Decision ID: 343d8120-e90c-564a-9e75-5af2591c2fa3
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Am 16. Februar 2017 richtete das Central Liaison Office for Internatio-
nal Cooperation, Bundesministerium für Finanzen, Brehmstrasse 14, 1110
Wien (nachfolgend: CLO oder ersuchende Behörde) gestützt auf Art. 26
des Abkommens vom 30. Januar 1974 zwischen der Schweizerischen Eid-
genossenschaft und der Republik Österreich zur Vermeidung der Doppel-
besteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Ver-
mögen (SR 0.672.916.31, DBA CH-AT) ein Amtshilfeersuchen an die Eid-
genössische Steuerverwaltung (ESTV; nachfolgend auch: Vorinstanz).
Als vom Ersuchen betroffene Personen nannte das CLO mutmasslich in
Österreich steuerpflichtige Personen, die anhand von Kundenstammnum-
mern gemäss einer dem Ersuchen beigelegten Liste identifizierbar seien.
Als Informationsinhaberin in der Schweiz wurde die UBS Switzerland AG
(nachfolgend: UBS oder Bank) genannt. Die Informationen würden für die
Erhebung der Einkommenssteuer, die Kapitalertragssteuer und die Körper-
schaftssteuer für die Steuerjahre 2012 bis 2015 benötigt.
A.b Gemäss der ersuchenden Behörde basiert das Ersuchen auf einer
Auflistung von Bankverbindungen mit Vermögensdaten, die anlässlich ei-
ner Hausdurchsuchung bei einer deutschen Niederlassung der UBS si-
chergestellt und den österreichischen Behörden von Deutschland gestützt
auf die europäische Richtlinie 2011/2016/EU als Spontaninformation zur
Verfügung gestellt worden sei. Die deutschen Behörden hätten dabei einer
Weiterverwendung der betroffenen Informationen gegenüber der Schweiz
zugestimmt. Aus der (elektronisch verfügbaren) Aufstellung gehe hervor,
dass diese Bankverbindungen und Vermögensdaten Personen zuzuord-
nen seien, welche einen steuerlichen Bezug zu Österreich hätten (Domizil-
code 12400 -12409). Die Aufstellung enthalte das Vermögen im Jahr 2006
und 2008 sowie [mehrere tausend] eindeutig zuordenbare Kundennum-
mern, jedoch keine Namen oder sonstigen Daten der betroffenen Perso-
nen. Damit sei eine weitere Ermittlungstätigkeit gegenüber den betroffenen
Personen ohne Mithilfe der Schweiz nicht möglich.
Durch das Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Schwei-
zerischen Eidgenossenschaft über die Zusammenarbeit in den Bereichen
Steuern und Finanzmarkt sollte die (Nach-)versteuerung von Kontobezie-
hungen für in Österreich ansässige Personen garantiert werden. Bekannt-
lich seien jedoch insbesondere im Jahr 2012 etliche Bankbeziehungen in
der Schweiz vor Inkrafttreten des Abkommens beendet worden. Auch
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könne es andere Gründe geben, warum das Abkommen für bestimmte
Konten nicht greife. Bei solchen Kontobeziehungen bestehe ein verstärkter
begründeter Verdacht, dass diese Bankbeziehungen der Abgabenhinter-
ziehung dienen könnten. Im Zuge der Kontrolltätigkeit der österreichischen
Finanzverwaltung sei es daher unbedingt notwendig, die Inhaber gerade
solcher Konten bzw. die Deklaration von im Zusammenhang mit diesen
Konten entstandenen steuerpflichtigen Erträgen überprüfen zu können.
Aus oben genannten Gründen seien die angefragten Informationen zu
Konten, welche nicht unter obgenanntes Abkommen fallen, voraussichtlich
erheblich für die Einkommens-, Körperschaft- und Kapitalertragsbesteue-
rung in Österreich.
Die Guthaben, welche auf dieser Liste verzeichnet seien, würden sich auf
über [mehrere] Milliarden Schweizer Franken belaufen, was möglicher-
weise einen Ausfall an Steuergeldern bis zu (...) Milliarden Euro für den
österreichischen Fiskus bedeuten könnte.
Ein Abgleich der auf der Liste enthaltenen Kundenstammnummern auf Ba-
sis des Abkommens zwischen der Republik Österreich und der Schweize-
rischen Eidgenossenschaft über die Zusammenarbeit in den Bereichen
Steuern und Finanzmarkt sowie des EU-Zinsbesteuerungsabkommens
habe zur Zuordnung und Aussonderung von [mehreren hundert] Konten
geführt.
A.c Konkret ersucht das CLO die ESTV für jedes im Anhang des Ersu-
chens aufgeführte Bankkonto um die Übermittlung der folgenden Informa-
tionen für den Zeitraum vom 1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2015:
a) Name(n)/Vorname(n), Geburtsdaten und letzte bekannte Domi-
ziladresse gemäss den Bankunterlagen der Kontoinhaber und der wirt-
schaftlich berechtigten Personen bzw. von deren Rechtsnachfolgern.
b) Die Kontosalden jeweils per 1. Januar der Jahre 2012 bis 2015 und per
31. Dezember 2015.
c) Davon ausgenommen sind Bankkonten, die gemäss entsprechenden
Abkommen der Abgeltungssteuer unterlagen bzw. als «technische
Konten» gelten.
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B.
B.a Mit Editionsverfügung vom 28. April 2017 forderte die Vorinstanz die
UBS auf, die ersuchten Informationen einzureichen. Zudem bat sie, die be-
troffenen bzw. beschwerdeberechtigten Personen mit noch aktiven Ge-
schäftsbeziehungen über das Amtshilfeverfahren zu informieren.
B.b Darüber hinaus informierte die ESTV die betroffenen/beschwerdebe-
rechtigten Personen mittels Publikation im Bundesblatt vom 13. Juni 2017
(BBl 2017 3964) über das laufende Amtshilfeverfahren und forderte diese
auf, in der Schweiz ein Zustelldomizil zu bezeichnen. Gleichzeitig wies sie
auf die Möglichkeit der Teilnahme im sog. vereinfachten Verfahren hin, an-
sonsten das Verfahren mittels Schlussverfügung abgeschlossen werde.
B.c Mit Schreiben vom 28. Juni 2017 präzisierte die ESTV die Editionsver-
fügung gegenüber der UBS dahingehend, dass vor dem Hintergrund des
im Amtshilfeverfahren geltenden Subsidiaritätsprinzips diejenigen Konto-
nummern zu kennzeichnen seien, bei denen eine Meldung gegenüber Ös-
terreich bereits im Rahmen des (ehemaligen) EU-Zinsbesteuerungsab-
kommens (heute: Abkommen über den automatischen Informationsaus-
tausch über Finanzkonten zur Förderung der Steuerehrlichkeit bei interna-
tionalen Sachverhalten [AIA, SR 0.641.926.81]) erfolgt sei.
B.d Am 28 Juli 2017 gab die UBS die von ihr einverlangten Daten fristge-
recht an die ESTV heraus.
C.
Mit Schreiben vom 27. September 2017 teilte die ESTV dem CLO mit, wel-
che der im Ersuchen erwähnten Kontobeziehungen bei der UBS per 1. Ja-
nuar 2012 bereits saldiert waren.
D.
Nachdem die Fondation X._, A._, und B._, alle ver-
treten durch denselben Rechtsanwalt, als vom Amtshilfeersuchen be-
troffene Personen ihre Verfahrensteilnahme erklärt hatten, gewährte die
ESTV ihnen mit Schreiben vom 3. bzw. 30. Oktober 2017 antragsgemäss
Akteneinsicht. Weiter wies die ESTV darauf hin, dass sie über den weiteren
Verlauf des Verfahrens zu gegebener Zeit informieren werde und – sollte
sie zum Schluss kommen, dass Amtshilfe zu leisten sei – Gelegenheit zur
Stellungnahme einräumen werde.
E.
Am 7. November 2017 leistete die ESTV für einen Teil der Fälle, bei denen
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eine Zustimmung zur Informationsübermittlung erfolgt war, Amtshilfe im
vereinfachten Verfahren.
F.
Mit drei separaten Schreiben vom 16. März 2018 bezeichnete die ESTV
gegenüber dem CLO jene Konten, für die infolge bereits erfolgter Offenle-
gung im Rahmen des (ehemaligen) EU-Zinsbesteuerungsabkommens und
des (ehemaligen) Quellensteuerabkommens mit Österreich (beide heute:
AIA) bzw. wegen einer bereits erhobenen Abgeltungssteuer keine Amts-
hilfe geleistet werden könne.
G.
In Erwartung eines Grundsatzurteils des Bundesgerichts bezüglich eines
ähnlichen Amtshilfeersuchens der französischen Behörden, welches auf
Daten derselben Quelle basierte, setzte die ESTV die Bearbeitung der auf
dem Amtshilfeersuchen des CLO vom 16. Februar 2017 basierenden Ver-
fahren vorübergehend aus.
H.
Mit Urteil vom 26. Juli 2019 erkannte das Bundesgericht im Amtshilfever-
fahren betreffend das französische Ersuchen, dass Amtshilfe zu leisten sei
(Urteil des BGer 2C_653/2018 vom 26. Juli 2019 [teilweise publiziert in:
BGE 146 II 150]). Die schriftliche Urteilsbegründung wurde im Dezember
2019 veröffentlicht.
I.
Mit Schreiben vom 16. Januar 2020 informierte die ESTV die ersuchende
Behörde über die neusten Entwicklungen in der Rechtsprechung und über
ihre Auffassung, wonach der vom CLO zum Ausdruck gebrachte Verdacht,
dass die Mehrheit der vom Gesuch betroffenen Konten den österreichi-
schen Behörden nicht gemeldet worden seien (Globalverdacht der Steuer-
hinterziehung) nach der neusten Rechtsprechung eine «fishing expedition»
ausschliesse. Schliesslich wies sie darauf hin, dass allfällige bereits im
Rahmen des AIA übermittelten Daten vom vorliegenden Austausch ausge-
schlossen seien, und bat um Klärung der in Österreich geltenden Verjäh-
rungsfristen.
J.
Mit Schreiben vom 24. Januar 2020 bestätigte das CLO das Vorliegen des
Globalverdachts der Steuerhinterziehung und wies auf die innerstaatliche
Verjährungsfrist von 10 Jahren für die Abgabefestsetzung hin. Allerdings
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sei eine Verlängerung dieser Festsetzungsverjährung gewährleistet, wenn
die Abgabefestsetzung von der Erledigung einer Beschwerde abhänge.
K.
Mit Schlussverfügung vom 23. November 2020 qualifizierte die ESTV das
Amtshilfeersuchen Österreichs als zulässig und ordnete die Amtshilfeleis-
tung in Bezug auf die vom CLO erfragten und von der UBS edierten Bank-
kundeninformationen betreffend die Fondation X._ sowie
A._ und B._ an.
L.
Dagegen liessen die Fondation X._ sowie A._ und
B._ (nachfolgend: die Beschwerdeführenden) mit einer gemeinsa-
men Eingabe vom 22. Dezember 2020 beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde erheben. Sie beantragen, die angefochtene Schlussverfü-
gung sei aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen; eventualiter sei die angefochtene Schlussverfügung auf-
zuheben und auf das Amtshilfeersuchen des CLO nicht einzutreten; alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Vorinstanz.
Zur Begründung verweisen die Beschwerdeführenden vorab auf formelle
Mängel der angefochtenen Schlussverfügung. Sie sei erstens «in Vertre-
tung» von einer unbekannten und möglicherweise unberechtigten Person
unterzeichnet worden. Zweitens liege eine Verletzung ihres Anspruchs auf
rechtliches Gehör vor, denn die ESTV stütze sich in ihrer Schlussverfügung
zu ihrem Nachteil auf Aktenstücke, in die sie keine Einsicht erhalten hätten.
Unter dem Titel «materielle Beschwerdegründe» machen die Beschwerde-
führenden zusammengefasst eine unzulässige Rückwirkung der Bestim-
mung, wonach die Identifikation von Steuerpflichtigen auf andere Weise als
durch Namen möglich ist, geltend. Weiter sind sie der Ansicht, die ersuch-
ten Informationen seien mangels Ansässigkeit und Steuerpflicht der Be-
schwerdeführenden in Österreich nicht relevant und das vorliegende
«Gruppenersuchen» stelle eine sog. unzulässige «fishing expedition» dar.
Sodann werde mit dem vorliegenden Ersuchen der völkerrechtliche Grund-
satz von Treu und Glauben verletzt, denn am Ursprung dieses Ersuchens
stehe eine Verletzung des Schweizerischen Bankkundengeheimnisses, es
stütze sich also auf Daten deliktischen Ursprungs.
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M.
In ihrer Vernehmlassung vom 11. Oktober 2021 beantragt die Vorinstanz
die kostenfällige Abweisung der Beschwerde.
N.
Mit unaufgefordert eingereichter Stellungnahme vom 20. Oktober 2021
liessen die Beschwerdeführenden an ihren bisherigen Anträgen und Aus-
führungen festhalten und subeventualiter einen Ergänzungsantrag hin-
sichtlich der Akteneinsicht in die vorinstanzlichen Akten stellen.
O.
Mit Zwischenverfügung vom 25. Oktober 2021 hiess der Instruktionsrichter
das subeventualiter gestellte Akteneinsichtsgesuch der Beschwerdefüh-
renden insoweit gut, als er ihnen die vorinstanzlichen Akten (gespeichert
auf einem USB-Stick) zusandte. Weiter verfügte er, dass über das Akten-
einsichtsgesuch, soweit es sich auf Unterlagen beziehe, die sich nicht in
den vorinstanzlichen Akten befänden, zu einem späteren Zeitpunkt ent-
schieden werde.
Auf die detaillierten Vorbringen in den Eingaben der Parteien wird – sofern
sie entscheidwesentlich sind – im Rahmen der Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegt ein Amtshilfeersuchen des österrei-
chischen CLO gestützt auf Art. 26 des DBA CH-AT zugrunde. Die Durch-
führung dieser Abkommensbestimmung richtet sich – unter Vorbehalt ab-
weichender Regelungen im DBA CH-AT – nach dem Steueramtshilfege-
setz vom 28. September 2012 (StAhiG, SR 651.1; vgl. Art. 1 StAhiG).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung von Beschwerden
gegen Schlussverfügungen der ESTV betreffend die internationale Amts-
hilfe in Steuersachen zuständig (vgl. Art. 19 Abs. 5 StAhiG i.V.m. Art. 31 ff.
des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]).
Das Verfahren vor diesem Gericht richtet sich nach dem Verwaltungsver-
fahrensgesetz vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), soweit das
VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Die Beschwerdeführenden
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haben am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen und sind als Adressa-
ten der angefochtenen Schlussverfügung und Personen, die vom Amtshil-
feersuchen betroffen sind bzw. über welche Daten übermittelt werden sol-
len, zur Beschwerdeführung legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 19
Abs. 2 StAhiG). Auf die frist- und formgerecht (vgl. Art. 50 Abs. 1 und
Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführenden können neben der
Verletzung von Bundesrecht und der unrichtigen oder unvollständigen
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts auch die Unangemes-
senheit rügen (Art. 49 Bst. a bis c VwVG).
2.
Mit ihrem Hauptantrag verlangen die Beschwerdeführenden die Aufhebung
der angefochtenen Schlussverfügung und Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz aus formellen Gründen.
2.1 Sie machen geltend, dass die vorinstanzliche Verfügung lediglich «in
Vertretung» von einer für sie nicht erkennbaren und möglicherweise nicht
berechtigten Person unterzeichnet worden sei.
2.1.1 Schlussverfügungen der ESTV im Bereich der Steueramtshilfe sind
grundsätzlich schriftlich zu eröffnen (Art. 5 Abs. 1 StAhiG i.V.m. Art. 34
Abs. 1 VwVG). Diese sind weiter als Verfügungen zu bezeichnen und müs-
sen eine Begründung sowie eine Rechtsmittelbelehrung enthalten (Art. 5
Abs. 1 StAhiG i.V.m. Art. 35 VwVG).
