Decision ID: dad6c8a3-e386-4422-8c57-f445cc16f64b
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1975 und seit März 2000 als Geschäftsführer und Creative
Director
bei der
Y._ AG
tätig (vgl.
Urk.
6/9), meldete sich am 4. März 2014 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/1). Gestützt auf ihre medizinischen und erwerb
lichen Abklärungen stellte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, dem Ver
si
cherten mit Vorbescheid vom 10. Juni 2014 in Aussicht, sein Leistungsbegehren
abzuweisen (6/12). Nachdem der Versicherte dagegen am 7. Juli und 28. August
2014 Einwände erhoben hatte (Urk. 6/13, Urk. 6/19), nahm die IV-Stelle weitere medizinischen Abklä
rungen vor und holte ein Gutachten ein, das von den Ärzten der
Z._
, am 22. Dezember 2016 erstattet (Urk. 6/77)
und am 1
7.
Februar 2017 ergänzt (
Urk.
6/82)
wurde.
Mit Verfügung vom 24. Juli 2017 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf Leistungen der Invaliden
versicherung (Urk. 6/85). In Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde hob das hiesige Gericht diese Verfügung mit Urteil vom 1
5.
Januar 2018 im Verfahren Nr. IV.2017.00916 auf (
Urk.
6/95
) und wies die Sache zur Durchführung eines rechtsgenüglichen Verwaltungsverfahrens an die IV-Stelle zurück (S. 7 Dispositiv
Ziff.
1).
1.2
In der Folge stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 2
7.
März 2018 die Verneinung eines Leistungsanspruchs in Aussicht (
Urk.
6/98), wogegen dieser am 2
6.
April (
Urk.
6/100) und
1.
Juni 2018 (
Urk.
6/103) Einwände erhob. Mit Verfügung vom 1
8.
Juli 2018 verneinte die IV-Stelle einen Leistungsanspruch (
Urk.
6/105
; vgl. - unvollständig -
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 1
2.
September 2018 Beschwerde gegen die Verfügung
vom 1
8.
Juli 2018 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und die Sache zur
Invaliditätsbemessung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
I).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
6.
Oktober 2018 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 2
9.
Oktober 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrech
ts,
ATSG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE
141
V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbe
grün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht
erle
digten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar
2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.3
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden soma
toformen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosomatischen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad»
-
Komplex «Gesundheitsschädigung»
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex «Sozialer Kontext»
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungs
hin
dern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen
(BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4):
Der Indikator einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die diskutierte Ein
schrän
kung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgaben
bereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Dabei ist das bisherige Kriterium des sozialen Rückzugs (wiederum) so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Einschränkungen auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann ein krankheitsbedingter Rückzug aber auch Ressourcen zusätzlich vermindern. Soweit
erhebbar
, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Ge
sundheitsschädigung. Das Aktivitätsniveau der versicherten Person ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex «Gesundheitsschädigung») auf den tatsächlichen Leidensdruck hin. Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist. Nicht auf fehlenden Leidensdruck zu schliessen ist, wenn die Nichtinanspruchnahme einer empfoh
lenen und zugänglichen Therapie oder die schlechte Compliance klarerweise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurückzuführen ist. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
6/105) davon aus, ein
e
psychische (richtig: psychiatrische) Diagnose könne erst berück
sich
tigt werden, wenn diese langandauernd, erheblich und nicht mehr therapier
bar sei, was vorliegend nicht der Fall sei (S. 2 oben). Es liege keine langan
dauernde Einschränkung der Arbeitsunfähigkeit (richtig: Arbeitsfähigkeit) vor, weshalb der Invaliditätsgrad nicht anhand eines Einkommensvergleichs ermittelt werden könne (S. 2 Mitte).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), es sei auf das
Z._
-Gutachten abzustellen, das die herkömmlichen Qualitätskriterien (vgl. vorstehend E. 1.5) vollumfänglich erfülle (S. 4
Ziff.
6) und sich ebenso mit
den Standardindikatoren (vgl. vorstehend E. 1.3) auseinandersetze (S. 6 f.
Ziff.
13
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob auf das
Z._
-Gutachten abzustellen sei und wie es sich mit dem Gesundheitszustand und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers verhält.
3.
3.1
Das am 2
2.
Dezember 2016 erstattete
Z._
-Gutachten (
Urk.
6/77/44-83) basierte auf den
vorhandenen
Akten (S. 28 ff.) und auf Untersuchungen im Bereich der Inneren Medizin, der Psychiatrie (vgl.
Urk.
6/77/1-27), der Neurologie (vgl.
Urk.
6/77/28-36) und
Infektiologie
(vgl.
Urk.
6/77/37-43)
am 2
2.
Juli 2016 (S. 1 Mitte)
sowie den in diesem Zusammenhang erfolgten Angaben des Beschwerde
führers (S. 6 ff.).
3.2
Anamnestisch wurde im psychiatrischen Teilgutachten (
Urk.
6/77/1-27) zur Anam
nese und den Befunden unter anderem ausgeführt, nach unauffälliger Schul- und Ausbildungszeit mit Abschluss als Grafiker und Anstellungen im angestammten Beruf habe der Explorand alleine eine über 1-jährige Weltreise unternommen und nach der Rückkehr eine eigene Grafiker-Firma gegründet, wo er seither ohne Unterbruch arbeite. 2008 sei es zu verschiedenen körperlichen Erkrankungen gekommen, welche zunehmend auch psychische Symptome nach sich gezogen hätten. Insbesondere ab 2012 sei es subjektiv nach einer Impfung zu einer erheblichen Zunahme der Symptome gekommen. Es handle sich ins
be
sondere um Müdigkeit, Erschöpfbarkeit und Angst vor Infekten, weswegen er 2013 zu 40
%
und ab Frühjahr 2015 zu 50
%
arbeitsunfähig geschrieben worden sei (S. 20).
Er gehe in einem Umfang von 40
%
verteilt auf 4 Arbeitstage einer Erwerbs
tätigkeit als Leiter der eigenen Grafik-Firma nach, wobei er nur noch administrative Aufgaben mache und keine Kundenkontakte mehr habe. Auffallend sei, dass er am Geschäftssitz in den Kellerräumlichkeiten ein Bett installiert habe und einen Teil der Arbeit vom Bett tätige
(S. 20 f.)
.
Ausser gelegentlichem Bücher- und Zeitunglesen gehe er keiner strukturierten Freizeittätigkeit nach, sämtliche früheren Hobbies habe er aufgegeben. Er geh
e
aber dennoch noch regelmässig einkaufen, gelegentlich mit seiner Frau spazieren, regelmässig mit Freunden ins Kino und einmal pro Jahr ans Meer in die Ferien. Er ha
be
noch angemessene verwandtschaftliche Kontakte, ansonsten besteh
e
ein sozialer Rückzug von seinem Freundeskreis, aber immer noch regelmässig
e
Kon
takte. Immer wieder sage er Verabredungen ab und begründe dies mit Krank
heits
symptomen. Subjektiv w
ü
rden ausgedehnte kognitive Störungen mit Aus
wir
kung
en auf den Arbeits- und Freizeitalltag vorgebracht. In der Explora
tions
situation zeigten sich keine auffallenden Gedächtnis- oder Zeitgitterstörungen, die Auf
merk
samkeit könne
er übe
r den ganzen Untersuchungszeitra
um aufrecht erhal
ten, dies nach einer insgesamt mindestens 2-stündigen Anreise in öffentlichen Verkehrsmittel
n
. Der Rechentest sei unauffällig gewesen, im Merkfähigkeitstest sei im
2.
Durchlauf eine Wiedergabe unter der Erwartung (2 von 5 Begriffen)
aufgefallen. Ansonsten bestünden ausgedehnte depressive Symptome mit Freud- und Lustlosigkeit, vermindertem Antrieb, innere
r
Unruhe und Reizbarkeit, Zukunftsängsten, Rat- und Hoffnungslosigkeit und pessimistischen Zukunftsge
dan
ken sowie Ambivalenz- und Insuffizienzgefühlen (S. 21).
3.3
Im Hauptgutachten (
Urk.
6/77/43-68) wurden folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit aus interdisziplinärer Sicht genannt (S. 15
Ziff.
5.1):
-
C
hronic
Fatigue
Syndrom
-
leichte depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.00)
-
bestehend seit 2012
-
hypochondrische Störung (ICD-10 F45.2)
-
bestehend seit 2012
Erläuternd führten die Gutachter unter anderem aus, auf der Ebene der dekla
rierten Symptome erfülle der Patient die - näher bezeichneten - Kriterien eines
Chronic
Fatigue
Syndroms (auch
systemic
exertion
intolerance
syndrome
ge
nannt), wie es vom CDC (Center
of
Disease
Control) definiert werde (S. 15 unten). Es liege in der Natur dieser Diagnose, dass
sie
sich auf die Krankheitsdarstellung des Patienten abstütze. Eine Objektivierung darüber hinaus sei aufgrund des Fehlens validierter Testmethoden nicht möglich. Aufgrund des Eindrucks in allen Gutachtenssituationen beurteilten sie die beklagten Beschwerden und die dadurch verursachten erheblichen Einschränkungen in allen Lebensbelangen jedoch als glaubhaft und plausibel, so dass die Diagnose gestellt werden könne (S. 16 oben).
Aufgrund der Symptome in Anzahl und Schweregrad erfülle der Explorand die Kriterien für eine leichtgradige depressive Episode, welche sich seit Jahren schlei
chend entwickelt und keinen episodenhaften Charakter habe. Die Symptome befän
den sich im leichteren bis mittelgradigen Ausprägungsgrad (S. 16 Mitte).
Aus psychiatrischer Sicht bestehe daneben eine hypochondrische Störung, so dass einzelne Symptome, welche auch affektiv seien, hier zugeordnet werden könnten. Bei der hypochondrischen Störung sei das vorherrschende Kennzeichen die be
harrliche Beschäftigung mit der Möglichkeit, an einer oder mehreren schweren fortschreitenden körperlichen Krankheiten zu leiden, daher im konkreten Fall vor allem mit der
Hypothese eines persistierenden
Infektgeschehens
und dem Vor
han
densein eines somatischen Leidens im Allgemeinen, manifestiert durch anhal
tende körperlichen Beschwerden oder ständige Beschäftigung mit der eigenen körperlichen Erscheinung (S. 16).
