Decision ID: ec6939ca-21f6-4d72-93dd-47488b4e0b84
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1970,
war zuletzt in einem Pensum
von
ca. 30 %
bei der Y._
tätig und
meldete sich am 21. November 2019 bei der
Invaliden
versicherung
zum Leistungsbezug an (Urk. 5/
3
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische Situation ab, zog Akten
des Krankentaggeldversicherers
bei (Urk.
5/13
) und holte ein
bidisziplinäres
Gutach
ten ein, das am 1. November 2021 erstattet wurde (Urk. 5/55). Daraufhin erfolgte am 10. Januar 2022 eine Abklärung der
beeinträchtigten
Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt (Urk. 5/58), anlässlich
der
er
von Amtes wegen
auch
der Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
geprüft wurde (
Abklärungsbericht vom 20. Januar 2022,
Urk. 5/59).
Nach ergangenem Vorbescheid (Urk. 5/60) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1. März 2022 (Urk. 2) den Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
.
2.
Die Versicherte erhob am 31. März 2022 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1. März 2022 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr eine
Hilflosenentschädigung
für lebenspraktische Beg
leitung zuzusprechen (Urk. 1 S.
1).
Die
Beschwerdegegnerin
beantragte mit Beschwerdeantwort vom 19.
Mai 2022 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 4), was der Beschwerdeführerin mit Verfü
gung vom 20. Mai 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 6).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am
1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da
der Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
in sinngemässer Anwendung von Art. 28
Abs. 1 lit. b IVG frühestens nach Ablauf eines Wartejahres entsteht (BGE 137 V 351 E. 4.1)
,
vorliegend mithin somit frühestens per
Oktober
2020,
sind die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss Art. 42 Abs. 1 IVG haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz, die hilflos (Art. 9 ATSG) sind, Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (Art. 9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheit
lichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (Art. 42 Abs. 3 Satz 1 IVG; Art. 38 IVV). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massge
bend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
Ankleiden, Auskleiden;
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
Essen;
Körperpflege;
Verrichtung der Notdurft;
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.3
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
e.
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewie
sen ist.
1.4
Nach Art. 38 Abs. 1 IVV liegt ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sinne von Art. 42 Abs. 3 IVG vor, wenn eine volljährige versicherte Person ausserhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit:
a.
ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen kann;
b.
für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist; oder
c.
ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.
Ist lediglich die psychische Gesundheit beeinträchtigt, so muss für die Annahme einer Hilflosigkeit gleichzeitig ein Anspruch auf mindestens eine Viertelsrente bestehen (Art. 38 Abs. 2 IVV). Zu berücksichtigen ist nur diejenige lebensprak
tische Begleitung, die regelmässig und im Zusammenhang mit den in Absatz 1 erwähnten Situationen erforderlich ist. Nicht darunter fallen insbesondere
Ver
tretungs
- und Verwaltungstätigkeiten im Rahmen von Massnahmen des Erwach
senenschutzes nach den Artikeln 390-398 des Zivilgesetzbuches (Art. 38 Abs. 3 IVV). Als regelmässig im Sinne dieser Bestimmung gilt die lebenspraktische Begleitung, wenn sie über eine Periode von drei Monaten gerechnet im Durch
schnitt mindestens zwei Stunden pro Woche benötigt wird (BGE 146 V 322 E. 6.2 mit Hinweisen).
Die lebenspraktische Begleitung umfasst weder die (direkte oder indirekte) Dritt
hilfe bei den alltäglichen Lebensverrichtungen noch die dauernde Pflege oder persönliche Überwachung im Sinne von Art. 37 IVV. Vielmehr stellt sie ein zusätzliches und eigenständiges Institut dar. Lebenspraktische Begleitung ist nicht auf Menschen mit psychischen oder geistigen Behinderungen beschränkt; auch körperlich Behinderte können grundsätzlich lebenspraktische Begleitung beanspruchen.
Zu denken ist insbesondere an hirnverletzte Menschen (BGE 133 V 450 E. 2.2.3)
.
