Decision ID: 5a3acc50-e34e-5bbc-b979-18225cbb379e
Year: 2016
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die 1964 geborene, deutsche Staatsangehörige A._ (nachfolgend:
Versicherte oder Beschwerdeführerin) hat in den Jahren 2007 bis 2010 mit
Unterbrüchen als Grenzgängerin in der Schweiz gearbeitet und Beiträge
an die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung
(AHV/ IV) entrichtet (vgl. IV-act. 1 - 5). Mit Datum vom 14. April 2011 mel-
dete sie sich unter Hinweis auf die seit Oktober 2010 bestehende gesund-
heitliche Beeinträchtigung infolge Burnout zum Leistungsbezug bei der IV
an (IV-act. 1). Die SVA Zürich (IV-Stelle des Kantons Zürich) nahm erwerb-
liche und medizinische Abklärungen vor (IV-act. 7 ff.), gewährte von Okto-
ber 2011 bis Juli 2013 Arbeitsvermittlung mit Job Coaching (IV-act. 26 und
29 ff.; IV-act. 72) sowie Arbeitstraining (IV-act. 33 ff.). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren (IV-act. 78 ff.) wies die IV-Stelle für Versicherte im
Ausland (IVSTA) mit Verfügung vom 17. Dezember 2013 das Leistungsbe-
gehren betreffend IV-Rente ab (IV-act. 87).
Mit E-Mail vom 28. Mai 2014 wandte sich die Versicherte an die SVA Zürich
und erkundigte sich, ob es möglich sei, ein "Aufrollverfahren" anzugehen.
Sie habe für die Wahrung ihrer Interessen einen Rechtsanwalt in Deutsch-
land beauftragt; dieser habe jedoch nichts unternommen. Daraufhin teilte
ihr die Sachbearbeiterin der SVA Zürich mit, ein "Aufrollverfahren" sei nicht
möglich. Sie könne lediglich erneut ein Leistungsgesuch stellen, müsse
aber Beweismittel einreichen, aus welchen ersichtlich sei, dass sich der
Gesundheitszustand seit der letzten Verfügung verschlechtert habe (IV-
act. 88). Die Versicherte meldete sich am 24. Juni 2014 erneut zum Leis-
tungsbezug an und reichte ein ärztliches Attest von Dr. B._ vom
20. Juni 2014 ein (IV-act. 89 f.). Auf entsprechende Aufforderung der SVA
Zürich vom 25. Juni 2014 (IV-act. 91) reichte die Versicherte am 11. Juli
2014 weitere Beweismittel (Schreiben der C._-Versicherung vom
25. Juni 2014 betreffend Leistungen aus der Berufsunfähigkeits-Zusatzver-
sicherung; ärztliches Attest von Dr. B._ vom 8. Juli 2014) ein (IV-
act. 92 f.). Mit Vorbescheid vom 21. August 2014 stellte die SVA Zürich
Nichteintreten auf das neue Leistungsbegehren in Aussicht, weil keine an-
spruchserhebliche Veränderung seit der letzten (abweisenden) Verfügung
glaubhaft gemacht worden sei (IV-act. 94). Die Versicherte erhob am
27. August 2014 unter Hinweis auf die am 11. Juli 2014 eingereichten Be-
weismittel Einwand (IV-act. 96). Mit Verfügung vom 24. Oktober 2014 trat
die IVSTA auf das neue Leistungsbegehren nicht ein (IV-act. 101).
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B.
Die Versicherte erhob mit Eingabe vom 13. November 2014 Beschwerde
und ersuchte – unter Hinweis auf das Attest von Dr. B._ vom 8. Juli
2014 und das Schreiben der C._-Versicherung vom 25. Juni 2014
– um Neubeurteilung. Zudem stellte sie sinngemäss ein Gesuch um unent-
geltliche Rechtspflege (act. 1).
C.
Mit Eingabe vom 5. Dezember 2014 reichte die Beschwerdeführerin das
ausgefüllte Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege" mit Beila-
gen ein (act. 5).
D.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 13. Januar 2015,
die Beschwerde sei abzuweisen und die angefochtene Verfügung sei zu
bestätigen (act. 6).
E.
Mit Replik vom 11. Februar 2015 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Be-
gehren fest (act. 8).
F.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird,
soweit für die Entscheidfindung erforderlich, im Rahmen der nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG (SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG
und Art. 69 Abs. 1 Bst. b IVG (SR 831.20) ist das Bundesverwaltungsge-
richt zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.1 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich grund-
sätzlich nach dem VwVG (SR 172.021 [Art. 37 VGG]). Vorbehalten bleiben
gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG die besonderen Bestimmungen des ATSG
(SR 830.1).
1.2 Als direkte Adressatin ist die Beschwerdeführerin von der angefochte-
nen Verfügung berührt und sie kann sich auf ein schutzwürdiges Interesse
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an deren Aufhebung oder Änderung berufen (vgl. Art. 59 ATSG, Art. 48
Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(vgl. Art. 38 ff. und Art. 60 ATSG, Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist daher grundsätz-
lich einzutreten.
1.3 Anfechtungsgegenstand – welcher die Grenze des möglichen Streitge-
genstandes bildet – ist eine Verfügung, mit welcher die Vorinstanz nicht auf
die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin eingetreten ist. Streitgegen-
stand kann daher lediglich die Frage bilden, ob die Vorinstanz zu Recht
nicht auf die Neuanmeldung eingetreten ist. Soweit die Beschwerdeführe-
rin beantragt, es sei ihr eine IV-Rente zuzusprechen, ist auf die Be-
schwerde nicht einzutreten (vgl. BGE 132 V 74 E. 1.1, Urteil BGer
9C_116/2010 vom 20. April 2010 E. 1).
2.
Das Vorliegen einer anspruchserheblichen Invalidität sowie die hier strei-
tige Frage, ob die Vorinstanz zu Recht nicht auf die Neuanmeldung einge-
treten ist, beurteilt sich auch im Anwendungsbereich des FZA und der Ver-
ordnungen (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicher-
heit (SR 0.831.109.268.1) sowie (EG) Nr. 987/2009 des Europäischen Par-
laments und des Rates vom 16. September 2009 zur Festlegung der Mo-
dalitäten für die Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über die
Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (SR 0.831.109.268.11)
nach schweizerischem Recht (vgl. Urteil BVGer C-6027/2014 vom 8. Feb-
ruar 2016 E. 2.1 m.w.H.).
2.1 Für die beschwerdeweise Überprüfung einer Nichteintretensverfügung
ist der Sachverhalt, wie er sich der Verwaltung bot, respektive die Akten-
lage bei Erlass dieser Verfügung massgeblich (BGE 133 V 108 E. 5.4; 130
V 64 E. 5.2.5; Urteil BGer 9C_635/2015 vom 16. Oktober 2015 E. 2.1).
2.2 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verwei-
gert, so wird auf eine Neuanmeldung nur dann eingetreten, wenn die ver-
sicherte Person glaubhaft macht, dass sich der Grad der Invalidität seither
in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat (vgl. Art. 87
Abs. 2 i.V.m. Abs. 3 IVV [SR 831.201]).
2.2.1 Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind herabgesetzte An-
forderungen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss nicht
nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der
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überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b S. 360) erstellt
sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten
rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte be-
stehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei
eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstel-
len lassen (9C_635/2015 E. 2.2). Die Verwaltung verfügt bei der Beurtei-
lung der Eintretensvoraussetzung nach Art. 87 IVV über einen gewissen
Spielraum. So wird sie namentlich berücksichtigen, ob die frühere Verfü-
gung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und an die Glaubhaft-
machung dementsprechend mehr oder weniger hohe Anforderungen stel-
len (Urteile BGer 8C_531/2013 vom 10. Juni 2014 E. 4.1.2, 9C_688/2007
vom 22. Januar 2008 E. 2.2 und 9C_286/2009 vom 28. Mai 2009 je mit
Hinweis auf BGE 109 V 262 E. 3).
2.2.2 In erster Linie ist es Sache der versicherten Person, substantielle An-
haltspunkte für eine allfällige neue Prüfung des Leistungsanspruchs darzu-
legen (betreffend Nachfristansetzung zur Einreichung ergänzender, in der
Neuanmeldung lediglich in Aussicht gestellter Beweismittel vgl. BGE 130
V 64 E. 5.2.5). Wenn die der Neuanmeldung beigelegten ärztlichen Be-
richte so wenig substantiiert sind, dass sich eine neue Prüfung nur auf-
grund weiterer Erkenntnisse allenfalls rechtfertigen würde, ist die IV-Stelle
zur Nachforderung weiterer Angaben nur, aber immerhin dann verpflichtet,
wenn den – für sich allein genommen nicht Glaubhaftigkeit begründenden
– Arztberichten konkrete Hinweise entnommen werden können, wonach
möglicherweise eine mit weiteren Erhebungen erstellbare rechtserhebliche
Änderung vorliegt (zum Ganzen: Urteil BGer 8C_228/2010 vom 19. Juli
2010 E. 2.3 mit Hinweis auf SZS 2009 S. 397 [9C_286/2009] E. 2.2.3;
8C_844/2012 E. 2.1 mit Hinweisen).
2.3 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG; der am 1. Januar 2008 in Kraft getretene Abs. 2 hat
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den Begriff der Erwerbsunfähigkeit nicht modifiziert, BGE 135 V 215
E. 7.3).
Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Un-
fähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu
leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem ande-
ren Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
3.
Die Beschwerdeführerin beruft sich – wie bereits im vorinstanzlichen Ver-
fahren – in erster Linie auf das Attest von Dr. B._ vom 8. Juli 2014
und das Schreiben der C._-Versicherung vom 25. Juni 2014. Dar-
aus ergeben sich indessen keine Hinweise darauf, dass sich der Gesund-
heitszustand beziehungsweise die Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführe-
rin seit der in Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom 13. Dezember 2013
erheblich verändert haben könnte; eine Veränderung des Invaliditätsgra-
des wird damit nicht glaubhaft gemacht.
3.1 Dr. B._ bestätigt in ihrem Attest vom 8. Juli 2014, dass die
Beschwerdeführerin an einer Hashimoto Thyreoiditis erkrankt sei. Die Hor-
moneinstellung gestalte sich "weiterhin" schwierig. Aktuell bestünden
folgende Symptome: Müdigkeit, Erschöpfung, fehlende Belastbarkeit, Kon-
zentrationsstörungen, taube Finger, Schwindel, Nackenverspannungen,
Gewichtsabnahme auf unter 50 kg. Es liege ein schwerer Krankheitsverlauf
vor. Die Beschwerdeführerin sei krankheitsbedingt nicht arbeitsfähig. Zur
Entwicklung des Gesundheitszustandes werden keine Angaben gemacht.
3.2 Die Diagnose der Hashimoto Thyreoiditis wird in den Akten seit 2011
verschiedentlich erwähnt (vgl. bspw. Verlaufsprotokoll Eingliederungsbera-
tung vom 13. Oktober 2011 [IV-act. 27]); ein erster Bericht von
Dr. B._ mit dieser Diagnose und weitgehend ähnlicher Symptom-
beschreibung datiert vom 5. Januar 2012 (IV-act. 38). Zudem hatte die Be-
schwerdeführerin im Vorbescheidverfahren, welches im Hinblick auf die
abweisende Verfügung vom 17. Dezember 2013 durchgeführt wurde, be-
reits geltend gemacht, die Diagnose der Hashimoto Thyreoiditis sei unge-
nügend berücksichtigt worden und einen Kurzbericht von Dr. B._
vom 18. November 2013 beigelegt (vgl. IV-act. 79 - 83). Gestützt auf die
Stellungnahme des regionalen ärztlichen Dienstes RAD (vgl. IV-act. 84)
kam die Verwaltung zum Schluss, es liege keine anspruchsbegründende
Invalidität vor und wies das Leistungsbegehren ab.
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3.3 Allein aus der Tatsache, dass Dr. B._ in ihrem Bericht vom
18. November 2013 die Arbeitsfähigkeit als "sehr eingeschränkt" bezeich-
nete, im Attest vom 8. Juli 2014 aber als nicht mehr gegeben erachtete,
lässt sich – mit Blick auf die jeweils angeführte Symptomatik – keine Ver-
schlechterung ableiten, zumal diese Beurteilung nicht weiter begründet
wird.
3.4 Nicht geeignet, eine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit glaubhaft
zu machen, ist auch das Schreiben der C._-Versicherung vom
25. Juni 2014, welches lediglich bestätigt, dass die Beschwerdeführerin
weiterhin Leistungen aus der Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung er-
halte.
3.5 Schliesslich ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin – trotz ent-
sprechender Information durch die SVA Zürich – in ihren Eingaben nie sub-
stantiiert geltend gemacht hat, ihre Erwerbsfähigkeit habe sich seit der ab-
weisenden Verfügung vom 17. Dezember 2013 erheblich verschlechtert.
3.6 Demnach war die Vorinstanz zweifellos nicht gehalten, auf das neue
Leistungsbegehren einzutreten. Die Beschwerde erweist sich als offen-
sichtlich unbegründet und ist im einzelrichterlichen Verfahren abzuweisen
(vgl. Art. 23 Abs. 2 VGG i.V.m. Art. 85bis Abs. 3 AHVG und Art. 69 Abs. 2
IVG).
4.
In Anwendung von Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
(VGKE, SR 173.320.2) ist vorliegend auf das Erheben von Verfahrenskos-
ten zu verzichten. Das Gesuch um Befreiung von Verfahrenskosten wird
damit gegenstandslos. Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen
(vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 Abs. 3 VGKE).
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