Decision ID: 6ac9ba63-05f4-41c2-add1-f845dda1f92d
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ erlitt am ._ 2002 als Beifahrerin mit ihrer Familie einen schweren
Verkehrsunfall bei dem ihr jüngster, fünfjähriger Sohn verstarb (zum Unfallereignis siehe
die Situationsanalyse vom 9. März 2004, UV-act. 25, sowie die Medienberichte in UV-
act. 193-172 und UV-act. 193-187). Aufgrund ihrer teilzeitlichen Erwerbstätigkeit als
Reinigungskraft war sie bei der Suva gegen die Folgen dieses Unfalls versichert (UV-
act. 6-3). Am 9. März 2006 erstattete Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, der Suva im Rahmen einer bidisziplinären Begutachtung ein
Teilgutachten über die Versicherte. Er diagnostizierte eine mittelgradige bis schwere
depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11). Aus derzeitiger
psychiatrischer Sicht sei die Versicherte für jegliche berufliche Tätigkeiten nicht
arbeitsfähig (UV-act. 55). Der rheumatologische Gutachter der AEH Zentrum für
Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG, diagnostizierte im Gutachten vom 19. Mai
«2005» (richtig: 2006) im Wesentlichen einen Autounfall am ._ 2002 mit/bei: u.a.
Heckkollision mit HWS-Distorsionstrauma, Thorako- und Lumbovertebralsyndrom,
leichter dislozierter Rippenfraktur III links und nicht dislozierter Rippenfraktur IV links,
Schneidezahnverletzung links möglicherweise durch Kopfanprall und
Oberschenkelhämatom links mit Hämatomausräumung am 6. Januar 2003. Aus
rheumatologischer Sicht seien der Versicherten körperlich leichte Tätigkeiten halbtags
zumutbar. Von Seiten des Psychiaters werde von einer vollen Arbeitsunfähigkeit
ausgegangen, dies möglicherweise langfristig. Aus interdisziplinärer Sicht bestehe
somit eine volle Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 61). Mit Verfügung vom 22. September
A.a.
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2006 sprach die Suva der Versicherten bei einem 100%igen Invaliditätsgrad eine Rente
mit Wirkung ab 1. September 2006 zu (UV-act. 67).
Zwecks Beurteilung des Integritätsschadens wurde die Versicherte am 27. August
2008 von Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Versicherungspsychiatrischer Dienst der Suva, untersucht. Dieser diagnostizierte eine
anhaltende affektive Störung: Komplizierte Trauerreaktion (ICD-10: F34.8) und schätzte
den Integritätsschaden auf 65 % (UV-act. 110). Gestützt auf diese Beurteilung sprach
die Suva der Versicherten am 23. Dezember 2008 eine entsprechende
Integritätsentschädigung zu (UV-act. 112).
A.b.
Im Rahmen eines von Amtes wegen eingeleiteten Revisionsverfahrens beauftragte
die Suva Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, mit einer
Verlaufsbegutachtung der Versicherten (siehe dessen Terminmitteilung vom
9. November 2018, UV-act. 202). Eine erste Untersuchung fand am 12. Dezember 2018
statt (256-1). Der Rechtsvertreter der Versicherten schrieb am 13. Dezember 2018 der
Suva, seine Klientschaft habe ihm mitgeteilt, dass diese von Dr. D._ um Haar- und
Urinproben gebeten worden sei. Wie ihm die Versicherte und ihr Ehegatte mitgeteilt
hätten, seien sie – nicht zuletzt auch wegen bestehender Sprachprobleme – damit
überfordert gewesen und hätten die Proben offenbar verweigert, was er sehr bedaure.
