Decision ID: 63fc56a8-00cc-44aa-bdf7-ca070a9a935d
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. C.Z. (geboren 2001) besuchte im Schuljahr 2013/14 die 6. Klasse im
Schulhaus R. in St. Margrethen. Am 12. August 2013, dem ersten Schultag nach den
Sommerferien, erschien sie ein islamisches Kopftuch (Hijab) tragend in Begleitung ihrer
Mutter – B.Z. – in der Schule und teilte mit, sie werde in Zukunft den Unterricht mit dem
Hijab besuchen. Die Schulleiterin wies auf die Schulordnung der Schulgemeinde St.
Margrethen hin, die das Tragen von Kopfbedeckungen jeglicher Art während des
Unterrichts untersage. Daraufhin verliessen C.Z. und ihre Mutter die Schule wieder.
Anlässlich eines am Abend desselben Tages zwischen dem Präsidenten, dem
Vizepräsidenten und dem Sekretär des Schulrats einerseits und dem Vater von C.Z. –
A.Z. – anderseits geführten Gesprächs wurde letzterem eine Verfügung ausgehändigt,
in welcher festgestellt wurde, für C.Z. gelte keine Ausnahme vom
Kopfbedeckungsverbot. In der Folge beharrten einerseits die Eltern auf dem Anspruch
ihrer Tochter, mit dem islamischen Kopftuch am Unterricht teilnehmen zu dürfen, und
anderseits die Schulgemeinde auf der Durchsetzung des Kopfbedeckungsverbots. C.Z.
nahm am Unterricht nicht mehr teil und erarbeitete den Schulstoff zu Hause.
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B. Die Eltern von C.Z. erhoben am 21. August 2013 beim Bildungsdepartement
des Kantons St. Gallen gegen die Verfügung des Schulrates der Schulgemeinde St.
Margrethen vom 12. August 2013 Rekurs. Das Gesuch, bis zum Abschluss des
Verfahrens mit dem islamischen Kopftuch am Unterricht teilnehmen zu dürfen, wies
das Bildungsdepartement am 30. September 2013 ab; die dagegen erhobene
Beschwerde hiess der Präsident des Verwaltungsgerichts am 7. November 2013 gut
(VerwGE B 2013/214, www.gerichte.sg. ch). C.Z. nimmt deshalb seit 12. November
2013 – mittlerweile in der 1. Realklasse des Oberstufenzentrums – das islamische
Kopftuch tragend am Unterricht teil. Am 12. März 2014 wies das Bildungsdepartement
den Rekurs ab.
C. A. und B.Z. (Beschwerdeführer) erhoben gegen den Entscheid des
Bildungsdepartements des Kantons St. Gallen (Vorinstanz) vom 12. März 2014 mit
Eingabe der Rechtsvertreterin des Islamischen Zentralrats Schweiz, den die
Beschwerdeführer zur Beschwerdeerhebung bevollmächtigt hatten, vom 26. März 2014
und Ergänzung vom 28. April 2014 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
St. Gallen mit den Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der
angefochtene Entscheid aufzuheben und C.Z. zu erlauben, während des
Schulunterrichts ein Kopftuch (Hijab) zu tragen. Die Vorinstanz beantragte am 2. Mai
2014 die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge zu Lasten der
Beschwerdeführer. Die Schulgemeinde St. Margrethen (Beschwerdegegnerin)
beantragte mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 8. September 2014, die
Beschwerde sei unter Kostenfolge abzuweisen.
Das Verwaltungsgericht hat am 7. November 2014 in der Beschwerdeangelegenheit
eine mündliche und öffentliche Verhandlung durchgeführt. Daran nahmen die
Beschwerdeführer mit ihrer Tochter und der Präsident des Schulrats der
Beschwerdegegnerin sowie deren Rechtsvertreter teil. Auf die schriftlichen und
mündlichen Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge, die
Ausführungen im angefochtenen Entscheid und die Akten wird, soweit wesentlich, in

Considerations:
den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
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1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59bis
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Eltern
der noch nicht 16-jährigen C.Z. sind Adressaten des angefochtenen Entscheides und in
der Ausübung ihrer Elternrechte betroffen (Art. 303 Abs. 1 und 3 sowie Art. 304 Abs. 1
des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [SR 220, ZGB]); sie sind deshalb zur
Beschwerdeerhebung befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerde wurde mit Eingabe vom 26. März 2014 rechtzeitig erhoben und erfüllt
zusammen mit der Ergänzung vom 28. April 2014 in formeller und inhaltlicher Hinsicht
die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist dementsprechend einzutreten.
2. Die Beschwerdeführer machen geltend, das in Art. 14 Abs. 2 der
Schulordnung der Beschwerdegegnerin vorgesehene Verbot, während des Unterrichts
eine Kopfbedeckung zu tragen, verletze sie und ihre Tochter in verfassungsmässigen
Rechten. Fällt die Pflicht zur Beachtung dieser Kleidervorschrift durch die Tochter der
Beschwerdeführer, die während des Unterrichts das islamische Kopftuch (Hijab) tragen
will, in den Geltungsbereich der Glaubens- und Gewissensfreiheit (dazu nachfolgend
Erwägung 3), ist die Zulässigkeit des Eingriffs zu prüfen (dazu nachfolgend Erwägung 4)
3.
3.1. Art. 15 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR
101, BV) gewährleistet – ebenso wie Art. 2 Ingress und lit. i der Verfassung des
Kantons St. Gallen (sGS 111.1, KV), Art. 9 der Europäischen Konvention zum Schutz
der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK) und Art. 18 des
Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (SR 0.103.2, UNO-Pakt
II) – die Glaubens- und Gewissensfreiheit (Abs. 1) und erlaubt jeder Person, ihre
Religion und ihre weltanschauliche Überzeugung frei zu wählen und allein oder in
Gemeinschaft mit anderen zu bekennen (Abs. 2). Das Recht der Eltern, über die
religiöse Erziehung ihrer Kinder bis zu deren 16. Altersjahr zu verfügen (vgl. Art. 303
Abs. 1 und 3 ZGB), ist Bestandteil der elterlichen Religionsfreiheit (BGE 119 Ia 178 E.
2). In ihrer Glaubens- und Gewissensfreiheit geschützt ist aber auch die noch nicht 16-
jährige Tochter der Beschwerdeführer (vgl. auch Art. 3 und 14 Abs. 1 UNO-
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Kinderrechtekonvention [SR 0.107, KRK] sowie Art. 11 BV); ihre Rechte werden durch
die Eltern wahrgenommen (Art. 304 Abs. 1 ZGB).
Die Religionsfreiheit garantiert die religiöse Bezeugung des einzelnen Menschen als
selbstverantwortlichen Bereich. Davon erfasst werden grundsätzlich alle Arten von
Vorstellungen über die Beziehung des Menschen zum Göttlichen beziehungsweise zum
Transzendenten (BGE 119 Ia 178 E. 4b). Unter diesem Schutz stehen nicht nur die
traditionellen Glaubensformen der christlich-abendländischen Kirchen und
Religionsgemeinschaften, sondern alle Religionen, unabhängig von ihrer quantitativen
Verbreitung in der Schweiz (BGE 134 I 56 E. 4.3). Die Religionsfreiheit umfasst sowohl
die innere Freiheit, zu glauben, nicht zu glauben oder seine religiösen Anschauungen
zu ändern, wie auch die äussere Freiheit, entsprechende Überzeugungen innerhalb
gewisser Schranken zu äussern, zu praktizieren und zu verbreiten oder sie nicht zu
teilen. Sie enthält den Anspruch des Einzelnen darauf, sein Verhalten grundsätzlich
nach den Lehren des Glaubens auszurichten und den Glaubensüberzeugungen
gemäss zu handeln. Zur derart gewährleisteten Religionsausübung zählen über
kultische Handlungen hinaus auch die Beachtung religiöser Gebräuche und Gebote
sowie andere Äusserungen des religiösen Lebens, soweit solche Verhaltensweisen
Ausdruck der religiösen Überzeugung bilden. Das gilt auch für Religionsbekenntnisse,
welche die auf den Glauben gestützten Verhaltensweisen sowohl auf das geistig-
religiöse Leben wie auch auf weitere Bereiche des alltäglichen Lebens beziehen; auch
religiös motivierte Bekleidungsvorschriften sind vom Schutz von Art. 15 BV erfasst
(BGE 134 I 56 E. 4.3; 139 I 280 E. 4.1 mit zahlreichen Hinweisen auf weitere
bundesgerichtliche Rechtsprechung). Unerheblich ist, ob entsprechende
Gepflogenheiten von allen, von einer Mehrheit oder allenfalls lediglich von einer
Minderheit der Angehörigen eines Glaubens befolgt werden (vgl. BGE 134 I 56 E. 4.3).
Deshalb schmälert die Tatsache, dass der Koran nicht einheitlich interpretiert wird und
ihm nicht alle islamischen Glaubensrichtungen ein Gebot zum Tragen des Kopftuchs
entnehmen, den Schutz jener Frauen nicht, die eine solche religiöse Vorschrift
anerkennen und danach leben (vgl. P. Karlen, Umstrittene Religionsfreiheit, in: ZSR NF
116/1997 I S. 193 ff., S. 207 f.; Y. Hangartner, Religionsfreiheit, in: AJP 19/2010 S. 441
ff., S. 447).
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3.2. Der Beschwerdeführer hat an der mündlichen Verhandlung ausgeführt, er sei
überzeugter Moslem und möchte, dass Gott auch im Leben seiner Kinder eine zentrale
Rolle spiele. Er glaube an ein nächstes Leben und strebe danach, mit seiner Familie ins
Paradies einzugehen. Gott sei Dank hätten die Kinder bisher akzeptiert, was er und
seine Frau von ihnen verlangten. Indem der Beschwerdeführer die Einhaltung eines –
seiner Auffassung nach – islamischen Gebotes – die Verpflichtung der Frau, mit einem
Kopftuch Haare, Hals und Brust zu bedecken – im jetzigen Leben mit dem Schicksal in
einem nächsten Leben verbindet, beruft er sich in geradezu klassischer Weise auf den
Schutzbereich der Glaubens- und Gewissensfreiheit. Entsprechendes gilt auch für die
noch nicht 16-jährige Tochter der Beschwerdeführer, die sich der familiären Tradition –
auch ihre Mutter trägt das islamische Kopftuch – nicht entzieht und sich – wie sie
selbst vor Gericht bestätigt hat – an das Gebot halten will.
Die Beschwerdegegnerin leitet daraus, dass die Tochter der Beschwerdeführer von der
Möglichkeit, während des Schulunterrichts ihrer Gebetspflicht nachzukommen, keinen
Gebrauch macht, ab, das Kopftuchtragen der Tochter sei nicht religiös motiviert. Etwas
anderes zu behaupten, entspreche einem "À la carte-Islam". Die Haltung des
Beschwerdeführers kann in der Tat als widersprüchlich erscheinen, wenn er einerseits
die strikte Einhaltung der islamischen Gebote verlangt – sich damit gegen einen "À la
carte-Islam" wendet – und anderseits – ohne weitere Begründung – nicht auf der
strikten Einhaltung der zu den fünf Säulen des Islam gehörenden Gebetspflicht (vgl. P.
Bleisch Bouzar, Islamisches Recht, in: Pahud de Mortanges/Bleisch Bouzar/Bollag/
Tappenbeck, Religionsrecht, Zürich/Basel/Genf 2010, S. 253 ff., S. 313) besteht.
Indessen hat der Staat von der Bedeutung der Glaubensregel auszugehen, die der
Gläubige ihr selber beimisst (vgl. BGE 135 I 79 E. 4.4; Hangartner, a.a.O., in: AJP
19/2010 S. 441 ff., S. 447). Insbesondere liegt es nicht in der Befugnis der zur
religiösen Neutralität verpflichteten staatlichen Organe, über die Modalitäten der
gültigen Erfüllung der islamischen Gebetspflicht (vgl. immerhin zu möglichen
Erleichterungen Bleisch Bouzar, a.a.O., S. 315) zu befinden. Soweit das
Glaubensbekenntnis eine gewisse grundsätzliche, weltanschauliche Bedeutung erlangt
und einer Gesamtsicht der Welt entspricht, das heisst, eine religiös fundierte,
zusammenhängende Sicht grundlegender Probleme zum Ausdruck bringt (vgl. BGE
119 Ia 178 E. 4b), sind von der Glaubens- und Gewissensfreiheit deshalb – nach dem
Verständnis im liberalen Verfassungsstaat – grundsätzlich auch "à la carte" gewonnene
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und gelebte Überzeugungen selbst von Einzelpersonen (BGer 2C_724/2011 vom 11.
April 2012 E. 3.3; Hangartner, a.a.O., in: AJP 19/2010 S. 447) geschützt. Im Sinn der
Voraussetzung eines minimalen kohärenten Verhaltens wäre wohl einzig dann anders
zu entscheiden, wenn die Tochter der Beschwerdeführer das islamische Kopftuch
ausserhalb der Schule nicht tragen würde (vgl. J.-F. Aubert, L'Islam à l'école publique,
in: Ehrenzeller/Mastronardi/Schaffhauser/Schweizer/Vallender [Hrsg.], Der
Verfassungsstaat vor neuen Herausforderungen, Festschrift für Yvo Hangartner, St.
Gallen/Lachen SZ 1998, S. 479 ff., S. 484). Hinzu kommt, dass die strikte Einhaltung
von Gebetszeiten durch einzelne Schülerinnen und Schüler während des Unterrichts im
Gegensatz zur Beachtung der Bekleidungsvorschrift, so wie sie die Tochter der
Beschwerdeführer umsetzt, seitens der Schule erhebliche organisatorische
Rücksichten verlangen würde, so dass der Verzicht, in der Schule rituell zu beten, nicht
zuletzt auch im Interesse an einem geordneten und effizienten Schulbetrieb liegt.
Die Beschwerdegegnerin verweist sodann auf die permanente Verweigerungshaltung
der Beschwerdeführer bei der Erfüllung der Pflichten, die mit dem Besuch der
Volksschule verbunden sind, wie beispielsweise die Teilnahme der Kinder an
obligatorischen Anlässen wie Schwimmunterricht und Lagern, die Zusammenarbeit mit
weiblichen Lehrpersonen und die Teilnahme an Elternabenden. Sie bringt vor, die
Beschwerdeführer fühlten sich einer puritanisch-traditionalistischen Richtung des
sunnitischen Islams zugehörig, nach der das islamische Recht über dem geltenden
schweizerischen Recht stehe. Diese Haltung der Beschwerdeführer schliesst es
indessen nicht aus, dass auch sie den Schutz der Glaubens- und Gewissensfreiheit
geniessen. Die Menschenrechte und Grundfreiheiten sind eine zentrale Errungenschaft
der abendländischen Ideengeschichte. Sie setzen den auf den natur- und
vernunftrechtlichen Theorien der Aufklärung beruhenden Gedanken, dass jeder
Mensch angeborene und unveräusserliche Rechte hat, die vorstaatliche Geltung
beanspruchen, um (vgl. Präambel zum UNO-Pakt II; Präambel zur französischen
Déclaration des Droits de l'Homme et du Citoyen des Jahres 1789; Kiener/Kälin,
Grundrechte, 2. Aufl. 2013, S. 3 mit Hinweisen auf die Virginia Bill of Rights vom 12.
Juni 1776 und die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten vom 4. Juli 1776).
Menschenrechte und Grundfreiheiten stehen dem Menschen zu, weil er Mensch ist. Sie
sind weder durch Wohlverhalten verdient noch kann sie der Träger durch seine
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Auffassungen verwirken. Dies muss umso mehr dann gelten, wenn diese Auffassungen
Ausdruck der Religionsfreiheit sind.
3.3. Das Verbot, das islamische Kopftuch tragend am Unterricht der öffentlichen
Schule teilzunehmen, greift dementsprechend in die Glaubens- und Gewissensfreiheit
der Beschwerdeführer und ihrer Tochter unabhängig davon ein, ob die Tochter in der
Schule der Pflicht zum rituellen Gebet nachkommt, und auch unabhängig der
Auffassungen der Beschwerdeführer zum Verhältnis des göttlichen islamischen zum
geltenden schweizerischen Recht und der daraus resultierenden
Verweigerungshaltung.
Die Feststellung, dass das Kopfbedeckungsverbot während des Unterrichts die
Beschwerdeführer und ihre Tochter in ihrer Glaubens- und Gewissensfreiheit
einschränkt, bedeutet allerdings nicht, dass sie sich unter Berufung auf ihre religiösen
Überzeugungen der schweizerischen Rechtsordnung entziehen können. Vielmehr gilt
diese Rechtordnung, zu der die ihnen zugutekommende Errungenschaft der
Religionsfreiheit gehört, auch für sie. Inwieweit die Beschwerdeführer und ihre Kinder
ihrer religiösen Auffassung widersprechende bürgerliche Pflichten, wie beispielsweise
die Teilnahme ihrer Kinder am Schwimmunterricht und an Lagern, einzuhalten haben,
ist nicht Gegenstand dieses Verfahrens. Zu klären ist einzig, ob sich die Verpflichtung
der Tochter der Beschwerdeführer, das islamische Kopftuch während des Unterrichts
in der öffentlichen Schule abzulegen, mit ihrer Glaubens- und Gewissensfreiheit
vereinbaren lässt.
4. Gemäss Art. 36 BV bedürfen Einschränkungen von Grundrechten einer
gesetzlichen Grundlage (Abs. 1, dazu nachfolgend Erwägung 4.2); sie müssen durch
ein öffentliches Interesse oder durch den Schutz von Grundrechten Dritter
gerechtfertigt (Abs. 2, dazu nachfolgend Erwägung 4.3) und verhältnismässig (Abs. 3,
dazu nachfolgend Erwägung 4.4) sein. Der Kerngehalt der Grundrechte ist unantastbar
(Abs. 4, dazu nachfolgend Erwägung 4.1).
4.1. Griffe das Verbot für Schülerinnen, während des Unterrichts in der öffentlichen
Schule das islamische Kopftuch zu tragen, in den Kerngehalt der Glaubens- und
Gewissensfreiheit ein, erwiese es sich von vornherein als unzulässig. Jedem staatlichen
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Zugriff entzogen sein soll der innerste Bereich der religiösen und ethischen
Selbstverantwortung, das forum internum. Gemäss Art. 15 Abs. 4 BV darf – im Sinn
einer Umschreibung des Kerngehalts der Glaubens- und Gewissensfreiheit (vgl. Müller/
Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 267; Kiener/Kälin, a.a.O., S. 326)
– niemand gezwungen werden, einer Religionsgemeinschaft beizutreten oder
anzugehören, eine religiöse Handlung vorzunehmen oder religiösem Unterricht zu
folgen. Vom Kerngehalt nicht umfasst wird die äussere Ausübung eines Bekenntnisses.
So ist das Recht, seine religiöse Überzeugung zu äussern, sich öffentlich dazu zu
bekennen oder sie in gottesdienstlichen Handlungen auszuüben, nicht absolut
geschützt (BGE 123 I 296 = Pra 87/1998 Nr. 47 E. 2b/cc).
Abgesehen davon, dass über die konkrete Ausgestaltung der Pflicht der Frau, ein
Kopftuch zu tragen, in der islamischen Welt höchst unterschiedliche Auffassungen
bestehen, impliziert das Verbot des Tragens des Kopftuches kaum einen Zwang, den
islamischen Glauben als solchen zu leugnen oder nicht ausüben zu dürfen, dies
jedenfalls nicht bei einer Beschränkung des Verbots auf die Zeit des Unterrichts. Auch
weist das Tragen des Kopftuches keine so enge Beziehung zum "inneren
Glaubensbekenntnis" auf, dass der Kernbereich der Glaubens- und Gewissensfreiheit
tangiert wäre (vgl. Epiney/Mosters/ Gross, Islamisches Kopftuch und religiöse
Neutralität an der öffentlichen Schule, in: Pahud de Mortanges/Tanner [Hrsg.], Muslime
und schweizerische Rechtsordnung, Freiburg 2002, S. 129 ff., S. 133). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung greift denn auch das Verbot, als Primarlehrerin in
einer staatlichen Schule das islamische Kopftuch zu tragen, nicht in den unantastbaren
Kerngehalt der Religionsfreiheit ein, auch wenn die Kleidervorschrift nach Auffassung
der Betroffenen besonders wichtig und nicht nur Ausdruck eines religiösen
Bekenntnisses ist, sondern einer verbindlichen Vorschrift dieses Bekenntnisses
entspricht (vgl. BGE 123 I 296 = Pra 87/1998 Nr. 47 E. 2b/cc). Nichts anderes ergibt
sich auch aus der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte, wenn er die Einschränkung des Tragens des islamischen Kopftuchs
unter bestimmten Umständen als zulässigen Eingriff in die Religionsfreiheit beurteilt hat
(vgl. die Rechtsprechungshinweise bei J. Meyer-Ladewig, EMRK Handkommentar, 3.
Aufl. 2011, Rz. 16 zu Art. 9 EMRK).
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4.2. Schwerwiegende Einschränkungen von Grundrechten (dazu nachfolgend
Erwägung 4.2.1) müssen im Gesetz selbst vorgesehen (dazu nachfolgend Erwägung
4.2.2) sein (Art. 36 Abs. 1 Satz 2 BV).
4.2.1. Ob ein Grundrechtseingriff schwer ist, beurteilt sich grundsätzlich nach
objektiven Kriterien. Im Bereich der Glaubens- und Gewissensfreiheit ist dies insofern
schwierig, als religiöse Empfindungen und Überzeugungen stets subjektiv begründet
sind; staatliche Organe haben von der Bedeutung auszugehen, welche die religiösen
Normen für die Betroffenen – gemäss ihrem eigenen Bekunden – haben.
Behinderungen, welche die Ausübung ihrer religiösen Überzeugung beeinträchtigen,
werden Betroffene normalerweise als schwer empfinden. Entscheidend ist demnach für
die Bestimmung der Schwere des Eingriffs, ob die Betroffenen die konkrete
Beeinträchtigung substantiiert als wesentliches Element beziehungsweise als eine
wichtige Verhaltensregel einer bestimmten Form religiöser Betätigung darlegen können,
die sich herausgebildet hat, sodass die Schwere des Eingriffs objektiv nachvollziehbar
wird und sich an äusseren Lebensumständen zeigt. Ein Kopftuchverbot an der Schule
brächte Schülerinnen in den Konflikt, entweder einem staatlichen oder einem
religiösen, durch ihre Herkunft und die Familie vermittelten Gebot zuwiderhandeln zu
müssen. Solche Spannungen können die betroffenen Kinder stark belasten und dem
Kindeswohl entgegenstehen. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung stellt
deshalb ein generelles Verbot, das islamische Kopftuch während des Unterrichts zu
tragen, einen schweren Eingriff in das Grundrecht der Glaubens- und Gewissensfreiheit
dar (vgl. BGE 139 I 280 E. 5.2; anders Epiney/Mosters/Gross, a.a.O., S. 133 f.).
Die Beschwerdegegnerin erachtet den mit dem Kopfbedeckungsverbot während des
Unterrichts verbundenen Eingriff in die Glaubens- und Gewissensfreiheit der
Beschwerdeführer und ihrer Tochter nicht als schwer, weil sie gleichzeitig der
Gebetspflicht nicht nachkomme. Der Glaubensregel, welche durch eine staatliche
Verhaltenspflicht eingeschränkt werden soll, ist wie dargelegt jene Bedeutung
zuzugestehen, welche ihr der Gläubige selbst beimisst. Eine Beurteilung, ob die
Durchsetzung des Kopfbedeckungsverbots gegenüber einer muslimischen Schülerin
im konkreten Einzelfall objektiv einen schweren Eingriff in die Glaubens- und
Gewissensfreiheit darstellt, setzte eine Prüfung der Glaubwürdigkeit religiösen
Verhaltens und damit der Gesinnung voraus, mit der Folge, dass der einen
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muslimischen Schülerin erlaubt werden müsste, was der anderen verboten ist. Eine
solche Prüfung und Beurteilung kann – nach einem liberalen Verständnis –
offensichtlich nicht Aufgabe der zur religiösen Neutralität verpflichteten staatlichen
Organe sein. Abgesehen davon sind die formellen Anforderungen an die gesetzliche
Grundlage für eine schwerwiegende Einschränkung der Glaubens- und
Gewissensfreiheit vorliegend erfüllt.
4.2.2. Ein kommunaler Erlass ist einem formellen Gesetz gleichgestellt, wenn er von
der nach dem kantonalen Recht ermächtigten Gemeindelegislative
(Gemeindeversammlung oder Gemeindeparlament) beschlossen wurde oder aber dem
(obligatorischen oder fakultativen) Referendum unterstand (vgl. für polizeilich
begründete Eingriffe in die Meinungsfreiheit BGer 1P.336/2005 vom 20. September
2005 E. 5.4; für das Abgaberecht beispielsweise BGer 2C_365/2012 vom 11. Februar
2013 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 120 Ia 265 E. 2a; für Quoten und Kontingente für
Zweitwohnungen BGE 135 I 233 E. 2.1)
Art. 14 Abs. 2 der Schulordnung der Beschwerdegegnerin wurde am 17. September
2012 beschlossen und vom 7. November bis 6. Dezember 2012 dem fakultativen
Referendum unterstellt. Die Bestimmung trat nach deren Genehmigung durch das
Bildungsdepartement des Kantons St. Gallen am 20. Dezember 2012 in Kraft (Art. 28
der Schulordnung) und gilt für die Oberstufe gleichermassen wie für Kindergarten und
Primarschule (Art. 1 und 2 der Schulordnung). Sie erfüllt damit grundsätzlich die für
eine schwerwiegende Einschränkung eines Grundrechts an ein Gesetz gestellten
Anforderungen in formeller Hinsicht.
Da das Erfordernis der ausreichenden formellen, das heisst demokratisch legitimierten
gesetzlichen Grundlage lediglich notwendige, nicht aber hinreichende Voraussetzung
ist, kann eine Einschränkung der Religionsfreiheit nicht allein mit dem Hinweis auf den
Volkswillen gerechtfertigt werden. Wie alle Menschenrechte soll auch die
Religionsfreiheit die Minderheit vor der Mehrheit und nicht die Mehrheit vor der
Minderheit schützen (vgl. R. Pahud de Mortanges, Allgemeine Einführung und
Rechtslage in der Schweiz, in: ders. [Hrsg.], Religiöse Minderheiten und Recht,
Freiburg 1998, S. 20 f.; J. P. Müller, Elemente einer schweizerischen
Grundrechtstheorie, Bern 1982, S. 37 ff.). Für die Religionsfreiheit gilt dies in
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besonderem Mass, weil sie als Recht der Angehörigen von Abspaltungen von der
Mehrheitsreligion, aber auch von Gruppenbildungen innerhalb solcher Abspaltungen,
also auch innerhalb der verschiedenen christlichen Konfessionen, entwickelt wurde
(Hangartner, a.a.O., in: AJP 19/2010 S. 447).
Die Beschwerdeführer machen geltend, die Schulgemeinde sei nicht befugt, dem
fakultativen Referendum unterliegende generell-abstrakte Normen zu erlassen. Die
Beschwerdegegnerin ist – wie die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid ausführlich
und überzeugend dargelegt hat (Erwägungen 3a und b) – zum Erlass einer
Schulordnung befugt. Die Schulgemeinde darf als Gemeinde im Sinn des
Gemeindegesetzes (sGS 151.2, GG; Art. 1 Abs. 2 Ingress und lit. b GG) Recht durch
die Gemeindeordnung sowie insbesondere durch Reglemente setzen und darin
allgemein verbindlich Rechte und Pflichten insbesondere der Bürgerinnen und Bürger
regeln (Art. 3 Abs. 1 GG). Sie kann gemäss Art. 23 Abs. 1 GG allgemein verbindliche
Reglemente (lit. a) und Geschäfte nach Massgabe der Gemeindeordnung, soweit diese
nicht das obligatorische Referendum vorsieht (lit. b), dem fakultativen Referendum
unterstellen. Art. 14 ff. der Gemeindeordnung der Beschwerdegegnerin regelt das
fakultative Referendum, ohne konkret festzulegen, welche Erlasse ihm zu unterstellen
sind. Die Schulordnung regelt in generell-abstrakter Weise insbesondere die Pflichten
der Schülerinnen und Schüler sowie der Erziehungsberechtigten (vgl. Art. 12 ff.). Die
Beschwerdegegnerin war dementsprechend befugt, die Schulordnung und damit auch
die in Art. 14 Abs. 2 vorgesehene Kleiderordnung zu erlassen und sie dem fakultativen
Referendum zu unterstellen.
