Decision ID: 76285ec2-f14d-5e50-8b39-6e54ae65d0cb
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 196
6
,
in die Schweiz eingereist 1988, wo sie mit ihrer Familie politisches Asyl erhielt und 2007 eingebürgert wurde,
absolvierte in
der Türkei
die Primarschule
und
verfügt über keine berufliche Ausbildung. Zuletzt arbeitete sie
seit 1999
als Mitarbeiterin Sortierung von Briefpostsendungen bei der
Y._
in einem 100 %-Pensum
(vgl. Urk. 7/3 S. 5)
. Ihren letz
ten Arbeitstag hatte sie am 13.
Juli 2008
(
Urk. 7/8
S. 2
Ziff. 2.7
).
Sie
meldete sich am
20
.
November
200
8
unter Hinweis auf
eine psychische Beeinträchtigung
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/3).
Die Sozial
versi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach
ihr
mit Verfügung
en
vom
15. März
2010
(Urk. 7/
27
-30
) bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Rente
vom 1. August 200
9
bis 31. Januar 2010 sowie bei einem Invali
ditäts
grad von 50 %
mit Wirkung ab 1.
Februar 2010 eine halbe Rente
zu.
Am 24. Januar 2011 (Urk. 7/40) teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, der Ren
tenanspruch sei
unverändert.
1.2
Nach Eingang
des von der Versicherten
am
10
.
November 2014
ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk. 7/
43
)
im Zuge eines von Amtes wegen eingeleiteten Revisionsverfahrens
holte die IV-Stelle unter anderem
bei
Dr. med. et Dr.
rer
. nat.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
SIM zertifizierter Gutachter,
ein
psychiatrisches
Gutachten ein, das am 3.
Mai
201
7
(Urk. 7/
82
) erstattet wurde. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/
55
, Urk. 7/
84
, Urk. 7/
85, Urk. 7/88
) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom
19
.
Sep
tember
2017 (
Urk. 7/89 =
Urk.
2
)
die rentenzusprechende Verfügung vom 15. Februar 2010 (richtig: 15.
März 2010)
wiedererwägungsweise
sowie mangels einer gesundheitlichen Einschränkung mit Einfluss auf die Arbeit
sfähigkeit die
Rente
auf
.
2.
Hiergegen erhob d
i
e Versicherte am
13
.
Oktober
2017 (Urk. 1) Beschwerde und be
antragte, die Verfügung
sei aufzuheben und
es sei die bisherige halbe Invali
denrente bis 31.
Juli
2017 zu bestätigen sowie ihr ab 1. Au
gust 2017
eine ganze Invalidenrente auszurichten
.
Zudem stellte sie Antrag auf
Bewilligung der
unent
geltliche
n
Rechtspflege
unter Bestellung von Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein, Zürich, als unentgeltlichen Rechtsbeistand (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
10
.
November
2017 (Urk. 6) Abweisung der Beschwerde
, was der
Beschwerdeführer
in am 14. November
2
017 zur Kenntnis gebracht
wurde
(Urk. 11
).
Am 13. November 2017 (Urk. 8) reichte die Beschwerdeführerin das von ihr am 31. Oktober 2017 ausgefüllte Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürf
tigkeit (Urk. 9) sowie diverse
dazugehörige
Unterlagen (Urk. 10) ein.
Mit Eingabe vom
4. Juni
2018 (Urk.
12
) reichte
die
Beschwerdeführer
in
einen medizinischen Bericht der
A._
vom 17. Mai 2018
(Urk.
13
) nach.
Ihre Eingabe
wurde der Beschwerdegegnerin am 6. Juni 2018 (Urk. 14) zu einer freigestellten Stellungnahme zugestellt
, worauf diese a
m
20. Juni
2018 (Urk.
15)
verzichtete.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
)
.
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung [
IVG
]
)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bez
ie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erz
ielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
1.4
Ändert sich der Invalidi
tätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Unabhängig von einem materiellen Revisionsgrund kann die IV-Stelle auf formell rechtskräftige Verfügungen, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Überprüfung gebildet haben, zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn – was auf periodische Dauerleistungen regelmässig zutrifft (BGE 119 V 475 E. 1c mit Hinweisen) – ihre Berichtigung von erheblicher Bedeu
tung ist (Art. 53 Abs. 2 und 3 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2, 138 V 147 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_819/2017 vom 13. Februar 2017 E. 2.2). Die Wiedererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhaltes (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_121/2017 vom 5. Juli 201
8 E. 8.2).
Die Wiedererwägung nach Art. 53 Abs.
2 ATSG setzt voraus, dass kein ver
nünftiger Zweifel an der Unrichtigkeit der Verfügung möglich, folglich nur dieser einzige Schluss denkbar ist. In diesem Sinne qualifiziert unrichtig ist eine Verfü
gung, wenn eine Leistung aufgrund falscher Rechtsregeln beziehungsweise ohne oder in unrichtiger Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zugesprochen wurde (BGE 141 V 405 E. 5.2, 140 V 77 E. 3.1 mit Hinweis).
Bei der Prüfung der Voraussetzungen einer Wiedererwägung ist von der bei Verfügungserlass bestandenen Sach- und Rechtslage, einschliesslich der damali
gen Rechtspraxis, auszugehen (BGE 144 I 103 E. 2.2, 140 V 77 E. 3.1, 138 V 147 E. 2.1, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung
en
vom 15. Februar 2010 (richtig: 15. März 2010) mit deren offen
sichtlichen Unrichtigkeit. Bei der Leistungsprüfung 2010 seien die psychosozialen Faktoren
, welche damals die depressive Störung ausgelöst und erhalten hätten,
mitberücksichtigt worden.
