Decision ID: e849a6b3-df95-574d-adc8-b0122d6db3ef
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
I.
A.
Ein erstes, mit Schreiben vom 13. Juli 2012 an die Schweizer Botschaft in
Colombo gerichtetes Asylgesuch des Beschwerdeführers wurde vom SEM
mit Verfügung vom 2. August 2013 abgewiesen, wobei ihm die Einreise
in die Schweiz nicht bewilligt wurde. Diese Verfügung erwuchs unan-
gefochten in Rechtskraft.
II.
B.
Der Beschwerdeführer reiste am 29. August 2016 in die Schweiz ein und
stellte am gleichen Tag im Empfangs- und Verfahrenszentrum B._
ein Asylgesuch. Am 7. September 2016 fand seine summarische Befra-
gung zur Person (BzP) statt.
C.
Mit Verfügung vom 14. November 2016 trat das SEM gestützt auf Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdefüh-
rers nicht ein und ordnete seine Überstellung in den zuständigen Dublin-
Staat (Italien) an. Auch diese Verfügung wurde nicht angefochten und
erwuchs in Rechtskraft.
III.
D.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 15. Juni 2018 machte der
Beschwerdeführer geltend, dass die Frist für die Überstellung nach Italien
in der Zwischenzeit abgelaufen sei, und ersuchte um Feststellung der Zu-
ständigkeit der Schweiz für sein Asylverfahren sowie um Durchführung des
nationalen Asylverfahrens.
E-1528/2020
Seite 3
E.
Das SEM hob mit Verfügung vom 25. Juni 2018 seine Nichteintretens-
Verfügung vom 14. November 2016 auf und stellte fest, das nationale Asyl-
verfahren werde wieder aufgenommen und gemäss den gesetzlichen Vor-
schriften durchgeführt.
F.
Am 27. November 2019 wurde eine Anhörung des Beschwerdeführers zu
seinen Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG durchgeführt.
G.
G.a Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seines Asylgesuchs
vor, er stamme aus C._, Jaffna, habe aber von 1994/1995 bis 2002
sowie ab 2006 bis 2009 im Vanni-Gebiet gelebt, wo er in D._ und
E._ für die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) als
(...) gearbeitet habe und auch für (...) eingesetzt worden sei. Ungefähr im
Februar 2009 habe ihn die "Bewegung" zwangsrekrutiert; nach Absolvie-
rung einer entsprechenden Ausbildung sei er beauftragt worden, für die
Spionageabteilung seiner Einheit die Truppenbewegungen der Armee zu
observieren. Er habe aber nie an einem Gefecht teilgenommen. Im Übrigen
seien seine Halbbrüder früher ebenfalls bei den LTTE gewesen; einer von
ihnen sei im Jahr (...) bei Kämpfen umgekommen. Seine Familie habe des-
halb als Märtyrerfamilie gegolten, und sie hätten Kontakt zu Leuten aus der
politischen Abteilung gehabt. Sein Vater habe als (...) bei der (...)abteilung
der "Bewegung" im Vanni-Gebiet gearbeitet und sei im Jahr (...) bei Kampf-
handlungen ums Leben gekommen.
G.b Am (...) Mai 2009 habe er (Beschwerdeführer) sich zusammen mit der
übrigen Bevölkerung der sri-lankischen Armee ergeben und sei in der
Folge vom (...) 2009 bis am (...) 2010 in Camps in F._, G._
sowie H._ festgehalten worden und habe ein Rehabilitationspro-
gramm durchlaufen. Während der Haftzeit sei er detailliert zu seiner Bio-
grafie sowie seiner Tätigkeit für die LTTE befragt und auch mehrmals ge-
schlagen worden. Nach seiner Freilassung habe er bei seiner Mutter in
C._ sowie nach seiner Heirat im (...) zeitweise auch bei seiner Ehe-
frau in I._ respektive J._ gewohnt. Zunächst sei ihm für ein
Jahr eine wöchentliche Meldepflicht im Armee-Camp K._ auferlegt
worden. Dort sei er wiederum zu seiner Biografie befragt worden. Nachdem
sich die Lage wieder verschärft habe, sei er öfters vorgeladen und befragt
worden. Im Jahr 2012/2013 seien viele seiner Bekannten, die mit ihm das
Rehabilitationsprogramm durchlaufen hätten, entführt worden und spurlos
E-1528/2020
Seite 4
verschwunden; dies habe ihn in Angst versetzt. Nach 2014 hätten Solda-
ten, Angehörige des Criminal Investigation Departments (CID) der Armee,
Mitglieder des polizeilichen CID und eine Spezial-CID-Abteilung aus Co-
lombo ihn regelmässig zu Hause aufgesucht; die Letztgenannten seien
nicht täglich gekommen, sondern nur etwa alle zwei Monate. In den Jahren
2014 und 2015 habe er sich monatlich beim Armee-CID im Camp melden
und seine Unterschrift leisten müssen. Manchmal sei er auch befragt wor-
den. Zudem habe es wöchentliche Kontrollen zu Hause gegeben, um seine
Aufenthaltsorte und Tätigkeiten zu überwachen. Er habe in ständiger Angst
gelebt, weil viele Leute entführt worden seien. Im (...) 2016 habe er einer
Vorladung des CID nicht Folge geleistet, weil er wegen eines Arbeitsauf-
trags abwesend gewesen sei. Etwa fünf oder sechs Tage später seien in
der Nacht mehrere unbekannte Männer in das Haus seiner Familie einge-
drungen und hätten ihn zwangsweise mitnehmen wollen. Aufgrund seiner
Gegenwehr sowie der Intervention seiner Mutter und von Nachbarn hätten
die Männer schliesslich von ihrem Vorhaben abgesehen. Er wisse nicht,
weshalb diese ihn hätten mitnehmen wollen, habe aber den Verdacht, dass
dieser Vorfall im Zusammenhang mit der von ihm nicht befolgten Vorladung
des CID stehe. Deshalb habe er am nächsten Tag seinen Wohnort verlas-
sen und sich in der Folge bis zu seiner Ausreise bei verschiedenen Ver-
wandten in L._ aufgehalten. Er befürchte, dass ihn Dorfbewohner
gegenüber den sri-lankischen Behörden beschuldigt haben könnten, Waf-
fen der LTTE vergraben zu haben, weil er früher im Vanni-Gebiet gewesen
sei.
