Decision ID: 035b9628-5cfd-4bb3-ab51-7a8b74ec1a1c
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1976, arbeitet
seit Oktober 2000 als
Produktions
mit
arbeiterin
bei der
Y._
AG in
Z._
(Urk.
10/11/1
und
Urk.
10/116
)
. A
m 1
0.
Mai 2005 (Eingangsdatum)
meldete sich die Versicherte
wegen eines follikulären Schilddrüsen-Karzinoms
bei der
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
10/1). Die IV-Stelle nahm medizinische und beruflich-erwerbliche Abklärungen vor und sprach der Versicherten
basierend auf einem
Invaliditäts
grad
von 50
%
per
1.
Oktober 200
5 eine halbe Rente zu (
Urk.
10/2
1
).
Nachdem die IV-Stelle im November 2006
ein Revisionsverfahren eingelei
tet
hatte
und
die Versicherte im
A._
explo
riert worden war
(Expertise vom
8.
April 2008,
Urk.
10/41),
hob
sie
die halbe Rente
mit Verfügung vom 2
2.
September 2008 gestützt auf einen
Invaliditäts
grad
von 30
%
per Ende Oktober 2008
auf (
Urk.
10/52). Die dagegen von der Ver
sicherten am 2
3.
September 2008 beim hiesigen Gericht erhobene Beschwerde wurde mit Urteil vom 1
5.
Februar 2010
in dem Sinne gutgeheissen,
dass
das Gericht
die IV-Stelle zu ergänzenden medizinischen Abklärungen ver
pflichtete
(
Prozess-Nr.: IV.2008.00986;
Urk.
10/58). Daraufhin gab
die IV
Stelle
bei der MEDAS
B._
ein G
utachten in Auftrag, das am 28.
März 201
1
erstattet wurde
(
Urk.
10/71)
,
und hob die Rente der Versicherten m
it Verfügung vom 2
0.
Juli 2012
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 4
%
erneut
per Ende Oktober 2008
auf (
Urk.
10/107).
Dagegen erhob die Versicherte am 1
4.
Sep
tember 2012 beim hiesigen Gericht Beschwerde (
Urk.
10/108
/4-8
), wel
che mit Urteil vom 1
7.
Dezember 2012
abgewiesen wurde
(Prozess-Nr.: IV.2012.00960;
Urk.
10/112).
Das
Urteil vom 1
7.
Dezember 2012 erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Am 1
1.
Februar 2013 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte wegen Angst und Depression bei der IV-Ste
lle zum Leistungsbezug an (Urk.
10/113).
Mi
t Schreiben vom 1
4.
Februar 2013
forderte die IV-Stelle die Versicherte auf,
bis zum 1
8.
März 2013
Beweismittel dafür einzureichen,
dass sich die tatsächli
chen Verhältnisse
seit
Erlass
der letzten Ve
rfügung
erheblich verändert haben
. Ansonsten werde
das G
esuch nicht geprüft und auf die
Anmeldung nicht ein
getreten
(
Urk.
10/115).
Nachdem
sich die Versicherte
innert der angesetzten Frist bis
zum
1
8.
März 2013 nicht hatte vernehmen lassen, trat die IV-Stelle
nach
durchgeführtem
Vorbeschei
dverfahren
(Vorbescheid vom 22.
März 2013,
Urk.
10/118,
und Einwand vom
2.
April 2012 [
richtig: 2013
],
Urk.
10/120)
mit Verfügung vom 3
1.
Mai 2013 auf die Neuanmeldung der Versicherten
mangels
glaubhaft gemachter wesentlicher Änderun
g des Gesundheitszustands
seit der letzten Verfügung vom
20.
Juli 2012
nicht ein (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 2
8.
Juni 2013 Beschwerde und beantragte
sinngemäss
, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei auf ihr Leistungsbegehren einzutreten
(
Urk.
1)
.
Mit Beschwerdeantwort vom 13.
Sep
tember 2013 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abw
eisung der Beschwer
de (
Urk.
9). Mit Stellungnahme vom 2
6.
September 2013 hielt die Beschwerde
führerin an ihren Anträgen fest
(Urk.
12), was der
Beschwerde
geg
nerin
am 3
0.
September 2013 angezeigt wurde (
Urk.
13)
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Wurde eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert
(
oder aufgehoben
)
,
so wird nach
Art.
87
Abs.
3 der Verordnung über die Invaliden
versi
cherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn di
e Voraus
setzun
gen gemäss
Abs.
2
dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im
Revi
sions
ge
such
glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklä
ren und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft
gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (vgl. dazu BGE 130 V 71; AHI 1999 S. 84 E. 1b mit Hinwei
sen; vgl. auch AHI 2000 S. 309 E. 1b mit Hinweisen).
