Decision ID: 6697be4d-449e-4742-8e3e-76b81e361979
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die philippinische Staatsangehörige B._ (geb. 1979) ersuchte am
4. Juni 2021 für sich und ihre minderjährige Tochter C._ (geb. 2007)
bei der Schweizerischen Botschaft in Manila um Ausstellung eines Schen-
gen-Visums für einen 84-tägigen Besuchsaufenthalt bei ihrem im Kanton
X._ wohnhaften Lebenspartner A._ (nachfolgend: Gastge-
ber bzw. Beschwerdeführer; Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 3/107).
B.
Mit Formularverfügungen vom 15. Juni 2021 lehnte die Schweizerische
Botschaft in Manila die Visumanträge mit der Begründung ab, die fristge-
rechte Ausreise von Mutter und Tochter aus dem Schengen-Raum könne
nicht als hinreichend gesichert betrachtet werden. Zudem seien die vorge-
legten Informationen über den Zweck und die Bedingungen des beabsich-
tigten Aufenthalts nicht glaubhaft (SEM-act. 3/98 ff. und 7/153 ff.).
C.
Gegen die Verfügung betreffend B._ (nachfolgend: Gesuchstelle-
rin) erhob der Gastgeber mit Eingabe vom 27. Juni 2021 Einsprache bei
der Vorinstanz (SEM-act. 1). Die Vorinstanz liess daraufhin weitere Abklä-
rungen durch die kantonale Migrationsbehörde vornehmen (SEM-act. 5
und 8).
D.
Mit Entscheid vom 4. Oktober 2021 wies die Vorinstanz die Einsprache ab.
Dabei teilte sie die Einschätzung der schweizerischen Auslandvertretung,
wonach weder die allgemeine Lage in den Philippinen noch die persönliche
Situation der Gesuchstellerin Gewähr für eine fristgerechte und anstands-
lose Wiederausreise in ihr Heimatland böten (SEM-act. 9).
E.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 17. Oktober 2021 beantragte der Gastgeber
beim Bundesverwaltungsgericht sinngemäss die Aufhebung der vorin-
stanzlichen Verfügung und die Ausstellung des beantragten Schengen-Vi-
sums an die Gesuchstellerin (Akten des Bundesverwaltungsgerichts
[BVGer-act.] 1).
F.
Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 10. Dezember 2021
auf Abweisung der Beschwerde (BVGer-act. 6).
F-4590/2021
Seite 3
G.
Mit Replik vom 20. Dezember 2021 hielt der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen und deren Begründung fest (BVGer-act. 8).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Von der Vorinstanz erlassene Einspracheentscheide betreffend Schen-
gen-Visa sind mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar
(Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das
VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer hat am vorangegangenen Einspracheverfahren
teilgenommen und ist als Verfügungsadressat sowie Gastgeber durch den
angefochtenen Entscheid besonders berührt. Er ist zur Erhebung der Be-
schwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Obwohl der anberaumte Be-
suchszeitraum verstrichen ist, muss auf ein fortbestehendes Rechtsschutz-
interesse geschlossen werden. Dies belegt schon die Einreichung des
Rechtsmittels. Auf die frist- und formgerechte Beschwerde ist einzutreten
(vgl. Art. 50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG).
1.4 In der vorliegenden Angelegenheit entscheidet das Bundesverwal-
tungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit gerügt werden
(vgl. Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwer-
deverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62
Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann
die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder abweisen. Massgeblich ist grundsätzlich die Sachlage
zum Zeitpunkt seines Entscheids (vgl. BVGE 2014/1 E. 2).
3.
3.1 Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch einer philippinischen
Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums zu Besuchszwecken für die
F-4590/2021
Seite 4
Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchstellerin nicht auf die EU/EFTA-Per-
sonenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beabsichtigte Aufent-
haltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in
den persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich der Schengen-As-
soziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand
und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte übernom-
men hat (BVGE 2014/1 E. 3; 2011/48 E. 3). Das Ausländer- und
Integrationsgesetz vom 16. Dezember 2005 (AIG, SR 142.20) und seine
Ausführungsbestimmungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die
Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen
enthalten (Art. 2 Abs. 4 AIG).