3.4
Hinsichtlich der funktionellen Auswirkungen der objektivierten Befunde und Diagnosen führten die Gutachter unter anderem aus,
die starke Erschöpfung mit Konzentrationsschwierigkeiten in Abwesenheit anderer Erkrankungen in der Ver
gangenheit, in klassischer Weise als post-
exertional
-exhaustion beschrieben, sei mehrfach aktenmässig dokumentiert. Im Alltag verrichte der Explorand viele Arbei
ten aus dem Liegen, ziehe sich bei grosser Erschöpfung zurück, das Privat
leben sei geprägt von Rückzug und Reduktion jeglicher nicht-beruflicher Tätig
keiten (S. 18 unten). Die Menge der leistbaren Arbeit sei abhängig von der Tages
form (Ausmass der Müdigkeit). Der Explorand benötig
e
für die gleiche Arbeit viel mehr Zeit als früher (S. 18 f.). Er ermüde rasch, könne sich nur eine halbe Stunde am Stück gut konzentrieren und sei schnell so erschöpft, dass er sich hinlegen müsse. Er sei deshalb nicht mehr in der Lage, im kreativ-schöpferischen Bereich mitzuarbeiten. Auch sei er nicht mehr in der Lage, seine Mitarbeiter zu führen oder für die Akquise Kunden zu treffen. Massgeblich habe sich seine Tätigkeit auf administrative Prozesse reduziert (S. 19 oben).
Es bestehe insbesondere eine ängstlich-vermeidende Grundhaltung mit
Vermin
-
derung
der Flexibilität und Angst vor Veränderungen. Es bestünde
n
eine erheb
liche Ermüdbarkeit, eine Verminderung des Antriebes und ein deutlich vermin
dertes Durchhaltevermögen. Letztlich führten die Symptome direkt und indirekt zu zwischenmenschlichen Beziehungsproblemen und einem zunehmenden sozia
len Rückzug. Dabei überwögen die subjektiven Einschätzungen des Exploranden deutlich die objektivierbaren Symptome (S. 19).
3.5
Hinsichtlich individueller Belastungsfaktoren und Ressourcen sowie allfällig rele
vanter Persönlichkeitsfaktoren wurde ausgeführt, es bestehe seit Kindheit eine mögliche ängstlich-vermeidende Grundpersönlichkeit bei frühen kinderneuro
ti
schen Zeichen. Diese habe sich über lange Zeit insbesondere als Schüchternheit
manifestiert. Immerhin habe der Explorand vor Beginn der Erkrankung 1998
/1999 eine über 1-jährige Weltreise ohne Begleitperson unternommen und habe sich über Jahre im Angestelltenverhältnis, in der familiären Beziehung und im Aufbau eines eigenen Unternehmens behaupten können, was eine Persönlichkeits
stö
rung/-akzentuierung weitgehend ausschliesse. Es hätten jahrelange Beziehungs
probleme mit dem Vater bestanden. Hier sei auffallend, dass die beschriebene Zunahme der Probleme des
Exploranden ab 2012 mit der depressiven Störung des Vaters zeitlich zusammenhänge, was auf mögliche Persönlichkeitsfaktoren zurückführbar sei (S. 19
Ziff.
6.3 f.).
3.6
Hinsichtlich der Konsistenz wurde unter anderem ausgeführt, im psychiatrischen Teilgutachten sei erwähnt, dass ein Unterschied zwischen den Schilderungen des Exploranden und den
objektivierbaren Befunden bestehe
.
Dies sei jedoch bei einer Diagnose
wie dem
Chronic
Fatigue
Syndrom, die ausschliesslich auf Symptom
schilderungen basiere, genau das Problem. Es existierten keine objektivierbaren Befunde, die das Vorliegen der Erkrankung oder das Ausmass der Erschöpfung zuverlässig feststellen könnten (S. 19
Ziff.
6.5). Die Schilderung des Patienten sei allerdings
gut vereinbar mit einem
Chronic
Fatigue
Syndrom. Die aktuelle Schil
de
rung decke sich auch mit den in den Akten geschilderten Symptomkomplexen (S. 20 oben).
Aus der Anamnese des Exploranden ebenso wie
den
in den Akten festgehaltenen Verläufen gehe klar hervor, dass eine seit mehreren Jahren progrediente Erschöp
fung bestehe mit ersten Symptomen seit 200
8.
Zunächst sei es dem Exploranden trotz der Beschwerden über einige Jahre trotzdem noch gelungen, fast normal am beruflichen und sozialen Leben teilzunehmen. 2013 sei er erstmals zu 40
%
krank
geschrieben worden, weil er eine volle Leistung nicht mehr habe erbringen können. Passager sei er Anfang 2014 knapp 5 Wochen zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen, anschliessend sei es ihm erneut gelungen, mit 60 % an seinen Arbeits
platz zurückzukehren. Aus dem sozialen Miteinander habe er sich zunehmend zurückgezogen, da er all seine Kraft gebraucht habe, um sein Arbeitspensum zu bewältigen. Am Arbeitsplatz sei zu dieser Zeit in einem Nebenraum ein Bett auf
gestellt worden, damit er sich bei Bedarf habe ausruhen können. Im Januar 2015 sei es zu einer weiteren Verschlechterung des Gesundheitszustands gekommen und er sei rund einen Monat stationär in einer psychosomatisch ausgerichteten Klinik behandelt worden (S. 20 Mitte). Dem Exploranden sei kurz nach der Ent
lassung aus der Klinik ein Wiedereinstieg mit 40
% in seiner Firma gelungen (S.
20 unten).
Einem Arztbericht vom November 2015 sei zu entnehmen, dass die Belastungs
fähigkeit stark eingeschränkt sei, es bestehe ein permanenter Erschöpfungszu
stand, der als
Chronic
Fatigue
mit depressiver Entwicklung ohne Anhaltspunkte für chronische Infektion etikettiert werde (S. 20 f.). Hinzu komme Konzentra
tions
mangel. Auch hier werde erwähnt, der Patient lege sich bei der Arbeit immer
wieder hin und könne nur stundenweise arbeiten. Man gehe prognostisch auf
gru
nd des bisherigen Verlaufs davon aus, dass mit Persistenz oder Progress der Symp
tomatik gerechnet
werden müsse. Eine medizinisch begründete Arbeitsunfähig
keit werde für 60
%
attestiert. Zudem werde darauf hingewiesen, der Patient könne keine Kundenkontakte mehr wahrnehmen und die Teamleitungsfunktion nicht mehr erfüllen (S. 21 oben).
Schliesslich führten die Gutachter aus, sie seien aufgrund des beschriebenen jahre
langen und gut dokumentierten Verlaufs der Ansicht, dass keine Hinweise für Inkonsistenzen abgeleitet werden könnten. Es scheine nicht weiter verwun
derlich, dass bei einer so wenig objektivierbaren Erkrankung wie einem
Chronic
Fatigue
Syndrom auch alternativmedizinische Ansätze und wenig hilfreiche
selbstinitiierte Laboruntersuchungen in Anspruch genommen würden. Dies erscheine
eher als der verzwe
ifelte Versuch, doch noch eine «
handfeste
»
Erklärung für die vorhandenen Beschwerden zu haben. Auch seien sie der Ansicht, dass für eine Objektivierung von Ermüdbarkeit und Erschöpfung allenfalls eine neuropsy
chologische Testung geeignet wäre. Nur weil in einer etwa 90-minütigen Begut
achtungssituation keine Zeichen von Ermüdbarkeit aufgefallen seien (immerhin
hätten im Merkfähigkeitstest nur 2 von 5 Begriffen wiedergegeben werden können
, ohne dass sonst Hinweise für verminderte Anstrengungsbereitschaft vorgelegen hätten), dürfe ihres Erachtens nach keine Funktions-/Arbeitsfähigkeit für das Anforderungsprofil als Creative
Director
und Geschäftsführer einer Grafikagentur abgeleitet werden (S. 21).
3.7
Das Arbeitsprofil der bisherigen Tätigkeit wurde im psychiatrischen Teilgutachten (
Urk.
6/77/1-27) dahingehend umschrieben, dass der Explorand die in einem selb
st
ständigen Unternehmen administrativen Belange erfülle, welche im allge
meinen
Finanz- und Betriebsbuchhaltung, Planungen, Budgetierung, Rechnungstel
lungen
etc. benötigten. Dabei könne davon ausgegangen werden, dass für die genannten Tätigkeiten in einem Unternehmen mit 2 Geschäftspartnern und 16 Angestellten mindestens ein volles Arbeitspensum notwendig sei. Die Tätigkeit erfordere eine
hohe Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und Durchhaltefähigkeit. Es brauche eine gewisse Beharrlichkeit und Frustrationstoleranz. Insbesondere in d
en Teilen als Geschäftsführer sei er zumindest im Umgang mit seinen Mitar
beitern gefordert. Hier brauche es eine erhebliche Frustrationstoleranz und eine Kritik
fähigkeit sowie eine gute Empathie (S. 24
Ziff.
6.7).
Im Hauptgutachten (
Urk.
6/77/43-68) wurde ausgeführt, gesamtmedizinisch be
stehe
für die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Geschäftsführer
und Creative
Director
einer Grafikagentur eine Einschränkung von 50
%
.
Idealerweise sollte
die
Arbeitszeit täglich an 5 Tagen die Woche mit einem Pensum von maxi
mal 4
Stunden
pro Tag
verteilt werden. Insbesondere soll
te
die Ta
g
esarbeitszeit nicht überschritten
werden
wegen der übermässigen Erschöpfung bei Überbean
spruchung mit der Gefahr eines
circulus
vitiosus
.
Begründbar
sei
die Einschrän
kung direkt mit dem
Chronic
Fatigue
Syndrom sowie mit den Aus
wi
rkungen der psychischen Störungen mit Verminderung der Durchhaltefähigkeit, den subjek
tiven
kognitiven Einschränkungen. Insbesondere
sei
darin enthalten eine vermin
derte Leistungsfähigkeit
durch ein vermindertes Arbeitstempo und einen erhöhten Pausenbedarf. In der Beurteilung
sei
berücksichtig
t
worden
, dass der Explorand eine erhaltene Verkehrsfähigkeit ha
be
, trotz der
Einschränkungen Auto
fahre
und auch das Familienleben aufrechterhalten
könne (S. 21
Ziff.
6.6).
Zum q
ualitative
n
Anforderungsprofil
einer angepassten Tätigkeit wurde ausge
führt, g
enerell
seien
alle Tätigkeiten mit hoher Strukturiertheit mit in sich ge
schlossenen kürzeren
Arbeitsschritten als günstiger einzustufen (einfache Tätig
keiten, bei denen keine hohen Anforderungen
an die Kognition best
ünd
en
, bei
spielsweise A
rbeit in einem Archiv).
Bei subjektiv empfundenen Einschränkungen dieses Schweregrades sollten Tätigkeiten an gefähr
l
ichen
Maschinen oder mit gefährlichen Werkzeugen oder Arbeiten, die das berufliche Führen
eines Motor
fahrzeuges erforderten, nicht in Erwägung gezogen werden. Unregelmässige
Arbeitszeiten, Schichtarbeiten und Arbeiten mit ausgeprägten Stosszeiten mit sehr hohem Arbeitsaufkommen
sollten vermieden werden. Auch
seien
aufgrund der physischen Erschöpfung
und
orthostatischer
Int
o
leranz keine dauerhaft mittel
schweren und schweren Tätigkeiten möglich.