Die Notwendigkeit einer Dritthilfe ist objektiv nach dem Gesund
heitszustand der versicherten Person zu beurteilen. Abgesehen vom Aufenthalt in einem Heim ist die Umgebung, in welcher sie sich aufhält, grundsätzlich uner
heblich. Bei der lebenspraktischen Begleitung darf keine Rolle spielen, ob die versicherte Person allein lebt, zusammen mit dem Lebenspartner, mit Familienmit
gliedern oder in einer der heutzutage verbreiteten neuen Wohnfor
men. Mass
gebend ist einzig, ob die versicherte Person, wäre sie auf sich allein gestellt, erhebliche Dritthilfe in Form von Begleitung und Beratung benötigen würde. Von welcher Seite diese letztlich erbracht wird, ist ebenso bedeutungslos wie die Frage, ob sie kostenlos erfolgt oder nicht (BGE 146 V 322 E. 2.3, Urteil des Bundesgerichts 9C_381/2020 vom 15. Februar 2021 E. 5.2.1, je mit Hinwei
sen).
Bei der lebenspraktischen Begleitung stellt sich einzig die Frage, ob diese notwendig ist, damit der Alltag selbständig bewältigt werden kann. Sie liegt vor, wenn die betroffene Person auf Hilfe bei mindestens einer der folgenden Tätigkeiten angewiesen ist:
-
Hilfe bei der Tagesstrukturierung
-
Unterstützung bei der Bewältigung von Alltagssituationen
-
Haushaltsführung (wie etwa Wohnung putzen und aufräumen, Wäsche erledi
gen, Mahlzeiten vorbereiten)
Die erforderlichen Hilfelei
s
tungen sind unter dem Gesichtspunkt einer Verwahr
losung zu evaluieren. Es muss immer geprüft werden, ob die versicherte Person ohne die entsprechende Hilfe in ein Heim eingewiesen werden müsste (
Rz
8
080
ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der IV, KSIH, gültig ab 1. Januar 2015
).
1.5
Gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines Leistungsan
spruchs unter anderem Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen
(vgl. auch
Rz
8131 ff. KSIH, gültig
ab 1. Januar 2015
).
Nach der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit (Art. 9 ATSG) oder des Pfle
gebedarfs folgenden Anforderungen zu genügen: Als Berichterstatterin oder Berichterstatter wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diag
nosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und
Hilfsbedürftigkeiten
hat. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswir
kungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizini
schen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliess
lich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie der tatbestandsmässigen Erfordernisse der dauernden Pflege und der persönlichen Überwachung sein. Schliesslich hat er in Überein
stimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben um
schriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet ins
besondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (
BGE
133 V 450 E. 11.1.1, 130 V 61 E. 6.1 f.
). Diese Grundsätze gelten entsprechend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem Gesichtspunkt der lebensprak
tischen Begleitung (BGE 133 V 450 E. 11.1.1; vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_464/2015 vom 14. September 2015 E. 4) sowie unter dem Aspekt des Inten
sivpflegezuschlags (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_573/2018 vom 8. Januar 2019 E. 3.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (Urk. 2) damit, dass die Beschwerdeführerin gemäss Abklärungen vor Ort in keinem Bereich auf regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen sei. Der anrechenbare Zeitauf
wand bei der lebenspraktischen Begleitung liege unter den geforderten zwei Stun
den pro Woche. Die Beschwerdeführerin gestalte sich ihren Alltag selbstbestimm
t
und
fahre
regelmässig mit den
öffentlichen Verkehrsmittel
n
zu Terminen. Die Einschränkungen bei der Wohnungspflege, der Wäsche und den administrativen Aufgaben sei
en
berücksichtigt und nach Erfahrungswerten angerechnet worden, erfüllten aber die Anforderungen der lebenspraktischen Begleitung nicht (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend (Urk. 1),
sie sei im Haus
halt auf Unterstützung durch Dritte angewiesen. Sie sei fast nie alleine zu Hause, da sie sehr vergesslich sei. Sie versuche nur die Mikrowelle zu benützen, da sie den Herd schon vergass auszuschalten, manchmal vergesse sie aber auch das. Ihr werde oft schwindelig und sie sehe doppelt. Dies sei vor allem beim Hinunter
gehen von Treppen gefährlich
wegen
der Sturzgefahr. Aufgrund von epilepti
schen Anfällen sei sie ebenfalls gefährdet, insbesondere beim Essen oder Trinken d
rohe Erstickungsgefahr. Weiter t
reffe die Annahme der Beschwerdegegnerin, dass sie regelmässig mit den öffentlichen Verkehrsmittel
n
fahre, nicht zu. Sie fahre nur Strecken
,
die sie mehrmals mit ihrem Ehemann geübt habe
, doch auch auf solchen Strecken
habe
sie sich schon verfahren und
komme
dann in grosse Stresssituationen. Meist werde sie von ihrem
Ehem
ann an die Termine gefahren. Das neurologische Gutachten der Neuropraxis Wohlen attestiere ihr eine Ein
schränkung im Haushalt von 50 % (S. 2).
3.
3.1
Dem Arztbericht vo
n Dr. Z._
, Chefärztin Neurologie FMH, der
Rehaklinik A._
,
vom 25. Januar 2021 (Urk. 5/32)
ist zu entnehmen, dass eine stationäre Behandlung
vom
18. Oktober 2019 bis 11. Dezember 2019 stattfand und
sich
die Beschwerdeführerin seit 12. Dezember 2019 in ambulanter Behandlung befinde
t
. Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 18. Oktober 2019
(S. 1)
. Die Beschwerdeführerin sei gleichentags von der Klinik
B._
nach einer Ent
fernung
des
Keilbeinmeningeoms
linksseitig zugewiesen worden
(S. 4
)
.
Es wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgehalten
(S. 6)
:
-
Keilbeinflügelmeningeom
links, ED 2012
-
Histologisch:
Tr
a
nsitionales
Meningeom
, WHO Grad I (Neuropatholo
gie Spital C._
) vom 14. Oktober 2019
-
Therapeutisch: Kraniotomie und E
ntfernung des
Meningeoms
am
9.
Oktober 2019 (Prof. D._
, Klinik
B._
)
-
Klinisch bei Eintritt
Rehaklinik A._
18. Oktober 2019:
Skew
deviation
links über rechts, äussere N.
oculmotorius
Parese links und N.
trochlearis
Parese links, proximale Parese des rechten Armes,
Vd
. a
uf
frontal-
dysexekutives
Syndrom
-
Neuropsychiatrischer Verlaufsbericht vom 22. April 2020 (
Rehaklinik A._
): persistierendes frontal-
dysexekutives
Syndrom
-
Vd
. a
uf
strukturelle Epilepsie mit fokalen Anfällen ohne und mit Beein
trächtigung des Bewusstseins i. R. der
Diagnose 1 (Rehaklinik A._
)
-
Semiologie: eigen- und aktenanamnestisch fluktuierender Verwirrt
heitszustand und
speech
arrest
(Klinik
B._
); im Verlauf: Episo
den mit
speech
arrest
und kurz andauernder Bewusstseinsstörung, einschiessende
trigeminale
Schmerzen linksseitig mit Verkrampfung des Gesichts.
-
Diagnostisch:
o
EEG vom 22. Oktober 2019 (
Rehaklinik A._
): Norma
l
e Grundaktivität. Zeichen von Schläfrigkeit. Bei Knochenlückenef
fekt, intermittierender mässiger bis mittelschwerer Herdbefund links
temporal mit einzelnen steileren Anteilen. Keine epilepsie
typischen Potentiale oder Abläufe.
o
EEG vom 8. Dezember 2020 (
Rehaklinik A._
): Normale Grundaktivität. Intermittierender mässiger Verlangsamungsherd
frontotemporal
links. Im Herd Hinweise auf Knochenmitteneffekt. Keine epileptische
n
Potentiale. Im Vergleich zum EEG vom 22.
Oktober 2019 Befundbesserung mit Ausnahme des Verlang
samungsherd
s
und Rückgang des Knochenmittene
f
fekts bzw. der Hinweise auf erhöhte
cerebrale
Erregbarkeit
-
Therapeutisch: aktuell 250mg
Lamotrigin
(
Lamictal
)/d
-
St. n. postoperativem Verwirrtheitszustand
-
Ätiologisch:
a.e
. multifaktoriell; postoperativ im Rahmen eines Wundödem
s
und postoperativen Lufteinschlüssen, DD SIADH bei
Hyponatriämie
, epileptisch
-
V
d
.
auf
Trigeminusneuropathie links N1+2 im Rahmen der Diagnose 1 (ICHD-3:13.1.1.2.2)
-
Therapeutisch: Beginn mit
Lamotrigin
am 14. Februar 2020
Die Prognose zur Arbeitsfähigkeit wurde als unsicher eingeschätzt (S. 7)
. Betref
fend Einschränkungen im Haushalt wurde erwähnt, dass
die Beschwerdeführerin
aufgrund der stark reduzierten neurokognitiven Belastbarkeit und
Visusproble
matik
tagesformabhängig Unterstützung von Angehörigen benötige und auf häufige Pausen angewiesen sei (S. 8).
3.2
Im ambulanten neuropsychologischen Verlaufsbericht von N
europsychologin
lic
. phil. E._
von
der F._
vom 18. Mai 2021
(Eingangsdatum, Urk. 5/40), wurden dieselben Diagnosen aufgeführt (S. 2). Sie
erwähnte
, dass die Beschwer
deführerin selbständig zum Termin erschienen sei
. Bei hoher Informationsdichte
und raschen Themenwechseln
beständen
deutliche Merk- und Strukturierungs
schwierigkeiten mit dem Benötigen von Mehrfachwiederholungen und schriftli
cher Unterstützung (S. 2). Neben einer verminderten
konzentrativen
Belastbarkeit zeige sich dies im Alltag
in Form von flüchtigem, verstärk
t reizgesteuertem Verhalten
und ausgeprägter Ablenkbarkeit, was in der Folge die Schwierigkeiten bei der (Selbst-)Organisation verursache und sich als massive Gedächtnisprob
leme (bei erhaltenen
hippocampalen
Strukturen) manifestiere. Es bestehe zudem de
r
Verdacht auf eine verminderte Fähigkeit zum P
ersp
e
k
tivwechsel und der TOM-Fähigkeit, was die Konflikte im familiären Umfeld verstärke. Resultierend sei ein enormer Leidensdruck, da sich die hochintelligente Beschwerdeführerin den Fehlleistungen in der Mehrheit hilflos ausgeliefert erlebe. In der Folge zeige sie aktuell auch eine leichte depressive Episode (S. 3).
3.3
D
em neurologischen
Gutachten von Dr. med. G._
, Facharzt für Neurologie FMH,
von
der Neuropraxis
vom 1. Novembe
r 202
1 (Urk. 5/55)
sind folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen
(S. 19)
:
-
Grössenprogredientes
Meningeom
en
plaque
des lateralen Keilbeinflügels links (ICD-10: D32.0), ED 2012 mit/bei
-
Operation Resektion 10/2019 (
fecit
Prof.
D._
)
-
Postoperativ chronischer linksseitiger
retrobulbärer
Schmerz (siehe unten)
o
Klinisch-neurologisch persistierende leichte Schwäche der rech
ten oberen Extremität
-
Dringender V.a. strukturelle Epilepsie (siehe unten)
-
Komplexe neuropsychologische Störung
-
Chronisches Schmer
z
syndrom mit linksseitige
n
retrobulbären
Dauerkopf
schmerzen mit/bei
-
Whs
. i.S
. einer
Irritation des N.
trigeminus
(ICD-10: G50.8)
-
Aktuell: patho
logische somatosensorisch-evoz
ierte Potentiale von den
Nn
.
trigemini
links
-
Vd
. a symptomatische Epilepsie mit einfach fokalen und möglicherweise komplex-fokalen Anfällen (ICD-10 G40.2)
-
am ehesten im Rahmen des
Meningeoms
-
Neuropsychologische Störung (ICD-10: F07.0) mit/bei
-
aktuell: leichte
r
- bis mittelgradige
r
neuropsychologische
r
Störung
-
am ehesten Kombination
aus direkter struktureller Schädigung (Opera
tion) und struktureller Epilepsie
Der Gutachter fü
hrte aus, dass die Beschwerden
k
onsistent beschrieben
worden
seien
. Anlässlich der Untersuchung hätten offensichtlich Probleme bestanden. Die Beschwerden seien aber aufgrund der neurologischen Situation mit den entspre
chenden Defiziten, der fehlenden Arbeitsfähigkeit, der Einschränkung im Haus
halt und dem nicht mehr Durchführen entsprechender Hobbies von früher, plausibel und sehr konsistent
(S. 22).
In der Summe erscheine eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % in der bisherigen Tätigkeit zu bestehen, resultierend aus einer Kombination aus neuropsychologi
schen Defiziten, den neurologischen Defiziten, der Epilepsie mit Polypharmazie und dem Gesichtsschmerz seit der Operation im O
ktober 2019
. Die bisherige Tätigkeit erschein
e
bereits als angepasst
, ohne
höhergradige
Belastung bezüglich Kognition oder körperlicher Belastung (S. 23). Es
habe
keine eigentliche Haus
haltsabklärung statt
gefunden
. Die insgesamt geschilderten Beschwerden ergäben sicherlich
,
soweit von der Ferne zu beurteilen, auch Einschränkungen im Haus
halt. Besondere Einschränkungen
beständen
sicherlich bei konzentrierten Tätig
keiten wie Einkaufen, Haushaltsführung und auch
bei
spezielle
m
Kochen, wo sicherlich eine
höhergradige
Einschränku
n
g bestehe. Bei anderen Tätigkeiten, wie Reinigungstätigkeiten, sei diese Einschränkung sicherlich geringer. Gro
b er
scheine eine Einschränkung von
ca. 50 % gut vorstellbar (S. 25).
