Decision ID: 9efc74bb-1624-5b2d-b7e9-3377e2a143fb
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer – iranischer Staatsangehöriger – seinen
Heimatstaat eigenen Angaben gemäss am 20. Juli 2009 verliess und über
die Türkei und Deutschland am 4. August 2009 in die Schweiz einreiste,
wo er am 6. August 2009 um Asyl nachsuchte,
dass er am 21. August 2009 im Empfangszentrum Altstätten summarisch
und am 4. September 2009 einlässlich vom BFM zu seinen Asylgründen
angehört wurde, wobei er – unter Einreichung verschiedener Beweismittel
– im Wesentlichen geltend machte, er habe vor seiner Ausreise in leiten-
der Position im Ministerium für (...Bereich) gearbeitet und nach den Prä-
sidentschaftswahlen im Juni 2009 an regimekritischen Demonstrationen
teilgenommen, anlässlich welcher er eine führende Rolle inne gehabt ha-
be,
dass er trotz getroffener Vorsichtsmassnahmen Anfang Juli 2009 von den
Behörden als Demonstrant identifiziert worden sei, weshalb er sich aus
Furcht vor Folter und lebenslanger Haft zur sofortigen Ausreise aus dem
Heimatstaat entschlossen und am 20. Juli 2009 den Iran verlassen habe,
dass der Beschwerdeführer am (...Datum) 2010 im Rahmen einer stell-
vertretend für ihn in Teheran geschlossenen Ehe, die irakische Staatsan-
gehörige B._ heiratete, mit welcher er nach eigenen Aussagen vor
seiner Ausreise bereits verlobt war,
dass B._ am 16. November 2012 in die Schweiz einreiste und am
19. November 2012 ebenfalls um Asyl nachsuchte,
dass sie am 21. November 2012 vom BFM summarisch zu ihrer Person,
dem Reiseweg und ihren Asylgründen befragt wurde und im Wesentli-
chen eigene Fluchtgründe geltend machte, welche Ereignisse im Heimat-
staat im Oktober 2012 betreffen,
dass das BFM mit Verfügung vom 26. November 2012 feststellte, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, sein Asylgesuch
ablehnte und seine Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der
Wegweisung anordnete,
dass es zur Begründung im Wesentlichen ausführte, der Beschwerdefüh-
rer habe seine Fluchtgründe nicht glaubhaft gemacht, da die Vorbringen
in wesentlichen Punkten der allgemeinen Erfahrung widersprechen wür-
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den, die Zweifel an der Glaubhaftigkeit überdies durch die oberflächlichen
Aussagen des Beschwerdeführers in Bezug auf seine Rolle anlässlich der
Demonstrationen erhärtet würden und die Aussagen schliesslich auch der
Logik des Handelns widersprechen würden,
dass sich der Vollzug der in Folge Abweisung des Asylgesuches anzu-
ordnenden Wegweisung auch als zulässig, zumutbar und möglich erwei-
se,
dass der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung mit Eingabe vom
20. Dezember 2012 – handelnd durch seine Rechtsvertreterin – beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob,
dass er die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Feststellung
der Flüchtlingseigenschaft sowie die Gewährung von Asyl beantragte und
eventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des
Vollzugs der Wegweisungen und entsprechende Anordnung der vorläufi-
gen Aufnahme,
dass er in formeller Hinsicht um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)
sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchte,
dass das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde mit
Verfügung vom 21. Dezember 2012 bestätigte,

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig
über Beschwerden gegen Verfügungen des BFM entscheidet, ausser bei
Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] i.V.m. Art. 31 – 33 des Verwal-
tungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG,
SR 173.110]), was vorliegend nicht der Fall ist,
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
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rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerden legitimiert ist
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und
Art. 52 VwVG),
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die
Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters respektive einer
zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Be-
schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass der Beschwerdeführer gemäss eingereichtem Eheschein (Nr. ...) am
(...Datum) mit B._ (mittels Stellvertretung in Teheran) die Ehe ge-
schlossen hat,
dass an dieser Stelle jedoch offen bleiben kann, ob die in Stellvertretung
geschlossene Ehe als solche anzuerkennen ist, da vorliegend ohnehin
auch von einem stabilen, langjährigen Konkubinat auszugehen ist (vgl.
act. A1, S. 2),
dass B._ am 16. November 2012 in die Schweiz einreiste und am
19. November 2012 ebenfalls ein Asylgesuch stellte (act. B1),
dass im Falle asylsuchender Ehegatten oder Konkubinatspartner, die in
der Schweiz unabhängig voneinander ein Asylgesuch eingereicht haben,
die Frage der Flüchtlingseigenschaft des einen Partners nicht losgelöst
von derjenigen des anderen beurteilt werden kann (vgl. für die diesbezüg-
lich weiterhin Geltung beanspruchende Praxis der Schweizerischen Asyl-
rekurskommission: Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri-
schen Asylrekurskommission [EMARK] 1999 Nr. 1 E. 2a-d),
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dass nämlich gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG Ehegatten oder Konkubinats-
partner von in der Schweiz anerkannten Flüchtlingen ebenfalls als Flücht-
linge anerkannt werden und Asyl erhalten, wenn keine besonderen Um-
stände dagegen sprechen (sog. abgeleitete bzw. derivative Flüchtlingsei-
genschaft),
dass ein Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft des Ehepartners nach
Art. 51 Abs. 1 AsylG gemäss Art. 37 Asylverordnung 1 über Verfahrens-
fragen vom 11. August 1999 (AsylV1, SR 142.311) jedoch erst dann er-
folgt, wenn in Anwendung von Art. 5 AsylG festgestellt wurde, dass die
einzubeziehende Person die Flüchtlingseigenschaft nicht selbständig er-
füllt (sog. originäre Flüchtlingseigenschaft),
dass es für den Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft im Übrigen keine
Rolle spielt, zu welchem Zeitpunkt das Familienmitglied in die Schweiz
eingereist ist, es daher z.B. nicht erforderlich ist, dass Ehepartner das
Asylgesuch gleichzeitig stellen und auch der Zeitpunkt der Eheschlies-
sung nicht massgeblich ist (EMARK 2000 Nr. 11, EMARK 1995 Nr. 15),
dass die Möglichkeit, als Ehepartner die Flüchtlingseigenschaft abgeleitet
zu erwerben, mithin unweigerlich Auswirkungen auf das hängige Asyl-
und Wegweisungsverfahren des jeweils anderen Partners hat,
dass sich entsprechende Auswirkungen auch in Bezug auf das Wegwei-
sungsverfahren ergeben,
dass nämlich gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG im Falle der Wegweisung auch
der Grundsatz der Einheit der Familie zu beachten ist, was – unter Vor-
behalt der Anwendung von Art. 83 Abs. 7 AuG – eine nicht gleichzeitige
Wegweisung von Ehepartnern verbietet und die koordinierte Prüfung der
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges gebietet (EMARK 1999 Nr. 1
E. 4),
dass die Partnerin des Beschwerdeführers im Rahmen ihres eigenen
Asylverfahrens bisher lediglich summarisch im Sinne von Art. 26 Abs. 2
AsylG zu ihrer Person und ihren Asylgründen befragt wurde (act. B6),
wobei diese Befragung noch vor Erlass der nunmehr angefochtenen Ver-
fügung erfolgte,
dass der Sachverhalt daher noch nicht abschliessend erstellt ist, es na-
mentlich an der einlässlichen Anhörung zu den Asylgründen im Sinne von
Art. 29 AsylG fehlt,
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dass das Bundesverwaltungsgericht mithin im vorliegenden Beschwerde-
verfahren weder abschliessend über die Frage der Flüchtlingseigenschaft
und des Asyls noch diejenige der Wegweisung und des Wegweisungs-
vollzugs befinden kann und sich vielmehr die koordinierte Behandlung der
Asylverfahren des Beschwerdeführers und seiner Partnerin vor dem BFM
aufdrängt,
dass die Beschwerde daher gutzuheissen, die vorinstanzliche Verfügung
vom 26. November 2012 aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz
zur koordinierten Behandlung mit dem erstinstanzlich hängigen Verfahren
der Partnerin B._ sowie zur Vornahme weiterer Abklärungen im
Sinne der Erwägungen zurückzuweisen ist,
dass es sich damit erübrigt, auf die weiteren Beschwerdevorbringen nä-
her einzugehen,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten zu er-
heben sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG), womit das Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG gegenstandslos wird,
dass dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer in Anwendung von
Art. 64 Abs. 1 VwVG eine Parteientschädigung für die ihm im Beschwer-
deverfahren erwachsenen Vertretungskosten zuzusprechen ist (Art. 7 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]),
dass die Rechtsvertreterin keine Kostennote eingereicht hat, weshalb der
notwendige Vertretungsaufwand gestützt auf die Akten zu schätzen und
unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (Art. 8 ff.
VGKE) auf insgesamt Fr. 600.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer)
festzusetzen ist.
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