Decision ID: 2d08331c-e55c-4daa-8273-c3db2053e0f9
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Der 1935 geborene Beschwerdeführer war vom 1. April 1964 bis am
30. Juni 2009 bei der Beschwerdegegnerin als selbstständigerwerbender
Landwirt angeschlossen. Mit Verfügung vom 1. Dezember 2021 erhob die
Beschwerdegegnerin beim Beschwerdeführer für die Periode vom 1. Ja-
nuar bis 30. Juni 2009 persönliche Beiträge für Selbständigerwerbende von
Fr. 43'804.80 (zzgl. Verwaltungskosten und Verzugszinsen) auf Basis ei-
nes beitragspflichtigen Einkommens von gerundet Fr. 461'100.00. Gegen
diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 21. Dezember 2021 Ein-
sprache, welche die Beschwerdegegnerin mit Einspracheentscheid vom
17. Februar 2022 abwies.
2.
2.1.
Gegen den Einspracheentscheid vom 17. Februar 2022 erhob der  mit Eingabe vom 23. März 2022 fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Anträge:
"1) Der Einspracheentscheid der SVA vom 17.02.2022 und die  vom 01.12.2021 seien zufolge Verjährung aufzuheben.
2) Eventualiter
a) Der AHV Rentnerbeitrag von Fr. 16'800.- sei zu gewähren.
b) Eine Verzugszinspflicht sei erst ab 25.03.2021 (Urteil des SpezVWG) ab 01.01.20218 [sic] zu verfügen.
c) Es sei der Zinsabzug für das Eigenkapital auf der Basis von
Fr. 239'619.- zu berechnen.
d) Es sei die Ratenzahlung in 6 Jahresraten festzulegen.
3) Die Kosten seien der SVA Aargau aufzuerlegen.
4) Es sei eine angemessene Parteientschädigung auszurichten."
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 27. April 2022 verzichtete die  unter Verweis auf den Einspracheentscheid auf eine Stellungnahme.
- 3 -

Considerations:
Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Die Beschwerdegegnerin ging in ihrem Einspracheentscheid vom 17. Feb-
ruar 2022 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 83-88) für die Beitragsperiode
vom 1. Januar bis 30. Juni 2009 gestützt auf die "Steuermeldung AHV" des
kantonalen Steueramts vom 30. November 2021 (VB 14 f.) von einem bei-
tragspflichtigen Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit von gerun-
det Fr. 461'100.00 aus. Dementsprechend habe der Beschwerdeführer
AHV/IV/EO–Beiträge von Fr. 45'118.80 (inkl. Verwaltungskosten) sowie
Verzugszinsen (ab 1. Januar 2011) von Fr. 24'006.95 zu entrichten. Der
Beschwerdeführer macht demgegenüber im Wesentlichen geltend, die Bei-
tragsforderung sei unzutreffend festgesetzt und zudem verjährt. Ferner sei
erst ab dem Datum des Urteils des Spezialverwaltungsgerichts vom
25. März 2021 beziehungsweise ab "01.01.20218" Verzugszins zu erhe-
ben, da ihn für die lange Dauer des (steuerlichen) Veranlagungsverfahrens
kein Verschulden treffe.
Strittig und zu prüfen ist demnach, ob die Beschwerdegegnerin mit dem
angefochtenen Einspracheentscheid vom 17. Februar 2022 für die Bei-
tragsperiode vom 1. Januar bis 30. Juni 2009 zu Recht persönliche
AHV/IV/EO-Beiträge für Selbständigerwerbende in der Höhe von
Fr. 45'118.80 (inkl. Verwaltungskosten) sowie Verzugszinsen in der Höhe
von Fr. 24'006.95 erhoben hat. Nicht Gegenstand des Beschwerdeverfah-
rens ist demgegenüber die allfällige Gewährung einer ratenweisen Tilgung
des Beitragsausstands, denn die Beschwerdegegnerin hat darüber nicht
verfügungsweise entschieden. Es fehlt damit in dieser Hinsicht an einer
Sachurteilsvoraussetzung, weshalb auf die Beschwerde in diesem Umfang
nicht einzutreten ist (BGE 131 V 164 E. 2.1 S. 164 f.; vgl. auch BGE 135 V
148 E. 5.2 S. 150; 135 V 141 E. 1.4 S. 144 ff.; 132 V 393 E. 2.1 S. 396).
2.
