Decision ID: 3c9e4435-dfa3-41c9-9599-74bfd596e994
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit dem 14. Juni 2017 bei der B._ AG
angestellt und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva)
obligatorisch unfallversichert (Suva-act. 3). Mit einem Einsatzvertrag wurde der
Versicherte als Kranführer an die C._ AG vermittelt, bei der er seinen Einsatz am
8. November 2017 begann (Suva-act. 9). Am 16. November 2017 klemmte er sich beim
Versetzen eines Stahlträgers die Finger ein (Suva-act. 3), wobei er sich
Amputationsverletzungen auf Höhe der Diaphyse der Endphalangen Dig. III und IV der
linken Hand zuzog, die gleichentags im Spital D._ operativ versorgt wurden
(Knochenresektion und Débridement der Endphalangen sowie Anlage eines
Okklusivverbandes Dig. III und IV Hand links; Suva-act. 29). Dem Versicherten wurde
ab dem 16. November 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (Suva-act. 10,
79, 204 und 306). Die Suva sprach ihm am 6. Dezember 2017 die gesetzlichen
Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) für die Folgen des Berufsunfalls zu (Suva-
act. 17).
A.a.
Per 2. Februar 2018 wurde dem Versicherten von der B._ AG gekündigt (Suva-
act. 30).
A.b.
Der Heilungsverlauf verzögerte sich aufgrund einer persistierenden
Wundheilungsstörung (vgl. Suva-act. 41, 55, 59 und 180). Zwischen April 2018 und Mai
2019 wurden fünf weitere Operationen an den beiden Fingerkuppen der linken Hand
des Versicherten durchgeführt (Suva-act. 61, 81, 94, 136 und 153) und es erfolgte eine
A.c.
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regelmässige Ergotherapie (vgl. Suva-act. 180-5). Nach einer Untersuchung vom
11. Oktober 2019 stellte die Suva-Kreisärztin Dr. med. E._, Fachärztin für Chirurgie,
einen medizinischen Endzustand fest. Die Beweglichkeit und Kraft der beiden
betroffenen Finger, und entsprechend auch die Greiffunktion und Feinmotorik links,
seien im Seitenvergleich vermindert. Die bisherige Tätigkeit als Kranführer sei nicht
mehr ideal und nur mit Einschränkungen möglich. Eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe
aber für eine optimal angepasste leichte bis mittelschwere Tätigkeit ohne kraftvolle
Zug-, Stoss-, Drehbewegung mit links, ohne repetitive Greiffunktion mit links oder
erhöhtem Anspruch an die Feinmotorik links und ohne Arbeiten in der Kälte (Suva-
act. 180-8). Weiter schätzte Dr. E._ den Integritätsschaden auf 5 % (Suva-act. 179).
Mit Verfügung vom 18. Oktober 2019 sprach die Suva dem Versicherten eine
Integritätsentschädigung von Fr. 7'410.-- bei einer Integritätseinbusse von 5 % zu
(Suva-act. 181). Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft.
A.d.
Nachdem im Februar 2020 eine weitere Operation am linken Ringfinger des
Versicherten durchgeführt worden war (Suva-act. 239), stellte Dr. E._ am 15. Januar
2021 nach einer weiteren kreisärztlichen Untersuchung erneut einen medizinischen
Endzustand fest. Da sich seit der kreisärztlichen Untersuchung vom 11. Oktober 2019
keine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes ergeben habe, sei das
damals erstellte Zumutbarkeitsprofil weiterhin gültig (Suva-act. 309; vgl. Sachverhalt
A.c).
A.e.
Mit Schreiben vom 27. Januar 2021 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass sie
die Übernahme der Heilkosten, mit Ausnahme der unfallbedingt notwendigen
Schmerzmittel, einstelle und ab dem 29. Februar 2021 keine Taggelder mehr
ausrichten werde (Suva-act. 310).
A.f.
Mit Verfügung vom 10. Februar 2021 lehnte die Suva einen Rentenanspruch des
Versicherten ab. Dabei ging sie vom Zumutbarkeitsprofil aus, das Dr. E._ erstellt
hatte, und nahm eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten an. Bei
der Bestimmung des Validen- sowie des Invalideneinkommens wurden die
statistischen Durchschnittslöhne gemäss Schweizer Lohnstrukturerhebung des
Bundesamtes für Statistik (LSE) berücksichtigt. Aus dem Vergleich des
A.g.
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B.
C.
Valideneinkommens von Fr. 72'821.-- (LSE 2018, TA1, Kompetenzniveau 1, Männer,
Baugewerbe, hochgerechnet auf 41,7 Stunden, zuzüglich der Teuerung für die Jahre
2019 bis 2021) mit dem Invalideneinkommen von Fr. 70'166.-- (LSE 2018, TA1,
Kompetenzniveau 1, Männer, gesamter privater Sektor, hochgerechnet auf 41,7
Stunden, zuzüglich der Teuerung für die Jahre 2019 bis 2021, ohne Tabellenlohnabzug)
resultiere eine Erwerbseinbusse von Fr. 2'655.-- und damit ein nicht
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 4 % (Suva-act. 320).
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin
Nicole Gierer Zelezen, Jona, am 15. März 2021 Einsprache erheben. Er beantragte die
Zusprechung einer Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Bemängelt wurde insbesondere, dass das
Valideneinkommen mittels LSE-Tabelle ermittelt und das Invalideneinkommen zu hoch
angerechnet worden sei (Suva-act. 330).
B.a.
Mit Verfügung vom 17. Mai 2021 wurden die beruflichen Massnahmen der
Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen (vgl. Suva-act. 339).
B.b.
