Decision ID: fc7d2ec8-0fa8-4c62-adf3-f2df974229c7
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 23. Juni 2014 in der Schweiz um Asyl
nach. Anlässlich der Befragungen gab er unter anderem an, er sei eritrei-
scher Staatsangehöriger, in B._ (Subzoba C._, Zoba
D._) geboren und aufgewachsen, wo seine Eltern weiterhin wohn-
ten. Im April 2014 habe er die Schule abgebrochen. Da er befürchtet habe,
für den Militärdienest nach E._ aufgeboten zu werden, und nicht
bereit gewesen sei einzurücken, sei er am 21. April 2014 illegal in den Su-
dan ausgereist. Via diverse Länder sei er am 23. Juni 2014 in die Schweiz
gelangt.
B.
Mit Verfügung vom 29. September 2015 verneinte die Vorinstanz die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab
und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Wegen Unzumutbarkeit
schob sie den Vollzug der Wegweisung zugunsten einer vorläufigen Auf-
nahme auf.
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht
mit Urteil D-6803/2015 vom 7. August 2017 ab, womit die Verfügung vom
29. September 2015 in Rechtskraft erwuchs.
C.
Mit Strafbefehl des Regionalgerichts F._ vom (...) Juni 2017 wurde
der Beschwerdeführer wegen Hehlerei, Raufhandels (mehrfach began-
gen), Hausfriedensbruch, mehrfacher Missachtung der Ein- oder Ausgren-
zung, mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes und Über-
tretung des Eisenbahngesetzes zu einer Freiheitsstrafe von (...) Tagen, be-
dingt auf (...) Tage, sowie zu einer Busse von Fr. (...) verurteilt.
D.
Mit Strafbefehlen der Regionalen Staatsanwaltschaft F._ vom (...)
August 2017 und vom (...) September 2017 wurde der Beschwerdeführer
wegen Missachtung der Ein- oder Ausgrenzung und Übertretung gegen
das Personenbeförderungsgesetz zu einer Geldstrafe von (...) Tagessät-
zen zu (...) sowie zu einer Busse von (...) respektive zu einer Geldstrafe
von (...) Tagessätzen zu Fr. (...) verurteilt.
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E.
Am (...) September 2017 verurteilte die Regionale Staatsanwaltschaft
G._ den Beschwerdeführer zu einer Freiheitsstrafe von (...) Tagen.
F.
Mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft F._ vom (...) Ja-
nuar 2018 wurde der Beschwerdeführer wegen mehrfacher Missachtung
der Ein- oder Ausgrenzung sowie Übertretung des Betäubungsmittelgeset-
zes zu einer Freiheitsstrafe von (...) Tagen und zu einer Busse von Fr. (...)
verurteilt.
G.
Am (...) März 2018 und am (...) April 2018 verurteilte die Regionale Staats-
anwaltschaft F._ den Beschwerdeführer wegen (mehrfacher) Miss-
achtung der Ein- und Ausgrenzung zusätzlich zu einer Freiheitsstrafe von
(...) respektive (...) Tagen.
H.
Mit Schreiben vom 30. Juli 2018 gewährte die Vorinstanz dem Beschwer-
deführer auf Antrag der Migrationsbehörde des Kantons H._ das
rechtliche Gehör im Hinblick auf die beabsichtigte Aufhebung der vorläufi-
gen Aufnahme.
I.
In seiner Stellungnahme vom 6. August 2018 gelobte der Beschwerdefüh-
rer Besserung, worauf das SEM mit Schreiben vom 19. November 2018
vorerst von einer Aufhebung der vorläufigen Aufnahme absah und gleich-
zeitig eine Verwarnung aussprach.
J.
Mit Strafbefehl des Regionalgerichts F._ vom (...) Dezember 2019
wurde der Beschwerdeführer wegen Diebstahls, Missachtung der Ein- und
Ausgrenzung (mehrfach begangen), mehrfacher Hinderung einer Amts-
handlung, mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
zu einer Freiheitsstrafe von (...) Monaten, einer Geldstrafe von (...) Ta-
gessätzen zu Fr. (...) sowie einer Busse von Fr. (...) verurteilt.
K.
Mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft I._ vom (...) Ja-
nuar 2020 wurde der Beschwerdeführer wegen mehrfacher Missachtung
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der Ein- oder Ausgrenzung, Übertretung nach Art. 19a des Betäubungsmit-
telgesetzes sowie Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von 90 Tagen und zu
einer Busse von Fr. (...) verurteilt.
L.
Am 11. Dezember 2020 ersuchte der Migrationsdienst des Kantons
H._ aufgrund der Straffälligkeit des Beschwerdeführers (erneut) um
Prüfung der Aufhebung der vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers.
M.
Mit Verfügung vom 27. Mai 2021 führte die Vorinstanz aus, sie beabsichtige
im Sinne von Art. 84 Abs. 3 i.V.m. Art. 83 Abs. 7 Bst. a AIG (SR 142.20) die
Aufhebung der vorläufigen Aufnahme und die Anordnung des Vollzugs der
Wegweisung. Sie gewährte dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör
dazu.
N.
Mit Eingabe vom 7. Juni 2021 führte der Beschwerdeführer (erneut) aus,
er bereue seine Taten. Nach seiner ersten Haftentlassung sei er motiviert
gewesen, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen, es sei jedoch tur-
bulent weitergegangen und er sei rasch in seinen früheren Lebensstil zu-
rückgefallen. Er habe wenig Chancen auf Arbeit und nicht genügend Be-
gleitung und Rat erhalten, wie er in der Gesellschaft Fuss fassen könnte.
Im Nachhinein wisse er, dass er jung und dumm gewesen sei. Trotzdem
habe er es geschafft, im Jahr 2020 vor der (zweiten) Inhaftierung anständig
zu leben. Er sei abstinent gewesen, habe sich von seinen schlechten
Freunden getrennt und sei nicht mehr in die Stadt H._ gegangen.
Er habe wieder Kontakt zu seiner Familie aufgebaut, die seinen früheren
Lebensstil nie gebilligt habe. Er habe seine Fehler eingesehen und wolle
sich nach der Haftentlassung bemühen, eine Arbeit und eine Wohnung zu
finden sowie straffrei zu bleiben. In den (...) Jahren Aufenthalt in der
Schweiz habe er die deutsche Sprache gelernt. Trotz anfänglicher Anpas-
sungsschwierigkeiten, sei er mittlerweile auch mit dem Herz in der Schweiz
angekommen. Der Gedanke an eine Rückkehr nach Eritrea, wo es seit
Jahren gefährlich und unruhig sei, bereite ihm Angst. In der Justizvollzugs-
anstalt (JVA) J._ gehe er jeden Tag arbeiten, habe die Tatbearbei-
tungs- und Wiedergutmachungssitzungen vollständig mitgemacht und gute
Rückmeldungen zu seinem Vollzug erhalten. Er wünsche Unterstützung
von Sozialarbeitern und bitte um eine neue Chance.
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Seite 5
O.
Am (...) Januar 2022 wurde der Beschwerdeführer von der Regionalen
Staatsanwaltschaft K._ wegen Diebstahls, Hinderung einer Amts-
handlung, Missachtung der Ein- oder Ausgrenzung und Übertretung des
Betäubungsmittelgesetzes – begangen in den Jahren 2019 und 2020 – zu
einer Freiheitsstrafe von (...) Tagen, einer Geldstrafe von (...) Tagessätzen
zu Fr. (...) sowie einer Busse von Fr. (...) verurteilt.
P.
Mit Verfügung vom 11. März 2022 – eröffnet am 14. März 2022 – verfügte
die Vorinstanz die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme des Beschwerde-
führers, welche sie am 29. September 2015 angeordnet hatte, und ordnete
den Vollzug der Wegweisung aus der Schweiz an.
Q.
Mit Beschwerde vom 4. April 2022 an die Vorinstanz beantragte der Be-
schwerdeführer sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung
sowie die Verlängerung der vorläufigen Aufnahme. Diese Eingabe wurde
in der Folge von der Vorinstanz zur Entgegennahme als Beschwerde an
das Bundesverwaltungsgericht überwiesen, wo sie am 7. April 2022 ein-
ging.
R.
