Decision ID: fade854c-46ce-52b4-9984-d34b6d068beb
Year: 2021
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A. Der am XX.XX. geborene A. (nachfolgend: der Versicherte oder Beschwerdeführer) ist seit
dem 1. Mai 2018 bei der Generalagentur D. angestellt und in dieser Eigenschaft bei der
Versicherung B. (in der Folge: Versicherung B. oder Vorinstanz) obligatorisch gegen die
Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am 2. März 2019 fuhr er als Teil der
Crew eines Viererbobs die Olympiabobbahn von Innsbruck hinunter. Dabei erhielt er in einer
Kurve einen seitlichen Schlag im Bereich der linken Rückenseite (Bagatellunfallmeldung vom
15. März 2019, act. 9.001). Der erstbehandelnde Arzt E. diagnostizierte damals "Prellungen
Hüfte/Beckenrand" seitlich (act. 9.004). Die Versicherung B. gewährte hierfür zunächst die
gesetzlichen Leistungen der Unfallversicherung. Mit Verfügung vom 28. Oktober 2020 stellte
die Versicherung B. ihre Leistungen alsdann per 15. Mai 2020 ein, wobei sie erwog, dass der
Status quo sine vel ante spätestens per letzterem Datum erreicht sei (act. 9.016). Auf
erhobene Einsprache hin bestätigte die Vorinstanz mit Entscheid vom 17. Februar 2021
grundsätzlich die Leistungseinstellung per 15. Mai 2020, wobei sie in ihrer Begründung
nunmehr jedoch davon ausging, dass das vom Versicherten gemeldete Schadensereignis
gar keinen Unfall im Rechtssinne darstelle (act. 9.030).
B. Mit Eingabe vom 19. März 2021 erhob der Versicherte Beschwerde beim Obergericht und
stellte das eingangs zitierte Rechtsbegehren (act. 1). Der per Beiladung ins Verfahren ein-
bezogene Krankenversicherer erklärte am 26. April 2021, er verzichte auf eine Stellung-
nahme (act. 4). Am 11. Juni 2021 erstattete die Versicherung B. ihre Vernehmlassung, in
welcher sie die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde beantragte (act. 8). Der
Beschwerdeführer machte von dem ihm eingeräumten Replikrecht keinen Gebrauch.
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Considerations:
Erwägungen
1. 1.1
Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen.
Zuständig für die Beurteilung von sozialversicherungsrechtlichen Streitigkeiten ist gemäss
Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) das Versicherungsgericht desjenigen Kantons,
in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat. Da der
Beschwerdeführer seinen Wohnsitz in F. hat, ist die Zuständigkeit des ausserrhodischen
Versicherungsgerichts gegeben.
1.2
Gemäss Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes vom 13. September
2010 (bGS 145.31) beurteilt das Obergericht als kantonales Versicherungsgericht Beschwer-
den aus dem Bereich der Sozialversicherungen. Das Gesamtgericht hat Beschwerden in
Sozialversicherungssachen mit medizinischen Fragestellungen der 3. Abteilung zur Beur-
teilung zugewiesen (so publiziert im aktuellen Staatskalender des Kantons Appenzell Ausser-
rhoden [https://staatskalender.ar.ch/organizations/pdf], Ziff. 2.6.1.2), weshalb diese zur Beur-
teilung der vorliegenden Beschwerdesache zuständig ist.
1.3
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen ergibt,
dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung auf Seiten des Beschwerdefüh-
rers als auch hinsichtlich der Form- und Fristerfordernisse mit Bezug auf die Beschwerdeschrift
erfüllt sind (insbesondere Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. März 1981 über die Un-
fallversicherung [UVG, SR 832.20] i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und Art. 61 lit. b ATSG).
1.4
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. 2.1
Gemäss Art. 6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versiche-
rungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt
(Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch bei bestimmten unfallähnli-
chen Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung
zurückzuführen sind (Abs. 2). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für
Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
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2.2
Ein Unfall ist gemäss Art. 4 ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung
eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
2.3
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf
die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prü-
fung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende,
unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er – nach einem
objektiven Massstab – den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Übli-
chen überschreitet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass
an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen
allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.1 und E. 4.3.1 mit Hinweis).
2.4
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in
einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz,
dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aus-
senwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam «pro-
grammwidrig» beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhn-
liche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen Körper
und Aussenwelt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher
Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1 mit Hinweisen).
