Decision ID: 27afb057-b22a-44ef-a0ce-8dc374a776da
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1985 geborene
X._
hat am 21.
April 2011 die Approbation als Tierärztin
erlangt (Urk. 9/1/6) und am 20.
Juli 2013 wurde ihr der Doktorgrad der Tierärztlichen Fakultät der Uni
versität
Y._
verli
e
h
en
(Urk. 9/1/5). Seit dem 1.
Januar 2017 war sie bei der Klinik für Kleintiermedizin der Universität
Z._
als Assistenzärztin in Weiterbildung in einem
Vollzeitpensum angestellt (Urk.
9/1/11). Das befristete Arbeitsverhältnis wurde jeweils um sechs Monate verlängert
, zuletzt bis 30.
Juni 2018
(Urk. 9/1/11-13 und Urk.
9/1/
1-2)
.
Am 19.
April 2017 erlitt die Versicherte einen Katzenbis
s am rechten Handballen (Urk.
9/10/116). Infolge eines progredienten W
eichteilinfekts erfolgte am 23.
April 2017 eine chirurgische Exploration un
d Revision der Bisswunden (Urk. 9/10/111
f.).
Im weiteren Verlauf persistierten Schmerzen im Bereich der rechten Hand und es wurde die
D
iagnose eine
s
komplexen regionalen Schmerz
syndroms
(
CRPS
)
Typ
I
Hand rechts
gestellt (Urk. 9/
10/88
).
Die Unfallversiche
rung
der Versicherten, die
AXA Versicherung AG (nachfolgend: AXA)
,
kam für die Heilbehandlung auf und richtete Taggelder aus. Die
Versicherte
wurde
im Auf
trag der
AXA
rheumatologisch begutachtet (Gutachten der
A._
AG vom 7. September 2018, Urk. 9/25/
93
ff.).
Mit Vorbescheid vom 11. Oktober 2018 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Ablehnung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 9/27). Dagegen erhob
sie
mit Eingabe vom 2
4
. O
ktober 2018
und ergänzender Begründung vom 29. November 2018 Einwände (
Urk. 9/29 und
Urk. 9/36).
Daraufhin teilte die IV-Stelle der Versicherten am 10. Januar 2019 mit, dass
aufgrund des Gesundheitszustandes
zurzeit keine Eingliederungs
mass
nahmen möglich seien (Urk. 9/43).
Die AXA stellte die Taggeldleistungen mit Verfügung vom 2. November 2018 per 1. Februar 2019 ein (Urk. 9/33).
Die dage
gen erhobene Einsprache wies sie mit
Einspracheentscheid
vom 15. Juli
2019 ab (Urk. 9/64/22 ff.).
Mit Vorbescheid vom 18. November 2020 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Verneinung eines Anspruchs auf Umschulung in Aussicht (Urk. 9/79). Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
23. Dezember 2020 und ergänzender Begründung vom 7. Februar 2021 Einwände (Urk. 9/81 und Urk. 9/85).
Mit Verfügung vom 26. Mai 2021 verneinte die IV-Stelle
schliesslich
einen Anspruch der Versicherten auf Umschulung (Urk. 9/89
= Urk. 2
).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
30. Juni 2021
Beschwerde und beantragte,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Beschwerde
geg
nerin sei zu verpflichten, ihr die gesetzlichen Leistungen gemäss IVG zuzu
spre
chen
, namentlich eine Umschulung zu gewähren (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwer
de
ant
wort vom 3. November 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abwei
sung der
Beschwerde
(Urk. 8)
, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 8. Novem
b
er 2021 mitgeteilt wurde (Urk. 10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzu
gehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.3
1.3.1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
1.3.2
Gemäss Art. 17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Abs. 1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wie
dereinschulung in den bisherigen Beruf gleichgestellt (Abs. 2). Als Umschu
lung gelten gemäss Art. 6 Abs. 1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vor
gängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Ver
bes
serung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
1.3.3
Nach der Rechtsprechung ist unter Umschulung grundsätzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und geeignet sind, der vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen ver
sicherten Person eine
ihrer früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmöglichkeit
zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der «annähernden Gleichwertigkeit» nicht in erster Linie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter Eingliederung zu erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 130 V 488 E. 4.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_163/2008 vom 8. August 2008 E. 2.2). Schliesslich setzt der Anspruch auf Umschulung voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20
%
erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 130 V 488 E. 4.2, 124 V 108 E. 2a und b mit
