Decision ID: de52d2d9-ff76-4f1c-866b-1dae7711dfe4
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1957, war als Inhaber der eigenen Baufirma
Y._
GmbH tätig und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsan
stalt (Suva) gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er sich am 2
9.
Oktober 2018 am linken Daumen verletzte (vgl.
Urk.
10
/4;
Urk.
10
/1). Die Suva erbrachte Versicherungsleistungen (
Urk.
10
/10). Mit Schreiben vom 1
3.
Mai 2019 (
Urk.
10
/47) teilte sie dem Versicherten mit, die Leistungen per 1
9.
Mai 2019 ein
zustellen, und verfügte am 1
6.
Mai 2019 in diesem Sinn (
Urk.
10
/56). Dagegen erhoben die Krankenversicherung am 1
3.
Juni 2019 (
Urk.
10
/60) und der Versi
cherte am 1
9.
Juni 2019 (
Urk.
10
/62) Einsprache, welche letzterer am
5.
August 2019 (
Urk.
10
/72)
, 2
7.
September 2019 (
Urk.
10
/83) und
9.
April 2020 (
Urk.
10
/100) ergänzte. Mit Entscheid vom
3.
August 2020 wies die Suva die Ein
sprachen ab (
Urk.
10
/106 =
Urk.
2).
2.
Am 1
4.
September 2020 erhob der Versicherte Beschwerde gegen den
Einsprache
entscheid
vom
3.
August 2020 (
Urk.
2) und beantragte dessen Aufhebung, die Zu
-
sprache von Unfalltaggeldern in Höhe von
Fr.
131.55 ab 1
9.
(eventuell 20.) Mai 2019 bis 1
5.
Oktober 2019 zuzüglich Verzugszins ab der jeweiligen Fälligkeit und die Übernahme der Heilungskosten in diesem Zeitraum. Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten einzuholen. Weiter seien ihm die Kosten für ein privates Gut
achten zu erstatten (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
Dezember 2020 (
Urk.
8) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Mit Replik vom 1
0.
Mai 2021 (
Urk.
18) hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträ
gen fest, ebenso die Beschwerdegegnerin mit Duplik vom 1
6.
Juni 2021 (
Urk.
24). Am 1
2.
Juli 2021 reichte der Beschwerdeführer eine weitere Stellungnahme ein (
Urk.
26), wovon die Beschwerdegegnerin am 1
3.
Juli 2021 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
28).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes üb
er die Unfallversicherung (UVG)
werden
– soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Be
rufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei den im Einzelnen in Abs. 2 auf
geführten
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder
Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leis
tungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die
zweck
-
mäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Mög
lichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsan
spruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheits
schadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfall
fremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später einge
stellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungs
-
begründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialver
sicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der
über
-
wiegenden
Wahrschein
lichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatsache handelt, liegt die entsprechende Beweis
last
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausal
zusammenhang gegeben ist
nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallver
sicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rück
fällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch dieser Zustand noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG Leis
tungen zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.3 mit Hinweisen).
1.4
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG
erbringt die Versicherung ihre Leistungen auch
bei folgenden
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind: Knochenbrüche (
lit
. a); Verrenkungen von Ge
lenken (
lit
. b), Meniskusrisse (
lit
. c), Muskelrisse (
lit
. d), Muskelzerrungen (
lit
. e), Sehnenrisse (
lit
. f), Bandläsionen (
lit
. g) und Trommelfellverletzungen (
lit
. h).
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist abschliessend (BGE
146 V 51 E. 7.1 sowie BGE
116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.5
Gemäss
BGE
146
V
51
hat der Unfallversicherer nach Meldung einer Listenver
letzung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG
in der seit 1.
Januar 2017 geltenden Fassung die genauen Begleitumstände abzuklären. Ist die Listenverletzung auf ein U
nfall
ereignis im Sinne von Art.
4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
zurückzuführen, so ist der Unfallversicherer solange leistungspflichtig, bis der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache darstellt, der Gesundheitsschaden also nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Sind hingegen nicht sämtliche Kriteri
en des Unfallbegriffs nach Art.
4 ATSG erfüllt, so wird der Unfallversicherer für
eine Lis
tenverletzung nach Art. 6 Abs.
2 UVG grundsätzlich leistungspflichtig, sofern er nicht den Nachweis dafür erbringt, dass die Verletzung vorwiegend auf Abnüt
zung oder Erkrankung zurückzuführen ist (E. 9.1). Der Entlastungsbeweis des Unfallversicherers ist erbracht, wenn die Listendiagnose zu mehr als 50 % auf Ab
nützung oder Erkrankung beruht (E. 8.2.2.1, E. 8.6).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.7
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten
ver
-
sicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar
begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) im Wesentlichen wie folgt: Es sei aus näher dargelegten Gründen auf die versiche
rungsinternen Beurteilungen abzustellen, wonach das Unfallereignis zu einer vorübergehenden Verschlimmerung einer vorbestehenden chronischen Instabili
tät des linken Daumengrundgelenks geführt habe. Mit einer radialen Seiten
bandruptur sei das Arbeiten möglich, sie sei häufig weniger beeinträchtigend als eine
ulnare
Seitenbandverletzung. Eine Aktivierung der Arthrose
,
als deren Ausdruck eine Schwellung und Überwärmung des Gelenks angesehen werden könn
ten, sei allerdings nicht dokumentiert. Es sei
en am 2
2.
November 2018
lediglich
noch
eine
Instabilität des Daumengrundgelenks, jedoch keine Schmer
zen mehr dokumentiert worden. Zu diesem Zeitpunkt sei mit überwiegender Wahrschein
lichkeit der Zustand, wie er auch ohne den Unfall eingetreten wäre, erreicht gewesen. Es bestehe ein degenerativer Vorzustand im Sinne einer chro
nischen In
stabilität mit deutlich fortgeschrittenen Verschleisserscheinungen im Sinne einer Arthrose. Der Status quo sine wäre auch ohne die Operation vom 2
6.
November 2018, spätestens jedoch sechs Wochen nach dem Ereignis vom 2
9.
Oktober 2018 erreicht gewesen (S. 13).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer entgegen (
Urk.
1), sein rechtliches Gehör sei verletzt worden (S. 7 f.)
. Es habe keine relevante vorbestehende gesundheitliche Problematik gegeben, die überwiegend wahrscheinlich adäquat kausal für seine Arbeitsunfähigkeit gewesen sei (S. 9 unten). Auf die Beurteilung durch die versi
cherungsinternen Ärzte könne nicht abgestellt werden (S. 9 Mitte). Wäre eine altersbedingte Abnützung in Form der Arthrose derart erheblich gewesen, so hätte sie sich zwingend auch noch nach dem 1
5.
Oktober
2019
ausgewirkt. Dies sei
unzutreffend, denn er sei seit dem 1
6.
Oktober 2019 wieder voll arbeitsfähig. Die Unfallkausalität für die Arbeitsunfähigkeit sei im gesamten Zeitraum Ende Okto
ber 2018 bis 1
5.
Oktober 2019 gegeben, weshalb die Beschwerdegegnerin über den 1
8.
Mai 2019 hinaus leistungspflichtig sei (S. 11). Unzutreffend sei insbeson
dere die Annahme der Beschwerdegegnerin, das Unfallereignis vom 2
9.
Oktober 2018 sei nicht geeignet gewesen, die am 2
2.
November 2018 festgestellte Sublu
xation im Daumengrundgelenk herbeizuführen, denn aufgrund der Kraftentwick
lung der Maschine sei der im Haltegriff hängen gebliebene Daumen kraftvoll zur Seite verdreht worden (S. 13).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Leistungseinstellung per
1
9.
Mai 2019 rechtens ist.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung seines rechtlichen Gehörs, da die Be
schwerdegegnerin den
Einspracheentscheid
erlassen habe, ohne dem Beschwer
deführer vorher den kreisärztlichen Bericht vom 3
1.
Juli 2020 (vgl. nachfolgend E. 4.13) zuzustellen; dieser sei vielmehr zusammen mit dem
Einspracheentscheid
zugestellt worden.
3.2
Gemäss
Art.
29
Abs.
