Decision ID: 7c256a31-7922-5fe4-a347-542ed48763e3
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am (...) erstmals ein Asylgesuch in der
Schweiz ein.
Dabei machte er geltend, er sei eritreischer Staatsangehörigkeit und in
B._ geboren. Seine Eltern hätten sich getrennt, als er klein gewe-
sen sei. Er sei mit seiner Mutter nach C._ gezogen, wo er an ver-
schiedenen Orten aufgewachsen sei. Er habe zwar die Schule besuchen
können, aber nie eine Aufenthaltsbewilligung erhalten. Im Jahr (...)/(...) sei
er mit einem gefälschten Pass verhaftet worden. Er sei wegen illegalen
Aufenthalts verurteilt und für rund (...) Jahre inhaftiert worden. Ungefähr im
Jahr (...) sei er in den D._ gereist. Einige Zeit später sei er mit ei-
nem gefälschten sudanesischen Pass nach Eritrea gelangt, um dort seine
Schwester zu suchen. In Eritrea habe er bei der Grossmutter gelebt, die
Schwester jedoch nicht gefunden. Im Jahr (...) sei er trotz seiner (eritrei-
schen) Identitätskarte bei einer Kontrolle wegen illegaler Einreise verhaftet
und für (...) Monate inhaftiert worden. In der Folge habe er aus Angst vor
einer erneuten Verhaftung das Haus kaum mehr verlassen. Im Jahr (...)
sei er mit einem gefälschten sudanesischen Pass erneut in den D._
gereist und habe in E._ gelebt. Am (...) sei er mit einem gefälschten
Pass von E._ nach F._ geflogen, woher er mit dem Auto in
die Schweiz eingereist sei.
B.
Mit Verfügung vom 6. August 2013 lehnte das SEM das Asylgesuch des
Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz so-
wie den Vollzug der Wegweisung an. Es hielt in seiner Entscheidbegrün-
dung fest, der Gesuchsteller sei mit grosser Wahrscheinlichkeit äthiopi-
scher Staatsangehöriger ohne eritreischen Hintergrund. Seine Asylvorbrin-
gen erachtete es als unglaubhaft.
Die gegen diesen Entscheid am 11. September 2013 beim Bundesverwal-
tungsgericht erhobene Beschwerde zog der Beschwerdeführer am 7. Ok-
tober 2013 zurück, weshalb das Bundesverwaltungsgericht das Beschwer-
deverfahren D-5066/2013 mit Entscheid vom 7. Oktober 2013 abschrieb.
C.
C.a Der Beschwerdeführer ersuchte das SEM mit Eingabe vom 21. No-
vember 2017 erneut um Asyl.
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Dabei machte er geltend, er sei – entgegen seiner früheren Angaben – ein
äthiopischer Staatsangehöriger und gehöre der Ethnie der G._ an.
Er habe sich im ersten Asylverfahren als Eritreer ausgegeben, damit er
nicht nach C._ zurückgeschickt werde.
Ende der neunziger Jahre habe er die (...) Bewegung unterstützt und sei
damals mehrfach – erstmals bei einer Demonstration im Jahr (...) – fest-
genommen worden. Das Schlimmste sei aber gewesen, dass er unter dem
Verdacht, homosexuell zu sein, festgenommen und zu Unrecht (...) Monate
inhaftiert worden sei, wobei er von den anderen Gefangenen sehr schlecht
behandelt worden sei. Nach einem medizinischen Untersuch, der zu sei-
nen Gunsten ausgefallen sei, sei er vom Gericht freigesprochen worden.
Dennoch sei sein Leben danach nicht mehr dasselbe gewesen. Er habe
sich regelmässig bei den Behörden melden müssen und die Polizei habe
ihn so schikaniert, dass er vom Gericht eine Bestätigung seiner Heterose-
xualität verlangt habe. Zudem hätten die Nachbarn hinter seinem Rücken
über ihn und seine angebliche Homosexualität gesprochen. Ferner hätten
die lokalen Behörden von ihm verlangt, dass er die regierungstreue Partei
unterstütze, deren Mitglied werde und an deren Versammlungen teil-
nehme. Dies habe er abgelehnt. Er habe kein ruhiges und würdiges Leben
mehr führen können. Auch ein Wohnortwechsel sei nicht in Frage gekom-
men, weil ihm die Polizei einen Wegzug untersagt habe. Schliesslich habe
er etwa (...) oder (...) Monate nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis
seine Heimat verlassen. Nach seiner Ausreise habe die Polizei seine Fa-
milie nicht in Ruhe gelassen. So habe sein (...) das Studium an der Uni-
versität in H._ nicht abschliessen dürfen und seine Eltern hätten
wegen dem Gerede in der Nachbarschaft ihren Wohnsitz wechseln müs-
sen. Seine Eltern hätten sich deswegen von ihm distanziert. Er habe das
Land illegal verlassen und im Ausland ein Asylgesuch gestellt und damit
die Regierung verraten. Zudem nehme er in der Schweiz an Versammlun-
gen der (...) teil. Bei einer Rückkehr nach C._ würde er als
G._ von der Regierung schikaniert oder getötet.
D.
Am 13. März 2020 hörte das SEM den Beschwerdeführer zu seinen (neu
geltend gemachten) Gesuchsgründen an.
Dabei brachte der Beschwerdeführer vor, er habe sich die meiste Zeit sei-
nes Lebens H._ (...) aufgehalten, wo er bei seiner Familie gelebt
und das College «(...)» besucht habe. Seine Familie lebe indessen seit
etwa (...) Jahren in der (...)-Region, mutmasslich in I._, nachdem
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sie sich vorübergehend in J._ aufgehalten hätten. Der Grund für
den Wohnortwechsel sei ihm im Einzelnen nicht bekannt, da er zu seiner
Familie keine guten Kontakte pflege.
Er habe beim (ersten und zweiten) Asylgesuch und beim Schreiben ans
Regionalgericht (...) als Geburtsdatum jeweils den (...) angegeben, weil
ihm gesagt worden sei, er müsse sein Geburtsdatum gemäss den Daten
in seinem (damaligen) Ausweis angeben. Nachdem ihm die Dokumente
aus seiner Heimat (Geburtsurkunde, Ledigkeitsbestätigung) zugestellt wor-
den seien, habe er sein Geburtsdatum diesen angepasst, da sie sein rich-
tiges Geburtsdatum ([...]) enthalten würden. Sein etwa (...)/(...) abgelau-
fener Pass sei auf der Kebele durch den Einfluss einer mächtigen Frau
einbehalten und die Ausstellung eines neuen Passes sei ihm verwehrt wor-
den. Als sein Vater noch (...) bei der (...) gewesen sei, sei der Sohn jener
mächtigen Frau zum Militärdienst gezwungen worden und seither verschol-
len. Die Frau habe sich an ihm (Beschwerdeführer) rächen wollen und auch
dafür gesorgt, dass er für alle Unruhen in der Stadt wie im Quartier zur
Verantwortung gezogen und ins Gefängnis gesteckt worden sei.
Im Jahr (...) sei er wegen des Vorwurfs, eine männliche Person vergewal-
tigt zu haben, (...) Monate lang in Haft gewesen. Eine Untersuchung habe
ergeben, dass er unschuldig sei, worauf er vom Gericht freigesprochen
worden sei. Sein Ruf sei aber zerstört gewesen und er sei nur noch
«Bushti», was auf Amharisch schwul bedeute, genannt worden. So sei er
einmal in K._ bei seiner Tante zu Besuch gewesen; im Ausgang
habe jemand zu ihm gesagt: «Du Bushti, bleib fern von mir!». Es habe sich
ein Streit entwickelt, worauf er eine Nacht in Gewahrsam der Polizei habe
verbringen müssen. Im Jahr (...)/(...) seien er und seine Freunde, nachdem
ihn jemand Bushti genannt habe, in eine Schlägerei verwickelt worden, wo-
bei jemand verletzt worden und später gestorben sei. Er sei deswegen im
Gefängnis gewesen, jedoch nach (...) oder (...) Monaten mit einer Bürg-
schaft seines (...) entlassen worden, weil er mit dem Tod der Person nichts
zu tun gehabt habe. Nach seiner Ausreise sei jenes Verfahren eingestellt
worden. Bei einer Rückkehr würde er weiterhin von der Gesellschaft stig-
matisiert und schikaniert werden. Zudem habe er Angst, von den Angehö-
rigen der verstorbenen Person im Sinne einer Blutrache getötet zu werden,
auch wenn er offiziell unschuldig sei. Ausserdem habe er an exilpolitischen
Demonstrationen in Bern teilgenommen; Mitglied eines exil-äthiopischen
Vereins sei er nicht.
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Auf Nachfrage des SEM, warum es ihm rund (...) Jahre nach der verhäng-
nisvollen Schlägerei nicht möglich sein sollte, als gesunder berufserfahre-
ner Mann in C._ unterzutauchen und dort den Lebensunterhalt zu
verdienen, gab der Beschwerdeführer an, er habe sich zwischenzeitlich in
der Schweiz einigermassen integriert. Hier lebe seine (...), für die er da
sein wolle. Wenn es möglich wäre, dass seine (...) mit ihm käme, würde er
sehr wahrscheinlich nach C._ zurückkehren.
E.
Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer mehrere Be-
weismittel zu den Akten, unter anderem: Identitätsausweis der G._,
Gerichtsbestätigung zur Heterosexualität vom (...) (äthiopischer Kalender),
Entlassungsschreiben der äthiopischen Bundespolizei vom (...) (äthiopi-
scher Kalender), Geburtsmeldung der (...) L._ (Zemis-Nr. [...]), Ent-
scheid des Regionalgerichts (...) betreffend Personenstandfeststellung
vom (...) sowie Rechtsbelehrung zur Anerkennung der Vaterschaft vom
(...).
F.
Mit Verfügung vom 9. April 2020 – eröffnet am 14. April 2020 – qualifizierte
das SEM die Eingabe des Beschwerdeführers vom 21. November 2017 als
Mehrfachgesuch, lehnte dieses ab, wies den Beschwerdeführer aus der
Schweiz weg und ordnete den Wegweisungsvollzug an. Zudem erhob es
eine Gebühr von Fr. 600.–.
G.
Der Beschwerdeführer erhob gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom
9. Mai 2020 (Datum Poststempel) Beschwerde beim Bundesverwaltungs-
gericht. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Gewährung von Asyl. Eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der
Wegweisung unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei und es sei die vor-
läufige Aufnahme anzuordnen. Eventuell sei die aufschiebende Wirkung
wiederherzustellen. In prozessualer Hinsicht sei ihm die unentgeltliche Pro-
zessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu
gewähren.
H.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dem Beschwerdeführer am
11. Mai 2020 den Eingang der Beschwerde.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG
(SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bis-
herige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Be-
schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legiti-
miert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist – unter Vorbehalt von Erwägung 3. – einzutreten (Art. 108
Abs. 6 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG)
ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln
(Art. 111a Abs. 2 AsylG).
3.
Soweit in der Rechtsmitteleingabe beantragt wird, es sei der Beschwerde
eventuell die aufschiebende Wirkung wiederherzustellen, ist festzuhalten,
dass der Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu-
kommt (vgl. Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 55 Abs. 1 VwVG) und die Vorinstanz
diese vorliegend nicht entzogen hat, weshalb – in Ermangelung eines
Rechtsschutzinteresses – auf den Antrag nicht einzutreten ist.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen
Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier
verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m. Verw.).
5.
5.1 Die Vorinstanz hielt zur Begründung der angefochtenen Verfügung fest,
die Darlegungen zu den Fluchtgründen aus C._ seien in Kernele-
menten unsubstanziiert, gehaltlos, teils widersprüchlich und der Logik zu-
widerlaufend ausgefallen. Vorab sei festzustellen, dass die Erklärung des
Beschwerdeführers, er sei zu Beginn seines Aufenthalts in der Schweiz
falsch beraten worden und habe sich deshalb als eritreischer Staatsange-
höriger ausgegeben, nicht zu überzeugen vermöge. Es bestünden ange-
sichts der auch im zweiten Verfahren auftretenden Divergenzen Vorbehalte
an seinem Aussageverhalten und an seiner persönlichen Glaubwürdigkeit.
So habe er bereits zu Beginn der Anhörung erklärt, das verzeichnete Ge-
burtsdatum, das notabene ebenfalls auf der eingereichten Personenstand-
feststellung des Regionalgerichts (...) verzeichnet sei, entspreche nicht
seinem tatsächlichen Geburtsdatum, vielmehr sei er am (...) geboren. Da
er selber sein Geburtsdatum bei der Erstregistrierung in der Schweiz auf
den (...) datiert und diese Angaben – im Unterschied zur eritreischen
Staatsangehörigkeit – auch in der Eingabe vom 21. November 2017 nicht
widerrufen habe, würden diesbezüglich starke Vorbehalte aufkommen. Zu-
dem sei betreffend die eingereichten äthiopischen Dokumente darauf hin-
zuweisen, dass sie alle aus dem Jahr (...) und somit auf einen Zeitpunkt
nach seiner Einreise in die Schweiz datieren würden. Es sei nicht nachvoll-
ziehbar, wie er im Jahr (...) eine Wohnsitzbestätigung in J._ hätte
ausgestellt erhalten sollen, wenn die Familie angeblich bereits seit etwa
(...) in I._, Region Somali, ansässig sei. Zudem seien die Doku-
mente erfahrungsgemäss leicht käuflich erwerbbar und würden nur einen
geringen Beweiswert aufweisen.
Im Weiteren ergäben sich aus den Darlegungen im schriftlichen Asylge-
such vom 21. November 2017 und den Aussagen an der Anhörung vom
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13. März 2020 erhebliche Widersprüche und logische Lücken. Den Ur-
sprung der «Bushti»-Vorwürfe habe er auf eine ehemalige Kebele-Mitar-
beiterin zurückbezogen, die sich an seinem Vater beziehungsweise ihm
habe rächen wollen. Da er angegeben habe, der Vater habe den Posten
als (...) zu einer Zeit innegehabt, als er (Beschwerdeführer) ein Kleinkind
gewesen sei, mute es realitätsfern an, wenn sich die angebliche Kebele-
Mitarbeiterin erst Jahrzehnte später und ausgerechnet auf diese Weise
hätte rächen sollen. Zudem sei sein Vater nach wie vor ein angesehener
Mann und die Frau arbeite seinen Angaben nach nicht mehr auf der Ke-
bele. Ferner erschliesse sich aus seinen Ausführungen nicht, wie es zur
unterstellten Vergewaltigung habe kommen können respektive weshalb die
Polizei gerade ihn ins Visier genommen habe. Weiter sei der Beschwerde-
führer gemäss schriftlicher Eingabe rund (...) Monate nach der Haftentlas-
sung ausgereist, weil er sich danach immer wieder bei den Behörden habe
melden müssen und von diesen schikaniert worden sei. Demgegenüber
habe er an der Anhörung erklärt, er habe das Heimatland nach seinem
Freikommen noch nicht verlassen, sondern sich aussagegemäss erfolg-
reich als Händler betätigt und sei dafür nach M._ gereist. Darüber
hinaus habe er in der schriftlichen Eingabe eine zweite Haft gänzlich uner-
wähnt gelassen, ohne dass er dafür hätte schlüssige Gründe nennen kön-
nen. Die mutmassliche zweite Haft sei deshalb ebenfalls mit erheblichen
Zweifeln behaftet. Seine später angeführten Befürchtungen bezüglich Blut-
rache durch die Angehörigen des Opfers seien als subjektive Befürchtun-
gen und Hörensagen Dritter zu erachten. Es sei schleierhaft geblieben,
weshalb die Angehörigen während seines Verbleibes in C._ auf
eine Blutrache hätten verzichten sollen, um ihn später dafür zu belangen.
Die diesbezüglichen Aussagen seien als überwiegend unglaubhaft zu be-
urteilen. Dass er bei einer Rückkehr auch als Vater eines Kindes und als
allenfalls verheirateter Mann nach wie vor mit «Bushti»-Vorwürfen konfron-
tiert wäre, habe er nicht zu konkretisieren vermocht. Seine diesbezüglichen
Ausführungen würden in einer Gesamtbetrachtung konstruiert und gestei-
gert wirken. Insbesondere da er auf konkrete Nachfrage verneint habe, tat-
sächlich homosexuell zu sein.
Er habe ferner auch nicht begründen können, weshalb er in C._
über keine Aufenthaltsalternative verfügen sollte. Seine Angaben, dass er
versucht habe, bei der Tante in K._ ansässig zu werden, jedoch
auch dort mit «Bushti»-Vorwürfen konfrontiert und inhaftiert worden sei,
seien zweifelhaft, zumal er in der schriftlichen Eingabe vom (...) noch er-
klärt habe, er habe sich ständig bei der Polizei melden müssen und eine
Abmeldung am Wohnort sei ihm deshalb nicht möglich gewesen. Auch
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seine Begründung, dass er – obwohl Sohn eines G._-sprachigen
Vaters – über keine hinreichenden Sprachkenntnisse verfügt habe, um sei-
nem Vater und den jüngeren Geschwistern nach I._, Region Soma-
lia, zu folgen, sei realitätsfremd. Sodann habe er erklärt, dass er in
J._ sehr wohl ein von den Behörden unbehelligtes Leben habe füh-
ren können. Die angeblich nicht lebenswerten Lebensumstände habe er
nicht plausibilisieren können.
Zudem seien seine Schilderungen zu den Teilnahmen an regierungskriti-
schen Demonstrationen in der Schweiz unsubstantiiert und gehaltlos ge-
blieben. Er habe kein hinreichendes exilpolitisches Profil zu konkretisieren
vermocht.
5.2 Der Beschwerdeführer wiederholte in seiner Rechtsmitteleingabe zu-
nächst den aktenkundigen Sachverhalt. Darüber hinaus machte er geltend,
er habe seine falschen Angaben korrigiert und hier seine wahre Identität
und richtigen Asylgründe vorgebracht. Seines Erachtens bestünden genü-
gend Hinweise darauf, dass er die dargelegten Ereignisse selbst erlebt
habe. Seine Angaben seien weder widersprüchlich noch unglaubhaft. Er
habe bei einer Rückkehr begründete Furcht vor weiteren Nachteilen und
sei asylrelevant bedroht, zumal die politische Situation in C._ sehr
fragil sei. Er wolle in der Nähe seiner in der Schweiz lebenden (...), deren
Vaterschaft er anerkannt habe, bleiben und hier arbeiten.
6.
6.1 Nach Prüfung der Akten stellt das Bundesverwaltungsgericht vorab in
Übereinstimmung mit dem SEM fest, dass aufgrund der bewusst falschen
Angaben des Beschwerdeführers im ersten Asylverfahren (vgl. Bst. A. hie-
vor) zu seiner Identität (insbesondere Staatsangehörigkeit) und zu den Le-
bensumständen vor der Ausreise wie auch aufgrund der im zweiten Ver-
fahren auftretenden Divergenzen beträchtliche Zweifel an seiner persönli-
chen Glaubwürdigkeit bestehen. Sodann ergibt sich ebenfalls in Überein-
stimmung mit den vorinstanzlichen Erwägungen, dass sich die Verfol-
gungsvorbringen in wesentlichen Punkten als unsubstantiiert, gehaltlos,
widersprüchlich und nicht plausibel und daher als nicht glaubhaft erweisen.
Daran vermögen die Ausführungen auf Beschwerdeebene nichts zu än-
dern, zumal in der Rechtsmitteleingabe im Wesentlichen der Sachverhalt
wiederholt und an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen festgehalten wird. Die
von der Vorinstanz zutreffend angeführten Unstimmigkeiten in den Vorbrin-
gen zu den Kernelementen seiner Fluchtgründe, zur Zeitspanne und den
Umständen zwischen Haftentlassung und Ausreise sowie zur Furcht vor
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einer Blutrache vermitteln den Eindruck eines blossen Konstrukts, wobei
die Erklärungen auf Beschwerdeebene nicht geeignet sind, die Ungereimt-
heiten aufzulösen. Den Einwänden des Beschwerdeführers, wonach seine
Aussagen ein glaubhaftes Bild der Verfolgungssituation ergeben würden,
ist deshalb nicht zu folgen. Zudem setzt er sich mit seiner Angabe im
Rechtsmittel, die einflussreiche Frau, welche sich an seinem Vater bezie-
hungsweise an ihm habe rächen wollen und auch dafür gesorgt habe, dass
er ins Gefängnis gesteckt worden sei, heisse N._, in Widerspruch
zu seinen Angaben in der Anhörung, wo er ausführte, die Frau heisse
O._ (vgl. SEM act. B12 F82). Der Beschwerdeführer setzt sich im
Übrigen mit den vorinstanzlichen Erwägungen nicht weiter auseinander,
mithin legt er nicht dar, inwiefern die Vorinstanz zu Unrecht auf Unglaub-
haftigkeit geschlossen hat. Solches ist auch nicht ersichtlich.
6.2 In Ermangelung weiterer relevanter Entgegnungen auf Beschwerde-
ebene kann zur Vermeidung von Wiederholungen auf die dementspre-
chenden Erörterungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung ver-
wiesen werden, die insgesamt nicht zu beanstanden sind. Zusammenfas-
send hat die Vorinstanz das Mehrfachgesuch des Beschwerdeführers da-
her zu Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2
7.2.1 Die Wegweisung wird unter anderem dann nicht verfügt, wenn die
asylsuchende Person im Besitze einer gültigen Aufenthalts- oder Nieder-
lassungsbewilligung ist (Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. Au-
gust 1999 [AsylV 1, SR 142.311]) oder ein grundsätzlicher Anspruch auf
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung besteht, wobei die kantonale Aus-
länderbehörde zuständig ist, über den Anspruch konkret zu befinden (vgl.
auch BVGE 2013/37 E. 4.4; Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei-
zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 23 E. 3.2; EMARK
2001 Nr. 21 E. 9). Ist die asylsuchende Person nicht im Besitz einer gülti-
gen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung, ist im Asyl- und Wegwei-
sungsverfahren mit Blick auf die mögliche Zuständigkeit der kantonalen
Ausländerbehörde daher vorfrageweise zu prüfen, ob die asylsuchende
Person sich im Sinne von Art. 14 Abs. 1 AsylG auf einen grundsätzlichen
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Seite 11
Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung berufen kann (vgl.
EMARK 2001 Nr. 21 E. 10).
7.2.2 Soweit nicht das Gesetz oder das Freizügigkeitsabkommen einen
Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung vermittelt, kommt als
Anspruchsgrundlage Art. 8 EMRK in Betracht, wobei diesbezüglich die
bundesgerichtliche Rechtsprechung massgeblich ist (vgl. EMARK 2001
Nr. 21 E. 8a und b sowie E. 9). Diese besagt, dass Ausländerinnen und
Ausländern gestützt auf den in Art. 8 EMRK und Art. 13 BV gewährleisteten
Schutz des Familienlebens ein potenzieller Anspruch auf Aufenthalt in der
Schweiz erwächst, wenn eine enge, nahe, echte und tatsächlich gelebte
familiäre Beziehung vorliegt. Zu den Familienbeziehungen, die nach dem
Bundesgericht unter den Schutz von Art. 8 Abs. 1 EMRK fallen, gehört ne-
ben jener zwischen den Ehegatten, Paaren aus eingetragenen Partner-
schaften oder Konkubinatspartnerschaften auch jene zwischen Eltern und
ihren minderjährigen Kindern. Hinweise für eine familiäre Beziehung sind
das Zusammenleben in einem gemeinsamen Haushalt, eine finanzielle Ab-
hängigkeit sowie regelmässige Kontakte oder die Übernahme von Verant-
wortung für eine andere Person. Ferner muss das in der Schweiz lebende
Familienmitglied hier über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügen.
Von einem solchen ist ohne weiteres bei schweizerischer Staatsangehö-
rigkeit auszugehen, ebenso bei einer Niederlassungs- oder Aufenthaltsbe-
willigung, auf deren Verlängerung ein Anspruch besteht (vgl. BGE 135 I
143 E. 1.3.1 und 3.1, BGE 130 II 281 E. 3.1; EMARK 2005 Nr. 3 E. 3.1).
Die im Asylverfahren angeordnete Wegweisung wird demzufolge praxisge-
mäss aufgehoben, wenn erstens ein potenzieller Anspruch gestützt auf
Art. 8 EMRK vorfrageweise bejaht wird, die betroffene Person zweitens an
die zuständige kantonale Ausländerbehörde ein Gesuch um Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung gerichtet hat und dieses Gesuch, drittens, noch
hängig ist (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4.2.2).
7.2.3 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine Aufenthalts- oder Nie-
derlassungsbewilligung noch über einen selbständigen Anspruch auf Ertei-
lung einer Aufenthaltsbewilligung. Die von ihm in der Rechtsmitteleingabe
dargelegten Umstände (Besuche der [...] einmal pro Woche für etwa zwei
Stunden) genügen nicht, eine enge, nahe, echte und tatsächlich gelebte
Beziehung zu seinem Kind im vorgenannten Sinn anzunehmen. Das erst
junge Alter der (...) und die eingeschränkten finanziellen Verhältnisse wie
auch die angeblich erfolgte Vaterschaftsanerkennung führen zu keinem an-
deren Ergebnis. Es ist im Übrigen auch nicht aktenkundig, dass der Be-
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Seite 12
schwerdeführer ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ein-
gereicht hätte. Damit sind die für die Berufung auf einen grundsätzlichen
Bewilligungsanspruch nach Art. 8 EMRK verlangten Voraussetzungen –
ungeachtet der Frage, ob die (...) über ein gefestigtes Aufenthaltsrecht ver-
fügt – nicht erfüllt.
7.3 Somit wurde die Wegweisung von der Vorinstanz zu Recht angeordnet
(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4, BVGE 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den ge-
setzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungs-
vollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts
der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigen-
schaft; sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und an-
dernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2
m.w.H.).
8.2
8.2.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen.
8.2.2 Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlingseigen-
schaft zu. Daher ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von
Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtstellung
der Flüchtlinge (FK, SR. 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die
Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen ver-
fassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3
des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe
[FoK, SR 0.105]; Art. 3 und Art. 4 EMRK). Aus den Akten ergeben sich
keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer für den
Fall einer Rückkehr nach Äthiopien dort mit beachtlicher Wahrscheinlich-
keit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be-
handlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Ge-
richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folter-
ausschusses müsste er eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen
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Seite 13
oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder
unmenschliche Behandlung drohe. Dies ist ihm nicht gelungen. Auch die
allgemeine Menschenrechtssituation in Äthiopien lässt den Wegweisungs-
vollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Dies gilt
jedenfalls für die Herkunftsregion des Beschwerdeführers.
8.2.3 Weitere Gründe für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegwei-
sungsvollzugs (insbesondere aus Art. 8 EMRK [vgl. vorstehend E. 7.2]) er-
geben sich weder aus den Akten noch aus der Beschwerdeschrift. Der
Wegweisungsvollzug ist folglich als zulässig zu erachten.
8.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund
von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-
scher Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung fest-
gestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Auf-
nahme zu gewähren.
8.3.1 Trotz der weiterhin herrschenden ethnischen Spannungen und Pro-
testbewegungen ist das Bundesverwaltungsgericht bisher davon ausge-
gangen, dass sich die Situation in Äthiopien seit dem Amtsantritt von Pre-
mierminister Abiy Ahmed stabilisiert hat, so dass grundsätzlich von der Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in alle Regionen auszugehen ist (vgl.
Referenzurteil D-6630/2018 vom 6. Mai 2019 E. 12.2 sowie statt vieler das
Urteil des BVGer D-2352/2018 vom 13. Februar 2020 E. 6.1.1 in Bestäti-
gung von BVGE 2011/25 E. 8.3). Aktuell finden zwar in der Region Tigray
Gefechte zwischen Regierungstruppen und Kämpfern der in der Region
verankerten TPLF (Tigray People’s Liberation Front) statt, welche bereits
Hunderte von Todesopfern auf beiden Seiten gefordert und Tausende Zivi-
listen zur Flucht veranlasst haben sollen. Die bisherige Rechtsprechung ist
deshalb vor diesem Hintergrund mit Bezug auf die Region Tigray zu relati-
vieren. Der Rest des Landes scheint aber von der dortigen Konfliktsituation
bisher nicht unmittelbar betroffen zu sein, so dass die Rückkehr für äthio-
pische Staatsangehörige in diese vom Konflikt nicht berührten Regionen
des Landes weiterhin zumutbar bleibt (vgl. BVGer Urteile D-5284/2020
vom 12. November 2020 E. 7.4.1; E-2048/2020 vom 11. Januar 2021
E. 4.3.1).
8.3.2 Der Beschwerdeführer hat die meiste Zeit seines Lebens in
H._, wo die Bevölkerungsgruppe G._ in der Mehrheit ist
(http://www.hpgrum-pe.de/aethiopien/aethiopien_02.htm, zuletzt besucht
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am 8. Februar 2021), verbracht. Seinen Angaben nach leben sein Vater,
seine verheiratete Schwester, sein jüngerer Bruder und seine jüngste
Schwester nach wie vor in Äthiopien, mutmasslich in I._,
P._-Region (vgl. SEM act. B12 F28). Die Vorinstanz ist zutreffend
davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer, der über eine gute
Schulbildung verfügt und aussagegemäss in seinem Heimatstaat erfolg-
reich Handel betrieben und keine finanziellen Sorgen gehabt hat, über ein
Beziehungsnetz verfügt. Zudem kann ihm aufgrund seiner Ausbildung die
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zugemutet werden, zumal er gemäss Be-
schwerdeschrift (vgl. dort S. 2) die Ausbildung zum Q._ abge-
schlossen hat. Den Akten lassen sich ferner keine konkreten Anhaltspunkte
dafür entnehmen, dass der Beschwerdeführer aus individuellen Gründen
wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur bei einer Rückkehr
nach Äthiopien in eine existenzbedrohende Situation geraten würde.
8.3.3 Sind von einer Entscheidung (direkt oder indirekt) Kinder betroffen,
ist die entscheidende Behörde kraft Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens
vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (nachfolgend: KRK,
SR 0.107) in jedem Fall verpflichtet, das Kindeswohl vorrangig zu prüfen
(vgl. BVGE 2015/30 E. 7.3 m.w.H.). Unter dem Aspekt des Kindeswohls
sind sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im Hinblick
auf einen Wegweisungsvollzug wesentlich erscheinen. Dabei können na-
mentlich folgende Kriterien im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung
von Bedeutung sein: Alter des Kindes, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe,
Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Eigenschaften seiner Be-
zugspersonen (insbesondere Unterstützungsbereitschaft und -fähigkeit),
Stand und Prognose bezüglich Entwicklung/Ausbildung, Grad der erfolgten
Integration bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz. Gemäss Art. 9
KRK ist die Schweiz verpflichtet sicherzustellen, dass ein Kind nicht gegen
den Willen seiner Eltern von diesen getrennt wird, es sei denn, dass die
zuständigen Behörden in einer gerichtlich nachprüfbaren Entscheidung
nach den anzuwendenden Rechtsvorschriften und Verfahren bestimmen,
dass diese Trennung zum Wohl des Kindes notwendig ist.
Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, dass zwischen dem Be-
schwerdeführer und seiner (...) eine Beziehung besteht. Indessen ist die
Kindsmutter als Hauptbezugsperson des Kleinkindes zu betrachten, es
wird denn auch überwiegend von ihr betreut. Es findet sodann keine finan-
zielle Unterstützung des Kindes durch den Beschwerdeführer statt, ebenso
wenig legt er dar, inwiefern er die fehlende wirtschaftliche Unterstützungs-
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möglichkeit anderweitig, etwa durch Übernahme der überwiegenden Be-
treuungsarbeit, ausgleichen würde. Das seinen Angaben gemäss aner-
kannte Kindsverhältnis zwischen ihm und seiner (...) führt unter Berück-
sichtigung sämtlicher Umstände im vorliegenden Fall nicht zur Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzuges.
8.3.4 Der Wegweisungsvollzug ist somit vom SEM zu Recht als zumutbar
erachtet worden.
8.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen,
weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich bei der zuständigen Vertretung
seines Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente
zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus den Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bun-
desrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten ist.
10.
10.1 Mit dem vorliegenden Urteil ist das Beschwerdeverfahren abge-
schlossen, weshalb sich der Antrag auf Erlass eines Kostenvorschusses
als gegenstandslos erweist.
10.2 Der Beschwerdeführer beantragt ferner die Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorste-
henden Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu
gelten haben. Damit ist eine der beiden kumulativ zu erfüllenden Voraus-
setzungen (Bedürftigkeit und Nicht-Aussichtslosigkeit) nicht gegeben, wes-
halb das Gesuch abzuweisen ist und auf die behauptete Bedürftigkeit nicht
näher einzugehen ist.
10.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und praxisgemäss auf insge-
samt Fr. 1’500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
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2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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