Decision ID: cfecf90e-2b39-5842-a3e6-8105f2ed0c06
Year: 2015
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_002
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A. Übersicht
B_ und seine Lebenspartnerin C_ hielten gemeinsam mehrere Pferde auf ihrem Hof
in D_. Eine erste Tierschutzkontrolle durch den Kantonstierarzt beider Appenzell, Dr.
E_, erfolgte am 11. April 2011 (act. B 5/12). Die amtliche Tierärztin F_ führte am
15. November 2011 eine weitere Kontrolle durch (act. B 5/1.1, S. 1). Mit Verfügung des
Veterinäramtes vom 26. Januar 2012 (act. B 5/1.1) wurden B_ und dessen
Lebenspartnerin darauf hingewiesen, dass die tolerierte Auslauffläche für die Gruppe
158.4 m2 betrage und der Auslauf allein diese Bedingungen nicht erfülle (S. 3). Es
ordnete an, dass bis 1. Juli 2012 unter anderem der Auslaufbereich so umzubauen sei,
dass dieser der Tierschutzgesetzgebung entspreche und bis 31. März 2012 ein
Baubewilligungsgesuch bei der zuständigen Behörde einzureichen sei (Dispositiv Ziff. 5).
Eine Nachkontrolle der Pferdehaltung fand am 17. April 2012 statt (act. B 5/11). B_ und
dessen Lebenspartnerin ersuchten das Veterinäramt mit Schreiben vom 29. Mai 2012 für
die Befestigung des permanenten Auslaufs sowie das Umbaugesuch um
Fristverlängerung (act. B 5/1.6, S. 2). Mit Verfügung vom 18. Juni 2012 verlängerte das
Veterinäramt die Frist für den Umbau des Auslaufbereichs bis zum 31. Oktober 2012 (act.
B 5/1.2, Dispositiv Ziff. 1). Mit Schreiben vom 18. Oktober 2012 ersuchten B_ und seine
Lebenspartnerin um Verlängerung dieser Frist (act. B 5/5). Aufgrund dieses Gesuchs
erfolgte eine Nachkontrolle durch die amtliche Tierärztin am 12. November 2012 (act. B
5/1.3, 5/1.4 und 5/1.5). B_ und C_ reichten beim Veterinäramt am 29. November
2012 bezüglich eines Verfügungsentwurfs eine schriftliche Stellungnahme ein (act. B 5/18
und 5/1.6, S. 3). Mit Verfügung vom 4. Dezember 2012 (act. B 5/1.6) verlängerte das
Veterinäramt unter anderem die Frist bezüglich der Anzahl erlaubter Pferde gemäss
Tierschutzverordnung bis 15. Dezember 2012 (Dispositiv Ziff. 2 und 3) und für die
Einreichung eines Baugesuchs bis 31. Dezember 2012 (Dispositiv Ziff. 5). Die amtliche
Tierärztin kontrollierte am 14. Januar 2013 erneut die Pferdehaltung von B_ und C_
(act. B 5/1.7). Im Kontrollbericht wurden die erforderlichen Auslaufflächen als ausreichend
bezeichnet (act. B 5/1.8, S. 12 ff.). Der damalige Rechtsvertreter des Beschuldigten und
seiner Lebenspartnerin wandte sich am 22. Januar 2013 im Zusammenhang mit einem
Rekurs an das Veterinäramt und ersuchte um klärende Angaben zu Dispositiv Ziff. 2 und
3 der Verfügung vom 4. Dezember 2012, „damit seine Mandanten rechtmässig handeln
könnten“ (act. B 5/17). Das Baugesuch von B_ und C_ ging am 23. Januar 2013
beim Baukoordinationsdienst ein (act. B 5/1.9).
B. Prozessgeschichte
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Das Veterinäramt reichte unter anderem wegen massiver Überbelegung des permanent
zugänglichen und befestigten Auslaufs am 3. April 2013 Strafanzeige bei der
Staatsanwaltschaft Appenzell Ausserrhoden gegen B_ und C_ ein (act. B 5/1; C_:
siehe O2S 14 8). Die Befragung von B_ durch die Kantonspolizei Appenzell
Ausserrhoden fand am 25. Juni 2013 statt (act. B 5/8 und B 5/7), jene von C_ am 27.
Juni 2013 (act. B 5/4 und B 5/3). Mit Strafbefehl vom 10. Dezember 2013 (U 13 399)
wurde B_ wegen vorsätzlicher Übertretung des Tierschutzgesetzes sowie des
Tierseuchengesetzes sowie wegen mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche
Verfügungen zu einer Busse von CHF 2‘000.00 (Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaftem
Nichtbezahlen 20 Tage) verurteilt (act. B 5/10). Dagegen erhob der Beschuldigte
fristgerecht Einsprache (act. B 5/14). Die Staatsanwaltschaft teilte B_ am 10. Februar
2014 mit, es sei vorgesehen, das Verfahren mittels Anklageerhebung an das
Kantonsgericht abzuschliessen (act. B 5/21). Die Überweisung des Strafbefehls an das
Gericht erfolgte am 12. März 2014 (act. B 6/23). Vor der Hauptverhandlung ersuchte die
Einzelrichterin des Kantonsgerichts die Tierdatenbank Agate um schriftliche Auskunft (act.
