Decision ID: 04921303-4458-579d-adb7-1978baa0ac06
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger – am
15. April 2021 in der Schweiz um Asyl nachsuchte,
dass ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zent-
raleinheit Eurodac) ergab, dass der Beschwerdeführer am 5. Januar 2021
in den Niederlanden ein Asylgesuch eingereicht hat,
dass der Beschwerdeführer beim Dublin-Gespräch vom 23. April 2021 (Ak-
ten der Vorinstanz [SEM-act.] 15/4) unter anderem ausführte, sein Vater
und ein Bruder würden in der Schweiz leben,
dass er mit seinem Vater keinen Kontakt habe und dieser auch nicht wisse,
dass er hier sei,
dass er mit dem Bruder ab und zu in telefonischem Kontakt gestanden
habe und dieser von seiner Anwesenheit wisse,
dass er sein Heimatland mit einem gefälschten (...) Reisepass verlassen
habe, damit in den Niederlanden erwischt worden und danach gezwungen
gewesen sei, dort um Asyl zu ersuchen,
dass er in den Niederlanden während zweieinhalb Monaten am Flughafen
in einer Art Gefängnis festgehalten worden sei,
dass er dort auch Asylgespräche gehabt und zwei Mal einen negativen
Entscheid erhalten habe,
dass gegen den ersten negativen Entscheid eine Beschwerde eingereicht
worden sei,
dass sein Anwalt nach dem zweiten negativen Entscheid gesagt habe, man
könne nichts mehr machen,
dass er daraufhin erklärt habe, er würde lieber sterben, als in sein Heimat-
land zurückzukehren,
dass man ihn am 15. oder 16. März 2021 freigelassen habe, er die Nieder-
lande etwa am 18. März 2021 mit der Hilfe eines Schleppers verlassen
habe und am selben Tag in der Schweiz angekommen sei,
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dass das SEM dem Beschwerdeführer im Rahmen des Dublin-Gesprächs
das rechtliche Gehör zur möglichen asylverfahrensrechtlichen Zuständig-
keit der Niederlande gewährte,
dass er in diesem Zusammenhang im Wesentlichen erklärte, er habe ei-
gentlich in die Schweiz reisen wollen, sei aber unglücklicherweise in den
Niederlanden erwischt worden,
dass er sich das Leben hier in der Schweiz besser und ruhiger vorstelle,
dass er in den Niederlanden bereits befragt worden sei, dort aber keine
Möglichkeit mehr gehabt habe, irgendwelche Beweismittel und Dokumente
zu beschaffen,
dass er in Sri Lanka vom Geheimdienst gesucht werde, weshalb es für ihn
gefährlich wäre, wenn er dorthin zurückkehren müsste,
dass er hier gerne über seine Asylgründe sprechen würde,
dass er auf Nachfrage, ob es noch andere gegen eine Wegweisung in die
Niederlande sprechende Gründe gebe, angab, er habe dort sehr gelitten,
dass er ohne Hilfe auf die Strasse gestellt worden sei und 45 Minuten habe
gehen müssen, bis er jemanden gefunden habe, der ihm geholfen habe,
dass diese 45 Minuten aufgrund der Verletzungen, welche ihm der Ge-
heimdienst am Kopf und am Nacken zugefügt habe, sehr schwer gewesen
seien,
dass er für die Zeit am Flughafen ein Zimmer erhalten habe, wo er sich
habe aufhalten und schlafen können,
dass er zu den Essenszeiten jeweils nach draussen habe gehen können
und spätestens um 20 Uhr wieder im Zimmer habe sein müssen,
dass die Vorinstanz gestützt auf den Eurodac-Treffer die niederländischen
Behörden am 26. April 2021 um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers
im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. d der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle-
gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der
für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen
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in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist (Neufassung), ABl. L 180/31 vom 29.6.2013 (nachfolgend: Dub-
lin-III-VO) ersuchte,
dass die niederländischen Behörden diesem Ersuchen am 30. April 2021
zustimmten,
dass das SEM mit Verfügung vom 30. April 2021 – eröffnet am 6. Mai 2021
(vgl. Empfangsbestätigung [SEM-act. 24/1]) – in Anwendung von Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdefüh-
rers vom 15. April 2021 nicht eintrat und seine Wegweisung in die Nieder-
lande anordnete unter Hinweis darauf, dass er die Schweiz am Tag nach
Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen habe,
dass es gleichzeitig den Kanton C._ mit dem Vollzug der Wegwei-
sung beauftragte, die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss
Aktenverzeichnis verfügte und feststellte, einer allfälligen Beschwerde
komme keine aufschiebende Wirkung zu,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 12. Mai 2021 gegen den vor-
instanzlichen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde er-
