Decision ID: 80eee4db-6dad-5d8c-9794-25b4f3e1b4e3
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ hatte sich erstmals im März 1998 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
zum Leistungsbezug angemeldet (IV-act. 4). Dieses Leistungsbegehren war mit
Verfügung vom 28. Mai 1998 mit der Begründung abgewiesen worden, dass kein
gesundheitliches Leiden bestehe, das eine Invalidität begründen würde (IV-act. 13; vgl.
zum Ganzen die IV-act. 1-15). Von 1997 bis 2009 war die Versicherte im
Reinigungsdienst tätig gewesen (vgl. u.a. IV-act. 194-31).
A.a.
Im Juni 2009 meldete sich die Versicherte mit Hinweis auf ein Rückenleiden erneut
zum Bezug von Leistungen bei der IV-Stelle (IV-act. 16). Im Rahmen der Abklärungen
leitete die IV-Stelle im Mai 2011 eine Begutachtung durch die MEDAS-Ostschweiz in
die Wege (IV-act. 100). Im Gutachten vom 7. Dezember 2011 (IV-act. 103) wurde
festgehalten, die Arbeitsfähigkeit der Versicherten sei bei 100%iger Arbeitsfähigkeit bei
rückenschonendem Arbeiten qualitativ eingeschränkt. Ebenso sollte die Möglichkeit
von mehreren Pausen und verlangsamtem Arbeiten gegeben sein (IV-act. 103-17). In
der Folge wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten mit einer Verfügung
vom 1. Juni 2012 bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer optimal adaptierten
Tätigkeit und einem Invaliditätsgrad von 0% ab (IV-act. 120). Die dagegen erhobene
Beschwerde wies das Versicherungsgericht mit Entscheid vom 22. Mai 2015 ab. Es
hielt fest, dass bei der Versicherten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit vorliege und die IV-Stelle dementsprechend einen Rentenanspruch der
Versicherten zu Recht verneint habe. Sollte die Versicherte der Ansicht sein, ihr
Gesundheitszustand habe sich seit Erlass der Verfügung verschlechtert, so könne dies
im vorliegenden Verfahren nicht geprüft werden. Es stehe ihr aber frei, dies im Rahmen
A.b.
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B.
einer Wiederanmeldung gegenüber der IV-Stelle geltend zu machen (IV 2012/248; IV-
act. 141).
Im Januar 2018 (Eingang) meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf ein sich
seit Jahren verstärkendes Rückenleiden erneut zum Leistungsbezug an (IV-act. 145).
Im Rahmen dieser Wiederanmeldung reichte sie mehrere Arztberichte ein, u.a. über
einen operativen Eingriff an der Lendenwirbelsäule (LWS) vom 21. März 2016 (IV-act.
172; vgl. auch IV-act. 156, 161, 163 ff.). Dr. med. B._, Facharzt für Neurochirurgie,
hatte am 24. Oktober 2017 berichtet, dass bei der Versicherten eine progrediente,
linksbetonte Spondylarthrose L5/S1 mit leichter rezessaler Einengung L5S1 links, ein
Status nach Dekompression und PLIF Spondylodese L4/L5 am 21. März 2016 sowie
eine fortgeschrittene Osteochondrose und foraminale Stenose C5-C7 bestünden. Am
7. November 2017 war zudem eine Facettengelenksinfiltration durchgeführt worden.
Die Versicherte sei in einer körperlich leichten, rückengerechten Arbeit zu 50%
arbeitsfähig (IV-act. 156-6 ff.). In der Folge trat die IV-Stelle auf die Wiederanmeldung
ein (vgl. IV-act. 158).
B.a.
Am 7. Juni 2018 notierte der Regionale Ärztliche Dienst (RAD), dass eine
polydisziplinäre Begutachtung notwendig sei (IV-act. 186). Diese erfolgte im Dezember
2018 durch das Zentrum für medizinische Begutachtungen (ZMB) Basel (vgl. IV-act.
