Decision ID: 4ef8d307-17f9-5db5-9b34-99c8d3b2ca5d
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.- X ist die Rechtsvertreterin von A, des Vaters von B (geb. 10. Juli 2015). C ist die
Mutter von B. Die Eltern haben die gemeinsame elterliche Sorge über das Kind. Am 23.
September 2019 stellte A bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Y
den Antrag, es sei ihm die alleinige Obhut über das gemeinsame Kind zuzuweisen. Die
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KESB Y eröffnete gestützt darauf ein Kindesschutzverfahren. Am 30. September 2019
zeigte X bei der KESB Y an, dass A sie mit seiner Interessenwahrung beauftragt habe.
Am 2. Oktober 2019 stellte sie beim Sicherheits- und Justizdepartement (SJD) ein
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung. Mit Verfügung des
Rechtsdienstes des SJD vom 13. November 2019 wurde dieses Gesuch rückwirkend
ab Datum der Antragsstellung für das vor der KESB Y hängige Verfahren betreffend
Kindesschutzmassnahmen für B bewilligt.
B.- Mit Verfügung vom 15. Oktober 2019 errichtete die KESB Y eine Beistandschaft
gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB für B. Am 11. August 2020 wies sie den väterlichen
Antrag auf Umteilung der Obhut ab und verzichtete aufgrund einer Einigung der Eltern
auf eine behördliche Regelung des persönlichen Verkehrs. Gemäss Ziffer 3 wird X mit
Fr. 2'500.– (zuzüglich pauschale Barauslagen von Fr. 100.– und Mehrwertsteuer von Fr.
200.20) zu Lasten des Staates entschädigt. Geltend gemacht hatte sie ein Honorar von
Fr. 6'202.– zuzüglich Barauslagen von Fr. 248.10 und Mehrwertsteuer in der Höhe von
Fr. 496.65 (insgesamt Fr. 6'946.75).
C.- Dagegen erhob X Kostenbeschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission (VRK)
und stellte den Antrag, Ziffer 3 der vorinstanzlichen Verfügung vom 11. August 2020 sei
aufzuheben und der Staat habe sie zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung mit
Fr. 6'946.75 zu entschädigen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Vorinstanz
verzichtete auf eine Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die unentgeltliche
Rechtsvertretung kann die Kürzung der Entschädigung mit Kostenbeschwerde
anfechten (Art. 12 Abs. 1 der Honorarordnung, sGS 963.75, abgekürzt: HonO). Sie lässt
sich jedoch, wie die Rechtsverweigerungsbeschwerde, nur im Rahmen einer
Willkürrüge überprüfen (Art. 12 Abs. 2 HonO i.V.m. Art. 88 ff. des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Die Beschwerdeinstanz kann
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die Entschädigung neu festsetzen, wenn die Sache einfach und spruchreif ist (Art. 12
Abs. 3 HonO). Zuständig für Beschwerden gegen Verfügungen der KESB ist die
Verwaltungsrekurskommission (Art. 41 VRP; Art 27 Abs. 1 des Einführungsgesetzes
zum Kindes- und Erwachsenenschutzrecht, sGS 912.5, abgekürzt: EG-KES). Die
Bestimmungen über das Rekursverfahren werden sachgemäss angewendet, soweit
das ZGB (SR 210) oder das EG-KES keine Regelung enthält (Art. 11 lit. a EG-KES). Die
Beschwerde vom 11. September 2020 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt die
gesetzlichen Anforderung in formeller und inhaltlicher Hinsicht (Art. 450 ff. ZGB, Art. 48
VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.- Angefochten ist Ziffer 3 der vorinstanzlichen Verfügung vom 11. August 2020,
womit der Beschwerdeführerin als Entschädigung für die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung ein Betrag von Fr. 2'500.– (zuzüglich pauschale Barauslagen
von Fr. 100.– und Mehrwertsteuer von Fr. 200.20) zugesprochen wurde.
a) aa) Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Entscheid, dass ein Aufwand von rund
31 Stunden für den vorliegenden Fall massiv übersetzt erscheine. Die
Gesprächsführung mit dem Klienten dürfte zwar anspruchsvoll gewesen sein und die
Erstellung des Sachverhalts viel Zeit in Anspruch genommen haben. Die rechtlichen
Gegebenheiten seien jedoch nicht komplex gewesen. Die Beschwerdeführerin habe
keine ausführlichen Rechtsschriften eingereicht und habe sich auch mit den materiellen
Grundlagen nicht auseinandersetzen müssen. Auch der Aktenumfang sei überschaubar
gewesen.
