Decision ID: 643b9bb2-2aaf-5a76-bf13-45ec1a314e7d
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer seinen Heimat-
staat am 8. August 2020 und stellte am 29. August 2021 in der Schweiz
ein Asylgesuch. Aufgrund der eingereichten Dokumente ergab sich, dass
der Beschwerdeführer am (...) 2020 in Frankreich um Asyl ersucht hatte
und dass das Gesuch am (...) 2021 abgewiesen worden war.
B.
Am 2. September 2021 bevollmächtigte der Beschwerdeführer die ihm zu-
gewiesene Rechtsvertretung. Anlässlich der Personalienaufnahme (PA)
gleichen Datums gab er an, am 12. August 2020 auf dem Seeweg nach
Bulgarien gekommen zu sein.
C.
Anlässlich der Befragung vom 8. September 2021 wurde dem Beschwer-
deführer das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensent-
scheid und der Möglichkeit einer Überstellung nach Frankreich gewährt,
welches gemäss Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-
ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und
Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines
von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-
staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol-
gend: Dublin-III-VO), grundsätzlich für die Behandlung des Asylgesuchs
zuständig sei. Die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates
wurde vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Jedoch machte er geltend,
nicht nach Frankreich zurückkehren zu wollen, da es dort nicht sicher für
ihn sei. Er werde von Leuten gesucht, die ihm auch in Georgien hätten
schaden wollen. Zudem leide er an mehreren Krankheiten und habe vor
fünf Jahren einen Suizidversuch unternommen.
D.
Mit Eingabe vom 8. September 2021 gab der Beschwerdeführer verschie-
dene medizinische Unterlagen zu den Akten, darunter namentlich einen
ärztlichen Kurzbericht des Bundesasylzentrums Bern vom 3. September
2021 und eine durch das Röntgeninstitut (...) ausgestellte Anmeldebestä-
tigung für eine Untersuchung am 9. September 2021.
E.
Am 9. September 2021 ersuchte das SEM die französischen Behörden um
Rückübernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. d
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Dublin-III-VO. Diesem Gesuch wurde am 23. September 2021 entspro-
chen.
F.
Mit Verfügung vom 7. Oktober 2021 (eröffnet am Folgetag) trat das SEM in
Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylge-
such des Beschwerdeführers nicht ein und verfügte die Überstellung nach
Frankreich. Gleichzeitig wies es den Beschwerdeführer an, die Schweiz
am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, beauftragte den
Kanton Bern mit dem Vollzug der Wegweisung, verfügte die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwer-
deführer und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid
komme keine aufschiebende Wirkung zu.
G.
Mit Beschwerde vom 15. Oktober 2021 an das Bundesverwaltungsgericht
beantragte der Beschwerdeführer, die Verfügung vom 7. Oktober 2021 sei
aufzuheben und auf sein Asylgesuch sei einzutreten. In prozessualer Hin-
sicht beantragte er die Gewährung der aufschiebenden Wirkung sowie der
unentgeltlichen Prozessführung inklusive den Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses.
H.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
18. Oktober 2021 in elektronischer Form vor. Gleichentags setzte der In-
struktionsrichter den Vollzug der Überstellung einstweilen aus.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb
sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines
zweiten Richters bzw. einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne
Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung
zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
2.3. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5
E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.
3.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
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3.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind
die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort
aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien;
vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation
im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-
gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-
men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demge-
genüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel
III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).
Erweist es sich als unmöglich, Antragstellende in den eigentlich zuständi-
gen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An-
nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An-
tragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen,
die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung
im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union
(2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist
zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zu-
ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zustän-
dig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat
zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
3.3. Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
einen Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen, dessen Antrag abgelehnt
wurde und der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat
oder der sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufent-
haltstitel aufhält, nach Massgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder auf-
zunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO).
Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen, einen
bei ihm von Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten Antrag auf
internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verord-
nung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17
Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht).
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Seite 6
4.
4.1. Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Eu-
rodac"-Datenbank bestätigte, dass dieser am (...) 2020 in Frankreich ein
Asylgesuch eingereicht hatte. Das Gesuch wurde am (...) 2021 abgewie-
sen. Das SEM ersuchte die französischen Behörden am 9. September
2021 um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 23
Dublin-III-VO. Diesem Gesuch wurde am 23. September 2021 entspro-
chen. Die grundsätzliche Zuständigkeit Frankreichs ist somit gegeben und
wird vom Beschwerdeführer nicht bestritten.
4.2.
4.2.1. Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesent-
liche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahme-
bedingungen für Asylsuchende in Frankreich würden systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-
rechtecharta mit sich bringen würden.
4.2.2. Frankreich ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-
kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben.
4.2.3. Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Rechtsprechung
davon aus, dass in Frankreich keine systemischen Mängel betreffend die
Asyl- und Aufnahmesituation vorliegen (vgl. Urteile des BVGer
F-2568/2021 vom 8. Juni 2021 E. 6.2; D-1801/2021 vom 22. April 2021
S. 6 f.; D-1741/2021 vom 22. April 2021 S. 8; F-2511/2020 vom 20. Mai
2020 E. 5.2; F-1929/2020 vom 16. April 2020 E. 7.3). Der Beschwerdefüh-
rer hat seinerseits kein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan, dass
die französischen Behörden in seinem Fall den erwähnten völkerrechtli-
chen Verpflichtungen nicht nachkommen würden. Insbesondere gibt es
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keine Hinweise, dass die Behandlung seines Asylgesuchs mangelhaft ge-
wesen sein könnte und Frankreich in seinem Fall den Grundsatz des Non-
Refoulement (Art. 33 FK) missachten und ihn zur Ausreise in ein Land
zwingen würde, in welchem ihm eine asylrelevante Verfolgung nach Art. 3
Abs. 1 AsylG drohen würde. Gemäss den Akten war es dem Beschwerde-
führer auch möglich, den negativen Asylentscheid der französischen Be-
hörden durch eine Rechtsmittelinstanz überprüfen zu lassen. In diesem Zu-
sammenhang ist festzustellen, dass ein definitiver Entscheid über ein Asyl-
gesuch und die Wegweisung in das Heimatland nicht per se eine Verlet-
zung des Non-Refoulement-Prinzips darstellen. Das Prinzip der Überprü-
fung eines Asylgesuchs durch einen einzigen Mitgliedstaat («one chance
only») dient im Gegenteil der Vermeidung von multiplen Asylgesuchen in
verschiedenen Staaten (sogenanntes «asylum shopping»; vgl. BVGE 2017
VI/5 E. 8.5.3.3).
4.2.4. Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO nicht gerechtfertigt.
4.3.
4.3.1. Der Beschwerdeführer bringt vor, er sei in Frankreich durch die ge-
orgische Mafia gefährdet und zudem schwerkrank. Damit fordert er sinn-
gemäss einen Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO, konkretisiert
in Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1,
SR 142.311). Hierzu ist folgendes festzuhalten: Entscheide anderer Ver-
tragsstaaten werden – gestützt auf das gegenseitige Vertrauen, dass die
jeweiligen nationalen Asylrechtsstandards zumindest den Anforderungen
der Europäischen Richtlinien in diesem Bereich entsprechen – sowohl mit
Blick auf die materielle Beurteilung der Asylgründe als auch mit Blick auf
die Zulässigkeit beziehungsweise Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
in den Herkunfts- oder Heimatstaat anerkannt, ohne dass sie in der Sache
hinterfragt würden. Der Beschwerdeführer kann demnach aufgrund einer
allenfalls unterschiedlichen Einschätzung im Rahmen des materiellen Asyl-
verfahrens nicht erwirken, dass die Vorinstanz einen Selbsteintritt aus hu-
manitären Gründen prüfen muss (vgl. Urteil des BVGer F-4030/2020 vom
18. August 2020 E. 5.2).
4.3.2. Der Beschwerdeführer hat auch keine konkreten Hinweise für die
Annahme dargetan, Frankreich würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Auf-
nahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten.
Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung könnte er sich im Üb-
rigen nötigenfalls an die französischen Behörden wenden und die ihm zu-
stehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern
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(vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Frankreich ist ein Rechtsstaat mit funktio-
nierendem Justizsystem. Sodann verfügt das Land über Polizeibehörden,
die sowohl schutzwillig als auch als schutzfähig sind und deren Hilfe der
Beschwerdeführer im Falle einer Bedrohung durch Dritte in Anspruch neh-
men könnte.
4.4.
4.4.1. Der Beschwerdeführer macht implizit geltend, die Überstellung nach
Frankreich setze ihn einer Gefahr für seine Gesundheit aus und verletze
damit Art. 3 EMRK.
4.4.2. Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen
Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3
EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene
Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium
und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem siche-
ren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwar-
ten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis
des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine wei-
tere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch
die Abschiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im
Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, ra-
schen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszu-
stands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheb-
lichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des
EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer
41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
4.4.3. Eine solche Situation ist vorliegend nicht gegeben. Der Beschwer-
deführer konnte nicht nachweisen, dass er nicht reisefähig ist oder eine
Überstellung seine Gesundheit ernsthaft gefährden würde. Sein Gesund-
heitszustand, den die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zutref-
fend und detailliert wiedergibt, ist zwar durch verschiedene Leiden, na-
mentlich kolikartige Flankenschmerzen, rezidivierende Nierensteine links,
eine chronische Hepatitis C, eine Depression mit Persönlichkeitsstörung
und eine leichtgradige Bronchopneumie, durchaus beeinträchtigt. Damit ist
aber eine Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne der darge-
stellten restriktiven Rechtsprechung nicht zu rechtfertigen. Die gesundheit-
lichen Probleme sind auch nicht von einer derartigen Schwere, dass aus
humanitären Gründen von einer Überstellung abgesehen werden müsste.
Hinsichtlich der aktenkundigen früheren Suizidalität des Beschwerdefüh-
rers gilt es schliesslich festzuhalten, dass gemäss bundesgerichtlicher
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Rechtsprechung suizidale Tendenzen für sich allein kein Vollzugshindernis
darstellen (vgl. Urteil des BGer 2C_221/2020 vom 19. Juni 2020 E. 2), was
auch der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts entspricht (vgl. etwa Ur-
teile des BVGer E-770/2021 vom 29. April 2021 E. 10.1; F-21/2021 vom
25. Februar 2021 E. 9.2).
4.4.4. Weiter ist allgemein bekannt, dass Frankreich über eine ausrei-
chende medizinische Infrastruktur verfügt. Die Mitgliedstaaten sind ver-
pflichtet, den Antragstellern die erforderliche medizinische Versorgung, die
zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung
von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugäng-
lich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); den Antragstellern mit
besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische oder sonstige
Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologischen Be-
treuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es liegen keine
Hinweise vor, wonach Frankreich dem Beschwerdeführer eine adäquate
medizinische Behandlung verweigern würde. Die schweizerischen Behör-
den, die mit dem Vollzug der angefochten Verfügung beauftragt sind, wer-
den den medizinischen Umständen bei der Bestimmung der konkreten Mo-
dalitäten der Überstellung des Beschwerdeführers Rechnung tragen und
die französischen Behörden vorgängig in geeigneter Weise über die spe-
zifischen medizinischen Umstände informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-
VO).
4.5. Im Ergebnis besteht kein Grund für eine Anwendung der Ermessens-
klauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Eine gesetzeswidrige Ermessensaus-
übung durch die Vorinstanz ist nicht ersichtlich.
5.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da
der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Nie-
derlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Frankreich in An-
wendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a
AsylV 1).
6.
Nach dem Ausgeführten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfü-
gung des SEM zu bestätigen.
7.
Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 18. Oktober 2021 angeordnete
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Vollzugsstopp dahin. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wir-
kung ist gegenstandslos geworden.
8.
Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Er-
wägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Voraussetzun-
gen von Art. 65 Abs. 1 VwVG sind nicht erfüllt. Die Verfahrenskosten sind
daher dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf
insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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