Decision ID: f560920d-7e4d-424b-b728-92298a3f1b68
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1970 geborene
Y._
und die 1980 geborene
X._
sind Eltern dreier
Kinder, welche 2001, 2003 und 2012 geboren sind (Urk. 6/64). Die Ehegatten leben seit 24. August 2017 gericht
lich getrennt
, wobei die Obhut über die Kinder der Mutter zugeteilt worden ist
(Urk. 6/244).
Mit
Verfügung
en
vom
26. September 2019
(Urk. 6/23
5,
6/290
, 6/307, 6/324
, 6/341, 6/358, 6/366
)
sowie vom 24. Oktober 2019 (Urk. 6/382)
sprach die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
Y._
mit Wirkung ab 1. Juli 2013
Rente
nleistungen
der Invalidenversicherung zu.
Am
15. August 2019 (Urk. 6/263)
,
am
26. September 2019 (Urk. 6/298, 6/315, 6/332
, 6/349, 6/367
)
sowie
am
24. Oktober 2019 (Urk. 6/39
1
)
wurden die zur Rente des Vaters akzessorischen Ansprüche auf Kinderrenten bejaht und
es wurde
verfügt, dass sowohl die laufenden
Rentenbetreffnisse
als auch die Nachzahlun
gen, unter anderem für den Zeitraum von 1. Juli 2013 bis 31. August 2017
,
an die vom Versicherten
getrennt
lebende
nicht renten
berechtigte
Mutter der Kinder ausgerichtet
würden (vgl. auch Urk. 6/378).
1.2
Mit Eingabe
n
vom 29. Oktober 2019 (Urk. 6/399)
und vom 22. November 2019
(Urk. 6/402)
erhob
Y._
beim hiesigen Gericht Be
schwerde gegen die Verfügungen
der IV-Stelle
vom 26. September 2019 (
Urk. 6/298, 6/315, 6/332, 6/349
)
sowie vom 24. Oktober 2019 (Urk. 6/391)
und beantragte, die
Nachzahlungen der Kinderrenten
für
den
Zeitraum vo
n
1. Juli 2013 bis 31. August 2017
zuzüglich Zins seien
ihm
auszurichten
.
In der Folge verfügte die IV-Stelle
lite
pendente
am 22. Januar 2020 (Urk. 6/422, 6/429, 6/436, 6/443, 6/450)
, dass
di
e
Nachzahlungen
der Kinderrenten für den
Zeitraum vo
n
1. Juli 2013 bis 31. August 2017 an den
Versicherten aus
gerichtet würden
; diese Verfügungen wurden der getrennt vom Versicherten lebenden
Mutter der Kinder nicht eröffnet
.
D
as hiesige Gericht
schrieb
das Verfahren
daraufhin als gegen
standslos geworden ab
(Verfügung vom 30. April 2020 [Urk. 6/480]
; Verfahrens
nummern IV.2019.00766 und IV.2019.00841
)
.
Mit Vorbescheid vom 22. Januar 2020 wurde
X._
mitgeteilt
, dass die
Nachzahlungen der Kinderrenten
für den Zeitraum von 1. Juli 2013 bis 31. August 2017
dem damals noch nicht von ihr
getrennt lebenden
Ver
sicherten zustehen würden und die
bereits
an sie
ausgerichteten Leistungen in Höhe von Fr. 116'878.-- zurückgefordert würden (Urk. 6/457). Mit Verfügung vom 19. Mai 2020 forderte die IV
Stelle von der nicht rentenberechtigten Mutter der Kinder
des Versicherten
wie angekündigt die für den Zeitraum von 1. Juli 2013 bis
31. Juli 2017 ausgerichteten Kinderrenten samt Verzugszins im Umfang von Fr. 116'878.-- zurück
(Urk.
2
[= Urk. 6/481]
;
vgl. auch
Urk.
6
/491
)
.
2.
Gegen die Verfügung vom 19. Mai 2020
(Urk. 2)
erhob
X._
mit Eingabe vom 22. Juni 2020 Beschwerde und beantragte, die angefoch
tene Verfügung sei aufzuheben und es sei auf die Rückforderung der
an sie aus
gerichteten Nachzahlung der
Kinderrenten im Gesamtbetrag von Fr. 116'878.
(inklusive Verzugszins
en
) zu verzichten, unter Kosten- und Ent
schädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1).