Seine Klientschaft habe sich den Haar- und Urinproben keinesfalls entziehen wollen. Er
bitte daher die Suva, einen neuen Termin anzuberaumen (UV-act. 204). Am 11. Januar
2019 fanden eine Laboruntersuchung und eine neuropsychologische Untersuchung
durch lic. phil. E._, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP, statt. Eine weitere
Besprechung mit Dr. D._ erfolgte am 26. April 2019 (UV-act. 256-1 unten; siehe zum
neuropsychologischen Bericht vom 30. Januar 2019 UV-act. 254). Dr. D._ gelangte
zur Auffassung, dass keine psychische Störung mehr diagnostiziert werden könne. Es
stehe inzwischen die Vortäuschung einer kognitiven Störung im Vordergrund. Aufgrund
mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vorliegender nicht authentischer
Beschwerden- und Leistungspräsentation könne keine gültige Aussage zur
Arbeitsfähigkeit gemacht werden. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
liege jedoch die Leistungsfähigkeit der Versicherten weit oberhalb derjenigen, welche
sie im Rahmen der aktuellen Untersuchungen präsentiert habe (Gutachten vom
3. Dezember 2019, UV-act. 256, insbesondere UV-act. 256-41).
A.c.
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B.
Dagegen erhob die Versicherte am 18. Mai 2020 Einsprache (UV-act. 272), welche die
Suva am 2. September 2020 abwies. Einer allfälligen Beschwerde entzog sie die
aufschiebende Wirkung (UV-act. 276).
C.
Gestützt auf die gutachterliche Beurteilung, wonach keine psychische Störung
mehr diagnostiziert werden könne und im Vergleich zum Zeitpunkt der
Rentenzusprechung im Jahr 2006 eine wesentliche Besserung der psychischen
Beschwerden vorliege, verfügte die Suva am 15. April 2020 die revisionsweise
Einstellung der Rente auf den 1. Mai 2020 (UV-act. 266).
A.d.
Gegen den Einspracheentscheid vom 2. September 2020 erhob die
Beschwerdeführerin am 5. Oktober 2020 Beschwerde und beantragte dessen
Aufhebung und es sei ihr weiterhin eine «ganze IV-Rente» zuzusprechen. Eventualiter
sei eine zweite versicherungsexterne psychiatrisch-neuropsychologische Begutachtung
mit einwandfreier Übersetzung in Auftrag zu geben. Subeventualiter seien ihr die
gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. Der Beschwerde sei die aufschiebende
Wirkung zu erteilen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung
brachte sie im Wesentlichen vor, dass die Übersetzung durch die Dolmetscherin
«absolut ungenügend» gewesen sei. Sie habe mehrfach darauf hingewiesen, dass die
Übersetzung nicht richtig sei. Zudem sei sie vom Gutachter ausgelacht, nachgeahmt
und lächerlich gemacht worden, als sie sich gegen die Medikamentenanalyse
ausgesprochen habe. Sie habe die von ihm für notwendig gehaltene
Medikamentenanalyse nicht gekannt. Auch bei anderer Gelegenheit sei sie vom
Gutachter mehrfach ausgelacht und nachgeahmt worden. Ausserdem machte die
Beschwerdeführerin geltend, die Voraussetzungen für eine Rentenanpassung seien
mangels neuer Tatsachen nicht erfüllt. Ohnehin dürfe die Beschwerdegegnerin die
Rente nicht aufheben, ohne dass vorgängig Wiedereingliederungsmassnahmen
durchgeführt worden seien (act. G 1).
C.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom 21. Oktober
2020 die Abweisung der Beschwerde und machte geltend, die Voraussetzungen für
C.b.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Gegenstand des angefochtenen Einspracheentscheids bildet ausschliesslich die
Einstellung der (definitiven) Invalidenrente auf den 1. Mai 2020. Nebst dem
Rentenantrag ersucht die Beschwerdeführerin subeventualiter um Zusprache der
gesetzlichen Leistungen (act. G 1, S. 2, Rechtsbegehren Ziff. 4). Nachdem dieser
Subeventualantrag nicht näher begründet wurde, bleibt unklar, auf welche Leistungen
er – nebst dem Anspruch auf eine (definitive) Rente – genau abzielt. Weiterungen hierzu
erübrigen sich, da auf die entsprechenden Leistungsanträge mangels
Anfechtungsgegenstands ohnehin nicht einzutreten ist. Nachfolgend zu prüfen ist
ausschliesslich die von der Beschwerdegegnerin auf den 1. Mai 2020 angeordnete
Renteneinstellung.
eine Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde seien nicht erfüllt.
