Decision ID: 3a1f39e1-0c11-45ba-9255-af534fb3a517
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1976
,
Mutter von vier Kindern (Jahrgang 1997, 2 x 2001, 2004)
,
meldete sich am
2
7.
Januar 2011
unter Hinweis auf
übermässige Kopfschmerzen
, die zur Lähmung der linken Seite, zu Rücken- und Nacken
schmer
zen und zu Übelkeit führen würden,
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
6/4
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
forderte sie am 1
1.
März 2013 unter Hinweis auf ihre Schaden
minde
rungspflicht zu einem mehrmonatigen stationären psychiatrischen Klinikaufent
halt gefolgt von einer tagesklinischen Weiterbehandlung auf (
Urk.
6/44)
,
und
sprach ihr mit Verfügung vom
4.
Juni 2013
bei einem Invaliditätsgrad von
84
%
eine
ganze
Rente ab
1.
August 2011
zu (Urk.
6/
55/2-11
).
1.2
Nach Eingang eines am
2
7.
März 2014
ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk.
6/57
) holte die IV-Stelle unter anderem ein
psychiatrisches
Gutachten ein, das am
2
8.
Juli 2016
erstattet wurde (Urk.
6/81
). Nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(
Urk.
6/89
;
Urk.
6/97
)
hob die IV-Stelle mit Verfügung vom
6.
April 2017
die bisher ausgerichtete Rente auf (Urk.
6/103
= Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
2
2.
Mai 2017
Beschwerde gegen die Verfügung vom
6.
April 2017
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
en
ihr die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen, insbesondere die bisherige ganze Invali
den
rente weiter auszurichten
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
9.
Juni 2017
(
Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Replik vom 1
1.
Juli 2017 hielt die Beschwerde
führerin an ihren beschwerdeweise gestellten Anträgen fest (
Urk.
8). Mit Schrei
ben vom 3
1.
Juli 2017 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf das Einreichen
einer Duplik (
Urk.
10).
Mit Gerichtsverfügung vom
2
0.
Oktober 2017 wurde das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung abgewiesen (
Urk.
13).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.2
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden somato
formen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosomatischen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad»
-
Komplex «Gesundheitsschädigung»
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex «Sozialer Kontext»
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
den
s
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshin
dern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Resso
urcen)
anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders be
gründet als durch
eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
1.3
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Inva
lidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
ben
bereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG); dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2 mit Hinweisen).
Nach der bis 3
1.
Dezember 2017 gültigen Gerichts- und Verwaltungspraxis zur Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode (grundlegend BGE 125 V 146; vgl.
Art.
27 und 27
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
in der seit dem
1.
Januar 2018 geltenden Fassung und Übergangsbestimmung zur Änderung der IVV vom
1.
Dezember 2017, in Kraft seit
1.
Januar 2018) wird zu
nächst der Anteil der Erwerbstätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufga
ben
bereich (vgl. Art. 27 IVV) ermittelt. Die Invalidität bestimmt sich in der Folge da
durch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Be
tätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei im Erwerbsbereich praxisgemäss berücksichtigt wird, was die versicherte Person im Gesundheitsfall aus ihrer Teil
er
werbstätigkeit erzielen würde. Die Gesamtinvalidität ergibt sich aus der Addie
rung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten
Teilinvaliditäten
(BGE 131 V 51 E. 5.5.1, 130 V 393 E. 3.3, 125 V 146 E. 2b und 5c).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herab
gesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs-
oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner
kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die
Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf die medizinischen Abklärungen,
insbesondere das psychiatrische
Gutachten vom 2
8.
Juli 2016 (
Urk.
6/81), davon aus, dass sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin seit der
Rentenzusprache
verbessert habe. Obwohl die Behand
lungsmöglichkeiten nicht ausgeschöpft worden seien, habe sich der psychische Befund deutlich verbessert und die psychischen Einschränkungen hätten sich erheblich reduziert. Die depressive Störung hätte unter einer Intensivierung der Behandlung inzwischen längst weiter gebessert werden können, da noch keine
Chronifizierung
eingetreten sei. Unter einer adäquaten Behandlung sei eine voll
ständige Genesung zu erwarten. Aus medizinischer Sicht könne durch eine Opti
mierung der derzeitigen integrativen psychiatrisch-psychotherapeutischen Be
hand
lung eine weitere Besserung der Arbeitsfähigkeit erreicht werden (S. 2 oben). Es liege somit kein Gesundheitsschaden vor, der therapeutisch nicht mehr angeh
bar wäre. Die psychischen Restbeschwerden würden sich im Rahmen der Zumut
barkeitsprüfung gemäss
Art.
7
Abs.
2 ATSG als nicht invalidisierend erweisen. Es liege keine dauerhafte, invalidenversicherungsrechtlich relevante Arbeitsunfähig
keit mehr vor. Zusammenfassen
d
bestehe kein Re
ntenanspruch mehr (S. 2 Mitte).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin im Wesentlichen auf den Standpunkt (
Urk.
1),
auf das von der Beschwerdegegnerin eingeholte psychia
tri
sche Gutachten könne aus näher dargelegten Gründen (S. 8 ff.
Ziff.
30 ff.) nicht abgestellt werden (S. 10
Ziff.
43). Di
e Beschwerdegegnerin
könne
nicht mit dem notwendigen Beweismass belegen, dass es zu einer rentenrelevanten Veränderung des Sachverhalts gekommen sei, weshalb ihr die ihr zustehende Rente weiter aus
zurichten sei
(S. 11
Ziff.
50)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist,
ob die Beschwerdegegnerin zu Recht von einem ver
besserten Gesundheitszustand ausging und die bisherige ganze Rente einstellte.
3.
3.1
Bei der ursprünglichen
Zusprache
einer ganzen Rente mit Verfügung vom
4.
Juni 2013
(Urk.
6/55/2-11) lagen im Wesentlichen die folgenden medizinischen Beur
teilungen vor:
3.2
Dr.
Y._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Klinische Pharmakologie und Toxikologie,
Dr.
Z._
, Fachärztin für Allge
meine Innere Medizin,
Dr.
A._
, Facharzt für Rheumatologie, sowie
Dr.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannten
im interdisziplinären Gutachten der MEDAS
C._
vom 1
4.
Februar 2012 (
Urk.
6/35) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
17 unten):
-
d
epressive Störung, aktuell mittelgradigen Ausmasses (ICD-10 F32.1), min
de
stens bestehend seit 3-5 Jahren
-
Panikstörung mit Agoraphobie (ICD-10 F40.01), sich entwickelnd seit 2001
-
s
omatoforme Schmerzstörung (ICD-10
F45.4), mindestens bestehend seit 3-5 Jahren, rheumatologisch imponierend als chron
isches Ganzkörper
schmerzsyndrom
-
Benzodiazepin-Missbrauch (ICD-10 F10.1), zunehm
end in den
l
etzten 1 - 2 Jahren
Dazu führten die Gutachter aus, im Vordergrund seien für die Beschwerdeführerin ihr generalisiertes Ganzkörperschmerzsyndrom, ihre Angstzustände und die de
pres
sive traurige Grundstimmung gestanden (S. 19 unten).
Anlässlich
der rheumatologischen Begutachtu
n
g
hätte sich ein über 10 Jahre bestehendes Körperschmerzproblem gezeigt, das übereinstimmend mit der vorlie
genden Aktenlage aus rheumatologischer Sicht nich
t einem spezifischen syste
misch
-
rheumatologischen Grundleiden zugeordnet werden könne. Bei der Erhe
bung der Schmerzcharakteristika habe die Beschwerdeführerin von sich aus deut
lich weitere nicht zu
zu
ord
nende
Begleitstörungen ergänzt, wobei wiederholt Angst
empfindungen bestätigt worden seien
(S. 19 unten)
. Die zusätzlichen radio
logischen Bildgebungen der Hände und der Halswirbelsäule seien unauffällig ausgefallen, speziell hätten entzündliche oder metabolische Skelettbefunde aus
ge
schlossen werden können. Insgesamt dürfe zumindest mittragend (und mittler
weile im
Chronifizierungsprozess
der Schmerzen doch als beachtlicher Co-Faktor) eine überwiegend, auch willkürlich geprägte, muskuläre
Dysbalance
festgehalten werden. Diese erkläre allerdings das eindrücklich und ausgedehnt erlebte Körper
schmerzproblem nicht. In der rheumatologischen Expertise hätten keine konkre
ten Tenderpoints eingegrenzt werden können. Somit sei bewusst auf das «Etikett» einer «
Fibromyalgiesymptomatik
» verzichtet
worden. Es hätten sich auch keine direkten oder indirekten Hinweise für eine
radikuläre
Störung oder eine zervikale Myelopathie finden lassen (S. 20 oben).
Aus rein rheumatologischer Sicht, bezogen auf den Bewegungsapparat, sei die Beschwerdeführerin für die zuletzt ausgeübten Tätigkeiten (Arbeiten in einer Wäscherei, Angestellte in einer Grossbäckerei, Arbeiten als Reinigungskraft, Arbei
ten in einer Textilreinigungsfirma mit Bügelarbeit) voll arbeitsfähig. Es bestünden keine Einschränkungen des zeitlichen Pensums und auch eine Ein
schränkung der Leistungsfähigkeit könne aus rheumatologischer Sicht nicht be
grün
det zugestanden werden. Auch für eine geeignete Verweistätigkeit sei die Beschwerdeführerin ebenfalls voll arbeitsfähig (S. 20 Mitte).
In psychiatrischer Sicht führten die Gutachter aus,
seit Oktober 2010 arbeite
die Versicherte nicht mehr. Medizinische Angebote
würden
in Anspruch genommen, insbesondere im Sinne ambulanter psychiatrischer Be
handlung sowie Pharmako
therapie.
Andererseits
sei
diese Behandlung als erfolglos zu bezeichnen und von der Prognose her wenig erfolgversprechend. Die Teilnahme an rehabilitativen Mass
nahmen
werde
verweigert, es
würden
somit die
Chronifizierung
und der Ausprägungsgrad der psychosozialen Restriktion und Desintegration
wachsen
(S.
20 unten)
.
Erforderlich
wäre ein mehrmonatiger stationärer psychiatrischer Aufenthalt mit einem Übergang in ein tagesklinisches Setting und einer Reinte
gration der Versicherten aus dieser Situation dann heraus. Gegenwärtig entwick
le
sich der Casus jedoch in die andere Richtung, nämlich in die einer
Chronifizierung
bei mangelnder Veränderungsmotivation, krankheitsaufrechterhaltendem Ver
hal
ten durch die Familie sowie Rente
nantragsstellung. Insofern liege
zwar vorder
gründig eine Compliance vor,
eine grundsätzliche Veränderung der Situation
werde
jedoch nicht angestrebt. Es
sei
mehr als zweifelhaft, ob dies wirklich krank
heitsbedingt
sei
, wahrscheinlich
sei
eine willentliche Abwertung des psychia
trischen Systems und Hilfssystems. Von einer spezifischen Krankenhausphobie, die eine freie Willensentwicklung nicht mehr zulassen würde,
könne
jedoch nicht ausgeg
angen werden. Insofern erscheine
es
der Versicherten
zumutbar, im Sinne der Schadenminderungspflicht und der Mitarbeit am Rehabilitationsprozess, sich in stationäre
Behandlung zu begeben (S. 21 oben).
Es
müsse
davon ausgegangen
werden, dass die Symptome, insbesondere die der depressiven Störung, willent
lic
h nicht übe
r
windbar
seien
, wohl aber gut behandelbar, und dass die Einwil
li
gung in eine Behandlung zumutbar
sei
. Dies
könne
jedoch nicht eine ambulante Be
handlung sein, weil diese seit einem Jahr keinen Erfolg
bringe
. Stattdessen
werde
das Geschehen eher schlimmer, die Versicherte
rutsche
noch in eine Benzo
dia
zepin-Abhängigkeit hinein, dies zumindest auf lange Sicht
(S. 21 Mitte)
.
Die
Versicherte
sei
multipel gestört im Bereich der Emotionalit
ä
t und i
m Bereich des Antriebs und zeige
ein hohes
Mass an Somatisierung. Es komme
zu zwischen
menschlichen Problemen, sogar nach dem Ausschluss von Freunden und Kolle
gen, so auch im Bereich der Familie, zunächst mit den Eltern, nun aber auch mit den Geschwistern und letztlich mit dem Ehemann. Die Funktionalität der Ver
sicherten
sei
stark eingeschränkt, dies
betreffe
die Planung und Strukturierung von Aufgaben, die Durchhaltefähigkeit, die Selbstbehauptungs-
und Durch
set
zungs
fähigkeit, die Kontaktfäh
igkeit zu Dritten, die Gruppenfä
higkeit bis hin zu familiären und intimen Sitzungen
(S. 21)
. Zusammenfassend
sei
gegenwärtig von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen
(S. 21 unten)
.
