Decision ID: f637b39b-ddeb-48d0-ba82-4f8f7da0d30d
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1959, war über seine
damalige
Arbeitgeberin
bei der
Suva
gegen Unfälle obligatorisch versichert, als er am
1.
Sep
tember 1988
einen Arbeitsunfall erlitt (
Urk.
9/30). In der Folge wurde bei ihm
am linken Knie
eine mediale
Hinterhornkorbhenkelmeniskusläsion
festgestellt und operiert
(
Urk.
9/33/6
).
Der
Versicherte
war
alsdann
ab
1.
November 1988
wieder voll arbeitsfähig
(
Urk.
9/33/3)
.
Am 1
7.
Juni 2015
erlitt er
erneut einen
Arbeitsunfall (
Urk.
9/1
)
.
Hierauf zeigte sich i
m
MRI vom
1.
Juli 2015
am
linken Knie ein Knor
peldefekt am medialen
Femurkondylus
sowie eine ausgedehnte Rissbildung in der Pars
intermedia
und dem
H
interhorn
des medialen Meniskus (
Urk.
9/14
). Im Mai 2016 wurde dem Versicherten eine UNI-Knieprothese links medial implantiert (
Urk.
9/86/1). Seine
aktuelle
Arbeitgeberin
, d
ie
P
ersonalberatung
Y._
GmbH
(
Urk.
9/5)
meldete
den Unfall
wiederum
der Suva
(
Urk.
9/1)
.
Die
Suva
erbrachte die gesetzlichen Leistungen (
Urk.
9/7
und 9/176
) und
teilte
dem Versicherten
am
2
1.
Oktober 2015 mit,
diese würden auf den Unfall vom 1.
September 1988 umgebucht
,
zumal es sich beim späteren
Unfall
bloss
um ein Bagatelltrauma handle
(
Urk.
9/31
).
Gestützt auf die kreisärztliche Beurteilung vom 2
0.
April 2017 (
Urk.
9/131 und 9/132) informierte
sie ihn
am
3
1.
Mai
2017
zudem
dahingehend, dass die Heilkosten- und Taggeldleistungen per 3
0.
Juni 2017 eingestellt würden (
Urk.
9/142/1).
Des Weiteren sprach sie ihm mit
Verfü
gung vom
4.
September 2017 eine Integritätsentschädigung bei einer Integritäts
einbusse von 15
%
zu, verneinte
hingegen
einen Rentenanspruch
(
Urk.
9/172
). Die vom Versicherten
, vertreten durch Rechtsanwalt
lic
.
iur
.
Christe
,
dagegen erhobene Einsprache (
Urk.
9/178 und 9/182/1
) wies die
Suva
mit Entscheid vom
2.
Februar 2018
ab (
Urk.
2). Indessen hiess sie am 1
2.
Februar 2018 sein Gesuch, ihm Rechtsanwalt
Christe
als unentgeltlichen Rechtsvertreter zu bestellen und mit
Fr.
1'398.90 zu entschädigen, gut (
Urk.
9/189).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
2.
Februar 2018
liess
der Versicherte
mit Eingabe vom
7
.
März 2018
Beschwerde
erheben
(
Urk.
1). Darin beantragte er
unter Beilage
von Unterlagen aus dem invalidenversicherungsrechtlichen Verfah
ren (
Urk.
3/
3-5
)
, ihm ab
1.
Juni 2017 eine Invalidenrente bei einem Invaliditäts
grad von 42
%
zuzusprechen; al
les unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Suva
(
Urk.
1 S.
2
).
Diese schloss i
n der Beschwerdeantwort vom
3
0.
April 2018
unter Beilage
der
Stellungnahme
eines weiteren Kreisarztes
(
Urk.
8/2)
auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7
).
Mit Verfügung vom
7.
Mai 2018 wurde dem Versicherten
in der Person von
Rechtsanwalt
Christe
ein
unent
geltlicher Rechtsvertreter bestellt sowie ein
zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
10
). In der Replik vom
8.
Juni 2018
(
Urk.
13 S. 2)
änderte der Versicherte
seinen Ant
rag und verlangte die Berücksichtigung eines Invaliditätsgrades von noch 35
%
entsprechend der Rentenverfügung der Invalidenversicherung vom 3
1.
Mai 2018 (
Urk.
14).
Die Suva hielt in der Duplik vom 1
1.
Juli 2018
an der Abweisung der Beschwerde
fest (
Urk.
17)
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am
1.
Januar 2017 sind die am 2
5.
September 2015 bzw. am
9.
November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfall
versicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten. Indes sieht
Abs.
1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 2
5.
September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem
1.
Januar 2017 ereignet haben, nach bisherigem Recht gewährt werden. Vorliegend finden deshalb die bis 3
1.
Dezember 2016 gültig gewesenen Normen Anwendung und werden in dieser Fassung zitiert.
1.2
Ist die versicherte Person infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (
Art.
8
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
), so hat sie gemäss
Art.
18
Abs.
1 UVG Anspruch auf eine Invalidenrente. Invali
dität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditäts
grades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegliche
ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkom
men, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (
Art.
16 ATSG; vgl. BGE 130 V 121). Nach
Art.
18
Abs.
2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung des Invaliditätsgrades in Sonderfällen. Er kann dabei auch von
Art.
