Decision ID: c6fa9db8-e41f-5a3b-86d4-7f8b1b80b01f
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1959 geborene
X._
, deren Ehemann im Juni 1998 verstorben ist, bezog seit dem
1.
Januar 1997 gestützt auf einen Gesamtinvaliditätsgrad von 100
%
eine ganze Invalidenrente. Mit Verfügung vom
5.
März 2015 hob die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, die Rente zufolge einer wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes bei einem Invaliditätsgrad von 0
%
auf Ende des nach Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf (
Urk.
9/4/18-20). In der Folge verfügte die
Sozialversicherungsanstalt
des Kantons Zürich
,
Ausgleich
s
kasse
,
am 2
6.
März 2015 eine Witwenrente ab dem
1.
Mai 2015
von monatlich Fr. 1
'
700.--
(
Urk.
9/1). Die gegen die Aufhebung der Invalidenrente erhobene Besc
hwerde vom 2
4.
April 2015 (Urk.
9/4/3-17) hiess das hiesige Gericht, soweit es darauf eintrat, m
it Urteil IV.2015.00448 vom 12.
August 2016 in dem Sinne gut, als es die angefochtene Verfügung aufhob und feststellte, dass die Versicherte weiterhin Anspruch auf eine ganze Invali
denrente habe (
Urk.
9/7). Hiernac
h
setz
te die IV-Stelle am 18.
November 2016 die ganze Invalidenrente ab Mai 2015
auf monatlich
Fr.
2
'
324.-- fest
(
Urk.
9/18).
Die seit dem
1.
Mai 2015 ausbezahlte Witwenrente forderte die Ausgleichskasse mit Verfügung vom 2
2.
Dezember 2016 zurück (
Urk.
9/34
=
Urk.
2/2
). Gleichen
tags verfügte die IV-Stelle die Nachza
hlung der Invalidenrente vom 1.
Mai bis 3
0.
November 2015, wobei sie die in dieser Zeit bezogene Witwenrente in der Höhe von
Fr.
32'300.-- direkt mit der Nachzahlung der Invalidenrente
in der Höhe von
Fr.
44'156.--
verrechnete (
Urk.
9/28
=
Urk.
2/1
).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 2
5.
Januar 2017 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, die Verfügung
en
vom 2
2.
Dezember 2016
sei
en
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, von einer Verrechnung der Witwenrente in der Höhe von
Fr.
32'000.-- abzusehen. In prozessualer Hinsicht beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und unentgeltlichen
Rechtsverbei
ständung
.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
6.
März 2017 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8). Mit Verfügung vom
8.
März 2017 wurde der
Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
10)
und auf Ersu
chen
hin ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Replik
vom 1
2.
April 2017
[
Urk. 14
]; Duplik vom 5. Mai 2017 [Urk. 17]
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
In der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) vom 2
2.
Dezember 2016 sowie in der Beschwerdeantwort vom
6.
März 2017 (
Urk.
8) hielt die Beschwerdegegnerin fest, ab Mai 2015 seien sowohl die Anspruchsvoraussetzungen für eine Invalidenrente als auch für eine Witwenrente erfüllt. Die Ausrichtung beider Renten gleichzeitig sei gemäss
Art.
24b des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenen
versicherung
(
AHVG
) jedoch ausgeschlossen. Da für die Zeit von Mai 2015 bis November 2016 die Witwenrente bereits ausbezahlt worden sei und nun rück
wirkend ein Anspruch auf eine Invalidenrente für diese Zeit gegeben sei, dürfe die Nachzahlung mit den bereits ausgerichteten Leistungen verrechnet werden.
1.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 25. Janu
ar
2017 (
Urk.
1) sowie in ihrer Replik vom 12. April 2017 (
Urk.
14) zusammengefasst geltend, es fehle an einer gesetzlichen Grundlage, um die nachträglich zugesprochene Invalidenrente mit der bereits ausbezahlten Witwenrente zu ver
rechnen. Eine Rente, auf welche die Versicherte unbestrittenermassen Anspruch habe, könne nachträglich nicht zurückgefordert werden (
Urk.
14 S. 2f.). Die Berufung auf
Art.
24b AHVG bilde keine genügend präzise gesetzliche Grundlage, da dieser Artikel nicht für die Rückforderung von Renten gedacht sei. Unrecht
mässig bezogene Leistungen müssten gemäss
Art.
25
des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) zurückerstattet
wer
den
.
Vorliegend habe die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Auszahlung An
spruch auf eine Witwenrente gehabt. Entsprechend sei die Witwenrente recht
mässig bezogen worden und müsse nicht zurückerstattet werden. Diesbezüglich sei neben dem Legalitätsprinzip auch das Vertrauensprinzip, die Rechtssicherheit sowie die Eigentumsgarantie zu berücksichtigen. Die Beschwerdeführerin habe eine rechtmässige Leistung bezogen und nicht damit rechnen müssen, dass sie die Witwenrente, welche eine Leistung aus einem anderen Versicherungsfall als die Invalidenrente darstelle, zurückzahlen müsse (
Urk.
14 S. 4). Ferner seien die Leistungen nicht kongruent, weshalb eine Verrechnung nicht zulässig sei. Ausserdem fehle es an einem Überentschädigungstatbestand, weshalb auch aus diesem
Grund keine Verrechnung begründet werden könne (
Urk.
1 S. 5 und
Urk.
14 S. 3).
2.
Was die von der Beschwerdeführerin erhobene Beschwerde gegen die Verfügung der Ausgleichskasse vom 2
2.
Dezember 2016 (
Urk.
2/2) betrifft, ist Folgendes festzuhalten:
2.1
Nach
Art.
49
ATSG
, welches im vorliegenden Fall gestützt auf Art. 1 AHVG
anwendbar ist, hat der Versicherungsträger über Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Person nicht ein
verstanden ist, eine schriftliche Verfügung zu erlassen (
Abs.
1). Die Verfügungen werden mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen (
Abs.
3). Gegen Verfügungen kann gemäss
Art.
52
Abs.
1 ATSG innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden, davon ausgenommen sind prozess- und verfahrensleitende Verfügungen. Gegen
Einspracheentscheide
oder Verfügungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, kann Beschwerde erhoben werden (
Art.
56
Abs.
1 ATSG).
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse
zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zustän
dige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwer
deweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (
BGE
131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
2.2
Beim vorliegenden Anfechtungsgegenstand handelt es sich um eine Rückfor
de
rungsverfügung im Sinne von
Art.
49 ATSG und keinen beschwerdefähigen
Ein
spracheentscheid
. Die Durchführung eines
Einspracheverfahrens
ist zwingend erfo
r
derlich, sofern es sich bei der zur Diskussion stehenden Verfügung nicht um
eine prozess- oder verfahrensleitende Verfügung oder um eine Verfügung han
delt
, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist (vgl.
Kieser
,
ATSG
-Kommen
tar
,
3.
Auflage, Zürich 2015, Art.
56 N 12,
Art.
56
Abs.
1 und 57 ATSG).
Da es folglich an einem Anfechtungsgegenstand und dementsprechend an einer Sachurteilsvoraussetzung fehlt bzw. das angerufene Gericht funktionell nicht zuständig ist, ist auf die Beschwerde die Verfügung der Ausgleichskasse (
Urk.
2/2) betreffend nicht einzutreten.
Die Sache ist an die Ausgleichskasse zu überweisen, damit sie die Eingabe des Beschwerdeführers vom 2
5.
Januar 2017 im Rahmen des
Einspracheverfahrens
als Einsprache prüfe und anschliessend einen beschwerdefähigen
Einsprache
ent
scheid
erlasse (
BGE
114 V 149 E. 3c).
3.
Es bleibt zu prüfen
, inwieweit die
von
der Beschwerdegegnerin am 2
2.
Dezember 2016 (
Urk.
2/1)
vorgenommene Verrechnung der bereits ausbezahlten Witwen
rente mit der Nachzahlung der Invalidenrente rechtens ist.
Die Beschwerde
füh
rerin monierte diesbezüglich, dass für die Verrechnung keine gesetzliche Grund
lage vorhanden sei.
Fällige
(nachzuzahlende)
Leistungen der Invalidenversicherung können gemäss
Art.
50
Abs.
2 IVG in Verbindung mit Art. 20
Abs.
2 AHVG mit Leistungen der Ausgleichskasse verrechnet werden.
Entsprechend
ist die von der Beschwerdegegnerin
in der Verfügung vom 22. Dezem
ber 2016 (
Urk.
2/1)
vorgenommene Verrechnung der bereits ausbezahl
ten Witwenrente mit der Nachzahlung der Invalidenrente statthaft
. Über die Recht
mässigkeit der Rückforderung der Witwenrente ist vorliegend nicht zu befinden (vgl. E. 2 vorstehend).
Die Beschwerdeführerin wird indes auf Art. 6
3 ATSG, Art. 43 IVG und Art. 24
b
AHVG hingewiesen.
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin beantragte mit ihrer Beschwerde vom 2
5.
Januar 2017 in prozessualer Hinsicht die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie die Bestellung von Rechtsanwalt Philip
Stolkin
als unentgeltlicher Rechtsvertreter (
Urk.
1).
4.2
Nach Gesetz und Prax
is sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig
und die anwaltliche
Verbeistän
dung
not
wendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
4.3
Da es vorliegend nicht um eine Streitigkeit um die Bewilligung oder die Verwe
i
gerung von Invalidenl
eistungen geht (vgl. BGE 115 V 341 E. 1
; 122 V 221 E. 2
), ist das Verfahren kostenlos (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung erweist sich damit als gegenstandslos.
4.4
Die unentgeltliche Rechtspflege kann nur gewährt werden, wenn die Rechts
vor
kehr nicht aussichtslos ist. Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten (ex ante betrachtet) beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Ge
winnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess,
den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (BGE 133 III 614 E. 5 mit Hinweisen).
4.5
Im vorliegenden Verfahren war die Verrechenbarkeit von Forderungen der Aus
gleichskasse mit Forderungen der Invalidenversicherung
stritt
ig
.
Die Argumen
tation der Beschwerdeführerin erschöpft sich im Wesentlichen darin, dass eine gesetzliche Grundlage für die Verrechnung fehle - was in Anbetracht der klaren Gesetzeslage auszuschliessen ist. Aufgrund eines fehlenden
Einspracheentscheids
ist über die Rechtmässigkeit der Rückforderung der Witwenrente an dieser Stelle nicht zu befinden. Bei dieser Ausgangslage waren die Gewinnaussichten der Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren (ex ante betrachtet) daher beträchtlich geringer als die Verlustgefahren. Angesichts der klaren Sach- und Rechtslage konnte die Beschwerdeführerin daher nicht ernsthaft damit rechnen, dass ihre Beschwerde gutgeheissen würde. Ihr Begehren erweist sich daher als aussichtslos. Demnach ist das Gesuch der Beschwerdeführerin um Bestellung von Rechtsanwalt Philip
Stolkin
als unentgeltlicher Rechtsvertreter abzuweisen.