Decision ID: a828f62d-9f35-4a9f-b2d6-4e64a165b887
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1976 geborene
X._
liess am
6.
März 2013
bei der
Visana
Versiche
rungen AG einen
am 2
8.
Februar 2013 bei einem Handgemenge wegen Mei
nungsverschiedenheiten
erlittenen Unfall melden (
Prellung/Stauchung des lin
ken Handgelenkes
;
Urk.
9/1
; vgl. auch die Polizeiakten
Urk.
9/41
)
. Sie war damals
arbeitslos sowie
seit dem 1
4.
März 201
1
bei der Stadt
Y._
in einem 25%-Pensum
im Zwischenverdienst
als Reinigungshilfe besch
äftigt und
d
adurch
bei der
Visana
Versicherungen AG
gegen Unfallfolgen versichert
(
Urk.
9/21
und
Urk.
9/11
)
.
Diese trat auf den Schadensfall ein und gewährte Heilbehandlung sowie Taggeld.
Mit Verfügung vom
4.
Juli 2013 stellte die
Visana
Versicherungen AG die Ver
si
cherungsleistungen per 3
0.
Juni 2013 ein (
Urk.
9/44).
Gegen diesen Ent
scheid
erhob
die Krankenversicherung
von
X._
, die Helsana Versiche
rungen AG, am 1
0.
Juli 2013 vorsorglich Ein
sprache
(Urk. 9/50), die sie am 16. Sep
tember 2013 wieder zurückzog (Urk. 9/66). Die von der Versicherten
am
2. Sep
tember 2013
(
Urk.
9/60)
erhobene
und
am
2
8.
November 2013 (Urk.
9/69)
begründete
Einsprache wies die
Visana
Versicherungen AG
mit Entscheid vom
8.
Mai
2014 (Urk. 2) ab.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
8.
Mai 2014 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am
6.
Juni 2014 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten,
ihr
die gesetzlichen Leistungen weiterhin auszurichten. Zudem stellte sie ein Gesuch um Bewilligung einer unentgeltlichen
Rechtsver
treterin
in der Person von Rechtsanwältin Christina Ammann (S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 1
1.
Juli 2014 auf Abweisung
der Beschwerde
(
Beschwerdeantwort;
Urk.
8).
Mit Verfügung vom 2
8.
Juli 2014
wurde
das
Gesuch der Beschwerdeführerin vom
6.
Juni 2014
bewill
i
gt
und ihr Recht
s
anwältin Christina Ammann als unentgeltliche
Rechts
vertreterin
für das Beschwerdeverfahren bestellt. Zudem wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
10
).
Am 1
1.
November 2014 erstattete die Beschwerdeführerin ihre Replik mit unveränderten Anträgen (Urk. 13).
Auch die
Beschwerdegegnerin hielt in ihrer
Duplik
vom
2
7.
November 2014
an ihrem Antrag auf Beschwerdeabweisung fest
(
Urk.
17). Mit Schreiben vom 1.
De
zember 2014 wurde
der
Beschwerdeführerin
die Duplik zur
Kenntnis
gebracht
(
Urk.
18).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden - soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungsleistun
gen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt.
1.
2
1.2.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetr
etenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind a
lle Umstände, ohne deren Vor
han
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetr
eten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass e
in Unfall die allei
nige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen
ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körpe
rliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
–
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.2.2
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nach
ge
wiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des
Unfallver
sicherers
erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krank
hafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das
Dahinfallen
jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Gesundheits
schadens
mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglich
keit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entsprechende Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein
leistungsbegrün
dender
natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1992 Nr. U 142 S. 76 E. 4b; vgl. auch RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b). Der Unfallversicherer muss jedoch nicht den Beweis für unfallfremde Ursachen erbringen. Welche Ursachen ein nach wie vor geklagtes Leiden hat, ist unerheblich. Entscheidend ist allein, ob die
unfall
bedingten
Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind.
Ebensowenig
geht es darum, vom
Unfallversi
cherer
den negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder dass die versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei (
Bundes
gerichtsurteil
8C_369/2008 vom 11. August 2008 E. 2.2.4).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Auch den Berichten und Gutachten
versicherungs
interner
Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Ver
sicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den
Arzt
berichten
im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gutachterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 122 V 157 E. 1c; vgl. auch 123 V 331 E.
1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer Leistungseinstellung per 3
0.
Juni 201
3
im Wesentlichen auf die Stellungnahme ihres beratenden Arztes,
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH, vom
6.
Mai 201
4.
Sie
führte aus
, die von der Beschwerdeführerin nach diesem Zeitpunkt geltend gemachten Beeinträchtigungen (CRPS
[
Chronic
Regional
Pain
Syndrome]
I und
Karpal
tunnelsyndrom
) stünden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in keinem natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfall vom 2
8.
Februar 2013, sondern beruhten ausschliesslich auf unfallfremden Faktoren (
Urk.
2).
Das Auftreten eine
s
CRPS I innerhalb der für eine Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten Latenzzeit von maximal acht Wochen sei anhand der
beweis
rechtlich
relevanten medizinischen Berichte nicht mit dem massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt. Im Weiteren stehe auch das Karpaltunnelsyndrom nicht im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 2
8.
Februar 2013 (
Urk.
8 S. 8 f.
und
Urk.
17
).
2.2
Die Beschwerdeführerin hielt dem
im Wesentlichen
entgegen,
die
Unfallkausali
tät
des CRPS sei medizinisch erwiesen.
Sie
machte geltend, laut den
Berichte
n
von
Dr.
med.