2.5
Praxisgemäss sind die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens von der versicherten Per-
son glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser Forderung nicht nach, indem sie unvollständige,
ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen
Schadens als unglaubhaft erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallver-
sicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen
des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes
wegen die notwendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien
heranziehen. Ist aufgrund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht
wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt – die blosse Möglichkeit genügt nicht –, so hat
dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der versicherten Person auswirkt
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(BGE 116 V 136 E. 4b, 114 V 298 E. 5b). Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdar-
stellung, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt
(BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
2.6
Ohne besonderes Vorkommnisse ist bei einer Sportverletzung das Merkmal der Ungewöhn-
lichkeit und damit das Vorliegen eines Unfalles zu verneinen (BGE 130 V 117 E. 2.2 mit Hin-
weis). Dies bestätigt ein Blick auf verschiedene von der Rechtsprechung beurteilte Sport-
verletzungen: Bei einer Lehrerin, die in einer Turnstunde eine Rolle vorwärts ausführte und in
der Folge behandlungsbedürftige Beschwerden im Nackenbereich verspürte, wurde das Vor-
liegen eines Unfalls im Rechtssinne verneint (Urteil des Eidgenössischen Versicherungs-
gerichts U 98/01 vom 28. Juni 2002 E. 1). Ebenfalls keinen Unfall im Rechtssinne erleidet, wer
ohne besondere Vorkommnisse einen Rückwärtspurzelbaum ausführt und dabei eine Trau-
matisierung der HWS erleidet (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 322/02
vom 7. Oktober 2003 E. 4.2, 4.4 und 5.4) oder wem eine Rückwärtsrolle im Jiu-Jitsu-Training
misslingt und wer dabei nicht über die Schulter, sondern über das Genick rollt (Urteil des
Bundesgerichts 8C_189/2010 vom 9. Juli 2010 E. 4 und 5). Dagegen wurde der Unfallbegriff
bejaht bei einem nicht näher beschriebenen Sturz beim Kampfsporttraining mit Verletzung der
linken Schulter (Urteil des Bundesgerichts 8C_826/2008 vom 2. April 2009 E. 5.1) und einem
Bandencheck im Eishockey (BGE 130 V 117 E. 3). Im in BGE 130 V 117 beurteilten Fall hatte
sich der Versicherte beim Check gegen eine Bande verletzt. Das Bundesgericht gelangte in
Erwägung 3 zur Beurteilung, durch diesen Vorgang sei der natürliche Ablauf der Körperbe-
wegung programmwidrig beeinflusst worden, worin die Ungewöhnlichkeit des Geschehens
liege. Auch wenn derartige Körperattacken im Eishockey häufig vorkämen, ändere dies nichts
daran, dass sie zu einer unvorhersehbaren Beeinträchtigung des vom Spieler vorgesehenen
Bewegungsablaufs führten. Jeder Spieler müsse zwar damit rechnen, dass er gefoult werde,
er könne allerdings nicht voraussehen, wie sich die Körperattacke auf den natürlichen Bewe-
gungsablauf auswirken werde.
2.7
Generell ergibt sich aus der Rechtsprechung zu Sportverletzungen, dass der äussere Faktor
ungewöhnlich ist, wenn die sportliche Übung anders verläuft als geplant, nicht aber, wenn ein
Geschehen in die gewöhnliche Bandbreite der Bewegungsmuster der betreffenden Sport-
art fällt und sich das einer sportlichen Übung inhärente Risiko einer Verletzung verwirk-
licht. Auch wenn die Übung zwar nicht ideal verläuft, die Art der Ausführung sich aber noch in
der Spannweite des Üblichen bewegt, liegt kein Unfallereignis vor (Urteil des Bundesgerichts
8C_835/2013 vom 28. Januar 2014 E. 5.1 sowie Urteil des Eidgenössischen Versicherungs-
gerichts U 322/02 vom 7. Oktober 2003 E. 4.4; RUMO-JUNGO/HOLZER, Bundesgesetz über die
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Unfallversicherung [UVG], 4. Auflage 2012, S. 43 mit Hinweisen). Zu beachten ist auch, dass
sich ein Vorfall für gewisse Personen als ungewohnt, für andere aber als durchaus normal
erweisen kann, so dass es nicht gerecht wäre, für alle Versicherten die gleichen Kriterien an-
zuwenden. So handelt es sich beispielsweise bei einem Sturz für einen Spaziergänger um ein
aussergewöhnliches Ereignis, nicht aber für einen Schwinger während des Zweikampfes
(RKUV 1992 Nr. U 156 S. 259; vgl. zum Ganzen Urteil des Sozialversicherungsgerichts Zürich
UV.2018.00188 vom 24. März 2020). Des Weiteren kann bei geübten Sportlern, bei denen mit
einem reibungslosen Ablauf zu rechnen ist, eine misslungene Ausführung einen ungewöhnli-
chen Faktor darstellen, nicht aber bei einem Anfänger oder einer untrainierten Person (vgl.
