Decision ID: 290028a0-70ae-435b-8355-3f51061420c7
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1977, war im Rahmen einer Abredeversicherung bei der
S
uva gegen die Folgen von Nichtberufsunfällen versichert (Urk.
11). Am 21. Februar 2017 verletzte er sich bei einem Sturz auf den Rücken (Urk. 8/2/1). Die Suva
trat auf den Schaden ein
(Urk. 8/9).
Mit Verfügung vom 30. Oktober
2017 stellte die Suva ihre Leistungen per 1. November
2017 ein (Urk. 8/43). Die dagegen gerichtete Einsprache
vom 30. Oktober
2017 (Urk. 8/4
5
;
Einspracheergänzungen vom 10. November 2017, Urk. 8/47, und
13. Dezember 2017, Urk. 8/56) wies
sie
mit Entscheid vom 28. Juni 2018 (Urk. 2 = Urk. 8/75) ab.
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 28. Juni 2018 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 31. August 2018 Beschwerde und beantragte die Weiterausrichtung der ge
setzlichen Leistungen (Urk. 1). Die Suva schloss mit Beschwerdeantwort vom 8. Oktober 2018 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Dies wurde dem Be
schwerdeführer mit Verfügung vom 2. November 2018 zur Kenntnis gebracht. Gleichzeitig wurde ihm antragsgemäss (vgl. Urk. 1) Rechtsanwalt Kaspar Gehring als unentgeltlicher Rechtsbeistand für das vorliegende Verf
ahren bestellt (Urk. 9).
3.
Mit heutigem Urteil hat das Gericht im Verfahren Nr. IV.2018.00883 über die Ansprüche des Beschwerdeführers gegenüber der Eidgenössischen Invalidenver
sicherung entschieden.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 10 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfall
folgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu min
destens 10 % invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG).
1.
2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des na
türlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Mög
lichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsa
n
spruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vor
zustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/aa). Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchs
aufhebende Tatfrage handelt, liegt
aber die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76). Diese Beweisgrund
sätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E. 2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine vel ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der Status quo sine vel ante noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kos
tenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
1.4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtge
mäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozial
versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stam
men,
objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches ge
statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Be
richten den Prozess nicht
erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wür
di
gen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arzt
berichtes ist also entschei
dend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un
tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kennt
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben
worden ist, in der Beurteilung der me
dizi
ni
schen Situation einleuchtet und ob die Schlussfol
ge
rungen begründet sind. Aus
schlag
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der einge
reich
ten oder in Auftrag ge
gebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte die Versicherungsleistungen mit der Begründung ein
(Urk. 2)
, der Beschwerdeführer habe sich am 21. Februar 2017 eine
Rücken
k
ontusion zugezogen. Dabei habe es sich nicht um eine
richtunggebend
e, sondern um eine vorübergehende Verschlimmerung bei allenfalls diskretem Vorzustand (degenerative Veränderungen) gehandelt. Solche Kontusionen seien mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit und nach allgemeiner Lebenserfahrung spätestens nach
sechs
Monaten abgeheilt, dann spiele das Unfallereignis im weiteren Verlauf keine Rolle mehr (S. 6).
2.2
Der Beschwerdeführer wandte dagegen ein (Urk. 1),
er leide an einem lumboradi
kulären Reizsyndrom S1 beidseits rechtsbetont. Die behandelnde Neurologin habe dazu ausgeführt, es
sei wahrscheinlich
, dass die Diskusprotrusion durch das Un
fallereignis aufgetreten sei und immer noch ein Kausalzusammenhang zum Unfallereignis bestehe. Vor diesem Hintergrund könne nicht von einer einfachen Kontusion ausgegangen werden und auch nicht davon, dass die Beschwerden ausschliesslich auf unfallfremde Ursachen zurückzuführen sein sollten (
Ziff. 6
S. 6). Der Kreisarzt gehe auf die erfolgte Infiltration und die sich daraus ergebende Diagnose in seiner Beurteilung nicht ein. Eine Würdigung dieser Infiltrationen sei durch eine medizinische Fachperson nachzuholen. Der Bericht des Krei
s
arztes sei offensichtlich unvollständig, weshalb daran zumindest Zweifel bestünden. Zudem fehle ihm als Chirurgen auch die notwendige Fachkompetenz
, die durch die Neu
rologin gestellte Diagnose beurteilen zu können. Der Nachweis des Wegfalls jeg
licher Kausalität des Unfallereignisses sei klar nicht überwiegend wahrscheinlich erbracht (Ziff. 7 S. 6 f.)
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin
den Fall zu Recht per 1. November 2017 abgeschlossen hat
.
3.
3.1
Im Austrittsbericht des
Y._,
vom 21. Februar 2017
(Urk. 8/36) diagnostizierten
die Ärzte
eine Kontusion der Hals
(HWS)-
, Brust
(BWS)
- und
Lendenw
irbelsäule
(LWS;
S. 1). Radiologisch könne eine Fraktur ausgeschlossen werden
(S. 2)
.
3.
2
Dr.
med. Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte im Bericht vom 5. Juli 2017 (Urk. 8/20) persistierende lumbale Schmerzen mit Ausstrahlung in beide Knie nach Sturz sowie einen bekannten Status nach schwe
rer Handverletzung rechts (S. 2 oben). Der Beschwerdeführer beschreibe stechen
de Schmerzen am thorako-lumbalen Übergang sowie breit lumbale Schmer
zen mit Ausstrahlung gegen
die Kniekehlen beidseits, die beim Gehen innert 20
Minu
ten unerträglich würden. Er leide auch beim Schlafen unter Schmerzen. Vor die
sem Ereignis habe er keine Rückenschmerze
n gehabt (S. 2 Mitte). Er zeige
momentan Symptome einer Spinalkanalstenose (S. 3 oben).
3.
3
Am 15. August 2017 wurde der Beschwerdeführer in der Wirbelsäulen-Sprech
stunde der
A._
, untersucht. Im Bericht vom 16. August 2017 (Urk. 8/34) diagnost
izierten
Dr.
med. B._
und
Dr.
med. C._
,
Fachärzte für orthopädische Chirurgie und Traumatologie
,
unspe
zifische, panvertebrale Rückenschmerzen ohne pathomorphologisches Korrelat im
Computertomogramm
(
MRI
)
der gesamten Wirbelsäule (S. 1). In der durchge
führten klinischen Untersuchung sowie im MR
I
der gesamten Wirbelsäule
vom 10. August
2017
, welches einen unspezifischen kleinen Knochenmarksödem-Herd posterior im Brustwirbelkörper (BWK) 8, keinen Nachweis einer Fraktur und mehrsegmentale leichte- bis mässiggradige Bandscheibendegeneration zeige (vgl. auch Urk. 8/42/3),
könne aktuell kein pathomorphologisches Korrelat für die Rü
ckenschmerzen gefunden werden. Insbesondere könne auch keine wesentliche traumaassoziierte Verletzung der Wirbelsäule diagnostiziert werden
(S. 2)
.
3.4
Kreisarzt D._
, Facharzt für Chirurgie, nahm
am 22. November
2017 (Urk. 8/51)
eine Aktenbeurteilung vor und kam zum Schluss, dass es sich beim Ereignis vom 21. Februar 2017 um eine Kontusion und damit nicht um eine
rich
tunggebend
e, sondern um eine vorübergehende Verschlimmerung bei allenfalls diskretem Vorzustand (degenerative Veränderungen) gehandelt habe. Solche Kon
tusionen seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit und nach allgemeiner Lebenserfahrung spätestens nach
sechs
Monaten abgeheilt
,
und das Unfallereig
nis spiele im weiteren V
erlauf keine Rolle mehr (S. 3).
3.5
Dr.
med. E._
, Fachärztin für Neurologie,
F._
, diagnostizierte im Bericht vom 15. Mai 2018 (Urk. 3/4 = Urk. 8/71 = Urk. 8/74/5-6) einen Verdacht auf
ein
lumboradikuläres Reizsyndrom S1 beidseits rechtsbetont, Erstmanifestation nach Treppensturz im Februar 2017 (S. 1). MR-tomographisch zeige sich jedoch nur linksseitig ein entsprechendes Korrelat mit leichter recessaler Nervenwurzelirritation infolge Diskusprotrusion L5/S1 mediolateral links. Nadelmyographisch zeigten sich beidseits in der Kenn
muskulatur L5 und S1 noch
keine Denervationszeichen (S. 2
)
.
Nach einer
am 31. Mai 2018 vorgenommenen Infiltration (vgl. Urk. 3/5) berich
tete
Dr.
E._
am 13. Juli 2018 (Urk. 3/6)
, bei sehr gutem Ansprechen auf die Infiltration
scheine eine Nervenwurzelirritation S1 beidseits rechtsbetont infolge Diskusprotrusion L5/S1 bestätigt, vor allem, da auch die Beinschmerzen fast voll
ständig regredient und die Gehstrecke nicht mehr limitiert gewesen seien. Da die Symptomatik nach dem Treppensturz aufgetreten sei, sei es wahrscheinlich, dass die Diskusprotrusion durch den Sturz verursacht
worden sei
. Ein motorisches Ausfallsyndrom liege weiterhin nicht vor (S. 2).
3.6
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, würdigte im Bericht vom 30. August 2018
(Urk. 3/7)
den strittigen Sachverhalt aus hausärzt
licher Sicht und bekräftigte, dass die Beschwerdesymptomatik exakt nach dem Unfall vom 21. Februar
2017 aufgetreten sei und bis dato in unverminderter Stärke anhalte. Vor dem Unfall hätten nie Rückenprobleme bestanden
(Ziff. 1 S. 1)
.
Es gebe nur zwei MRI
, wobei schon das erste einen relativ grossen Abstand zum Unfall
ereignis gehabt habe. Beide MRI
zeigten Auffälligkeit
e
n, wobei das in der ersten Aufnahme beschriebene Knochenmarksödem
(vgl. Urk. 8/42/3)
in der zweiten
vollständig verschwunden sei
(vgl. Urk. 8/67/1)
, was bedeute, dass ein aktiver Heilungsprozess stattgefunden habe oder im Umkehrschluss, dass es eine relevante sichtbare Verletzung des Knochenmarks gegeben habe (Ziff. 2 S. 1 f.).
4.
4.1
Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversi
cherungsrechts, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahms
weise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskushernie betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädi
gung der Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (ver
tebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfä
higkeit auftreten (SVR 2009 UV Nr. 1 S. 1, 8C_677/2007 E. 2.3; RKUV 2000 Nr.
U
379 S. 192, U 138/99 E. 2a; Urteil
des Bundesgerichts
U 159/95 vom 2
6.
August
1996 E. 1b). Bezüglich der Verschlimmerung eines vorbestehenden Gesundheits
schadens gelten dieselben Kriterien, was dazu führt, dass eine Unfallkausalität nur ausnahmsweise und insbesondere nur dann in Frage kommt, wenn der Unfall auch geeignet gewesen wäre, eine gesunde Bandscheibe zu verletzen (Urteile
des Bundesgerichts
U 555/06 vom
1
0.
Dezember 2007 E. 4.2.2; U 163/05 vom
3.
Ok
tober 2005 E. 3.1; U 441/04 vom 1
3.
Juni 2005 E. 3.1).
Ist die Diskushernie bei degenerativem Vorzustand durch den Unfall nur aktiviert, nicht aber verursacht worden, so hat die Unfallversicherung nur Leistungen für das unmittelbar im Zusammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erbringen. Nach derzeitigem medizinischem Wissensstand kann das Erreichen des Status quo sine bei posttraumatischen Lumbalgien und Lumboischialgien nach drei bis vier Monaten erwartet werden, wogegen eine allfällige richtungge
bende Verschlimmerung röntgenologisch ausgewiesen sein und sich von der altersüblichen Progression abheben muss; eine traumatische Verschlimmerung ei
nes klinisch stummen degenerativen Vorzustandes an der Wirbelsäule ist in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr als abge
schlossen zu betrachten (Urteil 8C_679/2010 vom 1
0.
November 2010 E. 3.3; vgl. auch SVR 2009 UV Nr. 1 S. 1, 8C_677/2007 E
. 2.3 und 2.3.2 mit Hinweisen).
4.2
Der Beschwerdeführer stürzte am 21. Februar 2017
auf einer Treppe auf den Rü
cken. Er klagte unmittelbar nach dem Ereignis über diffuse Beschwerden im ge
samten Rücken, wobei gemäss Bericht der den Beschwerdeführer am Unfalltag erstbehandelnden Ärzte des
Y._
(E. 3.1) eine Fraktur radiologisch ausgeschlossen wurde und am Becken und an der Wirbelsäule keine äusseren Verletzungszeichen wie Prellmarken oder Hämatome
und keine Ausstrahlung und keine sensomoto
rischen Defizite vorhanden
waren
. Alle Extremitäten konnten problemlos mobi
lisiert werden, die Motorik war allseits symmetrisch und die Sensibilität allseits intakt.
Das MRI vom 10. August 2017 (E.
3.3
) zeigte mehrsegmentale leichte- bis mässiggradige Bandscheibendegenerationen und brachte ebenfalls keinen Nach
weis für eine Fraktur.
Angesichts dessen ist davon auszugehen, dass es sich beim Treppensturz nicht um
ein besonders schweres
Unfallereignis
handelte
und dass ein degenerativer Vorzustand vorlag
.
4.3
Über Ausstrahlungen gegen
die Kniekehlen beidseits wurde
erstmals im Bericht von
Dr.
Z._
(E. 3.2)
gut
vier
Monate nach dem Sturz berichtet, wobei
Dr.
B._
und
Dr.
C._
(E. 3.3
) im MRI kein pathomorphologisches Korrelat für die un
spezifischen, panvertebralen Rückenschmerzen fanden
und auch keine Ausstrah
lungen in die Beine erwähnten
. Insbesondere fanden sie keine wesentliche traumaassoziierte Verletzung der Wirbelsäule. Einzig
Dr.
E._
(E. 3.5), welche gut ein Jahr nach dem Unfall linksseitig eine recessale Nervenwurzelirritation infolge Diskusprotrusion L5/S1 mediolateral links
bestätigte, weil der Beschwer
deführer seh
r
gut auf die Infiltration
ansprach und vor allem, da auch die Bein
schmerzen fast vollständig regredient und die Gehstrecke nicht mehr limitiert war,
erachtete es als wahrscheinlich, dass
die Beschwerden auf den Unfall zu
rück
zuführen seien
, da die Symptomatik nach dem Treppensturz aufgetreten sei.
Mit ihrer Argumentation verkannte sie
indessen
, dass Ausstrahlungen in die
Ext
remitäten bei der Erstkonsultation am Unfalltag
explizit verneint
wurden
und erst
vier
Monate nach dem Unfall aktenkundig waren
.
Die Physiotherapieverordnun
gen wurden denn auch
bis Juni 2017
zur Behandlung
eines Staus nach HWS-Distorsion, und nicht zur Behandlung lumbaler Schmerzen mit Ausstrahlung in die Beine ausgestellt (vgl. Urk. 8/1/1, Urk. 8/14, Urk. 8/22).
Im Übrigen ist n
ach ständiger Rechtsprechung die Beweisregel "post hoc ergo propter hoc" im Sinne der Vermutung, Beschwerden müssten unfallbedingt sein, wenn eine vorbeste
hende Erkrankung der Wirbelsäule bis zum Unfall schmerzfrei war, unfallmedi
zinisch nicht haltbar (SVR 2008 UV Nr. 11 S. 34, U 290/06 E. 4.2.3) und reicht zur Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht aus (BGE 119 V 335 E. 2b/bb S. 341 f.; SVR 2010 UV Nr. 10 S. 40, 8C_626/2009 E. 3.2, 2009 UV Nr.
13 S. 52, 8C-590/2007 E. 7.2.4; vgl. auch BGE 129 V 466 E. 2.2 S. 467 und E. 3 S. 468).
Hieran ändert auch die Einschätzung durch
Dr.
G._
(E. 3.6) nichts,
ist
doch
seine Behauptung, die Beschwerdesymptomatik sei exakt nach dem Unfall auf
getreten und halte bis dato in unverminderter Stärke an, aktenmässig nicht aus
gewiesen, und war diese
doch
zumindest vorübergehend regredient. Insoweit er aus dem Umstand, dass nur im ersten MRI ein Knochenmarksödem (auf Höhe BWK 8) ersichtlich war, schliesst, dass ein aktiver Heilungsprozess stattgefunden habe oder im Umkehrschluss, es eine relevante sichtbare Verletzung des Kno
chenmarks gegeben habe, könnte
dies
genauso gut zur Bestätigung der Erfah
rungsregel herangezogen werden, dass
das Erreichen des Status quo sine bei post
traumatischen Lumbalgien und Lumboischialgien nach drei bis vier Monaten
zu erwarten ist (vgl. vorstehende E. 4.1).
4.4
Ein Aktenbericht ist zulässig, wenn ein lückenloser Befund vorliegt und es im
Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden me
dizinischen Sachverhalts geht (Urteil
des Bundesgerichts
8C_
239/2008 vom 17. Dezember 2009
E. 7.2
mit Hinweis). Diese Voraussetzungen sind hinsichtlich des Berichts
des Kreisarztes (E. 3.4) erfüllt, weshalb nicht
zu beanstanden
ist
, dass die
Beschwerdegegnerin gestützt
dar
auf
zum Schluss kam,
dass
der Sturz auf den Rücken vom 21. Februar 2017
mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit keine objektivierbaren strukturellen Läsionen an
der Wirbelsäule zur Folge hatte
, sondern einzig zu einer vorübergehenden Verschlim
merung
des
degenerativen Vorzustandes
führte
und spätestens
im Zeitpunkt der
Leistungse
instellung per 1. November 2017
nicht mehr natürlich
kausal zum Un
fallereignis war
. Die Leistungseinstellung erfolgte demnach zu Recht, was zur Abweisung der Beschwerde führt
.
5.
Der unentgeltliche Rechtsbeistand
des Beschwerdeführers hat trotz Aufforderung (vgl. Urk. 12) keine Kosten
note
eingereicht, weshalb die Entschädigung nach § 7 Abs. 2 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (GebV SVGer) nach Ermessen festzusetzen
ist
. Beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- zuzüglich Mehrwertsteuer er
scheint eine Entschädigung im Betrag von Fr. 1'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.