Decision ID: 51925f61-b450-41ac-a11f-d22921392452
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1969, arbeitete seit dem 26. Februar 2007 als
Team
leader
Customer Care bei der
Y._
und war bei der
Mutuel
As
surances
SA
(nachfolgend:
Mutuel
) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtbe
rufsunfällen versichert, als er am 26. März 2017 einen Fahrradunfall erlitt (Urk. 8/1).
Die medizinische Erstversorgung
fand bei «
Z._
» statt;
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeinmedizin und Innere Medizin,
diagnostizierte eine Schulterprellung rechts (Urk. 8/2). Am 14. Juni 2017 wurde der Versicherte von
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Radiologie, radiologisch untersucht (
Arthro
-MRI der rechten Schulter; Urk. 8/3). Am 9. November 2017 reichte
Dr.
A._
einen Bericht zu den Akten (Urk. 8/5).
1.2
Mit Verfügung vom 10. April 2018 (Urk. 8/6) stellte die
Mutuel
die Versiche
rungsleistungen per 30. September 2017 ein mit der Begründung, dass
ihr
(na
mentlich
nicht
genannter) beratender Arzt zum Schluss gekommen sei, dass der Versicherte bereits vor dem Unfall vom 26. März 2017 an einem Vorzustand ge
litten und dass der Unfall den unfallfremden Vorzustand lediglich vorübergehend verschlimmert habe. Seit dem 30. September 2017 bestehe zwischen den Be
schwerden und dem Unfallereignis kein Kausalzusammenhang mehr.
Die dagegen erhobene Einsprache des Versicherten (Urk. 8/7 und Urk. 8/10) wies die
Mutuel
, nachdem sie am 7. Mai 2018 einen Kurzbericht
und am
5.
Januar 2019 eine medizinische Beurteilung
bei ihrem beratenden Arzt
Dr.
med.
C._
veranlasst hatte (vgl. Urk. 8/8
und
Urk.
8/12
)
,
mit Entscheid vom 5. Februar 2018 (richtig wohl: 2019 [Urk. 2 = Urk. 8/13]) ab.
2.
Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 7. März 2019 (Urk. 1) Beschwerde erheben mit folgenden Anträgen:
In Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids
sei die Be
schwerdegegnerin zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen aus dem Unfall vom 26. März 2017 über den 30. September 2017 hinaus zu er
bringen,
unter Entschädigungsfolgen (zzgl.
MWSt
) zu Lasten der Beschwerde
gegnerin.
Die
Mutuel
schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 18. April 2019 (Urk. 7) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Versicherten mit Verfügung vom 23. April 2019 (Urk. 9) zur Kenntnis gebracht wurde.
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforder
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Un
fall
folgen. Den gesetzlich umschriebenen Anspruch auf Heilbehandlung hat die ver
sicherte Person so lange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) noch nicht abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1 UVG e
contrario
).
Ist sie infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalls zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erleidet sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemes
sene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des na
türlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der
versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm ob
liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Mög
lichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsan
spruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vor
zustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
). Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchs
aufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76). Diese Beweisgrund
sätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E. 2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der Status quo sine
vel
ante noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in
aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kos
tenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete die Einstellung der Versicherungsleistungen per 30. September 2017 im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 5. Februar 2019
(Urk. 2) im Wesentlichen damit, dass sich ihr beratender Arzt,
Dr.
C._
, intensiv mit den Akten befasst habe. Er habe sich insbesondere auch
mit den Eingaben des Beschwerdeführers auseinandergesetzt. In der Folge habe
Dr.
C._
schlüssige Stellungnahmen verfasst. In seiner ergänzenden medizinischen Beur
teilung vom 5. Januar 2019, die anlässlich der Einsprache eingeholt worden sei, halte
Dr.
C._
fest, dass gemäss MRI-Befund vom 14. Juni 2017 eine leichte Signalirregularität der
Supraspinatussehne
mit Verdacht nach Kontusion oder eine leichte Tendinitis mit leichter AC-Gelenksarthrose vorliege. Der Beschwer
deführer habe an einer leichten AC-Gelenksarthrose gelitten, welche zwar vor dem Ereignis stumm gewesen sein könne
, jedoch nunmehr im Vordergrund stehe. Der Unfall stelle sinngemäss keine Ursache für die AC-Arthrose dar; diese sei durch den Unfall lediglich aktiviert und vorübergehend verschlimmert worden. Dementsprechend könne weder eine organische noch eine strukturelle Schädi
gung, welche durch den Unfall gesetzt worden wäre, nachgewiesen werden. Der Status quo sine gelte demnach nach vier bis sechs Monaten als eingetreten
(B. 7
)
.
Im Rahmen des vorliegenden Prozesses hielt die Beschwerdegegnerin an dieser Auffassung fest (Urk. 7). Sie bekräftigte, dass
laut
Dr.
C._
der erlittene Unfall keine richtunggebende Verschlimmerung verursacht habe. Es habe sich um eine vorübergehende Schädigung gehandelt; der Status quo sei nach vier bis sechs Monaten erreicht worden
(D. 8-9)
.
Die Rüge des Beschwerdeführers, wonach
Dr.
C._
seine Einschätzung, dass unfallbedingte Schulterbeschwerden ohne unfallbedingte organische oder strukturelle Schädigungen nach vier bis sechs Monaten abheilten, weder auf die medizinische Lehre gestützt noch begründet habe, werde zurückgewiesen.
Dr.
C._
habe dies «in seiner Stellungnahme vom 28. März 2019 (Beleg Nr. 14, Punkt 4) eindeutig» belegt.
Dr.
C._
habe auch im weiteren Verlauf des Verfahrens daran festgehalten
(D. 18-20)
.
2.2
Demgegenüber
liess der Beschwerdeführer im Wesentlichen vortragen (Urk. 1), es sei unbestritten, dass die
behandlungsbedürftigen
Beschwerden an der rechten Schulter durch den Unfall vom 26. März 2017 verursacht worden seien
(S. 4)
. Die Beschwerdegegnerin habe - entgegen ihren Behauptungen - den Nachweis für das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen nicht erbracht. Die Arztberichte des beratenden Arztes
Dr.
C._
seien dafür nicht aus
reichend.
Dr.
C._
stütze sich bloss auf Vermutungen; er nehme an, dass die fortbestehenden,
behandlungsbedürftigen
Schulterbeschwerden wahrscheinlich durch eine vor dem Unfall stumme und somit aktivierte AC-Gelenksarthrose ver
ursacht würden. Auch seine These, dass keine organische oder strukturelle Schä
digung vorliege, sei durch nichts belegt. Im Gegenteil übersehe er, dass die
Arthro
-MRI-Untersuchung vom 16. Juni 2017 auch eine Signalirregularität der
Supraspinatussehne
ergeben habe. Bezeichnenderweise könne sich der Versiche
rungsarzt
Dr.
C._
für die These, wonach unfallbedingte Schulterbeschwerden ohne unfallbedingte organische oder strukturelle Schädigung nach vier bis sechs Monaten restlos abheilten, weder auf eine herrschende medizinische Lehre stüt
zen, noch könne er seine Behauptung begründen oder belegen. Er stelle bloss eine These auf. Im Gegensatz zu
Dr.
C._
habe der behandelnde Arzt,
Dr.
A._
, das Erreichen des Status quo sine per 30. September 2017 nicht bestätigen kön
nen. Er
habe
am 7. Juni 2018 genau das Gegenteil
bescheinigte
,
nämlich
dass die weiterhin bestehenden Schulterbeschwerden unfallbedingt seien.
Es erweise sich somit, dass die Leistungseinstellung per 30. September 2017 willkürlich erfolgt sei, weil der Nachweis für das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfall
bedingten Ursachen - schon gar nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit - klarerweise nicht erbracht worden sei
(S. 5 f.)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist,
ob die Beschwerdegegnerin die Versicherungsleistun
gen zu Recht per 30. September 201
7 eingestellt hat, weil zwischen den danach noch geklagten Gesundheitsbeeinträchtigungen und dem Unfallereignis vom 26. März 2017 kein Kausalzusammenhang (mehr) besteht.
3.
3.1
Die
Arthro
-MRI-Untersuchung der rechten Schulter vom 14. Juni 2017 (Urk. 8/3) veranlasste
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Radiologie, zur Abgabe folgender Beurteilung: «Leichte Signalirregularitäten der
Supraspinatussehne
, DD nach Kontusion oder leichte Tendinitis. Kein Nachweis allfälliger Rupturen der
Rota
torenmanschette
. Leichte AC-Gelenksarthrose. Ansonsten normales MRI der rech
ten
Schulter.»
3.2
Dr.
A._
diagnostizierte am 20. Juni 2017 eine Schulterprellung rechts. Dafür sei der Unfall vom 26. März 2017 ursächlich. Die von der Beschwerdegegnerin gestellte Frage, welches die Gründe für eine frühere Arbeitsunfähigkeit gewesen seien (vom 9. Juni 2017 bis 16. Juni 2017), beantwortete
Dr.
A._
dahinge
hend, dass es sich um eine Erkältung gehandelt habe (Urk. 8/2
; vgl. auch Urk. 8/5
)
.
3.3
Nach Erlass der Verfügung vom 10. April 2018 und erfolgter Einsprache
des Be
schwerdeführers fügte der beratende Arzt der Beschwerdegegnerin,
Dr.
C._
, seinen ersten Bericht am 7. Mai 2018 (Urk.
8
/8) zu den Akten: Die Kausalität zwischen dem Unfall des 26. März 2017 und den
post-traumatischen
Beschwer
den an der linken (r
ichtig
wohl eher: an der rechten) Schulter könne nach drei bis vier Monaten als möglich bezeichnet werden.
3.4
Dr.
A._
diagnostizierte in seinem Bericht vom 7. Juni 2018 (Urk. 8/10/4) eine Schulterprellung rechts. Er bestätigte, dass im Unfallzeitpunkt kein krank
hafter Vorzustand an der Schulter bestanden habe. Er
bejahte die Kausalität zwi
schen dem Unfallereignis und der Schulterprellung. Die Unfallkausalität der Schulterbeschwerden sei auch noch nach sechs Monaten «sicher» gegeben. Ein Status quo könne nicht bestimmt werden; es bedürfe dazu einer weiteren Unter
suchung.
3.5
Dr.
C._
führte in seinem Bericht vom 5. Januar 2019 (Urk. 8/12) aus, dass ge
mäss MRI-Untersuchung keine organische oder strukturelle Schädigung vorliege und in dieser Situation der Status quo sine nach vier bis sechs Mon
a
ten erreicht werde.
Die festgestellten Befunde seien möglicherweise auf den Unfall des 26. März 2017 zurückzuführen. Der Beschwerdeführer habe eine leichte AC-Gelenksarthrose, die möglicherweise vor dem Unfall stumm gewesen sei, aber die wahrscheinlich jetzt im Vordergrund der Symptome stehe. Der Unfall habe eine vorübergehende Verschlimmerung verursacht.
3.6
Im Rahmen des vorliegenden Prozesses reichte die Beschwerdegegnerin eine wei
tere Beurteilung ihres beratenden Arztes
Dr.
C._
nach, datierend vom 28. März 2019 (Urk. 8/14):
Dr.
C._
berichtet
e
darin, dass der Beschwerdeführer Be
schwerden an der linken Schulter gemeldet habe
. Die AC-Gelenksarthrose könne als altersentsprechend bewertet werden. Die nach radiologischer Untersuchung gestellte Diagnose einer Tendinitis
mit der Differentialdiagnose «
post-traumatisch
oder nicht» deute eher auf eine Abnützung hin: Eine Tendinitis sei mehrheitlich nicht traumatisch und entwickle sich wegen einer normalen Abnutzung. Sie sei oft beschwerdefrei. Um die andauernden Beschwerden zu erklären, hätte sich der Aufprall direkt auf die Schulter auswirken sollen, was eine Ruptur der Sehne oder ein «
bone
bruise
» des
Humeruskopfes
hätte bewirken sollen. In der Folge handle es sich um eine leichte bis moderate Kontusion, die nach vier bis sechs Monaten abgeklungen sein sollte. Wäre der Begriff des Unfalls nicht akzeptiert, so würde diese Diagnose nicht auf der Liste 6.2 des UVG liegen. Der Unfall des 14. Juni 2017 (richtig: des 26. März 2017) habe keine richtunggebende Verschlimmerung verursacht, sondern lediglich eine vorübergehende Schädigung. Der Beschwerde
führer leide unter einer Entzündung («Tendinitis heisst Entzündung»). Eine Zer
rung hätte man in der
Arthro
-MRI-Untersuchung sehen können. Für eine vo
rübergehende, in diesem Fall leichte Schädigung werde allgemein angenommen, dass ein Status quo nach vier bis sechs Monaten bestimmt werden könne. Laut der ärztlichen Literatur dauere die Behandlung einer Sehnenentzündung der Schulter zwischen einigen Wochen und einigen Monaten. Es sei eindeutig anzu
nehmen, dass die andauernden Beschwerden mehr im kausalen Verhältnis mit der AC-Gelenksarthrose und mit der Verschmälerung des
Subakromialraumes
stün
den als mit den Folgen
d
es Aufpralls vom 14. Juni 2017 (richtig: vom 26. März 2017).
4.
4.1
Die streitentscheidende Frage lautet - wie
bereits
ausgeführt -, ob die Beschwer
degegnerin die Versicherungsleistungen zu Recht per 30. September 2017 einge
stellt hat, weil zwischen den danach noch geklagten Gesundheitsbeeinträchtigun
gen und dem Unfallereignis vom 26. März 2017 kein Kausalzusammenhang (mehr) besteht. Bei der Frage nach dem Bestehen oder nach dem Fortfall der na
türlichen Kausalität handelt es sich um eine genuin medizinische Frage. Ein Blick in die oben wiedergegebenen medizinischen Akten genügt, um zu sehen, dass die Aktenlage im vorliegenden Fall nicht
ausreicht
, um einen materiellen Entscheid zu fällen.
In E. 1.4 wurden die massgeblichen Anforderungen an Arztberichte, welche die höchstrichterliche Praxis formuliert hat, wiedergegeben. Ein Bericht mit Beweis
wert muss
für die
streitigen Belange umfassend sein
, auf allseitigen
Untersuchun
gen beruhen
, auch die gekl
agten Beschwerden berücksichtigen,
in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden sein
, in der Darlegung der medizini
schen Zusammenhänge und in der Beurteilung der med
izinischen Situation ein
leuchtend sein. Die
Schlussfolgerungen in der Expertise
müssen
begründet
sein.
Die Berichte von
Dr.
C._
erfüllen diese Anforderungen nicht.
Dr.
C._
hat den Beschwerdeführer nie untersucht. Aus seinen Berichten geht nicht einmal hervor, ob er tatsächlich mit Sicherheit weiss, welche Schulter verletzt wurde (die rechte oder die linke). Klinische Befunde hat
Dr.
C._
nicht erhoben. Die ersten Berichte von
Dr.
C._
sind eigentliche Kurzberichte (vgl. E. 3.3 und 3.5); Be
gründungen für seine Folgerung, dass nach drei bis vier oder sechs Monaten der Kausalzusammenhang weggefallen sei, lassen sich diesen Kurzberichten nicht entnehmen.
Dr.
C._
stellt vielmehr apodiktisch fest
, dass das erfahrungsgemäss so sei
. Das genügt den Anforderungen der Gerichtspraxis nicht. Aber auch sein Bericht vom 28. März 2019 (Urk. 8/14; vgl. E. 3.6) vermag nicht zu überzeugen.
Soweit sich
Dr.
C._
auf die «ärztliche Literatur» beruft, bleibt er jede Q
uellen
angabe schuldig, was
allgemeinen wissenschaftlichen Massstäben nicht
gerecht wird
.
Dr.
C._
kommt zum Schluss, dass die andauernden Beschwerden «mehr im kausalen Verhältnis» mit der AC-Gelenksarthrose und mit der Verschmälerung des
Subakromialraumes
stehen würden als mit dem erlittenen Unfall.
Nicht ein
mal
Dr.
C._
schliesst a
lso eine Unfallkausalität
aus, sondern hält vielmehr eine unfallfremde Genese lediglich für wahrscheinlicher.
Solche Wahrscheinlichkeitsbeurteilungen sind im Bereich der Unfallversicherung
nicht zu vermeiden, sondern oftmals notwendig und demzufolge grundsätzlich auch zulässig. Allerdings müssen derartige Einschätzungen am Ende eines medi
zinischen Abklärungsprozesses stehen. Vorliegend sind aber von der Beschwer
degegnerin fast gar keine medizinischen Abklärungen veranlasst worden.
Es ist jedoch
nicht der Sinn von Wahrscheinlichkeitsbeurteilungen
,
medizinische
Ab
klärungen
zu ersetzen
. Hinzu kommt, dass vorliegend die medizinische Situation nicht so eindeutig ist, wie es
Dr.
C._
darzustellen versucht; immerhin ist der behandelnde Arzt
Dr.
A._
anderer Ansicht (vgl. E. 3.4). Be
i aller praxisge
mäss gebotenen
Zurückhaltung gegenüber Beurteilungen von behandelnden Ärz
ten sind deren Berichte de
nnoch nicht gänzlich irrelevant, wenn auch die vorlie
genden – wenig
ausführlichen
– Berichte von
A._
für sich genommen eben
falls keine genügende Grundlage für die Beurteilung der vorliegend strittigen Frage des natürlichen Kausalzusammenhangs bilden.
Im Übrigen kann ausdrücklich offenbleiben, ob
Dr.
C._
stets mit der notwen
digen Objektivität und Neutralität gehandelt hat. In seinem Mail vom 5. April 2019 (
Urk.
8/15) an die Beschwerdegegnerin spricht er immerhin davon, dass man «das Problem in einer anderen Weise» angehen sollte und dass «man keine Lite
ratur finden» werde. Trotzdem berief er sich - wie ausgeführt - auf die «ärztliche Literatur». Das bedarf keiner weiteren Erörterungen; es spricht für sich.
Im Übri
gen ist
Dr.
C._
durchaus
zuzustimmen, wenn er in seinem Mail vom 5. April 2019 (Urk. 8/15) sinngemäss ausführt, dass jeder Einzelfall konkret beurteilt wer
den müsste (
auch bei
«8 Milliarden Individuen»). Daraus ist allerdings zu folgern, dass auch im Falle des Beschwerdeführers eine korrekte medizinische Abklärung durchzuführen ist.
4.2
Aus dem Gesagten folgt, dass der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 5. Feb
ruar 2018 (richtig: 5. Februar 2019) aufzuheben und die Sache an die Beschwer
degegnerin zurückzuweisen ist,
damit diese (weitere) medizinische Abklärungen vornehme und hernach neu über ihre Leistungspflicht ab 1. Oktober 2017 ver
füge. A
ngesichts der Umstände erscheint
es
dringend angezeigt,
mit der Begut
achtung versicherungsunabh
ängige Personen zu betrauen
.
5.
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Ab
klärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädi
gung hat.
Unter Berücksichtigung dieser Kriterien erscheint eine Prozessentschä
digung in der Höhe von Fr.
1'400.
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen. Somit ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwer
deführer eine Prozessentschädigung im genannten Betrag zu bezahlen.