Decision ID: 85fc4783-d29b-410d-a8ed-9d30415e3ec1
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964, hat ursprünglich
in Deutschland
den Beruf einer Detailhandels
fach
angestellten erlernt
und später eine Weiterbildung
zur Detailhandelsspezialistin
absol
v
i
ert
, in welchem Beruf
en
sie auch in der Schweiz
erwerbstätig war
, zuletzt als Verkaufsberaterin bei der Genossenschaft
Y._
(
Urk.
6/11/1-2, Urk.
6/21).
Mit Gesuch vom 25.
April 2012
meldete sich
X._
unter Hinweis auf Angst
,
Zwänge, und Depressionen bei der S
ozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle, zum Leistungsbezug
an
(Urk.
6/
3
).
Gestützt auf
getätigte Abklärungen
und
die beigezogenen
Akten des zuständigen Krankentaggeldversicherers,
insbe
sondere
eine
s von diesem in Auf
t
rag ge
ge
benen
psychiatrischen
Gutach
ten
s
vom 6. August 2012
(von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
und
Prof.
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Neurologie FMH
; Urk.
6/18
)
,
erteilte die IV-Stelle
Kostenguts
p
rache
sowohl für Massnahmen der Frühintervention (Sprachkurs; Urk. 6/13)
als auch
danach
für eine Umschulung
zur Kauffrau EFZ
(Urk.
6/25; vgl. auch
Urk.
6/32
und
Urk.
6/44)
u
nd richtete Taggelder aus (Urk.
6/26
, Urk. 6/30
). Im
Juni 2015 schloss die V
ersicherte
die Umsch
ulung erfolgreich ab (vgl. Urk.
6/56
/3-4
).
Die
IV-Stelle holte bei der behandeln
d
en Psychiat
e
rin
Dr.
med.
B._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
Angaben ein (
Urk.
6/55
)
und unterstü
t
zte die Versicherte bei der Stellensuche (vgl. Mitteilung vom 22.
Dezember 2015 betreffend Arbeits
versuch und Jobcoaching sowie Taggeld [
Urk.
6/69] bzw
.
Job Coaching durch die
C._
[Urk.
6/78]
). Mit Mitteilung vom 24.
November 2016 schloss die IV-Stelle das Job Coaching ab, nachdem es nicht gelungen war
,
die Ver
s
icherte in den Arbeitsmarkt zu integrieren
,
und auch
die Versicherte
selber keinen Unterstützungsbedarf mehr
bekundete (Urk. 6/82).
In der Folge holte die IV-Stelle bei
Dr.
B._
einen Verlaufsbericht ein (Urk. 6/87
). Gestützt darauf prüfte die IV-Stelle den Anspruch auf eine Invalidenrente, welchen sie mit Vorbescheid vom 28. März 2017
bei einem Invaliditätsgrad von 37 %
ver
n
einte (Urk.
6/90). Daran hielt sie
– nach
dem die Versicherte
dagegen Einwand
erhoben hatte
(Urk. 6/91 und Urk. 6/
94) – mit Verfügung vom
1
9.
Juli 2017
fest
(Urk. 2)
.
2.
Dagegen liess
die Versicherte am
11. September 2017
Beschwerde
erheben mit den Anträgen, es se
i die Verfügung der
IV-Stelle
vom 19.
Juli 2017 betreffend Ablehnung einer Invalidenrente aufzuheben (1.), der Beschwerdeführerin sei eine Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen (2.) und es sei ihr eine Prozess
ent
schädigung zuzusprechen (3.).
Die IV-Stelle stell
t
e mit Vern
e
hmlassung vom 17.
Oktober 2017 Antrag auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was der Versicherten am 1
8.
Oktober 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten
Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
to
ren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas
tungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE
141
V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbe
grün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Janu
ar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 201
8 E. 7.4).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete den angefochtenen Entscheid im Wesentlichen damit, die Versicherte habe die Umschulung zur Kauffrau EFZ im Sommer
2015
erfolg
reich abgeschlossen. Anschliessend sei sie bei
einem Arbeitsversuch und
der Stellensuche unterstützt worden. Gestützt auf die vorhandenen medizinischen Berichte bestehe nach Abschluss der beruflichen Eingliederungsmassnahmen eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer angep
assten kaufmännischen Tätigkeit
ohne grossen Kundenkontakt
. Der Einkommensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von 37
%
,
weshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (Urk. 2).
2.2
Dagegen
lässt
die
Beschwerdeführerin
zur Hauptsache geltend
machen
, bei der Festsetzung des Invalideneinkommens
sei die IV-Stelle
von einem falschen
statis
tischen Tabellenwert
ausgegangen
und habe
zu Unrecht keinen leidens
bedingten Abzug gewähr
t. Bei korrektem Vorgehen hätte sie zweifellos ei
nen Rentenan
spruch gehabt (Urk.
1).
2.3
Zwar
beanstandet
die
Beschwerdeführerin
lediglich
den
in der angefochtenen Ver
fügung
vorgenommenen Einkommensvergleich.
Jedoch steht
ein Renten
an
spruch aufgrund eines psychischen L
eidens in Frage, wobei
vorliegend
die
mit BGE
143 V 418
geänderte
Rechtsprechung
, wonach
für die Beurteilung der Arbeits
fähigkeit
grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind,
nicht berück
sichtigt worden ist. Da die Rechtsprechung
auf alle im Zeitpunkt der Praxisän
de
rung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden ist (vgl. zum Ganzen
E.
1.3
hievor
)
und da
im Übrigen
nach der Rechtsprechung
für die begriffliche Umschreibung des Streitgegenstandes und dessen Abgrenzung vom Anfechtungsgegenstand die bestimmenden Elemente (Teilaspekte; so bei Invalidenrenten u.a. der Renten
be
ginn und der Invaliditätsgrad) des oder der verfügungsweise festgelegten Rechts
verhältnisse nicht von Bedeutung
sind und
die Beschwerdeinstanz
de
n Streit
gegen
s
tand bestimmende, aber nicht beanstandete
Elemente
nur (aber immerhin)
prüft,
wenn hierzu aufgrund der Vorbringen der Parteien oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht
(
vgl.
zum Ganzen BGE 125 V 413
)
ist vorliegend – auch wenn unbeanstandet geblieben –
zunächst auf die Arbeitsfähigkeit einzugehen.
3
.
3
.
1
Dr.
Z._
und Prof.
Dr.
A._
diagnostizierte
n
im ihrem Gutachten zuhanden des Kranken
taggeld
versicherers am
6.
August 2012
(Urk. 6/18)
eine Zwangsstörung mit
Zwangs
handlungen und Zwangsgedanken gemischt sowie eine depressive Episode
, leichtgradig ausgeprägt (ICD-10 F42.2 und F33.0
; S. 8
).
Sie
gab
en
im Wesent
lichen an, aus der Anamnese werde deut
l
ich, dass es sich um ein chro
ni
sches und überdauerndes Krankheitsgeschehen handle
,
welches
in der Kindheit seine Wurzeln habe,
durch eine komplexe Symptoma
tik gekennzeichnet sei und im
Jahr 2011 als Folge eines Arbeitsplatzkonfli
k
tes massiv
erneut
exazerbierte
. Es handle sich um eine
nicht ganz typische
Zwan
gserkrankung
(
Zwangsgedanken in Form von Körperveränderungen und in Flammen aufgehen und daran
ange
koppelte Zwangshandlungen in Form von R
ückzug und Ab
wehrhandlungen mit den Händen). Die
Realitätsorientierung
sei erhalten
, eine Psychose daher nicht wahrscheinlich
(S. 7-8)
.
Durch die eingeleiteten Behandlungsmassnahmen habe sich inzwischen eine Remissionstendenz etabliert
(S. 8)
.
Es bestehe derzeit eine
100%ige
Arbeits
un
fähigkeit für jedwede Tätigkeit
,
eine berufliche Umorientie
rung auf eine Tätigkeit ohne wesentlichen Kundenkontakt erscheine perspek
ti
visch sinnvoll
(S. 10)
und sei zu empfehlen, um eine schrittweise Wiederein
gliederung in eine Arbeitstätigkeit zu erreichen. Diese könne wahrscheinlich in ca
.
drei Monaten versucht werden. Ausmass und Beginn einer Arbeitsunfähigkeit seien also in etwa 3 Monaten erneut zu prüfen (
S. 11
).
3
.2
Auch d
ie
behandelnde Psychiat
e
rin
Dr.
B._
diagnostizierte
in ihrem
B
ericht vom 1
6.
Juli 2015 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Zwangsstörung mit Zwangshandlungen und Zwangsgedanken gemischt (ICD-10 F42.2)
und
eine depressive Episode (IC
D-
10 F33.0)
sowie ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit rezidivierende Rückenschmerzen. Sie gab im Wesentlichen an,
die
Versi
chert
e
habe von Januar 2012 bis September 2014
bei ihr
in Behandlung gestanden
,
diese
jedoch
infolge permanenten Stresses a
m Arbeitsplatz unterbrochen;
s
eit
3.
Juli 2015
stehe sie wieder in Behandlung
, wobei alle zwei Wochen eine Sitzung stattfinde.
Es handle sich um eine leicht depressive Patientin, die unter Unruhe und Anspannung leide und sich in Menschenansammlungen unwohl fühle.
Die erhöhte Unruhe, Misstrauen, Anspannun
g
und Affektlabilität führten zu Leere
gefühlen, dan
a
ch zu Zwangsgedanken
und
–
handlungen
. Davon müsse sich die Patientin immer wieder
durch Realitätsprüfung
distanzieren, was Zeit brauche und Kräfte raube und zu einer Leistungsminderung und Konzentrationsstörung
en
führe. Ein sehr hoher Leistungsanspruch unterhalte diesen Kreislauf zusätzlich. Die Erfahrung
zeige, dass die Patientin bei einem Arbeitspensum von 50
% weniger unter Zwängen und Verformungsän
g
sten leide
, so dass sie diesem Pen
sum gewachsen bleibe und weniger Arbeitsausfälle entstünden. Alsdann benötige sie einen ruhigen Arbeitsplatz, weshalb die Umschulung vom Verkauf in den
KV-
Bereich
vorgenommen worden sei. In dieser Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähig
keit von 50
% (Urk.
6/55).
In ihrem Verlaufsbericht vom
11.
Januar 2017 stellte
Dr.
B._
die nämlichen Diagn
o
sen und führte im Wesentlichen
aus,
die Patientin stehe in unregel
mässi
ger Behandlung (alle 2-4 Wochen). Die Befunde hätten sich seit dem letzten Bericht kaum verändert, die Patientin leide weiterhin unter schwer zu kontrollie
renden Zwangsgedanken und –
handlungen
,
wobei sich die Zwangsgedanken
unter psychischem Stress verstärk
t
en und für die Patientin sehr bedrohlich seien
, da es sich um sehr aggressive Gedanken handle
.
Die Versicherte benötige enor
men Aufwand
,
um diese von sich zu weisen. Da die Versicherte nun schon seit Monaten bemüht sei, eine Arbeitsstelle zu finden und sie immer wieder Absagen erhalte, würden diese Gedanken bedrohlicher.
D
ie Arbeitslosigkeit wirke sich zunehmend auf den Gesundheitszustand aus.
Das private Umfeld wirke sich jedoch positiv aus
.
Der Gesundheitszustand werde vermutlich stationär bleiben und die Arbeitsfähigkeit betrage weiterhin 50
%
(Urk. 6/87)
.
4
.
4
.1
In medizinischer Hinsicht stützte sich die IV-Stelle auf die vorgenannten
Berichte der behandelnden Psychiat
e
rin Dr.
B._
(vgl. Feststellungsbl
att für den Be
schluss vom 28.
März 2017
;
Urk. 6/89 S.
4),
in welchen
diese
mit Blick auf die
von ihr gestellten
Diagnosen
von einer
Arbeitsfähigkeit von 50 %
im KV-Bereich
ausging
.
Zwar begründete
Dr.
B._
i
hre Einschätzung damit
, die Erfahrung habe gezeigt, dass die Patientin bei einem Pensum von 50
% weniger unter Zwängen leide. Jedoch
erläuterte
Dr.
B._
dies
weder
näher
noch
führte sie aus
,
ob
oder
weshalb
ein Pensum von
50
% gleichzeitig
effektiv
auch
die
Ober
g
r
enze
der
zumutbaren
Arbeitsfähigkeit darstellt
.
D
ies
wäre jedoch
ums
o erfor
der
licher gewesen
, als
sich
die Versicherte
im Mai 2015 gegenüber
der IV-Stelle
selber als 50
% bis 60
% arbeitsfähig
bezeichnet
hatte
(
vgl. Verlaufsprotokoll Berufsberatung,
Urk. 6/58 S. 5
)
, welche
Differenz
bei der Ermittlung eines
allfälli
gen Rentenanspruch
s
von Bedeutung sein kann
. Aber auch soweit
Dr.
B._
in ihrem Bericht vom
11
.
Januar 2017
einen
gegenüber dem Bericht vom 16.
Juli 2015
gleichgebliebenen
Gesundheitszustand und
unveränderte
Arbeitsfähigkeit
att
e
stierte
und angab, der Gesundheitszustand werde vermutlich stationär blei
ben
,
ist
dies nicht ohne weit
e
res
n
achvoll
ziehbar
. So
wurde
nach Lage der Akten
die Therapie
frequenz
(wie auch die
verordnete
Medikation) zwischen Juli 2015 und Januar 2017
red
uz
i
ert, was an sich auf eine
(weitere)
Besserung des Gesund
heitszustan
d
es schliessen
lassen könnte,
zumal – wie ein Vergleich zur Situation im Jahr 2012 zeigt (vgl. Angaben im Gutachten
Z._
/
A._
, E. 3.1
hievor
) – die psychische Problematik unter Therapie grundsätzlich
angehbar
und
besser
ungs
fähig
er
scheint.
Bezüglich der Berichte
von
Dr.
B._
ist
aber
insbesondere
auch
festzustellen, dass diese
–
als
blosse Formularbericht
e
-
relativ
knapp
abgefasst
sin
d
und kaum Angaben zu den
seit
BGE 143 V 418
beachtlichen Standardindikatoren enthalten
.
Jedoch ist - wie
erwähnt
(vgl. E.
1.3
hievor
)
-
d
ie An
erkennung eines
(allfällig)
r
en
tenb
egründenden
Invaliditätsgrades
mit hier
nicht zutreffenden
Ausnahmen
nach der mit BGE 143 V 418 begründeten Re
c
htsprechung
nur zulässig
,
wenn die fun
ktionellen Auswirku
ngen der medizinisch festge
s
t
ellten Anspruchsgrundlage anhand der
Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit zumindest überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind.
Ein strukturiertes Beweis
ver
fahren lässt sich g
estützt au
f
die Berichte von
Dr.
B._
jedoch nicht durchführen
,
fehlen
doch etwa Angaben etwa
zu den
K
o
mplexen
«
Pers
ö
nlichkeit
»
und
«S
ozialer Kont
ext»
sowie
zur Kategorie «Ko
nsistenz
»
fast
gänzl
ich
.
Alles in allem
erscheint
eine
ergänzende medizinische
Abklärung unerlässlich, welche sich
in
rechtsgenüglicher
Form
sowohl
zum Gesundheitszustand
als auch - unter Berücksichtigung der
den nunmehr massgeblichen Standardindikatoren -
zur zumutbaren
Arbeitsfähigkeit und deren
Verlauf
zu äussern
hat.
Zu diesem Zweck ist d
ie Sache an die Beschwerdegegne
r
i
n zurückzuweisen.
4
.2
In erwerblicher Hinsicht ist bei
diesem Verfahrensausgang
zum beanstandeten
Einkommensvergleich (vgl. zum Einkommensvergleich Urk. 6/88) nicht abschlies
send
Stellung zu nehmen. Anzumerken ist immerhin, dass der von der
IV-Stelle
dem
Invalideneinkommen
zugrunde gelegte
, von der Beschwerdeführerin bean
standete
Wert
in Höhe von Fr.
5
'
915
.
--
effektiv
in
verschiedener Hinsicht
frag
würdig
erscheint.
Zum einen lässt sich der
nach Lebensalter abgestuften
Tabelle
«
T
A17
»
der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (
LSE
)
2012
(wohl: T17
; Monat
licher Bruttolohn [
Zentralwert
] nach Berufsgruppen
, Lebensalter und Geschlecht, Privater und öffentlicher Sektor zusammen)
unter
deren
Ziff.
41
soweit ersichtlich
schon
gar
kein solcher Wert entnehmen
und handelt es sich
b
ei
de
m
unter der
Ziff.
4 angeführten
Wert
von Fr. 5'915.
--
vielmehr
um das Total
der
Ziff.
43 (Bürokräfte Finanz- und Rechnungswesen, Statistik und Material
wirtschaft
,
Männer und Frauen ab 50 Jahren
),
welcher
vorliegend
jedoch
nicht anwendbar ist.
Zum andern
ist
den Ausführungen in der Beschwerde jedenfalls
auch
insoweit zu folgen,
als
dass ein
dem Lebensalter
der Beschwerdeführ
er
in
entsprechender
Wert
der Tabelle T17
im
Bereich Bürokräfte
u
nd ve
rwand
te Berufe
(
Ziff.
4
)
vorliegend
kaum
sachgerecht erscheint. Denn
die Beschwerdeführerin hat ihre Ausbildung zur Kauffrau erst im Zuge ihrer Umschulung abgeschlossen, womit sie tr
otz ihres Alters von über 50 Jahren
(im Jahr 2017)
in dieser
Tätigkeit
faktisch
Berufseinsteigerin
ist
. Sie dürfte daher
nicht d
as
gleiche
Einkommen erzielen
können
wie eine gleichaltrige
Arbeitnehmende
,
welche über
langjährige Berufserfahrung
verfügt
.
Alsdann
hat die Beschwerdegeg
nerin – trotz entspre
chender
Beanstandungen in der Beschwerde
(Urk. 1 S. 6 ff.)
-
auch
in der Ver
nehmlassung
in keiner Weise
ausgeführt, weshalb
im Sinne einer Ausnahme
auf die Tabelle T
17 abzustellen
sei
(statt auf die regelmässig verwendete Tabelle TA1
der LSE
,
vgl. dazu etwa
Urteil
des Bundesgerichts 8C_458/2017
vom
6. August 2018 E. 6.2
)
, zumal diese auch Tätigkeiten im öffentlichen Sektor mit umfasst. Ebenso wenig hat sie sich zum
anbegehrten
Tabellenlohnabzug (Urk. 1 S. 8) ge
äussert
. Dies wird
im Rahmen der
Neuverfügung
nachzuholen
sein
.
4
.3
Zusammenfassend ist die Sache in Aufhebung der angefochtenen Verfügung zur
ergänzenden medizinischen
Abklärung
unter Berücksichtigung der Standardindi
ka
toren
sowie zur neuen I
nvaliditätsbemessung an die IV-
Stelle zurückzuweisen.
In diesem Sinne ist
die Beschwerde gutzuheissen.
5
.
5
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Ausgangsgemäss ist die Beschwe
rdegegnerin zu verpflichten, der
Beschwerde
führer
in
eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in An
wen
dung von Art. 61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr.
2'000.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.