Decision ID: 531b58af-ef40-5dff-a260-ece4d4192ebd
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
dass das BFM den rechtserheblichen Sachverhalt rechtsgenügend abge-
klärt hat,
dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihres gültigen Aufenthaltstitels zu
Recht nicht geltend machte, die griechischen Behörden würden sie nach
einer Überstellung durch die Schweizer Behörden nach Ghana ausschaf-
fen, zumal sie über 17 Jahre lang in Griechenland gelebt hat und dort mit
einem mittlerweile verstorbenen Griechen verheiratet war,
dass sie damit nicht eingewendet wurde, Griechenland werde in ihrem
Fall den Grundsatz des Non-Refoulements missachten,
dass sie jedoch einwendete, als Schwarze und Ausländerin in Griechen-
land für Angst vor rassistischen Übergriffen zu haben und für alles Übel,
namentlich für das wirtschaftliche Elend, herhalten zu müssen,
dass ihre Furcht lediglich pauschal begründet wurde und ihr kein konkre-
tes Ereignis in Bezug auf ihre Person zugrunde liegt,
E-3511/2013
Seite 8
dass die schweizerischen Behörden zwar dafür sorgen müssen, dass sie
und ihr Kind im Falle einer Überstellung nach Griechenland nicht einer
dem internationalen Recht und insbesondere Art. 3 und 8 EMRK wider-
sprechenden Behandlung ausgesetzt sind,
dass es aber nicht in der Verantwortung der schweizerischen Asylbehör-
den liegt, dafür zu sorgen, dass sie und ihr Kind nach einer Überstellung
Lebensbedingungen wie in der Schweiz vorfindet,
dass sich keine ernsthaften und konkreten Indizien finden lassen, wonach
die griechischen Behörden bezogen auf sie und ihr Kleinkind das Völker-
recht verletzen und ihnen den notwendigen Schutz verweigern oder sie
menschenunwürdigen Lebensumständen aussetzen würden (vgl. auch
EGMR, M.S.S. gegen Belgien und Griechenland [Appl. No. 30696/09],
Urteil vom 21. Januar 2011, § 84-85 und 250; Urteil des EuGH vom
21. Dezember 2011 in der Rechtssache C-411/10 und C-493/10),
dass es in Griechenland öffentliche und private Institutionen gibt, die auf
Gesuch hin auf die zentralen Bedürfnisse der Beschwerdeführerin einge-
hen können,
dass der Beschwerdeführerin auch der Rechtsweg zur Verfügung stünde,
dass weder im Hinblick auf eine konkrete Gefährdung durch radikale
Gruppierungen, noch hinsichtlich der Betreuung und Unterkunft zu erwar-
ten ist, die konkreten Lebensbedingungen seien für sie und ihr Kleinkind
in Griechenland mittlerweile so schwierig geworden sein können, dass ih-
re Überstellungen in dieses Land die EMRK verletzen würde,
dass aufgrund der Akten vom guten Gesundheitszustand von Mutter und
Kind auszugehen ist und sie in keine existenzielle Notlage in Griechen-
land geraten dürften, auch wenn mittlerweile der Kindsvater und der leib-
liche Sohn der Beschwerdeführerin nach Togo ausgereist sein sollen,
dass damit das Risiko, bei einer Rückschaffung nach Griechenland keine
behördlichen oder privaten Hilfen vorzufinden oder gar inhaftiert und ins
Heimatland abgeschoben zu werden, äusserst gering ist,
dass bezüglich der weiteren Einzelheiten auf die überzeugenden weiteren
Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann,
E-3511/2013
Seite 9
dass damit sämtliche mit dem Grundsatzurteil BVGE 2011/35 geforderten
Voraussetzungen für eine Überstellung der grundsätzlich zur Kategorie
verletzlicher Personen zu zählenden Beschwerdeführerinnen nach Grie-
chenland erfüllt sind,
dass angesichts des Gesagten ihre Überstellung nach Griechenland nicht
gegen völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz verstossen würde
und keinerlei Hindernisse, insbesondere auch keine humanitären Gründe
i.S. von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1, eine Überstellung der Beschwerdeführe-
rinnen als unzulässig erscheinen lassen,
dass es demnach keinen Grund für die Anwendung der Souveränitäts-
klausel (Art. 3 Abs. 2 erster Satz Dublin-II-Verordnung) gibt,
dass Griechenland somit für die Prüfung des Asylgesuchs der Beschwer-
deführerinnen gemäss der Dublin-II-Verordnung zuständig und entspre-
chend verpflichtet ist, sie gemäss Art. 20 Dublin-II-Verordnung wieder
aufzunehmen,
dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG zu
Recht auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerinnen nicht eingetreten
ist und, da sie nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlas-
sungsbewilligung für die Schweiz sind, ebenfalls zu Recht in Anwendung
von Art. 44 Abs. 1 AsylG die Überstellung nach Griechenland angeordnet
hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),
dass unter diesen Umständen allfällige Vollzugshindernisse gemäss
Art. 83 Abs. 3 f. des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die
Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) nicht mehr zu prüfen
sind, da das Fehlen von Wegweisungsvollzugshindernissen bereits Vor-
aussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d
AsylG ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 10),
dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen ist, und die ange-
fochtene Verfügung des BFM vollumfänglich zu bestätigen ist,
dass bei diesem Verfahrensausgang die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1-3
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) den
Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
E-3511/2013
Seite 10

Considerations: