Decision ID: c9d8c341-ea07-47f7-a972-7bce4d26017f
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A. A._, geboren am 00.00.2008, wohnhaft _strasse in R._, wird auf
das Schuljahr 2020/21 hin in die Oberstufe übertreten. Zu diesem
Zweck hatte er am 9. Februar 2020 einen Zuweisungsantrag der Ge-
meinde R._ ausgefüllt bzw. durch seine Eltern, _, unterzeichnen las-
sen. Als erste Priorität äusserte er darin den Wunsch, der Schule D._
zugelost zu werden bzw. diese zu besuchen. Als zweite Priorität, falls
es mit dem Losentscheid der D._ nicht klappen sollte, wünschte er
die Beschulung an der Oberstufe im Sekundarschulkreis V._, Ober-
stufenschulhaus U._. Mit Verfügung vom 12. März 2020 verfügte die
D._ die Nichtaufnahme von A._.
B. Am 5. Juni 2020 verfügte die Vorinstanz von B._, dass A._ dem
Oberstufenschulhaus Z._ zugeteilt werde. Als Begründung für die Zu-
teilung wurden die Wohnadresse, ausgeglichene Klassengrössen,
vorhandene Raumkapazitäten und ein zumutbarer Schulweg ange-
führt. Im Allgemeinen hätten die Wünsche der Schülerinnen und
Schüler bzw. der Eltern betreffend Zuteilung in ein bestimmtes Schul-
haus weitgehend erfüllt werden können.
C. Den gegen diese Schulhauszuteilung erhobenen Rekurs von A._s
Eltern wies B._ mit Beschluss vom 7. Juli 2020 ab. Als Begründung
machte sich B._ im Wesentlichen jene der Vorinstanz in der Stellung-
nahme vom 25. Juni 2020 zu eigen, wonach die Schülerzahlen trotz
Wohnort im Einzugsgebiet der Sekundarschule U._ keine Zuteilung
in dieses Schulhaus zuliessen. Die Zuweisung von A._ zum Oberstu-

Considerations:
fenschulhaus Z._ sei in Erwägung der angestrebten Klassengrössen,
der optimalen Schulraumbewirtschaftung sowie der konkreten Um-
stände zu bestätigen. Zudem sei der Schulweg ins Schulhaus Z._ für
einen Oberstufenschüler problemlos zu bewältigen. Weil sodann
keine freie Schulwahl bestehe, habe A._ keinen Anspruch, dem
Schulhaus U._ zugeteilt zu werden. Dies bedeute jedoch nicht, dass
er sich im Schulhaus Z._ nicht auch wohl fühlen würde.
D. Gegen diesen Beschluss erhoben die Eltern von A._ (nachfolgend
«Rekurrenten») mit Schreiben vom 22. Juli 2020 bei der Rekursstelle
Entscheid der Rekursstelle Volksschule, Seite 3/13
Volksschule H._ Rekurs. Sie beantragen, A._ sei dem Oberstufen-
schulhaus U._ zuzuteilen, weil er dadurch nicht nur einen sichereren
und kürzeren Schulweg bestreiten könne, sondern auch in einem be-
kannten Umfeld weiter zur Schule gehen könne. Lediglich er sei aus
seiner 6. Primarklasse einer völlig anderen Klasse und darüber hin-
aus auch einem völlig anderen Oberstufenschulhaus zugeteilt wor-
den, währendem seine Klassenkameradinnen und -kameraden wei-
terhin zumindest in zwei grösseren Gruppen miteinander zur Schule
gehen könnten. Die Rekurrenten stellen sodann das Zuteilungsver-
fahren insgesamt in verschiedener Hinsicht in Frage und legen aus-
führlich dar, weshalb das von der Vorinstanz von B._ vorgebrachte
bzw. das von B._ geschützte Argument der Klassengrössen und der
Schulraumbewirtschaftung nicht stichhaltig sei. Im Weiteren rügen
sie sinngemäss eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, weil sich
B._ nicht ausreichend mit ihrem Sachverhalt befasst und mit verallge-
meinerten Textbausteinen argumentiert habe.
E. Mit E-Mail vom 25. Juli 2020 forderte die Präsidentin bei der Vo-
rinstanz von B._ u.a. die aktuellen Klassenlisten der Schulhäuser in
den Sekundarschulkreisen V._ und W._ ohne anonymisierte Wohna-
dressen ein.
F. B._ beantragt mit Stellungnahme vom 28. Juli 2020 unter Verweis
auf die Begründung im angefochtenen Beschluss die Abweisung des
Rekurses und fügt abschliessend an, dass erstinstanzlich sieben wei-
tere Schülerinnen und Schüler eine Zuteilung zum Sekundar-
schulkreis V._ beantragt hätten. Deshalb hätte eine Gutheissung
sämtlicher geleichgelagerter Rekurse durch B._ ein massives Un-
gleichgewicht in den Klassengrössen bewirkt.
G. Mit Schreiben vom 28. Juli 2020 nahm auch die Vorinstanz von
B._ die Gelegenheit wahr, sich zu den neuen Akten (vgl. Bst. E vor-
stehend) vernehmen zu lassen und teilte insbesondere mit Blick auf
die Stellungnahme der Rekurrenten vom 27. Juli 2020 mit, dass bei
zwei Schülerinnen und Schülern mit Wohnadresse ausserhalb des
Sekundarschulkreises V._ der erste Wunsch, nämlich die Zuteilung
zum Schulhaus U._, berücksichtigt habe werden können. Den Rekur-
renten sei aufgrund des Zuweisungsantrags (vgl. Bst. A vorstehend)
Entscheid der Rekursstelle Volksschule, Seite 4/13
bekannt gewesen, dass ihr Wunsch zweiter Priorität nur dann erfüllt
werden könne, wenn noch Plätze frei seien.
H. Auf die weiteren Vorbringen wird, soweit erforderlich, in den nach-
folgenden Erwägungen weiter eingegangen.
Erwägungen
1. Die Rekursstelle H._ ist zur Beurteilung des vorliegenden Rekur-
ses gegen die Klassen- bzw. Schulhauszuteilung der Gemeinde R._
zuständig (Art. 129 Abs. 1 Bst. c des Volksschulgesetzes, sGS
213.1; abgekürzt VSG). Als gesetzliche Vertreter (vgl. Art. 304 Abs. 1
des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210, abgekürzt ZGB)
sind die Eltern des betroffenen minderjährigen A._ zur Erhebung des
Rekurses sowohl in eigenem, als auch in seinem Namen, berechtigt
(Art. 125 VSG i.V.m. Art. 45 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwal-
tungsrechtspflege, sGs 951.1; abgekürzt VRP; Urteil des Verwal-
tungsgerichts des Kantons St.Gallen [VerwGE] B 2014/247 vom 30.
Juni 2015 E. 1.2). Auf den frist- und formgerecht eingereichten Re-
kurs ist somit einzutreten (Art. 125 VSG i.V.m. Art. 47 Abs. 1 und Art.
48 Abs. 1 VRP).
2. Vorweg ist die sinngemässe Rüge der Rekurrenten, es sei ihr An-
spruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 der Bundesverfassung
der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, abgekürzt BV)
verletzt worden, zu prüfen.
a) Die Rekurrenten bringen vor, die Vorinstanz habe sich nicht aus-
führlich mit dem Sachverhalt auseinandergesetzt, weil sie im Sach-
verhaltsabschnitt einmal von der Einteilung eines «Raffael» statt von
der Einteilung ihres Sohnes A._ ausgegangen und nicht auf alle ihre
Vorbringen eingegangen sei, sondern sich damit begnügt habe, mit
pauschalen Textbausteinen zu argumentieren.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV be-
inhaltet unter anderem das Recht, in einem vor einer Verwaltungs-
Entscheid der Rekursstelle Volksschule, Seite 5/13
oder Justizbehörde geführten Verfahren mit seinen Begehren ange-
hört zu werden, Einblick in die Akten zu erhalten und zu den für die
Entscheidung wesentlichen Punkten Stellung nehmen zu können. Er
dient einerseits der Sachverhaltsaufklärung und stellt andererseits
zugleich ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Parteien
dar (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auf-
lage, Zürich/St.Gallen 2016, Rz. 1001 ff.). Inhalt, Umfang und Form
des Gehörsanspruchs lassen sich nicht abstrakt umschreiben, son-
dern sind im Einzelfall anhand der tatsächlichen und rechtlichen Ge-
gebenheiten mit Blick auf den Anspruch auf «wirksame Mitwirkung»
zu konkretisieren (Rhinow/Koller/Kiss/Turnherr/Brühl-Moser, Öffentli-
ches Prozessrecht, 2. Aufl., Basel 2010, Rz. 312 ff.). Mit dem An-
spruch auf effektive Mitwirkung korrespondiert, dass die Behörde die
Vorbringen der Beteiligten tatsächlich hört, prüft und berücksichtigt
sowie ihren Entscheid vor diesem Hintergrund begründet. Dies be-
deutet indessen nicht, dass sich die Behörde in ihrer Entscheidbe-
gründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen
und jede Rüge ausdrücklich widerlegen müsste. Vielmehr kann sie
sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die
Begründung muss in erster Linie so abgefasst sein, dass sie dem Be-
troffenen über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben
kann. Zu diesem Zweck müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und
auf die sich ihr Entscheid stützt (BGE 129 I 232 E. 3.2; BGer
1C_576/2012 vom 11. Oktober 2013 E. 4.2.).
c) Tatsächlich wird im Beschluss der B._ vom 7. Juli 2020 an einer
Stelle fälschlicherweise ein «Raffael» erwähnt. Im Übrigen ist die
Sachverhaltsdarstellung jedoch korrekt bzw. auf den konkreten Ein-
zelfall hin abgefasst (so z.B. auch beim gegebenen Schulweg), wes-
halb vorliegend davon ausgegangen werden kann, dass die Vo-
rinstanz ihrem Entscheid die korrekten Akten zugrunde gelegt und
sich mit dem Fall auseinandergesetzt hat. Insofern liegt bezüglich
des einmal falsch verwendeten Vornamens im Sachverhaltsabschnitt
noch keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor.
d) Was die Begründung des Beschlusses als solches anbelangt, wer-
den darin zwar nicht sämtliche Vorbringen der Rekurrenten im Detail
Entscheid der Rekursstelle Volksschule, Seite 6/13
abgehandelt. Der Beschluss enthält jedoch die zentralen Überlegun-
gen der Vorinstanz. Zudem ging diese durchaus auch auf Argumente
der Rekurrenten ein, wenn auch nicht sehr ausführlich (z.B. Schul-
weg, Veränderung beim Wechsel in eine Oberstufe). Den Rekurren-
ten war es jedoch insgesamt möglich, die Tragweite des Beschlusses
zu erkennen und diesen auch sachgerecht anzufechten (vgl. dazu
BGE 136 I 229 E. 5.2). Überdies könnte eine nicht besonders
schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise
geheilt werden, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält,
sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sach-
verhalt sowie die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 137 I 195 E.
2.3.2 S. 197 f.; 133 I 201 E. 2.2 S. 204 f.; 132 V 387 E. 5.1 S. 390; je
mit Hinweisen). Dies ist vorliegend der Fall. Die Rüge der Verletzung
der Begründungspflicht ist daher ebenfalls unbegründet, weshalb ins-
gesamt keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliegt.
3. a) Die materielle Beurteilung der umstrittenen Klassen- bzw.
Schulhauszuteilung betreffend bringen die Rekurrenten vor, A._
werde dafür bestraft, dass er es gewagt habe, sich an die D._ anzu-
melden. Dadurch, dass es mit dem Los nicht geklappt habe, könne er
nun als einziger nicht mit seinen Klassenkameradinnen und -kamera-
den weiter zur Schule gehen. Zudem habe es im Oberstufenschul-
haus U._ noch genügend freie Plätze. Das Argument der «Schul-
raumbewirtschaftung» werde zudem nicht nachvollziehbar begrün-
det, was auf eine willkürliche Zuteilung von A._ schliessen lasse.
b) Die Vorinstanz führt dazu aus, A._ wohne im Sekundarschulkreis
V._, zu welchem das Oberstufenschulhaus U._ gehöre. A._ bzw.
seine Eltern hätten im Zuweisungsantrag als erste Priorität eine Zu-
weisung zur D._ und als zweite Priorität das Oberstufenschulhaus
U._ gewählt, welches im Sekundarschulkreis V._ liege. Den Rekur-
renten sei im Zuweisungsantrag mitgeteilt worden, dass die zweite
Priorität erst dann erfüllt werde, wenn vorrangig alle anderen Eltern-
wünsche an eine Oberstufe der Gemeinde R._ mit erster Priorität er-
füllt worden und noch Plätze frei seien. Der Schulweg ins Schulhaus
Z._ betrage 1.8 km und sei einem Oberstufenschüler problemlos zu-
mutbar. Die gegen diese Zuweisung vorgebrachten privaten Gründe
vermöchten kein Abweichen von den üblicherweise angewandten
Entscheid der Rekursstelle Volksschule, Seite 7/13
Kriterien, insbesondere der Einteilung nach Berücksichtigung ausge-
glichener Klassengrössen, zu begründen.
c) Bei der Überprüfung einer Klasseneinteilung durch eine Rechtsmit-
telinstanz ist zu beachten, dass die Klassenbildung in den Autono-
miebereich des Schulträgers fällt und damit die Kognition im kantona-
len Rekursverfahren auf eine blosse Rechtskontrolle beschränkt ist
(Art. 46 Abs. 2 VRP; vgl. VerwGE B 2014/168 vom 28. April 2015
E. 5). Die Rekursstelle Volksschule hat mithin namentlich den Ermes-
sensspielraum des Schulträgers zu respektieren und nicht ihr eige-
nes Ermessen anstelle jenes des Schulträgers zu setzen. Eine Kor-
rektur im Rekursverfahren kann nur dann erfolgen, wenn dem Schul-
träger eine Rechtsverletzung vorzuwerfen ist. Mit Blick auf den Er-
messensentscheid ist festzuhalten, dass ein eigentlicher Ermessens-
missbrauch – und damit eine von der kantonalen Rechtsmittelinstanz
zu korrigierende Rechtsverletzung – dann angenommen wird, wenn
sich die Behörde zwar an den Rahmen des ihr vom Gesetz einge-
räumten Ermessens hält, jedoch die bei der Ermessensausübung zu
achtenden verfassungsmässigen Grundsätze, insbesondere den
Grundsatz der Rechtsgleichheit, der Verhältnismässigkeit oder das
Verbot der Willkür, verletzt. Begrenzt wird die Zuteilungsautonomie
der Schulgemeinde überdies durch die individuelle Zumutbarkeit des
Schulwegs für die betroffene Schülerin bzw. den betroffenen Schüler
(vgl. VerwGE B 2014/168 vom 28. April 2015 E. 5).
d) Gemäss Art. 26 VSG i.V.m. Art. 1 Abs. 1 der Verordnung über den
Volksschulunterricht (sGS 213.12; abgekürzt VVU) bildet der Schul-
rat unter Berücksichtigung von Quartiergrenzen und Schulwegen
nach Leistungsfähigkeit, sozialer Herkunft und Muttersprache ausge-
glichene Klassen. Bei der gesetzlich geforderten Bildung ausgegli-
chener Klassen hat er verschiedene rechtliche und tatsächliche Fak-
toren zu berücksichtigen, wie beispielsweise die räumlichen Verhält-
nisse in den einzelnen Schulen und die in Art. 27 VSG vorgeschrie-
bene Bandbreite für die Anzahl Kinder pro Klasse, welche für die Se-
kundarstufe 20 bis 24 Schülerinnen und Schüler umfasst. Er hat ein
ausgewogenes Verhältnis zwischen den verschiedenen Zuteilungs-
kriterien und allen in die entsprechende Schulstufe eintretenden Kin-
dern herzustellen, was äusserst komplex ist, weshalb ihm deshalb
Entscheid der Rekursstelle Volksschule, Seite 8/13
auch ein relativ grosser Ermessensspielraum zusteht (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 2C_274/2014 vom 29. Juli 2014 E. 3.3.3).
Für die Gemeinde R._ bestimmt Art. 9 Abs. 1 des Reglements _ (_;
abgekürzt Schulordnung), dass die Einzugsgebiete die Zuweisung
der Schülerinnen und Schüler zu den einzelnen Primar- und Oberstu-
fenschulen bestimmen. Die Einzugsgebiete werden gemäss Art. 16
Abs. 2 Ziff. 5 der Schulordnung vom Rat der Gemeinde R._ festge-
legt. Von den Einzugsgebieten abweichende Zuweisungen sind nach
Art. 9 Abs. 2 der Schulordnung möglich, wenn die in Absatz 3 ge-
nannten Zielsetzungen besser erreicht werden können und keine
überwiegend privaten Interessen entgegenstehen. Massgebend für
die Festlegung der Einzugsgebiete sind nach Abs. 3 von Art. 9 der
Schulordnung ausgeglichene Klassengrössen, die optimale Nutzung
des vorhandenen Schulraums, die Sicherheit des Schulwegs und
nach Möglichkeit die Zugehörigkeit zum Wohnquartier. Für den Be-
such der Sekundarschule hat der Rat der Gemeinde R._ drei Sekun-
darschulkreise gebildet (W._, V._ und P._).
e) A._ wohnt mit seinen Eltern an der _strasse, die unbestrittener-
massen zum Sekundarschulkreis V._ und damit zum Einzugsgebiet
der Sekundarschule U._ gehört. Trotzdem wurde er für den Sekun-
darschulbesuch dem Schulhaus Z._ zugeteilt, welches zum Sekun-
darschulkreis W._ gehört. Begründet wird dies insbesondere mit der
Forderung nach ausgeglichenen Klassengrössen und optimaler
Schulraumbewirtschaftung. Im Schulhaus U._ werden in fünf Klassen
17, 23, 23, 23 und 22 Schülerinnen und Schüler beschult, im Schul-
haus Z._ sind es in zwei Klassen 21 und 19 Schülerinnen und Schü-
ler und im Schulhaus F._ in zwei Klassen 20 und 18 Schülerinnen
und Schüler. Bei der Überprüfung der Adressen der einzelnen Schü-
lerinnen und Schüler fällt allerdings auf, dass von den insgesamt 108
Schülerinnen und Schülern, welche dem Schulhaus U._ zugewiesen
wurden, sieben ausserhalb der Gemeinde R._ und rund weitere zwölf
ausserhalb des Sekundarschulkreises V._ wohnen. Demgegenüber
finden sich in den Klassenlisten der Sekundarschule Z._ und F._
Schülerinnen und Schüler aus dem Einzugsgebiet der Sekundar-
schule U._, darunter auch der Rekurrent.
Entscheid der Rekursstelle Volksschule, Seite 9/13
Abgesehen von den Schülerinnen und Schülern der Talentklasse, für
wessen Besuch im Vorfeld spezifische Aufnahmevoraussetzungen
erfüllt sein müssen (z.B. Aufnahmeprüfung Sparte Gestaltung, dieses
Jahr durchgeführt am 12. Februar 2020), verbleiben neun Schülerin-
nen und Schüler mit Wohnadresse ausserhalb des Sekundar-
schulkreises V._, die dem Schulhaus U._ zugeteilt wurden, wobei
seitens der Vorinstanz von B._ mit Schreiben vom 28. Juli 2020 aus-
drücklich die Vermutung bestätigt wurde, dass darunter solche sind,
welche aufgrund ihres Elternwunsches erster Priorität von einem an-
deren Sekundarschulkreis dem Sekundarschulkreis V._ zugewiesen
wurden, womit erst eine Zuteilung zum Schulhaus U._ ermöglicht
wurde. Ebenso ist aus der Verfügung der Vorinstanz von B._ zu
schliessen, dass bei der Zuteilung insgesamt insbesondere die El-
ternwünsche erster Priorität berücksichtigt wurden (vgl. Bst. B vorste-
hend).
f) Gemäss Art. 9 Abs. 1 der Schulordnung bestimmen die Einzugsge-
biete die Zuweisung der Schülerinnen und Schüler zu den einzelnen
Primar- und Oberstufenschulen. Abweichende Zuweisungen sind
möglich, wenn die in Absatz 3 abschliessend genannten Zielsetzun-
gen besser erreicht werden können und keine überwiegend privaten
Interessen entgegenstehen. Aus dem Wortlaut dieser Bestimmung
ergibt sich, dass primäres Zuteilungskriterium die vom Rat festgeleg-
ten Einzugsgebiete der jeweiligen Schulen ist. Abweichende Zutei-
lungen erfordern einen sachlichen Grund in einem der in Abs. 3 ab-
schliessend aufgeführten Kriterien (ausgeglichene Klassengrössen,
optimale Nutzung des vorhandenen Schulraums, Sicherheit des
Schulwegs, Zugehörigkeit zum Wohnquartier). Elternwünsche stellen
gemäss der entsprechenden Bestimmung keinen sachlichen Grund
für eine abweichende Zuteilung dar. Wenn die Vorinstanz von B._ bei
der Zuteilung daher, bevor es die Schülerinnen und Schüler gemäss
deren Wohnort im jeweiligen Sekundarschulkreis eingeteilt hat, Schü-
lerinnen und Schüler von ausserhalb dieses Sekundarschulkreises
aufgrund eines Elternwunsches im Zuweisungsantrag vorrangig in
diesen Sekundarschulkreis einteilt, verletzt es nicht nur den Wortlaut
von Art. 9 Abs. 1 der Schulordnung und stellt Elternwünsche über die
Vorgabe des Parlamentes und des Rates der Gemeinde R._, son-
dern missachtet auch das Rechtsgleichheitsgebot, wonach sämtliche
Entscheid der Rekursstelle Volksschule, Seite 10/13
Schülerinnen und Schüler gemäss Art. 9 Abs. 1 der Schulordnung
den Anspruch haben, dem Sekundarschulkreis ihres Wohnortes zu-
geteilt zu werden, sofern es u.a. die Platzverhältnisse erlauben (und
damit u.a. weiterhin mit ihren bekannten Klassenkameradinnen und -
kameraden im selben Sekundarschulkreis zu sein, mithin die Chan-
cen auf eine Zuteilung, bei der einzelne Bekanntschaften berücksich-
tigt werden können, gewährleistet sind). Der allgemeine Rechts-
gleichheitsgrundsatz verpflichtet die Behörden nämlich, gleiche
Sachverhalte mit identischen relevanten Tatsachen gleich zu beurtei-
len, es sei denn, ein sachlicher Grund rechtfertige eine unterschiedli-
che Behandlung (BGE 136 I 345 E. 5; BGE 131 I 105 E. 3.1; je mit
Hinweisen). Erschwerend kommt vorliegend hinzu, dass A._ bereits
jetzt seinem Wohnort entsprechend im Schulkreis V._ zur Schule
geht, dass er sich mit seiner Anmeldung (erste und zweite Priorität)
für ein Schulhaus im Sekundarschulkreis V._ angemeldet und damit
sinngemäss nicht annähernd den Wunsch geäussert hat, einem an-
deren Sekundarschulkreis zugeteilt zu werden. Zudem wird seitens
der Vorinstanz von B._ nicht bestritten, dass A._ als einziger seine
angestammte Klasse verlassen und noch dazu ein völlig anderes
Schulhaus ausserhalb des Schulkreises V._, wo seine bisherigen
Klassenkameradinnen und -kameraden zur Schule gehen, besuchen
muss, was im Rahmen der Ausübung des pflichtgemässen Ermes-
sens bei seiner Zuteilung durchaus hätte berücksichtigt werden kön-
nen, zumal es die Platzverhältnisse ja grundsätzlich zugelassen hät-
ten. Nach unserem Dafürhalten werden die sozialen Bindungen im
Alter von A._ bzw. beim Übertritt in die Oberstufe stärker wahrge-
nommen als beispielsweise noch im Kindergartenalter, weshalb sich
insgesamt die Frage stellen würde, ob aufgrund des Gesagten nicht
private Interessen i.S.v. Art. 9 Abs. 2 der Schulordnung einer Sekun-
darschulkreisumteilung von A._ entgegengestanden hätten, was auf-
grund der festgestellten anderweitigen Verletzung von Art. 9 der
Schulordnung jedoch vorliegend offen gelassen werden kann.
g) Das Argument, wonach A._ und die Rekurrenten das Risiko einer
sekundarschulkreisübergreifenden Zuteilung durch Unterzeichnung
des Zuweisungsantrags der Gemeinde R._ bewusst in Kauf genom-
men hätten, vermag vorliegend nicht zu überzeugen. Einerseits fehlt
Entscheid der Rekursstelle Volksschule, Seite 11/13
für die im Zuweisungsantrag aufgeführte Formulierung «Ihr Zutei-
lungswunsch an eine Oberstufe der Gemeinde R._ als zweite Priori-
tät wird erst dann erfüllt, wenn vorrangig alle anderen Elternwünsche
an eine Oberstufe der Gemeinde R._ mit erster Priorität erfüllt und
noch Plätze frei sind» nach dem Gesagten die rechtliche Grundlage
bzw. verletzt Art. 9 der Schulordnung. Andererseits wird durch die
Rechtsprechung ausdrücklich statuiert, dass es keinen Anspruch auf
Zuteilung einer Schülerin oder eines Schülers in ein bestimmtes
Schulhaus gibt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_495/2007 vom 27.
März 2008 E. 2.4). Infolgedessen wird mit dem Zuweisungsantrag
der Gemeinde R._ den Schülerinnen und Schülern sowie deren El-
tern insbesondere bei der Wahl einer Oberstufe der Gemeinde R._
erster Priorität in Bezug auf eine sekundarschulkreisübergreifende
Zuteilung eine Wahlmöglichkeit vorgetäuscht, welche keine rechtliche
Grundlage hat und es daher in Tat und Wahrheit gar nicht geben
dürfte. Dass die erwähnte Formulierung bei den Rekurrenten zudem
ein Gefühl des «Bestraftwerdens» hervorgerufen hat, ist – auch auf-
grund des Umstands, dass der Losentscheid der D._ Mitte März be-
kanntgegeben wurde und der Vorinstanz von B._ dadurch genügend
Zeit geblieben sein sollte, eine den gesetzlichen Grundlagen entspre-
chende, faire Zuteilung vorzunehmen, zumal es diese erst am 5. Juni
2020 verfügt hat – nicht von der Hand zu weisen.
h) Nach dem Gesagten erweist sich die Zuweisung von A._ ins
Schulhaus Z._ als nicht vereinbar mit der in Art. 9 der Schulordnung
vorgegebenen Regelung. Sie ist daher im vorliegenden Verfahren zu
korrigieren und der Rekurrent wie in Art. 9 Abs. 1 der Schulordnung
vorgesehen für den Sekundarschulbesuch der Sekundarschule U._
zuzuteilen. Dass dadurch in der Sekundarschule U._ deutlich grös-
sere Klassen entstehen und möglicherweise der zur Verfügung ste-
hende Schulraum nicht optimal genutzt wird, steht dieser Zuteilung
nicht entgegen, liegt die Ursache für die möglichweise nicht mehr op-
timale Erfüllung der Kriterien von Art. 9 Abs. 3 der Schulordnung
doch nicht in dieser Umteilung, sondern in der im vorliegenden Ver-
fahren mit dem Elternwunsch begründeten Zuteilung von Schülerin-
nen und Schülern in die Sekundarschule U._ in Abweichung zu Art. 9
Abs. 1 der Schulordnung. Diese kann dem Rekurrenten nicht als Be-
Entscheid der Rekursstelle Volksschule, Seite 12/13
gründung für die Notwendigkeit einer zu seinen Ungunsten abwei-
chenden Zuteilung entgegengehalten werden. Der Vollständigkeit
halber ist mit Blick auf die in Art. 27 Abs. 1 Bst. a VSG festgelegten
Klassengrössen festzuhalten, dass die Bandbreite bei den im Schul-
haus U._ zur Verfügung stehenden Klassen noch nicht ausgeschöpft
wurde, dass jene bei der betroffenen Klasse im Schulhaus Z._ durch
die Umteilung nicht unterschritten wird und dass deshalb die vorlie-
gend notwendig gewordene Umteilung auch unter diesem Aspekt
problemlos möglich ist.
Das Vorbringen der Vorinstanz, wonach sie aufgrund der Einzelfall-
gerechtigkeit sämtliche gleichgelagerten Rekurse hätte gutheissen
müssen, was ein massives Ungleichgewicht in den Klassengrössen
zur Folge gehabt hätte, kommt bei vorliegendem Entscheid mitunter
deshalb schon nicht zum Tragen, weil die entsprechenden Be-
schlüsse der Vorinstanz bei der Rekursstelle Volksschule H._ nicht
angefochten wurden und daher rechtskräftig geworden sind.
4. Was die weiteren Vorbringen der Rekurrenten betrifft, erübrigt sich
aufgrund des Verfahrensausgangs vorliegend eine weitergehende
Prüfung.
5. Bei diesem Verfahrensausgang wird die Gemeinde R._ als unter-
liegende Rekurspartei grundsätzlich kostenpflichtig (Art. 95 Abs. 1
VRP), wobei in Anwendung von Art. 95 Abs. 3 VRP von der Erhe-
bung amtlicher Kosten abzusehen ist. Hingegen ist den Rekurrenten
der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurück zu erstatten.
6. Damit auch für die Dauer eines allfälligen Beschwerdeverfahrens
gegen diesen Entscheid der Schulbesuch von A._ örtlich sicherge-
stellt ist, rechtfertigt es sich, einer allfälligen Beschwerde gegen den
vorliegenden Entscheid in Anwendung von Art. 51 Abs. 1 VRP in
Verbindung mit Art. 64 VRP die aufschiebende Wirkung zu entzie-
hen.