Es
seien
jedoch zahlreiche krankheitsaufrechterhaltende Faktoren zu beobachten, etwa die Ver
w
ei
gerung eines stationären Settings oder die Ausschöpfung weiterer Massnah
men (Tagesklin
ik). Stattdessen fixiere
sich die
Beschwerdeführerin
auf ihre Schmer
zen,
wolle
ihr Bett nich
t mehr verlassen, verschlechtere
ihren Gesund
heits
zustand durch
Dekonditionierung
, Medikamentenabhängigkeit und weiteres. Unter Inanspruchnahme der vorhandenen therapeutischen
Massnahmen sollte eine Arbeitsfä
higkeit von mindestens 50
%
wieder angestrebt werden, langfristig
gebe
es keine rationalen Gründe, warum nicht eine weitgehend vollständige Arbeitsfähigkeit w
ieder angestrebt werden sollte (S. 2
1 f.
).
3.3
Dr.
D._
, Facharzt für Anästhesiologie,
Regionaler Ärztlicher Dienst (
RAD
)
, führte in der Stellungnahme vom
5.
März 2012 (
Urk.
6/47
S.
4
f.)
aus,
der Bericht der MEDAS
C._
sei umfassend, beruhe auf allseitigen Untersu
chungen, berücksichtige die
geklagten Beschwerden und die
Vorakten
, die Beur
teilung der medizinischen Zusammenhänge sei einleuchtend und die medizini
schen Schlussfolgerungen seien begründet, so dass darauf abgestellt werden könne. In bisheriger und angepasster Tätigkeit bestehe seit dem 3
1.
August 2010 keine Arbeitsfähigkeit mehr. Als Schadenminderungspflicht sei ein mehrmona
tiger stationärer psychiatrischer Klinikaufenthalt aufzuerlegen, gefolgt von einer tagesklinischen Weiterbehandlung. Darunter sei eine Arbeitsfähigkeit in bishe
riger und angepasster Tätigkeit von mindestens 50
%
zu erwarten.
4.
4.1
Dr.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte im Bericht vom
5.
Mai 2014 (
Urk.
6/59/5) aus, der Zustand der Beschwerdeführerin habe sich nicht verbessert, leider eher verschlechtert. Es bestehe weiterhin eine somato
forme Schmerzstörung mit diffusen Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen, Magen- und Bauchschmerzen, Schwindel und unklaren neurologischen Sympto
men.
Die Krankheit sei sicher hauptsächlich psychisch bedingt mit diesen psy
chosomatischen Symptomen, Panikstörung und sozialer Phobie. Die Beschwerde
führerin schliesse sich sozial ab. Sie sei weiterhin beim Psychiater
Dr.
F._
in Behandlung. Sie sei wirklich glaubhaft zu 100
%
arbeitsunfähig. Leider sei die Prognose sehr schlecht, eine Änderung sei nicht zu erhoffen.
4.
2
Dr.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte im Bericht vom 1
9.
Juni 2014 (
Urk.
6/60/5-10) aus, er behandle die Be
schwer
de
führerin seit dem
4.
Januar 2011 bis auf weiteres
(
Ziff.
1.2)
im Rahmen von 14-täg
lichen Konsultationen und pharmakologisch (
Ziff.
1.5),
und nannte
fol
gende
Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
g
eneralisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung (selbstunsicher, emotional-instabil; ICD-10 F61.0)
Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
sei seit dem letzten Bericht vom
Juni 2011 im Wesentlichen unverändert. Sie schildere bei jeder Konsultation diverse und wechselnde körperliche Beschwerden, wobei diese vermutlich zum grösseren Teil psychosomatisch bedingt seien. Weiter würden Ängste bestehen, an einer schweren
somatischen Krankheit leiden zu können oder auch daran sterben zu müssen. Es bestehe eine ängstlich-sorgenvoll getönte Grundstimmung. Angst, dass etwas «Schlimmes» auf sie zukommen werde. Zukunftsängste, Ver
lust
ängste, welche sie überwiegend auf ihre Kinder beziehe. Sie fühle sich ande
rerseits durch ihre Kinder überfordert und sei in diesem Konflikt gefangen. Sie könne wegen ihrer multiplen Ängste kaum alleine sein
, habe
Angst vor fremden Menschen, Angst vor Menschenmengen,
A
ngst
,
schlecht behandelt zu
werden und dass über s
ie fremdbestimmt werden könnte. Sie habe kein Vertrauen zu fremden Menschen. Die Angst sei von diversen Symptomen begleitet, zum Bei
spiel
Palpitationen
, Schwitzen, Mundtrockenheit, Beklemmungsgefühl, abdomi
nelle Missempfindungen und innere Anspannung.
Schon lautes Reden (z.B. inner
halb der Familie) sei ihr zu viel. Sie könne es nicht aushalten, wenn die Kinder untereinander streiten würden. Sie habe jetzt ein Zimmer für sich, wo sie auch alleine schlafe (Tür offen, mit Licht im Zimmer). Sie berichte gelegentlich über produktive Symptome, zum Beispiel unangenehme Geruchsempfindungen ubiquitär («Brandgeruch»), jemanden schreien oder rufen zu hören, das Gefühl, jemand sei hinter ihr oder klopfe ihr auf die Schulter. Sie schildere, die Rollläden in ihrem Zimmer oder manchmal auch in der ganzen Wohnung tagsüber ge
schlossen zu haben, wenn die Sonne draussen zu hell scheine (S. 3).
Die sozialen Kontakte der
Versicherte
würden sich auf ihre Familie und zu ih
ren Eltern beschränken. Sie gehe
sehr selten alleine aus dem Haus und habe Angst, dass andere Menschen sie beobachten könnten. Auch innerhalb ihrer Familie sei ein Rückzug zu beobachten. Sie fühle sich durch die Belange ihrer Familie sehr schnell überfordert (S. 3 unten). In ihrer Haltung sei die
Versicherte
sehr passiv und für therapeutische Interventionen zu Aktivitäten nicht zugänglich. Immer wieder sei eine teilstationäre oder stationäre Behandlung thematisiert worden, wodurch die Beschwerdeführerin extrem unter Druck geraten sei. Die letzte statio
näre Behandlung in der Rehak
lini
k
G._
habe keine signifikante Besserung gebracht. Im Gegenteil hätten sich ihre Ängste weiter verstärkt.
Die Beschwerde
führerin sei für eine teilstationäre oder stationäre Behandlung nicht motiviert. Auf N
achfrage schildere sie diverse Ä
ngste (Angst vor fremden Menschen, starkes Misstrauen auch gegenüber Therapeuten/Therapeutinnen, Angst vor Verlust ihrer
Selbstbestimmung, Angst vor Getrenntsein von ihrer Familie). Somit müsse
davon
ausgegangen werden, dass eine teilstationäre oder stationäre Behandlung keine Besserung erbringen könne. Das Störungsbild sei schwer
chronifiziert
und verän
derungsresistent (S. 4 Mitte).
Die Beschwerdeführerin nehme die 14
-
täg
lich
stattfindenden Konsultationen rege
l
mässig wahr. Anregungen zu konkreten Veränderungen könn
t
en von der Be
schwer
deführerin jedoch kaum umgesetzt werden. Die pharmakologische Behan
d
lung gestalte sich schwierig, weil die Beschwerdeführerin häufig über uner
wünschte Arzneimittelwirkungen klage
und
daher mehrere Umstellungen stattge
funden hätten (S. 5
Ziff.
1.5).
E
s bestehe eine dauerhafte 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 3
1.
August 2010 (S. 5
Ziff.
1.6). Krankheitsbedingt seien der Beschwerdeführerin keine Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt zumutbar, da sie dem Arbeitsdruck absolut nicht gewachsen wäre und eine Verschlechterung eintreten würde (S. 5
Ziff.
1.7). Unter medizinischen Behandlungsmassnahmen könne nicht mit einer Besserung der Gesundheit gerechnet werden
. Eine Besserung der Arbeitsfähigkeit sei äusserst unwahrscheinlich
(S. 5
f.
Ziff.
1.8)
.
4.3
4.3.1
Dr.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
erstattete am 2
8.
Juli 2016 ein
Gutachten
im Auftrag der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
6/81)
. Er stützte sich auf die ihm überlassenen Akten (S. 2 ff.), die Angaben der Be
schwerdeführerin (S. 8 ff.) und die von ihm am 2
0.
Juni 2016 (S. 1 unten) erhobenen Befunde (S. 13 ff.).
4.3.2
Er nannte folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 18
Ziff.
6.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.0/F33.1)
Sodann nannte er folgende
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 18
Ziff.
6.2):
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa und Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10 F13.25)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit emotional-instabilen, passiv-aggressiven und
histrionisch
-unreifen Anteilen (ICD-10 Z73.1).
4.3.3
Zum psychischen Befund führte der Gutachter unter anderem aus, was folgt (S. 13
Ziff.
4.1):
Die Explorandin berichtete vordergründig freundlich, aber eher eingeschränkt kooperativ, insbesondere über verschiedene psychosoziale Probleme und Schwie
rig
keiten, insbesondere die Belastung mit ihren vier Kindern und bei Tendenzen zu Aggravation über gewisse, behandelbare gesundheitliche Be
schwerden.
Die Grundstimmung war leicht bedrückt, die emotionale Resonanzfähigkeit war leicht vermindert. Hinweise auf zirkadiane Besonderheiten mit Morgentief und Angabe von Schlafstörungen, bei regelmässigem Schlafen tagsüber. Auch sub
jektive Angabe von verschiedenen unspezifischen psychosomatischen Be
schwer
den und diffusen Schmerzen.
Der Antrieb war leicht vermindert, psychomotorisch wirkte die Explorandin zeitweilig etwas angespannt. Die kognitiven Fähigkeiten liegen im Normbereich. Es fanden sich keine Hinweise auf relevante Gedächtnisstörungen oder Defizite der Merkfähigkeit
.
Es bestand kein Anhalt für akute Suizidalität, keine Ten
denzen zu Selbstschädigung oder Fremdgefährdung.
Es fanden sich Hinweise auf einen teilweisen sozialen Rückzug. Bei einem verminderten Selbstwerterleben fanden sich Selbstzweifel, weniger Zukunft
sängste, eher Versagensängste.
Es bestand bei guter Realitätsprüfung und guter Kritikfähigkeit in der aktuellen Untersuchungssituation keinerlei Anhalt für inhaltliche Denkstörungen, Wahr
nehmungsstörungen, Wahnerleben oder Halluzinationen. Auch fanden sich keine Hinweise auf eine psychotische Störung des Ich-Erlebens, keine Hinweise auf Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen oder dissoziative Phänomene. Es fanden sich keine sicheren Hinweise für die subjektiv angegebenen patho
logi
schen Ängste. Status nach mehreren Panikattacken, zuletzt vor etwa 2-3 Jahren.
Die emotionale Flexibilität und Belastbarkeit, sowie die Stress- und Frustra
tionstoleranz erschienen leicht vermindert. Die Durchhaltefähigkeit, die Selbst
behauptungsfähigkeit und die Gruppen- und Teamfähigkeit erschienen leicht eingeschränkt. Die Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, die Verkehrsfähigkeit und die Fähigkeit zur Selbstpflege waren nicht vermindert.
Es fanden sich Hinweise auf akzentuierte Persönlichkeitszüge mit emotional-instabilen, passiv-aggressiven und
histrionisch
-unreifen Anteilen. Es konnten leichte Defizite der sozialen Kompetenzen, u.a. der Konfliktfähigkeit bei einem allenfalls leicht eingeschränkten Abgrenzungsvermögen eruiert werden.
Bei einem vorrangig somatisch orientierten Krankheitskonzept und eher geringem Leidensdruck bestand eine ambivalente Motivation für eine adäquate psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung und eine adäquate Psycho
phar
makotherapie. So ist eine Suchtentwicklung bei iatrogenem
Anxiolytika
-Gebrauch entstanden.
In Bezug auf berufliche Eingliederungsmassnahmen konnte bei grundsätzlich
vorhandenen Ressourcen keine Motivation festgestellt werden.
