Decision ID: 71f1fe69-c9e0-458c-a881-4c8459d516c7
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1983 geborene
X._
absolvierte
ab dem
30. Juni 2008 die
Rekruten
schule
(RS; Urk. 8/1).
Am 23. Oktober 2008 suchte er wegen seit dem 20. Okto
ber 2008 anhaltende
n
Hals- und
Ohrenschmerzen und wegen Hustens den Truppenarzt auf. Dieser diagnostizierte einen Infekt der oberen Atemwege und – nachdem der
Versicherte
in der Fo
lgeuntersuchung auch noch über ein zusätz
lich aufgetretenes Pfeifen in den Ohren geklagt hatte – am 30. Oktober 2008 zudem einen beidseitigen Tinnitus
; am 3. November 20
08
schliesslich stellte er einen Tubenmittelohrkatarrh fest (Urk. 9 S. 1 f.)
. In der Folge liess sich der Ver
sicherte vom
5.
bis 7. November 2008 stationär im Spital
Y._
behandeln
(Urk. 8/
4, Urk. 8/7
)
.
Am 21. November 2008 wurde er regulär aus der RS ent
lassen
(Urk. 8/
1
, Urk. 8/23.2 S. 1
)
.
Daraufhin war er wieder vollzeitlich
arbeits
tätig
(Urk. 8/
23.2 S. 1)
.
Mit Schreiben vom 9. Januar 2009 (Urk. 8/5) an
erkannte die Militärversicherung ihre Leistungspflicht im Zusammenhang mit dem ab 5. November 2008 behande
lten Tinnitus
aurium
beidseits.
1.2
I
m Sommer 2010
meldete der
Versicherte
der Militärversicherung – gemäss ihm als Spätfolgen des Tinnitus zu interpretierende –
ps
ychische
Beschwerden
(vgl. Urk. 8/14, Urk. 1 S. 5 f.
)
.
Die Militärversicherung traf daraufhin entsprechende
Abklärungen und liess den Versicherten am 16. Februar 2011
von
Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Arzt des
versicherungspsy
chia
trischen
Diensts der SUVA, untersuchen (vgl. Bericht vom 3. März
2011, Urk. 8/50).
Unter Hinweis auf die Ergebnisse dieser Untersuchung teilte die
Mi
li
tärversicherung
dem Versicherten mit Schreiben vom 11. April 2011 (Urk. 8/51) mit, dass sie für die – infolge des Tinnitus aufgetretene und mittler
weile wieder gänzlich abgeklungene
–
psychische Symptomatik bis 16. Februar 2011 Leis
tungen erbringe werde. Nachdem der Versicherte gegen die Terminie
rung der Leistungen auf den genannten Zeitpunkt hin opponiert hatte (Urk. 8/55)
, holte die Militärversicherung am 13. Oktober 2011 (Urk. 8/78) und am 5. April 2012 (Urk. 8/90) zwei weitere psychiatrische Beurteilungen des
SUVA-Versicherungs
mediziners
Dr.
Z._
ein. Mit Vorbescheid vom 7. Juni 2012 (Urk. 8/92) teilte sie dem Versicherten daraufhin mit, dass er für die psy
chischen Beschwerden bis 31. Juli 2011 –
im Rahmen einer Haftung von 33
1
/
3
%
- Anspruch auf Leis
tungen habe; betreffend den Tinnitus werde die be
reits anerkannte volle Haf
tung bestätigt, wobei sich der diesbezügliche
Integri
tätsschaden
derzeit noch nicht beurteilen lasse. Mit Verfügung vom 31. Juli 2012 (Urk. 8/96
) hielt die Militärversicherung an der
Limitierung der
Haftung für
die psychische Störung auf 33
1
/
3
% und an der Befristung der entsprechen
den Leistungen
bis
31. Juli 2011 fest; betreffend den Tinnitus erklärte sie sich zwar bereit, vorläufig noch Leistungen auszurichten, behielt sich
indes
– unter Hinweis auf eine Änderung der einschlägigen Rechtsprechung – die jederzeitige Leistungsüberprüfung vor.
Der Krankenversicherer des Versicherten zog seine gegen diesen Entscheid ge
richtete Einsprache am 2. August
2012 wieder zurück (Urk. 8/97). D
ie Ein
spra
che
des Versicherten (Urk. 8/98) wies die
Militärversi
cherung
am 1. April 2015 ab
, wobei sie die Haftung für sämtliche
nachdienst
lich
aufgetretenen
physischen
und psychischen
Beeinträchtigungen auf 33
1
/
3
%
festsetzte und per 31. Juli 2011
befristete
(Urk. 2).
2.
Gegen diesen
Einspracheentscheid
(Urk. 2) liess
X._
am 11. Mai 2015 mit folgenden Anträgen Beschwerde erheben (Urk. 1 S. 2):
„1.
Der
Einspracheentscheid
vom 1. April 2015 sei insoweit aufzuheben, als die Leistungspflicht für die psychischen Beschwerden per 1. August 2011 eingestellt und die Haftung auf
33
1
/
3
%
festgelegt wurde.
2.
Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen auszurichten, insbesondere auch nach dem 1. August 2011 generell Heilbehandlungen und weitere Leistun
gen bei einer Haftung von 100 % zu gewähren.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Beschwerdegeg
nerin
(inkl. 8 % MWST).“
Die
Militärversicherung schloss am 31. Juli 2015 auf Abweisung der Be
schwer
de (
vgl. Beschwerdeantwort, Urk. 7), was dem Beschwerdeführer am 17. August 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Militärversicherung (MVG) er
streckt sich die Haftung der Militärversicherung auf jede
Gesundheitsschädi
gung
,
die während des Dienstes in Erscheinung tritt und gemeldet oder sonst wie fest
ge
stellt wird. Die Militärversicherung haftet nicht, wenn sie den Beweis er
bringt, dass die Gesundheitsschädigung sicher vordienstlich ist oder sicher nicht während des Dienstes verursacht werden konnte (Art. 5 Abs. 2
lit
. a MVG), und wenn sie zusätzlich den Beweis erbringt, dass die
Gesundheitsschä
digung
sicher während des Dienstes weder verschlimmert noch in ihrem Ablauf beschleunigt worden ist (Art. 5 Abs. 2
lit
. b MVG). Wird der nach
Absatz
2
Buchstabe a ge
forderte Beweis erbracht, dagegen nicht derjenige nach Absatz 2 Buchstabe b, so haftet die Militärversicherung für die Verschlimmerung der
Gesund
heits
schä
digung
(Art. 5 Abs. 3 MVG).
Wird die Gesundheitsschädigung erst nach Schluss des Dienstes durch einen Arzt
, Zahnarzt oder
Chiropraktor
festgestellt und bei der Militärversicherung an
gemeldet, so haftet die Militärversicherung nur, wenn die
Gesundheitsschä
digung
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit während des Dienstes verursacht worden ist. Die Militärversicherung haftet auch insoweit, als eine vordienstliche
Gesundheitsschädigung wahrscheinlich durch Einwirkungen während des Diens
tes
verschlimmert worden ist oder wenn es sich mit überwiegender Wahr
schein
lichkeit um Spätfolgen oder Rückfälle einer versicherten
Gesundheits
schädi
gun
g
handelt (Art. 6 MVG).
Laut Art. 64 MVG werden die Leistungen angemessen gekürzt, wenn die ver
sicherte Gesundheitsschädigung nur teilweise auf Einwirkungen während des Dien
stes zurückgeht.
1.2
Die Haftung gemäss Art. 4 und 5 MVG einerseits sowie Art. 6 MVG anderseits unterscheidet sich darin, dass im ersten Fall der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den Einwirkungen während des Dienstes und der
Gesundheitsschädi
gung
vermutet wird und nur durch den gegenteiligen Sicherheitsbeweis ausge
schlossen werden kann, während im zweiten F
all das Vorliegen adäquat kau
sa
ler Folgen von Einwirkungen während des Dienstes erstellt sein muss (BGE
111 V 372 E. 1b, 105 V 229 E. 3a mit Hinweisen).
1.3
Für psychische Leiden mit Krankheitswert haftet die Militärversicherung, wenn sie selber die Haftungsvoraussetzungen nach Art. 5 ff. MVG erfüllen oder die adäquat kausale Folge einer versicherten Gesundheitsschädigung (Unfall oder Krankheit) sind (
Maeschi
, a.a.O., N 28 zu Art. 4 MVG mit Hinweisen).
Als adäquate Ursache eines Erfolges hat ein Ereignis nach der Rechtsprechung dann zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der all
gemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereig
nis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 125 V 456 E. 5a, 123 V 98 E. 3d,
139 E. 3c, 122 V 415 E. 2a, 121 V 45 E. 3a mit Hinweisen; RKUV 1997 Nr. U 272
S. 172 E. 3a).
2.
2.1
Die Militärversicherung
begründete den
angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk. 2) da
mit
, dass
sich
der im Anschluss an den während der RS durchge
machten Tubenkatarrh aufgetretene
und psychovegetativ überlagerte
Tinnitus
keiner orga
nischen Ursache zuordnen lasse und wohl zumindest teilweise mit der genetisch bedingten
Thalassämie
zu erklären sei.
Da die weiteren Beschwer
den
, die sich erst nachdienstlich manifestiert hätten,
nur möglicherwe
ise
auf die
RS
beziehungsweise den Tinnitus zurückgeführt werden könnten
und die
Leis
tungspflicht
für sämtliche nachdienstlich aufgetretenen gesundheitlichen Be
einträchtigungen an sich von Anfang an hätte verneint werden können, sei die Kürzung der Haftung auf 33
1
/
3
% und deren Terminierung per 31. Juli 2011 jedenfalls nicht zu beanstanden (Urk. 2 S. 7 ff.
, Urk. 7 S. 4
).
Sofern das hiesige Gericht diesbezüglich zu einem gegenteiligen Schluss gelange, sei die Haftung für den Tinnitus, auf deren Überprüfung
man
nach
der
Änderung der einschlä
gigen Rechtsprechung des Bundesgerichts verzichtet
habe
,
mangels eines adä
quaten Kausalzusammenhangs zwischen
dem
grippalen Infekt beziehungsweise
dem
Tubenkatarrh während der RS und dem fraglichen Leiden zu verneinen (Urk. 7 S. 6).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, die Termi
nierung der Leistungen
per
31. Juli 2011 entbehre einer Grundlage in den medi
zinischen Akten. Tatsächlich leide er weiterhin an Einschlafstörungen, für die die dienstliche Erkrankung (Tinnitus) zumindest teilursächlich sei. Der Status quo sine respektive ante sei demnach noch nicht erreicht (U
rk. 1 S. 5 f.). Da der
SUVA-Versicherungsmediziner
Dr.
Z._
seine Beurteilung
, auf die sich die
Militärversicherung im Wesentlichen stütze,
nicht
ausreichend
begründet habe
, seien allenfalls weitere medizinische Abklärungen und hernach auch die Über
prüfung des von der Beschwerdegegnerin auf lediglich 33 % (richtig: 33
1
/
3
%) festgesetzten Ausmasses der Haftung indiziert (S. 6).
3.
3.1
Aus den aktenkundigen medizinischen Berichten geht übereinstimmend hervor
, dass der Beschwerdeführer während der RS
im Rahmen eines grippalen Infekts
an einem Tuben
mittelohr-K
atarrh
litt, der unter entsprechender Behandlung
schon bald
wieder
(per se folgenlos)
abheilte
(vgl. etwa Urk. 8/4)
und für den die Militärversicherung Leistungen erbrachte
(
vgl. Urk. 8/3a)
.
Nach Lage der Akten steht zudem fest, dass im Verlauf dieser Erkrankung ein
– über das Dienstende hinaus persistierende
r
und von den Ärzten als (zumindest t
eilweise
)
natürlich kausale Folge des Tubenkatarrhs interpretierter
–
beidseitiger
Tinnitus
aurium
auftrat
(vgl. insbesondere
Berichte
Spital
Y._
vom 6. November 2008 [Urk. 8/7] und
vom 7. Januar 2009 [Urk. 8/4],
Bericht
A._
, Chirurgische Klinik, vom 6. Dezember 2008 [Urk. 8/11] und
Verlaufs
blatt
Universitätsspital B._
, Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und
Gesichts
chirurgie
, vom 15. Januar 2009 [Urk. 8/8])
, für den die Militärversicherung ihre Leistungspflicht mit Schreiben vom 9. Januar 2009 (Urk. 8/5) anerkannte.
A
b
8. Dezember 2009
stand
der Versicherte zude
m wegen
–
dia
gnostisch unter
schied
lich eingeordneter –
psychischer Beschwerden (depressive Episode mit ver
schiedenen Symptomen [Urk. 8/13.1
, Urk. 8/19
], Angst und depressive Stö
rung
gemischt [Urk. 8/13
= Urk. 8/45
]
, akute Belastungsstörung, kombiniert mit Tinni
tus, Sehstörungen und Kieferbeschwerden [Urk. 8/37 S. 2
, Urk. 8/88 S. 1
]
,
Panik
attacke
bei depressiver Störung [Urk. 8/39], Verdacht auf Panikattacke [Urk. 8/40]
)
in
ärztlicher beziehungsweise psychotherapeutischer Behandlung, und es wurde ihm
periodenweise
aus psychischen Gründen
eine (Teil-)Arbeits
unfähigkeit attestierte (Urk. 8/13.1
, Urk. 8/19
, Urk. 8/43
; vgl. auch Urk. 8/23.2 S. 5
und Urk. 8/61, Urk. 8/63
).
3.
2
3.2.1
Betreffend
d
as vom Beschwerdeführer geklagte Ohrgeräusch
ist
rechtspre
chungsgemäss
zwischen objektivem und subjektivem
Tinnitus
zu unterscheiden. Der
objektive Tinnitus
bezeichnet
ein Ohrgeräusch, welches aufgrund patho
logisch-anatomischer Veränderungen entsteht und grundsätzlich auch für Aussen
stehende -
allenfalls mit technischen
Hilfsmitteln - hörbar wird. Meist han
delt es sich um gefässreiche Missbildun
gen,
Tumore oder um muskulär bedingte Schallgeräusche. Der subjektive
(res
pektive
"nicht objektive"
)
Tinnitus wird ein
zig durch den Betroffenen gehört und stellt die weitaus häufigste Form dar. Der objektive Tinnitus wird auch
als "
Körper
ge
räusch
" bezeichnet (vgl. BGE 138 V 248 E. 5.7.2 mit Hinweisen). Es besteht keine
medizinisch gesicherte Grun
dlage
, um einen
subjektiven
Tinnitus als körper
li
ches Leiden zu betrachten oder ihn (zwingend) einer organischen Ursache zu
zuordnen
(vgl. BGE 138 V 248 E. 5.10).
3.
2.2
Die im Laufe der Zeit durchgeführte
n
entsprechenden medizinischen Abklä
rungen ergaben, dass der vom Beschwerdeführer geklagte Tinnitus
keiner objek
ti
vierbaren organischen Ursache zuordenbar (vgl. namentlich
Bericht Klinik
C._
, Radiologie, vom 6. Januar 2009 [Urk. 8/12],
Bericht Dr. med.
D._
, Facharzt FMH für Otorhinolaryngologie, vom 28. September 2010 [Urk. 8/22.1]
und
Bericht Dr. med. Westphal, Fachärztin FMH für Otorhinolaryngologie, vom 10. November 2010 [Urk. 8/44]
), mithin subjektiver Natur ist.
Voraussetzung für e
ine diesbezügliche Leistungspflicht der Militärversicherung
ist daher, dass der
Tinnitus
nicht nur in einem
na
türliche
n, sondern auch
in
einem –
wie bei an
de
ren organisch nicht ausgewiesenen Beschwerdebildern speziell zu prüfenden – adäquaten Kausalzusammenhang
zum Tubenkatarrh
steht (BGE 138 V 248 E. 5.10
,
Urteil
des Bundesgerichts 8C_241/2014
vom
8.
Juli 2014
E. 4.1 mit Hin
weisen
)
. Da
der Tinnitus im Zusammenhang mit einem Leiden krankhafter Natu
r aufgetreten ist,
dürfte
die Rechtsprechung zur Adäquanz von psychischen Fehl
entwicklungen nach Unfällen
(BGE 115 V 133)
nur schon aufgrund der unter
schiedlichen Begriffsdefinition von Unfall und Krankheit nicht anwendbar
sein
.
Es rechtfertigt sich, die Adäquanz
demnach
– in Analogie zur
im
Unfallver
siche
rungsrecht
für
psychische Fehlentwicklungen nach einer Berufskrankheit
gel
tenden Rechtsprechung
(vgl. BGE
125 V 456 E. 5d
) –
nach der allgemeinen Adäquanzformel
zu beurteilen
. Massgebend ist daher, ob der Tubenkatarrh
nach dem gewöhn
lichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen
Tinnitus
herbeizuführen.
3.
2.3
Ein
Tuben
(
mittelohr
)
katarrh
ist
eine Entzündung der Schleimhaut der
Eustachi
-Röhre (Tuba
auditiva
), der Verbindung zwischen dem Nasen-Rachen-Raum und dem Mittelohr. Die Entzündung führt zu einer Obstruktion und durch den feh
lenden Druckausgleich zu einem Druckgefühl im Ohr und Störungen des Gehörs. Ein Tubenkatarrh ist ein Risikofaktor für die Entstehung einer Mittel
ohr
entzündung.
Eine wesentliche Ursache sind Infekte, wie zum Beispiel eine Er
kältung
. Medikamentös lässt er sich etwa mittels abschwellender Nasensprays behandeln
.
Beim
fraglichen
–
beim Beschwerdeführer
während der RS im Rahmen eines grippalen Infekts aufgetretenen –
Leiden handelte es sich demnach um eine
(grundsätzlich) harmlose Gesundheitsstöru
ng,
die
wie sich aus den medi
zini
schen
Akten ergibt
unter medikamentöser Behandlung
denn
auch schon bald
und an sich komplikationslos
wieder gänzlich abheilte
(vgl. Urk.
9)
.
Angesichts die
ser Gegebenheiten
ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Tu
ben
ka
tarrh und dem Tinnitus zu verneinen.
Dass die Militärversicherung dennoch Leistungen erbrachte und – zu Recht ohne
Anerkennung einer entsprechenden Rechtspflicht – grundsätzlich auch weiter
hin auszurichten bereit ist
(Urk. 2 S.
9
, Urk. 7 S. 6)
, ist damit zu erklären, dass
nach der
im Zeitpunkt des Auftretens des Tinnitus
gültig gewesenen
(und zwi
schenzeitlich mit Urteil des Bundesgerichts 8C_498/2011 vom 3. Mai 2012
[
in der amtlichen Sammlung als BGE 138 V 248
publiziert]
geänderten)
Recht
sprechung
auch bei fehlender Objektivierbarkeit eines Tinnitus von dessen
Organi
zität
auszugehen und fo
lglich bei gegebenem natürlichem
ohne Weiteres
auch der adäquate Kausalzusammenhang zur dienstlichen Einwirkung zu bejahen
war.
In Anbetracht der Tatsache, dass die
ursprüngliche
Leistungszusprache
(Schreiben der Militärversicherung vom 9. Januar 2009, Urk. 8/5)
der damaligen Rechtslage entsprach
, im Beschwerdeverfahren vor dem
k
antonalen
Versiche
rungsgericht
von der Möglichkeit einer
reformatio
in
peius
zurückhaltend Gebrauch zu machen ist (vgl. etwa Bundesgerichtsurteil 9C_821/2013 vom 29.
Janu
ar 2014 E.
5.1 in
fine
; zu den
abeichenden
Voraussetzungen im
Ein
spracheverfahren
das zur Publikation bestimmte Bundesgerichtsurteil 8C_127/2016
vom 20. Juni 2016),
und
mit Blick darauf, dass
die zwischen
zeit
lich
erfolgte
(
und
wiederholt bestä
tigte) Praxisänderung des Bundes
gericht in der Lehre
auch
nicht unumstritten ist (vgl. etwa
Pribnow
/
Möri
, Adäquanz im Gefechtsstand – Tinnitus nach Knalltrauma und anderen Unfällen, in:
HAVE
2015 S. 48 ff.
), kann von einer
reformatio
in
peius
(nach vorgängiger Gewäh
rung des rechtlichen Gehörs)
abgesehen werden.
3.3
3.
3
.1
Was die nachdienstlich aufgetretene, sich teilweise auch in physischen Be
schwer
den manifestierende (und von der Beschwerdegegnerin daher als
"
kör
per
lich“ bezeichnete [Urk. 2 S.
10
, Urk. 7 S. 6
]) psychische Gesundheitsstörung anbe
langt, geht aus den Akt
en
nicht nur
betreffend die diagnostische Qualifi
kation
(vgl. E. 3.1),
sondern
auch bezüglich der Ursache des fraglichen Le
idens Widersprüchliches hervor
(vgl.
hiezu
insbesondere
Urk. 8/13 S. 1)
.
3.3
.2
Ob, wie dies der Beschwerdeführer geltend macht
(Urk. 1 S.
5 f.
)
, die psychische Symptomatik tatsächlich
– zumindest teilweise –
natürlich kausale Folge des Tinnitus ist, kann vorliegend offen bleiben. Aufgrund der Tatsache, dass der Tinnitus selbst in keinem adäquat kausalen Z
usammenhang zum dienstlichen Tubenkatarrh steht
(E. 3.
2.3
)
, stehen auch jegliche durch den Tinnitus hervor
gerufenen psychische Leiden, unabhängig von deren konkreten Natur, in kei
nem
gegenüber der Militärversicherung
anspruchsbegründenen
Konnex zum Tinni
tus. Selbst wenn der dienstliche Tubenkatarrh (teil-)ursächlich für die nach der RS aufgetretene psychische Störung wäre
(
wofür es in den Akten
allerdings
keine Anhaltspunkte gibt
)
, vermöchte dies keinen Anspruch auf
Militärversi
cherungsleistungen
zu begründen, da die psychischen Beschwerden – aus den nämlichen Gründen wie der Tinnitus (E. 3.
2.3
)
–
jedenfalls in keinem adäquaten und
folglich
keinem
rechtsgenüglichen
Zusammenhang zu
m
Tubenkatarrh ste
hen.
Insofern besteht auch kein Anlass für weitere medizinische Abklärungen (Urk. 1 S. 6).
In Anbetracht der Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Einspracheentscheid
sinngemäss selbst darauf hinwies, dass die Anerkennung der Haftung für die psychischen Beschwerden im Umfang von 33
1
/
3
% bis 31. Juli 2011 – mangels einer entsprechenden
Rechtsg
rundlage – auf freiwilli
ger Basis erfolge (Urk. 2 S. 8), kann auch diesbezüglich
auf eine
reformatio
in
peius
verzichtet
werden.
3.4
Da sich die Beschwerde nach dem Gesagten jedenfalls als unbegründet erweist, ist sie abzuweisen
.