2
der Bundesverfassung (
BV
)
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung ein
greifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu wer
den und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Ent
scheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
3.3
Aus Inhalt und Funktion des Akteneinsichtsrechts als Teil des Anspruchs auf rechtliches Gehör folgt, dass grundsätzlich sämtliche beweiserheblichen Akten den Beteiligten gezeigt werden müssen, sofern in der sie unmittelbar betreffenden Verfügung darauf abgestellt wird. Denn es gehört zum Kerngehalt des rechtlichen Gehörs, dass die Verfügungsadressaten vor Erlass eines für sie nachteiligen Ver
waltungsaktes zum Beweisergebnis Stellung nehmen können. Das Aktenein
sichtsrecht ist somit eng mit dem Äusserungsrecht verbunden, gleichsam dessen Vorbedingung. Die Betroffenen können sich nur dann wirksam zur Sache äussern und geeignete Beweise führen oder bezeichnen, wenn ihnen die Möglichkeit ein
geräumt wird, die Unterlagen einzusehen, auf welche sich die Behörde bei ihrer Verfügung gestützt hat. Das rechtliche Gehör dient in diesem Sinne einerseits der Sachaufklärung und stellt anderseits ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungs
recht im Verfahren dar. Daraus ergibt sich, dass der Versicherer, welcher neue Akten beizieht, auf die er sich in seiner Verfügung zu stützen gedenkt, grund
sätzlich verpflichtet ist, die Beteiligten über den
Aktenbeizug
zu informieren. Das Akteneinsichtsrecht bezieht sich auf sämtliche verfahrensbezogene Akten, die geeignet sind, Grundlage des Entscheids zu bilden. Die Einsicht in die Akten, die für ein bestimmtes Verfahren erstellt oder beigezogen wurden, kann nicht mit der Begründung verweigert werden, die fraglichen Akten seien für den Verfahrens
ausgang belanglos. Es muss vielmehr den Betroffenen selber überlassen sein, die Relevanz der Akten zu beurteilen (BGE 132 V 387 E. 3 mit Hinweisen).
3.4
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtli
chen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit anderen Wor
ten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkreten Fall für den Ausgang der materi
el
len Streitentscheidung von Bedeutung ist, das heisst die Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 132 V 387 E. 5.1; 127 V 431 E. 3d/
aa
).
3.5
Nach der Rechtsprechung kann eine – nicht besonders schwerwiegende – Ver
let
zung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äus
sern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
). Von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzu
sehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der
An
-
hörung
gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurtei
lung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis).
3.6
Vorliegend stellt der Umstand, dass die Beschwerdegegnerin die fragliche kreis
ärztliche Beurteilung dem Beschwerdeführer erst zusammen mit dem
Einsprache
entscheid
zukommen liess, grundsätzlich eine schwere Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, handelte es sich dabei doch um Unterlagen, auf welche sich die Beschwerdegegnerin bei ihrem Entscheid abstützte. Zudem wurde der Beschwer
de
führer durch dieses Verhalten der Beschwerdegegnerin gleichsam auf den Rechts
weg gezwungen. Da eine Rückweisung einzig aus diesem Grund jedoch zu einer unnötigen Verzögerung und einem formalistischen Leerlauf führen würde und der Beschwerdeführer zudem im Gerichtsverfahren im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels Gelegenheit hatte, sich zu äussern, ist von einer Aufhebung des angefochtenen Entscheides aus formellen Gründen abzusehen.
Der Verlet
zung des rechtlichen Gehörs ist jedoch bei der Festsetzung der Entschädigung Rechnung zu tragen.
4
.
4
.1
Die Unfallbeschreibung
in der Schadenmeldung vom
1.
Dezember 201
8
lautet wie folgt (
Urk.
10/
4
Ziff.
6): «Mit dem Rührwerk wollte ich eine Füllmasse in einem grossen Behälter anmachen. Während dem Rühren rutschte mir das Rührwerk aus meiner Hand, dabei steckte mein Daumen im Griff vom Rührwerk fest und ich fiel auf die Seite auf meinen linken
Arm.»
4
.2
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, hielt
in seinem Überweisungsschreiben vom
9.
November 2018
an das Spital
A._
(
Urk.
10/1) fest, es liege ein instabiles MCP-Gelenk
Dig
I Hand links nach Trauma vom 2
9.
Oktober 2018 vor. Radiologisch sei keine Fraktur vorhanden, jedoch eine Subluxation MCP Gelenk nach
ulnar
. Der Versuch einer Ruhigstellung mit einer Daumenschiene für eine Woche habe keine Verbesserung gebracht.
4
.3
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Chirurgie, Spital
A._
, diagnosti
zierte mit Bericht vom 2
2.
November 2018 (
Urk.
10/15) einen Status nach Ruptur der radialen Seitenbänder Grundgelenk Daumen links vom 2
9.
Oktober 201
8.
Der Patient habe berichtet, dass er sich beim Arbeiten auf der Baustelle mit einem Betonmischer ein Distorsionstrauma des
linken Daumens zugezogen habe mit in der Folge Instabilität
radialseits
. In der heutigen Untersuchung zeige sich eine deutliche Instabilität des Daumens mit Aufklappbarkeit
radialseits
und Disloka
tion nach
ulnar
.
Radiologisch zeige sich ebenfalls eine Subluxationsstellung. Es lägen keine Anzeichen für eine Fraktur vor. Es fänden sich diskrete Arthrose
-
zei
chen (S. 1).
Am 2
6.
November 2018
nahm
Dr.
B._
bei der Diagnose einer nicht ganz fri
schen Ruptur des radialen Seitenbandes Daumengrundgelenk links die operative Revision und
Refixation
des Seitenbandes
vor
(
Urk.
10/14).
Im Austrittsbericht vom 2
9.
November 2018 (
Urk.
10/16) hielt
Dr.
B._
fest, bildgebend seien eine Subluxation im
Metakarpophalangealgelenk
I nach
ulnar
und
palmar
, ein Ver
dacht auf eine mittelgradige Arthrose im Gelenk und keine Frakturen feststellbar. Weiter bestünden interoperativ regelrechte Stellungsverhältnisse nach Subluxa
tion im MCP I links mit
Ligamentfixation
an der Grundphalanx I radial (S. 1).
4
.4
Mit Verlaufsbericht vom 1
0.
Januar 2019 (
Urk.
10/24) führte
Dr.
B._
aus, etwa 6 Wochen nach der Operation berichte der Patient noch über Restbeschwer
den beim Greifen sowie über eine
Druckdolenz
dorsal über dem Grundgelenk. Er trage regelmässig die Thermoplast-Schiene, die stark verschmutzt und abgenutzt sei, als Schutz. Die Flexion und Extension des Daumens sei nach längerer Ruhig
stellung erwartungsgemäss noch eingeschränkt.
Ulnar
und radial sei das Gelenk deutlich stabiler als präoperativ. Es zeige sich aber nach wie vor ein etwas weicher Widerstand beim Aufklappversuch. Die radiologische Kontrolle zeige eine leichte Subluxationsstellung und eine
deutliche, vorbestehende Arthrose
(S. 1
; vgl. den
Radiologiebefund
vom 1
0.
Januar 2019;
Urk.
10/34
).
4
.5
Dr.
B._
diagnostizierte mit Bericht vom 2
1.
Februar 2019 (
Urk.
10/29) eine Rezidiv-Instabilität Grundgelenk Daumen links bei Status nach offener Revision und
Refixation
des Seitenbandes
vom 2
6.
November
201
8.
In der Konsultation zeige sich eine abgenutzte Daumenschiene sowie wiederum eine Subluxations
stellung nach
palmar
und vor allem nach
ulnar
im Daumengrundgelenk.
Es bestehe erneut eine radiale Instabilität (S. 1). Aufgrund der erneuten Subluxation sei eine Belastung des Daumens nicht möglich und dadurch die Arbeitsfähigkeit nicht gegeben (S. 2).
4
.6
PD
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Chirurgie, speziell Handchirurgie, diagnostizierte mit Bericht vom 1
5.
April 2019 (
Urk.
10/44) eine
Daumengrund
-
ge
lenksinstabilität
links nach Distorsionstrauma vom 2
9.
Oktober 2018 und führte aus, nach Abnahme der Orthese präsentiere sich der linke Daumen spontan in einer
ulnaren
Subluxationsstellung im Grundgelenk stehend. Damit sei die Spitz- und Schlüsselgrifffunktion lediglich unbelastet möglich, eine relevante messbare
Pinch
-Kraft sei nicht
erhebbar
. Radiologisch zeige sich eine gewisse vorbeste
hende Grundgelenksarthrose mit Gelenkspaltverschmälerung und
diskre
-
ter
Ent
rundung des Metacarpale I Köpfchens. Im Zeitverlauf bis zu den letzten Aufnah
men vom 1
0.
