Decision ID: 2f28812d-f73b-4bd4-9a1a-32d751b555c0
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960,
Automechaniker in seiner eigenen GmbH (einziger Gesellschafter und Geschäftsführer der
Y._
GmbH),
meldete sich am 16. Juli 2001 (
Urk.
8/1) unter Hinweis auf immobilisierende Rücken
schmerzen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm nach medizini
schen und beruflichen Abklärungen mit Verfügung vom 10. Januar 2003 (
Urk.
8/51) mit Wirkung ab 1. Mai 2001 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 70
%
eine ganze Rente der Invalidenversicherung samt Zusatzrenten für zwei Kinder zu. Mit Verfügung vom 17. Januar 2003 (
Urk.
8/52) sprach sie ihm zudem mit Wirkung ab 1. Dezember 2002 eine
Hilflosenentschädigung
mittleren Grades zu
,
was unangefochten blieb. Die am 11. Februar 2003 (Urk. 8/61) für den Zeitraum von Mai 2001 bis November 2002 verfügte
Zusprache
einer
Hilf
losenentschädigung
selben Grades wurde im Rahmen des
Rechtsmittelverfah
rens
bestätigt, zuletzt mit Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 81/04 vom 1. Juli 2004 (Urk. 8/99).
1.2
Im Rahmen der im August 2004 (
Urk.
8/102) eingeleiteten Revisionsverfahren wurden die Ansprüche - nach Einholen von ärztlichen Auskünften - mit Mit
teilungen vom 14. Januar 2005 (
Urk.
8/106-107) bestätigt unter Bezifferung des Invaliditätsgrades mit 100
%
.
1.3
Im Februar 2007 (
Urk.
8/118) leitete die IV-Stelle weitere Revisionsverfahren ein
und holte ärztliche sowie berufliche Auskünfte ein
. Nach einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich
(Gewaltdelikte)
vom 11. Ju
n
i 2007 (
Urk.
8/122) betreffend Inhaftierung des Versicherten per 30. Mai 2007 sistierte die IV-Stelle die Ausrichtung der Invalidenrente mit Verfügung vom 5. Juli 2007 (
Urk.
8/127) mit Wirku
ng ab 1. Juni 2007 und brachte diese mit Verfü
gung vom 6. August 2007 (
Urk.
8/134) ab 1. Juli 2007 wieder zur Ausrichtung. Im gleichen Sinne wurde am 23. August 2007 (
Urk.
8/135) in Bezug auf die
Hilflosenentschädigung
verfügt.
Nach durchgeführten Abklärungen hob die IV-Stelle die
Hilflosenentschädigung
mit
unangefochten gebliebener
Verfügung vom 1
2.
März 2008 (
Urk.
8/140) auf das Ende des folgenden Monats auf.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/148
und
Urk.
8/168) hob die IV-Stelle
mit Verfügung vom 6. Oktober 2008 (
Urk.
2)
auch die Invaliden
rente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf.
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 7. November 2008 (
Urk.
1) Beschwerde mit dem Rechtsbegehren um Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie
Wei
terausrichtung
der
ganzen Invalidenrente. Weiter ersuchte er um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung sowie Bestellung von Rechtsanwalt
Dr.
André
Largier
als unentgeltlichen Rechtsvertreter (S. 2). Mit Vernehmlas
sung vom 15. Dezember 2008 (
Urk.
7) beantragte die IV-Stelle Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerich
t
sverfügung vom 31. März 2009 (
Urk.
16) wurde dem Beschwerdeführer (in Bezug auf das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege) nach Auflage
ungenügender
Akten Frist angesetzt, um seine fi
nanzielle Situation umfassend darzustellen.
Am 30. April 2009 (
Urk.
18) ersuchte die
Beschwerdegegnerin
unter Hinweis auf eine Meldung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich (
Betäubungsmittel
delikte
und organisierte Kriminalität) vom 27. April 2009 (
Urk.
19) betreffend Inhaftierung des
Beschwerdeführers
per 15. April 2009 (Betrug etc.) um Sistie
rung des Verfahrens und reichte am 27. Mai 2009 (
Urk.
22) weitere Akten ein (
Urk.
23-24). Nachdem der
Beschwerdeführer
am 4. Juni 2009 (
Urk.
25) sein Einverständnis mitgeteilt hatte, wurde der Prozess mit
Gerichtsv
erfügung vom 5. Juni 2009 (
Urk.
26)
bis zur rechtskräftigen Erledigung des
hängigen
Straf
verfahrens sistiert.
Am 8. Juni 2015 (
Urk.
35) teilte die
Beschwerdegegnerin
den Wegfall des
Sistie
rungsgrundes
mit und legte
das rechtskräftige Urteil des Obergerichts des Kan
tons Zürich vom 16. Dezember 2014 (
Urk.
36) auf, mit welchem der Beschwer
deführer wegen mehrfachen Betruges, Urkundenfälschung sowie
Gläubigerschä
digung
durch Vermögensverminderung
zu einer Freiheitsstrafe von 2
1⁄2 Jahren verurteilt worden war (S. 57 f.). In der Folge wurde den Parteien
Gelegenheit
zur
Stellungnahme
zum ihm Rahmen des Strafverfahrens eingeholten Gutachten von
Prof.
Dr.
med.
Z._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH und
Neurologie
FMH, Prof.
Dr.
med.
A._
, Orthopädie FMH, sowie
Dr.
med.
B._
, Innere Medizin
FMH
, vom
C._
vom 1
9
. November 2013 (
Urk.
37/2)
gegeben (
Urk.
38)
. Dem Beschwerdeführer wurde gleichzeitig Frist angesetzt, um seine finanzielle Situation darzustellen und zu belegen unter der Androhung, dass ansonsten vom Fehlen der prozessualen Bedürftigkeit aus
gegangen werde. In der Folge nahmen die Parteien am 2
2.
Juli 2015 (
Urk.
40) und 15. Oktober 2015 (
Urk.
42) Stellung, wobei der Rechtsvertreter wegen un
bekannten Aufenthaltes des Beschwerdeführers
um Abnahme der Frist betref
fend Darlegung der wirtschaftlichen Lage bis zu dessen Rückkehr in die Schweiz ersuchte.
In
materieller Hinsicht beantragte er
nurmehr
die Herabsetzung der ganzen Rente auf eine halbe per Oktober 2008.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.3
Nach Art. 17 ATSG sind laufende Renten für die Zukunft zu erhöhen, herabzuset
zen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede we
sentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
In
validitätsgrad
und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Ob eine solche Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung bestanden hat, mit demje
nigen zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung (BGE 105 V 29).