B 6/38), die Antwort ging am 16. Mai 2014 ein (act. B 6/41). Die Hauptverhandlung fand
am 21. Mai 2014 statt, wobei für die Verfahren ES2 14 4 (B_) und ES2 14 5 (C_)
eine gemeinsame Hauptverhandlung und eine gemeinsame Befragung der beiden
Beschuldigten durchgeführt wurde (act. B 6/43 und B 6/44). Das Urteil wurde dem
Beschuldigten im Anschluss an die Hauptverhandlung mündlich eröffnet und begründet
(act. B 6/43, S. 3). Das Dispositiv wurde den Parteien am 22. Mai 2014 schriftlich
zugestellt (act. B 6/47), worauf die Staatsanwaltschaft rechtzeitig die Berufung anmeldete
(act. B 6/50). Das Urteil in begründeter Ausfertigung wurde am 30. Juni 2014 an die
Parteien versandt (act. B 6/52).
C. Erstinstanzliches Urteil
Mit Urteil der Einzelrichterin des Kantonsgerichts vom 21. Mai 2014 (ES2 14 4) wurde
B_ von der Anklage der Widerhandlungen gegen das Tierschutzgesetz und das
Tierseuchengesetz (begangen am 12. November 2012) sowie des mehrfachen
Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen (begangen im Zeitraum vom 1. November
2012 bis 3. April 2013) freigesprochen. Die Verfahrenskosten von total CHF 875.00
wurden auf die Staatskasse genommen und dem Beschuldigten eine Entschädigung von
CHF 2‘160.00 (inkl. MWSt) zugesprochen.
Auf eine Wiedergabe der Urteilsbegründung in den angefochtenen Punkten wird
verzichtet und auf die entsprechenden Erwägungen verwiesen.
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D. Schriftenwechsel
a) Gegen das Urteil vom 21. Mai 2014, dessen Zustellung an die Staatsanwaltschaft in
begründeter Ausfertigung am 1. Juli 2014 (act. B 6/54) erfolgt war, reichte diese mit
Eingabe vom 18. Juli 2014 (act. B 1) fristgemäss die Berufung ein.
b) Mit Verfügung des Obergerichtspräsidenten vom 22. Juli 2014 wurde den Parteien
die Zuweisung des Prozesses an die 2. Abteilung mitgeteilt (act. B 3).
c) Mit Verfügung der Verfahrensleitung gleichentags wurde dem Beschuldigten
Gelegenheit gegeben, einen schriftlichen und begründeten Nichteintretensantrag
und/oder eine schriftliche Anschlussberufung einzureichen (act. B 4), wovon dieser
keinen Gebrauch machte.
d) Mit Verfügung der Verfahrensleitung vom 14. August 2014 wurde die
Staatsanwaltschaft aufgefordert, zu präzisieren, welche der in Dispositiv Ziff. 1
aufgeführten Anklagepunkte angefochten seien (act. B 9). Dem kam die
Staatsanwaltschaft mit Schreiben vom 20. August 2014 nach (act. B 12). Am 21.
August 2014 wurde dem Beschuldigten erneut Gelegenheit zur Einreichung eines
schriftlichen und begründeten Nichteintretensantrags und/oder einer schriftlichen
Anschlussberufung gegeben (act. B 13). Dieser machte wiederum davon keinen
Gebrauch.
e) Mit Verfügung der Verfahrensleitung vom 19. September 2014 wurde den Parteien
mitgeteilt, dass die Berufung im schriftlichen Verfahren behandelt werde. Zudem
wurde der Staatsanwaltschaft Gelegenheit gegeben, eine Ergänzung ihrer
Berufungsbegründung nachzureichen (act. B 16). Davon machte diese keinen
Gebrauch (act. B 18).
f) Dem Berufungsbeklagten sowie der Einzelrichterin des Kantonsgerichts wurde
Gelegenheit eingeräumt, zur Berufungserklärung inkl. Präzisierung der
Rechtsbegehren Stellung zu nehmen (act. B 18). Die Einzelrichterin des
Kantonsgerichts verzichtete auf eine Stellungnahme (act. B 19), währenddem sich
der Beschuldigte mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 20. Oktober 2014
vernehmen liess (act. B 21).
Auf die entsprechenden Ausführungen und Angaben in den in lit. a - f vorstehend
angeführten Schriftstücken wird, soweit für die Beurteilung erforderlich, im Rahmen der
nachfolgenden Erwägungen einzugehen sein.
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Erwägungen des Gerichts
1. Formelles
1.1 Örtliche und sachliche Zuständigkeit
Auf die vorinstanzliche Erwägung Ziffer 1.1 zur örtlichen und sachlichen Zuständigkeit
kann verwiesen werden. Bezüglich der sachlichen Zuständigkeit des Obergerichts ist auf
die Art. 26 und 27 des am 1. Januar 2011 in Kraft getretenen Justizgesetzes vom
13. September 2010 (JG, bGS 145.31) hinzuweisen. Nach Art. 26 JG ist das Obergericht
Berufungs- und Beschwerdeinstanz in der allgemeinen Strafrechtspflege, unter Vorbehalt
der Befugnisse des Einzelrichters (letztere beschränken sich laut Art. 27 JG auf den
Bereich des Zwangsmassnahmerechts).
