Decision ID: 6b2c9bfd-e526-41e2-a79b-8e7366bc0e97
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Mit Schadenmeldung vom
2
0.
Februar 2017
meldete
die
am 5. Dezember 2014 ins Handelsregister eingetragene
Y._
AG der Su
va
einen Unfall
,
bei welchem
sich
der bei ihr seit dem 1.
Januar 2016 als Geschäftsführer
in einem Vollzeitpensum
angestellte
X._
am 19.
Februar 2017
bei einem Sturz
von einer Wendeltreppe eine Verletzung am rechten Unterschenkel zugezogen
habe
(U
rk.
8/1)
.
Anlässlich der gleichentags erfolgten Erstkonsultation im
Spital Z._
wurde als Diagnose ein Verdacht auf einen Muskelfaserriss bei diffu
sem Hämatom im Bereich des
Musculus
gastrocnemius
caput
mediale rechts ge
nannt
(U
rk.
8/2).
Am 2. Mai 2017 wurde mittels MRI eine komplette Achilles
sehnen
quer
ruptur festgestellt (Urk. 8/47 und Urk. 8/48), welche am 23. Mai 2017 opera
tiv
behandelt wurde (Urk. 8/53).
1.2
Mit Schreiben vom 2
1.
Februar 2017 forderte die Suva von der
Y._
AG
den Arbeitsvertrag sowie Lohnangaben
und
vom Versicherten Bankbe
lege für die Lohnabrech
n
ungen ein (U
rk.
8/4 und U
rk.
8/5)
und teilte
ihm
am 22. Februar 2017 mit, dass sie zur Höhe des Taggeldanspruches noch nicht Stel
lung nehmen könne (Urk. 8/9)
.
Sie holte
sodann
einen Auszug aus dem Indivi
duellen
Konto
des V
ersicherten
ein (
IK-Auszug,
U
rk.
8/16
und Urk. 8/37
).
Mit S
chreiben vom 28.
März 2017 verlangte
sie
von der
Y._
AG
detaillierte Angaben zum Arbeitsverhältnis (Urk
.
8/25). Sie
tätigte weitere Ab
klärungen und
holte
unter anderem
einen Auszug aus dem Strafregister sowie aus dem Betreibungsregister
sowie die entsprechenden Akten
ein (Urk. 8/26 und Urk. 6/28).
Am 4. April 2017 reichte die
Y._
AG
diverse Unter
lagen ein (U
rk.
8/31). Mit Schreiben vom 6. April 2017
verlangte
die Suva die
noch
fehlenden Unterlagen
zur Überprüfung der Erwerbssituation des Beschwer
deführers
ein
(Urk. 8/33
-34
).
Mit Schreiben vom
7. Juni 2017
mit
Kopie an den Versicherten
forderte
die Suva die
Y._
AG
unter Hinweis auf die Mitwirkungspflicht
erneut auf, die
noch
fehlenden
Unterlagen einzureichen und setzte eine letzte Frist an
mit
der Androhung
,
das
s
bei Säumnis aufgrund der Akten entschieden werde (Urk. 8/57
-58
).
Am 7. September 2017 fand eine Be
sprechung
der Suva
mit dem Beschwerdeführer
und seinem Rech
t
svertreter
statt (Urk. 8/101).
Der Beschwerdeführer wurde explizit auf die Mitwirkungspflichten und die Säumnisfolgen hingewiesen (Urk. 8/102).
Die verlangten Unterlagen
wurden dennoch
nicht
aufgelegt.
1.3
Am
21. November 2017 beauftragte die Suva
die
A._
AG
mit
der Prüfung der Buchhaltung
und
der
Beurteilung der Leistungsfähigkeit
der
Y._
AG
(Urk.
8/114
)
.
Die Buchprüfung konnte mangels Mitwirkung des Geschäfts
führers und einzigen verbleibenden Verwaltungsrates der
Y._
AG nicht durchgeführt werden.
Der entsprechende Bericht wurde am 20. März 2018 erstattet (Urk. 8/120).
1.4
Am 23. November 2017 wurde über die
Y._
AG der Konkurs eröffnet
(U
rk.
8/121/3)
. Das Konkursverfahren wurde am 17. Oktober 2019 man
gels Aktiven eingestellt und die Gesellschaft am 24. Januar 2020 im Handelsre
gister gelöscht.
1.5
Mit Verfügung vom
1
9.
Februar 2019
lehnte die Beschwerdegegnerin
einen An
spruch des Versicherten auf
Taggelder der Unfallversicherung
ab
(
Urk.
8/134).
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom
22. März
2019
Einsprache (Urk. 8/150). Mit Verfügung vom 23. Dezember 2019 kam die Beschwerde
geg
ne
rin auf ihre Verfügung vom 19. Februar 2019 zurück und legte den Taggeld
ansatz auf Fr. 22.90 fest (Urk. 8/155).
Die dagegen erhobene Einsprache
(Urk. 8/164)
wies sie mit
Einspracheentscheid
vom 12. Juni 2020 ab (Urk. 8/
169
= Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom
14. August 2020
Beschwerde und beantragte,
der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es seien ihm Leistungen aus der Unfallversicherung auszurichten mit der Bemessung des Tag
geldanspruchs auf der Grundlage
eines
Jahresverdienstes von mindestens
Fr.
110’496.60.-- (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 14. September 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1. Oktober 2020 mitgeteilt wurde (Urk. 9).
Mit Eingabe vom 15. Oktober 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme ein (Urk. 10), welche der Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 19. Oktober 2020 unter Ansetzung einer Frist zur Stellungnahme
zugestellt
wurde (Urk. 12). Mit E
ingabe vom 5.
November 2020 reichte die Beschwerdegegnerin eine Stellungnahme ein, welche
mit Verfügung vom 9. November 2020 dem Be
schwerdeführer zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 15). Mit Eingabe vom 20. November 2020 reichte der Beschwerdeführer eine weitere Stellungnahme ein
(Urk. 16
), welche der Beschwerdegegnerin am 30. November 2020 zur Kenntnis
nahme zugestellt wurde (Urk. 18).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für
die
Entscheidfindung
erforderlich, in den n
achfolgenden Erwägungen einzuge
hen
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
Anspruch auf ein Taggeld. Taggelder werden nach dem versicherten Ver
dienst bemessen (Art. 15 Abs. 1 UVG). A
ls versichert
er Verdienst gilt dabei der letzte vor dem U
nfall bezogene
Lohn (Art. 15 Abs.
2 Halbsatz 1 UVG).
Gemäss Art. 22
Abs. 2
der Verordnung über die Unfallversicherung (
UVV
)
gilt als ver
sicherter Verdienst, vorbehältlich der in
lit
. a-d aufgezählten Abweichungen, der nach der Bundesgesetzgebung über d
ie AHV massgebende Lohn
.
Bei der Ermittlung des
versicherten Verdienstes
kann nicht unbesehen auf den vertraglich vereinbarten Lohn abgestellt werden, weshalb grundsätzlich von den tatsächlichen Lohnbezügen und nicht von (höheren) vertraglichen Abmachungen auszugehen ist. Von dieser Regelung abzuweichen rechtfertigt sich nur dort, wo ein Missbrauch im Sinne der Vereinbarung fiktiver Löhne, welche in Wirklichkeit nicht zur Auszahlung gelangt sind, prakt
isch ausgeschlossen werden kann
(vgl.
vgl.
BGE 128 V 189 E. 3a/
aa
;
Urteile des Bundesgerichts 8C_749/2018 vom 28.
Februar 2019 E.
3.2 und
8C_250/2011
vom 3.
Juni 2011 E
.
3.2)
.
So kann namentlich auf den vertraglich festgesetzten Lohn abgestellt werden, wenn dieser in einem langdauernden Arbeitsverhältnis nie bestritten war. Ob subjektiv die Absicht einer Gesetzesumgehung bestand oder zumindest eine solche in Kauf genommen wurde, ist nicht von Bedeutung. Entscheidend ist die unter objektivem Gesichtswinkel zu bejahende Missbrauchsgefahr. Der versicherten Person obliegt die Beweislast dafür, dass die Löhne tatsächlich bezahlt worden sind (
Urteil des Bundesgerichts
9C
_388/2008 vom 29.
September 2008 E.
4.1 mit Hinweisen
).
