Decision ID: ca3e85a5-fd6c-46d2-a99f-ba1a60751971
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1984, wurde unter Hinweis auf einen seit Geburt bestehen
den Morbus Hirschsprung von seinem Vater erstmals am 16. April 1985 (Ein
gangsdatum) bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug angemeldet (Urk. 10/1). Dr. Y._, Z._, stellte in seinem Arzt
bericht vom 19. Juni 1985 das Geburtsgebrechen Ziff. 278 des Anhangs der Ver
ordnung über Geburtsgebrechen (GgV;
Aganglionose und Ganglienzell-Anoma
lien des Dick- oder Dünndarms
) fest (Urk. 10/3). Die IV
Stelle erteilte X._ mit Verfügung vom 8. Juli 1985 erstmals Kostengutsprache für die zur Behand
lung des Geburtsgebrechens Ziff. 278 notwendigen medizinischen Massnahmen vom 18. März 1985 bis am 31. März 1987 (Urk. 10/4). Mit Verfügung vom 15. März 1989 wurde diese Kostengut
sprache bis am 30. April 2000 verlängert (Urk. 10/14).
1.2
Auf Zusatzgesuch des Vaters des Versicherten vom 21. April 1994 (Urk. 10/17) hin leistete die IV-Stelle, nach Beizug eines Berichtes des schulpsychologischen Dienstes des Bezirkes Horgen vom 16. Mai 1994 (Urk. 10/18) – in welchem erst
mals ein POS, durch häufige Vollnarkosen im Kleinkindalter verstärkt, diagno
stiziert wurde – mit Verfügung vom 28. Juni 1994 Kostengutsprache für eine Sonderschulung an der A._ ab August 1994 bis einstweilen Ende Schuljahr 1995/1996 (Urk. 10/20). Diese Kostengutsprache wurde in der Folge mehrfach verlängert (Urk. 10/25, Urk. 10/28, Urk. 10/30), letztmals bis Ende Schuljahr 1999/2000 (Urk. 10/37). Ab September 1998 wurde mit dem Ver
sicherten eine Berufsberatung durchgeführt (Urk. 10/32-35 und Urk. 10/42). Am 15. August 2000 trat er eine Lehre als Geräteinformatiker an, woraufhin die Berufsberatung abgeschlossen wurde (Urk. 10/6/2). Die Lehre wurde indessen vom Versicherten nach eineinhalb Jahren abgebrochen. Von März 2002 bis Juli 2008 war er in der Firma seines Vaters (B._) als Informatiker angestellt. Anschliessend war er mit Unterbrüchen bei verschiedenen Firmen im Informatikbereich tätig, zuletzt vom 1. August 2012 bis 31. Januar 2013 bei den C._, wobei der letzte Arbeitstag der 20. No
vember 2012 war (Urk. 10/51 und Urk. 10/130/13-14). Zwischendurch sowie seit dem 31. Januar 2013 war er arbeitslos und bezog Taggelder der Arbeitslosenver
sicherung (Urk. 10/52 und 10/68/3).
1.3
Am 24. Juni 2013 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf schnelle Erschöpfung, lange Erholungszeit und Magen-Darm-Probleme mit starken Schmerzen erneut zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle an (Urk. 10/46). Die IV-Stelle tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen (Urk. 10/51-53 und Urk. 10/62). In der Folge leistete sie Kostengutsprache für eine berufliche Abklärung im Rahmen von beruflichen Massnahmen vom 17. März bis zum 17. April 2014 bei der D._ und sprach dem Versicherten für die Dauer dieser Massnahme ein Taggeld zu (Urk. 10/63-64 und Urk. 10/70). Am 15. Mai 2014 erstattete die D._ ihren Schlussbericht (Urk. 10/68). Mit Mitteilung vom 6. August 2014 leistete die IV-Stelle sodann Kostengutsprache für ein Aufbautraining vom 21. Juli 2014 bis zum 20. Januar 2015 in der E._, und sprach ihm für die Dauer dieser Massnahme ein Taggeld zu (Urk. 10/74-76).