Die von der Beschwerdeführerin ins Feld geführte Rechtsprechung des Bundesgerichts
zur Unzumutbarkeit der Selbsteingliederung bei langjährigem Rentenbezug finde im
Unfallversicherungsrecht keine Anwendung (act. G 3).
In der Replik vom 12. Januar 2021 hielt die Beschwerdeführerin unverändert an
den Beschwerdeanträgen fest (act. G 7).
C.c.
Mit Zwischenentscheid vom 20. Januar 2021, UV 2020/77 Z, wies das
Versicherungsgericht das Gesuch der Beschwerdeführerin um Wiederherstellung der
aufschiebenden Wirkung ab (act. G 8).
C.d.
Die Beschwerdegegnerin hielt in der Duplik vom 3. Februar 2021 unverändert an
der von ihr beantragten Beschwerdeabweisung fest (act. G 10).
C.e.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls zu mindestens 10 % invalid (Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente.
1.1.
Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG wird, wenn sich der Invaliditätsgrad einer
Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheblich ändert, die Rente von Amtes
wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben. Anlass zur Revision einer Invalidenrente im Sinn von Art. 17 Abs. 1 ATSG
1.2.
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2.
Zunächst ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu prüfen, ob der
Sachverhalt in medizinischer Hinsicht mit dem Gutachten von Dr. D._ vom
3. Dezember 2019 (UV-act. 256, einschliesslich der zusätzlichen neuropsychologischen
Beurteilung vom 30. Januar 2019, UV-act. 254) spruchreif abgeklärt worden ist.
gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist,
den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Zeitlicher
Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des
Invaliditätsgrades ist die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen
Prüfung des Rentenanspruchs beruht (BGE 134 V 132 E. 3 mit Hinweisen). Nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts ist der Rentenanspruch in rechtlicher und
tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, sobald ein einzelner
Revisionsgrund vorliegt, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht. Dabei
kann selbst eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes Anlass für eine
Aufhebung der Rente sein (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Februar 2021,
9C_361/2020, E. 3.2). Unter Umständen kann auch ein früher nicht gezeigtes Verhalten
eine im Sinn von Art. 17 Abs. 1 ATSG relevante Tatsachenänderung darstellen, wenn
sich dieses auf den Invaliditätsgrad und damit auf den Umfang des Rentenanspruchs
auswirken kann. Dies trifft etwa zu bei Versicherten mit einem Beschwerdebild, auf das
die Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 anwendbar ist, wenn ein Ausschlussgrund
vorliegt, d.h. die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen
Konstellation beruht, die eindeutig über die blosse (unbewusste) Tendenz zur
Schmerzausweitung und -verdeutlichung hinausgeht (Urteil des Bundesgerichts vom
11. November 2021, 9C_302/2021, E. 4.2 betreffend die revisionsweise Anpassung
einer Rente der Invalidenversicherung; zum Ausschluss eines Rentenanspruchs bei
aggravatorischem Verhalten auch im Unfallversicherungsrecht siehe Urteil des
Bundesgerichts vom 13. Oktober 2015, 8C_438/2015, E. 6).
Hinsichtlich des Beweiswerts eines medizinischen Berichts ist entscheidend, ob er
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die beklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
2.1.
Die Beschwerdeführerin führt gegen die Beweiskraft des Gutachtens von Dr. D._
ins Feld, dass die Übersetzung «absolut ungenügend» gewesen sei. Die Dolmetscherin
2.2.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=9C_302%2F2021&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-V-281%3Ade&number_of_ranks=0#page281
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stamme nicht aus derselben Region wie sie. Sie stamme aus F._ und spreche G._,
wohingegen die Dolmetscherin aus dem H._ stamme und einen anderen Dialekt
spreche. Sie (die Beschwerdeführerin) habe mehrfach darauf hingewiesen, dass die
Übersetzung nicht richtig sei (act. G 1, III. Rz 3) und die Dolmetscherin die Aussagen
verdrehe (act. G 1, III. Rz 13). Ausserdem habe die Dolmetscherin ihr mitgeteilt, dass
sie wegen der Krankheit ihrer Tochter während zweier Nächte kaum geschlafen gehabt
habe. Dieser Umstand habe sich auf die Übersetzungssituation ausgewirkt, da sich die
Dolmetscherin nur schwer habe konzentrieren können (act. G 1, III. Rz 3). Die
mangelhafte Übersetzung zeige sich in verschiedenen Unkorrektheiten im Gutachten
(act. G 1, III. Rz 4 ff.).
