Decision ID: 44c6ab00-ece2-5735-a6f6-480ea1eebd9d
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer gelangte gemäss eigenen Angaben am 16. Sep-
tember 2017 in die Schweiz, wo er am 20. September 2017 um Asyl nach-
suchte.
B.
B.a Am 25. September 2017 fand die Befragung zur Person (BzP) statt
und am 10. Oktober 2018 wurde der Beschwerdeführer vom SEM einläss-
lich zu seinen Asylgründen angehört.
Dabei brachte er vor, er sei ethnischer Kurde und stamme aus B._.
Er habe die Schule im (...) Schuljahr abgebrochen und danach in einer
Autowerkstatt in C._ als Automechaniker gearbeitet, wobei er
hauptsächlich Autos für (...) repariert habe.
Ende (...) seien Personen der Opposition, mutmasslich von der (...) oder
vom (...), in der Autowerkstatt vorbeigekommen und hätten seinen Vorge-
setzten gezwungen, Explosionsmaterial an einem (...)auto zu montieren.
Die Regierung habe davon erfahren und in der Folge alle Mitarbeiter der
Werkstatt festgenommen und zur Sicherheitsabteilung gebracht. Er sei in
der Folge etwa (...) bis (...) Tage in Haft gewesen. Der (...) seines Vorge-
setzten habe einen Anwalt beauftragt und eine Kaution bezahlt, weshalb
sie aus der Haft entlassen worden seien. Er sei etwa (...) Tage zu Hause
geblieben. In dieser Zeit habe er erfahren, dass zwei seiner Bekannten an
einem Regierungskontrollposten festgenommen und zum Militärdienst ver-
pflichtet worden seien. Er habe befürchtet, dass ihm dasselbe zustossen
würde. Sein (...) habe darum beschlossen, dass er (Beschwerdeführer)
das Land verlassen müsse, bevor man auch ihn zum Militärdienst einziehe.
B.b Der Beschwerdeführer reichte seine Identitätskarte zu den Akten.
C.
Das SEM stellte mit Verfügung vom 28. Februar 2020 – eröffnet am 5. März
2020 – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz.
Zufolge aktueller Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung ordnete
es die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers an.
D.
Der Beschwerdeführer erhob gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom
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30. März 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er bean-
tragte, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und ihm sei Asyl zu
gewähren. Eventualiter sei seine Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen
und er sei als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht
ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
E.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dem Beschwerdeführer am
1. April 2020 den Eingang der Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015 [SR 142.31]).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
2.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
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3.
3.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs,
namentlich der Begründungspflicht. Die Vorinstanz hätte ihren Entscheid
ausführlich und fallbezogen begründen müssen und sich nicht nur auf pau-
schale Feststellungen und standardisierte Begründungen beschränken
dürfen.
Die Rüge geht fehl. Gemäss konstanter Rechtsprechung muss der Ent-
scheid so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn sachgerecht anfechten
kann. Es müssen die Überlegungen kurz genannt werden, von denen sich
die Behörde leiten liess und auf die sie ihren Entscheid stützt (vgl. BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Die Vorinstanz begründete in der angefochtenen Verfü-
gung hinreichend ausführlich und nachvollziehbar, weshalb die Vorbringen
des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft
gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten würden (vgl. angefochtene Verfü-
gung S. 2 f. Ziff. II). Im Übrigen zeigt die Beschwerde selbst, dass eine
sachgerechte Anfechtung möglich war.
3.2 Der Beschwerdeführer rügt weiter, die Vorinstanz habe ihre Abklä-
rungspflicht verletzt. Die Lage (in Syrien) müsse nach dem Angriff der Tür-
kei mit Hilfe bewaffneter syrischer Gruppierungen neu beurteilt werden.
Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind. Die Sachverhaltsfeststellung ist demgegenüber un-
vollständig, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachum-
stände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungs-
verfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013,
Rz. 1043 ff.).
