Decision ID: cb162605-0a19-4da4-97ee-9f422b8a508c
Year: 2011
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei
überprüfen könne. Zum Widerspruch oder der vorgeworfenen Verwechslung
führte die Beschwerdegegnerin aus, der Anschluss als selbständig
erwerbende Dirigentin bei der Ausgleichskasse Schwyz ab 1. Januar 2007
umfasse all jene Engagements, welchen sie unabhängig von ihrer Tätigkeit
beim „Orchestre ...“ nachgegangen sei.
7. a) Am 22. März 2011 reichte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerinnen die
von der Instruktionsrichterin angeforderten Unterlagen gemäss Arbeitsvertrag
Ziff. 1 (Pflichtenheft, Statuten, Organisationsreglement) sowie eine
Bestätigung der Steuerverwaltung des Kantons Schwyz vom 13. Dezember
2007 betreffend selbständiger Erwerbstätigkeit ein.
b) Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom 30. März 2011 auf
eine Stellungnahme.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Zunächst gilt es formell festzuhalten, dass gemäss Art. 34 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG; SR 830.1) im Sozialversicherungsverfahren Personen als Parteien
gelten, die aus der Sozialversicherung Rechte oder Pflichten ableiten. Die Bf2
als Arbeitgeberin ist gemäss Art. 12 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) selbst
beitragspflichtig und hat Beiträge unselbständiger Erwerbstätiger bei jeder
Lohnzahlung in Abzug zu bringen (Art. 14 Abs. 1 AHVG). Die Parteistellung
der Bf2 ist damit fraglos zu bejahen, was von der Beschwerdegegnerin auch
nicht bestritten wird.
b) Zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch die angefochtene Verfügung oder
den Einspracheentscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der
Aufhebung oder Änderung hat (Art. 59 ATSG). Die Bf2 als Arbeitgeberin und
Beitragspflichtige ist durch den Entscheid bezüglich des
sozialversicherungsrechtlichen Status einer Beauftragten direkt betroffen und
hat ein schützwürdiges Interesse an der Beurteilung des Entscheides, womit
auch die Beschwerdelegitimation zu bejahen ist.
c) Art. 42 ATSG legt fest, dass die Parteien im Sozialversicherungsverfahren
Anspruch auf rechtliches Gehör haben. Ausfluss aus dem Anspruch auf
rechtliches Gehör ist, dass ein Versicherter Anspruch darauf hat, dass alle
seine rechtserheblichen Anträge und Stellungnahmen geprüft und die
angebotenen Beweise abgenommen werden, soweit sie sich auf Tatsachen
erstrecken, die für die Entscheidfindung wesentlich sind (Kieser, ATSG-
Kommentar, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2009, N 5 zu Art. 42 ATSG). Der
Versicherungsträger ist entsprechend verpflichtet, sich mit den Vorbringen der
Partei inhaltlich auseinanderzusetzen (SVR 1994 IV Nr. 10).
d) Obschon die Beschwerdegegnerin die Bf2 im Verfahren nicht immer als Partei
bezeichnete, ging sie jeweils auf sämtliche vorgebrachten Einwände und
Beweisvorbringen ein, unabhängig davon, von wem sie stammten. Aus den
Akten ist nicht ersichtlich, dass die Beschwerdegegnerin die Argumente der
Beschwerdeführerinnen im vorinstanzlichen Verfahren nicht angehört hätte.
Sowohl die Verfügung vom 30. Juni 2010 als auch der Einspracheentscheid
vom 27. Oktober 2010 sind auch der Bf2 eröffnet worden, indem sie sich an
den Vertreter beider Beschwerdeführerinnen richteten. Ausserdem erhielt die
Bf2 im vorliegenden Verfahren die Möglichkeit, sich vor einer
Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl Sachverhalt als auch Rechtslage
frei überprüfen kann. Selbst wenn von einer Verletzung des rechtlichen
Gehörs ausgegangen werden könnte, wäre damit die Gehörsverletzung als
geheilt zu betrachten (BGE 127 V 431 E. 3d/aa, 126 V 132).
