Decision ID: 11f70b4d-3253-42b2-8dba-1258f2af5995
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1995, meldete sich am 27. Februar 2014
wegen depressiver Verstimmungen
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2
Ziff. 5.1
).
Am
17. Juni 2014
teilte die IV-Stelle
ihm
mit
, dass kein Anspruch auf berufliche Massnahmen
bestehe,
da
er eine Lehrstelle im ersten Arbeitsmarkt gefunden habe
und derzeit keine Unterstützung wünsche
(Urk. 7/25).
Mit Ver
fügung vom 12. September 2014 (Urk. 7/29) verneint
e sie
auch
einen Renten
an
spruch.
Am
22. September 2014
informierte der Versicherte die IV-Stelle
über den Ab
bruch
der
Berufslehre
zum Gebäudereiniger EFZ
(Urk. 7/31
; vgl. auch Urk. 7/32
). Diese erteilte daraufhin
a
m
2. Oktober 2014
Kostengutsprache für eine erstmalige berufliche Ausbildung
zum Gebäudereiniger EFZ
(Urk. 7/34).
Die Ausbildung wurde
schliesslich
in eine solche
zum Gebäudereiniger mit Berufsattest EBA abge
ändert (Urk. 7/53).
Am 16. August 2016 (Urk. 7/87)
informierte
die IV-Stelle
den Versicherten
über den Abschluss der beruflichen Massnahmen, nachdem
er die
Ausbildung
zunächst nicht bestanden hatte
.
Im Juni 2017
schloss er die Aus
bildung
mit dem Attest
als Gebäudereiniger EBA
ab
(Urk. 7/102/5).
1.2
Die IV-Stelle
holte
in der Folge
medizinische Bericht (Urk. 7/107/6-8, Urk
. 7/115, Urk. 7/120, Urk. 7/
139) und ein
polydisziplinäres Gutachten (Urk. 7/153) ein. Am 22. April 2020 (Urk. 7/169) erliess sie den Vorbescheid, wogegen der Versicherte Einwände (Urk. 7/172) vorbrachte.
Mit Verfügung vom 2. Juni 2020 (Urk. 7/175 = Urk. 2) verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf
Leistungen der Invalidenversicherung.
2.
Der Versicherte erhob
am 30. Juni 2020 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2. Juni 2020 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine ganze Rente auszurichten (Urk. 1 S. 2 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 10. September 2020 (Urk. 6)
die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 1. Oktober 2020 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
hielt im angefochtenen Entscheid (Urk. 2)
fest, die
psychiatrischen Diagnosen seien gut behandelbar. Bei adäquater psychiatrischer Behandlung und Abstinenz von Cannabis sei medizinisch-theoretisch von
einer
Remission de
r Depression und der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit aus psy
chiatrischer Sicht auszugehen.
Sie
sei der Meinung, dass die vorliegenden Diag
nosen bei Weiterführung der Behandlung überwindbar und behandelbar seien (S.
2
oben).
Die Schadenminderungspflicht sei nicht erfüllt worden, obwohl keine iv-relevanten
Gründe ersichtlich seien, die eine konsequente Therapie verunmöglicht hätten (Urk. 6).
2.2
Der Beschwerdeführer brach
t
e vor, die Beschwerdegegnerin habe
in der ange
fochtenen Verfügung eine Rente mit der Begründung verweigert
,
dass er seiner Schadenminderungspflicht nicht nachgekommen sei. Die Behauptung sei aus der Luft gegriffen, willkürlich und aktenwidrig (
Urk. 1
S. 4 Ziff. II.
6-
7).
Die
Be
schwerdegegnerin habe
des Weiteren
den Bericht der Ärzte des Zentrums
Y._
vom 28. Januar 2020 in willkürlicher Weise igno
riert. Die angebliche Verletzung der Schadenminderungspflicht sei einzig auf die von den Gutachtern fest
gestellten psychischen Probleme,
insbesond
e
re eine rezi
di
vierende depressive Störung bei mittelgradiger depressiver Episode und psychi
sche Verhaltensstörungen durch Cannabinoide und Tabak, und auf das Sucht
verhalten des Beschwerdeführers zurückzuführen (S. 5 Ziff. II.8). Gemäss neuester Rechtsprechung des Bundesgerichts handle es sich bei Sucht um eine Krankheit (S. 5 Ziff. II.9).
2.3
Streitig ist, ob ein Rentenanspruch besteht. Zunächst ist zu prüfen, ob auf das von der Beschwerdegegnerin eingeholte polydisziplinäre Gutachten
vom 1. Mai 2019
abgestellt werden kann.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer
begann
ab dem
1. Oktober 2014 bei der
Z._
GmbH eine von der Invalidenversicherung finanzierte
dreijährige
Berufs
lehre zum Gebäudereiniger
EFZ
(Urk. 7/51/1 Ziff. 2).
Der Verantwortliche des Lehrbetriebes gab im Zwischenbericht vom 2. April 2015 (Urk. 7/5
1
/1-2) an, der Beschwerdeführer habe die ersten drei Monate der Ausbil
dung in einer Reinigungsfirma im
ersten Arbeitsmarkt absolviert, worauf diese
aus verschiedenen Gründen
abgebrochen worden sei
(S. 1
Ziff. 8). Weiter wies er
auf ungenügende schulische Leistungen des Beschwerdeführers in der Berufs
schule hin.
Als
Folge der Schwierigkeiten
werde die Ausbildung
ab dem 20. April 2015 auf das Niveau Gebäudereiniger
E
BA abgeändert (S. 2 oben).
3.2
Im Zwischenbericht vom 20. November 2015 (Urk. 7/64
) empfahl der Verantwort
liche
des Lehrbetriebes
eine psychotherapeutische Unterstützung
.
Er führte dazu aus
, der Beschwerdeführer habe in diesem Zusammenhang Bedenken geäussert und könne den Sinn einer solchen Unterstützung nicht erkennen. Im praktischen sowie im schulischen Bildungsteil weise er Rückstände auf, die nur mit einem ausserordentlichen
Effort
aufgeholt werden könnten (S. 2 Ziff. 9).
Auch im Zwischenbericht vom 22. März 2016 (Urk. 7/77/1-2) wurde auf die unge
nügenden Leistungen, auf die häufigen Absenzen und den ungewissen Ausgang
der Abschlussprüfung hingewiesen. Eine psychotherapeutische Unterstützung habe
installiert werden können.
Im Abschlussbericht vom 15. Juli 2016 (Urk. 7/80/1-4)
wurde festgehalten, auf
grund des nicht bestandenen Qualifikationsverfahrens (QV)
,
de
r
näher beschrie
benen Defizite
in den verschiedenen Kompetenzbereichen
und der noch nicht abschliessend erreichten Bildungsziele sei eine Eingliederung in den ersten Arbeits
markt zurzeit noch kaum möglich. Der Versicherte sei bei der Arbeit noch auf ein wohlwollendes Umfeld angewiesen
(S. 3 Ziff. 11). Die vereinbarte psy
chothera
peutische Begleitung nehme er seit dem 19. Mai 2016 nicht mehr wahr (S. 3 Ziff. 10).
Im Juni 2016 bestand der Beschwerdeführer die Lehrabschlussprüfung erfolgreich (Urk. 7/102/2-6).
4
.
4
.1
Lic. phil.
A._
, Psychologin FSP,
und Dr. med.
B._
,
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie,
nannten im Bericht vom 27. März 2014 (Urk. 7/12/5-11) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und des Sozial
verhaltens (ICD-10 F43.25), Beginn schleichend, vermutlich seit 2010
-
hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens (ICD-10 F90.1)
-
expressive Sprachstörung (ICD-10 F80.1), bestehend seit früher Kindheit
-
rezeptive Sprachstörung (ICD-10 F80.2), bestehend seit früher Kindheit
-
nichtorganische Insomnie (ICD-10 F51.0), bestehend seit Beginn der Puber
tät
Lic. phil.
A._
und Dr.
B._
führten zur Anamnese aus, bei einer Schul
psychologischen Untersuchung im Herbst 2010 seien grosse sprachliche Schwi
e
rig
keiten
des Beschwerdeführers bei einem sehr kleinen Wortschatz
festgestellt
worden
. Die Intelligenz sei als knapp durchschnittlich beurteilt worden (S. 2 Mitte
).
Hinsichtlic
h der Arbeitsfähigkeit bestehe eine
deut
liche psychische Einschrän
kung
mit depressiver Verstimmung, Aggression, impulsivem Verhalten, Motiva
tionseinbrüchen, Schlafstörungen und einem niedrigen Selbstwert.
Weiter bestehe
eine deutliche Einschränkung
durch eine eingeschränkte auditive Merkfähigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und eine sowohl rezeptiv als auch expressiv ein
geschränkte Sprache.
Dies wirke sich aus in Form einer
deutliche
n
Beeinträch
ti
gung der Leistungsfähigkeit, des Arbeitsverhaltens (Selbständigkeit, Konzen
tra
tion,
Ausdauer, Motivation, Arbeitstempo, Erfüllen von Pflichten, Pünktlich
keit, geringe Frustrationstoleranz) und im sozialen Umfeld
(S. 3 Ziff. 1.7).
Lic. phil.
A._
und Dr.
B._
gaben in einem Beiblatt vom 27. März 2014 (Urk. 7/12/12-13)
ergänzend
an, es bestehe ein Gesundheitsschaden. Der Be
schwerdeführer sei so beeinträchtigt, dass sowohl die sozialen Anforderungen einer Lehre in der freien Wirtschaft als auch die intellektuellen Anforderungen sowie die Anforderungen bezüglich Selbständigkeit, Arbeitshaltung, Arbeitsor
ganisation und emotionaler Stabilität nicht erfüllt seien. Die Beeinträchtigung
bestehe
aufgrund von
Schwierigkeiten hinsichtlich der Selbständigkeit und Arbeitshaltung
, durch eine Anpassungsstörung, depressive und impulsive Reak
tionen
sowie durch
Konzentrations-
und sprachliche Schwierigkeiten (S. 1 oben).
Der Beschwerdeführer könne gestellte Aufgaben nicht völlig selbständig erledi
gen. Er benötige Hilfe bei der Arbeitsmotivation, der Arbeitshaltung und der Strukturierung des Alltag
s
und sei auf einen wohlwollenden Kontakt zu einer Bezugsperson angewiesen (S. 1 unten).
4
.2
Der Beschwerdeführer
ist seit dem 29. November 2016
beim
Y._
in ambulante
r
psychiatrische
r
Behandlung
(Urk. 7/107/1 Ziff. 1.2)
.
Die Ärzte des
Y._
stellten im Bericht vom 16.
Oktober
2017 (Urk. 7/107/6-8) folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 Ziff. 1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Verdacht auf Intelligenzminderung
-
Status nach Unfall von 2012 mit Fraktur des linken Fusses
-
Status nach Fraktur des rechten Handgelenkes, August 2017
Weiter wurde ausgeführt, für
eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit
auf ein Pensum von 50 %
zirka ab dem 1. Januar 2018 bestehe eine gute Prognose.
Eine höhere Arbeitsfähigkeit
erscheine aktuell unrealistisch (S. 2 Ziff. 1.4 unten).
Der Patient sei nach wie vor sehr depressiv und leide aus noch nicht genau geklärten Gründen schon seit der Schulzeit unter intellektuellen und sozialen Schwierigkeiten (S. 1 Mitte).
4
.3
Die Ärzte des
Y._
gaben im Bericht
vom 9. April 2018 (Urk. 7/120/4-5)
an, die gegenwärtige Behandlung bestehe seit Oktober 2017
und erfolge zirka
einmal pro Monat (Urk. 7/120/2 Ziff. 3.1). Sie stellten neu die
Verdachtsdiagnose einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0) sowie
die Diagnosen
psychische Verhaltensstörungen durch Cannabinoide, schä
dlicher Gebrauch (ICD-10 F12.1)
,
und
psychische Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F17.2, S. 1 Ziff. 1.2).
Die Ärzte
des
Y._
führten weiter aus, der
Beschwerdeführer arbeite aktuell 20 % als Gebäudere
iniger. Schmerzen hinderten ihn daran,
mehr zu arbeiten. Darüber hinaus bestünden deutliche Depressionen mit Lust- und Interesselosigkeit, Kon
zentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Gedankenkreisen, grosser Traurigkeit, Nach
denklichkeit, Motivations-, Antriebs- und Hilflosigkeit
. Weiter bestünden Schlaf
störungen und ein verminderter Appetit (S. 1 oben). Es werde vermutet, dass der Patient u
nter einer Intelligenzminderung,
einer massiven ADHS und eventuell einer Störung in der Persönlichkeitsstruktur leide (S. 1 unten).
Weiter habe er einen sehr labilen Selbstwert und Schwierigkeiten, wenn es darauf ankomme, die erforderte Leistung zu erbringen. Er leide dann unter massiven Versagensängsten und an einer depressiven Resignation (S. 2 Ziff. 1.3).
