Decision ID: dac93f7a-e0b3-49de-8d78-0c6db1ec3dae
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1988 geborene
X._
absolvierte bis Sommer 2009 das Gymnasium an der
Y._
, wobei sie
die
Maturitätsprüfung nicht bestand
.
Ab dem Jahr
2010
arbeitete
sie
während zweieinhalb Jahren in einer Confiserie der
Z._
in
einem variierenden Teilzeitpensum (
Urk. 7/3,
Urk. 7/11/1
, Urk. 7/35/9)
. Am 17. Oktober 2012
meldete sich
die Versicherte
erstmals unter Hinweis auf Rückenschmerzen, eine seit Geburt bestehende Skoliose, eine
Bein
verkürzung
, Depressionen, Angstzustände sowie eine Phobie bei der Invaliden
versicherung
für die berufliche Integration oder eine Rente
an (Urk. 7/1).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nahm vorerst berufli
che Abklärungen vor (Urk. 7/7)
und liess eine Potenzialerhebung bei der
A._
durchführen (Urk. 7/9,
Urk. 7/14, Urk. 7/15).
Ebenfalls nahm sie medi
zinische Abklärungen vor (Urk. 7/6, Urk. 7/12) und holte einen Auszug aus dem Individuellen Konto (IK-Auszug) ein (Urk. 7/3).
Mit Mitteilung vom 11. März 2013 schloss die IV-Stelle die Berufsberatung vorerst ab, da aufgrund des Gesundheitszustandes keine beruflichen Massnahmen möglich waren (Urk. 7/17).
Daraufhin holte die IV-Stelle einen weiteren Arztbericht ein
(
Urk. 7/18
)
und
liess
die Versicherte
psychiatrisch begutachten
(
Psychiatrisches Gutachten vom 20. August 2014
;
Urk. 7/35).
Mit Vorbescheid vom 2. September 2014 teilte die IV-Stelle mit, dass sie gedenke
,
das Leistungsbegehren abzuwei
sen (Urk. 7/38).
Dagegen liess die Versicherte
mit Eingaben vom 7. und 24. Oktober 2014
Einwand erheben
(Urk. 7/42, Urk. 7/46)
.
Am 23. Juni 2015 verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne (Urk. 7/72 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 23. Juni 2015 (Urk. 2) liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Werner Kupferschmid, Beschwerde erheben und beantra
gen, es sei die Verfügung vom 23. Juni 2015 aufzuheben, und es sei ihr eine ganze Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Vor
nahme der erforderlichen Abklärungen in medizinischer und beruflicher Hin
sicht an die Besc
hwerdegegnerin zurückzuweisen.
Sube
ventualiter
seien ihr berufliche Massnahmen, inklusive vorgängige Eingliederungs- und
Integrati
onsmassnahmen
zuzusprechen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1. September 2015 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Mit Verfügung vom 3. September 2015 stellte das Gericht der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zu (Urk. 8).
Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit (Abs. 1):
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliede
rung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
2.
2.1
Strittig ist sowohl der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Rente als auch
auf
Eingliederungsmassnahmen
(Urk. 1 S. 2, vgl. Urk. 7/70/1).
2.
2
Die
Beschwerdegegnerin
hielt im angefochtenen Entscheid
gestützt auf das von med.
pract
.
B._
,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
erstellte psychiatrische Gutachten vom 20. August 2014
(
Urk.
7/35)
fest, es liege kein Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit vor. Die depressiven Episoden seien vorübergehender (behandelbarer) Natur gewesen. Die kombinierte Persönlichkeitsstörung und Verhaltensstörung mit
histrionischen
, abhängigen und ängstlichen (vermeidenden) Zügen habe keine dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ein invalidisierender
Gesund
heitsschaden
sei somit nicht ausgewiesen.
Daher
bestehe
auch
kein Anspruch auf
Integrationsmassnahmen
oder
berufliche Massnahmen
(
Urk. 2).
In der Beschwerdeantwort vom 1. September 2015 (Urk. 6) führte die
Beschwerdegeg
nerin
insbesondere aus, dass es sich beim
A._
-Schlussbericht nicht um ein medizinisches Gutachten, sondern um den Bericht betreffend eine berufliche Abklärung handle.
2.