G.c Während seines Aufenthalts in Colombo habe das CID sich einmal bei
seiner Familie nach ihm erkundigt und ihm ausrichten lassen, er solle sich
beim CID-Büro melden, sobald er nach Hause zurückkehre. Er sei am (...)
2016 mithilfe eines Schleppers auf dem Luftweg in die Türkei und nach
einem rund dreimonatigen Aufenthalt in M._ von dort aus in die
Schweiz gereist. Nach seiner Ausreise habe das CID ihn mehr als zehn
Mal zu Hause gesucht, namentlich im Oktober 2019, und sie hätten sich
auch beim Dorfvorsteher nach ihm erkundigt. Es sei möglich, dass andere
Dorfbewohner das CID darüber informiert hätten, dass er sich in der
Schweiz aufhalte. Darüber hinaus befürchte er Konsequenzen, weil ihm bei
der Haftentlassung ausdrücklich untersagt worden sei, auszureisen ohne
die Behörden zuvor zu informieren.
G.d Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer nebst
einer Identitätskarte (Original) sowie einer Geburtsurkunde (Kopie) inklu-
sive beglaubigter Übersetzung eine Haftbestätigung des Internationalen
E-1528/2020
Seite 5
Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) vom (...) sowie eine IKRK-Karte in Ko-
pie, ein Schreiben des Ministry of Rehabilitation and Prison Reforms vom
(...) 2019 betreffend die Entlassung aus dem Rehabilitationsprogramm,
eine Ausweiskarte des ICRS (Information Counselling and Referral Ser-
vice) in Kopie, eine Bestätigung des Todes seines Vaters in Kopie, sowie
mehrere Röntgenbilder zu den Akten.
H.
Mit Verfügung vom 12. Februar 2020 (eröffnet am 14. Februar 2020) stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Vollzug an.
I.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin an das Bundesverwaltungsgericht
vom 16. März 2020 erhob der Beschwerdeführer Beschwerde gegen die
Verfügung der Vorinstanz und beantragte, dieser Entscheid sei vollumfäng-
lich aufzuheben und es sei ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren; eventu-
aliter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs festzustellen und ihm als Folge davon die vorläufige Auf-
nahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung, um Beiordnung seiner
Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbeiständin sowie um Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 26. März 2020 hiess der Instruktionsrichter die
Gesuche um unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG
sowie um unentgeltliche Verbeiständung gemäss aArt. 110a AsylG gut,
setzte antragsgemäss MLaw Cora Dubach als unentgeltliche Rechts-
beiständin ein und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Ferner wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung einge-
laden.
K.
In ihrer Vernehmlassung vom 8. April 2020 hielt die Vorinstanz an ihrer Ver-
fügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
E-1528/2020
Seite 6
L.
Mit Eingabe vom 14. Mai 2020 machte der Beschwerdeführer innert er-
streckter Frist von dem ihm (mit Instruktionsverfügung vom 22. April 2020)
eingeräumten Recht zur Replik Gebrauch, wobei er an seinen Beschwer-
deanträgen vollumfänglich festhielt.
M.
Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe seiner Rechtsbeiständin vom
27. April 2021 eine schriftliche Zeugenaussage eines in Grossbritannien
als Flüchtling anerkannten Bekannten vom 10. April 2021 sowie Unterlagen
zu dessen Asylverfahren zu den Akten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
E-1528/2020
Seite 7
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Die Vorinstanz stellte sich zur Begründung ihrer Verfügung auf den
Standpunkt, die Asylvorbringen des Beschwerdeführers seien als unglaub-
haft zu qualifizieren.
3.1.1 Seine Schilderungen seien stereotyp und würden konstruiert wirken.
Das geschilderte Vorgehen der sri-lankischen Behörden sowie die
Umstände der angeblichen Suche nach ihm seien unplausibel. Es sei sehr
erstaunlich, dass die Behörden über einen derart langen Zeitraum ein so
intensives Verfolgungsinteresse am Beschwerdeführer gehabt haben
sollen. Angesichts der ihm auferlegten Meldepflicht beim CID erscheine es
unwahrscheinlich, dass er jeweils auch noch zu Hause befragt worden sei.
