Decision ID: 19427811-d162-441e-b833-c4c1ea6563ea
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, gebo
ren 1968, absolvierte von 19
83 bis
1987 eine Ausbildung als
Elektro-Installateur
(ohne Abschluss)
und von 2002 bis 2004 eine solche als Technischer Zeichner (
mit Zertifikat;
vgl.
Urk.
11
/17/3
und
11
/20/7
).
In der Schweiz hatte er a
b Januar 2011
eine Festanstellung als
Servicetechniker Elektro
inne
(vgl.
Urk.
11/20/3
). Nachdem
er sich im September 2011
eine Ruptur des Zentralzügels der
Plantarfaszie
am linken Fuss zu
gezogen hatte
(vgl. Urk.
11
/11/125 f.
)
, meldete
er
sich
i
m August 2012
erstmals
zum Leistungsbezug bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
an
(vgl.
Urk.
11
/2).
Diese gewährte ihm Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (vgl.
Urk.
11
/30)
, verneinte indessen einen Anspruch auf eine Um
schulung (vgl.
Urk.
11
/36).
Am
1.
Juni
2013
trat der Versicherte
eine
neue
Voll
zeitstelle als Elektroschema-Zeichner
an (vgl. Urk.
11
/34)
. Die IV-Stelle leistete dabei
e
inen Einarbeitungszuschuss (vgl.
Urk. 11
/37).
1.2
Nachdem die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis per 31.
Dezember 2014
ge
kündigt
hatte
(vgl.
Urk.
11
/56/81)
,
erlitt
der Versicherte
a
m 3
0.
Dezember 2014
bei einem Treppensturz
eine nicht dislozierte Steissbeinfraktur (vgl.
Urk.
11
/56/93;
Urk.
11
/56/84)
, worauf
er
sich im D
ezember 2015 erneut
zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle an
meldete
(vgl.
Urk.
11
/49).
Diese gewährte ihm mit formlose
r
Mitteilung
vom 16.
Dezember 2016 erneut Beratung und Unter
stützung bei der Stellensuche (vgl.
Urk.
11
/92
; Berichte
Urk.
11
/169-170
)
.
Im Frühjahr 2017
leistete sie
zudem
Kostengutsprache für ein Assessment sowie die Suche nach einem Trainings
platz (vgl.
Urk.
11
/116)
. Anschliessend übernahm sie
die Kosten
für ein Arbeitstraining
vom 12.
September 2017 bis 3
1.
März 2018
(vgl.
Urk.
11
/129
)
,
einschliesslich
der
Kosten für
einen CAD-Kurs
(vgl. Urk.
11
/138)
und eine
L
izenz für
ein entsprechendes
Software-Programm (vgl.
Urk.
11
/149). Während der Dauer
der Massnahme
bezog der Versicherte
Tag
geld
er
(vgl.
Urk.
11
/139
und
11
/155)
.
Die Arbeitsvermittlung wurde m
it Ver
fügung vom
8.
Mai 2018 ab
geschlossen
(vgl.
Urk.
11
/172).
I
nzwischen
hatte die IV-Stelle
dem Versicherten mit Vorbescheid vom 28. April 2017
die Zusprechung
eine
r
befristete
n
ganze
n
Rente für die Monate Juni bis
Dezember 2016
angekündigt
(vgl.
Urk.
11
/117), wogegen er am
1
9.
Mai 2017 Einwand
erhoben hatte
(vgl.
Urk.
11
/124).
Am 1
4.
Februar 2018 zog er
sich
eine
Lisfranc
-Verletzung
,
im Mai 2017
eine
Läsion der medialen
Talusschulter
sowie eine
Ruptur der
Perone
u
s
brevis
-Sehne am linken Fuss zu
(vgl.
Urk.
11
/184/13)
. Zudem nahm er Anfang 2017
e
ine psychiatrische Behandlung auf (vgl.
Urk.
11
/174).
Die
IV-Stelle
gab
ein internistisches, orthopädisches, neuro
logisches, neuropsychologisches und psychiatrisches G
utachten in Auftrag, das am 23.
September 2019 von der
Y._
AG erstattet wurde (vgl.
Urk.
11
/222).
Gestützt hierauf stellte
sie
dem Versicherten mit neuem Vorbescheid vom
6.
November 2019
die Verneinung eines Renten
anspruchs in Aussicht (vgl.
Urk.
11
/229)
, wogegen er Einwand erhob
(
Urk.
11
/230
,
11
/239/1
,
11
/249
und
11
/251
)
. Nach
Einsicht in die neue
n
Arzt
berichte
(
Urk.
11
/239/2 f.
,
11
/242
,
11
/244 und
11
/246
)
verfügte die IV-Stelle am 1
3.
November 2020 wie angekündigt
(
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte
, vertreten durch Rechtsanwalt
Györffy
,
mit Eingabe vom 1
6.
Dezember 2020 Beschwerde (
Urk.
1). Darin beantragte er,
ihm nach weiteren Abklärungen eine Rente zuzusprechen
; e
ven
tualiter sei die Sache
hierfür
an die IV-Stelle zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
zulasten
der IV-Stelle
.
In prozessualer Hinsicht
ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (
Urk.
1 S. 2)
. Dieses
Gesuch
belegte und substantiierte er mit Eingabe vom 1
2.
Januar 2021
(vgl.
Urk.
7, 8 und 9/1-5). Die IV-Stelle
schloss mit Beschwerdeantwort vom
2.
Februar 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10).
Mit
Verfügung vom 1
2.
Februar 2021 bewilligte das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich dem Versicherten
die unentgeltliche Prozessführung und bestellt
e
ihm in der Person von Rechtsanwalt
Györffy
einen unentgeltlichen Rechtsvertreter. Zudem ordnete es antragsgemäss (vgl.
Urk.
1
S. 2) einen zweiten Schriftenwechsel an (
Urk.
12). In der innert erstreckter (vgl.
Urk.
14 und 15) Frist eingereichten Replik vom
7.
Juni 2021 (
Urk.
16; Beilagen
Urk.
17/1-2) beantragte
der Versicherte
,
ihm nochmals eine
Frist zur Einreichung weiterer medizinischer Unterlagen zu gewähren (vgl.
Urk.
16 S. 2). Die IV-Stelle verzichtete
alsdann
auf die Einreichung einer Duplik (vgl.
Urk.
19)
, wovon
dem Versicherten mit Ver
fügung vom 3
0.
Juni 2021 Kenntnis gegeben
wurde
(vgl.
Urk.
20).
Mit Eingabe vom
8.
Juli 2021 bekräftig
t
e der Versicherte seinen Antrag, ihm Gelegenheit zu geben, weitere medizinischen Unterlagen einzureichen (vgl.
Urk.
21). Wie
in der Folge
telefoni
sch
vereinbart (vgl.
Urk.
22), informierte das Gericht
den Rechtsvertreter
am 2
5.
November 20
2
1, dass
ab
Januar 2022
mit einem Endentscheid
zu rechnen sei (vgl.
Urk.
23).
Weitere Eingaben des Ver
sicherten blieben bis heute aus.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versic
herung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechts
sätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechts
folgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung bzw. des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hin
weisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechts
vorschriften anwendbar
und werden nachfolgend in dieser Fassung zitiert
.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Im Übrigen sieht
der am
1.
Januar 2022 in Kraft getretene A
rt.
28b
Abs.
4 IVG
ebenfalls einen
Mindestinvaliditätsgrad von 40
% vor.
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog,
gemäss
Gutachten
der
Y._
könne der
Beschwerdeführer ein
rentenausschliessende
s
Einkommen
erzielen
.
Das
Chronic
fatigue
Syndrom (CFS) im Besonderen sei erst ein halbes Jahr nach der Begut
achtung diagnostiziert worden. Es liege nahe, dass die Symptomatik zuvor der depressiven Erkrankung zugeordnet und entsprechend berücksichtigt worden sei. D
ie behandelnden Ärzte
hätten dem Beschwerdeführer zudem
keine Arbeits
unfähigkeit bescheinigt (
Urk.
2
und 10
).
2.2
Der Beschwerdeführer
hielt
dafür
,
dem Gutachten komme kein Beweiswert zu. Die postulierte Arbeit
sfähigkeit könne bei diversen
orthopädischen Befunde
n
weder sitzend noch stehend
noch
wechselbelastend um
gesetzt werden, was sich auch
im Arbeitstraining gezeigt
habe
.
Im Gutachten werde ohne Begründung von der Beurteilung des eigenen Radiologen sowie derjenigen
der
Universitätsklinik
Z._
abgewichen
(
Urk.
1
Ziff.
II.4
;
Urk.
16
Ziff.
II.20-23
).
Die neuro
psychologische Beurteilung sei nicht überprüfbar und e
s fehle an einer Aus
einandersetzung mit dem neuropsychologischen Bericht vom 3. Dezember 201
8.
Auch würden die
neuropsychologischen Befunde
zu Unrecht
ein Stück weit
angezweifelt
(
Urk.
1
Ziff.
II.5
;
Urk.
16
Ziff.
II.6-17
)
.
Dr.
A._
habe
schon im
Oktober 2018 über Ersc
höpfung und Müdigkeit berichtet, wobei der Gesund
heitszustand bei Verfügungserlass massgebend sei
(
Urk.
1
Ziff.
II.6
;
Urk.
16
Ziff.
II.24-29
).
Die
Empfehlung
des RAD
sei
nichts weiter als
ein Textbaustein
, der nicht passe
(
Urk.
16
Ziff.
II.3 und II.18-19
).
Im Übrigen
würden
Studien
belegen
, dass der herangezogene Tabellenlohn
die gesundheitliche
n
Ein
schränkungen nicht berück
sichtige
und daher für die Invaliditätsbemessung un
tauglich sei
(
Urk.
16
Ziff.
II.30).
3.
3.1
Das Sozialversicherungsgericht hat alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüf
en und danach zu entscheiden
, ob die ver
fügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechts
anspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweis
material zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
3.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
gegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
4.
4.1
Im polydisziplinären Gutachten der
Y._
vom 2
3.
September 2019 wurde
n
folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt: (1) rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10: F33.0), (2) leichte kognitive Störung (ICD-10: F06.7), (3) persistierende
Coccygodynie
nach proximaler nicht dislozierter Fraktur und (4) chronisch rezidivierendes
Zervikovertebralsyndrom
bei degenerativen Veränderungen sowie leichter Spinalkanalstenose C3/4 und C5/6 ohne Hinweis auf eine
radikuläre
Defizit
symptomatik
(vgl.
Urk.
11
/222/10)
.
4
.2
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit ergäben sich durch die neurokognitiven Störungen. Die neuropsychologischen Beeinträchtigungen führten dazu, dass der Beschwerdeführer sowohl in der Leistungsfähigkeit als auch im zumutbaren Pen
sum eingeschränkt sei. Dadurch ergebe sich insbesondere in der bisherigen, relativ anspruchsvollen Tätigkeit eine relativ hohe Einschränkung der Arbeits
fähigkeit
von
35
%
. In angepasster Tätigkeit
bestehe
eine Einschränkung von 5
%
in Bezug auf die Arbeitszeit und von 10
%
in Bezug
auf die L
eistungsfähigkeit.
Der Beschwerdeführer berichte,
er habe
sich vor zweieinhalb Jahren auf Empfehlung des Hausarztes in ambulante psychiatrische Behandlung begeben
. D
ementsprechend lasse sich die
psychiatrische
Arbeitsunfähigkeit
erst
ab Anfang 2017 mit hinrei
chender Sicherheit feststellen
.
A
us orthopädischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit aufgrund persistierender Rücken- und Steissbeinbeschwerden eingeschränkt. Persistierende Schmerzen führten zu einer Reduktion der Schn
elligkeit und Produktivität
von 20
%
(Leistungsminderung)
seit Mai 201
5.
Ein
Fortbestehen
der
vollen
Arbeits
un
fähigkeit über Mai 2015
hinaus
könne orthopädisch nicht begründet werde. Die körperli
che Belastbarkeit sei reduziert.
Ansonsten bestünden mittelgradig ausgeprägte Fähigkeitsstörungen im Bereich Durchhaltefähigkeit, Strukturierung von Aufgaben sowie Flexib
ilität und Um
stellungsfähigkeit
(vgl.
Urk.
11
/222/11
und
11
/222/13
).
