Decision ID: b1e90c2d-fdb0-55fd-a824-07d5fe48d42e
Year: 2016
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_002
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A. Übersicht
a) Am 4. Februar 2008 setzte C_, die Mutter von A_, ein Testament auf (act. B 7/2); am
10. März 2014 verstarb sie (act. B 10/6.2).
b) Mit Schreiben vom 14. November 2014 ersuchte das Erbschaftsamt D_ A_ im
Zusammenhang mit der Erbteilung um Beibringung einer Vollmacht mit amtlich
beglaubigter Unterschrift (act. B 10/2.4). Am 24. November 2014 trat A_ den zu
erwartenden Erbanteil aus dem Nachlass seiner verstorbenen Mutter bis zur Deckung der
ab Stichtag 22. November 2014 bis zum Tag des Empfangs des Erbes vom Sozialamt zu
leistenden Unterstützung an das Sozialamt D_ ab (act. B 7/12). Die Sozialen Dienste
D_ setzten das Erbschaftamt der Gemeinde D_ am 26. November 2014 vom Tod
von C_ sowie der Tatsache, dass A_ von der Sozialhilfe unterstützt wird, in Kenntnis
(act. B 7/5).
c) Am 25. November 2014 trat A_ einen längeren Auslandsaufenthalt an (act. B 7/8). Am
6. Dezember 2014 stattete er seine Tochter F_ mit einer Spezialvollmacht aus (act. B
10/1.1), welche am 23. Februar 2015 um die Möglichkeit, Anzeigen zu erstatten, ergänzt
wurde (act. B 10/4.2).
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d) Mit E-Mail vom 15. Dezember 2014 erhob A_ bei der Staatsanwaltschaft Appenzell
Ausserrhoden gegen sämtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Erbschaftsamtes
D_ samt den dazugehörigen Kommissionen Strafantrag wegen Amtsmissbrauch,
Nötigung, Begünstigung und Betrug und erklärte gleichzeitig, dass er sich als Privatkläger
am Verfahren beteiligen wolle (act. B 7/1).
Den Strafantrag wiederholte er am 2. Februar 2015 auf dem Postweg (act. B 10/1).
e) Mit Beschluss vom 2. Februar 2015 stellte die Gemeinde D_ die sozialhilferechtliche
Unterstützung für A_ wegen der Erbschaft seiner Mutter ein und entzog einem
allfälligen Rekurs gegen den Beschluss die aufschiebende Wirkung (act. B 7/7).
f) Mit Brief vom 2. März 2015 ersuchte A_ die Gemeinde D_, ihm eine
Erbenbescheinigung auszustellen (act. B 10/7). Aus dem Schreiben der Erbteilungskom-
mission D_ vom 4. März 2015 an die Staatsanwaltschaft ergibt sich, dass der Leiter des
Erbschaftsamtes als Willensvollstrecker amtiert (act. B 10/8).
g) Mit Schreiben vom 19. März 2015 gewährte die Gemeinde D_ A_ betreffend
Rückerstattung von unrechtmässig bezogener Sozialhilfe das rechtliche Gehör (act. B
10/11.1).
h) Am 23. Februar 2015 stellte A_ erneut Strafantrag wegen Amtsmissbrauch, Nötigung,
Begünstigung und Betrug gegen sämtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des
Erbschaftsamtes D_ samt den dazugehörigen Kommissionen und gegen das Sozialamt
D_ (act. B 10/5.1).
i) Mit Beschluss vom 1. April 2015 verpflichtete die Gemeinde D_ A_, die seit dem 10.
März 2014 bis 31. Dezember 2014 bezogenen Sozialhilfeleistungen im Umfang von CHF
20‘936.10 aus dem Netto-Erbanteil aus dem Nachlass seiner am 10. März 2014
verstorbenen Mutter zurückzuerstatten, sobald sein Erbanteil realisierbar ist (act. B 7/10).
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j) Mit E-Mail vom 9. April 2015 teilte A_ der Staatsanwaltschaft Appenzell Ausserrhoden
mit, das Verfahren Nr. U 15 168 sei um die Tatbestände der Unterschlagung und
Veruntreuung zu erweitern (act. B 10/9).
k) Am 17. April 2015 liess das Erbschaftsamt D_ F_ den Entwurf für die
Erbschaftsteilung zugehen (act. B 7/11).
l) Am 22. April 2015 erhob A_ gegen den Beschluss der Gemeinde D_ vom 1. April
2016 Rekurs beim Departement Inneres und Kultur und ersuchte um Wiederherstellung
der aufschiebenden Wirkung sowie um Aufhebung seiner Verpflichtung, der Gemeinde
D_ die bezogenen Sozialhilfeleistungen von CHF 20‘936.10 zurück zu bezahlen (act. B
10/10).
m) Am 25. April 2015 informierte A_ die Staatsanwaltschaft darüber, dass im Entwurf für
die Erbschaftsteilung zu Unrecht erwähnt worden sei, dass er Sozialhilfe beziehe; dies
stelle eine (erneute) Amtsgeheimnisverletzung dar (act. B 7/13).
n) Am 2. Mai 2015 schickte F_ im Auftrag ihres Vaters einen von diesem angepassten
Erbteilungsvorschlag an G_ (act. B 7/14).
o) Am 22. Mai 2015 teilte A_ H_ mit, der von ihm erstellte Erbteilungsvertrag sei in
dieser Form nicht akzeptabel (act. B 7/18). Dieser hält jedoch an dem von ihm redigierten
Vertrag fest und sieht keinen Anlass, diesen abzuändern (act. B 7/22).
p) Mit E-Mail vom 3. Juni 2015 erklärte A_ gegenüber E_ von der Staatsanwaltschaft,
er sehe sich gezwungen, seine Tochter zu veranlassen, den unkorrekten
Erbteilungsvertrag am 4. Juni 2015 zu unterzeichnen. Weiter führte er aus, dass im
Strafverfahren deshalb eine zivilrechtliche Forderung in Höhe von CHF 3‘829.75 hinzu-
komme. Es handle sich um den Differenzbetrag zwischen dem Entwurf der Gemeinde
D_ und seiner korrigierten Version (act B 7/23).
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q) Am 9. Juni 2015 erkundigte A_ sich bei H_, wann mit der Auszahlung des Erbes
gerechnet werden könne (act. B 7/24b). Dieser antwortete, dass damit zugewartet werden
müsse, bis das Departement für Inneres und Kultur den gegen den Beschluss vom 1.
April 2015 erhobenen Rekurs beurteilt habe (act. 7/24a).
r) Mit Eingabe vom 18. Juni 2015 stellte A_ Strafantrag gegen H_ wegen Nötigung
sowie eventuell Erpressung und Amtsmissbrauch; gleichzeitig erklärte er, dass er sich als
Privatkläger am Verfahren beteiligen wolle und eine zivilrechtliche Forderung von CHF
5‘825.75 geltend mache. Dieser Betrag sei von diesem zu Unrecht gefordert und im
Erbteilungsvertrag als Abtretung bezeichnet worden (act. B 10/16.1).
s) Mit Eingabe vom 14. Juli 2015 ersuchte F_ namens und im Auftrag ihres Vaters im
Verfahren Nr. U 15 168 um unentgeltliche Rechtspflege in Form des Erlasses von
Verfahrensvorschüssen und Beigabe einer anwaltlichen Vertretung (act. B 7/26).
t) Der leitende Staatsanwalt wies das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege und -verbeiständung mit Verfügung vom 21. Juli 2015 ab (act. B 2).
B. Prozessgeschichte
a) Gegen die abweisende Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 21. Juli 2015 liess A_
durch seine Tochter mit Eingabe vom 3. August 2015 Beschwerde beim Obergericht
einreichen und die eingangs erwähnten Anträge stellen (act. B 1).
b) Mit Verfügung vom 15. Oktober 2015 wurde der Staatsanwaltschaft eine Kopie der
Beschwerdeschrift sowie die Beilagen zur Einsichtnahme zugestellt und ihr Gelegenheit
zur Einreichung einer schriftlichen Stellungnahme eingeräumt (act. B 8).
c) Die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft ging am 20. Oktober 2015 beim Obergericht
ein (act. B 9).
