Decision ID: 66179512-06f4-44a6-9071-b0eb0f1e85eb
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1954, meldete sich
am
2
8.
November 2011 (Eingangsdatum) unter Hinweis auf eine Depression und ein lumbovertebrales Syndrom bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/4).
Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und stellte mit Vorbescheid vom
7.
Juni 2013 eine vom
1.
Juli bis 3
0.
November 2012 befristete ganze Rente in Aussicht (
Urk.
7/45). Nachdem die Versicherte
Einwand erhoben hatte (Einwand vom 1
0.
Juni 2013,
Urk.
7/47; ergänzende Ein
wandbegründung vom 3
1.
August 2013,
Urk.
7/61) tätigte die IV-Stelle weitere medizinische und erwerbliche Abklärungen und erliess am
9.
Oktober
2015 einen neuen Vorbescheid, mit welchem sie die Abweisung des Leistungs
begeh
rens in Aussicht stellte (
Urk.
7/108). Nachdem die Versicherte hiergegen am
8.
November 2015 Einwand erhoben hatte (
Urk.
7/109), wies die IV-Stelle das Rentenbegehren mit Verfügung vom 1
9.
November 2015 wie vorbeschieden ab (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 1
5.
Dezember 2015 Beschwerde und bean
tragte
sinngemäss
, es sei die angefochtene
Verfügung aufzuheben
und
es sei
ihr eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zu weiteren Abklä
rungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1). Mit Beschwerde
ant
wort vom 2
6.
Januar 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
7/1-117), was der Be
schwer
deführerin am 2
8.
Januar 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung dafür, dass der Beschwerdeführerin noch vor Ablauf des Wartej
ahres eine leichte Tätigkeit mit
Wechselbelastung ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten über 15 kg
, ohne Verharren in Zwangshaltungen, ohne dauerhafte Armvorbehalte-Be
las
tungen und Überkopfarbeiten
wieder zu 100 %
zumutbar
gewesen sei
. Dieses
Belastbar
keitsprofil entspreche den bisherigen Tätigkeiten. Die psychischen Be
ein
trächtigungen hätten sich unter Therapie verbessert und aus objektiver Sicht sei
ihr eine Arbeitsfähigkeit zumutbar, bzw. bestünden ausreichend Ressourcen, um eine Arbeit aufzunehmen (
Urk.
2).
Die Beschwerdeführerin
brachte demgegenüber
im Wesentlichen
vor, dass sie seit mindestens Sommer 2011 an einer rezidivierenden mittelgradigen Episode
(richtig wohl: depressive
n
Episode)
mit somatischem Syndrom
sowie diversen somatischen Beschwerden
leide
. Die psy
chische Erkrankung sei in den letzten Jahren mehrfach beurteilt und es sei je
weils eine vollumfängliche Arbeitsun
fähig
keit festgehalten worden. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Beschwer
degegnerin von einer psychischen Verbes
serung und ausreichenden Ressourcen für eine vollumfän
gliche Arbeitsfähigkeit ausgehe
. Ein
unabhängig
es psychia
tri
sches Gutachten sei nie erstellt worden und das Gutachten der Kranken
tag
geldversicherung vom
7.
Mai 2012 sei alt und wenig solide. Von einer wesent
lichen Besserung des psychischen Befindens, welche eine normale Arbeitstätig
keit erlaub
t
e, könne nicht die Rede sein (
Urk.
1).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
2.2.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu er
zielen (Art. 7
Abs. 2 Satz 2 ATSG; BGE 139 V 547 E. 5; 131 V 49 E. 1.2; 130 V 352 E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezem
ber 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts
8C_616/2014 vom 25. Februar
2015 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. Novem
ber 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versi
cherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundes
gerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
2.2.2
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychoso
ziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren her
rühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszu
ständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der sozio
kulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne ver
selb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Ar
beits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentli
chen nur Be
funde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre
hinreichende Erklärung
finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidi
sierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
lichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E.
3.2 mit Hinweisen).
2.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheid
relevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
3.
Die medizinische Aktenlage präsentiert sich folgendermassen:
3.1
Dr.
med.
Y._
, FMH Psychiatrie und Psych
otherapie, und
Z._
, d
ipl. Psychologin FH, hielten in ihrem
B
ericht vom
7.
Oktober 2011 fest
, dass die Beschwerdeführerin unter einer rezidivierenden depressiven Stö
rung, gegenwärtig mittelgradige
Episode mit somatischem Sy
ndrom
(ICD-10 F33.11)
leide
. Seit dem
1.
August 2011 könne sie vor allem wegen ihres Rü
ckenleidens nicht mehr arbeiten (100%ig arbeitsunfähig). Der Zusammenbruch sei jedoch von einem Tag auf den anderen erfolgt. Es hätten im Vorfeld insbe
sondere anhaltende Schwierigkeiten mit ihrem Ehemann bestanden, wobei es im Juni zur Trennung gekommen sei. Zus
ätzlich ergebe sich heute eine
Belastung durch die Aufhebung ihres gegenwärti
gen Arbeitsplatzes (Kündigung,
Urk.
