Decision ID: b72a542b-593f-4c2c-8f6f-6fae90db93c6
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1979,
bezieht seit dem
1.
Oktober 2018
eine ganze Invalidenrente
(vgl. Verfügung vom 2
6.
Mai 2020,
Urk.
8/1f)
. M
it Gesuch vom 2
5.
Juni 2020, eingegangen am
5.
August 2020,
beantragte sie
bei der Stadt Schlieren, Durchführungsstelle für
Zusatzleistungen zur AHV/IV
(nachfolgend: Stadt Schlieren)
, Zusatzleistungen zu ihrer Invalidenrente (
Urk.
8/1a
).
Die Stadt Schlieren forderte die Versicherte in der Folge mit Schreiben vom 2
5.
August 2020 (
Urk.
8/1b S. 1),
vom
2
2.
September 2020 (
Urk.
8/4a)
und
vom
1
9.
Oktober 2020 (
Urk.
8/4b) dazu auf, die bezeichneten Unterlagen einzureichen. Mit Schreiben vom 3
0.
November 2020 (
Urk.
8/4c) setzte die Stadt Schlieren der Ver
sicherten eine letzte Frist bis
am
1
6.
Dezember 2020 zur Einreichung der
noch fehlenden
Unterlagen und wies
sie
darauf hin, dass bei Nichteinreichen der verlangten Belege bis zum genannten Zeitpunkt das Gesuch als nicht gestellt betrachtet werde. Mit Eingabe vom 1
4.
Dezember 2020 (
Urk.
8/4d) reichte die Versicherte
diverse
Unterlagen ein
.
Mit Verfügung vom 2
3.
Dezember 2020 (
Urk.
8/2a
)
lehnte
die
Stadt Schlieren
das Gesuch um Zusatzleistungen
infolge Nichteinreichen der Unterlagen ab
. Dagegen erhob di
e Versicherte Einsprache (
Urk.
8/3a
). Mit Schreiben vom
8.
Februar 2021 (
Urk.
8/3b
) gewährte die
Stadt Schlieren
der Versicherte
n
eine letzte Frist bis
am
2
6.
Februar 2021 zur Einreichung der vollständigen Unterlagen, woraufhin di
ese
mit Schrei
ben vom 2
2.
Februar 2021 (
Urk.
8/3c
)
weitere
Unterlagen
einreichte.
Mit
Einspracheentscheid
vom
9.
April 2021 (
Urk.
8/3d
=
Urk.
2) wies die
Stadt Schlieren
die Einsprache der Versicherten ab.
2.
Die Versicherte erhob am 1
2.
Mai 2021 Beschwerde gegen den
Einspracheent
scheid
vom
9.
April 2021 (
Urk.
2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und es seien ihr die von Gesetzes wegen zustehenden Leistungen zuzusprechen. Die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, die Berechnung der Zusatzleistun
gen ab Oktober 2018 (Beginn Invalidenr
ente) vorzunehmen (
Urk.
1 S. 2).
Die Stadt Schlieren
beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
1.
Juni 2021 (
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde. Am
5.
November 2021 reichte die Beschwerdeführerin die Replik (
Urk.
12) ein. Mit Schreiben vom
6.
Dezember 2021 (
Urk.
18) verzichtete
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA) auf eine Duplik. Auf gerichtliche Nachfrage hin (vgl. Telefonnotiz
in
Urk.
16) bestätigte die
Stadt
Schlieren
mit Schreiben vom
7.
Dezember 2021 (
Urk.
17)
, dass gemäss Anschlussvereinbarung vom 1
9.
November 2020 die SVA ab dem
1.
Juli 2021 für die Durchführung der Zusatzleistungen der Stadt Schlieren verantwortlich sei.
Fortan wurde entsprechend die SVA im vorliegen
den Verfahren als Beschwerdegegnerin geführt. Der
Beschwerdeführerin
wurde
mit Verfügung vom
4.
Januar 2022 (
Urk.
19)
der
Duplikv
erzicht
zur Kenntnis gebracht und gleichzeitig wurde antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2) die unentgelt
liche Rechtsvertretung bewilligt.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am
1.
Januar 2021 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) sowie der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlasse
nen- und Invalidenversicherung (ELV) in Kraft getreten. Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen
führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b).
Da der Leistungsanspruch ab Oktober 2018 (
Urk.
8/
1f
;
Art.
22
Abs.
1 ELV)
Gegenstand des Verfahrens bildet, finden die
bis 3
1.
Dezember 2020 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwen
dung und werden in dieser Fassung zitiert.
1.2
Der Bund und die Kantone gewähren Personen, welche die Voraussetzungen nach
Art.
4-6 ELG erfüllen, Ergänzungsleistungen zur Deckung ihres Existenzbedarfs (
Art.
2
Abs.
1 ELG).
Dabei entspricht die jährliche Ergänzungsleistung dem Betrag, um den die aner
kannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (
Art.
9
Abs.
1 ELG)
.
Der Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung wird
gemäss
Art.
20
Abs.
1 ELV
durch eine schriftliche Anmeldung geltend gemacht.
Art.
67
Abs.
1
der Ver
ordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(
AHVV
) ist sinngemäss anwendbar
.
Nach
Art.
20
Abs.
2 ELV hat d
as Anmeldeformular Aufschluss zu geben über die Personalien und die Einkommens- und Vermögensverhältnisse aller in die Berechnung der jährlichen Ergänzungsleistung eingeschlossenen
Personen
.
Der Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung besteht ab Beginn des Monats, in dem die Anmeldung eingereicht worden ist, sofern sämtliche gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind (
Art.
12
Abs.
1 ELG). Wird die Anmel
dung innert sechs Monaten seit der Zustellung der Verfügung über eine Rente der AHV oder der IV eingereicht, so beginnt der Anspruch mit dem Monat der Anmeldung für die Rente, frühestens jedoch mit der Rentenberechtigu
ng (
Art.
22
Abs.
1 ELV).
1.3
Gemäss
Art.
28
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts (
ATSG
)
haben die Versicherten und ihre Arbeitgeber beim Voll
zug der Sozialversicherungsgesetze unentgeltlich mitzuwirken (
Abs.
1). Wer Ver
sicherungsleistungen beansprucht, muss unentgeltlich alle Auskünfte erteilen,
die zur Abklärung des Anspruchs und
zur Festsetzung der Versicherungsleistungen erforderlich sind (
Abs.
2). Personen, die Versicherungsleistungen beanspruchen, haben alle Personen und Stellen, namentlich Arbeitgeber, Ärztinnen und Ärzte, Versicherungen sowie Amtsstellen im Einzelfall zu ermächtigen, die Auskünfte zu erteilen, die für die Abklärung des Leistungsanspruchs erforderlich sind. Diese Personen und Stellen sind zur Auskunft verpflichtet (
Abs.
3).
1.4
Im
Sozialversicherungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Danach haben der Versicherungsträger oder das Durchführungsorgan und im Beschwerdefall das kantonale Versicherungsgericht von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblich
en Sachverhalts zu sorgen (
Art.
43
Abs.
1 und
Art.
61
lit
.
c ATSG). Der Untersuchungsgrundsatz wird durch die Mitwirkungs
pflicht der Versicherten respektiv
e der Parteien beschränkt (
Art.
28 und
Art.
43
Abs.
2 ATSG), vor allem in Bezug auf Tatsachen, die sie besser kennen als die (Verwaltungs- oder Gerichts-) Behörde und welche diese sonst gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand erheben könnte (Urteil des Bundesgerichts 9C_34
1/2020 vom
4.
September 2020 E.
2.2).
1.5
Kommen die versicherte Person oder a
ndere
Personen, die
L
eistungen beanspru
chen, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann
der Versicherungsträger
aufgrund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und
Nichteintreten beschliessen. Er
muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (
Art.
43
Abs.
3 ATSG)
.
Von der Möglichkeit, auf ein Leistungsgesuch nicht einzutreten, ist nur mit grösster Zurückhaltung Gebrauch zu machen (BGE 131 V 42 E. 3). Nichteintreten kommt erst in Betracht, wenn eine Beurteilung des Leistungsbegehrens aufgrund der gesamten Aktenlage ohne Mitwirkung der Partei ausgeschlossen ist. Umge
kehrt kann ein materieller Entscheid aufgrund der Akten erst ergehen, wenn sich der rechtserhebliche Sachverhalt unabhängig von der als notwendig und zumut
bar erachteten Abkl
ärungsmassnahmen, der sich die versicherte Person ohne ent
schuldbaren Grund widersetzt hat, nicht weiter vervollständigen lässt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_763/2016 vom
9.
Oktober 2017 E. 2.2).
Eine geringfügige Verletzung der Mitwirkungspflicht rechtfertigt kein Nichteintreten und kann eine Rechtsverweigerung darstellen. Wenn ein materieller Entscheid möglich ist, soll kein
Nichteintretensentscheid
gefällt werden (vgl.
Carigiet
/Koch, Ergänzungsleis
tungen zur AHV/IV,
3.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2021, S. 90 f.).
2.
2.1
Die
Stadt Schlieren
hielt im angefochtenen
Einspracheentscheid
(
Urk.
2)
im Wesentlichen
fest,
dass die Beschwerdeführerin auch nach mehreren
Mahnungen
die vollständigen Unterlagen
nicht
eingereicht habe. Mit
S
chreiben vom 3
0.
November 2020 sei ihr
daher eine letzte Frist bis am
1
6.
Dezember 2020 angesetzt worden, wobei die Beschwerdeführerin darauf aufmerksam gemach
t worden sei, dass bei Nichteinreichen
der fehlenden Unterlagen bis zum genannten Zeitpunkt das Gesuch als nicht gestellt betrachtet werde. Die Beschwerdeführerin habe daraufhin erneut nicht die vollständigen Unterlagen eingereicht, weshalb die
Ablehnungsverfügung vom 2
3.
Dezember 2020
erlassen worden
sei.
Im
Einspracheverfahren
sei
der Beschwerdeführerin
sodann
mit Schreiben vom
8.
Febru
ar 2021 eine letzte Frist bis am
2
6.
Februar 2021 zum Einreichen
der vollständigen Unterlagen
an
gesetzt
worden
, wobei detailliert alle noch fehlenden Unterlagen aufgelistet worden seien.
Die Beschwerdeführerin habe daraufhin m
it Schreiben vom 2
2.
Februar 2021 diverse Unte
rlagen eingereicht
. Nach Durchsicht dieser Unterlagen sei
allerdings festgestellt worden
, dass weiterhin für die Berechnung relevante Unterlagen fehlen würden. Ausserdem seien neue Fakten aufg
etaucht (beispielsweise
Säule 3a-
Konto), welche nie gemeldet worden seien (S. 1 f.).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin im Wesentlichen auf den Standpunkt,
es sei
nicht
berücksichtigt
worden
, dass die Unterlagen unter erschwer
ten Bedingungen hätten organisiert werden müssen. Sie leide an erheb
lichen psychischen Problemen
sowie
an ei
ner Suchtproblematik.
Ausserdem
sei
sie ab dem 1
7.
November 2020
inhaftiert
gewesen
. Dennoch sei alles unternom
men worden, um die geforderte
n Unterlagen einzureichen
.
I
nnert der
zuletzt
angesetzten Frist
seien schliesslich
sämtliche geforderten Unterlagen eingereicht worden
und es hätten
zu diesem Zeitpunkt alle notwendigen Unterlagen für
ein
e Berechnung vorgelegen
.
Die
Stadt Schlieren
habe es im angefochtenen
Ein
spracheentscheid
in Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör unterlassen, eine genaue Auflistung der weiterhin noch fe
hlenden Unterlagen vorzunehmen, damit
sie
ihrer Mitwirkungspflicht
hätte
nachkommen
und die geforderten Unterlagen einreichen können.
Im Gesetz werde keine Frist festgelegt, bis wann die
Unterlagen für eine EL-Anmeldung vorliegen müssten. Die Tatsache, dass die
Stadt Schlieren
unter den gegebenen Umständen keine Nachfrist gewährt habe, um die
neuerdings
noch fehlenden Unterlagen nachzureichen, sei überspitzt formalistisch und stelle eine unzulässige Rechtsverweigerung dar (
vgl.
Urk.
1 S.
6
f
f.
;
Urk.
12 S. 2 ff.)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdegegnerin respektive die Stadt Schlieren
das Zusatzleistungsg
esuch
der Beschwerdeführerin
infolge Nichtein
reichen der Unterlagen zu Recht abgelehnt hat.
3.
3.1
Aus den Akten ergibt sich, dass das von der Beschwerdeführerin ausgefüllte und unterschriebene Anmeldeformular für Zusatzleistungen zur AH
V/IV der Stadt Schlieren (
Urk.
8
/1a) sowohl über ihre Personalien als auch über die Einkom
mens- und Vermögensverhältnisse Aufschluss gibt
, wobei
– wie sich nachweis
lich herausstellte
–
einige
Fragen falsch
beantwortet
wurden
, etwa das Vorhan
densein eines Bankkontos sowie eines
Kontos der
3.
Säule (vgl.
Urk.
8
/1a S. 5
Ziff.
7.1-7.2).
3.2
Die
Stadt
Schlieren bestätigte den Eingang der Anmeldung mit Schreiben vom
5.
August 2020 (
Urk.
8/1b S. 2). Mit weiterem Schreiben vom 2
5.
August 2020 (
Urk.
8/1b S. 1) bestätigte diese nochmals den Eingang des Gesuchs um Zusatz
leistungen und wies die Beschwerdeführerin – da das Gesuch ohne Unterlagen eingereicht worden sei
–
darauf hin, dass sämtliche Unterlagen zum Gesuch gemäss Fragebogen bis spätestens am 3
0.
November 2020 zugestellt werden müssten. Am 2
7.
August 2020 (Eingangsstempel) gingen bei der
Stadt
Schlieren
etwa
die Versicherungspolice der Krankenkasse für das Jahr 2020 (
Urk.
8/1c S. 1
f.
)
, die IV-Verfügung vom 2
6.
Mai 2020 (
Urk.
8/1f), wonach der Beschwerde
führerin ab dem
1.
Oktober 2018
eine ganze Invalidenrente zusteht, die
Zusprache
der Individuellen Prämienverbilligung für das Jahr 2020 (
Urk.
8/1r), ein Gesuch um Drittauszahlung von Leistungen der AHV/IV/EO/EL/FZ (
Urk.
8/1s)
sowie
eine Ausweiskopie (
Urk.
8/1t)
ein. Die Stadt
Schlieren tätigte
zudem
eigene Abklärun
gen, etwa Anfragen bei der Einwohnerkontrolle
sowie
dem Gemeindesteueramt
und dem Strassenverkehrsamt
(
Urk.
8/1e;
Urk.
8/1v-x).
Da nicht sämtliche zur Berechnung benötigten Unterlagen vorlagen, forderte die
Stadt
Schlieren die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 2
2.
September 2020 (
Urk.
8/4a) auf, diese bis spätestens am 1
5.
Oktober 2020 zuzustellen. Dabei listete die
Stadt
Schlieren die noch fehlenden Unterlagen detailliert auf
:
-
Saldoabschluss inklusiv
e
Zinsausweis von allen vorhandenen Konten per: 3
1.
Dezember 2017, 3
1.
Dezember 2018 und 3
1.
Dezember 2019
-
detaillierte Kontoauszüge von sämtlichen Konten der letzten drei Monaten
-
vollständiges Beiblatt Heimaufenthalt
-
Krankenkassenpolice der Grund- und Zusatzversicherung für die Jahre 2018 und 2019
-
letzte Heimrechnung des
Y._
-
genaue Angaben über die Aufenthaltsadresse ab dem
1.
Oktober 2018 (im
Y._
erst seit
9.
September 2019); bitte entsprech
ende Mietverträge inklusive
Mietzinsquittungen oder Heimverträge einreichen
-
letzte definitive Steuererklärung
Nach unbenütztem Ablauf der Frist erinnerte die
Stadt
Schlieren die Beschwer
deführerin mit Schreiben vom 1
9.
Oktober 2020 (
Urk.
8/4b) nochmals an die fehlenden Unterlagen und bat um Zustellung dieser bis spätestens
am
6.
Novem
ber 202
0.
In diesem Zusammenhang wies die
Stadt
Schlieren die Beschwerde
führerin auf ihre Mitwirkungspflicht gemäss
Art.
28 und
Art.
43
Abs.
3 ATSG
hin. Dieses Schreiben blieb nach Lage der Akten ebenfalls unbeantwortet, weshalb die
Stadt
S
chlieren der
Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 3
0.
No
vem
ber 2020 (
Urk.
8/4c)
eine letzte Frist bis am 1
6.
Dezember 2020 zur Einrei
chung der Unterlagen ansetzte. Dabei machte sie die Beschwerdeführerin explizit darauf aufmerksam, dass bei Nichteintreffen
der
verlangten Belege
bis zum genannten Zeitpunkt das Gesuch als n
icht gestellt betrachtet werde und dies zur Folge hätte, dass sie sich erneut anmelden müsste, wobei die Anspruchsberech
tigung erst auf das neue Anmeldedatum gegeben wäre. Daraufhin reichte die Beschwerdefüh
rerin mit Schreiben vom 1
4.
Dezember 2020 (
Urk.
8/4d) diverse Unterlagen ein.
So gingen das Beiblatt Heimaufenthalt
vom 2
7.
November 2020 der
Y._
einschliesslich des Aufenthaltsvertrags vom
9.
September 2019 (
Urk.
8/1o),
die Krankenkassen
policen der Jahre 2018 und 2019 (
Urk.
8/1c S. 3 ff.
)
sowie
der Einschätzungs
entscheid der Staats- und Gemeindesteuern für das Jahr 2019 (
Urk.
8/1q
) ein. Ausserdem
erklärte
die Beschwerdeführerin
unter Beilage
entsprechender
Unter
lagen (
Urk.
8/1i
;
Urk.
8/1k S. 2 f.;
Urk.
8/1n
;
Urk.
8/1o S. 2 ff.
),
wo
sie
sich in der Zeit ab dem
1.
Oktober 2018 aufgehalten habe
, und
informierte
schliesslich
darüber, dass die aufgrund ihres Gefängnisaufenthaltes direkt bei der Bank mittels Unterschrift angeforderten Kontoauszüge und Saldoabschlüsse bisher noch nicht eingegangen seien
(vgl.
Urk.
8/4d S. 1)
.
Die Stadt Schlieren lehnte
daraufhin
das Gesuch um Zusatzleistungen infolge Nichteinreichen der Unter
lagen mit Verfügung vom 2
3.
Dezember 2020 (
Urk.
8/2a) ab.
3.3
Dagegen erhob die Beschwerdeführerin am
1.
Februar 2021 Einsprache und wies erneut darauf hin, dass – erschwert durch ihren Gefängnisaufenthalt
–
die noch fehlenden Kontoauszüge zwar bestellt, bisher allerdings noch nicht eingetroffen seien (
Urk.
8/3a). Die
Stadt
Schlieren gewährte der Beschwerdeführerin
in der Folge
mit Schreiben vom
8.
Februar 2021 (
Urk.
8/3b) eine allerletzte Frist bis
am
2
6.
Februar 2021
, um folgende Unterlagen vollständig einzureichen:
-
Saldoabschlüsse inklusiv
e
Zinsausweis von allen vorhandenen Konten per: 3
1.
Dezember 2017, 3
1.
Dezember 2018, 3
1.
Dezember 2019 und 3
1.
Dezember 2020
-
detaillierte Kontoauszüge von sämtlichen Konten der letzten drei Monaten
-
ist die Beschwerdeführerin
zur Zeit
immer noch im Strafvollzug?
-
wird die IV-Rente weiterhin ausbezahlt? Aktueller Beleg des Rentenein
gangs einreichen
-
Aufenthaltsabklärungen, bitte folgende Unterlagen einreichen
:
-
Hotel
Z._
: Vertrag und Rechnungen
-
Suchttherapie
A._
: Rechnungen
-
Heim
Y._
: Rechnungen
Die
Stadt
Schlieren wies die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang darauf hin, dass bei nicht vollständigem Eintreffen d
er
erwähnten Unterlagen das Gesuch als nicht gestellt betrachtet werde. Mit Schreiben vom 2
2.
Februar 2021 (
Urk.
8/3c) reichte die Beschwerdeführerin Saldoabschlüsse und K
ontoauszüge
der
Bank B._
(
Urk.
8/1d
)
sowie
Rechnungskopien vom Hotel
Z._
, der Suchttherapie
C._
, des Hotels
D._
und dem
Y._
ein
(
Urk.
8/1g-h
,
Urk.
8/1j-l
)
.
Ausserdem informierte sie darüber, dass sie sich nach wie vor im Strafvollzug befinde und ein Austritt vor April 2021 unwahrscheinlich sei. Weiter gab sie an, dass die S
VA Zürich nicht über den Haftan
tritt informiert und dies nun nachgeholt worden sei. Die
Invalidenrente
in der Höhe von
Fr.
1'647.--
sei bis und mit Dezember 2020 ausbezahlt worden (vgl.
Urk.
8/3c S. 1). Hierfür r
eichte s
ie einen Buchhaltungsauszug (
Urk.
8/3c S. 3) ein.
Die
Stadt Schlieren erliess daraufhin den
vorliegend angefochtenen
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) und hielt fest, dass nach genauer Durchsicht der nun eingereichten Unterlagen fest
gestellt worden sei, dass weiterhin für die Berechnung relevante Unterlagen fehlen würden und
ausserdem neue Fakten (beispielsweise
Säule 3a Konto) auf
getaucht seien, welche nie gemeldet w
orden seien (vgl.
Urk.
2 S. 2).
4.
4.1
Der soeben geschilderte Sachverhalt
zeigt auf
, dass die Beschwerdeführerin
–
wenn auch erst nach wiederholten Mahnungen, was sich aufgrund
ihres Gesund
heitszustandes sowie
des ab dem 1
7.
November 2020 erfolgten Gefäng
nisaufent
halt
es
(vgl.
Urk.
8/4d S. 3)
zumindest
teilweise
erklären lässt
–
versucht hat, die von der
Stadt Schlieren
jeweils
einverlangten
Unterlagen voll
ständig einzu
reichen.
Im Zeitpunkt des Erlasses der Ablehnungsverfügung
vom 2
3.
De
zember 2020 (
Urk.
8/2a)
fehlten einzig die
einverlangten
Saldoabschlüsse und Kontoaus
züge
sowie die letzte Heimrechnung des
Y._
.
Die Beschwerde
führerin erklärte in diesem Zusammenhang nachvollziehbar, weshalb die ange
forderten Bankaus
züge noch nicht vorlagen (vgl.
Urk.
8/4d S. 1)
.
Wie die ein
ge
reichten Schreiben und E-Mails belegen, wurden zum Einreichen dieser
Konto
auszüge zahlreiche Anstrengungen unternommen (vgl.
Urk.
13/3-7
).
Hinsichtlich der
einver
langten
letzten Rechnung für die Heimkosten des
Y._
ist anzu
merken, dass die Beschwerdeführerin keine Rechnung, sondern lediglich ein
interner
Zahlungsauf
trag für den Monat Mai 2020 und damit ein auch nicht aktueller Beleg eingereicht hat (vgl.
Urk.
8/1o letzte Seite).
Die übrigen gemäss Schreiben vom 2
2.
September 2020 (
Urk.
8/4a)
ausdrücklich
einverlangten
Unter
lagen –
Beiblatt Heimaufent
halt, Krankenkassenpolice für die Jahre 2018 und 2019,
Angaben
zur
Aufent
haltsadresse ab dem
1.
Oktober 2018 sowie
die
letzte definitive Steuererklärung
–
wurden
soweit ersichtlich
allesamt
vollständig
eingereicht
(vgl.
Urk.
8/1c S. 3 ff.;
Urk.
8/1i;
Urk.
8/1k S. 2 f.;
Urk.
8/1n;
Urk.
8/1o S. 2 ff.;
Urk.
8/1q).
4.2
Innert der von der Stadt Schlieren anlässlich des
Einspracheverfahrens
gewährten Nachfrist
wurden sodann
die noch fehlenden Saldoabschlüsse und Kontoauszüge der
Bank B._
(
Urk.
8/1d) sowie sämtliche Rechnungen des
Y._
(
Urk.
8/1l)
vollstän
dig
eingereicht. Auch die von der Stadt Schlieren mit Schreiben vom
8.
Februar 2021 (
Urk.
8/3b) zusätzlich
einverlangten
Auskünfte und Unterlagen – Auskunft über den Strafvollzug,
aktueller
Beleg des Eingangs der Invalidenrente sowie Ver
trag und Rechnungen des Hotels
Z._
sowie der Suchttherapie
A._
–
wurden
soweit ersichtlich
eingereicht. So gingen
Rechnungen des Hotels
Z._
,
der Suchttherapie
C._
sowie
des Hotels
D._
ein
(
vgl.
Urk.
8/1g-h;
Urk.
8/1j-l)
und die Beschwerdeführerin informierte darüber,
dass sie sich nach wie vor im Strafvollzug befinde und ein Austritt vor April 2021 unwahrscheinlich sei
. Weiter gab sie an, dass die SVA Zürich nicht über den Haftantritt informiert und dies
mit E-Mail vom 1
7.
Februar 2021
nun nachgeholt worden sei. Die Invalidenrente in der Höhe von
Fr.
1'647.-- sei bis und mit Dezember 2020 ausbezahlt worden (vgl.
Urk.
8/3c S. 1). Hierfür reichte sie einen Buchhaltungs
beleg
(
Urk.
8/3c S. 3) ein.
4.3
Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer einzelnen Person ein
greift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass eines solchen Ent
scheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflus
sen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGE 144 I 11 E. 5.3, 143 V 71 E. 4.1, je mit Hinweisen).
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 ATSG), das heisst eine Darstellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwägungen. Gemäss Art. 52 Abs. 2 Satz 2 ATSG werden
Einspracheentscheide
begründet. Die aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV fliessende Begründungspflicht gebietet nicht, dass sich das kantonale Gericht beziehungsweise der Versicherungsträger mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor
bringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sich die Behörde auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich die betroffene Person über die Tragweite des Entscheids Rechen
schaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiter
ziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich das Gericht respektive der Versicherungsträger hat leiten lassen und auf die sich sein Entscheid stützt (BGE 142 II 49 E. 9.2, 136 I 229 E. 5.2, je mit Hinweisen).
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des recht
lichen Gehörs führt ungeachtet der materiellen Begründetheit des Rechtsmittels in der Sache selbst zur Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids (BGE 144 I 11 E. 5.3, 137 I 195 E. 2.2). Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkreten Fall für den Ausgang der materiellen Streitentscheidung von Bedeutung ist, das heisst die Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
, 126 V 130 E. 2b mit Hinweisen).
4.4
W
ie zuvor aufge
zeigt (vorstehend E. 4.1-4.2), ergibt sich
nicht ohne Weiteres, welche Unterlagen der Stadt Schlieren zur Beurteilung des Zusatzleistungs
gesuchs noch gefehlt haben könnten. Diese begnügte sich sowohl im vorliegend angefochtenen
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) als auch in der Beschwerdeantwort (
Urk.
7) damit, auf die weiterhin nicht vollständigen Unterlagen hinzuweisen,
ohne diese konkret zu benennen.
Einzig der handschriftliche Vermerk auf dem Schreiben vom
8.
Februar 2021 (
Urk.
8/3b) lässt er
ahnen
, dass
nach Ansicht der Stadt Schlieren
nicht der aktuellste
Beleg des R
enteneingangs
eingereicht wurde. Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass
infolge des Gefängnisaufenthaltes der Beschwerdeführerin eine Sistierung der Invalidenrente im Raum stand (vgl.
Art.
21
Abs.
5 ATSG) und diese – nachdem die IV-Stelle mit E-Mail vom 1
7.
Februar 2021 (
Urk.
8/3c S. 2) über den Haftantritt informiert worden war
–
schliesslich mit Verfügung vom 2
5.
Februar 2021 (
Urk.
13/8) auch rückwirkend ab
dem
1.
Dezember 2020 erlassen wurde. Obwohl die Stadt Schlieren
unverzüg
lich über den
ab dem 1
7.
November 2020 erfolgten Haftantritt informiert wurde
(vgl. E-Mail vom 2
5.
November 2020 in
Urk.
13/2 S. 4),
hat sie ihrerseits nie eine
allfällige
Sistierungsverfügung
einverlangt
.
Es trifft zwar zu, dass – wie sich nachträglich herausstellte –
die Invalidenrente auch bereits
für die Monate Januar und Februar 2021
ausbezahlt
worden war
(vgl. Rückforderungsverfügung vom 3
0.
April 2021,
Urk.
13/9)
.
Die Beschwerdeführerin war aufgrund der Aussage der Buchhaltung, wonach die Invalidenrente bis und mit Dezember 2020 ausbezahlt worden sei (vgl.
Urk.
8/3c),
indessen
im Zeitpunkt des Ablaufs der Nachfrist zur Einreichung der Unterlagen
der Überzeugung,
den aktuellsten Beleg über den Renteneingang eingereicht zu haben.
Soweit die Stadt Schlieren
im angefochtenen
Einspracheentscheid
überdies auf neue Fakten hinwies, bleibt unklar, welche
weiteren
neuen
Fakten damit gemeint sind, wird das Säule 3a-Konto
doch
nur als Beispiel aufgelistet (vgl.
Urk.
2 S. 2). Hinsichtlich dieses Säule 3a-Kontos ergibt sich anhand der eingereichten Konto
auszüge tatsächlich, dass die Beschwerdeführerin über ein solches Konto mit einem Saldo von
Fr.
1'270.70 verfügt (vgl.
Urk.
8/1d S. 3 ff.), obwohl sie die dies
bezügliche Frage auf dem Anmeldeformular verneint hat (vgl.
Urk.
8/1a S. 5
Ziff.
7.2). Allerdings erschliesst sich nicht, inwieweit diesbezüglich noch Unter
lagen zur Berechnung des Z
usatzleistungsanspruchs fehlen.
Der
Einspracheentscheid
erweist sich
damit
insgesamt als mangelhaft begründet und der Beschwerdeführerin bleibt es
damit
verwehrt, sich zu den
aus Sicht der
Stadt Schlieren
weiterhin fehlenden Unterlagen und
zu den angeblich
neuen Fakten zu äussern. Mit diesem Vorgehen hat die Stadt Schlieren den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt.
4.5
Nach dem
Gesagten ist festzuhalten, dass
infolge
mangelhafter Begründung des
Einspracheentscheids
in
Verletzung des rechtlichen Gehörs
der Beschwerde
führerin
unklar bleibt, welche Unterlagen zur Beurteilung des Leist
ungsanspruchs weiterhin fehlen
und welche
weiteren
neuen Fakten aufgetaucht sind
.
Eine Heilung der
Gehörsverletzung
(
vgl. hierzu
BGE 142 II 218 E. 2.8.1, 137 I 195 E. 2.3.2)
fällt vorliegend ausser Betracht.
Aus diesem Grund ist der
Einspracheentscheid
aufzuheben und die Sache zurück
zuweisen, damit die Beschwerdegegnerin
neu über das Zusatzleistungsgesuch entscheide
und ihren Entscheid
nachvollziehbar begründe.
5
.
5
.1
Das Verfahren ist kostenlos.
5
.2
Ausgangsgemäss steht der obsiegenden vertretenen Beschwerdeführerin eine Pro
zessentschädigung zu, die gemäss
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) – ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Pro
zesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen ist.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien ist die Prozess
entschädigung vorliegend auf
Fr.
1'9
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
)
festzu
setzen.