4.4
Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Neurologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, führte in der Stellungnahme vom 21. Juni 2018 (Urk. 7/168 S. 5 f.) aus,
es sei
eine Störung des Sozialverhaltens bekannt.
Diese habe, soweit ersichtlich, zum
Scheitern der beruflichen Massnahmen geführt.
2014 seien weiter
ein niedriger Selbstwert und
depressive Symptome beschrieben
worden und es hätten kogni
tive, intellektuelle oder schulische Einschränkungen vorgelegen.
Bis Oktober
2017 habe offensichtlich keine spezifische psychotherapeutische Behandlung statt
ge
funden. Gemäss dem Bericht der Ärzte des
Y._
vom 9. April 2018
erfolge die Behandlung mit einer monatlichen Frequenz
, was sicherlich nicht ausreiche. Wie unter den genannten Voraussetzungen eine Arbeitsfähigkeit von 50 % erreicht werden solle, könne nicht nachvollzogen werden (S. 5 unten). Auf den Bericht können nicht abgestellt werden.
Es würden weitere Abklärungen empfohlen
(S. 6 oben).
4
.5
Dr. med.
D._
, Facharzt für Chirurgie, nannte im Bericht vom 9.
Oktober 2018 (Urk. 7/139) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit (S. 4 Ziff. 2.5):
-
cervikal und lumbal betontes
Panvertebralsyndrom
(
PVS
)
-
Status nach Trauma mit
Pilon
-
Tibial
-Fraktur links und nach Osteosyn
these
einer
Pilon
-
Tibial
-Fraktur (2009)
-
Status nach
Osteosynthese-Materialentfernung (
OSME
)
, Osteosynthese linker Unterschenkel 2015
-
Status nach Kontusion der rechten Hand mit nicht dislozierter mehr
frag
mentärer,
interartikulärer
Basisfraktur des Os metakarpale III mit Restbe
schwerden nach konservativer Behandlung
der Handgelenksfraktur
-
Hypästhesie und Dysästhesie am linken Fuss bei
Status nach operativer Behandlung einer
Pilon
-
Tibial
-Fraktur links
-
Verdacht auf
ein
Complex
Regional Pain Syndrome (
CRPS
)
linker Fuss
-
Haltungsinsuffizienz
-
muskuläre Dysbalance
-
Senk- und Spreizfüsse beidseits
-
Achillodynie beidseits
-
Hallux
val
g
us links
-
Hammerzehe
Dig
. I-IV links
-
rezidivierende depressive Störung mit mittelgradiger depressiver Episode
Seit ei
nem Unfall im Jahr 2012 bestehe
eine Arbeitsfähigkeit als Gebäudereiniger
von zwei Stunden täglich
beziehungsweise eine Arbeitsunfähigkeit von 80 %
(S.
2
Ziff. 1.3).
Die Untersuchungen und bildgebenden Verfahren hätten keine wesentlichen degenerativen Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) und der Lendenwirbelsäule (LWS) ergeben. Die chronischen Rückenbeschwerden erklärten sich vor allem durch eine deutliche Haltungsinsuffizienz sowie eine muskuläre Dysbalance. Weiter bestünden deutliche Fussbeschwerden links. Es handle sich um belastungsabhängige Schmerzen und Ruheschmerzen im Bereich des oberen Sprunggelenks bei einem Status nach operativer Versorgung einer
Pilon
-
Tibial
-Fraktur 200
9
und OSME 2012.
Lokal
bestünden zudem
eine Hypästhesie und Dysästhesie am linken Fuss
und klinisch der Verdacht auf ein CRPS
. Weiter
lägen
seit einer
Kontusion am rechten Handgelenk im August 2017 belastungs
ab
hängige Beschwerden und Ruhebeschwerden am rechten Handgelenk
vor
(S. 3 Ziff. 2.1).
Die Arbeitsfähigkeit könne noch nicht abschliessend beurteilt werden, da der Patient zusätzlich durch eine rezidivierende depressive Störung mit mittelgra
diger depressiver Episode belastet sei.
Die Beurteilung der
Arbeitsunfähigkeit stütze sich vor allem
auf die
psychiatrische Diagnose (S. 4 Ziff. 2.7).
Die Haupt
einschränkung bestehe durch eine relativ rasche Erschöpfung und Ermüdbarkeit, die vor allem psychisch bedingt sei. Die somatische Situation müsste mit einem funktionellen Leistungstest überprüft werden (S. 5 Ziff. 3.4).
Im Haushalt bestehe
für
schwere Arbeiten eine Einschränkung von 50 %. Für leichte Arbeiten bestehe keine Einschränkung (S. 7 Ziff. 4.5).
4
.6
Dr. med.
E._
, Facharzt für Chirurgie, RAD, führte in der Stel
lungnahme vom 29. Oktober 2018 (Urk. 7/168 S. 7 unten) aus, aus psychiatrischer Sicht werde eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit bescheinigt. Dr.
D._
habe eine Arbeitsunfähigkeit von 80 % seit einem Unfall von 2012 dokumentiert. Zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit liege keine Stellungnahme vor. Für den Haushalt werde für schwere Tätigkeiten
eine Arbeitsunfähigkeit von 50
% angegeben. Für leichte Tätigkeiten
bestünden keine Einschränkungen.
4.7
4
.
7
.1
Die Beschwerdegegnerin holte beim Zentrum
F._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am 1. Mai 2019 (Urk. 7/153) erstattet wurde. Es beruht auf den fachärztlichen Untersuchungen in den Fachgebieten Orthopädie/Traumatologie, Allgemeine Innere Medizin, Psy
chiatrie und Neuropsycholog
i
e (S. 3 Ziff. 2). Es ist von Dr. med.
G._
, Facharzt für Chirurgie und für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegu
ngsapparates, Dr. med.
H._
, Facharzt für Physikali
sche Medizin und Rehabilitation, für Arbeitsmedizin und
für Allgem
eine Innere Medizin, Dr. med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Neu
rolo
gie, Dr. med.
J._
,
praktische Ärztin und
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, Dr. med.
K._
, Facharzt für Chirurgie,
und
L._
unterzeichnet (S. 10).
Im orthopädisch-traumatologischen Teilgutachten
(Urk. 7/153/19-32)
wurde aus
geführt, der Beschwerdeführer habe
permanente
Beschwerden am linken Bein und dem linken Fuss angegeben. Nach
einem
Bruch des linken Beins hätten sich Krallenzehen entwickelt.
