Decision ID: e9bf33b6-8fdd-4bb4-a14d-6eb263eeba66
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1968, verfügt über keine Berufsausbildung. Sie übte ab 1986 verschiedene Hilfsarbeitertätigkeiten in der Lebensmittel- und Reinigungs
branche aus. Am 10. August 2010 (Urk. 12/1) meldete sie sich unter Hinweis auf eine Epilepsie bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an. Gestützt auf das von Dr. med. Y._, Facharzt für Neurologie, am 27. April 2011
erstattete neurologische Gutachten (Urk. 12/12) verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Verfügung vom 14. Juli
2011 (Urk. 12/22) einen Rentenanspruch. Die dagegen erhobene Be
schwer
de (Verfahren Nr. IV.2011.01002) wurde vom hiesigen Gericht mit dem
unan
gefochten in Rechtskraft erwachsenen Urteil vom 30. März
2012 (Urk. 12/27
)
abgewiesen.
1.2
Am 27. Januar 2016 (Urk. 12/34 f.) meldete sich die Versicherte erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Sie machte dabei einen verschlech
terten Gesundheitszustand mit zwischenzeitlich eingetretenen
zusätz
lichen Leiden (rezidivierende depressive Störung, essenzieller Tremor, erhöhte Tran
saminasen und Pruritus sine materia) geltend (Urk. 12/35). Die IV-Stelle holte Berichte der behandelnden Ärzte (Urk. 12/33, 12/44, 12/52) ein und zog Aus
züge aus dem Individuellen Konto der Versicherten bei (Urk. 12/40, 12/46).
Zur Klärung des Gesundheitszustandes und dessen Auswirkungen auf die Ar
bei
ts
fähigkeit gab sie ein polydisziplinäres Gutachten (Fachdisziplinen: Allge
meine Innere Medizin, Neurologie und Psychiatrie) in Auftrag (Urk. 12/55-12/57)
.
Dieses wurde von den Fachärzten der
Z._
am 4. August 2017 erstattet (Urk. 12/61). Mit Vorbescheid vom 24. August 2017 (Urk. 12/63) stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht. Dagegen erhob diese am 15. September 2017 Einwände (Urk. 12/66). Wie angekündigt verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 24. Oktober 2017 (Urk. 12/74 = Urk. 2) einen Leistungs
anspruch.
2.
Mit Beschwerde vom 24. November 2017 (Urk. 1) beantragte die Beschwerde
füh
rerin die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Zusprechung einer ganzen Rente ab Juli 2016. Eventualiter beantragte sie die Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zu weiteren medizinischen Abklärungen.
In prozessualer Hinsicht stellte sie ein Gesuch um Gewährung
der unentgelt
li
chen Prozessführung sowie Bestellung von Rechtsanwältin Jenny als unentgelt
liche Rechtsvertreterin (Urk. 1 S. 2). Zudem reichte sie den Bericht des A._ vom 22. November 2017 (Urk. 3/3) ein. Mit Beschwerdeantwort vom 16
. Januar 2018 (Urk. 11) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde
.
Die Beschwerdeführerin hielt mit Replik vom 8. März 2018 (Urk. 22) an den gestellten Rechts
begehren fest.
Mit Schreiben vom 22. März 2018 (Urk. 24) teilte die
Beschwerdegegnerin ihren Verzicht auf eine Duplik mit, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
23. März 2018 (Urk. 25)
zur Kenntnis gebracht wurde.
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in ana
loger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Verän
derung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zu
nächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die IV-Stelle ist auf die Neuanmeldung de
r Beschwerdeführerin
vom
27. Januar 2016
eingetreten und hat die medizinischen Verhältnisse neu abgeklärt. Zu prüfen ist daher, ob seit der
einen Rentenanspruch verneinenden Verfügung vom 14. Juli 2011 (Urk. 12
/
22
) bis zum Zeitpunkt d
er angefochtenen Verfügung vom 24. Oktober 2017
(
Urk.
2) eine sich auf den Rentenanspruch auswirkende Veränderung des Gesundheitszustands eingetreten ist.
2.2
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten vom 7. August 2017 keine erheb
liche und länger andauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgewiesen
und die angestammte Tätigkeit als Reinigerin uneingeschränkt zumutbar sei (Urk. 2
S. 1 f.).
2.3
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, im neurologischen Teilgutachten fehle eine Auseinandersetzung mit den abwei
chen
den Einschätzungen des Schweizerischen Epilepsie-Zentrums (nachfolgend: B._) (Urk. 1 S. 7). Auch die geklagte Tagesmüdigkeit sei nicht berücksichtigt worden (Urk. 1 S. 8). Aufgrund der weiterhin auftretenden epileptischen Anfälle und der vom B._ attestierten Arbeitsunfähigkeit könne nicht von einer vollum
fänglichen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden (Urk. 1 S. 19). Der psychia
trische Gutachter habe es unterlassen, die Diagnosekriterien einer depressiven Störung zu prüfen (Urk. 1 S. 11). Zudem habe er nur in einem Satz Stellung zu anderslautenden Berichten genommen und die stationäre Therapie nicht gewür
digt (Urk. 1 S. 12). Stattdessen sei zur Bestimmung der Arbeitsfähigkeit in psy
chiatrischer Hinsicht auf den Bericht des
A._
vom 22. November 2017 (Urk. 3/3
) abzustellen (Urk. 1 S. 17). Es sei von einem Invaliditätsgrad von 100 % auszu
gehen, womit seit Juli 2016 Anspruch auf eine ganze Rente bestehe (Urk. 1 S. 26).
3.
3.1
Im Urteil vom 30. März 2012 hat das Sozialversicherungsgericht die Vergleichs
situation, wie sie der für den vorliegenden Fall massgebenden Verfügung
vom 14. Juli 2011 zu Grunde lag, dargestellt. Zusammengefasst stellte es auf d
as Gutachten von Dr. Y._ ab, worin der Beschwerdeführerin trotz der diagnos
ti
zierten idiopathischen primär generalisierten Epilepsie eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als Reinigerin attestiert wurde. Es wurde eine gute medikamentöse Therapierbarkeit der Epilepsie bei maximal vier Grand-Mal-Anfällen pro Jahr und des essentiellen Tremors festgehalten (Urk. 12/27).
3.2
Der Gesundheitszustand de
r
Beschw
erdeführerin seither
ist anhand der Akten
lage wie folgt zusammenzufassen:
PD Dr. med. habil. C._, Facharzt für Neurologie und für Psychiatrie und Psy
chotherapie, berichtete der Beschwerdegegnerin am 10. Mai 2016 über die Behandlung der Beschwerdeführerin in der B._ (Urk. 12/44/1-4). Auf der Grundlage einer Aktenbeurteilung
(vgl. Urk. 12/44/3), führte er folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (Urk. 12/44/1):
-
Seit 1985 bestehende Epilepsie mit bislang therapierefraktären und tonisch-konischen Anfällen und früher Myoklonien (ICD-10: G40.8)
-
Rezidivierende depressive Störung seit dem frühen Erwachsenenalter mit unklarem Schweregrad der gegenwärtigen Episode (ICD-10: F33.8)
-
Essentieller Tremor mit unklarem Beginn
-
Pruritus sine materia (Juckreiz ohne erkennbare Hauterkrankung)
Betreffend Arbeitsfähigkeit in der angestammten sowie in angepassten Tätig
keiten führte er aus, diese müsse aus psychiatrischer Sicht beurteilt werden. Aufgrund der Epilepsie bestünden qualitative Einschränkungen in Bezug auf gefährliche Tätigkeiten mit potenziellen Fallhöhen über drei Meter und die Arbeit an gefährlichen Maschinen (Urk. 12/44/2 f.).
3.3
Med. pract. D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
phil.
E._, Klinischer Psychologe und die Psychologin Dipl.-Psych. F._ vom A._, berichteten der Be
schwerdegegnerin am
2
7
.
Januar 2017
,
die Beschwerdeführerin
leide in psy
chischer Hinsicht
an einer
schweren depressiven Episode ohne psychotische Symp
tome (ICD-10: F32.2) sowie an einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10
: F43.1) (Urk. 12/52/7).
Sie werde seit März 2016 im
A._
ambulant behandelt und sei auf längere Sicht zu 100
%
arbeitsunfähig (Urk. 12/52/6). Vom 6. September bis am 1
1.
Oktober 2016 habe sie sich in stationäre
r
Behand
lung in der
G._
aufgehalten
(Urk. 12/52/7).