Mit Einspracheentscheid vom 10. Juni 2021 wies die Suva die Einsprache vom
15. März 2021 ab. Das Valideneinkommen sei mittels statistischer Lohnwerte zu
bestimmen, da die vom Personalvermittlungsbüro vermittelten, jeweils kurzen
Arbeitseinsätze nicht als stabiles Arbeitsverhältnis angesehen werden könnten. Bei der
Ermittlung des Invalideneinkommens sei ein leidensbedingter Abzug von höchstens 5
% gerechtfertigt, woraus eine Erwerbseinbusse von 8,4 % resultiere, die nach wie vor
nicht rentenbegründend sei (Suva-act. 338).
B.c.
Gegen den Einspracheentscheid erhob Rechtsanwältin Gierer Zelezen für den
Versicherten (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 9. Juli 2021 Beschwerde mit dem
Antrag, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und dem
Beschwerdeführer sei eine Rente im Umfang eines Invaliditätsgrades von mindestens
30 % auszurichten, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Bei der Bestimmung des
Valideneinkommens sei auf den Einsatzvertrag vom Zeitpunkt des Unfalls (bei einem
C.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
2.
Stundenlohn von Fr. 43.--) und damit auf einen hochgerechneten Jahreslohn von
Fr. 79'120.-- (bei 40 Stunden/Woche und 46 Wochen), mindestens jedoch auf das
Durchschnittseinkommen der letzten fünf Jahre abzustellen. Bei der Bestimmung des
Invalideneinkommens sei entweder ein Leidensabzug von mindestens 15 %
anzuerkennen oder auf die Tabellenlöhne einer differenzierteren Auswahl an
Berufsfeldern abzustellen (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 30. August 2021 beantragte die Suva (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 10. Juni 2021 (act. G 3).
C.b.
In der Replik vom 7. Oktober 2021 hielt der Beschwerdeführer unverändert an
seinen Anträgen fest (act. G 5).
C.c.
Mit Schreiben vom 5. November 2021 erneuerte die Beschwerdegegnerin ihren
Antrag auf Abweisung der Beschwerde und verzichtete auf die Einreichung einer
umfassenden Duplik (act. G 7).
C.d.
Mit Schreiben vom 2. Dezember 2021 reichte die Rechtsanwältin des
Beschwerdeführers ihre Honorarnote ein (act. G 9).
C.e.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
C.f.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls mindestens zu 10 % invalid, so hat
sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das
2.1.
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die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen
Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten
Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der
Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die
Heilbehandlung (Art. 10 UVG) und die Taggeldleistungen (Art. 16 UVG) dahin (Art. 19
Abs. 1 UVG; sogenannter "Fallabschluss"; vgl. dazu Alexandra Rumo-Jungo/André
Pierre Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich
Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4.
Aufl. 2012, S. 143 f.; Thomas Flückiger, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne
Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019
[nachfolgend zitiert: BSK UVG], N 7 zu Art. 19; Philipp Geertsen, in: Marc Hürzeler/Ueli
Kieser [Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 2018 [nachfolgend zitiert: KOSS UVG], N 11
ff. zu Art. 19). Ist von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte
Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr zu erwarten, wird
jedoch der Entscheid der IV über die berufliche Eingliederung erst später gefällt, so
wird vom Abschluss der ärztlichen Behandlung an vorübergehend eine UVG-
Invalidenrente (sog. Übergangsrente) ausgerichtet, sofern eine entsprechende
Invalidität ausgewiesen ist. Der Anspruch auf eine mögliche Übergangsrente beruht auf
der Überlegung, dass die Unfallversicherung die künftige Erwerbsunfähigkeit erst mit
ausreichender Zuverlässigkeit schätzen kann, wenn allfällige
Eingliederungsmassnahmen zu Ende geführt sind (vgl. Alfred Maurer, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. 1989, S. 371). Die Übergangsrente wird daher
aufgrund der Erwerbsunfähigkeit im Zeitpunkt ihrer Festlegung, mithin für eine noch
nicht eingegliederte versicherte Person, ebenfalls durch Einkommensvergleich ermittelt
(vgl. BGE 129 V 284 E. 4.1). Der Anspruch erlischt u. a. mit dem negativen Entscheid
der IV über die berufliche Eingliederung sowie dem Entscheid über die Festsetzung der
definitiven Rente (Art. 19 Abs. 3 UVG; Art. 30 Abs. 1 lit. b und c der Verordnung über
die Unfallversicherung [UVV; SR 832.202]). Die Übergangsrente ist vorläufiges Surrogat
der allenfalls folgenden definitiven Invalidenrente (Urteil des Bundesgerichts vom
1. Juni 2015, 8C_181/2015, E. 3.2.2.; vgl. BSK UVG-Flückiger, N 51 zu Art. 19).
2.2.
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3.
Die Beschwerdegegnerin hat im Schreiben vom 27. Januar 2021 mit dem Betreff
"Fallabschluss" festgehalten, dass von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung
keine namhafte Besserung der Unfallfolgen mehr erwartet werden könne und dass
somit die Heilkostenleistungen, mit Ausnahme von unfallbedingt notwendigen
Schmerzmitteln, enden und die Taggeldleistungen per 29. Februar eingestellt würden
(Suva-act. 310). Sie hat sodann geprüft, ob ein Anspruch des Beschwerdeführers auf
eine Invalidenrente besteht und am 10. Februar 2021 darüber verfügt (Suva-act. 320).
Zum Zeitpunkt dieser Verfügung sind die beruflichen Massnahmen der IV noch nicht
abgeschlossen gewesen (vgl. Suva-act. 339). Somit stellt sich die Frage, ob die
Beschwerdegegnerin vor Abschluss der Eingliederungsmassnahmen der IV am 17. Mai
2021 über eine ordentliche Invalidenrente gemäss Art. 19 Abs. 1 UVG oder lediglich
über eine allfällige Übergangsrente gemäss Art. 19 Abs. 3 UVG entscheiden konnte.
3.1.
Für die Beurteilung des ordentlichen Rentenanspruchs ist das Ergebnis von noch
nicht abgeschlossenen Eingliederungsmassnahmen der IV abzuwarten, wenn sie
geeignet sind, den der Invalidenrente der Unfallversicherung zugrunde zu legenden
Invaliditätsgrad zu beeinflussen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. April 2016,
8C_892/2015, E. 4.1 mit Hinweisen; BSK UVG-Flückiger, N 18 und 53 zu Art. 19).
Relevante Massnahmen sind insbesondere die Umschulung (Art. 17 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]) und die erstmalige
berufliche Ausbildung (Art. 16 Abs. 1 IVG), nicht jedoch eine Arbeitsvermittlung (Art. 18
IVG). Diese verfolgt einzig das Ziel, die Realisierung des vorhandenen
Leistungsvermögens auf dem konkret in Betracht fallenden Arbeitsmarkt zu fördern,
ohne dass davon Auswirkungen auf die für die Invaliditätsbemessung
ausschlaggebende (Rest-)Erwerbsfähigkeit auf dem (hypothetischen) ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Invalideneinkommen) zu erwarten sind (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 14. April 2003, U 68/02, E. 5.1). Gleiches gilt in der
Regel auch für die Berufsberatung (Art. 15 IVG; vgl. KOSS UVG-Geertsen, N 30 zu Art.
19).
3.2.
Der Beschwerdeführer hat vor seinem Unfall als Kranführer gearbeitet, verfügt aber
über keine Ausbildung, spricht nur schlecht Deutsch und ist 60 Jahre alt. Nachdem der
medizinische Endzustand am 15. Januar 2021 festgestellt und dem Beschwerdeführer
eine volle Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten attestiert wurde (Suva-act. 309),
ist anzunehmen, dass allfällige berufliche Massnahmen zum Zeitpunkt der Verfügung
vom 10. Februar 2021 einzig darauf abgezielt haben, das vorhandene
Leistungsvermögen auf dem konkret in Betracht fallenden Arbeitsmarkt realisieren zu
3.3.
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4.
In medizinischer Hinsicht ist ausgewiesen und unbestritten, dass der Beschwerdeführer
nach mehrfachen Operationen an den Endgliedern des Mittel- und des Ringfingers der
linken Hand (Suva-act. 29, 61, 81, 94, 136, 153 und 239) weiterhin an funktionellen
Einschränkungen leidet (vgl. Suva-act. 180-7, 259, 309-5). Diese unfallkausalen
Beschwerden sind unbestrittenermassen in die Beurteilung des Rentenanspruchs bzw.
des Invaliditätsgrades einzubeziehen. Kreisärztin Dr. E._ hat in ihren Beurteilungen
vom 11. Oktober 2019 (Suva-act. 180) und vom 15. Januar 2021 (Suva-act. 309) dazu
Stellung genommen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten der
Beschwerdeführer arbeitsunfähig ist (vgl. dazu BGE 125 V 261 E. 4). Die
Beschwerdegegnerin stützt sich sowohl in der Verfügung vom 10. Februar 2021 (Suva-
act. 320) als auch im angefochtenen Einspracheentscheid (Suva-act. 338) auf die
kreisärztliche Beurteilung, wonach dem Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit
als Kranführer unfallbedingt nicht mehr zuzumuten ist. Eine volle Arbeitsfähigkeit
bestehe aber für eine optimal angepasste leichte bis selten mittelschwere Tätigkeit
ohne kraftvolle Zug-, Stoss-, Drehbewegung mit links, ohne repetitive Greiffunktion mit
links oder erhöhtem Anspruch an die Feinmotorik links und ohne Arbeiten in der Kälte.
Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers folgt in der Beschwerde dem
Zumutbarkeitsprofil von Dr. E._ und wendet auch nichts gegen eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit ein (act. G 1, Ziff. 7 und 17 ff.).
Die kreisärztliche Arbeitsfähigkeitsbeurteilung und das kreisärztliche
Zumutbarkeitsprofil leuchten beim vorliegenden Beschwerdebild des
Beschwerdeführers ein und es sind den Akten keine Anhaltspunkte zu entnehmen,
aufgrund derer sie in Zweifel zu ziehen wären.
können und in Form von Arbeitsvermittlung oder Berufsberatung erfolgt sind.
Angesichts des Alters, des Bildungsstandes und der sprachlichen Fähigkeiten des
Beschwerdeführers erscheint es unwahrscheinlich, dass allenfalls ergriffene berufliche
Massnahmen darauf ausgerichtet waren, die Resterwerbsfähigkeit auf dem
(hypothetischen) ausgeglichenen Arbeitsmarkt und damit den Invaliditätsgrad
beeinflussen zu können. Die im Zeitpunkt der Verfügung vom 10. Februar 2021 noch
nicht abgeschlossenen beruflichen Massnahmen der IV stehen daher der ordentlichen
Rentenfestlegung der Beschwerdegegnerin nicht entgegen. Entsprechend hat die
Prüfung des ordentlichen Rentenanspruchs per 1. März 2021 – anknüpfend an den
Zeitpunkt des Fallabschlusses durch die Beschwerdegegnerin – zu erfolgen (Art. 19
Abs. 1 UVG).
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5.
Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ist im
Rahmen eines Einkommensvergleichs der Invaliditätsgrad zu ermitteln (vgl. Erwägung
2.1). Zwischen den Parteien sind dabei die Höhe des Valideneinkommens sowie die
Höhe des Tabellenlohnabzugs vom Invalideneinkommen streitig. Da der
frühestmögliche Rentenbeginn im März 2021 liegt (vgl. Erwägung 3.3) sind im
Folgenden die Einkommenszahlen des Jahres 2021 zu berücksichtigen (vgl. Art. 19
Abs. 1 UVG).
5.1.
5.2.
Für das Valideneinkommen ist massgebend, was die versicherte Person
aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und ihrer persönlichen Umstände nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des
allfälligen Rentenbeginns verdient hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Dabei
wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer
Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden
fortgesetzt worden wäre; Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erstellt sein (BGE 139 V 30 E. 3.3.2, mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom
18. März 2015, 8C_590/2014, E. 5.1). Ist ein konkreter Lohn nicht eruierbar, war die
versicherte Person zur Zeit des Unfalls arbeitslos oder hätte sie ihre bisherige Stelle
auch ohne den Unfall in der Zeit bis zum Rentenbeginn verloren, können die Zahlen der
LSE herangezogen werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. August 2017,
8C_382/2017, E. 2.3.1).
5.2.1.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich bei der Festlegung des Valideneinkommens
auf die Tabellenlöhne der LSE 2018 und erachtet dabei einen Hilfsarbeiterlohn im
Baugewerbe als angemessen (vgl. Suva-act. 320-4, 338, vgl. auch Suva-act. 319). Sie
begründet das Abstellen auf Tabellenlöhne damit, dass die Einsatzunternehmen, für die
der Beschwerdeführer bisher gearbeitet habe, für die Zukunft kein unbefristetes
Arbeitsverhältnis mit ihm hätten eingehen wollen, zumindest lägen keine Anhaltspunkte
dafür vor. Es könne darum nicht von einem stabilen Arbeitsverhältnis ausgegangen
werden (Suva-act. 338, act. G 3). Der Beschwerdeführer macht demgegenüber
geltend, es sei am zuletzt erzielten Verdienst anzuknüpfen. Sowohl der Lohn des
Einsatzvertrags im Unfallzeitpunkt als auch das Durchschnittseinkommen der letzten
fünf Jahre liege über dem von der Beschwerdegegnerin gewählten Tabellenlohn, weil
5.2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/18
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Kranführer im Baugewerbe allgemein überdurchschnittlich entlöhnt würden (act. G 1
und 5).
Der Beschwerdeführer ist seit seiner Anstellung bei der B._ AG im Juni 2017
bis zu seinem Unfall am 16. November 2017 ununterbrochen bei verschiedenen
Unternehmen als Kranführer im Einsatz gewesen. Dabei hat er, je nach
Einsatzunternehmen, einen Stundenlohn zwischen Fr. 42.-- und 44.-- verdient (Suva-
act. 8 f.). Bereits davor hat er Arbeitseinsätze für die B._ AG geleistet und dabei 2012
einen Jahresverdienst von Fr. 69'383.-- erzielt. 2013 hat er in Einsätzen für die
Personalvermittlungen F._ AG und B._ AG während acht Monaten Fr. 52'364.--
verdient. Von 2014 bis 2016 war der Beschwerdeführer bei der G._ AG angestellt und
hat jeweils ein Jahreseinkommen zwischen Fr. 68'948.-- und 71'936.-- erzielt (vgl. IK-
Auszug, Suva-act. 103-80 ff.). Die Eruierbarkeit eines konkreten Lohnes ist demnach
grundsätzlich gegeben. Zudem liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass der
Beschwerdeführer ohne den Unfall nicht mehr als Kranführer arbeiten würde oder seine
Anstellung bei der B._ AG verloren hätte. Ein Abstellen auf Tabellenlöhne, im Sinne
einer Ausnahme bei der Bemessung des Valideneinkommens, ist vorliegend somit nicht
gerechtfertigt, zumal gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts ein
Beizug der Lohnstatistik nur subsidiär und als ultima ratio erfolgen darf, nämlich dann,
wenn die Ermittlung des Valideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der
konkreten Gegebenheiten des Einzelfalls nicht möglich ist (BGE 142 V 188 E. 2.5.7). Die
Einkommensermittlung wird aber nicht schon dadurch verunmöglicht, dass die
Stundenlöhne in den aufeinanderfolgenden Einsatzverträgen leicht voneinander
abweichen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin (vgl. act. G 3 Ziff. 5.1)
sieht dies auch das Bundesgericht in seinem Urteil vom 20. Juli 2016, 8C_277/2016,
nicht so, in welchem bei der Bemessung des Valideneinkommens zwar auf statistische
Durchschnittslöhne abgestellt wurde, dies aber aus dem Grund, dass in jenem Fall
prospektiv betrachtet wenig wahrscheinlich war, dass die in den konkreten
Einsatzverträgen vereinbarten Löhne künftig weiterhin hätten erwirtschaftet werden
können (E. 3.3.2.; vgl. auch E. 3.2. mit Hinweisen). Vorliegend hat die B._ AG die
mutmassliche Lohnentwicklung des Beschwerdeführers für die Jahre 2018 und 2019
eingeschätzt und einen Stundenlohn von Fr. 43.-- prognostiziert (Suva-act. 186). Da
das Valideneinkommen so konkret wie möglich zu bemessen ist (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 8. September 2021, 8C_134/2021, E. 3.2), die tatsächlichen
Löhne der letzten fünf Jahre in der Tätigkeit als Kranführer ermittelt werden können und
das darauf basierende Einkommen aussagekräftiger ist als es statistische
Durchschnittslöhne sind, ist das Valideneinkommen gestützt auf den Durchschnittslohn