2.1.
Gemäss Art. 4 Abs. 1 AHVG, Art. 3 Abs. 1 IVG und Art. 27 Abs. 2 EOG
schulden erwerbstätige Versicherte Beiträge auf dem aus ihrer selbststän-
digen oder unselbstständigen Erwerbstätigkeit fliessenden Einkommen.
Als Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit gilt jedes Erwerbsein-
kommen, das nicht Entgelt für in unselbstständiger Stellung geleistete Ar-
beit darstellt (Art. 9 Abs. 1 AHVG; dazu sogleich E. 2.2.). Die Festsetzung
und der Bezug der AHV-Beiträge obliegen nach Art. 63 Abs. 1 lit. a und c
AHVG der zuständigen Ausgleichskasse. Gleiches gilt für die IV- und EO-
Beiträge (vgl. Art. 60 Abs. 2 IVG und Art. 21 Abs. 2 EOG i.V.m. Art. 63
Abs. 1 lit. a und c AHVG). Für die Bemessung der IV- und EO-Beiträge sind
die Bestimmungen des AHVG sinngemäss anwendbar (Art. 3 Abs. 1 IVG,
Art. 27 Abs. 2 EOG).
- 4 -
2.2.
Als selbstständiges Einkommen gelten laut Art. 17 AHVV alle in selbststän-
diger Stellung erzielten Einkünfte aus einem Handels-, Industrie-, Ge-
werbe-, Land- und Forstwirtschaftsbetrieb, aus einem freien Beruf, sowie
aus jeder anderen selbstständigen Erwerbstätigkeit, einschliesslich der Ka-
pital- und Überführungsgewinne nach Art. 18 Abs. 2 DBG und der Gewinne
aus der Veräusserung von land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken
nach Art. 18 Abs. 4 DBG, mit Ausnahme der Einkünfte aus zu Geschäfts-
vermögen erklärten Beteiligungen nach Art. 18 Abs. 2 DBG. Art. 17 AHVV
nimmt die in Art. 18 Abs. 1 DBG verwendeten Begriffe wieder auf und ver-
weist überdies bezüglich der Kapital- und Überführungsgewinne auf Art. 18
Abs. 2 DBG sowie hinsichtlich der Gewinne aus der Veräusserung von
land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken auf Art. 18 Abs. 4 DBG. Dies
führt bei der Umschreibung des Einkommens aus selbständiger Tätigkeit
zu einer Harmonisierung zwischen dem Beitragsrecht der AHV und dem
Steuerrecht, soweit das AHVG und die AHVV keine abweichenden Rege-
lungen enthalten (vgl. BGE 147 V 114 E. 3.1 f. S. 117 mit Hinweis).
2.3.
Das beitragspflichtige Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit
wird gemäss Art. 9 Abs. 2 AHVG ermittelt, indem vom hierdurch erzielten
rohen Einkommen unter anderem die zur Erzielung des rohen Einkommens
erforderlichen Gewinnungskosten (lit. a), die der Entwertung entsprechen-
den, geschäftsmässig begründeten Abschreibungen und Rückstellungen
geschäftlicher Betriebe (lit. b), die eingetretenen und verbuchten Ge-
schäftsverluste (lit. c) und ein Zins des im Betrieb eingesetzten eigenen
Kapitals abgezogen werden (lit. f). Demgegenüber ist der steuerlich zuläs-
sige Abzug der persönlichen Beiträge gemäss Art. 9 Abs. 4 AHVG wieder
rückgängig zu machen, d.h. das von den Steuerbehörden gemeldete Ein-
kommen ist um diese Beiträge zu erhöhen. Das gemeldete Einkommen ist
dabei nach Massgabe der geltenden Beitragssätze auf 100 % aufzurech-
nen (vgl. hierzu BGE 139 V 537 E. 5.3 S. 545 f.). Der Abzug des Zinses auf
das im Betrieb investierte Eigenkapital ist hierbei vor der Beitragsaufrech-
nung vorzunehmen (BGE 141 V 433 E. 3 ff. S. 435 und Urteil des Bundes-
gerichts 9C_155/2015 vom 1. Oktober 2015 E. 4 und 5), dies unabhängig
davon, ob steuerrechtlich ein Abzug gewährt wurde oder ob die steuer-
rechtlichen Abzüge höher oder tiefer waren als die von der Ausgleichs-
kasse zugelassenen (vgl. SVR 2017 AHV Nr. 1, 9C_376/2016 E. 2.3).
