Decision ID: ed1a6a8c-b88c-5f8d-a4d9-471d3153ca61
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführenden mit letztem Aufenthalt in C._ (depar-
tamento del D._), verliessen Kolumbien gemäss eigenen Angaben
am (...) 2019 und gelangten mit ihren authentischen Reisepässen per
Flugzeug, mit Transit in E._, am (...) 2019 in die Schweiz, wo sie
sich zunächst bei F._ (Ex-Lebenspartnerin des Beschwerdeführers
1 beziehungsweise Mutter des Beschwerdeführers 2; nachfolgend M.) und
G._ (Sohn des Beschwerdeführers 1 beziehungsweise Bruder des
Beschwerdeführers 2; nachfolgend S.) aufgehalten hätten. Am 7. Feb-
ruar 2020 suchten sie in der Schweiz um Asyl nach und wurden dem BAZ
der Region H._ zugwiesen. Die Personalienaufnahmen fanden ge-
trennt am 13. Februar 2020 statt (PA; Protokolle in den SEM-Akten:
1061691 [nachfolgend A]-10/5 [Beschwerdeführer 1] und 1061692 [nach-
folgend B]-10/5 [Beschwerdeführer 2]). In Anwesenheit ihrer zugewiesenen
Rechtsvertretung befragte das SEM die Beschwerdeführer separat am
17. Juli 2020 einlässlich zu ihren Asylgründen (Anhörung; Protokolle in den
SEM-Akten: A23/13 [Beschwerdeführer 1]; nachfolgend A23 und B25/14
[Beschwerdeführer 2]; nachfolgend B25).
A.b Als Beweismittel reichten die Beschwerdeführer ihre Identitätskarten
und Pässe (im Original) sowie die Unterlagen des Asylverfahrens ihrer An-
gehörigen in E._ (in Kopie), namentlich von J._ (nachfol-
gend R.), dem Onkel des Beschwerdeführers 2 und ehemaligen Arbeitge-
ber des Beschwerdeführers 1 ein. Der Beschwerdeführer 1 reichte unter
anderem zusätzlich Kopien seiner Arbeitszertifikate als (...) sowie Face-
book-Ausdrucke betreffend R. und der Beschwerdeführer 2 Kopien seiner
Schuldiplome zu den Akten.
B.
Am 27. Juli 2020 nahm die zugewiesene Rechtsvertreterin der Beschwer-
deführer Stellung zu den separaten Verfügungsentwürfen des SEM vom
24. Juli 2020.
C.
Mit separaten Verfügungen vom 28. Juli 2020, beide gleichentags eröffnet,
verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführer und
lehnte ihre Asylgesuche ab. Gleichzeitig ordnete es ihre Wegweisung aus
der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
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D.
Am 29. Juli 2020 legte die zugewiesene Rechtsvertreterin die Mandate nie-
der.
E.
Die Beschwerdeführer gelangten mit separaten Beschwerden vom 25. Au-
gust 2020 (Poststempel: 26. August 2020) an das Bundesverwaltungsge-
richt (nachfolgend BVGer) und beantragen, die Verfügungen des SEM vom
28. Juli 2020 seien aufzuheben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Eventualiter sei ihre Flüchtlingseigenschaft anzuerken-
nen und es sei ihnen Asyl zu gewähren, subeventualiter sei wegen Unzu-
mutbarkeit oder Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
In prozessualer Hinsicht ersuchen sie um Koordination ihrer Beschwerde-
verfahren sowie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, inklu-
sive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
F.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
27. August 2020 in elektronischer Form vor (Art. 109 Abs. 1 AsylG [SR
142.31]).
G.
Am 28. August 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-
gang der Beschwerden und stellte fest, die Beschwerdeführer könnten den
Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
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Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerden sind frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführer haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
sind durch die angefochtenen Verfügungen besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerden legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 der Verordnung über Massnahmen
im Asylbereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus [SR 142.318]);
Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerden ist einzu-
treten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Dem Antrag auf Koordination der Beschwerdeverfahren wird insofern voll-
umfänglich Rechnung getragen, als aufgrund der sachlichen und persönli-
chen Nähe – der Beschwerdeführer 2 basiert seine Asylgründe gänzlich
auf jene des Beschwerdeführers 1 – die beiden Beschwerden vereinigt und
mit einem Urteil darüber entschieden wird.
4.
