Decision ID: 15f93953-7bc9-5d94-b4d2-5079b56d1cee
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 14. April 2008 (Eingang IV-
Stelle) unter Hinweis auf eine Depression bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum
Leistungsbezug an (IV-act. 1). Er gab an, in seinem Heimatland den Beruf Sanitär- und
Heizungsmonteur erlernt zu haben, seit dem 31. Juli 2007 arbeitslos zu sein und
Arbeitslosenentschädigung zu beziehen. Seit dem 13. September 2007 bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 % (IV-act. 1).
A.a.
Abklärungen der IV-Stelle ergaben, dass aufgrund des instabilen Gesundheits
zustandes des Versicherten keine beruflichen Integrationsmassnahmen möglich seien
(IV-act. 14, 16, 18, 22). Nach Einholung von Verlaufsberichten erfolgte im Januar 2010
eine bidisziplinäre Untersuchung durch Ärzte des Regionalen Ärztlichen Dienstes
(RAD), Dr. med. B._, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie, Arbeitsmedizin, und
Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (IV-act. 46). Im Bericht
von 26. April 2010 kamen diese Ärzte zum Schluss, dass aus psychiatrischer Sicht eine
Arbeitsunfähigkeit von 30 % in angestammter und adaptierter Tätigkeit bestehe (IV-act.
46-21). Pneumologisch war eine abschliessende Beurteilung der Leistungsfähigkeit
noch nicht möglich. Folgenden Diagnosen wurden Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit zuerkannt: einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
leichte bis mittelgradige Episode (ICD-10 F33.0/1), einer andauernden
Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung im Kindes- und Erwachsenenalter
(politische Verfolgung und Folter, ICD-10 F62.0, IV-act. 46-16) sowie anamnestisch
einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom, einem Diabetes mellitus Typ IIb und einer
arteriellen Hypertonie (IV-act. 46-8).
A.b.
Gestützt auf die RAD-Untersuchung wurden eine schlafmedizinische Behandlung
und eine Diabetesbehandlung mit Ernährungsberatung angeordnet (vgl. IV-act. 49). Im
Verlauf ergab sich ein weitgehend stabiler Gesamtzustand (vgl. insbesondere IV-
A.c.
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act. 54-2 ff., 62, 78-2 f., 84). RAD-Arzt Dr. B._ hielt am 29. Dezember 2011 fest, es
sei auf die RAD-Untersuchung vom Januar 2010 und die festgestellte, psychiatrisch
begründete Arbeitsunfähigkeit von 30 % in angestammter und adaptierter Tätigkeit
abzustellen (IV-act. 84). Gestützt darauf berechnete die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad
von 30 % und kündigte dem Versicherten mit Vorbescheid vom 25. Januar 2012 die
Abweisung des Rentenbegehrens an (IV-act. 85 f.).
Vom 27. Januar bis zum 28. Februar 2012 wurde der Versicherte in der Kantonalen
Psychiatrischen Klinik D._ stationär behandelt, nachdem er vom Universitätsspital
E._ "wegen Tablettenintoxikation in suizidaler Absicht" überwiesen worden sei (IV-
act. 97).
A.d.
Am 21. Februar 2012 liess der Versicherte durch einen Sozialarbeiter der
Psychiatrischen Klinik D._ "Einsprache" gegen den Vorbescheid vom 25. Januar
2012 mit der Begründung erheben, er fühle sich in seinen psychischen
Beschränkungen nicht erfasst (IV-act. 90).
A.e.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete das Ärztliche Begutachtungsinstitut GmbH,
Basel (nachfolgend: ABI), am 10. Februar 2014 ein Gutachten in den Disziplinen
Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie, Orthopädie, Pneumologie und
Neuropsychologie (IV-act. 99 f.). Der internistische Sachverständige gab an, die
internistischen Diagnosen (metabolisches Syndrom [ICD-10 E88.9], Mikrozytose
[ICD-10 R71] und Leberwerterhöhung unklarer Ätiologie [ICD-10 R74.9]) würden keine
Arbeitsunfähigkeit bedingen. Insbesondere hielt er fest, dass aus internistischer Sicht
keine Hinweise dafür bestünden, dass die Arbeitsfähigkeit im Verlauf je längerfristig
relevant eingeschränkt gewesen sei (IV-act. 110-9). Der psychiatrische
Sachverständige stellte die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung mit
Status nach schwerer depressiver Episode mit psychotischen Symptomen 2012
(ICD-10 F33.3), gegenwärtig leichtgradige Episode (ICD-10 F33.00), und nannte als
Differentialdiagnose eine paranoide Schizophrenie (ICD-10 F20.0) mit sekundärem
depressivem Zustand. Die psychische Störung beeinträchtige die Arbeitsfähigkeit
zumindest um 50 %. Der seitens der Psychiatrischen Klinik D._ am 26. März 2012
erfolgten Einschätzung eines schweren depressiven Syndroms mit psychotischen
Symptomen stimmte der Sachverständige im Sinne einer Differentialdiagnose zu, eine
A.f.
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schizophrene Störung sei aber zurzeit nicht wirklich auszuschliessen. Sollte sich die
Diagnose einer Schizophrenie bestätigen, wäre die "einer posttraumatischen
Belastungsstörung (PTBS) nahe Symptomatik" eher zurückzustellen (IV-act. 110-12 ff.).
Der orthopädische Sachverständige stellte keine Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit würden beim Versicherten
anamnestisch intermittierend auftretende Beschwerden an verschiedenen
Lokalisationen des Bewegungsapparates, aktuell mit klinisch unauffälligem Befund
(ICD-10 R52.1), bestehen. Der Versicherte habe angegeben, eine Ausbildung als
"Sanitär" gemacht und in der Schweiz während vieler Jahre im Metallbau gearbeitet zu
haben. Dabei handle es sich zwar um eine körperlich belastende Tätigkeit, jedoch
liessen sich beim Bewegungsapparat keine wesentlichen Einschränkungen
objektivieren, so dass der Versicherte gemäss dem Sachverständigen diese Tätigkeit
auch weiterhin zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkt ausüben könnte (IV-act.
