Decision ID: b00badd5-2afc-49d4-9fdc-69d05eae21fd
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1968 in Singapur, ausgebildete Elektroingenieurin und diplomierte Informatike
rin, verheiratet seit 1997, war
nach ihrer Einreise in die Schweiz
im Jahr 1999 an verschiedenen Stellen tätig, zuletzt
ab
1.
Januar 2009
bis zu
m
2
4.
April 2012
in einem Vollzeitpensum
bei der
Y._
AG im Bereich Finanz- und Risikomanagement
(
Urk.
6/9
,
Urk.
6/16,
Urk.
6/82/9
).
Infolge eines im April 2012 diagnostizierten invasiven
duktalen
Mammakarzinoms
in
der linken Brust erfolgten am 3
0.
April 2012 eine Operation, danach bis zum
6.
September 2012 eine Chemotherapie und anschliessend bis zum
1
4.
November 2012 eine Radiotherapie (
Urk.
6/20,
Urk.
6/82/20 f.).
Mit
Mitteilung
vom 1
3.
Juli 2012 sprach ihr die
Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, auf ein Gesuch vom
4.
Juni 2012 hin (
Urk.
6/3) die
(limitierten)
Kosten für Perücken
oder für anderen Haarersatz
für
den Zeitraum
ab
1.
Mai 2012 bis zum 3
1.
Dezember 2013 gut (
Urk.
5/7).
Am 2
2.
Oktober 2012 meldete sich die Versicherte wegen
d
es
Brustkrebs
bei der der Invalidenversicherung
zum Rentenbezug an
(
Urk.
6
/9)
.
Ab
1.
Mai 2013 war sie bei der
Y._
AG
wieder in ihrer angestammten Tätigkeit in einem Pensum von 20
%
tätig (
Urk.
6/19).
Nach Abklärung der
medizinischen
(
Urk.
6/22)
und erwerblichen Verhältnisse
sprach ihr die IV-Stelle mit Verfügung vom
6.
Februar 2014 (
Urk.
6/34) für die Zeit ab
1.
April 2013 eine ganze Invalidenrente nebst zweier Kinderrenten zu, dies bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
für April 2013 und 80
%
für
den
nachfolgen
den Zeitraum.
1.2
In einer
im Januar 2015 eingeleiteten revisionsweisen Überprüfung des Renten
anspruchs (
Urk.
6/40) holte die IV-Stelle einen ärztlichen Verlaufsbericht ein (
Urk.
6/42). Gestützt darauf stellte
sie
der
Versicherten mit Vorbescheid vom
1
8.
August 2015 die
Aufhebung der Invalidenrente per Ende des der
Zustellung der
Verfügung folgenden Monats in Aussicht (
Urk.
6/51), wogegen die
Ver
sicherte Einwände
erhob (
Urk.
6/66).
Danach
liess die IV-Stelle die Versicherte
von der Gutachterstelle
Z._
i
nternistisch, rheumatologisch
und onkologisch
begutachten (
Z._
-
Gutachten vom
2
9.
März 2016,
Urk.
6/82). In der Folge hob sie die
Invalidenrente
in Wiedererwägung der Verfügung vom
6.
Februar 2014
nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/89,
Urk.
6/94)
auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf
(Verfügung vom 2
0.
März 2017,
Urk.
2)
. Dabei entzog sie einer all
fälligen Beschwerde gegen diesen Entscheid die aufschiebende Wirkung (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess der Versicherte am
8.
März 2017 Beschwerde erheben (Urk. 1) mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben; eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Der Beschwerde legte sie
Berichte
von
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Rheuma
tologie und Innere Medizin, vom
9.
November 2013 und
von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Innere Medizin,
Zentrum C._
, vom
2
7.
Novem
ber 2014 und 1
9.
Februar 2015 bei (
Urk.
6/5-7).
In der Beschwer
deantwort vom 1
2.
Juni 2017 (Urk. 5
) schloss die IV-Stelle auf A
bweisung der Beschwerde, was der
Beschwerdeführer
in
am
1
9.
Juni 2017
mitgeteilt wurde (Urk.
7
).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
53
Abs.
2
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (
ATSG
)
kann die IV-Stelle jederzeit auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide
zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Die Wiedererwägung dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwen
dung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sach
verhalts. Darunter fallen insbesondere eine
Leistungszusprache
ohne oder in unrichtiger Anwendung der massgeblichen Bestimmungen und eine unvollstän
dige Sachverhaltsabklärung aufgrund einer klaren Verletzun
g des Unter
suchungsgrundsatzes
. Eine auf keiner nachvollziehbaren ärztlichen Einschätzung der massgeblichen Arbeitsfähigkeit beruhende Invaliditätsbemessung ist nicht rechtskonform und die entsprechende Verfügung zweifellos unrichtig im wieder
erwägungsrechtlichen Sinne. Soweit ermessensgeprägte Teile der Anspruchsprü
fung vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage einschliesslich der Rechts
praxis im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung in vertretbarer Weise beurteilt worden sind, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (
Urteile des Bundesgerichts 9C_221/2018 vom 1
6.
Oktober 2018 E. 3.1 und 9C_362/2017 vom
8.
August 2017 E. 2.1 mit Hinweisen)
.
1.2
Sind die Voraussetzu
ngen der Wiedererwägung erfüllt
, gilt es grundsätzlich
mit Wirkung ex
nunc
et pro
futuro
einen rechtskonformen Zustand herzustellen. Dabei ist auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestellten Sachver
halts der Invaliditätsgrad im Zeitpunkt der Verfügung über die Aufhebung einer Rente zu ermitteln (
Urteile des Bundesgerichts 8C_789/2017 vom 3
0.
Ma
i 2018 E. 3.2.2
und E. 4.3 sowie 9C_766/2016 vom
3.
April 2017 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Grundlage für die Verfügung vom
6.
Februar 2014 (
Urk.
6/34), mit welcher der Versicherten für die Zeit ab
1.
April 2013 eine ganze Invalidenrente zugesprochen wurde,
bilde
te
n die beiden Berichte der Ärzte
des
Zentrums
D._,
vom 2
9.
April 2013 (
Urk.
6/2
0/5)
und vom 2
3.
Juli 2013 (
Urk.
6/22). Im Bericht vom
2
9.
April 2013 betreffend eine
Kontrolle vom 1
9.
Februar 2013
nach
der
im
November 2012
abgeschlossenen Radiotherapie
hielten
die Ärzte fest, eine Mammografie und ein Ultraschall seien mit gutem Resultat durchgeführt worden; eine Arbeitsunfähigkeit sei anlässlich dieser Konsultation nicht registriert wor
den. Somit beruht
e
die
Rentenzusprache
letztlich einzig auf dem Bericht des
Zentrums
D._
vom 2
3.
Juli 2013, welcher von
Dr.
med.
E._
, Fach
arzt für Allgemeine Innere Medizin und Onkologie,
unterzeichnet wurde.
Strei
tig und zu prüfen ist zunächst
, ob mit der auf der Basis
des
Berichts vom 2
3.
Juli 2013 erfolgte
n
Rentenzusprache
mit Verfügung vom
6.
Februar 2014 der Untersuchungsgrundsatz
im Sinne der obige
n
Erwägungen
(E. 1.1)
klar verletzt wurde
oder nicht. Ist dies zu bejahen, durfte
die Beschwerdegegnerin die Verfü
gung vom
6.
Februar 2014 aufgrund der unbestrittenen erheblichen Bedeutung
von deren
Berichtigung (
Art.
53
Abs.
2 ATSG) wiedererwägungsweise aufheben
.
2.2
Der
ausschliesslich handschriftlich
abgefasste
und teilweise kaum lesbare Bericht
des
Zentrums
D._
vom 2
3.
Juli 2013 (
Urk.
6/22)
,
erschöpft sich in ein paar wenigen,
oft verkürzt wiedergegeben
en
oder allgemein
gehaltene
n
und einen Sachverhalt bloss andeutende
n
Stichworte
n wie
«
linkes Mamma
karzinom
«
(unter der Rubrik Diagnose),
«
schwere
Arthromyalgien
un
ter antihormoneller Therapie»
(unter der Rubrik Befund) und
«
deutliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit». Die einzelnen Elemente
wurden
dabei nicht zueinander in Beziehung gesetzt und
diskutiert
. Auch ist infolge d
er bloss andeutenden Stichworte ein konkretes Beschwerdebild nicht eindeutig fassbar.
Auf diese Weise ist der Bericht
nicht nur
mangelhaft
,
sondern
in seiner
konkreten
Aussagekraft
höchst
unklar und ausge
sprochen dürftig.
Dementsprechend
lässt sich
ihm
keine schlüssige Begründung der Arbeitsfähigkeit entnehmen.
In diesem Zusammenhang
ist darauf hinzuwei
sen, dass
eine Beeinträchtigung der
Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem
Aus
mass bestimmt
sein
muss
(BGE 127 V 294 E. 4c
).
Somit
hätte
es im vorliegenden Fall eine entsprechende Begründung dafür
gebraucht
, weshalb nach Abschluss der engeren Phase der Therapie im November
und nachdem
bei der Kontroll
untersuchung vom 1
9.
Februar 2013 keine Arbeitsunfähigkeit registriert
worden war,
aufgrund der dan
a
ch weitergeführten hormonellen Therapie
dennoch
wei
terhin eine 100%ige respektive ab
1.
Mai 2013 80%ige Arbeits
unfähigkeit beste
hen soll. Die Stichworte im Bericht, wonach eine «deutliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit» vorliege, sind keine schlüssige Begrün
dung der Arbeits
un
fähigkeit.
Auch
fällt auf, dass im
Bericht
ohne Weiteres
die Fortsetzung der (bis
herigen) Therapie empfohlen
wurde
, was mit Blick auf die
übrigen Angaben im Bericht (weitere) unbeantwortet gebliebene Fragen aufwirft.
Somit ist
der
Bericht
vom 2
3.
Juli 2013
vor dem Hintergrund eines komplexen Sachverhaltes
bezüglich seiner
konkreten
Informations- und Aussagekraft derart dürftig, dass
darauf nicht abgestellt werden durfte. Daran ändern auch die
der Verfügung vom
6.
Februar 2014
damals
zugrunde
gelegte
Interpretation des Berichts durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vom 1
6.
August 2013 (
Urk.
6/25/2-3) oder
die
jetzige
n
diesbezüglichen Vorbringen
der Beschwerde
führerin (
Urk.
1 S.
6) nichts. Denn dabei handelt es sich um Annahmen und Interpretationen, die über die blosse Beweiswürdigung des Bericht
s
vom 2
3.
Juli 2013 weit hinausgehen, was unzu
lässig ist. Damit liegt
eine klare Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes im Sinne der obigen Erwägungen
vor
.
Zu Recht
wurde
die Verfügung vom
6.
Februar 2014
als zweifellos unrichtig qualifiziert
.
3.
3.1
Der
für den
Zeit
punkt der angefochtenen Rentenaufhebungsverfügung vom 2
0.
März 2017 zu ermittelnde Invaliditätsgrad ergibt sich aus dem
Z._
-
Gutachten
vom 2
9.
März 2016 (
Urk.
6/82)
.
D
abei
handelt
es
sich um ein beweiskräftiges Gutachten (E. 1.3). Insbesondere
stellten die
Z._
-Gutachter
–
welche
die Beschwerdeführerin polydisziplinär
umfassend untersucht
en
-
schlüssig
fest, dass die Versicherte
spätestens seit dem
Untersuchungszeitpunkt
im
Februar 2016 generell und damit auch
in ihrer ange
stammten Tätigkeit bloss noch zu 20
%
arbeitsunfähig war. Entgegen der Auf
fassung der Beschwerdeführerin
berücksichtigten sie dabei
alle massgeben
-
den Gesichtspunkte –
so
auch jene der Medikamentennebenwirkungen
(
Urk.
1
S. 8 f.)
–
, und zwar sowohl
in
den Teilgutachten
(
für das rheumatologische Teilgutachten
vgl.
Urk.
6/82/
19
)
wie
auch bei der letztlich massgebenden interdisziplinären Gesamtbeurteilung (
Urk.
6/82/8,
6/82/27 f.). Für den Zeitraum nach Februar 2016 bis zum 2
0.
März 2017
liegen aufgrund der Akten keine Anhaltspunkte für eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Ver
sicherten vor; dies macht die Versicherte auch nicht substantiiert geltend. Damit steht aber fest, dass
die Beschwerdeführerin
im für die Beurteilung massgebenden Zeitpunkt der ange
fochtenen Verfügung vom 2
0.
März 2017 nicht mehr in einem rentenbegründen
den Ausmass invalid war.
3.2
Die
weiteren Vorbringen
der Beschwerdeführerin vermögen an dieser Beurteilung nichts zu ändern:
Die Berichte
von
Dr.
A._
vom
9.
November 2013 und
von
Dr.
med.
B._
vom
2
7.
November 2014 und 1
9.
Februar 2015 (
Urk.
6/5-7), auf welche sie sich beruft, betreffen
einen
vorliegend nicht mehr zu Diskussion
stehenden
Zeitraum.
Davon abgesehen enthalten diese drei Berichte keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit der Versicherten, weshalb sie das
Z._
-Gutachten nicht
ernst
haft in Frage zu stellen vermögen, insbesondere auch nicht für den Unter
suchungszeitpunkt vom Februar 201
6.
Das Gleiche gilt für
die
Knochenmessun
gen vom
4.
Oktober 2012 (3/3-4), umso mehr als es sich dabei um medizinisch isolierte nicht näher eingeordnete punktuelle Befunde handelt.
Weitere substan
tiierte Einwände gegen das
Z._
-Gutachten brachte die Versicherte nicht vor.
3.3
Nach dem Gesagten ist die Rentenaufhebung gemäss der angefochtenen Verfü
gung rechtens.
4.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kostenpflich
tig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung, IVG) und ermessensweise auf Fr.
500
.-- anzusetzen. Entsprechend
dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegen
den Beschwerdeführerin aufzuerlegen.