Decision ID: 474b0bc4-5407-4763-babb-fcf5e84928df
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1961 geborene
X._
war seit dem 1
. September 2010 bei der Y._
AG als Chauffeur angestellt und
durch die Arbeitgeberin obligatorisch bei der Suva g
egen Unfälle versichert, als er am 30. Juni 2020
als Lenker eines Lieferwa
gens mit Anhänger einen Auffahrunfall erlitt. Ein Lastwagen fuhr
bei stockendem V
erkehr
(Geschwindigkeit von circa 20-30 Kilometern pro Stunde)
von hinten auf sein
Fahrzeug auf
(Geschwindigkeit von circa 10 Kilometern pro Stunde)
und schob
es
in das
vor ihm
stehende Fahrzeug (
vgl. die
Unfallmeldung vom 1. Juli 2020 [Urk. 7/1
],
Urk. 7/12
,
Urk. 7/36
und Urk. 7/54
). Dem Versicherten wurde ab dem 1. Juli 2020, zunächst für drei Tage, eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attes
tiert. In der Folge wurde das Attest verlängert (
vgl. insbesondere
Urk. 7/2 f.
, Urk. 7/8 und Urk. 7/11
).
Gemäss B
ericht über die Erstbehandlung vom 2. Juli 2020
klagte
der Versicherte
über Kopf- und Rückenschmerzen;
eine einge
schränkte HWS
-Beweglichkeit
konnte
objektiviert werden. Neurologisch bestan
den keine Auffälligkeiten (Urk. 7/26 f.).
Bei aktuellen Schmerzen im Kreuz mit Ausstrahlung ins linke Bein wurde bei der Radiologie
Z._
ein MRI-Bild der Lendenwirbelsäule (LWS) angefertigt. Sichtbar wurden mitunter eine par
tielle
Lumbalisation
von S1 sowie diverse Diskushernien mit möglicher Reizung von Nervenwurzeln.
Ein Hinweis auf eine stattgehabte Fraktur im Bereich
der L
W
S
oder des miterfassten
Sakrums
konnte jedoch nicht gefunden werden (Urk. 7/18).
Die S
uva erbrachte die gesetzlichen Versicherungsleistungen (Urk. 7/6; vgl. auch Urk. 7/23).
Im weiteren Verlauf
persistierten Rückenbeschwerden.
Kopf- oder Nackenbe
schwerden waren keine (mehr) vorhanden (Urk. 7/36).
Nach Vorlage der medizi
nischen Unterlagen umschrieb
Kreisarzt Dr. med. A._
, Facharzt für Allgemeinmedizin, unter Berücksichtigung des komplexen degenerativen Vorzustandes der LWS am 24. September 2020 das noch zumutbare Belastbar
keitsprofil (Urk. 7/35), welches dem Versicherten mitgeteilt wurde (Urk. 7/37).
1.2
Am
2. Oktober 2020 meldete sich der Versicherte bei der
Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf den stattgehabten Auffahr
u
nfall und die Rückenbeschwerden
zum Leistungsbezug an (Urk. 7/43).
Am 11. November 2020 nahm der Versicherte die Arbeit mit einem Pensum vo
n 30 % wieder auf und erhöhte dieses
ab dem 1. Dezember 2020 auf 50 % (Urk. 1
S. 3
Rz
2, Urk. 7/59, Urk. 7/63 und Urk. 7/72
/2
).
Dr.
A._
nahm am 17. November 2020 eine Aktenbeurteilung vor (Urk. 7/62), gestützt auf welche die Suva dem Versicherten mit Schreiben vom 18. November
2020 mitteilte, sie werde den Fallabschluss per 31. Dezember 2020 vornehmen beziehungsweise die Versicherungsleistungen per
dann
einstellen und den An
spruch auf weitere Versicherungsleistungen ablehnen (Urk. 7/65).
D
araufhin legte die Vertreterin des Versicherten eine chirurgisch-versicherungsmedizinische Be
urt
eilung von Dr. med. B._
, Fachärztin FMH für Chir
urgie, vom 9. De
zember 2020 auf
und verwies auf die darin geäusserte Ansicht, ein
status
quo sine sei erst nach 12 bis 18 Monaten erreicht. Dies sei zu berücksichtigen. An
sonsten sei eine anfechtbare Verfügung zu erlassen (Urk. 7/74). Am 5. Januar 2021 äusserte sich Dr.
A._
erneut zur med
izinischen Sachlage (Urk. 7/78), woraufhin die Suva gleichentags wie
im Schreiben vom 18. November 2020 an
gekündigt
verfügte
(Urk. 7/79). Der Krankenversicherer erhob dagegen mit Ein
gabe vom 15. Januar 2021
vorsorglich
Einsprache (Urk. 7/84)
, zog diese
am 28. Januar 2021 hingegen wieder zurück (Urk. 7/86). Der Versicherte erhob mit Eingabe vom 2. Februar 2021 Einsprache (Urk. 7/87).
In der Folge hiess die Suva die Einsprache mit Schreiben vom 23. Februar
2021
gut und hielt fest, sie nehme die Verfügung zurück und erbringe die gesetzlichen Versicherungsleistungen weiterhin; das
Einspracheverfahren
sei hiermit erledigt (Urk. 7/91).
1.3
Die Arbeitgeberin kündigte das Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten am 24. Februar 2021
per 31. M
ai 2021 (Urk. 7/114), und
die
IV-Stelle
gewährte
dem Versicherten am 3. Juni 2021 Kostengutsprache für eine Arbeitsvermittlung vom 20. Mai bis 19. Novemb
er 2021
(Urk. 7/115).
Die IV-Stelle schloss mit Mitteilung vom 2. November 2021 die Eingliederungsberatung (Arbeitsvermittlung) ab, nachdem der Versicherte per 1. September 2021 eine angepasste Stelle zu 50 % als Allrounder Produktion und Logistik angetreten hatte, eine Erhöhung per 1. November 2021 auf 60 % erfolgte und eine weitere Erhöhung auf 70 bis 80 % per Januar 2022 geplant wurde (Urk. 7/133).
1.4
Am 4. August 2021 stellte die S
uva die Versicherungsleistungen
per 31. August 2021 ein und verneinte einen Anspruch auf weitere Versicherungsleistungen (Urk. 7/121).
Dagegen erhob der Krankenversicherer am 20. August 2021 vor
sorglich Einsprache (Urk. 7/122)
und zog sie
am 13. September 2021 wie
der zu
rück
(Urk. 7/128)
. Der Versicherte
erhob am 3. Septemb
er 2021 Einsprache (Urk. 7/126),
die die Suva mit Entscheid vom 6. Dezember 2021 abwies (Urk. 2 [= Urk. 7/135]).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 20. Januar 2022 Beschwerde und beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, und es seien
ihm
die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen, insbesondere das Taggeld und die Heilkosten. Bei Er
reichen des Endzustandes seien eine Rente sowie eine Integritätsentschädigung zuzusprechen (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 28. Februar 2022 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6),
wovon der Be
schwerdeführer mit Verfügung vom 3. März 2022 in K
enntnis gesetzt wurde (Urk. 8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes üb
er die Unfallversicherung (UVG) werden –
soweit das
Gesetz nichts
anderes
bestimmt –
die Versicherungsleistungen bei Be
rufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Ren
tenalters ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG)
.
Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
massnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbe
ginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.2
1.2.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des na
türlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare
Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm ob
liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Mög
lichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.2.2
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheits
schadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfall
fremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Ver
lauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später einge
stellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialver
sicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatsache handelt, liegt die entsprechende Beweis
last
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausal
zusammenhang gegeben ist
nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallver
sicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rück
fällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteile des Bundesgerichts 8C_600/2021 vom 3. März 2022 E. 3.2 und 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2, je mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch dieser Zustand noch nicht
wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG Leis
tungen zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.3 mit Hinweisen).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig er
scheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE
145 V 97 E. 8.5,
142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die B
eschwerdegegnerin erwog
im angefochtenen
Einspracheentscheid
, Dr.
B._
und Dr.
A._
seien sich einig, dass das Ereignis vom 30. Juni 2020 zu keinen strukturellen Läsionen und somit nur zu einer vorübergehenden Ver
schlimmerung des Gesundheitszustands geführt habe. Abweichende ärztliche Ein
schätzungen lägen nicht vor. Es könne angenommen werden, dass mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit der Status quo sine nach 14 Monaten erreicht sei. Diese Dauer übersteige das Maximum gemäss der gefestigten Rechtsprechung deutlich. Die Suva sei ab dem 31. August 2021 nicht mehr leistungspflichtig. Auch ein Anspruch auf weitere Versicherungsleistungen, namentlich auf eine In
validenrente und eine Integritätsentschädigung, sei zu verneinen (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, die Leistungspflicht des Unfallversicherers für einen durch den Unfall verschlimmerten Vorzustand ent
falle erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche oder adäquate Ursache der Gesundheitsschädigung darstelle
und diese nur noch und ausschliesslich auf un
fallfremden Ursachen beruhe. Die Beweislast dazu liege beim Unfallversicherer. Dr.
B._
, welche im Gegensatz zu Dr.
A._
über eine Spezialausbildung in Chirurgie verfüge, sei der Ansicht, dass der Unfall vom 30. Juni 2020 zu einer vorübergehenden Verschlimmerung eines beträchtlichen degenerativen Vorzu
standes der Lendenwirbelsäule geführt habe, welche noch einige Zeit andauere. Bei Vorzuständen dürfe nicht einfach auf eine Tabelle oder Erfahrungswerte von gesunden jungen Männern abgestellt werden, sondern der
status
quo sine sei sorgfältig unter Berücksichtigung der individuellen Voraussetzungen abzuklären. Im schlechtesten Fall werde der Vorzustand gar nicht mehr erreicht. Bei einem 60-jährigen Beschwerdeführer mit einem schweren fortgeschrittenen verschleiss
kausalen Zustand könne nicht der gleiche Massstab bezüglich Heilungsdauer an
gewandt werden wie bei einem jungen, ansonsten gesunden Versicherten.
Wann der Vorzustand wieder erreicht werde,
müsse bei jedem Versicherten individuell und unter Berücksichtigung des Beweisgrades der überwiegenden Wahrschein
lichkeit abgeklärt werden
(Urk. 1)
.
2.3
Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Beschwerdeantwort vom 28. Februar 2022 im Wesentlichen fest, bei einer Maximaldauer von einem Jahr sei der Status quo sine gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung selbst bei erheblichen de
generativen Veränderungen
eingetreten. Es handle sich somit nicht um Erfah
rungswerte von gesunden jungen Männern. Die Versicherungsleistungen seien von der Beschwerdegegnerin deutlich länger gewährt worden als von der Recht
sprechung vorgesehen. Schliesslich sei mit Dr.
B._
von einem «Unfallme
chanismus mit niedriger Geschwindigkeit» auszugehen, sodass auch nicht von einer aussergewöhnlichen Gewalteinwirkung ausgegangen werden könne, zumal die Lendenwirbelsäule durch die Rückenlehne etwas geschützt gewesen sei
(Urk. 6)
.
3.
3.1
Dr.
A._
verwies in seiner Beurteilung vom 17. November 2020 auf den Be
richt der Radi
ologie Z._
vom 8. Juli 2020 und hielt fest, es werde der Befund einer angeborenen
lumbosakralen
Übergangsstörung dargestellt mit einer teilweisen
Lumbalisation
des ersten Sakralwirbels. Darüber hinaus zeigten sich
fortgeschrittene degenerative Veränderungen mit multisegmentalen Bandschei
benverlagerungen und Nervenwurzelkompressionen mit allfälligen
radikulären
Reizungen. Entsprechend einem degenerativen Krankheitsbild würden auch zum orthopädischen Arztzeugnis mehrsegmentale Facettengelenksreizungen der LWS sowie eine ISG-Reizung beiderseits attestiert (
Urk. 7/62, vgl. auch Urk. 7/18).
Bei einer fehlenden strukturellen Schädigung durch das Unfallereignis vom 30. Juni 2020 ging Dr.
A._
davon aus, dass Unfallfolgen
bei einer vorübergehenden,
hier
aber
nicht erkennbar richtungsgebenden Verschlimmerung des gesundheit
lichen Vorzustandes mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in drei bis vier Mo
naten nach dem Ereignis keine Rolle mehr spielten. Eine vom Beschwerdeführer geltend gemachte «
post
hoc ergo
propter
hoc»-Argumentation (er habe vor dem Ereignis nie Probleme mit dem Rücken gehabt) ste
ll
e keinen medizinischen Nach
weis für eine Unfallverletzungsfolge dar (Urk. 7/62).
3.2
Dr.
B._
hielt in ihrer Beurteilung vom 9. Dezember 2020 dafür,
der hier stattgehabte Unfallmechanismus mit niedriger Geschwindigkeit könne die doku
mentierten strukturellen Veränderungen in allen Segmenten der Lendenwirbel
säule nicht versursacht haben. A
us versicherungsmedizinischer Sicht werde das Zeitintervall, das Andauern der vorübergehenden Verschlimmerung
,
massgebend beeinflusst vom Ausmass des Vorzustandes respektive der Zeitdauer der benötig
ten Rehabilitation, welche ihrerseits vom Ausmass des Vorzustandes beeinflusst werde. Der Vorzustand sei vorliegend beträchtlich. Mit Blick auf die Rechtspre
chung sei hier von einer vorübergehenden Verschlimmerung während 12-18 Mo
naten auszugehen (Urk. 7/74/4-5).
3.3
Dr.
A._
hielt am 5. Januar 2021 an seiner kreisärztlichen Beurteilung vom 17. November 2020 vollumfänglich fest und führte aus, der Einwand, der Status quo sine sei erst nach 12-18 Monaten erreicht, entbehre sowohl mit Blick auf die Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts
8C_412/2008 vom 3. November 200
8) als auch medizinisch einer angemessenen Begründung beziehungsweise einer fundierten Grundlage. Bei posttraumatischen Lumbalgien und
Lumboischialgien
könne das Erreichen des Status quo sine nach derzeitigem Wissen
s
stand nach 3-4 Monaten erwartet werden. Eine allfällige richtunggebende Verschlimmerung müsse
röntgenologisch ausgewiesen sein und sich von der altersüblichen Pro
gression abheben lassen; in Bestätigung von Dr.
B._
sei dies hier aber nicht der Fall. Selbst bei einer traumatischen Verschlimmerung eines klinisch stummen degenerativen Vorzustands an der Wirbelsäule, was hier nicht der Fall sei, wäre diese in der Regel nach sechs Monaten als abgeschlossen zu betrachten (Urk. 7/78).
4.
4.1
Ein erheblicher degenerativer Vorzustand ist ausgewiesen
(Urk. 7/18)
und wird vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Dr.
A._
und Dr.
B._
sowie auch der Beschwerdeführer gehen von einer vorübergehenden Verschlimmerung dieses Vorzustands durch das Unfallereignis vom 30. Juni 2020 aus.
4.2
Ist ein degenerativer stummer Vorzustand der Wirbelsäule durch den Unfall nur aktiviert, nicht aber verursacht worden, liegt eine vorübergehende Verschlimme
rung vor.