110-16). Der pneumologische Sachverständige bestätigte die Diagnosen eines
schweren obstruktiven Schlafapnoesyndroms (ICD-10 G47.31) sowie eines
Nikotinabusus (ICD-10 F17.1) und hielt fest, dass sich eine CPAP-Therapie bei einem
schweren Schlafapnoesyndrom und Insomnie häufig als schwierig durchführbar
erweise. Aufgrund der Anamnese und der Befunde seien keine selbst- und
fremdgefährdenden Arbeiten möglich, worunter der Gutachter auch die angestammte
Tätigkeit als Metallarbeiter subsumierte. Unter Berücksichtigung der Insomnie und
Tagesmüdigkeit bestehe aus rein pneumologischer Sicht auch für alle anderen
Tätigkeiten eine 20%-ige Arbeitsunfähigkeit, um dem Versicherten Erholungspausen zu
ermöglichen (IV-act. 110-20). Aus neuropsychologischer Sicht liessen sich keine
eigentlichen Diagnosen stellen. Es würden sich sehr starke Verdeutlichungstendenzen
beim Versicherten zeigen, sodass sich das aktuelle neuropsychologische Testprofil
nicht direkt interpretieren lasse (IV-act. 110-23, 110-25). Insgesamt kamen die
Sachverständigen zum Schluss, dass für die angestammte Tätigkeit als Metallarbeiter
und andere selbst- und fremdgefährdende Arbeiten keine zumutbare Arbeitsfähigkeit
mehr bestehe. Für andere Tätigkeiten bestehe eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von
50 %, welche aus interdisziplinärer Sicht und über die Zeit gemittelt ab Januar 2012
anzunehmen sei (IV-act. 110-25 f.).
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B.
Am 20. Februar 2014 notierte RAD-Arzt Dr. C._, dem Gutachten vom 10.
Februar 2014 könne gefolgt werden (IV-act. 111). Mit Vorbescheid vom 26. März 2014
kündigte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des Rentenbegehrens an. In
der Invaliditätsbemessung anerkannte sie keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, da
kein invalisierendes Leiden im Sinne des Gesetzes bzw. der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung bestehe (IV-act. 113 f.). Gegen den Vorbescheid vom 26. März 2014
(IV-act. 115) erhob der Versicherte am 11. April 2014 ohne Begründung Einwand (IV-
act. 116). Die IV-Stelle verfügte am 26. Mai 2014 entsprechend dem Vorbescheid die
Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 117). Diese Verfügung erwuchs unangefochten
in Rechtskraft.
A.g.
Am 3. Juni 2016 gelangten Dr. med. F._, Oberärztin, Stv. Leiterin Ambulatorium,
und Dr. med. pract. G._, Assistenzärztin, Psychiatrisches Zentrum H._, mit einem
formlosen Arztbericht an die IV-Stelle. Es gebe eine klare Veränderung der Diagnose
beim Versicherten. Festgehalten wurde eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach
Extrembelastung, eine chronifizierte PTBS und eine rezidivierende depressive
Symptomatik (ICD-10 F43.1; IV-act. 121). Die PTBS habe über die Jahre einen
chronischen Verlauf genommen und sei in eine dauernde Persönlichkeitsveränderung
übergegangen. Weder eine Tätigkeit im angestammten noch in einem angepassten
Bereich auf dem ersten Arbeitsmarkt sei zumutbar (IV-act. 121-3). Aufgrund dessen
meldete sich der Versicherte am 30. Juni 2016 (Eingang IV-Stelle) erneut zum Bezug
von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 120).
B.a.
Am 2. September 2016 notierte die RAD-Ärztin med. pract. I._, dass sich der
Gesundheitszustand seit der Referenzsituation (Verfügung vom 26. Mai 2014, IV-act.
117; vgl. dazu Sachverhalt lit. A.g) relevant verändert habe, so dass auf das erneute
Gesuch des Versicherten einzutreten sei (IV-act. 129-2).
B.b.
Nach Einforderung der Verlaufsberichte der behandelnden Ärzte notierte der RAD-
Arzt Dr. C._ am 22. März 2017, dass die Diagnose der Persönlichkeitsveränderung
an sich nicht neu, sondern bereits anlässlich der RAD-Beurteilung am 26. Januar 2010
gestellt worden sei (IV-act. 146-2). Die eigentlich neue Diagnose sei die schwere
sensomotorische axonale Schädigung des Nervus ulnaris links und die damit
B.c.
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verbundenen neurologischen Einschränkungen an der linken Hand, welche am 1. März
2016 durch Dr. med. J._, Leitender Arzt, und Prof. Dr. med. K._, Muskelzentrum
ALS Clinic des Kantonsspital St. Gallen (KSSG), diagnostiziert worden seien (vgl. IV-
act. 133-2). Auf Empfehlung des RAD wurde erneut ein polydisziplinäres Gutachten in
Auftrag gegeben (IV-act. 146 f.).
Am 9. Oktober 2017 erstattete die medexperts ag, Interdisziplinäre Medizin, St.
Gallen, ein Gutachten in den Disziplinen Allgemeine Innere Medizin, Neurologie,
Neuropsychologie, Psychiatrie und Pneumologie (IV-act. 153). Der internistische
Sachverständige hielt fest, dass sich die Adipositas infolge der Magenbypass-
Operation im Mai 2017 in Richtung Normalisierung bewege und der Diabetes mellitus
zurzeit optimal eingestellt sei, so dass aus internistischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit
bestehe (IV-act. 153-41). Die beiden neurologischen Sachverständigen betätigten als
Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit die axonale Neuropathie des Nervus
ulnaris links infolge eines chronischen Engpasssyndroms im Bereich des Sulcus nervi
ulnaris links. Bei schwerem Sulcus ulnaris Syndrom links ergebe sich aus
neurologischer Sicht eine vollständige Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf.
Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe die Diagnose des beidseitigen
Carpaltunnelsyndroms (IV-act. 153-47). Die neuropsychologische Sachverständige gab
an, dass sich – neben Auffälligkeiten in der Symptomvalidierung – im Testverhalten des
Versicherten und auch in den Testergebnissen Diskrepanzen ergeben hätten, die sich
aus neuropsychologischer Sicht nicht allein durch Nebenwirkungen der Medikation,
psychische Störungen, Schmerzen oder einen im Ausland erworbenen Bildungsgrad
erklären liessen. Da hirnorganisch keine auffälligen Befunde erhoben worden seien, sei
eine schwankende Anstrengungsbereitschaft des Versicherten eine mögliche
Erklärung, wobei Aggravationstendenzen nicht ausgeschlossen werden könnten (IV-
act. 153-29, vgl. auch IV-act. 154-6). Der psychiatrische Sachverständige
diagnostizierte die Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen
(ICD-10 F68.0) und eine nicht näher bezeichnete dissoziative Störung (ICD-10 F44.9),
beides ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Bezüglich früherer Einschätzungen der
Arbeitsfähigkeit hielt er fest, dass diese auf Diagnosen basieren würden, welche aus
psychiatrischer Sicht durch die vorliegende Expertise nicht bestätigt werden könnten
(IV-act. 153-36). Pneumologisch wurde das schwere obstruktive Schlafapnoesyndrom
B.d.
