Decision ID: 2b819506-ce7f-451a-a544-3e74433fe224
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1969,
meldete sich am
30. August 2004 (Urk. 8/3) unter Hinweis
auf
die
Angaben
seiner
behandelnden Ärzte
(Angststörung, Depression,
Erschöpfungszustände, Pallinaris, Bronchialasthma
,
vgl. Urk. 8/10/5-6,
Urk. 8/13) bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an.
Die
Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
sprach
dem Ver
sicherten mit Verfügung vom 4. Juli 2005 (Urk. 8/26) für die Periode vom 1. Januar bis zum 31. März 2014 gestützt au
f einen Invaliditätsgrad von 40 % eine Viertelsrente und mit Verfü
gung vom 11
. Juni 2005
(Urk. 8/25)
ab dem 1.
April 2004 gestützt auf eine
n
Invaliditätsgrad von 50 % eine halbe Rente zu.
Mit Mitteilung
en
der IV-Stelle vom 29. März 2007 (Urk. 8/45
)
und vom 1. März 2010 (Urk. 8/55) wurde
der Anspruch auf eine
halbe
Rente revisionsweise bestätigt.
1.3
Am
6. November 2013 (Urk. 8/64) teilte der Versicherte der IV-Stelle mit, dass sich sein
Gesundheitszustand verschlechtert habe
.
D
iese
tätigte medizinische sowie erwerbliche Abklärungen und veranlasste
ein psychiatrisches
Teilgutachten
bei
der Y._, welches am
11. März 2015 (Urk. 8/123) erstattet
wurde, sowie ein internistisches Teilgut
ach
ten beim Z._, welches am 24. März 2015 (Urk. 8/125) erstattet wurde
.
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (vgl. Urk. 8/146, Urk. 8/153, Urk. 8/156, Urk. 8/164 und Urk. 8/177)
verfügte die IV
Stelle am
22. Dezember
2016 (Urk. 2/1-5)
die wiedererwägungsweise
Auf
hebung der Ver
fügungen vom 11. Juni und 4. Juli 2005 sowie der Mitteilungen vom 29. März 2007 und vom 1. März 2010 und die Zusprechung einer Viertelsrente.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 31. Januar 2017 (Urk. 1) Beschwerde mit den Anträgen (S. 2), es sei die Verfügung der
Beschwerdegegnerin
vom 22. De
zem
ber 2016 aufzuheben und es sei festzustellen, dass er nach wie vor Anspruch auf mindestens eine halbe Rente der Invalidenversicherung habe; eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen vom Gericht anzuordnen; im Falle einer Rück
weisung sei festzustellen, dass die
Beschwerdegegnerin
die bisherige halbe Rente bis zu einer allfälligen Neuverfügung wieder ausrichten müsse
.
Zudem sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und Rechtsanwältin Lotti Sigg, Winterthur, als unentgeltliche Rechtsvertreterin
zu
bestellen.
Die
Beschwerdegegnerin
beantragte mit Vernehmlassung vom 13. März 2017 (Urk. 8) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 24. April 2017 (Urk. 13) wurde das Gesuch des Beschwerde
führers um unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsvertretung abgewiesen.
Mit Replik vom 16. August 2017 (Urk. 17) hielt der Beschwerdeführer an den gestellten Anträgen fest.
Die Beschwerdegegnerin wies mit Duplik vom 20. September 2017 (Urk. 20) die Ausführungen des Beschwerdefüh
rers als nicht plausibel zurück,
was diesem mit Verfügung vom 21. September 2017 (Urk. 21) zur Kenntnis gebracht wurde.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Verwaltung ist jederzeit befugt, von Amtes wegen auf eine formell rechts
kräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn diese zweifellos unrichtig und ihre Berich
tigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 110 V 176 E. 2a; Art. 53 Abs. 2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwaltung eine Renten
verfügung auch dann abändern, wenn die Revisionsvoraussetzungen des Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Renten
verfügung erst vom Gericht festgestellt, so kann es die auf Art. 17 Abs. 1 ATSG gestützte Revisionsverfügung der Verwaltung mit dieser Begründung schützen (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen). Nach der Recht
sprechung lässt sich eine allgemein gültige betragliche Grenze für die Voraus
setzung der Erheblichkeit der Berichtigung nicht festlegen. Massgebend sind vielmehr die gesamten Umstände des Einzelfalles. Bei periodischen Leistungen ist die Erheblichkeit der Berichti
gung zu bejahen (BGE 119 V 475 E. 1c; Urteil des Bundesgerichts 9C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 4.2 mit Hinweisen).
1.2
Um wiedererwägungsweise auf eine verfügte Leistung zurückkommen zu können, genügt es nicht, wenn ein einzelnes Anspruchselement rechtswidrig festgelegt wurde. Vielmehr hat sich die Leistungszusprache auch im Ergebnis als zweifellos unrichtig zu erweisen. So muss etwa, damit eine zugesprochene Rente wegen einer unkorrekten Invaliditätsbemessung wiedererwägungsweise aufgehoben werden kann – nach damaliger Sach- und Rechtslage – erstellt sein, dass eine korrekte Invaliditätsbemessung hinsichtlich des Leistungsanspruchs zu einem anderen Ergebnis geführt hätte (BGE 140 V 77 E. 3.1; vgl. Urteile des Bundesge
richts 8C_381/2017 vom 7. August 2017 E. 4.1.2 und 8C_680/2017 vom 7. Mai 2018 E. 4.2.1).
Bei Vorliegen der Voraussetzungen gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG für ein wieder
erwägungsweises Zurückkommen auf eine formell rechtskräftige Verfügung (oder einen formell rechtskräftigen Einspracheentscheid) gilt es grundsätzlich, mit Wir
kung ex nunc et pro futuro einen rechtskonformen Zustand herzustellen (Art. 85 Abs. 2, Art. 88
bis
Abs. 2 IVV). Dabei ist – wie bei einer materiellen Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG – auf der Grundlage eines richtig und vollständig festge
stellten Sachverhalts der Invaliditätsgrad im Zeitpunkt der Verfügung (oder des Einspracheentscheides) zu ermitteln (BGE 144 I 103 E. 4.4.1 mit Hinweisen, 141 V 9 E. 2.3).