Dies sei
offensichtlich falsch (Urk. 2 S. 1). Zudem hätten die damals gestellten Diagnosen zu den psychosomatischen Beschwerden gehört, welche überwindbar gewesen seien.
Dies sei
nicht beachtet worden
(S. 2)
.
Weiter brachte die Beschwerdegegnerin
vor, a
ktuell werde eine mittelgradige depressive Störung beschrieben. In den Jahren 2010-2015 habe keine Therapie stattgefunden. Erst nach Erlass des Vorbescheids sei eine solche
wieder
aufge
nommen
worden. Durch die Behandlung in einer Tagesklinik habe eine leichte Verbesserung der Gesundheit erzielt werden können
.
Gegenwärtig
werde alle
zwei
Wochen eine ambulante Therapie besucht. Dies stelle keine konsequente und aus
reichende Therapie dar
.
Eine Therapieresistenz bestehe nicht. Zusätzlich bestün
den weiterhin psychosoziale Belastungen, welche die Krankheit aufrechterhielten. Eine gesundheitliche Einschränkung mit Einfluss auf die Arbei
tsfähigkeit
bestehe nicht. Die Rente sei daher aufzuheben (S. 2).
2.2
Die
Beschwerdeführer
in
stellte sich hingegen auf den Standpunkt,
der ursprüng
liche Rentenentscheid erweise sich nicht als zweifellos unrichtig
(Urk. 1)
. Für eine Wiedererwägung bestehe keine Handhabe.
Die Auffassung der Beschwerdegeg
nerin, dass es sich bei einer Depression um ein
pathogenetisch
-
ätiologisch unkla
res
syndromales
Beschwerdebild ohne nachweisbare organische Grundlage
(PÄUSBONOG)
handle, weshalb bei der
Rentenzusprache
die damalige Überwind
barkeitspraxis zu Unrecht nicht angewandt worden sei, sei falsch. Depressionen hätten nie zu den PÄ
U
SBONOG-Krankheiten gehört (S. 6
Ziff. 5
).
Was die Berücksichtigung der psychosozialen Belastungsfaktoren beim ursprünglichen Rentenentscheid angehe, habe das damalige Gutachten nicht ergeben, dass diese quasi
conditio
sine qua non für die Erkrankung darstellten. Es könne
daher
nicht gefolgert werden, dass kein vernünftiger Zweifel daran möglich sei, die ursprüng
liche Verfügung
sei
unrichtig gewesen (S. 6
f. Ziff. 6).
Darüber hinaus brachte die Beschwerdeführerin vor,
angesichts der Aus
führun
gen von Dr.
Z._
in seinem voll
beweiskräftigen Gutachten sei von einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes auszugehen. Demzufolge sei die bis
herige halbe Invalidenrente mit Wirkung ab 1. August 2017 (Gut
achtenszeit
punkt) auf eine ganze Invalidenrente zu erhöhen (S. 14 f. Ziff.
17
18).
2.3
Die der Mitteilung vom 24. Januar 2011 (Urk. 7/40) zugrundeliegende Revision fusste hinsichtlich der medizinischen Abklärung einzig auf dem knappen Ver
laufsbericht
von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 14. August 2009 (Urk. 7/38). Dabei handelt sich um keine materielle Prüfung mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, weshalb für die Frage der
Revision beziehungsweise auch
der
Wiedererwägung
unbestrittenermassen
die renten
zu
sprechende Verfügung v
om 15. März 2010 (Urk. 7/29
, Urk. 7/30/3-4
)
Prüfungs
gegenstand
bild
e
n
(BGE 140 V 514 E.
5.
2).
Strittig und zu prüfen ist
daher
in einem ersten Schritt
, ob
die Beschwerdegegne
rin die Verfügung vom 15. März 2010 zu Recht wiede
rerwägungsweise aufgeho
ben hat.
Bei Bejahung eines Wiedererwägungsgrundes
wäre
in einem zwei
ten Schritt zu
beurteilen
,
ob und in welchem Umfang
weiterhin Anspruch auf eine Invalidenrente
bestünde
(BGE 140 V 514 E.
5.
2).
Bei Verneinung
wäre
zu prüfen, ob
sich
der
Gesundheitszustand in einer sich auf die Invalidenrente aus
wirkenden Weise
verändert
hat
(Revisionsgrund)
und
wie sich
dies auf
de
n
Rentenanspruch
auswirkt
.
Vergleichszeitpunkt
dafür
bildet
e
, wie oben dargelegt,
der Gesundheitszustand
zum Zeitpunkt der Verfügung
en
vom 15. März 2010
(
BGE
133 V 108
)
.
3.
3.1
Die Verfügung vom
15. März 2010 (Urk.
7/29
, Urk. 7/
30
/3-4
)
beruht
e
gemäss Feststellungsblatt vom 23. Dezember 2009 (Urk. 7/23 S. 4)
in erster Linie auf dem
psychiatri
schen Gutachten von Dr. med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 3. November 2009 (Urk. 7/22). Darin nannte sie fol
gende Diagnose (S. 17)
:
-
Angst- und depressive Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22) mit/bei
-
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.1)
-
Ängstlich akzentuierten Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1)
-
Belastungen in Verbindung mit der familiären Situation (ICD-10 Z63.7, Z65.3)
-
Belastungen in Verbindung mit der beruflichen Situation (ICD-10 Z56)
Dr.
C._
führte
aus,
die Beschwerdeführerin sei aufgrund des anhaltenden etwa mittelschweren depressiven Zustandsbildes mit zentraler Ängstlichkeit und regressivem Verhalten in ihrer angestammten Tätigkeit als Postsortiererin zu 50 % arbeitsfähig. Eine Überwindung der sozialen Ängstlichkeit erscheine aber zumutbar, und auch ein Arbeitsversuch in einem angepassten Milieu ohne Hektik oder Kundenkontakte
sei
zu empfehlen
.
Problematisch erscheine die Stagnation der Beschwerdeführerin, deren Vermeidungsverhalten und Passivität
, welche
vor allem durch das Familiensystem unbewusst gestützt und unterhalten
würden
(zur detaillierten Familien- und Arbeitsanamnese sowie Krankheitsentwicklung siehe
Urk.
7/22/2-6)
. Die Angabe einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit gelte ab sofort. Für den Zeitraum ab August 2008 könne von der vom behandelnden Psychiater attestierten 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden (S. 18).
Weiter berichtete Dr.
C._
, es drohe aufgrund des aus psychodynamischer Sicht symptomunterhaltenden Familiensystems eine weitere Stagnierung, mit gegebenenfalls bleibender Teilarbeitsunfähigkeit.
Es
müsse ausdrücklich auf das rein reaktive Geschehen der psychischen Erkrankung hingewiesen werden (S. 19).
Die ängstlich-depressive Störung werde durch p
sychosoziale Faktoren ausgelöst
und werde auch durch sie, insbesondere durch die Summe sämtlicher betroffenen, ihrerseits ebenfalls psychisch gezeichneten ode
r erkrankten Familienmitglieder
bzw. durch das Familiensystem, in dem die Beschwerdeführer nun als Haupt
symptomträgerin auftrete, unterhalten (S. 20).
3.2
Die Beschwerdegegnerin erwog hierzu in
der
Verfügung vom
15.
März 2010 (
Urk. 7/
30
/3-4
)
,
die
medizinischen
Abklärungen hätten ergeben, dass
der
Beschwerdeführerin bei Ablauf der Wartezeit im August 2009 keine Erwerbstä
tigkeit zumutbar
gewesen sei
, was einen
Invaliditätsgrad
von 100 % ergebe. Anschliessend habe sich der Gesundheitszustand soweit verbessert,
dass ab 2.
November 2009 die angestammte sowie eine behinderungsangepasst
e
Tätigkeit wieder zu 50
%
zumutbar
gewesen sei. Es resultiere ein Invaliditätsgrad von 50 %.
Die Beschwerdegegnerin sprach der Beschwerdeführerin daher ab 1. August 2009 bis 31. Januar 2010 eine ganze und ab 1. Februar 2010 eine halbe Invalidenrente zu
(Urk. 7/29 und Urk. 7/30/1-2)
.
4.
4.1
Die rentenaufhebende Verfügung vom 19. September 2017 (Urk. 2) beruhte auf folgenden medizinischen Unterlagen:
4.2
Nachdem
sich
die Beschwerdeführerin letztmals im Jahr 2010
bei
Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychia
trie und Psychotherapie, in Therapie befunden h
atte, nahm sie diese
– nach Aufforderung der Beschwerdegegnerin vom 6. Juli 2015 (Urk. 7/58)
,
sich in eine fachpsychiatrische
Behandlung
zu begeben -
im Juli 2015 wieder auf (vgl. Urk. 7/46, Urk. 7/65).
Die Beschwerdeführerin erklärte den Behandlungsunterbruch damit, dass sie wegen finanzieller Probleme weder die Krankenkasse noch sofort den Arzt habe bezahlen können; sie sei deshalb immer beim Notfallarzt gewesen (
Urk.
7/52). Auch
Dr.
Z._
gab die angespannte finanzielle Situation (einschliesslich Rückstände bei den Krankenkassenprämien) als Grund für die Unterbrechung der psychiatrischen Behandlung an (
Urk.
7/83 S.11
Ziff.
8.2.4).
Dr.
B._
nannte in seinem Bericht vom
7. Dezember 2015 (Urk. 7/65)
als Diagnosen eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.2
[richtig: F32.1]
) und eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1). Er führte aus
, es zeige sich eine weitestgehend unveränderte Symptomatik
und
attestierte der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die angestammte und
für eine
angepasste Tätigkeit.
4.3
Oberärztin Dr. med.
D._
von der
A._
, wo sich die Beschwerdeführerin auf Zuweisung von Dr.
B._
vom 24. November 2015 bis 12. Februar 2016 in ambulanter tagesklinischer Behandlung befand (vgl. Urk. 7/82/15-17),
stellte die Diagnosen einer generalisierten Angststörung (ICD-10 F41.1) und einer rezidi
vierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1). Sie
attestierte der Beschwerdeführerin
in ihrem Verlaufsbe
richt vom 6.
April 2016 (Urk. 7/70)
im Rahmen der Rentenrevision bei verschlechtertem Gesundheitszustand
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in angestammter und angepasster Tätigkeit (
S. 1 Ziff. 1.1,
S. 2 Ziff. 2.1).
Bezüglich verschlechtertem Gesundheitszustand führte sie u.a. an, «Stimmung deutlich gedrückt, nicht auf
hellbar im Kontakt, was beim letzten Aufenthalt möglich war», «keine Selbstwirk
samkeit und damit auch geringe
Motivation (beim letzten Aufenthalt deutlich
besser)»
sowie «Selbstpflege reduziert: Dusche nur wenn Tochter sie dazu mehr
fach auffordere (beim letzten Aufenthalt kein Thema)». Ausweislich der Akten war die Versicherte im Sommer 2009 letztmals in tagesklinischer psychiatrischer Behandlung (vgl.
Urk.
7/22 S. 16).
Dr.
D._
schätzte die Prognose bezüglich einer Arbeitseingliederung in absehbarer Zeit als unrealistisch ein (S. 3 Ziff. 3.3) und führte aus, die Arbeitsfähigkeit könne durch
psychotherapeutische Mass
nahmen
zur depressiven sowie
zur
Angstsymptomatik
verbessert werden (S. 3 Ziff.
4.1).
Eine Belastbarkeit für Massnahmen der Wiedereingliederung im Umfang von mindestens zwei Stunden täglich
bestehe
nicht (Ziff.
4.2)
.
Im Abschlussbericht vom 18.
April 2016 (Urk. 7/82/15-17) führten Dr.
D._
und
E._
, Pflegefachmann HF, aus,
das Ziel
,
vermehrt mit den öffentlichen Verkehrsmi
tteln zur Tagesklinik zu kommen
ohne Begleitung von ihr naheste
henden Personen
, sei
bis zum Austritt kaum möglich gewesen. I
m Rahmen
der Ressourcenaktivierung und
dem
Aufbau einer Tagesstruktur habe die Beschwer
deführerin im Verlauf der Behandlung mit Hilfe eines Wochenplanes diese ver
mehrt trainieren können
.
Eine Konstanz habe bei diesen Tätigkeiten
noch
nicht erreicht werden können (S. 2).
4.4
Dr.
Z._
nannte in
seinem psychiatrischen
Gutachten vom 3.
Mai 2017
(Urk. 7/
82
) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S.
12
):
-
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Akzentuierte ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung (ICD-10 Z73.1)
Der Gutachter führte dazu
aus,
es bestehe eine mittelgradige depressive Sympto
matik mit deprimierter Stimmung, fehlendem Lebensmut, sozialem Rückzug, Hoffnungslosigkeit, (subjektiven) Konzentrationsproblemen und Todeswünschen. Zudem habe die Beschwerdeführerin über regelmässige, etwa jeden zweiten Tag auftretende Panikattacken mit Zittern, Schweissausbrüchen, Herzklopfen,
Dereali
sationserleben
und Atemnot
berichtet
.
Mit schweren Beeinträchtigungen der Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit und der Kontaktfähigkeit zu Dritten seien nicht nur ent
scheidende beruflich relevante Bereiche betroffen. Mit mittelgradiger Beein
trächtigung der Wegefähigkeit und
schwergradiger
Einschränkung von ausserbe
ruflichen Aktivitäten seien auch anderweitige, soziale Fähigkeiten in bedeutender Weise eingeschränkt (S. 9
Ziff.
8.1.1-2).
Weiter berichtete Dr.
Z._
, einer beruflichen Eingliederung stünden neben der psychiatrischen Situation auch gewichtige nichtmedizinische Faktoren (Bildungs- und Ausbildungsniveau, Sprachbarriere, Alter) im Weg. Medizinische und nichtmedizinische Gründe für das geringe Rehabilitationspotential seien als etwa gleich stark zu gewichten.
Eingliederungsmassnahmen seien angesichts der psychiatrischen Situation wie auch angesichts der biosozialen Situation nicht erf
olgversprechend (S. 12 f. Ziff.
8.4.5-7).
Ferner hielt Dr.
Z._
fest, in der ursprünglichen Tätigkeit in einem Ver
teilzentrum der
Y._
liege eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vor. Auch
in einer angepassten Tätigkeit
im ersten oder im zweiten Arbeitsmarkt
liege
keine ver
wertbare Arbeitsfähigkeit
vor (S. 13
Ziff.
8.6.1-2).
4.5
Dr. med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom regionalen ärztlichen Dienst
(RAD)
führte in seiner Stellungnahme vom 17. Mai 2017 (Urk. 7/83 S. 3) aus, auf das Gutachten von Dr.
Z._
könne abgestützt werden. Aufgrund der Diagnosen bestehe bei der Beschwerdeführerin ein Gesund
heitsschaden, der die Arbeitsfähigkeit mittel- und langfristig beeinträchtige. Es bestehe für jegliche Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Medizinische Massnahmen könnten keine zusätzlichen empfohlen werden. Ebenso wenig könnten Integrationsmassnahmen empfohlen werden.
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung
en
vom 15. März 2010 unter anderem damit, dass die
damals gestellten Diagnosen zu den psychosomatischen Beschwerden gehört
en
, welche überwind
bar gewesen seien
und dies
bei der ursprünglichen
Rentenzusprache
zu Unrecht nicht beachtet worden
sei
(Urk. 2 S. 2 oben)
.
Dabei stützt
e
sie sich – wie es sich unmissverständlich aus dem Feststellungsblatt vom 26. Mai 2015 (Urk. 7/54 S. 2) ergibt – auf
lit
.
a Abs.
1 der am 1.
Januar 2012 in Kraft getretenen Schlussbe
stimmungen der Änderung vom 18.
März 2011 des IVG (6.
IV-Revision, erstes Mas
snahmenpaket; kurz:
lit
. a Abs.
1
SchlB
IVG
6.
IV-Revision)
. Diese erlaubte es
Renten, die bei PÄUSBONOG
-Krankheiten
gesprochen wurden, innerhalb von drei
Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung
zu überprüfen und falls die
Voraussetzungen nach
Art.
7 ATSG nicht erfüllt
waren
,
herabzusetzen oder auf
zuheben
, auch wenn die Voraussetzungen von
Art.
17
Abs.
1 ATSG nicht erfüllt
waren
.
Wie es sich
aus
Dr.
C._
Gutachten vom 3
.
November 2009
eindeutig
ergibt, war
einzig
ein rein psychisches
und somit kein
psychos
o
m
atisches
PÄUSBONOG-
Leiden
ursächlich für
die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin und damit ausschlaggebend für die
Rentenzusprache
(E. 3.1).
Davo
n schien die Beschwerde
gegnerin
im Zuge der vorliegenden Rentenprüfung
eigentlich auch selbst auszu
gehen
. So führte sie als Hauptdiagnose
n
, welche zur ursprünglichen Rente geführt
ha
tte
n
, eine mittelgradige depressive Episode, eine generalisierte Angststörung und ein Asthma bronchiale
, welche allesamt keine PÄUSBONOG-Leiden dar
stellen,
auf
(vgl. Urk.
7/54 S. 1
)
.
Wie von der Beschwerdeführerin richtig erkannt, wurde die Überwindbarkeitspraxis
für
PÄUSBONOG-Krankheiten
somit
zu
R
echt nicht angewandt (Urk. 1 S. 6 Ziff.
5).
Folglich liegt
kein Wiedererwägungsgrund
aufgrund
einer
unterlassen
en
Prüfung nach
lit
. a Abs. 1
SchlB
IVG 6.
IV-Revision
bei der ursprünglichen
Rentenzusprache
vor.
5.
2
Weiter begründete die Beschwerdegegnerin die wiedererwägungsweise Auf
he
bung der Verfügung
en
vom 15. März 2010 mit dem Umstand, dass
bei
der Leistungsprüfung 2010 die psychosozialen Faktoren
, welche die depressive Störung ausgelöst und erhalten hätten,
mitberücksichtigt worden
seien
, was
offensichtlich falsch
gewesen
sei
(Urk. 2 S.
1
)
.
Ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden kann nur gegeben sein, wenn das klinische Beschwerdebild nicht einzig in psychosozialen und soziokul
turellen Umständen seine Erklärung findet, sondern davon psychiatrisch unter
scheidbare Befunde umfasst. Diese Rechtsprechung galt bereits im Zeitpunkt der rentenzusprechenden Verfügung vom 15. März 2010 (vgl. etwa BGE 127 V 294 E. 5a). Aus dem Gutachten von Dr.
C._
geht
zwar
hervor, dass
es sich beim
damalige
n
psychische
n
Leiden der Beschwerdeführerin
um ein
rein reaktiv
es Geschehen handelt
e
, welches durch
psychosoziale Faktoren
ausgelöst
(Ver
haf
tung der beiden Söhne)
und aufrechterhalten
wurde
(
symptom
unter
haltendes Familiensystem
,
vgl. E. 3.1).
Entgegen der Ansicht der
Beschwerde
gegnerin
kann jedoch aus dem Gutachten von Dr.
C._
nicht geschlossen werden, dass neben den durch die psychosozialen Faktoren ausgelösten und auch
unter
halte
n
en
psychischen Leiden keine
verselbständigte
psychische Erkrankung
vor
lag
.
So sprach Dr.
C._
unter anderem
von einer drohenden «weiteren Stagnation», was auch in der Weise aufgefasst werden
kann
, dass bereits eine Verselbständi
gung der Depression vorlag. Für eine
derartige
Interpretation
spricht
denn auch der Umstand, dass nach Vorlage des Gutachtens
selbst
der damalige
RAD-Arzt
Dr. med.
G._
keinen Anlass sah
,
davon auszugehen, dass sich das psychische Leiden der Beschwerdeführerin in psychosozialen Faktoren erschöpfte (vgl.
Urk. 7/23 S. 4)
.
Nach dem Gesagten
war
bei der damaligen Sach- und Rechtslage nicht nur
der einzige Schluss denkbar, dass sich die psychischen Leiden der Beschwerdeführe
rin in psychosozialen
Faktoren erschöpften.
Dementsprechend
ist
k
ein Wieder
er
wägungsgrund gegeben
(vgl. E. 1.4)
und es bleibt demzufolge weiterhin beim Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine halbe IV-Rente.
Im Folgenden ist daher - im Sinne der Prüfung eines Revisionsgrunds - zu überprüfen, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in einer sich auf die Invalidenrente auswirkenden Weise verändert hat
(vgl. dazu
Urk.
1)
.
6.
6.
1
Das psychiatrische Gutachten von Dr.
Z._
vom
3
.
Mai
201
7
(E.
4
.3) beruht auf den erforderlichen allseiti
gen Untersuchungen,
was bei einer psychiatrischen klini
schen
Untersuchung eine Anamneseerhebung (
zur Eigen
anamnese vgl. Urk. 7/82 S. 5-6, zur Medikamenten-, Substanz- und Fremd
anam
nese
vgl. S.
6),
eine
Symptomerfassung und
eine
Verhaltens
beobachtung (vgl.