4
.3
Zusammenfassend
habe
somit
ab Mai 2015
eine
Arbeitsfähigkeit von
8
0 %
in der angestammten Tätigkeit wie auch
in
leidensangepassten Tätigkeiten
bestanden. Ab Januar 2017 habe sich die
se
aufgrund der psychischen Beschwerden
reduziert. In d
e
r angestammten Tätigkeit
betrage
die Arbeitsfähigkeit
seither
65
%
bei einer Präsenz von
ca.
s
ieben
Stunden
täglich und einer
Leistungsminderung von 20
%
. In leidensangepassten Tätigkeiten
betrage die Arbeitsfähigkeit
seither
75
%
bei einer Präsenz von
acht
Stunden täglich
und
einer Leistungsminderung von 20
%
.
Die
Leistungsminderung aus psychiatrischen Gründen von 10
%
sei
in derjenigen aus orthopädischen Gründen eingeschlossen
. Es komme nur
die Einschränkung von 5 % der Arbeitszeit hinzu
(
vgl.
Urk.
11
/222/12-14
).
Geeignet sei eine kognitiv maximal mittelgradige komplexe, gut strukturierte, aber nicht monotone Tätigkeit ohne besonderen Zeitdruck und ohne erhöhte An
forderungen an die emotionale Belastbarkeit. Es sollten nur geringe Anforderungen an die Daueraufmerksamkeit bestehen. Optimal wäre
d
ie Möglichkeit von individuellen Tätigkeitswechseln und individuelle
r Pausen
strukturierung
. In somatischer Hinsicht sei der Beschwerdeführer in der Lage, körperlich leichte Tätigkeit mit Heben und Tragen von Lasten bis zu maximal 5 bis 10 kg unter Vermeidung von Zwangshaltung
en
(Vorbeuge, Überkopfarbeiten) durchzuführen. Die Tätigkeiten sollten wechselnd
belastend
sein, möglichst wechselnd zwischen stehender und sitzender Position. Zur Verbesserung
der
Sitz
leistung sei der Einsatz des angefertigten Sitzkissens sinnvoll. Tätigkeiten unter ext
rem
en Temperaturschwankungen, Hitze, Kälte und Nässe sollten vermied
en werden (vgl.
Urk.
11
/222/1
1 f.
).
5.
5.1
Bezüglich des orthopädischen
Teilgutachtens
bemängelte der Beschwerdeführer
konkret
, dass
die Befunde an Steissbein und Wirbelsäule keine längerdaue
rnde sitzende Tätigkeit zulassen würden
, jene an
Lendenwirbelsäule,
Knie- und Sprunggelenk sowie die
Plantarfasziitis
würden zudem
stehende Tätigkeiten
limitieren
.
Er müsse sich im Stehen auch um eine möglichst aufrechte Haltung bemühen und die Rumpfmuskulatur bewusst anspannen.
Insbesondere die Schädigung des Steissbeins werde unterschätzt. Ohne Begründung ordne d
er Gut
achter d
ie Befunde anders
ein als der
Radiologe
im Bericht vom 31.
Juli 2019
und
weiche
von der Beurteilung
der Universitätsklinik
Z._
ab,
wonach eine Arbeitsfähigkeit höchstens in wechselbelastenden, sehr leichten bis leichten Tätigkeit
en
allenfalls realisierbar sei und
eine mögliche Steissbeinfrakt
ur älteren Datums festgestellt worden sei
(
Urk.
1
Ziff.
II.4;
Urk.
16
Ziff.
II.20-23).
5.2
In der orthopädischen Begutachtung
gab
der Beschwerdeführer
a
n, das rechte Knie schmerze am stärksten
,
gefolgt von den Problemen der Halswirbelsäule, den Steissbeinschmerzen und den plantaren Schmerzen im Bereich des linken F
usses
. Die Schmerzen
betrügen
7
bis
10 auf der visuellen Analogskala. Schmerzfreie Tage habe er nicht. Er könne mit den zugerichteten orthopädischen Schuhen maximal 30 Minuten gehen. Auf dem speziell angefertigten Sitzkissen könne er maximal eine Stunde sitzen
(ähnlich auch
Urk.
11
/176/7)
.
Er versuche, alle Haus
haltstätigkeiten selbständig zu leisten, was ihm
n
ur mit deutlich erhöhtem Zeit
aufwand gelinge. Wenn er
es
übertreibe, entwickle er starke Schmerzen.
Manch
mal unterstütze ihn
dabei
e
in guter F
reund
(vgl.
Urk.
11
/222/62 f.
).
5.3
Der
begutachtende Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
erläuterte,
es lasse
sich
eine
seit Beginn der Dokumentation fortbestehende plantare Schmerzsymptomatik in beiden Füssen nach Ruptur und Re-Ruptur eines zentralen Z
ügels
nachweisen.
Im Januar 2018
(richtig: Mai 2017)
habe sich der
Beschwerdeführer
zudem
eine
Lisfranc
-Verletzung links und Läsion der medialen
Talusschulter
zugezogen
(
vgl. auch Röntgen
des linken Fusses vom 18. Januar 2018 ohne Hinweis für
höhergradige
Arthrose oder erneute Fraktur, Urk.
11
/184/
1
5)
.
Gleichzeitig sei in der Kernspintomographie eine Ruptur der
P
eroneu
s
-
b
revis
-Seh
ne
links festgestellt worden.
Er
sei mit orthopädischen Serienschuhen mit Sohlenversteifung und Abrollhilfe versorgt worden. Die
besprochene
Naht der
Peroneu
s
-
brevis
-Sehne sei nicht durchgeführt worden. Im Untersuch zeige sich
keine Einschränkung der Sprunggelenksfunktion.
Es werde
die Diagnose einer
fortbestehende
n
Arthralgie nach Aussenbanddehnung und Ruptur der
Peroneus
-
brevis
-Sehne
aufgeführt
(vgl. U
rk.
11
/222/68 f.).
Bei
einem Sturz im Treppenhaus Ende 2014 habe der Beschwerdeführer Gesäss und Rücken geprellt.
Weiter
sei ein
e
nicht dislozierte proximale Steissbeinfraktur festgestellt
worden
.
Während
man
p
rognostisch von einer problemlosen Heilung ausgegangen
sei
,
werde eine persistierende Schmerzsympto
matik bei Entwicklung einer Pseudoarthrose
diagnostiziert.
Der Beschwerdeführer sei mit einem an
gepassten S
itzkissen ausgestattet;
es lägen eine Therapieresistenz und Schmerz
haftigkeit vor. Hieraus ergebe sich die Diagnose der persistierenden
Coccygodynie
nach proximaler
nicht
dislozierter Fraktur (vgl.
Urk.
11
/222/68).
Wie allerdings
gemäss Bericht der
B._
aus
de
r nicht dislozierten Fraktur des ersten
Coccygealwirbels
mit umgebendem diskretem Hämatom eine möglich post
traumatische
Dekonfiguration
des zweiten
cocc
ygealen
Gelenkes entstanden sein solle
, sei nicht nachvollziehbar
. Ein CT sei nicht erforderlich, da sich daraus keine therapeutische Konsequenz ergebe.
Auffälligkeiten des ersten
Coccygealwirbels
würden keine beschrieben.
D
as Röntgenbild vom
7.
Oktober 2016
zeige
eine im Vergleich zu den Voraufnahmen unveränderte Stellung,
daher sei
die von der Universitätsklinik
Z._
daraus abgeleitete Pseudoarthrose des
Os
coccygis
ebenso wenig
nachvollziehbar
(vgl.
Urk.
11
/222/71
;
Urk.
11
/222/67
)
.
Seitens der Wirbelsäule würden
z
ervikal
wie
lumbal wi
e
derkehrende Schmerzen angegeben. Eine Schmerzausstrahlung seitens der Halswirbelsäule werde nicht beschrieben. Im MRI hätten sich degenerative Veränderungen feststellen lassen. Ein Hinweis auf eine Nervenkompression liege nicht vor, es werde eine leicht
gradige Spinalkanalstenose C3/4 und
C5
/6 beschrieben.
Auch ein Röntgenbild bestätige
degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule. Daraus ergebe sich die Diagnose des chronisch-rezidiv
i
erenden
zerivkovertebralen
Schmerz
syndroms ohne wesentliche Funktionseinschränkung. Im Bereich der Lenden
wirbelsäule
zeige sich als Hauptbefund eine Segmentdegeneration L5/S1 mit Bandscheibenvorwölbung,
Osteochondrose
und
Spondylarthrose
in diese
r
Ebene. Hinweise auf eine
radikuläre
Reizsymptomatik ergäben sich weder aus dem Ver
laufsbericht noch im aktuellen klinischen Untersuch (vgl.
Urk.
11
/222/68).
Ein
e
bewegungs- und belastungsabhängige Schmerzhaftigkeit des rechten Knie
gelenks werde auch im Zusammenhang mit dem U
nfallereignis im Jahr 2014 an
gegeben. Ei
n
MRI
zeige
eine Innenmeniskusläsion wie auch Knorpeldefekte im medialen und lateralen
femorotibialen
Kompartiment und
femoropatellar
. Der Beschwerdeführer beklage rezidivierende Anschwellungen
vorab
im
Bereich der
Kn
iek
eh
l
e
.
Im MRI vom Juni 2015 sei bereits eine kleine
Bakerzyste
aufgeführt. Radiologisch lägen Zeichen einer medialen Gonarthrose vor.
Im klinischen Untersuch
sei die Funktion gegenüber der kontralateralen linken Seite nur leicht
gradig eingeschränkt. Ein Erguss sei nicht
feststellbar. Eine Belastungsminderung im Rahmen einer Beinumfangsverminderung lasse sich nicht feststellen. Die Diagnose einer beginnenden medial betonten Arthrose werde gestellt (vgl.
Urk.
11
/222/68).
5.
4
Der Gutachter schlussfolgerte
,
die Persistenz der Beschwerden mehr als vier Jahre nach dem Unfall
lasse sich
nicht mehr erklären. Das ausgeprägte Übergewicht bei einem BMI von 42.0 kg/m
3
trage zu einer erhöhten Belastung der G
elenke
bei. Nicht nachvollziehbar sei, dass
alle bisher
festgestellten orthopädischen Degenerationen als chronisch schmerzhaft angegeben würde und keine
Therapie
zu einer zufriedenstellenden Lösung
verholfen habe
. Mit dem angepassten Sitz
kissen sei zumindest
das Sitzen
bis zu einer Stunde am Stück möglich. Die Ein
schränkung des Aktivitätsniveaus in den vergleichbaren Lebensbereichen könne nachvollzogen werden. Ein Grossteil der Einschränkungen erkläre sich aufgrund des deutlich erhöhten Köpergewichts und mangelnden Trainingszustandes. Das Ausmass bzw. die Intensität der beklagten Schmerzen sei
nicht
konsistent zu den klinischen Befunden (vgl.
Urk.
11
/222/70).
A
ufgrund persistierender Rücken- und Steissbeinbeschwerden, die zu einer Reduktion der Schnelligkeit und Produktivität führten,
sei die Arbeitsfähigkeit
um 20
%
eingeschränkt. Eine Tätigkeit
könne
im Sitzen
–
auch unter Einsatz eines Sitzringes
–
und im Stehen durchgeführt werden. Falls die bisherige Tätig
keit nochmals infrage komme, sollte ein Stehpult zur Verfügung gestellt werden. Fortgeschrittene Funktionseinschränkungen der Wirbelsäule
hätten
sich nicht nachweise
n lassen
. Die V
eränderungen im Bereich des Kniegelenks und die Schmerzen im Bereich des Sprunggelenks
sowie
in den Fersen
würden
sich durch orthopädische Hilfsmittel
,
wie den orthopädischen Schuhen mit Sohleneinlagen als auch Pufferabsätzen
,
gut kompensieren
lassen
(vgl.
Urk.
11
/222/71
)
.
5.5
Zu den
Vorakten
erläuterte
der Gutachter
mitunter
, im
Bericht de
r
Universitäts
klinik
Z._
vom 1
4.
Oktober 2016 werde
bei diagnostizierter
Pseudoarthrose des Os
coccygis
eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert. Gleichzeitig werde die Arbeitsunfähigkeit als Konstrukteur auf 20
%
geschätzt. Diese Einschätzung werde im Bericht vom
1.