Stehen invalidenversicherungsrechtliche Aspekte zur Diskussion (vgl. dazu etwa BGE 119 V 431 E. 2, 110 V 298 E. 2, je mit Hinweisen), erfolgt die wiedererwä
gungsweise Rentenaufhebung oder -herabsetzung in der Regel vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Monats an (Art. 85 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 88
bis
Abs. 2 lit. a IVV; vgl. BGE 142 V 259 E. 3.2.1 mit Hinweisen; vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_880/2015 vom 21. März 2016 E. 3.2 und 9C_258/2014 vom 3. September 2014 E. 3.2, je mit Hinweisen). Eine rückwirkende Rentenaufhebung oder -herabsetzung kommt in diesem Bereich nur im Fall einer unrechtmässigen Leistungserwirkung oder einer Verletzung der Meldepflicht in Frage (Art. 88
bis
Abs. 2 lit. b IVV sowohl in der bis Ende Dezember 2014 als auch in der seither geltenden Fassung), wobei diese seit der Revision von Art. 88
bis
Abs. 2 lit. b IVV per 1. Januar 2015 für den unrechtmässigen Leistungsbezug nicht – mehr – kausal gewesen sein muss (BGE 142 V 259 E. 3.2.1 mit Hinweisen; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_813/2016 vom 10. März 2017 E. 5 und 8C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 4.2).
1.3
Wird eine Rente revisionsweise (vgl. Art. 17 Abs. 1 ATSG) herauf- oder herabge
setzt, so tritt die Revisionsverfügung an Stelle der zu revidierenden Verfügung. Dasselbe gilt auch dann, wenn in einem Revisionsverfahren die bisherige Rente nach materieller Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver
halts
abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver
gleichs bestätigt wird (vgl. BGE 133 V 108). Dies bedeutet aber auch, dass selbst dann, wenn nachträglich auf den Wegen der Wiedererwägung oder der Revision auf diese Revisionsverfügung zurückgekommen wird, die ursprüngliche Verfü
gung von der Revisionsverfügung konsumiert bleibt und daher nicht wieder auf
lebt, sondern deren Schicksal teilt. Vorbehalten bleiben dabei lediglich jene seltenen Fälle, in denen die Revisions
verfügung nichtig ist. Somit ist bei einem wiedererwägungs
weisen Zurück
kommen auf eine zweifellos unrichtige Revi
sions
verfügung der Renten
anspruch ex nunc et pro futuro ohne Bindung an die ursprüngliche Ver
fügung in allen seinen Teilen neu zu beurteilen, ohne dass zunächst geprüft werden müsste, ob auch bezüglich der ursprünglichen Verfü
gung ein Rück
kommens
titel gegeben wäre (BGE 140 V 514 E. 5.2; vgl. Urteile des Bundes
gerichts 9C_530/2017 vom 23. März 2018 E. 4.1 und 8C_288/2016 vom 14. November 2016 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2
.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung vom 22. Dezember 2016 (Urk. 2/1-5), mit welcher sie die Invalidenrente des Beschwerdeführers von einer halben Rente auf eine Viertelsrente herabsetzte, damit, dass sie die Arbeits
fähig
keit des Beschwerdeführers im Zeitpunkt des Verfügungserlasses 2005 in einer a
ngepassten Tätigkeit nicht abge
klärt habe, womit der Untersuchungs
grundsatz verletzt worden sei und
weshalb
ein Wiedererwägungs
grund vorliege (S. 3). Auch sei nicht nachvollziehbar, weshalb sie in der Renten
revision 2007
bei einer gut
achterlich attestierten vollen Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit
die Aus
richtung der unveränderten halben Rente mit
geteilt habe (S. 3 f.). Gestützt auf das aktuelle somatische-psychiatrische Gut
achten könne von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit ausgegangen werden.
Es
resultiere
ein
errechneter Invaliditätsgrad von 43 % (S.
4
).
Mit Beschwerdeantwort (Urk. 8) brachte die Beschwerdegegnerin vor, bezüglich der Diagnose einer late onset posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) bestünden keine Differenzen zwi
schen dem psychiatrischen Teilgutachten und den Ausführungen des behandeln
den Psychiaters. Zudem bestünden recht
sprechungs
gemäss keine allgemeingülti
gen Regeln, wann eine Expertise veraltet sei. Konkrete Einwände, weshalb das eingeholte Gutachten veraltet sein sollte, habe der Beschwerdeführer nicht vor
gebracht (S. 2). Mit Duplik (Urk. 20) brachte die Beschwerdegegnerin vor, dass die Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach das Validenein
kommen anhand statistischer Werte zu ermitteln sei, nicht plausibel seien.
2
.2
Der Beschwerdeführer brachte in seiner Beschwerde (Urk. 1) vor, dass die Beschwerdegegnerin
das
rechtliche Gehör verletzt habe, indem sie ihm den Ein
wand der Pensionskasse nie zugestellt
und
die Stellungnahme seines behandeln
den Arztes dem RAD nicht zur Stellungnahme unterbreitet habe. Mit Letzterem habe sie ausserdem ihre Abklärungs- und Begründungspflicht verletzt (S. 5 f.). Es liege kein Grund für eine Wiedererwägung vor, da bei den früheren Entscheiden der Beschwerdegegnerin nicht von zweifellos unrichtigen Ent
scheiden gespro
chen werden könne (S. 6-9). Im Weiteren kritisierte er das psychiatrische Teilgut
achten der
Y._
vom 11. März 2015 in verschiedener Hin
sicht (S. 9-12).
Mit Replik (Urk. 17) bemängelte der Beschwerdeführer den Einkommensvergleich der Beschwerdegegnerin (S. 2 f.).
2
.3
Strittig und zu prüfen
ist vorliegend,
ob
die Beschwerdegegnerin die Invaliden
rente zu Recht in
Wiedererwägung
zog, und, bejahendenfalls, der Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
3.
Vorweg ist die Frage zu beantworten, ob das rechtliche Gehör des Beschwer
de
führers verletzt worden ist. Er brachte vor, dass ihm die Einwände der Pensions
kasse vom 26. Mai 2016 (Urk. 8/156) und vom 8. Juni 2016 (Urk. 8/164) nie zugestellt worden seien und er dazu keine Stellung habe nehmen können. Zudem sei die Stellungnahme des behandelnden Psychiaters vom 5. Juli 2016 (Urk. 3/4 = Urk. 8/176) nicht dem Regionalen ärztlichen Dienst (RAD) vorgelegt worden (vgl. Urk. 1 S. 5 f.).
Da sich die Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 22. Dezember 2016 (Urk. 2/1-5) nicht auf den Einwand der Pensionskasse stützte, liegt keine Ver
letzung des rechtlichen Gehörs vor
(vgl. BGE 132 V 387 E. 3 mit Hinweisen)
. So stellte sie nicht auf die darin bezüglich des Valideneinkommens
vorgebrachte
Argumentation ab
(vgl. Urk.
2/1 S. 3
)
und die im Einwand der Pensionskasse ebenfalls thematisierte Wiedererwägung war bereits im Vorbescheid
in Aussicht gestellt worden. Der
Beschwerdeführer hat sich
denn
dazu
auch
bereits ausführ
lich in seinem Einwand geäussert (Urk. 8/156).
Im Übrigen wäre eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs bezüglich des Einwands der Pensionskasse mit vorliegendem Beschwerdeverfahren als geheilt zu erachten (BGE 127 V 431 E. 3d/aa und
BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis ).
Hinsichtlich der Unterlassung der Beschwerdegegnerin, die Stellungnahme des behandelnden Psychiaters nicht dem RAD vorgelegt zu haben, ist darauf hinzu
weisen, dass kein - im Sinne des Anspruchs auf rechtliches Gehör - unbedingter Anspruch darauf besteht, dass fachärztliche Berichte dem RAD zur Stellung
nahme unterbreitet werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_417/2016 vom 13. Sep
tember 2016 E. 2).
4.
4.1
Die ursprüngliche Zusprache der Rente
(Ur
k. 8/25-26) sowie die Bestätigung des Rentenanspruchs mit Mitteilung vom
29. März 2007 (Urk. 8/45)
fussten im Wesentlichen auf folgenden medizinischen Grundlagen:
4.2
Dr. med.
A._
, Facharzt für Allgemeinmedizin FMH, bei welchem sich der Beschwerdeführer seit 30. Juni 2003 in Behandlung befand, stellte in seinem Bericht vom 23. November 2004 (Urk. 8/10/5-6) folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Verdacht auf eine anhaltende Erschöpfungsdepression
-
Rhinokonjunktivitis pollinosa und bronchiales Asthma
-
Infektanfälligkeit mit
ins
besondere chronische
n
rezidivierende
n
Rhinosi
nusitiden und Bronchitiden
Er führte aus, der Beschwerdeführer
sei ab Mai 2003
in seiner Arbeitsfähigkeit immer wieder eingeschränkt, insbesondere auch bei respiratorischen Infekten und sta
r
ken allergischen Symptomen.
4.3
Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Chefarzt Psychiatrie des C._,
wo sich der Beschwerdeführer seit Februar 2004 in ambulanter Behandlung befand, nannte in seinem Bericht vom 21. Januar 2005 (Urk. 8/13) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
(S. 1)
:
-
Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2)
-
Rezidivierend depressive Störung
en
mit protrahierten Erschöpfungszu
ständen und somatischen Symptomen (ICD-10 F33.11), seit 2001
-
d
ifferentialdiagnostisch: Burn-Out Syndrom (ICD-10 Z73.0)
-
d
ifferentialdiagnostisch Chronic Fatigue Syndrom
-
Rezidivierende Pollinosis mit sehr protrahiertem Verlauf und bronchialem Asthma, seit 1996
Dr. B._
stellte fest, der Beschwerdeführer leide seit zwei Jahren an starker Erschöpf
barkeit und Ermüdbarkeit sowie stark erhöhte
r
Anfälligkeit für rezidi
vierende Infektionen ohne grundlegende langdauernde Infektionskrankheit bei zusätzlicher
Pollenallergie, welche mit Kopfschmerzen, Schwindel und leichtem Temperaturanstieg verbunden sei. Dies habe zu stark verminderter Arbeitsleistung und wiederholten Arbeitsausfällen zwischen 20-100 % geführt. Die aktuelle Besserungstendenz lasse eine teilweise Erholung der Arbeitsfähigkeit erhoffen, zumindest sollte eine ca. 35-45 % Arbeitsfähigkeit gestützt und erhalten bleiben (S. 3).
4.4
Dr. med.
D._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seinem von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebenen psychiatrischen Gut
achten vom 7. April 2005 (Urk. 8/18) in Ergänzung zu den bestehenden psychiatri
schen Diagnosen eine anakastische (zwanghafte) Persönlichkeits
stö
rung (ICD-10 F60.5)
an
.
Er führte aus, aus psychiatrischer Sicht könne inzwischen von einer mindestens 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Die neue Frühlings- und Sommerzeit werde es weisen, wie er mit seiner Pollenallergie und der asthmatischen Belastung umzugehen wisse (der fachärztlichen Beurteilung vorbehalten). Es scheine eine Frage der Zeit, dass die Arbeitsfähigkeit weiter auf 60 % gesteigert werden könne (S. 12).
4.5
Dr. med. E._, RAD, führte am 4. Mai 2005 (Urk. 8/19 S. 5) aus, weder die Erstbeurteilung des behandelnden Psychiaters noch die Zweitmeinung des psychiatrischen Gutachters seien überzeugend. Es stelle sich die Frage, inwiefern die psychiatrischen Diagnosen valide überprüfbar seien und wie sie sich nach
vollziehbar und schlüssig hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit auswirkten. Er akzep
tiere eine 50%ige Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit.
4.6
PD Dr. med.
F._
, Facharzt für Dermatologie und Venerologie sowie für Allergologie und klinische Immunologie und Leiter der All
ergiestation, und Dr. med. G._
, Fachärztin f
ür Dermatologie und Venerologie,
Assistenzärztin, Dermatologische Klinik des
Z._
, wo sich der Beschwerdeführer auf Zuweisung von Dr.
A._
zur allergologischen Abklärung untersuchen liess, nannten in ihrem Bericht vom 7
.
Dezember 2005 (
Urk.
8/32/3-4) folgende Diag
nosen
S. 1
):
-
Rhinoconjunctivitis pollinosa bei Soforttyp-Sensib
i
lisierung auf Gräser- Birken-, Erlen-, Hasel-, Eschenpollen
-
Spezifische Immunglobulin G (IgG)-Subklassenreduktion bei verminderter IgG-Subklasse 2- Bindung
-
Orales Allergiesyndrom auf pollenassoziierte Nahrungsmittel
-
Allergisches Asthma bronchiale
-
Verdacht auf Morbus Meulengracht
4.7
Dr. med.
H._
,
Fachärztin
für Psychiatrie und Psychotherapie,
stellte
in
ihrem
von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebenen psychiatrischen Gut
achten vom
19
.
Februar
2
007
(Urk. 8/
42
)
folgende Diagnosen (S. 14):
-
Anhaltende Neurasthenie (ICD-10 F48.0) bei:
-
Burnout-Syndrom (ICD-10 Z73.0) in Remission, mit im Vordergrund stehender Psychosomatisierung (ICD-10 F45.9)
-
anamnestisch Status nach Angst und depressiver Störung, gemischt, aktuell remittiert (ICD-10 F41.2)
Dr. H._
führte aus, der Beschwerdeführer habe prim
är im
Zusammenhang mit einer beruflichen Belastungssituation 2003 ein Burn-out Syndrom mit aus
geprägter Psychosomatisierung erlitten und dabei auch Angstsymptome entwi
ckelt, die inzwischen weitgehend remittiert seien
.