Die Arbeit
müsse
sitzend ver
richtet werden können. Die Möglichkeit, eine Pause einzulegen
, müsse
gegeben sein.
Für
solche einfachen Tätigkeiten
, die körperlich leicht und ohne Ansprüche
an die Konzentration oder Kognition
seien
(
beispielsweise
Sortieren von Doku
menten in einem Archiv)
,
bestehe
eine
Arbeitsfähigkeit von 60
%
(S. 22
Ziff.
6.7)
.
3.8
Zum bisherigen
Therapieverlauf
wurde ausgeführt,
wöchentliche
ambulante Psy
cho
therapie seit Februar
2015
,
eine
5-wöchige stationäre psychosomatische
Be
hand
lung
im Januar
2015
sowie
eine
eher alternativmedizinisch anzusiedelnde
ärztliche
Begleitung
mit multiplen
Nahrungsergänzungsmitteln und «
sanfter Immunstimulation
»
hätten
ebenso wenig wie die schulmedizinische Betreuung irgendetwas
an der Erschöpfungssymptomatik und dem Rückzug aus dem beruf
lichen und privaten Leben
verbessern können.
Im psychiatrischen Fachgutachten
werde erwähnt
, dass eine Psychopharmakotherapie nicht besteh
e
und auch früher nicht so lange bestanden ha
be
, dass eine Wirkungsbeurteilung möglich
gewesen wäre. Hierzu
sei
anzumerken, dass aufgrund der aktuellen Diagnose des Fachgut
ach
t
ers («
leichte
depressive Episode
»
)
l
eitlinien
gemäss
keine
antidepressive Be
hand
lung empfohlen
werde
, da ein statistischer Unterschied zwischen Placebo
und Antidepressivum nicht nachweisbar
sei.
Somit
sei die fehlende s
uffiziente antidepressive
Therapie medizinisch nachvollziehbar und
dürfe
dem Versicherten nicht nachteilig ausgelegt
werden
(S. 22
Ziff.
6.8)
.
Hinsichtlich der Therapieoptionen führten die Gutachter aus, gemäss
psychia
tri
schem Fachgu
tachten sollte die Psychotherapi
e unbedingt aufrechterhalten
werde
n
,
und seitens des psychiatrischen Fachgutachters werde e
ine Psycho
phar
makotherapie
empfohlen,
beginnend mit einem einfachen Antidepressivum in
sorgfältiger Dosierungs-
Einschl
eichung
(beispielsweise auch mit Tropfen in mg-Sc
hritten). Eine solche
könne
die
meisten der beklagten
depressiven Symptome, die gedämpfte Stimmung, die Freud- und Lustlosigkeit, die Müdigkeit
und Er
schöp
fbarkeit und möglicherweise etwas latent auch die kognitiven Störungen
günstig beeinflussen. Sollte eine einfache und ausdosierte antide
pres
sive
Medika
tion nicht ausreichen,
könn
t
en diverse Augmentationsstrategien evaluiert werden.
In der aktuellen S3-
Leitlinie unipolare Depression
werde jedoch
bei leichter
De
pression keine Empfehlung hinsichtlich einer medikamentösen Thera
pie ausge
spro
chen, da
kein Unterschied zwischen Placebo und Antidepressivum nachweis
bar
sei
. Allerdings teil
t
en
sie
die Ansicht, dass aufgrund des längeren Verlaufs der Versuch einer antidepressiven Therapie
in ausreichender Dosierung unter
nommen
u
nd bei fehlender Wirksamkeit beendet
werden sollte
(S.
23 oben).
Eine ambulante Gruppentherapie könnte
die
Selbstwertproblematik günstig beei
n
flussen.
Ein regelmässiges physisches Training sollte unter Anleitung
unbedingt durchgeführt werden
(
S. 23 Mitte).
Die Aufarbeitung der Beziehungsstörung zum Vater und die aktuelle Psychopathologie des Vaters
sollte in der Therapie mitbe
rücksichtigt werden.
Obwohl es sich bereits um eine chronifizierte psychische Stö
rung hand
l
e,
sei
eine Verbesserung
des Gesundheitszustandes gemäss psychia
trischem Fachgutachten noch möglich. Bei
Etablierung einer
Psychopharmako
-
therapie könnte auch eine solche innert
eines halben Jahres
zu einer deutlichen Verbesserung führen.
Insgesamt schein
e
die Prognose aufgrund des jahrelangen Verlaufs jedoch eher ungünstig
(S. 23)
.
4.
4.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner am 2
7.
März
2017 abgegebenen Beurteilung (
Urk.
6/84 S. 8 ff.) unter anderem aus, gemäss
de
m
Z._
-Gutachten
könne der folgende medizinische Sachverhalt festgestellt werden
: In der bisherigen Tätigkeit als
Art
Director
/Geschäftsführer bestehe eine Arbeits
unfähigkeit von 50
%
seit 201
2.
In angepasster Tätigkeit gemäss Belastungsprofil bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 40
%
. Der Gesundheitszustand könne sich noch wesentlich ändern, dies
sei
aber aufgrund des chronifizierten Verlaufs un
sicher.
Als w
eitere medizinische Massnahme
sei eine
Weiterführung der psycho
therapeutischen Behandlung
angezeigt (S. 10 oben).
Mit Blick auf die im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens massgeblichen Standardindikatoren führte er zur Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde aus, die Diagnose des
Chronic
Fatigue
Syndroms (CFS) beruhe hier ausschliesslich auf subjektiven Beschwerdeangaben. Es lasse sich gemäss der ICD-10 nicht ver
schlüsseln. Es existierten auch keine verbindlichen Leitlinien der medizinischen Dachverbände. Klinisch werde das CFS derzeit unter die Störungsbilder chroni
scher Erschöpfungszustand, Müdigkeit (DEGAM) und Neurasthenie subsumiert. Ein Zusammenhang mit
chronischen konsumierenden und
/
o
der entzündlichen Erkrankungen werde angenommen. Im hier vorliegenden Fall hätten aber keine der in Frage kommenden somatischen Grunderkrankungen diagnostiziert werden
können
. Das CFS könne daher auch im Sinne einer Somatisierungsstörung aufge
fasst werden. Die Diagnose einer leichten depressiven Episode sei hier hingegen
auch objektiv, durch den psychopathologischen Befund
,
belegt. Die Diagnose einer
hypochondrischen Störung sei hier ebenfalls durch ICD-Kriterien abgebildet. Der Einfluss auf die Alltagsfunktionalität und die berufliche Leistungsfähigkeit sei allenfalls gering. Ein negatives Zusammenwirken mit der depressiven Störung sei jedoch anzunehmen (S. 10
lit
.
a/
i).
Zu Behandlungserfolg oder -resistenz führte er aus, eine durchgreifende Besse
rung der Beschwerden habe bislang nicht erreicht werden können. Der Krank
heits
beginn datiere auf 2008, im Anschluss an eine
Tonsillopharyngitis
. Es hätten zahlreiche medizinische Behandlungen und Abklärungen auf überwiegend soma
tischer Ebene stattgefunden. Aus dem Gutachten wie auch aus den Akten gehe lediglich ein stationärer Aufenthalt 2015 hervor, wo auch psychische Themen fokussiert worden
seien. Im psychiatrischen Gutachten werde erwähnt, dass seit eineinhalb Jahren eine Gesprächstherapie in wöchentlichen Abständen stattfinde (S. 10
lit. a/
ii).
Betreffend Eingliederungserfolg oder -resistenz führte er aus, berufliche Einglie
derungsmassnahmen erfolgten nicht, da
der Beschwerdeführer
noch in der
ange
stammten Tätigkeit arbeite
(S. 11 lit. a/iii)
.
Körperliche Komorbiditäten liessen sich nicht objektivieren. Die leichte depressive
Störung stell
e
eine relevante Komor
bidität dar. Eine negative Wechselwirkung mit
der Somatisierungsstörung (
beziehungsweise
CSF) und der Hypochondrie
sei
anzunehmen
(S. 11 lit. a/iv)
.
Betreffend Persönlichkeitsdiagnostik und persönliche Ressourcen führte er aus, es würden
ängstlich-vermeidende und zwanghafte Züge geschildert
(S. 11 lit. b)
.
Zum sozialen Kontext führte er aus, es bestünden Kontakte zur Familie, und auch die Partnerschaft werde als intakt beschrieben. Am Arbeitsplatz bestehe weiterhin Kontakt zu Kollegen. Der Beschwerdeführer gehe ins Kino, unternehme Flugreisen und benutze das Auto und das Fahrrad. Er könne den öffentlichen Verkehr benutzen. Er beteilige sich an der Hausarbeit und an administrativen Tätigkeiten. Er lese Zeitungen im Internet und unternehme Spaziergänge mit der Ehefrau. Er gehe Einkaufen, sofern es leichtere Sachen seien, sonst bestelle er online. Seine Hobbys habe er hingegen eingestellt. Psychosoziale Belastungen (Konflikte mit dem Co-Inhaber) bestünden am Arbeitsplatz (S. 11 lit. c).
Betreffend Konsistenz führte er aus, Einschränkungen liessen sich im beruflichen wie im privaten Bereich feststellen (S. 11 lit. a). Die Inanspruchnahme an medi
zinischen Behandlungen
/Leistungen sei deutlich erhöht. Es bestünden hypo
chon
drisch gefärbte Ängste, körperlich krank und nicht mehr leistungsfähig zu sein. Hierbei überwiege ein somatisch geprägtes Krankheitskonzept. Die Offenheit für psychische Zusammenhänge könne als eher gering angenommen werden (S.
11 f. lit. b).
4.2
Dr.
med.
B._
, RAD, empfahl im Anschluss an die Ausführungen von
Dr.
A._
eine Bewertung durch den Rechtsanwender
(
Urk.
6/84 S. 12 oben).
4.3
In der Folge gab jemand von der Kundenberatung (KB) am
5.
Juli 2017 eine Beurteilung ab (
Urk.
6/84 S. 12 f.) und führte unter anderem aus,
g
emäss
der
–
wört
lich
,
inklusive Schreibfehler (
«
Synrdoms
» statt
«Syndroms»)
,
übernommenen
–
Stel
lungnahme des
RAD beruh
e
die Diagnose des
Chronic
Fatigue
Sy
ndr
oms (CFS) hier
ausschliesslich auf subjektiven Beschwerdeangaben
und könne
im Sinne einer
Somatisierungsstörung aufgefasst werden. Somatisierungsstörungen
seien k
örperliche
Beschwerden ohne organisch fassbaren Befund,
«
weshalb wir diese Diagnose im Sinne der IV
als nicht relevant einstufen
» (S. 12 Mitte).
Gemäss
Stellungnahme des
RAD
sei
die Diagnose einer leichten depressiven Episode auch objektiv, durch den
psychopathologischen Befund
,
belegt.
Depres
sive Episoden seien definitionsgemäss vorübergehende Leiden.
Eine Episode
gelte
aus rechtlicher Sicht als nicht
erheblich
(S. 12)
.
Bei einer h
ypochondrischen Störung
sei
ein vorherrschendes Kennzeichen eine beharrliche
Beschäftigung mit der Möglichkeit, an einer oder mehreren schweren und fortschreitenden
körp
erlichen Krankheiten zu leiden.
Gemäss
der
Stellung
nahme des
RAD
sei
die Diagnose einer hypochondrischen Störung durch ICD-Kriterien
abgebildet. Der Einfluss auf die Alltagsfunktionalität und die berufliche Leistungsfähigkeit
sei
allenfalls gering. Ein negatives Zusammenwirken mit der depressiven Störung
sei
jedoch
anzunehmen
(S. 12 unten)
.
Der soziale Kontext werde in der RAD-Stellungnah
m
e ausführlich beschrieben. Aufgrund deren «sind Ressourcen vorhanden, welche auch die Ausübung einer Tätigkeit erlauben würden»
(S. 13 oben).
Die Behandlungsoptionen seien gemäss der Einschätzung der Gutachter noch nicht ausgeschöpft (S. 13 Mitte).
Abschliessend wurde ausgeführt, d
ie attestierte Arbeitsunfähigkeit sei aus Sicht des Rechtsanwenders nicht nachvollziehbar.
Aufgrund des Sachverhaltes
«
liegt m.E. aus psychischer Sicht kein IV-relevanter GS vor
» (S. 13)
.
5.
5.1
In einem ersten Schritt ist auf die im Gutachten gestellte Diagnose eines
Chronic
Fatigue
Syndrom (CFS) einzugehen. RAD-Arzt
Dr.
A._
führte dazu aus, diese lasse sich nicht gemäss der ICD-10 verschlüsseln, mass diesem Umstand aber mit der Begründung keine Bedeutung zu, das CFS könne auch im Sinne einer Soma
tisierungsstörung -
sie ist
mit F45.0 codiert
–
auf
gef
ass
t werden
(vorstehend E.
4.1).
Die in der Kundenberatung tätige Person befand sodann, diese
Diagnose
werde im Sinne der Invalidenversicherung als nicht relevant eingestuft (vorsteh
end E. 4.3).
Dass, wie vom RAD-Psychiater angeführt, das CFS nicht gemäss ICD-10 codiert werden könne, trifft nur bezogen auf deren Kapitel V (= Buchstabe F) zu. In der Vollfassung der ICD-10 wie auch verschiedenen Urteilen des Bundesgerichts wird
dafür die Codierung G93.3 (Erschöpfungssyndrom) verwendet (8C_67/2017 vom 1
4.
Juni 2016 E. 4, 9C_337/2015 vom
7.
April 2016 E. 4.1, 9C_472/2015 vom
9.
Februar 2016 E. 3.2, 9C_31/2014 vom
5.
September 2014 E. 4, 9C_320/2013 vom 2
5.
September 2013 E. 4.1, 8C_32/2013 vom 1
9.
Juni 2013 E. 3.4).
Gänzlich unzutreffend ist die
pauschale Qualifizierung - des CFS oder der Soma
tisierung
sstörung -
als nicht IV-relevant. Vielmehr wurde das CFS vom Bundes
gericht ausdrücklich den
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage zugerechnet (Urteil I 70/07 vom 1
4.
April 2008 E. 5 sowie mehrere BGE, letztmals BGE 140 V 8 E.
2.2.1.3), also
als
- unter den von der damaligen Schmerzrechtsprechung gefor
derten Bedingungen - durchaus potentiell anspruchsrelevant beurteilt.
Daraus ist zu schliessen, dass
-
selbst wenn zutreffen sollte, dass das CFS in der ICD-10 nicht oder noch nicht behandelt werde
-
das damit bezeichnete Leiden und die Diagnose ohne Codierung sehr wohl in die Beurteilung einzubeziehen sind, was auch mit der Rechtsprechung übereinstimmt, dass
(lediglich)
«praktisch jedes»
krankheitswertige Geschehen einer Diagnose im Rahmen der anerkannten Klassifikationssysteme zuführbar
sei, in Sonderfällen allerdings Ausnahmen denk
bar seien (BGE 130 V 396 E. 6.3), wozu sich nähere Ausführungen in der Lite
ratur finden (Ulrich Meyer-Blaser,
Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit
und seine Bedeutung für die Sozialversicherung, namentlich für den Ein
kom
men
s
vergleich in der Invaliditätsbemessung, in: René Schaffhauser / Franz
Schlauri
, Hrsg., Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 27 ff., S. 64 Anm. 93).
5.2
Somit ist nunmehr
zu prüfen, ob
sich die Gutachter an die massgebenden nor
ma
tiven Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berück
sich
tigung der einschlägigen Indikatoren
(vorstehend E. 1.3)
eingeschätzt
haben (BGE 141 V 281 E. 5.2.2).
Im Hinblick auf den
Komplex «Gesundheitsschädigung»
ist zunächst die
Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde
von Bedeutung. Dazu finden sich im Gutachten eingehende und detaillierte Ausführungen (vorstehend E. 3.3), die noch dadurch an Aussagekraft gewinnen, dass auch
zu
deren funktionellen Aus
wirkungen weiterführende Angaben gemacht wurden (vorstehend E. 3.4
). Sodann wurde im Gutachten die Frage von B
ehandlungserfolg oder –
resistenz
behandelt (vorstehend E. 3.8). Betreffend Eingliederungsbemühungen erübrigten sich, wie vom RAD-Arzt angemerkt (vorstehend E. 4.1), Ausführungen, da der Beschwer
deführer ja noch in der
angestammten Tätigkeit aktiv war. Als
Komorbiditäten
wurden eine leichtgradige Depression und eine hypochondrische Störung berück
sichtigt, dies zu Recht ohne besondere Betonung angesichts ihres gemäss späterer RAD-Beurteilung (vorstehend E. 4.1) bescheidenen limitierenden Stellenwerts. Ferner wurde im Gutachten
zu den Standardindikatoren der
Persönlichkeit
(vor
stehend E. 3.4) wie auch des s
oziale
n Kontexts (vorstehend 3.5) differenzierte Angaben gemacht und Einordnungen vorgenommen. Schliesslich wurde im Gut
achten die Frage der K
onsistenz
ausgesprochen gründlich und sorgfältig behan
delt. Dies betrifft einerseits die (auffällig hohe, auf entsprechenden Leidensdruck hinweisende) Frequenz der Inanspruchnahme konventioneller und anderer thera
peu
tischer Angebote (vorstehend 3.8) und andererseits den Aspekt der
gleich
mässige
n
Einschränkung
(vorstehend E. 3.6).
Der letztgenannte Aspekt ist der letztlich hier entscheidende.
In den Fällen fraglicher Konsistenz besteht die Problematik
zumeist
darin, dass die versicherte Person erhebliche Einschränkungen im Erwerbsbereich geltend macht, dies bei einem weit höheren Aktivitätsniveau in anderen, nichterwerblichen Lebens
be
reichen, was nicht plausibel übereinstimmt. Hier
jedoch
verhält es sich nahezu umgekehrt: Der Beschwerdeführer ist in den von ihm erlebten Grenzen sehr wohl noch immer erwerbstätig und offensichtlich bestrebt, in seiner Firma das ihm mögliche Maximum zu geben, nötigenfalls sogar liegend. Das ist auch insofern plausibel, als sein reduziertes Leistungsvermögen am Arbeitsplatz offenbar und verständlicherweise zu Spannungen mit dem Ko-Inhaber der Firma Anlass gibt und der Beschwerdeführer bestrebt ist, diese zu minimieren. Auf der anderen Seite
hat der Beschwerdeführer seine Freizeit- und sozialen Aktivitäten sukzessive red
u
ziert
(vorstehend E. 3.2 und 3.4). Die
die
s
bezügliche
verlaufsorientierte Darlegung im Gutachten erscheint um einiges aufschlussreicher als das ohne Kontextangabe erfolgte Aufzählen von noch verbliebenen nichterwerblichen Aktivitäten
durch den
RAD-Arzt (vorstehend E.
4.1).
Dies führt zum Schluss, dass das Aktivitätsniveau des Beschwerdeführers progre
dient niedriger ausgefallen ist, unter Beibehaltung der erwerblichen Aktivität bis an die Grenze der ärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeit. Damit ist die Frage der Konsistenz eindeutig positiv zu beantworten.
Angesichts der vom Beschwerdeführer weiterhin im genannten Rahmen ausge
übten Erwerbstätigkeit
geht
sodann die
Feststellun
g
der
Person der Kunden
be
ratung, die vorhandenen Ressourcen würden «auch die Ausübung einer Erwerbs
tätigkeit erlauben» (vorstehend E. 4.3)
,
vollkommen an der Sache vorbei: Er übt ja bereits und
immer noch eine solche aus
,
und die von Medizin und Rechts
anwendung zu beantwortende Frage ist
gerade
, in welchem Umfang ihm dies zumutbar sei. Zu dieser Frage trägt die genannte Aussage der Kundenberatung nichts bei.
5.3
Gestützt auf die vorstehenden Darlegungen ist festzuhalten, dass das
Z._
-Gut
achten vom 2
2.
Dezember 2016
in Beachtung der
massgebenden normativen Rahmenbedingungen
erstattet wurde (BGE 144 V 50 E. 3.4) und insbesondere die Feststellungen zu
r
Arbeitsfähigkeit
im Gutachten
anhand der rechtserheblichen Indikatoren
erfolgt sind. Auch die herkömmlichen Anforderungen an medizi
ni
sche Beurteilungen (vorstehend E. 1.4) sind vollumfänglich erfüllt.
Demnach ist auf die Feststellungen im Gutachten hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit (vorstehend E. 3.7) abzustellen, womit der Sachverhalt dahingehend erstellt ist, dass für angepasste Tätigkeiten, welche dem im Gutachten formulierten Belas
tungs
profil entsprechen, eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
besteht.
5.4
Von dieser Feststellung ausgehend wird die Invaliditätsbemessung zu erfolgen haben, zu deren Vornahme die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde, Aufhebung der angefochtenen Ver
fügung und Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur genannten Invaliditätsbemessung.
6.
6.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
900.-- festzusetzen und aus
gangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Dem obsiegenden und anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer steht eine Pro
zess
entschädigung zu, die beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 2
2
0.
(zu
züglich Mehrwertsteuer) ermessensweise auf
Fr.
2'700.--
(inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuer
legen ist.