Decision ID: 432df340-5562-4d78-a634-c40db68feac5
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die 1968 geborene, verheiratete und in ihrer Heimat Ungarn wohnhafte
A._ (im Folgenden: Versicherte oder Beschwerdeführerin) war vom
1. April bis 30. November 2013 im Restaurant B._ in (...) als Köchin
angestellt. Im Mai 2014 nahm sie gemäss ihren Ausführungen aus existen-
ziellen Gründen eine vollzeitliche Stelle als Alleinköchin im Restaurant
C._ in (...) an; dieses Arbeitsverhältnis dauerte bis Juni 2014 (Akten
[im Folgenden: act.] der Invalidenversicherungs-Stelle für Versicherte im
Ausland [im Folgenden: IVSTA oder Vorinstanz] 4, 11, 15, 25, 47 S. 2).
B.
B.a Im Anschluss an eine notfallmässige Selbstzuweisung aufgrund thora-
kaler stechender Schmerzen war die Versicherte vom 23. bis 29. Juli 2013
stationär im Kantonsspital D._ hospitalisiert. Zufolge der koronaren
1-Gefässerkrankung, der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit
(PAVK) und einer reaktiven depressiven Episode meldete sie sich am 19.
Januar 2014 bei der IV-Stelle des Kantons E._ (im Folgenden: IV-
Stelle E._) zum Bezug von Leistungen der Schweizerischen Invali-
denversicherung (IV) an (IVSTA-act. 3 bis 7). Nach Vorliegen der medizini-
schen Akten der Krankenversicherung (IVSTA-act. 18) und nachdem die
Versicherte ihren Wohnsitz in den Kanton F._ verlegt hatte, über-
mittelte die IV-Stelle E._ die Akten am 1. Juli 2014 an die IV-Stelle
des Kantons F._ (im Folgenden: IV-Stelle F._; IVSTA-act. 26
und 31 bis 33); auf diese Aktenabtretung trat die IV-Stelle F._ man-
gels Abschlusses des Verwaltungsverfahrens seitens der IV-Stelle
E._ nicht ein (IVSTA-act. 34 und 37). Nachdem die Versicherte die
IV-Stelle E._ über ihren Umzug in den Kanton G._ per 1. Au-
gust 2015 orientiert hatte, wurde mit Mitteilung vom 16. Juni 2015 die Ein-
gliederungsberatung abgeschlossen (IVSTA-act. 46 und 47).
B.b Daraufhin übermittelte die IV-Stelle E._ am 27. Juli 2015 das
Dossier an die IV-Stelle des Kantons G._ (im Folgenden: IV-Stelle
G._; IVSTA-act. 50 bis 55). In der Folge wies die IV-Stelle des Kan-
tons G._ das am 15. Juli 2015 von der Versicherten gestellte Ge-
such um Arbeitsvermittlung nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren
mit Verfügung vom 24. September 2015 ab (IVSTA-act. 48 und 49; vgl.
auch IVSTA-act. 50). Diese Verfügung erwuchs – soweit aus den Akten
ersichtlich – unangefochten in Rechtskraft.
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B.c Per 1. Oktober 2016 verlegte die Versicherte ihren zivilrechtlichen
Wohnsitz erneut in den Kanton E._; ab November 2016 bezog sie
Sozialhilfeleistungen (IVSTA-act. 57 und 58). Nach Vorliegen weiterer me-
dizinischer Akten (IVSTA-act. 69 und 70) reichte die Versicherte offensicht-
lich auf Geheiss des Zentrums H._ am 23. Mai 2017 eine weitere
Anmeldung zum Leistungsbezug ein; diese wurde von der IV-Stelle
E._ als Zusatzgesuch qualifiziert (IVSTA-act. 71 bis 78). Am 29.
Juni 2017 erfolgte seitens der IV-Stelle G._ die Aktenabtretung an
die IV-Stelle E._ (IVSTA-act. 80 und 81) und am 30. Juni 2017 sei-
tens der Versicherten ein weiterer Wohnortwechsel nach (...) (IVSTA-act.
98 und 101). In der Folge erliess die IV-Stelle E._ am 12. März 2018
einen Vorbescheid, mit welchem sie der Versicherten zufolge Verletzung
der Mitwirkungspflicht die sofortige Einstellung der Bearbeitung des Leis-
tungsgesuchs in Aussicht stellte (IVSTA-act. 102 und 103). Nachdem die
Versicherte der IV-Stelle E._ am 7. Mai 2018 die neue Adresse in
Ungarn mitgeteilt hatte (IVSTA-act. 105 bis 109), gingen die Akten an die
IVSTA (IVSTA-act. 111).
B.d In Kenntnis des Fragebogens für die Versicherte vom 8. August 2018
(IVSTA-act. 117) und von weiteren, von der Versicherten eingereichten Do-
kumenten insbesondere medizinischer Art (IVSTA-act. 119, 125, 128 bis
132, 139 bis 150) gab Dr. med. I._, Fachärztin für Allgemeine Me-
dizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst Rhone (im Folgenden: RAD) am
15. November 2018 eine erste Stellungnahme ab (IVSTA-act. 158). Ge-
stützt darauf erliess die IVSTA am 7. Dezember 2018 einen Vorbescheid,
mit welchem sie denjenigen der IV-Stelle E._ vom 12. März 2018
ersetzte und der Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in
Aussicht stellte (IVSTA-act. 161). Nachdem sich die Versicherte mit dem
vorgesehenen Entscheid nicht einverstanden erklärt hatte (IVSTA-act. 162
bis 171), nahm Dr. med. I._ am 3. Mai 2019 erneut Stellung (IVSTA-
act. 172). Nach Vorliegen weiterer Arztberichte aus Ungarn (IVSTA-act.
173 bis 174, 176 bis 178) sowie einer entsprechenden, weiteren Beurtei-
lung von Dr. med. I._ vom 2. Juli 2019 (IVSTA-act. 182) erliess die
IVSTA mit Datum vom 4. Juli 2019 eine dem Vorbescheid vom 7. Dezember
2018 im Ergebnis entsprechende Verfügung (IVSTA-act. 183). Dieser Ent-
scheid wurde gemäss vorliegender Aktenlage ebenfalls unangefochten
rechtskräftig.
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C.
C.a Unter Beilage von zahlreichen ärztlichen Dokumenten machte die Ver-
sicherte mit Schreiben vom 13. Mai 2020 bei der IVSTA eine Verschlechte-
rung ihres Gesundheitszustandes geltend (IVSTA-act. 184 und 185, 188
bis 211). Daraufhin bestätigte die RAD-Ärztin Dr. med. I._ am 31.
Juli 2020 die geltend gemachte Verschlechterung (IVSTA-act. 214). Nach
Vorliegen eines weiteren Fragebogens für die Versicherte vom 1. Septem-
ber 2020 (IVSTA-act. 216, 219 und 220) und des Formulars E 213 vom 6.
August 2020 (IVSTA-act. 218 und 226) wurden die Akten von Dr. med.
I._ am 2. November 2020 erneut gewürdigt (IVSTA-act. 230). Als
Folge dessen stellte die IVSTA der Versicherten mit Vorbescheid vom 17.
November 2020 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-
STA-act. 232). Nachdem die Versicherte hiergegen opponiert hatte (IVSTA-
act. 233 bis 148) und sich Dr. med. I._ mit Datum vom 18. Februar
2021 erneut geäussert hatte (IVSTA-act. 251), erliess die IVSTA am 25.
Februar 2021 eine dem Vorbescheid vom 17. November 2020 im Ergebnis
entsprechende Verfügung (IVSTA-act. 252).
D.
D.a Hiergegen liess die Versicherte, vertreten durch Rechtanwältin Ste-
phanie Fröhlich, beim Bundesverwaltungsgericht mit Eingabe vom 15. April
2021 Beschwerde erheben und unter anderem beantragen, die Verfügung
der Vorinstanz vom 25. Februar 2021 sei vollumfänglich aufzuheben und
es sei durch das Gericht eine umfassende medizinische Untersuchung in
den Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin, Kardiologie, Angiologie
sowie Psychiatrie anzuordnen; eventualiter sei die Sache zur ergänzenden
Prüfung des (insbesondere medizinischen) Sachverhalts an die Vorinstanz
zurückzuweisen und der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechts-
pflege zu gewähren (act. im Beschwerdeverfahren [im Folgenden: BVGer-
act.] 1).