Mit Verfügung vom 8. April 2022 bestätigte die zuständige Instruktionsrich-
terin des Bundesverwaltungsgerichts den Eingang der Beschwerde und
stellte fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in
der Schweiz abwarten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Es ist keine Ausnahme betreffend das Sachgebiet gege-
ben (Art. 32 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für
die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem
Gebiet des Ausländerrechts betreffend die vorläufige Aufnahme endgültig
(Art. 83 Bst. c Ziff. 3 BGG).
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach den allgemeinen Bestimmungen der
Bundesrechtspflege (Art. 37 VGG und Art. 112 AIG).
1.3 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Der Beschwerde-
führer ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung.
Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 112 Abs. 1 AIG
i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1, Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt von E. 3 – einzutreten.
2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die
Unangemessenheit gerügt werden (Art. 112 AIG i.V.m. Art. 49 VwVG).
3.
Die zu beurteilende Beschwerde richtet sich gegen eine Verfügung laut de-
ren Dispositiv das SEM die mit Verfügung vom 29. September 2015 ange-
ordnete vorläufige Aufnahme aufgehoben (Ziff. 1), die Wegweisung ange-
ordnet (Ziff. 2) und den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegwei-
sung beauftragt hat (Ziff. 3). Die Verfügung bildet als Anfechtungsgegen-
stand in der Bundesverwaltungsrechtspflege den äusseren Rahmen, inner-
halb welchem die Parteien der Rechtsmittelinstanz ein Rechtsverhältnis
zur Beurteilung unterbreiten können. Der durch die Parteibegehren defi-
nierte Streitgegenstand darf nicht über den Anfechtungsgegenstand hin-
ausreichen. Gegenstand des Beschwerdeverfahrens kann grundsätzlich
nur sein, was Gegenstand des erstinstanzlichen Verfahrens war oder nach
richtiger Gesetzesauslegung hätte sein sollen. Vorliegend enthält das Dis-
positiv der angefochtenen Verfügung keine Regelung in Bezug auf Beglei-
tung nach der Haft mit einem Beistand, Hilfe bei einer Ausbildung oder Ar-
beitsstelle, Integration, therapeutische Hilfe oder Besuchsrecht (vgl. zweite
Seite der Beschwerdeschrift). Auf diese Anträge ist deshalb im Rahmen
des vorliegenden Beschwerdeverfahrens nicht einzutreten.
4.
Da sich die Beschwerde als offensichtlich unbegründet erweist, wurde auf
die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet (Art. 57 Abs. 1
VwVG).
5.
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5.1 Nach Art. 84 Abs. 3 AIG i.V.m. Art. 83 Abs. 7 AIG kann das SEM die
vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit des Voll-
zugs aufheben, wenn die weggewiesene Person zu einer längerfristigen
Freiheitsstrafe im In- oder Ausland verurteilt wurde (Art. 83 Abs. 7 Bst. a
AIG erster Teilsatz), wenn gegen sie eine strafrechtliche Massnahme im
Sinne von Art. 64 oder 61 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB;
SR 311.0) angeordnet wurde (Bst. a zweiter Teilsatz) oder wenn sie erheb-
lich oder wiederholt gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der
Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet oder die in-
nere oder äussere Sicherheit gefährdet (Bst. b). Die für die Anordnung ei-
ner ausländerrechtlichen Massnahme zuständigen Behörden berücksichti-
gen bei der Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die per-
sönlichen Verhältnisse sowie den Grad der Integration der Ausländerinnen
und Ausländer (Art. 96 AIG).
Der Ausschlussgrund (Ausschluss von der vorläufigen Aufnahme) von
Art. 83 Abs. 7 Bst. a AIG setzt voraus, dass eine Person zu einer länger-
fristigen Freiheitsstrafe im In- oder Ausland verurteilt wurde. Das Bundes-
gericht hat den Begriff der "längerfristigen Freiheitsstrafe" im Sinne von
Art. 62 Bst. b AIG (und damit auch den gleichlautenden Begriff von Art. 83
Abs. 7 Bst. a AIG) dahingehend konkretisiert, dass darunter im Sinne eines
festen Grenzwertes eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr zu ver-
stehen ist (vgl. BGE 135 II 377 E. 4.2). Dieser Praxis folgt das Bundesver-
waltungsgericht im Bereich seiner endgültigen Entscheidkompetenz (vgl.
unter anderem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-750/2013 vom
11. März 2014 E. 5.1 m.w.H.). Unter einer längerfristigen Freiheitsstrafe
nach Art. 62 Bst. b AIG (und damit nach Art. 83 Abs. 7 Bst. a AIG) dürfen
zudem kürzere Freiheitsstrafen nicht zusammengerechnet werden, son-
dern das Kriterium ist nur erfüllt, wenn eine sich aus einem einzigen Urteil
ergebende Strafe die Dauer von einem Jahr überschreitet (vgl. BGE 137 II
297 E. 2.3).
5.2 Der Ausschluss von der vorläufigen Aufnahme respektive deren Aufhe-
bung muss verhältnismässig sein (Art. 5 Abs. 2 BV; Art. 96 Abs. 1 AIG;
BVGE 2020 VI/9). Dabei haben die für die Anordnung einer ausländer-
rechtlichen Massnahme zuständigen Behörden bei ihrer Ermessensaus-
übung insbesondere das Interesse der Schweiz, den Beschwerdeführer
zur Verhinderung von zukünftigen kriminellen Handlungen aus der Schweiz
fernzuhalten, dessen privaten Interessen an einem Verbleib in der Schweiz
gegenüber zu stellen. Zu berücksichtigen sind dabei namentlich die
Schwere des Delikts und des Verschuldens, die seit der Tat vergangene
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Zeit und das Verhalten des Betroffenen in dieser Periode, der Grad seiner
Integration, die Dauer seiner Anwesenheit in der Schweiz sowie die ihm
und seiner Familie drohenden Nachteile. Es ist nicht von einer schemati-
schen Betrachtungsweise auszugehen, sondern auf die gesamten Um-
stände des Einzelfalls abzustellen (vgl. BGE 135 II 377 E. 4.3, BGE 134 II
1 E. 2.2 m.w.H.; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-3323/2021 vom
26. Oktober 2021 E. 7.3.1).
5.3 Die Ausnahme von der Anordnung der vorläufigen Aufnahme nach
Art. 83 Abs. 7 AIG betrifft nur die vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbar-
keit und Unmöglichkeit. Will das SEM eine zu einem früheren Zeitpunkt
verfügte vorläufige Aufnahme wegen Unmöglichkeit oder Unzumutbarkeit
gestützt auf Art. 84 Abs. 3 i.V.m. Art. 83 Abs. 7 AIG aufheben, setzt dies
voraus, dass sich der Wegweisungsvollzug auch als zulässig erweist, was
sich aus den völkerrechtlichen Pflichten der Schweiz ergibt. Erweist sich
dieser als unzulässig, ist die vorläufige Aufnahme (neu aufgrund Unzuläs-
sigkeit) zu belassen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
D-5939/2010 vom 16. November 2012 E. 4.3; 6.4.3).
5.3.1 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
6.
6.1 Die Vorinstanz begründete die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme in
der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen damit, dass das zentrale
Tatbestandselement der längerfristigen Freiheitsstrafe von Art. 83 Abs. 7
Bst. a AIG mit Verurteilungen des Beschwerdeführers vom (...) Juni 2017
zu (...) Tagen und vom (...) November 2020 (recte: [...] Dezember 2019)
zu (...) Monaten erfüllt sei. Der Strafregisterauszug des Beschwerdefüh-
rers weise inzwischen (...) Einträge auf. Er habe damit wiederholt gegen
die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz verstossen, womit
auch der Tatbestand von Art. 83 Abs. 7 Bst. b AIG erfüllt sei. Es könne nicht
mehr von geringfügiger Straffälligkeit gesprochen werden. Da er bereits als
Minderjähriger delinquiert habe und die Straffälligkeit nach Erreichen der
Volljährigkeit weiterhin bestehe, sei auch nicht mehr von einem jugendli-
chen Straftäter zu sprechen, welcher beeinflussbar sei und wiedereinge-
gliedert werden könne.