März 2017 wiederholt, wonach der Beschwerdeführer in einer wechselbelastenden, sehr leichten
bis leichten Tätigkeit zu 100
%
arbeits
fähig sein werde.
Die Arbeitserprobung sei
am
psychischen Zustand
,
nicht
an körperlichen E
inschränkungen gescheitert (vgl.
Urk.
11
/222/74).
6.
6.1
Es ist somit festzuhalten, dass die vom
Beschwerdeführer geklagten Beschwerden an Füssen und Knien, am Steissbein und der
gesamten
Wirbelsäule
in der ortho
pädischen Begutachtung
eingehend
klinisch und bildgebend
abgeklärt
und
die Untersuchungse
rgebnisse nachvollziehbar gewürdigt
wurden. Ebenso fanden die Berichte der behandelnden Ärzte Eingang in die gutachterliche Beurteilung.
Die Berichte
der behandelnden Fachärzte
stehen
dabei weitestgehend im Einklang mit der gutachterlichen Einschätzung
(vgl. nachstehende Erwägungen)
.
Den Berichten des Hausarztes, der
–
ohne
über entsprechende
Spezialkenntnisse zu verfügen und ohne eigene Befunde zu erheben
–
im Wesentlichen auf die sub
jektive Beschwerdeklage abstellte, kommt
daneben
kein B
eweiswert zu (etwa
Urk.
11
/177).
6.
2
Die Ärzte der Abteilung für Wirbelsäulenchirurgie
der Universitätsklinik
Z._
hielten im Bericht vom 3
0.
November 2015
vorab
fest,
die MRI-Untersuchungen würden vor allem zum Ausschluss relevanter pathologischer Befunde
im Hinblick auf eine vermutete psychische Komponente
erfolgen
(vgl.
Urk.
11
/57/20)
.
Bezüglich
der vom Hausarzt (etwa
Urk.
11
/177) und in den
Eingaben (vgl. E. 2.2)
als
im Vordergrund stehend angegebenen
Steissbeinbeschwerden
stellten
die
Z._
-Ärzte
am 1
0.
Oktober 2016
zwar
die
vom Gutachter verworfene
Diagnose einer Pseudoarthrose
. Dazu konstatierte
n
sie jedoch, obschon die Infiltration zu keinem Erfolg geführt hatte,
dass
eine
wechselbelastende Tätigkeit
dem Beschwerdeführer
einen Vorteil bringen
würde
. Mittel- bis
längerfristig sollte mit einem
angepassten
Sitzring
auch längeres Sitzen wieder möglich sein. Eine Arbeitsunfähigkeit habe man noch bis zum Erhalt des Sitzrings attestiert, der aus mehreren Gründen noch nicht angefertigt worden sei. Danach sei
diese
in Ab
hängigkeit vom Krankheitsverlauf festzulegen
.
(vgl.
Urk.
11
/84-86).
Vier Tage später berichteten sie erneut,
dass
nach Anpassung des Sitzrings
voraussichtlich auch lä
ngeres Sitzen wieder möglich
sei
. Die bisherige Tätigkeit sei weiterhin zu
mutbar.
Empfohlen
werde eine wechselbelastende Tätigkeit gehend, sitzend und stehend nach Anpassung des Si
tzrings
(vgl.
Urk.
11
/79/8-10).
Ganz konkret
erörterten sie a
m 1.
M
ärz 2017
,
der
klinische Verlauf nach Benutzung des Sitz
ringes
bleibe abzuwarten
. Es sei unwahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer in einer rein sitzenden Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sein werde, insbesondere nicht sofort. Indessen sei es wahrscheinlich, dass er in einer wechsel
belastenden
, sehr leichten bis leichten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei
resp.
sein werde.
Zur
genauen Festlegung
von
Arbeitsfähigkeit
und
Belastungsprofil
empfehle man
ein
e
Begutachtung
und/oder einen Arbeit
sversuch (vgl.
Urk.
11
/100/2 f.)
.
Im
Bericht vom 2
6.
März 2018
wiesen
die
Spezialisten
für Wirbelsäulenchirurgie
am
Z._
a
uf eine neue MRI-Untersuchung
vom 2
3.
März 2018
hin
, d
ie
ei
ne
stationäre posttraumatische Deformation des
Os
coccygis
mit geringem Reiz
zustand im Knochenmark zeig
t
e
(
zum Vergleich: erstes
CT vom 31. Dezember 2014 mit nicht
[wesentlich] dislozierter Fraktur des
1.
Coccygealwirbels
mit um
gebendem, diskretem Hämatom
,
Urk.
11
/56/79
)
.
Sie
erläuterten wiederum
,
betreffend der
Coccygodynie
sei
mit Bezug auf ihren Bericht vom 2
8.
Februar 2017 eine sitzende T
ätigkeit unwahrscheinlich
, was offenbar auch der Arbeits
versuch ergeben habe. In einer angepassten Tätigkeit werde die Arbeitsfähigkeit sicher mehr als 0
% betragen. Ausser
d
em Arbeitsversuch
empfehle man
deshalb
eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL
;
vgl.
Urk.
11
/222/111).
Am
7. Dezember 2020
hielten sie
schliesslich
fest
, dass man die MRI-Bildgebung des
Sakrums
nochmals beleuchtet habe. Es zeige sich eine mögliche Steiss
bein
spitzenfraktur deutlich älteren Datums, welche die expliziten Schmerzen
in diesem Bereich
erklären könnte
. Therapiemöglichkeiten wie Infiltrationen würden
vom Beschwerdeführer
nicht mehr durchgeführt (vgl.
Urk.
17/2).
6.3
Zusammenfassend
gingen die
behandelnden Spezialisten
im
Herbst 2016
also
da
von
aus, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
trotz
Benutzung eines verstärkten Sitzrings in rein sitzenden Tätigkeiten
wohl
eingeschränkt bleiben würde. Indessen
erachteten sie
insbesondere mittel- und längerfristig auch Tätig
keiten mi
t längerem Sitzen als zumutbar
bzw. eine volle Arbeitsfähigkeit in einer wechselbelastenden Tätigkeit ab sofo
rt als wahrscheinlich.
Der Beschwerdeführer selbst räumte
im Frühjahr 2017 gegenüber der Eingliederungsberaterin
ein, dass er mit dem neuen Sitzkissen nun länger
sitzen könne, nämlich ca. 60
%
; er könne aber
nicht den ganzen Tag bzw. sicher nicht acht Stunden
sitzen
, weshalb er sich
z
um Personalberater umschulen woll
e
, da er in diesem Bereich sitzen, stehen und auch gehen könne (vgl.
Urk.
11
/173/11 f.)
.
Während des
anschliessenden
Arbeitsversuchs
sass der Beschwerdeführer
mehr
heitlich
, obschon ihm ein
höhenverstellbare
r
Tisch
zur Verfügung gestellt wurde
(vgl.
Urk.
11
/173/20).
De
r nach dem Arbeitsversuch
zurückhaltender
formulierten
wirbelsäulenchirurgischen
Beurteilung
aus dem Jahr 2018
liegen
– bei unveränderter Diagnose und stationärem Befund –
keine
neuen
mediz
inischen Erkenntnisse zugrunde.
Vielmehr
beurteilten
die
Ärzte
den
gescheiterten
Arbeits
versuch
implizit
als nicht
aussagekräftig
und
empfahlen
daher
eine EFL, welche sich
indessen
mit der Einholung
des
Gutachtens
bei der
Y._
erübrigt
e
.
Selbst
aus dem
jüngsten B
ericht
,
worin
die Behandler
e
ine
mögliche
,
deutlich
ältere Steissbeinfraktur
erwogen
, ergibt sich k
eine anderslautende
Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit
oder neue
Therapieempfehlung
.
T
rotz
bereits zahlreicher bild
gebender Abklärungen handelt es sich denn auch
bloss um eine Verdachts
diagnose,
was
zur Begründung
eines invalidisi
erenden Leidens nicht ausreicht
.
Den wirbelsäulenchirurgischen Beurteilungen kann somit nichts entnommen werden, was Zweifel am G
utachten wecken oder weitere Abklärungen erfordern würde.
6.
4
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers vermag
daran
der radiologische Bericht vom 3
1.
Juli 2019 nichts zu ändern, worin
Dr.
med.
C._
eine
Dekonfiguration
des
2.
Coccygealen
Gelenks postulierte
. So sprach
auch er nur von einer
«
möglicherweise
»
posttraumatischen Veränderung mit
oste
o
phytären
Reaktionen (vgl.
Urk.
11
/222/115)
.
Es
ist
auf die schlüssigen Ausführungen des Gutachters
hinzuweisen
, wonach die Fraktur einen anderen
Coccygealwirbel
betraf und
ferner
in der Bildgebung
stets
stationäre Stellungsverhältnisse
(etwa
Urk.
8/82 und 8/85)
beschrieben wurden (vgl. E. 5
.3).
Ein
direkter
Zusammenhang zwischen
den unmittelbar nach dem Unfall
aufgetretenen
Steissbeinbeschwerden
und der
beschriebenen
Dekonfiguration
,
deren Ursache und Entstehungszeitpunkt
offen sind,
kann
somit
nicht ohne weiteres als erstellt gelten.
Darüber hinaus
hatte
der
Suva-
Kreisarzt
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
bereits
im Rahmen
seiner Untersuchung vom 21. September 2016
detailliert
fest
gehalten
,
dass sich k
onventionell-radiolo
gisch in der Bildgebung vom 17.
März 2015 der Hinweis auf eine
sacrococcygeale
Instabilität durch
Retrolisthesis
des Os
coccygis
gegenüber dem
S
a
krumende
sowie zwei schwach angedeutete Aufhellun
gslinien proximal und distal des distalen
S
ak
rumgliedes
als Hinweis auf Frakturresiduen fänden. Die ventrale
Kortikalis
weise im distalen Abschnitt des distalen
Sakrum
gliedes
eine Stufe von 1 bis 2 mm auf (vgl.
Urk.
11
/78/11). Dennoch attestierte er dem Beschwerdeführer
eine
vollschichtige
Arbeitsfähigkeit bei Wechsel
rhythmus zwischen Stehen, Gehen und Sitzen und der Benutzung eines Bar
hockers für eine zweite Form des Sitzens neben der Benutzung eines Sitzrings auf üblichem Bürostuhl. Die genannten Körperhaltungen sollten dabei jeweils deutlich kürzer als 1
1⁄2
Stunden eingenommen werden – z.B. 30 bis 60 Minuten. Die Bereitstellung eines Schreibtisches, der höhenverstellbar sei, müsse angeraten werden (vgl.
Urk.
11
/78/12).
Die damals – also noch vor Erhalt des angepassten Sitzrings – vom Beschwerdeführer angegebenen Beschwerden waren
mit diesem Zumutbarkeitsprofil
gut vereinbar
(vgl. Urk.
11
/78/9)
.
Ebenfalls n
ichts zu seinen Gunsten ableiten kann der Beschwerdeführer aus
dem
chiropraktischen
Verlaufsbericht vom 1
4.
November 201
6.
Diesem
ist zu ent
nehmen,
w
egen der
Pseudarthrose
des Steissbeins sei es
ihm
nicht möglich, längere Zeit symmetrisch ausgeglichen zu sitzen. Für den
«
Heilungsprozess der Nackenbeschwerden
»
sei eine gerade, symmetrische, sitzende oder stehende Haltung jedoch essentiell. Längeres Stehen könne
aber
wegen der Knie- und Fuss
beschwerden nicht empfohlen werden. Daher sehe man ein entsprechendes medizinisches Hilfsmittel in Form eines Sitzkissens als dringend notwendig (
vgl.
Urk.
8/
83
). Weitere Feststellungen
wurden nicht getroffen, insbesondere keine Arbeitsunfähigkeit mit Sitzkissen postuliert.
6.5
Im Übrigen
wurde dem Beschwerdeführer im B
ericht der Abteilung Rheuma
tologie der Uniklinik
Z._
vom 30. Juni 2015
zwar eine volle Arbeits
un
fähigkeit als Controller (überwiegend sitzende Tätigkeit) attestiert, dazu jedoch festgehalten, diese sei
«gröss
tenteils mitbedingt durch seine Sehstörungen und dementsprechend Schwie
rigkeiten, Grafiken zu erstellen
(
vgl.