16 ATSG abweichen.
1.3
Aufgrund der Einheitlichkeit des Invaliditätsbegriffs (Art. 8 ATSG) in der Invali
den- und Unfallversicherung hat die Schätzung der Invalidität mit Bezug auf den gleichen Gesundheitsschaden in beiden Bereichen prinzipiell denselben Invalidi
tätsgrad zu ergeben, soweit nicht die unterschiedliche gesetzliche Regelung oder Rechtspraxis in den einzelnen Versicherungszweigen zu einer abweichenden Invaliditätsbemessung führen. Bereits abgeschlossene Invaliditätsfestlegungen sind
mitzuberücksichtigen
. Es besteht jedoch keine Bindungswirkung der Invali
ditätsschätzung des einen Versicherers für den jeweils anderen Sozialversiche
rungszweig (Urteil des Bundesgerichts 8C_543/2011 vom 25. August 2011 E. 3
mit Hinweisen auf
BGE 133 V 549
E. 6,
119 V 468
E. 2
b; Urteil
des Bundesge
richts 9C_
594/2016 vom 1
8.
November 2016 E. 2.4 und 2.6
).
1.
4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise sodann frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allsei
tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
Bei
Entscheiden gestützt auf versicherungsinterne ärztliche Beurteilungen, die im Wesentlichen oder ausschliesslich aus dem Verfahren vor dem Sozialversiche
rungsträger stammen,
sind
strenge Anforderungen an die Beweiswürdigung zu stellen. Ihnen wird nach der Rechtsprechung Beweiswert zugemessen, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchs
frei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
mit Hinweis). Bestehen indes auch nur geringe Zweifel an der Zuverläs
sigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, ist eine versicherungs
externe medizinische Begutachtung im Verfahren nach
Art.
44 des
Bundesge
setz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
oder ein Gerichtsgutachten anzuordnen (BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4). Auf Aktenberichte kann abgestellt werden, wenn ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (Urteil 8C_737/2011 des Bundesgerichts vom
2.
April 2012 E. 5.2; zum Ganzen auch Urteile des Bundesgerichts 8C_281/2018 vom 2
5.
Juni 2018 E. 3.2.2 und 8C_167/2018 vom 2
8.
Februar 2019 E. 4).
2.
2.1
Zwischen den Parteien strittig ist
vorab
,
welches Arbeitspensum dem Beschwer
deführer
in angepassten Tätigkeiten z
umutbar ist
. Dabei stützt sich
seine Argu
mentation einer um 20
%
verminderten Leistungsfähigkeit zufolge eines erhöhten Pausenbedarfs
auf eine Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
der Invalidenversicherung,
die
jenige der
Beschwerdegegnerin
für eine zeitlich uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
auf eine kreisärztliche Beurteilung
(
Urk.
1
Ziff.
6
;
Urk.
7
Ziff.
27 f. und
Urk.
17
Ziff.
1.1
).
2.2
Der
RAD-Arzt
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Chirurgie,
diagnostizierte
am 1
2.
Januar 2018
nach eigener Untersuchung
(zum Befund vgl.
Urk.
3/4 S. 6
f.
)
einen
Belastungsschmerz sowie eine rezidivierende Ergussbildung im linken Kniegelenk mit
einem
postoperative
n
Beugedefizit sowie
mit
einer Einschränkung der Gehstrecke und Stehdauer.
Unfallfremde Faktoren bestünden nicht. Der Erguss im rechten Kniegelenk sei ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
In der bisherigen Tätigkeit als Trockenmaurer sei
der Beschwerdeführer
auf Dauer voll arbeitsunfähig.
Als angepasste Tätigkeit könne eine überwiegend sitzend ausgeübte Arbeit mit leichter Wechselbelastung, teils sitzend, teils ebenerdig gehend, auch mit gelegentlichem Heben und Tragen von Lasten bis 15 kg
kör
pernah
seit Februar 2017
zu 80
%
z
ugemutet werden.
Ein
erhöhte
r
Pausen
bedarf erkläre sich aus der anhaltenden Schmerzsymptomatik wie auch der Ergussbil
dung unter Belastung des linken Kniegelenks wie auch nun des rechten Kniege
len
kes unter vermehrter Belastung
(zum negativen Zumutbarkeitsprofil vgl.
Urk.
3/4 S. 8)
.
Nach Abschluss der stationären Rehabilitation sei keine Verbesserung der Belast
barkeit mehr erreicht worden.
Auf Dauer werde links sehr wahrscheinlich die Implantation einer Knievollprothese notwendig,
di
e aber überwiegend
w
ahr
scheinlic
h
nicht zu einer Ver
bess
erung der Arbeitsfähigkeit führ
en werde
(
Urk.
3/4 S. 7 f.).
2.3
Der Kreisarzt
PD
Dr.
med.
A._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie,
wies
in seiner
Aktenb
eurteilung vom 19. April 2018
zuerst
auf den
Austrittsbericht der Rehaklinik
B._
vom
1.
Februar 2017
(vgl.
Urk.
9/120)
hin.
Danach
habe sich
das Ausmass der physischen Einschränkungen mit den objektivierbaren patholo
gischen Befunden der klinischen Untersuchung und bildgebenden Abklärungen sowie den Diagnosen aus somatischer Sicht erklären
lassen
.
Der Beschwerdefüh
rer habe motiviert an den Therapien teilgenommen und sich bei den Hebe- und Tragetests leistungsbereit gezeigt. Er habe versucht, sich aktiv an den Therapien zu beteiligen, aber immer wieder eine Zunahme der Schwellung unter Belastung geäussert, die auch objektiv habe gemessen werden können.
Dr.
A._
kam zum Schluss, unter diesen Voraussetzungen
seien
d
ie Schlussfolgerungen
der Spezia
listen in
B._
ex ante überzeugend.