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als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestätigt. Die Symptomatik habe
sich infolge der Magenbypass-Operation mit Abnahme von über 20 kg Körpergewicht
deutlich verbessert (IV-act. 153-52). Insgesamt kamen die Sachverständigen zum
Schluss, dass sich aufgrund des schweren Sulcus ulnaris Syndroms links eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ergebe, welche seit dem
30. Juni 2015 anzunehmen sei. In einer dem neurologischen Leiden adaptierten
Tätigkeit bestehe aus polydisziplinärer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Eine Persönlichkeitsveränderung liege gesamtgutachterlich nicht vor und es beständen
Hinweise auf Aggravation/Simulation (Malingering) aufgrund prolongierter
Gesundheitsschäden mit hohen Inkonsistenzen und Einnahme einer Krankenrolle (IV-
act. 153-59, 153-61).
Am 17. November 2017 notierte der RAD-Arzt Dr. med. L._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FHM, das Gutachten entspreche formal und inhaltlich
den Anforderungen und es sei im Längsschnitt von einem stabilen Gesundheitszustand
und voller Arbeitsfähigkeit des Versicherten in adaptierten Tätigkeiten auszugehen (IV-
act. 155). Mit Vorbescheid vom 29. August 2018 kündigte die IV-Stelle die Abweisung
des Begehrens um Rentenleistungen aufgrund eines Invaliditätsgrads von 0 % an (IV-
act. 162).
B.e.
Am 4. September 2018 forderte der Versicherte, vertreten durch die Procap, die
Akten zur Einsichtnahme an, die in der Folge zugänglich gemacht wurden (IV-act. 163
f.). Am 28. September 2018 liess der Versicherte Einwand gegen den Vorbescheid vom
29. August 2018 erheben (IV-act. 166). In der am 30. November 2018 eingereichten
Einwandergänzung liess der Versicherte sinngemäss geltend machen, dass aus dem
Gutachten nicht ersichtlich sei, warum er an keiner psychiatrischen Erkrankung leiden
solle und warum die bis dahin gestellten Diagnosen in Frage gestellt würden, obwohl
sich seine Situation chronifiziert habe (IV-act. 170). Mit dem Einwand wurden Berichte
O._, Zentrum für Psychotraumatologie vom 20. November 2018 (IV-act. 170-5 ff.)
und von der Psychiatrie M._ vom 27. November 2018 (IV-act. 170-3 ff.) eingereicht.
Am 14. Januar 2019 notierte der RAD-Arzt Dr. L._, dass mit dem Einwand vom 30.
November 2018 keine neuen wesentlichen medizinischen Erkenntnisse vorgebracht
worden seien, welche im Rahmen des Gutachtens nicht bereits bekannt gewesen
B.f.
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C.
wären. Aus formalen Gründen seien dennoch Rückfragen an die Sachverständigen zu
stellen (IV-act. 171).
Am 11. April 2019 nahm der psychiatrische Teilgutachter zu den vom Versicherten
vorgebrachten Fragen Stellung (IV-act. 177). Der RAD bezeichnete diese
Stellungnahme am 24. Juni 2019 als plausibel (IV-act. 178).
B.g.
Im Rahmen einer zweiten Anhörung kündigte die IV-Stelle dem Versicherten am
18. Juli 2019 das Festhalten am vorgesehenen Abweisungsentscheid an (IV-act. 179).
Die am 6. August 2019 gewährte Nachfrist für eine weitere Stellungnahme liess der
Versicherte ungenutzt verstreichen (IV-act. 189 f.), so dass die IV-Stelle am 2. Oktober
2019 gemäss dem Vorbescheid verfügte (IV-act. 181). Einem weiteren Gesuch um
Akteneinsicht vom 8. Oktober 2019 wurde am 10. Oktober 2019 entsprochen (IV-act.
182 f.).
B.h.
Gegen die Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 2.
Oktober 2019 erhob der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 31. Oktober
2019 Beschwerde und machte sinngemäss geltend, er sei mit der Verfügung nicht
einverstanden. Er beantragte die Überprüfung seiner Invalidität, da keine Tätigkeit im
ersten Arbeitsmarkt mehr möglich sei. Insbesondere bemängelte er die Beweiskraft des
Gutachtens in psychiatrischer Hinsicht. So sei es für ihn unverständlich, dass der
Gutachter seine psychische Erkrankung verneine. Das Gutachten sei nicht verwertbar,
weil die Einschätzung nicht objektiv sei. Ferner ersuchte der Beschwerdeführer um
unentgeltliche Rechtspflege (act. G 1, 4), welche am 9. Dezember 2019 gewährt wurde
(Befreiung von den Gerichtskosten; act. G 6).
C.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 5. Dezember 2019 die Abweisung der
Beschwerde. Das polydisziplinäre Gutachten der medexperts ag sei beweiskräftig und
es würden keine Tatsachen oder Indizien vorgebracht, welche gegen die
Zuverlässigkeit sprächen (act. G 5).
C.b.
Der Beschwerdeführer verzichtete auf die Einreichung einer Replik (act. G 7 f.).C.c.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 9/20
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Considerations:
Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Rente zu Recht verneint hat.
1.1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die: a. ihre Erwerbsfähigkeit
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können; b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40
% arbeitsunfähig gewesen sind; und c. nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 %
invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50 % vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % auf eine Viertelsrente.
1.3.
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden
1.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 10/20
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2.
können (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen
(BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte
Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
Zunächst ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu beurteilen, ob die
medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers erlaubt.