3.2 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines
Recht auf Einreise noch gewährt es einen Anspruch auf Erteilung eines
Visums. Die Schweiz ist daher grundsätzlich nicht gehalten, drittstaatsan-
gehörigen Personen die Einreise zu gestatten. Das Schengen-Recht
schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche
Voraussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten
verpflichtet, diese zu verweigern, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt
sind. Einen Anspruch auf Einreise beziehungsweise Visum vermittelt auch
das Schengen-Recht nicht (BVGE 2014/1 E. 4.1.1 und 4.1.5; 2011/48
E. 4).
4.
4.1 Drittstaatsangehörige benötigen zur Einreise in den Schengen-Raum
für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeitraums von
180 Tagen gültige Reisedokumente, die zum Grenzübertritt berechtigen,
sowie ein Visum, sofern dieses – wie vorliegend – erforderlich ist (Art. 8
Abs. 1 der Verordnung vom 15. August 2018 über die Einreise und die Vi-
sumerteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Anhang I der Verordnung [EU]
2018/1806 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Novem-
ber 2018 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige
beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz eines Visums sein müs-
sen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser
Visumpflicht befreit sind [ABl. L 303/39 vom 28.11.2018]).
4.2 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um-
stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei-
chend finanzielle Mittel verfügen. Namentlich haben sie in diesem Zusam-
menhang zu belegen, dass sie den Schengen-Raum vor Ablauf des bewil-
F-4590/2021
Seite 5
ligungsfreien Aufenthalts verlassen, beziehungsweise ausreichende Ge-
währ für eine fristgerechte Wiederausreise bieten. Sie dürfen sodann nicht
im Schengener Informationssystem zur Einreiseverweigerung ausge-
schrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere
Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehun-
gen eines Mitgliedstaats darstellen (vgl. zu den Einreisevoraussetzungen
Art. 5 Abs. 1 und 2 AIG; Art. 3 und Art. 8 VEV i.V.m. Art. 6 Abs. 1 und 2 der
Verordnung [EU] 2016/399 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 9. März 2016 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten
der Grenzen durch Personen [Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 77/1
vom 23.3.2016]; Art. 14 Abs. 1 und Art. 21 Abs. 1 der Verordnung [EG]
Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli
2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [Visakodex, VK, ABl. L 243/1
vom 15.09.2009]).
4.3 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1
Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige
Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen-Raums fristge-
recht wieder zu verlassen (BVGE 2014/1 E. 4.3 m.H.). Die Behörden ha-
ben zu prüfen und Drittstaatsangehörige zu belegen, dass die Gefahr einer
rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht
besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 VK). Bestehen Zweifel an
der von der drittstaatsangehörigen Person bekundeten Absicht, das Ho-
heitsgebiet der Mitgliedstaaten vor Ablauf der Gültigkeit des beantragten
Visums wieder zu verlassen, ist das Visum zu verweigern (Art. 32 Abs. 1
Bst. b VK; BVGE 2014/1 E. 4.4 f.). Den Behörden kommt bei der Beurtei-
lung, ob die Voraussetzungen für die Visumerteilung erfüllt sind, ein weiter
Spielraum zu (BVGE 2014/1 E. 4.1.5).
4.4 Sind – abgesehen vom Visum selbst – die vorerwähnten Einreisevor-
aussetzungen nicht erfüllt, kann in Ausnahmefällen ein Visum mit räumlich
beschränkter Gültigkeit erteilt werden, das nur für das Hoheitsgebiet des
betreffenden Mitgliedstaats gilt. Von dieser Möglichkeit kann der betref-
fende Staat unter anderem Gebrauch machen, wenn er es aus humanitä-
ren Gründen, aus solchen des nationalen Interesses oder aufgrund inter-
nationaler Verpflichtungen für erforderlich hält (vgl. Art. 3 Abs. 4 VEV;
Art. 25 Abs. 1 Bst. a VK; Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK).
5.
