Decision ID: 6c8ff5df-eede-45d0-b745-095beb43e2cc
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1961, war beim
Y._
als Pflegerin angestellt und dadurch bei der Unfallversicherung Stadt Zürich
(nachfolgend: UVZ)
gegen die Folgen von Unfäl
len versichert, als sie am 4.
August 2008 als Fahrradlenkerin durch eine sich vor ihr plötzlich öffnende Fahrzeugtüre zu Fall gebracht wurde
und ein Schädelhirntrauma
mit
Kontusi
onsblutung
, Felsenbeinlängsfraktur und
Kalottenfraktur
sowie ein stumpfes
Tho
raxtrauma
mit Verdacht auf Fraktur der 6. Rippe
erlitt
(vgl.
Urk.
7/G1
,
Urk.
7/M5 S. 1
).
Nach dem Sturz war die Versicherte nicht mehr arbeitsfähig und die UVZ erbrachte die gesetzlichen Leistungen in Form von Taggeldern und Heilungskosten.
1.2
Die nach dem Unfall nötige Hospitalisierung
im
Z._
verlief zunächst problemlos. Bis zu
m 1
2.
August 2008 trat bei der V
ersicherten
indessen
eine zunehmende
Agitiertheit auf
. Am 16. August 2008 erfolgte
eine zwischenzeitliche Unterbringung in der psychiatrischen Abteilung der behan
deln
den Klinik
. Dort stellten die
Ärzte zusätzlich die Verdachtsd
iagnose e
iner paranoiden Schizophrenie. Differentialdiagnostisch zogen sie ein organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma
in Betracht
(vgl.
Urk.
7/M5,
Urk.
7/M7.1,
Urk.
7/M16)
.
Im Oktober 2008 erfolgte eine
neurologische Unter
suchung bei
Verdacht auf neuropsychologische Einschränkungen und
chronifi
zierte
Kopfschmerzen (Urk. 7/M9).
Am
2.
März 2009 verfasste
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, im Auftrag der UVZ (vgl.
Urk.
7/G24
,
Urk.
7/G42
)
zunächst
einen psychi
atrischen Bericht (Urk. 7/M20) und hernach das psychiatrische Gutachten vom 7. Dezember 2009 (Urk. 7/M25).
In den Akten finden sich sodann Berichte über neurologische und neuropsychologische Untersuchungen (Urk. 7/M21,
Urk.
7/M23,
Urk.
7/M27,
Urk.
7/M30,
Urk.
7/M40,
Urk.
7/M41)
, das psychiatri
sche Verlaufsgutachten von
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 13. Oktober 2012 (Urk. 7/M47) und verschiedene
andere ärztliche Berichte
(Urk.
7 M19,
Urk.
7/M22,
Urk.
7/M24,
Urk.
7/M28,
Urk.
7/M29,
Urk.
7/M31,
Urk.
7/M32,
Urk.
7/M39,
Urk.
7/M42-46
).
1.3
Mit Verfügung vom 29. Januar 2013 vern
einte die UVZ eine über den 13.
Oktober 2012 hinausgehende Leistungspflicht und stellte ihre Leistungen ein (Urk. 7/G213).
Dagegen erhob die Versicherte am 4. März 2013 Einsprache. Sie beantragte, die bisherigen Leistungen in Form von Taggeldern und
Heilungs
kos
ten
seien weiterhin zu
erbringen
, eventualiter seien ihr eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung auszurichten (Urk. 7/G220). Die Einsprache wies die UVZ mit
Einspracheentscheid
vom 27. Mai 2013 ab (Urk. 2 =
Urk.
7/G227).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 27. Mai 2013 erhob die Versicherte am 28. Juni 2013 Beschwerde, mit welcher sie
die
im
Einspracheverfahren
gestell
ten Anträge erneuerte (Urk. 1). Die UVZ beantragte in der Beschwerdeantwort vom 29. Juli 2013 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
In Replik (Urk. 11) und Duplik (Urk. 15) hielten die Parteien an den gestellten Anträgen fest.
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen
Einspracheentscheid
unter Bezug
nahme auf die gesetzlichen Grundlagen und die hierzu geltende Praxis zutreffende Ausführungen zur Leistungspflicht und insbesondere zur Frage des erforderlichen Kausalzusammenhangs zwischen Unfall und gesundheitlicher Schädigung gemacht
. Zutreffend hat die Beschwerdegegnerin im
Einsprache
entscheid
auch die geltenden Beweisgrundsätze genannt
(Urk. 2 S. 3 f.
Ziff.
3
lit
.
a-c).
Auf die erwähnten Ausführungen
ist zu verweisen.
2.
2.1
S
tri
ttig ist, ob nach dem 13. Oktober 2012
noch unfallkausale Beschwerden
vor
gelegen haben
. Mit Verfügun
g vom 29. Januar 2013 (Urk. 7/G213
) hat die Beschwerdegegnerin die Leistungen per
13. Oktober 2012
aufgehoben und dies mit dem angefochtenen
Einspra
cheentscheid
(Urk. 2) bestätigt
.
Gestützt auf die eingeholten ärztlichen Gutachten verneinte sie bezüglich der
psychische
n
Erkran
kung
(Schizophrenie
)
einen Zusammenhang mit dem Ereignis vom 4. August 2008.
Bezüglich der physischen
Beeinträchtigungen (
Tinnitus/
Hör
ver
minderung
)
bejahte sie
einen Kausalzusammenhang
, verneinte aber eine
Aus
wirkung auf die Arbeits- beziehungsweise
Erwerbsfähigkeit (vgl.
Urk.
2 S. 5
lit
.
j,
k
u. p
).
2.2
Die Beschwerdeführerin
vertritt
demgegenüber
die
Auffassung, sie habe nach wie vor Anspruch auf Leistungen.
Sie macht geltend, die Beschwerdegegnerin gehe zu Unrecht von einem relevanten Vorzustand aus.
Der gesundheitlich
massgebende
Sachverhalt sei unzureichend abgeklärt worden.
Es fehle
nament
lich
an einer neurologischen und neuropsychologischen Begutachtung. Dass eine erste neuropsychologische Untersuchung aus psychischen Gründen habe
abgebrochen werden müssen
,
habe die Beschwerdegegnerin nicht von ihrer ge
setzlichen Ermittlungspflicht entbunden. Die neurologische Beurteilung durch
Prof.
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Neurologie
, vom 9. Dezember 2010 sei ohne ergänzende neuropsychologische Begutachtung unvollständig (Urk. 1 S. 6 ff.
Ziff.
5 ff.).
3.
3.1
Neurologisch wurde
die Beschwerdeführerin von Prof.
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Neurologie,
untersucht. Im Gutachten vom
9.
Dezember 2010 (Urk. 7/M40)
legte Prof
.
C._
seine
Erkenntnisse
ausführlich dar
(Urk. 7/M40
S. 23 ff.
). Eine neuropsychologische Untersuchung fand indessen nicht statt. Diese scheiterte am Widerstand Beschwerde
führerin
.
Prof
.
C._
hielt fest,
die Beschwerdeführerin habe der Neuropsychologin (Dipl. psych.
D._
,
MSc
.) vorgeworfen, sie nicht ernst genommen und ausgelacht
zu haben
. In der Folge sei eine Fortsetzung der Exploration nicht mehr möglich gewesen
(Urk. 7/M40 S. 22)
. O
hne die neurop
sychologische Untersuchung könn
e die Unfallkausalität der
von der
Beschwerdeführerin geklagten Wortfindungs- und Gedächtnis
stö
rungen nicht beurteilt werden (Urk. 7/M40 S. 27).
3.2
Anlässlich der
2012
erfolgten psychiatrischen Verlaufsbegutachtung durch Dr.
B._
erwähnte
die Beschwerdeführerin
weiterhin
bestehende
Wortfin
dungsstörungen
und Gedächtnisprobleme (Urk. 7/M 47 S. 11).
Zu den erhobe
nen Befunden hielt
Dr.
B._
fest,
die kognitiven Fähigkeiten, insbesondere die Aufmerksamkeit und die Konzentration, seien durchwegs normal gewesen und es habe sich im Laufe der Untersuchung kein Leistungsabfall gezeigt. Die Be
schwerdeführerin habe sich an viele Details erinnern können und habe gerne darüber berichtet. Sie habe über ein intaktes Zeitraster verfügt. Der Denkprozess sei formal über weite Strecken geordnet, jedoch durchwegs eigenlogisch gewe
sen.
Einzelne Male sei es zu Gedankenausreissern gekommen und die Beschwer
deführerin habe ihr ursprüngliches
Denkziel
verloren. Wortfindungsstörungen seien während der insgesamt 200 Minuten dauernden Exploration keine aufge
treten (Urk.
7/M4
7 S.
13). Bereits während der Begutachtung durch
Dr.
A._
, die sich über insgesamt sechs Monate
erstreckt und drei E
xplora
tionen umfasst habe, sei
eine Abnahme der kognitiven Beeinträchtigungen dokumentiert. Die Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit belege eine generelle Erholung der Störungen durch die traumatische H
irnverletzung. Für eine präzise
Objektivierung allfälliger kognitiver Pathologien sei allerdings eine neuropsychologische Untersuchung nötig (Urk. 7/M47 S. 18).
3.3
Zusammenfassend
ergibt sich, dass beim jetzigen Erkenntnisstand über die
Unfall
kausalität
neuropsychologischer Beeinträchtigungen nicht entschieden werden kann.
Die Beschwerdegegnerin ordnete trotz der
klaren
Empfehlung von
Dr.
B._
keine weitere neuropsychologische Untersuchung an,
insbesondere nicht mittels eines Mahn- und
Bedenkzeitverfa
hrens
im Sinne von
Art.
43 Abs.
3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversi
cherungs
rechts
(ATSG). Der Kurzbericht von
Dr.
phil.
E._
, Fachpsychologe FSP für Psychotherapie, Psychologie und Rechtspsychologie,
vom
2.
Juli 2010 (Urk. 7/M30) erfüllt die Anforderungen an eine neuropsychologische Begut
achtung nicht.
Erst
nach Durchführung des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
kann
bei for
tgesetzter Verweigerung der Mitwirkungspflicht ohne weitere Ab
klär
ungen aufgrund der Akten entsch
i
e
den werden.
Da es sich um eine bisher
ungeklärte
Frage
handelt (vgl. B
GE 137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
ist
die Sache zur
Vornahme der noch
nötigen
Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der
Streitsache,
der Schwierigkeit des Prozesses
und unter Anwendung eines Stundenansatzes von
Fr.
200.-- für die allesamt vor dem 3
1.
Dezember 2014 er
brachten Bemühungen
auf
Fr.
2‘700
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.