Decision ID: 12a0b38a-9f37-5a38-91df-8ce3f14c300b
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin ersuchte am (...) um Asyl in der G._.
In der Folge wurde sie dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region
B._ zugewiesen. Am 25. Oktober 2021 fand die Personalienauf-
nahme (PA) und am 3. November 2021 das persönliche Dublin-Gespräch
statt. Am 16. November 2021 wurde sie zu ihren Asylgründen angehört.
A.b Zur Begründung ihres Asylgesuchs führte die aus C._
(D._) stammende Beschwerdeführerin kurdischer Volkszugehörig-
keit im Wesentlichen an, sie sei mit ihrer Familie – noch bevor Sie die
zweite Klasse besucht habe – in das Quartier E._ in F._
([...]) umgezogen. Dort habe sie die Schule bis in die (Nennung Stufe) be-
sucht. In der (Nennung Stufe) seien die "Apoji" in die Schule gekommen
und hätten eine Freundin von ihr mitgenommen. Sie (Beschwerdeführerin)
sei mehrmals gefragt worden, ob sie mitgehen wolle, was sie verneint
habe. Daraufhin hätten die "Apoji" sie in Ruhe gelassen. Da sie die Ab-
schlussprüfungen der (Nennung Stufe) im Jahr (...) nicht bestanden habe,
sei sie danach zuhause geblieben und habe die folgenden (Nennung
Dauer) im Haushalt geholfen. Die finanzielle Situation ihrer Familie sei nicht
gut gewesen. Ihr Vater sei freier Arbeiter gewesen. Sie habe sich in einen
(Nennung Verwandter) respektive den (Nennung Verwandter) ihrer (Nen-
nung Verwandte) verliebt, der bereits dannzumal in der G._ gelebt
habe. Mit ihm sei sie telefonisch in Kontakt gestanden. Der (Nennung Ver-
wandter) habe bei ihrem Vater um ihre Hand angehalten. Ihr Vater habe
diesem Ansinnen aber nicht zugestimmt, weil er die Formalitäten und den
Aufwand – auch finanzieller Art – gescheut habe, um sie zu verheiraten
und zum (Nennung Verwandter) in die G._ gehen zu lassen. Viel-
mehr habe er sie – zirka im Jahr (...) – mit einem (...)-jährigen reichen
Freund, der ihre Familie jeweils besucht habe, verheiraten wollen. Dieser
Freund habe teure Kleidung getragen, sei ein luxuriöses Auto gefahren und
habe ihr Geschenke gemacht. Sie sei jedoch gegen diese Heirat gewesen,
weshalb sie von ihrem Vater geschlagen worden sei. Die beiden Männer
hätten sich betreffend das Brautgeld geeinigt. Ihr Vater habe ihr angekün-
digt, dass er noch in derselben Woche den Imam für die Vermählung nach
Hause bringen werde. Sie habe in der Folge noch (Nennung Dauer) zu-
hause verbracht; ihr Vater habe sie wiederholt überzeugen wollen, diesen
Mann zu heiraten. Da sie stets nein gesagt habe, sei sie von ihrem Vater
jeweils geschlagen worden. Als ihr Vater das Haus verlassen habe, sei sie
geflohen. Sie sei zur Hauptstrasse gegangen, habe dort einen (Nennung
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Fahrzeug) angehalten und sei durch C._ in eines der Dörfer gefah-
ren. Dort sei sie ausgestiegen und habe einen ihr unbekannten Mann ge-
fragt, wie sie nach I._ komme. Dieser habe ihr seine Hilfe zugesagt,
sie zunächst bei sich übernachten lassen und früh am nächsten Morgen
über die Grenze in die H._ gebracht, wo sie von den Peshmerga
empfangen und in ein Camp gebracht worden sei. Für ihre Reise von Sy-
rien nach I._ habe sie nichts bezahlt. Sie habe ihre Heimat auch
aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen verlassen und weil sie
mit dem in der G._ lebenden (Nennung Verwandter) ihrer (Nennung
Verwandte) zusammen sein wolle. Sie habe sich (Nennung Dauer) bei ih-
rem (Nennung Verwandter) in I._ aufgehalten, wo sie als J._
gearbeitet habe, bevor sie in die G._ gereist sei.
Sie wolle dem Kanton B._ zugewiesen werden, da ihre (Nennung
Verwandte) und deren (Nennung Verwandter), wegen dem sie in die
G._ gekommen sei, dort lebten.
Die Beschwerdeführerin legte ihre Identitätskarte im Original ins Recht.
A.c Das SEM räumte der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin am
23. November 2021 Gelegenheit ein, sich zum ablehnenden Entscheident-
wurf zu äussern. In der Stellungnahme vom 24. November 2021 führte die
Rechtsvertretung aus, die Beschwerdeführerin habe ihre wahre Ge-
schichte dargelegt und es sei nicht ersichtlich, wie sie hätte ausführlicher
erzählen sollen, um das SEM zu überzeugen. Sie habe alles Geschilderte
so erlebt und versucht, die ihr gestellten Fragen detailliert zu beantworten.
Zudem habe sie versucht, ihre Gefühle zu beschreiben, was ihr jedoch sehr
schwer gefallen sei; sie habe versucht, dabei nicht zu weinen. Ferner
könne sie den (...)-jährigen Freund ihres Vaters nicht näher beschreiben
und sie habe alles erzählt, was sie über diesen wisse. Zum Vorwurf, sie
habe ihre (Nennung Zeitraum) in Syrien nicht ausführlich und substanziiert
darlegen können, sei anzuführen, dass sie beschrieben habe, wann sie
aus dem Haus gegangen und mit wem und durch welche Orte sie nach
I._ gelangt sei. Sie verstehe nicht, was sie in diesem Zusammen-
hang mehr hätte erzählen können. Ferner würden die Aussagen Realkenn-
zeichen aufweisen. Die Beschwerdeführerin habe auf Nachfragen zusätz-
liche Details geschildert, aber auch von sich aus gewisse Details und Ne-
bensächlichkeiten vorgebracht. Für die Glaubhaftigkeit spreche zudem,
dass sie beispielsweise den Zeitpunkt eines Ereignisses beschrieben so-
wie Gespräche mit ihrem Vater und dessen Freund geschildert habe. Sie
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habe im Weiteren ihre Identitätskarte im Original abgegeben und alles ver-
sucht, um ihren in Syrien bei ihren Eltern befindlichen Reisepass zu be-
schaffen. Dass sie seither wieder von ihrem Vater bedroht werde, sei eben-
falls als positives Glaubhaftigkeitselement zu werten. Angesichts ihrer per-
sönlichen Fähigkeiten und ihres beruflichen Hintergrunds sei sie es nicht
gewohnt, ausführlich und detailliert über eigene Erlebnisse zu berichten.
lnsgesamt seien die Aussagen als glaubhaft zu beurteilen. Die im Entschei-
dentwurf vorgenommene Glaubhaftigkeitsprüfung sei einseitig und lasse
eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Asylgründen vermissen.
B.
Mit Verfügung vom 25. November 2021 stellte das SEM fest, die Beschwer-
deführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte ihr Asylge-
such ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung der Beschwerdeführerin
aus der Schweiz an, schob den Vollzug derselben jedoch wegen Unzumut-
barkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz auf. Ferner
wies es die Beschwerdeführerin dem Kanton B._ zu und hielt fest,
dass eine allfällige Beschwerde gegen die Kantonszuweisung keine auf-
schiebende Wirkung habe und sie in einem solchen Fall den Ausgang der-
selben im Zuweisungskanton abwarten müsse.
C.
Mit Eingabe vom 23. Dezember 2021 erhob die Beschwerdeführerin gegen
diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie bean-
tragte, es seien die Dispositivziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung
aufzuheben, sie sei als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihr Asyl zu ge-
währen. In formeller Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses.
D.
Am 27. Dezember 2021 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht der Be-
schwerdeführerin den Eingang der Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
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entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.2 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde-
führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 6 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG)
ist einzutreten.
1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um solche, weshalb das Urteil nur sum-
marisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a
Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzich-
tet.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rech-
nung zu tragen (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungs-
gericht hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in
verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Da-
rauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verwei-
sen).
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4.
4.1 Das SEM kam in der angefochtenen Verfügung in materieller Hinsicht
zum Schluss, die Vorbringen der Beschwerdeführerin hielten teils den An-
forderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG und teils den-
jenigen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand.
Zur Begründung führte es an, die Gesamtbeurteilung der Aussagen der
Beschwerdeführerin würden überwiegend gegen die Umstände der vorge-
brachten Sachverhaltsschilderung sprechen. Trotz einer etwas ausführli-
cheren freien Schilderung und etwas detaillierteren Beschreibungen ver-
möchten ihre Angaben aufgrund mangelndem persönlichen Erlebnisbe-
zug, mangelndem Detailreichtum sowie angesichts allgemeiner und ste-
reotyper Angaben im Verlauf der Anhörung nicht zu überzeugen. Die Be-
schwerdeführerin sei nicht in der Lage gewesen darzulegen, wie sie von
der beabsichtigten Heirat mit dem (...)-jährigen Freund ihres Vaters erfah-
ren habe. Die entsprechende Schilderung sei knapp und auch auf Nach-
frage ohne ausreichenden persönlichen Bezug zu diesem Vorgang ausge-
fallen. Auch sei sie nicht in der Lage gewesen, ihre damalige Gemütslage
ansatzweise wiederzugeben. Im gleichen vagen Erzählstil seien die Anga-
ben zu den Besuchen des Freundes des Vaters sowie den erhaltenen Ge-
schenken ausgefallen. Ihre diesbezüglich stereotypen und allgemeinen Er-
klärungen würden nicht überzeugen und einen persönlichen Bezug zu die-
sen Geschehnissen vermissen lassen. Weiter sei es ihr nicht gelungen,
ihre (Nennung Zeitraum) vor der Ausreise – nach Kenntnisnahme ihrer be-
vorstehenden Heirat – ausführlich oder substanziiert darzulegen; es
mangle den diesbezüglichen Ausführungen bereits ansatzweise an einem
persönlichen Erlebnisbezug. Im Übrigen sei sie nicht in der Lage gewesen,
ihre Überlegungen bezüglich der geplanten Heirat mit einem (...) Jahre al-
ten Mann und zu allfälligen Ehevorbereitungen substanziiert wiederzuge-
ben. Hätte ihr bei einem Verbleib in Syrien tatsächlich eine Eheschliessung
mit der besagten Person gedroht, wäre zu erwarten gewesen, dass sie
diesbezügliche Erlebnisse und Überlegungen erlebnisbezogen und mit De-
tailreichtum hätte schildern können, zumal ihr wiederholt die Gelegenheit
zur Konkretisierung ihrer Vorbringen eingeräumt worden sei.
Kriegerische Auseinandersetzungen und deren Auswirkungen auf die Le-
bensbedingungen der lokalen Bevölkerung würden keine Verfolgungs-
massnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen. Die angeführten Rek-
rutierungsbemühungen der "Apojis" respektive der Volksverteidigungsein-
heiten (YPG) vermöchten gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal-
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tungsgerichts keine flüchtlingsrechtliche Relevanz zu entfalten. Schliess-
lich würden auch die Asylakten der in der G._ lebenden (Nennung
Verwandte) und des (Nennung Verwandter) keine Anhaltspunkte für die An-
nahme liefern, dass sie in Syrien eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefähr-
dung zu befürchten hätte.
4.2 Die Beschwerdeführerin verwies in ihrer Rechtsmitteleingabe zunächst
auf vom SEM unbeachtet gebliebene Glaubhaftigkeitselemente, so den
Kontaktabbruch zu ihrer Familie seit ihrer Ausreise, die Bedrohungen ihrer
Freundinnen und ihrer Person durch ihren Vater im Zusammenhang mit der
Beschaffung ihres Reisepasses, die Umstände der Ausstellung ihrer Iden-
titätskarte, die widerspruchsfreien Schilderungen, die individuellen Aspekte
– wie die Hinweise auf ihren geringen Bildungsstand – sowie auf ihre per-
sönliche Glaubwürdigkeit aufgrund ihrer Bemühungen zur Beschaffung
des Reisepasses bei ihren Eltern. Sie entgegnete sodann, es fänden sich
in ihren Aussagen an mehreren Stellen im Anhörungsprotokoll Realkenn-
zeichen. So schildere sie teilweise Nebensächlichkeiten und Dialoge und
beschreibe sich gegenseitig bedingende Handlungsketten. Weiter enthalte
ihre Beschreibung des (...)-jährigen Mannes gerade eine persönliche Er-
lebnisbezogenheit, so auch mit Blick auf dessen angeführten Besuch.
Diese Aspekte seien als positive Glaubhaftigkeitselemente zu werten. Ins-
gesamt vermöge sie die drohende Zwangsheirat, welcher ein flüchtlings-
rechtlich relevantes Motiv zugrunde liege, glaubhaft zu machen. Zudem
stelle ihre Flucht ins Ausland eine Ehrverletzung ihres Vaters dar, weshalb
sie durch ihn zusätzlich bedroht werde. Insgesamt erfülle sie die Flücht-
lingseigenschaft und es sei ihr Asyl zu gewähren.
5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerde-
führerin zu Recht verneint und deren Asylgesuch mit zutreffender Begrün-
dung abgelehnt hat.
5.1.1 Die zentralen Teile der Asylvorbringen – so die geltend gemachte Ab-
sicht ihres Vaters, sie mit seinem (...)-jährigen Freund zwangsweise zu ver-
heiraten – sind als unsubstanziiert, stereotyp und kaum Realkennzeichen
(so insbesondere Detailreichtum der Schilderung, freies assoziatives Er-
zählen, Interaktionsschilderung sowie inhaltliche Besonderheiten) enthal-
tend und damit als unglaubhaft zu qualifizieren. Da es sich bei diesen dar-
gelegten Hergängen um einschneidende Ereignisse handelt, die zur Flucht
der Beschwerdeführerin aus der Heimat geführt haben sollen, ist davon
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auszugehen, dass sie erfahrungsgemäss besonders gut im Gedächtnis
haften bleiben und insbesondere auch eine persönliche Betroffenheit aus-
lösen würden. Den diesbezüglichen Schilderungen der Beschwerdeführe-
rin zu den Umständen der Kenntnisnahme von der befohlenen Heirat, der
Besuche des besagten Mannes und der Beschreibung desselben sowie
die Darlegungen zu den Vorkommnissen in den (Nennung Zeitraum) vor
ihrer Flucht in die H._ können jedoch – entgegen der in der Be-
schwerde vertretenen Ansicht – nur wenig Substanz beigemessen werden.
Zutreffend erweist sich auch die Schlussfolgerung des SEM, wonach ihre
Schilderungen einen persönlichen Erlebnisbezug vermissen lassen. Trotz
wiederholter Nachfragen zu den erwähnten Punkten des Handlungsab-
laufs, zu Beschreibungen und zu ihren persönlichen Reaktionen entsteht
aufgrund der Schilderungen der Beschwerdeführerin nicht der Eindruck,
dass sie über einen tatsächlich erlebten Sachverhalt berichtet (vgl. SEM
act. 112695-20/18, S. 8-14 [nachfolgend act. 20/18]). In diesem Zusam-
menhang behauptet die Beschwerdeführerin tatsächlich bestehende Real-
kennzeichen in ihren Ausführungen. So habe sie einen nebensächlichen
Umstand geschildert, indem sie angeführt habe, am Geschirr spülen ge-
wesen zu sein, als der Freund ihres Vaters zu Besuch gekommen sei. Aus-
serdem habe sie die Gespräche mit ihren Eltern und sich bedingende
Handlungsketten wiedergegeben (vgl. act. 20/18, F58). Zudem enthalte
ihre Beschreibung des (...)-jährigen Mannes einen persönlichen Erlebnis-
bezug: So habe sie in diesem Zusammenhang ausgeführt, warum dieser
(Nennung Ausdruck) geähnelt habe (vgl. act. 20/18, F64-72). Diese Ent-
gegnungen vermögen den über weite Strecken spärlichen Gehalt ihrer
Darlegungen und die fehlenden Ausführungen zu ihren Gefühlen und Emp-
findungen hinsichtlich der fluchtauslösenden Sachverhaltselemente nicht
aufzuwiegen. Zwar vermochte sie zu verschiedenen Punkten einzelne De-
tails und einige Sätze, welche zwischen ihr und ihren Eltern sowie zwi-
schen ihr und dem Freund ihres Vaters geführt worden seien, anzuführen.
Dies alleine reicht jedoch nicht, um glaubhaft darzulegen, dass ihren dies-
bezüglichen Asylvorbringen eine genügende inhaltliche Dichte und Erleb-
nisrelevanz zukommt, die auf einen tatsächlich erlebten Sachverhalt hin-
deuten würden. Diese könnten in ihrer Einfachheit auch von einem am Ge-
schehen unbeteiligten Dritten problemlos nacherzählt werden (vgl. act.
20/18, F53, F57-58, F61-68, F71-81, F83). Zudem weisen ihre Ausführun-
gen kaum Realkennzeichen auf, so insbesondere zu Interaktionen sowie
inhaltlichen Besonderheiten bezüglich der emotionalen Aspekte, zumal sie
sich ihren Angaben zufolge in einer ausserordentlichen Situation befunden
habe und gravierende familiäre Konsequenzen respektive den Tod habe
befürchten müssen (vgl. act. 20/18, F53). Eine entsprechend gehaltvolle
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Schilderung wäre unter den gegebenen Umständen aber ohne Weiteres
zu erwarten gewesen, wenn es sich wie dargelegt um selbst erlebte Ereig-
nisse mit einer derartigen Aussenwirkung gehandelt hätte. Die Beschwer-
deführerin vermochte indes ausser dem Vorbringen, dass sie im fraglichen
Moment – als sie erfahren habe, dass sie diesen Mann heiraten solle –
keine schönen Gefühle gehabt habe (vgl. act. 20/18, F100) und das Aus-
sehen respektive die Blicke des Mannes angsteinflössend gewesen seien
(vgl. act. 20/18, F71 f.), keine weiteren Gefühle zu artikulieren.
5.1.2 Der Einwand der Beschwerdeführerin, es seien vom SEM zu ihren
Gunsten sprechende Glaubhaftigkeitselemente unbeachtet geblieben,
führt zu keiner anderen Einschätzung. Alleine ihr Hinweis, dass sie seit
(Nennung Dauer) keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie in Syrien habe, was
mit ihren Asylgründen zusammenhänge, oder die geschilderte Beantra-
gung einer Identitätskarte stellen noch keine konkreten Anhaltspunkte für
die Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Ausreisegründe dar. Weiter
kann der Behauptung, die vorgebrachte Erklärung zum Verbleib ihres Rei-
sepasses und dem Vorfall mit ihren Freundinnen, wie auch die anschlies-
senden Drohungen ihres Vaters seien von der Vorinstanz im angefochte-
nen Entscheid nicht in Abrede gestellt worden, in dieser Form nicht beige-
pflichtet werden. Diese unbelegt gebliebenen Parteibehauptungen haben
sich laut Beschwerdeführerin erst nach ihrer Ausreise abgespielt. Nach-
dem das SEM ihre Vorfluchtgründe als unglaubhaft erachtete und überdies
anführte, es erübrige sich auf weitere Unglaubhaftigkeitselemente einzu-
gehen (vgl. angefochtener Asylentscheid, S. 5 oben), sind die besagten
Sachverhaltselemente als vom SEM implizit mitberücksichtigt zu erachten.
Weiter vermag der Hinweis auf den geringen Bildungsstand der Beschwer-
deführerin schon deshalb nicht zu überzeugen, weil sie während (Nennung
Dauer) die Schule besuchte, auch wenn sie die Schlussprüfungen nicht
bestanden haben will (vgl. act. 20/18, F20). Überdies dürfte sie, wie die
Vorinstanz in zutreffender Weise ausgeführt hat, angesichts ihrer mehrjäh-
rigen Tätigkeit als J._ durchaus über kommunikative Fähigkeiten
verfügen. Soweit sie auf den Umstand hinweist, dass sie (...) Freundinnen
zu ihrem Vater nach Hause geschickt habe, um dort ihren Reisepass zu
fotografieren, wodurch sie riskiert habe, dass dieser ihre Telefonnummer
habe ausfindig machen und sie bedrohen können, was zugunsten ihrer
persönlichen Glaubwürdigkeit zu würdigen sei, vermag dieser Hinweis
nicht zu überzeugen. Weder vermag sie diese Parteibehauptung in geeig-
neter Form zu belegen, noch lässt sich diese mit den Ausführungen zum
Erhalt ihrer Identitätskarte mit Blick auf das Verhalten ihres Vaters in einen
logischen Zusammenhang bringen. So habe ihr Vater ihre (...) Freundinnen
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– bevor diese ihren Reisepass hätten fotografieren können – des Hauses
verwiesen und unter Todesdrohungen verboten, dieses jemals wieder zu
betreten (vgl. act. 20/18, F31). Demgegenüber hat angeblich ein nicht nä-
her genannter Verwandter ihre Identitätskarte offenbar problemlos bei ihr
zuhause behändigen und anschliessend zu ihr bringen können, als sie sich
bereits bei ihrem (Nennung Verwandter) in I._ aufgehalten habe
(vgl. act. 20/18, F47).
5.1.3 Sodann sind auch an der Glaubhaftigkeit der dargelegten Umstände
der Flucht nach I._ erhebliche Zweifel anzubringen, zumal sie als
realitätsfremd zu werten sind. So sei die Beschwerdeführerin ohne jegliche
Vorbereitung bei einer günstigen Gelegenheit respektive als ihr Vater das
Haus verlassen habe ebenfalls aus dem Haus in Richtung Hauptstrasse
gegangen, wo sie den nächstbesten (Nennung Fahrzeug) angehalten und
mit diesem durch C._ bis in eines der Dörfer gefahren sei. Dort sei
sie ausgestiegen und habe einen ihr unbekannten Mann um Hilfe für die
Ausreise nach I._ gebeten, welcher ihr dieser sogleich und ohne
Geld bezahlen zu müssen, habe zuteil kommen lassen. Nachdem sie bei
diesem Mann habe übernachten können, habe er ihr am nächsten Morgen
in der Früh geholfen die Grenze zu passieren (vgl. act. 20/18, F106, F111-
113).
5.1.4 Das Gericht gelangt nach Abwägung der für und gegen die Glaubhaf-
tigkeit sprechenden Aspekte zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, die
zu beurteilende Verfolgungsgeschichte entspreche in den wesentlichen
Punkten nicht den Tatsachen, als höher zu erachten ist. Nachdem die Be-
schwerdeführerin sodann die Schlussfolgerungen des SEM zur Asylirrele-
vanz der Auswirkungen des Bürgerkriegs und der Rekrutierungsbemühun-
gen der YPG auf Beschwerdeebene nicht in Frage stellt, kann zur Vermei-
dung von Wiederholungen auf die entsprechenden Erwägungen im Asyl-
entscheid verwiesen werden.
5.2 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin
nichts vorgebracht hat, was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft
nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat ihr
Asylgesuch daher zu Recht abgelehnt.
6.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der G._ und ordnet den Voll-
zug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
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(Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
Präzisierend ist festzuhalten, dass sich aus den vorstehenden Erwägun-
gen nicht der Schluss ergibt, die Beschwerdeführerin sei zum heutigen
Zeitpunkt in ihrem Heimatstaat nicht gefährdet. Eine solche Gefährdungs-
lage ist jedoch auf die in Syrien herrschende Bürgerkriegssituation zurück-
zuführen. Das SEM hat dieser generellen Gefährdung Rechnung getragen
und die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 83 Abs. 1 und 4 AIG wegen
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache ist der Antrag auf
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos ge-
worden.
9.2 Die Beschwerde ist in Anbetracht der vorstehenden Erwägungen als
aussichtslos zu erachten. Das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung ist daher ungeachtet der gel-
tend gemachten prozessualen Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin abzu-
weisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Be-
schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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