3
Die Beschwerdeführerin liess in der Beschwerdeschrift vom 4. August 2015
(Urk. 1)
ausführen,
Personen, welche
s
ie
länger ka
nnten und sich um ihre berufliche Integration bemühten, zeichneten in ihren Stellungnahmen ein dia
metral anderes Bild als
die Psychiaterin
med.
pract
.
B._
in ihrem Gutachten
vom 20. August 2014
.
Dies führe dazu, dass die Beschwerdegegnerin den rechtserheblichen Sachverhalt nur ungenügend abgeklärt habe. Sodann über
zeuge das Gutachten von med.
pract
.
B._
auch fachlich nicht, wie der Stel
lungnahme von Dr. med.
C._
, Fachärztin für Neurologie FMH und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, vom 27. Januar 2015
(
Urk.
7/58)
zu entnehmen sei.
3.
3.1
I
m Arztbericht von
med.
pract
.
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH
am
E._
,
welcher
undatiert ist und bei der IV-Stelle am 19. November 2012 einging (Urk. 7/6), sind als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine ängstlich vermeidende
Persönlich
keitsstörung
(ICD-10: F60.6) und eine Panikstörung (ICD-10: F44.0)
, beide
seit der Adoleszenz
bestehend, aufgeführt
(Urk. 7/6/1).
Unter
dem
ä
rztliche
n
Befund wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin affektlabil sei, an Zwängen leide, seit der Kindheit
schwerste Schuldgefühle
habe
und einen grossen Leidensdruck
verspüre
(Urk. 7/6/2).
D
er Beschwerdeführerin
sei
aus medizini
scher Sicht
d
ie bisherige Tätigkeit
nicht mehr zumutbar (Urk. 7/6/2). Hingegen sei ihr
ab sofort
eine behinderungsangepasste Tätigk
eit ohne Termindruck, mit einem
verständnisvollen Umfeld und flexiblen Arbeitszeit
en zu 100 % zumutbar
(Urk. 7/6/3).
Einem weiteren Arztbericht
von med.
pract
.
D._
vom 13. Mai 2013
ist
als Diag
nose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ebenfalls eine ängstlich ver
meidende Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.6)
zu entnehmen. Zudem
wurde
neu eine soziale Phobie (ICD-10: F40.1)
diagnostiziert
(Urk. 7/18/1). Die Beschwerdeführerin höre seit ihrer Kindheit Geräusche (Flüstern) und sehe Monster, obwohl sie wisse, dass diese nicht da seien.
In der bisherigen Tätigkeit
und auf dem freien Arbeitsmarkt
bestehe
seit mindestens Oktober 2012
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 7/18/2).
Zur Frage, in welchem Rahmen eine behinderungsangepasste Tätigkeit möglich sei, verwies
med.
pract
.
D._
auf den Schlussbericht
der
A._
vom 28. Februar 2013, wonach eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt zurzeit nicht möglich sei (vgl. Urk. 7/14/4).
Es sei geplant, dass die Beschwerdeführerin ab Ende Mai
2013
einer beruflichen Tätigkeit
in einem geschützten Rahmen
nachgehe (Urk. 7/18/3).
Am 7. August 2013 berichtete med.
pract
.
D._
, dass es aufgrund der Erkran
kung der Beschwerdeführerin sehr schwer gewesen sei, Vertrauen zu ihr aufzu
bauen. Die Beschwerdeführerin tue ihr Möglichstes, um ihren Gesundheitszu
stand zu verbessern. Aufgrund der
chronifizierten
Störung sei
-
selbst wenn die Beschwerdeführerin bald einen Platz in einer Tagesklinik bekomme
-
nicht davon auszugehen, dass
in absehbarer Zeit eine Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt bestehe.
In der freien Wirtschaft sei die Beschwerdeführerin bis mindestens Ende 2013/
Anfang
2014 zu 100 % arbeitsunfähig
(Urk. 7/21/1).
3.2
Die
F._
berichtete am 30. Januar 2013, dass während der ambulanten Konsultationen vom 20. Juni bis zum 23. August 2011 eine Arbeitsfähigkeit von ungefähr 50 % bestanden habe. Es sei davon auszu
gehen, dass die Arbeitsfähigkeit
auf längere Sicht
schrittweise gesteigert werden könne (Urk. 7/12/1).
Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden eine rezidivierende depressive Störung mit einer gegenwärtig leicht- bis mittelgradige
n
depressive
n
Episode (ICD-10: F33.0) sowie eine
Persönlichkeits
akzentuierung
mit emotional instabilen Anteilen und die Differentialdiagnose einer Persönlichkeitsstörung festgehalten (Urk. 7/12/2).
Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht noch zumutbar. Während der Behandlung sei die Beschwerdeführerin in einer Confiserie zu ungefähr 50 % arbeitstätig gewesen (Urk. 7/12/4).
Aufgrund der
bestehenden
Symptomatik habe eine verminderte
qualitative und quantitative Leistungsfähigkeit bestanden (Urk. 7/12/5). Zur Frage, in welchem Umfang und seit wann der Beschwerdeführerin eine
behin
derungsangepasste
Tätigkeit zumutbar sei, führte die
F._
aus, da
ss
sich die Beschwerdeführerin nicht mehr in ihrer Behandlung befinde
und sie
daher
keine Angaben machen
könne
(Urk. 7/12/5).
Vom 7. Februar bis zum 11. April 2014 war die Beschwerdeführerin in
der
F._
hospitalisiert. Im Austrittsbericht
vom 6. Mai 2014
(
Urk.
7/35/24)
ist als Diagnose eine kombinierte
Persönlichkeits
störung
mit
histrionischen
, schizoiden und
dependenten
Anteilen
aufgeführt
.
Die bei Eintritt bestandenen Verdachtsdiagnosen einer sozialen Phobie und einer selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung hätten im Verlauf der Behandlung revidiert werden
müssen
.
Es hätten sich keine klaren sozialen Unsicherheiten gezeigt. Vielmehr seien Symptome wie
ein
übertriebener Ausdruck von Affek
ten, eine leichte Beeinflussbarkeit durch andere Personen und äussere Um
stände, eine häufige Ei
n
forderung von Bestätigung
,
sowie
ein
gleichzeitig
vor
handenes
Rückzugsverhalten,
eine
Vermeidung
shaltung
und eine
grosse Sorge und Rücksicht um
und
auf andere im Vordergrund gestanden.
Deshalb sei von einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit
histrionischen
, schizoiden und
dependenten
Anteilen auszugehen. Dies
e Persönlichkeitszüge sowie die Tat
sache, dass die Beschwerdeführerin weiterhin dysfunktionale und kindlich affektierte Verhaltensweisen
aufweise
, welche zunehmend
als tief verankerte, frühere Bewältigungsstrategien deutlich
würden
,
hätten den Therapieverlauf erschwert. Die weiterhin aufgefallenen wiederholten Äusserungen somatischer Beschwerden hätten nicht die Kriterien einer
somatoformen
Störung erfüllt (Urk. 7/35/27).
3.3
Med.
pract
.
B._
erhob im
p
sychiatrischen Gutachten
vom 20. August 2014
keine
Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkei
t
.
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
wurden
anamnestisch
eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig voll remittiert (ICD-10: F33.4), eine kombi
nierte Persönlichkeitsstörung mit
histrionischen
, abhängigen und ängstlichen (vermeidenden) Zügen (ICD-10: F61.0) sowie psychische Störungen und Ver
halte
nsstörungen durch Alkohol mit z
eitweise schädlichem Gebrauch von Alko
hol (ICD-10: F10.1) fest
gehalten
(Urk. 7/35/19).
Dem Befund ist zu entnehmen, dass bei der Beschwerdeführerin aktuell keinerlei Anhaltspunkte
zur Annahme
von Phobien und/oder Zwängen vorlägen. Eben
falls bestünden keine Anhaltspunkte für da
s
Vorliegen von Wahn, Sinnestäu
schungen und/oder Ich-Störungen. Der Realitätsbezug sei in der Untersuch
-
ungssituation
jederzeit voll
ständig
gegeben gewesen. Insbesondere
sei auch
kein
sozialer Rückzug festgestellt
worden
. Anzeichen eines erhöhten vegetati
ven Erregungsniveaus
,
beziehungsweise eines vegetativ
en
Angstkorrelate
s
,
hätten ebenfalls
nicht festgestellt werden
können
.
Auch
Depersonalisations- und /oder
Derealisationsphänomene
hätten
sich nicht feststellen
lassen
.
Unter Berück
-
sichtigung
der Angaben der Beschwerdeführerin zur sozialen und beruf
lichen Anamnese
und
der im Rahmen der aktuellen Untersuchung festgestellten interaktionellen Auffälligkeiten, sei der Eindruck einer deutlichen Akzentuie
rung der Persönlichkeit mit
histrionischen
, ängstlich-vermeidenden und abhän
gigen Züge
n
entstanden (Urk. 7/35/15).
Unter
dem Titel
Gesamtbeurteilung
hielt med.
pract
.
B._
fest,
dass bei den gutachterlichen Untersuchungen im Juli 2014 keine psychischen Symptome von Krankheitswert festgestellt werden konnten.
Es stünden
persönlichkeitsstruktu
relle
Auffälligkeiten sowie psychosoziale Belastungsfaktoren im Vordergrund
(Urk. 7/35/18)
.
Zuletzt sei im Sommer 2011 eine leichte bis mittelgradige depressive Episode beschrieben worden. Seither sei die depressive Symptomatik remittiert (Urk. 7/35/19).
Sowohl in der von der Beschwerdeführerin angelernten Tätigkeit als Verkäufe
rin in einer Confiserie als auch in einer leidensangepassten Tätigkeit auf dem freien Markt bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. Eine andauernde Arbeitsunfähig
keit von mehr als 20 %
sei
bei der Beschwerdeführerin noch nie vorgelegen. Als angepasste Tätigkeiten seien angelernte Tätigkeiten des freien Arbeitsmarktes zu nennen, die keine besonders hohen Anforderungen a
n
die emotionale Belast
barkeit und keine besonderen Anforderungen an die sozialen Kompetenzen stellten. Bei der von ihr zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Verkäuferin handle es sich um eine leidensadaptierte Tätigkeit. Eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft sei grundsätzlich möglich
.
E
ine Tätigkeit im geschützten Rahmen sei mit Sicherheit nicht erforderlich (Urk. 7/35/20).
Im Schreiben vom 19. November 2014, womit med.
pract
.
B._
zum Schlussbe
richt der Potentialerhebung der
A._
vom 28. Februar 2013 Stellung nahm, hielt sie fest, dass
sich
die abklärenden Personen vor allem nach den subjektiven Angaben
der Beschwerdeführerin
zu ihrem psychischen Befinden gerichtet hätten (Urk. 7/48/
4
). Insgesamt lasse sich der Schlussbericht der Potentialerhebung aus gutachterlicher-psychiatrischer Sicht nicht nachvollzie
hen und nicht plausibilisieren.
Med
.
pract
.
B._
hielt
weiterhin an ihrer gut
achterlichen Beurteilung fest (Urk. 7/48/5).
3.4
3.4.1
Der Stellungnahme
von Dr. med.
C._
vom 27. Januar 2015 (Urk. 7/58 = Urk. 3/6) zum Gutachten von Frau med.
pract
.
B._
ist zu entnehmen, dass sie der Meinung sei, dass das Gutachten der psychischen Situation und dem Beschwerdebild mit seinen Einschränkungen auf die Arbeits- und Leistungsfä
higkeit der Beschwerdeführerin nicht gerecht werde.
Insbesondere vermisse sie eine „Alternativbeurteilung“ zu den Schlüssen von med.
pract
.
B._
(Urk. 7/58/1-2)
.
Es wäre
geboten gewesen, die Frage zu diskutieren, ob bei der Beschwerdeführerin nicht eine psychische Erkrankung im Sinne einer
Schizo
phrenia
simplex
oder einer
s
chizotypen
Störung vorliege
(Urk. 7/58/2)
.
An Stelle der einfachen Feststellung eines „sekundären
“
Krankheitsgewinns
wäre
auch die Frage aufzuwerfen gewesen, was der „primäre“ Krankheitsgewinn des Scheiterns an den Anforderungen des schulischen und beruflichen Alltags sein könnte, beziehungsweise, ob es einen solchen gebe
(Urk. 7/58/
3
)
.
3.4.2
Zur Stellungnahme von Dr.
C._
vom 27. Januar 2015 äusserte sich med.
pract
.
B._
am 16. April 2015
dahingehend, sie sei nach sorgfältiger Exploration, intensivem Aktenstudium, aufgrund der erhobenen psychischen Befunde und
nach
reiflicher Überlegung zu einer klaren Einschätzung der psychischen Symptomatik der Beschwerdeführerin gekommen. Die Erstellung von nachvoll
ziehbaren und plausiblen Alternativbeurteilung
en
und die Beurteilung ihres Gutachtens sei nun Aufgabe der anderen Beteiligten. Die von Dr.
C._
vorge
nommenen Alternativbeurteilungen enthielten keine neuen medizinischen oder psychiatrischen Aspekte zu der in ihrem Gutachten dargestellten Problematik. Die aufgeworfenen Fragen
habe
sie
bereits in ihrem Gutachten ausführlich dis
kutiert und in die Gesamtbeurteilung einbezogen
(Urk. 7/64/2)
.
4.
4.1
Das Gutachten von med.
pract
.
B._
vom 20. August 2014 beruht auf sorgfälti
gen eigenen Untersuchungen und berücksichtigt die subjektiven Anga
ben der Beschwerdeführerin (Urk. 7/35). Hinsichtlich der Anamnese
standen
der
Gutachterin
– wie der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin in seinem Ein
wand vom 7. Oktober 2014 (Urk. 7/42)
ausführte -
zwar nicht sämtliche Akten
zur Verfügung
.
I
m Besonderen fehlte der Schlussbericht der
A._
vom 28. Februar 2013, worauf die Gutachterin ebenfalls hingewiesen hatte
(vgl. Urk. 7/35/10
, Urk. 7/35/17
)
.
Unter
Bezugnahme auf
diesen
Schlussbericht
und in Ergänzung ihres Gutachtens
verfasste
med.
pract
.
B._
am 19. November
2014 ein zusätzliches Schreiben, worin sie
weiterhin an ihrer gutachterlichen Beurteilung vom 20. August 2014 festhielt (Urk. 7/48/3).
Das Gutachten inklu
sive das Schreiben vom
19. November
2014
ist somit für die strittigen Belange umfassend. Zudem sind die Ausführungen in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtend und beinhal
ten begründete Schlussfolgerungen. Das Gutachten setzt sich mit den früheren Einschätzungen des Gesundheitszustandes auseinander
(vgl. Urk. 7/35/21)
. Dass sich keine psychiatrischen Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit stel
len liessen, erscheint
unter Berücksichtigung der Aktenlage und der erhobenen Befunde
plausibel und nachvollziehbar.
4.2
4.2.1
Entgegen den Ausfü
hrungen der Beschwerdeführerin, den Berichten der Fach
leute für berufliche Integration müsse ein überwiegendes Gewicht zukommen (Urk. 1 S. 6)
,
kann
zwar beruflichen Abklärungsberichten
rechtsprechungsge
mäss
nicht ohne
W
eiteres jegliche Aussagekraft abgesprochen werden (Urteil
des Bundesgerichts
9C_833/2007 vom 4. Juli 2008 E. 3.3.2). Die abschliessende Beurteilung der sich aus einem Gesundheitsschaden ergebenden funktionellen Leistungsfähigkeit obliegt jedoch grundsätzlich dem Facharzt oder der
Fach
ärztin
(Urteil
des Bundesgerichts
9C_624/2009 vom 7. Oktober 2009, E. 4.1.1).
Wie die Beschwerdeführerin richtig vorbringt, wurde im Bericht der
A._
vom 28. Februar 2013
ausgeführt,
zurzeit sei eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt nicht möglich (Urk. 1 S. 4, vgl. Urk. 7/14/4).
Diese Einschätzung ist aber schon deshalb nicht geeignet, die Beweiskraft des Gutachtens von med.
pract
.
B._
in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit ernsthaft in Frage zu stellen, weil
der Bericht der
A._
rund eineinhalb Jahre vor
d
em
Gutachten erlassen wurde
und somit keine Rückschlüsse auf das psychiatrische Gutachten zulässt
.
Überdies ging
die
A._
von einer
chronifizierten
Depressionssymptomatik mit tiefer Lebenssinnlosigkeit und Todessehnsucht
aus
(Urk. 7/14/2)
, währendem
d
iese Diagnose von Dr. med.
D._
als Fachärztin
für diesen Zeitraum nicht gestellt
wurde
(vgl. Urk. 7/18/1).
Somit
ist nicht nachvollziehbar, weshalb die
A._
– entgegen den
medizinischen Feststellungen -
von dieser Diagnose ausging.
Auch die mit
der
Beschwerde eingereichten Berichte des
G._
vom 31. März 2015 (Urk.
3/4
) und vom 28. Juli 2015 (Urk. 3/3) ver
mögen das Gutachten
nicht
in Frage zu stellen, da sie keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden ausweisen.
