Decision ID: d6054ba3-048f-56e1-a94c-24b8e9e16460
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am (...) Dezember 2015 in der Schweiz um
Asyl nach. Am (...) 2016 fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Am
(...) 2017 wurde er vertieft zu seinen Asylgründen angehört.
Dabei machte er geltend, er sei pakistanischer Staatsangehöriger
paschtunischer Ethnie und in B._ (Provinz C._) geboren. Er
entstamme einer Nomadenfamilie, welche im Grenzgebiet zwischen Af-
ghanistan und Pakistan umhergezogen sei. Sein Vater habe damals seine
Herde verkauft, sei in Pakistan geblieben und habe eine Flüchtlingskarte
erhalten, worauf gestanden sei, dass er Afghane sei. Er (Beschwerdefüh-
rer) habe zu Hause eine pakistanische Identitätskarte, welche nirgends an-
erkannt werde. Er habe nach der (...) Klasse studieren wollen, worauf es
aber geheissen habe, dass seine Dokumente nicht echt, sondern gekauft
seien, und dass er Nomade und eigentlich Afghane sei. Er sei "non-local".
Die Regierung Pakistans akzeptiere ihn nicht als Pakistaner, er sei ir-
gendwo dazwischen. Bewerbungen seien mit der Begründung abgelehnt
worden, dass seine Dokumente zweiter Klasse seien. Er habe keinen "lo-
cal" auf der Karte gehabt, daher sei diese nicht akzeptiert worden. Seine
Karte sei eine "Nummer-2-Karte". An Checkpoints sei nicht bemerkt wor-
den, dass er eine solche habe. Er habe Pakistan wegen der allgemeinen
Lage verlassen. Seine Region sei das Hauptzentrum der Taliban gewor-
den. Diese würden die Region regieren, Leute festnehmen und zur Zusam-
menarbeit zwingen. Sie würden fragen: "Wollt ihr mit uns arbeiten oder lie-
ber sterben?" Zwei Freunde von ihm seien so getötet worden. Die Taliban
seien nie zu seiner Familie gekommen. Er sei nie persönlich von ihnen
bedroht worden und auch nie einem Taliban direkt von Angesicht zu Ange-
sicht gegenübergestanden. Er habe sie von weitem gesehen, sie würden
in den Gassen umherlaufen und mit Motorrädern umherfahren. Etwa zwei
bis zweieinhalb Monate vor der BzP sei er in (...) D._ ausgereist.
Von dort sei er über weitere Länder in die Schweiz gereist, deren Grenze
er am (...) Dezember 2015 illegal überquert habe.
Der Beschwerdeführer reichte keine Identitätspapiere zu den Akten. In sei-
ner Familie gäbe es niemanden, der Bildung habe und ihm seine Identi-
tätskarte schicken könne. Seine Mutter und seine Schwester wohnten in
der Stadt B._ in einer Mietwohnung und verdienten ihren Lebens-
unterhalt mit (...). Sie wohnten zusammen mit seinen beiden (...) bezie-
hungsweise (...) behinderten Brüdern E._ und F._ sowie
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dem Bruder G._. Dieser erledige (...). Sein Bruder H._ sei
ebenfalls aus Pakistan ausgereist und sein Vater sei im Jahr (...) verstor-
ben.
B.
Mit Verfügung vom 24. April 2019 – eröffnet am 29. April 2019 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz
sowie den Wegweisungsvollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 24. Mai 2019 erhob der Beschwerdeführer gegen diesen
Entscheid durch seinen Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesverwal-
tungsgericht. Er beantragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung,
die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl,
eventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme, subeventualiter die
Rückweisung der Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung
und zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung, um Beiordnung von Rechtsanwalt MLaw Roman
Schuler als unentgeltlichen Rechtsbeistand sowie um Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses.
Der Beschwerde waren ein Arbeitsvertrag, ein Arbeitszeugnis und eine
Praktikumsbestätigung der (...) sowie ein Schreiben der Gemeinde
I._ beigelegt.
D.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 29. Mai 2019 den Eingang
der Beschwerde.
E.
Mit Verfügung vom 7. Juni 2019 teilte die damals zuständige Instruktions-
richterin dem Beschwerdeführer mit, dass er den Abschluss des Verfah-
rens in der Schweiz abwarten könne, und hiess das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung gut, setzte antragsgemäss den
rubrizierten Rechtvertreter als unentgeltlichen Rechtsbeistand ein und ver-
zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
F.
Am 13. August 2020 wurde eine Honorarnote zu den Akten gereicht.
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G.
Mit Verfügung vom 23. Oktober 2020 wurde das SEM zur Einreichung ei-
ner Vernehmlassung eingeladen.
H.
Am 9. November 2020 stellte die Instruktionsrichterin dem Beschwerdefüh-
rer die Vernehmlassung vom 5. November 2020 zu und räumte ihm Gele-
genheit zur Replik bis zum 24. November 2020 ein.
I.
Am 23. November 2020 ersuchte der Rechtsvertreter um Erstreckung der
Frist und reichte gleichzeitig eine zeitlich befristete Substitutionsvollmacht
für seine Ferienvertreterin zu den Akten.
J.
Nach gewährter Fristerstreckung nahm der Beschwerdeführer in seiner
Replik vom 26. November 2020 Stellung zur Vernehmlassung des SEM.
Gleichzeitig reichte er eine ergänzte Honorarnote zu den Akten.
K.
Aus organisatorischen Gründen innerhalb der Abteilung IV wurde das Ver-
fahren am 1. Februar 2021 auf Richterin Nina Spälti Giannakitsas übertra-
gen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG
(SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bis-
herige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
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1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht ein-
gereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG)
ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E.5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie-
hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss
entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; vielmehr müssen
konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch
und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5).
3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
4.
4.1 Das SEM kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vor-
bringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand.
Ihren abweisenden Entscheid begründete die Vorinstanz vorab damit, dass
– gestützt auf die diesbezüglichen Aussagen des Beschwerdeführers und
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angesichts der Tatsache, dass dieser in nicht nachvollziehbarer Weise bis-
lang keine gültigen Identitätspapiere eingereicht habe – keine Veranlas-
sung bestehe, dessen zuerst gemachten Angaben bezüglich der pakista-
nischen Staatsangehörigkeit im Zentralen Migrationsinformationssystem
(ZEMIS) zu ändern.
Der Beschwerdeführer habe erklärt, dass die Taliban seine Region regie-
ren und Leute rekrutieren würden, weshalb er befürchtet habe, selbst eines
Tages von ihnen rekrutiert oder getötet zu werden. Fragen nach direkten
Bedrohungen durch oder Begegnungen mit den Taliban sei er in den Be-
fragungen des SEM zuerst stets ausgewichen, um schliesslich zu Protokoll
zu geben, dass die Taliban nie zu seiner Familie gekommen seien, er sel-
ber nie von ihnen bedroht worden und nie einem Taliban direkt von Ange-
sicht zu Angesicht gegenübergestanden sei. Diese liefen oder führen in
den Gassen umher. Somit könne nicht von einer gezielt gegen den Be-
schwerdeführer gerichteten Verfolgung ausgegangen werden oder eine
begründete Furcht davor angenommen werden, dass sich eine Rekrutie-
rung oder andere Bedrohungen durch die Taliban in naher Zukunft verwirk-
lichen würden. Deshalb könne ausser Acht gelassen werden, inwiefern der
pakistanische Staat willens und in der Lage sei, die Bevölkerung vor Über-
griffen Dritter, vorliegend der Taliban, zu schützen.
4.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Rechtsmitteleingabe im We-
sentlichen, die Vorinstanz habe es unterlassen, seine unklare Staatsange-
hörigkeit zu berücksichtigen und in die Beurteilung seines Asylgesuches
miteinzubeziehen. Er sei aus Angst vor Entführung, Tötung und Zwangs-
rekrutierung aus seiner Heimat geflohen. Nachdem zwei Personen aus sei-
nem engen Umfeld den Taliban zum Opfer gefallen seien und er sich aus
Angst um sein Leben häufig nicht getraut habe, die Wohnung zu verlassen,
habe er sich zur Flucht gezwungen gesehen. Die ständige Todesangst sei
für ihn unaushaltbar gewesen. Spätestens nach dem gewaltsamen Tod sei-
ner zwei Freunde auf (...), wo auch er sich regelmässig aufgehalten habe,
seien genügend Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorgelegen.
4.3 Das SEM führte in seiner Vernehmlassung aus, die Beschwerdeschrift
enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, welche
eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten. Es äusserte
sich darin nicht zu den Asylvorbringen. Seine Ausführungen beziehen sich
einzig auf die Identitätsausweise und die Staatsangehörigkeit des Be-
schwerdeführers (vgl. E. 5.2.2).
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4.4 In der Replik hielt der Beschwerdeführer hinsichtlich der Fluchtgründe
an seinen Ausführungen in Beschwerdeschrift fest und verwies auf den
Country of Origin Information Report "Pakistan – Situation of Afghan Refu-
gees, May 2020" des European Asylum Support Office (EASO), welcher
bestätige, dass nach wie vor Zwangsrekrutierungen durch die Taliban in
den von afghanischen Migranten besiedelten Gebieten stattfänden (vgl.
a.a.O., S. 15).
5.
5.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche die vor-
instanzliche Verfügung als Ganzes betreffen und deswegen vorab zu be-
urteilen sind, da sie allenfalls geeignet sind, eine Kassation der vorinstanz-
lichen Verfügung zu bewirken.
5.2
5.2.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Untersuchungs-
grundsatzes. Die Vorinstanz hätte vertiefte Abklärungen zu den Lebensver-
hältnissen der Kutschi und zu seiner Staatsangehörigkeit durchführen
müssen. Er habe bereits in der BzP angegeben, dass er nebst der Identi-
tätskarte über keinerlei Identitätsdokumente verfüge, insbesondere nicht
solche, die seine pakistanische Staatsangehörigkeit nachweisen würden.
Er habe ferner plausibel erklärt, weshalb er von seinen in B._ ver-
bliebenen Familienmitgliedern keine Dokumente zugestellt bekommen
habe. Die noch vorhandenen Dokumente würden an der Feststellung der
Vorinstanz auch nichts ändern.
5.2.2 Das SEM führte dazu in seiner Vernehmlassung aus, die Beschwer-
deschrift enthalte keine stichhaltigen Hinweise darauf, dass der Beschwer-
deführer afghanischer anstatt pakistanischer Staatsangehöriger sein
könne. So fehle in der Beschwerdeschrift einerseits eine Begründung da-
für, weshalb er bei der BzP ohne Vorbehalt angegeben habe, pakistani-
scher Staatsbürger zu sein. Er habe damals ebenfalls angegeben, seit Ge-
burt pakistanischer Staatsangehöriger zu sein, und es auch unterlassen,
eine allfällig vorhandene zweite Staatsangehörigkeit anzugeben. Zudem
habe er angegeben, eine pakistanische Identitätskarte zu besitzen, welche
bei der Mutter zu Hause in B._ sei. Auch dies sei eine Gelegenheit
gewesen, zu erwähnen, dass es sich dabei um eine spezielle Identitäts-
karte für Migranten handle. Sodann werde in der Beschwerdeschrift nicht
plausibel erklärt, weshalb er diese Identitätskarte bislang nicht eingereicht
habe. Er habe in den Befragungen des SEM angegeben, die (...) Klasse
abgeschlossen zu haben, und lediglich der Umstand, dass der Staat ihn
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als Migrant bezeichnet habe, habe ihn daran gehindert, weiter zu studie-
ren. Dies lasse nicht gerade auf eine Herkunft des Beschwerdeführers aus
einer bildungsfernen, verarmten Familie schliessen. So dürfe erwartet wer-
den, dass zumindest sein Bruder G._, der offensichtlich (...) erle-
dige, nach telefonischer Instruktion durch den Beschwerdeführer dazu in
der Lage wäre, die offensichtlich vorhandene Identitätskarte hierher zu
senden. Da es der Beschwerdeführer also bis heute unterlassen habe,
seine widersprüchlichen und unklaren Angaben zu seiner Staatsangehö-
rigkeit plausibel zu erklären, geschweige denn seine in der Anhörung ge-
tätigten Aussagen dazu mittels Einreichung von Dokumenten zu belegen,
gebe es für das SEM zurzeit keinen Anlass, seine Staatsangehörigkeit im
ZEMIS zu ändern oder den Asylentscheid vom 24. April 2019 in irgendeiner
Weise abzuändern oder aufzuheben.
5.2.3 Dazu wurde in der Replik eingewandt, zwar sei bei der BzP protokol-
liert worden, dass der Beschwerdeführer pakistanischer Staatsangehöriger
sei, aber aus dem Protokoll könne nicht nachvollzogen werden, inwiefern
er ausgeführt habe, wie es um seine Staatsangehörigkeit stehe bezie-
hungsweise ob er Vorbehalte geäussert habe. Bei der Art und Weise, wie
die BzP protokolliert werde, sei es nicht üblich, dass bei der Erfassung der
Personalien weitere Ausführungen der befragten Person aufgeführt wür-
den. Sodann sei die Staatsangehörigkeit seiner Eltern bei der BzP nicht
erfasst worden. Wie er bei der Anhörung ausgeführt habe, fühle er sich
zwar am ehesten als Pakistaner, weil er dort aufgewachsen sei, werde aber
aufgrund seiner afghanischen Eltern nie die pakistanische Staatsangehö-
rigkeit erlangen. Die Angabe, dass seine Eltern afghanische Staatsange-
hörige seien, werde von der Vorinstanz denn auch nicht in Frage gestellt.