bb) Die Beschwerdeführerin brachte vor, der Argumentation der Vorinstanz könne nicht
gefolgt werden. Sie habe am 25. Mai 2020 eine Kostennote mit detailliertem
Stundenaufschrieb eingereicht. Die Aufwendungen seien bis auf 2,5 Minuten genau
ausgewiesen. Es sei stets ersichtlich, welche Arbeiten geleistet und wofür das Honorar
geltend gemacht worden seien. Eine pauschale Ablehnung der Positionen könne nicht
zulässig sein. Gemäss Rechtsprechung sowohl des Verwaltungsgerichts als auch des
Kantonsgerichts müsse die Abweisung detailliert begründet werden. Die Kürzung sei zu
begründen. Die Situation sei derart gewesen, dass der Vater aufgrund der
Vorkommnisse stark traumatisiert gewesen sei. Sodann sei auch die Erstellung des
Sachverhalts schwierig gewesen, da der Vater ihr zu Beginn nur zusammenhangslose
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Details mitgeteilt habe. Die von der Vorinstanz zugesprochene Entschädigung
entspreche einem Aufwand von rund 11 Stunden. Mit dieser Reduktion habe sie ihr
Ermessen eindeutig überschritten. Allein der Aufwand für die zwei Besprechungen bei
der KESB habe 7,25 Stunden betragen. Sodann seien zahlreiche Telefonate mit der
Betreuerin des Kindes im Frauenhaus geführt worden. Weiter sei bei ihrem Klienten ein
hoher Aufklärungsbedarf vorhanden gewesen. Auch die Beiständin habe den Vater zu
Beginn nicht erreicht, was ihre Unterstützung erfordert habe. Entgegen den
Ausführungen der Vorinstanz seien die rechtlichen Gegebenheiten anfänglich sehr wohl
komplex gewesen. Es sei die Obhut in Frage gestanden.
b) In erstinstanzlichen Verfahren werden nur ausnahmsweise ausseramtliche Kosten
zugesprochen (Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP). Im Verfahren vor Verwaltungsbehörden
bewilligt das zuständige Departement die unentgeltliche Rechtspflege und die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung (Art. 99 Abs. 3 VRP). Die Vorschriften der ZPO
(SR 272) über die unentgeltliche Rechtspflege finden sachgemäss Anwendung (Art. 99
Abs. 2 VRP). Dabei wird die Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten
(sGS 963.75, abgekürzt: HonO) angewendet (Art. 30 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 des
Anwaltsgesetzes, sGS 963.70, abgekürzt: AnwG). Gemäss Art. 10 Abs. 1 HonO wird
das Honorar der unentgeltlichen Rechtsvertretung in Familien- und Strafsachen sowie
der amtlichen Verteidigung grundsätzlich als Pauschale bemessen. In
aussergewöhnlich aufwendigen Fällen kann das Honorar um höchstens 50 Prozent
erhöht werden (Art. 10 Abs. 2 HonO). Besteht zwischen dem erweiterten Honorar und
den notwendigen Bemühungen der Rechtsvertretung ein offensichtliches
Missverhältnis, kann das Honorar nach Zeitaufwand bemessen werden (Art. 10 Abs. 3
HonO). Vor Verwaltungsbehörden beträgt das Honorar pauschal Fr. 500.– bis Fr.
6'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. a HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das Honorar nach
den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der
Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten,
festgesetzt (Art. 19 HonO und Art. 31 Abs. 1 und 2 des AnwG). Die Pauschale ist
Ausdruck des für bestimmte Fallgruppen als üblich betrachteten Aufwands. Bei
unentgeltlicher Prozessführung wird das Honorar um einen Fünftel herabgesetzt (Art.
31 Abs. 3 AnwG). Der Kostenrahmen für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im
Verfahren vor der KESB beträgt somit Fr. 400.– bis Fr. 4'800.–. Dabei werden nur die
für die Wahrung der Rechte des Klienten notwendigen Aufwendungen vergütet, die im
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Zusammenhang mit dem laufenden Verfahren zielgerichtet erfolgt sind. Moralische
Unterstützungen, psychologische Betreuung oder allgemeine Lebenshilfe der
vertretenen Partei gehören in der Regel nicht zum notwendigen Aufwand. Eine solche
Funktion müsste der Anwalt ablehnen, oder aber sich bewusst sein, dass er dafür vom
Staat nicht entschädigt wird. Das Honorar ist aber so festzusetzen, dass die
unentgeltliche Rechtsvertretung über den Handlungsspielraum verfügt, den sie zur
wirksamen Ausübung des Mandats benötigt (BSK ZPO-Rüegg/Rüegg, Art. 122 N 7;
Bundesgerichtsurteil [BGer] 5A_157/2015, E. 3.2.1).
c) Bei der Durchsicht des vorinstanzlichen Aktendossiers fällt auf, dass sich darin keine
grösseren Rechtsschriften der Beschwerdeführerin befinden. Zudem handelt es sich
um ein überschaubares Aktendossier. Aufwändige Abklärungen wurden von der KESB
nicht getroffen. Im Wesentlichen hat sich der Aufwand der Beschwerdeführerin auf eine
Stellungnahme zur Errichtung einer Beistandschaft per Mail vom 1. Oktober 2019, die
Teilnahme an der Anhörung des Vaters vor der KESB vom 2. Oktober 2019, die
Sichtung der vorinstanzlichen Verfügung vom 15. Oktober 2019 betreffend
Beistandschaft sowie deren Besprechung mit dem Klienten, ein Schreiben betreffend
zwei Gespräche ihres Klienten mit der Beiständin und der Mutter im Zusammenhang
mit der Betreuungsregelung an die KESB vom 2. Dezember 2019, ein weiteres kurzes
Schreiben an die KESB mit der Aufforderung, den Vater mehr einzubeziehen, vom 23.
Dezember 2019, eine Mail vom 27. Januar 2020 über einen Vorfall anlässlich einer
Kinderübergabe, ein Gespräch bei der KESB am 12. Februar 2020 sowie diverse
Kontakte mit dem Klienten beschränkt. Die Kontakte, die die Beschwerdeführerin zum
Frauenhaus pflegte, sowie entsprechende Vermittlungen über kurzfristige Regelungen
der Betreuungszeiten, beziehen sich jedoch nicht direkt auf das Verfahren vor der
KESB, für welches sie die unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt erhielt. Es
handelt sich dabei nicht um Aufwendungen im Rahmen der Prozessvertretung, womit
sie nicht entschädigungspflichtig sind. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
und Rechtsverbeiständung gilt sodann als derart einfach, dass dafür eine
unentgeltliche Rechtsvertretung ausgeschlossen ist (Richtlinien des Kantonsgerichts
zur unentgeltlichen Rechtspflege im Zivilprozess und für die Privatklägerschaft im
Strafprozess vom Mai 2011). Der Aufwand für das Gesuch an das SJD vom 2. Oktober
2019 ist somit ebenfalls nicht entschädigungspflichtig.
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Aus den Unterlagen ist ersichtlich, dass der Betreuungsaufwand bei der vorliegenden
Klientschaft hoch gewesen sein muss. Zudem dürfte unter anderem gerade die
Rechtsverbeiständung des Vaters dazu geführt haben, dass sich die Lage zusehends
beruhigte und hinsichtlich des persönlichen Verkehrs eine einvernehmliche Regelung
zwischen den Eltern getroffen werden konnte. Auf der anderen Seite war die rechtliche
Problematik nicht anspruchsvoll. Gegen die Beistandschaft hatte die
Beschwerdeführerin nichts einzuwenden. Die Problematik betreffend die
Betreuungszeiten erledigte sich einvernehmlich. Aufwändige Rechtsschriften erübrigten
sich. Die Rechtsvertreterin war vom 1. Oktober 2019 bis am 25. Mai 2020, also
während rund acht Monaten, in das Verfahren involviert. Unter Beachtung sämtlicher
Umstände erscheint der vorliegende Fall nicht als überdurchschnittlich aufwändig. Im
Vergleich zu anderen Fällen wäre es nicht verhältnismässig, an den oberen Rand des
Kostenrahmens zu gehen.
Das von der Vorinstanz zugesprochene Honorar von Fr. 2'500.– (zuzüglich Barauslagen
von Fr. 100.– und Mehrwertsteuer von Fr. 200.20) entspricht einem Aufwand von rund
12,5 Stunden. Nach Abzug der beiden Anhörungen von 7,25 Stunden blieben gerade
noch gut fünf Stunden für die übrigen anwaltlichen Bemühungen übrig. Dies kann für
eine gehörige Interessenwahrung nicht genügen. Die Vorinstanz hat damit ihr Ermessen
in willkürlicher Weise unterschritten. Um die voranstehend aufgeführten Positionen
pflichtgemäss und zielgerichtet auszuführen, ist neben den Anhörungen ein weiterer
Aufwand von gut 10 Stunden angemessen. Bei der vorliegenden Ausgangslage
erscheint die Sache im Sinne von Art. 12 Abs. 3 HonO als einfach und spruchreif,
weshalb die VRK die Entschädigung neu festsetzen kann. Insgesamt ist ein Honorar
von Fr. 3'600.– gerechtfertigt. Die Beschwerde ist folglich teilweise gutzuheissen, die
vorinstanzliche Verfügung in Ziffer 3 aufzuheben und die Beschwerdeführerin mit Fr.
3'600.– (zuzüglich pauschale Barauslagen von Fr. 144.– und Mehrwertsteuer von Fr.
288.30) zu Lasten des Staats zu entschädigen.
3.- Die amtlichen Kosten werden nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt (Art. 95 Abs.
1 VRP). Eine Gebühr von Fr. 1'000.– erscheint als angemessen (Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Da die Beschwerdeführerin zu rund drei
Vierteln unterliegt, sind ihr Fr. 750.– aufzuerlegen. Vom Gemeinwesen werden, wenn es
nicht überwiegend finanzielle Interessen verfolgt, in der Regel keine amtlichen Kosten
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erhoben (Art. 95 Abs. 3 VRP). Auf die Erhebung der Fr. 250.– bei der Vorinstanz ist
deshalb zu verzichten. Der Kostenvorschuss von Fr. 1'000.– wird verrechnet und im
Restbetrag von Fr. 250.– der Beschwerdeführerin zurückerstattet. Bei diesem
Verfahrensausgang entfällt eine Entschädigung ausseramtlicher Kosten. Im Übrigen
würde für die Anwältin, die in eigener Sache auftritt, ohnehin höchstens eine
Umtriebsentschädigung in Betracht fallen (BSK ZPO-Rüegg/Rüegg, Art. 95 N 21 f.).