A._
,
Fachärztin Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH,
des Ergotherapeuten
sowie der Hausärztin Dr.
med.
B._
, Allgemeine Medizin FMH,
hätten
sieben bis acht Wochen nach dem Unfall
Anhal
tspunkte für ein CRPS bestanden
und
es sei auch
die entspreche
nde Diagnose gestellt worden
. Der beratende
Arzt der Beschwerdegegnerin
habe sie demgegenüber nie persönlich untersucht (
Urk.
1
Rz
2 S. 4 und
Urk.
13).
3.
3.
1
Zum medizinischen Sachverhalt ist den Akten
F
olgendes zu entnehmen:
3.
2
Bei der am
Unfalltag, 2
8.
Februar 2013,
erfolgten Erstkonsultation im
Ambula
to
rium des
Spital
s
C._
wurde eine Handkontusion links, eine Kontu
sion der Lendenwirbelsäule sowie eine Kontusion des linken Ellbogens diagnos
tiziert. Die untersuchenden Ärzte
berichteten,
die Beschwerdeführerin spreche nur wenig Deutsch, die Tochter habe erzählt,
ihre Mutter sei beim Streit zurück an einen Tisch geschubst worden. Initial habe sie kaum Schmerzen
verspürt
, im Tage
sverlauf seien jedoch zunehmend
Rückenschmerzen im Bereich der
Len
denwirbelsäule
sowie Schmerzen im Bereich der linken Hand und des linken Ellbogens aufgetreten.
Die Ärzte
gaben die folgenden Befunde an: An der
Len
denwirbelsäule
bestehe
parave
r
tebral
links eine leichte
Klopfdolenz
.
Eine
Prell
marke
sei nicht sichtbar. Die linke Hand sei
inspekto
r
isch
unauffällig
. Es
liege
eine
Druckdolenz
über
dem
Os
metacarpale II
I
vor
. Die periphere Durchblutung, die Sensibilität und
die
Motorik seien intakt. Beim linken Ellbogen
sei
eine leichte
Druckdolenz
ubiquitär
vorhanden
. Es liege keine Schwellung vor und die Beweglichkeit sei vollumfänglich
erhalten
. Die periphere Durchblutung, die Sensibilität und die Motorik seien ebenfalls intakt. Das Röntgen der linken Hand h
abe keine
ossäre
Läsion gezeigt
.
Sie attestierten der Beschwerdeführerin bis zum darauffolgenden Tag eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
9/4).
3.
3
Ein am
5.
März 2013
von der Hausärztin
Dr.
B._
veranlasstes
Rönt
g
enbild des
ulnaren
Handgelenkes links zeigte keinen Nachweis einer frischen knöchernen Verletzung. Ausgewiesen war ein isoliert liegendes Knochenkompartiment in der Höhe des TFCC-Komplexes. Hierbei handle es sich nach Angabe von Dr.
med.
D._
, FA Radiologie FMH
,
bei
sonst
fehlender Anamnese möglicher
weise um einen Zustand nach
Styloidosis
ulnae
aseptica
necroticans
bei gleich
zeitiger Plusvariante der
Ulna
. Ansonsten sei der knöcherne Befund unauffällig (
Urk.
9/5).
3.
4
Dr.
A._
, Fachärztin Physikalische Medizin und Rehabilitation
FMH,
berichtete am 1
5.
April 2013
der Hausärztin
Dr.
B._
nach zwei Konsultationen. Sie diagnostizierte ein Handgelenksdistorsionstrauma links am 2
8.
Februar 2013 mit im MRI sichtbare
n
posttraumatischen Veränderungen des SL-Band
es ohne sichere Ruptur,
einer deutlichen
Ulna
plus-Variante und einer alten Fraktur des
Processus
styloideus
u
ln
ae
.
Dr.
A._
gab an, die Schulter, der
rechte
Ellbogen und die
rechte
Hand sowie
deren
Fingergelenke seien unauffällig. Unauffällig sei auch der
linke Ellbogen
. Beim Handgelenk links
sei die Beweglichkeit
kaum eingeschränkt. Das Handgelenk sei jedoch sehr empfindlich. Bewegungen würden sofort Schmerzen prov
ozieren und zwar
praktis
ch in alle
n
Richtungen.
Inspektor
isch
bestehe wahrscheinlich eine
ulna
plus-Variante mit prominentem
Ulnaköpfchen
,
palpatorisch
bestehe eine ausgeprägte Druckempfindlichkeit über dem gesamten distalen Unterarm, sei es über den Knochen oder über den Weichteilen. Auch die MCP-Gelenke III und IV seien sehr druck
empfindlich, aber frei
mobilisierbar und ohne Hinweise für eine Arthritis.
Die
Interphalangealgelenke
seien
ebenfalls
empfindlich und beim Durchstrecken
schmerz
ex
azerbierend
. Die MCP-Gelenke II und V seien unauffällig.
Dr.
A._
führte weiter aus, die Schmerzsymptomatik sei derart diffus
gewesen
, dass sie diese nicht eindeutig habe zuordnen können. Sie habe der Beschwerdeführerin deshalb eine weitere Abklärung mittels MRI empfohlen, das nun die
obgenannten
Befunde zeige. Therapeutisch habe sie der Beschwerdeführerin Ergotherapie empfohlen und sie ausserdem instruiert, die Finger regelmässig durch
zubewegen
,
weil sonst
eine
Einsteifungstendenz
der Fingergelenke bestehe (
Urk.
9/27).
Mit Schreiben vom 2
2.
