Decision ID: 95b32356-927b-5665-a524-1765b55464cb
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 24. Januar 2016 erstmals in der
Schweiz um Asyl nach. Im Rahmen eines darauffolgenden Zuständigkeits-
verfahrens gestützt auf die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) wurde festgestellt, dass Österreich
für die Durchführung ihres weiteren Verfahrens zuständig ist. Gestützt da-
rauf erliess das SEM einen Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG (SR. 142.31) und verfügte ihre Wegweisung nach Ös-
terreich. Diese Verfügung ist in Rechtskraft erwachsen und die Beschwer-
deführerin wurde am 6. April 2016 nach Österreich überstellt.
B.
B.a Eigenen Angaben zufolge versuchten die Beschwerdeführerin und ihr
in der Schweiz als Flüchtling vorläufig aufgenommener angeblicher Partner
B._ (N [...]) zu einem nicht näher bekannten (in der näheren Ver-
gangenheit liegenden) Zeitpunkt beim Zivilstandsamt C._ angeblich
ein Ehevorbereitungsverfahren einzuleiten. Da sie die vom Zivilstandsamt
geforderten Unterlagen aber nicht habe einreichen können, sei dieses Un-
terfangen in der Folge nicht weiterverfolgt worden. Ein kantonales Bewilli-
gungsverfahren sei bisher auch nicht angestrebt worden; dies, weil die hei-
matlichen Ausweisschriften der Beschwerdeführerin, die für ein solches
Verfahren erforderlich wären, ohnehin noch bei den österreichischen Be-
hörden hinterlegt seien. Ein ordentliches Familiennachzugsgesuch wurde
bis dato ebenfalls nicht eingereicht.
B.b Zu nicht näher bekanntem Zeitpunkt reiste die Beschwerdeführerin so-
dann illegal in die Schweiz ein und ersuchte mit Eingabe an das SEM vom
2. Dezember 2020 um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ihres angeb-
lichen Partners B._ (N [...]) und vorläufige Aufnahme in der
Schweiz. Darin verzichtete sie auf die Geltendmachung eigener Asyl-
gründe. Sie wolle einzig und alleine nur endlich mit B._ zusammen-
leben und in der Schweiz heiraten dürfen.
Das SEM nahm diese Eingabe als Mehrfachgesuch im Sinne von Art. 111c
AsylG entgegen.
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B.c Ein Informationsersuchen des SEM vom 9. Dezember 2020 betreffend
den Stand des österreichischen Asylverfahrens der Beschwerdeführerin
beantworteten die österreichischen Behörden am 22. Januar 2021 (vgl.
vorinstanzliche Akten [...]-10/3; nachfolgend «act. 10/3»). Daraus geht un-
ter anderem hervor, dass der Asylantrag der Beschwerdeführerin abge-
lehnt worden, gegenwärtig aber ein Beschwerdeverfahren in zweiter In-
stanz hängig ist.
B.d Mit Schreiben vom 27. Januar 2021 gewährte das SEM der Beschwer-
deführerin das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Österreichs zur Durch-
führung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gemäss Dublin-III-VO, zum
Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG sowie zur
Wegweisung nach Österreich und ersuchte sie zudem um Beantwortung
verschiedener Fragen (vgl. act. 11/4).
B.e Am 2. Februar 2021 ersuchte das SEM die österreichischen Behörden
um Wiederaufnahme der Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 18 Abs. 1
Bst. b Dublin-III-VO (vgl. act. 12/5). Dem Ersuchen stimmten die österrei-
chischen Behörden am 3. Februar 2021 zu (vgl. act. 15/2).
B.f Am 3. Februar 2021 reichte die Beschwerdeführerin eine schriftliche
Stellungnahme ein, mit welchem sie ihr rechtliches Gehör wahrnahm und
die Fragen des SEM beantwortete (vgl. act. 17/6).
C.
C.a Mit Verfügung vom 22. Februar 2021 – eröffnet tags darauf – trat das
SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Gesuch der
Beschwerdeführerin nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz nach Österreich sowie den Vollzug an. Gleichzeitig verfügte das
SEM die Aushändigung der editionspflichtigen Akten, stellte fest, einer all-
fälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende
Wirkung zu, und erhob eine Gebühr in Höhe von Fr. 600.–.
C.b Zur Begründung führte das SEM im Wesentlichen aus, dass die Be-
schwerdeführerin am 22. Januar 2016 in Österreich ein Asylgesuch einge-
reicht habe und die österreichischen Behörden ihrer Rückübernahme ge-
stützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO zugestimmt hätten. Somit liege
die Zuständigkeit zur weiteren Durchführung ihres Verfahrens bei Öster-
reich. Mit ihrer Stellungnahme vom 3. Februar 2021 habe sie keine Gründe
vorgebracht, welche zu einem anderen Resultat führen könnten. Die Prü-
fung von Asylgründen sei schliesslich nicht Gegenstand des vorliegenden
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Zuständigkeitsverfahrens. Es ergäben sich ferner keine Hinweise, dass die
Überstellung unzulässig, unzumutbar oder nicht möglich wäre. Es lägen
auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass sich Österreich nicht
an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten und das Asyl- und Weg-
weisungsverfahren nicht korrekt durchführen würde. Sodann lägen auch
keine Gründe gemäss Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO vor, welche die Schweiz
verpflichten würden, ihr Asylgesuch zu prüfen. Es seien auch keine Gründe
gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO ersichtlich, welche eine Prüfung ihres
Asylgesuchs in der Schweiz nahelegen würden. Sie und ihr Partner seien
nicht verheiratet und würden seit ihrer Wegweisung nach Österreich vom
6. April 2016 getrennt leben, wobei sie den Kontakt mit Hilfe diverser sozi-
aler Netzwerke aufrechterhielten. Von einer tatsächlichen, gelebten und
dauerhaften Beziehung könne nicht ausgegangen werden, weshalb die Vo-
raussetzungen für eine Berufung auf Art. 8 EMRK nicht erfüllt seien.
Es sei sodann klar nicht Sinn und Zweck des Asylverfahrens, ausländer-
rechtliche Bestimmungen des Familiennachzugs gezielt zu umgehen. Es
könne ihr und ihrem Partner zugemutet werden, dass dafür vorgesehene
ordentliche Familienzusammenführungsverfahren bei der zuständigen ös-
terreichischen beziehungsweise schweizerischen Behörde einzuleiten. Zu-
dem könne es der Beschwerdeführerin zugemutet werden, den Ausgang
eines solchen Verfahrens respektive eines allfälligen Ehevorbereitungsver-
fahrens in Österreich abzuwarten. Der mit der Trennung der Familie ein-
hergehende Eingriff sei daher verhältnismässig, zumal die räumliche Tren-
nung nicht sonderlich gross und überdies nur vorübergehend wäre, sofern
das Familienzusammenführungsgesuch positiv verlaufen würde. Nach
dem Gesagten sei die geltend gemachte Beziehung nicht als dauerhaft im
Sinne von Art. 8 EMRK zu werten und es bestehe keine Pflicht, die Souve-
ränitätsklausel anzuwenden. Da in casu auch nicht von einem Konkubi-
natsverhältnis ausgegangen werden könne, seien letztlich auch die Vo-
raussetzungen nach Art. 51 Abs. 1 AsylG nicht erfüllt.
D.
Mit Eingabe vom 2. März 2021 erhob die Beschwerdeführerin beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung und
beantragte die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und Rückwei-
sung der Sache an das SEM zur materiellen Behandlung sowie die Bewil-
ligung, den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten zu dürfen. In
prozessualer Hinsicht beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege inklusive Kostenvorschussverzicht und Bestellung der rubri-
zierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin.
E-935/2021
Seite 5
Zur Begründung ihrer Beschwerde machte die Beschwerdeführerin im We-
sentlichen geltend, dass das SEM ihr Gesuch fälschlicherweise als Mehr-
fachgesuch qualifiziert habe. Der Nichteintretensentscheid sei daher unbe-
gründet. Auch wenn die Schweiz für die Prüfung ihres Gesuchs nicht zu-
ständig wäre, hätte das SEM aus humanitären Gründen gemäss Art. 17
Dublin-III-VO von den Zuständigkeitskriterien abweichen, ihren Antrag prü-
fen und sie anhören müssen. Das SEM habe nicht vollständig ermittelt, ob
eine nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung bestehe. Es treffe
auch nicht zu, dass sie ihr Gesuch eingereicht habe, bloss um ausländer-
rechtliche Bestimmungen zu umgehen.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 4. März 2021 bestätigte das Bundesverwal-
tungsgericht der Beschwerdeführerin den Eingang ihrer Beschwerde und
stellte ihren einstweiligen legalen Aufenthalt in der Schweiz für die Dauer
des Verfahrens fest.
F.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
3. März 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Die Beschwer-
deführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
E-935/2021
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3.
3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.2 Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
sowie des Einbezugs in die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 51 Abs. 1
AsylG hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb
dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt.
4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb das
Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
Die formelle Rüge der Beschwerdeführerin, wonach das SEM ihr Gesuch
fälschlicherweise als Mehrfachgesuch qualifiziert habe, weshalb die Sach-
verhaltsfeststellung fehlerhaft sei, ist unbegründet. Die Vorgehensweise
des SEM, das Gesuch der Beschwerdeführerin als Mehrfachgesuch zu
qualifizieren, ist nicht zu beanstanden und entspricht – wie nachfolgend
dargestellt – der Vorgehensweise in ähnlich gelagerten Fällen. Da es sich
bei der Prüfung der Anwendbarkeit von Art. 51 Abs. 1 AsylG nicht um die
Prüfung der originären, sondern um diejenige der derivativen (also abge-
leiteten) Flüchtlingseigenschaft handelt, steht im vorliegenden Fall die Be-
urteilung der persönlichen Verfolgungssituation – wie von der Beschwer-
deführerin ja auch explizit selbst festgestellt – gar nicht im Raum. Die Prü-
fung der Anwendbarkeit von Art. 51 Abs. 1 AsylG erweist sich somit im Kon-
text des vorliegend gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG gefällten Nicht-
eintretensentscheids als zulässig (vgl. Urteil des BVGer D-2082/2015 vom
8. September 2015 E. 5.2; vgl. in einer ähnlichen Konstellation auch D-
4228/2017 und D-4663/2017 vom 13. Juni 2018). Weiter ist auch festzu-
halten, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen des rechtlichen Gehörs
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vom 27. Januar 2021 vom SEM bereits darauf aufmerksam gemacht
wurde, dass ihr Gesuch als Mehrfachgesuch im Sinne von Art. 111c AsylG
entgegengenommen wurde. Diese Vorgehensweise des SEM wurde von
der Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme nicht beanstandet. Die Vo-
rinstanz hat im Übrigen – obwohl es sich vorliegend prinzipiell um einen
Nichteintretensentscheid handelt – den Wunsch nach einem Einbezug in
die Flüchtlingseigenschaft des Partners erkannt (wie aus dem Wortlaut der
angefochtenen Verfügung an mehreren Stellen hervorgeht, vgl. a.a.O.
S. 3) und ist hierauf in Teil III der Verfügung auch vertieft eingegangen.
Schliesslich gewährte das SEM der Beschwerdeführerin die Gelegenheit,
zu ihrer Beziehung ausführlich Stellung zu nehmen. Es ist deshalb nicht
ersichtlich, inwiefern der Sachverhalt diesbezüglich nicht genügend abge-
klärt worden wäre; dies zumal der Qualität ihrer Beziehung angesichts der
im vorliegenden Verfahren festzustellenden offensichtlichen Rechtsumge-
hung – wie nachfolgend in E. 6 noch dargelegt wird – ohnehin kein Gewicht
beizumessen ist. Die entsprechenden Beschwerdevorbringen sind deshalb
nicht zu hören.
6.
6.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen (Ehe-
gatten rechtlich gleichgestellt sind in einer dauerhaften eheähnlichen Ge-
meinschaft lebende Partner, vgl. Art. 1a Bst. e AsylV1 [SR 142.311]) eben-
falls als Flüchtlinge anerkannt, wenn keine besonderen Umstände dage-
gensprechen. Ungeachtet der Frage, ob die Beziehung zwischen der Be-
schwerdeführerin und ihrem Partner überhaupt in den Anwendungsbereich
des Familienasyls fällt (vgl. hierzu nachfolgend E. 6.4), liegen vorliegend
solche besonderen Umstände gegen einen Einbezug der Beschwerdefüh-
rerin in die Flüchtlingseigenschaft ihres Partners vor.