Als Sohn afghanischer Eltern bleibe ihm der Erwerb der pakistanischen
Staatsangehörigkeit verwehrt beziehungsweise sei ihm diese verwehrt ge-
blieben. Die pakistanische Identitätskarte, die sogenannte Shanakhti-
Karte, die er erwähnt habe und hätte beschaffen sollen, sei eine Karte, die
afghanischen Flüchtlingen in den 1980er-Jahren ausgestellt worden sei.
Sie werde von den pakistanischen Behörden jedoch nicht als Ausweispa-
pier anerkannt, was im erwähnten EASO-Bericht bestätigt werde (vgl.
a.a.O., S. 8). Im Falle des Beschwerdeführers sei wohl noch Jahre später
eine solche Karte ausgestellt worden. Er könne keine weiteren Abklärun-
gen hinsichtlich seiner Dokumente unternehmen. So habe er seit nun bald
einem Jahr jeglichen Kontakt zu seiner Familie verloren. Die Telefonnum-
mer, die er für sie gehabt habe, habe von einem Tag auf den anderen nicht
mehr funktioniert. Wie die Vorinstanz zur Annahme gelange, dass er nicht
aus einer „bildungsfernen, verarmten" Familie stamme, sei schleierhaft.
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Überdies habe er durchaus plausibel darlegen können, weshalb es ihm
nicht möglich ist, die Shanakhti-Karte zu beschaffen. Alles in allem müssten
die glaubhaften Angaben des Beschwerdeführers zur Staatsangehörigkeit
seiner Eltern, zu seiner Angehörigkeit zur Volksgruppe der Kutschi, zur Si-
tuation der afghanischen Bevölkerung und insbesondere der Kutschi in Pa-
kistan und zu seinen eigenen Erfahrungen als Migrant in einem Land, das
ihm keine Staatsangehörigkeit gewähren wolle, ausreichen, um seine Iden-
tität zu belegen.
5.3 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-
listeten Beweismittel. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersu-
chungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG).
Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
5.4 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung dargelegt, weshalb
keine Veranlassung besteht, die vom Beschwerdeführer zuerst gemachten
Angaben bezüglich seiner pakistanischen Staatsangehörigkeit im ZEMIS
zu ändern. Diesbezüglich kann keine Rede von einer unrichtigen oder un-
vollständigen Abklärung des Sachverhalts sein. Hinsichtlich der Herkunft
und der Staatsangehörigkeit gilt im Asylverfahren der Beweismassstab des
Glaubhaftmachens gemäss Art. 7 AsylG (vgl. E. 3.2). Der Beschwerdefüh-
rer machte von Anfang an geltend, er sei ein in Pakistan geborener pakis-
tanischer Staatsangehöriger (vgl. act. A6/11 Ziff. 1.01–1.11). Anlässlich sei-
ner Anhörung brachte er vor, seine Eltern seien Kutschi beziehungsweise
paschtunische Nomaden. Sein Vater habe sich abwechslungsweise in Af-
ghanistan oder Pakistan aufgehalten, sei krank geworden, schliesslich in
Pakistan geblieben und dort sesshaft geworden. Als sein Vater in diesem
Land angekommen sei, habe ihm die pakistanische Regierung eine Flücht-
lingskarte gegeben, in welcher gestanden sei, dass er Afghane sei. Der
Beschwerdeführer sei nie mit der Familie umhergereist (vgl. act. A19/19
F8, F16, F19–22, F49, F52). Trotzdem hielt er an seiner pakistanischen
Nationalität fest (vgl. a.a.O., F54–55). Bei der BzP wurde er vom SEM auch
auf seine Pflicht, seine Identität durch Abgabe von Reisepapieren oder
Identitätsausweisen nachzuweisen, hingewiesen und aufgefordert, seine
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pakistanische Identitätskarte, die sich bei seiner Mutter zu Hause in
B._ befinde, nachzureichen, wobei er sich kooperativ zeigte (vgl.