Diesfalls
hat die Unfallversicherung nur Leistungen für das unmittelbar im Zusammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erbringen. Nach derzeitigem medizinischem Wissensstand kann in solchen Fällen das Erreichen des Status quo sine bei posttraumatischen Lumbalgien und
Lumboischialgien
nach drei bis vier Monaten erwartet werden. Im Allgemeinen ist bei einer Prel
lung, Verstauchung oder Zerrung der Wirbelsäule die vorübergehende Verschlim
merung in der Regel nach sechs bis neun Monaten, und bei Vorliegen eines er
heblich degenerativen Vorzustandes spätestens nach einem Jahr, als abgeschlos
sen zu betrachten (
Urteil des Bundesgerichts 8C_102/2021 vom 26. März 2021 E. 6.3.1 mit Hinweis auf das Urteil 8C_408/2019 vom 26. August 2019 E.
3.3)
.
4.3
Die Beschwerdegegnerin erbrachte die Versicherungsleistungen (Heilungskosten und Taggeldleistungen) während
14 Monaten
und stellte sie dann ein
.
Selbst beim Vorliegen eines erheblich degenerativen Vorzustandes (E. 4.2) – wie dies hier der Fall ist – ist nach
den besagten
14 Monaten
gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
längstens
vom Erreichen eines Status quo sine auszugehen
.
Diese Rechtsprechung ersetzt den konkreten medizinischen Beleg des natürlichen Ver
laufs der unfallbedingten vorübergehenden Verschlimmerung des Vorzustandes durch eine richterliche Vermutung, die sich ihrerseits auf die medizinische Lite
ratur stützt. Zumal
sich
der konkrete Zeitpunkt, an dem der Status quo sine erreicht wird, von der Natur der Sache her nicht auf den Tag genau feststellen lässt, sondern lediglich mehr oder minder präzise geschätzt werden kann (vgl. Urteile 8C_1
67/2018 vom 28. Februar 2019 E. 6.5, 8C_412/2008 vom 3. Novem
ber 2008 E.
5.2).
V
on
dieser
bewährten Rechtsprechung abzuweichen, besteht kein Anlass
, nachdem
sowohl Dr.
A._
als a
uch Dr.
B._
auf die
(se)
bundesgerichtliche
Rechtsprechung
verwie
sen
haben
. Der Hinweis auf die Fach
arztausbildung von Dr.
B._
zielt angesichts dessen ins L
eere, zumal sie in medizinischer Hinsicht nichts vortrug, was eine andere Beurteilung zuliesse.
Viel
mehr liegt die Leistungsdauer von 14 Monaten innerhalb der Bandbreite von 12 bis 18 Monaten, die Dr.
B._
selber anführte. Das von der Beschwerde
gegnerin ausgeübte Ermessen erweist sich als angemessen, weshalb es der ange
rufenen Instanz verwehrt ist, darin einzugreifen (BGE 137 V 71 E. 5.2; Urteil 8C_58/2018
vom 7
. August 2018 E.
3.2). Dass der Beschwerdeführer am 31.
Au
gust 2021 nicht beschwerdefrei war, steht der Leistungseinstellung nicht entge
gen, da für die Erreichung des Status quo sine einzig relevant ist, dass die Folgen des Unfalles vom 30. Juni 2020 bis zu diesem Moment abgeklungen waren.
Der Beschwerdeführer vermag
m
it seinen Vorbringen
daher
nicht durchzudringen.
Es kann auf die zutreffenden Erwägungen der Beschwerdegegnerin verwiesen wer
den.
4.4
Nach dem Gesagten ist die Leistungseinstellung der Beschwerdegegnerin per 31. August 2021 nicht zu beanstanden. Da
mit
dem Erreichen des Status quo sine
keine unfallkausalen Beschwerden
mehr
persistierten, erwies sich auch die Ver
neinung einer weiteren Leistungspflicht (Invalidenrente, Integritätsentschädi
gung) als rechtens. Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen.