Decision ID: 2ba7e566-abdd-47e5-a0b2-959e172a7fcc
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1977, erlitt bei einem Motorradunfall am 22. A
ugust 2008 ein Polytrauma mit unter
a
nderem
einer komplizierten Handgelenksfraktur rechts und einer BWK 3 Fraktur (Traumaprotokoll der Klinik für Unfallchirurgie des
Y._
vom 22. August 2008, Urk.
9/
M8). Die Helsana Unfall AG (nachfolgend: Helsana) erbrachte als obligatorischer Unfallversicherer der (damaligen)
Z._
, woran der Versicherte als Gesellschafter und Geschäftsführer beteiligt war, die gesetzlichen Leistungen. Bei einem deutlich protrahierten Heilungsverlauf traten zunehmend auch neuropsychologische und psychische Probleme auf, welche im
A._
ab Februar 2010 behandelt wurden (
vgl.
Urk.
9/
M
30
-
32
). Im Jahr 2011 liess die Helsana den Versicherten neuropsychologisch, neurologisch und psychia
trisch begutacht
en (Prof. Dr. rer. nat. B._
, Diplom-Psychologe,
C._
, Gutachten vom 11. Juli
2011
,
Urk.
9/
M
42
; Dr. med. D._
, Facharzt für Neurologie, Gutachten vom 15. Juli 2011
,
Urk.
9/
M4
3
; Dr. med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Gutachten vom 14. Juli 2011 [Urk.
9/
M
44
]).
1.2
Nachdem die beratenden Ärzte der Helsana, Dr. med.
F._
, Facharzt für Neurologie FMH, und Dr. med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie FMH, am 9. September 2013 (Urk.
9/
M
63
)
beziehungsweise
am 23. September 2013 (Urk.
9/
M
64
) zum bisherigen Verlauf Stellung genommen hatten und die nach wie vor
attestierte
tiefe Arbeitsfähigkeit nicht mehr zweifels
frei auf die unfallbedingten Beeinträchtigungen allein zurückzuführen vermoch
ten, ordnete die Helsana ein interdisziplinäres Gutachten in den Fachrichtungen Neurologie, Neuropsychologie, Psychiatrie und Orthopädie an, stellte dem Rechts
vertreter des Versicherten den Fragenkatalog zu und teilte ihm
mit Brief vom 28.
November 2013
mit, für die Begutachtung seien das
H._
in Basel oder die
I._
vorgesehen (Urk.
9/
K238). Mit Schreiben vom 27. Januar 2014 liess der Versicherte mitteilen, er sei mit beiden Gutachterstellen nicht einverstanden (Urk.
9/
K242). In der Folge hielten die Helsana an den beiden vorgeschlagenen Instituten und der Versicherte an einer Begutachtung durch die früheren Gutachter Prof.
B._
, Dr.
D._
und Dr.
E._
fest (Urk.
9/
K243 und Urk.
9/
K250). Am 14. Mai 2014 erliess die Helsana eine Zwischenverfügung, worin sie das
H._
mit der Begutachtung beauf
tragte und die involvier
ten Gut
achter mitteilte (
Urk. 9/K254
).
Hiergegen liess
X._
a
m 16. Juni 2014
beim Sozialversicherungsgericht
Beschwerde erheben (
Urk. 9/K256
)
. Das Sozialversicherungsgericht wies die Beschwerde mit Urteil UV.2014.000146 vom
2
7.
Mai 2015 ab (
Urk. 9/K273
). Auf die vom Ver
sicherten dagegen
am
6.
Juli 2015
erhobene Beschwerde
(Urk. 9/
K
277)
trat das Bundesgericht mit Urteil 8C_49
9/
2015 vom 2
8.
Dezember
2015
nicht ein (
Urk.
9/
286
). Danach wurde der Beschwerdeführer im
H._
untersucht. Das
H._
er
statte
te
das Gutachten am
7.
November 2016 (
Urk.
9/
M
73
; nachfolgend
:
H._
-Gutachten).
Am 6. Dezember 2016
stellte die Helsana das Gutachten dem Vertre
ter des Ver
sicherten zu und setzte i
h
m eine Frist bis
6.
Januar 2017, um
zum
H._
-Gutachten Stellung zu neh
men
(Urk. 9/K340)
. Mit Schreiben vom
6.
Januar 2017 beantragte der Vertre
ter des Versicherten Akteneinsicht, insbesondere Einsicht in die dem
H._
-Gutach
ten zugrundeliegende Bildgebung sowie neuropsycholo
gi
schen Testunter
lagen
(Urk. 9/K344)
. Die Helsana versandte am
6.
März 2017 die Bildgebung
(Urk. 9/K350)
.
1.3
Mit Verfügung vom 1
3.
April 2017 stellte die Helsana ihre Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen per
1.
Mai 2017
ein und
verneinte einen Anspruch des Ver
sicherten auf eine Invalidenrente. Mit derselben Verfügung sprach sie ihm für die von ihr festgestellte Integritätseinbusse am rechten Handgelenk von 15 % e
ine Integritätsentschädigung zu
(
Urk.
9/K353
). Dagegen erhob der Versicherte am 1
8.
Mai 2017 Einsprache (
Urk.
9/356
). Alsdann stellte die Helsana dem Ver
sicher
ten die vom
H._
erhaltenen neuropsychologischen Testunterlagen zu
,
wozu dieser am 21. März 2018
Stellung
nahm (Urk. 9/K366).
Danach wies die Helsana die Einsprache des Versicherten mit Einspracheentscheid vom 2
0.
August 2018 ab (
Urk.
2).
2.
2.1
Dagegen erhob
X._
am 2
1.
Sept
ember 2018 Beschwerde und beant
ragte (
Urk.
1 S.
2):
«
1.
Die angefochtene Verfügung bzw. der sie bestätigende Einspracheentscheid seien insoweit aufzuheben, als die Leistungen (Heilungskosten, Taggeld, Rente) eingestellt bzw. abgelehnt werden und es seien weiterhin die gesetz
lichen und vertraglichen Leistungen zu erbringen und später über den Ren
tenanspruch neu zu entscheiden, eventualiter (für die Bejahung der Berech
tigung des Fallabschlusses) sei eine Rente von mind. 40
%
zuzusprechen.
2.
Zudem sei die Verfügung über die Integrit
ätsentschädigung aufzuheben, so
weit keine Entschädigung ausserhalb der Handgelenksproblematik ausge
rich
tet wird und es (im erwähnten Eventualfall)
sei eine Integritätsentschä
digung gesamthaft für alle Integritätseinbusse
n
von mind. 35
%
zuzu
spre
chen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. 7.7
%
Mwst) zu Lasten der Gegenpartei.»
2.2
Mit Beschwerdeantwort vom
4.
Oktober 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8, unter Beilage ihrer Akten [
Urk.
9/M1-M76,
Urk.
9/K1-K367]),
was dem Beschwerdeführer am
5.
Oktober 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
1
1
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
4.
Zu ergänzen ist, dass
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, das Begehren des Beschwerdeführers um Ausrichtung einer Invalidenrente mit Verfügung vom 27. August 2018
abgewiesen hat. Die vom Beschwerdeführer dagegen beim Sozialversicherungsgericht erhobene Beschwerde
ist Gegenstand des Prozesses Nr. IV.2018.00850 und wurde mit Urteil heutigen Datums abge
wiesen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Strittig und zu prüfen ist, ob
die
gemäss Beschwerdeführer bestehende kognitive Störung (leichtgradige Beeinträchtigung einzelner attentionaler und exekutiver Funktionen) in einem natürlichen und adäquaten
Kausalzusammenhang zum Un
fall vom 2
2.
August 2008 steht und die Beschwerdegegnerin
dafür
über den ver
fügten Fallabschluss per
1.
Mai 2017 hinaus
Versicherungsl
eistungen zu erbrin
gen hat (
vgl. Urk.
1
S. 8-9)
.
2.
2
.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am
9. Novem
ber 2016 verabschiedeten geänderten Bestim
mungen des Bundesge
set
z
es über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversi
che
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirk
licht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
22. August 2008
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in
dieser Fassung zitiert werden.
2
.2
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
), so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 ATSG
)
, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG
[in der ab 1. Juli 2001 geltenden Fassung]). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesund
heitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistu
ngen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
Erlei
det der Versicherte durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat er Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (
Art.
24
Abs. 1
UVG).
2
.3
Die Leistungspflicht eines Unfall
versicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausal
zusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
den
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis
zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Stö
rung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Mög
lichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
2
.4
2
.4.1
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der
Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Gesu
nd
heitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergangenen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versicherungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei
-
aus
gehend vom augenfälligen Geschehensablauf
-
folgende Einteilung vorgenom
me
n wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle ander
seits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/aa; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
2.4.2
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwür
di
gung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E.
6.1, 115 V 133 E. 6c/aa).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S.
428, 1999 Nr. U 335 S.
207 ff.; 1999 Nr. U 330 S.
122 ff.; SVR 1996 UV Nr.
58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auf
fallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwie
rigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungs
weise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Krite
rien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusam
men mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adä
quanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben
könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/bb, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/aa; RKUV 2001 Nr.
U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S.
215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
2
.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
men
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3
.
3
.1
3
.1.1
Die
H._
-Gutachter stellten folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeits
fähig
keit (Urk.
9/M73 S.
