Decision ID: 08fe0531-e92c-5fcc-86f0-5f422175ccec
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1977
in
Y._
geborene
X._
lebt seit 2007 in der Schweiz und arbeitete seit Juni 2008 bei der
Z._
AG als kaufmännische An
gestellte bei einem 100%-Pensum (Urk. 8/4). Vom 4. Juli bis 3. August 2012 war
sie
erstmals
in der Privatklinik
A._
stationär hos
pitalisiert. Am 12. September
2012 trat sie
dort
freiwillig und geplant zur zweiten
stationären
Hospitalisation
ein, um
an einem
12-wöchigen DBT (Dialektisch-
behaviorale
s
Therapie)-Programm teilzunehmen.
Nach einem Arbeitsversuch befand sich die Versicherte vom 28. bis 30. Dezember 2012 zwecks kurzer stationärer Krisenintervention erneut in der Privatklinik
A._
(Urk.
8/16/14-16
).
Am 18. März
2013 (Eingangsdatum) meldete sich
X._
bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 8/4).
D
ie IV-Stelle
tätigte
erwerblic
he und medizinische Abklärungen
und
gewährte
mit
Mitteilung vom 27. Mai
2013
”
Frühinterventionsmassnahmen in Form von Arbeitsplatzerhalt
”
(
Urk.
8/22).
Nachdem eine schrittweise Rückkehr an den bisherigen Arbeitsplatz im Juni 2013 scheiterte, wurde der Versicherten per Ende November 2013 gekündigt (Urk. 8/39).
Am 23. Dezember 2013 (Urk. 8/52) gewährte die IV-Stelle der Versi
cherten Beratung und Unterstützung
bei der Stellensuche (
Frühinterventions
massnahme
, Urk. 8/52). Am 10. November
2014 teilte
ihr die IV-Stelle
mit, dass keine beruflichen Eingliederungsmass
nahmen möglich seien (Urk. 8/69). In
der Folge liess die IV-S
telle
X._
durch
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe
rapie FMH, psychiatrisch begutachten (Gutachten vom 12. März
2015, Urk. 8/81).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 8/82 und Urk. 8/90) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 29. Juli 2015 einen Rentenanspruch von
X._
(Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am 14. September 2015 Beschwerde und beantragte, es sei ihr unter Aufhebung der Verfügung vom 2
9.
Juli 2015 ab dem
frühest
möglichen Zeitpunkt eine Invalidenrente zuzusprechen, eventuell sei die Sache zur Neubeurteilung an die Verwaltung zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Zudem ersuchte sie
um Gewährung der unentgeltliche
n
Prozessführung und um Ernennung von Advokatin
lic
.
iur
. Ka
rin
Wüthrich
als unentgeltliche
Rechtsbeiständin
(Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 13. Oktober 2015
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 8/1-
103)
, was der Beschwerdeführerin am 21. Oktober 2015 mitgeteilt wurde (Urk. 9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht
als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wi
rd dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welch
em Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2
Alkoholismus (wie auch Drogensucht und Medikamentenabhängigkeit) begrün
det für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird er invalidenversicherungsrechtlich erst relevant, wenn er eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychi
scher, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn er selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (Urteil des Bundesge
richts 8C_694/2008 vom 5. März 2009 E.
2). Dabei ist das ganze für die Alko
holsucht massgebende Ursachen- und Folgespektrum in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen, was impliziert, dass einer allfälligen Wechselwirkung zwischen
Suchtmittelabhängigkeit und psychischer Begleiterkrankung Rechnung zu tragen
ist (Urteile des Bundesgerichts I 758/01 vom 5. November 2002 E.
3.2, und I 390/01 vom 19. Juni 2002 E. 2b). Was die krankheitsbedingten Ursachen der Alkoholsucht betrifft, ist für die invalidenversicherungsrechtliche Relevanz der Abhängigkeit erforderlich, dass dem Alkoholismus eine ausreichend schwere und ihrer Natur nach für die Entwicklung einer Suchtkrankheit geeignete
Ge
sundheitsstörung
zugrunde liegt, welche zumindest eine erhebliche Teilursache der Alkoholsucht darstellt (Urteil des Bundesgerichts I 192/02 vom 23. Oktober 2002 E.
1.2.2 mit Hinweis); es genügt nicht, wenn es sich nur um eine ganz untergeordnete Teilursache handelt (nicht veröffentlichtes Urteil des Bundesge
richts I 130/93 vom 29. August 1994). Mit dem Erfordernis des Krankheitswerts einer allfälligen verursachenden psychischen Krankheit wird verlangt, dass diese die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit einschränkt (BGE 99 V 28 E. 2; Urteil
des Bundesgerichts I 940/05 vom 10. März
2006 E.
2.2; erwähntes Urteil I 758/01
E.