2.1.2 Im kürzlich ergangenen Urteil A-6219/2020 vom 31. Mai 2021, wel-
ches ebenfalls ein Steueramtshilfeverfahren basierend auf einem sog. Lis-
tenersuchen betraf, erwog das Bundesverwaltungsgericht, dass die hand-
schriftliche Unterschrift der Verfügung im Bereich der internationalen Steu-
eramtshilfe kein Gültigkeitserfordernis darstelle (E. 3.2 ff. des Urteils). Es
begründete dies in erster Linie damit, dass weder das StAhiG noch das
VwVG ein Unterschriftserfordernis für Verfügungen ausdrücklich vorsähen;
dies namentlich im Gegensatz zur Regelung bei der Beschwerdeschrift
(vgl. Art. 52 Abs. 1 VwVG) oder bei Entscheiden des Bundesverwaltungs-
gerichts (s. Art. 35 des Geschäftsreglements für das Bundesverwaltungs-
gericht vom 17. April 2008 [VGR, SR 173.320.1]; ausführlich dazu: E. 3.5.1
des genannten Urteils). Weiter wies das Gericht darauf hin, dass die Un-
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terschrift auch im Bereich der sog. Massenverfahren generell kein Gültig-
keitserfordernis darstelle (E. 3.5.2 des Urteils). Es kam daher zum Schluss,
dass die Unterzeichnung der Schlussverfügung durch eine Person der
ESTV «im Auftrag» einer anderen Person nicht zu beanstanden sei.
An den dargelegten rechtlichen Erwägungen des Urteils A-6219/2020 vom
31. Mai 2021 und der Schlussfolgerung ist auch für das vorliegende Ver-
fahren festzuhalten. Nichts an der rechtlichen Beurteilung ändert, dass die
Unterschrift nicht «im Auftrag», sondern «in Vertretung» erfolgte. Sodann
ist entgegen der Andeutung der Beschwerdeführenden vorliegend trotz der
«in Vertretung» erfolgten Unterschrift sowohl die verfügende Behörde,
nämlich die ESTV, Dienst für Informationsaustausch, als auch die Person,
in deren Namen unterschrieben wurde und die letztlich den Entscheid zu
verantworten hat, klar ersichtlich. Es bestehen keine Zweifel, dass die
Schlussverfügung von der sachlich und funktionell zuständigen Behörde
erlassen wurde.
2.2 Die Beschwerdeführenden sehen weiter ihren Anspruch auf rechtliches
Gehör verletzt. Sie machen geltend, dass sich die Vorinstanz im Zusam-
menhang mit dem Aspekt der Verletzung des Grundsatzes von Treu und
Glauben zu ihrem Nachteil auf eine Erklärung der deutschen Steuerbe-
hörde stütze, welche diese im Rahmen eines parallel hängigen Amtshilfe-
verfahrens abgegeben habe. Zudem stelle die Vorinstanz auf Eingaben
von Personen ab, die von einem ähnlich lautenden Amtshilfeersuchen ge-
stützt auf dieselbe Datenquelle betroffen seien. Sie (die Beschwerdefüh-
renden) hätten keine Kenntnis von diesen Aktenstücken und hätten sich im
vorinstanzlichen Verfahren auch nicht zu deren Inhalt äussern können.
2.2.1 Das Recht auf Akteneinsicht ist Teil des verfassungsrechtlichen An-
spruchs auf rechtliches Gehör, welcher in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfas-
sung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV, SR 101) verankert ist
(BGE 140 V 464 E. 4.1, 135 II 286 E. 5.1). Sinn und Zweck des Aktenein-
sichtsrechts ist, dass die Parteien die Elemente kennen, die für den Ent-
scheid der Behörde bzw. des Gerichts möglicherweise relevant sein kön-
nen (BERNHARD WALDMANN/MAGNUS OESCHGER, in: Waldmann/Weissen-
berger [Hrsg.], Praxiskommentar zum Bundesgesetz über das Verwal-
tungsverfahren, 2. Aufl. 2016 [nachfolgend: Praxiskommentar VwVG],
Art. 26 N 32).
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Seite 10
Im Bereich der internationalen Steueramtshilfe wird (für das Verfahren vor
der ESTV) das Recht auf Akteneinsicht explizit in Art. 15 StAhiG festgehal-
ten. Gemäss Art. 15 Abs. 1 StAhiG können sich die beschwerdeberechtig-
ten Personen am Verfahren beteiligen und Einsicht in die Akten nehmen.
Soweit die ausländische Behörde Geheimhaltungsgründe hinsichtlich ge-
wisser Aktenstücke glaubhaft macht, kann die ESTV gemäss Art. 15 Abs. 2
StAhiG einer beschwerdeberechtigten Person die Einsicht in die entspre-
chenden Aktenstücke nach Art. 27 VwVG verweigern. Im Übrigen finden
die Bestimmungen des VwVG Anwendung, soweit das StAhiG nichts an-
deres bestimmt (vgl. Art. 5 Abs. 1 StAhiG).
Gemäss Art. 26 Abs. 1 VwVG hat die Partei oder ihr Vertreter u.a. Anspruch
darauf, in ihrer Sache alle als Beweismittel dienenden Aktenstücke (Bst. b)
einzusehen. Nach Art. 27 Abs. 1 VwVG darf die Behörde die Einsicht-
nahme in die Akten nur verweigern, wenn wesentliche öffentliche Interes-
sen des Bundes oder der Kantone, insbesondere die innere oder äussere
Sicherheit der Eidgenossenschaft, die Geheimhaltung erfordern (Bst. a),
wesentliche private Interessen, insbesondere von Gegenparteien, die Ge-
heimhaltung erfordern (Bst. b) oder das Interesse einer noch nicht abge-
schlossenen amtlichen Untersuchung es erfordert (Bst. c). Die Verweige-
rung der Einsichtnahme darf sich nur auf jene Aktenstücke erstrecken, für
die Geheimhaltungsgründe bestehen (Art. 27 Abs. 2 VwVG). Wird einer
Partei die Einsichtnahme in ein Aktenstück verweigert, so darf auf dieses
zum Nachteil der Partei nur abgestellt werden, wenn ihr die Behörde von
seinem für die Sache wesentlichen Inhalt mündlich oder schriftlich Kennt-
nis und ihr ausserdem Gelegenheit gegeben hat, sich zu äussern und Ge-
genbeweismittel zu bezeichnen (Art. 28 VwVG). Liegen Geheimhaltungs-
gründe vor, ist aufgrund einer Interessenabwägung zwischen dem Ge-
heimhaltungsinteresse einerseits und dem Interesse auf Akteneinsicht an-
dererseits abzuwägen. Wegleitend für die Abwägung ist das Verhältnis-
mässigkeitsprinzip (Art. 5 Abs. 2 BV; Zwischenverfügung des BVGer
A-6337/2014 vom 7. April 2015 E. 2 mit Hinweisen; WALDMANN/OESCH-
GER, Praxiskommentar VwVG, Art. 27 N 3 f.).
2.2.2 Wie sich aus den Vorbringen der Beschwerdeführenden und der
Ziff. 6.4 der angefochtenen Schlussverfügung ergibt, handelt es sich bei
den streitbetroffenen Aktenstücken um eine durch die deutsche Steuerbe-
hörde im Rahmen eines parallelen Amtshilfeverfahrens abgegebene Erklä-
rung, eine durch die UBS in einem laufenden Untersuchungsverfahren der
Bundesanwaltschaft eingereichte Stellungnahme sowie um einen Durch-
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Seite 11
suchungsbeschluss der Staatsanwaltschaft Bochum. Die Vorinstanz ver-
weigerte die Einsicht in diese Akten im vorinstanzlichen Verfahren laut
Schlussverfügung, weil es sich dabei um Akten betreffend Drittverfahren
handle, die nicht zu den Verfahrensakten gehörten. Soweit sie (die ESTV)
diese Akten vorliegend für die Sachverhaltsfeststellung beigezogen habe,
könne für deren wesentlichen Inhalt auf die bereits gemachten Ausführun-
gen in der Schlussverfügung verwiesen werden. Da sich der für die Beur-
teilung von Art. 7 Bst. c StAhiG relevante Sachverhalt bereits rechtsgenüg-
lich aus dem Amtshilfeersuchen ergebe, habe sie (die ESTV) davon abse-
hen können, den Parteien vor Erlass der Schlussverfügung Gelegenheit zu
geben, sich dazu zu äussern, zumal sie nicht zum Nachteil der Parteien
auf diese Akten abstelle (zum Ganzen: Schlussverfügung Ziff. 6.4 in fine).
2.2.3 Die Argumentation der Vorinstanz, wonach es sich bei den streitbe-
troffenen Akten nicht um Verfahrensakten handle, vermag nicht zu über-
zeugen: In der Schlussverfügung führt sie selbst aus, dass zu klären sei,
ob den Parteien Einsicht in diese Aktenstücke zu gewähren sei, die für die
Sachverhaltsfeststellung beigezogen worden seien. Dass die Vorinstanz
einen Aktenbeizug nicht formell verfügt hat, ändert nichts am Umstand,
dass sie diese Akten im Rahmen der Begründung der Schlussverfügung
erwähnt und somit verwendet hat. Die Frage, ob die Erwähnung dieser
Aktenstücke notwendig war, kann hier offenbleiben. Zu prüfen bleibt viel-
mehr, ob Gründe für die Einschränkung der Akteneinsicht bestehen.