Fehlen die in Art. 17 ATSG genannten Voraussetzungen, so kann die
Rentenverfü
gung
lediglich nach den für die Wiedererwägung rechtskräftiger Verwaltungsverfügungen geltenden Regeln abgeändert werden. Danach ist die Verwaltung befugt, auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Ge
genstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn sich diese als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von er
heblicher Bedeutung ist (Art. 53
Abs.
2 ATSG; BGE 110 V 176 E. 2a, E. 1 mit Hinweisen). Das Gericht kann eine zu Unrecht ergangene Revisionsverfügung gegebenenfalls mit der substituierten Begründung schützen, dass die ursprüng
liche Rentenverfügung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erhebli
cher Bedeutung ist (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 128 V 272 E. 5b/
bb
; Urteile des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom 3. September 2014 E. 3.2.2, 9C_762/2013 vom 24. Juni 2014 E. 4.2 und 9C_562/2008 vom 3. November 2008 E. 2.2 je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Renteneinstellung in der angefochtenen Verfügung vom 6. Oktober 2008 (
Urk.
2) damit, es sei eine wesentliche Verbes
serung des Gesundheitszustandes eingetreten. Der Beschwerdeführer sei aus rheumatologischer Sicht voll arbeitsfähig als selbständiger Automechaniker und die psychische Belastung sei nicht mehr vorhanden.
In ihren
Stellungnahmen
nach Urteilsfällung des Obergerichts ergänzte die
Be
schwerdegegnerin
, dass sich aus dem zugrunde liegenden Gutachten keine
Rentenzusprache
begründen lasse (
Urk.
35) und die (im Gutachten gestellte) Verdachtsdiagnose einer
somatoformen
Schmerzstörung nicht per se einen in
validisierenden Gesundheitsschaden begründe sowie die attestierte Arbeitsunfä
higkeit von 50
%
nicht nachvollziehbar sei (
Urk.
40).
2.2
Der Beschwerdeführer hielt dagegen,
weder aus rheumatologischer noch psychiat
rischer Sicht sei eine Verbesserung des Gesundheitszustandes eingetre
ten (
Urk.
1 S. 5 f.).
In seiner Stellungnahme nach Urteilsfällung des Obergerichts führte er sodann aus, dem Urteil sei zu entnehmen, dass ihm in Wirklichkeit nur eine halbe Rente der Invalidenversicherung zugestanden habe. Eine Verbesserung des Gesund
heitszustandes im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung sei von der Beschwerdegegnerin weder behauptet worden noch ergebe sich eine solche aus den Akten. Somit sei die angefochtene Verfügung in dem Sinne zu korri
gieren, als die Rente revisionsweise nicht aufzuheben, sondern höchstens auf eine halbe Rente zu reduzieren sei (
Urk.
42 S. 3 f.).
3.
3.1
Die erstmalige
Rentenzusprache
(ganze Rente ab 1. Mai 2001, Verfügung vom 10. Januar 2003 [
Urk.
8/51])
erging gestützt auf folgende ärztliche Berichte:
3.1.1
Dr.
med.
D._
, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, be
richtete am 17. April 2001 (
Urk.
8/10/15-16) über seit Mai 2000 invalidisierende Rückenschmerzen im Bereich der Lenden- und der Thorax-Wirbelsäule und führte aus, in psychodynamischer Hinsicht wichtig für die Fixierung der Schmerzen scheine die Tatsache zu sein, dass er in einem eigenen
Geschäft
ge
arbeitet
habe und die
Beteiligung
eine Kompagnons misslungen sei (Gefängnis) und der Beschwerdeführer nun alleine weiter werken müsse; da er eine
Zeit
lang
das Geschäft
nicht
habe führen können, habe er jetzt offene Rechnungen. Er zähle jetzt allein, fühle sich aber behindert, der Druck sei gross.
Der Psychiater schilderte einen psychopathologisch auffälligen Beschwerdefüh
rer, der durch Gezwungenheit sowie Ver
kn
iffenheit auffalle und durch Schmer
zen sowie die emotionale Spannung gezeichnet sei. Er leide, sei verkrampft, von seinen Schmerzen im Erleben eingeengt
,
aber auch durch die aktuelle Proble
matik der Sit
ua
tion belastet, hektisch und nervös. Dies
umso
mehr, als offenbar auch eine Auseinandersetzung um seine
Arbeitsfähigkeit
und Zahlung
en
ent
b
rannt sei. Die bestehenden Schmerzen liessen sich offensichtlich nicht objekti
vieren, obwohl sie ihm oft so scharf wie Schnitte im Rücken vorkämen und zu
weilen unverhofft einschössen, jedenfalls aber seinen Lebensvollzug massiv einschränkten.
Der Arzt verwies auf ausladende Beschwerdeschilderungen, der Beschwerdefüh
rer ringe
darum
, angehört und verstanden zu werden, zeige verkrampfte Züge, wirke unleidig, ungeduldig im Gespräch, zuweilen gereizt und motorisch ge
spannt, habe Mühe zu warten, falle immer wieder ins Wort. Die Ehefrau leide
augenscheinlich
darunter, dass er so verändert sei, sie sei ebenfalls überfordert,
a
rbeit
e
voll, habe die Kinder und wirke ob dieser Lebensbedingungen erschöpft. Sie erlebe den Beschwerdeführer als unsicher, reizbar, drängend, gespannt und unleidig.
Dr.
D._
diagnostizierte ein Schmerzsyndrom sowie eine vegetative
Dys
balance
aufgrund psychosozialer Not und psychosomatischem
Konfliktverar
beitungsmodus
und attestierte eine „Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit“ von 70
%
unter dem Hinweis, dass er das (nicht zuletzt sehr verunsichernde) subjek
tive Schmerzerleben für authentisch halte, welches zusätzlich zur
Beeinträchti
gung
der Leistungsfähigkeit beitrage
n
werde.
3.
1.
2
Die Ärzte der
Klinik E._
, wo der Beschwerdeführer vom 23. August bis 7. September 2000 hospitalisiert war, diagnostizierten mit Bericht vom 14. Au
gust 2001 (
Urk.