3.1). Wenn der erforderliche Kausalzusammenhang zwischen Alkoholsucht und krankheitswertigem psychischem Gesundheitsschaden besteht, sind für die Frage der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit die psychischen und die
suchtbe
dingten
Beeinträchtigungen gesamthaft zu berücksichtigen. Um diese Frage beantworten zu können, sind Verwaltung und Gericht auf möglichst detaillierte medizinische Auskünfte über die Verhältnisse zur Zeit der Entstehung der Alko
holsucht auf der einen und der allfälligen psychiatrischen Komorbidität auf der andern Seite sowie über den allfälligen ursächlichen Zusammenhang zwischen den beiden Aspekten angewiesen (vgl. zur Bedeutung medizinischer Auskünfte zur Bestimmung der Invalidität BGE 115 V 133 E. 2; BGE 124 V 265 E.
3c mit Hinweis, 99 V 28 E.
2; SVR 2001 IV Nr. 3 S.
7 E.
2b; AHI 2002 S.
30 E.
2a, 2001 S. 228 f. E.
2b mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts I 169/06 vom
8. August
2006 E.
2.2 und 4.2 mit Hinweisen und 8C_672/2010 vom 27. Septem
b
er 2010 E. 2).
1.3
Im Gebiet der Invalidenversicherung gilt ganz allgemein der Grundsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vor
zukehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern (BGE 113 V 22 E.
4a mit Hinweisen). Dieses Gebot der Selbsteingliederung ist Ausdruck des in der ganzen Sozialversicherung geltenden Grundsatzes der
Schadenmin
derungspflicht
(vgl. BGE 120 V 368 E. 6b, 117 V 275 E. 2b), wobei jedoch von der versicherten Person nur Vorkehren verlangt werden können, die unter Be
rücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung; ZAK 1989 S. 214 E. 1c). Als Ausdruck der allgemeinen
Scha
denminderungspflicht
geht die Pflicht, die notwendigen Schritte zur
Selbstein
gliederung
zu unternehmen, nicht nur dem Renten-, sondern auch dem gesetzli
chen Eingliederungsanspruch vor (Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. November
2014 E. 3.1 mit Hinweisen auf Urteile I 116/03 vom 10. Novem
ber 2003 E. 3.1 und I 145/01 vom 12. September 2001 E. 2b).
Für die Beantwortung der Frage nach der Zumutbarkeit der Behandlung oder Eingliederungsmassnahme im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 ATSG kann auf die zu Art. 31
Abs.
1 IVG in der bis 3
1.
Dezember 2002 gültig gewesenen Fassung ergangene Rechtsprechung verwiesen werden, da sich diesbezüglich mit dem neuen Recht nichts geändert hat (vgl. auch SVR 2007 IV Nr. 34 S. 121, E. 3.1, I
744/06; Urteile des Bundesgerichts I 1068/06 vom 3
1.
August 2007 E. 2.2 und I 824/06 vom 13. März 2007 E. 3.1.1). Danach sind die gesamten persönlichen Verhältnisse, namentlich die berufliche und soziale Stellung der versicherten Person, zu berücksichtigen. Massgebend ist aber das objektiv Zumutbare, nicht die subjektive Wertung des Versicherten (ZAK 1982 S.
495, E.
3; Urteil des Bundesgerichts I 105/93 vom 11. März 1994 E. 2a; Meyer-Blaser, Zum
Verhält
nismässigkeitsgrundsatz
im staatlichen Leistungsrecht,
Diss
. Bern 1985, S. 189). Die gesetzliche Vorgabe, wonach Massnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, nicht zumutbar sind, bedeutet nicht, dass eine Vorkehr, die keine solche Gefahr darstellt, automatisch zumutbar ist (ZAK 1985 S. 326, E.
1;
Kieser
, a.a.O., N 60 zu Art. 21; Meyer-Blaser, a.a.O., S. 138 f.); sie weist aber doch darauf hin, dass nur Gründe von einer gewissen Schwere zur Unzumut
barkeit führen. Die Zumutbarkeit ist sodann in Relation einerseits zur Tragweite der Massnahme, andererseits zur Bedeutung der in Frage stehenden Leistung zu beurteilen. Insbesondere bei medizinischen Massnahmen, die einen starken Ein
griff in die persönliche Integrität der versicherten Person darstellen können, ist an die Zumutbarkeit kein strenger Massstab anzulegen (ZAK 1985 S. 325 f., E. 1). Umgekehrt ist die Zumutbarkeit eher zu bejahen, wenn die fragliche Massnahme unbedenklich ist (RKUV 1995 Nr. U 213 S. 68 f., E. 2b).
