Decision ID: 3aaa2112-df89-462c-aa29-359661d7ea04
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Am 1. Februar 2022 suchte der minderjährige Beschwerdeführer – ein af-
ghanischer Staatsangehöriger paschtunischer Ethnie – in der Schweiz um
Asyl nach und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region Ost-
schweiz zugewiesen.
Bei seinem Eintritt ins Bundesasylzentrum wurde dem Beschwerdeführer
nebst Beweismitteln zu seiner Identität ein Erstbefragungsprotokoll des
Asylverfahrens der Landespolizeidirektion Steiermark, Österreich, vom
17. Januar 2022 abgenommen.
B.
Am 21. Februar 2022 befragte das SEM den Beschwerdeführer im Rah-
men einer Erstbefragung für unbegleitete Minderjährige (EB UMA).
C.
Das vom SEM in Auftrag gegebene Gutachten des Instituts für Rechtsme-
dizin des Kantonsspitals St. Gallen vom 9. März 2022 über die forensische
Lebensaltersschätzung ergab eine mögliche Minderjährigkeit des Be-
schwerdeführers mit einem Mindestalter von 17 Jahren.
D.
Zum Nachweis seiner Identität reichte der Beschwerdeführer mit Eingabe
vom 4. April 2022 Kopien seiner Identitätskarte (Tazkara), Schulzeugnisse,
eine Auszeichnung für aussergewöhnliche Schulleistungen sowie ein «Stu-
dent’s Transcript» ein.
E.
Am 20. April 2022 fand die Anhörung des Beschwerdeführers statt.
Zur Begründung seines Asylgesuches machte der – nach eigenen Anga-
ben aus der Ortschaft Tatang (Distrikt Surkh Rod, Provinz Nangarhar)
stammende – Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er habe mit sei-
ner Mutter, deren drei Brüdern und drei von vier Schwestern zusammen-
gelebt. Der Vater habe seines Wissens in Kabul gelebt und sei Regierungs-
beamter gewesen. Seinen Aufenthalt habe er nie genau gekannt und der
Vater sei nur unregelmässig zu Besuch gekommen. Er habe bis zur neun-
ten Klasse beziehungsweise bis zum 15. Altersjahr die Schule und bis zur
Ausreise Englisch- und wissenschaftliche Kurse (Biologie) besucht. Am
Tag nach der Machtergreifung hätten die Taliban seinen Vater bei seiner
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Familie zu Hause gesucht und ihr Nachteile angedroht, weil sie seinen Auf-
enthaltsort nicht hätten nennen können beziehungsweise wollen. Ein Onkel
mütterlicherseits habe ihn zusammen mit seiner Familie zu sich genom-
men. Am zweiten Tag des Sturzes der afghanischen Regierung sei er (ohne
seine Familie) über Jalalabad, Kabul und Nimruz nach Pakistan ausgereist
und von dort weiter über den Iran in die Türkei gelangt. Nach einem zwei-
einhalbmonatigen Aufenthalt im Iran sei er zu Fuss nach Bulgarien und
über verschiedene Länder nach Österreich und schliesslich mit dem Zug
am 1. Februar 2022 illegal in die Schweiz gereist. Er sei in die Schweiz
gekommen, um sich weiterzubilden und zur Schule zu gehen.
F.
Der Entscheidentwurf – datiert vom 29. April 2022 – wurde der Rechtsver-
tretung am 27. April 2022 zur Stellungnahme zugestellt, welche am 28. Ap-
ril 2022 erfolgte.
G.
Mit gleichentags eröffnetem Entscheid vom 29. April 2022 wies das SEM
das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 1. Februar 2022 ab und ord-
nete dessen Wegweisung an, erachtete indessen den Vollzug der Wegwei-
sung als nicht zumutbar und nahm den Beschwerdeführer in der Schweiz
vorläufig auf.
H.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 30. Mai 2022 erhob der Be-
schwerdeführer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde. Er beantragte die Aufhebung der Ziffern 1-3 der angefochte-
nen Verfügung und die Rückweisung der Sache zur vollständigen Sachver-
haltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz, eventualiter die An-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung. In verfah-
rensrechtlicher Hinsicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung inklusive Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses
beantragt.
I.
Am 31. Mai 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang
der Beschwerde.
J.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
31. Mai 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG).
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung (Art. 105 und
Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG; Art. 10
Covid-19-Verordnung). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Vorliegend han-
delt es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche, weshalb der Be-
schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG).
Auf einen Schriftenwechsel wurde verzichtet (Art. 111a Abs. 1 AsylG).
4.
4.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu
beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der
vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
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Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz die Verletzung des Untersu-
chungsgrundsatzes und der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklä-
rung des rechtserheblichen Sachverhaltes vor und verlangt deshalb eine
zweite Anhörung.
4.2 Im Verwaltungsverfahren und insbesondere im Asylverfahren gilt der
Untersuchungsgrundsatz, das heisst die Behörde stellt den rechtserhebli-
chen Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG;
vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Für das erstinstanzliche Asylverfahren
bedeutet dies, dass das SEM zur richtigen und vollständigen Ermittlung
und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts verpflichtet ist und
auch nach allen Elementen zu forschen hat, die zugunsten der asylsuchen-
den Person sprechen. Der Untersuchungsgrundsatz gilt aber nicht unein-
geschränkt, zumal er sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsu-
chenden findet (Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG; vgl. CHRISTOPH AUER/ANJA
MARTINA BINDER, in: AUER/MÜLLER/SCHINDLER [Hrsg.], Kommentar zum
Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019,
Art. 12 Rz. 9; BVGE 2012/21 E. 5.1).
4.3 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/
35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht
der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und
in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforder-
lich ist dagegen, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten
einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich
widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
4.4 Die vorgebrachten formellen Rügen erweisen sich – wie nachstehend
aufgezeigt – als unbegründet.
4.4.1 Der Beschwerdeführer beanstandet im Wesentlichen, die Vorinstanz
habe sich hauptsächlich mit denjenigen Aussagen auseinandergesetzt,
welche zu seinem Nachteil hätten ausgelegt werden können. Beispiels-
weise habe er zunächst ungenaue Angaben während der Anhörung korri-
giert, was von der Vorinstanz als Widerspruch ausgelegt worden sei (Ört-
lichkeit des Vorfalles mit den Taliban: Raum beziehungsweise Veranda; Be-
schwerde, S. 4 f.). Die Vorinstanz habe mittels Aufforderung, das Erlebte
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genauer zu berichten, nur nach einer Möglichkeit gesucht, die Glaubhaf-
tigkeit der Aussagen in Zweifel zu ziehen. Die Vorwürfe widersprüchlicher
Angaben – hinsichtlich des Datums der Machtübernahme, der Art der Schil-
derung («Wir»-Form), der Kenntnisse über den Geheimdienst Aminat-e Mili
im Gegensatz zur Unkenntnis der dortigen Arbeitstätigkeit seines Vaters –
betreffe jede kleine Unstimmigkeit der Angaben des Beschwerdeführers
und sie würden auch unter Hinweis auf seine Schulbildung als Begründung
der fehlenden Glaubhaftigkeit nicht genügen. Seine persönlichen Um-
stände seien zudem nicht berücksichtigt worden. Er verfüge wohl über eine
gute Schulbildung, was nicht mit Eloquenz gleichzusetzen sei, jedoch sei
er erst 17 Jahre alt und – auch gegenüber der Rechtsvertretung – nicht
besonders gesprächig (Beschwerde, S. 7). Die Vorinstanz habe den Be-
schwerdeführer wiederholt angewiesen, detaillierter zu berichten, anstatt
die Fragen anders zu formulieren. Deshalb sei nicht verwunderlich, dass
keine gehaltvolleren Antworten erfolgt seien. Mangels plastischer formu-
lierter Fragen sei der Sachverhalt nicht vollständig erstellt worden, weswe-
gen eine zweite Anhörung nötig sei.
