Decision ID: d1d91115-e397-4d64-b5f6-945cabe74456
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1981,
Mutter eines Sohnes
(Jahrgang
2014
),
war von
August 2011
bis
September 2016
bei der
Y._
AG
als
Hauswirtschafterin
tätig (
Urk.
6/
7
Ziff.
5.4
)
.
Unter Hinweis auf
eine
psychische
Störung
meldete sich
die Versicherte
am
2
3.
Oktober 2017
bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an
(
Urk.
6/
7
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisc
he und erwerbliche Situation ab und
zog Akten der
Krankentaggeldversicherung
bei (
Urk.
6/
13;
Urk.
6/23-24
). Des Weiteren
veranlasste
sie
eine psychiatrische Untersuchung im Regionalen Ärztli
chen Dienst
(
RAD; Untersuchungsbericht vom 2
5.
Januar 2019,
Urk.
6/
37
)
und klärte die Beeinträchtigung der Arbeits
fähigkeit in Beruf und Haushalt ab (vgl. Urk. 6/40).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/42
;
Urk.
6/46;
Urk.
6/50
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
2.
Mai 2019
bei einem Invaliditäts
grad von 35 %
einen Rentenanspruch (
Urk.
6/
53
=
Urk.
2)
.
2.
Die Versicherte erhob am
1
0.
Mai 2019
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
2.
Mai 2019
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr
eine Rente ab April 2018
zuzusprechen
. E
ventuell sei
die Einschränkung im Haus
haltsbereich psychiatrisch abzuklären
(
Urk.
1 S. 2
oben
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
8.
Juni 2019
(
Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
2
4.
Juli 2019
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen
(E. 7.2; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1). Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellun
gen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeits
unfähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 E. 7.1; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin qualifizierte die Beschwerdeführerin im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) als zu 50 % erwerbstätig und zu 50 % im Haushalt tätig (S. 1).
Sie sei seit April 2018 (frühestmöglicher Anspruchsbeginn) in jeglicher Erwerbs
tätigkeit zu 60 % eingeschränkt. Im Haushaltsbereich sei eine Einschränkung von 10 % festgestellt worden (S. 1 f.).
Für den mit 50 % bewerteten Erwerbsbereich erg
e
b
e
sich somit
- ohne Durchführung eines Einkommensvergleichs -
ein Teilin
validitätsgrad von 30 %
, für den ebenfalls mit 50 % bewerteten Haushaltsbereich ein solcher von 5 %
.
Entsprechend
resultier
e
ein rentenausschliessender Ge
samtinvaliditätsgrad von
3
5
%
(
vgl.
S.
2 oben
)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
dass
ihre angestammte Tätigkeit teilweise denjenigen Tätigkeiten entsprochen habe, die auch im Haushalt auszuführen seien. Vor diesem Hintergrund sei nicht nachvoll
ziehbar, dass sie gemäss Abklärungsbericht im Haushalt zu 90 % arbeitsfähig sein soll
e
. Dies sei mit dem Gutachten von
Dr.
Z._
unvereinbar. (S. 4 oben). Der Abklärungsbericht habe
die medizinischen Gegebenheiten nicht berücksichtigt
(S. 4 unten)
.
Gemäss diesem Bericht sei sie in der Wohnungs- und Hauspflege nicht eingeschränkt. Dies widerspreche der Tatsache, dass der Ehemann schon die ober
flächlichen Reinigungsarbeiten zu mehr als die Hälfte übernehmen müsse
(S. 5 Mitte). Dass sie beim Einkaufen nicht eingeschränkt sein soll
e
, widerspreche ebenfalls den medizinischen Akten: Kontakt zu anderen, wie es beim Einkauf oder beim
Schlangestehen
unvermeidbar sei, sei nur eingeschränkt möglich (S. 5
unten). Gesamthaft habe ihr Ehemann die Haushaltung mit Ausnahme der Kin
derbetreuung zu mindestens zwei Dritteln übernommen (S. 6 Mitte).
2.3
Z
u prüfen
sind demnach
Arbeitsfähigkeit
, Einschränkung im Haushalt
und Inva
liditätsgrad der Beschwerdeführerin.
Die Qualifikation der Beschwerdeführerin als zu
5
0
%
im Erwerbsbereich und
zu
5
0
%
im Haushaltsbereich tätig wird nicht bestritten.