1.2 Rechtskräftige Urteilspunkte
Gestützt auf die Berufungsschrift sowie die Präzisierung der Anträge der
Staatsanwaltschaft (act. B 1 und B 12) ist festzuhalten, dass Dispositiv Ziff. 1 alinea 2, 3
und 4 des Urteils der Einzelrichterin des Kantonsgerichts vom 21. Mai 2014 nicht
angefochten worden sind. Demnach sind die genannten Urteilspunkte gestützt auf Art.
437 Abs. 1 lit. a StPO rechtskräftig.
1.3 Anwendbares Recht
Zu beurteilen bleibt vor Obergericht gemäss Dispositiv Ziff. 1 alinea 1 des angefochtenen
Urteils eine Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz. Als Tatzeitpunkt wird im
Urteilsdispositiv der 12. November 2012 aufgeführt, so dass die zu jenem Zeitpunkt
geltenden Gesetze anzuwenden sind. Dies ist beim Tierschutzgesetz (TSchG, SR 455)
die Version mit Stand am 1. Januar 2011 (aktuelle Fassung: Stand am 1. Mai 2014)
sowie bei der Tierschutzverordnung (TSchV, SR 455.1) die Version mit Stand am 1.
Juni 2012 (aktuelle Fassung: Stand am 9. April 2015). Die Anwendung der älteren
Gesetzesfassungen hat indessen auf die vorliegende Beurteilung keinerlei Einfluss, da die
zur Anwendung kommenden Artikel bis heute unverändert geblieben sind.
1.4 Berufungsgründe/Noven bei Übertretungen
Alle Anklagepunkte gemäss Dispositiv Ziff. 1 des angefochtenen Urteils sind mit Busse
bedroht, sind also in Anwendung von Art. 103 StGB Übertretungen. Somit ist vorliegend
Art. 398 Abs. 4 StPO zu beachten. Danach prüft das Berufungsgericht das Urteil zunächst
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auf Rechtsfehler, womit offenbar (nach der üblicheren Terminologie) Rechtsverletzungen
gemeint sind. Analog zu Art. 95 BGG ist primär an Verletzungen des Bundesrechts, so
der StPO oder des StGB, aber auch z. B. der Grundrechte nach BV oder EMRK zu
denken. Gerügt werden kann in Anlehnung an Art. 398 Abs. 3 lit. a StPO ebenso
Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, weiter Rechtsverweigerung und
Rechtsverzögerung, wohl aber nicht Unangemessenheit, d.h. Ermessensfehler, nach Art.
398 Abs. 3 lit. c StPO (Schmid, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar,
2. Aufl., N. 12 zu Art. 398). Sämtliche Rechtsfragen sind mit freier Kognition zu prüfen,
und zwar nicht nur materiellrechtliche, sondern auch prozessuale (Hug/Scheidegger, in
Donatsch/ Hansjakob/Lieber (Hrsg.), Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung, 2. Aufl., N. 23 zu 398). Ferner beschränkt Art. 398 Abs. 4 StPO die
Überprüfung des Sachverhalts auf offensichtlich unrichtige Feststellungen (willkürliche
Feststellung des Sachverhalts) und Rechtsverletzungen. Neue Behauptungen und
Beweise können in diesem Verfahren nicht vorgebracht werden (Eugster, in: Basler
Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl., N. 3a zu Art. 398). Das
Verfahren im Sinne von Art. 398 Abs. 4 StPO kennt keine qualifizierte Rügepflicht
(Hug/Scheidegger, a.a.O., N. 24 zu Art. 398). Die Rüge der offensichtlich unrichtigen oder
auf Rechtsverletzung beruhenden Feststellung des Sachverhalts entspricht Art. 97 BGG.
Relevant sind hier zunächst klare Fehler bei der Sachverhaltsermittlung, liegend etwa in
Versehen und Irrtümern, offensichtlichen Diskrepanzen zwischen der sich aus den Akten
sowie der Hauptverhandlung ergebenden Akten- sowie Beweislage und der
Urteilsbegründung (Schmid, a.a.O., N. 13 zu Art. 398).
2. Tierschutzkonforme Stallungen – Anklageprinzip
Die Berufungsklägerin bringt vor, nachdem gegen den Strafbefehl Einsprache erhoben
worden sei, habe sie gemäss Art. 355 StPO wenige weitere Abklärungen getätigt und
diese im Schlussbericht im Sinne einer Präzisierung der Anklage sichtbar gemacht.
Demzufolge hätten die Stallungen so angepasst werden müssen, dass die Stallhöhe
zwischen Boden und Decke den gesetzlichen Vorgaben entspreche. Es sei nicht
einzusehen, weswegen im Schlussbericht nicht ergänzende Darstellungen zum
Sachverhalt gemacht werden dürften, wenn ein solcher gesetzlich vorgesehener
Schlussbericht nicht seines Sinnes entleert werden solle. Unangefochten bleibe der
erstinstanzliche Freispruch betreffend ungenügender Beschaffenheit der Auslauffläche
(Art. 7 Abs. 1 und Abs. 3 TSchV, Art. 34 TSchV) sowie betreffend des mehrfachen
Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen. Damit sollte auch klargestellt sein, dass sich
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die Anzeige hauptsächlich auf das Nichteinhalten der Mindestmasse im permanent
zugänglichen Auslauf des Mehrraumlaufstalls beziehe.
Der Berufungsgegner lässt einwenden, der Sinn des Schlussberichts könne nicht eine
nachträgliche Korrektur bzw. Erweiterung des eingeklagten Sachverhalts und der zur Last
gelegten Gesetzesverstösse sein. Aber auch aus dem Schlussbericht vom 12. März 2014
gehe nicht hervor, ob die Berufungsklägerin dem Berufungsbeklagten bezüglich der
Abmessungen in den Stallungen einen Gesetzesverstoss vorwerfe. Selbst wenn dem
Schlussbericht ein Vorwurf zu entnehmen wäre, sei nicht erkennbar, in welcher Stallung
und um welches Mass dies hätte der Fall sein sollen. Die Vorinstanz sei somit
richtigerweise davon ausgegangen, dass einzig die Einhaltung der Mindestfläche für
Ausläufe in der Pferdehaltung gemäss Anhang 1 Tabelle 7 Ziff. 3 TSchV zur Beurteilung
gestanden habe.
Der Anklagegrundsatz wird in Art. 9 StPO festgehalten. Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und
Art. 32 Abs. 2 BV sowie aus Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK abgeleiteten
Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des Gerichtsverfahrens.
Gegenstand des gerichtlichen Verfahrens können nur Sachverhalte sein, die dem
Angeklagten in der Anklageschrift vorgeworfen werden (Umgrenzungsfunktion;
Immutabilitätsprinzip). Letztere muss die Person des Angeklagten sowie die ihm zur Last
gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise umschreiben, dass die Vorwürfe im
objektiven und subjektiven Bereich genügend konkretisiert sind. Das Anklageprinzip
bezweckt damit zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte des Angeklagten und dient
dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion). In der Anklage sind im
Übrigen namentlich die Umstände aufzuführen, welche zum gesetzlichen Tatbestand
gehören (Urteile des Bundesgerichts 6B_899/2010 vom 10. Januar 2011 E. 2.3;
6B_803/2014 vom 15. Januar 2015 E. 1.3). Die Anforderungen an die Anklageschrift
werden in Art. 325 StPO konkretisiert. Danach hat die Anklageschrift u.a. möglichst kurz,
aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort,
Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung zu bezeichnen. Weil das Gericht an den in
der Anklage umschriebenen Sachverhalt gebunden ist (Art. 350 Abs. 1 StPO), kann es
diesen nicht anhand der Akten selbst bestimmen (Urteil des Bundesgerichts 6B_626/2014
vom 16. Dezember 2014, in: SJZ 111 (2015) Nr. 10). Der Strafbefehl gilt als
Anklageschrift (Art. 356 Abs. 1 StPO). Wird Einsprache gegen einen Strafbefehl erhoben
(Art. 354 ff. StPO) und entschliesst sich die Staatsanwaltschaft, am Strafbefehl
festzuhalten, so überweist sie die Akten unverzüglich dem erstinstanzlichen Gericht zur
Durchführung des Hauptverfahrens (Art. 356 Abs. 1 StPO). Tritt die Staatsanwaltschaft
nicht persönlich vor Gericht auf, so kann sie ihrer Anklage zur Erläuterung des
Sachverhalts einen Schlussbericht beifügen, der auch Ausführungen zur
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Beweiswürdigung enthält (Art. 326 Abs. 2 StPO). Der Schlussbericht hat nur erläuternde
Funktion, kann also eine mangelhafte (z. B. unvollständige oder sonst dem
Anklagegrundsatz nicht genügende) Anklage nicht ergänzen (Schmid, a.a.O., N. 14 zu
Art. 326).
Wie aus vorstehender Erw. 1.2 und 1.3 hervorgeht, ist vor Obergericht noch einer von vier
Anklagepunkten offen, nämlich die Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz im Sinne
von Art. 28 Abs. 1 lit. a TSchG i.V.m. Art. 6 Abs. 1 TSchG i.V.m. Art. 10 Abs. 1 TSchV
i.V.m. Art. 61 TSchV. Die genannten Gesetzesbestimmungen umfassen nun aber nicht
nur die Regelung der tierschutzkonformen Auslaufflächen, sondern auch der Unterkünfte.