Die Beschwerdeführer machen geltend, das Verbot, während des Schulunterrichts ein
islamisches Kopftuch zu tragen, widerspreche dem kantonalen Gesetzesrecht. Soweit
das Kopfbedeckungsverbot das anständige und rücksichtsvolle Verhalten der
Schülerinnen und Schüler sowie die Verbindlichkeiten von Hausordnungen statuiere,
könne dagegen nichts eingewendet werden. Weder das Gemeindegesetz noch das
Volksschulgesetz (sGS 213.1, VSG) sähen aber eine Regelung zur Einschränkung der
Religionsfreiheit in der Schule vor. Auch wenn die Volksschule gemäss Art. 3 Abs. 1
VSG nach christlichen Grundsätzen geführt werden solle, lasse sich aus dem
Erziehungs- und Bildungsauftrag kein solches Verbot ableiten. Im Gegenteil
widerspreche es dem Auftrag, den Schülerinnen und Schülern den Zugang zu
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verschiedenen Bereichen der Kultur zu öffnen, sie zu selbständigem Denken und
Handeln anzuleiten und sie nach den Grundsätzen der Demokratie, Freiheit und
sozialer Gerechtigkeit im Rahmen des Rechtsstaates zu verantwortungsbewussten
Menschen und Bürgern zu erziehen (Art. 3 Abs. 2 und 3 VSG). Auch die
Beschwerdeführer gehen davon aus, die Schulgemeinde sei befugt, das Tragen einer
Kopfbedeckung während des Unterrichts zu untersagen. Umstritten ist damit nicht die
Zulässigkeit der Norm als solcher, sondern deren gesetzes- und verfassungskonforme
Handhabung. Insoweit steht nicht die Zuständigkeit der Schulgemeinde zum Erlass des
Verbots in Frage (vgl. allerdings die sibyllinischen Formulierungen in BGE 139 I 280 E.
5.4.2 und die Kritik von G. Biaggini, in: ZBl 104/2013 S. 615 f.).
4.3. Zu prüfen ist des weiteren, ob der Eingriff in die Glaubens- und
Gewissensfreiheit der Beschwerdeführer und ihrer Tochter durch ein öffentliches
Interesse (dazu nachfolgend Erwägung 4.3.1) oder durch den Schutz von Grundrechten
Dritter (dazu nachfolgend Erwägung 4.3.2) gerechtfertigt werden kann.
4.3.1. Der Begriff des öffentlichen Interesses ist örtlich und zeitlich variabel und
umfasst eine Reihe von sogenannten Polizeigütern (Ordnung, Sicherheit, Gesundheit,
Sitte, öffentliche Ruhe usw.) oder auch soziale, kulturelle, geschichtliche, ökologische
und wissenschaftliche Werte (Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20.
November 1996, in: BBl 1997 I S. 1 ff., S. 195). Als rechtfertigendes öffentliches
Interesse kann auch die Erfüllung einer staatlichen Aufgabe in Frage kommen (Kiener/
Kälin, a.a.O., S. 116).
Die Vorinstanz hat das öffentliche Interesse an der umstrittenen Kleidervorschrift
eingehend dargelegt: Die Schule habe, damit sie ihren Auftrag erfüllen könne, einen
qualifizierten Bedarf nach Ordnung und Störungsfreiheit. Die Öffentlichkeit des
Schulbetriebs ertrage nicht den gleichen Anspruch des Individuums auf Beliebigkeit,
Selbstverwirklichung und Partikularismus wie die allgemeine Öffentlichkeit. Für den
schulischen Raum seien zweckorientierte Verhaltensvorschriften mit mehr
Kompromissbereitschaft der Normadressaten angezeigt als "für die Strasse".
Entsprechende Vorschriften könnten auch vorsehen, dass im Unterricht auf das Tragen
ablenkender oder irritierender Kleidungsstücke oder von Kopfbedeckungen verzichtet
werde. Ein generelles Kopfbedeckungsverbot im Schulunterricht könne dazu beitragen,
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dass bei der Erfüllung des auf dem verfassungsrechtlichen Grundschulanspruch und -
obligatorium gründenden Bildungs- und Erziehungsauftrags Werte und Ziele wie
Transparenz, Offenheit und Fairness, weltanschauliche Neutralität, Unabgelenktheit
und Konzentration auf den Unterricht, Chancengerechtigkeit und Nichtdiskriminierung
sowie gesellschaftliche Integration besser berücksichtigt beziehungsweise erreicht
würden (Erwägung 4c).
Das allgemeine Verbot, während des Unterrichts eine Kopfbedeckung zu tragen, ist
nicht – wie die Beschwerdeführer geltend machen – spezifisch auf eine Gruppe von
Schülerinnen, die dem Islam angehören und eine religiös motivierte
Bekleidungsvorschrift einhalten, ausgerichtet. Vielmehr soll es – wie sich aus dem von
der Vorinstanz angeführten öffentlichen Interesse ergibt – einem respektvollen
persönlichen Umgang dienen ("parler à des têtes nues"; vgl. Aubert, a.a.O., S. 484) und
richtet sich damit in erster Linie gegen Modeerscheinungen wie das Tragen von
Baseballcaps und Wollmützen.
4.3.2. Die Beschwerdegegnerin begründet die Durchsetzung des Verbots religiös
begründeter Kopfbedeckungen mit den Grundrechten Dritter, namentlich der negativen
Religionsfreiheit der Mitschülerinnen und Mitschüler. Erlaube der Staat das Tragen des
islamischen Kopftuches durch eine Schülerin während des Unterrichts in der
öffentlichen Schule, werde das Gebot eines religionsneutralen Schulunterrichts
durchbrochen.
Als rechtfertigende öffentliche Interessen für ein Verbot von Kopfbedeckungen mit
religiöser Konnotation kommen die staatliche Neutralitätspflicht an der öffentlichen
Schule und die Wahrung des Religionsfriedens in Betracht: Danach soll der Staat
allgemein vermeiden, in einer religiösen oder weltanschaulichen Sache in unzulässiger
Weise Partei zu ergreifen. Auch wenn sich die Pflicht zur Neutralität an die zuständigen
staatlichen Stellen richtet und mit dem Tragen eines islamischen Kopftuches kein
Zwang für Dritte im Sinn von Art. 15 Abs. 4 BV einhergeht, ist es den Kantonen
grundsätzlich unbenommen, eine weitergehende Neutralitätspflicht vorzusehen, die
sich auch auf Schülerinnen und Schüler auswirkt, wenn die Schule aufgrund deren
Verhaltens in den Einflussbereich bestimmter religiöser oder weltanschaulicher
Überzeugungen gerät (vgl. Epiney/Mosters/Gross, a.a.O., S. 136 ff.).
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4.3.3. Die Beschwerdegegnerin kann sich dementsprechend auf öffentliche
Interessen berufen, die grundsätzlich die Durchsetzung des Kopfbedeckungsverbots
im Unterricht an der öffentlichen Schule auch bei religiös motiviertem Verhalten
rechtfertigen können.
4.4. Die mit dem Verbot für Schülerinnen, während des Unterrichts an der
öffentlichen Schule das islamische Kopftuch zu tragen, verbundene Einschränkung der
Religionsfreiheit ist verhältnismässig, wenn das Verbot geeignet ist, das öffentliche
Interesse auch tatsächlich zu schützen (dazu nachfolgend Erwägung 4.4.1) und der
verfolgte Zweck nicht durch eine gleich geeignete, in ihren Eingriffswirkungen weniger
schwerwiegende Massnahme erreicht werden kann (dazu nachfolgend Erwägung
4.4.2). Schliesslich muss sich der Eingriffszweck im Verhältnis zur Eingriffswirkung im
konkreten Fall bewähren, das heisst der mit der Massnahme verbundene Eingriff muss
zumutbar sein; dabei sind die öffentlichen Interessen für ein solches Verbot (dazu
nachfolgend Erwägung 4.4.3) gegen die privaten und gegebenenfalls auch öffentlichen
Interessen, die gegen das Verbot sprechen (dazu nachfolgend E. 4.4.4) abzuwägen
(dazu nachfolgend Erwägung 4.4.5).
4.4.1. Das allgemeine Kopfbedeckungsverbot während des Unterrichts, wie es die
Beschwerdegegnerin in Art. 14 Abs. 2 ihrer Schulordnung vorsieht, ist grundsätzlich
geeignet, die von der Beschwerdegegnerin angerufenen öffentlichen Interessen an
einem störungsfreien Unterricht in allseitigem persönlichen Respekt und in einem
religionsneutralen Umfeld umzusetzen.
4.4.2. Soll – wie die Beschwerdegegnerin geltend macht – die öffentliche Schule
strikt religionsfrei sein, erscheint die Durchsetzung des Verbots insbesondere bei
religiös begründeten Kopfbedeckungen erforderlich. Indessen unterliegt die st.
gallische Volksschule nicht dem Prinzip des strikten Laizismus (vgl. dazu unten
Erwägung 4.4.3.4)
Die ausnahmslose Durchsetzung des Kopfbedeckungsverbots während des
Unterrichts in der öffentlichen Schule kann sodann unter Umständen zur Wahrung des
Religionsfriedens erforderlich sein. Gestützt auf den Entscheid des Präsidenten des
Verwaltungsgerichts vom 7. November 2013 trägt die Tochter der Beschwerdeführer
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das islamische Kopftuch seit rund einem Jahr auch während des Unterrichts. Zu den
Erfahrungen während dieser Zeit hat der Präsident des Schulrats anlässlich der
mündlichen Verhandlung ausgeführt, die Schule habe zum Schutz des Kindes
versucht, mit dem Hinweis auf den Entscheid Diskussionen im Lehrerzimmer, in der
Öffentlichkeit und an Veranstaltungen zu unterdrücken. Wohl auch deshalb sei "nichts
Grosses" festzustellen gewesen. Auf drei Gesuche in der Oberstufe und ein Gesuch in
der Primarschule um Erlaubnis zum Tragen des islamischen Kopftuches sei die Schule
angesichts der weiteren Geltung des Kopfbedeckungsverbots nicht eingegangen, ohne
dass sie aber eine formelle Verfügung erlassen habe. Diese Schülerinnen gingen ohne
Kopftuch zur Schule. Die Tochter der Beschwerdeführer stellte gemäss ihren Aussagen
anlässlich der mündlichen Verhandlung keine Unterschiede im Umgang mit den
Mitschülerinnen und Mitschülern sowie den Lehrpersonen fest. Sie habe keinerlei
Probleme in der Klasse.
Die Schilderungen der unmittelbar Beteiligten zur aktuellen Situation in der Klasse der
Tochter der Beschwerdeführer, in der Schule und in der Schulgemeinde deuten nicht
auf eine Gefährdung des Religionsfriedens durch den Umstand hin, dass einzelne
muslimische Schülerinnen das Kopftuch auch während des Unterrichts an der
öffentlichen Schule tragen. Es ist auch nicht ersichtlich, dass dieser Friede in den
öffentlichen Schulen, in denen trotz eines relativ hohen Anteils muslimischer Kinder
kein allgemeines Kopfbedeckungsverbot gilt oder durchgesetzt wird, in Frage gestellt
wäre. Die Durchsetzung eines ausnahmslosen Kopfbedeckungsverbots während des
Unterrichts an der öffentlichen Schule erscheint unter Berücksichtigung der aktuellen
gesellschaftlichen Verhältnisse, insbesondere der Beziehungen zwischen den
Angehörigen verschiedener Religionen und verschiedener Glaubensrichtungen
innerhalb des Islam zur Wahrung des Religionsfriedens zurzeit auch an den Schulen
der Beschwerdegegnerin nicht erforderlich.
Soweit das Verbot dem Respekt gegenüber dem Mitmenschen Ausdruck geben und
die Ordnung des Schulbetriebs sicherstellen soll, erscheint dessen Durchsetzung auch
gegenüber religiös begründeten Kopfbedeckungen nicht als erforderlich. Insbesondere
kann ein geordneter und effizienter Schulbetrieb auch dann gewährleistet sein, wenn
religiös begründete Ausnahmen zugelassen werden. Vielmehr kann auf dem
Hintergrund der für die Schule geltenden christlichen Grundsätze und des Ziels, zu
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lernen, anderen religiösen und weltanschaulichen Ansichten offen und mit Respekt zu
begegnen, die Tolerierung religiös begründeter Ausnahmen geboten sein. Auch
insoweit ist zumindest fraglich, ob die ausnahmslose Durchsetzung des Verbots
erforderlich ist.
4.4.3. Bei der Prüfung der Zumutbarkeit sind vorab die öffentlichen Interessen zu
berücksichtigen, welche für die Durchsetzung des Kopfbedeckungsverbots auch
gegenüber religiös motiviertem Verhalten sprechen. Ausgehend von der
Verfassungslage (dazu nachfolgend Erwägung 4.4.3.1), fallen insbesondere das
allgemeine Rechtsgleichheitsgebot (dazu nachfolgend Erwägung 4.4.3.2), der
Grundsatz der Gleichheit von Mann und Frau (dazu nachfolgend Erwägung 4.4.3.3), die
religiöse Neutralität der öffentlichen Schule (dazu nachfolgend Erwägung 4.4.3.4), die
Glaubens- und Gewissensfreiheit Dritter und der Religionsfriede (dazu nachfolgend
Erwägung 4.4.3.5) sowie das Ziel der kulturellen und sozialen Integration von Kindern
und Jugendlichen (dazu nachfolgend E. 4.4.3.6) in Betracht.
4.4.3.1. Das Grundrecht der Religionsfreiheit kann nicht isoliert betrachtet
werden. Vielmehr ist es eingebettet in das Geflecht der kulturellen (Vor-)Prägung des
Staates und der verfassungsrechtlichen Grundentscheidungen, wie sie in der Präambel
und in den Allgemeinen Bestimmungen der Bundesverfassung wie auch im Katalog der
Zuständigkeiten von Bund und Kantonen zum Ausdruck kommen (vgl. B. Ehrenzeller,
Glauben, Gewissen und Weltanschauung, in: Merten/Papier/Müller/Thürer [Koord.],
Handbuch der Grundrechte in Deutschland und Europa, Band VII/2: Grundrechte in der
Schweiz und in Liechtenstein, Heidelberg und Zürich/St. Gallen 2007, S. 302 ff., Rz. 7).
Art. 78 Abs. 5 des Vorentwurfs der nachgeführten Bundesverfassung sah vor, dass die
öffentlichen Schulen von den Angehörigen aller Bekenntnisse ohne Beeinträchtigung
ihrer Glaubens- und Gewissensfreiheit besucht werden können. Art. 62 BV enthält
diese Art. 27 Abs. 3 aBV entsprechende Regelung nicht mehr ausdrücklich; sie wird
jedoch als Bestandteil von Art. 62 Abs. 2 und Art. 15 BV verstanden (vgl. B. Ehrenzeller,
in: Ehrenzeller/Mastronardi/ Schweizer/Vallender [Hrsg.], Die schweizerische
Bundesverfassung, Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 1 zu Art. 62 BV)
Gestützt auf Art. 72 Abs. 2 BV können Bund und Kantone im Rahmen ihrer
Zuständigkeit Massnahmen treffen zur Wahrung des öffentlichen Friedens zwischen
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den Angehörigen der verschiedenen Religionsgemeinschaften. Die Bestimmung
verleiht der früheren Gewährleistung der individuellen Glaubens- und Gewissensfreiheit
unter dem Vorbehalt der bürgerlichen Rechte und Pflichten Ausdruck (vgl. Ehrenzeller,
a.a.O., Rz. 2 und 3). Insgesamt bedeutet dies, dass der Bund und die Kantone ihre
Gesetzgebung und ihr Handeln an der Religionsfreiheit ausrichten müssen, dass aber
der individuelle, kollektive und korporative Gehalt des Grundrechts im institutionellen
und allgemeinen Regelungsrahmen von Staat und Religionsgemeinschaften
notwendigerweise auch eine gewisse Einschränkung erfährt (vgl. Ehrenzeller, a.a.O.,
Rz. 7).
4.4.3.2. Die Beschwerdegegnerin macht geltend, die Gewährung einer
Ausnahme vom Kopfbedeckungsverbot für die Tochter der Beschwerdeführerin führe
zu einer unzulässigen Ungleichbehandlung von Schülerinnen anderer
Religionszugehörigkeit.
Nach Art. 8 Abs. 1 BV sind alle Menschen vor dem Gesetz gleich. Der allgemeine
Gleichheitssatz verbietet eine unterschiedliche Behandlung nicht absolut;
Differenzierungen sind unter gewissen Voraussetzungen zulässig und unter dem
Gesichtspunkt des Differenzierungsgebots unter Umständen verfassungsrechtlich
geboten (vgl. Kiener/Kälin, a.a.O., S. 415). Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts müssen Ungleichbehandlungen in der Rechtsanwendung in öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten sich vernünftig begründen lassen beziehungsweise
sachlich haltbar sein. Der allgemeine Rechtsgleichheitsgrundsatz verpflichtet die
Behörden, gleiche Sachverhalte mit identischen relevanten Tatsachen gleich zu
beurteilen, es sei denn ein sachlicher Grund rechtfertige eine unterschiedliche
Behandlung (vgl. BGE 136 I 345 E. 5 mit Hinweisen). Die Anforderungen an die
Rechtfertigung einer Differenzierung beziehungsweise einer Gleichbehandlung sind
umso strenger, je stärker diese den Einzelnen in seinen Grundrechten trifft (vgl. Müller/
Schefer, a.a.O., S. 662).
Religiöse Überzeugungen sind sachliche Gründe, welche die Gewährung einer
Ausnahme vom Kopfbedeckungsverbot während des Unterrichts rechtfertigen können.
Das allgemeine Rechtsgleichheitsgebot verbietet es hingegen grundsätzlich,
verschiedene religiöse Bekenntnisse unterschiedlich zu behandeln. Insbesondere
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erschiene es deshalb nicht als zulässig, Ausnahmen für das Tragen der jüdischen
Kippa und des Turbans der Sikhs zu verweigern.
4.4.3.3. Die Beschwerdegegnerin bringt vor, das islamische Kopftuch sei
Ausdruck der Unterwerfung der Frau unter den Mann. Der Beschwerdeführer äusserte
denn auch klar und wiederholt seine Auffassung, nach seinem Verständnis des Islams
und der Scharia stehe die Frau "eine Stufe unterhalb des Mannes" (insbesondere act.
