Decision ID: 1ff22012-ff31-4161-b42e-f84cd19ed48c
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1982
, bezieht seit
dem
1.
Juli 2011
eine Rente der Invalidenversicherung sowie Kinderrenten (vgl. Verfügung der IV-Stelle vom 1
7.
Septem
ber 2015,
Urk.
11/
A
).
Die
Stadt Zürich, Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV
,
sprach ihr
mit Verfügung vom
2
0.
September 2016
(Urk. 11/V/1)
rück
wirkend ab
dem
1.
Juli 2011
monatliche
Zusatzleistungen
zu,
ab dem
1.
Novem
ber 2011 (Heirat der Versicherten)
unter Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens für
den Ehemann
von jährlich
Fr.
36'000.--
. Die dagegen am
2
4.
Oktober 2016
erhobene Einsprache (
Urk.
11/
25
) – mit E
rgänzung vom
1.
März 2017
(Urk. 11/
36
) –
hiess
die Stadt
Zürich
mit Entscheid vom
2
0.
Juli 2017
teilweise gut
(
Urk.
11/
V/4
=
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
2
0.
Juli 2017 (
Urk.
2) erhob die
Versicherte mit Eingabe vom
1
4.
September 2017
Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, dieser sei
insoweit
aufzuheben
, als Leistungen verweigert würden; ihr seien die ge
setz
lichen Leistungen zuzusprechen, insbesondere sei auf die
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens
beim Ehemann zu verzichten
(S. 2 oben)
.
Die
Beschwerdegegnerin ersuchte mit Vernehmlassung vom
2
1.
November 2017
um Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10). Diese Eingabe wurde der Beschwer
de
führerin am
6.
Dezember 2017
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
1
2
).
Mit Gerichts
ver
fügung vom 1
4.
November 2018 (
Urk.
15) wurden die Akten der Invalidenversi
cherung in Sachen des Ehemannes der Beschwerdeführerin beigezogen (
Urk.
17).
Dazu nahm die Beschwerdeführerin am 1
3.
März 2019 Stellung (
Urk.
23),
die
Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Stellungnahme (
Urk.
21). Dies wurde der
jeweiligen Gegenpartei am 1
5.
März 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
24).
Am 2
8.
März 2019 nahm die Beschwerdeführerin erneut Stellung (
Urk.
25). Diese Ein
gabe wurde der Beschwerdegegnerin am 2
9.
März 2019 zur Kenntnisnahme zuge
stellt (
Urk.
28).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Bund und die Kantone gewähren Personen, welche die gesetzlichen Voraus
setzungen nach Art. 4-6 des Bundesgesetzes über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) erfüllen, Zusatzleis
tung
en zur Deckung ihres Existenzbedarfs (Art. 2 Abs. 1 ELG; §§
1, 13
und
20
Abs. 1 des Gesetzes des Kantons Zürich über die Zusatzleistungen zur Alters-,
Hinterlassenen-
und Invalidenversicherung, ZLG
).
1.2
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkann
ten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG).
Die anerkannten Ausgaben sowie die anrechenbaren Einnahmen von Ehegatten werden zusammengerechnet (Art. 9 Abs. 2 ELG).
1.3
Die anrechenbaren Einnahmen werden nach Art. 11 ELG ermittelt. Zu den an
rechenbaren Einnahmen gehören unter anderem zwei Drittel der Erwerbsein
künfte, soweit sie bei alleinstehenden Personen jährlich Fr. 1'000.-- und bei Ehe
paaren Fr. 1'500.-- übersteigen (Art. 11 Abs. 1
lit
. a ELG).
Zeitlich massgebend sind in der Regel die während des vorausgegangenen Kalen
derjahres erzielten anrechenbaren Einnahmen sowie das am 1. Januar des Be
zugs
jahres vorhandene Vermögen (Art. 23 Abs. 1 der Verordnung über die Er
gän
zungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, ELV). Das zeitlich massgebende Einkommen gemäss Art. 23 Abs. 1 ELV betrifft vor allem das Erwerbseinkommen. Bei Renten, Pensionen und anderen wieder
keh
renden Leistungen nach Art. 11 Abs. 1
lit
. d ELG sind die laufenden
Betreffnisse
zu berücksichtigen (Art. 23 Abs. 3 ELV;
Carigiet
/Koch, Ergänzungsleistungen zur
AHV
/IV, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009, S. 185).
