Decision ID: cd2efc4b-9086-5224-8f0b-c5fff2020cd9
Year: 2012
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass das BFM am 5. April 2007 das zweite Asylgesuch der Beschwerde-
führerin vom 21. September 2006 guthiess und ihr unter Zuerkennung der
Flüchtlingseigenschaft Asyl gewährte,
dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann (...) mit Eingabe vom
18. September 2012 an das Bundesamt um Einbezug ihrer in der
Schweiz geborenen gemeinsamen Tochter A._ in die Flüchtlings-
eigenschaft der Mutter ersuchten,
dass das BFM mit Verfügung vom 28. September 2012 – eröffnet am
2. Oktober 2012 – das Asylgesuch (recte: das Gesuch um Einbezug in
die Flüchtlingseigenschaft) mit der Begründung ablehnte, die Tochter der
Beschwerdeführerin könne aufgrund der Staatsangehörigkeit ihres Va-
ters, der in seinem Heimatland nicht verfolgt werde, die nigerianische
Staatsangehörigkeit erlangen, womit die Regelung des Aufenthaltes der
Tochter in der Schweiz in die Kompetenz der kantonalen Migrationsbe-
hörde falle,
dass die Beschwerdeführerin in ihrer Rechtsmitteleingabe vom 1. No-
vember 2012 in materieller Hinsicht die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zwecks
eingehender Prüfung, eventualiter den Einbezug der Tochter in ihre
Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl sowie in prozessua-
ler Hinsicht unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
den Erlass der Verfahrenskosten beantragen lässt,
und erwägt,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Re-
gel – so auch vorliegend – abschliessend über Beschwerden gegen Ver-
fügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren
vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] i.V.m.
Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG,
SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG rich-
tet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6
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AsylG), und die Voraussetzungen für das Eintreten auf die Beschwerde
erfüllt sind,
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die
Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise
einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und es
sich vorliegend um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeent-
scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,
dass der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 der Bun-
desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April
1999 [BV, SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass
die verfügende Behörde die Vorbringen der betroffenen Person tat-
sächlich hört, prüft und bei der Entscheidfindung berücksichtigt, was
sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederzuschlagen hat
(Art. 35 Abs. 1 VwVG, vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der
[vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004
Nr. 38 E. 6.3),
dass die Entscheidbegründung es der betroffenen Person ermöglichen
soll, die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur
möglich ist, wenn sich sowohl die betroffene Person als auch die
Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild ma-
chen können (vgl. BGE 129 I 232 E. 3.2),
dass sich die verfügende Behörde nicht explizit mit jeder tatbeständli-
chen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinanderzuset-
zen hat, sondern sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschrän-
ken darf (vgl. BGE 126 I 97 E. 2b),
dass in der Schweiz geborene Kinder von Flüchtlingen auch als Flücht-
linge anerkannt werden, wenn keine besonderen Umstände dagegen
sprechen (Art. 51 Abs. 3 AsylG),
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dass ein solcher besonderer Umstand sein kann, dass die einzube-
ziehende Person eine andere Staatsangehörigkeit besitzt als der
Flüchtling (vgl. EMARK 1996 Nr. 14 E. 7 S. 116 ff),
dass dabei in Übereinstimmung mit den diesbezüglichen Ausführungen
in der Beschwerde die hypothetisch zu prüfende Frage, ob eine ge-
mischtnationale Flüchtlingsfamilie sich theoretisch im Heimatland des
nichtverfolgten Ehepartners – vorliegend Nigeria – niederlassen kann,
gemäss gefestigter Rechtsprechung auch des Bundesverwaltungs-
gerichts nach den Kriterien, wie sie der Anwendung von Art. 6a Abs. 2
Bst. b AsylG (alt Art. 6 Abs. 1 Bst. b AsylG) und Art. 83 des Bun-
desgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und
Ausländer (AuG, SR 142.20) betreffend Zulässigkeit, Zumutbarkeit und
Möglichkeit eines Wegweisungsvollzuges zugrunde liegen, zu beant-
worten ist (vgl. EMARK 1997 Nr. 22 E. 4c S. 180 f.),
dass also der Familie sowohl faktisch wie auch rechtlich die Mög-
lichkeit offenstehen müsste, sich im Heimatland des nichtverfolgten
Ehepartners legal niederzulassen, wobei vorausgesetzt wird, dass der
Flüchtling im Heimatland seines Ehepartners vor Verfolgung, vor men-
schenrechtswidriger Behandlung und vor Rückschiebung in den Verfol-
gerstaat – vorliegend Zimbabwe – geschützt ist,
dass des Weiteren auch die vom Bundesgericht im Zusammenhang
mit der "Reneja-Praxis" entwickelten Kriterien – kulturelle, religiöse,
sprachliche und ähnliche Aspekte – vergleichend beizuziehen sind,
wobei der Kriterienkatalog nicht abschliessend ist,
dass es das BFM in der angefochtenen Verfügung unterlassen hat,
sich mit den vorstehend aufgeführten Kriterien auseinanderzusetzen,
womit es seine Begründungspflicht verletzt hat,
dass zwar eine Missachtung von Verfahrensvorschriften durch die
Vorinstanz aufgrund der umfassenden Kognition des Bundesverwal-
tungsgerichts (Art. 106 AsylG) in bestimmten Schranken geheilt wer-
den kann,
dass indessen vorliegend das Bundesamt den Anspruch der Be-
schwerdeführerin auf rechtliches Gehör in schwerwiegender Weise
verletzt hat, weshalb eine Heilung nicht in Betracht kommt und die
angefochtene Verfügung zu kassieren ist,
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dass die Beschwerde demnach gutzuheissen, die angefochtene Ver-
fügung vom 28. September 2012 aufzuheben und die Sache zur Ent-
scheidbegründung an das BFM zurückzuweisen ist,
dass mit dem Entscheid in der Hauptsache ohne vorgängige Instruktion
der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses hinfäl-
lig wird,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten auf-
zuerlegen sind (Art. 63 Abs. 3 VwVG), womit der Antrag auf Erlass der
Verfahrenskosten (Art. 65 Abs. 1 VwVG) gegenstandslos wird,
dass der vertretenen Beschwerdeführerin zulasten der Vorinstanz eine
Parteientschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnis-
mässig hohen Kosten zuzusprechen ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]),
dass zwar keine Kostennote eingereicht wurde, aber sich der zeitliche
Vertretungsaufwand für das Rechtsmittelverfahren aufgrund der Akten zu-
verlässig abschätzen lässt,
dass der Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung der massgebenden
Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE), der Entschädigungspraxis in Ver-
gleichsfällen und den diesbezüglichen Ausführungen in der Beschwerde
eine insgesamt auf Fr. 410.− (inkl. Auslagen und allfällige Mehrwertsteu-
er) festzusetzende, von der Vorinstanz zu entrichtende Parteientschädi-
gung zuzusprechen ist (Art. 10 und Art. 14 Abs. 2 VGKE).
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