Sodann sind die Anforderungen an die Schadenminderungspflicht dort strenger, wo eine erhöhte Inanspruchnahme der Invalidenversicherung in Frage steht, nament
lich wenn der Verzicht auf schadenmindernde Vorkehren Rentenleis
tungen auslöst (BGE 113 V 22 E. 4d.; SVR 2007 IV Nr. 34 S. 121, E. 3.1; Urteil des Bundesge
richts 8C_128/2007 vom 14. Januar 2008 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren Behand
lung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare bei, so können ihr die Leis
tungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen. Behandlungs- oder Eingliederungs
massnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind nicht zumutbar (Art. 21 Abs. 4 ATSG).
Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen bean
spruchen, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger auf Grund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (Art. 43 Abs. 3 ATSG).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu
treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründet die Verneinung des Rentenanspruchs im Wesentlichen damit, dass sich aus rein versicherungsmedizinischer Sicht keine Befunde erheben liessen, welche eine dauerhafte Beeinträchtigung der Arbeits
fähigkeit als ungelernte Bürokraft begründen würden. So könne die von der
A._
gestellte Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung mangels Hinweisen auf Phasen ohne depressive Symptomatik nicht nachvollzogen werden. Auch die diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung könne aufgrund der langen Zeit seit dem Erleben der Traumata in der Kindheit und Jugend so nicht mehr gestellt werden
(Urk. 2)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin ist demgegenüber der Ansicht, auf das psychiatrische Gutachten von
Dr.
B._
könne nicht abgestellt werden, da es mangelhaft, in der Dar
legung der Zusammenhänge unklar und
unvollständig
sei
, nicht genügend Bezug
auf die
Vorakten
nehmen
und sich zudem als in sich wider
sprüchlich erweise. Vielmehr sei ein eigenständiges depressives Leiden mit Krankheitswert erstellt, weshalb ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesund
h
eitsschaden vorliege.
Hinsichtlich der
gutachterlicherseits
erwähnten Alkoholabhängigkeit sei anzumerken, dass eine Suchterkrankung, selbst wenn es sich um ein primäres Suchtgeschehen handeln würde, im vorliegenden Fall einen Leistungsanspruch keineswegs ausschliessen würde (Urk. 1).
3
.
3.1
Im Bericht
des
C._
vom
3. Oktober 2013 (Urk. 8/47
) zuhanden
der Beschwerdegegnerin
wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt:
-
Posttrauma
tische Belastungsstörung (ICD-10: F 43.1, bestehend seit dem
Kindesalter)
-
Re
zidivierende depressive Störung,
gegenwärtig leichte Episode (ICD-10:
F 33.0, bestehend seit dem Jugendalter)
-
Akzentuierung von emotional instabilen Persönlichkeitszügen (ICD-10:
Z 73.1, bestehend seit dem Jugen
d
alter)
Zur Erstmanifestation der Beschwerden sei es aufgrund eines wiederholten sexuellen Missbrauchs während der Kindheit der Beschwerdeführerin bis zum Alter von 16 Jahren gekommen. Die Anzeige sowie Verurteilung der Täter habe zur Exazerbation der Symptomatik mit einem Suizidversuch durch Tabletten im Alter von 18 Jahren und zum ersten dreimonatigen stationär-psychiatrischen Aufenthalt in
D._
bei
E._
geführt. Als der Täter im Jahre 2008
entlassen worden sei, sei die Beschwerdeführerin mit ihrem damaligen Freund in die Schweiz immigriert. Kurz darauf sei bei ihrem Lebenspartner ein
Bauch
speichel
drüsen
karzinom
im fortgeschrittenen Stadium festgestellt
worden, woran
er wenige Monate s
päter verstorben sei.
In der Folge habe die Beschwerdefüh
rerin den Alkoholkonsum im Sinne einer Selbstmedikation gegen
Stimmungs
tiefs
gesteigert. Seit Sommer 2011 habe die Arbeitsbelastung stetig zuge
nommen, sie habe sich dabei zunehmend überfordert und im Stress gefühlt, was sie auch dem Arbeitgeber gegenüber kommuniziert habe, ohne dass sich die Arbeitsbedingungen nachfolgend gebessert hätten. Mehrmals sei es zu aggres
sivem, impulsivem Verhalt
en gekommen, indem sie bei der A
rbeit Gegenstände herumgeworfen habe und verbal aggressiv mit Mitarbeitern und ihrem Partner umgegangen sei. Schliesslich sei es bei starker Anspannung zu einem zuneh
menden Rückzugsverhalten gekommen. Im Rahmen einer depressiven Dekom
pensation mit Suizidgedanken sei zunächst vom 4. Juli bis 3. August 2012 eine einmonatige stationäre Behandlung in der Privatklinik
A._
erfolgt. Nach
folgend habe die Beschwerdeführerin vom 12. September bis 4. Dezember 2012 am 12-wöchigen DBT-Programm teilgenommen. Seit ihrer Entlassung im Dezember 2012 befinde sich die Beschwerdeführerin nun im
C._
in Be
handlung. Sie habe zunächst wieder begonnen, zu 50 % an ihrem
vorbestehen
den
Arbeitsplatz zu arbeiten. Jedoch sei es rasch wieder zu Überforderung und zu einem erneuten Zusammenbruch gekommen, sodass vom 2
8.
bis
30. Dezember 2012 eine kurz
e
stationäre Krisenintervention erforderlich gewor
den sei. Seither
bis zum 3. Juni 2013
sei die Beschwerdeführerin zu 100 %
ar
beitsunfähig gewesen. Im Juni 2013 sei ein sukzessiver Wiedereinstieg geplant gewesen, wobei die Beschwerdeführerin zu 40 % arbeitsfähig beurteilt worden sei. Aufgrund der psyc
hischen Erkrankung und vor allem
wegen zwischen
menschlichen Schwierigkeiten beim vorgehenden Arbeitsplatz sei sie seit dem 23.
Juli 2013 wiederum zu 100 % arbeitsunfähig. Seitdem die Heirat Anfang Oktober 2013 erfolgreich verlaufen sei, sei sie bis zu maximal 50 % arbeitsfä
hig, wobei anfangs eher mit geringerem Pensum zu beginnen sei. Es werde ein sukzessiver Wiedereinstieg an einer geschützten Arbeitsstelle empfohlen.
Es bestehe ein schweres Krankheitsbild mit hohem Beeinträchtigungsgrad. Die Beschwerdeführerin verfüge trotz ihrer diversen psychischen Einschränkungen über ein optimistisches Wesen. Sie komme mehrheitlich re
gelmässig und pünkt
lich in die T
herapiestunden, sei kooperativ, könne ihre Bedürfnisse sowie psy
chischen Grenzen wahrnehmen und kommunizieren. Bei entsprechender Behand
lung sei trotz der komplexen Symptomatik aufgrund der
Introspektionsfähigkeit und der hohen Therapiemotivation langfristig von einer günstigen Prognose
auszugehen. Nach dem bisherigen Therapieverlauf zu urteilen, könne jedoch nicht von einer schnellen Verbesserung der Symptomatik ausgegangen werden, da ihr psychischer Zustand unter anderem durch die wiederkehrend aufstei
genden Erinnerungen an traumatische Situationen und vor allem wegen zwischenmenschlichen Schwierigkeiten relativ instabil sei. Es müsse deshalb von einer länger dauernden Arbeitsunfähigkeit zu 50 % ausgegangen werden.
Durch ausgeprägte Stimmungsschwankungen, Anspannungszustände sowie
In
trusionserleben
und vor allem durch stark
aversive
Gefühle wie Angst, Schuld und Scham sei das Konzentrationsvermögen der Beschwerdeführerin mittel
gradig eingeschränkt. Aufgrund der beschriebenen Symptomatik sei sie länger
fristig in ihrer Aufnahme- und Leistungsfähigkeit sowie Dauerbelastbarkeit eingeschränkt. Es müsse damit gerechnet werden, dass es bei erhöhten Anfor
derungen oder unter Stress zu Rückfällen (Substanzkonsum) komme.
Die Be
schwerdeführerin sei aufgrun
d dieser Symptome nicht in der L
age, sich für längere Zeit auf eine Thematik zu konzentrieren. Ausdauer und
Belastungs
fähigkeit
seien eingeschränkt. Sie tue sich schwer damit, selbständig Pausen einzulegen und setze sich gleichzeitig stark unter Druck. Deshalb komme es rasch zu Überforderungsgefühlen/Ängsten mit schweren Spannungszuständen bis hin zu dissoziativen Symptomen. Dadurch seien bei Überforderung
Krank
heitsausfälle
zu erwarten.
3.2
In einem
weiteren Bericht des
C._
(
undatiert
, einge
gangen am 31
. Oktober
2014, Urk. 8/66)
,
wurden dieselben psychiatrischen Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt. Die Beschwerdeführerin
habe sich zu Beginn der Behandlung bei der Psychologin
lic
. phil.
F._
stabil gezeigt und sich auf ihren neuen Job im Gastronomiebereich, den sie selbständig organisiert habe, gefreut. Sie habe angegeben, sich auf die Struktur und Herausforderung zu freuen, wobei sie einen stabilen und ausgeglichenen Eindruck gemacht habe. Einen Monat später sei sie erneut zum Gespräch erschienen. Dabei habe sich gezeigt, dass sie durch die neue Arbeitsstelle, welche man ihr bereits wieder gekündigt habe, stark überfordert gewesen sei.
Es sei ihm Rahmen der Arbeit zu verbal impulsivem Verhalten gekommen und sie sei schliesslich somatisch krank geworden (starke Erkältung, Grippe). Zu jenem Zeitpunkt habe sie instabil, erschöpft und zunehmend gereizt, latent aggressiv gewirkt, wobei sie auch von Schwierigkeiten in der Emotionsregulation berichtet habe. Aufgrund dessen müsse davon ausgegangen werden, dass aktuell nicht an eine berufliche Wiedereingliederung zu denken sei, da die Beschwerdeführerin ein deutlich instabiles Zustandsbild zeige. Unter Belastung und bei neuen Herausforderungen zeige sie sich rasch destabilisiert und überfordert bei gleich
zeitig wenig ausgeprägter Resilienz, was wiede
rum zu diversen
Arbeitsstellen-V
erlusten geführt habe. Aufgrund der Zusammenschau der erhobenen Angaben müsse kurz- bis mittelfristig von einer eher schlechten Prognose mit Rückfällen und Destabilisierung ausgegangen werden. Eine verlässliche langfristige Prog
nose könne zurzeit bei noch nicht ausgeschöpftem Verbesserungspotential nicht gestellt werden. Die Beschwerdeführerin sei
in ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit als kaufmännische Angestellte
seit dem 1. Oktober 2014 bis auf
Weiteres
zu 100 % arbeitsunfähig.
Hinsichtlich einer behinderungsangepassten Tätigkeit müsste zuerst geklärt werden, inwiefern eine Arbeit im geschützten Rahmen möglich wäre.
3.3
Dr.
B._
führte in seinem psychiatrischen Gutachten vom 12. März 2015 (Urk. 8/81) keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf. Als Diagnosen ohne Einfluss auf d
ie Arbeitsfähigkeit verblieben F
olgende:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10:
F 33.0)
-
Verdacht auf eine andauernde Persönlichkeitsänderung (ICD-10: F 62.0)
-
Störung durch Alkohol: Schädlicher Gebrauch von Alkohol (ICD-10:
F 10.0), differentialdiagnostisch Alkoholabhängigkeit (ICD-10: F 10.0).
Bei der B
eschwerdeführerin handle es sich um einen versicherungspsychiatrisch schwierig zu beurteilenden Fall. Das liege vor allem daran, dass die Ursache der einzigen Störung, die versicherungsmedizinisch in Betracht gezogen werden könne und daher von Relevanz sei, nämlich die posttraumatische
Belastungs
störung
, im Rahmen der Begutachtungssituation kaum bis gar nicht objektivier
bar gewesen sei.
Auffällig sei, dass di
e
in den Vorberichten erwähnten depressiven Symptome unterschiedlich klassifiziert worden seien. Bereits im Bericht der Privatklinik
A._
vom Dezember 2012 seien depressive Symptome beschrieben worden, die zur Diagnose einer affektiven Störung - einer depressiven Episode - geführt hätten. Wie später diese Kriterien für eine sich wiederholende, also rezidivie
rende depressive Störung als erfüllt hätten angesehen werden können, sei nicht ganz nachvollziehbar. Insbesondere fehlten Hinweise auf Phasen, in denen die depressive Symptomatik vollständig (oder nahezu vollständig) remittiert habe. In der aktuellen gutachterlichen Untersuchung habe die Beschwerdeführerin eingedenk des klinischen Eindrucks, der Angaben zu Aktivitätsniveau und zum Tagesablauf maximal
leichtgradig
depressiv imponiert. Das depressive Symptom könne aber aufgrund der nachfolgenden Diskussion zum Alkoholkonsum nicht genau klassifiziert werden.
Eine posttraumatische Belastungsstörung
(PTBS)
habe die Kriterien gemäss ICD-10: F 43.1 zu erfüllen.
Die Beschwerdeführerin habe in der gutachterlichen
Situation
angegeben, im Zeitraum vom 1
0.
b
is 16.
Lebensjahr sexuell miss
braucht und im 16. Lebensjahr zusätzlich noch vergewaltigt worden zu sein.
Fortgesetzter (schwerer) sexueller Missbrauch und Vergewaltigungen seien Ereig
nisse, die im Sinne des ICD-10 als Auslöser für eine PTBS in Frage kommen
könnten. Ob diese Ereignisse ta
t
sächlich stattgefunden hätten, könne im Rahmen
einer Begutachtung der Arbeitsfähigkeit nicht abschliessend beurteilt werden. Objektive Daten, wie ein Gerichtsurteil, das von der Beschwerdeführerin ange
führt werde, lägen nicht vor. Weitere, vor allem neuere Traumata im Sinne des ICD-10 seien weder in den Berichten noch von der Beschwerdeführerin genannt worden. Die Psychopathologie, die von den
Vorb
eha
ndlern
durchgängig be
schrieben und von der Beschwerdeführerin zum Teil in der gutachterlichen Situation geschildert worden
seien,
entsp
reche dem Zustandsbild, das beim Vor
liegen einer PTBS zu erwarten w
äre (vgl. vor allem Bericht
der Privatklinik
A._
vom 12. Dezember 2012, Urk. 8/16). Es liege jedoch in der Natur der entsprechenden Symptome, dass sie in der überwiegenden Zahl nicht unmittel
bar beobachtbar seien. Allerdings gebe es neben phänomenologischen auch diagnostische Schwierigkeiten an der vom
C._
gestellten Diagnose PTBS. Zum einen sei dem Klassifikationssystem nach beim gleichzeitigen Vorliegen einer depressiven Störung von der Diagnose einer PTBS abzuraten, zum anderen wäre ohnehin nach der langen Zeit seit dem Erleben
der Traumata nicht mehr eine PT
BS, sondern eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach ICD-10: F 62.0 zu diagnostizieren. Aber auch
davon, dies
e Diag
nose zu stellen, sei aufg
rund der folgenden Überlegungen abzuraten. Es sei nämlich eine Diagnose zu stellen, die überraschenderweise in keinem der aktenkundigen Bericht auftauche, die aber eine grosse Bedeutung für den diagnosti
schen Prozess und die Psychopathologie der Beschwerdeführerin habe: eine Störung durch Al
ko
hol. Bei längerem erheblichem Alkoholkonsum könne sich die toxische Wirkung auf nahezu alle Bereiche des Erlebens, Empfindens und Verhaltens eines Menschen auswirken. Die Vulnerabilität sei dabei sehr individuell, was heisse, eine ungünstige Wirkung auf Einstellungen und Kognitionen einer Person könne nicht anhand einer bestimmten Alkoholmenge festgemacht werden. Aktenanam
n
estisch werde ab 2008 von einem sich steigernden Alkoholkonsum der Beschwerdeführerin berichtet, was auf eine Toleranzentwicklung hindeute. Im Bericht der Privatklinik
A._
vom 12. Dezember 2012
sei diese Entwicklung ausdrücklich erwähnt worden, wobei sogar die Alkoholmenge von „bis zu einer Flasche Wein täglich“ im Zeitraum eines Jahres (also 2011/2012) beziffert worden sei, was einer erhebliche Belastung für den Körper und die Hirnorganik der Beschwerdeführerin bedeutet habe. Leider sei keine diagnostische Würdigung
dieses Konsumverhaltens vorgenommen worden. Dabei sei es
durchaus denkbar, dass der damalige (und aktuelle) psychische Zustand teil
weise auch dadurch erklärt werden könnte. Beispielsweise der geringe
Selbst
wert
, der soziale Rückzug und die Gereiztheit.
Auch in späteren Berichten sei der fortgesetzte Alkoholkonsum festgehalten worden. D
abei sei bemerkenswert, dass der Beschwerdeführerin einmal der
Führerschein wegen Trunkenheit am Steuer entzogen
worden sei
(Bericht der Privatklinik
A._
vom 3. Januar 2013, Urk.
8/16/14-16
). Sowohl im letzten Bericht der Privatklinik
A._
vom 2. März
2015 als auch in der gutachterlichen Untersuchung habe die Beschwerdeführerin einen fortgesetzten Alkoholkonsum bestätigt. Ob die beo
bachtbaren Auffälligkeiten wie der leichte Tremor und die Hautauffälligkeit im Gesicht auf einen entsprechenden Alkoholkonsum zurückzuführen sei, sei mög
lich, könne aber nicht sicher zugeordnet werden. Dafür seien diese Symptome zu unspezifisch. Zwar sei eine Störung durch Alkohol nicht vorrangig ver
sicherungspsychiatrisch von Belang, doch sei dies im vorliegenden Fall dennoch ausschlaggebend, da ein jahrelang fortgesetzter, erheblicher Alkoholkonsum dazu in der Lage wäre, das Zustandsbild der Beschwerdeführerin erheblich zu beeinflussen oder zu überdecken. Nach einer Abstinenzphase,
optimalerweise
ärztlich belegt und von mindestens einem Jahr
Dauer, könne eine authentischere
Beurteilung und Einordnung der Psychopathologie der Beschwer
d
eführerin vor
genommen werden. Dann könne sich zeigen, ob und welche Symptome weiter
hin vorlägen. Nicht selten würden die Symptome einer PTBS von den Betroffe
nen durch die Einn
ah
me von Suchtstoffen zu mildern gesucht. Es sei von einer hohen Komorbidität beider Störungen auszugehen. So gebe es Hinweise darauf, dass auch die Beschwerdeführerin Alkohol sozusagen „sekundär“, was heisst als inadäquate Selbstmedikation aufgrund der Symptome der PTBS, ein
genommen habe. Hier sei aber von einem unzulässigen Zirkelschluss zu warnen (solange nicht sicher belegt sei, dass die Bedingung für diese Störung
- Trau
mata im Sinne des ICD-10 - überhaupt vorgelegen habe, könne nicht von „pri
mär
“ oder „sekundär“ gesprochen werden). Die diagnostische Ausgangslage sei komplex. Aktuell erscheine es, dass sie sich erst dann klären lasse, wenn die Symptome einer alkoholbedingten Psychopathologie „herausgerechnet“ werden könnten.
Aus rein versicherungspsychiatrischer Sicht
liessen
sich anhand der Psychopa
thologie und der weiteren Befunde aktuell keine dauerhafte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit als ungelernte Bürokraft ableiten. Berufliche Massnahmen oder Integrationsmassnahmen seien nicht aussichtsreich, bevor eine Klärung der Psychopathologie vorgenommen worden sei.
3.4
Im Rahmen des
Einwandverfahrens
nahm med.
pract
.
G._
, Facharzt
für
Psychiatrie und Psychotherapie
a
m
C._
in seinem Bericht vom 10. Juni 2015 (Urk. 8/89) Stellung zum psychiatrischen Gutachten von
Dr.
B._
vom 12. März 2015 (vgl. E. 3.3) und hielt ausdrücklich an den bisher genannten Diagnosen fest. Die Grundlage für die Diagnose PTBS sei die wiederholt in diversen Einrichtungen erhobene Anamnese, die berichteten Symptome sowie der beobachtbare Befund, welche zusammen und zur Diagnose passten. Ein Gerichtsurteil - wie im Gutachten erwähnt - zur Objektivierung der Diagnose bei einer
Traumastörung
sei in keiner Weise notwendig. Die Diagnose PTBS schliesse sich auch nicht mit der diagnostizierten Depression aus. Entgegen der Auffassung des Gutachters beständen die Symptome der PTBS seit der Kindheit und
seien
nicht erst in einem grösseren Abstand als sechs Monate nach dem anhaltenden Trauma aufgetreten. Entsprechend träfen hierbei die Ausführungen zu einer „wahrscheinlichen Diagnose“ überhaupt nicht zu. Ein weiterer Ausschluss von PTBS und Depression sei in der ICD-10 nicht enthalten. Die rezidivierende depressive Störung ergebe sich ebenfalls aus Anamnese, berich
te
ter Symptomatik und Befund. Die Angaben in den Arztberichten seien nach
vollziehbar und in sich logisch. Die Akzentuierung von emotional instabilen Persönlichkeitszügen bestehe ebenfalls seit dem Jugendalter und sei aus Anam
nese, berichteten Symptomen und Befunden begründet.
Die Situation sei durch diese drei Diagnosen angemessen und umfassend umschrieben.
Die PTBS sei dabei die
grundlegende Diagnose und die anderen beiden Diagnosen seien Folgestörungen.
Hinsichtlich des Alkoholgebrauchs sei ebenfalls davon auszugehen, dass eine Art Zusatzdiagnose im Sinne von Problemen b
e
i der Lebensführung mit Alko
holgenuss
zu stellen sei
; nach ICD-10
verschlüsselbar
durch Z 72.
1.
Die Anam
nese, berichteten Symptome und der Befund reichten nicht aus für eine Diag
nose nach ICD-10 aus dem Kapitel F 1 (psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen). Trotzdem sei denkbar, dass der
Alkoholge
brauch
Symptome der anderen Störungen verschle
chtere, eventuell zeitweise aus
maskiere. Es sei wünschenswert, dass die Beschwerdeführerin vom Alkohol abstinent sei. Eine Abstinenz von einem Jahr für eine sichere Diagnostik sei aber nicht notwendig.
Die Diagnosen seien durch diverse Klinikaufenthalte und
auch durch Diagnostik und Therapie im ambulanten Setting über längere Zeit wiederholt
bestätigt und gesichert worden.
Die Beschwerdeführerin sei arbeits
unfähig. Grund dafür seien die genannten Diagnosen. Für die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seien die PTBS sowie die Persönlichkeitsakzentuierung sehr ausschlaggebe
nd, die depressive Störung bei P
hasen, welche über eine leichte depressive
Störung
hinausgingen.
Es sei darauf
hinzuweisen, dass es zur Hauptdiagnose in
einem 22-seitigen psychiatrischen Gutachten nur einen einzigen Satz zur Psychopathologie der
Traumastörung
habe.
4.
4.1
Vorliegend ist mit de
r
Beschwerdeführer
in
davon auszugehen, dass die
Be
schwerdegegnerin
den
massgeblichen
Sachverhalt nur unzureichend abgeklärt hat. So hat diese einen Anspruch auf IV-Leistungen mit der Begründung abge
lehnt, dass aus versicherungspsychiatrischer Sicht keine
invalidenversicherungs
rechtlich
relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliege (Urk. 2 S. 2).
4.2
Diese Schlussfolgerung findet weder in der gutachterlichen Beurteilung noch in den übrigen medizinisc
hen Akten eine genügende Stütze
(Urk. 2 S.
2
). D
enn
ersteres
kommt
nämlich
zum gegenteiligen Ergebnis, dass eine Beurteilung der mittel- und langfristigen Arbeitsfähigkeit de
r Beschwerdeführerin
erst nach
einer Alkoholabstinenz
möglich sei, da der psychiatrische Gesundheitszustand aktuell
durch den jahrelang fortgesetzten, erheblichen Alkoholkonsum als erheblich beeinflusst oder über
deckt
anzusehen sei und folglich nicht
abschlies
send
beurteilt werden könne (vorstehend E.
3.3). Demnach
sah sich Dr.
B._
auch nicht
in der Lage
, die im Raum stehende
PTBS respektive andauernde Persönlichkeitsänderung
sowie die depressive Störung
abschliessend
zu beurteilen (vorstehend E. 3.3).
Der Gutachter
hielt
dabei
ausdrücklich fest, dass die komplexe diagnostische Ausgangslage der Beschwerdeführerin erst nach einer einjährigen - ärztlich belegten - Abstinenzphase, wenn die Symptome einer alkoholbedingten Psychopathologie „herausgerechnet“ werden könnten, authentisch beurteilt werden könne. Diese gutachterliche Einschätzung über
zeugt, da auch der
behandelnde Psychiater
G._
vom
C._
erklärte, dass es
durchaus
denkbar
sei
, dass der Alkoholgebrauch Symptome der anderen Störungen verschlechtere,
eventuell zeitweise ausmaskiere, weshalb eine Abstinenz - wenn auch keine einjährige - wünschenswert sei (vgl. E. 3.4). Und auch
Dr.
med.
H._
, Facharzt Anästhesiologie FMH und zertifizierter medizinischer Gutachter, vom Regionalen Ärztlichen Dienst erachtete in seiner Stellungnahme vom 19. März 2015 (Urk. 8/92 S. 6) eine einjährige Alkoholabstinenz als Schadenminderungspflicht erforderlich.
4.3
Aufgrund des Umstandes, dass eine
abschliessende
Beurteilung der Psychopa
thologie und der Arbeitsfähigkeit unter aktuellem Substanzgebrauch nicht möglich ist und der Gutachter eine erneute
Beurteilung
nach
Alkohol
abstinenz vorschlug
(
Urk. 8/81 S. 20-21)
,
lässt sich vorliegend nicht beurteilen, ob ein
invalidisierender
krankheitswertiger psychischer Gesundheitsschaden vorliegt und
inwiefern
ein
e
Wechselwirkung zwischen Suchtmittelabhängigkeit und psychi
scher Begleiterkrankung
besteht
(
vorstehend
E. 1.2
).
4.4
Zusammengefasst lässt sich unter aktuellem Substanzgebrauch und gestützt auf die vorliegenden Berichte nicht
abschliessend
feststellen, ob
die
Beschwerde
führer
in
unter einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten psychischen Gesundheitsstörung mit Krankheitswert leidet, welche zur Sucht geführt hat oder als Folge des aktenkundigen Suchtmittelkonsums seit frühesten Jugend
jahren eingetreten ist, und für sich allein oder in Zusammenhang mit der durch sie verursachten Suchtkrankheit zu einer
massgeblichen
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führt.
5.
Zur Klärung dieser Frage ist eine Alkoholabstinenz mit anschliessender
Neube
gutachtung
notwendig und aus psychiatrischer Sicht zumutbar (E.
3.3). Die Beschwerdeführerin wird im Rahmen ihrer Schadenminderungs- und
Mitwir
kungspflicht
(
E.
1.
3-4
) dazu aufzufordern sein, sich der notwendigen Mass
nahme einer Alkoholabstinenz - allenfalls in Verbindung mit einer
Entzugs
therapie
- zu unterziehen, nötigenfalls unter Androhung einer
Leistungsver
weigerung
(E. 1.
5
).
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie im Rahmen des ihr obliegenden Untersuchungsgrundsatzes die entsprechenden Massnahmen veranlasse und hernach über den Rentenanspruch neu befinde.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57), weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat. Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeiten des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 des Gesetzes über das
Sozialversiche
rungsgericht
[
GSVGer
]).
Mit Honorarnote vom
1.
September 2016 (
Urk.
10) machte Advokatin
Wüthrich
einen Aufwand von 9.7 Stunden und Barauslagen von
Fr.
415.-- und damit gesamthaft
Fr.
2‘245.95 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) geltend, was als angemessen erscheint. Advokatin
Wüthrich
ist daher in diesem Umfang aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
6.3
Damit wird das vo
n der
Beschwerdeführer
in
gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (
Urk.
1 S. 2) gegenstandslos.