2.4.
Nach Art. 23 Abs. 1 AHVV ermitteln die kantonalen Steuerbehörden das für
die Bemessung der Beiträge massgebende Erwerbseinkommen auf Grund
der rechtskräftigen Veranlagung für die direkte Bundessteuer; das im Be-
trieb investierte Eigenkapital auf Grund der entsprechenden rechtskräftigen
kantonalen Veranlagung (unter Berücksichtigung der interkantonalen Re-
partitionswerte).
- 5 -
Die Angaben der kantonalen Steuerbehörden sind für die Ausgleichskas-
sen verbindlich (Art. 23 Abs. 4 AHVV). Rechtsprechungsgemäss ist die von
der Steuerbehörde gemeldete – im Steuerverfahren rechtskräftig gewor-
dene – Qualifikation von Vermögenswerten als Erwerbseinkommen aus
selbständiger oder unselbständiger Erwerbstätigkeit bzw. als Privat- oder
Geschäftsvermögen für die Ausgleichskassen grundsätzlich als verbindlich
zu erachten. Führt eine durch die Steuerbehörden vorgenommene Qualifi-
kation somit zu einem Entscheid mit steuerrechtlichen Auswirkungen, müs-
sen die AHV-Behörden diesfalls nähere Abklärungen nur vornehmen, wenn
sich ernsthafte Zweifel an der Richtigkeit der Steuermeldung ergeben (vgl.
BGE 147 V 114 E. 3.4.2 S. 121 mit Hinweisen). Von einer rechtskräftigen
Steuerveranlagung darf ferner abgewichen werden, wenn sachliche Um-
stände gewürdigt werden müssen, die steuerrechtlich belanglos, sozialver-
sicherungsrechtlich aber bedeutsam sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_543/2019 vom 20. Januar 2020 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
3.
3.1.
3.1.1.
Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, die Beitragsforderung sei verjährt
(Beschwerde S. 2), ist darauf hinzuweisen, dass der Erlass der Beitrags-
verfügung vom 1. Dezember 2021 (VB 16 f.) im gleichen Jahr erfolgte, in
dem das Urteil des Spezialverwaltungsgerichts 3-BB.2020.11 vom
25. März 2021 "betreffend Direkte Bundessteuer 2009" (VB 54 ff.) erging.
Entsprechend war die Festsetzungsverjährung nach Art. 16 Abs. 1 AHVG
noch nicht eingetreten (vgl. hierzu Urteil des Eidgenössischen Versiche-
rungsgerichts H 1/06 vom 30. November 2006 E. 4; vgl. zum Ganzen auch
Urteile des Bundesgerichts 9C_736/2018 vom 5. Dezember 2018 E. 2 und
9C_79/2021 vom 4. Mai 2022 [zur Publikation vorgesehen] E. 4.1 mit Hin-
weisen sowie FELIX FREY, in: Frey/Mosimann/Bollinger [Hrsg.], Kommentar
AHV/IVG, 2018, N. 1 f. zu Art. 16 AHVG).
3.1.2.
Bezüglich der in Rechtskraft erwachsenen Veranlagung der Direkten Bun-
dessteuer 2009 ist den Akten Folgendes zu entnehmen:
Das Spezialverwaltungsgericht erkannte, es sei von einem "steuerbare[n]
Gewinn aus selbständiger Erwerbstätigkeit" in Höhe von Fr. 422'059.00
auszugehen (vgl. E. 5.4. in fine des rechtskräftigen Urteils des Spezialver-
waltungsgerichts 3-BB.2020.11 vom 25. März 2021; VB 56; vgl. zur Über-
führung der Liegenschaften des Geschäfts- in das Privatvermögen das be-
züglich der Staats- und Gemeindesteuern 2009 betreffend den Beschwer-
deführer ergangene Urteil des Bundesgerichts 2C_240/2020 vom 21. Au-
gust 2020, insb. dessen E. 7.2 sowie das Urteil des Verwaltungsgerichts
WBE.2019.173 vom 13. Februar 2020 S. 8 f. [VB 72 f.]). Damit wurde inso-
- 6 -
fern die Veranlagung des Gemeindesteueramtes bestätigt, als die Ein-
künfte aus selbständiger Haupterwerbstätigkeit ("Liquidationsgewinn Ver-
kauf Parz. 463") Fr. 422'059.00 betrugen (VB 29).
Als nicht ohne Weiteres nachvollziehbar erweist sich demgegenüber der
mit Steuermeldung vom 30. November 2021 betreffend das Einkommen
aus selbständiger Tätigkeit mitgeteilte Betrag von Fr. 425'769.00 (VB 15).
In den Akten liegt ein mit einer handschriftlichen Berechnung versehenes
Exemplar der Verfügung vom 1. Dezember 2021 (VB 29), zudem scheint
die Beschwerdegegnerin weitere Auskünfte beim Steueramt eingeholt zu
haben (vgl. die diesbezüglichen Ausführungen in E. 2.2 des Einsprache-
entscheids vom 17. Februar 2022 [VB 84]). Da jedoch das rechtskräftige
Urteil des Spezialverwaltungsgerichts 3-BB.2020.11 vom 25. März 2021
vorliegt (VB 56), ist vom dort festgehaltenen Betrag des Einkommens aus
selbständiger Erwerbstätigkeit auszugehen; es besteht kein Anlass, davon
abzuweichen.
Das relevante Einkommen ist folglich auf Fr. 422'059.00 festzusetzen.
3.1.3.
Der Beschwerdeführer scheint ferner der Ansicht zu sein, es sei von einem
im Betrieb investierten Eigenkapital von Fr. 239'618.00 auszugehen (Be-
schwerde S. 3). Die Beschwerdegegnerin ging beim "Zinsabzug auf Eigen-
kapital per 30.06.2009" von einer Grundlage von –Fr. 133'000.00 aus und
stützte sich dabei auf die Steuermeldung vom 30. November 2021
(VB 15 f.). Wie es sich damit verhält, kann letztlich offenbleiben, denn im
Ergebnis ist jedenfalls von einem Negativbetrag (bzw. Zinsabzug von Null)
auszugehen: Gemäss Rechtsprechung ist die Verweigerung des Abzugs
des Zinses auf das im Betrieb investierte Eigenkapital insbesondere bei
vollständigen oder teilweisen Betriebsaufgaben – wie hier – sachlich be-
gründet, weil in diesen Fällen das entsprechende Kapital gerade nicht mehr
zur Verfügung steht (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
H 132/05 vom 9. Juni 2006 E. 4.4.2; vgl. auch AHI 1993 S. 229).
3.1.4.
Der Beschwerdeführer beantragt weiter, ihm sei "der AHV Rentnerbeitrag
von Fr. 16'800.- [...] zu gewähren" (Beschwerde S. 2).
Gemäss Art. 6quater Abs. 2 AHVV entrichten Männer, die das 65. Altersjahr
vollendet haben, vom Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit nur
für den Teil Beiträge, der Fr. 16'800.00 im Jahr übersteigt. Praxisgemäss
erfolgt bei Aufgabe einer selbständigen Tätigkeit im Verlauf eines Beitrags-
jahres eine Anrechnung des Jahresfreibetrages im Verhältnis zur Dauer der
Erwerbstätigkeit (vgl. Rz. 3006 und Rz. 3009 des Kreisschreibens des Bun-
desamtes für Sozialversicherungen [BSV] über die Beitragspflicht der Er-
werbstätigen im Rentenalter in der AHV, IV und EO [KSR], Stand 1. Januar
- 7 -
2008; vgl. zudem BGE 110 V 236 E. 4 S. 241 [betreffend einen Ersatzrich-
ter des Bundesgerichts]).
Die Beschwerdegegnerin hat somit zu Recht einen Rentnerfreibetrag für
lediglich sechs Monate in der Höhe von gesamthaft Fr. 8'400.00 gewährt,
zumal die Überführung des Grundstücks vom Geschäfts- ins Privatvermö-
gen am 24. Juni 2009 stattfand und der Beschwerdeführer nach eigenen
Angaben ab dem 1. Juli 2009 keine Einkünfte aus selbständiger Erwerbs-
tätigkeit mehr erzielte (vgl. VB 9 sowie das [den Fall des Beschwerdefüh-
rers betreffende] Urteil des Bundesgerichts 2C_240/2020 vom 21. August
2020, insb. dortiger Sachverhalt und E. 7.2 und das Urteil des Verwaltungs-
gerichts WBE.2019.173 vom 13. Februar 2020 S. 8 f. [VB 72 f.]).