3.
3.1
Dr.
A._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
nannte im
Bericht vom 3
0.
April 2018
zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 6/21) die Diagnose einer wahnhaften Störung (
ICD-10 F22.0;
Differential
diagnose: paranoide Schizophrenie;
Ziff.
2.5).
Dr.
A._
führte aus, die Be
schwerdeführerin sei etwa
alle drei Wochen
bei ihm in Behandlung (
Ziff.
1.2)
.
Für die Tätigkeit in
Hausdienst/Reinigung
attestierte er ihr ab 2
9.
März 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, ab 2
6.
April 2016 eine 75%ige Arbeitsunfähigkeit sowie ab
1.
November 2017 bis auf Weiteres eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.3).
Die Beschwerdeführerin leide unter Verfolgungswahn, habe das Gefühl von Kameras gefilmt zu werden. Es bestehe ein starker Leidensdruck (
Ziff.
2.2). Wegen des Verfolgungswahns sei sie unkonzentriert, blockiert, schnell überfor
dert und verlangsamt (
Ziff.
3.4).
Eine angepasste Tätigkeit sei etwa für zwei Stun
den pro Tag zumutbar (
Ziff.
4.2).
Die Beschwerdeführerin
sei in der Haushalts
führung, beim Einkauf, beim Kochen und bei der Kinderbetreuung eingeschränkt (
Ziff.
4.5).
Sie
benötige wegen der Paranoia seit etwa vier Jahren ununterbrochen
Zyprexa
, um die Psychose zu stabilisieren (
Ziff.
2.8).
3.2
Dr.
A._
führte im Bericht vom 2
7.
Juli 2018
(
Urk.
6/30)
zuhanden der Be
schwerdegegnerin
aus,
die Beschwerdeführerin leide an Antriebslosigkeit und Müdigkeit. Sie
mache
im Ha
ushalt nur das Allernötigste
. Der Haushalt beschränke sich im Wesentlichen auf das Kinderhüten und die minimale Wohnungsreinigung sowie auf Bügeln alle drei Wochen.
Die Beschwerdeführerin sei trotz Medikation hintergründig weiterhin wahnhaft.
Sie sei deshalb rasch beeinträchtigt und über
fordert im Kontakt mit Menschen.
Zurzeit
putze sie eine Fremdwohnung
während zwei Stunden pro Woche.
Zum
Profil
gab
Dr.
A._
an, es
sei
en
maximal 3 x 3 Stunden pro Woche
im Reinigungsdienst zumutbar, möglichst allein
.
Die Ar
beitsunfähigkeit betrage weiterhin 60 %.
3.3
RAD-
Ärztin
Dr.
Z._
, Fach
ärztin
für Psychiatrie und Psy
chotherapie,
hielt
im Gutachten vom 2
5.
Januar 2019 (
Urk.
6/37)
fest, dass die von
Dr.
A._
gestellte Diagnose einer w
ahnhafte
n Störung aufgrund der Untersuchung nachvollzogen
werden könne (S. 6 unten).
D
ie
Beschwerdeführerin
berichte, sie habe das Gefühl, eine oder mehrere Kameras im Kopf zu haben, die über das Internet von einer Organisation gesteuert würden.
Alle Menschen auf der Welt würden so immer wissen, was sie tue und was sie denke. Man könne sie auch über die Kameras kontrollieren (S. 2
unten
).
Etwa 2012 oder 2013 habe sie versucht, sich mit Tabletten umzubringen. Vereinzelt träten Suizidgedanken auf
, zuletzt in Brasilien. Aktuell könne
sie sich von Selbst- oder Fremdge
fährdung glaubhaft distanzieren
. Aufgrund ihrer Problematik habe sie Angst, irgendwo al
leine hinzugehen, ausser im eigenen Dorf. Je weiter sie von Zuhause entfernt sei, desto eher träten intermittierend Panikattacken auf (S. 5
unten
).
Dr.
Z._
stellte mittelgradige Einschränkungen in der Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen, in der Durchhaltefähigkeit, in der Kontaktfähigkeit zu Drit
ten/Selbstbehauptungsfähigkeit, sowie in der Fähigkeit zu ausserberuflichen Ak
tivitäten fest (S. 6).
Sie attestierte der Beschwerdeführerin
– entsprechend der Beurteilung durch
Dr.
A._
–
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 2
9.
März 2016, eine 75%ige Arbeitsunfähigkeit ab 2
6.
April 2016 sowie eine 60%ige Ar
beitsunfähigkeit ab
1.
November 2017 bis auf Weiteres
(S. 7 Mitte)
. Zum Ressour
cenprofil gehörten zeitlich flexible Tätigkeiten ohne permanenten Zeit- und Ter
mindruck, bei nur geringem Publikumsverkehr, ohne besondere Anforderungen an das Umstellungs- und Anpassungsvermögen und
in
eine
r
wohlwollende
n
und konfliktarme
n
Arbeitsatmosphäre
in einem Umfang von bis zu 40 %
(S. 7
unten
).
3.4
Am
2
2.
Februar 2019
wurde eine Haushaltabklärung durchgeführt. Die Abklä
rungsperson führte im Abklärungsbericht vom
2
2.
Februar 2019
(Urk. 6/40
) aus,
die Beschwerdeführerin
wohne zusammen mit ihrem
Ehemann und dem
gemein
samen
Sohn (geboren
2014
) in
einer Einfamilienhaussiedlung
(S.
5
Ziff. 4 und 5).
Die Angaben der Beschwerde
führerin,
wonach
sie heute bei guter Gesundheit
etwa
50 % arbeiten würde
(S.
4
Ziff. 2.5),
wurden seitens der Abklärungsperson als
nachvollziehbar
beurteilt (S.
5
Ziff.
2.6.1).
Entsprechend den Angaben der Abklärungsperson betrug die Einschränkung
im mit 3
1
%
gewichteten Bereich
«
Ernährung
»
1
5
% und im mit
18
%
gewichteten Bereich
«Wäsche und Kleiderpflege»
3
0
%. Im mit
29 % gewichteten Bereich «
Wohnungs
- und Haus
pflege
, Haustierhaltung»,
im mit
7
% gewichteten Bereich
«
Einkauf
sowie
weitere Besorgungen
»
und
im mit
15
% gewichteten Bereich
«
Be
treuung von Kindern
und/
oder
A
ngehörigen
»
wurden keine Einschrän
kungen festgestellt (vgl. S.
6
ff.
Ziff.
6.1 - 6.
5
). Die entsprechend gewichteten einzelnen Einschränkungen ergaben eine Einschränkung von insgesamt
10
.
0
5 %
(S.
8
Ziff.
6.
6
).
Bei den Einschränkungen in den einzelnen Bereichen wurde die Mit
wirkungspflicht des Ehemannes berücksichtigt (S.
6 Mitte
).
4.
4.1
Der behandelnde Psychiater
Dr.
A._
stellte die psychiatrische Diagnose ei
ner wahnhaften Störung, welche RAD-Ärztin
Dr.
Z._
in ihrem Gutachten bestätigte. Aufgrund dieser Diagnose attestierte
Dr.
A._
der Beschwerde
führerin eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit. Diese Beurteilung der Arbeitsfähigkeit wurde auch von RAD-Ärztin
Dr.
Z._
übernommen.
Auf die Beurteilungen des behandelnden Psychiaters
Dr.
A._
und der RAD-Ärztin
Dr.
Z._
kann
indessen
nicht abgestellt werden, da sie
den Anforde
rungen der heute massgebenden Rechtsprechung (vgl. E. 1.
3
) nicht zu genügen
vermögen.
In
den vorliegenden Berichten
finden sich
zwar verschiedene Punkte, die im Rahmen einer
Indikatorenprüfung
zu berücksichtigen sind, wie beispiels
weise
Angaben zum Tagesablauf (
Urk.
6/37 S. 3 Mitte)
und
zum Freizeit
- und Ferien
verhalten (Spielplatzbesuch, Lesen
,
Disco
-Besuch,
Urk.
6/37 S. 2 unten
; Fe
rien in Brasilien, vgl.
Urk.
6/33
)
.
Eine
umfassende
Prüfung der massgebenden Standardindikatoren
(vgl. vorstehend E. 1.4)
ist gestützt auf das Gutachten
von
RAD-Ärztin
Dr.
Z._
sowie die übrigen medizinischen Akten
jedoch nicht
möglich.
Somit sind weitere
medizinische
Abklärungen erforderlich.
4.2
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach Mas
s
gabe des Art. 69 Abs. 2 IVV; vgl. auch
Rz
. 3081 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH, gültig ab 1. Ja
nuar 2015) stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Be
stimmung der gesundheitlichen Einschränkung im Haushalt dar.
Hinsichtlich des Beweiswerts der entsprechenden Berichterstattung ist wesentlich, dass sie durch eine qualifizierte Person erfolgt, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich erge
benden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Be
teiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen.
Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haushalt massge
bend, sondern gelten analog für jenen Teil eines Abklärungsberichts, der den
mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von teilerwerbstätigen Versi
cherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts
I 236/06 vom 19. Juni 2006 E. 3.2
).
Einer ärztlichen Fachperson, die sich zu den einzelnen Positionen der Haushalt
führung unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat, bedarf es nur in Ausnahmefällen, namentlich bei unglaubwürdigen Angaben der versicher
ten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen. Zwar ist der Abklärungsbericht seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Aus
masses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten, weshalb seine grundsätzliche Massgeblichkeit unter Umständen Einschränkungen erfahren kann, wenn die versicherte Person an psychischen Beschwerden leidet. Prinzipiell jedoch stellt er auch dann eine beweistaugliche Grundlage dar, wenn es um die Bemessung einer psychisch bedingten Invalidität geht,
das heisst
wenn die Beur
teilung psychischer Erkrankungen im Vordergrund steht. Widersprechen sich die Ergebnisse der Abklärung vor Ort und die fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, ist aber in der Regel den ärztlichen Stellungnahmen mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsabklärung, weil es der Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen (zum Ganzen: Urteil des Bundesge
rich
ts 8C_
8
1
7/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1).
Der vorliegende Abklärungsbericht vermag den vorgenannten praxisgemässen Anforderungen grundsätzlich zu genügen, wurde er doch durch eine
qualifizierte Person
v
e
rfasst
, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat
te
(vgl. S. 1 unten f.
des Abklärungsberichts
)
. D
ie Angaben der
Beschwerdeführerin
wie auch
des bei der Abklärung anwesenden Ehemannes
wurden gebührend berücksichtigt
.
Bei einer psychischen Beeinträchtigung ist je
doch auch
eine
fach
ärztliche Beurteilung der Fähigkeiten im Haushalt
notwendig.
4.
3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt
nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
4
.
4
Vorliegend ergibt sich, dass ein abschliessender materieller Entscheid gestützt auf die vorhandenen medizinischen Akten nicht möglich ist, da der
entscheidrele
vante
Sachverhalt nicht hinreichend abgeklärt wurde. Die vorhandenen medizi
nischen Unterlagen erlauben keine verlässliche Beurteilung des psychischen Ge
sundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin, weshalb die Beschwerdegegnerin weitere Abklärungen (psychiatrisches Gutachten) vorzuneh
men hat.
Im
Rahmen des Gutachtens
hat
eine
Indikatorenprüfung
zu erfolgen
.
Zudem ist
, sofern eine Einschränkung zu bejahen ist,
b
etreffend Einschränkung im Haushalt eine Beurteilung aus psychiatrischer Sicht
erforderlich
(Stellungnahme zum
vor
handenen
Abklärungsbericht).
Schliesslich ist zu bemerken, dass die Beschwerdegegnerin im Erwerbsbereich kei
nen Einkommensvergleich vorgenommen hat.
4.
5
Die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) ist folglich aufzuheben und die Sache zur rechtsgenügenden psychiatrischen Abklärung des medizinischen Sachverhalts - unter Berücksichtigung des
nunmehr anzuwendenden strukturierten Beweisver
fahrens nach BGE 141 V 281
- und zu erneutem Entscheid über den Rentenan
spruch an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In diesem Sinne ist die Be
schwerde gutzuheissen.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
600
.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuer
le
gen.
6.
6.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
6.2
Die Prozessentschädigung wird vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit
des Prozesses bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Beim praxisgemässen Stundenan
satz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist vorliegend eine Entschädigung von Fr.
1
’
7
00
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen, welche entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegeg
nerin aufzuerlegen ist.