Decision ID: bcf08bc6-153e-4201-b12c-ee1e8a1ce31d
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der
1952
geborene
Y._
arbeitete
ab 1988 als
selbständigerwer
bender
Rechtsa
nwalt
und
war
im Rahmen
dieser Tätigkeit
bei der
Pensionskasse
Schweizerischer Anwaltsverband (nachfolgend: PK SAV)
freiwillig
berufsvorsor
geversichert.
In seiner bisherigen als optimal angepasst anzusehenden Tätigkeit als
A
nwalt mit eigener Kanzlei war er ab November 2009 zu 30
%
, ab Januar 2013 zu 50 % und ab November 2014 zu 55 % arbeitsunfähig
(vgl.
Urk.
2/1 S. 2 und S. 7)
.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, b
ei der sich der Versicherte am 12. November 2013
unter Hinweis auf
eine Epilepsie und kogni
tive Stö
rungen
zum Leistungsbezug angemeldet hatte
,
verneinte mit Verfügung vom 2
5.
Juni 2015 einen Rentenanspruch. Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 2
8.
September 2016 (Prozess-Nr. IV.2015.00760
,
Urk.
2/1
) teilweise gut und sprach dem Versicherten unter Be
rücksichtigung eines
Valideneinkommens
von
Fr. 462‘61
5
.--
ab dem
1.
Mai 2014 eine halbe Rente zu (IV-Grad 55
%
). Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesgericht mit Urteil 9C_804/2016 vom 1
0.
April 2017
(
Urk.
21/9)
ab.
Die
PK SAV
wurde als Beigeladene in die Verfahren miteinbezogen.
Auf entsprechendes Gesuch des Versicherten hin
zahlte die
PK SAV
die
BVG-Minimalleistungen aus
(
50
%
Fr.
6'534.-- für die Periode
3.
Januar 2015 [Aus
schöpfung Krankentaggeld] bis 3
0.
April 2017 [Pensionierung], gesamthaft
Fr.
7'605.30
). Weitere Leistungen lehnte sie
ab
mit der Begründung, die regle
mentarische Koordinationsgrenze (100
%
des letzten anrechenbaren Lohns) sei überschritten (Urk. 2/5
).
2.
Mit Eingabe vom
6.
August 2018
erhob d
er Versicherte Klage gegen die PK SAV
mit folgende
m
Rechtsbegehren (Urk. 1 S. 2):
«
Die Beklagte sei zur Zahlung von CHF 85'144.70 an den Kläger zu verpflichten, nebst Zins zu 5% ab dem 1
4.
August 2017, eventualiter ab dem 2
3.
Oktober 2017 und
subeventualiter
ab dem Datum der Klageeinleitung.
Unter
gesetzlicher Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Beklagten.
»
Am 2
3.
Oktober 2018 teilte
Rechtsanwalt Michael
Ausfeld
mit, dass
der Versi
cherte
am
"..."
verstorben sei (
Urk.
9).
Mit Gerichtsverfügung vom
24. Oktober 2018
wurde der Prozess sistiert bis zum Entscheid
über den Antritt der Erbschaft des
Versicherten (
Urk.
10). Mit Ei
ngabe vom 3
1.
Januar 2019 (Urk.
12) teilte
Rechtsanwalt Michael
Ausfeld
mit,
die
Erben
des Versicherten
würden
den Fall weiterführen wollen
.
Mit Gerichtsv
erfügung vom
8.
März 2019 (Urk.
16) wurde die Sistierung des Prozesses aufgehoben und vom Eintritt
von Rechtsanwalt
X._
als
Willensvollstrecker in den Prozess
Vormerk
ge
nommen.
Am
1
3.
Juni 2019
beantragte die
PK SAV
, die Klage sei abzuweisen
(Urk. 20
).
I
m Rahmen des zweiten Schriftenwechsels
hielten die Parteien
an den gestellten An
trägen fest
(Urk.
26
und
Urk.
32
)
. Die Duplik der Beklagten wurde dem Kläger mit Verfügung vom
2
2.
November 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
33
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
F
ür
Streitigkeiten
im Rahmen der freiwilligen Versicherung eines
Selbständiger
werbenden
befindet sich der
Gerichtsstand am Ort,
an dem er seinen Betrieb führt (Urteil des Bundesgerichts 9C_65
6/2014 vom 1
6.
Dezember 2015 E.
3). Der Ver
sicherte führte seinen Betrieb in Zürich (vgl. etwa
Urk.
2/15), weshalb das hiesige Gericht in vorliegender Sache
örtlich und - gestützt auf § 2
Abs. 2
lit
. a des Ge
setzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) - sachlich zuständig ist.
1.2
Arbeitnehmer und
Selbständigerwerbende
, die der obligatorischen Versicherung nicht unterstellt sind, können sich nach dem
Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG)
freiwillig versichern lassen (
Art.
4
Abs.
1 BVG
; vgl. auch
Art.
44 BVG
). Die Bestimmungen über die obliga
torische Versicherung gelten
sinngemäss
für die freiwillige Versicherung (
Art.
4
Abs.
2 BVG
). Gewährt eine Vorsorgeeinrichtung mehr als die Mindestleistungen ("umhüllende Vorsorgeeinrichtung"), so gelten die im Verweiskatalog von
Art.
49
Abs.
2 BVG
aufgezählten BVG-Normen auch für die weitergehende,
das
heisst
die über-, unter- und vorobligatorische Vorsorge (
vorgenanntes Urteil
9C_656/2014 E. 2.1).
1.3
Nach Art. 34a
BVG
in der bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Fassung er
lässt der Bundesrat Vorschriften zur Verhinderung ungerechtfertigter Vorteile des Versicherten beim Zusammentreffen mehrerer Leistungen. Gestützt darauf ist in Art. 24 Abs. 1 der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVV2) in der bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Fas
sung geregelt, dass die Vorsorgeeinrichtung die Invalidenleistungen kürzen kann, soweit sie zusammen mit anderen anrechenbaren Einkünften 90 Prozent des
mut
masslich
entgangenen Verdienstes übersteigen. Nach Abs. 2 Satz 2 erster Teil wird Bezügern von Invalidenleistungen überdies das weiterhin erzielte oder
zu
mutbarerweise
noch erzielbare Erwerbs- od
er Ersatzeinkommen angerechnet.
1.4
Gemäss
Art. 34a BVG in der seit 1. Januar 2017 geltenden Fassung kann die Vor
sorgeeinrichtung die Hinterlassenen- und Invalidenleistungen kürzen, soweit diese zusammen mit anderen Leistungen gleicher Art und Zweckbestimmung so
wie weiteren anrechenbaren Einkünften 90 Prozent des
mutmasslich
entgange
nen Verdienstes übersteigen. Treffen
Leistungen nach diesem Gesetz mit gleich
artigen Leistungen anderer Sozialversicherungen zusammen, so findet Artikel 66 Absatz 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts (ATSG) Anwendung.
Art. 24 BVV2 in der seit Januar 2017 geltenden Fassung sieht vor, dass die Vor
sorgeeinrichtung bei der Kürzung von Invalidenleistungen vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters und von
Hinterlassenenleistungen
folgende Leistungen und Einkünfte anrechnen kann: a. Hinterlassenen- und Invalidenleistungen, die andere in- und ausländische Sozialversicherungen und Vorsorgeeinrichtungen der leistungsberechtigten Person aufgrund des schädigenden Ereignisses ausrich
ten; dabei werden Kapitalleistungen mit ihrem Rentenumwandlungswert ange
rechnet; b. Taggelder aus obligatorischen Versicherungen; c. Taggelder aus frei
willigen Versicherungen, wenn diese mindestens zur Hälfte vom Arbeitgeber finanziert werden; d. wenn die versicherte Person Invalidenleistungen bezieht: das weiterhin erzielte oder
zumutbarerweise
noch erzielbare Erwerbs- oder Ersatzeinkommen.
1.5
Art. 24 BVV2 gilt grundsätzlich für die obligatorische berufliche Vorsorge. Im weitergehenden (überobligatorischen) Bereich können die Vorsorgeeinrichtungen die Kürzung der Leistungen wegen Überentschädigung unter Beachtung des
ver
fassungsmässigen
Minimalstandards (rechtsgleiche Behandlung, Willkürverbot,
Verhältnismässigkeit
) anders regeln, solange dadurch die obligatorischen An
sprüche gewahrt bleiben (
Urteil des Bundesgerichts
9C_824/2013 vom 20. Feb
ruar 2014 E. 5.2).
1.6
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invalidenver
sicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung
grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (
Art.
6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Ab
klärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorgeeinrichtung bezie
hungsweise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesgerichts 9C_49/2010 vom 2
3.
Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(
Art.
73
ter
der
Verordnung
über die Invalidenversiche
rung, IVV
) einbezogen und ihr die Rentenverfügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts 9C_81/2010 vom 1
6.
Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-rechtliche Festsetzung des Invaliditätsgrades (grundsätzlich,
masslich
und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrach
tungsweise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, so
weit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfahren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invaliditätsbemes
sung der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1).
2
.
2.1
Der
Versicherte
führte zur Klagebegründung aus,
es
könne - aus näher dargeleg
ten Gründen - nicht von einem angeblich noch erz
ielbaren Verdienst von über Fr.
240'000.-- ausgegangen werden (
Urk.
1
S. 6).
D
ie Überentschädigungsgrenze
werde
nicht erreicht. Die zugesicherte halbe Invalidenrente sei deshalb ungekürzt auszurichten. Bezogen auf die in Frage kommenden 28 Monate
(Januar 2015 bis und mit April 2017) und unter Abzug der bereits ausbezahlten Leistungen unter dem Titel «BVG-Anteil» ergebe sich ein Saldo zu seinen Gunsten von
Fr.
85'144.70 (S.
6-8).
Die Versicherungspolice leide an einer von der Beklagten zu vertretenden Unklarheit, weshalb diese nicht berechtigt sei, die zugesicherten Leistungen aufgrund eines vielleicht noch theoretisch möglichen Verdienstes zu reduzieren. Der IV-Grad sei
im Entscheid des hiesigen Gerichts
nicht aufgrund eines Vergleiches von Validen- und Invalideneinkommen berechnet worden, son
dern mittels Prozentvergleich
. Das Invalideneinkommen könne aber vorliegend nicht
auf
45
%
des
Valideneinkommens
festgesetzt
werden, sei
er
doch nicht
mehr
in der Lage,
ein massgebliches Einkommen zu erzielen
(S.
10-18).
Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hielt der Kläger fest (
Urk.
26
),
d
ie Be
klagte gehe von einem
Invalideneinkommen von
Fr.
232'364.-- aus, was - aus näher dargelegten Gründen - willkürlich sei.
Der
Gesundheitszustand
des Versi
cherten
habe sich nach November 2014 weiter verschlechtert, diesbezüglich lägen neue Erkenntnisse vor
. Es handle sich dabei teilweise um bisher nicht bekannte Erkrankungen, welche nicht Gegenstand des Verfahrens der Invalidenversiche
rung
gewesen seien
. Insbesondere sei die Atrophie des Gehirns
des Versicherten
anlässlich
der Begutachtung im IV-Verfahren nicht erkannt worden. Es sei jedoch davon auszugehen, dass ihn diese jedenfalls ab dem Jahre 2015 massiv und zu
nehmend beeinträchtigt habe
. Gemäss den behandelnden Ärzten sei ein demen
tieller Prozess mit stetiger Verschlechterung der kognitiven Funktionen in ausge
prägter Weise feststellbar gewesen. Hätte
d
er
Versicherte
von seinem multimor
biden Gesundheitszustand und insbesondere von der Hirnatrophie gewusst, hätte er diese Tatsache seinerzeit ins Verfahren der Invalidenversicherung eingebracht. Da er dies aber objektiv nicht habe feststellen können, habe dazu kein Anlass bestanden. Die Erkenntnisse aus der Obduktion seien deshalb im vorliegenden Falle zu seinen Gunsten zu berücksichtigen
(S. 2-8)
. In den Jahren 2015 bis 2017 habe er gar keine Rendite mehr erzielen können, was auf seinen misslichen Ge
sundheitszustand zurückzuführen
gewesen sei. Es sei
von einem
Valideneinkom
men
von
Fr.
159'000.-- auszugehen, womit selbst bei einem angenommenen noch möglic
h
en Verdienst von
Fr.