5.2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/18
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der Jahre 2012 bis 2016 festzulegen. Der erzielte Lohn im Jahr 2017 ist in der
Berechnung hingegen nicht zu berücksichtigen, weil der Beschwerdeführer gemäss IK-
Auszug und weiterer Akten im Jahr 2017 nur zwischen dem 14. Juni und dem
16. November gearbeitet hat, keine Arbeitslosenentschädigung ausbezahlt wurde und
ein Hochrechnen der 5 Monatslöhne auf einen Jahreslohn ein ungenaues Bild der
Verdienstmöglichkeiten darstellen würde, zumal in den vorangegangenen Jahren
jeweils starke Lohnschwankungen zwischen den einzelnen Monaten bestanden haben
(vgl. Suva-act. 103-74 ff.). Der Durchschnittslohn der Jahre 2012 bis 2016 liegt bei
Fr. 72'073.40 (2012: 75'923.-- [69'383.-- + Arbeitslosenentschädigung von Fr. 5'232.--
x 100/80], 2013: Fr. 72'342.-- [Fr. 6'491.-- + Fr. 45'873.-- + Arbeitslosenentschädigung
von Fr. 15'982.-- x 100/80], 2014: Fr. 71'936.--, 2015: Fr. 71'218.--, 2016: Fr. 68'948.--,
vgl. IK-Auszug, Suva-act. 103-80 ff.). Unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung in den Jahren 2017 bis 2021 (2017: 0.4 %, 2018: 0.5 %, 2019:
0.9 %, 2020: 0.8 %, 2021: 0.1 %; vgl. Bundesamt für Statistik, Nominallohnindex,
Männer, 2011-2020, T1.1.10; Quartalsschätzungen der Nominallohnentwicklung, 2021)
ergibt sich ein Valideneinkommen für den relevanten Zeitpunkt im Jahr 2021 (allfälliger
Rentenbeginn) von Fr. 74'039.--.
5.3.
Art. 16 ATSG umschreibt das Invalideneinkommen als hypothetisches
Einkommen. Nach der ständigen Verwaltungspraxis und Rechtsprechung steht der
Beizug von Tabellen und vergleichbaren Übersichten im Vordergrund (Ueli Kieser,
ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 66 f. zu Art. 16). Hat die versicherte Person nach
Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine an sich zumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können LSE-Tabellenlöhne herangezogen werden
(BGE 135 V 301 E. 5.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 10. August 2018,
8C_313/2018, E. 6.2.).
5.3.1.
Die Beschwerdegegnerin hat zur Festsetzung des Invalidenlohns LSE-
Tabellenlöhne beigezogen, was grundsätzlich nicht zu beanstanden ist. Sie hat sich
dabei zudem auf das kreisärztliche Zumutbarkeitsprofil von Dr. E._ gestützt, was
ebenfalls nicht zu beanstanden ist (vgl. Erwägung 4). Die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers macht jedoch geltend, dass beim Beizug der LSE 2018, TA1, nicht
auf das Total des privaten Sektors (Sektoren 2 und 3, Männer, Kompetenzniveau 1)
abzustellen sei, vielmehr seien diejenigen Berufsfelder aus der Berechnung
herauszustreichen, in denen der Beschwerdeführer aufgrund seiner mangelnden
fachlichen Qualifikation oder aufgrund seiner unfallbedingten Einschränkungen definitiv
5.3.2.
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nicht arbeiten könne (act. G 1). Aufgrund der verletzten linken Hand sei das
Tätigkeitsspektrum in sämtlichen manuellen Arbeitsbereichen eingeschränkt (act. G 5).
Ausserdem verletze die Beschwerdegegnerin ihre Begründungspflicht, indem sie sich
auf ein Zumutbarkeitsprofil stütze ohne ein konkretes Beschäftigungsfeld zu nennen, in
welchem der Beschwerdeführer einer Erwerbstätigkeit nachgehen könnte; dies fordere
auch das Bundesgericht in seinem Urteil vom 5. März 2019, 8C_714/2018, E. 4.4.4.
(act. G 1). Entgegen diesen Ausführungen und der vom Beschwerdeführer
vorgeschlagenen Auswahl an Berufsfeldern (act. G 1.4) sind nicht alle manuellen
Tätigkeiten von den in Frage kommenden Berufsfeldern auszuschliessen, zumal dem
Beschwerdeführer gemäss Einschätzung von Dr. E._ durchaus eine "optimal
angepasste leichte bis selten mittelschwere manuelle Tätigkeit" zumutbar ist (Suva-
act. 309). Es erscheint grundsätzlich nicht sinnvoll, den Mittelwert einer Reihe von
Zeilen heranzuziehen, wie dies der Beschwerdeführer vorschlägt. Die so resultierenden
Daten wären bereits aus statistischen Gründen zu wenig aussagekräftig, würde doch
ein Mittelwert aus verschiedenen Medianwerten gebildet. Von einem solchen Vorgehen
ist deshalb abzusehen (so auch das Urteil des Bundesgerichts vom 19. Juli 2017,
9C_72/2017, E. 4.2.2. mit weiteren Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin hat bei der
Festsetzung des Invalideneinkommens zu Recht auf den Totalwert für Hilfsarbeiten
abgestellt, zumal der Verwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit keine engen
Grenzen gesetzt sind (vgl. dazu das Urteil des Bundesgerichts vom 23. Oktober 2013,
9C_633/2013, E. 4.2.). Dabei war sie praxisgemäss nicht gehalten, die
Arbeitsgelegenheiten auf dem massgeblichen ausgeglichenen Arbeitsmarkt
weitergehend zu konkretisieren (vgl. die Urteile des Bundesgerichts vom 30. Oktober
2019, 8C_587/2019, E. 6.2., und vom 30. Januar 2020, 8C_815/2019, E. 6.2.). Das vom
Beschwerdeführer diesbezüglich angeführte bundesgerichtliche Urteil (vom 5. März
2019, 8C_714/2018) ist in diesem Fall nicht einschlägig, da es einen anderen
Sachverhalt betrifft. In jenem Urteil ist ein Anspruch auf Taggeld geprüft worden und
bei der Frage der Arbeitsunfähigkeit ist ausnahmsweise nicht auf die tatsächliche
Einschränkung im zuletzt ausgeübten Beruf abgestellt worden, sondern auf eine
Tätigkeit in einem anderen als dem angestammten Tätigkeitsbereich (vgl. das Urteil des
Bundesgerichts vom 5. März 2019, 8C_714/2018, E. 4.4.2.).
Da dem Beschwerdeführer Hilfsarbeitertätigkeiten zumutbar sind, rechtfertigt es
sich diesfalls, das Invalideneinkommen gestützt auf die LSE 2018, privater Sektor,
Total, Kompetenzniveau 1, Männer, zu bestimmen. Der entsprechende Lohn belief sich
im Jahr 2018 auf Fr. 5'417.-- pro Monat bzw. Fr. 65'004.-- jährlich. Aufgerechnet auf
die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden und angepasst an die
5.3.3.
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Nominallohnentwicklung bis 2021 (Teuerung 2019: 0,9 %; 2020: 0.8 %; 2021: 0.1 %)
ergibt sich ein massgebliches Jahreseinkommen von Fr. 68'992.50.
5.4.
Nach der Rechtsprechung ist ein Abzug vom Invalideneinkommen gerechtfertigt,
wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass eine versicherte Person, die
gesundheitsbedingt selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeiten in ihrer
Leistungsfähigkeit behindert ist, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend
einsetzbaren Arbeitskräften lohnmässig benachteiligt ist und deshalb mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen muss. Sodann wird mit dem
Tabellenlohnabzug dem Umstand Rechnung getragen, dass weitere persönliche und
berufliche Merkmale einer Person Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können. Als
letztere kommen etwa Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie
sowie Beschäftigungsgrad in Betracht (BGE 146 V 19 E. 4.1, vgl. auch BGE 134 V 327
E. 5.2). Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf höchstens
25 % zu begrenzen ist (BGE 126 V 78 ff., 146 V 19 E. 4.1). Allerdings darf das
Sozialversicherungsgericht bei der Überprüfung des Abzugs, der eine Schätzung
darstellt und von der Verwaltung wenigstens kurz zu begründen ist, sein Ermessen
nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss sich
somit auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende
Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 126 V 81, E. 6). Diese
Voraussetzung ist hier, wie zu zeigen sein wird, erfüllt.
5.4.1.
Die Beschwerdegegnerin hat in der Verfügung vom 10. Februar 2021 keinen
Tabellenlohnabzug gewährt (Suva-act. 320). Im Einspracheentscheid vom 10. Juni
2021 hat sie festgehalten: "Dadurch, dass die linke Hand des Versicherten zwar
eingeschränkt, nicht aber uneinsetzbar ist, wäre ein leidensbedingter Abzug von
höchstens 5 % gerechtfertigt" (Suva-act. 338-8). Auf konkretere Ausführungen zu
diesem – offensichtlich (nur) aus behinderungsbedingten Gründen als gerechtfertigt
angesehenen – Abzug hat die Beschwerdegegnerin aber verzichtet, weil sich auch mit
einem 5%igen Abzug noch keine rentenbegründende Erwerbseinbusse ergebe (Suva-
act. 338). In der Beschwerdeantwort vom 30. August 2021 wurde vom berechneten
Invalideneinkommen wiederum kein Tabellenlohnabzug vorgenommen. Bei einem
Tabellenlohnabzug seien ausschliesslich die Folgen der unfallbedingten
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Das Alter als
"invaliditätsfremder" Faktor, aber auch Gründe wie mangelnde Ausbildung und
5.4.2.
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unzureichende Sprachkenntnisse dürften dabei nicht berücksichtigt werden (act. G 3-4,
mit Verweis auf BGE 107 V 21). Der Beschwerdeführer fordert demgegenüber, es sei
neben der Behinderung der linken Hand zusätzlich den einkommensbeeinflussenden
Merkmalen Alter, eingeschränkte Berufserfahrung und schlechte Deutschkenntnisse
Rechnung zu tragen (vgl. act. G 1).
Im Hinblick auf unfallbedingte gesundheitliche Einschränkungen erachtete das
EVG in BGE 126 V 78 E. 5a/bb einen Tabellenlohnabzug als begründet, wenn eine
versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeiten in ihrer
Leistungsfähigkeit eingeschränkt sei. In seinen Urteilen vom 20. Mai 2021, 8C_48/2021,
E.4.3.4., vom 24. Mai 2018, 8C_884/2017, E. 4.2., und vom 30. März 2009,
9C_72/2009, E. 3.4, sah das Bundesgericht hingegen auch bei eingeschränkter
Leistungsfähigkeit einen Abzug nicht als gerechtfertigt an, wenn der versicherten
Person leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar seien. Dies ergebe sich daraus,
dass der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und
mittelschweren Tätigkeiten umfasse (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom
20. August 2018, 8C_736/2017, E. 4.2.2.). Die bisherige Tätigkeit des
Beschwerdeführers als Kranführer kann als manuell schwere Tätigkeit, die beide Hände
beansprucht, eingestuft werden (vgl. Suva-act. 180-8). Laut dem von Dr. E._
formulierten Zumutbarkeitsprofil kann der Beschwerdeführer wegen seiner
Unfallrestfolgen an der linken Hand – wenn auch keine schweren Arbeiten mehr –
immer noch eine leichte bis selten mittelschwere manuelle Tätigkeit ausüben.
Allerdings sei er auch in einer optimal angepassten leichten bis selten mittelschweren
manuellen Tätigkeit weiteren Einschränkungen unterworfen (ohne kraftvolle Zug-,
Stoss-, Drehbewegungen mit links, ohne repetitive Greiffunktion mit links, ohne
erhöhten Anspruch an die Feinmotorik). Auch ein Arbeiten in der Kälte sei für ihn nicht
mehr zumutbar, da sich dann seine Beschwerden an den Fingerkuppen verstärkten.
Unter Berücksichtigung dieser Einschränkungen besteht beim Beschwerdeführer
unbestrittenermassen eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (Suva-act. 309). Die
Beschwerdegegnerin hat, wie bereits erwähnt, im Einspracheentscheid vom 10. Juni
2021 den Minimalabzug von 5 % als gerechtfertigt angesehen. Dieser
behinderungsbedingt begründete Abzug erscheint aufgrund der verschiedenen
qualitativen Einschränkungen, insbesondere auch der kältebedingten
Arbeitsunfähigkeit bei Arbeiten im Aussenbereich, jedenfalls als angemessen.
5.4.3.
Im Hinblick auf das Merkmal "Alter" kann der Beschwerdegegnerin bei der
Festlegung des Tabellenlohnabzugs hingegen nicht gefolgt werden. Der
Beschwerdeführer stand zum Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns am
5.4.4.
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1. März 2021 kurz vor seinem 60. Geburtstag. Über 50-jährige Personen, die infolge
gesundheitlicher Beeinträchtigung aus der Berufskarriere gerissen werden, sind bei der
Verwertung einer Restarbeitsfähigkeit in anderen Tätigkeiten mit zahlreichen
lohnwirksamen Nachteilen konfrontiert: hohe Lohnnebenkosten für die Arbeitgeber,
längere gesundheitsbedingte Absenzen, schlechtere Anpassungs- und
Angewöhnungsfähigkeit, kürzere Aktivitätsdauer, Entwertung des Erfahrungswissens
und zu beachtende GAV-Bestimmungen (vorzeitige Pensionierung, längerer
Ferienanspruch, längere Kündigungsfristen usw.). Ferner sind bei älteren Personen
diverse Arbeitsanforderungen zu vermeiden, was das Spektrum adaptierter Tätigkeiten
zusätzlich einschränkt. Hinzu kommt, dass behindertengerechte Arbeitsplätze von
Invaliden in jungem und mittlerem Alter ebenfalls stark nachgefragt werden. In
Nachachtung dieser Nachteile und der damit einhergehenden Verminderung des zu
erwartenden Entgelts wird in den bundesgerichtlichen Grundsatzentscheiden jeweils in
Erinnerung gerufen, dass das Alter bei der Bemessung des Tabellenlohns prinzipiell
berücksichtigt werden kann (BGE 126 V 75, 146 V 26 E. 7.2.1; Urteil des
Bundesgerichts vom 14. Juni 2018, 8C_227/2018, E. 4.2.3.4.; vgl. auch Philipp
Geertsen, Der Tabellenlohnabzug, in: Ueli Kieser/Miriam Lendfers [Hrsg.], Jahrbuch
zum Sozialversicherungsrecht [JaSo] 2012, S. 143 ff.). Zwar wird in jüngeren Urteilen
einer altersbedingt erschwerten Stellensuche als "invaliditätsfremdem" Faktor
bezüglich des Abzugs regelmässig keine Bedeutung beigemessen (Urteil des
Bundesgerichts vom 1. März 2022, 8C_466/2021, E. 3.6.2.). Das Bundesgericht hat
jedoch bislang die Frage offengelassen, ob das Merkmal "Alter" grundsätzlich einen
Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigen könnte (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
6. Oktober 2017, 8C_439/2017, E. 5.6.4 mit weiteren Hinweisen; BGE 146 V 16
E. 7.2.1; KOSS UVG-Hürzeler/Caderas, N 17 zu Art. 18). Gemäss seinem Urteil vom
22. November 2017, 8C_312/2017, E. 3.3.2, ist das Alter im Zusammenhang mit dem
Leidensabzug immerhin soweit zu berücksichtigen, wie es die Erwerbsaussichten in
Verbindung mit dem versicherten Gesundheitsschaden zusätzlich schmälert. Eine
andere Betrachtungsweise stünde wohl auch zum Wesen des Tabellenlohnabzugs in
Widerspruch, demgemäss die invaliditätsfremden Gegebenheiten bei der Anpassung
der statistischen Löhne miteinbezogen werden (BGE 126 V 75; Urteil des
Bundesgerichts vom 22. April 2010, 9C_17/2010 E. 3.3.2; vgl. zum Ganzen Geertsen,
a.a.O., S. 143 ff.). Vorliegend hat der Beschwerdeführer, der als ungelernter Kranführer
bisher nur Arbeitserfahrung in manuellen Tätigkeiten hat und dessen sofort erkennbare
Behinderung an der Hand für jeden zukünftigen Arbeitgeber einen lohnreduzierenden
Faktor darstellen muss, mit seinem fortgeschrittenen Alter zusätzlich deutlich
geschmälerte Erwerbsaussichten. In Berufskarrieren gesunder Arbeitskräfte, auf denen
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die Medianlöhne der LSE-Tabelle beruhen, kann das Erfahrungswissen aus der
angestammten Tätigkeit die altersbedingten Nachteile allenfalls lohnwirksam
kompensieren. Die Berufserfahrung des Beschwerdeführers ist jedoch völlig entwertet,
da er weder als Kranführer noch in einer ähnlichen manuellen Tätigkeit arbeiten kann.