5.1 Bei der Beurteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise
steht ein zukünftiges Verhalten in Frage, weshalb sich darüber lediglich
F-4590/2021
Seite 6
Prognosen treffen lassen. Hierzu sind alle Umstände des Einzelfalls zu
würdigen. Die Beweisführungslast obliegt der gesuchstellenden Person
(Art. 14 Abs. 1 Bst. d VK; Art. 14 Abs. 3 i.V.m. Anhang II VK; Art. 6 Abs. 1
Bst. c SGK; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2014/1 E. 4.4). Anhaltspunkte zur Be-
urteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise bilden einer-
seits die allgemeine Lage im Herkunftsland und andererseits die individu-
elle Situation der gesuchstellenden Person. Es rechtfertigt sich, Einreise-
gesuchen von Personen aus Regionen mit politisch oder wirtschaftlich eher
ungünstigen Verhältnissen mit einer gewissen Zurückhaltung zu begeg-
nen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht mit
Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Einklang
steht (BVGE 2014/1 E. 6.1).
5.2 Im Zusammenhang mit der allgemeinen Lage auf den Philippinen wies
die Vorinstanz in ihrem Entscheid auf die nachteiligen wirtschaftlichen Ver-
hältnisse und einen damit einhergehenden Migrationsdruck hin. Durch die
Folgen der Pandemie hätten sich diese Umstände noch weiter verschlech-
tert. Diese Einschätzung ist im Ergebnis nicht zu beanstanden: Auf dem
aktuellen Index der menschlichen Entwicklung, der durch das Entwick-
lungsprogramm der Vereinten Nationen im Sinne eines Wohlstandsindika-
tors erstellt wird, belegen die Philippinen Platz 116 von 191 gelisteten Staa-
ten (vgl. ˂ https://hdr.undp.org ˃ Reports and Publications ˃ Human Devel-
opment Report 2021-22, abgerufen am 23.11.2022). Die Auswirkungen der
Pandemie trafen das Land massiv und stürzten es 2020 in die schlimmste
Rezession seit über 50 Jahren mit einem Rückgang des BIP um 9.5 %. Die
Arbeitslosenquote verdoppelte sich während dieses Zeitraums von 5.1 %
auf 10.4 %. Im Jahr 2021 verzeichneten die Philippinen zwar wiederum ein
positives Wirtschaftswachstum, allerdings sind beinahe 10 % des jährli-
chen BIP auf Überweisungen sogenannter «Overseas Filipino Workers»
(OFWs), d.h. im Ausland tätiger Staatsangehöriger, zurückzuführen. Trotz
der grundsätzlich wachsenden Volkswirtschaft nimmt die Anzahl der in Ar-
mut lebenden Bevölkerung kontinuierlich zu, was sich in einer auffallend
weiten Einkommensschere zeigt (vgl. zum Ganzen < https://www.seco.ad-
min.ch > Aussenwirtschaft & Wirtschaftliche Zusammenarbeit > Wirt-
schaftsbeziehungen > Länderinformationen > Asien > Südostasien > Phi-
lippinen > Länderfiche Philippinen, abgerufen am 23.11.2022).
5.3 Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz
das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise von Besucherinnen
und Besuchern aus den Philippinen allgemein als hoch einschätzt. Bei der
Risikoanalyse sind allerdings nicht nur die allgemeinen Umstände, sondern
F-4590/2021
Seite 7
auch sämtliche Gesichtspunkte des konkreten Einzelfalls zu berücksichti-
gen. Durch besondere berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verpflich-
tungen kann die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begüns-
tigt werden. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine der-
artigen Verpflichtungen haben, das Risiko eines ausländerrechtlich nicht
regelkonformen Verhaltens nach einer bewilligten Einreise als hoch einge-
schätzt werden (BVGE 2014/1 E. 6.3.1).
5.4 Bei der Gesuchstellerin handelt es sich um eine 43-jährige Mutter, wel-
che gemäss ihren eigenen Angaben im Visumsantrag zusammen mit ihrer
15 Jahre alten Tochter in Z._, einer Stadt in der Provinz Y._,
etwa (...) km (...) von Manila, lebt. Aus den Akten geht hervor, dass sie das
alleinige Sorgerecht über ihre Tochter hat; der Vater, selbst nicht philippini-
scher Staatsangehöriger, lebt im Ausland. Die Gesuchstellerin ersuchte ur-
sprünglich auch für ihre Tochter um Ausstellung eines Schengen-Visums.