Januar 2018 (richtig: 2019) zeige sich eine deutliche Zunahme der
subchondralen
Geröllzystenbildung im MC I K
öpfchen (S. 1-2). In der vorliegen
den Situation mit bereits feststellbaren degenerativen Veränderun
gen des Gelenks sei zur Behebung der Instabilität und Wiederherstellung des regelrechten
Pinch
-Griffs eine
Daumengrundgelenksarthrodese
indiziert. Der Eingriff sei für den 1
3.
Juni 2019 geplant, bis dahin bleibe die Arbeitsunfähigkeit bestehen (S. 2).
4
.7
Am
4.
Mai 2019 nahm Kreisarzt
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Ortho
pädie und Traumatologie des Bewegungsapparates, zur Frage der Kausalität Stellung (
Urk.
10/43) und hielt fest, das Ereignis sei nicht geeignet gewesen, die am 2
2.
November 2018 bildgebend dargestellte Pathologie herbeizuführen. Unfall
kausal bestehe keine Arbeitsunfähigkeit nach Erreichen des Status quo sine nach Zerrung.
4
.8
Dr.
D._
nahm am 1
6.
Mai 2019 (
Urk.
10/53) eine ärztliche Beurteilung vor und hielt fest, es habe überwiegend wahrscheinlich vor dem Unfall eine Sublu
xation im
Metakarpophalangealgelenk
I nach
ulnar
und
palmar
sowie eine mittelgradige Arthrose vorgelegen (S. 2
Ziff.
1.2). Der Unfall habe nicht zu zusätzlichen objektivierbaren strukturellen Läsionen geführt. Bildgebend hätten keine strukturellen Läsionen, welche nach derzeitigem medizinischen Wissensstand überwiegend wahrscheinlich unfallkausal seien, dargestellt werden können.
Es handle sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um bereits vor dem Ereignis vorhandene pathologische Veränderungen, welche vorübergehend verschlimmert worden seien. Die Verschiebung des Grundgliedes um
eine
halbe Schaftbreite nach
ulnar
sei pathognomonisch für eine länger als 4 Wochen bestehende Läsion des radialen Seitenbandes des Grundgelenks. Der Gesundheitszustand, wie er auch ohne Unfall vorliegen würde, sei nach 4 bis 6 Wochen erreicht, der Status quo sin
e nach Prellung/Zerrung (S. 3).
4
.9
Dr.
B._
führte am 3
1.
Mai 2019 (
Urk.
10/62
/9-10
) aus, es habe eventuell bereits vor dem Unfallereignis eine gewisse
arthrotische
Veränderung am Daumengrundgelenk vorgelegen. Eine bildgebende Dokumentation bestehe
dies
-
bezüglich
nicht. Die
g
eklagte Instabilität des Daumens und die damit verbundene Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit sei aber eindeutig erst nach dem Unfallereignis aufgetreten, weswegen die aktuellen Beschwerden und die Instabilitätsproblematik klar unfallkausal seien. Es liege eine Ruptur des radialen Bandapparates des Grundgelenks am Daumen vor, welche im Verlauf trotz operativer Massnahmen nicht ausgeheilt sei. Der Unfall sei kausal für die aktuell bestehende Daumeninstabilität. Eine Bandruptur sei konventionell radiologisch nur indirekt durch die Fehlstellung des Gelenks feststellbar, wie dies am 2
2.
November 2018 auch erfolgt sei. Ein direkter Nachweis der Bandruptur müsste mittels Ultraschall oder MRI erfolgen, was seines Wissens nicht vorliege. Wie im Bericht der Beschwerdegegnerin erwähnt, sei die Fehlstellung des Daumen
-
grundgelenks
um eine halbe Schaftbreite nach
ulnar
pathognomonisch für eine länger bestehende Läsion des radialen Seitenbandes. Da die Bildgebung mehr als 3 Wochen nach Trauma erfolgt sei, werde dadurch die traumatische Ursache der Fehlstellung quasi bestätigt (S. 1).
4
.10
PD
Dr.
C._
nahm am
6.
Juni 2019 (
Urk.
10/62
/13-14
) Stellung und hielt fest, er könne die kreisärztliche Beurteilung nicht nachvollziehen. Im konventionellen Röntgenbild könne lediglich eine knöcherne Verletzung, jedoch nicht eine Bandruptur festgestellt werden. Dieses angeführte bildgebende Material sei nicht geeignet, die vorliegende Verletzung z
u beweisen oder auszuschliessen,
hierfür
müsste ein bildgebendes Verfahren vorhanden sein, das die Weichteilsituation darstelle, zum Beispiel ein MRI. Anamnestisch gebe es keinen Hinweis auf eine derartige Daumengrundgelenksinstabilität vor dem Zeitpunkt des Unfalls. Eine vorbestehende Subluxation
und Instabilität hätte die Arbeitstätigkeit auf der Baustelle praktisch ausgeschlossen. Die Arthrose sei sicherlich vorbestehend, dies sei bei der schweren manuellen Arbeit des Beschwerdeführers über Jahrzehnte nicht verwunderlich. Allerdings sei nicht die Arthrose Thema der gegenwärtigen Gesundheitsschädigung, sondern die
durch die
B
andruptur
bedingte Instabilität
(S. 1)
. Überdies sei seit den ursprünglichen Röntgenbildern eine Zunahme der Arthrose mit
subchondralen
Geröllzysten festzustellen. Diese Dynamik mit Verschlechterung innerhalb von 5 Monaten lasse auf einen veränderten Umstand - eben das erlittene Trauma - schliessen. Das Hängenbleiben des Daumens in einem blockierenden Rührwerk sei ein geeigneter
Traumamechanismus
, um ein Daumengrundgelenkseitenband zu
rupturieren
, für Handchirurgen sogar ein typisches Verletzungsmuster. Weiter sei das Argument der «nicht ganz frischen» Ruptur als Hinweis auf ein Vorbestehen dieser Läsion nicht stichhaltig. Der Unfall habe sich vier Wochen vor dem Eingriff ereignet, so dass die Bezeichnung
absolut adäquat erscheine. Dies lasse aber nicht den Rückschluss zu, dass diese Ruptur vor dem Unfallereignis vorbestanden habe. Hier liege ein eindeutiger Unfallmechanismus, ein adäquates Trauma und eine vorher nicht bekannte Band
-
ruptur und damit Grundgelenksinstabilität des Daumens vor. Die Unfallkausalität stehe ausser Frage (S. 2).
4
.11
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates, hielt zuhanden der Krankenversicherung am 1
2.
Juni 2019 (
Urk.
10/60
/3
) fest, die unfallbedingten Beschwerden seien nicht ausgeheilt und nicht abgeschlossen. Auch die erneute Operation sei auf das Ereignis vom 2
9.
Oktober 2018 zurückzuführen. Zwar könnten gewisse degene
rative Veränderungen durchaus vorbestehend gewesen sein, aber sicher nicht die dokumentierte Instabilität als chronischer Vorzustand. Bei einer solchen Instabi
lität habe man nämlich Beschwerden und sei sicher nicht auf dem Bau arbeitsfä
hig. Es käme auch zu einer rasch progredienten Gelenkzerstörung. Beide Gesichts
punkte sehe man auch am weiteren Verlauf. Intraoperativ sei eine Ruptur des radialen Seitenbandes nachgewiesen worden. Damit habe offenbar das Trauma für die Verletzung ausgereicht. Es liege auch eine Bandruptur vor und nicht eine Prellung/Zerrung. Die jetzigen Beschwerden seien auf die persistierende Instabi
lität des Daumengrundgelenks und offenbar rasch zunehmende sekundäre Arth
rose zurückzuführen.
4
.12
Am 1
5.
Oktober 2019 nahm PD
Dr.
C._
eine Abschlussuntersuchung vor (
Urk.
10/97
/21-22
) und führte aus, dass sich vier Monate nach der Daumengrund
gelenks-Versteifung links die Daumenfunktion erfreulich entwickelt habe. Die knöcherne Konsolidation der
Arthrodese
sei bereits vor drei Wochen festgestellt worden.
N
un habe sich auch der funktionelle Daumeneinsatz adäquat entwickelt und man dürfe den Beschwerdeführer damit auch für kräftige Tätigkeiten wieder freigeben. Somit bestehe ab dem 1
6.