Sollte er von den Behörden tatsächlich als Gefahr eingestuft worden sein,
wären weit drastischere Massnahmen zu erwarten gewesen. Zudem
hätten die Behörden bereits im Rahmen der Befragungen während seiner
Rehabilitationszeit Gelegenheit zu Abklärungen gehabt, und es sei nicht
davon auszugehen, dass er freigelassen worden wäre, falls er als reelle
Gefahr erachtet worden wäre. Schliesslich lasse auch das beschriebene
Engagement des Beschwerdeführers für die LTTE die vorgebrachten Ver-
folgungsmassnahmen als unwahrscheinlich erscheinen. Er habe nur spo-
radisch Rekognoszierungs- und Bewachungsaufgaben übernommen und
sei nie an bewaffneten Auseinandersetzungen beteiligt gewesen. Vor die-
sem Hintergrund würden sich erhebliche Zweifel am geltend gemachten
hartnäckigen Vorgehen der sri-lankischen Behörden rechtfertigen.
Namentlich würden auch die Umstände des Vorfalls, welcher nach der Dar-
stellung des Beschwerdeführers zu seinem Ausreiseentschluss geführt
habe, wenig plausibel erscheinen. Die von ihm dargelegten Befürchtungen
im Zusammenhang mit der Vorladung des CID seien, angesichts dessen,
dass er in der Vergangenheit oftmals ins Camp zu Befragungen vorgeladen
worden sei, nicht nachvollziehbar. Zudem erscheine der Versuch der Si-
cherheitskräfte unsinnig, ihn nachts gewaltsam von zu Hause zu entführen.
Sie hätten ihn ohne weiteres tagsüber zwecks Mitnahme zu einer Befra-
gung aufsuchen können, wie dies nach seinem Weggang nach Colombo
geschehen sei.
E-1528/2020
Seite 8
3.1.2 Eine Prüfung anhand der vom Bundesverwaltungsgericht in seinem
Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 definierten Risikofaktoren
lasse ebenfalls nicht auf eine begründete Furcht des Beschwerdeführers
vor asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen im Falle einer Rückkehr nach
Sri Lanka schliessen. Die Bewegungs- und Reisefreiheit von Personen, die
den LTTE nahegestanden und ein Rehabilitationsprogramm durchlaufen
hätten, sei nicht eingeschränkt. Allerdings würden solche Personen sehr
häufig durch die sri-lankischen Behörden überwacht. Das Bundesverwal-
tungsgericht gehe aber praxisgemäss davon aus, dass derartige Massnah-
men kein asylrelevantes Ausmass erreichen würden. Überdies habe der
Beschwerdeführer nicht glaubhaft machen können, nach Abschluss der
Rehabilitationsmassnahme relevante Nachteile erlitten zu haben. Allfällige
in Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren vermöchten demnach
kein Verfolgungsrisiko zu begründen, und es würden sich aus den Akten
keine Hinweise dafür ergeben, dass sich hieran seither etwas geändert
hätte. Namentlich vermöge auch der Sieg von Gotabaya Rajapaksa bei
den Präsidentschaftswahlen vom 16. November 2019 an dieser Einschät-
zung nichts zu ändern. Es gebe keinen Anlass zur Annahme, dass ganze
Volksgruppen unter seiner Präsidentschaft kollektiv einer Verfolgungsge-
fahr ausgesetzt seien. Ein persönlicher Bezug des Beschwerdeführers zu
der genannten Wahl und ihren Konsequenzen sei nicht dargetan worden.
3.1.3 Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) habe
mehrfach festgestellt, es sei nicht generell davon auszugehen, dass zu-
rückkehrenden Tamilinnen und Tamilen in Sri Lanka eine unmenschliche
Behandlung drohe. Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten würden sich Anhaltspunkte dafür ergeben, dass ihm
eine durch Art. 3 EMRK verbotene Bestrafung oder Behandlung drohe.
Schliesslich würden auch keine Gründe gegen die Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs sprechen. Das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen
von 2019 vermöge nichts daran zu ändern, dass in Sri Lanka keine Situa-
tion allgemeiner Unruhe herrsche, die zu einer Gefährdung aller Rückkeh-
rer unabhängig von deren individuellem Hintergrund führen würde. Somit
sei in Sri Lanka aktuell nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt auszu-
gehen. Ferner würden auch keine individuellen Gründe vorliegen, welche
der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs entgegenstehen würden. Der
Beschwerdeführer sei jung und habe den Grossteil seines Lebens in sei-
nem Heimatstaat verbracht. Zudem verfüge er dort über ein tragfähiges
Beziehungsnetz, auf dessen Unterstützung er zählen könne, sowie über
berufliche Erfahrung. Es könne daher davon ausgegangen werden, dass
er in der Lage sei, seinen Lebensunterhalt selbständig zu bestreiten.
E-1528/2020
Seite 9
3.2
3.2.1 Der Beschwerdeführer führte zur Begründung seiner Beschwerde
aus, seine Asylvorbringen seien keineswegs stereotyp. Er habe namentlich
seine verschiedenen Tätigkeiten für die LTTE, die Umstände seiner Haft in
mehreren Camps sowie die misslungene Entführung im Jahr 2016 detail-
liert beschrieben. Dass er im Camp K._ regelmässig seine Unter-
schrift habe leisten müssen und befragt worden sei, schliesse nicht aus,
dass der CID ihn auch zu Hause aufgesucht habe. Derartige Kontrollen
seien aus Sicht der Behörden durchaus sinnvoll gewesen, um ihn besser
über-
wachen und den Druck auf ihn erhöhen zu können. Es sei eine reine Ver-
mutung der Vorinstanz, dass er nicht aus dem Rehabilitationsprogramm
entlassen worden wäre, falls er als eine Gefahr eingestuft worden wäre.
