Decision ID: 2c2c548f-20b9-4e13-9a56-6de2aa7026ea
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1989, arbeitete seit Februar 2015 als
Magaziner
(Urk. 7/6
Ziff. 5.4), als am 2. August
2017 die Meldung zur Früherfassung erfolgte (Urk
. 7/2). Am 27. September 2017 meldete er sich unter Hinweis auf Beschwer
den mit den Augen und dem Herz sowie psychische Probleme bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/6 Ziff. 6.1, vgl. auch zweites An
meldeformular
vom 16. Februar 2018, Urk. 7/17). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
,
IV-Stelle,
tätigte in der Folge erwerbliche sowie medizinische Abklä
rungen und zog die Akten der Krankentaggeldversicherung bei. Mit Schreiben vom 13. September 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, es seien derzeit keine Eingliederungsmassnamen möglich (Urk. 7/45).
Nach ergan
genem Vorbe
scheid (Urk. 7/78) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfü
gung vom 23. März 2020 für die Zeit vom 1. April 2018 bis 30. September 2019 eine be
fristete ganze Rente zu (Urk. 7/87 = Urk. 2; vgl. auch Verfügungsteil 2, Urk. 7/81).
2
.
Der Versicherte erhob am 19. Mai 2020 Beschwerde gegen die Verfügung vom 23. März 2020 (Urk. 2) und beantragte die Zusprache einer unbefristeten Rente sowie die Durchführung beruflicher Massnahmen. In formeller Hinsicht bean
tragte er sodann die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechts
vertretung (Urk. 1 S. 3). Mit Beschwerdeantwort vom 6. Juli 2020 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Nachdem der Beschwerdeführer innert Frist weder ein ausgefülltes Formular noch sonstige Belege zur
Substan
tiierung
seiner finanziellen Situation eingereicht hatte, wurde sein Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Verfügung vom 27. August
2020 abgewiesen und ihm gleichzeitig die Beschwerdeantwort zur Kenntnis
nahme
zugestellt (Urk. 8). Am 21. September 2020 ging das Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit ein (Urk. 10).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zustän
dige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung be
ziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit
bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwer
deweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
1.2
Soweit der Beschwerdeführer beantragt
, es seien berufliche Massnahmen zu ge
währen (Urk. 1 S. 3 Ziff. 4.1), ist auf die angefochtene Verfügung vom 23. März 2020 zu verweisen, mit welcher dem Beschwerdeführer
einzig
eine vom 1. April 201
8
bis 30. September 2019 befristete ganze Rente zugesprochen wurde (Urk. 2)
. Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildet damit ausschliesslich der Ren
tenanspruch des Beschwerdeführers. Über den Anspruch auf berufliche Massnah
men hat die Beschwerdegegnerin nicht befunden. Es fehlt damit bezüglich beruf
licher Massnahmen an einem Anfechtungsgegenstand, weshalb
in diesem Punkt
auf die Beschwerde nicht einzutreten ist. Dem Beschwerdeführer ist es
jedoch
unbenommen, sich jederzeit bei der Beschwerdegegnerin für die Durchführung beruflicher Massnahmen
zu
melden. Dies hat die Beschwerdegegnerin denn sowohl in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2 S. 4) als auch in der Beschwer
deantwort vom 6. Juli 2020 (Urk. 6) ausdrücklich so festgehalten.
2
.
2
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2
.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres
gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in
ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2
.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das
tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invalidi
tätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegen
der Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens ist davon abzusehen, einzelne Beschwerden und Störungen ohne Einzelfallprüfung wegen grundsätzlich fehlen
der invalidenversicherungsrechtlicher Relevanz auszuscheiden (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.1). Indes gilt unverändert, dass ein invalidisierender psychischer Gesund
heitsschaden nur gegeben sein kann, wenn das klinische Beschwerdebild nicht einzig in psychosozialen und soziokulturellen Umständen seine Erklärung findet,
sondern davon psychiatrisch unterscheidbare Befunde umfasst (Urteil des Bundes
gerichts 9C_732/2017 vom 5. März 2018 E. 4.3.1).
2
.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich
gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder
Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.
6
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestim
mun
gen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a IVV) analog anzuwenden (BGE
133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Ver
gleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler:
Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis
).
3
.
3
.1
In der angefochtenen Verfügung vom 23. März 2020 (Urk. 2) führte die Be
schwerdegegnerin aus, der Beschwerdeführer sei seit November 2016 in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Vorerst sei er in jeglicher Tätigkeit voll arbeits
unfähig gewesen, woraus ein Invaliditätsgrad von 100 % resultiere. Ab Juli 2019 habe sich die gesundheitliche Situation verbessert, seither sei er in einer seinen Leiden angepassten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig.
Dies führe zu einem Invalidi
tätsgrad von 7 %, was keinen Rentenanspruch mehr rechtfertige (S. 3).
3
.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, er habe Probleme an der Hand, mit dem Herz, den Augen und Adern (Urk. 1 S. 2 Ziff. B.1). Es sei nicht so, dass er zu 80 % arbeitsfähig sei, vielmehr sei er immer noch zu 80 % arbeits
unfähig. Ein Gutachten sei nicht erstellt worden (S. 2 Ziff. B.6). Zudem habe er Anspruch auf Massnahmen im Bereich der beruflichen Ausbildung (S. 2 Ziff. B.7).
3
.3
Strittig und zu prüfen ist demnach der Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
4.
4.
1
Dr. med.
Z._
,
Zentrum A._
, nannte in seinem zu
Handen
der Krankentaggeldversicherung erstellten Bericht vom 14. Juli 2017 folgende Diagnosen (Urk. 7/11/28-31 Ziff. 3):
-
Anpassungsstörung mit depressiven Komponenten, fraglich bipolaren Anteilen, fraglich psychotischen Anteilen (Diagnostik noch nicht abge
schlossen)
-
ausgeprägte Schlafstörung, Agitiertheit, Verwirrtheit und Konzentrations
störungen
-
somatisch Irritation am rechten Auge, unklarer Irritationszustand/unklare Pathologie
-
rezidivierende Kreuzschmerzen, Handgelenksschmerzen wahrscheinlich ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
Die Beschwerden würden stimmig geschildert, der Beschwerdeführer präsentiere ein Bild, das Auffälligkeiten darstelle, wenngleich eine genaue Einteilung nicht möglich sei. Die behandelnde Psychiaterin beschreibe die Auffälligkeiten in der gleichen Art und Weise, ohne bisher eine abschliessende Diagnose gemacht zu
haben (Ziff. 4). Durch psychotherapeutische, psychiatrische und insbesondere medi
kamentöse Begleitung sei eine Besserung und Stabilisierung eingetreten
und es sei eine weitere Besserung zu erwarten (Ziff. 5). Derzeit sei er nicht arbeitsfähig, die Diagnostik sei noch nicht abgeschlossen. Der Zustand habe sich aber mit der bisherigen psychiatrischen Betreuung und Medikation bereits gebessert. Es sei durchaus möglich, dass per Ende August eine Arbeitsfähigkeit wieder gegeben sein werde (Ziff. 7.1). Die Situation sei momentan hoch komplex. Der Beschwer
de
führer bedürfe fachärztlicher Betreuung und auch
eine
psychosoziale Beglei
tung scheine wichtig. Die Reintegration in eine Arbeitsstelle oder die Möglichkeit einer Lehre wäre
n
von grosser Bedeutung (Ziff. 8).
4.
2
Die behandelnde Psychiaterin Dr. med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, beschrieb in ihrem Bericht vom 12. Oktober
2017 (Urk. 7/52/35-36) einen depressiven Zustand kombiniert mit psychotischen Kom
ponenten (Wahnvorstellungen, Angstzustände, suizidale Gedanken; Ziff. 5).
Es bestehe
der
Verdacht auf eine schizoaffektive Störung, gegenwärtig depressiv, sowie differentialdiagnostisch eine rezidivierende depressive Störung mit psycho
tischen Symptomen. Zudem leide der Beschwerdeführer an einer Anpassungs
störung mit Angst und depressiven Reaktionen bei psychosozialer Belastungs
situation (Ziff. 3).
Seit dem Verlust der Arbeitsstelle seien die psychischen Auf
fälligkeiten vermehrt vorhanden.
Der langzeitige Stress bei der Arbeit und die Konfliktsituation mit der Ehefrau hätten den psychischen Zustand negativ beeinflusst (Ziff. 1).