Urk.
11
/56/27).
Die Steissbeinbeschwerden wurden im Bericht gar nicht erwähnt. Zudem fand sich keine Erklärung für die geklagten Fingerschmerzen.
Hinsichtlich der
zervikozephalen
Schmerzen wurde es als zwingend nötig erachtet, an der Haltungskontrolle und dem
Auftrainieren
der Nackenmuskulatur zu arbeiten; es falle eine ausgeprägte Kopfprotraktionshaltung und funktionelle Hyperkyphose der Brustwirbelsäule auf (vgl.
Urk.
11
/56/26). Diese Beschwerden besserten
danach
wesentlich unter physiotherapeutischer sowie
chiropraktischer
Behandlung (vgl.
Urk.
11
/173/5 und
11
/184/9) und der Beschwerdeführer lehnte weitere diesbezügliche Abklärungen wiederholt ab (vgl.
Urk.
11
/57/20 und
11
/228/5 oben). Es ist hervorzuheben, dass eine blosse
Dekonditionierung
– wie sie auch im orthopädischen Teilgutachten (vgl. E. 5.4)
und im aktuellsten
chiro
praktischen
Bericht vom 2
0.
November 2020 (vgl.
Urk.
17/1) erwähnt wurde
– keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG darstellt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2017
vom 19. September 2017 E. 4.2).
Bezü
glich der Kniebeschwerden wurde
im
oberwähnten
rheumatologischen Bericht bei leichter Meniskusläsion und ausgeprägten Knorpelveränderungen
primär
«erneut» eine Gewichtsabnahme und ein Beinachsentraining empfohlen; auf nicht-
steroidale
Antirheumatika
sei aufgrund der Nierenfunktionseinbusse zu verzichten, jedoch könnten weitere
supportive
Massnahmen wie Bandagen oder intraartikuläre Steroidinjektionen in Betracht gezogen werden (vgl.
Urk.
11
/56/26). Angesichts des fortbestehenden Übergewichts und der damit ver
bundenen Mehrbelastung der Gelenke, wie sie vom Gutachter erörtert wurden (vgl. E. 5.4), verwundert es nicht, dass der Beschwerdeführer die Kniebeschwerden in der Begutachtung als am schmerzhaftesten bezeichnete (vgl. E. 5.2), obschon sich bildgebend kein entsprechend ausgeprägtes organisches Korrelat nachweisen liess (vgl.
Urk.
11
/115 f.). Rechtsprechungsgemäss bewirkt
eine Adipositas keine zu Rentenleistungen
berechtigende Invalidität, wenn sie nicht körperliche oder geistige Schäden verursacht
, keine
Folge
von solchen Schäden ist
und
durch geeignete Behandlung
bzw.
zumutbare Gewichtsabnahme auf ein Mass reduziert werden
kann, bei welchem das Übergewicht in Verbindung mit allfälligen Folge
schäden keine voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit zur Folge hat (
vgl.
Urteil
des Bundes
gerichts
9C_506/2020 vom 1
0.
März 2021 E.
5.3.2).
Eine
Krankheit als Ursache
des Übergewichts lässt sich dem internistischen Teilgutachten nicht entnehmen (vgl.
Urk.
11
/222/6; ergänzend
Urk.
11
/222/102). Zudem war der Beschwerde
führer bereits vor dem Unfall Ende 2014 übergewichtig (vgl.
Urk.
11
/11/28 und
11
/11/56: Gewicht von 121 kg bei einer Körpergrösse von 182 cm).
6.6
Bezüglich der Fussverletzungen ist
vorderhand
interessant,
bei welchen Aktivitäten sich der Beschwerdeführer diese
zuzog. So strauchelte er im September 2016, als er an der Hochzeit seiner Tochter in
E._
teilnahm (vgl.
Urk.
11
/173/8
oben
). Im Mai 2017 verletzte er sich
beim Fahrradfahren (vgl.
Urk.
11
/170/2, Eintrag vom 2
2.
Juni 2017
,
Urk.
11
/181; gemäss
Urk.
11
/222/99 gar Motorradunfall
)
.
Im Februar 2018 ereignete sich allenfalls ein weiterer Unfall, zu dessen Hergang nichts bekannt ist (vgl.
Urk.
11
/184/13).
Im Übrigen
attestierten die Spezialisten d
em
Beschwerdeführer
in diesem
Kontext
keine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit;
stattdessen
wurden ihm orthopädische Serienschuhe verordnet
(vgl.
Urk.
11
/165
,
11
/184/15 und
11
/195/5 ff.)
.
6.
7
Zusammenfassend
schloss
der begutachtende Facharzt
somit
gestützt auf eine aktuelle Bildgebung
(vgl.
Urk.
11
/115 f.)
und
u
nter Berücksichtigung
der Aus
wirkungen
aller orthopädischen Befunde
–
s
oweit diese nicht
durch
zumutbare Massnahmen wie
Spezialschuhe
,
einen
spezielle
n
Sitzring
oder
eine
Gewichts
reduktion
kompensiert werden können
(
vgl. E. 5.4)
–
ergänzend zum
vom Kreis
arzt definierten
Zumutbarkeitsprofil
gewisse Zwangshaltungen
aus, postulierte mit den Ärzten der Universitätsklinik
Z._
ein Gewichtslimit
von 5 bis 10 kg
entsprechend sehr leichten bis leichten
körperlichen
Tätigkeiten
(vgl.
dazu
von der Swiss Insurance
Medicine
[SIM] herausgegebenen Wegleitung zur Ein
schätzung der zumutbaren Arbeitstätigkeit nach Unfall und bei Krankheit, Aus
gabe April 2013, S. 10)
und
anerkannte
darüber hinaus
eine Leistungseinbusse von 20
%
(vgl. E. 4.3).
Der Beschwerde
führer brachte nichts
vor, was dieser Ein
schätzung aus medizinischer Sicht
entgegenstünde.
Im Übrigen wies
der Gutachter
zu Recht
auf die bei Angabe massivster Schmerzen
auffällige Behandlungsanamnese hin.
So zeigte der Beschwerdeführer
teils
wenig I
nteresse an den
von den Ärzten vorgeschlagenen Massnahmen
betreffend die Fuss- (vgl.
Urk.
11
/184/14 und
11
/184/16
; schon früher
Urk.
11
/12/6
) und Nackenbeschwerden
(vgl.
Urk.
11
/57/20
und 17/2
)
,
nahm
(mindestens bis ins Jahr 2020,
Urk.
11
/249/3)
weiter an Gewicht
zu
,
führte keine Heimübungen durch bzw. erlernte diese während der langdauernden Physiotherapie nicht korrekt
(vgl.
Urk.
17/1
S. 2)
und
bezog
aus ungeklärten Gründen
erst
spät einen
Sitzring
mit erhöhter Festigkeit, nachdem bereits am 5.
April 2016 berichtet worden war, dass ein normaler
Sitzring
bei Adipositas nicht funktionier
e
(vgl.
Urk.
11
/78/8)
. Ein relevanter Leidensdruck
kann
daher behandlungsanamnestisch nicht
als aus
gewiesen gelten.
Stellt man zudem auf die Beschwerdeklage in der Begutachtung ab (vgl.
E.
5.2),
ist dem Gutachter beizupflichten, dass
letztlich jeder kleinste Befund subjektiv mit einer erheb
lichen Beeinträchtigung verbunden ist
und sich keines
der Leiden
als
zureichend behandelbar
erwies
(etwa
Urk.
17/2)
,
was erheblich an der
Zuverlässigkeit
d
er
subjektiven An
gabe
zweifeln lässt
.
Gleiches gilt für die Tatsache, dass sich das geklagte Ausmass der S
chmerzen weder mit den klinischen Befunden (vgl. E. 5.4) noch den Aktivitäten
des Beschwerdeführers
vereinbaren lässt
(vgl. dazu E.
8.4.2
).
Im Übrigen vermochte er d
as
Arbeitstraining
aber
trotz Fussverletzung wenigstens
von Mitte September bis Ende November 2017 ohne ausserordentliche Absenzen zu absolvieren
(vgl.
Urk.
11
/170/4-6),
selbst wenn es sich nicht
um ein Vollzeitpensum handelte (vgl.
Urk.
11
/169/2).
7.
7.1
Hinsichtlich
der psychiatrischen Begutachtung
monierte
der Beschwerdeführer,
entscheidend
sei
offenbar
die neuropsychologische Beurteilung
, wobei in den Akten ein
entsprechendes Teilgutachten fehle.
Der
Neuropsychologe
habe auch
die Gesamtbeurteilung
nicht
unterzeichnet
, worin
die neuropsychologischen Befunde ein Stück weit angezweifelt
würden, indem die kognitive Störung als nicht vollständig erklärbar beurteilt und ihm vorgeworfen werde, sich kognitiv stark eigenschränkt zu fühlen, ohne es objektiv zu sein.
Dies stehe
im Wider
spruch zur als konklusiv beurteilten Testung und der
Feststellung des Gutachters
,
es bestünden
keine Inkonsistenzen
.
Es
fehle eine Auseinandersetzung mit dem neuropsychologischen Bericht vom 3. Dezember 2018
und das CFS werde über
haupt nicht erfasst
(
Urk.
1
Ziff.
II.5
-6
;
Urk.
16
Ziff.
II.6-17).
7.2
In der psychiatrischen Exploration
gab der Beschwerdeführer an, er sei labil und vertrag
e
sehr schlecht Stress
; der Schwindel verstärke sich
erheblich und es trete ein Druck auf den Kopf und in den Augen auf.
Er habe dann «null Konzentration». Es sei, als ob jemand den Stecker ziehe. Er sei körperlich sehr wenig belastbar. Wenn es ihm einmal gelinge, den Boden zu wischen, schwitze er sehr stark.
Nach
dem er sich
ein bis zwei Stunden schlafen
gelegt habe,
gehe es besser, aber
noch
nicht richtig gut. Das Gefühl richtig ausgeschlafen zu sein, kenne er schon seit langem nicht mehr.
Er sei an sich
ein
Optimist, doch habe er derzeit sehr grosse Existenzängste
; er wisse nicht, wie es beruflich und finanziell weitergehe
.
Er habe Probleme mit dem Gedächtnis, könne sich
nur schlecht Zahlen und Namen merken. Mit der CPAP-Maske
schlafe er an sich gut
,
könne aber
teils wegen der Nackenschmerzen nicht durchschlafen
(vgl.
Urk.
11
/222/35 f.).
Er habe einen grossen Bekanntenkreis. Zu 100
%
verlassen könne er sich auf vier bis fünf Personen. Einmal pro Woche sehe er einen oder mehrere Freunde
(vgl. auch
Urk.
11
/
2
22/83: von Freund
zu drei
Wochen Urlaub an der
F._
ein
geladen
)
. Er
telefoniere fast wöchentlich mit der Mutter. Zur älteren Tochter habe er einen sehr guten Kontakt, sehe diese einmal pro Woche. Zur jüngeren Tochter pflege er im Wesentlichen nur über
Whatsapp
Kontakt
(vgl.
Urk.
11
/222/37).
Er stehe zwischen 6 und 8 Uhr auf, mache sich eine
To
-do-Liste für den Haushalt, die er manchmal abarbeiten könne oder auch nichts schaffe.
Er mache
die Haus
arbeit weitestgehend alleine im Laufe der Woche. Ab und zu helfe ihm ein Freund. Gegen 22 Uhr gehe er zu Bett. Seine Hobbies
,
das Motorradfahren und das Herumschrauben am Motorrad
,
seien ihm aufgrund seiner körperlichen Ein
schränkungen nicht mehr möglich. Kochen, Backen und Fotografieren würde er aber auch als Hobbies bezeichnen; diese Aktivitäten könne er noch ausüben.
A
b und zu lese er;
an schlechten Tagen
würden
die B
uchstaben quasi verschwimmen,
an guten Tagen nicht alles hängen bleibe
n
.
Er mache
Spaziergänge und setze sich an den See (vgl.
Urk.
11
/222/37 f.
; ergänzend Urk.
11
/222/99:
trainiert mit Sitz
ergometer
).
Dazu ergänzte er per E-Mail, das Schwitzen
bzw. die Überhitzung
trage bestimmt dazu bei, dass er immer so müde sei und den Tag nicht voll durchstehe. Die Konzentration lasse definitiv nach einer Stunde am PC
bzw. konzentrierter Beschäftigung sehr stark nach. Er versuche Englisch zu lernen, doch leider würden die Wörter nicht lange in seinem Sinn bl
ei
ben. Zudem lese er in der Bibel. In seiner Gemeinde würden sie die Bibel gemeinsam studieren und ihr Wissen auch in Form von Bibelkursen weitergeben. Erfreulicherweise könne
er
sich daran beteiligen, solange seine Energie dazu ausreiche,
das sei ein täglicher Aufsteller (vgl.
Urk.
11
/222/94
; hierzu auch
Urk.
11
/222/52
).
7.3
Zum Untersuchungsbefund notierte der begutachtende Psychiater, die Auf
fassung sei nicht erschwert und auch die Konzentration zumindest nicht gröber beeinträchtigt – ein übliches Untersuchungsgespräch sei gut zu führen. Der formale Gedankengang sei geordnet und es zeige sich unter Berücksichtigung von Psychomotorik und Gesprächsaktivität keine Antriebsminderung. Anamnestisch
berichte der Beschwerdeführer über eine vermehrte Erschöpf
bar
keit, die aber schwanke. Die Haushaltsarbeit verrichte er weitestgehend allein, ab und zu helfe ihm ein Freund. Insgesamt ergebe sich das Bild
einer leichten An
triebsminderung. Die Grundstimmung sei zum depressiven Pol verschoben, die affektive Schwingungsfähigkeit leicht beeinträchtigt. Es bestünden weder eine Interessenlosigkeit, noch ein ausgewiesener Rückzug oder eine
Anhedonie
. Zur genauen Klärung der kognitiven Leistungsfähigkeit und Gedächtnisfunktion werde auf das neuropsychologische Gutachten verwiesen
. Von der Persönlichkeit her sei der Beschwerdeführer extrovertiert mit leicht
histrionischen
Persönlichkeitszügen
(vgl.
Urk.
11
/222/39).
Zur
neuropsy
chologischen Untersuchung
fasste er zusammen, es
bestünden im exekutiven Bereich
unter anderem
in der Verhaltensbeobachtung auffällige Ein
brüche in der Handlungskontrolle, wodurch es zu Regelbrüchen, Fehlern und Perseverationen in den Aufgaben komme. Im Bereich der Handlungsplanung komme es bei allgemein guten Fähigkeiten vereinzelt zu Einbrüchen, die
Umweg
leistungen
erfordern und so die Arbeitseffizienz vermindern würden. Weiter sei die Interferenzresistenz leicht vermindert. Im Aufmerksamkeitsbereich sei die Daueraufmerksamkeitsleistung leicht- bis mittelgradig, das allgemeine Auf
merksamkeitsniveau leicht vermindert bei jedoch guter Aktivierbarkeit. Im mnestischen Bereich zeige sich
vorab
für verbale Information eine eingeschränkte Aufnahmekapazität im Sinne von reduzierter Merkspanne und
vermindertem Arbeitsgedächtnis.
Im episodischen Gedächtnis
hätten
sich
jedoch
modalitäts
übergreifend unauffällige Lernkurven und A
brufleistungen gezeigt
, so das
s
k
eine spezifische mnestische Störung vorliege; die beschriebenen Defizite in der Auf
nahmefähigkeit seien eher als aufmerksamkeitsassoziiert zu sehen.
Es zeige sich eine leicht bedrückte Grundstimmung bei guter affektiver Schwingungsfähigkeit und unauffälligem Antrieb. Der Beschwerdeführer wirke in seiner Persönlichkeit freundlich und offen, verfüge im Kontakt über gute kommunikative und soziale Kompetenzen und zeige sich im Verhalten durchgehend situationsangepasst. Die Belastbarkeit zeige s
ich leicht reduziert, was sich
insbesondere
durch die im späteren Untersuchungsverlauf vermehrt auftretenden Einbrüche in der Handlungsüberwachung verdeutliche.
Bei durchgehend unauffälligen Befunden in den Leistungsvalidierungsverfahren
und fehlenden Hinweisen für Inkonsistenzen
sei von validen neuropsychologischen Befunden auszugehen.
Das
beschriebene
Störungsmuster sei wenig spezifisch.
Ursächlich
in Frage kämen Schlafstörungen
/
-
mangel,
eine
chro
nische Schmerzsymptomatik,
allenfalls eine
hormonelle Störung
oder
psychiatrische Komorbiditäten
oder
eine Kombination dieser Faktoren (vgl.
Urk.
11
/222/40 f.).
Zur Laboruntersuchung erwog
d
er
Gutachter
, d
er Medikamentenspiegel des Citaloprams sei extrem niedrig
. Dieser l
iege mit 3
ng
/ml unterhalb des praktisch messbaren Bereichs, was
ü
berwiegend
wahrscheinlich
für eine zumindest nicht regelmässige Einnahme spreche (vgl.
Urk.
11
/222/41).
7.
4
Der Gutachter schlussfolgerte, unter Berücksichtigung des
neuropsychologischen Gutachtens seien die geklagten ausgeprägten kognitiven Störungen zu einem gewissen Grad durchaus nachvollziehbar. Von neuropsychologischer Seite werde eine leichte neuropsychologische Störung mit leicht verminderter Belas
tbarkeit gesehen. Bezüglich einer
allfälligen psychiatrische
n
Komorbidität bei unklarer Ätiologie liege zwar eine gewisse depressive Symptomatik vor, die aber bei Weitem nicht ausgeprägt genug sei, um die kognitive Störung allein zu erklären.
Bei einer rezidivierenden depressiven Störung sei die Besserung z
w
ischen den Episoden im Allgemeinen vollständig, ein Minderheit der Patienten entwickle allerdings eine anhaltende Depression, hauptsächlich im höheren Lebensalter.
Was den Schweregrad angehe, so ergebe sich nur eine leichte Antriebsminderung. Die Grundstimmung sei zwar zum depressiven Pol verschoben, auf der anderen Seite gehe der Beschwerdeführer durchaus positiv besetzten Interessen nach, nehme relativ intensiv soziale Kontakte wahr. Der Appetit sei nicht gestört. Der Durchschlaf sei aufgrund von Schmerzen und offensichtlich nicht depressions
bedingt gestört. Insgesamt ergebe sich allenfalls das Bild einer leichten depressiven Episode
bei rezidivierender depressiver Störung (ICD-10: F33.0)
.
Von orthopädischer und neurologischer Seite werde auf (zumindest) nicht vollständig erklärbare körperliche Symptome hingewiesen. Von psychiatrischer Seite werde eingeschätzt, dass hier psychosomatische Beschwerden
vorlägen
, die als Teil der Depression anzusehen seien (vgl.
Urk.
11
/222/42).
Es sei nicht der Eindruck einer «bewussten» Übertreibung wahrgenommener Ein
schränkungen im Sinne von Aggravation entstanden. Im Rahmen der neuro
psychologischen Untersuchung sei jedoch der Eindruck entstanden, dass der Beschwerdeführer sich in kognitiver Hinsicht sehr stark eingeschränkt sehe, ob
wohl dies nicht der Fall sei, was aus aktueller psychiatrischer Perspektive sehr gut nachvollziehbar sei.
Der Schweregrad einer mittelgradigen Depressivität ge
mäss Verlaufsbericht der Klinik
G._
AG vom 2
9.
Juni 2018 sei aufgrund des mitgeteilten Befunds nicht plausibel und Hinweise zu den üblichen Tages
aktivitäten fehlten. Anhaltspunkte für eine seither eingetretene Veränderung bestünden nicht, weshalb aufgrund des aktuellen Bilds davon auszugehen sei, es habe bereits damals nur eine leichte depressive Episode vorgelegen. Ferner sei im Bericht die Diagnose einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung gestellt worden. Die hierfür typischen Persönlichkeitsmerkmale wie Mangel an Empathie, Neid
gefühle, arrogantes und hochmütiges Auftreten hätte
n
sich beim Beschwerde
führer überhaupt nicht gezeigt. Auch im Schlussbericht der
H._
GmbH vom 2
0.
März 2018 würden keine Schwierigkeiten in der sozialen Inter
aktion, wie sie für diese Persönlichkeitsstörung typisch seien, beschrieben, obschon seine Persönlichkeit bzw. sein Verhalten über längere Zeit beobachtet worden seien («konnte sich schnell ins Team integrieren», «menschlich gut bewährt»). Es werde extra betont, dass der Beschwerdeführer im menschlichen Umgang als angenehm erlebt worden sei. Zudem habe
er
sehr authentisch und empathisch darüber berichtet, wie er darunter gelitten habe, dass seine Frau seinen Kindern keine Liebe und Zuneigung habe zeigen können (vgl.
Urk.
11
/222/43 f.).
Belastend seien der fehlende Arbeitsplatz und die schwierige finanzielle Situation. Ressourcen seien die guten beruflichen Kenntnisse und die unterstützenden sozialen Kontakte. Es bestünden mittelgradig ausgeprägte Fähigkeitsstörungen im Bereich Durchhaltefähigkeit, Strukturierung von Aufgaben sowie Flexibilität und Umstellungsfähigkeit (vgl.
Urk.
11
/22/44).
7.
5
Zusammenfassend
, so der Gutachter weiter,
lägen zwei für die Arbeitsfähigkeit relevante psychische Störungen vor.
Gemäss neuropsychologischer Einschätzung werde in der bisherigen Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 65
%
, in
einer adaptierten Tätigkeit eine solche von 80 % gesehen, was auch aus psychiatrischer Sicht nachvollziehbar sei (vgl.
Urk.
11
/222/45).
Da die Arbeitsunfähigkeit durch die neurokognitive Störung bedingt und diese wahrscheinlich zu einem geringen Teil durch die Depression mitverursacht sei, könne die Arbeitsfähigkeit bei adäquater antidepressiver Medikation mit einem Spiegel im Referenzbereich leicht gesteigert werden auf ca. 75
%
in der bisherigen
bzw.
80 bis 85
%
in einer angepassten Tätigkeit
(vgl. Urk.
11
/222/47)
.
8.
8.1
Der begutachten
de
Psychiater klärte die vom Beschwerdeführer
angegebenen
Beschwerden somit
umfassend ab.
Seine Schlussfolg
erungen erläuterte er im Detail
einschliesslich der Gründe,
weshalb er anderslautende Diagnosen
der behandelnden Ärzte
verwarf
.
Damit ist auch die
diskrepante
E
inschätzung der Arbeitsfähigkeit
zu den Behandlern der
Klinik
G._
AG
hinreichend erklärt, zumal
sie in ihrem
Formularbericht
vom 2
9.
Juni 2018 keine psychisch bedingten Einschränkungen im Zusammenhang mit der
lediglich
auf
20 bis 40
%
geschätzten
Arbeitsfähigkeit (Präsenz von 60 bis 80
%
mit einem Pausenbedarf von einer Stunde ca. alle 30 Minuten)
näher konkretisierten
. In den
Antworten zu den F
ragen
2.1
und
4.1
nahmen sie
einzig
auf
somatisch
bedingte
Ein
schränkungen
Bezug
(vgl.
Urk.
11
/174/2).
Ebenso wenig wurden i
m Verlaufs
bericht
vom 25.
Mai 2020
psychisch bedingte
Auswirkungen au
f die Arbeits
fähigkeit dargetan.
Zudem ist d
ie
Verneinung jeglicher Ressourcen im Alltag
nicht
mit
dem vom Beschwerdeführer in der Begutachtung geschilderten
Aktivitäten
(vgl. E 7.2)
vereinbar. Dabei deutet nichts auf
eine
inzwischen
e
in
getretene
,
massive Zustandsverschlechterung hin
; vielmehr wird hau
ptsächlich auf den ersten Bericht verwiesen
(vgl.
Urk.
11
/246).
8.2
8.2.1
Die
im Mittelpunkt stehende
E
inschätzung
de
r
kognitive
n
Leistungsfähigkeit
gründet
auf
dem
vom begutachtenden P
sychiater
selbst
e
rhobenen psycho
patho
logischen Befund
sowie
einer
aktuelle
n
neuropsychologische
n
Unter
suchung
, durchgeführt am
2
9.
Juli 2019
(vgl. E. 7.
3
)
.
Letztere
war indiziert
, nach
dem der Beschwerdeführer
über Symptome wie
Erschöpfbarkeit, Gedächtnis
probleme, fehlende Konzentration und mangelnde Belastbarkeit geklagt hatte
(vgl. E. 7.2)
.
Wie
von ihm
moniert, fehlt in den Akten
das im
gutachtlichen
Inhaltsverzeichnis
auf
geführte neuropsychologische
G
utachten
(vgl.
Urk.
11
/222/2)
.
Indessen
wur
den die relevanten Er
kenntnisse
daraus
im psychiatrischen Teilgutachten
wieder
gegebe
n (vgl. E. 7.3)
.
Es i
s
t
grundsätzlich
Aufgabe des psychiatrischen Facharztes, die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung allfälliger neuropsychologischer Defizite einzuschätzen. Eine neuropsychologische Abklärung stellt lediglich - aber immerhin - eine Zusatzuntersuchung dar, welche bei begründeter Indikation in Erwägung zu ziehen ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_11/2021 vom 1
6.
April 2021 E 4.2;
Ziff.
4.3.2.2 der Qualitätsleitlinien für psychiatrische Gutachten in der Eid
genössischen Invalidenversicherung der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie u
nd Psychotherapie [SGPP] 2016).
Der
Psychiater
hat
daher
einerseits
die Indikation für eine solche Zusatzuntersuchung zu stellen
und andererseits
deren Ergebnisse im Rahmen einer Gesamtschau der Befunde zu würdigen.
Beim Beschwerdeführer
ergaben d
er
neuropsychologische Untersuch sowie die
psychiatrische
Exploration
, in
der keine gröberen
Beeinträchtigungen
auffielen
(vgl. E. 7.3),
ein soweit
stimmiges Bild; der
begutachtende Psychiater
berück
sichtigte
daher
die
detaillierte
neuropsychologische Einschätzung voll
um
fänglich, sowohl
in diagnostischer Hinsicht als auch bezüglich des funktionellen Leistungsvermögens
.
Wie der Neuropsychologe
beurteilte
er
die
neuro
psychologischen Testergebnisse
somit
als valid
e und schloss ein
bewusst dys
funktionales V
erhalten
des Beschwerdeführers aus
. Dass
beide
die
festgestellten
Defizite
–
anders als der Beschwerdeführer
–
nicht als sehr einschränkend beurteilten,
widerspricht dem nicht
.
Die
bloss
subjektive
Krankheitsüberzeugung
des Beschwerdeführers,
er sei
wegen dieser Defizite
weitestgehend
arbeitsunfähig
, stellt keinen invalidisierenden Gesundhei
tsschaden dar
(
etwa
Urteil des Bundes
gerichts 9C_473/2019 vom 25. Februar 2020 E. 4.2.2)
. Sie ist für die Invaliden
versicherung unbeachtlich
,
auch wenn sie
seine
Reintegration in den Arbeits
markt
deutlich
erschwert.
8.
2.2
Darüber hinaus ist
das Ergebnis der
neuropsychologische
n
Begutachtung
durch
aus
mit dem Bericht
der Expertinnen
des Zentrums Verhaltensneurologie Neuropsychologie
I._
vom 3. D
ezember 2018
vereinbar
.
Die
se
stellten damals vergleichbare Defizite
in denselben Bereichen
fest
.
So führten sie aus
, es
bestünden mnestische Defizite im Sinne einer verbalen Lern- und Abrufschwäche mit Perseverationstendenz sowie eingeschränkte
attentional
-exekutive F
unktionen wie lexikalische Ideenproduktion, Grundaktivierung, gerichtete und geteilte Aufmerksamkeit unter erhöhter Belastung und Daueraufmerksamkeit.
Dazu beobachteten sie eine leicht reduzierte Schwingungsfähigkeit und Affekt
labilität. Bezüglich Arbeitsstil zeige sich, dass
der Beschwerdeführer
bei münd
lichen Aufgaben sehr viel Zeit benötige (vgl.
Urk.
11
/222/106).
Sie
kamen zum Schluss, die Befunde
,
di
e sich im Vergleich zur Voruntersuchung vom November 2015 leicht verschlechtert hätten,
seien
von der Ausprägung her
einer leichten bis mittelgradigen neuropsychologischen Störung zuzuordnen. Die festgestellten Defizite seien multifaktoriell bedingt und gut im Rahmen einer vor
dergründigen affektiv-pathologischen Störung erklärbar
–
aggraviert
durch vor
bestehende kognitive Leistungsschwächen
,
d
ifferentialdiagnostisch
eine zusätz
liche
hypophysäre
Dysfunktion
(assoziiert an den Befund des Schädel-MRI vom Oktober 2017), ein Testosteronmangelsyndrom (
mit
typischen Symptomen wie Konzentrationsmangel, Erschöpfungstendenz, Antriebsminderung, Hitze
wallungen sowie Gewichtszunahme) oder Schmerzinterferenzen.
Damit
ergeben sich a
uch hinsichtlich des Schweregrads der Störung sowie deren Ätiologie keine
relevanten
Abweichungen
zur
gutachterlichen Einschätzung
;
die
leicht unter
schiedliche Ausprägung der Defizite in den
Testungen der Jahre
2015, 2018 und
2019
lässt
sich
angesichts der diskutierten Ursachen mit der Tagesform
und ärzt
lichem Ermessen bei der
Einordnung
der Befunde
ohne weiteres
erklären. Indizien für eine
schwerere
oder
aber
auch
fortschreitende
neuropsychologische
Störung
bestehen
keine.
So
klagte d
er Beschwerdeführer schon im Jahr 2018 über schleichend zunehmende, massivste kognitive Leistungseinbusse, so dass der All
tag «nicht
bewältigbar
» sei (vgl.
Urk.
11
/222/104 f.
)
.
Schliesslich attestierten
ihm
die
Expertinnen
damals
eine um 30 bis 50
%
reduzierte Arbeitsfähigkeit
und empfahl
en
eine Behandlung
mit
einem antriebs
steigernden Antidepressivum (vgl.
Urk.
11
/222/107).
Die vom Gutachter postulierte Arbeitsunfähigkeit von 35
%
in der angestammten Tätigkeit liegt innerhalb dieses Rahmens. Dass diese am unteren Rand zu liegen kam, lässt sich mit ärztlichem Ermessen wie auch der Erfahrungstatsache erklären, dass behandelnde Ärzte in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Zum Zumutbarkeitsprofil und damit verbunden zur
selbstredend höheren
Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten wie auch zu den Auswirkungen der vorgeschlagenen Behandlung auf die Arbeitsfähigkeit äusserten
sich die Expertinnen
nicht.
8.
2.3
Mit Blick auf das sechsmonatigen Arbeitstraining Ende 2017/Anfang 2018 gilt es anzufügen,
dass den Erkenntnissen von Eingliederungsfachpersonen im Rahmen von beruflichen Abklärungen respektive Programmen bezüglich der Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit nur beschränkte Aussagekraft zukommt; sie beruhen in der Regel nicht auf vertieften medizinischen Untersuchungen, sondern auf berufspraktischen Beobachtungen, welche in erster Linie die subjektive Arbeitsleistung der versicherten Person wiedergeben (Urteile des Bundesgerichts 8C_170/2021 vom 23. September 2021 E. 5.1.2.2 und 8C_21/2020 vom 8. April 2020 E. 4.1.2, je mit Hinweisen). W
enn eine
medizinische Einschätzung der Leistungsfähigkeit in offensichtlicher und erheblicher Diskrepanz zu einer Leistung
steht
, wie sie während einer ausführlichen beruflichen Abklärung bei einwandfreiem Arbeitsverhalten/-einsatz der versicherten Person effektiv realisiert wurde und gemäss Einschätzung der Berufsfachleute objektiv realisier
bar ist,
bedarf es einer
klärenden
medizinischen Stellungnahme
(Urteil des Bundesgerichts 8C_329/2021 vom 27. Okt
ober 2021 E. 6.2.1 mit Hinweis).
Eine
solche
Stellungnahme
liegt hier
mit dem Gutachten der
Y._
vor
. Im Rah
men
dieser
Begutachtung wurden die kognitiven Beeinträchtigungen, wie sie im Schlussbericht der
H._
Work vom 2
0.
März 2018
und im Ein
gliederungsprotokoll
geschildert wurde
n
, nochmals
ausgiebig abgeklärt.
Es kann auf das vorstehend
A
usgeführte verwiesen werden.
D
ie Angaben
der an der Eingliederung Beteiligten ergeben denn
auch kein schlüssiges Bild
einer
schwerwiegenden Beeinträchtigung
.
So konnte der Beschwerdeführer einerseits die im CAD-Kurs erworbenen Kenntnisse gut ein
setzen
, andererseits wurde
(
aber
erst) nach
zwei Monaten
festgestellt, dass er zu
nehmend Mühe hatte, die ihm zugewiesenen anspruchsvolleren Arbeiten richtig umzusetzen. Nach drei Monaten Arbeitstraining zeigte sich keine Verbesserung der Arbeitsqualität, sondern eher eine Zunahme der Fehler
. N
ach vier Monaten nahmen die körperlichen Beschwerden zu
und letztlich sah
er sich
gänzlich arbeitsunfähig
auf dem ersten Arbeitsmarkt
.
Aus Sicht des Arbeitgebers wurde
dabei
primär
hervorgehoben, dass
das
Fachwissen
des Beschwerdeführers
gering und
sein
Übungsbedarf hoch seien.
Erst i
m
Verlauf des Arbeitstrainings wurde ergänzt, dass
er
wohl
auch
oft vergesse oder nicht richtig verstehe, was ihm auf
getragen
werde
bzw. man einfach nicht eruieren könne, weshalb er seine Leistung nicht abrufen könne
.
Nur
im Rahmen der subjektiven Beschwerdeklage
wurden
gar
Wortfindungsstörungen
und eine
eingeschränkte Motorik
erwähnt
.
I
m Übrigen wurde der Arbeitsversuch durch mehrere Fussverletzungen
, grippale Infekte
und neue medizinische (ergebnislose) Abklärungen
negativ beeinflusst
(vgl.
Urk.
11
/169/2,
11
/170
und
11
/173/19 f.
).
Gewisse
Defizite
lassen sich
eingliederungsanam
nestisch
dennoch bestätigten, zumal der Beschwerdeführer gemäss telefonischer Auskunft der ehemaligen Arbeitgeberin auch bei seiner letzten Festanstellung
nicht die beruflichen Fort
schritte
machte
, die möglich gewesen wären und ihm aufgetragene Arbeiten am nächsten Tag vergessen oder falsch
ausführte
(vgl.
Urk.
11
/170/6, Besprechung vom 3
1.
Januar 2018).
Es
darf
allerdings
nicht vergessen werden, dass der Beschwerdeführer bereits
zu Beginn seiner Erwerbstätigkeit
die theoretische Prüfung zum Elektroinstallateur nicht bestand (vgl.
Urk.
11
/222/37)
. Praktisch
e
Arbeiten konnte er dennoch verrichten.
Zudem verfügt er lediglich
über eine
Aus
bildung
als technischer Z
eichner, die knapp zwei Jahre dauerte und heute als veraltet gilt
, was mitunter das geringe Fachwissen im Vergleich zu den aktuellen Berufsbildern erklären dürfte
(vgl.
Urk.
11
/20
/7
).
8.3
8.3.1
Mit
dem
Bericht zum Erstgespräch vom
1
1.
März 2020
in der
Sprech
stunde für chronische Müdigkeit der
Klinik
für
Konsiliarpsychiatrie
und Psychosomatik des U
niversitätsspitals
J._
liess der Beschwerdeführer
schliesslich
neu ein Chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS; ICD-10: G93.3)
geltend machen.
Ohne Belang ist der
Bericht
der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin vom 2
0.
Januar 202
0.
Zum einen
wurde
in
dessen
erste
r
Version
bloss
der Verdacht auf ein CFS geäussert (vgl.
Urk.
11
/23
9
)
, während die Diagnose in der später eingereichten
Version
als erhärtet erachtet wurde
, o
bschon die Behandlung bereits am 14.
Januar 2020 abgeschlossen worden war und
die Ausführungen ansonsten identisch waren
(vgl.
Urk.
11
/245).
Zum anderen erfolgte die Diagnosestellung
weder i
n diesem Bericht
noch im begleitenden For
mularbericht vom 1
4.
A
pril 2020
lege
artis
.
Die
darin
von
der Assistenzärztin
attestierte Arbeitsunfähigkeit mit ungünstiger Prognose
unter
Wi
e
dergabe
primär
subjektive
r
Angaben, wie «in allen Bereichen (somatisch, arbeitsmässig und Leistungsfähigkeit) stark ein
geschränkt» oder «fehlende Kraft/Energie für Haushaltsaufgaben»
überzeugt nicht.
Dies muss umso mehr gelten, als sie
das
Eingliederungspotenzial
dennoch
explizit
offen liess
(vgl.
Urk.
11
/244).
8.3.2
Für ein CFS
sprechen g
emäss der diagnostischen Beurteilung
in der
Sprechstunde
für chronische Müdigkeit
die
substantielle Beeinträchtigung in der Fähigkeit, all
tägliche, soziale, berufliche und private Aktivitäten bzw. Angelegenheiten zu ab
solvieren
aufgrund von anhaltenden Erschöpfungszuständen seit dem Jahr 2014
, der
unerholsame
Schlaf, die
postexertionelle
Malaise
und die kognitiven Ein
bussen. Es bestünden leichte Hinweise auf eine
orthostatische
Intoleranz. Dazu lägen mit somatischen Stressfaktoren (Aufbautraining; Sturz mit Steissbein
fraktur, Halswirbelsäulen-Distorsionstrauma und Meniskusriss; Lungen
entzündung; chronisches Schmerzsyndrom) und psychosozialen Stressoren
(Nichtanerkennung der Krankheit; Arbeitslosigkeit;
Existenzängste) prädisponierende, auslösende und aufrechterhaltende Faktoren vor. Die Kriterien gemäss IOM 2015 würden hinreichend erfüll
t
. Zudem lasse sich eine leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD10: F32.0) feststellen, die
s
ich reaktiv auf die Erschöpfungszustände entwickelt habe (
vgl
.
Urk.
11
/250/1).
Im Psychostatus wurden
deutliche Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörung
sowie
leichte Gedächtnisstörungen festgestellt. Ferner wurden Ängste vor Arbeitslosigkeit, finanziellen Engpässen und Existenzängste
eruiert. Im Affekt erschien der Beschwerdeführer verzweifelt, hoffnungslos und
klagsam
(vgl.
Urk.
11
/
250/1 f.).
Alle übrigen Befunde basierten
auf
der Beschwerdeklage,
wobei der Beschwerdeführer
im Vergleich
zur gutachterlichen
Exploration (vgl. E. 7.2: geregelter Tagesablauf
mit Spaziergängen und sozialen Kontakten
,
mehr
he
itlich
selbständige Erledigung des Haushalts
,
Schwindel unter Stress
[bzw. explizit un
abhängig von der Körperposition, vgl.
Urk.
11
/222/80]
)
über
noch
intensiver
e, teils
auch
anders gelagerte
Beeinträchtigungen klagte
.
So machte er etwa geltend,
es
komme teilweise zur
Bettlägrigkeit
(vgl. auch
Urk.
11
/251/1
:
maximal drei Stunden am Stück wach)
. S
ein Kollege übernehme das wöchentliche Einkaufen und Putzen.
Er habe beim Aufstehen und während des Gehens gelegentlich Schwindel
(im Detail
Urk.
11
/250/3
und
Urk.
11
/250/4 unten
). Dies auch im Gegensatz zu früheren Angaben, wonach der Schwindel insbesondere beim Drehen des Kopfes
auftrat
(vgl.
Urk.
11
/79/9)
bzw. seit etwa dem Jahr 2000 nahezu permanent bestand (vgl.
Urk.
11
/56/16).
Hinzu kommen anamnestische Angaben, die aufgrund der Akten nur bedingt nachvollziehbar sind.
So gab der Beschwerdeführer an, v
or dem Jahr 2014 habe er
über viele Jahre
dreimal pro Woche Sport gemacht, nämlich Triathlon, Joggen und American
Football, seit dem Unfall 2014 mache er keinen Sport mehr.
Die Kündigung des Arbeitgebers im Jahr 2014 sei a
ufgrund mangel
hafter
Leistung bzw.
erhöhter Fehlerquote erfolgt
(vgl. im Detail Urk.
11
/250/3).
Aus den Akten ergibt sich indessen
,
dass
der Beschwerdeführer bereits
bei der krei
särztlichen Untersuchung am 30.
Juli 2012
trotz Schwimmen und Velo fahren
übergewichtig war (
vgl. Urk.
11
/11/28 und 8/11/56: Gewicht von 121 kg bei einer Körpergrösse von 182 cm
)
, also nicht bloss
unfallbedingt
massiv zunahm (
etwa
Urk.
11
/71/10
,
11
/78/10
und
11
/222/50
).
Später beklagte er mit Bogenschiessen zudem
wieder ein zuvor nie erwähntes
Hobb
y
,
da
s er habe aufgeben müssen
(vgl.
Urk.
11
/249/2).
Als Kündigungsgrund hatte er zudem
selbst
ursprünglich
Arbeits
mangel angegeben (vgl.
Urk.
11
/48/3
)
. Es ist ihm allerdings zugute zu halten, dass
die damalige Arbeitgeberin, wie in E. 8.2.3 dargelegt, gewisse Defizite bestätigte.
8.3.3
Letztlich beruht der
neue
Bericht
nur
auf einem Erstgespräch
,
bei dem
unkritisch auf die Angaben des Beschwerdeführers abgestellt
wurde
. Dabei
rückte
dieser – nach
dem die Gutachter eine relevante Invalidität aufgrund der bisher zur Diskussion stehenden Leiden verneint hatte
n
–
abermals
eine neue Symptomatik in den Vordergrund – abgestimmt auf die Kriterien einer CFS
, über die er sich eingehend informiert hat
te
(vgl.
Urk.
11
/249).
Bericht
e
zu einer
Fortsetzung der
psychiatrischen
Behandlung nach Abschluss der
Therapie
bei
Dr.
med.
K._
Mitte Februar 2020 (vgl.
Urk.
11
/246/2) – sei es im Rahmen de
r Sprechstunde
für chronis
che Müdigkeit des
Universitätsspitals J._
oder bei
Dr.
med.
L._
(
vgl.
Urk.
11
/249/1)
–
legte er nicht vor, obschon er
(anwaltlich vertreten)
im Prozess mehrfach
weitere
Arzt
berichte angekündigt
hatte (etwa
Urk.
23).
Im Übrigen vermag die neue Diagnose nicht darüber hinwegzutäuschen, dass die neuropsycholog
is
chen Defizite
bereits
mehrfach und
stets
mit ähnlichem Ergebnis
abgeklärt wurden
und die geklagten Wortfindungsstörungen
wie auch eine
ein
geschränkte Motorik (vgl.
Urk.
11
/160) keine typischen Symptome für ein CFS
sind (vgl.
https://www.cdc.gov/me-cfs/healthcare-providers/diagnosis/iom-
2015-diagnostic-criteria.html
, besucht am 1
6.
Februar 2022). D
er
Schwindel
steht
i
n
keine
m
zeitliche
n
Konnex zu den genannten Stressfaktoren
und ist
im
geklagten
Ausmass auch schwerlich mit
Tätigkeiten wie Motorradfahren
, Biken oder Autofahren
vereinbar
.
Darüber hinaus finden sich für den nicht erholsamen Schlaf,
die Antriebsminderung und
die
Erschöpfung mit dem gemischten Schlafapnoe Syndrom schw
eren Grades unter CPAP-Therapie
, dem
deutlichen
Übergewicht
(vgl.
Urk.
11
/222/56)
und der depressiven Störungen weitere
,
nicht zu vernachlässigende
Faktoren
.
Auch unter diesen Gesichtspunkten überzeugt die neue Diagnose nicht.
8.4
8.4
.
1
Geht es um psychische Erkrankungen wie psychosomatische Leiden (BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen (BGE 143 V 409, 143 V 418), sind für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit schliesslich systematisierte Indikatoren beachtlich, die - unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits - erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1: statt vieler Urteil des Bundesgerichts 8C_890/2017 vom 1
5.
Mai 2018 E. 2.2). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Rahmen eines strukturierten Beweisverfahrens zu beachtenden Standardindikatoren hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie «funktioneller Schwere
grad» (E. 4.3) mit den Komplexen «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1; Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome [E. 4.3.1.1]; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz [E. 4.3.1.2]; Komorbiditäten [E. 4.3.1.3]), «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychische Funktionen [E. 4.3.2]) und «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3) sowie Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1) und behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck (E. 4.4.2).
8.4.2
Mit Blick auf den Indikator «Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome» ist anzumerken, dass sowohl die depressive Episode als auch die neuropsychologischen Defizite
unklarer Ätiologie
lediglich als leicht beurteilt wurden.
Das organisch nicht erklärbare Schmerzgeschehen ordnete der begut
achtende Psychiater im Rahmen der Depression ein
(vgl. E. 5.4)
; Anhalts
punkte für eine somatoforme Schmerzstörung oder ein anderes, selbständiges psycho
somatisches Le
iden finden sich auch in den früheren psychiatrischen Beurteilungen keine
(vgl.
Urk.
11
/174/1 und
11
/246/2).
Bezüglich des
Indikator
s
«Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
-
resistenz»
kann auf das in E. 8.2.3 Ausgeführte verwiesen werden. Die beiden letzten Arbeitsgeber bestätigten
erhebliche
kognitive Einschränkungen, deren Ausmass
indessen verschiedentlich medizinisch abgeklärt und als deutlich geringer beurteilt wurde. Hinzu kamen neue Fussverletzungen, grippale Infekte und neue medizinische (ergebnislose) Abklärungen, welche die Eingliederung negativ beeinflussten (vgl.
Urk.
11
/169/2,
11
/170 und
11
/173/19 f.).
Empfohlene m
edizinische Massnah
men wurden vom Beschwerdeführer im Allgemeinen
(vgl. E. 6.6) und mit Bezug auf eine psycho
pharmakologische Behandlung
im Besonderen
(vgl. E. 7.
3
)
nur bedingt in An
spruch genommen und zeitigten
in auffälliger Weise
bei keinem der Leiden
den erhofften Erfolg
.
Die Annahme einer ausgewiesenen objektiven
Eingliederungs
unfähigkeit und Behandlungsresistenz
rechtfertigt sich daher nicht
.
Positiv zu vermerken ist der gelungene Start ins Arbeitstraining
(vgl.
Urk.
11
/170/3 f.)
.
Als Komorbiditäten bestehen diverse
körperliche
Leiden, deren geklagtes Ausma
ss sich
allerdings nicht mit den objektivierbaren Befunden erklären lässt
(vgl. E. 5)
.
Darüber hinaus
sind
sich der behandelnde und der begutacht
ende Psychiater da
rin einig
, dass beim Beschwerdeführer eine Persönlichkeitsproblematik besteht
. Auch
wenn der Gutachter eine eigentliche Persönlichkeitsstörung nachvollzieh
bar verneinte
, erschwert diese
Problematik
den Umgang mit den
vorhandenen
Beschwerden
(vgl. E. 7.
4
)
.
Unbeachtlich sind das Übergewicht, die allgemeine
Dekonditionierung
wie auch die subjektive Überzeugung, arbeitsunfähig zu sein.
Ein sozialer Rückzug besteht nicht. Der Beschwerdeführer pflegt regelmässige Kontakte innerhalb der Familie, trifft sich mit Freunden,
ist in der Glaubens
gemeinschaft aktiv
und wird auch im Haushalt unterstützt
(vgl. E. 7.2).
Der Kom
plex «Sozialer Kontext» ist daher durchwegs positiv zu werten.
Aufschlussreich und entscheidend
ist der Indikator «gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen». So ist
eine
höhergradige
Arbeitsunfähigkeit
in einer körperlich leichten, kognitiv maximal mittelgradig komplexen, gut strukturierten, aber nicht monotonen Tätigkeit mit geringen Anforderungen an die Daueraufmerksamkeit und ohne besonderen Zeit
druck oder erhöhte Anforderungen an die emotionale Belastbarkeit
nicht mit
der
Funktionsfähigkeit
des Beschwerdeführers
im Alltag zu vereinbaren. In der Begutachtung beschrieb
er einen selbständig gestalteten, strukturierten Tages
ablauf, der
in einer Gesamtschau der
verfügbaren Angaben
(Spazier
gänge
,
Teil
habe an der
Glaubensgemeinschaft, Kontakte zur Familie, Haushalt mit Kochen und Einkaufen,
Hobbies wie
Lesen,
Fahrradfahren,
Schwimmen
, Sitzergometer und Bogenschiessen, regelmässige Therapietermine
,
Autofahren, Urlaub mit einem Freund, Teilnahme an einer Hochzeit in
E._
)
auch nach dem Unfall
gut gefüllt mit Aktivitäten
war und ist
, die
weder mit einem ausgeprägten psychischen Leiden,
permanentem Schwindel
noch anhaltender
Müdigkeit
und
täglich massivsten Schmerzen
in Einklang zu bringen sind.
Auf die aktuellsten Angaben unter dem unmittelbaren Eindruck des negativen Vorbescheids Anfang November 2019 kann nicht abgestellt werden. Zum
Indikator
«behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck»
ist
nochmals
hervor
zuheben, dass die Behandlungsoptionen nicht ausgeschöpft sind
. Die im Rahmen der Eingliederung erörterten kognitiven Einschränkungen liessen sich medizinisch nur teilweise bestätigten und die somatischen Beschwerden waren teils vorübergehender Natur (Fraktur, Infekt).
8.
4.3
Nach BGE 141 V 281 kann der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit, wie dargelegt, nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rah
men einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Ein
schränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeits
unfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 140 V 50 E. 4.3).
Vorliegend lässt sich anhand der Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 – und damit aus der Optik des Rechtsanwenders, der die ärztlichen Einschätzungen und Schlussfolgerungen auf ihre sozialversicherungsrechtliche Relevanz und Tragweite hin zu prüfen hat – keine
höhergradige
Arbeitsunfähigkeit
in einer dem Belastungsprofil angepassten Tätigkeit bestätigen, die den objektivierbaren Befunden gebührend Rechnung trägt.
Eine solche lässt sich weder anhand der subjektiven
Angaben, die
ein doch eher
aktives Leben schliessen lassen, noch d
er Befundlage plausibilisieren.
Es bleibt anzumerken, dass der Beschwerdeführer wiederholt sein Desinteresse an einer Tätigkeit als Technischer Zeichner bekundete (vgl.
Urk.
11
/8/2,
11
/17/5,
11
/41/6 und
11
/169/2), auch wenn er nach dem Arbeitstraining davon schwärmte (vgl. Urk.
11
/169/3), sich selbst aber stets Umschulungen und Weiterbildungen zutraute, die in körperlicher wie auch psychischer und geistiger Hinsicht nicht weniger anspruchsvoll sind (vgl.
Urk.
11
/17/4 unten: Leiter Facility Management und
Arbeitsagoge
;
Urk.
11
/18/2: 3D-CAD-Kurs;
Urk.
11
/95-98 und
11
/100: Personalfachmann/-berater
;
Urk.
11
/169/2: Heizungs- und Lüftungszeichner
).
9.
Zusammenfassend kann somit dem RAD-Arzt gefolgt (vgl.
Urk.
11
/228/6)
und
auf das Gutachten der
Y._
AG
vom 2
3.
September 2019
abgestellt werden.
Danach ist ab Mai 2015 von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % sowohl in der an
gestammten wie auch in einer leidensangepassten Tätigkeit auszugehen, ab Januar 2017 von 65 % in der angestammten und 75 % in einer leidens
angepassten Tätigkeit (E. 4.3, vgl. das dort aufgeführte Zumutbarkeitsprofil für eine angepasste Tätigkeit).
10
.
10
.1
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypo
thetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungs
erlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174).
10.2
Die Beschwerdegegnerin eruierte das
Valideneinkommen
gestützt auf das vom Beschwerdeführer gemäss dem Auszug aus seinem individuellen Konto im Jahr 2014 effektiv bei der
M._
AG erzielte Jahreseinkommen von
Fr.
76'827.--. Sie legte es per dem
frühest
möglichen Zeitpunkt einer
Rentenzusprache
–
sechs Monate nach der Anmeldung vom
8.
Dezember 2015 (
Art.
29
Abs.
1 IVG) – unter Aufrechnung der Nominallohnentwicklung per 2016 und wegen der Ver
schlechterung des psychischen Gesundheitszustandes per 2017 fest (vgl.
Urk.
11/59/2, 11/113/1 und 11/227). Der Beschwerdeführer hat diese der an
gefochtenen Verfügung zugrunde liegen
Valideneinkommen
(
Urk.
2) zu Recht nicht in Frage gestellt. Zu korrigieren ist einzig, dass das
Valideneinkommen
im Jahr 2016
Fr.
77'520.-- betragen hat; bei den
in der Verfügung aufgeführten Fr. 77'057.50 handelt es sich um den per 2015 aufgerechneten Betrag (
Urk.
11/227/2).
10.3
Das Invalideneinkommen setzte die Beschwerdegegnerin
–
was vom Beschwerdeführer
ebenfalls
nicht in Frage gestellt wurde
–
anhand der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) für das Jahr 2016 fest
, der
im Ver
fügungszeitpunkt
am
1
3.
November 2020
bezogen auf den Zeitpunkt des
Renten
beginns aktuellsten veröffentlichten Daten
(dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_202/2021 vom 17. Dezember 2021 E. 6.2.2)
. Das standardisierte monatliche Einkommen für männliche Hilfskräfte
betrug damals
Fr. 5'340.-- (LSE 2016, TOTAL in der Tabelle TA1_tirage_skill_level, Kompetenzniveau 1). Unter Berück
sichtigung der durchschnittlichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden pro Woche (vgl. BFS, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen [NOGA 2008], in Stunden p
r
o Woche, 2004-2018, A-S 01-96
)
und der Nominallohnentwicklung von 0.4
%
im Jahr 2017 (
Nominallohnindex für Männer, 2016-2020;
www.bfs.admin.ch
) sowie des zumutbaren Beschäftigungsgrades von 75
%
resultiert ab dem Jahr 2017 ein Invalideneinkommen von
Fr.
50'303.--
(
Fr.
5'340
.--
x 12 : 40 x 41,7 x 1.004), das die Beschwerdegegnerin korrekt berechnet hat (
Urk.
2). Der von der Beschwerdegegnerin ermittelte Invaliditäts
grad von 35% (100
–
Fr.
50'303
.--
x 100 /
Fr.
77'830
.--
) ist ebenso zu bestätigen.
Das leicht höhere
Valideneinkommen
per 2016 ändert am ab Juni 2016 errechneten Invaliditätsgrad von 20
%
nichts (100
–
Fr.
61'646
.--
x 100 /
Fr.
77'520
.--; vgl.
Urk.
2
).
10.4
Die Rechtsprechung
gewährt
insbesondere dann einen Abzug auf dem
anhand eines Tabellenlohns festgesetzten
Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeiten in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_560/2018, 8C_618/2018 vom 1
7.
Mai 2019 E. 5.3.1 mit Hinweis auf BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
).
Dabei ist jedoch zu beachten
, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (Urteil 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1).
Gemäss Bundesgericht ist auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt sodann
grundsätzlich
ein breites Spek
trum an körperlich leichten wechselbelastenden (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_303/2020 vom
6.
August 2020 E. 4.2) und auch
an sitzend
aus
geübten Hilfs
tätigkeiten mit der Möglichkeit zu gelegentlichen Positionswechseln (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_176/2012 vom
3.
September 2012 E. 8) vor
handen.
Das
trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarer
Weise
erzielbare Einkommen ist letztlich stets bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln, der durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften gekennzeichnet ist und einen Fächer verschiedenster Tätig
keiten aufweist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_495/2019 vom 1
1.
Dezember 2019 E. 2.2). Ist von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Ver
weisungstätigkeiten auszugehen, können unter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem aus
geglichenen Arbeitsmarkt als ausserordentlich zu bezeichnen sind (vgl. Urteil 8C_725/2020 vom 2
2.
Dezember 2020 E. 4.4.1 mit Hinweis).
10.5
Der
somatisch wie auch kognitiv bedingten Leistungseinbusse
n
,
der
verminderten Belastbarkeit bzw. dem erhöhten Pausenbedarf
des Beschwerdeführers
wurde
bereits
mit einer
reduzierten Arbeitsfähigkeit
(Präsenz und Rend
e
ment) Rechnung getragen
.
Durch die vorliegend bestehende Kombination von verschiedenen
körperlichen
und
kognitiven Beeinträchtigungen
(
sehr häufige Positionswechsels, höhenverstellbarer Arbeitsplatz, regelmässiger Pausenbedarf, Ausschluss gewisser Zwangshaltungen, verlangsamtes Tempo
aufgrund körperlicher Beschwerden
, g
eringe
Anforderungen an die
Daueraufmerksamkeit, kein Zeit
druck)
ist
zusätzlich allerdings auch
das Spektrum an möglichen V
erweis
tätig
keiten in einem gewissen Mass
eingeschränkt
. Dies rechtfertigt einen zusätz
lichen leidensbedingten Abzug von 5
%
. Dem
Valideneinkommen
von F
r.
7
7
'
830
.
--
(2017; vgl.
Urk.
11/227/2)
ist daher ein Invalideneinkommen von
Fr.
4
7
'
788
.
--
(
=
Fr.
5
0
'
303
.
--
x 0.95)
gegenüberzustellen. Es ergibt sich ein nicht renten
begründender Invaliditätsgrad von aufgerundet 39
%
.
Der
Beschwerdeführer
vermag mit der von ihm erwähnten Studie
«Nutzung Tabellenmedianl
öhne LSE zur Bestimmung der Ver
gleichslöhne bei der IV-Rentenbemessung»
keinen höheren leidensbedingten Abzug zu begründen
, zumal darin nicht nur auf die auch bei invaliden Personen bestehende Bandbreite hin
gewiesen, sondern auch keine sofort umsetzbare Lösung des Problems
aufgezeigt wird.
Zudem würden hiervon nur noch wenige Versicherte profitieren, deren Rente unter altem Recht entstanden, aber noch nicht festgesetzt
worden ist
.
Für eine Änderung der Rechtsprechung
betreffend das
bisherigen Recht
besteht daher kein Anlass, während sich der Gesetzgeber im Rahmen des
ab
1.
Januar 2022 geltenden
Rechts für
eine
gänzlich andere
Lösung entschieden hat
. Er verzichtet
– abgesehen vom Teilzeitabzug –
auf einen leidensbedingten Abzug und rückt die
funktionelle Leistungsfähigkeit
ins Zentrum (dazu: Ausführungs
bestimmungen zur Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [Weiterentwicklung der IV], Erläuternder Bericht [nach Vernehmlassung] des BSV, S. 53 f.
vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_256/2021 vom
9.
März 2022
).
10.
6
Im Übrig
en wäre ein Rentenanspruch auch
zu verneinen,
würde
mit den Gut
achtern
der
Y._
von einer
höheren
Arbeits
un
fähigkeit von 35
%
in der bis
herigen Tätigkeit als
Elektrosch
ema
-Zeichner
ausgegangen,
die
den kognitiven Einbussen des Beschwerdeführers nicht optimal Rechnung trägt. Inwieweit sich die Gutachter mit dem Anforderungsprofil dieser Tätigkeit auseinandergesetzt haben,
nachdem sich d
ie letzten beiden Arbeitgeber eher kritisch
zur Verwert
barkeit des
Arbeitsergebnis
ses
des Beschwerdeführers
äusserten, kann nach dem vorstehend Ausgeführten
offen bleiben
.
1
1
.
11.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.–- bis 1‘000.–- fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.–- festzusetzen. Die Kosten sind entsprechend dem Verfahrensausgang dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, unter Berücksichtigung der ihm gewährten unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
12) jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
11.2
Überdies ist dem unentgeltliche
n
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine Ent
schädigung aus der Gerichtskasse auszurichten. Eine Honorarnote wurde nicht eingereicht, weshalb die Entschädigung, wie mit Verfügung vom
3
0.
Juni 2021
angekündigt, nach Ermessen festzusetzen ist (
Urk.
20
). Unter Berücksichtigung des Umfangs der relevanten Akten sowie der Schwierigkeit des Prozesses erscheint ein Betrag von
Fr.
3’
4
00
.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.