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Der Beschwerdeführer habe sich weder von den zahlreichen Verurteilun-
gen noch von der damit in Zusammenhang stehenden Strafverbüssung be-
eindrucken lassen. Die mit Urteil vom (...) Juni 2017 ausgesprochene teil-
bedingte Freiheitsstrafe habe wegen Rückfällen während der Probezeit wi-
derrufen werden müssen. Auch die mit Verfügung vom (...) November 2018
gewährte bedingte Entlassung habe per (...) Dezember 2018 widerrufen
werden müssen. Die Verwarnung des SEM vom 19. November 2018 habe
ebenfalls ihre Wirkung verfehlt. Der Beschwerdeführer habe seine Chance
– trotz gegenteiligen Beteuerungen – nicht genutzt. Durch die Missachtung
gesetzlicher Vorschriften habe er gegen die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung verstossen. Zudem sei es ihm weder in sozialer noch in wirtschaftli-
cher Hinsicht gelungen, sich in die hiesige Gesellschaft zu integrieren. Er
sei am 23. Juni 2014 im Alter von (...) Jahren in die Schweiz eingereist und
halte sich seit (...) Jahren in der Schweiz auf. Davon habe er bereits im
Jahr 2018 eine längere Freiheitsstrafe verbüsst und befinde sich seit dem
(...) November 2020 erneut im Strafvollzug. Das Gesuch um bedingte Ent-
lassung aus dem Strafvollzug sei vom Amt für Justizvollzug, Bewährungs-
und Vollzugsdienste H._ mit Verfügung vom (...) Oktober 2021 auf-
grund einer attestierten ungünstigen Legalprognose abgewiesen worden.
Es deute nichts auf eine zukünftige berufliche oder soziale Integration des
Beschwerdeführers hin, zumal er dazu neige, seine eigene Verantwortung
abzuschieben und das Sozialsystem für Asylbewerber in Frage zu stellen,
schnell verletzt auf Kritik reagiere und sich demotivieren lasse. Er habe
sich nach seiner bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug seit Dezem-
ber 2018 nie um einen Arbeitsplatz oder um eine Ausbildung bemüht. Von
der Berufsvorbereitung für Praxis und Integration (L._) im Sommer
2019 sei er nach zwei Mahnungen vom Unterricht ausgeschlossen worden,
nachdem er mehrmals nicht erschienen sei oder verschlafen habe. Die Ar-
beit zur Rückfallprävention habe unter anderem wegen seiner mangelnden
Bereitschaft, den Zusammenhang zwischen Cannabisabhängigkeit und
Straftaten anzuerkennen nicht wirklich gelingen können. Auch während
seines Aufenthalts in der JVA J._ habe er mehrfach wegen Beschaf-
fung, Konsums und Besitzes von Betäubungsmitteln sanktioniert und ein-
mal wegen rechtswidriger Eingriffe in fremde Vermögenswerte disziplina-
risch bestraft werden müssen. Am (...) Juli 2021 sei seine Urinprobe auf
THC positiv ausgefallen, was nicht darauf schliessen lasse, dass er gewillt
sei, auf den Konsum von Cannabis zu verzichten. Da er bereits bei der
letzten Entlassung aus dem Strafvollzug nicht fähig gewesen sei, die ver-
schiedenen Unterstützungsangebote anzunehmen und eine stabile Situa-
tion abseits der Kriminalität zu schaffen, sei nicht davon auszugehen, dass
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sich an dieser Situation etwas zum Positiven verändert habe und es dies-
mal gelingen würde.
Der junge und gesunde Beschwerdeführer müsse bei einer Rückkehr in
sein Heimatland keinen familiären Verpflichtungen nachkommen. Seine El-
tern würden in Eritrea ein Lebensmittelgeschäft betreiben und er habe vor
seiner Ausreise bereits im elterlichen Betrieb gearbeitet. Aufgrund der re-
lativ kurzen Landesabwesenheit könne überdies angenommen werden,
dass er bezüglich der beruflichen und sozialen Reintegration im Heimaland
in einem anpassungsfähigen Alter sei. Das Familienverhältnis zu seinen in
der Schweiz lebenden Brüder werde dadurch relativiert, dass er diese in
seiner Stellungnahme nicht explizit erwähne. Diese seien im Juni 2014 und
im Juli 2016 in die Schweiz eingereist und würden beide als vorläufig Auf-
genommene in M._ wohnen, wo der Beschwerdeführer bereits seit
Februar 2016 nicht mehr wohnhaft sei. Aufgrund der ausgewiesenen Integ-
rationsdefizite, für welche keine namhaften entschuldbaren Gründe be-
rücksichtigt werden könnten, könne er keine erhöhten privaten Interessen
an einem weiteren Verbleib in der Schweiz zu seinen Gunsten ableiten.
Somit überwiege das öffentliche Interesse an einer Aufhebung der vorläu-
figen Aufnahme und einem Wegweisungsvollzug des Beschwerdeführers,
weshalb die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme verhältnismässig er-
scheine.
Da er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, falle eine allfällige Verletzung
des flüchtlingsrechtlichen Rückschiebungsverbots ausser Betracht. Er ma-
che keine Gründe geltend, die zur Annahme eines unmittelbaren hohen
Risikos einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung, die eine
Verletzung von Art. 3 EMRK darstellen würde, führen würden. Aus den Ak-
ten hätten sich auch keine sonstigen Anhaltspunkte dafür ergeben, dass
ihm im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung
drohe. Auch eine drohende Einberufung in den eritreischen Nationaldienst
stehe der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs nach Eritrea nicht entge-
gen. Die zwangsweise Rückführung nach Eritrea sei zwar nicht möglich.
Es obliege aber dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertre-
tung des Heimatstaates die für eine (freiwillige) Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen.
6.2 Auf Beschwerdeebene brachte der Beschwerdeführer vor, die Lage in
Eritrea sei nach wie vor angespannt und durch die Zwangsrekrutierungen
seien Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung. Er bange um
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Leib und Leben. Aufgrund seines sehr jungen Alters würden die eritrei-
schen Behörden ihn wieder an die Front schicken. Deserteure und Wehr-
dienstverweigerer würden inhaftiert und gefoltert.
Er habe bereits klar und deutlich deklariert, weshalb er sich erneut in einer
kriminellen Situation wiedergefunden habe, und seine Missgunst gegen-
über der Schweiz als hier lebender Migrant erklärt. Nach dem letzten
Haftaufenthalt habe er nicht die gewünschte Unterstützung erhalten. Man
habe ihn direkt ohne Zukunftsperspektive in ein Asylzentrum gesteckt, wo
er in ein betreutes Wohnen (ab)geschoben worden sei, anstatt mit ihm zu
arbeiten und ihm die Kultur sowie das Rechtssystem Schweiz beizubrin-
gen. Sein Ziel sei es, unabhängig und frei von Kriminalität in der Schweiz
zu leben, zu arbeiten, sich ausbilden zu lassen und eine Familie zu grün-
den. Dafür habe er aufgehört, Drogen zu konsumieren. In der JVA
J._ habe er auch gelernt, strukturiert zu leben. Er habe sich um eine
Wohnung bemüht und eine solche ausserhalb der Stadt H._ erhal-
ten, um nicht mehr in den gleichen Freundeskreis zu gelangen. Er habe
sich mehr mit Schweizern eingelassen, um die Sprache sowie die Kultur
kennenzulernen und zu achten. Er habe viel Gutes mitgenommen, das er
umsetzen wolle und werde. Er sei nun endlich auf die richtige Spur gekom-
men und wolle sich beweisen. Er fordere eine intensive Begleitung nach
der Haft mit einem Beistand, Hilfe bei einer Ausbildung oder Arbeitsstelle,
Integration durch einen Sportverein, therapeutische Hilfe wegen seines
Kriegstraumas sowie Hilfe auf Besuchsrecht seiner Familie respektive Mut-
ter, womit er auf dem sicheren Weg sei, ein resozialisiertes Leben in der
Schweiz führen zu können.
7.
7.1 Wie bereits dargelegt wurde der Beschwerdeführer unter anderem vom
Regionalgericht F._ am (...) Juni 2017 zu einer teilbedingten Frei-
heitsstrafe von (...) Tagen und am (...) Dezember 2019 zu einer unbeding-
ten Freiheitsstrafe von (...) Monaten sowie einer Ersatzfreiheitsstrafe von
(...) Tagen aufgrund der Nichtbezahlung der Geldstrafe und der Busse ver-
urteilt. Er bestreitet nicht, dass diese als längerfristige Freiheitsstrafen im
Sinne von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AIG zu qualifizieren sind. Die Voraussetzun-
gen für eine Aufhebung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit
sind damit grundsätzlich erfüllt.
7.2
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Seite 12
7.2.1 Zu prüfen ist sodann die Verhältnismässigkeit der Massnahme.
Hierzu kann in erster Linie auf die ausführlichen und sorgfältigen Erwägun-
gen in der Verfügung der Vorinstanz verwiesen werden. Der Beschwerde-
führer hat bereits als Minderjähriger und auch nach der ersten Verurteilung
zu einer Freiheitsstrafe wiederholt ein delinquentes Verhalten an den Tag
gelegt. Die mit Urteil vom (...) Juni 2017 ausgesprochene teilbedingte Frei-
heitsstrafe musste wegen Rückfällen während der Probezeit und die mit
Verfügung vom (...) November 2018 gewährte bedingte Entlassung per
(...) Dezember 2018 widerrufen werden. Dies obschon der Beschwerde-
führer bereits damals Besserung gelobte, weshalb die Vorinstanz von einer
Aufhebung der vorläufigen Aufnahme absah, indes eine Verwarnung aus-
sprach. In der Verfügung des Amts für Justizvollzug des Kantons
H._ vom (...) Oktober 2021 im Hinblick auf eine allfällige vorzeitige
bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug wurde dem Beschwerdeführer
insgesamt eine ungünstige Legalprognose attestiert. Diese Einschätzung
stützte sich insbesondere auch darauf, dass er bei seiner letzten bedingten
Entlassung nicht fähig war, die verschiedenen Unterstützungsangebote in
Anspruch zu nehmen, um sich eine stabile Situation abseits der Kriminalität
zu schaffen, und die von ihm gemachten Angaben für die Zeit nach dem
Strafvollzug vage ausgefallen waren. Auch die Ausführungen des Be-
schwerdeführers auf Beschwerdeebene sind vage ausgefallen. Zwar gab
er an, er habe sich um eine Wohnung bemüht und eine solche ausserhalb
der Stadt H._ erhalten. Diese Aussage wurde von ihm aber nicht
belegt. Alleine der Umstand einer geregelten Wohnsituation würde sodann
auch nichts Entscheidendes bewirken. Er konkretisiert in seinen Angaben
ferner auch nicht, inwiefern er das in der JVA erlernte strukturierte Leben
nach seiner Entlassung umsetzen will. Weder seine Wohn-, noch seine Be-
rufs- oder Ausbildungssituation scheint aufgegleist. Eine gewisse Rückfall-
gefahr kann damit auch angesichts seines Verhaltens nach der letzten Ent-
lassung nicht ausgeschlossen werden. Es besteht daher ein gewichtiges
öffentliches Interesse am Vollzug der Wegweisung des Beschwerdefüh-
rers.
7.2.2 Diesem öffentlichen Interesse steht der mehrjährige Aufenthalt des
Beschwerdeführers in der Schweiz von ungefähr (...) Jahren entgegen,
wobei zu unterstreichen ist, dass er sich mehr als (...) Jahre davon in Haft
befand. Zwar gibt er an, sich in der Schweiz sprachlich integriert zu haben.