8/6/1-3) ein
lumbospondylogenes
und
cervicocephales
Syndrom bei
Fehlform
/Fehlhaltung der Wirbelsäule (muskuläre
Dysbalance
, Flachrücken
thorakolumbal
, thorakale Hyperkyphose, Skoliose), engem Spinalkanal (anlage
bedingt), kleiner medianen Diskushernie L5/S1, leichten degenerativen Verän
derungen sowie bei Verdacht auf eine
somatoforme
Komponente.
Gegenüber dem Hausarzt
berichteten
sie am 18. September 2000 (
Urk.
8/6/4-6) über gekla
g
te Schmerzen seit 26. Mai 2000, als es bei der Arbeit zu akut auf
tretenden
thorakolumbalen
Schmerzen gekommen sei, als er in sitzender Stel
lung mit der rechten Hand einen Schraubenzieher habe aufheben wollen.
Die Ärzte führten aus, unter stationärem
Aufenthalt
sei es zu einer
Schmerzzu
nahme
gekommen und es habe sich ein ausgeprägtes,
appellatives
Verhalten gezeigt, so dass der Beschwerdeführer vorzeitig habe entlassen werden müssen. Bei Klinikaustritt sei eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bis am 20. September 2000 attestiert worden mit nachfolgender Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 100
%
. Aus rheumatologischer Sicht werde ihm längerfristig eine vollumfängliche Ar
beitsfähigkeit attestiert (
Urk.
8/6/1).
3.1.3
Im
zu
Handen
des Taggeldversicherers erstellte
n
Bericht der
F._
vom 30. November 20
0
1 (
Urk.
8/10/4-13) diagnostizierten die Ärzte ein
Panvertebralsyndrom
mit Aus
strahlungen und eine
r
Halbseitensymptomatik bei ausgesprochener
Symptom
ausweitung
sowie differenzialdiagnostisch zusätzlich eine Depression mit Krankheitswert (mögliche neurotische Persönlichkeitsstörung). Sie verwiesen auf eine ausgesprochene
Katastrophisierungstendenz
des Beschwerdeführers
mit jeglichem Fehlen von Selbsthilfestrategien und
Copingmechanismen
. Entspre
chend sei auch die klinische Untersuchung durch die betonten
Schmerzpräsen
tationen
bei der Prüfung der Wirbelsäulenbeweglichkeit, bei der
Palpationsun
tersuchung
und durch fünf positive
Waddel
-Zeichen
gekennzeichnet. In den bildgebenden Untersuchungen hätten sich keine die
Beschwerden
erklärenden Befunde gezeigt, das arbeitsbezogene relevante Problem habe aufgrund der deutlichen Selbstlimitierung nicht beurteilt werden können bei
ungenügender
Leistungsbereitschaft und schlechter Konsistenz.
Die Ärzte attestierten aus rheumatologischer Sicht eine vollumfängliche Arbeitsfä
higkeit für die Tätigkeit als selbständiger Automechaniker unter
dem
Hinweis,
dass
eine Einschränkung durch allenfalls psychische Störungen ent
sprechend zu berücksichtigen
sei
.
3.1.
4
Die Ärzte der Klinik
G._
diagnostizierten
mit Bericht vom 21. Dezember 2001
(
Urk.
8/3) nebst eines Status nach Handkontusion rechts (Sturz im No
vember 2000) sowie einer Adipositas ein generalisiertes Schmerzsyndrom bei (1)
Panvertebralsyndrom
mit intermittierender
zervikozephaler
Komponente beid
seits sowie
lumbospondylogener
Komponente rechts bei thorakal diskret
rechts
konvexer
, lumbal linkskonvexer Skoliose, Rundrücken mit thorakaler
Hyperky
phose
und
Kopfprotraktion
;
muskulärer
Dysbalance
mit Haltun
g
sinsuffizienz und
Dekonditionierung
der Rumpfmuskulatur
;
diskreter
Ventrospondylolisthesis
C3 auf C4 um 3 mm,
Retrospondylolisthesis
L4 auf L5 um 4 mm, lateraler Spondylose Th8/9 und Th10 links,
Osteochondrose
L5/S1, (2) depressiver
Stim
mungslage
mit Verdacht auf eine
somatoforme
Schmerzverarbeitungsstörung
.
Sie berichteten über geklagte Schmerzen im Bereich des
lumbosakralen
Über
gangs mit Ausstrahlung über das Gesäss, den
dors
olateralen
Oberschenkel, la
teralen Unterschenkel bis zu allen Zehen sowie eine konstante Schwäche im rechten Bein (auch ohne Belastung
)
und
attestierten
eine Arbeitsfähigkeit von ca. 50
%
für die bisherige Berufstätigkeit und eine vollumfängliche für eine
be
hinderungsangepasste
.
3
.1.5
Hausarzt
Dr.
med.
H._
, Innere Medizin FMH, diagnostizierte mit Bericht vom 31. Mai 2002 (
Urk.
8/20/1-3) ein generalisiertes Schmerzsyndrom mit
lum
bospondylogenem
und
cervicozephalem
Syndrom,
somatoformer
Schmerzverar
beitungsstörung
, generalisierten Myalgien, Fibromyalgie sowie depressiver Stimmungslage. Er schilderte sei
t
dem 26. Mai 2000 bestehende invalidisierende Schmerzen im Rücken, dem rechten Bein und dem rechten Arm und attestierte eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit unter dem Hinweis, dass eine Einglie
derung in den Arbeitsprozess aufgrund der Schwere und
Chronifizierung
der Erkrankung nicht möglich sein werde.
3.2
Im revisionsweise eingeholten Bericht vom 26. Dezember 2004 (
Urk.
8/104) be
richtete Hausarzt
Dr.
H._
über einen gleichbleibenden Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und attestierte unter Verweis auf die bekannte Diagnose (bei Ergänzung durch eine
Hemihypästhesie
rechts, 18/18 schmerzhafte
Fibro
myalgiedruckpunkte
sowie eine PHS [
Peria
r
thropathia
humeroscapularis
]) eine nach wie vor bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
3.3
Im Rahmen der nunmehr zu beurteilenden Rentenrevision ergingen folgende Arztberichte:
3.3.1
Dr.
I._
von der Spezialklinik für Rehabilitation
J._
,
K._
, be
richtete am 24. Mai 2008 (
Urk.
