Decision ID: bfcc5573-8f8b-4651-bb63-52204aba9ffb
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:
Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau führt gegen A. eine Strafuntersu-
chung wegen grober, evt. qualifiziert grober Verletzung der Verkehrsregeln
(Art. 90 Abs. 2 SVG, evt. Art. 90 Abs. 3 SVG).
2.1.
Mit Gesuch vom 31. Januar 2022 gelangte die Staatsanwaltschaft Lenz-
burg-Aarau an die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau und bean-
tragte die Einsetzung von Rechtsanwältin Fabienne Brunner als notwen-
dige amtliche Verteidigung für A.
2.2.
Mit Verfügung vom 1. Februar 2022 wurde Rechtsanwältin Fabienne Brun-
ner mit Wirkung ab 31. Januar 2022 durch die Oberstaatsanwaltschaft des
Kantons Aargau als amtliche Verteidigerin von A. eingesetzt.
3.1.
Mit Beschwerde vom 10. Februar 2022 beantragte A. (fortan: Beschwerde-
führer) bei der Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des
Kantons Aargau:
" 1. Die angefochtene Verfügung der Oberstaatsanwaltschaft Aarau vom 01.02.2022 sei aufzuheben, eventualiter Rückweisung an die STAWA Lenzburg.
2. Die STAWA Lenzburg sei anzuhalten, dem Bf. das Recht, sich selbst  zu können, zu gewähren.
3. Die STAWA sei zu verpflichten, gegen den Bf. ein separates (Einzelfall) Verfahren zu führen.
4. Die hängige Beschwerde vom 29.1.22 in gleicher Sache (LSI 98.00.400500.01958015) sei mit der hiesigen Beschwerde ."
3.2.
Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau beantragte in ihrer Be-
schwerdeantwort vom 21. Februar 2022 die Abweisung der Beschwerde
unter Kostenfolgen.
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3.3.
Die als amtliche Verteidigerin eingesetzte Rechtsanwältin Fabienne Brun-
ner verzichtete mit Schreiben vom 22. Februar 2022 auf eine Stellung-
nahme.
3.4.
Mit Stellungnahme vom 8. März 2022 liess sich der Beschwerdeführer
nochmals vernehmen.

Considerations:
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
Gegen die Verfügungen und die Verfahrenshandlungen der Staatsanwalt-
schaft ist gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO die Beschwerde zulässig. Die
vorliegende Beschwerde richtet sich gegen eine Verfügung der Oberstaats-
anwaltschaft des Kantons Aargau, mit welcher eine notwendige amtliche
Verteidigung eingesetzt worden ist. Beschwerdeausschlussgründe gemäss
Art. 394 StPO liegen nicht vor. Damit ist die Beschwerde zulässig.
Die übrigen Eintretensvoraussetzungen sind erfüllt und geben zu keinen
Bemerkungen Anlass. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde
(vgl. Art. 396 Abs. 1 i.V.m. Art. 385 Abs. 1 StPO) ist einzutreten.
2.1.
Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau verweist in ihrer Verfü-
gung vom 1. Februar 2022 auf die Begründung des Gesuchs der Staatsan-
waltschaft Lenzburg-Aarau vom 31. Januar 2022. Im genannten Gesuch
wird zur Begründung für die Bejahung der notwendigen Verteidigung ange-
führt, dass die Staatsanwaltschaft vor dem erstinstanzlichen Gericht oder
dem Berufungsgericht persönlich auftreten werde (Art. 130 lit. d StPO).
2.2.
Dagegen bringt der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde im Wesentli-
chen vor, dass ihm nach der Geschwindigkeitsmessung vor Ort das Video
im Messfahrzeug nicht gezeigt worden sei. Danach sei er durch die Polizei
einvernommen worden. Anlässlich der Einvernahme habe ein Polizist dem
einvernehmenden Polizisten einen Zettel mit der Zahl "162" auf den Tisch
gelegt, wobei es sich gemäss Aussage des Letzteren um die gemessene
Höchstgeschwindigkeit gehandelt habe. Im Einvernahmeprotokoll sei in
Frage 22 eine Feststellung enthalten, wonach eine Spitzengeschwindigkeit
von 193 km/h erreicht worden sei. Der Polizist habe zu diesem Zeitpunkt
aber genau gewusst, dass die Messung nicht verwertbar sei. Diese Unver-
wertbarkeit stehe explizit im Polizeidatenblatt. Im Polizeidatenblatt betrage
die gemessene Höchstgeschwindigkeit 162 km/h, netto 149 km/h, was auf
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einer tatsächlichen Feststellung beruhe und auch verwertbar sei. Im Wei-
teren bestreitet der Beschwerdeführer die ihm gemachten Vorwürfe, insbe-
sondere auch, dass er in ein Rennen involviert gewesen sei. Sein Bekann-
ter B. sei separat unterwegs gewesen, womit der Beschwerdeführer kein
Mittäter sei, wie ihm das vorgeworfen werde. Dem Beschwerdeführer
werde seit Beginn der Strafuntersuchung die Gewährung eines gerechten
und fairen Verfahrens gemäss Art. 6 Abs. 1 EMRK willkürlich verweigert.
Der Straffall biete in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht keine Schwierig-
keiten, denen der Beschwerdeführer nicht gewachsen wäre, weshalb eine
amtliche Verteidigung explizit abgelehnt werde. Die Sachverhaltsdarstel-
lung der Oberstaatsanwaltschaft verletze Bundesrecht und entbehre jegli-
cher Grundlage.
2.3.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 21. Februar 2022 bringt die Oberstaats-
anwaltschaft des Kantons Aargau vor, dass die Staatsanwaltschaft Lenz-
burg-Aarau gegen den Beschwerdeführer eine Strafuntersuchung wegen
grober, evt. qualifizierter grober Verkehrsregelverletzung führe. Da dem
Beschwerdeführer eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr drohe,
liege ein Fall der notwendigen Verteidigung vor. In casu sei ein Fall gege-
ben, in welchem offensichtlich in sachverhaltlicher Hinsicht umstritten sei,
ob eine schwere Verkehrsverletzung gemäss Art. 90 Abs. 3 SVG vorliege,
welche eine notwendige amtliche Verteidigung erfordere. Die Bestellung
einer amtlichen Verteidigung könne auch gegen den Willen des Beschul-
digten erfolgen.
2.4.
In seiner Stellungnahme vom 8. März 2022 macht der Beschwerdeführer
geltend, dass der Sachverhalt keinesfalls umstritten sei. Die Staatsanwalt-
schaft sei hingegen verpflichtet, zur ausreichenden Klärung des Sachver-
halts beizutragen. Schliesslich moniert der Beschwerdeführer, dass die Un-
tersuchung durch die Staatsanwaltschaft durchgeführt werden müsse und
das Gericht nicht ein verlängerter Arm der Untersuchungsbehörde sei. Auf
die weiteren Einwände des Beschwerdeführers wird - soweit erforderlich -
in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen sein. Dies aber nur inso-
weit, als er zu der Beschwerdeantwort der Oberstaatsanwaltschaft des
Kantons Aargau vom 21. Februar 2022 Stellung nimmt. Das Replikrecht
gibt nämlich keinen Anspruch darauf, ausserhalb der Beschwerdefrist As-
pekte vorzutragen, die bereits mit der Beschwerde hätten vorgebracht wer-
den können (Urteil des Bundesgerichts 8C_478/2016 vom 7. Oktober 2016
E. 2.1).
- 5 -
3.1.
Strittig und zu prüfen ist, ob die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aar-
gau im vorliegenden Fall zu Recht von einer notwendigen Verteidigung
i.S.v. Art. 130 StPO ausgegangen ist und eine solche angeordnet hat.
3.2.
3.2.1.
Gemäss Art. 130 StPO muss die beschuldigte Person notwendig verteidigt
werden, wenn u.a. die Untersuchungshaft einschliesslich einer vorläufigen
Festnahme mehr als 10 Tage gedauert hat (lit. a), wenn eine Freiheitsstrafe
von mehr als einem Jahr, eine freiheitsentziehende Massnahme oder eine
Landesverweisung droht (lit. b), wenn die beschuldigte Person wegen ihres
körperlichen oder geistigen Zustandes oder aus anderen Gründen ihre Ver-
fahrensinteressen nicht ausreichend wahren kann und die gesetzliche Ver-
tretung dazu nicht in der Lage ist (lit. c) oder wenn die Staatsanwaltschaft
vor dem erstinstanzlichen Gericht oder dem Berufungsgericht persönlich
auftritt (lit. d). Die notwendige Verteidigung dient dem Zweck, der beschul-
digten Person einen fairen Prozess zu sichern (BGE 131 I 185 E. 3.2.4),
und garantiert das Prinzip der Waffengleichheit. Liegt ein Fall notwendiger
Verteidigung vor, so achtet die Verfahrensleitung darauf, dass unverzüglich
eine Verteidigung bestellt wird (Art. 131 Abs. 1 StPO). Sie ordnet eine amt-
liche Verteidigung an, wenn bei notwendiger Verteidigung die beschuldigte
Person trotz Aufforderung der Verfahrensleitung keine Wahlverteidigung
bestimmt oder wenn der Wahlverteidigung das Mandat entzogen wurde o-
der sie es niedergelegt hat und die beschuldigte Person nicht innert Frist
eine neue Wahlverteidigung bestimmt (Art. 132 Abs. 1 lit. a StPO).
3.2.2.
Gemäss Art. 130 lit. b StPO muss die beschuldigte Person in notwendiger
Weise verteidigt werden, wenn ihr eine Freiheitsstrafe von mehr als einem
Jahr, eine freiheitsentziehende Massnahme oder eine Landesverweisung
droht. Dabei ist nicht die abstrakte, sondern die konkrete Strafandrohung
massgebend (RUCKSTUHL, in: Basler Kommentar, Schweizerische Straf-
prozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 18 zu Art. 130 StPO; LIEBER, in:
Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizeri-
schen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2020, N. 16 zu Art. 130 StPO). Wegen
der Wirkung von Art. 131 Abs. 3 StPO muss die Staatsanwaltschaft bei der
zu stellenden Prognose vorsichtig sein, so dass im Zweifelsfall die notwen-
dige Verteidigung anzunehmen ist (SCHMID/JOSITSCH, Schweizerische
Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N 7 zu Art. 130
StPO).
3.2.3.
Gemäss Art. 130 lit. d StPO muss die beschuldigte Person verteidigt wer-
den, wenn die Staatsanwaltschaft vor dem erstinstanzlichen Gericht oder
https://www.swisslex.ch/doc/aol/6c9d7b56-b03b-4b17-896c-9f49f08879ce/315c575f-b12a-4355-a1ad-3474409d0494/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/unknown/0f543461-936b-4e86-9efa-0004d781f41d/citeddoc/b1d34ac6-73fa-4c92-8043-8160c1de6971/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/12fe3830-cf12-44f4-a493-0b1c8476d464/315c575f-b12a-4355-a1ad-3474409d0494/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/6d7d7e6c-34d4-4932-96d7-ef73a194a494/315c575f-b12a-4355-a1ad-3474409d0494/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/6c9d7b56-b03b-4b17-896c-9f49f08879ce/315c575f-b12a-4355-a1ad-3474409d0494/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/6c9d7b56-b03b-4b17-896c-9f49f08879ce/315c575f-b12a-4355-a1ad-3474409d0494/source/document-link
- 6 -
dem Berufungsgericht persönlich auftritt. Gemeint ist damit sowohl das frei-
willige wie das obligatorische Auftreten der Staatsanwaltschaft vor erster
Instanz oder vor dem Berufungsgericht. Grundsätzlich steht es im Ermes-
sen der Staatsanwaltschaft, ob sie persönlich vor Gericht auftritt oder nur
in Gestalt eines schriftlichen Antrags (Art. 337 Abs. 1 StPO). Wenn sie
allerdings eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr oder eine freiheits-
entziehende Massnahme beantragt, dann muss sie die Anklage vor Gericht
persönlich vertreten (Art. 337 Abs. 3 StPO). Zudem kann auch das Gericht
die Staatsanwaltschaft zur persönlichen Vertretung der Anklage verpflich-
ten (Art. 337 Abs. 4 StPO). Das Prinzip der Waffengleichheit wird aus dem
Recht auf ein faires Verfahren (vgl. Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 3 Abs. 2 lit. c