1.3
Bei der Prüfung der Frage, ob die Vorbringen der versicherten Person glaubhaft sind, berücksichtigt die Verwaltung, ob seit der rechtskräftigen Erledigung des letzten Leistungsgesuchs lediglich kurze oder schon längere Zeit vergangen ist; je nachdem sind an die Glaubhaftmachung einer Änderung des rechtserhebli
chen Sachverhalts höhere oder weniger hohe Anforderungen zu stellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_236/2011 vom
8.
Juli 2011 E. 2.1.1 und 9C_688/2007 vom 2
2.
Januar 2008 E. 2.2).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 m
it w
eiteren Hinweisen).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf die Neu
anmeldung
vom 1
1.
Februar 2013 (
Urk.
10/113) eingetreten ist. Dabei stellt sich die Frage, ob die Beschwerdeführerin glaubhaft gemacht hat, dass sich ihr Gesundheitszustand seit Erlass der rentenaufhebenden Verfügung
vom 2
0.
Juli 2012
erheblich verändert hat.
2.2
Wie eingangs erwähnt, wurde die rentenaufhebende Verfügung der
Beschwer
degegnerin
vom 2
0.
Juli 2012 vom
hiesige
n
Gericht
mit Urteil vom 1
7.
De
zem
ber 2012
, das unangefochten in Rechtskraft erwuchs,
bestätigt
. Das Gericht kam dabei
i
m Wesentlichen gestützt auf das
Gutachten der MEDAS
B._
vom 2
8.
März 2011
, worin als einzige
Diagnose mit wesentlicher Einschrän
kung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit eine
ängstlich-depressive
Anpassungs
störung
, höchstens einer leichten depressiven Episod
e entsprechend (ICD-10 F33.00)
,
genannt wurd
e
(vgl.
Urk.
10/71/21)
, zum Schluss,
dass
seit
der
Begut
achtung durch das
A._
im Frühjahr 2008 sowohl aus somatischer als auch aus psychischer Sicht von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit der
Beschwer
deführer
in auszugehen sei (
Urteil IV.2012.00960 vom 1
7.
Dezember 2012
E. 4.1 u
nd E. 4.2,
Urk.
10
/112/
13-
15).
2.3
Im Rahmen
der Neuanmeldung
vom 1
1.
Februar 2013
berief sich die Beschwer
de
führerin im
Einwand
vom
2.
April 201
3
(
vgl. auch
Beschwerde vom 2
8.
Juni 2013,
Urk.
1, und
Stellu
ngnahme vom 26.
September 2013,
Urk.
12)
auf den bereits in den Verfahrensakten
sich
befinden
den
Bericht von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
, vom 13.
September 2012 (
Urk.
10/109
/3-9
).
Des Weiteren reichte sie im vorliegenden
Beschwerdever
fahren
das ärztliche Zeugnis von Dr.
C._
vom 2
7.
Juni 2013 ein (
Urk.
3/6).
Dr.
C._
, seit
18. Juni 2012 behandelnder Psychiater der Beschwerdeführerin, diagnostizierte in seinem Bericht vom 13.
September 2012
(1)
eine
Schmerzver
arbeitungsstörung
mit chr
onischem Schmerzerleben (ICD-10
F45.8),
(2)
eine deutliche neurasthenische
depressive Überlagerung (ICD-10
F38.8)
und (3)
latente hypochondrische Ängste. Sodann notierte er, das Beck-Depressions-Inven
tar habe einen Wert von 28 Punkten ergeben, was in den Bereich einer
schweren Depression falle.
Zwar sei die Zeit seit Behandlungsbeginn im Juni 2012 noch zu kurz, um die Verlaufscharakteristik der Depression klar zu bestimmen. Gestützt auf die Aussagen der Beschwerdeführerin sei die depres
sive Verstimmung seit der Operation und der folgenden Verschlechterung des Gesundheitszustandes noch deutlicher geworden. Schwerste Krisen hätten sich nicht abgezeichnet, aber es werde von einem steten Abnehmen der Befindlich
keit berichtet. Mithin handle es sich um ein Geschehen, welches sekundär zu gesundheitlichen Störungen im somatischen Bereich als Residuum von massi
ven therapeutischen Massnahmen und misslungener Krankheitsverarbeitung entstanden sei, jedoch deutlich schwerer wiege als eine
Dysthymie
, und weder rezidivierend noch episodisch sei. Daher habe er die Codie
rung ICD-10
F38.8
gewählt.
Aufgrund der von ihm festgestellten
Beeinträchtigungen schätzte Dr.
C._
die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin auf zumindest 65 bis 70 %, wobei die Restarbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit nur unwesentlich höher sei. Gelegentlich könnten auch Haushaltsarbeiten erledigt werden. In diesem Bereich bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50 bis 55 % (Urk.
10
/109
/3-9
).
Im
ärztlichen Zeugnis vom
2
7.
Juni 2013 erklärte
Dr.
C._
, dass die am 13. September 2012
erhobenen
psychopathologischen
Befunde nach wie vor
bestehen würden.