41
-42
):
-
Chronisch rezidivierende, belastungsabhängige Vorderarm-Hand
gelenk
schmerzen (
ICD-10: M79.64) bei:
-
Status nach Wundrevision, offener Spaltung des Retinaculum flexo
rum, proximal row carpectomy, Resektion des Processus styloideus ulnae, Reposition und Anlegen eines Handgelenk-überschreitenden Fixateur externe sowie Resektion FDS II/III-Sehne und partiell FDP IV-Sehne distal des Karpalkanals am 2
2.
August 2008, nach Fasziotomie Vor
derarm rechts palmar am 2
3.
August 2008 bei Kompart
ment-Syn
drom, nach partieller Sekundärnaht, Defektdeckung am Vorder
a
r
m mit Spalthaut vom ventrolatera
l
en
rechten Oberschenkel und Epigard-Appli
kation proximaler Karpalkanal sowie Nachstellen des Fixateur externe am 2
6.
August 2008, nach Sekundärnaht Höhe Handgelenk palmar am
1.
September 2008 und nach Exzision Spalthautareal Vor
der
arm palmar sowie Direktverschluss der Haut am 2
0.
Februar 2008 (Z98.8).
-
Status nach drittgradig offener Karpus-Luxationsfraktur nach Motor
rad
unfall am 2
2.
August 2008
(V23.4)
-
Chronisch rezidivierendes zervikovertebrales Schmerzsyndrom, anamnes
tisch ohne ausstrahlende Symptomatik (ICD-10: M54.2) bei Status nach stabiler Kondylenfraktur Okziput rechts und nach Deckplattenfraktur BWK 3, unter konservativer Therapie anamnestisch stabil ausgeheilt (T90.2/T91.1)
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit führten sie auf (
Urk.
9/73 S. 42):
-
Narzisstische Persönlichkeitszüge (ICD-10: Z73.1)
-
Status nach Motorradunfall vom 2
2.
August 2008 mit fraglicher leichter traumatischer Hirnverletzung
mit/bei:
-
aus neurologisch-neuropsychologischer Sicht keinerlei Folgeerschei
nungen feststellbar
-
bildgebend keine Schädigung nachweisbar (wiederholte MRI-Unter
suchung, aktuell Oktober 2016)
-
Episodischer Spannungskopfschmerz (ICD-10: G44.2)
-
Chronisch-rezidivierende, anamnestisch unspezifische Knieschmerzen rechts
(ICD-10: M25.56) bei:
-
Status nach Wundspühlung, Débridement, Bursektomie und Naht Liga
mentum patellae Knie rechts am 2
2.
August 2008 (Z98.8)
-
Status nach Riss-Quetsch-Wunde (RQW) mit Eröffnung der Bursa prä
patellaris und Teilverletzung des Ligamentum patellae bei Mo
torrad
unfall vom 2
2.
August 2008 (T93.0)
-
aktuell unauffäll
i
ger klinischer Befund
-
Fortgesetzter Nikotinkonsum, ca. 20 py (ICD-10: F17.1)
3
.
1.
2
Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers hielten die
H._
-Gutachter fest
, dass beim Beschwerdeführer hinsichtlich Befunderhebung objektiv die Situation aus orthopädis
cher Sicht im Vordergrund stehe. Die chronisch rezidivierenden, belas
tungsabhängigen Vordera
r
m- und Handgelenksschmerzen rechts seien dem Status nach Unfall mit konsekutiver Operationen zuzuordnen
(Urk. 9/73 S. 42)
. Ebenfalls
lasse sich das Gleiche zum chronisch rezidivierenden zervikovertebralen Schmerz
syndrom ohne radikuläre Symptomatik sagen
(Urk. 9/73 S. 42-43)
. Auf
grund die
ser Diagnos
en könne eine Arbeits
unfähigkeit für schwere und anhaltend mittel
schwere Tätigkeiten abgeleitet werden
(Urk. 9/73 S.
43)
. Für körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere Tätigkeiten, ohne hohe Ansprüche an Beweglich
keit und Kraftentfaltung von Vorderarm und Handgelenk rechts bestehe eine 100%ige Arbeits- und Leistungs
fähigkeit. Aus neurologisch-neuro
psychologi
scher Sicht würden vom Beschwerdeführer die Hauptbeschwerden geklagt. Dem
gegenüber liesse
n
sich jedoch weder neuro
psychologisch noch neuro
logisch wes
entliche Befunde er
heben. Die zu den bestehenden Renten
leistungen führende Begutachtung mit der Annahme von möglichen Unfallfolgen in einer MRI-Unter
suchung, dies notabene als einziger pathologischer damaliger Befund, könne definitiv nicht bestätigt
und müsse als Falschinterpretation einer MRI-Aufnahme zugeordnet werden
.
Die rezidivierenden Spannungskopf
schmer
zen würden die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht
beeinflussen.
Dem
zu
folge könne aus neurologisch-neuro
psycho
lo
gischer Sicht keine Ein
schränkung der Arbeits
fähigkeit abgeleitet werden. Aus allgemeininternistischer
Sicht würden keine weiteren Befunde und Diagnosen vorliegen, die sich auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirken würden. Der Cannabiskonsum sei sicher beun
gü
n
s
tigend für die subjektiv geklagten Beschwerden, wie ver
min
derte Konzen
tratio
n und Vergesslichkeit
. Dies wirke sich jedoch nicht objekti
vier
bar bei den Unter
su
chungen aus, könnte jedoch für die subjektiven Beschwerden erklärend sein. Aus psychiatrischer Sicht seien beim Beschwerde
führer narzisstische Persönlich
keits
züge zur Kenntnis zu nehmen.
Eine Persönlichkeits
störung liege nicht vor. Eine Komorbidität, insbesondere eine affektive Störung, könne ebenfalls nicht nachgewiesen werden. Der früher angenommene Zusam
menhang zu neuro
kog
nitiven Einbussen lasse sich nicht weiter aufrechterhalten. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt (
Urk.
9/73 S. 43).
Zusammenfassend resultiere aus polydisziplinärer Sicht, dass beim Beschwerde
führer für leichte bis intermittierend mittelschwere, bezüglich rechter Extremität adaptierte Tätigkeiten, so auch für alle früher vom Beschwerdeführer durch
ge
führten, eine 100%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit bestehe. Aufgrund der anamnestischen Angaben, der Untersuchungsbefunde, der vorliegenden Doku
mente sowie der früher attestierten Arbeitsunfähigkeit könne die fest
gestellte Situation mit Sicherheit ab Juni 2016 bestätigt werden (
Urk.
9/73 S.
43).
3
.2
3
.2.1
Prof.
Dr.
J._
, leitender Arzt, und
Dr.
med. K._
, Assistenzarzt
, Y._
, Klinik für Neurologie,
stellten
in ihrem neuro
logischen Gutachten vom 1
0.
Mai 2017
die folgenden Diagnosen (
Urk.
3/2 S. 19):
-
Status nach Motorradunfall am 2
2.
August 2008 mit leichter trauma
tischer Hirnverletzung (Mild Traumatic Brain Injury, MTBI, gemäss EFNS-Kriterien)
-
Leichtgradige Beeinträchtigung einzelner attentionaler und exekutiver Funk
tionen bei organischem Psychosy
n
drom nach Schädelhirntrauma (ICD-10: F07.2)
-
Episodischer Spannungskopfschmerz (IHS 2.1)
-
Cervikales Schmerzsyndrom
Prof. Dr. phil.
L._
, Abteilungsleiter Neuropsychologie,
Y._
, Klinik für Neu
rologie, stellte im neuropsychologischen Teilgutachten vom
4.
Juni 2016 die Diagnose leichtgradige Beeinträchtigung einzelner attentionaler und exekutiver
Funktionen bei organischem Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma (ICD-10: F07.2), mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 2
2.
August 2008 zurückzuführen (
Urk.
3/3
S. 9).
3
.2.2
Prof.
J._
und Dr.
K._
hielten
in ihrem Gutachten
unter anderem
fest, dass die kognitiven Minderleistungen des Beschwerdeführers als überwiegend wahr
scheinlich in einem natürlichen Zusammenhang mit dem Ereignis vom 2
2.
Au
gust 2008 stünden. Es würden insgesamt fünf neuropsychologische Beurteilungen
von verschiedenen Fachpersonen vorliegen, die mit einer hohen Befundkonsis
tenz
ein
attentional-exekutives Störungsbild nachweisen würden. Daneben gebe es zahlreiche weitere Dokumente, in den durchweg konsistente Angaben zu den beklagten Symptomen sowie zu den ärztlichen oder psychologischen Befunden enthalte
n seien
, wobei der Schwerpunkt von Anamnese und Befund über die Jahre etwas zwischen den beiden Bereichen psychische Belastung/Emotionalität und kognitive Störung abwechsle. Gemäss ihrer eigenen sowie der im neuro
psy
cho
logischen Teilgutach
ten
vom
4.
Juni 2017 wiedergegebenen Einschätzung von
Prof
.
L._
sei auch das im
H._
-Gutachten beschriebene Ausfallsmuster am ehestens als attentional-exekutiv anzusehen (
Urk.
1 S.
20). Dem Ansatz folgend, ob ein objektiver Befund eine subjektive Beschwerde erklärt, könne festgehalten werden, dass die mehrfach objektivierten attentional-exekutiven Defizite mit teil
weise assoziierten mnestischen Störungen sowie die verbale Weitschweifigkeit die Beschwerden des Beschwerdeführers plausibel erklären würden. Die Art der kognitiven Störung erkläre
,
weshalb der Beschwerdeführer Mühe gehabt habe, nach dem Unfall die Berufstätigkeit in einer leitenden Position im Bereich Medien, Internet, Marketing sowie als Regisseur
wiederaufzunehmen
.
