Decision ID: f631c7fe-efe2-51e5-999a-5c085204c7eb
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 6. Januar 2017 in der Schweiz um Asyl
nach. Am 11. Januar 2017 folgte eine Befragung zur Person (BzP). Auf-
grund unterschiedlicher Altersangaben gegenüber verschiedenen Behör-
denstellen, wegen fehlender Identitäts- und Reisedokumente sowie auf-
grund eines deutlich älteren äusseren Erscheinungsbildes des Beschwer-
deführers wurde ihm am 11. Januar 2017 zu seinen unterschiedlichen Al-
tersangaben das rechtliche Gehör gewährt. Das SEM teilte ihm im An-
schluss daran mit, dass es ihn infolge unglaubhafter Minderjährigkeit als
volljährig erachte und für das weitere Asylverfahren als volljährige Person
behandle.
Das SEM beendete am 1. Mai 2017 das zuvor eingeleitete Dublin-Verfah-
ren und teilte dem Beschwerdeführer mit, sein Asylgesuch werde in der
Schweiz durchgeführt. Am 14. September 2018 wurde er vertieft und am
24. September 2019 ergänzend angehört.
Der Beschwerdeführer machte in Bezug auf seine Person anlässlich der
BzP geltend, er sei in Pakistan geboren und habe bis zu seiner Ausreise
im Grossraum B._ im Punjab gelebt. Er bezeichnete sich als pakis-
tanischen Staatsangehörigen, dem Familienverband der Jat (Jutt) angehö-
rend. Anlässlich der Anhörungen vom 14. und 24. September 2018 machte
er geltend, sein im Jahre 2012 verstorbener Vater sei afghanischer Staats-
angehöriger gewesen. Er habe in Pakistan über eine Flüchtlingskarte ver-
fügt. Seine Mutter habe ihre ursprüngliche pakistanische Staatsangehörig-
keit mit der Heirat verloren. Deshalb verfüge er – der Beschwerdeführer –
nicht über die pakistanische Staatsangehörigkeit, sondern über die afgha-
nische. Als afghanischer Staatsangehöriger seien seine Rechte in Pakistan
auf Schulbildung und berufliches Fortkommen beschränkt gewesen. Er
habe keine offizielle Aufenthaltsbewilligung erhalten. Er sei in der Heimat-
provinz seines Vaters – Nangarhar – behördlich registriert. Er begründete
sein Asylgesuch im Wesentlichen damit, er habe seit ungefähr 2012 bei
einem Bauern in der Umgebung von B._ gearbeitet. Dieser habe
ihm nach zirka einem Jahr ermöglicht, bei seiner Tochter C._ Nach-
hilfeunterricht zu geniessen. Er und C._ hätten sich ineinander ver-
liebt. Anfang 2016 seien sie von seinem Arbeitgeber und Vater von
C._ in flagranti erwischt worden, als sie sich umarmt hätten. Da-
raufhin habe dieser ihn beschimpft, geschlagen, ihm mit dem Tod gedroht
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und ihn aus dem Haus geworfen, worauf er weggerannt sei. Sein ehemali-
ger Arbeitgeber habe ihn bei der Polizei angezeigt, weil er Afghane sei und
über keine gültigen Papiere verfüge. Zudem habe er ihn bezichtigt, terro-
ristische Anschläge verüben zu wollen. Deshalb sei der Beschwerdeführer
zu seiner Mutter ins Nachbardorf gegangen. Nachdem ihn die Polizei ge-
sucht habe, habe er sich an verschiedenen Orten im Umkreis von
B._ aufgehalten. Deshalb habe er sich zur Ausreise entschlossen.
Er fürchte sich im Falle einer Rückkehr nach Pakistan als vermeintlicher
Terrorist polizeilich gesucht zu werden. Er könne auch nicht nach Afgha-
nistan gehen, obwohl er dort Anspruch auf Ländereien habe, jedoch nicht
wisse, wie er diesen durchsetzen könne, da ihm die dortigen Verwandten
nicht wohlgesinnt seien.
Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen.
Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte er Fotos, seine Tazkera im
Original sowie betreffend seinen Vater eine Tazkera in Kopie und afghani-
sche Todesbescheinigung im Original als Beweismittel zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 5. März 2021 – eröffnet am 10. März 2021 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht
und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung
aus der Schweiz und den Vollzug an. Die Vorinstanz begründete ihren Ent-
scheid damit, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforde-
rungen an die Glaubhaftmachung nicht standhalten.
C.
Mit Eingabe vom 6. April 2021 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht durch seinen Rechtsvertreter dagegen Beschwerde
und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Gewäh-
rung von Asyl und eventualiter die vorläufige Aufnahme in der Schweiz. In
prozessualer Hinsicht ersuchte er um Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses und sinngemäss auf die Auferlegung von Verfahrenskos-
ten.
D.
Mit Verfügung vom 9. April 2021 wurde die Eingabe des Rechtsmittels be-
stätigt und festgestellt, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Ver-
fahrens in der Schweiz abwarten dürfe.
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E.
Am 12. April 2021 wurde eine Sozialhilfebestätigung vom 7. April 2021 ein-
gereicht.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
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Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 sowie BVGE 2013/11 E. 5.1; ANNE KNEER und LINUS
SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfahren – Ein Überblick
über die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, Asyl 2/2015
S. 5).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründet ihre Verfügung damit, die angeblich fehlende
pakistanische und die angebliche afghanische Staatsangehörigkeit des
Beschwerdeführers seien als unglaubhaft zu erachten. So sei nicht nach-
vollziehbar, weshalb er nicht bereits auf seinem Personalienblatt und im
Rahmen der BzP ausdrücklich auf seine fehlende pakistanische und seine
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afghanische Staatsangehörigkeit hingewiesen habe. Zudem habe er bei
der vorgängigen Anmeldung bei den österreichischen Asylbehörden offen-
bar ebenfalls "Pakistan" als seine Staatsangehörigkeit angegeben. Seine
Schilderungen würden auch nicht den Eindruck vermitteln, dass er in einem
(auch) afghanisch geprägten Exilmilieu aufgewachsen und sozialisiert wor-
den sei. Ferner seien seine Angaben zu weiteren Gegebenheiten afghani-
scher Staatsangehöriger in Pakistan, wie sie von einem in Pakistan aufge-
wachsenen und wohnhaft gewesenen afghanischen Staatsangehörigen zu
erwarten wären, einsilbig ausgefallen. Sodann habe er kein einziges in Pa-
kistan ausgestelltes Dokument eingereicht, aus welchem seine afghani-
sche Staatsangehörigkeit direkt oder allenfalls nur indirekt hervorginge
(beispielsweise eine Geburtsbescheinigung, eine zivilrechtliche Erfassung
und Registrierung seiner Geburt oder eine verwaltungsrechtliche Erfas-
sung seines Aufenthaltes in Pakistan). Seine Erklärung, weshalb er keine
Schulbestätigung und kein Schulzeugnis der von ihm während mehrerer
Jahre besuchten Privatschule erhalten habe – Zeugnisse würden nicht
ausgehändigt und Klassenbeförderungen nur mündlich mitgeteilt – sei als
Schutzbehauptung zu werten. Weiter habe er keine Kopie der pakistani-
schen Ehebescheinigung seiner Eltern und keine pakistanische Todesbe-
scheinigung seines in Pakistan bei einem Arbeitsunfall verstorbenen Vaters
beigebracht. Der angebliche Verlust der pakistanischen Staatsangehörig-
keit seiner Mutter aufgrund ihrer Heirat mit einem afghanischen Staatsan-
gehörigen – weshalb auch er über keine pakistanische Staatsangehörigkeit
verfüge – sei nicht nachvollziehbar, zumal er auch keine entsprechenden
Dokumente vorgelegt habe. Gemäss der pakistanischen Gesetzgebung
würden selbst im Ausland wohnhafte pakistanische Frauen durch Heirat
mit einem Ausländer ihre pakistanische Staatsangehörigkeit nicht verlie-
ren. Zudem würden pakistanische Mütter ihre pakistanische Staatsange-
hörigkeit ihren Kindern weitergeben. Die vom Beschwerdeführer im Okto-
ber 2018 eingereichten afghanischen Dokumente seien nicht geeignet,
seine allfällige afghanische Staatsangehörigkeit und den Nichtbesitz einer
pakistanischen Staatsangehörigkeit glaubhaft zu machen. Derartige Doku-
mente seien leicht erhältlich und deshalb nur von geringer Beweiskraft. Ins-
gesamt sei von der pakistanischen Staatsangehörigkeit des Beschwerde-
führers auszugehen. Ob er zusätzlich auch über die afghanische Staats-
angehörigkeit verfüge, könne offenbleiben.
Ferner bezeichnete die Vorinstanz das Kernvorbringen des Beschwerde-
führers – das Ereignis, das ihn zu seiner Ausreise aus Pakistan veranlasst
habe (die Schläge und Drohungen und die Anzeige seines früheren Arbeit-
gebers bei der Polizei sowie die anschliessende polizeiliche Suche wegen
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Terrorismus) – als eindimensional und überspitzt dargestellt und damit als
unglaubhaft. Es wäre zu erwarten gewesen, dass die emotionale Bezie-
hung zwischen dem Beschwerdeführer und der Tochter C._ seines
Arbeitsgebers nicht erst nach rund drei Jahren festgestellt und beobachtet
worden wäre. Auch erscheine die heftige und klischeehafte Reaktion des
Arbeitgebers und Vaters von C._ übertrieben dargestellt. Der Um-
stand, dass dieser den Beschwerdeführer bereits drei Jahre lang in einem
privaten häuslichen Rahmen durch C._ habe unterrichten lassen,
weise auf ein vergleichsweise offenes Gesellschaftsbild des Arbeitgebers
hin und wäre in einem streng islamisch geprägten Familienverband wohl
gar nicht zugelassen worden. Zudem wäre eine Anzeige gegen den Be-
schwerdeführer als "illegaler Afghane und gefährlicher Terrorist" geeignet
gewesen, ihm selbst Ärger einzutragen, etwa in Form eines gegen ihn er-
hobenen behördlichen Vorwurfs, während längerer Zeit einen "illegalen Af-
ghanen und Terroristen" bei sich beherbergt zu haben. Ferner sei fraglich,
ob die pakistanischen Polizeibehörden den Beschwerdeführer allein auf-
grund der Beschuldigung durch den Arbeitgeber, die letztlich auf eine nicht
statthafte Liebesbeziehung zurückgegangen sei, tatsächlich und ohne wei-
tere konkreten Anhaltspunkte als Terroristen ausschreiben würden. Zwar
könne polizeiliche Willkür in Pakistan in einem Einzelfall nicht von vornhe-
rein ausgeschlossen werden. Dennoch sei anzunehmen, dass die pakista-
nischen Polizeibehörden bei einem derart gravierenden Vorwurf wie Terro-
rismus eine polizeiliche Ausschreibung als Terrorist nicht ohne einen tat-
sächlich bestehenden Anlass und Anfangsverdacht vornehmen würden.
5.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, es sei nachvollziehbar, dass er
sich zuerst als pakistanischer Staatsangehöriger bezeichnet habe, habe er
in Pakistan doch sein ganzes Leben verbracht. Dass er eine andere Nati-
onalität besitze, sei für ihn daher weniger bedeutsam gewesen. Er habe
seine afghanische Staatsangehörigkeit dokumentiert. Er habe zudem nie
vorgebracht, in einem (auch) afghanischen Milieu aufgewachsen zu sein.
Entgegen der Argumentation der Vorinstanz gebe es nicht den typischen
Exil-Afghanen, der in Pakistan klar definierte Kontakte pflege und entspre-
chend eingeordnet werden könne. Im Gegensatz zur Schweiz sei es in Pa-
kistan praktisch unmöglich, die von der Vorinstanz erwarteten Unterlagen
zu beschaffen. Paradoxerweise bezeichne diese derartige Dokumente so-
gleich auch als leicht käuflich und spreche ihnen nur geringe Beweiskraft
zu. Hinsichtlich der von ihm geschilderten Ereignisse auf dem Bauernhof
habe die Vorinstanz diese zu Unrecht als unglaubhaft bezeichnet. Die hef-
tige Reaktion des früheren Arbeitgebers auf die festgestellte emotionale
Nähe des Beschwerdeführers zu dessen Tochter C._ sei plausibel.
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6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu
Recht abgelehnt hat. Dabei ist sie zu Recht von dessen pakistanischen
Staatsangehörigkeit ausgegangen. Dessen Entgegnungen, wonach er
ausschliesslich afghanischer Staatsangehöriger sei, überzeugen nicht. Ins-
besondere hätte erwartet werden dürfen, dass er von sich aus zu Beginn
des Asylverfahrens darauf hinweist, dass er zwar in Pakistan geboren und
bis zur Ausreise gelebt habe, jedoch nicht über die pakistanische, sondern
(lediglich) über die afghanische Staatsangehörigkeit verfügt. Stattdessen
hat er damals wiederholt Pakistan als seine Staatsangehörigkeit angege-
ben (BzP S. 3, 1.09, 1.11. 1.15). Trotz entsprechender Aufforderung an-
lässlich der Erstanhörung vom 14. September 2018 und der Zweitanhö-
rung vom 24. September 2019 reichte er keine Unterlagen ein, denen all-
fällige Hinweise auf seine mangelnde pakistanische Staatsangehörigkeit
oder seinen Aufenthaltsstatus in Pakistan hätten entnommen werden kön-
nen (vgl. A40 F7 f., A47 F44 ff.). Dies hätte von ihm jedoch erwartet werden
können, zumal er mit seiner Mutter weiterhin in Kontakt stehen will (vgl.
A47 F18 ff.), und diese ihm bereits Unterlagen betreffend die afghanische
Staatsangehörigkeit seines Vaters und zur eigenen afghanischen Staats-
angehörigkeit zugestellt habe (A47 F60). Der Erklärungsversuch zur feh-
lenden Beschaffungsmöglichkeit solcher Dokumente in Pakistan muss als
Schutzbehauptung zurückgewiesen werden. An dieser Stelle ist überdies
zu bemerken, dass der Beschwerdeführer in der BzP vom 11. Januar 2017
bei der Frage nach seinen Beziehungen im Heimatstaat auch seinen Vater
erwähnt hatte und angab, dieser sei zirka 40-jährig (A9 S. 5). Demgegen-
über machte er anlässlich der Erstanhörung vom 14. September 2018 gel-
tend, sein Vater sei im Jahre 2012 verstorben, wobei er eine diesbezügli-
che Todesbescheinigung sowie dessen Tazkera in Kopie und eine eigene
Tazkera aus Afghanistan einreichte (vgl. A40 F9 ff., A41). Dies trägt nicht
zu seiner Glaubwürdigkeit bei. Unabhängig vom Beweiswert dieser Unter-
lagen würden sie seine mangelnde pakistanische Staatsangehörigkeit oh-
nehin nicht nachzuweisen vermögen. Weiterhin bliebe damit die Frage of-
fen, weshalb er sich vorab als pakistanischer Staatsangehöriger bezeich-
net hat. Der diesbezügliche Erklärungsversuch, Pakistan sei seine soziale
Heimat, überzeugt nicht. Weiter vermochte er keine Unterlagen einzu-
reichen, die den angeblichen Verlust der pakistanischen Staatsangehörig-
keit seiner Mutter durch die Heirat mit einem Ausländer belegen würde.
Sein Einwand, er kenne die damaligen Vorgänge und die pakistanische
Gesetzgebung nicht, trägt zu keiner Klärung bei, hätte er doch seine Mutter
entsprechend bitten können, solche Unterlagen zu beschaffen. Überdies
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hat die Vorinstanz berechtigterweise auf Art. 14 der pakistanischen Bürger-
rechtsgesetzgebung von 1951 (Citizenship Act) hingewiesen. Zudem er-
halten Kinder von pakistanischen Staatsangehörigen gemäss Art. 5 dieses
Gesetzes mit der Geburt automatisch die pakistanische Staatsbürger-
schaft. Nachdem sich die Aussagen des Beschwerdeführers zur angeblich
fehlenden pakistanischen Staatsangehörigkeit als unglaubhaft erwiesen
haben, bestehen gewichtige Zweifel an seiner persönlichen Glaubwürdig-
keit.
6.2 Schliesslich ist die Vorinstanz in ihren Erwägungen zur zutreffenden
Erkenntnis gelangt, dass die Verfolgungsvorbringen des Beschwerdefüh-
rers den Anforderungen an die Glaubhaftmachung nicht genügen. Seine
Entgegnungen sind nicht geeignet, zu einer anderen Schlussfolgerung zu
führen. Insbesondere überzeugt der Einwand, dass die heftige Reaktion
des früheren Arbeitgebers – eine Anzeige als illegaler Afghane und als Ter-
rorist – auf seine Liebschaft mit dessen Tochter C._ plausibel sei,
nicht, zumal sich der Arbeitgeber damit sehr wohl in den Fokus der pakis-
tanischen Behörden und in einen möglichen Zusammenhang mit einem
Terroristen, den er über drei Jahre lang bei sich habe arbeiten lassen, ge-
stellt hätte, was weit über sein Anliegen, seine Tochter vom Beschwerde-
führer fern zu halten, gegangen wäre. Der Hinweis des Beschwerdeführers
auf die angeblich unterschiedliche Verhaltensweise von Arbeitgebern in der
Schweiz und in Pakistan lässt keine andere Schlussfolgerung zu. Folglich
kann auch nicht geglaubt werden, er sei wegen Verdachts auf Terrorismus
behördlich gesucht worden. Das SEM hat sein Asylgesuch somit zu Recht
abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
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gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
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müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht
als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg-
weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim-
mungen zulässig.
8.4
8.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.4.2 In Pakistan herrscht nach konstanter Rechtsprechung, trotz teilweise
angespannter Lage, keine landesweite Situation allgemeiner Gewalt, die
zur Annahme führen müsste, jede dorthin zurückkehrende Person sei mit
erheblicher Wahrscheinlichkeit konkret gefährdet. Der Wegweisungsvoll-
zug ist daher nicht generell unzumutbar (vgl. dazu das Referenzurteil des
BVGer E-3258/2018 vom 2. Juni 2020 E. 12.4.1 sowie das Urteil des
BVGer D-2534/19 vom 7. April 2021 E. 8.4.2, m.w.H.).
8.4.3 Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, ergeben sich auch
keine individuellen Vollzugshindernisse. Dem hat der Beschwerdeführer
auch nichts entgegengehalten. Es kann auf die zutreffenden Erwägungen
in der angefochtenen Verfügung hingewiesen werden.
8.4.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
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8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
erweist sich mit vorliegendem Urteil als gegenstandslos.
10.2 Der mit der Beschwerde sinngemäss gestellte Antrag auf Erlass der
Verfahrenskosten ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vor-
stehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen waren,
weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind.
10.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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