Hinweisen auf u.a. AHI 1997 S. 80 E. 1b; ZAK 1984
S. 91 oben, 1966 S. 439 E. 3).
Für die Beurteilung der Gleichwertigkeit im Sinne der erwähnten Rechtsprechung ist in erster Linie auf die miteinander zu vergleichenden Erwerbsmöglichkeiten im ursprünglichen und im neuen Beruf oder in einer der versicherten Person zumutbaren Tätigkeit abzustellen. Zwar geht es nicht an, den Anspruch auf Um
schulungsmassnahmen – gleichsam im Sinne einer Momentaufnahme – aus
schliess
lich vom Ergebnis eines auf den aktuellen Zeitpunkt begrenzten Einkom
mensvergleichs, ohne Rücksicht auf den qualitativen Ausbildungsstand einerseits und die damit zusammenhängende künftige Entwicklung der erwerblichen Mög
lich
keiten anderseits, abhängen zu lassen. Vielmehr ist im Rahmen der vorzu
nehmenden Prognose (BGE 110 V 99 E. 2) unter Berücksichtigung der gesamten Umstände nicht nur der Gesichtspunkt der Verdienstmöglichkeit, sondern der für die künftige Einkommensentwicklung ebenfalls bedeutsame qualitative Stellen
wert der beid
en zu vergleichenden Berufe
mit
zuberücksichtigen
. Die annähernde Gleichwertigkeit der Erwerbsmöglichkeit in der alten und neuen Tätigkeit dürfte
auf weite Sicht nur dann zu verwirklichen sein, wenn auch die beiden Ausbil
dungen einen einigermassen vergleichbaren Wert aufweisen (BGE 124 V 108 E. 3b;
AHI 1997 S. 86 E. 2b; Urteile des Bundesgerichts I 826/05 vom 28. Februar 2006 E. 4.1 in
fine
und I 783/03 vom 18. August 2004 E. 5.2 mit Hinweisen; Meyer-Blaser, Zum Verhältnismässigkeitsgrundsatz im staatlichen Leis
tungsrecht,
Diss
. Bern 1985, S.
186).
1.3.4
Der Eintritt gesundheitlich bedingter Umschulungsbedürftigkeit ist, entsprechend dem System des leistungsspezifischen Invaliditätseintritts (Art. 4 Abs. 2 IVG), ein besonderer Versicherungsfall. Ob die Voraussetzungen hierfür gegeben sind, das heisst eine Invalidität im Sinne des Art. 17 IVG vorliegt, bestimmt sich nach den tatsächlichen und rechtlichen Verhältnissen zur Zeit des Erlasses der Verfügung (Urteil des Bundesgerichts 8C_163/2008 vom 8. August 2008 E. 2.2 mit Hin
weisen).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die
Beschwerdegegnerin
,
laut RAD-Stel
lung
nahme bestehe seit dem 1.
Juli 2019 eine 100%-
ige
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit. Es sei keine direkte Behandlung von Tieren mehr möglich. Zumutbar seien administrative Tätigkeiten, Lehrtätigkeiten, Tätigkeiten als Tier
ärztin in der Verwaltung oder im Aussendienst. Eine Umschulung sei somit nicht notwendig. Zudem bestehe keine Erwerbseinbusse von ca. 20
%. Die Beschwerde
führerin erziele seit dem 1.
März 2020 in einer unbefristeten Anstellung als Ver
waltungsassistentin und
Adjunktin
an der Universität
Z._
ein Invalidenein
kommen von Fr.
83'345.6
0.
Für das
Valideneinkommen
werde von einem hypo
thetischen Berufsaufstieg ausgegangen und auf den Tabellenlohn gemäss Lohn
strukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik abgestützt. Gemäss LSE T17
2018, Ziffer 22, Akademische und verwandte Gesundheitsberufe, Lebensalter Total
, betrage das monatliche Einkommen für Frauen F
r.
7'817.--. Unter Berücksich
tigung der Nominallohnentwicklung ergebe dies für das Jahr 2020 ein Jahresein
kommen von F
r.
99'517.--. Dies führe zu einer Erwerbseinbusse von F
r.
16'171.40 bzw. 16.25
%
.
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
korrigierte die Beschwerde
gegnerin den Einkomm
en
svergleich dahingehend, dass das Einkommen gemäss
Tabelle
T17 Schweiz 2018 Ziffer 22, Frauen
,
Fr.
7'498.-- betrage, was unter Be
rücksichtigung der Nominallohnentwicklung für das Jahr 2020 ein J
ahresein
kommen von Fr.
95'456.-- ergebe. Dies führe zu einer Erwerbseinbusse von Fr.
12'110.-- bzw. 13
%. Damit liege keine Erwerbseinbusse von
ca.
20
% vor, weshalb
kein Anspruch auf eine Umschulung
bestehe
(Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber im Wesentlichen geltend,
dass das Postulat, dass ihr eine Tätigkeit als nicht Tiere behandelnde Tierärztin möglich und mithin die verbliebene Resterwerbsfähigkeit als Tierärztin verwertbar sein
soll
, unrealistisch und lebensfremd sei, da kein hinreichendes Bündel an Ange
boten derartiger zumutbarer Arbeitsstellen bestehe. Infolge des wohl massiven Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage solcher Stellen auf dem realen Arbeitsmarkt in der Schweiz könne nicht von einer möglichen sowie sozialpraktisch
realistischerweise
bestehenden Verwertbarkeit der behaupteten Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ausgegangen werden. Betreffend
Valideneinkommen
gestützt auf die Lohnstrukturerhebung (LSE) 2018, T17 (monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Berufsgruppen, Lebensalter und Ge
schlecht), Ziffer 22 (akademische und verwandte Gesundheitsberufe) sei die Be
schwerdeführerin
als heute 36-Jährige mindestens in der Lebensaltersstufe 30-49 Jahre
einzuklassieren
, so dass sich ein Tabellenwert von Fr.
7'872.-- ergebe. Dem
nach ergebe sich per 2021 und einer anzunehmenden Nominallohnent
wick
lung 2021 wie 2020 ein Wert von Fr.
101'463.--. Setze man diesen Wert ins Ver
hältnis zu dem von der B
e
schwerdegegnerin herangezogenen Wert des Invaliden
ein
kommens in
der
Höhe von Fr.
83'345.60, errechne sich ein IV-Grad von rund 18
%. Wie bereits die Benennung der Ziffer 22 als «akademische und verwandte Gesundheitsberufe» offenbaren dürfte, seien in dieser Ziffer der Tabelle T17 eben auch nichtakademische Berufe miterfasst, welche im Gegensatz zu Akademikern bekanntermassen niedriger vergütet würden und mithin eine Verfälschung des Medianwertes bedingten.
Berücksichtige man vielmehr weitere Faktoren wie die hypothetische Lohnentwicklung, welche sicherlich in einem akademischen Beruf mit universitärem Abschluss mit steigendem Lebensalter zu einer höheren Lohn
entwicklung führe als in einer ohne zusätzliche Berufsausbildung noch zumut
baren Tätigkeit, sei im vorliegenden Fall bereits heute anzunehmen, dass die Be
schwerdeführerin mit ihren bereits vorhandenen fünf Jahre
n
Berufserfahrung als Tierärztin alsbald nach Abschluss ihrer Facharztausbildung eine Funktion min
destens im unteren Kader eingenommen hätte. Mithin würde sie aller Voraussicht
nach gemäss
LSE
TA11 mit ihrem universitären Hochschulabschluss Fr. 10'121.--
pro Monat verdienen
,
woraus
sich ein Wert des hypothetischen
Validenein
kom
mens
in Höhe
von Fr.
130'450.--
errechne
. Damit liege der Invaliditätsgrad weit jenseits der 30
%.
Dieser Wert entspreche dem Wert, welcher
der Beschwerde
führerin
vom Tierärzteverband im Hinblick auf die Lohnverhältnisse von Fach
tierärztinnen für Kleintiermedizin angegeben worden sei. Aus den Akten des Unfallversicherers ergebe sich, dass die Beschwerdeführerin selbst bei der Uni
versität
Z._
heute ab F
rühjahr 2021 wohl
e
in
Valideneinkommen
von
Fr.
103'339.-- erzielt hätte
, zu welchem
zusatzvergütete Wochenend-, Nacht- und Pikettdienste hinzugekommen wären
. Die Voraussetzung einer Erwerbseinbusse von
20
% sei erfüllt
(Urk.
1 S.
16
ff.).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort hielt die Beschwerdegegnerin
unter anderem
ergän
zend fest,
die Beschwerdeführerin sei in der Fachausbildung zur Kleintierärztin gestanden, was noch nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf den von ihr geltend gemachten K
arriereweg hindeute (Urk.
8).
2.4
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf Umschulung verneint hat.
3.
3.1
Im rheumatologischen Gutachten der
A._
AG vom 7. September 2018
nannt
e
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Rheumatologie und Facharzt für Allge
meine Innere Medizin
,
folgende Diagnosen:
-
Hyperpathisch-allodyner
Handschmerz rechts bei St. n. wahrscheinlichem CRPS I (Synonym: Morbus
Sudeck
) nach superinfiziertem Katzenbiss 18.04.2017
-
Zustand nach distalen Radiusfrakturen 01/2011, links osteosynthetisch (Metall entfernt), rechts konservativ behandelt
-
Zustand nach CRPS I links nach Handgelenkskontusion 22.05.2016
Er führte aus, als Folgeerschei
nungen eines Kat
z
enbisses in den linken
Thenar
habe sich bei der Beschwerdeführerin trotz zeitgerechter Behandlung eine
phleg
monöse
, vermutlich bakteriell infizierte Entzündung des gesamten Daumenbe
reiches und in deren Folge eine von verschiedenen Untersuchern angenommene Rege
ne
rationsstörung im Sinne eines CRPS I entwickelt. Im Verlauf eines Jahres sei es seither zu einem vollständigen Wiedergewinn der sensiblen und moto
ri
schen Funktionen der rechten Hand gekommen, während
für
die Beschwerde
führerin massiv störend und bisher verbleibend eine
Hyperpathie
und
Allodynie
der Hand (inadäquate, übermässige Schmerzempfindung bei nur geringer mecha
nischer Einwirkung) mit häufiger Schmerzprojektion bis zur Schulter, zeitweise auch ein Ganzkörperschmerz, bestehe. Die aktuelle Untersuchun
g
habe durch die extrem erhöhte Schmer
z
haftigkeit im rechten Handbereich nicht in allen Details wie üblich ausgeführt werden können. Die geschilderten Beschwer
d
en deckten sich jedoch auf glaubwürdige Weise mit den A
kten, den anamnestischen Beurtei
lungen und dem trotzdem zu erhebenden lokalen Befund. Wechselnde
Haut
tro
phik
mit Blässe und zeitweiliger Rötung, kühler und leicht erhöhter Feuchtigkeit gegenüber der Gegenseite liessen einen Zustand nach CRPS I als hochwahr
schein
lich annehmen. Soweit prüfbar seien die motorischen Funktionen der Hand, auch gemäss Beurteilung der Beschwerdeführerin selbst, intakt. Am auffälligsten und den Alltag wie auch berufliche Aktivitäten
störendsten
erweise sich
die
über
schiessende Berührungsempfindlichkeit
,
besonders des Handrückens, etwas ge
rin
ger der
palmaren
Seite. Bei bereits leichten Palpationsversuchen ziehe die Be
schwerdeführerin ihre Hand reflexartig zurück, dagegen sei ein vorsichtiger, mit einiger Kraft ausgeführter und von der Beschwerdeführerin erwiderter Hände
druck möglich. Dieser Empfindlichkeitsunterschied der Sensibilität bzw. der Über
empfindlichkeit von dorsaler zu
palmarer
Hand habe eine gewisse Auffälligkeit, da nicht aus der
nervalen
Versorgung erklärbar, wohl auch ein
Mitgrund
, weshalb das vorliegende Bild in der Handchirurgie der Klinik
C._
(November 2017) als «sehr atypisches CRPS» apostrophiert worden sei.
Durch den heutigen klini
schen Befund könne die Diagnose eine CRPS als mit überwiegender Wahrschein
lichkeit gesichert angenommen werden. Eine Sicherung durch radiologisch erkennbare Veränderungen (oft bei CRPS fleckförmige Osteoporose des betroffe
nen Skelettteils) habe bis anhin nicht gemacht werden können, die bisherigen radiologischen Abklärungen hätten keinen Befund dieser Art gezeigt, was aber die Diagnose nicht ausschliesse
(Urk. 9/25/
9
3
ff.).
3.2
Dr.
med. D._
, Fachärztin für Neurologie, hielt in ihrem Bericht vom 20. Januar 2020 fest,
seit der letzten Untersuchung vom April 2019 habe sich erfreulicherweise eine weitere Besserung des schweren CRPS der rechten Hand ergeben, die Hand sei mehr belastbar. Vor allem am Handrücken dorsal im Be
reich der Narben bestehe jedoch noch eine deutliche
Allodynie
. Die Beschwer
deführerin sei aber seit dem
1.
Jul
i 2019 mit einem Pensum von 100
% wieder berufstätig und könne di
e
Arbeit gut bewältigen (Urk. 9/56/4).
3.3
In seiner Stellungnahme vom 6. Februar 2020 hielt RAD-Arzt
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Chirurgie, fest, die behandelnde Neurologin
Dr.
med.
D._
berichte von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ab dem 1.
Juli 201
9.
Die Beschwerdeführerin habe eine feste Anstellung im Bereich Administration und Labortierhaltung an der Universität
Z._
. Es sei von einem deutlich verbesserten Gesundheitszustand auszugehen und ab dem 1.
Juli 2019
von einer 100%
-
igen
Arbeitsfähigkeit in ei
ner angepassten Tätigkeit (Urk. 9
/91/6). Am 10.
Novem
ber 2020 führte RAD-Arzt
Dr.
E._
ergänzend aus, angepasst seien Tätigkeiten, bei denen die Beschwerdeführerin keine direkte Behandlung von Tieren vornehme. Vorstellbar seien administrati
ve Tätigkeiten, Lehrtätig
keiten oder
Tätigkeiten als Tierärztin in der Verwaltung
(Urk.
9/90/4).
3.4
In ihrem Bericht vom 30. April 2020 hielt
Dr.
D._
fest, drei Jahre nach dem erlittenen Katzenbiss am Daumenballen mit ausgeprägtem CRPS Typ 1 habe sich die Symptomatik der rechten Hand gebessert
, jedoch nicht vollständig. Die Funk
tion der rechten Hand sei weiterhin vorwiegend durch die Berührungsemp
find
lichkeit und
Allodynie
mit Betonung am Handrücken eingeschränkt. Aus neuro
logischer Sicht sei davon auszugehen, das sich drei Jahre nach der Verletzung vermutlich keine nennenswerte Besserung mehr ergeben werde. Die Funktiona
lität der rechten Hand werde somit aller Voraussicht nach dauerhaft einge
schränkt sein. Die rechte Hand sei weniger belastbar. Die Beschwerdeführerin sei in ihrer Tätigkeit als Tierärztin zur Versorgung von Kleintieren eingeschränkt und es bestehe insbesondere ein erneutes Verletzungsrisiko mit der Entwicklung eines erneuten CRPS. Leichtere Bürotätigkeiten, wie sie die Beschwerdeführerin aktuell in der Administration der Tierklinik durchführe, könnten jedoch bewältigt werden (Urk. 9/65).
3.5
Im Bericht der Universitätsklinik
C._
(Rheumatologie und Physikalische Medizin) vom 30. April 2020 wurde ausgeführt, aktuell sei von einem CRPS in partieller Remission auszugehen. Aus rheumatologischer Sicht sei von einem funktionellen Endzustand auszugehen (Urk. 9/66).
3.6
Dr.
med. F._
, Facharzt für Anästhesie, hielt in seinem Bericht vom 19. Mai 2020 fest, der weitere Verlauf der Erholung der dominanten rechten oberen Extremität sei – wie grundsätzlich beim CRPS – nur schwierig abzu
schätzen.
Es müsse von einer dauerhaften Einschränkung der Funktion der rechten Hand ausgegangen werden (Urk. 9/71).
3.7
Aus den medizinischen Akten geht
übereinstimmend
hervor
und
ist
unbe
stritten
, dass die Beschwerdeführerin aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in ihrem angestammten Beruf als Tierärztin tätig sein
kann
,
i
n einer angepassten Tätigkeit ohne
direkte
Behandlung von Tieren
jedoch
seit dem 1.
Juli 2019
voll arbeitsfähig
ist
.
4.
4.1
Ob bei der Beschwerdeführerin die Voraussetzungen einer gesundheitlich beding
ten Umschulungsbedürftigkeit gegeben sind und damit eine Invalidität im Sinne des Art.
17 IVG vorliegt, bestimmt sich nach den tatsächlichen und rechtlichen Verhältnissen zur Zeit des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom 26.
Mai 2021 (vgl. oben E. 1.3.4.).
4.2
Die Beschwerdegegnerin hat den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Umschu
lung mangels einer gesundheitsbedingten erheblichen Erwerbseinbusse
von 20
% verneint
.
4.3
Rechtsprechungsgemäss
setzt der Anspruch auf Umschulung voraus
, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des eingetre
tenen Gesundheits
schadens in der
bisher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offenstehenden noch zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse
von etwa 20
% erleidet. Dabei be
misst sich die Einbusse an dem vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielten Erwerbseinkommen (BGE 124 V 108 E
.
2b).
Dieses umschulungsspezifische Erfordernis ist in
s
besondere dann nicht gegeben, wenn es – bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage – ein genügend breites Spektrum an Tätigkeiten gibt, die dem medizinischen Anforderungs- und Belastungsprofil der versicherten Person entsprechen, von der Ausbildung und beruflichen Erfah
rung her zumutbar sind und im Durchschnitt nicht schlechter
entlöhnt
werden als die zuletzt ausgeübte
.
Entscheidend ist, dass ein genügend breites Spektrum von dem beruflichen und medizinischen Anforderungs- und Belastungsprofil entsprechenden Tätigkeiten besteht, bei denen die Arbeitsfähigkeit nic
ht wesent
lich eingeschränkt ist
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_511/
2015 vom 15.
Oktober 2015 E
.
3).
4.4
Bei der Ermittlung des hypothetisch erzielbaren
Valideneinkommens
ist ent
scheidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit verdient hätte.
Da die Invaliditätsbemessung
der voraussichtlich bleibenden oder längere Zeit
dauernden Erwerbsunfähigkeit zu entsprechen hat (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG), ist auch die berufliche Weiter
ent
wicklung zu berücksichtigen, die eine versicherte Person normalerweise vo
llzo
gen hätte (BGE 145 V 141 E.
5.2.1
, vgl. auch oben E.
1.3.3
).
Die Beschwerdeführerin war im Zeitpunkt des Unfalles
(
19. April 2017)
im ersten Jahr
in Vollzeit
als Assistenztierärztin
in Weiterbildung
an der Klinik für Klein
tiermedizin der Universität
Z._
tätig
und erzielte einen Jahreslohn von F
r.
65'000.-- brutto (Urk. 9/1/11). Der B
rutt
o
jahres
lohn wurde per 1.
J
an
u
a
r 2018 auf Fr. 67'600.--
erhöht (Urk. 9/1/1). Gemäss Angaben ihrer Arbeitgeberin (Uni
versität
Z._
) vom 20. März 2020 hätte die Beschwerdeführerin ihren Ausbil
dung
s
abschluss als Fachtierärztin FVH für Kleintiere voraussichtlich im Frühjahr 2020 erlangt. Unmittelbar nach dem Abschluss der Ausbildung hätte sie
an der
Universität Z._
ein Brutto
jahres
einkommen von Fr. 98'225.-- erzielt. Nach zwei bis drei Jahren ein solches von Fr. 103'339.-- (Urk. 9/64/12).
F
ür den hier massgebenden Verfügungszeitpunkt (
26. Mai 2021)
wäre somit von einem Einkommen von F
r.
98'225.-- auszugehen
.
Unter Berücksichtigung der beruf
lichen Weiterentwicklung kann jedoch dasjenige von F
r.
103'339.
--
als
Validen
einkommen
herangezogen werden.
Anhaltspunkte für eine Kaderfunktion
und eine damit einhergehende
Einkommensentwicklung
– wie sie die Beschwerde
führerin geltend macht – sind nicht ersichtlich.
In ihrer Anstellung bei der
Universität Z._
als Verwaltungsassistentin zu 50
% und als
Adjunktin
zu 50
%
erzielt
die Beschwerdeführerin
seit dem 1.
März 2020
ein Jahreseinkommen von Fr.
83'345.60
(Urk. 9/74 und Urk.
9/75)
.
Bei
einem
Valideneinkommen
von Fr. 103'339.--
und e
inem Invaliden
ein
kom
men von Fr. 83'345.60
resultiert eine
Erwerbseinbusse von
gerundet 19 %
.
Die Mindesterwerbseinbusse von 20 %
ist
bei
diesen
Einkommensvergleichs
grössen
somit k
na
pp
nicht erfüllt
.
4.5
In Bezug auf das Invalid
e
neinkommen
stellt sich jedoch die Frage,
ob die Be
schwerdeführerin durch ihre aktuelle Tätigkeit in zureichender und zumutbarer Weise eingegliedert ist bzw. ob sie in einer anderen Tätigkeit angemessen einge
gliedert sein könnte. Insbesondere in
ihrer Tätigkeit als Verwaltung
sassistentin erscheint sie
angesichts
ihres
Hochschulabschluss
es
überqualifiziert
.
Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin diese Tätigkeit n
ur vorübergehend ausübt. Im Rahmen der vorzunehmenden Prognose ist
bei einer Akademikerin
auch
beim Invalideneinkommen eine berufliche Weiteren
twicklung zu berück
sichtigen
.
Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend festhält, stehen
der Beschwerdeführerin
diverse angepasste Tätigkeiten offen.
So nennt die Beschwerdegegnerin Lehr
tätigkeiten, Tätigkeiten als Produktmanagerin oder Gebietsmanagerin im Aussen
dienst bei Fachhandelfirmen, Tätigkeiten als amtliche Tierärztin oder Kantons
tierärztin, Tätigkeiten in der Tierseuchenbekämpfung oder Tätigkeiten in einer
Fachspezialistenfunktion
(Urk.
2 und Urk.
8).
Zu nennen sind ausserdem Tätig
keiten in der Forschung. Die Beschwerdeführerin gab denn auch anlässlich eines Gesprächs bei der IV-Stelle an, dass sie einen beruflichen Hintergrund in der Forschung habe
(Urk. 9/11/5)
.
Denkbar wäre im Übrigen auch eine Weiterbildung
bzw. Spezialisierung als
Fachtierärztin
beispielsweise
für Pathologie oder Radio
logie oder für andere
Fachbereiche
, bei welchen der direkte Kontakt mit Tieren entfällt.
Insgesamt
stehen
der Beschwerdeführerin
aufgrund
ihres
Hochschul
studiums
qualitativ anspruchsvolle Vollzeitbeschäftigungen sowohl
in der Privat
wirtschaft
wie auch
in der Verwaltung offen. Diese ermöglichen es ihr
, sic
h auch in finanzieller Hinsicht
in einem mit Blick auf
ihren
angestammten Beruf zu
min
dest annähernd gleichwertigen Wirkungsfeld einbringen zu können
(
vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_393/2020
vom 14.
Juli 2020
E.
3.2)
.
Es rechtfertigt sich
daher
für die Ermittlung des Invalideneinkommens Tabellenlöhne heranzuziehen.
Gemäss Tabelle TA11 (monatlicher Bruttolohn nach Ausbildung, Stellung und Geschlecht)
für das Jahr 2018
könnte die Beschwerdeführerin ohne Kaderfunktion einen Lohn von F
r.
8'460.-- pro Monat bzw. F
r.
101'520.
--
pro Jahr erzielen
.
Angepasst an die betriebsübliche durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit und unter Berücksichtigung der Entwicklung des Nominallohnindexes würde
sogar
ein höheres
Einkommen als das
Valideneinkommen
resultieren.
Somit würde
die Beschwerdeführerin
bei einer optimalen Verwertung der verbleibenden Arbeits
fähigkeit keine Erwerbseinbusse erleiden
.
Es bleibt darauf hinzuweisen, dass
nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Ein
gliederungszweck angemessenen notwendigen Massnahmen, nicht aber
auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren besteht
(BG
E 130 V 488 E. 4.2; 124 V 108 E.
3)
.
4.6
Soweit sich die Beschwerdeführerin auf die Berufs- resp. Berufswahlfreiheit beruft
(Urk. 1 S. 11 f.)
, kann sie nichts zu ihren Gunsten ableiten. Aus den angerufenen Grundrechten lässt sich grundsätzlich kein unmittelbarer Anspruch auf Sozialver
sicherungsleistungen ableiten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_340/2017 vom 9.
Februar 2018 E.
4.3 mit weiteren Hinweisen).
4.7
Zusammenfassend erweist sich die angefochtene Verfügung im Ergebnis als
rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).