A6/11 Ziff. 4.03 und 4.07). Dasselbe wurde bei der Anhörung sinngemäss
wiederholt (vgl. act. A19/19 F12 ff.). Entgegen seinen Zusagen reichte er
in der Folge keinerlei Identitätspapiere zu den Akten. Das SEM hielt dies-
bezüglich in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest, dass er in nicht
nachvollziehbarer Weise bislang keine gültigen Identitätspapiere einge-
reicht habe. Die Ausführungen in der Beschwerde und der Replik sind nicht
geeignet, daran etwas zu ändern. Unter diesen Umständen erweist sich
der Vorwurf, das SEM habe den Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abge-
klärt, als unbegründet. Vielmehr ist der Beschwerdeführer seiner Mitwir-
kungspflicht in ungenügender Weise nachgekommen. Sodann wurde von
der Vorinstanz weder die Geburt des Beschwerdeführers in Pakistan noch
dessen Herkunft aus diesem Staat, den er vor seiner Ausreise nach Europa
nie verlassen habe (vgl. a.a.O., Ziff. 2.04), in Abrede gestellt. Nach dem
Gesagten ist es ihm auch nicht gelungen, eine andere als die von ihm gel-
tend gemachte pakistanische Staatsangehörigkeit glaubhaft zu machen.
Schliesslich hat das SEM die Verfolgungsvorbringen vor dem Hintergrund
der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Herkunft geprüft, weshalb
vorliegend dessen tatsächliche Staatsangehörigkeit zu keiner anderen Be-
urteilung des Asylgesuchs zu führen vermöchte.
5.5 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-
begründet. Es besteht daher keine Veranlassung, die Sache aus formellen
Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbe-
zügliche Subeventualbegehren ist daher abzuweisen.
6.
Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu
Recht abgewiesen hat. Die Entgegnungen in den Eingaben auf Beschwer-
deebene und die darin angerufenen Beweismittel vermögen zu keiner an-
deren Betrachtungsweise zu führen. Zur Vermeidung von Wiederholungen
kann vorab auf die entsprechenden Erwägungen im angefochtenen Asyl-
entscheid verwiesen werden.
6.1 Vorab ist festzuhalten, dass das SEM die Herkunft des Beschwerde-
führers aus einer sesshaft gewordenen paschtunischen Nomadenfamilie in
der Provinz C._ nicht in Frage stellte (vgl. E. 5.4). Die Vorinstanz
verneinte indessen, dass er dort gezielt gegen seine Person gerichteten
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Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen sei beziehungsweise be-
gründete Furch vor solchen gehabt habe.
Soweit der Beschwerdeführer einwendet, dass in Pakistan nach wie vor
Zwangsrekrutierungen durch die Taliban in den von afghanischen Migran-
ten besiedelten Gebieten stattfänden, wird im erwähnten EASO-Bericht na-
mentlich ausgeführt, am 17. Februar 2020 habe der zweite Vizepräsident
von Afghanistan, Sarwar Danish, anlässlich einer Konferenz in Islamabad
betreffend afghanische Flüchtlinge behauptet, dass Pakistan den Taliban
das Rekrutieren unter der afghanischen Flüchtlingspopulation in afghani-
schen Flüchtlingsdörfern erlaube. Der pakistanische Premierminister habe
diese Anschuldigungen bezüglich "Zufluchtsorte" für Kämpfer bestritten,
aber erklärt, dass es unmöglich sei zu verhindern, dass sich Militante unter
der Flüchtlingspopulation verstecken würden (vgl. a.a.O., S. 15). Der Be-
schwerdeführer brachte demgegenüber vor, dass er in einer Mietwohnung
in B._, eine Stadt mit über (...) Einwohnern, lebe. Bereits aus die-
sem Grund ist die von ihm geäusserte Furcht vor einer Zwangsrekrutierung
stark zu relativieren. Sodann wird in der Beschwerde zu Recht nicht be-
stritten, dass er keiner gezielten Verfolgung durch die Taliban ausgesetzt
gewesen sei, gab er doch zu Protokoll, dass er persönlich von den Taliban
nicht bedroht worden sei und er sie tagsüber nur von weitem gesehen habe
(vgl. act. A19/19 F99 f.).
6.2 Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG
liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte
sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch
aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zu-
kunft verwirklichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine
konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleich-
barer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht her-
vorrufen würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer ob-
jektivierten Betrachtungsweise zu erfolgen und ist andererseits durch das
von der betroffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um Konse-
quenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen
Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine
ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 mit weiteren
Hinweisen).
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Seite 12
6.3 Aus der vom Beschwerdeführer der geschilderten Vorgehensweise der
Taliban in seiner Region und dass diese zwei Freunde von ihm getötet hät-
ten, vermag er zwar eine subjektive Furcht abzuleiten. Diese ist aber ob-
jektiv nicht begründet. So erklärte er, seine zwei Freunde J._ und
K._ seien ungefähr eineinhalb Monate vor seiner Ausreise umge-
bracht worden. Damals hätten die Taliban (...) Personen mitgenommen
und alle (...) getötet (vgl. act. A6/11 Ziff. 7.01 und 7.02), es seien sehr viele
Leute getötet oder mitgenommen worden (vgl. act. A19/19 F83), und zwar
auch schon vor diesem Vorfall (vgl. a.a.O., F108). Als er anlässlich seiner
Anhörung aufgefordert wurde zu berichten, weshalb sein Leben in Gefahr
gewesen sei, äusserste er sich wiederholt zur allgemeinen Lage (vgl. act.
A19/19 F85–87). In der Folge antwortete er auf die Frage, wie seine per-
sönliche Lage gewesen sei, als er Angst bekommen habe und ihm seine
Mutter empfohlen habe, das Land zu verlassen, dass seine Mutter gesagt
habe "Heute waren sie dran, morgen bist Du eventuell dran!" Nach dem
Monat und dem Jahr des Ereignisses gefragt, gab er eine ungenaue Ant-
wort. Als ihm der Befrager daraufhin vorhielt, dass er es merkwürdig finde,
dass er das Todesdatum der beiden Freunde nicht genauer wisse, antwor-
tete der Beschwerdeführer, dieses stehe sowohl im Internet als auch in der
Zeitung, er habe das Datum vergessen (vgl. a.a.O., F93–97). Als er dann
gefragt wurde, ob er vermute, dass sein Leben durch die Taliban in Gefahr
gewesen sei oder ob er konkrete Hinweise dafür gehabt habe, kam er wie-
der auf die allgemeine Lage zu sprechen und erklärte, als die Frage wie-
derholt wurde, es sei Zufall gewesen, dass er am Tag, als die beiden
Freunde erschossen worden seien, nicht dabei gewesen sei (vgl. a.a.O.,
F101 f.). Auf die Frage, welches Interesse die Taliban gerade an seiner
Person gehabt hätten, antwortete er, sie hätten alle jungen Männer mitge-
nommen und so Geld für sich rausholen wollen beziehungsweise sie wären
daran interessiert gewesen, dass er für sie arbeiten würde (vgl. a.a.O.,
F117 ff.). Aus diesen Aussagen des Beschwerdeführers ist zu schliessen,
dass jeder Angehörige der lokalen Bevölkerung in der Öffentlichkeit dem
Risiko ausgesetzt ist, per Zufall von Behelligungen durch die Taliban be-
troffen zu werden beziehungsweise Opfer solcher Behelligungen kennt.
Somit vermag der Beschwerdeführer allein wegen der durch die geltend
gemachte Tötung der beiden Freunde ausgelösten Befürchtung, auch er
selber könnte dereinst von den Taliban behelligt werden, eine Frucht vor
einer Verfolgung objektiv nicht zu begründen, abgesehen davon, dass es
sich dabei um einen Übergriff Dritter handeln würde, weshalb das SEM
offenlassen konnte, inwiefern der pakistanische Staat willens und in der
Lage sei, die Bevölkerung vor Übergriffen der Taliban zu schützen. Mithin
bestand für ihn zum Zeitpunkt der Ausreise aus Pakistan kein konkreter
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Seite 13
Anlass zur Annahme, dass sich eine Rekrutierung oder andere Bedrohun-
gen durch die Taliban mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehba-
rer Zeit verwirklichen würden.
6.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen ist, eine zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus Pakistan bestehende
oder unmittelbar drohende asylrechtlich relevante Verfolgung nachzuwei-
sen oder zumindest glaubhaft zu machen. Nachdem eine Vorverfolgung
verneint werden muss, liegen keine hinreichend konkreten Anhaltspunkte
für eine für die Flüchtlingseigenschaft relevante Verfolgung vor, welche ihm
heute bei einer Rückkehr nach Pakistan mit beachtlicher Wahrscheinlich-
keit und in absehbarer Zukunft drohen würde. Die Vorinstanz hat die
Flüchtlingseigenschaft mangels Relevanz der Asylvorbringen zu Recht
verneint. Der Beschwerdeführer ist nicht schutzbedürftig im Sinne von
Art. 3 AsylG, weshalb das SEM das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
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Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Pa-
kistan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung nach Pakistan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi
gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Pa-
kistan lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als un-
zulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung
sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen
zulässig.