S.
6-9
) umfasst (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_47/20
16 vom 15. März 2016 E. 3.2.2). Es
wurde
weiter
in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet (S.
2
-
5
, S.
8 f.
), berücksichtigt die geklagten Be
schwerden
und setzt sich mit diesen sowie dem Verhalten
der
Beschwerdeführer
in
auseinander (S.
6-9, S. 12 f.
). Dr.
Z._
hat die
medizinischen Zustände und Zusam
menhänge einleuchtend dargelegt und seine Schlussfolgerung
en
nachvollziehbar begründet. So führte er
plausibel
aus, dass
die
Beschwerde
führer
in
aufgrund
der diagnostizierten psychischen Leiden in der Fähigkeit zur Planung und Struktu
rierung von Aufgaben, der Flexibilität und Umstellungs
fähigkeit sowie der Kontaktfähigkeit zu Dritten stark beeinträchtigt ist. Ebenso ist sie
dadurch
auch
in anderweitigen
soziale
n
Fähigkeiten in bedeutender Weise eingeschränkt
und ihre Weg
e
fähigkeit in mittelgradige
r
Weise beeinträchtigt (E. 4.4).
Damit ent
spricht die Expertise von Dr.
Z._
den bundes
gerichtlichen
Vorgaben an ein beweiskräftiges Gutachten (vgl. BGE 134 V 231 E.
5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Was
die vom Gutachten
abweichende,
durch Dr.
B._
(vgl. E. 4.2) und Dr.
D._
(Urk. 7/70, Urk. 7/82/15-17)
gestellte
Diagnose einer generali
sier
ten Angst
störung angeht, wies Dr.
Z._
zu Recht darauf hin (Urk. 7/82 S. 9 Mitte), dass eine solch
e
gemäss ICD-10
nicht gleichzeitig gestellt werden darf, wenn wie vorliegend die Kriterien für eine depressive Episode erfüllt sind (vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmid [Hrsg.],
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen; ICD-10 Kapitel V [F] Klinisch-diagnostische
Leitlinien, 1
0.
Aufl., 2015, S. 198
f
.).
Das Gutachten ist
aber auf jeden Fall
betreffend die ent
schei
dende Frage der funktionellen Einschränkungen und die damit einhergehen
de Bewertung der Arbeitsfähigkeit
mit sämtlichen vorliegenden
medizinischen
Ein
schätzungen
vereinbar,
namentlich mit der Beurteilung
der behandelnden Psychiater
Dr.
B._
und Dr.
D._
(vgl.
E. 4.
2
-3
)
sowie des RAD-Arztes Dr.
F._
(E. 4.5)
, welche zum jeweiligen Beurteilungszeitpunkt von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
in jeglicher Tätigkeit
ausgingen
und
Eingliede
rungs
-
respektive Integrationsmassnahmen als nicht
für
durchführ
bar
hielten
beziehungsweise nicht empfahlen
. Es kann
somit
auf das Gutachten von Dr.
Z._
abgestellt werden.
6
.2
6.2
.1
Betreffend Vorliegen eines Revisionsgrundes (dazu vorne E. 1.4) steht die von der Beschwerdeführerin behauptete Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes im Vordergrund. Feststeht, dass eine IV-Rente insbesondere bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar ist. Weiter sind nach der bun
desgerichtlichen Rechtsprechung auch bei an sich gleich gebliebenem Gesund
heitszustand veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E.3). Eine tatsächliche Verände
rung in den gesundheitlichen Verhältnissen kann infolgedessen auch darin liegen, dass sich beispielsweise ein Leiden in seiner Intensität und damit seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat oder in einer verbesserten Leidensanpassung (BGE 141 V 9 E. 6.3.2, Urteil
des Bundesgerichts
9C_771/2009 vom 1
0.
September 2010 E. 2.3 mit Hinweisen).
Die erstere Konstellation ist im vorliegenden Fall gegeben. So beantwortete Dr.
Z._
in seinem Gutachten die Fragen der Beschwerdegegnerin zur Rentenrevision (
Urk.
7/82 S. 14
Ziff.
8.6.3), indem er ausführte, soweit beurteil
bar, handle es sich im Vergleich zur letzten psychiatrischen Begutachtung 2009 (Dr.
C._
) um einen unveränderten Gesundheitszustand, was die objektivier
baren psychopathologischen Befunde betreffe. Zugenommen hätten aber die Selbstlimitierung und die Regression
der Explorandin mit der Folge einer gra
vierenden
Dekonditionierung
. Eine 50%ige Arbeitsfähigkeit, wie sie ihr damals noch attestiert worden sei, sei nun mit Sicherheit nicht mehr möglich. Es sei viel
mehr von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, im primären gleicher
massen wie im sekundären Arbeitsmarkt. Seit wann diese verschlechterte Arbeits
fähigkeit bestehe, lasse sich ex
post
nicht bestimmen (
a.a.O
).
Wie bereits erwähnt, schlossen sich sowohl die behandelnden Psychiater
Dr.
B._
und
Dr.
D._
wie auch
Dr.
F._
vom RAD dieser Einschätzung der verän
derten Intensität des Leidens und damit seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfä
higkeit an (vgl. oben E. 6.1). Es ist folglich von einem Revisionsgrund im Sinne einer Verschlechterung des Leidens auszugehen.
6.2.
