch eine diffuse
axonale
Schädigung erklären liessen, differentialdiagnostisch müssten jedoch auch
demyelisierende
Prozesse oder mikrovaskuläre Läsionen in Betracht gezogen werden (Bericht des
A._
, vom
9.
August 2012,
Urk.
2/3/2).
4.
4.1
Nach einer neuerlichen Untersuchung hielt
Dr.
E._
im Teilgutachten
vom 2
0.
März 2015 fest, der
Gesuchsteller
zeige keine Antriebs-,
Initations
- oder Impulsstörungen und keine psychomotorische Hemmung oder anderweitige affektpathologische Störungsbilder. Jedoch bestünden leichte berufsrelevante neurokognitive Funktionsdefizite. Aufgrund der
neuropsychologisch-leistungs
p
ychologischen
Abklärung liessen
sich
hinsichtlich der kognitiven
Basisfunkti
onen
eine sprachlich betonte Lernschwäche sowie ein eingeschränktes
sprach
lich konzeptuelles Denken feststellen, hinweisend auf eine links
frontotemporale
Funktionsstörung und gut vereinbar mit den neuroradiologisch beschriebenen Läsionen. Im Vergleich zur Erstuntersuchung vom 2008 zeige sich eine
Befund
verschlechterung
, die sich am
ehesten im Rahmen einer vaskulären
E
n
zephalo
pathie
erklären lasse. Unfallbedingte Läsionen seien hingegen, wie bereits im Gutachten 2008 ausgeführt, nicht objektivierbar.
Eher unwahrscheinlich sei, dass
die im (sogenannten offenen) MRI vom
9.
August 2008
beschriebenen
Befunde
Folgen des Unfalls vom
4.
Juli 2006 seien.
Vielmehr
seien diese
unter Berücksichtigung des vaskulären Risikoprofils mit Hypertonie und
Blutdruck
krisen
sowie dem fortgeführten Nikotinkonsum gut mit
mikroangiopathischen
Veränderungen erklärbar. Auch die aktuell angegebenen Kopfschmerzen seien am ehesten im Rahmen der hypertonen Krisen zu beurteilen.
Zu den vom
Gesuchsteller
beschriebenen lageabhängigen Schwindelsymptomen erklärte
Dr.
med.
E._
, es bestünden
Hinweise auf einen benignen, paroxysmalen Lagerungsschwindel
(
Urk.
56 S. 6)
.
Bei der Befunderhebung war ein
Spontan
nystagmus
oder Kopfschüttelnystagmus jedoch
nicht
eruierbar
. Ebenso war bei der Lagerung nach
Hallpike
, welche gemäss Angaben des
Gesuchsteller
s zu stärkstem
Drehschwindel füh
rte, unter der
Frenzelbrille
kein Nystagmus sichtbar.
E
ine konklusive Beurteilung
war letztlich
kooperationsbedingt nicht möglich
(
Urk.
56 S. 5)
. Zusamm
enfassend hielt sie
fest, dass aufgrund der dargestellten Befunde keine durch das besagte Unfallereignis bedingte dauernde oder erhebli
che Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität ableitbar sei.
Die Leistungsfähigkeit schätzte sie im Vergleich zur Erstuntersuchung als geringer ein. F
ür die angestammte Tätigkeit als Autoverkäufer sowie für jede andere
bil
dungsadäquate
Tätigkeit
attestierte sie
eine 70%ige Arbeitsfähigkeit.
Eine Stei
gerung der Leistungsfähigkeit durch eine adäquate Behandlung hielt sie für möglich
. E
xplizit
hielt sie
fest, dass die Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit nicht unfallbedingt sei
(
Urk.
56 S. 6 f.).
4.2
Im
Y._
-Hauptgutachten vom
2.
Oktober 2015
, verfasst
von PD
Dr.
D._
,
Dr.
E._
und Physiotherapeut
H._
,
wurde
festgehalten, dass weiterhin ein multifaktorielles komplexes Beschwerdebild sowie Funktionsstörunge
n mit muskulär betonten Nacken-,
Schulter- und Kopfschmerzen, progredienten neu
ropsychologischen Defiziten sowie Momenten von
Bewusstseinstörungen
bestünden. Die Befunde des MRI des Schädels vom
9.
August 2012 seien über
wiegend wahrscheinlich auf neurovaskuläre Veränderungen zurückzuführen. Die lagerungsbedingte Schwindel- und Übel
keitsneigung stelle ein geringeres Problem dar und sei wohl multifaktoriell bedingt
im Sinne eines paroxysmalen Lagerungsschwindels in Kombination mit einer Angstkomponente
(
Urk.
46 S. 8)
.
Bei den radiologischen Abklärungen seien keine spezifischen
Hämosiderin
-Sequenzen durchgeführt worden. Die Durchführung eines Schädel-MRI mit
H
ämosiderinsequenzen
ermögliche
es
theoretisch, das Unfallereignis vom
4.
Juli 2006 als allfällige Teilkomponente in Erwägung zu ziehen.
Im Falle eines Nachweises von
Hämosiderineinlagerungen
wären
allerdings
die übrigen Ursa
chen, also die
arterielle Hypertonie und
der
Nikotinabusus
, in
einer
Weise dominant, dass
der Unfall vom
4.
Juli 2006
bloss
noch
als mögliche
, unterge
ordnete
Ursache
erschiene
(
Urk.
46 S. 9, 12 und 15).
Im Vergleich zur Beurtei
lung vo
n
2008 ergebe sich eine Verschlechterung der neurokognitiven Leis
tungsfähigkeit
bei sonst objektiv
unveränderten Voraussetzungen. Diese sei aber unabhängig von den Unfallereignissen vom
4.
Juli 2006 und 1
5.
Juli 2009 zu taxieren
(
Urk.
46
S.
9
).
Im Gerichtsgutachten
wird auf entsprechende Gutachterfrage
ausgeführt,
dass
Dr.
E._
bei der Erstbegutachtung
auch in Kenntnis des MRI des Schädels vom
9.
August 2012
zur
Beurteilung gelangt wäre
, dass
die subjektiven
neuro
kognitiven
Beschwerden
durch die
chronifizierte
Schmerzproblematik und müdigkeitsassoziierte Interferenzen hinreichend erklärbar
seien
.
Weiter habe
Dr.
E._
bei der Erstuntersuchung die vom
Gesuchsteller
beschriebenen
präsynkopalen
Zustände als unklar beschrieben. Auch in Kenntnis des MRI vom
9.
August 2012 bleibe sie bei dieser Einschätzung (
Urk.
46 S. 11 f.).
Im Gutach
ten wird sodann darauf hingewiesen
, dass die (im Rahmen der neuerlichen Begutachtung abgegebene) Beurteilung von
Dr.
E._
interdiszplinär-kon
sensuell
abgeglichen worden sei und sämtliche Gutachter diese Einschätzung teilten (
Urk.
46 S. 14). Ein Zusammenhang zwischen den neurokognitiven Beschwerden resp. den
präsynkopalen
Ereignissen mit dem
Unfall vo
m
4.
Juli 2006
lasse sich nach wie vor nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit her
stellen
(
Urk.
46 S. 11 f.)
.
Hingegen führt
das MRI vom
9.
August 2012
laut
Y._
-Gutachter
zu einer anderen Einschät
zung der Arbeitsfähigkeit. Unter Hinweis auf das Teilgutachten von
Dr.
E._
wird im Gerichtsgutachten ausge
führt,
aus neuropsychologisch-verhaltensneurologischer Sicht
betrage die Arbeits
fähigkeit
nunmehr 70
%
, da es zu einer Verschlechterung der
neuro
kognitiven
Leistungsfähigkeit gekommen sei (
Urk.
46 S. 14).
Aus rein
rheuma
tolo
gisch
-orthopädischer
S
icht schlossen die Gutachter a
ufgrund der durchge
führ
ten Evaluation der funktionellen Leist
ungsfähigkeit und klinischen Untersu
chung
auf eine volle Arbeitsfähigkeit (
Urk.
46 S. 9 f.).
Sie führten aber aus, aus
interdiszplinärer-konsensueller
Sicht ergebe sich eine gewisse Interaktion.
Die neurokognitive
n Defizite könnten bei erhöhten
Leistungsanforderungen
zu
Stressreaktionen führen, welc
he sich
in einer Erhöhung
sowohl
der
arteriellen Hypertonie als auch
der
muskuloskelettalen
Beschwerden äussern könnten. Insofern bestehe eine Circulus
vitiosus
-Situation
.
K
onsensuell
sei
daher
die Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit höher anzusetzen. In der angestammten
Tätigkeit bestehe
eine (ausschliesslich krankheitsbedingte) Einschränkung von 50
%
im Rahmen einer Ganztagestätigkeit. Eine leicht
e bis mittelschwere
Tätig
keit, die mit wenig Verantwortung und Erfolgsabhängigkeit verbunden sei, sei aus interdisziplinärer Sicht zu 70
%
zumutbar (
Urk.
46 S. 14).
In ihren ergän
zenden Bemerkungen wiesen die Gutachter darauf hin, dass es sich
hinsichtlich der in diesem Gutachten gemachten Einschätzung der Arbeitsfähigkeit um ein Mischbild einer verschlechternden Gesundheitssituation und einer
Neubeurtei
lung
eines bereits bekannten Gesundheitszustandes handle. Zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit führten sie aus,
konsequenterweise sei zum Zeitpunkt der
Erst
begutachtung
von einer Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit von 20
%
sowohl für die angestammte als auch für eine angepasste Tätigkeit auszugehen. Schleichend sei es dann zu einer Verschlechterung der neurokognitiven Leis
tungsfähigkeit ab März 2009 mit linear zunehmender Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gekommen
(
Urk.
46 S.
15).
5.
5.1
Das
Y._
-Gutachten vom
2.
Oktober 2015 entspricht
den praxisgemässen Anfor
derungen an den Beweiswert einer Expertise (E. 1.3
hievor
). Es ist für di
e streitigen Belange umfassend. Insbesondere beantwortet es die Frage, ob die Gutachter in Kenntnis des MRI vom
9.
August 2012 zu einem anderen Ergebnis gelangt wären.
5.2
Aufgrund des Gutachtens steht fest, dass die im MRI des Schädels gefundenen
Befunde auf neurovaskuläre Veränderungen
zurückzuführen sind
.
Da auf die Durchführungen einer radiolo
gischen Abklärung mit
Hömosideri
nsequenzen
verzichtet wurde, ist
zwar nicht gänzlich auszu
schliessen, dass
Hämosiderin
einlagerungen
im Hirn bestehen.
Diese wären indessen
in dominanter Weise auf die arterielle Hypertonie und den
Nikotinabusus
zurückzuführen
, so dass ein allfälliger
Antei
l des Unfalls vom
4.
Juli 2006
vernachlässigbar wäre.
Eine rele
vante traumatische Hirnschädigung ist damit auszuschliessen.
5.3
Entscheidend ist, dass die
Y._
-Gutachter, insbesondere
Dr.
E._
,
bei der Erstbegutachtung
auch in Kenntnis des MRI des Schädels vom
9.
August 2012
zur gleichen Beurteilung gelangt wären.
Weder die
neuro
kognitiven Beschwer
den noch die
Ohnmachtszustände
hätten sie anders beurteilt.
E
ine
unfallbe
dingte
Ursache dieser Beschwerden
besteht nicht.
5.4
Anzufügen bleibt, dass diese Einschätzung im Einklang
mit
der Beurteilung des Neurologen
Dr.
med.
I._
steht. Im Bericht vom 2
7.
August 2012, von wel
chem das Sozialversicherungsgericht durch den am 2
7.
Februar 2014 (
Urk.
27) veranlassten Aktenbeizug Kenntnis erhielt, führte der Facharzt die zerebralen Veränderungen
auf die arteriel
le Hypertonie zurück (
Urk.
33/34
). Einzig der Radiologe
Dr.
med.
J._
beurteilte die Befunde des MRI als
wahrscheinlich
posttraumatische Residuen (
Urk.
2/3/
2
=
Urk.
33/32). Dazu hielten die
Y._
-Gutachter
indes
rich
tig fest, dass Aufgabe des Radiologen die Beschreibung der radiologischen Ver
änderungen ist. Deren Interpretation ist dem jeweiligen klinischen Facharzt vorbehalten, der dazu
auch die klinische Situation berücksichtigen muss (
Urk.
46 S. 19). Vor diesem Hintergrund ist auch das Argument des
Gesuchstel
ler
s, die Beurteilung der
Y._
-Gutachter sei willkürlich (
Urk.
52), nicht stichhal
tig.
5.5
Zusammenfassend ist festzuhalten,
dass gestützt auf das Gerichtsgutachten vom
2.
Oktober 2015 das Revisionsgesuch abzuweisen ist. Auch in Kenntnis des MRI des Schädels vom
9.
August 2012 wäre das Sozialversicherungsgericht zum gleichen Ergebnis gelangt.