191, 193). Im polydisziplinären Gutachten vom 14. Januar 2019 hielten die Gutachter
fest, bei der Versicherten bestünden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ein
chronisches lumbovertebrales Syndrom mit spondylogener Ausstrahlung beidseits, mit
Status nach bilateraler Dekompression L4/5 sowie dorsolateraler Spondylodese L4/5
mit PLIF L4/5 und mit linksbetonter Spondylarthrose L5/S1 mit rezessaler und
foraminaler Einengung und möglicher Kompression der Wurzel S1 links, ein
chronisches zervikovertebrales Syndrom mit spondylogener Ausstrahlung in die Arme,
mit zephaler Schmerzbeteiligung, mit degenerativen Veränderungen der HWS mit
Osteochondrose und foraminaler Stenose ossär und diskogen bedingt C5/6 und C6/7
mit Spinalkanalstenose C5-C7, sowie eine depressive Störung, leichte Episode mit
somatischem Syndrom und Somatisierungstendenzen (ICD-10 F 32.11). Ohne
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit lägen u.a. ein neuropathisches Schmerzsyndrom
B.b.
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des linken Unterschenkels medial (zurzeit nicht aktiv), akzentuierte neurotische
Persönlichkeitszüge (Z73.1), ein chronisches thoracovertebrales Syndrom und eine
Symptomverdeutlichung vor (IV-act. 194-5 f.). Der internistische Gutachter hielt fest,
dass die Arbeitsfähigkeit aus internistischer Sicht nicht eingeschränkt sei. Anlässlich
der Untersuchung seien mannigfaltige Zeichen einer Symptomverdeutlichung bis hin zu
einer Aggravation aufgefallen. Die Symptomverdeutlichung habe sich anlässlich der
Untersuchung in einem sehr auffälligen, demonstrativen, vorsichtigen Verhalten und
Bewegen gezeigt, beispielsweise beim Abliegen auf die Liege oder bei der Prüfung des
Finger-Boden-Abstandes. Bei einem sich unbeobachtet fühlenden Bekleiden sei das
Bewegungsbild flüssig gewesen und habe kaum Hinweise auf Schmerzen und
Bewegungseinschränkungen erkennen lassen. Die Symptomverdeutlichung sei auch in
gewissem Rahmen bei den anderen Untersuchungen im somatischen Bereich manifest
gewesen (IV-act. 194-2, 194-35 ff.). Der rheumatologische Gutachter führte aus, dass
eine anhaltende Wirbelsäulenaffektion lumbal und zervikal vorliege. Im Vordergrund
stehe ein chronisches lumbovertebrales Syndrom mit spondylogener Ausstrahlung
beidseits. Bei der klinischen Untersuchung hätten sich eine eingeschränkte
Beweglichkeit der LWS in allen Ebenen und zusätzlich ausgedehnte Druckdolenzen
lumbal und im Bereich des dorsalen Beckenkamms gefunden. Sichere Hinweise für
radikuläre Reiz- oder Ausfallphänomene hätten gefehlt. In den im Jahre 2017
durchgeführten bildgebenden Untersuchungen mit Röntgen und MRI der LWS habe
sich eine gute Stellungskontrolle ohne Lockerungszeichen der Spondylodese auf Höhe
L4/L5 und ohne Hinweis auf eine Neurokompression auf der operierten Höhe gezeigt.
Hingegen habe sich auf Höhe L5/S1 eine linksbetonte hypertrophe Spondylarthrose mit
auch rezessaler und foraminaler Einengung ergeben. In der Zusammenschau habe sich
bei der Versicherten am lumbalen Achsenskelett ein weitgehend therapieresistentes
Schmerzsyndrom mit Schmerzausstrahlung in beide Beine gezeigt. Das lumbale
Achsenskelett sei vermindert belastbar und anhaltende Zwangshaltungen seien
ungünstig. Am zervikalen Abschnitt der Wirbelsäule hätten sich Hinweise für ein
zervikovertebrales Syndrom mit zephaler Schmerzkomponente ohne sichere Hinweise
für radikuläre Reiz- oder Ausfallphänomene gefunden. Die mehrfach durchgeführten
bildgebenden Untersuchungen mit MRI der HWS hätten auf Höhe C5-C7
mediobilaterale Bandscheibenprotrusionen sowie eine Einengung des Spinalkanals
gezeigt. Ebenfalls habe man Uncovertebralarthrosen und Osteochondrosen gefunden.
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In der Zusammenschau sei auch der zervikale Abschnitt der Wirbelsäule vermindert
belastbar. Zusätzlich bestehe eine muskuläre Dysbalance des Schultergürtels mit einer
schmerzbedingten Einschränkung der Schultern beidseits. Im Weiteren habe die
Versicherte eine muskuläre Dekonditionierung und eine Haltungsinsuffizienz gezeigt. In
der bisherigen Tätigkeit bestehe aus rheumatologischer Sicht keine Arbeitsfähigkeit. In
adaptierten, leichten bis intermittierend mittelschweren Arbeiten in Wechselhaltung
bestehe eine Arbeitsfähigkeit (IV-act. 194-52 ff.). Der orthopädische Gutachter hielt
fest, dass die orthopädischen Diagnosen mit denjenigen der rheumatologischen
Beurteilung deckungsgleich seien. Die Arbeitsfähigkeit werde ebenfalls gleichermassen
definiert. Der Versicherten sei die bisherige Tätigkeit als Reinigungsfachfrau nicht mehr
vollschichtig und zu voller Leistung zumutbar. Eine angepasste leichte Tätigkeit unter
Berücksichtigung einer verminderten Belastbarkeit (Gewichte bis zu 5kg), des
Vermeidens von Zwangshaltungen und längerem Sitzen und Bücken sei der
Versicherten halbtags zumutbar. Die Angaben der Versicherte seien konsistent und
nachvollziehbar gewesen, wobei eine Tendenz zur Schmerzausweitung nicht ganz
habe ausgeschlossen werden können (IV-act. 194-4, IV-act. 194-43 ff.). Die
neurologische Gutachterin hielt fest, die Versicherte habe anlässlich der Untersuchung
über gleichbleibende beidseitige lumboischialgieforme Schmerzen sowie Schmerzen
im HWS-Bereich, Nacken und in der Schulter mit vorwiegender Ausstrahlung in den
rechten Arm geklagt. Einige Angaben seien erst auf gezieltes Nachfragen gemacht
worden. Während der Untersuchung habe ein häufiges Stöhnen und eine
Schmerzangabe bei fast allen Untersuchungsmanövern stattgefunden. Einige
Bewegungsabläufe seien unter Ablenkung möglich, aber in der gezielten Untersuchung
kaum durchführbar gewesen (Finger-Nasen-Versuch, Armabduktion, Kopfreklination).
Die Gutachterin hielt fest, dass aus neurologischer Sicht keine Hinweise auf eine
radikuläre Reizung, auf sensomotorische Ausfälle oder auf ein Cauda-equina-Syndrom
bestünden. Die geschilderte Miktionsstörung entspreche einer leichtgradigen Urge-
und Stressinkontinenz. Zusätzliche Symptome, die für ein Cauda-equina-Syndrom
sprechen würden, hätten nicht festgestellt werden können. Die chronischen
therapieresistenten zervikobrachialen und lumboischialgiformen Beschwerden seien
aus neurologischer Sicht nicht auf die Kompressionen neuraler Strukturen
zurückzuführen. Es bestehe ein neuropathisches Schmerzsyndrom bei Status nach
einer Verletzung des Nervus infrapatellaris linksseitig im Jahre 2008. Dieses stelle
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jedoch keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit dar. Im Weiteren seien die am 11.
Dezember 2018 bestimmten Medikamentenspiegel weit unter dem Normbereich
respektive seien die Substanzen nicht mehr nachweisbar gewesen. Dies stehe im
Widerspruch zur Angabe der Versicherten, dass sie täglich seit längerem mindestens
vier Tabletten Analgetika einnehme. Die Arbeitsfähigkeit sei aufgrund der
lumbospondylogenen Schmerzsymptomatik für schwere körperliche Tätigkeiten
eingeschränkt. In angepassten, leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten bestehe eine
100%ige Arbeitsfähigkeit, wobei das Arbeitspensum von 50% innerhalb von sechs
Monaten schrittweise auf 100% gesteigert werden sollte (IV-act. 194-66 ff.). Der
psychiatrische Gutachter hielt fest, die Versicherte habe anlässlich der Untersuchung
eine intakte Wahrnehmung und Auffassung und keine Störung des Gedächtnisses
gezeigt und sie sei in allen Qualitäten orientiert gewesen. Sie sei in der Lage gewesen,
der Unterredung mit konstanter Aufmerksamkeit und Konzentration zu folgen. Die
Versicherte habe sich als gut zugänglich und kooperativ erwiesen. Bezüglich der