4.3.4
In seiner Beurteilung (S. 14 ff.) führte der Gutachter unter anderem aus, b
ei der aktuellen Untersuchung
habe
sich eine
mittelgradige depressive Symptomatik mit Schwankungen der Stimmung und
Antriebsminderung, leichten Schlafstör
ungen, leichten Konzentrationss
törungen und leicht verminderter Ausdauer und zudem einem verminderten
Selbstwert-Erleben mit ei
nem teilweisen sozialen Rückzug
sowie auch
Versagensängsten
gefunden.
In Bezug auf die
depressive Sympto
matik bestehe b
ei der
kognitiv eher einfach strukturierten Explorandin eher eine Tendenz zur
Somatisierung bei Hinweisen auf eine Schmerzausweitung und diffusen,
wechselnd lokalisierten Schmerzen ohne ausreichende physiologische
Erklärung,
welche
die Exp
l
orandin aus ihrer subjektiven Sicht daran hinder
te
n, ihre
Aufgaben in der Familie und auch ihre beruflichen Aktivitäten auszuüben. Die
von der Explorandin subjektiv
g
ekla
gten,
chronifizierten
Schmerzen
l
ie
ssen sich
physiologisch oder somatisch nicht ausreichend plausibel erklären
(S.
15 unten)
.
Diagnostisch
sei
unter Beachtung der aktuellen anamnestischen Auskünfte der
Explorandin, der psychiatrischen Vorbeurte
i
lungen,
der
im IV-Dossier vorliege
n
den und de
r
aktuellen objektiven Untersuchungsbefunde aus gutachterlich
-
psy
chiatrischer
Sicht von einer rezidivierenden depressiven Störung mit
gegenwärtig leichter bis mittelgradiger depressiver Episode auf dem Boden von
akzentuierten Persönlichkeitszügen mit emotional-instabilen, passiv-aggressiven
und
histrio
nisch-unreifen
Anteilen
auszugehen (S. 16 oben).
Eine schw
ere depressive Symptomatik hab
e bei der aktuellen Exploration
nicht beobachtet werden können. E
ine leichte bis mittelgradige depressive
Sympto
matik besteh
e
bei unzureichender Behandlung
jedoch weiterhin
. Wie schon
2012
vom psychiatrischen Vorgutachter im Rahmen der MEDAS-Begutachtung
festge
stellt, hätte die depressive Störung unter einer Intensivierung der
Behandlung inzwischen längst weiter gebessert werden können, da noch keine
Chronifi
zie
rung
eingetreten
sei
. Es k
ö
nn
e
allerdings anhand der aktuellen
Befunde ange
merkt werden, dass sich die Symptomatik auch unter der
unzureichenden Be
hand
lung deutlich gebessert ha
be (S. 16)
.
4.3.5
Eine eigenständige Diagnose einer generalisierten Angststörung
habe
bei
min
destens teilremittierter Angstsymptomatik nicht mehr gestellt werden
können
.
Auch
hätten
sich aktuell keine Hinweise auf das Vorliegen einer
- vom psy
chia
trischen Vorgutachter festgestellten -
Panikstörung
mit Agoraphobie
gefun
den.
W
enn eine Panikstörung bei den Voruntersuchungen vorgelegen haben sollte,
sei
sie inzwischen voll remittiert. Die aktuell geäusserten leichtgradigen Ängste
der Explorandin l
ie
ssen
auf eine deutliche Besserung im Vergleich zu den
Vorbe
funden von 2012 schliessen und s
eien
somit definitionsgemäss nach der
ICD-10 unter die depressive Störung zu subsumieren. Bei den Schilderungen
der Explo
randin
seien
Ängste nur in geringem
Mass spürbar und verifizierbar gewesen.
Die aktuell noch zu verifizier
ende leichte Angstsymptomatik kö
nn
e
nach der ICD-10 nicht mehr als eigenständige Störung kodiert werden. Eher
hätten
sich hier
Hinweise auf ausgeprägte Tendenzen zu Aggravation von noch vorhandenen
geringfügigen Befindlichkeitsstörungen
gefunden. Es könne
festgehalten werden, dass sich
die psychischen Einschränkungen inzwischen in den letzten 2-3 Jahren auch
ohne die Durchführung einer stationären Behandlung schon deutlich ge
bessert
hätten (S. 16 Mitte).
Weitere psychische Störungen, eine Erkrankung des schizophrenen Formen
kreises
,
eine bipolare affektive Störung, eine dementielle Entwicklung oder
andere psy
chische Störungen
hätten
anhand der aktuell erhobenen
objektiven Befunde und
de
n Angaben der Explorandin nicht
festgestellt werden können.
Die Psycho
pharmakotherapie
sei
weiterhin nicht ausreichend hoch dosiert. Nicht
einmal die schlaffördernde Medikation
sei
in den letzten 5 Jahren
optimiert
worden
, obwohl die Expl
orandin darüber konstant geklagt habe (S. 16 unten).
I
n therapeutischer Hilfslosigkeit
seien
schliesslich suchterzeugende
Substanzen gegeben
worden
, die zwar kurzfristig eine gewisse Beruhigung bewirk
t
en,
sodass die Klagen passager abn
ä
hmen, aber dies k
ö
nn
e
keine Alternative zu
einer wirk
lich optimierten Medikation sein, die unter stationärer Beobachtung
sorgfältiger und konsequenter eingestellt werden und langfristig eine
Verbesserung und Stabilisierung des Gesundheitszustands bewirken
könne
. So
habe
sich nun eine Benzodiazepin-Abhängigkeit entwickelt, die der behandelnde
Psychiater jedoch in seiner Diagnoseliste im aktuellen Bericht nicht aufführ
e
.
Vom psychiatrischen Vorgutachter
sei jedoch schon 2
012 ein Benzodiazepin-Missbrauch beschrieben
worden (S. 17 oben).
4.3.6
A
ufgrund der in der aktuellen gutachterlich-psychiatrischen Untersuchung diag
nostizierten psychiatrischen Störungen
sei
davon auszugehen, dass derzeit noch allenfalls leichte bis mittelgradige Einschränkungen der Arbeits- und Leis
tungsfähigkeit ausgewiesen s
eien
. Hochgradige Einschränkungen der Arbeits
fähig
keit wie
vo
m behandelnden Psychiater postuliert, könn
t
en aus gutach
ter
lich-psychiatrischer Sicht nicht mehr bestätigt werden
(S. 17 unten)
.
Die
Einschränkungen
seien
bedingt durch allenfalls noch leichte bis mittelgradige Einschränkungen der für eine berufliche Tätigkeit erforderlichen Kompetenzen,
unter anderem bestünden
leichte Einschränkungen der Aufmerksamkeit, des Arbeitstempos, der Ausdauer und der Konzentrationsfähigkeit
.
Zudem
bestünden
eine leicht verminderte Stress- und Frustrationstoleranz, eine leicht verminderte emotionale Belastbarkeit, sowie die beschriebenen Defizite der sozialen Kompe
tenzen
(S. 18 oben).
4.3.7
Zur Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter aus, in
der angestammten Tätigkeit als Hilfsarbeiterin besteh
e
aus rein psychiatrischer Sicht bei einer Leistungs
minde
rung um
zirka
40
%
eine Gesamt-
Arbeitsfähigkeit
von
zirka
60
%
bezogen auf ein Vollzeitpensum. Im Haushalt besteh
e
bei der Möglichkeit zur freien Zeitein
teilung eine
Arbeitsunfähigkeit
von höchstens 10-20
%
.
Eine weitere Besserung der psychischen Einschränkungen mit Minderung der
Arbeitsunfähigkeit
auf höchstens 20
%
unter einer adäquaten und zumutbaren Optimierung der Psycho
pharmakotherapie,
gegebenenfalls
im Rahmen einer stationären Behandlung
, sei
in den nächsten 3 Monaten zu erwarten
(S. 18
Ziff.
7.1)
. Gleiches führte er für
der Explorandin
unter Beachtung der festgestellten psychischen und rheumato
logischen Einschränkungen zumutbare
adaptierte Tätigkeiten
aus (S. 19
Ziff.
7.3).
Dem Leiden ideal angepasste (adaptierte) Tätigkeiten
seien
medizintheoretisch die angestammte Tätigkeit und andere Hilfstätigkeiten des
freien Arbeitsmarktes
, die geringe Anforderungen an die Stress- und Frustrationstoleranz, die emotionale
Belastbarkeit oder die sozialen Kompetenzen beinhalt
et
en und 40-jährigen Frauen
unter Beachtung der festgestellten psychischen und rheumatologischen Ein
schrän
kungen zugemutet werden könn
t
en. Eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft
sei gegebenenfalls
unter optimierten Bedingungen möglich. Eine Tätigkeit im geschützten Rahmen
sei nicht zwingend erforderlich (S. 19
Ziff.
7.4).
4.3.8
Multiple psychosoziale Belastungsfaktoren seien zu beachten: Subjektives, eigen
williges Krankheitskonzept, Migrationshintergrund, sehr einfache Schulbildung, keine Berufsausbildung, Ausübung von einfachen beruflichen Tätigkeiten, eher geringe Chancen auf dem freien Arbeitsmarkt, Lebensalter über 40 Jahre,
Dekon
ditionierung
nach nun fast 6 Jahren ohne berufliche Tätigkeit, familiäre Kon
flikte, drei minderjährige Kinder, familiäre finanzielle Engpässe ohne berufliche Tätigkeit der E
xplorandin, deutliche Besserstel
lung finanziell durch die Renten
versorgung, somit fortgesetzter Rentenwunsch (S. 20
Ziff.
8.4
, S. 22
Ziff.
3
).
Im Vergleich zu den im psychiatrischen Teilgutachten von 2012 beschriebenen psychischen Einschränkungen ha
be
sich der psychische Befund deutlich ver
bessert und die psychischen Einschränkungen h
ätt
en sich deutlich reduziert. Die nicht krankheitswertigen psychosozialen Belastungsfaktoren
seien
nun gänzl
ich in den Vordergrund getreten (S. 20
Ziff.
8.5).
Ein
Suchtleiden lieg
e
in Form der Abhängigkeit von Medikamenten
,
konkret Benzodiazepinen
,
vor. Eine Entgiftungsbehandlung
sei
indiziert
(S. 22
Ziff.
5).
4.3.9
Betreffend
Persönlichkeitsbild und biografische
r
Persönlichkeitsentwick
l
ung
führte
der Gutachter unter anderem aus, s
pätestens seit der Adoleszenz best
ünd
en bei
der Explorandin akzentuierte Persönlichkeitszüge mit
histrionisch
-unreifen, passiv
-aggressiven und emotional-instabi
l
en Anteilen.
Bei
histrionisch
-unreifen passiv-aggressiven und emotional-instabilen Persönlichkeitszügen könn
t
en fol
gen
de Verhaltensweisen bei der Betroffenen zumindest zum Teil und zeitweilig beobachtet werden: Egozentrik, selbstbezogene Nachgiebigkeit, anhaltendes Ver
langen nach Anerkennung, erhöhte Kränkbarkeit und andauernd manipulatives Verhalten zur Befriedigung eigener Bedürfnisse, auch demonstratives Verhalten,
dysphorisches
und ablehnendes Verhalten, sowie Nichteinhalten von Anwei
sungen und Anordnungen
oder von Vereinbarungen mit anderen Menschen, wiederholte emotionale Krisen und Befindlichkeitsstörungen, mangelnde Impuls
kontrolle,
gegebenenfalls
s
elbstverletzendes Verhalten, chronisches Gefühl
innerer
Leere (S. 23 oben).
Eine manifeste voll ausgebildete kombinierte Persönlichkeitsstörung
habe
bei der Explorandin bei der aktuellen Exploration nicht beobachtet oder bestätigt werden
können
. In den Vorgutachten und auch den Berichten der behandelnden Psychia
ter
seien
bisher keine konkreten diagnostischen Angaben zur Persönlichkeit
s
struktur der Explorandin gemach
t
worden, insbesondere sei
keine Persönlich
keits
störung diagnostiziert
worden
. Trotz der persönlichkeitsstrukturellen Besonder
heiten ha
be
die Explorandin ihre berufliche Tätigkeit bis 2010 gut bewältigen können, da sie nicht so ausgeprägt
seien
. Erst die grosse Herausforderung der Versorgung von 4 Kindern
habe
schliesslich zu einer Erschöpfung geführt. Nach nun 6 Jahren ha
be
sich die Explorandin längstens von dieser Erschöpfung erholen können, zudem
seien
die Kinder nun gr
ö
sser und benötig
t
en nicht mehr so eng
maschige Versorgung wie früher. Dies ha
be
die Explorandin in der aktuellen Exp
loration mehrfach selbst betont (S. 23 Mitte).
4.3.10
Zum sozialen Kontext wies der Gutachter unter anderem darauf hin, dass
die Explorandin derzeit durch die ihr ausgerichteten Renten insgesamt höhere Ein
künfte erziele
,
als sie früher bei ihrer Arbeit verdient habe (S. 15 Mitte).
Betreffend Beeinträchtigungen und vorhandene persönliche Ressourcen führte der Gutachter unter Hinweis auf den psychischen Befund aus, es bestehe noch eine leichte bis mittelgradige depressive Symptomatik mit eher geringen Beein
trächtigungen. Seit 2012 könne retrospektiv aus aktueller gutachterlicher Sicht eine deutliche Verbesserung der psychischen Einschränkungen und der Arbeits
unfähigkeit von nun zirka 40
%
nachvol
l
zogen werden. Die Explorandin habe auch selbst weniger Leidensdruck verspürt und es nicht für nötig befunden, eine stationäre Behandlung zur besseren Einstellung ihrer Psychopharmaka und dem Absetzen der suchterzeugenden Substanzen wahrzunehmen. Es sollte eine Opti
mierung der Behandlung insbesondere zur Verbesserung
des Schlafs durchgeführt werden.
Voraussichtlich sei eine weitere Besserung der Symptomatik durch eine adäquate und konsequente Behandlung zu erreichen. Es bestünden auch persön
liche Ressourcen, die Explorandin verfüge in der Freizeit über ausbaufähige Ressourcen, die sie auch im beruflichen Umfeld einsetzen könne, wenn sie sich dafür entscheide (S. 23
Ziff.
8).
4.3.11
Zur Frage der Konsistenz führte der Gutachter aus, es bestünden
deutliche Inkon
sistenzen in den Angaben der Explorandin und den angegebenen Be
schwer
den und dem gezeigten Verhalten in der aktuellen Exploration
(S. 25
Ziff.
5).
Zur Frage nach Ausschlussgründen wie Aggravation und ähnlichen Erschei
nungen führte der Gutachter unter anderem aus, e
s müss
t
en bei der Explorandin ein hoher sekundärer Krankheitsgewinn, ein nun schon lange bestehendes dys
funktionales Krankheits-, Schon- und Vermeidungsverhalten und zudem über
Verdeutlichungstendenzen weit hinausgehende Tendenzen zu ausgeprägter Agg
ra
vation beachtet werden. Auch ein Täuschungsverhalten
habe nicht ausge
schlossen werden können (S. 22
Ziff.
4).
4.4
Dr.
I._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, führte in ihrer Stellungnahme vom
3.
August 2016 (
Urk.
6/87 S. 5 ff.) unter anderem aus, das Gutachten erfülle die näher genannten K
riterien (vgl. vor
steh
end E.
1.5
), und es werde empfohlen, auf die Beurteilungen des Gutachtens voll
umfänglich abzustellen (S. 7 unten).
Seitens des Rechtsdienstes wurde in einer Stellungnahme vom
1.
/
3.
November 2016 (
Urk.
6/88) unter anderem ausgeführt, es liege kein Gesundheitsschaden vor, der
therapeutisch nicht mehr
angehbar
wäre, und die psychischen Restbe
schwerden erwiesen sich im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung gemäss
Art.
7
Abs.
2 ATSG als nicht invalidisierend (S. 3 Mitte).
5.
5.1
Der Gutachter hat die heute massgebenden Standardindikatoren (vorstehend E. 1.2) in seine Beurteilung weitestgehend einbezogen. So hat er
sich
einlässlich mit den diagnoserelevanten Befunde
n
und
deren
Ausprägung auseinandergesetzt (vor
stehend E. 4.3.3-4 und 4.3.6), ebenso mit dem Behandlungserfolg, der - wenn auch (noch) nicht im an sich möglichen Umfang - eingetreten ist, während die durch die medikamentöse Behandlung verursachte
Benzodiazepin
-Abhängigkeit als Misserfolg zu werten sein dürfte (vorstehend E. 4.3.5). Komorbiditäten
ver
neinte er mit schlüssiger Begründung (vorstehend E. 4.3.5). Zum Aspekt der
Persönlichkeit
und der p
ersönliche
n
Ressourcen
wies er insbesondere auf die im Vergleich zu 2012, bei deutlich gebessertem Befund, gänzlich in den Vordergrund getretenen - näher umschriebenen - psychosozialen Belastungsfaktoren hin (vor
stehend E. 4.3.8-9)
,
und den sozialen Kontext betreffend wies er namentlich darauf hin, dass das Einkommen der Beschwerdeführerin aus Versiche
rungs
leis
tungen höher ausfalle als ihre frühere
n Erwerbseinkommen (vorstehend E
. 4.3.10).
Schliesslich äusserte er sich auch zur Konsistenz, und zwar unter Hinweis auf festgestellte Diskrepanzen und auf über eine Verdeutlichung weit hinausgehende Tendenzen zur Aggravation (vorstehend E. 4.3.11). Zu nennen ist hier auch sein
e Feststellung
, dass
das Nichtbefolgen der Empfehlung einer stationären Behand
lung auf einen weniger ausgeprägten Leidensdruck
hinweise
(vorstehend E. 4.3.10
).
Schliesslich ist auch die Bestimmung der Arbeitsunfähigkeit (vorstehend E. 4.3.7) so erfolgt, dass sie sich gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) ergibt.
5.2
Nachdem sich der Gutachter in seiner Beurteilung (auch) an den Standard
indi
katoren orientiert hat, ist die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob er sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren einge
schätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), klar zu bejahen. Die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachweisen. Somit ist
betreffend
die Diag
nosen wie auch hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit auf das Gutachten abzustellen.
5.3
Dem steh
en
die in der Beschwerde (
Urk.
1) genannten Kritikpunkte nicht ent
gegen. Namentlich den Ausführungen betreffend Befunde und psychische Ein
schrän
kungen (S. 7 unten) kann nicht gefolgt werden (vgl. vorstehend E. 4.3.3). Dass sich im
Gutachten
keine
Angaben
zu einer allfälligen
Angsterkrankung
fänden (S. 8
Ziff.
31), ist schlicht unzutreffend (vgl. vorstehend E. 4.3.
5). Die Ausführungen betreffend
Aggravation und die psychosozialen Belastungen
sind keines
wegs ungenügend (S. 9
Ziff.