3.4
Dr. phil. H._
,
Fachp
sychologin
für Neuropsychologie
FSP
, berichtet
e
im neu
ropsychologischen Gutachten vom 24. August 2021 (Urk. 5/55/39-54), dass
die Beschwerdeführerin
von ihrem Ehemann mit dem Auto zur Begutachtung gebracht worden sei (S. 47). Sie arbeite durchwegs konzentriert,
scheine
jedoch nach längerer
konzentrativer
Arbeit etwas zu ermüden. In der Verhaltensbe
obachtung
scheine
die Arbeitsgeschwindigkeit nach längerer Untersuchungs
dauer langsamer zu werden, ebenso
scheine
die Leistung im Rahmen der Schmer
zen nachzulassen. Die testpsychologische Überprüfung
kognitiver Teilleistungen habe im Bereich der Exekutivfunktionen, der
attentionalen
Funktionen wie auch der mnestischen Funktionen einige unterdurchschnittliche Resultate gezeigt. Die testpsychologischen Befunde
entsprächen
eine
r
leicht- bis mittelgradige
n
neuropsychologische
n Störung (S.
51). Der Grad der Arbeitsunfähigkeit könnte aus rein neuropsychologischer Sicht 40 % betragen. Nicht a
uszuschliessen sei
eine
psychopathologische Symptomatik (beispielsweise eine Anpassungsstörung oder eine in den Akten beschriebene leichte depressive Störung), welche nicht im Rahmen der neuropsychologischen Begutachtung exploriert worden sei und
deren Einfluss auf die kognitive Leistungsfähigkeit somit nicht abgeschätzt wer
den könne
(S. 52)
.
3.5
I
m Abklärungsbericht
für
Hilflosenentschädigung
für Erwachsene
vom 20. Januar 2022
wurde
ausgeführt
(Urk. 5/59), dass die Beschwerdeführerin
zusammen mit ihrer Familie lebe (S. 4). I
n den Bereichen Ankleiden/Auskleiden, Aufstehen/Absitzen/Abliegen, Essen, Körperpflege, Reinigung nach Verrichtung der Notdurft
sowie
Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte
sei sie
selb
ständig und f
unktionell nicht eingeschränkt
(S. 3)
. Lebenspraktische Begleitung im Sinne der Invalidenversicherung sei nicht ausgewiesen. Die Beschwerdeführe
rin benötige wegen ihres Gesundheitszustands Hilfe bei der Wohnungsreinigung, der Wäsche und der Alltagsbewältigung. Die Voraussetzungen der Regelmässig
keit, der Dauer und der Intensität an Begleitung seien
aber
unter Einbezug der Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht nicht erfüllt. Der Mindestaufwand von zwei Stunden pro Woche werde nicht erreicht (S. 4).
4.
4.1
Streitgegenstand bildet die Frage, ob bei der Beschwerdeführerin
, welche zusam
men mit ihrer Familie in einer Wohnung lebt, eine Hilflosigkeit leichten Grades im Sinne des dauernden
Angewiesenseins
auf eine lebenspraktische Begleitung vorliegt.
Es wird weder geltend gemach
t noch ist ersichtlich, dass die
Beschwer
deführer
in
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen auf die Hilfe Dritter angewiesen ist oder einer dauernden persönlichen Überwachung bezie
hungsweise einer ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf (vgl. Art. 37 Abs. 3 lit. a-c IVV). In diesem Zusammenhang besteht daher kein Anlass für Weiterungen.
4.2
4.2.1
In
Rz
8142 KSIH wird umschrieben, wie bei psychisch behinderten Personen, die lebenspraktische Begleitung benötigen, im Rahmen der Abklärung des Anspruchs auf
Hilflosenentschädigung
vorzugehen ist. Einerseits hat die IV-Stelle einen Bericht des behandelnden Arztes respektive der behandelnden Ärztin einzuholen. Falls sich bereits ein spezialisierter Dienst wie beispielsweise ein sozialpsychiat
rischer Dienst oder eine Beratungsstelle mit der versicherten Person befasst hat, ist andererseits ein Bericht dieses Dienstes einzuholen. Die Hilflosigkeit bezie
hungsweise der Bedarf an lebenspraktischer Begleitung ist sodann an Ort und Stelle systematisch abzuklären. Zu den Angaben im Abklärungsbericht hat der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) zuhanden der Akten in geeigneter Form (etwa mit computerschriftlichem Protokolleintrag) Stellung zu nehmen.
4.2.2
Bei einem Kreisschreiben handelt es sich um eine von der Aufsichtsbehörde für richtig befundene Auslegung von Gesetz und Verordnung. Die Weisung ist ihrer Natur nach keine Rechtsnorm, sondern eine im Interesse der gleichmässigen Gesetzesanwendung abgegebene Meinungsäusserung der sachlich zuständigen Aufsichtsbehörde. Solche Verwaltungsweisungen sind wohl für die Durchfüh
rungsorgane, nicht aber für die Gerichtsinstanzen verbindlich (BGE 118 V 206 E.
4c, vgl. auch 123 II 16 E. 7, 119 V 255 E. 3a mit Hinweisen). Das Gericht soll sie bei seiner Entscheidung mitberücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall ange
passte und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestim
mungen zulassen. Es weicht anderseits insoweit von den Weisungen ab, als sie mit den anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen nicht vereinbar sind (BGE 123 V 70 E. 4a mit Hinweisen).
4.2.3
Gemäss bundesgerichtlicher Praxis stellt der Abklärungsbericht im Haushalt im Falle einer Beeinträchtigung der geistigen Gesundheit ein geeignetes Mittel für die Bemessung der Invalidität der betroffenen Personen dar. Stimmen jedoch die Ergebnisse der Haushaltabklärung nicht mit den ärztlichen Feststellungen der Behinderungen im gewohnten Tätigkeitsbereich überein, so haben Letztere in der Regel mehr Gewicht als die im Haushalt durchgeführte Abklärung. Diese Recht
sprechung gilt auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem Gesichtspunkt der lebenspraktischen Begleitung (BGE 133 V 450 E. 11.1.1 mit Hinweisen). Bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Bemessung der Hilfslosigkeit ist eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen Arzt und Verwaltung erforderlich (Urteil des Bundesgerichts 9C_578/2013 vom 18. August 2014 E. 2.2).
4.3
Bei der
B
eschwerdeführerin liegt
neben den somatischen Diagnosen im neurolo
gischen Bereich ebenfalls eine leichte- bis mittelgradige neuropsychologische Störung (ICD-10: F07.0) vor (vgl. Urk. 5/55 S. 19).
Diese Diagnose stellt eine psy
chische Störung nach
ICD-10
dar.
Zudem wurde
von den Gutachtern
der Verdacht einer Anpassungsstörung oder eine
r
leichte
n
depressive
n
Störung geäussert (vgl.
Urk. 5/55/52).
Damit
bestehen
bei der Beschwerdeführerin
gesundheitliche Ein
schränkungen sowohl aus somatischer als auch aus psychiatrischer Sicht. Die Beschwerdegegnerin veranlasste
jedoch
lediglich eine Abklärung bei der Beschwerdeführerin zu Hause (Urk. 5/59). Sie
liess den
RAD
zum Abklärungsbe
richt nicht Stellung nehmen.
Dieses Vorgehen widerspricht in wesentlichen Aspekten der vorstehend zitierten Weisung in
Rz
8142 KSIH. Diese ist zwar für das Sozialversicherungsgericht nicht bindend; es besteht jedoch kein begründeter Anlass, von dieser abzuweichen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_497/2014 vom 2. April 2015 E. 4.1.2). Insbesondere in Anbetracht dessen, dass
anlässlich der Begutachtung
festgehalten wurde, dass bei der Beschwerdeführerin eine sehr
komplexe Beschwerdeproblematik vorliege
(
Urk. 5/55
S. 20)
und dass
sie
in der Haushaltsführung
zu 50 %
e
ingeschränkt sei
, hätten sich weitere Abklärungen aufgedrängt.
Darüber hinaus bestehen einige Diskrepanzen zwischen dem Abklä
rungsbericht, den medizinischen Berichten und den Aussagen der Beschwerde
führerin:
4.4
4.4.1
Im Abklärungsbericht wurde hinsichtlich Hilfeleistungen, die das selbständige Wohnen ermöglichen
,
betreffend Alltagsstrukturierung
,
Organisation
und
Frei
zeitbeschäftigung
ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin
in ihrem Alltag
selb
ständig sei. Aufgrund ihrer Vergesslichkeit sei es ihr aber nicht möglich, diesen zu planen. Eine Dritthilfe hierzu sei aber nicht notwendig und sie erhalte auch keine
(Urk. 5/59 S. 5 Mitte)
. Diesbezüglich
wird im Arztbericht
jedoch
ausgeführt
, dass sich im Alltag die verminderte
konzentrative
Belastbarkeit in
Form
von flüchtige
m
, verstärkt reizgesteuertem Verhalten und ausgeprägte
r
Ablenkbarkeit
zeige
. Das verursache
in der Folge die Schwierigkeiten bei der (Selbst-)Organi
sation und
manifestiere
sich auch als massive Gedächtnisprobleme
(Urk.
5/
40/2)
, was somit im Widerspruch zu den Feststellungen der Abklärungsperson steht.
4.4.2
Betreffend Wohnungsreinigung wurde
im Bericht
angegeben
, es sei der Beschwerdeführerin möglich, bei der Wohnungsreinigung in Etappen mitzuhel
fen.
Schwere A
rbeiten und A
rbeiten in der Höhe müssten vom Ehemann erledigt werden. Die Beschwerdegegnerin führte
weiter
aus, a
nrechenbar
sei der Aufwand
für die Sicherstellung einer minimalen Grundversorgung
, weshalb lediglich Arbeiten angerechnet werden, welche ihr nicht möglich seien. Der wöchentliche Zeitaufwand bemesse sich somit auf 15 Minuten pro Woche.
Hinsichtlich Wäsche werde der Wäschekorb entweder vom Ehemann oder der Mutter der Beschwerdeführerin in den Keller getragen. Sie könne die Maschine befüllen, wegen Schwindel sei es ihr aber nicht möglich, die Wäsche aufzuhän
gen. Für die benötigte Dritthilfe für den Transport der Wäsche und das Aufhängen rechnete die Beschwerdegegnerin einen wöchentlichen Zeitaufwand von 15 Mi
nuten an (Urk. 5/59 S. 4)
.
Die Beschwerdeführerin machte geltend, dass es ihr oft schwindlig werde und sie doppelt sehe. Vor allem wenn sie müde sei, erhöhe sich dadurch die Sturzgefahr (
Urk. 1
S. 2). Entsprechende A
ngaben finden sich auch im neuropsychologischen Gutachten (Urk. 5/55/47).
Vor diesem Hintergrund ist es plausibel, dass sie die Wäsche nicht selber sortieren
,
in den Keller tragen
und aufhängen
kann.
Jedoch steht die Gesamteinschätzung
des zeitlichen Aufwands
in der Haushaltsführung von
insgesamt 30 Minuten
pro Woche (Wohnungsreinigung und Waschen)
im
Widerspruch zu den medizinischen Berichten. Gemäss gutachterlicher Einschät
zung besteh
t
bei der Beschwerdeführerin
im Haushalt eine Einschränkung von ca. 50 % (Urk. 5/55 S. 25).
Wie
in E. 1.4 ausgeführt
darf
bei der
lebenspraktischen Begleitung
insbesondere
keine Rolle spielen, ob die versicherte Person allein lebt, zusammen mit dem Lebenspartner, mit Familienmitgliedern oder in einer der heutzutage verbreiteten neuen Wohnformen. Massgebend ist einzig, ob
eine
versicherte Person, wäre sie auf sich allein gestellt, erhebliche Dritthilfe in Form von Begleitung und Beratung benötigen würde. Von welcher Seite diese letztlich erbracht wird, ist ebenso bedeutungslos wie die Frage, ob sie kostenlos erfolgt oder nicht.
Wie hoch
der Bedarf der Dritthilfe unter diesem Gesichtspunkt bei der
Beschwerdeführerin
im Bereich Wohnungsreinigung und Wäsche
tatsächlich
ausfällt, kann jedoch
aufgrund der
vorliegenden
Aktenlage
ohne
medizinische Beurteilung des Abklärungsberichts
durch d
en RAD
nicht
beurteilt
werden
(vgl.
Urk. 5/55 S. 25).
4.4.
3
In Bezug auf die Begleitung bei ausserhäuslichen Verrichtungen und Kontakten, Einkäufe/Besorgungen/Entsorgungen wurde im Abklärungsbericht erwähnt
(Urk. 5/59)
, dass sie kleinere Einkäufe selber tätige.
Der
Grosseinkauf werde vom Ehe
mann mit dem Auto getätigt. Sie könne nur mit der Karte bezahlen, da sie rech
nerisch mit dem Wechselgeld mühe habe. Doch auch da vergesse sie immer wieder den Code. Die
Beschwerdegegnerin rechnete
für den
Grosseinkauf ein
en
wöchent
liche
n
Mehrauf
wand von 15 Minuten ein (S. 5).
Diesbezüglich wurde
von der Beschwerdegegnerin
nicht abgeklärt, wie sich
die gestellten Diagnosen
auch schon auf kleiner
e
E
inkäufe auswirken
, insbesondere in Hinblick darauf, dass der Gutachter angab, es beständen besonders Einschränkungen in Bezug auf kon
zentrierte Tätigkeiten wie das Einkaufen (Urk. 5/55 S. 25).
Hinsichtlich Arzt- und Zahnarztbesuche wurde ausgeführt, dass auf Anraten der Ärzte die Beschwerdeführerin sämtliche Termin
e
selbständig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wahrnehme. Es könne daher kein wöchentlicher Zeitaufwand angerechnet werden (S. 6).
Diesbezüglich machte die Beschwerdeführerin geltend, das habe sie so anlässlich der Abklärung nicht gesagt. Sie
fahre nicht regelmässig mit den
öffentlichen Verkehrsmitteln. Sie fahre nur Strecken, die sie mehrmals mit ihrem Ehemann geübt habe. Sie habe sich jedoch auch auf solchen bekannten Strecken schon verfahren und komme dann in grosse Stresssituationen. Doch selbst wenn sie den Weg schaffe, sei sie oft zu früh oder zu spät da, weil sie sich in der Zeit irre. Meist werde sie von ihrem Ehemann an die Termine gefahren (Urk. 1 S. 2).
Diese
Diskrepanzen
bezüglich Bedarf an Begleitung bei ausserhäus
lichen Verrichtungen
gilt es
unter Berücksichtigung der
medizinischen Berichte
zu prüfen, wonach bei der Beschwerdeführerin
die
Aufmerksamkeitsleistung und die mne
s
tischen Funktionen unterdurchschnittlich
seien
(Urk. 5/55/51).
4.4.
4
Zusammengefasst ergibt sich somit, dass die
Widersprüche
zwischen dem Abklä
rungsbericht, den medizinischen Berichten und den Aussagen der Beschwerde
führerin aufgrund der vorliegenden Akten nicht schlüssig
aufg
e
löst werden können,
insbesondere,
weil eine medizinische Beurteilung
des
Abklärungsbericht
s
fehlt. Som
it bildet der Abklärungsbericht vom 20. Januar 2022 (Urk. 5/59)
keine genügende Grundlage für die Beurteilung der geltend gemachten Ansprüche
der Beschwerdeführerin
.
4.4.
5
Der Umstand, dass die Abklärungsperson Kenntnis von den damals gestell
ten Diagnosen hatte (vgl. Urk. 5/59
/1
), vermag an dieser Beurteilung nichts zu ändern, da die entscheidende Frage
damit nicht geklärt ist
, wie sich der Gesund
heitsschaden
konkret
und unabhängig davon, dass sie mit ihrer Familie zusam
menlebt (E. 1.4),
auf
die Fähigkeit
de
r
Beschwerdeführer
in
selbständig zu wohnen
und den Bedarf an lebenspraktischer Begleitung auswirkt.
Vor diesem Hintergrund kann allein gestützt
auf den Abklärungsbericht vom 20.
Januar
2022 (Urk. 5/59) nicht
festgestellt
werden,
ob
die Beschwerdeführerin mindestens zwei Stunden pro Woche (vgl. E. 1.3 vorstehend) einer lebensprakti
schen Begleitung bedarf. In Zusammenarbeit mit medizinischen Fachkräften bedarf es weiterer Abklärungen betreffend die Frage, in welchem
Ausmass
die
Beschwerdeführerin auf Unterstützung
zur Bewältigung der in Art. 38 Abs. 1 IVV aufgeführten Situationen
angewiesen ist
.
4.5
Die Sache ist demnach an
die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie nach den in
Rz
8142 KSIH genannten Vorgaben medizinische Abklärungen vor
nehme. Des Weiteren wird sie zu entscheiden haben, ob eine erneute Abklärung an Ort und Stelle durchgeführt werden soll oder aber der Bericht vom
2
0. Januar 2022
unter
Beizug
einer fachärztlichen Meinung daraufhin zu überprüfen ist, inwieweit er den medizinisch festgestellten Beeinträchtigungen hinreichend Rechnung trägt
.
Danach wird die Beschwerdegegnerin über das Leistungsbe
gehren neu zu befinden haben. In Aufhebung d
er angefochtenen Verfügung vom
1. März 2022
(Urk. 2) ist die Beschwerde in diesem Sinne gutzuheissen.
5.
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr. 700.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt
die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.