Die IV-Stelle schloss mit Beschwerdeantwort vom 7. September 2020 auf Abweisung der Be
schwerde (Urk. 5), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 9. September 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Männer und Frauen, denen eine Invalidenrente zusteht, haben für jedes Kind, das im Falle ihres Todes eine Waisenrente der Alters- und
Hinterlassenenversicherung
beanspruchen könnte, Anspruch auf eine Kinderrente (Art. 35 Abs. 1
des Bun
des
gesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
). Die Kinderrente wird wie die Rente ausbezahlt, zu der sie gehört. Vorbehalten bleiben Bestimmungen über die zweck
mässige Verwendung (Art. 20
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts [ATSG]
) und ab
weichende zivilrichterliche An
ord
nungen. Der Bundesrat kann die Auszahlung für Sonderfälle in Abweichung von Art. 20 ATSG regeln, namentlich für Kinder aus getrennter und geschiedener Ehe (Art. 35 Abs. 4 IVG).
1.
2
Gestützt auf die Delegationsnorm von Art. 35 Abs. 4 IVG
schuf
der Bundesrat eine Regelung auf Verordnungsstufe, indem er
in
Art. 82 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
den Art. 71
ter
der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVV)
für die Auszahlung
der
Kinderrenten
der Invalidenversicherung
als
sinngemäss anwendbar erklärte
(BGE 145 V 154 E. 2.2)
.
Demnach ist die Kinderrente,
wenn die
Eltern
des Kindes
nicht oder nicht mehr miteinander verheiratet
sind
oder
getrennt
leben, auf Antrag dem nicht rentenberechtigten Elternteil auszuzahlen, wenn diesem die elterliche Sorge über das Kind zusteht und es bei ihm wohnt, vorbehältlich abweichender vormund
schaftlicher oder zivilrichterlicher Anordnungen (Art. 71
ter
Abs. 1
AHVV
). Dies
gilt auch für Nachzahlungen von Kinderrenten. Hat der rentenberechtigte Eltern
teil seine Unterhaltspflicht gegenüber dem Kind erfüllt, so steht ihm die Nach
zahlung im Umfang der monatlich erbrachten Leistungen zu (Art. 71
ter
Abs. 2 AHVV).
1.
3
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten (Art.
25 Abs.
1 Satz
1 ATSG), wobei nebst dem Bezüger oder der Bezügerin auch Dritte oder Behörden, mit Ausnahme de
r
Beiständin
oder de
s
Beistands
, denen Geldleistungen zur Ge
währ
leistung zweckgemässer Verwendung nach
Art.
20 ATSG
oder den Be
stimmungen der Einzelgesetze ausbezahlt wurden, rückerstattungspflichtig sind (Art.
2 Abs.
1
lit
.
a und b
der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts [
ATSV
]
).
1.
4
Die Eltern sorgen gemeinsam, ein jeder Elternteil nach seinen Kräften, für den gebührenden Unterhalt des Kindes und tragen insbesondere die Kosten von Be
treuung, Erziehung, Ausbildung und Kindesschutzmassnahmen (Art. 276 Abs. 2
des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB]
). Während der Ehe tragen die Eltern die Kosten des Unterhaltes nach den Bestimmungen des Eh
erechtes (Art. 278 Abs. 1 ZGB).
Erhält der unterhaltspflichtige Elternteil infolge Invalidität nachträglich Sozial
versicherungsrenten oder ähnliche für den Unterhalt des Kindes bestimmte Leis
tungen, die das Erwerbsei
n
kommen ersetzen, so hat er diese Beiträge an das Kind zu zahlen (Art. 285a Abs. 3 ZGB).
2
.
2
.1
Strittig und zu prüfen ist,
ob die IV-Stelle
von der Beschwerdeführerin die Rück
zahlung der
ihr
für den
Zeitraum von 1. Juli 2013 bis 31. August 2017 aus
gerichteten Kinderrenten im Umfang von Fr. 116'878.--
verlangen kann
.
2
.2
Die IV-Stelle stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt,
da der gemeinsame Haushalt der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes erst per 24. August 2017 aufgelöst worden
war
, hätte
die Nachzahlung der
Kinderrenten
für den
Zeitraum von 1. Juli 2013 bis 31. August 2017 an den
Versicherten, den rentenberechtigten Vater der Kinder
,
erfolgen müssen, nicht jedoch an die Be
schwerdeführerin.
