Decision ID: af0f47c9-4e25-4fe9-97ad-f51ecb23d98b
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1974, absolvierte
eine Lehre
als
Stauden- und
Kleingehölzgärtner
und erwarb im Jahr 2004 einen eidgenössi
schen Fachausweis als
Natur- und Umweltfachmann (
Urk.
7/2).
In den Jahren
2003 bi
s 2008 war er
im Bereich Naturgartenpflege
selbständigerwerbend
tätig (
Urk.
7/1
,
Urk.
7/4
). Am 1
9.
Dezember 2012 meldete er sich wegen der Folgen
einer
akuten
myeloischen
Leukämie
mit
Stammzellentransplantation bei der Eid
genössischen Invalidenversicherung zum Rentenbezug an (
Urk.
7/4).
Die
So
zial
versicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, nahm
daraufhin
erwerb
liche und medizinische Abklärungen vor (
Urk.
7/1,
Urk.
7/8,
Urk.
7/17
). Insbe
sondere zog die IV-Stelle die Akten der Schweizerischen Mobiliar Versiche
rungsge
sell
schaft AG, der Taggeldversicherung des Versicherten, bei (
Urk.
7/13,
Urk.
7/14).
Ausserdem gab
sie
bei der
Y._
ein
poly
disziplinäres
Gutachten in den Bereichen
medizinische Onkologie
, physi
kalische Medizin und Rehabilitat
ion, Psychiatrie und
A
llgemeine
I
nnere Medizin in Auftrag
(
Urk.
7/26)
, welches am
20. August
2014 erstattet wurde (
Urk.
7/33).
Mit Vorbescheid vom 1
2.
September 2014 wurde dem Versicherten die Vernei
nung eines Rentenanspruchs in Aussicht gestellt (
Urk.
7/37).
Hierge
gen liess der Versicherte Einwand erheben (
Urk.
7/38,
Urk.
7/40) und
berufliche Massnahmen beantrag
en (
Urk.
7/43).
Mit Mitteilung vom 2
5.
November 2014 auferlegte die
IV-Stelle dem Versicherten
im Sinne einer
Schadenminderungs
pflicht
die Durch
führung
eine
r
Behandlung mit hochkalorischer Ernährung
und
muskulärem Auf
bautraining (
Urk.
7/44). Mit Vorbescheid vom
4.
März 2015 stellte die IV-Stelle die Verneinung eines Anspruchs auf Umschulung in Aus
sicht, da es dem Ver
sicherten möglich sei, ein mindestens gleich hohes Ein
kommen wie vor Eintritt des Gesundheitsschadens zu erzielen (
Urk.
7/56). Am
2.
und 2
4.
März 2015 wurde
im Zusammenhang mit dem Angebot Arbeitsver
mittlung
eine
Zielverein
ba
rung
unterzeichnet
(
Urk.
7/58).
Der
Versicherte
liess am 1
6.
April 2014
Ein
wand gegen den Vorbescheid vom
4.
März 2015 erheben (
Urk.
7/59).
Mit Mit
teilung vom 1
2.
Mai 2015 wurden die Kosten eines
Arbeits
trainings
für die Zeit
vom 1
2.
Mai bis
am
1
2.
November 2015 übernommen (
Urk.
7/64)
, m
it Verfü
gung
vom
9.
Juni 2015
vernein
te die IV-Stelle einen
Um
schulungsanspruch
im Sinne ihres Vorbescheids (
Urk.
2)
und
m
it Mitteilung vom 2
4.
Juni 2015 wurde das Arbeitstraining
per 1
4.
Mai 2015
abgebrochen, da der Versicherte
seit diesem Datum
nicht mehr am Arbeitstraining teilgenommen habe (
Urk.
7/78).
2.
Gegen die Verfügung vom
9.
Juni 2015 (
Urk.
2) liess
der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Holger Hügel, am 1
0.
Juli 2015 Beschwerde erheben. Er be
antragte, ihm seien die gesetzlichen Leistungen, namentlich die berufliche Mass
nahme einer Umschulung, zuzusprechen. Zudem stellte er das Gesuch, ihm sei die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Rechtsvertretung zu bewilligen (
Urk.
1).
Am
2
0.
August 2015 schloss die IV-Stelle
mit
Beschwer
de
antwort
auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Mit Verfügung vom 2
4.
August
2015 wurde dem Versicherten die unentgeltliche Prozessführung gewährt und
wurde ihm Rechtsanwalt Holger Hügel als unentgeltlicher Rechts
vertreter be
stellt
(
Urk.
8).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
17
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
hat die
versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Er
werbs
fähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (
Abs.
1). Der Um
schulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bis
he
rigen Beruf gleichgestellt (
Abs.
2). Als Umschulung gelten gemäss
Art.
6
Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
Ausbil
dungsmassnahmen
, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen berufli
chen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit be
nötigen.
1.2
Nach der Rechtsprechung ist unter Umschulung grundsätzlich die Summe der Ein
gliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und
geeignet sind, der vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen ver
sicherten Person eine ihrer früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmög
lich
keit zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der „annähernden Gleich
wer
tigkeit" nicht in erster Linie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf
die nach erfolgter Eingliederung zu erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel
besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebe
nen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Denn das Gesetz will die Eingliede
rung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 130 V 488 E.
4.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_163/2008 vom 8. August 2008 E. 2.2). Schliesslich setzt der Anspruch auf Umschulung voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche
berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine blei
bende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20
%
erleidet, wo
be
i es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 130 V 488 E. 4.2, 124 V 108 E.
2a und b mit Hinweisen auf u.a. AHI 1997 S. 80 E.
1b; ZAK 1984 S. 91 oben, 1966 S. 439 E. 3).
1.3
Für die Beurteilung der Gleichwertigkeit im Sinne der erwähnten Rechtspre
chung
ist zwar in erster Linie auf die miteinander zu vergleichenden Erwerbs
mög
lichkeiten im ursprünglichen und im neuen Beruf oder in einer der versi
cherten Person zumutbaren Tätigkeit abzustellen.
Doch es geht nicht an
, den Anspruch auf Umschulungsmassnahmen – gleichsam im Sinne einer Moment
aufnahme – ausschliesslich vom Ergebnis eines auf den aktuellen Zeitpunkt be
grenzten
Ein
kommensvergleichs
, ohne Rücksicht auf den qualitativen Ausbil
dungsstand einer
seits und die damit zusammenhängende künftige Entwicklung der erwerb
lichen Möglichkeiten anderseits, abhängen zu lassen. Vielmehr ist im Rahmen der vorzunehmenden Prognose (BGE 110 V 99 E. 2) unter Berücksich
tigung der gesamten Umstände nicht nur der Gesichtspunkt der Verdienstmög
lichkeit, son
dern der für die künftige Einkommensentwicklung ebenfalls be
deutsame quali
tative Stellenwert der beiden zu vergleichenden Berufe mit zu berücksichtigen. Die annähernde Gleichwertigkeit der Erwerbsmöglichkeit in der alten und neuen Tätigkeit dürfte auf weite Sicht nur dann zu verwirklichen sein, wenn auch die beiden Ausbildungen einen einigermassen vergleichbaren Wert aufweisen (BGE
124 V 108 E.
3b; AHI 1997 S.
86 E.
2b; Urteile des Bundesge
richts I 826/05 vom
28. Februar 2006 E. 4.1 in
fine
und I 783/03 vom 18. August 2004 E. 5.2 mit Hinweisen; Meyer-Blaser, Zum
Verhältnismässig
keitsgrundsatz
im staatlichen Leistungsrecht,
Diss
. Bern 1985, S. 186).
1.4
Massnahmen im Sinne von
Art.
17 IVG setzen subjektive und objektive
Einglie
derungsfähigkeit
voraus (AHI 1997 S. 82 E. 2b/
aa
; ZAK 1991 S. 179 unten f. E.
3).
Nicht unter Umschulung fallen Massnahmen der sozialberuflichen Rehabi
li
tation (wie Gewöhnung an den Arbeitsprozess, Aufbau der Arbeitsmotivation, Stabilisierung der Persönlichkeit, Einüben der sozialen Grundelemente) mit dem primären Ziel, die Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person zu erreichen oder wieder herzustellen (ZAK 1992 S. 367 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts I 527/00 vom 30. April 2001).
2.
2.1
Die IV-Stelle führte in der Verfügung vom
9.
Juni 2015 insbesondere aus, der Versicherte habe als
Selbständige
rwerbender
in der Naturgartenpflege vor Ein
tritt des Gesundheitsschadens in den Jahren 2006 bis 2008 ein durchschnittli
ches
Bruttojahrese
inkommen von
Fr.
24‘600.-- erzielt. Gemäss der medizini
schen Beurteilung sei dem Versicherten die Ausübung einer
behinderungsange
passten
Tätigkeit als Hilfskraft
in einem 50%igen Pensum
zumutbar. Mit einer solchen Tätigkeit sei es dem Versicherten möglich, ein mindestens gleich hohes Ein
kommen wie vor Eintritt des Gesundheitsschadens zu erzielen. Da kein dau
ern
der, invaliditätsbedingter Minderverdienst vorliege, s
ei
die Gleichwertigkeit unter
dem Aspekt der Verdienstmöglichkeiten somit zu bejahen. Zudem habe der Ver
sicherte im Jahr 2004 einen eidgenössischen Fachausweis als Natur- und
Um
weltfachmann
erworben. Mit dieser Ausbildung sei ihm die Ausübung einer im Vergleich zur Tätigkeit vor Eintritt des Gesundheitsschadens
qualitativ gleich
wertigen Erwerbstätigkeit möglich. Da dem Versicherten die Ausübung einer sowohl qualitativ als auch betreffend Verdienstmöglichkeiten gleichwerti
gen Tätigkeit möglich sei, bestehe kein Anspruch auf eine Umschulung (
Urk.
2).
2.2
Der Versicherte liess in der Beschwerde vom 1
0.
Juli 2015
demgegenüber
vor
bringen, die von der Rechtsprechung festgesetzte 20%ige
Einkommenseinbusse
sei
für einen Umschulungsanspruch
keine
zwingende Voraussetzung
, sondern stell
e lediglich einen zu berücksichtigenden Richtwert dar, welcher unter
Einbe
zug
der gesamten Umstände des konkreten Einzelfalls jedenfalls zu relativieren sei. Bei der Prüfung des Bestehens einer Erwerbseinbusse sei kein kurzfristiger Blick statthaft, sondern
sei
eine langfristigere Betrachtung
notwendig
.
Dabei
sei gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts auch der qualitative Stellenwert der
beiden zu vergleichenden Berufe
mitzuberücksichtigen
.
Der Anspruch auf eine Um
schulung sei ausgewiesen, wenn man davon ausgehe, dass die angepasste Tätigkeit eine reine Hilfsarbeitertätigkeit sein solle. Werde auf die Ausübung einer Tätigkeit als Natur- und Umweltfachmann abgestellt, so sei das
Vali
den
ein
kommen
hypothetisch für eine Tätigkeit als Natur- und Umweltfachmann fest
zulegen. Da er diese Tätigkeit
nun gesundheitsbedingt
nur noch zu 50
%
ausü
ben könne, resultiere eine 50%ige Einkommenseinbusse.
Somit bestehe ein Anspruch auf Umschulung
(
Urk.
1).
3.
3.1
Im polydisziplinären Gutachten des
Y._
vom 2
0.
August 2014 wurde als Diag
nose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine Kachexie (BMI 16 kg/m2)
festge
halten, welche
im Zusammenhang mit
den
Behandlungen einer akuten
myelo
i
schen
Leukämie
im Jahr 2009 (mehrere
Kombinationschemotherapien
,
periph
ere Stammzellentransplantation) sowie
einer im Jahr 2010 aufgetretenen v
orüber
gehenden endoralen und he
p
a
tischen Graft-versus-host-
disease
s
tehe, wobei
ab
dem
1
7.
März 2011
eine
komplette morphologische immunphänotypische
und
zyto
genetische
Remission
eingetreten sei
(
Urk.
7/33/15)
. Die
Y._
-
Gutachter führten aus, der Versicherte
habe
sich von der Behandlung der Leukämie kör
p
er
lich noch nicht wieder erholt
.
W
egen der ausgeprägten Muskelschwäche seien dem Versicherten körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten, wie die angestammte Tätigkeit als Gärtner, nicht mehr zumutbar. Für eine körper
lich leichte
, wechselbelastende,
Tätigkeit bestehe
hingegen
eine 50%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit (
Urk.
7/33/
15-
16).
3.2
Beide Parteien gehen gestützt auf die
se
schlüssig begründete
Einschätzung des
Y._
zu Recht davon aus, dass dem Versicherten die angestammte Tätigkeit als
Gärtner nicht mehr zumutbar ist
, er hingegen in einer
leidens
angepassten Tä
tig
keit zu 50
%
arbeitsfähig ist
(
Urk.
1,
Urk.
2).
Die IV-Stelle wies
in der ange
foch
tenen Verfügung
darauf hin, dass der Versicherte im Jahr 2004 einen eid
ge
nössi
schen Fachausweis als Natur- und Umweltfachmann erworben habe und ihm mit dieser Ausbildung die Ausübung einer im Vergleich zur Tätigkeit vor Eintritt des Gesundheitssc
hadens qualitativ gleichwertige
Erwerbstätigkeit mög
lich sei (
Urk.
2
).
Der Versicherte liess demgegenüber in der Beschwerde die Frage,
ob ihm die Tätigkeit als Natur- und Umweltfachmann zumutbar
sei
,
sei
of
fen (
Urk.
1 S. 9).
3.3
Natur- und Umweltfachleute übernehmen gemäss
de
n auf dem
Internetangebot www.berufsberatung.ch des
Schweizerischen Dienstleistungszentrums Berufsbil
dung, Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung
abrufbaren Informationen
viel
fältige Aufgaben im Natur-, Landschafts- und Umwe
ltschutz sowie in der nach
haltig
en Entwicklung. Sie koordinieren und begleiten
auf Fachstellen, in Äm
tern
, in Umweltschutzorganisationen oder Betrieben
Projekte, wirken im
Geset
zes
voll
zug
mit und sind in der Beratung und Öffentlichkeitsarbeit tätig. An der Schnittstelle zwischen Entscheidungsträgern und Spezialistinnen leiten und koor
dinieren sie Projekte und begleiten deren Umsetzung.
3.4
Angesichts dieser Tätigkeitsumschreibung ist davon auszugehen, dass
der Beruf
des
Natur- und Umweltfachmann
s
weitgehend
als
Bürot
ätigkeit
ausgeübt werden
kann, welche nur mit einer körperlich leichten Belastung einhergeht und in
wech
seln
den Arbeitspositionen versehen werden kann, etwa
mithilfe eines
höhen
ver
stellbaren Pultes oder eines
Stehpultes
und durch gelegentliches Gehen am Ar
beitsplatz
.
Eine Tätigkeit als Natur- und Umweltfachmann in einem 50%igen Pensum ist dem Versicherten somit
gesundheitlich
zumutbar.
4.
4.1
Der Versicherte liess ausführen, auch
falls
ihm die Tätigkeit als
Natur
- und
Um
welt
fachmann
zumutbar s
ei
, so sei dies nur in einem 50%igen Pensum der Fall, weshalb eine Einkommensbusse von 50
%
resultiere und somit die
Erheblich
keits
grenze
von 20
%
, welche rechtsprechungsgemäss für den
Umschulungsan
spruch
bestehe, überschritten sei (
Urk.
1 S. 9).
Die IV-Stelle hat das
Validenein
kommen
des vor Eintritt des Gesundheitsschadens
im Bereich Naturgartenpflege
selbständigerwerbstätig
gewesenen
Versicherten anhand seines Durchschnitts
einkom
mens in den Jahren 2006-2008
auf
Fr.
24‘600.-- festgelegt
(
Urk.
7/35
).
Für die Festsetzung des
Invalideneinkommen
s
ging die IV-Stelle gestützt auf die Schweizerische Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik
(LSE)
da
von aus, dass der Lohn für eine 50%ige Tätigkeit als Hilfsarbeiter (LSE
2010 TA 1,
Total aller Branchen, Männer, Anforderungsniveau 4)
,
unter Berücksichti
gung eines Leidensabzugs in der Höhe von 10
%
aufgrund der Teilzeittätigkeit
,
im Jahr 2010
Fr.
27‘524.-- betrug (
Urk.
7/35).
In der angefochtenen Verfügung vom
9.
Juni 2015 führte die IV-Stelle daher aus, dass der Versicherte als Hilfs
arbeiter keine Lohneinbusse erleide.
Falls er einer Tätigkeit als Natur- und
Um
weltfachmann
nachgehe
,
falle das Invalideneinkommen noch höher aus
(
Urk.
2
).
4.2
Bei einem
Selbständigerwerbenden
, dessen Tätigkeit sich noch im Aufbau be
f
unden hat
oder der konjunkturbedingt vorübergehend ein tiefes Einkommen erzielt
hat
, d
arf
man einen Umschulungsanspruch nicht von vornherein daran scheitern lassen, dass aufgrund der aktuellen Verdienstmöglichkeiten die
Erheb
lichkeitsgrenze
nicht erreicht
ist
(vgl. Silvia Bucher, Eingliederungsrecht in der Invalidenversicherung, Bern 2011, S. 356 mit weiterem Hinweis). Doch der Ver
sicherte war bereits mehr als fünf Jahre lang selbständig erwerbstätig und er
zielte stets verhältnismässig tiefe Einkommen (
Urk.
7/1). Somit hat die IV-Stelle in ihrem Einkommensvergleich
(
Urk.
7/35)
in überzeugender Weise
und mit korrekter Berechnung
dargelegt, dass es dem Versicherten selbst in einer Hilfs
tätigkeit in einem Pe
nsum von 50
%
möglich wäre, ein geringfügig höheres
Einkommen zu erzielen
als
in den Jahren 2006 bis 2008 durchschnittlich als
Selbständigerwerbender
.
Entgegen der Ansicht des Versicherten besteht kein An
lass dazu, das
Valideneinkommen
nach Tabellenwerten festzulegen.
Da
beim Versicherten kein Mindereinkommen resultiert und ihm die Tätigkeit als Natur- und Umweltfachmann auch in qualitativer Hinsicht zumutbar ist, besteht kein Umschulungsanspruch.
4.
3
Ein Anspruch auf Umschulung besteht
überdies
nur, wenn und soweit diese zur erwerblichen Eingliederung unmittelbar erforderlich ist. Die subjektiven Fähig
keiten und Begabungen der versicherten Person sind bei der primär nach objek
ti
ven Gesichtspunkten zu beurteilenden Frage, ob eine notwendige und geeig
ne
te Eingliederungsmassnahme beruflicher Art gegeben ist, zwar mit zu be
rücksich
tigen und bilden Teil der in
Art.
8
Abs.
1
lit
. a IVG verankerten Geeig
netheit; sie sind aber nicht ausschlaggebend für die Begründung eines
Um
schulungs
an
spruchs
. Für die Beurteilung der Zumutbarkeit einer Tätigkeit kommt es nämlich nicht auf eine bloss subjektiv ablehnende Bewertung der in Frage stehenden Erwerbstätigkeit durch die versicherte Person an (Urteil des Bundesgerichts vom 1
2.
Dezember 2008 9C_644/2008 E. 3). So hat auch eine nie auf ihrem erlernten Beruf tätig gewesene Person keinen Anspruch auf eine ihren Neigungen ent
sprechende Ausbildung, wenn ihr zumutbare Tätigkeite
n ohne Umschulung offen
stehen
(Urteil des Bundesgerichts vom 1
3.
Juli 2004 I 849/02 E. 3.2.2).
D
er Ver
sicherte
ist derzeit
für jede Tätigkeit höchstens im Um
fang von 50
%
arbeits
fähig
(
Urk.
7/33/15-16)
, woran auch eine berufliche Um
schulung nichts ändern würde.
Im Jahr 2004 erwarb der Versicherte das
Fähig
keitszeugnis
als Natur- und Umweltfachmann
(
Urk.
7/2)
, diese Tätigkeit ist ihm gesundheitlich
im Um
fang von 50
%
zumutbar
(vgl. E. 3.4) und der Versicherte brachte keine anderen Argumente vor, weshalb ihm d
ie Ausübung dieser
Tätig
keit nicht möglich sein sollte. Es
besteht
somit auch
kein
Umschulungsan
spruch
, da sich eine Um
schu
lung für eine erwerbliche Eingliederung als nicht notwendig erweist.
4.4
Im Übrigen liegen seitens des Versicherten keine konkreten Vorschläge für eine Umschulung vor
, weshalb
nicht bekannt
ist, ob der Versicherte sich auf eine berufliche Tätigkeit umschulen lassen möchte, welche besser
entlöhnt
ist, als diejenige als Natur- und Umweltfachmann
.
D
ie
Übernahme einer höherwertigen
Ausbildung
kommt
im Rahmen eines Umschulungsanspruchs
insbesondere dann
in Frage, wenn jemand mit einer Teilzeittätigkeit auf höherem
Ausbil
dungs
ni
veau
so viel verdienen kann wie vor Eintritt der Invalidität mit einer
Vollzeit
tätigkeit
(Silvia Bucher, a.a.O., S. 365).
Doch der Versicherte kann mit einer Arbeitstätigkeit
als Natur- und Umweltfachmann
in einem 50%igen Pen
sum auch ohne Umschulung
bereits
ein Einkommen erzielen, welches
über
demje
ni
gen vor Eintritt der Invalidität
liegt
(vgl. E
. 4.1-2
)
.
Die Übernahme
von Kosten
für eine Umschulung ist
unter diesen Umständen weder erforderlich noch ver
hältnismässig.
4.5
Schliesslich
tritt der Versicherungsfall bezüglich der Umschulung nicht ein, so
lange der Gesundheitszustand eine solche Eingliederungsmassnahme nicht er
laubt (BGE 112 V 275 E. 2c). Die erforderlichen medizinischen Behandlungen und
Rehabilitationsmassnahmen müssen abgeschlossen sein (BGE 113 V 261 E. 1b)
.
D
ie
Y._
-Gutachter
hielten am 2
0.
August 2014
jedoch
fest, dass berufliche Mass
nahmen derzeit nicht zu empfehlen seien und vorerst mit den vorgeschla
genen medizinischen Massnahmen (hochkalorische Ernährung mit einem mus
kulären
Aufbautraining, am erfolgreichsten in einem stationären Rahmen
,
zur Verbesse
rung der Arbeitsfähigkeit innerhalb von sechs bis zwölf Monaten) versucht wer
den
solle, die Arbeitsfähigkeit zu ver
besser
n. Die aktuell bestehende Arbeits
fähig
k
eit könne der Versicherte ohne fremde Hilfe verwerten (
Urk.
7/33/17).
So
mit
ist der
Umschulu
ng
sanspruch aktuell auch zu verneinen
, weil die medizi
ni
sche Behandlung
,
soweit aus den Akten ersichtlich
,
noch nicht abgeschlossen ist.
4.6
Da kein
Umschulungsanspruch
besteht, ist die Beschwerde
gegen die Verfügung vom
9.
Juni 2015
abzuweisen.
5
.
5.1
Gemäss Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige
rung von Versicherungsleistungen kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert innerhalb des gesetzli
chen Rahmens auf
Fr.
400.-- festzulegen. Die Kosten sind dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen, jedoch infolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.2
Ausgangsgemäss ist der
unentgeltliche
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Holger Hügel, nach Einsicht in die dem Verfahrensaufwand an
gemessene Kostennote vom
6.
November 2015 (
Urk.
11), für seine Bemühungen mit
Fr.
1‘733.50 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichts
kasse zu entschädigen.
Der Beschwerdeführer ist darauf hinzuweisen, dass er dies
bezüglich ebenso wie
bezüglich der Gerichtskosten laut
§
16
Abs.
4 des Ge
setzes über das Sozialversicherungsgericht zur Nachzahlung verpflichtet ist, so
bald
er dazu in der Lage ist.