BGE 134 V 72 E. 4.2.3; vgl. IRENE HOFER in: Frésard-Fellay/Leuzinger/Pärli [Hrsg.], Basler
Kommentar, Unfallversicherungsgesetz, 2019, N. 35 zu Art. 6).
3. 3.1
Streitig ist, inwieweit der vom Beschwerdeführer als Unfall gemeldete Vorfall vom 2. März 2019
mit dem Viererbob auf der Olympiabobbahn von Innsbruck den Unfallbegriff im Sinne von
Art. 4 ATSG erfüllt. Die Vorinstanz verneinte einen Unfall mit Verweis auf das Fehlen eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors. Vorliegend hatte der Versicherte laut den Angaben des
Allgemeinmediziners E. im Rahmen des nämlichen Ereignisses "Prellungen an der Hüfte/am
Beckenrand seitlich" zugezogen (act. 9.004), wobei an dieser Stelle darauf hingewiesen sei,
dass zur Beurteilung der Frage, ob das zu prüfende Ereignis einen Unfall im
Rechtssinne darstellt, dessen diagnostische Einordnung durch die Ärzte nicht weiterhilft, da
der juristische Unfallbegriff massgeblich ist. Für die Prüfung des Vorliegens eines ungewöhn-
lichen äusseren Faktors ist vorab auf die aktenmässig dokumentierten Angaben zum Hergang
des Ereignisses vom 2. März 2019 einzugehen. Der "Bagatell-Meldung UVG" vom 15. März
2019 (act. 9.001) ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer am 2. März 2019 auf der
Olympia-Bobbahn von Innsbruck mit dem Bobschlitten die Bahn herunterfuhr. In einer Kurve
bemerkte er einen seitlichen Schlag im Bereich der linken Rückenseite Lendenwirbel (Bereich
L1-L4). Im "Erstes Arztzeugnis – UVG" von Arzt E. vom 21. März 2019 ist festgehalten, dass
der Versicherte bei einer Bobfahrt mit G. (Viererbob) bei einer Seitenwandtouchierung eine
Kontusion/Prellung an Hüften, Becken/Flankenbereich an Bobseitenverkleidung erlitt
(act. 9.004). Im vorliegenden Beschwerdeverfahren führte der Versicherte aus, er sei damals
mit zwei weiteren Personen/Fahrgästen und dem Bobpilot (Viererbob) mit einem Bobschlitten
die Olympia-Bahn in Innsbruck hinuntergefahren. In einer schnellen Links-/Rechtskurve seien
sie einmal nach rechts und dann sofort wieder nach links gedrückt bzw. mit einer gewissen G-
Kraft an die Innenwand des Bobs geschlagen worden. Da die Personen hintereinander so eng
zusammensitzen, seien jeweils die Knie des Hintermannes genau auf der Höhe der
Hüfte/Gesässe, so dass bei der hohen Geschwindigkeit, als er von einer Seite in die andere
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geschlagen/gepresst worden sei, genau das Knie des Hintermannes am linken Gesäss
gespürt habe (act. 1). Im "Frageblatt zur Verletzung" hatte der Versicherte erklärt, er sei als
Gast mit einem Bobschlitten den Eiskanal runtergefahren. Dabei sei er hinter dem Pilot als
zweite von vier Personen gesessen. In den schnellen Kurven sei es zum Schlag gekommen,
weil der Bob eben nach links+rechts in die Kurven fahre. In Bezug auf die Frage, ob sich etwas
Besonderes, Unvorhergesehenes ereignet habe, erklärte der Versicherte: "eben seitlich im
Bob, vielleicht war es auch das Knie von der dritten Person, die hinter mir sass. Auf jeden Fall
war es ein Schlag. Dieser Schlag habe ich heftig gespürt." (act. 9.007). Bezüglich der Angaben
des Beschwerdeführers ist festzustellen, dass sich als unklar darstellt, wie seine Verletzung
nun genau entstanden ist. Während der ärztliche Bericht von Arzt E. den Eindruck erweckt,
der Versicherte habe sich die Verletzung aufgrund eines Anpralls am Bob zugezogen, scheint
die Verletzung laut den Ausführungen in der Beschwerdeschrift auf den Schlag eines anderen
Bobinsassen zurückzuführen sein. Das Frageblatt zur Verletzung (act. 9.007) legt die
Vermutung nahe, dass der Versicherte selber nicht imstande ist zu sagen, ob er den Schlag
durch den Kontakt mit dem Bob oder durch das Bein seines Hintermanns erhielt. Der
diesbezügliche genaue Hergang erscheint vorliegend auch nicht entscheidend. Denn letztlich
gehören sowohl ein Anprall am Bob wie auch ein Schlag durch einen anderen Insassen zu
jenen Risiken, wie sie dem Bobsport eigen sind. Die Vorinstanz führt zutreffend aus, dass es
zum Wesen des Bobsports gehört, dass die eng hintereinander sitzenden Insassen des Bobs
während der Fahrt (massiven) Schlägen auf den Körper ausgesetzt sind. Laut den
Schilderungen des Versicherten stand am Ursprung des erlittenen Schlags, welcher die
Prellung bewirkte, letztlich der Umstand, dass der Bob anscheinend im Zuge einer schnellen
Links-Rechts-Abfolge die Seitenwand des Eiskanals touchierte. Gerade dies überschreitet
keinesfalls das Übliche im Bereich des Bobfahrens, sondern ist der Sportart geradezu imma-
nent. Der Versicherte hatte gemäss ärztlichem Bericht vom 21. März 2019 (act. 9.004) ja auch
ausgeführt, dass der Viererbob vom ehemaligen Weltcuppiloten G. gesteuert wurde.
Entsprechend dürfte der Bob – wie auch der Versicherte erklärt – mit hoher Geschwindigkeit
unterwegs gewesen sein. Die Kräfte, die unter diesen Voraussetzungen bei einem Anprallen
des Bobs an der Wand des Eiskanals auf die Fahrer wirken, sind enorm. Anschaulich wird
dies etwa anhand der Beschreibungen einer ehemaligen Bob-Weltmeisterin, welche erklärte,
Bobfahren sei, als würde man "in einen Mülleimer geworfen und einen felsigen Hügel hinun-
tergetreten" (vgl. den Bericht "Der Tod der Bobfahrer" auf der Internetseite
<https://www.zeit.de/sport/2020-07/bobfahrer-wintersport-suizid-kopfverletzung-rodeln-skele-
ton/seite-3-> [besucht am 2. August 2021]. Im Übrigen ist festzustellen, dass der Beschwer-
deführer den fundierten Ausführungen der Vorinstanz im Einspracheentscheid und in diesem
Beschwerdeverfahren, gemäss welchen mangels Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren
Faktors der Unfallbegriff nicht erfüllt sei, letztlich nichts entgegenhielt. Insbesondere macht er
nicht geltend, es hätten im Rahmen des fraglichen Ereignisses vom 2. März 2019 Umstände
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vorgelegen, die das Normalmass an Einwirkungen auf den menschlichen Körper, wie sie beim
Bobsport üblich sind, überschritten.
3.2
Nachdem zusammenfassend das vom Versicherten gemeldete Ereignis vom 2. März 2019
zufolge Fehlen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors den Unfallbegriff im Sinne von Art. 4
ATSG nicht erfüllt, erweist sich der vorinstanzliche Entscheid, gemäss dem eine Leistungs-
pflicht des Unfallversicherers über den 15. Mai 2020 hinaus nicht besteht, als korrekt. Soweit
die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung die Auffassung vertrat, die Versicherung B.
habe zu Unrecht UV-Leistungen erbracht, ist dem im Sinne obiger Erwägungen zuzustimmen.
Letztlich enthält der fragliche Entscheid aber nur eine Verfügung hinsichtlich der Frage, ob die
Leistungseinstellung per 15. Mai 2020 gerechtfertigt war. Dementsprechend kann einzig dieser
Punkt Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens sein (vgl. Urteil des Bundes-
gerichts 1A.352/1999 vom 12. Juli 2000 E. 3 a) mit Verweisen).
