Decision ID: 3d23fb7f-5db0-546d-8e28-3c4317321d6c
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 28. November 2019 im Transitbereich des
Flughafens Zürich verhaftet und anschliessend in der Schweiz inhaftiert
wurde, da er in seinem Reisekoffer Kokain mit sich führte,
dass der Beschwerdeführer aus der Haft mit Eingabe vom 1. Februar 2021
(Poststempel) beim SEM um Asyl nachsuchte,
dass der Beschwerdeführer gemäss dieser Eingabe und der Anhörung
vom 7. April 2021 zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen
geltend machte, er habe mit den Strafverfolgungsbehörden in der Schweiz
kooperiert und alles berichtet, was er wisse, weshalb sich sein Auftragge-
ber räche; dass ihm in der Schweiz zudem wieder bewusst geworden sei,
dass er im Alter von ungefähr sieben Jahren von seinem Onkel wiederholt
sexuell missbraucht worden sei,
dass das SEM mit Verfügung vom 16. April 2021 (eröffnet am 20. April
2021) feststellte, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht (Dispositivziffer 1), das Asylgesuch ablehnte (Dispositivziffer 2), die
Wegweisung aus der Schweiz anordnete (Dispositivziffer 3), eine Frist zur
Ausreise ansetzte (Dispositivziffer 4), den zuständigen Kanton mit dem
Vollzug der Wegweisung beauftragte (Dispositivziffer 5) und die editions-
pflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte (Dispositivziffer 6),
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 17. Mai 2021 (Poststempel)
hiergegen unter Beilage verschiedener Kopien (zwei Schreiben seines An-
walts in Sachen seines Strafverfahrens in der Schweiz, eine aktenkundige
Anzeige und Zeugenaussage des Bruders bei der Zivilpolizei des brasilia-
nischen Bundesstaates Rio Grande do Sul inklusive Übersetzung sowie
ein Ausdruck von der Homepage des Bundesamtes für Polizei betreffend
Zeugenschutzprogramme) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde
einreichte und die Aufhebung der Ziffern 3 bis 5 des Dispositivs der Verfü-
gung des SEM vom 16. April 2021 sowie in formeller Hinsicht die Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege beantragte,
dass der Instruktionsrichter mit Instruktionsverfügung vom 20. Mai 2021
den Eingang der Beschwerde bestätigte und feststellte, der Beschwerde-
führer könne den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz ab-
warten,
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Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel
– so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen
(Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG;
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin beziehungsweise ei-
nes zweiten Richters entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich
– wie nachfolgend aufgezeigt – um eine solche handelt, weshalb das Urteil
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass mit der Beschwerde beantragt wird, es sei die angefochtene Verfü-
gung in Bezug auf die Ziffern 3 bis 5 des Dispositivs aufzuheben,
dass sich die Beschwerde damit einzig auf die Frage der Wegweisung und
des Vollzugs derselben beschränkt, die Verneinung der Flüchtlingseigen-
schaft und die Ablehnung des Asylgesuches (vgl. Dispositivziffern 1 und 2
der angefochtenen Verfügung) indessen unangefochten in Rechtskraft er-
wachsen sind,
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dass der Beschwerdeführer in formeller Hinsicht rügt, die Vorinstanz habe
die Bundesverfassung nicht als Rechtsgrundlage herangezogen und ins-
besondere ungeprüft gelassen, ob ihm im Falle einer Rückkehr nach Bra-
silien grausame oder unmenschliche Behandlung gemäss Art. 25 BV
drohe,
dass die angefochtene Verfügung indessen ausreichend begründet ist, zu-
mal sich die Vorinstanz zur Frage des Schutzes seitens der brasilianischen
Behörden bereits im Asylpunkt geäussert hat, womit die Formulierung im
Zusammenhang mit der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs den for-
mellen Anforderungen genügt,
dass sich die Vorinstanz sodann auch nicht mit jedem Argument auseinan-
derzusetzen hat und die Beschwerde im Übrigen zeigt, dass eine sachge-
rechte Anfechtung möglich war,
dass sich die formellen Rügen folglich insgesamt als unbegründet erwei-
sen,
dass der Beschwerdeführer seine Beschwerde weiter damit begründet,
aufgrund seiner Kooperation im Schweizer Strafverfahren würden ihm le-
benslange Retorsionsmassnahmen seitens des organisierten Verbrechens
drohen, der brasilianische Staat sei aber weder willens noch fähig, ihn zu
schützen, weshalb sein Leben im Falle einer Rückkehr in Gefahr sei und
er Anspruch auf ein Zeugenschutzprogramm in der Schweiz habe,
dass die Anordnung der Wegweisung die Regelfolge der Ablehnung des
Asylgesuchs darstellt (Art. 44 [erster Satz] AsylG),
dass diese somit zu bestätigen ist (vgl. auch BVGE 2013/37 E. 4.4 und
2009/50 E. 9, je m.w.H), da die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft und
die Ablehnung des Asylgesuchs unangefochten in Rechtskraft erwachsen
sind und der Beschwerdeführer weder über eine ausländerrechtliche Auf-
enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen
verfügt,
dass somit zu prüfen bleibt, ob es Gründe gibt, die dem Vollzug der Weg-
weisung entgegenstehen, da das SEM eine vorläufige Aufnahme von Aus-
ländern anzuordnen hat, wenn sich der Vollzug der Wegweisung als unzu-
lässig, unzumutbar oder unmöglich erweist (Art. 44 AsylG i.V.m. Art. 83
Abs. 1–4 AIG [SR 142.20]),
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dass das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim-