Es sei denkbar, dass die Behörden zu wenige Beweise gegen ihn für eine
Festnahme gehabt hätten, solche sich aber durch sein Verhalten ergeben
hätten. Den Sicherheitskräften sei zwar bekannt, dass er bei den LTTE ge-
wesen sei, jedoch hätten sie keine gesicherten Kenntnisse über den Um-
fang seines Engagements für diese. Es sei möglich, dass sie davon aus-
gegangen seien, er habe ihnen einen Teil seiner Tätigkeiten verschwiegen.
Zudem sei zu berücksichtigen, dass er sich während längerer Zeit im
Vanni-Gebiet aufgehalten habe, seine Halbgeschwister auch bei den LTTE
gewesen seien und seine Familie als Märtyrerfamilie gelte. Dies lege die
behördliche Vermutung nahe, dass er auch an Kampfhandlungen teil-
genommen habe. Ein erhöhtes Interesse der sri-lankischen Behörden an
ihm sei somit nachvollziehbar.
3.2.2 Dass er, nachdem er einer Vorladung keine Folge geleistet habe,
einer Entführung nur knapp entkommen sei, habe bei ihm grosse Angst
ausgelöst. Es sei ihm auch bekannt gewesen, dass immer wieder Perso-
nen, die in Verbindung zu den LTTE gestanden hätten, verschwunden
seien. Der psychische Druck durch die Befragungen und Überwachungs-
massnahmen habe immer mehr zugenommen und sei schliesslich uner-
träglich geworden. Das geschilderte Vorgehen der Behörden sei durchaus
plausibel. Es komme immer wieder zu Entführungen LTTE-naher Personen
durch die Behörden oder regierungsnahe Gruppierungen. Seine Aussagen
würden ein kohärentes und detailreiches Bild seiner Verfolgungssituation
ergeben. Unter Berücksichtigung der allgemeinen Erfahrungswerte in Be-
zug auf die Situation in Sri Lanka seien seine Vorbringen insgesamt als
überwiegend wahrscheinlich und somit als glaubhaft zu erachten.
E-1528/2020
Seite 10
3.2.3 Die Verfolgungsmassnahmen, die er bereits erlebt habe, würden das
flüchtlingsrechtlich geforderte Mass an Intensität erreichen, sei er doch
inhaftiert und gefoltert worden. Im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka
drohe ihm zumindest eine weitere irreguläre Verhaftung sowie Folterungen
in der Haft. Bei seiner ersten Verhaftung seien ihm keine Parteirechte zu-
gestanden worden. Selbst wenn eine asylrechtlich relevante Intensität der
erlebten Übergriffe verneint würde, müsste die Frage des Vorliegens eines
unerträglichen psychischen Drucks geprüft werden. Ein solcher sei vorlie-
gend zu bejahen, da die Überwachung und Verfolgung über Jahre hinweg
ein menschenwürdiges Leben verunmöglicht habe. Die Verfolgungsmass-
nahmen seien gezielt gegen ihn gerichtet, kausal für die erfolgte Flucht und
im Zeitpunkt derselben aktuell gewesen. Zudem hätten sie auf seiner eth-
nischen Zugehörigkeit und politischen Gesinnung beruht. Schliesslich sei
auch von einem fehlenden Schutzwillen des sri-lankischen Staats aus-
zugehen. Angesichts der erlittenen Vorverfolgung sei im Sinne einer
Regelvermutung auch eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung
anzunehmen. Seine Familienangehörigen seien seit seiner Ausreise mehr-
mals nach seinem Verbleib gefragt worden. Angesichts des extrem hohen
Verfolgungsinteresses im Zeitpunkt seiner Flucht sei anzunehmen, dass er
eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung bei einer Rückkehr
habe.
3.2.4 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts seien Per-
sonen, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs in Sri Lanka verdäch-
tigt würden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen oder gestanden zu
haben, einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt. Für die Annahme
einer Verfolgungsgefahr reiche es bereits aus, wenn der Verdacht bestehe,
Handlungen für die LTTE vorgenommen zu haben. Es sei nicht zulässig,
eine Verfolgungsgefahr generell aufgrund eines geringen politischen
Profils auszuschliessen. Es seien keineswegs nur in besonderem Masse
exponierte Personen betroffen. Die sri-lankische Regierung sei weiterhin
über ein Wiederaufleben der LTTE besorgt und verfolge jeglichen Verdacht
auf entsprechende Bestrebungen mit grösster Aufmerksamkeit. Er erfülle
mehrere der wichtigen, in der Rechtsprechung definierten Risikofaktoren.
Er sei bereits inhaftiert, zu seiner Tätigkeit zu den LTTE befragt und gefol-
tert worden, was zeige, dass er auch künftiger Verfolgung ausgesetzt sein
werde. Diese Annahme werde durch die Zunahme der Repression nach
dem Regierungswechsel bestätigt. Der Rajapaksa-Clan werde die ethni-
sche Polarisierung in Sri Lanka vorantreiben und verstärken. Die Lage
spitze sich zu, und die Gegner des Rajapaksa-Clans seien zunehmend in
Gefahr. Vermutungsweise werde das Regime auch gegen zurück-
E-1528/2020
Seite 11
geschaffte abgewiesene Asylsuchende aus der Schweiz vermehrt vor-
gehen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass diesen Inhaftierung
und Folter oder andere unmenschliche Behandlung drohe.
