Decision ID: c91b3498-a4ba-4820-9b53-dac503a5f2d1
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1978, war ab
2.
Mai 2009 als HR
Recruitment
Officer bei der
Y._ in Z._
, beschäftigt. Diese Stelle kündigte er am 2
3.
April 2012 per 3
0.
Juni 2012 (
Urk.
11/24). Am
7.
Juni 2012 (
Urk.
11/23) meldete er sich beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Zürich
Badenerstrasse
zur Arbeitsvermittlung an und ersuchte am 2
3.
Juni 2012 (
Urk.
11/22) um Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung.
1.2
Mit Verfügung vom 1
2.
Juli 2012 (
Urk.
11/3) Stellte das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) den Versicherten wegen ungenügenden persönlichen
Arbeitsbe
mühungen
während der Kündigungsfrist für sieben Tage ab
1.
Juli 2012 in der Anspruchsberechtigung ein. Die hiergegen am 2
3.
Juli 2012 (
Urk.
11/4) erho
bene Einsprache wurde mit Entscheid vom 1
4.
September 2012 (
Urk.
2) abge
wiesen.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
4.
September 2012 erhob der Versicherte am 2
1.
September 2012 (
Urk.
1) Beschwerde und beantrage dessen Aufhebung. Das AWA schloss am 1
4.
November
2012 (
Urk.
10) auf Abweisung der Be
schwerde, was dem Versicherten am 1
9.
November 2012 (
Urk.
12) zur Kenntnis gebracht wurde.
Der Einzelrichter

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Nach
Art.
17 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversi
cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
muss die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unter
stützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare unterneh
men, um Ar
beitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Ins
besonde
re ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Sie muss ihre Bemühun
gen nachweisen können. Gemäss
Art.
30 Abs. 1
lit
. c
AVIG
ist die versicherte Person in der Anspruchsberechtigung ein
zustellen, wenn sie
sich persönlich nicht genügend um zumut
bare Arbeit bemüht. Dieser
Einstel
lungsgrund
ist schon dann gegeben, wenn die versicherte Person vor Eintritt der Arbeits
losig
keit ihren Obliegenheiten nicht nachgekommen ist. Sie hat sich da
her bereits während der Kündigungsfrist um einen neuen Arbeits
platz zu be
werben (ARV 2003 Nr. 10 S. 119 E. 1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Der
Beschwerdegegner
begründete die Einstellung in der
Anspruchsberechti
gung
damit, d
er
Beschwerdeführer
habe für die Zeit zwischen der am 23. April 2012 ausgesprochenen Kündigung und dem Eintritt der kontrollierten Arbeits
losigkeit am 1. Juli 2012 lediglich
13
persönliche Arbeitsbemühungen
(im Mo
nat Juni 2012)
fristgerecht nachgewiesen (Urk. 2 S. 2 f.),
2.2
Demgegenüber brachte
der Beschwerdeführer
vor,
den Nachweis für zehn
wei
tere
Arbeitsbemühungen im Monat Mai 2012
bereits
anlässlich des ersten
Be
ratungsgesprächs
a
m 14. Juni 2012 dem Personalberater abgegeben zu haben (Urk. 1
, Urk. 3, Urk. 7/2).
3.
3.1
Dem angefochtenen
Einspracheentscheid
ist zu entnehmen, dass der Beschwerde
führer im Monat Juni 2012 13 Stellenbewerbungen getätigt und diese fristgerecht nachgewiesen hat.
Aus den Akten geht weiter hervor, dass sich der Beschwerdeführer im Monat Mai 2012 um zehn Stellen bemüht hat (
Urk.
11/8 Beilagen), die Nachweise aber bei der Verwaltung nicht auffindbar waren. Die Beschwerdegegnerin bestreitet in diesem Zusammenhang, dass die Dokumente anlässlich des ersten Gespräches am 1
4.
Juni 2012 dem Berater abgegeben worden seien und stellt sich auf den Standpunkt, diese seien erst am 1
6.
Juli 2012 eingegangen (
Urk.
2 S. 3, vgl. dazu
Urk.
11/20 letzte Seite).
Ob der Beschwerdeführer die unbestrittenermassen getätigten
Stellenbewerbun
gen
rechtzeitig nachgewiesen
hat
,
ist aus folgenden Gründen nicht von Bedeutung.
3.2
3.2.1
Gemäss
Art.
20 Abs. 1 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversi
cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) muss die versicherte Person bei der Anmeldung bei der zuständigen Amtsstelle vorlegen:
a.
das Formular „Meldung bei der Wohngemeinde“, sofern sie sich bei der
Ge
meinde
gemeldet hat;
b.
die Wohnsitzbeschein
ig
ung der Gemeinde oder, wenn er Ausländer ist, den Ausländerausweis;
c.
den Versicherungsausweis der AHV/IV;
d.
das Kündigungsschreiben, Zeugnisse der letzten Arbeitgeber, Bescheinigun
gen über die persönliche Aus- und Weiterbildung sowie den Nachweis seiner Bemühungen um Arbeit.
3.2.2
Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen
beanspru
chen
, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger auf Grund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und
Nichteintreten
beschliessen. Er muss diese Perso
nen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (
Art.
43 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
3.3
Aufgrund der zitierten rechtlichen Regelungen ist es bei der Anmeldung zum Leistungsbezug grundsätzlich nicht möglich,
bei Fehlen von Unterlagen
ohne Ansetzen einer Nachfrist
negative Rechtsfolgen zu verfügen. Im Gegenteil ha
ben Versicherte, welche sich zum Leistungsbezug anmelden und nicht alle not
wendigen Dokumente vorlegen, entsprechend gemahnt zu werden, damit sie das Versäumte nachholen können.
3.4
Eine andere Regelung gilt seit
1.
April 2011 beim Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühungen während einer laufenden Rahmenfrist für den
Leistungsbe
zug
. Hier legt
Art.
26 Abs. 2 AVIV fest, dass die versicherte Person den Nach
weis der Arbeitsbemühungen für jede Kontrollperiode spätestens am fünften Tag des folgenden Monats oder am ersten auf diesen Tag folgenden Werktag einreichen muss. Die Arbeitsbemühungen werden nicht mehr berücksichtigt, wenn sie die Frist verstreichen lässt und keinen entschuldbaren Grund geltend macht. Diese Verordnungsbestimmung wurde vom Bundesgericht als rechtmäs
sig befunden (BGE 139 V 164).
3.5
Dass die Nichtberücksicht
ig
ung von persönlichen Arbeitsbemühungen ohne Ansetzen einer Nachfrist nur für Arbeitsbemühungen während laufender
Rah
menfrist
für den Leistungsbezug gelten kann
und
Art.
26 AVIV nicht zur An
wendung kommt
, ergibt sich auch aus Folgendem:
3.5.1
Vorweg ist darauf hinzuweisen, dass die Formulierung „Nachweis der
Arbeitsbe
mühungen
für jede Kontrollperiode“ in
Art.
26 Abs. 2 AVIV zwingend den Zeit
punkt nach der Anmeldung erfasst, denn die Zeit vor der Anmeldung gilt nicht als Kontrollperiode. Die Sanktionen gemäss dieser Bestimmung
können
sich demgemäss auch nur auf die Arbeitsbemühungen während laufender
Rahmen
frist
für den Leistungsbezug beziehen.
3.5.2
Sodann ist festzuhalten, dass
d
er massgebende
Art.
26 AVIV in
Abs. 2
bis
der bis 3
1.
März 2011 anwendbaren Fassung
bestimmte
, dass
die zuständige Amtsstelle
bei fehlendem Nachweis bis spätestens am fünften Tag
des der Kontrollperiode folgenden Monats oder am ersten auf diesen Tag folgenden Werktag eine an
gemessene Nachfrist ansetzt. In Abs. 2 fand sich der Hinweis, dass mit der An
meldung zum Taggeldbezug die versicherte Person geg
e
nüber der zuständigen Amtsstelle ihre Bemühungen um Arbeit nachweisen muss. Aus der Gesetzes
systematik ergibt sich bei dieser Konstellation ohne weiteres, dass sowohl bei der Anmeldung zum Leistungsbezug wie auch für die nachfolgenden
Kontroll
perioden
- bei Ausbleiben - jeweils eine Nachfrist zum Einreichen der
Arbeits
b
emühungen
angesetzt werden musste.
In der ab
1.
Apri
l 2011 gültigen Fassung fehlt in
Art.
26 AVIV der Verweis
auf
das Einreichen der Arbeitsbemühungen bei der Anmeldung zum
Leistungsbe
zug
. Dieser ersatzlose Wegfall des ursprünglichen Abs. 2 in der neuen Fassung kann nur so interpretiert werden, dass das strikte Regime der nicht mehr mögli
chen Nachfristansetzung nicht für Nachweise vor der Anmeldung gelten.
An
sonsten hätte es für den Verordnungsgeber keinen Anlass gegeben, diese Be
stimmung ersatzlos zu streichen.
3.5.3
Damit gibt der Wortlaut der Verordnung keine Handhabe,
bei der Anmeldung zum Leistungsbezug ohne Ansetzen einer Nachfrist nachteilige Rechtsfolgen zu verfügen.
4.
Nach dem Gesagten hätte dem Beschwerdeführer bei der Anmeldung zum
Leis
tungsbezug
eine Nachfrist zur Einreichung von fehlenden Arbeitsbemühungen angesetzt oder jedenfalls die
einspracheweise
aufgelegten berücksichtigt
werden müssen. Bei einer gesamthaften Anzahl von 23 Bewerbungen während der Kündigungsfrist (2
3.
April bis 3
0.
Juni 201
2
) kann nicht von mangelnden
Ar
beitsbemühungen
gesprochen worden, zumal diese in qualitativer Hinsicht nicht bemängelt wurden. Demgemäss rechtfertigt sich eine Einstellung in der
An
spruchsberechtigung
nicht, weshalb der angefochtene
Einspracheentscheid
er
satzlos aufzuheben ist.