2.1.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der Verfügung im Wesentlichen auf das
medexperts-Gutachten vom 9. Oktober 2017 (IV-act. 153, act. G 5). Das Gutachten
basiert auf internistischen, psychiatrischen, pneumologischen, neuropsychologischen
und neurologischen Untersuchungen, welche gesamtgutachterlich zum Schluss
führten, dass der Beschwerdeführer in einer seinem neurologischen Leiden adaptierten
Tätigkeit voll arbeitsfähig sei (IV-act. 153-61). Der Beschwerdeführer spricht dem
medexperts-Gutachten die Beweiskraft ab und bestreitet, dass ihm eine 100%-ige
Arbeitsfähigkeit in einem adaptierten Bereich möglich sei (act. G 1). In formeller
Hinsicht erfüllt das Gutachten die von der Rechtsprechung aufgestellten Kriterien an
ein voll beweiskräftiges Gutachten, basierend auf einer umfangreichen Anamnese und
– soweit erkennbar – auf allseitigen Untersuchungen (vgl. IV-act. 153-6 ff.; BGE 125 V
351 E. 3a mit Hinweisen). Dies bestreitet auch der Beschwerdeführer nicht (vgl. zur
Kenntnis und zum Einbezug aller bis zu diesem Zeitpunkt aufgelaufenen IV-Akten
untenstehende E. 4.4).
2.2.
Als nächstes ist zu prüfen, ob das Gutachten auch in materieller Hinsicht
überzeugt, d.h. ob die Beurteilung der medizinischen Situation und die
Arbeitsfähigkeitsschätzung einleuchten. In Bezug auf diese Frage stehen gemäss
2.3.
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3.
Aktenlage somatische Beschwerden (siehe untenstehende E. 3) und psychische
Beschwerden (siehe untenstehende E. 4) zur Diskussion.
Nachdem im Jahr 2004 beim Beschwerdeführer eine schlaffragmentierende,
schwergradige obstruktive Schlafapnoe diagnostiziert worden war, hatte er die
Behandlung mittels CPAP-Gerät wegen massiver psychischer Komorbidität und
Maskeninakzeptanz abgebrochen (IV-act. 62). Da eine erneute CPAP-Behandlung vom
Beschwerdeführer kategorisch abgelehnt wurde, erfolgte eine Therapie mittels
Unterkiefer-Protrusionsschiene, welche langfristig ebenfalls keinen Erfolg brachte (IV-
act. 35-4). Ein erneuter CPAP-Behandlungsversuch führte im Mai 2011 zu einer relativ
befriedigend ausfallenden Therapie- und Compliance-Kontrolle (vgl. IV-act. 78-2). Eine
deutliche, jedoch nicht objektivierte Besserung hat sich erst nach der Magenbypass-
Operation im Mai 2017 und der damit einhergehenden Gewichtsabnahme von über 20
kg eingestellt, wie der pneumologische Teilgutachter der medexperts erwähnte (vgl.
IV-153-50 f./ Ziff. 7.4.1). Er hielt fest, dass der Beschwerdeführer sich im Alltag deutlich
weniger schläfrig fühle, und schlussfolgerte, dass die Schlafapnoe keine
Arbeitsunfähigkeit bedinge. Eine adaptierte Tätigkeit sollte gemäss dem Gutachter
daher keine gefährlichen Situationen, welche eine hohe Konzentration erfordern,
beinhalten. Aus Sicht des Beschwerdeführers stelle die pneumologische Situation
ebenfalls kein Problem dar (IV-act. 153-61/ Ziff. 7.6.3 ff.). Da der Beschwerdeführer in
Bezug auf die pneumologische Situation keine einschränkenden Beschwerden geltend
macht, die medizinischen Feststellungen nicht bestreitet und das Gutachten
diesbezüglich schlüssig und plausibel erscheint, kann darauf abgestellt werden.
3.1.
Im Juni 2015 gab der Beschwerdeführer an, seit ungefähr einem Jahr langsam
zunehmende Beschwerden (fehlende Berührungsempfindungen, Kraftlosigkeit,
unwillkürliche Beugung des Ring- und Kleinfingers) in der linken Hand zu haben (IV-act.
133-9 ff.), worauf eine schwerstgradige axonale Schädigung des Nervus ulnaris links
und eine sensomotorische Demyelinisierung der Nervi medianorum links und rechts im
Carpaltunnel-Bereich festgestellt wurden (IV-act. 133-2). Nach einer im Oktober 2015
durchgeführten Operation kam es zu einer teilweisen Besserung der motorischen
Funktionen, die Berührungsempfindungen verbesserten sich jedoch kaum (vgl. 153-45/
Ziff. 6.4.1). Demgegenüber gab der Beschwerdeführer im Rahmen der Begutachtung
an, im Alltag oft gar nicht mehr zu bemerken, dass mit der linken Hand etwas nicht
stimme (vgl. IV-act. 153-43/ Ziff. 6.2.1). Der neurologische Gutachter und die
neurologische Gutachterin konnten die in den Vorakten gestellten Diagnosen
vollumfänglich nachvollziehen, da diese mit dem aktuellen neurologischen
3.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/20
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Untersuchungsbefund korrespondieren würden (IV-act. 153-46/ Ziff. 6.4.2). Aus
neurologischer Sicht wurden als die Arbeitsfähigkeit beeinflussend eine axonale
Neuropathie des Nervus ulnaris links (infolge eines chronischen Engpasssyndroms im
Bereich des Sulcus nervi ulnaris links) und ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein
beidseitiges Carpaltunnelsyndrom diagnostiziert, woraus sich gesamthaft eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf ergebe. Idealerweise sei eine
adaptierte Tätigkeit nicht abhängig von der Funktion der linken Hand. Diese könne
jedoch zur Unterstützung eingesetzt werden (IV-act. 153-47 f./ Ziff. 6.5.1, 6.6.4). Als
Handicaps beständen die residuale sensomotorische Einschränkung nach der
Schädigung des Nervus ulnaris links, der Migrationshintergrund mit eingeschränkten
Sprachkenntnissen und das beschränkte soziale Netzwerk des Beschwerdeführers. Als
Ressource bezeichneten die Gutachterin und der Gutachter den im Übrigen normalen
neurologischen Status. In einer seinen neurologischen Leiden angepassten Tätigkeit sei
der Beschwerdeführer voll arbeitsfähig (IV-act. 153-47/ Ziff. 6.4.4 ff.). Damit
übereinstimmend gab der Beschwerdeführer selbst an, im Hinblick auf die linke Hand
keine relevanten Einschränkungen im Alltag und in Bezug auf eine berufliche Tätigkeit
zu sehen (IV-act. 153-48/ Ziff. 6.9). Der Beschwerdeführer macht in Bezug auf die linke
Hand auch im Rahmen der Beschwerde keine Einschränkungen geltend und bestreitet
die medizinischen Feststellungen nicht (Diagnosen, Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit in einer geeigneten Tätigkeit samt deren Profil [z.B. Tätigkeiten ohne
feinmotorische anspruchsvolle oder körperlich schwere Tätigkeiten mit der linken
Hand]). Diesbezüglich erscheint das Gutachten schlüssig und plausibel. Die
neurologische Einschätzung wurde überdies im Rahmen der Konsensbeurteilung
übernommen. Insgesamt kann darauf abgestellt werden.
