Decision ID: 2fb4af00-8e4a-5412-99e1-0c67a1dd91cf
Year: 2012
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriftenwechsel verzichtet wurde,
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32  35 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durchführung des Asyl und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),
dass der implizit gestellte Antrag um Gewährung der aufschiebende Wirkung der Beschwerde mit vorliegendem Endentscheid gegenstandslos geworden ist,
dass sich die Schweiz mit der Umsetzung des Dublin Assoziierungsabkommens verpflichtet hat, die DublinIIVO anzuwenden,
dass die Zuständigkeit Italiens anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs bei der Vorinstanz nur von der Beschwerdeführerin bestritten
E734/2012
Seite 8
wurde, indem sie geltend machte, sie habe dort kein Asylgesuch gestellt, sondern es seien ihr lediglich die Fingerabdrücke abgenommen worden,
dass dieser Einwand haltlos ist, weil die Beschwerdeführenden einerseits am 7. September 2010 in Italien in der Eigenschaft als Asylsuchende daktyloskopisch erfasst wurden, und Italien andererseits dem Übernahmeersuchen der Schweiz vom 5. Januar 2012 gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c explizit zustimmte,
dass die Zuständigkeit Italiens in der Rechtsmitteleingabe überdies auch nicht mehr bestritten wird,
dass das Bundesamt angesichts dieser klaren Faktenlage vorliegend zu Recht von der Zuständigkeit Italiens ausging, weshalb die gesetzliche Grundlage für einen Nichteintretensentscheid nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG grundsätzlich erfüllt ist,
dass weiter zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführenden auch dorthin ausreisen können oder ob Überstellungshindernisse bestehen,
dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG),
dass vorliegend der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und auch kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. EMARK 2001 Nr. 21),
dass in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG die Frage nach Hindernissen des Wegweisungsvollzugs regelmässig bereits Voraussetzung (und nicht erst Regelfolge) des Nichteintretensentscheides ist (vgl. BVGE E2010/45 E. 10.2) und allfällige völkerrechtliche und humanitäre Vollzugshindernisse im Rahmen der eventuellen Anwendung der sogenannten Souveränitätsklausel (Art. 3 Abs. 2 DublinIIVO i.V.m. Art. 29a Abs. 3 AsylV 1) zu prüfen sind, weshalb kein Raum für Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 i.V.m. Art. 83 Abs. 14 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 AuG besteht,
dass aufgrund der geltend gemachten Vorbringen, wonach der im Januar geborene Sohn, welcher nur eine Niere habe, bei den aktuell herrschenden Temperaturen in Italien gefährdet sei, davon auszugehen
http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21
E734/2012
Seite 9
ist, dass die Beschwerdeführenden implizit einen Selbsteintrittsrecht aus humanitären Gründen beantragen,
dass sie ihre Vorbringen indessen in keiner Weise zu belegen vermögen, da sie keinen ärztlichen den Sohn betreffenden Bericht zu den Akten gereicht haben,
dass ferner aufgrund ihrer Schilderungen betreffend den kurzen Aufenthalt in Italien nach ihrer Rücküberstellung vom (...) (vier Stunden im Flughafen von Rom, ein paar Tage in Rom, Lecce und Milano) noch keine Indizien vorliegen, wonach sie in Italien keine Unterkunft erhalten würden,
dass das italienische Fürsorgesystem zwar in der Kritik steht (vgl. BVGE 6038/2010 vom 3. September 2010; Bericht von Maria Bethka & Dominik Bender zur Situation von Flüchtlingen in Italien vom 28. Februar 2011, Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe "Asylum procedure and reception condition, with focus on Dublin returnees" Berne and Oslo vom Mai 2011), indessen in den Aufenthalts und Verfahrensbedingungen insgesamt kein Vollzugshindernis zu erkennen ist,
dass es dem DublinSystem inhärent ist, dass an sich davon ausgegangen werden kann, der betreffende Dublinstaat könne die nötigen medizinischen Versorgungsleistungen erbringen, ist doch jeder Staat an die Aufnahmerichtlinie (Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 zur Festlegung von Mindestnormen für die Aufnahme von Asylbewerbern in den Mitgliedstaaten), welche medizinische Versorgung garantiert, gebunden,
dass deshalb grundsätzlich davon ausgegangen werden darf, in Italien sei eine angemessene medizinische Versorgung vorhanden,
dass aus der eingereichten Zustimmungserklärung der italienischen Behörden das Ersuchen hervorgeht, sie seien über die Überstellung von sogenannten verletzlichen Personen – wie beispielsweise Kranken, schwangeren Frauen oder Eltern mit Kleinkindern – in angemessener Weise vorab rechtzeitig zu informieren,
dass die zuständigen Schweizer Behörden anlässlich der Überstellung dieser Aufforderung Folge leisten dürften,
E734/2012
Seite 10
dass somit nicht ersichtlich ist, weshalb bei einer Überstellung (Wegweisungsvollzug) nach Italien mit einer Gefährdung der Gesundheit des neugeborenen Kindes zu rechnen ist,
dass ein Überstellungshindernis der Beschwerdeführenden nach Italien demnach grundsätzlich aufgrund einer angeblich mangelnden Unterkunftslage und medizinischen Versorgung sowie der damit verbundenen gesundheitlichen Gefährdung nicht angenommen wird und davon ausgegangen werden kann, das neugeborene Kind werde in Italien – sofern notwendig – medizinisch adäquat betreut,
dass das BFM dafür besorgt zu sein hat, der Familie mit dem Neugeborenen während der Überstellung die allfällig notwendige medizinische Versorgung zukommen zu lassen,
dass indessen nach dem oben Gesagten keine Veranlassung besteht, die Vorinstanz anzuweisen, die Ausübung ihres Selbsteintrittsrechts zu erklären,
dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG zu Recht auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht eingetreten ist,
dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist,
dass es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen ist darzutun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600. (Art. 1 – 3 VGKE) den Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
E734/2012
Seite 11

Considerations: