Decision ID: e795fae4-316a-4bbe-82fb-f24e933f6048
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964
, war
vom
1.
September 1998 bis 3
1.
Juli 2015
als
Schal
er und Maurer
bei
Y._
,
Z._
,
angestellt (Urk.
6/20/6-7
Ziff.
4 und
Ziff.
10
,
Urk.
6/20/
9
-10
). Nachdem über diese
n
am 25
.
Januar
2016
der
Konkurs
eröffnet (
vgl.
Urk.
6/
11
)
und
am
3.
Juni 2016 im
S
c
hweizeris
c
hen Handelsamtsblatt (SHAB)
der
Schuldenruf
publiziert
worden
war
,
ersuchte der Versicherte am 20
.
Juni 2016 (Urk. 6/
12
)
, vertreten durch
A._
,
B._
(vgl.
Urk.
6/
2
),
um Ausrichtung von Insolvenzentsch
ädigung.
Am
5.
Juli 2016
(
Urk.
6/1)
forderte die Arbeitslo
senkasse des Kantons Zürich
B._
auf, zusätzliche Unterlagen innert bis am
2.
August 2016
dauernden
Frist einzureichen mit der Androhung, das
s
bei Nichteinreichen
der Unterlagen die Anspr
ü
che gegenüber der Arbeitslosenversicherung ganz od
er teilweise erlöschen.
Mit Verfügung vom 23. August 2016 (Urk. 6/
13
) verneinte die Arbeitsl
osenkasse des Kantons Zürich einen
Anspruch auf Insolvenzent
schä
digung, da dieser zufolge
Nichteinreichens der geforderten Unt
erlagen innert der gesetzlichen
,
bis
2.
August 2016 dauernden
Frist
erloschen sei
. Die vom Versicherten am 2
2.
September 2016 erhobene Einsprache
(
Urk.
6/20)
wies die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich mit Einspracheentscheid vom
6.
Februar 2017 ab (
Urk.
6/
23
=
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 1
3.
Februar 2017 g
egen den Einspracheentscheid vom
6.
F
ebruar 2017 (
Urk.
2) Beschwerde
und beantragte die Ausrichtung einer Inso
l
venzentschädigung (Urk. 1)
. Die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich schloss m
it Beschwerdeantwort vom 22
.
Februar 2017 (Urk. 5
) auf Abweisung der Be
schwerde
, was dem Beschwerdeführer am 23
.
Februar 2017
zur Kenntnis gebrac
ht wurde
(
Urk.
8)
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 51 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die obligatorische Arbeits
losen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
haben beitragspflichtige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Arbeitgebern, die in der Schweiz der Zwangsvollstreckung unterliegen oder in der Schweiz Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen, Anspruch auf Insolvenzentschädigung, wenn:
a)
gegen ihren Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen zustehen oder
b)
der Konkurs nur deswegen nicht eröffnet wird, weil sich infolge offen
sichtlicher Überschuldung des Arbeitgebers kein Gläubiger bereit findet, die Kosten vorzuschiessen, oder
c)
sie gegen ihren Arbeitgeber für Lohnforderungen das Pfändungsbegehren gestellt haben
oder bei Bewilligung der Nachlassstundung oder richterlichem Konkursaufschub (
Art.
58 AVIG).
Die Aufzählung der Insolvenztatbestände in
Art.
51
Abs.
1 und
Art.
58 AVIG ist abschliessend (BGE 131 V 196).
1.2
Gemäss Art. 53 AVIG muss im Konkursfall des Arbeitgebers der Arbeitnehmer seinen Entschädigungsanspruch spätestens 60 Tage nach der Veröffentlichung des Konkurses im SHAB bei der öffentlichen Kasse stellen, die am Ort des Betreibungs- und Konkursamtes zuständig ist (Abs. 1). Bei Pfändung des Arbeit
gebers muss der Arbeitnehmer seinen Entschädigungsanspruch innert 60 Tagen nach dem Pfändungsvollzug geltend machen (Abs. 2). Mit dem Ablauf dieser Fristen erlischt der Anspruch auf Insolvenzentschädigung (Abs. 3).
Die Frist von
Art.
53
Abs.
