Decision ID: 970e0d59-62d2-5ce2-859a-9e8f28e4299a
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführenden, iranische Staatsangehörige mit letztem
Aufenthalt in F._, verliessen ihr Heimatland eigenen Angaben ge-
mäss am 7. oder 8. Februar 2016 und gelangten am 19. März 2016 in die
Schweiz, wo sie am 21. März 2016 um Asyl nachsuchten.
A.b Am 29. März 2016 führte das SEM mit den Beschwerdeführenden die
Befragung zur Person (BzP) durch.
Der Beschwerdeführer erklärte unter anderem, er sei vor etwa drei Mona-
ten zum Christentum konvertiert. Zuvor habe er drei- oder viermal an reli-
giösen Lektionen teilgenommen. Er habe ein Gebet vorgelesen und man
habe ihm gesagt, er sei jetzt Christ. Geflohen sei er, weil er von den Be-
hörden entdeckt worden sei. Er habe am 3. Februar 2016 einen Anruf er-
halten, bei dem ihm gesagt worden sei, dass die Leute, die mit ihm an den
Lektionen teilgenommen hätten, verhaftet worden seien. Er solle sein Te-
lefon ausschalten und sein Leben retten.
Die Beschwerdeführerin gab an, sie habe nicht gewusst, weshalb sie den
Iran hätten verlassen müssen. Als sie in G._ gewesen seien, habe
ihr Ehemann gesagt, sein Leben sei im Iran in Gefahr gewesen. Auf ihr
Drängen hin habe er schliesslich gesagt, er habe an religiösen Sitzungen
teilgenommen. Ein Kollege habe ihm gesagt, dass er sich retten müsse,
weil man herausgefunden habe, wo die Sitzungen durchgeführt worden
seien. Sie persönlich habe in der Heimat keine Probleme gehabt.
A.c Am 1. Juni 2016 übermittelten die Beschwerdeführenden dem SEM
Kopien ihrer Identitätskarten, eines Diploms des Beschwerdeführers und
des Ehescheins. Mit Schreiben vom 7. Juli 2016 reichten sie die Originale
der Identitätskarten nach.
A.d Die Beschwerdeführerin brachte am (...) ihre Tochter D._ zur
Welt.
A.e Das Strassenverkehrsamt des Kantons H._ stellte dem SEM
am 25. Oktober 2017 den iranischen Führerausweis des Beschwerdefüh-
rers zu.
A.f Am 10. Januar 2018 setzte der vormalige Rechtsvertreter der Be-
schwerdeführenden das SEM von seiner Mandatsübernahme in Kenntnis,
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Er teilte mit, dass Herr I._ als Interessenvertreter der Beschwerde-
führenden an der Anhörung zu den Asylgründen teilnehmen werde.
A.g Das SEM hörte den Beschwerdeführer am 16. Januar 2018 zu seinen
Asylgründen an. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er könne zahl-
reiche Dokumente über seine Aktivitäten in der Schweiz einreichen. Teil-
weise werde er namentlich und mit Bild erwähnt. Er sei als Verantwortlicher
für Tonaufnahmen ernannt worden und habe Vorträge gehalten. Auf den
Belegen habe es Links zum Internet, wo man seine Vorträge hören könne.
Er habe als Vertreter (...) an Aktionen teilgenommen und sei für ein Weblog
verantwortlich. Er sei in Facebook aktiv und betreibe einen Telegram-Kanal
über das Christentum. Auf Youtube gebe es einen Film über seine Taufe.
Er habe in verschiedenen Zeitschriften Artikel veröffentlicht, in denen er
namentlich und mit Bild erwähnt worden sei.
Nachdem er in die Schweiz gekommen sei, habe er sich eine SIM-Karte
gekauft. Sein Bruder habe ihm gesagt, dass einige Male Leute vor ihr Haus
gekommen seien. Sein Onkel habe sich nach ihm erkundigt; er habe ge-
sagt, mehrere seiner Freunde seien verhaftet worden. Einige hätten fliehen
können und nach ihm (dem Beschwerdeführer) werde gesucht. Von seinen
Nachbarn habe er auch erfahren, dass nach ihm gesucht werde. Ein Nach-
bar habe ihm gesagt, es seien einige Minuten nach ihrer Flucht Leute in ihr
Haus eingetreten, die kurz darauf wieder gegangen seien; sie hätten sei-
nen Computer und andere Sachen dabeigehabt. Die Leute seien auch zu
seiner Schwägerin gegangen und hätten nach ihm gefragt. Da die Leute in
Zivil gewesen seien, wisse er nicht, von welcher Behörde sie seien. Einige
seiner Geschwister und sein Vater hätten den Kontakt zu ihm abgebro-
chen, da er konvertiert sei. Einem Nachbarn habe er gesagt, sie müssten
nach J._ gehen, da sein Schwager einen Unfall gehabt habe. Sie
seien mit einem Taxi jedoch zu einem (...) Freund gefahren, bei dem sie
ein paar Tage geblieben seien. Dieser habe Kontakt mit einem Schlepper
aufgenommen, der sie fortgebracht habe. Er denke, er habe dreimal an
den religiösen Sitzungen teilgenommen und als er zur vierten habe gehen
wollen, sei er gewarnt worden. Die Sitzungen hätten in der Wohnung sei-
nes «alten» Freundes stattgefunden und er habe dabei sechs bis acht Per-
sonen gesehen. Er habe sich schon früher Gedanken über den Islam und
über die Lehre gemacht und sich dazu Fragen gestellt. Sein Freund sei
früher ein gläubiger Muslim gewesen. Nachdem er wieder einige Monate
mit ihm verkehrt habe, habe er festgestellt, dass sich sein Freund verändert
habe. Mit der Zeit habe er bemerkt, dass er zum Christentum konvertiert
sei. Sein Freund habe ihn mit anderen Personen bekannt gemacht, die sich
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so wie er verhalten hätten. Als er festgestellt habe, dass diese auch Chris-
ten geworden seien, habe er nicht gewusst, wie er sich verhalten solle. Da
er etliche Fragen gehabt habe, habe er seinen Freund gefragt, weshalb er
konvertiert sei. Sein Freund habe ihm von einem Gott der Liebe und ande-
ren interessanten Dingen berichtet. Bei weiteren Begegnungen habe er
von seinem Freund mehr über das Christentum erfahren.
Durch seinen Freund habe er eine Gruppe kennengelernt, die Kurse für die
Verbreitung des Christentums und gegen den Islam organisiert hätten. Er
habe an solchen Kursen teilgenommen und mehr über das Christentum
erfahren. Gegen Ende der dritten Sitzung habe er gesehen, dass jemand
seinem Freund einen Karton mit CDs und Blättern gegeben habe. Er habe
angeboten, dass er die CDs auf eigene Kosten vervielfältigen werde. Ei-
nige der CDs, die er noch nicht fertig gebrannt habe, seien bei ihm zu
Hause geblieben. Als er eines Tages zur Vorbereitung des vierten Kurses
habe gehen wollen, habe er einen Anruf erhalten. Es sei ihm gesagt wor-
den, dass einige Kursteilnehmer verhaftet worden seien. Er solle sein Le-
ben retten und sein Telefon ausschalten. Er habe versucht, auf die Nummer
zurückzurufen, das Telefon sei aber ausgeschaltet gewesen. Er sei schnell
nach Hause gegangen und habe seiner Ehefrau gesagt, sie solle alle wert-
vollen Gegenstände zusammentragen, da sein Leben in Gefahr sei. Er
habe ihr gesagt, sie müssten an einen sicheren Ort gehen und fliehen. In
der Schweiz nehme er an den Gottesdiensten seiner Gemeinde teil. Er
habe sich hier frei über seinen Glauben informieren und den gewählten
Weg weitergehen können. Er sei in der Schweiz als Vertreter der (...) aktiv
und sei für die Tonaufnahmen des (...) verantwortlich. Die Nachrichten, die
er von der (...) erhalte, veröffentliche er im Weblog derselben. Man könne
seinen Namen im Internet finden. Seine eigenen Schriften veröffentliche er
in der Monatszeitschrift der (...). Er berichte über Menschenrechtsverlet-
zungen, über die Verletzung der Rechte religiöser Minderheiten und über
die Probleme der Christen im Iran. Zudem schreibe er über die Probleme
afghanischer Flüchtlinge und die Probleme der Lehrer im Iran. Vorträge
von ihm seien im Internet abrufbar. Die (...) sei eine wichtige Organisation;
ihre Mitglieder würden gemäss dem Urteil eines deutschen Gerichts im Iran
verfolgt.
Der Beschwerdeführer gab zur Stützung seiner Ausführungen mehrere Do-
kumente ab (Briefe seiner «Gemeinde» und einer Krankenschwester, eine
Fotografie und Belege über seine Aktivitäten für (...) in der Schweiz [abge-
legt in einem «schwarzen Ordner»]).
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A.h Die Beschwerdeführerin wurde vom SEM am 26. März 2018 zu ihren
Asylgründen angehört. Sie sagte im Wesentlichen aus, sie hätten den Iran
wegen den Schwierigkeiten ihres Ehemannes verlassen müssen. Sie sei
darüber nicht informiert gewesen, als sie noch in der Heimat gewesen
seien. Ihr Mann habe sich bereits im Heimatland verändert, sei ruhiger ge-
worden und habe nicht mehr so oft geschworen wie zuvor. Ihr Mann habe
eines Tages das Haus verlassen, sei umgehend zurückgekehrt, sei sehr
nervös gewesen und habe gezittert. Er habe gesagt, sie müssten das Haus
verlassen. Sie solle alle Dokumente und Geld mitnehmen. Sie hätten alles
zusammengetragen, das ihnen in den Sinn gekommen sei, und hätten das
Haus verlassen. Ihr Mann habe einer Nachbarin gesagt, sie müssten nach
J._ gehen, da sein Schwager einen Unfall gehabt habe. Sie hätten
ein Taxi genommen und seien zu einem Freund ihres Mannes gefahren.
Dort seien sie einige Tage geblieben, bis sie von einem «Schmuggler» ab-
geholt worden seien. Beim dritten Versuch sei es ihnen gelungen, den Iran
zu verlassen. Sie habe in der Schweiz zum christlichen Glauben gewech-
selt und sei getauft worden. Ihre Brüder hätten deshalb den Kontakt zu ihr
abgebrochen. Im Falle einer Rückkehr in den Iran drohten ihnen die Todes-
strafe oder eine lebenslängliche Inhaftierung.
A.i Mit Eingabe vom 25. Mai 2018 stellte der Beschwerdeführer dem SEM
drei Ausgaben der Zeitschrift «(...)» (Nrn. [...]) zu, aus denen sich ergebe,
dass er nach seiner Einreise in die Schweiz in herausgehobener Art und
Weise exilpolitisch aktiv sei. Er sei Mitglied einer im Iran verbotenen Verei-
nigung und Vorstandsmitglied eines zur Vereinigung gehörenden Komi-
tees. Er organisiere Veranstaltungen, Aktionen und Demonstrationen. Es
sei davon auszugehen, dass er in den Augen der iranischen Behörden als
überzeugter und ernstzunehmender Regimegegner eingestuft und bei ei-
ner Rückkehr mit asylrelevanten Massnahmen zur Rechenschaft gezogen
werde.
A.j Am 29. August 2018 liess der Beschwerdeführer dem SEM eine Mit-
gliedsbescheinigung der (...) und vier weitere Ausgaben der Zeitschrift
«(...)» (Nrn. [...]) zukommen. Es sei offensichtlich, dass er aufgrund seines
Profils und seiner exilpolitischen Aktivitäten als Menschenrechtsaktivist im
Visier der iranischen Behörden sei.
A.k Mit einem Schreiben vom 4. September 2018 reichte der Beschwerde-
führer einen Mailverkehr von Dr. med. K._mit einer vertrauenswür-
digen Informationsquelle über die Gefährdungslage von Konvertiten im
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Iran ein. Gemäss der Quelle drohe ihm im Falle einer Rückkehr ernsthafter
und irreversibler Schaden.
A.l Am 19. November 2018 liess der Beschwerdeführer dem SEM die Aus-
gabe Nr. (...) der Zeitschrift «(...)» und diverse Auszüge aus dem Internet
über seine politischen Aktivitäten einreichen. Aus den Unterlagen werde
ersichtlich, dass er regelmässig in herausgehobener Position politisch aktiv
sei. Verschiedene Anhaltspunkte liessen folgern, dass er im Falle einer
Rückkehr in den Iran mit grosser Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3
EMRK oder Art. 1 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt würde.
A.m Das SEM wies den Beschwerdeführer am 16. Januar 2018 darauf hin,
dass die als Beweismittel eingereichten Schriftstücke nicht in einer der drei
Amtssprachen abgefasst worden seien. Der Beschwerdeführer werde er-
sucht, sämtliche von ihm verfassten Texte, die im Rahmen des Verfahrens
zu berücksichtigen seien, in eine der drei Amtssprachen übersetzen zu las-
sen.
A.n Die Beschwerdeführenden übermittelten dem SEM am 5. Februar
2019 eine übersetzte Zusammenfassung der eingereichten Beweismittel.
A.o Mit Schreiben vom 9. April 2019 liessen die Beschwerdeführenden
dem SEM Berichte der Reden der «(...)«vom (...), (...) und (...) zukommen.
A.p Am 5. Juni 2019 stellten die Beschwerdeführenden dem SEM zwölf
Dokumente mit Texten zu, in denen der Beschwerdeführer erwähnt werde.
Es werde ersichtlich, dass er bei politischen Aktionen aktiv beteiligt sei. Er
sei zweifellos exilpolitisch aktiv. Am 21. Juni 2019 reichten sie drei Zeit-
schriften vom (...) 2019 ein (Nrn. [...]). In Beweismittel (...) sei ein Bericht
enthalten, in dem sich der Beschwerdeführer über L._ und
M._ äussere. Derselbe Bericht sei in drei Sprachen auf der Home-
page (...) veröffentlicht worden.
A.q Das Strassenverkehrsamt des Kantons H._ stellte dem SEM
am 2. September 2019 den sichergestellten iranischen Führerausweis der
Beschwerdeführerin zu.
A.r Das SEM ersuchte den Beschwerdeführer am 1. Januar 2019, sämtli-
che von ihm verfassten Texte, die neu eingereicht worden und im Rahmen
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des Verfahrens zu berücksichtigen seien, in eine der drei Amtssprachen
übersetzen zu lassen.
A.s Die Beschwerdeführerin brachte am (...) ihren Sohn E._ zur
Welt.
A.t Mit Eingabe vom 21. November 2019 liessen die Beschwerdeführen-
den sechs Auszüge aus der Homepage (...) einreichen, aus denen die po-
litischen Aktivitäten des Beschwerdeführers ersichtlich seien. Des Weite-
ren legten sie Auflistungen und Zusammenfassungen der Aktivitäten des
Beschwerdeführers von Januar bis November 2019, eine Geburtsbestäti-
gung ihres Sohnes E._, eine Bestätigung von (...) über die Mitglied-
schaft des Beschwerdeführers und seines Sohnes C._ sowie einen
Auszug aus der Homepage (...), mit der die Funktion des Beschwerdefüh-
rers nachgewiesen werden könne, bei. Sie erläuterten, dass der Beschwer-
deführer sich seit 2019 exilpolitisch gegen das iranische Regime enga-
giere. Seit Anfang 2017 habe er seine Aktivitäten intensiviert. Er habe meh-
rere politische Demonstrationen und Kundgebungen gegen Menschen-
rechtsverletzungen im Iran organisiert. Er engagiere sich in herausgeho-
bener Funktion gegen das iranische Regime. Es sei bekannt, dass die ira-
nischen Sicherheitsbehörden auch im Ausland Publiziertes auswerteten,
weshalb davon auszugehen sei, dass ihnen seine Aktivitäten nicht verbor-
gen geblieben seien. Zudem sei er seit zirka drei Jahren für den Blog (...)
zuständig. Aufgrund der ihm bekannten Daten der Mitglieder könne ange-
nommen werden, dass er im Visier der iranischen Behörden stehe. Bei ei-
ner Rückkehr in den Iran werde er mit hoher Wahrscheinlichkeit verfolgt
werden. Er habe in mehreren Sitzungen und Veranstaltungen das islami-
sche Regime und die Revolutionsgarde scharf kritisiert. Die von ihm publi-
zierten Beiträge seien bedeutend und er spiele in den «Social Media» eine
wichtige Rolle. Höchstwahrscheinlich sei er bereits in den Fokus der irani-
schen Behörden geraten. Er werde einerseits wegen seiner Konversion,
anderseits wegen seines Engagements als Regimekritiker und Menschen-
rechtsaktivist verfolgt werden.
B.
Mit Verfügung vom 4. Dezember 2019 – eröffnet am 6. Dezember 2019 –
stellte das SEM fest, die Beschwerdeführenden würden die Flüchtlingsei-
genschaft nicht erfüllen, und lehnte ihre Asylgesuche ab. Zugleich verfügte
es ihre Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Weg-
weisung an.
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C.
C.a Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 6. Januar 2020 liessen die Be-
schwerdeführenden gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerde erheben. Darin wurde beantragt, es sei Einsicht in sämt-
liche Akten zu gewähren, in welche noch keine Einsicht gewährt worden
sei, insbesondere in sämtliche Beweismittelumschläge und in sämtliche
eingereichten Beweismittel sowie in die Akten A6/9, A15/1, A16/1, A17/2,
A20/1, A25/1, A28, A33/4, A34/6, A35/7, A36/22, A37/3, A38/10, A39/7,
A40/13, A41/4, A42/8 und A44/372 (recte A44/37) sowie in die Notiz der
Hilfswerksvertretung gemäss Akte A29 [1]. Eventualiter sei ihnen das recht-
liche Gehör zu sämtlichen Akten zu gewähren, in welche noch keine Ein-
sicht gewährt worden sei, insbesondere zu sämtlichen Beweismittelum-
schlägen und zu sämtlichen eingereichten Beweismitteln sowie in die Ak-
ten A6/9, A15/1, A16/1, A17/2, A20/1, A25/1, A28, A33/4, A34/6, A35/7,
A36/22, A37/3, A38/10, A39/7, A40/13, A41/4, A42/8 und A44/372 (recte
A44/37) sowie in die Notiz der Hilfswerksvertretung gemäss Akte A29 [2].
Nach Gewährung der Akteneinsicht beziehungsweise nach der Gewäh-
rung des rechtlichen Gehörs sei ihnen eine angemessene Frist zur Einrei-
chung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen [3]. Die angefochtene Ver-
fügung sei aufzuheben und die Sache dem SEM zur vollständigen und rich-
tigen Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und
zur Neubeurteilung zurückzuweisen [4]. Eventualiter sei die Verfügung auf-
zuheben und es sei die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden
festzustellen und es sei ihnen Asyl zu gewähren [5]. Eventualiter sei die
Verfügung aufzuheben und sie seien als Flüchtlinge anzuerkennen und
deshalb vorläufig aufzunehmen [6]. Eventualiter sei die Verfügung aufzu-
heben und die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und
sie seien deshalb vorläufig aufzunehmen [7]. Eventualiter sei die Verfü-
gung aufzuheben und die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs fest-
zustellen und sie seien deshalb vorläufig aufzunehmen [8]. Auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten [9]. Die Beschwerdefüh-
renden seien von der Bezahlung der Verfahrenskosten zu befreien [10].
Der Eingabe lagen zahlreiche Beweismittel bei (vgl. die Aufzählung in der
Beschwerdeschrift). Neben einer umfangreichen Dokumentation der Akti-
vitäten des Beschwerdeführers (u.a. in den sozialen Medien) wurden (Mit-
glieds)Bescheinigungen der (...) vom 5. Mai 2017, 27. Juli 2018 und
14. August 2018, Berichte über die Internetsperre im Iran, Schreiben der
Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) N._ vom 2. Januar 2019
mit Fotografien und vom 18. Dezember 2019, Kopien von Ausgaben des
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(...) (Oktober – Dezember 2016, Oktober – Dezember 2017) und eine Be-
scheinigung über den Bezug der wirtschaftlichen Sozialhilfe der Beschwer-
deführenden vom 10. Dezember 2019 eingereicht.
C.b Am 8. Januar 2020 wandten sich die Beschwerdeführenden mit ergän-
zenden Ausführungen an das Bundesverwaltungsgericht. Der Eingabe la-
gen zwei Beweismittel bei (Kopien eines Brief- bzw. Beweismittelum-
schlags).
C.c Mit Schreiben vom 21. Januar 2020, dem drei Beweismittel beigelegt
wurden (Ausdruck der Webseite (...) mit Übersetzung, Ausdruck des Blogs
des Beschwerdeführers [(...)] mit Übersetzung und Ausdrucke aus seinem
Facebook-Profil), übermittelten die Beschwerdeführenden weitere Unterla-
gen und Informationen.
D.
Die Instruktionsrichterin hiess das Akteneinsichtsgesuch mit Instruktions-
verfügung vom 29. Januar 2020 teilweise gut. Sie wies das SEM an, den
Beschwerdeführenden im Sinne der Erwägungen Einsicht in die Akten A6/9
und A42/8 zu gewähren. Des Weiteren wies sie das SEM an, dem Rechts-
vertreter (in seinen Räumlichkeiten in Bern-Wabern) Einsicht in diejenigen,
von den Beschwerdeführenden eingereichten Beweismitteln zu geben, in
die bisher keine Einsicht gewährt worden sei. Zudem hielt sie fest, dass
über die weiteren Anträge zu einem späteren Zeitpunkt befunden werde.
E.
Mit Schreiben vom 31. Januar 2020 und 4. Februar 2020 stellten die Be-
schwerdeführenden dem Gericht an das SEM gerichtete Schreiben von
diesen Tagen zu.
F.
Am 28. Februar 2020 liessen die Beschwerdeführenden dem Gericht eine
ergänzende Stellungnahme zukommen, der mehrere Beweismittel beila-
gen (Ausdrucke des Facebook-Profils des Beschwerdeführers, Ausdruck
seines Blogs mit teilweiser Übersetzung, Ausdruck betreffend einen
Youtube-Film über eine Demonstration, Zeitschriften der (...) Nrn. (...) mit
Markierungen des Beschwerdeführers und Screenshots von seinem Insta-
gram-Profil).
G.
Die Instruktionsrichterin hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung unter Vorbehalt der Veränderung der finanziellen
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Lage der Beschwerdeführenden mit Instruktionsverfügung vom 6. März
2020 gut. Sie verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Die
Akten überwies sie zur Vernehmlassung an das SEM.
H.
Mit Schreiben vom 6. April 2020 liessen die Beschwerdeführenden dem
Gericht weitere Beweismittel zukommen (aktuelle Screenshots betreffend
das Instagram-Profil des Beschwerdeführers und aktueller Ausdruck sei-
nes Facebook-Profils).
I.
In seiner Vernehmlassung vom 6. April 2020 hielt das SEM an seinem
Standpunkt fest.
J.
Die Beschwerdeführenden stellten dem Gericht mit mehreren Eingaben
weitere Beweismittel zu: am 20. April 2020 ([...] [April – Juni 2020] mit ei-
nem Portrait der Beschwerdeführenden, Ausdrucke der Webseite (...) mit
einem Bericht über das (...) vom (...) 2020 mit Fotografie, mit Erwähnung
des Beschwerdeführers als Sprecher zum Thema «(...)», und Einladung
zur Sitzung der (...) in der Schweiz vom (...) 2020, Ausdruck des persönli-
chen Blogs des Beschwerdeführers mit Übersetzungen, aktuelle Ausdru-
cke seines Instagram- und seines Facebook-Profils), am 25. Mai 2020
(Einladungen zur Sitzung der (...) vom (...) 2020, Screenshot des Insta-
gram-Profils des Beschwerdeführers, Ausdrucke seines persönlichen
Blogs und seines Facebook-Profils, Kopie Arbeitsvertrag), am 29. Juni
2020 (Kopie Stellenantrittsverfügung, Ausdruck der Webseite (...) mit Ein-
ladung zur Sitzung vom (...) 2020 und namentlicher Erwähnung des Be-
schwerdeführers, Magazine der (...) mit Artikeln des Beschwerdeführers
inkl. Bericht über die Sitzung vom November 2019 mit Fotografie des Be-
schwerdeführers, Screenshot seines Instagram-Profils, Ausdrucke seines
Facebook-Profils und seines persönlichen Blogs), am 21. Juli 2020 (Link
betreffend eine Sitzung der (...) vom (...) 2020 mit Audioberichten, die von
jedermann angehört werden könnten, Screenshot dieser Sitzung, aktuelle
Ausdrucke des Facebook-Profils und des persönlichen Blogs des Be-
schwerdeführers sowie aktuelle Screenshots seines Instagram-Profils), am
2. September 2020 (Ausdruck der Webseite (...) betreffend das Treffen der
(...) vom (...) 2020 der (...) , Link betreffend den Audiobericht des Be-
schwerdeführers auf (...), Ausdruck des Facebook-Profils, Screenshots
des Instagram-Profils und Ausdruck des persönlichen Blogs des Be-
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schwerdeführers mit Übersetzung) und am 10. November 2020 (Zeitschrif-
ten der (...) mit Erwähnung des Beschwerdeführers und entsprechenden
Berichten mit Übersetzungen, Screenshots seines Instagram-Profils und
Ausdruck seines persönlichen Blogs).
K.
Das Bundesverwaltungsgericht setzte die Beschwerdeführenden am
30. November 2020 davon in Kenntnis, dass das vorliegende Beschwer-
deverfahren im Rahmen einer internen Umverteilung auf Richter Walter
Lang (Instruktion und Vorsitz) übertragen und Gerichtsschreiber Christoph
Basler mit der Urteilsredaktion betraut worden sei. Die Akten wurden zu
einer zweiten Vernehmlassung an das SEM übermittelt.
L.
Mit Eingabe vom 1. Dezember 2020 wandten sich die Beschwerdeführen-
den mit weiteren Information und Unterlagen an das Gericht (Ausdruck aus
(...) betreffend die Vereinssitzung vom (...) 2020 mit Erwähnung des Be-
schwerdeführers und Screenshots seines Facebook-Profils). Die Be-
schwerdeführenden wiesen darauf hin, dass dem auf der Beilage erwähn-
ten O._ – einem Mitglied der (...) – in der Schweiz Asyl gewährt
worden sei. Auch daraus ergebe sich, dass dem Beschwerdeführer im Iran
Verfolgung drohe. Das Bundesverwaltungsgericht übermittelte diese Ein-
gabe zur allfälligen Berücksichtigung bei der Vernehmlassung am 2. De-
zember 2020 an das SEM.
M.
Das SEM hielt auch in seiner zweiten Vernehmlassung vom 14. Dezember
2020 an seinem Standpunkt fest.
N.
Am 16. Dezember 2020 sandten die Beschwerdeführenden weitere Unter-
lagen an das Bundesverwaltungsgericht (Ausdruck betreffend den vom Be-
schwerdeführer administrierten Telegram-Kanal). Sie wiesen darauf hin,
dass dem Beschwerdeführer ein Freund (P._) bei der Administra-
tion des Telegram-Kanals helfe. Dieser habe vor einem Jahr einen positi-
ven Asylentscheid erhalten.
O.
Der Instruktionsrichter liess den Beschwerdeführenden am 17. Dezember
2020 die Doppel der Vernehmlassungen des SEM vom 6. April 2020 und
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14. Dezember 2020 zukommen. Er setzte ihnen Frist zur Einreichung einer
Replik.
P.
In ihrer Replik vom 4. Januar 2021, der weitere Beweismittel beilagen (vgl.
die Aufzählung auf S. 6 f.), hielten die Beschwerdeführenden an ihren An-
trägen fest.
Q.
Am 1. Februar 2021 stellten die Beschwerdeführenden dem Bundesver-
waltungsgericht weitere Unterlagen zu (Screenshot und Ausdruck betref-
fend einen Bericht zur Situation christlicher Konvertiten im Iran auf Radio
(...) mit persönlichem Bericht des Beschwerdeführers zu seiner Situation
und Ausdrucke seines Facebook-Profils sowie Screenshots seines Insta-
gram-Profils). Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass der Beschwer-
deführer auf dem (...) iranischen Radiosender berichtet habe und nament-
lich erwähnt worden sei. Betreffend die Gefährdung von Konvertiten im Iran
sei auf den Fall N (...) zu verweisen, in dem die schweizerische Botschaft
im Iran bestätigt habe, dass im Fall einer Rückkehr von Konvertiten in den
Iran mit Problemen zu rechnen sei, falls ihre Taufe bekannt geworden sei
oder sie von Spitzeln des Regimes beim Besuch von Kirchen erkannt wor-
den seien.
R.
Mit Eingabe vom 22. März 2021 teilten die Beschwerdeführenden mit, sie
hätten vom Bruder des Beschwerdeführers erfahren, dass mehrmals Per-
sonen der iranischen Revolutionsgarde erschienen seien und den Vater
des Beschwerdeführers zweimal mitgenommen hätten. Sie hätten dem Va-
ter gesagt, er solle dem Beschwerdeführer mitteilen, er solle seine politi-
schen Aktivitäten einstellen. Ein Onkel des Beschwerdeführers sei zuge-
gen gewesen, als die Revolutionsgarde erschienen sei. Dieser sei ein ent-
schiedener Gegner seiner Aktivitäten. Dem Vater sei Ärger angedroht wor-
den, falls er (der Beschwerdeführer) diese Aktivitäten nicht einstelle. Der
Eingabe lagen Ausdrucke des Instagram-Profils, des persönlichen Blogs
und des Facebook-Profils des Beschwerdeführers bei.
S.
Am 20. Mai 2021 übermittelten die Beschwerdeführenden dem Gericht
weitere Unterlagen (aktuelles Ausdrucke des Facebook-Profils, des per-
sönlichen Blogs und des Instagram-Profils des Beschwerdeführers). Sie
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wiesen darauf hin, dass sie sich seit über fünf Jahren in der Schweiz auf-
hielten und hervorragend integriert seien. Demnach sei zwingend das Vor-
liegen eines Härtefalls zu prüfen.
T.
Mit Eingabe vom 3. Juni 2021 liessen die Beschwerdeführenden dem Ge-
richt zwei Referenzschreiben vom 23. Mai und 1. Juni 2021 und eine
Schulbestätigung vom 25. Mai 2021 zukommen. Aus den Beweismitteln
gehe hervor, dass sie in der Schweiz integriert seien und ihren Glauben
aktiv ausübten. Die Härtefallkriterien seien zu prüfen und zu würdigen. Eine
Ausschaffung würde insbesondere für C._ eine grosse Härte be-
deuten.
U.
In der Eingabe vom 21. Juni 2021 wird ausgeführt, der Beschwerdeführer
habe in einer Fernsehsendung des Senders (...) während zirka 20 Sekun-
den vehement gegen das iranische Regime, Khamenei und die Wahlen im
Iran gesprochen (beigelegt wurden ein Screenshot der Sendung auf
Youtube mit Frontaufnahme des Beschwerdeführers und ein Ausdruck be-
treffend (...) auf Wikipedia, Ausdrucke des persönlichen Blogs und des In-
stagram-Profils des Beschwerdeführers). Es sei offensichtlich, dass er sich
dadurch weiterhin exponiert habe. Allein die Youtube-Version der Sendung
sei bisher über 47 000 Mal aufgerufen und unzählige Male kommentiert
worden.
V.
Am 1. Juli 2021 informierten die Beschwerdeführenden darüber, dass der
Beschwerdeführer auf (...) erneut während 20 Sekunden zugeschaltet wor-
den sei. Es sei um das Thema Covid-19-Impfungen gegangen und er habe
insbesondere den Iran kritisiert. Von Freunden habe er erfahren, dass der
Bericht im Iran verbreitet worden sei. Diese hätten ihm geraten, in Zukunft
davon abzusehen, da seine Familie Probleme erhalten könnte (als Beweis
wurden ein Screenshot und der Ausdruck eines Links zum entsprechende
Bericht beigelegt).
W.
Die Beschwerdeführenden liessen dem Bundesverwaltungsgericht mit Ein-
gabe vom 6. August 2021 weitere Unterlagen zukommen. Sie legten einen
Screenshot und Ausdruck eines Youtube-Films betreffend die politische Ak-
tivistin und Menschenrechtsaktivistin Q._ bei, deren Vater vom ira-
nischen Geheimdienst vorgeladen und aufgefordert worden sei, seiner
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Tochter zu sagen, sie solle aufhören, gegen die Regierung zu arbeiten.
Dasselbe sei der Familie des Beschwerdeführers widerfahren, der grosse
Angst um sie habe. Des Weiteren wiesen sie auf zwei Internetartikel hin,
denen zu entnehmen sei, dass Agenten des iranischen Geheimdienstes
versuchten, die iranisch-amerikanische Oppositionelle R._ in den
Iran zu entführen. Auch deshalb sei davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer identifiziert worden sei und im Fall der Rückkehr in den
Iran verhaftet werde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde
ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
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Seite 15
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die we-
gen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Aus-
druck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat be-
stehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des
Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG).
3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Das SEM begründet seine Verfügung damit, aus aussagepsychologi-
scher Sicht sei festzuhalten, dass neuartige, folgenreiche und emotional
bedeutsame Erfahrungen langfristig gut im Gedächtnis blieben. Es sei da-
von auszugehen, dass der Beschwerdeführer sehr ausführlich über die Be-
gegnungen mit seinem alten Freund und über die Sitzungen, an denen er
teilgenommen habe, hätte berichten können. Da die Vorfälle prägend ge-
wesen sein müssten, ändere der Umstand, dass bis zur Anhörung zwei
Jahre vergangen seien, nichts daran. Hinsichtlich des Kerngeschehens sei
davon auszugehen, dass dazu ausführliche, detaillierte und individuelle
D-99/2020
Seite 16
Angaben gemacht werden könnten. Die Ausführungen des Beschwerde-
führers genügten den genannten Anforderungen nicht. Anlässlich der An-
hörung sei er aufgefordert worden, ausführlich über seine Erfahrungen im
Heimatland zu berichten. Seine Angaben seien weitgehend oberflächlich
und substanzlos geblieben. So sei es ihm nicht möglich gewesen, näher
auszuführen, wie die Begegnung mit seinem Freund abgelaufen sei, oder
wie es dazu gekommen sei, dass er an einem Treffen teilgenommen habe.
Auf die Frage, wann für ihn klar gewesen sei, dass er Christ werden wolle,
habe er geantwortet, es sei in jenem Moment gewesen, als er im Herzen
gespürt habe, dass er gerne Christ werden wolle. Sein Wissen bezüglich
des Christentums sei bescheiden gewesen; dies nicht zuletzt, weil ein
Glaubenswechsel im Iran gut abgewogen werden dürfte. Im Verlauf der
Anhörung sei er zu zahlreichen Facetten des Christentums befragt worden.
Seine Antworten hätten sich als so oberflächlich erwiesen, dass sie jeder-
mann geben könnte. Er habe nicht detailliert beschrieben, welche Entwick-
lung er durchgemacht habe und welche Personen an den Sitzungen teil-
genommen hätten. Einige Fragen habe er nicht beantworten können. Hin-
sichtlich des Kernvorbringens seien in seinen Aussagen kaum Realkenn-
zeichen auszumachen, die darauf hindeuteten, dass er das Geschilderte
tatsächlich erlebt habe. Aufgrund einer Gesamtwürdigung sei festzustellen,
dass dieses Vorbringen den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft
(recte Glaubhaftigkeit; Anmerkung des Gerichts) gemäss Art. 7 AsylG nicht
standhalte. Auf eine Prüfung hinsichtlich der Asylrelevanz nach Art. 3 AsylG
könne daher verzichtet werden.
Bezüglich der exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerdeführers hält das
SEM fest, die iranischen Behörden liessen die politischen Aktivitäten ihrer
im Ausland lebenden Bürger überwachen. Im Einzelfall bleibe zu prüfen,
ob diese bei einer Rückkehr in den Iran mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit ernsthafte Nachteile nach sich zögen. Gemäss Praxis des Bundes-
verwaltungsgerichts sei davon auszugehen, dass sich die iranischen Ge-
heimdienste auf die Erfassung von Personen konzentrierten, die über die
massentypischen, niedrigprofilierten Erscheinungsformen exilpolitischer
Proteste hinaus Funktionen ausübten, welche die jeweilige Person aus der
Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausstechen und als ernsten
und gefährlichen Regimegegner erscheinen liessen. Es dürfe davon aus-
gegangen werden, dass die iranischen Behörden zwischen tatsächlich po-
litisch engagierten Regimekritikern und Exilaktivisten, die mit ihren Aktio-
nen in erster Linie die Chancen auf ein Aufenthaltsrecht zu erhöhen ver-
suchten, unterscheiden könnten (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3). Die gefor-
derte Exponiertheit sei beim Beschwerdeführer zu verneinen, obwohl er
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Seite 17
regelmässig exilpolitisch in Erscheinung trete. Im Iran habe er kein politi-
sches Engagement gehabt. Bei der Beurteilung des Risikoprofils aufgrund
exilpolitischer Aktivitäten sei in erster Linie weder die Funktionsbezeich-
nung eines exilpolitisch Tätigen noch seine Betriebsamkeit, sondern des-
sen tatsächliches Wirken in Bezug auf eine gezielte und wirksame Verän-
derung der politischen Verhältnisse im Heimatland massgeblich. Aufgrund
der Besichtigung mehrerer sozialer Netzwerke der (...) sowie einer Inter-
netsuche zur Organisation, sei nicht von einem erhöhten Einfluss dieser
Vereinigung auf die iranische Opposition im Exil oder gar im Iran auszuge-
hen. Die in monatlich erscheinenden (...)zeitschriften publizierten Berichte
und Referate des Beschwerdeführers wiesen generell eine überwiegend
allgemein gehaltene Regimekritik auf, die in ähnlicher Weise massenhaft
von im Exil lebenden Iranern geäussert worden sei. Bei den oppositionellen
Tätigkeiten des Beschwerdeführers handle es sich nicht um höherrangige
oder bedeutende Aktivitäten, die ein ernst zu nehmendes Ansehen inner-
halb dieser Organisation respektive ein gewisses Renommee innerhalb der
iranisch-exilpolitischen Bewegung mit sich brächten. Diese Äusserungen
seien folglich nicht geeignet, um beim Beschwerdeführer das Profil eines
exponierten Regierungsgegners bejahen zu können, der für die iranischen
Machthaber als gefährliche Person beziehungsweise von diesen als Ge-
fahr für ihr politisches Gefüge eingestuft werden müsste. Auch aus seiner
Teilnahme an Demonstrationen könne keine erhöhte Gefährdungslage ab-
geleitet werden, zumal nicht hervorgehe, dass er eine Funktion innegehabt
habe, die ihn in der Art und Qualität eines hervorstechenden Profils von
einer erheblichen Vielzahl sich politisch äussernder Exiliraner merklich ab-
heben würde. Wären seine Aktivitäten von den iranischen Behörden be-
merkt worden, könnte nicht davon ausgegangen werden, dass er von die-
sen in den Personenkreis der gefährlichen Exponenten eingereiht würde,
die mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ernsthaften Nachteilen im Sinne
von Art. 3 AsylG ausgesetzt würden. Allein aufgrund der Ausreise oder des
Stellens eines Asylgesuchs sei keine flüchtlingsrechtlich erhebliche Verfol-
gung im Iran zu befürchten (BVGE 2009/28 E. 7.4.4).
Hinsichtlich der Beschwerdeführerin, die keine eigenen Asylgründe geltend
mache, sei keine Verfolgung in ihrem Heimatstaat auszumachen.
4.2
4.2.1 In der Beschwerde wird geltend gemacht, bei der angefochtenen Ver-
fügung handle es sich um einen Fehlentscheid. Es sei offensichtlich, dass
dem SEM gravierende Fehler bei der Aktenführung, der Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts sowie eine scherwiegende Verletzung des
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Seite 18
rechtlichen Gehörs und insbesondere von Art. 7 AsylG und Art. 9 BV unter-
laufen seien. Die Argumentation betreffend die Unglaubhaftigkeit (der Vor-
bringen des Beschwerdeführers; Anmerkung des Gerichts) sei haltlos und
willkürlich. Diese betreffe den Punkt der Konvertierung des Beschwerde-
führers im Iran, lasse jedoch die Tatsache, dass er heute unbestrittener-
massen Christ sei, unberücksichtigt und ungewürdigt. Das SEM hätte prü-
fen müssen, ob er bereits im Iran zum Christentum konvertiert sei, und be-
rücksichtigen müssen, dass er seit Jahren Christ sei und diesbezüglich
sehr aktiv und «forsch» missioniere. Geprüft hätte werden müssen, ob er
in der Schweiz seit Jahren politisch sehr aktiv sei, und in welchem Verhält-
nis diese Aktivitäten zu den Ereignissen vor der Flucht aus dem Iran und
zu seiner Konversion zum Christentum stünden. Weiter hätte geprüft wer-
den müssen, ob die vorgebrachte Verfolgung asylrechtlich relevant sei, und
für den Fall, dass von der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen im Iran ausge-
gangen würde, hätte geprüft werden müssen, ob ihm alleine aufgrund sei-
nes Verhaltens nach der Flucht Verfolgung drohe. Das SEM habe sich nur
mit wenigen dieser Fragen auseinandergesetzt. Zur Beurteilung derselben
hätten der Sachverhalt gestützt auf die Aussagen des Beschwerdeführers
und die eingereichten Beweismittel vollständig abgeklärt und gewürdigt
werden müssen. Er habe umfangreiche Beweismittel eingereicht, die sich
praktisch ausschliesslich auf ihn bezögen. Das SEM habe sich damit be-
gnügt, die Beweismittel als «Belege für seine exilpolitischen Aktivitäten» zu
erfassen. Es habe zudem festgehalten, es lägen ihm «Zeitschriften der
(...), die entsprechende Mitgliedsbescheinigung und diverse Auszüge aus
dem Internet» vor. Mit dieser mangelhaften Bezeichnung der Beweismittel
sei der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden. Das SEM habe es
unterlassen, die Beweismittel und deren Inhalt und Bedeutung zu erfassen
und zu würdigen.
Mit Eingabe vom 30. Dezember 2019 habe der Rechtsvertreter um Akten-
einsicht ersucht, wobei vollumfängliche Einsicht in sämtliche Beweismittel
beantragt worden sei. Das SEM habe mit Telefax vom 3. Januar 2020 die
Anweisung erteilt, die Akten seien beim früheren Rechtsvertreter einzuho-
len. Daraufhin habe der Rechtsvertreter seine Anträge bekräftigt und die
Gewährung von Einsicht in sämtliche Beweismittelumschläge und Beweis-
mittel verlangt. Die Akten des früheren Rechtsvertreters lägen nunmehr
vor. Das SEM habe es aber unterlassen, Einsicht in zahlreiche Unterlagen
zu gewähren (es folgt die Aufzählung der unter den Beschwerdeanträgen
erwähnten Akten; Anmerkung des Gerichts). Insbesondere sei keine Ein-
sicht in die Beweismittelumschläge und die Beweismittel gewährt worden.
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Seite 19
Aus Akte A29 (Anhörungsprotokoll) gehe hervor, dass der Beschwerdefüh-
rer einen «schwarzen Ordner» eingereicht habe, in dem etwa 100 Doku-
mente abgelegt seien. Darüber hinaus habe er weitere Beweismittel einge-
reicht. Das SEM habe es unterlassen, die eingereichten Beweismittel in
der angefochtenen Verfügung detailliert aufzulisten und zu würdigen. Das
SEM habe während der Anhörung Fragen zu 25 weiteren Beweismitteln
gestellt. Beweismittel vier sei offenbar mit Buchstaben ergänzt worden.
Ohne Gewährung der Einsicht sei es nicht möglich, die Nummerierung des
SEM nachzuvollziehen und zu prüfen. Aus dem Aktenverzeichnis gehe her-
vor, dass die Bezeichnung der Akte A44 so zu deuten sei, dass am 25. No-
vember 2019 beim SEM Beweismittel im Umfang von 372 Seiten einge-
gangen seien. Da die Verfügung weniger als zehn Tage danach ergangen
sei, sei offensichtlich, dass sich das SEM mit den zuletzt eingereichten Be-
weismitteln gemäss Akte A44 nicht auseinandergesetzt habe. Gestützt auf
die bisherigen Ausführungen sei offensichtlich, dass die Verfügung aufzu-
heben und die Sache an das SEM zurückzuweisen sei.