Die therapeutische Beeinflussbarkeit sei bislang gering ge
wesen, wozu vor allem die Unverträglichkeit mehrerer Antidepressiva beitrage. Dazu komme auch die Konflikthaftigkeit des innerpsychischen Geschehens, das wenig Veränderung erlaube.
Eine gesundheitliche Beeinträchtigung und mithin eine neuerliche Verschlechterung des gesundheitlichen Zustandes sei
damit
ausgewiesen (
Urk.
3/6).
3.
3.1
Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend
bemerkte
(
Urk.
9), wurde
der Bericht von
Dr.
C._
vom 1
3.
September 2012, der lediglich knapp
zwei
Monate nach Erlass der rentenaufhebenden Verfügung vom 2
0.
Juli 2012 erstellt wurde, bereits in den Erwägungen des Urteils des hiesigen Gerichts vom 1
7.
Dezember 2012 eingehend gewürdigt
.
Das Gericht
hielt
damals
fest, dass
Dr.
C._
sich nicht mit den vorhandenen medizinischen Akten auseinan
dergesetzt
und
nicht nachvollziehbar dargelegt habe, weshalb eine fast vollständige Beeinträchti
gung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführer
in
gegeben sein solle.
Weiter
kam das Gericht auch zum Schluss
, dass e
ine Verschlechterung des Gesund
heitszustands
(
bis zum
Erlass der Verfügung vom 2
0.
Juli 2012
)
durch die medizinischen Akten
nich
t ausgewiesen
sei
(
Urteil IV
.
2012.00960 vom
17.
Dezember 2012 E.
4.2,
Urk.
10/112/15).
Unter diesen Umständen erübrigen sich
weitere Erwägungen zum Bericht von
Dr.
C._
vom 13
.
September 201
2.
Dem ärztlichen Zeugnis von
Dr.
C._
vom 2
7.
Juni 2013 ist sodann
im Wesent
lichen
zu entnehmen, dass
die therapeutische Beeinflussbarkeit
der am 1
3.
September 2012 festgestellten Beschwerden
wegen der Unverträglichkeit mehrerer Antidepressiva und der Konflikthaftigkeit des innerpsychischen Geschehens
der Beschwerdeführerin
bislang gering gewesen sei
(vgl. E. 2.3).
Es ist indes
nicht nachvollziehbar, weshalb
Dr.
C._
derart vage Angaben macht und
beispielsweise
nicht erläutert, auf welche Antidepressiva die Beschwerde
führerin ni
cht anspricht,
oder
auch nur
erklärt, wie oft sie im vergangenen Jahr bei ihm in der Sprechstunde war.
Auch das ärztliche
Zeugnis
vom 2
7.
Juni 2013
ist demnach wenig aussagekräftig.
Insbesondere geht aber aus diesem Zeugnis keine Verschlechterung des Gesundheitszustands seit dem Bericht vom 1
3.
September 2012 hervor.
A
ngesichts dessen
, dass
vorliegend
an die Glaubhaftmachung
einer Verände
rung des Invaliditätsgrades
hohe Anforderungen zu stellen
sind
, da sich die Beschwerdeführerin
nur
sehr kurze Zeit,
nachdem das am 20.
Dezember 2012 versandte Urteil des hiesigen Gerichts vom
17.
Dezember 2012 in
Rechtskraft erwachsen war (vgl.
Urk.
10/112
/19)
,
erneut bei der IV-Stelle zum
Leistungsbe
z
ug
anmeldete (Anmeldung vom
11.
Februar 2013,
Urk.
10/113; vgl. E. 1.3)
, ist das Vorliegen genügender Anhaltspunkte für
eine
anspruchsrelevante Ver
schlechterung des psychischen Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin
seit Erlass der Verfügung vom 20. Juli 2012
aufgrund des Berichts
von Dr.
C._
vom 1
3.
September 2012 und dessen ärztlichen Zeugnisses
vom 27.
Juni 2013
zu verneinen.
3.2
Schliesslich
liegen auch keine Anhaltspunkte dafür vor, dass sich die erwerbli
chen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustands
seit Erlass der Verfügung vom 2
0.
Juli 2012
e
rhebli
ch verändert hätten
(BGE 13
0 V 343 E.
3.5)
.
3.3
Da die Beschwerdeführerin eine
anspruchsrelevante Veränderung der tatsächli
chen Verhältnisse seit Erlass der rentenaufhebenden Verfügung vom 2
0.
Juli 2012 nicht glaubhaft gemacht
hat, war die
Beschwerdegegnerin
nicht
ver
pflichtet, auf die Neuanmeldung
vom 1
1.
Februar 2013
einzutreten und diese materiell zu pr
üfen. Die
Beschwerde ist
deshalb
abzuweisen.
4.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Strei
twert festzulegen (
Art.
69 Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG) und auf Fr.
500.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unter
liegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.