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d) Diese Vernehmlassung wurde in der Folge dem Beschwerdeführer zur Kenntnis gebracht;
gleichzeitig wurde ihm die Möglichkeit eröffnet, allfällige Aufwendungen für das
Beschwerdeverfahren zu beziffern. Schliesslich wurde den Parteien die Erledigung der
Beschwerde an einer der nächsten Sitzungen der 2. Abteilung bekannt gegeben (act. B
11).
e) Innert erstreckter Frist nahm A_ zu den Ausführungen der Staatsanwaltschaft Stellung
und erklärte, dass er in diesem Verfahren keine Entschädigung geltend mache (act. B 14).
Auf die Ausführungen in den vorstehend aufgeführten Eingaben kann verwiesen werden;
soweit für die Beurteilung der Beschwerde erforderlich, ist darauf im Rahmen der nachfol-
genden Erwägungen einzugehen.
C. Entscheid des Obergerichts
Das Obergericht führte seine Beratung am 10. Mai 2016 durch und eröffnete seinen
Beschluss den Parteien anschliessend im Dispositiv (act. B 16).

Considerations:
Erwägungen
1. Formelles
1.1 Bezüglich der im Kanton Appenzell Ausserrhoden seit 1. Januar 2011 für die Strafrechts-
pflege zuständigen Behörden nach StPO ist auf Art. 26 des Justizgesetzes vom 13. Sep-
tember 2010 (JG, bGS 145.31) hinzuweisen. Nach Art. 26 JG ist das Obergericht Beru-
fungs- und Beschwerdeinstanz in der allgemeinen Strafrechtspflege.
1.2 Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft ist die
Beschwerde gegeben (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Die Gewährung resp. Nichtgewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege an die Privatklägerschaft, deren Wechsel und Widerruf
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stellt eine solche Verfahrenshandlung dar (Art. 393 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 136
f. StPO)1. Ausschlussgründe nach Art. 394 StPO liegen keine vor.
1.3 Die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide ist innert 10 Tagen
schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO).
Vorliegend hat der Beschwerdeführer die Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 21. Juli
2015, worin diese auf das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege nicht eingetreten ist,
frühestens am 22. Juli 2015 erhalten (Beilage zu act. B 6). Mit Erhebung der Beschwerde
am 3. August 2015 (act. B 1) wurde die Beschwerdefrist von Art. 396 Abs. 1 StPO
gewahrt, da der letzte Tag der Frist auf einen Samstag und vom Bundesrecht anerkann-
ten Feiertag fiel und diese deshalb erst am darauffolgenden Montag endete (Art. 90 Abs.
2 StPO).
1.4 Jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung
eines Entscheides hat, kann ein Rechtsmittel ergreifen (Art. 382 Abs. 1 StPO). Durch die
Ablehnung des Gesuches um unentgeltliche Rechtspflege ist der Beschwerdeführer
selbst und unmittelbar in seinen Interessen tangiert. Das fragliche Verfahren ist zudem
noch nicht rechtskräftig abgeschlossen, sodass die Beschwer andauert2. A_ ist also zur
Erhebung der Beschwerde legitimiert.
1.5 Mit der Beschwerde können
a. Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung;
b. die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts; c. Unangemessenheit
gerügt werden (Art. 393 Abs. 2 StPO).
Der Beschwerdeführer beanstandet die Ablehnung des Gesuchs um unentgeltliche
Rechtspflege. Diesbezüglich wird eine Rechtsverletzung, konkret die unrichtige Anwen-
dung von Art. 136 f. StPO, geltend gemacht (act. B 1).
1 ANDREAS KELLER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 16 zu Art. 393 StPO; PATRICK GUIDON, Basler Kommentar, StPO, 2. Aufl. 2014, N. 10 zu Art. 393 StPO.
2 NIKLAUS SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, N. 2 zu Art. 382; VIKTOR LIEBER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 13 zu Art. 382 StPO.