2.2.4 Vorliegend hat die ersuchende Behörde in Bezug auf die streitbe-
troffenen Akten keine Geheimhaltungsgründe glaubhaft gemacht. Die Ein-
schränkung der Akteneinsicht muss daher in Anwendung von Art. 27 VwVG
durch überwiegende private oder öffentliche Interessen gerechtfertigt sein.
Was die Erklärung der deutschen Steuerbehörde in einem parallelen Amts-
hilfeverfahren (siehe dazu auch: Urteil des BVGer A-1499/2017 vom 3. Au-
gust 2017 Bst. F.d des Sachverhalts) sowie den Durchsuchungsbeschluss
der Staatsanwaltschaft Bochum betrifft, so ist davon auszugehen, dass die
deutschen Behörden nicht wollen, dass diese Dokumente in Amtshilfever-
fahren, die von anderen Staaten ausgelöst wurden, vollständig offengelegt
werden. Die Gewährung der Akteneinsicht in solche Dokumente könnte zu
Verstimmungen im Verhältnis der schweizerischen und deutschen Behör-
den führen, was nicht im Interesse der Schweiz wäre, der daran gelegen
ist, im internationalen Verhältnis gute Beziehungen zwischen den Behör-
den zu pflegen (vgl. Zwischenverfügung des BVGer A-5506/2015 vom
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Seite 12
23. März 2016 E. 4.2). Gleichsam dürfte auch die in das deutsche Strafver-
fahren involvierte Bank ein erhebliches Interesse an der Geheimhaltung
der sie betreffenden Strafakten (hier: des Durchsuchungsbeschlusses) und
einer Stellungnahme in einem strafrechtlichen Gerichtsverfahren haben.
Demgegenüber erscheint das Interesse der Beschwerdeführenden an der
Akteneinsicht als weniger gewichtig, zumal sie von diesen, in anderen Ver-
fahren erstellten Akten im Wesentlichen nur insofern betroffen sind, als
diese zum Verständnis des Gesamtkontextes beitragen. Dieser Gesamt-
kontext bildete zwischenzeitlich aber auch Gegenstand mehrerer öffentlich
zugänglicher Gerichtsurteile und kann diesen hinreichend entnommen
werden. Nach dem Gesagten ist aufgrund von Art. 27 Abs. 1 Bst. a und b
VwVG im Ergebnis nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die Einsicht
in die streitbetroffenen Akten verweigert hat.
2.2.5 Zu prüfen bleibt, ob diese Aktenstücke im Zusammenhang mit einer
allfälligen Verletzung von Treu und Glauben zum Nachteil der Beschwer-
deführenden verwendet wurden (vgl. dazu auch: E. 4.5.3).
In Ziff. 6.5 der Schlussverfügung setzt sich die Vorinstanz mit der Frage
auseinander, ob das Amtshilfeersuchen überhaupt auf einer «strafbaren
Handlung» basiert. Weiter erwägt sie, dass – selbst wenn am Ursprung des
Ersuchens eine strafbare Handlung gestanden hätte – die Kausalkette na-
mentlich durch die Hausdurchsuchung bei der Bank in Deutschland durch-
brochen worden sei. Schliesslich verneint die Vorinstanz eine Verletzung
von Treu und Glauben durch den ersuchenden Staat, weil Österreich keine
Zusicherung abgegeben habe, keine gestohlenen Daten zu verwenden,
und die ersuchende Behörde die Daten auf legalem Weg amtshilfeweise
erhalten habe.
Bei genauer Betrachtung der vorinstanzlichen Begründungskaskade ent-
puppt sich die fehlende Zusicherung Österreichs und der Umstand, dass
Österreich die Daten auf legalem Weg erhalten hat, als Hauptbegründung,
die in keinem Zusammenhang mit den streitbetroffenen Aktenstücken
steht. Zwar weisen die vorangestellten Ausführungen inhaltlich einen Be-
zug zu den streitbetroffenen Akten auf, dennoch stützt die Vorinstanz ihre
Argumentation nicht auf diese Aktenstücke, sondern auf ein Urteil des Bun-
desstrafgerichts und einen Presseartikel. Dass das vorliegende Ersuchen
auf Daten basiert, die aus einer Hausdurchsuchung bei einer deutschen
Niederlassung einer schweizerischen Bank stammen, ergibt sich sodann
explizit aus dem Amtshilfeersuchen. Es ist folglich nicht erkennbar, dass
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Seite 13
die Vorinstanz in Missachtung von Art. 28 VwVG zum Nachteil der Be-
schwerdeführenden auf die streitbetroffenen Aktenstücke abgestellt hat. Zu
ergänzen ist, dass die Vorinstanz den wesentlichen Inhalt der streitbetroffe-
nen Akten mit der Schlussverfügung bekanntgegeben hat. Eine Verletzung
des rechtlichen Gehörs durch die Vorinstanz liegt nicht vor (vgl. dazu auch:
Urteil des BVGer A-3045/2020 vom 29. März 2021 E. 5.4).
3.
3.1 Die Amtshilfeklausel von Art. 26 DBA CH-AT entspricht in seinem heute
geltenden Wortlaut weitgehend demjenigen von Art. 26 des Musterabkom-
mens der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwick-
lung (nachfolgend: OECD-MA; siehe Fassung gemäss Art. II des Protokolls
vom 3. September 2009 zur Abänderung des DBA CH-AT, in Kraft getreten
am 1. März 2011 [AS 2011 823, nachfolgend: Änderungsprotokoll] und Bot-
schaft vom 20. Januar 2010 zur Genehmigung eines Protokolls zur Ände-
rung des DBA CH-AT [BBl 2010 1303, 1307]). Diese (revidierte) Bestim-
mung zum Informationsaustausch findet Anwendung auf Veranlagungs-
jahre, die ab dem 1. Januar 2012 beginnen (vgl. Art. IV Ziff. 2 des Ände-
rungsprotokolls [AS 2011 823]).
3.2
3.2.1 Gemäss Art. 26 Abs. 1 DBA CH-AT tauschen die zuständigen Behör-
den der Vertragsstaaten unter sich diejenigen Informationen aus, «die zur
Durchführung dieses Abkommens oder zur Anwendung oder Durchset-
zung des innerstaatlichen Rechts betreffend die unter das Abkommen fal-
lenden Steuern voraussichtlich erheblich sind, soweit die diesem Recht
entsprechende Besteuerung nicht dem Abkommen widerspricht». Dabei ist
der Informationsaustausch nicht durch Art. 1 DBA CH-AT (persönlicher An-
wendungsbereich), wonach das Abkommen (nur) für in einem Vertrags-
staat oder in beiden Vertragsstaaten ansässige Personen gilt, beschränkt.
Zu den unter das Abkommen fallenden Steuern zählt namentlich die Ein-
kommenssteuer (einschliesslich der Steuern vom Gewinn aus der Ver-
äusserung beweglichen oder unbeweglichen Vermögens) und die Körper-
schaftssteuer in Österreich (vgl. Art. 2 DBA CH-AT, insbesondere Abs. 3
Ziff. 1 Bst. a und b sowie Abs. 2).
3.2.2 Art. 26 Abs. 2 DBA CH-AT enthält das sog. Spezialitätsprinzip, wo-
nach die im Rahmen des Informationsaustauschs erhaltenen Daten im
Grundsatz ebenso geheim zu halten sind wie die aufgrund des innerstaat-
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lichen Rechts beschafften Informationen und regelt unter welchen Voraus-
setzungen diese Daten dennoch zugänglich gemacht und weiterverwendet
werden dürfen.
3.2.3 Nach Art. 26 Abs. 3 DBA CH-AT sind die Absätze 1 und 2 nicht so
auszulegen, als verpflichteten sie einen Vertragsstaat, von den Gesetzen
oder der Verwaltungspraxis des einen oder des anderen Vertragsstaates
abzuweichen (Bst. a), oder Informationen zu erteilen, welche nach den Ge-
setzen oder im üblichen Verwaltungsverfahren eines der beiden Vertrags-
staaten nicht beschafft werden können (Bst. b). Schliesslich besteht auch
keine Verpflichtung zur Erteilung von Informationen, die ein Handels-, Ge-
schäfts-, Industrie-, Gewerbe- oder Berufsgeheimnis oder ein Geschäfts-
verfahren preisgeben würden oder deren Erteilung dem Ordre Public wi-
derspräche (Bst. c).