Die
se
hätten
weiter
festgehalten, aktuell sei die Belastbarkeit des rechten
[recte: linken]
Kniegelenkes bei belastungs
abhängiger Schwellneigung eingeschränkt. Es sei fraglich, ob sich diese im weiteren Verlauf auf maximal mittelschwere Tätigkeiten steigern werde.
Diese Prognose sei
sodann
i
n der kreisärztlichen Beurteilung vom 2
0.
April 2017
(vgl.
Urk.
9/132)
geprüft worden. Die
damalige
Einschätzung, es sei ein stabiler
medizinischer Zustand erreicht
,
im vergangen
en
Jahr
sei
durch ambulan
te
/
stationäre Rehabilitationsmassnahmen keine Beschwerdebesserung erreicht worden und
von w
eitere
n
Behandlungen
sei
keine relevante
B
esserung mehr zu erwarten
, sei nachvollziehbar
.
Die
damalige
Konklus
ion
, die Zumutbarkeitsbeur
teilung gemäss
Austrittsb
ericht der Rehaklinik habe weiterhin Gültigkeit bzw. eine Steigerung auf mittelschwere Tätigkeit
en
sei bei persistierender Beschwer
desymptomatik und fehlenden
Behandlungsoptionen nich
t möglich, sei konse
quent.
Die diagnostischen Bemühungen des Operateurs, eine Erklärung für die
g
eklagten Schmerz
en
zu erhalten
, seien ohne überzeugendes Ergebnis geblieben.
N
eben der
unauffälligen SPE
CT-CT vom 29.
März
2017
bedeutsam
sei die Wirkung
der Infiltration vom
2
1.
Juni 2017 mit einem lokalen Betäubungsmittel
.
Diese
sei gemäss
Dr.
C._
erfolgt,
um zu sehen, ob der Beschwerdeführer dadurch kurz
zeitig beschwerdefrei
werde
und eine
arthroskopische
Revision mit Teilresektion des Hoffa
empfohlen werden könne,
ans
onsten er keine Erklärung für die Beschwerden habe.
Sein
Praxis-N
achfolger
Dr.
D._
habe drei Wochen später festgestellt, dass der Beschwerdeführer keinerlei Be
sserung erfahren habe.
R
ein pharmakologisch betrachtet
, so
Dr.
A._
,
könne der Ort der Wirkung des lokalen Betäubungsmitt
els, vorliegend das Innere des
linken Kniegelenks, von der Infilt
ration unbeeinflusste Schmerzen nicht erklären.
Zur RAD-Stellungnahme
(
Urk.
3/4)
monierte
Dr.
A._
dementsprechend
,
Dr.
Z._
habe sich nicht mit den Berichten der involvierten Ärzte ausei
nandergesetzt
respektive
seine
eigene Einschätzung
nicht
vor dem Hintergrund derjenigen aus
B._
diskutiert
.
Er beschreibe
anlässlich seine
s
Untersuch
s
lediglich eine geringe Kapselschwellung
, einen minimalen Erguss und die exakt gleiche Beugung/Streckung des linken
Kniegelenks wie beim
Klinika
ustritt
.
Er
habe
also
weder eine
relevante Befundverschlechterung
dargetan
, noch
den aus
gebliebenen Effekt de
r I
nfiltration
erwähnt.
Dabei vermöge es
nicht zu überzeu
gen, dass die in der sechswöchigen arbeitsmedizinischen Rehabilitation von
Spezialisten
gewonnen
en
Erkenntnisse und Schlussfolgerungen weniger valid sein sollen als
Dr.
Z._
s
nach einmaliger ambulanter Untersuchung.
Vor diesem Hintergrund sei das gesamte Ausmass der geklagten Beschwerde
n
nicht überwiegend wahrscheinlich als Unfallfolge zu werten.
Zudem verwundere
die
Begründung des erhöhten Pausenbedarfs,
da
Dr.
Z._
selbst
den
Erguss des rechten Kniegelenks
als
ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit angegeben
habe
und dieses Kni
e nicht verletzt worden
sei
. Für e
ine indirekt unfallkausale Beein
t
rächtigung
bestehe indes
gemäss der Arbeit von Harrington
ausser bei einer
Lähmung oder signifikanten Beinverkürzung
der verletzten Seite
keine Evidenz
.
Hinweise auf eine Gonarth
ro
se
ergäben
sich aus
der SPECT-CT vom 2
9.
März 2017 lediglich
verdachtsweise
und d
er von
Dr.
Z._
erhobene klinische Befund sei diesbezüglich u
nauffällig
. Demnach könne
d
er
von ihm
diagnostizierte «Erguss rechtes Kniegelenk» nur als unbestätigte
Wiedergabe der
Schilderung des Beschwerdeführers verstanden werden
(
Urk.
8/2 S. 5-8)
.
2
.
4
Damit hat
Dr.
A._
alle
relevanten medizinischen Unterlagen
soweit
nachvoll
ziehbar gewürdigt.
Beizupflichten ist ihm insbesondere, d
ass dem Austrittsbericht der Rehaklinik
B._
vom
1.
Februar 2017
zum stationären Aufenthalt vom
6.
Dezember 2016 bis 1
7.
Januar 2017 ein erhöhter Beweiswert zukommt, zumal dieser auf einem längeren Beobachtungszeitraum und verschiedenen Belastbar
keitstests beruht.
Eine
leichte bis mittelschwere Arbeit
wurde
im Austrittsbericht
als
aktuell
ganztags zumutbar beurteilt unter Hinweis
darauf, dass im weiteren Verlauf eine
Steigerung auf maximal mittelschwere Tätigkeiten
möglich, aber
fraglich sei
.
Zu betonen ist
, dass
die
se
zumutbare Belastbarkeit
aufgrund medizi
nischer Überlegungen
–
konkret
der Knieschwellung nach
den
Belastungstests
bei ansonsten radiologisch und laborchemisch unauffälligem Befund –
gegenüber den Testergebnissen
sogar
explizit «
etwas reduziert
»
wurde
.
Das
Belastungsprofil
des linken Knies
entspricht dabei in etwa demjenigen des
RAD:
Zumutbar
sei
eine
wechselbelastende Tätigkeit ohne Arbeiten auf unebenem Grund, auf Leitern und Gerüsten, in der Hocke, im Knien und ohne Bewegen von schweren Lasten mit Hubwagen ohne Eigenantrieb
(
vgl.
Urk.
9/120/2
f.
).
Soweit es die
Berichte
des behandelnden Orthopäden
Dr.
C._
anbelangt, ist
zu ergänzen
,
dass dieser
am 5.
April 2017 nach Kenntnisnahme des SPECT-CT
erläuterte
,
es zeige sich keine Lockerung im Bereich der Prothese, kein Erguss im Gelenk und keine Arthrose auf der lateralen Seite. E
r könne sich die Reaktionslage mit rezidivierender Schwellung nicht erklären, es handle sich allenfalls um eine Art dystrophen Effekt, wobei im
Szinti
ansonsten keine Hinweise für ein solches Geschehen bestünden. Die berufliche Situation müsse von der
Suva
noch beurteilt werden, für stark belastende Arbeiten sei der Beschwerdeführer nicht mehr geeignet (
Urk.
9/128/3).
In der
K
ontrolle vom 21.
Juni 2017 klagte der Beschwer
deführer über massive Beschwerden, wenn er eine Stunde langsam g
ehe.
Dr.
C._
konnte beim klinischen Untersuch des linken Knies
allerdings
nur wenig Schwellung und eine schöne Beweglichkeit feststellen. Der radiologische Befund war wiederum unauffällig.
Da d
er Beschwerdeführer
jedoch
eine
Druck
dolenz
von medial und lateral über dem Hoffaschen Fettkörper, aber auch bei Druck auf die Patellarseh
n
e an
gab, zog er n
ach nochmaliger Durchsicht der
s
zintigraphischen
Aufnahmen am ehesten ein Hoffa-
Impingement
in Erwägung
und infiltrierte zu diagnostischen Zwecken (
vgl.
Urk.
9/145/2)
. Wie der Beschwer
deführer
Dr.
D._
am 1
2.
Juli 2012
erklärte
, erfuhr er dadurch jedoch keinerlei Besserung.
Dr.
D._
konnte
im klinischen Untersuch
des linken Knies
weder
eine Schwellung
noch einen
Druckschmerz über dem Hoffa, der Patellarsehen etc.
, dafür aber
im Bereich des medialen
Femurkondylus
sowie im Bereich der media
len Tibia
feststellen
(
vgl.
Urk.
9/152/3).
Demnach
ist
mit
Dr.
A._
davon auszugehen, dass
jeder Verdachtsdiagnose gewissenhaft
nachgegangen
und
das Knie
wiederholt
gründlich abgeklärt
wurde,
jedoch keine relevanten Befunde erhoben werden konnten
. Effektiv festgestellt
w
urde
klinisch
eine
leichte Schwellung
des linken Knies
(wenn überhaupt, z
.B.
Urk.
9/126/3)
, während die
Angaben
des Beschwerdeführers
zum Druckschmerz
eher fragwürdig erscheinen. Mit der Arbeitsfähigkeitseinschätzung der Rehaklinik
B._
gut vereinbar sind
die
zuletzt
noch
geklagte Beschwerdezunahme beim
einstündigen
Gehen
und die Beurteilung von
Dr.
C._
, der
per se
einzig
das Knie stark belastende
Arbeiten aus
schloss
.
Im Übrigen lehnte
der Beschwerdefüh
rer
e
ine weitere Operation umgehend
ab
(
Urk.
9/152)
und
wurde
seine Compliance ausserhalb der stationären Rehabilitation als
zweifelhaft
beurteilt (vgl.
Urk.
9/89/3
, 9/94/3 und 9/111/3
)
, was
gegen einen erheblichen Leidensdruck spricht
.
Es kommt hinzu, dass
bereits im
Austrittsbericht
der Rehaklinik
B._
im Zusammenhang mit der
wesentliche
n
Diskrepanz zwischen der Zumutbarkeit aus medizinischer Sicht und der Selbsteinschätzung
auf
invaliditätsfremde Faktoren hingewiesen
wurde
. So drängt sich ein Berufswechsel auf, nachdem der Beschwerdeführer immer im Baugewerbe tätig war, und befürchtet
dieser
nicht ohne Grund
,
bereits
infolge
seines Alters Schwierigkeiten bei der Stellensuche (vgl.
Urk.
9/120/2).
2.5
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers vermag die Stellungnahme des RAD die fundierte kreisärztliche Beurteilung von
Dr.
A._
nicht zu entkräften.
Dr.
A._
hat die
formellen Mängel
der Stellungnahme von
Dr.
Z._
–
vorab die
fehlende Auseinandersetzung mit
den
Vorakten
und die widersprüch
liche Beurteilung der Bedeutsamkeit der Beschwerden am rechten Knie
–
bereits dargelegt
.
Soweit
Dr.
Z._
allenfalls selbst einen (im Ausmass nicht näher spezifizierten) Erguss im rechten Knie festgestellt haben sollte, was angesichts seiner Formulierung des Befundes (ohne «kein») nicht ganz auszuschliessen ist (
Urk.
3/4 S. 6), hat
Dr.
A._
darüber hinaus
evidenzbasiert
dargetan, dass
allfäl
lige Beschwerden am rechten Knie nicht überwiegend wahrscheinlich eine indi
rekte Unfallfolge darstellen. Im Übrigen ist
Dr.
A._
b
eizupflichten
, dass
die Untersuchung von
Dr.
Z._
nichts Neues ergab bzw. nach einhelliger Meinung der Ärzte k
eine Anhaltspunkte für eine
gesundheitliche Verschlechte
rung nach dem Klinikaustritt
bestehen
(z.B.
Urk.
9/120/7 Gehdistanz 150 m,
Urk.
9/145/2
starke Beschwerden
erst
nach einer Stunde gehen).
Dem ist hinzu
zufügen, dass
z
wischen ärztlicher Diagnose und Arbeitsunfähigkeit
letztlich auch
bei somatisch dominierten Leiden keine Korrelation
besteht
, weshalb die medizi
nische Folgenabschätzung notwendigerweise eine hohe Variabilität aufweist und unausweichlich Ermessenzüge trägt (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.1).
Die
geringfügig abweichende
,
den beweisrechtlichen Anforderungen an einen Arztbericht
aber
nicht genügende
Beurteilung
des internen Arztes
der Invalidenversicherung
, die erst bei einem Invaliditätsgrad von 40 % leistungspflichtig wird (
Art.
28
Abs.
2
des
Bundesgesetz
es über die Invalidenversicherung, IVG),
lässt deshalb keine Zweifel an der gut abgestützten kreisärztlichen Einschätzung aufkommen.
3.
3.1
Zwischen den Parteien ferner umstritten ist der
Einkommensvergleich
. Beim
Valideneinkommen
steht die Berücksichtigung der
letzten
Anstellung beim Per
sonalverleih sowie der Ferien- und Feiertagsentschädigung beim Stundenlohn im Vordergrund, beim Invalideneinkommen
sind
die Verwendung von sog. DAP-Zahlen und der leidensbedingte Abzug
strittig
(
Urk.
1
Ziff.
7 und
Urk.
13;
Urk.
7
Ziff.
29 ff. und
Urk.
17
Ziff.
2-3).
3.
2
Bei der Ermittlung des
Valideneinkommens
ist in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Lohn anzuknüpfen, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre; Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein. Auf Erfahrungs- und Durch
schnittswerte darf nur unter Mitberücksichtigung der für die
Entlöhnung
im
Ein
zelfall relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren abgestellt werden (BGE 139 V 28 E. 3.3.2 S. 30 mit Hinweisen). Dabei ist mit Blick auf den Gesetzeswor
tlaut von
Art.
16 ATSG zu präzisieren, dass als
Valideneinkommen
dasjenige Einkommen gilt, das die versicherte Person überwiegend wahr
scheinlich ohne Unfall tatsächlich erzielen würde
(Urteil des Bundesgerichts 8C_277/2016 vom 2
0.
Juli 2016 E. 3.2).
Im Übrigen ist im Sozialversicherungsrecht
zwar
nicht entscheidend, ob die Invaliditätsbemessung mit Stunden-, Monats- oder Jahreswerten durchgeführt wird. Bei allen drei Vorgehensweisen ist jedoch dem Anspruch auf Ferien oder Ferien- und Feiertagesentschädigung Rechnung zu tragen. Sind im Lohn Ferien- und Feiertagesentschädigungen enthalten, müssen die entsprechenden Zeiten für Ferien und Feiertage von der (gesamtarbeitsvertraglich) vereinbarten Jahresar
beitszeit abgezogen werden, um das massgebende Erwerbseinkommen ermitteln zu können (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_749/2013 vom
6.
März 2014
E. 3.3.2).
3.3
Gemäss dem
Einsatzvertrag vom 1
1.
Mai 2015
mit der Personalberatung
Y._
GmbH
(
Urk.
9/5)
sowie der Schadenmeldung vom 1
8.
Juni 2015 (
Urk.
9/1)
betrug
der Stundenlohn
des Beschwerdeführers
zuletzt
Fr.
36.
–
. Darin enthalten waren
d
ie Ferienentschädigung
von
10.6
%
(= 27,7 Tage), die Feiertagsentschä
digung
von
3.2
%
(= 8,3 Tage) und
ein
Anteil 1
3.
Monatslohn
von
8.33 % (= 21,7 Tage)
.
Bei der im Gesundheitsfall angestrebten 100%-Anstellung
ist v
on
225 Arbeitstagen pro Jahr auszugehen (= 365 – 104 -
27,7
-
8,3). Bei einer
gemäss Angaben der Arbeitgeberin
täglichen Arbeitszeit von 8
Stunden
(
Urk.
8/1)
und einer Lohnerhöhung von 3
%
für das Jahr 2017 (
Urk.
9/
137
/1
)
resultiert ein
jähr
liches Bruttoeinkommen
von Fr.
66’744.
–
.
Der Unterschied zur
B
erechnung der Beschwerdegegnerin
in der Beschwerdeantwort gründet dabei im
Abzug
der Feiertage (
Urk.
7
Ziff.
29.1-3).
Es ist
indes
zu beachten, dass es sich beim Einsatzvertrag um einen Arbeitsvertrag im Sinne von
Art.
19 des
Arbeitsvermittlungsgesetzes (AVG) in Verbindung mit
Art.
319
des
Obligationenrecht
s (O
R)
handelt.
Die vorgesehene Einsatzdauer
betrug
maximal drei Monate (
Urk.
9/5).
Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass
die
E._
AG oder ein anderes Unternehmen
, bei welche
m
der Beschwerdeführer
bis dahin e
ingesetzt
worden war
, für die Zukunft einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu den vorstehenden Konditionen eingehen wollte, was grundsätzlich möglich gewesen wäre (
Art.
19
Abs.
4 und
Art.
22
Abs.
2 AVG
).
Das Protokoll
des Aussendienstmitarbeiters der Beschwerdegegne
rin vom 1
7.
September 2015, wonach der Beschwerdeführer seit mehr als zwei Jahren für die
E._
AG arbeite (
Urk.
9/21/1), steht im Widerspruch zu den Angaben des Personalverleihs
(vgl.
Urk.
9/6/3 f.) wie auch den Einträgen im individuellen Konto (vgl.
Urk.
9/139/4). Demnach
kann nicht von einem stabilen Arbeitsverhältnis ausgegangen werden
(vgl. vorerwähntes Bundesgerichtsurteil 8C_277/2016 E. 3.3.2).
A
ngesichts der
regelmässig
geleisteten
Einsätze (vgl.
Urk.
9/6/3 f.)
und seiner Erwerbsbiographie (
Urk.
9/139)
besteht
kein
Grund zur Annahme
, der Beschwerdeführer hätte
sich
ohne den Unfall langfristig
vermitteln lassen. Vielmehr ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
er hätte
über den Personalverleih
erneut eine
Festanstellung auf dem Bau gefunden
und angenommen
.
Im Rahmen seiner langjährigen Anstellung bei der
F._
AG erzielte
der Beschwerdeführer
gemäss Auszug aus dem individuellen Konto
vom 12.
Mai
2017
in den letzten drei Jahren
seiner Beschäftigung
, d.h. zwischen 2011 und 2013, ein Durchschnittseinkommen von
Fr.
72'313.
–
. Ein unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung vergleichbares
E
inkommen erzielte er
im Durch
schnitt
in den
Jahre
n
2000 und 2002 auch
bei der
G._
AG (
Urk.
9/139/3 f.).
Allerdings hätte der Beschwerdeführer diese Arbeitsstellen heute auch ohne seine Unfälle nicht mehr inne
, weshalb diese Einkommen nicht als Berechnungsgrundlage dienen können
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_934/2015 vom
9.
Mai 2016 E. 2.2)
.
Es bleibt – der Invalidenversicherung folgend – das
Valideneinkommen
anhand der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) für das Jahr 2014, herausgege
ben vom Bundesamt für Statistik (BFS), f
estzulegen.
Dabei rechtfertigt es sich, aufgrund der
zweijährigen
Anlehre
(
Urk.
9/69/5)
und langen Berufserfahrung auf den standardisierten Monatslohn (Vollzeitäquivalent basierend auf 4 1/3 Wochen à 40 Arbeitsstunden) g
emäss der T
abelle TA1_tirage_skill_level,
Ziff.
41-43 Baugewerbe
im Kompetenzniveau 2
für Männer
von
Fr. 5'
885
.–
abzustellen
. Dieser Betrag ist auf die im Jahr 2017 betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit
im Baugewerbe
von 41,3 Stunden hochzurechnen
(Tabelle T03.02.03.01.04.01 [Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen]) s
owie an die Nominal
lohnentwicklung
im Baugewerbe (Tabelle T1.10 [Nominallohnindex, 2011-2018], im Jahr 2015 -0.2%, im Jahr 2016 0.4
%
, und im Jahr 2017 0.3
%
) anzupassen
. Daraus resultiert ein jährliches Bruttoeinkommen
von Fr.
73'279.6
0
(
Fr.
5’885
.
–
x
12 :
40 x 41,
3 x 0,998 x 1,004 x 1,003).
Dass der Beschwerdeführer Mitte 2017 wieder ein solches Einkommen erzielt hätte, e
rscheint
auch
aufgrund der bisher tatsächlich erzielten
Einkünfte
als
überwiegend wahrscheinlich
, selbst wenn der Gesamtarbeitsvertrag 2016–2019 für das Maler- und
Gipsergewerbe
einen tiefe
ren Mindestlohn bei einer 40 Stundenwoche vorsieht.
U
m den in Wirklichkeit existierenden Wert zu erhalten, ist
bei Tabellenlöhnen
nämlich
der tatsächlichen betriebsüblichen Arbeitszeit Rechnung zu tragen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_422/2015 vom 7. Dezember 2015 E. 3.3 mit Hinweis auf Urteil 8C_965/2010 vom 24. Januar 2011 E. 4.2).
So handelt es sich
beim Tabellenlohn letztlich
nicht nur in Bezug
auf den
Lohn, sondern auch die Arbeitszeit
um
einen Durchschnitt verschiedener
Tätigkeiten eines Wirtschaftszweiges
.
3
.4
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht. Ist kein tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheits
schadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit
aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung entweder Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstruk
turerhebungen (LSE) oder die Lohnangaben aus der Dokumentation von Arbeits
plätzen der Suva (sog. DAP-Zahlen) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3 mit Hinweisen). Dabei ist die Suva nicht frei in der Wahl der Methode. Vielmehr hat sie die DAP-Methode stets dann zur Anwendung zu bringen, wenn sie im Einzelfall die bundesgerichtlichen Vorgaben einhalten kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_443/2016 vom 1
1.
August 2016 E. 5.3).
D
ie DAP ist eine Sammlung von Beschreibungen in der Schweiz tatsächlich existierender Arbeitsplätze, wobei neben allgemeinen Angaben und Verdienst
möglichkeiten zusätzlich die physischen Anforderungen an die Stelleninhaber festgehalten sind. Der Raster der körperlichen Anforderungskriterien basiert auf dem internationalen medizinischen Standard EFL nach Isernhagen (ergonomische Funktions- und Leistungsprüfung). Die Suva entschloss sich 1995 zum Aufbau der DAP mit dem Zweck, das Invalideneinkommen entsprechend den gericht
lichen Anforderungen so konkret wie möglich ermitteln zu können (BGE 139 V 592 E. 6.1 mit Hinweisen). Bei Heranziehen der DAP hat sich die Ermittlung des Invalideneinkommens auf mindestens fünf zumutbare Arbeitsplätze zu stützen. Zusätzlich sind Angaben zu machen über die Gesamtzahl der aufgrund der gege
benen Behinderung in Frage kommenden dokumentierten Arbeitsplätze, über den Höchst- und den
Tiefstlohn
sowie über den Durchschnittslohn der dem jeweils verwendeten Behinderungsprofil entsprechenden Gruppe. Damit soll die Überprü
fung des Auswahlermessens der Suva bzw. der Repräsentativität der letztlich ver
wendeten fünf DAP-Löhne ermöglicht werden. Ist die Suva nicht in der Lage, im Einzelfall den erwähnten Anforderungen zu genügen, kann im Bestreitungsfall nicht auf den DAP-Lohnvergleich abgestellt werden; die Suva hat
diesfalls
die Invalidität aufgrund der LSE-Löhne zu ermitteln. Bemisst die Suva das Invaliden
einkommen von sich aus aufgrund der LSE-Löhne, ist es rechtsprechungsgemäss wünschenswert, dass sie einen Auszug aus der DAP-Datenbank zu den Akten nimmt, der die Unmöglichkeit, den Anforderungen zu genügen, dokumentiert. Im Beschwerdeverfahren ist es Sache des angerufenen Gerichts, die Rechtskonfor
mität der DAP-Invaliditätsbemessung zu prüfen, gegebenenfalls die Sache an den Versicherer zurückzuweisen oder an Stelle des DAP-Lohnvergleichs einen Tabel
lenlohnvergleich gestützt auf die LSE vorzunehmen (BGE 129 V 472 E. 4.2.2
S. 480 f.; vgl. zum Ganzen Urteile des Bundesgerichts 8C_430/2014 vom 2
1.
Dezember 2015 E. 4.3 und 8C_898/2015 vom 1
3.
Juni 2016 E. 3.3).
3.5
Die
Beschwerdegegnerin
ermittelte
insgesamt 95 dokumentierte DAP-Arbeits
plätze
(
Urk.
6/169)
, die aufgrund der konkreten gesundheitlichen Einschrän
kungen des Beschwerdeführers in Frage kommen. Der entsprechende Minimal-,
Maximal- und Durchschnittslohn beläuft sich auf
Fr.
45’162.
–
(
1.
Dezil
),
Fr.
90’454.
–
(
9.
Dezil
) bzw.
Fr.
65’184.
–
(
Urk.
9/169/1)
. Für die Berech
nung des Invalideneinkommens wählte sie davon fünf Arbeitsplätze aus dem Industrie
bereich aus: Es handelt sich um Tätigkeiten als
Produktionsmitarbeiter
mit
einem durchschnittliche Jahreslohn
von
Fr.
60’498
.
–
(DAP-Nummer
380721, optische Kontrolle
)
,
Fr.
65'975.
–
(DAP-Nummer 8321) und
Fr.
61'100.— (DAP-Nummer 9640064, Hilfsarbeiter) sowie als Prüfer mit einem durchschnittlichen Jahreslohn
von
Fr.
68'432.
–
(DAP-Nummer
10047, Schlusskontrolle
)
und Fr. 71’032
.- (DAP-Nummer
3512, Qualitätsprüfer).
Der Durchschnitt dieser Ein
kommen beträgt
Fr.
65'407.40
und liegt
somit nur
leicht
über
dem Durchschnitts
lohn aller
95
den eingegebenen Suchkriterie
n entsprechenden Arbeitsplätze.
Die Beschwerdegegnerin
wies zu Recht darauf hin (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_305/2012 vom
6.
September 2012 E. 3.1 und 3.2),
sie habe
ausschliesslich die erwerblichen Auswirkungen der Unfallfolgen berücksichtigt (
Urk.
7
Ziff.
30;
Urk.
2 S. 11 f.). Mangels eines unfallbedingten Augenleidens von vornherein fehl geht somit die behauptete
massgebliche
, durch das Verwenden einer Lesebrille bedingt belegte
Sehschwäche des Beschwerdeführers in Bezug auf die
Arbeits
plätze
DAP-N
ummern
380721 und 3521 (
Urk.
1
Ziff.
8).
Nicht gefolgt werden kann zudem
dessen
Argument, der Arbeitsplatz DAP-
Nummer
8321 erfordere
sehr
häufiges Stehen. Vielmehr
wurde angegeben, dass
der Angestellte selbst ent
scheiden
kann
, ob er stehend oder sitzend arbeiten möchte (
Urk.
9/169/
17
).
Es
ist
deshalb
davon auszugehen, dass die ausgewählten DAP-Arbeitsplätze
dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung des Belastungsprofils gemäss Austritts
bericht der Rehaklinik
B._
(
Urk.
9/120/2) wie auch
des RAD (
Urk.
3/4 S. 8) zumutbar sind, womit
der DAP-Lohnvergleich den vom Bundesgericht
aufgestell
ten Anforderungen genügt. E
s ergeben sich keine Hinweise auf eine fehlerhafte Ausübung des Auswahlermessens oder eine mangelnde Repräsentativität der DAP-Angaben
.
Im
Rahmen des DAP-Systems, bei dem aufgrund der ärztlichen Zumutbarkeits
beurteilung anhand von Arbeitsplatzbeschreibungen konkrete Verweisungstätig
keiten ermittelt werden,
sind
Abzüge
sodann
grundsätzlich nicht sachgerecht
.
Abzüge sind nur vorzunehmen, wenn zeitliche oder leistungsmässige Reduktio
nen medizinisch begründet sind. Im Übrigen wird spezifischen Beeinträchtigun
gen in der Leistungsfähigkeit bei der Auswahl der zumutbaren DAP-Profile Rech
nung getragen. Bezüglich der weiteren persönlichen und beruflichen Merkmale (Teilzeitarbeit, Alter, Anzahl Dienstjahre, Aufenthaltsstatus), die bei der Anwen
dung der LSE zu einem Abzug führen können, ist darauf hinzuweisen, dass auf den DAP-Blättern in der Regel nicht nur ein Durchschnittslohn, sondern ein Minimum und ein Maximum angegeben sind, innerhalb deren Spannbreite auf
die konkreten Umstände Rücksicht genommen werden kann (BGE 139 V 592
E. 7.3, 129 V 472 E. 4.2.3).
In Anbetracht der
dem Beschwerdeführer
verbliebenen
mehrjährigen
Resterwerbsdauer,
seiner
vollzeitigen vollen
Leistungsfähigkeit in
einer angepassten Tätigkeit
sowie der Tatsache, dass sich sein fortgeschrittenes Alter bzw. die fehlenden Dienstjahre bei den in Betracht gezogenen
Hilfsarbeiten
im privaten Sektor nicht zwingen
d
lohnsenkend auswirken
(z.B. Urteile des Bundesgerichts 8C_403/2017 vom 25. August 2017 E. 4.4.1, 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.3 und 3.4.3 und 9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.2)
,
rechtfertigt es sich vorliegend nicht
,
vom Regelfall abweichend
auf den durch
schnittlichen Minimallohn der fünf ausgewählten DAP-Arbeitsplätze abzus
t
ellen.
Demnach
könnte der Beschwerdeführer aus dem von ihm geltend gemachten Tabellenlohn von
Fr.
67'052.
–
, basierend auf der LSE 2014, Tabelle TA1
_tirage_skill_level
, Zentralwert für Hilfsarbeiten für Männer, ni
chts zu seinen Gunsten ableiten.
Ein leidensbedingter Abzug würde sich nach dem Ausgeführten nicht rechtfertigen
.
Entgegen
dem Entscheid der
Invalidenversicherung (
Urk.
14 S. 4)
bedingt auch die Tatsache, dass der Beschwerdeführer nur noch leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ausüben kann, keinen leidensbedingten Abzug von 10 %. So
ist
der Umstand, dass eine versicherte Person gemäss den medizinischen Angaben auf eine Tätigkeit angewiesen ist, die im Sitzen verrichtet werden kann und die Möglichkeit zu gelegentlichen Positionswechseln bietet, im Hinblick auf den allein massgeblichen ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(
Art.
16 ATSG)
beim Tabellenlohn nicht abzugsrelevant
(
vgl.
BGE 134 V 64
E. 4.2.1
,
Urteil des Bundesgerichts 8C_176/2012 vom 3. September 2012 E. 8).
3.6
Stellt man dem
V
alideneinkommen
von Fr. 73'279.6
0 das Invalideneinkommen von
Fr.
65'407.40 gegenüber, resultiert ein Invaliditätsgrad von aufgerundet 11 %.
Vom
Beizug
der vollständigen Akten der Invalidenversicherung sind keine neuen Erkenntnis
se
bezüglich der Vergleichseinkommen
zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten ist.
Nachdem der Beschwerdeführer bis 3
0.
Juni 2017 Tag
geldleistungen erhielt (
Urk.
9/176/2
;
Art.
19
Abs.
1 UVG
), hat er folglich ab
1.
Juli 2017 Anspruch auf eine Invalidenrente be
i einem Invaliditätsgrad von 11
%. In diesem Sinne ist die Beschwerde (teilweise) gutzuheissen.
4.
Ausgangsgemäss
hat der Beschwerdeführer Anspruch auf
eine angemessene Prozessentschädigung, welche in Anwendung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
festzusetzen ist. In der Honorarnote vom 2
3.
Juli 2018
(
Urk.
19)
machte
sein
unentgeltliche
r
Rechtsvertreter einen Aufwand von 8.75 Stunden à
Fr.
220.
–
zuzüglich Barauslagen von
Fr.
92.40 und Mehrwertsteuer von 7.7
%
geltend, was
als angemessen ersch
eint. Dementsprechend ist die Beschwerdegegnerin zu ver
pflichten, dem unentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsan
walte
Christe
, eine Prozessentschädigung von
Fr.
2'172.75 (
inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
zu bezahlen.
Die Zusprechung einer reduzierten Parteient
schädigung würde sich nach der Rechtsprechung bei Rentenangelegenheiten, wo das Quantitative einer Leistung streitig ist, nur rechtfertigen, wenn das ziffern
mässig bestimmte Rechtsbegehren den Prozessaufwand beeinflusst hätte (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_466/2007 vom 2
5.
Januar 2008 E. 5), was vorlie
gend nicht der Fall war.