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1.6 Neue Tatsachenbehauptungen und Beweise sind zulässig, wobei unechte Noven inner-
halb der zehntägigen Beschwerdefrist (Art. 396 Abs. 1 StPO) bzw. der allenfalls für eine
Verbesserung angesetzten, kurzen Nachfrist (Art. 385 Abs. 2 StPO) vorgetragen werden
müssen3. Die Beschwerde wird in einem schriftlichen Verfahren behandelt. Heisst das
Obergericht die Beschwerde gut, so fällt es einen neuen Entscheid oder hebt den ange-
fochtenen Entscheid auf und weist ihn zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück
(Art. 397 Abs. 1 und 2 StPO). Gegen Entscheide der kantonalen Beschwerdeinstanzen ist
die Strafrechtsbeschwerde ans Bundesgericht zulässig4.
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Materielles - Nichtgewährung der unentgeltlichen Rechtspflege durch die Staatsan-
waltschaft
2.1 Die Staatsanwaltschaft hat das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
primär mit der Begründung abgelehnt, dass die zugrunde liegenden strafrechtlichen
Sachverhalte keine besonderen rechtlichen Schwierigkeiten beinhalten würden und der
Beschwerdeführer durchaus in der Lage sei, seine Interessen selber zu vertreten oder
durch seine Tochter vertreten zu lassen (act. B2). Im Übrigen beanstande der Gesuch-
steller lediglich die Arbeitsweise bzw. die Machenschaften der betreffenden Behörden.
Zivilansprüche würden in diesem Strafverfahren keine geltend gemacht. Somit fehle es
aber an der Voraussetzung, um über die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
befinden zu können. Abgesehen davon entstünden dem Gesuchsteller im aktuellen Ver-
fahrensstadium auch keine Kosten, denn die Staatsanwaltschaft sei bei einer Einstellung
oder Nichtanhandnahme des Verfahrens an strikte Auflagen gebunden, welche zurzeit
jedenfalls nicht erfüllt seien. Es fehle somit an den Voraussetzungen, um dem Gesuch-
steller die unentgeltliche Rechtspflege im Strafverfahren zu gewähren und auf das
Gesuch werde daher nicht eingetreten.
2.2 Der Beschwerdeführer lässt durch seine Tochter in der Beschwerdeschrift im Wesent-
lichen vorbringen (act. B 1), wenn ihm die Verbeiständung durch eine unentgeltliche
Anwältin verweigert werde und das vorliegende Verfahren in der Folge aufgrund seiner
3 PATRICK GUIDON, a.a.O., N. 16 zu Art. 393 StPO. 4 NIKLAUS SCHMID, a.a.O., N. 4 zu Art. 397 StPO; ANDREAS KELLER, a.a.O., N. 12a ff. zu Art. 397
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mangelnden juristischen Kenntnisse einen für ihn unvorteilhaften Ausgang nehme, ent-
stehe ihm ein Nachteil, der später nicht wieder gutgemacht werden könne. Dies insbe-
sondere weil der Ausgang des Strafverfahrens weitere zivil- oder verwaltungsrechtliche
Verfahren im Zusammenhang mit der Auszahlung des Erbes durch das Erbschaftsamt
erheblich beeinflussen könne. Im E-Mail vom 3. Juni 2015 habe er eine zivilrechtliche
Forderung in Höhe von CHF 3‘829.75 gestellt. Im Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
sei explizit die Frage gestellt worden, ob die zivilrechtliche Forderung in der Korrespon-
denz genügend belegt sei oder ob eine zivilrechtliche Klage erforderlich sei. Die Staats-
anwaltschaft verhalte sich widersprüchlich. Sie führe in Ziffer 1 auf, es bestünden keine
besonderen rechtlichen Schwierigkeiten. Im Gegensatz dazu werde dem Gesuchsteller in
Ziffer 4 vorgeworfen, er habe keine Zivilansprüche geltend gemacht, er den Anforderun-
gen also nicht genüge. Darüber, dass die zivilrechtliche Forderung nicht genügend belegt
sei, hätte die Staatsanwaltschaft aufgrund der expliziten Nachfrage informieren müssen.