Art. 26 Abs. 5 DBA CH-AT enthält insofern eine Gegenausnahme, als er
bestimmt, dass Absatz 3 nicht so auszulegen sei, als könne ein Vertrags-
staat die Erteilung von Informationen nur deshalb ablehnen, weil sich die
Informationen bei einer Bank, einem sonstigen Finanzinstitut, einem Be-
vollmächtigten, Beauftragten oder Treuhänder befinden oder weil sie sich
auf das Eigentum einer Person beziehen. Ungeachtet des Absatz 3 oder
entgegenstehender Bestimmungen des innerstaatlichen Rechts verfügen
die Steuerbehörden des ersuchten Vertragsstaats über die Befugnis, die
Offenlegung der in diesem Absatz genannten Informationen durchzuset-
zen.
3.3 Im Zusammenhang mit Art. 26 DBA CH-AT ist weiter das zugehörige
Schlussprotokoll (eingefügt durch Art. VIII des Protokolls vom 21. März
2006 zur Abänderung des DBA CH-AT [AS 2007 1253], von der Bundes-
versammlung genehmigt am 6. Oktober 2006 [AS 2007 1251]; ebenfalls
unter SR 0.672.916.31) zu beachten.
3.3.1 Gemäss Ziff. 2 Bst. a des Schlussprotokolls zum DBA CH-AT besteht
zwischen den Vertragsparteien Einigkeit darüber, dass der ersuchende
Vertragsstaat ein Begehren um Austausch von Informationen erst dann
stellt, wenn er alle in seinem innerstaatlichen Steuerverfahren vorgesehe-
nen üblichen Mittel zur Beschaffung der Informationen ausgeschöpft hat
(sog. Subsidiaritätsprinzip).
3.3.2 Nach Ziff. 2 Bst. b des Schlussprotokolls zum DBA CH-AT besteht
der Zweck der Verweisung auf Informationen, die voraussichtlich erheblich
A-6532/2020
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sind, darin, einen möglichst weitgehenden Informationsaustausch in Steu-
erbelangen zu gewährleisten, ohne den Vertragsstaaten zu erlauben,
«fishing expeditions» zu betreiben oder um Informationen zu ersuchen, de-
ren Erheblichkeit hinsichtlich der Steuerbelange einer bestimmten steuer-
pflichtigen Person unwahrscheinlich ist. Die im Amtshilfeersuchen zu lie-
fernden Angaben sind gemäss dieser Bestimmung zwar wichtige verfah-
renstechnische Voraussetzungen für die Vermeidung von «fishing expedi-
tions»; sie sind jedoch nicht so auszulegen, dass sie einen wirksamen In-
formationsaustausch behindern würden.
3.3.2.1 Als zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts
voraussichtlich erheblich gelten Informationen, die für den ersuchenden
Staat notwendig sind, um eine in diesem Staat steuerpflichtige Person dort
korrekt zu besteuern (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.1, 141 II 436 E. 4.4.3). Die
Voraussetzung der voraussichtlichen Erheblichkeit ist erfüllt, wenn im Zeit-
punkt der Einreichung des Amtshilfeersuchens eine vernünftige Möglich-
keit besteht, dass sich die verlangten Informationen als erheblich erweisen
werden (BGE 143 II 185 E. 3.3.2). Keine Rolle spielt, ob sich diese Infor-
mationen nach deren Übermittlung für die ersuchende Behörde als nicht
erheblich herausstellen. Ob eine Information erheblich ist, kann in der Re-
gel nur der ersuchende Staat abschliessend feststellen (BGE 145 II 112
E. 2.2.1, 142 II 161 E. 2.1.1).
3.3.2.2 Um bei Amtshilfeersuchen, welche die betroffenen Personen nicht
namentlich identifizieren, unzulässige Beweisausforschungen, d.h.
«fishing expeditions», auszuschliessen, ist nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung verlangt (BGE 143 II 136 E. 6.1.2), dass die ersuchende
Behörde in ihrem Ersuchen
(i) eine detaillierte Beschreibung der Gruppe geben, welche die spezifischen Tat-
sachen und Umstände beschreibt, die zum Ersuchen geführt haben;
(ii) das anwendbare (Steuer-)Recht erläutern und aufzeigen, weshalb Gründe vor-
liegen, welche annehmen lassen, die Steuerpflichtigen in der Gruppe hätten ihre
Verpflichtungen nicht erfüllt, d.h. das Steuerrecht verletzt; und
(iii) aufzeigen, dass die eingeforderten Informationen zur Erfüllung der Verpflich-
tungen der Steuerpflichtigen der Gruppe führen können.
Diese Kriterien gelten aus Kohärenzgründen nicht nur für die ursprünglich
ins Auge gefassten Gruppenersuchen nach Art. 3 Bst. c StAhiG, sondern
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finden nach der Rechtsprechung ebenfalls auf sog. Listenersuchen Anwen-
dung (vgl. BGE 146 II 150 E. 6.1.3, 143 II 628 E. 5.1).
3.3.3 Gemäss Ziff. 2 Bst. c des Schlussprotokolls zum DBA CH-AT (in der
am 14. November 2012 in Kraft getretenen Fassung; vgl. AS 2012 6941)
besteht zwischen den Vertragsparteien sodann Einigkeit darüber, dass die
Steuerbehörden des ersuchenden Staates bei der Stellung eines Amtshil-
febegehrens nach Art. 26 des Abkommens den Steuerbehörden des er-
suchten Staates die nachstehenden Angaben zu liefern haben:
i) die Identifikation der steuerpflichtigen Person, wobei diese Identifikation auch
auf andere Weise als durch Angabe des Namens und der Adresse erfolgen
kann;
ii) die Zeitperiode, für welche die Informationen verlangt werden;
iii) eine Beschreibung der verlangten Informationen sowie Angaben hinsichtlich
der Form, in der der ersuchende Staat diese Informationen vom ersuchten
Staat zu erhalten wünscht;
iv) den Steuerzweck, für den die Informationen verlangt werden;
v) den Namen und die Adresse des mutmasslichen Informationsinhabers, soweit
sie bekannt sind.
3.4 Auf ein Ersuchen ist nach Art. 7 Bst. c StAhiG nicht einzutreten, wenn
es den Grundsatz von Treu und Glauben verletzt, «insbesondere wenn es
auf Informationen beruht, die durch nach schweizerischem Recht strafbare
Handlungen erlangt worden sind». Letzteres bedeutet, dass die objektiven
Tatbestandsmerkmale eines Straftatbestandes des Schweizerischen Straf-
gesetzbuches vom 21. Dezember 1937 (StGB, SR 311.0) erfüllt sein müs-
sen und die Delikte unter die schweizerische Straf- bzw. Gerichtshoheit ge-
mäss Art. 3 bis 8 StGB fallen (BGE 143 II 202 E. 8.5.6).
Sofern eine Partei behauptet, ein Amtshilfeersuchen beruhe auf strafbaren
Handlungen, ist jeweils zu prüfen, ob das Ersuchen dem im internationalen
öffentlichen Recht geltenden Grundsatz von Treu und Glauben entspricht.
Gegen diesen Grundsatz wird etwa verstossen, wenn der ersuchende
Staat versichert hatte, dass keine auf schweizerischem Territorium ge-
heime Bankdaten für ein Amtshilfeersuchen verwendet werden, und er
dennoch ein Ersuchen stellt, das direkt oder indirekt kausal mit solchen
geheimen Daten zusammenhängt (vgl. BGE 143 II 224 E. 6.4; statt vieler:
Urteil des BVGer A-1534/2018 vom 3. August 2020 E. 6.2). Ein treuwidri-
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ges Verhalten ist in der Regel auch ohne vorgängige ausdrückliche Zusi-
cherung anzunehmen, wenn der ersuchende Staat illegal erworbene Daten
kauft und ein darauf abgestütztes Amtshilfeersuchen stellt (vgl. Urteil des
BGer 2C_648/2017 vom 17. Juli 2018 E. 2.3.4). Das blosse Verwenden
illegal erworbener Daten durch den ersuchenden Staat, welche dieser im
Rahmen der (spontanen) Amtshilfe durch einen anderen Staat erhalten
hat, stellt rechtssprechungsgemäss jedoch noch kein treuwidriges Verhal-
ten dar (Urteil des BGer 2C_619/2018 vom 21. Dezember 2018 E. 2.3.5
mit Hinweisen; Urteile des BVGer A-3186/2019 vom 20. August 2020
E. 2.8.3, A-1534/2018 vom 3. August 2020 E. 6.2).
3.5 Ein wichtiges Element der internationalen Behördenzusammenarbeit
bildet der Grundsatz, wonach – ausser bei offenbarem Rechtsmissbrauch
oder bei berechtigten Fragen im Zusammenhang mit dem Schutz des
schweizerischen oder internationalen Ordre public (vgl. Art. 7 StAhiG) –
prinzipiell kein Anlass besteht, an Sachverhaltsdarstellungen und Erklärun-
gen anderer Staaten zu zweifeln (sog. völkerrechtliches Vertrauensprinzip;
BGE 144 II 206 E. 4.4, 142 II 218 E. 3.3). Auf diesem Vertrauen gründet
letztlich das ganze Amtshilfeverfahren. Dementsprechend ist die ESTV an
die Darstellung des Sachverhalts im Ersuchen insoweit gebunden, als
diese nicht wegen offensichtlicher Fehler, Lücken oder Widersprüche so-
fort entkräftet werden kann (BGE 142 II 161 E. 2.1.1 und 2.1.3, 139 II 451
E. 2.2.1; statt vieler: Urteil des BVGer A-2258/2020 vom 19. Februar 2021
E. 2.2).
4.
In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht auf das
Amtshilfeersuchen des CLO vom 16. Februar 2017 eingetreten ist.
4.1 Das vorliegend zu beurteilende Amtshilfeersuchen stützt sich auf eine
Liste mit ursprünglich über 8000 eindeutig zuordenbaren Kundenstamm-
nummern, mithilfe derer die ESTV und die zur Edition aufgeforderte Bank
die betroffenen Personen in der Folge identifizieren und die ersuchten In-
formationen zusammenstellen konnten. Nebst den erwähnten Banknum-
mern enthält das Ersuchen weder Namen noch Adressen der betroffenen
Personen. Ein solches «Listenersuchen» stellt nach der gefestigten Recht-
sprechung eine nach innerstaatlichem Recht grundsätzlich zulässige
Sammlung von Einzelersuchen dar, welche nicht mit einem Gruppenersu-
chen im Sinn von Art. 3 Bst. c StAhiG zu verwechseln ist (ausführlich dazu:
BGE 146 II 150 E. 4).
A-6532/2020
Seite 18
4.2
4.2.1 Auch im Anwendungsbereich des DBA CH-AT ist eine solche Samm-
lung von Einzelersuchen, bei der die betroffenen Personen nicht nament-
lich identifiziert werden, grundsätzlich zulässig: Ziff. 2 Bst. c Unterabsatz (i)
des Schlussprotokolls zum DBA CH-AT sieht die Möglichkeit einer Identifi-
kation der betroffenen Person «auf andere Weise als durch Angabe des
Namens und der Adresse» explizit vor (vorne E. 3.3.3). Durch die Angabe
der Kundenstammnummer im Ersuchen ist das Erfordernis der Identifizie-
rung der Beschwerdeführenden gemäss Ziff. 2 Bst. c Unterabsatz (i) des
Schlussprotokolls zum DBA CH-AT damit grundsätzlich erfüllt.
4.2.2 Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden schliesst die feh-
lende Identifikation der betroffenen Person mittels Namen einen Austausch
von Informationen auch betreffend das Steuerjahr 2012 nicht aus: Diese
am 14. November 2012 in Kraft getretene Änderung von Ziff. 2 Bst. c Un-
terabsatz (i) des Schlussprotokolls zum DBA CH-AT wurde mit Art. I des
von der Bundesversammlung genehmigten Protokolls vom 4. Juni 2012
zur Abänderung des DBA CH-AT eingefügt (vgl. AS 2012 6941; AS 2012
6939; BBl 2011 3749). In Art. II Ziff. 2 dieses Protokolls vereinbarten die
Vertragsstaaten neben dem Inkrafttreten, dass das Protokoll «ab dem Da-
tum des Inkrafttretens des am 3. September 2009 in Wien unterzeichneten
Protokolls zur Änderung des Abkommens» Anwendung findet. Letzteres
trat seinerseits am 1. März 2011 in Kraft (AS 2011 823; vgl. dazu auch
vorne E. 3.1). Dies bedeutet, dass die am 14. November 2012 in Kraft ge-
tretene Änderung von Ziff. 2 Bst. c Unterabsatz (i) des Schlussprotokolls
zum DBA CH-AT, welche auch eine Identifikation ohne Namensnennung
erlaubt, rückwirkend ab dem 1. März 2011 anwendbar ist (vgl. zur Rückwir-
kung von Verfahrensregeln im Bereich der Steueramtshilfe: BGE 143 II 628
E. 4.3). Es ist somit und mit Blick auf die zeitliche Anwendbarkeit von
Art. 26 DBA CH-AT (E. 3.1 in fine) nicht zu beanstanden, dass die ersu-
chende Behörde Informationen zu den Steuerjahren 2012 bis 2015 ver-
langt.
4.2.3 Des Weiteren enthält das Amtshilfeersuchen auch die weiteren erfor-
derlichen Angaben gemäss Ziff. 2 Bst. c des Schlussprotokolls (vorne
E. 3.3.3).
4.3 In Bezug auf das Subsidiaritätsprinzips nach Ziff. 2 Bst. a des Schluss-
protokolls zum DBA CH-AT (vorne E. 3.3.1) hat die ersuchende Behörde
im Amtshilfeersuchen bestätigt, dass alle üblichen Informationsquellen
ausgeschöpft wurden, auf die es in diesem Fall hätte zugreifen können, um
A-6532/2020
Seite 19
die erforderlichen Informationen einzuholen, ohne das Risiko einzugehen,
das Ergebnis der Ermittlungen zu gefährden. Nach dem völkerrechtlichen
Vertrauensprinzip (E. 3.5) besteht grundsätzlich kein Anlass an Erklärun-
gen anderer Staaten zu zweifeln. Mangels gegenteiliger, konkreter Anhalts-
punkte ist damit von der Einhaltung des Subsidiaritätsprinzips auszugehen.
4.4 Zu prüfen ist weiter, ob das vorliegende Listenersuchen, den erhöhten
Anforderungen genügt, um eine verbotene Beweisausforschung
(sog. «fishing expedition») auszuschliessen (dazu vorne E. 3.3.2.2).
4.4.1 Erforderlich ist erstens, dass das Ersuchen eine detaillierte Beschrei-
bung der Gruppe enthält, welche die Tatsachen und speziellen Umstände
nennt, die zum Ersuchen geführt haben. Das vorliegende Ersuchen identi-
fiziert die betroffenen Personen mittels eindeutig zuordenbaren Kunden-
stammnummern. Eine hinreichend detaillierte Beschreibung der Gruppe ist
damit vorliegend zu bejahen.
4.4.2 Gemäss der dritten Voraussetzung hat die ersuchende Behörde auf-
zuzeigen, dass die verlangten Informationen geeignet sind, für die Erfül-
lung der steuerlichen Verpflichtungen der Steuerpflichtigen zu sorgen.
Auch dieses Kriterium ist vorliegend erfüllt. Mit der Aufdeckung eines bis-
her im Rahmen der Steuererklärung nicht deklarierten Kontos – sofern ein
solches besteht – erhält der ersuchende Staat die Möglichkeit, allfällige von
Steuerpflichtigen zu Unrecht nicht entrichtete Steuern nachzufordern.
4.4.3 Was die verbleibende zweite Voraussetzung betrifft, so muss das
Amtshilfeersuchen das anwendbare Steuerrecht und die Motive darlegen,
die es erlauben, davon auszugehen, dass die vom Ersuchen betroffenen
Steuerpflichtigen ihre steuerlichen Verpflichtungen nicht erfüllt haben. Das
hier streitbetroffene Amtshilfeersuchen Österreichs bezeichnet unbestritte-
nermassen das anwendbare Steuerrecht. Fraglich und zu prüfen bleibt, ob
auch hinreichende Motive für die Annahme von Steuerpflichtverletzungen
genannt werden.
4.4.3.1 Gemäss der Rechtsprechung müssen für die Annahme einer Miss-
achtung steuerrechtlicher Verpflichtungen konkrete Anhaltspunkte bzw.
Verdachtsmomente vorliegen, wobei sich diese nicht auf die einzelnen In-
dividuen beziehen, wohl aber in allgemeiner Weise auf die Personen in
dieser Gruppe. Je nach den Umständen kann auch die Art und Weise, wie
der ersuchende Staat Kenntnis von der Liste erlangt hat, ein Indiz dafür
sein, dass die Kontoinhaber ihre steuerrechtlichen Verpflichtungen nicht
A-6532/2020
Seite 20
eingehalten haben (Urteil des BGer 2C_695/2017 vom 29. Oktober 2018
E. 5.2). Solche hinreichenden Anhaltspunkte hat das Bundesgericht na-
mentlich in folgenden zwei Fallkonstellationen bejaht:
Im einen Fall basierte das Amtshilfeverfahren auf einem Listenersuchen
Frankreichs. Dabei wurden die dem Ersuchen zugrundeliegenden Daten
(im Urteil bezeichnet als Listen A, B und C) anlässlich einer von der Staats-
anwaltschaft Bochum durchgeführten Hausdurchsuchung bei einer deut-
schen Gruppengesellschaft der UBS im Mai 2012 und im Juli 2013 gefun-
den. Das Bundesgericht erwog, dass erste Überprüfungen der ersuchen-
den Behörde hinsichtlich der Liste A, welche die Namen von 1'130 Perso-
nen auswies, gezeigt hätten, dass die betroffenen Steuerpflichtigen ihr
Konto entweder nicht deklariert oder bereits zu einem früheren Zeitpunkt
regularisiert gehabt hätten. Es erachtete eine Verbindung zwischen der
Liste A und den Listen B (betreffend Jahr 2006) und C (betreffend Jahr
2008) als gegeben, wobei die Listen B und C zwar keine Namen enthielten
aber einen Domizilcode, der auf eine Ansässigkeit in Frankreich hindeu-
tete. Das Gericht hob hervor, dass gegen die Bank ein Strafverfahren in
Frankreich eingeleitet worden sei und ihr der Aufbau eines Steuerflucht-
systems zur Last gelegt werde. Es kam zum Schluss, dass diese Anhalts-
punkte zusammen betrachtet einen hinreichenden Verdacht auf steuer-
rechtswidriges Verhalten der mittels Banknummern identifizierten Perso-
nen der Listen B und C begründeten. Weiter wertete es den Umstand, dass
die Listen B und C bei einer Hausdurchsuchung im Rahmen einer Steuer-
strafuntersuchung in Deutschland gefunden wurden, als zusätzliches Indiz
für ein steuerrechtswidriges Verhalten (vgl. BGE 146 II 150 E. 6.2.5 f.).
Im anderen Fall lag dem Verfahren ein Amtshilfeersuchen aus Deutschland
zugrunde, welches die betroffene Person mittels einer Kontonummer iden-
tifizierte. Das Bundesgericht wertete die Tatsache, dass die ersuchende
Behörde die Kontonummer kenne und wisse, dass darauf ein hoher Geld-
betrag liegt, für sich allein genommen noch nicht als Indiz dafür, dass die-
ser Geldbetrag nicht oder nicht ordnungsgemäss versteuert wurde. Als
ausschlaggebend erachtete es vielmehr, dass gemäss der Schilderung der
ersuchenden Behörde durch einen Zufallsfund (anlässlich einer Durchsu-
chung der Geschäftsräume einer Bank mit Sitz in Frankfurt) Listen mit Kun-
dendaten in Form von Kundenstammnummern, Alter, Domizil und Einlage-
höhe in einer verborgenen Datei auf dem Personal Computer einer Mitar-
beiterin gesichert werden konnten. Der Umstand, dass diese Daten nicht
regulär im Systembackup der Bank vorhanden waren, wertete es als Indiz
A-6532/2020
Seite 21
dafür, dass die betreffenden Konten möglicherweise verdeckt geführt wer-
den sollten und allenfalls nicht gesetzeskonform deklariert worden waren.
Dieses Indiz in Kombination mit den übrigen Umständen (Ermittlungsver-
fahren bei der Bank mit anschliessender Beschlagnahmung der Daten so-
wie hohe Summe auf dem betreffenden Konto) stellt gemäss Bundesge-
richt einen konkreten Hinweis auf Unregelmässigkeiten dar. Das Bundes-
gericht verneinte im Ergebnis eine unzulässige Beweisausforschung (Urteil
des BGer 2C_695/2017 vom 29. Oktober 2018 E. 5, insbes. E. 5.3.1).
4.4.3.2 Wie im oben erwähnten, bereits gerichtlich beurteilten Listenersu-
chen Frankreichs stützt sich auch das vorliegende Amtshilfeersuchen auf
(von den deutschen Behörden zur Verfügung gestellte) Listen mit Bank-
nummern und Vermögensdaten der Jahre 2006 und 2008, die anlässlich
einer Hausdurchsuchung der deutschen Strafverfolgungsbehörden bei ei-
ner Niederlassung der UBS in Frankfurt aufgefunden wurden. Mit anderen
Worten basieren das vorliegende Listenersuchen Österreichs und das er-
wähnte Listenersuchen Frankreichs auf Daten derselben Quelle. Es ist zwi-
schenzeitlich gerichtsnotorisch, dass sich diese «Listen» – wie betreffend
das oben zitierte Urteil 2C_695/2017 vom 29. Oktober 2018 ausgeführt –
mutmasslich auf einer verborgenen Datei auf dem PC einer Bankmitarbei-
terin befanden (siehe Urteil des BVGer A-1534/2018 vom 3. August 2020
E. 3.6; Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BB.2019.61 und BB.2019.63
vom 20. November 2019). Weiter fand die spontane Übermittlung der er-
wähnten «Listen» von Deutschland nach Österreich – wie sich aus dem
Ersuchen ergibt – gestützt auf die europäische Richtlinie 2011/16 vom
15. Februar 2011 über die Zusammenarbeit der Verwaltungsbehörden im
Bereich der Besteuerung und zur Aufhebung der Richtlinie 77/799/EWG
(ABl. L 64/1 vom 11. März 2011) statt. Ein solch spontaner Informations-
austausch ist u. a. vorgesehen, wenn die zuständige Behörde eines Mit-
gliedstaats Gründe für die Vermutung einer Steuerverkürzung im anderen
Mitgliedstaat hat (s. Abschn. II Art. 9 Abs. 1 Bst. a der Richtlinie 2011/16).
Der Bezug zu Österreich wird vorliegend über die in der Liste erwähnten
Domizilcodes hergestellt. Gemäss Amtshilfeersuchen führte sodann ein
Abgleich der auf der Liste enthaltenen Kundenstammnummern auf Basis
von zwei Abkommen mit der Schweiz (vorne Sachverhalt Bst. A.b in fine)
zur Zuordnung und Aussonderung von über 370 Konten. Dies zeigt, dass
sich zumindest in diesen Fällen der Domizilcode als korrekt erwiesen hat.
Sodann wurde der Domizilcode auch bereits beim französischen Listener-
suchen, das auf Daten derselben Quelle beruhte, als genügend erachtet
A-6532/2020
Seite 22
(vgl. BGE 146 II 150 E. 6.2.6 f.; Urteil des BVGer A-1562/2018 vom 3. Au-
gust 2020 E. 4.2). Gemäss Angaben der ersuchenden Behörde belaufen
sich die in der «Liste» ausgewiesenen Vermögenswerte auf [mehrere] Mil-
liarden Schweizer Franken und stellen damit eine erhebliche Summe dar.
Wie bereits erwähnt, genügt es nach der höchstrichterlichen Rechtspre-
chung für die Vermutung von Steuerpflichtverletzungen, dass die dem
Amtshilfeersuchen zugrundeliegenden Daten nicht regulär im Systemba-
ckup der Bank vorhanden waren, ein Ermittlungsverfahren bei der Bank mit
anschliessender Beschlagnahmung der Daten sowie eine hohe Summe
von Vermögenswerten betroffen sind. Dies deckt sich mit der vorliegenden
Ausgangslage und es kommt hinzu, dass die vorliegenden Daten aus der-
selben Quelle stammen, die auch dem vom Bundesgericht als zulässig
qualifizierten Listenersuchen Frankreichs zugrunde lag. Vor diesem Hinter-
grund ist vorliegend das Vorliegen hinreichend konkreter Anhaltspunkte für
ein steuerrechtswidriges Verhalten der betroffenen Personen – und damit
der Beschwerdeführenden – im hier streitbetroffenen Amtshilfeersuchen
des CLO zu bejahen. Eine verbotene «fishing expedition», welche ein
Nichteintreten auf das Amtshilfeersuchen nach sich ziehen müsste, liegt
daher nicht vor.