Was seine Berufs- oder Ausbildungssituation betrifft, hat er aber noch nie
in der Schweiz gearbeitet und es sind auch keine tatsächlichen Bemühun-
gen um einen entsprechenden Arbeitsplatz oder eine entsprechende Be-
schäftigung ersichtlich. Entgegen seinen Ausführungen kann insgesamt
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Seite 13
nicht behauptet werden, dass ihm die nötige Unterstützung bei der Integra-
tion in der Schweiz verwehrt worden wäre. Insbesondere wurde er auch
nach zweimaliger Mahnung von einer Integrationsklasse im Sommer 2019
ausgeschlossen, weil er nicht zum Unterricht erschienen war oder ver-
schlafen hatte. Sein bisheriger Aufenthalt in der Schweiz zeugt nicht von
einem wirklichen Integrationsinteresse und die Vermutung, die Beteuerun-
gen auf Beschwerdeebene seien lediglich im Hinblick auf das Wegwei-
sungsvollzugsverfahren erfolgt, liegt nahe. Es kann daher in seinem Fall
trotz der mehrjährigen Aufenthaltsdauer keineswegs von einer fortgeschrit-
tenen Integration gesprochen werden, weshalb  unter Verweis auf die
ausführliche Argumentation der Vorinstanz und auch hinsichtlich der in Erit-
rea anzutreffenden Verhältnisse  sein privates Interesse am Verbleib in
der Schweiz als gering bezeichnet werden muss.
7.2.3 Vorliegend ist somit von einem überwiegenden öffentlichen Interesse
an der Wegweisung des Beschwerdeführers auszugehen, weshalb die An-
wendung der Ausschlussklausel gemäss Art. 83 Abs. 7 AIG als verhältnis-
mässig zu erachten ist und vom Bundesverwaltungsgericht im Sinne eines
Zwischenfazits bestätigt werden kann.
7.3
7.3.1 Der Vollzug ist unzulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Hei-
mat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen. So darf grund-
sätzlich keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur
Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (vgl. Art. 25 Abs. 2 BV;
Art. 5 Abs. 1 AsylG; Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Dieses flüchtlings-
rechtliche Rückschiebungsverbot schützt nur Personen, welche die Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG respektive Art. 1A FK erfüllen.
7.3.2 Sodann darf niemand gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 FoK und der
Praxis zu Art. 3 EMRK der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.3.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
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schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung keine Anwendung finden.
Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Eritrea ist demnach unter
dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
7.3.4
7.3.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in BVGE 2018 VI/4 mit der
Frage befasst, ob bei einer Rückkehr nach Eritrea aufgrund der Verhält-
nisse im Nationaldienst oder im Zusammenhang mit einer allfälligen Inhaf-
tierung – beispielsweise aufgrund einer illegalen Ausreise – eine Verlet-
zung des konventionsrechtlichen Verbots von Folter oder unmenschlicher
Behandlung (Art. 3 EMRK) drohen könnte. In diesem Zusammenhang ging
das Gericht davon aus, dass in Eritrea Misshandlungen und sexuelle Über-
griffe während der Dienstzeit oder im Fall einer Inhaftierung nicht derart
flächendeckend sind, dass jede nach Eritrea zurückkehrende dienstpflich-
tige Person dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, selbst solche Über-
griffe zu erleiden. Es besteht daher auch insoweit kein ernsthaftes Risiko
von Folter oder einer unmenschlichen Behandlung (vgl. a.a.O. E. 6.1 und
insb. E. 6.1.8).
7.3.4.2 Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte für die Annahme,
der Beschwerdeführer müsste bei einer Rückkehr nach Eritrea mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotene
Strafe oder Behandlung befürchten. Auch die problematische allgemeine
Menschenrechtssituation in Eritrea lässt den Wegweisungsvollzug zum
heutigen Zeitpunkt praxisgemäss nicht als unzulässig erscheinen. Der Voll-
zug der Wegweisung des Beschwerdeführers erweist sich damit als zuläs-
sig.
7.3.5 Aufgrund des Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung
des Beschwerdeführers nach Eritrea sowohl im Sinne der asyl- als auch
der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig.
7.4
Die zwangsweise Rückführung abgewiesener Asylsuchender nach Eritrea
ist zurzeit generell nicht möglich. Die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr
steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit des Weg-
weisungsvollzugs entgegen. Es obliegt daher dem Beschwerdeführer, bei
der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr not-
wendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und
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dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist deshalb
auch als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz die Aufhebung der vor-
läufigen Aufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 84 Abs. 3 in
Verbindung mit Art. 83 Abs. 7 Bst. a AIG zu Recht verfügt hat. Die Be-
schwerde ist abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen. Ausnahmsweise werden ihm aufgrund der vorliegen-
den einzelfallbezogenen Konstellation die Verfahrenskosten erlassen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG).