Decision ID: 565ffa7c-456d-422e-82b5-e3a41ea9e188
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 19
72
, ist gelernter
Finanzingenieur und
Betriebs
wirt mit Schwer
punkt für Finanzen
(Urk.
6/21 S. 3
). Am
2
8.
November
2012 (Urk. 6/14 S. 3)
wurde ihm
seine An
stellung als
Sales
Consultant
bei
der
Y._
AG
per Ende Februar 2013 gekündigt (Urk. 6/29
). Am
18
. Februar 2013 meldete sich der Versicherte beim Regionalen
Arbeits
ver
mitt
lungszentrum
(RAV)
Z._
zur Arbeitsver
mittlung ab dem 1. März 2013
an (Urk. 6/
28
). Am
1
4. März 2013 stellte er einen An
trag auf
Arbeitslosenent
schädigung
(Urk. 6/
27
).
Mit Verfügung vom
3. Mai
2013
stellte das Amt für Wirt
schaft und Arbeit (AWA) den Ver
sicherten wegen ungenügen
der persön
licher Arbeitsbemühungen
während der
Zeit vor
der Anmeldung zur Ar
beits
ver
mittlung
mit Wirkung ab
1. März 2013
für
elf
Tage in der
Anspruchs
berech
tigung
ein
(Urk. 6/
4
)
.
Die dagegen erhobene Einsprache des Versicherten vom
24. Mai
2013 (Urk. 6/
5
) wies das AWA mit
Einspracheentscheid
vom
13. Juni 2013
ab
(Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom
5. Juli 2013
(Urk. 1) Be
schwerde und beantragte sinngemäss die
Aufhebung
des
Einsprache
ent
scheides
vom
13. Juni
201
3.
Der Beschwerdegegner schloss in der Beschwerdeantwort vom
6. August
2013 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5
S. 2
).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
2.1.1
Nach
Art.
17
Abs.
1 Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenver
siche
rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) muss die versicherte Person, die Ver
sicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unterstützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Insbesondere ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigen
falls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Sie muss ihre Bemühun
gen nachweisen können. Diese Bestimmung regelt allgemein die materiellen Pflich
ten der versicherten Personen. Mit der Formel, der Versicherte habe alles Zu
mutbare zu unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu ver
kürzen, statuiert sie die Pflicht zur Schadenminderung, aus welcher sich ver
schiedene Einzelpflichten ergeben. Dazu gehört die Pflicht der Versicherungs
leistungen beanspruchenden Person zur Arbeitssuche.
Art.
30
Abs.
1
lit
. c AVIG sanktio
ni
ert eine Verletzung der in Art. 17 Abs.
1 AVIG statuierten
Schaden
min
de
rungspflicht
, insbesondere auch der Pflicht, sich genügend um Arbeit zu be
mü
hen. Mittels Einstellung in der Anspruchsberechtigung soll dieser Pflicht zum Durchbruch verholfen werden
(BGE 139 V 524 E. 2.1.1 mit Hinweisen).
2.1.2
Aus der Pflicht, den Eintritt der Arbeitslosigkeit zu verhindern, fliesst die Last für die versicherte Person, sich bereits vom Zeitpunkt der Kündigung des frühe
ren Arbeitsverhältnisses an und damit vor Eintritt der Arbeitslosigkeit intensiv um eine neue Arbeit zu bemühen (ARV 2005 S. 56, C 208/03 E. 3.1; Urteile
des Bundesgerichts 8C_58/2012 vom 6. Juni 2012 E. 2 und
8C_583/2009 vom 22.
De
zem
ber 2009 E. 3.1 mit Hinweisen). Die versicherte Person hat sich dem
entsprechend während einer allfälligen Kündigungsfrist, aber auch generell während der Zeit vor der Anmeldung, unaufgefordert um Stellen zu bemühen. Sie kann sich insbesondere nicht damit exkulpieren, nicht gewusst zu haben, dass sie schon vor der Anmeldung zum Leistungsbezug zur ernsthaften Arbeits
suche verpflichtet war und nicht darauf aufmerksam gemacht
worden sei (ARV 2006 S. 295, C
1
38/05 E. 2.1; ARV 1982 S. 37, C
50/81). Bei der Anmeldung hat die arbeitslos gewordene Person den Nachweis ihrer Bemühungen um Arbeit vor
zu
legen (Art. 20 Abs. 1
lit
.
d
der
Verordnung über die obligatorische Arbeits
losen
versicherung
und die Insolvenzentschädigung [
AVIV
]
). Spätestens zu die
sem Zeit
punkt wird sie sämtliche während der Kündigungsfrist getätigten
Stel
lenbewerbungen
einzureichen haben
(BGE 139 V 524 E. 2.1.2)
.