2. Gegenstand der vorliegenden Beschwerde ist die Frage, ob die
Beschwerdegegnerin die Tätigkeit der Bf1 bei der Bf2 zu Recht als
unselbständig eingestuft und die Bf2 verpflichtet hat, die Arbeitsentgelte direkt
mit der Ausgleichskasse abzurechnen.
3. Die sozialversicherungsrechtliche Beitragspflicht Erwerbstätiger richtet sich
unter anderem danach, ob das in einem bestimmten Zeitraum erzielte
Erwerbseinkommen als solches aus selbständiger oder aus unselbständiger
Erwerbstätigkeit zu qualifizieren ist (Art. 5 und 9 AHVG sowie Art. 6 ff. der
Verordnung über Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVV; SR
831.101]). Ob im Einzelfall selbständige oder unselbständige Erwerbstätigkeit
vorliegt, beurteilt sich nicht aufgrund der Rechtsnatur des
Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entscheidend sind vielmehr die
wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die zivilrechtlichen Verhältnisse vermögen
dabei allenfalls gewisse Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu
bieten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein. Als unselbständig erwerbstätig
ist im Allgemeinen zu betrachten, wer von einem Arbeitgeber in
betriebswirtschaftlicher bzw. arbeitsorganisatorischer Hinsicht abhängig ist
und kein spezifisches Unternehmerrisiko trägt. Die Vielfalt der im
wirtschaftlichen Leben anzutreffenden Sachverhalte zwingt dazu, die
beitragsrechtliche Stellung eines Erwerbstätigen jeweils unter Würdigung der
gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Weil dabei vielfach
Merkmale beider Erwerbsarten zutage treten, muss sich der Entscheid oft
danach richten, welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (BGE
123 V 161 E. 1, 122 V 169 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 9C_946/2009 vom
30. September 2010 E. 2.1).
4. a) Von einer unselbständigen Tätigkeit ist auszugehen, wenn ein
betriebswirtschaftliches und arbeitsorganisatorisches Abhängigkeits-
beziehungsweise ein Subordinationsverhältnis vorliegt (Peter Forster,
Schriften zum Sozialversicherungsrecht, AHV-Beitragsrecht, Zürich 2007, S.
430 N 39f.). Von den Beschwerdeführerinnen wird geltend gemacht, dass
diesbezüglich keine Abhängigkeit der Bf1 bestehe. Die Bf1 könne ihren
Arbeitsort frei wählen und sei nur während der Festivalzeit gebunden.
Demgegenüber führt die Beschwerdegegnerin unter anderem aus, die Bf2
stelle der Bf1 ein Sekretariat, eine Assistenz sowie auf ihre Kosten eine
Hotelunterkunft zur Verfügung und bezahle eine Auftrags- sowie eine
Spesenpauschale. Aus dem „Intendanten-Vertrag“ vom 27. Oktober/ 14.
November 2006 ergibt sich indessen, dass der Arbeitsort abgesehen von der
Proben- und Festivalzeit, den notwendigen Sitzungen und gegebenenfalls für
Öffentlichkeitsarbeiten durch die Bf1 frei gewählt werden kann (Ziff. 3,
„Arbeitsort“). Die Bf1 führt dazu auch nachvollziehbar aus, dass sie während
der restlichen Zeit die Arbeit von ihrem jeweiligen Wohnort aus führt. Ebenfalls
aus dem „Intentanden-Vertrag“ wird ersichtlich, dass ein Sekretariat und eine
Assistenz lediglich während der Proben und Festivalzeit durch die Stiftung zu
Verfügung gestellt werden, ansonsten die Intendantin selbst dafür besorgt zu
sein hat (Ziff. 4, „Entschädigung“). Die Argumentation der
Beschwerdegegnerin vermag unter diesen Umständen nicht zu überzeugen,
besteht eine gewisse Abhängigkeit ja nur während maximal vier Wochen pro
Jahr, wobei das Festival selbst jeweils Ende Juli Anfangs August zwei
Wochen während zwei Wochen andauert (2011: vom 4.-18. August); während
des restlichen Jahres ist eine solche in keiner Weise gegeben. Die fehlende
Eingliederung in die fremde Arbeitsorganisation spricht für Selbständigkeit der
Bf1 (Peter Forster, a.a.O., S. 432 N 44 mit Hinweisen). Für eine selbständige
Erwerbstätigkeit spricht ebenfalls der Umstand, dass die Bf1 noch andere
Tätigkeiten ausgeübt hat, so unter anderem als Unselbständigerwerbende
beim „Orchestre ...“ und seit Juli 2010 zu 100% an der Hochschule der Künste
in Bern, womit eine wirtschaftliche Abhängigkeit entfällt (Forster, a.a.O., S.
