Decision ID: 4fb5c263-2d31-42ef-b7a4-8184e67969cf
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die im Jahr 1966 geborene
X._
besuchte nach ihrer Einreise in die Schweiz im Juni 1981 von 1982 bis 1984 die Gastgewerbeschule. Danach war sie als Hausfrau tätig und ist mittlerweile Mutter von drei Kindern (1985, 1990, 2000). In der Zeit von Oktober 1992 bis Oktober 1998 war die Versicherte als Kassiererin
bei
Y._
erwerbstätig. Infolge
multipler Beschwerden meldete sie sich am
5.
Januar 2000 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/1,
Urk.
7/3). In der Folge leitete diese eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt in die Wege (Haushaltsabklärung vom 2
9.
November 2000,
Urk.
7/14) und klärte den medizinischen Sachverhalt umfassend ab (MEDAS-Gutachten vom
6.
Dezember 2001,
Urk.
7/32). Mit Verfügung vom 2
2.
März 2002 sprach sie der Versicherten mit Wirkung ab
1.
Januar 1999 – ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 81 % - eine ganze Rente zu (
Urk.
7/34,
Urk.
7/40). Mit Verfügung vom 2
5.
Juni 2003 wurde der Versicherten zudem eine
Hilflosenentschädigung
leichten G
rades zugesprochen (
Urk.
7/62).
1.2
Mit Mitteilung vom 1
7.
April
2003 wurde der bestehende Rentenanspruch revisionsweise bestätigt (
Urk.
7/57), ebenso mit Mitteilung vom 2
0.
Juli 2005 (
Urk.
7/74). Gestützt auf den Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädigung
vom 3
1.
August 2005 (
Urk.
7/75) wurde weiter mit Mitteilung vom
3.
Oktober 2005 der unveränderte Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
bestätigt (
Urk.
7/77). Im August 2008 wurde eine erneute Überprüfung der Leistungsansprüche in die Wege geleitet (
Urk.
7/80). In diesem Zusammenhang wurden in beiden An
spruchs
bereichen neue Abklärungsberichte erstellt (Bericht
Hilflosenent
schädi
gung
,
Urk.
7/85; Haushaltsabklärungsbericht,
Urk.
7/86). Mit Mitteilung vom 2
2.
April 2009 wurde der bestehende Rentenanspruch bestätigt, mit Mitteilung vom 2
3.
April 2009 jener betreffe
nd
Hilflosenentschädigung
(Urk.
7/89).
1.3
Am 1
3.
Februar 2012 nahm die Versicherte erneut im Rahmen einer revisions
weisen Überprüfung zu den bestehenden Leistungsansprüchen Stellung (
Urk.
7/95)
.
In der Folge liess die IV-Stelle die Versicherte polydisziplinär abklären (
Z._
-Gutachten vom 1
9.
März 2013,
Urk.
7/109). Mit Mitteilung vom 2
6.
Juli 2013 erteilte sie Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining (
Urk.
7/115), welches am
8.
Januar
2014 abgebrochen wurde (
Urk.
7/123). Mit Vorbescheid vom 1
3.
Janu
ar 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Einstellung des Renten
anspruchs in Aussicht (
Urk.
7/127). Am
6.
Februar 2014 zog sich die Versicherte bei einem Sturz auf das rechte Handgelenk eine Radiusfraktur zu, wobei ein operatives Vorgehen nötig wurde (
Urk.
7/128). In Laufe der weiteren Abklärungen
wurde erneut eine polydisziplinäre Abklärung in die Wege geleitet (
A._
-Gut
achten vom
9.
November 2015,
Urk.
7/165). Mit Vorbescheid vom 2
3.
Mai 2016 (ersetzt den Vorbescheid vom 1
3.
Januar 2014) wurde die wiedererwägungsweise Aufhebung der Mitteilung vom 2
2.
April 2009 in Aussicht gestellt (
Urk.
7/172), eine Folgebegutachtung erfolgte Anfang 2017
(
A._
-Gutachten vom
4.
August
2017,
Urk.
7/191). Mit Vorbescheid vom 3
1.
August 2017 (ersetzt den Vorbe
scheid
vom 2
3.
Mai 2016) wurde der Versicherten die Reduktion des Rentenan
spruchs auf eine halbe Rente in Aussicht gestellt (Urk. 7/196). Der unveränderte Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
wurde mit Mitteilung vom 1
1.
September 2017 bestätigt (
Urk.
7/198,
Urk.
7/197). Am Vorbescheid vom 3
1.
August 2018 hielt die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
2.
Juli 2018 fest und reduzierte den Renten
anspruch mit Wirkung ab
1.
September 2018 auf eine halbe Rente (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin der Versicherten am
4.
September 2018 Be
schwer
de und beantragte,
es sei der Beschwerdeführerin weiterhin eine ganze Rente auszurichten; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwer
de
gegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
1.
Oktober 2018 beantragte die Beschwerde
geg
nerin
unter Hinweis auf die Akten
die Abweisung
der Beschwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 1
9.
Oktober 2019 zur Kenntnis ge
bracht wurde (
Urk.
8). Mit Schreiben vom 1
3.
November 2018 reichte die Ver
tre
terin der Beschwerdeführerin weitere medizinische Berichte zu den Akten (
Urk.
9 f.); die Beschwerdegegnerin verzichtete in der Folge auf eine Stellung
nahme dazu (
Urk.
12).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Tei
l des Sozialversicherungsrecht; ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung; IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
a
us (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente
von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, he
rab
gesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Än
derung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
benem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit
Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wes
entlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
achtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.3
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Da
bei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f
der
Verordnung über die Invali
den
versicherung (IVV)
auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachver
halt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.4
Ein Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG ist unter Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität (vgl. Art. 28a IVG) zur Anwendung gelangt (BGE 144 I 21 E. 2.2). Die in einem bestimmten Zeitpunkt massgebende Methode der Invaliditätsbemessung präjudiziert die künf
tige Rechtsstellung der versicherten Person somit grundsätzlich nicht (vgl. BGE
117 V 198 E. 3b, 113 V 273 E. 1a, 104 V 148; vgl. Meyer/
Reichmuth
, Bundesge
setz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
27 f. zu Art. 30–31).
1.5
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE
130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allen
falls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass per
sön
liche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebens
alter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeits
fähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
bb
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit ein
geschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesund
heitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbe
ding
ten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Ge
sichts
punkts führen dürfen (Urteil des Bundesgerichts 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_805/
2016 vom 22. März 2017 E. 3.1).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abwei
chende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz
den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichtes
8C_113/2015
vom 26. Mai 2015 E. 3.2 und
8C_808/2013 vom 14. Februar 2014 E. 7.1.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass im Rahmen der Anspruchsprüfung im Jahre 2009 eine Abklärung des medizinischen Sachverhalts zu Unrecht nicht erfolgt sei, was zur wiedererwägungsweisen Auf
hebung der Mitteilung vom 2
2.
April 2009 führe. Gestützt auf die Verlaufsbe
gutachtung vom
4.
August 2017 sei dabei in einer angepassten Tätigkeit von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen, was ab
1.
September 2018 zu einem Anspruch auf eine halbe Rente führe (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin der Beschwerdeführerin im Wesentlic
hen geltend, dass die Gutachter, obschon sie eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes festgestellt
hätten
, in einer angepassten Tätigkeit von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ausgehen würden (
Urk.
1 S. 16). Das Gutachten über
zeuge insgesamt nicht und bagatellisiere die Beschwerden der Beschwerde
füh
rerin; sodann spreche auch der unveränderte Anspruch auf eine
Hilflosenent
schädigung
klar dafür, dass die Beschwerdeführerin auch in einer angepassten Tätigkeit nicht arbeitsfähig sei (S. 18). Insgesamt sei seit der erstmaligen
Ren
ten
zusprache
von einer erheblichen Verschlechterung des gesundheitlichen Zustan
des auszugehen (S. 19). Weiter sei zu prüfen, ob die Wiedereingliederung vor
liegend verhältnismässig sei (S. 20), zumindest sei ein maximaler leidensbedingter Abzug vorzunehmen (S. 21).
2.3
Vergleichsbasis im vorliegenden Revisionsverfahren bildet die Verfügung vom 2
2.
März 2002, welche sich auf die Haushaltsabklärung vom 2
9.
November 2000 sowie das MEDAS-Gutachten vom
6.
Dezember 2001 stützt (
Urk.
7/14,
Urk.
7/32).
Im Bereich Haushalt ermittelte die zuständige Abklärungsperson eine Einschrän
kung von 52
%
(
Urk.
7/14 S. 7). Die für das
polydisziplinäre (neurologisch, rheu
matologisch, psychiatrisch)
MEDAS-Gutachten verantwortlichen Fachärzte stellten
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit die folgenden Diagnosen
(
Urk.
7/32 S.
16)
:
-
Mittelgradige depressive Störung mit somatischem Syndrom
-
Paniforme
Angstattacken
-
Posttraumatische Belastungsstörung mit intrusiven Erinnerungen
-
Chronifiziertes
Kopfweh vom Spannungstyp
-
Haltungsstörung und Haltungsinsuffizienz mit deutlich vermehrter Brust
kyphose
-
Zervikalsyndrom
mit l
e
ichter Fehlposition der Halswirbelsäule
-
Chronisches
lumbo
-vertebrales Schmerzsyndrom
-
Status nach Kontusion des rechten Beckens und des rechten lateralen Fuss
randes
Körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten wären der Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht voll zumutbar, aus psychiatrischer Sicht bestehe demge
genüber eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (S. 17). Bei einer Gewichtung des Bereichs Haushalt mit 40
%
führe dies zu einer Teilinvalidität von 21
%
, was zu einem Gesamtinvaliditätsgrad von 81
%
führe (
Urk.
7/19).
Demgegenüber fällt die Mitteilung vom 2
2.
April 2009 als Referenzzeitpunkt ausser Betracht, da zum einen der medizinische Sachverhalt unbestrittenermassen nur ungenügend abgeklärt wurde und zum andern kein Einkommensvergleich durchgeführt wurde, was sich am unveränderten Invaliditätsgrad von 81
%
trotz veränderter Qualifikation (100
%
im erwerblichen Bereich) zeigt.
3.
3.1
Die für das
A._
-Gutachten vom
9.
November 2015
verantwortlichen Fachärzte
(Fachrichtung Rheumatologie, Psychiatrie, Innere Medizin und Neurologie)
stellten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkei
t die folgenden Diagnosen (Urk. 7/165
S.
1
7):
-
Zustand nach intraartikulärer Radiusfraktur rechts 02/2014 mit Platten
osteosynthese und passagerem reflexdystrophem Syndrom (CRPS, Morbus
Sudeck
)
-
Partielle
Ankylosierung
der Schultergelenke beidseits (partielle
frozen
shoulder
)
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei von den folgenden Diagnosen auszugehen:
-
Leicht ausgeprägte Panikstörung (ICD-10 F40.0)
-
Rezidivierende depressive Störung, leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.1) mit/bei
histrionischer
Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73)
-
Chronisch-tägliche Kopfschmerzen vom überwiegenden Spannungstyp
-
Hyperkyphose der Brustwirbelsäule,
zerviko
-thorakale Fehlhaltung
-
Linkskonvexe
Skoliosierung
der Wirbelsäule
bei Beckentiefstand links
durch Beinlängenverkürzung links
-
Refluxkrankheit
-
Psoriasis
Aus psychiatrischer Sicht sei spätestens ab dem
Z._
Gutachten vom 1
9.
März 2013
von einer Verbesserung der gesundheitlichen Situation auszugehen. Symp
tome einer posttraumatischen Belastungsstörung würden derzeit nicht vorliegen, die depressive Symptomatik sei leicht ausgeprägt, ebenso die Angsterkrankung (S. 21). Verschlechtert habe sich der Gesundheitszustand durch die am
6.
Februar 2014 erlittene Radiusfraktur rechts (S. 22). In einer optimal angepassten Tätigkeit sei von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszugehen (S. 20).
3.2
Die für das
A._
-Gutachten vom
4.
August 2017 (Folgegutachten) verant
wort
lichen Fachärzte stellten mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit die folgenden Diagnosen (
Urk.
7/191 S. 7):
-
CRPS (komplexes regionales Schmerzsyndrom, ehemals Morbus
Sudeck
) radio-
carpal
recht
s
nach Osteosynthese einer Radiusfraktur 02/2014; Reak
ti
vierungszustand, differentialdiagnostisch Arthritis unklarer Zuord
nung möglich
-
Funktionell relevante
frozen
shoulder
beidseits, rechtsbetont
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei von den folgenden Diagnosen auszugehen:
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) bei
histrionischer
Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73)
-
Leicht ausgeprägte Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenw
ärtig weitgehend remittiert (ICD-10 F
33.4)
-
Chronische tägliche Kopfschmerzen, überwiegend vom Spannungstyp
-
Linkskonvexe Lumbalskoliose bei Beckentiefstand links
-
Hyperkyphose der Brustwirbelsäule
-
Refluxkrankheit
-
Thoraxschmerzen
(anstrengungsabhängig, ohne Ausstrahlung, wahr
schein
lich funktionell)
-
Psoriasis
-
Miktionsbeschwerden mit Dysurie und Stressinkontinenz
Durch die offensichtliche Reaktivierung des M.
Sudeck
der rechten Hand sei es ab Frühsommer 2016 zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes ge
kommen. Unter Beachtung eines sehr einschränkenden Belastungsprofils (aus
schliessliche Linkshändigkeit, Belastungsunfähigkeit der Schultergelenke) könne auch bei einer optimal angepassten Tätigkeit lediglich von einer 50%igen Arbeits
fähigkeit ausgegangen werden
(
S. 10 f.). Bezüglich des Verlaufs der psychischen Beschwerden
sei anzumerken
, dass die diagnostischen Algorithmen einer de
pressiven Episode nicht mehr hinlänglich erfüllt seien und insoweit sogar von einer Verbesserung gegenüber dem Vorgutachten 11/2015 auszugehen sei. Die Angsterkrankung der Versicherten mit Panikattacken in wechselnder Frequenz sei ebenfalls nur gering ausgeprägt, eine massgebliche Veränderung gegenüber dem Vorgutachten liege nicht vor (S. 18).
4.
4.1
Die ursprüngliche
Rentenzusprache
erfolgte allein aufgrund der psychi
atri
schen Diagnosen. Die MEDAS-Fachärzte gingen dannzumal von einer mittelgradigen depressiven Störung mit somatischem Syndrom, von
paniformen
Angstattacken sowie von einer posttraumatischen Belastungsstörung mit intrusiven Erinne
rung
en aus. Gestützt auf die vorliegenden Gutachten des
A._
vom
9.
November 2015 sowie
4.
August 2017 wie auch der Einschätzung der Fachärzte des
Z._
(Gutachten vom 1
9.
März 2013, vgl.
Urk.
7/109 S. 32)
kann aus rein psychischer Sicht von einer wesentlichen Verbesserung des gesundheitlichen Zustandes spä
testens ab Anfang 2013 ausgegangen werden. Dies stellt einen Revisionsgrund dar, der eine umfassende, voraussetzungslose Überprüfung des Rentenanspruchs ermöglicht.
Darüber hinaus wäre ein solcher auch aufgrund der Änderung der Bemes
sungs
methode gegeben. So führte die Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsab
klärung vom 2
2.
April 2009 aus, dass sie im Gesundheitsfall zu 100 % im erwerb
lichen Bereich tätig wäre (
Urk.
7/86 S. 2)
, was von der Abklärungsperson so anerkannt wurde (S. 4), sodass auch unter diesem Gesichtspunkt eine wesentliche Veränderung der massgebenden Bemessungsfaktoren stattgefunden hat.
Offen bleiben
kann vor diesem Hintergrund, ob die Mitteilung vom 2
2.
April 2009 wiedererwägungsweise aufzuheben wäre.
4.2
Die für das
A._
-Gutachten vom
4.
August 2017 (Folgegutachten) verant
wort
lichen Fachärzte legen den medizinischen Sachverhalt in einer nachvollziehbaren Weise
dar
, insbesondere setzten sie sich vertieft mit den vorliegenden Vorgut
achten auseinander; auch war den Gutachtern die Einschätzung des behan
delnden Psychiaters bekannt (vgl.
Urk.
7/165 S. 14).
Daran vermögen auch die neu aufgelegten ärztlichen Berichte vom
4.
September und 2
9.
Oktober 2018 nichts zu ändern. So bildet im vorliegenden Verfahren ohnehin die Verfügung vom 1
2.
Juli 2018 die Grenze der Überprüfungsbefugnis. Zudem wurde die CRPS-Erkrankung im Rahmen des Gutachtens vom
4.
August 2017 angemessen ge
würdigt und auch die
Thoraxbeschwerden
waren den Gutachtern bekannt.
Insgesamt ist aufgrund
der
CRPS- und Schulterbeschwerden auch in einer optimal angepassten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
auszugehen.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin war zuletzt bis Oktober 1998 als Kassiererin bei
Y._
erwerbstätig
. Aufgrund der Geschäftsaufgabe der
Y._
-Gruppe im Jahr 2000/2001
sowie des erfolgten Zeitablaufs
drängt es sich auf, auch das
Valideneinkommen
anhand der statistischen Durchschnittswerte der Schweizerischen Lohnstruk
tur
erhebung zu bestimmen, sodass ein rechnerischer Prozentvergleich erfolgen kann.
Dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall wieder im Detailhandel tätig geworden wäre, erscheint möglich, aber nicht überwiegend wahrscheinlich
(vgl.
Urk.
7/194)
. Zu prüfen bleibt
d
ie Verwertbarkeit der Restl
eistungsfähigkeit auf dem ausgeglichenen, theoretischen Arbeitsmarkt sowie
die Gewährung eines lei
dens
bedingten Abzugs.
5.2
Nach konstanter Rechtsprechung des Bundesgerichts bietet der bei der Inva
liditätsbemessung massgebliche ausgeglichene Arbeitsmarkt für versicherte Per
sonen, welche funktionell als Einarmige zu betrachten sind und überdies nur noch leichte Arbeiten verrichten können, genügend realistische Betätigungsmög
lich
keiten. Zu denken ist dabei etwa an einfache Überwachungs-, Prüf- und Kon
t
roll
tätigkeiten sowie an die Bedienung
und Überwachung von (halb)automatischen Maschinen oder Produktionseinheiten
, die nicht den Einsatz beider Arme und beider Hände voraussetzen
(
vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_350/2013 vom
5.
Juli 2013 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen).
Vor diesem Hintergrund ist der Beschwerdeführerin die Aufnahme einer Tätigkeit im Umfang der verbleibenden Restarbeitsfähigkeit zuzumuten.
Aufgrund der Tat
sache, dass sich die Beschwerdeführerin aktuell vollständig arbeitsunfähig erach
tet (vgl. zuletzt
Urk.
9), hat die Beschwerdegegnerin zu Recht auf weitere Einglie
derungsbemühungen verzichtet.
5.3
Hinsichtlich des Anforderungsprofils ist entsprechend den Ausführungen im Gut
achten vom
4.
August 2017 von einer ausschliesslichen Linkshändigkeit sowie einer Belastungsunfähigkeit der Schultergelenke auszugehen. Dies ent
spricht auch den Ausführungen im Abklärungsberi
cht für
Hilflosenentschädigung
vom 2
8.
Oktober 2016 (Erhebung vom 1
5.
September 2016,
Urk.
7/197).
Das Bundesgericht nimmt bei faktischer
Einhändigkeit
oder Beschränkung der dominanten Hand als
Zudienhand
eine erheblich erschwerte Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit auch auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt an, welche einen leidensbedingten Abzug in der Höhe von 20 - 25
%
vom Tabellenlohn zu rechtfertigen vermag (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_58/2018 vom
7.
August 2018 E. 5.3 mit zahlreichen Hinweisen).
Aufgrund der bestehenden
Einhändigkeit
sowie der Schulterbeschwerden ist dabei zumindest ein leidensbedingter Abzug in der Höhe von 20
%
zu gewähren, wobei mangels Rentenrelevanz
offen bleiben
kann, ob vorliegend gar ein Abzug in der Höhe von 25
%
angezeigt wäre. So führt ein Leidensabzug in der Höhe von 20
%
zu einem Invaliditätsgrad von 60
%, ein solcher von 25
%
zu einem solchen von 62.5
%
.
Zusammenfassend ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung ist dahingehend abzuändern, dass die Beschwerdeführerin ab
1.
September 2018 Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
hat.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerde
führerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwen
dung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwi
erigkeit des Prozesses auf
Fr.
2'9
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.