Decision ID: 3bd199c9-7513-550b-9782-b94106b3d863
Year: 2015
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Mit Eingabe vom 26. September 2012 (Eingangsstempel der Vorinstanz)
reichte die Schwester des Beschwerdeführers (nachfolgend seine Vertre-
terin) im Namen des Beschwerdeführers ein Asylgesuch ein.
B.
B.a Mit Schreiben vom 2. März 2015 teilte das SEM der Vertreterin mit,
aufgrund des begrenzten Personalbestandes sowie fehlender Vorausset-
zungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich könne keine
Befragung durch die Botschaft durchgeführt werden. Aus diesem Grund
unterbreite ihm das SEM eine Reihe konkreter Fragen zur Abklärung des
Sachverhalts. Gleichzeitig wurde die Vertreterin unter Hinweis auf BVGE
2011/39 aufgefordert, innert Frist eine vom Beschwerdeführer unterzeich-
nete Willensäusserung sowie eine umfassende Begründung seines Asyl-
gesuches einzureichen.
B.b Mit Schreiben seiner Vertreterin vom 31. März 2015 reichte der Be-
schwerdeführer durch seine Vertreterin das Antwortschreiben sowie die
Willenserklärung zu den Akten.
C.
Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, er sei eritreischer Staatsangehöriger und am (...)
1974 in C._ (Eritrea) geboren. Er sei verheiratet und habe vier Kin-
der, die mit ihrer Mutter in D._ (Eritrea) leben würden. Er habe in
Eritrea von 1995 bis 2003 Militärdienst geleistet und sich während des Krie-
ges mit Äthiopien schwere Verletzungen am Bauch und am Bein zugezo-
gen, deshalb habe er in Eritrea als Kriegsveteran gegolten. Am 23. Mai
2012 sei sein Vater krank geworden. Da sein Gesundheitszustand kritisch
gewesen sei, habe sich die Familie am nächsten Tag zu Hause um ihn
kümmern wollen, und sei den Festlichkeiten rund um den eritreischen Na-
tionalfeiertag ferngeblieben. Am späten Abend seien dann Sicherheits-
kräfte vorbeigekommen und hätten alle Familienmitglieder beschuldigt,
Mitglieder der Opposition und Staatsfeinde zu sein. Er und die beiden an-
deren Geschwister (ein jüngerer Bruder und eine Schwester) seien auf der
Stelle verhaftet worden. Nach einem vierwöchigen Gefängnisaufenthalt
habe man sie am 24. Juni 2012 in ein anderes Gefängnis bringen wollen.
Auf dem Transportweg Richtung E._ sei es nach zwei Stunden
Fahrt zu einer Panne gekommen. Diese Fluchtgelegenheit hätten er, seine
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Geschwister und die Mithäftlinge genutzt, seien vom Transporter gesprun-
gen und in alle Richtungen geflüchtet. Obwohl man dabei auf den Be-
schwerdeführer und seine Geschwister geschossen habe, sei es ihnen ge-
lungen, unversehrt zu entkommen und in den Sudan zu fliehen. Nach einer
Woche Fussmarsch seien sie am 1. Juli 2012 in F._ (Sudan) ange-
kommen. Sie hätten sich anschliessend ins Shagerab-Flüchtlingslager be-
geben und sich dort als Flüchtlinge registrieren lassen. Kurz nach der An-
kunft im Flüchtlingslager sei der jüngere Bruder von Rashaida-Nomaden
entführt worden; sein Aufenthaltsort sei bis heute nicht bekannt. Aufgrund
der unsicheren Lage und den harschen Lebensbedingungen im Lager hät-
ten der Beschwerdeführer und seine Schwester (D-3627/2015) beschlos-
sen, am 18. Juli 2012 nach F._ zurückzukehren. In F._ wür-
den beide bei einem eritreischen Ehepaar leben. Den Lebensunterhalt be-
streite er mit der finanziellen Unterstützung, die er von der Vertreterin er-
halte. Ein weiterer Aufenthalt im Sudan sei für ihn nicht zumutbar, da er als
illegaler Flüchtling über kein Aufenthaltsrecht verfüge und es ihm verwehrt
sei, einer Arbeit nachzugehen. Auch fürchte er sich vor einer Deportation
nach Eritrea und einer Entführung durch die Rashaida.
D.
Mit Verfügung vom 8. Mai 2015, welche der Vertreterin des Beschwerde-
führers am 11. Mai 2015 eröffnet wurde, verweigerte das SEM dem Be-
schwerdeführer die Einreise in die Schweiz und lehnte das Asylgesuch ab.
Zur Begründung führte das SEM Folgendes aus:
Wenn sich eine Person, die ein Asylgesuch aus dem Ausland stelle, sich in
einem Drittstaat aufhalte, bedeute dies zwar nicht zwingend, dass es ihr
auch zuzumuten sei, sich dort um Aufnahme zu bemühen, es sei jedoch in
solchen Fällen im Sinne einer Regelvermutung davon auszugehen, dass
die betreffende Person bereits anderweitig in einem Drittstaat Schutz ge-
funden habe, was in der Regel zur Ablehnung des Asylgesuches und der
Verweigerung der Einreisebewilligung führe (vgl. Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts E-7996/2008 vom 10. Dezember 2009 E. 2.2). In jedem Fall
seien allerdings die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in die-
sem Drittstaat als zumutbar erscheinen liessen, und diese seien mit einer
allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Es gelte also zu prü-
fen, ob es aufgrund der gesamten Umstände geboten erscheine, dass es
gerade die Schweiz sei, die den erforderlichen Schutz einer Person ge-
währen solle.
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Gestützt auf die Ausführungen des Beschwerdeführers könne trotz gewis-
ser Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen nicht mit hinreichender
Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass er aufgrund der Be-
schuldigung, Mitglied der Opposition zu sein und der Ergreifung der Flucht
anlässlich des Transfers in ein anderes Gefängnis zum Zeitpunkt der Aus-
reise seitens der heimatlichen Behörden ernsthaften Nachteilen im Sinne
von Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen sei respektive solche bei einer Rück-
kehr zu befürchten habe.
Zu prüfen bleibe, ob einer allfälligen Asylgewährung durch die Schweiz der
Asylausschlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG entgegenstehe. Danach
könne einer Person das Asyl verweigert werden, wenn ihr zugemutet wer-
den könne, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen.
Aus den Akten gehe hervor, dass sich der Beschwerdeführer nach seiner
Ankunft im Sudan am 4. Juli 2012 in das Shagerab-Flüchtlingslager bege-
ben habe und nach zwei Wochen Lageraufenthalt mit seiner Schwester
nach F._ gegangen sei.
Im Antwortschreiben vom 31. März 2015 habe der Beschwerdeführer im
Wesentlichen neben der allgemeinen schwierigen Situation angegeben,
dass er als illegaler Flüchtling über kein Aufenthaltsrecht verfüge und es
ihm verwehrt sei, einer Arbeit nachzugehen. Auch fürchte er sich vor einer
Deportation nach Eritrea und einer Entführung durch Rashaida-Nomaden.
Laut Berichten des UNHCR würden sich zahlreiche Flüchtlinge und Asyl-
bewerber im Sudan befinden. Vor diesem Hintergrund sei nicht zu verken-
nen, dass die Lage vor Ort für diese Menschen wie auch für den Beschwer-
deführer nicht einfach sei. Dennoch bestünden keine konkreten Anhalts-
punkte zur Annahme, dass ein weiterer Verbleib im Sudan für ihn nicht zu-
mutbar oder nicht möglich wäre.
Mit Hinweisen auf zahlreiche Entscheide das Bundesverwaltungsgerichts
führte das SEM weiter aus, dass das UNHCR vor Ort sämtliche Eritreer
registriere, die sich in einem Flüchtlingslager melden würden, unabhängig
davon, weshalb sie Eritrea verlassen hätten. Sie würden einem Flüchtlings-
lager zugeteilt, wo sie sich aufzuhalten hätten und die nötige Versorgung
erhielten. Sie würden im Sudan nicht über ein freies Aufenthaltsrecht für
das ganze Land verfügen. Der Beschwerdeführer sei vom UNHCR als
Flüchtling anerkannt worden und habe die Möglichkeit, sich beim UNHCR
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zu melden, sollte er sich in einer kritischen Situation befinden, in der er auf
Hilfeleistungen angewiesen sei.
Zwar könne die Gefahr respektive die schwierig einzuschätzende Wahr-
scheinlichkeit einer Entführung im Sudan nicht ausgeschlossen werden.
Dennoch bestünde vorliegend keine objektive Grundlage für die Annahme,
dass der Beschwerdeführer als eritreischer Flüchtling in F._ be-
fürchten müsste, Opfer eines Menschenschmuggels zu werden. Den Akten
seien in diesem Sinne auch keine Hinweise zu entnehmen, die auf ein kon-
kretes, auf den Beschwerdeführer bezogenes Verfolgungsinteresse der
Rashaida schliessen lassen würden. Allein die subjektive Angst vor einer
künftig möglichen Bedrohung genüge nicht, um auf das Vorliegen einer be-
gründeten Furcht vor einer Entführung zu schliessen. An dieser Stelle sei
auch darauf hinzuweisen, dass nach Einschätzung des UNCHR das Risiko
einer Entführung oder Verschleppung ("kidnapping") für eritreische Flücht-
linge und Asylsuchende bei der Einreise in den Sudan am höchsten sei.
Bezüglich der Sicherheitssituation in den Shagerab-Lagern und in den üb-
rigen Lagern im Sudan sei zu erwähnen, dass gemäss UNHCR die Sicher-
heitsvorkehrungen verstärkt worden seien (vgl. dazu insbesondere die Mit-
teilung des UNHCR vom 25. Januar 2013:"UNHCR concerns at refugee
kidnappings, disappearances in Eastern Sudan"). Zudem sei der Zugang
zu den Lagern für nicht dort residierende Personen stark eingeschränkt
worden. Auch verfüge das Lager über Polizeiposten, welche sich um Si-
cherheit im Lager bemühten.
Die Befürchtung des Beschwerdeführers, nach Eritrea ausgeschafft zu
werden, erachte das SEM als unbegründet. Gemäss gesicherten Erkennt-
nissen sei das Risiko einer Deportation oder Verschleppung für Eritreer, die
im Sudan vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt seien, gering. Das UN-
HCR registriere vor Ort sämtliche Eritreer, die sich in einem Flüchtlingsla-
ger melden würden, unabhängig davon weshalb sie Eritrea verlassen hät-
ten. Es gebe vorliegend auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass
dem Beschwerdeführer eine Rückführung nach Eritrea drohen könnte.
Auch verfüge er nicht über ein geeignetes Risikoprofil, das eine Befürch-
tung vor einer Deportation nach Eritrea objektiv begründen könnte. Er habe
auch nicht glaubhaft darlegen können, persönlich faktisch und unmittelbar
bedroht zu sein, unter Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips nach Erit-
rea zurückgeschafft zu werden. Diesbezüglich gelte es festzuhalten, dass
das UNCHR den Sudan an seine internationalen Verpflichtungen erinnert
habe, der die Flüchtlingskonvention vom 28. Juli 1951 unterzeichnet habe
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(Konv. SR 0.142.30). Da der Beschwerdeführer den Flüchtlingsstatus
durch das UNHCR erhalten habe, habe er jederzeit die Möglichkeit, sich
bei einer Vertretung des UNHCR im Sudan zu melden.
Das Leben in F._ sei für eritreische Flüchtlinge gewiss nicht einfach.
Gemäss eigenen Angaben lebe der Beschwerdeführer mit seiner Schwes-
ter seit Ende 2012 in F._. Dort hätten sie Unterkunft bei einem erit-
reischen Ehepaar gefunden und würden von der Vertreterin finanzielle Un-
terstützung erhalten. Die Hürden für eine zumutbare Existenz in F._
seien vorliegend nicht unüberwindbar respektive es seien keine Anhalts-
punkte dafür zu erkennen, dass der Beschwerdeführer inskünftig nicht
mehr für den notwendigen Lebensunterhalt aufkommen könnte. Ferner
hätte er auch die Möglichkeit, sich wieder in das ihm zugewiesene Flücht-
lingslager Shagerab zu begeben, wo er mit Schutz und ausreichender Ver-
sorgung rechnen könne. Überdies lebe im Sudan eine grosse eritreische
Diaspora, die für in Not geratene Landsleute bereitstehe und weitgehend
Unterstützung biete.
