Decision ID: c6b5ece4-8972-41b2-91b5-395c22c079cf
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1970, war
seit dem
1.
Mai 2000
bei
der
Y._
GmbH
in einem Pensum von 80
%
als
Geschäftsführerin
tätig
(Urk. 10/1)
.
Unter Hinweis auf
eine Erschöpfungs-Depression
meldete sich
die Ver
sicherte
am
15.
September 2013
bei der Invalidenversicherung zum
Leis
tungs
bezug
an (Urk.
10/5
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerblic
he Situation ab und zog Akten der
Kranken
t
aggeldversicherung
bei (
Urk.
1
0/10).
Nach
durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(
Urk.
10/
22-50
) verneinte die IV
Stelle
mit Verfügung vom 1
2.
Juni 2015
e
inen
A
nspruch
der Versicherten auf IV-Leistungen
(
Urk.
10/5
1
=
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
1
8.
August 2015
Beschwerde (
Urk.
1)
gegen die Verfü
gung vom
1
2.
Juni 2015
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben (S.
2
Ziff.
1
) und es sei
en
ihr
berufliche Massnahmen
zu
gewähren
(S. 2
Ziff.
2
),
es sei ihr eine Invalidenrente ab dem frühesten Zeitpunkt zuzusprechen (S. 2
Ziff.
3),
eventuell sei
die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die
Beschwerde
gegnerin
zurückzuweisen
(S. 2
Ziff.
4
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
3
0.
September 2015
(Urk.
9
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
21.
Oktober 2015
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
11
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung; IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person
bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu ver
werten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen
Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden
kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versicherten Per
son
sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die
Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26
Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den
Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt ein
e Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Be
gehren über
haupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheid
rele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S. 69).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in ihrer Verfügung vom 1
2.
Juni 2015 (
Urk.
2) gestützt auf ihre Abklärungen davon aus, dass
die Beschwerdeführerin seit März 2013 in ihrer Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen sei (S. 1). Sie sei von der Eingliederungsberatung unterstützt worden. Gemäss
RAD
sei eine psy
chische Störung ausgewiesen, welche die Arbeitsfähigkeit längerfristig beein
trächtigen könne. Ein Wiedereinstieg sei mit einem 50%
Pensum vorstellbar. Die bisherige oder eine ähnliche Tätigkeit könne durchaus wieder ausgeübt werden, wenn die Beschwerdeführerin ihre eigenen Grenzen besser wahrnehme und eine gesunde Work-Life-Balance einhalte. Gemäss Aktenlage würden diverse psychosoziale Belastungsfaktoren vorliegen. Heute lebe die Beschwer
deführerin alleine in einem Haus mit 7 Katzen und 2
Hunden. Ein Haus und Tiere würden viel Arbeit geben, so dass davon ausgegangen werden müsse, dass doch gewisse Ressourcen vorhanden seien
(S.
2)
.
Insgesamt sei aus rechtlicher Sicht kein IV-relevanter
Gesundheits
schaden
von erheblicher Schwere, Intensi
tät, Ausprägung und Dauer ausge
wiesen (S. 3).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), d
ass sie entgegen den Ausführungen in der Verfügung ab November 2013 in ihrer bisherigen Tätigkeit nicht wieder zu 100
%
arbeitsfähig gewesen sei (S. 4). Gestützt auf die medizinischen Akten sei von einer durchgehenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit ab März 2013 bis mindestens Ende November 2014 auszu
gehen und ab dann von einer mindestens 50%igen Arbeitsunfähigkeit (S.
5 unten). Der RAD anerkenne in seiner Stellungnahme das Vorliegen einer psy
chischen Störung, welche die Arbeitsfähigkeit längerfristig beeinträchtigen könne (S. 6). Die Argumentation der Beschwerdegegnerin, wonach psychosozi
ale Belastungsfaktoren vorlägen, greife ins Leere. Das Vorliegen psychosozialer Belastungsfaktoren schliesse für sich allein einen invalidisierenden Befund nicht per se aus. Nach konstanter Praxis treffe dies einzig dann zu, wenn die festge
stellte psychische Krankheit ihre hinreichende Erklärung in psychosozialen und
soziokulturellen Umständen finde und gleichsam in ihnen aufgehe. Dies sei vorliegend nicht der Fall
(S. 7)
. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass ein IV
relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen sei, der nicht überwindbar sei (S. 8).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
die Arbeitsfähigkeit sowie ein allfälliger Anspruch
de
r Beschwerdeführerin
auf berufliche Massnahmen sowie eine Rente.
3.
3.1
Die Ärzte der
Z._
berichteten am 2
3.
April 2013 (Urk.
10/10/35-37) und nannten folgende Diagnose
n
(S. 1
Ziff.
1):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
Erschöpfungssyndrom
Sie führten aus, die Beschwerdeführerin
habe sich in stationärer integrierter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung in ihrer Klinik befunden.
Da die Beschwerdeführerin noch ausgeprägte kognitive Einschränkungen zeige, die überwiegend auf ihre emotionale Abneigung gegen ihre berufliche Tätigkeit, ihre ausgeprägten Existenzängste und Identitätskonflikte zurück zu führen seien, mit andauerndem Grübeln und auch schlechtem Schlaf, sei vorerst keine Arbeitsfähigkeit gegeben bis Ende Mai
201
3
(S. 1
Ziff.
2)
.
3.2
Die Ärzte der
Z._
berichteten
erneut
am
8.
Juli 2013 (Urk.
10/10/28-30)
,
nannten
die bekannten
Diagnosen
(S. 1
Ziff.
1)
und
führten aus,
ein genauer Zeitpunkt des Eintretens der Symptome könne nicht eruiert werden. Die Beschwerden seien in immer wieder stärkerer Ausprägung seit zirka 2010/2011 aufgetreten, jedoch laut Beschwerdeführerin nicht in
behandlungs
relevanter
Form (S. 1
Ziff.
1). Die Beschwerdeführerin sei bei ihnen vom 1
8.
März bis 2
1.
April 2013 stationär in Behandlung gewesen
(S. 1
Ziff.
2)
.
Es sei zu erwarten, dass bei ausreichender Unterstützung durch Jobcoaching und psychotherapeutische Behandlung wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einem für die Beschwerdeführerin annehmbaren und geeigneten Berufsfeld erreichbar sei.
Es werde empfohlen, im Rahmen einer B
erufsberatung die tat
sächlichen beruflichen Potenziale der Beschwerdeführerin zu ermitteln und im Rahmen einer Umschulung beziehungsweise Weiterqualifikation ein geeignetes Berufsfeld für die Beschwerdeführerin zu finden
(S. 2
Ziff.
4)
.
Die Beschwerde
führerin stelle sich bei ihnen im Abstand von zirka einem Monat zu psychiatri
schen Kontrolluntersuchungen vor. Es sei jedoch erforderlich, dass sie eine intensive psychotherapeutische Behandlung im Umkreis ihres Wohnortes suche,
da sie Sitzungsfrequenzen von mindestens alle 14 Tage brauche (S. 2
Ziff.
5).
Die Beschwerdeführerin sei vom 1
8.
März bis 3
1.
Juli 2013 zu 100
%
arbeits
unfähig (S. 2
Ziff.
6).
3.3
Prof.
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Neurologie, Polydisziplinäre Medi
zini
sche Abklärungen PMEDA,
und
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie,
erstattete
n
ihr
psychiatrisches Gutachten am 1
6.
Sep
tember 2013 (
Urk.
10/10/15-26) zuhanden der
Krankentaggeldversiche
rung
gestützt auf die Akten sowie die psychiatrische Exploration der Beschwer
deführerin.
Sie
nannte
n
folgende Diagnose (S. 7 Ziff.
4):
partiell remittierte, initial mittelgradig ausgeprägte depressive Episode (ICD-10 F32.1)
Die Gutachter
führte
n
aus, dass sich das depressive Syndrom wahrscheinlich schleichend über mehrere Jahre, mit Beginn etwa 2011
,
bei der Beschwerde
führerin entwickelt habe und vermutlich seit etwa Mitte des Jahres 2012 kli
nisch manifest gewesen sei (S. 8 oben). Eine tatsächliche Behandlung sei ab März 2013 stationär eingeleitet worden. Eine medikamentöse antidepressive Behandlung finde in regelmässiger Form, aber offenbar erst seit etwa drei Wochen statt. Die Prognose sei grundsätzlich günstig und die jetzt eingeleitete psychiatrische Behandlung geeignet, ein Wiedererlangen der Arbeitsfähigkeit absehbar zu bewirken (S. 8). Bei leitliniengerechter Fortsetzung der Therapie sei spätestens per Mitte Oktober 2013 eine Arbeitsfähigkeit von 50
% und per Mitte November 2013 von 100
%
in der angestammten sowie jedweder vergleichbaren Tätigkeit oder auch einer anderen Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarktes zu erwarten. Nachtarbeit sollte dabei für weitere drei Monate vermieden werden (S.
8 unten).
3.4
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 2
6.
Juli 2014 (
Urk.
10/35/2) und führte aus, dass die Beschwer
deführerin seit dem 1
9.
August 2013 mit Unterbrüchen in ihrer ambulanten psychiatrischen Behandlung nach einem Aufenthalt in der Klinik wegen einer Erschöpfungsdepression stehe. Es gehe der Beschwerdeführerin seit Monaten nicht gut, sie traue sich nichts zu, sei ängstlich und vermeidend. Sie befinde sich nach wie vor in einem depressiven Zustandsbild mittleren Grades. In dieser Situation habe sie der Beschwerdeführerin dringend nochmals eine stationäre Behandlung empfohlen.
3.5
M
ed.
pract
.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Psy
chiatrische Klinik
E._
,
berichtete am
1.
September 2014 (
Urk.
10/35/1) und führte aus,
dass die Beschwerdeführerin seit mindestens dem 1
8.
März 2013 an einem depressiven Syndrom mit Angstsymptomatik leide. Die Ursache für diese
Entwicklung liege
in Traumatisierungen in der Kindheit und einer langjährigen privaten wie beruflichen Überforderungssituation. Die Behandlung ihrer Erkran
kung werde noch einige Monate in Anspruch nehmen.
Seit mindestens dem 1
8.
März 2013 sei eine 100%
ige Arbeitsunfähigkeit bis auf w
eiteres gegeben.
3.6
Die Ärzte der Privat Klinik
F._
berichteten am 2
0.
November 2014 (Urk.
10/46)
über die
Hospitalisation
der Beschwerdeführerin vom 11.
Sep
tem
ber bis
6.
November 2014
und
nannten folgende Diagnosen (S. 1):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1)
sekundär: Panikstörung (ICD-10 F41.0)
Sie führten aus,
dass sich die depressive Symptomatik in den letzten anderthalb Jahren in Reaktion auf eine Vielzahl von Belastungsfaktoren verstärkt habe
. Neben depressiven Symptomen schildere die Beschwerdeführerin auch Symp
tome einer Panikstörung mit plötzlich auftretendem Herzrasen, Bauchschmer
zen, Schwindel, Kälteempfindungen, Fluchtimpulsen und resultierend weitge
hende
n
Vermeidungsreaktionen
(S. 1).
Die Beschwerdeführerin stelle sich mutig der Bearbeitung schmerzhafter Themen. Es sei ihr teilweise gelungen, Blockaden zu durchbrechen. Im Rahmen des achtwöchigen Aufenthalts hätten nicht alle hoch aktivierenden Inhalte zugänglich gemacht werden können. Vage Erinne
rungen und Alpträume/Flashbacks würden auf eine Traumatisierung hindeuten, die noch nicht
explizierbar
gewesen sei.
Es bestehe dringend Bedarf, den Hei
lungsprozess weitergehend psychotherapeutisch zu unterstützen (S. 4 Mitte).
Die Entlassung der Beschwerdeführerin sei in gebessertem Zustand erfolgt. Zum Zeitpunkt der Entlassung
hätten
keine Hinweise für akute Suizidalität vorgele
gen. Bis zum 28.
November 2014 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bestan
den. Anschliessend sei ein Eingliederungsversuch zu empfehlen, zum Beispiel im Rahmen eines Praktikums oder einer Umschulung auf einer 50
%
Basis mit teilstationärer Begleitung (S. 4 unten).
3.7
Dipl. med.
G._
, Facharzt für Neurologie, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der
Beschwerdegegne
rin
, nahm am
4.
Juni 2015 Stellung (
Urk.
10/50/2-3) und führte aus,
dass aus Sicht des RAD eine psychische Störung ausgewiesen sei, welche die Arbeitsfä
higkeit längerfristig beeinträchtigen könne. Die nun seit zwei Jahren dauernde Arbeitsunfähigkeit
trage zur Aufrechterhaltung der depressiven Störung bei (S.
1 unten). Aus Sicht des RAD sollten rasch Massnahmen der Wiedereingliede
rung begonnen werden. Aus versicherungsmedizinischer Sicht
sei eine Integra
tion in sozialen Berufen nicht der richtige Weg. Die bisherige oder eine ähnliche Tätigkeit könne durchaus wieder ausgeübt werden, wenn die Beschwerdeführe
rin ihre eigenen Grenzen besser wahrnehme und eine gesunde Work-Life-Ba
lance einhalte. Ein Einstieg mit einem 50
%
Pensum sei vorstellbar (S. 2 oben).
3.8
Med.
pract
.
D._
und
Dr.
phil. Dipl.-Psych.
H._
,
I._
, berichteten am
4.
August 2015 (
Urk.
3/3) und führten aus,
dass die Beschwerdeführerin erstmals im Jahr 1996 bis 1999 aufgrund schwerer depres
siver Symptome eine psychologische Behandlung in Anspruch genommen habe. Im Jahr 2010 sei es zu einer Erschöpfungsdepression beziehungsweise zu einer Depression mit somatischem Syndrom im Jahr 2012 gekommen, so dass eine psychologische Therapie im Herbst 2012 erneut initiiert worden sei. Der erste stationäre Aufenthalt aufgrund einer Erschöpfungsdepression und einer schwe
ren depressiven Episode habe im März/April 2013 stattgefunden.
Es sei eine ambulante psychiatrische Behandlung bei
Dr.
C._
gefolgt.
Zwischen September und November 2014 sei es aufgrund einer deutlichen Verschlechte
rung der Verfassung zu einem zweiten stationären Aufenthalt in der Privatkli
nik
F._
gekommen. In dieser
Z
eit habe das Störungsbild einer mittelschwe
ren bis schweren Depression sowie einer Panikstörung bestanden. Seit Novem
ber 2014 befinde sich die Beschwerdeführerin in ambulanter psychiatrischer Behandlung bei med.
pract
.
D._
. Seit Januar 2015 befinde sich die Beschwer
deführerin ausserdem bei
Dr.
H._
in ambulanter, engmaschiger psy
chotherapeutischer Behandlung, die ergänzend zur psychiatrischen Behandlung wöchentlich stattfinde
(S. 1 oben)
.
Aktuell erfülle die Beschwerdeführerin die Kriterien einer mittelgradigen Depression und einer Panikstörung. Begründen lasse sich der aktuelle Krankheitsstatus durch depressionstypische
Persönlich
keitsveränderungen
, häufige Panikattacken und genetische Veränderungen
. Die bisherige Krankheitsgeschichte weise eindeutig auf eine rezidivierende Proble
matik sowie den nach wie vor sehr hohen Leidensdruck der Beschwerdeführerin hin. Dies bestätige der RAD in seinem Bericht (S. 1 unten).
Die Beschwerde
führerin sei auffallend therapiemotiviert und selbstreflektiert und habe durch ihr hohes Engagement ihren Zustand in den letzten Monaten deutlich verbessern können.
Dennoch sei ein Rückgang in den alten Beruf für die langfristige Genesung hinderlich. Es sei von einer massiven Verschlechterung der psychi
schen und körperlichen Verfassung auszugehen. Eine berufliche Neuorien
tierung sei dringend erforderlich, um eine dauerhafte emotionale Stabilisierung zu erzielen. Die Beschwerdeführerin nehme auf eigene Kosten die Unterstützung ei
ner Psychologin/Berufsberaterin
in Anspruch (S. 2 unten).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 1
2.
Juni 2015 (
Urk.
2) entgegen der Einschätzung ihres RAD davon aus, dass bei der Beschwerdeführerin aus rechtlicher Sicht kein relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen sei. Es müsse davon ausgegangen werden, dass bei ihr gewisse Ressourcen vorhanden seien. Auch
lägen
keine erheblich einschränkenden Befund
e vor
(S. 2 f.).
Zunächst ist festzuhalten, dass der
primären
Auffassung der
Beschwerdegegne
rin
, wonach eine
mittelgradige
depressive
Episode
per se keinen invalidisieren
den Charakter habe, nicht gefolgt werden kann (vgl. Urk. 2 S. 2
oben).
Die Rechtsprechung zur Auswirkung ei
ner mittel
gradigen Depression auf die Arbeitsfähigkeit ist zwar facettenreich, doch
ist es
gemäss
Urteil des Bun
desgerichts 9C_1041/2010 vom 30. März 2011 nicht bun
desrechtswidrig, eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit wegen
einer leichten bis mittel
gradigen depressiven Episode anzunehmen (E. 5.2). Auch
im Urteil 9C_210/2012 vom 9. Juli 2012
äusserte
sich das Bun
des
gericht da
hin
gehend, dass eine invali
di
sierende Wirkung einer mittel
schwe
ren depressiven Störung, sofern sie nicht
bloss
eine Begleiterscheinung einer Schmerzkrankheit darstelle, nicht von vorn
herein
auszuschliessen
sei (E. 4.2). Nach dem Gesagten steht somit fest, dass die Rechtsprechung in Bezug auf die Diagnose einer mittelgradigen depressiven
Episode
Raum lässt, um eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in relevantem
Ausmass
zu berücksichtigen.
4.2
Wie die Beschwerdegegnerin richtig ausführte (
Urk.
2 S. 2 f.)
,
ist z
ur Annahme der Invalidität
im invalidenversicherungsrechtlichen Sinne
– auch bei psychi
schen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt.
Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokultu
rellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unter
scheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im
fach
medizinischen
Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen
Leidenszu
stand
. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen
auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
4.3
Gestützt auf die angeführten
ärztlichen Berichte und die Stellungnahme des RAD lässt sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und insbeson
dere ihre Arbeitsfähigkeit
nur ungenügend beurteilen.
So finden sich in den Akten zwar
durchaus -
wie von der Beschwerdegegnerin geltend gemacht - Hinweise auf schwierige Lebensumstände der Beschwerde
führerin (unglückliche Berufssituation, Pflege des krebskranken Ex-Ehemannes bis zur Scheidung sowie dessen Tod nach der Scheidung,
Überforderungssi
tuation
in Job und Freizeit), welche geeignet sind, ein depressive
s
Zustandsbild zu bewirken und zu unterhalten.
Aus den ärztlichen Beurteilungen geht jedoch weder
nachvollziehbar
hervor, ob und inwiefern diese psychosozialen Umstände die Störung verschlechtert oder direkt unterhalten hätten, noch ob
heute
von einer eigenständigen Störung auszugehen sei
.
Dies erscheint vor allem auch
mit Blick auf den Grundsatz, wonach es an einem verselbständigten
Gesundheits
schaden
fehlt, wenn bei Wegfall der Belastungsfaktoren auch die psychische Störung verschwindet (Urteil des Bundesgerichts
9C_736/2011 vom
7.
Februar 2012
E. 2.3.3)
fraglich,
zumal sich die
für die Beschwerdeführerin
belastende Situation mit dem Ex-Ehemann bereits in den Jahren 1996 bis 1998 a
b
spielte
und sich die Beschwerdeführerin aktuell trotzdem noch in
mehrfacher
psychi
atrischer Behandlung befindet
.
Weiter
wäre in den Beurteilungen auch zu berück
sichtigen, dass es
nicht entscheidend ist
, ob
psychosoziale Umstände bei der Entstehung einer Gesundheitsschädigung eine wichtige Rollte
gespielt haben
, sollte sich
aktuell
ein eigenständiger, invalidisierender
Gesundheitsscha
den
entwickelt haben (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1, Urteil des Bundesgerichts 9C_776/2010 vom 2
0.
Dezember 2011 E. 2.3.3).
Nac
h dem Gesagten kann trotz der genannten
Hinweise auf belastende Situa
tionen
gestützt auf die vorliegenden Arztberichte
nicht ohne weiteres
auf einen nicht invalidisierenden Gesundheitsschaden geschlossen werden, wie dies die Beschwerdegegnerin
getan hat. Dies gilt umso mehr, als sogar der RAD der Beschwerdegegnerin in
s
einer Stellungnahme von einer
ausgewiesenen psychi
schen Störung ausging
und einen Wiedereinstieg
lediglich
zu 50
%
als vorstell
bar erachtete
(vgl. vorstehend E. 3.7).
Bei seiner Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit
stützte
sich der RAD-Arzt
offensichtlich
auf den Bericht der Privatklinik
F._
(vgl. vorstehend E. 3.6) ab. Diesbezüglich bleibt anzumerken, dass sich die ent
scheidende Seite (Seite 3)
mit den erhobenen Befunden des besagten Berichts der Privatklinik
F._
nicht in den IV-Akten befindet
. Aus diesem Grund
und weil
sich der RAD-Arzt ohne die Beschwerdeführerin eigens
unt
ersu
cht zu haben
,
äusserte
, erscheint seine Stellungnahme nicht ohne weiteres
als
nachvollziehbar.
Weiter kann a
uch auf
die übrigen ärztlichen Beurteilungen
nicht abgestellt werden.
So legten die behandelnden Ärzte zwar neben den genannten Diagnosen auch die erhobenen Befunde dar,
nahmen
jedoch keine nachvoll
ziehbar begründete und durch Befunde untermauerte medizinisch-the
oretische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und des Zustandekommens des
Belastungspro
fils
vor
.
Neben diesen inhaltlichen Bedenken
ist der Erfahrungs
tatsache Rechnung zu tragen, dass nicht nur
allge
meinpraktizierende
Hausärzte, sondern auch behandelnde Spezialärzte (vgl. Urtei
le I 383/04 vom 2
6.
November 2004, E. 3.4, und I 139/04 vom 2
0.
Oktober 2004,
E
.
4.2.2, je mit Hinweisen) im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl.
BGE 125 V 353
E
. 3b/cc mit Hinweisen).
Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwer
deführerin sind nach dem Gesagten die vorliegenden ärztlichen Berichte nicht
genügend aussagekräftig
. Vielmehr besteht weiter
er
Abklärungs
be
darf
, zumal die einzige
p
sychiatrische Begutachtung der Beschwer
deführerin
, welche von
der Krankentaggeldversicherung
in Auftrag gegeben wurde,
aus dem
Jahre 20
13
datiert (vgl. vorstehend E. 3.
3
).
4.4
Zusammenfassend lässt die medizinische Aktenlage eine abschliessende Beurtei
lung der relevanten Frage nach dem Gesundheitszustand und der Arbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin in
der angestammten wie auch einer angepassten Tätigkeit
nicht zu, weshalb die Sache an die
Beschwerdegegnerin
zurück
zu
wei
sen ist, damit diese entsprechende Abklärungen zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfä
higkeit sowohl in der angestammten als auch insbesondere in einer angepassten Tätig
keit vornehme. Anschliessend wird die
Beschwerdegegnerin
über den
A
nspruch der
Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversi
cherung
neu verfügen.
4
.
5
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass die ange
fochtene Verfügung vom
12
.
Juni
201
5
aufzuheben und die Sache an die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückzuweisen ist, da
mit diese
,
nach erfolgter Abklärung im Sin
ne der Erwägungen, neu verfüge.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht,
ist das Verfahren kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Ausgangsgemäss sind die
Geri
chtskosten in der Höhe von Fr. 7
00.-- der unterliegenden
Beschwerde
geg
ne
rin
aufzuerlegen.
5.2
Bei
diesem Verfahrensausgang hat die
vertretene
Beschwerdeführerin
Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (
§
34
Abs.
3
des Gesetzes
über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
) und beim massgeblichen
Stun
den
ansatz
von Fr.
185
.-- (zuzügli
ch Mehrwertsteuer) auf Fr. 1‘7
00
.-- (inkl.
Bar
aus
lagen
und
MWSt
) festzulegen.