Die Bemerkung der Berufungsklägerin in der Berufungserklärung, „es sollte klargestellt
sein, dass sich die Anzeige betreffend der nicht tierschutzkonformen Aufstallung
hauptsächlich auf das Nichteinhalten der Mindestmasse im permanent zugänglichen
Auslauf des Mehrraumlaufstalls beziehe“ bringt keine vollständige Klärung darüber, was
genau angefochten worden ist. In diesem Zusammenhang hat die Vorinstanz in Erw. 1.2
ihres Urteils zutreffend festgehalten, dass dem Strafbefehl zur Frage, ob die Unterkünfte
ebenfalls noch zu beurteilen sind, einzig entnommen werden könne, „dass betreffende
Stallungen und Unterstandsprovisorien sich in einem unveränderten Zustand
präsentierten“ und es sei die Rede von „nicht tierschutzgerechten Stallungen“. Das
Obergericht geht mit der Vorinstanz einig, dass diese Sätze in keiner Weise den
vorstehend dargelegten Anforderungen an das Anklageprinzip genügen. So genügt
beispielsweise ein Strafbefehl, der sich darauf beschränkt, die angeblich missachteten
Verkehrsregeln aufzuzählen und gestützt darauf Anklage wegen einfacher
Verkehrsregelverletzung zu erheben, diesen Anforderungen nicht (Urteil des
Bundesgerichts 6B_626/2014 vom 16. Dezember 2014, in: SJZ 111 (2015) Nr. 10).
Zudem ist eine Ergänzung der mangelhaften Anklageschrift durch die Staatsanwaltschaft
im Schlussbericht, wie sie dies mit Eingabe vom 12. März 2014 getan hat (act. B 6/23),
nicht zulässig. Demzufolge ist mangels gültiger Anklage in diesem Punkt die Frage der
Gesetzesmässigkeit der Stallungen vor Obergericht nicht zu prüfen. Zu beurteilen bleibt
nachfolgend einzig noch die Tierschutzkonformität der Auslaufflächen.
3. Genügen die Auslaufflächen den Tierschutzvorschr iften?
Die Berufungsklägerin macht geltend, sie halte daran fest, dass der im
Mehrraumlaufstall vorhandene, permanent zugängliche Auslauf mit 82 m2 zu klein
gewesen sei. Beide Beschuldigten hätten erklärt, zur Nachkontrollzeit am 12. November
2012 seien sie am Misten gewesen und die Absperrung sei provisorisch für die „Mistzeit“
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von maximal ca. 45 Minuten errichtet worden. Die kontrollierende Tierärztin habe ja
gesehen, dass „Mistzeit“ gewesen sei. Die Aufgabe der kontrollierenden Tierärztin sei es
lediglich gewesen, den Zustand zu dokumentieren, nicht diesen zu werten. Fakt sei, dass
bei der Kontrolle 12 Pferde in der gesamten Pferdehaltung vorhanden gewesen seien.
Gemäss Behauptungen der Beschuldigten sei dieser strittige Auslauf des
Mehrraumlaufstalls aber nur für eine Gruppe von 8 Pferden bestimmt gewesen. Gemäss
Berechnungen des Kantonstierarztes gestützt auf Anhang 1 Tabelle 7 Ziff. 31 TSchV
unter Mitberücksichtigung von Anmerkung 3 zu Tabelle 7 wäre eine maximale Bestossung
im permanent zugänglichen Auslauf von 4 bis 6 Equiden (abhängig von der
Widerristhöhe) möglich. Auch bei lediglich 8 Pferden wäre die am 12. November 2012
festgestellte permanente Auslauffläche von 82 m2 zu klein gewesen. Es könne keine
Rede davon sein, dass der befestigte Weg (Fotodossier Nachkontrolle) rein provisorisch
für gerade einmal maximal 45 Minuten ausgezäunt worden sein solle. Es handle sich, wie
den Bildern Nr. 10, 11, 12, 13 oder 19 des genannten Fotodossiers zu entnehmen sei, um
einen ziemlich aufwendig zu erstellenden Zaun mit zwei stromführungsfähigen Litzen, der
mit Sicherheit nicht für Minuten oder Stunden erstellt worden sei. Demselben Aktenstück
sei zu entnehmen, dass der geplante Auslauf noch befestigt werde, sobald Baumaterial
zugeführt werde (Bild Nr. 10 mit Beschreibung dazu). Auf Bild Nr. 11 sei deutlich zu
erkennen, dass auf der Fläche ausserhalb des betonierten Weges eine noch zu
befestigende Fläche vorhanden sei, die nicht benutzbar sei, da der Humus abgetragen
worden sei. Die hier erwähnte, provisorisch aussehende Umzäunung habe offenbar schon
im April 2012 bestanden. Im Fotodossier zur Nachkontrolle vom 17. April 2012 sei die
fragliche Auszäunung auf S. 5 unteres Bild, S. 6 unteres Bild, S. 7 unteres Bild, und S. 8
oberes Bild, zu erkennen. Dass die Auslauffläche in einer Verfügung vom 26. Januar 2012
noch mit 140 m2 beziffert worden sei, sei zu jenem Kontrollzeitpunkt korrekt gewesen.
