Decision ID: 5e759d68-2565-4150-bb0f-bb62ac56dce4
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Am
6.
Februar 2018
meldete
das Regionale Arbeitsvermittlungs
zentrum (RAV)
dem Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA)
, dass
X._
,
geboren
1968
,
gleichentags einem Beratungsgespräch unentschuldigt ferngeblieben sei
(
Urk.
6/4/2)
. Mit Verfügung vom 1
2.
Februar 2018 (
Urk.
6/39
) wurd
e die
Versicherte
wegen Verletzung
von
Kontrollvorschriften
und Weisun
gen
für
8
Tage ab
7.
Februar 2018 in der Anspruchsberechtigung
eingestellt
, weil sie dem
Beratungsgespräch vom
6.
Februar 2018
unentschuldigt ferngeblieben sei
.
1.2
Gegen die
Verfügung vom 1
2.
Februar 2018
erhob die Versicherte am 2
6.
Februar 2018 Einsprache (
Urk.
6/3/6), worauf das AWA
mit Verfügung vom 1
2.
März 2018 (
Urk.
6/2)
die Verfügung vom 1
2.
Februar 2018
wiedererwägungsweise aufhob und die Versicherte wegen Verletzung der Auskunfts- und Meldepflicht erneut für
8
Tage ab
7.
Februar 2018 in der Anspruchsberechtigung einstellte.
1.3
Die von der Versicherten am
1
9.
März 2018 gegen die Verfügung vom 1
2.
März 2018 erhobene Einsprache (
Urk.
6/4/1) wies das AWA mit Entscheid vom 1
1.
April 2018 (
Urk.
6/5 =
Urk.
2)
ab.
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom
1
1.
April 2018 (
Urk.
2)
erhob die Versicherte am
8.
Mai 2018
Beschwerde und beantragte sinngemäss dessen Aufhebung sowie eine ungekürzte Ausrichtung der Arbeitslosen
ent
schädigung (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom
6.
Juni 2018 (Urk. 5
) be
an
tragte das AWA die Abwei
sung der Beschwerde, wovon der Versicherten am
1
1.
Juni 2018
eine Kopie zugestellt wurde (Urk. 7).
Der Einzelrichter

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Art. 17 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
ver
siche
rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) bestimmt, dass die versicherte Per
son auf Weisung der zuständigen Amtsstelle an
arbeitsmarktlichen
Mass
nahmen,
die seine Vermittlungsfähigkeit fördern, teilzunehmen hat (lit. a), an Bera
tungs
gesprächen und Informations
veranstaltungen sowie an Fachberatungsge
sprächen nach Abs. 5 dieser Bestimmung teilzunehmen hat (lit. b), und dass sie die Unter
lagen für die Beurteilung ihrer Vermittlungsfähigkeit oder der Zumut
barkeit einer Arbeit zu liefern hat.
1.3
Art. 21
der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV)
bestimmt, dass sich die versicherte Per
so
n nach der Anmeldung ent
sprechend den Anordnungen des Kantons per
sönlich bei der zuständigen Amts
stelle zu Beratungs- und Kontrollgesprä
chen mel
den muss, wo
bei sie sicherstellen muss, dass sie in der Regel innert Tagesfrist von der zu
stän
digen Amtsstelle erreicht werden kann (Abs. 1). Die zuständige Amtsstelle legt die Termine für die Beratungs- und Kontrollge
spräche für jede versicherte Person fest (Abs. 2) und erfasst für jede versi
cherte Person die Tage, an denen ein Beratungs- und Kon
trollgespräch ge
führt worden ist. Das Ergebnis des Gesprächs hält sie jeweils in einem Proto
koll fest (Abs. 3).
1.4
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
AVIV
müssen Versicherte, die vorübergehend ganz oder teilweise arbeitsunfähig sind und ihren Taggeldanspruch geltend machen wollen, ihre Arbeitsunfähigkeit innert einer Woche seit deren Beginn der zuständigen Amtsstelle melden. Die Meldefrist fängt
gemäss der Rechtsprechung
am ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit an, wobei nicht danach unterschieden wird, ob dieser Tag einen Werktag, Samstag, Sonntag oder einen Feiertag beschlägt
(Urteil des Bundesgerichts
8C_72/2009 vom 1
0.
März 2009 E. 3.2)
.
Art.
42
Abs.
1 AVIV bezweckt die Verhinderung von Missbräuchen und die Gewährleistung der Kon
t
rolle.
Der vorübergehende Eintritt vollständiger oder teilweiser Arbeitsun
fähig
keit bei Anspruch auf das volle Taggeld nach Massgabe von
Art.
28
Abs.
1 AVIG soll - trotz während dieser Zeit wegen Krankheit, Unfall oder Mutterschaft nicht erfüllbarer Kontrollvorschriften - nicht dazu dienen, sich der Kontrollpflicht ent
ziehen zu können. Die rechtzeitige Meldung nach
Art.
42
Abs.
1 AVIV ist formelle Anspruchsvoraussetzung (BGE 130 V 385
E. 3.1.2).
1.5
Gemäss
Art.
30
Abs.
1 lit. e AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchs
berechtigung einzustellen, wenn sie unwahre oder unvollständige Angaben gemacht oder in anderer Weise die Auskunfts- oder Meldepflicht verletzt hat. Dieser Einstellungstatbestand ist stets erfüllt, wenn die versicherte Person die der Kasse, dem Arbeitsamt oder der kantonalen Behörde einzureichenden Formulare nicht wahrheitsgemäss oder unvollständig ausfüllt. Eine Melde- oder Auskunfts
pflichtverletzung ist darüber hinaus aber auch gegeben, wenn eine Verletzung der im AVIG oder in den dazugehörenden Verordnungen festgeschriebenen Melde- oder Auskunftspflichten (
zum Beispiel
Art.
42
Abs.
1 AVIV) oder der
Pflichten gemäss
Art.
28
Abs.
2,
Art.
29
Abs.
2 und
Art.
31
Abs.
1
des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
vorliegt. Der Einstellungsgrund von
Art.
30
Abs.
1 lit. e AVIG erfasst jede Verlet
zung der Pflicht der versicherten Person zu wahrheitsgemässer und vollständiger Auskunft sowie zur Meldung aller leistungsrelevanten Tatsachen. Unerheblich ist, ob die falschen oder unvollständigen Angaben für die Ausrichtung der Versiche
rungsleistungen oder deren Bemessung kausal sind (BGE 130 V 385 E. 3.1.2).
Zudem ist
das subjektive Kriterium der Absicht,
das heisst
des Wissens und Willens, die Ausrichtung unrechtmässiger Arbeitslosenentschädigung zu erwir
ken oder zu erwirken versuchen, nicht Tatbestandsvoraussetzung (
im Gegensatz zum Einstellungstatbestand von
Art.
30
Abs.
1 lit. f AVIG
;
Urteil des Bundesge
richts C 288/06 vom 2
7.
März 2007 E. 2).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner
ging im angefochtenen Einspracheentscheid vom
1
1.
April 2018
(Urk. 2) davon aus, dass die Beschwerdeführerin am
6.
Februar 2018 einem
Beratungstermin beim RAV
ferngeblieben sei, weil sie an diesem Tag wegen Krankheit arbeitsunfähig gewesen sei, weshalb ein entschuldbarer Grund für das Fernbleiben vom vereinbarten Kontroll- und Beratungsgespräch vorgele
gen habe (S. 1). Da die Beschwerdeführerin dem RAV jedoch erst am 1
3.
Februar 2018 ein Arztzeugnis betreffend eine für den
6.
Februar 2018 attestierte Arbeits
unfähigkeit eingereicht habe, sei sie ihren Auskunfts- und Meldepflichten nicht in genügenden Masse nachgekommen, weshalb eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss
Art.
30
Abs.
1 lit. e AVIG für acht Tage gerecht
f
ertigt sei (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin bringt
hiegegen
vor, dass
sie
sich
am
6.
Februar 2018 nach dem Mittagessen unwohl
gefühlt habe
, weshalb sie sich
nicht mehr recht
zeitig vor dem
Beratungsgespräch beim RAV habe abmelden können. Da sie am
7.
Februar 2018
zudem
bereits ein
erneutes
Aufgebot des RAV für ein anderes Beratungsgespräch erhalten habe, habe sie es
auch
unterlassen, sich
zu einem späteren Zeitpunkt
beim RAV zu melden (Urk
.
1).
3.
3.1
Von der Beschwerdeführerin wird nicht bestritten, dass sie
dem
Beratungsge
spräch
beim RAV vom
6.
Februar 2018
fernblieb.
Sie machte jedoch geltend, dass sie an diesem Tag nach dem Mittagessen erkrankt sei, weshalb sie am Nachmittag des
6.
Februar 2018 weder am Beratungsgespräch habe teilnehmen können, noch
das RAV telefonisch um Verschiebung des Beratungsgesprächs habe ersuchen können. Anschliessend habe sie am
7.
Februar 2018
einen
Arzt aufgesucht, welcher
ihr für den
6.
Februar 2018
ein Arztzeugnis ausgestellt habe.
3.2
Bei den Akten befindet sich ein ärztliches Zeugnis von
Y._
vom
7.
Februar 2018 (
Urk.
6/3/7), worin
dieser
der Beschwerdeführerin für den
6.
Februar 2018 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit attestierte.
3.3
Dem prozessorientierten Beratungsprotokoll des RAV (
Urk.
6/34 S. 3) ist
zu ent
nehmen,
dass die Beschwerdeführerin das
Arztzeugnis
von
Y._
vom
7.
Februar 2018
für die Arbeitsunfähigkeit am
6.
Februar 2018
(
Urk.
6/3/7) anlässlich des Beratungsgesprächs vom 1
3.
Februar 2018
beim RAV
einreichte.
4.
4.1
Bei der Bemessung der einwöchigen
Meldef
rist gemäss
Art.
42
Abs.
1 AVIV ist
gemäss der
erwähnten
Rechtsprechung
(vorstehend E.
1.4
)
auch
der erste
Tag der Arbeitsunfähigkeit
mitzuz
ählen
, weshalb
die Frist bereits an diesem Tag zu laufen
beginnt
.
4.2
Die
einwöchige
Meldefrist
von
Art.
42
Abs.
1 AVIV
begann
für die Beschwerde
führerin
demzufolge am
ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit
und mithin am Diens
tag,
6.
Februar 2018
,
zu laufen und endete am Montag, 1
2.
Februar 201
8.
Die Beschwerdeführerin
, welche
das Arztze
ugnis vom
7.
Februar 2018 (
Urk.
6/3/7)
erst anlässlich des Beratungsgesprächs vom 1
3.
Februar 2018 beim RAV einge
reicht hat, hat
damit
dem RAV
ihre
Arbeitsunfähigkeit vom
6.
Februar 2018
nicht rechtzeitig innerhalb
der
einwöchige
n
Meldefrist von
Art.
42
Abs.
1 AVIV
gemel
det.
4.3
Den Akten sind keine Hinweise auf entschuldbare Gründe zu entnehmen, welche das Verhalten der Beschwerdeführerin, welche nicht genügend dafür besorgt war,
ihre Arbeitsunfähigkeit
auf geeignete Art und Weise
dem RAV
zu melden bezie
hungsweise dem RAV das diesbezügliche Arztzeugnis rechtzeitig vor Ablauf der einwöchigen Meldefrist
zu
kommen zu lassen
, rechtfertigen würde
. Demzufolge ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in Bezug auf
die Arbeitsun
fähigkeit vom
6.
Februar 2018
ihren
Pflichten als Arbeitslose
und Leis
tungsbe
zügerin
nicht
in
genügend
er Weise
nachgekommen ist. Damit ist mit Blick auf die geltende Rechtsprechung (
vorste
hend E. 1.5
)
der Tatbestand von
Art.
30
Abs.
1 lit. e AVIG
erfüllt und
die Einstellung in der An
spruchsberech
ti
gung
ist grundsätzlich
zu Recht erfolgt.
5.
5.1
Die Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtigung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens und beträgt je Einstellungsgrund höchstens 60 Tage (Art.
30
Abs.
3 AVIG). Der Bundesrat kann eine Mindestdauer der Einstellung vorschreiben (
Art.
30
Abs.
3
bis
AVIG). Die Einstellung dauert nach
Art.
45
Abs.
3 AVIV bei leich
tem Verschulden ein bis 15 Tage (lit. a), bei mittelschwerem Verschulden 16 bis 30 Tage (lit. b) und bei schwerem Verschulden 31 bis 60 Tage (lit. c). Wird die ver
sicherte Person wiederholt in der Anspruchsberechtigung eingestellt, so wird die Einstellungsdauer gemäss
Art.
45
Abs.
5 AVIV angemessen verlängert. Für die Verlängerung werden die Einstellungen der letzten zwei Jahre berücksichtigt.
5.2
Zu prüfen
bleibt
die Dauer der Einstellung, insbesondere der Grad des dafür mass
gebenden Verschuldens
(vgl.
auch
Einstellraster des Staatssekretariats für Wir
t
schaft,
seco
;
AVIG
-Praxis ALE Ziff. D79).
5.3
Es steht fest und ist unbestritten (
Urk.
1), dass die Beschwerdegegnerin bereits am
2
9.
Mai 2017
für
zwei
Tage
wegen ungenügender Arbeitsbemühungen
in der Anspruchsberechtigung eingestellt worden war
(
Urk.
6/33). Unter diesen Umstän
den ist nicht zu beanstanden, dass der Beschwerdegegner
das Verschulden unter Berücksichtigung der bereits erfolgten
Einstellung in der Anspruchsberechtigung im
Bereich des
leichten
Verschuldens eingeordnet und die Einstellungsdauer auf 8 Tage festgesetzt hat
.
Mit der verfügten
Einstellung von
8
Tagen hat die Ver
wal
tung
vielmehr
dem Fehlverhalten d
er Beschwerdeführerin
angemessen Rechnung getra
ge
n.
Der ange
foch
tene Einsprache
entscheid vom
1
1.
April 2018
(Urk. 2) ist daher nicht zu bean
standen und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.