6.2 Nachdem die Vorinstanz auf ihr erstes Asylgesuch vom 24. Januar
2016 in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG nicht eingetreten ist
und das erste Asylverfahren rechtskräftig erledigt worden war, wurde die
Beschwerdeführerin am 6. April 2016 nach Österreich rücküberstellt, wo
ihr Asylverfahren seine Fortsetzung fand. Obwohl ihr Asylgesuch dort noch
nicht abgeschlossen ist (gegenwärtig ist Angaben der österreichischen Be-
hörden zufolge ein Beschwerdeverfahren in zweiter Instanz hängig, vgl.
act. 10/3), reiste sie augenscheinlich illegal wiederum in die Schweiz ein
und beauftragte die rubrizierte Rechtsvertreterin mit der Einreichung eines
weiteren asylrechtlichen Gesuchs, welches in der Folge am 2. Dezember
2020 gestellt wurde. Darin führte sie im Wesentlichen an, gar keine eige-
nen Asylgründe geltend machen zu wollen, sondern einzig und alleine nur
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endlich mit B._ zusammenleben und diesen heiraten zu wollen.
Letzteres sei ihr bisher aber noch nicht möglich gewesen, zumal sämtliche
ihrer Dokumente bei den österreichischen Behörden deponiert seien. Aus
diesem Grund habe sie auch gar nie eine ausländerrechtliche Bewilligung
beantragt. Auch auf Beschwerdeebene führte sie für ihre erneute illegale
Einreise in die Schweiz und die Einreichung ihres Gesuchs einzig den
Grund ihrer Vereinigung mit B._ an.
Angesichts dieser Sachlage ist entgegen der Ansicht der Beschwerdefüh-
rerin davon auszugehen, dass sie bewusst in Umgehung der anwendbaren
Gesetzesbestimmungen erneut in die Schweiz einreiste und hierzulande
einzig mit dem Ziel der Familienzusammenführung ein asylrechtliches Ge-
such (um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft) stellte. Aus ihren Be-
schwerdeausführungen, wonach sie aufgrund fehlender Dokumente gar
nie erst ein Gesuch um eine ausländerrechtliche Bewilligung gestellt habe
respektive dass die rubrizierte Rechtsvertreterin nebst dem Beschwerde-
verfahren auch ein ausländerrechtliches Verfahren habe einleiten wollen,
scheint offenkundig, dass sie sich der einschlägigen Gesetzesbestimmun-
gen im Klaren war und wider besseren Wissens und aufgrund aktuell nicht
greifbarer Dokumente den aus ihrer Sicht erfolgversprechenderen Weg
des asylrechtlichen Verfahrens einschlug. Dieses Vorgehen ist als Rechts-
umgehung zu qualifizieren und kann nicht geschützt werden. Anders zu
entscheiden würde bedeuten, die Umgehung der im AIG (SR 142.20) vor-
gesehenen Bestimmungen zum Familiennachzug zu schützen (vgl. etwa
die Urteile des BVGer D-5808/2018 vom 22. Januar 2020 E. 5.3.1 sowie
D-4228/2017 und D-4663/2017 E. 4.4).
6.3 Wenn die Voraussetzungen von Art. 51 Abs. 1 AsylG nicht erfüllt sind,
können weder die Bestimmungen von Art. 8 EMRK noch jene des UNO-
Pakts II über bürgerliche und politische Rechte (Internationaler Pakt über
bürgerliche und politische Rechte vom 16. Dezember 1966, SR 0.103.2)
ergänzend angewendet werden. Die Frage nach einem allfälligen An-
spruch auf Regelung des Aufenthalts der Beschwerdeführerin in der
Schweiz als Partnerin des in der Schweiz als Flüchtling anerkannten
B._ ist von der zuständigen kantonalen Migrationsbehörde zu be-
urteilen (vgl. EMARK 2002 Nr. 6 E. 5 S. 44 f.). Es bleibt ihr unbenommen,
ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung respektive um Fami-
lienzusammenführung bei der dafür zuständigen Behörde einzureichen. Im
entsprechenden Verfahren ist wiederum Art. 8 EMRK Rechnung zu tragen.