1.2
Nach den allgemeinen Regeln des Sozialversicherungsrechts hat der Versiche
rungsträger den rechtserheblichen Sachverhalt
abzuklären. Er ist nach dem in
Art.
43 Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversi
cherungsrechts (
ATSG
)
statuierten Untersuchungsgrundsatz verpflichtet, die not
wen
digen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen und die erforder
lichen Auskünfte einzuholen, wobei mündlich erteilte Auskünfte
schriftlich festzuhalten sind.
Ausnahmen von diesem Grundsatz ergeben sich dort, wo die versicherte Per
son ihre Mitwirkung verweigert.
Art.
28 Abs.
2 ATSG
verpflichtet diese, unentgeltlich Auskünfte zu erteilen, die zur Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der Versicherungsleistungen erforderlich sind. Für den Bereich der Unfallversicherung w
ird diese Mitwirkungspflicht in
Art.
55 Abs.
1 UVV
dahingehend präzisiert, dass die versicherte Person alle erforderlichen Auskünfte erteilen und ausserdem die Unterlagen zur Verfügung halten muss, die für die Klärung des Unfallsachverhaltes und die Unfallfolgen sowie für die Festsetzung der Versicherungsleistungen benötigt werden, insbesondere medizinische Berichte, Gutachten, Röntgenbilder und Belege über die Verdienstverhältnisse; sie muss Dritte ermächtigen, solche Unterlagen herauszu
geben und Auskunft zu erteilen.
Gemäss Art.
56 UVV muss der Arbeitgeber dem Versicherer alle erforderlichen Auskünfte erteilen, die Unterlagen zur Verfügung halten, die für die Klärung des Unfallsachverhaltes benötigt werden, und den Beauftragten des Versicherers freien Zutritt zum Betrieb gewähren.
Art.
43 Abs.
3 ATSG
sieht sodann vor, dass wenn die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen beanspruchen, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nachkommen, der Versicherungsträger aufgrund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen kann. Er muss die Personen vorher schriftlich
mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen.
1.3
Gemäss Art.
46 Abs.
2 UVG kann der Versicherer jede Leistung um die Hälfte kürzen, wenn ihm der Unfall oder der Tod infolge unentschuldbarer Versäumnis des Versicherten oder seiner Hinterlassenen nicht binnen dreier Monate gemeldet worden ist; er kann die Leistung verweigern, wenn ihm absichtlich eine falsche Unfallmeldung erstattet worden ist.
Soweit aufg
ru
n
d
einer Falschangabe in der Unfallmeldung ein Taggeld gestützt auf einen zu hohen versicherten Verdienst und damit ein frankenmässig zu hohes Taggeld ausbezahlt wurde, hat d
ie
v
ersicherte
Person
die Differenz grundsätzlich in Anwendung von A
rt.
25 Abs.
1 ATSG zurückzuerstatten. Darüber hinaus
gehend kann
der Versicherer
auch – im Sinne einer Sanktion – in Anwendung von A
rt.
46 A
bs.
2 UVG
seine
Leistungen verweigern und bereits erbrachte Leis
tungen zurückfordern. Voraussetzung für eine solche Sanktionierung ist indessen
, dass die falsche Angabe in der Unfallmeldung absichtlich er
f
olgte und sich die Absicht gerade darauf bezog,
den Versicherer
zur Auszahlung nicht geschuldeter oder zu hoher Leistungen zu veranlassen
. Dabei reicht jede falsche Angabe in der Unfallmeldung aus, sofern sie zur Entrichtung einer höheren als der aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse geschuldeten Leistung führt. Unter diese Bestimmung fällt somit auch
die absichtliche Angabe eines zu hohen Lohnes
, führt eine solche doch zur Ausrichtung von Geldleistungen aufgrund eines zu hohen versicherten Verdienstes. Eine Sanktionierung der versicherten Person kommt aber nur dann in Frage, wenn die
absichtliche Falschmeldung mit ihrem Wissen und Willen
erfolgte. Bei einer allfälligen Sanktionierung ist
im Weiteren der Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu wahren (Urteil des Bundesgerichts 8C_68/2017 vom 4. September 2017 E. 4.3 mit Hinweisen).
2.