2.1.3
Die Eigeninitiative der versicherten Person hat sich laut
Art.
17
Abs.
1 Satz 2 AVIG wenn nötig auch auf ausserberufliche Arbeitsgelegenheiten zu erstrecken. Nach
Art.
16
Abs.
1 AVIG muss der Versicherte zur Schadenminderung grund
sätzlich jede Arbeit unverzüglich annehmen.
Mit Blick auf
Art.
16
Abs.
2
lit
. b und d AVIG
ist die
Pflicht zur Stellensuche ausserhalb des bisherigen Be
rufes zu Beginn der Stellensuche noch nicht allzu streng zu handhaben
. Q
uali
fizierten Berufsleuten in gekündigter Stellung
ist daher
das Recht zuzu
billigen ist, ihre persönlichen Bemühungen zunächst auf ihren bisherigen Berufszweig zu be
schränken, sofern dieser offene Stellen anbietet (
BGE 139 V 524
E. 2.1.3).
Kern der Pflicht, alles Zumutbare zu unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu ver
meiden oder zu verkürzen, sind die persönlichen Arbeitsbemühungen
der ver
si
cherten Person selbst
, die in der Regel streng beurteilt werden. Es gilt
gewisser
massen
der Grundsatz, dass die Arbeitsbemühungen umso intensiver sein müs
sen, je weniger Aussicht eine versicherte Person hat, eine Stelle zu finden. Dabei stehen
die
Tatsache
und die
Intensität
des Bemühens
, nicht aber der Erfolg die
ser Bemühungen im Vordergrund (
Gerhard Gerhards, Kommentar zum
Arbeits
losenversicherungsgesetz
,
1987, Bd.
I [
Art.
1-58], N 12
und 14 zu Art.
17
; Urteil des Bundesgerichts
C 351/05 vom
3.
Juli 2006
E. 3.2.1 mit Hinweisen).
2.1.4
Bei der Beurteilung der Frage, ob sich eine Person genügend um zumutbare Arbeit bemüht hat, ist nicht nur die Qualität, sondern auch die Quantität ihrer Bewerbungen von Bedeutung.
Eine allgemein gültige Aussage über die erforder
liche Mindestzahl an Bewerbungen ist nicht möglich.
Das Quantitativ der Be
werbungen beurteilt sich
vielmehr
nach den konkreten
,
subjektiven und objek
tiven
Umständen
(
Alter, Schul- und Berufsbildung,
Usanzen
des
betref
fenden
Arbeitsmarktes
, Dauer der Arbeitslosigkeit etc.
)
, wobei in der Praxis durch
schnittlich zehn bis zwölf Stellenbewerbungen pro Monat in der Regel als genü
gend erachtet wer
den (
BGE 139 V 524 E. 2.1.4 mit Hinweis
;
Urteil
des Bun
des
gerichts
8C_583/2009
vom 2
2.
Dezember 2009
E. 5.1
).
B
ei sehr qualifizierten Bewer
bun
gen
genügen
etwas
weniger (
Urteil
des Bundesgerichts
C 296/02
vom 2
0.
Mai 2003
E. 3
.2
mit Hinweisen
).
Aus der in
Art.
17
Abs.
1 AVIG verankerten allgemeinen
Schadenminderungs
pflicht
ergibt sich zudem
für die Zeit vor der Anmeldung bei der Arbeitslosen
versicherung
die
Pflicht der Versicherungsleistungen bean
spruchenden Person, sich regelmässig um Stellen zu bewerben (
BGE 139 V 524
E. 4).
2.2
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei mittel
schwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art.
45 Abs. 3 AVIV).
3.
3.1
Der Beschwerdegegner stellte sich im angefochtenen
Einspracheentscheid
auf den Standpunkt, der Beschwerdeführer habe
während der Kündigungsfrist vom 28. November 2012 bis 2
8.