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Seite 15
8.4
8.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.4.2 In Pakistan herrscht nach konstanter Rechtsprechung, trotz teilweise
angespannter Lage, keine landesweite Situation allgemeiner Gewalt, die
zur Annahme führen müsste, jede dorthin zurückkehrende Person sei mit
erheblicher Wahrscheinlichkeit konkret gefährdet. Der Wegweisungsvoll-
zug ist daher nicht generell unzumutbar (vgl. dazu etwa das Referenzurteil
des BVGer E-3258/2018 vom 2. Juni 2020 E. 12.4.1 sowie die Urteile des
BVGer D-4418/2018 vom 13. November 2019 E. 7.3.1 und E-5352/2017
vom 12. Februar 2019 E. 9.3.1, m.w.H.). Für die Provinz C._, wo
die Sicherheitslage zwar angespannt ist, sind keine anderen Schlussfolge-
rungen zu treffen (vgl. Urteil des BVGer E-427/2019 vom 8. Februar 2019
E. 7.8)
8.4.3 Wie die Vorinstanz bereits zutreffend ausgeführt hat, ergeben sich
auch keine individuellen Vollzugshindernisse.
8.4.3.1 Dem wurde in der Rechtsmitteleingabe Folgendes entgegengehal-
ten: Die Rückkehr nach B._ in Pakistan gestalte sich für den Be-
schwerdeführer als unzumutbar. Einerseits sei bereits aufgrund der
schlechten und labilen Sicherheitslage in der Provinz C._ vom
Wegweisungsvollzug abzusehen. Andererseits komme erschwerend
hinzu, dass es ihm gelungen sei, sich in wirtschaftlicher und sozialer Hin-
sicht erfolgreich in der Schweiz zu integrieren, wie sich aus den diesbezüg-
lich eingereichten Unterlagen und dem Schreiben der Gemeinde I._
ergeben würde. So befinde er sich seit dreieinhalb Jahren in der Schweiz,
wo ihm bereits der Berufseinstieg und die Ablösung von der Unterstützung
durch die öffentliche Hand gelungen sei. Trotz beschränkter Möglichkeiten
habe er sich an die schweizerische Lebensweise assimiliert und sei durch
das hiesige soziale Umfeld geprägt worden. Dadurch würde die Wieder-
eingliederung im Heimatland massiv erschwert werden. Zu den wenigen,
in B._ verbliebenen Familienmitgliedern pflege er kaum mehr Kon-
takt, während dieser zu früheren Bekannten ganz abgebrochen sei. Er ver-
füge über kein tragfähiges und auch in sozialer Hinsicht kaum über ein Be-
ziehungsnetz in der Heimat. Bereits vor seiner Flucht habe er grosse Mühe
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gehabt, eine Arbeitsstelle zu finden. Er habe lediglich einen Aushilfsjob in
(...) innegehabt. Den (...) Job als (...) habe er nur solange ausüben kön-
nen, wie niemand dahintergekommen sei, dass er und nicht sein Freund
anwesend gewesen sei. Aufgrund seines Status als Ausländer sei er auf
dem Stellenmarkt sowie beim Erwerb von Bildung stark benachteiligt ge-
wesen. Er sei nicht zum Studium zugelassen worden und verfüge auch
nicht über eine Berufsbildung. Aufgrund der fehlenden Beziehungen – ins-
besondere sei kein tragfähiges Beziehungsnetz vorhanden – und Berufs-
bildung sowie seiner fehlenden Papiere und der prekären Sicherheitslage
sei die Rückkehr in die Heimat des Beschwerdeführers auch aus humani-
tärer Sicht unverhältnismässig und folglich unzumutbar.
8.4.3.2 Diese Einwände lassen die Rückkehr des Beschwerdeführers nach
Pakistan nicht aus individuellen Gründen als unzumutbar erscheinen. So
erklärte dieser, dass er die Schule bis zur (...) Klasse regulär besucht und
mit dem Matric abgeschlossen habe (vgl. act. A6/11 Ziff. 1.17.04, A19/19
F13). Nach (...) weiteren Jahren habe er an einer (...)schule die (...) Klasse
abgeschlossen (vgl. a.a.O., F47). Damit verfügt er über eine gute Schulbil-
dung. Allein der Umstand, dass er danach nicht habe studieren können,
lässt den Vollzug der Wegweisung nicht als unzumutbar erscheinen. Der
Beschwerdeführer habe bereits in der (...) Klasse zu arbeiten begonnen
(vgl. a.a.O., F43). Vor seiner Ausreise habe er in (...) gearbeitet und
abends eine (...) (vgl. act. A6/11 Ziff. 1.17.05). Er habe auch als Tagelöhner
beim (...) gearbeitet (vgl. act. A19/19 F41). Er sei zu Hause der Verantwort-
liche beziehungsweise der Ernährer der Familie gewesen (vgl. a.a.O.,
F114, F123). Sein Bruder H._ sei etwa vier bis fünf Monate nach
ihm aus Pakistan ausgereist (vgl. F128 f.). Der Beschwerdeführer verfügt
nach dem Gesagten in seiner Heimat weiterhin über ein familiäres Netz
und eine gesicherte Wohnsituation. Somit bestehen insgesamt keine kon-
kreten Hinweise darauf, dass er bei einer Rückkehr nach Pakistan in eine
existenzielle Notlage geraten wird. Blosse soziale und wirtschaftliche
Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen be-
troffen ist, genügen nicht, um eine konkrete Gefährdung im Sinne von
Art. 83 Abs. 4 AIG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2). Schliesslich
dürfte sein mittlerweile mehr als fünfjähriger Aufenthalt in der Schweiz ent-
gegen den pauschalen Ausführungen in der Beschwerde kaum zu einer
übermässig erschwerten Reintegration in seiner Heimat führen, zumal er
dort aufgewachsen ist und den Grossteil seines Lebens verbracht hat.
Diesbezüglich ist im Übrigen festzuhalten, dass der Grad der Integration in
der Schweiz grundsätzlich kein Kriterium für die Beurteilung der Zumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG darstellt
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(vgl. BVGE a. a. O. E. 10.3; Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei-
zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 13 E. 3.5). Die Beur-
teilung einer Härtefallsituation infolge fortgeschrittener Integration im Sinne
von Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG fällt in die Zuständigkeit der kantonalen Mig-
rationsbehörden (vgl. BVGE a.a.O.). Auf die vom Beschwerdeführer gel-
tend gemachten Integrationsbemühungen und die hierzu eingereichten Be-
weismittel ist deshalb nicht näher einzugehen.
8.4.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm jedoch mit
Verfügung vom 7. Juni 2019 die unentgeltliche Prozessführung gemäss
Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten aufzuer-
legen.
10.2 Mit derselben Verfügung wurde zudem der Antrag auf amtliche
Rechtsverbeiständung gutgeheissen und dem Beschwerdeführer Roman
Schuler als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. Diesem ist deshalb ein
amtliches Honorar zu Lasten der Gerichtskasse zu entrichten, wobei nur
der notwendige Aufwand zu entschädigen ist (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8
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Abs. 2 VGKE). Wie ihm die Instruktionsrichterin damals mitteilte, geht das
Bundesverwaltungsgericht bei amtlicher Vertretung in der Regel von einem
Stundenansatz zwischen Fr. 200.– bis Fr. 220.– für Anwältinnen und An-
wälte aus. In der eingereichten Kostennote vom 26. November 2020 wurde
ein Aufwand von 13.59 Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 300.–
und Auslagen von Fr. 55.30 geltend gemacht. Darin ist der mit fehlerhafter
Einheitsbezeichnung (1.00 Stk. anstatt 1.00 Std.) versehene Aufwand vom
2. Mai 2019 (Erstgespräch und Mandatseröffnung) noch nicht enthalten,
weshalb die Honorarnote entsprechend zu korrigieren ist. Der sich daraus
ergebende Gesamtaufwand von 14.59 Stunden erscheint indes im Verhält-
nis zu vergleichbaren Beschwerdeverfahren etwas zu hoch und ist auf ins-
gesamt 12.50 Stunden zu reduzieren. Sodann ist der Stundenansatz im
Rahmen des amtlichen Mandats auf Fr. 220.– zu kürzen. Die ausgewiese-
nen Auslagen in der Höhe von Fr. 55.60 (Porti und Fotokopien) erscheinen
angemessen. Dem unentgeltlichen Rechtsbeistand ist deshalb durch das
Bundesverwaltungsgericht ein amtliches Honorar von (aufgerundet) insge-
samt Fr. 3023.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag i.S.v. Art. 9
Abs. 1 Bst. c VGKE) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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