Der Kantonstierarzt habe dem Beschuldigten schon im Januar 2012 die Unterlagen zur
Flächenberechnung für Unterkunft und Auslauf, für Gruppe und Hengst, abgegeben. Die
Tierschutzverordnung sehe bei den Mindestmassen keine Ausnahmebestimmung vor,
auch nicht kurzfristig für Stunden. Ein Ausnahmegesuch im Sinne von Art. 10 Abs. 3
TSchV ans Veterinäramt sei nicht erfolgt.
Der Berufungsbeklagte lässt entgegnen, er halte daran fest dass es anlässlich der
Kontrolle am 12. November 2012 zu einem Missverständnis gekommen sei. Der
permanent zugängliche Auslauf habe insgesamt ca. 270 m2 betragen und sei wie folgt
aufgeteilt gewesen: ca. 100 m2 für eine Gruppe von 3 Pferden, ca. 140 m2 (ohne
Unterstand) für eine Gruppe von 8 Pferden und ca. 30 m2 für den Hengst. Zum Zeitpunkt
der Kontrolle am 12. November 2012 sei die Lebenspartnerin des Berufungsbeklagten
gerade mit dem Misten der Auslauffläche beschäftigt gewesen und hätte zuvor die Tiere
gefüttert. Der Zaun sei bewusst provisorisch angelegt gewesen, dass während der
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Fütterungs- und Ausmistperioden kurzfristig hätte „ausgezäunt“ werden können.
Ausserhalb dieser Zeiten hätten den Tieren die oben erwähnten Flächen als permanent
zugängliche Auslauffläche zur Verfügung gestanden. Die Berufungsklägerin übersehe,
dass sich eine Ausnahmebewilligung im Sinne von Art. 10 Abs. 3 TSchV auf langfristig
ausgelegte Abweichungen und nicht auf kurzfristige Ausnahmesituationen beziehe. Art.
61 TSchV lasse gerade Ausnahmesituationen zu. Eine derart restriktive Auslegung von
Art. 61 Abs. 2 TSchV (i.V.m. Anhang 1 Tabelle 7 Ziff. 3 TSchV) widerspreche dem Sinn
und Zweck der Tierschutzgesetzgebung und wäre völlig unverhältnismässig.
Zusammenfassend werde festgehalten, dass die permanent zugängliche Auslauffläche –
abgesehen von kurzfristigen Ausnahmesituationen – nicht 82 m2, sondern insgesamt
mehr als 270 m2 betragen habe und die Vorgaben gemäss Art. 61 Abs. 2 TSchV i.V.m.
Anhang 1 Tabelle 7 Ziff. 3 TSchV eingehalten worden seien.
Gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. a TSchG wird mit Busse bis zu 20‘000 Franken bestraft, wer
vorsätzlich die Vorschriften über die Tierhaltung missachtet. Wer Tiere hält oder betreut,
muss sie angemessen nähren, pflegen, ihnen die für ihr Wohlergehen notwendige
Beschäftigung und Bewegungsfreiheit sowie soweit nötig Unterkunft gewähren (Art. 6
Abs. 1 TSchG). Böden müssen so beschaffen sein, dass die Gesundheit der Tiere nicht
beeinträchtigt wird (Art. 7 Abs. 3 TSchV). Unterkünfte und Gehege müssen den
Mindestanforderungen nach den Anhängen 1-3 entsprechen (Art 10 Abs. 1 TSchV).
Pferden ist täglich ausreichend Bewegung zu gewähren. Zur Bewegung zählen die
Nutzung und der Auslauf (Art. 61 Abs. 1 TSchV). Die Auslauffläche muss die
Mindestabmessungen nach Anhang 1 Tabelle 7 Ziffer 3 aufweisen. Wenn möglich sind
die Flächen nach Anhang 1 Tabelle 7 Ziffer 4 zur Verfügung zu stellen (Art. 61 Abs. 2
TSchV). Bei extremen Witterungs- und Bodenverhältnissen kann der Auslauf
ausnahmsweise auf einer überdachten Fläche gewährt werden (Art. 61 Abs. 3 TSchV).
Zuchtstuten mit Fohlen, Jungpferde sowie andere Pferde, die nicht genutzt werden,
müssen täglich mindestens zwei Stunden Auslauf erhalten (Art. 61 Abs. 4 TSchV).
Genutzte Pferde müssen an mindestens zwei Tagen pro Woche je mindestens zwei
Stunden Auslauf erhalten (Art. 61 Abs. 5 TSchV). Auf den Auslauf kann in den folgenden
Situationen während maximal vier Wochen verzichtet werden, sofern die Pferde während
dieser Zeit täglich genutzt werden: a. für neu in einem Betrieb eingestallte Pferde; b. bei
extremen Witterungs- und Bodenverhältnissen zwischen dem 1. November und dem
30. April; c. während dem Einsatz im Militärdienst; d. auf Tournee zu Show- oder
Sportzwecken oder während Ausstellungen (Art. 61 Abs. 6 TSchV). Der Auslauf ist in
einem Journal einzutragen (Art. 61 Abs. 7 TSchV). Als Auslauffläche im Sinne der
Tierschutzverordnung gelten: Weide oder für den täglichen Auslauf wettertauglich
eingerichtetes Gehege (Art. 2 Abs. 3 lit. f TSchV). Der Begriff Nutzung von Pferden in der
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Tierschutzverordnung wird als die Arbeit unter dem Sattel, an der Hand oder im Geschirr
sowie die Bewegung durch die Führmaschine definiert (Art. 2 Abs. 3 lit. o TSchV). Weiter
versteht die Tierschutzverordnung unter Jungpferden abgesetzte Fohlen bis zum Beginn
der regelmässigen Nutzung, aber längstens bis zum Alter von 30 Monaten (Art. 2 Abs. 3
lit. q TSchV). Weitere Informationen zur Pferdehaltung finden sich in der Fachinformation
Tierschutz, Auslaufvorschriften für Pferde, des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit
und Veterinärwesen BLV vom Dezember 2013 (abrufbar unter: www.blv.admin.ch).
Laut Anklageschrift bzw. Strafbefehl ist die Situation, wie sie sich am 12. November 2012
präsentierte, vorliegend Beurteilungsgegenstand. An diesem Tag erfolgte eine
Nachkontrolle durch die amtliche Tierärztin, welche die angetroffene Situation in einer
Fotodokumentation festhielt (act. B 5/1.4). Ziff. 11 der daraufhin am 4. Dezember 2012
erlassenen Verfügung des Veterinäramtes ist zu entnehmen, dass am 12. November
2012 12 Pferde angetroffen worden seien, und sich der permanent zugängliche Auslauf
zum Zeitpunkt der Kontrolle auf den befestigten Weg zwischen dem oberen und dem
unteren Stall beschränkt habe. Diese Auslauffläche betrage rund 82 m2 (gemäss
Flächenberechnung Geoportal GIS). Der unbefestigte Auslauf und die Weideflächen seien
erdig, matschig, ackerartig gewesen. Für die permanent zugängliche und befestigte
Auslauffläche von 82 m2 sei gemäss Anhang 1 Tabelle 7 Ziffer 31 TSchV eine maximal
zulässige Bestossung mit insgesamt maximal 4 bis 6 Pferden zulässig (act. B 5/1.6). Zu
erwähnen ist sodann, dass in dieser Verfügung vom Veterinäramt nicht die für die 12
Pferde massgebliche Mindest-Auslauffläche in m2 errechnet und aufgeführt wurde,
sondern die Pferdehalter diesbezüglich auf Anhang 1 Tabelle 7 Ziff. 31 TSchV verwiesen
wurden (siehe auch Dispositiv Ziff. 3 der genannten Verfügung). Anzuführen ist, dass die
Berechnung der tierschutzkonformen Auslauffläche gemäss der genannten Tabelle von
folgenden Faktoren abhängig ist: „Widerristhöhe“, „fünf und mehr gut verträgliche Pferde“,
„Jungpferdegruppen von 2-5 Tieren“. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang, dass
B_ in der Einvernahme durch die Kantonspolizei die Anzahl von 12 Pferden in seiner
Haltungsanlage bestätigte (act. B 5/8, S. 3). Eine detaillierte Berechnung kann indessen
angesichts der nachfolgend dargelegten Überlegungen unterbleiben.
Aus der Fotodokumentation der amtlichen Tierärztin über die Kontrolle am 12. November
2012 ist ersichtlich, dass C_ im Kontrollzeitpunkt um 8.30 Uhr morgens gerade am
Misten war. Laut Tierärztin war zu diesem Zeitpunkt lediglich der betonierte
Verbindungsweg zum oberen Stall (Abb. 10) für die 12 Pferde zugänglich. Vor
Kantonsgericht gab B_ diesbezüglich an (act. B 6/44), während der Reinigungszeit
hätten sie, was legal und normal sei, für kurze Zeit gewisse Ausläufe abgesperrt, damit
man diese in Ruhe reinigen könne. Man sehe auch auf den Bildern, dass die Ausläufe nur
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provisorisch abgetrennt gewesen seien (S. 5). Weiter wies B_ in der Einvernahme auf
act. B 5/1.4, Abb. 13, unten beim Baum hin: sie hätten eine riesengrosse Fläche, die sei
trocken und trittfest. Die Pferde hätten jeweils zusätzlich diese Fläche zur Verfügung
(S. 6). An diesem Tag hätten sie gewusst, dass in kurzer Zeit der LKW mit der Ware
gekommen sei, daher hätte alles noch etwas provisorischer ausgesehen als sonst. Daher
hätten sie um den Baum herum extra noch 200 m2 offen gelassen (S. 6).
Aufgrund der gesamten Aktenlage kommt das Obergericht zum Schluss, dass nicht
nachgewiesen ist, dass die 12 Pferde am 12. November 2012 nicht die vorgeschriebene
Mindest-Auslauffläche während der gesetzlich vorgeschriebenen Dauer zur Verfügung
hatten. Anzufügen ist, dass die Ansicht der Staatsanwaltschaft, die Tierschutzverordnung
sehe bei den Mindestmassen keine Ausnahmebestimmung vor, auch nicht kurzfristig für
Stunden, nicht ganz präzis ist. Aus den vorstehend aufgeführten Gesetzesbestimmungen
ergibt sich, dass zwischen den Mindestabmessungen eines permanent zugänglichen
Auslaufs und den Mindest-Benutzungszeiten für diesen Auslauf zu unterscheiden ist. So
haben etwa Zuchtstuten mit Fohlen, Jungpferde sowie nicht genutzte Pferde Anrecht auf
täglich mindestens zwei Stunden Auslauf, genutzte Pferde hingegen nur auf je
mindestens zwei Stunden pro Woche. Geht man davon aus, dass es sich bei den 12
Pferden des Beschuldigten und seiner Lebensgefährtin um nicht genutzte Pferde und
Jungpferde handelte, somit also von einem Maximum der zu gewährenden Auslaufzeit, ist
mit der am 12. November 2012 vor Ort festgestellten Situation in keiner Weise belegt,
dass den erwähnten Vorschriften nicht Genüge getan wurde. Im Gegenteil spricht der von
B_ anlässlich der Einvernahme gemachte plausible Hinweis, die Pferde hätten um den
auf Abb. 13 der Fotodokumentation zu sehenden Baum herum eine riesige Fläche
gehabt, dafür, dass den Pferden zwischen den Mistzeiten ein ausreichend grosser
Auslauf an mindestens 2 Stunden pro Tag zur Verfügung stand. Zu erkennen ist dieser
ebenfalls mit weissen Stromlitzen eingezäunte Auslauf beim Baum auch auf Abb. 2, dort
jedoch von unten her gesehen. Nachvollziehbar und glaubwürdig ist weiter, dass die
Pferdehalter B_ und C_ anlässlich der Kontrolle kurzzeitig einen Teil der Ausläufe
provisorisch abgesperrt haben, um diese abzuäppeln. Zum strittigen provisorischen
Charakter der Absperrung ist zu bemerken, dass erfahrungsgemäss die auf
verschiedenen Abbildungen der Fotodokumentation zu erkennenden weissen
Plastiksteckpfähle mitsamt den Stromlitzen problemlos und rasch umgesteckt werden
können. Dies spricht ebenfalls dafür, dass nach den Reinigungsarbeiten die
Auslaufflächen ohne weiteres wieder geöffnet werden konnten. Hinzu kommt, dass bereits
die Vorinstanz in ihrer Erw. 2.6 auf die Bemerkung des Veterinäramtes zu Abbildung 7
hingewiesen hat, wonach „die Verschmutzung der Tiere auf den Weidegang
zurückzuführen sei“. Nachweislich hatten die Pferde somit kurze Zeit vor der Kontrolle
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Weidegang, was die Behauptung der Staatsanwaltschaft, dass die Tiere einzig auf dem
betonierten Verbindungsweg Auslauf erhielten, ebenfalls widerlegt. Aufgrund dieser
Umstände kommt das Obergericht zum Schluss, dass es sich bei der Fotodokumentation
um eine blosse Momentaufnahme während des Mistens handelt.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich aufgrund der gesamten Aktenlage der
Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegenüber B_, er habe seinen Pferden einen zu
kleinen Auslauf zur Verfügung gestellt und deshalb die Vorschriften über die Tierhaltung
missachtet, nicht erhärtet hat. Demzufolge ist die Berufung abzuweisen und B_ ist von
der Anklage der Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz im Sinne von Art. 28 Abs. 1
lit. a TSchG i.V.m. Art. 6 Abs. 1 TSchG i.V.m. Art. 10 Abs. 1 TSchV i.V.m. Art. 61 TSchV
freizusprechen.
4. Kosten- und Entschädigungsfolgen
4.1 Erst- und zweitinstanzliche Verfahrenskosten
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Fällt die Rechtsmittelinstanz selber
einen neuen Entscheid, so befindet sie darin auch über die von der Vorinstanz getroffene
Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Da der Beschuldigte freigesprochen wurde, sind
sowohl die erst- als auch die zweitinstanzlichen Verfahrenskosten vom Staat zu tragen.
Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird auf CHF 900.00 festgesetzt (Art. 29 lit. b
Gebührenordnung, bGS 233.3).
4.2 Erst- und zweitinstanzliche Entschädigung
Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen, so hat sie Anspruch auf
Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer
Verfahrensrechte (Art. 436 i.V.m. Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO). Aufgrund des
Verfahrensausganges hat der Beschuldigte Anspruch auf Entschädigung seiner
Verteidigungskosten vor Kantons- und Obergericht. Die von der Vorinstanz korrekt
festgesetzte Entschädigung von CHF 2‘160.00 ist zu bestätigen. Die von RA BB_ vor
Obergericht eingereichte Kostennote über einen Aufwand von 5,75 Stunden in der Höhe
von CHF 1‘242.00 (inkl. MWSt; act. B 25) erweist sich als tarifkonform und auch
angemessen. Somit ist der Beschuldigte für die Kosten seiner Verteidigung im erst- und
zweitinstanzlichen Verfahren mit total CHF 3‘402.00 (inkl. MWSt) aus der Staatskasse zu
entschädigen.
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Considerations: