Decision ID: eaceddfb-28d0-4865-a7aa-6f6398f0910b
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1950 geborene
X._
bezog ab Oktober 2004 eine ganze Invali
den
rente (Verfügung vom 21. Juni 2007; Urk. 7/42). Im Rahmen eines ersten, im April 2009 eingeleiteten Rentenrevisionsverfahrens zog die Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, Berichte der behandelnden
Ä
rzte bei und
bestätigte
mit Mitteilung vom 7. August 2009
den Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente (Urk. 7/53).
Nach Erhalt des Materials einer im Jahre 2008 im Auftrag eines
Haftpflicht
versi
cherer
s
durchgeführten Observation leitete die IV-Stelle am 19. Juli 2011 ein erneutes Rentenrevisionsverfahren ein (Urk.
7
/55 ff., Urk.
7
/60 ff.).
In der
F
olge liess sie den Versicherten in der
MEDAS
polydisziplinär abklären. Eine vom Versi
cherten gegen diese Begutachtung eingereichte Beschwerde wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 24. Mai 2013 abgewiesen (IV.2012.00916; Urk. 7/89).
Noch während des hängigen Gerichtsverfahrens
wurde d
ie Begutachtung durch
geführt
(Urk. 7/81
;
MEDAS-Gutachten vom 30. November 2012, Urk. 7/88
).
In der Folge
holte
die IV-Stelle
einen aktuellen Bericht des behandelnden
Chiro
praktors
Dr.
Y._
ein (Urk. 7/96) und teilte dem Versicherten
m
it Vorbe
scheid vom 1. April 2014 die beabsichtigte Einstellung der Rente mit (Urk. 7/102).
Am 3. November 2014 nahmen die Gutachter zu den vom Versi
cherten am 12. Mai 2014 erhobenen Einwänden Stellung
(Urk. 7/107
, Urk. 7/119
)
.
Dazu äusserte sich der Versicherte mit Eingabe vom 18. Februar 2015 (Urk. 7/125).
Mit
Ver
fügung vom 12. März 2015
hob die
IV-Stelle
die
dem Versicherten ausgerichtete ganze Invali
denrente rückwirkend per 1. April 2009 auf
(Urk. 2)
. We
iter ordnete sie die Rückerstat
tung der seit jenem Zeitpunkt bezogenen Leistungen an und stellte eine separate Verfügung
hierüber
in Aus
sicht. Sc
hliesslich entzog sie einer all
fälligen Beschwerde
gegen die
rentenauf
hebende
Verfügung
die aufschiebende Wirkung.
2.
Gegen
diese Verfügung
erhob
X._
am 7. April 2015 Beschwerde
mit dem Rechtsbegehren um Aufhebung der angefochtenen Verfügung und weitere Ausrichtung einer Rente, eventualiter um Durchführung von Eingliederungs
massnahmen
vor Einstellung der Invalidenrente
(Urk. 1
S. 2
)
. In prozessualer Hinsicht ersuchte er
um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und Anweisung der
Beschwerdegegnerin, die Renten
zahlungen sofort wieder aufzunehmen. Mit Vernehmlassung vom 30. April 2015 schloss die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde sowie darauf, dass sie „dem Beschwerdeführer während der Dauer des weiteren Abklärungsverfahrens die bisherige Rente nicht auszurichten“ habe
(Urk. 6)
.
Mit Verfügung vom 19. Mai
2015 stellte das hiesige Gericht die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wieder her
und stellte dem Beschwerdeführer eine Kopie der Beschwerdeantwort zu
(Urk. 8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbe
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
1.1.2
Die Feststellung einer Veränderung erfolgt durch eine Gegenüberstellung eines vergangenen und des aktuellen Zustandes. Gegenstand des Beweises ist somit das Vorhandensein einer
entscheiderheblichen
Differenz in den Tatsachen. Die Feststellung des aktuellen gesundheitlichen Befunds und seiner funktionellen Auswirkungen ist zwar Ausgangspunkt der Beurteilung; sie erfolgt aber nicht unabhängig, sondern wird nur
entscheiderheblich
, soweit sie tatsächlich einen Unterschied auf der
Seinsebene
zum früheren Zustand wiedergibt. Der
Beweis
wert
eines Gutachtens hängt folglich wesentlich davon ab, ob es sich ausrei
chend auf das Beweisthema
erheblich
e Ä
n
derung(en) des Sachverhalts
be
zieht. Einer für sich allein betrachtet vollständigen, nachvollziehbaren und schlüssigen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der
Rentenberechtigung beweisend wäre, mangelt es daher in der Regel am recht
lich erforderlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer früheren abweichende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effektive Veränderung des Gesundheitszustandes stattgefunden hat (vgl.
U
rteil
des
Bundesgerichts
9C_418/2010 vom 29.
August 2011 E.
4.2).
1.1.3
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkom
mensvergleichs
(bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Recht
sprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 134 V 131 E. 3 und 133 V 108 E. 5.4 mit Hinweis). Nach der bundesgerichtlichen Rechtspre
chung ist eine Verfügung verzichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durch
geführten Revision keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (
Art.
74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Invalidenversiche
rung; IVV
) und die bisherige Invalidenrente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (
Art.
74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer (ordentlichen) rechts
kräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 E. 2.2 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010 E. 2.2 mit Hin
weisen).