Oktober 2019 wieder eine volle Arbeitsfä
higkeit (S. 1-2).
In einem Schreiben vom
3.
April 2020 (
Urk.
10/99) hielt PD
Dr.
C._
fest, die Einschätzung der 100%igen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers vom 1
2.
April bis 1
5.
Oktober 2019 sei aus handchirurgischer Sicht aufgrund der erhobenen Untersuchungsbefunde und wegen dem vom Patienten geschilderten beruflichen/manuellen Anforderungsprofil erfolgt. Sollte das tatsächliche beruf
liche Anforderungsprofil unterschiedlich zu dem initial angegebenen sein, könnte dies eine Auswirkung auf die bereits attestierte Arbeitsunfähigkeit haben. Dann würde sich ein Konflikt mit allfälligen bezogenen Versicherungsleistungen erge
ben. Ginge man aber von der Hypothese aus, dass das angegebene berufliche Anforderungsprofil in seiner manuellen Ausprägung korrekt dargelegt worden sei, halte er an seiner Arbeitsunfähigkeitseinschätzung fest, auch wenn tatsäch
lich eine teilweise Arbeitstätigkeit geleistet worden sei. Eine solche hätte auf die Ausheilung des linken Daumens keinen Einfluss gehabt.
4
.13
Kreisarzt med.
pract
. F._
, Facharzt für Chirurgie, Unfallchi
rurgie und
Viszeralchirurgie
, und Kreisärztin
Dr.
med. Judith
G._
, Fach
ärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, nahmen am 3
1.
Juli 2020 eine handchirurgische Beurteilung (
Urk.
10/105) vor und führten aus, der Beschwerdeführer sei vier Tage nach dem Ereignis erstmals bei seinem Hausarzt
Dr.
Z._
vorstellig geworden. Dieser habe eine Luxation MCP I Hand links nach Trauma diagnostiziert und über eine Wiedereinrenkung und Schienenruhigstellung berichtet, allerdings fehlten Untersuchungsbefunde, die man anlässlich einer seit vier Tagen bestehenden Fehlstellung mit Schädigung von Weichgewebe wie einer Luxation erwarten würde: Schwellung,
Hämatom
verfärbung
,
Druckdolenz
. Zudem erscheine es gemäss handchirurgischer Erfah
rung eher ungewöhnlich, dass ein luxiertes Daumengrundgelenk, das demzufolge vier Tage hätte luxiert sein müssen, ohne Weiteres und ohne Schmerzmittel respektive einer Anästhesie reponiert werden könne
, da es sich bei diesem Ver
let
zungsbild um eine erhebliche
Traumafolge
auch mit Beeinträchtigung der um
ge
benden Weichgewebe (Hautmantel) handle. Darüber hinaus handle es sich bei einem in Luxation befindlichen Daumengrundgelenk um einen äusserst schmerz
haften Zustand, der
gewöhnlicherweise
dazu führe, dass ein Betroffener zügig, meist noch am Unfalltag, eine Notfallkonsultation zur Änderung dieses Zustands in Anspruch nehme. Die Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeit oder die Verord
nung von Schmerzmitteln werde ebenfalls nicht erwähnt. Die Folgen einer Distorsion mit proklamierter Seitenbandzerreissung, bei der man, im Übrigen auch nach vier Tagen noch, eine entsprechende Schwellung,
Hämatomverfärbung
und Schmerzhaftigkeit erwarten würde, seien im Untersuchungsbefund des Haus
arztes nicht dokumentiert
(S. 9 f.)
.
Das
während der Konsultation angefertigte Röntgenbild des Strahls I, links in 2 Ebenen, zeige eine Subluxationsstellung des Daumengrundgliedes nach
ulnar
gegenüber dem Mittelhandknochen I um halbe Schaftbreite. Diese erhebliche (um die Hälfte) Verschiebung des Grundgliedschaftes nach
ulnar
(ellenseitig) sei gemäss allgemeiner handchirurgischer Erfahrung das Ergebnis einer chronischen Instabilität nach einer alten Seitenbandverletzung und nicht Ergebnis einer frischen, vier Tage alten Seitenbandruptur infolge Luxation. Des Weiteren zeigten sich fortgeschrittene degenerative Veränderungen des Daumengrundgelenks im Sinne einer Arthrose: Erhebliche Verschmälerung des Gelenkspaltes,
Sklerosie
rung
der Basis des Daumengrundgliedes, Geröllzysten sowie deutliche
Osteophy
ten
am Mittelhandkopf als auch an der Grundgliedbasis
circumferent
. Bei der kreisrunden,
ungekoppelt
wirkenden Struktur handle es sich um das
ulnare
Sesambein in der
ap
- Aufnahme und das radiale Sesambein in der Seitaufnahme, das jeweils andere sei vom Grundgliedkopf überlagert. Beide seien auf der Beugeseite des Daumengrundgelenks physiologisch vorkommend. Auffällig sei zudem die elliptisch vorspringende Knochenstruktur
am radialen
Metacarpale
kopf
, unmittelbar anschliessend ab Gelenkniveau nach proximal auslaufend. Diese Struktur sei abgerundet, dem
Metacarpalekopf
radial aufsitzend. Sie könnte einer älteren, knöchernen
Avulsionsverletzung
des radialen Seitenbandes entsprechen. Seitendifferenzen des Weichgewebeschattens zwischen radialer und
ulnarer
Begrenzung als Ausdruck einer Schwellung hingegen, wie man sie vier Tage nach einer traumatischen Luxation des Daumengrundgelenks erwarten würde, fehlten ebenso wie ein möglicher radialseitiger, gelenknaher Weichteil
schatten als Ausdruck eines frischen
Hämarthros
respektive Hämatoms. Damit seien weder die Folgen einer Luxation noch einer Distorsion objektiviert (S. 10).
Überwiegend wahrscheinlich habe anlässlich des Ereignisses vom 2
9.
Oktober 2018 die Aktivierung einer vorbestehenden Daumengrundgelenksarthrose, die infolge einer älteren radialen Seitenbandverletzung entstanden sei, stattgefun
den. Aufgrund dieser habe sich bereits vorgängig zu dem genannten Ereignis eine chronische Instabilität mit Subluxationsstellung entwickelt. Strukturelle Verlet
zungsfolgen einer traumatischen Daumengrundgelenksluxation oder auch -dis
torsion mit Ruptur des radialen Seitenbandes in Bezug auf das Ereignis seien anlässlich der Erstkonsultation nicht objektiviert (S. 11).
Anlässlich der Konsultation vom 2
2.
November 2018 werde durch
Dr.
B._
die Indikation zur Befestigung des radialen Seitenbandes gestellt und nochmals ein Röntgenbild durchgeführt. Die Beschreibung diskreter
Arthrosezeichen
sei aufgrund der fachradiologischen Beurteilung und auch der eigenen Einsicht
nahme nicht nachvollziehbar, vielmehr bestünden bereits anlässlich des ersten Röntgen
bildes vom
2.
November 2018 erhebliche degenerative Veränderungen. Eindrück
lich sei, wie inkongruent sich die Basis des Grundgliedes in Extension darstelle. Dabei sei sichtbar, dass der sonst zentrale Scheitelpunkt der konvexen Basis nach
ulnar
verschoben und diese damit ausgewalzt sei im Sinne einer Sub
luxation. Derartige Inkongruenzen entstünden nicht infolge einer einmonatigen Subluxa
tionsstellung nach vermuteter frischer Seitenbandruptur, sondern viel
mehr infolge älterer Bandrupturen oder Teilverletzungen, die zu einer chroni
schen Gelenkinstabilität und konsekutiven Arthrosen geführt hätten (S. 11 f.). In der Kon
trolluntersuchung sechs Wochen nach der Operation zeige sich radiolo
gisch eine unveränderte Subluxationsstellung, wobei
Dr.
B._
nun eine deutliche, vorbe
stehende Arthrose beurteile. Trotz intensivierter Ergotherapie stelle sich kein an
haltender Behandlungserfolg ein, der Beschwerdeführer sei bezüglich der Kraft
aufwendung am linken Daumen weiterhin eingeschränkt
(S. 12).
Weiter beschreibe PD
Dr.
C._
im April 2019 eine deutliche Zunahme der
subchondralen
Geröllzystenbildung im MC I Köpfchen und erachte eine
Arthro
dese
als indiziert. Demzufolge müsste sich die schwere Daumengrundgelenksarth
rose mit allen klassischen Zeichen eines fortgeschrittenen Gelenkverschleisses wie Gelenkspaltverschmälerung,
subchondrale
Sklerosierung
, Geröllzysten und
Oste
ophytenbildung
innerhalb des Zeitraums vom 2
9.
Oktober 2018 bis 1
0.
Januar 2019 entwickelt haben, entsprechend einer Zeitdauer von weniger als 2.5 Mona
ten. Ein derart kurzer Entwicklungszeitraum widerspreche gängiger medizinischer Erfahrung. Das Gegenteil sei der Fall: bereits im ersten Röntgenbild vier Tage nach dem Ereignis zeigten sich schwere Verschleisserscheinungen am linken Dau
mengrundgelenk (S. 13 oben).
Es sei überwiegend wahrscheinlich, dass die Sub
luxation um eine halbe Schaftbreite nach
ulnar
als Ausdruck einer chronischen Instabilität bereits vor dem Unfallereignis bestanden habe (S. 13 unten).
Anlässlich der Befunde der ersten kreisärztlichen Untersuchung am
2.
November 2018 zeitnah zum Ereignis vom 2
9.
Oktober 2018 könnten keine strukturellen Unfallfolgen am linken Daumengrundgelenk objektiviert werden. Es sei überwie
gend wahrscheinlich, dass das Ereignis vom 2
9.
Oktober 2018 zu einer vorüber
gehenden Verschlimmerung einer vorbestehenden chronischen Instabilität des linken Daumengrundgelenks geführt habe. Mit einer radialen Seitenbandruptur sei ein Arbeiten möglich, sie sei häufig weniger beeinträchtigend als eine
ulnare
Seitenbandverletzung. Eine Aktivierung der Arthrose, als deren Ausdruck eine Schwellung und Überwärmung des Gelenks angesehen werde könnten, sei allerdings nicht dokumentiert. Mit dem Sprechstundenbericht vom 2
2.
November 2018 dokumentiere
Dr.
B._
lediglich noch eine Instabilität des Daumengrund
gelenks, jedoch keine Schmerzen mehr. Zu diesem Zeitpunkt sei mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit der Zustand, wie er auch ohne den Unfall eingetreten wäre, erreicht
. Infolge des Unfallereignisses vom 2
9.
Oktober 2018 seien keine objektivierbaren strukturellen Veränderungen gesetzt worden. Es bestehe viel
mehr ein degenerativer Vorzustand im Sinne einer chronischen Instabilität mit deutlich fortgeschrittenen Verschleisserscheinungen im Sinne einer Arthrose
(S. 14).
Der Status quo sine wäre auch ohne die Operation am 2
6.
November 2018, spätestens jedoch sechs Wochen nach dem Ereignis vom 2
9.
Oktober 2018, erreicht gewesen (S. 15).
4
.14
Zu dieser Beurteilung nahm PD
Dr.
C._
am 1
0.
September 2020 Stellung (
Urk.
3/7) und führte aus,
es sei
Dr.
D._
Recht zu geben, dass ein Distorsi
onstrauma kaum innerhalb von drei Wochen zu einer mittelgradigen Arthrose führen könne. Man müsse ihm aber widersprechen bezüglich des Hauptbefundes, der Subluxation im Daumengrundgelenk. Eine Distorsionsverletzung mit im vorliegenden Fall klinisch und intraoperativ bestätigtem Seitenbandriss führe in diesem Gelenk durchaus zu einer Fehlstellung im Sinne einer Subluxation, wie sie radiologisch bestätigt worden sei (S. 1).
Dass gemäss kreisärztlicher Beurteilung vom
4.
Mai 2019 eine Zerrung vorliege, werde nicht medizinisch begründet. Eine Zerrung als lediglich teilweise Verlet
zung eines Seitenbandes ohne Kontinuitätsunterbrechung liege nicht vor. Der vollständige Riss des radialen Seitenbandes sei klinisch wie intraoperativ bestä
tigt worden (S. 2 oben).
Dr.
D._
gehe davon aus, dass bereits vor dem Ereignis eine Subluxation vorgelegen habe, gebe dafür jedoch keinen Nachweis. In den Akten seien keine Hinweise auf eine vorbestehende Subluxation zu finden. Aus handchirurgischer Sicht sei festzuhalten, dass eine Verschiebung im Grundgelenk um halbe Schaft
breite
keineswegs pathognomonisch für eine länger als vier Wochen bestehende Läsion sei. Eine Subluxation sei Ausdruck einer Instabilität, egal ob frisch oder länger bestehend. Insofern sei bildgebend mit der Subluxation sehr wohl bereits initial eine strukturelle Läsion festgestellt worden, die als unfallkausal qualifiziere (S. 2 Mitte).
Zum Unfallhergang sei zu präzisieren, dass der linke Daumen, der im Haltegriff hängengeblieben sei, kraftvoll zur Seite verdreht worden sei. Die Kraftentwick
lung von rotierenden Werkzeugen, insbesondere von der Dimension, die vorlie
gend aktenkundig sei, sei sehr wohl geeignet, selbst das starke Seitenband eines Daumengrundgelenks zu
rupturieren
. Während ein nach rechts rotierendes Werk
zeug («im Vorwärtsgang») am rechten Daumen eine nach radial abduzierende Kraft auf das Grundgelenk ausübe und so zu Verletzungen des
ulnaren
Seiten
bandes führen könne, komme es an der linken Hand bei einem nach
rechts drehenden
Werkzeug zu einer nach
ulnar
gerichteten Kraft im Daumengrundge
lenk mit Gefährdung des radialen Seitenbandes. In der handchirurgischen Traumatologie stelle dieser Unfallmechanismus ein klassisches Bild dar. Insofern müsse der Behauptung widersprochen werden, dass das Ereignis nicht geeignet wäre, eine Daumengrundgelenksseitenbandläsion herbeizuführen (S. 2).
Da eine vorbestehende manuelle Einschränkung des Beschwerdeführers vor dem Ereignis nicht aktenkundig sei, könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer davor bestehenden genügenden Stabilität des linken Daumengrundgelenks ausgegangen werden (S. 3 oben).
Weiter lasse sich aus der fehlenden Dokumentation der für eine Luxation typi
schen Untersuchungsbefunde nicht auf ein Fehlen derselben schliessen.
Daraus lasse sich aber nicht der Rückschluss ziehen, dass diese nicht vorgelegen hätten. Eine vier Tage alte Seitenbandverletzung am Daumengrundgelenk könne sich ausserdem durchaus ohne eine relevante Schwellung oder
Hämatomverfärbung
präsentieren. Das Kardinalsymptom dieser Verletzung bleibe die Instabilität, die sich im Röntgenbild als Fehlstellung (Subluxation) darstellen könne. Eine vier Tage bestehende vollständige Luxation des Daumengrundgelenks bedinge eine weitgehende Intaktheit der stabilisierenden Strukturen (Gelenkkapsel
, Band
-
apparat) und würde tatsächlich deutlich schmerzhaft und nur unter erschwerten Bedingungen wie einer Notwendigkeit zur Anästhesie zu reponieren sein. Es sei dementsprechend allgemeines unfallchirurgisches Wissen, dass je einfacher ein (sub-)luxiertes Gelenk zu reponieren sei, der Schaden der stabilisierenden Gelenkstrukturen umso grösser sein müsse. Bei einem Riss des radialen Seiten
bandes im Daumengrundgelenk bestehe eine derartige Instabilität, dass die Reposition einer Luxation oder Subluxation problemlos durchführbar, dafür aber nicht in korrekter Gelenkstellung zu halten sei.
Bei einem entsprechenden Weich
teil
schaden, den der Riss eines radialen oder
ulnaren
Seitenbandes in diesem Dau
mengrundgelenk darstelle, resultiere denn auch eine hartnäckige Fehlstel
lung, die beim Beschwerdeführer festzustellen gewesen sei. Eine radiologisch fest
stellbare Fehlstellung im Daumengrundgelenk sei der Ausdruck der Instabilität, sage aber nichts über das Alter einer Bandruptur aus (S. 3). Erst das Vorliegen einer über
mässigen Abnutzung im Sinne einer Arthrose könne auf eine länger bestehende Instabilität hinweisen. Allerdings entwickle sich eine Daumengrund
gelenksarth
rose auch ohne Instabilität als Folge einer «normalen» Abnutzung bei jahrelanger schwerer manueller Arbeit mit regelmässigem Einwirken von Schlä
gen und Vibrationen. Eine vergleichende Röntgenaufnahme des rechten Daumen
grundge
lenks des Beschwerdeführers zeige ebenfalls
Arthrosezeichen
mit einer radial betonten Gelenkspaltverschmälerung und
osteophytären
Ausziehung an der radia
len Grundgliedbasis mit einer beginnenden Entrundung des Köpfchens des
1.
Mittelhandknochens. Zwar seien die
arthrotischen
Veränderungen an der lin
ken Seite ausgeprägter als rechts. Es sei aber ein bekannter statistischer Um
stand, dass Daumengelenksarthrosen an der
adominanten
Hand (Haltehand) häufiger als an der dominanten Hand aufträten. Die Abnützungserscheinungen seien bei der geschilderten manuellen Belastung des Beschwerdeführers nicht verwunderlich, hätten aber per se ohne Beschwerden keinen Krankheitswert. Entsprechend seien vor dem Ereignis keine Beschwerden dokumentiert (S. 3 unten f.).
Sollte mit der kreisärztlichen Beurteilung einer möglichen älteren knöchernen
Avulsionsverletzung
des radialen Seitenbandes
ein vorbestehender Schaden des radialen Seitenbandes postuliert werden, sei dem entgegenzuhalten, dass dieses Band typischerweise distal, also am körperfernen Ende, und nur selten am Mittelhandköpfchen reisse. Ein solcher Riss des radialen Seitenbandes am körper
fernen Ende sei im Operationsbericht von
Dr.
B._
festgestellt worden. Ein gleichzeitiger Riss eines solchen Seitenbandes sowohl körpernah (am Ort der pos
tulierten älteren knöchernen
Avulsionsverletzung
) als auch körperfern an der Grundgliedbasis sei biomechanisch unmöglich. Hätte also eine ältere proximale (körpernahe) Seitenbandläsion mit behaupteter, vor dem Unfallereignis bestehen
der
Instabilität am Daumengrundgelenk vorgelegen, so hätte dasselbe Seitenband nicht zusätzlich am körperfernen Ende reissen können. Ausserdem beschreibe der Operationsbericht weiter, dass mit Hilfe des Fadens der Seitenapparat wieder straff fixiert werden könne und sich ein stabiles Grundgelenk zeige, womit eine
frühere und zum Operationszeitpunkt bestehende proximale radiale Seitenband
nähe ausgeschlossen sei (S. 4).
Ebenfalls zu widersprechen sei der Darstellung, wonach bildgebend keine Schwel
lung oder ein Hämatom zu sehen sei. Denn neben der Fehlstellung im Sinne einer Achsenabweichung sei sehr wohl ein kugeliger Weichteilschatten an der
Ulnar
seite
des Daumengrundgelenks festzustellen, der einer Weichteilschwellung oder einem Hämatom/
Hämarthros
entsprechen könne. Weiter sei festzustellen, dass auf Vergleichsaufnahmen der rechten Seite hinsichtlich Inkongruenzen ebenfalls analoge Veränderungen mit asymmetrischer Inkongruenz der Basis des Grund
gliedes zur Darstellung kämen. Auch hier sei der Scheitelpunkt der Basis des Grundgliedes nicht zentral, sondern nach
ulnar
verschoben vorzufinden.
Da am rechten Daumengrundgelenk keine Bandruptur oder chronische Instabilität vorliege, sei die Argumentation einer solchen Gelenkveränderung durch eine chro
nische Instabilität an der linken Seite nicht schlüssig (S. 5 Mitte).
Dass mit einer radialen Seitenbandruptur ein Arbeiten möglich sei, treffe nicht zu. Im Bericht von
Dr.
B._
vom 2
1.
Februar 2019 werde angegeben, dass auf
grund der erneuten Subluxation eine Belastung des Daumens nicht möglich und dadurch die Arbeitsfähigkeit nicht gegeben sei. Mit der postoperativen erneuten Instabilität des Daumengrundgelenks sei eine Arbeit auf der Baustelle nicht denk
bar. Es hätten aber vor dem Unfallzeitpunkt keine Beschwerden vorgelegen (S. 5). Während eine vorbestehende Arthrose durchaus symptomarm bis sogar symp
tomlos sein könne, sei die manuelle Tätigkeit für Baustellenarbeit mit einer vorbestehenden Daumengrundgelenkinstabilität nicht denkbar. Das Ereignis habe eine frische Seitenbandverletzung verursacht (S. 6).
4
.15
Med.
pract
.
F._
und
Dr.
G._
führten mit Stellungnahme vom 2
9.
De
zember 2020 (
Urk.
9) im Wesentlichen aus, es sei üblich, dass pathologische Befunde mit ärztlichen Berichten dokumentiert würden. Es sei nicht zu erwarten, dass
Dr.
Z._
bewusst eine vorhandene Schwellung oder ein Hämatom und eine
Druckdolenz
in seinem Bericht nicht erwähne. PD
Dr.
C._
verweise weiter zu Recht darauf, dass eine leicht gelingende Reposition des Daumengrund
-
ge
lenks Zeichen einer schweren Weichteilverletzung sei. Eine solche schwere Weichteilschädigung würde bei der klinischen Untersuchung aber auch bildge
bend ihren Ausdruck finden, weshalb seine Argumentation nicht schlüssig sei
(S. 3).
Der beschriebene Unfallmechanismus des Einhängens des Fingers in einem maschinellen Rührwerk könne durchaus eine Seitenbandverletzung zur Folge haben. Inwieweit im Einzelfall eine Teil- oder vollständige Bandverletzung resul
tiere, sei theoretisch schwer vorherzusagen oder im Nachhinein abzuleiten. Aus der grundsätzlichen Eignung eines Hergangs, eine Körperschädigung zu verursa
chen, könne nicht mit dem Mass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit darauf geschlossen werden, dass diese Verletzung auch eintrete. Folge man der Argu
mentation von
Dr.
D._
, so ergebe sich daraus die Argumentation, wonach durch die ärztlich dokumentierten Befunde vom
2.
November 2018 die radiolo
gisch dokumentierte Subluxationsstellung des Daumengrundgelenks nicht erklärt werden könne (S. 4 unten f.).
Das Ausmass der Subluxationsstellung im Röntgen
bild vom
2.
November 2018 bedinge eine erhebliche, wenn nicht gar vollständige Verletzung des radialen Seitenbandes, um ein Abrutschen des Endgliedes über
haupt erst möglich zu machen. Dass eine derartige Verletzung ohne relevante Schwellung oder
Hämatomverfärbung
eintrete, widerspreche gängiger handchi
rurgischer Erfahrung, da eine Subluxation eine Diskontinuität von Gewebe (Zerreissen) voraussetze und demzufolge auch Blut ins umliegende Gewebe austrete, was als Hämatom
und
Schwellung
identifizierbar sei. Weiter weise PD
Dr.
C._
darauf hin, dass erst das Vorliegen einer übermässigen Abnutzung im Sinne einer Arthrose auf eine länger bestehende Instabilität hinweisen könne. Eben dieser Zustand habe anlässlich der Röntgenaufnahme am
2.
November 2018, vier Tage nach dem Unfallereignis, bestanden. Es sei überwiegend wahr
scheinlich, dass die Subluxationsstellung im linken Daumengrundgelenk um etwa Schaftbreite bei gleichzeitiger degenerativer Veränderung des Gelenks im Sinne einer Arthrose Ausdruck einer länger als vier Tage bestehenden Instabilität sei. Die zum Vergleich vorgelegten undatierten Röntgenbilder des rechten Daumens zeigten keine gleichermassen ausgebildete Arthrose wie links. Weiter habe die Lokalität der Bandverletzung keinen Einfluss auf die Beurteilung der Kausalität, und die von PD
Dr.
C._
angesprochene «kugelige Struktur» auf der
Ulnar
seite
des linken Daumengrundgelenks entspreche nicht einer Weichteilschwellung zufolge einer schweren Verletzung, denn es wäre eine Schwellung der gesamten umgebenden Weichteile zu erwarten (S. 5).
Mit der Röntgenaufnahme des linken Daumens vom
2.
November 2018 sei eine fortgeschrittene Arthrose des Daumengrundgelenks dokumentiert, zusammen mit einer Subluxationsstellung im Gelenk, jedoch ohne den Nachweis von radiologi
schen Zeichen einer frischen Traumatisierung (S. 6). Anlässlich der echtzeitlichen klinischen und radiologischen Untersuchung vier Tage nach dem Unfallereignis seien keine frischen Unfallfolgen objektiviert. Die Röntgenaufnahme dokumen
tiere einen schweren Verschleisszustand des Daumengrundgelenks im R
ahmen einer chronischen Instabilität, die überwiegend wahrscheinlich länger als vier Tage vorhanden sei. Zusammenfassend habe das Unfallereignis überwiegend wahrscheinlich zu einer vorübergehenden Verschlimmerung einer vorbestehen
den chronischen Instabilität des linken Daumengrundgelenks geführt. Die anläss
lich der ersten ärztlichen Untersuchung am
2.
November 2018 zeitnah zum Er
eignis (vier Tage später) objektivierten Befunde einschliesslich des Röntgenbildes machten eine frische Ruptur des radialen Seitenbandes nicht überwiegend wahr
scheinlich (S. 7).
Der Status quo sine sei am 2
6.
November 2018, spätestens aber sechs Wochen nach dem Ereignis vom 2
9.
Oktober 2018 erreicht gewesen (S. 8).
4
.16
Dr.
Z._
hielt am
9.
April 2021 (
Urk.
19/12) fest,
es habe anlässlich der Kon
sultation vom
2.
November 2018 die Fehlstellung des Daumens der linken Hand (klinisch, radiologisch) aufgrund des Vorfalls im Vordergrund gestanden, den der Patient geschildert habe. Ob zwingend weitere klinische Manifestationen vorhan
den sein müssten bei einem solchen Trauma
,
könne er nicht beurteilen. Ob eine chronische Instabilität vorgelegen habe
,
könne er ebenfalls nicht beurteilen. Der Patient sei am
2.
November 2018 zu ihm gekommen, weil eine Instabilität des Daumens vorgelegen habe. Da mit diesem Befund ein Funktionsverlust einher
gehe und der Patient mit den Händen arbeite, sei es plausibel, dass der
Funkti
ons
-
verlust nach dem Unfallereignis aufgetreten und nicht schon vorher vorhanden gewesen sei. Er habe vor dem Unfallereignis keine Beeinträchtigung der linken Hand oder des linken Daumens dokumentiert.
5
.
5
.1
Zu prüfen
sind
die Unfallkausalität einer Gelenksinstabilität beziehungsweise Subluxation und einer Bandläsion
und der Zeitpunkt der Leistungseinstellung
.
D
ie Beschwerdegegnerin anerkannte das Ereignis vom 2
9
.
Oktober
201
8
als Unfall im Sinne von Art.
4 ATSG
.
Der vorliegende Fall ist daher
ausschliesslich
unter dem Blickwinkel von Art. 6 Abs. 1 UVG zu prüfen (
vgl.
auch
die
Urteile des Bundesgerichts 8C_649/2019 vom 4. November 2020 E. 5.3 und 8C_412/2019 vom 9. Juli 2020 E. 5.2).
Somit ist die Beschwerdegegnerin so lange für die Folgen des Unfallereignisses leistungs
pflichtig, bis der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache darstellt, der Gesundheitsschaden also nur noch und aus
schliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht
(vgl. vorstehend E. 1.5
).
Somit
entfällt die Prüfung einer Leistungspflicht für eine Listenverletzung
gemäss
Art. 6 Abs. 2 UVG.
5.2
Die Kreisärzte m
ed.
pract
.
F._
und
Dr.
G._
wiesen darauf hin, dass der Beschwerdeführer erst vier Tage nach dem Ereignis, nämlich am
2.
November 2018 (vgl. Unfallschein;
Urk.
10/3
; sowie vorstehend E. 4.16
), seinen Hausarzt
Dr.
Z._
aufsuchte, und dieser keinerlei Weichteilverletzungen
dokumen
tierte (vgl. vorstehend E. 4.13), obwohl intraoperativ eine Bandläsion festgestellt wurde. Wenngleich dies nicht b
edeuten muss, dass keine solche
Befunde vorla
gen, ist deren Nichterwähnung aus unfallversicherungsrechtlicher Sicht doch relevant, denn die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (vgl. vorstehend E. 1.2). Die initiale Diagnose lautete Luxation, und
Dr.
Z._
nahm - offenbar ohne Anästhesie - eine Reposition und Ruhigstellung vor. Die Kreisärzte wiesen darauf hin, dass die geschilderte Verletzung äusserst schmerzhaft sei und
gewöhnlicherweise
dazu führe, dass
der Betroffene noch am Unfalltag ärztliche Hilfe aufsuche. Dies
wäre
umso mehr
zu erwarten
, als es sich beim Beschwerdeführer um eine handwerklich tätige Person handelt, von der man annehmen würde, dass eine schnelle Behand
lung angestrebt wird, um bei der Arbeit nicht beeinträchtigt zu sein. Diese Über
legungen stellen das Unfallereignis und die initiale Kausalität
der Beschwerden
grundsätzlich nicht in Frage, lassen jedoch Rückschlüsse auf die Frage zu, ob die Beeinträchtigung durch eine chronische Instabilität vorbestehend war. Die Kreis
ärzte wiesen darauf hin, dass die bildgebend dargestellte erhebliche Verschiebung des Grundgliedschaftes das Ergebnis einer solchen chronischen Instabilität nach einer alten Seitenbandverletzung und nicht Ergebnis einer frischen Seiten
bandruptur infolge Luxation sei. Bei einer solchen wären mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erhebliche Schmerzen mit der Notwendigkeit eines sofortigen Arztbesuchs und dokumentierte Weichteilverletzungen zu erwarten gewesen. Hausarzt
Dr.
Z._
hielt jedoch ausdrücklich fest, es habe bei der Konsultation vom
2.
November 2018 die Fehlstellung des Daumens im Vordergrund gestanden (vgl. vorstehend E. 4.16). Dass er angab,
nicht beurteilen
zu können,
ob bei «einem solchen Trauma», welches PD
Dr.
C._
nachträglich mit einem kraftvollen zur Seite verdrehen und einem klassischen Bild eines Unfallmechanismus mit Eignung zur Seitenbandläsion beschrieben wurde (vgl. vorstehend E. 4.14), zwin
gend weitere klinische Manifestationen vorhanden sein müssten, vermag nicht zu überzeugen. Weder
Dr.
B._
noch PD
Dr.
C._
vermochten nachvoll
zieh
bar zu erklären, weshalb keine sichtbaren Weichteilbeschwerden dokumen
tiert wurden. Wenn PD
Dr.
C._
davon ausging, dass eine vier Tage alte Bandver
letzung auch ohne eine relevante Schwellung oder
Hämatomverfärbung
präsen
tieren könne, so lässt er ausser Acht, dass gleichzeitig eine Subluxation mit anhaltender Fehlstellung vorlag, die gemäss Beurteilung der Kreisärzte sehr wohl zu Schwellung, Weichteilverfärbung und
Druckdolenz
führt. Dass gemäss PD
Dr.
C._
der Schaden an den stabilisierenden Gelenkstrukturen desto grösser sein müsse, je einfacher ein subluxiertes Gelenk zu reponieren sei, und beim Beschwerdeführer aufgrund des Risses des radialen Seitenbandes im Daumen
grundgelenk eine derartige Instabilität bestanden habe, dass die Reposi
tion prob
lemlos durchführbar gewesen sei (vgl. vorstehend E. 4.13),
passt nicht ganz
zu seiner Beschreibung, wonach der linke Daumen kraftvoll zur Seite verdreht wor
den sei, wobei die Kraftentwicklung geeignet sei, selbst das starke Seitenband eines Daumengrundgelenks zu
rupturieren
. Bei einer solchen
akuten und heftigen
Verletzung ist nicht nachvollziehbar, dass keine Schmerzen und Verfärbungen dokumentiert wurden.
Eine Bandruptur aufgrund des Unfallereig
nisses ist somit aus unfallversicherungsrechtlicher Sicht lediglich möglich.
5.3
Es liegen
zudem
verschiedene Hinweise auf eine vorbestehende degenerative Beeinträchtigung und damit einen krankhaften Vorzustand vor. Dabei ist aus unfallversicherungsrechtlicher Sicht nicht von Bedeutung, dass ein solcher vorher nie in Erscheinung trat oder dokumentiert wurde. Denn
d
ie Argumentation nach der Formel «
post
hoc ergo
propter
hoc», nach deren Bedeutung eine gesundheit
liche Schädigung schon dann als durch den Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist, ist beweisrechtlich nicht zulässig und vermag zum Nach
weis der Unfallkausalität nicht zu genügen (BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
, Urteil des Bundesgerichts 8C_332/2013 vom 25. Juli 2013 E. 5.1).
Ärztliche Auskünfte, die allein auf dieser Argumentation beruhen, sind beweisrechtlich nicht zu verwerten (Urteil des Bundesgerichts 8C_241/2020 vom 29. Mai 2020 E. 3).
Die
s gilt vorlie
gend für die
in den Berichten von
Dr.
B._
und PD
Dr.
C._
vorhandene Argumentation, wonach die Beeinträchtigung
«
eindeutig nach dem Unfallereignis aufgetreten und deshalb klar unfallkausal
»
sei (vgl. vorstehend E. 4.9), es keine Hinweise auf eine derartige Daumengrundgelenksinstabilität vor dem Unfall gebe und vorher keine Bandruptur bestanden habe (vorstehend E. 4.10) sowie keine aktenkundigen Hinweise auf vorbestehende Subluxationen oder manuelle Ein
schränkungen zu finden seien (E. 4.14). Diese Beurteilungen sind
nach dem Gesagten
beweisrechtlich nicht verwertbar.
5.4
Dr.
B._
fand in der ersten Untersuchung vom 2
2.
November 2018 diskrete
Arthrosezeichen
,
nannte jedoch im Austrittsbericht vom 2
9.
November 2018
einen Verdacht auf eine mittelgradige Arthrose (vgl. vorstehend E. 4.3)
. Die radiologische Kontrolle zeigte im Januar 2019 eine deutliche und nach Angaben von
Dr.
B._
ausdrücklich vorbestehende Arthrose (vgl. vorstehend E. 4.4 und
Urk.
10
/34: «bekannte ausgeprägte
arthrotische
Veränderungen im
Metakar
pophalangealgelenk
») und damit nicht, wie
Dr.
B._
im Mai 2019 festhielt, lediglich eine «gewisse
arthrotische
Veränderung» (vgl. vorstehend E. 4.9).
Auch PD
Dr.
C._
bestätigte, dass die Arthrose vorbestehend und bei der schweren Arbeit des Beschwerdeführers über Jahrzehnte nicht verwunderlich sei (E. 4.10).
Med.
pract
.
F._
und
Dr.
G._
wiesen
schlüssig
darauf hin, dass die bild
gebend festgestellten Inkongruenzen nicht infolge einer einmonatigen Subluxa
tionsstellung nach vermuteter frischer Seitenbandruptur, sondern vielmehr infolge älterer Bandrupturen oder Teilverletzungen entstünden, die zu einer chro
nischen Instabilität und konsekutiven Arthrosen geführt hätten. Zu überzeugen vermag auch ihre Beurteilung, dass
eine
schwere Daumengrundgelenksarthrose mit allen Zeichen
des
fortgeschrittene
n
Gelenkverschleiss
es
wie Gelenkspaltver
schmälerung,
subchondrale
Sklerosierung
, Geröllzysten und
Osteophytenbildung
sich nicht
innerhalb des Zeitraums vom 2
9.
Oktober 2018 bis 1
0.
Januar 2019, entsprechend einer Zeitdauer von weniger als 2.5 Monaten
,
entwickelt haben
könne und e
in derart kurzer Entwicklungszeitraum gängiger medizinischer Erfahrung
widerspreche
.
Im
Gegenteil
hätten
sich
bereits im ersten Röntgenbild vier Tage nach dem Ereignis schwere Verschleisserscheinungen am linken Daumengrundgelenk
gezeigt
(vgl. vorstehend E. 4.13).
In diesem Sinne ist es entgegen PD
Dr.
C._
nicht
«
egal
»
,
ob
die Subluxation
Ausdruck einer länger oder frisch bestehenden Instabilität ist. Er räumte denn auch selbst ein, dass erst das Vorliegen einer übermässigen Abnutzung im Sinne einer Arthrose auf eine länger bestehende Instabilität hinweisen könne (vgl. vorstehend E. 4.14). Eine solche wurde von den Kreisärzten nachvollziehbar und schlüssig bestätigt.
5.5
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass ein degenerativer Vorzustand besteht. Das Unfallereignis hat mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer vorüber
gehenden Verschlimmerung einer vorbestehenden chronischen Instabilität des Daumengrundgelenks geführt, wobei eine frische Ruptur lediglich möglicher
weise verursacht wurde. Der
status
quo sine wurde als spätestens sechs Wochen nach dem Ereignis vom 2
9.
Oktober 2018 erreicht beurteilt. Dies ist angesichts des Umstands, dass die Beschwerdegegnerin trotz einer bloss möglichen Kausali
tät die Operation vom
2
6.
November 2018 übernahm (vgl.
Urk.
10/46) und die Leistungen erst per 1
9.
Mai 2019 einstellte, nicht zu beanstanden.
Der angefochtene Entscheid ist rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
6.1
Das Verfahren ist kostenlos.
6.2
Der Beschwerdeführer beantragt die Rückerstattung der Kosten für die von ihm eingeholte Stellungnahme von PD
Dr.
C._
vom 1
0.
September 2020 (
Urk.
3/
7; vgl.
Urk.
1 S. 2
Ziff.
5;
Urk.
18 S. 2
Ziff.
3).
Nach der Rechtsprechung sind unter dem Titel Parteientschädigung auch die not
wendigen Kosten privat eingeholter Gutachten zu vergüten, soweit die Parteiex
pertise für die
Entscheidfindung
unerlässlich war (BGE 115 V 62 E. 5c S. 63). Dieser Grundsatz ist für das Verwaltungsverfahren ausdrücklich in
Art.
45
Abs.
1 ATSG festgehalten.
Vorliegend erweist sich die Stellungnahme von PD
Dr.
C._
vom 1
0.
Septem
ber 2020 (
Urk.
3/
7)
jedoch
nicht als
für die
Entscheidfindung
unerlässlich, weshalb die Kosten dafür nicht zu vergüten sind.
6.3
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten hat grundsätzlich die obsiegende oder teil
weise obsiegende Beschwerde führende (natürliche)
vertretene
Person, die erheb
liche Auslagen im Rahmen des Prozesses gehabt hat (vgl. Art. 61
lit
. g ATSG und § 34 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Von der Anspruchsberechtigung bei Obsiegen statuiert § 6
der Gebührenverordnung des Sozialversicherungsgerichts (
GebV
SVGer
)
drei
Ausnahmen:
Eine Entschädigung kann auch bei Rückzug der Beschwerde, bei Wiedererwägung des angefochtenen Entscheids zugunsten der Beschwerde führenden Partei oder bei Vergleich zuge
sprochen werden (Abs. 1). Eine Entschädigung kann verweigert werden, wenn die obsiegende Partei den Prozess sch
uldhaft veranlasst hat (Abs. 2), und d
ie obsie
gende Partei kann zur Zahlung einer Entschädigung an die unterliegende Partei verpflichtet werden, wenn sich diese wegen rechtswidrigen Verhaltens der obsie
genden zur Prozessführung veranlasst sah (Abs. 3).
6.4
Da der Beschwerdeführer unterliegt, steht im grundsätzlich keine Parteientschä
digung zu.
Jedoch steht fest, dass die Beschwerdegegnerin, indem sie den
Einspracheentscheid
erliess, ohne zuvor dem Beschwerdeführer die
k
reisärztliche Beurteilung vom 3
1.
Juli 2020
, auf die
sie sich im besagten Entscheid stützte, zur Kenntnis zu bringen, eine schwere Gehörsverletzung beging (vgl. vorstehend
E. 3.6). Dem Beschwerdeführer blieb somit nur die Beschwerdeerhebung, um sich dazu zu äussern. Ob es sich bei dieser Gehörsverletzung um ein rechtswidriges Verhalten im Sinne von
§
6
Abs.
3
GebV
SVGer
handelt, kann
offen bleiben
,
vermag
doch auch das
i
m Rahmen von
Art.
61
lit
. g ATSG
geltende
Verursacher
prinzip selbst i
n Fällen materiellen Unterliegens einen Anspruch auf Entschädi
gung
zu
begründen
(vgl.
dazu
das
Urteil
des Bundesgerichts
9C_1000/2009
vom
6.
Januar 2010
mit Hinweisen).
Es rechtfertigt sich deshalb, dem Beschwerdeführer eine
Prozessentschädigung
von
Fr.
1'000.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen)
zuzusprechen, die von der Beschwerdegegnerin zu leisten ist.