Decision ID: a55656fe-932d-4e39-9d59-53546ee31ed8
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Y._
sel.
,
geboren 1974,
verheiratet
gewesen
und Vater von zwei Söhnen, arbeitete seit dem
1.
September 2012 vollzeitlich als System Engineer bei der
Z._
AG
und war im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei der HDI Global SE für die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten obligatorisch versichert.
Am 1
9.
Juli 2018
meldete die Arbeitgeberin der HDI Global SE, dass der Versi
cherte am
...
Juni 2018 infolge eines Unfalles verstorben sei (
Urk.
11/K1; vgl.
die Todesbescheinigung vom
...
.
J
uni 2018
,
Urk.
11/A12, und
den Auszug aus de
m Todesregister vom
...
Juni 2018,
Urk.
11/K4).
Die HDI Global SE zog die Akten der Staatsanwaltschaft
A._
des Kantons Z
ürich bei
(Urk.
11/A1-A16)
, darunter die Polizeiprotokolle über die Erhebunge
n am Unfallort und
die Befra
gung von Auskunftspersonen (
Urk.
11/A10)
, und eröffnete
daraufhin
der Witwe des Versicherten,
X._
, vertreten durch Rechtsanwalt Peter M.
Saurer, mit Verfügung vom 3
1.
Oktober 2018, dass sie für das Ereignis vom
...
.
Juni 2018 nicht leistungspflichtig sei, da es sich
dabei
um einen Suizid gehandelt habe und keine Hinweise
darauf
bestünden, dass der Versicherte den Suizid im Zustand der Urteils
unfähigkeit begangen habe (Urk.
11/K17).
Mit E
ingabe vom 1
0.
Dezember 2018 liess die Witwe des Versicherten Einsprache erheben und
zur Klärung der Frage der Urteilsunfähigkeit den Beizug der Unter
lagen über die ärztliche Behandlung des Versicherten in der Zeit vor dem Ereignis vom
...
Juni 2018 beantragen (
Urk.
11/K20).
1.2
Die HDI Global SE
liess sich von der
B._
AG,
in deren Klinik sich
der Versicherte im Dezember 2017 und erneut im Juni 2018 stationär aufgehalten hatte, die ärztlichen Dokumentationen und die Pflegedokumentation
zustellen
(
Urk.
11/M1/1-6 und
Urk.
11/M3/1-3) und
ho
lte beim Psychiater
Dr.
med. C._
, der den Versicherten ambulant beha
ndelt hatte, den Bericht vom 8.
Mai 2019 ein (
Urk.
11/M2
; vgl. die Korrespondenz in
Urk.
11/K22-K28
)
. An
schliessend beauftragte sie
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie
,
mit einer Aktenbeurteilung (S
chreiben vom 2
7.
Mai
2019, Urk.
11
/K29), die dieser am 1
6.
Juni 2019 vorlegte (
Urk.
11/M4).
Nachdem der R
echtsvertreter von
X._
von der Gelegenheit zur Stellungnahme zur Aktenbeurteilung von
Dr.
D._
keinen Gebrauch gemacht hatte (vgl. die Korrespondenz
in
Urk.
11/K31-K35), wies die HDI Global SE die Einsprache mit Entscheid vom 1
1.
Oktober 2019 ab (
Urk.
2 =
Urk.
11/K36).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
1.
Oktober liess
X._
durch Rechtsanwalt Peter M. Saurer mit Eingabe vom 1
9.
November 2019 Be
schwerde erheben (
Urk.
1)
und beantragen, der Entscheid sei aufzuheben und es seien die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen, insbesondere Witwen- und Wai
sen
renten (
Urk.
1 S. 2). Auf die Aufforderung zur Beschwerdeantwort hin (Verfü
gung vom 2
1.
November 2019,
Urk.
5) li
ess die HDI Global SE durch Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
eine weitere A
ktenbeur
tei
lung im Sinne einer Zweitmeinung
erstellen (Beurteilung vom 30.
November
2019,
Urk.
11/M6/1) und liess anschliessend, vertreten durch Rechtsanwalt Martin
Bürkle und Rechtsanwältin Nicola
Neth
, in der Beschwerdeantwort vom 1
0.
März 2020 auf Abweisung der Beschwerde
schliessen
(
Urk.
10)
.
Mit Verfügung vom 1
2.
März 2020 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeord
net (
Urk.
13).
Die Beschwerdeführe
rin liess in der Replik vom 17.
September 2020 an ihrem Standpunkt festhalten (
Urk.
18)
. Als neue Unterlagen liess sie zum einen das Schreiben vom 1
3.
Juni 2018 einreichen, mit dem
Dr.
C._
den Ver
si
cherten der
Klinik der
B._
AG zugewiesen hatte (
Urk.
19/1), und zum anderen ein Schre
iben des Hausarztes
Dr.
med. F._
vom 3
0.
August 2020 zur Frage der Suizidalität des Versicherten beibringen (
Urk.
19/2). Auf die Auf
forderung zu
r Duplik hin (Verfügung vom 22.
September 2020,
Urk.
20) liess die Beschw
erdegegnerin mit Eingabe vom 9.
