Decision ID: 1ef907a4-c97a-4135-9cf8-86b1ae7823b0
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) arbeitete seit dem 1. Oktober 2007 als Eisenleger
für die B._ GmbH (nachfolgend: Arbeitgeberin) und war infolgedessen bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt, Luzern (nachfolgend: Suva), gegen die
Folgen von Unfällen versichert, als er sich am 9. April 2011 mit einem Messer eine
Schnittverletzung an der rechten Hand zuzog. Die Erstbehandlung erfolgte
gleichentags in der Klinik für Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen (nachfolgend: KSSG). Die Ärzte diagnostizierten eine
Schnittverletzung der distalen Interphalangealgelenke (DIG) III, IV und V (Zone II) Hand
rechts mit einer Flexor digitorum superficialis und Flexor digitorum profundus (FDS und
FDP) - Läsion DIG IV und V sowie eine Läsion A/N 8/9/10. Durchgeführt wurden eine
Revaskularisation DIG V, eine Nervennaht 8/9/10, eine FDS- und FDP-Naht DIG IV und
V sowie eine A2-Ringbandrekonstruktion (Suva-act. 1, 9; vgl. auch Operationsbericht
vom 9. April 2011 und Austrittsbericht des KSSG vom 18. April 2011, Suva-act. 57f.).
Verordnet wurden Ergotherapien (Suva-act. 9-2f., 12).
A.a.
Mit Schreiben vom 11. Mai 2011 sicherte die Suva dem Versicherten die
gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) zu (Suva-act. 4). Bei der
Nachkontrolle vom 27. Mai 2011 stellten die Handchirurgen des KSSG einen etwas
zögerlichen Verlauf fest. Daraufhin wurden weitere Ergotherapien verordnet (Suva-act.
13; vgl. auch Bericht des KSSG vom 29. Juni 2011, Suva-act. 18). Am 15. August 2011
A.b.
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teilte der Versicherte der Suva telefonisch mit, dass er erneut starke Schmerzen habe
(Suva-act. 20; vgl. auch Arztbericht von Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH, vom
23. August 2011, Suva-act. 23). Anlässlich der Nachkontrolle vom 2. September 2011
im KSSG beklagte der Versicherte eine anhaltende Kraftminderung, eine verminderte
Flexion im DIP-Gelenk DIG IV sowie häufig brennende Sensationen in den DIG IV und V
(Suva-act. 24).
Am 5. Oktober 2011 fand eine kreisärztliche Untersuchung statt. Dr. med. D._,
Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
FMH, erachtete dem Versicherten eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit ohne erhöhte
Anforderungen an die Feinmotorik, ohne Vibrations- und Stossbelastungen der rechten
Hand mit Beginn in zwei Wochen als zumutbar (Suva-act. 31). Daraufhin teilte die Suva
dem Versicherten am 7. Oktober 2011 mit, dass die Taggeldleistungen ab dem 11.
Oktober 2011 eingestellt würden (Suva-act. 30).
A.c.
Am 28. Oktober 2011 fand eine Nachkontrolle im KSSG statt. Diese ergab, dass
zurzeit keine operative Verbesserung möglich sei. Die Therapie im KSSG wurde
deshalb vorerst abgeschlossen (Suva-act. 32).
A.d.
Am 22. März 2012 verlangte die damalige Rechtsvertreterin des Versicherten,
Rechtsanwältin lic. iur. Christa Rempfler, St. Gallen, von der Suva Auskunft zu den
Taggeldleistungen (Suva-act. 35; vgl. auch Suva-act. 37f.). Da die Antwort der Suva
nicht gänzlich befriedigte, ersuchte die Rechtsvertreterin um Erlass einer anfechtbaren
Verfügung (Suva-act. 39f.). In der Verfügung vom 3. Juli 2012 erklärte die Suva, dass
sie die Taggeldansprüche des Versicherten mit den offenen und fälligen Prämien der
Arbeitgeberin verrechne, denn der Versicherte sei Geschäftsführer und einziger
Gesellschafter der Arbeitgeberin, welche seit dem 9. August 2011 in Konkurs sei. Zur
Taggeldhöhe wurde ausgeführt, dass sie diese bei Vorlage der Lohnabrechnungen für
die Zeit bis ein Jahr vor dem Unfall überprüfen werde (Suva-act. 41). Am 3. August
2012 erhob die Rechtsvertreterin Einsprache (Suva-act. 42). Daraufhin zog die Suva
ihre Verfügung vom 3. Juli 2012 zurück (Suva-act. 46).
A.e.
Am 22. April 2014 verlangte die Rechtsvertreterin die Prüfung des
Integritätsschadens und der Rente. Dem Schreiben beigelegt war ein Arztbericht von
A.f.
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Dr. med. E._, Facharzt für Chirurgie FMH, vom 24. Januar 2014. Der Chirurg ging von
einem Endzustand aus und nannte als bleibende Einschränkungen die
Schmerzempfindlichkeit unter Belastung sowie die Kälteempfindlichkeit der rechten
Hand (Suva-act. 55). Mit Schreiben vom 29. April 2014 informierte die Suva die
Rechtsvertreterin, dass nach ihren Erkenntnissen der Versicherte am 1. Oktober 2013
eine neue Arbeitsstelle als Eisenleger-Vorarbeiter (100 %-Pensum) aufgenommen
habe. Infolgedessen würde die Rentenprüfung als hinfällig erachtet. Da sich der
Versicherte bei einem Unfall vom 7. Oktober 2013 eine Rückenverletzung zugezogen
habe, würde der Anspruch auf eine Integritätsentschädigung wegen den Folgen der
Handverletzung erst nach Abschluss des Rückenschadens geprüft (Suva-act. 60). Da
die Rechtsvertreterin auf der Prüfung der Integritätsentschädigung und der Rente
bestand (Suva-act. 61), veranlasste die Suva eine kreisärztliche Untersuchung (Suva-
act. 63). Am 9. Juli 2014 (Suva-act. 65) berichtete Kreisarzt Dr. D._ über
anamnestisch zu erhebende Dauerschmerzen der Finger DIG IV und V bei endgradiger
Beugeeinschränkung im DIP IV. Zudem sei die Sensibilität auf der Ulnarseite des IV.
sowie des gesamten V. Fingers objektiv herabgesetzt und die Diskrimination gestört.
Die Funktion der rechten Hand sei insgesamt erhalten. Sowohl der Grobgriff als auch
der Schlüssel- und der Spitzgriff sowie das Greifen von Kleinteilen seien nicht
beeinträchtigt. Das beidhändige Anheben eines leichten sowie schweren Bürostuhls sei
ebenfalls uneingeschränkt durchführbar. Seitengleiche muskuläre Umfangmasse sowie
eine leicht vermehrte Beschwielung im Bereich der rechtseitigen Handinnenfläche
liessen nicht auf ein übermässiges Schonverhalten der rechten Hand rückschliessen.
Die vom Versicherten beklagten Beschwerden liessen sich durch pathologische
Befunde nicht objektivieren. Der Kreisarzt riet jedoch zu einer adäquaten
Schmerztherapie, zumal diese therapeutische Option bislang nicht in ausreichendem
Masse genutzt worden sei. Den Versicherten erachtete er sowohl für die angestammte
Tätigkeit als Eisenleger als auch für sämtliche Tätigkeiten auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt als uneingeschränkt vermittelbar. Hinsichtlich der bei einem Fallabschluss
zu prüfenden Integritätsentschädigung führte er aus, dass eine solche nicht geschuldet
sei, denn der unfallbedingte Integritätsschaden würde die Erheblichkeitsgrenze nicht
erreichen (Suva-act. 65-6f.).
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Mit Schreiben vom 23. Juli 2014 teilte die Suva der Rechtsvertreterin die
Abweisung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung
mit. Übernommen würden die Kosten der schmerztherapeutischen Massnahmen in
Kombination mit Ergotherapie bzw. Physiotherapie bezogen auf die verbliebenen
Unfallfolgen an der rechten Hand (Suva-act. 66).
A.g.
Im vom neuen Rechtsvertreter des Versicherten, Rechtsanwalt Dr. iur. Ronald
Pedergnana, St. Gallen, eingereichten Arztbericht vom 12. Februar 2015 erklärte Dr.
med. F._, Spezialarzt für Chirurgie FMH, dass der Versicherte an einer bleibenden
mehrfachen Behinderung leide. Es lägen funktionelle Einbussen, eine Kraftminderung
und reduzierte Belastbarkeit, ein erheblicher Schmerzzustand, der bei Belastung
zunehme, sowie eine Kälteempfindlichkeit der rechten Hand vor. Zur Arbeitsfähigkeit
führte er aus, dass in der angestammten Tätigkeit als Armierungsfachmann die
Leistungseinschränkung 30% und bei kalten Temperaturen 50 bis 60% betrage (Suva-
act. 70). In der Stellungnahme vom 17. März 2015 wies Kreisarzt Dr. D._
insbesondere darauf hin, dass sich keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
aus dem Arztbericht von Dr. F._ ergebe und die reduzierte Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit nicht durch entsprechende objektive Befunde belegt sei (Suva-act. 72).
Mit Schreiben vom 19. März 2015 teilte die Suva der Rechtsvertreterin mit, dass ein
Rückfall zu verneinen sei (Suva-act. 73).
A.h.
Am 10. Juni 2015 verlangte der Rechtsvertreter des Versicherten den Erlass einer
Verfügung über die Leistungen (Suva-act. 78).
A.i.
Im Arztbericht vom 15. Juli 2015 erklärte Dr. F._, dass aufgrund der rechten
Hand mindestens eine 50%ige Einbusse der Leistungsfähigkeit bestehe. Er empfahl
eine neurologische und elektroneurographische Untersuchung, um die Situation des
peripheren Nervensystems und der rechten Hand zu objektivieren, eine interdisziplinäre
Schmerztherapie einzuleiten und einen stationären Aufenthalt in der Rehaklinik G._
(Suva-act. 90). Da die Leistungsbeurteilung hinsichtlich der Folgen der Handverletzung
nicht im Rahmen des dazumal pendenten Beschwerdeverfahrens vor dem
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (UV 2015/13, Unfall mit
Rückenverletzung) erfolgen konnte (vgl. Suva-act. 79ff.), erliess die Suva am 5. August
2015 die geforderte Verfügung und wies die Begehren um eine
A.j.
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Integritätsentschädigung und eine Invalidenrente ab. Zugesichert wurde dagegen die
Übernahme der Kosten für die Behandlung der Schmerzsymptomatik an der rechten
Hand (Suva-act. 87). Gegen die Verfügung erhob der Rechtsvertreter mit Eingabe vom
10. August 2015 Einsprache und verlangte die Weiterausrichtung der
Versicherungsleistungen (Suva-act. 88). In der Stellungnahme vom 7. September 2015
erklärte Kreisarzt Dr. med. H._, Facharzt für Chirurgie FMH, dass Dr. F._ lediglich
die subjektiven Beschwerden des Versicherten beschreibe. Im Weiteren stellte er fest,
dass gemäss Aktenlage seit fünf Monaten keine Behandlung mehr notwendig gewesen
sei. Eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes sei nicht ersichtlich. Es könne
deshalb weiterhin auf den Untersuchungsbericht von Kreisarzt Dr. D._ abgestellt
werden (Suva-act. 92). Im neurologischen Beurteilungsbericht vom 26. November 2015
empfahl Dr. med. I._, Facharzt für Neurologie FMH, Abteilung Versicherungsmedizin
der Suva, die Vorstellung des Versicherten zum Konsil im Zentrum für Schmerzmedizin
des Schweizerischen Paraplegiker Zentrums in Nottwil (nachfolgend: SPZ; Suva-act.
95).
Am 28. Juli 2016 fand im SPZ eine interdisziplinäre Untersuchung mit den
Fachdisziplinen Neurologie, Neurochirurgie, Anästhesiologie, Ergotherapie,
Handchirurgie und Schmerzpsychologie statt. Im Bericht vom 3. August 2016 (Suva-
act. 124) wurden diagnostiziert ein chronisches Schmerzsyndrom der rechten Hand im
Sinne eines gemischten neuropathisch-nociceptiven Schmerzes und ein Verdacht auf
eine zentrale Sensibilisierung bei Status nach Schnittverletzung der Finger III, IV und V
rechts (dominant) und bei FDS- und FDP-Läsion der Finger IV und V Zone 2, Läsion A/
N 8/9/10 und Status nach Revaskularisation des Fingers V, Nervennaht 8/9/10, FDS-
und FDP-Naht und Ringband-Rekonstruktion Hand rechts am 9. April 2011 (ICD-10:
G56.8), eine Lumbago (starke akute Rückenschmerzen im Bereich der Lenden; ICD-10:
M54.5) sowie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren (ICD-10: F45.41). Die klinisch-neurologische Untersuchung ergab eine
deutliche Hyperpathie (Überempfindlichkeit für sensible Reize) an der Grenze zur
Allodynie (der Schmerz wird schon durch geringfügige, physiologische Reize ausgelöst,
die bei einem normalen, gesunden Menschen keinen Schmerz verursachen würden) für
den Bereich der volaren Finger III - V der rechten Hand sowie Hypästhesien
(herabgesetzte Druck- bzw. Berührungsempfindung) im dorsalen Bereich
A.k.
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(Handrücken). Diese seien unmittelbare Folgen der Nervenverletzung. Die Ausbreitung
der Schmerzen unter Belastung in den ulnaren Handbereich (Handrücken) und bis an
die Grenze des proximalen Drittels des linken Unterarmes könnten interpretiert werden
als zentrale Schmerzsensibilisierung. Aus schmerzpsychologischer Sicht sei von einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren auszugehen.
Im Vergleich zu den Jahren 2011-2012 scheine sich der Zustand bereits etwas
stabilisiert zu haben. Aus neurologischer Sicht wurde eine medikamentöse Therapie
und aus schmerzpsychologischer Sicht die Vermittlung adaptiver
Schmerzbewältigungsstrategien, jeweils mit Anbindung an das Schmerzzentrum
St. Gallen, empfohlen. In anästhesiologischer Hinsicht wurde insbesondere erklärt,
wenn konservative und interventionelle Massnahmen keine anhaltende
Schmerzreduktion bewirken könnten, sollte eine Rückenmarkstimulation (SCS)
diskutiert werden. Dieser Einschätzung schloss sich auch die Neurochirurgie an. Zur
Arbeitsfähigkeit wurde erklärt, dass dazu – wie im Vorfeld bereits ausgeführt – keine
Angaben gemacht werden könnten, denn es müssten Beobachtungen, nicht-
schmerzbezogene medizinische Daten sowie gegebenenfalls weitere Fakten, die nicht
vorlägen, herangezogen werden. Empfohlen wurde eine Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit. Die handchirurgische Untersuchung wurde am 1. Juli 2016 von Dr.
med. J._, Oberarzt Handchirurgie, durchgeführt (Suva-act. 124-9f.) Diese ergab
bezüglich Kraft und Beweglichkeit ein gutes Ergebnis. Festgestellt wurden lediglich
minimale Bewegungseinschränkungen am Endglied des Ringfingers. Als
Hauptprobleme wurden genannt die Schmerzen, die Sensibilitätsstörungen und die
Kälteintoleranz im Bereich der Finger IV und V. Handchirurgische Massnahmen wurden
weder als sinnvoll noch als aussichtsreich erachtet.
Am 8. Dezember 2016 nahm der Suva-Versicherungsmediziner Dr. I._ zum
Untersuchungsbericht des SPZ Stellung (Suva-act. 130). Er hielt fest, dass bislang
keine adäquaten medizinischen Schritte unternommen worden seien, um den
limitierenden Schmerz des Versicherten zu behandeln. Erst nach einer adäquaten
Behandlungsphase von zirka sechs Monaten sei eine abschliessende
Leistungsbeurteilung vorzunehmen. Der Endzustand könne erst nach Abschluss eines
lege artis geführten Behandlungsversuchs angenommen werden.
A.l.
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Mit E-Mail vom 16. Dezember 2016 (Suva-act. 131) und Schreiben vom 24.
Januar 2017 (Suva-act. 133) teilte die Suva dem Rechtsvertreter des Versicherten mit,
dass die Einsprache erledigt und gutgeheissen worden sei bzw. die Verfügung vom 5.
August 2016 zurückgenommen und das Einspracheverfahren formlos abgeschrieben
werde. Der Versicherte wurde aufgefordert, sich in der Schmerzklinik des KSSG zur
Therapie anzumelden.
A.m.
Mit Schreiben vom 21. Februar 2017 forderte der Rechtsvertreter des Versicherten
die Suva auf, die seit dem 23. Juli 2014 eingestellten Taggelder wieder auszuzahlen
oder wenn dies nicht erfolge, eine anfechtbare Verfügung darüber zu erlassen (Suva-
act. 139).
A.n.
Mit Verfügung vom 1. März 2017 teilte die Suva mit, dass der Versicherte keinen
Anspruch auf Taggelder habe, da eine volle Arbeitsfähigkeit bei angepasster Tätigkeit
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bestehe (Suva-act. 140). Am 30. März 2017 liess der
Versicherte gegen die Verfügung vom 1. März 2017 Einsprache erheben mit dem
Antrag, die Heilkosten- und Taggeldleistungen seien weiterhin in voller Höhe
auszurichten (Suva-act. 145).
A.o.
Am 25. April 2017 wurde der Versicherte durch Kreisarzt Dr. med. K._, Facharzt
für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, untersucht.
Im Bericht vom 26. April 2017 erhob der Kreisarzt eine minime
Funktionsbeeinträchtigung der rechten Hand mit Beugeunfähigkeit des
Ringfingergelenks und leichter Kraftminderung beim Faustschluss. Im Weiteren erklärte
er, dass die subjektive Angabe einer unter Belastung sich verstärkenden
Schmerzsymptomatik der Finger III-V nicht durch objektive Untersuchungskriterien und
Verhaltensbeobachtung objektivierbar sei. Dem Versicherten seien leichte,
mittelschwere und gelegentlich schwere körperliche Arbeiten auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt ohne Einschränkung zumutbar, nicht jedoch feinmechanische Arbeiten.
Zudem sei auf eine Vermeidung von widrigen Witterungsumständen zu achten (Suva-
act. 154). Im Arztbericht vom 3. Mai 2017 erklärte Dr. med. L._, Innere Medizin, dass
der Versicherte in der angestammten Tätigkeit als Eisenleger nicht mehr arbeiten könne
(Suva-act. 158).
A.p.
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Im Bericht vom 28. April 2017 hielten die untersuchenden Ärzte des
Schmerzzentrums des KSSG fest, dass beim Versicherten ein chronifiziertes
neuropathisches Schmerzsyndrom der rechten Hand bestehe. Eine adäquate
Schmerztherapie sei inzwischen etabliert worden (Suva-act. 159). Am 5. Juli 2017
berichteten sie über persistierende Ruheschmerzen und Allodynie/Hyperalgesie im
Bereich der DIG III, IV und V sowie des Handgelenks rechts. Gerügt wurde, dass der
Versicherte zwar die Sprechstundentermine, jedoch nicht die Ergotherapietermine
(ausser dem Assessmenttermin) wahrgenommen habe. Zudem habe er sämtliche
verordneten Medikamente selbständig wegen Nebenwirkungen abgesetzt (Suva-act.
166). Auch im weiteren Verlaufe nahm der Versicherte keine Therapietermine mehr
wahr bzw. brach er die Schmerztherapie im KSSG ab (vgl. Suva-act. 169, 171, 197). An
der Besprechung vom 19. Dezember 2017 wurde der Versicherte vom Case Manager
der Suva nochmals auf seine Mitwirkungs- respektive Schadenminderungspflicht
hingewiesen. Der Versicherte machte geltend, er habe die Behandlung ab August 2017
nicht mehr fortgesetzt, weil er nach den Behandlungen keinen positiven Effekt verspürt
habe. Daraufhin teilte der Suva-Mitarbeiter dem Versicherten und dem ebenfalls
anwesenden Rechtsvertreter mit, dass die Suva von einem Endzustand ausgehe. Sie
würden deshalb den Fall per 31. Juli 2017 abschliessen und die Ansprüche des
Versicherten prüfen (Suva-act. 173).
A.q.
Am 3. Januar 2018 unterzeichneten die Suva und der Rechtsvertreter eine
Vergleichsvereinbarung. Vereinbart wurde insbesondere, dass die Suva dem
Versicherten für die Zeit vom 1. August 2015 bis 31. Juli 2017 Taggelder im Rahmen
einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ausrichten und den Anspruch auf eine Invalidenrente
und eine Integritätsentschädigung prüfen werde. Im Gegenzug zog der Versicherte u.a.
seine Einsprache vom 30. März 2017 zurück (Suva-act. 180).
A.r.
Am 13. Februar 2018 erfolgte eine kreisärztliche Untersuchung durch Dr. K._.
Der Kreisarzt berichtete über eine deutliche Befundverbesserung gegenüber der
Voruntersuchung vom 25. April 2017. Eine Berührungs- und Druckschmerzhaftigkeit
der Hand und insbesondere der Finger IV und V sei nicht mehr nachweisbar. Weiter
hielt er fest, dass der Versicherte die Schmerztherapie abgebrochen habe und keine
schmerzlindernden Medikamente mehr einnehme. Da keine namhafte Verbesserung
des unfallbedingten Gesundheitszustandes mehr erreicht werden könne, empfahl Dr.
A.s.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/23
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B.
K._ den Fallabschluss. Zur Arbeitsfähigkeit führte er aus, dass dem Versicherten
schwere körperliche Belastungen einschliesslich des Hebens von schweren und
schwersten Lasten und Gegenständen, Arbeiten mit feinmotorischen Anforderungen
und grösserem oder wiederholtem Krafteinsatz mit Beteiligung der Finger IV und V
sowie Tätigkeiten mit Vibrationen oder Schlägen in Bezug auf die rechte Hand, das
Arbeiten an Maschinen mit Gefahrenpotential und Arbeiten mit Hitze- oder
Kälteexposition nicht mehr zumutbar seien. Eingesetzt werden könne der Versicherte
vollschichtig in leichten bis mittelschweren körperlichen, leidensadaptierten
Tätigkeiten. Hinsichtlich des Anspruchs auf eine Integritätsentschädigung führte Dr.
K._ aus, dass als Folge des Unfallereignisses residuelle Sensibilitätsveränderungen
der Finger IV und V sowie eine Beugeeinschränkung des Ringfingergelenks mit leichter
Kraftminderung beim Faustschluss bestehen würden. Die Erheblichkeitsgrenze für die
Anerkennung eines unfallbedingten Integritätsschadens sei damit jedoch nicht erreicht
(Suva-act. 188).
Mit Verfügung vom 1. März 2018 eröffnete die Suva dem Versicherten, dass weder
ein Anspruch auf eine Invalidenrente noch auf eine Integritätsentschädigung bestehe.
Begründet wurde dies damit, dass der Versicherte in einer an die Unfallfolgen
angepassten Tätigkeit gemäss der Dokumentation von Arbeitsplätzen (DAP) ein
Einkommen von Fr. 60'832.- erzielen könnte. Aus dem Vergleich mit dem Einkommen
ohne Unfall von Fr. 60'000.- (Fr. 5'000.- pro Monat x 12 Monate) resultiere keine
Erwerbseinbusse (Invaliditätsgrad von 0%). Deshalb bestehe kein Rentenanspruch. Da
die Erheblichkeitsgrenze in Bezug auf die Integritätseinbusse nicht erreicht sei, bestehe
auch kein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung (Suva-act. 191; zur
Einkommensfestsetzung vgl. auch Suva-act. 189f.).
A.t.
Am 9. März 2018 liess der Versicherte durch seinen Rechtsvertreter gegen die
Verfügung vom 1. März 2018 Einsprache erheben. Beantragt wurde die Ausrichtung
einer Invalidenrente und einer Integritätsentschädigung nach Massgabe einer
gutachterlichen Einschätzung (Suva-act. 193). In der Einsprachebegründung wurde
insbesondere geltend gemacht, dass der Therapieabbruch keine Auswirkungen auf die
Leistungsfähigkeit habe. Bei zwei der für die Einkommensermittlung verwendeten
B.a.
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C.
Arbeitsplätzen (DAP) könne der Versicherte aufgrund der Einschränkungen die
körperlichen Anforderungen nicht erfüllen. Gefordert wurde die Begutachtung des
Versicherten allenfalls kombiniert mit einer Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (EFL; Suva-act. 199).
Mit Einspracheentscheid vom 28. September 2018 wies die Suva die Einsprache
vom 9. März 2018 ab (Suva-act. 207). Zur Begründung wurde insbesondere ausgeführt,
dass der medizinische Endzustand hinsichtlich der somatischen Unfallfolgen erreicht
sei. Der Versicherte könne in leichten bis mittelschweren körperlichen,
leidensadaptierten Tätigkeiten vollschichtig eingesetzt werden. Weitere medizinische
Abklärungen würden sich deshalb erübrigen (Suva-act. 207-7f.). Da keine
unfallbedingte Erwerbseinbusse vorliege, bestehe kein Rentenanspruch (Suva-act.
207/8ff.). Weil die Erheblichkeitsgrenze für die Anerkennung eines unfallbedingten
Integritätsschadens nicht erreicht sei, sei keine Integritätsentschädigung geschuldet
(Suva-act. 207-12f.).
B.b.
Gegen den Einspracheentscheid vom 28. September 2018 erhob der
Rechtsvertreter des Versicherten (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 26. Oktober
2018 Beschwerde mit den Anträgen: 1. Der Einspracheentscheid der Suva
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 28. September 2017 (korrekt: 2018) sei
aufzuheben. 2. Es sei eine Rente und eine Integritätsentschädigung nach Massgabe
einer gutachterlichen Einschätzung auszurichten. 3. Es sei ein Gerichtsgutachten eines
Handchirurgen in Auftrag zu geben (eventualiter ein bidisziplinäres mit einem
Neurologen). 4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der
Beschwerdegegnerin (act. G 1). Am 22. November 2018 reichte der Rechtsvertreter
einen Arztbericht von Dr. L._ vom 12. November 2018 ein (act. G 3, G 3.1).
C.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 30. November 2018 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 28. September 2018 (act. G 5). Erklärt wurde insbesondere,
dass sich keine medizinische Fachperson mit der kreisärztlichen Beurteilung vom
13. Februar 2018 auseinandergesetzt oder Zweifel an deren Richtigkeit geäussert habe.
Der Arztbericht von Dr. L._ vom 12. November 2018 vermöge - da keine Einsicht in
C.b.
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Considerations:
Erwägungen
1.
die Unfallakten erfolgt sei und wegen der fehlenden Fachkompetenz des Hausarztes -
an der vollen Beweiskraft des kreisärztlichen Berichts nichts zu ändern (act. G 5-3f.). Im
Weiteren wurde angeführt, dass der Beschwerdeführer die empfohlenen Therapien
nicht wahrgenommen oder nach kurzer Zeit wieder abgebrochen habe (act. G 5-4).
In der Replik vom 21. Januar 2019 hielt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers unverändert an den Beschwerdebegehren fest (act. G 7). Gerügt
wurde insbesondere, dass im kreisärztlichen Bericht vom 13. Februar 2018 einzelne
Arztberichte fehlen würden oder einseitig zu Gunsten der Beschwerdegegnerin
zusammengefasst worden seien und eine umfassende Auseinandersetzung mit den
früheren Arztberichten nicht erfolgt sei (act. G 7-2ff.).
C.c.
In der Duplik vom 14. Februar 2019 (act. G 9) erklärte die Beschwerdegegnerin
insbesondere, dass die kreisärztliche Zusammenfassung des aktenmässigen Verlaufs
adäquat und nicht zu beanstanden sei. Hinsichtlich des Schmerzsyndroms wurde eine
Leistungspflicht verneint, da dieses nicht auf objektivierbare Unfallfolgen zurückgeführt
werden könne. Ausserdem sei die adäquate Unfallkausalität nicht gegeben, da es sich
beim Ereignis vom 9. April 2011 um einen leichten/banalen Unfall handle. Eine
Integritätsentschädigung sei nicht geschuldet, denn die bleibenden Unfallfolgen
würden die Erheblichkeitsgrenze für die Anerkennung eines unfallbedingten
Integritätsschadens nicht erreichen.
C.d.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der
Einspracheentscheid vom 28. September 2018 (Suva-act. 207). Streitig und zu prüfen
ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente und eine
Integritätsentschädigung.
1.1.
Unbestritten geblieben ist, dass per 31. Juli 2017 der gesundheitliche Endzustand
erreicht und daher der Rentenanspruch und der Integritätsentschädigungsanspruch in
diesem Zeitpunkt zu prüfen war (vgl. Art. 19 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung [UVG; SR 832.20], Ziff. 4 der Vergleichsvereinbarung vom 3. Januar
2018, Suva-act. 180, und kreisärztlicher Untersuchungsbericht vom 13. Februar 2018,
Suva-act. 188-8).
1.2.
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2.
Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Leistungen der Unfallversicherung bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der
Unfallversicherung (wie auch Invalidenrente [vgl. Art. 18 Abs. 1 UVG] und
Integritätsentschädigung [vgl. Art. 24 Abs. 1 UVG]) bildet die Unfallkausalität. Eine
Leistungspflicht besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und
adäquat-kausal mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen (BGE 129 V
181 E. 3.1 f.; André Nabold, N 48ff. zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser (Hrsg.),
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, 2018 (nachfolgend zitiert: KOSS UVG); Irene Hofer, N 66 zu
Art. 6, in: Ghislane Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli (Hrsg.),
Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019 (nachfolgend zitiert: BSK UVG);
Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer (Hrsg.), Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53ff.). Für die
Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im
Bereich der Medizin ist das Gericht regelmässig auf Angaben ärztlicher Experten und
Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist
demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis
entwickelten Regeln zu beurteilen ist (KOSS UVG-Nabold, N 53, 59 zu Art. 6; BSK
UVG-Hofer, a.a.O., N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58; BGE 129 V
181 E. 3.1 und 3.2 sowie in BGE 135 V 465 nicht publizierte E. 2 des Urteils
8C_216/2009 vom 28. Oktober 2009, je mit Hinweisen). Bei physischen Unfallfolgen
spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE
134 V 111 f. E. 2.1, 127 V 103 E. 5b/bb). Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang
gegeben ist, beurteilt sich nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit; die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs
genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit
Hinweisen; Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts,
4. Aufl. Bern 2014, § 70 N. 58 f., Rumo-Jungo/ Holzer, a.a.O., S. 4).
2.1.
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die beklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/23
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3.
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten oder der Expertin begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert
eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels
noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als
Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
Insofern kann rechtsprechungsgemäss auch Berichten und Gutachten, welche die
Versicherungen während des Administrativverfahrens von ihren eigenen Ärzten und
Ärztinnen einholen, Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig
erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 135 V 467 ff. E. 4, 125 V 353 f. E.
3b/ee, je mit Hinweisen). Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 471 E. 4.7).
Vorab ist abzuklären, welche gesundheitlichen Beeinträchtigungen als unfallkausal
zu betrachten sind und inwiefern die Arbeitsfähigkeit durch diese beeinträchtigt ist.
Geltend gemacht werden diesbezüglich insbesondere Funktionsbeeinträchtigungen der
rechten Hand sowie limitierende Schmerzen (siehe dazu nachfolgende Erwägung 3.2).
Da psychische Leiden nicht gänzlich ausgeschlossen werden können (vgl. Arztbericht
vom 3. Mai 2017 von Dr. L._, Suva-act. 158), ist soweit erforderlich darauf
einzugehen (siehe dazu nachfolgende Erwägung 3.3).
3.1.
3.2.
In der kreisärztlichen Untersuchung vom 25. April 2017 berichtete Dr. K._ über
eine leichte Funktionsbeeinträchtigung der rechten Hand mit Beugeunfähigkeit des
Ringfingergelenks und leichter Kraftminderung beim Faustschluss sowie einer rein
subjektiv empfundenen Schmerzsymptomatik bezüglich der Finger III bis V (Suva-act.
154). In der Abschlussuntersuchung vom 13. Februar 2018 erhob er als Unfallfolgen nur
noch residuelle Sensibilitätsveränderungen der Finger IV und V sowie eine
Beugeeinschränkung des Ringfingergelenks mit leichter Kraftminderung beim
Faustschluss. Eine Berührungs- und Druckschmerzhaftigkeit (Hypästhesie) der Hand –
wie anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 25. April 2017 noch erhoben –
konnte er nicht mehr nachweisen. Die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
erachtete er nur in qualitativer Hinsicht als eingeschränkt (Suva-act. 188).
3.2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/23
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Der Beschwerdeführer machte sowohl in den ärztlichen Untersuchungen als
auch in den Rechtsschriften limitierende Schmerzen bezüglich der Hand geltend.
Sowohl die behandelnden als auch die begutachtenden Ärzte setzten sich mit der
Schmerzthematik auseinander. In der neurologischen Beurteilung vom 8. Dezember
2016 stellte der Suva-Versicherungsmediziner Dr. I._ fest, dass bislang keine
adäquaten medizinischen Schritte unternommen worden seien, um den limitierenden
Schmerz des Patienten zu behandeln. Erst nach einer Behandlungsphase von ca. 6
Monaten könne eine abschliessende Leistungsbeurteilung vorgenommen werden
(Suva-act. 130-5). Daraufhin wurde wegen den vom Beschwerdeführer weiterhin
beklagten Handschmerzen (vgl. Suva-act. 142: Schmerzen in Ruhe VAS 2-3, unter
Belastung 4-10, Kälteintoleranz bei Temperaturen unterhalb von 10 Grad; Suva-act.
159: persistierende Ruheschmerzen und Allodynie/Hyperalgesie im Bereich DIP III, IV,
V sowie Handgelenk rechts) eine Schmerztherapie im KSSG mit Ergotherapie und
medikamentöser Behandlung (Analgetikum, Neuroleptikum, schmerzmodulierendem
Antidepressivum) initiiert (Suva-act. 159). Der Beschwerdeführer nahm die Behandlung
verspätet auf und fiel schon zu Beginn der Behandlung wegen mangelnder Kompliance
bezüglich Terminen, Therapien und Medikamentation auf. Bereits nach wenigen
Wochen brach der Beschwerdeführer die Behandlung – trotz Ermahnung durch die
Beschwerdegegnerin (vgl. Suva-act. 167, 173) – eigenmächtig ab und nahm sie in der
Folge auch nicht mehr auf (vgl. Suva-act. 166, 197). Ein solches Verhalten spricht –
selbst in Anbetracht der von Ärzten (anfänglich) empfohlenen Schmerzbehandlung –
eher gegen eine Erheblichkeit der geltend gemachten Schmerzen zum Zeitpunkt des
Erlasses der leistungsabweisenden Verfügung. Zur vom Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers gerügten Widersprüchlichkeit der verschiedenen Arztberichte (vgl.
act. G 1-4, G 7) ist festzustellen, dass diese Einschätzung nicht nachvollziehbar ist. Bei
Berücksichtigung des Genesungsverlaufes resultieren denn auch keine relevanten
Widersprüche in den fachärztlichen Einschätzungen. So dürfte sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers – sowohl hinsichtlich der funktionellen
Einschränkungen als auch hinsichtlich der Schmerzen – wesentlich verbessert haben,
verzichtete er doch einerseits auf die Fortsetzung der eingeleiteten Therapien und
andererseits wurden keine aktuellen Arztberichte von Fachärzten ins Recht gelegt, die
an der kreisärztlichen Beurteilung und insbesondere an der Arbeitsfähigkeitsschätzung
berechtigte Zweifel wecken würden, so dass weitergehende Abklärungen angezeigt
wären (vgl. Erwägung 2.2 sowie die überzeugende Argumentation der
Beschwerdegegnerin in Ziffer 4.1 bis 4.3 der Beschwerdeantwort vom 30. November
2018 worauf zu verweisen ist, act. G 5). Der Argumentation des Beschwerdeführers,
dass der kreisärztliche Untersuchungsbericht vom 13. Februar 2018 unzuverlässig und
3.2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/23
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nicht nachvollziehbar sein soll, da nicht alle früheren Arztberichte behandelt oder diese
teilweise nur einseitig widergegeben worden seien (vgl. act. G 7), kann nicht gefolgt
werden. So hat Kreisarzt Dr. K._ sehr wohl alle relevanten und insbesondere die
aktuellen Arztberichte gewürdigt und nachvollziehbar dargelegt, wieso er zu seiner
Einschätzung hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers kam. Dass sich
die Ärzte des Schmerzzentrums des SPZ nicht bereits im Jahr 2016 zur Arbeitsfähigkeit
geäussert haben, ist nachvollziehbar, stand doch dazumal noch eine Schmerztherapie
im Raum, die – wie bereits gesagt – vom Beschwerdeführer vorzeitig nach wenigen
Wochen abgebrochen wurde. Dass nun die von den Ärzten des SPZ im Jahr 2016
angedachten weiteren Untersuchungen bzw. Abklärungen zur Arbeitsfähigkeit
nachgeholt werden müssten, erscheint aufgrund der seither erstellten
nachvollziehbaren und schlüssigen kreisärztlichen Untersuchungsberichte und in
Würdigung des Therapieverhaltens des Beschwerdeführers als nicht mehr angezeigt
bzw. erforderlich.
Festzuhalten ist soweit, dass unbestrittenermassen als Unfallrestfolge zumindest
eine leichte Funktionsbeeinträchtigung der rechten Hand mit leichter Kraftminderung
besteht. Infolgedessen ist es nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer die
angestammte Tätigkeit als Eisenleger nur noch eingeschränkt ausüben kann. Eine
leidensangepasste Tätigkeit – wie von Dr. K._ im ausführlichen, nachvollziehbaren
und schlüssigen Abschlussbericht vom 13. Februar 2018 beschrieben (vgl. Sachverhalt
A.s., Suva-act. 188) – erscheint aufgrund der zum Verfügungszeitpunkt noch
vorhandenen körperlichen Einschränkungen dem Beschwerdeführer durchaus als
zumutbar in einem 100%-Pensum. Daran vermögen auch die vom Beschwerdeführer
geltend gemachten Schmerzen in der rechten Hand nichts zu ändern, denn aufgrund
seines Verhaltens – wie der vorzeitige Therapieabbruch und die nicht erforderliche
Schmerzmitteleinnahme (vgl. Suva-act. 166-2, 188-8) – ist nicht davon auszugehen,
dass die Schmerzen derart limitierend sind, dass er eine leidensangepasste Tätigkeit
(Tätigkeiten ohne Arbeiten bei Temperaturen unter 10° Celsius und ohne starke
Belastung der rechten Hand) nicht wahrnehmen könnte. Auch aus dem Bericht des
Zentrums für Schmerzmedizin des SPZ (vgl. Sachverhalt A.k., Suva-act. 140) und
desjenigen von Dr. L._ vom 12. November 2018 (vgl. act. G 3.1) kann – entgegen der
Ansicht des Beschwerdeführers – nicht geschlossen werden, dass ihm eine
leidensangepasste Tätigkeit nicht in einem 100%-Pensum zumutbar wäre.
3.2.3.
Hinweise auf das Vorliegen psychischer Leiden finden sich im Arztbericht von Dr.
L._ vom 3. Mai 2017. Der Arzt erhob eine depressive Verstimmung bzw. eine
depressive Komponente bei Existenzängsten sowie ein Rückzugsverhalten der
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/23
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4.
Nachfolgend ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente zu
prüfen.
normalen Alltagsaktivität. Er vereinbarte mit dem Beschwerdeführer deswegen eine
Vorstellung im Psychiatrischen Zentrum (Suva-act. 158). Festzustellen ist, dass gemäss
der Aktenlage weder die von Dr. L._ erwogene Vorstellung im Psychiatrischen
Zentrum stattfand noch der Beschwerdeführer sich anderweitig in
psychotherapeutische Behandlung bei einem Facharzt begab. Es liegt denn auch keine
fachärztlich gestellte psychiatrische Diagnose vor. Selbst wenn die geforderten
weiteren medizinischen Untersuchungen ergäben, dass der Beschwerdeführer durch
psychisch bedingte Leiden eingeschränkt wäre, so wäre dies – wie nachfolgend
dargelegt – unbeachtlich. Bei der im Rahmen der Prüfung des adäquaten
Kausalzusammenhangs vorzunehmenden Katalogisierung des Unfallereignisses ist der
Beschwerdegegnerin zuzustimmen, dass beim Ereignis vom 9. April 2011 (erlittene
Messerschnittverletzung bei der Zubereitung einer Mahlzeit) aufgrund der
Unfallschwere, wobei der augenfällige Geschehensablauf mit den sich dabei
entwickelnden Kräften massgebend ist, von einem leichten Unfall auszugehen ist. Bei
banalen wie auch bei leichten Unfällen ist rechtsprechungemäss der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen in der
Regel zu verneinen, weil aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung aber auch unter
Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass ein
solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu
verursachen (BGE 120 V 352 E. 5b/aa, 115 V 133 E. 6a.).
Nach dem Gesagten ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer infolge des Unfalls vom
9. April 2011 unter geringfügigen schmerzbedingten und funktionellen
Einschränkungen im Bereich der rechten Hand leidet. Das kreisärztlich erhobene
Zumutbarkeitsprofil trägt den Einschränkungen ausreichend Rechnung. Eine
leidensangepasste Tätigkeit ist dem Beschwerdeführer in einem 100%-Pensum
zumutbar.
3.4.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls zu mindestens 10 Prozent invalid (Art.
8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Zur
Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten
Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/23
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zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen).
4.2.
Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im Zeitpunkt des Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am
zuletzt erzielten, der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten
Verdienst angeknüpft; dies in der Annahme, dass die bisherige Tätigkeit ohne
Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 129 V 224, E. 4.3.1 mit Hinweisen).
4.2.1.
Die Beschwerdegegnerin ging sowohl in der Verfügung vom 1. März 2018 (Suva-
act. 191, vgl. auch Suva-act. 189f.) als auch im Einspracheentscheid vom 28.
September 2018 (Suva-act. 207) von einem Validenlohn von Fr. 60'000.- aus. Dieser
Betrag entspricht dem Lohn, welcher der Beschwerdeführer vor dem Unfall am 9. April
2011 als angestellter Eisenleger bei der B._ GmbH erzielt hatte (vgl. IK-Auszug,
Suva-act. 205-5). Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ohne das
Unfallereignis vom 9. April 2011 weiterhin als Eisenleger tätig gewesen wäre, zumindest
finden sich in den Akten keine gegenteiligen Hinweise. Der (ergänzenden)
Argumentation der Beschwerdegegnerin, dass korrekterweise nicht auf den bisherigen
Lohn von Fr. 60'000.-, sondern entsprechend den Mindestlohnvorgaben des
Landesmantelvertrages für das schweizerische Bauhauptgewerbe von einem
hypothetischen Valideneinkommen von Fr. 53'724.- auszugehen sei (vgl. Suva-act.
207-9), kann nicht gefolgt werden, zumal der Beschwerdeführer auch in den Jahren
2008, 2009 und 2010 als angestellter Eisenleger jeweils ein jährliches Einkommen von
Fr. 60'000.- erzielte (vgl. Suva-act. 205-5). Angepasst an die Nominallohnentwicklung
(Bundesamt für Statistik [BfS], Nominallohnentwicklung, Tabelle T1.93, Baugewerbe,
Index 2011: 124.0 und 2017: 126.7) beträgt das Valideneinkommen im Jahr 2017
Fr. 61'307.-.
4.2.2.
4.3.
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung
primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte
Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei
der - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen
ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft,
4.3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/23
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und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und
nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als
Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben,
namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine
oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat,
so können nach der Rechtsprechung entweder Tabellenlöhne gemäss den vom
Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE)
oder die Lohnangaben aus der Dokumentation von Arbeitsplätzen der SUVA (sog.
DAP-Zahlen; diese wurden von der Suva bis 2019 erhoben) herangezogen werden
(BGE 136 V 297 E. 5.2 , 129 V 472 E. 4.2.1 S. 475 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 139 V
592).
Der Beschwerdeführer ging nach dem Unfall weder einer längerfristig
ausgerichteten noch einer regelmässigen Erwerbstätigkeit nach. Es kann daher nicht
davon ausgegangen werden, dass er sein Erwerbspotential in den Jahren nach dem
Unfall je ausgeschöpft hat. Bei dieser Ausgangslage kann das Invalideneinkommen
nicht auf individuell-konkreter Basis bemessen werden. Die Beschwerdegegnerin
stellte deshalb berechtigterweise auf die Lohnangaben aus der Dokumentation von
Arbeitsplätzen ab und ermittelte anhand von fünf ausgewählten Arbeitsplätzen einen
Invalidenlohn von Fr. 60'831.60 (vgl. Suva-act. 207-10f.).
4.3.2.
Gegen die von der Beschwerdegegnerin ausgewählten DAP-Arbeitsplätze
(Nr. 4532: Hilfsarbeiter Kaskadengiesser, Nr. 7468: Hilfsarbeiter Einpacken/
Qualitätskontrolle, Nr. 8111: Hilfsarbeiter Kunststoffverarbeitungen, Nr. 13041538:
Betriebsmitarbeiter Abpackerei und Nr. 15290973: Angestellter MA Komponenten /
Vormontage Komponenten) mit einem durchschnittlichen Lohn von Fr. 60'831.60
(Suva-act. 189, 207-10f.; Lohnbasis Jahr 2017) brachte der Beschwerdeführer in der
Einsprachebegründung vom 13. April 2018 (vgl. act. G 1.1.3) bei drei Arbeitsplätzen
Einwände vor. So könne er mit der verletzten Hand keine Schrauben reindrehen und
keine Kunststoffteile andrücken (Profil Nr. 15290973). Die gleichen Einschränkungen
würden auch hinsichtlich des Profils Nr. 13041538 gelten. Zum Profil Nr. 4532 wurde
ausgeführt, dass er unfallbedingt den körperlichen Anforderungen nicht gerecht
werden könne. In der Beschwerde vom 26. Oktober 2018 (vgl. act. G 1) erachtete der
Beschwerdeführer alle fünf ausgewählten Arbeitsplätzen wegen den Schmerzen als
nicht zumutbar. Die Beschwerdegegnerin entgegnete dazu, dass die ausgewählten
DAP-Profile im Einklang mit der kreisärztlichen Zumutbarkeitsbeurteilung stünden (act.
G 5).
4.3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/23
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5.
Im Weiteren ist die Höhe der Integritätsentschädigung umstritten.
Bei den von der Beschwerdegegnerin ausgewählten Arbeitsplätzen wird gemäss
den DAP-Erfassungsblättern die Beidhändigkeit als notwendig erachtet. Aufgrund der
weiteren genannten körperlichen Anforderungen sowie der Arbeitsplatzbeschriebe ist
diese Aussage jedoch insofern zu relativieren, als dass für die Bedienung und
Überwachung der Kunststoffmaschinen, das Verpacken von Endprodukten, die
Vormontage von Komponenten, die Bedienung der Verpackungsanlage und das
Eingiessen von elektronischen Teilen zwar beide Hände benötigt werden, die
Einsatzintensität der beiden Hände jedoch unterschiedlich sein und so gestaltet
werden kann, dass primär eine Hand die Hauptarbeit verrichtet und die weitere Hand –
vorliegend die beeinträchtigte rechte Hand – dabei unterstützend mithilft. Der Einsatz
der rechten Hand des Beschwerdeführers (nur) als Zudien- bzw. Haltehand dürfte
aufgrund der von Dr. K._ in der Abschlussuntersuchung noch erhobenen wenigen
Beeinträchtigungen (vgl. Suva-act.188) durchaus möglich sein. Hinsichtlich des
Einwands des Beschwerdeführers, dass wegen der Schmerzen eine Arbeitstätigkeit in
den von der Beschwerdegegnerin ausgewählten Arbeitsplätzen nicht möglich sei, ist
auf die Erwägungen 3.2.2 ff. zu verweisen, wo dargelegt wurde, dass die Schmerzen
aufgrund des gezeigten Verhaltens des Beschwerdeführers bei einer
leidensangepassten Tätigkeit nicht in einem relevanten Umfange limitierend sind.
4.3.4.
Da die ausgewählten Arbeitsplätze mithin in Anbetracht der gesundheitlichen
Einschränkungen des Beschwerdeführers als angemessen und realisierbar erscheinen,
ist auf deren durchschnittlichen Lohn von aufgerundet Fr. 60'832.- abzustellen.
4.3.5.
Aus der Gegenüberstellung des Valideneinkommens von Fr. 61'307.-. und des
Invalideneinkommens von Fr. 60'832.- resultiert ein unfallbedingter Minderverdienst
von Fr. 475.-. Der daraus resultierende Invaliditätsgrad von 1% begründet keinen
Anspruch auf eine Invalidenrente aus der Unfallversicherung (vgl. Erwägung 4.1).
4.4.
Die Beschwerdegegnerin verneinte gestützt auf die Einschätzung von Kreisarzt Dr.
K._ vom 13. Februar 2018 (Suva-act. 188) einen Anspruch auf eine
Integritätsentschädigung, da die Erheblichkeitsgrenze von 5% nicht erreicht sei (Suva-
act. 188, 207). Der Beschwerdeführer bezifferte die anbegehrte
Integritätsentschädigung nicht, sondern machte deren Höhe vom Ergebnis eines noch
zu erstellenden Gutachtens abhängig (act. G 1, G 7).
5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/23
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5.2.
Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine
angemessene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde
erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleidet.
Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den
am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht
übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft
(Art. 25 Abs. 1 UVG).
5.2.1.
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der
Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Abs. 1
dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er
voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht.
Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der
Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für
die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhanges 3. Fallen
mehrere körperliche oder geistige Integritätsschäden aus einem oder mehreren
Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung gemäss Abs. 3 nach der
gesamten Beeinträchtigung festgesetzt.
5.2.2.
Im Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der
Integritätsschäden aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten, nicht
abschliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) wichtige und typische
Schäden prozentual gewichtet (RKUV 2004 Nr. U 514 S. 416). Für die darin genannten
Integritätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen
Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die
Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem
Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (Ziff. 1 Abs. 2). Integritätsschäden, die
gemäss der Skala 5% nicht erreichen, geben keinen Anspruch auf Entschädigung (Ziff.
1 Abs. 3). Die völlige Gebrauchsunfähigkeit eines Organs wird dem Verlust
gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und teilweiser Gebrauchsunfähigkeit wird der
Integritätsschaden entsprechend geringer, wobei die Entschädigung jedoch ganz
entfällt, wenn der Integritätsschaden weniger als 5% des Höchstbetrages des
versicherten Verdienstes ergäbe (Ziff. 2).
5.2.3.
Die medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der
bundesrätlichen Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog.
Feinraster) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen
5.2.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/23
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6.
Da die Beurteilung der Rechtsbegehren gestützt auf die Akten vorgenommen werden
zwar keine Rechtssätze dar und sind für die Parteien nicht verbindlich, umso mehr als
Ziff. 1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, dass der in der Skala angegebene Prozentsatz
des Integritätsschadens für den «Regelfall» gilt, welcher im Einzelfall Abweichungen
nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthalten,
mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll, sind sie
mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
Die Höhe der Integritätsentschädigung stellt eine typische Ermessensfrage dar.
Das Versicherungsgericht darf sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle
desjenigen der Verwaltung setzen, sondern muss sich auf Gegebenheiten abstützen
können, welche eine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen
lassen (BGE 137 V 71 E. 5.1, 126 V 75 E. 6).
5.2.5.
Als Folge des Unfallereignisses bestehen beim Beschwerdeführer residuelle
Sensibilitätsveränderungen der Finger IV und V sowie eine Beugeeinschränkung des
Ringfingergelenks mit leichter Kraftminderung beim Faustschluss (vgl. Suva-act. 188).
Anhaltspunkte zur Höhe der Integritätsentschädigung liefert die von der Suva
publizierte Feinrastertabelle 3 "Integritätsschaden bei einfachen oder kombinierten
Finger-, Hand- und Armverlusten". Gemäss der genannten Tabelle rechtfertigt der
Verlust des vordersten Glieds eines Fingers (mit Ausnahme des Daumens) noch keine
Ausrichtung einer Integritätsentschädigung (vgl. Tabellenabbildungen 5, 8, 11, 14).
Wenn der Verlust des vordersten Fingerglieds zwei Finger (mit Ausnahme des
Daumens) betrifft, ist von einem Integritätsschaden von 5 % auszugehen (vgl.
Tabellenabbildung 26, 35, 40). Im Vergleich zu den genannten Tabellenbeispielen
verfügt der Beschwerdeführer noch über alle Fingerglieder. Die von Dr. K._
beschriebenen unfallbedingten Einschränkungen der rechten Hand, welche die Finger
IV und V betreffen, sind selbst beim Vorliegen zeitweiliger Schmerzen als
vergleichsweise geringer einzustufen. Dies hat zur Folge, dass die Erheblichkeitsgrenze
für die Anerkennung eines unfallbedingten Integritätsschadens von mindestens 5 %
nicht erreicht wird. Dass die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Einschätzung von
Dr. K._ den Anspruch auf eine Integritätsentschädigung verneinte, ist daher
vertretbar und nicht zu beanstanden, zumal der Beschwerdeführer keine triftigen
Gründe nannte, weshalb von einem Integritätsschaden von zumindest 5 % auszugehen
sei.
5.3.
Ein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung besteht folglich nicht.5.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/23
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konnte, erübrigen sich weitere Abklärungen. Der entsprechende Antrag des
Beschwerdeführers zur Einholung eines Gerichtsgutachtens eines Handchirurgen ist
demzufolge abzuweisen.
7.