3.2.5 Im Weiteren sei der Vollzug der Wegweisung angesichts der drohen-
den erneuten Verhaftung, Folter oder gar Eliminierung menschenrechtwid-
rig und damit als unzulässig erachten. Angesichts der Corona-Pandemie
sei von einer medizinischen Notlage in Sri Lanka auszugehen; er hätte bei
einer Ansteckung mit dem Corona-Virus keinen Zugang zu medizinischer
Versorgung. Aus diesen Gründen sei der Wegweisungsvollzug auch unzu-
mutbar. Schliesslich sei der Flugverkehr global eingeschränkt oder einge-
stellt, Grenzen seien geschlossen beziehungsweise sei die Ein- und Aus-
reise stark kontrolliert. Unter diesen Umständen sei überdies von der Un-
möglichkeit des Wegweisungsvollzugs auszugehen.
3.3
3.3.1 Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung zunächst fest, dass das
frühere Engagement des Beschwerdeführers für die LTTE nicht in Zweifel
gezogen werde, wohl aber die geltend gemachten Verfolgungsmass-
nahmen nach seiner Entlassung aus der Rehabilitationshaft. Er habe
namentlich keine stichhaltige Erklärung dafür vorbringen können, weshalb
der CID ihn zu Hause aufgesucht habe und er während derart langer Zeit
überwacht worden sei. Seine Aussagen zu den Motiven des Vorgehens der
sri-lankischen Behörden seien bloss vage Behauptungen. Es werde daran
festgehalten, dass er nicht habe erklären können, weshalb sein Engage-
ment für die LTTE auch mehrere Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs
noch hätte zu Verfolgungsmassnahmen der sri-lankischen Behörden
führen sollen. Wäre er vom Regime als eine reelle Gefahr erachtet worden,
wären weitergehende behördliche Massnahmen schon nach kurzer Zeit zu
erwarten gewesen. Der Umstand, dass andere Personen mit Verbindun-
gen zu den LTTE verschwunden seien, sei nicht geeignet, eine konkrete
Verfolgung des Beschwerdeführers als glaubhaft erscheinen zu lassen.
3.3.2 Die Möglichkeit einer Infektion durch das Corona-Virus stelle kein
Wegweisungshindernis dar, solange keine konkreten Indizien dafür vor-
liegen würden, dass eine Rückkehr in den Heimatstaat zu einem medizini-
schen Notfall oder einer existenzbedrohenden Situation führen würde.
Solche Hinweise seien vorliegend nicht ersichtlich. Sollte aufgrund der Ein-
schränkungen im Flugverkehr die Ausreise innerhalb der angesetzten Frist
nicht möglich sein, könne eine Verlängerung der Ausreisefrist beantragt
werden. Im Übrigen werde auf die Erwägungen in der angefochtenen Ver-
fügung verwiesen, an denen vollumfänglich festgehalten werde.
E-1528/2020
Seite 12
3.4 In seiner Replik hielt der Beschwerdeführer seinerseits daran fest, dass
er von den sri-lankischen Behörden verfolgt werde, weil er Mitglied der
LTTE und nach dem Krieg in Rehabilitationshaft gewesen sei. Es sei durch
Menschenrechtsorganisationen dokumentiert, dass auch rehabilitierte
LTTE-Mitglieder in den Jahren nach dem Krieg verfolgt worden seien. Auch
im aktuellen Kontext würden Verbindungen zu den LTTE zu Verfolgung füh-
ren. Seine Mitgliedschaft bei den Tigers dürfe nicht isoliert betrachtet,
sondern es müssten auch weitere Risikofaktoren berücksichtigt werden.
Zudem sei es von grosser Wichtigkeit, bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit
den Länderkontext einzubeziehen. Vor diesem Hintergrund erscheine das
Vorgehen der sri-lankischen Behörden gegen ihn sehr plausibel.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Vorab ist festzustellen, dass die Vorinstanz zu Recht weder die vom
Beschwerdeführer vorgebrachte Tätigkeit für die LTTE in den Jahren 2006
bis 2009 noch seine einjährige Inhaftierung in einem Rehabilitationslager
in Frage stellte, zumal die Haft sowie seine anschliessende Freilassung
aus derselben durch die von ihm eingereichten Unterlagen untermauert
werden. Der Beschwerdeführer verblieb indessen nach diesen Ereignissen
noch viele Jahre lang im Heimatstaat.
E-1528/2020
Seite 13
5.2
5.2.1 Der Auffassung des Beschwerdeführers, wonach schon alleine we-
gen seiner früheren Mitgliedschaft bei den LTTE sowie der durchlaufenen
Rehabilitationshaft von einer ihm zukünftig drohenden asylrelevanten Ver-
folgung auszugehen sei, kann nicht gefolgt werden. Gemäss Berichten ver-
schiedener Quellen werden rehabilitierte ehemalige LTTE-Mitglieder durch
die sri-lankischen Behörden zwar systematisch überwacht und belästigt,
wobei namentlich Vorladungen zu Verhören sowie Besuche des CID zu
Hause dokumentiert sind (vgl. SEM, Focus Sri Lanka, Lage ehemaliger
Mitglieder der Liberation Tigers of Tamil Eelam [LTTE], 15. März 2019,
S. 25 ff.; UK HOME OFFICE, Country Policy and Information Note Sri Lanka:
Tamil Separatism, Mai 2020 S. 39). Demnach ist nicht auszuschliessen,
dass der Beschwerdeführer nach seiner Entlassung aus dem Rehabilitati-
onsprogramm gewissen Überwachungsmassnahmen durch die Sicher-
heitskräfte seines Heimatstaats unterworfen war. Wie die Vorinstanz zu
Recht feststellte, besteht jedoch Anlass zu Zweifeln, dass diese das von
ihm beschriebene Ausmass erreichten. Gemäss seinen Angaben hat er für
die LTTE lediglich sporadisch sehr niederschwellige Tätigkeiten ausgeübt
(er sei einmal pro Monat zur Bewachung von Strassen und vier oder fünf
Mal zum Rekognoszieren von Truppenbewegungen eingesetzt worden),
und er war nie an Kampfhandlungen beteiligt (vgl. Protokoll Anhörung A31
S. 8 f. F34 ff.). Ebenso wenig lässt sich den Akten entnehmen, dass seine
Familienangehörigen, welche sich für die LTTE engagierten, besonders
exponierte Funktionen ausgeübt hätten. Der im Kampf umgekommene
Halbbruder verstarb bereits im Jahr (...), mithin lange bevor die geschilde-
ten Probleme des Beschwerdeführers begannen. Nach dem Gesagten be-
steht kein Grund zur Annahme, dass er über ein Profil verfügt, welches die
besondere Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden erregt haben
könnte; namentlich dürfte er über keine Informationen verfügen, die für
diese von Interesse sein könnten. Vor diesem Hintergrund sowie unter Be-
rücksichtigung dessen, dass der Beschwerdeführer gemäss seiner Dar-
stellung bereits während seiner Haft im Rehabilitationscamp wiederholt zu
seiner Biografie sowie seinen Aktivitäten für die LTTE detailliert verhört
worden war, erscheint unplausibel und realitätsfern, dass er auch nach sei-
ner Freilassung über Jahre hinweg von verschiedenen Geheimdiensten
immer wieder befragt und in der beschriebenen Intensität überwacht wor-
den sein soll, ohne dass je konkrete Anschuldigungen gegen ihn erhoben
oder weitergehende Massnahmen – beispielsweise eine Festnahme oder
die Einleitung eines Gerichtsverfahrens – gegen ihn ergriffen worden wä-
ren.
E-1528/2020
Seite 14
5.2.2 Im Übrigen teilt das Gericht die Auffassung der Vorinstanz, wonach
auch aus der vom Beschwerdeführer vorgebrachten, versuchten nächtli-
chen Entführung im (...) 2016 nicht auf eine asylrelevante Verfolgung zu
schliessen ist. Zu den Urhebern dieses Vorfalls und zu deren Motiv ver-
mochte der Beschwerdeführer keine Angaben zu machen. Dass ein Zu-
sammenhang mit dem von ihm einige Tage zuvor versäumten Vorladungs-
termin beim CID bestehe, ist, wie er selber einräumte, eine blosse, durch
keine konkreten Indizien erhärtete Vermutung. Überdies wirken seine dies-
bezüglichen Schilderungen insgesamt wenig authentisch und substanz-
arm. Angesichts dessen, dass gemäss seiner Darstellung vier bis fünf Män-
ner ins Haus eingedrungen (und zwei bis drei weitere in einem Auto bereit-
gestanden) seien, erscheint unplausibel, dass diese bloss aufgrund der
Gegenwehr des Beschwerdeführers und dem Erscheinen der Nachbarn
ohne Weiteres von ihrem Vorhaben abgesehen haben sollen. Schliesslich
ist auf einen Widerspruch in seinen Ausführungen hinzuweisen: Zunächst
gab er zu Protokoll, das Wohnzimmer, in welchem er und seine Familie
geschlafen hätten, habe sich direkt hinter der Haustüre befunden (vgl.
Akten SEM, Protokoll Anhörung A31 F66: "[...] Das Haus war ein festes
Haus aus Steinen. Aber die Haustür war aus Blech. Und wenn man es
stösst, geht es auf und dann kommt man direkt ins Wohnzimmer. Und wir
haben im Wohnzimmer geschlafen"); die Anschlussfrage, weshalb es den
Männern denn unter diesen Umständen nicht möglich gewesen sei, ihn zu
packen und ins Auto zu bringen, beantwortete er hingegen damit, das
Wohnzimmer sei "nach hinten versetzt" gewesen und man habe zuerst
durch "einen Gang runtergehen" müssen, um dorthin zu gelangen (vgl.
a.a.O. F67).
5.2.3 Im Übrigen ergeben sich auch aus dem Umstand, dass mehrere Be-
kannte des Beschwerdeführers festgenommen wurden, mangels konkre-
tem Bezug zu seiner Situation keine Hinweise auf eine gezielte Verfol-
gungssituation. Das im Beschwerdeverfahren eingereichte Bestätigungs-
schreiben eines Bekannten des Beschwerdeführers vom 10. April 2021
vermag keine andere Einschätzung zu rechtfertigen, da dieses lediglich
Aussagen zu seiner Tätigkeit für die LTTE enthält, welche indessen nicht
bestritten ist.
