Decision ID: dcee49fe-93b2-4e17-a4d6-d8be4f54fb15
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte), arbeitete seit dem 1. Februar 2016 als B._ bei
den C._ und war infolgedessen bei der Helsana Unfall AG, Zürich (nachfolgend:
Helsana), gegen die Folgen von Unfällen versichert, als sie sich am 4. November 2020
bei einem Zusammenstoss mit einem entgegenkommenden Fahrradfahrer am
Ringfinger der linken Hand verletzte (vgl. Schadenmeldung UVG vom Unfalltag, UV-act.
K1, und Gesprächsnotiz vom 13. November 2020, UV-act. K5). Die Erstbehandlung der
Versicherten fand gleichentags in der Notfallaufnahme des Kantonsspitals St. Gallen
(nachfolgend KSSG) statt. Diagnostiziert wurde gestützt auf eine Röntgenuntersuchung
eine dislozierte Basisfraktur der mittleren Phalanx DIG IV links mit geringer
Subluxationsstellung im proximalen Interphalangealgelenk (UV-act. M1, M2).
A.a.
Am 9. November 2020 wurde in der Klinik für Hand-, Plastische und
Wiederherstellungschirurgie des KSSG ein operativer Eingriff am Ringfinger links
durchgeführt (intramedulläre Aufstösselung, Anlage eines Suzuki-Fixateurs am
Ringfinger links). Gleichentags wurde mit der Ergotherapie begonnen (UV-act. M4;
siehe auch die Arztberichte über die Untersuchungen vom 11. und 25. November 2020,
UV-act. M5, M6). Die Helsana erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung
und Taggeld; UV-act. K8 ff.).
A.b.
Die anlässlich der Verlaufsuntersuchung im KSSG vom 23. Dezember 2020
durchgeführte radiologische Untersuchung zeigte eine vollständig konsolidierte Fraktur.
A.c.
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Im Untersuchungsbericht vom 28. Dezember 2020 wurde sodann festgestellt, dass
sich anamnestisch eine Flexion bis zum vollen Faustschluss habe erreichen lassen.
Aktuell aktiv sei nur eine Flexion von 10° aus der vollständigen Extension heraus
möglich (UV-act. M7). Anlässlich der Untersuchung vom 3. Februar 2021 berichtete die
Versicherte über die mit der Ergotherapie (zweimal pro Woche) nun seit zirka einer
Woche erzielten Fortschritte. Insbesondere am Morgen bestehe noch eine deutliche
Bewegungseinschränkung mit Schmerzen in der Mobilisation. Die Kraft im Ringfinger
sei noch vermindert. Ärztlicherseits wurden ein reizloses Integument, eine geringe
Schwellung und eine geringe Druckdolenz des PIP-Gelenks, eine Flexion/Extension
des DIP-Gelenks von 60/20/0°, des PIP-Gelenks von 50/10/0° und des MCP-Gelenks
von 90/0/0° sowie ein Faustschluss mit Fingerkuppen-Hohlhand-Abstand von zirka
1 cm erhoben. Die Klinikärzte empfahlen die Fortführung der intensiven Ergotherapie.
Bescheinigt wurde noch eine Arbeitsunfähigkeit von 10 % (UV-act. M8).
Ab dem 22. Februar 2021 war die Versicherte wieder voll arbeitsfähig (vgl.
Mitteilung im Auftrag der Arbeitgeberin vom 10. März 2021, UV-act. K12).
A.d.
Anlässlich der Untersuchung vom 17. März 2021 im KSSG berichtete die
Versicherte weiterhin an Schmerzen und einer Schwellung des Ringfingers links zu
leiden. Sie nehme regelmässig Ergotherapie wahr. Nachts trage sie eine
Neoprenmanschette. Am Morgen bestehe eine Steifigkeit, welche sich durch
Bewegungsübungen verbessere. Zwei- bis dreimal pro Woche benötige sie Analgesie
(Ibuprofen). Ärztlicherseits wurde eine leichte Verbesserung der Beweglichkeit
festgestellt (Flexion/Extension DIP-Gelenk von 50/20/0°, PIP-Gelenk von 50/0/0° und
MCP-Gelenk von 90/0/0°, Faustschluss mit Fingerkuppen-Hohlhand-Abstand von zirka
5 mm). Durchblutung und Sensibilität seien intakt. Die Fortführung der Ergotherapie
wurde empfohlen. Von weiteren Kontrollen wurde abgesehen. Vereinbart wurde, dass
sich die Versicherte bei Beschwerderesistenz selbständig melde (UV-act. M9).
A.e.
Mit Schreiben vom 9. April 2021 teilte die Helsana der Versicherten den Abschluss
des Versicherungsfalles mit und bat um Zusendung der noch offenen Rechnungen im
Zusammenhang mit dem Unfallereignis (UV-act. K13). Daraufhin informierte die
Versicherte die Helsana am 23. April 2021, dass der Behandlungsteil der Chirurgie zwar
abgeschlossen sei, der therapeutische Teil mit Ergotherapie jedoch noch nicht. Sie
A.f.
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habe nach wie vor Schmerzen im Ringfinger mit Ausstrahlung entlang der
Sehnenstränge. Es bestünden noch erhebliche Einschränkungen der
Bewegungsmöglichkeit, die sie im Alltag behindern würden. Sie bat deshalb mit dem
Abschluss des Versicherungsfalls noch zuzuwarten (UV-act. K14 f.). Am 7. Mai 2021
machte die Versicherte ihre bisherigen Auslagen für die Heilbehandlungen gegenüber
der Helsana geltend (UV-act. K16). Am 11. Mai 2021 teilte die Helsana der Versicherten
mit, dass die Rechnungen für die Ergotherapie bis und mit 15. April 2021 bezahlt
worden seien, die Kostenübernahme für die weiteren Behandlungen müssten
medizinisch noch geprüft werden (vgl. UV-act. K18).
Die Helsana legte am 14. Mai 2021 den Fall ihrem beratenden Arzt Dr. med. D._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
vor, welcher die gestellten Fragen basierend auf den Aktenstand vom 12. Mai 2021
beantwortete, ohne jedoch ein Datum seiner Beurteilung anzugeben. Dr. D._
diagnostizierte einen Status nach intramedullärer Aufstösselung und Anlage eines
Fixateurs DIG IV links wegen Pilonfraktur Mittelphalanx DIG IV links. Er erachtete den
natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den erhobenen Befunden/Diagnosen mit
dem Unfall vom 4. November 2020 im Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als
gegeben. Er wies darauf hin, dass sich der Stand der funktionellen Einschränkungen
des DIG IV links zwischen den Untersuchungen vom 3. Februar und 17. März 2021
kaum unterscheide, weshalb aus beratungsärztlicher Sicht eine Verbesserung des
unfallbedingten Gesundheitszustandes auch bei Fortführung der Ergotherapie nicht
mehr erwartet werden könne. Der medizinische Endzustand sei spätestens Ende März
2021 erreicht worden. Ab dem 25. März 2021 sei eine weitere Behandlung nicht mehr
wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich. Zur Frage, ob es weitere Behandlungs- oder
Therapievorschläge gebe, die eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes
(beispielsweise eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit) versprächen, nannte Dr. D._
eigenverantwortliche Bewegungsübungen DIG IV links. Die Prognose hinsichtlich des
weiteren Heilverlaufs und der Arbeitsfähigkeit erachtete er bei Durchführung der
vorgeschlagenen Behandlung als gut. Zur Frage der Integritätsentschädigung erklärte
er, dass nach Kenntnis der funktionellen Einschränkungen gemäss den Suva-
Integritätsentschädigungstabellen 1 und 5 keine Integritätsentschädigung geschuldet
sei, weil die Erheblichkeitsgrenze nicht erreicht werde (UV-act. M10).
A.g.
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B.
Mit Verfügung vom 26. Mai 2021 eröffnete die Helsana der Versicherten, dass der
medizinische Endzustand spätestens Ende März 2021 erreicht worden sei. Eine
relevante Verbesserung des unfallbedingten Gesundheitszustandes könne auch bei
Fortführung der Ergotherapie nicht mehr erwartet werden. Deshalb habe sie ab dem 1.
April 2021 keinen Anspruch mehr auf die Kostenerstattung für die bei ihr durchgeführte
Behandlung (Ergotherapie). Die bereits bezahlten Behandlungen bis 15. April 2021
würden entgegenkommenderweise nicht zurückgefordert. Die Voraussetzungen für
weitere Geldleistungen von der Helsana (Invalidenrente, Integritätsentschädigung)
seien nicht erfüllt, denn es gebe keine Folgen, welche die Erwerbsfähigkeit messbar
beeinträchtigen würden und es liege keine unfallbedingte bleibende Schädigung der
körperlichen oder geistigen Integrität vor (UV-act. K19).
A.h.
In der Einsprache vom 25. Juni 2021 erklärte sich die Versicherte mit der
Leistungseinstellung per Ende März 2021 und der Nichtausrichtung einer
Integritätsentschädigung nicht einverstanden (UV-act. K21).
B.a.
Gemäss dem Untersuchungsbericht der Klinik für Hand-, Plastische und
Wiederherstellungschirurgie des KSSG vom 9. Juli 2021 hatte sich die Versicherte am
16. Juni 2021 – wegen anhaltender Beschwerden und da die Unfallversicherung ihre
Leistungen eingestellt habe – selbständig nochmals in der Sprechstunde vorgestellt.
Die Versicherte habe über anhaltende Beschwerden bei der Mobilisation sowie eine
deutliche morgendliche Steifigkeit berichtet. Mit der Therapie würde sie erst jetzt aktiv
richtige Fortschritte machen. Durch die aktive Mobilisation würden vermehrt
Schmerzen im Bereich des PIP-Gelenks des Ringfingers auftreten. Die Schmerzen und
Bewegungseinschränkungen würden sich insbesondere verschlechtern, wenn keine
Therapie durchgeführt werde. Es bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit als B._. Die
Klinikärzte erhoben ein reizloses Integument und eine noch insgesamt leichte
Schwellung des PIP-Gelenks mit lokaler Druckdolenz. Die ulnare und radiale
Kollateralbandführung sei stabil. Insgesamt sei die Funktion eingeschränkt mit
Fingerkuppen-Holhandabstand von 1 cm. Die Flexion/Extension betrage beim DIP-
Gelenk 70/20/0°, beim PIP-Gelenk 60/0/0° und beim MCP-Gelenk 90/0/10°. Die
Sensibilität sei intakt. Die Röntgenuntersuchung habe an der Basis der Mittelphalanx,
B.b.
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C.
wo vormals eine Zyste entstanden sei, einen kleinen ossären Defekt gezeigt.
Degenerative Veränderungen am Köpfchen der Grundphalanx lägen keine vor. Die
Gelenkstellung sei zentriert. Die Klinikärzte empfahlen die konsequente Weiterführung
der Ergotherapie, denn dadurch seien eine weitere Funktionsverbesserung und
insbesondere ein Funktionserhalt möglich. Bei Sistierung der Ergotherapie sei es
möglich, dass sich die Funktion weiterhin verschlechtern und schlussendlich auch die
Erwerbstätigkeit beeinträchtigt würde. Bei im Verlauf anhaltenden Schmerzen wäre als
letzte Konsequenz die Implantation einer CapFlex-Prothese möglich, dies jedoch
frühestens ein Jahr postoperativ. Vereinbart wurde, dass sich die Versicherte bei
zunehmenden Beschwerden wieder melden würde (act. G 1.3).
Mit Einspracheentscheid vom 9. August 2021 wies die Helsana die Einsprache
gegen die Verfügung vom 26. Mai 2021 ab (UV-act. K22). Zur Begründung wurde
insbesondere ausgeführt, dass die Versicherte ab dem 22. Februar 2021 wieder zu
100 % arbeitsfähig gewesen sei und folglich bereits deswegen keine namhafte
Besserung mehr habe erwartet werden können. Somit sei der medizinische
Endzustand am 22. Februar 2021 rechtsprechungsgemäss erreicht worden. Da eine
Leistungseinstellung bereits per 22. Februar 2021 zulässig gewesen wäre, sei die
spätere Leistungseinstellung per 31. März 2021 unter Verzicht auf die Rückforderung
der bis zum 15. April 2021 bereits erbrachten Behandlungskosten nicht zu
beanstanden. Da keine unfallbedingte Arbeitsfähigkeit vorliege, bestehe kein Anspruch
auf Rentenleistungen. Weil gemäss der Stellungnahme von Dr. D._ die funktionellen
Einschränkungen gering seien und die Erheblichkeitsgrenze nicht erreichen würden,
bestehe ebenfalls kein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung (UV-act. K22).
B.c.
Gegen den Einspracheentscheid vom 9. August 2021 erhob die Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin), vertreten durch Rechtsanwältin Bettina Surber, St.
Gallen, am 16. September 2021 Beschwerde mit den Anträgen: 1. Der
Einspracheentscheid der Helsana Unfall AG (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom
9. August 2021 sei aufzuheben und es sei die Unfallversicherung zu verpflichten, die
Kosten für die Heilbehandlung für die Folgen des Unfalls über den 31. März hinaus zu
tragen; 2. Eventualiter sei der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin
C.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Vergütung der
Heilbehandlungskosten über den 15. April 2021 hinaus sowie auf eine
Integritätsentschädigung.
aufzuheben und es sei der Beschwerdeführerin eine Integritätsentschädigung von 5 %
zuzusprechen; 3. Subeventualiter sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, den
Anspruch auf eine Integritätsentschädigung nochmals zu überprüfen; unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung wird insbesondere vorgebracht, dass die
Beschwerdegegnerin den Fallabschluss zu früh vorgenommen habe, denn von der
ärztlichen Behandlung könne noch eine namhafte Verbesserung des
Gesundheitszustandes erwartet werden. So leide sie immer noch an den Unfallfolgen,
insbesondere an Schmerzen bei der Mobilisation und einer stark eingeschränkten
Beweglichkeit des Ringfingers. Die Ärzte des KSSG würden von der Notwendigkeit der
Ergotherapie ausgehen und davon noch eine namhafte Verbesserung des
Gesundheitszustandes erwarten. Daher sei der weitere Verlauf bis ein Jahr postoperativ
abzuwarten. In dieser Zeit seien die Kosten für die Heilbehandlung von der
Beschwerdegegnerin zu tragen. Da der Ringfinger steif und damit faktisch nicht mehr
funktionsfähig sei, sei gestützt auf die Suva-Integritätsschadentabelle 3 ein
Integritätsschaden von 5 % anzuerkennen (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 8. Oktober 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde vom 16. September 2021 (act. G 3).
C.b.
Mit Schreiben vom 13. Dezember 2021 verzichtete die Beschwerdeführerin auf die
Einreichung einer Replik (act. G 7), woraufhin der Schriftenwechsel für abgeschlossen
erklärt wurde (act. G 8).
C.c.
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Eine versicherte Person hat Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der
Unfallfolgen (Art. 10 UVG). Wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine
1.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/15
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namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr zu
erwarten ist und damit in Bezug auf die Unfallrestfolgen ein medizinischer Endzustand
vorliegt, ist der sog. "Fallabschluss" vorzunehmen; Heilbehandlungs- und
Taggeldleistungen sind einzustellen und es ist der Anspruch der versicherten Person
auf eine Invalidenrente und Integritätsentschädigung zu prüfen (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG;
BGE 134 V 114 E. 4.1).
Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung bildet die
Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht besteht demnach nur für Gesundheitsschäden,
die natürlich und adäquat-kausal mit einem versicherten Unfallereignis
zusammenhängen (BGE 129 V 181 E. 3.1 f.; André Nabold, N 48ff. zu Art. 6, in: Marc
Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar
zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert: KOSS UVG];
Irene Hofer, N 66 zu Art. 6, in: Ghislane Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli
[Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019 [nachfolgend zitiert: BSK
UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53ff.). Für die
Beantwortung der Frage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im
Bereich der Medizin ist das Gericht regelmässig auf Angaben ärztlicher Experten und
Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist
demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis
entwickelten Regeln zu beurteilen ist (KOSS UVG-Nabold, N 53, 59 zu Art. 6; BSK
UVG-Hofer, N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58; BGE 129 V 181 E.
3.1 und 3.2 sowie in BGE 135 V 465 nicht publizierte E. 2 des Urteils 8C_216/2009 vom
28. Oktober 2009, je mit Hinweisen).
1.2.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Um den Gesundheitszustand und insbesondere das Ausmass der
Arbeitsfähigkeit beurteilen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das
Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
1.3.
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2.
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die beklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten oder
der Expertin begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen
Gutachtens ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die
Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht
oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Insofern kann
rechtsprechungsgemäss auch Berichten und Gutachten, welche die Versicherungen
während des Administrativverfahrens von ihren eigenen Ärzten und Ärztinnen einholen,
Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar
begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre
Zuverlässigkeit bestehen (BGE 135 V 467 ff. E. 4, 125 V 353 f. E. 3b/ee, je mit
Hinweisen). Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 471 E. 4.7).
Mit Blick auf den von der Beschwerdegegnerin angeordneten Fallabschluss per
31. März 2021 sowie die Einstellung der Heilbehandlungsleistungen per 16. April 2021
ist zunächst zu prüfen, ob in diesen Zeitpunkten von der Fortsetzung der ärztlichen
Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustands erwartet werden
konnte (Art. 19 Abs. 1 UVG).
2.1.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, der Zeitpunkt des Fallabschlusses sei
verfrüht, denn es sei damals noch mit einer namhaften Verbesserung des Gesundheits
zustandes zu rechnen gewesen. So leide sie unter Schmerzen und könne den linken
Ringfinger faktisch nicht gebrauchen. Zudem gingen die sie behandelnden Fachärzte
des KSSG davon aus, dass sie weiterhin Ergotherapie brauche (vgl. act. G 1-3 ff.). Die
Beschwerdegegnerin geht dagegen davon aus, dass sie den Fall per 31. März 2021
habe abschliessen dürfen, denn der sie beratende Arzt Dr. D._ sei in Kenntnis der
gesamten Aktenlage von einem stabilen Gesundheitszustand ausgegangen und habe
nicht mehr mit einer namhaften Verbesserung der gesundheitlichen Situation durch die
Fortführung der ergotherapeutischen Behandlung gerechnet (vgl. act. G 3).
2.2.
Vorweg ist festzuhalten, dass der Kausalzusammenhang zwischen dem
Unfallereignis vom 4. November 2020 und den Beschwerden (Schmerzen) sowie den
Bewegungseinschränkungen (Beugefähigkeit) hinsichtlich des linken Ringfingers
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/15
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unbestrittenermassen gegeben ist. So ging der die Beschwerdegegnerin beratende
Facharzt Dr. D._ in seiner Stellungnahme vom Vorliegen der natürlichen Kausalität im
Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit aus (vgl. UV-act. M10). Auch die ärztlichen
Untersuchungsberichte des KSSG enthalten keine gegenteiligen Einschätzungen zur
Kausalität (vgl. UV-act. M1 ff.).
Ob eine namhafte Besserung des Gesundheitszustands noch erwartet werden
kann, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung
oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit (BGE 134 V 115 E. 4.3) bzw.
Funktionsfähigkeit (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. Juli 2014, 8C_354/2014, E.
3.2), soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt sind. Die Verwendung des Begriffs
„namhaft“ in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht, dass die durch weitere (zweckmässige)
Heilbehandlung im Sinn von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen
muss (vgl. wiederum BGE 134 V 115 E. 4.3). Weder eine weit entfernte Möglichkeit
eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von
weiteren Massnahmen zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt
verleihen einen Anspruch auf deren Durchführung (Urteil des Bundesgerichts vom
2. Mai 2014, 8C_888/2013, E. 4.1, mit Hinweisen). Eine allfällige blosse Verbesserung
allein des Leidens an sich, eine nur kurzfristige Linderung oder eine blosse
Verbesserung der Befindlichkeit genügen nicht (Urteil des Bundesgerichts vom 22.
September 2016, 8C_306/2016, E. 5.3, mit Hinweisen). Auch ärztliche
Verlaufskontrollen, die Einnahme von Medikamenten sowie manualtherapeutische
Behandlungen gelten für sich allein noch nicht als kontinuierliche, mit einer gewissen
Planmässigkeit auf eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustands gerichtete
ärztliche Behandlung im Sinne der Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts vom 5.
Oktober 2007, U 395/06, E. 5.3). Dass die versicherte Person von weiterer
Physiotherapie profitieren kann, genügt im Übrigen nicht, um das Erreichen eines
ärztlich austherapierten Gesundheitszustands im Sinn von Art. 19 Abs. 1 und Abs. 3
UVG zu verneinen (siehe etwa das Urteil des Bundesgerichts vom 3. Dezember 2019,
8C_674/2019, E. 4.3).
2.4.
Was das Kriterium der Steigerung der Arbeitsfähigkeit anbelangt, war die
Beschwerdeführerin ab dem 22. Februar 2021 wieder voll arbeitsfähig (vgl. UV-act.
K12). Im Untersuchungsbericht der Klinik für Hand-, Plastische und
Wiederherstellungschirurgie des KSSG vom 29. März 2021 wurde ebenfalls keine
Arbeitsunfähigkeit mehr bescheinigt (vgl. UV-act. M9). Auch wurde von der
Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht, dass sie ihre angestammte Tätigkeit als
B._ nur eingeschränkt ausüben könne. Folglich war zum Zeitpunkt des
2.5.
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Fallabschlusses per 31. März 2021 eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit gar nicht mehr
möglich.
Hinsichtlich des Kriteriums der Steigerung/Verbesserung der Funktionsfähigkeit
des verletzen linken Ringfingers zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung geben in erster
Line die beiden Untersuchungsberichte der Klinik für Hand-, Plastische und
Wiederherstellungschirurgie des KSSG vom 10. Februar 2021 (Untersuchungsdatum: 3.
Februar 2021; UV-act. M8) und vom 29. März 2021 (Untersuchungsdatum: 17. März
2021; UV-act. M9) Auskunft.
2.6.
Im Untersuchungsbericht vom 29. März 2021 (UV-act. M9) empfahlen die
Klinikärzte zwar die Fortführung der Ergotherapie, erklärten aber zugleich, dass sie von
weiteren Kontrollen absehen würden und sich die Beschwerdeführerin bei
Beschwerdepersistenz selbständig wieder bei ihnen melden solle. Wie sich aus dem
Untersuchungsbericht ergibt, führte die Beschwerdegegnerin dazumal ergänzend zu
der Ergotherapie eigenständig Bewegungsübungen durch, erklärte sie doch, dass sich
die Morgensteifigkeit durch die Bewegungsübungen bessere. Die Klinikärzte dürften
zwar noch mit einer gewissen Verbesserung der gesundheitlichen Situation durch die
Behandlungen (selbständige Bewegungsübungen und Ergotherapie) gerechnet haben,
ansonsten hätten sie nicht eine Wiedervorstellung bei Beschwerdepersistenz
empfohlen, jedoch kann daraus nicht abgeleitet werden, sie hätten noch mit einer
Verbesserung gerechnet, die als namhaft zu qualifizieren wäre.
2.6.1.
Der Vergleich der Gesundheitszustände zum Zeitpunkt der Untersuchungen vom
3. Februar 2021 (UV-act. M8) und vom 17. März 2021 (UV-act. M10) zeigt – wie von Dr.
D._ in seiner Stellungnahme beschrieben (vgl. UV-act. M10) – nur eine minimale
Verbesserung der Beweglichkeit des linken Ringfingers (UV-act. M8; vgl. Sachverhalt
A.c und A.e). Anlässlich beider Untersuchungen stellten die Klinikärzte ein reizloses
Integument, eine geringe Schwellung und eine geringe Druckdolenz des PIP-Gelenks
insbesondere radial/ulnar sowie eine intakte Durchblutung und Sensibilität fest (vgl.
UV-act. 8 f.). Auch der Schmerzmittelbedarf der Beschwerdeführerin lag Mitte März auf
einem relativ tiefen Niveau (zwei- bis dreimal pro Woche Ibuprofen; vgl. UV-act. M9).
Aus den Akten ist auch nicht ersichtlich, dass anderweitige Therapien eine wesentliche
Verbesserung des Gesundheitszustandes, insbesondere der Funktionsfähigkeit des
linken Ringfingers, gebracht hätten.
2.6.2.
Es ist daher der Beschwerdegegnerin zuzustimmen, dass zum
Leistungseinstellungszeitpunkt prognostisch nicht mehr mit einer wesentlichen
Steigerung der Funktionsfähigkeit des linken Ringfingers bzw. der linken Hand zu
2.6.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/15
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3.
Im Weiteren ist die Höhe der Integritätsentschädigung umstritten.
rechnen war. Der mit der Beschwerde vom 16. September 2021 (act. G 1) eingereichte
Untersuchungsbericht der Klinik für Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie
des KSSG vom 9. Juli 2021 (act. G 1.3) gibt lediglich Auskunft über die gesundheitliche
Situation der Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Untersuchung vom 16. Juni 2021
und enthält keine relevanten neuen Informationen hinsichtlich der Situation zum
Leistungseinstellungszeitpunkt. Mit dem Bericht lässt sich selbst retroperspektiv keine
namhafte Verbesserung der Funktionsfähigkeit der linken Hand/des linken Ringfingers
belegen. Dass die Klinikärzte noch mit einer wesentlichen bzw. namhaften
Verbesserung der Funktionsfähigkeit des linken Ringfingers gerechnet hätten, ergibt
sich also auch nicht aus dem Untersuchungsbericht vom 9. Juli 2021 (act. G 1.3).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht den
Fallabschluss per 31. März 2021 vornahm bzw. die Heilbehandlungsleistungen (insb.
die Vergütung der Ergotherapien) ab dem 16. April 2021 nicht mehr übernahm.
2.7.
Die Beschwerdegegnerin wies das Begehren um eine Integritätsentschädigung
gestützt auf den Bericht des sie beratenden Arztes Dr. D._ ab, denn gemäss diesem
sei der Integritätsschaden unter der Erheblichkeitsgrenze von 5 %.
3.1.
3.2.
Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine
angemessene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde
erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleidet.
Sie wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Rentenanspruch besteht, bei
der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 Satz 1 UVG).
3.2.1.
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der
Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift
bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich
während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich,
wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit,
augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der
Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhanges 3.
3.2.2.
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Im Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der
Integritätsentschädigung aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten, nicht
abschliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) wichtige und typische
Schäden prozentual gewichtet (RKUV 2004 Nr. U 514 S. 416). Für die darin genannten
Integritätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen
Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die
Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem
Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (Ziff. 1 Abs. 2). Integritätsschäden, die
gemäss der Skala 5 % nicht erreichen, geben keinen Anspruch auf Entschädigung (Ziff.
1 Abs. 3). Die völlige Gebrauchsunfähigkeit eines Organs wird dem Verlust
gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und teilweiser Gebrauchsunfähigkeit wird der
Integritätsschaden entsprechend geringer, wobei die Entschädigung jedoch ganz
entfällt, wenn der Integritätsschaden weniger als 5 % des Höchstbetrages des
versicherten Verdienstes ergäbe (Ziff. 2).
3.2.3.
Die medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der
bundesrätlichen Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog.
Feinraster) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen
zwar keine Rechtssätze dar und sind für die Parteien nicht verbindlich, umso mehr als
Ziff. 1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, dass der in der Skala angegebene Prozentsatz
des Integritätsschadens für den «Regelfall» gilt, welcher im Einzelfall Abweichungen
nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthalten,
mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll, sind sie
mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
3.2.4.
Die Höhe der Integritätsentschädigung stellt eine typische Ermessensfrage dar.
Das Versicherungsgericht darf sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle
desjenigen der Verwaltung setzen, sondern muss sich auf Gegebenheiten abstützen
können, welche eine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen
lassen (BGE 137 V 71 E. 5.1, 126 V 75 E. 6).
3.2.5.
Als Folge des Unfallereignisses besteht bei der Beschwerdeführerin eine
Funktionsbeeinträchtigung des linken Ringfingers (siehe diesbezüglich UV-act. M9 und
Sachverhalt A.e).
3.3.
Anhaltspunkte zur Höhe der Integritätsentschädigung bei Funktionsstörungen bei
Händen und Fingern liefern die von der Suva publizierten
Integritätsentschädigungstabellen 1, 3 und 5. Dr. D._ beruft sich bei seiner
Einschätzung des Integritätsschadens auf die Tabellen 1 und 5, die
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Beschwerdeführerin dagegen auf die Tabelle 3. Nach der Tabelle 1, welche den
"Integritätsschaden bei Funktionsstörungen an den oberen Extremitäten" auflistet,
entspricht bspw. eine "radiocarpale Arthrodese" einem Wert von 15 % und eine
"Handwurzelarthrodese ('Säulenarthrodese')" einem solchen von 10 %. Die Tabelle 3
behandelt den "Integritätsschaden bei einfachen oder kombinierten Finger-, Hand- und
Armverlusten". Der Verlust des Ringfingers ab dem DIP-, PIP- oder MP-Gelenk
entspricht einem Integritätsschaden von 0 %, 5 % oder 6 % (vgl. Bilder 11, 12, 13 und
42c). Die Tabelle 5 listet den "Integritätsschaden bei Arthrosen" auf und sieht dabei für
die "Handgelenk-Arthrose" einen Integritätsschaden von 5-10 % für eine mässige und
von 10-25 % für eine schwere Arthrose sowie von 15 % für eine Gelenkresektion oder
Arthrodese vor. Ebenfalls in der Tabelle angeführt sind die Werte bei "Handwurzel-
Arthrose" mit einem Spektrum von 5-10 % (mässig) bzw. 10-15 % (schwer) und 10 %
(Arthrodese).
Die von den Ärzten der Klinik für Hand-, Plastische und
Wiederherstellungschirurgie des KSSG beschriebenen unfallbedingten
Funktionseinschränkungen des linken Ringfingers (Flexion/Extension DIP-Gelenk von
50/20/0°, PIP-Gelenk von 50/0/0° und MP-Gelenk von 90/0/0°, Faustschluss mit
Fingerkuppen-Hohlhand-Abstand von zirka 5 mm, UV-act. M9) liegen deutlich
unterhalb denjenigen Beispielen, welche in den genannten Tabellen mit einem
Integritätsschaden von zumindest 5 % ausgewiesen werden. So ist beispielsweise der
Verlust des Ringfingers ab dem PIP-Gelenk gemäss der Tabelle 3, Bild 12, mit einem
Integritätsschaden von 5 % eingestuft. Da die Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit
des linken Ringfingers der Beschwerdeführerin im Sinn einer mässigen
Bewegungseinschränkung in keiner Weise einer völligen Gebrauchsunfähigkeit
entspricht und damit als deutlich geringfügiger einzustufen ist als der Verlust der
entsprechenden Fingerglieder, ist vorliegend selbst wenn man noch eine gewisse
belastungsabhängige Schmerzhaftigkeit berücksichtigt von einem Integritätsschaden
kleiner als 5 % auszugehen. Da somit der Wert unter der Erheblichkeitsgrenze von 5 %
liegt, besteht kein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung. Dass die
Beschwerdegegnerin gestützt auf die Einschätzung ihres beratenden Arztes Dr. D._
keine Integritätsentschädigung zusprach, ist daher vertretbar und nicht zu
beanstanden, zumal die Beschwerdeführerin keine triftigen Gründe nannte, weshalb
von einem Integritätsschaden von 5 % oder höher auszugehen sei.
3.5.
Die Beschwerde gegen die Höhe der Integritätsentschädigung ist daher
abzuweisen.
3.6.
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