433 N 47). Dass konkurrierende Tätigkeiten nur mit Zustimmung der Bf2
erlaubt sind (Intendanten-Vertrag Ziff. 2, „Zeitliche Beanspruchung“), deutet
zwar auf eine unselbständige Tätigkeit hin (Forster, a.a.O., S. 434 N 49 mit
Hinweisen), wobei die Tatsache, dass weitere Engagements jeweils möglich
sind, diesen Hinweis wieder abschwächt. Im „Intendanten-Vertrag“ wird auch
festgehalten, dass es sich um einen einfachen Auftrag handelt und deshalb
Regelungen betreffend Ferien, Versicherungen, Quellensteuer, etc. entfallen.
Die fehlenden Regelungen betreffend Entschädigung bei Ferien, Krankheit,
etc. und die selbständige Versicherung derselben durch die Bf1 sprechen
wiederum für eine selbständige Erwerbstätigkeit (Forster, a.a.O., S. 433 N
49). Trotzdem wurde der „Intendanten-Vertrag“ auf unbestimmte Zeit
abgeschlossen und unterliegt einer 18-monatigen Kündigungsfrist. Dieser
Umstand wiederum spricht für eine unselbständige Tätigkeit. Im Hinblick
darauf, dass die Bf1 die Hauptverantwortung trägt und bei solchen Festivals
die Kontinuität der Organisation, des Ablaufs, etc. von grosser Bedeutung ist,
spricht dieses Indiz nicht per se für Unselbständigkeit. Die Kontinuität ist auch
bezüglich der Beschaffung finanzieller Mittel wichtig. Es wird für die Bf2 umso
schwieriger werden, Sponsoren zu finden, wenn die Möglichkeit besteht, dass
der Indentand in nächster Zeit aus seinem Auftrag aussteigt. Ausserdem ist
das Risiko für die Bf2 gross, dass ein Anlass aufgrund der langen Planungs-
und Organisationszeit nicht mehr durchgeführt werden kann, wenn ein
Intendant während der Planungs- und Organisationsphase kündigt. Eine 18-
monatige Kündigungsfrist lässt der Bf2 Raum, um einen Ersatz zu finden,
diesen einzuarbeiten und die Planung und Organisation trotzdem geregelt zu
wissen. Unter Berücksichtigung dieser Umstände ist die Tatsache, dass eine
18-monatige Kündigungsfrist besteht und der Vertrag unbefristet
abgeschlossen wurde, nicht als Indiz für Unselbständigkeit zu werten. Die
fehlende Eingliederung in einen Arbeitsplatz oder -betrieb und die weiteren
Tätigkeiten überwiegen damit im Vergleich und diesbezüglich kann von einer
selbständigen Tätigkeit ausgegangen werden.
b) In der Regel ist eine Rechenschaftspflicht bezüglich der Arbeitsleistung sowie
bezüglich der Zeit- und Mittelverwendung ein Hinweis auf das Vorliegen einer
untergeordneten und damit unselbständigen Stellung (Forster, a.a.O., S. 432
N 43). Der Bf1 obliegt zwar eine Pflicht bezüglich der Programmkonzeption,
dem Stand der Arbeiten/Vorbereitungen und bezüglich ausserordentlicher
Ereignisse zu informieren (Pflichtenheft Ziff. 5, „Informationen“), dabei handelt
es sich indessen um Informationen, welche jeder Beauftragte von Zeit zu Zeit
seinem Auftraggeber zukommen lassen muss, unabhängig davon, ob
selbständig oder unselbständig erwerbend. Jeder Auftrag beinhaltet in der
Regel die Pflicht des Beauftragten, den Auftraggeber über das Konzept und
den Stand der Arbeiten zu informieren und über ausserordentliche Ereignisse
zu berichten. Es ist unerlässlich, dass die Organisatoren, d.h. die Bf2, über
den Ablauf des Festivals orientiert sind, damit ein reibungsloser Ablauf
garantiert werden kann. Aufgrund der Stellung der Bf1 als
Hauptverantwortliche hat das genannte Weisungsrecht der Bf2 nur eine
untergeordnete Bedeutung. Demgegenüber steht der Bf1 gemäss Ziff. 4 des
Pflichtenheftes selber ein Weisungs-, Auftrags- und Controlling-Recht
gegenüber der Geschäftsführung für die Belange der Festivalorganisation zu.
Der Bf1 besitzt zudem weitgehende Handlungsfreiheit im Rahmen der
Statuten, Reglemente und Konzepte der Stiftung und des künstlerischen
Budgets und einzige vorgelagerte Stelle ist der Präsident bzw. der Stiftungsrat
(Pflichtenheft Ziff. 4, „Stellung“). Auch in allen künstlerischen Belangen stehen
der Bf1 uneingeschränkte Kompetenzen zu, womit ihr eine grosse
Eigenverantwortung obliegt. Auch in Bezug auf die Weisungsgebundenheit
überwiegen damit die Kriterien, die für eine selbständige Tätigkeit sprechen.
c) Die Beschwerdegegnerin weist im Weiteren darauf hin, dass die Bf1 für ihre
Tätigkeit bei der Bf2 eine Pauschale beziehe. Die Bf1 habe ausserdem
Anspruch auf eine jährliche Spesenpauschale. Inwiefern die Auszahlung einer
Pauschale nun gegen die Selbständigkeit einer Erwerbstätigkeit sprechen
soll, wurde seitens der Beschwerdegegnerin nicht dargelegt. Nach Ansicht
des Gerichts deutet die Auszahlung einer Pauschale an sich nicht bereits auf
eine unselbständige Tätigkeit hin. Wie die Beschwerdeführerinnen zu Recht
ausführten, ist in Auftragsverhältnissen die Entrichtung einer Pauschale die
Regel. Sie stellt in diesem Sinne keinen Lohn dar, wie dies bei einer
unselbständigen Tätigkeit der Fall wäre, sondern die Abgeltung für die
Auftragserfüllung. Unter diesen Umständen spricht dieses Argument nicht für
die Unselbständigkeit, kann aber auch nicht als Hinweis für die
Selbständigkeit herangezogen werden.
d) Vorliegend überwiegen die Hinweise auf betriebswirtschaftliche und
arbeitsorganisatorische Unabhängigkeit. Denn obschon seitens der Bf2 ein
gewisses Weisungsrecht und ein Informationsanspruch bestehen, ist die Bf1
in der Art und Weise der Verwirklichung des Auftragsziels weitgehend frei und
kann sowohl hinsichtlich Arbeitsort als auch Arbeitszeit grundsätzlich und
weitgehend selbst entscheiden. Ausserdem hat jeder selbständig
Erwerbstätige Weisungen entgegen zu nehmen. Solche Weisungen dienen
dazu, das Auftragsziel zu verwirklichen. Erst ein Weisungsrecht hinsichtlich
des Arbeitsorts, der Arbeitszeit, der Präsenzpflicht sowie der Art und Weise,
wie die Arbeitsleistung zu erbringen ist, stellt ein Subordinations- bzw.