Als Einkommen anzurechnen sind unter anderem auch Einkünfte und Vermö
genswerte, auf die verzichtet worden ist (Art. 11 Abs. 1
lit
. g ELG).
1.4
Eine Verzichtshandlung liegt vor, wenn die versicherte Person ohne rechtliche Verpflichtung auf Vermögen verzichtet hat, wenn sie einen Rechtsanspruch auf bestimmte Einkünfte und Vermögenswerte hat, davon aber faktisch nicht Ge
brauch macht bzw. ihre Rechte nicht durchsetzt oder wenn sie aus von ihr zu verantwortenden Gründen von der Ausübung einer möglichen und zumutbaren Erwerbstätigkeit absieht. Es werden demzufolge nicht nur die tatsächlich er
wirt
schafteten Erwerbseinkommen angerechnet. Auch Personen, denen eine Er
werbs
tätigkeit zugemutet werden kann, müssen ihre Erwerbstätigkeit ausnüt
zen (
Carigiet
/
Koch, a.a.O., S. 151 mit Verweisen).
Das Bundesgericht begründet die Anrechnung eines Einkommensverzichts mit dem allgemeinen Grundsatz der Schadenminderungspflicht im Sozialversiche
rungsrecht, welcher bei der Leistungsfestsetzung regelmässig und zwingend zu berücksichtigen sei. Demnach hätten praxisgemäss nicht nur die EL-Bezüger und EL-Bezügerinnen, bei welchen sich das von den Ergänzungsleistungen ab
ge
deckte Risiko bereits verwirklicht hat, sondern auch deren nicht invalide, im
gemeinsamen ehelichen Haushalt lebende Ehegatten sämtliche ihnen verblei
benden
Einkunftsmöglichkeiten
tatsächlich zu realisieren (Urteil 8C_380/2008 vom 17. September 2008 E. 3.2).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob und gegebenenfalls in welcher Höhe bei der Be
rechnung der jährlichen Zusatzleistungen ab dem 1.
November 2011
ein
hypo
the
t
isches
Erwerbseinkommen
des Ehemannes der Beschwerdeführerin
anzurech
nen ist.
2.2
Die Beschwerdegegnerin führte in ihrem
Einspracheentscheid
(Urk. 2) aus, dass
der Ehemann der Beschwerdeführerin in der Zeit nach der Heirat verschiedentlich über kürzere Zeitperioden hinweg eine Erwerbstätigkeit als Allrounder ausgeübt habe, jedoch auch immer wieder über längere Zeit nicht erwerbstätig gewesen sei. Er habe dies selbst mit mangelndem Interesse an Arbeit begründet. Da der Ehe
mann der Beschwerdeführerin in der Lage gewesen sei, immer wieder Stellen zu finden, lägen offensichtlich keine invaliditätsfremden Gründe vor, welche eine Inte
gration in den Arbeitsmarkt verunmöglichten (S. 3 Mitte).
Die IV-Stelle habe mit Vorbescheid vom
8.
März 2016 festgehalten, dass er trotz seiner Persön
lich
keitsstörung in der Lage sei, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (S. 3 unten).
Für die Zeit von März bis Mai 2017 sei auf die Anrechnung des fiktiven Erwerbs
einkommens zu verzichten, da der Ehemann der Beschwerdeführerin während dieser Zeit Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung besucht habe (S. 4).
2.3
Die Beschwerdeführerin hielt in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) fest,
dass das IV-Ver
fahren ihres Ehemannes nicht rechtskräftig entschieden sei. Dieser leide an einer Persönlichkeitsstörung mit paranoiden, dissozialen und impulsiven Zügen (S. 6).
Aus dem Bericht der p
sychiatri
schen Kl
inik
Y._
ergebe sich eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 1
2.
September 2014 (Behandlungsbeginn; S. 7 oben). Gemäss dem von der Invalidenversicherung beauftragten Gutachter,
Dr.