7/12/12).
3.2
Dr.
med.
A._
,
Radio-Onkologie, hielt in seinem von der Beschwerde
gegne
rin eingeholten Arztbericht vom 2
0.
Dezember 2011 1
) ein chronisches cervico- und lumbospondylogenes Schmerzsyndrom und 2) eine depressive Ver
stimmung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest (
Urk.
7/12). Sie befinde sich seit Oktober 2011 in physiotherapeutischer und medikamentöser Behandlung in der Rheumaklinik
des
B._
. Eine psychiatrische Behandlung finde seit dem 2
3.
September 2011 statt. Sie sei seit dem 3
1.
Juli 2011 vollumfänglich arbeitsunfähig, da aufgrund der Befunde eine körperliche Tätigkeit nicht möglich sei.
3.3
Im Auftrag der zuständigen Krankentaggeldversicherung wurde die Beschwer
de
führerin am
7.
Mai
2012 neurologisch und psychiatrisch begutachtet (
Urk.
7/15
/4 ff.
;
Urk.
7/15/17 ff.
).
Prof.
Dr.
med.
C._
, Neurologie FMH, konstatierte, dass die durchge
führte Begutachtung
keinen ausreichenden Anhal
t für eine
behindernde Läsion am zentralen oder peripheren Nervensystem, der Wirbelsäule sowie der para
vertebralen Strukturen
ergeben habe
. Das von
der Beschwerdeführerin beklagte Kopfschmerzsyndrom sei
differentialdiagnostisch am ehest
en im Kontext einer Analgetika-
Intoxikation sowie auch im Rahmen des bestehenden depressiven Syndrom
s zu diskutieren, möglich bleibe
auch eine migränöse Genese. Ange
sichts der hier zu erhebenden Diskrepanz zwischen den anamnestischen An
gaben zur aktuellen Schmerzstärke und dem nicht erheblich beeinträchtigt wirkenden klinischen Eindruck sowie de
r fehlenden Dokumentation (es we
rd
e
kein Schmerzkalender geführt) k
ö
nn
e
diesbezüglich keine somatisch begründete be
hindernde Gesundheitsstörung mit minderndem Effekt auf die Arbeitsfähig
keit attestiert
werden. Hier sei
zunächst der Effekt einer optimierten antide
pressiven Behandlung und einer Analgetika-Entgiftung abzuwarten. Die rechts
seitige
Hörminderung (mögliche Schallempfindungsstörung)
rechtfertige
eine weitere Diagnostik (Hals-Nasen-Ohren-ärztliche Untersuchung, ggf. Kernspin
to
mo
gra
phie des Kopfes), die ausserhalb
der aktuellen Begutachtung erfolgen kö
nn
e
,
da die rechtsseitige Hö
rminderung gering ausgeprägt sei
und keinen wesentlichen mindernden Effekt auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten sowie in ver
gleichbaren Tätigkeiten entfalten k
ö
nn
e (
Urk.
7/15/14)
.
Dr.
med.
D._
,
Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, hielt fest
,
dass bei der Beschwerdeführerin
anamnestisch und anhand des gut korrelie
ren
den Befundes eine depressive Störung mit mittelgradiger Ausprägung
bestehe
. Die ents
pre
chenden ICD-10-Kriterien seien
zweifelsfrei erfüllt, es handle
sich um eine Erstmanifestation mit einem assoziierten somatischen Syndrom.
Offen
bar be
stehe
di
e Depressivität seit etwa einem halben bis einem
Jahr, die ein
geleitete psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung
habe
bis jetzt nicht zu einer durchgreifenden Besserung des Zustandes beitragen
können
,
sei
aber vor allen Dingen hinsichtlich der medikamentösen Behandlung als deutlich
insuffi
zient anzusehen. Hier sei
eine leitlinien-gerechte Optimierung der Behandlung drin
gend geboten, auch weil die Symptomatik bereit
s seit bis zu einem Jahr bestehe
und hier eine Chronifizie
rung dringlich zu verhindern sei
. Zusammen
fassend
rechtfertige
das aktuelle Störungsbild qua Ausprägung die Zuerkennung einer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Unter einer l
eitlinien-gerechten Therapie sei ab
1.
Juli 2012 eine schrittweise
Wiedererl
angung der Arbeitsfähigkeit in der an
gestammten sowie jedweder vergleichbaren Tätigkeit in monatlichen 25%-lnkrementen zu erwarten und auch aus therapeutischen Gründen anzustreben (Tagesstruktur, Sozialkontakte). Die
Mitarbeit in der Behandlung sei
gut
zumut
bar und stehe
im Gesundheitsinteresse der B
eschwerdeführerin
, bei e
iner aus
bleibenden Besserung sei
spätestens in vier
Wochen auch eine stationäre Be
handlung zu erwägen
(
Urk.
7/15/23)
.
3.4
Vom 1
0.
Juli bis zum
3.
September 2012 befand sich die Beschwerdeführerin in stationärer psychiatrischer Behandlung in der
E._
AG. Im Aus
trittsbericht vom 1
3.
September 2012 notierten die
behandelnden Ärzte 1) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit so
ma
tischem Syndrom (ICD-10 F33.11) und 2) Probleme mit Bezug auf Trennung vom
Ehemann (ICD-10 Z73). Klinische Befunde und Anamnese sprächen für eine
mittelgradige depressive Episode bei bekannter rezidivierender
depressiver Stö
rung, die sich symptomatisch neben einer gedrückten Stimmung, einer An
triebs
armut, Interesselosigkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsstörungen vor allem
durch eine ausgeprägte S
omatisierungstendenz präsentier
e. Ein akuter Auslöser
habe
nicht erui
ert wer
den
können
. Eigenanamnestisch
sei
zu er
fahren, dass es seit Sommer 2011 zu einer
depressiven Entwick
lung gekommen sei, ins
besondere h
ä
tten sich die schon vorbestehe
nden Schmerzen im Bereich der
Hals
wirbelsäule
verstärkt. Die beschriebenen cerv
ical betonten Schmerzen
seien
im Vorfeld schon von unseren auswärtigen Kollegen mittels Bildgebung hinrei
chend abgeklärt
worden
, eine somatische Ursache
habe
nicht gefunden werden
können
. Der Krankheitsverlauf
sei ihres
Erachtens durch die begleitende soziale
Isolation vorangetrieben worden. Depressiogen wirk
e
zudem die bestehende ps
y
chosoziale Belastung
der Beschwerdeführerin
, nachdem ihr Ehemann im Juni 2011 die Scheidung gefordert habe. Positiv auf den Krankheitsverlauf soll
te
sich die von
der Beschwerdeführerin
beabsichtigte ambula
nte psychiatri
sche Weiter
behand
lung auswirken,
zudem habe durch das stationäre Setting eine psycho
soziale Entlastung geschaffen werden können (
Urk.
7/64/7).
3.5
Am
1
3
.
Septem
ber 2012 untersuchte med. pract.
F._
, Orthopä
di
sche Chirurgie und Traumatologie, des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) die Beschwerdeführerin (
Urk.
7/28).
Sie
notierte 1) eine Cervicocephalgie und Bra
chialgie und 2) eine Lumbalgie bei Wirbelsäulendegeneration mit Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit sei eine MRT-gesicherte Läsion des Aussenmeniskusvorderhornes rechts (
Urk.
7/28/8).
Bei der 58-jä
hrigen Sitzwache/Küchenhilfe sei
anhand der vorliegenden medi
zinischen Berichterstattung und der körperlichen Untersuchung vom 1
3.
Septem
ber 20
12 ein somatischer Gesundheitsschaden ausgewiesen, der die
Arbeits
fähigkeit beeinträchtige
. Dem Arbeitgeberfragebogen der Uniklinik
G._
(28.12.11) zufolge handle
es sich bei der Tätigkeit als Sitzwache um eine körperlich leichte Tätigkeit
, welche
überwiegend im Sitzen
und
ohne re
gel
mässiges Heben und Tragen von Lasten
ausgeführt werde
. Für die andere bisher von der
Beschwerdeführerin
ausgeübte
Tätigkeit als Küchenhilfe liege
kein Belas
tungsprofil vor. In ihrer bisherigen
Tätigkeit als Sitzwache bestehe
eine
100%
ige Arbeitsfähigkeit seit Mai 2012 (Begutachtung durch Prof.
C._
). Aus
versicherungsmedizinischer Sicht bestehe
bei Schädigung der Hals- und der Lendenwirbelsäule ein
e verminderte Belastbarkeit für
regelmässiges mittel
schweres und schweres Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, für Arbeiten über Kopf- und Schulterhöhe, auf Leitern und Gerüsten, mit Schlag-und Vibrationsbelastungen des Schultergürtels, für ausschliesslich stehende Tätig
keiten, für häufiges Bücken sowie für Tätigkeiten in körperl
ichen Zwangs
hal
tungen. Somit sei eine körperlich m
ittelschwere Tätigkeit in einer Grossküche nicht mehr uneingeschränkt zumutbar. Welche Belas
tungen tatsächlich abver
langt wo
rden
seien
,
sei
allerdings nicht dokumentiert. Leichte (angepasste) Tä
tig
keiten in Wechselbelastung ohne Heben, Tragen
und Transportieren von Lasten
über
15 kg,
ohne Verharren in Zwangshaltungen, ohne dauerha
fte Armvor
halte
belastungen und Ü
berkopfarbeiten wären der
Beschwerdeführerin
medizi
nisch theoretis
ch weiterhin zu 100
%
zumutbar. Hinsichtlich des psychischen Gesund
heitszustandes der
Beschwerdeführerin sei
dem Vorschlag des Gutachters
Dr.
D._
gefolgt
worden
. Die Medikation
sei
angepasst
worden
. Au
s den anam
nestischen Angaben sei
zu ersehen, dass ein entsprechender Behandlungserfolg eingetreten
sei
. Die
Beschwerdeführerin berichte
jetzt über guten Appetit,
gehe jeden Tag spazie
ren und pflege Bekanntschaften (
Urk.
7/28/9).
3.6
Im von der Beschwerdegegnerin eingeholten Arztbericht
von
Dr.
A._
vom
4.
April 2013 notierte
dies
er 1) eine schwerste depressive Störung mit soma
tischem Syndrom und 2) ein rezidivierendes schweres chronisches cervico- und lumbos
pondylogenes Schmerzsyndrom mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit. Die chronische Gastritis und die Kniearthrose würden keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zeitigen.
Aus rein psychologischer/psychiatrischer Sicht sei bei der vorhandenen psychischen Störung
aus Sicht der Beschwerdeführerin und
,
soweit er dies als Nichtpsychiater beurteilen könne
,
keine Arbeit möglich
.
Die Beschwerdeführerin sei seit dem 1
1.
März
2012 vollumfänglich arbeitsun
fähig
(
Urk.
7/41).
3.7
Dr.
Y._
hielt in seinem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Arztbe
richt vom
4.
Oktober 2013 eine rezidivierende depressive Erkrankung, gegen
wärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom
(ICD-10 F33.11) mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit fest. Die aktuelle Behandlung bestehe aus einer medikamentösen Behandlung und stützenden Gesprächen einmal mo
nat
lich. Als Allrounderin/Küchenhilfe im Selbstbedienungsrestaurant im 50%-Pen
sum sei sie vollumfänglich arbeitsunfähig. Ob und wann eine behinderungs
an
gepasste Tätigkeit aufgenommen werden könne, sei ungewiss. Eine sehr leichte und einfache Arbeit müsste in einem begleiteten Rahmen
versucht wer
den
(
Urk.
7/64/3).
3.8
Die Beschwerdeführerin befand sich vom 2
7.
November bis zum 1
2.
Dezember 2013 in stationärer Behandlung in der Rehaklinik
H._
. Im Austrittsbericht vom 1
7.
Dezember 2013 notierten die behandelnden Ärzte folgende Diagnosen (
Urk.
7/73/5):
-
Unfall vom 24.06.2013: Sturz aus dem Tram auf die rechte Körperseite
-
Rechtsseitige Thorax- und BW
S-Kontusion, Kopfanschlag
-
15.07.2013 Röntgen Thorax:
Kein Pneu
-
15.07.2013 Röntgen
Brustwirbelsäule (
BWS
)
ap./lat: Keine Hinweise für eine frische ossäre Läsion
-
13.08.2013 CT Schädel nativ und mit KM Gabe: Unauffälliges Schä
del-CT
-
03.12.2013 Röntgen Schulter
rechts: Humeruskopftiefstand, differen
tial
diagnostisch
Gelenkerguss.
Osteophytäre Anbauten am Akromi
on
unterrand. Geringe Degeneration am Ansatz der Supraspi
natussehne. Keine periartikulären Weichteilverkalkungen
-
Psychiatrische Diagnosen
-
Rezidi
vierende depressive Störung, gege
nwärtig schwere Episode (ICD-10
F33.2)
-
Verdacht auf eine Psychose aus schizophrenem Form
enkreis (psycho
tisch anmutende Ü
berzeugungen, religiöser und Vergiftungswahn)
-
Status nach
Selbstmordversuch durch E
rhängen, 2011 (ICD-10
X70)
-
Psychosoziale Belastungssituation (geschieden, all
ein lebend, arbeits
los;
ICD-10 Z63, Z56, Z
60.2)
-
28.11.2013
Psychosomatisches Konsilium, Rehaklinik
H._
: Sepa
ra
ter Bericht
-
Chronisches zerviko- und lumbospondylogenes Schmerzsyndrom rechtsbetont
- Neuroti
sche Exkoriat
onen
-
27.08.2013 Dermatologisches Ambulatorium, Stadtspital
I._
Aus somatischer Sicht liesse sich das Ausmass der demonstrierten physischen Einschränkungen nicht mit den fehlenden objektivierbaren pathologischen Be
funden der klinischen Untersuchung und bisherigen bildgebenden Abklärung sowie den Diagnosen erklären. Während der Rehabilitation sei eine psychoso
matische Abklärung durch lic. phil.
J._
mit folgendem Resultat erfolgt: Nach dem Unfall am 2
4.
Juni 2013 (Sturz aus dem Tram) verbleibe eine anhaltende Schmerzproblematik im Kopf-, Schulter-, Rücken- sowie Armbereich rechtsseitig. Dazu persistiere seit 2011 eine depressive Störung, welche einer ambula
nten und stationären Behandlung wegen Suizidversuchs
in der psychi
a
trischen Klinik
E._
bedurft habe. Gegenwärtig weise die Beschwerdefüh
rerin eine schwere depressive Episode mit Auffälligkeiten im kognitiven, affek
tiven sowie emotionalen Bereich auf. Es bestehe kontinuierlich eine latente Suizidalität. Zudem hätten während der Behandlung gewisse psychotisch anmu
tende Merkmale (Vergiftungs- und religiöse Überzeugungen/Wahn) beobachtet werden können. Die derzeitige psychische Verfassung der Beschwerdeführerin wirke sich erschwerend auf die Schmerzverarbeitung aus.
Zur Arbeitsfähigkeit führten die Ärzte aus, dass die festgestellte psychische Störung aktuell eine mindestens
schwere arbeitsrelevante Leistungsminderung
be
gründe. Die rein somatische Beurteilung der Zumutbarkeit erfolge
aus
unfall
kausaler Sicht und gelte
vorbehaltlich der empfohlenen MRI-Un
tersuchung der rechten Schulter, so dass ihr d
ie Tätigkeit als Köchin und Kassiererin
sowie
jede andere Tätigkeit
ganztags zumutbar sei. Aufgrund der unfallfremden psychi
schen Problematik bestehe aber eine volle Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
7/73/6 f.).
3.9
Dr.
A._
notierte in seinem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Arzt
bericht vom
6.
Januar 2014 folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/73):
-
Schwere psychische Störung aus dem schizophrenen Formenkreis
-
Status nach Unfall am 2
4.
Juni 2013
-
Diffuse wechselnde Beschwerden seitens des Knochenapparates und ver
schiedener Organe inklusive Gehirn, vermutlich alles psychisch induziert im Rahmen ihrer Wahnvorstellungen
-
Panvertebrales Syndrom mässigen Grades
-
Diskushernie L4/L5
Durch die sich überlagernden Beschwerden sei eine Arbeit nicht möglich und sie sei
vorläufig bis zur definitiven Abklärung und Behandlung
vollumfänglich arbeitsunfähig sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit.
3.10
Die Beschwerdeführerin wurde vom 1
5.
Oktober bis zum
6.
November 2014 er
neut in der Rehaklinik
H._
stationär behandelt. Die Ärzte hielten in ihrem Austrittsbericht vom
7.
November 2014 folgende
(
gekürzt aufgeführten
)
Diag
no
sen fest (
Urk.
7/88):
-
Unfall vom 24.06.2013: Sturz aus dem Tram auf die rechte Körperseite
-
Kontusion Schädel
-
K
ontusion Thorax rechts
-
Kont
usion BWS
-
Kont
usion Schulter rechts mit SLAP-Läsion Grad III
-
Psychiatrische Diagnosen
-
Verdacht auf eine paranoide Schizophrenie mit Verfolgungs-, Vergif
tungs- und Beeinträchtigungsideen (ICD-
10
F20.0)
-
Rezidivierende depressive Störung, gege
nwärtig schwere Episode (ICD-10
F33.2)
-
Schwierige soziale Situ
ation durch Alleinleben (ICD-10
Z60.2)
-
Chronisches zerviko- und lumbospondylogenes Schmerzsyndrom, rechts
betont
-
Leichte Refluxösophagitis (Los Angeles B)
-
Arterielle Hypertonie
-
Kleines Angiomyolipom Niere rechts
-
Leberbefunde vereinbar mit Steatose
-
Neurotische Exkoriation
Die Beschwerdeführerin sei
ein Jahr und drei Monate nach oben genanntem Unfall bzw. knapp vier Monate nach Bizepstenotomie, subakromialer Bursekto
mie und Co-Planing des Akromions für eine erneute statio
näre arbeitsorientierte Rehabili
tation zugewiesen
worden
.
Sie beklage
in erster Linie Ruhe-
,
belas
tungs- und bewegungsverstärkte Schulterschmerzen re
chts. Klinisch zeig
e sich eine eingeschränkte Beweglichkeit für Abduktion und Flexion mit ausgeprägter Druckdolenz der Nacken- und Schultergürte
lmuskulatur. Des Weiteren klage sie über bel
astungsabhängige Schmerzen in der rechten Körperseite sowie Schmer
zen im Rücken und Magenschmerzen.
Bei ausreichender auswärtiger Diagnostik im prästationären Umfeld
hätten sie
auf die Durchführung weiterer diagnostisch-bildgebenden Massnahmen
ver
zichtet
. Klinisch be
stünden
aktuell keine verdichtenden Hinweise für ei
ne Cap
sulitis adhaesiva. Kernspi
ntomographisch
sei vier
Monate postoperativ ein
e
Capsulitis adhaesiva noch nicht darstellbar. Zusammengefasst l
asse
sich das Ausmass der demonstrierten physischen Einschränkungen mit den objektivier
baren pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung und bildgebenden Abklärung sowie den Diagnosen aus somatischer Sicht nur zum Teil erklären. Während der Rehabilitation
sei
eine psychosomat
ische Abklärung durch
J._
erfolgt: Die Beschwerdeführerin befinde
sich nach einem Jahr wieder in der Rehabilitation aufgrund einer Schulterproblematik (Sturz aus dem Tram 24.06.2013) und einer erneuten Operation (13.06.2014).
Sie habe
schwere Ver
luste in ihrem Leben
erlitten
, was sie wahrscheinlich durch die Leistung am
Ar
beitsplatz kompensiert
habe
, und
habe
ihre Familie finanziell unterstützen
müssen
, so dass sie mehr als
ein volles Pensum gearbeitet hab
e. Wahrscheinlich durch
den Stress bedingt habe die Beschwerdeführerin m
it der Zeit eine depres
sive sowie psychotische Symptomatik mit anschliessendem Suizidversuch
ent
wickelt. Danach sei
der oben genannte Unfall
erfolgt
, was wiederum d
iese
Symptomatik verschlechtert habe
. Aus psychiatrisch-psycholog
ischer Sicht zeige
sich aktuell kaum ein
e Veränderung. Weiterhin bestehe eine schwere de
pressi
ve
Symptomatik mit Interessenverlust, Insuff
i
zienzgefüh
l
en, Affektlabili
tät, An
triebs
m
inderung, Schlafstörungen, Suizi
dgedanken, pessimistischer Zu
kunfts
per
spektive. Dazu
käme
n
noch psychotische Überzeugungen (Vergif
tungs-, Verfol
gungs- und Beeinträchtigungsideen):
Die Beschwerdeführerin
fühle sich in der Klinik durch Kamer
a
s beobacht
et, was sie ihrer Zimmernach
bari
n mit
ge
teilt
habe
; sie habe das Gefühl, ihre Getränke und
ihr
Es
sen wü
rden verg
iftet (sie bemerke, dass das RK
-Personal
eine
separate Küche habe); sie habe Angst,
z
.B. in den Zügen, von jemandem verfolgt und umgebracht zu wer
den.
Sie habe zu Anfang des RK
-Aufenthal
tes
eine
psychopharmakologische Therapie aufgrund ihres Misstrauens sowie angeblicher Magenproblematik (Ver
giftungswahn?)
ver
weigert
, was die Ps
ychotherapie deutlich erschwert
bzw. eine Besserung der Symptome unmöglich
gemacht habe
. Inzwischen
habe
sie die Therapie mit Seroquel 25 mg zur Schlafverbesserung
begonnen (
Urk.
7/88/3 f.)
.
Durch die schwere depressive Symptomatik sowie psychotisch anmutende Über
zeugungen sei sie voll arbeitsunfähig. Aus somatischer, unfallkausaler Sicht sei die Tätigkeit als Köchin und Kassiererin aktuell nicht zumutbar, da die Anfor
derungen in der mittelschweren Arbeit zu hoch seien. Eine leichte Tätigkeit sei ihr ganztags zumutbar ohne Tätigkeiten rechts über Kopfhöhe und ohne Erstei
gen von Leitern (wegen möglicherweise eingeschränkter Haltefunktion mit dem rechten Arm).
3.11
Kreisarzt
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Chirurgie FMH, untersuchte die Beschwerdeführerin im Auftrag der zuständigen Unfallversicherung am
2.
Juni 2015 und hielt anlässlich dieser Untersuchung fest, dass sich die Befunde im Vergleich zum zweiten Rehabilitationsaufenthalt in der Rehaklinik
H._
be
züglich der Flexion
nicht verändert hätten.
D
ie
Abduktion betrage reduzierte 65
° und habe sich etwa um 30° verbessert. Vergleiche man die Funktionsaus
masse wie sie anlässlich des Eintritts beim ersten Reha-Aufenthalt hätten erho
ben werden können, so sei leider bezüglich der aktiven Flexion eine Ver
schlech
terung festzustellen. Somit habe der durchgeführte Eingriff nicht den erhofften Erfolg gebracht. Er werde ein Verlauf-Arthro-MRT der rechten Schulter veran
lassen und wäre
Dr.
A._
dankbar, wenn er über die übrigen betroffe
nen Körperregionen einen Zwischenbericht erstellen könnte (
Urk.
7/96/34).
3.12
Dr.
A._
hielt in seinem zuhanden des Kreisarztes erstellten Bericht vom 2
5.
Juni 2015
über die beiden
S
turzereignisse
vom
7.
und 3
1.
Mai 2015
fest, dass
es sich dabei
mehr oder weniger um Bagatellunfälle gehandelt habe und die Beschwer
den jetzt mässig ausgeprägt seien und ohne Folgen ausheilen würden. Ins Gewicht
fielen nach wie vor die Schulterbeschwerden. Wenn die Beschwerde
füh
rerin gelegentlich zu ihm komme alle 10 bis 14 Tage machten sie auch aus psy
chologischen Gründen Novodyn, sonst erfolge die Behandlung lokal mit Salben. Die beiden letzten
Unfälle fielen bezüglich Arbeitsfähigkeit nicht ins Gewicht (
Urk.
7/96/21 f.).
3.13
Im Nachtrag vom 2
8.
Juli 2015 führte
Dr.
K._
aus, dass
Dr.
A._
in seinem Bericht vom 2
5.
Juni
2015 über
die Unfälle vom
7.
und 3
1.
Mai
2015 ori
entiert
habe
. Gemäss seiner Meinung
seien die Beschwer
den dieser beiden Un
fälle m
ä
ssig ausgeprägt und würden ohne Folgen ausheilen.
Das Arthro-MRI
der rechten Schulter vom 1
2.
Juni 2015 dokumentiere
einen Zustand der
Teno
tomie der langen Bizepssehne mit anschliessender
Tenodese. Ein Knorpeldefekt
sei nicht abgrenzbar. Die Supraspinatussehne beschreibe der Operateur als durch
gängig intakt mit allenfalls oberflächlichen
Abrasionen. Ebenso beschrei
be
er Veränderungen an der Infraspinatussehne im Rahmen einer Tendinopathie. Im Vergleic
h zur Voruntersuchung vom 3
1.
Januar 2014 ergä
ben sich jedoch keine rich
tungsweisenden Befundänderungen.
Hinweise
für eine Kapsulitis adhäsiva lägen nicht vor.
Somit l
asse
sich die erhebliche Funktionseinschränkung am rechten Schultergelenk aufgrund der objektivierbaren Befunde in diesem Aus
mass nicht erklären. Med
izinisch-theoretisch müsste auf
g
rund s
einer Erfahrung mindestens die Horizontale (90°) bezügli
ch der Flexion und Abduktion er
reicht werden.
Aufgrund dieser medizi
nisch-the
oretischen Betrachtungsweise sei
min
destens eine leichte Tätig
keit den ganzen Tag
zumutbar
. Das Gewicht von zu hebenden Lasten
sei
b
is Taillenhöhe auf 10 kg, bis Bru
sthöhe auf 5 kg limitiert
.
Tätigkeiten über Kopf, die den Einsatz beider oberen Extremitäten erfordern,
seien
nicht mehr möglich. Tätigkeiten, welche mit Impulswirkung verbunden
seien
, wie Arbeiten mit stossenden oder vibrierenden Geräten
seien
ungeeig
net.
Somit
sei
die
Beschwerdeführerin
aufgrund der Beschreibung der individuellen Tätigkeit für die
zuletzt durchgeführte Tätig
keit voll arbeitsfähig. Die ca. eine halbe Stunde dauernden Überkopfarbeiten, welche im Sch
reiben der Compass
Group vom 1
1.
Mai
2015 erwähnt s
eien
,
seien nicht mehr möglich (
Urk.
7/96/15).
3.14
Dr.
Y._
notierte in seinem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Arzt
be
richt vom 1
8.
September 2015 folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/102):
-
Rezidivierende depressive Erkrankung, gegenwärtig mittelgradige Epi
so
de mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11)
-
Verdacht auf leicht wahnhafte Ängste und Überzeugungen
-
Schlafstörungen, Schmerzen
-
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hielt er folgende Diagnosen fest:
-
Psychotisch anmutende Überzeugungen im Sinne von Beeinflussbarkeit des Lebens durch Gebete und Glaube an Gott sowie Ängst
e in Bezug auf Medikamente und B
eobachtet-werden durch Kameras und Personen (Klinik, Nachbarn).
-
Die gegenwärtige Behandlung bestehe aus ca.
monatlicher
Ge
sprächstherapie
und Stabilisierung mit
tels
Pharmakotherapie. Die Beschwerdefüh
rerin sei vollum
fänglich arbeitsunfähig.
4.
Vorliegend ist aus somatischer Sicht aufgrund der Akten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführerin eine angepasste Tätig
keit grundsätzlich vollumfänglich zumutbar wäre
(vgl. E.
3.3,
E.
3.5, E.
3.8, E.
3.10, E.
3.13; vgl. auch
Urk.
7/73/4).
Allerdings kann g
estützt auf die i
m Recht liegenden Arztberichte
d
ie Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht
nicht rechtsgenüglich beurteilt werden:
4.1
Dr.
Y._
und dipl. psych.
Z._
berücksichtigten in ihren Berich
ten und der entsprechenden Arbeitsunfähigkeitseinschätzung jeweils auch wei
tere psychosoziale Faktoren. So führten sie in ihrem Bericht vom
7.
Oktober 2011 aus, dass
es
im Vorfeld des Zusammenbruchs
zur Trennung von ihrem Ehemann gekommen sei und sich eine zusätzliche Belastung durch die Kündi
gung ergebe (
Urk.
7/12/12). In den Berichten vom 1
2.
Mai und 1
8.
September 2015 notierte
Dr.
Y._
als Faktoren, die die Krankheit aufrechterhielten, dass die Beschwerdeführerin alleine lebe und keine Familienangehörigen in der Schweiz habe (
Urk.
7/93/2).
Da entsprechend die psychosozialen Faktoren mit in die Arbeitsfähigkeits
beur
tei
lung einflossen
und eine diesbezügliche Abgrenzung (vgl. E.
2.2.2) nicht erfolgte
, kann nicht auf ihre
Einschätzung
abgestellt wer
den. Hinzu kommt die
Erfahrungstatsache, dass behandelnde Arztpersonen
und Therapeuten
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc)
, womit ihre Einschätzungen
ohne
hin
nicht ohne weiteres übernommen werden können.
4.2
Dr.
D._
begutachtete die Beschwerdeführerin am
2.
April 2012
(E. 3.3)
, so dass sein Gutachten keine Aussagen über den aktuellen Gesundheitszustand m
ehr zulässt. Dies gilt umso mehr, als im Anschluss daran noch eine stationäre psy
chiatrische Therapie erfolgte
.
4.3
Die behandelnden Ärzte der
E._
nahmen ihrerseits keine Stellung zur Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin
nach Entlassung, sondern hielten lediglich fest, dass sie bei der Zuweisung als vollumfänglich arbeitsunfähig ein
gestuft worden sei (
Urk.
7/64/8; vgl. auch
Urk.
3/2
).
4.4
Die Beschwerdeführerin wurde während ihren stationären Aufenthalten in der Rehaklinik
H._
auch psychosomatisch abgeklärt. Im ersten psychosomati
schen Konsilium
vom 2
8.
November 2013 (und Folgeterminen)
hielten lic. phil.
J._
und
Dr.
med.
L._
, Psychiatrie und Psychotherapie, auch eine psychosoziale Belastungssituation (geschieden, allein lebend, arbeitslos)
als psychopathologische Diagnose
fest
. I
n Bezug auf die Auswirkungen auf die Arbei
tsfähigkeit konstatierten sie allerdings nur äusserst kurz, dass die festge
stellte psychische Störung aktuell eine schwere arbeitsrelevante Leistungs
min
derung begründe - womit unklar bleibt,
ob und allenfalls in welchem Umfang
die psy
chosozialen Faktoren einen Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit
zeitigen (
Urk.
7/96/200).
Im zweiten psychosomatischen Konsilium vom 1
7.
Oktober 2014
(und Folge
termine)
konstatierten sie, dass die festgestellte psychische Störung aktuell eine schwere arbeitsrelevante Leistungsminderung begründe und die Beschwerde
füh
rerin durch die depressive Symptomatik sowie psychotisch anmutenden Über
ze
ugungen voll arbeitsunfähig sei. Bei den Diagnosen notierten sie aller
dings wiederum eine schwierige soziale Situation durch das Alleinleben, womit auch in diesem Bericht unklar bleibt, in wie weit die psychosozialen Faktoren einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zeitigten (
Urk.
7/96/98 f.).
Zusammengefasst
kann nicht auf die psychosomatischen Konsilien abgestellt werden, da unklar bleibt,
ob und allenfalls in welchem Umfang
die attestierte Arbeitsunfähigkeit
jeweils
auf die psychischen Störungen von Krankheitswert
oder
auf die psychosozialen Faktoren zurückzuführen ist (vgl. E. 2.2.2).
Vollständigkeitshalber ist festzuhalten, dass die Rehaklinik
H._
von der zuständigen Unfallversicherung beauftragt wurde und - da die psychischen Beschwerden als nicht unfallkausal qualifiziert wurden (vgl. Verfügung vom 2
8.
August 2015,
Urk.
7/100) -
eine genauere Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit
aus psychiatrischer Sicht
durch den Unfallversicherer nicht angezeigt war.
4.5
Soweit die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung davon aus
geht, dass insbesondere aus psychiatrischer Sicht kein invalidenversicherungs
rechtlich relevanter Gesundheitsschaden besteht, ist dies nicht nachvollziehbar:
D
ipl. med.
M._
,
Facharzt für
Neurologie und Psychiatrie und Psy
chotherapie,
vom
RAD hielt in seiner Stellungnahme vom 1
4.
August 2015
fest, dass die Be
schwerdeführerin rückblickend seit Juli 2011 aus psychiatrischer Sicht in jeder Tätigkeit
vollum
fänglich arbeitsunfähig sei
(
Urk.
7/107/6
)
.
Die Beschwerde
gegnerin prüfte in der Folge die Ressourcen der Beschwerdeführerin
und hielt fest, dass die psychiatrischen Diagnosen psychosozial ausgelöst worden
seien und ausreichend Ressourcen bestünden, eine Arbeitstätigkeit aufzu
neh
men (
Urk.
7/107/9). Dem ist entgegenzuhalten, dass von den psychiatrischen Be
handlern zwar jeweils auch psychosoziale Faktoren aufgelistet worden sind, diese allerdings nicht ausschliessen, dass eine
fachärztlich festgestellte psychi
sche Störung von Krankheitswert vorhanden
ist (vgl. E. 2.2.2) - worauf in casu auch zahlreiche Hinweise bestehen
(vgl. E. 3).
Auch die Feststellung, dass in der Gesamtschau ausreichend Ressourcen bestünden, um eine Arbeitstätigkeit auf
zunehmen, ist - ohne weitere Darlegung der entsprechenden Ressourcen (
Urk.
2; vgl.
Urk.
7/107/8 f.) - nicht nachvollziehbar.
4.6
Zusammenfassend erweist sich die medizinische Aktenlage
insbesondere in Bezug auf den psychischen Gesundheitszustand
für eine abschliessende Beur
teilung des Leistungsanspruchs als unzulänglich. Die Sache ist daher an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie den
psychischen
Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit
- auch im zeitlichen Verlauf
–
durch ein Gutachten
ab
klärt und anschliessend über den Leistungsanspruch neu verfügt. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheis
sen.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.