Es gehe nicht, wie in Ziffer 4 angeführt, um die Verhinderung der Bezahlung von Kosten-
vorschüssen oder um die Verhinderung von Kosten bei einer Nichtanhandnahme oder
Einstellung des Verfahrens, sondern um die Interessenwahrung im Zusammenhang mit
mehreren Verfehlungen. Zudem zeige der umfangreiche Sachverhalt, dass der Fall doch
recht kompliziert sei. Die Bemerkung, dass der Gesuchsteller lediglich die Arbeitsweise
bzw. die Machenschaften der betroffenen Behörden beanstande, sei unbehelflich; in
einem Strafverfahren gegen Gemeinderäte, Sozialkommissionen, Erbschaftsamtsleiter
und Gemeindeschreiber sei dies immer der Fall. Der pointierte E-Mailverkehr müsse von
einer kompetenten Fachperson bearbeitet werden, wobei sich der Gesuchsteller dabei
nicht auf die Staatsanwaltschaft verlassen möchte.
In der Eingabe vom 3. Dezember 2015 hielt der Beschwerdeführer daran fest, während
des Verfahrens Zivilansprüche geltend gemacht zu haben (act. B 14). Es liege auf der
Hand, dass das Strafverfahren sich auf das zivilrechtliche Verfahren auswirke. Die
Staatsanwaltschaft habe sich nur ungenügend mit den Akten beschäftigt; hier gehe es
lediglich um das Strafverfahren Nr. U 15 168, zum Verfahren Nr. U 15 804 bestehe kein
Bezug, weshalb auch die entsprechenden Akten nicht beizuziehen seien. Die Staatsan-
waltschaft habe das Strafverfahren eingestellt und das Gesuch um unentgeltliche Rechts-
pflege abgelehnt, ohne den Umfang der Anzeige geschweige denn der angezeigten Per-
sonen zu kennen. Ohne anwaltschaftliche Vertretung sei es ihm nicht möglich, sämtliche
Dokumente verfahrenskonform zu präsentieren und die Fehlleistungen der Staatsanwalt-
schaft auszubessern.
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2.3 Die Staatsanwaltschaft beantragt die kostenfällige Abweisung der Beschwerde (act. B 9).
Sie hält daran fest, dass der Beschwerdeführer in seinen Strafanzeigen keine Zivilan-
sprüche geltend gemacht habe. Somit fehle es nach Art. 136 Abs. 1 ZPO an einer
wesentlichen Voraussetzung für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Abge-
sehen davon mangle es - bei einer rein formalistischen Betrachtungsweise - auch an den
Angaben zur Bedürftigkeit des Beschwerdeführers. Dies sei, nachdem es sich in den vor-
liegenden Strafverfahren ja um Auseinandersetzungen in einem Erbfall und mögliche
Anwartschaften handle, grundsätzlich von erheblicher Bedeutung. Abgesehen davon wür-
den dem Beschwerdeführer in diesem Verfahren keine nicht wieder gutzumachenden
Nachteile entstehen, da die eingeklagten Straftaten die im Hintergrund latente Erb-
schaftsangelegenheit nicht derart zu beeinflussen vermöchten, dass der Beschwerde-
führer unwiderruflich zu Schaden komme. Er könne mögliche zivilrechtliche Ansprüche
unter Ausschöpfung des Rechtsweges nämlich jederzeit geltend machen.
In der Zwischenzeit habe der zuständige Staatsanwalt auch die beiden Strafverfahren
beurteilt. Jene Entscheide habe der Beschwerdeführer ebenfalls angefochten. Aus den
Einstellungsverfügungen gehe immerhin hervor, dass die Durchsetzung möglicher (aber
eben auch fehlender) Zivilklagen im Rahmen dieser Strafverfahren aussichtslos
erscheine. Somit sei die Beschwerde gestützt auf Art. 136 Abs. 1 lit. b StPO auch unter
diesem Gesichtspunkt abzuweisen. Schliesslich biete die Beurteilung der angezeigten
Straftatbestände keine besonderen Schwierigkeiten, so dass sich die Frage stelle, ob der
Beschwerdeführer oder die von ihm bevollmächtigte Tochter angesichts ihrer Erfahrungen
in Straf- und Gerichtssachen tatsächlich einen Anwalt benötigen.
2.4 Im Strafantrag vom 2. Februar 2015 erklärte der Beschwerdeführer, er wolle als Privat-
kläger am Strafverfahren teilnehmen (act. B 10/1). Im Brief vom 18. Juni 2015 machte
A_ gegenüber der Gemeinde D_ eine Forderung in Höhe von CHF 5‘825.75 geltend
(act. B 15/3) und korrigierte damit seinen ursprünglich mit CHF 3‘829.75 bezifferten
Anspruch (act. B 15/1).
2.5 Die Voraussetzungen der unentgeltlichen Rechtspflege für die Privatklägerschaft sind in
Art. 136 StPO geregelt. Dieser lautet wie folgt:
Die Verfahrensleitung gewährt der Privatklägerschaft für die Durchsetzung ihrer  ganz oder teilweise die unentgeltliche Rechtspflege, wenn:
a. die Privatklägerschaft nicht über die erforderlichen Mittel verfügt; und
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b. die Zivilklage nicht aussichtslos erscheint.
Die unentgeltliche Rechtspflege umfasst:
a. die Befreiung von Vorschuss- und Sicherheitsleistungen; b. die Befreiung von den Verfahrenskosten; c. die Bestellung eines Rechtsbeistands, wenn dies zur Wahrung der Rechte der
Privatklägerschaft notwendig ist
Die Voraussetzungen von Art. 136 Abs. 1 lit. a und b müssen dabei kumulativ erfüllt sein5,
wobei das Gesuch während des erst- oder oberinstanzlichen Verfahrens jederzeit gestellt
werden kann6.
Die Frage ob der Beschwerdeführer als mittellos zu bezeichnen ist, wurde nicht näher
geprüft, da die Staatsanwaltschaft das Gesuch mangels Vorliegen der weiteren Voraus-
setzungen abgewiesen hat (vgl. angefochtene Verfügung vom 21. Juli 2015 sowie act. B
9).
Die unentgeltliche Rechtspflege wird lediglich für die als Zivilklägerin auftretende Privat-
klägerschaft gewährt, die im Strafverfahren Zivilansprüche im Sinne von Art. 122 ff. StPO
anmelden will. Für die nur als Strafklägerin auftretende geschädigte Person (auch nicht
das Opfer) kommt sie nicht in Frage, was nicht ausschliesst, dass der für den Zivilpunkt
bestellte Rechtsbeistand auch im Strafpunkt tätig wird7.
2.6 Der Beschwerdeführer hat lediglich erklärt, er wolle als Privatkläger am Strafverfahren teil-
nehmen; ob er dies im Straf- und/oder Zivilpunkt tun möchte, hat er nicht näher dargelegt
(act. B 10/1). Weil er im Strafverfahren aber eine Geldforderung erhoben hat, ist zu seinen
Gunsten von Letzterem auszugehen.
Die Zivilklage wird in Art. 122 StPO definiert. Nach NIKLAUS SCHMID8 sind Zivilansprüche
im Sinne von Art. 122 ff. StPO primär die Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche
sowie entsprechende Zivilforderungen im Sinne von Art. 41 ff. OR gegen beschuldigte
Personen, also solche, die an sich im Sinne einer Leistungsklage vor ein Zivilgericht
gebracht werden könnten. Nicht geltend gemacht werden können öffentlich-rechtliche
Forderungen, so etwa Steuerforderungen bei Steuerdelikten, Ansprüche aus Beamten-
5 GORAN MAZZUCCHELLI/MARIO POSTIZZI, Basler Kommentar, StPO, 2. Aufl. 2014, N. 14 zu Art. 136
StPO. 6 GORAN MAZZUCCHELLI/MARIO POSTIZZI, a.a.O., N. 10 zu Art. 136 StPO 7 NIKLAUS SCHMID, a.a.O., N. 2 zu Art. 136 StPO. 8 NIKLAUS SCHMID, a.a.O., N. 2 zu Art. 122 StPO; gleicher Meinung: ANNETTE DOLGE, Basler
Kommentar, StPO, 2. Aufl. 2014, N. 64 zu Art. Art. 122 StPO; OGer AG, 23.12.2013 in CAN 2013 Nr. 40 E. 3
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haftung oder Opferansprüche gegen die Kantone nach Art. 19 ff. OHG. Generell sind
Adhäsionsansprüche nur gegen beschuldigte Personen, nicht gegen zivilrechtlich mithaf-
tende Dritte (z.B. die Haftpflichtversicherung des Täters) oder Behörden usw. möglich.
Sinngemäss begründet der Beschwerdeführer seine Forderung gegenüber der Gemeinde
D_ damit, dass diese ihm zu Unrecht seit Januar 2015 jegliche Unterstützung
verweigere und er sich deshalb gezwungen gesehen habe, den nicht korrekten Erbtei-
lungsvertrag zu unterzeichnen. Bei der geltend gemachten Forderung handle es sich um
den Differenzbetrag zwischen dem Entwurf des Erbschaftsamtes der Gemeinde D_ und
seiner korrigierten Version (act. B 15/1 und B 15/3).
Diese Ansprüche sind allerdings nicht zivilrechtlicher Natur im oben umschriebenen
Sinne. Falls die Verantwortlichen der Gemeinde D_ ein Delikt oder einen Fehler
begangen hätten - was bisher nicht erstellt ist - hätten sie das als Behördenmitglieder
und/oder Angestellte der Gemeinde D_ getan. Wenn dem Beschwerdeführer aus einem
allfälligen deliktischen oder fehlerhaften Verhalten also ein Schaden erwachsen sein
sollte, müsste er diesen gegenüber der Gemeinde D_ in einem verwaltungsrechtlichen
Verfahren (Staatshaftung nach Art. 262 des Gesetzes über die Einführung des Schweize-
rischen Zivilgesetzbuches, EG zum ZGB, bGS 211.1) geltend machen. Vorliegend geht es
also gerade nicht um eine Zivilklage und allfällige Ansprüche des Beschwerdeführers sind
im Strafverfahren von vorneherein aussichtslos resp. können nach dem Gesagten
überhaupt nicht erhoben werden .
2.7 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Voraussetzungen für die Gewäh-
rung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes für A_ nicht erfüllt sind. Die Beschwerde
ist daher abzuweisen.
3. Unentgeltliche Rechtspflege im Beschwerdeverfahr en
Es wurde soeben festgestellt, dass die durch den Beschwerdeführer erhobene Forderung
aussichtslos ist (vgl. E. 2.5 und 2.6). Demzufolge sind die Voraussetzungen für die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Beschwerdeverfahren ebenfalls nicht
gegeben und das entsprechende Begehren ist abzuweisen.
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4. Kosten
4.1 Die Kostentragung bei Rechtsbehelfen im engeren Sinne, zu denen auch Gesuche um
Bestellung und Wechsel der unentgeltlichen Rechtspflege nach Art. 136 f. StPO zu zählen
sind, folgt - sofern das Verfahren auf Gesuch eines Verfahrensbeteiligten eingeleitet
wurde - analog den Regeln von Art. 426 Abs. 3 lit. a oder Art. 428 Abs. 1 und 2 StPO9.
Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens
nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens.
Das bedeutet, dass der unterliegende Beschwerdeführer beim oben erwähnten Ausgang
des Verfahrens kostenpflichtig wird. Angesichts seiner bekannten, angespannten finanzi-
ellen Verhältnisse wird die Entscheidgebühr auf CHF 300.00 festgelegt (Art. 29 Abs. 1 lit.
a Gebührenordnung, bGS 233.3).
4.2 Eine Entschädigung verlangt der Beschwerdeführer ausdrücklich nicht (act. B 14).
Als unterliegende Partei hat der Beschwerdeführer auch keinen Anspruch auf eine
Entschädigung10.
9 THOMAS DOMEISEN, Basler Kommentar, StPO, 2. Aufl. 2014, N. 30 zu Art. 428 StPO. 10 PATRICK GUIDON, Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung, Diss. 2011, Rz.
578; NIKLAUS SCHMID, a.a.O., N. 1 zu Art. 436 StPO.
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