2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE
140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es
-
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
-
erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE
143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2
017 vom 7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindi
katoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
schein
lichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person
die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Damit erübrigt sich eine Auseinander
setzung mit den Vorbringen der Beschwerdeführerin hinsichtlich der rechtspre
chungsgemässen Bewertung von Depressionen
.
Diese bezogen sich
auf die alte Rechtsprechung (vgl. Urk. 1 S. 8
ff.)
.
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert
(BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E.
4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15.
März 2018 E. 7.4).
6.2
.
3
Zum Komplex
«
Gesundheitsschädigung
»
ist festzuhalten, dass
die Beschwerde
führerin an einer mittelgradigen depressiven Episode
sowie e
iner Panikstörung leidet
.
Dadurch ist sie
in der
Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Auf
gaben, der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit und der Kontaktfähigkeit zu Dritten
schwer und in der
Wegefähigkeit
mittelgradig beeinträchtigt (E. 4.4).
Die testpsychologischen Resultate im Gutachten weisen mit einem Hamilton-Depression-
Scale
-Score von 23 Punkten und einem Beck-Depression-
Inventory
-Score von 38 Punkten auf eine starke Ausprägung der Depression hin (vgl.
Urk. 7/82 S. 7 Ziff.
6.3).
Es
liegen
,
wie
von der Beschwerdegegnerin richtig festgestellt
(Urk. 2 S. 2 oben),
zwar
immer noch psychosoziale Faktoren vor, welche die psychischen Leiden
auch
aufrechterhalten.
D
iese
sind jedoch
nicht ursächlich für die mit der psychi
schen Erkrankung einhergehenden Funktionseinschränkungen, sondern
bilden
lediglich ei
n
en
Faktor (Urk. 7/82 S. 10 Ziff.
8.1.3).
Wenn und soweit solche Umstände zu einer eigentlichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen verselbstständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden -
Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar inva
liditätsbegründend auswirken (Urteil des Bun
desgerichts 9C_537/2011 vom 28.
Juni 2012 E. 3.2). Dies ist vorliegend der Fall.
Es liegt
zwar
eine unter anderem
auch
von den psychosozialen Faktoren teilweise aufrechterhalte
ne
, aber doch verselbständigte,
chronifizierte
depressive Störung vor. So zeigte Dr.
Z._
auf, dass
keine
rezidivierende
Depression
vorliegt
, sondern
vielmehr
von einer kontinuierlichen depressiven Störung auszugehen
ist (vgl. Urk. 7/82 S. 9 oben), welche aufgrund
der Selbstlimitierung und Regression der Beschwerdeführerin zu einer gravier
enden
Dekonditionierung
geführt hat
(S. 82
Ziff.
8.6.3).
Hinsichtlic
h
Behandlungserfolg
res
pektive –
resistenz
, ist zu bemerken, dass
keine krankheitsbedingte Unfähigkeit zur Therapieadhärenz vorliegt (S. 13 Ziff. 8.5.5). Die
Beschwerdeführer
in
befindet ich seit
J
uli 2015 wieder
in
regelmässiger
psychiatrischer Behandlung
(E. 4.2-4, Urk. 13)
. In einer tagesklinischen Behand
lung vom 24. November 2015 bis 12. Februar 2016
haben
zwar leichte Haus
haltstätigkeiten trainiert werden können, eine Konstanz
diesbezüglich
konnte
jedoch
nicht erreicht werden (E. 4.3).
Das Ziel, vermehrt mit öffentlichen Ver
kehrsmitteln ohne Begleitung von Angehörigen zu kommen, konnte bis zum Aus
tritt aus der Tagesklinik kaum erreicht werden (vgl. Urk.
7/
82 S. 11 Ziff.
8.2.3).
Trotz intensiver Therapie blieb die Beschwerdeführerin damit
selbst
in
einfachen
alltäglichen Verrichtungen
nicht
funktionsfähig respektive massiv eingeschränkt.
Verschiedene Antidepressiva sind ausprobiert worden, hatten aber jeweils wegen der Nebenwirkungen
(QT-Verlängerung, Herzrhythmusstörung)
abgesetzt werden müssen. Da diese aber ohnehin keine wirkliche Besserung gebracht hatten, wurde darauf verzichtet (S. 6 Ziff. 4.3, Ziff. 5.1).
Hinweise auf eine mangelnde Koope
ration bestehen nicht.
Die
Therapie
ist
gemäss Dr.
Z._
als lege
artis
anzusehen (
S. 12 Ziff.
8.4.1
-2
).
Ebenso wenig konnte RAD-Arzt Dr.
F._
zusätzliche medizinische Massnahmen empfehlen (E. 4.5).
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin kann daher nicht von einer
inkonsequenten oder nicht ausreichenden Therapie gesprochen w
erden (vgl.
Urk. 2 S. 2 Mitte).
Ein Versuch einer beruflichen Eingliederung wurde nicht vorgenommen. An einem zweimalwöchentlich stattfindenden Arbeitstrainingsversuch im
H._
im Rahmen des Tagesklinikaufenthaltes nahm die Beschwerde
führe
rin nur kurzzeitig teil (Urk. 7/82/15-17 S. 2 unten). Einer
beruflichen Eingliede
rung steht
die psychiatrische Situation im Weg und ist auch deshalb nicht erfolgsversprechend (S. 12 Ziff. 8.4.5, S. 13 Ziff. 8.4.7). Integrations
massnahmen wurden
denn selbst
von RAD-Arzt Dr.
F._
nicht empfohlen (E. 4.5).