3/8) über die seit mehreren Jahren stattfindende ambulante
balneophysikalische
Behandlung des Beschwerdeführers und verwies auf eine
zufriedenstellende Regressi
o
n
des lokalen Befundes. Er empfahl eine Reduktion des Körpergewichts, die Wiederaufnahme der Behandlung samt Kon
trolle durch die Ärzte in der Schweiz und die Verschonung vor allen schwieri
gen physischen Aktivitäten, längeren Spaziergängen, längeren
Treppenbenut
zung
und Ähnlichem.
3.3.
2
Hausarzt
Dr.
H._
verwies mit Bericht vom 29. Juni 2008 (
Urk.
8/159) auf seine im Verlauf gestellten Diagnosen (generalisiertes Schmerzsyndrom, Adipo
sitas,
akute
Divertikulitis
[26. August 2006]; generalisiertes Schmerzsyndrom [25. November 2006];
lumbospondylogenes
und
cervicocephales
Schmerzsyn
drom
mit muskulären Verspannungen im Nackenbereich, Adipositas per magna [23. März 2007]).
3.3.
3
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Chirurgie, vom Regionalärztlichen Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin
hielt
am 24. Juli 2008 (
Urk.
8/166/3-4)
fest, im Verlauf bleibe die
repetitive
Aussage des Hausarztes, der Beschwerdeführer sei nicht ar
beitsfähig und auf fremde Hilfe angewiesen. Dies werde durch den
Abklärungs
bericht
vom 27. August 2007
(
Urk.
8/136) betreffend Hilflosigkeit
eindrücklich widerlegt.
Darin erkannte die Abklärungsperson keine wesentlichen Einschrän
kungen und verwies im Gegenteil auf einen auf der linken Körperseite liegen
den Beschwerdeführer, welcher den Kopf mit der linken Hand abstütze, den Ell
bogen auf der Sofalehne aufgestützt, was als
unergonomisch
erscheine. Nach 30
Minuten
habe er sich ohne Probleme auf den Rücken gedreht und die rechte
Hand
auf die Stirne gelegt, womit er den rechten Arm über Schulterhöhe habe heben können (S. 2). Sodann hätten Abklärungen im Gefängnis ergeben, dass der Beschwerdeführer während der Untersuchungshaft keinerlei Dritthilfe für die alltäglichen Lebensverrichtungen benötigt habe (S. 5).
Dr.
L._
folgerte, invalidenversicherungsrechtlich relevante
Gesundheitsschä
den
bestünden nicht und die postulierte psychische Belastung (und damit die einzig plausible Einschränkung der Arbeitsfähigkeit) scheine verschwunden, sie werde im neusten Bericht (E. 3.3.
2
) nicht mehr erwähnt. Es werde auch keinerlei Medikation angegeben, die auf eine Behandlung allfälliger psychischer Leiden schliessen liesse. Damit sei von einer überragenden Besserung des Gesundheits
zustandes und einer vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeüb
ten Tätigkeit als selbständiger Mechaniker auszugehen.
Am 30. September 2008 (
Urk.
8/174/3) verwies er sodann auf einen krassen Widerspruch der Ausführungen des
K._
Arztes zu denjenigen des Haus
arztes.
3.4
Im Rahmen des Strafverfahrens holte das Obergericht des Kantons Zürich ein orthopädisches und psychiatrisches Aktengutachten bei der
C._
ein (datierend vom 19. November 2013,
Urk.
37/2).
3.4.1
Im orthopädischen Gutachten (
Urk.
37/2 Beilage 2) führte
Dr.
A._
aus, beim Beschwerdeführer bestehe von Seiten des Bewegungsapparates eine
schicksal
hafte
Degeneration des Lendenwirbelsäulensegments L5/S1, die im
Jahr
2000 zu einem Kreuzschmerzschub mit vorübergehender
ischialgischer
Ausstrahlung ins rechte Bein durch Ausbildung einer kleinen Diskushernie geführt habe. Nach der Aku
t
phase sei es
zu
einer in der Bildgebung objektivierten Rückbildung
d
er Diskushernie innerhalb weniger Wochen gekommen; die
Bandscheibendegene
ration
L5/S1 sei bleibend. Daneben bestünden nicht relevante Veränderungen und anlagebedingte Normvarianten des Achsenorgans. Die objektivierbaren körperlichen Befunde hätten nach der Aktenlage nie eine nach der Aku
t
phase der
Bandscheibenprotrusion
anhaltende Arbeitsunfähigkeit höheren Grades oder eine schmerzbedingte Immobilisierung erklären können (S. 3 f.). Er schloss (auf entsprechende Fragestellung des Obergerichts des Kantons Zürich hin) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, dass der Beschwerdeführer im Zeit
raum vom 26. Mai 2001 bis 31. Dezember 2003 zu weniger als 66 2/3
%
und im Zeitraum vom 1. Januar 2004 bis 30. November 2008 zu weniger als 70
%
ar
beitsunfähig in angestammter oder leidensangepasster Tätigkeit gewesen sei
(S. 5).
3.4.2
Prof.
Dr.
Z._
führte in seinem psychiatrischen Gutachten (
Urk.
37/2 Beilage 1) aus,
es sei belegt,
dass es bei einer bis dato angegebenen weitgehenden ge
sundheitlichen Beschwerdefreiheit im Gefolge einer unglücklichen Bewegung beim Aufheben eines Schraubenzieher
s
im
Mai
2000
zu einer Kaskade von so
matischen Untersuchungen einschlie
ss
lich eines stationären Aufenthaltes zur
Abklärung in der orthopädischen
Klinik E._
gekommen sei.
Diese Untersuchungen
hätten
für die als
massivst
angegebene
Schmerzsympto
matik
und die als
massivst
angegebenen Leistungseinschränkungen kein erklä
rendes somatisches Korrelat nachweisen
können
. Entsprechend
sei
ärztlich bald der Verdacht auf eine funktionelle Überlagerung geäu
ss
ert
worden
im Sinne ei
ner Beteiligung einer psychis
c
hen Störung und es
sei
eine psychiatrische Be
handlung initiiert
worden
, wobei es erstmals im November 2000 zu einer psy
chiatrisch-ambulanten Vorstellung
gekommen sei
. Aus den Unterlagen des Psy
chiaters geh
e
klar hervor, dass neben der klinisch im Vordergrund stehenden Schmerzproblematik eine erhebliche psychosoziale Belastung bestand
en habe
und diese nicht nur im Zusammenhang
mit
der gesundheitlichen Situation des
Beschwerdeführers
zu sehen
sei
. Der Psychiater
wie
auch andere ärztliche Be
handler
hätten zwischen 2000 und 2003 konsis
tent das Bild eines gereizten,
dysphorischen
, unbeherrschten, nervösen und zum Teil auch drohend aggressiv auftretenden
Beschwerdeführer
gezeichnet. Dabei kö
nn
e
aus den ärztlichen Be
richten geschlossen werden, dass zu keinem Zeitpunkt eine über dieses
Aus
drucks
verhalten
hinausgehende psychische Störung belegt oder auch nur a
n
nähernd schlüssig abgeleitet wo
rde
n sei
. Wesentlich
sei
hier insbesondere, dass die fachärztlichen psychiatrischen Berichte lediglich detailliert das Verhalten des
Beschwerdeführers
beschreiben
würden,
ohne eine notwendige
kriterienge
leitete
diagnostische Zuordnung zu treffen
(S. 9 f.)