Oktober 2020 (
Urk.
22) den Beizug der medizinischen Unterlagen beantragen, die
Dr.
F._
in seinem Schrei
ben vom 3
0.
August 2020 erwähnt hatte
. Diesem Antrag wurde
mit Verfügung vom 1
4.
Oktober 2020 unter Abnahme
der Frist zur Duplik stattgegeben
, und der Beschwerdef
ührerin wurde aufgetragen, die erwähnten
Unterlagen einzureichen (
Urk.
23). Sie kam dieser Aufforderung mit Eingabe vom 1
2.
November 2020 und den Beila
gen dazu nach (
Urk.
26 und Urk.
27/1-2). Mit Ve
rf
ügung vom
7.
Januar 2021 hielt
das Gericht fest, dass die Unterlagen unvollständig seien
,
und forderte die Beschwerdeführerin zu deren Vervollständigung beziehungsweise zur Verbes
serung hinsichtlich der Übersichtlichkeit auf (
Urk.
29; vgl. auch die Telefonnotiz vom 1
7.
November 2020,
Urk.
28). Die
Beschwerdeführerin liess dem Gericht da
rauf
hin mit Eingabe vom 2
6.
April 2021 (
Urk.
34) neue und neu geordnete medi
zinische Unterlagen zukommen (
Urk.
35/1-6), namentlich ein Schreiben von
Dr.
F._
an ihren Rechtsvertreter vom 1
5.
Februar 2021 mit
den
darin inte
grierten Eintragungen in der Kr
ankengeschichte (
Urk.
35/1) und
verschiedene
Zusammenstellungen
der Dokumentationen der
Klinik der
B._
AG,
d
ie
Dr.
F._
mit Markierungen versehen
hatte
(
Urk.
35/3-6).
Mit Eingabe vom 2
4.
August 2021 liess die Beschwerdegegnerin auf die ent
sprechende Aufforderung hin (Verfügung vom 1
7.
Mai 2021,
Urk.
36) die Duplik
erstatten und an ihrem Antrag auf Abweisung
der Beschwerde festhalten
(
Urk.
41). Dabei berief sie sich unter anderem auf eine zusätzliche Stellungnahme von
Dr. E._
vom 2
7.
Juni 2021, die sie
unter Beilegung der neu hinzu
ge
kom
menen
medizinischen Unterlagen
eingeholt hatte (
Urk.
42/2). Die Beschwerde
führerin liess die ihr angesetzte Frist zur
Äusserung
dazu (Verfügung vom 2
6.
August 2021,
Urk.
43) unbenützt verstreichen, was der Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom
9.
Dezember 2021
mitgeteilt wurde (Urk.
48). Im Rahmen der Aktenrückgabe liess die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 2
2.
Dezember 2021 den Verzicht auf eine weitere Stellungnahme erklären (
Urk.
49).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
6
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleis
tungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen
und Berufskrankheiten gewährt.
Ein Unfall ist in
Art.
4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG)
definiert als eine
plötzliche, nicht beabsichtigte sc
hä
digende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli
chen
Körper, die eine Beeinträchti
gung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
Stirbt die versicherte Person
an den Folgen des Unfalles
, so haben der über
le
bende Ehe
gatte und die Kinder
gemäss
Art.
28 UVG
Anspruch auf
Hinterlassen
enrenten
.
1.2
Hat die v
ersicherte
Person
den Gesundheitsschaden
oder den Tod absichtlich her
bei
geführt, so besteht
nach
Art.
37
Abs.
1 UVG
kein Anspruch auf Versicherungs
leistungen, mit Ausnahme der Be
stattungskosten.
Im Sinne
einer
A
usnahme
findet
die Ausschlussregelung in
Art.
37
Abs.
1
UVG
gemäss
Art.
48
der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV)
dann
keine
Anwendung, wenn die versicherte Person, die sich nachweislich das Leben neh
men oder sich selbst ver
stümmeln
wollte,
zur Zeit der Tat ohne Verschulden
gänzlich unfähig war, vernunft
gemäss zu handeln.
Der Suizid oder Suizidversuch, der
im Zustand der vollständigen U
rteilsun
fähigkeit begangen wird,
ist demnach
einem Unfa
llereignis gleichgestellt
, sofern das Ereignis im Übrigen die Kriterien des Unfallbegriffs erfüllt. D
emgegenüber sind
Suizid
e
oder Suizidversuch
e
,
die
im
Zustand einer lediglich verminderten
Urteilsfähigkeit verübt werden,
vom
Aus
schlusstatbestand der absichtlichen Selbstschädigung im Sinne von
Art.
37
Abs.
1
UVG nicht ausgenommen
(
vgl.
BGE 140 V 220 E.
3.3
,
129 V 95 E. 3.1).
1.3
Die Beweislast für den Nachweis der Urteilsunfähigkeit bei Suizid oder Suizid
versuch liegt bei der l
eistungsansprechende
n
Person
.
Sie trägt die Folgen der B
eweislosigkeit, wenn es
im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes nicht mög
lich ist, einen Sachverhalt zu ermitteln, der mit zumindest überwiegender Wahr
scheinlichkeit feststeht (Urteil des Bundesgerichts
8C_359/2021 vom
7.