Vom vorstehend festgesetzten Einkommen in Höhe von Fr. 422'059.00 ist
folglich der Rentnerfreibetrag von Fr. 8'400.00 abzuziehen, womit ein rele-
vanter Einkommensbetrag von Fr. 413'659.00 resultiert.
3.1.5.
Gemäss Akten waren durch die Steuerbehörden vom relevanten Einkom-
men die Sozialversicherungsbeiträge explizit abgezogen worden (vgl.
VB 59, zudem E. 5.4 des Urteils des Spezialverwaltungsgerichts 3-
BB.2020.11 vom 25. März 2021 [VB 56]).
Rechtsprechungsgemäss ist nicht der tatsächlich erfolgte Abzug zu berück-
sichtigen, sondern das gemeldete Einkommen ist auf 100 % aufzurechnen
(vgl. BGE 139 V 537 E. 5 S. 544 ff.).
Im Beitragsjahr 2009 war der AHV/IV/EO-Beitrag bei Selbständigerwerben-
den mit einem Einkommen über Fr. 164'900.00 (ausserhalb der Beitragsta-
belle) mit einem Satz von 9.5 % zu berechnen (vgl. Beitragstabellen Selb-
ständigerwerbende und Nichterwerbstätige AHV/IV/EO des Bundesamts
für Sozialversicherungen, gültig ab 1. Januar 2009; abrufbar unter:
https://sozialversicherungen.admin.ch → AHV → Grundlagen AHV → Wei-
sungen Beiträge → "Beitragstabellen SE und NE" [Version 3 S. 4]). Das
(um den Rentnerfreibetrag reduzierte) Einkommen von Fr. 413'659.00 ist
somit als 90.5 % (100 % - 9.5 %) des Einkommens zu erfassen und dieses
ist auf 100 % aufzurechnen, was (gerundet) Fr. 457'082.00 ergibt
(Fr. 413'659.00 x 100 / [100-9.5]).
3.1.6.
Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass das von der Beschwerdegegnerin
festgesetzte beitragspflichtige Einkommen um Fr. 4'018.00 zu reduzieren
ist und stattdessen ein massgebliches beitragspflichtiges Einkommen
von (gerundet) Fr. 457'082.00 zu berücksichtigen ist.
- 8 -
3.2.
3.2.1.
Der Beschwerdeführer beantragt weiter, die Verzugszinspflicht sei erst ab
dem 25. März 2021 (Urteil des Spezialverwaltungsgerichts) zu "verfügen".
Das Verfahren sei von den Steuerbehörden "verschleppt" worden, was ihm
nicht "zum Nachteil angelastet" werden dürfe (Beschwerde S. 2 f.).
Die Beschwerdegegnerin erhob auf den von ihr ermittelten Beitragsaus-
stand für den Zeitraum ab dem 1. Januar 2011 nach Art. 41bis Abs. 1 lit. b
AHVV Verzugszinsen, mit Ausnahme des Zeitraums vom 21. März bis
30. Juni 2020 (vgl. hierzu Art. 41bis Abs. 1ter AHVV).
Den Verzugszinsen kommt die Funktion eines Vorteilsausgleichs wegen
verspäteter Zahlung der Hauptschuld zu. Sie bezwecken demnach unab-
hängig vom tatsächlichen Nutzen und Schaden den pauschalierten Aus-
gleich des Zinsverlusts des Gläubigers und des Zinsgewinns des Schuld-
ners. Hingegen weist der Verzugszins nicht pönalen Charakter auf und ist
unabhängig von einem Verschulden am Verzug geschuldet. Für die Ver-
zugszinspflicht im Beitragsbereich ist demnach nicht massgebend, ob den
Beitragspflichtigen oder die Ausgleichskasse ein Verschulden an der Ver-
zögerung der Beitragsfestsetzung oder -zahlung trifft (BGE 139 V 297
E. 3.3.2.2 S. 305 mit weiteren Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts
9C_1/2022 vom 23. Februar 2022 E. 4.1.1 mit Hinweisen). Dies gilt auch
dann, wenn ein Versäumnis einer anderen Amtsstelle – namentlich des
Steueramtes – vorliegt (BGE 134 V 202 E. 3.3.2 S. 206 und Urteil des Bun-
desgerichts 9C_772/2011 vom 4. November 2011 E. 4.1) oder eine Bei-
tragsverfügung nachträglich durch das Gericht korrigiert wird (SVR 2016
AHV Nr. 13 S. 39, 9C_332/2016 E. 1). Nebst dem pauschalen Ausgleich
von Zinsgewinn und -verlust bezweckt der Verzugszins zusätzlich eine Ab-
geltung des administrativen Aufwands für die verspätete respektive nach-
trägliche Beitragserhebung und für die Erhebung des Verzugszinses selbst
(BGE 139 V 297 E. 3.3.2.2 S. 305).
Vor diesem Hintergrund ist der Beschwerdeführer für den Beitragsausstand
(vgl. zur Zinserhebung auch auf die Verwaltungskosten UELI KIESER, Recht-
sprechung des Bundesgerichts zum AHVG, 4. Aufl., Zürich 2020, N. 34 zu
Art. 14 AHVG, mit Hinweis) grundsätzlich ab dem 1. Januar 2011, mit Aus-
nahme des Zeitraums vom 21. März bis 30. Juni 2020, verzugszinspflichtig.
Daran ändert weder der Hinweis auf die Rechtsprechungsänderung des
Bundesgerichts (Beschwerde S. 3 ["Urteil 2C-11/2011"]) noch das in den
Akten liegende Schreiben des Bundesamtes für Sozialversicherungen
(BSV) an den Schweizerischen Bauernverband vom 4. Dezember 2013
(VB 30-32) etwas (vgl. dazu E. 4.4. des in AGVE 2020 Nr. 3 S. 44 ff. publi-
zierten Urteils des Versicherungsgerichts VBE.2019.322 vom 7. April
2020).
- 9 -
3.3.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin für die Be-
rechnung der persönlichen AHV/IV/EO-Beiträge für Selbstständigerwer-
bende für die Beitragsperiode vom 1. Januar bis 30. Juni 2009 das bei-
tragspflichtige Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit um
Fr. 4'018.00 zu hoch festgesetzt hat und dieses auf Fr. 457'082.00 zu re-
duzieren ist. Als korrekt erweist sich die Verzugszinspflicht ab dem 1. Ja-
nuar 2011. Die Beschwerdegegnerin hat auf der Grundlage des korrigierten
beitragspflichtigen Einkommens die persönlichen AHV/IV/EO-Beiträge des
Beschwerdeführers sowie die Verwaltungskosten neu zu berechnen und
anschliessend ebenso die Verzugszinsen ab 1. Januar 2011.
4.
4.1.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, soweit
darauf einzutreten ist. Der Einspracheentscheid vom 17. Februar 2022 ist
aufzuheben und die Angelegenheit ist an die Beschwerdegegnerin zurück-
zuweisen zur Neuberechnung der persönlichen Beiträge des Beschwerde-
führers für das Jahr 2009 (inkl. Verzugszinsen ab 1. Januar 2011) und zur
Neuverfügung. Dabei ist namentlich von einem beitragspflichtigen Einkom-
men von (neu) Fr. 457'082.00 auszugehen.
4.2.
Beim vorliegenden Verfahren handelt es sich nicht um eine Streitigkeit über
Leistungen. Die Kosten werden daher nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 fest-
gesetzt (vgl. Art. 61 lit. fbis ATSG i.V.m. § 22 Abs. 1 lit. e VKD). Für das vor-
liegende Verfahren betragen diese Fr. 400.00. Da der Beschwerdeführer
lediglich marginal obsiegt, sind sie ihm aufzuerlegen (vgl. Urteil des Bun-
desgerichts 9C_419/2018 vom 6. September 2018 E. 6.2).
4.3.
Dem (nicht anwaltlich vertretenen) Beschwerdeführer steht bei nur margi-
nalem Obsiegen nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 lit. g ATSG)
und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozialversiche-
rungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf Parteient-
schädigung zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_638/2019 vom 20. Ja-
nuar 2020 E. 6.2 mit Hinweis).