Aus den Akten ergibt sich, dass die Eheschliessung der Beschwerdeführerin in
I._ erfolgte (UV-act. 193-24), dem Geburtsort ihres Ehegatten (UV-act. 193-26).
Dieser Ort liegt zwar im Süden von F._, allerdings nur wenige Kilometer von der
Grenze zum H._ entfernt. Die Beschwerdeführerin stammt aus einem Dorf bei J._
in SüdF._ nahe der Grenze zum H._. Dies- und jenseits der Grenze wird K._
gesprochen. Aus den Akten geht ferner wiederholt hervor, dass sich die
Beschwerdeführerin geografisch und soziokulturell als H._in betrachtet («aus dem
H._ stammend», UV-act. 61-5 Mitte und unten sowie UV-act. 193-153 unten; «Einen
Sohn zu haben sei für eine Mutter in H._ viel wertvoller», UV-act. 110-6 Mitte;
«Begräbnis des jüngeren Sohnes in H._», UV-act. 110-7 oben; «8 Jahre Schulbesuch
im H._», UV-act. 193-117 oben und UV-act. 193-193 Mitte bzw. «Grundschule in
F._ an der Grenze zum H._», UV-act. 54-5 unten; «Hilfreich sei für sie auch eine
vorübergehende Einreise der Mutter oder der Schwester aus dem H._ [...]», UV-
act. 193-153). Allein schon vor diesem Hintergrund und weil die Beschwerdeführerin
«G._er Muttersprache» ist, erscheinen generelle relevante kommunikative
Schwierigkeiten bei der Übersetzung durch die aus dem H._ stammende, über die
Medios AOZ Zürich vermittelte Dolmetscherin (UV-act. 256-18 unten) fraglich. Aus dem
Einwand der Beschwerdeführerin, sie habe bereits anlässlich der Begutachtung
mehrmals die «absolut ungenügende» Übersetzung (UV-act. 272-5) und Verdrehung
von Aussagen (act. G 1, III. Rz 13) gerügt, geht klar hervor, dass sie die Dolmetscherin
verstanden hat. Inwiefern dies nicht auch umgekehrt der Fall gewesen sein soll, ist
nicht ersichtlich. Des Weiteren geht aus dem Gutachten hervor, dass sich Dr. D._
bezüglich der Qualität der Übersetzung bei den verschiedenen Terminen jeweils bei der
Beschwerdeführerin und der Dolmetscherin versichert hatte (siehe etwa UV-act. 256-18
unten, UV-act. 256-20 f. und UV-act. 256-22 unten). Gegen die vorstehend genannte
Rüge der Beschwerdeführerin spricht ausserdem, dass dieser Vorwurf erstmals mit der
2.2.1.
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Einsprache vom 18. Mai 2020 vorgebracht wurde. Zuvor finden sich im wiederholten
Austausch zwischen der Beschwerdegegnerin und dem Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin keine Hinweise auf die erst nachträglich geltend gemachten
gravierenden Vorwürfe. Vielmehr äusserte der Rechtsvertreter nach einem Austausch
mit der Beschwerdeführerin sein Bedauern darüber, dass diese die Haar- und
Urinprobe verweigert habe (Schreiben vom 13. Dezember 2018, UV-act. 209-2). Die
Verweigerung führte er auf eine Überforderung und «nicht zuletzt» auch auf
Sprachprobleme zurück, was allerdings nicht einleuchtet. Der Beschwerdeführerin
dürfte der Sinn und Zweck der Kontrolle von Medikamentenspiegeln nämlich vertraut
gewesen sein, fanden doch gemäss ihren zum Thema «Medikamente» gemachten
Angaben beim Hausarzt regelmässig entsprechende Blutuntersuchungen statt (UV-
act. 256-15 oben). Im Vergleich zu den geltend gemachten Sprachproblemen erscheint
die ausführliche Darstellung im Gutachten glaubwürdiger, dass die Beschwerdeführerin
hauptsächlich einen Unwillen bzw. Unmut über diese Untersuchungen äusserte und
zwar unter ausdrücklichem Verweis auf die von ihr klar wiedergegebenen Instruktionen
seitens ihres Rechtsvertreters (UV-act. 256-18; siehe auch die plausiblen Ausführungen
von Dr. D._ in der E-Mail vom 17. Dezember 2018, UV-act. 211). Hinweise auf
bedeutsame Sprachprobleme sind nicht erkennbar. Jedenfalls äusserte der
Rechtsvertreter auch in der Folge bis zum Einspracheverfahren keine Kritik an der
Arbeit der Dolmetscherin (siehe etwa die Notiz zu den Telefongesprächen vom
18. Dezember 2018, UV-act. 215, und vom 21. Dezember 2018, UV-act. 217). Gegen
relevante Übersetzungsmängel spricht ausserdem, dass die Beschwerdeführerin nach
der ersten Untersuchung vom 12. Dezember 2018 bei den späteren Zusammentreffen
mit der Dolmetscherin sich nicht gegen deren Teilnahme wehrte bzw. diese in Frage
stellte. Ferner wünschte die Beschwerdeführerin bei einer Rauchpause von der
Dolmetscherin begleitet zu werden, mit der sie sich dann auch spontan unterhielt (UV-
act. 256-18). Angesichts der dargelegten Ausführungen und der geografischen Nähe
des Herkunftsorts der Beschwerdeführerin zum H._ leuchtet im Übrigen ein, dass die
Dolmetscherin angab, aus der gleichen Region wie die Beschwerdeführerin zu
stammen (UV-act. 256-22 unten).
Was die einzelnen von der Beschwerdeführerin kritisierten Textpassagen im
Gutachten angeht, ist Folgendes zu bemerken. Die Beschwerdeführerin brachte vor,
entgegen den gutachterlichen Ausführungen leide sie unter Albträumen vom Unfall (act.
G 1, III. Rz 4). Allerdings ist das im Gutachten Wiedergegebene besser mit den früheren
Angaben der Beschwerdeführerin zu vereinbaren. Weder gegenüber Dr. B._ (UV-
act. 55, siehe insbesondere UV-act. 55-4 f.) noch Dr. C._ klagte die
2.2.2.
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Beschwerdeführerin über Albträume. Vielmehr hielt letzterer einen unbeeinträchtigten
Schlaf fest (UV-act. 110-10 oben). Auch im Rahmen der von der IV-Stelle des Kantons
St. Gallen durchgeführten Haushaltsabklärung vom 24. April 2007 gab die
Beschwerdeführerin lediglich an, ihre Kinder würden unter Albträumen leiden (IV-
act. 193-115). Folglich begründet die protokollierte Aussage, es bestünden keine
konkreten Angaben über Albträume (UV-act. 256-36 oben), kein
Übersetzungsversehen. Im Übrigen berücksichtigte Dr. D._ eine beeinträchtigte
Schlafqualität (UV-act. 256-16 unten sowie zum Aufschrecken im Schlaf ohne
Erinnerungen an die Träume siehe UV-act. 256-20). Unklar ist, worin die
Beschwerdeführerin einen Übersetzungsfehler bezüglich der Selbstpflege erblickt
(siehe hierzu act. G 1, III. Rz 5), nachdem Dr. D._ den von ihr geklagten
Unterstützungsbedarf sowie die Angabe, «sie sei zu nichts fähig», ausdrücklich
berücksichtigte (UV-act. 256-15 unten). Zu ergänzen ist der Vollständigkeit halber, dass
die Beschwerdeführerin früher ebenfalls eine wenig beeinträchtigte Fähigkeit zur
Selbstpflege äusserte (siehe deren Angaben vom 12. Juni 2014, die lediglich beim
Duschen einen teilweisen Unterstützungsbedarf enthielten, UV-act. 194-59). Ein
Übersetzungsmangel ist auch nicht dargetan unter dem Abschnitt «Noxen» (UV-
act. 256-16), wo der regelmässige Nikotinkonsum, die erhöhten Zuckerwerte und die
Alkoholabstinenz korrekt wiedergegeben worden waren. Dass betreffend Noxen
ansonsten alles in Ordnung sei, ist daher korrekt. Die von der Beschwerdeführerin an
dieser Gutachtenstelle gerügte fehlende Erwähnung der psychischen und physischen
Schmerzen (act. G 1, III. Rz 6) erweist sich folglich als unbegründet. Den
entsprechenden Leidensangaben wurde im Übrigen ausführlich von Dr. D._ in den
einschlägigen Begutachtungsabschnitten Rechnung getragen (siehe hierzu etwa UV-
act. 256-12 f. und UV-act. 256-15). Mit Blick auf die gastrointestinale Situation
berücksichtigte Dr. D._, dass die Beschwerdeführerin bei (Einnahme von)
Magenmedikamenten keine Magenbeschwerden habe, womit entgegen der
Beschwerdeführerin (act. G 1, III. Rz 7) die einer medikamentösen Behandlung
bedürftigen Magenbeschwerden Berücksichtigung fanden. Ein Übersetzungsfehler ist
auch bezüglich der Suizidalitätsangabe nicht erkennbar (siehe act. G 1, III. Rz 10), hatte
Dr. D._ doch an dieser Stelle der Exploration den aktuellen Zustand erfragt. Auch aus
der übrigen Kritik der Beschwerdeführerin ergibt sich nichts, was die Qualität der
Tätigkeit der Dolmetscherin in Zweifel zieht. Gegen eine ungenügende
Übersetzungstätigkeit spricht zudem, dass die Beschwerdeführerin keine
entsprechende Kritik an der neuropsychologischen Teilbegutachtung vorträgt, obschon
auch diese von der gleichen Dolmetscherin übersetzt wurde (UV-act. 254-6).
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Ausserdem bringt die Beschwerdeführerin vor, Dr. D._ habe sie mehrfach
nachgeahmt und ausgelacht (siehe etwa act. G 1, III. Rz 8 und act. G 1, III. Rz 12). Der
entsprechende Vorwurf findet in den Akten keine Stütze. Insbesondere ist das
Gutachten von Dr. D._ durchgehend in einem objektiv-sachlichen Ton gehalten und
es finden sich keine Hinweise auf ein voreingenommenes Verhalten. Stattdessen
bestehen mehrere Anhaltspunkte, die auf einen generellen Missmut der
Beschwerdeführerin gegenüber der Begutachtung schliessen lassen (UV-act. 256-18,
UV-act. 256-20 und UV-act. 254-6 unten). Im Licht dieser Umstände und weil die Kritik
der bereits damals rechtskundig vertretenen Beschwerdeführerin erst im
Einspracheverfahren erstmalig geltend gemacht und nicht in der Zeit zwischen den
einzelnen Begutachtungsterminen und der Fertigstellung des Gutachtens vorgebracht
worden war (siehe zur keine Kritik am Verhalten von Dr. D._ beinhaltenden
Korrespondenz zwischen dem Rechtsvertreter und der Beschwerdegegnerin
vorstehende E. 2.2.1), erscheinen die auf die Herabsetzung der persönlichen Integrität
von Dr. D._ abzielenden Vorwürfe als reine Schutzbehauptung. Dieser bot ihr von
sich aus wiederholt etwas zum Trinken an und gewährte auf ihr Ersuchen auch
Rauchpausen (siehe etwa UV-act. 256-18 und UV-act. 256-22 oben), was ein
empathievolles Verhalten dokumentiert. Zudem zeigte er sich trotz der damit
verbundenen organisatorischen Mehraufwände und Schwierigkeiten in
zuvorkommender Weise bereit, die Begutachtungstermine nach den Wünschen der
Beschwerdeführerin zu richten (wofür sich der Rechtsvertreter im Namen der
Beschwerdeführerin denn auch, wiederum ohne jegliche Kritik zu äussern, bedankt
hatte, UV-act. 217).
2.3.
Nachfolgend bleibt zu prüfen, ob mit dem Gutachten von Dr. D._ eine seit der
ursprünglichen Rentenzusprache vom 22. September 2006 rentenrelevante
Verbesserung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin nachgewiesen ist
und damit ein Revisionsgrund vorliegt. Bei der Würdigung des Gutachtens von
Dr. D._ fällt zunächst ins Gewicht, dass darin sämtliche von der Beschwerdeführerin
geklagten psychischen und psychosomatischen Leiden berücksichtigt und den
Vorakten umfassend Rechnung getragen wurde. Es beruht auf ausführlichen
psychiatrischen und neuropsychologischen Untersuchungen samt überzeugender
Ressourcen- und Konsistenzprüfung. Die gezogenen Schlüsse von Dr. D._ leuchten
ein. Weder aus den Akten noch den Ausführungen der Beschwerdeführerin ergeben
sich zudem Hinweise auf eine seit der Begutachtung eingetretene gesundheitliche
Verschlechterung oder auf relevante somatische Leiden. Gestützt auf die plausiblen
Ausführungen von Dr. D._ (insbesondere UV-act. 256-38 ff.) ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand der
2.4.
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3.
Nachdem aus den Akten keine Hinweise hervorgehen und nicht erkennbar ist, dass die
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall über eine Erwerbsfähigkeit verfügen würde, die
über dem LSE-Medianlohn für Hilfsarbeiterinnen liegt, kann die konkrete Bemessung
der Vergleichseinkommen offenbleiben. Denn selbst wenn zugunsten der
Beschwerdeführerin ein Prozentvergleich vorgenommen würde, resultierte bei einer
100%igen Arbeitsfähigkeit keine Invalidität. Ein Tabellenlohnabzug wurde nicht geltend
gemacht und es sind auch keine Gesichtspunkte ersichtlich, die einen solchen
rechtfertigen würden, zumindest nicht in einem für einen Rentenanspruch
erforderlichen Umfang von 10 %.
4.
Schliesslich wendet die Beschwerdeführerin gegen eine Renteneinstellung ein, sie
lasse sich mit der Rechtsprechung des Bundesgerichts zur Unzumutbarkeit der
Selbsteingliederung bei mehr als 15-jährigen Rentenbezugs nicht in Einklang bringen
(act. G 1, III. Rz 16 mit Hinweis u.a. auf das Urteil des Bundesgerichts vom 20. Februar
2014, 9C_816/2013, E. 2.1, und act. G 7, Rz 2). Wie die Beschwerdegegnerin
zutreffend ausführte (act. G 3, S. 2), findet die in der Invalidenversicherung etablierte
bundesgerichtliche Rechtsprechung keine Anwendung auf Aufhebungen von definitiven
Invalidenrenten der Unfallversicherung (siehe hierzu das Urteil des Bundesgerichts vom
6. Januar 2021, 8C_573/2020, E. 5.2.2). Die angefochtene Einstellung der
Invalidenrente auf den 1. Mai 2020 ist daher auch unter diesem Aspekt nicht zu
beanstanden. Im Übrigen dauerte der Bezug der unfallversicherungsrechtlichen
Invalidenrente, die mit Wirkung ab 1. September 2006 zugesprochen worden war (UV-
act. 67), im Zeitpunkt der Einstellung (1. Mai 2020) noch keine 15 Jahre. Die
Beschwerdeführerin hatte zu diesem Zeitpunkt auch das 55igste Altersjahr noch nicht
zurückgelegt. Aus unfallversicherungsrechtlicher Sicht bestünde folglich auch dann
kein gegen die Revision sprechender Vorbehalt, wenn die
invalidenversicherungsrechtliche Rechtsprechung analog angewandt würde.
Beschwerdeführerin seit der ursprünglichen Rentenverfügung vom 22. September 2006
(UV-act. 67) verbesserte und aus objektiver Sicht spätestens seit seiner Begutachtung
keine auf das Unfallereignis zurückzuführende Gesundheitsbeeinträchtigung mehr
besteht. Dass die Beschwerdeführerin früher an einer Suizidalität litt, aber heute
unbestrittenermassen nicht mehr (act. G 1, III. Rz 10), bekräftigt die Annahme einer
gesundheitlichen Verbesserung. Ein weiterer medizinischer Abklärungsbedarf besteht
nicht.
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5.
Gemäss vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. f ATSG).
Ausgangsgemäss hat die vollständig unterliegende Beschwerdeführerin keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung.