Decision ID: f1e9a73f-f066-58b8-a7ff-213581ea7253
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der am (...) 1957 geborene A._ (nachfolgend: Versicherter oder
Beschwerdeführer) ist österreichischer Staatsangehöriger und wohnt in
Österreich. Er arbeitete von 1979 an als LKW-Chauffeur für verschiedene
Transportunternehmen, wobei er in den Jahren 1992 bis 2000 und 2006
bis 2015 als Grenzgänger in der Schweiz tätig war und dabei Beiträge an
die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung
(AHV/IV) leistete (IK-Auszug; IV-act. 13). Zuletzt arbeitete er ab 1. Januar
2015 bei der B._ AG in (...), ehe er per 2. November 2015 von sei-
nem Hausarzt zu 100 % krankgeschrieben wurde (letzter effektiver Arbeits-
tag: 31. Oktober 2015). Das Arbeitsverhältnis wurde von der Arbeitgeberin
per 30. November 2015 gekündigt (IV-act. 14).
B.
B.a Nach einer Meldung zur Früherfassung durch die Krankentaggeldver-
sicherung (IV-act. 1) meldete sich der Versicherte am 1. März 2016 wegen
Rücken- und Kniebeschwerden bei der IV-Stelle des Kantons C._
(nachfolgend: kantonale IV-Stelle) zum Leistungsbezug an (IV-act. 3).
Diese holte im Rahmen ihrer Abklärungen insbesondere den Fragebogen
für Arbeitgebende (IV-act. 14) sowie Berichte behandelnder Ärzte ein (IV-
act. 17, 22 und 23) und zog die Akten des Krankentaggeldversicherers bei
(F-act. 1). Am 26. Juli 2016 übermittelte der österreichische Versicherungs-
träger ein Formulargutachten E 213 vom 21. Juli 2016 (IV-act. 21) und
sprach dem Versicherten gestützt darauf eine österreichische Invaliditäts-
pension seit 1. April 2016 zu (Bescheid vom 5. September 2016; IV-
act. 26). Gestützt auf die Beurteilung des Regionalen Ärztlichen Dienstes
(RAD) vom 10. Oktober 2016 (IV-act. 30) wies die IV-Stelle für Versicherte
im Ausland (nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz) mit Verfügung vom
2. Dezember 2016 das Leistungsgesuch des Versicherten ab. Zur Begrün-
dung hielt sie fest, dass ihm gemäss den medizinischen Unterlagen die
Ausübung der letzten Tätigkeit als LKW-Chauffeur nicht mehr möglich sei,
hingegen die Ausübung einer körperlich leichten, wechselbelasteten Tätig-
keit zu 100 %. Daraus ergebe sich keine Erwerbseinbusse, weshalb der
Invaliditätsgrad 0 % betrage (IV-act. 37). Eine dagegen vom Versicherten
erhobene Beschwerde hiess das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil
C-7882/2016 vom 15. Mai 2017 auf Antrag der IVSTA insoweit gut, als es
die Verfügung vom 2. Dezember 2016 aufhob und die Sache zur Vornahme
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weiterer Abklärungen und Erlass einer neuen Verfügung an die IVSTA zu-
rückwies (IV-act. 48).
B.b In der Folge holte die kantonale IV-Stelle Berichte beim behandelnden
Spezialarzt (IV-act. 49) und beim Hausarzt (IV-act. 50) ein und gab am
11. September 2017 bei der D._ AG (D._) ein polydiszipli-
näres Gutachten in Auftrag (IV-act. 55), das am 23. Januar 2018 erstattet
wurde. Die Gutachter gelangten zum Schluss, dass der Versicherte weder
in der bisherigen Tätigkeit als LKW-Chauffeur noch in einer anderen lei-
densangepassten Tätigkeit in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei (IV-
act. 60). Nach einer Stellungnahme des RAD vom 29. Januar 2018 (IV-act.
61) und Durchführung eines Einkommensvergleichs (IV-act. 62) stellte die
kantonale IV-Stelle mit Vorbescheid vom 30. Januar 2018 die Abweisung
des Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 65).
B.c Der Beschwerdeführer erhob dagegen am 7. März 2018 Einwände und
reichte ein orthopädisches Privatgutachten von Dr. med. E._ vom
6. März 2018 ein (IV-act. 68). Dazu nahmen die D._-Gutachter am
14. Juni 2018 (IV-act. 72) und der RAD am 19. Juni 2018 (IV-act. 73) Stel-
lung. Mit neuem Vorbescheid vom 20. Juni 2018 teilte die kantonale IV-
Stelle dem Versicherten mit, dass sie an der Abweisung des Leistungsge-
suchs festhalte (IV-act. 74). Daraufhin reichte dieser mit Einwand vom
19. Juli 2018 ein weiteres orthopädisches Privatgutachten von Dr. med.
F._ vom 12. Juli 2018 ein (IV-act. 77), wozu die D._-Gutach-
ter am 29. Oktober 2018 (IV-act. 81) und der RAD am 22. November 2018
(IV-act. 85) Stellung nahmen. Nachdem dem Versicherten das rechtliche
Gehör gewährt worden war (IV-act. 88), wies die IVSTA das Leistungsbe-
gehren gestützt auf die Feststellungen der kantonalen IV-Stelle mit Verfü-
gung vom 5. Dezember 2018 ab (IV-act. 91).
C.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte durch seinen Rechtsvertre-
ter mit Eingabe vom 4. Januar 2019 (Postaufgabe) Beschwerde beim Bun-
desverwaltungsgericht. Er beantragt, dass die angefochtene Verfügung
aufzuheben und ihm basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens
70 % eine ganze Rente, beginnend 6 Monate nach Geltendmachung des
Anspruchs (Anmeldung per 2. März 2016), in der gesetzlichen Höhe zu
gewähren sei. Eventualiter sei ein Obergutachten in den Disziplinen Ortho-
pädie/Unfallchirurgie, Neurologie und Innere Medizin sowie ein berufs-
kundliches (Ober)Gutachter einzuholen.
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Seite 4
D.
Der mit Zwischenverfügung vom 9. Januar 2019 beim Beschwerdeführer
eingeforderte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– (BVGer-act. 3)
wurde am 16. Januar 2019 geleistet (BVGer-act. 5).
E.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 21. März 2019 unter
Hinweis auf eine Stellungnahme der kantonalen IV-Stelle vom 19. März
2019 auf Abweisung der Beschwerde (BVGer-act. 7).
F.
In seiner Replik vom 9. Mai 2019 hält der Beschwerdeführer an seinen
Rechtsbegehren fest. Zusätzlich beantragt er eventualiter die Durchfüh-
rung einer Parteiverhandlung (BVGer-act. 10).
G.
Die Vorinstanz teilte mit Eingabe vom 3. Juni 2019 unter Hinweis auf ein
Schreiben der kantonalen IV-Stelle vom 20. Mai 2019 mit, dass sie auf eine
Stellungnahme zur Replik verzichte (BVGer-act. 12).
H.
Mit Instruktionsverfügung vom 5. Juni 2019 wurde der Schriftenwechsel
abgeschlossen (BVGer-act. 13).
I.
Auf Anfrage des Instruktionsrichters (Instruktionsverfügung vom 30. Juni
2020 [BVGer-act. 14]) teilte der Beschwerdeführer am 13. Juli 2020 insbe-
sondere mit, dass er am Antrag auf Durchführung einer mündlichen Partei-
verhandlung im Sinn von Artikel 6 Ziffer 1 EMRK festhalte (BVGer-act. 17).
J.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften ist – soweit
erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
C-89/2019
Seite 5

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG [SR 831.20]). Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochte-
nen Verfügung durch diese besonders berührt und hat ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb er zur Erhebung
der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59 ATSG [SR 830.1]; Art. 48 Abs. 1
VwVG). Nachdem auch der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet wurde
(Art. 63 Abs. 4 VwVG), ist auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde einzutreten (Art. 60 ATSG; Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1
VwVG).
2.
Wie in der Zuständigkeitsregelung des Art. 40 Abs. 2 IVV (SR 831.201) vor-
gesehen, hat die kantonale IV-Stelle, in deren Tätigkeitsgebiet der Be-
schwerdeführer als Grenzgänger eine Erwerbstätigkeit ausgeübt hat, das
Leistungsbegehren entgegengenommen und geprüft, während die
Vorinstanz die angefochtene Verfügung vom 5. Dezember 2018 erlassen
hat. Diese Verfügung, mit der diese das Leistungsbegehren des Beschwer-
deführers abgewiesen hat, bildet Anfechtungsobjekt und damit Begren-
zung des Streitgegenstandes des vorliegenden Beschwerdeverfahrens
(vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1). Streitig und vom Bundesverwaltungsgericht
zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine schweizerische
Invalidenrente im Rahmen einer Erstanmeldung.
3.
3.1 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 5. Dezember 2018) eingetretenen Sachver-
halt ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither
verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwal-
tungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
3.2 Der Beschwerdeführer ist österreichischer Staatsangehöriger, wohnt in
Österreich und war in der Schweiz erwerbstätig. Damit gelangen das Frei-
zügigkeitsabkommen vom 21. Juni 1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die
Regelwerke der Gemeinschaft zur Koordinierung der Systeme der sozialen
Sicherheit gemäss Anhang II des FZA, insbesondere die für die Schweiz
am 1. April 2012 in Kraft getretenen Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR
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Seite 6
0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009 (SR 0.831.109.268.11), zur Anwen-
dung. Seit dem 1. Januar 2015 sind auch die durch die Verordnungen (EU)
Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in
den Beziehungen zwischen der Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten an-
wendbar. Das Vorliegen einer anspruchserheblichen Invalidität beurteilt
sich indes auch im Anwendungsbereich des FZA und der Koordinierungs-
vorschriften nach schweizerischem Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4;
Urteil des BGer 9C_573/2012 vom 16. Januar 2013 E. 4).
4.
Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung hat,
wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG) und beim
Eintritt der Invalidität während der gesetzlich vorgesehenen Dauer Beiträge
an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) geleis-
tet hat, das heisst während mindestens drei Jahren laut Art. 36 Abs. 1 IVG.
Der Beschwerdeführer hat unbestrittenermassen während mehr als drei
Jahren Beiträge an die schweizerische AHV/IV geleistet (vgl. IK-Auszug
[act. 13]), so dass die Voraussetzung der Mindestbeitragsdauer für den An-
spruch auf eine ordentliche Invalidenrente erfüllt ist.
5.
5.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
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Seite 7
5.2 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliede-
rungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können
(Bst. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch-
schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind
(Bst. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8
ATSG) sind (Bst. c). Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1
IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung
des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im
Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahrs folgt (zum Verhältnis zwi-
schen Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 Abs. 1 IVG vgl. BGE 142 V 547 E. 3.2).
5.3 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützen sich die Verwaltung
und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen und
gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind.
Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei-
ten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Hinsichtlich des Beweiswertes
eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abge-
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge
sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerun-
gen der Expertinnen und Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1;
125 V 351 E. 3a).
5.4 Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG einge-
holten Gutachten von medizinischen Sachverständigen, die den Anforde-
rungen der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht vollen Beweis-
wert zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässig-
keit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 2.2.2; 135 V 465 E. 4.4).
Ein Parteigutachten besitzt demgegenüber nicht den gleichen Rang wie ein
vom Versicherungsträger nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht einge-
holtes Gutachten. Es verpflichtet indessen das Gericht, den von der Recht-
sprechung aufgestellten Richtlinien für die Beweiswürdigung folgend, zu
prüfen, ob es in rechtserheblichen Fragen die Auffassung und Schlussfol-
gerungen des vom Versicherungsträger förmlich bestellten Gutachters der-
art zu erschüttern vermag, dass davon abzuweichen ist (vgl. BGE 125 V
351 E. 3c; Urteil des BGer 8C_725/2017 vom 4. Mai 2018 E. 3.4).
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Seite 8
6.
Zum Gesundheitszustand bzw. zur Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Be-
schwerdeführers lässt sich den medizinischen Akten im Wesentlichen das
Folgende entnehmen:
6.1 Gemäss den vorliegenden Berichten behandelnder Ärzte klagt der Be-
schwerdeführer seit einigen Jahren über Rückenbeschwerden, insbeson-
dere im Bereich der Lendenwirbelsäule mit Schmerzausstrahlung in das
Gesäss und das linke Bein, die in den vorliegenden Akten erstmals im Jahr
2009 dokumentiert werden (MRT-Befund der LWS vom 12. Oktober 2009
[IV-act. 7 S. 2]). Nach einer Verschlimmerung der Beschwerden im Jahr
2013 wurden am 20. Juni 2013 eine weitere Magnetresonanztomographie
(IV-act. 7 S. 3) und von 29. Juli bis 10. August 2013 im Landeskrankenhaus
(...) stationär eine konservative Schmerztherapie durchgeführt (IV-act. 7 S.
4 f.). Im Rahmen einer weiteren Hospitalisation vom 21. bis 23. Januar
2014 im Bezirkskrankenhaus (...) wurde dem Beschwerdeführer zur
Schmerztherapie mittels Periduralanästhesie (PDA) Kortison injiziert (Be-
richt vom 23. Januar 2014 [IV-act. 7 S. 15 f.]). Aufgrund einer Angina Pec-
toris-Symptomatik, einer Belastungsdyspnoe sowie zunehmender Schwä-
che wurde der Beschwerdeführer im Mai 2014 kardiologisch abgeklärt (IV-
act. 24 S. 8). Nachdem der Beschwerdeführer von seinem Hausarzt, Dr.
med. G._, Facharzt für Innere Medizin, (...), per 2. November 2015
zu 100 % krankgeschrieben worden war (IV-act. 24 S. 14; F-act. 1 S. 2),
wurden am 2. Dezember 2015 bildgebende Untersuchungen (MRT) der
LWS und des linken Knies durchgeführt (IV-act. 7 S. 7 f.) und am 21. De-
zember 2015 Röntgenbilder der HWS, der BWS, der LWS, des Beckens
und beider Kniegelenke angefertigt (IV-act. 7 S. 12 f.).
6.2 Dr. med. G._ hielt in seinem (schlecht lesbaren) Bericht vom 15.
März 2016 zuhanden der kantonalen IV-Stelle fest, dass die Belastbarkeit
der LWS und des linken Knies eingeschränkt sei. Dem Beschwerdeführer
wäre noch die Ausübung einer sitzenden Tätigkeit an 2 Stunden pro Tag
zumutbar (IV-act. 16).
6.3 Im Rahmen des Rentenprüfungsverfahrens in Österreich erstattete der
Vertrauensarzt der Pensionsversicherungsanstalt H._, Dr. med.
I._, am 21. Juli 2016 ein Formulargutachten E 213. Er diagnosti-
zierte einen LWS-Schmerz mit Ausstrahlung in das linke Bein (kein peri-
pher-neurologisches Defizit), Kniegelenksbeschwerden links bei Retropa-
tellar-Arthrose mit Chondromalazie Grad III, Patella bipartita (Arthrose an
der Rückseite der Kniescheibe sowie Fehlbildung der Kniescheibe), eine
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Seite 9
Koronararteriensklerose ohne Indikation zur Intervention (2014), ausrei-
chende Linksventrikelfunktion (EF 50-55 %), eine arterielle Hypertonie mit
mässig hypertensiver Herzkrankheit und eine Adipositas. Hinsichtlich der
Arbeitsfähigkeit schloss er, dass dem Beschwerdeführer aktuell ständig
leichte bis mittelschwere körperliche Tätigkeiten bei fallweise durchzufüh-
renden Zwangshaltungen mit Ausnahme von exponierten Tätigkeiten noch
zumutbar seien; für die restlichen Einschränkungen verwies er auf das Ge-
samtleistungskalkül und nannte im Leistungsbild folgende Einschränkun-
gen: kein Klettern/Steigen, Absturzgefahr (IV-act. 21).
6.4 Der behandelnde Spezialarzt, Dr. J._, Facharzt für Orthopädie
und orthopädische Chirurgie, (...), hielt in seinem Bericht vom 19. August
2016 die folgenden Diagnosen fest: Retropatellararthrose links und rechts
(seit 12/2015), ausgeprägte Osteochondrose, Vakuumphänomen C6/C7,
hypertrophe Uncovertebralarthrose C6/C7, massive Intervertebralgelenks-
arthrose C2 bis C5, Spondylose Th8 bis TH11, Osteochondrose L1 bis L3
Typ II, Diskus L4/L5 Kontakt zur Nervenwurzel L4 (nicht lesbar) extrafora-
minal, (nicht lesbar) seit 12/2015 und HLO seit 12/15). Es habe eine Ar-
beitsunfähigkeit von 100 % vom 26. Juli 2013 bis 25. August 2013 bestan-
den. Die Belastbarkeit sei eingeschränkt. Er hielt fest, dass der Beschwer-
deführer seines Wissens derzeit arbeite. Im Rahmen des Zumutbarkeits-
profils erachtete er rein sitzende, rein stehende und vorwiegend im Gehen
ausgeübte Tätigkeiten nicht mehr ganztags, sondern nur noch im Umfang
von 4 Stunden zumutbar. Wechselbelastende Tätigkeiten seien ganztags
bzw. im Umfang von 6 Stunden zumutbar (IV-act. 22).
6.5 Der Hausarzt, Dr. med. G._, hielt in seinem undatierten Bericht
(Eingang bei der kantonalen IV-Stelle am 14. September 2016) fest, dass
der Beschwerdeführer an einer stenosierenden Osteochondrose der LWS
(L4/L5) und an einer Gonarthrose links leide. In der zuletzt ausgeübten Tä-
tigkeit als LKW-Fahrer sei er seit 2. November 2015 zu 100 % arbeitsunfä-
hig. Er leide an schmerzbedingten Bewegungseinschränkungen, sei unfä-
hig, Lasten zu heben, und könne nicht länger sitzen (IV-act. 24).
6.6 Der RAD-Arzt Dr. med. K._, Facharzt für Chirurgie, kam in sei-
ner Stellungnahme vom 10. Oktober 2016 gestützt auf die Akten zum
Schluss, der Beschwerdeführer leide an einem lumbovertebralen
Schmerzsyndrom, an Osteochondrose, an Diskopathie, an Neuroforamen-
verengung sowie an degenerativen Veränderungen im Bereich der HWS,
der BWS und des linken Kniegelenks. Aufgrund der auch bildgebend fest-
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gestellten Veränderungen seien die vorgetragenen Beschwerden hinrei-
chend plausibel nachvollziehbar, wobei die Schmerzintensität an sich na-
turgemäss nicht objektiviert werden könne. Für die angestammte, rücken-
belastende Tätigkeit als LKW-Chauffeur bestehe aus medizinischer Sicht
seit 2. November 2015 keine Zumutbarkeit mehr. In einer optimal rücken-
und knieentlastenden Tätigkeit (Wechselbelastung, Möglichkeit des frei zu
wählenden Positionswechsels zwischen Stehen und Gehen, kurze Geh-
strecken, kein Heben und Tragen von Lasten über 10 kg, keine Tätigkeiten
in kniender oder gebückter Position, keine Zwangshaltungen) sei von einer
100 %igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (IV-act. 30).
6.7 Dr. med. J._ hielt in seinem Bericht vom 20. Juni 2017, in dem
er die bereits früher genannten Diagnosen aufführte, fest, dass rein sit-
zende, rein stehende und vorwiegend im Gehen ausgeübte Tätigkeiten
nicht mehr ganztags, sondern nur noch im Umfang von 4 Stunden zumut-
bar seien. Wechselbelastende Tätigkeiten seien ganztags bzw. im Umfang
von 6 Stunden zumutbar (IV-act. 49).
6.8 Im bei der kantonale IV-Stelle am 29. Juni 2017 eingegangen Bericht
bestätigte Dr. med. G._ weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
für die angestammte Tätigkeit. Rein sitzende, wechselbelastende und vor-
wiegend im Gehen ausgeübte Tätigkeiten erachtete er im Umfang von 4
Stunden pro Tag bei einer Leistung von 50 % als zumutbar. Rein stehende
Tätigkeiten seien noch an 2 Stunden pro Tag bei einer Leistung von 50 %
möglich (IV-act. 50).
6.9 In Nachachtung des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts
C-7882/2016 vom 15. Mai 2017 wurde der Beschwerdeführer im Auftrag
der kantonalen IV-Stelle von Fachärzten der D._ in den Disziplinen
Orthopädie/Traumatologie, Innere Medizin, Kardiologie, Neurologie und
Psychiatrie polydisziplinär begutachtet (IV-act. 60).
6.9.1 Im Gutachten vom 23. Januar 2018 wurde unter Berücksichtigung al-
ler beteiligten Fachgebiete keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits-
fähigkeit (letzte Tätigkeit) gestellt. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit) nannten die Gutachter:
– Chronisches Lumbovertebralsyndrom bei bekannten degenerativen Verände-
rungen ohne Hinweise auf radikuläre Defizitsymptomatik
– Patella bipartita loco typico und leichtgradige Retropatellararthrose links mit
freier Funktion und ohne Reizzustand
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– Epicondylitis humeri radialis rechts
– Kardiovaskuläre Risikofaktoren (Übergewicht mit BMI 28.8 kg/m2 und vis-
zerale Fettverteilung, Nikotinabusus mit über 40 py, arterielle Hypertonie,
anamnestisch Dyslipidämie)
– Morbus Dupuytren (4. Strahl beidseits)
– Arterielle Hypertonie mit hypertensiven Herzveränderungen
– leichte oberflächliche Wandveränderungen in den Koronararterien
(15.05.2014)
6.9.2 Gegenüber den Gutachtern klagte der Beschwerdeführer über bewe-
gungs- und belastungsunabhängige Schmerzen im Bereich des linken
Kniegelenks. Zudem habe er Schmerzen in der unteren Lendenwirbel-
säule, die über das Gesäss in das linke Bein bis zum Fussaussenrand aus-
strahlten. Weiter habe er Schmerzen im rechten Ellbogen. Im Bereich der
Halswirbelsäule habe er wiederkehrende, muskuläre Blockaden. Bei län-
gerem Sitzen oder Abstützen auf den Armen komme es zu beidseitigen
Kribbelparästhesien in den Fingern D4 und D5. Der Beschwerdeführer
machte geltend, dass er seine angestammte Tätigkeit als LKW-Fahrer
nicht mehr ausüben könne, da er aufgrund der Rückenschmerzen nicht
mehr länger als eine halbe Stunde sitzen könne und Einschränkungen
beim Lenken des Fahrzeuges habe. Ausserdem könne er wegen der
Schmerzen im linken Bein die Kupplung nicht mehr kontrolliert betätigen.
Er gab an, dass es für ihn keine Arbeit gebe, die er ausführen könnte.
6.9.3 Im Rahmen der versicherungsmedizinischen Beurteilung hielten die
Gutachter fest, dass der Beschwerdeführer im Rahmen der orthopädi-
schen Begutachtung das Untersuchungszimmer in einem fliessenden, si-
cheren, koordinierten, leicht linkshinkenden Gangbild betreten habe. Bei
lotgerechtem Aufbau der Wirbelsäule habe sich eine regelrechte Schwin-
gung der Brust- und Lendenwirbelsäule im seitlichen Bereich dargestellt.
Es sei zu keinem Zeitpunkt die Einnahme einer Schmerzfehlhaltung fest-
zustellen gewesen, der Beschwerdeführer sei die gesamte Zeit entspannt
auf dem Untersuchungsstuhl gesessen. Bei der klinischen Untersuchung
habe sich die Funktion der Lendenwirbelsäule als leichtgradig funktions-
eingeschränkt dargestellt. Im unteren Bereich habe sich keine Druckdolenz
provozieren lassen. Radiologisch stellten sich die Lendenwirbelkörper re-
gelrecht dar. Ferner habe sich eine diskrete ventrale und laterale spondy-
lophytäre Ausziehung mit puncto maximum LWK 2/3 und LWK 3/4 gezeigt.
Es bestehe eine leichtgradige Verschmälerung der Intervertebral-Fächer
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Seite 12
und eine initiale Spondylarthrose der unteren Lendenwirbelsäule. Zusam-
mengefasst stellten sich radiologisch keine dem Alter vorauseilenden De-
generationen im Bereich der Lendenwirbelsäule dar. Bei der Messung der
Beinumfänge habe sich links keine signifikante Beinumfangsverminderung
objektivieren lassen. Die Nervendehnungszeichen nach Lasègue und
Bragard wie auch das umgekehrte Zeichen hätten sich nicht provozieren
lassen. Kernspintomografisch hätte bis zum heutigen Zeitpunkt kein Hin-
weis auf einen komprimierenden Diskusprolaps oder eine Spinalkanalste-
nose nachgewiesen werden können. Das linke Kniegelenk habe sich in der
klinischen Untersuchung, bis auf ein leichtes retropatellares Reiben und
ein positives Zohlen-Bandi-Zeichen, unauffällig dargestellt. Radiologisch
sei eine Patella bipartita und eine initial beginnende laterale Retropatellar-
arthrose festgestellt worden. Klinische Zeichen einer Reizung oder Über-
wärmung hätten nicht vorgelegen. Das linkshinkende Gangbild könne nicht
erklärt werden. Aus orthopädischer Sicht liege keine Gesundheitsstörung
vor, die eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit oder einer leidensadaptierten Tätigkeit bewirke.
6.9.4 Bei der neurologischen Untersuchung sei der neurologische Status
unauffällig gewesen. Es hätten sich keine Hinweise auf eine Radikulopa-
thie, eine Plexusläsion oder eine andersartige Nervenschädigungen gefun-
den. Die angegebene Schmerzausstrahlung ins linke Bein entspreche
nicht dem Verlauf eines Dermatoms. Die Schmerzausstrahlung entspreche
einer sogenannten pseudoradikulären Ausbreitung. Aus neurologischer
Sicht sei die Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt.
6.9.5 Kardiologisch könne das Vorliegen einer leichten hypertensiven
Herzveränderung mit einer geringen linksventrikulären Hypertrophie bestä-
tigt werden. Der Linksschenkelblock (eine Störung der Erregungsleitung)
gebe Anlass zu einer Dyssynchronie mit aspektmässig gering einge-
schränkter Pumpfunktion (Auswurffraktion 50 %). Die Erweiterung der
Aorta ascendens passe zur Hypertonie. Aktuell sei der Blutdruck unter ge-
ringer Medikation gut eingestellt. Auch gemäss den Angaben des Be-
schwerdeführers seien die Blutdruckwerte in der letzten Zeit einwandfrei
gewesen. Bei der aktuellen Untersuchung habe sich der Beschwerdeführer
in kardial-kompensiertem Zustand mit unauffälliger peripherer Zirkulation
präsentiert. Auch der normale pro-NT-BNP-Wert spreche klar gegen eine
hypertoniebedingte latente oder gar manifeste Herzschwäche. Mithin gehe
vom Blutdruck derzeit keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähig-
keit in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit aus.
C-89/2019
Seite 13
6.9.6 lnternistisch sei eine gewisse kardiovaskuläre Risikokonstellation
festgestellt worden. Dabei seien die Faktoren aber weder einzeln noch in
der Summe genommen massgeblich für die Arbeitsfähigkeit. Immerhin be-
stehe ein schwerer Nikotinabusus, welcher dringlich sistiert werden sollte.
Eine Arbeitsunfähigkeit leite sich daraus, ebenso wenig wie aus dem leich-
ten Übergewicht, aber nicht ab. Ein Diabetes mellitus liege nicht vor. Die
aktuellen Laborwerte des Langzeitblutdruckes lägen im Normbereich. Die
Cholesterinwerte seien kontrollbedürftig, je nach den Laborwerten sei eine
medikamentöse Behandlung angezeigt.
6.9.7 Aus psychiatrischer Sicht sei keine Diagnose gestellt worden. Der
Beschwerdeführer beschreibe keinen Zusammenhang zwischen seinen
Schmerzen und seiner Psyche. Er merke jedoch, dass ihn die Schmerzen
wütend machen würden. Zudem seien die Schmerzen internistisch und or-
thopädisch ausreichend begründbar. Auffallend sei sein geringer Zugang
zu seinem Gefühlsleben, er beschreibe sich als «Stehaufmännchen» und
trinke eher mal kurz eine Flasche Wein, statt sich sehr zu sorgen. Zwar sei
der fehlende Gefühlsausdruck ein Risiko für die Entwicklung chronischer
Schmerzen, jedoch seien die Kriterien für die Diagnose einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung nicht erfüllt. Es bestehe kein Zusammen-
hang zwischen psychischer Befindlichkeit und innerer Konflikte mit den
Schmerzen.
6.9.8 In der polydisziplinären Gesamtbeurteilung kamen die Gutachter zum
Schluss, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit und in einer leidensadaptierten Tätigkeit nicht einge-
schränkt sei. Das Belastungs-/Ressourcenprofil wurde wie folgt definiert:
körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit Heben und Tragen von
Lasten bis zu 15 kg, überwiegend bis ständiges Sitzen, zeitweiliges Stehen
und Gehen. Die bisherige Tätigkeit entspreche gemäss Anamnese diesem
Belastungsprofil. Zum Verlauf führten die Gutachter aus, dass sich aus or-
thopädischer Sicht ein aufgehobenes Leistungsvermögen in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit retrospektiv nicht erkennen lasse. Sicherlich könnten
Lumbalgien und Lumboischialgien temporär zu Arbeitsunfähigkeiten füh-
ren. Dies führe aber nicht zwangsläufig zu einem aufgehobenen Leistungs-
vermögen in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als LKW-Chauffeur. Auch
hätten die kardiovaskulären Diagnosen nicht zu einer Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als LKW-Chauffeur geführt.
lnternistisch, neurologisch und psychiatrisch lägen ebenfalls keine Leiden
vor, welche die bisherige Tätigkeit behindert hätten.
C-89/2019
Seite 14
6.10 Im zuhanden des Beschwerdeführers erstellten Gutachten vom
6. März 2018 (IV-act. 68) diagnostizierte Dr. med. E._, Facharzt für
Orthopädie und orthopädische Chirurgie, (...), eine Lumboischialgie links
L5 bei Neuroforamen-Stenose L4/L5 links und L3L/L4 beidseits sowie ein
Nackenschmerzen-Syndrom bei progredienter HWS-Degeneration sowie
eine retropatellare Arthrose links. Dr. med. E._ hielt fest, dass in
Folge der objektiv feststellbaren Befunde an der Wirbelsäule eine Funkti-
onseinschränkung schweren Grades mit dementsprechenden Einschrän-
kungen im Alltag und Berufsleben bestehe. Nervenwurzelkompressionen
mit dementsprechenden Ausstrahlungen seien möglich, derzeit seien aller-
dings keine akuten Nervenwurzelkompressionszeichen feststellbar. Ver-
mehrte axiale Belastungen der Wirbelsäule (wie zum Beispiel längerdau-
ernde vornübergebeugte Haltung, grössere Rotationsbelastungen) könn-
ten zu Schmerzen führen. Die Beweglichkeit der Halswirbelsäule sei redu-
ziert. Die ausgeprägten degenerativen Veränderungen im Bereich der
Halswirbelsäule könnten zu Schwindelattacken führen. Rotationsbelastun-
gen im Bereich der Halswirbelsäule könnten zu einschiessenden Schmer-
zen führen. Auch aufgrund der leichten Veränderungen im linken Kniege-
lenk könnten bei erhöhtem Anpressdruck der Kniescheiben, wie dies beim
Knien, in Hockstellung oder beim Treppensteigen der Fall sei, Schmerzen
auftreten. Der Beschwerdeführer sei aus orthopädischer Sicht nur noch in
der Lage, leichte Arbeiten zu verrichten. Arbeiten ausschliesslich im Sitzen
seien nicht möglich. Am günstigsten wäre eine Tätigkeit, bei der sich Ge-
hen, Stehen und Sitzen häufig und zu ungefähr gleichen Zeiten abwech-
selten. Dieser Haltungswechsel müsse nicht geblockt in 10-minütiger
Dauer erfolgen, sondern könne auch während der Stunde durch häufiges
Aufstehen erfolgen. Folgende Verrichtungen müssten vermieden werden:
– Häufiges Heben und Tragen von Lasten von 10 kg bzw. 5 kg
– Arbeiten mit Zwangsstellung des Oberkörpers oder des Kopfes in einer Vor-
neigung von mehr als 45° ohne Abstützmöglichkeiten
– Arbeiten, bei denen über einen längeren Zeitraum eine Hohlkreuzstellung ein-
genommen werden muss (z.B. mehr als 15 Minuten dauernde Arbeiten über
Kopf)
– Arbeiten mit ruckartigen Bewegungen des Kopfes (Achtung: als Kraftfahrer
essentiell)
– Arbeiten, bei denen der Kopf mehr als 45° zur Seite gedreht oder nach hinten
geneigt werden muss, ohne dabei den Oberkörper mitbewegen zu können
C-89/2019
Seite 15
– Arbeiten, bei denen es zu verstärkten Drehbewegungen der Wirbelsäule
kommt (Seitdrehung des Oberkörpers mehr als 30° bei feststehendem Unter-
körper)
– Arbeiten, die mit häufigem Bücken verbunden sind (mindestens 1-mal Bücken
unter Tischniveau pro Minute)
– Arbeiten, bei denen es durch Schwindel zu einer Eigen- oder Fremdgefähr-
dung kommen könnte
– Arbeiten auf Leitern und Gerüsten
– Tätigkeiten auf einem Laufbrett
– Arbeiten, bei denen die Kniegelenke immer wieder gebeugt und gestreckt wer-
den müssen, insbesondere unter Gewichtsbelastungen (Betätigung von
schwergängigen Hebeln, Pedalen)
– Arbeiten, die mit häufigem Treppensteigen verbunden sind
– Arbeiten dauernd im Knien, in Hockstellung
6.11 Dr. med. F._, Facharzt für Unfallchirurgie und Sporttraumato-
logie, (...), nannte in seinem zuhanden des Beschwerdeführers erstellten
Gutachten vom 12. Juli 2018 (IV-act. 77) die folgenden Diagnosen:
– Chronisch therapieresistentes degeneratives Lumbalsyndrom bei
– Osteochondrosen zwischen L1 und S1, überwiegend Typ II nach Modic
– Diskopathien L1/2, L3/4, L4/5 und L5/S1
– lntervertebralgelenksarthrosen L4/5
– Neuroforaminostenosen L3 bis L5 beidseits, mit absoluten Stenosen L3/4
und L4/5 links
– Keilwirbelbildungen L1 und L2 Typ I nach Genant
– Chronisch therapieresistentes degeneratives Zervikalsyndrom bei
– schwerer Osteochondrose C6/7
– Spondylosen C4/5, C5/6 und C6/7
– hyperthrophen Uncarthrosen C6/7 links>rechts und C5/6 rechts
C-89/2019
Seite 16
– schweren lntervertebralgelenksarthrosen C2 bis C3 links und C4 bis C6
rechts
– Streckfehlstellung der Halswirbelsäule
– Chronisch therapieresistentes degeneratives Thorakalsyndrom bei
– linkskonvex skoliotischer Fehlhaltung
– ankylosierenden Spondylosen T8 bis T12 rechts
– Keilwirbelbildungen T7 und T8
– Retropatellararthrose Knie beidseits links stärker als rechts bei
– Chondromalazie Grad 3 an der Patellarückfläche links
– klinisch pathologischem Patellagleitverhalten links>rechts
– Zustand nach Achillessehnenruptur rechts 10/2006
– Dupuytren'sche Kontraktur 4. Strahl Hand beidseits
– Arterielle Hypertonie mit Cor hypertonicum und Linksschenkelblock
– Koronarsklerose
– Nikotinabusus
– Adipositas
Dr. med. F._ hielt zusammenfassend fest, dass sowohl an der gan-
zen Wirbelsäule als auch an beiden Kniegelenken (linksbetont) strukturelle
Schäden vorlägen, die mit einer klinischen Schmerzsymptomatik, einer
deutlichen Funktionseinbusse, mit Bewegungseinschränkungen und mit ei-
ner gestörten Gebrauchsfähigkeit und Einsetzbarkeit des Bewegungsap-
parates korrelierten und durch negative Wechselwirkung zu einer poten-
zierten Einschränkung der funktionellen Gesamtkapazität führen müssten.
Aufgrund der bestehenden qualitativen und quantitativen Leistungsein-
schränkungen bestehe keine Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als
LKW-Fahrer. Das langdauernde Sitzen in gleichförmiger Körperposition,
das notwendige Heben und Tragen, das Einnehmen von Zwangspositio-
nen, Oberkörper- und Halswirbelsäulenrotationen, das Überwinden von
Hindernissen, Vibration, die überwiegend gebeugte Kniegelenksstellung o-
der die fehlende Möglichkeiten zu Pausen und Entspannung seien auf-
C-89/2019
Seite 17
grund der vorliegenden Erkrankungen am Bewegungsapparat nicht zumut-
bar. Die eingeschränkte Koordinationsfähigkeit des Halses und des Rump-
fes mit eingeschränkter Dreh- und Neigefähigkeit, einschiessenden
Schmerzattacken und dann auch ohne Vorwarnung einsetzenden Gefühls-
störungen am linken Bein könnten für die Teilnahme am Strassenverkehr
mit einem LKW ein erhebliches Risikopotential bergen. Dem Beschwerde-
führer seien lediglich sehr leichte Tätigkeiten, ohne körperliche Belastung,
mit der Möglichkeit zum frei wählbaren Wechsel der Körperposition zwi-
schen stehen, gehen und sitzen, der Möglichkeit zu häufigen Pausen, ohne
Zwangspositionen, ohne Oberkörperrotation oder -neigung, ohne Heben
und Tragen von Lasten über 3 kg, ohne Lärm, Vibrationen, inhalatorische
Belastungen, Kälte oder Nässe, ohne forcierte Armbelastungen, keine
Nacht- oder Schichtarbeit, ohne Notwendigkeit zur Oberkörpervorbeu-
gung, keine Knie- oder Hockstellung, keine exponierten Arbeiten mit Ver-
letzungsgefahr und höchstens in normalem Arbeitstempo zumutbar.
7.
Zu prüfen ist, ob die Vorinstanz zu Recht davon ausgeht, dass der Be-
schwerdeführer sowohl in der angestammten Tätigkeit als LKW-Chauffeur
als auch in Verweistätigkeiten nach wie vor zu 100 % arbeitsfähig ist und
damit keine anspruchsbegründende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
vorliegt bzw. ob sie den in medizinischer Hinsicht erheblichen Sachverhalt
rechtsgenüglich abgeklärt hat.
7.1 Die Vorinstanz stützt sich in der angefochtenen Verfügung massgeblich
auf das polydisziplinäre Gutachten der D._ vom 23. Januar 2018
ab, wonach für die bisherige und jede angepasste Tätigkeit eine Arbeitsfä-
higkeit von 100 % bestehe. Dieses Gutachten wurde im Verfahren nach
Art. 44 ATSG eingeholt. Es handelt sich somit um ein externes Administra-
tivgutachten und nicht, wie der Beschwerdeführer anzunehmen scheint,
um eine versicherungsinterne medizinische Beurteilung. Das Gutachten
beruht auf orthopädischen, internistischen, kardiologischen, neurologi-
schen und psychiatrischen Untersuchungen, berücksichtigt die beklagten
Beschwerden und wurde in Kenntnis der relevanten medizinischen Vorak-
ten abgegeben. Des Weiteren erfolgte eine interdisziplinäre Beurteilung
und die Beantwortung der gestellten Fragen. Insoweit ist das Gutachten
der D._ mit Blick auf die formalen Anforderungen der Rechtspre-
chung an ein Gutachten nicht zu beanstanden. Der Beschwerdeführer be-
streitet jedoch den materiellen Beweiswert des Gutachtens. Im Folgenden
ist daher auf die Kritik des Beschwerdeführers einzugehen und zu klären,
ob das Gutachten inhaltlich zu überzeugen vermag.
C-89/2019
Seite 18
7.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, es sei nicht nachvollziehbar,
dass im Gutachten der D._ eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit als LKW-Chauffeur attestiert worden sei.
7.2.1 Die Experten der D._ kamen im interdisziplinären Konsens
zum Schluss, dass der Beschwerdeführer in der Lage sei, körperlich leichte
bis mittelschwere Tätigkeiten mit Heben und Tragen von Lasten bis 15 kg,
überwiegend bis ständigem Sitzen, zeitweiligem Stehen und Gehen durch-
zuführen. Sie gingen davon aus, dass die bisherige Tätigkeit als LKW-
Chauffeur gemäss Anamnese diesem Belastungsprofil entspreche, wes-
halb diesbezüglich die Arbeitsfähigkeit 100 % betrage. Sie hielten weiter
fest, dass sich aus der pseudoradikulären Schmerzsymptomatik und den
altersentsprechenden degenerativen Befunden an der Lendenwirbelsäule
lediglich eine Einschränkung der körperlichen Arbeitsschwere, jedoch
keine Einschränkung für eine überwiegend sitzende Tätigkeit als LKW-
Chauffeur ableiten liesse.
7.2.2 Die Tätigkeit als LKW-Chauffeur entspricht grundsätzlich einer kör-
perlich schweren Tätigkeit (vgl. BGer 8C_300/2015 vom 10. November
2015 E. 7.3.1; vgl. auch Urteil des BVGer C-3412/2016 vom 12. Oktober
2018 E. 6.2.1), da ein Berufsfahrer bei Gütertransporten neben der Beför-
derung der Ladung auch für das Be- und Entladen der Waren, für die Wa-
genpflege und für die Behebung kleinerer Mängel am Fahrzeug verant-
wortlich ist. Für die Ausübung dieses Berufs ist daher eine gute Gesundheit
und körperliche Fitness vorausgesetzt (vgl. www.berufsberatung.ch; Be-
rufsbild Berufsfahrer/-fahrerin [Gütertransport, Personentransport]). Zu-
dem erfordert das Fahren eines LKWs ein längeres Sitzen mit wiederhol-
tem Krafteinsatz des linken Beines beim Kuppeln, sofern kein Automatik-
getriebe vorliegt (vgl. Urteil des BGer 8C_61/2009 vom 25. März 2009
E. 3). In diesem Sinn hat auch der RAD-Arzt K._ in seiner Stellung-
nahme vom 10. Oktober 2016 die angestammte Tätigkeit des Beschwer-
deführers als rückenbelastend eingestuft und diesbezüglich eine Arbeits-
unfähigkeit von 100 % attestiert.
7.2.3 Die Schlussfolgerung der Gutachter der D._, dass die letzte
Tätigkeit des Beschwerdeführers als LKW-Chauffeur entgegen der darge-
legten gerichtlichen Praxis nicht körperlich schwer, sondern lediglich leicht
bis mittelschwer gewesen sei, überzeugt aus den folgenden Gründen nicht.
Zunächst haben es die Gutachter unterlassen, ein detailliertes Tätigkeits-
profil der letzten Arbeitsstelle zu erheben, und sie konnten sich auch nicht
auf ein derartiges Profil aus den Akten stützen, zumal der letzte Arbeitgeber
C-89/2019
Seite 19
nur eine rudimentäre und unvollständige Stellenbeschreibung eingereicht
hat (IV-act. 14 S. 6). Den Angaben des Beschwerdeführers im Rahmen der
Begutachtung lässt sich nicht entnehmen, dass er bei seiner letzten Tätig-
keit keine schweren körperlichen Arbeiten hat verrichten müssen. So gab
er an, dass er als Chauffeur auch für das Beladen und Entladen des LKWs
zuständig gewesen sei, oft mit der Hilfe eines Staplerfahrers. Mitunter habe
er die Ladung aber auch von Hand abladen müssen. Zudem habe er die
Ladung kontrollieren und Lastwagenketten montieren müssen. Mitunter sei
es also körperlich auch schwere Arbeit gewesen. Die letzte Stelle ab 2015
sei etwas leichter gewesen, da er Überseecontainer zwischen europäi-
schen Häfen transportiert habe (S. 25 und 33 Gutachten). An einer anderen
Stelle gab er an, dass er bei seiner letzten Arbeitsstelle jeweils frühmor-
gens habe aufstehen, den Wagen mit Waren beladen und diese unter Zeit-
druck in verschiedene Länder ausliefern müssen. Es sei Frischware gewe-
sen, weswegen man nicht viele Pausen habe machen dürfen (S. 54 Gut-
achten). Zwar gibt es Hinweise darauf, dass die letzte Arbeitsstelle körper-
lich weniger anstrengend war als frühere Anstellungen, mangels eines de-
taillierten Stellenbeschriebs und angesichts der zum Teil etwas wider-
sprüchlichen Angaben des Beschwerdeführers kann die Frage nach dem
Belastungsniveau der letzten Arbeitsstelle jedoch nicht mit dem Beweis-
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit beantwortet werden. Dazu
kommt, dass bei Rückenbeschwerden in der Regel wechselbelastende Tä-
tigkeiten günstig sind (vgl. Wegleitung der Swiss Insurance Medicine zur
Einschätzung der zumutbaren Arbeitstätigkeit nach Unfall und bei Krank-
heit, 2013, S. 16), die Gutachter im vorliegenden Fall aber auch eine über-
wiegend sitzende Tätigkeit (in einer rückenergonomisch eher ungünstigen
Arbeitshaltung und bei der aufgrund des Zeitdrucks nur wenig Pausen und
damit kaum Wechselbelastung möglich sind) als zumutbar erachtet haben,
ohne dies jedoch näher zu begründen.
7.2.4 Insgesamt bestehen konkrete Zweifel an der Einschätzung der Gut-
achter der D._, wonach der Beschwerdeführer in angestammten
Tätigkeit als LKW-Chauffeur in seiner Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt
ist. Bezüglich des Profils der letzten Arbeitsstelle besteht weiterer Abklä-
rungsbedarf.
7.2.5 In diesem Zusammenhang ist der Beschwerdeführer, der sich bei sei-
ner Argumentation hauptsächlich auf die nicht mehr vorhandene Zumut-
barkeit der Ausübung der Tätigkeit als LKW-Chauffeur beruft, darauf zu-
weisen, dass die schweizerische Invalidenversicherung nicht Berufsunfä-
C-89/2019
Seite 20
higkeit, sondern Erwerbsunfähigkeit versichert (vgl. Urteil des Eidgenössi-
schen Versicherungsgerichts [EVG] I 337/01 vom 16. September 2002
E. 6.2). Für den Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung ist mit
anderen Worten nicht die Berufsunfähigkeit ausschlaggebend, sondern die
gesundheitlich bedingte Erwerbsunfähigkeit (Art. 4 Abs. 1 IVG), verstanden
als das Unvermögen, auf dem gesamten für den Versicherten in Frage
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt die verbleibende Arbeitsfähig-
keit in zumutbarer Weise wirtschaftlich zu verwerten (Urteil des BGer
8C_253/2017 vom 29. Juni 2017 E. 4.3.1). Für die Ermittlung des Invalidi-
tätsgrades ist die zumutbare Arbeitsfähigkeit in einer den Behinderungen
angepassten Tätigkeit massgebend, ungeachtet dessen, ob es sich dabei
um die bisherige oder aber um eine Verweisungstätigkeit handelt.
7.3 Weiter ist auf die Kritik des Beschwerdeführers am orthopädischen
(Teil-)Gutachten der D._ einzugehen. Insbesondere ist zu prüfen,
ob die beiden nachträglich erstellten orthopädischen Privatgutachten von
Dr. med. E._ vom 6. März 2018 und von Dr. med. F._ vom
12. Juli 2018 das Gutachten der D._, sollte ihm materiell an sich
Beweiswert zukommen, derart zu erschüttern vermögen, dass nicht darauf
abgestellt werden kann (siehe oben E. 5.7).
7.3.1 Der Privatgutachter Dr. med. E._ geht anders als die Experten
der D._ von einer schwergradigen Funktionsstörung der Wirbel-
säule mit entsprechenden Einschränkungen im Beruf und Alltagsleben aus.
Er bemängelt, dass im Gutachten der D._ nicht auf die im MRT von
2015 beschriebene absolute Neuroforamenstenose L4/L5 links eingegan-
gen worden sei, die mit dem vom Beschwerdeführer angegebenen
Schmerz im linken Bein korreliere. Er kritisiert auch, dass im Gutachten der
D._ die Problematik im Bereich der Halswirbelsäule nicht erwähnt
worden sei. Der Beschwerdeführer habe über Nackenschmerzen geklagt,
die sich mit den im Röntgen der HWS von 2015 gezeigten deutlichen Ab-
nutzungserscheinungen erklären liessen.
7.3.2 Das Privatgutachten von Dr. med. F._ weicht sowohl in diag-
nostischer Hinsicht als auch bezüglich der Einschätzung der Arbeitsfähig-
keit bzw. der Festlegung des Zumutbarkeitsprofils von der Einschätzung
der Gutachter der D._ ab. Der Privatgutachter hat neben einem
Lumbalsyndrom und Retropatellararthrosen auch ein Zervikalsyndrom und
ein Thorakalsyndrom diagnostiziert und beschrieb im Gegensatz zu den
Gutachtern der D._ erhebliche Funktionseinschränkungen der Wir-
belsäule. Er hielt im Wesentlichen fest, dass die angefertigte Bildgebung
C-89/2019
Seite 21
eindrücklich spezifische Pathologien an der Hals-, Brust- und Lendenwir-
belsäule zeige. Dazu korreliere klar und eindeutig das klinische Beschwer-
debild mit dauerhafter Schmerzsymptomatik, Bewegungseinschränkung
und Wurzelreizzeichen. Die bisherigen objektiven und subjektiven Patho-
logien an der Wirbelsäule hätten im Rahmen der Untersuchung objektiviert
und bestätigt werden können. Es bestünden chronifizierte therapieresis-
tente dauerhafte lumbale, thorakale und zervikale Rückenschmerzen (VAS
bei Belastung 5 bis 6, VAS im Durchschnitt der letzten 4 Wochen 3 bis 4,
VAS unter Berufsbelastung im Durchschnitt 8) mit episodenhafter
Schmerzexazerbation über mehrere Tage durch schon geringe körperliche
Belastung (Gehen über 30 Minuten, Autofahrten über 60 Minuten, schnel-
les Gehen, längeres Stehen, Einnahme von Zwangspositionen, Heben und
Tragen von Lasten ab 5 Kilogramm, unvorsichtige oder unkoordinierte Wir-
belsäulenbewegungen wie Oberkörperrotation, Vorbeuge, Rückneige,
Seitneige; Oswestry Disability Index 53%) und bei Wetterwechseln. Der
Beschwerdeführer leide auch an einer intermittierenden radikulären
Schmerzausstrahlung und an radikulären Sensibilitätsstörungen im linken
Bein an der Aussenseite des Ober- und Unterschenkels bis zu den Zehen.
Das führe zur Notwendigkeit von häufigen Wechseln der Körperposition
und zum Einplanen längerer bis langer Pausen unter leichter Belastung
(bedarfsweise auch orale Schmerzmitteleinnahme und dauerhaftes physi-
otherapeutische Eigenübungsprogramm). Es bestünden Bewegungs-
schmerzen an Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule bei Rotation, lnklina-
tion, Reklination und Seitneigung jeweils etwa ab der Hälfte des möglichen
vollen Bewegungsumfanges. Am Gutachten der D._ kritisiert Dr.
med. F._ insbesondere, dass die thorakale und zervikale Wirbel-
säule und die an ihr vorliegenden objektiven und subjektiven Befunde kei-
nerlei Würdigung erfahren hätten. Zudem hätten die Gutachter der
D._ ihre Begründung einer vollen Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen
darauf beschränkt, dass keine radikuläre Beteiligung, insbesondere kein
komprimierender Diskusprolaps oder eine Spinalkanalstenose habe nach-
gewiesen werden können.
7.3.3 Die beiden nachträglich erstellten Privatgutachten wurden den Ex-
perten der D._ zur Stellungnahme vorgelegt.
7.3.3.1 In ihrer Stellungnahme vom 14. Juni 2020 hielten die Gutachter der
D._ im Wesentlichen fest, dass die Einschätzung von Dr. med.
E._ in Widerspruch zu den klinischen Befunden stehe, die nur
leichte Funktionseinschränkungen des Achsenorgans ohne neurologische
C-89/2019
Seite 22
Defizite ergeben hätten. Die absolute Foramenstenose L4/L5 sei eine ra-
diologische Diagnose ohne klinische Relevanz und ohne funktionelle Aus-
wirkungen. Somit wirke sie sich nicht reduzierend auf die Arbeitsfähigkeit
aus.
7.3.3.2 Die D._-Gutachter hielten am 29. Oktober 2018 fest, dass
im Gutachten von Dr. med. F._ neue Diagnosen generiert würden,
die bisher in der Aktenzusammenfassung seit dem Jahr 2009 nicht in Er-
scheinung getreten seien und bisher auch therapeutisch keine Bedeutung
besessen hätten. Gemeint seien die Diagnosen des chronisch therapiere-
sistenten degenerativen Zervikalsyndroms und des chronisch therapiere-
sistenten degenerativen Thorakalsyndroms. Auch zum Zeitpunkt der poly-
disziplinären Begutachtung vom 23. Januar 2018 hätten diese Syndrome
weder anamnestisch, noch klinisch Bedeutung gehabt. In keinem der vor-
liegenden Gutachten werde von einer solchen Symptomatik berichtet, die
die oben genannten Diagnosen rechtfertigen würden. Aufgrund der im Gut-
achten von Dr. med. F._ skizzierten erheblichen Beschwerden wür-
den erhebliche Zweifel aufkommen, ob es sich hierbei um die gleiche Per-
son handle. Dem stünden in der Gesamtbeurteilung des Gutachtens vom
23. Januar 2018 keine wesentlichen Einschränkungen des Aktivitätenni-
veaus gegenüber. Auch werde eine erhebliche Diskrepanz zwischen den
subjektiv geschilderten Beschwerden und der Intensität der bisherigen In-
anspruchnahme der therapeutischen Hilfen festgestellt. Eine Therapiefre-
quenz mit maximal einmal wöchentlicher Behandlung sei bei der geschil-
derten Beschwerdesymptomatik als sehr gering einzustufen, so dass im
Umkehrschluss kein hoher Leidensdruck unterstellt werden könne. Die
Einschätzung des Gutachters Dr. med. F._, der sowohl eine quan-
titative und qualitative Leistungseinschränkung bewerte, könne nicht nach-
vollzogen werden.
7.3.4 Im Hinblick auf die Beurteilung des Schweregrads der Schädigungen
an der Wirbelsäule und der geltend gemachten Schmerzausstrahlung in
das linke Bein ergeben sich insbesondere aus dem Gutachten von Dr. med.
F._, das auf einer ausführlichen Anamnese und einer eingehenden
klinischen Untersuchung des Beschwerdeführers basiert und in Kenntnis
der wesentlichen Vorakten inklusive der MRT-Befunde der LWS und des
linken Knies vom 2. Dezember 2015 sowie der Röntgenbefunde der BWS
vom 21. Dezember 2015 erging, relevante Widersprüche zum Gutachten
der D._.
C-89/2019
Seite 23
Der orthopädische Experte der D._ hat im Rahmen seiner klini-
schen Untersuchung vom 26. Oktober 2017 eine Exploration der Halswir-
belsäule sowie der Brust- und Lendenwirbelsäule mit entsprechenden Be-
wegungsprüfungen vorgenommen und hat dabei keine relevanten klinisch-
pathologischen Befunde – insbesondere kein radikuläres Reiz- oder Aus-
fallsyndrom – erhoben. Die Beweglichkeit der HWS beschrieb er als nicht
eingeschränkt, obwohl sich bei der Bewegungsprüfung bei der Seitneigung
beidseits (25°) eine leichte Einschränkung ergab (Norm: 30-40°). Bei der
Beweglichkeit der BWS und der LWS beschrieb er in der Seitneigung und
Rotation eine leichtgradige Einschränkung. Diese Aussage ist ebenfalls un-
genau, zumal sich in der Bewegungsprüfung doch lediglich bei der Seitnei-
gung beidseits eine Einschränkung (20° statt 30°-40°) zeigte, die Rotation
war dagegen normal. Die von Dr. med. F._ rund neun Monate spä-
ter durchgeführte Bewegungsprüfung ergab grössere Einschränkungen.
So beschrieb dieser zusätzlich zur eingeschränkten Seitneigung (20° an-
statt 30°-40°) auch eine leichte Einschränkung in der Rotation der Halswir-
belsäule (beidseits 55° anstatt 60°). Zudem erhob er einen Fingerkuppen-
Boden-Abstand von 35 cm, was deutlich pathologisch sei. Im Gutachter
der D._ wird ein Abstand von 18 cm erwähnt. Der vom Experten der
D._ erhobene orthopädisch-klinische Befund enthält somit in Bezug
auf die Bewegungsprüfung Ungenauigkeiten, das heisst Abweichungen
zwischen dem klinisch erhobenen Befund und der Befundbeschreibung.
Zudem werden im Privatgutachten von Dr. med. F._ zum Teil ab-
weichende klinische Befunde erhoben.
7.3.5 Der vom Beschwerdeführer beklagten Schmerzausstrahlung in das
linke Bein haben die Gutachter keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bei-
gemessen. Sie begründen dies damit, dass keine radikuläre Symptomatik
bestehe, die Messung der Beinumfänge links keine signifikante Umfangs-
verminderung zeige und sich die Nervendehnungszeichen nach Lasegue
und das umgekehrte Zeichen nach Lasegue nicht provozieren liessen. Der
neurologische Gutachter hielt hierzu anlässlich seiner Untersuchung vom
7. November 2017 zudem fest, dass die beklagte Schmerzausstrahlung
nicht dem Verlauf eines Dermatoms entspreche und keine radikuläre
Schmerzausstrahlung vorliege. Im Rahmen der versicherungsmedizini-
schen Gesamtbeurteilung hielten die D._-Gutachter fest, dass die
Schmerzausstrahlung einer pseudoradikulären Ausbreitung entspreche.
Weil eine lumbale Symptomatik, je nach Ausprägung und Schweregrad,
die Arbeitsfähigkeit auch ohne radikuläre Beteiligung einschränken kann
(Urteil des BGer 9C_822/2017 vom 19. Februar 2017 E. 4.2; Urteil
9C_870/2010 vom 24. Januar 2011 E. 4.3), greift diese Beurteilung der
C-89/2019
Seite 24
D._ zu kurz. Dr. med. F._ führte in seinem Gutachten unter
Hinweis auf Fachliteratur aus, dass das pseudoradikuläre Lumbalsyndrom
durch Veränderungen der knöchernen Strukturen ausgelöst werde, bei de-
nen der Schmerzreiz über die nervösen Rezeptoren des Periosts, der Bän-
der und der Gelenkskapseln und der Muskulatur weitergeleitet würden. Es
komme in der Folge zu einer Schmerzausstrahlung, die hier allerdings nicht
wie das radikuläre Lumbalsyndrom eine dermatombezogene Ausbreitung
besitze. Die Experten der D._ haben sich weder in ihrem Gutachten
noch in den ergänzenden Stellungnahmen näher mit der pseudoradikulä-
ren Schmerzausstrahlung und deren möglich Auswirkung auf die Arbeits-
fähigkeit des Beschwerdeführers, namentlich auf die Fähigkeit die Kupp-
lung eines LKW zu betätigen, auseinandergesetzt. Nicht beachtet haben
sie dabei auch die Unfallgefahr mit einer Selbst- und Fremdgefährdung, da
bei zunehmenden Schmerzen die Kupplung nicht mehr richtig betätigt wer-
den kann. Dazu kommt, dass die Oberschenkelumfänge, auf die sich die
Gutachter der D._ berufen haben, in den beiden Gutachten deutlich
voneinander abweichen, was weitere Zweifel aufkommen lässt. Im
D._-Gutachten wurden 20 cm oberhalb des Knies 51 cm (rechts)
und 50.5 cm (links) und 10 cm oberhalb des Knies (42 cm rechts) und 41.5
cm (links) gemessen. Dr. med. F._ mass dagegen 20 cm oberhalb
des Knies Umfänge von 57 cm (rechts) und 54 cm (links) sowie 10 cm
oberhalb des Knies von 46 cm (rechts) und 44 cm (links).
7.3.5.1 Weiter fehlt es im Gutachten der D._ an einer Auseinander-
setzung des Gangbildes, obwohl diesbezüglich auffällt, dass der Be-
schwerdeführer zur orthopädischen Untersuchung, die zuerst durchgeführt
wurde (vgl. IV-act. 59), noch mit einem fliessenden, sicheren und koordi-
nierten leicht linkshinkenden Gangbild, dann aber zur zweiten Untersu-
chung durch den Internisten einen Stock tiefer, mit unsicherem, hinkenden
Gang erschienen sei. Trotz angegebenem Dauerschmerz im Rücken fehlt
es dem Gutachten zudem an einer detaillierten Schmerzanamnese. Sie
haben sich auch nicht genügend mit dem Verhalten des Beschwerdefüh-
rers während den Untersuchungen auseinandergesetzt. Diesbezüglich fällt
auf, dass er während der orthopädischen Untersuchung noch entspannt
auf dem Holzstuhl gesessen und keine Schmerzfehlhaltung eingenommen,
dann aber während der internistischen Untersuchung die Sitzposition oft
leicht geändert habe. Der psychiatrische Experte der D._ beschrieb
ihn sogar als psychomotorisch unruhig aufgrund seiner Schmerzen (S. 55
Gutachten). Eine eingehendere Auseinandersetzung mit den Schmerzen
wäre erforderlich gewesen, zumal sich auch aus der Anamnese Hinweise
auf leistungsbehindernde Schmerzen ergeben. So wird ersichtlich, dass
C-89/2019
Seite 25
der Beschwerdeführer für seinen Tagesablauf einen erhöhten Zeitbedarf
benötigt (S. 23 Gutachten) und ihn unter anderem die Schmerzen davon
abhalten, einem Hobby (Restauration eines Oldtimers) nachzugehen (S.
16 Gutachten).
7.3.5.2 Schliesslich sind die Gutachter der D._ nicht auf die vorlie-
genden radiologischen Befunde vom 21. Dezember 2015 (IV-act. 7 S. 12
f.) der HWS (ausgeprägte Osteochondrose mit Vakuumphänomen bei
CG/7, mässige Spondylose C5/6 und C7/Thl sowie weniger ausgeprägt
C4/5, hypertrophe Uncarthrose C6/7 links ausgeprägter als rechts und dis-
kret C5/6 rechts, massive IVG-Arthrose auf den Seitaufnahmen von C2 bis
C5 links und rechts bei C4/S und nachfolgend C5/6) und der BWS (anky-
losierende Spondylose rechts lateral Th8 bis Th11 und sonst deutlich we-
niger ausgeprägte diskrete Spondylosis deformans thoracalis mit p.m. bei
Th11/12, geringe Spondylose Thl2 bis 13 und 14/5) eingegangen. Auch
wenn die Gutachter der D._ in ihrer ergänzenden Stellungnahme
vom 14. Juni 2018 zu Recht darauf hingewiesen haben, dass radiologische
Befunde für sich alleine keinen Schluss auf eine Funktionseinschränkung
zulassen, sind derartige radiologischen Befunde im Zusammenhang mit
der Anamnese und dem klinischen Befund zu diskutieren. Das Gutachten
der D._ ist damit auch in dieser Hinsicht unvollständig.
7.3.6 Insgesamt erweist sich die orthopädische Beurteilung der D._
als zu oberflächlich und ungenau, insbesondere aber als lückenhaft in der
Befunderhebung und unvollständig in der versicherungsmedizinischen Dis-
kussion, so dass auf diese nicht abgestellt werden kann. Zudem werden
die bestehenden Widersprüche zum Privatgutachten von Dr. med.
F._ mit der ergänzenden Stellungnahme der Gutachter der
D._ vom 29. Oktober 2018 nicht aufgelöst, zumal sich die Gutach-
ter der D._ mit dem Gutachten von Dr. med. F._ nicht hin-
reichend auseinandergesetzt haben. Es bestehen damit zusätzliche kon-
krete Zweifel an der medizinischen Einschätzung der D._ und dem
festgelegten Zumutbarkeitsprofil am Gutachten der D._. Es kann
aber auch nicht auf die beiden Privatgutachten von Dr. med. E._
und Dr. med. F._ abgestellt werden, insbesondere sind diese für die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit zu rudimen-
tär. Aufgrund der widersprüchlichen fachärztlichen Einschätzungen lässt
sich der orthopädische Gesundheitsschaden und dessen funktionelle Aus-
wirkungen und damit auch die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Ver-
weistätigkeit weder gestützt auf das Gutachten der D._ noch auf die
C-89/2019
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übrigen medizinischen Akten verlässlich beurteilen. Bei derart ungeklärten
Widersprüchen sind weitere Abklärungen erforderlich.
7.4 Des Weiteren vermag das Gutachten der D._ auch in kardiolo-
gischer, internistischer und psychiatrischer Hinsicht nicht vollends zu über-
zeugen.
7.4.1 Im psychiatrischen Teilgutachten wird der Zusammenhang zwischen
psychischer Befindlichkeit und innerer Konflikte mit den Schmerzen ver-
neint. Obwohl der psychiatrische Experte den fehlenden Gefühlsausdruck
als Risiko für eine Entwicklung chronischer Schmerzen bezeichnet und
keine detaillierte Schmerzanamnese erhoben wurde, hat er das Vorliegen
einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung verneint. Dabei ist er
weder auf die klassifikatorischen Kriterien eingegangen noch hat er seine
Einschätzung näher begründet. Zudem fehlt es an einer eingehenderen
Auseinandersetzung mit dem Trinkverhalten des Beschwerdeführers, was
gerade im Zusammenhang mit einer Tätigkeit als LKW-Chauffeur erforder-
lich wäre. So gab der Beschwerdeführer doch an, er trinke täglich Alkohol
(zwei bis drei Flaschen Bier) und wenn es ihm nicht so gut gehe, trinke er
eine Flasche Wein und gehe dann schlafen.
7.4.2 Der internistische wie auch der kardiologische Experte gingen davon
aus, dass der BNP-Wert im Normbereich liege, obwohl die Laboranalyse
einen erhöhten BNP-Wert von 266 pg/ml (Referenzwert < 210 pg/ml)
ergab. Gemäss Laborbericht könnte bei Werten von < 125 pg/ml Herzfunk-
tionsstörungen mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Die
gutachterlichen Aussagen, dass der BNP-Wert im Normbereich liege, was
eine Herzschwäche ausschliesse, und dass der normale BNP-Wert klar
gegen eine hypertoniebedingte latente oder gar manifeste Herzschwäche
spreche, sind daher mit dieser Begründung nicht schlüssig nachvollzieh-
bar.
8.
Zusammenfassend erweist sich der Sachverhalt bis zum Erlass der ange-
fochtenen Verfügung vom 5. Dezember 2018 in medizinischer Hinsicht
nicht rechtsgenügend abgeklärt. Demzufolge ist es nicht möglich, mit dem
im Sozialversicherungsrecht erforderlichen Beweisgrad der überwiegen-
den Wahrscheinlichkeit zu beurteilen, ob, gegebenenfalls in welcher Höhe
und ab wann der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente der Invali-
denversicherung hat.
C-89/2019
Seite 27
8.1 Da die angefochtene Verfügung gestützt auf eine unvollständige Sach-
verhaltsabklärung ergangen ist, ist die Sache in Anwendung von Art. 61
Abs. 1 VwVG zur Vornahme der notwendigen erwerblichen und medizini-
schen Abklärungen und hernach neuem Entscheid an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. Diese Rückweisung an die Vorinstanz erfolgt in Überein-
stimmung mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, gemäss welcher
eine Rückweisung an die IV-Stelle insbesondere im Falle einer notwendi-
gen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage möglich ist (BGE
137 V 210 E. 4.4.1.4), wenn wie vorliegend die orthopädische Begutach-
tung unvollständig ist und auch Fragen im Zusammenhang mit einer allfäl-
ligen Schmerzstörung und mit der Prüfung der invalidenversicherungs-
rechtlichen Relevanz einer allfälligen Alkoholabhängigkeit in einem struk-
turierten Beweisverfahren in Nachachtung der neuen bundesgerichtlichen
Rechtsprechung noch völlig ungeklärt sind (vgl. Urteil des BGer
9C_450/2015 vom 29. März 2016 E. 4.2.2; Urteil des BVGer C-1444/2015
vom 17. Oktober 2017 E. 8.14). Eine Rückweisung ist vorliegend umso
mehr gerechtfertigt, als die Vorinstanz zusätzlich beruflich-erwerbliche Ab-
klärungen für die Festlegung des Profils der letzten Arbeitsstelle zu treffen
hat. Ein Endentscheid könnte daher allein mit der Einholung eines Ge-
richtsgutachtens ohne die Ergebnisse der weiteren Abklärungen jedenfalls
nicht herbeigeführt werden (vgl. Urteile des BVGer C-4516/2019 vom 31.
Juli 2020 E. 7.1 und C-329/2014 vom 8. Juli 2015 E. 6). Überdies würde
den Verfahrensbeteiligten mit dem Verzicht auf ein Administrativgutachten
im Verwaltungsverfahren der doppelte Instanzenzug nicht gewahrt (vgl. Ur-
teil des BVGer C-1882/2017 vom 3. April 2018 E. 6.1). Bei dieser Aus-
gangslage, bei welcher sich zwei nicht beweiswertige Gutachten gegen-
überstehen, die sich in wesentlichen Aspekten widersprechen, wäre es
nicht zielführend, ein Obergutachten einzuholen (vgl. Urteil des BGer
8C_371 vom 7. September 2020 vom E. 4.6.2). Der entsprechende Even-
tualantrag des Beschwerdeführers ist daher abzuweisen.
8.2 Die Vorinstanz ist daher in Anwendung von Art. 61 Abs. 1 VwVG anzu-
weisen, nach Aktualisierung und Vervollständigung der medizinischen Ak-
ten eine interdisziplinäre Begutachtung des Beschwerdeführers zu veran-
lassen. Mit Blick auf die im Raum stehenden Befunde (insbesondere de-
generative Veränderungen im Bereich von Wirbelsäule und Knie) und Di-
agnosen erscheinen Expertisen in den Fachbereichen Innere Medizin,
Rheumatologie, Orthopädie, Neurologie, Kardiologie und Psychiatrie (letz-
tere insbesondere unter Berücksichtigung der Standardindikatoren ge-
mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung [BGE 143 V 418; 143 V 409;
141 V 281] und der allfälligen Auswirkungen eines Abhängigkeitssyndroms
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im Lichte der zwischenzeitlich mit BGE 145 V 215 angepassten Rechtspre-
chung) erforderlich. Ob neben den genannten Fachdisziplinen auch noch
weitere Spezialisten beigezogen werden, ist dem pflichtgemessen Ermes-
sen der Gutachter zu überlassen, zumal es primär ihre Aufgabe ist, auf-
grund der konkreten Fragestellung über die erforderlichen Untersuchungen
zu befinden (vgl. dazu BGE 139 V 349 E. 3.3; Urteil des BGer 8C_124/2008
vom 17. Oktober 2008 E. 6.3.1; Urteil des BVGer C-4537/2017 E. 8).
8.3 Die polydisziplinäre Begutachtung hat vorliegend in der Schweiz zu er-
folgen, da die Abklärungsstelle mit den Grundsätzen der schweizerischen
Versicherungsmedizin vertraut sein muss (vgl. dazu Urteil des BGer
9C_235/2013 vom 10. September 2013 E. 3.2; statt vieler Urteil des BVGer
C-3864/2017 vom 11. März 2019 E. 7.5 m.w.H.) und vorliegend keine
Gründe ersichtlich sind, die eine Begutachtung in der Schweiz als unver-
hältnismässig erscheinen liessen. Im Weiteren ist die Gutachterstelle nach
dem Zufallsprinzip gemäss Zuweisungssystem «SuisseMED@P» zu ermit-
teln (vgl. dazu BGE 139 V 349 E. 5.2.1 und Art. 72bis Abs. 2 IVV) und dem
Beschwerdeführer sind die ihm zustehenden Mitwirkungsrechte einzuräu-
men (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9). Angesichts der vorgebrachten Be-
fangenheitsvorwürfe, auf die bei diesem Verfahrensausgang nicht weiter
einzugehen ist, erscheint es angezeigt, das D._ als Begutachtungs-
stelle auszuschliessen.
9.
Im Ergebnis ist die Beschwerde dahingehend gutzuheissen, dass die Ver-
fügung vom 5. Dezember 2018 aufzuheben und die Sache an die
Vorinstanz zurückzuweisen ist, damit diese nach erfolgter Abklärung im
Sinne der Erwägungen über den Anspruch des Beschwerdeführers auf
Leistungen der schweizerischen Invalidenversicherung neu verfüge.
10.
Der Beschwerdeführer stellte, wie in der Eingabe vom 13. Juli 2020 präzi-
siert wurde, mit Replik vom 9. Mai 2019 den Antrag auf Durchführung einer
öffentlichen Parteiverhandlung gemäss Art. 6 EMRK.
10.1 Von einer ausdrücklich beantragten öffentlichen Verhandlung kann
dann abgesehen werden, wenn der Antrag der Partei als schikanös er-
scheint oder auf eine Verzögerungstaktik schliessen lässt und damit dem
Grundsatz der Einfachheit und Raschheit des Verfahrens zuwiderläuft oder
sogar rechtsmissbräuchlich ist. Gleiches gilt, wenn sich ohne öffentliche
Verhandlung mit hinreichender Zuverlässigkeit erkennen lässt, dass eine
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Beschwerde offensichtlich unbegründet oder unzulässig ist. Als weiteres
Motiv für die Verweigerung einer beantragten öffentlichen Verhandlung fällt
die hohe Technizität der zur Diskussion stehenden Materie in Betracht, was
etwa auf rein rechnerische, versicherungsmathematische oder buchhalte-
rische Probleme zutrifft, wogegen andere dem Sozialversicherungsrecht
inhärente Fragestellungen materiell- oder verfahrensrechtlicher Natur wie
die Würdigung medizinischer Gutachten in der Regel nicht darunterfallen.
Schliesslich kann das kantonale Gericht von einer öffentlichen Verhand-
lung absehen, wenn es auch ohne eine solche aufgrund der Akten zum
Schluss gelangt, dass dem materiellen Rechtsbegehren der bezüglich der
Verhandlung antragstellenden Partei zu entsprechen ist (BGE 136 I 279
E. 1 mit Hinweis auf BGE 122 V 47 E. 3b/ee und 3b/ff.; Urteile des BGer
8C_64/2017 vom 27. April 2017 E. 3.2 [mit Hinweis auf BGE 136 I 279 E. 1
und 122 V 47 E. 3b] und 8C_338/2016 vom 21. November 2016 E. 1.2).
10.2 Nachdem das Bundesverwaltungsgericht im Hauptentscheid die Be-
schwerde gutheisst, indem es die Sache zu weiteren erwerblichen Abklä-
rungen und anschliessender Einholung eines für die invalidenversiche-
rungsrechtlichen Belange umfassenden versicherungsexternen polydiszip-
linären Gutachtens an die Vorinstanz zurückweist, erübrigt sich die Durch-
führung der beantragten öffentlichen Parteiverhandlung gemäss Art. 6
EMRK. Eine solche vermöchte am vorliegenden Verfahrensausgang nichts
zu ändern. Unter diesen Umständen ist auf die beantragte öffentliche Ver-
handlung zu verzichten (vgl. Urteile des BVGer C-5626/2017 vom 16. Juli
2019 E. 9 und C-6646/2016 vom 20. März 2019 E. 6).
11.
11.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis i.V.m.
Art. 69 Abs. 2 IVG), wobei das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 63
Abs. 1 VwVG die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei
auferlegt. Eine Rückweisung gilt praxisgemäss als Obsiegen der Be-
schwerde führenden Partei (BGE 141 V 281 E. 11.1), weshalb dem Be-
schwerdeführer keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Der einbe-
zahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– ist dem Beschwerdefüh-
rer nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils auf ein von ihm
bekannt zu gebendes Konto zurückzuerstatten. Der Vorinstanz sind eben-
falls keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
11.2 Der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat bei diesem Verfah-
rensausgang gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 des
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=8C_64%2F2017&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-I-279%3Ade&number_of_ranks=0#page279 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=8C_64%2F2017&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-V-47%3Ade&number_of_ranks=0#page47
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Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) Anspruch auf
eine Parteientschädigung zu Lasten der Verwaltung. Der Rechtsvertreter
hat für das Erstellen von drei Schriftsätzen Kosten von EUR 3'283.99,
EUR 3'283.99 und EUR 2'628.10 geltend gemacht. Diese Kosten hat er
nicht anhand seines effektiven, detailliert ausgewiesenen Zeitaufwands,
sondern anhand eines österreichischen Anwaltstarifs bestimmt. Darauf
kann nicht abgestellt werden, weshalb die Entschädigung aufgrund der Ak-
ten festzusetzen ist (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Unter Berücksichtigung
des Verfahrensausgangs, des gebotenen und aktenkundigen Aufwands,
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des vorliegend zu
beurteilenden Verfahrens sowie in Anbetracht der in vergleichbaren Fällen
gesprochenen Entschädigungen ist eine Parteientschädigung von pau-
schal Fr. 2‘800.– gerechtfertigt.
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