5.3 Als Zwischenergebnis ist somit in Übereinstimmung mit der Vorinstanz
festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, das Be-
stehen einer asylrelevanten Verfolgungsgefahr im Zeitpunkt seiner Aus-
reise aus dem Heimatstaat glaubhaft darzulegen. Demnach ist auch dem
Argument, wonach ein unerträglicher psychischer Druck im Sinne von
Art. 3 Abs. 2 AsylG vorgelegen habe, die Grundlage entzogen.
E-1528/2020
Seite 15
5.4
5.4.1 Eine begründete Verfolgungsfurcht des Beschwerdeführers lässt sich
im Weiteren auch nicht aus den vom Bundesverwaltungsgericht im
Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 definierten Risikofaktoren
ableiten:
5.4.2 Das Gericht orientiert sich gemäss diesem Urteil bei der Beurteilung
des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von
Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei
handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeint-
lichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um die Teil-
nahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen und um das Vor-
liegen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicher-
weise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbin-
dung zu den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O.,
E. 8.4.1–8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu
werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen
Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise
zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation für
Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut
sichtbaren Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O.,
E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaub-
haft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der
betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbeson-
dere jene Rückkehrenden eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachtei-
len im Sinn von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Be-
hörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt sind, den tamilischen Sepa-
ratismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1).
5.4.3 Der Beschwerdeführer ist keiner dieser Risikogruppen zuzurechnen.
Gestützt auf die vorangehenden Erwägungen besteht kein Grund zur
Annahme, dass er im Zeitpunkt seiner Ausreise behördlich gesucht wurde.
Es sind keine stichhaltigen Hinweise dafür ersichtlich, dass er aufgrund
seiner Vorgeschichte in den besonderen Fokus der sri-lankischen Behör-
den geraten könnte und diese ein asylrechtlich relevantes Verfolgungs-
interesse an ihm haben. Insbesondere ist nicht davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer befürchten muss, die sri-lankischen Behörden könn-
ten ihm aufgrund seiner früheren Tätigkeit für die LTTE im heutigen Zeit-
punkt eine Verbindung zu dieser Organisation unterstellen.
E-1528/2020
Seite 16
5.4.4 Dass ihm keine Verfolgung durch die heimatlichen Behörden droht,
wird auch dadurch untermauert, dass ihm im Jahr (...) ein sri-lankischer
Reisepass ausgestellt wurde (vgl. die im ersten Asylverfahren eingereichte
Passkopie), mit dem er Sri Lanka (...) Jahre später – wenngleich angeblich
unter Bezahlung eines Schmiergelds – auf dem Luftweg verliess (vgl. Pro-
tokoll BzP S. 6, Protokoll Anhörung A31 F50 und S. 23). Unter Würdigung
aller Umstände ist somit anzunehmen, dass der Beschwerdeführer von der
sri-lankischen Regierung nicht zu jener Gruppe von Personen gezählt wird,
die bestrebt ist, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen,
und so eine Gefahr für den sri-lankischen Einheitsstaat darstellt. Es ist
auch nicht damit zu rechnen, dass er auf der "Stop List" aufgeführt wurde
oder wird, da nichts darauf hindeutet, dass eine gerichtliche Verfügung
oder ein Haftbefehl gegen ihn besteht (und eine kontrollierte Ausreise auf
dem Luftweg bei einem Eintrag auf dieser Liste vermutungsweise auch mit
Schmiergeld nicht möglich gewesen wäre). Exilpolitische Tätigkeiten
macht der Beschwerdeführer nicht geltend. Somit liegen in seinem Fall
keine stark risikobegründenden Faktoren im Sinne des erwähnten Urteils
vor.
5.4.5 Schliesslich besteht kein Grund zur Annahme eines aktuellen
relevanten Verfolgungsrisikos wegen seiner Zugehörigkeit zur tamilischen
Ethnie sowie aufgrund seiner mehrjährigen Landesabwesenheit.
5.5
5.5.1 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers lässt schliesslich
auch die aktuelle allgemeine Situation in seinem Heimatstaat nicht auf eine
asylrelevante Gefährdung schliessen. Seit Einreichung des Asylgesuchs
durch den Beschwerdeführer war die Lage in Sri Lanka verschiedenen Ver-
änderungen unterworfen, wobei namentlich politische Spannungen, die
verheerenden Terroranschläge an Ostern 2019 sowie zuletzt die Wahl von
Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten von Sri Lanka zu erwähnen sind.
5.5.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen be-
wusst, beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt sie
bei der Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durch-
aus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage für Perso-
nen, die bestimmte Risikofaktoren erfüllen, auszugehen (vgl. Referenz-
urteil E‐1866/2015, a.a.O.; HRW, Sri Lanka: Families of "Disappeared"
Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen
Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Be-
völkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären.
E-1528/2020
Seite 17
Unter diesen Umständen ist im Einzelfall insbesondere zu prüfen, ob ein
persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschafts-
wahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht.
5.5.3 Ein solcher Bezug ist vorliegend, wie sich aus den vorstehenden Er-
wägungen ergibt, nicht ersichtlich.
5.6 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer somit nicht gelungen,
eine relevante Verfolgungsgefahr im Sinn von Art. 3 AsylG glaubhaft dar-
zutun. Das SEM hat folglich zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint
und sein Asylgesuch abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
E-1528/2020
Seite 18
7.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
7.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-
Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr
("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl.
Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation
in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen
(vgl. Referenzurteil E-1866/2015, a.a.O., E. 12.2). Auch der EGMR hat sich
wiederholt mit der Gefährdungssituation von Tamilen befasst, die aus ei-
nem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen (vgl.
EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Be-
schwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O.; T.N. gegen
Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. ge-
gen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08;
Rechtsprechung bestätigt in J.G. gegen Polen, Entscheidung vom 11. Juli
E-1528/2020
Seite 19
2017, Beschwerde Nr. 44114/14). Dabei unterstreicht der Gerichtshof,
dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen
drohe eine unmenschliche Behandlung. Den Akten lassen sich keine stich-
haltigen Hinweise dafür entnehmen, dass diese Einschätzung nicht mehr
zutreffend wäre.
7.2.4 Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte dafür,
dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen
"Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In-
und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet
wäre.
7.2.5 Der Vollzug erweist sich damit als zulässig.
7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.1 Der Beschwerdeführer stammt aus dem Distrikt Jaffna in der Nord-
provinz, zuletzt lebte er dort in C._. Der bewaffnete Konflikt zwi-
schen der sri-lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende
gegangen, und in Sri Lanka herrscht weder Krieg noch eine Situation all-
gemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Gemäss Rechtsprechung
ist der Vollzug von Wegweisungen in die Nord- und Ostprovinz zumutbar,
wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere
Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes so-
wie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) be-
jaht werden kann (vgl. Referenzurteil E-1866/2015, a.a.O., E. 13.2). An die-
ser Einschätzung vermögen auch die vom Beschwerdeführer erwähnten
Ereignisse (Präsidentschaftswahl im Jahr 2019, diplomatische Krise zwi-
schen der Schweiz und Sri Lanka Ende 2019) nichts zu ändern und sie
bleibt weiterhin aktuell (vgl. dazu etwa die Urteile des BVGer D-2635/2020
vom 1. März 2021 E. 8.2 oder E-5504/2019 vom 25. Februar 2021
E. 10.3.2).
E-1528/2020
Seite 20
7.3.2 In Bezug auf das Vorliegen individueller Zumutbarkeitskriterien kann
mit Verweis auf die Akten festgehalten werden, dass es sich beim Be-
schwerdeführer um einen gesunden Mann handelt, der über berufliche Er-
fahrung sowie über ein tragfähiges soziales Beziehungsnetz in seinem Hei-
matstaat verfügt, auf dessen Unterstützung er zur Sicherung seiner wirt-
schaftlichen Existenz bei Bedarf mutmasslich zählen kann. Es besteht kein
Grund zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in eine
existenzielle Notlage geraten wird.
7.3.3 Dass neben der Schweiz auch Sri-Lanka von der Corona-Pandemie
betroffen ist, führt praxisgemäss nicht bereits zur Annahme der Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. statt vieler etwa das Urteil BVGer
E-3200/2021 vom 21. Juli 2021 E. 8.4).
7.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
7.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
Die Massnahmen im Zusammenhang mit der Ausbreitung der Coronavirus-
Krankheit stehen dem Wegweisungsvollzug auch unter dem Aspekt der
Möglichkeit nicht entgegen. Bei dieser Pandemie handelt es sich – wenn
überhaupt – um ein temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen
der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tra-
gen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation in Sri Lanka
angepasst wird (vgl. etwa das Urteil BVGer E-319/2019 vom 11. November
2020 E. 8.4 m.w.H.).
7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
E-1528/2020
Seite 21
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Zwischenver-
fügung vom 26. März 2020 sein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde und keine Anhalts-
punkte dafür vorliegen, dass sich seine finanzielle Lage seither entscheid-
relevant verändert hat, ist von der Auflage von Verfahrenskosten abzuse-
hen.
10.
Mit der Zwischenverfügung vom 26. März 2020 wurde auch das Gesuch
des Beschwerdeführers um amtliche Verbeiständung gutgeheissen
(aArt. 110a Abs. 1 AsylG) und seine Rechtsvertreterin als amtliche Rechts-
beiständin eingesetzt. Demnach ist dieser durch das Gericht ein Honorar
für ihre notwendigen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurich-
ten. In der mit der Beschwerdeeingabe eingereichten Kostennote wird ein
zeitlicher Vertretungsaufwand der Rechtsbeiständin von 13.5 Stunden aus-
gewiesen. Dieser Zeitaufwand ist den Umständen des vorliegenden Ver-
fahrens nicht ganz angemessen. Der gesamte notwendige Vertretungs-
aufwand ist – unter Berücksichtigung der nachträglichen Eingaben vom
6. Mai 2020, 14. Mai 2020 und 27. April 2021 – auf 13 Stunden festzuset-
zen. Demzufolge ist das amtliche Honorar – in Anwendung des in der Zwi-
schenverfügung kommunizierten Stundenansatzes von maximal 150 Fran-
ken auf insgesamt Fr. 2086.– (inkl. Auslagen) festzusetzen und durch die
Gerichtskasse zu vergüten.
(Dispositiv nächste Seite)
E-1528/2020
Seite 22