StPO und Art. 6 Ziff. 1 EMRK) abgeleitet. Mit Blick auf die Waffengleichheit
im Verhältnis zur Staatsanwaltsanwaltschaft ist dem Beschwerdeführer ge-
mäss Art. 132 Abs. 1 i.V.m. Art. 130 lit. d StPO (erst) dann eine amtliche
Verteidigung zu bestellen, wenn die Staatsanwaltschaft vor dem erstin-
stanzlichen Gericht oder dem Berufungsgericht persönlich auftreten sollte
(vgl. zum Ganzen: Urteile des Bundesgerichts 1B_72/2021 vom 9. April
2021 E. 4.2 und 1B_12/2019 vom 14. Mai 2019 E. 2.6).
3.2.4.
3.2.4.1.
Gegen den Beschwerdeführer wird ein Strafverfahren wegen grober,
evt. grob qualifizierter Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsge-
setz geführt (Art. 90 Abs. 2, evt. Art. 90 Abs. 3 SVG). Es wird ihm – zum
jetzigen Zeitpunkt – eine Geschwindigkeitsüberschreitung auf der Auto-
bahn vorgeworfen, wobei das nachfahrende Polizeifahrzeug eine Ge-
schwindigkeit von 193 km/h erreicht habe. Ferner soll sich der Beschwer-
deführer an einem illegalen Rennen mit B. beteiligt haben.
3.2.4.2.
Mit Freiheitsstrafe von einem bis zu vier Jahren wird bestraft, wer durch
vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln das hohe Risiko eines
Unfalls mit Schwerverletzen oder Todesopfern eingeht, namentlich durch
besonders krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit,
waghalsiges Überholen oder Teilnahme an einem nicht bewilligten Rennen
mit Motorfahrzeugen (Art. 90 Abs. 3 SVG). Was unter einem "Rennen" zu
verstehen ist, ergibt sich aus der Rechtsprechung des Bundesgerichts, wo-
nach vorausgesetzt werden muss, dass sich mindestens zwei Personen
spontan oder geplant dazu entschliessen, "sich gegenseitig in ihrer fahre-
rischen Stärke und der Leistungskraft des eigenen Wagens zu überbieten"
(BGE 130 IV 58 E. 9.1.1). Von Art. 90 Abs. 3 SVG erfasst sind auf jeden
Fall die typischen Raserrennen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
1B_403/2013 vom 19. Juni 2014 E. 5.2). Art. 90 Abs. 3 SVG ist zudem in
jedem Fall erfüllt, wenn die erlaubte Höchstgeschwindigkeit in der in Art. 90
Abs. 4 SVG aufgeführten Höhe überschritten wird.
https://www.swisslex.ch/doc/aol/34313a26-2430-4380-82cc-51ac64c4de35/315c575f-b12a-4355-a1ad-3474409d0494/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/34313a26-2430-4380-82cc-51ac64c4de35/315c575f-b12a-4355-a1ad-3474409d0494/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/36d22518-08ea-4aa7-b34b-a486b1c34a98/4930fef0-f31a-4a5f-abe6-d8da09fd437a/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/7c6c31cc-47da-42c1-976f-d39cef8eb594/315c575f-b12a-4355-a1ad-3474409d0494/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/7c6c31cc-47da-42c1-976f-d39cef8eb594/315c575f-b12a-4355-a1ad-3474409d0494/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/575c3ecf-0465-4b6c-ae21-64cb3a288f9b/eddc4ea5-1065-4aad-aa7b-5ff005425730/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/6c9d7b56-b03b-4b17-896c-9f49f08879ce/315c575f-b12a-4355-a1ad-3474409d0494/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/unknown/de9b2775-2ab8-4b6a-bfbb-00590e1e80bd/citeddoc/2c165edc-319f-4ded-b9a9-df101948c41a/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/unknown/de9b2775-2ab8-4b6a-bfbb-00590e1e80bd/citeddoc/2c165edc-319f-4ded-b9a9-df101948c41a/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/unknown/ad914662-2fd5-40b6-8bca-84f7817d3388/citeddoc/db466d40-9fe1-425b-ad6f-1d8f7434972f/source/document-link
- 7 -
3.2.4.3.
Soweit der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde materielle sowie be-
weisrechtliche Einwände vorbringt, ist er vorab darauf hinzuweisen, dass
derartige Fragen nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfah-
rens sind. Über materielle wie auch beweisrechtliche Vorbringen wird - im
Falle einer Anklageerhebung - das Sachgericht zu befinden haben. Im vor-
liegenden Fall ist aufgrund der Akten einzig zu beurteilen, ob für den Be-
schwerdeführer eine notwendige Verteidigung i.S.v. Art. 130 StPO anzu-
ordnen ist.
Durch den Beschwerdeführer wird gemäss seiner Beschwerde und seiner
Aussage anlässlich der Einvernahme vom 27. August 2021 eine Geschwin-
digkeitsüberschreitung grundsätzlich anerkannt. Er macht jedoch geltend,
lediglich mit einer Geschwindigkeit von 162 km/h (brutto) gefahren zu sein.
Ferner streitet der Beschwerdeführer ab, an einem Rennen beteiligt gewe-
sen zu sein.
Als mögliches Beweismittel für die Vorwürfe liegt das Video einer Polizei-
patrouille vor, welches während der Nachfahrt des Beschwerdeführers auf-
genommen wurde. Auf dem Video ist zu erkennen, wie der Beschwerde-
führer und das neben ihm fahrende Fahrzeug die Geschwindigkeit zu-
nächst deutlich reduzieren (auf ca. 111 km/h) um kurz darauf massiv zu
beschleunigen, wobei das nachfahrende Polizeifahrzeug eine Geschwin-
digkeit von über 190 km/h erreicht. Beim Fahrzeuginsassen im anderen
Fahrzeug handelt es sich um B., ein Bekannter des Beschwerdeführers,
gegen welchen ebenfalls ein Strafverfahren geführt wird. Dass es sich beim
Insassen im fraglichen Fahrzeug auf dem Video um den Beschwerdeführer
handelt, wird von diesem nicht bestritten.
Nach Sichtung der Videosequenz muss zum jetzigen Zeitpunkt festgestellt
werden, dass dem Beschwerdeführer durchaus eine Freiheitsstrafe von ei-
nem Jahr oder mehr drohen könnte (Art. 90 Abs. 3 SVG).
Aufgrund der massiven Beschleunigung im Gleichgang mit dem Fahrzeug
von B. neben dem Beschwerdeführer sind konkrete Indizien für die Teil-
nahme an einem nicht bewilligten Rennen gegeben. Die diesbezüglich vor-
gebrachten Einwendungen des Beschwerdeführers in seiner Beschwerde
sind wenig plausibel. Insbesondere erklären sie nicht die Tatsache, dass
sowohl der Beschwerdeführer wie auch B. gleichzeitig die Geschwindigkeit
reduzieren um kurz darauf wiederum gleichzeitig zu beschleunigen. Dem
Video bzw. den darin enthaltenen verbalen Kommentierungen der Polizis-
ten kann entnommen werden, wie der Beschwerdeführer und B. zunächst
hintereinanderfahren, der Beschwerdeführer in der Folge auf den Normal-
streifen neben B. wechselt, (grundlos) abbremst und danach im Gleichgang
mit B. derart stark beschleunigt, dass er das ihn verfolgende Polizeifahr-
zeug zunächst richtiggehend zurücklässt. Auf dem Polizeivideo ist hierbei
- 8 -
eine Geschwindigkeit des nachfahrenden Polizeifahrzeugs von über 190
km/h verzeichnet. Der Beschwerdeführer und B. bremsen schliesslich erst
wieder ab, als sich weitere Fahrzeuge auf der Fahrbahn vor ihnen befinden
und dadurch eine parallele Weiterfahrt verunmöglichen. Bezüglich des Vor-
falls werden möglicherweise auch die Aussagen der Polizisten von Bedeu-
tung sein bzw. zur Klärung des Sachverhalts beitragen. Aufgrund der im
Video dokumentierten sehr hohen Geschwindigkeit des Beschwerdefüh-
rers, der Dunkelheit und den weiteren Verkehrsteilnehmern auf der Fahr-
bahn, kann jedenfalls auch ein hohes Risiko eines Unfalls mit Schwerver-
letzten oder Todesopfern nicht von vornherein ausgeschlossen werden.
Im Ergebnis werden dem Beschwerdeführer durch die Staatsanwaltschaft
Lenzburg-Aarau die Teilnahme an einem nicht bewilligten Rennen und eine
massive Geschwindigkeitsüberschreitung vorgeworfen, wobei es sich um
grobe, evt. grob qualifizierte Widerhandlungen gegen das Strassenver-
kehrsgesetz handelt (Art. 90 Abs. 2, evt. Art. 90 Abs. 3 SVG). Dass der
Sachverhalt noch umstritten ist, vermag daran nichts zu ändern und ist den
meisten Strafverfahren inhärent. Entgegen den Vorbringen des Beschwer-
deführers kann bei einem umstrittenen Sachverhalt gerade kein Strafbefehl
erlassen werden (vgl. Art. 352 Abs. 1 StPO). Art. 90 Abs. 2 SVG statuiert
eine Freiheitstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe und Art. 90 Abs. 3
SVG eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr und höchstens vier
Jahren. Aufgrund der momentanen Aktenlage erscheint eine Sanktion von
über einem Jahr Freiheitsstrafe zurzeit jedenfalls im Bereich des Mögli-
chen, selbst wenn der Beschwerdeführer einen unbescholtenen Leumund
haben sollte.
Wie dem Gesuch der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 31. Januar
2022 entnommen werden kann, wird diese zudem an der erstinstanzlichen
Verhandlung teilnehmen, womit sie manifestiert, das Strafverfahren vor
dem Gericht zur Anklage zu bringen und auch persönlich zu vertreten. Eine
Teilnahme der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau an der erstinstanzli-
chen Hauptverhandlung wird im Hinblick auf den umstrittenen Sachverhalt,
die zu klärenden verfahrensrechtlichen und materiellen Fragen sowie das
in Frage stehende Strafmass ohnehin erforderlich sein. Da die Staatsan-
waltschaft Lenzburg-Aarau an der erstinstanzlichen Verhandlung teilneh-
men wird und dem Beschwerdeführer eine Freiheitsstrafe von über einem
Jahr droht, sind sowohl die Voraussetzungen gemäss Art. 130 lit. b wie
auch lit. d StPO gegeben, womit eine notwendige Verteidigung anzuordnen
war. Die angefochtene Verfügung der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons
Aargau vom 1. Februar 2022 ist folglich nicht zu beanstanden und die Be-
schwerde erweist sich als unbegründet, womit sie in diesem Punkt abzu-
weisen ist.
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Weiter beantragt der Beschwerdeführer, seine hängige Beschwerde vom
29. Januar 2022 in gleicher Sache mit der vorliegenden Beschwerde zu
behandeln. Über die Beschwerde vom 29. Januar 2022 wurde mit Ent-
scheid vom 4. Februar 2022 (SBK.2022.40) durch die Beschwerdekammer
in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Aargau bereits befunden,
womit sich dieser Verfahrensantrag als gegenstandslos erweist und folglich
nicht weiter zu behandeln ist.
Der Beschwerdeführer beantragt schliesslich, dass die Staatsanwaltschaft
Lenzburg-Aarau zu verpflichten sei, sein Verfahren von dem gegen B. ge-
führten zu trennen. Auf diesen Antrag, welcher sich gegen den Grundsatz
der Verfahrenseinheit (Art. 29 StPO) richtet, ist nicht einzutreten, da dieser
nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung ist.
Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist
somit abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem Verfahrens-
ausgang sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ein Anspruch auf Entschädigung
besteht nicht.