Was den Hinweis auf die Sicherheitslage in Syrien anbelangt, legt der Be-
schwerdeführer nicht ansatzweise dar, inwiefern die türkische Militäroffen-
sive zu einer erhöhten Gefahr asylrelevanter Verfolgung für ihn führen
würde. Solches ist auch nicht aus den Akten ersichtlich. Im Übrigen stellt
es keine Verletzung der Abklärungspflicht dar, wenn das SEM die Lage in
Syrien sowie die Tragweite einer Wehrdienstverweigerung im Hinblick auf
die Asylrelevanz anders einschätzt als vom Beschwerdeführer erwartet.
Vielmehr wird in der Beschwerde die sich aus dem Untersuchungsgrund-
satz ergebende Frage der Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sache vermengt, welche
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die materielle Entscheidung über die vorgebrachten Asylgründe betrifft. Die
Rüge erweist sich als unzutreffend.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Vorbringen des Beschwerdeführers seien gemäss Art. 3 AsylG nicht asyl-
relevant. Angesichts des Alters des Beschwerdeführers könne nicht aus-
geschlossen werden, dass er bei einem Verbleib in Syrien militärisch aus-
gehoben worden wäre. Er habe Syrien jedoch im (...) verlassen und sich
damit der Erfassung durch die Militärbehörden entzogen. Folglich seien die
syrischen Behörden bis zu seiner Ausreise nicht mit ihm in Kontakt getre-
ten, um ihn zum Militärdienst einzuberufen. Demnach sei seine Furcht vor
einer zukünftigen Rekrutierung nicht begründet. Soweit der Beschwerde-
führer ausserdem vorgebracht habe, dass sein Vorgesetzter samt allen An-
gestellten inhaftiert worden und er (Beschwerdeführer) etwa (...) Tage in
Haft gewesen sei, sei den Akten keine persönlich gegen den Beschwerde-
führer gerichtete Massnahme zu entnehmen. So habe der Beschwerdefüh-
rer erst nach der Freilassung erfahren, weswegen sie alle verhaftet worden
seien, es sei nur sein Vorgesetzter verhört worden. Der (...) seines Vorge-
setzten habe einen Anwalt organisiert, der eine gewisse Summe bezahlt
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habe, damit sie alle freigelassen worden seien. Nach Angabe des Be-
schwerdeführers habe diese Inhaftierung keine Konsequenzen für ihn ge-
habt.
5.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Rechtsmittelschrift, er hätte
auf jeden Fall früher oder später einrücken und sich bei der syrischen Rek-
rutierungsbehörde melden müssen. Stattdessen habe er sich durch seine
Flucht ins Ausland dem Militärdienst entzogen, weshalb er als klassischer
Dienstverweigerer gelte. Zudem habe er gegen die Ausreisebestimmungen
sowie das ihm bei der Freilassung auferlegte Ausreiseverbot verstossen.
So sei das Strafverfahren in jenem Zusammenhang nicht abgeschlossen
gewesen und kein rechtskräftiges Urteil ausgesprochen worden; er hätte
sich indessen bis zum Abschluss des Strafverfahrens den Behörden zur
Verfügung halten müssen. Ferner sei auf Entscheide der Vorinstanz zu ver-
weisen, in denen die Flüchtlingseigenschaft lediglich wegen der illegalen
Ausreise aus Syrien und wegen des Verstosses gegen die behördlichen
Ausreisebestimmungen anerkannt worden sei. Auch habe sie Syrer im
dienst- und reservepflichtigen Alter vorläufig als Flüchtlinge aufgenommen.
Somit gebiete der Grundsatz der Rechtsgleichheit, dass er ebenfalls als
Flüchtling aufzunehmen sei, da seine Umstände und die persönlichen Ver-
hältnisse identisch seien. Er werde sich um Beschaffung von Beweismitteln
bemühen, welche seine Einberufung, Registrierung sowie die Suche nach
ihm belegen würden, und diese nachreichen.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz in ihren Erwägungen zutreffend festgehalten
hat, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen
von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügen.
Auf die betreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung (vgl.
oben E. 5.1) kann mit den nachfolgenden Ergänzungen verwiesen werden.
Die Entgegnungen des Beschwerdeführers auf Beschwerdeebene vermö-
gen zu keiner anderen Betrachtungsweise zu führen.