Bei der Anwendung von aArt. 52 Abs. 2 AsylG sei zudem im Sinne eine
Gesamtwürdigung auch die Beziehungsnähe zur Schweiz und die Bezie-
hungsnähe zu anderen Staaten zu prüfen. Allein die Anwesenheit einer
Schwester bedeute noch keine enge Bindung mit der Schweiz in dem
Sinne, dass aArt. 52 Abs. 2 AsylG nicht zur Anwendung käme. Aufgrund
dessen sei keine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz gegeben, die
die vorangegangenen Feststellungen umstossen könnte.
Aufgrund der Erwägungen erscheine es für den Beschwerdeführer objektiv
zumutbar, den im Sudan gegenüber einer allfälligen Verfolgungsgefahr in
seinem Heimatstaat Eritrea bestehenden Schutz weiterhin in Anspruch zu
nehmen. Es liege somit ein Asylausschlussgrund nach aArt 52 Abs. 2
AsylG vor. Eine unmittelbare Gefahr im Sinne von aArt. 20 Abs. 3 AsylG
habe nicht glaubhaft gemacht werden können, weshalb der Beschwerde-
führer den zusätzlichen Schutz der Schweiz nicht benötige.
E.
Mit Eingabe vom 8. Juni 2015 an das Bundesverwaltungsgericht liess der
Beschwerdeführer durch seine Vertreterin Beschwerde gegen die Verfü-
gung des SEM vom 8. Mai 2015 erheben. Der Beschwerdeführer machte
zur Begründung im Wesentlichen geltend, er habe begründete Furcht, vor
weiteren ernsthaften Nachteilen sowie Bedrohungen gegen Leib und Le-
ben und beantragte, es sei die negative Verfügung des SEM vom 8. Mai
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2015 aufzuheben und es sei das SEM anzuweisen, ihm die Einreise in die
Schweiz zur Durchführung des Asylverfahrens zu bewilligen und ihm Asyl
und Schutz zu gewähren.
Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer unter
anderem einen Bericht der swiss.info "Entführt in den Sinai – Widerlicher
Menschenhandel für europäische Millionen" von Stefania Summermatter,
Äthiopien, ins Recht.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG;
Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-
treten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der
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Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung
eines Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Mit den dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. September
2012 (AS 2012 5359), welche am 29. September 2012 in Kraft getreten
sind, wurden unter anderem die Bestimmungen betreffend die Einreichung
von Asylgesuchen aus dem Ausland aufgehoben. Die Übergangsbestim-
mung (Ziffer III) hält jedoch fest, dass für die im Ausland vor dem Inkraft-
treten der Änderung vom 28. September 2012 gestellten Gesuche die mas-
sgeblichen Artikel (aArt. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG) in der
bisherigen Fassung anwendbar sind. Demnach sind auf den vorliegenden
Fall die altrechtlichen Bestimmungen betreffend das Asylverfahren anzu-
wenden.
5.
5.1 Ein Asylgesuch kann gemäss aArt. 19 AsylG im Ausland bei einer
schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an
das Bundesamt überweist (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Verfah-
rens bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sieht aArt. 10 der Asyl-
verordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1,
SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel
eine Befragung durchführt (aArt. 10 Abs. 1 AsylV 1); ist dies nicht möglich,
so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre
Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Eine Befragung
beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung kann sich erüb-
rigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylge-
suchs als entscheidreif erstellt erscheint; der asylsuchenden Person ist
aber in diesem Fall im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu
geben, sich zu einem abzusehenden negativen Entscheid zumindest
schriftlich zu äussern (BVGE 2007/30 E. 5.7 S. 367).
5.2 Im vorliegenden Fall wurde der Beschwerdeführer von der Botschaft in
Khartum zu seinem Asylgesuch nicht befragt. Indes wurde er im Rahmen
des rechtlichen Gehörs mittels Schreiben vom 2. März 2015 zur weiteren
Konkretisierung seiner Asylgründe aufgefordert (vgl. Bst. B.a hiervor). In
Verbindung mit den bereits vorgängig enthaltenen Fragestellungen sowie
den entsprechenden Antworten des Beschwerdeführers dazu (vgl. Bstn.
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B.a und B.b hiervor) konnte das SEM letztlich davon ausgehen, dass sämt-
liche für die Beurteilung des Asylgesuchs aus dem Ausland notwendigen
Aspekte abgedeckt waren, namentlich die genauen Personalien der asyl-
suchenden Personen, die detaillierten Asylvorbringen, die unternommenen
Massnahmen zur Schutzsuche oder die Möglichkeit einer innerstaatlichen
Fluchtalternative. Dabei ist festzustellen, dass sich der Beschwerdeführer
in allen seinen Eingaben grundsätzlich auf den gleichen Sachverhalt berief.
Aufgrund der Schilderungen des Beschwerdeführers durfte das SEM da-
von ausgehen, dass sämtliche für die Beurteilung des Asylgesuches aus
dem Ausland notwendigen Sachverhaltsaspekte vorgebracht wurden. Das
SEM ist zudem der Begründungspflicht des Anhörungsverzichts nachge-
kommen, so dass im vorliegenden Verfahren dem Anspruch des Be-
schwerdeführers auf Gewährung des rechtlichen Gehörs Rechnung getra-
gen und der entscheidwesentliche Sachverhalt in genügender Weise und
umfassend abgeklärt wurde.
6.
6.1 Die Vorinstanz kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen,
wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen kann
oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (vgl. Art.
3, Art. 7 und aArt. 52 Abs. 2 AsylG).
6.2 Gemäss aArt. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das SEM Asylsuchenden die
Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zugemutet
werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein
anderes Land auszureisen. Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzun-
gen zur Erteilung einer Einreisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu um-
schreiben, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt.
Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind na-
mentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzge-
währung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen
Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur ander-
weitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und As-
similationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend für die
Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der be-
troffenen Personen, mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im
Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am
Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden
kann (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3 S. 126 und E. 5.1 S. 128; vgl. auch die
Zusammenfassung der Rechtsprechung im Urteil D-2018/2011 vom 14.
September 2011 E. 7.1).
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6.3 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist festzustellen, dass die
Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung überzeugend dargelegt hat,
dass den vom Beschwerdeführer geltend gemachtem Schwierigkeiten und
Behelligungen keine einreiserelevante Bedeutung zukommt. Es kann des-
halb vorab auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (vgl.
vorstehend unter D). Der Beschwerdeführer hält sich in einem Drittstaat,
dem Sudan, auf. Zwar anerkennt das Bundesverwaltungsgericht, dass die
Umstände im Sudan schwierig und teilweise unbefriedigend sind. Dennoch
sind sie nicht dergestalt, dass auch ohne Bezug zur Schweiz eine Einreise
in die Schweiz bewilligt werden müsste (vgl. Entscheidungen und Mittei-
lungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 19).
Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich somit den Ausführungen des
SEM vollumfänglich an, zumal sich aus der Beschwerde und den auf Be-
schwerdeebene eingereichten Unterlagen nichts ergibt, was die Erwägun-
gen des SEM entkräften könnte. Somit ist es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen, eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG aufzuzeigen,
welche die Bewilligung der Einreise in die Schweiz rechtfertigen würde. Die
Schutzbedürftigkeit des Beschwerdeführers im Sinne von aArt. 20 i.V.m.
Art. 3 AsylG ist nicht gegeben. Das SEM hat dem Beschwerdeführer zu
Recht die Einreise in die Schweiz verweigert und das Asylgesuch abge-
lehnt.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwal-
tungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) auf die Erhe-
bung von Verfahrenskosten zu verzichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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