Juli 2021 E. 3.5 mit Hinweisen).
Urteilsunfähigkeit im Sinne von
Art.
48
UVV, definiert als die
gänzlich
e Un
fähigkeit,
vernunft
gemäss zu handeln
, liegt nach der Rechtsprechung des Bundes
gerichts nicht bereits dann vor, wenn die betroffene Person ihre Lage krankheits
bedingt lediglich einseitig und eingeengt auf den Ausweg des Suizides einschätzt, sondern erst dann, wenn
die
Fähigkeit
der betroffenen Person,
ihr Handeln
hin
sichtlich des Suizides
vernunftmässig
zu steuern und den S
uizid mit vernunft
mässigem
Handeln zu vermeiden,
durch eine psychopathologische Symptomatik vollständig aufgehoben ist. Als Erscheinungsformen der Psychopathologie, die
für
diese Auswirkung
in Betracht kommen, nennt das Bundesgericht im Sinne von Beispielen einen Wahn,
Sinnestäuschungen,
einen
de
pressiven
Stupor (
einen plötzlichen
Erregungszustand mit Selbsttötungstendenz)
und einen
Raptus (einen plötzlichen
Erregungszustand als Symptom einer seelischen Störung)
;
das Gericht
spricht von übermächtigen Trieben, welche die Suizidhandlung steuern, und stellt diese in einen Gegensatz zur Fähigkeit der betroffenen Person, noch in erheb
lichem Mass vernunftgemäss und willentlich zu handeln (Urteile des Bundes
gerichts 8C_359/2021 vom
7.
Juli 2021 E. 2.3 und E. 2.4 und 8C_496/2008 vom 1
7.
April 2009 E. 2.3, je mit Hinweisen).
2.
A
us den Akten der Staatsanwaltschaft
A._
geht hervor
, dass der
Ver
sicherte
am
...
nachmittag
des
...
Juni 2018
in der Nähe des Bahnhofs
G._
das Geländer einer Brücke überstieg, die über ein Bahngeleise führt,
auf
einen herannahenden Zug sprang und infolge des Aufpralls noch vor Ort verstarb.
Dieser Sachverhalt ist namentlich durch die Polizeiprotokolle dokumen
tiert (
Urk.
11/A10) und
ist
nicht umstritten.
Fest steht auch
, dass
der
Sprung
auf
den Zug
e
ine suizidale Handlung
gewesen war. Auch dies
ist nicht umstritten; die
Staatsanwaltschaft
A._
hielt in ihrer Einstellungsverfügung vom
5.
November 2018 fest, dass die Untersuchungen keinerlei Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Verhalten beim Tod des Versichert
en ergeben hätten (
Urk.
10/A16), und einen unwillentlichen Sturz
konnten die polizeilichen Erhe
bungen ebenfalls ausschliessen (vgl. auch die Bemerkung von
Dr. E._
in der St
ellungnahme vom 2
7.
Juni 2021,
Urk.
42/2 S. 4).
Der Versicherte hat somit den Tod
unbestrittenermassen
absichtlich
im Sinne von
Art.
37
Abs.
1 UVG
herbeigeführt.
Während die Beschwerdegegnerin deshalb ihre Leistungspflicht mit Ausnahme der Übernahme
der Bestattungskosten verneint, stellt
sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin sei gestützt auf die Ausnahmebestimmung in
Art.
48 UVV gegeben. Nachfolgend zu prüfen ist daher, ob der Versicherte beim Sprung vor den Zug im Sinne dieser Bestimmung gänzlich unfähig gewesen war, vernunft
gemäss zu handeln.
3.
3.1
D
er Hausarzt
Dr.
F._
trug anlässlich einer Konsultation vom
2
0.
November 2017
in die Krankengeschichte
ein, dass der Versicherte von Termindruck und Üb
erzeiten berichtet habe, und
äusserte die Vermutung eines Burnouts, wie es schon im Jahr 2007 einmal aufgetreten sei (
Urk.
35/1 S. 3). Anlässlich
von
zwei
weiteren Konsultationen vom
1.
und vom
4.
D
ezember 2017 registrierte
Dr.
F._
sodann gewisse paranoide Züge, indem der Versicherte verschiedene Gesprächs
situationen verkannt, Tonwahrnehmungen überinterpretiert
, Stimmen gehört
und sich durch mobile Daten gestört gefühlt habe (
Urk.
35/1 S. 2). Dieser Zustand führte
am
4.
Dezember 2017 zum Eintritt in die Klinik der
B._
AG
, wo der Versicherte bis zum 2
1.
Dezember 2017 stationär behandelt wurde. Der Oberarzt
Dr.
med.
H._
und di
e Stationsärztin med.
pract
.
I._
nahmen im Gespräch mit dem Versicherten ebenfalls bestimmte Verfolgungsideen wahr, namentlich gegenüber Computern und Mobiltelefonen sowie auch gegenüber der Arbeitgeberin, und
nannten im A
ustrittsbericht vom 2
8.
Dezember 2017
die Dia
gnose einer akuten polymorphen psychotischen Störung mit Symptomen einer Schizophrenie (F23.1 der
Internationalen Klassifikation psychischer Stö
run
gen der Weltgesundheitsorganisation
[
ICD-10
]) mit der Zusatzdiagnose von Prob
le
men mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (
Ausge
brannt
sein
; ICD-10 Z73)
; ausserdem beobachteten sie teilweise zwanghafte Verhaltens
weisen (
Urk.
11/M1/3 S. 1 und S. 3). Sie hielten jedoch fest, der Versicherte habe sich von Eigen- und Fremdgefährdung distanziert, und vermerkten
- dies im Einklang mit den Beobachtungen in der Pflegedokumentation (
Urk.
11/M3/3 S. 4) -
, dass sie ihn hinsichtlich der psychotischen Störung in weitgehend remittiertem Zu
stand hätten entlassen können (
Urk.
11/M1
/3
S. 3).
Allerdings empfahlen sie, dass der Versicherte das antipsychotische
Medikament Olanzapin (Handelsna
me Zyprexa)
während mindestens eines Jahres weiter einnehme und er die ambulante Behandlung bei
Dr.
C._
, den er bereits vor dem Klinikeintritt zweimal auf
gesucht hatte (vgl.
Urk.
11/M1/3 S. 1), fortführe (
Urk.
11/M1/3 S. 3).
3.2
Zum Verlauf nach dem ersten Klinikaufenthalt führte
Dr.
C._
im Bericht vom
8.
Mai 2019 aus, im Zuge der regelmässigen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung bei ihm sei eine einschleichende Reintegration in den Arbeitsprozess bei der bisherigen Arbeitgeberin möglich geworden, eine geplante Stei
g
erung des Pensums von 40
%
auf 50
%
habe sich dann aber als sehr schwierig erwiesen
und Ängste, Panik, sorgenvolles Misstrauen, Schlafstörungen und lebensmüde Gedan
ken hätten derart zugenommen, dass am
...
Juni 2018 die erneute Einweisung in die Klinik der
B._
AG notwendig geworden sei (Urk.
11/M2).
3.
3
Dieser Aufenthalt wurde durch den Suizid des Versicherten am
...
Juni 2018 beendet. Im Austrittsbericht vom
2.
Juli 2018
hielten
w
iederum
Dr.
H._
und med.
prac
t
.
I._
fest, beim Eintritt hätten sich keine psychotischen Symptome gezeigt, hingegen ein ängstliches Zustandsbild sowie ein leichtgradiges
Depri
miertsein
, und der Versicherte habe berichtet, in letzter Zeit immer wieder lebens
müde Gedanken gehabt zu haben, habe solche Gedanken aktuell aber verneint und zugesichert, er werde sich melden, wenn sie wieder auftreten sollten (
Urk.
11/M1/2 S. 1 und S. 2). Im Laufe des Aufenthaltes nahm der Versicherte gemäss dem Austrittsbericht zuverlässig am multimodalen Therapieprogramm teil; hingegen vermochten die Fachpersonen dem Bericht zufolge in den Einzel
gesprächen nicht zum Kern der Ängste des Versicherten durchzudringen, sodass letztlich alles etwas diffus geblieben sei.
Weiter hielten die Berichterstatter fest, der Versicherte habe sich nicht für die
vorgeschlagene
Intensivierung der medi
kamentösen Therapie (Erhöhung der Dosis des nach wie vor eingenommenen Olanzapin, Versuche mit Pregab
a
lin und Trimipramin)
entscheiden können
. So
dann berichteten sie,
e
ntsprechend de
m Wunsch
des Versicherten sei schliesslich
der Austritt und der Übertritt in die anthroposophische Klinik
J._
in die Wege geleitet worden, wobei der Versicherte auf Vorschläge, zum Abschluss der Behandlung ein Paar-/Familiengespräch durchzuführen, und auf Hinweise zum Vorgehen bei der Anmeldung bei der Invalidenversicherung mit gesteigerter Ner
vo
sität reagiert habe (
Urk.
11/M1/2 S. 2 f.).
Als Diagnose führten die medizi
nischen Fachpersonen nunmehr eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) mit der Zusatzdiagnose von akzentuierten Persönlichkeitszügen (anan
kastisch, ängstlich vermeidend; ICD-10 Z73.1) auf (
Urk.
11/M1/2 S. 1).
Zu den Umständen in der Zeit unmittelbar vor
dem Suizid am
...
, dem
...
Juni 2018, findet sich im Austrittsbericht lediglich der Hinweis, der Ver
sicherte habe sich beim
Antritt des Tagesurlaubs am
...
freundlich und im V
erhalten unauffällig gezeigt, sei
am
...
wieder in den Tagesurlaub ge
gangen und
sei
zuletzt am lokalen Busbahnhof gesehen worden (Urk.
11/M1/2 S.
3)
.
Näheres findet sich hingegen in der Pflegedokumentation, welche die Beschwerdegegnerin beigezogen hat (
Urk.
11/M3), und zusätzlich in den
von
Dr.
F._
zusammengestellten
Ein
tragungen des Gesamtverlaufs, die neben den Eintragungen der Pflege auch diejenigen der Ärztin und des Arztes, des Sozial
dienstes und der Ergother
apeutin enthalten
(
Urk.
35/5/2
-4
und
Urk.
35/6/3).
Darin ist protokolliert, dass sich der Versicherte am
...
, dem
...
.
Juni 2018, ins Wochenende verabschiedet und seine Rückkehr für den
...
morgen angekündigt habe, dass er jedoch bereits am
...
abend
zurückgekehrt sei und als Grund dafür die Befürchtung angegeben habe, er und seine Frau könnten sich beim Schlafen stören, das
s er im Übrigen jedoch berichtet
habe, zusammen mit den Kindern einen schönen Tag verbracht zu
haben (
Urk.
11/M3/2 S. 4, Urk.
35/5/4 S. 3,
Urk.
35/6/3 S. 2). Am
...
Juni 2018 sodann hielt eine Fach
per
son der Pflege
nach Erhalt der Nachricht des Suizides
fest, der Versicherte habe am Morgen nicht verändert gewirkt, sondern vielmehr freundlich und an
gepasst wie üblich, er sei bereits am Vormittag draussen gewesen
und zum Mittag
essen zurückgekommen, und er habe keine besorgten oder suizidalen Äusserungen gemacht (
Urk.
11/M3/2 S. 4). Ferner wies dieselbe Pflegerin in einer nachfol
gen
den, etwa zehn Minuten später erstellten Notiz darauf hin, dass das Tagebuch des Versicherten offen auf dem Schreibtisch im Zimmer liegend gefunden worden sei und der Versicherte darin niedergeschrieben habe, er könne nicht mehr so wei
terleben (
Urk.
11/M3/2 S. 3). Diese Tagebuchseite
ist auch den Polizeiakten bei
gefügt worden (
Urk.
11/A3).
4.
4.1
Dr.
D._
fasste in seiner Aktenbeurteilung vom 1
6.
Juni 2019 zunächst
ausführ
lich
die medizinischen sowie auch die polizeilichen Akten zusammen (
Urk.
11/M4 S. 3-15) und ging danach direkt zur
- knappen
-
Beantwortung der drei Fragen
über
, welche die Beschwerdegegnerin ihm unterbreitet hatt
e (Urk.
11/M4 S. 16-19
).
Die
erste
F
rage
nach der D
iagnose beantwortete
Dr.
D._
mit der Wiedergabe der
Diagnosen, welche die Klinik der
B._
AG in den Austritts
be
richten vom 2
8.
D
ezember 2017 und vom
2.
Juli 2018 gestellt hatte, also wie dargelegt der Diagnose einer akuten polymorphen psychotischen
Störung mit Symptomen einer Schizophrenie (
ICD-10 F23.1) anlässlich der ersten und der Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1) anlässlich der zweiten Hospitalisation (
Urk.
11/M1/3 S. 1 und
Urk.
11/M1/2 S. 1). Die beiden weiteren Fragen
lehnen sich in
ihrem Wortlaut
an die
Formulierungsblöcke der
bun
desgerichtlichen Rechtsprechung an
(vgl.
Urteile des Bundesgerichts
8C_359/2021 vo
m
7.
Juli 2021 E. 2.3 und 8C_496/2008 vom 17.
Apr
il 2009 E. 2.
3
). Die Frage, ob der Versicherte im Zeitpunkt der suizidalen Handlung «mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit im Zustand der vollständigen Urteilsunfähigkeit an einer Geisteskrankheit, einer Geistesschwäche oder einer schweren Störung des Bewusstseins (psychopathologische
Symptome wie Wahn, Sinnest
äu
schun
gen, depressiver Stupor [
plötzlicher Erregungszustand mit Selb
sttötungstendenz]
, Raptus
[
plötzlicher Erregungszustand als Symptom einer seelischen Störung
]
u.a.m.
)» gelitten habe, beantwortete
Dr.
D._
mit Nein und führte zur Be
grün
dung aus, es habe überwiegend wahrscheinlich eine ängstlich-depressive Symp
tomatik bestanden,
und
hieraus
habe keine vollständige Urteilsunfähigkeit resul
tiert, sondern unter E
inbezug
der handschriftlichen Notizen im aufgefundenen
Tagebucheintrag
sei von einem sogenannte
n Bilanzsuizid auszugehen (Urk.
11
/M4 S. 17). Auch die Frage, ob sich der Versicherte im Zeitpunkt der suizidalen Hand
lung «unter Berücksichtigung seiner allgemeinen psychischen Verfassung und den konkreten äusseren Umständen überwiegend wahrscheinlich in einem Zu
stand ohne jed
es Minimum an Besinnungsfähigkeit zur kritischen, bewussten Steuerung der endothymen (d.
h.
vor allem der trieb
haften innerseelischen) Ab
läuf
e» befunden habe, verneinte Dr.
D._
, und er wies nochmals auf die mittelgradig ängstlich-depressive Symptomatik hin, der eine Suizidalität eigen sei
, auf weitere Risikofaktoren für einen Suizid (männliches Geschlecht, Hoff
nungslosigkeit und Ängstlichkeit) sowie darauf, dass der Versicherte nicht unter dem Einfluss von Medikamenten gestanden sei, die seine Urteilsfähigkeit hätten beeinflussen können
(
Urk.
11/M4 S. 17 f.
).
4.2
4.2.1
W
ährend sich
Dr.
D._
damit
im W
esentlichen darauf beschränkte
,
das Fehlen
eine
r gänzlichen
Urteils
un
fähigkeit des Versicherten unmittelbar
aus der Diagnose
einer mittelgradigen depressiven Episode
mit ängstlich vermeidend
en
Persönlich
keitszügen
herzuleiten, ohne
diese Herleitung eingehender
zu begründen,
ging
Dr. E._
in seiner Beurteilung vom 3
0.
November 2019 mit vertiefterer Be
gründung auf die Fragestellung ein.
4.2.2
V
orab
wies
Dr. E._
auf den Konsens hin, dass die Urteilsfähigkeit in der über
wiegenden Anzahl der Suizide oder Suizidversuche schon deswegen deutlich her
abgesetzt sei, weil die betroffene Person den Tod im kritischen Moment der suizi
dalen Handlung als das offensichtlich kleinere Übel
beziehungsweise den leichte
ren
Ausweg beurteile. Alsdann betonte er jedoch, dass (erst) dann anzunehmen sei, die betroffene Person habe keine Möglichkeit des Abwägens und des Beur
teilens mehr
gehabt, wenn sie in eine schwere psychische Alte
ration eingebunden ge
wesen sei (
Urk.
11/M6/1 S. 2).
Auf dem so zusammengefassten medizinischen Konsens fusst die Ausnahme
regelung in
Art.
48 U
VV und deren Auslegung durch die Rechtsprechung
, und
Dr. E._
warf
daher
richtigerweise
die Frage
auf
, ob beim Versicherten eine derartige psychische Alteration vorgelegen habe.
Dabei legte er
dar, ein
Verlust der rationalen Steuerung setze eine Psychose voraus, die sich in einer eigentlichen Geisteskrankheit oder einer psychotischen Störung wie einem Wahn zeige
, sodass die betroffene Person dadurch gänzlich unfähig sei, angesichts ihrer realen Ge
samtsituation die Unsinnigkeit ihrer Tat einzusehen (
Urk.
11/M6/1 S. 2)
, und prüfte dementsprechend,
mit welcher Wahrscheinlichkeit der
V
ersicherte
zur Zeit des Sui
zides ein solches
Krankheitsbild gezeigt habe.
4.2.3
Hierbei ging
Dr. E._
zunächst auf die Diagnose einer akuten polymorphen psychotischen Störung mit Symptomen einer Schizophrenie (ICD-10 F23.1) ein, welche die Fachpersonen der Klinik der
B._
AG anlässlich der ersten Hospitalisation des Versicherten gestellt hatten. Er erläuterte,
dass es sich bei der akuten polymorphen psychotischen Störung um ein Krankheitsbild handle, bei dem es bereits nach wenigen Tagen oder Wochen zu einer Remission komme, und dass dort, wo dies nicht der Fall sei, eine Änderung der Diagnose in diejenige einer eigentlichen Schizophrenie
erfolgen müsse, was im Falle des Versicherten jedoch nicht geschehen sei.
Demzufolge
ging
Dr. E._
davon aus, dass nach dem Abklingen der akuten psychotischen Symptome im D
ezember 2017 keine solche
Symptomatik mehr vorgel
e
gen habe (
Urk.
11/M6/1
S. 3
).
Diese Annahme steht im Einklang mit der Feststellung im Austrittsbericht
der Klinik der
B._
AG
vom 2
8.
Dezember 2017
, dass der Versicherte hinsichtlich der psychotischen Störung
- bei gewissen Restsymptomen, wie sie die Psychologin und die Mitarbeiterin des Sozialdien
stes protokollierten (vgl. Urk.
35/3/4 S. 1) -
in weitgehend remittiertem Zustand habe entlassen werden können (
Urk.
11/M1
/3
S. 3).
S
ie
wird weiter
gestützt durch eine Eintragung von
Dr.
F._
in der Krankengeschichte vom
8.
Januar 2018, wonach es seinem Patienten sehr gut gehe und er nicht mehr psychotisch sei (
Urk.
35/1 S. 2).
Der Hinweis
von
Dr. E._
, dass die Fortführung der Medikation mit dem Neuro
leptikum Olanzapin
(vgl.
Urk.
11/M1/3 S. 3)
d
er
allgemeinen medizinischen Emp
fehlung zur medikamentösen Behandlung über den Zeitpunkt der Remission der Symptomatik entspreche (
Urk.
11/M6/1 S. 3), macht sodann auch deutlich, dass die fortgesetzte Medikamenteneinnahme
nicht gegen das
Abklingen der psyc
ho
tischen Symptome spricht
.
Soweit
Dr. E._
des Weiteren au
s
führte
, dass eine manifeste psychotische Symptomatik
eine
teilzeitliche Wiederaufnahme der Berufstätigkeit
kaum erlaubt hätte
(
Urk.
11/M6/1 S. 3)
,
bleibt zu beachten, dass
der Versicherte
im Berufsleben
nicht dauerhaft
wieder
Fuss fassen
konnte
. Vielmehr berichtete
Dr.
C._
am
8.
M
ai 2019, dass schon eine
Pensums
steigerung
von 40
%
auf 50
%
wegen zu
nehmender psychischer Symptome nicht möglich gewesen sei, und diese Symp
tome hatten gemäss
Dr.
C._
dann auch den erneuten Klinikeintritt von Mitte Juni
2018 notwendig gemacht (
Urk.
11/M2).
Im Einweisungsschreiben vom 1
3.
Juni 2018 legte
Dr.
C._
dar, es sei beim Versuch der
Pensumssteigerung
plötzlich zum gegenwärtigen Z
ustand gekommen, der
sich als ängstlich agitiertes
psychosenahes
Zustandsbild mit fraglicher Akathisie (Bewegungsunruhe), ausge
prägtem sorgenvolle
m
, anankastisch gefärbtem Misstrauen, Insomnie und laten
ter Suizidalität präsentiere (
Urk.
19/1).
Der so beschriebene Symptomenkomplex weist
gewisse
Gemeinsamkeiten mit demjenigen beim erstmaligen Klinikeintritt auf;
beim E
intrittsgespräch war
der Versicherte damals ebenfalls als misstrauisch und von gesteigertem Antrieb beschrieben
worden
(Urk.
35/3/3 S.
1 und
Urk.
35/4/6 S. 2)
, und während des
A
ufenthaltes war
im Zu
sammenhang mit dem
gezeigten Misstrauen eine gewisse Zwanghaftigkeit aufgefallen
(vgl.
Urk.
11
/M3/3 S. 5-7)
, welche die F
achpersonen in eine mögliche Verbindung
mit der Psychose gebracht hatten (
Urk.
11/M1/3 S. 3).
Wie
Dr. E._
indessen
in der Beurteilung
vom 3
0.
November 2019 und in der zusätzlichen Stellungnahme vom 2
7.
Juni 2021
einleuchtend
bemerkte (vgl.
Urk.
11/M6/1 S.
4
und
Urk.
42/2 S
. 3 und S.
6
7
),
finden sich in den D
okumentationen zum
zweiten Klinikaufenthalt
, anders als in den Dokumentationen zum ersten Aufenthalt,
keine Hinweise, die auf den Fort
bestand eines
psychosenahen
Zustandsbildes hingedeutet hätten.
Vielmehr be
kundeten die Fachpersonen explizit, beim Eintritt des Versicherten keine psy
chotischen Symptome, sondern ein ängstliches Z
u
standsbild festgestellt zu haben (
Urk.
11/M1/2 S. 1
,
Urk.
35/5/3 S. 1)
, und auch in den Aufzeichnungen über den
weiteren Verlauf des
Aufenthaltes wurden keine psychotischen Symptome ver
merkt oder solche ausdrücklich verneint (vgl.
Urk.
11/M3/2 S. 5 sowie
Urk.
35/5/4 und
Urk.
35/6/3).
Damit kann
Dr. E._
darin gefolgt werden, dass
während des
zweiten Klinikaufenthaltes
psychotische Sympto
me zumindest weitgehend fehlten
.
Zu Recht wies
Dr. E._
dabei auch darauf hin, dass die nunmehr abweichende Diagnose von denselben Ärzten gestellt worden war, die den Versicherten schon während des ersten Aufenthaltes behandelt und die damalige Diagnose formuliert hatten
(
Urk.
11/M6/1 S. 4); dies deutet
hinsichtlich der psychotischen Sympto
matik
auf eine gesundheitliche Veränderung und nicht lediglich auf eine ab
weichende
medizinische
Beurteilung hin
. Unter diese
n Umständen ist auch die Tatsache nicht
diagnoserelevant, dass der Versicherte gemäss dem Hinweis in der Beschwerdeschrift (
Urk.
1 S. 3) wiederum in der auf Psychosen spezialisierten Station untergebracht war (vgl.
Urk.
11/M1/2 S. 2). Ebenfalls nicht entscheidend ist entgegen den Vorbringen in der Beschwerdeschrift (
Urk.
1 S. 3), dass der Ver
sicherte nicht mit Antidepressiva behandelt worden war. Denn
wie die Beschwer
degegnerin in der Beschwerdeantwort bemerkte (
Urk.
10 S. 10 f.) und
wie auch
Dr. E._
registrie
rte (
Urk.
11/M6/1 S. 4),
war dem
Versicherte
n eine solche
Medikation
angeboten worden, er hatte sich jedoch dagegen ausgesprochen (Urk.
11/M1/2 S.
2)
.
4.2.4
Damit erscheint es entsprechend den Folgerungen von
Dr. E._
(vgl. Urk
.
11/M6
/1 S. 5)
nicht
als
überwiegend w
ahrscheinlich, dass
der Versicherte den Suizid in einem akuten psychotischen
Zustand
begangen hatte
. Daran ändern
in Abweichung
von
der Sichtweise der Beschwerdeführerin (
Urk.
18 und
Urk.
34)
auch die
Ausführungen
von
Dr.
F._
in seinem Schre
iben vom 3
0.
August 2020 nichts, wonach der Versicherte vor dem Krankheitsausbruch nicht suizidal gewe
sen sei und sich auch während der Krankheitsdauer von Suizidalität distanziert habe (
Urk.
19/2). Denn aus dem Umstand, dass der Suizid
n
icht erwartet worden und schwierig zu verstehen gewesen war, lässt sich nicht zwangsläufig schliessen, dass der Versicherte in einem akuten Zustand der gänzlichen Urteilsunfähigkeit gehandelt hatte.
Dr. E._
wies in diesem Zusammenhang auf die Schwierigkeit hin, eine Suizidgefährdung abzuklären und richtig einzuschätzen (
Urk.
42/2 S. 5), was zeigt, dass ein unerwarteter Suizid nicht gezwungenermassen mit einem akuten, plötzlichen Ausnahmezustand einhergeht.
Daher
erlaubt entgegen den Vorbringen in der Beschwerdeschrift (
Urk.
1 S. 4) auch die Wahl des Zeitpunktes des Suizides für sich allein keinen
S
chluss auf den Gemütszustand im fraglichen Moment
; der Beschwerdegegnerin ist in dieser Hinsicht zuzustimmen (vgl.
Urk.
10 S. 11).
Im Übrigen gab
Dr. E._
in seiner Stellungnahme vom 2
7.
Juni 2021 richtigerweise zu bedenken, dass suizidale Gedanken im Rahmen des zwei
ten Klinikaufenthaltes durchaus Teil der Symp
t
omatik ge
wesen waren (vgl.
Urk.
42/2 S. 3 f.
)
, wenn sie
auch von den zuständigen Fachpersonen nicht als gefährdend eingestuft worden waren.
4.2.5
Gemäss der Beurteilung von
Dr. E._
sind es in erster Linie psychotische Zu
standsbilder, die eine gänzliche Unfähigkeit, vernunftgemäss zu handeln, im Sinne
von
Art.
48 UVV zur Folge haben könne
n (vgl.
Urk.
11/M6/1 S. 2).
Dr. E._
machte daher
,
wie schon
Dr.
D._
,
die Frage
nach
einer psychot
ischen Symp
tomatik im Zeitpunkt des Suizides zum Schwerpunkt seiner Ausführungen.
Er unterliess es jedoch nicht, auch die Frage nach anderweitigen Zuständen zu stellen, die eine vergleichbare A
uswirkung haben könnten, und verneinte d
abei
anamnestische Hinweise auf ein
raptus
artiges
Verhalten und auf handlungs
rele
vante
Panikzustände
. Zusammenfassend kam er deshalb
zum Schluss, als erkenn
barer Grund für den S
uizid verblei
be eine reaktive Erschütterung mit ängstlich-depressiver Gestimmtheit im Zusammenhang mit einer beruflich-persönlich-zwischenmenschlichen Problematik, woraus vermutlich eine vernunftferne Ein
schätzung der Situation und eine erhebliche Einengung des Denkens und Erl
ebens entstanden seien
; trotz dieser situativen Einengung habe jedoch keine psycho
pathologische Alteration vorgelegen, aus der eine vollständige Urteilsunfähigkeit im Sinne der versicherungspsychiatrischen Voraussetzungen abzuleiten wäre
(
Urk.
11/M6/1 S. 5). Darin hielt er in der zusätzlichen Stellungnahme vom 2
7.
J
uni
2021 auch nach Kenntnisnahme der neu hinzugekommenen medizinischen Unte
r
lagen fest (
Urk.
42/2 S. 7).
Diese Schlussfolgerung von
Dr. E._
wurde nach dem vorstehend Dargelegten eingehend und nachvollziehbar begründet, und es kann daher auf sie abgestellt werden.
Ein zusätzlicher Hinweis für deren Richtigke
it ist
der Tagebucheintrag,
den der Versicherte kurz vor der suizidalen Handlung verfasst haben muss und in
dem er auflistete, welche Umstände ihn behinderten (Entscheidungs- und Hand
lungsunfähigkeit, Blockierung, Müdigkeit und Schlaflosigkeit),
sowie
festhielt, er sei am Ende und könne nicht weiter so leben (
Urk.
11/A3). Die Beurteilung von
Dr. E._
führt
somit
zum Ergebnis, dass der V
ersicherte zur Zeit des Suizides
zwar
sehr wohl auf diesen Ausweg
eingeengt
und dadurch in seiner Urteils
f
ähigkeit beeinträchtigt
war, dass aber seine Fähigkeit, sein Handeln vernunft
mässig zu steuern, durch die psychopathologische Symptomatik nicht vollständig aufgehoben war, wie es die Rechtsprechung für die Anwendbarkeit der Aus
nahmebestimmung in
Art.
48 UVV verlangt.
5.
Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin es damit zu Recht abgelehnt, für die Folgen des Suizidereignisses vom
...
Juni 2018 weitergehende Leistungen zu erbringen. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.