1.1.4
Gemäss Art. 88
bis
Abs. 2 IVV erfolgt die Herabsetzung oder Aufhebung der Ren
ten, der
Hilflosenentschädigungen
und der Assistenzbeiträge:
a.
frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgen
den Monats an;
b.
rückwirkend ab Eintritt der für den Anspruch erheblichen Änderung, wenn der Bezüger die Leistung zu Unrecht erwirkt hat oder der ihm nach Art. 77 zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist, unabhängig davon, ob die Verletzung der Meldepflicht oder die unrechtmässige Erwirkung ein Grund für die Weiterausrichtung der Leistung war.
1.2
Nach
lit
.
a Abs. 1 der am
1.
Januar 2012 in Kraft getretenen
Schlussbestimmun
gen
der Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom
18.
März 2011
(6.
IV-Revision, erstes
Massnahmepaket
; kurz:
lit
. a Abs. 1
SchlB
IVG 6.
IV-Revision
) werden Renten, die bei
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage gesprochen wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Ände
rung überprüft. Sind
die Voraussetzungen nach Art.
7 ATSG nicht erfüllt, so
wird die Rente herabgesetzt oder aufgehoben, auch wenn die Voraus
setzungen von Art. 17 Abs.
1 ATSG nicht erfüllt sind. Abs. 4 der Bestimmung präzisiert, dass Abs. 1 keine Anwendung findet auf Personen, die im Zeitpunkt des Inkrafttretens der Änderung das 55. Altersjahr zurückgelegt haben oder im Zeitpunkt, in dem die Überprüfung eingeleitet wird, seit mehr als 15 Jahren eine Rente der Invalidenversicherung beziehen.
1.3
Formell rechtskräftige Verfügungen und
Einspracheentscheide
müssen
gemäss
Art.
5
3 Abs.
1 ATSG in (prozessuale) Revision gezogen werden, wenn die versi
cherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war
.
Solche neuen Tatsachen oder Beweismittel sind innert 90 Tagen nach ihrer Entde
ckung geltend zu machen; zudem besteht eine absolute zehnjährige Frist, die mit der Eröffnung der Verfügung zu laufen beginnt (
Art.
67
Abs.
1
VwVG
in Verbindung mit
Art.
55
Abs.
1 ATSG). Ergeben sich aus den neu entdeckten Tatsachen und Beweismitteln (lediglich) gewichtige Indizien für das Vorliegen eines prozessualen Revisionsgrundes, sind innert angemessener Frist zusätzliche Abklärungen vorzunehmen, um diesbezüglich hinreichende Sicherheit zu erhalten. In solchen Fällen beginnt die relative 90-tägige Revisionsfrist erst zu laufen, wenn die Unterlagen die Prüfung der Erheblichkeit des geltend gemachten Revisionsgrundes erlauben oder, bei Säumnis, in dem Zeitpunkt, in welchem der Versicherungsträger den unvollständigen Sachverhalt
zumutba
rerweise
hätte hinreichend ergänzen können (
U
rteil
des Bundesgerichts
9C_555/2012 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1 mit Hinweisen).
Im Wesen der prozessualen Revision (wegen unverschuldet unbekannt gebliebe
ner, neu entdeckter, vorbestandener Tatsachen und/oder Beweismittel) liegt es, dass dieser
Rückkommenstitel
, welcher der rechtsbeständigen Verfügung die Grundlage entzieht, eine uneingeschränkte
materiellrechtliche
Neuprüfung gebietet und damit rückwirkend (ex
tunc
) Platz greift (
BGE 129 V 219 E.
3.2.2
).
1.4
Zudem kann der Versicherungsträger nach Art. 53 Abs. 2 ATSG auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide
zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist.
Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwaltung eine Rentenverfügung auch dann abändern, wenn die Revisionsvoraussetzungen des
Art.
17 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen
Rentenverfü
gung
erst vom Gericht festgestellt, so kann es die auf
Art.
17 ATSG gestützte
Revisionsverfügung mit dieser substituierten Begründung schützen (BGE 125 V 368 E. 2).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.
6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
Die Beschwerdegegnerin begründet
e
die
Rentenaufhebung damit, dass dem
Beschwerdeführer spätestens ab dem Zeitpunkt der Observation im August 2008 eine körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende, rücken- und
knie
schonende
Tätigkeit zu 80 % zumutbar
gewesen
sei. Diese Besserung hätte er spätestens bei der nächsten Revision mitteilen müssen,
was er jedoch im
Revi
sionsfragebogen
vom 14. April 2009 unterlassen habe.
Demgegenüber
rügt
der Beschwerdeführer
verschiedene Unregelmässigkeiten des Abklärungsverfahrens und stellt sich
auf den Standpunkt, dass
weder auf das
in verschiedener Hinsicht mangelhafte
MEDAS-Gutachten
vom 30. No
vember 2012 noch auf
die
Ergebnisse der unrechtmässig eingeholten
Über
wach
ung
abgestellt werden dürfe
. Weiter sei die 90-tägige Frist für eine prozessuale Revision bereits verstrichen. Schliesslich sei seine
Restarbeitsfähig
keit
aufgrund der verbleibenden Aktivitätsdauer und dem Fehlen anderer Berufs
erfahrungen als die
ausgeübte
Schwerarbeit wirtschaftlich nicht mehr verwertbar
(Urk. 1
S. 5 ff.
).