Februar 2013 16 Arbeitsbemühungen nachgewiesen. Dies sei für den Zeitraum von drei Monaten ungenügend, da praxisgemäss 10
bis
12 kontinuierlich getätigte Arbeitsbemühungen pro Monat als genügend eingeschätzt würden.
Auch wenn der Beschwerdeführer noch bis Mitte De
zem
ber 2012 gearbeitet, seine Bewerbungsunterlagen überarbeitet und Haus
auf
gaben der
Outplacementfirma
(Aussenvermittlung) gehabt habe
und dadurch zeitlich sehr beansprucht gewesen sei, habe man von ihm erwarten können, dass er sich in seiner Freizeit in genügendem Umfang um eine neue Anstellung bemühe. Die Zuhilfenahme einer
Outplacementfirma
sei sicherlich sinnvoll und das Erstellen oder Überarbeiten der Bewerbungsunterlagen notwendige Voraus
setzung, um sich zu bewerben. Dies habe den Beschwerdeführer jedoch nicht da
von entbunden, sich gezielt, in der Regel in Form einer ordentlichen Bewer
bung, um eine Anstellung zu bemühen.
Mit der vorübergehenden Ein
stellung in der Anspruchsberechtigung für 11 Tage sei
dem zugrunde
liegenden Verschul
den und
den konkreten Umständen ange
mes
sen Rechnung getragen worden (Urk. 2 S. 2 f.).
3.2
Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein,
er habe während der betreffenden Zeit vom 28. November 2012 bis 2
8.
Februar 2013 trotz Urlaubszeiten und der bis Mitte Dezember 2012 bestehenden Beschäftigung bei der bisherigen Arbeit
ge
berin diverse Arbeitsbemühungen unternommen.
Er habe während der
Kün
di
gungszeit
seine Bewerbungsmappe durchgearbeitet und sein berufliches Netz
werk
für die Arbeitssuche aktiviert. Ergänzend zu den in diesem Zeitraum ge
tä
tigten schriftlichen Bewerbungen habe er sich mit
9
Personen von ver
schie
de
nen Unter
nehmen getroffen und mit 8 Personen telefoniert, um sich mit die
sen über Einstiegsmöglichkeiten zu unterhalten.
Dank seines beruflichen Netz
werkes habe er am 2
0.
Dezember 2012 sein erstes und am 25. Januar 2013 sein zweites Vorstellungsgespräch gehabt. Weitere Vorstellungsgespräche hätten am 5.,
8.
und 2
5.
Februar 2013 stattgefunden (Urk. 1).
3.3
Streitig und zu prü
fen ist, ob der Beschwerdeführer
zu Recht wegen unge
nügen
der Arbeitsbemühungen für die Dauer von elf Tagen in der
Anspruchs
berechti
gung
eingestellt worden ist.
4.
4.1
Der Beschwerdegegner führte im angefochtenen Entscheid zutreffend aus, dass die Pflicht zu Arbeitsbemühungen bereits vor der Anmeldung
zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung
bestand, und zwar ab dem Tag der Kün
digung des Beschwerdeführers am 2
8
. November 2012 (Urk. 6/
14
S.
3
; vgl. BGE 139 V 524 E. 2.1.2). Dagegen wendet der Beschwe
rdeführer zu Recht nichts ein.
4.2
4.2.1
Der Beschwerdegegner
geht für die Zeit der Kündigungsfrist vom 28. No
vember 2012 bis 28. Februar 2013 (Urk. 6/29) von insgesamt 16 persönlichen
Arbeits
bemühungen
aus (Urk. 2 S. 2). Den Akten ist dazu eine Liste mit 16 Namen der Kontaktpersonen und der dazugehörigen Unternehmen zu ent
nehmen, aus der hervorgeht, wann die Kontaktaufnahme erfolgte, wann gege
benenfalls ein Vor
stellungsgespräch stattfand und
ob respektive wie das Ergeb
nis der
Arbeits
bemühung
beim betreffenden Unternehmen ausfiel (Urk. 6/8).
Sechs
dieser Kon
takt
aufnahmen erfolgten danach im März 2013, mithin nach der hier relevanten Zeit
, wobei beim Kontakt mit der
A._
die Antwort bereits am 2
6.
