Decision ID: 7558f5dd-0920-546e-bf17-c65e48f1a8a5
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1958, war seit dem
1.
Oktober 1998
bis zur Kündi
gung des Arbeitsverhältnisses per 3
1.
Dezember 2010
als Customer Consultant bei der
Y._
AG angestellt (
Urk.
6/13/2-3 Ziff.
1, 2.1 und 2.7
,
Urk.
6/21).
Unter Hinweis auf ein
B
urnout meldete sich die Versicherte am
2.
September 2009 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/2). Die
So
zialversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle,
veranlasste eine berufli
che Abklärung der Versicherten (
Urk.
6/32
,
Urk.
6/34,
Urk.
6/43
) und
erteilte am 2
6.
April 2011 Kostengutsprache für eine Umschulung
zur Bürofachfrau (
Urk.
6/3
9),
welche
die Versicherte erfolgreich abschliessen konnte (
Urk.
6/49).
Am
3.
Mai 2012 erteilte
die IV-Stelle
Kostengutsprache
für ein Praktikum
mit internem Arbeitstraining
(
Urk.
6/45). Am
1
3.
September 2013
und am 1
7.
Februar 2014
erteilte sie
Kostengutsprache für ein Arbeitstraining
be
ziehungs
weise eine Arbeitsvermittlung
(
Urk.
6/71
,
Urk.
6/82
). Am
5.
Juni 2014 wurde die
Arbeitsvermittlung
abgeschlossen (
Urk.
6/94).
Nach durchgeführtem
Vorb
escheidverfahren
(
Urk.
6/117-131) verneinte die IV
Stelle mit Verfügung vom
1.
September 2015 (
Urk.
6/133 =
Urk.
2) einen Ren
tenanspruch.
2.
Die Versicherte erhob am 3
0.
September 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom
1.
September 2015 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr für die Periode von März bis August 2010 und im Anschluss an die Ein
gliederungsmassnahmen mit Taggeldanspruch eine Rente zuzusprechen.
Ver
fahrensrechtlich
sei auf Kosten der IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung anzuordnen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1 und 4)
und ein zweiter Schriftenwechsel durch
zuführen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3)
.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
9.
November 2015 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde. Mit Gerichtsverfügung vom
8.
Dezember 2015 wurde das Gesuch um Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels abge
wiesen und der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (Urk.
7 Dispositiv
Ziff.
1-2).
Mit Verfüg
ung vom 2
5.
Januar 2016 wurden
der Beschwerdeführerin in Bewilli
gung des Gesuchs vom 2
1.
Januar 2016 (
Urk.
9 S. 2
Ziff.
1-2) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt (
Urk.
11 Dispositiv
Ziff.
1).
Am
3.
Februar 2016 (
Urk.
12) reichte die Beschwerdeführerin dem Gericht wei
tere Akten (
Urk.
13/1-2) ein.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Stellungnahme hierzu (
Urk.
17, vgl.
Urk.
14), was der Beschwerdeführerin zu
r
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
18).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von
Geburts
gebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Alkoholismus (wie auch Drogensucht und Medikamentenabhängigkeit) begrün
det für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird er invalidenversicherungsrechtlich erst relevant, wenn er eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychi
scher, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn er selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (Urteil des Bundesge
richts 8C_694/2008 vom 5. März 2009 E. 2). Dabei ist das ganze für die Alko
hol
sucht massgebende Ursachen- und Folgespektrum in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen, was impliziert, dass einer allfälligen Wechselwirkung zwischen Suchtmittelabhängigkeit und psychischer
Begleit
erkrankung
Rechnung zu tragen ist (Urteile des Bundesgerichts I 758/01 vom 5. November 2002 E. 3.2, und I 390/01 vom 19. Juni 2002 E. 2b). Was die krankheitsbedingten Ursachen der Alkoholsucht betrifft, ist für die invalidenversicherungsrechtliche Relevanz der Abhängigkeit erforderlich, dass dem Alkoholismus eine ausreichend schwere und ihrer Natur nach für die Entwicklung einer Suchtkrankheit geeignete Gesundheitsstörung zugrunde liegt, welche zumindest eine erhebliche
Teilursa
che
der Alkoholsucht darstellt (Urteil des Bundesgerichts I 192/02 vom 23. Oktober 2002 E. 1.2.2 mit Hinweis); es genügt nicht, wenn es sich nur um eine ganz untergeordnete Teilursache handelt (nicht veröffentlichtes Urteil des Bundesgerichts I 130/93 vom 29. August 1994). Mit dem Erfordernis des
Krank
heitswerts
einer allfälligen verursachenden psychischen
Krankheit wird ver
langt, dass diese die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit einschränkt (BGE 99 V 28 E. 2; Urteil des Bundesgerichts I 940/05 vom 10. März 2006 E. 2.2; erwähntes Urteil I 758/01 E. 3.1). Wenn der erforderliche Kausalzusammenhang zwischen Alkoholsucht und krankheitswertigem psychischem Gesundheitsschaden be
steht, sind für die Frage der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit die psychi
schen und die suchtbedingten Beeinträchtigungen gesamthaft zu berücksichti
gen. Um diese Frage beantworten zu können, sind Verwaltung und Gericht auf möglichst detaillierte medizinische Auskünfte über die Verhältnisse zur Zeit der Entstehung der Alkoholsucht auf der einen und der allfälligen psychiatrischen
Komorbidität
auf der andern Seite sowie über den allfälligen ursächlichen Zusammenhang zwischen den beiden Aspekten angewiesen (vgl. zur Bedeutung medizinischer Auskünfte zur Bestimmung der Invalidität BGE 115 V 133 E. 2; BGE 124 V 265 E. 3c mit Hinweis, 99 V 28 E. 2; SVR 2001 IV Nr. 3 S. 7 E. 2b; AHI 2002 S. 30 E. 2a, 2001 S. 228 f. E. 2b mit Hinweisen; Urteile des Bundes
gerichts I 169/06 vom 8. August 2006 E. 2.2 und 4.2 mit Hinweisen und 8C_672/2010 vom 27. September 2010 E. 2).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) darauf ab, die Arbeitsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin
sei
vor allem durch ein
A
bhän
gigkeitsverhalten
begründet, weshalb
keine Invalidität vorliege (S. 2 oben).
Weitere psychische Beschwerden
hätten keine Einschränkung der Arbeitsfähig
keit in einer angepassten Tätigkeit zur Folge
. Die Beschwerden seien aus ju
ristischer Sicht als überwindbar anzusehen
(S. 2 unten).
2.2
Die Beschwerdeführerin
machte
im Wesentlichen
geltend
, die depressiven Beschwerden bestünden seit 2006 und damit lange vor Beginn der
Alkohol
problematik
. Entsprechend
habe die Beschwerdegegnerin eine Invalidität bejaht und ihr berufliche Massnahmen zu
gesprochen (
Urk.
1 S. 6
Ziff.
1
a).
Für die Periode ab Mitte September 2014 verkenne die Beschwerdegegnerin, dass sich
ihr
Gesundheitszustand
nach Abschluss der
Umschulung
zuerst bezüglich der psychischen Beschwerden und ab Herbst 2014 zusätzlich aufgrund der Folgen eines Suizidversuches erheblich verschlec
htert habe (
Urk.
1 S. 9
Ziff.
1
a).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob für die Zeit von
März bis August 2010 sowie
für den Zeitraum nach Abschluss
der Eingliederungsmassnahmen ein Rentenan
spruch besteht.
3.
3.1
Die medizinischen Akten ergeben folgendes Bild:
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
diagnostizierte
in einem Bericht vom 2
3.
September 2009 (
Urk.
6/6)
eine Depression, seit 2006 (
Ziff.
1.1). Er attestierte der Beschwerdeführerin vom
2
4.
November bis 14.
De
zember 2008 ei
n
e Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und seit
dem 15.
Dezember 2008
eine Arbeitsunfähigkeit
von 50
%
(
Ziff.
1.6).
3.2
Vo
m 2
1.
Juli bis
6.
Oktober 2009
war die Beschwerdeführerin
im Sanatorium
A._
hospitalisiert
(
Urk.
6/7
Ziff.
1.3). Med.
pract
.
B._
,
Assistenz
ärztin
, und
Dr.
med.
C._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychothera
pie,
Oberarzt, Sanatorium
A._
, nannten im Bericht vom 2
2.
Oktober 2009 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt und ein Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent (
Ziff.
1.1).
Sie
führten aus
, die Patientin leide momentan vor allem unter einer depressiven Symptomatik mit ausgeprägter Antriebslosigkeit, Traurigkeit,
Niedergestimmt
heit
und Konzentrationsschwierigkeiten.
Die Symptomatik
wirke sich bei der Arbeit deutlich leistungsmindern
d
aus
. Im Moment bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit
(
Ziff.
1.7).
3.3
Anschliessend war die Beschwerdeführerin v
om
6.
Oktober 2009 bis 2
6.
März 2010 in der
D._
Klinik in stationärer Beh
andlung (
Urk.
6/16
Ziff.
1.3).
Med.
pract
.
E._
, Leitende Ärztin,
D._
Klinik, nannte im Bericht vom
3.
März 2010 (
Urk.
6/16) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion, die seit etwa anderthalb Jahren bestehe, und ein Alkoholabhängigkeitssyndrom, welches seit zirka anderthalb Jahren bestehe (
Ziff.
1.1).
Med.
pract
.
E._
führte zur Krankengeschichte aus
, im Rahmen einer Umstrukturierung am Arbeitsplatz habe sich Anfang 2009 eine zunehmende depressive Symptomatik entwicke
lt. Im weiteren Verlauf habe die Beschwerde
führerin
zudem ein Burnout-Syndrom entwickelt, so dass seit Januar 2009 keine Arbeitsfähigkeit mehr bestanden habe. In Verbindung mit einer depressi
ven Entwicklung habe sich bei der Patientin ein zunehmend erhöhter
Alkohol
konsum
eingestellt und
sie habe eine
Alkoholabhängigkeit entwickelt (
Ziff.
1.4).
Med.
pract
.
E._
attestierte für die zuletzt au
sgeübte Tätigkeit in einem Callc
enter seit dem
6.
Oktober 2009
dauerhaft
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Ziff.
1.6)
.
K
örperlich und geistig bestünden bei der Patientin keine Ein
schränkungen. Psychisch zeige sich eine weiterhin verminderte Belastbarkeit mit rascher Dekompensation mit Unruhe, Ängstlichkeit
, Schlafstörungen und dann einem erhöhten
Verlangen nach Alkohol. Da
insbesondere
in einem Call
c
enter ein hoher Druck bestehe, sei hier von einer anhaltenden Überforderung der Patientin auszugehen, so dass sich die depressive Symptomatik deutlich verschlechtern würde. Die Konzentrationsfähigkeit sei aufgrund der verminder
ten Belastbarkeit eingeschränkt. Nach Beendigung der Therapie sei der Beschwer
deführerin in einer angepassten Tätigkeit zunächst ein Pensum von zirka vier Stunden am Tag möglich. Auf einen hohen Leistungsdruck sollte ver
zichtet werden (
Ziff.
1.7).
Es sei von einer Steigerung der
Arbeitsfähigkeit aus
zugehen
.
Vermutlich ab dem
1.
April 2010 bestehe eine Arbeitsfähigkeit von zirka 50
%
(
Ziff.
1
.
8-
1.9).
3.4
Med.
pract
.
F._
, Ärztliche Leitung,
G._
,
stellte
in einem Schreiben vom
4.
August 2010 (
Urk.
6/22/6)
fest
,
seit Ende Mai
2010 bestehe wieder eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
.
Auch die Beschwerdeführerin sei der Ansicht, dass die Arbeitsfähigkeit gegeben sei.
S
owohl die Angstzustände als auch die depressiven Symptome
hätten sich massiv gebessert und würden
sie
nicht mehr beeinträchtigen.
Seit
dem Austritt aus der
D._
Klinik Ende März 2010
sei die Beschwerdeführerin
bei
ihnen
in psychiatrisch-psychotherapeuti
scher Behandlung mit einem Gespräch wöchentlich.
3.5
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Regional
ärztlicher
Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin,
hielt
in einer Stellungnahme v
om 2
1.
September 2010 (
Urk.
6/34
S. 2 f.)
fest
, im Arztzeugnis vom
4.
August 2010 werde der Beschwerdeführerin seit Ende Mai 2010 eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
attestiert. Die Angstzustände und die depressiven Symptome hätten sich massiv gebessert und beeinträchtigten die Beschwerde
führerin nicht mehr. Mit den Diagnosen einer Anpassungsstörung und einer Alkoholabhän
gigkeit bei aktueller Abstinenz und Remission der depressiven und der Angst-Symptomatik bei vormals bestehender Anpassungsstörung sei ein Gesundheitsschaden ausgewiesen.
Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Mitarbeiterin in einem Callcenter sowie für eine angepasste Tätigkeit
habe v
om 2
4.
November bis 1
4.
Dezember 2008 ein
e Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und
vom 1
4.
Dezember 2008 bis 2
0.
Juli 2009 eine solche von 50
%
bestanden. Während der
Hospitalisationen
im Sana
torium
A._
und in der
D._
Klinik habe vom 2
1.
Juli bis
6.
Oktober 2009 und vom
6.
Oktober 2009 bis 3
1.
März 2010 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden. Ab dem
1.
April 2010 bis Ende Mai 2010 habe eine Arbeits
un
fähigkeit von 50
%
bestanden. Seit Ende Mai 2010 bestehe eine Arbeitsfähig
keit von 100
%
. Sämtliche Zeiten mit einer attestierten Arbeitsunfähigkeit wür
den sich sowohl auf die bisherige als auch auf eine angepasste Tätigkeit beziehen. Die seit dem
1.
April 2010 attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50
%
sowie die nun erlangte Arbeitsfähigkeit von 100
%
würden sich auf eine ange
passte Tätig
keit mit geringerer Stress- und Reizexposition beziehen, als dies bei der Tätigkeit
als
Callcenter-Mitarbeiter
in
gegeben sei. In diesem Fall seien beruf
liche Massnahmen medizinisch-theoretisch aussichtsreich und erfolgsver
sprechend.
3.6
Med.
pract
.
F._
stellte
in einem Bericht vom 2
4.
Juli 2014 (
Urk.
6/99)
folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Alkohol, schädlicher Gebrauch,
und leichte depressive Episode
.
Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit stellte
sie
keine
(
Ziff.
1.1).
Med.
pract
.
F._
führte zum Befund aus
, abgesehen von Störungen im Bereich der Affektivität zeige die Patientin keine psychopathologischen Auffälligkeiten. Die Patientin sei deprimiert, traurig und hoffnungslos und habe die Angst, niemals wieder eine Arbeitsstelle zu finden und somit von der Sozialhilfe abhängig zu werden. Die Stimmung schwanke zwischen Resignation und Aggressivität und es bestehe ein vermindertes Selbstwertgefühl (S. 2
Ziff.
1.4).
In
der bisherigen Tätigkeit
sei sie zu
100
%
arbeitsfähig (
Ziff.
1.6-1.7).
3.7
Die Beschwerdeführerin war nach einem Alkoholexzess v
o
m 1
5.
bis 29.
Sep
tember 2014
im
I._
h
ospitalisiert (
Urk.
6/108/1
).
Dr.
med.
J._
, Leitender Arzt Gastroenterologie, med.
pract
.
K._
, Oberarzt, und med.
pract
.
L._
, Stationsarzt
Medizin
,
I._
,
führten im Austrittsbericht vom
6.
Oktober 2014 (Urk.
6/108/1-5) aus,
es habe
sich um eine notfallmässige
Selbstzuweisung via Rettungsdienst
gehandelt
bei Schwindel, Übelkeit,
Appetitlosigkeit ohne Erbrechen
sow
ie Kraftlosigkeit in den Beinen
. Einer Kollegin sei zudem eine Gelbverfärbung der Skleren aufgefallen (S. 1 unten).
Die Patientin sei am 29.
September 2014 in leicht reduziertem Allgemeinzustand, ohne Ikterus oder
enzephalopathische
oder Entzugs-Symptome entlassen worden (S. 2 Mitte).
Die Ärzte stellten
im
Austrittsbericht
folgende Diagnosen (S. 1):
äthyltoxische Leberzirrhose
mit
bioptisch
zusätzlich
äthylischer
Hepatitis, Beginn Steroidtherapie
mit
Hepatosplenomegalie
, Ikterus und beginnender
Enzephalopathie
chronischer
Alkoholabusus
Entzugsprophylaxe mit Benzodiazepin unter Berücksichtigung der Hepatopathie
makrozytäre
,
makrochrome
Anämie
aktuell: Folsäuremangel, Folsäure & Vitamin B12 substituiert seit 1
8.
September 2014
Differentialdiagnose äthyltoxisch, im Rahmen der Zirrhose
leichte depressive Episode
subklinische Hypothyreose
Adipositas
Nierenagenesie rechts
3.8
Med.
pract
.
F._
stellte in einem Schreiben vom 3
0.
Oktober 2014 (Urk.
6/107)
die Diagnosen einer mittelgradigen depressiven Episode und einer psychischen und Verhaltensstörung durch Alkohol, abstinent seit dem 15.
Sep
tember 201
4.
Aus psychiatrischer Sicht sei der Zustand der Patientin gleichbleibend, in
t
er
nistisch habe sich die Situation aber grundlegend verändert.
Die
Patientin
sei körperlich
mittlerweile in einem sehr reduzierten Zustand. Aufgrund der Diagnosen mit den dazugehörigen Parametern im Austrittsbericht
des
H._
vom
6.
Oktober 2014 erscheine die Prognose sehr ungünstig und die Aufnahme einer Arbeitstätigkeit sei vermutlich nicht mehr zumutbar.
3.9
Vom 1
4.
bis 2
4.
Oktober 2014 erfolgte eine weitere stationäre Behandlung im
I._
(
Urk.
6/110/8). Med.
pract
.
K._
und med.
pract
.
M._
, Stationsärztin
Medizin
,
I._
,
nannten
im
Austrittsbe
richt
vom 3
1.
Oktober 2014 (
Urk.
6/110/8-10)
nebst den genannten Diagnosen zusätzlich
eine Pneumonie der Unterlappen beidseits und eine leichte
Aniso
korie
, links mehr als rechts (S. 1).
Sie
führten weiter aus,
die notfallmässige Zuweisung sei durch den Vertreter des Hausarztes erfolgt bei zunehmender Schwäche,
subfebrilen
Temperaturen sowie erhöhten Entzündungsparametern und Transaminasen (S. 2 oben). Während des stationären Aufenthaltes habe man die Patientin
hypomim
erlebt. Sie habe über Leere und eine morgendliche Antriebslosigkeit geklagt. Für einen persistierenden Alkoholkonsum hätten keine Anhaltspunkte bestanden
. Man habe die Patientin am 2
4.
Oktober 2014 in gebessertem Allgemeinzustand nach Hause entlassen
(S. 2 unten).
3.10
Dr.
J._
,
I._
, führte in einem Bericht vom 1
9.
November
2014 (
Urk.
6/110/6-7) aus, es bestehe eine
äthyltoxische
Leberzirrhose. Unter Ste
roiden sei
en
ein
regredienter
Aszites und Ikterus vereinbar mit e
iner gut behan
delten
äthylischen
Hepatitis-Komponente. Die Beschwerdeführerin lebe zu Hause und trinke nicht mehr. Die Medikation werde eingenommen
(S. 1)
.
Dr.
J._
stellte folgende Diagnosen (S. 1
unten
):
rekompensierte Zirrhose
kein Aszites, keine HCC-verdächtigen Läsionen
portal-
hypertensive
Gastropathie
, keine Hinweise für Varizen
Soorösophagitis
unter Steroiden
Als mögliche Komplikationen der Steroidtherapie seien zwar eine Pneumonie und eine
Soorösophagitis
aufgetreten. Die Zirrhose sei aber klinisch,
sonogra
phisch
und laborchemisch vollständig rekompensiert (S.
2
).
3.11
Die Beschwerdeführerin ist seit dem
2.
Oktober 2014 bei
Dr.
med.
N._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
in Behandlung (
Urk.
6/111/17
Ziff.
1.2).
Dr.
N._
stellte
im
Bericht vom 1
3.
Januar 2015 (
Urk.
6/111/17-18) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
ä
thylische
Leberzirrhose mit akuter Dekompensation September 2014
Diabetes mellitus, Erstdiagnose November 2014
Verdacht auf reaktive Depression nach traumatischer Scheidung
Adipositas
Dr.
N._
führte zum Befund aus, die Patientin sei psychisch verlangsamt mit starkem Tremor. Körperlich sei sie in einem völlig untrainierten Zustand.
Es bestehe eine ständige Tachykardie.
Die Leberwerte hätten sich labormässig langsam verbessert. Dafür bestehe nun ein
eindeutig
behandlungsbedürftiger
Diabetes mellitus, der sich aber recht gut einstellen lass
e
. Die Patientin sei mit ihren Krankheiten völlig überfordert. Nur dank der Mithilfe der Spitex könne sie ein
igermassen „über Wasser“ gehalten
werden (
Ziff.
1.4).
Die Beschwerdeführerin sei sicher immer zu 100
%
arbeitsunfähig.
Sie
wirke psychisch hilflos. Körperlich sei sie in einem schlechten Zustand und auch nicht leistungsfähig
. Die Blutdruck- und Blutzuckerwerte hätten sich in letzter Zeit gebessert
(
Ziff.
1.6-1.7).
3.12
Dr.
med.
O._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, RAD,
hielt
in einer Stellungnahme vom
4.
März 2015
(
Urk.
6/125 S. 7)
fest
, der betreuende Arzt
Dr.