4.5 Weiter vertreten die Beschwerdeführenden die Ansicht, das Amtshil-
feersuchen verletze den Grundsatz von Treu und Glauben, weil es auf un-
rechtmässig bzw. deliktisch erlangten Informationen beruhe. Am Ursprung
des «Listenfunds» stehe eine Verletzung des strafrechtlich geschützten
Schweizerischen Bankkundengeheimnisses.
4.5.1 Wie vorne ausgeführt (E. 3.4), liegt ein Verstoss gegen den Grund-
satz von Treu und Glauben insbesondere dann vor, wenn der ersuchende
Staat eine Zusicherung abgegeben hat, wonach er kein Ersuchen gestützt
auf in strafbarer Weise erlangte Daten stellen werde. Kein treuwidriges Ver-
halten stellt dagegen das blosse Verwenden illegal erworbener Daten
durch den ersuchenden Staat dar, welche dieser im Rahmen der (sponta-
nen) Amtshilfe durch einen anderen Staat erhalten hat. Vorliegend hat
Österreich keine Zusicherung abgegeben, allfällig illegal erworbene Daten
nicht im Rahmen von an die Schweiz gerichteten Amtshilfeersuchen zu
verwenden. Vielmehr hat es die Daten auf legalem Weg der spontanen
Amtshilfe von Deutschland erhalten. Es ist zudem nicht ersichtlich, inwie-
fern im Rahmen der (offiziellen) Beschlagnahmung der «Listen» bei der
deutschen Niederlassung der UBS und der anschliessenden Weitergabe
dieser Dokumente von Deutschland an Österreich schweizerisches Recht
A-6532/2020
Seite 23
verletzt worden wäre. Ein treuwidriges Verhalten Österreichs ist bereits aus
diesem Grund zu verneinen.
4.5.2 An dieser Würdigung vermag der Umstand, dass am Ursprung der
von den deutschen Behörden eingeleiteten Strafuntersuchung gegen die
deutsche Niederlassung der UBS der Kauf einer CD mit Daten steht, die
von einem Bankmitarbeiter möglicherweise in strafbarer Weise beschafft
und weitergegeben wurde, nichts zu ändern. Zwar wurde im Zusammen-
hang mit der Weitergabe der Daten-CD an Deutschland eine strafbare
Handlung (allerdings keine Bankkundengeheimnisverletzung) in der
Schweiz zwischenzeitlich gerichtlich bestätigt (s. Urteil des Bundesstrafge-
richts SK.2016.34 vom 21. Januar 2019). Aber wie das Bundesverwal-
tungsgericht dazu bereits im Urteil A-1534/2018 vom 3. August 2020 in Er-
wägung 3.6 für das gleichgelagerte Listenersuchen Frankreichs erwogen
hat, lässt sich daraus kein treuwidriges Verhalten Österreichs ableiten.
Erstens wurde die Kausalkette durch externe Faktoren wie namentlich die
Ermittlungen der deutschen Strafbehörden wenn nicht gar unterbrochen,
so doch zumindest stark beeinflusst. Zweitens handelt es sich bei den vor-
liegend verwendeten Daten nicht um jene, die vom Bankmitarbeiter illegal
beschafft und nach Deutschland verkauft wurden, sondern um andere Da-
ten, die anlässlich der später erfolgten Hausdurchsuchung gefunden wur-
den.
Im Zusammenhang mit den anlässlich der Hausdurchsuchung gefundenen
Listen haben sowohl die Bundesanwaltschaft als auch die Beschwer-
deinstanz eine vorsätzliche Verletzung des Bankkundengeheimnisses ver-
neint (s. Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BB.2019.61 und BB.2019.63
vom 20. November 2019, mit welchen die Einstellungsverfügung der Bun-
desanwaltschaft bestätigt wurde). Auch diesbezüglich fehlt es durch die
Einwirkung externer Faktoren auf die Kausalkette ganz grundsätzlich an
einer hinreichenden Nähe Österreichs zum Tatgeschehen, welche die An-
nahme eines Verstosses gegen den völkerrechtlichen Grundsatz von Treu
und Glauben rechtfertigen könnte.
4.5.3 Mit Blick auf das soeben Ausgeführte besteht vorliegend keine Not-
wendigkeit, die von den Beschwerdeführenden mit subeventualiter gestell-
tem Ergänzungsantrag vom 20. Oktober 2021 zur Einsicht verlangten Un-
terlagen, soweit sie sich noch nicht in den vorinstanzlichen Akten befanden
(siehe: Sachverhalt Bst. N. und O.; zu den streitgegenständlichen Unterla-
gen vorne E. 2.2.2), auf Stufe des Gerichts beizuziehen. Das Aktenein-
sichtsgesuch ist insoweit abzuweisen.
A-6532/2020
Seite 24
4.6 Nach dem Gesagten erweist sich das vorliegende Listenersuchen
Österreichs als zulässig und die Vorinstanz ist zu Recht darauf eingetreten.
5.
Weiter ist zu prüfen, ob die weiteren Voraussetzungen für die Leistung von
Amtshilfe erfüllt sind.
5.1 Die Beschwerdeführenden machen geltend, die verlangten und zur
Übermittlung vorgesehenen Informationen seien nicht voraussichtlich er-
heblich, weil sie seit dem Jahr 2000 [ausserhalb Österreichs] ansässig und
dort unbeschränkt steuerpflichtig seien.
5.2 Wie erwähnt, wird vorliegend der Bezug zu Österreich durch die in den
UBS-Listen aufgeführten Domizil-Codes hergestellt. Unter Berücksichti-
gung der höchstrichterlichen Rechtsprechung hat das Bundesverwaltungs-
gericht den Domizil-Code beim gleichgelagerten Listenersuchen Frank-
reichs als hinreichenden Anknüpfungspunkt für eine mögliche Steuerpflicht
in Frankreich (für die Jahre 2010 bis 2015) qualifiziert (dazu bereits vorne:
E. 4.4.3.2 mit Hinweisen; ferner: Urteil des BVGer A-1562/2018 vom 3. Au-
gust 2020 E. 4.2). Dasselbe gilt auch für das vorliegende Listenersuchen
Österreichs. Die Beschwerdeführenden und ihre individuellen Banknum-
mern befanden sich unbestrittenermassen auf den Listen, die anlässlich
einer Hausdurchsuchung der Zweigniederlassung der UBS in Deutschland
gefunden wurden, und zwar in Verbindung mit dem Domizil-Code für Ös-
terreich. Wo letztendlich der Steuerwohnsitz liegt, ist nicht im Rahmen des
vorliegenden Amtshilfeverfahrens zu klären, und es ist in diesem Verfahren
auch nicht Aufgabe der Schweizer Behörden zu prüfen, ob nach österrei-
chischem Recht ein Steuerwohnsitz in Österreich besteht (vgl. Urteil des
BGer 2C_805/2018 vom 23. August 2019 E. 4.5 mit Hinweis auf BGE 145
II 122 E. 2.2.2 und E. 3.2, sowie BGE 142 II 161 E. 2.2.2, auch zum Fol-
genden). Die genannten Umstände mögen im Rahmen des Ansässigkeits-
streits wesentlich sein, der jedoch in einem anderen Verfahren durchzufüh-
ren ist. Damit ist von der voraussichtlichen Erheblichkeit der vorliegend zur
Übermittlung vorgesehenen Informationen betreffend die Beschwerdefüh-
renden auszugehen. Sie sind für den Nachweis ihres steuerrechtlichen
Wohnsitzes in einem Drittstaat vorab auf das innerstaatliche, österreichi-
sche Steuerverfahren zu verweisen.
A-6532/2020
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6.
Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen für die in der Schlussver-
fügung vorgesehene Amtshilfeleistung erfüllt. Die Beschwerde erweist sich
als unbegründet und ist abzuweisen.
7.
Ausgangsgemäss haben die Beschwerdeführenden die auf Fr. 5'000.--
festzusetzenden Verfahrenskosten zu tragen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG und
Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
Den unterliegenden Beschwerdeführenden ist keine Parteientschädigung
zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE
e contrario).
8.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann innerhalb von 10 Tagen nur dann mit Beschwerde in öffent-
lich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht weitergezogen
werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung stellt
oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen besonders bedeuten-
den Fall im Sinne von Art. 84 Abs. 2 des Bundesgerichtsgesetzes vom
17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) handelt (Art. 83 Bst. h, Art. 84a und
Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist, entscheidet das Bundes-
gericht.