Die Befunde würden ferner eine Erklärung für die reduzierte Konzentration (vor allem über einen längeren Zeitraum und bei komplexen Inhalten), die erhöhte Ablenk
barkeit, den Verlust des roten Fadens in einem Gespräch oder während eines Vor
trages und ferner auch
für
die Fehlleistungen in Alltagsabläufen und organisa
tori
schen Angelegenheiten im Sinne von Fahrigkeit/Vergesslichkeit (z. B. Verges
sen von Terminen und Abma
chungen, Steckenlassen des Schlüssels im Schloss, Ausstei
gen an der falschen Tramhaltestelle)
liefern
. Das Ausmass der Beschwer
den werde vom Beschwerde
führer als regredient beschrieben, was ebenfalls mit der Rück
läufigkeit des Ausmasses der Defizite in den longitudinalen Testungen kor
reliere. Es liege mithin eine leichte kognitive Störung mit
attentional-exeku
tivem Ausfallmuster vor, die in mehreren Querschnittsuntersuchungen kon
sistent objektiviert worden sei und sich lo
n
gitudinal regredient zeige. Befund und Verlauf wür
den für eine Störung frontosubkortikaler Hirnareale
sprechen und sei
en ebenso wie die
Gereiztheit
gut mit
einem Status nach einem Schädel
hirn
trauma vereinbar (
Urk.
3/2 S.
20).
Es bestünden weiterhin nachweisbare kognitive Defizite mit Beeinträchtigungen in Alltag und Beruf, so dass eine Behandlung und sowie Prävention einer sekundären Verschlechterung indiziert sei (Urk. 3/2 S. 22).
3
.2.3
Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers hielten die Gutachter des
Y._
fest, dass gemäss der neuropsychologischen Einschätzung die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers für eine verantwortungsbewusste Führungstätigkeit (zu der u. a. auch die Geschäftsführung einer Firma
für Marketing
und Softwarelösungen und die Tätig
keit als Regisseur gehören) aus rein neuropsychologischer Sicht
zur
zeit
zu 20 bis 30
%
eingeschränkt
sei. Dies vorwiegend wegen erhöhter Interfe
renzanfälligkeit und einge
schränkter Aufmerksamkeitsstellung (
Urk.
3/2 S. 23).
Aus neurologischer Sicht könnte eine angepasste Tätigkeit
ausgeübt werden. Dabei könnte es sich zum Beispiel um eine Büro-Tätigkeit handeln mit einem Anforderungsprofil, das mit dem der vom Beschwerdeführer initial erlernten KV-Tätigkeit vergleichbar sei. Alternativ komme auch eine körperliche Tätigkeit unter Berücksichtigung der von den
H._
-Gutachtern festgestellten Einschränkungen in Frage. Aufgrund der attentionalen Defizite sollte von dem Arbeiten in Höhe oder dem Bedienen grosser Maschi
nen ab
gesehen werden. Die Arbeitsfähigkeit sei auf
grund der neuropsychologischen Defizite zu 10
%
eingeschränkt (
Urk.
3/2 S. 23).
4.
4.1
Der neurologische
H._
-
Gutachter
Dr.
M._
führte zur Frage, ob als Folge des Unfallereig
nisses vom 2
2.
August 2008 eine strukturelle Hirnläsion vorliege, aus, dass unter Berücksichtigung der radiologischen Beurteilung zur MRI-Unter
suchung
des Kopfes
vom 10. März/
5.
April 2012
keine posttraumatische
n
Ver
letzungsfolgen
nachweisbar gewesen seien. Die
s
habe anlässlich der erneuten MRI Untersuchung des Kopfes vom 12.
Oktober 2016 bestätigt werden können. Zudem
sei der Verlauf nach dem Unfall für eine höhergradige Hirnverletzung nicht typ
isch.
Dagegen würden auch die
Diskrepanzen hinsichtlich Angaben zu Ein
schränkungen in der beruflichen Tätigkeit und dem Freizeitverhalten
des Be
schwer
deführers
sprechen. Eine frühere Beurteilung aus dem Jahr 2011, wonach eine hirntraumatische Ver
letzungsfolge vorhanden
sei, könne durch die klini
schen, magnetresonanz
tomo
graphischen und neuropsychologischen Be
funde nicht
bestätigt werden (
Urk.
9/M73 S. 55)
.
Demgegenüber hielt Prof.
J._
in seinem Gutachten
vom 10. Mai 2017
fest
, dass beim
Beschwerdeführer die Diagnose
kriterien der Europäischen Föderation der Neurologischen Gesell
schaften (EFNS) für eine leichte traumatische Hirnver
letzung erfüllt seien. Die Diagnose werde rein klinisch gestellt und erfordere keinen Nachweis einer strukturellen Hirnschä
digung mit MR- oder CT-Bild
gebun
g
(Urk. 3/2 S. 19). Für die Beantwortung der Frage, ob beim Beschwerde
führer
diesbezüglich
nach wie vor objektivierbare Fol
gen des Unfalles vom 22. August 2008 feststellbar sind,
für welche die Be
schwer
degegnerin leistungspflichtig wäre,
hilft diese
Aussage von Prof.
J._
aller
dings nicht weiter. Nach der Recht
sprechung des Bundes
gerichts liegen dann objekti
vier
bare Unter
suchungs
ergebnisse vor,
wenn sie
reprodu
zierbar und von der Per
son des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfall
folgen kann somit erst dann gesprochen
werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklä
rung
en
bestä
tigt wurden und die hiebei ange
wendeten Untersuchungsmethoden wissen
schaft
lich anerkannt sind (BGE 138 V 248 E. 5.1; 134 V 109 E. 7 ff., vgl. auch BGE 117 V 359 E. 5; Urteil des Bundesgerichts 8C_212/2019 vom 2
1.
August 2019 E. 3).
Dies trifft auf die Beurteilung von Prof
.
J._
nicht zu. Kommt hinzu, dass
Prof.
J._
auch
eine neuroradiologische Beurteilung
veranlasste
, welche gemäss Pr
of. Dr.
N._
, Neuroradiologie,
Y._
, ergab, dass
sich
auf keine
r
der vorliegenden Aufnahmen neurologisch Zeichen posttraumatischer Läsionen des Gehirns objektivieren liessen (Urk. 3/2 S. 16). Prof.
Dr.
J._
sprach sodann von «objek
ti
vierten neuropsychologischen Defizite» (
Urk.
3/2 S. 20) und einer «leichte
[n]
kognitive
[n]
Störung mit exekutiv-attentionalem Ausfallmuster, die in mehreren Querschnittsuntersuchungen konsis
tent objektiviert» worden seien
(Urk. 3/2 S. 20).
Allein gestützt darauf kann aber
ebenfalls
nicht gesagt werden, dass für die kognitive S
törung ein unfallbedingtes orga
nisches Korrelat besteht. Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung
vermag es
die Neuropsycho
logie nicht, selbständig die Beurteilung der Genese der festgestellten Beschwerden ab
schlies
send vorzunehmen (Urteile des Bundesgerichts 8C_137/2014 vom
5.
Juni 2014 E.
5 und 8C_444/2015 vom 1
4.
Oktober 2015 E.
4.4
).
Gemäss den Beurteilungen von
H._
-Gutachte
r Dr.
M._
und
von
Prof.
N._
liessen sich keine posttra
umatischen
Läsionen des Gehirns des Beschwerdeführers objektivieren. Nach dem Gesagten begründet das Gutachten von Prof.
J._
vom 10. Mai 2017 keine Zweifel an diesen Beurteilungen. Daraus ergibt sich, dass den geklagten Beschwerden - gemäss
Dr.
J._
liegt beim Beschwerdeführer eine
l
eichtgradige Beeinträchtigung einzelner attentionaler und exekutiver Funk
tio
nen
vor
(Urk. 3/2 S. 19) -
kein hinreichendes unfallbedingtes organisches Substrat zugrunde liegt
.
4.2
Ob die
geklagten
Beschwerden des Beschwerdeführers
erheblich sind und
in einem
natürlichen Kausal
zusammenhang zum versicherte
n Unfaller
eignis stehen (was mit Blick auf
die
wiedergegebenen Beurteilungen von
H._
-Gutachter
Dr.
M._
und
von
Prof.
N._
wohl zu verneinen
ist
), kann offen gelassen werden.
Denn diesbezüglich ist - anders als bei Gesundheits
schädi
gungen mit einem klar
en
unfallbedingten organischen Sub
strat, bei welchen der adäquate Kausalzusam
menhang in der Regel mit dem natürlichen bejaht werden kann (BGE 127 V 102 E. 5b/bb mit Hinweisen)
-
eine besondere Adäquanz
prüfung vorzu
nehmen. Diese hat vorliegend nach den in BGE 115 V 133 genannten Kriterien (Psycho-Praxis) zu erfolgen (
vgl.
Urteil
des Bundesgerichts
U 321/06 vom 2
5.
April 2007 E.
4.
1)
.
4.3
Der Fallabschluss durch die Beschwerdegegnerin per 1. Mai 2017 ist sicherlich nicht zu beanstanden. Hinsichtlich der Handgelenksbeschwerden und der übrigen Unfallfolgen mit einem organischen Korrelat wäre er gemäss der Beurteilung von Dr.
O._
bereits ein Jahr nach dem Unfall vom 22. August 2008 möglich ge
we
sen (Urk. 9/M73 S. 29). Neurologisch und neuropsychologisch erhoben die
H._
-
Gutachter keine wesentlichen Befunde und Prof.
J._
bemerkte, dass
-
nach
dem bereits ausgiebig Therapie erfolgt sei
-
es nicht einfach sei, eine klare Emp
fehlung zu geben (Urk. 3.2 S. 22). In erster Linie sah er kognitiv-behaviorale The
ra
pie
ansätze indiziert und schlug einen «Therapieversuch mit Fokus auf neuro
kog
nitive Rehabilitation» vor. Dass davon eine namhafte Besserung des Gesund
heits
zustandes zu erwarten wäre, ist seinem Gutachten nicht zu entnehmen. Mithin war spätestens zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung über acht Jahre nach dem Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands mehr zu erwar
ten. Die Beschwerdegegnerin muss somit keine weiteren Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen erbringen.
4.4
4.4
.1
Ausgangspunkt d
er Adäquanzprüfung ist das Unfallereignis vom 2
2.
August 20
08
(E. 2.4.1).
Laut Rapport der Kantonspolizei Zürich fuhr der Beschwerde
führer a
n jenem Tag
um ca. 11.47 Uhr
mit seinem Motorrad hinter einem Per
sonenwagen. Der Lenker des Personenwagens
wollte auf der Strasse wenden und achtete dabei nicht auf den nachfolgenden Verkehr. Der Beschwerdeführer wurde vom Wende
manöver überrascht und konnte eine seitliche Frontalkollision nicht mehr ver
meiden. Durch die Kollision
wurde der Beschwerdeführer über das Auto auf die Strasse geschleudert. Er musste zur Versorgung seiner Verletzunge
n mit der Sanität in das
Y._
gebracht werden
(
Urk.
9/21 S. 1, S. 6-7)
. Die Fahrertür des Personenwagens wurde stark eingedellt
.
D
er
linke Seitenspiegel und linke Blinker sowie der Kotflügel wurden beschädigt (
Urk.
9/21 S. 3). Am Motorrad des Beschwerdeführers entstand ebenfalls Sachschaden (Urk.
9/21 S. 3).
Das Bundesgericht qualifizierte namentlich den folgenden Motor
radunfall als Unfall im mittleren Bereich im Grenzbereich zu den schweren Un
fällen (Urteil des Bundesgerichts 8C_746/2008 vom 17. August 2009 E. 5.1.2):
Der Beschwerde
führer kollidierte als Lenker eines Motorrads mit einem entgegen kommenden Per
sonen
wagen frontal. Die Ge
schwindigkeit des Per
sonenwagens soll dabei ge
mäss Aus
sagen der in
vol
vierten Personen und Zeugen rund 40 bis 50 km/h und jene des Motorrads ungefähr 50 km/h betragen haben. Die linke Seite und Front des Motorrads wur
den beim Zusammenstoss massiv eingedrückt und die Lenk
vor
richtung ge
brochen. Die Front und der Kotflügel rechts des Personenwagens waren ebenfalls erheblich geschädigt, darüber hinaus die Front
scheibe defekt. Der Versicherte und die Mitfahrerin wurden beim Zusammenstoss über das Auto hinweg rund zehn Meter durch die Luft geschleudert. Zu berück
sichtigen ist aber auch, dass das
Bundesgericht einen Unfall dem mittleren Bereich der mittel
schweren Unfällen zuordnete, bei dem der Versicherte mit einer geschätzten Geschwindigkeit von 30 bis 40 km/h fuhr, als ein auf der Gegenspur fahrender Automobilist - in Missach
tung des Vor
tritts
rechts der ent
gegen
kom
menden Ver
kehrs
teilnehmer - links ab
bog und dabei die Fahrbahn des Motor
rad
fahrers kreuzt
e. Der Versicherte ver
suchte auszuweichen, stürzte aber und rutschte mit dem Motor
rad in den Personenwagen. Dabei zog er sich eine Femurschaft-Querfraktur vom mittleren zum distalen Drittel rechts zu (Urteil des Bundesgerichts 8C_949/2008 vom 4. Mai 2009 E.
4.1 mit Hinweisen zu weiterein Urteilen zu Motorradunfällen, welche allesamt als mittel
schwere Unfälle im mittleren Bereich qualifiziert wurden).
Mit Blick auf den Ablauf des Unfalls des Beschwerdeführers, die Sachschäden an den beteilig
ten Fahrzeugen und die Rechtsprechung des Bundesgerichts ist der Unfall vom 2
2.
August 2008 als Unfall im mittleren Bereich zu qualifizieren. Ob
dieses Ereignis gar als
Unfall im mittleren Bereich an der Grenze zu den schweren Unfällen
anzusehen wäre,
kann offen bleiben, denn vorliegend ist keines der Adä
quan
z
kriterien ge
g
eben.
4.4
.
2
Bei der Prüfung der Adäquanzkriterien ist zunächst zu beachten, dass jedem mindestens mittel
schweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist (Urteile
des
Bundes
ge
richts 8C_949/2008 vom 4. Mai 2009 E. 4.2.1 und 8C_738/2011 vom
3. Februar 2012 E. 7.3.1).
Das Kriterium «
besonders dramatische Begleitum
stände oder besondere Eindrück
lichkeit des Unfalls
» ist vorliegend nicht erfüllt.
Mit Blick auf die vom Beschwerdeführer bei diesem Unfall erlittenen Verletzungen (Trau
maprotokoll der Klinik für Unfallchirurgie des
Y._
vom 22. August 2008, Urk. 9/M8) ist
das Krite
rium «
Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychi
sche Fehlentwicklungen auszulösen
» eben
falls zu verneinen. Anzufügen ist, dass das Bundesgericht dieses Kriterium namentlich auch bei einem Polytrauma mit Thorax- und Abdominaltrauma und offenen Gesichts
schädelfrakturen verneint hat (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2009 vom 19. November 2009 E. 3.6).
Das Kriterium «
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen
» ist auch nicht gegeben. Der orthopädische
H._
-Gutachter
Dr.
O._
führte aus, dass nach dem Unfallereignis vom 22. August 2008 initial eine
volle Arbeitsunfähigkeit ein
ge
treten sei. Die Behandlung am Bewegungsapparat durch die zuständigen Trau
matologen und Handchirurgen sei gemäss den Akten aber bereits innerhalb des ersten Jahres
nach dem Unfall
abgeschlossen worden
. Insgesamt sei davon aus
zugehen, dass etwa ein Jahr nach dem erwähnten Ereignis von Seiten des Be
wegungsapparates ein Zustandsbild vorgelegen habe, das die Wiederaufnahme der angestammten Tätigkeit wahrscheinlich uneingeschränkt wieder zugelassen hätte (Urk. 9/M73 S. 29).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts bedürfte es für die Bejahung dieses Kriteriums aber
besonderer Gründe, welche die Gene
sung bis zum Fallabschluss
-
welcher vorliegend erst
per 1. Mai 2017 erfolgte (Urk. 9/K353) -
beeinträch
tigt oder verzögert haben
(Urteil des Bundes
gerichts 8C_738/2011 vom 3. Februar 2012 E. 7.3.5 mit weiteren Hinweisen).
Aufgrund der Beurteilung von
Dr.
O._
- welche vom Beschwerdeführer
im Übrigen
nicht bestritten wird (
Urk.
1 S.
8) - sind auch die
Kriteri
en
«ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung
» und
«
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeits
unfähigkeit
»
zu verneinen. Das Kriterium «
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert
» ist auch nicht erfüllt. Und schliesslich ist das Kriterium «k
örperliche Dauerschmerzen
» ebenfalls nicht gegeben.
I
n
diesem Zusam
menhang ist unter anderem auf die Angaben des Beschwerdeführers bei der Untersuchung durch
Dr.
O._
vom 1
2.
September 2016 zu verweisen. Der Beschwerdeführer gab an, dass es am rechten Handgelenk manchmal zu stark schmerzhaften Episoden komme.
An anderen Tagen sei wiederum ein Einsatz möglich, als ob nichts passiert wäre (
Urk.
9/M73 S. 23). Deshalb kann nicht von körperlichen Dauerschmerzen gesprochen werden.
4.4
.
3
Nach dem Gesagten ist von den massgeblichen Kriterien keines gegeben
.
Mangels adäquaten Kausalzusam
menhangs mit dem versicherten Unfallereignis ist die Beschwerdegegnerin für vom Bes
chwerde
führer geltend gemachte
kognitive Defi
zite
-
soweit überhaupt erheblich -
nicht leistungs
pflichtig.
5.
Ein Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invali
denrente besteht
demnach
nicht, weil gemäss der Beurteilung der
H._
-Gutachter
in einer leidensangepassten Tätigkeit
, wozu auch sämtliche vom Beschwerde
führer früher ausgeübten Tätig
keiten gehören,
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit besteht (Urk.
9/M73 S.
43)
und die geklagten und in ihrer Erheblichkeit umstrittenen neurologischen und neuropsy
chologischen Beschwerden in keinem adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis stehen.
Die von der Beschwerdegegnerin zugesprochene
Integri
täts
ent
schä
digung für die
Integritätseinbusse am rechten Handgelenk von 15 % (Urk. 9/K353)
gibt auch zu keinen Beanstandungen Anlass, weil sie
sich auf
die
Beurtei
lung von
Dr.
O._
stützt
(
Urk.
9/M73 S. 54)
.
Der Beschwerdeführer be
strei
tet die Beurteilungen von
Dr.
O._
nicht (
Urk.
1 S. 8, S. 15). Aufgrund der vorliegenden Akten sind dazu ebenfalls keine Weiterungen nötig.
6.
Damit erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid vom 2
0.
August 2018 (
Urk.
2) im Ergebnis als
rechtens
. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.