3.4
3.4.1
Gestützt auf die zur Verfügung gestellten Akten sowie die
persönlichen Unter
suchungen vom
28. Juni und 11. Juli 2017 erstatteten die Fachärzte des Z._ am 4. August 2017 (Urk. 12/61) ihr Gutachten. In der konsensualen Zusammen
fassung nannten sie keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 12/61/16).
Aus neurologischer Sicht hielten sie eine Epilepsie sowie einen Tremor fest, welche keinen quantitativen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten, jedoch das Belastungsprofil beeinflussten. Aus psychiatrischer Sicht sei nach der Bereini
gung um die erhebliche Aggravation die Diagnose einer Neurasthenie zu stellen, welche die Arbeitsfähigkeit nicht einschränke. Die internistisch potenziell rele
vanten Diagnosen seien entweder nicht mehr aktuell (operativ versorgtes axilläres
Fibroadenom, erhöhte Transaminasen, operierter Rektumpolyp), medikamentös kontrolliert (Gastritis, Ulcus pylori) oder nicht von Bedeutung im Sinne der Fragestellung (imperativer Harndrang, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, GGT-Erhöhung). Entsprechend hielten sie eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit fest (Urk. 12/61/17).
Die Gutachter schlossen die Personenbeförderung oder eine sonstige Teilnahme am motorisierten Strassenverkehr ebenso aus wie die Arbeit auf Gerüsten und Leitern, an verletzungsträchtigen Maschinen und Nachtschichtarbeiten. Arbeiten
mit besonderer Anforderung an die feinmotorischen Fähigkeiten (inklusive Schrei
ben) beurteilten die Gutachter ebenfalls als ungeeignet. Aus psychiatrischer Sicht lägen in Anlehnung an das Mini-ICF-APP in verschiedenen Be
rei
chen keine beziehungsweise allenfalls leichte Beeinträchtigungen vor (Urk. 12/6
1/17). Schliesslich empfahlen sie auf dem internistischen Gebiet vor der Aufnahme einer körperlich schweren Tätigkeit Abklärungen betreffend die beschleunigte Herzfrequenz im Ruhezustand (Urk. 12/61/18).
3.4.2
Der neurologische Gutachter Dr. med. H._, Facharzt für Neurologie, hielt fest, im Rahmen der neurologischen Untersuchung habe sich ein Halte- und Aktions
tremor gezeigt. Dieser mache sich nur bei bestimmten Handlungen bemerkbar. Die Epilepsie sei relativ gut eingestellt gewesen: die Anfälle träten nicht häufig auf und die als „kleine Anfälle” bezeichneten Phänomene dauerten nur wenige Sekunden.
Aus neurologischer Sicht lasse sich weder aktuell noch in den letzten Jahren eine Arbeitsunfähigkeit begründen (Urk. 12/61/33).
3.4.3
Dem psychiatrischen Teilgutachten von Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ist zu entnehmen, dass die vorbeschriebene und auch von der Versicherten berichtete Symptomatik hinsichtlich Schwere und Ausprägung nicht habe nachvollzogen werden können. Sowohl die Schilderung als auch das Auftreten der Versicherten spreche mindestens für eine erhebliche Aggravation. Hinweise auf eine Depression im engeren Sinn hätten sich nicht gefunden, auch wenn die Versicherte in ihrem Leben zahlreiche negative Erfahrungen gemacht habe (Urk. 12/61/49). Die Ergebnisse eines durchgeführten Beschwerdevalidie
rungs
verfahrens beurteilte er als deutlichen Hinweis auf das Vortäuschen einer nicht vorhandenen Symptomatik (Urk. 12/61/48).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin berichtete gegenüber allen Gutachtern von einer nach dem Aufstehen einsetzenden Tagesmüdigkeit (Urk. 12/61/20, 12/61/36 und 12/61/44). Gegenüber dem internistischen Gutachter, Dr. med. J._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Hämatologie, klagte sie über eine medikamenteninduzierte starke Müdigkeit. Nach der morgendlichen Einnahme der Medikamente sei sie sehr müde, so dass sie die nächsten zwei Stunden schlafend oder dösend verbringe (Urk. 12/61/36). Dies stimmt mit den Schil
de
rungen im psychiatrischen Teilgutachten (Urk. 12/61/44) und in der Konsens
beur
teilung (Urk. 12/61/20) überein. In der Beschreibung des Tagesablaufs im
neurologischen Teilgutachten wurde die Medikamenteneinnahme hingegen nicht
thematisiert (Urk. 12/61/29).
Einzig der psychiatrische Gutachter setzte sich mit der geklagten Müdigkeit aus
einander und interpretierte diese als Symptom einer Neurasthenie (Urk. 12/61/49 f.).
Der von der Beschwerdeführerin hergestellte Zusammenhang zwischen der Medikamenteneinnahme und der Tagesmüdigkeit wurde hingegen von keinem der Gutachter aufgegriffen. Ein solcher wäre jedoch näher zu beleuchten gewesen: Die geklagte Müdigkeit trat anamnestisch nach der Medi
ka
menteneinnahme ein. Die Blutuntersuchung ergab, dass die Beschwerdeführerin die verordneten Antiepileptika (Keppra, Mysoline, Lamictal) regelmässig einnahm, nicht jedoch die Antidepressiva (Risperdal, Mirtazapin). Entsprechend hielt der neurologische Gutachter eine ausreichende Compliance bezüglich der antiepileptischen Medikation fest (Urk. 12/61/32). Als häufig auftretende uner
wünschte Wirkungen der eingenommenen Epilepsie-Medikamente werden insbe
sondere Somnolenz, Asthenie und Benommenheit (Keppra,
https://compen
dium.ch/
mpro/mnr/9244/html/de#7450
, besucht am 9. April 2018),
Müdigkeit, Schläfrigkei
t und
Lethargie
(Mysoline,
https://compendium.ch/mpro/
mnr/2012/
html/de#7450
, besucht am 9. April 2018) beziehungsweise Schläfrigkeit (Lamictal,
https://compendium.ch/mpro/mnr/4001/html/de#7450
, besucht am 9. April 2018) genannt. Damit besteht eine gewisse Übereinstimmung mit den geklagten Symptomen.
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind allfällige unvermeidbare Nebenwirkungen einer zur Erhaltung des Gesundheitszustandes notwendigen Medikamenteneinnahme als invaliditätsbedingt zu betrachten und bei der Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit zu berücksichtigen (Urteil I 730/05 vom 3. April 2006 E. 3.1.2, vgl. auch die Urteile 8C_369/2017 vom 20. November 2017 E. 4.3.2, 8C_385/2017 vom 19. September 2017 E. 4.2 sowie 8C_778/2013 vom 14. Februar 2014 E. 3.2). Der neurologische Gutachter bezeichnete die Epilepsie als „relativ gut eingestellt”. Dies deutet auf die Notwendigkeit einer antiepileptischen Medikation hin, weshalb mit der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 8) erhebliche Zweifel an der aus neurologischer Sicht attestierten 100%igen Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten bestehen.
4.2
4.2.1
Der psychiatrische Gutachter berichtete über deutliche Hinweise für ein aggra
vatorisches Verhalten der Beschwerdeführerin. Er erblickte diese in ihren Schil
derungen und ihrem Auftreten sowie in den Ergebnissen eines durchgeführten Beschwerdevalidierungsverfahrens (Urk. 12/61/49).
4.2.2
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
vermag
e
ine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beruhende Leistungseinschränkung eine ver
sicherte Gesundheitsschädigung nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte auf eine klar als solche ausgewiesene Aggra
vation eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das aggravatorische Verhal
ten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzu
führen wäre
(Urteil 9C_154/2016 vom 19. Oktober
2016
E. 4.3 mit Hinweis auf das Urteil 9C_899/2015 vom 29. Juni 2015 E. 4.1 und 4.2.4).
4.2.3
Die Ausführungen zur Aggravation im psychiatrischen Teilgutachten blieben vage. Soweit Dr. I._ auf die Ergebnisse eines Beschwerdevalidierungs
verfahrens Bezug nimmt (Urk. 12/61/48, 12/61/52), ist darauf hinzuweisen, dass einem testmässigen Erfassen der Psychopathologie im Rahmen der psychiatrischen Explo
ration generell nur ergänzende Funktion beigemessen werden kann, während die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomer
fassung und Verhaltensbeobachtung ausschlaggebend bleibt (Urteil des Bundesgerichts 8C_466/2017 vom 9. November 2017 E. 5.1 mit Hinweis auf das Urteil 9C_276/2016 vom 19. August 2016 E. 3.2). Dies gilt vorliegend umso mehr, als es sich beim fraglichen „Test of Memory Malingering” lediglich um ein Be
schwerdevalidierungsverfahren handelte und keine weiteren, spezifischen Tests durchgeführt wurden.
Dr. I._ hielt in seinem Teilgutachten kein auffälliges Verhalten anlässlich des Untersuchungsgesprächs fest. Er gab einzig eine zufällige Begegnung im Treppen
haus nach dessen Abschluss wieder (Urk. 12/61/48). Die Beschwerde
führerin habe dabei deutlich vitaler als in der vorangegangenen Untersuchung gewirkt und gelächelt. Zudem wies er auf eine Diskrepanz zwischen der angege
benen Einnahme der Psychopharmaka und deren fehlender (Risperdal) be
ziehungsweise ungenügender (Mirtazapin) Konzentration im untersuchten Blut (Urk. 12/61/48, 12/61/52) hin.
Das geschilderte Verhalten während und nach der formellen Begutachtungs-situation divergiert nicht derart stark, dass daraus bereits auf eine Aggravation zu schliessen wäre. Hinweise auf eine ungenügende Medikamentencompliance finden sich auch in den Berichten der behandelnden Ärzte und im neuro
lo
gi
schen Vorgutachten verschiedentlich (vgl. Urk. 12/6/6, 12/6/13, 12/12/16, 12/12/11,
12/12/35); ein aggravatorisches Verhalten wurde jedoch nie thema
ti
siert. Der internistische (Urk. 12/61/38) wie auch der neurologische Z._-Gut
achter (Urk. 12/61/32) verneinten Hinweise auf Aggravation oder Simulation explizit. Der psychiatrische Gutachter äusserte sich nicht dazu, ob das als auffällig beurteilte Verhalten seine Ursache in einer psychischen Krankheit hat. Dem psychiatrischen Teilgutachten kann zudem nicht entnommen werden, von welchen Symptomen Dr. I._ nach der „Bereinigung” wegen Aggravation aus
ging. Unter diesen Umständen bestehen Zweifel an der gutachterlichen Annah
me einer Aggravation.
Dr. I._ leitete auch die gestellte Diagnose einer Neurasthenie nicht nachvoll
ziehbar her: Er gab einzig die Definition dieser Erkrankung wieder und hielt ohne Nennung entsprechender Symptome fest, bei der Explorandin liege eine Mischform der beiden Hauptformen vor (Urk. 12/61/49 f.). Auch seine Feststel-lung, wonach die vorbeschriebene und auch von der Versicherten berichtete Symptomatik hinsichtlich der Schwere und Ausprägung nicht habe nachvollzogen werden können und es sich keine Hinweise auf eine Depression im engeren Sinn gefunden hätten (Urk. 12/61/49), ist nicht ausreichend begründet. Damit ist es nicht nachvollziehbar, weshalb er entgegen den behandelnden Ärzten keine Erkrankung aus dem depressiven Formenkreis diagnostizierte.
Ein erheblicher Mangel des Gutachtens besteht zudem darin, dass eine im Herbst
2016 während sechs Wochen
erfolgte stationäre psychiatrische Behandlung in der G._ (vgl. Erw. 3.2 am Ende) offenbar nicht berücksichtigt wurde. Stattdessen hielt Dr. I._ fest, eine stationäre psy
chiatrische Behandlung wäre bei einer schweren depressiven Episode indiziert gewesen, sei aber nicht wahrgenommen worden (Urk. 12/61/51). Ein Bericht über diese Therapie im stationären Rahmen fehlt in den Akten: Die Beschwer
deführerin hatte gegenüber der Beschwerdegegnerin irrtümlicherweise angege
ben, in der
K._
in Behandlung gewesen zu sein (Urk. 12/47).
Auf eine entsprechende Anfrage der IV-Stelle hin teilte diese Klinik telefonisch mit, die Beschwerdeführerin nicht zu kennen (Urk. 12/51). Damit blieben die Erkenntnisse aus dem sechswöchigen stationären Aufenthalt unberücksichtigt, weshalb das psychiatrische Gutachten auf einer unvollständigen Aktenlage basiert.
4.3
Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass das polydisziplinäre Z._-Gutachten auf einer unvollständigen Aktenlage basiert und diesem eine ausreichende Auseinandersetzung mit den von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden sowie den abweichenden ärztlichen Beurteilungen fehlt. Auch leuchtet weder die Beurteilung der medizinischen Situation ein noch sind die Schlussfolgerungen nachvollziehbar.
Es erfüllt damit die Anforde
rungen der Rechtsprechung nicht (BGE
134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E.
3a), weshalb nicht darauf ab
ge
stellt
w
e
rden kann
.
Es stellt sich die Frage, ob der Gesundheitszustand gestützt auf die weiteren im Recht liegenden medizinischen Akten beurteilt werden kann. Es stehen ein neu-rologisches und ein psychiatrisches sowie ein pneumologisches Leiden zur Diskussion. Die
Kombination mehrerer Funktionsstörungen
führt jedoch
nicht notwendigerweise zu einer Addition der in verschiedenen Fachdisziplinen atte
-
stierten Arbeitsun
fähigkeiten
.
Bei ihrem Zusammentreffen überschneiden sich die erwerblichen Auswirkungen in der Regel. Deshalb ist der Grad der Arbeits
-
unfähigkeit grund
sätzlich in einer Gesamtbeurteilung zu bestimmen (
Urteil des Bundesgerichts 9C_204/2015 vom 29. April 2015 E. 6 mit Hinweis auf das
Urteil 9C_948/2012 vom 2
2.
Juli 2013 E. 4.3)
.
Neben dem Gutachten liegen für den zu beurteilenden Zeitraum Berichte behandelnder Ärzte vor, denen es jedoch an der erforderlichen Grundlage dieser psychiatrisch-somatischen Zusammenarbeit fehlt (vgl. E. 3.1 und 3.2 sowie Urk. 3/3, 12/33/20-22, 12/33/28-31, 12/33/36 f.). Eine Beurteilung der Arbeits
fähigkeit aus neurologischer Sicht fehlt für den relevanten Zeitraum ab Juli 2015 (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Art. 29 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung, IVG) gänzlich (vgl. Urk. 12/44/2). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass die Berichte der B._ (Urk. 12/44) sowie des A._ (Urk. 3/3, 12/52) für sich allein kaum rentenbegründend massgebend sein können, da behandelnde Arztpersonen mitunter aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen, weshalb ihre Berichte mit Vorbehalt zu würdigen sind (Urteile des Bundesgerichts 8C_104/2017 vom 13. Juni 2017 E. 6.2 und 8C_31/2017 vom 30. März 2017 E. 7.2 jeweils mit Hinweis auf BGE 135 V 465 E. 4.5).
Vielmehr ist die Frage, ob die Beschwerdeführerin an einer invalidisierenden Gesundheitsschädigung während des relevanten Zeitraumes litt mit entsprechender Arbeitsunfähigkeit im angestammten wie in einer ange
passten Tätigkeit und damit die Voraussetzungen für eine Invalidenrente erfüllte, durch eine
erneute
Begutachtung abzuklären.
Diese hat zumindest die Fachdisziplinen der Neurologie und der Psychiatrie zu umfassen.
Die Beschwerde ist damit insoweit gutzuheissen, als die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur neuen Begutachtung und zu neuem Entscheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
5.
5.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenver
siche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
setzt. Vorliegend erweisen sich Fr. 700.-- als angemessen.
Nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückwei
sung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfü
gung
als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E.
2.2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens
erweist
sich das
Gesuch
der Beschwerdeführerin
um
Gewährung der
unentgeltliche
n
Prozessführung und unentgeltliche
n
Rechtsver
tret
ung (
Urk.
1 S.
2
) als gegenstandslos.
5.2
Zudem hat die obsiegende Beschwerdeführerin Anspruch auf Ersatz der Partei
kos
ten
(
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer)
.
Nachdem Rechtsanwältin Jenny keine Zusammen
stellung über ihre Bemühungen ein
reichte, erfolgt die Festsetzung ihrer Entschädigung nach Ermessen. Unter der Berücksichtigung der Tatsache, dass sie die Beschwerdeführerin bereits im Einwandverfahren vertreten hat und seither nur in sehr beschränktem Mass Aktenstudium erforderlich war, ist die Pro
zessentschädigung ermessensweise auf
Fr.
2’4
00
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.