In den letzten Jahren habe er mehr Schmerzen im linken Fuss und dem Unterschenkel
(S. 21 Ziff. 3.2 oben). Zurzeit arbeite er zwei Stunden pro Tag als Gebäudereiniger. Er müsse den Abfall leeren und Tische reinigen
. Die Arbeit sei sehr anstrengend
(S. 22 oben). Der Beschwerdeführer sei der Meinung, dass er nicht mehr als Gebäudereiniger arbeiten könne.
Auch die
momentan absolvierten zwei Stunden seien
ihm
zu viel
. Eine leichte, stressfreie Arbeit könne er sich
aber
vorstellen
, jedoch auch nicht länger als vier Stunden pro Tag
(S. 23 oben).
Die Gelenkkonturen sämtlicher Abschnitte beider oberer Extremitäten seien un
auffällig, es bestünden keine Gelenkvergröberungen. Zum Zeitpunkt der Unter
suchung bestehe ein mässiger Druckschmerz des rechten Daumengrundgelenks, welcher seit einigen Tagen vorliege und auf eine Arbeitsverletzung zurück
zuführen sei
. Es bestünden keine Hinweise auf eine chronische Erkrankung
(S. 24 Mitte). Über Schmerzen im Bereich des Achsorgans habe der Beschwerdeführer nicht geklagt
. Bei der orientierenden neurologischen Untersuchung seien keine Auffälligkeiten festzustellen gewesen. Es bestünden keine Hinweise für eine radi
kuläre oder pseudoradikuläre
Symptomatik
(S. 25 unten).
Der Beschwerdeführer habe im April 2009 eine distale Unter
schenkelfraktur links erlitten, die
später als
P
ilon
-t
i
biale-Fraktur bezeichnet worden sei
.
Danach sei
über Auffälligkeiten des linken Fuss im Sinne einer Krallenzehenstellung bei D1-4
berichtet und der Verdacht auf ein stattgehabtes CRPS geäussert worden. Der Beschwerdeführer habe anlässlich der Begutachtung mässige
,
belastungsab
hängige Schmerzen im linken oberen Sprunggelenk beschrieben. Weiter bestün
den seit der
Jugend diffuse Schmerzen, deren Lokalisation nicht reproduziert werden könne
(S. 27 Ziff. 6 oben)
.
Aus orthopädisch-traumatologischer Sicht könne eine geringe Bewegungsein
schränkung des linken oberen Sprunggelenks nach
Pilon
-tib
i
ale-
Fraktur verifi
ziert werden, ohne neurologische Auffälligkeiten. Weiter bestehe eine geringe Krallen-/Kl
auenzehenbildung I-IV mit einem
etwas
vermehrten Hohlfuss links als mutmassliches Residuum der gelenkbildenden distalen Unterschenkelfraktur. Die Beweglichkeit des linken unteren Sprunggelenks sei nicht eingeschränkt. Die Bemusk
e
lung
beider
Ober- und Unterschenkel sei seitengleich als Hinweis für eine seitengleiche Benutzung und Belastbarkeit der linken unteren Extremität.
Eine verminderte Belastbarkeit des linken Beins nach der operativen Behandlung der Fraktur lasse sich
also
nicht verifizieren. Auch die Benutzungszeichen der Schuhe liessen auf ein seitengleiches Gangbild schliessen. Ein solches habe der Be
schwerdeführer auch anlässlich der Begutachtung gezeigt (S. 27 Ziff. 6 Mitte).
Dr.
G._
verneinte
aus orthopädisch-traumatologischer Sicht
eine Diagnose mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnose ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit nannte er
eine
knöchern konsolidierte distale Unterschenkel
fraktur
nach operativer Behandlung
mit
residueller
geringer Bewegungs
ein
schränkung des linken oberen Sprunggelenks, ohne Bewegungseinschränkung des
linken unteren Sprunggelenks und
mässiger Hohlfussbil
d
ung und Krallen
zehenbildung als Resi
du
um (S. 27 Ziff. 6).
Bis auf eine Bewegungseinschränkung des linken oberen Sprunggelenks und eine
geringe Formveränderung des linken Fusses sowie Krallenzehen/Klauenzehen links
seien keine weiteren Gesund
heitsstörungen zu verifizieren
(S. 28 Ziff. 7.1).
Eine versicherungsmedizinisch relevante Funktionseinschränkung des linken Beins werde nicht verursacht (S. 28 Ziff. 7.2).
Der Versicherte schätze sich selber als weitgehend arbeitsunfähig ein, dies aufgrund von diffusen Befindlichkeits
stö
rungen, nicht zuzuordnenden Schmerzen und einer immer wieder von ihm selber aufgeführten depressiven Stimmung. Zumindest auf orthopädisch-traumatolo
gischem Fachgebiet könne die Selbsteinschätzung nicht nachvollzogen bezie
hungsweise bestätigt werden.
Die angestammte und eine adaptierte Tätigkeit seien dem Beschwerdeführer ohne Einschränkungen zumutbar (S. 29 Ziff. 7.4).
Die internistische U
ntersuchung durch Dr.
J._
ergab keine Diagnose mit oder ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit (S. 40 Ziff. 6).
4
.
7
.2
Zur psychiatrischen Untersuchung
(S. 45-58)
wurde ausgeführt, der Beschwerde
führer habe angegeben, dass er lustlos sei und viel nachdenken müsse.
Es
bestehe
eine depressive Stimmungsphase und d
er Schlaf und die Konzentration seien nicht
gut (S. 47 Ziff. 3.1 oben). Körperlich habe er Schmerzen am linken Fuss, am rechten Handgelenk und am Rücken, die sich über die gesamte Rückenmuskulatur erstreckten (S. 47 Ziff. 3.2). Aktuell rauche er Cannabis. Andere Drogen kon
sumiere er nicht (S. 48 unten).
Der Beschwerdeführer habe 2017 eine psychiatrisch-psychotherapeutische Be
handlung begonnen. Es seien ihm Antidepressiva angeboten worden.
B
is heute
habe er sich
jedoch nicht getraut, diese einzunehmen. Aktuell besuche er den Psychiater alle drei bis vier Wochen (S. 50 oben).
In der aktuellen Tätigkeit fühle er sich überfordert (S. 50 Mitte).
Während der Exploration, die über 90 Minuten gedauert habe, seien die Kon
zentration und Aufmerksamkeit reduziert gewesen. Der Gutachter habe einige Fragen wiederholen müssen
und es hätten teilweise Schwierigkeiten bestanden, die Aufmerksamkeitsspanne aufrechtzuerhalten (S. 51 Ziff. 4.3 oben).
