Decision ID: 464f0dc8-cb7b-4eb5-830b-317670f4ea8d
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer reichte am (...) ein erstes Asylgesuch in der
Schweiz ein.
Zur Begründung führte er an, er sei für die (Nennung Organisation) als
(Nennung Tätigkeit) tätig gewesen und habe (Nennung Tätigkeit im Detail).
Die (Nennung Verband) seien häufig von Taliban angegriffen worden. Bei
einem solchen Angriff hätten die Taliban (...) Kollegen getötet; er selbst
habe fliehen können. An der Anhörung brachte er zusätzlich vor, er sei wäh-
rend (Nennung Dauer) Soldat in der afghanischen Armee gewesen. Auf-
grund seiner gefährlichen Arbeit habe er Afghanistan im (Nennung Zeit-
punkt) verlassen und sei (Nennung Transitländer und Umstände der Reise)
die Reise in die Schweiz gelungen. Bei einer Rückkehr nach Afghanistan
befürchte er, wegen seiner Tätigkeiten für die (Nennung Organisation) und
die (...) Armee von den Taliban umgebracht zu werden.
A.b Mit Verfügung vom 22. Januar 2016 stellte das SEM fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Voll-
zug der Wegweisung an. Mit Urteil D-915/2016 vom 10. April 2018 wies
das Bundesverwaltungsgericht die gegen diese Verfügung erhobene, auf
den Vollzug der Wegweisung beschränkte Beschwerde ab.
B.
B.a Am 23. Mai 2018 reichte der Beschwerdeführer beim SEM eine als
„Mehrfachgesuch beziehungsweise Gesuch um Wiedererwägung“ be-
zeichnete Eingabe ein. Dabei brachte er zur Begründung unter anderem
vor, er habe sich durch seine ehemalige Anstellung bei (Nennung Arbeit-
geber) zur Zielscheibe der Taliban oder anderer Gruppierungen gemacht.
Da er aufgrund dieses Profils die Flüchtlingseigenschaft erfülle, sei eine
Neubeurteilung derselben angezeigt.
B.b Am 13. Juni 2018 ersuchte der Beschwerdeführer das Bundesverwal-
tungsgericht mit weitgehend identischer Begründung um Revision des Ur-
teils D-915/2016 vom 10. April 2018. Mit Entscheid D-3456/2018 vom
23. Juli 2018 schrieb das Bundesverwaltungsgericht das Revisionsverfah-
ren als durch Rückzug gegenstandslos geworden ab.
B.c Mit Verfügung vom 24. Juli 2018 wies das SEM die als Wiedererwä-
gungsgesuch behandelte Eingabe vom 23. Mai 2018 ab. Mit Urteil
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D-4952/2018 vom 25. Oktober 2018 wies das Bundesverwaltungsgericht
die gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde ab, soweit es darauf
eintrat. Gleichzeitig schrieb das Gericht das Revisionsgesuch als gegen-
standslos geworden ab.
C.
C.a Am 14. Dezember 2018 reichte der Beschwerdeführer beim SEM ein
Wiedererwägungsgesuch ein. Darin machte er im Wesentlichen geltend,
die neuen Beweismittel würden nun seine Tätigkeit als (Nennung Tätigkeit)
für die (Nennung Organisation) in Afghanistan belegen, die eine flüchtlings-
rechtlich relevante Bedrohung durch die Taliban ausgelöst habe.
C.b Das SEM wies dieses Gesuch mit Verfügung vom 17. Juli 2020 ab,
soweit es darauf eintrat. Mit Urteil D-4171/2020 vom 22. September 2020
trat das Bundesverwaltungsgericht auf die dagegen erhobene Beschwerde
nicht ein.
D.
Am 5. August 2021 gelangte der Beschwerdeführer mit einer als "Mehr-
fach- bzw. qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch" bezeichneten Eingabe
ans SEM und ersuchte erneut um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft
und um Gewährung des Asyls, eventualiter um Gewährung der vorläufigen
Aufnahme wegen Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs. Zur Begründung führte er im Wesentlichen an, sein bei der afgha-
nischen Armee tätiger (Nennung Verwandter) B._ sei bei einem Ge-
fecht zwischen der Armee und den Taliban am (Nennung Zeitpunkt) in
(Nennung Örtlichkeit) ums Leben gekommen. Aufgrund seiner Verwandt-
schaft zu B._ und weiteren, von den Taliban getöteten (Nennung
Verwandte), welche ebenfalls in der afghanischen Armee gedient hätten,
seiner (Nennung Tätigkeit), der aktuellen Situation in seiner Heimat und
des Vorrückens der Taliban sei er flüchtlingsrechtlich relevant gefährdet.
Zudem würde er angesichts seines mehrjährigen Aufenthalts in Westeu-
ropa und der damit verbundenen Übernahme eines "westlichen Lebens-
stils" bei einer Rückkehr nach Afghanistan ins Blickfeld der Taliban geraten.
E.
Mit Verfügung vom 22. April 2022 stellte das SEM fest, der Beschwerde-
führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Mehrfachgesuch
ab, ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz an,
schob hingegen den Vollzug derselben wegen Unzumutbarkeit zugunsten
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einer vorläufigen Aufnahme auf. Weiter verfügte das SEM die Aushändi-
gung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis und lehnte
das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung ab.
F.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
12. Mai 2022 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte
die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft und das Gewähren von Asyl,
eventualiter die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Vornahme
weiterer Sachverhaltsabklärungen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er
um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Beigabe des
rubrizierten Rechtsvertreters als unentgeltlicher Rechtsvertreter sowohl für
das Verfahren vor der Vorinstanz als auch für das Beschwerdeverfahren.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 30. Mai 2022 teilte die Instruktionsrichterin
dem Beschwerdeführer mit, er dürfe den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten. Sodann wies sie die Gesuche um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung und um Beigabe eines unentgeltlichen
Rechtsbeistandes ab und forderte den Beschwerdeführer zur Leistung ei-
nes Kostenvorschusses von Fr. 1500.– bis zum 14. Juni 2022 auf, unter
Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall.
H.
Mit Eingabe vom 14. Juni 2022 beantragte der Beschwerdeführer, es sei
die Zwischenverfügung vom 30. Mai 2022 in Wiedererwägung zu ziehen
und auf die Ansetzung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten, even-
tualiter sei die Höhe des Kostenvorschusses zu reduzieren. Ferner sei bei
Festhalten an der Kostenvorschusspflicht die Zahlungsfrist um mindestens
30 Tage zu erstrecken und mit einer Ratenzahlung zu kombinieren.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 17. Juni 2022 hielt die Instruktionsrichterin an
der Zwischenverfügung vom 30. Mai 2022 vollumfänglich fest und forderte
den Beschwerdeführer auf, innert einer – nicht erstreckbaren – Notfrist von
drei Tagen ab Erhalt der Verfügung den einverlangten Kostenvorschuss zu
bezahlen, unter Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall.
Der Kostenvorschuss wurde am 30. Juni 2022 fristgerecht bezahlt.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 6 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer rügt, das SEM habe den Untersuchungsgrund-
satz, das rechtliche Gehör und das Recht auf ein faires Verfahren verletzt.
Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen.
4.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach die Be-
hörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-
digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-
klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen hat (vgl.
BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.).
http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/10
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Vorliegend ging das SEM aufgrund der Parteiauskünfte und der eingereich-
ten Beweismittel (Art. 12 Bstn. a und b VwVG) zu Recht davon aus, dass
der rechtserhebliche Sachverhalt als erstellt gelten könne und keine weite-
ren Beweismassnahmen zu ergreifen seien. Die Vorinstanz hat sich bei der
Prüfung des Gesuchs an den vom Beschwerdeführer geltend gemachten
Vorbringen (Nennung Details) sowie an den eingereichten Unterlagen (...)
orientiert und diese entsprechend gewürdigt. Dabei hat es explizit auf die
in diesem Zusammenhang geäusserten Befürchtungen und Schlussfolge-
rungen des Beschwerdeführers sowie die zur Stützung derselben einge-
reichten Beweismittel Bezug genommen und sich mit diesen Sachverhalt-
selementen und den entsprechenden Dokumenten auseinandergesetzt.