Zur Begründung wurde in materieller Hinsicht zusammengefasst ausge-
führt, von der Vorinstanz sei bisher kein Gutachten im Sinn von Art. 44 des
Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des So-
zialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) in Auftrag gegeben worden. Die
Beschwerdeführerin sei denn auch nie in der Schweiz von einer unabhän-
gigen Gutachterstelle medizinisch begutachtet worden. Die Würdigung des
RAD basiere nicht auf eigenen Untersuchungen, sondern fasse die Ergeb-
nisse der medizinischen Untersuchungen zusammen und enthalte eine
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Empfehlung zur weiteren Bearbeitung des Leistungsbegehrens. Den ge-
nannten Verpflichtungen im Rahmen der Abklärung des medizinischen
Sachverhalts sei die Vorinstanz bis anhin nicht nachgekommen. Zur ver-
lässlichen Feststellung der Arbeitsfähigkeit seien zwingend umfassende
medizinische Abklärungen, insbesondere die Einholung eines Gutachtens
in den Disziplinen Allgemeine/Innere Medizin, Kardiologie, Angiologie so-
wie Psychiatrie anzuordnen. Das Beschränken auf die Einholung einer Ak-
tenbeurteilung der RAD-Ärztin Dr. med. I._ werde den seit Jahren
bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin
nicht gerecht, was insbesondere aufgrund der Diskrepanz zwischen der
Beurteilung von Dr. med. I._ und Dr. J._ gelten müsse. Eine
eingehende Auseinandersetzung mit den schwerwiegenden angiologi-
schen, kardiologischen und psychiatrischen Gesundheitsproblemen habe
bisher nicht stattgefunden. Des Weiteren sei auch darauf hinzuweisen,
dass Dr. med. I._ eine Fachärztin für allgemeine Medizin sei und
somit nicht über die nötige fachliche Qualifikation verfüge. Die RAD-Beur-
teilungen sowohl vom 31. Juli 2020 (IVSTA-act. 214) als auch vom 18. Feb-
ruar 2021 (IVSTA-act. 251) seien damit weder schlüssig noch nachvollzieh-
bar, weshalb darauf nicht abgestellt werden dürfe.
D.b Mit prozessleitender Verfügung vom 20. April 2021 forderte die Instruk-
tionsrichterin die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf die Säumnisfolgen
(Aktenentscheid) auf, innert Frist das dieser Verfügung beigelegte Formu-
lar "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege" ausgefüllt und mit den nöti-
gen Beweismitteln versehen einzureichen (BVGer-act. 2); dieses am
13. Mai 2021 unterzeichnete Formular ging samt Beilagen am 17. Mai 2021
beim Bundesverwaltungsgericht ein (BVGer-act. 3).
D.c Mit Zwischenverfügung vom 27. Juli 2021 hiess die Instruktionsrichte-
rin sowohl das Gesuch um Gewährung des Rechts auf unentgeltliche Pro-
zessführung als auch jenes um Erteilung des Rechts auf unentgeltliche
Verbeiständung gut; der Beschwerdeführerin wurde Rechtsanwältin
Stephanie Fröhlich als amtliche Anwältin beigeordnet (BVGer-act. 5 und 6).
D.d In ihrer Vernehmlassung vom 26. August 2021 beantragte die
Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde (BVGer-act. 7).
Zur Begründung machte sie zusammengefasst geltend, im Beschwerde-
verfahren habe man vollständigkeitshalber eine psychiatrische Stellung-
nahme eingeholt. Der beurteilende Psychiater halte fest, dass sich in den
Unterlagen kein einziger psychiatrischer Bericht befinde. Hinweise auf eine
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diesbezügliche Behandlung seien auch nicht zu finden. Die blosse Ein-
nahme eines Medikaments sei nicht dazu geeignet, einen "psychiatri-
schen" Gesundheitsschaden nachzuweisen. In diesem Zusammenhang
sei auch darauf hinzuweisen, dass eine "psychiatrische" Beeinträchtigung
erst beschwerdeweise geltend gemacht worden sei. Die Versicherte selbst
habe bloss Angaben zu ihren somatischen Gesundheitsbeschwerden ge-
macht. Man gehe davon aus, dass keine versicherungsrechtlich relevante
"psychiatrische" Gesundheitsbeeinträchtigung vorliege. Die mit dem zwei-
ten Gesuch glaubhaft gemachte Verschlechterung des Gesundheitszu-
standes bestehe in einem Fortschreiten der peripheren arteriellen Ver-
schlusskrankheit. Am 13. November 2019 und 29. Januar 2020 seien Ope-
rationen beider Beinarterien erfolgt. Der RAD sei nach Prüfung der gesam-
ten medizinischen Unterlagen zum Schluss gekommen, dass vom 12. No-
vember 2019 (Hospitalisation) bis zum 1. April 2020 eine Arbeitsunfähigkeit
für jegliche Tätigkeiten vorgelegen habe. Ab diesem Datum sei zwar die
angestammte Tätigkeit als Köchin nicht mehr zumutbar, körperlich leichte,
angepasste Tätigkeiten in wechselnder Position ohne längere Gehstrecken
könnten jedoch wieder zu mindestens 70 % ausgeführt werden. Aus den
Akten gehe hervor, dass die gesundheitlichen, somatisch bedingten Ein-
schränkungen der Versicherten klar abgegrenzt seien und der Ausübung
einer leidensangepassten Tätigkeit nicht entgegenstünden. Nach Durch-
führung der Invaliditätsbemessung ergebe sich eine Erwerbseinbusse von
31 % ab dem 1. April 2020; dieser Invaliditätsgrad sei nicht rentenbegrün-
dend.
D.e In ihrer Replik vom 1. November 2021 liess die Beschwerdeführerin an
ihren Rechtsbegehren festhalten (BVGer-act. 11).
Zur Begründung wurde ergänzend ausgeführt, wie dem beiliegenden psy-
chiatrischen Arztbericht vom 14. Oktober 2021 entnommen werden könne,
lägen bei der Beschwerdeführerin sowohl eine schwere depressive Epi-
sode sowie Angstzustände vor. Die Ausführungen der Vorinstanz würden
sich somit als unzutreffend erweisen. Bei der Beschwerdeführerin sei be-
reits am 30. März 2020 von Dr. K._ eine schwere Depression diag-
nostiziert worden, was der Vorgeschichte im bereits im Recht liegenden
Gutachten von Dr. J._ entnommen werden könne. Diese Tatsache
zeige auf, dass die psychischen Beschwerden nicht erst beschwerdeweise
geltend gemacht worden seien, sondern schon seit mindestens Anfang des
Jahres 2020 bestünden. Die Behandlung habe wegen der Pandemie nicht
weitergeführt werden können, da in Ungarn sämtliche Behandlungen wäh-
rend der Pandemie sistiert worden seien. Bezüglich der Vorbringen der
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Vorinstanz betreffend die somatisch bedingten Einschränkungen könne auf
die Ausführungen in der Beschwerdeschrift verwiesen werden.
D.f In ihrer Duplik vom 9. Dezember 2021 verwies die Vorinstanz auf den
Arztbericht von Dr. med. L._, Facharzt für Psychiatrie und Psycho-
therapie, vom RAD vom 8. Dezember 2021 und beantragte weiterhin die
Abweisung der Beschwerde (BVGer-act. 15).
Zur Begründung machte die Vorinstanz ergänzend geltend, aus dem
replikweise eingereichten Arztbericht vom 14. Oktober 2021 seien keine
neuen Erkenntnisse hervorgegangen. Nach wie vor liege aus fachärztlicher
Sicht kein "psychiatrisches" Leiden vor. Man möchte darauf hinweisen,
dass sich nach ständiger Rechtsprechung die Annahme einer rentenbe-
gründenden Invalidität verbiete, wenn überwiegend psychosoziale Belas-
tungen im Vordergrund stünden und die psychische Verfassung des Versi-
cherten entscheidend von seiner finanziellen Situation abhänge (BGE 127
V 294 E. 5a; BGE 130 V 352 E. 2.2.5; Urteil des BGer 8C_724/2015 vom
29. Februar 2016 E. 5.4).
D.g Mit prozessleitender Verfügung vom 15. Dezember 2021 schloss die
Instruktionsrichterin unter dem Vorbehalt weiterer Instruktionsmassnah-
men den Schriftenwechsel (BVGer-act. 16).
