Decision ID: b8094319-3052-47e9-8761-1cb302109078
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 8. Juni 2022 in der Schweiz um Asyl nach-
suchte,
dass ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruckdatenbank «Euro-
dac» ergab, dass der Beschwerdeführer am 19. Mai 2022 in Italien dakty-
loskopisch erfasst wurde,
dass die Vorinstanz die italienischen Behörden am 13. Juni 2022 um Über-
nahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 13 Abs. 1 der Verordnung
(EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatangehöri-
gen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) ersuchte,
dass der Beschwerdeführer am 28. Juni 2022 im Rahmen des persönlichen
Gesprächs gemäss Art. 5 Dublin-III-VO – in Begleitung seiner zugewiese-
nen Rechtsvertretung – im Wesentlichen ausführte, er habe in Italien kein
Asylgesuch gestellt,
dass er ferner erklärte, er wolle bei seinem (...) in der Schweiz leben und
nicht nach Italien zurückkehren,
dass er in Bezug auf seine Gesundheit geltend machte, er habe keine psy-
chischen Beschwerden, würde aufgrund seiner Erlebnisse jedoch trotzdem
gerne eine Psychotherapie besuchen,
dass er ferner angab, an (...) sowie einem (...) zu leiden,
dass die Vorinstanz am 16. August 2022 gegenüber den italienischen Be-
hörden erklärte, diese hätten nicht in der zu beachtenden Frist auf das
Rückübernahmegesuch geantwortet, weshalb sie Italien als für die Prüfung
des Asylgesuches des Beschwerdeführers zuständig erachte,
dass die Vorinstanz mit Verfügung vom 16. August 2022 auf das Asylge-
such des Beschwerdeführers nicht eintrat, die Wegweisung aus der
Schweiz in den für ihn zuständigen Dublin-Staat (Italien) anordnete, den
Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ab-
lauf der Beschwerdefrist zu verlassen und den zuständigen Kanton mit
dem Vollzug der Wegweisung beauftragte,
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dass sie gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den
Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu und dem Beschwerde-
führer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte,
dass die dem Beschwerdeführer zugewiesene Rechtsvertretung ihr Man-
dat am 17. August 2022 niederlegte,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 23. August 2022 gegen die
vorinstanzliche Verfügung Beschwerde erhob und (sinngemäss) beantragt,
die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben und es sei sein Asylgesuch
in der Schweiz zu prüfen,
dass er ferner die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie die
Anordnung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde beantragt,

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m.
Art. 31‒33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass sich die Beschwerde – wie aus dem Folgenden ersichtlich sein wird
– als offensichtlich unbegründet erweist, weshalb sie im Verfahren einzel-
richterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin bezie-
hungsweise eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch-
führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung zu
behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG),
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
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unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die
Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-
prüfen (Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), die Beurteilungskompetenz des Gerichts
grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf
das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4
E. 2.2, je m.w.H.),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl-
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung
des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art.
31a Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass diesbezüglich die Dublin-III-VO zur Anwendung kommt (vgl. Art. 1
Dublin-III-VO),
dass wenn ein Antragsteller, aus einem Drittstaat kommend, die Land-,
See- oder Luftgrenze eines Mitgliedstaates illegal überschritten hat, dieser
Mitgliedstaat gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO für die Prüfung des An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist, wobei es letztlich unerheb-
lich ist, ob der Beschwerdeführer freiwillig oder nicht freiwillig seine Finger-
abdrücke abgegeben hat,
dass die italienischen Behörden das auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO ge-
stützte Übernahmeersuchen der Vorinstanz vom 13. Juni 2022 innert der
in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet liessen,
womit die italienischen Behörden ihre Zuständigkeit implizit anerkannt ha-
ben (Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO),
dass Italien somit grundsätzlich für die Durchführung des Asylgesuches
zuständig ist,
dass das Bundesverwaltungsgericht in ständiger Rechtsprechung – trotz
punktueller Schwachstellen – nicht von systemischen Schwachstellen im
italienischen Asylsystem im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ausgeht
(vgl. statt vieler die Referenzurteile des BVGer D-4235/2021 vom 19. April
2022 E. 10, F-6330/2020 vom 18. Oktober 2021 E. 9 und E-962/2019 vom
17. Dezember 2019 E. 6.3),
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dass die Vorinstanz in ihren Erwägungen bereits zutreffend festhielt, dass
Italien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30)
sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301)
ist und seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen grundsätzlich nachkommt,
dass dies ebenfalls für die von der Vorinstanz zitierten unionsrechtlichen
Verpflichtungen Italiens gilt,
dass in der angefochtenen Verfügung zutreffend ausgeführt wurde, die gel-
tend gemachten familiären Verbindungen des Beschwerdeführers in der
Schweiz vermöchten vorliegend keine auf die Dublin-III-VO gestützte Zu-
ständigkeit zu begründen,
dass die Vorinstanz ferner – unter anderem unter Verweis auf die medizi-
nische Infrastruktur in Italien sowie auf die einschlägigen unionsrechtlichen
Rechtsgrundlagen – eingehend und zutreffend darlegte, dass die vom Be-
schwerdeführer geltend gemachten gesundheitlichen Leiden einer Über-
stellung nach Italien nicht entgegenstehen würden,
dass die Rechtsmitteleingabe in Bezug auf diese Punkte keine neuen und
substantiierten Einwände enthält,
dass die erst auf Beschwerdeebene sowie pauschal geltend gemachten
Vorbringen, der Beschwerdeführer sei von den italienischen Behörden
nicht gerecht behandelt worden und er habe wegen kriminellen Gruppen
und Angriffen um sein Leben gefürchtet, nicht geeignet sind, die Recht-
mässigkeit der Überstellung in Frage zu stellen, zumal es sich bei Italien
um einen funktionierenden Rechtsstaat handelt und es dem Beschwerde-
führer frei steht, sich bei allfälligen Problemen an die dortigen Justizbehör-
den zu wenden,
dass bei dieser Ausgangslage auch kein Grund für einen Selbsteintritt im
Sinne von Art. 17 Dublin-III-VO i.V.m. Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1
vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) durch die Schweizer Behör-
den besteht,
dass die Vorinstanz demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1
Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten
ist und – weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufent-
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halts- oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44
AsylG die Überstellung nach Italien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),
dass die Beschwerde abzuweisen ist,
dass das Begehren um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege –
aufgrund der sich aus dem Vorstehenden ergebenden Aussichtslosigkeit –
abzuweisen ist (vgl. Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie Art. 102m Abs. 1 Bst. a
AsylG) und das Begehren um aufschiebende Wirkung der Beschwerde mit
Erlass des vorliegenden Urteils gegenstandslos geworden ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1‒
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
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