Decision ID: e725c570-1c62-449c-b6f3-00d4d409c284
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend Versicherte bzw. Beschwerdeführerin), studierte in B._
Literatur und war danach während dreier Jahre als Lehrerin tätig. Nach ihrer Einreise
als Flüchtling in die Schweiz im Jahr 1986 war sie als Fabrikationsmitarbeiterin, als
Serviceangestellte und ab 1. Januar 1990 als Pflegeassistentin im Kantonsspital St.
Gallen (nachfolgend: KSSG) tätig (IV-act. 3 S. 3 ff., 6, 7, 21 S. 2, 24).
A.b Zwischen Herbst 2008 und Frühjahr 2009 traten bei der Versicherten
gesundheitliche Probleme in Form einer Depression und einer Angststörung auf (IV-act.
5 S. 7). Vom 26. Mai bis zum 1. September 2009 wurde eine stationäre Behandlung in
der Klinik C._ durchgeführt. Die anschliessende Weiterbetreuung erfolgte am
Psychiatrischen Zentrum St. Gallen (IV-act. 23). Die Ärzte Dr. med. D._ und Dr. med.
E._ diagnostizierten u.a. eine rezidivierende depressive Störung, aktuell schwere
depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F33.2) seit mindestens
Herbst 2008 (IV-act. 21 S. 1). Am 24. Dezember 2009 reichte die Versicherte erstmals
einen Antrag zum Bezug von Leistungen von der Invalidenversicherung ein (IV-act. 5).
A.c Nach einem wegen Überforderung gescheiterten Wiedereingliederungsversuch trat
die Versicherte am 29. Dezember 2009 erneut zur Behandlung in die Klinik C._ ein.
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Im Arztbericht vom 2. April 2010 diagnostizierten Dr. med. Dipl.-Psych. F._ und lic.
phil. G._ eine rezidivierende depressive Störung, bei Eintritt mittelgradig bis schwere
depressive Episode (ICD-10: F33.1/2; IV-act. 26, 41). Am 30. April 2010 wurde die
Versicherte aus der Klinik entlassen (IV-act. 30, 40). Ab 1. Mai 2010 nahm sie ihre
bisherige Tätigkeit als Pflegeassistentin in einem 30%-Pensum bei einer
Leistungsminderung von 25% wieder auf (IV-act. 42). Mit Schreiben vom 24. August
2010 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass zurzeit keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen notwendig seien, da sie in einem 50%-Pensum im KSSG
arbeite (IV-act. 46).
A.d In den Arztberichten vom 9. und 13. September 2010 erklärten Dr. med. H._,
Oberarzt, und med. prakt. I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Psychiatrisches Zentrum J._, dass bei der Versicherten eine psychische Behinderung
im Sinn eines schweren depressiven Syndroms mit psychotischen Symptomen
vorliege. Dabei stünden im Vordergrund Konzentrationsstörungen,
Aufmerksamkeitsmangel sowie eine erschwerte und verminderte Auffassungsgabe. Sie
gingen aktuell und anhaltend von einer Arbeitsunfähigkeit von 50% mit einer
Leistungsminderung von 30% aus (IV-act. 47). Per 1. Oktober 2010 erfolgte aus
gesundheitlichen Gründen eine Teil-Invaliditätspensionierung der Versicherten durch
die Versicherungskasse des Staatspersonals des Kantons St. Gallen (IV-act. 58, 67 S. 9
und 13 ff.). Im Schreiben vom 22. Oktober 2010 erklärte die Arbeitgeberin gegenüber
der IV-Stelle, dass die Versicherte aktuell in einem 50%-Arbeitspensum arbeite, jedoch
nur eine Leistung von 25% bezogen auf ein 100%-Pensum erbringe (IV-act. 54).
A.e Am 17. Januar 2011 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle von med. prakt.
K._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, psychiatrisch begutachtet.
Im Gutachten vom 28. Januar 2011 (IV-act. 56) diagnostizierte sie mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis
allenfalls mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F33.0 / F33.1) als deutliche
Teilremission einer zuvor beschriebenen mittelgradigen bis schweren Episode sowie
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit akzentuierte Persönlichkeitszüge mit
abhängigen und histrionischen Anteilen (ICD-10: Z73.1). Sie ging aktuell von einer
30%igen Arbeitsunfähigkeit sowohl in der angestammten Tätigkeit als Pflegeassistentin
als auch in einer leidensangepassten Tätigkeit aus. Die aktuelle Tätigkeit stufte sie
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dabei als eine leidensangepasste Tätigkeit ein. Bei adäquater psychiatrisch-
psychotherapeutischer Behandlung erachtete sie eine Minderung der
Arbeitsunfähigkeit auf unter 20% als möglich.
A.f Am 23. Januar 2011 informierte der Case Manager von L._ die IV-Stelle über die
aktuelle Situation (IV-act. 58). Die Versicherte sei im Psychiatrischen Zentrum J._
eingebunden und werde zudem im Spital M._ mit Elektrokrampftherapie (EKT) unter
Anästhesie behandelt. Aktuell arbeite die Versicherte 4 1⁄2 Stunden an 5 Tagen pro
Woche. Die erzielte Leistung betrage 30%. Da die Versicherte diverse Aufgaben nicht
wahrnehmen könne, sei sie nicht wie eine sonstige Pflegeassistentin einsetzbar. Ihr
werde ein Soziallohn von Fr. 1'400.- pro Monat bezahlt.
A.g Mit Vorbescheid vom 2. August 2011 teile die IV-Stelle der Versicherten mit, dass
sie ab 1. Juni 2010 Anspruch auf eine ganze Rente und ab 1. September 2010
Anspruch auf eine halbe Rente habe. Per 31. Dezember 2010 werde die Rente wieder
eingestellt (IV-act. 63). Die Versicherte erhob dagegen am 8. August 2011 Einwand,
welchen sie am 12. September 2011 einlässlich begründete (IV-act. 65, 67). Mit
Verfügung vom 22. Dezember 2011 sprach die IV-Stelle der Versicherten
Rentenleistungen gemäss Vor-bescheid zu (IV-act. 71, 74, 75).
B.
B.a Mit Beschwerde vom 18. Januar 2012 beantragte die Versicherte, vertreten durch
Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, St. Gallen, die Verfügungen der IV-Stelle vom 22.
Dezember 2011 aufzuheben, soweit eine weitergehende Leistungspflicht der
Versicherten verneint werde, und die Zusprache einer ganzen Invalidenrente ab
spätestens Mai 2010 (IV-act. 79 S. 2 ff.). In der Beschwerdeantwort vom 29. Februar
2012 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (IV-act. 85). Am 1. März
2012 reichte der Rechtsvertreter der Versicherten dem Versicherungsgericht zwei
Arztberichte von med. prakt. N._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
St. Gallen, vom 6. und 27. Februar 2012 ein, die der IV-Stelle am 8. März 2012 zur
Kenntnisnahme zugestellt wurden (IV-act. 86 f.). Mit Replik vom 29. März 2012 hielt die
Versicherte an ihren bisherigen Rechtsbegehren fest und reichte einen weiteren
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Arztbericht von med. prakt. N._ vom 22. März 2012 ein (IV-act. 90 f.). Die IV-Stelle
verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (IV-act. 92).
B.b Per 1. Oktober 2012 erhielt die Versicherte von L._ einen unbefristeten
Arbeitsvertrag mit einem 30%-Pensum. Finanziert wurde der Lohn von Fr. 1'487.- pro
Monat durch die Sozialstelle (IV-act. 97).
B.c Mit Entscheid vom 23. Dezember 2013 (IV 2012/20) hob das Versicherungsgericht
die Rentenverfügungen vom 22. Dezember 2011 auf und sprach der Versicherten für
den Zeitraum vom 1. Juni 2010 bis 30. April 2011 eine ganze Rente zu (IV-act. 98).
Begründet wurde der Entscheid insbesondere damit, dass sich anhand der Aktenlage
der Verlauf der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nahtlos eruieren lasse. Im
psychiatrischen Gutachten von med. prakt. K._ vom 28. Januar 2011 sei der
schwankende Verlauf mit leichten, mittelgradigen und zeitweise auch schweren
depressiven Symptomen im Zeitraum zwischen Frühjahr 2009 und Herbst 2010 gut
ersichtlich. Die ab Januar 2011 bestehende Arbeitsunfähigkeit von noch ca. 30% sei
von der Gutachterin in nachvollziehbarer Weise anhand der sorgfältig erhobenen
Befunde begründet worden. Die Rente sei in Anwendung von Art. 88a der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) deshalb per 30. April 2011
einzustellen. Zu den Berichten von med. prakt. N._ wurde erklärt, dass diese nicht
hätten berücksichtigt werden können, soweit sie den Gesundheitszustand der
Versicherten nach Erlass der Verfugung (22. Dezember 2011) betreffen. Der Entscheid
erwuchs unangefochten in formelle Rechtskraft.
C.
C.a Am 22. Februar 2014 forderte der Rechtsvertreter der Versicherten die IV-Stelle
auf, im Neuanmeldungsverfahren zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung, gestellt am 10. Januar 2012 (vgl. IV-act. 76), fortzufahren (IV-act.
100). Am 14. März 2014 kontaktierte der Case Manager von L._ die IV-Stelle und bat
um Informationen betreffend dem pendenten Neuanmeldungsverfahren (IV-act. 110).
Am 18. März 2014 stellte der Rechtsvertreter der Versicherten der IV-Stelle einen
Bericht von med. prakt. N._ vom 13. März 2014 zu. Der Facharzt erklärte, dass die
Versicherte weiterhin bei ihm in Behandlung sei. Er diagnostizierte eine mittelgradige
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bis schwergradige Depression ab Behandlungsbeginn bei ihm am 1. Februar 2012.
Aktuell liege eine schwergradige depressive Episode vor (IV-act. 111).
C.b Mit Vorbescheid vom 13. Mai 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten ein
Nichteintreten in Aussicht (IV-act. 119). Der Rechtsvertreter der Versicherten erhob
dagegen am 3. Juni 2014 Einwand. Zur Begründung führte er aus, dass sich der
Gesundheitszustand der Versicherten wesentlich verschlechtert habe und verwies
diesbezüglich auf den beigelegten Arztbericht von med. prakt. N._ vom 23. Mai 2014
(IV-act. 121). In der Stellungnahme vom 11. Juli 2014 erachtete die RAD-Ärztin Dr.
med. P._ einen veränderten psychischen und somatischen Gesundheitsschaden im
Vergleich zum Referenzzeitpunkt des Gutachtens vom Januar 2011 als plausibel. Es
bedürfe einer bidisziplinären Begutachtung (IV-act. 124).
C.c Die IV-Stelle beauftragte daraufhin am 23. Juli 2014 das Institut für Forensisch-
Psychologische Begutachtung, St. Gallen, mit der Erstellung eines bidisziplinären
Gutachtens (Psychiatrie und Orthopädie; IV-act. 125 f.). Die Begutachtung erfolgte am
17. Oktober 2014 durch Dr. med. Q._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, zertifizierter medizinischer Gutachter
SIM, und Dr. med. R._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
zertifizierte medizinische Gutachterin SIM. Im Gutachten vom 22. November 2014 (IV-
act. 131) wurden diagnostiziert eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung
(PTBS; ICD-10: F43.8), eine rezidivierende depressive Störung (sekundär), gegenwärtig
mittelgradige Episode (F33.1), eine Achillodynie beidseits (M76.6), rechtsbetont,
Knieschmerzen links (M25.56), am ehesten bei beginnender Retropatellär-Arthrose
(M17.1), eine Periarthropathia humero-scapularis rechts (M75.0) und Schwellungen im
Bereich der Fingergelenke (M25.44) bei Verdacht auf Psoriasis-Arthropathie (IV-act.
131 S. 55). Die psychiatrische Gutachterin erachtete eine relevante Verschlechterung
des Gesundheitszustandes der Versicherten seit der Begutachtung durch med. prakt.
K._ im Januar 2011 als nachgewiesen (vgl. IV-act. 131 S. 47 f., 51 und 59). In der
Stellungnahme vom 4. Dezember 2014 erachtete die RAD-Ärztin Dr. P._ das
Gutachten vom 22. November 2014 als beweiskräftig (IV-act. 136).
C.d Mit Vorbescheid vom 25. März 2015 kündigte die IV-Stelle an, dass die Versicherte
keinen Anspruch auf eine IV-Rente habe, da der ermittelte Invaliditätsgrad von 37%
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unter dem minimalen anspruchsbegründenden Invaliditätsgrad von 40% liege (IV-act.
142). Im Arztbericht vom 8. April 2015 (Eingang IV-Stelle 13. April 2015) erklärte med.
prakt. N._, dass die volle Arbeitsunfähigkeit nicht alleine auf der posttraumatischen
Belastungsstörung, sondern auch auf der festgestellten schwergradigen depressiven
Episode beruhe, die im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung bestehe (IV-
act. 146).
C.e Am 15. April 2015 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid (IV-act. 145). Im
Schreiben vom 20. April 2015 führte die IV-Stelle aus, dass der Rentenanspruch nicht
aus medizinischen, sondern aus juristischen Gründen abgelehnt worden sei (IV-act.
149).
D.
D.a Mit Beschwerde vom 8. Mai 2015 (act. G 1) beantragte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin die Aufhebung der Verfügung vom 15. April 2015 und die
Zusprache einer ganzen Invalidenrente ab wann rechtens, spätestens ab August 2012,
unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Beschwerdegegnerin.
D.b Mit Schreiben vom 27. Mai 2015 (act. G 4) reichte der behandelnde Psychiater
med. prakt. N._ Arztberichte vom 6. Februar und 22. März 2012 (act. G 4.1, G 4.2),
vom 13. März, 23. Mai und 16. September 2014 (act. G 4.3 - G 4.5) sowie vom 8. und
21. April 2015 (act. G 4.6, G 4.7) ein.
D.c Mit Beschwerdeantwort vom 15. Juni 2015 schloss die Beschwerdegegnerin auf
Abweisung der Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie insbesondere an,
dass keine invalidenversicherungsrechtlich relevante Gesundheitsstörung in Form einer
PTBS vorliegen könne, da der Lebensverlauf der Beschwerdeführerin und die
Latenzzeit dagegen sprächen. Die Berichte des Facharztes med. prakt. N._ erachtete
die Beschwerdeführerin gleichfalls als nicht überzeugend, zumal er als behandelnder
Arzt nicht unbefangen sei.
D.d Mit Replik vom 20. Juli 2015 (act. G 11) hielt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin an den Rechtsbegehren gemäss Beschwerdeschrift fest und
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reichte den Arztbericht von med. prakt. N._ vom 1. Juli 2015 (act. G 11.1) ein. Die
Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (vgl. act. G 13).

Considerations:
Erwägungen
1.
1.1 Die Beschwerdeführerin erhielt gestützt auf ihre erstmalige Anmeldung zum Bezug
von Leistungen der Invalidenversicherung im Jahr 2009 vom 1. Juni 2010 bis 30. April
2011 eine ganze Rente der Invalidenversicherung (IV-act. 5, 98). Auf die Neuanmeldung
vom 10. Januar 2012 (IV-act. 76) trat die Beschwerdegegnerin ein und veranlasste
unter anderem eine bidisziplinäre Begutachtung durch das Institut für Forensisch-
Psychologische Begutachtung (Gutachten vom 22. November 2014, IV-act. 131). Die
Gutachter stellten gegenüber dem Zeitpunkt der erstmaligen Begutachtung (17. Januar
2011) einen verschlechterten Gesundheitszustand und eine gänzliche
Arbeitsunfähigkeit fest. Die Beschwerdegegnerin verneinte mit Verfügung vom 15. April
2015 (IV-act. 145) einen Rentenanspruch.
1.2 Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der mit Schreiben
vom 10. Januar 2012 (und Erinnerungsschreiben vom 22. Februar 2014) neu
angemeldete Anspruch auf Leistungen (insbesondere Rente) der Invalidenversicherung
(vgl. IV-act. 76, 100).
2.
2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird
gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das
Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/25
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Durchführung der notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
2.2 Die Rentenabstufungen nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) geben bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50% Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 60% Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 70% Anspruch auf eine ganze Rente.
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
2.4 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach haben Gericht und Verwaltung von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen.
3.
Vorweg ist die Frage zu beantworten, ob der medizinische Sachverhalt rechtsgenüglich
abgeklärt worden ist. Informationen zum relevanten früheren Gesundheitszustand
(medizinischer Referenzzeitpunkt) liefert das im vorangehenden
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Rentenprüfungsverfahren eingeholte psychiatrische Gutachten von med. prakt. K._
vom 28. Januar 2011 (IV-act. 56). Über den weiteren Verlauf des
Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin bzw. über ihre Arbeitsfähigkeit
informiert insbesondere das von der Beschwerdegegnerin eingeholte bidisziplinäre
Gutachten vom 22. November 2014 (IV-act. 131). Weitere (ergänzende) Erkenntnisse
liefern die Arztberichte des behandelnden Psychiaters med. prakt. N._, die
Stellungnahmen des RAD sowie die Schreiben des Case Managers des KSSG.
4.
Zunächst sind die somatischen Leiden und die daraus resultierenden Einschränkungen
der Arbeitsfähigkeit zu beurteilen.
4.1 Festzustellen ist, dass im ersten Rentenprüfungsverfahren (Anmeldung am 24.
Dezember 2009; Rentenverfügungen vom 22. Dezember 2011) orthopädische Leiden
nicht Gegenstand der Abklärungen waren und folglich auch keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung bzw. den ermittelten Invaliditätsgrad hatten. Erst med.
prakt. N._ wies im Arztbericht vom 13. März 2014 (IV-act. 111) darauf hin, dass die
Beschwerdeführerin ausser den psychischen Beschwerden auch körperliche
Einschränkungen habe und erwähnte dabei eine Fraktur des rechten Fusses, welche im
Jahr 2012 habe saniert werden müssen. Im Rahmen der aktuellen
Rentenanspruchsprüfung veranlasste die Beschwerdegegnerin daraufhin auch eine
orthopädische Begutachtung.
4.2 Der orthopädische Gutachter Dr. Q._ erklärte gestützt auf die Untersuchung vom
17. November 2014 und die ihm vorgelegten MRI- und Röntgenbilder, dass die
Beschwerdeführerin vor allem Beschwerden im Bereich beider Achillessehnen
(Diagnose: Achillodynie beidseits [M76.6], rechtsbetont) und, weniger ausgeprägt, am
linken Kniegelenk (Diagnose: Knieschmerzen links [M25.56], am ehesten bei
beginnender Retropatellär-Arthrose), aufweise, so dass die Absolvierung längerer
Gehstrecken und das Überwinden von Höhendifferenzen (Treppen, Leitern, Gerüste)
eingeschränkt sei. Ausserdem sei die Beweglichkeit der rechten Schulter über die
Horizontalebene vermindert (Diagnose: Periarthropathia humero-scapularis rechts
[M75.0]). Wegen der beidseitigen Fingerbeschwerden seien feinmotorische Arbeiten
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nur im begrenzten Umfang möglich (Diagnose: Schwellungen im Bereich der
Fingergelenke [M25.44] bei Verdacht auf Psoriasis-Arthropathie; IV-act. 131 S. 28 ff.).
Basierend auf den erhobenen Befunden erachtete der Gutachter die
Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit als Pflegehelferin als nicht mehr
arbeitsfähig ab Mitte des Jahres 2012 (Zeitpunkt der operativen Behandlung der
Achillodynie). Dagegen sei der Beschwerdeführerin eine leidensangepasste Tätigkeit
(wechselbelastende körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit ohne Absolvierung
längerer Gehstrecken, ohne Überwinden von Höhendifferenzen [Treppen, Leitern,
Gerüste], ohne Notwendigkeit von Arbeiten über der Horizontalebene [vor allem rechts]
und ohne hohe Ansprüche an die Feinmotorik) ganztägig zumutbar. Die
Leistungsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit betrage knapp 90% mit
Gültigkeit ab dem Tag der Begutachtung, wahrscheinlich jedoch bereits seit Mitte des
Jahres 2012 (IV-act. 131 S. 34 und 57).
4.3 Die Einschätzungen des orthopädischen Gutachters sind nachvollziehbar und
schlüssig. Da von den Parteien auch keine Einwände diesbezüglich vorgebracht
worden sind, ist auf das Anforderungsprofil an eine leidensangepasste Tätigkeit sowie
auf die Arbeitsfähigkeitseinschätzung abzustellen bzw. sind diese in der
Gesamtwürdigung mit zu berücksichtigen.
5.
Des Weiteren sind die psychischen Leiden und die daraus resultierenden
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit zu prüfen.
5.1 In den Rentenverfügungen vom 22. Dezember 2011 (IV-act. 71, 74, 75) berief sich
die Beschwerdegegnerin hinsichtlich des medizinischen Sachverhaltes primär auf das
psychiatrische Gutachten von med. prakt. K._ vom 28. Januar 2011 (IV-act. 56). Der
medizinische Referenzzeitpunkt für die psychischen Leiden ist folglich der
Gesundheitszustand am Tag der Begutachtung (11. Februar 2011). Die Gutachterin
diagnostizierte damals mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig leichte bis allenfalls mittelgradige depressive Episode
(ICD-10: F33.0 / F33.1) als deutliche Teilremission einer zuvor beschriebenen
mittelgradigen bis schweren Episode und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
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akzentuierte Persönlichkeitszüge mit abhängigen und histrionischen Anteilen (ICD-10:
Z73.1). Die Arbeitsunfähigkeit schätzte sie spätestens ab dem Tag der Begutachtung
(11. Januar 2011) auf ca. 30% (IV-act. 56 S. 18). Die Beschwerdegegnerin ermittelte
daraufhin einen Invaliditätsgrad von 30% mit Gültigkeit ab 1. Januar 2011 (IV-act. 71).
Die Beweiskraft der gutachterlichen Einschätzungen wurde durch das
Versicherungsgericht mit Entscheid vom 23. Dezember 2013 (IV 2012/20) bestätigt. Der
Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
5.2 Am 17. Oktober 2014 untersuchte die psychiatrische Gutachterin Dr. R._ die
Beschwerdeführerin während 2 1⁄2 Stunden. Die Gutachterin stellte basierend auf einer
umfassenden und detaillierten Anamnese (IV-act. 131 S. 37-41), den Erkenntnissen aus
der persönlichen Untersuchung und denjenigen aus den testdiagnostischen
Untersuchungen vom 3. und 6. November 2014, durchgeführt von lic. phil. S._ und
M. Sc. T._ (IV-act. 131 S. 43-46), ihre Befunde, Diagnosen und
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung (IV-act. 131 S. 42, 46-49).
5.2.1 Aus dem Gutachten wird ersichtlich, dass Dr. R._ der Zugang zur
Beschwerdeführerin gelang. Sie konnte damit relevante neue Erkenntnisse zu den
Ursachen der psychischen Leiden gewinnen, welche ihr eine fundierte Beurteilung der
gesundheitlichen Situation und die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ermöglichten. So
legte die Gutachterin nachvollziehbar dar, dass der heutige gesundheitliche Zustand
der Beschwerdeführerin im Wesentlichen durch traumatische Ereignisse in der Kindheit
und in der Jugendzeit in B._ geprägt wird. Sie war damals über Jahre psychischer,
körperlicher und sexueller Gewalt durch den Vater, einen Schwager und einen Onkel
ausgesetzt gewesen. Zudem erfuhr sie körperliche bzw. emotionale Vernachlässigung.
Die Beschwerdeführerin schilderte, dass ihr als Frau auferlegt worden sei, zu
schweigen und das Leid zu erdulden. Ihren Schwestern sei es nicht anders ergangen,
ebenso ihrer Mutter, welche bereits mit 13 Jahren ihr erstes Kind zur Welt gebracht
habe. Aufgrund ihrer liberalen Einstellung und den geänderten Verhältnissen
(Machtwechsel, Repressionen durch den Staat) habe sie B._ im Jahr 1986 verlassen
und sei als Flüchtling in die Schweiz gekommen. Ab dem Jahr 1990 habe sie als
Pflegeassistentin/-helferin im KSSG gearbeitet. Mit 36 Jahren habe sie einen Mann
kennengelernt, mit welchem sie eine längere Beziehung gehabt habe. Sie habe die
Beziehung beendet, weil der Partner drogensüchtig war, sie finanziell ausgenützt und
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regelmässig vergewaltigt habe. Diese Zeit und die Trennung seien psychisch belastend
gewesen. In ihrem Beruf habe sie sich über Jahre hinweg wohl gefühlt. Nach rund 15
bis 17 Jahren Einsatz auf der Kinderstation sei sie auf die Krebsstation (Abteilungen
Kardiologie und Onkologie) versetzt worden. Dort habe sie zunehmend Mühe
bekommen, mit dem Schicksal der Patienten (Leidensweg, Tod) umzugehen. Zwischen
Herbst 2008 und Frühjahr 2009 sei es zum Auftreten einer Depression und
Angststörung gekommen. Kurz zuvor hätten sich der Schwager und ihr Neffe suizidiert.
Dies alles habe zu einem Wiedererinnern an die traumatischen Ereignisse in der
Kindheit, in der Jugend und im frühen Erwachsenenalter geführt. Massive Scham- und
Schuldgefühle hätten es ihr bisher verunmöglicht, über die traumatischen Ereignisse
wirklich zu sprechen, obschon sie seit Jahren in psychiatrischer Behandlung sei (zwei
mehrmonatige Aufenthalte in der Klinik C._, ambulante Behandlungen im
Psychiatrischen Zentrum J._ und beim Psychiater med. prakt. N._). Ihre
Symptomatik sei bisher immer als Depression bezeichnet worden. Aufgrund der
Schwere der depressiven Symptomatik sei Ende 2010/Anfang 2011 eine
Elektrokrampftherapie unter Narkose in die Wege geleitet worden. Diese habe jedoch
jeweils nur kurzfristig geholfen. Zurzeit sei sie in Behandlung beim Psychiater med.
prakt. N._ sowie bei ihrer Hausärztin Dr. med. U._.
5.2.2 Die ergänzend durchgeführten umfangreichen testdiagnostischen
Untersuchungen (Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung [TAP], Symptom-Checkliste
[SCL-90-R], Beck-Depressions-Inventar [BDI], Impact of Event Scale - revidierende
Form [IES-R], Persönlichkeitsstil- und Störungsinventar [PSSI], Testbatterie zur
forensischen Neuropsychologie [TBFN] und Rey-Memory-Test) ergaben eine hohe
subjektive Symptombelastung, wobei neben depressiven Symptomen auch eine
deutliche posttraumatische Symptomatik in Form von Intrusionen, Vermeidung und
Übererregbarkeit erhoben worden seien. Auch im Rahmen der Persönlichkeitstests
hätten sich vermeidende Tendenzen im Sinn eines starken sozialen Rückzugs
abgebildet. Von der Beschwerdeführerin im Bereich der Aufmerksamkeit berichtete
Defizite seien im Rahmen der neuropsychologischen Testverfahren ebenfalls
festgestellt worden. Es habe sich ein vermindertes Aufmerksamkeitsniveau sowie eine
eingeschränkte Aufmerksamkeitskapazität bei gleichzeitig leicht erhöhter Ablenkbarkeit
gezeigt. Zudem hätten sich Hinweise auf Einschränkungen des Arbeitsgedächtnisses
(Bereitstellung von relevanten Informationen) ergeben. Die festgestellten Störungen der
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Aufmerksamkeitsfunktion könnten Ausdruck der depressiven Symptomatik und der
Traumafolgestörung sein. Spezifische Hinweise auf allfällige Simulations- oder
Aggravationstendenzen hätten sich im Rahmen der Testdiagnostik nicht ergeben.
5.2.3 Zur Krankheitsgeschichte führte die Gutachterin aus, dass bisher bei der
Beschwerdeführerin eine depressive Störung, Angst und Panik diagnostiziert worden
seien. Lediglich zwischen den Zeilen habe es Hinweise auf eine Traumafolgestörung
gegeben. So seien im Austrittsbericht der Klinik C._ vom April 2010 neben
depressiven Symptomen auch starke Ängste, Versündigungs- und Schuldideen
beschrieben worden. Im Juni 2010 habe das psychiatrische Zentrum J._ von einer
schweren, therapieresistenten Depression, Schuld- und Versündigungswahn und
gelegentlich suizidalen Gedanken berichtet. Ende 2010/Anfang 2011 seien sogar einige
Elektrokrampftherapien durchgeführt worden, welche jedoch nur kurzfristig geholfen
hätten. Die Begutachtung durch Dr. K._ im Januar 2011 habe parallel zur
Elektrokrampftherapie stattgefunden. Die Behandlungen hätten zwar zu einer
kurzfristigen, jedoch nicht zu einer längerfristigen Gesundheitsverbesserung geführt (IV-
act. 131 S. 48 und 58).
5.2.4 Gutachterin Dr. R._ diagnostizierte mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine
komplexe posttraumatische Belastungsstörung (PTBS; ICD-10: F43.8) und eine
rezidivierende depressive Störung (sekundär), gegenwärtig mittelgradige Episode
(F33.1). Sie wies darauf hin, dass die Versicherte seit der Kindheit schweren
Traumatisierungen ausgesetzt gewesen sei. Die depressive Symptomatik sei eine Folge
davon und nach wie vor in einem mittleren Schweregrad vorhanden.
5.2.5 Spätestens ab dem Untersuchungsdatum (17. Oktober 2014) sei aufgrund der
klinischen und testpsychologischen Befunde keine Arbeitsfähigkeit mehr in der freien
Wirtschaft gegeben. Eine Eingliederung im beschützten Rahmen sei jedoch möglich.
Die Gutachterin empfahl eine stationäre Behandlung in einer traumaspezifischen Klinik
(IV-act. 131 S. 47 f., 51 und 57).
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5.3 Bei der Würdigung der gutachterlichen Beurteilung fällt ins Gewicht, dass sie auf
eigenständigen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange umfassend ist. Die
medizinischen Vorakten wurden verwertet und die von der Beschwerdeführerin
geklagten Beschwerden berücksichtigt und gewürdigt. Die gutachterlich erhobenen
Befunde wurden zudem durch umfangreiche testdiagnostische Untersuchungen
ergänzt. Die gestellten Diagnosen (PTBS und rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode) leuchten in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Die
Attestierung einer gänzlichen Arbeitsunfähigkeit (aus psychiatrischen Gründen) in der
freien Wirtschaft - und damit auch für leidensadaptierte Tätigkeiten, welche aufgrund
der somatischen Einschränkungen in Betracht zu ziehen gewesen wären, - vermag
aufgrund der erhobenen detaillierten Befunde und insbesondere der detailliert
beschriebenen Funktionseinschränkungen (vgl. IV-act. 131 S. 42-44, S. 48 f.) und der
gestellten Diagnosen gleichfalls zu überzeugen. Weiter bestehen keine Anhaltspunkte
dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden wären. Die
unterschiedlichen Einschätzungen im Vergleich zum früheren Gutachten von Dr. K._
vom Januar 2011 lassen sich erklären und stehen damit auch nicht dem Beweiswert
des aktuellen Gutachtens entgegen (vgl. IV-act. 131 S. 49-50, S. 52). Ferner ergeben
sich keine Anhaltspunkte aus dem Gutachten für ein nicht kunstgerechtes Vorgehen
der psychiatrischen Gutachterin.
5.4 Am 4. Dezember 2014 nahm die RAD-Ärztin Dr. P._ Stellung zum bidisziplinären
Gutachten vom 22. November 2014 (IV-act. 136). Sie erachtete das Gutachten als
umfassend, ausführlich, konsistent, widerspruchsfrei und nahvollziehbar. Sie bestätigte
die im Gutachten erhobenen Diagnosen. Die bisherigen Verdachtsmomente auf ein
suboptimales Leistungsverhalten bzw. auf relevante Inkonsistenzen hätten
testpsychologisch endgültig ausgeschlossen werden können. Im Übrigen benennt sie
darin keine objektiven Aspekte, die im Rahmen der Begutachtung ausser Acht
gelassen worden sind.
5.5 Nachfolgend ist auf die Einwände der Beschwerdegegnerin einzugehen.
5.5.1 In der Beschwerdeantwort (act. G 6 S. 3 f.) macht die Beschwerdegegnerin im
Wesentlichen geltend, dass die volle Arbeitsunfähigkeit im bidisziplinären Gutachten
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vorwiegend aus der PTBS abgeleitet werde. Begründet werde diese mit Ereignissen
aus der Kindheit der Beschwerdeführerin. Eine PTBS dürfe jedoch nur nach einem
belastenden Ereignis mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem
Ausmass gestellt werden, die bei fast jeder Person tiefe Verzweiflung hervorrufen
würde. Geltend gemacht worden seien gewalttätige und wohl auch sexuelle Übergriffe
in der Kindheit durch ihren Vater. Diese Angaben seien jedoch nicht belegt durch
echtzeitliche medizinische Akten oder amtliche Berichte, was aber erforderlich sei.
"Zudem fehlen Angaben, was sich genau abgespielt hat." Eine PTBS breche in der
Regel mit einer Verzögerung von wenigen Wochen bis Monaten nach einem Trauma
aus und lediglich bei wenigen Personen nehme die Störung über die Jahre hinweg
einen chronischen Verlauf. Im vorliegenden Fall betrüge die Latenzzeit bei der 60-
jährigen Beschwerdeführerin somit rund 50 Jahre. Dieser Umstand spreche klar gegen
eine PTBS.
5.5.2 Festzustellen ist, dass eine PTBS häufig verbunden ist mit Angst, Depression
und Suizidgedanken. Nebst der Diagnose posttraumatische Belastungsstörung ist
denn auch bei andauernder oder schwerer ausgeprägter depressiver Symptomatik
unabhängig vom Auslöser eine depressive Episode (F32) zu klassifizieren (vgl. HEIDI
MÜSSIGBRODT/SILKE KLEINSCHMIDT/ANGELA SCHÜRMANN/HARALD J.
FREYBERGER/HORST DILLING, Psychische Störungen in der Praxis, Leitfaden zur
Diagnostik und Therapie in der Primärversorgung nach dem Kapitel V (F) der ICD-10, 5.
Aufl. Bern 2014, S. 89 f.; vgl. auch die Ausführungen der Gutachterin zum Entstehen
einer PTBS und zu den Überschneidungen mit anderen psychischen Erkrankungen, IV-
act. 131 S. 47, S. 55). Beide genannten Diagnosen können (unabhängig voneinander)
eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit begründen.
Vorliegend wurden beide Diagnosen von der psychiatrischen Gutachterin gestellt und
sind deshalb grundsätzlich zu berücksichtigen bzw. im Verfahren zu würdigen.
5.5.3 Entgegen der Argumentation der Beschwerdegegnerin beziehen sich die
traumatischen Ereignisse nicht nur auf die Kindheit, sondern auch auf die Jugendzeit
und wohl auch auf das frühe Erwachsenenalter der Beschwerdeführerin, als sie noch in
B._ lebte. Aktenkundig sind Gewaltakte und sexuelle Übergriffe über Jahre hinweg
ausgeführt von zumindest drei männlichen Verwandten (Vater, Onkel, Schwager).
Selbst die Mutter (beim ersten Kind 13 Jahre alt) konnte diese Übergriffe offensichtlich
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nicht verhindern. In B._ war die Beschwerdeführerin zudem ab Ende der 70-ziger
Jahre konfrontiert mit staatlicher Repression im Zusammenhang mit dem
Machtwechsel und dem B._-V._ Krieg. So wurde ihre Wohnung zweimal
durchsucht. Wegen ihrer "liberalen Einstellung" sei ihr untersagt worden, weiterhin als
Lehrerin tätig zu sein. Die willkürlichen Hinrichtungen von Studenten hätten sie
geängstigt. Dass die Beschwerdeführerin nicht wie von der Beschwerdegegnerin
verlangt über echtzeitliche Dokumente der Vorkommnisse verfügt, ist unter den
geschilderten Verhältnissen nachvollziehbar und kaum verwunderlich und kann ihr
deshalb auch nicht zum Vorwurf gemacht werden. Zum Vorwurf der fehlenden
Angaben darüber, was sich genau abgespielt habe, ist anzumerken, dass die
Beschwerdegegnerin ergänzende Angaben bzw. Erläuterungen bei der
psychiatrischen Gutachterin hätte einfordern können.
5.5.4 Des Weiteren ergeben sich weder aus den Akten noch den Ausführungen der
Beschwerdegegnerin Hinweise, die Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Angaben der
Beschwerdeführerin entstehen lassen.
5.5.5 Zur Diagnosestellung posttraumatische Belastungsstörung ist anzumerken,
dass nebst Naturkatastrophen und Kriegsereignissen u.a. auch eine Vergewaltigung,
der Verlust der sozialen Stellung oder des sozialen Bezugsrahmens auslösende
Ereignisse für eine PTBS sein können. Am häufigsten seien akute PTBS, welche
meistens innerhalb weniger Monate abklingen würden. Es gebe jedoch auch
chronische Verläufe, sodass eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach
Extrembelastung stattfinde. Gemäss der Fachliteratur kann es jedoch auch im Alter zu
Reaktivierungen depressiver Symptome kommen, wenn Kompensationsmöglichkeiten
durch den Beruf, durch gesellschaftliche und Freizeitaktivitäten nachlassen und die
Abwehrkräfte gegen psychische Traumafolgen geringer werden. Es entspreche zudem
den natürlichen psychischen Vorgängen des Älterwerdens, sich an Jugend und
Heranwachsen zurückzuerinnern. Frühere Erfahrungen kehren in das Bewusstsein
zurück. Dieser alterstypische Rückblick auf das eigene Leben kann die Traumatisierung
durch Extrembelastungen in der Jugend reaktivieren und zu einer Verschlimmerung der
psychischen Störung führen (vgl. NORBERT NEDOPIL/JÜRGEN LEO MÜLLER,
Forensische Psychiatrie, Klinik, Begutachtung und Behandlung zwischen Psychiatrie
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und Recht, 4. Aufl. Stuttgart/New York 2012, S. 202 ff.). Es kann
rechtsprechungsgemäss deshalb nicht angehen, die medizinisch ausgewiesene
Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nur deshalb in Zweifel zu ziehen,
weil diese erst mit einer Latenz von mehreren Jahren aufgetreten ist (Urteil des
Bundesgerichts vom 6. Februar 2015, 8C_538/2014, E. 4.2.1). Vor diesem Hintergrund
und der ausführlichen Befunderhebung durch die Psychiaterin überzeugen - in
Anbetracht der wiederholten traumatischen Ereignisse, des stabilisierenden Effekts der
sehr erfüllenden langjährigen Tätigkeit als Pflegehelferin auf der Kinderstation, der
Zäsur durch die Arbeitsplatzverlegung auf die Krebsstation und die damit verbundene
tägliche Konfrontation mit menschlichem Leiden und Tod, der Suizide von Verwandten,
des fortgeschrittenen Alters der Beschwerdeführerin - die gutachterlichen Diagnosen
wie auch die attestierte Arbeitsunfähigkeit in der freien Wirtschaft, zumal auch keine
gegensätzlichen fachärztlichen Berichte bzw. Gutachten vorliegen bzw. im Verfahren
eingereicht wurden.
5.6 Es ist somit davon auszugehen, dass die im bidisziplinären Gutachten gestellten
Diagnosen zu Recht erhoben wurden. Die Beschwerdegegnerin hat der Bestimmung
des Invaliditätsgrades in der angefochtenen Verfügung für die Zeit ab Begutachtung
vom 17. Oktober 2014 folglich zu Unrecht nicht die - vom RAD bestätigte -
gutachterliche Leistungsfähigkeitsbeurteilung zugrunde gelegt.
5.7 Hinsichtlich des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit im relevanten
Zeitraum vor der bidisziplinären Begutachtung vom 17. Oktober 2014 geben die
Arztberichte des Psychiaters med. prakt. N._ Auskunft. Bei ihm ist die
Beschwerdeführerin seit dem 1. Februar 2012 in Behandlung.
5.7.1 Bei der Würdigung der Berichte behandelnder medizinischer Fachpersonen ist
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung der Erfahrungstatsache Rechnung zu
tragen, dass diese Personengruppe im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zugunsten ihrer Patienten aussagen
dürften (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Dabei handelt es sich um eine Richtlinie, die als
solche mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) vereinbar ist
(BGE 125 V 352 E. 3b). Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien
und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der
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Berichte behandelnder medizinischer Fachpersonen nicht vergessen werden. Der
Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf
nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren
Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde medizinische
Fachpersonen bringt oft wertvolle Erkenntnisse hervor.
5.7.2 Im Arztbericht vom 6. Februar 2012 diagnostizierte der Facharzt eine
mittelgradig bis schwergradig depressive Episode (ICD-10: F32.1 resp. F32.3). Die
Arbeitsfähigkeit in der damaligen Tätigkeit schätzte er auf 30%. Er empfahl eine
ambulante psychiatrische Behandlung durchzuführen und die medikamentöse
Behandlung neu aufzustellen (IV-act. 87 S. 1-4). Bei gleichbleibender Diagnose ging er
in den Arztberichten vom 27. Februar (IV-act. 87 S. 6 ff.) und 22. März 2012 (IV-act. 91)
von einer Arbeitsunfähigkeit von zumindest 80% ab dem 1. Februar 2012 aus. Im
Arztbericht vom 13. März 2014 (IV-act. 111) führte er aus, dass sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der Begutachtung vom 17. Januar
2011 durch med. prakt. K._ wesentlich verschlechtert habe. So bestehe nun eine
schwergradig depressive Episode. Im Arztbericht vom 23. Mai 2014 (IV-act. 121 S. 3 ff.)
attestierte der Facharzt eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem 5. November 2013. Im
Weiteren wies er erneut darauf hin, dass der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin beim Erstgespräch am 1. Februar 2012 wesentlich schlechter war
als der im Gutachten von med. prakt. K._ im Januar 2011 beschriebene.
5.7.3 In Kenntnis des Gutachtens vom 22. November 2014 erklärte med. prakt.
N._ im Arztbericht vom 8. April 2015, dass die volle Arbeitsunfähigkeit nicht alleine
auf der posttraumatischen Belastungsstörung, sondern auch auf der festgestellten
schwergradigen depressiven Episode beruhe, welche im Rahmen einer rezidivierenden
depressiven Störung bestehe (IV-act. 146). Im Arztbericht vom 1. Juli 2015 bestätigte
med. prakt. N._ bei gleichbleibender Diagnose die andauernde 100%ige
Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten (act. G 11.1 S. 3).
5.7.4 Was die Arztberichte von med. prakt. N._ anbelangt, so gilt es festzustellen,
dass sich daraus relevante, nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende
Gesichtspunkte ergeben, denen im bidisziplinären Gutachten vom 22. November 2014
nur begrenzt Rechnung getragen werden konnte. So liefern die Arztberichte
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Erkenntnisse zum (psychischen) Gesundheitszustand und der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin im Zeitraum ab erfolgter Neuanmeldung (10. Januar 2012) bis zur
bidisziplinären Begutachtung (17. Oktober 2014). Die späteren Arztberichte vom 8.
April (IV-act. 146) und 1. Juli 2015 (act. G 11.1) würdigen und ergänzen zudem das
Gutachten vom 22. November 2014 hinsichtlich der nachfolgenden Zeit bis zum Erlass
der angefochtenen Verfügung vom 15. April 2015.
5.7.5 Gegen die Arztberichte von med. prakt. N._ führt die Beschwerdegegnerin
insbesondere Resultate aus der früheren Begutachtung der Beschwerdeführerin durch
med. prakt. K._ am 17. Januar 2011 ins Feld (act. G 6). Dabei lässt sie jedoch
unerwähnt, dass in dem von ihr eingeholten neuen bidisziplinären Gutachten vom 22.
November 2014 die Psychiaterin Dr. R._ erklärte: "Retroperspektiv sind die
Beurteilungen der Arbeitsunfähigkeit von Dr. N._ - bezogen auf den Schweregrad der
Erkrankung - plausibel" (vgl. IV-act. 131 S. 48, 51 und 57). Zudem wies die Gutachterin
wiederholt darauf hin, dass die frühere Begutachtung durch med. prakt. K._ im
Januar 2011 parallel zu einer Elektrokrampftherapie im Spital M._ stattgefunden
habe. Ausserdem gelang es med. prakt. K._ im Gegensatz zu Dr. R._ offensichtlich
nicht, eine Vertrauensbasis zur Beschwerdeführerin aufzubauen, so dass sie bereit
gewesen wäre, über die posttraumatischen Erlebnisse in der Kindheit und Jugendzeit
zu berichten. So finden sich im Gutachten diesbezüglich lediglich Aussagen wie "Sie
habe ein liebevolles Elternhaus gehabt." "Nach ihren Angaben hatte sie ein gutes
Elternhaus und eine schöne, glückliche Kindheit." (IV-act. 56 S. 9 und 15). Die
Arbeitsfähigkeitseinschätzungen von med. prakt. N._ decken sich zudem mit den
Informationen des Case Managers von L._ zur Arbeitsfähigkeit bzw. zur
Einsetzbarkeit der Beschwerdeführerin (vgl. bspw. Telefongesprächsnotiz vom 23.
März 2011, IV-act. 58; neuer Arbeitsvertrag per 1. Oktober 2012, IV-act. 109;
Auskunftsbegehren, IV-act. 110) und der erfolgten Teil-Invalidenpensionierung im
Umfang von 70% (vgl. IV-act. 67 S. 9 ff.). Festzuhalten ist, dass die
Arbeitsfähigkeitseinschätzungen von med. prakt. N._ nachvollziehbar und schlüssig
sind. Es liegen ausserdem keine medizinischen Berichte für die Zeit ab dem 1. Februar
2012 vor, die eine andere Einschätzung rechtfertigen würden, weshalb darauf
abzustellen ist.
6.
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Aufgrund des Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass die
Beschwerdeführerin ab Behandlungsbeginn bei med. prakt. N._ am 1. Februar 2012
zumindest zu 70% und ab dem Tag der bidisziplinären Begutachtung am 17. Oktober
2014 zu 100% arbeitsunfähig war sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch in
jeder anderen Tätigkeit in der freien Wirtschaft.
7.
Nachfolgend ist der frühestmögliche Anspruchsbeginn auf eine Invalidenrente zu
bestimmen.
7.1 Die Beschwerdeführerin erhielt wegen eines psychischen Leidens eine ganze
Invalidenrente bis 30. April 2011 (vgl. IV-act. 98). Da ab dem 1. Mai 2011 keine
(Dauer)Leistungen seitens der Invalidenversicherung mehr gewährt wurden und auch
keine Leistungsanspruchsprüfung pendent war, bedurfte es für die Geltendmachung
eines erneuten Anspruchs auf Leistungen der Invalidenversicherung einer
Neuanmeldung (vgl. Art. 29 Abs. 1 ATSG).
7.2 Die Neuanmeldung erfolgte durch den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin mit
Schreiben vom 10. Januar 2012 (IV-act. 76). Dass die Neuanmeldung gemäss
Beschwerdegegnerin erst am 22. Februar 2014 erfolgt sein soll, zumindest wird dieses
Datum in den Rechtsschriften der Beschwerdegegnerin als Anmeldedatum verwendet
(vgl. act. G 6), kann nicht als zutreffend erachtet werden, denn selbst formlose oder
auch fehlerhafte Anmeldungen sind hinsichtlich der Fristwahrung in Bezug auf die
Geltendmachung von Leistungen ausreichend (vgl. Art. 29 Abs. 3 ATSG; BGE 133 V
579 E. 4.3.1). Beim Schreiben vom 22. Februar 2014 handelte es sich denn auch nur
um ein Erinnerungsschreiben mit der Aufforderung, das Neuanmeldungsverfahren
fortzusetzen (vgl. IV-act. 100). Als (Neu-) Anmeldezeitpunkt gilt folglich der 10. Januar
2012.
7.3 Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf
von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs.
1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahrs folgt.
Da sich die 19_ geborene Beschwerdeführerin am 10. Januar 2012 zum Bezug von IV-
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Leistungen neu anmeldete, kann ein Rentenanspruch frühestens ab 1. Juli 2012
entstehen (BGE 142 V 547).
7.4 Die Rentenanspruchsvoraussetzung gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG ist vorliegend
erfüllt, denn Eingliederungsmassnahmen zur Reintegration der Beschwerdeführerin in
den ersten Arbeitsmarkt sind angesichts des Fehlens eines Eingliederungspotenzials
nicht angezeigt (siehe zur fehlenden Eingliederungsfähigkeit und zur fehlenden
Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft seit spätestens dem 17. Oktober 2014 IV-act.
131 S. 57 und S. 58).
7.5 Im Weiteren setzt der Anspruch auf eine Rente grundsätzlich voraus, dass die
versicherte Person nach Ablauf des Wartejahres zu mindestens 40 Prozent invalid im
Sinne von Art. 8 ATSG ist (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG). Im Art. 29bis IVV wird als lex
specialis für den Fall, dass eine Rente nach Verminderung des Invaliditätsgrades
aufgehoben wurde, dieser jedoch in den folgenden drei Jahren wegen einer auf das
dasselbe Leiden zurückzuführende Arbeitsunfähigkeit erneut ein rentenbegründendes
Ausmass erreicht, festgelegt, dass bei der Berechnung der Wartezeit nach Art. 28 Abs.
1 lit. b IVG früher zurückgelegte Zeiten anzurechnen sind. Die Beschwerdeführerin
erhielt bis zur Einstellung per 30. April 2011 eine ganze Invalidenrente. Die
Neuanmeldung am 10. Januar 2012 erfolgte daher innert der Dreijahresfrist. Die frühere
Rente wurde wegen eines psychischen Leidens gewährt. Auch die aktuelle
Arbeitsunfähigkeit ist mitbegründet durch ein psychisches Leiden, welches an
Intensität bzw. Schwere zugenommen hat, sodass erneut ein rentenbegründendes
Ausmass erreicht wurde. Demzufolge bedarf es vorliegend keiner erneuten Bestehung
einer Wartezeit.
7.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der frühestmögliche Anspruchsbeginn
auf eine Invalidenrente der 1. Juli 2012 ist (vgl. Art. 29 Abs. 3 IVG).
8.
Nachfolgend sind der Invaliditätsgrad anhand eines Einkommensvergleiches und der
Rentenanspruch zu bestimmen.
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8.1 Da vorliegend mangels gegenteiliger Hinweise davon auszugehen ist, dass die
Beschwerdeführerin als Gesunde weiterhin im gleichen Umfang in ihrer bisherigen
Tätigkeit als Pflegeassistentin weitergearbeitet hätte, bildet das zuletzt vor Eintritt des
Gesundheitsschadens erzielte Einkommen einen wichtigen Anhaltspunkt für die
Bestimmung des Valideneinkommens. Gemäss den vorliegenden Akten hätte der
Jahreslohn der Beschwerdeführerin als Pflegeassistentin im Jahr 2012 Fr. 69'132.-
betragen (vgl. IV-act. 141 S. 2, 145 S. 2).
8.2 Im Jahr 2012 erzielte die Beschwerdeführerin in der leidensangepassten Tätigkeit
bei L._ (noch) einen Lohn von Fr. 1'487.- pro Monat bzw. Fr. 19'331.- pro Jahr (vgl.
IV-act. 107, 109). Selbst in einer anderen leidensangepassten Tätigkeit hätte die
Beschwerdeführerin gemäss den statistischen Tabellenlöhnen des Bundesamtes für
Statistik (LSE 2012, TA 1, Kompetenzniveau 1, Total, Frauen) bei einem Arbeitspensum
von 30% und (noch) ohne Berücksichtigung eines Leidensabzuges mit Fr. 15'432.- pro
Jahr (Fr. 4'112.- x 12 Monate / 40 Std. x 41.7 Std. x 0.3) weniger verdient als in der
damaligen Tätigkeit bei L._.
8.3 Für die Zeit ab Juli 2012 ist deshalb höchstens von einem Invalideneinkommen von
Fr. 19'331.- und damit von einem Invaliditätsgrad von 72 % ([Fr. 69'132.- - Fr.
19'331.-] / Fr. 69'132.-) auszugehen. Demzufolge besteht für die Zeit ab 1. Juli 2012 ein
Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung. Anzufügen bleibt, dass die
Beschwerdeführerin diese Tätigkeit im Jahr 2014 aufgegeben hat (IV-act. 131 S. 26)
und ihr seit 17. Oktober 2014 für sämtliche Tätigkeiten in der freien Wirtschaft eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt wird (IV-act. 131 S. 58).
9.
9.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 15. April 2015 aufzuheben.
Der Beschwerdeführerin ist ab 1. Juli 2012 eine ganze Rente der Invalidenversicherung
zuzusprechen. Zur Festsetzung der Rentenhöhe ist die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
9.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis Fr.
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1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint in
der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der unterliegenden
Beschwerdegegnerin sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.- aufzuerlegen.
Der Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-
zurückerstattet.
9.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.- bis Fr. 12'000.-. Im hier zu
beurteilenden Fall ist eine Parteientschädigung Fr. 3'500.- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) angemessen.