Decision ID: 3c6f4ff0-05bc-5d50-a310-2b1a0c6ed90e
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die am (...) 1955 geborene Schweizer Bürgerin A._ (nachfolgend
Versicherte oder Beschwerdeführerin), wohnhaft in der Türkei, war vom
1. Januar 1988 bis zum 31. Mai 2019 – grösstenteils als Auslandschweize-
rin freiwillig – bei der schweizerischen Alters-, Hinterlassenen- und Invali-
denversicherung (AHV/IV) versichert (Akten der Schweizerischen Aus-
gleichskasse [SAK-act.] 102; 104; 105; 106 S. 5-6). Aus der 1987 ge-
schlossenen Ehe mit B._, geboren am (...) 1959, Schweizer Bürger
mit Wohnsitz in der Schweiz, hat sie zwei Kinder, welche 1987 und 1990
geboren wurden (SAK-act. 50 S. 1; 104 S. 1).
B.
B.a Die Versicherte verlangte am 13. September 2012 eine Rentenvoraus-
berechnung (SAK-act. 48). Mit Schreiben vom 4. Dezember 2012 teilte ihr
die Schweizerische Ausgleichskasse (nachfolgend Vorinstanz oder SAK)
mit, dass sie ab 1. Juni 2019 Anspruch auf eine Rente in der Höhe von
Fr. 860.- pro Monat habe, ab 1. Mai 2024 aufgrund des Versicherungsfalls
des Ehemanns schliesslich Fr. 1'178.- pro Monat (SAK-act. 52).
B.b Am 30. September 2018 stellte die Versicherte bei der SAK ein Ge-
such um Ausrichtung einer Altersrente (SAK-act. 94).
B.c Mit Verfügung vom 17. Mai 2019 sprach die SAK der Versicherten mit
Wirkung ab 1. Juni 2019 eine ordentliche Altersrente in der Höhe von
Fr. 862.- monatlich zu. Der Rentenberechnung legte sie eine anrechenbare
Beitragsdauer von 31 Jahren, bei einer gesamten Beitragsdauer des Jahr-
ganges von 43 Jahren, die Anwendung der Rentenskala 32, Erziehungs-
gutschriften für die Dauer von 9.5 Jahren sowie ein massgebendes durch-
schnittliches Jahreseinkommen von Fr. 14'220.- zugrunde (SAK-act. 106).
B.d Am 27. Mai 2019 erhob die Versicherte Einsprache gegen die Renten-
verfügung. Sie machte geltend, dass sie die Berechnung nicht nachvollzie-
hen könne. Das massgebliche durchschnittliche Jahreseinkommen werde
mit Fr. 14'220.- angegeben. Ihr Ehemann habe zwischen 1988 und 2019
ein beitragspflichtiges Einkommen von ungefähr Fr. 1'835'663.- erzielt,
dies ergebe ein durchschnittliches Jahreseinkommen von Fr. 59'215.-.
Weiter verwies sie darauf, dass die Einkommen ungeteilt anzurechnen
seien, wenn nur ein Ehegatte rentenberechtigt sei, der andere jedoch noch
nicht. Ausserdem seien ihr 9.5 Jahre Erziehungsgutschriften anzurechnen.
C-4370/2019
Seite 3
Sie bat aus diesen Gründen um eine detaillierte Kalkulation (SAK-
act. 107).
B.e Die Vorinstanz wies die Einsprache der Versicherten mit Einsprache-
entscheid vom 31. Juli 2019 im Wesentlichen mit der Begründung ab, die
Rentenberechnung sei laut ihrer erneuten Prüfung der Berechnungsgrund-
lagen korrekt ausgefallen. Aufgrund einer nur unvollständigen Beitrags-
dauer von insgesamt 31 Jahren bestehe lediglich ein Anspruch auf eine
Teilrente in Anwendung der Rentenskala 32. Das durchschnittliche Jahres-
einkommen berechne sich aufgrund der Summe des Erwerbseinkommens
im individuellen Konto (IK), welche Fr. 20'263.- betrage. Die Einkom-
mensteilung sei vorliegend noch nicht vorgenommen worden, weil der Ver-
sicherungsfall beim Ehemann noch nicht eingetreten sei. Die Summe die-
ser Einkommen werde aufgewertet und anschliessend durch die Anzahl
der Beitragsmonate geteilt und mit zwölf multipliziert. Anschliessend seien
die Erziehungsgutschriften, welche bei verheirateten Eltern hälftig aufzu-
teilen seien, hinzuzurechnen. Hieraus ergebe sich der Betrag von
Fr. 14'220.-. In Anwendung der Rentenskala 32 ergebe sich entsprechend
eine monatliche Altersrente von Fr. 862.- (SAK-act. 116).
C.
C.a Am 28. August 2019 erhob die Beschwerdeführerin, vertreten durch
ihren Ehemann B._, Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht
gegen den Einspracheentscheid der Vorinstanz und beantragte die Über-
prüfung ihrer Altersrente. Sie begründete ihre Beschwerde zusammenge-
fasst damit, dass bei der Berechnung des massgebenden durchschnittli-
chen Einkommens falsche Parameter verwendet worden seien. Sie habe
ihrer Meinung nach Anrecht auf das minimale durchschnittliche Einkom-
men von Fr. 14'220.- sowie Erziehungsgutschriften. Daraus resultiere letzt-
lich eine (monatliche) Rente von Fr. 1'063.- (Beschwerdeakten [B-act.] 1).
C.b Mit Vernehmlassung vom 16. Oktober 2019 beantragte die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des angefochtenen
Einspracheentscheids. Zur Begründung verwies sie auf die anwendbaren
Rentenberechnungsgrundsätze und führte die einzelnen Berechnungs-
schritte erneut detailliert aus (B-act. 5).
C.c Am 22. Oktober 2019 bot das Bundesverwaltungsgericht der
Beschwerdeführerin die Gelegenheit, bis zum 21. November 2019 eine
C-4370/2019
Seite 4
Replik einzureichen (B-act. 6), wovon diese in der Folge jedoch keinen
Gebrauch machte.
C.d Mit Verfügung vom 3. Januar 2020 schloss das Bundesverwaltungs-
gericht den Schriftenwechsel ab, mit dem Hinweis, dass die Mandatierung
der Schweizerischen Post mit einem Rückbehaltungsauftrag die rechtsgül-
tige Zustellung der Postsendung und den Fristenlauf nicht hindere und die
Beschwerdeführerin innert Frist keine Replik eingereicht habe (B-act. 8).
D.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird
– soweit erforderlich – im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einge-
gangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 85bis
Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVG, SR 831.10) beurteilt das Bundesver-
waltungsgericht Beschwerden von Personen im Ausland gegen Verfügun-
gen der SAK. Es liegt keine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vor. Das
Bundesverwaltungsgericht ist somit zur Beurteilung der Beschwerde zu-
ständig.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfah-
ren (VwVG, SR 172.021), soweit das VGG nichts anderes bestimmt
(Art. 37 VGG). Gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG findet das VwVG keine An-
wendung in Sozialversicherungsrechtssachen, soweit das Bundesgesetz
vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-
rechts (ATSG, SR 830.1) anwendbar ist. Gemäss Art. 1 Abs. 1 AHVG sind
die Bestimmungen des ATSG auf die im ersten Teil geregelte Alters- und
Hinterlassenenversicherung anwendbar, soweit das AHVG nicht ausdrück-
lich eine Abweichung vom ATSG vorsieht.
1.3 Die Beschwerdeführerin ist durch den angefochtenen Einspracheent-
scheid vom 31. Juli 2019 berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an
C-4370/2019
Seite 5
dessen Aufhebung oder Änderung, so dass sie im Sinne von Art. 59 ATSG
beschwerdelegitimiert ist.
1.4 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (vgl. Art. 60
Abs. 1 ATSG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), weshalb darauf einzutreten ist.
2.
2.1 Gemäss den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln finden in
formell-rechtlicher Hinsicht mangels anderslautender Übergangsbestim-
mungen grundsätzlich diejenigen Rechtssätze Anwendung, welche im Zeit-
punkt der Beschwerdebeurteilung Geltung haben (BGE 130 V 1 E. 3.2).
2.2 In materiell-rechtlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechts-
sätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden
Sachverhalts Geltung haben (BGE 130 V 329 E. 2.3).
2.3 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdever-
fahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs
oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes sowie Unangemes-
senheit des Entscheides rügen (Art. 49 VwVG).
2.4 Gemäss Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei der
Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des
Erlasses des streitigen Entscheides (hier: 31. Juli 2019) eingetretenen
Sachverhalt ab (BGE 129 V 1 E. 1.2 m.H.). Tatsachen, die jenen Sachver-
halt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen
Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b m.H.).
3.
Anfechtungsobjekt der Beschwerde und damit Begrenzung des Streitge-
genstandes (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet der Einspracheentscheid
vom 31. Juli 2019, mit welchem die SAK der Beschwerdeführerin die mit
Wirkung ab 1. Juni 2019 zugesprochene monatliche AHV-Rente von
Fr. 862.- bestätigt hat. Der Rentenbeginn ist im vorliegenden Beschwerde-
verfahren nicht umstritten. Streitig und vom Bundesverwaltungsgericht zu
prüfen ist demgegenüber, ob die Vorinstanz die Rentenhöhe in Anwendung
der massgeblichen Vorschriften in Gesetz und Verordnung korrekt berech-
net hat.
C-4370/2019
Seite 6
4.
Zunächst sind die anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen und die von
der Rechtsprechung entwickelten Grundsätze darzulegen.
4.1 Die Beschwerdeführerin ist Schweizer Staatsangehörige mit Wohnsitz
in der Türkei, sodass sich ihre Ansprüche gegenüber der AHV nach
Schweizer Recht bestimmen (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
[BVGer] B-2096/2011 vom 21. Oktober 2013 E. 3.1), insbesondere nach
dem AHVG (in der Fassung vom 1. Juni 2019), der Verordnung vom
31. Oktober 1947 über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV,
SR 831.101; in der Fassung vom 1. Mai 2019), der Verordnung über die
freiwillige Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung für Ausland-
schweizer (VFV, SR 831.111; in der Fassung vom 1. Januar 2019), dem
ATSG sowie der Verordnung vom 11. September 2002 über den Allgemei-
nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV, SR 830.11).
4.2 Frauen haben Anspruch auf eine ordentliche Altersrente, sofern sie das
64. Altersjahr vollendet haben und ihnen für mindestens ein volles Jahr
Einkommen, Erziehungs- oder Betreuungsgutschriften angerechnet wer-
den können (Art. 21 Abs. 1 Bst. b i.V.m. Art. 29 Abs. 1 AHVG). Der An-
spruch auf die Altersrente entsteht am ersten Tag des Monats, welcher der
Vollendung des gemäss Absatz 1 massgebenden Altersjahres folgt (Art. 21
Abs. 2 AHVG).
4.3 Die ordentlichen Renten der AHV gelangen als Vollrenten oder Teilren-
ten zur Ausrichtung, wobei Anspruch auf die volle Rente besteht, wenn die
Beitragsdauer vollständig ist (Art. 29 Abs. 2 AHVG). Die Beitragsdauer ist
vollständig, wenn eine Person gleich viele Beitragsjahre aufweist wie ihr
Jahrgang (Art. 29ter Abs. 1 AHVG). Die ordentlichen Renten werden ge-
mäss Art. 29bis Abs. 1 AHVG nach Massgabe der Beitragsjahre, Erwerbs-
einkommen sowie der Erziehungs- oder Betreuungsgutschriften der ren-
tenberechtigten Person zwischen dem 1. Januar nach Vollendung des
20. Altersjahres und dem 31. Dezember vor Eintritt des Versicherungsfal-
les (Rentenalter oder Tod) berechnet. Als Beitragsjahre gelten gemäss
Abs. 2 Zeiten, in welchen eine Person Beiträge geleistet hat (Bst. a), in
welchen der Ehegatte gemäss Art. 3 Abs. 3 mindestens den doppelten
Mindestbeitrag entrichtet hat (Bst. b) oder für die Erziehungs- oder Betreu-
ungsgutschriften angerechnet werden können (Bst. c). Ein volles Beitrags-
jahr liegt gemäss Art. 50 Abs. 1 AHVV vor, wenn eine Person insgesamt
länger als elf Monate im Sinne von Art. 1a oder 2 AHVG versichert war und
während dieser Zeit den Mindestbeitrag bezahlt hat oder Beitragszeiten im
C-4370/2019
Seite 7
Sinne von Art. 29ter Abs. 2 Bst. b und c AHVG aufweist. Bei unvollständiger
Beitragsdauer (weniger als 43 Jahre für Frauen) besteht Anspruch auf eine
Teilrente entsprechend dem gerundeten Verhältnis zwischen den vollen
Beitragsjahren der versicherten Person und denjenigen ihres Jahrganges
(Art. 29 Abs. 2 Bst. b AHVG; Art. 38 Abs. 2 AHVG; vgl. zur Abstufung der
Teilrenten in Prozenten der Vollrente: Art. 52 Abs. 1 und Abs. 1bis AHVV so-
wie Rententabellen 2019 [AHV/IV] des Bundesamtes für Sozialversiche-
rungen [BSV], S. 8, gültig ab 1. Januar 2019, www.bsv.admin.ch > Publi-
kationen & Service > Weisungen, Kreisschreiben etc. > Vollzug Sozialver-
sicherungen > AHV > Grundlagen AHV > Weisungen Renten > Rententa-
bellen, abgerufen am: 16.3.2021; BGE 121 V 71 E. 1; zum Stellenwert die-
ser Verwaltungsweisung vgl. BGE 140 V 314 E. 3.3).
4.4 Innerhalb der anwendbaren Rentenskala (Art. 52 AHVV) bestimmt sich
der Rentenbetrag nach dem durchschnittlichen Jahreseinkommen. Dieses
setzt sich zusammen aus den Erwerbseinkommen, den Erziehungs- und
den Betreuungsgutschriften (Art. 29quater AHVG). Weil die Beiträge während
einer langen Beitragskarriere zum Nominalbetrag bezahlt worden sind,
wird die Summe der Erwerbseinkommen entsprechend dem Rentenindex
aufgewertet (Art. 30 Abs. 1 AHVG). Das BSV legt die Faktoren für die Auf-
wertung der Summe der Erwerbseinkommen nach Art. 30 Abs. 1 AHVG
jährlich fest (Art. 51bis Abs. 1 AHVV). Gemäss Art. 51bis Abs. 2 AHVV wer-
den die Aufwertungsfaktoren ermittelt, indem der Rentenindex nach
Art. 33ter Abs. 2 AHVG durch den mit 1,1 gewichteten Durchschnitt der
Lohnindizes aller Kalenderjahre von der ersten Eintragung in das individu-
elle Konto (IK) des Versicherten bis zum Vorjahr des Eintritts des Versiche-
rungsfalles geteilt wird. Bei unvollständiger Beitragsdauer ist das Kalender-
jahr für den Aufwertungsfaktor massgebend, in welchem erstmals ein IK-
Eintrag vorgenommen wurde, wobei dieses Jahr zwischen dem der Zu-
rücklegung des 20. Altersjahres folgenden Jahr und dem Eintritt des Versi-
cherungsfalles liegen muss (vgl. dazu Art. 29bis Abs. 2 AHVG i.V.m.
Art. 51bis Abs. 2 AHVV sowie Wegleitung über die Renten [RWL] in der Eid-
genössischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, gültig ab
1. Januar 2003, Stand: 1. Januar 2019, Rz. 5305). Die Summe der aufge-
werteten Erwerbseinkommen sowie die Erziehungs- oder Betreuungsgut-
schriften werden durch die Anzahl der Beitragsjahre geteilt (Art. 30 Abs. 1
Satz 1 und Abs. 2 AHVG, Art. 51bis Abs. 1 AHVV).
Verheiratete Personen, die nie persönlich Beiträge entrichtet haben, deren
Ehegatte aber während der Zeit, während der sie versichert waren, den
doppelten Mindestbeitrag entrichtet hat und denen weder Erziehungs-
C-4370/2019
Seite 8
noch Betreuungsgutschriften angerechnet werden können, weisen als
Erstrentenberechtigte ein massgebendes durchschnittliches Jahresein-
kommen von null Franken auf (RWL Rz. 5104).
4.5 Einkommen, welche die Ehegatten während der Kalenderjahre der ge-
meinsamen Ehe erzielt haben, werden geteilt und je zur Hälfte den beiden
Ehegatten angerechnet. Die Einkommensteilung (Splitting) wird vorgenom-
men: a) wenn beide Ehegatten rentenberechtigt sind; b) wenn eine verwit-
wete Person Anspruch auf eine Altersrente hat; c) bei Auflösung der Ehe
durch Scheidung (Art. 29quinquies Abs. 3 AHVG). Der Teilung und der gegen-
seitigen Anrechnung unterliegen jedoch nur Einkommen: a) aus der Zeit
zwischen dem 1. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahres und dem
31. Dezember vor Eintritt des Versicherungsfalles beim Ehegatten, welcher
zuerst rentenberechtigt wird; und b) aus Zeiten, in denen beide Ehegatten
in der schweizerischen Alters- und Hinterlassenenversicherung versichert
gewesen sind (Art. 29quinquies Abs. 4 AHVG). Absatz 4 ist nicht anwendbar
für das Kalenderjahr, in dem die Ehe geschlossen oder aufgelöst wird
(Art. 29quinquies Abs. 4 AHVG). Die Einkommen von Ehepaaren werden in
jedem Kalenderjahr, in dem beide Ehegatten in der AHV versichert gewe-
sen sind, hälftig geteilt, jedoch nicht im Jahr der Eheschliessung und im
Jahr der Auflösung der Ehe (Art. 50b Abs. 1 und 3 AHVV).
4.6 Versicherten wird für die Jahre, in welchen sie die elterliche Gewalt
über eines oder mehrere Kinder ausüben, die das 16. Altersjahr noch nicht
erreicht haben, eine Erziehungsgutschrift angerechnet, wobei Ehepaaren
nicht zwei Gutschriften kumulativ gewährt werden (Art. 29sexies Abs. 1
AHVG). Die Erziehungsgutschrift entspricht dem Betrag der dreifachen mi-
nimalen jährlichen Altersrente gemäss Art. 34 AHVG im Zeitpunkt der Ent-
stehung des Rentenanspruchs (Art. 29sexies Abs. 2 AHVG). Im Jahr 2019
beläuft sich der Betrag der minimalen monatlichen Altersrente auf
Fr. 1‘185.- (Art. 3 Abs. 1 der Verordnung 19 über Anpassungen an die
Lohn- und Preisentwicklung bei der AHV/IV/EO [SR 831.108]) und die (un-
geteilte) Erziehungsgutschrift mithin auf Fr. 42’660.- (3 x 12 x Fr. 1‘185.-).
Bei verheirateten Personen wird die Erziehungsgutschrift während der Ka-
lenderjahre der Ehe hälftig aufgeteilt. Der Teilung unterliegen aber nur die
Gutschriften für die Zeit zwischen dem 1. Januar nach Vollendung des
20. Altersjahres und dem 31. Dezember vor Eintritt des Versicherungsfal-
les beim Ehegatten, welcher zuerst rentenberechtigt wird (Art. 29sexies
Abs. 3 AHVG). Erziehungsgutschriften können nur dann angerechnet wer-
den, wenn die Eltern im Sinne von Art. 1a Abs. 1 - 4 oder Art. 2 AHVG ver-
sichert waren (RWL Rz. 5419 1/16). Erziehungsgutschriften werden immer
C-4370/2019
Seite 9
für ganze Kalenderjahre angerechnet. Während des Jahres, in dem der
Anspruch entsteht, werden keine Gutschriften angerechnet. Im Jahr, in
dem der Anspruch erlischt, werden Gutschriften angerechnet (Art. 52f
Abs. 1 AHVV).
Der Durchschnitt der Erziehungsgutschriften ergibt sich aus der Division
der anrechenbaren Erziehungsgutschriften durch die für die Ermittlung des
Durchschnitts aus Erwerbseinkommen massgebende Beitragsdauer
(Rz. 5486 1/16 RWL).
4.7 Hinsichtlich der Dauer der Beitragsleistung und der Höhe der Beiträge
wird grundsätzlich auf die individuellen Konten (IK) abgestellt, welche für
jeden beitragspflichtigen Versicherten geführt und in welche die entspre-
chenden Daten eingetragen werden (vgl. Art. 30ter AHVG; Art. 137 ff.
AHVV). Der Versicherte hat das Recht, bei jeder Ausgleichskasse, die für
ihn ein individuelles Konto führt, einen Auszug über die darin gemachten
Eintragungen unter Angabe allfälliger Arbeitgeber zu verlangen (Art. 141
Abs. 1 AHVV). Wird kein Kontenauszug oder keine Berichtigung verlangt,
oder wird das Berichtigungsbegehren abgelehnt, so kann bei Eintritt des
Versicherungsfalles die Berichtigung von Eintragungen im individuellen
Konto nur verlangt werden, soweit deren Unrichtigkeit offenkundig ist oder
dafür der volle Beweis erbracht wird (Art. 141 Abs. 3 AHVV). Das gilt nicht
nur für unrichtige, sondern auch für unvollständige bzw. fehlende Eintra-
gungen in den IK (BGE 117 V 261 E. 3a). Der geforderte volle Beweis
schliesst den Untersuchungsgrundsatz nicht aus. Der Mitwirkungspflicht
des Betroffenen kommt jedoch ein erhöhtes Gewicht zu. Im Fall der Be-
weislosigkeit fällt der Entscheid zu Ungunsten jener Partei aus, die daraus
Rechte ableiten will (BGE 117 V 261 E. 3b-d m.H.).
5.
5.1 Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwerde geltend, dass bei
der Berechnung des massgebenden durchschnittlichen Einkommens fal-
sche Parameter verwendet worden seien. Sie sei nie erwerbstätig gewe-
sen und habe vor allem von den geleisteten Beiträgen ihres Ehemannes
profitiert. Ihr Ehemann sei nur kurzfristig arbeitslos gewesen und habe ge-
ringfügige Beiträge einbezahlt. Um diese minderen Beiträge auszuglei-
chen, habe sie eigene freiwillige Zahlungen an die AHV geleistet. Diese
Beiträge würden ihr nun von der SAK als Einkommen hochgerechnet. Sie
habe ihrer Meinung nach Anrecht auf das minimale durchschnittliche Ein-
kommen von Fr. 14'220.- sowie Erziehungsgutschriften. Daraus resultiere
C-4370/2019
Seite 10
ein massgebendes durchschnittliches Einkommen von Fr. 26'885.- und
letztendlich eine (monatliche) Rente von Fr. 1'063.-.
5.2 Dagegen wendet die Vorinstanz zusammenfassend ein, aufgrund einer
nur unvollständigen Beitragsdauer von insgesamt 31 Jahren bestehe le-
diglich ein Anspruch auf eine Teilrente in Anwendung der Rentenskala 32.
Das durchschnittliche Jahreseinkommen berechne sich aufgrund der
Summe des Erwerbseinkommens im individuellen Konto (IK), welche vor-
liegend gemäss den registrierten Einträgen zwischen 1987 und 2019
Fr. 20'263.- betrage. Die Einkommensteilung sei vorliegend noch nicht vor-
genommen worden, weil der Versicherungsfall beim Ehemann noch nicht
eingetreten sei. Die ermittelte Erwerbssumme der Beschwerdeführerin
werde mit dem Faktor 1.000 aufgewertet und anschliessend durch die An-
zahl der Beitragsmonate geteilt und mit zwölf multipliziert. Anschliessend
seien die Erziehungsgutschriften, welche bei verheirateten Eltern hälftig
aufzuteilen seien, hinzuzurechnen. Konkret habe die Beschwerdeführerin
Anspruch auf 19 halbe, das heisst 8.5 [recte: 9.5] ganze Erziehungsgut-
schriften. Aus alledem ergebe sich als massgebendes durchschnittliches
Jahreseinkommen der Betrag von Fr. 14'220.-. In Anwendung der Renten-
skala 31 [recte: 32] betrage die monatliche Altersrente somit Fr. 862.-.
5.3 Der Rentenbeginn fällt vorliegend auf den 1. Juni 2019, das heisst auf
den ersten Tag des Monats, welcher der Vollendung des 64. Altersjahres
am (...) 2019 folgt (Art. 21 Abs. 1 Bst. b AHVG). Ab diesem Zeitpunkt wird
der Beschwerdeführerin die AHV-Rente ausgerichtet. Die Verfügung und
der angefochtene Einspracheentscheid vom 31. Juli 2019 sind in Bezug
auf den per 1. Juni 2019 festgesetzten Rentenbeginn korrekt und nicht zu
beanstanden.
5.4 Die im IK-Auszug angeführten Versicherungszeiten sind vorliegend
verbindlich, zumal keine Anhaltspunkte für deren Unrichtigkeit bestehen
und von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht werden (vgl.
auch oben E. 4.7). Gemäss den verbindlichen Einträgen im IK-Auszug war
die Beschwerdeführerin vom 1. Januar 1988 bis zum 31. Mai 2019 wäh-
rend 377 Monaten respektive 31 Jahren und 5 Monaten bei der AHV/IV
versichert. In Anwendung von Art. 29bis Abs. 1 AHVG und Art. 50 Abs. 1
AHVV sind demnach vorliegend 31 volle Beitragsjahre (respektive 372 Mo-
nate) anrechenbar. Bei der Beschwerdeführerin beläuft sich die (im Zeit-
punkt des ordentlichen Rentenalters) maximale Beitragsdauer auf
43 Jahre. Wie vorstehend (vgl. oben E. 4.3) dargelegt, besteht bei unvoll-
ständiger Beitragsdauer lediglich Anspruch auf eine Teilrente entsprechend
C-4370/2019
Seite 11
dem gerundeten Verhältnis zwischen den vollen Beitragsjahren der versi-
cherten Person und denjenigen ihres Jahrganges (Art. 29 Abs. 2 Bst. b
AHVG; Art. 38 Abs. 2 AHVG). Bei einer effektiven Beitragsdauer von 31
Jahren resultiert mithin vorliegend die Rentenskala 32 (vgl. dazu Renten-
tabellen 2019, S. 10). Mit 31 Beitragsjahren weist die Beschwerdeführerin
im Vergleich zu einer vollen Beitragsdauer von 43 Jahren eine Lücke auf,
was im Ergebnis – im Vergleich zu einer Vollrente – zu einer Kürzung des
Rentenanspruchs führt. Dass die Vorinstanz die Rentenberechnung in An-
wendung der Rentenskala 32 (vgl. Rententabellen 2019, S. 41) vorgenom-
men hat, erweist sich demnach als korrekt und ist nicht zu beanstanden.
5.5 Im IK-Auszug ist ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin in den Jah-
ren 1988 bis 1996, 1998 bis 2007 und 2010 bis 2018 aufgrund ihrer Ehe
mit B._ bei der AHV versichert war und keine eigenen Beiträge an
die AHV entrichtet hat. In den Jahren 1997, 2008 und 2009 hat die Be-
schwerdeführerin selbst Beiträge an die AHV geleistet (vgl. SAK-act. 104
S. 4). Dies deckt sich mit den Ausführungen der Beschwerdeführerin, sie
habe in erster Linie von den Beiträgen ihres Ehemannes profitiert und le-
diglich in der Zeit, als dieser arbeitslos gewesen sei, Beiträge geleistet, um
die geringeren Beiträge des Ehemanns auszugleichen. Die im IK-Auszug
angeführten Erwerbseinkommen sind daher vorliegend verbindlich, zumal
keine Anhaltspunkte für deren Unrichtigkeit bestehen und von der Be-
schwerdeführerin auch nicht substantiiert geltend gemacht werden (vgl.
auch oben E. 4.7).
Gestützt auf die verbindlichen IK-Eintragungen hat die Vorinstanz der Be-
schwerdeführerin für die Jahre 1988 bis 2018 ein Gesamteinkommen von
Fr. 20’263.- gutgeschrieben (SAK-act. 104 S. 2 und 4). Nicht zu beanstan-
den ist, dass die SAK dabei die Einkommensteilung (noch) nicht vorge-
nommen hat, da die Voraussetzungen von Art. 29quinquies Abs. 3 AHVG (vgl.
oben E. 4.5) derzeit (noch) nicht erfüllt sind. Entsprechend sind die vom
Ehemann erzielten Erwerbseinkommen zu Recht ungeteilt ausschliesslich
in seinem IK eingetragen und vorliegend lediglich die von der Beschwer-
deführerin in den Jahren 1997, 2008 und 2009 entrichteten Beiträge als
Einkommen berücksichtigt worden (vgl. auch oben E.4.4). Ebenfalls nicht
zu beanstanden ist, dass die SAK als ersten IK-Eintrag das Jahr 1988 be-
rücksichtigt und in Anwendung der für das Jahr 2019 massgeblichen Auf-
wertungsfaktoren einen Faktor von 1.000 ermittelt hat (vgl. dazu Rententa-
bellen 2019, S. 15). Als durchschnittliches Einkommen resultiert daher –
bei einer Beitragsdauer von 372 Monaten – ein Betrag von Fr. 654.-
C-4370/2019
Seite 12
(= Fr. 20’263.- x 1.000 : 372 x 12). Auch diesen Betrag hat die SAK dem-
nach korrekt ermittelt (vgl. dazu SAK-act. 116).
5.6 Mit Blick auf die Erziehungsgutschriften steht fest, dass die beiden
Söhne der Beschwerdeführerin am (...)1987 (C._) beziehungs-
weise (...) 1990 (D._) geboren sind (SAK-act. 104 S. 1) und dem-
nach Erziehungsgutschriften von 1988 bis längstens 2006 (16. Altersjahr
von D._) gewährt werden können, sofern die weiteren Vorausset-
zungen gegeben sind (vgl. oben E. 4.6). Aus den Akten geht hervor, dass
der Ehemann der Beschwerdeführerin in der ganzen Zeit von 1988 bis
2006 in der Schweiz erwerbstätig gewesen ist (SAK-act. 104 S. 5). Ent-
sprechend sind die Erziehungsgutschriften hälftig zu teilen (Art. 29sexies
Abs. 3 AHVG). Daraus ergibt sich ein Anspruch von 19 (ganzen) Jahren
Erziehungsgutschriften mit je hälftiger Anrechnung, woraus Erziehungsgut-
schriften in der Höhe von Fr. 405'270.- (= 19 x Fr. 42’660.- [E. 4.6] : 2) re-
sultieren. Die Summe der durchschnittlichen Erziehungsgutschriften der
Beschwerdeführerin beläuft sich demnach in Übereinstimmung mit der Be-
rechnung der Vorinstanz auf Fr. 13’073.- (= 405'270.- : 31).
5.7 Das massgebende durchschnittliche Jahreseinkommen setzt sich zu-
sammen aus dem Durchschnitt der aufgewerteten Erwerbseinkommen so-
wie dem Durchschnitt der anrechenbaren Erziehungs- und Betreuungsgut-
schriften. Die Durchschnitte werden addiert und auf den nächsthöheren Ta-
bellenwert des massgebenden durchschnittlichen Jahreseinkommens auf-
gerundet (RWL Rz. 5101). Die Summe des Durchschnittswertes der Erzie-
hungsgutschriften von Fr. 13'073.- und des durchschnittlichen Jahresein-
kommens von Fr. 654.- ergibt einen Betrag von Fr. 13’727.-. Aufgerundet
auf den nächsthöheren Tabellenwert der Rentenskala 32 von Fr. 14'220.-
ergibt sich der verfügte Rentenbetrag von Fr. 862.- (vgl. Rententabellen
2019, S. 42).
6. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das massgebende
durchschnittliche Jahreseinkommen korrekt ermittelt wurde. Die Vorinstanz
stützte sich dabei auf die massgebenden Eintragungen im IK der Be-
schwerdeführerin. Das Ehegattensplitting ist zu Recht noch nicht erfolgt.
Unter Anwendung der Rentenskala 32 führt das massgebende durch-
schnittliche Jahreseinkommen von Fr. 13’727.- zu einer monatlichen Rente
in der Höhe von Fr. 862.-. Da im Übrigen keine Fehler bei der Ermittlung
des Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin geltend gemacht wurden
und auch nicht ersichtlich sind, erweist sich die Beschwerde als unbegrün-
det, weshalb sie abzuweisen und der angefochtene Einspracheentscheid
C-4370/2019
Seite 13
vom 31. Juli 2019 zu bestätigen ist.
Die Beschwerde ist offensichtlich unbegründet und demzufolge vollum-
fänglich abzuweisen. Die Abweisung erfolgt somit gemäss Art. 85bis Abs. 3
AHVG im einzelrichterlichen Verfahren.
7.
7.1 Das Verfahren ist für die Parteien kostenlos, weshalb keine Verfahrens-
kosten zu erheben sind (Art. 85bis Abs. 2 AHVG).
7.2 Grundsätzlich kann die Beschwerdeinstanz der ganz oder teilweise ob-
siegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung
für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zuspre-
chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Als Bundesbehörde hat die obsiegende Vo-
rinstanz jedoch keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 7
Abs. 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Der unterliegenden Beschwerdeführerin ist entsprechend dem Verfahren-
sausgang keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG
e contrario).
C-4370/2019
Seite 14