D.h Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften und Be-
weismittel der Parteien ist – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Er-
wägungen einzugehen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht prüft von Amtes wegen und mit freier Kog-
nition, ob die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind und ob auf eine Be-
schwerde einzutreten ist (Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG; SR 172.021]; BVGE
2016/15 E. 1; 2014/4 E. 1.2).
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG; SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69 Abs. 1
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Bst. b IVG sowie Art. 5 VwVG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden von Personen im Ausland gegen Verfügungen der IVSTA. Eine
Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG).
Gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG bleiben in sozialversicherungsrechtlichen
Verfahren die besonderen Bestimmungen des ATSG vorbehalten. Gemäss
Art. 2 ATSG sind die Bestimmungen dieses Gesetzes auf die bundesge-
setzlich geregelten Sozialversicherungen anwendbar, wenn und soweit es
die einzelnen Sozialversicherungsgesetze vorsehen. Nach Art. 1 IVG sind
die Bestimmungen des ATSG auf die IV anwendbar (Art. 1a-26bis und 28-
70 IVG), soweit das IVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG
vorsieht. Dabei finden nach den allgemeinen intertemporalrechtlichen Re-
geln in formellrechtlicher Hinsicht mangels anderslautender Übergangsbe-
stimmungen grundsätzlich diejenigen Rechtssätze Anwendung, welche im
Zeitpunkt der Beschwerdebeurteilung Geltung haben (BGE 130 V 1 E. 3.2).
1.3 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (vgl. Art. 22a
in Verbindung mit Art. 60 ATSG und Art. 50 Abs. 1 VwVG sowie Art. 52
Abs. 1 VwVG). Als Adressatin der angefochtenen Verfügung vom 25. Feb-
ruar 2021 (IVSTA-act. 252) ist die Beschwerdeführerin berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung (vgl. Art. 59
ATSG). Zusammenfassend ergibt sich, dass sämtliche Prozessvorausset-
zungen erfüllt sind, weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist.
1.4 Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
Verfügung vom 25. Februar 2021 (IVSTA-act. 252), mit welcher die Vo-
rinstanz den vom 1. November 2019 bis 31. März 2020 befristeten Renten-
anspruch der Beschwerdeführerin zufolge verspäteter Anmeldung und ei-
nen darüberhinausgehenden Rentenanspruch bei einem Invaliditätsgrad
von 31 % abgewiesen hat. Mit Blick auf die Rechtsbegehren der Beschwer-
deführerin ist insbesondere streitig und zu prüfen, ob die Vorinstanz den
Rentenanspruch zurecht abgewiesen hat und in diesem Zusammenhang,
ob sie den Sachverhalt insbesondere in medizinischer Hinsicht rechts-
genüglich abgeklärt und gewürdigt hat.
1.5 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
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Seite 9
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
1.6 Das sozialversicherungsrechtliche Verfahren ist vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 43 ATSG). Danach hat die Verwaltung und im
Beschwerdeverfahren das Gericht von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des erheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser
Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet zum einen sein
Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (Art. 28 ff. ATSG; BGE
125 V 195 E. 2, BGE 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Im Sozialversi-
cherungsprozess hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwie-
genden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines be-
stimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Ge-
richt hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen
möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE
126 V 360 E. 5b und 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
2.
Im Folgenden sind die weiteren, im vorliegenden Verfahren im Wesentli-
chen anwendbaren Normen und Rechtsgrundsätze sowie die bundesge-
richtliche Rechtsprechung darzustellen.
2.1 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechts-
folgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 132 V 215 E. 3.1.1).
Im vorliegenden Verfahren finden demnach jene Vorschriften Anwendung,
die spätestens beim Erlass der Verfügung vom 25. Februar 2021 (IVSTA-
act. 252) in Kraft standen (so auch die Normen der am 1. Januar 2012 in
Kraft getretenen Fassung des IVG vom 18. März 2011 [6. IV-Revision],
nicht jedoch die seit 1. Januar 2022 in Kraft stehenden Änderungen des
IVG vom 19. Juni 2020 [Weiterentwicklung der IV, AS 2021 705; BBl 2017
2535]); weiter aber auch solche, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser
Kraft getreten waren, die aber für die Beurteilung allenfalls früher entstan-
dener Leistungsansprüche von Belang sind.
2.2 Die Beschwerdeführerin ist – soweit aus den Akten ersichtlich (IVSTA-
act. 4 S. 1, 37 S. 19, 45 S. 1, 211 S. 1 und 223 S. 1) – ungarische Staats-
angehörige und wohnt in Ungarn. Damit gelangen das Freizügigkeitsab-
kommen vom 21. Juni 1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die Regelwerke
der Gemeinschaft zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit
https://www.fedlex.admin.ch/eli/oc/2021/705/de https://www.fedlex.admin.ch/eli/fga/2017/544/de https://www.fedlex.admin.ch/eli/fga/2017/544/de
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Seite 10
gemäss Anhang II des FZA, insbesondere die für die Schweiz am 1. April
2012 in Kraft getretenen Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR
0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009 (SR 0.831.109.268.11), zur Anwen-
dung. Seit dem 1. Januar 2015 sind auch die durch die Verordnungen (EU)
Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in
den Beziehungen zwischen der Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten an-
wendbar. Das Vorliegen einer anspruchserheblichen Invalidität beurteilt
sich indes auch im Anwendungsbereich des FZA und der Koordinierungs-
vorschriften nach schweizerischem Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Ur-
teil des BGer 9C_573/2012 vom 16. Januar 2013 E. 4). Gemäss Art. 46
Abs. 3 der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 ist nämlich eine vom Träger ei-
nes Staats getroffene Entscheidung über den Grad der Invalidität eines An-
tragstellers für den Träger eines anderen betroffenen Staates nur dann ver-
bindlich, wenn die in den Rechtsvorschriften dieser Staaten festgelegten
Definitionen des Grads der Invalidität in Anhang VII dieser Verordnung als
übereinstimmend anerkannt sind, was für das Verhältnis zwischen Ungarn
und der Schweiz (ebenso wie für das Verhältnis zwischen den übrigen EU-
Mitgliedstaaten und der Schweiz) nicht der Fall ist (vgl. auch Urteil des
BVGer C-1905/2020 vom 6. Juli 2021 E. 3.3).
2.3 Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung
hat, wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (Art. 8 ATSG) und beim Eintritt
der Invalidität während der vom Gesetz vorgesehenen Dauer Beiträge an
die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) geleistet
hat, d.h. während mindestens dreier Jahre (Art. 36 Abs. 1 IVG in der seit
1. Januar 2008 geltenden Fassung). Diese Bedingungen müssen kumula-
tiv gegeben sein; fehlt eine, so entsteht kein Rentenanspruch, selbst wenn
die andere erfüllt ist. Die Beschwerdeführerin hat unbestritten während
mehr als drei Jahren AHV/IV-Beiträge geleistet (IVSTA-act. 228 S. 2), so
dass die Voraussetzung der Mindestbeitragsdauer gemäss Art. 36 Abs. 1
IVG in der ab 1. Januar 2008 geltenden Fassung erfüllt ist.
2.4 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG), die Folge
von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Invalidität ist somit der durch einen Gesundheitsschaden verursachte und
nach zumutbarer Behandlung oder Eingliederung verbleibende länger dau-
ernde (volle oder teilweise) Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt resp. der Möglichkeit,
sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen. Der Invaliditätsbegriff
enthält damit zwei Elemente: ein medizinisches (Gesundheitsschaden mit
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Seite 11
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit) und ein wirtschaftliches im weiteren
Sinn (dauerhafte oder länger dauernde Einschränkung der Erwerbsfähig-
keit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich; vgl. zum Ganzen UELI KIESER,
ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich 2020, Art. 8 Rz. 7). Arbeitsunfähigkeit ist
die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi-
schen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen
Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer
wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgaben-
bereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be-
einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei-
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG).
2.5 Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG in der ab 1. Januar 2008 geltenden Fassung
haben jene Versicherten Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähig-
keit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können (Bst. a), und die zusätzlich während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig
(Art. 6 ATSG) gewesen sind und auch nach Ablauf dieses Jahres zu min-
destens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. b und c).
2.6 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG in der ab 2008 gültig gewesenen Fassung
besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person
mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindes-
tens 60 % invalid war. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % be-
steht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente.
2.7 Laut Art. 29 Abs. 4 IVG (in der ab 2008 geltenden Fassung) werden
Renten, die einem Invaliditätsgrad von weniger als 50 % entsprechen, je-
doch nur an Versicherte ausgerichtet, die ihren Wohnsitz und gewöhnli-
chen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben, soweit nicht zwi-
schenstaatliche Vereinbarungen eine abweichende Regelung vorsehen.
Eine solche Ausnahme ist vorliegend nicht gegeben. Nach der Rechtspre-
chung des Bundesgerichts stellt diese Regelung nicht eine blosse Auszah-
lungsvorschrift, sondern eine besondere Anspruchsvoraussetzung dar
(BGE 121 V 275 E. 6c).
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Seite 12
2.8 Tritt die Verwaltung – wie im vorliegenden Fall – auf die Neuanmeldung
ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern,
ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des
Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist. Stellt sie fest, dass der
Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine
Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls
hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt,
um nunmehr eine rentenbegründende (bzw. anspruchsrelevant höhere) In-
validität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall ob-
liegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V
198 E. 3a; SVR 2008 IV Nr. 35 S. 117 E. 2.1). Liegt eine erhebliche Ände-
rung des Sachverhalts vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tat-
sächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter Berücksichtigung des gesamten für
die Leistungsberechtigung ausschlaggebenden Tatsachenspektrums neu
und ohne Bindung an frühere Invaliditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141
V 9 E. 2.3, 117 V 198 E. 4b; SVR 2017 IV Nr. 40 S. 122 E. 5.2.2).
2.9 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu be-
urteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich
welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind
ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden kön-
nen (BGE 140 V 193 E. 3.2; 132 V 93 E. 4). Sache des (begutachtenden)
Mediziners ist es zunächst, den Gesundheitszustand zu beurteilen und
wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, d.h. mit
den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung
der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf
die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine
Aufgabe, wofür Verwaltung und Gerichte nicht kompetent sind. Bei der Fol-
genabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für
die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson hingegen keine abschliessende
Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr nimmt die Arztperson zur Arbeitsun-
fähigkeit Stellung, d.h. sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer
Sicht so substanziell wie möglich begründet. Schliesslich sind die ärztli-
chen Angaben eine wichtige Grundlage für die juristische Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden kön-
nen. Nötigenfalls sind, in Ergänzung der medizinischen Unterlagen, für die
C-1721/2021
Seite 13
Ermittlung des erwerblich nutzbaren Leistungsvermögens die Fachperso-
nen der beruflichen Integration und Berufsberatung einzuschalten (BGE
140 V 193 E. 3.2). Demgegenüber fällt es nicht in den Aufgabenbereich
des Arztes oder der Ärztin, sich zur Höhe einer allfälligen Rente zu äussern,
da der Begriff der Invalidität nicht nur von medizinischen, sondern auch von
erwerblichen Faktoren bestimmt wird (vgl. Art. 16 ATSG).
Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das
Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unab-
hängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These
abstellt (SVR 2010 IV Nr. 58 S. 178 E. 3.1; AHI 2001 S. 113 E. 3a).
Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen
Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2; 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Unab-
hängig davon, ob es sich um eine nachweisliche organische Pathologie
oder um ein unklares Beschwerdebild handelt, setzt eine Anspruchsbe-
rechtigung stets eine nachvollziehbare ärztliche Beurteilung der Auswir-
kungen des Gesundheitsschadens auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit
voraus. Dabei können – insbesondere unklaren Beschwerdebildern inhä-
rente – Abklärungs- und Beweisschwierigkeiten die Berücksichtigung wei-
terer Lebens- und Aktivitätsbereiche wie etwa Freizeitverhalten oder fami-
liäres Engagement erfordern, um das Ausmass der Einschränkungen zu
plausibilisieren, wobei auch fremdanamnestische Angaben zu berücksich-
tigen sind. Ohne Einbezug solcher Indizien, wie sie im Rahmen der festen
Praxis zu den organisch nicht nachweisbaren unklaren Beschwerdebildern
(BGE 141 V 281 E. 4.4.1) regelmässig zu berücksichtigen sind, ist eine
ärztliche Arbeitsfähigkeitsbeurteilung nicht beweiskräftig (BGE 140 V 290
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Seite 14
E. 3.3.2). In den konsistenten Nachweis einer gestörten Aktivität und Par-
tizipation einzubeziehen sind nur funktionelle Ausfälle, die sich aus denje-
nigen Befunden ergeben, welche auch für die Diagnose der Gesundheits-
beeinträchtigung massgebend gewesen sind. Die Einschränkung in den
Alltagsfunktionen, welche begrifflich zu einer lege artis gestellten Diagnose
gehört, wird mit den Anforderungen des Arbeitslebens abgeglichen und an-
hand von Schweregrad- und Konsistenzkriterien in eine allfällige Ein-
schränkung der Arbeitsfähigkeit umgesetzt. Auf diesem Weg können gel-
tend gemachte Funktionseinschränkungen über eine sorgfältige Plausibili-
tätsprüfung bestätigt oder verworfen werden (BGE 141 V 281 E. 2.1.2).
Eine begutachtende medizinische Fachperson muss über die notwendigen
fachlichen Qualifikationen verfügen (Urteil des BGer 9C_555/2017 vom
22. November 2017 E. 3.1 mit Hinweisen). Den von Versicherungsträgern
im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten von medizinischen
Sachverständigen, die den Anforderungen der Rechtsprechung entspre-
chen, darf das Gericht vollen Beweiswert zuerkennen, solange nicht kon-
krete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137
V 210 E. 2.2.2; 135 V 465 E. 4.4).
Sofern RAD-Untersuchungsberichte den Anforderungen an ein ärztliches
Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a) genügen, auch hinsichtlich der erforder-
lichen ärztlichen Qualifikationen (vgl. hierzu Urteil des BGer 9C_736/2009
vom 26. Januar 2010 E. 2.1), haben sie einen vergleichbaren Beweiswert
wie ein anderes Gutachten (SVR 2009 IV Nr. 53 S. 165 E. 3.3.2). Eine von
anderen mit der versicherten Person befassten Ärzten abweichende Beur-
teilung vermag die Objektivität des Experten nicht in Frage zu stellen. Es
gehört vielmehr zu den Pflichten eines Gutachters, sich kritisch mit dem
Aktenmaterial auseinanderzusetzen und eine eigenständige Beurteilung
abzugeben. Auf welche Einschätzung letztlich abgestellt werden kann, ist
eine im Verwaltungs- und allenfalls Gerichtsverfahren zu klärende Frage
der Beweiswürdigung (BGE 132 V 93 E. 7.2.2). Ausschlaggebend für den
Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels
noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stel-
lungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 137
V 210 E. 6.2.2, 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a).
Die Stellungnahmen des RAD oder des medizinischen Dienstes der IVSTA,
welche nicht auf eigenen Untersuchungen beruhen, können wie Aktengut-
achten beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im
C-1721/2021
Seite 15
Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich festste-
henden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Be-
fassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (vgl. Urteile
des BGer 9C_524/2017 vom 21. März 2018 E. 5.1; 9C_28/2015 vom
8. Juni 2015 E. 3.2; 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1, je mit Hin-
weisen). Die Aufgabe der versicherungsinternen Fachpersonen besteht
insbesondere darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfe-
stellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche
in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den me-
dizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und versicherungsmedizi-
nisch zu würdigen (vgl. SVR 2009 IV Nr. 50 [Urteil des BGer 8C_756/2008]
E. 4.4 mit Hinweis; Urteil des BGer 9C_692/2014 vom 22. Januar 2015
E. 3.3). Sie haben die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht zu
würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizini-
schen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine
oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersu-
chung vorzunehmen ist (BGE 142 V 58 E. 5.1). Enthalten die Akten für die
streitigen Belange keine beweistauglichen Unterlagen, kann die Stellung-
nahme einer versicherungsinternen Fachperson in der Regel keine ab-
schliessende Beurteilungsgrundlage bilden, sondern nur zu weitergehen-
den Abklärungen Anlass geben (vgl. Urteil des BGer 9C_58/2011 vom
25. März 2011 E. 3.3).
3.
Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invaliditätsgrad
erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im Neuanmeldungs-
verfahren – analog zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG – durch
Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten materiellen
Beurteilung und rechtskräftigen Ablehnung bestanden hat, mit demjenigen
zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3; 130 V 71
E. 3.1). In Anwendung dieser höchstrichterlichen Rechtsprechung bilden
im vorliegenden Fall zeitliche Referenzpunkte einerseits der 4. Juli 2019
(act. 183; Datum der letzten rechtskräftigen, unangefochten in Rechtskraft
erwachsenen Verfügung, welcher eine materielle Beurteilung zu Grunde
lag) und andererseits der 25. Februar 2021 (act. 252; Datum der vorliegend
angefochtenen Verfügung), wobei die Feststellung der Veränderung durch
eine Gegenüberstellung des vergangenen und des aktuellen Zustandes zu
erfolgen hat und Gegenstand des Beweises das Vorhandensein einer ent-
scheidungserheblichen Differenz in den – den medizinischen Unterlagen
zu entnehmenden – Tatsachen bildet (vgl. hierzu SVR 2018 IV Nr. 13 S. 40
E. 4.2 ff.).
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Seite 16
4.
Im Rahmen des Erlasses der unangefochten in Rechtskraft erwachsenen
Verfügung vom 4. Juli 2019 (IVSTA-act. 183) dienten der Vorinstanz als
Entscheidbasis in medizinischer Hinsicht hauptsächlich die Berichte der
RAD-Ärztin Dr. med. I._ vom 15. November 2018 (IVSTA-act. 158)
sowie vom 3. Mai 2019 (IVSTA-act. 172) und 2. Juli 2019 (IVSTA-act. 182).
Dr. med. I._ stellte im November 2018 keine Hauptdiagnose und
erwähnte unter den Nebendiagnosen eine generalisierte Arteriosklerose
mit/bei einer koronaren 1-Gefäss-Erkrankung, einer PAKV II beidseits und
einem Nikotinabusus. Sie attestierte der Beschwerdeführerin in der bishe-
rigen und in einer leidensadaptierten Verweistätigkeit eine 100%ige Ar-
beits- bzw. Leistungsunfähigkeit ab dem 23. Juli 2013, eine 100%ige Ar-
beits- und Leistungsfähigkeit ab November 2013, eine vollständige Arbeits-
und Leistungsunfähigkeit ab Januar 2018 sowie wiederum eine vollstän-
dige Arbeits- und Leistungsfähigkeit ab Mai 2018. An dieser Beurteilung
hielt Dr. med. I._ in ihren Berichten vom 3. Mai 2019 und 2. Juli
2019 fest.
5.
Im Zusammenhang mit dem Erlass der vorliegend angefochtenen Verfü-
gung vom 25. Februar 2021 stützte sich die Vorinstanz in medizinischer
Hinsicht insbesondere auf die Berichte von Dr. med. I._ vom 31. Juli
2020 (IVSTA-act. 214), 2. November 2020 (IVSTA-act. 230) und 18. Feb-
ruar 2021 (IVSTA-act. 251). Diese ärztlichen Dokumente sowie weitere
Arztberichte sind nachfolgend zusammengefasst wiederzugeben. An-
schliessend ist zu prüfen, ob vorinstanzlich der rechtserhebliche medizini-
sche Sachverhalt rechtsgenüglich abgeklärt und gewürdigt worden ist und
ob die Beschwerdeführerin einen (befristeten oder unbefristeten) Renten-
anspruch hat resp. ob die materiellen, kumulativen Anspruchsvorausset-
zungen von Art. 28 Abs. 1 Bst. a bis c IVG (zum kumulativen Charakter
dieser Norm vgl. bspw. Urteil des BGer 9C_942/2015 vom 18. Februar
2016 E. 3.1) und Art. 28 Abs. 2 IVG erfüllt sind (vgl. E. 2.5 und 2.6 hiervor).
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass der Rentenan-
spruch gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten
nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG
entsteht, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Al-
tersjahres folgt (Abs. 1). Aufgrund der vom 13. Mai 2020 datierenden Neu-
anmeldung der Beschwerdeführerin (IVSTA-act. 184; vgl. zur Anmeldung
resp. zum Anmeldewillen Urteil des BVGer C-4762/2019 vom 16. August
2021 E. 3) könnte ihr somit frühestens ab November 2020 eine IV-Rente
C-1721/2021
Seite 17
ausgerichtet werden, sofern die übrigen Anspruchsvoraussetzungen (insb.
Wartezeit) erfüllt sind.
5.1
5.1.1 In ihrem Bericht vom 31. Juli 2020 (IVSTA-act. 214) erwähnte die
RAD-Ärztin Dr. med. I._ als Hauptdiagnose eine generalisierte Ar-
teriosklerose mit/bei einer koronaren 1-Gefäss-Erkrankung, einer PAKV II
beidseits sowie bei einem Nikotinabusus und attestierte der Beschwerde-
führerin in Ergänzung ihres Berichts vom 15. November 2018 (IVSTA-act.
158) in der bisherigen Tätigkeit ab dem 12. November 2019 eine vollstän-
dige Arbeitsunfähigkeit; in einer leidensadaptierten Verweistätigkeit attes-
tierte sie ebenfalls ab dem 12. November 2019 eine vollständige Leistungs-
unfähigkeit und ab dem 1. April 2020 eine solche von 30%. Weiter führte
Dr. med. I._ im Rahmen der Beurteilung zusammengefasst aus, es
sei zu einer Verschlechterung gekommen. Diese bestehe in einem Fort-
schreiten der PAVK mit nun nicht mehr kompensierbarer Durchblutungs-
störung des rechten Beines trotz Interventionen. Grundsätzlich handle es
sich um eine progrediente Erkrankung (vor allem auch, da die Versicherte
es nicht schaffe, ihren Nikotinkonsum zu sistieren). Im September 2019 sei
offensichtlich die linke Arteria femoralis communis wieder am Abgang ver-
schlossen gewesen. Die entsprechende Operation sei am 13. November
2019 erfolgt. Der initiale postoperative Verlauf sei gut gewesen, aber am
28. Januar 2020 habe sich die Versicherte zufolge offensichtlich erneuter
ischämischer Schmerzen wieder beim Angiologen vorgestellt. Am 29. Ja-
nuar 2020 sei die semi-notfallmässige Operation beider Beinarterien er-
folgt. Der Erfolg sei links gut und rechts mässig. Es sei zu einer schweren
Wundheilungsstörung der rechten Leiste gekommen (Verschluss erst am
30. März 2020). Der Angiologe habe am 13. März 2020 eine trockene Gan-
grän an der rechten Grosszehe erwähnt. Leider fehlten wirkliche konkrete
klinische Angaben oder auch nur die Beschwerdeschilderungen der Versi-
cherten. Allerdings bestehe ganz sicher vom 12. November 2019 bis 1. Ap-
ril 2020 eine Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten. Ab dem 1. April
2020 wäre eine körperlich leichte Tätigkeit in wechselnder Position "ohne
längere Gehstrecken, max. 5 kg, keine Kälteexposition" wieder zu mindes-
tens 70 % zumutbar. Im März 2020 sei von einer schweren Depression die
Rede gewesen. Dies sei weder anhand der Anamnese und der Befunde
noch anhand der Behandlung nachvollziehbar. Es handle sich um eine
mässige Anpassungsstörung. Im Mai 2020 hätten pneumologische Abklä-
rungen stattgefunden, deren Ergebnisse jedoch normal gewesen seien
("ausser Fett pericardial im CT bei Adipositas > kein Grund für AUF").
C-1721/2021
Seite 18
5.1.2 In Kenntnis des ungarischen, auf dem Formular E 213 erstellten Arzt-
berichts von Dr. J._ vom 6. August 2020 (IVSTA-act. 218 und 226)
führte Dr. med. I._ in ihrer Stellungnahme vom 2. November 2020
(IVSTA-act. 230) aus, das nachgereichte Formular E 213 enthalte nur eine
Zusammenfassung bekannter Akten, aber keinerlei zusätzliche Informatio-
nen. Es sei also nicht geeignet, die Beurteilung vom 31. Juli 2020 zu ver-
ändern; diese bleibe somit gültig.
5.1.3 Nach Würdigung eines weiteren ärztlichen Dokuments aus Ungarn
vom 7. Juli 2020 (IVSTA-act. 245 und 248) hielt Dr. med. I._ am
18. Februar 2021 (IVSTA-act. 251) fest, dieses nachgereichte Dokument
bestätige nur, dass die Versicherte in Behandlung sei und sie vom behan-
delnden Arzt als arbeitsunfähig eingeschätzt werde. Irgendwelche Fakten,
die diese Aussage untermauerten, würden nicht genannt. Es bestehe somit
kein Grund, die (sic: frühere) Beurteilung zu verändern.
5.2 Wie bereits dargelegt wurde (vgl. E. 2.9 hiervor), kann auf Stellungnah-
men von Fachärztinnen und -ärzten des RAD nur unter der Bedingung ab-
gestellt werden, dass deren Beurteilungen den allgemeinen beweisrechtli-
chen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht (resp. an ein Gutachten)
genügen und zudem die beigezogenen Ärztinnen und Ärzte über die im
Einzelfall gefragten persönlichen und fachlichen Qualifikationen verfügen.
Den Stellungnahmen im Sinne von Art. 59 Abs. 2bis IVG von Dr. med.
I._ vom 31. Juli 2020 (act. 214), 2. November 2020 (act. 230) und
18. Februar 2021 (act. 251), auf die sich die Vorinstanz anlässlich der vor-
liegend angefochtenen Verfügung vom 25. Februar 2021 zur Hauptsache
abgestützt hatte, kann volle Beweiskraft zukommen, wenn die übrigen, von
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung herausgearbeiteten Kriterien er-
füllt sind. Daran bestehen im vorliegenden Fall jedoch Zweifel, obwohl Dr.
med. I._ Informationsquellen unter anderem in Form von fachärzt-
lichen Berichten – und Anamnesen aus der Schweiz und aus Ungarn – die
der freien Beweiswürdigung des Gerichts unterliegen (vgl. Urteil des
BVGer C-6398/2009 vom 18. Mai 2012 E. 2.1; zum Grundsatz der freien
Beweiswürdigung vgl. BGE 125 V 351 E. 3a) zur Verfügung standen und
ihre Stellungnahmen einerseits die Leiden der Beschwerdeführerin berück-
sichtigten und andererseits in Kenntnis der Vorakten abgegeben wurden.
Zwar verfügt Dr. med. I._ als Fachärztin für Allgemeine Medizin
über zahlreiches Fachwissen in dieser medizinischen Disziplin. Dieser Um-
stand ändert jedoch nichts daran, dass – in Ermangelung eines lückenlo-
sen Befunds resp. einer widerspruchsfreien Beurteilung der Arbeits- und
C-1721/2021
Seite 19
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin – auf das Einholen von weite-
ren Berichten entsprechend ausgebildeter Spezialärztinnen und -ärzte
nicht verzichtet werden kann (zur antizipierten Beweiswürdigung vgl. BGE
122 V 157 E. 1d; SVR 2005 IV Nr. 8 S. 37 E. 6.2, 2003 AHV Nr. 4 S. 11
E. 4.2.1), zumal es sich bei der Stellungnahmen von Dr. med. I._
auch nicht bloss um fachärztliche Beurteilungen eines – aufgrund eines
beweiskräftigen medizinischen Dokuments – an sich feststehenden medi-
zinischen Sachverhalts handelt (vgl. E. 2.9 hiervor).
5.2.1 Eine oder mehrere Diagnosen lassen für sich alleine genommen kei-
nen Schluss auf eine gesundheitlich bedingte Einschränkung in der Ar-
beitsfähigkeit zu (vgl. BGE 132 V 65 E. 3.4 mit Hinweisen), massgeblich ist
vielmehr deren Einfluss auf die Leistungsfähigkeit, was von medizinischer
Seite dazulegen ist. Zwar zeigte Dr. med. I._ in ihrem Bericht vom
31. Juli 2020 (IVSTA-act. 214) in Kenntnis zeitnaher, aktueller ärztlicher
Dokumente aus Ungarn (IVSTA-act. 185, 188 bis 205, 207, 210 und 211)
auf, welche konkreten Gesichtspunkte in der Krankheitsentwicklung zu ih-
rer neuen diagnostischen Beurteilung und Einschätzung des Schweregra-
des der gesundheitlichen Störungen geführt haben (vgl. hierzu SVR 2018
IV Nr. 13 S. 40 E. 4.2 ff.). Damit kann es aber nicht sein Bewenden haben.
5.2.2 Obwohl Dr. med. I._ in ihrem Bericht vom 31. Juli 2020 (IV-
STA-act. 214) explizit darauf hingewiesen hatte, dass wirkliche konkrete
klinische Angaben oder seitens der Beschwerdeführerin auch nur Be-
schwerdeschilderungen fehlten, bestand für sie dennoch kein Zweifel, dass
bei der Beschwerdeführerin ganz sicher für die Zeit vom 12. November
2019 bis 1. April 2020 – und nur für diese Zeit – eine vollständige Arbeits-
und Erwerbsunfähigkeit vorgelegen hatte. Diese Beurteilung ist für das
Bundesverwaltungsgericht insbesondere mangels Vorliegens der von Dr.
med. I._ erwähnten fehlenden konkreten klinischen Angaben nicht
rechtsgenüglich nachvollziehbar. Unter diesem Aspekt und in Ermangelung
einer nachvollziehbaren und schlüssigen Begründung kann auch nicht un-
besehen davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführerin tat-
sächlich ab dem 1. April 2020 wieder eine leidensadaptierte Verweistätig-
keit zu mindestens 70 % zumutbar wäre.
5.2.3 Offensichtlich in Bezug auf den Bericht der Psychiaterin Dr.
K._ vom 30. März 2020, worin eine schwere depressive Episode
ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.20) sowie nicht spezifizierte
Angstzustände (ICD-10: F41.90) diagnostiziert wurden (IVSTA-act. 201),
war Dr. med. I._ in ihrem Bericht vom 31. Juli 2020 (IVSTA-act. 214)
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Seite 20
der Ansicht, dass eine schwere Depression weder anhand der Anamnese
noch anhand der Befunde und Behandlung nachvollziehbar sei und es sich
bei der Versicherten um eine mässige Anpassungsstörung handle. Da Dr.
med. I._ als Fachärztin für Allgemeine Medizin nicht über einen
Facharzttitel in der medizinischen Fachdisziplin Psychiatrie und Psycho-
therapie verfügt, kann ihrer Beurteilung des Gesundheitszustandes der
Versicherten in psychischer Hinsicht kein umfassender Beweiswert beige-
messen werden, zumal es sich bei ihren Ausführungen nicht bloss um Be-
urteilungen eines aufgrund eines beweiskräftigen, fachärztlichen medizini-
schen Dokuments feststehenden medizinischen Sachverhalts in psychi-
scher Hinsicht handelt. Da die Diagnosestellungen im Arztbericht der Psy-
chiaterin Dr. K._ vom 30. März 2020 – welcher im vorliegenden Fall
ebenfalls mitzuberücksichtigen ist, da er die Schlüssigkeit der Feststellun-
gen von Dr. med. I._ in Zweifel zu ziehen vermag (vgl. hierzu BGE
125 V 351 E. 3a cc) – durchaus als Anhaltspunkte für ein allfälliges psychi-
sches Leiden mit Krankheitswert qualifiziert werden können (vgl. hierzu Ur-
teil des BVGer C-3882/2014 vom 24. September 2015 E. 4.3.4 mit Hinweis
auf Urteil des BGer I 316/99 des EVG vom 28. August 2000 mit weiteren
Hinweisen), drängen sich im Hinblick auf den Untersuchungsgrundsatz
auch diesbezüglich ergänzende Abklärungen durch einen Psychiater oder
eine Psychiaterin auf.
5.2.4 Daran ändern zufolge der Anhaltspunkte für ein allfälliges krankheits-
wertiges psychisches Leiden auch die nach Erlass der vorliegend ange-
fochtenen Verfügung vom 25. Februar 2021 vorgenommenen und eben-
falls zu berücksichtigenden (vgl. zur Ausdehnung des Streitgegenstandes
BGE 130 V 138 E. 2.1 S. 140) Aktenbeurteilungen von Dr. med. L._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 5. August und – nach
Würdigung eines weiteren Berichts der Psychiaterin Dr. K._ vom
14. Oktober 2021 – vom 8. Dezember 2021 (BVGer-act. 7 und 15) nichts.
Unter diesen Umständen lässt sich erst nach Vorliegen der neuen Abklä-
rungsergebnisse rechtsgenüglich beurteilen, ob – wie von der Vorinstanz
behauptet – bei der Beschwerdeführerin überwiegend psychosoziale Be-
lastungen im Vordergrund stehen und ihre psychische Verfassung ent-
scheidend von seiner finanziellen Situation abhängt (BGE 127 V 294 E. 5a;
BGE 130 V 352 E. 2.2.5; Urteil des BGer 8C_724/2015 vom 29. Februar
2016 E. 5.4).
5.2.5 In Kenntnis des nachgereichten, von der medizinischen Gutachterin
Dr. J._ auf dem Formular E 213 verfassten Berichts vom 8. Juni
2020 (IVSTA-act. 226) bestätigte Dr. med. I._ am 2. November
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2020 (IVSTA-act. 230) ihre Beurteilung vom 31. Juli 2020 (IVSTA-act. 214).
Zwar ist überwiegend wahrscheinlich (zum Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit vgl. BGE 138 V 218 E. 6) davon auszugehen, dass
Dr. J._ die von ihr gestellten Diagnosen in psychischer Hinsicht
dem Arztbericht der Psychiaterin Dr. K._ vom 30. März 2020 ent-
nommen und somit nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entsprin-
gende Aspekte benannt hatte (vgl. hierzu SVR 2017 IV Nr. 49 S. 148 E.
5.5, 2008 IV Nr. 15 S. 44 E. 2.2.1). Weiter ergibt sich in Übereinstimmung
mit der Auffassung von Dr. med. I._, dass es sich beim Arztbericht
von Dr. med. J._ insbesondere auch um eine zusammenfassende
Wiedergabe anderer ärztlichen Dokumente resp. der gesundheitlichen
Problematik der Beschwerdeführerin handelt. Da sich jedoch – wie vorste-
hend dargelegt (vgl. E. 5.2.3 hiervor) – Anhaltspunkte für ein allfälliges psy-
chisches Leiden mit Krankheitswert finden, vermag der Bericht von Dr.
med. I._ vom 2. November 2020 nichts an der Notwendigkeit der
Durchführung ergänzender psychiatrischer Abklärungen zu ändern.
5.2.6 Mit Blick auf die Berichte von Dr. med. I._ vom 31. Juli 2020
(IVSTA-act. 214) und 2. November 2020 (IVSTA-act. 230) sowie denjeni-
gen der Gutachterin Dr. J._ vom 8. Juni 2020 (IVSTA-act. 226) er-
geben sich auch hinsichtlich der Zumutbarkeit einer leidensadaptierten
Verweistätigkeit Diskrepanzen. Während Dr. med. I._ von einer
mindestens 70%igen Zumutbarkeit ab dem 1. April 2020 ausging, vertrat
Dr. J._ die Ansicht, dass eine solche Arbeit während höchstens vier
Stunden täglich ausgeübt werden könne (IVSTA-act. 226 S. 23 Ziffer 11.6),
wobei hier insofern ein Widerspruch besteht, als Dr. med. J._ auch
angab, eine angepasste Arbeit könne nicht verrichtet werden (IVSTA-act.
226 S. 23 Ziffer 11.5). Diese Widersprüche sind ebenfalls anlässlich weite-
rer medizinischer Abklärungen aufzulösen.
5.2.7 Obwohl die Berichte der Dres. K._ und J._ vom 30.
März und 8. Juni 2020 vorliegend mitzuberücksichtigen sind (vgl. E. 5.2.3
bis 5.2.6 hiervor), kann ihnen trotzdem nur beschränkter Beweiswert bei-
gemessen werden. Zwar handelt es sich bei Dr. K._ um eine Psy-
chiaterin. Jedoch ist einerseits nicht erstellt, über welchen Facharzttitel Dr.
J._ verfügt, und andererseits sind sowohl Dr. K._ als auch
Dr. J._ in ihrer Eigenschaft als ausländische Ärztinnen mit den
Grundsätzen der schweizerischen Versicherungsmedizin nicht vertraut
(vgl. hierzu Urteil des BGer 9C_235/2013 vom 10. September 2013 E. 3.2;
Urteil des BVGer C-3826/2014 vom 19. November 2015 E. 5.3). Schliess-
lich ist auch die ärztliche Bescheinigung vom 7. Juli 2020 IVSTA-(act. 248)
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nicht beweistauglich, zumal diese in Übereinstimmung mit der Auffassung
von Dr. med. I._ in deren Stellungnahme vom 18. Februar 2021 (IV-
STA-act. 251) bloss bestätigt, dass die Beschwerdeführerin in Behandlung
und vollständig arbeitsunfähig ist, allerdings ohne diese Einschätzung
überhaupt, geschweige denn rechtsgenüglich zu begründen.
5.2.8 Mit Blick auf die somatischen Leiden der Beschwerdeführerin ergibt
sich schliesslich, dass Dr. med. I._ als Fachärztin für Allgemeine
Medizin auch nicht über Facharzttitel zumindest in den medizinischen
Fachdisziplinen Angiologie und Kardiologie verfügt, weshalb ihrem Bericht
vom 31. Juli 2020 (IVSTA-act. 214) – wie aus demselben Grund auch den-
jenigen vom 2. November 2020 (IVSTA-act. 230) und 18. Februar 2021
(IVSTA-act. 251) – ebenfalls nur ein beschränkter Beweiswert beigemes-
sen werden kann (vgl. auch E. 5.2.3 hiervor).
6.
Zufolge des vorstehend Dargelegten ist zusammenfassend festzuhalten,
dass die Vorinstanz – obwohl retrospektive Beurteilungen der Arbeitsunfä-
higkeit schwierig sind und deshalb entsprechende Begutachtungen erhöh-
ten Ansprüchen genügen müssen (vgl. hierzu Urteil des BVGer C-6973/
2018 vom 13. Februar 2020 mit Hinweisen) – im Verfahren nach Art. 44
ATSG weitere medizinische Abklärungsmassnahmen in Form einer umfas-
senden Begutachtung vorzunehmen hat (vgl. hierzu BGE 142 V 58 E. 5.1;
135 V 465 E. 4.4 bis E. 4.6).
6.1 Zwar erscheint der Gesundheitsschaden der Beschwerdeführerin zu-
folge des 2013 erlittenen Herzinfarkts sowie der zahlreichen Arterienver-
schlüsse bzw. Embolien und Thrombosen der unteren Extremitäten (IV-
STA-act. 188 bis 192, 194 bis 200, 205 und 211) auf die medizinischen
Disziplinen Innere Medizin, Angiologie und Kardiologie fokussiert. Da mit
Blick auf das von den Dres. K._ und J._ erwähnte psychi-
sche Geschehen jedoch die Beschaffenheit der Gesundheitsproblematik
auch diesbezüglich noch nicht vollends gesichert ist, hat die Vorinstanz
eine polydisziplinäre Begutachtung gemäss Art. 72bis Abs. 2 IVV nach dem
Zufallsprinzip (vgl. hierzu BGE 139 V 349 E. 5.2.1) in den medizinischen
Fachgebieten Innere Medizin, Kardiologie, Angiologie sowie Psychiatrie
und Psychotherapie in die Wege zu leiten (vgl. BGE 139 V 349 E. 3.2 mit
Hinweis). Dabei sind die in BGE 137 V 210 für polydisziplinäre MEDAS-
Begutachtungen umschrieben Anforderungen zu berücksichtigen. Sollte
sich anlässlich dieser polydisziplinären Expertise zeigen, dass der Beizug
weiterer Expertinnen oder Experten – mit Blick auf die in medizinischen
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Berichten aus Ungarn erwähnten zusätzlichen gesundheitlichen Beein-
trächtigungen (sonstige Spondylose und Cervikobrachialsyndrom [IVSTA-
act. 205 S. 3 und 4], Emphysem [IVSTA-act. 203 und 204]) vorab in den
medizinischen Fachdisziplinen Orthopädie und Pneumologie – notwendig
wäre, läge die entsprechende Entscheidung im Ermessen der die polydis-
ziplinäre Exploration durchführenden Fachpersonen (vgl. hierzu Entscheid
des BGer 8C_277/2014 vom 30. Januar 2015 E. 5.2; zum Zweck eines
interdisziplinären Gutachtens vgl. BGE 137 V 210 E. 1.2.4; SVR 2008 IV
Nr. 15 S. 43, I 514/06 E. 2.1).
6.2 Im Rahmen dieser notwendigen medizinischen Begutachtung sind
sämtliche bisher verfassten ärztlichen Berichte zu würdigen. Da Diagnosen
unerlässliche Voraussetzung für eine abschliessende Beurteilung bilden,
haben sich die fachärztlichen Gutachterinnen und Gutachter auch mit den
aktenkundigen Diagnosestellungen auseinanderzusetzen und – nach fest-
stehenden Diagnosen mit und ohne Auswirkungen auf die Arbeits- und
Leistungsfähigkeit in der angestammten Erwerbstätigkeit und in einer lei-
densadaptierten Verweistätigkeit – die Veränderung des Gesundheitszu-
standes und den damit im Zusammenhang stehenden (jeweiligen) Beginn
der (abgestuften) Arbeits- und Leistungsfähigkeit widerspruchsfrei darzu-
stellen, wobei sie sich gegebenenfalls auch zu den Standardindikatoren
gemäss BGE 141 V 281 in Verbindung mit BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3 und/oder
BGE 143 V 409 und 418 zu äussern haben. In diesem Zusammenhang ist
schliesslich ergänzend darauf hinzuweisen, dass im Bericht der Sachver-
ständigenstelle für Rehabilitation vom 4. Juni 2020 die berufliche Rehabili-
tation aufgrund des Gesundheitszustandes, der daraus resultierenden aus-
schliessenden und einschränkenden Faktoren, der Beschwerden, der Art
der gesundheitlichen Beeinträchtigung, der persönlichen Umstände und
unter Berücksichtigung der Chancen auf dem Arbeitsmarkt empfohlen
wurde (act. 211).
7.
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich zusammenfassend,
dass sich der gesundheitliche Zustand der Beschwerdeführerin und des-
sen Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit aufgrund der vor-
liegenden Aktenlage nicht schlüssig und zuverlässig beurteilen lässt (vgl.
BGE 125 V 353 E. 3b/bb; vgl. zum Ganzen auch E. 2.9 hiervor). Die Be-
richte der Dres. med. I._, L._, K._ und J._
vermögen keine abschliessenden Beurteilungsgrundlagen zu bilden, son-
dern geben betreffend den aktuellen Gesundheitszustand der Beschwer-
deführerin resp. hinsichtlich der allfälligen medizinischen Veränderungen
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Seite 24
ab dem Zeitpunkt der erstmaligen Rentenabweisung (Verfügung vom 4.
Juli 2019 [IVSTA-act. 183]) bis zum Datum der vorliegend angefochtenen
Verfügung vom 25. Februar 2021 (IVSTA-act. 252; vgl. auch E. 3. hiervor)
Anlass zu weitergehenden Abklärungen. Somit wurde im vorliegend zu be-
urteilenden Beschwerdeverfahren der rechtserhebliche Sachverhalt nicht
rechtsgenüglich abgeklärt und gewürdigt (Art. 43 ff. ATSG sowie Art. 12
VwVG). Eine Rückweisung der Sache in Nachachtung des Untersuchungs-
grundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) an die Vorinstanz zur weiteren Abklä-
rung der Auswirkungen sämtlicher Leiden auf die Arbeits- resp. Leistungs-
fähigkeit anlässlich einer umfassenden medizinischen polydisziplinären
Begutachtung durch entsprechend ausgebildete Fachärztinnen oder Fach-
ärzte in den Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin, Kardiologie, Angi-
ologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie (oder in weiteren, durch die
Experten oder Expertinnen zu bestimmenden Disziplinen [vgl. hierzu E. 6.
hiervor]) in der Schweiz ist unter den gegebenen Umständen notwendig
und aufgrund der aktuellen Bundesgerichtsrechtsprechung auch möglich,
da eine Verlagerung der Expertentätigkeit von der administrativen auf die
gerichtliche Ebene sachlich nicht wünschbar ist (vgl. BGE 137 V 210
E. 4.2).
8.
Nach Vorliegen der entsprechenden aktualisierten medizinischen Abklä-
rungsergebnisse hat die Vorinstanz erneut zu beurteilen, ob die Beschwer-
deführerin einen Rentenanspruch hat resp. ob die materiellen, kumulativen
Anspruchsvoraussetzungen von Art. 28 IVG erfüllt sind (vgl. hierzu E. 2.5,
2.6 und 5. hiervor). Die Bemessung der Invalidität hat dabei in Überein-
stimmung mit der Vorinstanz nach der allgemeinen Methode des Einkom-
mensvergleichs zu erfolgen (vgl. hierzu BGE 142 V 290 E. 4 mit Hinwei-
sen). In diesem Zusammenhang hat die Vorinstanz schliesslich auch zu
prüfen, ob und in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin zufolge ihres
Gesundheitszustandes auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten noch offenste-
henden ausgeglichenen Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch erwerbstätig
sein könnte (vgl. hierzu etwa Urteil des BGer 9C_921/2009 vom 22. Juni
2010, E. 5.3). Dabei ist zu berücksichtigen, dass an die Konkretisierung
von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten praxisgemäss nicht
übermässige Anforderungen zu stellen sind (vgl. hierzu Urteile des BGer
8C_391/2014 vom 9. Juli 2014 E. 4. mit Hinweisen, 9C_744/2008 vom
19. November 2008 E. 3.2 und 9C_236/2008 vom 4. August 2008 E. 4.2;
Urteil des EVG I 349/01 vom 3. Dezember 2003 E. 6.1) und die Arbeitsfä-
higkeit einer versicherten Person nach der Tätigkeit zu beurteilen ist, die
sie – im Rahmen der Schadenminderungspflicht (vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG)
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Seite 25
– nach ihren persönlichen Verhältnissen und gegebenenfalls nach einer
gewissen Anpassungszeit bei gutem Willen ausüben könnte (vgl. Urteile
des BVGer C-4170/2019 vom 19. Dezember 2019 und C-4315/2009 vom
22. August 2011 E. 5.2 je mit Hinweisen).
9.
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist zusammenfassend festzuhal-
ten, dass die Beschwerde vom 15. April 2021 insoweit gutzuheissen ist, als
die angefochtene Verfügung vom 25. Februar 2021 aufzuheben ist und die
Akten im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zum Erlass einer neuen
Verfügung zurückzuweisen sind. Soweit weitergehend ist die Beschwerde
abzuweisen.
10.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
10.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis und 2
IVG), wobei die Verfahrenskosten gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG in der Re-
gel der unterliegenden Partei auferlegt werden. Da eine Rückweisung pra-
xisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führenden Partei gilt (BGE 132
V 215 E. 6), sind im vorliegenden Fall der Beschwerdeführerin keine Kos-
ten aufzuerlegen. Die mit Zwischenverfügung vom 27. Juli 2021 (BVGer-
act. 5 und 6) gewährte unentgeltliche Prozessführung kommt aufgrund ih-
res subsidiären Charakters nicht zur Anwendung. Der Vorinstanz werden
ebenfalls keine Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
10.2 Die obsiegende und vertretene Beschwerdeführerin hat gemäss
Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) Anspruch auf eine Parteientschädi-
gung zu Lasten der Verwaltung. Die Rechtsvertreterin machte in der Kos-
tennote vom 1. November 2021 einen Zeitaufwand von 12.77 Stunden bzw.
ein Honorar von Fr. 3'192.50.- zuzüglich Fr. 23.60 Auslagen und Fr. 247.65
Mehrwertsteuer (7.7 %) – somit insgesamt Fr. 3'463.75 – geltend. Unter
Berücksichtigung des Verfahrensausgangs, des gebotenen und aktenkun-
digen Aufwands, der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des vor-
liegend zu beurteilenden Verfahrens sowie in Anbetracht der in vergleich-
baren Fällen gesprochenen Entschädigungen gibt die Kostennote in Bezug
auf den Stundenansatz, den Zeitaufwand sowie die Auslagen zu keinen
Bemerkungen Anlass (vgl. Art. 9 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2
C-1721/2021
Seite 26
VGKE [Stundenansatz für Anwälte/Anwältinnen mindestens Fr. 200.- und
höchstens Fr. 400.-]). Da die unentgeltliche Verbeiständung infolge des
Obsiegens im Sinne der Rückweisung nicht zum Tragen kommt, ist der in
Rechnung gestellte Mehrwertsteuerbetrag in der Höhe von insgesamt
Fr. 247.65 zufolge des Wohnsitzes der Beschwerdeführerin im Ausland
nicht zu entschädigen (zur Berücksichtigung der Mehrwertsteuer bei der
Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsbeiständin vgl. BGE 141 III 560
E. 2. und 3.). Die Parteientschädigung ist deshalb auf Fr. 3'216.10 festzu-
setzen (inkl. Auslagen, ohne Mehrwertsteuer). Die unterliegende Vo-
rinstanz als Bundesbehörde (BGE 127 V 205) hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 3
und 4 VGKE).