Decision ID: 51e469a8-21bb-4f57-9c5c-482779787c0f
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger, suchte am
16. August 2021 in der Schweiz um Asyl nach.
B.
B.a Abklärungen der Vorinstanz in der Europäischen Fingerabdruckdaten-
bank (Zentraleinheit Eurodac) ergaben, dass der Beschwerdeführer am
22. Dezember 2017 in Griechenland um Asyl ersucht und ihm Griechen-
land am 23. August 2018 den Flüchtlingsstatus gewährt hatte.
B.b Am 19. August 2021 ersuchte die Vorinstanz die griechischen Behör-
den um Rückübernahme des Beschwerdeführers gestützt auf das bilate-
rale Rückübernahmeabkommen zwischen Griechenland und der Schweiz
sowie gestützt auf die Rückführungsrichtlinie 2008/115/EG. Die griechi-
schen Behörden stimmten der Übernahme am 21. August 2021 zu, wobei
sie erklärten, der Beschwerdeführer verfüge seit dem 30. November 2018
über den Flüchtlingsstatus und eine Aufenthaltsbewilligung, die bis am
29. November 2021 gültig sei.
B.c Am 19. August 2021 bevollmächtigte der Beschwerdeführer die ihm
zugewiesene Rechtsvertretung. Einem gleichentags gestellten Aktenein-
sichtsgesuch der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers an das SEM
wurde am 24. August 2021 entsprochen.
B.d Am 20. August 2021 fand die Personalienaufnahme (PA) statt.
B.e Am 27. August 2021 wurde dem Beschwerdeführer im Rahmen eines
persönlichen Gesprächs das rechtliche Gehör zum beabsichtigen Nichtein-
tretensentscheid gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) und
zur Wegweisung nach Griechenland gewährt. Dabei machte der Be-
schwerdeführer insbesondere geltend, Afghanistan im Jahre 2017 verlas-
sen zu haben und drei Jahre in Griechenland verbracht zu haben. Zunächst
habe er acht Monate in B._ verbracht, wo er trotz Minderjährigkeit
von den griechischen Behörden als volljährig erachtet worden sei. Im De-
zember 2017 sei er zweimal Opfer eines sexuellen Übergriffs durch Lands-
leute geworden. Nach Erhalt des Flüchtlingsstatus sei er nach Athen ge-
kommen. Während seines Aufenthalts in Griechenland seien die Unter-
kunftsbedingungen prekär gewesen und er habe weder Zugang zur Schule
noch zur Gesundheitsversorgung gehabt. Ausserdem habe er mit einem
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afghanischen Schlepper Probleme bekommen, da dieser ihm keine Infor-
mationen zu seiner Schwester, die aus dem Iran in die Türkei gereist und
Mitte 2021 bei der Überfahrt nach Griechenland ertrunken sei, habe geben
wollen. Noch heute fürchte er sich vor ihm. Nachdem er auch seine Eltern
im März 2021 verloren habe, wolle er bei seinem Bruder in der Schweiz
bleiben, ansonsten würde er sich lieber umbringen.
Zum medizinischen Sachverhalt machte der Beschwerdeführer geltend, an
psychischen Problemen, insbesondere an Depressionen und Schlafprob-
lemen, die in Griechenland entstanden seien, zu leiden.
B.f Mit Schreiben vom 8. September 2021 ersuchte die Rechtsvertretung
um umgehende psychiatrische Behandlung des Beschwerdeführers mit
der Begründung, der Beschwerdeführer habe im Dublin-Gespräch vom
27. August 2021 mehrfach Suizidgedanken geäussert. Seine psychischen
Beschwerden würden sich vermehrt auf sein körperliches Befinden auswir-
ken, insbesondere würde er unkontrolliert die Zähne aufeinanderbeissen,
sich dabei auch auf die Zunge beissen, weshalb er mittlerweile nicht mehr
essen könne. Zudem leide er an unkontrollierbaren Zuckungen im Gesicht
und an den Händen. Zur Untermauerung des medizinischen Sachverhalts
wurde ein medizinisches Datenblatt für interne Arztbesuche mit Einträgen
vom 24. und 26. August 2021 zu den Akten gereicht. Des Weiteren machte
die Rechtsvertretung auf die enge Beziehung des Beschwerdeführers zu
seinem in der Schweiz befindlichen Bruder aufmerksam, dies unter Beilage
verschiedener Schreiben der Brüder und deren Bekannten.
B.g Das SEM informierte die Rechtsvertretung am 1. Oktober 2021 dahin-
gehend, dass der Beschwerdeführer am 30. November 2021 einen Termin
in der Psychiatrie C._ habe.
B.h Am 4., 9., 12. und 29. November 2021 sowie am 22., 23. und 31. De-
zember 2021 reichte die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers ver-
schiedene Arztberichte und medizinische Datenblätter (Diagnosen, Medi-
kation, Verlaufskontrolle und Terminvereinbarung) zu den Akten. Darin
wurde insbesondere der Verdacht geäussert, der Beschwerdeführer leide
an einer (...) sowie an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).
Eine Suizidalität sei hingegen nicht gegeben.
B.i Am 28. Januar 2022 stellte die Vorinstanz der zugewiesenen Rechts-
vertretung des Beschwerdeführers den Entscheidentwurf zur Stellung-
nahme zu. Die Rechtsvertretung nahm am 31. Januar 2022 Stellung und
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führte dabei aus, eine Rückkehr nach Griechenland sei nicht zumutbar, weil
es sich beim Beschwerdeführer um eine vulnerable Person handle. Die
Umstände in Griechenland seien für ihn äusserst schwierig gewesen und
er habe unter anderem auf der Strasse leben müssen; seine starken psy-
chischen Probleme seien dort nicht angemessen behandelt worden. Bei
einer Rückkehr nach Griechenland wäre eine Weiterführung der aktuellen
psychiatrisch-psychologischen Behandlung nicht gewährleistet und es be-
stehe das Risiko einer Verschlechterung seines Zustandes sowie eine re-
elle Suizidgefahr. Auch der Zugang zu Sozialleistungen, zur Gesundheits-
versorgung und zum Arbeitsmarkt werde in Griechenland aufgrund admi-
nistrativer Hürden verhindert. In Griechenland würden Personen mit einem
internationalen Schutzstatus extreme materielle Not erleben, die zu einem
menschenunwürdigen Dasein führe und den Schutzbereich von Art. 3
EMRK verletze.
B.j Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 1. Februar 2022 trat die Vor-
instanz gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch des
Beschwerdeführers nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz an. Gleichzeitig beauftragte sie den zuständigen Kanton mit dem
Vollzug der Wegweisung und händigte dem Beschwerdeführer die editi-
onspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus.
C.
Mit Eingabe vom 8. Februar 2022 erhob der Beschwerdeführer gegen die
Verfügung des SEM – handelnd durch seine mandatierte Rechtsvertretung
– Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Dabei beantragte er, die
Verfügung des SEM sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, in-
folge Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Eventualiter sei das Verfah-
ren zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an
die Vorinstanz zurückzuweisen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei ihm die unentgeltli-
che Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses sei zu verzichten.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 10. Februar 2022 wurde das Gesuch um un-
entgeltliche Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses gutgeheissen und die Vorinstanz zur Vernehmlassung einge-
laden.
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E.
Mit Vernehmlassung vom 4. März 2022 nahm das SEM – nach gewährter
Fristerstreckung – mit ergänzenden Ausführungen zur Beschwerde Stel-
lung und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
F.
Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer mit Zwischenverfü-
gung vom 9. März 2022 zugestellt und es wurde ihm Gelegenheit zur Ein-
gabe einer Replik gewährt, welche am 24. März 2022 beim Bundesverwal-
tungsgericht einging.
G.
Mit Eingabe vom 6. April 2022 liess der Beschwerdeführer einen Arztbe-
richt vom 5. April 2022 nachreichen.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 4. Mai 2022 wurde das SEM aufgrund des
Referenzurteils des Bundesverwaltungsgerichts E-3427/2021,
E-3431/2021 vom 28. März 2022 aufgefordert, eine erneute Vernehmlas-
sung einzureichen.
I.
Die – nach gewährten Fristerstreckungen – eingereichte Vernehmlassung
des SEM vom 26. Juli 2022 wurde dem Beschwerdeführer mit Zwischen-
verfügung vom 17. August 2022 zugestellt und es wurde ihm Gelegenheit
zur Stellungnahme gewährt.
J.
Mit Replik vom 1. September 2022 nahm der Beschwerdeführer entspre-
chend Stellung.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Gegenstand des Verfahrens ist die Frage des Vollzugs der Wegweisung.
Die Dispositivziffern 1 (Nichteintreten auf das Asylgesuch) und 2 (Anord-
nung der Wegweisung) der Verfügung vom 1. Februar 2022 sind mangels
Anfechtung in Rechtskraft erwachsen.
3.
3.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl.
BVGE 2014/26 E. 5).
3.2 Bezüglich der Frage des Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz eine
materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem Bundesverwaltungsge-
richt diesbezüglich volle Kognition zukommt.
4.
4.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
dass der Beschwerdeführer in Griechenland als Flüchtling anerkannt sei
und sich Griechenland am 21. August 2021 dazu bereit erklärt habe, ihn
zurückzunehmen. Zwar würden Anzeichen bestehen, dass der Beschwer-
deführer die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG erfülle. Da aber be-
reits ein Drittstaat die Flüchtlingseigenschaft festgestellt und ihm Schutz
gewährt habe, könne er nach Griechenland zurückkehren, ohne eine Rück-
schiebung in seinen Heimatstaat in Verletzung des Non-Refoulements-
Prinzips zu befürchten. Daran ändere auch der Umstand, dass seine Auf-
enthaltsbewilligung in Griechenland mittlerweile abgelaufen sei, nichts, zu-
mal davon auszugehen sei, dass er bei einer allfälligen Rückkehr nach
Griechenland die Erneuerung seines Status und die Verlängerung der Auf-
enthaltsbewilligung beantragen könne. Griechenland habe ausserdem der
Rückübernahme explizit auf Grundlage des Abkommens zwischen dem
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Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Hellenischen Republik
über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt vom
28. August 2006 zugestimmt und die ihm am 6. Oktober 2020 zuerkannte
Flüchtlingseigenschaft bestätigt. Es würden keine Hinweise vorliegen,
dass die griechischen Behörden ein rechtsstaatlich illegitimes Verfahren
durchgeführt hätten und ihm insbesondere keinen effektiven Schutz vor
Rückschiebung gewähren würden. Bei Zweifeln am Vorgehen der griechi-
schen Behörden könne er seine diesbezüglichen Rechte – nötigenfalls auf
dem Rechtsweg und mit Unterstützung einer Hilfsorganisation oder einer
Rechtsvertretung – einfordern.
Der Vollzug der Wegweisung sei im Übrigen zulässig sowie zumutbar und
möglich. Griechenland sei an die Richtlinie 2011/95/EU des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2011 (sogenannte Qualifi-
kationsrichtlinie) gebunden. Nachdem der Beschwerdeführer als Flüchtling
von Griechenland anerkannt worden sei, würden ihm alle Rechte aus der
Flüchtlingskonvention zustehen. Dazu gehöre die Gleichbehandlung mit
griechischen Staatsangehörigen etwa in Bezug auf die Fürsorge, das Ge-
sundheitswesen, den Zugang zu Gerichten, den öffentlichen Schulunter-
richt sowie die soziale Sicherheit und die Ausübung einer Erwerbstätigkeit.
Der Beschwerdeführer sei gehalten, seine Ansprüche bei den griechischen
Behörden, nötigenfalls auf dem Rechtsweg, geltend zu machen. Hilfsorga-
nisationen könnten ihm dabei unterstützend zur Seite stehen. Soweit der
Beschwerdeführer eine Verletzung von Art. 3 EMRK geltend mache, sei
festzuhalten, dass auch das Bundesverwaltungsgericht in seiner neueren
Rechtsprechung anerkenne, dass die Lebensbedingungen in Griechen-
land für dort anerkannte Schutzberechtigte in fast allen Bereichen des täg-
lichen Lebens äusserst schwierig seien und sich die Alltagsbewältigung als
mühselig gestalte. Es sei aber nicht von einer Situation auszugehen, in der
jeder Person mit Schutzstatus in Griechenland eine unangemessene und
erniedrigende Behandlung im Sinne einer Verletzung von Art. 3 EMRK
drohe. Es könne trotz erheblicher Schwächen nicht von einem völlig dys-
funktionalen Aufnahmesystem gesprochen werden. Dem Beschwerdefüh-
rer sei es nicht gelungen, diese Regelvermutung umzustossen. Die von
ihm vorgebrachten Angaben zur Situation in Griechenland seien allgemei-
ner Natur und würden ihn nicht konkret persönlich treffen.
Bezüglich der vom Beschwerdeführer zu Protokoll gegebenen sexuell mo-
tivierten strafbaren Handlungen gegen ihn sowie der Übergriffe durch
Schlepper in Griechenland sei anzumerken, dass Griechenland ein
Rechtsstaat sei, welcher über eine funktionierende Polizeibehörde verfüge,
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die sowohl als schutzwillig wie auch als schutzfähig gelte. Es sei Sache der
nationalen griechischen Strafverfolgungsbehörde und der weiteren Organe
dieses Staates allfällige strafrechtlich relevante Vergehen nach Möglichkeit
zu verfolgen und zu ahnden. Der Beschwerdeführer habe die Möglichkeit,
sich an die zuständigen staatlichen Stellen zu wenden, nötigenfalls unter
Zuhilfenahme einer Rechtsvertretung.
Aus dem Umstand, dass er mit seinem Bruder über eine wichtige und nahe
Bezugsperson in der Schweiz verfüge, könne nichts zu seinen Gunsten
abgeleitet werden. Gemäss ständiger Praxis und Rechtsprechung des
Bundesgerichts würden Geschwister nicht als Familienangehörige gelten.
Auch vorliegend bestehe kein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zwi-
schen den Brüdern.
Soweit der Beschwerdeführer im Rahmen der Gewährung des rechtlichen
Gehörs ausgeführt habe, seit seinem Aufenthalt in Griechenland an De-
pressionen und Schlaflosigkeit zu leiden, geräuschempfindlich zu sein und
in der Nacht die Zähne zusammenzubeissen sowie an Zuckungen an Hän-
den und im Gesicht zu leiden, sei die medizinische Versorgung in Grie-
chenland, inklusive allfälliger psychologischer respektive psychiatrischer
Behandlungsmöglichkeiten, für Personen mit Schutzstatus gewährleistet.
Es könne davon ausgegangen werden, dass eine adäquate Behandlung
gegeben sei; sollte Griechenland seinen diesbezüglichen Verpflichtungen
nicht nachkommen, sei es ihm unbenommen, seine Rechte bei den grie-
chischen Behörden gerichtlich geltend zu machen. Es bestehe auf Grund-
lage der dem SEM vorliegenden medizinischen Unterlagen auch keine me-
dizinische Notlage, bei welcher sich der Gesundheitszustand des Be-
schwerdeführers bei einer Rückkehr nach Griechenland drastisch ver-
schlechtern würde. Es seien keine akuten Suizidimpulse gegeben. Soweit
von ärztlicher Seite darauf hingewiesen werde, eine akute Suizidalität
könnte durch eine allfällige Überstellung nach Griechenland ausgelöst wer-
den, sei festzuhalten, dass es nachvollziehbar sei, dass sich bei gewissen
Personen eine suizidale Tendenz bemerkbar mache, wenn eine Wegwei-
sung aus der Schweiz drohe. Es wäre aber stossend, wenn durch Berufung
auf eine tatsächliche oder vermeintliche Selbstmordgefahr die Behörden
zum Einlenken gezwungen werden könnten. Auch diesbezüglich könne der
Beschwerdeführer medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, die in Grie-
chenland zur Verfügung stehe. Schliesslich werde die Reisefähigkeit erst
kurz vor der Überstellung definitiv beurteilt, wobei die griechischen Behör-
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den vor der Überstellung über die gesundheitliche Verfassung und die not-
wendige medizinische Behandlung informiert würden und eine medizini-
sche Begleitung gewährleistet sei.
4.2 In der Rechtsmitteleingabe bringt der Beschwerdeführer vor, es sei in
Griechenland am 11. März 2020 ein neues Gesetz 4674/2020 in Kraft ge-
treten, wonach Flüchtlinge mit Schutzstatus 30 Tage nach Erhalt des
Schutzstatus ihr Recht auf Unterkunft, Sach- und Geldleistung verlieren
würden. Diese neue Gesetzeslage habe, zusammen mit dem Ausbruch
des Coronavirus, eine Ausnahmesituation ausgelöst. Das Gesundheitssys-
tem sei stark überlastet und könne keine medizinische Behandlung garan-
tieren. Personen mit Schutzstatuts würden keinen Zugang zu einer ange-
messenen Unterkunft, zu Sozialhilfeleistungen, Lebensmitteln, zur Ge-
sundheitsversorgung oder Sicherheit erhalten. Diese Missstände habe er
selbst erlebt, wobei er zunächst als Minderjähriger in einer Erwachsenen-
unterkunft habe leben müssen und im Dezember 2017 zweimal Opfer ei-
nes sexuellen Übergriffs geworden sei. Zudem sei ihm der Zugang zur
Schulbildung und Gesundheitsversorgung verwehrt geblieben. Er habe
seine psychischen Probleme nicht behandeln lassen können und habe in
einem Zelt am Strassenrand gelebt. Verschiedene Organisationen, darun-
ter auch die Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH), würden sich von der
Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Griechen-
land distanzieren; diese Berichterstattung sowie seine individuelle Situa-
tion habe das SEM kaum gewürdigt. Bei einer Rückkehr nach Griechen-
land würde ihm eine extreme materielle Notlage und mithin eine un-
menschliche beziehungsweise erniedrigende Behandlung im Sinne von
Art. 3 EMRK drohen. Er sei als besonders verletzliche Person, die auf me-
dizinische Behandlung angewiesen sei, einzustufen. Vorliegend seien wei-
tere medizinische Abklärungen, insbesondere zu allfälligen gesundheitli-
chen Auswirkungen einer Wegweisung nach Griechenland, und daher eine
Rückweisung der Sache an das SEM notwendig.
4.3 In der Vernehmlassung führte das SEM aus, es bestehe kein Grund zur
Annahme, dass sich die in Griechenland erlittenen sexuellen Übergriffe
zweifelsfrei und systematisch wiederholen würden und als «real risk» ein-
gestuft werden müssten. Es sei davon auszugehen, dass Griechenland
seinen internationalen Verpflichtungen nachkomme. Ebenfalls sei nicht er-
sichtlich, dass Personen, denen internationaler Schutz zuerkannt worden
sei, in Griechenland mit der Gleichgültigkeit der Behörden konfrontiert
seien und sich in einer Situation der Entbehrungen oder Mängel wiederfin-
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den würden, die so schwerwiegend seien, dass sie mit der Menschen-
würde unvereinbar wären. Der Beschwerdeführer könne solche Vorfälle
zur Anzeige bringen und sich an Opferberatungsstellen wenden. Eine The-
rapie habe, auch aufgrund des Umstandes, dass sich der Beschwerdefüh-
rer erst seit Kurzem in der Schweiz befinde und keine Landessprache be-
herrsche, nicht zwingend in der Schweiz zu erfolgen. Ein Aufenthaltsrecht
in der Schweiz könne mangels Abhängigkeitsverhältnis auch nicht von sei-
nem hierzulande lebenden Bruder abgeleitet werden.
4.4 Replizierend führte der Beschwerdeführer an, es sei in Zweifel zu zie-
hen, dass Griechenland sich an seine internationalen Verpflichtungen
halte, weshalb eine aktuelle Bewertung der allgemeinen Lage durch die
schweizerischen Behörden vorzunehmen sei. Insbesondere sei zu prüfen,
wie die griechischen Behörden ihre Asylgesetzgebung in der Praxis an-
wenden würden, zumal klare Anzeichen dafür vorliegen würden, dass Grie-
chenland nicht als sicherer Drittstaat gelten könne. Soweit die Vorinstanz
ausführe, der Beschwerdeführer könne sich hinsichtlich der sexuellen
Übergriffe an die griechischen Strafverfolgungsbehörden wenden, sei fest-
zuhalten, dass ihm dies mangels Sprachkenntnisse und finanzieller Mittel,
beispielsweise um eine Rechtsvertretung zu engagieren, gerade nicht
möglich sei. Der Verweis auf die Zuhilfenahme von nichtstaatlichen Hilfs-
organisationen zeige gerade auf, dass diese die Untätigkeit und Unfähig-
keit des griechischen Staates zu kompensieren hätten. Des Weiteren sei
der medizinische Sachverhalt durch die Vorinstanz nicht rechtsgenüglich
und abschliessend abgeklärt. Eine abschliessende Diagnose fehle weiter-
hin, so dass die notwendige Therapie in der Schweiz sowie deren Durch-
führungsmöglichkeit in Griechenland nicht eruiert worden sei. Schliesslich
bestehe ein Abhängigkeitsverhältnis zu seinem in der Schweiz lebenden
Bruder, zumal sich auch erwachsene Geschwister auf Art. 8 EMRK berufen
könnten.
4.5 Vor dem Hintergrund des Referenzurteils des Bundesverwaltungsge-
richts E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 hielt das SEM in sei-
ner zweiten Vernehmlassung vom 26. Juli 2022 fest, dass der Beschwer-
deführer zwar als vulnerable Person zu erachten sei, dass er aber die im
Referenzurteil aufgeführte Bedingung der besonders hohen Verletzlichkeit
nicht erfülle. Seine medizinischen Probleme seien nicht derart gravierend,
als dass sie seine psychische oder physische Gesundheit in besonders
schwerwiegender Weise beeinträchtigen würden. Die aktenkundigen me-
dizinischen Beschwerden seien in Griechenland behandelbar, womit er
auch nicht Gefahr laufe, in eine schwere Notlage zu geraten. Nachdem der
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Beschwerdeführer bereits drei Jahre in Griechenland verbracht habe, sei
es ihm zuzumuten, die griechische Sprache zu erlernen, sich um den Erhalt
seiner Rechte intensiver zu bemühen und diese bei Bedarf auf dem
Rechtsweg einzufordern. Trotz schwieriger Umstände in Griechenland sei
davon auszugehen, dass schutzberechtigte Personen grundsätzlich in der
Lage seien, ihre existenziellen Bedürfnisse abzudecken. Es sei zudem
nicht von einer menschenunwürdigen Behandlung von Rückkehrenden
auszugehen. Ausserdem sei darauf hinzuweisen, dass der Beschwerde-
führer die Möglichkeit habe, seinen Anspruch auf das garantierte Mindest-
einkommen, basierend auf den drei Pfeilern «finanzielle Einkommensun-
terstützung», «soziale Dienstleistungen» und «berufliche Integration», gel-
tend zu machen.
4.6 In seiner Triplik vom 1. September 2022 hielt der Beschwerdeführer
fest, dass die Vorinstanz fälschlicherweise von begünstigenden Umstän-
den in Griechenland ausgehe. Er sei als vulnerable Person zu erachten
und leide an einer PTBS, die therapiebedürftig sei. Eine Verstärkung der
Symptome sowie Impulshandlungen in suizidaler Absicht könnten nicht
ausgeschlossen werden. Die Vorinstanz verkenne ebenso, dass dem Be-
schwerdeführer der Zugang zu Arbeit, Sozialleistungen und finanzieller Un-
terstützung faktisch verwehrt sei, was auch dem Bericht der SFH vom
3. August 2022 entnommen werden könne. Ein Einfordern auf dem
Rechtsweg sei wegen seines schlechten Gesundheitszustandes, fehlender
Sprachkenntnisse, fehlender finanzieller Mittel und fehlender Unterstüt-
zung nicht möglich. Bei einer Rückkehr nach Griechenland bestehe mithin
die reelle Gefahr, dass er dauerhaft in eine schwere Notlage gerate.
5.
Zunächst ist festzuhalten, dass der Sachverhalt vorliegend nach Ansicht
des Bundesverwaltungsgerichts genügend erstellt ist. Insbesondere sind
im vorinstanzlichen Verfahren mehrere medizinische Abklärungen zum Ge-
sundheitszustand des Beschwerdeführers getroffen worden. Aus den ein-
gereichten ärztlichen Berichten ergeben sich klare Diagnosen; sie liefern
keine Anhaltspunkte für einen weitergehenden Abklärungsbedarf. Das
SEM ist seiner Pflicht zur Sachverhaltsabklärung mithin rechtsgenüglich
nachgekommen ist. Ebenso wurde der Aspekt der gesundheitlichen Beein-
trächtigungen einer Würdigung unterzogen, dies im Rahmen des Be-
schwerdeverfahrens auch auf Vernehmlassungsstufe zur Rechtsprechung
des Bundesverwaltungsgerichts. Der Begründungspflicht wurde mithin
ebenfalls genüge getan. Der Eventualantrag auf Rückweisung der Sache
an die Vorinstanz ist mithin abzuweisen.
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Seite 12
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Referenzurteil
E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 einlässlich mit der Situation
in Griechenland auseinandergesetzt und an seiner bisherigen Rechtspre-
chung festgehalten, wonach der Vollzug der Wegweisung nach Griechen-
land für Personen, die dort einen Schutzstatus erhalten haben, grundsätz-
lich zulässig ist. In Griechenland ist nicht von einer Situation auszugehen,
in der jeder Person mit Schutzstatus eine unangemessene und erniedri-
gende Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht. Trotz der schwierigen
Verhältnisse geht das Gericht davon aus, dass schutzberechtigte Perso-
nen grundsätzlich in der Lage sind, ihre existenziellen Bedürfnisse abzu-
decken (a.a.O. E. 11.2).
6.2 Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine
Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist
(a.a.O. E. 11.3). Die Legalvermutung der Zumutbarkeit des Vollzugs der
Wegweisung gilt bezüglich Griechenland grundsätzlich auch für vulnerable
Personen, wie zum Beispiel Schwangere oder Personen, die an gesund-
heitlichen Problemen leiden, die nicht als schwerwiegende Erkrankung ein-
zustufen sind (vgl. a.a.O. E. 11.5.1).
6.3 Es obliegt der betroffenen Person, diese Legalvermutungen umzustos-
sen. Dazu hat sie ernsthafte Anhaltpunkte dafür vorzubringen, dass die Be-
hörden im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwen-
digen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen
aussetzen würden respektive, dass sie in Griechenland aufgrund von indi-
viduellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in
eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. a.a.O. E. 11.4).
7.
7.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
7.2 Der Beschwerdeführer wurde in Griechenland als Flüchtling anerkannt.
Er kann er sich damit auf die Garantien der Qualifikationsrichtlinie berufen
(insbesondere die Regeln betreffend den Zugang zu Beschäftigung
[Art. 26], zu Bildung [Art. 27], zu Sozialhilfeleistungen [Art. 29], zu Wohn-
raum [Art. 32] und zu medizinischer Versorgung [Art. 30]), auf die sich Grie-
chenland als EU-Mitgliedstaat behaften lassen muss. Aufgrund der Akten
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Seite 13
liegen auch keine Anhaltspunkte dafür vor, dass er für den Fall einer Rück-
kehr nach Griechenland mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984
gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende
Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Es ist unbestritten, dass die Lebensbedingungen in
Griechenland schwierig sind; dennoch ist unter diesen Umständen im heu-
tigen Zeitpunkt nicht von einem «real risk» auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Griechenland einer menschen-
rechtswidrigen Behandlung ausgesetzt wäre. Auch unter Berücksichtigung
der Schwächen des griechischen Aufnahmesystems vermag die blosse
Möglichkeit, in nicht absehbarer Zeit aus nicht voraussehbaren Gründen in
eine missliche Lebenssituation zu geraten, die einer Aussetzung einer an-
dauernden menschenrechtswidrigen Behandlung gleichkäme, die hohe
Schwelle zu einem entsprechenden «real risk» nicht zu erreichen.
7.3 Gemäss Praxis des EGMR kann der Vollzug der Wegweisung eines
abgewiesenen Asylsuchenden mit gesundheitlichen Problemen einen
Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen; hierfür sind jedoch ganz ausser-
gewöhnliche Umstände Voraussetzung (vgl. Urteil Paposhvili gegen Bel-
gien vom 13. Dezember 2016, 41738/10, § 183).
7.4 Den Akten lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer unter den
Symptomen einer (...), einer mittelgradigen depressiven Episode und mit
grosser Wahrscheinlichkeit unter einer PTBS leidet. Gemäss aktuellstem
Arztzeugnis vom 5. April 2022 sei er gestresst, schlafe schlecht – ohne
Medikamente könne er momentan nicht schlafen – und habe Schwierigkei-
ten, sich tagsüber zu fokussieren. Hinweise auf eine akute Selbst- oder
Fremdgefährdung würden hingegen fehlen. Er bedürfe einer Therapie, die
grundsätzlich auch im Ausland möglich sei. Beim aktuellen Gesundheits-
zustand des Beschwerdeführers kann mithin im heutigen Zeitpunkt nicht
von einem gravierenden Krankheitsbild ausgegangen werden, welches die
Annahme der Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung im Sinne der
zitierten Rechtsprechung rechtfertigen würde. Es liegen keine konkreten
Hinweise vor, dass der Beschwerdeführer im Falle seiner Rückkehr nach
Griechenland einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung im
Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt wäre. Der Vollzug der Wegweisung er-
weist sich somit als zulässig.
7.5 Hinsichtlich der in Bezug auf Art. 8 EMRK gemachten Ausführungen ist
zunächst auf die zutreffenden Ausführungen des SEM hinzuweisen. Der
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Seite 14
Begriff der Familie umfasst in personeller Hinsicht den Ehe- oder Konkubi-
natspartner und minderjährige Kinder (vgl. Art. 1a Bst. e der Asylverord-
nung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Gemäss bundesge-
richtlicher Rechtsprechung setzt eine Beziehung, die über die schützens-
werte verwandtschaftliche Beziehung der eigentlichen Kernfamilie hinaus-
geht, das Vorliegen besonderer Umstände voraus, die ein Verhältnis von
Hilfsbedürftigkeit und Abhängigkeit bewirken würden (BGE 115 Ib E. 2c).
In Übereinstimmung damit hält das Bundeverwaltungsgericht fest, unter
den Schutz der Einheit der Familie (Art. 8 EMRK) würden ebenso über die
Kernfamilie hinausgehende verwandtschaftliche Bande fallen, sofern eine
nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung bestehe und ein darüber-
hinausgehendes besonderes Abhängigkeitsverhältnis gegeben sei (BVGE
2008/47 E. 4.1). Es ist für das Gericht nachvollziehbar, dass zwischen dem
Beschwerdeführer und seinem Bruder eine enge Beziehung und Verbun-
denheit besteht, welche im ebenso verständlichen Wunsch mündet, in Zu-
kunft zusammen respektive zumindest im selben Staat zu leben. Der sich
in der Schweiz befindende Bruder ist jedoch nicht unter den Begriff der
Kernfamilie im Sinne von Art. 8 EMRK zu subsumieren, zumal den vorlie-
genden Akten auch keinerlei Hinweise zu entnehmen sind, dass ein beson-
deres Abhängigkeitsverhältnis im Sinne von Art. 8 EMRK besteht. Der Be-
schwerdeführer kann somit vorliegend nichts aus Art. 8 EMRK ableiten.
8.
8.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.2 Betreffend die Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung ist mit der
Vorinstanz festzustellen, dass Griechenland an die Qualifikationsrichtlinie
gebunden ist. Auch wenn eine adäquate Eingliederung des Beschwerde-
führers in die sozialen Strukturen Griechenlands als Person mit internatio-
nalem Schutzstatus mit nicht zu verkennenden Erschwernissen verbunden
ist, vermögen seine Vorbringen die hohen Anforderungen an eine konkrete
Gefährdung nicht zu erfüllen. Beim Beschwerdeführer handelt es sich um
einen (...)-jährigen Mann, welcher bereits drei Jahre in Griechenland ver-
bracht hat. Selbst unter Berücksichtigung seiner psychischen Beschwer-
den darf von ihm erwartet werden, sich bei Unterstützungsbedarf an die
griechischen Behörden zu wenden und die erforderliche Hilfe nötigenfalls
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auf dem Rechtsweg einzufordern. Nichtregierungsorganisationen können
ihm in dieser Hinsicht behilflich sein. Aus den Akten geht nicht hervor, dass
er während seines Aufenthalts aktiv um Hilfe bei den griechischen Behör-
den oder Hilfsorganisationen ersucht hätte oder ihm – insbesondere hin-
sichtlich der Unterbringungsmöglichkeiten – dauerhaft Unterstützung ver-
weigert worden wäre. Zudem ist nicht ersichtlich, dass er rechtlich gegen
eine allfällige Verweigerung von Unterstützungsleistungen vorgegangen
wäre.
8.3 In Bezug auf den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ist in
Ergänzung zu den vorangegangenen Ausführungen zur Zulässigkeit (vgl.
E. 7.3.2) festzuhalten, dass gemäss konstanter Praxis aus medizinischen
Gründen nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne
humanitärer Aspekte zu schliessen ist, wenn eine notwendige medizini-
sche Behandlung im Zielstaat nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr
zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesund-
heitszustandes der betroffenen Person führen würde. Dabei wird als we-
sentlich die allgemeine und dringende medizinische Behandlung erachtet,
welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut not-
wendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls noch nicht vor, wenn im Zielstaat
eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische
Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3, 2009/52 E. 10.1,
2009/51 E. 5.5, 2009/28 E. 9.3.1, 2009/2 E. 9.3.2).
8.4 Aufgrund der genannten Aktenlage kann nicht geschlossen werden,
der Beschwerdeführer sei auf eine dringende medizinische Behandlung
angewiesen, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Exis-
tenz notwendig ist. Zwar ist den medizinischen Akten zu entnehmen, dass
eine psychiatrische beziehungsweise psychologische Therapie angezeigt
sei. Eine solche wurde aber während seines mittlerweile einjährigen Auf-
enthalts in der Schweiz vom Beschwerdeführer nicht angetreten bzw. nicht
weitergeführt (vgl. act. 9 Beilage: Arztzeugnis vom 5. April 2022 S. 1); ein
dringender Behandlungsbedarf ist mithin auszuschliessen, zumal keine
Hinweise auf eine akute Selbstgefährdung bestehen (a.a.O. S. 1). Zudem
ist eine solche Therapie ebenfalls in Griechenland möglich. Es wurde we-
der dargetan noch ist ersichtlich, inwiefern es ihm bei einer Rückkehr nicht
möglich sein sollte, eine griechische Sozialversicherungsnummer zu bean-
tragen, welche Zugang zum griechischen Gesundheits- und Versiche-
rungswesen gewährt.
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8.5 Ergänzend ist zu bemerken, dass auch eine vorübergehende Suizida-
lität als Reaktion auf einen negativen Asylentscheid dem Vollzug der Weg-
weisung in aller Regel nicht entgegensteht (vgl. Urteile des BVGer D-
5620/2021 vom 19. Januar 2022 E. 7.4.1; D-1202/2022 vom 8. September
2022 E. 7.4.3). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerde-
führer zumindest vorübergehend die medizinische Rückkehrhilfe, bei-
spielsweise in der Form der Mitgabe von Medikamenten oder der Über-
nahme von Kosten für notwendige Therapien, in Anspruch nehmen kann
(vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. Au-
gust 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Dem psychischen Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers ist auch bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu
tragen.
8.6 Insgesamt besteht kein Grund zu der Annahme, der Beschwerdeführer
gerate bei einer Rückkehr nach Griechenland in eine Existenz gefährdende
Situation. Der Vollzug der Wegweisung ist demnach zumutbar.
9.
Nachdem die griechischen Behörden einer Rückübernahme des Be-
schwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben, ist der Vollzug der Weg-
weisung auch möglich (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.
Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht
als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vor-
läufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist. Die
Beschwerde ist abzuweisen.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Zwischenverfügung
vom 10. Februar 2022 die unentgeltliche Prozessführung gewährt wurde
und nicht von einer Veränderung der finanziellen Verhältnisse auszugehen
ist, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.
(Dispositiv nächste Seite)
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