Die Kinderrente werde grundsätzlich wie die Rente aus
bezahlt, zu welcher sie gehöre. Der Bundesrat könne die Auszahlung in Ab
weichung von Art. 20
ATSG
regeln; nach Art. 35 Abs. 4
IVG
in Verbindung mit Art. 71
ter
AHVV
könne die Kinderrente dem nicht rentenberechtigten Elternteil ausbezahlt werden, sofern das Kind bei diesem wohne und ihm die elterliche Sorge zustehe. Diese
Voraussetzung sei vorliegend erst ab 24. August 2017 erfüllt gewesen, weshalb mangels gesetzlicher Grundlage oder anderweitiger zivil
rechtlicher oder vor
mundschaftlicher Anordnungen die Kinderrenten nicht an die Kindsmutter hätten ausbezahlt werden dürfen. Wer in diesem Zeitraum den Un
terhalt bestritten habe, sei dabei nicht massgebend für den Auszahlungsmodus. Weil die Kindsmutter die Leistungen folglich zu Unrecht erhalten habe, seien sie zurückzuerstatten. Bei offensichtlich unrichtiger
Leistungszusprache
könne der Ver
sicherungsträge
r die Verfügung zudem in Wieder
erwägung ziehen (Art. 25 ATSG in Verbindung mit Art. 53 Abs. 2 ATSG; Urk. 2).
2
.3
Demgegenüber
brachte
die Beschwerdeführerin
vor
,
die Kinderrenten stünden ausschliesslich ihren drei Kindern zu, welche sie als Inhaberin der alleinigen el
terlichen Obhut vertrete
.
Erhalte der unterhaltsverpflichtete Ehegatte (
Y._
) infolge Alter
s
oder Invalidität nachträglich Sozialversiche
rungsre
n
ten oder ähnliche, für den Unterhalt des Kindes bestimmte Leistungen, welche Erwerbseinkommen ersetzen würden, habe er diese Beiträge an das Kind zu bezahlen (Art. 285a Abs. 3
ZGB
). Damit statuiere Art. 285a Abs. 3 ZGB ein klares gesetzliches Forderungsrecht der drei Kinder gegenüber ihrem un
terhalts
verpflichteten Vater mit Bezug auf die nachträglich ausbezahlten Kinder
renten für die Zeit von 1. Juli 2013 bis 31. August 201
7.
Sie selber habe unter schwer
sten Entbehrungen den erwerbsunfähigen und invaliden Kindsvater sowie die drei Kinder betreut und mit ihrem Einkommen die gesamte Familie finanziell alleine über die Runden gebracht.
Es sei aktenkundig, dass der beweisbelastete Kinds
vater als Bezüger einer Invalidenrente im genannten Zeitraum keiner Er
werbs
tätigkeit nachgegangen sei und keinen Unterhalt – weder finanziell noch in Na
tura – an die Kinder bezahlt habe; zudem habe sein Unternehmen im Jahr 2012 Konkurs angemeldet, was
seine
fehlende Leistungsfähigkeit zeige. Sie verlange, dass vorliegend eine rechtmässige Drittauszahlung der Kinderrenten nach Art. 22 Abs. 2 ATSG angenommen werde. Unter diesem Gesichtspunkt sei höchst frag
lich, ob eine Wiedererwägung im Sinne
einer
«zweifellos unrichtigen Verfügung» überhaupt zulässig sei. Der Kindsvater habe unter keinem Rechtstitel einen ma
teriellen Anspruch auf die Nachzahlung der Kinderrenten; die angefochtene Ver
fügung mute derart stossend und jeglichem Gerechtigkeitsempfinden wider
sprechend an, dass gar von einem offenbaren Rechtsmissbrauch gesprochen wer
den müsse. Es sei zu bedenken, dass die Beschwerdegegnerin mit ihrer befremd
lichen Doppelzahlung an den Kindsvater die rechtlichen Sicherungsmöglich
keiten für die den Kindern respektive ihr zustehenden Kinderrenten ohne Not erschwert habe. Auch sei nicht nachvol
l
ziehbar, wie die Beschwerdegegnerin den geforderten Verzugszins von Fr. 18'292.-- berechnet habe, weshalb dessen Höhe
bestritten werde.
Schliesslich sei festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin durch die zwischenzeitlich an den Kindsvater geleistete Doppelzahlung das vorliegende Verfahren nicht präjudizieren können dürfe (Urk. 1).
3.
3.1
Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin seit dem 24. August 2017 von ihrem Ehemann getrennt lebt
,
dass
ihr
die Obhut für die drei
bei ihr wohnenden
ge
meinsamen Kinder zugeteilt
und dass die gemeinsame elterliche Sorge vereinbart wurde
. Im Urteil des Bezirksgerichts Uster vom 24. Oktober 2017 wurde überdies festgestellt, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin mangels Leistungsfähig
keit nicht in der Lage
ist
, Unterhaltsbeiträge zu bezahlen
(Urk. 6/244 S. 2
und S. 4
f.
).
3.2
Die Kinderrente dient dem Unterhalt des Kindes (BGE 145 V 154 E. 4.1.1; 143 V 241 E. 5.1; 134 V 15 E. 2.3.4) respektive der Erleichterung der Unterhaltspflicht des invalid gewordenen Unterhaltsschuldners und soll dessen durch Invalidität be
dingte Einkommenseinbusse ausgleichen. Mithin soll sie dem invaliden Eltern
teil ermöglichen, trotz Invalidität seiner Unterhaltspflicht nachzukommen (BGE 134 V 15 E. 2.3.3;
Kieser
, ATSG-Kommentar, 4. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 20 N 12). Die Drittauszahlung nach Art.
35 Abs. 4 IVG
soll
diesen Zweck sicherstellen
(BGE 143 V 241 E. 5.1).
3.3
Auch
wenn es sich nach dem klaren Wortlaut von Art. 35 IVG beim Anspruch auf Kinderrente um einen Anspruch handelt, der dem Rentenberechtigten selbst zusteht, steht
folglich
fest, dass die Kinderrente die Unterhaltspflicht des Unter
haltsschuldners erleichtern soll und damit dem Zweck von Art. 35 IVG ent
sprechend ausschliesslich für den Unterhalt und die Erziehung des Kindes zu ver
wenden ist. Mit Blick auf den Zweck dieser Norm ist die herrschende Lehre denn auch der Auffassung, der im Genuss der Kinderrente stehende Elternteil habe die Kinderrente selbst dann ungeschmälert dem Kind respektive dessen gesetzliche
n
Vertreter zu überweisen, wenn er aufgrund mangelnder Leistungsfähigkeit nicht zu einer Unterhaltszahlung zu Gunsten des Kindes angehalten werden kann (Ur
teil des Bundesgerichts 5P.346/2006 vom 12. Oktober 2006 E. 3.
2 f.
mit Hinwei
sen; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014, Art. 35 N 12).
3.4
Vorliegend stellt sich
daher die Frage, ob
die Nachzahlung der
für einen
Zeitraum vor der Trennung der Elternteile geschuldet
en Kinderrenten
vor dem Hintergrund des Zweckes von Art. 35 IVG an den nicht rentenberechtigten Elternteil
aus
gerichtet werden durfte
.
Art. 71
ter
Abs. 2
AHVV
regelt die Ausrichtung der Nachzahlung von Kinder
renten, indem er auf Art. 71
ter
Abs. 1 AHVV verweist, wonach die Kinderrente dem nich
t rentenberechtigten Elternteil
auf Antrag hin ausbezahlt wird, wenn er mit dem anderen Elternteil nicht oder nicht mehr verheiratet ist oder von diesem getrennt lebt. Nach dem
Wortlaut
der einschlägigen Norm muss die Bedingung des Getrenntlebens
bloss im Zeitpunkt der Nachzahlung, nicht jedoch
im Zeit
raum, für welchen die nachbezahlten
Rentenbetreffnisse
bestimmt waren, gege
ben sein.
Dies steht mit dem von Art. 35 IVG verfolgten Zweck
im Einklang
, denn mit der Leistung der Nachzahlung an den
getrennt lebenden
rentenberechtigten Elternteil wäre nicht sichergestellt, dass die nachbezahlten
Kinderrentenbetreff
nisse
für den Unterhalt und die Erziehung der Kinder verwendet würden. Ent
sprechendes ergibt sich
ausserdem
aus einer systematischen und funktionalen Betrachtungsweise:
Sobald Eltern getrennt leben, bilden sie keine ökonomische Einheit mehr und Leistungen zugunsten des Kindes sind an denjenigen Elternteil auszurichten, welcher
mit den Kindern
zusammen wohnt
und deren
finanzielle Interessen vertritt.
Wenn
ein entsprechender Antrag gestellt worden ist,
hat e
ine Nachzahlung von Kinderrenten daher grundsätzlich an den nicht rentenberech
tigten
Obhutsinhaber
zu erfolgen; falls der rentenberechtigte Elternteil seine Un
terhaltspflicht gegenüber dem Kind erfüllt hat, steht
ihm
die Nachzahlung aller
dings
im Umfang der erbrachten Leistungen zu.
Vorliege
nd erfolgte
die
Nachzahlung
der Kinderrenten
für den Zeitraum von 1. Juli 2013 bis 31. August 2017
an die Beschwerdeführerin
im Jahr 2019 (
vgl. Urk. 6/298, 6/315, 6/332, 6/349 und 6/391
).
Im Jahr 2019
lebten die Beschwer
deführerin und ihr Ehemann – wie gerichtlich festgestellt – bereits getrennt und die gemeinsamen Kinder allesamt bei der Beschwerdeführerin (vgl. Urk. 6/244 S. 2
f.
).
Vor diesem Hintergrund – und bei Auslegung von Art. 71
ter
Abs.
1 und
2 AHVV nach dem Wortlaut
und dem Normzweck
–
erfolgte folglich die Nachzah
lung
der Kinderrenten an die Beschwerdeführerin zu Recht.
3.5
Das
vorstehend Ausgeführte
gilt umso mehr, als rechtsprechungsgemäss bei der Auslegung sozialversicherungsrechtlicher Regelungen mit Anknüpfung an fami
lienrechtliche Tatbestände davon auszugehen ist, dass der Gesetzgeber – vorbe
hältlich gegenteiliger Anordnungen – die zivilrechtliche Bedeutung des je
wei
ligen Instituts im Blickfeld hatte, zumal das Familienrecht für das Sozial
versiche
rungsrecht Voraussetzung ist und diesem grundsätzlich vorgeht (BGE 143 V 305 E. 4.1).
Nach
Art. 276 Abs. 2
ZGB sorgen die Eltern während der Ehe gemeinsam, jeder Elternteil nach seinen Kräften, für den Unterhalt des Kindes (vgl. vorstehend E. 1.
4
).
Art. 285a Abs. 3 ZGB hält zudem ausdrücklich fest, dass der unterhalts
pflichtige Elternteil, welcher infolge Invalidität nachträglich für den Unterhalt des Kindes bestimmte Leistungen erhält, welche Erwerbseinkommen ersetzen, diese Beiträge an das Kind (respektive an dessen gesetzlichen Vertreter) zu zahlen hat (vgl. vorstehend E. 1.4).
Es ist unbestritten, dass der Ehemann der Beschwe
rdeführerin im Zeitraum von 2013
bis 2017 nicht in der Lage war, finanziell zum Unterhalt der gemeinsamen Kinder beizutragen, was sich einerseits aus
der
gerichtlich festgestellten
fehlen
den
Leistungsfähigkeit
zur Zahlung von Unterhaltsbeiträgen
ergibt (Urk. 6/244 S. 5)
– eine quantitative Festsetzung der Unterhaltspflicht durch Urteil oder Ver
trag folglich nicht erfolgt ist –
und andererseits daraus, dass
über sein Unterneh
men (
Z._ GmbH
)
am 25. September 2012
der
Konkurs
er
öffnet wurde
(Urk.
6/
468; vgl.
auch die
Publikation im Schweizerischen Handels
amtsblatt [SHAB] Nr.
193 vom 4. Oktober 2012
).
Ein Anspruch auf Nachzahlung der Kinderrenten an den Ehemann der Beschwerdeführerin
im Um
fang bereits geleisteter Unterhaltsbeiträge
gestützt auf Art. 71
ter
Abs. 2 Satz 2 AHVV ist vor diesem Hintergrund bereits aufgrund der fehlenden Festsetzung der Unterhaltspflicht zu verneinen
(vgl. dazu BGE 145 V 154 E. 4).
Dementsprechend lag es in diesem Zeitraum alleine an der Beschwerdeführerin, in dieser Zeit für den Unterhalt der Kinder zu sorgen.
Indem nun de
m
Ehemann der Beschwerdeführerin rückwirkend für den Zeitraum von 201
3
bis 2017 Kin
derrenten zugesprochen
wurden
, deren Zweck es gerade ist, dem Unterhalt der Kinder zu dienen
,
und
die es
dem Renten
bez
ü
ger
ermöglichen soll
en
, trotz In
validität seiner Unterhaltspflicht nachzukommen, ist nicht ersichtlich, inwiefern die Kinderrenten für
diesen
Zeitraum
nicht
der Beschwerdeführerin auszu
richten
sein sollten, zumal
sie in der fraglichen Periode finanziell
alleine
für den Unter
halt der Kinder
sorgte
, wohingegen der Kindsvater dazu gerade nicht
in der Lage
war
. Indem es dem Ehemann
nun
aber
nachträglich
durch die
Zusprache
der Kin
derrenten
möglich wurde, für den fraglichen Zeit
raum
zum Unterhalt der Kinder
beizutragen,
ist
die Beschwerdeführerin
mittels Ausrichtung der Kinderrenten an
sie
in diesem Umfang
(
nachträglich
)
zu
entlasten,
zumal
der Ehemann
bei
einer
nicht nachträgliche
n
Rentenausrichtung gestützt auf Art. 276 Abs. 2 ZGB ver
pflichtet gewesen wäre
,
in diesem Umfang zum Kindsunterhalt beizutragen und dadurch
seine Ehefrau
– was den Unterhalt der gemeinsamen Kinder betrifft –
im Umfang der ausgerich
teten Kin
derrenten finanziell zu entlasten
.
Durch die Aus
richtung der Kinderrenten an die Beschwerdeführerin
wird
zum einen
Art. 276 Abs. 2 ZGB
in dem Sinne
Rechnung getragen,
dass – bei nachträglicher Betrach
tung –
jeder
der beiden Elternteile
nach seinen Möglichkeiten
im Zeitraum zwi
schen
2013
und 2017
zum Unterhalt
der Kinder
beigetragen hat.
Überdies wird dadurch auch Art. 285a Abs. 3 ZGB Rechnung getragen, welcher wie ausgeführt vorsieht, dass nachträglich
erhaltene,
für den Kindsunterhalt bestimmte Leistun
gen an das Kind respektive seinen gesetzlichen Vertreter zu zahlen sind.
3
.
6
Zusammenfassend
richtete die IV-Stelle die
Kinderrenten
für den
Zeitraum vo
n
1. Juli 2013 bis 31. August 2017
zu
R
echt
der
Beschwerdeführer
in
aus
, mithin hat die Beschwerdeführerin die Kinderrenten
für
diese
n
Zeitraum nicht zu Un
recht bezogen
. Vor diesem Hintergrund
hätte für die IV
Stelle kein Anlass be
standen, die
Verfügungen vom
26. September 2019 (
Urk. 6/298, 6/315, 6/332, 6/349
) sowie vom 24. Oktober 2019 (Urk. 6/391)
lite
pendente in Wiedererwä
gung zu ziehen
und von der Beschwerdeführerin die ihr ausgerichteten
Kinder
renten
betreffnisse
zurückzufordern.
Vor diesem Hintergrund erübrigen sich Ausführungen zu
den
von der IV-Stelle
ebenfalls
geforderten Verzugszins
en
.
4
.
Nach dem Gesagten ist
die Beschwerde gutzuheissen.
5
.
5
.1
Die
Verfahrenskosten
sind auf Fr. 600.-- festzu
setzen
(Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
und ausgangsgemäss der IV-Stelle aufzuerlegen.
5
.2
Nach §
34 Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Ob
sie
gens bemes
sen (§ 34 Abs.
3
GSVGer
).
Entsprechend
dem Verfahrensausgang
ist
die
IV-Stelle
zu verpflichten, de
r
Be
schwerdeführerin
eine Prozessentschädigung zu bezahlen
, welche bei Anwen
dung des
gerichtsüblichen
Stundenansatz
es
von Fr.
220
.-- (zuzüglich M
ehrwert
steuer) auf Fr. 1’
7
00.--
(inklusive Barauslagen un
d Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.