Am 15. Dezember 2014 fand ein Standortgespräch statt (Urk. 10/95/12-13). Mit Mitteilung vom 16. Januar 2015 orientierte die IV-Stelle den Versicherten über die vorzeitige Beendigung des Aufbautrainings auf Ende Dezember 2014, da die Zwischenziele deutlich nicht erreicht worden seien und ein
ü
bertritt in eine geeignetere Massnahme empfohlen werde; sein Gesuch werde zur weiteren Bear
beitung an die Berufsberatung überwiesen (Urk. 10/94). Am 29. April 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass zurzeit keine beruflichen Ein
gliederungs
massnahmen möglich seien. Falls der Versicherte nochmals die Aufnahme von beruflichen Massnahmen wünsche, sei ein Nachweis zu einem mehrmonatigen Aufenthalt in einer Tagesklinik erforderlich. Solange die Behandlungs
möglich
keiten nicht ausgeschöpft seien, und dadurch Eingliede
rung
smassnahmen nicht eingeleitet werden könnten, könne auch die Rente nicht geprüft werden (Urk. 10/104). Mit E-Mail vom 5. Oktober 2015 informierte der Versicherte die IV-Stelle, dass er soeben in die F._ eingetreten sei. Am 19. Oktober 2015 setzte er die IV-Stelle darüber in Kenntnis, dass sein Aufenthalt in der F._ aufgrund zu vieler Fehltage abgebrochen worden sei (Urk. 10/110). Nach Beizug einer Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD, Urk. 10/135/3) liess die IV-Stelle den Versicherten polydisziplinär (Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie, Neuropsychologie) begutachten (Urk. 10/120 und Urk. 10/125). Die MEDAS G._ erstattete am 20. Juli 2016 das polydisziplinäre Gutachten (Urk. 10/130). Nach durch
geführtem Vorbe
scheidverfahren (Vorbescheid vom 22. September 2016, Urk. 10/136; Einwand vom 24. Oktober 2016, Urk. 10/140) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren des Versicherten mit Verfügung vom 1. Februar 2017 – wie vorbeschieden – ab (Urk. 10/146 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob X._ mit Eingabe vom 7. März 2017 Beschwerde und beantragte, es sei die Verfügung vom 1. Februar 2017 aufzuheben und ihm eine ganze Invalidenrente auszurichten, wobei die Sache zur Festsetzung von Renten
beginn und Rentenhöhe an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen sei. In pro
zessualer Hinsicht beantragte er die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 2 und S. 8). Mit Eingabe vom 10. April 2017 reichte der Beschwerde
führer das Formular betreffend Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit inkl. Unterlagen ein (Urk. 6-7 und Urk. 8/1-6). Mit Beschwerdeantwort vom 25. April 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 10/1-149), was dem Beschwerdeführer am 26. April 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
-
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderer
seits
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines ren
tenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
über
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK
1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beant
wortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Unter
suchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenen
falls in Aus
einandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.7
1.7.1
Im Gebiet der Invalidenversicherung gilt ganz allgemein der Grundsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzu
kehren hat, um die Folgen ihrer Invalidi
tät bestmöglich zu mildern (BGE 113 V 28 E.
4a mit Hinweisen). Dieses Gebot der Selbsteingliederung ist Ausdruck des in der ganzen Sozialversicherung geltenden Grundsatzes der Scha
denminderungspflicht (vgl. BGE 120 V 368 E. 6b S. 373, 117 V 275 E. 2b S.
278), wobei jedoch vom Versicherten nur Vorkehren verlangt werden können, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegeben
heiten des Einzelfalles zumutbar sind (BGE 113 V 22 E. 4a S. 28 mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung; ZAK 1989 S. 214 E. 1c). Als Ausdruck der allgemeinen Schadenminderungspflicht geht die Pflicht, die notwendigen Schritte zur Selbst
eingliederung zu unternehmen, nicht nur dem Renten-, sondern auch dem gesetzlichen Eingliederungsanspruch vor (Urteil
des Bundesgerichts 8C_385/2017 vom 19. September 2017 E. 5.2 mit Hinweis).
1.7.2
G
emäss
Art.
7 IVG
muss die versicherte Person
alles ihr Zumutbare unternehmen, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit (
Art.
6 ATSG) zu verrin
gern und den Eintritt einer Invalidität (
Art.
8 ATSG) zu verhindern (
Abs.
1). Die versicherte Person muss an allen zumutbaren Massnahmen, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich (Aufgabenbereich) dienen, aktiv teilnehmen
(Abs. 2)
.
1.7.3
Die Leistungen können gemäss
Art.
7b
Abs. 1
IVG nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person den Pflichten nach
Art.
7
IVG
oder nach
Art.
43 Absat
z 2 ATSG nicht nachgekommen ist
. Die Leis
tungen können in Abweichung von Art.
21
Abs.
4 ATSG ohne Mahn- und Bedenk
zeitverfahren gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Per
son:
a.
trotz Aufforderung der IV-Stelle nach
Art.
3c
Abs.
6 nicht unverzüglich eine Anmeldung vorgenommen hat und sich dies nachteilig auf die Dauer oder das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit oder der Invalidität auswirkt;
b.
der Meldepflicht nach
Art.
31
Abs.
1 ATSG nicht nachgekommen ist;
c.
Leistungen der Invalidenversicherung zu Unrecht erwirkt oder zu erwirken versucht hat;
d.
der IV-Stelle die Auskünfte nicht erteilt, welche diese zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgabe benötigt (
Art. 7b Abs.
2
IVG
).
1.7.4
Art.
21
Abs.
4 ATSG bestimmt Folgendes: Entzieht oder widersetzt sich eine ver
sicherte Person einer zumutbaren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbs
le
ben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare dazu bei, so können ihr die Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzu
räu
men. Behandlungs- oder Eingliederungsmassnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind nicht zumutbar.
1.8
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts hat die
Beschwerdeinstanz
in der Regel ein Gerichtsgutachten
ein
zuholen
, wenn sie im Rahmen der Beweiswürdi
gung zum Schluss kommt, ein bereits erhobener medizinischer Sachverhalt müsse (insgesamt oder in wesentlichen Teilen) noch gutachtlich geklärt werden oder eine Administrativexpertise sei in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweis
kräftig. Eine Rückweisung an die IV-Stelle bleibt hingegen möglich, wenn es darum geht, zu einer bisher vollständig ungeklärten Frage ein Gutachten einzu
holen. Ebenso steht es dem Versicherungsgericht frei, eine Sache zurückzuweisen, wenn allein eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (
BGE 139 V 99 E. 1.1,
137 V 210 E. 4.4.1.4
; Urteil des Bundesgerichts 8C_580/2017 vom 9. Februar 2018 E. 3.1).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invali
denrente.
2.2
Die Beschwerdegegnerin hielt im Vorbescheid vom 22. September 2016 zur Begründung der darin in Aussicht gestellten Abweisung des Rentenbegehrens fest, dass der Beschwerdeführer durch eine betreute Wohnform in der Erhaltung einer Tagesstruktur unterstützt und so eine Arbeitsfähigkeit von bis zu 70 % erlangt werden könne.
Aufgrund des aktuellen Gesundheitszustandes seien aktuell keine Eingliederungsmassnahmen angezeigt. Eingliederungsmassnahmen würden erneut geprüft, wenn durch eine betreute Wohnform eine Tagesstruktur vorhanden sei. Bei der IV gelte der Grundsatz Eingliederung vor Rente. Eine Ren
tenprüfung werde nur vorgenommen, wenn alle zumutbaren Behandlungen oder Massnahmen wahrgenommen worden seien
(Urk. 10/136/2; vgl. Urk. 2 S.
1). In der angefochtenen Verfügung führte sie – zudem – an, gemäss Gutachten sei eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
zumutbar unter optimalen Bedingungen. Ressourcen seien vorhanden. Aus ihrer Sicht wäre es aus gesundheitlicher Sicht nicht förder
lich, eine Rentenleistung zuzusprechen, bevor alle möglichen Eingliederungs
massnahmen ausgeschöpft seien.
2.3
Der Beschwerdeführer hielt demgegenüber dafür, dass die Voraussetzungen für die Ausrichtung einer Rente der Invalidenversicherung vorliegend erfüllt seien. Daran ändere nichts, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers durch Mit
wirkung seinerseits, namentlich durch Therapie oder Anpassung der Wohnsitua
tion, gegebenenfalls wieder rentenausschliessend hergestellt werden könne (Urk. 1 S. 7-8).
3.
3.1
Die Aktenlage betreffend den Zeitraum vor der Begutachtung wurde im polydis
ziplinären Gutachten der MEDAS G._ vom 20. Juli 2016 zusammen
gefasst wiedergegeben (Urk. 10/130/2-8). Auf die betreffenden Ausführungen wird verwiesen.
3.2
3.2.1
Gestützt auf die Untersuchungen in den einzelnen Fachgebieten stellten die MEDAS-Gutachter in ihrer Gesamtbeurteilung folgende Diagnosen mit wesentli
cher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit (Urk. 10/130/21):
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung F61.0
-
Verdacht auf Störung der Impulskontrolle F63
Zudem wurden folgende Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeits
fähigkeit, aber mit Krankheitswert, gestellt (Urk. 10/130/21):
-
Rechtschreibeschwäche, ansonsten alters- und ausbildungsadäquate kognitive Leistungsfähigkeit
-
Morbus Hirschsprung
-
Status nach Durchzugsoperation nach Duhamel, nach doppelläufiger Transversostomie rechts und nach Kolostomieverschluss 1985
-
Wiederholte Stuhlausräumungen in Narkose bei chronischer Obstipa
tion in Kindheit
-
Letzte Darmoperation etwa 2004, anamnestisch, seither keine Stuhlin
kontinenz mehr, eher Durchfälle, gelegentlich Bauchkrämpfe
-
Nikotinabusus (20 Zigaretten täglich, ca. 10 py)
Ferner nannten die MEDAS-Gutachter folgende Nebenbefunde (Urk. 10/130/22):
-
Nephrolithiasis rechts 2007
-
Status nach Operation bei Refluxösophagitis 2011
-
Status nach Gichtanfall Grosszehe links etwa 1999, anamnestisch
-
Status nach Appendektomie in Kindheit, anamnestisch
-
Status nach Cannabiskonsum F12.20
3.2.2
Im Rahmen der zusammenfassenden Gesamtbeurteilung (Urk. 10/130/19-23) hielten die Gutachter fest, dass die aktuelle neuropsychologische Abklärung, abgesehen von einer Rechtschreibeschwäche, eine alters- und ausbildungs
adä
quate kognitive Leistungsfähigkeit ergeben habe. Insbesondere hätten sich psychometrisch keine Hinweise auf ein ADHS gefunden. Im Vergleich zur neuro
psychologischen Untersuchung vom Mai 1992 und vom November 2014 hätten sich in der aktuellen Untersuchung Verbesserungen gezeigt; die damals diagnos
tizierte Minderleistung in attentionalen Teilbereichen sowie im Bereich der Visuokonstruktion, dem nonverbalen Lernen/Gedächtnis, dem Rechnen sowie dem sprachlichen Konzeptdenken seien nicht mehr festzustellen. Dies sei am ehesten erklärbar in Zusammenhang mit einer aktuell insgesamt besse
ren/sta
bileren Aufmerksamkeitsleistung (Urk. 10/130/20-21). Aus psychiatri
scher Sicht seien diagnostisch eine kombinierte Persönlichkeitsstörung F61.0 (ICD-10 Krite
rien erfüllt) sowie eine wahrscheinlich phasenweise gestörte Impulskontrolle F63 mit vor allem beeinträchtigter Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen aufzuführen. Der Beschwerdeführer sei deshalb nur beschränkt in der Lage, einen strukturierten Tagesablauf aufrecht zu erhalten, wie dies für eine Erwerbstätigkeit Voraussetzung wäre. In Abweichung zum behandelnden Psychiater Dr. med. H._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, sei davon auszugehen, dass eine tagesklinische Behandlung keine nachhaltige Auswirkung auf den psy
chischen Gesundheitszustand, insbesondere auf die Folgen der Persönlich
keits
störung, haben werde. Viel eher wäre ein betreutes Wohnen hilfreich. Erst danach werde der Beschwerdeführer die medizinisch-theoretische 70%ige Rest
arbeits
fä
higkeit als IT-Supporter oder in angepasster Tätigkeit im Arbeitsmarkt umsetzen können.
Diese Einschätzung decke sich mit den Feststellungen, die im Rahmen der BEFAS-Abklärungen (Bericht vom
5.
Mai 2014) sowie des Aufbau
trainings (Bericht vom 1
7. Dezember 2014) gemacht worden seien
, insofern, als dass dem Beschwerdeführer ein Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt ohne zusätzliche pro
fessionelle Unterstützung (betreutes Wohnen, allenfalls Klinik
aufenthalt bei Fort
bestehen einer nichtstofflichen Abhängigkeit [Spielsucht aufgrund der gestörten Impulskontrolle]
)
nicht möglich sein werde.
Keine zusätzliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei aus intern-medizinischer Sicht zu begründen aufgrund der zwischenzeitlich weit in den Hintergrund getretenen Darmproblematik bei akten
kundigem Morbus Hirschsprung (Urk. 10/130/21).
3.2.3
Die Gutachter gelangten zum Schluss, dass sowohl in angestammter Tätigkeit als IT-Supporter als auch in jeder angepassten Verweistätigkeit (Berücksichtigung der Rechtschreibeschwäche), medizinisch-theoretisch eine zumutbare Arbeitsfä
higkeit von 70 % der Norm nach Neutralisation eines Teils der Auswirkungen der psychischen Störungen mittels Veränderung der Wohn
situation (betreutes Wohnen) bestehe. Durch medizinische Massnahmen, insbe
sondere eine integrierte stationäre oder halb-stationäre psychiatrische Behandlung, sei das psychische Zustandsbild des Versicherten nicht richtungs
gebend verbesserbar; medikamen
tös zu diskutieren sei die Gabe eines Moodstabilizers, zum Beispiel Lithium (u.a. auch zur Augmentation des Anti
depressivums). Falls aufgrund der gestörten Impulskontrolle eine nicht-stoffliche Abhängigkeit (Spielsucht) bestehe und diese innerhalb eines betreuten Wohnens nicht genügend neutralisierbar sei, sei der Aufenthalt in einer dazu geeigneten Klinik zu überprüfen. Betreffend beruflicher Massnahmen sei eine Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt zu empfehlen unter der Bedingung, dass der Versicherte in ein betreutes Wohnen einwillige. Die festgelegte Arbeitsfähigkeit sei aufgrund der vorliegenden Akten, anamnestischer Angaben und erhobener Befunde auf den Zeitpunkt der IV
Anmeldung vom 20. Juni 2013 zurückzudatieren. Der weitere Verlauf sei offen und insbesondere abhängig von der Realisierbarkeit eines betreuten Wohnens (Urk. 10/130/22).
4.
4.1
Da
s polydisziplinäre Gutachten der MEDAS G._ vom 20. Juli 2016
(Urk. 10/
130
) beruht auf den erforderlichen
sorgfältigen und
allseitigen Untersu
chungen
(Urk. 10/130/17-18, Urk. 10/130/24-25, Urk. 10/130/28-31 und Urk. 10/130/41-43)
, wurde in Kenntnis der und Auseinandersetzung mit den Vorakten erstattet
(Urk. 10/130/2-13, Urk. 10/130/26-27 und Urk. 10/130/34)
, berücksichtigt die geklagten Beschwerden und setzt sich mi
t diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers
auseinander
(Urk. 10/130/15-16, Urk. 10/130/20-21, Urk. 10/130/27-28 und Urk. 10/130/35-50)
. Die Gutachter haben die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolgerungen
grundsätzlich nachvollziehbar begründet (vgl. aber E. 4.3). Der psychiatrische Gutachter hat sich sodann im Rahmen seiner Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit
–
trotz Fehlens einer Diagnose, welche nach damaliger Rechtslage eine solche Prüfung bedingt hätte
–
mit den Indikatoren gem
äss BGE 141 V 281 (vgl. E. 1.2.2
)
einlässlich befasst (Urk. 10/130/50-52).
Das MEDAS-Gut
achten erfüllt demnach grundsätzlich die rechtsprechungsgemässen Anforde
rungen an eine beweiskräftige ärztliche Entscheidgrundlage (vgl.
E. 1.6).
4.2
Die gutachterliche Einschätzung, wonach im Zeitpunkt der Begutachtung aus somatischer und neuropsychologischer Sicht keine Beeinträchtigung der Arbeits
fähigkeit bestand, steht – zu Recht - ausser Diskussion.
4.3
4.3.1
In psychischer Hinsi
cht gelangten die
MEDAS-Gutachter
im Rahmen der zusammenfassenden Beurteilung (Urk. 10/130/19-23)
zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit als
IT
-Supporter wie auch jede andere angepasste Verweistätigkeit (Berücksichtigung der Rechtschreibes
chwä
che) medizinisch-theoretisch zu 70
%
der Norm zumutbar sei
nach
Neutralisation eines Teils der Auswirkungen der psychischen Störungen mittels Veränderung der Wohnsi
tuation. Diese Beurteilung gelte
seit Juni 2013 (Zeit
punkt der Anmel
dung
; vgl. E. 3.2.3
).
Laut Gutachten wurde diese (zusammenfassende) Beurteilung anlässlich der Schlussbesprechung vom 1. Juli 2016 von Dr. med. I._, FMH Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med. J._, FMH Rheumatologie, vorgenommen. Die Schlussbesprechung basiere auf einem vorgängig im Zirkulationsverfahren erar
beiteten Konsensfindungsprozess aller beteiligen Fachleute (Urk. 10/130/19).
4.3.2
Die zusammenfassende Beurteilung von Dr. I._ und Dr. J._
erscheint inso
fern als erklärungsbedürftig, als der psychiatrische Gutachter
Dr. med. K._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, im psychiatrischen Teilgutachten vom 9. Juni 2016 (Urk. 10/130/34-54) ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass die Auswirkungen der psychischen Störung auf die Erwerbsfähigkeit schwer fassbar seien. Einerseits gebe
es wenig fremdanamnestische Angaben zu seinem Verhalten in der Arbeitssituation. Anderseits berichte der Beschwerdeführer über Lebensphasen, in denen er in der Lage gewesen sei, ein scheinbar unauffälliges Erwerbsleben zu führen. Es gebe deutliche Hinweise, dass
er
unter bestimmten Voraussetzungen in der Lage sei, über eine gewisse Zeitdauer eine Performance zu erbringen. Es sei aber von einer Störung der Capacity auszugehen
(Urk. 10/130/49)
.
Nach einlässlicher Befassung mit den Standardindikatoren (Urk. 10/130/50-52) hatte Gutachter Dr. K._ sodann festgestellt, dass der Wille, wieder einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, beim Beschwerdeführer unge
brochen scheine. Aufgrund der psychischen Störung gehe er davon aus, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage sei, unter den gegebenen Umständen, – ins
besondere der Wohnsituation – seine willentlichen Vorsätze in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit umzusetzen. Gemäss BEFAS-Bericht vom 15. Mai 2014 bestehe eine Restarbeitsfähigkeit von 70 %. Er gehe ebenfalls von einer krankheits
be
dingten Einschränkung der Restarbeitsfähigkeit aus. Diese lasse sich anhand der ihm zur Verfügung stehenden Akten nicht sicher quantifizieren. Aus versiche
rungsmedizinischer Sicht könne davon ausgegangen werden, dass der Beschwer
deführer unter den gegebenen Umständen (Wohnsituation) die medi
zinisch-theo
retische Restarbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt wahrscheinlich zu realisieren nicht in der Lage sei. Er empfehle dem Beschwerdeführer berufliche Wiederein
gliederungsmassnahmen in den ersten Arbeitsmarkt unter der Bedingung, dass er in ein betreutes Wohnen einwillige (Urk. 10/130/52).
Wohl hatte Gutachter Dr. K._ im Weiteren unter dem Titel
«Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
als ungelernter IT-Supporter» angeführt
, abge
stützt auf die ihm zur Verfügung stehenden Akten
sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
– aktuell – medizinisch-theoretisch zu 70
% arbeitsfähig sei; dies gelte auch für eine Verweisungstätigkeit
(Urk. 10/130/52)
.
Diese Ein
schätzung von Gutachter Dr. K._ erscheint aufgrund seiner – vorstehend wiedergegebenen – vorherigen Feststellungen indessen mangels Begründung nicht ohne weiteres nachvollziehbar; ebenso verhält es sich demzufolge auch bei der entsprechenden Einschätzung von Dr. I._ und Dr. J._ vom 1. Juli 2016.
In Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als IT-Supporter gilt dies umso mehr, als l
aut dem
von Gutachter Dr. K._ zitierten
Schlussber
icht BEFAS vom 15. Mai 2014
die berufspraktische und berufsberate
rische Abklärung
ergeben hatte, dass
keine konkreten Angaben zur A
rbeitsfähig
keit im
Bereich Informatik gemacht werden könnten
; es werde vermutet, dass dieser Bereich nicht angepasst sei (Urk. 10/68/12).
Zur Frage nach dem Beginn der Arbeitsunfähigkeit wurde im Rahmen der zusam
menfassenden Beurteilung sodann festgehalten, dass die anlässlich der Schluss
besprechung vom 1. Juli 2016 festgelegte Arbeitsfähigkeit «aufgrund vorliegen
der Akten, anamnestischer Angaben und erhobener Befunde» auf Juni 2013 zurückzudatieren sei. Gutachter Dr. K._ hatte zu dieser Frage indessen ledig
lich bemerkt, dass gemäss BEFAS-Bericht (vom 15. Mai 2014) die Restarbeitsfä
higkeit 70 % betrage (Urk. 10/130/52). Zur vor der BEFAS Abklärung bestehen
den medizinisch-theoretischen Restarbeitsfähigkeit machte er hingegen keine konkreten Angaben. Die zusammenfassende Beurteilung von Dr. I._ und Dr. J._ erscheint daher auch insofern erklärungsbedürftig.
4.3.3
Hinzu kommt, dass der psychiatrische Gutachter zwar die von ihm gestellte Diagnose einer Persönlichkeitsstörung
(ICD-10 F61.0)
lege artis anhand der Diagnosekriterien gemäss ICD-10 hergeleitet hat
(Urk. 10/130/49-50). Die
Diagnose ein
er Impulskontrollstörung (ICD-10 F63) hat der psychiatrische Gut
achter hingegen
lediglich verdachtsweise erhoben. Mithin liegt insoweit keine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor, was
aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht
für die Annahme eine
r durch die Impulskontrollstörung bedingten Beeinträchtigung der Arbeitsfä
higkeit jedoch erforderlich wäre (vgl. E. 1.2.1).
4.3.4
Nach dem Gesagten kann aufgrund der gutachterlichen Ausführungen zwar ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass die medizinisch-theoretische Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers krankheitsbedingt eingeschränkt ist. Zur zuver
lässigen Beurteilung des (quantitativen und qualitativen) Umfanges des beim Beschwerdeführer vorhandenen potentiellen medizinisch-theoretischen funktio
nellen Leistungsvermögens erscheint jedoch eine Klarstellung und Präzisierung der gutachterlichen Ausführungen (vgl. E. 4.3.2) resp. – mit Blick auf die Aus
führungen in Ziffer 7 des psychiatrischen Teilgutachtens (Urk. 10/130/53; vgl. Urk. 10/130/21) – allenfalls auch der Beizug eines Verlaufs
gutachtens erfor
der
lich.
4.4
4.4.1
Nicht in Frage zu stellen ist hingegen die gutachterliche Einschätzung, wonach der Beschwerdeführer unter den im Zeitpunkt der Begutachtung gegebenen Umständen (Wohnsituation) nicht in der Lage war, die medizinisch-theoretische Rest
arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt zu realisieren (vgl. auch die dahinge
hende Stellungnahme von RAD-Arzt dipl. med. L._, Facharzt FMH für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, vom 26. Juli 2016, Urk. 10/135/4), mithin nicht eingliederungsfähig war. Im Ergebnis zum gleichen Schluss waren auch die mit dem Beschwerdeführer befassten Berufsfachpersonen gelangt (vgl. Sachverhalt Ziffer 1.3): Auch sie stellten in ihren Berichten vom 15. Mai 2014, 22. Dezember 2014 und 29. April 2015 (Verlaufsprotokoll Berufs
beratung) fest, dass dem Beschwerdeführer
ein Einstieg in den ersten Arbeits
markt ohne zusätz
liche professionelle Unterstützung
nicht möglich ist (Urk. 10/68, Urk. 10/91 und Urk. 10/103).
4.4.2
Der Beschwerdeführer wies zu Recht darauf hin, dass trotz der in Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG in der ab 1.
Januar 2008 geltenden Fassung aufgestellten (negativen) Anspruchsvoraussetzung der fehlenden Eingliederungsfähigkeit die frühere Recht
sprechung weiterhin anwendbar ist. Demnach entsteht der Rentenanspruch, wenn die versicherte Person nach Ablauf der einjährigen Wartezeit nicht oder noch nicht eingliederungsfähig war, selbst wenn in Zukunft Eingliederungs
mass
nahmen beab
sichtigt sind (BGE 121 V 190 Regeste; Urteile des Bundes
gerichts 8C_209/2017 vom 14. Juli 2017 E. 5.2.2 und 8C_787/2014 vom 5. Februar 2015 E. 3.2, je mit Hinweis auf BGE 122 V 77 E. 2).
Das Bundesgericht hat sodann wiederholt unter Hinweis auf BGE 127 V 294 E. 4c bestätigt, dass in der Invalidenversicherung die Therapierbarkeit eines Leidens dem Eintritt einer rentenbegründenden Invalidität nicht absolut entgegensteht (BGE 143 V 409 E. 4.2.1 mit Hinweis; vgl. E. 1.2.2). Für die Entstehung eines Anspruchs auf eine Rente ist vielmehr immer und einzig vorausgesetzt, dass während eines Jahres (ohne wesentlichen Unterbruch) eine mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) bestanden hat (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) und eine anspruchsbegründende Erwerbsunfähigkeit weiterhin besteht (Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG [vgl. E. 1.3]; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_682/2016 vom 16. Februar 2017 E. 3.2).
4.4.3
Die Beschwerdegegnerin wäre demnach – trotz des Grundsatzes «Eingliederung vor Rente» – gehalten gewesen zu prüfen, ob die genannten Voraussetzungen für eine Rentenzusprache erfüllt sind, und zwar – unter Berücksichtigung von Art. 29 Abs. 1 IVG – auch für die vergangene Zeit.
Soweit die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch mit der Begründung, dass laut Gutachten unter optimalen Bedingungen eine Arbeitsfähigkeit zu 70 % zumutbar sei und der Beschwerdeführer über gute Ressourcen verfüge, verneinte, kann ihr schon deshalb nicht gefolgt werden, weil sich a
us der medizinisch-theoretischen Beurteil
ung der Arbeitsunfähigkeit
in der Regel kein Schluss auf die für die Bestimmung des Invaliditätsgrades massgebende Erwerbsunfähigkeit ziehen
lässt
. Vorliegend gilt dies umso mehr, als
Grund zur Annahme besteht, dass
d
ie Invalidität in Anwendung von Art.
26 IVV (Bemessung der Invalidität b
ei Versicherten ohne Ausbildung;
vgl. zur Frühinvalidität auch das
Kreis
schrei
ben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH] des Bundesamtes für Sozialversicherung
en [BSV], Randziffern 3035 ff.) zu bemessen ist. Gutachter Dr. K._ führte nämlich
– unter Bezugnahme auf den Bericht von Prof. Dr. phil. M._ vom Neuropsychologischen Institut vom 21. Mai 1992 betreffend die am 11./12. Mai 1992 durchgeführten neuropsycho
logischen Untersuchungen (Urk. 10/86) – aus, der (damals 8-jährige) Beschwerde
führer sei zu diesem Zeitpunkt vermindert lernfähig gewesen. Die Hauptstörung sei damals vom Neuropsychologen nicht in den kognitiven, sondern in den emotionalen Funktionen geortet worden. Die gestörte Emotionalität habe den Beschwerde
führer in der sozialen Beziehungs- und Bezugsfähigkeit einge
schränkt. Die krank
heitsbedingt eingeschränkte Lernfähigkeit habe sich auch im weiteren Schulverlauf manifestiert. Die hohe emotionale Instabilität mit grossem Anpas
sungsbemühen mit psychovegetativen Erschöpfungszuständen ziehe sich wie ein roter Faden durch die weitere Lebensgeschichte des Beschwerdeführers. Es müsse davon ausgegangen werden, dass er aufgrund der krankheitsbedingten Lern
schwierigkeiten und der psychischen Beeinträchtigungen nicht in der Lage gewe
sen sei, genügend schulische Ressourcen zu generieren, um überhaupt befähigt zu sein, eine Lehre erfolgreich abzuschliessen (Urk. 10/130/46-47). Bis heute sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, im ersten Arbeitsmarkt Fuss zu fassen (Urk. 10/130/48).
4.5
Zu erwähnen bleibt, dass gemäss der insoweit überzeugenden Beurteilung der MEDAS-Gutachter die von ihnen empfohlene
Massnahme in Form einer Platzie
rung in einem begleiteten Wohnen
eine
unabdingbare Voraussetzung dafür dar
stellt
, dass der Beschwerdeführer sein nach medizinisch-theoretischer Ein
schätzung an sich bestehendes funktionelles Leistungsvermögen im ersten Arbeits
markt umsetzen kann. Da die Massnahme demnach
spezifisch und unmittelbar
auf die Eingliederung ins Erwerbsleben gerichtet, ist sie invaliden
versicherungsrechtlic
h relevant (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2017 vom 19. September 2017 E. 5.3 mit Hinweisen).
Sollte sich aufgrund der von der Beschwerdegegnerin zu tätigenden Abklärungen ergeben, dass die genannten Voraussetzungen für einen Rentenanspruch erfüllt sind (vgl. E. 4.4.2), fiele deshalb die (neuerliche) Verweigerung einer Invaliden
rente erst dann in Betracht, wenn sich der Beschwerdeführer nach korrekt durch
geführtem Mahn- und Bedenkzeitverfahren weigert, sich der gutachterlich empfohlenen Massnahme zu unterziehen (vgl. E. 1.7 und Urteil des Bundesge
richts 9C_391/2016 vom 4. November 2016 E. 3.5).
5.
Es ergibt sich somit, dass aufgrund der gegebenen Aktenlage das Vorliegen eines Rentenanspruchs des Beschwerdeführers weder verneint noch bejaht werden kann. Die angefochtene Verfügung ist daher aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie im Sinne der Erwägungen eine Klarstellung und Präzisierung des medizinischen Sachverhaltes (vgl. E. 4.3) ver
anlasse und hernach unter Berücksichtigung des in E. 4.4.3 Gesagten prüfe, ob die Voraussetzungen für einen Rentenanspruch im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b und lit. c IVG erfüllt sind. Je nach dem hat sie ein Mahn- und Bedenk
zeitver
fahren im Sinne von Art. 21 Abs. 4 ATSG durchzuführen (vgl. E. 4.5). Danach hat sie über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu zu verfügen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6
.
6
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht
, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 6
00.-- fest
zusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen der beschwerdeführenden Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 mit Hinweisen). Entsprechend sind die Kosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzu
er
legen.
6
.2
Überdies hat
der
obsiegende Beschwerdeführer Anspruch auf den Ersatz der Parteikosten (§ 34 Abs. 1 GSVGer
in Verbindung mit
Art. 61 lit. g ATSG
). Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer). Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von
Fr.
1‘7
00.-- (inkl
. Barauslagen
und MWSt.
) als angemessen
.
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsver
tre
tung vom
7. März
2017 (Urk. 1
S. 2 und S. 8
) erweist sich damit als gegen
stands
los.