Decision ID: 95e76d49-4121-4951-b55e-ba26f9512cb8
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 19
56, war seit November 2003 an der
Y._ der
Stadt Zürich im Schulhaus
Z._
in einem Pensum von 61
%
als Lehrerin tätig und war in dieser Eigenschaft bei der Unfallversicherung der Stadt Zürich
(UVZ)
obligatorisch gegen Unfälle versichert (
Urk.
8/G1
). A
m 1
1.
November 2009
erlitt sie einen Unfall, als sie
in einem Tram stürzte und sich
dabei den Kopf, den Rücken sowie das Handgelenk verletzte. Die Unfall
versicherung der Stadt Zürich erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistun
gen.
Mit Verfügung vom
1
7.
Juli 2012 verneinte die
UVZ
die
Adäquanz des Kausal
zusammenhangs zwischen den noch bestehenden Beschwerden und dem erlitte
nen Unfall und stellte die bisher erbrachten Leistungen per
4.
Juli 2011 ein (
Urk.
8/G47).
Die von der Versicherten am 1
1.
September 2012 erhobene Einsprache (
Urk.
8/G51) wies die UVZ mit
Einspracheentscheid
vom
4.
Dezember 2012 ab (
Urk.
8/G55 =
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
4.
Dezember 2012 (
Urk.
2) erhob die Versi
cherte am 2
1.
Januar 2013 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, dieser sei auf
zuheben (S. 2
Ziff.
1) und die UVZ sei zu verpflichten, ihr die gesetzlichen Leistungen, namentlich Heilbehandlung und Taggelder
,
zu gewähren und zu
dem auch für den Zeitraum seit dem
5.
Juli 2011 nachzuentrichten (S. 2
Ziff.
2).
Mit Beschwerdeantwort vom
5.
Februar 2013 beantragte die UVZ die Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
7), was der Beschwerdeführerin am 1
1.
März 2013 zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
6
Bundesgesetz
über die Unfallversicherung (UVG) werden - soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Berufs
unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1). Der Bun
desrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (
Abs.
3).
1.2
Den gesetzlich umschriebenen Anspruch auf Heilbehandlung hat die versicherte Person so lange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine nam
hafte Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erwartet werden kann. Trifft dies nicht mehr zu und sind allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invali
denversicherung abgeschlossen, geht die Unfallversicherung zur Berentung über, wenn der Unfall eine Invalidität im Sinne von
Art.
8
Abs.
1 ATSG hinter
lässt (
Art.
19
Abs.
1 UVG e
contrario
; BGE 116 V 41 E. 2c).
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sin
ne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natür
li
chen Kau
salzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die al
lei
nige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
digende Ereignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
perliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene gesund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang be
steht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im
Be
schwerdefall
das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden
Be
weis
würdigung
nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörun
gen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit,
Visusstörungen
, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung und so weiter vor, so ist der natürliche Kausal
zusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen. Es ist zu betonen, dass es gemäss obiger Begriffsumschreibung für die Bejahung des
natürlichen Kausalzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte gesundheitliche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 359 E. 4b).
1.4
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U 172/94 vom 2
6.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45; BGE 119 V 7 E. 3c/
aa
). Da es sich
hiebei
um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzu
sammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 76).
1.5
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.6
Bei der Einteilung der Unfälle mit psychischen Folgeschäden in leichte, mittel
schwere und schwere Unfälle ist nicht das Unfallerlebnis des Betroffenen mass
gebend, sondern das objektiv erfassbare Unfallereignis (vgl. BGE 120 V 352 E.
5b/
aa
, 115 V 133 E. 6; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2; RKUV 2005 Nr. U 549 S.
237, 1995 Nr. U 215 S. 91).
Bei banalen Unfällen wie z.B. bei geringfügigem Anschlagen des Kopfes oder Übertreten des Fusses und bei leichten Unfällen wie z.B. einem gewöhnlichen Sturz oder Ausrutschen kann der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres ver
neint werden, weil aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf,
dass ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen (BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
, 115 V 133 E. 6a).
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine
Ge
samt
würdigung
einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Un
falls;
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre
er
fahrungs
gemässe
Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
körperliche Dauerschmerzen;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Be
urteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr.
U 346 S.
428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr.
58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie z.B. eine auffallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwierigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes be
ziehungsweise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere
unfallbezo
gene
Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Ver
neinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit
mit
begünstigt
haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352
E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S.
53
ff., 1998 Nr. U 307 S.
448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr.
10 E.
2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) davon aus, dass
hinsichtlich der somatischen Beschwerden bereits die natürliche Kausalität nicht bestehe.
H
insichtlich der psy
chischen Gesundheitsproblematik sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine richtungsweisende Verschlimmerung des Vorzustandes gegeben, wobei die natürliche Kausalität zu bejahen sei.
Auf
grund der medizinischen Abklärungen sei nicht erwiesen, dass mittels der empfohlenen Therapie die unfallbedingte Arbeitsfähigkeit mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit massgeblich verbessert werden könne. Das vorliegende Unfallgeschehen sei angesichts der geltenden Rechtsprechung als Unfallereignis im leichten (banalen) Bereich zu qualifizieren. Dabei könne der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den psychischen Beschwerden und dem Ereignis ohne weiteres verneint werden. Bezüglich der bestehenden psychischen Beschwerden fehle es somit an de
r
Adäquanz
(S. 4)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) auf den Standpunkt,
gestützt auf das psychi
atri
sche Gutachten sei mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit eine namhafte Besserung der gesundheitlichen Situ
ation im Sinne einer namhaften Steigerung oder bestenfalls Wiederherstellung der vollen Arbeitsfähigkeit durch Fortsetzung der ärztlichen Behandlung zu erwarten, weshalb der Fall noch nicht abgeschlossen werden könne. Die durch
geführte Adäquanzprüfung sei derzeit noch nicht statthaft und rechtmässig
(S.
4
f.
, S. 13 f.
)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, ob die mit dem angefochtenen Entscheid vorge
nommene Leistungseinstellung rechtens ist.
3.
3.1
Gemäss Akten stürzte die Beschwerdeführerin am 1
1.
November 2009 aufgrund eines abrupten Bremsmanövers und schlitterte quer
durchs Tram, woraufhin sie kurz
bewusstlos war
(
Urk.
8/G1)
.
Nach ihrem Sturz im Tram wurde sie erstmals am 1
3.
November 200
9 bei ihrem Hausarzt
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH, untersucht
(
Urk.
8/M1)
.
In seinem Bericht vom 2.
Dezember 2009 (
Urk.
8/M2) erhob er als Befund eine massiv verspannte Halsmuskulatur mit multiplen Irritationszonen im oberen Dritte
l
der
Hals
wir
belsäule
(HWS) mit stark eingeschränkter Beweglichkeit ohne
radikuläre
Symp
tome der oberen Extremitäten, eine
Druckdolenz
im Bereich der Schulter sowie ein Hämatom am rechten Ellbogen und Schmerzen im Bereich der
Lendenwir
belsäule
(LWS) und der rechten Hüfte. Er diagnostizierte ein
HWS-Dis
torsions
trauma
sowie Kontusionen der rechten Schulter und d
es
rechten Ellbogen
s
, am Hinterkopf sowie der Brustwirbelsäule (BWS) und
der Lendenwirbelsäule (LWS)
.
3.2
Im Rahmen einer interdisziplinären Begutachtung der Beschwerdeführerin erstat
tete
Dr.
med.
B._
, FMH Rheumatologie/Rehabilitation, am
3.
April 2012 sein rheumatologisches Teilgutachten (
Urk.
8/M18) und führte aus, die nach dem Unfall durchgeführten bildgebenden Untersuchungen hätten
gering
gradige
, altersentsprechende Abnützungserscheinungen an der HWS ergeben. Es gebe jedoch kein Hinweis auf radiologische Veränderungen nach einem
Unfall
ereignis
an der Wirbelsäule (S. 5 f.).
Eine ergänzend veranlasste Bildgebung der HWS, dem Ort der grössten Schmerzen, habe sieben Monate nach dem Unfall
–
er
eignis
keine schwerwiegenden und insbesondere keine posttraumatischen Ver
änderungen gezeigt (S. 7 oben).
Zusammenfassend fänden sich weder in den Akten noch im erhobenen rheumatologischen Status klare Hinweise für eine schwerwiegende unfall- oder krankheitsbedingte somatische
Gesundheits
stö
rung
. Die von der Beschwerdeführerin geklagte Symptomatik sei mit den objektiv erhobenen Befunden und der Bildgebung nicht erklärbar (S. 7 unten).
3.3
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Neurologie, erstattete sein neurologi
sches Teilgutachten am 3
0.
April 2012 (
Urk.
8/M17) und führte aus,
objektiv gesehen seien aus neurologischer Sicht keine klaren Hinweise für eine schwer
wiegende unfall- oder krankheitsbedingte
somatische
Gesundheitsstörung
vor
handen
. So seien die neurologischen Befunde mit Ausnahme einer belanglosen Asymmetrie von Pupille und Lidspalte sowie einer leichten Seitendifferenz vom
Bizepsreflex
unauffällig. Auch die neurographischen Befunde stellten sich unauffällig dar. Der Verlauf und das aktuelle Beschwerdebild könnten durch eine körperliche Störung nicht genügend erklärt werden (S. 9 Mitte).
3.4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, erstat
tete sein psychiatrisches Teilgutachten am 1
6.
April 2012 (
Urk.
8/M16)
und führte aus,
psychodynamisch lasse sich die psychische Entwicklung der Beschwerdeführerin nachvollziehen, da dem leistungsorientierten und altruisti
schen Bewältigungsversuch das innere Fundament fehle, um erschwerte Situati
onen zu bewältigen.
Im Vordergrund der subjektiven Symptomati
k stünden Schmerzen. Auch wenn a
m Anfang der Entwicklung traumatisch bedingte Schmerzen gestanden hätten, würden sich der Verlauf und die aktuelle Symp
tomatik nicht durch eine körperliche Störung oder einen pathophysiologischen Prozess im eigentlichen Sinne erklären lassen. Die Schmerzstörung werde durch
eine Depression begleitet, nicht jedoch durch diese erklärt (S. 10 f.). Die hier beschriebene Depression sei bei adäquater Therapie prinzipiell als therapierbar zu betrachten, insbesondere wenn auf störungsspezifische und relevante psy
chodynamische Aspekte hinreichend Wert gelegt werde. Ausserdem sei die Psychopharmakotherapie bei weitem noch nicht ausgeschöpft und sollte zwin
gend optimiert werden (S. 11 f.).
Die Beschwerdeführerin habe sich bereits vor dem Unfall in einer zumindest subklinischen, eher aber leichten Depression befunden und habe bereits seit Jahren zunehmende kognitive Beschwerden auf
gewiesen (S. 12 unten).
Bei aus neurologischer, neuropsychologischer und rheumatologischer Sicht fehlenden Hinweisen für wesentliche, somatisch erklärbare Folgezustände und bei gleichzeitig aus therapeutischer Sicht im Vor
dergrund stehender Kränkung und Beschämung, könne die Verschlechterung der Beschwerden seit dem Unfallereignis nahezu sicher als Fehlverarbeitung der Begleitumstände des Ereignisses betrachtet werden
(S. 13 oben).
Mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit müsse eine zumindest subklinische, eher aber leichte Depression angenommen werden, die sich auf den weiteren Verlauf negativ ausgewirkt habe und die durch den Unfall verschlimmert worden sei (S. 14 un
ten). Der Vorzustand sei bis heute durch das Unfallereignis und seine depressive und
somatoforme
Verarbeitung verschlimmert. Damit sei aus psychiatrischer Sicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine richtungsweisende Ver
schlimmerung des Vorzustandes gegeben.
Aus psychiatrischer Sicht seien diese Störungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit therapierbar, mithin nicht dauern
d
(S. 15 o
ben). Es könne nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Vorzustand auch ohne das Ereignis vom 1
1.
November 2009 zum heute bestehenden Beschwerdebild geführt hätte (S. 15 Mitte).
Aufgrund des bisher protrahierten Verlaufs mit immer noch ausgeprägter Symptomatik müsse im günstigsten Fall von einem mehrjährigen Verlauf, im schlechtesten Fall von einer anhaltenden Symptomatik, mehr oder weniger auf dem bisherigen Niveau, ausgegangen werden
(S. 15 unten)
.
Allein aufgrund der Befunde in der neuropsychologischen Testung sollte der Beschwerdeführerin die Ausübung ihres Lehrerberufes noch zumutbar sein. Die diskrete Minderung der geteilten Aufmerksamkeit mit erhöhter Interferenzanfälligkeit führe medizi
nisch-theoretisch lediglich zu einer leichten Reduktion des Arbeitstempos. Die medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit gelte aus psychiatrischer Sicht unverändert seit dem Unfall (S. 16 unten).
4.
4.1
Sachverhaltsmässig steht fest, dass die Beschwerdeführerin an – im genannten Gutachten näher bezeichneten – psychischen Beeinträchtigungen leidet.
Auch die Beschwerdeführerin selber nahm in ihren Vorbringen ausschliesslich auf das psychiatrische Gutachten und das psychische Beschwerdebild Bezug
(
Urk.
1 S. 3 ff.
). Dass die Beschwerdegegnerin aufgrund der rheumatologischen und neurologischen Teilgutachten die natürliche Kausalität betreffend die Nacken-, Schulter-, Kreuz- und Kopfschmerzen zum Unfallereignis vom 1
1.
November 2009 verneinte, blieb von der Beschwerdeführerin unbestritten (vgl.
Urk.
1 S. 4
Ziff.
9
).
4.2
Damit steht fest, dass die Frage des
rechtsgenüglichen
Kausalzusammenhanges zwischen den Beschwerden und dem erlittenen Unfall gemäss der Praxis von BGE 115 V 133 zu prüfen ist.
Diesen Standpunkt hat die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid eingenommen, und er ist seitens der Beschwerdeführerin – zu Recht – unwi
dersprochen geblieben.
5.
5.1
Die Fragen des gerechtfertigten Fallabschlusses und der Adäquanz sind nicht ohne inneren Zusammenhang
. So handelt es sich b
ei der Adäquanz
um eine Rechtsfrage nebst anderen Rechts
fragen im Zusammenhang mit der Prüfung der Le
istungsansprüche. Es ist
nicht danach
zu fragen
, in welchem Zeitpunkt die Adäquanzprüfung vorgenommen werden darf, sondern wann der
Unfallversi
chere
r
einen Fall abzuschliessen hat
(
vgl.
BGE 134 V 109 E. 3.2 S.
113).
Di
e Antwort auf diese Frage
hängt
jedoch
bei Gesundheitsbeeinträchtigungen ohne organisches Korrelat (seien es psychische oder solche nach HWS-Distorsi
onen und analog taxierten Verletzungen) auch davon ab, ob in einem be
stimm
ten Zeitpunkt noch unfallkausale Beschwerden vorliegen, also solche, die in natürlichem und adäquatem Kausalzusammenhang zum erlittenen Unfall stehen.
5.2
Die Adäquanzprüfung hat - als Vorfrage zu einem allfälligen Fallabschluss - nach Abschluss des normalen, unfallbedingt erforderlichen Heilungsprozesses zu erfolgen.
Wenn
der Unfallversicherer eine rechtzeitige
Adäquanzprü
fung
unterlässt und
stattdessen weitere Leistungen
erbringt
, trägt er möglicherweise selber dazu bei, dass es zu einer
Chronifizierung
der Beschwerden und einer
we
iteren Arbeitsunfähigkeit kommt
(
vgl.
Urteil des
Bundesgerichtes
, U 488/05 vom 20. Oktober 2006 E. 3.2.4).
Es ist mit anderen Worten im Hinblick auf den allfälligen Fallabschluss zuerst zu prüfen, ob noch vorhandene Beschwerden als unfallkausal zu werten sind, und sodann, ob diesbezüglich der medizinische Endzustand erreicht ist. Die Adäquanz ist mithin in dem Zeitpunkt zu prüfen, in welchem der Heilungspro
zess normalerweise abgeschlossen sein müsste und sich deshalb die Frage der Unfallkausalität allfällig noch vorhandener Beschwerden stellt.
Würde man schematisch den vollständigen Abschluss der medizinischen Be
handlung zur Vorbedingung für die Zulässigkeit der Adäquanzprüfung machen, so hätte dies zur Folge, dass der Zeitpunkt der Adäquanzprüfung und damit der Fallabschluss - theoretisch unendlich - hinausgeschoben würde, und zwar wegen einer noch bestehenden Behandlungsbedürftigkeit von Beschwerden, die sich, wäre die Adäquanz geprüft worden, als gar nicht unfallkausal erwiesen hätten.
5.3
Gleiches ergibt sich aus der publizierten Rechtsprechung,
wonach sich die voraus
gesetzte namhafte Besserung des Gesundheitszustandes namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits
fähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist, bestimm
t
(
vgl.
BGE 134 V 109 E. 4.3 S. 114 f.
).
Dabei ist zu bemerken, dass b
ei psychische
n Fehlentwicklungen nach einem Unfall
der Zeitpunkt für den
Fallab
schluss
massgebend
ist
, in wel
chem von einer Fortsetzung der auf die so
matischen
Leiden gerichteten ärztlichen Be
handlung keine namhafte Besse
rung mehr erwartet werden kann
(vg
l. BGE 134 V 109 E. 6.1 S. 116).
5.4
Der von der Beschwerdeführerin eingenommene Standpunkt kann demnach bei dieser unmissverständlichen Rechtslage nicht gehört werden.
Sie machte geltend, gemäss dem psychiatrischen Gutachten sei bezüglich der psychischen Beschwerden der medizinische Endzustand noch nicht erreicht, weshalb die Beschwerdegegnerin weiterhin leistungspflichtig sei.
Der psychische Gutachter
Dr.
D._
bejahte zwar grundsätzlich die
Therapier
barkeit
der psychischen Beschwerden der Beschwerdeführerin, bemerkte jedoch diesbezüglich, dass
aufgrund des protrahierten Verlaufs mit immer noch ausge
prägter Symptomatik vor allem im Bereich der
Erschöpf
barkeit
und der neu
ropsychologischen Funktionen im günstigsten Fall von einem mehrjährigen Verlauf, im schlechtesten Fall von einer anhaltenden Symptomatik, mehr oder weniger auf dem bisherigen Niveau, ausgegangen werden müsse (vgl. vor
ste
hend E. 3.4).
Wie die Beschwerdegegnerin diesbezüg
lich richtig ausführte, ist bei diese
r
Ausgangslage nicht erwiesen, dass mittel
s
der empfohlenen Therapie die unfallbedingte Arbeitsfähigkeit mit dem
Beweis
grad
der über
wie
genden Wahrscheinlichkeit massgeblich verbessert
werden könnte. Demnach kann nicht von einer diesbezüglichen namhaften gesundheit
lichen Verbesserung im Sinne der Rechtsprechung ausgegangen werden, weshalb die Beschwerdegegnerin die Adäquanz zu Recht nach der Rechtsprechung zur psychischen Fehlentwicklung geprüft hat.
Die - auch von der Beschwerdeführerin nicht in Zweifel gezogene -
Adäquan
z
prüfung
hat
sodann
ergeben, dass die
einzig noch zur D
iskussion
stehenden
psychischen Beschwerden nicht unfallkausal sind. Dementsprechend ist es für die Frage der Leistungspflicht irrelevant, ob diesbezüglich noch erfolgverspre
chende therapeutische Optionen bestehen.
Andere Beschwerden, die in
rechtsgenüglichem
Kausalzusammenhang mit dem erlittenen Unfall stehen, sind nicht ersichtlich und wurden auch von der Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht. Insoweit kann auch kein
Behand
lungsbedarf
mehr bestehen, womit diesbezüglich der medizinische Endzustand zweifellos erreicht ist.
5.5
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass - unbeschadet allfälliger therapeuti
scher Optionen bezüglich der nicht unfallkausalen psychischen Beschwerden - bezüglich unfallkausaler Beschwerden der medizinische Endzustand erreicht ist.
Der angefochtene Entscheid erweist sich mithin als
rechtens
und die dage
gen erhobene Besc
hwerde als unbegründet. Bei dieser Sachlage ist die
Leistungsein
stellung
der Beschwerdegegnerin per
4.
Juli 2011 nicht zu beanstanden,
was zu
r
Abweisung
der Beschwerde
führt.