Decision ID: bf3c6514-e349-4dd8-9944-9144647ebbdf
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1990 und
an
gelernter Bodenleger
,
meldete sich am 2.
Oktober 2013 unter Hinweis auf ungeklärte Pusteln
/Pappeln
sowie
eine mittelgradige depressive Episode
und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 2011
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/2). Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog die Akten des
Kran
kentaggeldversicherers
Balser Versicherung AG (
Urk.
7/3/1-48) bei
und holte einen Auszug aus dem individuellen Konto des Versicherten (IK-Auszug) ein (
Urk.
7/10)
.
Am 5. November 2013 fand ein Standortgespräch statt (Urk. 7/11).
Nach Eingang
von Berichten
der
behandelnden Ärzte
und
Psychologen
(
Urk.
7/
12-
13)
veranlasste die IV-Stelle
eine psychiatrische Begutachtung
(Psy
chiatrisches Gutachten von
Dr.
med.
Y._
, Facharzt Psychiatrie und Psycho
therapie FMH, und
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 12.
Juni 2014,
Urk.
7/18 und Stellungnahme des Gutachters
Dr.
Y._
auf Rückfrage der IV-Stelle vom 27.
August 2014,
Urk.
7/21).
In der Folge gewährte d
ie IV-Stelle Kostengutsprache für ein Belastungstraining
, das der Versicherte am 8. Juni 2015 antrat
(Urk.
7/29
,
Urk.
7/33 und
Verlaufsproto
koll
Berufsberatung, Urk.
7/40
S. 1
)
. Im Anschluss kam die IV-Stelle für die Kosten eines Aufbautrainings auf (
Urk.
7/41)
. Die
se
Integrationsmassnahme wurde aufgrund eines stationären Klinikaufenthaltes des Versicherten
mit Mit
teilung vom 29. Januar 2016 beendet
(
Urk.
7/50 S. 1
,
Urk.
7/51 und
Urk.
7/53
S. 4
)
.
Die IV-Stelle nahm in der Folge
weitere
Arztberichte zu den Akten (
Urk.
7/52,
Urk.
7/56 und
Urk.
7/59) und stellte
X._
mit Vorbescheid vom 29.
März 2016 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/61). Gegen den Vorbescheid liess der Versicherte seine Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 3. Mai 2016 Einwand erheben (
Urk.
7/66). Mit Verfügung vom 26. Mai 2016 verneinte die IV-Stelle wie angekündigt einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (
Urk.
2
).
2.
Dagegen liess der Beschwerdeführer am 27. Juni 2016 Beschwerde mit den folgenden Anträgen erheben (
Urk.
1 S. 2):
Die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
-
Stelle, v
om 26. Mai 2016 sei aufzuheben.
Es seien
dem Beschwerdeführer IV-Leistungen zuzusprechen. Es sei zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente und berufliche Massnahmen zustehen. Es sei de
r Invaliditätsgrad festzulegen.
Es sei
en weitere medizinische Abklärungen zu treffen. Insbesondere sei der Beschwerdeführer psychiatrisch und
dermatologisch zu begutachten.
Es
sei
ein zweiter
Schriftenwechsel durchzuführen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Im Weiteren beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsvertretung in der Person von Rechtsanwältin
Dr.
Barbara Wyler, Frauenfeld (
Urk.
1 S. 2). In der Begründung machte der Beschwerdeführer unter anderem eine Verletzung der
Begründungs
pflicht
und damit des rechtlichen Gehörs geltend (S. 5 f. Ziff. 5). Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 22. August 2016 (Urk. 6) auf Abwei
sung der Be
schwerde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 57a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher ge
währten Leistung mittels Vorbescheid mit. Die versicherte Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 42 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG).
Die Parteien können innerhalb
einer Frist von 30
Tagen bei der IV-Stelle
münd
lich oder schriftlich Einwände zum Vorbescheid vorbringen (Art. 73
ter
Abs. 1 und
Abs. 2 Satz 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [
IVV
]). Hernach
entscheidet die IV-Stelle mittels Verfügung, wobei sie sich darin mit den
für den Beschluss
relevanten Einwänden der Parteien auseinanderzusetzen hat (Art. 74 Abs. 1 und 2 IVV).
Die von den kantonalen IV-Stellen erlassenen Verfügungen sind sodann – in Ab
weichung von Art. 52 und Art. 58 ATSG – ohne vorgängiges
Einspracheverfah
ren
direkt beim Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar (Art. 69 Abs. 1
lit
. a IVG).
1.2
Nach Art. 42 ATSG haben die
Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, wobei sie vor Erlass von Verfügungen, die durch Einsprache anfechtbar sind
–
was
auf
Verfügungen über Leistungen der
Invalidenversicherung nach dem Gesagten nicht zutrifft
–
, nicht angehört werden müssen.
Ein
Bestandteil
des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er neben der explizi
ten gesetzlichen Regelung
in Art. 42 ATSG auch in Art. 29 Abs.
2 der Bundes
verfassung (BV) garantiert wird (vgl. BGE 124 V 180 E. 1a), ist das Recht der ver
sicherten Person, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Ent
scheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die
Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der
Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beein
flussen (BGE 132 V 368 E. 3.1). Der Gehörsanspruch verpflichtet die Behörde, die
Vorbringen der betroffenen Person auch tatsächlich zu hören, zu prüfen und in
der
Entscheidfindung
zu berücksichtigen, weshalb sie ihren Entscheid zu begrün
den hat (BGE 134 I 83 E. 4.1). Die Pflicht der Behörde, ihre Verfügungen – sofern
sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 ATSG)
– zu begründen, bezweckt insbesondere, die betroffene Person in die Lage zu
versetzen, eine Verfügung gegebenenfalls sachg
erecht anfechten zu können (BGE
124 V 180 E.
1a, vgl. auch BGE 134 I 83 E. 4.1 mit Hinweisen).
Um den verfassungsrechtlichen Anforderungen zu genügen, muss die Begrün
dung wenigstens kurz die Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde bei ihrem Entscheid hat leiten lassen und auf die sich der Entscheid stützt. Aus der Begründung muss jedenfalls ersichtlich werden, ob und warum die Behörde ein Vorbringen einer Partei für unzutreffend beziehungsweise unerheblich hält. Es muss erkennbar sein, ob die Behörde es überhaupt in Betracht gezogen hat. Sie darf sich nicht auf den Hinweis beschränken, die Überlegungen der versi
cherten Person seien zur Kenntnis ge
nommen und geprüf
t worden.
Die Begrün
dung muss so abgefasst sein, dass eine Anfechtung des Entscheids möglich ist
(
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 20
15
, N
56
zu
Art. 49
,
mit Hinweis auf BGE 124 V 180)
.
1.3
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur.
Daher führt d
essen Ver
letzung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung de
s
angefochtenen
Entscheids.
Vorbehalten bleiben praxisgemäss Fälle, in denen die Verletzung des
Begründung
srechts nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die Partei, deren rechtliches Gehör verletzt
wurde, sich vor einer Instanz äussern kann, welche sowohl Tat- als auch Rechts
f
ragen uneingeschränkt überprüft
. Von einer Rückweisung der Sache zur Ge
währung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltung ist im Sinne einer Heilung des Mangels selbst bei e
iner schwer
wiegenden Verletzung des rechtlichen Ge
hörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalisti
schen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit
dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
be
förderlichen
Beurteilung der Sache
nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
2.1.1
Die Aktenlage präsentierte sich im Verfügungszeitpunkt
in medizinischer Hin
sicht
im Wesentlichen wie folgt
:
2.
1.
2
Am 15. Februar 2012 und 27. April 2012 bestätigte
der Praktische
Arzt
A._
gegenüber dem Krankentaggeldversicherer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis auf weiteres wegen unklarer Pusteln/P
appeln im Bereich des
Capitiums
(
Urk.
7/3/5-6)
.
2.
1.
3
Die Ärzte
der Dermatologischen Klinik
des
B._
nannten im Bericht vom 7. Juni 2012 zuhanden des Krankentaggeldversicherers (Urk.
7/3/7-8) die Diagnosen
Follikulitis
et
Perifollikulitis
capitis
abscedens
et
suffodiens
Hoffmann und Verdacht auf
Acne
inversa
. Sie gaben an, es komme seit zirka Mitte 2010 an der Kopfhaut zu eitrigen Hautveränderungen, die im Vertex-Bereich begonnen hätten.
Bereits im Jahr 2008 sei ein Ab
s
zess am Nacken mittels Inzision auf der Wiederherstellungschirurgie behandelt worden. Aktuell
klage der Beschwerdeführer weder über
Pruritus
(Juckreiz)
noch
über
Schmerzen. In der letzten Kontrolle vom
2.
April 2012 sei der Befund stabil ge
wesen. Es sei zu keiner Verschlechterung gekommen. Aus dermatologischer Sicht sei bisher keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden, wobei der Beruf des Versicherten nicht bekannt sei.
2.
1.
4
Der Vertrauensarzt des Krankentaggeldversicherers,
Dr.
med.
C._
, notiert
e
am
8
. August 2012 handschriftlich, eine Arbeitsunfähigkeit sei nicht ausgewiesen (
Urk.
7/3/12), weshalb die Taggeldzahlung per 31. August 201
2 eingestellt wurde (
Urk.
7/3/45).
2.
1.
5
Am
1
8
.
Juni und am 1
6
. Dezember
2013 berichtete
n
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
Dr.
phil.
E._
, klinischer Psychologe und Supervisor sowie
lic
. phil.
F._
, Psychologin
,
vom
G._
de
r IV-Stelle (
Urk.
7/12-13
).
Sie nannten
im Wesentlichen die Diagnosen mittelgradige depressive Episode
mit somatischem Syndrom
(ICD-10 F32.1) und Adipositas
sowie die
im Bericht des
B._
aufgeführte
dermatologische Erkrankung
. Sie gaben an, dass der Beschwerdeführer ein achtwöchiges Rehabilitationsprogramm im
G._
absolviere und im Anschluss eine
hochfrequente psychotherapeutische Behandlung und soziotherapeutische Betreuung weiterlaufen sollte. Mit der Bearbeitung der depressiven Symptomatik, der Selbstsicherheit und einer verbesserten Gedächtnisleistung sowie der Minderung der körperlichen Symptome könne ein positiver Verlauf in Aussicht gestellt werden (
Urk.
7/13/6-8 S. 2). Die Berichterstatter des
G._
attestierten aktuell
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und rechneten mit einer 20%igen Arbeitsfähigkeit ab Frühling 2014 mit sukzessiver Steigerung
(
Urk.
7/13
/1-4
S.
3)
.
2.
1.
6
Die psychiatrischen Gutachter
Dr.
Y._
und
Dr.
Z._
diagnostizierten
in ihrer Expertise
vom 1
2.
Juni 2014 (
Urk.
7/18)
eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) und
nannten als
Differenzialdiagnose eine leicht- bis mittelgradig depressive Episode (ICD-10 F32.1
, S. 16
)
. Sie gaben an, es bestehe ein klarer Zusammenhang zwischen der psychischen
Belastung
durch eine chronisch verlaufende Hauterkrankung und der geringen Anpassungsfähigkeit des Beschwerdeführers. Trotz intensiver Therapie sei es
diesem
bis heute nicht gelungen, Strategien für den Umgang mit der
Hautprob
lematik
zu entwickeln und konsequent anzuwenden
(S. 18).
Sinnvoll wäre
nach Ansicht der Gutachter
eine Tagesstruktur, die den Beschwerdeführer von seiner Hautproblematik ablenke und seine
Sozialkompe
tenz
fördere. Für eine einsicht
sbasierte
Psychotherapie seien die Ressourcen zur Selbstreflektion und Introspektion eher noch nicht ausreichend, zumal
der Be
schwerdeführer
eher ein unreifes Verarbeitungsmuster
von
Stress habe.
Er ak
zeptiere die Rehabilitation nicht, weil sie ihm keine greifbaren Erfolge und Problemlösungen anbieten könne.
Eine begleitende Verhaltenstherapie und die Optimierung der medikamentösen Therapie könnten hilfreich sein
, um dem Be
schwerdeführer
klare Strukturen für den Umgang mit Schlafproblemen und ne
gativen Gedanken zu geben (S.
19
). Die Gutachter attestierten sowohl im er
lernten Beruf als Bodenleger als auch in einer
Verweistätigkeit
eine 50%ige Ar
beitsunfähigkeit
(S
. 20).
Auf Rückfrage der IV-Stelle
(
Urk.
7/19)
gab
Dr.
Y._
am 27. August 2014 an (
Urk.
7/21)
, die hochfrequent
e psychotherapeutische Behandlung und sozial
therapeutische Betreuung im
G._
erschienen
sinnvoll und sollte
n
dem Versicherten
allenfalls
im Rahmen einer Schadenminderungspflicht auferlegt werden. Hierbei sei eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit möglich. Diese könne nicht in einem konkreten Ausmass benannt werden.
Eine massgebende Bedeutung komme der
Eigenmotivation des Versicherten
zu
.
2.1.7
In seiner Stellungnahme vom 29. September 2014 zum Gutachten von Dr.
Y._
und
Dr.
Z._
mit ergänzender Stellungnahme vom 27. August 2014 gab
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt Neurologie vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle an, das Erreichen einer vollen Arbeitsfähigkeit erscheine medizinisch-theoretisch
mög
lich
. Insofern könne nicht von einem überdauernden Gesundheitsschaden aus
gegangen werden, der therapeutisch nicht mehr
angehbar
sei und eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit bewirke (
Urk.
7/60 S. 4).
2.
1.
8
Während laufender
Integrationsmassnahmen der IV-Stelle trat der Versicherte
in die Klinik
I._
der
J._ (
Urk.
7/52)
ein
,
worauf die IV-Stelle das Aufbautraining
mit Mitteilung vom 29. Januar 2016
beendete
(vgl.
Urk.
7/50 S. 1,
Urk.
7/51 und
Urk.
7/53 S. 3)
.
Im Austrittsbericht vom 28. Dezember 2015 über
den
Klinikaufenthalt vom 4. bis 1
2.
November 2015
(
Urk.
7/52)
diagnostizierten
die Ärzte
aus
psychiatrischer Sicht eine Anpassungsstörung
(ICD-10 F43.2)
mit kurzer depressiver Reaktion
. Sie ergänzten diese Diagnose
mit dem Hinweis, diese sei
„
getrig
gert
“
durch eine Ablehnung der IV-Rente, familiäre Konflikte und die dermatologische Erkrankung. Die Ärzte gaben an, der Beschwerdeführer habe sich im Verlauf gut stabilisieren können, seine Stimmung habe sich aufgehellt.
Den
Übertritt in
eine
Tagesklinik habe er abgelehnt
(S. 2)
. Er werde durch den Psychiater
Dr.
K._
ambulant weiter betreut
(S.
1
)
.
2.
1.
9
Im Bericht vom
1
2.
u
nd
24. Februar 2016 (
Urk.
7/56)
diagnostizierten
Dr.
D._
, Dr.
phil.
E._
und
lic
. phil.
F._
weiterhin
ein mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1
S. 6
)
.
Es wurde eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
be
scheinigt (
Urk.
7/56 S. 2).
Eine Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit sei noch nicht absehbar. Mit Reduzierung der somatischen sowie psychischen Symptome sowie einer weiteren Stabilisierung des Beschwerdeführers wären positive Auswirkungen zu erwarten. Jedoch könne zum jetzigen Zeitpunkt keine zuverlässige Prognose gestellt werden
(vgl. auch
den Bericht zur erneuten
ta
gesklinischen
Rehabilitationsbehandlung vom 21. Dezember 2015 bis 1
2.
Feb
-
ruar
2016,
Urk.
7/59)
.
2.
2
Mit Vorbescheid vom
29. März 2016
(Urk.
7
/
61
) stellte die Beschwerdegeg
nerin dem Beschwerdeführer
die Abweisung der Leistungsbegehrens in Aussicht.
Zur Begründung führte sie – nebst
einem Hinweis auf die gesetzlichen Grundlagen
– aus:
“
Nach dem Abbruch der Integrationsmassnahmen haben wir den Anspruch auf IV-Leistungen geprüft. Gemäss unseren medizinischen Abklärungen leidet Herr
X._
an keiner bleibenden oder längere
Zeit dauernden Erkrankung. Es handelt sich somit nicht um einen invalidisierenden
Gesundheitsschaden und begründet daher keinen Anspruch auf IV-Leistungen.
“
2.
3
Mit Einwand vom 3. Mai 2016 (
Urk.
7/66)
beantragte
der Versicherte weitere medizinische Abklärungen und in diesem Rahmen namentlich eine psychiatrisch-dermatologische Begutachtung. Zudem forderte er die IV-Stelle
mit Bezug auf allfällige Integrationsmassnahmen
auf
, konkret
darzulegen, inwiefern er keinen Anspruch auf di
e
einzelnen Renten- oder Sachleistungen der Invalidenversiche
rung habe. Die pauschale Verneinung von „IV-Leistungen“ verletzte das
rechtli
che
Gehör und die Begründungspflicht
(S. 4
Ziff.
3)
.
2.
4
In der angefochtenen Verfügung vom
2
6.
Mai 2016
(Urk. 2) wiederholte die
Be
schwerdegegnerin
zunächst ihre Ausführungen des Vorbescheids. Sodann refe
rierte sie die vom Beschwerdeführer gestellten Anträge und nahm dazu wie folgt Stellung (S. 2):
“
Im Rahmen unserer Abklärungen wurden diverse medizinische Be
richte eingehol
t und allesamt bei unserer Beurteilung berücksichtigt. Ob noch weitere Abk
lä
rungen im Sinne eines Gutachtens notwend
ig sind, liegt i
m Ermessen der IV-Stelle. In diesem Fall kann anhand der vorl
iegenden Akten entschieden
werden
und es sind keine wei
teren Abklärungen unsererseits
vorzunehmen.
Bei einer
mittelgradigen depressiven Episode handel
t es
sich definit
ionsgemäss um ein Leiden welches vorübergehend ist. Eine
Anpassungsstörung
ist
ebenfalls
ein Le
i
den welches nicht
l
angan
dauernd im Sinne der
IV
ist. Es
handelt sich um Erkrankungen wel
che therapierbar sind und somit nicht um einen
invalidisierenden Gesundheitsschaden
. Aus diesem Grund besteht
w
eder ein Anspruch auf
berufliche Massnahmen
noch auf eine IV-Rente. Wir
halten
an unserem Entscheid fest.
“
2.
5
Dieser Begründung fügt
e
die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort
vom 2
2.
August 2016 (
Urk.
6)
nichts mehr
hin
zu
.
3.
3.1
Der
angefochtene
n
Verfügung vom
2
6.
Mai 2016
(Urk. 2)
fehlt eine Begründung
mit Bezug auf
die konkrete Aktenlage
(E. 2.1)
. Die Begründung erschöpft sich vielmehr in allgemeinen Aussagen
. Es bleibt vollständig unklar, welche Akten berücksichtigt wurden und gestützt worauf ein invalidisierender
Gesundheits
schaden
nicht gegeben sein soll.
So verweist die IV-Stelle etwa implizit auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung mittelgradi
ger Depressionen
(vgl.
etwa
BGE
140 V 193 E. 3.3; Urteil
des Bundesgerichts
9C_892
/2015 vom 22. Januar 2016 E. 2), ohne sich aber mit den massgebenden Kriterien, wie
dem
Fehlen
einer konsequenten
Depression
stherapie, deren Scheitern das Leiden als resistent
ausweist
,
auseinanderzusetzen.
Unerwähnt bleibt auch, dass die von der IV-Stelle beauftragten
psychiatrischen
Gutachter immerhin von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ausgingen
(E. 2.1.6)
. Die Be
richterstatter des
G._
schätzten
die Arbeitsunfähigkeit sogar auf 100
%
(E. 2.1.5 und E. 2.1.9)
.
Es wird nicht angegeben, was für Therapien die IV-Stelle als angezeigt erachtet.
Auf die
dermatologisc
he
Diagnose wird gar kein
en
Bezug genommen.
Eine Auseinandersetzung mit dem Einwand, wonach weitere medizinische Abklärungen notwendig seien,
erfolgt allein
durch den
allgemeinen
Hinweis auf das Ermessen der
Verwaltung
. Auch in diesem Zusammenhang fehlen
jegliche
Angaben
, wie sie dieses Ermessen konkret ausübt und welche Akten dabei eine Rolle spielen.
Betreffend den
ebenfalls strittigen Anspruch auf (weitere) Eingliederungsmass
nahmen wiederholte die Beschwerdegegnerin trotz Einwand des Versicherten
ihre pauschale Verneinung dieses Anspruchs
,
da
mangels eines invalidisieren
den Gesundheitsschadens weder
ein
Anspruch auf berufliche Massnahmen noch auf eine Rente der Invalidenversicherung bestehe. Auch diese Begründung ge
nügt den
von der Rechtsprechung (E. 1.2)
gestellten Anforderungen nicht,
zu
mal
grundsätzlich
im Zusammen
hang mit einer bestimmten Eingliederungs
massnahme gesagt werden muss, was inhaltlich in Bezug auf die Invalidität er
forderlich ist
(vgl. dazu Silvia Bucher, Eingliederungsrecht der Invalidenversi
cherung, Bern 2011, S. 64 f.
Rz
101 und
Rz
103-104)
und
die IV-Stelle die Vor
aussetzungen
für Integrationsmassnahmen
in der Vergangenheit offenbar als erfüllt
erachtete
.
Die angefochtene Verfügung hält deshalb den Erfordernissen an eine rechtsgenügende Begründung nicht stand. Sie leidet an einem schwerwiegenden Begründungsmangel, welch
er eine sorgfältige Meinungsbil
dung des Beschwer
deführers darüber, ob und a
llenfalls mit welcher Argumenta
tion er den abschlä
gigen Rentenentscheid anfechten soll, verunmöglichte. Der Beschwerdeführer wurde gewissermassen auf den Gerichtsweg gezwungen, um die
Entscheidungs
gründe
der Beschwerdegegnerin zu erfahren
beziehungsweise um
– nachdem sich die Beschwerdegegnerin im vorliegenden Verfahren nicht weiter verneh
men liess
(vgl. die Beschwerdeantwort vom 2
2.
August 2016,
Urk.
6)
–
nament
lich vom Gericht zu erfahren, wie dieser Entscheid begründet werden könnte
, was nicht im Sinne der Verfahrensökonomie
liegen
kann und sich
auch unter Berücksichti
gung der Kostenpflicht des Beschwerdeverfahrens (
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
als
stossend
erweist.
Schliesslich kann es nicht Sinn des durch die Rechtsprechung geschaffenen In
stituts der Heilung des rechtlichen Gehörs sein, dass Verwaltungsbehörden sich über den elementaren Grundsatz des rechtlichen Gehörs hinwegsetzen und da
rauf vertrauen, dass solche Verfahrensmängel in einem von der betroffenen Person allfällig angehobenen Prozess da
nn behoben würden (vgl. BGE 116
V 182 E. 3c).
3.2
Ob
die medizinischen Abklärungen im Zeitpunkt des Verfügungserlasses
rechts
genüglich
und
hinreichend
aktuell
waren
erscheint
– mit Blick auf fehlende Be
richte des Psychiaters
Dr.
K._
und Abklärungen zur dermatologischen Erkran
kung – fraglich
, kann unter den gegebenen Umständen
aber
offenbleiben.
3.3
Ungeachtet der materiellen Erfolgsaussichten der Beschwerde (vgl. E. 1.3 hier
vor) ist daher die angefochtene Verfügung vom
2
6.
Mai 2016
(Urk. 2) aufzuhe
ben und die Sache an
die Beschwerdegegne
rin zurückzuweisen, damit sie über den
Leistungsan
spruch des Beschwerdeführers in einer im Sinne der Erwägun
gen hinreichend begründeten Verfügung neu entscheide.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist auf die Durchführung des beantragten zweiten
Schriften
wechsels
(
Urk.
1 S. 2) zu verzichten.
4.
4.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen in Abweichung von
Art. 61
lit
.
a ATSG kostenpflichtig, wo
bei die Kosten nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgelegt werden. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten in
der
Höhe von
Fr. 5
00.-- de
r
Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
4.2
Ausgangsgemäss ist dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) eine Pro
zessentschädigung zuzusprechen.
Der Beschwerdeführer liess am 2
5.
November 2016 eine Honorarnote einreichen (
Urk.
13). Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sic
h die Höhe der gerichtlich fest
zusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung
der Streitsache, der Schwierig
keit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss § 8 in Verbindung mit § 7 Abs. 1 der seit 1. Juli 2011 in Kraft stehenden Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem
Sozialversicherungs
gericht
(
GebV
SVGer
) wird namentlich für unnöti
gen Aufwand kein Ersatz ge
währt.
4
.3
Der von Rechtsanwältin
Dr.
iur
. Wyler in ihrer Honorarnote vom 2
5.
November 2016 geltend gemachte Aufwand von 13,74 Stunden (Urk. 13) ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen, insbe
sondere aufgrund der
Tatsache, dass sie den Beschwer
deführer schon im
Vor
bescheidverfahren
vertrat und ihr die Akten somit bekannt waren (vgl. die ebenfalls
am hiesigen Gericht
hängige
Beschwerde betreffen die Entschädigung im Verwaltungsverfahren, Prozessnummer IV.2016.01262). Als überhöht er
scheint
auch der Aufwand für Bar
auslagen im Gesamtbetrag von
Fr.
192.85 (in
klusive
Kosten für
eine unbekannte Anzahl Kopien im
Betrag
von Fr. 143.--
, obschon die gesamten Verwaltungsakten bereits zur Verfügung gestellt worden waren [
Urk.
7/63]
).
Angesichts der zu studierenden rund 70 Aktenstücke der Beschwerdegegnerin, der sechsseitigen Beschwerdeschrif
t, der Aufwendungen im Zusammen
hang mit dem Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung sowie der in ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträge ist die Prozessentschädigung bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf Fr. 2‘
3
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer
) festzusetzen.
Das Gesuch des Beschwerdeführers vom 2
7.
Juni 2016
um unentgeltliche Rechtspflege (
Urk.
1 S. 2) i
st bei diesem Ausgang des Verfahrens obsolet.