Feb
ruar 2013 erfolgt sei, so dass
es sich hier möglicherweise um einen Verschrieb handelt
.
Bezüglich dieser bei den Verwaltungsakten liegenden Liste
kann daher von
maximal
13
konkreten Arbeitsbemühungen in
der Zeit vom 28. No
vember 2012 bis 28. Februar 2013 ausgegangen werden.
Angesichts der praxisgemäss in der Regel geforderten 10 bis 12 Arbeitsbemühungen sind 13
bis 16
konkrete
Arbeits
bemühungen
für rund drei Monate auch unter Berück
sichti
gung der konkreten subjektiven und objektiven Umstände
ungenügend.
Na
ment
lich die geltend gemachten Umstände der Urlaubszeit
über den Jahres
wechsel
und der Beschäf
tigung des Beschwerdeführers
bei der
ehemaligen Arbeitgeberin bis Mitte De
zem
ber 2012 vermögen daran nichts zu ändern
(vgl.
BGE 139 V 524 E.
4.2)
.
4.2.2
Betreffend die in
der Beschwerde
aufgeführten 17 K
ontakte
zu Personen von ver
schiedenen Unternehmen, mit denen der Beschwerdeführer sich laut seinem Vorbringen über Einstiegsmöglichkeiten unterhalten habe
(Urk. 1)
, ist
festzu
-
halten, dass d
ie blosse Anfrage um Vermittlung an Personen aus Geschäft
s
- und Freundeskreis
ebenso wie die blosse Kontaktaufnahme mit
Stellenver
mittlungs
büros
keine ge
nügende
n
Arbeitsbemühungen dar
stellen
(ARV 1979 N 28 S. 146 E. 2).
Da der Beschwerde
führer im mittleren Alter ist, einen Hochschulabschluss hat, über mehrjährige Berufserfahrung verfügt und in der Finanzbranche selbst bei vorgängigen mündlichen Kontakten das Zusenden der schriftlichen
Be
wer
-
bungs
unterlagen
üblich ist, ist das Aktivieren des beruflichen Netzwerkes für die Arbeits
suche als ersten Schritt zwar durchaus sinnvoll, jedoch ohne kon
krete Bewerbung in qualitativer Hinsicht nicht als genügende
Arbeits
bemüh
ung
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 AVIG anzusehen
, selbst wenn dies
ver
ein
zelt
zu Bewerbungsgesprächen geführt haben sollte
.
Dies gilt umso mehr als
die Ver
wal
tung in die Lage versetzt werden
muss
, die Quantität und Qualität der Bemü
hungen abzuklären und zu würdigen.
Zu Recht verweist
der
Be
schwerde
gegner
in der Beschwerdeantwort (Urk. 5 S. 2) auf
Art.
26 AVIV, wonach der Versicherte verpflichtet ist, sich gezielt und in der Regel - so wie hier - mit einer ordentlichen Bewerbung um Arbeit zu bemühen.
Gemäss
Art.
20
Abs.
1
lit
. d AVIV hat die versicherte Person denn auch bei der Anmeldung den Nach
weis ihrer Bemühungen um Arbeit vorzulegen.
4.
3
4.3.1
Nach dem Gesagten
stellte der Beschwerdegegner
zutreffend
fest, dass die
per
sönlichen
Arbeitsbemühungen in den drei Monaten von
Ende November 2012 bis Ende Februar 2013
insgesamt
unzureichend waren.
Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung erfolgte somit
gestützt auf Art. 30 Abs. 1
lit
. c AVIG
zu Recht.
4.3.2
Unter Berücksichtigung der
gesamten sub
jektiven und objektiven Gegeben
hei
ten und angesichts der erstmaligen Sank
tionierung (vgl. bei wiederholter Ein
stellung in der Anspruchsberechtigung innert der Rahmenfrist: Art. 45 Abs. 5 AVIV)
ist die
vom
Beschwerdegegner
ver
fügte Fest
legung der
Ein
stellungsdauer
auf
elf
Tage
,
und damit im
oberen
Bereich eines leichten Ver
schuldens (
Art.
45
Abs.
3
lit
. a AVIV)
,
nicht zu bean
standen.
Die Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.