4.2.2
Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend
(Urk. 1)
, die Beschwerdegegnerin habe auf das Gutachten von med.
pract
.
B._
vom 20. August 2014
abgestellt, obschon diese Expertise fachlich nicht überzeug
e, wie d
i
e Stellungnahme von
Dr.
C._
vom 27. Januar 2015
zeige
. Es sei daher auf das Gutachten von Dr.
med.
H._
und
lic
. phil.
I._
vom 17. Juli 2015
abzustellen
(vgl. Urk. 3/7)
.
Zunächst ist zur Stellungnahme von
Dr.
C._
vom 27. Januar 2015
(vgl. Urk. 7/58)
auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass
sie aufgrund der Vor
geschichte als Vertrauensärztin der Beschwerdeführerin anzusehen ist und diese als
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Dr.
C._
ist einzig mit
der Beurteilung
der psychischen Situation und
des
Beschwerdebild
es
mit seinen
Auswirkungen
auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit nicht einverstanden.
Sie
sah die Beschwerdeführerin
offenbar
zweimal in ihrer Sprechstunde
(Urk. 7/58/1)
.
Ihrem
Bericht
sind jedoch
keinerlei neue
n
medizinische
n
oder psychiatrische
n
Erkenntnisse
zu entnehmen
, welche gegen das Gutachten von med.
pract
.
B._
sprechen würden.
Somit kann ihrer Kritik
nicht gefolgt werden.
Zudem
kann
auch
auf den
beschwerdeweise eingereichte
n
Bericht von Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH
,
und
lic
. phil.
I._
, vom 17. Juli 2015 (Urk. 3/7), welcher die bereits bekannten Diagnose
n
aufführt und überdies keine
Anamnese
oder
Befunde enthält,
nicht abgestellt werden.
Schliesslich
sprechen
weder
die
Arztberichte der
F._
noch jene von Dr.
D._
gegen das Gutachten von med.
pract
.
B._
:
Die
F._
führte in ihrem Bericht vom 30. Januar 2013 aus, dass sich die Beschwerdeführerin nicht mehr in ihrer Behandlung befinde (Urk. 7/12/5). Deshalb konnte sie den aktuellen Gesund
heitszustand
und die Arbeitsfähigkeit
nicht beurteilen. Der Austrittsbericht der
F._
vom 6. Mai 2014 spricht sodann nicht gegen das Gutachten, da er von derselben Diagnose
wie das Gutachten
ausgeht
.
D
ie beiden Berichte
von Dr.
D._
vom 13. Mai 2013 und vom 7. August 2013
enthalten keine
konkreten Ausführungen
zur Arbeitsfähigkeit
,
da ihre Angaben
lediglich
auf den Angaben der
A._
basieren
.
Somit stehen sie dem Gutachten von med.
pract
.
B._
ebenfalls nicht
entgegen
.
Der
erste Bericht vom 19. November 2012
enthält zwar keine Angaben zu ihrer Tätigkeit als Verkäu
ferin, geht jedoch von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer
leidensange
passten
Tätigkeit aus, wodurch er dem Gutachten ebenfalls nicht widerspricht.
4.2.3
Weder die
von der Beschwerdeführerin angerufenen Berichte
anderer (behandeln
der) Ärzte noch der berufliche Abklärungsbericht der
A._
und die Berichte des
G._
sind
somit
geeignet, das Gutachten von med.
pract
.
B._
in Zweifel zu ziehen. Von weiteren medizinischen Abklärungen, wie sie die Beschwerdeführerin verlangt, sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, nachdem sich der medizinische Sachverhalt als ausreichend abgeklärt erweist.
4.
3
Gestützt auf das Gutachten von med.
pract
.
B._
vom 20. August 2014 ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin
nicht an einer psychischen Störung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit leidet und
sie
jede Arbeit,
die keine beson
ders hohen Anforderungen an die emotionale Belastbarkeit und keine besonde
ren Anforderungen an die soziale Kompetenz stellen,
uneingeschränkt ausüben kann. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden liegt damit nicht v
or. Die Beschwerdegegnerin hat demnach zu Recht einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung verneint, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
Inso
fern die Beschwerdeführerin Unterstützung bei der Arbeitsvermittlung benötigt, hat sie sich bei der Regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) zu melden.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Ar. 69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.