Der Umstand, dass es nach einer gesamtheitlichen Würdigung der Partei-
vorbringen und bei der Einschätzung der spezifischen Ländersituation zu
einem anderen Schluss als der Beschwerdeführer gelangte und sich daher
(implizit) nicht veranlasst sah, im Zusammenhang mit der eingereichten
Beilage 11 die darauf abgebildete Person als Zeuge zu befragen (vgl. Be-
weisofferte in Ziff. 2.4 des Mehrfachgesuchs), stellt keine unrichtige oder
unvollständige Feststellung des Sachverhalts oder Verletzung des rechtli-
chen Gehörs dar. Zudem sind an die Begründung von Mehrfachgesuchen
erhöhte formelle Anforderungen zu stellen und das Gesuch muss schriftlich
so dezidiert abgefasst sein, dass dieses einer abschliessenden Beurteilung
unterzogen werden kann (Art. 111c AsylG; vgl. BVGE 2014/39 E. 4.3). Mit
seiner Kritik, die Vorinstanz habe den ablehnenden Entscheid nur in pau-
schaler und nicht nachvollziehbarer Weise begründet und seinen Beweis-
mitteln zu Unrecht in pauschaler und unbegreiflicher Weise den Beweis-
wert abgesprochen, vermengt der Beschwerdeführer die sich aus dem Un-
tersuchungsgrundsatz ergebende Frage der Feststellung des Sachverhalts
mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sache, welche die materielle
Entscheidung über die vorgebrachten Asylgründe betrifft. Im Übrigen liegt
auch keine Verletzung der Begründungspflicht vor, zumal es dem Be-
schwerdeführer möglich war, sich ein Bild über die Tragweite des vor-
instanzlichen Entscheides zu machen und diesen – wie die vorliegende
Beschwerde zeigt – sachgerecht anzufechten (vgl. BGE 129 I 232 E. 3.2;
126 I 97 E. 2b).
4.3 Die Rüge der Verletzung formellen Rechts erweist sich als unbegrün-
det. Das Eventualbegehren um Rückweisung der Sache an das SEM ist
abzuweisen.
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Seite 7
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen
Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier
verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; BVGE 2012/5 E. 2.2).
6.
6.1 Die Vorinstanz verwies in der angefochtenen Verfügung zunächst auf
die bereits ergangenen Asylentscheide und die Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts betreffend den Beschwerdeführer, worin weder die behaup-
tete (Nennung Tätigkeit) noch sein Dienst in der afghanischen Armee
glaubhaft gemacht worden seien. Die neu eingereichten Fotos sowie die
zugestellte CD vermöchten an diesen Einschätzungen nichts zu ändern.
Aus den Fotos liessen sich die behaupteten Aktivitäten nicht herleiten.
Dass es sich bei der auf den neu zugestellten Fotos abgebildeten Person
um (Nennung Verwandter) handle, der als Angehöriger der afghanischen
Armee am (Nennung Zeitpunkt) in (Nennung Örtlichkeit) gefallen sei, stelle
eine reine Parteibehauptung dar. Ferner entstehe durch die vom Be-
schwerdeführer in neuen Verfahren stets neu eingereichten, jedoch nicht
beweistauglichen Beweismittel der Eindruck, er versuche dadurch immer
wieder eine fiktive Verfolgungsgefahr für seine Person zu begründen. Im
Übrigen weise der Beschwerdeführer auch kein spezielles Risikoprofil auf.
Demzufolge stelle sich – entgegen der im Mehrfachgesuch vertretenen An-
sicht – die Frage der Prüfung einer "innerstaatlichen Fluchtalternative" gar
nicht respektive eine solche sei vom SEM auch gar nicht vorzunehmen.
Weiter reichten ein blosser Verweis auf politische Entwicklungen (Vorrü-
cken der Taliban) und hypothetische Zukunftsszenarien für die Annahme
einer Verfolgungsgefahr ebenfalls nicht aus. Auch wenn sich die Lage in
der Heimat des Beschwerdeführers bisweilen unübersichtlich präsentiere,
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bestünden derzeit keine hinreichenden Hinweise dafür, dass er einer Per-
sonengruppe angehöre, die aufgrund ihrer Rasse, Religion, Nationalität,
ihres sozialen Status oder ihren politischen Anschauungen von den Taliban
ganz grundsätzlich verfolgt werde. Die Voraussetzungen einer Kollektivver-
folgung seien zu verneinen. Es bestehe daher kein begründeter Anlass zur
Annahme, der Beschwerdeführer würde bei einer Rückkehr nach Afgha-
nistan mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt wer-
den. Dem mit mehreren Beweismitteln gestützten Hinweis auf die ver-
schlechterte allgemeine Situation in Afghanistan unter dem Gesichtspunkt
der Beurteilung der Wegweisung werde durch die Anordnung einer vorläu-
figen Aufnahme Rechnung getragen.
6.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Rechtsmitteleingabe in mate-
rieller Hinsicht, die neu eingereichten Beweismittel belegten entgegen der
vorinstanzlichen Auffassung, dass er in Afghanistan bei einer Rückkehr ei-
ner flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung ausgesetzt würde. So werde
aus den Beweismitteln ersichtlich, dass es sich bei B._ um (Nen-
nung Verwandter) gehandelt habe, der im (Nennung Zeitpunkt) beim
Kampf gegen die Taliban umgekommen sei. Ein (...)kamerad von
B._ namens C._ habe ihn über dessen Tod informiert. Diese
durch offizielle Dokumente bezeugten Tatsachen stellten keine blossen
"Parteibehauptungen" dar, wie dies die Vorinstanz in ihrem Entscheid aus-
führe. Als nächster Angehöriger bestehe auch für ihn die unmittelbare Ge-
fahr, der Rache der Taliban ausgesetzt zu werden, dies auch als ehemali-
ger (Nennung Tätigkeit) oder auch aufgrund seiner "Verwestlichung". Es
sei ihm deshalb die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen.
7.
7.1 Das SEM hat in zutreffender Weise festgehalten, dass es dem Be-
schwerdeführer mit den eingereichten Beweismitteln nicht gelingt, seine
Flüchtlingseigenschaft zu begründen oder auch nur glaubhaft zu machen.
Die Ausführungen in der Beschwerde sind nicht geeignet, zu einer anderen
Beurteilung zu führen.
7.1.1 Gemäss langjähriger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts lassen
sich bei der Beurteilung der Sicherheitslage in Afghanistan Gruppen von
Personen definieren, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Ver-
folgungsrisiko ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem Personen,
die der afghanischen Regierung oder der internationalen Gemeinschaft na-
hestehen oder als Unterstützer derselben wahrgenommen werden, sowie
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westlich orientierte oder der afghanischen Gesellschaftsordnung aus an-
deren Gründen nicht entsprechende Personen (vgl. bspw. Urteil des BVGer
D-2161/2021 vom 12. Januar 2022 E. 7.2 ff.; E-2802/2014 vom 15. Januar
2015 E. 5.3.3, D-3394/2014 vom 26. Oktober 2015 E. 4.6, E-3520/2014
vom 3. November 2015 E. 7.3 und E-2285/2018 vom 14. Mai 2020 E. 6.2).
Dazu gehören unter anderem auch – wie hier interessierend – (ehemalige)
Angehörige der Sicherheitskräfte (ANDSF) oder zivile Beschäftigte der in-
ternationalen Sicherheitskräfte (Ortskräfte) sowie Zivilpersonen, die als
Unterstützer solcher Gruppen betrachtet werden (vgl. dazu Urteil
D-1728/2022 vom 10. Mai 2022 E. 7.3). Vor diesem Hintergrund handelt es
sich bei der zu beurteilenden Gefährdungssituation weniger – wie vom
SEM im angefochtenen Entscheid geprüft – um eine Kollektivverfolgung
der besagten Gruppen, sondern vielmehr um Risikoprofile, die – sofern er-
füllt – im Regelfall auf eine individuelle asylbeachtliche Verfolgung schlies-
sen lassen. Im Gegensatz zur Rechtsfigur der Kollektivverfolgung muss
eine Person, welche über ein gewisses Risikoprofil verfügt, eine ihr dro-
hende individualisierte Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zumindest
glaubhaft machen; die Glaubhaftmachung der Gruppenzugehörigkeit ist
dementsprechend für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht
hinreichend.
7.1.2 Im vorliegenden Fall vermögen die mit dem Mehrfachgesuch einge-
reichten Beweismittel keine glaubhaften Hinweise für eine asylrechtlich re-
levante Verfolgung des Beschwerdeführers zu liefern respektive die in den
vorangegangenen Urteilen getroffene Feststellung, wonach die geltend ge-
machte (Nennung Tätigkeit) und der in der afghanischen Armee geleistete
Dienst als unglaubhaft zu qualifizieren sei, umzustossen. Aus den (Nen-
nung Beweismittel) sind keine überprüfbaren Anhaltspunkte für die Be-
hauptung, es handle sich bei der abgebildeten Person tatsächlich um den
(Nennung Verwandter) namens B._, erkennbar. Zu keinem anderen
Schluss vermag die im Beilagenverzeichnis des Mehrfachgesuchs aufge-
führte, jedoch in den Akten fehlende Beilage 4, bei der es sich gemäss
Beschwerdeangaben um ein Foto unbekannten Datums handelt, auf dem
B._ (...) abgebildet sei, zu führen. Unter diesen Umständen erübrigt
es sich, den Beschwerdeführer zur Nachreichung dieses Beweismittels
aufzufordern (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BVGE 2008/24 E. 7.2 S.
357). Im Übrigen sah sich der Beschwerdeführer selber denn auch nicht
veranlasst, die erwähnte Beilage dem Gericht nachzuliefern, obwohl ihm
seit Eröffnung der Zwischenverfügung vom 30. Mai 2022 das Fehlen der-
selben bekannt war. Weiter liefern auch die (Nennung Beweismittel) und
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Seite 10
deren englische Übersetzung (vgl. Beilagen 8 und 9 des Mehrfachge-
suchs) angesichts der allgemein gehaltenen Personalien des angeblichen
(Nennung Verwandter) und der im fraglichen Länderkontext häufig vorkom-
menden (Vor)Namen (...) und (...) keine überprüfbaren Erkenntnisse zu ei-
ner effektiven Verwandtschaft zum Beschwerdeführer. Betreffend die Fotos
von C._ (vgl. Beilage 11 des Mehrfachgesuchs) stellt das Gericht
fest, dass diese keine Aussage über den Kontext und den Zeitpunkt ihrer
Entstehung zu geben vermögen. Sie sind daher zum Beleg dafür, dass
C._ ein (...)kamerad des verstorbenen B._ gewesen sein
soll, nicht beweiskräftig. Doch selbst im Bejahungsfall vermag der Be-
schwerdeführer aus dem blossen Umstand, dass C._ ein (...)kame-
rad von B._ gewesen wäre, mit Blick auf eine angeblich daraus für
ihn resultierende flüchtlingsrechtliche Gefährdung nichts zu seinen Guns-
ten abzuleiten.
7.1.3 Der Annahme einer Verfolgungsgefahr sind sodann die ins Recht ge-
legten Medienartikel und die verschiedenen Berichte angesichts ihres all-
gemeinen Inhalts zur Situation abgeschobener Asylbewerber in Afghanis-
tan, zur Lage und zu den politischen Entwicklungen in Afghanistan in Er-
mangelung eines direkten persönlichen Bezugs zum Beschwerdeführer
ebenfalls nicht dienlich.
7.1.4 Der Beschwerdeführer vermag demnach eine Verbindung seiner Per-
son zur afghanischen Regierung oder zu den (Nennung Organisation) wei-
terhin nicht glaubhaft zu machen, weshalb ein Risikoprofil im Sinne der
vorstehend in E. 7.1.1 erwähnten Voraussetzungen zu verneinen ist. An
dieser Einschätzung vermag auch der in der Rechtsmitteleingabe geltend
gemachte Hinweis auf die "Verwestlichung" des Beschwerdeführers nichts
zu ändern. So vermag er nicht konkret darzulegen, inwiefern gerade seine
Person durch den langjährigen Aufenthalt in Westeuropa in den Fokus der
Taliban geraten sollte.
7.2 Insgesamt konnte der Beschwerdeführer keine Gründe geltend ma-
chen, welche seine Flüchtlingseigenschaft zu begründen vermöchten. Die
Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Mehr-
fachgesuch abgewiesen.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab, verfügt es in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an. Nachdem der Beschwer-
deführer weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch
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Seite 11
über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen verfügt, wurde die Weg-
weisung vom SEM zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4;
2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
9.2 Nachdem der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt
und wegen der generellen Gefährdung aufgrund der aktuellen Situation in
Afghanistan vom SEM infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
vorläufig in der Schweiz aufgenommen wurde, stellt sich die Frage nach
dem Vorliegen der weiteren Voraussetzungen für einen Verzicht auf den
Vollzug der Wegweisung – Unzulässigkeit und Unmöglichkeit – im Urteils-
zeitpunkt nicht, da diese Vollzugshindernisse alternativer Natur sind (vgl.
BVGE 2009/51 E. 5.4). Auf den Einwand des Beschwerdeführers, das
SEM habe seine gesundheitliche Situation als vulnerable Person nicht be-
rücksichtigt, ist demnach nicht weiter einzugehen.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu
beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1500.– fest-
zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der am 30. Juni 2022 in der gleichen Höhe geleistete Kos-
tenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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