Z._
, sei ihr Ehemann maximal zu 30 % arbeitsfähig (S. 7 unten). Er besitze keine Arbeitsfähigkeit, welche die Anrechnung eines hypothetischen E
rwerbs
einkommens erlauben würde
(S. 8 Mitte).
In der Stellungnahme vom 2
8.
März 2019 (
Urk.
25) führte die Beschwerdeführerin aus, die IV-Stelle gehe wie auch der Gutachter
Dr.
Z._
davon aus, dass die Arbeitsunfähigkeit bei ihrem Ehemann sicherlich seit Behandlungsbeginn ab September 2014 bestehe. Es sei jedoch aufgrund der Erkrankung sowie der Kran
kengeschichte davon auszugehen, dass er krankheitsbedingt nicht in der Lage
gewesen sei, genügend Einkommen zu erzielen, weshalb auch für die Zeit zuvor kein hypothetisches Einkommen angerechnet werden dürfe. So hätten Persönlich
keitsstörungen ihren Beginn üblicherweise in der Kindheit oder der Adoleszenz.
3.
3.1
Ein Verzicht auf ein Erwerbseinkommen im Sinne von
Art.
11
Abs.
1
lit
. g ELG liegt auch dann vor, wenn der Ehegatte einer EL-berechtigten Person auf die Aus
nützung seiner Erwerbsfähigkeit verzichtet, obwohl er nach
Art.
163 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) zum Ausüben einer Erwerbstätigkeit verpflichtet ist. Das geltende Eherecht sieht zwischen den Ehegatten keine feste Aufgabenteilung mehr vor, sondern überlässt es ihnen ausdrücklich, sowohl über die Rollenverteilung wie auch die Art und Weise und den Umfang des beider
seitigen Beitrags an die Gemeinschaft zu befinden. Übt der rentenberechtigte Ehegatte keine Erwerbstätigkeit mehr aus, kann vom nicht invaliden Ehegatten, der bis anhin nicht oder nur beschränkt erwerbstätig war, verlangt werden, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen oder die bisherige auszudehnen. Es muss in jedem Einzelfall geprüft werden, ob vom nicht invaliden Ehegatten verlangt werden kann, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, zu wie viel Prozent ihm eine Erwerbs
tätigkeit zumutbar ist und wie hoch der Lohn wäre, den er bei gutem Willen erzielen könnte (
Carigiet
/Koch, a.a.O., S. 157 f., mit Verweis auf BGE 117 V 287).
Bei der Ermittlung einer allfälligen zumutbaren Erwerbstätigkeit ist der konkrete Einzelfall unter Anwendung familienrechtlicher Grundsätze zu berücksichtigen. Dementsprechend ist auf das Alter, den Gesundheitszustand, die Sprachkennt
nisse, die Ausbildung, die bisherige Tätigkeit, die konkrete Arbeitsmarktlage sowie gegebenenfalls auf die Dauer der Abwesenheit vom Berufsleben abzustellen (Urteil des Bundesgerichts 8C_172/2007 vom
6.
Februar 2008 E. 4.2 mit Verweis auf BGE 117 V 287).
3.2
Vorliegend ergibt sich aus den Akten, dass d
er
1984 geborene
Ehemann der
Beschwerdeführer
in
nicht über eine
abgeschlossene Berufsa
usbildung
verfügt
. Eine
Berufsausbildung als Schreiner im
Massnahmezentrum
A._
sei nach einein
halb Jahren abgebrochen worden (vgl.
Urk.
17/58/14).
Er arbeitete
an
verschie
dene
n
Temporärstellen
als Allrounde
r in diversen Tätigkeiten, unter anderem als Tiefbauarbeiter,
dies
jeweils nur
für
einige Wochen oder Monate. Seit 2009 sei er beim
Sozialamt angemeldet gewesen; ein Vermittlungsversuch über einen Stel
len
coach sei gescheitert, stattdessen habe er eine monotone Hilfstätigkeit aus
ge
übt und diverse Weiterbildungsprogramme absolviert. Zuletzt sei er als Türsteher in einem
Sexclub
in Zürich tätig gewesen
(vgl.
Gutachten
Dr.
Z._
,
Urk.
17/26 S.
13 oben).
Auch aus dem Bericht der
p
sychiatrischen
K
linik
Y._
ergibt sich,
dass sich der Ehemann der Beschwerdeführerin nach der Entlassung aus der Arbeitserziehungsanstalt im Jahr 2007 wieder beim Sozialamt angemeldet habe. Im weiteren Verlauf sei er auf Jobsuche gewesen, habe mehrere
Temporärstellen
als Allrounder in verschiedenen Tätigkeiten durchgeführt, habe es jedoch maximal einige Monate ausgehalten. Die Jobs seien nicht zufrie
den
stellend gewesen und hätten auch nicht ein Gebiet betroffen, welches ihn wirklich interessiert hätte (
Urk.
11/36c S. 3 f.).
Dem Auszug aus dem individuellen Konto vom
8.
Dezember 2015 (
Urk.
11/4.2a) ist zu entnehmen, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin
zwischen
März 2010
und
März 2011 Arbeitslosenentschädigung bezogen hatte und in den Jahren 2012 bis 2014 als nichterwerbstätig geführt wurde.
A
m 1
3.
November 2015
me
ldete er sich
unter Hinweis auf eine p
aranoide Störung sowie eine kom
binierte Persön
lichkeitsstörung bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (vgl.
Urk.
17/2)
.
Zu prüfen ist, ob respektive ab wann
eine Arbeitsunfähigkeit
des Ehemannes der Beschwerdeführerin
ausgewiesen
ist
.
3.3
Die EL-Organe und die Sozialversicherungsgerichte sind mit Bezug auf die invaliditätsbegründenden Beeinträchtigungen der Erwerbsfähigkeit grundsätzlich an die Feststellungen der Invalidenversicherung bei der Invaliditätsbemessung
ge
bunden. Diese Bindung ist deshalb angezeigt, weil die EL-Durchführungs
organ
e zum einen nicht über die fachlichen Voraussetzungen für eine selbständige Beurteilung der Invalidität verfügen und es zum anderen zu vermeiden gilt, dass der gleiche Sachverhalt unter denselben Gesichtspunkten von verschiedenen Instanzen unterschiedlich beurteilt wird (BGE 117 V
202 E.
2b).
Diese Rechtsprechung bezieht sich auf Fälle, in denen sich die Invaliden
ver
sicherung (IV) mit der versicherten Person bereits befasst und diese rechtskräftig als teilinvalid qualifiziert hat. Sie besagt lediglich, dass sich die EL-Organe grund
sätzlich an die Invaliditätsbemessung der Invalidenversicherung zu halten haben. Selbst
diesfalls
haben die
EL
-Organe aber den Gesundheitszustand der versicher
ten Person im Rahmen des Beweisgrades der überwiegenden Wahrscheinlichkeit selbstständig zu prüfen, wenn eine Änderung des Gesundheitszustandes seit dem rechtskräftigen IV-Entscheid bis zum Zeitpunkt des EL-Entscheides geltend gemacht wird. Aus dieser Rechtsprechung kann mithin nicht geschlossen werden, die EL-Organe hätten in Fällen, in denen sich ein nicht bei der IV angemeldeter Ehegatte eines EL-Ansprechers bei der Frage nach der Anrechnung eines hypo
thetischen Einkommens auf eine dauerhafte teilweise oder vollständige Arbeits
un
fähigkeit beruft, diesen Punkt nicht selbstständig medizinisch abzuklären. Viel
mehr ist nach der Rechtsprechung unter anderem der Gesundheitszustand des
Ehegatten zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 8C_172/20
07 vom
6.
Febru
ar 2008 E. 7.2).
3.4
Aktuell liegt
noch kein rechtskräftiger Entscheid der Invalidenversicherung
vor.
Mit Vorbesc
heid vom 2
6.
März 2019 (
Urk.
27)
stellte die IV-Stelle die
Zusprache
ei
ner Invalidenrente in Aussicht.
Die Beschwerdeführerin machte
geltend, dass
ihr Ehemann
aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage
gewesen
sei
, ein Erwerbseinkommen zu erzielen. Zu prüfen ist demnach, ob aufgrund der vorliegenden medizinischen Berichte eine Arbeitsunfähigkeit betreffend den Zeitraum
November 2011 (Heirat
und
Beginn der Anrechnung eines hypothetischen Einkommens)
bis
2
0.
Juli 2017 (Datum
Ein
sprachee
ntscheid
)
ausgewiesen ist.
3.
5
Im Bericht der Ärzte der p
sychiatrischen
K
linik
Y._
vom 2
2.
Janu
ar
2016 (
Urk.
11/36c) wurde die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeits
stö
rung mit paranoiden, narzisstischen, dissozialen und impulsiven Zügen genannt (Ziff. 1.1). Sie attestierten dem Ehemann der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeits
un
fähigkeit zumindest
ab
dem 1
2.
September 2014
(Behandlungsbeginn, vgl.
Ziff.
1.2)
bis auf weiteres (
Ziff.
1.6).
Bei
ih
m
bestünden psychisch
Züge ver
schiedener Persönlichkeitsstörungen, welche sich insbesondere als tiefes Miss
trauen gegen Absichten und Handlungen anderer Menschen auswirken würden, mit Überempfindlichkeit gegen Kritik, ständigem Durchdenken und Analysieren aktueller und vergangener Situationen hinsichtlich möglicher Angriffe oder Ver
schwörungen gegen ihn. Aufgrund seiner Neigung zu kriminellem Verhalten res
pek
tive dazu, Konflikte teilweise impulsiv und mit Gewalt (Schlägereien) zu lösen, habe er sich aus dem Arbeitsleben komplett zurückgezogen
.
Die Persönlichkeits
störung führe dazu, dass sich der Ehemann der Beschwerdeführerin nicht auf eine Arbeit konzentrieren könne, sondern sich ständig mit den vermuteten Bedroh
ungen beschäftige. Sowohl eine Arbeit mit Kollegen im Team als auch eine Zusammenarbeit mit einem Vorgesetzten seien ihm ohne Konflikte gar nicht mög
lich. Seine Frustrationstoleranz sei sehr gering, er halte Druck nicht aus und drohe, impulsiv und aggressiv zu reagieren (Ziff. 1.7).
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstellte
am
2.
August 2016 ein psychiatrisches Gutachten zuhanden der IV-Stelle (
Urk.
17
/26).
Er hielt fest, dass beim Ehemann der Beschwerdeführerin ein dauer
hafter Gesundheitsschaden in Form einer
kombinierten Persönlichkeitsstörung
vorliege
(S. 12 Mitte).
Das Scheitern der bisherigen diversen temporären Beschäf
ti
gungen sei durch das psychische Stör
ungsbild begründet (S. 15 oben). Es sei nicht die Arbeit an sich, sondern in erster Linie die damit verbundenen kon
flikt
haften zwischenmenschlichen Interaktionen gewesen, welche zur Beendigung der
Tätigkeit geführt hätten. Für die verschiedenen
Temporärstellen
in der Vergan
genheit sei seit dem 1
2.
September 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit anzu
nehmen (S. 16 oben). Seit dem Untersuchungstag bestehe bis auf Weiteres eine 30%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit. Eine stufenweise Wieder
ein
gliederung beginnend mit einem Zeitpensum von 30 % und einer Steigerung
um 10 % monatlich sei erfolgsversprechend und medizinisch zumutbar
. Es sei in
s
besondere an Tätigkeiten ohne konfliktträchtige zwischenmenschliche Interak
tio
nen zu denken. Auch müsse die verlangsamte Informationsverarbeitung
berück
-
sichtigt
werden, Zeitdr
u
ck sollte vermieden werden und die Möglichkeit zusätz
licher betriebsunüblicher Pausen müsste gegeben sein
(S. 17).
3.6
Die Ärzte der psychiatrischen K
linik
Y._
gingen aufgrund der beim Ehemann der Beschwerdeführerin vorliegenden Persönlichkeitsstörung von einer vollen Arbeitsunfähigkeit seit September 2014 aus.
Dr.
Z._
schloss sich
dieser Auffassung bis zur Begutachtung an; ab dem Untersuchungstag hielt er eine Wiedereingliederung, beginnend mit einem Pensum von 30 %, für zumutbar. E
ine solche konnte indessen nicht erfolgen. Bei einem Belastbarkeitstraining vom 2
0.
Februar bis 1
9.
Mai 2017 konnten die Ziele nicht erreicht werden und eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt wurde als nicht möglich beurteilt (vgl. Abschlussbericht der
B._
,
Urk.
17/56).
Insgesamt
ist
somit
davon auszu
gehen, dass
in der Zeit
von
September 2014
bis Juli 2017
keine verwertbare Arbeitsfähigkeit
des Ehemannes der Beschwerdeführer
in
bestand.
F
ür die Zeit
vor September 2014
ist
eine Arbeitsunfähigkeit
hingegen
nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt.
Die Beschwerdeführerin hielt zu
R
echt fest, dass Persönlichkeitsstörungen ihren Beginn üblicherweise in der Kindheit oder der Adoleszenz hätten (
Urk.
25). Mass
gebend ist indessen nicht der Beginn der Persönlichkeitsstörung, sondern der Beginn der Arbeitsunfähigkeit. Es liegen keine Arztberichte vor, die bestätigen würden, dass die Persönlichkeitsstörung bereits
vor September 2014
zu einer mass
gebenden Arbeitsunfähigkeit geführt hätte.
Somit ist davon auszugehen, dass
de
m
Ehemann der Beschwerdeführer
in
in der Zeit von November 2011 bis August 2014
aus gesundheitlichen Gründen eine vo
lle Arbeitstätigkeit möglich war
.
Dass
die weiteren – neben dem Gesundheitszustand – zu berücksichtigenden Faktoren
(vgl. vorstehende E. 3.1)
einer (vollzeitlichen) Arbeitstätigkeit entgegen
stehen
würden, wurde nicht geltend gemacht und ergibt sich auch nicht aufgrund der Akten
.
4.
4.1
Zu prüfen bleibt damit die Höhe des anrechenbaren Einkommens. Die Beschwer
degegnerin berücksichtigte ein zumutbares jährliches Einkommen de
s Ehemannes der Beschwerdeführerin
von
Fr.
36'000.-- ohne dies näher zu begründen.
4.2
Die Höhe des zumutbaren Erwerbseinkommens wird in der Regel anhand der Durchschnittslöhne gemäss der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen schweizerischen Lohnstrukturerhebung (
LSE
) festgelegt (
Carigiet
/Koch, a.a.O., S. 159 Mitte). Praxisgemäss wird
auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellen
gruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so
ge
nannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzu
rech
nen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
;
AHI
2000 S. 81 E. 2a).
4.3
Dem Ehemann der Beschwerdeführerin stünde eine breite Palette von (Hilfs-)
Tät
igkeiten offen. Es rechtfertigt sich deshalb, für die Bemessung des hypothe
tischen Einkommens auf den standardisierten Durchschnitt für einfache und repetitive Tätigkeiten in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors abzustellen (LSE 20
10
S. 2
6
Tabellengruppe TA1, Rubrik „Total“, Niveau 4).
Das im Jahr 20
10
von
Männern
im Durchschnitt aller einfachen und repetitiven Tätig
keiten erzielte Einkommen betrug
Fr.
4'
901
.--, mithin
Fr. 58
'
812.-- pro Jahr
(Fr. 4'901.-- x 12). Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen wöchentli
chen
Arbeitszeit im Jahr 20
11
von 41.7 Stunden sowie der Nominallohn
entwicklung von
1.0 %
bis ins massgebende Jahr 20
11
(Die Volkswirtschaft
7
/
8-
201
3
S. 9
4
Tabelle B9.2 sowie S. 9
5
Tabelle B10.
2
)
resultiert
ein hypotheti
sches Einkommen von
Fr. 61
'
924
.--
(: 40 x 41.7
x 1.01)
.
Selbst unter Berück
sichtigung des maxi
malen Abzugs vom Tabellenlohn von 25 % ergibt sich somit ein deutlich höhe
res Einkommen als Fr. 36
'
000
.
--.
4.4
Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin bei der Berechnung der jährlichen Zusatzleistungen für die Zeit vom 1. November 2011 bis 3
1.
August 2014
ein hypothetisches Erwerbseinkommen des Ehemannes der
Beschwerdef
ührerin
von
Fr. 36
'
000
.
-- berücksichtigt hat
.
Hingegen darf bei der Berechnung ab
1.
September 2014
kein hypothetisches Einkommen mehr angerechnet werden,
da ab diesem Zeitpunkt keine verwertbare Arbeitsfähigkeit
des Ehemannes der Beschwerdeführer
in
mehr bestand.
Dies führt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde.
5.
5.1
Da die Voraussetzungen für die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
erfüllt sind, ist Rechtsanwalt
Thomas Wyss
in Gutheissung des Gesuches vom
1
4.
September 2017
(
Urk.
1 S. 2) als unentgeltlicher Rechtsbeistand für das vorliegende Verfah
ren zu bestellen.
5.2
Bei diesem
Ausgang des Verfahrens - teilweises Obsiegen -
ist die Beschwerde
gegnerin zu verpflichten, de
r
Beschwerdeführer
in
eine
reduzierte
Prozessentschä
di
gung auszurichten
.
Im übrigen Umfang ist der unentgeltliche Rechtsbeistand
der Beschwerdeführerin
,
Rechtsanwalt
Thomas Wyss
, aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
5.3
Rechtsanwalt
Thomas Wyss
machte
mit Eingabe
n
vom
1.
Oktober 2018 (
Urk.
14) und 2
7.
März 2019 (
Urk.
26)
einen
Aufwand von
insgesamt 14 Stunden und
5 Minu
ten
zuzüglich Spesen von 3 %
geltend
.
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer) wird - auch im Rahmen der unent
geltlichen Rechtsvertretung - namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
Der geltend gemachte
A
ufwand von
rund
14 Stunden ist der Bedeutung der Streit
sache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen, insbesondere aufgrund der Tat
sache, dass der Rechtsanwalt die
Beschwerdeführer
in
bereits
im
Einsprache
verfahren
vertrat und die Akten somit bekannt waren.
Vor diesem Hintergrund
erscheint
namentlich
ein Aufwand von sieben Stunden für die Beschwerdeschrift als überhöht.
Zudem erscheint ein Aufwand von
insgesamt
50 Minu
ten für zwei Fristerstreckungsgesuche vom 2
0.
Dezember 2018 und 3
1.
Januar 2019 (inklusive Kurzbrief
e
an Klient
in
, vgl.
Urk.
26) als überhöht.
Des Weiteren fällt auf, dass für das Studium diverser Schreiben
(der Beschwerde
geg
nerin, der Klientin, des Gerichts und des Sozialzentrums)
ein insgesamt beacht
licher Aufwand geltend gemacht wird.
Nicht ersichtlich
ist, worauf sich der Auf
wand von
15 Minuten für ein «Studium Schreiben von SVG ZH» vom
2.
Febru
ar 2019
(vgl.
Urk.
26)
bezieht, liegt doch kein entsprechendes Schreiben
des hiesigen Gerichts
bei den Akten.
Dasselbe gilt für den Aufwand von 15 Minuten für ein «Studium Schreiben von SVG ZH / Kurzbrief an Klient/in» vom
3.
November 2017 (vgl.
Urk.
14).
Angesichts der
8
-seitigen Rechtsschrift
und der weiteren 1-seitigen Stellung
nahme (
Urk.
25
)
,
den Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Gesuch um
unent
geltliche Rechtspflege
, der beigezogenen Akten
sowie der in ähnliche
n Fällen zugesprochenen Beträge
ist die Entschädigung von Rechtsanwalt
Thomas
Wyss bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
220.-- (zuzüg
lich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2‘
6
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
5.4
Die Beschwerdegegnerin ist zu verpflichten, 1/2 dieser Entschädigung, mithin Fr. 1'300.--, zu übernehmen. Im übrigen Umfang von
Fr.
1'300.-- ist
Rechtsan
walt
Thomas Wyss
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
5.5
Die
Beschwerdeführer
in
ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach
sie
zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung ver
pflichtet werden kann, sofern sie
dazu in der Lage ist.