Der formale Gedankengang sei stockend und teilweise gehemmt (S. 51 Ziff. 4.3 Mitte).
Das Intelligenzniveau wirke unter Berücksichtigung von Schulbildung, beruflichem Werdegang sowie klinischem Gesamteindruck unterdurchschnittlich. Der Antrieb sei reduziert gewesen. Der psychomotorische Ausdruck sei teilweise verarmt, teil
weise bestehe eine psychomotorische Unruhe. Gemäss der Persönlich
keitsent
wicklung und der Biographie zeigten sich Hinweise für ein desorganisiertes und impulsives Verhalten (S. 51 Ziff. 4.3 unten).
4.
7
.3
Die Diagnose
eines
ADHS
habe sich in der neuropsychologischen Untersuchung bestätigt
. Die kognitiven Funktionseinschränkungen
würden als mittelschwer be
urteilt. Die Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit entspreche den von psy
chia
trischer Seite erfassten klinischen funktionellen Einschränkungen (S. 52 oben).
Es seien
Symptome identifiziert worden, die aktuell einer leichten bis mittel
schweren Depression entspr
ä
chen.
Darüber hinaus fänden sich
deutliche
Hinweise für ein ADHS, das auch testdiagnostisch erfasst worden sei
,
und im Verlauf
deutliche Hinweise
für eine Cannabisabhängigkeit. Der Konsum von mindestens zwei Joints pro Tag sei beachtlich. Der Beschwerdeführer habe früher auch mehr konsumiert. Der Konsum von Cannabis scheine im Verlauf die Impulsivität redu
ziert zu haben, die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen jedoch nicht. Der Erfolg bei der Prüfung als Gebäudereiniger könne als Hyperfokussierung angesehen werden, was bei ADHS-Erkrankten sehr häufig vorkomme. Eine Be
handlung sei bisher nicht erfolgt.
Eine
Medikation
habe weder
für die ADHS-Symptomatik noch für die depressive Symptomatik
stattgefunden
(S. 53 Ziff. 6 oben).
Dr.
I._
nannte als Diagnosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit, S. 53 Ziff. 6 Mitte):
-
ADHS (ICD-10 F90.0)
-
e
xpressive Sprachstörung (ICD-10 F80.1), bestehend seit früher Kindheit und rezeptive Sprachstörung (ICD-10 F80.2)
-
leichte bis mittelschwere depressive Episode (ICD-10 F32.0/F32.1)
-
Cannabisabhängigkeit (ICD-10 F12.0)
Aus dem Verlauf und den Akten lasse sich ableiten, dass bereits in der Kindheit und Jugend eine ADHS-Symptomatik und zusätzlich eine Sprachstörung bestan
den
hätten
. Eine spezielle Behandlung des ADHS habe nicht stattgefunden, vor allem sei keine medikamentöse Behandlung erfolgt. Im Rahmen einer Förder
schule sei es dem Beschwerdeführer gelungen, die Schule nach neun Jahren ab
zuschliessen. Mit 15 Jahren habe er beg
onnen, Cannabis zu konsumieren, wo
durch
sich seine Impulsivität beziehungsweise sein gereiztes Verhalten reduziert
hätten
.
Bis heute benutze er Cannabis
auch
als
Selbstbehandlungsmittel. Im Verlauf sei es ihm
durch Überfokussierung
gelungen, die Prüfung als
Gebäude
reiniger zu absolvieren (S. 53 Ziff. 7).
Die geringe Frustrationstoleranz erlaube
es
dem Beschwerdeführer nicht, mit Konflikten adäquat umzugehen. Er behalte dabei den Cannabiskonsum als Regu
lationsmittel
bei
. In diesem Rahmen habe er zunehmend eine Reduktion des Antriebs, eine Stimmungslabilität und einen Verlust an Interessen entwickelt. Die bestehende Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörung sei teilweise als Folge des ADHS, teilweise als Folge des Cannabiskonsums zu sehen. Die Arbeits
fähig
keit sei aus heutiger Sicht beeinträchtigt. Bei fehlender Behandlung könne aktuell noch nicht von einer endgültigen Invalidisierung gesprochen werden
.
Therapeutisch sollte an erster Stelle eine Entgiftung und Entwöhnung von Cannabis stehen. Gleichzeitig sollte eine Behandlung der ADHS-Symptomatik erfolgen, mit Methylphenidat oder Antidepressiva,
sowie
eine störungsspezifische Psychotherapie
(S. 54 Ziff. 7 oben).
De
r Beschwerdeführer sei mit Unterstützung in der Lage gewesen, die Schule abzuschliessen und anschliessend durch eigene Motivation die Lehre als Gebäudereiniger.
Anschliessend habe er versucht, sich mit einer Tätigkeit von 20 % im Bereich Gebäudereinigung beruflich zu inte
grieren. Hier hätten sich Grenzen im Rahmen der Frustrationstoleranz gezeigt, da er keine adäquaten Strategien habe, um mit Kritik umzugehen. Der anhaltende Gebrauch von Cannabis habe einen Einfluss auf seinen Antrieb, die Motivation und die Stimmung
.
Negativ sei zudem, dass es in der familiären Umgebung keine Vorbilder und keine aktive Unterstützung gebe.
So versuche d
er Vater des Be
schwerdeführers seit geraumer Zeit, eine IV-Rente zu erreichen, was bereits zwei
mal abgelehnt worden sei
(S. 54 Ziff. 7.1).
Als positiv zu werten sei, dass der Beschwerdeführer
selber psychiatrische Hilfe gesucht habe und sich davon etwas verspreche. Er
befinde sich aktuell im
Y._
in psychiatrischer und psychothe
ra
peutischer Behandlung. Die Behandlung erfolge alle drei bis vier Wochen. Eine empfohlene Behandlung mit Antidepressiva habe er abgelehnt. Mit Sicherheit sei von einer Cannabisabhängigkeit auszugehen
. Bisher hätten keine effektiven the
rapeutischen Massnahmen stattgefunden, die zu einer Besserung der Sympto
matik geführt hätten
(S. 54 Ziff. 7.2).
Der Gutachter stimme weitgehend mit der Beurteilung durch
lic.
phil.
A._
und Dr.
B._
vom März 2014 überein. In Bezug auf die Beurteilung durch die Ärzte des
Y._
falle auf, dass
diese den
Konsum von Cannabis nur als Missbrauch und nicht als Abhängigkeit bewertet
hätten
, obwohl der Beschwerdeführer selbst sein Verhalten als abhängig beurteile. Darüber hinaus bestünden keine Hinweise für eine rezidivierende depressive Störung, sondern eher für eine depressive Epi
sode. Dabei falle auch eine Komorbidität beziehungsweise der Einfluss zwischen dem Konsum von Cannabis, ADHS und depressiven Symptomen
auf
.
Die Beurteilung einer Arbeitsfähigkeit von
aktuell
50 % sei aus gutachterlicher Sicht nachvollziehbar. Perspektivisch fehle jedoch die Verbindung zwischen einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit und konkreten therapeutischen Massnahmen (S. 55 Ziff. 7.3 oben).
Der Beschwerdeführer habe aus gutachterlicher Sicht Fähig
keiten und Ressourcen gezeigt, sowohl beim Abschluss
der Schule als auch der Lehre. Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Gebäudereiniger sei die Arbeits
fähigkeit aus psychiatrischer Sicht zu 50 % beeinträchtigt (S. 55 Ziff. 7.4).
Seit dem Abschluss der Ausbildung zum Gebäudereiniger bestehe bis jetzt eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (S. 56 Ziff. 8 Mitte). Angepasst sei eine Tätigkeit mit repetitivem Charakter, reduzierter Umstellung
sfähigkeit und Flexibilität, die
kein selbständiges Planen und Strukturieren erfordere. In einer solchen Tätigkeit bestehe ebenfalls eine Arbeitsfähigkeit von 4.25 Stunden beziehungsweise
von
50 % (S. 56 Ziff. 8 unten).
4.
7
.4
Lic. phil.
M._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, stellte im
neuropsychologischen Teilgutachten (Urk. 8/153/62-68) folgende Diagnosen mit Ausw
irkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 7 Ziff. 7):
mittelschwere kognitive Störung im Rahmen
•
einer
kombinierten Störung schulischer Fähigkeiten (ICD-10 F81.3), Differentialdiagnose
:
leichte Intelligenzminderung (ICD-10 F70)
•
einer
einfache
n
Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
•
eines
gegebenenfalls schädliche
n
Gebrauch
s
von Cannabinoide
n
(ICD-10
F12.1)
Lic. phil.
M._
kam zur Einschätzung,
dass die Arbeitsfähigkeit
in einer leide
nsangepassten Tätigkeit aus rein kognitiver Sicht
50 %
betrage
bei ganz
tägiger Anwesenheit. Die Beurteilung erfolge unter
Berücksichtigung der kogni
tiven Schwierigkeiten im Rahmen des intellektuellen Niveaus bei Verdacht auf
eine
Teilleistungsschwäche im Sprachverständnis sowie
einer
Aufmerksamkeits
störung und beziehe sich auf eine wohlwollende und stark a
nleitende U
mgebung. Es sei fraglich, ob eine solche
Betreuungs- und Anleitungsmöglichkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt gewährleistet werden könne (S. 7 oben).
4.
7.5
Aus
dem Verlauf und den Akten lasse sich ableiten, dass bereits in der Kindheit und Jugend eine ADHS-Symptomatik und zusätzlich e
ine Sprachstörung bestan
den hätte
n.
Ein
e spezielle Behandlung des ADHS, vor allem
eine medikamentöse Behandlung
,
habe nicht stattgefunden (S
.
4 Ziff. 4.1 oben).
Die Gutachter nannten gesamthaft als relevante Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit, S. 5 Ziff. 4.2):
-
ADHS (ICD-10 F90.0)
-
expressive Sprachstörung (ICD-10 F80.1), bestehend seit früher Kindheit und rezeptive Sprachstörung (ICD-10 F80.2)
-
leichte bis mittelschwere depressive Episode (ICD-10 F32.0/F32.1) mit/im Rahmen der Komorbidität
-
Cannabisabhängigkeit (ICD-10 F12.0)
-
mittelschwere kognitive Störung im Rahmen einer
-
kombinierten Störung schulischer Fähigkeiten (ICD-10 F81.3), Diffe
rentialdiagnose
:
leichte Intelligenzminderung (ICD-10 F70)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkei
t nannte
n
die Gutachter
eine näher umschriebene
knöchern
ko
n
solidierte
distale
Unterschenkelfraktur links nach operativer Behandlung (S. 5 Ziff. 4.2 unten).
Aus orthopädisch-/traumatologischer Sicht liege keine wesentliche Einschrän
kung vor. Aus psychiatrischer Sicht bestünden Hinweise auf eine depressive Episode. Dabei fall
e
eine Komorbidität beziehungsweise der Einfluss zwischen Cannabiskonsum, ADHS und depressiven Symptomen auf. Die Beurteilung einer Arbeitsfähigkeit von 50 % sei aus gutachterlicher Sicht nachvollziehbar, und zwar
sowohl
für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Gebäudereiniger als auch für eine Verweistätigkeit (S. 6 Ziff. 4.3). Aus orthopädisch-/traumatologischer Sicht seien die angegebenen subjektiven Beschwerden nicht nachvollziehbar und könnten keinem bekannten Krankheitsbild zugeordnet werden. Von psychia
trischer Seite seien die Angaben im Allgemeinen konsistent mit der Aktenlage und den erhobenen
Befunden und erschienen im Rahmen der Untersuchung als plausibel (S. 7 Ziff. 4.6 oben).
Für die bisherige und eine leidensangepasste Tätigkeit bestehe seit dem Abschluss der Lehre als Gebäudereiniger im Jahr 2017 eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (S. 7 Ziff. 4.7 und 4.8).
4.8
RAD-Arzt Dr.
E._
führte in der Stellungnahme vom 17. Mai 2019 (Urk. 7/168 S. 8 f.) aus,
gemäss dem Gutachten des
F._
vom 1. Mai 2019 lägen Einschränkungen für die bisherige Tätigkeit als Gebäudereiniger vor.
Unter ande
rem bestünden
eine Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörung, eine geringe Frustrationstoleranz, eine Antriebsredukt
ion,
eine Stimmungslabilität,
mangeln
des Textverständnis
, eine reduzierte Merkfähigkeit, Schwierigkeiten beim Auf
fassen von verbalen
und schriftlichen Informationen,
eine Einschränkung der Planungs- und Organisationsfähigkeit
sowie eine erhöhte Ablenkbarkeit und eine Teilleistungsschwäche im Sprachverständnis
(S. 8 Mitte). Eine Änderung des Gesundheitszustandes sei noch möglich (S. 8 unten). Es sollte eine Entgiftung und Entwöhnung von Cannabis mit anschliessender leitliniengerechter Therapie des ADHS und der
Depression
erfolgen, medikamentös sowie psychotherapeutisch über sechs Monate
. Danach sei eine erneute psychiatrische Begutachtung zu empfehlen
(S. 9 oben).
Mit Schreiben vom 21. Mai 2019 wurde de
r
Beschwerdeführer
zur Durchführung einer Massnahme zur Verbesserung des Gesundheitszustands aufgefordert
. Es solle eine Entgiftung und Entwöhnung von Cannabis mit anschliessender leit
linien
gerechter Therapie des ADHS und der
Depression
erfolgen, medikamentös sowie psychotherapeutisch über sechs Monate
(Urk. 7/155).
4.9
Die Ärzte des
Y._
antwortete
n
im Verlaufsbericht vom 28.
Januar
2020 (Urk.
7/167/5-7) auf Fragen der Beschwerdegegnerin
zu der
dem Beschwerde
füh
rer auferlegten Schadenminderungspflicht
. Sie gaben an,
e
s sei versucht worden,
eine Psychotherapie (Einzeltherapie) einmal pro Woche durchzuführen. Der P
atient habe jedoch über die Hälfte der Termine nicht wahrgenommen. Eine medika
mentöse antidepressive Behandlung habe nicht aufgegleist werden könne
n
. Der Patient sei nicht
dazu
zu motivieren gewesen, da er
Nebenwirkungen
und eine Abhängigkeit befürchte
. Eine ADHS spezifische Therapie sei nicht durchgeführt worden, da
ein
ADHS erst nach einer längeren Drogenabstinenz beurteilt werden könne (S. 1 Ziff. 1).
Die Therapie habe die Arbeitsfähigkeit nicht verbessert, trotz
einer Reduktion des Cannabiskonsums gemäss den Angaben des Beschwerdeführers
. Aktuell fühle er
sich emotional instabiler und depressiver als vor der Reduktion des Konsums
(S. 1
Ziff. 3). D
er Patient sei wegen psychischer Motive
nicht in der Lage, den Behand
lungsplan einzuhalten (S. 2 Ziff. 4 oben).
Zur Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei eine antidepressive Medikation angezeigt. Leider habe man den Patienten nicht motivieren können, eine solche Behandlung zu beginnen. Er habe Angst vor einer medikamentösen Behandlung (S. 3 Ziff. 4.1).
4.10
Dr. med.
N._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, nahm am 22. April 2020 (Urk. 7/168 S.
10 f.) Stellung zu den neu eingereichten Berichten. Sie führte aus,
die von den Ärzten des
Y._
gestellten Diagnosen hätten sich im Verlauf nicht geändert. Die Diagnosen seien gut behandelbar.
Bei adä
quater psychiatrischer Behandlung entsprechend der auferlegten Schadenminde
rungspflicht
und dem Behandlungsplan
sei medizinisch-theoretisch von einer Remission der Depression und der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht auszugehen.
5
.
5.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
5.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
5.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) über
wiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosig
keit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
5.4
Nach bisheriger und langjähriger höchstrichterlicher Rechtsprechung führten Suchterkrankungen als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Sie wurden im Rahmen der Invalidenversicherung erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt haben, in deren Folge ein körperlicher oder
geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender, Gesundheitsschaden eingetre
ten war, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesund
heitsschadens waren, dem Krankheitswert zukam. Ein invalidisierender psychi
scher Gesundheitsschaden fehlte demgegenüber, wo in der Begutachtung im Wes
entlichen nur Befunde erhoben wurden, welche in der Sucht ihre hinreichende Erklärung fanden (Hinweise zur bisherigen Rechtsprechung
in BGE 145 V 215
E. 4.1).
Diese bisherige Rechtsprechung änderte das Bundesgericht mit
BGE 145 V 215
dahingehend, dass - fachärztlich einwandfrei diagnostizierten
–
Abhängig
keitssyndromen beziehungsweise Substanzkonsumstörungen nicht zum vornhe
rein jede invalidenversicherungsrechtliche Releva
nz abgesprochen werden kann (E.
5.3.3), sondern diese vielmehr als invalidenversicherungsrechtlich beachtliche (psychische) Gesundheitsschäden in Betracht fallen (E.
6).
Gemäss BGE 143 V 418 E. 6 f. ist die Frage nach den Auswirkungen sämtlicher psychischer Erkrankungen auf das funktionelle Leistungsvermögen grundsätzlich unter Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zu beantworten. Hierzu gehören nach dem oben Ausgeführten auch Abhängig
keits
syndrome (E. 6.2).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens kann und muss insbesondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung getragen werden. Diesem kommt nicht zuletzt deshalb Bedeutung zu, weil bei Abhängig
keitserkrankungen - wie auch bei anderen psychischen Störungen - oft eine Gemengelage aus krankheitswertiger Störung sowie psychosozialen und sozio
kul
turellen Faktoren vorliegt. Letztere sind selbstverständlich auch bei Abhängig
keitserkrankungen auszuklammern, wenn sie direkt negative funktionelle Folgen zeitigen (vgl. bezüglich der Depressionen BGE 143 V 409 ff. E. 4.5.2). Eine krank
heitswertige Störung muss umso ausgeprägter vorhanden sein, je stärker psycho
soziale oder soziokulturelle Faktoren das Beschwerdebild mitprägen (E. 6.3).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann immerhin dort von einem struk
turierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder geeignet ist. Es bleibt daher etwa dann entbehrlich, wenn für eine - länger dauernde (Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG) - Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage keine Hin
weise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Be
richte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegen
teiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (E. 7).
5.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die
Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherun
gsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
6.
6.1
Lic. phil.
A._
und Dr.
B._
nannten
im Bericht vom 27. März 2014 als
psychiatrische
Diagnosen
unter anderem eine Anpassungsstörung mit gemischter Störung
von Gefühlen und
des Sozialverhaltens und eine expressive und rezep
tive Sprachstörung
. Sie bestätigten, dass ein IV-relevanter Gesundheitsschaden vorliege
(E. 4.1 hiervor). Der Beschwerdeführer konnte
in der Folge
eine Berufs
lehre zum Gebäudereiniger
EBA
abschliessen (Urk. 7/102/5).
Für den Zeitraum der Ausbildung
liegen ebenfalls
Hinweise auf
gesundheitliche Schwierigkeiten
vor
(vgl. E. 3.1 und 3.2).
Seit
November 2016 und erneut seit Oktober 2017
ist er
im
Y._
in
ambulante
r
psychiatrische
r
und psychotherapeutische
r
Behandlung (E.
4.2 und 4.3).
Die Gutachter des
F._
nannten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
eine
ADHS, eine expressive und rezeptive Sprachstörung, eine leichte bis mittelschwere depressive Episode,
eine
Cannabisabhängigkeit und eine mittel
schwere kognitive Störung im Rahmen einer kombinierten Störung schulischer Fähigkeiten (E. 4.7.5).
Von orthopädischer Seite stellte Dr.
G._
einzig eine knöchern konsolidierte distale Unterschenkelfraktur des linken oberen Sprung
gelenks mit
residueller
gering
er Bewegungseinschränkung fest, der
er
keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
beimass
(E. 4.7.1 hiervor). Die Gutachter
kamen zur Einschätzung
,
dass für die angestammte und für eine angepasste Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bestehe (E. 4.7.5).
RAD-Ärztin Dr.
N._
bezeichnete die psychiatrischen Diagnosen als gut behandelbar und
kam zum Schluss
, dass bei adäquater Behandlung von der
Remission der Depression und der Wiederstellung der Arbeitsfähigkeit aus psy
chiatrischer Sicht
ausgegangen werden könne
(E. 4.10).
6.2
Soweit
die Beschwerdegegnerin einen Leistungsanspruch
unter Hinweise auf die Behandelbarkeit einer Depression
verneinte
(Urk. 2 S. 2)
, kann ihr nicht gefolgt werden
. Nach der
mit BGE 143 V 409 E. 4.5.2
geänderten Rechtsprechung des
Bundesgerichts kann ein Leistungsanspruch nicht länger unter Berufung auf die gute Behandelbarkeit einer Depression
abgelehnt werden
. Stattdessen ist notwen
digerweise ein strukturiertes Beweisverfahren durchzuführen (vgl. E. 5.3).
Ein solches ist auch in Hinblick auf die festgestellte
ADHS und
Cannabisabhängigkeit
erforderlich.
Gutachter Dr.
I._
hielt
zwar
fest
, dass aktuell noch keine endgültige Inva
lidisierung vorliege (vorstehend E. 4.7.3).
Die Gutachter legten
jedoch
nicht
weiter
dar
, ob
und in welchem Umfang
bei einer
angemessen
en
therapeutischen Be
handlung
prognostisch
mit einer Verbesserung des Gesundheitszustandes und der Arbeits
fähigkeit gerechnet werden kann.
Ebenso fehlen Angaben zum zu erwarten
den
zeitlichen Rahmen
für eine
Verbesserung
.
Dabei ist zudem darauf hinzuweisen, dass die Gutachter im Zusammenhang mit den empfohlenen Thera
pien eine Nachbegutachtung empfohlen hatten (
Urk. 7/153 S. 54 oben
), was ange
sichts des offenen Verlaufs nachvollziehbar ist.
Weiter ergibt sich aus dem Gutachten nicht
, wie stark der Beschwerdeführer
derzeit
aufgrund der Cannabisabhängigkeit in
seiner
Leistu
ngsfähigkeit einge
schränkt ist und
ob
ihm eine Abstinenz
aufgrund der festgestellten kognitiven
Einschränkungen
beziehungsweise der Komorbiditäten
überhaupt zugemutet werden
kann
.
Für die Prüfung eines Leistungsanspruches sind
jedoch genaue
Angaben dazu erforderlich
, wie stark das Suchtgeschehen den Beschwerdeführer
beeinträchtigt. Die Gutachter wiesen in diesem Zusammenhang im Wesentlichen auf eine Komorbidität zwischen ADHS, depressiver Störung un
d der Cannabis
abhängigkeit hin (E. 4.7.3
und 4.7.5
).
Das Ergebnis der dem Beschwerdeführer
auferlegten Schadenminderungspflicht, die bislang nicht umgesetzt werden konnte
(vgl. E. 4.9), wurde bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit
ebenfalls
noch
nicht
berücksichtigt
(obwohl
gutachterlicherseits
eine Nachbegutachtung
empfohlen
worden war
; Urk. 7/153 S. 54 oben)
.
Weiter
fehlen Angaben
zur Behandelbarkeit des ADHS und der
dabei
zu erwartenden Verbesserung der Arbeitsfähigkeit
.
Insgesamt kann damit der Einschätzung der IV-Stelle, es liege Behandelbarkeit beziehungsweise eine prognostisch vollständige Arbeitsfähigkeit vor, nicht ge
folgt werden.
6.3
Auf die
interdisziplinär
attestierte Arbeitsfähigkeit von 50 % in der ange
stammten und in einer angepassten Tätigkeit kann
zum jetzigen Zeitpunkt
indes ebenfalls
nicht abgestellt
und sie kann nicht für die Prüfung eines Leistungs
anspruches übernommen werden
, zumal
anhand
des
Gutachten
s
des
F._
mangels ausreichender entsprechender Angaben (vgl. Urk. 7/153 S. 6 f.)
eine eingehende
und abschliessende
Prüfung der Standar
dindikatoren
und die Durch
führung eines strukturierten Beweisverfahrens
nicht möglich ist. Auf das Gut
achten kann daher
nicht abgestellt werden und der
medizinische Sachverhalt
erweist sich
aus psychiatrischer Sicht als ungenügend
abgeklärt.
6.4
Aus orthopädischer Sicht besteht kein zusätzlicher Abklärungsbedarf
, da auf
die Beurteilung durch
Gutachter
Dr.
G._
abgestellt werden
kann
.
6.5
Die Sache ist
daher
an die Bes
chwerdegegnerin zurückzuweisen, damit
sie
eine erneut
e
fachärztliche psychiatrische Begutachtung
veranlasse
, welche auch die neuropsychologischen und allfällige sprachliche Einschränkungen berücksichtigt und Grundlage bildet für die rechtsprechungsgemäss vorzunehmende Prüfung der Standardindikatoren
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
7.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf Fr. 800.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Nach § 34 Abs. 1
SVGer
hat die obsiegende Beschwerdeführende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht
auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Nach ständiger Recht
spre
chung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklä
rung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschä
di
gung hat.
Der Beschwerdeführer ist
vorliegend bei einem
praxisgemässen
Stundenansatz von Fr. 2
2
0.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
ermessensweise
mit Fr. 2'000.-- (inklu
sive Barauslagen u
nd Mehrwertsteuer) zu entschädigen.