Zu
den diagnostischen Kriterien der Neurasthenie gehörten ein anhaltendes und quälendes Erschöpfungsgefühl nach geringer geistiger Anstrengung, auch beim Bewältigungsversuch alltägli
cher Aufgaben, die keine ungewöhnlichen geistigen Anstrengungen erforderten, sowie wechselnde Beschwerden im Sinne von unangenehmen körperlichen Empfindungen, wie Schwindelgefühl, Spannungskopfschmerz und allgemeiner Unsicherheit, Sorge über abnehmendes geistiges und körperliches Wohlbefinden, einer Störung des Schlafes et cetera. Der Beschwerdeführer sei als Entwicklungs
ingenieur – in seinem bisherigen Arbeitsverhältnis – mit Möglichkeit der recht flexiblen Arbeitsgestaltung durch den neurasthenischen Beschwerdekomplex aus arbeitsmedizinischer Sicht nicht eingeschränkt (S. 14). Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe kein Gesundheitsschaden und keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die arbeitsmedizinische Bedeutung der allergischen Diathese müsste gegeben
enfalls von einem Allergologen/Immunologen geklärt werden (S. 15). Der psychiatri
sche Gutachter Dr. D._ beziehe sich in seinem Gut
achten vom April 2005 teilweise auf die gleiche Diagnose, stelle aber die Persön
lichkeits
störung in den Vordergrund, die sich aber aufgrund der Anamnese und des psycho
pathologischen Befundes heute nicht bestätigen lasse beziehungsweise es seien die notwendigen ICD-10-Kriterien keineswegs erfüllt, wodurch die vom Gutachter angenommene 50%ige Arbeitsfähigkeit nicht gestützt werden könne (S. 15 f.).
4.8
Dr. med. I._, RAD, führte am 23. Februar 2007 (Urk. 8/44 S. 4) aus, es könne auf das Gutachten von Dr. H._ abgestützt werden, und weil sich psychiatri
scherseits keine Verschlechterung eingestellt habe, könne von einem unveränder
ten Gesundheitszustand ausgegangen werden, da der Beschwerdeführer durch die allergologischen Probleme wohl noch in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei.
4.9
Dr. med. A._ hielt im Verlaufsbericht vom 24. März 2007 (Urk. 8/43/3-4) wie schon in den Verlaufsberichten des Vorjahres (Urk. 8/32/1-2, Urk. 8/40/1-2) einen im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand fest und gab unver
ändert eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % in der angestammten Tätigkeit als Phy
siker/Projektleiter an (S. 1).
5.
5.1
Der Revisionsmitteilung vom 29. März 2007 (Urk. 8/45) liegen Berichte des behandelnden Hausarztes, eine allergologische Untersuchung der Ärzte des Z._, ein von der Beschwerdegegnerin veranlasstes psychiatrisches Gutachten sowie die Stellungnahme des RAD zu Grunde (vorstehend E. 4.6-4.9). Angesichts der grundsätzlich umfassenden Abklärung konsumiert die Mitteilung die ursprüngli
chen Verfügungen vom 11. Juni und 4. Juli 2005 (Urk. 8/25-26) und ist massge
bend für die Prüfung eines Wiedererwägungsgrundes (vorstehend E. 1.3). Nicht zu prüfen ist demgegenüber die Mitteilung vom 1. März 2010 (Urk. 8/55), welche lediglich auf einem knappen Formularbericht des Hausarztes (Urk. 8/54) beruht.
5.2
Qualifiziert unrichtig ist eine Verfügung unter anderem dann, wenn eine Leistung aufgrund falscher Rechtsregeln zugesprochen oder wenn der Untersuchungs
grundsatz verletzt wurde (vorstehend E. 1.1).
Indem die Beschwerdegegnerin mit der fraglichen Mitteilung - wie im Übrigen auch bereits bei der ursprünglichen Rentenzusprechung (Urk. 9/19 S. 5) - auf
grund der Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Physiker ohne nähere Prüfung der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit auf eine Invalidität schloss, ging sie von einem rechtlich falschen Invaliditätsbegriff aus (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8C_862/2013 vom 12. Februar 2014 E. 4).
Hinzu kommt, dass das im Rahmen der Revision veranlasste psychiatrische Gut
achten festhielt, dass aus rein psychiatrischer Sicht ein Gesundheitsschaden und eine Arbeitsunfähigkeit zu verneinen sind (vorstehend E. 4.7). Dieser Beurteilung folgte der RAD, schloss in der Folge aber darauf, dass „der Versicherte durch die allergologischen Probleme wohl noch in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist“ (vorstehend E. 4.8). Mit dem Wegfall der aus psychischen Gründen bestehen
den Arbeitsunfähigkeit - welche zur ursprünglichen Rentenzusprechung führte
lagen indessen einzig noch Allergien vor. Abgesehen davon, dass diese in der Regel keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden zu begründen vermögen, durfte die Beschwerdegegnerin mangels ärztlicher Stellungnahme zur daraus resultierenden Arbeitsfähigkeit – die Ärzte des Z._ äusserten sich dazu nicht (E. 4.6) - nicht auf eine Arbeitsunfähigkeit schliessen
.
Keine genügende Grund
lage bildete die Einschätzung des Hausarztes einer unveränderten Arbeits
unfähigkeit von 60 %, zumal dieser nicht zwischen somatischen und psychischen Anteilen unterschied (E. 4.9). Mit der Annahme einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % in angestammter Tätigkeit verletzte die Beschwerdegegnerin daher den Untersu
chungsgrundsatz. Eine reine Ermessens
ausübung im Rahmen der Beweiswürdi
gung ist darin gerade nicht zu erblicken (vgl. dazu Urk. 1 S. 8 Ziff. 4), denn das eingeholte psychiatrische Gutachten wurde korrekt gewürdigt und berücksichtigt, eine Arbeitsunfähigkeit aber ohne genügende medizinische Grundlage (lediglich aufgrund der Allergien) ange
nommen.
Da es sich bei der Invalidenrente um eine Dauerleistung handelt, ist die Berichti
gung regelmässig von erheblicher Bedeutung (vorstehend E. 1.1). Zu bemerken ist, dass die Aktenlage im Zeitpunkt der Verfügung beziehungsweise Mitteilung massgebend ist, weshalb die retrospektive Beurteilung der Gutachter der Y._
welche im Übrigen selber auf die Unsicherheit rückwirkender
Beurteilungen hin
wiesen
-
nicht zu berücksichtigen sind (vgl. dazu
Urk.
1 S. 6
f.).
5.3
Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass die Mitteilung vom 29. März 2007 (Urk. 8/45) sich auf einen rechtlich falschen Invaliditätsbegriff stützte und über
dies in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes erging. Damit erweist sie sich als zweifellos unrichtig (vorstehend E. 1.1-1.2), weshalb die Beschwerde
gegnerin sie zu Recht in Wiedererwägung zog.
Zu prüfen ist damit der Rentenanspruch des Beschwerdeführers ex nunc et pro futuro ohne Bindung an die ursprüngliche Verfügung (vgl. vorstehend E. 1.3).
6.
6.1
Bis zum Erlass der Verfügung vom 22. Dezember 2016 (Urk. 2/1-5) gingen im Wesentlichen folgende Arztberichte ein:
6.2
Dr. med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, bei wel
chem sich der Beschwerdeführer seit 17. August 2008 in ambulanter Behandlung befand, stellte in seinem Bericht vom 29. Januar 2014 (Urk. 8/87)
als
zusätzliche neue
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine k
omplexe
PTBS
mit Typ-II-Traumen (S. 1)
. Die Prognose sei durch die Komor
bidität (komplexe PTBS und komorbide Immunschwäche) ungünstig (S. 3). Seit 22. Mai 2013 sei der Beschwerdeführer in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Physiker bei der Firma K._ zu 100 % arbeitsunfähig. Er leide aufgrund seiner Immun
schwäche an einer erheblichen Infektanfälligkeit. Die komorbiden körperlichen Einschränkungen wirkten als Traumatrigger und führten zu Intrusionen. Mit den komorbiden körperlichen und psychischen Einschränkungen könne er seine an sich hervorragend ausgebildeten geistigen Fähigkeiten nur sehr eingeschränkt nutzen. Es lägen verschiedene Funktionseinbussen gemäss Mini-ICF-APP vor: Eine vollständige Beeinträchtigung sei feststellbar bei Anpassung an Regeln und Routinen, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Anwendung fachlicher Kompe
tenz, arbeitsbezogener Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit sowie bei der Durch
haltefähigkeit. Eine schwere Beeinträchtigung sei feststellbar bei Planung und Strukturierung von Aufgaben und Spontan-Aktivität. Eine mittelgradige Beein
trächtigung sei feststellbar bei Kontaktfähigkeit zu Dritten, Gruppenfähigkeit, familiären und intimen Beziehungen und Verkehrsfähigkeit. Eine mindestens leichte Beeinträchtigung sei feststellbar bei der Selbstpflege und eine leichte Beeinträchtigung bei der Selbstbehauptungsfähigkeit (S. 4 f.). Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar. Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne nicht gerechnet werden (S. 5).
6
.3
In ihrem Bericht vom 30. Jan
uar 2014 (Urk. 8/89) führte Dr. med. L._
, Fach
ärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH
,
aus, die Symptome im Rahmen der Infekt
anfälligkeit, der Rhinoconjunctivitis pollinosa und des allergischen Asthmas bronchiale wirkten als Trigger im Rahmen der komplexen
PTBS
(S. 1).
Der Beschwerdeführer sei seit dem 22. Mai 2013 bis auf einzelne, im Sinn von Arbeitsversuchen aufgeführte Tage, zu 100% arbeitsunfähig. Er leide an kurz hin
tereinander, im Verlauf protrahierenden Infekten, insbesondere der oberen Luft
wege, aber auch des Magen-Darm-Traktes. Die Infekte der oberen Luftwege, häufig Rhinosinusitiden, verliefen protrahiert und sprächen kaum auf gängige Medikamente an. Sie gingen einher mit ausgeprägten Kopfschmerzen sowie Erschöpfbarkeit. Neben den rezidivierenden Infekten gestalte sich die Pollensai
son besonders schwierig. Die allergischen und infektiösen Beschwerden der Luft
wege triggerten ihrerseits die Traumafolgesymptomatik. Es handle sich hier
mit um eine klare Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit 100%iger Arbeits
unfähigkeit (S. 2).
6
.4
Dr. med.
M._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, SIM zerti
fizierter Medizinischer Gutachter und Oberarzt, und Dr. med.
N._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, SIM zertifizierter Medizinischer Gut
achter und leitender Arzt,
Y._,
nannten in ihrem von der Beschwerdegegnerin in
Auftrag gegebenen psychiatrischen Teilgutachten vom 11.
März
2015
(Urk. 8/123
/2-62
) - nach erfolgter interdisziplinärer Konsens
besprechung mit Dr. med.
O._
, Fachärztin für Innere Medizin FMH und Oberärztin, Klinik und Poliklinik
für Innere Medizin
des
Z._
am 23. Januar 2015 - folgende psychiatri
sche Diagnosen (S.
36
):
-
PTBS
(«late onset») nach
Misshandlungserlebnissen in der Kindheit (ICD-10 F43.1)
-
Status nach einer mittelgradigen depressiven Episode, aktuell remittiert
Zudem nannten sie folgende somatische Diagnosen gemäss interdisziplinärer Besprechung vom 23. Januar 2015 (S. 36 f.):
-
Allergisches Asthma bronchiale Erstdiagnose 1997, aktuell: gut kontrolliert bei normaler Lungenfunktion
-
Rhinokonjunktivitis pollinosa Erstdiagnose 1997, bei Soforttyp-Sensibi
li
sierung auf Gräser-, Birken-, Erlen-, Hasel-, Eschenpollen
-
Orales Allergiesyndrom auf pollenassoziierte Nahrungsmittel
-
Privinismus
-
Se
le
ktiver Mangel von Anti-Polysaccharid-Antiköper, normale Immun
globu
lin
spiegel, aktuell keine gehäuften bakteriellen Infekte ohne spezifische Therapie
-
Posttraumatische
Obers
prun
g
gelenk-Arthrose rechts, Status nach Weber C Luxationsfraktur 1999
Die Fachärzte der
Y._
führten aus,
aus psychiatrischer Sicht (ohne Berücksichti
gung der allfälligen somatisch bedingten Einschränkungen) gingen sie von mit
telgradigen Einschränkungen in der Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und Planungsfähigkeit aus. Ferner gingen sie von einer mittel bis schwer einge
schränkten Durchhaltefähigkeit sowie in den sozialen Funktionen von leichten Einschränkungen aus (S. 54). In einer optimal angepassten ruhigen und stressar
men Tätigkeit mit flexibler Zeiteinteilung, ohne Stressspitzen, ohne hohe Ansprü
che an Durchhaltefähigkeit und ohne hohe Anforderungen an kognitive Funkti
onen gingen sie von minimalen beziehungsweise sehr leichten Ein
schränkungen aus (S. 55). Aufgrund der Einschränkungen sei aus rein fach-psychiatrischer Sicht auch im weiteren Verlauf von einer ca. 50%igen Reduktion der Arbeitsfähigkeit im angestammten Berufsumfeld als Projektleiter und Entwicklungsingenieur beziehungsweise von einer leicht reduzierten funktionellen Leistungsfähigkeit (ca. 20 %) in einer optimal angepassten Tätigkeit zu rechnen (S. 56). Im Vergleich zu der psychiatrischen Begutachtung von Dr. H._ (2007) seien keine rele
vanten Veränderungen erkennbar (S. 57).
Sie stellten fest, dass die damaligen Einschätzungen von Dr. B._ und Dr. D._ - aus rein fachpsychiatrischer Sicht - nicht als offensichtlich unrichtig bezeichnet werden könnten. Zu berücksichtigen sei jedoch, dass retrospektive Beurteilungen naturgemäss unsicher seien. Hinsichtlich des Verlaufs der Arbeits
fähigkeit seit 2005 könne nur eine Schätzung erfolgen. Sie gingen davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit zum damaligen Zeitpunkt um 50 % lag. Trotz Verände
rung der Symptomatik von zunächst eher depressiven Symptomen und im Ver
lauf mehr emotionale Labilität, panikartige Angstzustände und Vermeidungsver
halten sei die medizinische Leistungsfähigkeit im angestammten Bereich auch im Verlauf in etwa mittelgradig (um 50 %) eingeschränkt gewesen. In einer optimal angepassten Tätigkeit (ruhige und stressarme Tätigkeit mit flexibler Zeiteintei
lung, ohne Stressspitzen, ohne hohe Ansprüche an Durchhaltefähigkeit ohne hohe Anforderungen an kognitive Funktionen) seien die Einschränkungen zunächst (im 2005) leicht bis mittelschwer (Schätzung: 20-40 %) gewesen, wahrscheinlich mit schwankendem Verlauf bis heute. Aktuell gingen sie für eine angepasste Tätigkeit von Einschränkungen von ca. 20 % aus (S. 58 f.).
Der Gesundheitszustand habe sich seit der Rentenzusprache 2005 geändert. Bereits bei der Begutachtung im Jahre 2007 sei keine manifeste affektive Störung mehr feststellbar gewesen. Die damals (im 2007) beschriebene Symptomatik beziehungsweise die erhobenen Befunde entsprächen (rein aus psychiatrischer Sicht) in etwa der heutigen Situation. Im Vordergrund stünden vor allem Ein
schränkungen aus dem psychiatrischen Fachgebiet. Die interdisziplinäre Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit entspreche weitgehend der Beurteilung im psychiatrischen Teilgutachten (S. 59 f.).
6.5
Prof. Dr. med. P._, Facharzt für Innere Medizin FMH,
und Dr.
O._
, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin
,
Z._,
nannten in ihrem von der Beschwerde
gegnerin in Auftrag gegebenen internistischen Teilgutachten vom 24. März 2015 (Urk. 8/125) - nach erfolgter interdisziplinärer Konsensbesprechung von Dr.
O._
mit Dr.
M._
und Dr.
N._,
Y._,
am 23. Januar 2015
-
eine
PTBS
(«late onset») nach Misshandlungserlebnissen in der Kindheit (ICD-10 F43.1)
als einzige Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 8
). Sie
führten aus, insgesamt bestünden aus somatischer Sicht eine atopische Diathese mit Rhinoconjunktivitis pollinosa und Asthma bronchiale, welche jedoch beide gut behandelbar seien und in einer sitzenden Büro-Tätigkeit intermittierend
zu einer Arbeitsunfähigkeit von maximal 20 % führen könnten. Ein Privinismus und möglicher Analgetika-Übergebrauch könne die Beschwerden mit Gesichts- und Kopfschmerzen erklären. Diese Erkrankungen könnten besser behandelt werden und führten intermittierend zu einer Arbeitsunfähigkeit von maximal 20 %. Daneben bestehe laborchemisch ein möglicher selektiver Mangel von Anti-Poly
saccharid-Antikörper, welcher jedoch beim Beschwerdeführer nicht mit vermehr
ten bakteriellen Infekten assoziiert sei und deshalb bezüglich der Arbeitsfähigkeit aktuell sehr wahrscheinlich nicht relevant sei. Eine Somatisierungsstörung mit Ausweitung der Beschwerden aufgrund der psychiatrischen Komorbidität sei möglich und könnte erklären, wieso die subjektiven Beschwerden nicht mit den klinisch objektivierbaren Befunden korreliere. Insgesamt seien die Beschwerden teilweise durch die somatischen Erkrankungen bedingt, führten jedoch zu einer fluktuierenden Arbeitsunfähigkeit von maximal 20 %. Aus psychiatrischer Sicht habe die Diagnose einer PTBS sowie einer remittierten Depression festgestellt werden können. Dies führe zu einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % in der ange
stammten Tätigkeit als Projektleiter und zu einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit mit weniger Verantwortung und Druck. Gemäss interdisziplinärer Besprechung seien die psychiatrischen Beschwerden bezüglich der Arbeitsunfähigkeit ausschlaggebend. Die somatisch bedingte Arbeitsun
fähigkeit sei in der psychiatrischen Arbeitsunfähigkeit enthalten und führe vorwiegend zu qualitativen Einschränkungen. Die attestierte Arbeitsunfä
higkeit für die angestammte Tätigkeit bestehe seit der aktuellen Begutachtung. Aus somatischer Sicht sei 2005 ein gleicher Gesundheitszustand wie jetzt anzu
nehmen (S. 10 f.). Der Grad der Arbeitsfähigkeit habe sich seit der letzten Revision nicht wesentlich verändert. Im angestammten Beruf als Projektleiter bestehe weiterhin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit, primär aufgrund der psychiatrischen Erkrankung. Aus somatischer Sicht sei die gesundheitliche Situation 2005 gemäss den vorliegenden Akten in etwa gleich wie jetzt (S. 12).
7.
7.1
7.1.1
Sowohl das nach erfolgter Konsensbesprechung erstellte psychiatrische Teilgut
achten von Dr. M._ und Dr. N._ (E. 6.4)
als auch das nach erfolgter Konsensbesprechung erstellte internistische Teilg
utachten von
Prof.
Dr. P._
und Dr. Q._ (E. 6.5)
beruh
en
auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen, wurde
n
in Kenntnis der und nach Auseinandersetzung mit den Vo
rakten erstattet, berücksichtigen
die geklagten Beschwerden und setz
en
sich mit diesen sowie dem Verhalten
des Beschwerdeführers
auseinander.
Die
Gutachter
haben
die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt und
ihre Schlussfolge
rungen nachvollzie
hbar begründet. Damit entsprechen sie
den bundesgerichtlichen Vorgaben an beweiskräftige Gutachten (
vgl.
E.
1
.
4
).
7.1.2
Sowohl
Dr.
J._ (E. 6.2; vgl. auch Urk. 8/176 S. 2-4) als auch Dr. L._ (E. 6.3)
nannten als Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit –
a
bwei
ch
end
von den Gutachten (vgl. E. 6.4 und E. 6.5), welche
eine
PTBS
«late onset»
diagnostizierten
–
eine komplexe
PTBS
.
Die Fachärzte der Y._
setzte
n
sich
damit als möglichen Differenziald
iagnose
aus
führlich
auseinander (Urk.
8/123 S. 13-16, S. 50 f.
)
. Dr. J._ benannte keine Aspekte,
die bei der Begutachtung
nicht
erkannt oder
nicht
gewürdigt
wor
den wären. Seine Einschätzung bezüglich des Vorliegens einer komplexen PTBS vermögen somit das Teilgutachten der Fachärzte der Y._ nicht in Frage zu stellen (vgl.
Urteil
des Bundesgerichts
8C_677/2014 v
om 29.
Oktober 2014 E. 7.2
mit Hinweisen
). Im Übrigen hielt auch Dr. J._ in seiner Stellungnahme vom 5. Juli 2016 fest, dass die Diagnose einer PTBS
«late onset»
gestellt werden könne (vgl. Urk. 8/176 S. 3).
Dr. L._ Bericht ist weder
umfassend
, noch beruht er
auf allseitigen Unter
suchungen
oder ist
in Kenntnis der Vorakten
erstellt
worden
. In Bezug auf die psychiatrische Diagnose einer komplexen PTBS fehlt ihr die fachärztliche Quali
fikation. Ihr Bericht vermag somit die Teilgutachten nicht in Zweifel zu ziehen.
Des Weiteren kritisiert Dr. J._, die Gutachter seien auf die Wechsel
wir
kung der psychiatrischen und somatischen Diagnosen kaum eingegangen (Urk. 3/4 S. 1 unten). Dem ist zu entgegnen, dass die Gutachter der Y._ Kenntnis der somatischen Leiden und der Wirkung auf die psychische Konstitution hatten (vgl. insbesondere Urk. 8/123 S. 25-27 [somatische und vegetative Anamnese], S. 35 f. [psychopathologischer Befund], S. 37 f. [aktueller Querschnittsbefund]). Auf die weiteren Ausführungen von Dr. J._, wonach die somatischen Diagnosen nicht nachvollziehbar seien, ist mangels fachärztlicher Qualifikation nicht weiter einzugehen (Urk. 3/4 S. 5).
7.1.3
Der Beschwerdeführer bemängelt an den Teilgutachten der Y._ und
der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin des
Z._, dass die Infektanfälligkeit nicht berücksichtigt worden sei (vgl. Urk. 1 S. 10 Ziff. 3). Dem ist zu entgegnen, dass diese in den Teilgutachten berücksichtigt wurde und dementsprechend Eingang in ihre Diagnose fand (vgl. E. 6.5).
Weiter brachte er vor, im psychiatrischen Teilgutachten sei nicht berücksichtigt worden, dass trotz grosser Bemühungen sowohl seitens der Arbeitgeberin als auch seiner selbst das Teilzeitarbeitsverhältnis nicht habe aufrechterhalten wer
den können (vgl. Urk. 1 S. 10-12 Ziff. 4). Dem ist entgegen zu halten, dass die Gutachter der Y._ seine berufliche Situation aus den vorliegenden Akten als auch der Untersuchung kannten, berücksichtigten und damit der Umstand, dass er seine Teilzeitstelle verlor, Eingang in das Gutachten fand (vgl. Urk. 8/123 S. 2, S. 12, S. 17 f., S. 24 f., S. 30, S. 41).
Zudem kritisierte der Beschwerdeführer, dass das psychiatrische Teilgutachten eine veraltete Grundlage zur Beurteilung des zu Rentenanspruches bilde, da es über zwei Jahre vor der Verfügung datiere (vgl. Urk. 1 S. 12 Ziff. 4). Dem ist zu entgegnen, dass sich nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine allge
mein
gültige Regel, wann eine Expertise veraltet ist, nicht formulieren lässt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_643/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.2).
Im Urteil des Bun
desgerichts
9C_575/2009 vom
6.
November 2009
wurde
eine bereits über vier Jahre alte Expertise nicht mehr als hinreichende Grundlage betrachtet.
Der zwi
schen dem Teilgutachten vom
März 2015 (
E. 6.4 und E. 6.5) und der Verfügung vom 22. Dezember 2016 (Urk.
2/1-5)
liegende Zeitraum ist wesentlich kürzer, weshalb die Konstellation nur schon deshalb nicht mit dem genannten Bundes
gerichtsurteil
vergleichbar ist. Zudem ergeben sich aus den vorliegenden Unter
lagen keine Hinweise, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zwischen März 2015 und Dezember 2016 derart verändert hätte, dass die Exper
tisen als überholt erachtet werden müssten. Ebenso wenig legte er diesbezüglich selbst etwas dar, indem er beispielsweise Arztberichte eingebracht hätte, die sein Vorbringen, das Gutachten sei veraltet, stützen würden.
7.1.4
Nach dem Gesagten kann auf die Teilgutachten der Y._ sowie der
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin des
Z._ mit erfolgter Konsensbesprechung (E. 6.4 und E. 6.5) abgestellt werden. Ihnen kommt voller Beweiswert zu.
7.2
In somatischer Hinsicht attestierten die Gutachter ausgehend von den Diagnosen einer Rhinokonjunktivitis, einem Bronchialasthma, einem Privinismus und einem möglichen Analgetika-Übergebrauch, welche alle gut behandelbar seien, in einer sitzenden Büro-Tätigkeit eine intermittierend auftretende Arbeitsunfähigkeit von maximal 20 %. Sie hielten fest, dass die somatisch bedingte Arbeitsunfähigkeit in der psychiatrischen Arbeitsunfähigkeit enthalten sei und vorwiegend zu qualitativen Einschränkungen führe (vorstehend E. 6.4-6.5).
Ob aufgrund dessen in somatischer Hinsicht von einem invalidisierenden Gesundheitsschaden auszugehen ist, kann vorliegend offenbleiben, da die aus psychischen Gründen bestehenden Einschränkungen und die in diesem Zusam
menhang attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50 % in angestammter Tätig
keit und von 20 % in angepasster Tätigkeit im Vordergrund stehen.
7.3
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden soma
to
formen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosomatischen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «
funktioneller Schweregrad
»
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex «
Persönlichkeit
»
(Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex «
Sozialer Kontext
»
-
Kategorie «
Konsistenz
»
(Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungs
hindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensations
poten
zialen (Ressour
cen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungs
vermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4)
.
7.4
Zum Komplex „Gesundheitsschädigung“ ist festzuhalten, dass die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde mit der attestierten Arbeitsunfähigkeit einher
ge
hen. So leidet der Beschwerdeführer unter
mittelgradige
n
Einschränkungen in der Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und Planungsfähigkeit sowie mittel
gradigen bis schweren Einschränkungen in der
Durchhaltefähigkeit
(E. 6.4). Der Beschwer
de
führer selber schildert eine schnelle mentale Ermüdbarkeit und erheblich redu
zierte Leistungsfähigkeit im Vergleich zu seinem früheren Funktionsniveau sowie intermittierend auftretende Erstickungs- sowie teilweise mehrere Tage dauernde Todesängste (Urk. 9/123 S. 37 f.). Anzufügen ist, dass sich aus dem Gutachten eindrücklich ein massiver
Missbrauch
des Beschwerdeführers und seiner Geschwister
während der gesamten Kind- und Jugendzeit
durch den Vater
ergibt, welcher brutalste Methoden anwandte, um «das Böse aus den Kindern auszutrei
ben» (Ersticken durch Zuhalten von Mund und Nase, Untertauchen in der Bade
wanne, Schlagen des Kopfs gegen die Wand, tägliches Schlagen aller Kinder zu einer bestimmten Zeit, Abstrafen von Durst, Hunger, Tränen, Albträumen; unter anderem habe der Vater schon bei den Säuglingen immer wieder zugeschlagen, bis das Kind am ganzen Körper gezittert habe; seinem jüngeren Bruder habe er den Arm gebrochen, weil er die Bibel nicht habe lesen wollen; eine jüngere Schwester sei möglicherweise zufolge Misshandlung schwerstbehindert; Urk. 9/123 S. 21 f.). Sodann decken sich die Behandlungs- und Eingliederungs
erfolge mit der gutachterlichen Einschätzung. So ist dem Gutachten zu ent
nehmen, dass
sich der Beschwerdeführer einmal wöchent
lich
zuvor noch zwei
wöchentlich, was ihn aber zu sehr erschöpfte -
zur als psychotherapeutische Langzeitbehandlung ausgelegte
n
Traumatherapie begibt (
Urk. 9/123
S. 20 und S. 28).
Als Komorbidität zu berücksichtigen sind die bestehende Rhinokonjunkti
vitis und das allergische Asthma, denn diese beein
trächtigen die Leistungsfähig
keit zweifellos negativ, auch wenn die genannten Beschwerden als gut behandel
bar eingestuft wurden und (nur) intermittierend zu einer Arbeitsunfähigkeit von maximal 20 % führen. Zudem werden sie vom Beschwerdeführer als Trigger für die Erstickungs- und Todesängste beschrieben (Urk. 9/123 S. 37 f.). Zum Komplex «Persönlichkeit» ergeben sich als Ressourcen die universitäre Ausbildung und die insgesamt hohen kognitiven Fähigkeiten des Beschwerdeführers
(Urk. 9/2/7, Urk. 9/87 S. 3)
sowie zum Komplex «sozialer Kontext» das intakte familiäre und soziale Umfeld (Urk. 9/123 S. 30 ff. Ziff. 4.8 und Ziff. 4.9)
.
Das Aktivitätenniveau des Beschwerdeführers ist teilweise ein
geschränkt. So ermüdet er schnell bei körperlichen Aktivitäten und beim Lesen, spielt aber Klavier und pflegt soziale Kontakte in der Freikirche und besucht unregelmässig den Lesekreis (Urk. 9/123 S. 31 ff.). Seine letzte Anstellung bei K._ vermochte der Beschwerde
führer trotz grossem Entgegenkommen seines Arbeitgebers auch in einem redu
zierten Pensum von 40 % nicht weiterzuführen (Urk. 9/50, Urk. 9/85/2). Ein
gliederungsmassnahmen wurden auf Ersuchen des Beschwerdeführers im Januar 2017 geprüft (Urk. 9/211, Urk. 9/215). Der behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch ausgewiesene Leidensdruck entspricht ebenfalls der attestierten Arbeitsunfähigkeit. So ist der Beschwerdeführer dauerhaft in wöchentlicher ambulanter therapeutischer Behandlung.
Eine Gesamtschau über alle Indikatoren ergibt, dass die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 % in der angestammten Tätigkeit als Physiker/Projekt
leiter beziehungsweise von 20 % in einer angepassten Tätigkeit als plausibel erscheint. Davon ist auszugehen.
7.5
Die Invaliditätsbemessung der Beschwerdegegnerin (Wert 2015; Urk. 9/136 S. 4 f., Urk. 9/143) blieb beschwerdeweise unbestritten und ist im Ergebnis nicht zu beanstanden. Anzumerken bleibt, dass das mit Fr. 129'649.-- bemessene Validen
einkommen dem auf das Jahr 2015 (die Nominallohnwerte 2016 waren bei Ver
fügungserlass noch nicht publiziert) hochgerechneten, vor Eintritt der Invalidität erzielten Einkommen von Fr. 114'000.-- im Jahr 2004 (Urk. 9/9 Ziff. 12) ent
spricht.
Das Invalideneinkommen von Fr. 73'939.-- basiert auf dem Wert der Lohn
struk
tur
erhebung 2012, TA 1, Kompetenzbereich 3 (komplexe praktische Tätigkeiten, welche ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen), Total über alle Wirtschaftszweige. Dieses Vorgehen entspricht nicht der Recht
sprechung, da der Beschwerdeführer nicht in allen Wirtschaftszweigen über ein grosses Wissen ver
fügt und er in der Tätigkeit als Physiker durchaus arbeitsfähig ist, an den kon
kreten Arbeitsplatz einfach gewisse Anforderungen zu stellen sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_72/2017 vom 19. Juli 2017 E. 4.2.2 mit Hinweisen). Als passendster statistischer Wert weist die Tabelle T 17 des Bundesamtes für Statistik, Monatlicher Bruttolohn nach Berufsgruppen, Lebensalter und Geschlecht, 2014, für Naturwissenschaftler, Mathematiker und Ingenieure (Ziff. 21) im Alter 30 bis 49 ein Einkommen von Fr. 8'360.-- aus. Angepasst an die wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden (Betriebsübliche Arbeitszeit, Bun
desamt für Statistik, Tabelle T03.02.03.01.04.01) und an die Nominal
lohn
ent
wicklung bis ins äquivalente Jahr 2015 (von Index 103.3 auf Index 103.7, Nomi
nallohnindex 2011-2016, Bundesamt für Statisik, T1.10) ergibt sich bei einem zumutbaren Arbeitspensum von 80 % ein mögliches Einkommen von Fr. 83'991.
-. Hiervon ist zwingend (BGE 137 V 71 E. 5.1) ein Abzug vom Tabellen
lohn zu gewähren, denn der Beschwerdeführer ist auf einen in mehrfacher Hinsicht angepassten Arbeitsplatz angewiesen (stressarm mit flexibler Zeiteinteilung, ohne Stressspitzen, ohne hohe Ansprüche an die Durchhalte
fähigkeit). Bei seiner Tätigkeit als Akademiker (mitsamt anzunehmendem weiter
hin hohen erzielbaren Einkommen) haben diese Anforderungen klarerweise Auswirkung auf den zu erwartenden Lohn. Es rechtfertigt sich ein Abzug von 10 %.
Bei einem Valideneinkommen von Fr. 129'691.-- und einem Invalidenein
kom
men von Fr. 75'592.-- resultiert eine Einkommenseinbusse von Fr. 54'099.-- und ein Invaliditätsgrad von 41.7 %. Bei diesem Ergebnis hat der Beschwerde
führer nurmehr Anspruch auf eine Viertelsrente der Invalidenversicherung, weshalb sich die angefochtene Verfügung als rechtens erweist und die Beschwerde abzuweisen ist.
8.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer auf
zuerlegen.