N._
sehe die Beschwerdeführerin immer noch als 0
%
arbeitsfähig. Dies sei aber nicht
nach
vollzie
hbar. Vonseiten der Leber
lägen kaum mehr pathologische Befunde vor.
Diesbezüglich
sowie von vonseiten des Diabetes sei eine volle Arbeitsfähigkeit gegeben. Im Zeugnis vom 3
0.
Oktober 2014 nach den beiden
Hospitalisationen
werde psychiatrisch ein unveränderter Zustand erwähnt. Somit bestünden keine Gründe für eine Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit in einer angepassten Tätigkeit seit 201
0.
Die
seither jeweils attestierten Zeiten einer Arbeitsunfähigkeit seien als IV-fremd durch die
Alkoholproblema
tik
verursacht anzusehen. In einer angepassten Tätigkeit seien also keine rele
vanten Einschränkungen gegeben.
3.13
Dr.
med.
P._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Ärztlicher Co-Direktor,
Q._
, antwortete in einem Bericht vom
2.
Februar 2016 (
Urk.
13/1) auf die Fragen der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin.
Er
führte aus
, die Rechtsvertreterin habe darauf hinge
wiesen, dass die Beschwerdegegnerin der Ansicht sei, die Einschränkungen der Beschwerdeführerin
beruhten
a
uf einem Abhängigkeitsverhalten
, ohne die seit Jahren vorbestehenden depressiven Besch
werden, die seit September 2014 bestehenden somatischen Beschwerden sowie die psychischen Folgen der Suchterkrankung zu berücksichtigen (S. 1 unten).
Die Beschwerdeführerin sei im Jahr 2006 an einer Depression erkrankt. In der Folge habe sich ein Alkoholmissbrauch und eine Alkoholabhängigkeit entwi
ckelt. Während der gesamten Umschulung hätten eine psychische Instabilität, Konzentrationsschwierigkeiten und eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit wegen der seit Jahren bestehenden depressiven Beschwerden bestanden. Im Herbst 2014 sei es zu einer deutlichen und starken Verschlechterung der depressiven Beschwerden gekommen. Im September 2014 sei ein Alkoholexzess in suizidaler Absicht erfolgt, was zur notfallmässigen Einweisung ins
I._
im September 2014 geführt habe. In diesem Zusammenhang
sei e
s zu irreversiblen schweren körperlichen Schäden und einer äthyltoxischen Leber
zirrhose mit
äthylischer
Hepatitis sowie einer
makrozytären
,
makrochromen
Anämie gekommen. Dies habe zu einer mehrwöchigen stationären Behandlung im
I._
geführt. Seit diesem Ereignis leide die Beschwerdeführerin neben den vorbestehenden depressiven Beschwerden an einer erheblichen Ein
schränkung der kognitiven Leistungen (schlechtes Kurzzeitgedächtnis, Vergess
lichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, schnelle Ermüdbarkeit, Verlangsa
mung). Die Beschwerdeführerin sei schnell überfordert
,
müsse wegen Bluthoch
druck und Diabetes behandelt werden und leide an unklaren
Muskelbeschwer
den
.
Die Beschwerdeführerin konsumiere seit September 2014 keinen Alkohol mehr und zeige auch keine anderen Abhängigkeitserkrankungen. Die Aufnahme einer Arbeitstätigkeit werde von allen behandelnden Ärzten als wahrschei
nlich nicht zumutbar beurteilt (S. 2).
Es
sei
en
eine
äthylische
Leberzirrhose mit akuter Dekompensation im September 2014, ein Diabetes mellitus seit November 2014, eine mittelgradige depressive Episode, eine psychische und eine Verhaltensstörung durch Alkohol, abstinent seit dem 1
5.
September 2014
,
diagnostiziert
worden
.
Im Zentrum stünden eine ausgeprägte depressive Symptomatik, die sicher das Ausmass einer mittelgradi
gen depressiven Erkrankung habe, die Folgen einer
äthylischen
Leberzirrhose (akute Dekompensation im September 2014
) und ein Diabetes mellitus (S. 2 f.).
Der heutige Zustand mit der beschriebenen Verlangsamung, einem Tremor, einer Tachykardie und der Unfähigkeit, das Leben selbständig zu gestalten, habe seine Ursache sowohl in der depressiven Störung wie auch in den schweren körperlichen Schäden, die
die
Beschwerdeführerin durch die in suizidaler Absicht konsumierte Unmenge von Alkohol im September 2014 erlitten habe. In der folgenden längeren
Hospitalisation
im
H._
sei eine äthyltoxische Leberzirrhose mit
äthylischer
Hepatitis und starken Blutbildveränderungen fest
gestellt worden. Die Beschwerdeführerin habe sich von dieser massiven
Alkohol
intoxikation
nicht mehr vollständig erholt. Man sehe heute das Bild einer schwer kranken Frau mit körperlichen und seelischen Defiziten. Es sei bekannt, dass Alkohol eine für den Körper toxische Wirkung habe. Dabei könnten alle relevanten Organe geschädigt werden.
Bekannt seien Schädi
gungen der Lebe
r
(Folge: Leberzirrhose), Magenentzündungen (Folgen: Ösopha
gus Varizen, Magenschleimhautentzündungen), hämatologische Probleme (
Makrozytämie
) und insbesondere ausgeprägte neurologische Probleme (Zer
störung der langen Nervenbahnen, Gehirnveränderungen). Die körperlichen Schäden seien in den Berichten des
H._
ausführlich und deutlich darge
stellt worden (Leberzirrhose,
portale
hypertensive
Gastropathie
, Anämie). Die nach einer solchen Intoxikation zu erwartenden neurologischen Defizite und Störungen würden im Bericht von
Dr.
N._
zwar beschrieben (psychisch ver
langsamt, starker Tremor, lebensalltägliche Überforderung,
Konzentrations
schwierigkeiten
), seien jedoch fachärztlich nicht zusätzlich abgeklärt worden (S.
3).
Trotz d
er massiven Intoxikation und der beschriebenen Symptome
sei die Beschwerdeführerin seit September 2014 nie auf ihre psychische Leistungsfä
higkeit untersucht worden und es sei keine neurologische Untersuchung durch
geführt worden. Es sei deshalb angezeigt, eine neuropsychologische Untersu
chung im Rahmen einer erneuten psychiatrischen Abklärung durchzuführen und ausserdem die in einer neurologischen Abklärung zu erwartenden neurolo
gischen Störungen abklären zu lassen.
Damit werde klar, dass die heutige Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht auf das Abhängigkeitsverhalten zurückgeführt werden könne. Die Beschwerdeführerin lebe seit bald eineinhalb Jahren alkoholabstinent. Die heute zu beobachtenden psychischen Symptome seien einerseits auf eine depressive Störung zurückzuführen, andererseits handle es sich um Folgeerscheinungen der Alkoholintoxikation im September 2014 (S. 4).
4.
4.1
Im
Verlaufsprotokoll der Berufsberatung der Beschwerdegegnerin vom
3.
Mai 2012
(
Urk.
6/47 S. 1)
wurde
zum Verlauf der beruflichen Massnahmen
ausge
führt
,
die Beschwerdeführerin
habe
die Umschulung mit dem Erwerb des
Büro
fachdi
ploms
erfolgreich abgeschlossen
. Ihre psychische Verfassung sei
aber
nach wie vor schwankend und die private Wohn
situation
ungeklärt. Trotzdem habe
sie
in der Schule oder im internen Praktikum bei der
R._
,
kaum gefehlt
.
Die Beschwerdeführerin
werde als zuverlässig und hilfsbereit erlebt.
Ihr
Ent
wicklungspotenzial
liege in der weiteren Stabilisierung, im Aufbau des Selbst
vertrauens und der Steigerung des Arbeitspensums
. Mit Unterstützung der
R._
habe sie ein externes Praktikum mit einem Pensum von 40
%
gefunden. Weitere 20
%
werde sie in die Stellensuche investieren. Die restlichen 30
%
verbringe
die Beschwerdeführerin
in einem internen Praktikum der
R._
. Eine psycho
therapeutische Unterstützung sei weiterhin wichtig und finde auch statt.
4.2
Die
Berufsberatung der
Beschwerdegegnerin
hielt
im
Verlaufsprotokoll vom 6.
November 2012
(
Urk.
6/55 S. 1)
sodann fest
,
trotz Unterstützung durch die
R._
und Jobangebote
über die
Invalidenversicherung
sei es
der Beschwerde
führerin
bis Ende Oktober 2012 nicht möglich gewesen, eine Arbeitsstelle zu finden. Eine
weitere Unterstützung durch die IV
Eingliederungsberatung und bei der Stellensuche
werde als sinnvoll erachtet
, damit es nicht zu einer erneu
ten psychischen Destabilisierung komme. Die Beschwerdeführerin bringe sehr viel Motivation sowie Engagement mit und laufe deshalb Gefahr, an ihre Gren
zen zu
stossen
.
4.3
Die Verantwortlichen der
R._
berichteten am 2
1.
Nov
ember 2012 (
Urk.
6/59) über den Ve
rlauf der beruflichen Massnahme
, die
vom
2.
Mai 2011 bis zum 2
6.
Oktober 2012
dauerte
(S. 1).
Sie
hielten fest, die Beschwerdeführerin habe während der Massnahme an Stabilität gewonnen, was durch die Anzahl Absen
zen dokumentiert sei. Der positive Verlauf sei unter anderem darauf zurückzu
führen, dass
die Beschwerdeführerin
in jeder Hinsicht an Sicherheit gewonnen habe. Zu ihrem Umfeld habe sie Vertrauen aufbauen können. Fachlich habe sie ihre Kompetenzen durch die Ausbildung ausgeweitet. In der zweiten Hälfte der Massnahme sei es zu keinen psychischen Einbrüchen mehr gekommen (S. 3
Ziff.
7).
Bei weiterhin stabiler Gesundheit könne die Beschwerdeführerin eine
Präsenz
zeit
von 90 bis 100
%
einhalten. Der Leistungsgrad liege derzeit bei zirka 80
%
. Eine Steigerung sei möglich, wenn ihr die Arbeiten vertraut seien und eine gewisse Routine erreicht worden sei (S. 6 f.
Ziff.
11).
4.4
Die Beschwerdegegnerin hielt im
Verlaufsprotokoll vom 1
3.
September 2013
(
Urk.
6/73 S. 1)
sodann fest
, die bisherige Stellensuche
sei
trotz externer Unter
stützung
eines
Leistungspartners erfolglos geblieben.
Die Beschwerdeführerin sei in den vergangenen Monaten zusätzlich belastet gewesen durch
eine
laufende schwierige Scheidung und einen damit verbundenen Umzug an einen neuen Wohnort. Sie sei kurzzeitig durch die behandelnde Ärztin während rund zwei Wochen zu 100
%
krankgeschrieben gewesen.
I
m Rahmen eines
Arbeits
trainings
könne sie
vom
2.
September 2013 bis 2
8.
Februar 2014 in einem
Alterszentrum eingesetzt werden
.
5.
5.1
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fallen leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, ein
zig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie
erwiesenermas
sen
therapieresistent sind (statt vieler:
BGE 140 V 193
E.
3.3 mit Hinweis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut
angehbar
sind - gesetzlich ver
langten Konstellation ist den no
rmativen Anforderungen des Art. 7 Abs.
2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (
BGE 141 V 281
E. 3.7.1 bis 3.7.3
). Ein solcher Sachverhalt muss überwiegend wahrscheinlich und darf nicht lediglich nicht
auszuschliessen
sein. Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und sta
tionären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nach
haltig ausgeschöpft wurden (
BGE 140 V 193
E. 3.3
;
BGE
137 V 64
E.
5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bun
desgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E. 4.1).
5.2
Zunächst ist zu prüfen, ob in der Zeit von März bis Ende August 2010 ein Renten
anspruch besteht.
Für den Zeitraum
nach der Anmeldung
der Beschwerdeführerin
bei der Inva
li
den
versicherung
vom
2.
September 2009
sind
die
Klinikaufenthalte
im Sana
torium
A._
und in der
D._
K
linik
aktenkundig
(vgl.
E. 3.2-3.3 hier
vor). D
ie Ärzte
des Sanatoriums
A._
und der
D._
Klinik
diagnostizierten ein Alkoholabhängigkeitssyndrom und
eine Anpassungsstörung.
Eine
Anpas
sungs
störung
stellt definitionsgemäss
lediglich ein vorübergehendes Leiden dar beziehungs
weise bildet keine hinreichend ausgeprägte Psychopathologie. Viel
mehr liegt sie im Grenzbereich dessen, was überhaupt noch als krankheitswertig im Sinne des Gesetzes und potenziell invalidisierendes Leiden gelten kann (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2014 vom 3
0.
April 2014, E. 3.2 mit Hin
weis auf das Urteil 9C_153/2012 vom 1
5.
Oktober 2012, E. 4.3).
Eine
Alkohol
abhängigkeit
begründet
für sich allein
keine Invalidität
(
vgl.
E. 1.2 hiervor).
Dr.
Z._
stellte zudem die Diagnose einer Depression (E. 3.1). Der Bericht
von
Dr.
Z._
vom 2
3.
September 2009
enthält jedoch keine
weiteren Angaben
hin
sichtlich des
Schweregrad
es
einer allfälligen depressiven Störung.
Anhalts
punkte,
dass es sich um eine schwere Depression handeln könnte,
ergeben sich aus dem Bericht
nicht
.
Die
Anpassungsstörung
sowie ein
Alkoholabhängig
keit
ssyndrom
und
eine
depressive Störung
erweisen sich
nach der Rechtspre
chung
als therapeutisch behandelbar und
als nicht invalidisierend.
Dass, von den Klinikaufenthalten abgesehen, keine längerdauernde Erwerbsunfähigkeit vorlag,
die eine Invalidität begründen könnte,
ergibt
sich auch aus
dem Schrei
ben von med.
pract
.
F._
vom
4.
August 201
0.
Diese
bestätigte darin, dass seit Ende Mai 2010 wieder eine volle Arb
eitsfähigkeit bestand (E. 3.4), so dass von einer
kurzzeitigen Arbeitsunfähigkeit
auszugehen ist
.
Für
die Zeit von März bis Ende August 2010
scheidet ein Rentenanspruch daher aus.
5.3
Ab dem
1.
Februar 2011 wurden der Beschwerdeführerin
zunächst
eine berufli
che Abklärung
in der
R._
und
in der Folge
weitere berufliche Massnahmen
wie eine Umschulung zur Bürofachfrau
zugesprochen
(
Urk.
6/32,
Urk.
6/39
,
Urk.
6/45,
Urk.
6/71,
Urk.
6/82
).
Eine der Beschwerdeführerin zuge
sprochene Arbeitsvermittlung
wurde a
m
5.
Juni 2014
abgeschlossen
(
Urk.
6/94).
Für die Folgezeit ist erneut ein Rentenanspruch
zu prüfen.
M
ed.
pract
.
F._
diagnostizierte
im Bericht vom 2
4.
Juli 2014
lediglich
eine leichte depressive Episode
und ein
en schädlichen
Gebrauch von Alkohol
(E.
3.6).
Eine
leichte depressive Episode
begründet rechtspr
echungsgemäss keine Invalidität (Urteil des Bundesgerichts 9C_506/2014 vom 1
0.
November 2014, E.
4.2).
Die Psychiaterin attestierte der Beschwerdeführerin denn auch trotz der Beschwerden eine volle Arbeitsfähigkeit (E. 3.6).
Im Schreiben vom 3
0.
Oktober 2014
stellte sie die Diagnose
eine
r
mittelgradige
n
depressive
n
Episode
, hielt aber auch fest, dass aus psychiatrischer Sicht der Zustand der Beschwerde
führerin grundsätzlich gleichbleibend sei
. Auch eine
mittelgradige depressive Episode
begründet
denn auch in der Regel
keine Invalidität
(E. 5.1)
.
Die geklag
ten depressiven Beschwerden
erweisen sich
daher
auch für den Zeitraum nach
Abschluss der beruflichen Massnahmen
grundsätzlich als behandelbar und
als
nicht invalidisierend.
Der Umstand, dass
der Beschwerdeführerin
Eingliede
rungsmassnahmen
zugesprochen
worden sind,
führt zu
keinem anderen Ergeb
nis, da
hierfür
nicht die gleichen Voraussetzungen
wie für die
Zusprache
einer Invalidenrente
bestehen. Nach Art.
8
Abs.
1 IVG haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte
bereits einen
Anspruch auf Eingliederungs
massnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern und die Voraussetzungen für den Anspruch auf di
e einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Nach einem Alkoholexzess im September 2014 folgten zwei stationäre Auf
enthalte im
I._
.
Die dortigen behandelnden Ärzte machten kei
ne Angaben zur Arbeitsfähigkeit
. Der Hausarzt der Beschwerdeführerin attestierte im Bericht vom 1
3.
Januar 2015 zwar ei
ne Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(E.
3.11).
Wie
Dr.
O._
zu Recht
feststellte, erweist
sich
die Beurteilung durch
Dr.
N._
jedoch
als nicht nachvollziehbar (E. 3.1
2 hiervor
). Zur von
Dr.
N._
gestellten Diagnose einer
ä
thylischen
Leberzirrhose mit akuter Dekompensation im September 2014 ist zu sagen, dass
Dr.
J._
,
I._
, die Leberzirrhose im Bericht vom 1
9.
November 2014 als klinisch,
sonographisch
und laborchemisch vollständig rekomp
ensiert bezeichnet hatte (E. 3.10
hiervor).
Die weitern Diagnosen eines Diabetes mellitus und einer Adi
positas
schränken die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer
behin
derungsangepassten
Tätigkeit nicht ein.
Betreffend
die
von
Dr.
N._
attestier
te volle Arbeitsunfähigkeit
ist sodann auf die Erfahrungstatsache hin
zuweisen, wonach Hausärzte und behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auf
tragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen, weshalb ihre Berichte mit Vorbehalt zu würdigen sind
(BGE 135 V 465 E. 4.5).
Auch die Berichte
über den Verlauf der beruflichen Mass
nahmen
lassen nicht auf eine Invalidität schliessen
. So war es der Beschwerde
führerin trotz
einer schwankenden psychischen Stabilität
möglich, die Um
schulung mit dem Erwerb des Bürofachdiplomes VSH erfolgreich abzu
schliessen.
Zu bedauern ist, dass die Beschwerdeführerin in der Folge trotz Unterstützung keine
Arbeitsstelle
gefunden hat.
Gegen den Bericht von
Dr.
P._
vom
2.
Februar 2016
und dessen Beurteilung
ist anzuführen, dass er die
von
med.
pract
.
F._
noch
im Juli 2014
attestierte volle Arbeitsfähigkeit
nicht berücksichtigt hat, während
er
vor allem
die
Angaben des Hausarztes erwähnte
und auf dessen Beurteilung abstellte.
Auch im Schreiben von med.
pract
.
F._
vom 3
0.
Oktober 2014 wird in psychiatrischer Hinsicht weitgehend ein unveränderter Zustand beschrieben.
Entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin erweist sich der medizinische Sachverhalt
als ausreichend abgeklärt. Auf eine polydisziplinäre Begutachtung, wie von der Beschwerdeführerin beantragt (
Urk.
12 S. 3
Ziff.
5
), ist daher zu verzichten.
5.4
Zusammenfassend
ergibt
sich
, dass die
zwischenzeitlichen
Spitalaufenthalte der Beschwerdeführerin
und die in dieser Zeit bestehende Arbeitsunfähigkeit
auf die Alkoholabhängigkeit der Beschwer
deführerin zurückzuführen sind, wobei die Beschwerdeführerin seit September 2014 abstinent ist.
Die geklagten depressi
ven Beschwerden und die zwischenzeitlich diagnostizierte Anpassungsstörung erweisen sich als nicht invalidisierend.
Dies führt zum Schluss, dass für eine behinderungsangepasste Tätigkeit zu keiner Zeit ein
e IV
relevante Ein
schränkung
bestand.
Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Entscheid einen Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin
folglich
zu Recht verneint, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
6.1
Die Beschwerdeführerin beantragte sodann die Übernahme der Kosten der Abklä
rung durch
Dr.
P._
(
Urk.
12 S. 3)
. Vorliegend erweist sich der medizi
nische Sachverhalt als genügend geklärt
,
und es kommt der Aktenbeurteilung
durch
Dr.
P._
keine massgebende Bedeutung zu. Sie war weder für die Ent
scheidfindung notwendig noch stellte das hiesige Gericht darauf ab. Dement
sprechend besteht kein Anspruch auf Vergütung der Kost
en des Berichtes von
Dr.
P._
vom
2.
Februar 2016
in Höhe von
Fr.
500.--
(
BGE 115 V 62 E. 5 sowie Urteil des Bundesgerichts 8C_231/2013 vom 1
8.
Juli 2013).
6.2
Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und vorliegend auf
Fr.
700.-- fest
zusetzen. Z
ufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
sind die Kosten
jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6.3
Die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin reichte dem Gericht am
4.
August 2016 (
Urk.
20) die Honorarnote in Höhe von
Fr.
3‘426.20 (
Urk.
21/1-2) ein.
Der von der Rechtsvertreterin geltend gemachte Aufwand von 14 Stunden zuzüglich Barauslagen (
Urk.
21/1)
betrifft den Zeitraum ab September 201
5.
Die unentgeltliche
Verbeiständung
wurde indes erst ab
1.
Januar 2016 bewilligt (
Urk.
11, vgl. auch
Urk.
9 S. 2), weshalb sich der massgebende Aufwand gemäss Leistungsabrechnung auf 3.40 Stunden beläuft. Dieser ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses angemessen, weshalb
die Ent
schädigung von Rechtsanwältin Stephanie Schwarz bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
832
.
10
(inklusive Barauslagen
von 3
%
des Zeitaufwandes
und
Mehrwert
steuer) festzusetzen
ist
.