2.1
In angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin,
Kontokorrent-Aus
zügen der
Y._
AG vom 13. März 2017 mit Buchungen vom 29.
Mai 2015 bis 13. Februar 2017 und einer Besprechung mit dem Beschwerdeführer vom 7. September 2017 lasse sich entnehmen, dass innert rund 17 1⁄2 Monaten (vom 7. August bis 20. Januar 2017) Fr. 39'500.-- als Lohnzahlungen deklarierte Beträge sowie weitere Fr. 26'836.-- an Beträgen, deren Überweisungsgrund nicht bekannt sei, dem Beschwerdeführer überwiesen worden seien. Dies ergebe auf ein Jahr umgerechnet rund
Fr.
45'000.--. Dieser Betrag korrespo
n
diere mit den An
gaben des Beschwerdeführers
in zwei amtlichen Verfahren. So habe er anlässlich eines Pfändungsvollzugs am 9. November 2016 ein monatliches Nettoeinkommen von ca. Fr. 3'000.-- deklariert. Im Weiteren habe er anlässlich einer Einvernahme am 14. November 2016 im Rahmen eines Strafverfahrens ein Nettoeinkommen von ca. Fr. 3'200.-- deklariert. Schliesslich sei der Beschwerdeführer der Suva per 1. Januar 2015 als einziger Mitarbeiter und mitarbeitender Gesellschafter bei der
Y._
AG mit einem Jahreslohn von
Fr.
36'000.-- gemeldet worden
. Ein versicherter Verdienst über de
n
in der Verfügung festgesetzten Betrag von Fr. 3'200.-- netto resp. Fr. 3'499.50 brutto hinaus sei nicht nachgewiesen.
Eine Kürzung des Taggeldansatzes um rund 75 % auf Fr. 22.90 in Anwendung von Art. 46 Abs. 2 UVG sei im Rahmen der massiven Falschangabe verhältnismässig (Urk. 2 S. 4 ff.).
2.2
Der Beschwerdeführer machte
d
emgegenüber im Wesentlichen geltend,
die
B._
AG als Buchhalterin seiner Arbeitgeberin habe anhand der ihr damals vorliegenden Geschäftsunterlagen belegt, dass ihm im Zeitraum von Januar bis Dezember 2016 der Bruttolohn von total Fr. 110'496.60 zuzüglich Mittagszulagen
von Fr. 3'000.-- tatsächlich ausgerichtet worden sei. Die Nettolohnzahlungen seien
durch die von der Buchhalterin erhobenen und exakt bezifferten Banküber
wei
sungen
,
Barauszahlungen und Gutschriften im Kontokorrent des Beschwerde
füh
rers erfolgt.
Die ihm ausgerichteten Lohnzahlungen seien ebenfalls bei allen Sozialversicherungen korrekt deklariert worden.
Der Vollständigkeit halber sei darauf hinzuweisen, dass selbst bei Annahme eines tieferen versicherten Ver
diens
tes eine Kürzung der Leistungen gestützt auf Art. 46 Abs. 2 UVG nicht
statthaft wäre, da ihm die absichtlich irreführende Angabe eines unzutreffend hohen Lohns nicht nachgewiesen werden könne (Urk. 1 S. 3
ff.).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort vom 14. September 2020 hielt die Beschwerde
gegnerin ergänzend fest, bei den Lohnabrechnungen der
B._
AG vom 22. September 2017 handle es sich um nachträglich erstellte Abrechnungen
. Bei den Barbezügen gemäss U
rk.
3/5 sei weder ersichtlich
,
an wen diese B
eträge ge
flossen seien
, noch sei der Rechtsgrund dieser Barbezüge bekannt. Die Lohn
de
klarationen an die SVA und an die Suva seien nach dem U
nfall vom 19.
Februar 2017 erfolgt und hätten daher vorliegend keinen relevanten Beweiswert.
D
ie am 23.
November 2017 erfolgte Konkurseröffnung über die
Y._
AG spreche gegen die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Firma,
die es ermöglicht hätte,
dem Beschwerdeführer ein massiv höheres Gehalt auszurichten
,
als im Rahmen der Neuerfassung des Betriebs deklariert worden sei
(Urk. 7 S. 2 ff.).
2.4
Der Beschwerdeführer führte in seiner Stellungnahme vom 15. Oktober 2020
ergänzend
aus, die von der Beschwerdegegnerin zur Überprüfung beauftragte
A._
AG habe beim Konkursamt keine Einsicht in die Unterlagen genommen und somit die Abklärungspflicht vernachlässigt.
Zur Beurteilung der Finanzier
barkeit des mit dem Beschwerdeführer vereinbarten Lohnes sei die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit seiner Arbeitgeberin im Zeitraum nach dem Abschluss des
Arbeitsvertrages vom Dezember 2015 bis zum Unfall massgeblich
. Die am 30. Juni
2017 durch die Buchhalterin abgeschlossene Erfolgsrechnung für das Jahr 2016 mit einem Dienstleistungsertrag von Fr. 1'534'655.-- dokumentiere beweiskräftig, dass der arbeitsvertragliche Lohnanspruch damals ohne weiteres finanzierbar gewesen sei (Urk. 10 S. 2 ff.).
3.
3.1
Streitig und zu prüfen ist die Höhe des versicherten Verdienstes als Grundlage der Taggeldbemessung.
3.2
Die Beschwerdegegnerin hat
aufgezeigt
(
Urk.
2 S. 4 f.)
, dass diverse Ungereimt
heiten und Widersprüchlichkeiten bezüglich
des E
inkomm
e
n
s
des Beschwerde
führers zu verzeichnen waren, so namentlich Diskrepanzen zwischen dem ver
traglich vereinbarten und dem
nachweislich
tatsächlich ausbezahlten
Lohn
.
Es
wurden
unterschiedliche Angaben gegenüber der Unfallversicherung bei der
Neuer
fassung des Betriebs
per 1. Januar 2015
(
Jahreslohn von
Fr. 36'000.--,
U
rk.
8/80/
50
ff.)
und
nach Eintritt des U
nfalls vom 19.
Februar 2017 gemacht
.
Den Akten ist nicht zu entnehmen, dass die
geltend gemachte
Veränderung des Lohnes
per 1.
Januar 2016
(
Monatslohn von Fr. 8'500.--
gemäss Arbeitsvertrag
vom Dezember 2015, U
rk.
8/14)
der Unfallversicherung
vor dem Unfallereignis
gemeldet
worden wäre
.
Selbst wenn
die versicherte Person
bzw.
ihre
Arbeit
ge
berin für einen höheren
Lohn Prämien bezahlt
h
ätte
,
reicht
e
dieser Umstand allein nicht für
den Beweis eines entsprechenden, vor dem Unf
all erzielten Lohns (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 8C_790/2018 vom 8.
Mai 2019 E.
4.7 und
8C_830
/2008 vom 15. Mai 2009 E.
5.2).
D
es W
eiteren
hat d
er Beschwerdeführer
bei einem Pfän
dungsvollzug am 9. November 2016 ein monatliches
Nettoe
inkommen von ca. Fr. 3'000.-- (Urk. 8/44)
und
im Rahmen eines S
trafverfahrens am 14.
Novem
ber 2016
ein solches
von
ca. F
r.
3'200.-- (U
rk.
8/86)
angegeben, was in keiner Weise mit dem
mit der Unfallmeldung geltend gemachten
angeblichen Lohn von Fr. 8'500.-- pro Monat gemäss Arbeitsvertrag vom Dezember 2015 überein
stimmt
.
Dies umso weniger, sollte der Beschwerdeführer im gleichen Zeitraum für die
C._
GmbH (im Handelsregister gelöscht am 2
6.
Oktober 2017
, vgl. zefix.ch) tätig gewesen sein, denn seine Auskunft gegenüber den Amts
per
sonen bezog sich auf die Gesamteinkünfte.
Die
nicht datierten
Lohnabrech
nungen
für
Januar
bis
Dezember 2016 (Urk.
8/13
,
Urk.
8/59/6-18
, Urk.
8/109/7-18
)
, denen
zufolg
e der monatliche Bruttolohn Fr.
8’500
.--
betragen haben soll,
erscheinen vor diesem Hintergrund
fiktiv.
Lohnau
sweise wurden nicht eingereicht und i
m Auszug aus dem Individuellen Konto des Beschwerdeführers (IK-Auszug)
vom
4.
April
2017
für die Jahre 2014 bis 2016 sind keine Buchungen vorhanden (Urk.
8/37).
Ausserdem liegen keine
Arbeitsrapporte oder andere Unterlagen
vor
, die Aufschluss über seine Arbeitsleistungen für die
Y._
AG geben würden
, obwohl sich der Beschwerdeführer im Arbeitsvertrag vom
Dezember 2015
zur Erstellung solcher Stundenlisten verpflichtet hatte
(Urk. 8/14 Ziff. 6.5)
.
3.3
Dem Bericht der
A._
AG vom 20. März 2018, welche von der Beschwer
de
gegnerin am 21. November 2017 beauftragt wurde,
die Prüfung der Buchhaltung
der
Y._
AG
und der Erwerbssituation des Beschwerdeführers
vorzunehmen, ist zu entnehmen, dass eine Terminvereinbarung zur Buchprüfung trotz mehrfacher telefonischer Kontaktaufnahmeversuche nicht möglich gewesen
ist
. Die Zustellung der postalischen Aufforderung sei verweigert worden.
Der B
e
schwerdeführer sei am 6.
Dezember
2017
telefonisch informiert worden, dass
eine
Buchprüfung bei der
Y._
AG zur Klärung des Sachverhalts in Zusammenhang mit seiner Unfallmeldung durchgeführt werde. Er habe die Zu
ständigkeit von sich gewiesen und eine Mitwirkung verweigert (U
rk.
8/120/8).
Da die Buchprüfu
n
g nicht habe durchgeführt werden können
,
hätten die Au
szah
lungen auf das
Konto des Beschwerdeführers gemäss den Lohnabrechnungen Januar bis Dezember 2017 nicht verifiziert werden können (U
rk. 8/120/11).
Auf der Lohndeklaration 2015 für die SVA Zürich sei der Beschwerdeführer nicht aufgeführt (vgl.
Urk.
8/121/25), auf derjenigen für das Jahr 2016, datierend vom 2
3.
Februar 2017, jedoch schon (vgl.
Urk.
8/121/28)
.
Die undatierte BVG-Anmel
dung bei der Sammelstiftung Vita sei im
Juni 2016 erfasst worden (Urk.
8/12
0/12).
Eine Beurteilung der Frage, ob die
Y._
AG angesichts der Auf
tragslage und der Anzahl Beschäftigten in der Lage gewesen sei, den gemeldeten Verdienst zu erwirtschaften, sei auf der Basis des F
inanzberichts per 31.
Dezember 2016 nicht möglich. Wichtige Grundlagen wie die Bilanzdetails, A
n
h
a
ng und Kontodetails seien nicht verfügbar. Der Fina
n
zbericht verfüge nicht über den Detaillierungsgrad, welcher zur abschliessenden Beurteilung notwendig wäre (U
rk.
8/120/13).
Die Auszahlung des vermeintlichen Lohnes sei gemäss dem vor
lie
genden Lohnzusammenzug (Urk. 8/121/33) via Bank- und Barauszahlung so
wie mittels Verrechnung mit dem Kontokorrent erfolgt. Eine Überprüfung, ob es sich bei den Geldflüssen um Lohnzahlungen aus einem Angestelltenverhältnis
handle, könne ohne das Vorliegen von Detailinformationen nicht beurteilt werden
(
Urk.
8
/120/
13
f.)
.
3.4
Insgesamt bestehen variierende
Angaben zur Lohnhöhe
und es fehlen
Belege über
effektive Lohnz
ahlungen der
Y._
AG an den Beschwerdeführer.
Damit bleibt unklar, ob der Beschwerdeführer von der Firma effektiv Lohn
zah
lungen erhalten hat und gegebenenfalls in welcher Höhe.
Die Form der Lohn
zahlung ist zwar grundsätzlich frei. Wir
d
jedoch eine Barauszahlung oder Ver
rechnung vereinbart, hat die betreffende Person umso mehr dafür zu sorgen, dass
das Arbeitsverhältnis und
der Lohnfluss nachgewiesen werden können.
In diesem Zusammenhang ist im vorliegenden Fall zu beachten, dass der Beschwerdeführer seit der Gründung der
Y._
AG Mitglied des Verwaltungsrates war und seit 1
7.
November 2016 bis zu seinem Austritt am 2
7.
Juli 2017 (vgl. zefix.ch) als dessen Präsident und Geschäftsführer amtete, womit er die Verantwortlichkeit für allfällige Missstände in der Buchhaltung als Organ der Arbeitgeberfirma nicht von sich zu weisen vermag (vgl.
Art.
716a
Abs.
1
Ziff.
3 des Obligationenrechts). Ferner wird in den Lohnbescheinigungen zu Händen der SVA er selbst als Kon
taktperson genannt (vgl.
Urk.
8/121/25 und
Urk.
8/121/28). D
ie Beweislast dafür, dass die Löhne tatsächlich bezahlt worden sind,
obliegt
rechtsprechungsgemäss
der versicherten Person (vgl. vorne E
. 1.1
)
.
3.
5
Die Beschwerdegegnerin hat
nach dem Gesagten
zu Recht Auskünfte und Unterlagen über seine Anstellung bei der
Y._
AG, über seine S
tellung,
seine konkreten Tätigkeiten
und
über ausgerichtete Lohnzahlungen sowie
über
die finanzielle Situation der
Y._
AG verlangt
und eine
Prüfung der Buchhaltung
angeordnet
.
Die Beschwerdegegnerin
wies den Beschwerdeführer
und die
Y._
AG
auf
die
Mitwirkungspflicht
en
und die Folgen einer unentschuldbaren Nicht
erfüllung hin.
Trotz wiederholten schriftlichen und telefonischen Mahnungen
wurden die verlangt
en Unterlagen nicht eingereicht. D
ies auch nicht
nach erneu
ter Fristansetzung
vom
7. Juni 2017
sowie einer Besprechung mit dem
Beschwer
deführer und seinem
Rechtsvertreter am
7.
September 2017
,
verbunden
mit Hin
weis
en
auf
die Mitwirkungspflicht
en
und
die
Säumnis
folgen
(
Urk. 8/57-58 und
U
rk.
8/
101-102
).
Die Mitwirkungspflicht einer Partei erstreckt sich insbesondere auf Tatsachen, welche diese besser kennt als die Verwaltung und welche diese ohne Mitwirkung der Betroffenen gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand erheben kann (
BGE 130 II 482
E. 3.2;
126 II 97
E. 2e;
124 II 361
E. 2b
), wie namentlich Buch
haltungsunterlagen
(vgl. Urteil
des Bundesgerichts
2C_222/2011 vom 3. Juli 2012 E.
4.6.4). Geht es dabei um Vorgänge, welche der Verwaltung nicht bekannt und schwierig zu beweisen sind, kann sich diese veranlasst sehen, im Rahmen der Be
weiswürdigung von bekannten Tatsachen auf unbekannte zu schliessen. Es ob
liegt in einem solchen Fall der versicherten Person, die gegen sie sprechende Ver
mutung umzustürzen
(
Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_58/2014 vom 24.
Septem
ber 2014
E. 6.2 mit weiteren Hinweisen).
Vorliegend ging es bei der angerufenen Mitwirkung primär um Auskünfte und Unterlagen zur tatsächlichen Anstellung sowie zum Lohn des Beschwerdeführers
, der zugleich Organ der Arbeitgeberfirma gewesen war
, was mit der Vorlage von
Lohnausweisen,
Kontoauszügen usw. möglich gewesen wäre.
Der Beschwerde
führer
hat
trotz mehrmaliger Aufforderung keine sachdienlichen Unterlagen, wel
che einen effektiven Lohnbezug belegen kö
nnten, eingereicht
. Objektive Hinde
rungsgründe sind nicht ersichtlich.
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die Beschwerdegegnerin habe ihre Abklärungspflicht verletzt, da sie nicht in die beim Konkursamt Oerlikon-Zürich verwahrten Akten Einsicht genommen habe (Urk. 10 S. 4 und Urk. 16 S. 2), ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerde
geg
nerin die Buchhaltungsunterlagen der
Y._
AG bereits vor der Kon
kurseröffnung vom 23. November 2017 mehrmals
einverlangt
hatte, diese jedoch nicht eingereicht wurden. Dass der Beschwerdeführer die Beschwerde
geg
nerin nun unter Hinweis auf die Abklärungspflicht an das Konkursamt verweist, ohne Angaben zu machen, welche konkreten sachdienlichen Unterlagen dort vor
zufinden wären, erscheint auch vor dem Hintergrund, dass das Konkursamt Oerlikon-Zürich der
A._
AG am 5. Dezember 2017 bzw. am 9. Januar 2018 mitteilte, dass keine bzw. kaum Unterlagen vorhanden seien (Urk. 8/120/5 und Urk. 8/120/7 und Urk. 98/121/10), nicht zielführend.
Es liegt
somit
eine
unentschuldbare
Verl
etzung der Mitwirkungspflicht vor.
3.
6
Angesichts der widersprüchlichen und lückenhaften Aktenlage zum bezogenen Einkommen
ist
der vom Beschwerdeführer geltend gemachte Betrag
nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (
BGE 126 V 353
E.
5b
) erstellt.
Aufgrund der Akten kann angenommen werden – oder jeden
falls nicht ausgeschlossen werden –, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Unfalles tatsächlich bei der
Y._
AG angestellt war, jedoch mit einem deutlich tieferen Gehaltsanspruch.
Da sich der massgebliche Sachverhalt nicht – oder jedenfalls nicht mit vernünf
tigem Aufwand – abklären liess, durfte die Beschwerdegegnerin gestützt auf die vorhandenen Akten entscheiden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_/58_2014 vom 24. September 2015 E. 6.2).
Es ist somit
nicht zu beanstanden, dass
sie
auf
grund der
Aktenlage
von einem
monatlichen
Nettoe
inkommen von Fr. 3'200.--
ausgegangen ist
.
4.
Die Beschwerdegegnerin kürzte sodann das Taggeld des Beschwerdeführers um 75 %. Dabei verwies sie auf Art.
46 A
bs.
2 UVG, welcher jede falsche Information in der Unfallmeldung erfasst, soweit sie dazu führt, dass eine höhere Versiche
rungsleistung als die geschuldete zugesprochen wird
(vgl. vorne E. 1.3)
.
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht,
seine
Arbeitgeberin habe die Unfall
meldung verfasst und damit den Lohnanspruch deklariert (Urk. 10 S. 7),
verkennt er, dass ihm die Angaben in der Unfallmeldung zuzurechnen sind, da ihm diese bekannt waren und er sie nie bestritten, sondern im Gegenteil sogar bestätigt hat. So
insbesondere auch im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens
, in welchem genau dieser von ihm behauptete Lohnanspruch strittig ist
.
Sein Ein
wand
, er habe sich in guten Treuen auf die Angaben der Arbeitgeberin verlassen, ist
unter diesen Umständen
nicht haltbar
.
Schliesslich und letztendlich wird er auf der Unfallmeldung als Kontaktperson bei der Arbeitgeberin genannt (vgl.
Urk.
8/1).
Entscheidend ist, dass der
Beschwerdeführer wusste, dass der in der Unfall
meldung angegebene Lohn nicht der Realität entsprach
und es
war i
h
m bewusst, dass er aufgrund dieser A
ngabe
höhere Taggelder zugesprochen erhalten würde. Die Angabe eines zu hohen Lohnes ist mit seinem Wissen und Willen erfolgt.
Damit liegt eine absichtliche Falschmeldung vor
(vgl.
BGE 143 V 393
E. 6.4)
.
In Anbetracht der Tatsache, dass der Beschwerdeführer einen deutlich höheren Lohn als den tatsächlich bezogenen angab, ist die Kürzung um 75 %
verhält
nis
mässig.
Dies insbesondere auch
,
da
Art. 46 Abs. 2 UVG bei einer absichtlichen
Falschmeldung eine Leistungsverweigerung vorsieht.
Die Beschwerdegegnerin hat jedoch zugunsten des Beschwerdeführers lediglich eine Kürzung vorge
nommen.
Der von der Beschwerdegegnerin festgelegte Tagesansatz von Fr. 22.90 ist somit nicht zu beanstanden
.
Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen.