Decision ID: b4874ce4-a2b0-417f-8315-cef37c6235de
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Am 11. Mai 2016 richtete die französische Steuerbehörde, die Direc-
tion Générale des Finances Publiques (DGFP; nachfolgend auch: ersu-
chende Behörde), gestützt auf Art. 28 des Abkommens vom 9. September
1966 zwischen der Schweiz und Frankreich zur Vermeidung der Doppel-
besteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Ver-
mögen und zur Vermeidung von Steuerbetrug und Steuerflucht
(SR 0.672.934.91, DBA CH-FR) ein Amtshilfeersuchen an die Eidgenössi-
sche Steuerverwaltung (ESTV; nachfolgend auch: Vorinstanz).
Als vom Ersuchen betroffene Personen nannte die DGFP mutmasslich in
Frankreich steuerpflichtige Personen, die anhand einer dem Ersuchen bei-
gelegten Liste identifizierbar seien. Als Informationsinhaberin in der
Schweiz wurde die UBS AG (heute: UBS Switzerland AG; nachfolgend:
UBS) genannt. Die Informationen würden für die Erhebung der französi-
schen Einkommenssteuer («impôt sur le revenu») für die Steuerjahre 2010
bis 2014 und die Solidaritätssteuer auf Vermögen («impôt de solidarité sur
la fortune») für die Steuerjahre 2010 bis 2015 benötigt.
A.b Grundlage des Ersuchens bildeten drei Listen, die aus einer in
Deutschland gegen die UBS geführten Strafuntersuchung stammen und
Angaben zu über 45'000 UBS-Konten enthalten. Anhand der in den Listen
erfassten Domizil-Codes vermutete die DGFP, dass die ihr mehrheitlich na-
mentlich nicht bekannten Kontoinhaber beziehungsweise wirtschaftlich Be-
rechtigten einer Steuerpflicht in Frankreich unterliegen würden. Aufgrund
zahlreicher Hinweise, wonach französische Steuerpflichtige ihren Steuer-
pflichten nicht nachgekommen waren und mit Blick darauf, dass gegen die
UBS in Frankreich ein Strafverfahren wegen des Aufbaus eines umfassen-
den Steuerfluchtsystems eingeleitet worden war, nahm die DGFP an, dass
die in den Listen aufgeführten Kontodaten beziehungsweise die damit ver-
bundenen Vermögenswerte in Frankreich pflicht- und rechtswidrig weder
deklariert noch versteuert worden waren. Die DGFP schätzte die dadurch
für den französischen Fiskus entstandenen Mindereinnahmen auf bis zu
mehreren Milliarden Euro.
A.c Konkret ersuchte die DGFP die ESTV für jedes in der Beilage des Er-
suchens aufgeführte Konto um die Übermittlung der folgenden Informatio-
nen für den Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2015:
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a) Name(n)/Vorname(n), Geburtsdaten und letzte bekannte Adresse ge-
mäss den Bankunterlagen
(i) des/der Kontoinhaber(s)
(ii) der wirtschaftlich berechtigten Person(en) gemäss Formular A
(iii) jeder anderen Person, die in die Rechte und Pflichten der beiden
letztgenannten Personen tritt
b) die Kontostände jeweils per 1. Januar der Jahre 2010 bis 2015.
B.
B.a Mit Editionsverfügung vom 10. Juni 2016 forderte die ESTV die UBS
auf, die ersuchten Informationen einzureichen. Zudem bat sie diese, die
betroffenen Personen mit noch aktiven Geschäftsbeziehungen über das
Amtshilfeverfahren zu informieren.
B.b Darüber hinaus informierte die ESTV die betroffenen Personen mittels
Publikation im Bundesblatt vom 26. Juli 2016 über das laufende Amtshilfe-
verfahren und den wesentlichen Inhalt des Amtshilfeersuchens.
C.
Am 13. Oktober 2016 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme
ein.
D.
Die UBS erteilte der ESTV die ersuchten Informationen mit Teillieferungen
in der Zeit vom 24. Juni 2016 bis 28. Juli 2017.
E.
Die ESTV und die DGFP einigten sich im Briefwechsel vom 11. Juli 2017
auf eine Verständigungslösung betreffend Einhaltung des Spezialitätsprin-
zips. Zudem teilte die DGFP der ESTV am 11. Juli 2017 mit, allfällige von
den schweizerischen Behörden im Zusammenhang mit UBS-Konten erhal-
tene Informationen würden im Strafverfahren gegen die Bank nicht verwen-
det werden.
F.
F.a Am 9. Februar 2018 erliess die ESTV acht Schlussverfügungen gegen
gewisse betroffene Personen – darunter die UBS, die mit Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts A-4974/2016 vom 25. Oktober 2016 als Partei an-
erkannt worden war –, in denen sie das Amtshilfeersuchen Frankreichs als
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zulässig qualifizierte und die Amtshilfeleistungen im von der DGFP erfrag-
ten Umfang anordnete.
F.b Am 9. März 2018 erhob die UBS beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde. Sie beantragte, die Schlussverfügungen vom 9. Februar 2018
sowie die Editionsverfügung vom 10. Juni 2016 (vgl. B.a.) seien aufzuhe-
ben. Mit Urteil A-1488/2018 vom 30. Juli 2018 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht die Beschwerde gut, soweit es darauf eintrat, und hob die
Schlussverfügungen vom 9. Februar 2018 und die Editionsverfügung vom
10. Juni 2016 auf.
F.c Eine gegen dieses Urteil erhobene Beschwerde der ESTV hiess das
Bundesgericht mit Urteil 2C_653/2018 vom 26. Juli 2019, publiziert als
BGE 146 II 150, gut und bestätigte die Editionsverfügung der ESTV vom
10. Juni 2016 und die Schlussverfügungen vom 9. Februar 2018. Das Ge-
richt qualifizierte das Listenersuchen Frankreichs vom 11. Mai 2016 als zu-
lässig und die verlangten Informationen als voraussichtlich erheblich. Wei-
ter erkannte es keine konkreten Anhaltspunkte für eine Verletzung des
Spezialitätsprinzips oder der Geheimhaltungspflicht durch Frankreich.
G.
Im Anschluss an das höchstrichterliche Urteil vom 26. Juli 2019 und die
erst später öffentlich zugänglich gewordene schriftliche Urteilsbegründung
nahm die ESTV die Bearbeitung der sistierten Verfahren, deren Ausgang
von der Beurteilung des Ersuchens der DGFP vom 11. Mai 2016 abhängig
war, wieder auf. Die ESTV gewährte dem Beschwerdeführer das rechtliche
Gehör zur beabsichtigten Datenübermittlung an Frankreich. Er reichte am
21. September 2020 eine Stellungnahme ein.
H.
Mit Schlussverfügung vom 4. Januar 2021 ordnete die ESTV die Leistung
der Amtshilfe in Bezug auf die von der DGFP erfragten Bankinformationen
betreffend den Beschwerdeführer an.
I.
Am 8. Februar 2021 erhob der Beschwerdeführer Beschwerde beim Bun-
desverwaltungsgericht. Er beantragte, die Schlussverfügung der ESTV
vom 7. Januar 2021 [recte: 4. Januar 2021] (ergangen im Verfahren
Nr. [...]) sei aufzuheben. Eventualiter sei für den Fall, dass das Bundesver-
waltungsgericht eine grundsätzliche Zulässigkeit der Amtshilfe feststelle,
die ESTV anzuweisen, den Kontostand des Jahres 2010 (CHF [...]) durch
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den Vermerk «n/a» zu ersetzen, sofern zu diesem Zeitpunkt die Verjährung
des Jahres 2010 eingetreten sei.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er für das Verfahren vor Bundesverwal-
tungsgericht um Wahrung seiner Anonymität sowie um Anonymisierung
des Urteils vor einer allfälligen Publikation.
J.
Am 10. Juni 2021 reichte die Vorinstanz eine Vernehmlassung ein.
K.
Mit Eingabe vom 30. Juni 2021 replizierte der Beschwerdeführer.
L.
Am 24. August 2021 teilte das Bundesverwaltungsgericht den Parteien mit,
dass nunmehr die Abteilung VI für die Bearbeitung des vom Beschwerde-
führer eingeleiteten Verfahrens A-586/2021 zuständig sei und dieses neu
unter der Verfahrensnummer F-586/2021 geführt werde. Ferner wurde die
Zusammensetzung des Spruchkörpers sowie der Name der eingesetzten
Gerichtsschreiberin bekannt gegeben und eine Frist zur Einreichung eines
allfälligen Ausstandsbegehrens angesetzt. Der Beschwerdeführer liess
sich innert Frist dazu nicht vernehmen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung von Beschwerden
gegen Schlussverfügungen der ESTV im Bereich der internationalen Amts-
hilfe in Steuersachen zuständig (Art. 19 Abs. 1 und 5 des Bundesgesetzes
vom 28. September 2012 über die internationale Amtshilfe in Steuersa-
chen [StAhiG, SR 651.1] i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist zur Erhebung der Beschwerde legitimiert
(Art. 19 Abs. 2 StAhiG, Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 Abs. 1 VwVG; Art. 52
Abs. 1 VwVG).
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2.
2.1 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49
VwVG).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren das
Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG
nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Be-
schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-
sen oder abweisen.
2.3 Die streitige Schlussverfügung bezieht sich auf das Listenersuchen der
DGFP, welches durch das Bundesgericht mit Leitentscheid vom 26. Juli
2019 – gefällt in öffentlicher Beratung und auszugsweise amtlich publiziert
in BGE 146 II 150 – als zulässig qualifiziert wurde mit der Folge, dass die
entsprechende Amtshilfe zu gewähren war. Das Bundesverwaltungsgericht
ist an dieses Präjudiz gebunden; es darf in Bezug auf Fragen, welche das
Bundesgericht in diesem Zusammenhang beantwortet hat, nicht von des-
sen Erwägungen abweichen. Ein Beurteilungsspielraum verbleibt ihm le-
diglich in Bezug auf Fragen, welche das Bundesgericht offengelassen hat
(vgl. Urteile des BVGer A-3045/2020, A-3047/2020 und A-3048/2020, je-
weils vom 29. März 2021 E. 1.4.3).
3.
3.1 Landesrechtlich ist die internationale Amtshilfe in Steuersachen im
Steueramtshilfegesetz geregelt, welches am 1. Februar 2013 in Kraft ge-
treten ist. Abweichende Bestimmungen des im Einzelfall anwendbaren Ab-
kommens bleiben vorbehalten (Art. 1 Abs. 2 StAhiG).
3.2 Das Amtshilfeersuchen der DGFP stützt sich auf Art. 28 DBA CH-FR
(in der hier anwendbaren Fassung gemäss Art. 7 des Zusatzabkommens
vom 27. August 2009 [AS 2010 5683; nachfolgend: Zusatzabkommen
2009]; Art. 11 Abs. 3 des Zusatzabkommens 2009) und auf Ziff. XI des im
DBA CH-FR integrierten Zusatzprotokolls in der Fassung gemäss Art. 1 der
Vereinbarung vom 25. Juni 2014 über die Änderung des Zusatzprotokolls
zum revidierten Abkommen zwischen der Schweiz und Frankreich vom
9. September 1966 zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Ge-
biet der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen und zur Vermeidung
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von Steuerbetrug und Steuerflucht (AS 2016 1195; nachfolgend: Vereinba-
rung 2014).
3.3 In den Übergangsbestimmungen sieht die Vereinbarung 2014 ihre An-
wendung vor auf Informationsbegehren betreffend Kalender- oder Ge-
schäftsjahre, die ab dem 1. Januar 2010 beginnen (Art. 2 Abs. 2 der Ver-
einbarung 2014). Im Sinne einer Ausnahme findet Art. 1 Abs. 1 der Verein-
barung 2014 Anwendung auf Informationsbegehren über Sachverhalte,
welche Zeiträume ab dem 1. Februar 2013 betreffen (Art. 2 Abs. 3 der Ver-
einbarung 2014). Gemäss dem Leiturteil des Bundesgerichts beschränkt
Art. 2 Abs. 3 der Vereinbarung 2014 jedoch die Anwendung von Ziff. XI
Abs. 3 Bst. a des Zusatzprotokolls nur für Gruppenersuchen auf Informati-
onen betreffend Zeiträume ab dem 1. Februar 2013. Demgegenüber kann
die Amtshilfe für den Zeitraum ab dem 1. Januar 2010 gewährt werden,
wenn es sich – wie im vorliegenden Fall – um ein Listenersuchen handelt,
bei welchem die betroffenen Personen nicht namentlich genannt werden,
sondern anhand bekannter Banknummern identifiziert werden (BGE 146 II
150 E. 5.6).
4.
4.1 Gemäss Ziff. XI Abs. 3 des Zusatzprotokolls muss das Amtshilfegesuch
folgende Informationen enthalten: die Identität der in eine Prüfung oder Un-
tersuchung einbezogenen Person, wobei diese Information mittels Angabe
des Namens der betreffenden Person oder weiterer Informationen, welche
ihre Identifikation ermöglichen, geliefert werden kann (Bst. a), die Zeitperi-
ode, für welche die Informationen verlangt werden (Bst. b), die Beschrei-
bung der verlangten Informationen sowie Angaben hinsichtlich der Form,
in der der ersuchende Staat diese Informationen vom ersuchten Staat zu
erhalten wünscht (Bst. c), den Steuerzweck, für den die Informationen ver-
langt werden (Bst. d) und soweit bekannt, den Namen und die Adresse des
mutmasslichen Inhabers der verlangten Informationen (Bst. e). Die Buch-
staben a) – e) sind so auszulegen, dass sie einen wirksamen Informations-
austausch für die Anwendung von Artikel 28 DBA CH-FR nicht behindern.
4.2 Das Bundesgericht hat in BGE 146 II 150 das Amtshilfeersuchen
Frankreichs vom 11. Mai 2016 für zulässig erklärt, womit es implizit auch
die Voraussetzungen von Ziff. XI Abs. 3 des Zusatzprotokolls als erfüllt er-
achtete. Dies wird vom Beschwerdeführer nicht bestritten.
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Seite 8
5.
5.1 Gemäss Art. 28 Abs. 1 erster Satz DBA CH-FR tauschen die zuständi-
gen Behörden der Vertragsstaaten die Informationen aus, die zur Durch-
führung dieses Abkommens oder zur Anwendung oder Durchsetzung des
innerstaatlichen Rechts betreffend Steuern jeder Art und Bezeichnung, die
für Rechnung der Vertragsstaaten oder ihrer politischen Unterabteilungen
oder lokalen Körperschaften erhoben werden, voraussichtlich erheblich
sind, soweit die diesem Recht entsprechende Besteuerung nicht dem Ab-
kommen widerspricht.
Der Verweis auf «voraussichtlich erhebliche» Informationen in Art. 28
Abs. 1 DBA CH-FR soll einen möglichst breiten Informationsaustausch in
Steuersachen gewährleisten, ohne dass die Vertragsstaaten eine «fishing
expedition» durchführen oder Informationen verlangen können, deren Er-
heblichkeit für die Aufklärung der Steuerangelegenheiten bestimmter Steu-
erpflichtiger wenig wahrscheinlich ist (Ziff. XI 2. Abs. des Zusatzprotokolls).
Die Voraussetzung der voraussichtlichen Erheblichkeit der beantragten In-
formationen gilt als erfüllt, wenn zum Zeitpunkt der Einreichung des Amts-
hilfegesuchs bei vernünftiger Betrachtung die Möglichkeit besteht, dass
sich die Informationen als erheblich erweisen. Keine Rolle spielt, ob sich
die Informationen nach ihrer Übermittelung als unerheblich herausstellen.
Die Beurteilung der voraussichtlichen Erheblichkeit obliegt in erster Linie
dem ersuchenden Staat. Der ersuchte Staat beschränkt sich auf die Prü-
fung, ob die verlangten Informationen mit dem im Ersuchen dargelegten
Sachverhalt zusammenhängen und sich möglicherweise für die Verwen-
dung im ausländischen Verfahren eignen (sog. Plausibilitätsprüfung); er
kann die Übermittlung von Informationen nur verweigern, wenn er sicher
ist, dass sie für den ersuchenden Staat nicht sachdienlich sind (BGE 144
II 206 E. 4.3; 142 II 161 E. 2.1.1). Einem Amtshilfeersuchen fehlt es dem-
nach an der voraussichtlichen Erheblichkeit, wenn es zur Beschaffung von
Beweismitteln aufs Geratewohl und ohne konkreten Zusammenhang zum
laufenden Steuerverfahren gestellt wird («fishing expedition»; BGE 146 II
150 E. 6.1.2). Das Verbot der «fishing expedition» entspricht dem Grund-
satz der Verhältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2 BV), der zwingend einzuhalten
ist (Urteil des BVGer A-1562/2018 vom 3. August 2020 E. 2.4.2).
5.2 Gemäss Art. 28 Abs. 2 DBA CH-FR sind alle Informationen, die ein Ver-
tragsstaat nach Absatz 1 erhalten hat, ebenso geheim zu halten wie die
aufgrund des innerstaatlichen Rechts dieses Staates beschafften Informa-
tionen und dürfen nur den Personen oder Behörden (einschliesslich der
Gerichte und der Verwaltungsbehörden) zugänglich gemacht werden, die
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mit der Veranlagung oder der Erhebung, mit der Vollstreckung oder der
Strafverfolgung oder mit der Entscheidung von Rechtsmitteln hinsichtlich
der in Absatz 1 genannten Steuern oder mit der Aufsicht darüber befasst
sind. Diese Personen oder Behörden dürfen die Informationen nur für diese
Zwecke verwenden (sog. Spezialitätsprinzip, vgl. BGE 147 II 13 E. 3.4).
Sie dürfen die Informationen in einem öffentlichen Gerichtsverfahren oder
in einer Gerichtsentscheidung offenlegen. Ungeachtet der vorstehenden
Bestimmungen kann ein Vertragsstaat die erhaltenen Informationen für an-
dere Zwecke verwenden, wenn solche Informationen nach dem Recht bei-
der Staaten für solche andere Zwecke verwendet werden dürfen und die
zuständige Behörde des ersuchten Staates dieser anderen Verwendung
zustimmt.
5.3 Der Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 26 des Wiener Übereinkom-
mens vom 23. Mai 1969 über das Recht der Verträge [VRK, SR 0.111])
führt im Rahmen der Amtshilfe in Steuersachen dazu, dass der ersuchte
Staat grundsätzlich an die Angaben des ersuchenden Staates gebunden
ist, soweit diese nicht aufgrund von Fehlern, Lücken oder offensichtlichen
Widersprüchen sofort entkräftet werden können (BGE 144 II 206 E. 4.4;
142 II 218 E. 3.3; Urteil des BVGer A-1562/2018 vom 3. August 2020
E. 2.5). Auf diesem Vertrauen gründet letztlich das ganze Amtshilfeverfah-
ren (vgl. statt vieler Urteil des BVGer A-4192/2020, A-4194/2020,
A-4196/2020 vom 25. März 2021 E. 2.5.1).
Das völkerrechtliche Vertrauensprinzip spielt auch eine Rolle in Bezug auf
das Spezialitätsprinzip. Gestützt auf das Vertrauensprinzip kann grund-
sätzlich als selbstverständlich vorausgesetzt werden, dass der Speziali-
tätsgrundsatz durch Staaten eingehalten wird, die mit der Schweiz durch
einen Amts- oder Rechtshilfevertrag verbunden sind, ohne dass die Einho-
lung einer ausdrücklichen Zusicherung notwendig wäre (vgl. BGE 128 II
407 E. 3.2 und 4.3.1, 115 Ib 373 E. 8, 107 Ib 264 E. 4b). Folglich ist die
Wahrung des Grundsatzes erst bei konkreten Anhaltspunkten auf eine
zweckwidrige Verwendung im ersuchenden Staat zu überprüfen bzw. eine
entsprechende Zusicherung einzuholen (vgl. BGE 146 II 150 E. 7.3; 128 II
407 E. 3.2; BVGE 2018 III/1 E. 2.9.1).
6.
Der Beschwerdeführer bringt zunächst vor, die französische Steuerbe-
hörde mache keinerlei Angaben dazu, wie sie in den Besitz der Liste mit
angeblich in Frankreich ansässigen Personen gelangt sei. Das Amtshilfeer-
suchen sei insgesamt sehr abstrakt gehalten. Die DGFP gebe nicht preis,
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welche Fakten sie zur Vermutung eines Steuerdelikts geführt hätten. An-
stelle einer ordnungsgemässen Begründung unter Beifügung konkreter
Beweise offeriere sie einzig eine vage und völlig unsubstantiierte Schät-
zung von vermuteten Steuerausfällen des französischen Fiskus. Ein kon-
kreter Bezug zum vorliegenden Fall und damit dem Beschwerdeführer
werde nicht hergestellt und eine weitergehende Begründung für das Amts-
hilfeersuchen fehle.
Er – der Beschwerdeführer – habe seinen Wohnsitz in Frankreich aufge-
geben und sei seit dem (...) 2012 in Luxemburg wohnhaft. Seit diesem
Zeitpunkt habe er keinerlei steuerliche Anknüpfung mehr zu Frankreich.
Das DBA CH-FR finde für die Jahre 2013 bis 2015 folglich keine Anwen-
dung und demnach sei auf das Amtshilfeersuchen betreffend diesen Zeit-
raum nicht einzutreten. Die Frage, ob mangelnde Ansässigkeit in einem
der DBA-Staaten dazu führe, dass auf das Ersuchen nicht einzutreten sei,
sei vom Bundesgericht bisher nur für Fälle entschieden worden, in denen
die ersuchende Behörde über konkrete Anhaltspunkte für eine Ansässig-
keit in ihrem Vertragsstaat verfügt habe (z.B. aufgrund einer Adresse oder
gehäuften Bankbezügen in diesem Staat). In BGE 146 II 150 habe sich das
Bundesgericht jedoch nicht mit der Frage der Anwendbarkeit des DBA auf-
grund fehlender Ansässigkeit auseinandergesetzt, weshalb dieses Urteil
nicht als Begründung für die Gutheissung des Ersuchens im vorliegenden
Fall dienen könne. Die aus den Jahren 2006 bis 2008 stammenden Domi-
zilcodes seien keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine Steuerpflicht in
Frankreich in den Steuerjahren 2010 bis 2015. Es sei die Aufgabe der Vor-
instanz zu prüfen, ob die betroffene Person während der relevanten Peri-
ode in Frankreich ansässig gewesen sei. Wenn dies nicht der Fall sei, sei
das DBA CH-FR nicht anwendbar und es würde keine rechtliche Grundlage
für die Leistung von Amtshilfe bestehen. Anders als in den Urteilen
BGE 142 II 161 und 142 II 218 habe die französische Steuerbehörde vor-
liegend die Steueransässigkeit in Luxemburg nie thematisiert oder in Frage
gestellt, weshalb ab dem Jahr 2013 unbestrittenermassen keinerlei steuer-
rechtliche Anknüpfungspunkte zu Frankreich gegeben seien. Gegenständ-
lich handle es sich – im Gegensatz zu jenen Bundesgerichtsentscheiden –
zudem nicht um ein Einzelersuchen. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei ei-
nem «Bulk-Request» eine grosse Anzahl der Domizilcodes falsch ge-
schlüsselt oder nicht mehr aktuell seien, sei viel höher, als wenn ein Ein-
zelersuchen vorliege, das aufgrund spezifischer Indizien gestellt werde.
Die Vorinstanz gehe fälschlicherweise davon aus, dass das Bundesgericht
impliziert habe, die Domizilcodes würden als Grundlage für die voraussicht-
liche Erheblichkeit der Daten genügen. Die Listen mit den Domizilcodes
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Seite 11
seien mittlerweile bereits 15 bzw. 13 Jahre alt und hätten deshalb an Aus-
sagekraft verloren. In casu könne die Ansässigkeit der betroffenen Person
in einem anderen Land sogar belegt und überprüft werden, weshalb die
Aussagekraft der Domizilcodes gänzlich erloschen sei. Auf das Amtshil-
feersuchen dürfe deshalb nicht eingetreten werden.
In Bezug auf die Steuerinformationen aus dem Jahr 2010 sei am 15. Juni
2021 die zehnjährige Verjährung eingetreten, weshalb mangels voraus-
sichtlicher Erheblichkeit der Informationen keine Amtshilfe zu leisten sei,
sofern das Urteil nach diesem Zeitpunkt erfolge. Sollte das Gericht zum
Schluss gelangen, dass die ersuchten Daten nach Frankreich geliefert wer-
den dürften, sei die Vorinstanz deshalb anzuweisen, für das Jahr 2010
– wie beim Jahr 2015 – anstelle des Kontobetrags den Vermerk «n/a» für
«not applicable» einzusetzen. Die Steueransässigkeit in Luxemburg seit
(...) 2012 führe ausserdem dazu, dass auch die erfragten Informationen
der Jahre 2013 bis 2015 für Frankreich nicht erheblich seien. Die Informa-
tionen betreffend den Beschwerdeführer zu den Jahren 2010 sowie 2013
bis 2015 seien für die französische Steuerbehörde nicht nur voraussichtlich
nicht erheblich, sondern tatsächlich in keiner Weise erheblich.
Schliesslich führt der Beschwerdeführer aus, es würden verschiedene An-
zeichen dafür bestehen, dass die französische Steuerbehörde das Spezi-
alitätsprinzip nicht wahren werde. Da sie bis heute keine eindeutige Erklä-
rung bezüglich der Einhaltung dieses Prinzips abgegeben habe, sei dem
vorliegenden Amtshilfeersuchen wegen der noch immer drohenden Verlet-
zung von Art. 28 Abs. 2 DBA CH-FR keine Folge zu leisten. Die Vorinstanz
erachte es offensichtlich selbst als notwendig, die DGFP darauf hinzuwei-
sen, dass die übermittelten Daten in Frankreich nur in Verfahren gegen die
betroffenen Personen und nur für den im Ersuchen genannten Sachverhalt
verwendet werden dürfen. Indem sie dies in der Schlussverfügung explizit
noch einmal erwähne, zeige sie, dass sie selbst mit einer möglichen Ver-
letzung des Spezialitätsprinzips rechne. Am 25. Oktober 2018 sei das fran-
zösische Steuerverfahrensrecht (Livre des procédures fiscales) um
Art. L142 A ergänzt worden. Gemäss dieser Bestimmung sei die französi-
sche Steuerbehörde gegenüber der Staatsanwaltschaft von ihrer Schwei-
gepflicht entbunden und dürfe mit dieser – unabhängig von einer Anzeige,
eines Strafantrags oder eines laufenden Gerichtsverfahrens – Informatio-
nen austauschen. Der DGFP komme somit eine Befugnis zu, gemäss wel-
cher sie die von der Vorinstanz erhaltenen Daten voraussetzungslos an die
Staatsanwaltschaft weitergeben dürfe. Ebenfalls am 25. Oktober 2018 sei
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Seite 12
zudem Art. L228 des französischen Steuerverfahrensrechts um den Ab-
satz I. ergänzt worden. Diese gesetzliche Norm besage, dass die französi-
sche Verwaltung, darunter die Steuerbehörde, zwingend verpflichtet sei,
der Staatsanwaltschaft alle jene Daten weiterzuleiten, die zur Erhebung
von Steuern von mehr als EUR 100'000 führen und dabei zusätzlich Straf-
zuschläge von 40 %, 80 % oder 100 % auslösen würden. Im vorliegenden
Fall seien aufgrund der Höhe der relevanten Vermögenswerte und der An-
zahl betroffener Steuerjahre die Voraussetzungen für eine zwingende Wei-
terleitung der Daten an die Staatsanwaltschaft zweifellos gegeben. Dies
bestätige auch der mit dem Fall betraute französische Steuerkollege, ge-
mäss welchem vorliegend die Schwelle der nachzuzahlenden Steuern von
EUR 100'000 klar überschritten sei und ein Zuschlag von 80 % zur Anwen-
dung gelangen würde, womit der Mindestzuschlag von 40 % ebenso klar
erfüllt sei. Dabei spiele es keine Rolle, ob die französische Steuerbehörde
der Vorinstanz die Einhaltung des Spezialitätsprinzips zugesichert habe.
Dies umso mehr, als dass dies geschehen sei, bevor die französische Ge-
setzesanpassung in Kraft getreten sei. Es bestehe die erhebliche Gefahr,
dass die Weitergabe der Daten selbst bei Vorliegen einer entsprechenden
Bestätigung gerichtlich erzwungen werden könnte, da die Steuerbehörde
andernfalls gegen geltendes Steuerverfahrensrecht verstossen würde. Ein
Urteil des Cour de Cassation vom 6. April 2016 zeige im Übrigen auf, dass
die Praxis der französischen Steuerbehörde darin bestehe, dem Speziali-
tätsprinzip ein geringes Gewicht beizumessen oder dessen Grenzen zu-
mindest weit über jenen des Bundesgerichts auszulegen, sobald sie einmal
im Besitz von Steuerdaten sei. Im konkreten Fall habe die französische
Steuerbehörde amtshilfeweise erlangte Steuerinformationen an die Straf-
behörde weitergeleitet, obwohl die Amtshilfe leistende luxemburgische Be-
hörde vorgängig explizit auf das Spezialitätsprinzip und das prozessuale
Beweisverwertungsverbot hingewiesen habe und obwohl die heutige Ver-
pflichtung zur Weiterleitung der Daten damals noch nicht bestanden habe.
Der seit 2018 verankerte Datenweitergabe-Automatismus stehe dem Spe-
zialitätsprinzip in grundsätzlicher Weise entgegen und alle Zusicherungen,
die sich nicht konkret auf Art. L142 A LPF und insbesondere auf Art. L228 I.
LPF beziehen würden, seien ungenügend. Ferner sei der Informationsaus-
tausch zwischen den französischen Behörden auch nach französischem
Strafprozessrecht zwingend vorgeschrieben (Art. 40 Abs. 1 des Code de
Procédure Penale). So müsse die Steuerbehörde die betreffenden Infor-
mationen zwingend an die zuständige Behörde weiterleiten, wenn sie
Kenntnis von mutmasslich strafbaren Handlungen erlange.
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Seite 13
7.
7.1 Das Bundesgericht hat das Amtshilfeersuchen Frankreichs vom
11. Mai 2016 im Rahmen von BGE 146 II 150 beurteilt und für zulässig
erachtet (vgl. Sachverhalt Bst. F.c). Diese Rechtsprechung ist für das vor-
liegende Verfahren von präjudizieller Bedeutung. Dementsprechend bleibt
für das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich kein Raum, die Amtshilfe
in Abweichung zu den Erwägungen des Bundesgerichts zu verweigern
(vgl. E. 2.3). Zu prüfen sind nunmehr einzig individuelle Vorbringen für eine
Amtshilfeverweigerung. Auf die Rüge des Beschwerdeführers, wonach das
Amtshilfeersuchen nicht genügend begründet sei und kein konkreter Be-
zug zum vorliegenden Fall bestehe, ist folglich nicht einzugehen.
7.2 Der Bezug zu Frankreich wird vorliegend durch die in den UBS-Listen
aufgeführten Domizil-Codes hergestellt. Indem das Bundesgericht das
Amtshilfeersuchen vom 11. Mai 2016 als zulässig beurteilt hat, hat es im-
plizit auch den Domizil-Code als hinreichenden Anknüpfungspunkt für eine
mögliche Steuerpflicht in Frankreich (für die Jahre 2010 bis 2015) qualifi-
ziert. Der Beschwerdeführer beziehungsweise seine individuelle Banknum-
mer befand sich unbestrittenermassen auf den UBS-Listen, und zwar in
Verbindung mit dem Domizil-Code für Frankreich. Damit ist ein steuerrecht-
licher Anknüpfungspunkt zu Frankreich gegeben und folglich sind auch die
erfragten Informationen der Jahre 2013 bis 2015 für Frankreich erheblich.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist es im Rahmen des Amts-
hilfeverfahrens nicht Aufgabe der Schweizer Behörden zu prüfen, ob nach
französischem Recht ein Steuerwohnsitz in Frankreich besteht (BGE 145
II 112 E. 2.2.2; 142 II 161 E. 2.2.2; Urteil des BGer 2C_805/2018 vom
23. August 2019 E. 4.5). Selbst ein nachgewiesener Wohnsitz ausserhalb
Frankreichs würde nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts grund-
sätzlich nicht ausreichen, um die voraussichtliche Erheblichkeit der zu
übermittelnden Informationen zu verneinen, da der ersuchte Staat die
Frage des steuerrechtlichen Wohnsitzes im Amtshilfeverfahren grundsätz-
lich nicht zu untersuchen hat (Urteil des BGer 2C_953/2020 vom 24. No-
vember 2021 E. 3.5 mit Hinweisen auf BGE 142 II 161 und 142 II 218).
7.3 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, die Steuerdaten des Steuer-
jahrs 2010 seien aufgrund der eingetretenen Verjährung für die französi-
sche Steuerbehörde nicht erheblich, ist darauf hinzuweisen, dass es nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht Aufgabe des ersuchten Staates
ist, die Begründetheit des im Ausland durchgeführten Steuerverfahrens zu
prüfen oder mögliche verfahrensrechtliche Hindernisse zu berücksichtigen,
die nach dem innerstaatlichen Recht des ersuchenden Staates der Ver-
wendung der erhaltenen Informationen entgegenstehen würden (BGE 144
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II 206 E. 4.3). Folglich sind die Schweizer Behörden im Rahmen der Beur-
teilung der voraussichtlichen Erheblichkeit der zu übermittelnden Informa-
tionen nicht gehalten zu prüfen, ob die Daten nach französischem Recht
bereits verjährt sind und somit nicht mehr für ein französisches Steuerver-
fahren hinzugezogen werden können. Dementsprechend ist von der vor-
aussichtlichen Erheblichkeit der zur Übermittlung vorgesehenen Informati-
onen – auch jenen betreffend das Steuerjahr 2010 – auszugehen.
7.4 Zu den Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach die französi-
sche Steuerbehörde keine Erklärung bezüglich der Wahrung des Speziali-
tätsprinzips abgegeben hat, ist Folgendes festzuhalten: Das Bundesgericht
hat sich eingehend mit dieser Thematik auseinandergesetzt und ist zum
Schluss gekommen, dass keine konkreten Anhaltspunkte für eine Verlet-
zung des Spezialitätsprinzips oder der Geheimhaltungspflicht durch Frank-
reich gegeben sind (BGE 146 II 150 E. 7 ff.). Der erneute explizite Hinweis
der Vorinstanz auf das Spezialitätsprinzip in der Schlussverfügung vermag
daran nichts zu ändern, zumal die Vorinstanz verpflichtet war, die französi-
schen Behörden auf ihren Zusicherungen zu behaften (BGE 146 II 150
E. 7.7). In Bezug auf die Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach
die französische Steuerbehörde inzwischen gesetzlich verpflichtet ist, die
Steuerdaten an die Staatsanwaltschaft weiterzugeben, ist Folgendes aus-
zuführen: Art. 28 Abs. 2 DBA CH-FR statuiert neben der Pflicht zur Ge-
heimhaltung der amtshilfeweise übermittelten Informationen auch eine
Pflicht zu deren beschränkten Verwendung (vgl. E. 5.2). Eine Verwendung
für einen anderen, abkommensfremden Zweck kommt nur in Frage, wenn
erstens die Verwendung der Informationen für andere Zwecke nach dem
Recht beider Vertragsstaaten zulässig ist und zweitens die zuständige Be-
hörde des ersuchten Staates dieser abkommensfremden Verwendung zu-
stimmt (Art. 28 Abs. 2 DBA CH-FR). Da die zuständigen Behörden in der
Schweiz keine abkommensfremde Verwendung genehmigt haben, sind
diesbezügliche Bedenken unbegründet. Gestützt auf das Vertrauensprin-
zip kann es zudem als selbstverständlich vorausgesetzt werden, dass der
Spezialitätsgrundsatz durch Frankreich eingehalten wird (E. 5.3). Dies
umso mehr, als dass die französische Steuerbehörde entsprechende Zusi-
cherungen abgegeben hat. Auch eine inzwischen in Kraft getretene inner-
staatliche Gesetzesänderung gibt keinen Anlass, an der Einhaltung der völ-
kerrechtlichen Verpflichtungen durch Frankreich zu zweifeln. Das völker-
rechtliche Vertrauensprinzip besagt ausserdem, dass bis zum Beweis des
Gegenteils davon ausgegangen wird, der Vertragspartner werde sich kor-
rekt verhalten. Dies liegt denn auch im Interesse einer funktionierenden
Zusammenarbeit. Ein Hinweis auf eine innerstaatliche Gesetzesänderung
F-586/2021
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vermag somit keine drohende Verletzung des Spezialitätsprinzips zu bele-
gen.
8.
Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen für die in der Schlussver-
fügung vom 4. Januar 2021 vorgesehene Amtshilfeleistung erfüllt. Die Be-
schwerde ist abzuweisen.
9.
Bezüglich der prozessualen Anträge des Beschwerdeführers ist darauf hin-
zuweisen, dass die Wahrung der Anonymität von Beschwerdeführenden
sowie die Anonymisierung von Entscheiden der Praxis des Bundesverwal-
tungsgerichts entspricht.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die
auf Fr. 5'000.– festzusetzenden Verfahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1
VwVG und Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe einbe-
zahlte Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu ver-
wenden.
10.2 Dem unterliegenden Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung
zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE
e contrario).
(Dispositiv nächste Seite)
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