Psychosomatik hätten sich keine Auffälligkeiten gezeigt. Sie habe zumindest in der
Untersuchungssituation nur leicht in ihrem Antrieb eingeschränkt gewirkt. Ansonsten
habe sie eine leidliche emotionale Modulationsfähigkeit gezeigt. Der Gedankengang sei
in formaler Hinsicht weder gesperrt noch zerfahren, sondern logisch kohärent und in
sich geschlossen gewesen. Inhaltliche Denkstörungen hätten sich in der
Untersuchungssituation nicht gefunden. Die Versicherte habe zwar von Grübelzwängen
berichtet und sie habe auch Reizbarkeit geltend gemacht und über Kopfschmerzen,
häufiges Schwitzen, eine eingeschränkte Libido, Kraftlosigkeit und stimmungsmässige
Tiefs gegen Abend geklagt. Allerdings sei bei der Exploration aufgefallen, dass die
Angaben der Versicherten nicht ohne Weiteres übernommen werden könnten. Die
Versicherte habe in der Hamilton Depressionsskala einen Gesamtpunktewert von 21
(entsprechend einer mittelschweren depressiven Episode) erreicht, während der
klinische Eindruck bloss für eine leichte depressive Episode gesprochen habe. Sie
habe viele Fragen vorschnell mit "ja" beantwortet. Zu keiner Zeit habe der Eindruck von
Ausgestaltungs- oder Dramatisierungstendenzen, Aggravation oder Simulation
bestanden. Insgesamt sei von einer leichten depressiven Episode auszugehen. Nach
den Mini-ICF-APP-Kriterien würden leichte Einschränkungen bei der Anpassung an
Regeln und Routinen und der Planung und Strukturierung von Aufgaben bestehen. Die
Flexibilität, die Umstellungsfähigkeit, die Anwendung fachlicher Kompetenzen, die
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Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, die Durchhaltefähigkeit, die
Selbstbehauptungsfähigkeit und die Gruppen- bzw. Kontaktfähigkeit zu Dritten seien
mittelgradig eingeschränkt. Dies gelte auch für familiäre Beziehungen und
Spontanaktivitäten. In der bisherigen Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von grob
geschätzt höchstens 20% seit der Niederlegung der Erwerbstätigkeit im Jahr 2009. Die
Arbeitsfähigkeit werde durch die Einschränkung von Seiten des Achsenorgans und
durch das psychische Leiden eingeschränkt. Durch das psychische Leiden würden die
somatisch erklärbaren Beschwerden eine funktionelle Verstärkung erfahren. In
körperlich leichten Tätigkeiten sei von einer Arbeitsfähigkeit von 80% seit 2009
auszugehen (IV-act. 194-5, 194-74 ff.). Die Gutachter hielten zusammenfassend fest,
dass in der angestammten Reinigungstätigkeit seit dem Eingriff an der LWS im Jahr
2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Wie sich die Arbeitsfähigkeit vor dem
Eingriff entwickelt habe, sei in den Akten nicht ausreichend dokumentiert. Auch die
anamnestischen Angaben der Versicherten würden in dieser Beziehung in keiner Weise
weiterhelfen. In einer angepassten Tätigkeit bestehe für leichte bis intermittierend
mittelschwere körperliche Belastungen in Wechselhaltung eine Arbeitsfähigkeit von
80%. Diese Einschränkung begründe sich aus psychiatrischer Sicht. Zudem führe das
depressive Leiden zu einer funktionellen Verstärkung der somatisch erklärbaren
Beschwerden. Nicht zu berücksichtigen seien die zahlreichen psychosozialen Faktoren,
mit denen die Versicherte belastet sei. Der Beginn der Arbeitsunfähigkeit in adaptierten
Tätigkeiten sei auf Herbst 2016, also sechs Monate nach dem Eingriff an der LWS,
festzulegen. Die Versicherte sei seit längerem von jeglicher Arbeitsleistung entwöhnt
und zeige eine gewisse Dekonditionierung. Deshalb sei initial von einem 50%-Pensum
auszugehen mit der Option einer schrittweisen Steigerung auf ein 80%-Pensum
innerhalb von sechs Monaten (IV-act. 194-8 f.).
Am 22. Januar 2019 stellte der RAD der Gutachterstelle Rückfragen zum
Gutachten, da er insbesondere die Arbeitsfähigkeitsschätzungen als widersprüchlich
einschätzte (IV-act. 196, vgl. auch die Stellungnahme vom 22. Januar 2019, IV-act.
195). Am 8. März 2019 beantworteten die Gutachter diese Rückfragen. Sie führten aus,
dass das orthopädische Gutachten hinsichtlich der Arbeitsfähigkeitsschätzung
unvollständig sei. Die Versicherte sei in angepassten Tätigkeiten lediglich vorerst nur
halbtags arbeitsfähig. Innerhalb eines Zeitrahmens von sechs Monaten könne die
B.c.
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C.
Arbeitsfähigkeit schrittweise auf 100% erhöht werden. Der Beginn der Arbeitsfähigkeit
in angepassten Tätigkeiten sei auf die jetzige psychiatrische Begutachtung festzulegen,
da der Verlauf der psychischen Arbeitsunfähigkeit weder aufgrund der Akten noch
aufgrund der Angaben der Versicherten habe festgelegt werden können. Damit habe
sich vor allem der psychiatrische Befund verändert, nämlich dahingehend, dass ab
dem Zeitpunkt der Begutachtung von einer 20%igen Arbeitsfähigkeit aus psychischen
Gründen auszugehen sei (IV-act. 197).
Am 25. Juni 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des
Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 20% in Aussicht (IV-act. 201). Am 13.
August 2019 verfügte die IV-Stelle die Abweisung wie angekündigt (IV-act. 204).
B.d.
Am 16. September 2019 teilte der Rechtsvertreter der Versicherten der IV-Stelle
per E-Mail mit, dass die Verfügung vor Ablauf der Einwandfrist erlassen worden sei (IV-
act. 205).
B.e.
Am 15. Oktober 2019 erliess die IV-Stelle einen neuen Vorbescheid (IV-act. 206),
wogegen der Rechtsvertreter der Versicherten am 20. November 2019 Einwand erhob
und um eine Fristerstreckung zur Einwandbegründung ersuchte (IV-act. 207). Am 12.
Dezember 2019 ersuchte er erneut um eine Fristerstreckung, welche ihm bis am 18.
Dezember 2019 gewährt wurde (IV-act. 210 f.).
B.f.
Am 10. Januar 2020 verfügte die IV-Stelle wie angekündigt die Abweisung des
Rentenbegehrens. Hinsichtlich der Einwandschreiben vom 20. November und 11.
Dezember 2019 führte sie an, dass innert zweifach erstreckter Frist kein begründeter
Einwand eingegangen sei (IV-act. 212).
B.g.
Dagegen erhob die Versicherte am 12. Februar 2020 Beschwerde. Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 10. Januar 2020 und die
Einholung eines neuen polydisziplinären Gutachtens durch das Versicherungsgericht.
Eventualiter sei die Angelegenheit zur Ergänzung des Sachverhaltes an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; subeventualiter sei der Beschwerdeführerin eine
Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von mindestens 40% zuzusprechen.
C.a.
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Zudem sei der Beschwerdeführerin für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche
Rechtspflege zu gewähren. Der Rechtsvertreter machte im Wesentlichen geltend, die
Beschwerdegegnerin habe die Verfügung vom 10. Januar 2020 ungenügend begründet
und sich mit den im Einwand vorgebrachten Vorbringen gar nicht bzw. viel zu wenig
auseinandergesetzt. Damit habe sie den Anspruch der Beschwerdeführerin auf das
rechtliche Gehör verletzt. Der Rechtsvertreter ersuchte um eine Nachfrist zur
Beschwerdeergänzung (act. G 1).
Nach mehrmalig erstreckter Frist (vgl. act. G 2-10) ergänzte der Rechtsvertreter
am 27. Mai 2020 die Beschwerde. Er machte im Wesentlichen geltend, dass das
Gutachten der MEDAS unbrauchbar sei. Die Frage nach der Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin sei im Gutachten nicht nachvollziehbar beantwortet worden. Der
RAD bzw. die Beschwerdegegnerin habe die Arbeitsunfähigkeit willkürlich auf 20%
festgelegt. Diese Arbeitsunfähigkeit beziehe sich alleine auf den psychiatrischen
Befund. Das neuropathische Schmerzsyndrom sei völlig ausser Acht gelassen worden.
Zudem sei bei der Bemessung des Invalideneinkommens kein leidensbedingter Abzug
vorgenommen worden. Auch die Ausbildungssituation und die Chancen auf dem
Arbeitsmarkt seien nicht berücksichtigt worden. Die Beschwerdeführerin sei neu zu
begutachten oder das Gutachten sei zu ergänzen (act. G 11).
C.b.
Am 24. August 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung führte sie an, dass die Begründung in der
angefochtenen Verfügung rechtsgenüglich sei und keine Verletzung der
Begründungspflicht vorliege. Die Beschwerdeführerin habe zudem trotz zweimaliger
Fristerstreckung keinen begründeten Einwand erhoben, weshalb nicht ersichtlich sei,
inwieweit die Beschwerdegegnerin zu den Einwänden zu wenig Stellung genommen
haben sollte. Auf das Gutachten könne abgestellt werden und es drängten sich keine
weiteren Abklärungen auf. Die Gutachter hätten sich entgegen den Vorbringen der
Beschwerdeführerin zur Arbeitsfähigkeit geäussert und eine Arbeitsunfähigkeit von
20% attestiert. Auch das neuropathische Schmerzsyndrom sei berücksichtigt worden.
Ein Abzug vom Tabellenlohn sei nicht gerechtfertigt, da von einem genügend breiten
Spektrum von zumutbaren Verweistätigkeiten auszugehen sei und die
Beschwerdeführerin bei solchen Tätigkeiten keine Lohneinbusse in Kauf nehmen
müsse (act. G 15).
C.c.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 10/15
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Considerations:
Erwägungen
1.
Am 25. August 2020 bewilligte das Gericht die unentgeltliche Rechtspflege
(Befreiung von den Gerichtskosten und unentgeltliche Rechtsverbeiständung) für das
vorliegende Verfahren (act. G 16).
C.d.
Nach zweimalig erstreckter Frist verzichtete der Rechtsvertreter am 3. November
2020 auf eine Replik (act. G 22).
C.e.
Die Beschwerdeführerin hatte sich erstmals im März 1998 zum Leistungsbezug bei
der Invalidenversicherung angemeldet. Dieses Gesuch war im Mai 1998 von der
Beschwerdegegnerin abgewiesen worden. Im Juni 2009 meldete sich die
Beschwerdeführerin erneut zum Leistungsbezug an. Im Juni 2012 verfügte die
Beschwerdegegnerin wiederum die Abweisung des neuen Leistungsgesuchs. Die
dagegen erhobene Beschwerde wies das Versicherungsgericht mit Entscheid vom 22.
Mai 2015 ab.
1.1.
Im Januar 2018 hat sich die Beschwerdeführerin ein weiteres Mal zum IV-Leis
tungsbezug angemeldet. Gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV wird auf eine neue Anmeldung nur
eingetreten, wenn glaubhaft gemacht wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer
für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Diese Bestimmung soll verhindern,
dass sich der Sozialversicherungsträger nach vorangegangener rechtskräftiger
Leistungsverweigerung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher
begründeten, d.h. keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen
befassen muss (BGE 117 V 198 E. 4a mit Hinweis).
1.2.
Die Beschwerdeführerin hat zur Glaubhaftmachung einer gesundheitlichen
Verschlechterung diverse Berichte eingereicht. Der RAD hat mit Blick auf diese
Berichte die Glaubhaftigkeit einer Veränderung des Gesundheitszustands mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit insbesondere unter Hinweis auf die im März 2016
durchgeführte LWS-Operation und die Arbeitsfähigkeitsschätzungen u.a. von Dr. B._
bejaht und eine polydisziplinäre Verlaufsbegutachtung als erforderlich erachtet (IV-act.
158-3). Aufgrund der in den eingereichten Berichten festgehaltenen Veränderungen des
Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin hat die Beschwerdegegnerin zu Recht
davon ausgehen dürfen, dass eine erhebliche gesundheitliche Verschlechterung
glaubhaft gemacht worden ist. Sie ist somit zu Recht auf die erneute Anmeldung der
Beschwerdeführerin eingetreten.
1.3.
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2.
3.
Einen Rentenanspruch haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können,
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid
sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Gemäss
Art. 28a Abs. 1 des IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
2.1.
Um das Invalideneinkommen zu bestimmen und damit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, muss die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im
Verfügungszeitpunkt mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststehen. Die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht ist dabei auf Unterlagen
angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu
stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich
des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/15
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Zur Beantwortung der Frage nach der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hat
die Beschwerdegegnerin beim ZMB ein polydisziplinäres Gutachten eingeholt (IV-
act. 194). Dieses hat auf fachärztlichen internistischen, rheumatologischen,
orthopädischen, psychiatrischen und neurologischen Untersuchungen beruht und ist in
Kenntnis der umfangreichen medizinischen Aktenlage (vgl. insb. IV-act. 194-11 ff.)
erstellt worden. Der internistische Gutachter hat keinerlei Gründe für eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit festgestellt. Allerdings hat er angegeben, dass
anlässlich der Untersuchung mannigfaltige Zeichen einer Symptomverdeutlichung bis
hin zu einer Aggravation der Beschwerdeführerin aufgefallen sind. Diese
Symptomverdeutlichung hat sich gemäss dem Gutachter in einem sehr auffälligen,
demonstrativen, vorsichtigen Verhalten und Bewegen gezeigt, beispielsweise beim
Abliegen auf die Liege oder bei der Prüfung des Finger-Boden-Abstandes. Bei einem
sich unbeobachtet fühlenden Bekleiden sei das Bewegungsbild flüssig gewesen und
habe kaum Hinweise auf Schmerzen und Bewegungseinschränkungen erkennen
lassen. Der Gutachter hat weiter festgehalten, dass die Symptomverdeutlichung in
einem gewissen Rahmen auch bei den anderen Untersuchungen im somatischen
Bereich manifest gewesen worden sei (IV-act. 194-3, 194-36). Diese vom
internistischen Gutachter festgestellte Aggravation ist von den anderen (somatischen)
Gutachtern zwar auch erwähnt, aber nicht weiter thematisiert oder gar gewürdigt
worden. Die neurologische Gutachterin hat ein widersprüchliches Verhalten der
Beschwerdeführerin, Hinweise auf eine Beschwerdeverdeutlichung sowie
Inkonsistenzen bezüglich der Medikamenteneinnahme erwähnt. So hat sie
insbesondere angeführt, dass einige Bewegungsabläufe unter Ablenkung möglich, aber
in der gezielten Untersuchung kaum durchführbar gewesen seien, die
Beschwerdeführerin während der Untersuchung häufig gestöhnt habe und bei fast allen
Manövern Schmerzen angegeben habe (IV-act. 194-67). Die neurologische Gutachterin
hat aber nicht weiter ausgeführt, ob und bejahendenfalls welchen Einfluss die
(mögliche) Aggravation der Beschwerdeführerin auf die Diagnosestellung und im
Weiteren auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung gehabt hat. Der orthopädische Gutachter
hat die Angaben der Beschwerdeführerin als konsistent und nachvollziehbar erachtet,
gleichzeitig hat er aber – wiederum ohne näher darauf einzugehen – eine
Schmerzausweitung als "nicht ganz ausgeschlossen" erachtet (IV-act. 194-43). Der
psychiatrische Gutachter hat im Rahmen der Beurteilung von Konsistenz und
Plausibilität festgehalten, dass zu keiner Zeit der Eindruck von Ausgestaltung- oder
Dramatisierungstendenzen, Aggravation oder Simulation entstanden sei (IV-act.
194-76). Im Widerspruch dazu hat er an anderer Stelle im Gutachten angeführt, dass
die von der Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung gemachten Angaben
nicht ohne Weiteres hätten übernommen werden können. Die Versicherte habe in der
3.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/15
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4.
Da die aktuelle medizinische Aktenlage die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
nicht ausreichend belegt, erweist sich der massgebliche medizinische Sachverhalt als
Hamilton Depressionsskala einen Gesamtpunktewert von 21 (entsprechend einer
mittelschweren depressiven Episode) erreicht, während der klinische Eindruck bloss für
eine leichte depressive Episode gesprochen habe. Sie habe viele Fragen vorschnell mit
"ja" beantwortet. Insgesamt sei von einer leichten depressiven Episode auszugehen
(IV-act. 194-5, 194-75). Insgesamt erweist sich das Gutachten also hinsichtlich der
Frage nach einer möglichen Aggravation der Beschwerdeführerin als widersprüchlich
und zeigt nicht auf, dass die Gutachter den objektiven Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin und in einem weiteren Schritt die Arbeitsfähigkeitsschätzung trotz
der (möglichen) Aggravation überwiegend wahrscheinlich richtig hätten ermitteln
können. Diesbezüglich ist zudem nicht ausser Acht zu lassen, dass es gerade bei
Personen mit Migrationshintergrund für eine sachliche und ausgewogene Beurteilung
einer sehr detaillierten Anamnese bedarf (vgl. dazu Dr. W. Hausotter, Begutachtung von
Personen mit Migrationshintergrund, forum Rehabilitations- und Teilhaberecht, Nr.
1/2015). Im internistischen Gutachten ist die Erhebung der Anamnese eher knapp
ausgefallen, wobei sich der Gutachter auch nicht im Detail mit dem Migrations- bzw.
kulturellen Hintergrund der Beschwerdeführerin befasst hat.
Hinzu kommt, dass das psychiatrische Gutachten weitere Begründungsmängel
aufweist. So hat der Gutachter zwar die Ergebnisse des Mini-ICF festgehalten, sich
aber nicht näher damit auseinandergesetzt. Dies ist deshalb problematisch, da das
psychiatrische (Fremd-)Beurteilungsinstrument des Mini-ICF als für eine Aggravation
anfällig gilt. Im Weiteren hat der Gutachter in der überwiegenden Mehrheit der
aufgeführten Bereiche mittelgradige Einschränkungen (Flexibilität,
Umstellungsfähigkeit, Anwendung fachlicher Kompetenzen, Entscheidungs- und
Urteilsfähigkeit, Durchhaltefähigkeit, Selbstbehauptungsfähigkeit, Gruppen- bzw.
Kontaktfähigkeit zu Dritten, familiäre Beziehungen, Spontanaktivitäten) festgehalten,
was die Diagnose einer bloss leichten depressiven Episode ohne nähere Begründung
zumindest als ungewöhnlich erscheinen lässt. Insgesamt erscheint die
Arbeitsunfähigkeit von 20% aus psychiatrischer Sicht höchstens ansatzweise
begründet.
3.2.
Zusammenfassend liegt aufgrund der ungeklärten Frage des Vorliegens einer
Aggravation und der ungenügenden Auseinandersetzung mit den Ergebnissen des
Mini-ICF und der Hamilton-Skala keine überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung vor.
3.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/15
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St.Galler Gerichte
ungenügend abgeklärt. Die Verfügung ist deshalb in Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes ergangen und erweist sich damit als rechtswidrig. Nach
der Auffassung des Bundesgerichts ist eine Rückweisung an die Verwaltung
insbesondere dann zulässig, wenn eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von
gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (vgl. das Urteil des Bundesgerichtes vom
15. November 2019, 8C_525/2019 E. 3.3). Dies ist vorliegend der Fall. Das vorliegende
Gutachten ist in Kenntnis der Vorakten erstellt worden und die Gutachter haben sich
mit den von der Beschwerdeführerin dargelegten Beschwerden auseinandergesetzt
und eigene Anamnesen erhoben. Das Gutachten erscheint allerdings in den genannten
Punkten als unklar bzw. teilweise widersprüchlich und in seiner medizinischen
Begründung als ergänzungsbedürftig. Der Beschwerdegegnerin hat die Gutachter
deshalb aufzufordern, die genannten Widersprüche mittels einer Klarstellung zu
beseitigen und sich ergänzend dazu zu äussern, ob eine Aggravation vorgelegen hat
und falls ja, ob sie trotz dieser Aggravation den objektiven Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin haben feststellen können. Schliesslich hat die
Beschwerdegegnerin die Gutachter aufzufordern, die prozentuale
Arbeitsfähigkeitsschätzung gemäss den vorstehenden Erwägungen ergänzend zu
begründen. Die Sache ist folglich an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit
diese bei den Gutachtern die erforderlichen Ergänzungen einholt.
5.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
10. Januar 2020 aufzuheben und die Sache ist zur Durchführung weiterer Abklärungen
und zur anschliessenden neuen Verfügung im Sinne der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die Rückweisung
der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die Verwaltung ist als
volles Obsiegen der Beschwerdeführerin zu werten (BGE 132 V 215 E. 6.2).
Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2.
bis
Ausgangsgemäss hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin eine
Parteientschädigung auszurichten. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat
eine Kostennote über Fr. 2'800.-- (Honorarpauschale von Fr. 2'500.-- gemäss Art. 22
5.3.
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