4.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
4.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von
bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr
die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-
gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu
werden drohen. Die erlittene Verfolgung muss sachlich und zeitlich kausal
für die Ausreise aus dem Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeit-
punkt des Asylentscheids noch aktuell sein. Massgeblich für die Beurtei-
lung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Entschei-
des, wobei erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende
begründete Furcht vor Verfolgung – im Sinne einer Regelvermutung – auf
eine andauernde Gefährdung hinweist. Veränderungen der Situation zwi-
schen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asyl-
suchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2; 2009/51
E. 4.2.5; 2007/31 E. 5.2 f., je m.w.H.).
Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die An-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-
troffene Person in ihrem Heimatstaat keinen adäquaten Schutz finden
kann, weil dort keine Infrastruktur besteht, die ihr Schutz bieten könnte
(sog. Schutztheorie, vgl. BVGE 2011/51 E. 7, m.w.H.), oder weil der Staat
ihr keinen Schutz gewährt, obwohl er dazu in der Lage wäre (vgl. BVGE
2011/51 E. 7.1 und E. 7.4 S. 1017 f. m.w.H.). Zudem besteht ein Schutz-
bedürfnis auch dann, wenn die bestehende Schutzinfrastruktur der von
Verfolgung betroffenen Person nicht zugänglich ist oder ihr deren Inan-
spruchnahme aus individuellen Gründen nicht zuzumuten ist. Über das Be-
stehen eines Schutzbedürfnisses ist im Rahmen einer individuellen Einzel-
fallprüfung unter Berücksichtigung des länderspezifischen Kontextes zu
befinden, wobei es den Asylbehörden obliegt, die Effektivität des Schutzes
vor Verfolgung im Heimatstaat abzuklären und zu begründen (vgl. BVGE
2011/51 E. 7.4 S. 1018 m.w.H.). Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung im
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Seite 6
Heimatstaat ist als ausreichend zu qualifizieren, wenn die betreffende Per-
son effektiv Zugang zu einer funktionierenden und effizienten Schutzinfra-
struktur hat, unabhängig von persönlichen Merkmalen wie Geschlecht oder
Zugehörigkeit zu einer ethnischen oder religiösen Minderheit, und ihr die
Inanspruchnahme eines solchen innerstaatlichen Schutzsystems individu-
ell zumutbar ist (vgl. BVGE 2011/51 E. 7.4 sowie statt vieler Urteil des
BVGer E-2918/2018 vom 12. August 2019 E. 5.1).
5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1
6.1.1 Zur Begründung seines Asylgesuchs bringt der Beschwerdeführer 1
im Wesentlichen vor, er habe zwischen (...) in C._ als (...) von R.,
ein (...) und Politiker, gearbeitet. R. sei mit der Schwester von M. verheira-
tet und insofern ein Familienangehöriger. R. sei sehr wohlhabend gewe-
sen, weshalb er in Kolumbien wiederholt erpresst und entführt worden sei
und man bei ihm eingebrochen habe. Da er ständig mit R. unterwegs ge-
wesen sei und ein enges Verhältnis zu ihm gehabt habe, zumal R. auch
der Onkel seiner Kinder sei, habe er mehrere Drohanrufe von einer unbe-
kannten Privatnummer erhalten, nachdem R. (...) mit seiner Familie nach
E._ geflüchtet sei. Man habe ihm jeweils am Telefon gedroht, dass
ihm oder dem Beschwerdeführer 2 etwas zustossen werde, wenn er den
Aufenthaltsort von R. nicht bekannt gebe. Auch der Beschwerdeführer 2
sei deswegen bedroht worden.
Ab 2018 habe er als (...) gearbeitet. Als er (...) 2019 (...) zwei Personen in
C._ gefahren habe, hätten diese ihm mit einer Feuerwaffe Konse-
quenzen angedroht, wenn er den Aufenthaltsort von R. nicht nennen
würde. Zudem hätten sie ihm sein Mobiltelefon und Geld entwendet. Da er
keine Beweise gehabt habe, habe er den Vorfall nicht bei der Polizei ge-
meldet und sich stattdessen entschlossen, zu R. nach E._ zu rei-
sen. Nachdem der Beschwerdeführer 2 die Sekundarschule abgeschlos-
sen habe, hätten sie Kolumbien (...) 2019 verlassen.
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Er sei aber auch in die Schweiz gekommen, um seinen minderjährigen
Sohn S. zu sehen, der hier seit (...) bei seiner Mutter M. lebe sowie um den
Beschwerdeführer 2 in die Obhut von M. zu übergeben. Ursprünglich habe
er beabsichtigt danach nach E._ zurückzukehren und dort um Asyl
nachzusuchen. Nachdem aber die Wohngemeinde von M. die Anmeldung
des Beschwerdeführers 2 abgelehnt und er die labile psychische Verfas-
sung von S. und M. bemerkt habe, habe er entschieden, in der Schweiz
Asyl zu beantragen, um seine väterlichen Aufgaben wahrnehmen zu kön-
nen.
In persönlicher Hinsicht führte er aus, er sei in C._ geboren und
habe sein gesamtes Leben dort verbracht, bis auf ungefähr vier bis fünf
Jahre, während denen er in K._ gearbeitet habe. Er habe die Se-
kundarschule sowie eine Ausbildung als (...) abgeschlossen. In C._
habe er mit dem Beschwerdeführer 2 und dessen (...) gewohnt. Seine (...)
und (...) lebten in L._, ausserhalb von C._.
6.1.2 Der Beschwerdeführer 2 führte im Rahmen seiner Anhörung im We-
sentlichen aus, er sei hauptsächlich wegen seiner Mutter M. und seinem
Bruder S. in die Schweiz gekommen, die hier lebten, und um in der Schweiz
zu studieren und arbeiten. Zudem sei die allgemeine Situation in Kolum-
bien gefährlich.
Nachdem er in der Schweiz angekommen sei, hätten ihm seine Eltern mit-
geteilt, dass der Beschwerdeführer 1 in Kolumbien wegen seiner Funktion
als (...) für seinen Onkel R. telefonisch bedroht worden sei. Die Bedrohun-
gen seien auf das politische Engagement von R. von (...) zurückzuführen.
Seine Eltern hätten ihn nicht früher darüber informieren wollen, damit er
zuerst die Schule habe abschliessen können und sich in Sicherheit fühle.
Zu seinen Lebensumständen führte der Beschwerdeführer 2 aus, er sei in
C._ geboren und aufgewachsen. Er habe mit seinen Eltern und sei-
nem Bruder S. für drei Jahre in K._ und während einem Jahr in
M._ gelebt, da seine Eltern dort gearbeitet hätten. Die Schule habe
er in Kolumbien bis zur elften Klasse besucht.
6.2 Zur Begründung der fehlenden Flüchtlingseigenschaft und der Ableh-
nung der Asylgesuche qualifiziert die Vorinstanz die Vorbringen der Be-
schwerdeführer als den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft im
Sinne von Art. 3 AsylG nicht genügend. Diese Einschätzung begründet sie
im Wesentlichen wie folgt:
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Die Beschwerdeführer seien bis zu ihrer Ausreise keinen ernsthaften Ver-
folgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen. Reine Vermutungen genügten
nicht, um eine begründete Furcht vor einer gezielten Verfolgung zu begrün-
den. Des Weiteren stellten Übergriffe oder erlittene Nachteile keine asylre-
levante Verfolgung dar, soweit sie nicht auf der Absicht beruhten, einen
Menschen aus einem der in Art. 3 AsylG erwähnten Gründe zu treffen. Ge-
mäss Aussagen des Beschwerdeführers 1 seien die Täter an R. interessiert
gewesen, da er viel Geld besessen und verwaltet habe.
Im Weiteren seien Übergriffe durch Dritte oder Befürchtungen, künftig sol-
chen ausgesetzt zu sein, nur dann asylrelevant, wenn der Staat seiner
Schutzpflicht nicht nachkomme oder nicht in der Lage sei, Schutz zu ge-
währen. Generell sei Schutz gewährleistet, wenn der Staat geeignete
Massnahmen treffe, um die Verfolgung zu verhindern und wenn Antrags-
steller Zugang zu diesem Schutz hätten.
Die Beschwerdeführer hätten keine genauen Angaben zu den mutmassli-
chen Tätern machen können. Der Beschwerdeführer 1 habe nur zwei Per-
sonen genannt, die in (...), und dass er von jemandem mit einer unbekann-
ten Privatnummer telefonisch kontaktiert worden sei. Auch der Beschwer-
deführer 2 habe lediglich dargelegt, dass sich sein Onkel R. zwischen den
Jahren (...) politisch betätigt habe, dass der Beschwerdeführer 1 der (...)
von R. gewesen sei und nach der Ausreise von R. telefonisch bedroht wor-
den sei.
Das SEM gehe davon aus, dass der kolumbianische Staat grundsätzlich
über eine funktionierende Schutzinfrastruktur, insbesondere über einen
funktionierenden Polizeiapparat sowie über ein Rechts- und Justizsystem
verfüge. Da der kolumbianische Staat die Aktivitäten von Kriminellen und
von Guerilla im Rahmen der Möglichkeiten bekämpfe, sei die Schutzwillig-
keit vorhanden (m.H.a. Urteile des BVGer E-7676/2015 und D-1122/2007).
Indem die Beschwerdeführer sich nicht schutzsuchend an die heimatlichen
Behörden gewendet hätten, könne Letzteren auch nicht vorgeworfen wer-
den, dass sie nicht willens oder nicht in der Lage seien, den geltend ge-
machten Sachverhalt zu klären. Vielmehr sei mangels gegenteiliger Hin-
weise vom Vorhandensein eines adäquaten Schutzes durch den Heimat-
staat auszugehen. Es sei demnach zu folgern, dass der kolumbianische
Staat auch im Falle der Beschwerdeführer seiner Schutzpflicht nachge-
kommen wäre.
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Seite 9
Schliesslich seien den Ausführungen der Beschwerdeführer weder ein zeit-
licher noch ein sachlicher Zusammenhang zwischen den mutmasslichen
Bedrohungen und ihrer Ausreise zu entnehmen. Der Beschwerdeführer 1
habe gesagt, dass er bis zum Schulabschluss des Beschwerdeführers 2 in
Kolumbien habe bleiben wollen. Gemäss Aktenlage gebe es somit keinerlei
Hinweise, dass es ihnen nicht möglich sein sollte, sich in Zukunft unbehel-
ligt in ihrer Heimatregion oder einer anderen Stadt Kolumbiens aufzuhalten
beziehungsweise sich bei Problemen an die zuständigen Behörden zu
wenden.
Es erübrige sich auf die eingereichten Beweismittel einzugehen, da sie
nicht geeignet seien, die Einschätzung des SEM zu ändern.
6.3 In seiner Beschwerde entgegnet der Beschwerdeführer 1 im Wesentli-
chen, die Vorinstanz habe seine Gefährdungssituation falsch eingeschätzt.
Sie habe insbesondere das politische Profil von R. unrichtig sowie unvoll-
ständig festgestellt und es unterlassen, genauere Abklärungen dazu vor-
zunehmen beziehungsweise ihm diesbezüglich zusätzliche Fragen zu stel-
len. Anlässlich der Anhörung habe er zwar erwähnt, dass R. (...) gewesen
sei, allerdings habe er auch darauf hingewiesen, dass R. Politiker gewesen
sei und deswegen Probleme gehabt habe. Zudem habe er im vorinstanzli-
chen Verfahren den Auszug eines Protokolls aus dem (...) Asylverfahren
von R. eingereicht, aus welchem hervorgehe, dass R. für eine (...) Partei
politisch aktiv gewesen sei. Das SEM habe folglich den Sachverhalt nicht
ausreichend erstellt beziehungsweise gewürdigt.
Der Beschwerdeführer 2 wiederholt in seiner Beschwerde die Beschwer-
devorbringen des Beschwerdeführers 1. Ergänzend hält er fest, der Be-
schwerdeführer 1 habe in seiner Anhörung erwähnt, dass auch er (Be-
schwerdeführer 2) wegen R. Probleme gehabt habe.
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zu fol-
genden Schlüssen:
7.2 Das SEM hat sich in den angefochtenen Verfügungen klarerweise auf
einen ausreichend abgeklärten Sachverhalt abgestützt (vgl. oben E. 6.1).
Soweit die Beschwerdeführer rügen, die Vorinstanz habe das politische
Profil von R. unrichtig und unvollständig festgestellt, geht dies aus den an-
gefochtenen Verfügungen gerade nicht hervor. Vielmehr hält das SEM da-
rin ausdrücklich fest, dass R. politisch tätig gewesen sei (vgl. A26/10 Ziff. II
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E. 1 S. 3 und B32/9 Ziff. II E. 2 S. 3). Auch seine Abklärungspflicht hat es
nicht verletzt. Das SEM durfte bereits aus den diesbezüglichen Aussagen
der Beschwerdeführer im Rahmen der Anhörungen schliessen, dass sich
weitere Rückfragen zu den politischen Aktivitäten von R. erübrigen. Dies,
weil diese äussert kurz und oberflächlich ausgefallen sind und offensicht-
lich mehr erwartet werden durfte (vgl. A23 F68, F76 S. 9 und B25 F94,
F120). Bezeichnenderweise wird auch auf Beschwerdestufe noch nichts
Konkretes dazu vorgebracht. Dass der Beschwerdeführer 1 im vorinstanz-
lichen Verfahren einen Auszug aus dem Protokoll des Asylverfahrens von
R. in E._, dessen Asylverfahren gemäss Angaben des Beschwer-
deführers 2 noch nicht abgeschlossen sei (vgl. B25 F50), zu den Akten
reichte, gemäss welchem R. für eine (...) Partei politisch aktiv gewesen sei,
vermag offensichtlich nichts an dieser Einschätzung zu ändern. Hinzu
kommt, dass darin alleine die subjektive Sicht von R. dargelegt wird. Dem-
nach erweisen sich die formellen Rügen der Beschwerdeführer als unbe-
gründet, weshalb der entsprechende Antrag abzuweisen ist.
7.3 In materieller Hinsicht ist die Vorinstanz zu Recht zum Schluss gekom-
men, dass die Vorbringen der Beschwerdeführer die Voraussetzungen der
Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen. Zur Vermeidung von Wiederholungen
kann auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung
verwiesen werden (vgl. Zusammenfassung oben E. 6.2). Die Einwände in
der Beschwerde vermögen nicht zu einer anderen Gewichtung zu führen.
Das SEM stellte zu Recht und mit zutreffender Begründung fest, dass be-
reits für den Zeitpunkt der Ausreise keine hinreichend konkrete Bedrohung
ersichtlich ist. Für diese Einschätzung spricht zusätzlich, dass der Be-
schwerdeführer 1 anlässlich seiner Anhörung angab, er sei wegen seiner
Söhne (S. und Beschwerdeführer 2) in die Schweiz gekommen und habe
hier eigentlich gar nicht um Asyl nachsuchen wollen. Der Beschwerdefüh-
rer 2 gab gar als Hauptgrund für seine Reise in die Schweiz das Wieder-
sehen mit M. und S. an, sowie, dass er hier studieren und arbeiten wolle.
Insbesondere aber hält die Vorinstanz dem Beschwerdeführer 1 zu Recht
entgegen, er hätte sich zuerst schutzsuchend an die heimatlichen Behör-
den wenden können, und da er dies nicht getan habe, könne er ihnen auch
nicht fehlenden Schutzwillen beziehungsweise fehlende Schutzfähigkeit
vorwerfen. Die Einschätzung des SEM, es lägen somit auch keine Hin-
weise darauf vor, dass die grundsätzliche Schutzfähigkeit und -willigkeit
der kolumbianischen Behörden im Sinne der sogenannten Schutztheorie
(vgl. oben E. 5.2) im Falle der Beschwerdeführer nicht gegeben sei, ist zu-
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Seite 11
treffend. Dies gilt offensichtlich auch im Falle ihrer Rückkehr nach Kolum-
bien, sollten sie tatsächlich auf Schutz angewiesen sein. Ergänzend darf
darauf hingewiesen werden, dass die Beschwerdeführer sich alternativ
auch in K._ aufhalten könnten, sollten sie nicht an ihren Herkunfts-
ort zurückkehren wollen, weil sie sich unsicher fühlen. Dies wäre ihnen
auch zumutbar, zumal der Beschwerdeführer 1 dort für mehrere Jahre ar-
beitete und mit seiner Familie, inklusive dem Beschwerdeführer 2, wohnte.
7.4 Zusammenfassend hat das SEM seine Erwägungen auf eine genü-
gende Sachgrundlage gestützt und kein formelles Recht verletzt. Es hat
auch zu Recht festgestellt, die Beschwerdeführer erfüllten die Flüchtlings-
eigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht. Entsprechend hat es auch ihre Asyl-
gesuche zu Recht abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen; dies auch nicht gestützt auf die kantonale Aufent-
haltsbewilligung von M. So ist der Beschwerdeführer 1 mit M. weder ver-
heiratet noch in einem Konkubinat. Auch der Beschwerdeführer 2 erfüllt die
gesetzlichen Anspruchsvoraussetzungen an den Familiennachzug nicht.
Dies schon deshalb, weil er bereits volljährig ist und offensichtlich kein be-
sonderes Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihm und seinen Familienange-
hörigen in der Schweiz besteht (vgl. Art. 44 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Die
Wegweisung der Beschwerdeführer wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
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Seite 12
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer sodann unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt
und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Ge-
fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vor-
läufige Aufnahme zu gewähren. Schliesslich ist der Vollzug der Wegwei-
sung nicht möglich ist, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder in
den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausreisen
oder dorthin verbracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.3 Unter dem Aspekt des Wegweisungsvollzugs führt das SEM im We-
sentlichen aus, das flüchtlingsrechtliche Refoulementverbot finde keine An-
wendung auf die Beschwerdeführer, da sie die Flüchtlingseigenschaft nicht
erfüllten. Zudem seien den Akten keine Hinweise zu entnehmen, dass
ihnen im Falle einer Rückkehr nach Kolumbien mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung
drohe. Des Weiteren sprächen weder die in Kolumbien herrschende politi-
sche Situation noch individuelle Gründe gegen die Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs. Der Beschwerdeführer 1 sei ein gesunder Mann und
verfüge über eine langjährige Arbeitserfahrung als (...) und (...). Zudem
habe er mehrere Jahre als (...) gearbeitet. Der Beschwerdeführer 2, ein
gesunder und junger Mann, verfüge über einen Schulabschluss. Die Be-
schwerdeführer hätten zudem Angehörige in L._. Sie hätten ge-
mäss eigenen Angaben für einige Jahre in K._ gelebt und als ko-
lumbianische Staatsangehörige die Möglichkeit, sich in allen Teilen ihres
Heimatstaates niederzulassen. Zudem sei es ihnen zumutbar, eine neue
Existenz aufzubauen. Demnach sei nicht davon auszugehen, dass sie bei
einer Rückkehr nach Kolumbien in eine existenzbedrohende Situation ge-
raten würden. Schliesslich sei der Wegweisungsvollzug technisch möglich
und praktisch durchführbar.
9.4 Das SEM begründet in der angefochtenen Verfügung zutreffend, wes-
halb dem Vollzug der Wegweisung keine Hindernisse entgegenstünden.
Es kann deshalb auf die entsprechenden Ausführungen verwiesen werden
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Seite 13
(vgl. oben E. 9.3). Soweit die Beschwerdeführer auf ihre familiären Bezie-
hungen zum Sohn respektive Bruder S. sowie der Ex-Lebenspartnerin res-
pektive Mutter M. verweisen, ist keine nahe, echte und tatsächlich gelebte
familiäre Beziehung ersichtlich, die im Sinne der massgeblichen Bestim-
mungen schützenswert wäre, zumal die Eltern sich offensichtlich freiwillig
getrennt hatten und M. mit S. (...) Kolumbien verliess (vgl. A23 F39), wäh-
rend die Beschwerdeführer danach mit (...) des Beschwerdeführers 2 zu-
sammenlebten (vgl. ebd. F13). Wie erwähnt ist sodann der Beschwerde-
führer 2 volljährig und ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zu seiner
Mutter M. ist nicht ersichtlich. Auch die pauschale Aussage des Beschwer-
deführers 1 hinsichtlich seines minderjährigen Sohnes S., er wolle sich um
ihn kümmern, weil es ihm nicht gut gehe, bewirkt nichts. Die Beschwerde-
führer können ihre familiären Beziehungen zu ihren in der Schweiz wohn-
haften Familienangehörigen, wie bisher, auch auf andere Weise pflegen,
beispielsweise mit gegenseitigen Besuchsaufenthalten, und im Alltag ins-
besondere mittels sozialer Medien.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen (Art. 49
Bst. c VwVG) ist. Die Beschwerden sind abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang sind die Kosten grundsätzlich den Beschwerdefüh-
rern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gesuche um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sind
abzuweisen, weil sich die Beschwerden entsprechend den vorstehenden
Erwägungen bereits bei Eingang der Begehren, unbesehen der finanziel-
len Verhältnisse der Beschwerdeführer, als aussichtlos erwiesen haben.
Demzufolge haben die Beschwerdeführer die Verfahrenskosten in der
Höhe von Fr. 750.– zu tragen (Art. 1 ‒ 3 und Art. 6a des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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E-4249/2020, E-4256/2020
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