.
Prof.
Dr.
Z._
hielt fest, aus seiner Sicht sei
das Ausdrucksverhalten plausibler zu erklären über eine normalpsychologische Reaktion
vor
dem Hintergrund von Persönlichkeitsmerkmalen. Diese Persön
l
ichkeitsmerkmale mit impulsiven/ag
gressiven und vielleicht auch dissozialen Anteilen s
e
i
e
n bei aller Vorsicht (Ge
fängnisaufentha
l
t/Untersuchungsgefängnisaufenthalt hier nicht berücksichtigt) im Dossier unübersehbar. So schl
a
g
e
der
Beschwerdeführer
nach den vorliegen
den Informationen seine Frau und n
ehme
immer wieder durch bedrohliches Verhalten Einfluss auf seine Umgebung (zahlreiche Belege im Dossier). Diese Verhaltensweisen b
ö
t
e
n jedoch keinen Anhalt für eine psychische Störung. Ein wesentliches Problem schein
e
zu sein, dass unzweifelhaft formal die Kriterien einer
somatoformen
Störung (F45 als Oberbegriff) bei
m Beschwerdeführer
er
füllt s
e
i
e
n, da wiederholt körperliche Symptome dargeboten
worden seien
, für die es keine ausreichend erklärenden somatischen Korrelate g
e
b
e
. Diese Krite
rien s
e
i
e
n aber nachvollziehbar auch bei jeder Simulation erfüllt und es
se
i die Aufgabe des psychiatris
c
hen Facharztes
,
in eingehender Untersuchung zu über
prüfen, ob konsistent die subjektiven Angaben mit de
m
klinischen Befund und natürlich auch mit dem Funktionsniveau im Alltag, au
ss
erhalb der
Untersu
chungssituation
, übereinstimm
t
en. Eine solche Überprüfung ha
be
beim
Be
schwerdeführer
ärztlich zu keinem Zeitpunkt auch nur im Ansatz erkennbar stattgefunden. Im vorliegenden Fall
sei
sogar ohne ein fachärztlich-psychiatri
sches Gutachten eine „volle Berentung" initiiert
worden
auf dem Boden einer angenommenen, aber nicht ausgewiesenen psychiatrischen Störung. Durch die jetzt gerichtlich vorgelegten Dokumente l
iessen
sich jedoch retrospektiv durch punktuell dokumentierte Handlungen und Lei
s
tungen des
Beschwerdeführers
heute psychiatrische Au
s
sagen über den damaligen Gesundheitszustand treffen. Allgemein l
a
ss
e
sich sagen, dass die Fragen des Gerichtes sich aus psych
i
atri
scher Sicht nur beantworten l
ie
ssen, da in dem vorliegenden Fall besonders extrem eine Diskrepanz auftr
e
t
e
zwischen den seit 2000, 2001 durch den
Be
schwerdeführer
geltend gemachten Leistungseinbu
ss
en und den dokumentierten
Handlungen
.
Diese Diskrepanzen s
e
i
e
n allerdings auch schon allein nach den ärztlichen Dokumenten (bereits 2001) offensichtlich bezüglich der Einschätzung des
Beschwerdeführers
in seinen Alltagsaktivitäten (Hilfe beim W
a
schen/Anziehen
/
etc.)
, seien
aber im Rahmen der versicherungsrechtlichen Ent
scheidungen offensichtlich nicht gewürdigt
worden
. Die heute im vorliegenden Falle belegbaren Diskrepanzen l
ie
ssen sich über eine psychiatrische Störung nicht erklären. Eine gewisse bewusstseinsnahe
Aggravation von vorhandenen Be
schwerden
sei
bei vielen psychischen
und
insbesondere neurotisch geprägten Störungen durchaus begründbar und fast typisch, eine solche krankheitswerte Störung als Ursache k
ö
nn
e
im vorliegenden Fall aber nicht als Erklärung ange
nommen werden
(S. 10 f.).
Der Arzt führte sodann aus,
die vorliegenden Dokumente
erlaubten
nicht und zu keinem Zeitpunkt, be
i
m
Beschwerdeführer
überhaupt eine Diagnose im psy
chiatrischen Bereich zu stellen. Das heiss
e
, dass aus medizinisch-psychiatrischer Sicht nach Aktenlage auch zu keinem Zeitpunkt eine medizinisch-psychiatri
sche Grundlage bestand
en habe
, um hieraus ärztlich eine Arbeitsunfähigkeit oder an anderer Stelle eine Inva
l
idität abzuleiten. Rein nach der Aktenlage
sei
ein normalpsyc
hologisch zu erklärendes Verhal
ten einer akzentuierten Persön
lichkeit in Anbetracht der psychosozialen Gesamtlage se
hr viel plausibler. Das bedeute
aber auch, dass
sich die
aufgetretenen Diskrepanzen zwischen der als
schwerst
angegebenen Hilflosigkeit und den in dem Zeitraum dokumentierten Handlungen sicher nicht psychiatrisch, sehr wahrscheinlich aber auch nicht medizinisch erklären l
ie
ssen. Aus medizinisch-theoretischer Sicht s
e
i
e
n die aus
gewiesenen Tätigkeiten des
Beschwerdeführers
allgemein (theoretisch) auch mit einer psychischen Störung vereinbar, die eine vollständige Arbeitsunfähigkeit begründen würde. Denkbar wäre hier zum Beispiel der Fall einer schweren
Per
sönlichkeitsstörung
, die es dem
Beschwerdeführer
zum Beispiel nicht verun
möglichen würde, ein Waschbecken zu montieren, es ihm jedoch verunmögli
chen würde, dies längerfristig in einer angestellten oder selbständigen Position zu tun aufgrund von schweren interaktionellen Störungen (keine Fähigkeit zu Kundenkontakt, fehlende Konstanz etc.). Wenn
er - Prof.