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Seite 9
Unter diesen Umständen erübrigt es sich, auf die weiteren Ausführungen
in den Rechtsmitteleingaben näher einzugehen, da sie an obiger Erkennt-
nis nichts zu ändern vermögen.
6.4 Im Sinne einer Nebenbemerkung ist zu erwähnen, dass zumindest
zweifelhaft erscheint, ob die geltend gemachte Beziehung der Beschwer-
deführerin mit B._ überhaupt in den Anwendungsbereich von
Art. 51 AsylG respektive Art. 8 EMRK fällt. Sie sind weder verheiratet noch
haben sie – mit Ausnahme des kurzen Aufenthalts der Beschwerdeführerin
in der Schweiz – in einem gemeinsamen Haushalt, sondern vorher jahre-
lang getrennt gelebt. Ohnehin dürfte wohl selbst bei Annahme einer dau-
ernden eheähnlichen Gemeinschaft respektive einer Beziehung, welche in
den Schutzbereich von Art. 8 EMRK fiele, eine Verletzung der genannten
Bestimmungen durch eine Wegweisung nach Österreich nicht zu bejahen
sein, zumal es der Beschwerdeführerin wie erläutert offensteht, den hierfür
vorgesehenen ordentlichen Weg des ausländerrechtlichen Familiennach-
zugs zu beschreiten. Diese Frage kann aber vorliegend letztlich offenge-
lassen werden.
7.
7.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
7.2 Die Beschwerdeführerin verzichtete explizit auf die Geltendmachung
eigener Asylgründe und bestreitet nicht, in Österreich ein Asylgesuch ein-
gereicht zu haben respektive dass ihr Asylverfahren dort nach wie vor hän-
gig ist. Die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates blieb damit
unbestritten, sie machte auch keine Gründe im Sinne von Art. 3 Abs. 2
Dublin-III-VO geltend, welche auf systemische Schwachstellen im Asylver-
fahren und den Aufnahmebedingungen in Österreich hinweisen würden,
die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung
im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich bringen würden.
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Ferner steht es der Beschwerdeführerin offen, den Ausgang ihres Asylver-
fahrens in Österreich abzuwarten und – wie oben dargelegt - den ordentli-
chen Rechtsweg über die ausländerrechtlichen Bestimmungen der Famili-
enzusammenführung gemäss Art. 85 Abs. 7 AIG zu beschreiten.
7.3 Das SEM ist demnach in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG
zu Recht auf das neuerliche Gesuch der Beschwerdeführerin nicht einge-
treten und hat folgerichtig die Wegweisung in den zuständigen Dublin-Staat
Österreich verfügt.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Die Beschwerdeführerin verfügt (derzeit) nicht über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung, und selbst wenn ihre Beziehung zu B._
vorliegend unter den Schutzbereich von Art. 8 EMRK subsumiert würde,
wäre der mit einer Wegweisung verbundene Eingriff gerechtfertigt. Ihr
hauptsächliches Anliegen liegt nämlich nicht in der Behandlung ihres Asyl-
gesuchs, sondern in einer Familienzusammenführung nach den Bestim-
mungen des AIG und es kann von ihr gefordert werden, dass sie ein sol-
ches Verfahren mit einem entsprechenden Gesuch von Österreich respek-
tive bei negativem Verlauf ihres österreichischen Asylverfahrens und ent-
sprechendem Wegweisungsvollzug auch von der Türkei aus bei der dafür
zuständigen Behörde in der Schweiz oder Österreich einleitet (vgl. hierzu
die vorstehenden Ausführungen unter E. 6; ferner bspw. auch das Urteil
des BVGer D-3715/2016 vom 1. Juli 2016). Die Wegweisung wurde dem-
nach vom SEM zu Recht angeordnet.
9.
Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG unter diesen
Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.).
10.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen.
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Seite 11
11.
Aufgrund obiger Erwägungen ist die eingereichte Beschwerde von vornhe-
rein als aussichtslos zu erachten, weshalb das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG unbesehen der
allfälligen Mittellosigkeit abzuweisen ist. Dementsprechend ist auch das
Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung abzuweisen. Mit dem
vorliegenden Direktentscheid ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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