Decision ID: 0e001e03-2cd7-5d06-b371-8339d71ebb0e
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 19. August 2021 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte,
dass das SEM mit tags darauf eröffneter Verfügung vom 7. September
2021 in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das
Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Slowe-
nien anordnete und den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz spä-
testens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen,
dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-
scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwer-
deführer verfügte,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 13. September 2021 gegen
diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und
dabei beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die
Vorinstanz anzuweisen, ihre Pflicht oder ihr Recht zum Selbsteintritt aus-
zuüben und sich für vorliegendes Asylverfahren für zuständig zu erklären,
dass weiter beantragt wird, es sei im Sinne vorsorglicher Massnahmen die
aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörden seien anzu-
weisen, von einer Überstellung nach Slowenien abzusehen, bis das Bun-
desverwaltungsgericht über die vorliegende Beschwerde entschieden hat,
dass auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und dem
Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren sei,

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
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schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und
Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass diesbezüglich die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist,
(nachfolgend: Dublin-III-VO) zur Anwendung kommt,
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Eu-
rodac"-Datenbank ergab, dass dieser am 17. Juli 2020 in Slowenien ein
Asylgesuch eingereicht hatte,
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dass das SEM die slowenischen Behörden am 30. August 2021 um Wie-
deraufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 23 Dublin-III-VO er-
suchte,
dass die slowenischen Behörden dem Gesuch um Übernahme am 6. Sep-
tember 2021 zustimmten,
dass der Beschwerdeführer nicht bestreitet, in Slowenien ein Asylgesuch
eingereicht zu haben, und auch die grundsätzliche Zuständigkeit dieses
Mitgliedstaates unbestritten blieb,
dass er zur Begründung seiner Beschwerde jedoch anführt, Slowenien
weise in Bezug auf sein Asylverfahren systemische Mängel auf, zumal in
diesem Staat laut dem EASO Report 2019 die Asylsuchenden nach ihrer
Ankunft im zuständigen Asylheim einem Regime unterworfen würden, wel-
ches einer unzulässigen Inhaftierung gleichkomme,
dass das Bundesverwaltungsgericht in ständiger Rechtsprechung davon
ausgeht, das slowenische Asylsystem weise keine systemischen Mängel
im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter Satz Dublin-III-VO auf (vgl. beispiels-
weise die Urteile des BVGer D-715/2021 vom 19. Februar 2021 S. 6 f.,
F-4659/2020 vom 24. September 2020 E. 4.1 und D-2962/2020 vom 2. Juli
2020 S. 8 f.),
dass die grundsätzliche Zuständigkeit Sloweniens somit gegeben ist,
dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann,
einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-
ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in
dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO),
dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)
konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-
mung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür
gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre,
dass in der Beschwerde geltend gemacht wird, in Slowenien gebe es
durchaus ernstzunehmende Hinweise auf nicht unerhebliche Mängel der
Gesundheitsversorgung für psychisch kranke Asylsuchende (mit Verweis
auf die Urteile des BVGer E-1732/2013 vom 15. Mai 2014 E. 7,
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D-2677/2015 vom 25. August 2015 E. 7.5, D-7374/2016 vom 6. Februar
2017 E. 6.3.1),
dass der Zugang zu entsprechenden Behandlungen für traumatisierte Per-
sonen eingeschränkt sein könne, vulnerable Personen mit besonderen Be-
dürfnissen zwar das Recht auf zusätzliche medizinische Leistungen hätten,
in der Praxis psychotherapeutische Behandlungen aber nicht verfügbar
seien und es keine Rehabilitierungszentren für Folteropfer gebe,
dass gemäss dem AIDA-Report 2019 auch der Zugang zu einer adäquaten
Gesundheitsversorgung limitiert sei,
dass die Menschen bis zu 15 Tage warten müssten, bis sie ihren Asylantrag
einreichen könnten und da die ärztliche Untersuchung normalerweise ei-
nen Tag vor der Antragstellung stattfinde, werde diese mehrere Tage lang
nicht durchgeführt, in denen Kontakt zwischen Asylsuchenden und Mitar-
beitern des Asylheims bestehe, was in Anbetracht der Covid-Pandemie ein
Gesundheitsrisiko darstelle,
dass auch persönliche Gründe gegen seine Überstellung nach Slowenien
sprächen, er nie in Slowenien habe bleiben oder dort Asyl habe beantragen
wollen, ihm dort nicht geholfen worden sei und er viel Stress und Probleme
erlitten habe,
dass er zudem an psychischen Problemen leide, häufige Selbstmordge-
danken habe, nervös sei und nicht schlafen könne,
dass ihm sein Anwalt hier gesagt habe, dass er bei einem Arzt einen Termin
bekommen werde, er aber nicht wisse, wie man das organisiere und er
dringend Hilfe brauche,
dass der Beschwerdeführer mit seinem Vorbringen die Anwendung von
Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 fordert,
dass Slowenien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nachkommt,
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dass den Akten auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen sind,
Slowenien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement
missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib,
sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG
gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein sol-
ches Land gezwungen zu werden,
dass er nach seiner Rückkehr ohne weiteres Anspruch auf eine Fortset-
zung seines bisherigen Asylverfahrens haben dürfte (vgl. dazu die Erklä-
rung Sloweniens vom 6. September 2021, in welcher eine Wiederauf-
nahme nach Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO bestätigt wird [Akte
1106242-18/2]),
dass ferner davon ausgegangen werden kann, Slowenien anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom
26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (Aufnahmerichtlinie) ergeben,
dass der Beschwerdeführer im Rahmen des persönlichen Gesprächs zur
Zuständigkeit Sloweniens für die Durchführung des Asyl- und Wegwei-
sungsverfahrens am 30. August 2021 angab, er habe in jenem Monat, in
welchem er sich in Slowenien aufgehalten habe, keine Probleme gehabt
(vgl. Akte 1106242-13/3, nachfolgend: A13/3),
dass im Übrigen nicht ersichtlich ist, inwiefern der Beschwerdeführer nach
seiner Rückkehr nach Slowenien nicht in der Lage sein sei sollte, gegebe-
nenfalls seine ihm zustehenden Rechte gegenüber den dort zuständigen
Behörden einzufordern,
dass das SEM hinsichtlich seiner gesundheitlichen Probleme (vgl. A13/3)
in der Verfügung vom 7. September 2021 zutreffend ausführte, der medizi-
nische Sachverhalt sei als erstellt zu erachten,
dass die Abklärungen des SEM nämlich ergaben, dass sich der Beschwer-
deführer nicht beim Gesundheitsdienst im BAZ gemeldet hat, dies obschon
ihm während des erstinstanzlichen Verfahrens ein Rechtsvertreter zur
Seite stand, der ihm hätte behilflich sein können, wenn er gesundheitliche
Probleme gehabt hätte, die einer medizinischen Behandlung bedürft hät-
ten,
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dass der Beschwerdeführer sodann im Rahmen des persönlichen Ge-
sprächs angegeben hat, er habe während seines einjährigen Aufenthalts
in Belgien bevor er in die Schweiz gekommen sei, auch kleinere Arbeiten
verrichtet (vgl. A13/3), woraus zu schliessen ist, dass die behaupteten ge-
sundheitlichen Beeinträchtigungen nicht von einer derartigen Schwere
sind, dass im Falle einer Überstellung nach Slowenien mit dem Risiko einer
ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung des Gesund-
heitszustandes gerechnet oder aus humanitären Gründen von einer Über-
stellung abgesehen werden müsste,
dass vor diesem Hintergrund nicht zu beanstanden ist, dass das SEM dies-
bezüglich keine weiteren Vorkehren getroffen hat und mit der angefochte-
nen Verfügung nicht zuwartete,
dass im Übrigen Slowenien über eine ausreichende medizinische Infra-
struktur verfügt (vgl. BVGer-Urteile F-1643/2021 vom 19. April 2021 E. 7.7,
F-3660 vom 22. Juli 2020 E. 4.2) und die Mitgliedstaaten verpflichtet sind,
den Antragstellern die erforderliche medizinische Versorgung, die zumin-
dest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von
Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu
machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); Antragstellern mit besonderen
Bedürfnissen die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (ein-
schliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu
gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie),
dass keine Hinweise vorliegen, wonach Slowenien dem Beschwerdeführer
eine adäquate medizinische Behandlung, sofern sie überhaupt notwendig
ist, verweigern würde,
dass das SEM sodann in der Verfügung feststellte, dem aktuellen Gesund-
heitszustand werde bei der Organisation der Überstellung nach Slowenien
Rechnung getragen, indem es die slowenischen Behörden im Sinne von
Art. 31 und Art. 32 Dublin-III-VO vor der Überstellung über den Gesund-
heitszustand und eine allenfalls notwendige medizinische Behandlung in-
formiere,
dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen
zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine
gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG)
durch die Vorinstanz zu entnehmen sind,
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dass das Bundesverwaltungsgericht sich unter diesen Umständen weiterer
Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält,
dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und
– weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts-
oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die
Überstellung nach Slowenien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),
dass die Beschwerde aus diesen Gründen als offensichtlich unbegründet
abzuweisen ist,
dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist,
weshalb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als
gegenstandslos erweist,
dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus
den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen wa-
ren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt
sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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