Ältere Berichte belegen weitere somatische Beschwerden des Beschwerdeführers
und dokumentieren dermatologische und endokrinologische Untersuchungen (vgl. IV-
act. 47-5 f., 54-12 f., 45-5, 75, Fremdakten 1-1 ff.). Dazu ergaben sich im Rahmen des
Gutachtes jedoch keine somatischen Diagnosen. Entsprechende Beschwerdeangaben
des Beschwerdeführers wurden von den somatischen Begutachtenden sodann nicht
protokolliert. Auch den offenbar in umfassender Weise durch den psychiatrischen
Hauptgutachter der medexperts vom Beschwerdeführer erbetenen subjektiven
Schilderungen der aktuellen Beschwerden und des bisherigen Verlaufs der
gesundheitlichen Beeinträchtigungen sind keine spezifischen aktuellen somatischen
Beschwerden zu entnehmen (vgl. IV-act. 153-26/ Ziff. 3.3.1, 154-2). Der internistische
Gutachter hielt sodann explizit fest, dass keine Erkrankungen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit beständen, da der Diabetes mellitus optimal eingestellt sei und sich die
Adipositas seit der Magenbypass-Operation ebenfalls in Richtung Normalisierung
3.3.
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4.
bewege (dennoch sei eine Gewichtsreduktion weiterhin empfohlen; IV-act. 153-40 ff.).
Das Gutachten ist diesbezüglich schlüssig und plausibel, so dass darauf abgestellt
werden kann.
Vom Beschwerdeführer wird zentral die Beweiskraft des psychiatrischen
Teilgutachtens bestritten. Er macht diesbezüglich geltend, aus psychischen Gründen in
seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt zu sein. Es sei für ihn unverständlich, dass der
Gutachter seine psychische Erkrankung verneine (act. G 1). Er erwähnt jedoch keine
konkreten medizinischen Aspekte, die von den Gutachtern unerkannt geblieben wären.
Was die vom Beschwerdeführer bestrittene Objektivität des Gutachtens betrifft, ist
darauf hinzuweisen, dass die psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her
nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater oder
der begutachtenden Psychiaterin deshalb praktisch immer einen gewissen Spielraum,
innerhalb dessen verschiedene medizinische-psychiatrische Interpretationen möglich,
zulässig und zu respektieren sind, sofern die Expertise lege artis erstellt wurde (Urteil
des Bundesgerichts vom 5. April 2019, 9C_668/2018, E. 3.5 mit Hinweisen). In der
Beschwerdeschrift erwähnt der Beschwerdeführer, der Gutachter habe ihn nur kurz
gesehen. Dazu ist festzuhalten, dass der zu betreibende zeitliche Aufwand der
konkreten Fragestellung und der zu beurteilenden Psychopathologie angemessen sein
muss (Urteile des Bundesgerichts vom 9. Mai 2017, 9C_44/2017, E. 4.3; vom 20.
Februar 2014, 8C_767/2013, E. 6.1; jeweils mit Hinweisen). Mit Blick auf die
umfangreichen berücksichtigten Vorakten erscheint der für die psychiatrische
Begutachtung betriebene zeitliche Untersuchungsaufwand (Untersuchungsdauer von
8.30 bis 10.20 Uhr, IV-act. 153-25/ Ziff. 3.1) hinreichend. Für den Aussagegehalt eines
medizinischen Gutachtens kommt es überdies in erster Linie darauf an, ob die
Expertise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist. Trifft dies zu, ist die
Untersuchungsdauer grundsätzlich nicht entscheidend (Urteile des Bundesgerichts
vom 14. Mai 2019, 9C_190/2019, E. 3.1; vom 15. März 2016, 8C_47/2016, E. 3.2.2;
jeweils mit Hinweisen). Im Übrigen liegt es in der Natur der Sache, dass eine
psychiatrische Begutachtung sich nicht auf einen gleich langen Beobachtungszeitraum
stützen kann wie die Berichte behandelnder Fachleute. Dies allein vermag den
Beweiswert einer Expertise nicht zu schmälern.
4.1.
Vom Beschwerdeführer werden sodann aufgrund seiner psychischen Erkrankung
Einschränkungen im Alltag geltend gemacht. Nur dank der Unterstützung der
psychiatrischen Spitex sowie der psychiatrischen Behandlung gelinge es ihm,
wenigstens zuhause ein bisschen Struktur aufrecht zu erhalten (act. G 1). Der das
4.2.
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psychiatrische Teilgutachten verfassende Dr. med. N._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, diagnostizierte beim Beschwerdeführer, jeweils ohne wesentliche
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, eine Entwicklung körperlicher Symptome aus
psychischen Gründen und eine nicht näher bestimmte dissoziative Störung. Gemäss
Dr. N._ richtete sich die bisherige Behandlung des Beschwerdeführers nach einer
Fehldiagnose (depressive Episoden und posttraumatische Belastungs- oder
Persönlichkeitsstörung nach Extrembelastung). Durch die externalen Reize im
Rentenverfahren sei der Beschwerdeführer in seiner eingenommenen Krankenrolle mit
sekundärem Krankheitsgewinn verstärkt (gemeint wohl: bestärkt) worden (vgl. IV-act.
153-34).
Dr. N._ befasste sich ausführlich mit der Herleitung der obgenannten
Diagnosen und begründete diese unter Würdigung der Vorakten. So merkte er an, dass
die seitens des Psychiatrischen Zentrums H._ attestierte volle Arbeitsunfähigkeit
(gemeint ist offenbar jene gemäss Bericht vom 28. September 2010, vgl. IV-
act. 153-13, 60-6) auf neurologischen Befunden von 2008 basiere und dies aus
psychiatrischer-versicherungsmedizinischer Sicht nicht nachvollziehbar sei.