Mangels Einverständniserklärung des Vaters für die Reise der Tochter
wurde das Einsprache- beziehungsweise Beschwerdeverfahren allerdings
auf den Visumantrag der Gesuchstellerin beschränkt. In der Einsprache
vom 27. Juni 2021 wurde dazu ausgeführt, die Tochter werde man während
der Abwesenheit der Mutter gezwungenermassen in die Obhut von Fami-
lienangehörigen geben. In Anbetracht dessen ist von gewissen familiären
Verpflichtungen der Gesuchstellerin im Heimatstaat auszugehen. Es gilt je-
doch festzuhalten, dass das Zurücklassen minderjähriger Kinder für sich
allein noch keine Garantie für eine anstandslose und fristgerechte Wieder-
ausreise nach einem Besuchsaufenthalt bilden kann (vgl. etwa Urteil des
BVGer F-81/2022 vom 2. November 2022 E. 6.1).
5.5 Die Gesuchstellerin und der Beschwerdeführer pflegen gemäss eige-
nen Angaben eine langjährige Beziehung. Der Beschwerdeführer bringt in
diesem Zusammenhang vor, er sei seit 2013 bis zum Ausbruch der Pande-
mie jedes Jahr auf die Philippinen gereist, um Zeit mit seiner Familie zu
verbringen. Dort mieteten sie ein Haus, machten zusammen Ferien und er
bezahle die Schule für die Tochter. Die Gesuchstellerin gab in ihrem Vi-
sumantrag an, keiner Arbeit nachzugehen. Gemäss den Ausführungen im
Rahmen der kantonalen Abklärungen sowie in der Beschwerdeschrift sei
sie Hausfrau und sorge sich um die Familie. Finanziell unterstützt würden
die Gesuchstellerin und ihre Tochter vom Beschwerdeführer. Dementspre-
chend kann nicht von besonders vorteilhaften wirtschaftlichen Verhältnis-
sen ausgegangen werden, welche sie nachhaltig von einer Emigration ab-
zuhalten vermöchten. Dass ihr dort besondere gesellschaftliche Verpflich-
tungen obliegen würden, macht die Gesuchstellerin sodann nicht geltend.
F-4590/2021
Seite 8
5.6 Zu beachten ist allerdings weiter, dass der Gesuchstellerin bereits in
den Jahren 2015, 2016 und 2017 Schengen-Visa für längere Besuchsauf-
enthalte beim Beschwerdeführer in der Schweiz erteilt wurden. Aktenge-
mäss hat sie die Schweiz jeweils fristgerecht wieder verlassen, was die
Prognose für eine anstandslose Wiederausreise auch im Hinblick auf den
vorliegend beantragten Besuchsaufenthalt klar begünstigt. Der Einwand
der Vorinstanz, dass sich daraus angesichts der seither verschlechterten
Wirtschaftslage auf den Philippinen nichts zu Gunsten der Gesuchstellerin
ableiten lasse, kann so nicht geteilt werden. Sollte das Ziel der Gesuchstel-
lerin in einem dauerhaften Aufenthalt in der Schweiz bestehen, wäre viel-
mehr davon auszugehen, dass das Paar eine Heirat beziehungsweise ei-
nen damit verbundenen Familiennachzug in Betracht ziehen würde, was
bislang nicht geschehen ist. Der Beschwerdeführer führt denn replikweise
auch aus, man habe das Leben als Familie gestaltet, ohne zu heiraten. Die
mehrmonatigen Besuchsaufenthalte der Gesuchstellerin beim Beschwer-
deführer in der Schweiz (sowie umgekehrt) scheinen demnach ein über
Jahre praktiziertes Beziehungsmodell zu sein, das durch die Pandemie
zwar unterbrochen wurde, aber nach deren Beendigung nach dem Willen
der Beteiligten fortgeführt werden soll. Im Weiteren hat der Beschwerde-
führer im Verlauf der kantonalen Abklärungen eine Garantieerklärung über
Fr. 30‘000.– abgegeben, wobei aufgrund der Akten davon auszugehen ist,
dass er diese tatsächlich zu leisten vermag (vgl. SEM-act. 8/188 und
8/192).
5.7 Vor diesem Hintergrund fragt sich, ob dem Risiko einer nicht fristge-
rechten Wiederausreise der Gesuchstellerin und den in diesem Fall entste-
henden hohen Aufenthalts-, Betreuungs- und Rückreisekosten vorliegend
mit der Auferlegung einer Kaution Rechnung getragen werden kann (vgl.
Art. 6 Abs. 3 SGK i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. b AIG; vgl. auch Art. 6 Abs. 3 AIG
[vgl. hierzu und zum Folgenden BVGE 2019 VII/1 E. 9.2; 2018 VII/6
E. 8.3]). Die vorgängige Hinterlegung einer Kaution soll im Einklang mit
Art. 5 Abs. 2 AIG und Art. 6 Abs. 1 Bst. c sowie Abs. 3 SGK (s. auch An-
hang I) ebenfalls dazu dienen, Gewähr für die sichere Wiederausreise bei
Ablauf des Visums zu bieten (vgl. Urteile des BVGer F-2075/2020 vom
26. November 2020 E. 7.1; F-560/2019 vom 25. Juni 2019 E. 6.6). Die Ge-
suchstellerin hat ihr ausländerrechtlich konformes Verhalten wie bereits er-
wähnt anlässlich ihrer bisherigen Besuchsaufenthalte in der Schweiz
schon mehrfach unter Beweis gestellt, indem sie jeweils fristgerecht aus-
gereist ist. Vor diesem Hintergrund, dem beschriebenen Familienmodell
sowie dem Umstand, dass pandemiebedingt länger keine gegenseitigen
Besuche möglich waren, ist grundsätzlich auch die beantragte (relativ
F-4590/2021
Seite 9
lange) Visumsdauer von 84 Tagen nachvollziehbar. Wird schliesslich die
familiäre Verantwortung der Gesuchstellerin als Mutter einer minderjähri-
gen Tochter auf den Philippinen miteinbezogen, erscheint die Prognose für
eine anstandslose Wiederausreise vertretbar und die vorliegende Konstel-
lation als insgesamt vergleichbar mit anderen Entscheiden, in denen das
Bundesverwaltungsgericht die Visumserteilung unter der Bedingung einer
Kautionszahlung als möglich erkannte (vgl. insb. Urteile des BVGer
F-5925/2018 vom 24. Juni 2020 E. 8.7; F-1022/2019 vom 14. Februar
2020 E. 8.5; F-560/2019 E. 6.6). Somit ist der Gesuchstellerin das bean-
tragte Visum unter der Auflage zu erteilen, dass sie sowie der Beschwer-
deführer solidarisch aufzufordern sind, eine Kaution im Betrag von
Fr. 30'000.– beim zuständigen kantonalen Migrationsamt beziehungsweise
auf ein von letzterer Behörde bezeichnetes Bankkonto (Bankgarantie) in
der Schweiz zu hinterlegen (vgl. Art. 6 Abs. 3 AIG i.V.m. Art. 15 Abs. 5 [ana-
log] und Art. 18 VEV).
6.
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der Gesuchstellerin die Er-
teilung eines Visums nicht mit der Begründung verweigert werden darf, die
Wiederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. Daran ändert
nichts, dass das Risiko für eine Missachtung ausländerrechtlicher Normen
naturgemäss nie gänzlich ausgeschlossen werden kann. Die Beschwerde
ist daher gutzuheissen, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die
Sache zu neuer Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dabei
bleibt der Vorinstanz zu prüfen, ob die übrigen Voraussetzungen für die
Erteilung des beantragten Visums erfüllt sind (vgl. E. 4), beziehungsweise,
ob die Kautionszahlung geleistet wurde.
7.
7.1 Für dieses Verfahren sind keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
und 2 VwVG). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800.– ist zurückzu-
erstatten.
7.2 Eine Parteientschädigung für das Beschwerdeverfahren ist nicht zuzu-
sprechen, da dem nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer keine
verhältnismässig hohen Kosten erwachsen sind (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG
i.V.m. Art. 7 Abs. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
F-4590/2021
Seite 10