4.4.2 Aus den Akten geht hervor, dass die Vorinstanz den vorliegenden
Sachverhalt insgesamt rechtsgenüglich abgeklärt und sich hinreichend dif-
ferenziert mit den zentralen Vorbringen des Beschwerdeführers und den
eingereichten Beweismitteln auseinandergesetzt hat. Es liegen keine
nachvollziehbaren Anhaltspunkte für die Behauptung vor, die Vorinstanz
hätte die Fragen umformulieren, anstatt ihn wiederholt anweisen sollen,
detaillierter zu berichten. Die Rechtsvertretung räumte eigens ein, der Be-
schwerdeführer sei nicht «gesprächig», weshalb es zu Recht angezeigt
war, ihn wiederholt zu näheren Ausführungen aufzufordern. Überdies wies
die Rechtsvertretung den Beschwerdeführer selbst darauf hin, dass es an-
gezeigt sei, detaillierter zu berichten (A30/5, F29). Aus dem Anhörungspro-
tokoll (A30/11) geht hervor, dass dem Beschwerdeführer – entgegen seiner
Behauptung – eben gerade unter Rücksichtnahme auf sein Alter bezie-
hungsweise auf seine vorgebrachte «nicht gesprächige» Persönlichkeit
wiederholt Zeit zu seinen Gunsten eingeräumt wurde, um seine Vorbringen
beziehungsweise insbesondere den einzigen, gemäss eigenen Angaben
ausreisebegründenden Vorfall detaillierter zu schildern. Im Weiteren ver-
zichtete die an der Anhörung anwesende Rechtsvertretung auf weitere
(umformulierte) Fragen (A30/10, F75; A30/11). Aus dem Anhörungsproto-
koll ist alsdann kein ungewöhnlicher Befragungsstil des Fachspezialisten
des SEM ersichtlich. Im Gegenteil, die Befragung wurde mit wohlwollender
Rücksichtnahme auf die Person des Beschwerdeführers durchgeführt (bei-
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spielsweise mehrfaches Nachfragen, konkrete Hinweise auf Ungereimthei-
ten und Gelegenheit zur Präzisierung, Erklärung der Notwendigkeit der An-
gabe von Details; A30/11, insbesondere A30/4, F21 ff., F26). Es wurden
dabei sowohl das jugendliche Alter wie auch die knappen Angaben des
Beschwerdeführers beachtet. Es lässt sich aus dem Anhörungsprotokoll
auch nicht schliessen, der Beschwerdeführer wäre nicht in der Lage oder
eingeschränkt gewesen, der Anhörung zu folgen, die ihm gestellten Fragen
zu verstehen sowie allesamt frei und umfassend zu beantworten. An dieser
Einschätzung vermag auch nichts zu ändern, dass er sich über die notwen-
digen Unterbrechungen des Dolmetschers «sehr genervt» habe (A30/4,
F22). Der an der Anhörung anwesende Rechtsvertreter erhob schliesslich
im Anschluss keine Einwände beziehungsweise machte keine solchen
Mängel, wie behauptet, geltend (A34/19). In den formellen Rügen der Be-
schwerde wird auch die Prüfung der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Be-
schwerdeführers (kein Widerspruch der Korrektur ungenauer Angaben,
einseitige Auseinandersetzung mit den Aussagen, Frageformulierung,
Nichtberücksichtigung fehlender Eloquenz des Beschwerdeführers) bean-
standet, was jedoch fehlschlägt, weil sie nicht auf eine unrichtige oder un-
genügende Abklärung des Sachverhaltes schliessen lässt, sondern die der
angefochtenen Verfügung zugrundeliegende rechtliche Würdigung der
Vorbringen beschlägt. Die in der angefochtenen Verfügung enthaltenen
wesentlichen Überlegungen der Vorinstanz führten schliesslich zum Ergeb-
nis der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen (insbesondere widersprüchliche
Örtlichkeit «geschlossener Raum/offene Veranda», Datum der Machtüber-
nahme, Schilderung in «Wir»-Form, Kenntnisse über den Geheimdienst
Aminat-e Mili jedoch nicht über die dortige Arbeitstätigkeit seines Vaters),
worauf bei der materiellen Würdigung näher eingegangen wird. Eine Ver-
letzung der Begründungspflicht ist nicht ersichtlich. Es stellt jedenfalls
keine solche Verletzung dar, wenn der Beschwerdeführer nicht mit der
Würdigung des festgestellten Sachverhaltes der Vorinstanz einverstanden
ist. Im Weiteren war es dem Beschwerdeführer möglich, den Entscheid
sachgerecht anzufechten (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2, mit Hinweisen).
4.5 Nach dem Gesagten ist der Sachverhalt als hinreichend erstellt zu er-
achten und es besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung
aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz (für
eine erneute Anhörung) zurückzuweisen. Das entsprechende Hauptbe-
gehren ist abzuweisen.
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5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Die Vorinstanz erachtete die geltend gemachte Reflexverfolgung des
Beschwerdeführers durch die Taliban aufgrund der beruflichen Tätigkeit
des Vaters als nicht glaubhaft.
Sie führte aus, bereits zu Beginn der Anhörung habe erstaunt, dass er den
Zeitpunkt der Abreise aus seinem Dorf beziehungsweise denjenigen seiner
Ausreise aus dem Heimatstaat nicht nach dem in Afghanistan vorherr-
schenden islamischen Kalender habe benennen können, sondern ihn ein-
zig als «zwei Tage nach dem Fall der afghanischen Regierung» bezie-
hungsweise «wahrscheinlich im August letzten Jahres» bezeichnen
konnte. Die Begründung, er habe sich meistens alles im gregorianischen
Kalender gemerkt und sein Handy dementsprechend eingestellt, über-
zeuge angesichts dessen, dass ein solches Ereignis bei eigenem Erleben
sicherlich auch im islamischen Kalender in Erinnerung geblieben wäre,
nicht. Es sei unglaubhaft, dass ein Jugendlicher mit einer für afghanische
Verhältnisse guten Schulbildung den afghanischen Kalender nicht kenne.
Seinen Ausreisegrund (Suche der Taliban nach dem Vater bei ihm zu
Hause) habe er sehr knapp geschildert. Trotz mehrfacher Aufforderung de-
taillierter davon zu berichten, habe der Beschwerdeführer nur mit sieben
knappen Sätzen in hauptsächlicher Wiederholung der vorherigen Aussage
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geantwortet. Selbst, als er auf die unpersönlichen, undetaillierten Schilde-
rungen konkret aufmerksam gemacht worden sei, habe er weder eine ge-
nauere Beschreibung noch neue Details oder eine persönlichere Schilde-
rung vorgebracht. Auf Aufforderung zu einer detaillierteren Beschreibung
durch den Rechtsvertreter, habe er den Vorfall zwar nochmals länger, aber
inkonsistent vorgetragen. Alsdann wiederum konkret auf die Inkonsistenz
angesprochen, habe er diese auf die verlangte grössere Detailierung der
Beschreibung zurückgeführt, was aufgrund der unterschiedlich genannten
Örtlichkeiten (Haus beziehungsweise Veranda) keine Erklärung darstelle.
Im Weiteren habe er seine Vorbringen unpersönlich und nicht aus der ei-
genen Perspektive, sondern in der «Wir»-Form vorgetragen, weder Reak-
tionen der Familienmitglieder noch sonstige Emotionen oder Gedanken-
gänge erwähnt und sich hinsichtlich dessen, wann er von wem über die
Tätigkeit des Vaters bei der Nationalen Sicherheitsbehörde (Amniat-e Mili)
erfahren habe, inkonsistent geäussert. Es seien von ihm – auch angesichts
seiner Schulbildung – persönlich gefärbte und differenzierte Aussagen
über ein solch einschneidendes und lebensveränderndes Erlebnis (zusam-
men mit nebensächlichen und ausgefallenen Einzelheiten, die normaler-
weise die Erzählungen von tatsächlich erlebten Begebenheiten prägten),
zu erwarten gewesen. Es bestünden erhebliche Zweifel an den – trotz der
während der Anhörung genügend eingeräumten Ergänzungsgelegenhei-
ten – vage gebliebenen Vorbringen. Der angeblich von ihm erlebte Über-
griff der Taliban sei vom Beschwerdeführer insgesamt knapp, unsubstanti-
iert, unpersönlich, eindimensional, stereotyp und inkonsistent geschildert
worden. Es werde deshalb von einem von ihm konstruierten und auswen-
dig gelernten Sachverhalt ausgegangen. Diese Einschätzung werde insbe-
sondere durch das ihm abgenommene Erstbefragungsprotokoll der öster-
reichischen Behörde untermauert.
Zum von der Rechtsvertretung in der Stellungnahme vom 28. April 2022
zum Entscheidentwurf vorgebrachten Einwand, der Beschwerdeführer sei
gestresst gewesen, habe nicht verstanden, weshalb ihm immer die gleiche
Frage gestellt worden sei und er habe deshalb immer die gleiche Antwort
gegeben, wobei er als nicht gesprächiger Mensch immer knappe Antwor-
ten gebe, stellte die Vorinstanz fest, dass ihm mehr als genug Zeit einge-
räumt worden sei, über den einzigen, persönlich miterlebten Vorfall zu be-
richten. Die Angabe, kein gesprächiger Mensch zu sein, könne nicht erklä-
ren, weshalb er all den Aufforderungen – mithin von der eigenen Rechts-
vertretung – zur detaillierteren Beschreibung nicht nachgekommen sei.
Sein Einwand, er verwende die Begriffe Raum und Veranda einheitlich,
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vermöge – auch angesichts der Schulbildung – nicht zu überzeugen. Als-
dann sei es schlicht realitätsfern zu behaupten, den Ausreisemonat im is-
lamischen Kalender Afghanistans nach lediglich acht Monaten vergessen
zu haben. Dass er das vorgebrachte Datum der Machtübernahme der Ta-
liban (August 2021) wohl aus den internationalen Medien verinnerlicht
habe, sei viel eher wahrscheinlich, weil bei einem Aufenthalt in Afghanistan
zu der Zeit das islamische Datum unweigerlich in Erinnerung geblieben
wäre.
6.2 In der Beschwerde wurde festgehalten, wenn der Beschwerdeführer
seine Antwort, beim Eintreffen der Taliban mit seiner Familie in einem
Raum gesessen zu haben, dahingehend korrigiert habe, sie hätten sich auf
einer Veranda befunden, stelle dies keinen Widerspruch dar, sondern nur
eine umgehend berichtigte Ungenauigkeit. Erst durch die Aufforderung zur
detaillierteren Schilderung sei ihm das Erlebte wieder mehr und mehr in
Erinnerung gerufen worden. Nur weil der Beschwerdeführer in den voran-
gehenden Antworten nicht erwähnt habe, dass das Gebäude von Fahrzeu-
gen umstellt gewesen sei, sei noch nicht auf die Unglaubhaftigkeit der Vor-
bringen zu schliessen. Er habe die Fahrzeuge ausserhalb des Gebäudes
nämlich wahrgenommen, weil er sich nicht im Innern des Gebäudes befun-
den habe. In der Unkenntnis über die Tätigkeit seines Vaters beim Geheim-
dienst sei ebensowenig ein Widerspruch zu erkennen und es sei nachzu-
vollziehen, dass er erst durch die Taliban, welche nach dem Regierungs-
sturz im Besitz der Personalakten gewesen seien, von der genauen Tätig-
keit des Vaters erfahren habe. Im Weiteren sei die Erklärung, weshalb dem
Beschwerdeführer das Datum der Machtübernahme im afghanischen Ka-
lender nicht geläufig sei (kein eigenes Erleben, verinnerlichen des media-
len Echos), hypothetisch und untauglich. Schliesslich habe er in der Erst-
befragung als Ausreisedatum den zweiten Tag nach dem Regierungssturz
genannt. Im Weiteren sei der Vorfall mit den Taliban als Kollektiverlebnis
der Familie in der erzählenden «Wir»-Form nicht unpersönlich. Zudem
habe der Beschwerdeführer sein durch das rechtsmedizinische Gutachten
bestätigte Alter wahrheitsgemäss angegeben, was ebenfalls für die Glaub-
haftigkeit seiner Angaben spreche.
Hinsichtlich der geltend gemachten Reflexverfolgung führte er aus, die Ta-
liban hätten nach dem Regierungssturz gezielt nach Mitgliedern des Ge-
heimdienstes gesucht und würden auch Angehörige der Sicherheitskräfte
als Feinde betrachten, was insbesondere für Familienmitglieder von Ge-
heimdienstmitarbeitern gelte. Deswegen drohe dem Beschwerdeführer bei
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einer Rückkehr nach Afghanistan eine Reflexverfolgung und es sei ihm
Asyl zu gewähren.
7.
7.1 In materieller Hinsicht hat das SEM die zentralen Vorbringen des Be-
schwerdeführers, wegen der beruflichen Tätigkeit seines Vaters von den
Taliban behelligt und bedroht worden zu sein, zu Recht und mit zutreffender
Begründung als nicht glaubhaft erachtet. Es kann – mit nachfolgenden Er-
gänzungen – auf die Erwägungen der vorinstanzlichen Verfügung verwie-
sen werden.
7.2 Der Beschwerdeführer begründet seine Vorbringen im Wesentlichen
damit, die Taliban seien nach der Machtübernahme auf der Suche nach
seinem beim Geheimdienst arbeitenden Vater vergeblich in das Haus sei-
ner Familie eingedrungen. Danach hätten sie das Haus eines Onkels vä-
terlicherseits ebenfalls erfolglos durchsucht und seien zurückgekehrt, um
ihn und seine Familie zu bedrohen, falls sich der Vater nicht stellen würde.
Damit macht er als Asylgrund eine Reflexverfolgung geltend.
7.3 Gemäss langjähriger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts lassen
sich bezüglich der vorgebrachten Reflexverfolgung bei der Beurteilung der
Sicherheitslage in Afghanistan Gruppen von Personen definieren, die auf-
grund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt
sind. Dazu gehören unter anderem Personen, die der damaligen afghani-
schen Regierung oder der internationalen Gemeinschaft nahestehen oder
als Unterstützer derselben wahrgenommen werden, sowie westlich orien-
tierte oder der afghanischen Gesellschaftsordnung aus anderen Gründen
nicht entsprechende Personen (vgl. dazu aktuell das Urteil des BVGer
D-2161/2021 vom 12. Januar 2022 E. 7.2 ff.; sowie die früheren Urteile des
BVGer E-2802/2014 vom 15. Januar 2015 E. 5.3.3, D-3394/2014 vom
26. Oktober 2015 E. 4.6, E-3520/2014 vom 3. November 2015 E. 7.3 und
E-2285/2018 vom 14. Mai 2020 E. 6.2).
7.4 Eine familiäre Zugehörigkeit zu einer Person, welche einem erhöhten
Verfolgungsrisiko ausgesetzt ist, kann zu einer Reflexverfolgung führen
(vgl. Urteile des BVGer E-3520/2014 E. 7.3, D-2161/2021 vom 12. Januar
2022 E. 7.4).
7.5 Um eine objektiv begründete Furcht vor einer Reflexverfolgung im
Sinne von Art. 3 AsylG darzutun, muss glaubhaft gemacht werden, dass
begründeter Anlass zur Annahme besteht, die Verfolgung werde sich mit
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beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft verwirklichen.
Es müssen konkrete Indizien und tatsächliche Anhaltspunkte dargelegt
werden, die die Furcht vor einer konkret drohenden Verfolgung nachvoll-
ziehbar erscheinen lassen. Eine objektiv begründete Furcht vor künftiger
Verfolgung ist mithin zu bejahen, wenn eine Person aufgrund konkreter In-
dizien mit guten Gründen, das heisst objektiv nachvollziehbar, befürchten
muss, dass ihr mit erheblicher Wahrscheinlichkeit Verfolgung droht, und ihr
deshalb ein weiterer Verbleib im Heimatstaat nicht zugemutet werden kann
(vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs-
kommission [EMARK] 1994 Nr. 5; Urteil des BVGer E-4140/2014 vom
13. Oktober 2014 E. 5.4).
7.6 Es ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass der einzige vom Beschwer-
deführer vorgebrachte ausreisebegründende Vorfall nach der Machtüber-
nahme der Taliban äusserst knapp und vage geschildert wurde. Wie bereits
erwähnt (vgl. vorstehende Erwägung 4.4.2) geht aus den Akten eine wohl-
wollende Rücksichtnahme der befragenden Person auf die Person des Be-
schwerdeführers aus der Art und Weise der Befragung mit mehreren Ge-
legenheiten zur Ergänzung und Präzisierung der Angaben hervor. Ebenso
erklärte ihm seine Rechtsvertretung die Wichtigkeit der Substantiierung
des Vorfalles (A30/5, F29). Wie die Vorinstanz zu Recht festhielt, fällt im
Anhörungsprotokoll unter anderem (beispielsweise Datum der Machtüber-
nahme der Taliban) der Widerspruch beziehungsweise die Inkonsistenz be-
treffend Örtlichkeit des Ereignisses auf. Die Erklärung in der Beschwerde,
die Vorinstanz könne anhand des Bildungsstandes des Beschwerdeführers
nicht wissen, wie weit er die Begriffe «Veranda» und «Raum» differenzie-
ren könne und er habe die Ungenauigkeit umgehend korrigiert, zielt hierbei
ins Leere. Es ist angesichts des Erzählstranges des Beschwerdeführers
und seiner Angaben in der Anhörung sehr zu bezweifeln, die beiden Be-
griffe könnten von ihm – unabhängig vom Bildungsstand und jugendlichen
Alter– nicht oder nur ungenügend differenziert werden. Zunächst bringt der
Beschwerdeführer in der Anhörung (auf Nachfrage) nämlich mehrfach ex-
plizit vor, dass er mit seiner Familie in einem Raum «drinnen», gesessen
habe, als die Taliban «an die Tür geklopft» hätten und diese vom Bruder
geöffnet worden sei (vgl. A30/4, F26 ff.). Weiter legt er erst später – und
nicht wie in der Beschwerde behauptet «sogleich» beziehungsweise um-
gehend (Beschwerde, S. 5) – dar, die Familie habe «nicht direkt in einem
Raum, sondern mehr» auf einer «Veranda» gesessen (A30/5, F33). Der
Beschwerdeführer geht augenscheinlich von einem «Raum» im Innern und
einer «Veranda» ausserhalb eines Gebäudes (oder zumindest «nicht drin-
http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/5
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nen») aus, weil er wiederholt von einem Raum «drinnen» mit einer abge-
schlossenen Tür, an welche es klopfte, sprach und er erstmals bei der Ve-
randa-Erzählvariante die Umgebung (mit Fahrzeugen umstelltes Gebäude)
draussen beschrieb. Der Vorinstanz ist ferner beizupflichten, dass die Aus-
sagen des Beschwerdeführers insgesamt nebst den knappen, vagen Schil-
derungen auf Nachfragen nicht nur inkonsistent, sondern auch unpersön-
lich wirken. Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers schaffen
seine Erzählungen über das massgebliche Ereignis in der «Wir»-Form eine
Distanz zu eigens Erlebtem und die Vorinstanz hielt zu Recht fest, dass
keine konkreten, individuellen Realkennzeichen (weder zu seiner Person
noch zu Familienmitgliedern) aus seinen Schilderungen erkennbar sind.
Der Erklärungsversuch der «Wir»-Form aufgrund der ebenfalls anwesen-
den Familie vermag angesichts der Tragweite eines solchen Erlebnisses
nicht zu überzeugen. Selbst die Rechtsvertretung erkannte (indirekt)
ebenso wie die Vorinstanz, dass die Antworten auf wiederholte Fragen
nicht gehaltvoller ausfielen (Beschwerde, S. 8). Im Weiteren leben seine
Familienmitglieder immer noch in Afghanistan bei einem Onkel und der Be-
schwerdeführer machte nicht geltend, sie seien behelligt worden, sondern
sie würden sich vor den Taliban (sinngemäss generell) fürchten (A30, F62
ff.). Ebenso wenig spricht das am 1. Februar 2022 von ihm eingezogene
Erstbefragungsprotokoll vom 17. Januar 2022 der österreichischen Behör-
den (Beweismittel Nr. 2) für die Glaubhaftigkeit seiner Angaben, nachdem
er im vorinstanzlichen Verfahren geltend machte, er habe den Aufenthalt
seines Vaters, welcher nur unregelmässig zu Besuch gekommen sei, nie
genau gekannt, und in der Beschwerde dessen unbekannten Aufenthalt
vorgebracht wird (Beschwerde, S. 3; A30/9, F68). Ferner macht er im
schweizerischen Asylverfahren geltend, seine Ausreise sei von einem On-
kel mütterlicherseits organisiert worden (A17/10, Ziff. 5.01; A30/2, F9 und
A30/8, F63). Im österreichischen Befragungsprotokoll vom 17. Januar
2022 gab der Beschwerdeführer dagegen den Vater sowohl als seine bis-
herige und aktuelle Kontaktperson wie auch als denjenigen an, welcher
seine Ausreise organisiert habe (A6/6 Ziff. 10 ff.). Darin machte er zudem
geltend, sich «vor vier Monaten», sprich Mitte September 2021 (A6/5,
Ziff. 9.1), aufgrund der Angst vor den Taliban zu seiner Ausreise entschlos-
sen zu haben. Zudem erklärte er bei einer Rückkehr nicht mit einer Strafe
rechnen zu müssen (A6/7, Ziff. 11). Entgegen der Behauptung in der Be-
schwerde erachtete die Vorinstanz überdies nicht die fehlende Kenntnis
des Beschwerdeführers von der angeblichen Tätigkeit des Vaters beim Ge-
heimdienst als widersprüchlich, sondern die Angaben darüber, wann und
von wem er Kenntnis davon erhalten habe (Beschwerde, S. 5; vi-Ent-
scheid, S. 6; A30/7, F52 ff.), womit sein diesbezüglicher Einwand – nicht
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jeder Angestellte beim Geheimdienst müsse verdeckter Ermittler sein – un-
behelflich ist.
Unabhängig von der guten Schulbildung des Beschwerdeführers (einge-
reichte Beweismittel 4 bis 6: Schulzeugnisse, Auszeichnung für ausserge-
wöhnliche Schulleistungen, «Student’s Transcript») vermögen die in der
Beschwerde dargelegten Erklärungsversuche weder den gewichtigen Wi-
derspruch der Örtlichkeit des angeblichen Vorfalles auszuräumen noch
überzeugen seine übrigen Einwände (beispielsweise seine Persönlichkeit,
gleiche Antworten auf gleiche Fragen, Handykalendereinstellungen hin-
sichtlich Datumsangaben) gegen die insgesamt fehlende Glaubhaftigkeit
seiner Angaben. Aus der Tatsache, dass der Beschwerdeführer sein Alter
korrekt angegeben hat, kann er bezüglich seiner Asylvorbringen nichts zu
seinen Gunsten ableiten.
In Anbetracht seiner Aussagen, er hätte sich im Heimatstaat nicht weiter-
bilden können beziehungsweise er sei in die Schweiz gekommen, um sich
weiterzubilden und zur Schule zu gehen (A17/10, Ziff. 7.01; A30/4, F27;
A30/5, F29; A30/9, F69), wirken seine Asylvorbringen – auch mit Blick auf
seine Angaben im österreichischen Befragungsprotokoll (Beweismittel
Nr. 2) – nachgeschoben.
Nach Durchsicht der Akten weist der Beschwerdeführer im Weiteren kein
Risikoprofil auf. Er bringt weder vor, politisch aktiv gewesen noch aufgrund
seiner (weiteren) Familienmitglieder, mit denen er in persönlichem Kontakt
steht (A30/9, F66), persönlicher Merkmale oder Aktivitäten gegenüber den
Taliban besonders exponiert zu sein. Vielmehr weist er auf die «schlimme
Situation» in Afghanistan hin und dass man dort nicht mehr leben und er
sich nicht mehr weiterbilden könne (A30/9, F69 f.) Es ist weder eine kon-
krete individuelle Bedrohungssituation des Beschwerdeführers ersichtlich
noch, weshalb die Taliban – auch unter Berücksichtigung der aktuellen
Lage – ein flüchtlingsrechtlich relevantes Verfolgungsinteresse an ihm ha-
ben sollten (vgl. auch Urteil D-2625/2022 des Bundesverwaltungsgerichtes
vom 24. August 2022).
7.7 Es ist dem Beschwerdeführer somit nicht gelungen, glaubhaft eine ob-
jektiv begründete Furcht vor asylrelevanten Problemen mit den Taliban auf-
zuzeigen. Dementsprechend drohen ihm bei einer allfälligen Rückkehr
keine gezielten Nachteile, die über die allgemeine Gefährdungslage hin-
ausgehen.
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7.8 Insgesamt ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer keine aktuell
drohende Verfolgung nach Art. 3 AsylG darlegen konnte. Das SEM hat die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers demnach zu Recht verneint
und sein Asylgesuch folgerichtig abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung
aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht ein-
tritt. Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.3 Nachdem das SEM den Beschwerdeführer mit der angefochtenen Ver-
fügung wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz
vorläufig aufgenommen hat, stellt sich die Frage nach dem Vorliegen der
weiteren Voraussetzungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegwei-
sung – Unzulässigkeit und Unmöglichkeit – im vorliegenden Fall nicht, da
diese Vollzugshindernisse alternativer Natur sind; ist eines erfüllt, gilt der
Vollzug der Wegweisung als undurchführbar (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu
beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem unterliegenden
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf deren Erhe-
bung ist jedoch aufgrund der Minderjährigkeit und offensichtlichen Mittello-
sigkeit des Beschwerdeführers in Anwendung von Art. 6 Bst. b des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) von Amtes wegen
zu verzichten. Bei dieser Sachlage wird das Gesuch um Gewährung der
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unentgeltlichen Prozessführung gegenstandslos. Mit dem vorliegenden Ur-
teil wird im Übrigen auch der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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