4. 4.1
Die Versicherung B. prüfte im angefochtenen Entscheid das Ereignis vom 2. März 2019 noch
unter dem Blickwinkel einer unfallähnlichen Körperschädigung. Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG
kann der Bundesrat Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalls ähnlich sind, in die
Versicherung einbeziehen. Von dieser Kompetenz hat er in Art. 9 Abs. 2 der Verordnung vom
20. Dezember 1982 über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) Gebrauch gemacht. So
sind gemäss Art. 9 Abs. 2 UVV die abschliessend (vgl. BGE 116 V 140 E. 4a mit Hinweisen;
ALFRED MAURER, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, S. 202) aufgelisteten
Körperschädigungen (Art. 9 Abs. 2 lit. a-h UVV), sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung
oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung
Unfällen gleichgestellt. Es handelt sich dabei um Knochenbrüche (lit. a), Verrenkungen von
Gelenken (lit. b), Meniskusrisse (lit. c), Muskelrisse (lit. d), Muskelzerrungen (lit. e),
Sehnenrisse (lit. f), Bandläsionen (lit. g) und Trommelfellverletzungen (lit. h). Das bei einem
Unfall im Sinn von Art. 4 ATSG vorausgesetzte Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit des
äusseren Faktors ist also bei den unfallähnlichen Körperschädigungen nicht erforderlich.
Hingegen hat das Eidgenössische Versicherungsgericht (nachfolgend: EVG) in BGE 129 V
467 E. 2.2 seine Rechtsprechung gemäss BGE 123 V 43 bestätigt, wonach mit Ausnahme der
Ungewöhnlichkeit auch bei den unfallähnlichen Körperschädigungen die übrigen
Tatbestandsmerkmale des Unfallbegriffs erfüllt sein müssen. Dies gilt namentlich für das
Erfordernis des einwirkenden äusseren Faktors an sich, worunter – gleich wie beim äusseren
Faktor des Unfallbegriffs – ein ausserhalb des Körpers liegender, objektiv feststellbarer,
sinnfälliger – eben unfallähnlicher – Einfluss auf den Körper in Form einer unabhängigen
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Krafteinwirkung zu verstehen ist (vgl. E. 3.1). Die schädigende Einwirkung kann auch im Falle
eines unfallähnlichen Ereignisses in einer körpereigenen Bewegung bestehen (Urteil des
Bundesgerichts 8C_147/2014 vom 16. Juli 2014, E. 2.3; BGE 129 V 468 f. E. 4.1; vgl. zum
Ganzen Urteil des Versicherungsgerichts St. Gallen UV 2017/39 vom 16. März 2019).
4.2
Vorliegend hatte der Allgemeinmediziner E. in seinem ärztlichen Bericht vom 21. März 2019
wie gesehen die Diagnose "Prellungen Hüften/Beckenrand seitlich gestellt". Die Vorinstanz
macht mit Recht geltend, dass eine Prellung nicht unter den als abschliessend zu
verstehenden Katalog gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG fällt, und ebenso korrekt verneint hatte sie
dies bezüglich der im MRI vom 15. Mai 2020 (vgl. act. 9.009) gestellten Diagnosen (Mittel-
gradige Chondrose L3-4; fortgeschrittene erosive Osteochondrose L5/S1 [...]; Diskusher-
nie/Diskusprotrusion [vgl. BGE 116 V 145; Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft 725
12 12 /96 vom 12. April 2012 E. 3]). Der Beschwerdeführer machte diesbezüglich auch nichts
anderes geltend. In diesem Sinne lässt sich hier das Ereignis vom 2. März 2019 (auch) nicht
unter eine unfallähnliche Körperschädigung subsumieren.
5. Zusammenfassend erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid in allen Punkten als
rechtens. Die Vorinstanz wies im Übrigen namentlich noch zutreffend auf die höchstrichterliche
Rechtsprechung hin, gemäss welcher der Unfallversicherer die Möglichkeit hat, die durch Aus-
richtung von Heilbehandlung und Taggeld anerkannte Leistungspflicht mit Wirkung ex nunc et
pro futuro ohne Berufung auf den Rückkommenstitel der Wiedererwägung oder der prozessu-
alen Revision einzustellen, d.h. den Fall abzuschliessen, dies mit der Begründung, ein ver-
sichertes Ereignis liege – bei richtiger Betrachtungsweise – gar nicht vor (BGE 130 V 380). In
diesem Sinne ist die Beschwerde abzuweisen.
6. Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. a ATSG). Dem unterliegenden Beschwerdeführer steht
keine Parteientschädigung zu (Art. 61 lit. g ATSG e contrario). Für die Zusprechung einer
Parteientschädigung an die obsiegende Vorinstanz fehlt eine gesetzliche Grundlage (UELI
KIESER, Kommentar ATSG, 4. Aufl. 2020, N. 218 f. zu Art. 61 ATSG; SUSANNE BOLLINGER, in:
Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, 2020, N. 77 zu Art. 61
ATSG).
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