Decision ID: ae4ee1c3-eea1-4b72-8635-002659132f89
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1964, war von Mai 2008 bis Mai 2015 bei der Z._ als Schuhverkäuferin in einem 80 % Pensum tätig, wobei der letzte Arbeits
tag am 30. August 2014 war (Urk. 9/39)
.
Unter Hinweis auf eine Fuss
platten
sohlenentzündung an beiden Füssen meldete sich
die Versicherte
am 12. März 2015 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 9/8). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizi
nische und erwerbliche Situation ab und zog Akten der Krankentag
geld
ver
sicherung bei (Urk. 9/22-23, Urk. 9/32, Urk. 9/38).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 9/42-47) verneinte die IV
Stelle mit Verfügung vom 2. März 2017 einen Rentenanspruch der Ver
sicherten (Urk. 9/148 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 3. April 2017
Beschwerde (
Urk.
1)
gegen die Ver
fügung vom 2. März 2017 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr eine ganze Rente zuzusprechen (S. 2 Ziff. 2), eventuell sei ein externes Gutachten in Auftrag zu geben (S. 2 Ziff. 3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 23. Mai 2017 (Urk. 8) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 12. Juni 2017 zur Kenntnis gebracht (Urk. 10).
Mit Gerichtsverfügung vom 5. Oktober 2017 wurde antragsgemäss (vgl. Urk. 1 Ziff. 4) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt (Urk. 11).

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
tels
rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk.
2)
davon aus,
dass die Beschwerdeführerin in
der angestammten Tätigkeit als Schuhver
käuferin vollständig
a
rbeitsunfähig
sei (S. 1)
. Hingegen bestehe in einer ange
passten Tätigkeit weiterhin eine Arbeitsfähigkeit zwischen 70-100
%
. Unter Berücksichtigung eines Abzugs von 15
%
vom in einem durch
schnittlichen Arbeitspensum von 85
%
erzielbaren Invalideneinkommen resultiere ein nicht rentenanspruchsbegr
ündender IV-Grad von 5 % (S. 2)
.
Unter richtiger Verwendung von Hilfsmitteln (Stöcken) sei der Beschwerde
führerin die Überwindung des Arbeitswegs und damit die Verwertung der ihr verbliebenen Arbeitsfähigkeit möglich und zumutbar (
Urk.
8).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber beschwerdeweise auf den Stand
punkt (Urk. 1),
e
s werde nicht bestritten, dass sie in einer angepassten, sitzenden beruflichen Tätigkeit arbeitsfähig sei. Bestritten werde jedoch die von der IV ausser Acht gelassene Tatsache, dass sie aufgrund ihrer Schmerzen am rechten Fuss und der Unfähigkeit, diesen zu belasten, weder in der Lage sei, an eine etwaige Arbeitsstelle zu gelangen, noch sich dort vor Ort fortzubewegen. Die dabei entstehenden Schmerzen seien derart intensiv, dass sie als nicht überwindbar beurteilt werden müssten.
Des Weiteren müsste
sie e
ine Stelle finden, welche das ausschliessliche Arbeiten von zu Hause ermögliche. Solche Stellen stünden auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. Die Anerkennung einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit und einer entsprechenden Rente drängten sich auf.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin verhält und ob ihr Leistungen der Invalidenversicherung zustehen.
3.
3.1
Dr. med. A._, Facharzt für Allge
meine Medizin,
berichtete am 31. De
zember 2014 (Urk. 9/23 S. 4) und führte aus, dass die Beschwerdeführerin als Schuhverkäuferin den ganzen Tag auf den Beinen gewesen sei, viel habe gehen und Treppen steigen müssen. Seit dem 1. September 2014 (erste Konsul
tation) beklage sie starke Schmerzen an beiden Fusssohlen mit Ausstrahlung in die Fer
sen und Waden. Die Arbeitsfähigkeit betrage ab dem 5. Januar 2015 20 %. In welchem Zeitraum die Arbeitsfähigkeit weiter gesteigert werden könne, sei noch unklar. Die Beschwerdeführerin beklage nach wie vor belastungs
abhängige Schmerzen in beiden Fusssohlen und Fersen. Diese Erkrankung sei oft sehr langwierig, habe jedoch eine gute Prognose. Die Erwerbsfähigkeit auf dem all
gemeinen Arbeitsmarkt dürfte nach Abheilen der aktuellen Diagnose wieder 100 % betragen. Die Beschwerdeführerin bedürfe weiterhin einer medikamentö
sen Therapie und Schonung der Füsse.
3.2
Dr. A._ berichtete am 11. März 2015 (Urk. 9/23 S. 3) und führte aus, dass sich die Beschwerden seit dem letzten Bericht trotz zusätzlich eingeleiteter Physiotherapie bis jetzt nicht wesentlich gebessert hätten. Die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit sei zu 100 % gegeben. Es müsste sich jedoch um eine mehrheitlich sitzende Tätigkeit handeln, da die Beschwerdeführerin nicht in der Lage sei, längere Strecken zu gehen oder längere Zeit zu stehen. Bekannt
lich seien derartige Beschwerden oft langwierig, grundsätzlich sei jedoch zukünftig eine Besserung zu erwarten. Längerfristig sei eine deutliche Besserung zu erwarten.
3.3
Dr. A._ berichtete am 22. April 2015
(
Urk.
9/23
S. 2
)
und führte aus, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Schuhverkäuferin bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig sei. Aufgrund ihrer Erkrankung könne sie nicht länger als etwa 15 Minuten gehen oder stehen. Insofern seien ihre Mög
lichkeiten auf dem Arbeitsmarkt deutlich eingeschränkt. Es käme ausschliesslich eine nur sitzende Tätigkeit in Frage. Für diese sei sie grundsätzlich zu 100 % arbeitsfähig.
3.4
Dr. A._ berichtete am
2
9. Juni
2015 (
Urk.
9/38/2)
und führte aus,
die Beschwerdeführerin
sei nicht in der Lage
, einen auswärtigen Arbeitsplatz zu erreichen, da sie nicht mehr als 15 Minuten gehen oder stehen könne,
weshalb
die Arbeitsunfähigkeit 100
% betrage
.
3.5
Dr.
med.
B._
, Chefärztin Rheumatologie und Rehabilita
tion,
C._, erstattete ihr Gutachten am
3
0. Juli
2015 (
Urk.
9/51)
zuhanden der Taggeldversicherung gestützt auf die Akten sowie die Untersu
chung der Beschwerdeführerin. Sie nannte folgende
Diagnose
(S. 17)
:
-
V
erdacht auf Nerven
-K
ompressionssyndrom an den Füssen
,
rechtsbetont
Sie empfahl,
solange die Abklärungen und Behandlu
ngsschritte noch laufen würden,
die 100%ige Arbeitsunfähigkeit
vorderhand
fortzusetzen (S. 21)
.
3.6
Am 3. und 4. August 2015 fand in der C._ eine Evaluation der Funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) der Beschwerdeführerin statt (Urk. 9/99). Es sei festgestellt worden, dass keine Symptomausweitung bestehe. Die ange
stammte Tätigkeit als Schuhverkäuferin sei der Beschwerdeführerin aktuell nicht zumutbar.
3.7
Dr. B._
,
C._, berichtete am 1. September 2015 (Urk. 9/51/35-36) und führte aus, die seit der Begutachtung durchgeführten weiteren Abklärungen und die initiale, allerdings nur kurze Wirkung der Infil
tration würden die Verdachtsdiagnose eines nervalen Kompressionssyndroms als Ursache der Schmerzen bestätigen (S. 1). Bezüglich der Tätigkeit als Schuh
verkäuferin bestehe weiterhin eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit
. Eine angepasste sitzende Tätigkeit sei theoretisch zwar möglich, nicht jedoch der „gehende Arbeitsweg” (S. 2).
3.8
Dr. med. D._,
Praxisärztin Fusschirurgie,
C._, berich
tete am 16. Dezember
2015 (
Urk.
9/62)
und führte aus, dass eine
sitzende Tätig
keit
zumutbar sei
, beginnend
mit
50-60
%
, in wenigen Monaten
sei dies zu
100
% möglich
(
S. 3 Ziff.
1.7)
.
3.9
Dr.
med.
E._, Facharzt für Anästhesiologie und für Inter
ventionelle Schmerztherapie, F._, berichtete am
1
5. März
2016 (
Urk.
9/70/1-2)
und führte aus, die Beschwerdeführerin sei
in einer ange
passten Tätigkeit (vorwiegend sitzend) wahrscheinlich zumindest zu einem gewissen Teil arbeitsfähig. Einschränkend zu beurteilen wäre sicherlich die Bewältigung des Arbeitswegs
(S. 2).
3.10
Die Ärzte der C._, Neurologie, berichteten am 23. Mai 2016
(
Urk.
9/89)
und führten aus, dass am 18. September 2015 eine chirurgische Tar
saltunnelspaltung rechts erfolgt sei. Die Beschwerdeführerin habe weiterhin Restbeschwerden. Es handle sich um belastungsbetonte Schmerzen im Bereich der Ferse medialseitig als auch der Fusssohle lateral (S. 1). Therapeutisch werde zur Radiofrequenztherapie zusätzlich eine medikamentöse Behandlung empfohlen (S. 3).
Am 11. Juli 2016 (Urk. 9/113) führten die Ärzte der C._, Neurolo
gie, aus, dass die Prognose offen sei. Mit einer spontanen, relevanten Besserung der Beschwerden sei nicht zu rechnen. Aufgrund der belastungsabhängigen Fussschmerzen sei die Beschwerdeführerin sicherlich sowohl bei stehenden Tätigkeiten als auch beim Laufen beeinträchtigt (S. 3).
3.11
Dr.
med.
G._, praktischer Arzt, berichtete am
2
3. September
2016 (
Urk.
9/140/1-4)
und führte aus,
als Verkäuferin
sei die Beschwerdeführerin
100
%
arbeitsunfähig
. I
n sitzender Tätigkeit mit minimaler Gehstrecke
sei sie hingegen
voll arbeitsfähig, allerdings müsse beachtet werden, dass die Beschwerdeführerin den Weg zur Arbeitsstelle bewältigen könne
. Öffentliche Verkehrsmittel seien nur schwierig und langsam benutzbar
(
S. 2 Ziff.
1.4)
.
3.12
Dr. E._ berichtete am 9. Oktober 2016 (Urk. 9/142) und führte aus, in einer
sitzende
n
Tätigkeit
sei die Beschwerdeführerin
unter Umständen
zu
70-100
% arbeitsfähig, dies müsste
jedoch anlässlich eines Arbeitsversuchs geprüft werden (
S. 1 Ziff.
2.1)
.
3.13
Pract. med. H._, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwer
degegnerin, nahm am 18. Oktober 2016 Stellung (Urk.
9/147/7)
und führte aus, in der bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin sei die Beschwerdeführerin seit Sep
tember 2014 100 % arbeitsunfähig. In einer angepassten Tätigkeit sei sie seit jeher zu
70-100
%
a
rbeitsfähig
.
3.14
Dr.
med.
I._
,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
ma
tologie des Bewegungsapparates,
L
eitender Arzt Fusschirurgie,
C._
,
berichtete am
2
4. Februar
2017 (
Urk.
3/5)
und führte aus, es sei davon auszugehen, dass die Druckschädigung des Nervus tibialis nach wie vor keine Erholungstendenz zeige. A
ufgrund des aktuellen Leidens sei eine Integration
in
den Arbeitsprozess nur schwer
vor
stellbar
.
3.15
Dr. G._ berichtete am 2. März
2017 (
Urk.
9/155/25-26)
und führte aus, unter Belastung bestünden invalidisierende Schmerzen, so dass ein Gehen nur mittels «Gipsschuh» und Stöcken möglich sei. Dadurch sei auch der Arbeitsweg massiv eingeschränkt. Ein Arbeiten als Verkäuferin im Stehen sei nicht möglich. Aus
gelöst worden sei diese Nervenkompression mit an Sicherheit grenzender Wahr
scheinlichkeit durch eine berufsbedingte Überlastung der angrenzenden Struk
turen (S. 1).
4.
4.1
Unbestritten und gemäss vorliegender Aktenlage ausgewiesen ist, dass die Be
schwer
deführerin an einem
Nerven
-K
ompressionssyndrom an den Füssen
,
rechtsbetont
, leidet, und aufgrund dieses Leidens in ihrer angestammten Tätig
keit als Verkäuferin seit September 2014 zu 100 % arbeitsunfähig ist, ihr eine angepasste, sitzende Tätigkeit jedoch zu 70-100 % zumutbar ist (vgl. Urk. 1 S. 10, Urk. 2).
Die Beschwerdeführerin macht jedoch geltend, sie sei nicht in der Lage, an eine etwaige Arbeitsstelle zu gelangen oder sich vor Ort fortzubewegen, weshalb sie eine Stelle finden müsste, die das ausschliessliche Arbeiten von zu Hause aus ermögliche. Eine solche Stelle dürfte auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht ohne Weiteres zu finden sein (Urk. 1 S. 10 f.).
4.2
Gestützt auf die medizinischen Akten ist nicht ersichtlich, dass bei der Beschwerdeführerin bei Verfügungserlass ein Gesundheitsschaden ausgewiesen war, der eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit so
wohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit begründen kann. Viel
mehr ist aufgrund der überzeugenden, nachvoll
ziehba
ren und aus
führ
lich be
gründeten Ein
schätzungen (vgl. vorstehend E. 3) davon auszugehen, dass bei der Beschwer
deführerin eine 70-100%ige Arbeitsfähig
keit in einer angepassten Tätigkeit vor
liegt. Dies hat auch für die Bestreitung des Arbeitsweges zu gelten. So sind den medi
zinischen Berichten keine Hinweise zu entnehmen, welche gegen das Ein
setzen adäquater Hilfsmittel (zwei Gehstöcke anstatt nur einen, Physio
therapie zum Üben des Gehens mit Stöcken, Rollstuhl) beziehungsweise ein Ausweichen auf alternative Reisemöglichkeiten (anstatt den Arbeitsweg zu Fuss oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu gehen zum Beispiel ein Taxi oder einen Fahr
dienst einer sozialen Institution in Anspruch zu nehmen) sprechen würden (vgl. Urk. 9/130/6, Urk. 9/147/8). Es bleibt diesbezüglich anzumerken, dass die Beschwerdeführerin es im Rahmen der Potentialabklärung offen
sichtlich geschafft hat, den Weg zur J._ zurückzulegen (vgl. Urk. 9/128).
Dass die „Arbeitswegfähigkeit“ somit nicht unter die Arbeitsfähigkeit zu subsu
mieren ist, gilt umso mehr, als für
die Invaliditätsbemessung nich
t mass
geblich ist, ob eine in
va
lide
Person unter den konkreten Arbeits
markt
ver
häl
tnis
sen ver
mittelt werden kann,
sondern einzig, ob sie die ihr verbliebene A
rbeits
kraft noch wirtschaftlich
nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätz
e dem Angebot an Arbeits
kräften
entsprechen würden (AHI 1998 S. 287
E. 3b S. 290 f., I 198/97).
Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch so
genannte Nischen
arbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei wel
chen Be
hinderte mit einem sozialen Entgegenkommen vonseiten des Arbeitge
bers rechnen kön
nen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2007, 9C_95/2007, E. 4.3 mit Hin
weisen). Indem die Beschwerdeführerin zurzeit gesundheitsbedingt auf alter
native Reisemöglichkeiten zum zu Fuss gehen beziehungsweise den ÖV ange
wiesen ist, wird nicht von realitätsfremden Einsatz
möglichkeiten aus
ge
gangen. Vielmehr ist das verlangte Vorkehren unter Berück
sichtigung der gesamten objektiven und subjek
tiven Gegebenheiten des Einzel
falles als zumut
bar zu erachten, zumal an die Konkretisierung von Arbeits
gelegen
heiten und Ver
dienst
aussichten rechtsprechungsge
mäss keine über
mäs
si
gen Anforde
rungen zu stellen sind (SVR 2008 IV Nr. 62 S. 203, 9C_830/2007 E. 5.1 mit Hinweis).
4.3
Soweit die Beschwerdeführerin geltend machte, der medizinische Sachverhalt sei
nicht umfassend abgeklärt worden, und es seien deshalb weitere Abklärungen zu
treffen, vermag dies nicht zu überzeugen. So ist festzuhal
ten, dass der phy
si
sche Gesundheitszustand sowie die Be
ein
trächtigung der Arbeitsfä
higkeit der Beschwer
deführerin in den Beur
teilun
gen gebührend be
rücksichtigt wurden. Die Beschwerdeführerin ver
mochte sodann nicht weiter darzutun, inwiefern die Aktenlage unzutreffend beziehungs
weise unvollständig sein soll.
Da der Sachverhalt nach dem Gesagten durch genügende medizinische Ein
schät
zungen von verschiedenen Ärzten abgeklärt wurde, erweisen sich die vor
liegenden medizinischen Akten als ausrei
chend. Die Einwände der Beschwer
deführerin in Bezug auf die medizinischen Abklärun
gen sind nach dem Gesag
ten unbehelflich. Weitere substantiierte Einwände brachte sie nicht vor.
Zusammenfassend wurden somit keine Erkenntnisse vorgebracht, welche die Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit beziehungsweise «Arbeitswegfähigkeit» umzu
stossen ver
möchten. Auf weitere Abklärungen kann deshalb verzichtet werden (antizipierte Beweis
würdigung; BGE 122 V 157).
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin
arbeitete von Mai 2008 bis Mai 2015 in einem Pensum von 80 % als Schuhverkäuferin. Aufgrund dessen und des Umstands, dass die Beschwerdeführerin keinen anerkannten Aufgabenbereich (vgl. Art. 27 IVV) ausweisen kann, ist davon auszugehen, dass sie freiwillig einer Teilerwerbs
tätigkeit nachgegangen ist.
Da ihr eine angepasste Tätigkeit zu 70-100 % zumutbar wäre und sich ihre per
sönlichen und familiären Verhältnisse, soweit ersichtlich, nicht verändert haben, ist sie als 80 % Erwerbstätige, jedoch ohne Aufgabenbereich, zu quali
fizieren. Es ist
vorliegend
deshalb
nicht die gemischte Methode, sondern allein die Methode des Einkommensvergleichs anwendbar, um den Invaliditäts
grad zu ermitteln (BGE 142 V 290 E. 5, BGE
131 V 51, E. 5.1.2).
5.2
Das Bundesgericht hat mit BGE 142 V 290 seine Rechtsprechung zur Invali
di
täts
bemessung bei Teilerwerbstätigen dahingehend geändert, dass bei teil
erwerbs
tätigen Versicherten ohne Aufgabenbereich die anhand der Ein
kom
mens
vergleichsmethode (Art. 16 ATSG) zu ermittelnde Einschränkung im allein versicherten erwerblichen Bereich proportional – im Umfang der hypothetischen Teilerwerbstätigkeit – zu berücksichtigen ist. Der Invaliditäts
grad entspricht der proportionalen Einschränkung im erwerblichen Bereich und kann damit den versicherten Bereich, welcher durch das hypothetische Teilzeitpensum definiert wird, nicht übersteigen. Denn andern
falls könnte ein das hypothetische erwerb
liche Pensum übersteigender Invalidi
täts
grad resul
tieren, womit indirekt unzu
lässigerweise eine Ein
schränkung in den weder Erwerbs- noch Aufgabenbereich darstellenden, nicht versicherten Frei
zeit
aktivi
täten mitabgegolten würde (E. 7.3).
5.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalidenein
kom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkom
mensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.4
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
ein
kommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkom
mens
entwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrschein
lichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versi
cherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das Valideneinkommen auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstruk
turerhebung (LSE) berechnet werden, wobei die für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berück
sichtigen sind (BGE 139 V 28
E. 3.3.2; BGE 128 V 29 E. 4e; Urteil des Bundes
gerichts 9C_887/2015 vom 12. April 2016 E. 4.2).
5
.5
Die Beschwerdeführerin war zuletzt bei der
Z._
von
Mai 2008 bis Mai 2015
als
Schuhverkäuferin
angestellt, wobei der letzte Arbeitstag am
30
.
August 2014
war.
Sie war
in einem Pensum von
80
% tätig (vorstehend E.
5
.1). Es rechtfertigt sich deshalb, für die Ermittlung des Valideneinkommens auf den letzten erzielten Lohn als
Schuhverkäuferin bei der Z._
abzustellen.
Dem Arbeitgeberfragebogen der Z._ vom 14. Juli 2015 (Urk. 9/39) ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin bei guter Gesundheit
im Jahr 2011 ein jährliches Einkommen von
rund
Fr.
40
’
000
.-- er
zielt hätte.
Unter Berücksichtigung der
Entwicklung der Nominallöhne
im Jahr 2012 in der Höhe von
0.8
%, im Jahr 2013 in der Höhe
von 0.7
%, im Jahr 2014 in der Höhe von 0.
8 % und
im Jahr 2015 in der Höhe von 0.
4
%
(
Entwicklung der
Nominal
l
öhne 1976-2016
, Tabelle T
39)
ergibt dies ein Valideneinkommen von rund Fr.
41
‘
091
.-- für das Jahr 201
5
(Fr.
40
’
000
.-- x 1.00
8
x
1.007
x
1.008 x 1.004
).
5.6
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Recht
spre
chung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch her
ausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, BGE 135 V 297 E. 5.2; BGE 129 V 472 E. 4.2.1; BGE 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröf
fentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (Urteile des Bundesgerichts 9C_699/2015 vom 6. Juli 2016 E. 5.2, 8C_78/2015 vom 10. Juli 2015 E. 4 und 9C_526/2015 vom 11. September 2015 E. 3.2.2; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.8.1 und BGE
133 V 545 E. 7.1). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7; BGE 139 V 592 E. 2.3, BGE 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth, IVG, 3. Aufl., N 55 und 89 zu Art. 28a, mit weite
ren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
5
.7
Der Beschwerdeführerin ist die angestammte Tätigkeit als
Schuhverkäuferin
nicht mehr zumutbar,
sitzende Tätigkeiten gemäss Belastungsprofil
sind ihr hingegen in einem Pensum
von 70-100 % (Durchschnitt somit 85 %) möglich.
Für die Ermittlung des Invalideneinkommens rechtfer
tigt es sich deshalb, auf den standardisierten Durchschnittslohn für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art in sämtlichen Wirtschafts
zweigen des privaten Sektors gemäss LSE abzustellen.
Das im Jahr 2014 von Frauen im Durchschnitt für einfache Tätigkeiten körperli
cher oder handwerklicher Art in sämtlichen Wirtschaftszweigen erzielte Ein
kommen betrug pro Monat Fr. 4‘300.-- (LSE 2014, Tabellengruppe TA1, Monat
licher Bruttolohn nach Wirtschaftszeigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, Privater Sektor, Kompetenzniveau 1, Total Frauen, www.bfs.admin.ch,
Löhne/Erwerbseinkommen/Arbeitskosten), mithin Fr. 51‘600.-- pro Jahr
(Fr. 4‘300.-- x 12). Unter Berücksichtigung der allgemeinen Lohnentwicklung im Jahr 2015 in der Höhe von 0.4 (Nominallohnindex 19
76
-2016, Tabelle T
39)
sowie der durchschnittlichen wöchen
tlichen Arbeitszeit im Jahr 2015
von 41.7 Stun
den (Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Total, www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit, Arbeitszeit
),
ergibt dies ein Invalideneinkommen von rund Fr. 54‘
008
.--
für das Jahr 2015 bei einem Pensum von 100 %
(Fr. 51‘600.-- x 1.004
: 40 x 41.7).
Der Beschwerdeführerin ist eine ange
passte Tätigkeit im Umfang von 85 % zumutbar. Dies ergibt ein Invalideneinkommen von rund Fr. 45‘906.-- (Fr. 54‘008.-- x 0.85).
5.8
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kür
zen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksich
tigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nurmehr beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug ent
wi
ckelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthalts
kate
gorie so
wie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben
kön
nen. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest
)Arbeitsfähigkeit auf dem allge
meinen Arbeitsmarkt nur mit unter
durchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall ge
samthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der Vergleichsein
kommen mitver
antwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten Lei
dens
abzuges nicht nochmals berücksichtigt werden
dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
Zu prüfen bleibt, inwieweit vom Invalideneinkommen ein leidensbedingter Abzug vorzunehmen ist.
Die Beschwerdeführerin
ist aufgrund
ihrer
gesundheitlichen Einschränkungen ledig
lich noch in
sitzenden Tätigkeiten
einsatzfähig.
In Würdigung sämtlicher Um
stände erscheint vorliegend ein Abzug von 15 %
als angemessen.
Das Invalideneinkommen
reduziert sich demnach auf Fr. 39‘020.-- (
Fr. 45‘906.--x 0.85).
5.9
Der Vergleich des Valideneinkommens von Fr.
41
‘
091.--
mit dem Invalidenein
kommen von rund Fr.
39
‘
020
.-- ergibt eine Einkommenseinbusse von Fr.
2
‘
071
.-- und damit einen nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrad von rund
5
%. Da die Beschwerdeführerin Teilerwerbstätige in einem Pensum von
80
% ohne Aufgabenbereich ist, ist der ermittelte Invaliditätsgrad proportional um den Faktor des Pensums zu gewichten (vorstehend
E. 5
.
1
), was einen eben
falls nicht rentenbegründe
nden Invaliditätsgrad von rund 4
% ergibt (
5
% x 0.8
).
Folglich hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Rente. Dement
spre
chend ist die angefochtene Verfügung zu bestätigen und die dage
gen erho
bene Beschwerde abzuweisen.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Ent
sprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwer
deführerin aufzuerlegen
,
infolge Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.