9/5a-31, 26/5 Seiten 2 und 3)
Gemäss Art. 8 Abs. 3 Satz 1 BV sind Mann und Frau gleichberechtigt. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann allerdings nicht mit Grund gesagt werden,
das Tragen des Kopftuches als Manifestation eines religiösen Bekenntnisse bringe in
allgemein erkennbarer Weise eine Haltung der Unterwerfung der Frau unter den Mann
und eine Herabminderung von Frauen zum Ausdruck. Die Befolgung der aus dem
Koran abgeleiteten Übung kann auf eigenständigem Entschluss der Frauen selber
beruhen, ihren Glauben auf diese Weise zu manifestieren, ohne dass damit eine
Haltung der Unterwerfung ausgedrückt würde. Der Umstand, dass die Ehefrau eines
Moslems ein Kopftuch trägt, könnte – bei der Begründung einer Nichteinbürgerung –
mitberücksichtigt werden, wenn darin vor dem Hintergrund der konkreten Verhältnisse
eine Haltung zum Ausdruck kommt, die mit unsern grundlegenden rechtsstaatlichen
und demokratischen Wertvorstellungen im Widerspruch stünde (BGE 134 I 56 E. 5.2;
anderer Meinung Y. Hangartner, Bemerkungen zu BGer 2P.419/1996 [BGE 123 I 296;
Pra 87/1998 Nr. 47], in: AJP 1998 S. 599 ff., Ziffern 13 und 19, wonach der auf
altorientalisches Brauchtum zurückgehende Frauenschleier des Islams Ausdruck
patriarchalischer Auffassungen ist, die der Zielsetzung von Art. 8 Abs. 3 BV auch dann
zuwiderlaufen, wenn die korangemässe Bekleidung dem Schutz der Frauen dienen soll,
und Karlen, a.a.O., S. 211 Fussnote 81, wonach das Tragen des Kopftuches auch unter
Muslimen selber als Zeichen der Intoleranz gilt).
Es ist nicht zu verkennen, dass die Kleidervorschrift zusammen mit den Ausführungen
des Beschwerdeführers zur Stellung der Frau in Familie und Gesellschaft geeignet ist,
eine Auffassung zum Ausdruck bringen, welche den Wertvorstellungen, wie sie in der
schweizerischen Verfassung insbesondere in Art. 8 Abs. 3 BV niedergelegt sind,
zuwiderläuft. Allerdings teilen auch nicht alle christlichen Bekenntnisse diese
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verfassungsrechtlichen Wertvorstellungen gleichermassen. In einer pluralistischen
Gesellschaft bestehen geradezu zwangsläufig differenzierte Vorstellungen hinsichtlich
der Stellung der Geschlechter in der Gesellschaft, in der Religionsgemeinschaft und in
der Familie. Sie können in der Regel aber nicht – wie dies beim islamischen Kopftuch
der Fall sein kann – in gleicher Weise mit einem Erscheinungsbild verbunden werden,
das geeignet ist, als Symbol der Unterwerfung wahrgenommen zu werden. Das Tragen
des islamischen Kopftuches indessen schliesst – worauf auch das Bundesgericht in
der dargelegten Rechtsprechung hinweist – als religiöses Bekenntnis nicht von
vornherein eine selbstbestimmte und gleichberechtigte Rolle der Frau in der
Gesellschaft und in der Familie aus.
4.4.3.4. Die Beschwerdegegnerin macht geltend, nicht muslimischen
Schülerinnen und Schülern komme ein verfassungsrechtlicher Anspruch auf einen strikt
religionsneutralen Schulunterricht zu. Religiöse Symbole hätten im Schulzimmer nichts
zu suchen. Das Schulzimmer sei nicht nur ein religionsneutraler, sondern ein
religionsfreier Raum.
Art. 10 KV umschreibt die Staatsziele im Bereich der Bildung; der Staat tritt
insbesondere dafür ein, dass im Unterricht Verantwortung gegenüber Mensch und
Mitwelt wahrgenommen und vermittelt wird (Abs. 3). Art. 3 Abs. 1 Satz 2 VSG hält dazu
fest, dass die Schule nach christlichen Grundsätzen geführt wird. In der Botschaft zu
dieser Bestimmung wird ausgeführt, es würden damit keine konfessionellen Schranken
gesetzt. Die christlichen Grundsätze beinhalteten die Zehn Gebote und den Gedanken
der Nächstenliebe. Sie bestimmten das christliche Verständnis der Menschenwürde,
das der Christ jedem Menschen, auch dem Nicht-Christen entgegen bringe (vgl.
Botschaft des Regierungsrates zum Entwurf eines Volksschulgesetzes vom 23. Juni
1981, in: ABl 1981 S. 1073 ff., S. 1076). In der parlamentarischen Beratung wurde zum
Ausdruck gebracht, von einer nach christlichen Grundsätzen geführten Schule werde
erwartet, dass sie sich besonders den Hilfsbedürftigen, den Schwachen und den am
Rand der Gesellschaft Lebenden zuwende, zur Verantwortung gegenüber Schöpfung
und Mitmenschen sowie zur Gemeinschaftsfähigkeit erziehe, im Geist einer Liebe, die
Geduld, Gewaltlosigkeit, Förderung geistiger und manueller Begabung sowie seelischer
Kräfte einschliesse, lebe und lehre (vgl. Protokoll des Grossen Rates vom 4. Mai 1982,
Nr. 319/19 S. 1087/8). Systematisch steht die Bestimmung im Dienst an den in Art. 3
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Abs. 2 VSG genannten erzieherischen Zielen, insbesondere die unterschiedlichen und
vielfältigen Begabungen und die Gemütskräfte der Schülerinnen und Schüler zu
fördern, den Zugang zu den verschiedenen Bereichen der Kultur zu öffnen und zu
selbständigem Denken und Handeln anzuleiten (vgl. dazu auch den Entscheid des
Bundesrates vom 11. Januar 1984, in: VPB 51/1987 Nr. 7).
Das st. gallische Schulrecht geht offenkundig nicht von einem strikten Laizismus aus,
der auch von Schülerinnen und Schülern verlangen würde, in der Schule ihrer Religion,
in der sie aufwachsen, keinerlei erkennbaren Ausdruck zu verleihen. Vielmehr sollen –
im Sinn der christlichen Grundsätze, wie sie Art. 3 Abs. 1 Satz 2 VSG zum Ausdruck
bringen – Toleranz und Verständnis gegenüber anderen Glaubensbekenntnissen geübt
werden können (vgl. dazu Aubert, a.a.O., S. 484). Das kann in der Begegnung mit
hermetischen, doktrinären und der individuellen Freiheit gegenüber kritisch
eingestellten Ansichten durchaus zur Stärkung der eigenen – erst auf der Grundlage
dieser Offenheit zu gewinnenden – Überzeugungen führen und damit auch die
Erkenntnis fördern, dass Offenheit unabdingbare Grundlage für ein Zusammenleben
der Menschen in einer pluralistischen Gesellschaft in Frieden und Freiheit ist. Diese
praktisch erprobte Offenheit und die dadurch gewonnenen Erfahrungen befähigen
schliesslich dazu, die Grenzen zu erkennen, die jenem Verhalten gesetzt werden
müssen, das auf intoleranten und lebensfeindlichen Welt- und Menschenbildern beruht.
Mit Blick auf dieses Einüben von Offenheit stiess selbst das – vom Bundesgericht
geschützte – Kopftuchverbot für eine Primarlehrerin im laizistisch geprägten
Schulsystem des Kantons Genf in der Literatur auf Kritik (vgl. Hangartner, a.a.O., in:
AJP 7/1998, insbesondere Ziffer 17; P. Richli, Berufsverbot einer Primarlehrerin wegen
eines islamischen Kopftuches?, in: ZBJV 134/1998 S. 228 ff.).
Im Allgemeinen findet keine Identifikation der Schule mit einem Glauben statt, wenn
Schülerinnen und Schüler in der Schule religiös geprägte Kleidungsstücke tragen. Im
Fall einzelner, das islamische Kopftuch tragender Schülerinnen wird die religiöse
Neutralität der Schule nicht in Frage gestellt. Daraus, dass die Schule die Einhaltung
dieser Kleidervorschrift zulässt, lässt sich also nicht ableiten, sie identifiziere sich mit
dem Glauben dieser Schülerinnen. Die Neutralität der Schule kann aber dann tangiert
sein, wenn die Praxis des Tragens religiöser Zeichen sehr verbreitet ist und in Konflikt
mit anderen Religionen beziehungsweise Weltanschauungen gerät. Einschränkungen
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religiös geprägter Kleidung kämen mit Blick auf einen religionsneutralen Unterricht
deshalb dann in Frage, wenn ein geordneter Schulbetrieb dadurch ernsthaft
beeinträchtigt würde. Dies könnte etwa dann der Fall sein, wenn die Identifikation der
Schüler wegen ihrer Kleidung für die Lehrpersonen nicht mehr möglich ist, oder wenn
dadurch die Kommunikation im Klassenzimmer erheblich gestört wird (vgl. Epiney/
Mosters/Gross, a.a.O., S. 138; Müller/ Schefer, a.a.O., S. 277 f. mit Hinweisen auf
Kiener/Kälin und deutsche Literatur sowie die Rechtsprechung des EGMR zum
türkischen und des UNO-Menschenrechtsausschusses zu einem – nicht begründeten –
usbekischen Kopftuchverbot an Universitäten; da die Schweiz – im Gegensatz zur
Türkei – weder einen derart stringenten Laizismus noch entsprechende starke, religiös
extremistische und homogene politische Gruppierungen kennt, wäre ein solches
Verbot in der Schweiz nicht zulässig).
4.4.3.5. Die Beschwerdegegnerin sieht mit der Bewilligung einer religiös
bedingten Ausnahme vom Kopfbedeckungsverbot die Religionsfreiheit Dritter und den
Religionsfrieden gefährdet.
Vom Umstand, dass eine oder einzelne Mitschülerinnen während des Unterrichts an
der öffentlichen Schule das islamische Kopftuch tragen, geht für ihre Mitschülerinnen
und Mitschüler kein Zwang im Sinn von Art. 15 Abs. 4 BV einher. Art. 15 BV verleiht
zudem grundsätzlich keinen Anspruch darauf, nicht mit den religiösen Handlungen
anderer konfrontiert zu werden (BGer 2C_724/2011 vom 11. April 2012 E. 3.2 bezüglich
des Singens christlicher Lieder in der öffentlichen Schule).
Vor dem Hintergrund der absoluten Wertvorstellungen des Beschwerdeführers
erscheint das Tragen des islamischen Kopftuchs als unverzichtbarer Bestandteil des
richtig verstandenen Islam. Insoweit sind angesichts der doktrinären Auffassungen des
Beschwerdeführers die Befürchtungen der Beschwerdegegnerin nicht von der Hand zu
weisen, dass radikalislamische Auffassungen geeignet sind, von anderen – in der
Diaspora lebenden – moslemischen Gläubigen als Bedrohung ihrer liberaleren
Gesinnung erfahren zu werden. Deshalb hat der Europäische Gerichtshof für
Menschenrechte das Kopftuchverbot an der Universität von Istanbul bestätigt unter
anderem mit dem Hinweis auf den Einfluss, den das Tragen eines solchen Symbols,
das als zwingende religiöse Pflicht dargestellt oder angesehen wird, auf jene haben
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kann, die sich entschieden haben, es nicht zu tragen (vgl. Urteil 44774/98 vom 29. Juni
2004, in: EuGRZ 32/2005 S. 31 ff., Ziffern 99 und 100). Vergleichbares gilt auch für
Angehörige anderer Religionen, die in von einem unduldsamen Islamismus
beherrschten Gesellschaften in bedrängten Verhältnissen leben aufgrund des
Umstands, dass die Grundlagen des Islam – wie im Übrigen auch für den
Beschwerdeführer – auch Grundlage von Staat und Kultur sein sollen (vgl. S. Raeder,
Der Islam und das Christentum. Eine historische und theologische Einführung,
Neukirchen-Vluyn 2001, S. 139 f.).
Abgesehen davon, dass sich die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Schweiz und
auch in der Schulgemeinde St. Margrethen nicht mit jenen in Istanbul vergleichen
lassen, steht die Bestätigung des Kopftuchverbots an der Universität von Istanbul
durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte auch vor dem Hintergrund
der Verteidigung des Prinzips des Laizismus und seiner Bedeutung für die
demokratische Ordnung in der Türkei (vgl. K. Pabel, in: Islamisches Kopftuch und
Prinzip des Laizismus, in: EuGRZ 32/2005 S. 12 ff., S. 14 f.). Die Beschwerdegegnerin
befürchtet eine vergleichbare Entwicklung, ohne allerdings konkrete Anzeichen dafür zu
nennen, dass radikal-islamische Vorstellungen die Grundüberzeugungen, wie sie in der
schweizerischen Rechtsordnung zum Ausdruck kommen, ernstlich bedrohen.
Insbesondere ist nicht bekannt, dass in Schulen, welche kein Kopfbedeckungsverbot
kennen, entsprechende Probleme virulent sind. Zu berücksichtigen ist in diesem
Zusammenhang, dass der – befürchtete – Einfluss fundamentalistischer
Überzeugungen auf andere Mitglieder der Religionsgemeinschaft doch wohl nicht allein
auf das Tragen des islamischen Kopftuches auch während des Unterrichts an der
öffentlichen Schule zurückzuführen wäre. Von mindestens gleichem Gewicht dürfte das
Verhalten in der Freizeit ausserhalb des Klassenzimmers sein. Das Verbot, ein Kopftuch
zu tragen zum Schutz des Religionsfriedens auf Vorrat, erscheint unverhältnismässig.
Es dürfte erwogen werden, wenn sich eine ernsthafte Gefährdung des
Religionsfriedens abzeichnen sollte (vgl. Richli, a.a.O., S. 231 f.). Dass veränderte
tatsächliche Verhältnisse eine Anpassung der Regeln verlangen können, ist aber nicht
grundsätzlich ausgeschlossen.
4.4.3.6. Die Beschwerdegegnerin stützt die ausnahmslose Geltung des
Kopfbedeckungsverbotes während des Unterrichts auf das Ziel der Integration von
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Kindern mit Migrationshintergrund. Sie verlange das Mittragen der Grundwerte des
modernen Verfassungsstaates durch die zugewanderte Bevölkerung. Religion wirke
dann desintegrierend, wenn sie Normen und Praktiken enthalte, die mit den
gesellschaftlichen Konventionen und mit den Werten unserer Verfassungsstaates in
Konflikt stünden. Integration werde verhindert, wenn die in der Schweiz geltenden
Grundrechte von der zugewanderten Bevölkerung nicht mitgetragen würden, sondern
die eigene Religion über diesen Grundwerten stehe.
Bundes- und Kantonsverfassung verankern die Integration insbesondere von Kindern-
und Jugendlichen als Sozial- und Staatsziel. Gemäss Art. 41 Abs. 1 Ingress und lit. g
BV setzen sich Bund und Kantone in Ergänzung zu persönlicher Verantwortung und
privater Initiative dafür ein, dass Kinder und Jugendliche in ihrer sozialen, kulturellen
und politischen Integration unterstützt werden. Nach Art. 14 KV setzt sich der Staat die
soziale Integration zum Ziel. Um dem Anliegen von Art. 41 Abs. 1 Ingress und lit. g BV
zu entsprechen, muss auch den Besonderheiten von weiblichen, behinderten und
ausländischen Kindern und Jugendlichen Beachtung geschenkt werden (Bigler-
Eggenberger/ Schweizer, in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg.], Die
schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 82 zu Art. 41
BV).
Die Beschwerdegegnerin weist an sich zu Recht darauf hin, dass die Integration von
Menschen mit verschiedener Herkunft, Kultur und Religion eine Anpassung an
bestimmte gemeinsame Regeln verlangt. Eine Kultur, in der Menschen mit heterogenen
religiösen Überzeugungen friedlich koexistieren, vermag nur zu funktionieren, wenn alle
in ihr Lebenden bereit sind, Unterscheidungsleistungen zu erbringen –
Unterscheidungen zwischen dem, was für alle gelten soll, und jenem, das jeder nur für
sich selbst gelten lässt. Wer dagegen die eigene Lebensnorm gottesbegeistert absolut
setzt, kann andere immer nur als Missionsobjekte oder Feinde wahrnehmen. Mit
wohlmeinender Konsensrhetorik oder ritueller Grundwertebeschwörung ist solchen
fundamentalistischen Herausforderungen allerdings nicht angemessen zu begegnen.
Denn die von Fundamentalisten entworfenen Szenarien der Traditionszerstörung und
des modernisierungsbedingten Moralverlustes lassen sich ja nicht leichthin als
Wahnpropaganda abtun. Gerade auch demokratisch verfasste offene Gesellschaften
bedürfen der Erinnerung an moralische Traditionen und deren Erneuerung, wollen sie
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ihr Überleben jenseits der Verteilungskämpfe rücksichtsloser Individuen sichern. Wer
die liberale Demokratie verteidigen will, ist deshalb gut beraten, sich nicht in eine
falsche Entgegensetzung von "laizistischem Staat" und "fundamentalistischer Religion"
drängen zu lassen. Es geht vielmehr darum, die Bestände an religiös-moralischer
Tradition, die uns (noch) zur Verfügung stehen, reflektiert so präsent zu halten, dass sie
der Stärkung einer Kultur der Toleranz dienen (F.W. Graf, Götter global, München 2014,
S. 245).
Das Zusammenleben von verschiedenen Kulturen und Religionen in ein und derselben
Gesellschaft verlangt angepasstes, nicht aber uniformes Verhalten in Fragen, wie sie
eine objektiv nicht störende Bekleidung – auch – während des Unterrichts in der
öffentlichen Schule darstellt. Vielmehr darf, soll und muss – im Hinblick auf die
Erkennbarkeit der Besonderheiten des Gegenübers – die Verschiedenheit der
Menschen und ihrer Auffassungen auch äusserlich wahrnehmbar werden. Die
Bekleidung ist elementarer sinnenhafter Ausdruck der Persönlichkeit ihres Trägers.
Integration kann nicht gelingen, wenn sich die Gesellschaft bereits von Äusserlichkeiten
aufhalten lässt, die für ein friedliches Zusammenleben in gegenseitigem Respekt
belanglos sind. Erscheint sie, wie dies beim islamischen Kopftuch der Fall ist, weder als
unsittlich – vielmehr von einer ausgeprägten, möglicherweise als übertrieben
empfundenen Schamhaftigkeit bestimmt – noch als respektlos oder – wie dies bei einer
vollen Verschleierung der Fall sein kann – von einer irritierenden Verschlossenheit
gegenüber den Mitmenschen, besteht kein Anlass, sie mit dem Hinweis auf das Ziel
einer gelingenden Integration zu verbieten.
4.4.4. Dafür, dass der Tochter der Beschwerdeführerin das Tragen des islamischen
Kopftuches auch während des Unterrichts an der öffentlichen Schule als Ausnahme
vom generellen Kopfbedeckungsverbot bewilligt wird, spricht in erster Linie die
Religionsfreiheit der Beschwerdeführer und ihrer Tochter. Die Beschwerdegegnerin
macht geltend, ob die Tochter der Beschwerdeführer jemals selbst den Wunsch
geäussert habe, aus religiösen Gründen das Kopftuch zu tragen, sei nicht überprüfbar.
Diese Argumentation wirft die Frage nach dem Verhältnis von Tradition und
Selbstbestimmungsrecht des Individuums auf. Gelebte Tradition beruht – wie das auch
für die Christliche gilt – weitgehend auf einer generationenübergreifenden Weitergabe
ohne bewussten individuellen Entscheid jener, die in eine Tradition hineinwachsen.
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Beruht die Einhaltung einer Regel allein auf einem Entscheid des mündigen
Individuums, erscheint sie weniger als Tradition denn als rationales Verhalten, das
neuer Erkenntnis folgend auch wieder geändert werden kann. Insoweit stehen die
Weitergabe von Tradition und – tatsächliche oder vermeintliche – Willensfreiheit
zumindest in einem ambivalenten Verhältnis.
Bei der Beurteilung der Verhältnismässigkeit der Durchsetzung bürgerlicher Pflichten
im Kontext religiös bedingter Schuldispensationen hat das Bundesgericht Eingriffe in
die Glaubens- und Gewissensfreiheit nicht zuletzt wegen der Gefahr eines
Gewissenskonflikts und aufgrund der belastenden Auswirkungen eines Konflikts
zwischen Schule und Familie auf das Kind als unzumutbar beurteilt (vgl. BGE 114 Ia
129 und 117 Ia 311: Schuldispensationen für Anhänger der Weltweiten Kirche Gottes;
BGE 119 Ia 178: Dispensation vom Schwimmunterricht für eine muslimische Schülerin).
Sodann hat das Bundesgericht den mit der Verschiebung von drei auf einen Samstag
fallenden Maturitätsprüfungen verbundenen Aufwand im Verhältnis zum Interesse eines
der Gemeinschaft der Adventisten angehörenden Schülers, seine religiösen Feiertage
einzuhalten, als nicht übermässig hoch beurteilt (vgl. BGE 134 I 114). Mit der
Begründung, der Anteil der muslimischen Bevölkerung sei stark gewachsen und die
religiöse Zusammensetzung der Schweizer Bevölkerung habe sich entsprechend
verändert, hat das Bundesgericht in der neueren Rechtsprechung die Bedeutung der
bürgerlichen Pflichten und der Schule für die Integration von Ausländerinnen und
Ausländern wieder stärker gewichtet und die Verweigerung der Dispensation
muslimischer Kinder vom gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterricht an der
Unterstufe bestätigt (vgl. BGE 135 I 79). Im Gegensatz zur Frage, inwieweit ein Kind am
Schulunterricht teilnimmt, stellt das Tragen des islamischen Kopftuches auch während
des Unterrichts an der öffentlichen Schule kein Integrationshindernis dar. Zudem zieht
es für die Schule auch keinen besonderen organisatorischen Aufwand nach sich.
Insoweit kommt dem Bestreben, in der Folge der Bekleidungsvorschrift den
Schülerinnen Gewissenskonflikte zu ersparen, erhebliches Gewicht zu. Dies gilt umso
mehr, als die vorübergehende Nichtbewilligung der Ausnahme dazu geführt hat, dass
die Tochter der Beschwerdeführer die Schule während dreier Monate nicht mehr
besuchen konnte. Da die Beschwerdeführer an ihrer Auffassung ohne Rücksichten auf
die ausbildungsbezogenen Konsequenzen festhielten, fragt sich, ob und wie die Pflicht
zum Schulbesuch letztlich gewaltsam durchgesetzt werden könnte. Jedenfalls zeigt
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sich, dass in erster Linie die Tochter der Beschwerdeführer die nachteiligen
Konsequenzen des Konflikts zu tragen hätte.
Die Bewilligung einer religiös begründeten Ausnahme dient schliesslich auch dem
öffentlichen Interesse an einer gelingenden Integration verschiedener Religionen und
Kulturen in der schweizerischen Gesellschaft.
4.4.5. Für die Unzulässigkeit der Einschränkung der Glaubens- und Gewissensfreiheit
der Beschwerdeführer und ihrer Tochter durch die ausnahmslose Durchsetzung des
Kopfbedeckungsverbots während des Unterrichts an der öffentlichen Schule der
Beschwerdegegnerin sprechen gewichtige private und öffentliche Interessen. Die
Beschwerdeführer und ihre Tochter begründen die Einhaltung der
Bekleidungsvorschrift mit ihrer religiösen Überzeugung, der angesichts der
fundamentalen Bedeutung der Religionsfreiheit grosses Gewicht zukommt. Bei einer
Durchsetzung des Verbots wäre die Tochter der Beschwerdeführer zudem einem
ernsthaften Gewissenskonflikt ausgesetzt. Die Zulässigkeit einer religiös bedingten
Ausnahme bei einer blossen Kleidervorschrift, bei deren konkreter Umsetzung im
Übrigen das Gesicht frei bleibt, dient sodann auch dem öffentlichen Interesse an der
tatsächlichen Wirksamkeit der Religionsfreiheit und dem Einüben eines respektvollen
Umgangs mit religiösen Minderheiten.
Die für die Zulässigkeit der Einschränkung der Glaubens- und Gewissensfreiheit
sprechenden öffentlichen Interessen erscheinen weniger gewichtig, zumal sie sich
selber relativieren. Das Rechtsgleichheitsgebot und insbesondere das
Diskriminierungsverbot schliessen eine religiös begründete Differenzierung nicht aus,
sondern gebieten sie viel mehr. Aus der Verpflichtung der öffentlichen Schule zur
Religionsneutralität lässt sich grundsätzlich kein Verbot des Tragens des islamischen
Kopftuches durch Schülerinnen während des Unterrichts ableiten, zumal jedenfalls
zurzeit keine Anhaltspunkte dafür erkennbar sind, dass dadurch Mitschülerinnen und
Mitschüler anderer Religionen oder mit einem weniger fundamental geprägten
islamischen Glauben in ihrer Religionsfreiheit ernsthaft beeinträchtigt oder hinsichtlich
ihres eigenen Verhaltens in eine Zwangslage gerieten. Einiges Gewicht kommt zwar der
in Art. 8 Abs. 3 BV verankerten Gleichstellung von Mann und Frau zu, zumal das
islamische Kopftuch insbesondere auf dem Hintergrund fundamentalistischer
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islamischer Strömungen auch als Ausdruck der Unterordnung der Frau unter den Mann
interpretiert werden kann (vgl. Aubert, a.a.O., S. 485 f.). Mit Blick auf die dargestellte
bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach das Tragen des islamischen Kopftuches
eine selbstbestimmte und gleichberechtigte Rolle der Frau in der Gesellschaft und in
der Familie nicht von vornherein ausschliesst (vgl. oben Erwägung 4.4.3.3),
rechtfertigen diese Bedenken allein nicht die ausnahmslose Durchsetzung des
Kopfbedeckungsverbots.
Dieses Ergebnis entspricht auch der in der Literatur vertretenen Auffassung, für
Schülerinnen und Schüler erscheine ein generelles Verbot, bestimmte religiöse
Kleidungsstücke wie das Kopftuch zu tragen, in der Regel als unverhältnismässig und
verfassungswidrig (Karlen, a.a.O., S. 208 f.). Die kritischen Überlegungen, welche zum
Kopftuchverbot für eine Primarlehrerin in einer laizistisch geprägten Volksschule
angestellt wurden (vgl. auch H. Plotke, Schweizerisches Schulrecht, 2. Aufl. 2003, S.
611 f.), gelten noch weit mehr für ein Verbot des Tragens von religiösen Symbolen
seitens der Schülerinnen und Schüler; diese könnten sich dafür in einem
weitergehenden Mass als Lehrkräfte auf die Glaubens- und Gewissensfreiheit berufen
(Richli, a.a.O., S. 233, der im Übrigen die Auffassung vertritt, dies lasse auch das
Bundesgericht in BGE 123 I 296 durchblicken). Schülerinnen und Schüler können nicht
verpflichtet werden, in der Schule auf das Tragen starker religiöser Symbole zu
verzichten. Weil nur der Staat, nicht auch die Schülerinnen als Privatpersonen zur
religiösen Neutralität verpflichtet sind, kann ihnen das Tragen des islamischen
Kopftuches nicht grundsätzlich verboten werden (Kiener/Kälin, a.a.O., S. 320).
Schliesslich wird in der Literatur auch die Auffassung vertreten, im Fall einzelner
kopftuchtragender Schülerinnen müsse die Prüfung der Verhältnismässigkeit in jedem
Fall zugunsten der Glaubens- und Gewissensfreiheit der Schülerin ausfallen (vgl.
Epiney/Mosters/Gross, a.a.O., S. 138).
5. Zusammenfassend gelangt das Verwaltungsgericht deshalb zur Auffassung,
dass die Durchsetzung des Kopfbedeckungsverbots während des Unterrichts an der
öffentlichen Schule zurzeit einen unverhältnismässigen Eingriff in die Glaubens- und
Gewissensfreiheit der Beschwerdeführer und ihrer Tochter, welche das islamische
Kopftuch tragen will, darstellt. Eine wortgetreue Handhabung des
Kopfbedeckungsverbots, das keinerlei Ausnahmen vorsieht, verletzt die
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Religionsfreiheit der Beschwerdeführer und ihrer Tochter. Eine verfassungskonforme
Handhabung des Verbots von Art. 14 Abs. 2 der Schulordnung der
Beschwerdegegnerin verlangt deshalb, dass der Tochter der Beschwerdeführer das
Tragen des islamischen Kopftuches auch während des Unterrichts erlaubt wird. Damit
erübrigt es sich zu prüfen, ob die Durchsetzung des Verbots zu einer – indirekten oder
mittelbaren (vgl. dazu BGE 129 I 217 E. 2.1 letzter Absatz) – Diskriminierung jener
Schülerinnen führen würde, die das islamische Kopftuch während des Unterrichts
tragen möchten.
6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Eine Entscheidgebühr von CHF 4'000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95
Abs. 3 VRP). Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat die obsiegenden
Beschwerdeführer ausseramtlich mit CHF 4'000 (inklusive Barauslagen, zuzüglich
Mehrwertsteuer) ausseramtlich zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98bis VRP).