3.
3.1
Die Rentenzusprechung beruhte auf den
Schlussfolgerungen im Gutachten der
ipw
, Integrierte Psychiatrie Winterthur, vom 11. Januar 2007 (Urk. 7/33 S. 2 f.). Darin wurden eine mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.10) sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) diagnostiziert und dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % für jegliche Tätigkeit attestiert (Urk. 7/28 S. 13 ff.).
Aus somatischer Sicht wurde im Wesentlichen ein Status nach Kontusion der Lendenwirbelsäule und des Kniegelenks rechts nach Unfall am 30. Oktober 2003 diagnostiziert (Kurzbericht der
Rehaklinik B._
vom 27. Mai 2004 [Urk. 7/10/7], Bericht von Dr. med.
A._
, praktischer Arzt, vom 9. März 2005 [Urk. 7/10/1-4], Urk. 7/33 S. 2).
3.2
3.2.1
Z
eitlicher Referenzpunkt
für die Prüfung einer allfälligen
anspruchs
begründen
den
Änderung
bildet
vorliegend die rentenbestätigende
,
auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs beruhenden
Mitteilung vom 7. August 2009
(
BGE 133 V 108
; zur Gleichsetzung von Verfügung und Mitteilung in diesem Zu
sammenhang SVR 2010 IV Nr. 4 S. 7 E.
3.1,
Bundesgerichtsurteil
9C_46/2009)
.
3.2.2
Die Bestätigung der Rente
unter Annahme einer vollen Erwerbsunfähigkeit
beruhte auf den
Angaben des
damaligen
Hausarztes Dr. med.
A._
, prakti
scher Arzt,
im Bericht vom
20. Juni 2009
sowie des
Chiropraktors
Dr.
Y._
im Bericht
vom 17. Juli 2009 (
Urk. 7/50-52
)
.
Dr.
A._
stellte
folgende
,
eine Arbeitsleistung verunmöglichende
Diagno
sen
(Urk. 7/50)
:
K
ontusion der Lendenwirbelsäule und
des
Kniegelenks rechts am 30. Oktober 2003
Häufige
gastrische
Beschwerden
Psychisch depressive Entwicklung, ev. Anpassungsstörung nach Unfall vom 30. Oktober 2003 aber auch Krankheit der Ehefrau mit metastasierendem Mam
ma-
Carcinom
Weiter diagnostizierte der Hausarzt eine
die Arbeitsfähigkeit nicht einschrän
kende
seit 2004 bestehende Hypertonie.
Dem Bericht lässt sich sodann ent
nehmen, dass der Beschwerdeführer
unter Rücken-, Knie- sowie
Hüftbe
schwerden
leide
t
und
zweimal wöchentlich vom Chiropraktiker
Dr.
Y._
behandelt w
ir
d.
Laut
Dr.
Y._
lagen
weiter
folgende
Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor
(Urk. 7/51)
:
Impingement
Hüftgelenk beidseits, fortgeschritte
ne Knorpelschäden am
Acetabu
lum
, b
eidseitige
Coxarthrose
, bestehend seit 30. Oktober 2003
Lumbalsyndrom mit
myogelotisch
bedingten Ausstrahlungen in das linke Bein, bestehend seit 30
.
Oktober 2003
Keine
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
mass er dagegen einem
seit 7. Oktober 2005
intermittierend auftretenden
Thorakalsyndrom
bei.
Infolge verminderter Belastbarkeit von Hüftgelenken und Lendenwirbelsäule sei der Beschwerdeführer für eine rein sitzende Arbeitsfähigkeit während zwei bis vier Stunden pro Tag arbeitsfähig.
4.
4.1
In dem im Rahmen der zweiten Rentenrevision in Auftrag gegebenen
MEDAS-Gutachten vom 30. November 2012 (Urk. 7/81)
wurden folgende
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt
(S. 49)
:
1.
Lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit/bei:
-
degenerativen Veränderungen der Lendenwirbelsäule, betont L4/L5
2.
Gonarthrose beider Kniegelenke mit/bei:
-
Status nach Kreuzbandplastik rechts ca. 1975/76
Folgenden weiteren
Diagnosen
wurde keine Auswirkung
auf die Arbeitsfähig
keit
beigemessen (S. 49)
:
1.
Essentieller Tremor der rechten Hand
2.
Metabolisches Syndrom mit/bei:
-
Adipositas Grad l nach WHO (BMI von 34.6 kg/m
2
, Bauchumfang >120 cm)
-
arterieller Hypertonie, medikamentös eingestellt
-
Verdacht auf Glukose-
Intoleranz
-
Dyslipidämie
3.
Benigne Prostata-Hyperplasie
4.
Anamnestisch Herpes Zoster im Bereich der rechten oberen Extremität
5.
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (F43.21) bei psycho
sozialer Problematik in Verbindung mit Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit (Z56), dem Tod der Ehefrau (Z63.4) und dem Alleinleben (Z60.2)
Weiter führten die Gutachter aus, der Beschwerdeführer klage über
Schmerzen im Bereich des Rückens, der linke
n
Hüfte und des rechten Ellenbogens
sowie über
belastungsabhängige Schmerzen im rechten Knie
. Dieser habe angegeben, d
ie rechte Hüfte solle im Frühjahr operiert werden. Dr.
Y._
habe ihn nun in die Klinik
C._
geschickt
(S. 27
,
S. 34,
S. 43,
S. 53
)
. Weiter gehe es ihm seit dem Unfall psychisch schlecht. Vor allem habe er unter der Erkrankung sei
ner Frau gelitten. Seine Stimmung sei immer noch traurig und niedergeschla
gen.
Vor allem abends, wenn er alleine sei, fehle ihm seine Ehefrau (S. 53).
Aus internistischer Sicht könne keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begrün
det werden
(S. 54)
.
In der aktuellen Röntgendiagnostik
liessen sich im Bereich der
Lendenwirbel
säule
und in beiden Kniegelenken degenerative Veränderungen erkennen, wel
che die klinische Symptomatik des Beschwerdeführers allerdings nicht in d
iesem Ausmass erklären könnten
.
Aus chirurgisch-orthopädischer Sicht sei der Beschwerdeführer a
ufgrund der
verminderten
Belastbarkeit
seiner
Lendenwir
belsäule
und seiner Kniegelenke für schwere körperliche Arbeiten vollständig arbeitsunfähig. Für eine wechselbelastende, behinderungsangepasste (rücken- und knieschonende) Tätigkeit sei die Restarbeitsfähigkeit mit 80 % einzu
schätzen. Es sei hinsichtlich Belastbarkeit und Mobilität noch von einem ver
langsamten Arbeitstempo auszugehen, was eine 20%ige Einschränkung nach sich ziehe (S. 54).
Im Rahmen der psychiatrischen Exploration mache der Beschwerdeführer kein schwer depressives Zustandsbild geltend. Es sei allerdings eine normale
Trauer
reaktion
nach dem Tod der Ehefrau im März 2012 und nach deren jahrelanger Pflege gegeben. Diese entspreche einem
leichten depressiven Z
ustand als Reak
tion auf eine länger anhaltende Belastungssituation, der aber insgesamt nicht länger als zwei Jahre andauere und in diesem Fall erneut als
Anpassungsstö
rung
mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) kodiert werden könne. Nach langjähriger Arbeitslosigkeit sei der Beschwerdeführer beruflich
dekondi
tioniert
. Dennoch habe er einen sehr aktiven Tagesablauf, bei dem er fast den ganzen Tag in der Stadt unterwegs sei und auch verschiedene Leute treffe, gut sozial integriert sch
e
ine und im privaten Bereich aktiv sei. Aus rein psychiatri
scher Sicht bestehe auf Basis der Anpassungsstörung keine dauerhafte Arbeits
unfähigkeit. Die bestehenden
f
unktionellen Einschränkungen seien infolge
dessen medizinisch-theoretisch
aus psychiatrischer Sicht
überwindbar (S. 55).
Zusammenfassend sei der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht im ange
stammten Beruf eines Metallbauschlossers seit Oktober 2003 auf Dauer nicht mehr arbeitsfähig. Aus psychiatrischer Sicht bestehe derzeit keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die bestehenden funktionellen Einschrän
kungen seien infolgedessen medizinisch-theoretisch überwindbar. Für eine wechselbelastende, behinderungsangepasste Tätigkeit sei
ab sofort
eine 80%ige Restarbeitsfähigkeit aus
interdiziplinärer
Sicht versicherungsmedizinisch zumut
bar
(S. 55)
.
Retrospektiv könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen wer
den, dass der Beschwerdeführer seit dem Unfallereignis von Oktober 2003 für körperlich schwere, rückenbelastende Tätigkeiten nicht mehr arbeitsfähig
gewesen sei. Die beidseitige Gonarthrose sei erst im Rahmen der aktuellen Begut
achtung diagnostiziert worden und bestätige die nicht mehr zumutbare Arbeitsfähigkeit für schwere körperliche Tätigkeiten. Auch kniebelastende Arbeiten mit häufigem Gehen, Treppensteigen, Knien oder Kauern und so weiter seien nicht mehr zumutbar
.
Die psychiatrischen Gutachter der
ipw
hätten im Gutachten vom Januar 2007 die Diagnose
n
einer mittelgradigen depressiven Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.10) und einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
gestellt
, welche sich parallel entwickelt hätten, sich gegenseitig bedingten und nicht voneinander zu trennen seien. Die Unmöglichkeit einer genügenden Willensanspannung sei daraus abge
leitet worden. Es könne nun nicht nachvollzogen werden, dass die beiden Diagnosen nicht voneinander trennbar seien
, die diagnostischen Kriterien in den
Leitlinien des ICD-10 seien klar definiert
.
Eine depressive Symptomatik würde zudem zu einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung dazugehö
ren, ohne dass die Kriterien für eine depressive Episode erfüllt sein müssten. Beim Beschwerdeführer habe zu keinem Zeitpunkt eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung vorgelegen. Die Diagnose der Gutachter [der
ipw
] könne nicht nachvollzogen werden.
A
ufgrund des Observationsmaterials von 2008 und der dortigen Beschreibungen könne gefolgert werden, dass der Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt nicht wesentlich depressiv gewirkt habe
und die im Gutachten [der
ipw
] postulierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollzogen werden könne.
Auch die Tatsache, dass der Beschwerdeführer nicht mehr in psychiatri
scher Behandlung gestanden habe, spreche mit überwiegender Wahrscheinlich
keit gegen ein schweres psychisches Leiden mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit. Zudem habe auch der Chiropraktiker Dr.
Y._
keine psychiatrische Diagnose erwähnt
(S. 5
6
f
.).
Abschliessend hielten die Gutachter fest, spätestens seit dem Zeitpunkt der
Observation
im Jahre 2008 sei der Beschwerdeführer i
n einer dem körperlichen Leiden optimal angepassten Verweistätigkeit wieder zu 80 % arbeitsfähig
gewesen
(S. 58)
.
4.
2
Der
Chiropraktor
Dr.
Y._
nannte im Bericht vom 22.
Januar 2014
(Urk. 7/96/1-4)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Impingement
Hüftgelenk beidseits, fortgeschrittene Knorpelschäden am
Aceta
bu
lum
-
Beidseitige
Coxarthrose
, bestehend seit 30. Oktober 2003
-
Posttraumatisches Lumbalsyndrom mit
myogelotisch
bedingten Ausstrahlun
gen in das linke Bein, bestehend seit 30
.
Oktober 2003
-
Adipositas
Keine
Auswirkung auf die Arbei
tsfähigkeit hätten dagegen folgende weiteren Diagnosen:
-
Intermittierend auftretendes
Thorakalsyndrom
,
bestehend
seit 7. Oktober 2005
-
Intermittierend auftretendes
Zervikalsyndrom
,
bestehend
seit 28. April 2006
Seit dem Unfall am 30. Oktober 2003 leide der Beschwerdeführer unter Schmer
zen in der
Lendenwirbelsäule und
in
beiden Hüftgelenken
. Die Hüftproblematik sei stabil schlecht. Es sei eine operative Sanierung notwendig. Er erachte die Lendenwirbelsäule nicht als das Hauptproblem. Hüftgelenke und
Lendenwir
belsäule
seien vermindert belastbar. Der Beschwerdeführer sei
als
Metallbau
schlosser
seit 30. Oktober 2003
zu 10
0 %
arbeitsunfähig. Die Belastbarkeit habe sich gegenüber dem Jahr 2005 nicht verändert. Die gesundheitlichen Einschrän
kungen entsprächen dem Stand im Jahr 200
5.
Die operative Sanierung der Hüftgelenke würde eine Verbesserung der Problematik bringen. In Anbetracht des zeitlichen Rahmens werde sich kaum eine Erholung vor Einstellung des Pensionsalters ergeben.
4.3
Ein
e
in der
Klinik Z._
durchgeführte
Magnetresonanztomographie
(
MRI
)
von Hüften, Becken und Lendenwirbelsäule ergab gemäss Bericht
vom 17. April 2014 (Urk. 7/115)
eine bilaterale
Coxa
profunda
und Offsetstörung am
Femurkopf
/Schenkelhalsübergang
sowie eine bilaterale
Coxathrose
. Sämtliche Veränderungen seien rechts ausgeprägter als links. Weiter bestünden eine Hyperlordose der Lendenwirbelsäule,
Spondylarthrosen
L4-S1 beidseits sowie Zeichen einer segmentalen
Gefügelockerung
L2/L3 und L4/L5.
4.4
Nach Einsicht i
n den
oben erwähnten Bericht
im Rahmen des
Vorbescheidver
fahrens
führten die Gutachter der MEDAS am 3. November 2014
(Urk. 7/119)
aus,
der
Untersuchungsbefund der
Hüftgelen
ke
sei [auf S. 36 des Gutachtens vom 30. November 2012 (Urk. 7/81)]
dokumentiert
. In der Medizin sei es aller
dings so, dass ein fortgeschrittener degenerativer Bildbefund der Hüftgelenke nicht zwangsläufig zu Schmerzen oder funktionellen Einschränkungen führe. Die erhobene Befundung sei medizinisch betrachtet daher nicht unmöglich, sondern klinisch begründet und schliesse den radiologischen Befund keinesfalls aus. Eine funktionelle oder schmerzbezogene Hüftproblematik sei vom Beschwerdeführer klinisch nicht geäussert worden und sei aus der klinischen Untersuchung nicht
herzuleit
en
gewesen. Daher sei es nur legitim, einen
Rönt
genbefund
beider Hüftgelenke zurückzustellen. Grundsätzlich wäre bei isolierter Betrachtung der aktuellen Hüftgelenke der Operationsindikation zuzustimmen. Jedoch setze diese auch eine Übereinstimmung mit dem klinischen
Beschwerde
bild
voraus. Diese Übereinstimmung sei im vorliegenden Fall nicht gegeben.
Abschliessend hielten die Gutachter an der auf 80 % geschätzten Arbeitsfähig
keit in angepasster Tätigkeit fest.
4.5
Im Bericht vom
16. Februar 2015 (Urk. 7/124)
wiederholte
Dr.
Y._
im Wesentlichen die bereits genannten Diagnosen und führte aus, der jetzige Zustand der Hüftgelenke sei sehr einschränkend. Die Gehdistanz sei reduziert. Aus seiner Sicht müsse man froh sein, wenn der Beschwerdeführer seine täglic
h notwendigen Aktivitäten ohne Hilfe absolvieren könne. Auch Tätigkeiten in sitzender Stellung seien schmerzbedingt deutlich eingeschränkt. An eine Arbeitsfähigkeit in einem solchen
Z
ustand sei nicht ernsthaft zu denken.
5
.
5.1
Gegen das MEDAS-Gutachten vom 30. November 2012 (Urk. 7/81) wendet der Beschwerdeführer unter anderem ein,
der darin festgehaltene Befund
einer freien Beweglichkeit der Hüftgelenke sei unmöglich und aktenwidrig.
Vielmehr sei
[in der MEDAS]
t
rotz bereits
bestandener
Operationsindikation weder eine klinische noch eine bildgebende
Untersuchung der Hüftgelenke durchgeführt worden
(Urk. 1 S. 10 f.).
Damit spricht der Beschwerdeführer
einen gravierenden
Mangel des MEDAS-Gutachtens
an.
D
ie
langjährigen, sich 2009 auf die Arbeitsfähigkeit noch ein
schränkend auswirkenden Hüftbeschwerden
(Urk. 7/51 S. 2)
hätten
zu einer genaueren klinischen und allenfalls bildgebenden Untersuchung
in der MEDAS
Anlass
geben sollen.
Der orthopädisch-chirurgische Konsiliararzt gab zwar mit Bezug auf die Untersuchung der Hüfte unauffällige Befunde an (Urk. 7/81 S. 36 f.), unterliess es aber in seiner fachärztlichen Beurteilung
,
sich mit der erhebli
chen Diskrepanz zu den Angaben von Dr.
Y._
im Bericht vom 17. Juli 2009 (Urk. 7/51) auseinander zu setzen.
A
ngesichts der selbst gemäss den Gut
achtern
ausgeprägten
bildgebenden Befunde
für welche sie bei isolierter Betrachtung eine Operationsindikation
ebenfalls
bejahen würden
(Urk. 7/119 S. 3)
ist anzun
ehmen, dass die Hüftproblematik zumindest
als Diagnose
hätte
berücksichtigt werden sollen
. Wieso dies nicht geschehen ist, wird weder im MEDAS-Gutachten vom 30. November 2012 noch in der Stellungnahme vom 3. November 2014 dargetan
.
Unter diesen Umständen besteht der Eindruck, dass die langjährige Hüftproblematik vom chirurgisch-orthopädischen Konsiliararzt
der MEDAS
trotz entsprechenden Schmerzangaben des Beschwerdeführers (Urk. 7/81 S.
34)
unterschätzt
wurde.
Darüber hinaus ging dem
federführenden Gutachter
offenbar
unter
, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Exploration durch den psychiatrischen Konsiliararzt eine auf den Frühjahr 2013 geplante Hüftoperation angegeben hatte (Urk. 7/81 S. 43).
Dies
e Unstimmigkeiten führen
zu unüberwindbaren Zweifeln dar
an
, dass die von den Gutachtern attestierte 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer dem Rücken- und Knieleiden optimal angepassten Tätigkeit (Urk. 7/81 S. 49 und S. 55) tat
sächlich
zumutbar
ist
. Denn
eine eingeschränkte Belastbarkeit der Hüfte
n
, für welche eine Operationsindikation besteht,
kann durchaus geeignet sein,
eine weitergehende
Einschränkung
der Leistungsfähigkeit
sowohl für sitzend als auch für stehend oder gehend auszu
übende
Tätigkeiten
herbeizu
führen
. Dies war
bereits bei der Rentenrevision im Jahr 2009 der Fall.
Unter diesen Umständen
vermag das MEDAS-Gutachten vom 30. November 2012
(Urk. 7/81)
mit Bezug auf die Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
selbst unter Berücksichtigung der Stellungnahme vom 3. November 2014
(Urk. 7/119)
den Anforderungen an eine beweiskräftige Entscheidungsgrundlage
bei einer Rentenrevision (vgl. E. 1.1.2
hievor
)
nicht zu genügen.
Kann auf das Gutachten bereits aus diesem Grund nicht abgestellt werden, ist
auf die vom Beschwerdeführer gerügte Verletzung der Mitwir
kungsrechte (Urk. 1 S. 5 f.) nicht weiter einzugehen.
5.2
In den
wiedergegebenen
medizinischen Akten bestehen gewisse Anhaltspunkte für eine Veränderung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers seit der Rentenrevision im Jahre 200
9.
Insbesondere sind nachträglich Knieschmerzen aufgetreten
, welche sich
laut den Gutachtern der
MEDAS auf die Leistungsfä
higkeit des Beschwerdeführers auswirken.
Rechtsprechungsgemäss
bedeutet
e
ine weitere Diagnosestellung
jedoch
nur dann eine revisionsrechtlich relevante Gesundheitsverschlechterung oder eine weggefallene Diagnose eine verbesserte gesundheitliche Situation, wenn diese veränderten Umstände den Rentenanspruch berühren
(
BGE 141 V 9
E. 5.2).
Ob dies vorliegend der Fall ist, kann nicht abschliessend beurteilt werden, denn mangels Beweiskraft des MEDAS-Gutachtens vom 30. November 2012 fehlt es an einer zuverlässigen
Stellungnahme zu
m
tatsächliche
n
Leistungsvermögen
des Beschwerdeführers
.
Bei dieser Aktenlage können die
Voraussetzungen für eine Rentenrevision gemäss Art. 17 ATSG
unter dem Blickwinkel einer ergebnisoffenen, defizit- und ressourcenorientierten Beurteilung
nicht geprüft werden.
Der medizini
sche Sachverhalt bedarf daher einer
(neuen)
umfassenden externen (somati
schen und psychiatrischen) Begutachtung
.
5.3
Mit Bezug auf die dem Beschwerdeführer zur Begründung der rückwirkenden Renteneinstellung vorgeworfene Verletzung der Mitteilungspflicht
nach Art. 77 IVV
(Urk. 2 S. 2)
ist festzuhalten, dass die
- subjektiven -
Angaben des Beschwer
deführers im
Revisionsfragebogen
vom 9. April 2009
(Urk. 7/45) der
damaligen Eins
chätzung der
Behandler
,
Dres
.
A._
und
Y._
in ihren Berichten vom 20. Juni und 17. Juli 2009
(Urk. 7/50-51)
,
entsprachen.
D
ie
sel
ben
Stellungnahmen
wurden von der
Beschwerdegegnerin
als genügende Grund
lage
für die Rentenbestätigung
gewürdigt
(Urk. 7/52-53).
Aus der Tatsa
che
allein
, dass
die
MEDAS-Gutachter
dreieinhalb Jahre später
aufgrund einer somatisch unzureichenden
Abklärung und einer psychiatrischen Beurteilung
als Folge
der Berichterstattung eines Privatdetektives aus dem Jahre 2008
-
auf eine
bereits damals
vorhandene Arbeitsfähigkeit schliessen,
kann
nicht eine
Verletzung der Mitteilungspflicht
abgeleitet werden
.
Dementsprechend darf der Beschwerdeführer
bei Vorliegen eines Grundes zur revisionsweisen Aufhebung der Rente
auch nicht
mit
einer
rückwirkenden Ren
ten
anpassung
gemäss
Art. 88
bis
Abs. 2
lit
. b
sanktioniert werden
(vorne E. 1.1.4)
.
5.4
D
er Beschwerdeführer
hat
im Juli 2015 das AHV-Alter erreicht
. E
ine
allfällige
Rentenanpassung
ex
nunc
(Art.
88
bis
Abs. 2
lit
.
a IVV
in Verbindung mit
Art. 17 ATSG
; E. 1.1.4
)
nach Ergänzung der med
izinischen Abklärungen (E. 5.2
)
wäre infolge
der inzwischen erfolgten
Ablösung der Invalidenrente durch eine Alters
rente
nicht mehr möglich
.
Aus diesen Gründen lässt sich die dem Beschwerdeführer ausgerichtete Rente nicht (mehr)
unter dem Titel einer Rentenrevision nach
Art. 17 ATSG herab
setzen beziehungsweise aufheben
.
6.
Die dem Beschwerdeführer ausgerichtete Invalidenrente lässt
sich
sodann auch nicht unter dem Titel einer Revision nach
lit
. a
SchlB
IVG
6. IV-Revision
anpassen
, zumal der
1950 geborene
Beschwerdeführer
das 55.
Altersjahr längst zurückgelegt hat
, seine Rente somit unter dem Schutz der
Bestandesgarantie
steht.
7.
Die
mit Mitteilung vom 7. August 2009
erfolgte Rentenbestätigung
(Urk. 7/53)
kann weiter
nicht
als zweifellos unrichtig bezeichnet werden,
denn
sie
beruht
e
auf den gleichlautenden Angaben der um eine Stellungnahme gebetenen
Dres
.
A._
und
Y._
(Urk. 7/50-51). Demzufolge
kann die auf Art.
17 ATSG gestützte Revisionsverfügung
nicht
mit
der
substituierten Begründung
der wiedererwägungsweisen Rentenaufhebung gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG gestützt werden
(vgl. dazu
E. 1.4.2 sowie
BGE 127 V 14
und
Bundesgerichtsurteil 8C_678/2012 vom 1. Februar 2013 E. 2 mit Hinweisen).
8.
8
.1
Es bleibt zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine prozessuale Revision im Sinne von Art. 53 Abs. 1 ATSG
vorliegen.
Rech
t
sprechungsgemäss
bildet e
in Observationsbericht für sich allein keine sichere Grundlage für Sachverhaltsfeststellungen betreffend den Gesundheits
zustand und die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person. Er kann diesbezüglich höchstens Anhaltspunkte liefern oder Anlass zu Vermutungen geben.
E
rst die ärztliche Beurteilung des Observationsmaterials
kann s
ichere Kenntnis des Sachverhalts vermitteln
.
8.
2
Somit
stellt sich
weiter
die Frage, ob das Observationsmaterial
samt Ergebnis der Begutachtung
eine erhebliche neue Tatsache im Sinne
von
Art. 53 Abs.
1 ATSG
d
arstellt.
Als neue Tats
achen im Sinne von Art. 53 Abs.
1 ATSG gelten Tatsachen, welche sich vorliegend bis
zur Rentenbestätigung im Rahmen der ersten Rentenrevision
mit Mitteilung vom 7. August 2009 (Urk. 7/53) verwirklicht haben, der
Beschwerde
gegnerin
jedoch trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt waren. Die neuen Tatsachen müssen ferner erheblich sein, das heisst sie müssen geeig
net sein, die
tatbeständliche
Grundlage des angefochtenen Entscheids zu verän
dern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einer andern Entscheidung zu führen. Beweismittel haben entweder dem Beweis der die
Revision
begrün
denden neuen erheblichen Tatsachen oder dem Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewesen, aber unbewiesen geblieben sind. Sollen bereits vorgebrachte Tatsachen mit den neuen Mitteln bewiesen werden,
ist auch
darzutun, dass die Beweismittel im früheren Verfahren nicht
beigebracht werden
konnte
n
. Entscheidend ist ein Beweismittel, wenn angenommen werden muss, es hätte zu einem andern Entscheid geführt, falls die
entscheidende Instanz
da
von Kenntnis gehabt hätte. Ausschlaggebend ist, dass das Beweismittel nicht bloss der Sachverhaltswürdigung, sondern der Sachverhaltsermittlung dient. Es genügt daher beispielsweise nicht, dass ein neues Gutachten den Sachverhalt anders bewertet; vielmehr bedarf es neuer Elemente tatsächlicher Natur, welche die Entscheidungsgrundlagen als objektiv mangelhaft erscheinen lassen. Für die
Revision
eines Entscheides genügt es nicht, dass die Gutachterin oder der Gutachter aus den im Zeitpunkt des Haupturteils bekannten Tatsachen nachträglich andere Schlussfolgerungen zieht als das Gericht
(oder die Verwaltung)
. Auch ist ein
Revision
sgrund
nicht schon gegeben, wenn die entscheidende Instanz bekannte Tatsachen möglicherweise unrichtig gewürdigt hat. Notwendig ist vielmehr, dass die unrichtige Würdigung erfolgte, weil für den Entscheid wesentliche Tatsachen nicht bekannt waren
oder unbew
iesen blieben (BGE 127 V 358 E.
5b, 110 V 141
E. 2, 293 E. 2a, 108 V 171 E.
1; vgl. auch BGE 118 II 205;
Bundesgerichtsurteil U 68/06 vom 4. Januar 2007 E.
2.2).
8.
3
Weder das Observationsmaterial noch die daraufhin eingeholten Berichte bein
hal
ten
neue
wesentliche
Tatsachen
, welche geeignet
sind
, die
2009 beschlossene
weitere Ausrichtung der
ganzen
Rente
als fehlerhaft zu würdigen
.
Es sind
keine e
rhebliche
n
medizinische
n
Faktoren
ersichtlich
, die zur Zeit der Rentenprüfung im
Jahr 2009
bereits vorhanden, indes (n
och) nicht erkannt worden waren
. Insbesondere
vermochten die MEDAS Gutachter keine Befunde
zu
erheben, die auf eine relevante Besserung hinweisen würden
(Urk. 7/81)
. Vielmehr scheint aus somatischer Sicht durch das Hinzukommen
der
Knie
problematik
eher eine Verschlechterung eingetreten zu sein.
Mit Bezug auf den psychischen Gesundheitszustand ist hingegen
davon auszugehen, dass trotz anderslautender Einschätzung lediglich eine andere Bewertung eines weitge
hend unveränderten Sachverhalts vorliegt, denn die MEDAS-
Gutachter
massen
der
von ihnen diagnostizierten
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion keinen Einfluss mehr
auf die Leistungsfähigkeit bei, während
Dr.
A._
2009
von einer
depressive
n
Entwicklung beziehungsweise
einer
Anpassungsstörung
berich
tete, welche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zeitigte
(Urk. 7/50)
.
Den Schlussfolgerungen im
MEDAS-Gutachten vom 30. November 2012 (Urk. 7/81)
lagen somit
nicht neue Tatsachen
zugrunde
; vielmehr geht die
Ein
schätzung
der
Leistungsfähigkeit
auf eine neue Würdigung des im
Zeitpunkt der ersten Rentenrevision
bereits bekannten
beziehungsweise sich
(aus somatischer Sicht)
seither
eher
verschlimmerten Beschwerdebildes
.
Demzufolge
ist nicht ersichtlich, dass
2009
den damaligen Ärzte
n
beziehungs
weise der Beschwerdegegnerin
namhafte und entscheidende Befunde oder Aspekte gänzlich verborgen geblieben
waren
, was jedoch
vorausgesetzt wird
, damit von neuen Tatsachen ausgegangen werden
darf
.
Selbst wenn
die Kenntnis der weiteren Entwicklung des
Gesundheitszustandes des
Beschwerde
führers rückbl
ickend die Einschätzung erlauben würde
,
es wäre bereits 2009 wieder von einer Arbeitsfähigkeit auszugehen gewesen
,
wäre dies
kein Grund für eine prozessuale
Revision
. Denn eine retrospektiv andere Einschätzung eines gleichgebliebenen Sachverhaltes reicht dafür nicht aus
(vgl. E. 8.3)
.
8
.
4
Nach dem Gesagten ist kein
Revision
statbestand im Sinne von Art. 53 Abs. 1 ATSG gegeben
, weshalb die
dem Beschwerdeführer ausgerichtete Invalidenrente auch nicht unter diesem Titel aufgehoben werden
darf
.
9.
Zusammenfassend hatte der Beschwerdeführer bis zum Eintritt des AHV-Alters Anspruch auf eine ganze Invalidenrente
, weshalb
die rentenaufhebende Verfü
gung vom 12. März 2015 in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben
ist
.
10.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
1‘000
.-- festzulegen und
ausgangs
ge
mäss
von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
Ausgangsgemäss ist dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung von Fr.
3
‘
7
00
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen (§ 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das
Sozialversi
cherungsgericht
;
GSVGer
).