April 2013 überwies
Dr.
A._
die
Beschwerde
führerin
an die
Klinik E._
,
mit der Diagnose
Handgelenksdistor
s
ions
trauma
links am
2
8.
Februar 201
3.
Als Differenzialdiagnose nannte sie eine
höhergradige
SL-Bandverletzung sowie ein beginnendes CRPS und bat um Beur
teilung dieser Differenzialdiagnosen (
Urk.
9/28).
3.
5
Dr.
med.
F._
, Assistenzärztin, und PD
Dr.
med.
G._
,
Klinik E._
,
stellten im
Bericht vom 2
4.
Mai 2013
die Diagnose Status nach
Handgelenks
distorsionstrauma
links am 2
8.
Februar 2013 (
Urk.
9/35). Sie gaben
an
, es sei zu keinem Sturz
und zu keiner
direkten Kontusion des linken Handgelenkes gekommen; der genaue Vorgang sei jedoch unklar. Bei der Untersuchung stell
ten sie fest, dass das Integument intakt sei. Es sei
en
kein Hämatom und keine Rötung sichtbar. Im Vergleich zur Gegenseite sei eine Schwellung über dem
Processus
styloideus
ulnae
zu erkennen
. Es bestehe eine ausgeprägte
Druckdo
lenz
über dem dorsalen DRUG sowie entlang des Metacarpale III und IV
sowie der PIP-Gelenke III und IV
. Der Faustschluss sei nicht möglich
, was
am ehesten
auf die
einm
onatige
Ruhestellung in der Lan
g
fingerschiene zurückzuführen sei
. Die Langfingerstreckung sei intakt.
Endgradige
Bewegungen seien im dorsalen DRUG ausgeprägt schmerzhaft. Es bestehe eine Dysästhesie im gesamten
Hand
bereich
. Der Faustschluss nach
Jamar
betrag
e
links
(dominant) 1 Kilogramm, rechts 22 Kilogramm, der Schlüsselgriff links 2 Kilogramm und rechts 8,5 Kilo
gramm sowie der
Pinchgriff
links 1 Kilogramm und rechts 8 Kilogramm.
Die
E._
-Ärzte gaben an, in der
gleichentags
durchgeführten konventionell radiologischen Untersuchung der linken Hand zeige sich wie bereits
in der
MRT-Untersuchung vom 2
8.
März 2013 ein alter Abriss des
Processus
styloideus
ulnae
sowie eine leichte Abkippung des distalen
Radius nach dorsal (am ehesten p
osttraumatisch) und eine
Ulna
-Plus-Variante. In der
ebenfalls
durchgeführten Sonographie
sei die
Darstellung der Weichteile im Bereich der Schmerzangabe der Patientin
unauffällig gewesen
.
Die klinischen
und
sonogra
ph
ischen
Untersuchungen
hätten e
ine ausgeprägte Instabilität im linken DRUG
ergeben
, was jedoch
zurzeit
keine Beschwerden verursache. Bei aktueller Unmöglichkeit eines Faustschlusses linksseitig werde die Ergotherapie
N._
um Bearbeitung der bisherigen Langfingerschiene gebeten, so dass die MC-Gelenke frei liegen
würden
und somit unter ergotherapeutischer Anleitung eine Mobili
sation der Langfinger möglich sei. Ansonsten könne aus handchirurgischer Sicht der Patientin zum aktuellen Zeitpunkt keine
weitere Therapieoption ange
boten werden. Falls im Verlauf persistierende Beschwerden bezüglich der Insta
bilität im DRUG vorhanden sein sollten,
müsste eine
Reevalu
ation
bezüglich einer operativen Versorgung dieser Instabilität stattfinden. Ansonsten sei keine weitere Verlaufskontrolle geplant.
3.
6
Dr.
med.
Z._
, beraten
d
er Arzt der Beschwerd
e
gegnerin,
beantwortete am
2.
Juli
2013
Fragen zum
natürlichen Kausalzusammenhang
. Er verwies auf die Ausführungen der
Klinik E._
zum MRT vom 2
8.
März 2013, wonach eine alte Fraktur ersichtlich sei. Den vorliegenden Unterlagen seien keine Hinweise für
durch den Vorfall vom 2
8.
Februar 2013 verursachte
rele
vante makrostrukturelle Läsionen zu entnehmen
– bereits bei der Besprechung vom 1
8.
Juni 2013 hatte
er
angegeben
, alle Befunde müssten vorbestehend sein beziehungsweise seien wahrscheinlich auf die Fraktur (früherer Unfall) zurück
zuführen (
Urk.
9/40)
. Eine richtungsgebende Verschlimmerung des
unfallfrem
den
Vorzustandes habe somit überwiegend wahrscheinlich nicht stattgefunden und es handle sich vielmehr um eine vorübergehende Verschlimmerung in Sinne einer schmerzhaften Aktivierung.
Es sei anhand der Unterlagen unklar, was die Ursache für die von der Versicherten nach wie vor angegebenen Beschwerden sein könnte. Deshalb seien von handchirurgischer Seite her nach einer einmaligen Konsultation vorderhand auch keine weiteren Kontrollen mehr vereinbart worden.
Dr.
Z._
führte aus, es wäre – da nicht erkennbar sei, dass sich die Beschwerdeführerin beim Ereignis vom 2
8.
Februar 2013 relevante makrostrukturelle Verletzungen zugezogen habe – ein Beschwerderückgang in wenigen Wochen zu erwarten gewesen. Die
vom Versicherungsarzt
Dr.
H._
akzeptierte volle Arbeitsunfähigkeit bis Ende Juni 2013
(vgl.
Urk.
9/38)
scheine ihm
schon sehr grosszügig bemessen
(
Urk.
9/42)
.
3.
7
Die Hausärztin
Dr.
B._
wies
in ihrem Schreiben an die Versicherung vom
1.
Juli 2013
auf ein
Rehabilitationsdefizit
hin
(
Urk.
9/54)
. Sie bescheinigte der Beschwerdeführerin
auf dem Unfallschein eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
ab 2
8.
Februar 2013
(
Urk.
9/57).
3.
8
Dr.
med.
I._
, Facharzt
für
Neurologie
, diagnostizierte am
7.
Oktober 2013
Beweglichkeitseinschränkungen,
eine
Kraftminderung, Schmer
zen im
Handbe
reich
links sowie
den
dringende
n
Verdacht auf
ein
C
RPS
I
, entstanden durch ein Distorsionstrauma der linken Hand im Rahmen eines
Handgemenges vom 2
8.
Februar 20
13, sowie ein
e
durch das obige Bild
entstan
dene motorische
axonale
Störung des
N.
medianus
links (ENG-Befund) im Bereich des Karpal
tunnels
.
Er gab an, beim Ereignis vom 2
8.
Februar 2013 habe der Täter nach Angaben der Beschwerdeführerin ihre linke Hand so massiv ver
dreht, dass sie die
se
seither nicht mehr benützen könne. Sie habe unmittelbar nach der Tätlichkeit eindeutige Beschwerden an der linken Hand verspürt. Er beurteilte die Beschwerdeführerin als zu 100
%
arbeitsunfähig und gab seinen Unmut über die Einstellung der
Unfalltaggelder
kund (
Urk.
9/67).
Am 1
6.
Dez
ember 2013 berichtete
Dr.
I._
(
Urk.
9/70),
er habe am 12.
De
zember 2013 eine Verlauf
s
-ENG-Untersuchung durchgeführt und eine Ver
schlechterung festgestellt
. Er habe diesmal auch eine
leichtgradige
Kompression des
N.
medianus
links sowohl auf den motorischen als auch
auf den
sensiblen Fasern festgestellt. Ausserdem sei als neuer Befund ein
leichtgra
diges
sensomo
torisches Karpaltunnelsyndrom rechts auf
ge
treten, das auf die intensive Bean
spruchung der rechten Hand zurückzuführen sei.
3.
9
Dr.
Z._
nahm
6.
Mai 2014
erneut zur Unfallkausalität Stellung
(
Urk.
9/82)
. Er erklärte, das CRPS an der linken Hand sei nicht unfallbedingt – sofern über
haupt ein solches vorliege
, denn selbst die zuletzt dokumentierten Befunde ergäben keine ganz klaren Anhaltspunkte für ein CRPS. Zudem seien die für ein CRPS typischen Symptome (etwa Haut- und Nagelveränderungen, eine
Tempe
raturdifferenz
, Schmerzen, eine Schwellung und Rötung etc.) nicht in der von der Rechtsprechung geforderten Zeit, das heisse innerhalb von sechs bis acht Wochen nach dem Unfall
,
aufgetreten. In den ersten Monaten nach dem Unfall hätten laut den vorliegenden Unterlagen keine Anhaltspunkt
e
für ein CRPS bes
tanden. Zwar sei Ende April 2014
(richtig: 2013) der Verdacht auf ein CRPS geäussert worden, allerdings als Differenzialdiagnose. Dieser Verdacht habe jedoch in den vertieften Abklärungen nicht bestätigt werden können, nachdem die Versicherte am 1
3.
Mai 2013 in der Handchirurgie der
Klinik E._
umfassen
d
untersucht worden sei. Im Untersuchungsbericht vom 2
4.
Mai 2013 seien keinerlei Befunde festgehalten, die für ein CRPS typisch wären. Hätten solche vorgelegen
, wären sie sicher dokumentiert
und ein CRPS zumindest in der Differen
z
ialdiagnose in Betracht gezogen worden. Dass ein damals schon vorliegendes CRPS von den Handchirurgen verpasst worden sei
n
könnte, sei aufgrund der doch fast immer sehr auffälligen klinischen Symptomatik kaum vorstellbar. Vielmehr
habe
nur eine lokalisierte Schwellung (über dem
Processus
styloideus
ulnae
) festgestellt werden
können
, während bei einem CRPS eine diffuse Schwellung der ganzen Hand zu erwarten wäre. Zudem sei die Haut als unauffällig beschrieben worden, so dass auch keine trophischen Störungen oder eine Temperaturdifferenz
vorgelegen hätten
. Dementsprechend sei die Diagnose eines CRPS denn auch nicht gestellt
und nicht einmal in Betracht gezogen wor
den, sondern lediglich
ein
Status nach Handgelenksdistorsionstrauma links am 2
8.
Februar 2013
diagnostiziert worden
. Erst
Dr.
I._
habe
in seinem Bericht vom
7.
Oktober 2013 erstmals
erwähnt
, dass nun klare Anzeichen eines CRPS I vorliegen würden. Wie einleitend erwähnt, seien aber auch die in seinem Bericht festgehaltenen Befunde nicht dergestalt, dass spontan
an
ein CRPS
zu denken wäre.
Was das Karpaltunnelsyndrom (motorische
axonale
Störung des
N.
medianus
) betreffe führte
Dr.
Z._
aus, es sei festzuhalten, dass im Bericht von
Dr.