Die behinderungsbedingte Reduktion der Erwerbsaussichten wird durch die
unkompensierten altersbedingten Nachteile noch verstärkt. Demgemäss hat die
Beschwerdegegnerin das Merkmal "Alter" bei der Festlegung der Tabellenlohnabzüge
zu Unrecht nicht berücksichtigt.
Ergänzend ist festzuhalten, dass die Berücksichtigung des Alters im
Zusammenhang mit Art. 28 Abs. 4 UVV vorliegend nicht in Frage kommt, da in Bezug
auf den Beschwerdeführer insgesamt kein Anwendungsfall im Sinn dieser Bestimmung
vorliegt (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 26. Februar 2016, 8C_754/2015,
E. 4.3.; siehe auch Urteil des Bundesgerichts vom 23. November 2016, 8C_477/2016,
E. 4.2.). So bestehen keine Gesichtspunkte, wonach eine physiologische
Altersgebrechlichkeit vorliegt, geschweige denn, dass diese verglichen mit anderen
Ursachen der Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit eine wesentliche Bedeutung
zukommen würde (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 20. Juni 2016, 8C_205/2016,
E. 3.4.). Davon scheint im Übrigen auch die Beschwerdegegnerin auszugehen, die das
Valideneinkommen ebenfalls nicht nach Art. 28 Abs. 4 UVV ermittelt hat (vgl. Suva-
act. 338-6 f.).
5.4.5.
Die Merkmale der eingeschränkten Berufserfahrung und der schlechten
Deutschkenntnisse werden vom Bundesgericht bei der Festlegung des
Tabellenlohnabzugs regelmässig ausser Acht gelassen, wenn der statistische
Durchschnittslohn für einfache und repetitive Tätigkeiten (Kompetenzniveau 1)
angewendet wird (Urteil des Bundesgerichts vom 20. Mai 2021, 8C_48/2021, E. 4.3.4.
mit weiteren Hinweisen). Vorliegend wird die eingeschränkte Berufserfahrung bzw. die
Entwertung des berufsspezifischen Erfahrungswissens im Zusammenhang mit den
altersbedingten Nachteilen berücksichtigt (Erwägung 5.4.4). Die für den
Beschwerdeführer in Frage kommenden Tätigkeiten im Kompetenzniveau 1 erfordern
definitionsgemäss keine guten Kenntnisse der deutschen Sprache, so dass dieser
Aspekt für einen Tabellenlohnabzug keine Berücksichtigung finden kann.
5.4.6.
Wurde bei der Festsetzung des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein
bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt, ist nicht von dem
von der Vorinstanz bzw. der Unfallversicherung vorgenommenen Abzug auszugehen
und dieser angemessen zu erhöhen. Vielmehr hat das kantonale Gericht den Abzug
5.4.7.
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6.
gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 20. Januar 2015,
8C_536/2014, E. 4.3, und vom 28. Januar 2014, 9C_796/2013, E. 3.2; SVR 2011 IV Nr.
31 S. 90, 9C_728/2009, E. 4.2.1). In Anbetracht der – von der Beschwerdegegnerin zu
Unrecht nicht berücksichtigten – unkompensierten Nachteile des fortgeschrittenen
Alters des Beschwerdeführers sowie des beim behinderungsbedingten Abzug ebenfalls
einzubeziehenden Aspekts der Arbeitsunfähigkeit für Tätigkeiten in der Kälte,
rechtfertigt sich insgesamt ein Tabellenlohnabzug von 10 %. Das Invalideneinkommen
beläuft sich demnach auf Fr. 62'093.25 (Fr. 68'992.50 x 0.9).
Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
und unter Berücksichtigung eines 10%igen Tabellenlohnabzugs resultiert bei einem
Valideneinkommen von Fr. 74'039.-- (Erwägung 5.2.3) und einem Invalideneinkommen
von Fr. 62'093.25 (Erwägung 5.4.7) eine Erwerbseinbusse von Fr. 11'945.75 und damit
ein rentenbegründender Invaliditätsgrad von gerundet 16 % (100 / 74'039.-- x
11'945.75).
5.5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 10. Juni 2021 (Suva-act. 338) teilweise gutzuheissen und
dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 16
% zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.1.
Bei Streitigkeiten über Leistungen ist das Verfahren kostenpflichtig, wenn dies im
jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist (Art. 61 lit. f ATSG). Im UVG ist eine solche
Kostenpflicht nicht vorgesehen. Das Verfahren ist deshalb kostenlos.
6.2. bis
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine
Parteientschädigung für die Kosten der Vertretung und Prozessführung (Art. 61 lit. g
ATSG). Trotz des nur teilweisen Obsiegens ist ihm die volle Parteientschädigung
zuzusprechen (vgl. betreffend "Überklagung" das Urteil des Bundesgerichts vom 25.
Januar 2008, 9C_466/2007, E. 5). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar
vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO;
sGS 963.75; in der vorliegend anwendbaren, seit 1. Januar 2019 gültigen Fassung,
siehe Art. 30 HonO) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Am 2. Dezember 2021
reichte die Rechtsvertreterin eine Honorarnote für das Beschwerdeverfahren über Fr.
2'762.50 zzgl. Barauslagen von Fr. 110.50 und Mehrwertsteuer von Fr. 221.20, total Fr.
3'094.20, ein (act. G 9). Die Honorarnote erscheint angemessen und enthält keine nicht
zu berücksichtigenden Positionen. Darüber hinaus bewegt sich die Honorarnote im
6.3.
bis
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