35 f.), sondern durchaus nachvollziehbar be
gründet (vorstehend E. 4.3.8 und 4.3.11). Schliesslich sind auch - entgegen der vorgebrachten Kritik (S. 10
Ziff.
44, S. 11
Ziff.
48) - die Ausführungen zur Aus
prägung der depressiven Störung und insbesondere deren Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit einlässlich und schlüssig begründet (vgl. vorstehend E. 4.3.4 und 4.3.6).
Zuzustimmen ist der Beschwerdeführerin lediglich darin,
dass weder eine allfällige Überwindbarkeit im Sinne der früheren Schmerzrechtsprechung (S. 10 f.
Ziff.
47) noch eine allfällig gegebene Therapierbarkeit hier relevante Kategorien darstellen. Dies betrifft aber nicht die Frage der Qualität des erstatteten Gutach
tens, sondern kann nur auf die Argumentation der Beschwerdegegnerin (vgl. vorstehend E. 4.4) bezogen werden
, die mittlerweile überholt ist
.
5.4
Somit steht der Sachverhalt dahingehend fest, dass die Arbeitsfähigkeit der Be
schwerdeführerin krankheitsbedingt in dem gutachterlich attestierten Umfang (vgl.
vorstehend E. 4.3.7) eingeschränkt ist, mithin in der
angestammte
n
Tätigkeit und andere
n
Hilfstätigkeiten des freien Arbeitsmarktes
um 40
%
, und um 10-20
%
im Haushalt.
Die Arbeitsfähigkeit beträgt damit im Erwerbsbereich 60
%
und im Haushalt 80-90
%
.
6.
6.1
Im Vergleich zum Sachverhalt im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenzusprache
(Juni 2013) ist nunmehr eine deutlich höhere Arbeitsfähigkeit ausgewiesen. Dies ist eine Veränderung, welche einen
Revisionsgrund
(vgl. vorstehend E. 1.4) dar
stellt.
6.2
Im Haushaltabklärungsbericht vom 1
5.
März 2013 (
Urk.
6/45) wurde die Be
schwer
deführerin als zu 70
%
im Erwerbsbereich und zu 30
%
im Haushalt tätig qualifiziert (S. 3
Ziff.
2.6), und die Einschränkung im Haushalt wurde mit 47.5
%
beziffert (S. 8
Ziff.
6.8). Die Einschränkung im Erwerbsbereich wurde mit 100
%
beziffert (
Urk.
6/46), womit in Anwendung der gemischten Methode (vgl. vor
steh
end E. 1.
3
) ein Invaliditätsgrad von rund 84
%
resultierte (
Urk.
6/47 S. 7 oben).
6.3
Die Statusfrage ist danach zu beantworten, in welchem Umfang die Beschwer
deführerin heute bei guter Gesundheit erwerbstätig wäre (vgl. vorstehend E. 1.3). Im Jahr 2013 wurde davon ausgegangen, sie wäre zu 70
%
erwerbstätig. Diese Qualifikation ergab sich gemäss Haushabklärungsbericht aufgrund ihrer eigenen Angabe, wonach sie immer 70-80
%
gearbeitet habe (
Urk.
6/45 S. 3
Ziff.
2.5).
Gemäss den Einträgen im Auszug aus dem individuellen Konto (
Urk.
6/
13) erzielte sie vor der Geburt des ersten Kindes (1997) ein Einkommen von
Fr.
32'000.-- im Jahr 1995 und von
Fr.
32'875.-- im Jahr 199
6.
Später erzielte sie im Jahr 2000 ein Einkommen von
Fr.
39'826.--, und im Jahr 2003 bezog sie Arbeitslosenentschädigung im Betrag von 32'899.--.
Diesen Daten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin auch vor Geburt des ersten Kindes nicht in einem vollen Pensum erwerbstätig war, sondern teilzeitlich, und so ein Einkommen erzielte, dass später zu einzelnen Zeitpunkten, trotz Bean
spruchung im Aufgabenbereich, sogar übertroffen wurde.
Daraus ist zu schliessen, dass sie auch heute bei guter Gesundheit teilzeitlich erwerbstätig wäre, und zwar im von ihr angegebenen Pensum von 70-80
%
.
Um der Abnahme des Betreuungsbedarfs der nun älter gewordenen Kinder Rech
nung zu tragen, ist von einem Pensum von nunmehr 80
%
(statt 70
%
wie 2013) auszugehen.
6.4
Angesichts des unregelmässigen und tiefen Einkommens, das die Beschwerde
führerin vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielte (vgl.
Urk.
6/13), und ihrer eher rudimentären Ausbildung (vgl.
Urk.
6/4
Ziff.
5.1) ist als
Valideneinkommen
ein Tabellenlohn gemäss Lohnstrukturerhebung (LSE) einzusetzen, und zwar der mittlere von Frauen auf Kompetenzniveau 1 über alle Wirtschaftszweige hinweg erzielte Lohn.
Das Invalideneinkommen ist auf der g
leichen Grundlage zu bestimmen
,
und Umstände, die einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigen können, sind keine ersichtlich. Angesichts der damit
auf beiden Seiten der Rechnung gleichen Fran
kenbeträge
bedürfen diese
kei
ner näheren Bezifferung
. Das
Valideneinkommen
entspricht dem statusgemässen Pensum von 80
%
(vorstehend E. 6.3) und das
Invalideneinkommen der attestierten Arbeitsfähigkeit von 60
%
(vorstehend E.
5
.4).
Somit beträgt die Einbusse 20 Prozentpunkte, was bezogen auf das
Vali
den
einkommen
(Erwerbspensum) von 80
%
eine Einschränkung von 25
%
ergibt
. Daraus resultiert
ein Teilinvaliditätsgrad von 20 %
(25
%
x 0.8).
6.5
Die Einschränkung im Haushalt ist mit 20
%
zu beziffern, was beim status
gemässen Umfang der Betätigung im Haushalt von 20
%
eine Einschränkung von 4
%
und einen Teilinvaliditätsgrad von 0.8
%
(4
%
x 0.2)
ergibt.
Die Addition der Teilinvaliditätsgrade (20
%
+ 0.8
%
) ergibt einen Invalidi
täts
grad von rund 21
%
, was keinen Rentenanspruch begründet.
Damit erweist sich die angefochtene Verfügung im Ergebnis als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
7.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
sind ermessensweise auf
Fr.
900.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuer
legen.