I._
erwähnt werde, dass seit mehr als einem Monat Gefühlsstörungen (Kribbeln, Taubheitsgefühle) bestünden. Das heisse, dass erst im August 2013, also früh
e
stens sechs Monate nach dem Unfall, Symptome aufgetreten seien, die auf ein Karpaltunnelsyndrom hinweisen könnten. Vorher hätte
n
keine entsprechen
den Symptome bestanden, insbesondere auch nicht bei der umfassenden Abklärung in der Handchirurgie der
Klinik E._
im Mai 201
3.
Bei einem Karpaltunnelsyndrom seien zudem Schmerzen und Sensibilitätsstörungen der Finger 1-3 (Daumen bis Mittelfinger) typisch. Die von der Beschwerdeführerin angegebenen Schmerzen der Finger 3-4 (Mittel- und Ringfinger) passten dem
nach nicht sehr gut
zu einem
Karpaltunnelsyndrom. Es gebe zudem keine Hin
weise darauf, dass ein allfälliges Karpaltunnelsyndrom in kausalem Zusammen
hang zum hier zur Diskussion stehenden Unfall stehe. Wenn nämlich schon damals ein struktureller Schaden aufgetreten wäre, der zu einem
Karpaltunnel
syndrom
geführt hätte, wären die ersten Symptome viel früher, sprich innert weniger Wochen aufgetreten. Somit sei es viel wahrscheinlicher, dass das Karpaltunnelsyndrom unfallunabhängig auf
ge
treten sei, zumal die Versicherte seit Dezember 2013 nun offenbar eine identische Symptomatik auch an der rechten Hand aufweise, wo direkte unfallbedingte Faktoren zweifelsfrei keine Rolle spielten. Auch die Hypothese, das Karpaltunnelsyndrom rechts sei die Folge einer Mehrbelastung der rechten Hand zur Schonung der linken, sei doch weitgehend spekulativ und es fehle eine objektivierbare medizinische Grundlage dafür. Demnach müsse auch dessen Auftreten rechts als spontanes und
unfall
unabhängiges
Leiden bezeichnet werden. Dies gelte ums
o
mehr, als die entspre
chenden Symptome bei der Versicherten beidseits in kurzer Folge aufgetreten seien und nun mittlerweile beidseits vorliegen würden.
Dr.
Z._
hielt zusammenfassend fest, die Beschwerdeführerin habe beim Unfall lediglich eine Handgelenks- und Mittelhanddistorsion erlitten. Einen ein
deutig objektivierbaren strukturellen Schaden habe der Unfall nicht verursacht. Der festgelegte
S
tatus quo sine per 3
0.
Juni 2013, also gut vier Monate nach dem Unfall, sei daher nicht zu beanstanden. Die nun geltend gemachten Beein
trächtigungen (CRPS I und Karpaltunnelsyndrom links sowie
Karpaltunnelsyn
drom
rechts) stünden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht in einem kausalen Zusammenhang zum Unfall, sondern seien unfallunabhän
g
ig.
3.
1
0
Dr.
med.
J._
, Fachärztin FMH für Rheumatologie und Innere Medizin,
berich
tete
am
3.
Juni 2014 (3/4)
. Sie erhob den folgenden Lokalbefund: diskrete
Haut
atrophie
auf der linken Seite des Handrückens, starke Druckschmerzen am Handgelenk und an MCP II-V, PIP und DIP II-V links, Extensionsdefizite, Ein
schränkung
der Fauststellung 4 cm,
Allody
nie
, Hypästhesie auf
Dermatom
C8
,
Thenatrophie
sowie Tremor. Sie gab an, die Beschwerdeführerin leide seit dem Distorsionstrauma der linken Hand nach einer körperlichen Tätlichkeit eines Schuldners am 2
8.
Februar 2013 an starken, immobilisierenden Handschmerzen. Aufgrund der anamnestischen Angaben und Untersuchungsbefunde interpre
tiere sie das klinische Bild am ehesten im Rahmen einer Stabilisierung eines CRPS nach IASP-Diagnosekriterien. Die von der betreuenden Ergotherapeutin aufgenommenen Bilder der linken Hand zeigten ein typisches Bild im Stadium I eines CRPS.
3.
11
Dr.
A._
gab
im Bericht vom
2.
Oktober 2014
an die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin (
Urk.
14/1) an, sie habe bereits früh den Verdacht auf ein beginnendes CRPS gehabt und deshalb die Patientin zur Beurteilung der strukturellen Läsion und auch zur Beurteilung hinsichtlich des CRPS an die
Klinik E._
zugewiesen. Aus dem Bericht der
Klinik E._
sei ersichtlich, dass offenbar nur eine strukturelle Beurteilung erfolgt und die Frage nach einem CRPS übersehen und entsprechend auch nicht beurteilt worden sei. In einem Frühstadium falle ein CRPS nicht einfach ins Auge und müsse gezielt gesucht und diskutiert werden. Offensichtlich sei die Beschwerdeführerin kurz darauf nochmals beim Handchirurgen im Spital
C._
beurteilt worden. Es stelle sich die Frage, wie diese Beurteilung
gelautet habe.
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist die Leistungseinstellung per 30. Juni 201
3
. Dabei steht insbesondere in Frage, ob die Beschwerdeführerin in jenem Zeitpunkt an einem unfallbedingten CRPS I an der linken Hand litt
(vgl. auch
Urk.
1
Rz
2 und
13 S.
1)
.
4.2
Beim CRPS handelt es sich um eine zusammenfassende Bezeichnung für die Extremitäten betreffende Krankheitsbilder, die sich nach einem schädigenden Ereignis entwickeln und durch anhaltenden Schmerz mit Störungen des vegeta
tiven Nervensystems, der Sensibilität und der Motorik gekennzeichnet sind. Das CRPS I (sympathische
Algodystrophie
, Sudeck-Syndrom; früher sympathische Reflexdystrophie) stellt eine Erkrankung der Extremität dar, die ohne definierte Nervenläsion nach relativ geringfügigem Trauma ohne Bezug zum
Inner
vationsgebiet
eines Nervs auftritt. Es kommt am häufigsten nach distaler
Radius
fraktur
bei wiederholten Repositionsmanövern, einengenden Gipsver
bänden oder ohne nachvollziehbare Ursache vor und wird in drei Stadien eingeteilt (I: Entzündungsstadium; II: Dystrophie; III: Atrophie [irreversibel]). Das CRPS II (früher Kausalgie) bezeichnet brennende Schmerzen und Störungen
des sympa
thetischen Nervensystems als Folge einer definierten peripheren Nervenläsion (häufig Hyperkompression). Klinische Symptome des CRPS sind schwer lokali
sierbare brennende Schmerzen (zum Beispiel
Allodynie
, Hyper
algesie) zusammen mit autonomen (Ödeme, Temperatur- und
Schweiss
sekre
tionsstö
rung
, eventuell trophische Störung der Haut, Nagelveränderungen, lokal ver
mehrtes Haarwachstum), sensiblen und motorischen Störungen. Im weiteren Verlauf kann es zu Knochenabbau (Demineralisation), Ankylose und
Funktions
verlust
kommen. Das CRPS gehört zu den
neurologisch-orthopädisch-trauma
tologischen
Erkrankungen
und stellt mithin einen organischen beziehungsweise körperlichen Gesundheitsschaden dar (Urteil des Bundesgerichts 8C_955/2008 vom 29. April 2009 E. 6 mit Hinweisen
).
Die Qualifikation eines CRPS, dessen Ätiologie und Pathogenese unbekannt sind, als Unfallfolge setzt rechtsprechungsgemäss die folgenden drei Kriterien voraus: a) Nachweis eines Körperschadens nach einem Unfall (beispielsweise in Form eines Hämatoms oder einer Schwellung) oder das Auftreten einer
Algodystrophie
nach einer wegen einer Unfallverletzung durchgeführten Opera
tion, b) Ausschluss anderer nicht traumatischer, ursächlicher Faktoren (wie zum Beispiel Zustand nach Myokardinfarkt, nach Apoplexie, nach/bei Barbiturat-Einnahme, bei Tumoren, bei Schwangerschaften etc.) sowie c) Kurze Latenzzeit zwischen dem Unfall und dem Auftreten der
Algodystrophie
(bis maximal sechs bis acht Wochen; vgl. Urteile des Bundesgerichts U 436/06 vom 6. Juli 2007 E. 3.4.2.1, 8C_150/2008 vom 24. Juli 2008 E. 3.2.2 und 8C_384/2009 vom 5. Januar 2010 E. 4.2.1).
4.3
Für die somit entscheidende Fragestellung, ob
die für ein C
RP
S typischen Symp
tome ausweislich der echtzeitlichen medizinischen Akten innerhalb von sechs bis acht Wochen nach
dem
Unfall aufgetreten sind (vgl. dazu auch
Urteil des Bundesgerichts 8C_
233
/2013 vom
9.
Oktober 2013 E. 6.2
)
,
kann auf die überzeugende
n
Stellungnahme
n
von
Dr.
Z._
abgestellt werden
(vgl. E. 3.6 und E. 3.9)
.
Dr.
Z._
setzte sich mit der medizinischen Aktenlage
differenziert auseinander
.
Er
legte unter Hinweis auf die im Bericht der
Klinik E._
dokumentierten Befunde sowie auf die auch über ein Jahr nach dem Unfall
immer noch
nicht eindeutige Befundlage nachvollziehbar
dar
, dass ein
allfälli
ges C
RP
S
b
ei
der
linken
H
and
überwiegend wahrscheinlich
nicht kausal auf den Unfall vom 28.
Februar 2013 zurückzuführen ist.
4.4
Die von der Beschwerdeführerin gegen die Expertise
n
von
Dr.
Z._
vorge
brach
ten Einwände sind nicht geeignet,
diese begründet in Zweifel zu ziehen
.
Dass im Untersuchungsbericht der
Klinik E._
k
ein
Bezug auf ein mögliches C
RP
S genommen wird
,
ist zwar angesichts der ausdrücklichen Fra
gestellung im
Überweisungsschreiben
unbefriedigend
. Daraus e
contrario
zu schliessen, die Ärzte hätten diese mögliche Ursache der Beschwerden während ihrer Untersuchung übersehen, überzeugt
indessen
nicht.
Immerhin g
eht
aus dem Bericht der
Klinik E._
deutlich hervor, dass keine C
RP
S-spezifi
schen Befunde erhoben wurden und auch keine andere Ursache für die nach wie vor bestehenden Schmerzen gefunden werden konnte. Die
E._
-Ärzte erachteten einzig eine Anpassung der Handschiene als notwendig, um den Faustschluss wieder zu ermöglichen. Ansonsten konnten sie keine
Therapie
optionen
empfehlen.
4.5
Richtig ist
z
war der Hinweis,
dass
keine Berichte
über
die von der Hausärztin
erwähnte
Konsultation vom 3
0.
April 2013 bei
Dr.
med.
K._
, leitender Arzt Handchirurgie
,
Spital
C._
, aktenkundig
sind
(vgl.
Urk.
9/30). Die vorhanden
en
Dokumente, namentlich die
Ergotherapieverordnungen
von Dr.
K._
, lassen allerdings
auch
nicht
erkennen
, dass
er
von einem CRPS ausging. In der Ver
ordnung vom
2
1.
Mai 2013
wies
Dr.
K._
auf
eine
Schmerzverarbeitungsstö
rung
nach Finger-
und
Handgelenksdistorsion vom 28. Februar 2013
hin und fügte – entsprechend den
Ausführungen der Hausärztin
–
an „fraglich: CRPS“
(
Urk.
9/36)
. In der Verordnung vom
1.
Juli 2013 taucht
e
das
CRPS dann
gar nicht mehr
auf. Dr.
K._
ging zu diesem Zeitpunkt von einem
Rehabilitations
defizit
der linken Hand bei einem Status nach Distorsionstrauma (Handge
menge) vom 2
8.
Februar 2013 aus (
Urk.
9/55).
4.6
Eine
eindeutige
Ursache für das Rehabilitationsdefizit konnten die verschiede
nen Fachärzte, welche die Beschwerdeführerin im Nachgang zum bei der Beschwerdegegnerin versicherten Unfallereignis konsultierte
,
offenbar nicht finden.
Dr.
A._
wies auf eine
diffuse Schmerzsymptomatik
hin
. Dr.
K._
ging
offenbar
von einer Schmerzverarbeitungsstörung aus. Die Ärzte der Klin
i
k
E._
konnten
bei einem Status nach
Handgelenksdistorsions
trauma
links am 28.
Februar 2013
keine Thera
pieoptionen empfehlen.
Erstellt ist mit den Röntgen- und MRI-Bildern ein alter Abriss des
Processus
styloideus
ulnae
– hier bestand bei der Untersuchung in der Klinik
E._
auch eine leichte Schwellung – sowie eine leichte Abkippung des distalen Radius nach dorsal (am ehesten posttraumatisch) und eine
Ulna
-Plus-Variante.
Ob die Ver
änderungen
beim
SL
-Band
ebenfalls auf
die alte Fraktur
oder auf den Vorfall vom 28.
Februar 2013 zurückzuführen sind,
beurteilten
die Ärzte
offenbar unterschiedlich
(
vgl. E. 3.4
, E. 3.
5
und E. 3.
6
); diese
scheinen
für das
Beschwer
debild
aber
auch
keine
wesentliche
Rolle zu spielen
(vgl. E. 3.
5
)
.
4.7
Zutreffend
ist, dass im
Laufe der
unergiebigen
Abklärungen
auch
erwogen
wurde
, ob allenfalls ein CRPS für die Schmerzen
verantwortlich
sein könn
te.
Einzig diese
Verdachtsdiagnose, die sich nicht erhärtete, kann aber nicht als überwiegend wahrscheinliche Ursache
für die
anhaltenden
Beschwerden
gelten
.
Selbst
aus
den
lange nach
den
m
assgebenden sechs bis acht Woch
en
ergange
nen – und insofern nicht
mehr ganz zentralen – Berichten
geht
die Diagnose eines CRPS nicht eindeutig
hervo
r
.
Dr.
J._
gab
in ihrem Bericht vom
3.
Juni 2014
an
, aufgrund der anamnestischen Angaben und Untersuchungsbefunde interpretiere sie das klinische Bild
am ehesten
im Rahmen einer Stabilisierung eines CRPS nach IASP-Diagnosekriterien. Ein eindeutiges Bild scheint auch sie nicht gewonnen zu haben.
So gab auch das
MRI, das sie
am 15.
Mai 2014
in der
Klinik E._
anfertigen liess,
keine Hinweise auf ein CRPS (
Urk.
3/4 S.
3)
.
Dr.
I._
äusserte
im Oktober 2013, über
ein halbes Jahr nach dem Unfall
,
zunächst
den dringenden Verdacht auf ein
CRPS
.
Hernach ging er i
m Bericht vom 1
6.
Dezember 2013
(
Urk.
9/70)
ohne weitere Erklärungen dazu über, dieses als klar
vorauszusetzen
(„Die Beschwerden beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom
der li
.
Hand, wel
ches sich nach einem Handgemenge am 28.02.13 entwickelt hat, ....“). In seinen Berichten stützt
e
er sich massgeblich auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin. Eigene CRPS-spezifischen Befunde erhob
er
kaum
(vgl. E.
3.
9
)
.
Würden die von der
Beschwer
deführerin eingereichten Bilder
vom
4.
April 2013 (
Urk.
3/3b und
Urk.
3/3c)
CRPS-
relevante Befunde
erkennbar machen
,
wie
etwa eine
typische
Schwellung, dann wären diese
Befunde
auch im Bericht von Dr.
A._
, welche die Beschwerdeführerin am
2.
April 2013 untersucht hatte (vgl.
Urk.
9/27), beschrieben worden
.
Zudem zeigen
bereits
die erheblichen Differenzen
zwischen den
Schwarz
weiss
-
und den Farb
ausdrucken
sowie
zwi
schen
der Seiten- und
der
Draufsicht
(vgl.
Urk.
3/3b und
Urk.
14/3)
, dass ein Schluss
von
diesen Bildern – die auch keinen Vergleich mit der rechten Hand zulassen – auf
diagnoseerhebliche Befunde
höchst
fragwürdig wäre
.
Keine
spe
zifischen
Hinweise auf ein CRPS sind denn auch dem von der Beschwerde
führerin eingereichten
Email
des Ergotherapeuten
L._
der Praxis Ergothera
pie
M._
an die Hausärztin
Dr.
B._
vom 1
9.
September 2013
zu entnehmen (Urk. 3/3a). Anzumerken bleibt, dass
der Ergotherapeut
offenbar davon ausging, dass im September 2013 eine Arbeitsaufnahme (zumindest teilweise) wieder möglich
gewesen
wäre.
Offenbar konnte auch
die Hausärztin
(spätestens)
im September 2013 keine unfallbedingte
Ursache für die
Arbeitsunfähigkeit mehr
ausmachen
(
Urk.
14/2 S. 2
i.V.m
.
Urk.
9/67
)
.
4.
8
Bei dieser Sachlage ist es angesichts des
an sich
banalen Unfalls
mit
vor
bestehen
den
Befunden
nicht zu kritisieren, wenn die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Akteneinschätzung ihres Vertrauensarztes zum Schluss kam, die persistierenden Beschwerden der Beschwerdeführerin seien überwiegend wahr
scheinlich ab
1.
Juli 2013 nicht mehr auf den Unfall vom 2
8.
Februar 2013 zurückzuführen.
4.
9
Erstellt ist zudem
, dass das von
Dr.
I._
und
Dr.
J._
diagnostizierte
Karpal
tunnelsyndrom
(motorische
axonale
Störung des
N.
medianus
), zuerst links und zunehmend auch rechts (vgl.
Urk.
3/4 und
Urk.
9/70), nicht als unfallkausal anzusehen ist.
Dr.
J._
stellte diese Diagnose denn auch nicht in Zusammen
hang mit dem Unfall vom 2
8.
Februar 201
3.
Ein struktureller Schaden, der
ein solche
s Syndrom hätte auslösen können
, wurde nie ausgewiesen
(vgl. E. 3.
9
)
.
Dr.
I._
wies
in seinen
Berichten im Weiteren auf eine depressive Verstimmung hin (vgl.
auch
Urk.
14/2). Die attestierte Arbeitsunfähigkeit von
„
über 70
%
“
führte er aber einzig auf den Umstand, dass die Beschwerdeführerin die linke Hand nicht mehr gebrauchen könne, zurück. Er scheint der psychischen Beein
trächtigung – die im Übrigen auch nicht sein Fachgebiet
betrifft
– somit in Bezug auf die Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit keine Relevanz beizu
messen. Anzumerken bleibt,
dass
der v
on der
Beschwerdeführer
in
geltend
gemachte Unfallhergang – der genaue Ablauf ist wie regelmässig bei einem Handgemenge nur schwer nachvollziehbar (vgl. auch Aussagen im Strafver
fahren
Urk.
9/41) – zu den leichten Unfällen zu zählen ist. Bei leichten Unfällen wird
in der Regel
praxisgemäss
der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen
ohne weiteres verneint
, weil auf
grund der allgemeinen Lebenserfahrung aber auch unter
Einbezug
unfallmedizi
nischer
Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass
ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen (BGE
120 V 352 E. 5b/
aa
, 115 V 133 E. 6a).
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
5.1
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die mit
Verfügung vom 2
8.
Juli 2014 (
Urk.
10)
bestellte unentgeltliche Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin,
Rechtsanwältin Christina Ammann
, aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
5.2
Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss § 8 in Verbindung mit § 7 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird – auch im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung
–
namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
5
.
3
Der von
Rechtsanwältin Christina
Ammann
mit Eingabe vom
6.
November
2015 geltend gemachte Aufwand von 21.58
Stunden
(Urk. 19) ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen. Nicht zu entschädigen sind zunächst die
zusätzlich zu Besprechungen geführten,
nicht weiter erläuterten
39
Telefongespräche
mit
der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann
sowie
die nach Einreichung der Replik geführten Besprechungen,
wel
che die Rechtsvertreterin auch zu keine
n
neuen Eingabe
n
– zumindest nicht beim hiesigen Gericht – veranlasst haben.
Nicht ersichtlich ist weiter die Not
wendigkeit des Briefverkehrs mit der Beschwerdeführerin, namentlich im Jahr 2015, in welchem keine Prozessleitungsschritte mehr anfielen.
Ausser Acht zu bleiben hat zudem das Telefonat mit der Allianz vom 1
2.
Juni 2015, die im vor
liegenden Verfahren nicht Partei ist.
Dass sodann zwei Fristerstreckungsgesuche mit 35 Minuten sowie die Rechnungsstellung mit 20 Minuten zum Anwaltstarif verrechnet werden, geht nicht an.
Angesichts der zu studierenden
knapp 90
Aktenstücke der Beschwerdegegnerin, der
je fünf
seitige
n
Beschwerdeschrift
und Replik
,
den Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung,
der im Tätigkeitsnachweis aufgeführten Barauslagen
(
Urk.
19
, Kopien werde
n
zu Rp. 5
0 entschädigt
)
sowie der in ähnli
chen Fällen zugesprochenen Beträgen ist die Entschädigung von
Rechtsanwältin
Christina
Ammann
bei Anwendung des gerichtsüblichen
Stundenan
satzes
von Fr. 200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer
; die massgebenden Leistungen wurden im Jahr 2014 erbracht
) auf
Fr.
2‘
76
0
.--
inkl. Barauslagen und
Mehr
wertsteuer) festzusetzen.
5
.
4
Die
Beschwerdeführer
in
ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach
sie
zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, sofern
sie
dazu in der Lage ist.