6.2 In Bezug auf das Vorbringen des Beschwerdeführers, ihm drohe bei
einer Rückkehr nach Syrien flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung, weil
er sich nicht für den obligatorischen Militärdienst gemeldet habe, ist auf den
Grundsatzentscheid des Bundesverwaltungsgerichts BVGE 2015/3 zu ver-
weisen, wonach eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion die Flücht-
lingseigenschaft nicht per se zu begründen vermag. Solches ist nur dann
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der Fall, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG ver-
bunden ist, mithin die betroffene Person aus den in dieser Norm genannten
Gründen wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine Be-
handlung zu gewärtigen hat, die ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3
Abs. 2 AsylG gleichkommt (vgl. BVGE 2015/3 E. 5.9). In Bezug auf die spe-
zifische Situation in Syrien erwog das Gericht im besagten Entscheid, die
genannten Voraussetzungen seien bei einem syrischen Refraktär erfüllt,
welcher der kurdischen Ethnie angehöre, einer oppositionell aktiven Fami-
lie entstamme und bereits in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit der
staatlichen syrischen Sicherheitskräfte auf sich gezogen habe (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.7.3). Aus den in der Folge ergangenen Urteilen des
Bundesverwaltungsgerichts geht hervor, dass bei Wehrdienstverweige-
rung und Desertion im syrischen Kontext nur dann eine asylrelevante
Strafe zu befürchten ist, wenn zusätzliche exponierende Faktoren gegeben
sind. Hingegen ist nicht davon auszugehen, dass herkömmlichen Wehr-
dienstverweigerern oder Deserteuren, das heisst solchen, die nicht zusätz-
lich politisch exponiert sind, mit genügender Wahrscheinlichkeit eine die
Schwelle der Asylrelevanz erreichende Strafe droht (vgl. Urteil des BVGer
D-1794/2020 vom 5. Juni 2020 E. 7.4 m.w.H.).
Im vorliegenden Fall liegt keine Konstellation vor, die mit jener im Urteil
BVGE 2015/3 vergleichbar wäre. Zwar gehört der Beschwerdeführer der
kurdischen Ethnie an, entstammt aber gestützt auf die Aktenlage weder
einer oppositionellen Familie noch ist er selbst regimekritisch tätig gewe-
sen. Soweit er in der Beschwerde vorbringt, er habe sich aus politischer
Überzeugung dem Militärdienst entzogen, hat sich diese Gesinnung bisher
nicht nach aussen manifestiert. So gab der Beschwerdeführer im vor-
instanzlichen Verfahren an, er sei nicht politisch aktiv gewesen (vgl. SEM
act. A6 Ziff. 7.01). Zudem verneinte der Beschwerdeführer – abgesehen
vom Vorfall an der Arbeitsstelle (vgl. dazu nachstehend) – je sonstige Prob-
leme mit den syrischen Behörden gehabt zu haben (vgl. SEM act. A6
Ziff. 7.01).
6.3 Im Zusammenhang mit der Verhaftung nach dem beschriebenen Vor-
fall in der Autowerkstatt gab der Beschwerdeführer bei der BzP an, der (...)
seines Arbeitgebers habe einen Anwalt für ihn, seinen Chef und die übrigen
Mitarbeiter organisiert und auch viel Geld für ihre Freilassung bezahlt, wes-
halb sie regulär aus der Haft entlassen worden seien. Auf Nachfrage hin
ergänzte er, ein Entlassungsschreiben habe es nicht gegeben, da sie
«heimlich» – gemeint ist offenkundig informell – und dementsprechend
auch ohne Gerichtsbeschluss festgenommen und festgehalten worden
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seien (vgl. SEM act. A6 Ziff. 7.01). Vor diesem Hintergrund sind seine ab-
weichenden Angaben in der Rechtsmittelschrift, die Verhaftung am Arbeits-
platz habe ein Strafverfahren nach sich gezogen, als nachgeschoben und
nicht glaubhaft zu erachten. Weiter fällt in diesem Zusammenhang auf,
dass der Beschwerdeführer anlässlich der BzP von einer Freilassung in-
folge Bezahlung eines hohen Geldbetrages seitens des (...) des Vorge-
setzten sprach und bei der Anhörung ausführte, dank Geldbestechung und
Beziehungen freigekommen zu sein (vgl. SEM act. A6 Ziff. 7.01; act. A14,
F75). Die Darstellung in der Rechtsmitteleingabe, wonach er neu die Frei-
lassung auf Kaution und ein gleichzeitiges Ausreiseverbot erwähnt, er-
scheint als gesteigerte Darstellung und ist deshalb nicht glaubhaft.
6.4 Die Schlussfolgerung des SEM, dass den Akten keine persönlich ge-
gen den Beschwerdeführer gerichtete Massnahme zu entnehmen ist, die
asylbeachtlich wäre, ist damit nicht zu beanstanden.
Vor diesem Hintergrund kann im Sinne einer antizipierten Beweiswürdi-
gung auf die Nachreichung von allfälligen Beweismitteln verzichtet werden,
zumal der Beschwerdeführer etwaige Beweismittel in seiner Rechtsmittel-
schrift nicht substantiiert und ihm zudem während seines über zweieinhalb-
jährigen Asylverfahrens hinreichend Zeit zur Verfügung gestanden hätte,
allenfalls vorhandene Beweismittel zu den Akten zu reichen.
6.5 Was den Hinweis auf die seit Herbst 2019 erfolgte Militäroffensive im
Nordosten Syriens und damit die Sicherheitslage betrifft, trifft es zwar zu,
dass diese als in jeglicher Hinsicht volatil zu bezeichnen ist. Unter flücht-
lingsrechtlichen Aspekten ist daraus – in Übereinstimmung mit der Vor-
instanz – indes nichts zu Gunsten des Beschwerdeführers abzuleiten. Ei-
ner allfälligen Gefährdung des Beschwerdeführers im heutigen Zeitpunkt
aufgrund der aktuellen Situation in Syrien ist mit der Anordnung der vorläu-
figen Aufnahme bereits Rechnung getragen worden.
6.6 Soweit der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene vorbringt, die Vor-
instanz habe in anderen Fällen asylsuchende syrische Staatsangehörige
bereits aufgrund der illegalen Ausreise aus ihrem Heimatstaat oder auf-
grund des Umstandes, dass sie sich im dienst- und reservedienstpflichti-
gen Alter befinden, als Flüchtlinge anerkannt, weshalb ihm aus Gründen
der Rechtsgleichheit ebenfalls die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen
sei, ist schliesslich festzuhalten, dass die Verwaltungsbehörde stets Ein-
zelfälle zu beurteilen hat. Der angebliche Umstand, dass in Fällen mit ähn-
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lich erscheinenden Eckdaten unterschiedliche Entscheide getroffen wor-
den seien, lässt noch nicht auf eine Ungleichbehandlung schliessen. Die
angeblich vergleichbaren tatsächlichen Verhältnisse in den aufgeführten
Vergleichsfällen werden in der Rechtsmittelschrift zudem auch nicht in aus-
reichendem Masse spezifiziert. Schliesslich existiert keine allgemeine Pra-
xis, wonach bei einer geltend gemachten illegalen Ausreise die Flüchtlings-
eigenschaft zu bejahen wäre. Die illegale Ausreise aus Syrien kann per se
praxisgemäss keine flüchtlingsrechtliche Relevanz entfalten, sofern keine
Verfolgungssituation im Sinne von Art. 3 AsylG und keine besondere indi-
viduelle Vorbelastung vorliegen (vgl. zur Praxis des BVGer betreffend die
illegale Ausreise aus Syrien u.a. die Urteile D-901/2020 vom 26. Februar
2020 E. 6.3 und D-4666/2019 vom 26. November 2019 E. 7.5;
D-1794/2020 vom 5. Juni 2020 E. 7.8).
6.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer nichts
vorgebracht hat, was geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzu-
weisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asyl-
gesuch daher zu Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Mit vorliegendem Urteil ist der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden.
9.2 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden
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Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu bezeich-
nen waren. Damit ist eine der beiden kumulativ zu erfüllenden Vorausset-
zungen (Bedürftigkeit und Nicht-Aussichtslosigkeit) nicht gegeben, wes-
halb das Gesuch trotz behaupteter Bedürftigkeit abzuweisen ist.
9.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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