hob und beantragte, es sei die Verfügung des SEM aufzuheben, die Flücht-
lingseigenschaft anzuerkennen und Asyl zu gewähren,
dass die Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des Wegwei-
sungsvollzugs festzustellen seien und die vorläufige Aufnahme anzuord-
nen sei,
dass die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, auf die Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses zu verzichten und ein amtlicher Rechtsbeistand
einzusetzen sei,
dass eventualiter die aufschiebende Wirkung wiederherzustellen (recte: zu
erteilen) sei,
dass der Beschwerdeführer zur Begründung seines Rechtsmittels geltend
macht, es sei ein Problem für ihn und seine Familie, dass die Schweiz ihn
in die Niederlande zurückschicken möchte,
dass er in der Schweiz einen Bruder und einen Vater habe, aber keine Fa-
milie in den Niederlanden,
dass er hier Hilfe hätte und der Familie auch langfristig helfen könnte,
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dass er deshalb um einen humanitären Selbsteintritt der Schweiz bitte,
dass der zuständige Instruktionsrichter am 14. Mai 2021 gestützt auf
Art. 56 VwVG den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus-
setzte,
dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am
14. Mai 2021 in elektronischer Form vorlagen (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG),

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass sich das Verfahren nach dem VGG, dem VwVG und dem AsylG richtet
(Art. 6 AsylG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 48
Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde – unter
Vorbehalt der nachfolgenden Erwägungen – einzutreten ist (Art. 108 Abs. 3
AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass sich die Beschwerde gegen einen Nichteintretensentscheid im Sinne
von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG richtet und deshalb lediglich zu prüfen ist,
ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl.
BVGE 2012/4 E. 2.2 m.H.),
dass daher auf die Rechtsbegehren betreffend Flüchtlingseigenschaft, Asyl
und vorläufige Aufnahme nicht einzutreten ist,
dass die Beschwerde offensichtlich unbegründet ist, weshalb über sie in
einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters
beziehungsweise einer zweiten Richterin – und nur mit summarischer Be-
gründung – zu entscheiden ist (vgl. Art. 111 Bst. e und Art. 111a Abs. 2
AsylG),
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dass die niederländischen Behörden dem Wiederaufnahmeersuchen des
SEM vom 26. April 2021 am 30. April 2021 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d
Dublin-III-VO zustimmten,
dass die Niederlande somit zur Durchführung des Asyl- und Wegweisungs-
verfahrens grundsätzlich zuständig sind,
dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vorbringen an der Zu-
ständigkeit der Niederlande für die Durchführung des Asyl- und Wegwei-
sungsverfahrens nichts ändern können und auch keinen Anlass zur Aus-
übung des Selbsteintrittsrechts der Schweiz (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-
III-VO, Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1,
SR 142.311]) begründen,
dass denn auch die damalige Rechtsvertretung ihr Mandat gestützt auf
Art. 102h Abs. 4 AsylG wegen Aussichtslosigkeit einer Beschwerde nieder-
gelegt hat (vgl. SEM-act. 25/1),
dass es keine wesentlichen Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfah-
ren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in den Niederlanden
würden systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2
und 3 Dublin-III-VO aufweisen,
dass die Niederlande Vertragsstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR
0.142.301) sind und ihren diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtun-
gen nachkommen,
dass nichts darauf hindeutet, die Niederlande würden den Grundsatz des
Non-Refoulement missachten und den Beschwerdeführer zwingen, in ein
Land auszureisen, in welchem er einer Gefahr im Sinne von Art. 3 Abs. 1
oder 2 AsylG ausgesetzt wäre, oder in dem er Gefahr laufen würde, zur
Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden,
dass auch davon ausgegangen werden darf, dieser Staat anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom
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26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (Aufnahmerichtlinie) ergeben,
dass der Beschwerdeführer seine Asylgründe bei den für sein Asyl- und
Wegweisungsverfahren zuständigen niederländischen Behörden vorbrin-
gen kann,
dass er ebenso die Möglichkeit hat, sich in den Niederlanden bei allfälligen
Schwierigkeiten an die dafür zuständigen Behörden beziehungsweise ka-
ritativen Organisationen zu wenden,
dass auch sein Wunsch, in der Schweiz zu bleiben, nicht zum Eintreten auf
sein Asylgesuch zu führen vermag, weil die Dublin-III-Verordnung den
Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat
selbst auszuwählen,
dass der Beschwerdeführer hinsichtlich seines Gesundheitszustands beim
Dublin-Gespräch im Wesentlichen geltend machte, er habe Schmerzen an
den Hüften,
dass er vom Geheimdienst mit einem Holzstock und einem Helm auf den
Kopf geschlagen worden sei,
dass er damals aus den Ohren geblutet habe,
dass er gerne hier abklären lassen möchte, ob er irgendwelche Schäden
davongetragen habe,
dass er in den Niederlanden lediglich Medikamente gegen die Schmerzen
erhalten habe, nicht aber untersucht worden sei,
dass es ihm psychisch sehr schlecht gehe,
dass er manchmal nachts von dem erwähnten Vorfall, als er auf den Kopf
geschlagen worden sei, träume,
dass der Beschwerdeführer auf Nachfrage der Fachspezialistin, ob er sich
schon bei der Pflege in der Unterkunft gemeldet habe, angab, er habe die
Probleme wegen der Hüfte und der Ohren erwähnt, betreffend der Psyche
habe er versucht, es über den PC mitzuteilen,
dass er einen Arzttermin beziehungsweise eine Untersuchung noch nicht
gehabt habe,
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dass die damalige Rechtsvertretung den Beschwerdeführer darauf hin-
wies, er sollte sich wegen seiner psychischen Probleme erneut bei der
Pflege melden,
dass die vorliegenden gesundheitlichen Beschwerden kein völkerrechtli-
ches Vollzugshindernis im Sinne von Art. 3 EMRK darstellen, welches zwin-
gend zu einem Selbsteintritt führen müsste,
dass die Niederlande über eine ausreichende medizinische Infrastruktur
verfügen und gemäss Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie verpflichtet sind,
den Antragstellern die erforderliche medizinische Versorgung, die zumin-
dest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von
Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu
machen,
dass keine Anhaltspunkte vorliegen, wonach dem Beschwerdeführer dort
eine adäquate Behandlung seiner geltend gemachten gesundheitlichen
Beeinträchtigungen verweigert würde, gab er doch selbst an, in den Nie-
derlanden Medikamente gegen die Schmerzen erhalten zu haben,
dass er sich demnach an das zuständige Fachpersonal wenden kann, soll-
ten medizinische Abklärungen und Untersuchungen erforderlich sein,
dass sich die Überstellung des Beschwerdeführers in die Niederlande nach
dem Gesagten als zulässig erweist,
dass sein Wunsch nach einem Verbleib bei seinen Angehörigen in der
Schweiz zwar durchaus nachvollziehbar ist, er daraus jedoch nichts zu sei-
nen Gunsten ableiten kann, zumal weder Eltern von volljährigen Antrag-
stellern noch Geschwister als Familienangehörige im Sinne von Art. 2
Bst. g Dublin-III-VO gelten,
dass im Übrigen aus den Akten kein besonderes Abhängigkeitsverhältnis
ersichtlich ist, welches einer Überstellung in die Niederlande entgegenste-
hen würde,
dass die Vorinstanz angesichts der vorstehenden Erwägungen zu Recht
und ohne Ermessensfehler auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers
nicht eingetreten ist und seine Wegweisung verfügt hat (vgl. Art. 31a Abs. 1
Bst. b und Art. 44 AsylG),
dass die Beschwerde folglich abzuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist,
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dass mit dem vorliegenden Urteil in der Hauptsache der Eventualantrag
auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung und das Gesuch um Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden
sind,
dass der am 14. Mai 2021 angeordnete Vollzugsstopp mit vorliegendem
Urteil dahinfällt und die Vorinstanz dem Beschwerdeführer eine neue Frist
zur Ausreise anzusetzen hat,
dass die Beschwerde – wie sich aus den oben stehenden Erwägungen
ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen war, weshalb das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1
VwVG unbesehen der geltend gemachten Bedürftigkeit abzuweisen ist,
dass das Gesuch um Einsetzung eines amtlichen Rechtsbeistands im
Sinne von Art. 102m Abs. 1 Bst. a AsylG mangels Erfüllung der Vorausset-
zungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG ebenfalls abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1‒
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
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