Dr.
Z._
-
jedoch nicht nur rein theoretisch abstra
kt argumentier
e
, sondern den konkreten Fall mit der gegebenen Aktenlage würdig
e
, k
ö
nn
e
festgestellt werden, dass mit der zur Diskussion stehenden Diagnose einer
somatoformen
Störung (führende
Ver
dachtsdiagnose
) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Arbeits
fähigkeit von zumindest 50
%
bestand
en habe
. Diese Einschätzung erg
e
b
e
sich aus de
n
im Dossier immer wieder sichtbar werdenden Ressourcen des
Beschwer
deführers
(aktives, gezieltes Handeln, Planung, Entscheidungsfähigkeit etc.
,
S. 12 f.
).
Am 4. April 2014 (
Urk.
37/2, Rückfrage zum Psychiatrischen Aktengutachten Prof.
Dr.
Z._
) ergänzte dieser, eine Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers von weniger als 40
%
, gleichbedeutend mit einer Arbeitsfähigkeit
von
über 60
%
,
sei aus seiner Sicht im Zeitraum vom 26. Mai 2001 bis 30. November 2008 „deutlich überwiegend wahrscheinlich“ (entsprechend der
Sachverhaltsan
nahme
des Obergerichts des Kantons Zürich, vgl. hierz
u
Urk.
36 S. 27 E. 4.2 und S. 25 ff. E. 3.12); die dargestellten Mängel der ärztlichen Dokumentation bezüg
lich der psychiatrischen Befunde erlaubten hier eine Aussage „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ nicht.
3.5
Das Obergericht des Kantons Zürich
erklärte
in seinem Urteil vom 16. D
e
zember 2014 (
Urk.
36) den Sachverhalt als in dem Sinne erstellt, dass der Beschwerde
führer
(in der Periode Mai 2001 bis November 2008)
folgende Tätigkeiten aus
zuführen im Stande gewesen sei (S. 25 E. 3.12):
-
Er war im fraglichen Zeitraum in der Lage, allein und ohne fremde Hilfe ca. acht Mal pro Jahr
- teilweise für mehrere Wochen - in seine Heimat
K._
zu reisen, wobei er für diese Fahrten vielfach einen Bus benutzte. Im Zeit
r
a
um von Januar 2001 bis Juli 2002 unternahm er mindestens zwölf solche Reisen.
-
Er hatte die Kraft und die Beweglichkeit, um im Zeitraum vom 10. Januar 2001 bis 26. Juli 2002 neun Ma
l
seine Ehefrau und zwei Mal seine beiden Söhne zu schlagen, wobei die genauen Umstände dieser Vorfälle nicht be
k
annt sind.
-
Er war sowohl in der Schweiz wie in
K._
an insgesamt 48 Tagen im Zeit-r
a
um vom 23. Januar 2001 bis 26. Juli 2002 in der Lage, sich mit dem
Kauf
oder Verkauf von Autos und Ersatzteilen zu beschäftigen sowie Autorepara
tur- und Servicearbeiten selbst vorzunehmen, wobei nicht bekannt ist, wie viel Zeit und welchen körperlichen Einsatz die jeweiligen Aktivitäten in An
s
pruch nahmen, jedoch davon auszugeben ist, dass dies jedenfalls teilweise mehrere Stunden am Tag waren.
-
Er war im Zeitraum vom 10. Januar 2001 bis 26. Juli 2002 mehrmals in der Lage, Sachen ein- und auszuladen und ein Mal Pneus aus dem Keller hin-aufzutragen.
-
Er war am 27. Mai 2002 in der Lage, ein Bett zu demontieren und es auf den Parkplatz hinauszuwerfen.
-
Er konnte am 5./6. März 2002 ein defektes Küchenfenster ersetzen.
-
Er war während neun nicht aufeinanderfolgenden Tagen auf einer Baustelle in
K._
tätig, wobei der zeitliche Aufwand
für diese Aktivitäten nicht be
kannt ist und auch nicht klar ist, welche Tätigkeiten der Beschuldigte konkret ausübte, ausser d
a
ss er am 1
2.
Juli 2002 während einer unbekannten Zeit
spanne Platten polierte, am 17. Juli 2002 während einer unbekannten Zeit
spanne einen (Haus-)Eingang für das Betonieren vorbereitete, am 19. Juli 2002 während einer unbekannten Zeitspanne beim Betonieren der Hälfte des Hauseingangs mitwirkte und vor
hatte, entweder am nächsten Tag oder drei Tage später während einer unbekannten Zeitspanne beim Verlegen der Plat
ten im Hauseingang mitzuwirken.
-
Er konnte an einem Tag mehrmals einen Schlitten eine leichte Steigung hin-aufziehen und anschliessend dam
it hinunters
chlitteln.
-
Er war nicht auf Stöcke resp
ektive
Gehhilfen angewiesen.
-
Er konnte in
K._
die Lastwagenprüfung absolvieren.
-
Er konnte mit einer Pause während einer Stunde Fahrrad fahren.
Das Obergericht des Kantons Zürich erachtete es als unbestritten und durch die Akten erstellt, dass der Beschwerdeführer die behandelnden Ärzte sowie die Beschwerdegegnerin nicht über die Fähigkeit aufgeklärt habe, dies
e
Aktivitäten auszuüben (S. 27 oben). Es hielt fest, die Beschwerdegegnerin
habe die Renten
leistungen ausbezahlt, weil sie sich aufgrund der vom Beschwerdeführer zu ih
rer
Täuschung
eingereichten, unwahren Arztzeugnisse sowie der ihr zu ihrer Täu
s
chung gegebenen, unwahren Informationen in einem Irrtum über die Höhe des Invaliditätsgrades befunden habe (S. 40 E. 3.2). Es erachtete das Vorgehen des Beschwerdeführers als arglistig (S. 41 E. 3.3.2).
4.
4.1
Das Sozialversicherungsgericht ist an die Beurteilung des Strafgerichts nicht gebunden. Hingegen weicht es von den
tatbeständlichen
Feststellungen des Strafgerichts nur ab, wenn der im
Strafverfahren
ermittelte Tatbestand und dessen rechtliche Subsumtion nicht zu überzeugen vermögen oder auf Grund
-
s
ätzen
beruhen, die zwar im Strafrecht gelten, im Sozialversicherungsrecht je
doch unerheblich sind (BGE 125 V 242 E. 6a, 111 V 177 E. 5a mit Hinweisen; RKUV 1991 Nr. U 120 S. 85 E. 3c).
4.2
Das
obergerichtliche
Urteil ist in Rechtskraft erwachsen. Die Erwägungen im Urteil decken sich mit der übrigen Aktenlage
und wurden vom Beschwerdefüh
rer denn auch nicht in Zweifel gezogen.
Es besteht somit kein Anlass, von den
sachverhaltsmässigen
Feststellungen des
Obergerichts
abzuweichen.
5.
In Anbetracht der
vom Beschwerdeführer zur Täuschung der
Beschwerdegegne
rin
eingereichten, unwahren Arztzeugnisse und der zu ihrer Täuschung gegebe
nen, unwahren Informationen
steht fest, dass die ursprüngliche
Rentenzuspra
che
auf offensichtlich falschen Annahmen gründete und
(jedenfalls i
m
gewähr
ten
Ausmass
)
ungerechtfertigt war
, hatte sich doch die Beschwerdegegnerin in einem Irrtum über die Höhe des Invaliditätsgrades befunden. Damit erweist sich die u
rsprüngliche
Rentenzusprache
(im
gewährten
Ausmass
) als zweifellos un
richtig und
eine
Berichtigung
naturgemäss
von erheblicher Bedeutung, was zu
letzt implizit auch der Beschwerdeführer anerkannte (
Urk.
42 S. 3 f.).
Demge
mäss
sind
jedenfalls
die Voraussetzungen zur wiedererwägungsweisen Aufhe
bung
respektive Anpassung
der Rente gegeben.
Die rentenaufhebende Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
6. Oktober 2008 (
Urk.
2) erging unter Hinweis auf eine verbesserte gesundheitliche Situation. Angesichts der im laufenden Verfahren zu Tage getretenen Umstände und der offenkundigen zweifellosen Unrichtigkeit der
Rentenzusprache
kann offen blei
ben, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers tatsächlich verbes
sert hat. Es greift - auch ohne Verbesserung - jedenfalls die
substituierte Be
gründung, dass die ursprüngliche Rentenverfügung zweifellos unrichtig
war
und die Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist
, weshalb eine
Rentenher
absetzung
oder -aufhebung mit dieser Begründung geschützt werden kann.
Das rechtliche Gehör hierzu wurde ausreichend gewahrt und schloss der Beschwer
deführer zuletzt selbst auf eine Herabsetzung der Rentenleistungen aus den ge
nannten Gründen (
Urk.
42 S. 3 f.).
6.
6.1
Damit bleibt zu prüfen, wie es sich mit dem Invaliditätsgrad des Beschwerdefüh
rers
im Zeitpunkt des
Verfügungserlass
es
am
6. Oktober 2008 (
Urk.
2)
verhält
, ist doch ein allfälliger Anspruch des Beschwerdeführers - bei Rentenaufhebung pro
futuro
- in diesen Zeitpunkt zu ermitteln.
Während die Beschwerdegegnerin von einer vollu
mfänglichen Arbeitsfähigkeit
ausging, schloss der Beschwerdeführer auf einen verbleibenden Anspruch auf eine halbe Rente (E. 2.).
6
.
2
Der Schluss des Beschwerdeführers gründet darin, dass Gutachter Prof.
Dr.
Z._
eine Arbeitsfähigkeit von
(zumindest)
50
%
mit an Sicherheit gren
zender Wahrscheinlichkeit als gegeben erachtete (E. 3.4.2).
Hierzu ist festzuhal
ten, dass diese Aussage des Experten nach entsprechender Fragestellung des Obergerichts gemacht wurde
, welche wie folgt lautete: „Kann aus den oben ge
schilderten Aktivitäten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ge
schlossen werden, dass der Beschuldigte im Zeitraum vom 26. Mai 2001 bis 31. Dezember 2003 zu weniger als 66 2/3
%
und im Zeitraum vom 1. Januar 2004
bis 30. November 2008 zu weniger als 70% invalid war?“ (
Urk.
37/2 Beilage 1 S. 12).
Eine Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers von weniger als 40
%
, gleichbe
deutend mit einer Arbeitsfähigkeit
von
über 60
%
, befand der Gutachter sodann als deutlich überwiegend wahrscheinlich (E. 3.4.2). Diese Antwort ist ebenfalls im Kontext der Fragestellung zu sehen, welche wie folgt lautete (
Urk.
37/2 Bei
lage 1 S. 13): „Kann aus den oben geschilderten Aktivitäten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit geschlossen werden, dass der Beschuldigte im Zeitraum vom 26. Mai 2001 bis 30. November 2008 zu weniger als 40
%
invalid war?“
.
6.3
Angesichts dieser Umstände relativieren sich die von Gutachter Prof.
Dr.
Z._
erwähnten Prozentzahlen einer möglichen Arbeitsfähigkeit.
Mithin brachte er zu keinem Zeitpunkt zum Ausdruck, dass der Beschwerdeführer - mit dem im
Sozi
alversicherungsrecht
massgeblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit - lediglich zu 60
%
oder gar 50
%
arbeitsfähig sei. Im Gegenteil nannte er diese Zahlen, weil er explizit danach gefragt worden war
bzw. da
nach, in welchem Umfang mit
(dem im Strafrecht
massgeblichen
Beweisgrad)
an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine weniger hohe al
s die geltend gemachte Arbeitsun
fähigkeit bestanden hat
. Seine
faktische
Einschätzung ge
staltet sich ganz anders: So hielt er fest, dass zu keinem Zeitpunkt eine Diag
nose im psychiatrischen Bereich zu stellen gewesen sei und auch zu keine Zeit
punkt eine Grundlage bestanden habe, um aus medizinisch-psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit abzuleiten (E. 3.4.2).
Diese Einschätzung deckt sich mit jener des
Dr.
L._
, welcher ebenfalls keine Hinweise auf eine psychische Erkrankung finden konnte (E. 3.3.3) und
zutref
fend darauf verwies, dass die behandelnden Ärzte keine psychischen Auffällig
keiten notierten.
6.4
Einziger Anknüpfungspunkt für die Annahme einer Arbeitsunfähigkeit über
haupt ist die von Prof.
Dr.
Z._
thematisierte Verdachtsdi
a
gnose einer
soma
toformen
Schmerzstörung. Da lediglich eine Verdachtsdiagnose genannt wurde und keine fassbaren klinischen Einschränkungen ersichtlich sind, bleibt sie al
lerdings bedeutungslos.
Ausserdem
ergibt eine Prüfung der
invalidenversiche
rungsrechtlichen
Relevanz
vorliegend
Folgendes:
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd an
schliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung
stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichti
gen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen muss.
An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender
somato
former
Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) trete
n im Regelfall beachtliche Stan
dardindikatoren.
Das Bundesgericht hielt sodann fest, dass d
ie
auf die Begrifflichkeit des medizinischen Klassifikationssystems abstellende Diagnose der anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung im Wei
teren nur dann zur Feststellung einer invalidenversicherungsrechtlich erhebli
chen Gesundheitsbeeinträchtigung führt, wenn die Diagnose auch unter dem Gesichtspunkt der - in der Praxis zu wenig beachteten -
Ausschlussgründe
nach
BGE 131 V 49
standhält (E. 2.2).
Danach liegt
regelmässig
keine versicherte Gesundheitsschädigung vor,
soweit
die Leistungseinschränkung auf Aggrava
tion oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. Hinweise auf solche und andere
Äusserungen
eines sekundären Krankheitsgewinns (dazu
BGE 140 V 193
E. 3.3) ergeben sich namentlich, wenn eine erhebliche Diskrepanz zwischen den ge
schilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht
(E. 2.2.1).
Vorliegend steht fest, dass dem Beschwerdeführer
Rentenleistungen
ausbezahlt wurden, weil er zwecks Täuschung unwahre Arztzeugnisse (welche ihrerseits auf falschen Angaben beruhten) und Informationen aufgelegt hatte. Angesichts dieser Umstände ist - soweit die Darstellung von Schmerzen gegenüber den Ärzten in Frage steht - nicht
bloss
von einer Aggravation, sondern von einer absichtlichen Täuschung auszugehen. Bei solcherart zu Stande gekommener Di
agnose besteht für einen Leistungsanspruch von vornherein kein Anspruch.
6.5
Aufgrund der Akten kann sodann ausgeschlossen werden, dass der Beschwerde
führer daneben an einem relevanten verselbständigten Gesundheitsschaden lei
det.
In psychischer Hinsicht findet sich in den Akten nichts Relevantes. In orga
nischer Hinsicht legte
Dr.
A._
in nachvollziehbarer Weise
dar
, dass d
ie
objekti
vierbaren körperlichen Befunde nach der Aktenlage nie eine nach der
Akut
phase
der
Bandscheibenprotrusion
anhaltende Arbeitsunfähigkeit höheren Gra
des oder eine schmerzbedingte Immobilisierung erklären k
o
nn
t
en (E. 3.4.1).
Be
reits die Ärzte der
Klinik E._
hatten im Herbst 2000 keine längerfristige Arbeitsunfähigkeit ersehen können (E. 3.1.2), was von den
F._
-Gutachtern ein Jahr später bestätigt wurde (E. 3.1.3). D
ies wurde vom Beschwerdeführer denn auch nicht bestritten.
6.6
Zusammenfassend steht fest, dass
die ursprüngliche
Rentenzusprache
wie auch die revisio
nsweise Bestätigung zweifellos u
nrichtig waren. Es steht fest, dass
- abgesehen von der nicht relevanten Akutphase der
Bandscheibenprotrusion
-
während der ganzen Zeit keine (invalidenversicherungsrechtlich) relevante Ar
beitsunfähigkeit ausg
e
wiesen ist, weshalb auch zu keinem Zeitpunkt Anrecht auf eine Teilrente der Invalidenversicherung
bestand
.
Damit ist - da auch
im Zeitpunkt der Rentenaufhebung (pro
futuro
) am 6. Oktober 2008 keine Arbeits
unfähigkeit ausgewiesen wa
r -
,
die vollständige Rentenaufhebung
der
Be
schwerdegegnerin
mit der subs
t
ituierten Begründung der zweifellosen Unrich
tigkeit der
Rentenzusprache
(bzw. der revisionsweisen Bestätigung)
zu schützen. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.7
Nicht Gegenstand dieses Verfahrens ist der - im vorliegenden Prozess lediglich vorfrageweise überprüfte und verneinte - Anspruch des Beschwerdeführers auf Rentenleistungen bis zur Aufhebung. Die Beschwerdegegnerin stellte pendente
lite
die Rückforderung von
Fr.
59‘653.-- in Aussicht, da der Beschwerdeführer nach den Feststellungen des Strafgerichts lediglich Anrecht auf eine halbe statt auf eine ganze Rente gehabt hätte (
Urk.
35). An diese
sozialversicherungsrecht
lich
unzutreffende
Folgerung
ist die Beschwerdegegnerin
nicht gebunden
.
Es
steht mit aller Deutlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer zu keinem Zeitpunkt Anrecht auch n
ur
auf eine Teilrente hatte. Es ist Sache der Beschwerdegegnerin, die
diesbezügliche
Verfügung betreffend Verneinung des Leistungsanspruch
s
sowie Rückforderung
im korrekten Umfang
zu erlassen (
unter Beachtung von Art. 25
Abs.
2
2.
Satz ATSG).
7.
Nachdem auch zuletzt
die
finanzielle Situation nicht dargelegt
worden ist
(
vgl. hierzu Gerichtsverfügungen vom 3
1.
März 2009 [
Urk.
16],
6.
Mai 2009 [
Urk.
20] und
7.
Juli 2015 [
Urk.
38]
) und der Rechtsvertreter hierzu ausführte, eine Kon
taktaufnahme mit dem Beschwerdeführer sei nicht möglich, nach den Angaben der Ehefrau befinde er sich an einem unbekannten Ort in
K._
, ist
da
s Ge
such um unentgeltliche Rechtspflege mangels Substantiierung
der prozessualen Bedürftigkeit
androhungsgemäss abzuweisen. Von einer Fristabnahme bis zur Rückkehr des Beschwerdeführers in die Schweiz ist Abstand zu nehmen (
Urk.
42). Da der Prozess im Weiteren als aussichtslos erscheint, besteht auch
insofern
kein Anspruch.
8.
Die
Kosten
des
Verfahrens
gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr.
1‘0
00.-- festzulegen und
ausgangsgemäss
de
m Beschwerdeführer
aufzuerlegen
.