Decision ID: 927f0ec2-3b1a-4a69-9079-299839fcbb4d
Year: 2021
Language: de
Court: AG_VB
Chamber: AG_VB_002
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Das Gericht entnimmt den Akten:
1.
Mit Verfügung vom 20. September 2019 wurde A. von der
Steuerkommission Q. für das Jahr 2018 zu einem steuerbaren Einkommen
von CHF 49'200.00 (satzbestimmendes Einkommen CHF 49'200.00) und
zu einem steuerbaren Vermögen von CHF 0.00 (satzbestimmendes
Vermögen CHF 0.00) veranlagt, wobei der deklarierte Abzug für die
Weiterbildung nicht vollständig gewährt wurde.
2.
Gegen die Veranlagungsverfügung vom 20. September 2019 erhob A. mit
Schreiben vom 18. Oktober 2019 Einsprache. Er beantragte, dass ihm die
Steuerabzüge für die Ausbildung Wirtschaftsinformatik von CHF 15'500.00,
die Prüfungskosten der Abschlussprüfung von CHF 2'900.00 sowie die
Vergütung von Fahrt- und Verpflegungskosten gemäss Stundenplan zu
gewähren seien.
3.
Mit Entscheid vom 20. August 2020 hiess die Steuerkommission Q. die
Einsprache teilweise gut, indem sie Fahrt- und Verpflegungskosten für die
Weiterbildung von CHF 108.00 akzeptierte. Die weitergehenden Anträge
wurden abgewiesen. Das steuerbare Einkommen wurde auf
CHF 49'105.00 festgesetzt.
4.
Den Einspracheentscheid vom 20. August 2020 (Zustellung am 24. Sep-
tember 2020) zog A. mit Rekurs vom 16. Oktober 2020 (Postaufgabe am
15. Oktober 2020) an das Spezialverwaltungsgericht, Abteilung Steuern,
weiter. Er stellte sinngemäss den Antrag, dass ihm der Abzug für die
Weiterbildung zu gewähren sei. Auf die Begründung wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
5.
Das Gemeindesteueramt Q. und das Kantonale Steueramt beantragen die
Abweisung des Rekurses.
6.
A. hat eine Replik erstattet.
7.
Das Spezialverwaltungsgericht hat die Steuerakten 2016 und 2017 von A.
beigezogen.
- 3 -
8.
Aufforderungsgemäss nahm der Rekurrent zum Schreiben des Spezialver-
waltungsgerichts vom 22. Juli 2021 Stellung (Schreiben vom 1. August
2021).
- 4 -

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
Der vorliegende Rekurs betrifft die Kantons- und Gemeindesteuern 2018.
Massgebend für die Beurteilung ist das Steuergesetz vom 15. Dezember
1998 (StG) und die Verordnung zum Steuergesetz vom 11. September
2000 (StGV).
2.
Der Rekurrent führte im Rekurs aus, dass er die Liegenschaftsunterhalts-
kosten in seiner Einsprache nicht erwähnt habe. Er habe den Entscheid
des Steueramtes akzeptiert. Der Rekurs beschränkt sich daher auf die Wei-
terbildungskosten.
3.
In der Steuererklärung 2018 deklarierte der Rekurrent Aus- und Weiterbil-
dungskosten von insgesamt CHF 8'111.00. Die Vorinstanz gewährte einen
Abzug von CHF 4'149.00 (Schulgelder CHF 1'915.00, Prüfungskosten
CHF 1'450.00, Prüfungsdatei CHF 500.00; Fahrtkosten 284.00). Sie führte
dazu aus, dass der damalige Arbeitgeber des Rekurrenten 50 % der Wei-
terbildungskosten übernommen habe. Das vom Arbeitgeber gewährte Dar-
lehen von CHF 8'000.00 werde gemäss dem Darlehensvertrag "mit der gut-
geheissenen Beteiligung an der Weiterbildung" verrechnet. Der Rekurrent
entgegnet, er habe das Darlehen vollständig an seinen ehemaligen Arbeit-
geber zurückbezahlt.
4.
4.1.
Vorliegend geht es um die Beurteilung der geltend gemachten Weiterbil-
dungskosten der Ausbildung "Wirtschaftsinformatiker mit eidg. Fachaus-
weis". Anwendbar ist für die Kantons- und Gemeindesteuern 2018 § 40
Abs. 1 lit. p Ziff. 1 StG in der ab 1. Januar 2016 gültigen Fassung sowie das
Merkblatt "Aus-, Weiterbildungs- und Umschulungskosten" des KStA
(Stand 31. Januar 2016, gültig ab der Steuerperiode 2016).
4.2.
Abzugsfähig sind gemäss § 40 Abs. 1 lit. p Ziff. 1 StG nur die berufsorien-
tierten Aus- und Weiterbildungskosten sowie Umschulungskosten. Ver-
langt wird, dass der Lehrgang, für welchen die Aus- und Weiterbildungs-
kosten aufgewendet werden, einer (aktuellen oder zukünftigen) beruflichen
Tätigkeit dient. Dies ist dann der Fall, wenn der absolvierte Bildungslehr-
gang nach der allgemeinen Lebenserfahrung und dem allgemeinen Lauf
der Dinge für die berufliche Tätigkeit nützlich ist und die gewonnenen Er-
kenntnisse somit im konkreten Fall bei der Arbeit angewendet werden kön-
nen. Es ist unerheblich, ob die berufsorientierte Aus- und Weiterbildung zu
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einer selbständigen oder unselbständigen Erwerbstätigkeit führt. Es spielt
auch keine Rolle, ob die Aus- und Weiterbildung im direkten Zusammen-
hang mit der Erzielung des gegenwärtigen Erwerbseinkommens steht. Die
berufsorientierten Aus- und Weiterbildungskosten berechtigen auch dann
zum Abzug, wenn nach Abschluss der Aus- und Weiterbildung nicht im er-
lernten Beruf gearbeitet wird.
Abzugsberechtigt sind nur diejenigen Kosten, die die steuerpflichtige Per-
son für ihre berufsorientierte Aus- und Weiterbildung bezahlt hat. Nicht ab-
zugsfähig sind Bildungslehrgänge, die der Liebhaberei oder der Selbstfin-
dung dienen, da diese nicht berufsorientiert sind. Berufsorientiert ist ein Bil-
dungslehrgang dann, wenn er zu einer beruflichen Qualifikation führt, auch
wenn die steuerpflichtige Person den neuen Beruf nicht tatsächlich ausübt.
Ein Bildungslehrgang wird demnach als Liebhaberei angesehen, wenn er
zu keiner beruflichen Qualifikation führt und auch nicht berufsorientiert ist.
Eine berufliche Qualifikation liegt vor, wenn die steuerpflichtige Person auf-
grund des absolvierten Bildungslehrgangs dazu befähigt wird, unter Einset-
zung des durch diesen Lehrgang erworbenen Wissens bei einer 100-pro-
zentigen Anstellung die finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen, d.h. fortan
theoretisch in der Lage wäre, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Dieser
Nachweis obliegt der steuerpflichtigen Person. Aus- und Weiterbildungs-
kosten, welche der Arbeitgeber für die steuerpflichtige Person übernimmt,
sind nach der Bestimmung nicht zum Abzug zugelassen. Bezahlt jedoch
die steuerpflichtige Person einen Teil der Gesamtkosten selbst, so ist der
Abzug für diesen Teil der Kosten zulässig (Zweifel/Beusch, Kommentar
zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die Harmonisierung
der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden, Basel 2017, 3. Auflage,
Art. 9 StHG N 56j ff.).
5.
5.1.
Vorliegend ist unbestritten, dass die Kosten der Weiterbildung zum Wirt-
schaftsinformatiker steuerrechtlich zum Abzug zuzulassen sind, da es sich
um eine berufsorientierte Aus- und Weiterbildung handelt, welche die be-
rufliche Flexibilität unterstützt. Es geht nachfolgend lediglich darum zu prü-
fen, in welchem Umfang die Weiterbildungskosten zum Abzug zuzulassen
sind.
5.2.
5.2.1.
Dem Rekurrenten wurde von seiner damaligen Arbeitgeberin C. AG
bestätigt, dass sich diese zu 50 % an der Weiterbildung "Wirt-
schaftsinformatiker mit eidg. Fachausweis" beteiligte. Nach erfolgreichem
Abschluss der Weiterbildung werde die Hälfte der Kosten dem Rekurrenten
zurückerstattet (Schreiben der C. AG vom 20. Juni 2016). Damals wurde
davon ausgegangen, dass die Kurs- und Prüfungsgebühren total ca.
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CHF 15'500.00 betragen würden. Die C. AG bestätigte dem Regionalen
Steueramt S., dass im Jahr 2016 ein Beitrag von CHF 7'750.00 geleistet
worden sei (Bestätigung über Beiträge des Arbeitgebers an Aus- und
Weiterbildung vom 19. September 2017).
Die Rechnungen der D. AG, welche die Weiterbildung anbietet, waren an
den Rekurrenten adressiert und wurden von ihm bezahlt. Der Rekurrent
war demnach für die Weiterbildung vorleistungspflichtig und hätte erst nach
erfolgreichem Abschluss die Hälfte der Kosten von seiner Arbeitgeberin
zurückerstattet erhalten. Insofern ist die Bestätigung der Arbeitgeberin vom
19. September 2017 unzutreffend.
5.2.2.
Die Arbeitgeberin gewährte dem Rekurrenten zu Beginn der Weiterbildung
ein Darlehen von CHF 8'000.00. Im Darlehensvertrag war vereinbart, dass
das Darlehen "bei bestandener Prüfung mit den Rechnungen, die Herr A.
bereits bezahlt hat, verrechnet" werde. Eine allfällige Restschuld werde in
drei Monatsraten zurückbezahlt (Darlehensvertrag vom 6. Juli 2016). Die
Differenz von CHF 250.00 zur Bestätigung vom 19. September 2017,
gemäss welcher ein Beitrag von CHF 7'750.00 ausbezahlt wurde, wird
nicht erklärt, ist jedoch für den vorliegenden Rekurs nicht relevant. Der
Darlehensvertrag spricht aber auch klar dafür, dass der Rekurrent vor Ab-
schluss der Weiterbildung keinerlei Beiträge erhalten hat.
5.2.3.
Der Rekurrent schloss erfolgreich die Weiterbildung ab und hätte das Dar-
lehen der C. AG nicht zurückzahlen müssen. Er bringt allerdings vor, dass
er das Darlehen im Juli 2018 vollumfänglich an die C. AG zurückbezahlt
habe. Dies ist aus den aufgelegten Banküberweisungen sowie der
Lohnabrechnung Juli 2018 ersichtlich und wird auch von der C. AG im E-
Mail vom 3. Februar 2020 bestätigt: "Am 10.07.2018 hat Herr A. den
erhaltenen Betrag von CHF 8'000.00 zurückbezahlt." Weshalb die
Vorinstanz trotzdem davon ausgeht, der Rekurrent habe das Darlehen
nicht zurückbezahlt, ist schleierhaft.
Die C. AG führt weiter aus, dass der Rekurrent den erhaltenen Betrag von
CHF 8'000.00 nicht hätte zurückzahlen müssen, was der Rekurrent
bestätigt (E-Mail vom 27. Mai 2019). Nicht korrekt ist folglich, dass er im
Schreiben an das regionale Steueramt S. noch behauptete, er hätte das
Darlehen zurückzahlen müssen.
Es ist demnach erstellt, dass der Rekurrent das im Jahr 2016 erhaltene
Darlehen für die Weiterbildung im Juli 2018 (freiwillig) zurückbezahlt hat.
- 7 -
5.2.4.
Entgegen der Annahme der Vorinstanz hat sich die C. AG nicht an der
Weiterbildung des Rekurrenten beteiligt. Ebenso erhielt der Rekurrent
keine Beiträge (insbesondere Stipendien oder Darlehen) vom Bund oder
vom Kanton Aargau (vgl. Schreiben vom 1. August 2021). Dem
Rekurrenten ist der Abzug für die Weiterbildung vollständig zu gewähren
(vgl. dazu: Birri Michelle, TREX Der Treuhandexperte 1/2018, S. 34).
Dass die Rückzahlung des Darlehens ohne Rechtsgrund, d.h. freiwillig, ge-
schah, ändert an dieser Einschätzung nichts. Die Weiterbildungskosten
sind unabhängig davon, ob der Arbeitgeber einen Teil davon übernimmt,
im korrespondierenden Umfang zum Abzug zugelassen. Deshalb kann
auch offengelassen werden, aus welchem Grund der Rekurrent das Dar-
lehen zurückzahlen wollte bzw. zurückzahlte.
5.3.
Die Weiterbildung startete im Oktober 2016 und endete im April 2018. Der
Rekurrent deklarierte Kosten für die Weiterbildung in allen drei Jahren, die
jedoch nicht vollständig gewährt wurden. Der Rekurrent ficht im Rekurs le-
diglich die Schulgelder und Prüfungskosten an und macht zu den Fahrtkos-
ten nichts weiter geltend. Der Rekurs ist deshalb auf die Schul- und Prü-
fungskosten zu beschränken. Die Kostenaufstellung sieht folgendermas-
sen aus (alles in CHF):
2016
deklariert gewährt
Schulgelder 2'298.00 877.00
Total 2'298.00 877.00
Aufgrund der aufgelegten Rechnungen betragen die Schulgelder im Jahr
2016 jedoch nur CHF 1'753.00.
2017
deklariert gewährt
Schulgelder 8'445.00 4'223.00
Total 8'445.00 4'223.00
2018
deklariert gewährt (Einspra-
che)
Schulgelder 3'830.00 1'915.00
Prüfungskosten 2'900.00 1'450.00
Total 6'730.00 3'365.00
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Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass der Rekurrent mit der Darlehens-
rückzahlung von CHF 8'000.00 Weiterbildungskosten in diesem Umfang im
Jahr 2018 geleistet hat.
5.4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Rekurrent die Weiterbildung
vollumfänglich selbst bezahlt hat (vgl. Erw. 5.1.4.). Es sind ihm die gesam-
ten Kosten der Weiterbildung (Schul- und Prüfungskosten) von total
CHF 16'928.00 (CHF 1'753.00 + CHF 8'445.00 + CHF 6'730.00) zu gewäh-
ren. Bereits zum Abzug zugelassen wurden CHF 8'465.00 (CHF 877.00 +
CHF 4'223.00 + CHF 3'365.00). Insbesondere unter zusätzlicher Berück-
sichtigung der im 2018 ("Fälligkeit") bezahlten CHF 8'000.00 ist dem Re-
kurrenten deshalb ein Abzug von CHF 8'463.00 (CHF 16'928.00 abzgl.
CHF 8'465.00) zu gewähren.
6.
Zusammenfassend erweist sich der Rekurs als begründet. Das steuerbare
Einkommen von CHF 49'105.00 ist um CHF 8'463.00 zu kürzen und auf
CHF 40'642.00 (gerundet CHF 40'600.00) festzusetzen.
7.
Bei diesem Verfahrensausgang obsiegt der Rekurrent vollumfänglich. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des Rekursverfahrens
auf die Staatskasse zu nehmen (§ 189 Abs. 1 StG). Nicht vertretenen Re-
kurrenten ist keine Parteientschädigung auszurichten (§ 189 Abs. 2 StG).
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