Decision ID: c7bdd973-2e87-4330-a32a-e5c0d6226f38
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein 1993 geborener kolumbianischer Staatsange-
höriger, wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom
8. September 2021 des rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne von Art. 115
Abs. 1 Bst. b AIG (SR 142.20) sowie der Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung
im Sinne von Art. 115 Abs. 1 Bst. c AIG i.V.m. Art. 11 Abs. 1 und 2 AIG
schuldig erklärt und zu einer (bedingten) Geldstrafe von 70 Tagessätzen
zu je Fr. 30.- und einer Busse von Fr. 400.- verurteilt (Akten des Migrati-
onsamtes des Kantons Zürich [ZH-act.] 8-11). Ihm wurde vorgeworfen, im
Zeitraum vom 1. September 2021 bis 7. September 2021 sowohl in Zürich
als auch in Genf als Prostituierter gearbeitet und insgesamt ca. Fr. 1'200.-
erwirtschaftet zu haben. Anlässlich seiner Einvernahme durch die Stadtpo-
lizei Zürich vom 8. September 2021 hatte der Beschwerdeführer zugege-
ben, auf einer Internetplattform einem zivilen Polizisten sexuelle Dienstleis-
tungen gegen Entgelt (Fr. 250.- pro Stunde) offeriert zu haben (vgl. Ziff. 6,
7 und 9 der Einvernahme, ZH-act. 18 und 19), durch Prostitution in Genf
Fr. 1'200.- verdient und dabei vier bis fünf Kunden bedient zu haben (vgl.
Ziff. 21 – 23 der Einvernahme, ZH-act. 20). Aufgrund der schwierigen Situ-
ation in seinem Heimatland habe er sich dazu entschlossen, mit der Pros-
titution in der Schweiz Geld zu verdienen, um in Australien studieren zu
können (vgl. Ziff. 14 und 34 der Einvernahme, ZH-act. 19 und 21).
Im Verlaufe der polizeilichen Einvernahme wurde dem Beschwerdeführer
das rechtliche Gehör zu einer allfälligen Wegweisung aus der Schweiz so-
wie zu einer allfälligen Fernhaltemassnahme gewährt (ZH-act. 14 und 15).
B.
Mit Verfügung vom 8. September 2021 wurde der Beschwerdeführer vom
Migrationsamt des Kantons Zürich (im Folgenden: Migrationsamt) aus der
Schweiz sowie aus dem Schengen-Raum weggewiesen, wobei ihm eine
Ausreisefrist bis zum 14. September 2021 angesetzt wurde (ZH-act. 37-
39).
C.
Gestützt auf den obgenannten Sachverhalt erliess das SEM am 8. Sep-
tember 2021 gegen den Beschwerdeführer ein zweijähriges Einreisever-
bot, entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung und
veranlasste die Ausschreibung des Einreiseverbots im Schengener Infor-
mationssystem (SIS II). Zur Begründung führte die Vorinstanz im Wesent-
lichen an, gemäss den kantonalen Akten sei der Beschwerdeführer in der
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Schweiz ohne Bewilligung einer Erwerbstätigkeit nachgegangen, womit er
gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen habe (Art. 67
Abs. 2 Bst a AIG i.V.m. Art. 77a Abs. 1 Bst. a und Art. 77a Abs. 2 der Ver-
ordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbs-
tätigkeit [VZAE, SR 142.201]). Die Verfügung einer Fernhaltemassnahme
zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sei somit angezeigt.
D.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 22. September 2021 beantragte der Be-
schwerdeführer, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und von ei-
nem Einreiseverbot in den gesamten Schengen-Raum sei abzusehen;
eventualiter sei von einem Einreiseverbot in die Schweiz abzusehen; sub-
eventualiter sei der Vorinstanz zu untersagen, ihn im Schengener Informa-
tionssystem zur Einreiseverweigerung auszuschreiben. In verfahrensrecht-
licher Hinsicht wurde um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung
der Beschwerde ersucht (Art. 55 Abs. 3 VwVG). In seiner Begründung be-
stritt der Rechtsvertreter, dass sein Mandant Anlass zu Klagen gegeben
habe, sei dieser doch keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen. Durch ein
jahrelanges Einreiseverbot werde der Beschwerdeführer, dem das rechtli-
che Gehör nicht gewährt worden sei, massiv in seiner Bewegungsfreiheit
eingeschränkt.
E.
Zur Substantiierung seiner privaten Beziehungen und Freundschaften im
Schengen-Raum liess der Beschwerdeführer dem Bundesverwaltungsge-
richt Namen, Adressen und Fotos wichtiger sozialer Bezugspersonen zu
den Akten reichen.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 4. Oktober 2021 hielt das Bundesverwaltungs-
gericht fest, aufgrund der gegenwärtigen Aktenlage sei davon auszugehen,
dass sich der Beschwerdeführer nach wie vor in der Schweiz befinde. Bei
dieser Sachlage bestehe vorderhand keine Veranlassung, über das Ge-
such um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung zu befinden, es
dem Beschwerdeführer jedoch unbenommen sei, sein Gesuch nach erfolg-
ter Ausreise zu aktualisieren.
G.
In ihrer Vernehmlassung vom 13. Dezember 2021 hielt die Vorinstanz voll-
umfänglich an der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Ab-
weisung der Beschwerde.
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H.
In seiner Replik vom 23. Dezember 2021 wies der Beschwerdeführer da-
rauf hin, dass die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis beabsichtige, das
Strafverfahren gegen ihn einzustellen, da sich ein diesbezüglicher Tatver-
dacht nicht erhärtet habe. Gleichzeitig wurde erneut um Wiederherstellung
der aufschiebenden Wirkung ersucht.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Januar 2022 gab das Bundesverwaltungs-
gericht diesem Verfahrensantrag nicht statt.
J.
Mit Eingabe vom 26. Januar 2022 gelangte der Beschwerdeführer erneut
an das Bundesverwaltungsgericht und ersuchte unter Hinweis auf die in-
zwischen erhaltene Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft
Limmattal/Albis vom 11. Januar 2022 um Wiedererwägung der obgenann-
ten Zwischenverfügung respektive um Anordnung von vorsorglichen Mass-
nahmen.
K.
Das Bundesverwaltungsgericht gab diesem Begehren nicht statt mit der
Begründung, das Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer sei allein
aus formellen Gründen aufgrund des strafprozessualen Verwertungsver-
bots gemäss Art. 141 Abs. 2 der Schweizerischen Strafprozessordnung
vom 5. Oktober 2007 (StPO, SR 312.0) eingestellt worden, weshalb kein
Anlass bestehe, auf besagte Zwischenverfügung vom 14. Januar 2022 zu-
rückzukommen.
L.
Mit Eingabe vom 16. Mai 2022 schliesslich verwies der Beschwerdeführer
auf den rechtskräftigen Rekursentscheid der Sicherheitsdirektion des Kan-
tons Zürich betreffend Wegweisung vom 3. März 2022 und ersuchte erneut
um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung.
M.
Neben den Vorakten zog das Bundesverwaltungsgericht auch die den Be-
schwerdeführer betreffenden Akten des Migrationsamtes bei.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den nachfol-
genden Erwägungen eingegangen.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des SEM, die ein Einreiseverbot im Sinne von Art. 67 AIG
zum Gegenstand haben, unterliegen der Beschwerde an das Bundesver-
waltungsgericht (Art. 112 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Erhebung der
Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52
VwVG).
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache
endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht
von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün-
dung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus
anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen.
Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent-
scheides (vgl. BGE 139 II 534 E. 5.4.1; BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht eine Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 29 ff.
VwVG). Die Vorinstanz habe das Einreiseverbot erlassen, ohne ihm vor-
gängig Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt zu haben. Im Weiteren
sei die Verfügung mangelhaft begründet, indem das SEM lediglich auf eine
"nicht bewilligte Erwerbstätigkeit" verweise, ohne dies weiter zu konkreti-
sieren oder zu belegen.
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3.2 Der verfassungsrechtliche Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst
eine Reihe persönlichkeitsbezogener Mitwirkungsrechte der Partei eines
Gerichts- oder Verwaltungsverfahrens. Im Zentrum steht das Recht, vor
dem Erlass einer belastenden Verfügung angehört zu werden (Art. 30
VwVG). Die Behörde hat die Partei jedoch nicht nur anzuhören, sondern
sie hat das Geäusserte sorgfältig zu prüfen, zu würdigen und bei der Ent-
scheidfindung zu berücksichtigen (Prüfungs- und Berücksichtigungspflicht;
vgl. Art. 32 VwVG). In engem Konnex hiermit steht die Begründungspflicht
(Art. 35 VwVG), welche der rationalen und transparenten Entscheidfindung
der Behörden dient und die Betroffenen in die Lage versetzen soll, den
Entscheid sachgerecht anzufechten. Die Behörde hat daher kurz die we-
sentlichen Überlegungen zu nennen, von denen sie sich leiten liess und
auf die sie ihren Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sie
sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem recht-
lichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die
für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Je weiter
der Entscheidungsspielraum, je komplexer die Sach- und Rechtslage und
je schwerwiegender der Eingriff in die Rechtsstellung der betroffenen Per-
son, desto höhere Anforderungen sind an die Begründung zu stellen
(vgl. zum Ganzen BGE 137 II 266 E. 3.2; 136 I 229 E. 5.2; BVGE 2012/24
E. 3.2; 2009/35 E. 6.4.1; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., N 629 ff.; LORENZ
KNEUBÜHLER, Die Begründungspflicht, 1998, S. 26 ff. u. S. 178 ff.; RENÉ
WIEDERKEHR, Die Begründungspflicht nach Art. 29 Abs. 2 BV und die Hei-
lung bei Verletzung, ZBl 9/2010 S. 484 ff.).
3.3 Entgegen seiner anderslautenden Behauptung hatte der Beschwerde-
führer sehr wohl Gelegenheit, zur gegen ihn verhängten Fernhaltemass-
nahme vorgängig Stellung zu nehmen. Anlässlich der Einvernahme durch
die Stadtpolizei Zürich vom 8. September 2021, welche mit Hilfe eines
Übersetzers erfolgte, wurde der Beschwerdeführer ausdrücklich darauf
hingewiesen, dass die zuständigen Behörden die Verhängung einer Fern-
haltemassnahme gegen ihn prüfen könnten. Auf die anschliessende Frage,
ob er sich dazu äussern wolle, antwortete der Beschwerdeführer mit "nein"
(ZH-act. 15).
3.4 Dass das rechtliche Gehör nicht von der Vorinstanz selbst, sondern von
der Stadtpolizei Zürich gewährt wurde, ist ebenfalls nicht zu beanstanden
(vgl. PATRICK SUTTER, in: Auer/Müller/Schindler (Hrsg.), Kommentar zum
Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (VwVG), 2008, Rz. 6 zu
Art. 30 sowie anstelle mehrerer Urteil des BVGer C-5190/2014 vom
25. September 2015 E. 3 m.H.). Abgesehen davon besteht hier ein enger
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zeitlicher Zusammenhang zwischen Gehörsgewährung und Verfügungser-
lass. Sein Gehörsanspruch wurde somit durch das beschriebene Vorgehen
der Behörden ohne weiteres gewahrt (vgl. auch Urteil des BVGer
F-5736/2015 vom 6. Januar 2017 E. 3.3).
3.5 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers lassen sich aus dem
Umfang der Begründung keine direkten Schlüsse auf ihr rechtliches Genü-
gen ziehen. Massgebend ist allein, ob sie ihre Funktion erfüllt. Das kann
auch eine knappe Begründung leisten. Die Vorinstanz legt verständlich dar,
aus welchen Gründen ihrer Ansicht nach in casu von einem Verstoss ge-
gen die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2
Bst. a AIG auszugehen ist. Im Weiteren gilt es zu berücksichtigen, dass
das Einreiseverbot zu den quantitativ häufigsten Anordnungen der schwei-
zerischen Verwaltungspraxis zählt und das SEM als erstinstanzliche Be-
hörde speditiv zu entscheiden hat. An die Begründungsdichte dürfen des-
halb keine überspannten Anforderungen gestellt werden (vgl. Urteil des
BVGer F-4156/2016 vom 8. Dezember 2017 E. 3.4 m.H.). Es war dem Be-
schwerdeführer denn auch ohne weiteres möglich, sachgerecht und voll-
ständig gegen die vorinstanzliche Verfügung zu argumentieren. Seine Rü-
gen sind daher als unbegründet zurückzuweisen. Soweit diese Sachver-
halts- und Subsumtionsfragen beinhalten, bilden sie überdies Gegenstand
der materiell-rechtlichen Beurteilung.
3.6 Als nicht zutreffend erweist sich schliesslich der Einwand des Rechts-
vertreters, in casu habe nicht die Vorinstanz, sondern die der Sicherheits-
direktion des Kantons Zürich unterstehende Zürcher Kantonspolizei durch
Übergabe des nicht unterzeichneten und keinen Namen einer natürlichen
Person tragenden Formulars gegenüber dem Beschwerdeführer als auto-
matische Folge der kantonalen Wegweisungsverfügung "verfügt". In die-
sem Zusammenhang verweist das Bundesverwaltungsgericht auf die aus-
führlichen Erwägungen im Urteil C-2492/2008 vom 31. August 2009
E. 3.3.4 - 3.3.7.
4.
4.1 Das SEM kann gestützt auf Art. 67 Abs. 2 Bst. a–c AIG gegenüber aus-
ländischen Personen Einreiseverbote verfügen, die gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen haben
oder diese gefährden (Bst. a), Sozialhilfekosten verursacht haben (Bst. b),
oder in Vorbereitungs-, Ausschaffungs- oder Durchsetzungshaft genom-
men worden sind (Bst. c). Das Einreiseverbot wird für eine Dauer von
höchstens fünf Jahren verfügt. Es kann für eine längere Dauer angeordnet
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werden, wenn die betroffene Person eine schwerwiegende Gefahr für die
öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AIG). Aus hu-
manitären oder anderen wichtigen Gründen kann die zuständige Behörde
ausnahmsweise von der Verhängung eines Einreiseverbots absehen oder
ein Einreiseverbot endgültig oder vorübergehend aufheben (Art. 67 Abs. 5
AIG).
4.2 Das in Art. 67 AIG geregelte Einreiseverbot stellt keine Sanktion dar,
sondern eine Massnahme zur Abwendung einer künftigen Störung der öf-
fentlichen Sicherheit und Ordnung (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über
die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002 [nachfolgend: Bot-
schaft], BBl 2002 3709, S. 3813). Die öffentliche Sicherheit und Ordnung
im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG bildet den Oberbegriff für die Ge-
samtheit der polizeilichen Schutzgüter; sie umfasst unter anderem die Un-
verletzlichkeit der objektiven Rechtsordnung und der Rechtsgüter Einzel-
ner (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 3809). Somit liegt ein Verstoss gegen die öf-
fentliche Sicherheit und Ordnung dann vor, wenn gesetzliche Vorschriften
oder behördliche Verfügungen missachtet werden (vgl. Art. 77a Abs. 1
Bst. a VZAE). Widerhandlungen gegen Normen des Ausländerrechts fallen
ohne weiteres unter diese Begriffsbestimmung und können ein Einreise-
verbot nach sich ziehen (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 3813). Die Verhängung
eines Einreiseverbots knüpft an das Risiko einer künftigen Gefährdung an.
Gestützt auf sämtliche Umstände des Einzelfalles ist eine entsprechende
Prognose zu stellen. Dabei ist naturgemäss primär das vergangene Ver-
halten der betroffenen Person zu berücksichtigen (vgl. anstelle vieler Urteil
des BVGer F-4025/2017 vom 1. Oktober 2018 E. 3.2 m.H.). Es genügt da-
bei, wenn der ausländischen Person eine Sorgfaltspflichtverletzung zuge-
rechnet werden kann. Unkenntnis oder Fehlinterpretation der Einreise- und
Aufenthaltsvorschriften stellen in der Regel keinen hinreichenden Grund
für ein Absehen von einer Fernhaltemassnahme dar (vgl. Urteil des BVGer
F-5969/2016 vom 28. September 2017 E. 4.4. m.H.).
4.3 Wird gegen eine Person, die nicht die Staatsangehörigkeit eines Mit-
gliedstaats der Europäischen Union oder der Europäischen Freihandelsas-
soziation besitzt, ein Einreiseverbot verhängt, so wird sie nach Massgabe
der Bedeutung des Falles im Schengener Informationssystem (SIS) zur
Einreiseverweigerung ausgeschrieben (vgl. Art. 21 und 24 der Verordnung
[EG] Nr. 1987/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
20. Dezember 2006 über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des
Schengener Informationssystems der zweiten Generation [SIS-II],
Abl. L 381/4 vom 28.12.2006 [nachfolgend: SIS-II-Verordnung]; Art. 20 der
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Verordnung vom 8. März 2013 über den nationalen Teil des Schengener
Informationssystems [N-SIS] und das SIRENE-Büro [N-SIS-Verordnung,
SR 362.0]).
4.4 Der ausländerrechtliche Begriff der Erwerbstätigkeit ist weit gefasst
(vgl. SPESCHA, in: Spescha et al. [Hrsg], Kommentar Migrationsrecht,
5. Aufl. 2019, Art. 11 AIG N 2). Als Erwerbstätigkeit im Sinne des Gesetzes
gilt jede üblicherweise gegen Entgelt ausgeübte unselbständige oder selb-
ständige Tätigkeit, selbst wenn sie unentgeltlich erfolgt (Art. 11 Abs. 2 AIG).
Eine Tätigkeit gilt dann als üblicherweise gegen Entgelt gerichtet, wenn sie
ihrer Art und ihrem Umfang nach auf dem schweizerischen Arbeits- und
Dienstleistungsmarkt angeboten wird (vgl. EGLI/MEYER, Handkommentar
zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, 2010, Art. 11
N 6). Ohne Belang für die Qualifikation als Erwerbstätigkeit ist dabei, ob
die Beschäftigung nur stunden- oder tageweise oder vorübergehend aus-
geübt wird (vgl. Art. 1a und 2 VZAE).
5.
5.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass das Strafverfahren gegen
ihn eingestellt worden sei und es nicht nachvollziehbar sei, weshalb die
Verwaltungsbehörden von den tatsächlichen und rechtlichen Feststellun-
gen der Strafbehörden abweichen sollten. Diesbezüglich gilt es festzuhal-
ten, dass das Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer – wie erwähnt –
allein aus formellen Gründen aufgrund des strafprozessualen Verwer-
tungsverbots gemäss Art. 141 Abs. 2 StPO eingestellt worden ist, da die
Voraussetzungen für die verdeckte Fahndung gemäss Art. 298b StPO nicht
erfüllt waren und deshalb im Strafverfahren nicht verwertet werden durften
(vgl. Bst. K. des Sachverhalts). Die Staatsanwaltschaft hat jedoch zu keiner
Zeit festgehalten, der fragliche Polizist habe wahrheitswidrige Angaben ge-
macht. Zum andern weist das Bundesverwaltungsgericht an dieser Stelle
darauf hin, dass das Einreiseverbot nicht an die Erfüllung einer Strafnorm,
sondern an das Vorliegen einer Polizeigefahr anknüpft und die Behörde in
eigener Kompetenz unter Zugrundelegung spezifisch ausländerrechtlicher
Kriterien zu beurteilen hat, ob eine solche besteht. Entsprechend kann ein
Einreiseverbot auch dann ergehen, wenn ein rechtkräftiges Strafurteil fehlt,
sei es, weil ein Strafverfahren nicht eröffnet wurde, noch hängig ist oder
wie in casu eingestellt wurde (vgl. Urteile des BVGer F-5969/2016 vom
28. September 2017 E. 6.4 m.H.; C-7068/2013 vom 19. Mai 2015 E. 5.5
m.H.). Als präventivpolizeiliche Massnahme knüpft das Einreiseverbot di-
rekt an die Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung an und nicht
an die Ahndung derselben. Ob eine solche Störung besteht und wie diese
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Seite 10
zu gewichten ist, hat die Verwaltungsbehörde in eigener Kompetenz unter
Zugrundelegung ausländerrechtlicher Kriterien zu beurteilen. Es genügt,
dass Verdachtsmomente vorliegen, die von der Behörde als hinreichend
konkret erachtet werden, wobei die Unschuldsvermutung im Administrativ-
verfahren – entgegen der Ansicht des Rechtsvertreters – grundsätzlich
keine Geltung beanspruchen kann. So ist die Einhaltung der öffentlichen
Ordnung und Sicherheit nicht notwendigerweise mit der Verletzung von
Strafbestimmungen deckungsgleich. Die fremdenpolizeiliche Behörde
lässt sich zudem, wie erwähnt, von anderen Überlegungen leiten als die
Strafbehörde. Während die Entscheidung des Strafrichters in erster Linie
von Überlegungen im Zusammenhang mit den Aussichten auf eine soziale
Wiedereingliederung des Verurteilten bestimmt wird, ist die Sorge um die
öffentliche Ordnung und Sicherheit bei der Fremdenpolizei ausschlagge-
bend. Die fremdenpolizeiliche Beurteilung kann daher strenger ausfallen
als diejenige der Strafbehörde (vgl. in diesem Zusammenhang die ausführ-
lichen Erwägungen im Grundsatzurteil des BVGer F-1367/2019 vom
20. Juli 2021 E. 9.3 m.H.).
5.2 Der Beschwerdeführer bestreitet, dass er zu Klagen Anlass gegeben
habe und einer Erwerbstätigkeit nachgegangen sei. Dies entgegen seinen
Aussagen anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 8. September
2021, wo er sich geständig zeigte und zugab, in der Schweiz ohne Bewilli-
gung eine selbständige Erwerbstätigkeit (Prostitution) ausgeübt zu haben
(vgl. Ziff. 51 der Einvernahme, ZH-act. 22). Dabei legte er in schlüssiger
Weise dar, aus welchen Gründen er in der Schweiz Dienstleistungen gegen
Entgelt erbrachte (vgl. Ziff. 14 und 34 der Einvernahme, ZH-act. 19 und
21). Zudem bestätigte er unterschriftlich, dass ihm das aufgesetzte Proto-
koll übersetzt wurde und dass dieses inhaltlich zutraf. Dabei muss er sich
behaften lassen.
5.3 Nach dem Gesagten sieht es das Bundesverwaltungsgericht als erwie-
sen an, dass der Beschwerdeführer im beschriebenen Umfang einer Er-
werbstätigkeit im Sinne von Art. 11 Abs. 2 AIG nachgegangen ist. Mit seiner
illegalen Erwerbstätigkeit in der Schweiz hat er somit fraglos ausländer-
rechtliche Bestimmungen verletzt, was als Verstoss gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung zu werten ist (Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG; Art. 77a
Abs. 1 Bst. a VZAE). Daran vermag auch der Umstand nichts zu ändern,
dass die Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich – im Rahmen des kanto-
nalen Wegweisungsverfahrens – bei einer Erwerbstätigkeit als Prostituier-
ter in einem Zeitraum von lediglich sieben Tagen nicht von einer Gefähr-
dung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auszugehen scheint (vgl.
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Rekursentscheid vom 3. März 2022 Erw. 8.4), ist doch das Bundesverwal-
tungsgericht ohnehin nicht an die rechtliche Würdigung durch die kanto-
nale Behörde gebunden.
6.
Es bleibt zu prüfen, ob die Massnahme in richtiger Ausübung des Ermes-
sens ergangen und angemessen ist.
6.1 Der Entscheid darüber, ob ein Einreiseverbot anzuordnen und wie es
innerhalb des zulässigen zeitlichen Rahmens zu befristen ist, legt Art. 67
Abs. 2 AIG in das pflichtgemässe Ermessen der Behörde (BGE 139 II 121
E. 6.5.1; 108 Ib 196 E. 4a). Zu beachten ist insbesondere der Grundsatz
der Verhältnismässigkeit (BVGE 2016/33 E. 9; 2014/20 E. 8.1). Erforder-
lich ist eine einzelfallbezogene Interessenabwägung unter Berücksichti-
gung sämtlicher wesentlicher Umstände (Art. 5 Abs. 2 BV; Art. 96 AIG;
BGE 139 I 16 E. 2.2.1; 135 II 377 E. 4.3). Massgebend ist dabei das öffent-
liche Interesse an der Fernhaltemassnahme einerseits und die durch sie
beeinträchtigten privaten Interessen des Beschwerdeführers andererseits.
Ausgangspunkt der Überlegungen bilden die Stellung der verletzten oder
gefährdeten Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Ver-
haltens, die persönlichen Verhältnisse des Beschwerdeführers und das
von ihm ausgehende, zukünftige Gefährdungspotenzial (BGE 139 II 121
E. 6.5.1; BVGE 2014/20 E. 8.1).
6.2 Der Beschwerdeführer hat, wie festgestellt, wegen Erwerbstätigkeit
ohne Bewilligung in der Schweiz gegen die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG verstossen. Dieses Fehlver-
halten wiegt objektiv nicht leicht, kommt doch den ausländerrechtlichen
Normen im Zusammenhang mit Einreise, Aufenthalt und Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit grundsätzlich eine zentrale Bedeutung zu, wenn es darum
geht, eine funktionierende Rechtsordnung zu gewährleisten
(BVGE 2016/33 E. 4.3; 2014/20 E. 8.2; statt vieler: Urteil des BVGer
F-3451/2018 vom 22. Januar 2020 E. 6.2). Die Verhängung einer Fernhal-
temassnahme scheint auch unter dem spezialpräventiven Aspekt als ge-
rechtfertigt, den Beschwerdeführer zu ermahnen, bei einer allfälligen künf-
tigen Wiedereinreise in die Schweiz nach Ablauf des Einreiseverbots die
geltenden ausländerrechtlichen Vorschriften einzuhalten, lässt dieser doch
jede Einsicht in die Problematik seines Tuns missen. Es besteht daher ein
gewichtiges öffentliches Interesse an der Anordnung eines Einreisever-
bots.
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Seite 12
6.3 In seiner Rechtsmitteleingabe vom 22. September 2021 machte der
Beschwerdeführer geltend, er verfüge in verschiedenen Schengen-Staaten
seit 2019 über ein für ihn wichtiges soziales Netz, namentlich in Belgien,
Deutschland, Spanien und in der Schweiz, wobei er zur Substantiierung
seiner privaten Beziehungen und Freundschaften im Schengen-Raum Na-
men, Adressen und Fotos wichtiger sozialer Bezugspersonen zu den Akten
reichen liess. Durch ein jahrelanges Einreiseverbot werde er massiv in sei-
ner Bewegungsfreiheit eingeschränkt, womit die Pflege der Freundschaf-
ten durch die Fernhaltemassnahme in einer das von Art. 8 EMRK ge-
schützte Privatleben verletzenden Weise erheblich behindert werde. Sollte
es dabei um unerlässliche Einreisen in die Schweiz gehen, so bliebe dem
Beschwerdeführer, wie das Bundesverwaltungsgericht darauf hinweist, im-
mer noch die Möglichkeit, bei der Vorinstanz aus wichtigen Gründen die
zeitliche Suspension der angeordneten Fernhaltemassnahme zu beantra-
gen (Art 67 Abs. 5 AIG). Abgesehen davon hat der Beschwerdeführer nicht
dargetan, in einem solchen Ausmass in seiner Privatsphäre betroffen zu
sein, um die Anwendbarkeit des Schutzes des Privatlebens anrufen zu
können.
6.4 Die Ausschreibung des Einreiseverbots im Schengener Informations-
system (vgl. Art. 21 i.V.m. Art. 24 Ziff. 3 SIS-II-Verordnung) erweist sich un-
ter den vorliegenden Umständen schliesslich als verhältnismässig und zur
Wahrung der Interessen der Gesamtheit aller Schengen-Staaten als not-
wendig. Sie ist nicht zu beanstanden, geht es doch in Konstellationen wie
der hier gegebenen um zentrale Bestimmungen der migrationsrechtlichen
Ordnung. Im Übrigen hindert die Ausschreibung die anderen Schengen-
Staaten nicht daran, der betroffenen Person aus humanitären Gründen
oder Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund internationaler Ver-
pflichtungen die Einreise in das eigene Hoheitsgebiet zu gestatten (vgl.
Art. 14 Abs. 1 i.V.m. Art. 6 Abs. 5 Bst. c der Verordnung [EG] Nr. 2016/399
des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 über einen
Unionskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [Kodifi-
zierter Text] [Schengener Grenzkodex, SGK, Abl. L 77/1 vom 23.03.2016])
beziehungsweise ihr ein Schengen-Visum mit räumlich beschränkter Gül-
tigkeit auszustellen (vgl. Art. 25 Abs. 1 Bst. a [ii] der Verordnung [EG]
Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli
2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [Visakodex, Abl. L 243/1 vom
15.09.2009]). Sie können dem Beschwerdeführer ferner nach Konsultation
des ausschreibenden Staates aus wichtigen Gründen, insbesondere aus
humanitären Gründen oder aufgrund internationaler Verpflichtungen, eine
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Aufenthaltsbewilligung erteilen, worauf die Ausschreibung zurückgenom-
men wird (Art. 25 Abs. 1 des Übereinkommens vom 19. Juni 1990 zur
Durchführung des Übereinkommens betreffend den schrittweisen Abbau
der Kontrollen an den gemeinsamen Grenzen [Schengener Durchfüh-
rungsübereinkommen, SDÜ, Abl. L 239/19 vom 22.09.2000] in der Fassung
der Verordnung [EU] Nr. 265/2010 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 25.03.2010 [ABl. L 85/1 vom 31.03.2010]; vgl. auch Urteil des
BVGer F-384/2019 vom 19. Februar 2020 E. 5.4).
6.5 Eine wertende Gewichtung der sich gegenüberstehenden Interessen
führt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass das auf zwei Jahre
befristete Einreiseverbot sowohl vom Grundsatz her als auch in Bezug auf
seine Dauer (vgl. etwa Urteile des BVGer F-6047/2019 vom 30. Juni 2021;
F-6906/2018 vom 10. Dezember 2019) eine verhältnismässige und ange-
messene Massnahme zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung
darstellt.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im
Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist so-
mit abzuweisen, womit das (dritte) Gesuch um Wiederherstellung der auf-
schiebenden Wirkung der Beschwerde (vgl. Bst. L des Sachverhalts) ge-
genstandslos geworden ist.
8.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten in der Höhe
von Fr. 1’000.– dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG
i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Kosten-
vorschuss gedeckt.
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