Rückblickend werde ein verworrenes Bild dargeboten, "ohne klare depressive Störung,
ohne klare posttraumatische Belastungsstörung und 'mit ausgeprägten kognitiven
Defiziten auf Niveau einer Intelligenzminderung', was diagnostisch nicht klar
einzustufen ist" (IV-act. 153-31). Dieselben Vorbefunde diskutierte vergleichbar auch
die neuropsychologische Gutachterin. Diese stellte zudem fest, dass die kognitiven
Untersuchungen in den Jahren 2008 und 2012 von Psychologen ohne besondere
neuropsychologische Expertise bzw. Fachtitel durchgeführt worden seien und der
dannzumal durchgeführte Test zur Symptomvalidierung als nicht ausreichend
angesehen werde. Aufgrund dessen komme den neuropsychologischen Vorbefunden
nur eingeschränkte Aussagekraft zu (IV-act. 154-5). Dass kein Dolmetscher
hinzugezogen worden sei, schränke die Validität der Vorbefunde und deren
Aussagekraft zusätzlich ein (IV-act. 154-5 f.).
4.2.1.
Ebenfalls nachvollziehbar ist die Aussage von Dr. N._, dass das Diagnose-Bild
verworren sei (vgl. vorstehende E. 4.2.1). Den Akten lässt sich überdies kein eigentlich
klarer Therapie- bzw. Behandlungsplan entnehmen. Zwar nahm der Beschwerdeführer
über die Jahre immer wieder therapeutische Optionen in Anspruch, wiederholt kam es
jedoch zu Behandlungsabbrüchen und langen Therapiepausen, deren Gründe nicht
hinreichend dokumentiert wurden. Eigentliche Behandlungserfolge sind nicht
ersichtlich. Die anlässlich der Begutachtung veranlasste Blutserumkontrolle ergab,
dass das Neuroleptikum Lurasidon nicht im therapeutischen Bereich nachweisbar war.
4.2.2.
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Der Wert des Medikaments Sertralin, das offenbar insbesondere bei leichten bis
mittelschweren Depressionen oder zur Unterdrückung weiterer depressiver Episoden
eingesetzt wird (vgl. dazu Arzneimittel-Kompendium "compendium.ch" <https.//
compendium.ch/product /1458164-sertralin-mepha-filmtabl-100-mg/
mpro#Mpro7100>, abgerufen am 29. Juni 2021), lag lediglich im unteren
therapeutischen Bereich (IV-act. 154-8, 153-29). Auch dies lässt nicht auf einen
erheblichen Leidensdruck schliessen.
Dr. N._ setzte sich sodann mit der Konsistenz auseinander und merkte an,
dass erhebliche Diskrepanzen zwischen geschilderten Symptomen, dem Verhalten und
den objektivierbaren Befunden beständen, da der Beschwerdeführer – abgesehen von
den Verdeutlichungstendenzen – psychopathologisch beinahe unauffällig sei.
Zusätzlich weise die neuropsychologische Untersuchung auf ein Aggravationsverhalten
hin (IV-act. 153-34/ Ziff. 4.3.3). Aus dem neuropsychologischen Teilgutachten geht in
der Beurteilung hervor, dass sich – neben Auffälligkeiten in der Symptomvalidierung –
im Testverhalten des Versicherten und auch in den Testergebnissen Diskrepanzen
ergeben hätten, die sich aus neuropsychologischer Sicht nicht allein durch
Nebenwirkungen der Medikation, psychische Störungen, Schmerzen oder einen im
Ausland erworbenen Bildungsgrad erklären liessen. Da hirnorganisch keine auffälligen
Befunde erhoben worden seien, sei eine schwankende Anstrengungsbereitschaft des
Versicherten eine mögliche Erklärung, wobei Aggravationstendenzen nicht
ausgeschlossen werden könnten (IV-act. 153-29, vgl. auch IV-act. 154-6). Das aktuelle
kognitive Leistungsvermögen des Beschwerdeführers habe sich nicht abschliessend
beurteilen lassen, da nicht authentische kognitive Funktionsstörungen objektiviert
worden seien, ohne die Möglichkeit, davon authentische kognitive Störungen mit
genügender Wahrscheinlichkeit abgrenzen zu können (IV-act. 153-29/ Ziff. 4.2).
4.2.3.
Dr. N._ würdigte im Rahmen des Gutachtens die Aussagen des
Beschwerdeführers betreffend den sozialen Kontext (vgl. BGE 141 V 303 f., E. 4.3.3)
und stellte fest, dass keine Einschränkungen beständen, welche auf eine psychische
Störung zurückzuführen wären. Der Beschwerdeführer könne sich ohne
Einschränkungen um den Haushalt kümmern, er gehe auch selbst einkaufen und habe
regelmässigen sozialen Kontakt (IV-act. 153-34/ Ziff. 4.3.3). Gutachterlich wird im
Rahmen der subjektiven Angaben des Beschwerdeführers festgehalten, dass dieser
trotz der Schmerzen in den Händen im Haushalt alles selber erledige. Er kaufe ein und
bereite sich das Mittagessen und weitere Mahlzeiten selbst zu (vgl. IV-act. 153-26/ Ziff.
3.1.3). Hilfestellungen oder benötigte Unterstützung im Haushalt bzw. Alltag werden
vom Beschwerdeführer weder im Rahmen seiner Beschwerde noch in den
4.3.
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Schilderungen zum Tagesablauf bei der Begutachtung erwähnt. Zwar ist den Akten zu
entnehmen, dass seit 2008 zur Unterstützung beim Führen des Haushalts sowie zur
Erledigung finanzieller und administrativer Angelegenheiten eine ambulante
psychiatrische Spitexbetreuung bestehe (vgl. IV-act. 27-3/ Ziff. 7, 170-3). Wie diese
Unterstützung im Einzelnen aussieht, wird jedoch nicht beschrieben. Es ist daher nicht
ersichtlich und nicht nachvollziehbar, wie sich die geltend gemachten Auswirkungen
der psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung konkret im Alltag manifestieren.
Ausreichend konkrete Hinweise darauf, dass der Unterstützungsbedarf von Dr. N._
unterschätzt worden wäre, liegen jedenfalls nicht vor. Von Dr. N._ wird festgehalten,
dass der Beschwerdeführer regelmässigen Kontakt zu Familienangehörigen pflege (IV-
act. 153-25/ Ziff. 3.1.1, 153-26/ Ziff. 3.1.3, 153-34/ Ziff. 4.3.3), auch Kollegen werden
erwähnt (IV-act. 153-43). Die Beurteilung von Dr. N._, dass der Beschwerdeführer
zwar alleine, aber keinesfalls zurückgezogen lebe, ist daher nachvollziehbar. Dass sich
aus den geltend gemachten psychischen Beeinträchtigungen insgesamt deutliche
funktionelle Einschränkungen ergäben, die sich relevant auf das Aktivitätsniveau
auswirken würden (vgl. dazu sinngemäss BGE 141 V 289 f., E. 4.3.1.1), ist nicht erstellt.
Kurz vor der medexperts-Begutachtung hatte sich der Beschwerdeführer vom 16.
bis 27. Juni 2017 stationär in der Krisenintervention des Psychiatrischen Zentrums
H._ aufgehalten (IV-act. 151). Davon hatten die medexpert-Gutachter offenbar keine
Kenntnis, was einen gewissen Mangel am Gutachten darstellt. Im Gesamtkontext lösen
dieser Aufenthalt und der Bericht darüber vom 21. Juni 2017 (richtig wohl: 27. Juni
2017) jedoch keine relevanten Zweifel an der Zuverlässigkeit der Einschätzung von
Dr. N._ aus. Damals, also lediglich zwei Monate vor der Begutachtung, war zwar eine
schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen diagnostiziert worden. Im
Bericht werden eine Abänderung der neuroleptischen Medikation und eine
Verbesserung der Symptomatik erwähnt. Der Beschwerdeführer wünsche keinen
weiteren stationären Aufenthalt (IV-act. 151). Die im Bericht erwähnte Medikation
wurde im Begutachtungszeitpunkt offenkundig nicht mehr oder jedenfalls nicht mehr
im beschriebenen Ausmass eingenommen (vgl. IV-act. 151-1 verglichen mit 153-28 f.).
Da Dr. N._s Beschreibung des Psychostatus zudem jedenfalls keine schwere
Depressivität mehr erkennen lässt – bewusstseinsklar, allseits orientiert; das Denken
neige zur Eineigung auf die erlebten Ungerechtigkeiten, dabei poche er auf seine
Rechte; Konzentrationsvermögen, Aufmerksamkeit und Auffassung unauffällig; Bericht
von Beziehungs- und Beeinträchtigungsideen ohne wahrnehmbaren Leidensdruck,
keine Wahnstimmung spürbar; Affekt meistens dysphorisch bei doch noch
ausreichender Modulationsfähigkeit; Darstellung der Symptome wirke dramatisch, mit
lebhafter Mimik und Gestik, gehobenem Antrieb, verdeutlicht (IV-act. 153-29) –, löst
4.4.
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auch der Bericht der Krisenintervention vom 21. Juni 2017 keine relevanten Zweifel am
Ergebnis der Begutachtung aus.
Mit dem Einwand vom 30. November 2018 reichte der Beschwerdeführer Berichte
der behandelnden Traumatherapeutinnen der O._ vom 20. November 2018 und der
behandelnden Fachpersonen der Psychiatrie M._ vom 27. November 2018 ein. Diese
waren zum Begutachtungszeitpunkt noch nicht erstellt, nehmen aber zum
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers vor dem Begutachtungszeitpunkt
Stellung.
4.5.
Der Beschwerdeführer gab im Rahmen der medexperts-Begutachtung an, eine
Foltertherapie bei O._ begonnen zu haben (IV-act. 153-27). Ein Bericht darüber lag
den Gutachtern nicht vor und wurde von diesen offenbar auch nicht erhältlich gemacht.
Zwischen Mai und November 2014 hatte der Beschwerdeführer an zwei Tagen
wöchentlich die psychiatrische Tagesklinik O._, Zentrum für Psychotraumatologie
besucht. Im Bericht vom 20. November 2018 über diese Therapie sowie eine
anschliessende, bis 8. Juli 2015 durchgeführte ambulante psychotherapeutische
traumaspezifische Behandlung (mit Unterbrechung) wurde festgehalten, dass
Informationen und angepasste Psychoedukation zur PTBS zu keinem vertieften
Verständnis oder zum Einlassen auf einen längerdauernden psychotherapeutischen
Entwicklungsprozess geführt hätten. Im Bericht wird eine PTBS erwähnt und eine
Arbeitsfähigkeit in Frage gestellt (vgl. IV-act. 170-5 ff.). Den früheren Akten ist zu
entnehmen, dass die Diagnose PTBS bereits im Rahmen des stationären Aufenthaltes
in der psychiatrischen Tagesklinik St. Gallen im Juli 2008 (vgl. IV-act. 27-3) in
Erwägung gezogen und 2010 im Bericht über die RAD-Untersuchung aufgegriffen und
diskutiert, jedoch als eigentliche Diagnose nicht gestellt worden war. Im Rahmen der
RAD-Untersuchung 2010 hatten weder der Verdacht auf eine PTBS entsprechend den
ICD-/DSM-IV-Kriterien klinisch-deskriptiv noch die Auslöseursache für eine
Anpassungsstörung begründend dargestellt werden können. Die RAD-Gutachter
führten in ihrem Bericht aus, dass die blosse Erinnerung an Folter und Terror nicht eo
ipso den Verdacht auf eine PTBS begründe (vgl. IV-act. 46-18). Ebenfalls hätten zum
Zeitpunkt des ABI-Gutachtens von 2014 keine charakteristischen Symptome für eine
PTBS vorgelegen (vgl. IV-act. 153-32, 110-12/ Ziff. 4.1.4). In Würdigung dieser
Vorakten hielt Dr. N._ in der polydisziplinären Zusammenfassung fest, dass eine
PTBS-Diagnose bereits 2010 nicht gestellt worden sei, und führte nachvollziehbar aus,
dass eine Diagnose mit einer Latenz von über 20 Jahren sehr unwahrscheinlich sei, da
der Beschwerdeführer während dieser Zeit ebenfalls keine weiteren Symptome einer
PTBS gezeigt habe (vgl. IV-act. 153-59). Sodann sind solche auch nicht hinreichend
4.5.1.
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dokumentiert. Die Auseinandersetzung von Dr. N._ mit der PTBS-Thematik erscheint
insgesamt als ausreichend und im Ergebnis plausibel. Seitens der O._ werden im
Bericht vom 20. November 2018 keine neuen Faktoren oder sonstigen Argumente
vorgebracht, die relevante Zweifel am Ergebnis der Begutachtung auszulösen
vermöchten.
Im Bericht der Psychiatrie M._ vom 27. November 2018 wird das Vorliegen
aller Diagnosekriterien für die andauernde Persönlichkeitsänderung hergeleitet und
neben der entsprechenden Diagnose eine rezidivierende depressive Symptomatik,
mittelgradige Episode, diagnostiziert. Der im Bericht ebenfalls erwähnte abgeflachte
Affekt und die deutlich eingeschränkte Schwingungsfähigkeit des Beschwerdeführers
(IV-act. 170-3) wurden im Begutachtungszeitpunkt offensichtlich nicht im gleichen
Masse wahrgenommen (vgl. IV-act. 153-29, 153-33). Im Bericht vom 27. November
2018 wird sodann das "wahnhafte Erleben" des Beschwerdeführers thematisiert (IV-
act. 170-3), während zum Begutachtungszeitpunkt jedoch keine Wahnstimmung
spürbar gewesen war bzw. die Darstellung des Beschwerdeführers auf Dr. N._
dramatisiert und verdeutlichet gewirkt hatte (IV-act. 153-29). Ebenfalls brachten die
behandelnden Fachpersonen keine objektiv feststellbaren Gesichtspunkte vor, welche
im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung unerkannt geblieben und geeignet
gewesen wären, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (vgl. statt vieler: Urteile
des Bundesgerichts vom 3. März 2017, 9C_793/2016, E. 4.1.2; vom 21. Februar 2017,
9C_338/2016, E. 5.5; jeweils mit Hinweisen). Nach dem Gesagten löst auch der Bericht
der Psychiatrie M._ vom 27. November 2018 keine relevanten Zweifel am Ergebnis
der Begutachtung aus.
4.5.2.
Der psychiatrische RAD-Arzt Dr. L._ verneinte in Würdigung der nach der
Begutachtung erstellten Berichte vom 27. November 2018 und 20. November 2018
neue wesentliche medizinische Erkenntnisse. Er hielt nachvollziehbar fest, dass selbst
bei Vorliegen einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung das
im Gutachten beschriebene Funktionsniveau unverändert imponiere (vgl. dazu
detaillierter IV-act. 171-2). Plausibel erwähnte er überdies einerseits die zu den
Einschätzungen der behandelnden Fachpersonen nicht passenden
psychopathologischen Eindrücke, die Dr. N._ festgehalten hatte, und andererseits
die Auffälligkeiten in der neuropsychologischen Testung. Aus formalen Gründen liess
RAD-Arzt Dr. L._ dennoch medizinische Rückfragen zum Gutachten stellen (vgl. IV-
act. 171 ff.,175; vgl. dazu im Sachverhalt lit. B.f).
4.5.3.
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Als Rückfrage brachte Dr. L._ das in den Berichten vom 20. und 27. November
2018 vorgebrachte Auftreten von Abspaltungs- oder Dissoziationsprozessen ein (vgl.
IV-act. 170-4, 170-7). Im Bericht vom 20. November 2018 schrieben die behandelnden
Fachpersonen die uneinheitlichen Diagnosen einerseits den eigenen Ansichten und
Vorstellung von Realität und Wirkungszusammenhängen des Beschwerdeführers und
andererseits dem zusätzlich immer wieder auftretenden Abspaltungs- und
Dissoziationsprozess zu. Dies habe dazu geführt, dass gewisse Inhalte vom
Beschwerdeführer in den jeweiligen Untersuchungen nicht oder nicht besser (im
Einklang mit den Vorgängen eines Ganser-Syndroms) hätten verbalisiert werden
können (vgl. IV-act 170-7). Demgegenüber hielt der Gutachter fest, dass sich der
Beschwerdeführer zum Begutachtungszeitpunkt, abgesehen von einer gewissen
Dramatik bzw. Verdeutlichung, psychopathologisch beinahe unauffällig gezeigt habe
(IV-act. 153-34). Die bestehende querulatorische Tendenz des Beschwerdeführers
wertete Dr. N._ auch nach Kenntnisnahme der Berichte vom 20. und 27. November
2018 ebenso wie die weiteren Befunde (Schlafstörungen, Reizbarkeit,
Konzentrationsstörungen, das Gefühl verfolgt und beobachtet zu werden, etc.) eher als
Ausdruck von Enttäuschung, Verbitterung und Unzufriedenheit mit dem Lauf seines
Lebens (IV-act. 177-2/ Frage 3). Diese Auffassung überzeugt auch vor dem Hintergrund
der in E. 4.2.3 erwähnten Diskrepanzen. Überdies legte Dr. N._ bereits im Gutachten
die Schwierigkeit der Unterscheidung zwischen Simulations- und
Aggravationssymptomen und Abspaltungs- oder dissoziativen Prozessen offen.
Offenbar hielt Dr. N._ nach dem Gesagten aber das Vorliegen von Abspaltungs- oder
dissoziativen Prozessen beim Beschwerdeführer nicht für überwiegend wahrscheinlich.
Dies ist auch vor dem Umstand nachvollziehbar, dass die Darstellung der Symptome
des Beschwerdeführers, insbesondere die erlebten Ungerechtigkeiten, vom Gutachter
als "dramatisch, mit lebhafter Mimik und Gestik, gehobenem Antrieb, verdeutlicht"
beschrieben wurden (vgl. IV-act. 153-29). Konkrete Hinweise darauf, dass der
Spielraum für die medizinische-psychiatrische Interpretation von Dr. N._
überschritten worden wäre, liegen jedenfalls nicht vor (vgl. vorstehende E. 4.1).
4.5.4.
Im Licht dieser Verhältnisse ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass keine psychische Gesundheitsbeeinträchtigung ausgewiesen und
von weiteren medizinischen Abklärungen auch keine verlässlichere
Arbeitsfähigkeitsschätzung zu erwarten ist (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 122
V 157, E. 1d; Urteil des Bundesgerichts vom 7. August 2008, 9C_164/2008, E. 4.3).
Dem Antrag des Beschwerdeführers, seine Invalidität sei neu zu überprüfen, ist folglich
nicht stattzugeben.
4.6.
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5.