mungen über die vorläufige Aufnahme regelt, wenn der Vollzug der Weg-
weisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG),
dass beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft gilt, das heisst, sie sind zu
beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.),
dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrechtliche
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des
Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AIG),
dass keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]),
dass gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu
Art. 3 EMRK niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden darf,
dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im
vorliegenden Verfahren nicht zur Anwendung gelangt, da gemäss der Fest-
stellung der Vorinstanz der Beschwerdeführer nicht Flüchtling ist und eine
Rückkehr des Beschwerdeführers nach Brasilien demnach unter dem As-
pekt von Art. 5 AsylG rechtmässig ist,
dass der Wegweisungsvollzug gemäss Art. 3 EMRK unzulässig ist, wenn
ernsthafte Gründe glaubhaft gemacht werden, dass die betroffene Person
im Falle der Wegweisung respektive ihres Vollzugs tatsächlich Gefahr läuft,
sich im Zielland einer menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt zu
sehen,
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dass – sofern ein solches Risiko mit stichhaltigen Gründen konkret und
ernsthaft glaubhaft gemacht wird («real risk») – der Wegweisungsvollzug
unzulässig ist (vgl. Urteil des EGMR F.G. gegen Schweden vom
23. März 2016, Grosse Kammer 43611/11, § 110),
dass Art. 3 EMRK zudem Schutz vor entsprechenden verpönten Handlun-
gen bietet, denen kein Motiv im Sinne von Art. 3 AsylG zugrunde liegt, die
von Privaten – sogenannten nichtstaatlichen Akteuren – ausgehen, wenn
die staatlichen Behörden nicht schutzfähig beziehungsweise -willig sind
(vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-1836/2020 vom 16. April 2020 E. 3.2.7
m.w.H.),
dass vom Schutzwillen und der grundsätzlichen Schutzfähigkeit der brasi-
lianischen Behörden auszugehen ist und die vom Beschwerdeführer dar-
gelegte Infiltration derselben auch in Brasilien bekämpft wird,
dass es – auch unter Berücksichtigung der Ausführungen in der Rechts-
mitteleingabe – keinen ernsthaften Grund zur Annahme gibt, dass dem Be-
schwerdeführer der Schutz seitens der brasilianischen Behörden tatsäch-
lich verweigert würde,
dass der Beschwerdeführer vielmehr eine in seiner Sache erstattete An-
zeige sowie eine Zeugenaussage bei der Polizei in Brasilien einreichte,
was belegt, dass sich die brasilianischen Behörden bereits als schutzwillig
gezeigt haben; dass die entsprechenden Dokumente in einer Schublade
verschwunden sein sollen, eine reine, durch nichts belegte Vermutung ist,
dass sich der Vollzug der Wegweisung folglich auch unter diesem Aspekt
als zulässig erweist,
dass zudem keine weiteren Anhaltspunkte für eine in Brasilien drohende
menschenrechtswidrige Behandlung im Sinne von Art. 25 Abs. 3 BV und
Art. 3 FoK ersichtlich sind,
dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar
erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen
wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage kon-
kret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AIG),
dass mit der Vorinstanz einig zu gehen ist, dass weder die allgemeine Lage
in Brasilien noch individuelle Gründe gegen die Zumutbarkeit der Wegwei-
sung des gesunden, jungen und alleinstehenden Beschwerdeführers mit
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Berufserfahrung sprechen, weshalb der Vollzug der Wegweisung vorlie-
gend zumutbar ist,
dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers in den Heimat-
staat auch möglich ist, da keine Vollzugshindernisse bestehen (Art. 83
Abs. 2 AIG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei der Beschaffung
gültiger Reisepapiere mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12),
dass schliesslich die Beurteilung betreffend Zeugenschutzprogramm in die
Zuständigkeit der kantonalen Strafverfolgungsbehörden beziehungsweise
nach Ausschöpfung der Schutzmöglichkeiten durch kantonale Strafverfol-
gungsbehörden in die Zuständigkeit der Zeugenschutzstelle des Bundes
fällt (vgl. Art. 149 der schweizerischen Strafprozessordnung [StPO,
SR 312.0] und Art. 6 ff. des Bundesgesetzes über den ausserprozessualen
Zeugenschutz [ZeugSG, SR 312.2]), weshalb auf den vom Beschwerde-
führer geltend gemachten Zeugenschutz und die hierzu eingereichten Be-
schwerdebeilagen nicht weiter einzugehen ist,
dass die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung folglich zu Recht als zu-
lässig, zumutbar und möglich erachtet hat und damit die Anordnung einer
vorläufigen Aufnahme ausser Betracht fällt (Art. 83 Abs. 1–4 AIG),
dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch
sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG) weshalb die Be-
schwerde abzuweisen ist,
dass die Rechtbegehren in der Beschwerde sich nach dem Gesagten als
aussichtslos im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG erweisen, weshalb das mit
der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung – ungeachtet der geltend gemachten Bedürftigkeit – abzuwei-
sen und die Kosten des Verfahrens von Fr. 750.– dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen sind (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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