Der Beschwerdeführer habe zahlreiche Unterlagen betreffend seinen
christlichen Glauben und sein Engagement in der freien evangelischen Ge-
meinde (FEG) eingereicht. Das SEM habe es unterlassen, sein Profil als
«Christ in der Schweiz» zu würdigen. Es habe sich mit keinem Wort zu
seiner Gefährdung aufgrund der Konversion zum Christentum befasst. Da-
mit habe es seine Begründungspflicht verletzt. Es habe auch die von ihm
dazu eingereichten Unterlagen nicht gewürdigt. Der Beschwerdeführer
habe den Befrager ausdrücklich gefragt, ob dieser die Unterlagen nicht ge-
nauer anschauen wolle. Entgegen der Aussage des Befragers seien keine
ausführlichen Fragen zu religiösen Aktivitäten gestellt worden. Bereits an-
fangs der Anhörung sei offensichtlich geworden, dass der Beschwerdefüh-
rer in der Schweiz als Christ sehr aktiv sei.
Hinsichtlich der Akteneinsicht sei festzuhalten, dass es sich bei Akte A6/9
um Akten des Grenzwachtkorps handle. Durch Zustellung derselben an
das SEM seien sie zu Akten desselben geworden, womit das SEM zur Ge-
währung der Akteneinsicht zuständig geworden sei. Bei den Akten A17/2
und A20/1 handle es sich um Kurzmitteilungen von oder an das Amt für
Migration des Kantons H._. Es sei nicht ersichtlich, ob es sich tat-
sächlich um unwesentliche Mitteilungen handle. Mangelhaft sei die Be-
zeichnung der Akte A35/7 mit «Mailverkehr». Bei den Akten A25/1 und
A42/8 solle es sich um «Sicherstellung Führerausweis» handeln, wobei
diese gemäss Akte A23/3 unwesentlich seien und gemäss A42/8 als Akten
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Seite 20
anderer Behörden zu bezeichnen seien. Zudem sei die Einsicht in die Notiz
der Hilfswerksvertretung zur Akte A29 nicht gewährt worden.
Das SEM habe in der angefochtenen Verfügung nicht erwähnt, dass die
Beschwerdeführerin aus einer sehr religiösen Familie stamme. Dadurch
bestehe eine Gefährdung durch diese Familie. Der Beschwerdeführer
habe dies bestätigt. Die Beschwerdeführerin habe sich in der Schweiz tau-
fen lassen und sei ebenfalls zum Christentum übergetreten. Sie habe ge-
schildert, dass ihre Familie und diejenige ihres Ehemannes davon Kenntnis
hätten. Das SEM habe die Reaktion ihrer Familie nicht erwähnt und nicht
gewürdigt. Die familiären Umstände hätten zwingend weiter abgeklärt wer-
den müssen. Das SEM habe den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt.
Bei den Anhörungen der Beschwerdeführenden hätten Mitglieder ihrer
Kirchgemeinde teilgenommen, was illustriere, dass sie sich ihrer Ge-
meinde eng verbunden fühlten. Das SEM habe nicht erfasst, dass der Be-
schwerdeführer neben seinem Weblog auf (...) einen eigenen Blog unter
(...) betreibe. Dasselbe gelte für die übrigen eingereichten Beweismittel,
die das SEM nicht gewürdigt habe. Das SEM habe das gesamte religiös-
politische Profil der Beschwerdeführenden ignoriert.
Der Beschwerdeführer habe geschildert, er habe von seiner Familie erfah-
ren, dass im Iran nach seiner Ausreise nach ihm gesucht worden sei. Das
SEM habe dies weder erwähnt noch gewürdigt. Unter Ignorierung seiner
Aussagen habe es lediglich wiedergegeben, er habe gesagt, «es sei davon
auszugehen», dass er im Fokus der iranischen Behörden stehe und bei
einer Rückkehr «von diesen höchstwahrscheinlich verfolgt werde». Diese
Wiedergabe sei aktenwidrig, da der Beschwerdeführer angegeben habe,
er habe von mehreren Personen erfahren, dass er gesucht worden sei.
Sein Onkel habe gesagt, einige seiner Freunde seien verhaftet worden.
Das SEM habe auch nicht erwähnt, dass die Familie des Beschwerdefüh-
rers keinen Kontakt mehr zu ihm haben wolle, da er konvertiert sei. Ebenso
nicht erwähnt habe es, dass die Gruppe, an deren Sitzungen er teilgenom-
men habe, auf die Verbreitung des Christentums ausgerichtet gewesen sei
und sich gegen den Islam gerichtet habe. Auch der Beschwerdeführer
habe schon auf die Missionierung ausgerichtete Handlungen vorgenom-
men. Zusammenfassend stehe fest, dass das SEM den Anspruch auf
rechtliches Gehör schwerwiegend verletzt habe.
Zur Verletzung der Abklärungspflicht sei festzuhalten, dass das SEM die
Abklärungspflicht zum Grundsatz von Treu und Glauben verletzt habe, da
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Seite 21
es bis zur Anhörung zwei Jahre zugewartet habe. Es sei treuwidrig, die
Durchführung der Anhörung zu verschleppen und zu behaupten, die Aus-
führungen des Beschwerdeführers seien nicht detailliert genug gewesen.
Das SEM habe auch die Probleme der Beschwerdeführerin mit ihrer Fami-
lie nicht erwähnt und gewürdigt. Das SEM habe sie nicht dazu befragt, wie
aktiv sie in der Schweiz sei und welche Auswirkungen dies im Iran hätte.
Es sei offensichtlich, dass die Anhörung des Beschwerdeführers mit acht
Stunden und zwanzig Minuten zu lange gedauert habe. Die Anhörung habe
doppelt so lange gedauert, wie vom Bundesverwaltungsgericht als Maxi-
maldauer festgelegt worden sei. Die Abklärungspflicht sei auch dadurch
verletzt worden, dass von 15:05 bis 18:05 keine Pause eingelegt worden
sei. Es sei ein häufig vorkommender Fehler, dass die Belastung der Über-
setzer und der Asylsuchenden durch die Rückübersetzung unterschätzt
würden. Das SEM habe es trotz Ankündigung unter der Frage 14 in der
Akte 29 unterlassen, weitere Abklärungen zu den religiösen Aktivitäten des
Beschwerdeführers zu machen und den Bezug zu den eingereichten Be-
weismitteln herzustellen. Die Frage des SEM unter Ziffer 149 sei vage ge-
wesen. Aus der Frage zu den politischen Aktivitäten des Beschwerdefüh-
rers gehe hervor, dass das SEM die Beweismittel nicht berücksichtigt habe.
Es seien pauschale und vage Fragen gestellt worden. Es sei unterlasen
worden, den Beschwerdeführer inhaltlich zu den Beweismitteln zu befra-
gen. Das SEM hätte zu den zahlreichen Beweismitteln und den dadurch
belegten Aktivitäten eine ergänzende Anhörung durchführen müssen.
Durch die Unterlassung sei die Abklärungspflicht verletzt worden.
Das SEM habe die Würdigung der überlangen Verfahrensdauer unterlas-
sen, obwohl es eingeräumt habe, dass wahrgenommene Ereignisse mit
zunehmender Zeitdauer vergessen würden. Zu den Ausführungen des Be-
schwerdeführers unter Frage 94 sei festzuhalten, dass seine das Kernge-
schehen betreffenden Aussagen glaubhaft seien und viele Realkennzei-
chen enthielten. Frappant sei, dass das SEM trotz ausführlichen Aussagen
des Beschwerdeführers zu Frage 94 nach der Mittagspause mehrere Male
das Gleiche nochmals gefragt habe, was er zuvor beantwortet habe. Der
Befrager habe ihn mehrmals unterbrochen, als er zentrale Fragen am Be-
antworten gewesen sei. Er habe bei Frage 108 sehr ausführlich geschil-
dert, wie auf seine Frage, wie er Christ werden könne, das Gebet «doaye
nejat» gesungen worden sei. Er habe geschildert, dass er Sicherheits-
massnahmen vorgekehrt und nicht erwartet habe, dass ihm eines Tages
etwas «passiere». Er habe so ausführliche Aussagen gemacht, wie es von
ihm habe erwartet werden können. Seine Ausführungen unter Frage 92,
welche Fragen zum muslimischen Glauben ihm nie beantwortet worden
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Seite 22
seien, seien ausführlich gewesen und enthielten viele Realkennzeichen.
Aus seinen Aussagen gehe hervor, dass sein Glauben sehr evangeli-
kal/freikirchlich geprägt sei. Er sei in erster Linie emotional zum Glauben
gekommen und nicht als Ergebnis einer theologischen Auseinanderset-
zung. Unter Frage 111 habe er die zentralste Aussage des neuen Testa-
ments in prägnanter Weise zusammengefasst. Es sei willkürlich, ihm vor-
zuwerfen, dass er sich durch die zentrale Aussage des Christentums an-
gezogen gefühlt habe, da durch die Aussage belegt sei, dass er bereits im
Iran durch den Kern der Aussage des Christentums berührt worden sei.
Unter Frage 114 habe er geschildert, er habe anfänglich nicht verstanden,
weshalb Christen glaubten, Jesus Christus sei Gottes Sohn, er habe ge-
dacht, Christen hätten drei Götter. Dabei handle es sich um eine der zent-
ralsten Aussagen des Christentums, was er bereits früh erfasst habe.
Ebenso habe er geschildert, dass er sich durch die Aussage des Christen-
tums angesprochen gefühlt habe, seine Sünden würden vergeben, falls er
Christ werde. Unter Frage 12 habe er gesagt, er befinde sich «auf diesem
Weg», noch viel über das Christentum zu lernen. Die Fragen 115 und 116
seien sehr kompliziert und schwierig gewesen; dennoch sei es dem Be-
schwerdeführer gelungen, sie gut zu beantworten. Erneut habe er geschil-
dert, wie er durch die Begegnung mit seinem gläubigen Freund persönlich
berührt worden sei. Es sei frappant, dass das SEM diese unverständliche
Frage als zentrales Element für die Unglaubhaftigkeit des Beschwerdefüh-
rers verwende. Die Behauptung, er habe nicht beschreiben können, was
er für eine Entwicklung durchgemacht habe, sei akten- und treuwidrig. Die
Frage 116 enthalte den Begriff «Entwicklung» nicht. Das SEM argumen-
tiere betreffend die Fragen 120 und 121, er habe nicht angeben können,
«was das für Personen gewesen seien», die an den Sitzungen teilgenom-
men hätten. Aus seiner Antwort gehe hervor, dass er die Frage so verstan-
den habe, als werde nach deren Namen gefragt. Er habe detailliert geschil-
dert, dass er nur seinen Freund und zwei dessen Freunde gekannt habe.
In solchen Gruppen würden aus Sicherheitsgründen möglichst wenig Infor-
mationen über die anderen Personen preisgegeben. Entgegen der Be-
hauptung des SEM habe der Beschwerdeführer die Frage nach dem Inhalt
der Liedertexte und der Gebete, die gesprochen worden seien, beantwor-
tet. Er habe gesagt, er könne sich nicht mehr daran erinnern. Auch die
Frage 130, wann er letztmals in einer Moschee gewesen sei, habe er damit
beantwortet, dass er sich nicht mehr erinnern könne. Auch Frage 131, ob
jemandem aufgefallen sei, dass er nicht mehr zur Moschee gegangen sei,
habe er damit beantwortet, dass er dies nicht wisse. Das SEM habe Art. 7
AsylG und Art. 9 BV mit seiner Argumentation betreffend die angeblich feh-
lende Substanz in gravierender Weise verletzt.
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Seite 23
Aufgrund des vom Beschwerdeführer geschilderten Sachverhalts sei offen-
sichtlich, dass er die Flüchtlingseigenschaft bereits zum Zeitpunkt der Aus-
reise erfüllt habe. Die Voraussetzungen zur Annahme einer begründeten
Furcht vor Verfolgung seien ebenfalls erfüllt. Den Beschwerdeführenden
sei Asyl zu gewähren.
Der Beschwerdeführer sei in der Schweiz als konvertierter Christ stark in
der FEG N._ engagiert. Er habe ein herausragendes politisches
Profil als Blogger. Es sei offensichtlich, dass er im Fall einer Rückkehr in
den Iran wegen seines religiösen und politischen Profils in der Schweiz im
Visier der Behörden stünde und deshalb verfolgt würde. Den iranischen
Behörden seien seine Aktivitäten zwischenzeitlich bekannt. Somit wäre die
Flüchtlingseigenschaft im heutigen Zeitpunkt festzustellen.
Hinsichtlich der eingereichten Beweismittel betreffend das Profil des Be-
schwerdeführers sei auf das Schreiben von Pastor I._ vom 18. De-
zember 2019 zu verweisen. Dieselbe Person sei bei der Anhörung des Be-
schwerdeführers zugegen gewesen. Es werde bestätigt, dass der Be-
schwerdeführer seit etwa drei Jahren in der FEG N._ aktiv sei, und
dass sich die Familie sehr engagiere. Aus dem Schreiben gehe hervor, wie
stark das persönliche Erleben des Glaubens, der emotionale Eindruck und
die Gefühle seien. Der Beschwerdeführer verfüge über ein umfangreiches
Facebook-Profil, in dem er sehr aktiv und umfassend zu seinem Glauben
und zum Christentum sowie zu anderen politischen Themen poste. Er ver-
öffentliche seit Jahren Bibelzitate, Bibellieder, Ausschnitte aus dem Jesus-
Film und weitere christliche und missionarische Posts. Ende 2019 habe er
200 Abonnenten gehabt. Er poste umfangreich die Beiträge, die er auf sei-
nem eigenen Blog veröffentliche. Die dazu eingereichten Fotografien be-
legten den missionarischen und regimekritischen Charakter seines Face-
book-Profils. Auf der Webseite (...) werde er als Verantwortlicher für den
Weblog aufgelistet. Des Weiteren habe er geschildert, dass er an Pool-
Talks teilnehme, womit feststehe, dass er auf verschiedenen Kanälen sehr
aktiv sei. Er habe erläutert, dass manchmal Teilnehmer solcher Pool-Talks
schimpften, weil sie das iranische Regime unterstützten. Damit habe er
konkret angegeben, dass er von Spitzeln der iranischen Geheimdienste als
Regimegegner identifiziert worden sei. Diesbezüglich sei auf die Zusam-
menfassung der politischen Aktivitäten des Beschwerdeführers zu verwei-
sen. Im April 2017 habe er in H._ eine Protestaktion gegen das ira-
nische Regime organisiert; die entsprechende Bewilligung sei auf ihn aus-
gestellt worden. Diese Umstände habe das SEM nicht berücksichtigt und
nicht gewürdigt. Die Suche nach dem Namen des Beschwerdeführers auf
D-99/2020
Seite 24
Google führe zu einer Fotografie desselben und zur Organisation (...). Es
wiege schwer, dass das SEM dies nicht erwähnt und nicht gewürdigt habe.
Auf Youtube sei ein Film des Taufgottesdienstes und der Taufe des Be-
schwerdeführers abrufbar. Über diese Taufe sei auch in der Gemeindezeit-
schrift berichtet worden. Es sei ersichtlich, dass er in einem Kommentar
zum Taufvideo beleidigt und beschimpft worden sei. Zum Engagement des
Beschwerdeführers in der FEG N._ seien mehrere Unterlagen ein-
gereicht worden. Auch zu seiner Mitgliedschaft bei der (...) seien zahlrei-
che Beweismittel eingereicht worden. Es sei erwiesen, dass er und seine
Aktivitäten in der Schweiz identifiziert worden seien. Es stehe fest, dass er
auch von in der Schweiz im Internet agierenden Spitzeln identifiziert wor-
den sei und zusammen mit seiner Ehefrau nach einer Rückkehr in den Iran
verfolgt würde. Mit der Verbreitung von sozialen Medien würden politische
Aktivisten ebenso als Gefahr erachtet, wie herausragende Parteimitglieder.
Insbesondere Personen, die im Ausland im Internet aktiv seien, stünden im
Visier der iranischen Behörden. Nach den Protesten im Iran Ende 2019 sei
das Internet im Iran praktisch blockiert worden, was illustriere, dass das
Regime über das Internet agierende Personen als gefährlich erachte. Das
Regime habe die Proteste von Ende 2019 mit massiver Gewalt niederge-
schlagen, wobei es über 1000 Tote gegeben habe. Die Kehrseite der akti-
ven Persönlichkeit des Beschwerdeführers bestehe darin, dass er damit
rasch ins Visier der Behörden gerate. Radikale und kompromisslose Akti-
visten wie er würden vom Regime bekämpft. Solche Aktivisten hätten einen
massgeblichen Beitrag zur Lancierung und Unterstützung von Massenpro-
testen geleistet. Das SEM hätte sich mit der Taufe in der Schweiz und dem
hier gelebten christlichen Glauben auseinandersetzen müssen. Gemäss
Expertenberichten seien konvertierte Christen einem hohen Verfolgungsri-
siko und unmenschlichen Massnahmen ausgesetzt. Die Beschwerdefüh-
renden würden wegen Apostasie verhaftet, misshandelt und hingerichtet.
Auch wenn die iranischen Behörden von der Konversion noch nicht erfah-
ren hätten, würden die Beschwerdeführenden durch ihr Leben als Konver-
titen in grosser Gefahr sein. Es bestehe die Gefahr, dass sie bei einer Ein-
reise befragt würden. Für gläubige Christen sei es sehr schwierig, ihre Re-
ligion, die Tatsache der Konversion und der Taufe sowie ihren Missionsauf-
trag zu verleugnen.
4.2.2 In der Eingabe vom 8. Januar 2020 wird ausgeführt, das SEM habe
am 6. Januar 2020 Einsicht in gewisse Akten gewährt. Diese seien nach
Ablauf der Beschwerdefrist beim Rechtsvertreter eingetroffen. Das SEM
verletze den Anspruch auf Akteneinsicht mehrfach. Es habe die Kopie ei-
D-99/2020
Seite 25
nes nicht nummerierten Beweismittelumschlags zugestellt. Dies mache of-
fensichtlich, dass es seiner Pflicht zur vollständigen und richtigen Akten-
führung und der Pflicht zur vollständigen Paginierung nicht nachgekommen
sei. Als Beweismittel 1 werde der «Shenasname» des Beschwerdeführers
erfasst, der wiederum als Beweismittel 6 bezeichnet werde. Es fehle jegli-
cher Hinweis, worum es sich bei den Beweismitteln 1 bis 5 handle. Unter
Beweismittel 5 habe das SEM «diverse Kopien» erfasst, die mit «BM 10 -
25» bezeichnet worden seien. Dies sei schlicht mangelhaft. Besonders
frappant sei, dass der abgegebene «schwarze Ordner» fehle, der nicht als
Beweismittel erfasst worden sei. Gestützt auf den Beweismittelumschlag
sei offensichtlich, dass dem SEM die übrigen Beweismittel beim Verfassen
der Verfügung nicht vorgelegen hätten.
4.2.3 In der Eingabe vom 28. Februar 2020 teilt der Rechtsvertreter mit, er
habe beim SEM am 17. Februar 2020 Einsicht in das Dossier der Be-
schwerdeführenden nehmen können. Die Mängel bei der Erfassung der
Beweismittel seien bestätigt worden, habe doch die Erfassung gewisser
Zeitschriften gefehlt. Der «schwarze Ordner» sei «verschollen». Der Be-
weismittelumschlag umfasse lediglich die Beweismittel 6 ff. Der Inhalt des
«schwarzen Ordners» sei vom SEM auch nicht gewürdigt worden. Zudem
wird darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer über ein sehr aktives
Instagram-Profil ([...]) verfüge. Er erhalte immer wieder Reaktionen und
werde regelmässig bedroht und beleidigt.
4.3 Das SEM räumt in seiner Vernehmlassung vom 6. April 2020 ein, nach
einer internen Suche habe der vom Beschwerdeführer eingereichte
«schwarze Ordner» gefunden werden können. Seines Erachtens könne
aus prozessökonomischen Gründen im Rahmen des Beschwerdeverfah-
rens eine Heilung der Gehörsverletzung vorgenommen werden, da dem
Bundesverwaltungsgericht freie Überprüfungsbefugnis in Bezug auf die
Tatbestands- und Rechtsanwendung zukomme. Dem Rechtsvertreter
könne Einsicht in die Beweismittel und die Möglichkeit einer Beschwerde-
ergänzung gewährt werden. Die im Ordner enthaltenen Beweismittel hät-
ten dem SEM zum Zeitpunkt des Asylentscheides nicht vorgelegen. Dem
SEM seien indessen sowohl die Konversion, als auch die exilpolitischen
Aktivitäten des Beschwerdeführers bekannt gewesen. Es sei festgehalten
worden, dass er keine Funktion innehabe, die ihn in der Art und der Qualität
eines hervorstechenden Profils von einer Vielzahl sich politisch äussern-
den Exiliranern abheben würde. Die im Ordner enthaltenen Beweismittel
untermauerten das bekannte Profil des Beschwerdeführers, könnten es
aber nicht in einer Art und Weise erhöhen, welche die Anerkennung der
D-99/2020
Seite 26
Flüchtlingseigenschaft zur Folge hätte. Das SEM erachte sie als nicht er-
heblich.
Auf Beschwerdeebene seien weitere Beweismittel eingereicht worden.
Was das Facebook-Profil des Beschwerdeführers betreffe, sei festzustel-
len, dass er 218 Abonnenten habe und regelmässig vor allem Beiträge mit
christlichem Inhalt poste. Bei den Posts scheine es sich überwiegend um
Re-posts zu handeln, die er übernommen habe. Das Echo darauf sei be-
scheiden. Aus den Beweismitteln sei nicht ersichtlich, dass er eine beson-
dere Stellung hätte oder missionarisch tätig wäre. Er hebe sich aus der
Masse der anderen Iraner, die solche Inhalte posteten, nicht hervor. Ge-
mäss Rechtsprechung werde bei (christlichen) Konvertiten für eine mögli-
che Gefährdung eine intensive, sichtbare, missionarische Züge anneh-
mende Glaubensausübung vorausgesetzt. Eine solche sei aus den Be-
weismitteln nicht ersichtlich. Der Beschwerdeführer poste seit vier Jahren
zahlreiche Beiträge auf seinem Blog. Es handle sich fast durchgängig um
weitergeleitete beziehungsweise übernommene Nachrichten aus verschie-
denen Quellen, die die Menschenrechtslage im Iran beträfen. Er erhalte
kaum Echo auf seine Posts. Der Blog lasse ihn nicht als ernsthaften Re-
gimegegner erscheinen oder aus der Masse der Unzufriedenen hervorhe-
ben. Er werde zudem regelmässig im Magazin (...) mit Bild erwähnt und
erscheine als Teilnehmer der Schweizer Zweigstelle der (...), der sich im
monatlichen Treffen derselben zu Wort melde. Bei seinen Beiträgen handle
es sich um eine Wiedergabe einer Liste von Menschenrechtsverstössen im
Iran. Eine Führungsfunktion, besondere Aufgaben oder ein herausragen-
des Profil seien nicht ersichtlich. Er werde zwar als stellvertretender Ver-
antwortlicher der (...) Schweiz und als Zuständiger für den Weblog ge-
nannt, woraus sich aber keine besondere Stellung ergebe. Bei der Zustän-
digkeit für den Weblog handle es sich um eine administrative Tätigkeit. Es
sei nicht ersichtlich, welche Verantwortung die stellvertretende Leitung der
(...) für ihn mit sich bringe.
Unter Hinweis auf die Rechtsprechung ergebe sich, dass aufgrund einer
Gesamtwürdigung nicht auf ein exponiertes oppositionelles Engagement
des Beschwerdeführers zu schliessen sei.
4.4 In der Replik wird entgegnet, den schwerwiegenden Rechtsverletzun-
gen sei nicht anders beizukommen, als die angefochtene Verfügung auf-
zuheben und dem SEM die Sache zur Neubeurteilung zukommen zu las-
sen. Die Verletzung des rechtlichen Gehörs müsse aufgrund seiner formel-
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Seite 27
len Natur die Aufhebung der Verfügung zur Folge haben. Den Beschwer-
deführenden würde eine Instanz verloren gehen und das Bundesverwal-
tungsgericht verfüge über eine eingeschränkte Kognition. Dem Rechtsver-
treter sei bis heute keine Einsicht in den «schwarzen Ordner» und die darin
enthaltenen Beweismittel gewährt worden. Es sei nicht klar, ob und wie
dieser Ordner und die Beweismittel vom SEM im Aktenverzeichnis erfasst
worden seien. Es sei offensichtlich, dass dem Rechtsvertreter im Hinblick
auf eine Heilung vollumfänglich Einsicht in sämtliche Beweismittel gemäss
«schwarzem Ordner» sowie in das aktualisierte Aktenverzeichnis und das
Beweismittelverzeichnis gewährt werden müsste. Da dies vom Bundesver-
waltungsgericht nicht vorgesehen sei, erweise sich die Kassation als einzig
gangbare Vorgehensweise. Das SEM habe rund 100 Beweismittel unter
sechs Begriffen zusammengefasst, was illustriere, dass es sich auch auf
Vernehmlassungsebene nicht bemühe, die Beweismittel vollständig zu
würdigen. In der Vernehmlassung vom 14. Dezember 2020 habe es das
SEM unterlassen, auf die auf Beschwerdeebene eingereichten Eingaben
und Beweismittel einzugehen. Dies illustriere den Unwillen des SEM, die
Beweismittel zu würdigen. Es handle sich um eine Fortsetzung der Verlet-
zung des Anspruchs auf rechtliches Gehör und der Abklärungspflicht sowie
von Art. 7 AsylG und Art. 9 BV. Nach Erlass der Verfügung des Gerichts
vom 30. November 2020 seien zwei weitere Eingaben vom 1. und 16. De-
zember 2020 eingereicht worden. Es sei davon auszugehen, dass das Ge-
richt die Eingabe vom 1. Dezember 2020 an das SEM weitergeleitet habe.
Aus dieser Eingabe gehe hervor, dass der auf der Beilage erwähnte
«O._» einige Wochen zuvor als Flüchtling anerkannt worden sei.
Zudem müsste die Eingabe vom 16. Dezember 2020 an das SEM weiter-
geleitet werden, sollte die angefochtene Verfügung nicht aufgehoben wer-
den. Gemäss dieser Eingabe administriere der Beschwerdeführer einen
Telegram-Kanal, was vom SEM zu würdigen wäre. Die Behauptung des
SEM, die Beweismittel im «schwarzen Ordner» vermöchten das Profil des
Beschwerdeführers nicht so zu erhöhen, dass er als Flüchtling anzuerken-
nen sei, sei nicht stichhaltig, da das SEM keine konkrete Begründung gebe
und nicht auf die einzelnen Beweismittel eingehe. Der Beschwerdeführer
habe seit April 2020 weitere umfangreiche und relevante Beweismittel ein-
gereicht, die sein politisches und religiöses Profil belegten. Er missioniere
in beinahe besessener Weise für das Christentum und «schiesse» gegen
das iranische Regime. Mit seiner Hartnäckigkeit und Kompromisslosigkeit
in der Vorgehensweise ziehe er die Aufmerksamkeit auf sich. In einer er-
gänzenden Anhörung könnte er darüber Auskunft geben. Die Behauptung,
es lägen bei ihm keine «missionarischen Züge» vor, sei absurd. Die Be-
weismittel legten einen solchen Eifer dar. Aus den Instagram-Unterlagen
D-99/2020
Seite 28
gehe hervor, dass die Beiträge des Beschwerdeführers intensiv kommen-
tiert würden. Die Behauptung, bei den Beiträgen des Beschwerdeführers
bei der (...) handle es sich «um eine Wiedergabe einer Liste von Men-
schenrechtsverstössen im Iran», treffe nicht zu. Ein wesentlicher Bestand-
teil der Aktivitäten von oppositionellen Iranern bestehe darin, auf Men-
schenrechtsverstösse hinzuweisen. Gerade solch exzentrische Personen,
die das iranische Regime auf allen Kanälen angriffen, seien gefährdet. Der
Beschwerdeführer sei den iranischen Behörden bekannt und werde des-
halb bei einer Rückkehr verfolgt. Es sei davon auszugehen, dass Spitzel
der iranischen Behörden seinem Instagram-Profil und seinem Telegram-
Kanal folgten. Die iranischen Behörden seien erneut bei seinem Vater er-
schienen und hätten nach ihm gesucht. Er sei auch durch eine einfache
Google-Suche auffindbar, wobei Fotografien von ihm zu finden seien. Das
Video seiner Taufe sei auf Youtube über 1000 Mal aufgerufen worden. Eine
«unauffällige» Lebensweise als Christen im Iran sei nur durch vollständige
Unterdrückung des Glaubens denkbar. Dies könne nicht verlangt werden
und sei unzumutbar. Die Beschwerdeführerin müsste sich bei einer Rück-
kehr in den Iran sofort wieder verschleiern und dem Islam unterwerfen. Die
Beschwerdeführenden und ihre Kinder dürften nicht über ihren Glauben
sprechen, um sich nicht zu exponieren.
5.
5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die
Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prü-
fen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht
erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten ein-
lässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi-
derlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
5.2 Gemäss Art. 26 Abs. 1 VwVG haben die Partei oder ihr Vertreter An-
spruch, in ihrer Sache am Sitz der verfügenden Behörde oder einer durch
diese zu bezeichnen kantonalen Behörde Eingaben von Parteien und Ver-
nehmlassungen von Behörden (Bst. a), alle als Beweismittel dienenden
Aktenstücke (Bst. b) und Niederschriften eröffneter Verfügungen einzuse-
hen. Nach Art. 27 Abs. 1 VwVG darf die Behörde die Einsichtnahme in Ak-
ten nur dann verweigern, wenn wesentliche Interessen des Bundes oder
D-99/2020
Seite 29
der Kantone die Geheimhaltung erfordern (Bst. a), wesentliche private In-
teressen die Geheimhaltung erfordern (Bst. b) oder es das Interesse einer
noch nicht abgeschlossenen Untersuchung erfordert (Bst. c). Gemäss
Abs. 2 dieser Bestimmung darf sich die Verweigerung der Einsichtnahme
nur auf die Aktenstücke erstrecken, für die Geheimhaltungsgründe beste-
hen. In Art. 27 Abs. 3 VwVG wird festgelegt, dass die Einsichtnahme in ei-
gene Eingaben der Partei, ihre als Beweismittel eingereichten Urkunden
und ihr eröffnete Verfügungen nicht verweigert werden darf.
5.3 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung
ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird. Unvoll-
ständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sach-
umstände berücksichtigt werden.
5.4
5.4.1 Das SEM hat über die von ihm angelegten Akten ein vollständiges
und nachvollziehbares Aktenverzeichnis zu führen, alle Akten in dieses ein-
zufügen und diese zu paginieren. Gerade seine Amtspraxis, die in ver-
schiedene Aktenkategorien eingereichten Akten teilweise nicht oder erst
auf ausdrückliches Ersuchen hin zu edieren, gebietet es, die Akten im Ak-
tenverzeichnis hinreichend konkret zu bezeichnen.
5.4.2 In der Beschwerde wird zu Recht darauf hingewiesen, dass die vom
SEM im Aktenverzeichnis gewählte Bezeichnung einzelner Akten nur be-
grenzt Rückschlüsse auf den Inhalt derselben zuliess. Hinsichtlich der von
den Beschwerdeführenden beim SEM eingereichten Beweismittel wurden
im Beweismittelumschlag (vgl. SEM-Akte A28) unter den Ziffern 1. bis 5.
die Beweismittel 6 bis 25 abgelegt. Erst im Zusammenhang mit dem nach-
träglich gefundenen «schwarzen Ordner» ergibt sich, dass in diesem die
Beweismittel 1 bis 5 abgelegt wurden. Der «schwarze Ordner» wurde in-
dessen im Aktenverzeichnis bislang nicht erfasst. Angesichts der grossen
Anzahl eingereichter Beweismittel ist nicht zu beanstanden, dass das SEM
diese im Akten- beziehungsweise Beweismittelverzeichnis kategorienmäs-
sig erfasst (z.B. 12 Monatszeitschriften unter Ziff. 6. Beweismittelverzeich-
nis [«schwarzer Ordner»]). Die Bezeichnungen «schwarzer Ordner mit
zahlreichen Dokumenten» (BM 4) unter Ziffern 4. und 5. Beweismittelver-
zeichnis und «diverse Kopien» (BM 10 – 25) unter Ziffer 5. der SEM-Akte
A28 lassen indessen keine Rückschlüsse auf die darunter abgelegten Be-
weismittel zu.
D-99/2020
Seite 30
5.4.3 Die vormalige Instruktionsrichterin hiess das Gesuch der Beschwer-
deführenden um ergänzende Akteneinsicht mit Instruktionsverfügung vom
29. Januar 2020 teilweise gut und wies das SEM einerseits an, ihnen Ein-
sicht im Sinne der Erwägungen in die Akten A6/9 und A42/8 zu gewähren.
Anderseits wies sie das SEM an, dem Rechtsvertreter Einsicht in diejeni-
gen von den Beschwerdeführenden eingereichten Beweismittel zu geben,
in die zuvor keine Einsicht gewährt worden sei. In der Eingabe vom
28. Februar 2020 teilte der Rechtsvertreter mit, er habe beim SEM am
17. Februar 2020 Einsicht in das Dossier der Beschwerdeführenden neh-
men können. Somit wurde den Beschwerdeführenden beziehungsweise ih-
rem Rechtsvertreter mit Ausnahme der im «schwarzen Ordner» abgeleg-
ten und eingereichten Beweismittel auf Beschwerdeebene umfassende Ak-
teneinsicht gewährt. Es erübrigt sich demnach – unter Vorbehalt der nach-
folgenden Erwägungen –, im heutigen Zeitpunkt erneut auf die Rüge der
nicht vollständig gewährten Akteneinsicht einzugehen, zumal die Be-
schwerdeführenden nach gewährter ergänzender Akteneinsicht mehrfach
die Gelegenheit hatten, sich zu den ihnen vorenthaltenen Aktenstücken zu
äussern.
5.4.4 In seiner Vernehmlassung vom 6. April 2020 teilt das SEM mit, der
«schwarze Ordner» habe mittlerweile gefunden werden können, und
räumte ein, ihm hätten die in diesem Ordner abgelegten Beweismittel zum
Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung nicht vorgelegen. Es
vertrat die Auffassung, dieser Mangel könne dadurch behoben werden,
dass den Beschwerdeführenden Akteneinsicht gewährt und ihnen Frist zur
Einreichung einer Beschwerdeergänzung gewährt würde. Da das SEM der
ihm vom Bundesverwaltungsgericht auferlegten Verpflichtung, den Be-
schwerdeführenden beziehungsweise ihrem Rechtsvertreter Einsicht in die
Beweismittel zu gewähren, in die zuvor keine Einsicht gewährt worden sei
(vgl. Instruktionsverfügung vom 29. Januar 2020), bezüglich des «schwar-
zen Ordners» bis heute nicht nachgekommen ist, erübrigen sich weitere
Erörterungen in dieser Sache.
5.4.5 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen steht fest, dass das SEM
den Anspruch der Beschwerdeführenden auf Gewährung von Aktenein-
sicht in die im «schwarzen Ordner» abgelegten Beweismittel verletzt hat.
Damit wurde der Anspruch der Beschwerdeführenden auf rechtliches Ge-
hör verletzt.
D-99/2020
Seite 31
5.5
5.5.1 In der Beschwerde wird gerügt, der Beschwerdeführer habe zahlrei-
che Unterlagen zu seinem christlichen Glauben und seinem Engagement
in der FEG eingereicht. Das SEM habe es unterlassen, sein Profil als
«Christ in der Schweiz» zu würdigen. Ebenso habe es zu erwähnen unter-
lassen, dass die Beschwerdeführerin aus einer sehr religiösen Familie
stamme, weshalb eine Gefährdung durch dieselbe bestehe.
5.5.2 Das SEM hält in Abschnitt I unter Ziffer 2 der angefochtenen Verfü-
gung fest, dass der Beschwerdeführer geltend gemacht habe, er stehe un-
ter anderem aufgrund seiner Konversion zum Christentum im Fokus der
iranischen Behörden. Im Rahmen der Prüfung der Glaubhaftigkeit seiner
Aussagen und der Prüfung der flüchtlingsrechtlichen Relevanz seiner exil-
politischen Aktivitäten befasste sich das SEM nicht mit der Frage, ob sich
der Beschwerdeführer aufgrund der von ihm offenbar nicht in Zweifel ge-
zogenen Konversion zum Christentum bei einer Rückkehr in den Iran in
objektiv begründeter Weise vor Verfolgung zu fürchten hat.
Hinsichtlich der Beschwerdeführerin hält das SEM in Abschnitt II unter Zif-
fer 3 fest, sie habe keine eigenen Asylgründe geltend gemacht, weshalb
eine mögliche Verfolgung im Heimatstaat nicht auszumachen sei. Die gel-
tend gemachte Konversion der Beschwerdeführerin zum Christentum und
ihr Hinweis, diese sei ihrer Familie bekannt, wurde vom SEM nicht erwähnt.
Auch bezüglich der Beschwerdeführerin prüfte das SEM nicht, ob sie sich
bei einer Rückkehr in ihr Heimatland wegen der geltend gemachten Kon-
version zum Christentum in objektiv begründeter Weise vor Verfolgung zu
fürchten hat.
5.5.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass das SEM hinsichtlich der von
der Beschwerdeführerin vorgebrachten Konversion zum Christentum den
Sachverhalt nicht vollständig erfasste. Des Weiteren prüfte es nicht, ob den
Beschwerdeführenden angesichts ihrer Konversion bei einer Rückkehr in
den Iran flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung droht. Ebenso wenig
setzte sich das SEM mit dem Profil der Beschwerdeführenden als «Chris-
ten im Iran», mit anderen Worten, in welcher Situation sie sich als im Aus-
land konvertierte Christen bei einer Rückkehr in den Iran wiederfänden,
auseinander. Damit hat das SEM die ihm obliegende Begründungspflicht
verletzt.
5.6 Inwiefern die Tatsache, dass die Beschwerdeführenden erst beinahe
zwei Jahre nach der Asylgesuchstellung zu ihren Asylgründen angehört
D-99/2020
Seite 32
wurden, die behördliche Abklärungspflicht und den Grundsatz von Treu
und Glauben verletzt haben sollte, ist nicht ersichtlich. Allenfalls könnten
die zeitlichen Verzögerungen bei der Abklärung des Sachverhalts gegen
das Beschleunigungsgebot verstossen haben, sie führten indessen nicht
zu einer unvollständigen oder unrichtigen Feststellung des Sachverhalts.
Ebenso wenig wurde die Abklärungspflicht schwerwiegend verletzt, weil
die Anhörung des Beschwerdeführers von 9:45 bis 18:05 dauerte. Gemäss
den Angaben im Protokoll dauerte diese unter Abzug der eingelegten Pau-
sen 7 Stunden und 5 Minuten. Weder dem Asylgesetz noch den Verord-
nungen dazu sind Angaben über eine zulässige Höchstdauer von Anhörun-
gen zu entnehmen; auch das Bundesverwaltungsgericht hat entgegen den
Ausführungen in der Beschwerde nicht festgelegt, dass eine Anhörung zu
den Asylgründen maximal vier Stunden dauern dürfe. Aus den Akten erge-
ben sich keine Hinweise, die darauf schliessen liessen, dass der Be-
schwerdeführer der Anhörung nicht mehr hätte folgen können oder auf-
grund deren Dauer anderweitig überfordert gewesen wäre, an der Abklä-
rung des Sachverhalts mitzuwirken. Die in diesem Zusammenhang vorge-
brachten Rügen sind demnach unbegründet.
5.7 Zusammenfassend gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass das SEM den Anspruch der Beschwerdeführenden auf Ak-
teneinsicht und somit einen Teilgehalt des rechtlichen Gehörs verletzte.
Des Weiteren stellte es den Sachverhalt in Bezug auf die Konversion der
Beschwerdeführerin zum Christentum nicht vollständig fest. Zudem prüfte
es nicht, ob die Beschwerdeführenden durch ihre Konversion zum Chris-
tentum bei einer Rückkehr in den Iran mit ernsthaften Nachteilen zu rech-
nen hätten beziehungsweise, in welcher Situation sie sich bei einer Rück-
kehr in den Iran als praktizierende Christen wiederfinden würden. Schliess-
lich sind hinsichtlich der exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerdeführers
nach Erlass der angefochtenen Verfügung und den beiden Vernehmlas-
sungen neue Sachverhaltselemente hinzugekommen.
6.
6.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an
die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-
stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-
ren ist. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör führt grund-
sätzlich ebenfalls zur Kassation und Rückweisung der Sache an die Vor-
instanz. Die Heilung von Gehörsverletzungen aus prozessökonomischen
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Seite 33
Gründen ist auf Beschwerdeebene unter gewissen Voraussetzungen mög-
lich.
6.2 Aufgrund der Berechtigung mehrerer der erhobenen formellen Rügen,
drängt sich vorliegend eine Kassation der angefochtenen Verfügung auf.
Die festgestellten Gehörsverletzungen sind angesichts der vorstehenden
Erwägungen nicht als marginal einzustufen. Das Bundesverwaltungsge-
richt verfügt nicht mehr über die volle Kognition, was eine zwingende Be-
dingung zur Heilung von nicht leicht zu nehmenden Verfahrensverletzun-
gen wäre. Das SEM ist der Aufforderung der vormaligen Instruktionsrichte-
rin, dem Rechtsvertreter (in seinen Räumlichkeiten in Bern-Wabern) Ein-
sicht in diejenigen von den Beschwerdeführenden eingereichten Beweis-
mitteln zu geben, in die bisher keine Einsicht gewährt worden sei, hinsicht-
lich der im nachträglich aufgefundenen «schwarzen Ordner» abgelegten
Beweismittel bis zum heutigen Zeitpunkt nicht nachgekommen. Betreffend
die Konversion der Beschwerdeführenden zum Christentum wurde einer-
seits der Sachverhalt nicht vollständig erstellt, andererseits der als erstellt
erachtete Sachverhalt nicht gewürdigt, womit das SEM seine Begrün-
dungspflicht verletzte. In seinen Vernehmlassungen ging das SEM auf die
diesbezüglich zu Recht erhobenen Rügen nicht ein. Aufgrund der heutigen
Aktenlage werden auch die exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerdefüh-
rers und damit seine mögliche Gefährdung einer umfassenden Würdigung
unterzogen werden müssen. Es ist nicht Aufgabe des Bundesverwaltungs-
gerichts als vorliegend einziger Beschwerdeinstanz, für eine vollständige
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen, zumal diese
Abklärungen in ihrem Umfang und ihrer Dauer den für das Bundesverwal-
tungsgericht vertretbaren Aufwand überschreiten. Vor diesem Hintergrund
ist das Verfahren an das SEM zurückzuweisen.
7.
Bei dieser Sachlage erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit den weite-
ren Vorbringen, Ausführungen und Anträgen in der Beschwerde und den
eingereichten Beweismitteln.
8.
Die Beschwerde ist gutzuheissen, soweit beantragt wird, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben und die Sache dem SEM zur vollständigen und
richtigen Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
und zur Neubeurteilung zurückzuweisen [4]. Das SEM wird bezüglich der
von den Beschwerdeführenden im vorinstanzlichen Verfahren eingereich-
ten Beweismittel sein Akten- beziehungsweise Beweismittelverzeichnis zu
D-99/2020
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ergänzen und zu präzisieren haben. Danach wird es den Beschwerdefüh-
renden in geeigneter Weise Einsicht in die im «schwarzen Ordner» abge-
legten Beweismittel zu gewähren haben. Des Weiteren wird das SEM den
Sachverhalt hinsichtlich der von der Beschwerdeführerin geltend gemach-
ten Konversion zum Christentum und der vom Beschwerdeführer vorge-
brachten exilpolitischen Aktivitäten vollständig zu erstellen haben. Allen-
falls werden die Beschwerdeführenden zu den noch nicht vollständig ab-
geklärten Sachverhaltselementen ergänzend zu befragen sein. Nach den
vorstehend aufgezeigten Verfahrensschritten wird das SEM allenfalls das
Bestehen einer möglichen Gefährdung der Beschwerdeführenden im Iran
durch die Konversion zum Christentum zu prüfen und der diesbezüglichen
Begründungspflicht zu genügen haben. Schliesslich wird es die vom Be-
schwerdeführer an den Tag gelegten exilpolitischen Aktivitäten im Rahmen
einer Gesamtsicht festzustellen und zu prüfen haben.
9.
Die auf Beschwerdeebene eingereichten Beweismittel sind bei diesem Ver-
fahrensaus zusammen mit den Beschwerdeakten D-99/2020 an das SEM
zu übermitteln.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63
Abs. 1 und 2 VwVG).
11.
Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts des Ausgangs des
Verfahrens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädi-
gung für die ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-
chen. Es wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb die notwendigen
Parteikosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine
VGKE). Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Ausführungen in den auf
Beschwerdeebene gemachten Eingaben teilweise weitschweifig und re-
dundant sind. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfak-
toren (Art. 9–13 VGKE) ist den Beschwerdeführenden zulasten des SEM
eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 3000.– (inkl. Auslagen und
Mehrwertsteuerzuschlag) zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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