Aktuell sei der Beschwerdeführer vollständig arbeitsunfähig (Ziff. 10).
Die Behandlung finde alle zwei Wochen statt (Ziff. 6.a).
Wichtig sei die Stabilisierung des psychischen Zustandes. Die Arbeitsfähigkeit werde im Verlauf beurteilt, es werde eine berufliche Reintegration empfohlen (Ziff. 11).
4.
3
Die Ärztin des Universitätsspitals
C._
, Interdisziplinäres Zentrum für Schwindel und neurologische Sehstörungen, diagnostizierte in ihrem Bericht vom 8. Dezember 2017 (Urk. 7/13) insbesondere
eine stereotype rezidivierende
Amau
rosis
fugax
rechts ungeklärter Ätiologie sowie
Pterygien
beidseits, wobei beide
Diagnosen
keine
Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit
hätten
(Ziff. 1.1 und Ziff. 1.6-7).
4.
4
In ihrem Bericht vom 7. März 2018 (Urk. 7/25/1-5)
diagnostizierte Dr.
B._
einen schwer depressiven Zustand mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3) und führte aus, Auslöser für den depressiven Zustand sei eine Belastungssituation (Scheidung von der Ehefrau, Verlust der Arbeit, Probleme mit Behörden, Aus
weise
androhung; Ziff. 2.1). Im Vordergrund stehe eine depressive Symptomatik, gekennzeichnet mit Verzweiflung, Gedankenkreisen, Antriebslosigkeit, Unruhe,
Verlust der Lebensfreude, und begleitet mit psychotischen Symptomen wie Angst
zuständen
und
Verfolgungswahnideen. Unter medikamentöser Therapie habe sich der psychische Zustand leicht gebessert (Ziff. 2.2). Die Behandlung finde alle drei Wochen statt (Ziff. 1.2). Seit dem 1. Juni 2017 sei der Beschwerdeführer nicht mehr in der Lage, eine Arbeitstätigkeit zu übernehmen (Ziff. 1.3 und 2.7). Nach Stabilisierung und Abklärung der Herzproblematik werde eine berufliche Inte
gration empfohlen (Ziff. 4.2), der Beschwerdeführer sei bereit,
mit Unterstützung
durch die Beschwerdegegnerin eine Anlehre als Logistiker oder Lagerist in Angriff zu nehmen (Ziff. 3.5).
4.
5
Dr. med.
D._
, Fachärztin für Handchirurgie, diagnostizierte in ihrem Bericht vom 27. Juni 2018 (Urk. 7/44/1-2) eine
Scaphoidpseudoarthrose
links sowie unklare Sensibilitätsstörungen an der linken Hand (S. 1). Es bestehe die Indikation für eine
Scaphoidrekonstruktion
, vor einer Operation sei jedoch zu klären,
o
b eine kardiologische Behandlung nötig sei (S. 2).
4.
6
Der Hausarzt Dr. med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
verwies in seinem Bericht vom 30. Juli 2018 bezüglich der Diagnosen auf die Berichte der Spezialärzte (Urk. 7/32 Ziff. 2.5) und führte aus, der Be
schwerdeführer meine offenbar, er sei zu krank für eine Arbeit (Ziff. 3.2)
.
E
ven
tuell sei jedoch eine wechselbelastende Tätigkeit während vier Stunden pro Tag zumutbar (Ziff. 3.3, Ziff. 4.1-2). Die Prognose sei unklar, eine Wiedereinglie
de
rung in das Berufsleben scheine aber wichtig (Ziff. 2.7).
4.
7
In ihrem Bericht vom 16. November 2018 berichtete Dr. med.
F._
, Fachärztin für Neurologie, von einem Verdacht auf intermittierende Irritation des
Nervus
medianus im Bereich des Handgelenks links und hielt fest, ein Karpal
tunnelsyndrom sei nicht nachweisbar. Ebenso gebe es keine Hinweise auf eine
Ulnarisneuropathie
oder eine Polyneuropathie. Sie empfehle das nächtliche Tragen
einer Handgelenksschiene (Urk. 7/58 S. 2).
4.
8
Nach einer kardiologischen Standortbestimmung hielt Dr. med.
G._
, Facharzt für Kardiologie
, am 21. November 2018 fest, trotz rezidivierenden
atypischen
Thoraxbeschwerden
und Episoden mit kurzzeitigem
Visusverlust
rechts
gebe es keine
Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Kardiopathie und es bestehe
keine Indikation zu weiterführenden kardiologischen Abklärungen. Der Beschwe
r
deführer sei nicht herzkrank, eine Steigerung der regelmässigen Spaziergänge würde sich positiv auf die zunehmende Somatisierung und psychovegetative Labilität auswirken. Die Prognose im Hinblick auf eine Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess sei ernst (Urk. 7/59 S. 1).
4.
9
Dr. med.
H._
, Facharzt für Op
h
thal
mologie, führte am 12. März 2019 aus, beim Beschwerdeführer komme es seit elf Jahren durchschnittlich zweimal pro Monat anfallsartig zu einer
maximal sechs Minuten dauernden
Verdunkelung des rechten Gesichtsfeldes. Dabei handle es sich höchstwahrscheinlich um eine Augenmigräne
, er habe den Beschwerdeführer beruhigt
(Urk. 7/60).
4.
10
Am 18. Juni 2019 führte Dr.
E._
aus, der Beschwerdeführer habe früher als
Magaziner
gearbeitet, ohne den seelischen Zustand einzubeziehen scheine eine ähnliche Arbeit in einem Pensum bis 80 % günstig (Urk. 7/55 Ziff. 2.1). Die Prognose sei unklar (Ziff. 3.3).
4.
11
In ihrem Bericht vom 5. Juli 2019 diagnostizierte Dr.
B._
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.11; Urk. 7/64 Ziff. 1.2) und hielt fest, der psychische Zustand des Beschwerdeführers habe sich in der letzten Zeit leicht gebessert. Die psychotische Symptomatik sei in den Hintergrund getreten, weiterhin komme es bei Stresssituationen zu einer Ver
schlechterung mit Auslösung eines psychotischen Zustandes. Der Beschwer
de
führer laufe dann im Wald umher, habe massive Angstzustände und fühle sich unsicher und ängstlich. Aktuell bestehe ein mittelgradiger depressiver Zustand
mit Antriebslosigkeit, Gedankenkreisen, Unsicherheit und Zukunftsängsten (Ziff.
1.3). In einer angepassten Tätigkeit wie beispielsweise Fabrikmitarbeiter, in der Produktion, der Gastronomie, dem Service oder Verkauf könne der Beschwer
deführer aus psychiatrischer Sicht bis zu 80 % arbeitsfähig sein (Ziff. 2.1). Es bestehe eine Verminderung der Leistungsfähigkeit um 20 % (Ziff. 2.2).
Der Zu
stand sei besserungsfähig (Ziff. 3.3), es bestünden jedoch negative Faktoren wie
Probleme mit der Aufenthaltsbewilligung und dem Scheidungsverfahren (Ziff. 4.4
).
4.
12
Am 26. August 2019 ging Dr.
B._
von einem schwer depressiven Zustand mit psychotischen Symptomen aus (Urk. 7/71 Ziff. 1.2) und führte aus, der Zustand sei stab
i
lisiert, die psychotische Symptomatik stehe im Hintergrund, die psycho
tische Symptomatik habe sich leicht gebessert.
Weiterhin bestehe die Tendenz einer Überforderung bei Stresssituationen (Ziff. 1.3). Eine angepasste Tätigkeit mit wenig Stress und wenig Arbeitsdruck (Mitarbeiter im Detailhandel, Lagermit
arbeiter, Logistik oder Küche) sei dem Beschwerdeführer in der freien Wirtschaft in einem Pensum bis 80 % zumutbar. Die Leistungsfähigkeit sei um 20 % redu
ziert (Ziff. 2.1). Seit Juni 2017 finde einmal monatlich eine Behandlung statt (Ziff. 3.1). Der Zustand sei besserungsfähig (Ziff. 3.3). Der Status nach der Schei
dung, traumatisierende Erlebnisse sowie Probleme mit der Aufenthaltsbewilli
gung würden das Heilungsprozedere negativ beeinflussen (Ziff. 4.4).
4.
13
Gemäss diversen ärztlichen Zeugnissen attestierte Dr.
B._
dem Beschwer
de
führer vom 1. Juni bis 30. November 2019 eine Arbeitsunfähigkeit von 80 % sowie eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 1. Dezember 2019 bis 31. Mai 2020 (vgl. Urk. 7/90-91, Urk. 3/C-D).
4.
14
In ihrem Bericht vom 5. September 2019 (Urk. 7/72) führte Dr.
D._
bei unveränderten Diagnosen (Ziff. 2.5) aus, derzeit bestehe eine gering sympto
matische
Scaphoid
p
seudoarthrose
mit beginnenden
Arthrosezeichen
. Für Arbei
ten mit leichter Belastung oder auch ohne Belastung der Hand seien keine Einschränkungen vorhanden. Im Falle von unkontrollierten Belastungen könne die Arthrose zunehmen und die
Scaphoid
p
seudoarthrose
zunehmend symptoma
tisch werden (Ziff. 2.7). Arbeiten in beratender Funktion, leichte Tätigkeiten oder auch Arbeiten ohne Belastungen der linken Hand seien möglich. Unkontrollierte Belastungen, Schläge und Krafteinwirkungen seien nicht zu empfehlen (Ziff. 2.8). Die alte Tätigkeit im Lager bei
I._
mit unkontrollierten Belastungen sei nicht mehr zumutbar (Ziff. 4.1).
4.
15
Dr. med.
J._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie des Bewegungsapparates, RAD, hielt am 23. Oktober 2019 fest, aus
versiche
rungs
medizinischer Sicht seien dem Beschwerdeführer körperlich leichte (ange
passte) Tätigkeiten mit Wechselbelastung
,
ohne erhöhte Anforderungen an die Kraft und Haltefunktion der Hände, daher auch ohne Besteigen von Leitern und Gerüsten, ohne Heben und Tragen von Lasten und ohne Arbeiten mit ungünstigen Hebelwirkungen am Handgelenk (Stielwerkzeuge, Arbeiten mit ausgestreckten Armen), ohne repetitive Beanspruc
hung der Hände und ohne erhöhte
Anforde
rungen an das feinmotorische Geschick
der Hände weiterhin zu 100 % zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht sei eine Tätigkeit mit wenig Stress und wenig Arbeits
druck zumutbar. In der bisherigen Tätigkeit als Verkäufer
bei I._
sei der Beschwerdeführer seit dem 18. November 2016 vollständig arbeitsunfähig. Eine
angepasste Tätigkeit könne ihm
jedoch
seit dem 1. Juli 2019 in einem Pensum von
80 % zugemutet werden. Eine wesentliche Änderung des Gesundheitszu
stan
des sei nicht mehr zu erwarten. Aus ophthalmologischer Sicht bestehe keine Arbeits
unfähigkeit. Die neurologische Untersuchung habe die geklagten Beschwer
den nicht verifizieren können und die kardiologische Abklärung sei unauffällig aus
gefallen (Urk. 7/76 S. 6).
4.16
Dr.
D._
beschrieb am 6. November 2019 bei bekannten Diagnosen einen wechselhaften, im gesamten Rahmen aber stabilen Verlauf. Aktuell werde keine Ergotherapie mehr gewünscht (Urk. 7/96/11-13 S. 2).
5.
5.1
Aufgrund der vorliegenden Akten erweist sich der medizinische Sachverhalt aus ophthalmologischer
,
handchirurgischer
wie auch kardiologischer Sicht
als genü
gend abgeklärt und erstellt.
Die Ärztin des
C._
hatte bereits im Dezember 2017 festgehalten, die bezüglich der Augen genannten Diagnosen hätten keine Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit (E. 4.3).
Ebenso führte Dr.
H._
aus, es handle sich bei den Beschwer
den h
öchstwahrscheinlich um eine Augenmigräne (E. 4.9).
Was sodann die Beschwerden der linken Hand betrifft, so hielt Dr.
D._
in ihrem Bericht vom 5. September 2019
Arbeiten mit leichter Belastung der
Hände
für uneingeschränkt zumutbar.
Tätigkeiten mit u
nkontrollierte
n
Schläge
n
, Belastungen oder Krafteinwirkungen
und damit auch die bisherige Tätigkeit als Lagerist
seien aus handchirurgischer Sicht jedoch nicht mehr zu empfehlen
(E. 4.14). Im November 2019 beschrieb sie sodann einen zwar wechselhaften, im gesamten Rahmen aber stabilen Verlauf. Der Beschwerdeführer wünschte dem
entsprechend auch keine weitere Ergotherapie mehr (E. 4.16).
Aus kardiologischer Sicht bestanden im November 2018 keinerlei Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Kardiopathie oder
für die Notwendigkeit
weiterführende
r
kardiologische
r
Abklärungen (E. 4.8).
Insgesamt erweist sich damit die Beurteilung durch den RAD-Arzt Dr.
J._
, welcher aus somatischer Sicht von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit
ausging
für körperlich leichte Tätigkeiten mit Wechselbelastung, ohne erhöhte Anforde
rungen an die Kraft und Haltefunktion der Hände, daher auch ohne Besteigen von
Leitern und Gerüsten, ohne Heben und Tragen von Lasten und ohne Arbeiten mit ungünstigen Hebelwirkungen am Handgelenk, ohne repetitive Beanspru
chung der Hände und ohne erhöhte Anforderungen an das fei
nmotorische Geschick der Hände
(E. 4.15), als zutreffend. Der Beschwerdeführer machte denn auch nichts Anderes geltend (vgl. E. 3.2).
5.2
Was sodann den psychischen Gesundheitszustand betrifft, liegen ausschliesslich Berichte der behandelnden Psychiaterin Dr.
B._
bei den Akten. Ihre zwischen Oktober 2017 und August 2019 verfassten Beurteilungen erweisen sich
teilweise als
widersprüchlich. So beschrieb sie zunächst
im Oktober 2017
einen depressiven Zustand kombiniert mit psychotischen Komponenten
und ging von einer voll
ständigen Arbeitsunfähigkeit aus (E. 4.2).
Im März 2018 diagnostizierte sie einen schwer depressiven Zustand mit psychotischen Symptomen, wobei die Behand
lung alle drei Wochen
stattfand
und sie nach Stabilisierung und Abklärung der
Herzproblematik eine berufliche Integration im Rahmen einer Anlehre als Logis
tiker oder Lagerist empfahl (E. 4.4). Nach einer leichten Besserung des Gesund
heitszustandes ging Dr.
B._
im Juli 2019 noch von einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, aus und hielt eine ange
passte Tätigkeit als bis zu einem Pensum von 80 % als zumutbar (E. 4.11). Trotz einer beschriebenen leichten Besserung der psychotischen Symptomatik diagnos
tizierte sie im August 2019 wieder einen schwer depressiven Zustand mit psy
chotischen Symptomen, hielt jedoch weiterhin eine Arbeitstätigkeit im Umfang
von 80 % als möglich. Behandlungen fanden damals einmal monatlich statt (E. 4.
12). Demgegenüber attestierte sie in diversen
unbegründeten
ärztlichen Zeug
nissen für die Zeit vom 1. Juni bis 31. November 2019 eine 80%ige Arbeits
unfähigkeit sowie eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 1. Dezember 2019 bis 31. Mai 2020 (E. 4.13).
Die Ausführungen von Dr.
B._
erweisen sich
damit
in verschiedener Hinsicht als widersprüchlich.
Bezüglich der Diagnose liegt ein mittelgradig bis schwer depressiver Zustand mit psychotischen Symptomen vor, wobei Dr.
B._
im Sommer 2019
die Diagnose
ohne weitere Begründung
von einer mittelgradigen depressiven Episode (E. 4.11) zu einem schwer depressiven Zustand mit psycho
tischen Symptomen
wechselte
, obschon sie ausdrücklich eine Besserung der psychotischen Symptomatik beschrieben hatte (E. 4.12.).
Bezüglich der Behandlung der diagnostizierten schweren beziehungsweise mittel
gradigen depressiven Episode ergibt sich sodann, dass diese im Oktober 2017 zu
nächst in zweiwöchentlichen psychotherapeutischen Sitzungen inklusive medi
ka
mentöser Behandlung bestanden hatte
(E. 4.2)
.
Im März 2018 fanden die Sitzungen lediglich noch alle drei Wochen statt, obschon damals ein sch
w
er depressiver Zustand diagnostiziert worden war (E. 4.4). Im Sommer 2019 war die Häufigkeit der Behandlungen weiter auf einmal monatlich reduziert worden (E. 4.12). Eine stationäre Behandlung, welche sich bei einer derart lang andauern
den und mindestens teilweise als schwer diagnostizierten depressiven Erkrankung mit psychotischen Symptomen aufdrängen würde, wurde bislang nicht durch
geführt.
Die Schwere der gestellten Diagnose ist auch im Lichte der Tatsache nicht
nachvollziehbar
, dass
die Therapiesitzungen lediglich noch einmal monatlich stattfinden und nicht auch noch andere Therapieansätze verfolgt werden.
An dieser Stelle ist jedoch darauf hinzuweisen, dass es invalidenversiche
rungs
rechtlich nicht auf die Diagnose, sondern einzig auf die Auswirkungen der Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit ankommt (BGE 136 V 279 E. 3.2.1).
Im Einklang mit
der abnehmenden therapeutischen Betreuung
steht denn vor
liegend auch
die Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht
durch Dr.
B._
in ihre
n
Bericht
en vom 5. Juli 2019 (E. 4.11) und
vom 26.
August 2019 (E. 4.12):
Darin
schätzt sie die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers klar als bis zu 80 % in der freien Wirtschaft ein und sie attestiert
ihm
korrespondierend dazu eine Arbeitsunfähigkeit von 20 %. Dies ist plausibel, da sie als funktionelle Einschränkung
en
nur noch eine Tendenz zur Überforderung
und stressbedingten Verschlechterungen
beschreibt. Auch äussert sie, dass psychosoziale Belastungs
faktoren
wie Scheidung und Probleme mit der Aufenthaltsbewilligung den Heilungsprozess negativ beeinflussen
würden
.
Damit ist eine Verbesserung des
Gesund
heitszustands des Beschwerdeführers ab 1. Juli 2019, dem Datum der dem Bericht vom 5. Juli 2019 vorange
gangenen
ärztlichen
Kontrolle (Urk. 7/64 Ziff.
3.1)
, mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit ausgewiesen
.
Den
diesen Angaben widersprechenden unbegründeten ärzt
lichen Zeugnissen
von Dr.
B._
(E. 4.13) kann kein Beweiswert beigemessen werden.
Die Beschwerdegegnerin hat bei der Bemessung des Invaliditätsgrades ab 1.
Oktober
2019 – drei Monate ab Verbesserung – auf die Angaben der behan
delnden Psychiaterin abgestellt.
Unter Berücksichtigung der
Erfahrungstatsache, dass Hausärzte und behandelnde Fachärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifelsfall mitunter eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl.
BGE 135 V 465
E. 4.5 S. 470;
125 V 341
E. 3a/cc S. 353; Urteil 8C_420/2018 vom 13. März 2019 E. 6.5 mit Hinweisen)
, ist dies nicht zu bean
standen
.
Es liegen keine begründeten ärztliche
n
Bescheinigungen für eine höhere Arbeits
un
fähigkeit ab 1. Juli 2019 vor
und
es besteht
damit auch keine Veran
lassung zu weiteren
medizinischen
Abklärungen
. Da die psychosozialen Belas
tungsfaktoren ab Sommer 2019 im Vordergrund
stehen
und das Beschwerdebild aufrecht
erhalten
, ist fraglich, ob die geltend gemachte Einschränkung von 20 % überhaupt
zu berücksichtigen sei
. Diese Frage muss jedoch nicht
abschliessend
beantwortet werden, da bei Berechnung des Invaliditätsgrades
ab 1.
Oktober
2019
auf Basis einer Arbeitsfähigkeit von 80 % in
ei
nem
den somatischen Ein
schrän
kungen angepassten Anforderungsprofil (E. 5.1)
ein rentenbegründender Invalidi
täts
gr
ad in weiter Ferner ist (E. 5.3.2)
.
5.3
5.3.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE
130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
5.3.2
Mit der Beschwerdegegnerin darf gestützt auf die vorhandenen medizinischen Unterlagen von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 %
in jeglicher Tätigkeit
vom
18.
November
2016 bis 30.
Juni
2019 ausgegangen werden. Die seitens der Be
schwerdegegnerin gesprochene befristete Rente vo
m
1. April 2018 (sechs Monate nach Eingang der Anmeldung
, Art. 29 Abs. 1 ATSG
) bis 30. September 2019 (drei Monate nach Verbesserung
, Art. 88a Abs. 1 IVV, E. 2.6
)
ist demnach rechtens.
Da eine Verbesserung des Gesundheitszustands ab 1. Juli 2019 ausgewiesen ist, ist der Invaliditätsgrad ab
1. Oktober 2019 – drei Monate ab Verbesserung
(Art. 88a Abs. 1 IVV, E. 2.6)
– neu zu berechnen.
Vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung war der Beschwerdeführer bei
I._
in einem 100%-Pensum
tätig und erzielte im Jahr 2015 mi
t
dieser Tätigkeit ein
Einkommen von Fr. 52'804.
--
(Urk. 7/6 S. 6, U
rk. 7/40). Dieses Einkommen
ent
s
pricht unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung im Jahr 2019 Fr.
54'124
.--
(Basis 2015 = 100, 2019 = 102.5) und ist als
Valideneinkommen
heranzuziehen. Das
Invalideneinkommen errechnete die Beschwerdegegnerin korrekterweise gestützt auf den Tabellenlohn gemäss der
Lohnstrukturerhebung
des Bundesamtes für Statistik
(LSE)
, Ausgabe
2018.
Sie zog den Tabellenlohn TA1 für eine Tätigkeit im Dienstleistungsbereich im Niveau 1 bei und berechnete unter Berücksichtigung der üblichen Wochenarbeitsstunden und der Nominallohnent
wicklung bei einem zumutbaren Pensum von 80 % ein Invalideneinkommen von
rund
Fr. 49'958.
--
(Urk. 7/75). Die Gegenüberstellung des
Va
lideneinkommens
von Fr. 54'124.--
mit dem Invalideneinkommen von Fr.
49'958.--
ergibt eine Einkom
menseinb
usse von Fr. 4'166.--
, was eine
n
Invaliditätsgrad
ab 1.
Oktober
2019
von rund 8 %
ergibt. Ein Rentenanspruch besteht entsprechend
ab 1.
Okto
ber 2019
nicht mehr.
5.4
Zusammenfassend ergibt sich, dass
die Verfügung vom 23. März 2020 rechtens und die Beschwerde entsprechend
, soweit darauf einzutreten ist,
abzuweisen ist.
6.
6.1
Mit Verfügung vom 27.
August
2020 wurde das Gesuch um unentgeltliche Rechts
pflege abgewiesen, nachdem der Beschwerdeführer die Unterlagen zur Substantiierung seines Gesuchs nicht fristgerecht eingereicht hatte (Sachverhalt E. 2). Mit Eingabe vom 18. September 2020 wurden entsprechende Unterlagen nachgereicht (Urk. 10, Urk. 11/1-
3
). Diese Eingabe wird als neues Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege entgegengenommen. Bezüglich der unentgeltlichen Prozessführung wird die Verfügung vom 27. August 2020 in Wiedererwägung gezogen und die unentgeltliche Prozessführung ab Prozessbeginn gewährt. Was die unentgeltliche Rechtsvertretung betrifft, so wird dem Beschwerdeführer ab 18. September 2020, dem Datum des neuen Gesuchs, in der Person von
avvocato
Enzio
Bertola
ein unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt.
6.2
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
700
.
--
anzusetzen
.
Diese Kosten sind
ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen
, jedoch, zufolge
der
zu gewährenden unent
geltlichen Prozessführung, einstweilen auf die Gerichtskasse
zu nehmen
.
6.3
Angesichts des ab 18. September 2020 angefallenen Aufwands für die Zusam
menstellung der Unterlagen
betreffend die unentgeltliche Rechtspflege
(Urk. 10, Urk. 11/1-3)
und mit Blick auf das anstehende Studium des vorliegenden End
entscheids ist
avvocato
Enzio
Bertola
in
Anwendung des gerichtsüblichen Stun
denansatzes von Fr. 220--
mit Fr.
Fr.
500
.-- (inklusive Barauslagen
und Mehr
wertsteuer)
aus der Gerichtskasse zu entschädigen
.