Abhängigkeitsverhältnis dar (Forster, a.a.O., S. 431 N 41f.). Vorliegend ist ein
solches indessen in keiner Weise gegeben, auch wenn in Bezug auf die
Aufgabenverteilung und Festlegung der Kompetenzen ein Pflichtenheft
besteht. Der Bf1 steht sogar selbst ein Weisungsrecht gegenüber der Bf2 zu.
Die Indizien für die Selbständigkeit überwiegen damit vorliegend bei weitem.
5. a) Bezüglich des Unternehmerrisikos ist anzumerken, dass die Bf1 keine
erheblichen Investitionen tätigen musste, was hier wohl auch irrelevant ist, da
sich die Tätigkeit ohne grossen finanziellen Aufwand von jeglichem Arbeitsort
ausüben lässt. Die Bf1 vermag glaubhaft darzutun, dass sie zu Beginn der
Tätigkeit für die Bf2 von Frankreich aus tätig gewesen ist und nun aufgrund
ihrer Wohnsitznahme in ... b. Bern von ihrem Wohnort aus die nötigen
Aufgaben wahrnimmt. Ebenso überzeugen die Aussagen der Bf1, sämtliche
Kosten für die Bereitstellung der Arbeitsstätte übernommen zu haben.
Gemäss „Intendanten-Vertrag“ ist in der jährlichen Pauschale auch eine
Assistenzperson inbegriffen und abgegolten (Ziff. 4, „Entschädigung“). Die Bf1
machte ebenfalls glaubhaft geltend, dass die Reisekosten, um die Künstler an
Konzerten anhören zu können, abgesehen von den fixen Spesen, auf ihre
eigenen Kosten gehen würden und keine Kompensationsmöglichkeit bestehe.
Die Bf1 trägt damit ein Grossteil der Unkosten, d.h. die Kosten für die
Büroräumlichkeiten, für eine allfällige Entlöhnung einer Assistenz sowie für
einen Teil der Reisen, selbst. Obschon von einer selbständigen
Erwerbstätigkeit auszugehen ist, wenn die Unkosten beziehungsweise die
Gewinnungskosten durch den Erwerbstätigen zu tragen sind (Forster, a.a.O.,
S. 429 N 33ff), handelt es sich vorliegend nicht um erhebliche Kosten, zumal
die Reisekosten teilweise durch die Spesenpauschale abgegolten werden.
Denn ein erhebliches wirtschaftliches Risiko ist in jedem Fall weder mit der
Anschaffung eines PCs oder einer Büroeinrichtung mit der erforderlichen
Infrastruktur noch der Benützung eigener Räumlichkeiten gegeben (Forster,
a.a.O., S. 428 N 28). Bei Tätigkeiten im Dienstleistungssektor sind in der
Regel aber auch keine hohen Investitionen erforderlich. In solchen Fällen
kann trotz fehlender Investitionen auf eine selbständige Erwerbstätigkeit
geschlossen werden, falls diese nicht aufgrund anderer Kriterien
auszuschliessen ist (Forster, a.a.O., S. 429 N 32). Ein unternehmerisches
Risiko kann demzufolge nicht gänzlich von der Hand gewiesen werden.
b) Der Umstand, dass die Entschädigung nicht aufgrund der geleisteten
Arbeitsstunden, sondern pauschal für die erbrachte Arbeit als solches erfolgt,
deutet wiederum in Richtung eines unternehmerischen Risikos hin. Auch die
Tatsache, dass ein selbständig Erwerbstätiger nicht den Schutz eines
Arbeitnehmers im obligationenrechtlichen Sinn geniesst, welcher Personen
mit Arbeitsvertrag zusteht, hat das Eidgenössische Versicherungsgericht
(EVG) bereits als wirtschaftliches Risiko angesehen (ZAK 1986 S. 513).
Ausserdem kann, entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin, vorliegend
sehr wohl von wirtschaftlicher Unabhängigkeit gesprochen werden, hatte die
Bf1 doch während der ganzen Zeit ihrer Tätigkeit für die Bf2 weitere Aufträge
angenommen und arbeitet mittlerweile zu 100% als Fachbereichsleiterin
Musik an der Hochschule für Künste in Bern. Damit besteht vorliegend ein
gewisses unternehmerisches Risiko, es allein vermag indessen nicht davon
zu überzeugen, dass es sich vorliegend um eine selbständige
Erwerbstätigkeit handelt.
6. a) Zusammenfassend ergibt sich aus dem Pflichtenheft nach Ansicht des
Gerichts grundsätzlich ein grosser Handlungsspielraum, ein hohes Mass an
Entscheidungsfreiheit und an Kompetenzen sowie Eigenverantwortung für die
Bf1. Auch aus dem Organisationsreglement, wonach der Intendantin die
Verantwortung für sämtliche Belange im künstlerischen Bereich,
insbesondere der Wahrnehmung der künstlerischen Leitung im Rahmen der
Stiftungsstatuten bzw. der Vision und des Leitbildes sowie der
Aufgabenerfüllung gemäss Pflichtenheft obliegt, gehen überwiegend
Elemente der selbständigen Erwerbstätigkeit hervor. Es ist bei der Beurteilung
ausserdem zu berücksichtigen, dass der Wahl, dem Engagement der Künstler
sowie der Organisation und Durchführung des Festivals die Hauptbedeutung
für das Festival zukommt und die Tatsache, dass die Bf2 diesbezüglich über
ein untergeordnetes Weisungsrecht gegenüber der Bf1 verfügt, verdeutlicht
auf eingehende Weise die Selbständigkeit der Bf1. Die Hinweise auf eine
selbständige Erwerbstätigkeit aus betriebswirtschaftlicher und
arbeitsorganisatorischer Sicht überwiegen damit eindeutig. Die
Argumentation der Beschwerdegegnerin, es sei kein unternehmerisches
Risiko gegeben, vermag unter diesen Umständen an diesem Ergebnis nichts
mehr zu ändern. Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Beurteilung der
Statusfrage zu einseitig auf die finanziellen Aspekte geachtet und die
Eigenverantwortung zu wenig respektive gar nicht berücksichtigt. Wie bereits
festgestellt, ist ein unternehmerisches Risiko sehr wohl gegeben, nur hätte es
für sich allein nicht von der Selbständigkeit überzeugt. In Verbindung mit der
überwiegenden Selbständigkeit in betriebwirtschaftlicher und
arbeitsorganisatorischer Hinsicht, ist vorliegend die Selbständigkeit der Bf1 in
ihrer Tätigkeit für die Bf2 zu bejahen.
b) Selbst wenn davon ausgegangen werden könnte, dass vorliegend weder die
Merkmale einer selbständigen noch unselbständigen Erwerbstätigkeit
eindeutig überwiegen, würde dies zu keinem anderen Ergebnis führen.
Überwiegen weder die Merkmale einer selbständigen noch einer
unselbständigen Erwerbstätigkeit, liegt mithin in der beitragsrechtlichen
Statusfrage ein Grenzfall vor, ist nach der Rechtsprechung beim Wechsel des
Beitragsstatuts eine gewisse Zurückhaltung zu üben (vgl. ZAK 1989 S. 439;
AHI-Praxis 1995 S. 138; Forster, a.a.O., S. 434 N 51ff. mit Hinweisen). Hierfür
sprechen namentlich der Grundsatz der Verfahrensökonomie sowie die
Möglichkeit, dass die bereits unter dem Titel der früheren beitragsrechtlichen
Qualifikation bezahlten Beiträge unter Umständen wegen Ablaufs der
absoluten Verjährungsfrist gemäss Art. 16 AHVG gar nicht mehr
zurückgefordert werden können (ZAK 1989 S. 440 E. 2b). Ein Wechsel des
Beitragsstatus ist nur dann ohne weiteres zulässig, wenn abweichend von der
bisherigen Qualifizierung die Merkmale einer selbständigen oder einer
unselbständigen Erwerbstätigkeit klar überwiegen. Gemäss den
Ausführungen der Bf2 sind Ihre Intendanten bisher als selbständigerwerbend
qualifiziert worden, was die Beschwerdegegnerin weder bestreitet, noch hat
sie Stellung dazu genommen. Die von der Beschwerdegegnerin
vorgenommene Qualifizierung der Bf1 als unselbständigerwerbende
Intendantin würde nun zu einem Wechsel des Beitragsstatus führen, was nur
möglich wäre, wenn die Merkmale der unselbständigen Erwerbstätigkeit klar
überwiegen würden, was hier aber nicht der Fall ist. Die Tätigkeit der Bf1 für
die Bf2 wäre damit, auch unter diesem Aspekt, weiterhin als selbständige
Erwerbstätigkeit zu qualifizieren.
7. a) Unter diesen Umständen ist die von der Bf1 angesprochene Doppelbelastung
während ihrer Tätigkeit am „Ochestre ...“, wo sie Sozialabgaben in Frankreich
entrichtete und gleichzeitig von der Ausgleichskasse ... ab dem 1. Januar
2007 als Selbständigerwerbende eingestuft worden war, nicht weiter zu
erörtern. Wie aus den Rechtschriften der Parteien hervorgeht, war die
Abrechnung als Selbständigerwerbende durch die Ausgleichskasse Schwyz
aufgrund verschiedener zusätzlicher Engagements als Dirigentin in der
Schweiz und in Deutschland erfolgt. Eine solche Doppelbelastung ist zulässig,
da jede Tätigkeit zu prüfen und dementsprechend abzurechnen ist (siehe
dazu Ziff. 3).
b) Nachdem die Bf1 als Selbständigerwerbende zu qualifizieren ist, muss die
Frage der zeitlichen Einordnung der Anmeldung der Bf1 bei der
Ausgleichskasse Schwyz ebenso nicht weiter erörtert werden. Die Bf1 war bis
anhin, d.h. seit dem 1. Januar 2007 neben ihrer Tätigkeit am „Ochestre ...“
als Selbständigerwerbende eingestuft worden. Nachdem sie bereits während
ihrer Tätigkeit in Frankreich die Aufgabe der Intendantin am Festival
übernommen hatte, musste sie nicht davon ausgehen, dass Tätigkeit für die
Bf2 nicht dieselbe Qualifizierung haben würde, wie die restlichen
Engagements, welche sie ebenfalls während ihrer Tätigkeit für das „Orchestre
...“ angenommen hatte. Unter diesen Umständen ist nicht ersichtlich, inwiefern
die Anmeldung der Bf1 nicht rechtzeitig erfolgt sein soll.
8. a) Zusammenfassend kann damit festgehalten werden, dass die Bf1 für ihre
Tätigkeit für die Bf2 als Selbständigerwerbende zu qualifizieren ist und die Bf2
für die Tätigkeit der Bf1 keine AHV-Beiträge zu entrichten hat. Die
Beschwerde vom 23. November 2010 wird demnach gutheissen. Der
angefochtene Einspracheentscheid vom 27. Oktober 2010 erweist sich damit
als unrechtmässig und wird aufgehoben. Die Beschwerdegegnerin hat keinen
Anspruch auf Beträge für die Intendantin.
b) Gerichtskosten werden keine erhoben, da das kantonale
Beschwerdeverfahren in Sozialversicherungsstreitigkeiten gemäss Art. 61 lit.
a ATSG grundsätzlich kostenlos ist. Den obsiegenden
Beschwerdeführerinnen steht gemäss Art. 61 lit. g ATSG eine
aussergerichtliche Entschädigung zu, wobei die am 8. Februar 2011 dazu
eingereichte Honorarnote von Fr. 2'858.25 (inkl. MWST) übernommen werden
kann.