Als Komorbidität zu berücksichtigen sind die
verschiedenen
psychischen Leiden
, welche sich hinsichtlich der Auswirkungen gegenseitig
verstärken
(
Urk. 7/82
S. 12 Ziff.
8.3.3).
Zum
Komplex «Persönlichkeit» er
geben sich
nur
geringe Auffälligkeiten. Es besteht
eine überängstliche Grundhaltung im Sinne einer akzentuierten Persön
lichkeit (
Urk. 7/82
S. 10 Ziff.
8.1.7 unten).
Als Ressourcen, die zum Komplex «sozialer Kontext» zählen, ist das intakte fami
liäre
Umfeld
zu nennen, wo die
Beschwerdeführerin starke Unterstützung durch ihren Ehemann und ihre Kinder sowie die Schwiegertochter erhält
(
S. 11 Ziff. 8.2.2
).
Demgegenüber
besteht ein sozialer Rückzug (S.
9 Ziff. 8.1.1
)
und die Kontaktfähigkeit zu Dritten ist s
tark beeinträchtigt (S. 9 Ziff.
8.1.2), sodass
sich
überwiegend
negative Ressourcen au
s dem sozialen Kontext ergeben.
Das
Aktivitätenniveau
der
Beschwerdeführer
in ist über alle vergleichbaren Lebensbereiche gleichmässig eingeschränkt (
S. 13 Ziff.
8.5.2).
Sie verbringt ihre Tage mit Rauchen, Fernsehen und Liegen. Eine Tagesstruktur fehlt völlig. Ein
käufe werden vom Sohn erledigt. Baden und duschen erfolg
en
allein aus Zwang durch Tochter und Ehemann. Waschen und Putzen übernimmt die Schwieger
tochter.
Die Beschwerdeführerin
führt lediglich leichte Haushaltstätigkeiten aus, nimmt eine warme Dusch
e
oder trinkt mit den Familienmitgliedern Kaffee. Frühere Hobbies, wie Handarbeiten oder Lesen lieg
en in weiter Ferne (S. 11 Ziff.
8.2.2-4).
Dies spricht für eine massgebliche Einschränkung der Leistungsfä
higkeit in sämtlichen Lebensbereichen
.
Auch wenn die Beschwerdeführerin in den Jahren 2010 bis
Juli
2015
aus finanziellen
Gründen
keine psychiatrische Behand
lung in Anspruch genommen hatte,
ist zum massgeblichen Zeitpunkt der aufhe
benden Verfügung durch die lege
artis
erfolgte psychiatrische Behandlung
in Ausschöpfung der therapeutischen Optionen
ein Leidensdruck ausgewiesen
(
vgl.
S. 12 Ziff.
8.4.1)
.
6
.
2
.
4
Eine Gesamtschau über alle Indikatoren ergibt, dass die von
Dr.
Z._
postu
lierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
– in Übereinstimmung mit allen anderen ärztlichen
Einsch
ätzungen (E. 4.2-3 und E. 4.5)
–
von 100 % in jeglicher Tätigkeit
mit dem Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
als plausi
bel erscheint.
Damit ist von einer wesentlichen Ver
schlechterung
des Gesund
heitszustandes der Beschwerdeführerin auszugehen und
somit
das Vorliegen eines Revisionsgrundes zu bejahen.
6.3
Bei dieser Fakten- und Ausgangslage erübrigt sich eine eingehende Überprüfung der
Vergleichse
inkommen, da feststeht,
da
ss
spätestens
ab dem
3. Mai
201
7 (Begutachtungszeitpunkt Dr.
Z._
)
von einer vollständigen Arbeitsunfä
higkeit in jeglicher
Tätigkeit
auszugehen ist
. Eine zwischenzeitliche gesundheit
liche Verbesserung ist nicht
ausgewiesen
. Vielmehr lässt sich dem Bericht der Ärzte von der
A._
vom 17. Mai 2018 (Urk. 13) entnehmen, dass
seither
sogar
eine
weitere
V
erschlechterung eingetreten ist. So a
ttestierten
diese
der Beschwerde
führerin gar eine schwere depressive Episode.
Eine Verschlechterung der Erwerbs
fähigkeit
ist nach Art.
88
a Abs.
2 IVV zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung
drei Monate gedauert hat. Dies war vorliegend am 3. August 2017 der Fall. Damit steht der Beschwerdeführerin
– wie beantragt (
Urk.
1)
–
ab 1. August 20
17 eine ganze Invalidenrente zu
.
Die Beschwerde ist folglich gutzuheissen.
7.
7.1
Bei diesem Ergebnis erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um unent
geltliche Prozessführung und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
als gegen
standslos.
7.2
Im vorliegenden Verfahren geht es um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen, weshalb das Verfahren kostenpflichtig ist. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie von der unterliegenden Beschwerdegegnerin zu tragen.
7.3
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten hat grundsätzlich die obsiegende Beschwerde führende Person, die erhebliche Auslagen im Rahmen des Prozesses gehabt hat (vgl.
Art. 61
lit
. g ATSG). Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich fest
zusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwie
rig
keit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Der
Rechtsvertreter
hat
keine Kostennote eingereicht. Die Entschädi
gung ist
daher
unter Berücksichtigung der genannten Kriterien nach Ermessen auf Fr.
3’5
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Die Beschwerdegegnerin ist in der Folge zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine Prozessentschädigung in diesem Umfang zu bezahlen.