71'550
.--
(45
%
von Fr.
159'000.--) Anspruch auf
eine
halbe Rente
bestehe
(S.
8).
2
.2
Die Beklagte begründete die Leistungsverweigerung damit,
dass
die
Überentschä
digungsberechnung beziehungsweise -
grenze
auch für
Selbständigerwerbende
reglementarisch unmissverständlich definiert
sei
. Es obliege dem
Selbständiger
werbenden
, der sich freiwillig versichern
lasse
, den Jahreslohn sowie Lohnverän
derungen zu melden. Seitens der Beklagte
n
bestehe kei
n
e
Nachfragepflicht
. Für die reglementarischen Leistungen sei vorliegend eine
Koordinationsgrenze von
Fr.
159'000.-- (gemeldetes Jahreseinkommen) massgeblich
(
Urk.
20
S.
3-
5
und S. 8-9
).
Das
Valideneinkommen
werde im invalidenversicherungsrechtlichen Ver
fahren festgelegt. Im vorliegenden Verfahren gehe es nicht um die Beurteilung des Invalidenlohnes, sondern um die Überentschädigungsberechnung. Bereits im Rahmen des IV-Verfahrens sei festgestellt worden, dass der
Versicherte
seine zu
mutbare Restarbeitsfähigkeit nicht voll ausgeschöpft habe.
Bei
der Überversiche
rungsberechnung könne die mangelnde Verwertung der noch vorhandenen Rest
kapazität nicht Anlass für die Ausrichtung von Vorsorgeleistungen bilden
. Unter Berücksichtigung der Koordinationsgren
ze von
Fr.
159’000.-- sowie unter
An
rechnung der IV-Leistungen von
Fr.
14'100.
-- verbleibe eine Lücke von Fr.
144'900.--. Weshalb es dem
Versicherten
nicht möglich gewesen sein soll, ein solches Einkommen zu generieren, sei in Anbetracht der
bundesgerichtlichen Feststellungen nicht nachvollziehbar
(S.
5-7 und
S. 10-11
).
Im Rahmen des zweiten Schriftenwechse
ls ergänzte die Beklagte (
Urk.
32
),
d
ie Frage der gesundheitlichen Einschränkungen des
Versicherten
und deren Auswir
kungen auf die Erwerbsfähigkeit seien von der Invalidenversicherung behandelt und durch das Bundesgericht bestätigt worden. Es könne deshalb im vorliegenden Verfahren nicht darum gehen, den Invaliditätsgrad erneut abzuklären. Inwiefern die zum Zeitpunkt der Autopsie erhobenen Befunde
und
insbesondere die Atro
phie des Gehirns bereits in den Jahren 2014 bis 2016 eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
gehabt hätten
beziehungsweise ob allenfalls in der Einschätzung einer 55%igen Arbeitsunfähigkeit besagten Befunden bereits zu Genüge Rech
nung getragen worden sei, sei retrospektiv nicht mehr evaluierbar. Ein anrechen
bares Einkommen von
Fr.
71'550.-- entbehre jeglicher Rechtsgrundlage (S. 5-6).
3
.
3.1
Gemäss
Art.
27
Ziff.
1 des ab
1.
Januar 2014 gültigen Vorsorgereglements der Beklagten
(
Urk.
2/4) werden
unter anderem ihre Invaliditätsl
eistungen um den übersteigenden Betrag gekürzt, wenn
sie
zusammen mit den Leistungen der IV und einem allfälligen
zumutbarerweise
erzielbaren Bruttoerwerbseinkommen mehr als 100 % des letzten anrechenbaren Lohns vor Beginn der Arbeitsunfähig
keit betragen. Der anrechenbare Lohn entspricht dabei dem Jahreslohn abzüglich eines allfälligen Koordinationsabzuges (
Art.
3
Ziff.
2). Der Jahreslohn wiederum entspricht bei einem
Selbständigerwerbenden
dem gemeldeten Jahreseinkommen, höchstens jedoch dem voraussichtlichen AHV-Jahreseinkommen.
Rückwirkende
Lohnveränderungen bei
Selbständigerwerbenden
sind ausgeschlossen (
Art.
2
Ziff.
3 und
Ziff.
4).
3.2
Der Versicherte war bei der Beklagten
ab
1.
Juli 2008
mit einem
Jahreslohn von Fr. 159'000.--
als
Selbständigerwerbender
vorsorgeversichert (
Urk.
21/11/2). Das
versicherte E
inkommen blieb in der Folge unverändert (
Urk.
21/5-7
).
Zur Ermittlung der Überentschädigung im überobligatorischen Bereich
ist
das ge
meldete Jahreseinkommen von Fr. 159'000.-- massgebend
.
Dass der Versicherte bei Abschluss der Versicherungspolice und in den Folgejahren tatsächlich ein viel höheres als das gemeldete Jahreseinkommen erzielt hat, ändert daran nichts. Ins
besondere lag es nicht an der Beklagten, sich beim rechtskundigen Versicherten nach allenfalls gestiegenen Einkünften zu erkundigen.
In diesem Zusammenhang ist denn auch irrelevant, von wem die Versicherungspolice ausgefüllt wurde (vgl. Urk. 1 S. 7-8), wurde sie doch vom
Versicherten unterzeichnet und
in der Folge nicht mehr angepasst
.
Dass der
Versicherte unterversichert
war
und
die Beklagte
ihm
lediglich bei einem Invaliditätsgrad von über 70
%
Leistungen hätte ausrich
ten müssen, wie er dies darlegte (
Urk.
1 S. 10-
11),
ist ihm selbst
beziehungsweise der von ihm gemeldeten Lohnhöhe
zuzuschreiben.
Der Versicherte hat im Gegen
zug
auch nur auf ein
em
Einkommen von
Fr.
159'000.-- Versicherungsbeiträge entrichtet.
Inwiefern die Versicherungspolice
beziehungsweise das Vorsorgereg
lement
diesbezüglich an einer von der Beklagten zu vertretenden Unklarheit lei
den soll
(vgl.
Urk.
1 S. 11)
, ist nicht ersichtlich. Vielmehr sind die
Reglementsbe
stimmungen
eindeutig und
die
Überentschädigungsgrenze
ist auf
Fr.
159'000.--
festzulegen
.
Dass für
Selbständigerwerbende
in Bezug auf eine allfällige Überent
schädigung andere Regeln gelten sollten, ist dem Vorsorgereglement nicht zu entnehmen.
3.3
Die Beklagte machte geltend,
es sei dem Versicherten zumutbar gewesen, auch nach dem
1.
Mai 2014 ein Bruttoerwerbseinkommen von jährlich mehr als Fr.
144’900
.--
(
Überentschädigungsgrenze
von
Fr.
159'000.-- minus von der In
validenversicherung aus
gerichtete Leistungen von
Fr.
14'100.-- [vgl.
Urk.
1 S. 8])
zu erzielen, womit die
reglementarische Koordinationsgrenze
überschritten sei. Dies gilt es nachfolgend zu prüfen.
4
.
4
.1
Mit Urteil 9C_804/2016 vom 1
0.
April 2017 (
Urk.
21/9) bestätigte das Bundesge
richt das Urteil des hiesigen Gerichts v
om 2
8.
September 2016 (Prozess-Nr. IV.2015.00760,
Urk.
2/1)
, mit welchem
dem Versicherten gestützt auf einen In
validitätsgrad von 55 % ab dem
1.
Mai 2014 eine halbe Rente der Invalidenver
sicherung zu
gesprochen wurde
. Die Berechnung des Invaliditätsgrades erfolgte gestützt auf einen Prozentvergleich, wobei das
hiesige
Gericht das
Validenein
kommen
des Versicherten auf Fr
. 462‘61
5.-- per 2014 festlegte (E. 4.6). Das bei voller Ausschöpfung der noch vorhandenen 45%igen Arbeitsfähigkeit in der an
gestammten Tätigkeit als Rechtsanwalt erzielbare Invalideneinkommen wurde im
Urteil nicht explizit festgehalten, entspricht bei einem IV-Grad von 55
%
aber
Fr.
208'176.75 (45
%
von Fr
. 462‘61
5.--)
per 201
4.
Die Beklagte wurde als Bei
geladene in die Verfahren miteinbezogen und stellt auf die invalidenversiche
rungsrechtliche Betrachtungsweise ab, womit den genannten Urteilen
grundsätz
lich
eine Bindungswirkung gegenüber beiden Parteien zukommt (vgl. dazu E. 1.6
hievor
).
4
.2
Der Umfang der Arbeitsunfähigkeit sowie des
Validen- und
Invalideneinkom
mens des Versicherten wurde
n
wie bereits erwähnt vom Bundesgericht rechts
kräftig festgelegt.
Der Kläger machte im vorliegenden Verfahren
jedoch
geltend,
der Gesundheitszustand des Versicherten habe sich auch nach November 2014 verschlechtert. E
rst anlässlich der rechtsmedizinischen Begutachtung zum Todes
fall des Versicherten
habe
eine Hirnatrophie festgestellt w
e
rden
können
, welche
diesen
bereits ab dem Jahre 2015 zusätzlich in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt habe.
Die Erkenntnisse aus der Obduktion seien im vorliegenden
Verfahren
zu
seinen
Gunsten
zu berücksichtigen
(
Urk.
26 S. 4-8).
Nach
Art.
123
Abs.
2
lit
. a des Bundesgesetzes
über das Bundesgericht (BGG)
kann die Revision eines Bundesgericht
urteil
s verlangt werden,
wenn die ersu
chende Partei nachträglich erhebliche Tatsachen erfährt oder entscheidende Be
weismittel auffindet, die sie im früheren Verfahren nicht beibringen konnte, unter Ausschluss der Tatsachen und Beweismittel, die erst nach dem Entscheid entstan
den sind
. Das Revisionsgesuch ist innert 90 Tagen nach deren Entdeckung beim Bundesgericht einzureichen (
Art.
124
Abs.
1
lit
. d BGG).
Das Gutachten des
Z._
vom 7.
Feb
ruar 2019 (Urk. 27/1) ging am
8.
Februar 2019 bei der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl ein. Zu welchem Zeitpunkt es dem Kläger zugestell
t wurde,
kann vorliegend offenbleiben. Denn sp
ätestens am 2
1.
August 2019 hatte er Kenntnis davon, be
zog er sich doch in seiner Replik von
demselben Tag (
Urk.
26) darauf.
Spätestens am 1
9.
November 2019 hätte der Kläger deshalb beim Bundesgericht eine Revi
sion des Urteils vom 1
0.
April 2017 verlangen müssen.
Die 90tägige Frist zur Einreichung eines Revisionsgesuches
ist jedoch unbenutzt verstrichen. Im vorlie
genden Verfahren bleibt deshalb kein Raum zu prüfen, ob
die nach
dem
Tod festgestellte Hirnatrophie den Versicherten bereits ab November 2014 zusätzlic
h in seiner Arbeits
fähigkeit beeinträchtigte
.
Weitere diesbezügliche Abklärungen - insbesondere eine Befragung der
in der Klage beziehungsweise Replik
offerierten Zeugen
(
Urk.
1 S. 14-15
und
Urk.
26 S. 6-7
) oder eine Begutachtung
- erübrigen sich damit.
4.3
Nach dem Gesagten ist auch im vorliegenden Verfahren
von einer Arbeitsfähig
keit von 45
%
in der angestammten Tätigkeit, einem
Valideneinkommen
von Fr
. 462‘61
5.-- per 2014 und entsprechend
einem I
nvalideneinkommen von
Fr.
208'176.75
per 2014
a
usz
ugehen.
Dabei stimmt das Invalideneinkommen ge
mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung vermutungsweise mit dem bei der Überentschädigungsberechnung zu berücksichtigenden
zumutbarerweise
noch erzielbaren Erwerbseinkommen überein (BGE 134 V 64 E. 4.1.3).
Es ist nicht er
stellt, dass a
rbeitsmarktbezogene oder im vorliegenden Verfahren zu berücksich
tigende persönliche Umstände
vorgelegen hätten
, aufgrund welcher es dem Ver
sicherten nicht zumutbar gewesen wäre,
in den Jahren 2015 bis 2017 seine Rest
arbeitsfähigkeit voll auszuschöpfen
und ein Bruttoerwerbseinkommen von
Fr.
208'176.75 zu erzielen. Das Bundesgericht vermochte denn auch bereits
im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren
keine
Gründe zu erkennen, weshalb der Versicherte ausser Stande gewesen sein sollte, trotz seiner unbestrittenen Restarbeitsfähigkeit von 45
%
in der angestammten Tätigkeit als selbständiger Anwalt ein entsprechendes Invalideneinkommen zu erzielen
(Urk. 21/9 E. 3.2)
. Dass sich daran in der darauffolgenden Zeit etwas geändert haben sollte, ist nicht
ersichtlich
.
Für ein Überschreiten der Koordinationsgrenze von
Fr.
159'000.-- wäre ohnehin
nicht ein volles Ausschöpfen der Restarbeitsfähigkeit erforderlich gewesen, vielmehr hätten dazu bereits 70
%
davon ausgereicht
(
Fr.
14'100.-- + 0.
70
x
Fr.
208'176.75).
Die mangelnde Verwertung der noch vorhandenen Rest
arbeitsfähigkeit hat
bei der Überentschädigungsberechnung unberücksichtigt zu bleiben und es ist aufgrund von
Art.
27
Ziff.
2 des Vorsorgereglements der Be
klagten irrelevant, wie hoch
die
Einnahmen im vorliegend massgebenden Zeit
raum tatsächlich waren.
Es erübrigt sich damit, auf die eingereichten Buchhal
tungsunterlagen des Versicherten sowie auf die Ausführungen in Bezug auf ein tieferes anzurechnendes Invalideneinkommen (
Urk.
1 S. 6-7)
näher einzugehen, zumal bereits das Bundesgericht festgestellt hat, dass die Geschäftsergebnisse 2009 bis 2014 zu wesentlichen Teilen aus invaliditätsfremden Gründen Schwan
kungen aufwiesen und dass zur Ermittlung des Invalideneinkommens nicht auf die Buchhaltung abgestellt werden kann
(Urk.
21/9 E. 3.2).
Nachdem vom Versicherten zudem nie ein Berufswechsel verlangt, sondern das Invalideneinkommen anhand der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Rechtsanwalt berechnet wurde, kann auch auf eine Auseinandersetzung mit den diesbezüglichen Vorbringen des Versicherten
sowie auf die Ausführungen zu seinem vorgerückten Alter
(vgl. etwa
Urk.
1 S. 6-7
und S. 12-15
sowie
Urk.
26 S.
6
)
verzichtet werden.
Ohnehin interessiert im Rahmen der
Überentschä
-
digungs
berechnung
die Frage nach der Zumutbarkeit eines Berufswechsels nicht weiter (Urteil des Bundesgerichts 9C_113/2016 vom 1
8.
Juli 2016 E. 3.2.4).
Mit einem
zumutbarerweise
erzielbaren Bruttoerwerbseinkommen
von Fr.
208‘176.75
ist die reglementarische Koordinationsgrenze von Fr. 159'000.-- deutlich überschritten, weshalb die Beklagte
die Ausrichtung von über die BVG-Minimalleistungen hinausgehenden
Leistungen
zu Recht verweigert hat.
Die Klage ist damit abzuweisen.
5
.
Art. 73 Abs. 2 BVG
schliesst
einen Anspruch der obsiegenden Versicherungsträ
ge
rin auf eine Prozessentschädigung zwar nicht aus. Indes werden den Trägern der beruflichen Vorsorge
gemäss
BVG beziehungsweise den mit
öffentlichrecht
lichen
Aufgaben betrauten Organisationen in Anlehnung an die Rechtsprechung zu Art. 159 Abs. 2 des bis Ende 2006 in Kraft gestandenen Bundesgesetzes über die Organisation der Bundesrechtspflege (Bundesrechts
pflegegesetz/OG)
-
ausser
bei einem als mutwillig zu qualifizierenden Verhalten der Ge
genpartei -
praxis
gemäss
keine Parteientschädigungen zugesprochen. Es besteht kein Grund, bei der
Beklagten
- trotz ihres entsprechenden Antrages - anders zu verfahren (vgl. BGE 128 V 133 E. 5b, 126 V 150 E. 4a, 118 V 169 E. 7 und 117 V 349 E. 8, mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 125 E. 5b und 320
E.
1a und b sowie 112 V 356 E. 6).