1 AVIG hat
Verwirkungscharakter, ist aber einer Wiederherstellung zugänglich (
BGE 131 V 454 E. 3.1 mit Hinweis auf
BGE 123
V 10
6
E. 2a).
Dies gilt ebenso bei einer Nachlassstundung (vgl.
Art.
58 AVIG; BGE 131 V 454 E. 3.2).
1.
3
Gemäss
Art.
77
Abs.
1 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosen
ver
sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) hat der Versicherte, der Insol
venzentschädigung beansprucht, der zuständigen Kasse das vollständig aus
gefüllte Antragsformular (lit. a), den Versicherungsausweis der AHV/IV (lit. b), die Niederlassungs- oder Aufenthaltsbewilligung oder eine Wohnsitzbe
scheini
gung der Gemeinde oder, wenn er Ausländer ist, den Ausländerausweis (lit. c) und alle weiteren Unterlagen einzureichen, welche die Kasse zur Beurteilung seines Anspruchs verlangt (lit. d). Nötigenfalls setzt die Kasse dem Versicherten eine angemessene Frist für die Vervollständigung der Unterlagen und macht ihn auf die Folgen der Unterlassung aufmerksam (
Abs.
2).
1.4
Der Anspruch auf Insolvenz
entschädigung ist
verwirkt, wenn er zwar innert der Frist von
Art.
53
Abs.
1 AVIG geltend gemacht wird, die versicherte Person aber innerhalb dieses Zeitraums oder einer ihr gestützt auf
Art.
77
Abs.
2 AVIV gesetzten Nachfrist nicht alle gemäss
Art.
77
Abs.
1 AVIV erforderlichen Unter
lagen beibringt. Dies gilt jedoch nur, wenn die Arbeitslosenkasse die Antrag
stellende Person ausdrücklich und unmissverständlich auf die Verwirkungsfolge bei verspäteter Einreichung der für die Beurteilung des Leistungsanspruchs wes
entlichen Unterlagen
hingewiesen hat (
vgl.
Urteil
e
des Bundesgerichts
C 312/01
vom 2
7.
März 2002
E
. 3c
, 8C_335/2010 vom
1.
Juni 2010 E. 2.3
).
1.5
Eine gesetzliche Frist kann nicht erstreckt werden (Art. 40 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
Ist die gesuchstellende Person oder ihre Vertretung unverschuldeterweise abgehal
ten worden, binnen Frist zu handeln, so wird diese wieder hergestellt
, sofern sie unter Angabe des Grundes innert 30 Tagen nach Wegfall des Hindernisses darum ersucht und die versäumte Rechtshandlung nachholt (Art. 41 ATSG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte in ihrem Einspracheentscheid (
Urk.
2) einen Anspruch des Beschwerdeführers
auf eine Insolvenzentschädigung
mit der Be
gründung, dass der Beschwerdeführer die zur Geltendmachung des Anspruches in
Art.
77
Abs.
1 AVIV aufgeführten Unterlagen nicht innert Frist von 60 Tagen nach der Veröffentlichung des Konkurses im S
HAB
eingereicht habe. Dabei handle es sich um eine Verwirkungsfrist. Ein entschuldbarer Grund für das nicht fristgemässe Handeln des Beschwerdeführers im Sinne von
Art.
41 ATSG zur Wiederherstellung der Frist sei nicht ersichtlich. Er müsse sich das Handeln und Unterlassen seiner Rechtsvertretung als sein eigenes Handeln anrechnen lassen (S. 2 f.
Ziff.
2-4).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend, er habe einen Rechtsvertreter genommen, um sicherzustellen, dass alles korrekt ablau
fen werde. Durch die Er
teilung der Vollmacht an die
A._
, Herr
B._
, sei sämtliche Korrespondenz der Arbeitslosenversicherung aus
schliesslich an seine
n
Anwalt gegangen, ohne Kopie an ihn. Er habe keine Möglichkeit
zur Kenntnisnahme der laufenden Fristen gehabt.
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Insol
venzentschädigung.
3.
3.1
Massgeblich für den Beginn der 60-tägigen Verwirkungsfrist
gemäss
Art.
53
Abs.
1 AVIG
ist
vorliegend
das Datum der
SHAB-Publikation vo
m
3.
Juni 2016 (
vgl. vorstehend E. 1.2
).
Mit Kurznachricht vom 2
0.
Juni 2016 (
Urk.
6/12)
wurde
der Antrag auf Insolvenzentschädigung gestellt
,
und
der Vertreter des Beschwer
deführers
,
B._
,
teilte
der Beschwerdegegnerin mit, dass der Beschwerdeführer ihn mit der Wahrung seiner Interessen beauftragt habe und
dass
die
Korrespondenz
nur noch an ihn ginge.
Am 2
2.
Juni 2016 ging bei der Beschwerdegegnerin eine
am 1
3.
August 2015 vom Beschwerdeführer unterzeichnete
schriftliche Vollmacht für
B._
ein, welche gemäss
deren Wortlaut die Vertretung des Beschwer
de
führers in Sachen d
er Forderung gegenüber
Y._
unter ande
rem
in allen Rechtshandlungen mit der Beschwerdegegnerin umfasste
(vgl. Urk. 6/2
).
Mit Schreiben vom
5.
Juli 2016 setzte die Beschwerdegegnerin
B._
eine Frist bis
2.
August 2016 zur Einreichung der aufgelisteten feh
lenden Unterlagen
mit der ausdrücklichen Androhung, dass die Ansprüche gegenüber der Arbeitslosenversicherung ganz oder teilweise erlöschen würden, wenn die fehlenden Unterlagen nicht vor Ablauf der Frist zugestellt würden
(
Urk.
6/1).
Nachdem diese Fris
t unbenutzt abgelaufen war, verneinte
die Beschw
er
degegnerin mit
Verfügung vom 23. August 2016
(
Urk.
6
/13) einen
Anspruch des Beschwerdeführers auf Insolvenzentschädigung zufolge Erlöschens
.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 2
2.
September
2016 Einsprache (
Urk.
7/20).
Dieser Sachverhalt ist unbestritten.
3.2
Der Beschwerdeführer machte in seinem sinngemässen Gesuch um Fristenwiederherstellung geltend, nicht er
,
sondern sein Vertreter habe die Frist zum Einreichen der Unterlagen verpasst. Er habe darauf keinen Einfluss nehmen können (vgl. vorstehend E. 2.1).
Voraussetzung für die Gewährung der Fristwiederherstellung im sozialversiche
rungsrechtlichen Beschwerdeverfahren sind entschuldbare Gründe oder ein unverschuldetes Hindernis, d.h. die Unmöglichkeit rechtzeitigen Handelns
(vgl. vorstehend E. 1.5)
. Die Wiederherstellung
ist nur bei klarer Schuldlosigkeit
des Gesuchstellers beziehungsweise
seines Vertreters
zu gewähren
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_953/2009, 8C_1039/2009 vom 23. Februar 2010 E. 6.4.2).
Es muss also die gesuchstellende Partei auch für ein Verschulden der Vertretung oder deren Hilfsperson einstehen, ohne dass eine Entlastung über die Sorgfalt bei Wahl und Instruktion der Vertretung möglich wäre (vgl.
Kieser
,
ATSG
-Kommentar, 3. Auflage, Art. 41 N. 10).
Der Beschwerdeführer brachte keine Gründe vor,
weshalb sein Vertreter die
angesetzte Frist unverschuldet nicht
hat
einhalten k
önnen
,
und solche Gründe ergeben sich
auch nicht aus den Akten.
Die Unterlassung
seines Vertreters
ist
dem Beschwerdeführer
vorliegend
anzurechnen
.
Demnach sind die Vorausset
zungen für eine Wiederherstellung der Frist nicht gegeben, weshalb eine solche nicht in Betracht kommt.
3.
3
Na
c
h dem Gesagten hat die Bes
c
hwerdegegnerin den Anspru
c
h auf Insolvenz
ents
c
hädigung zu Re
c
ht als erlos
c
hen beurteilt, na
c
hdem der der Vertreter des Bes
c
hwerdeführers innert
Frist
die vorges
c
hriebenen Unterlagen ni
c
ht einge
rei
c
ht hatte.
Dies führt zur Abweisung der Bes
c
hwerde.