Decision ID: 77617950-b300-5ac6-8019-9f4196a5d1d9
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1981 geborene
X._
ist gelernte
Coiffeuse
und Mutter eines 2006 geborenen Kindes
(Urk. 7/9, Urk. 7/10
/3, Urk. 7/10/7
)
. Sie arbeitete
nach Abschluss der
Coiffeurl
ehre
im Jahr 2002
bis 2006
hauptsächlich
als Pro
stituierte
und
während drei Jahren als
Leiterin
eines Clubs
im Rotlichtmilieu
. Z
uletzt
war sie
Ende 2008
für zweieinhalb Monate in einem 60%igen Pensum als
Hilfs
technikerin
bei der
Y._
AG
tätig
(Urk. 7/3
/1
,
Urk. 7/12/1
-2
, Urk. 7/52 S. 5 ff.
).
1.2
Im August 2010 meldete
D
r.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie,
die Versicherte
wegen eine
r
Borderline
-
Persönlichkeitsstörung
und eines Alkoholabhängigkeitssyndroms
bei der Eid
genös
sischen In
validen
versicherung (IV)
zur Früherfassung an
(Urk. 7/
1, Urk. 7/3
)
.
Am 1. Ok
tober 2010 meldete sich die Versicherte
bei der IV
zum Leistungsbezug an (Urk. 7/10).
Die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nach
folgend: IV-Stelle), klärte die erwerblichen und medizinischen Ver
hältnisse ab und
sprach
der Versicherten mit Mitteilung vom 13. Mai 2011 im Rahmen von
Integra
tions
massnahmen
ein Aufbautraining bei der
A._
GmbH vom 13.
Juni
bis 9. September 2011 zu (Urk. 7/32).
Nachdem die Versicherte zum verein
bar
ten Aufbau
training nicht erschienen war, wurden die Integrationsmassnahmen ab
ge
brochen (Urk. 7/34, Urk. 7/38; Verfügung vom 21. Oktober 2011, Urk. 7/42). Die IV-Stelle holte in der Folge
das
Gutachten von
med.
pract
.
B._
, Fach
arzt für
Psychia
trie und Psychotherapie
, vom
24. Oktober 2012 ein (Urk. 7/52
)
und prüfte den Rentenanspruch
. Nach Durchführung des
Vorbe
scheid
verfahrens
(Vorbescheid
vom
20. November 2012
, Urk.
7/56
;
Ein
wand
schreiben
vom
22. November 2012
, Urk.
7/57
, ergänzt mit Schreiben vom
4. Februar 2013
, Urk.
7/60
)
wies die IV-Stelle das Rentenbegeh
ren mit
Ver
fügung vom 22. März 2013
bei ei
nem Invaliditätsgrad von 10 % ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die
Versicherte mit Eingabe vom
7. Mai 2013
Beschwerde und beantragte,
es sei die Verfügung vom
22. März 2013
aufzuheben und es sei
ihr
rückwirkend und zu
mindest
vorübergehend eine ganze Rente
auszurichten, e
ven
tua
liter
sei die Sache zur erneuten Abklärung und erneutem Entscheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin darum, es sei vom Gericht ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag zu geben und auf der Basis des Ergebnisses ein neuer Entscheid zu fäl
len sowie es
sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und Rechts
anwältin Katja Ziehe als unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen
(
Urk. 1
S. 2).
Mit der Beschwerde reichte die Beschwerdeführerin den Bericht der
Tages
klinik
der Klinik
C._
vom 3. Mai 2013 ein (Urk. 3/18
).
Die
Beschwerde
geg
ne
rin
schloss in der Beschwerdeantwort vom
10. Juni 2013
auf
Abweisung der Be
schwerde (Urk. 6
).
Mit Verfügung vom 3. Juli 2013 wurde der Be
schwerde
füh
rerin die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsan
wältin Kaja Ziehe als un
entgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren bestellt (Urk. 8 S. 2). In der Replik vom 3
0.
August 2013 hielt die Be
schwerdeführerin an ihren Anträgen fest (Urk. 10 S.
3
). Die
Beschwerde
gegnerin
verzichtete mit Eingabe vom 3. Oktober 2013 auf eine weitere Stellungnahme (Urk. 12).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankhei
t oder Unfall sein (Art.
4 Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsun
fähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglich
keiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbs
unfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
träch
tigung zu be
rück
sichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitge
hend objektiv bestimmt. Festzu
stellen ist, ob und in welchem Umfang die Aus
übung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der
psychischen Beeinträchtigung verein
bar ist. Ein psychischer
Gesundheitsscha
den
führt also nur soweit zu einer Er
werbs
unfähigkeit (Art. 7 ATSG), als ange
nommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Bestimmungen geben bei einem
Inva
liditätsgrad
von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Drei
viertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Auf
ga
benbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behin
derung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Nach der Gerichts- und Verwaltungspraxis wird zunächst der Anteil der Er
werbs
tätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (so unter ande
rem im Haushalt) ermittelt; die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Per
son ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, beurteilt sich mit Rücksicht auf die gesamten Umstände, so die persönlichen, familiären, sozia
len und erwerblichen Verhältnisse. Im Rahmen der gemischten Methode bestimmt sich die Invalidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die Gesamtinvalidität aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittel
ten und gewichteten
Teilinvaliditäten
ergibt (BGE 130 V 393 E. 3.3 mit Hin
weisen; vgl. BGE 134 V 9).
1.4
Nach
ständiger Recht
sprechung
begründen
Alkoholismus, Medikamenten
miss
brauch und Drogensucht keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird eine solche Sucht invalidenversicherungsrechtlich erst bedeutsam, wenn sie ihrer
seits eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender
Gesundheits
schaden
einge
treten ist, oder aber wenn
sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, welchem Krankheitswert zukommt (vgl. BGE 124 V 265 E. 3c; AHI 2002 S. 30, I 454/99 E. 2a). Dabei ist das
ganze
für die Alkoholsucht
mass
gebende
Ursachen- und Folgespektrum in eine
Gesamt
würdi
gung
einzu
beziehen, was impliziert, dass einer allfälligen Wechselwirkung zwischen
Sucht
mittelabhängigkeit
und psychischer Begleiterkrankung Rech
nung zu tragen ist. Was die krankheitsbedingten Ursachen der Alkohol
sucht betrifft, ist für die invalidenversicherungsrechtliche Relevanz der Abhän
gigkeit erforder
lich, dass dem Alkoholismus eine ausreichend schwere und ihrer Natur nach für die Entwicklung einer Suchtkrankheit geeignete Gesundheitsstörung zugrunde liegt, welche zumindest eine erhebliche Teilursache der Alkoholsucht darstellt. Mit dem Erfordernis des Krankheitswerts einer allfälligen verursachen
den psychischen Krankheit wird verlangt, dass diese die Arbeits- und Erwerbs
fähig
keit einschränkt. Wenn der erforderliche Kausalzu
sammen
hang zwischen Al
kohol
sucht und krankheitswertigem psychischem Gesundheitsschaden besteht, sind für die Frage der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit
die psychi
schen und die suchtbedingten Beeinträchtigungen gesamthaft zu berück
sich
ti
gen
. Die Frage nach der objektiv zu verstehenden Zumutbarkeit [einer Tätig
keit] beurteilt sich entscheidend nach dem, was der Arzt, im Kontext der Psy
chiater als Facharzt, dazu sagt
(
zum Ganzen:
Urteil des Bundesgerichts 8C_906/2013 vom 2
3.
Mai 2014 E. 2.2
mit Hinweisen
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich im angefochtenen Entscheid auf den Stand
punkt,
die Beschwerdeführerin sei als zu 30 % im Haushaltsbereich und zu 70 % im Erwerbsbereich Tätige zu qualifizieren. Sie sei
im Erwerbsbereich
seit dem 1.
Mai 2010 in ihrer Arbeits- und Erwerbsfä
higkeit erheblich eingeschränkt
. G
estützt auf das Gutachten von Dr.
B._
vom 24. Oktober 2012
, der die Arbeitsfähigkeit korrekt unter Ausschluss des überwiegend wahrscheinlich pri
mären und nicht durch ein psychisches Leiden ausgelöstes Suchtgeschehen und der psychosozialen Faktoren beurteilt habe,
sei
von einer 60%igen Arbeits
fähig
keit
in der Tätigkeit als
Coiffeuse
und in einer
leidens
angepassten
Tätigkeit aus
zugehen.
Dies ergebe im Erwerbsbereich einen Teilinvaliditätsgrad von 14,3 %. Im Haushaltsbereich sei
ohne
Weiteres
k
eine Einschränkung
der Leistungs
fähig
keit anzunehmen
, was insgesamt einen Invaliditätsgrad von 10 % ergebe, der keinen Anspruch auf eine Rente begründe (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin bringt hiergegen vor,
sie sei seit mindestens Mai 2010
vollumfänglich
arbeitsunfähig. Es habe
lediglich
während einer kurzzeitigen (Alkohol-)Ab
stinenz
für kurze Zeit eine Teilerwerbsfähigkeit in geschützter Um
gebung her
gestellt werden können, wobei auch mit Therapien nie eine stabile Situation habe hergestellt werden können. Bei der Alkoholabhängigkeit handle es sich gerade nicht um die Primärerkrankung.
Die am Ende gescheiterte, da
nicht nach
haltige Entzugstherapie im Jahr 2010 und spätestens die nun kürzlich ge
scheiterte teilstationäre Suchttherapie würden zeigen, dass das eigentliche Pro
blem sehr viel tiefer liege. Ihre Persönlichkeitsstörung erlaube es ihr nicht, die hieraus entstandene Alkoholabhängigkeit erfolgreich zu thera
pieren.
Eine
Per
sönlichkeitsstörung
aber könne nicht mit gutem Willen und eigener An
stren
gung überwunden werden. Der Selbstheilungsversuch habe sie geradewegs in die Alkoholabhängigkeit geführt.
Ein Zusammenhang
werde auch im Gutach
ten von Dr.
B._
nicht eindeutig
verneint. Zudem würden seine Schluss
folgerun
gen äusserst zweifelhaft er
scheinen.
Die ambulant behan
delnden Therapeuten und auch die stationär sowie teilstationär behandelnde
C._
Klinik
hätten selbst nach mehreren Behandlungssitzungen grosse Mühe in der Diagnostik der
Per
sönlichkeitsstörung
/-auffälligkeit gehabt. Es sei daher unverständlich, dass die Beschwerdegegnerin auf
die
Einschätzung eines Arztes abstelle, der die Be
schwerdeführerin nur ein einziges Mal gesprochen habe
, ohne
Kontakt zum be
handelnden Psychiater aufzunehmen, obschon seit dessen letztem Bericht ein halbes Jahr vergangen gewesen sei
. Auch sei die
Borderline
-Diagnose aus dem Jahr 2010
von
Dr.
B._
nicht diskutiert worden, obschon
er selbst die
Ver
dachtsdiagnose
einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom im
pul
si
ven Typ
gestellt habe
.
Auch
sei die Problematik eine
r
Kom
bination einer solchen Persönlichkeitsstörung mit einer alkoholgestützten
Im
pulskon
trolle
vom Gutachter nicht differen
ziert worden. Im Gutachten werde
sodann fälschlicher
weise
aufgeführt, es habe ein Abort im Jahr 2012 stattgefunden.
Gemäss dem Arztbericht von Dr.
Z._
sei
dagegen eine psy
chische Dekom
pensation nach dem Abort im September 2009
einge
treten
.
Schliesslich widerspreche sich der Gutachter, wenn er einerseits aufgrund der medizinischen Gesamtsituation mit Sucht, Persönlich
keit
sauffälligkeit und De
pression davon ausgehe, dass sie nicht
in der Lage sei, einer regelmässigen Tätigkeit nachzu
gehen, und andererseits eine medizinisch-theoretischen Ar
beits
fähigkeit von 60 % attestiere. Diese Arbeitsfähigkeit müsse erst
noch
hergestellt werden. Die bestehende Instabilität des Gesund
heitszustandes und die damit einhergehende Unzuverlässigkeit würde kein Arbeitgeber tole
rieren.
Im Übrigen sei
die Durch
führung
eine
r
Haus
haltsabklärung
unerlässlich
, da nicht auszuschliessen sei, dass
von
dieser
auf
eine andere Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit
ge
schlos
sen werde
(Urk. 1 S. 8 ff., Urk. 10).
2.3
Anfechtungs- und Streitgegenstand
ist der
Rentenanspruch.
Hierbei
ist
un
strit
tig, dass
die
Be
schwerde
führer
in
im Gesundheitsfall zu
70 % er
werbs
tätig und zu 3
0 % im Auf
gabenbereich (Haushalt
und Kinderbetreuung) tätig wäre
(vgl.
auch
die
Angaben der Beschwerdeführerin gegenüber der Berufs
beratung,
Urk. 7/34/3
)
,
weshalb die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung
(Art.
28a Abs. 3 IVG)
zur An
wen
dung kommt.
Zu
prüfen ist vorab, ob ein
krankheitswertiger psychi
scher
Gesund
heitsschaden
besteht
(E. 3
) und sodann, ob dieser in einem
Kausalzu
sam
menhang
zur
Alko
holabhängigkeit
steht
(E. 4
)
.
3.
3.1
Dr.
B._
,
der die Beschwerde
führerin
am 13. September 2012 untersucht hatte (Urk. 7/52/1),
führte im Gutachten vom 24. Oktober 2012 aus, die Beschwerde
führerin habe sich im Jahr 2010 auf Anraten der
Frauen
beratungsstelle
auf eine am
bulante psychiatrische Behandlung und im Verlauf auf eine stationäre
Alko
hol
entwöhnung
eingelassen. Anschliessend sei es ihr gelungen, eine
Alkoholab
stinenz
aufrechtzuerhalten
,
und ihre Antriebsschwierigkeiten sowie ihre Impul
sivität hätten nachgelassen. Sie habe während fast eines Jahres weitgehend abstinent gelebt (Urk. 7/52/8). Erst mit dem Wiederauftauchen ihres Ex-Partners sei sie in die alten Muster zurückgefallen. Die
Integrationsmass
nahmen
im Jahr 2011 seien daher gescheitert. Heute würden die Folgen des
Alkoho
abhängig
keitssyndroms
erneut im Vordergrund stehen, was mit einer erhöhten Unzuver
lässigkeit und einer Vernachlässigung der Alltagspflichten einhergehe. Es scheine eine vermehrte Impulsivität, teils mit Aggressivität, teils mit depressiven Einbrüchen, zu bestehen, was am Ehesten als
Persönlichkeits
merkmal
gewertet werden könne. Theoretisch sei es auch denkbar, dass es im Rahmen des ver
mehrten Alkoholkonsums zu einer gewissen Enthemmung und vermehrten Im
pulsivität gekommen sei.
D
ie Beschwerdeführerin
leide nebst dem
Alkoholab
hängigkeitssyndrom
(ICD-10 F10.24)
mit Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit
unter einer rezidi
vierenden depressiven Störung, aktuell leicht bis höchstens mittelgradige Epi
sode (ICD-10 F33.0/1)
,
und es bestehe der Verdacht auf akzen
tuierte Persönlichkeitszüge (emotional-instabil vom impul
siven Typ; ICD-10 Z73.1) respektive
differen
tialdiagnostisch
auf eine emotional-instabile
Per
sön
lichkeitsstörung
vom impulsiven Typ (ICD-10 F60.30; Urk. 7/52/11).
Unabhän
gig von der
Suchter
krankung
bestehe m
edi
zinisch-theoretisch
seit dem Ab
schluss der (statio
nären) Entwöhnungsbehandlung im Sommer 2010
(12. Juni
2010, Urk. 7/1/5)
allein aufgrund der zusätzlich vorhan
denen affektiven Stö
rung be
ziehungsweise
der
Persönlichkeit der Beschwerde
führerin eine Arbeits
fähigkeit in
jeder
Tä
tigkeit von 60 % (Urk. 7/52/13).
Auch der Psychiater
Dr.
Z._
, bei dem die Beschwerdeführerin ab April 2010
in
ambulanter Behandlung
stand
, hatte gemäss seinem (undatierten) Bericht
nach der vorerst erfolgreichen stationären Entwöhnungsbehand
lung in der Klinik
C._
im Mai/
Juni 2010 (Urk. 7/1/5-7) für die Zeit
ab
dem
14. Juli 2010
eine 60%ige Arbeitsfähigkeit
attestiert
. Als
Diagnosen
hatte er eine
emotional-instabile
n
Persönlichkeitsstörung vom
Boderline
-Typ (ICD-10 F60.31;
Erstdiag
nostik
Juni 2010)
und ein
Alkoholabhängigkeitssyndrom
vom Typ des
Intoxi
kations
trinkens
, abstinent seit Mai 2010
(ICD-10 F10.21
)
festgehalten (Urk. 7/1/1-4). Damit übernahm er die von den Ärzten der Klinik
C._
während der stationären Behandlung vom 3. Mai bis 1
1.
Juni 2010 gestellten Diagnosen (Urk. 7/1/5).
Gemäss dem Bericht der Klinik
C._
vom 18. Juni 2010 sei die
Diagnose
der Persönlichkeitsstörung
während des stationären Aufenthaltes, der unter
kon
trollierter andauernder
Alkoholabstinenz habe durchgeführt werden können,
anhand des
SKID-II-
Screeeningfragebogens
(strukturiertes
klinische
s
Interview
für
DSM
‐IV
[
Diagnostic
and
Statistical Manual
of
Mental
Disorders
, 4. Auflage],
Achse
II
)
und des strukturierten klinischen Interviews für
Persönlichkeits
störun
gen
gestellt
worden. Diese Diagnose stehe möglicherweise auch in Zu
sammen
hang mit einer chronischen Traumatisierung in der Kindheit. Auch in der klini
schen Verlaufsbeobachtung hätten sich die Symptome einer em
otio
nalen In
sta
bilität gezeigt, welche die Kriter
ien nach ICD-10 erfüllt hätten (Urk.
7/51/
6
).
Schliesslich wurde die Diagnose einer
emotional-instabile
n
Persönlichkeits
stö
rung
(ICD-10 F60.31) auch in der ambulanten und teilstationären Behand
lung der Beschwerdeführerin in der Klinik
C._
vom 30. Januar bis 15. Februar 2013 respektive vom 18. Februar bis 19. April 2013 bestätigt, da sich weiterhin ein gleiches klinisches
Zu
standsbild
gezeigt habe (Bericht vom 3. Mai 2013, Urk. 3/18 S. 2).
3.2
Damit wurde die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung vor dem Hin
tergrund der
stationären Beobachtung und
mittels
spezieller Testung unabhän
gig von möglichen direkten und allenfalls verstärkenden Einflüssen durch den
Alkohol
konsum
auf die Persönlichkeit gestellt.
Auch wenn Dr.
B._
in seinem Gutach
ten
im Gegensatz zu den behandelnden Ärzten
eine solche
Per
sönlich
keits
stö
rung
lediglich
als Verdacht und
differentialdiagnostisch
festhielt (Urk. 7/52/11), ist a
nge
sichts
der
fundierten Evaluation durch Fachärzte einer spezialisierten Klinik nicht daran zu zweifeln, dass die
gestellte
Diagnose einer
emotional-instabile Persön
lichkeitsstörung
bei der Beschwerde
führerin z
utrifft
und ein
krankheitswertiger psychi
scher Gesundheitsschaden
mit Aus
wirkung auf die Arbeits
fähigkeit besteht
.
Dies gilt umso mehr
,
als
selbst
D
r.
B._
die Ein
schränkung der Arbeitsfähig
keit
unter anderem
mit der Per
sönlichkeit der Be
schwerde
führerin begrün
dete (Urk. 7/52/13)
. Zudem wurden im Gutachten von
Dr.
B._
die ent
sprechenden
diag
nostischen Kriterien
einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung
nach ICD-10 (
insbesondere
emo
tionale Instabilität, mangelnde Impulskontrolle, Aus
brüche von gewalt
tätigem und be
drohlichem Verhalten
;
Dilling
,
Mombour
, Schmidt [Hrsg.],
Internationale
Klas
sifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diag
nostische Leitlinien,
9.
Auflage 2014, S. 279 f.
) nicht verneint
.
Zur Begründung hielt
Dr.
B._
- abgesehen von den
Abgrenzungs
schwierigkeiten
zur
Alkohol
proble
matik
- lediglich fest, dass eine ver
mehrte Im
pulsivität, teils mit Ag
gressivität, teils mit depressiven Einbrüchen bestehe, was am Ehesten als Persönlichkeitsmerkmal gewertet werden könne (Urk. 7/52/12). Weshalb dies so
ist
, erläuterte er nicht. Ebenfalls
unbegründet blieb im
Gutach
ten
, wes
halb
die
Diagnose
einer
emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung
im Unterschied zu den behan
deln
den Ärzten mit einem anderen Typus, nämlich de
m
impulsiven Typ (ICD-10 F60.30) und nicht de
m
Borderline
-Typ (ICD-10 F60.31) au
fgeführt
wurde
(Urk. 7/52/11-14).
Schliesslich ging
auch
die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid gestützt auf das psychiatrische Gutachten von Dr.
B._
vom 24. Oktober 2012 davon aus, dass nebst der Alkoholabhängigkeit ein
krankheitswertiger psychi
scher Gesundheitsschaden
mit Aus
wirkung auf die Arbeits
fähigkeit vorliege und aufgrund dessen seit Mai 2010 die Arbeitsfähigkeit in jeglicher Tätigkeit zu 40 % eingeschränkt sei (Urk. 2).
3.
3
Somit ist a
ngesichts der insofern einheitlichen me
dizinischen Einschätzungen der Ärzte der
C._
Klinik (Bericht vom 18. Juni 2010, Urk. 7/1/5) und von Dr.
Z._
(undatierte Anmeldung und Bericht vom 28. Oktober 2010,
Urk.
7/1/1-3, Urk. 7/19/3) sowie des Gutachters
Dr.
B._
(Gutachten vom 24. Oktober 2012,
Urk.
7/52/13)
mit den Parteien davon auszugehen
, dass die
Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin in jeglicher Erwerbs
tätigkeit
aufgrund ihrer psychischen Erkrankung
im Sinne eines
krankheitswertigen psychischen
Gesundheitsschaden
auch unter Ausschluss des von den Ärzten einhellig diag
nostizierte und unstrittig seit Jahren bestehende Alkoholabhängigkeitssyndrom (Urk. 7/1/5, Urk. 7/19/1
,
Urk. 7/47/1, Urk. 7/52/11)
seit Mai 2010 im Umfang von mindestens 40
% einge
schränkt ist.
Ein allfälliger Rentenanspruch wäre folglich frühestens ab Mai 2011 anzunehmen (Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG)
.
4.
4.1
Bei dieser Ausgangslage
bleibt
zu prüfen
, ob
zwischen dem
vor
liegenden
krank
heitswertigen
psychischen
Gesundheitsschaden
und der
Alkoholabhängig
keit
ein Kausalzusammenhang besteht.
Es
gilt zu beach
ten, dass
die
Alkohol
abhän
gigkeit
rechtsprechungsgemäss
selbst dann nicht
zwingend
auszu
klam
mern
ist,
wenn sie
als Primärerkrankung
erkannt wurde
, und zwar in jenen Fällen, da sie
selbst
eine Krankheit mit der Folge eines die Erwerbsfähigkeit be
ein
trächtigen
den Gesundheitsschadens bewirkt hat.
Es
ist auch
einer all
fälligen Wechsel
wir
kung zwischen Suchtmittelabhängigkeit und psychischer
Begleit
erkrankung
Rech
nung zu tragen
,
deren Folgen insgesamt zu berück
sichtigen sind, zumal es zur Annahme einer Invalidität nach Art. 4 Abs. 1 IVG - bei bleibender oder längere Zeit dauernder Beeinträchtigung der Erwerbs
fähigkeit - genügt, dass die Sucht in teilkausaler Weise Folge der
Persönlich
keits
störung
ist (ZAK 1992 S.
169; Urteil
e
des
Bundesgerichts I 90/03 vom 29.
August 2003
E.
5.2
und
8C_906/2013 vom 2
3.
Mai 2014 E.
2.2
und E.
4.1
).
4.2
4.2.1
Dr.
B._
führte im
Gutachten vom
24. Oktober 2012
zur Kausalität
aus
,
es
gestalte sich hier schwie
rig, mit aus
reichender Sicherheit Aussagen dazu zu machen, welche der
Be
schwerden / Er
kran
kungen der Beschwerde
führerin
ursächlich vorhanden ge
wesen und welche als Folge der anderen zu betrachten seien. Es sei grund
sätzlich denkbar, dass die Suchtproblematik am Ursprung der gesundheitlichen Problematik stehe und sowohl die depressiven Zustände als auch die erhöhte Impulsivität nur Folgen derselben darstellen würden. Für diese Option spreche die verbesserte gesund
heitliche Gesamtsituation nach erfolgtem Alkoholentzug im Sommer 2011
(richtig: 2010)
. Um
gekehrt sei es durchaus vorstellbar, dass die
Alkohol
problematik
ein dys
funk
tionaler
Kompen
sations
versuch
der Beschwerde
führerin darstelle, um besser mit den Folgen ihrer auf
fälligen Persönlichkeit (Impul
sivität) umgehen zu kön
nen. Die von ihr
ge
B
erte
schwierige Kindheit könne das Entstehen einer
Persönlich
keitsstörung
prin
zipiell erklären. Die Angaben der Beschwerde
führerin, dass die psychischen Probleme
und insbesondere ihre erhöhte Impulsivität erst mit ihrer Beziehung begonnen hätten, spreche etwas gegen diese Theorie
. Allerdings seien die
anam
-
nestischen
Angaben dies
bezüglich nicht absolut einheitlich. Denn Konflikte mit der Mutter hätten bereits in ihrer Jugend stattgefunden. Es lasse sich nicht restlos klären, ob eine Sucht als Grunderkrankung vorliege
oder
ob die Ursache der psychischen Probleme doch eher in der auffälligen Per
sönlichkeitsstruktur gesucht werden müssten.
Die Tatsache, dass es der Be
schwerdeführerin nach ihrem Entzug beziehungs
weise der Entwöhnung deutlich besser gegangen sei, die Impulsivität rückläufig gewesen sei und die Depres
sivität
abgenommen habe, spreche dafür, dass eher eine primäre Sucht vorliege
(
Urk.
7/52/11-12)
.
4.2.2
Der
Leiter
der Tagesklinik
der Klinik
C._
, Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
erklärte im
Bericht vom 3. Mai 2013
dagegen, bei Persönlichkeitsstörungen zeige sich per Definition,
dass sich die Auswirkung
wie ein roter Faden durch das Leben des jeweiligen Patienten/der jeweiligen Patientin ziehe und der Beginn in der Kindheit und Jugend sein sollte. Dies sei auch bei der Beschwerdeführerin der Fall. Es sei daher auch anzunehmen, dass bei ihr primär die Persönlichkeitsstörung vorhanden gewesen sei beziehungs
weise sich diese entwickelt habe und dass sie im Sinne eines
Selbstheilungs
versuches
versucht habe, die Auswirkungen dieser Störung mittels
Alkohol
konsums
zu kompensieren. Es dürfte daher im weiteren Verlauf zur Entwicklung eines Alkoholabhängigkeitssyndroms gekommen sein. Es sei mit ziemlicher Wahr
scheinlichkeit anzunehmen, dass es sich
in Bezug auf die
Beschwerde
füh
rerin
bei diesem
somit um eine sekundäre Erkrankung handle, nachfolgend auf die Symptome der Persönlichkeitsstörung. Dagegen sei es unwahrscheinlich, dass zuerst die Alkoholabhängigkeit im Sinne einer Primärerkrankung
vor
han
den gewesen sei
und sich daraufhin eine Persönlichkeitsstö
rung ent
wickelt habe (Urk. 3/18 S. 2).
Auch der behandelnde Psychotherapeut des Ambulatoriums Zürich der
C._
Klinik,
E._
, hatte in der E-Mail vom 29. Januar 2013 bestätigt, dass der Alkoholkonsum von der Beschwerdeführerin als entgleiste Methode zur Steuerung der krankheitsbedingt gestörten Affektregulierung herangezogen werde (Urk. 7/61/1).
4.3
Zwar sind sich
Dr.
B._
und
Dr.
D._
respektive die Ärzte der
C._
Klinik
nicht darin
einig
,
ob die Alkoholabhängigkeit oder die Persönlichkeitsstörung als primäre
Erkrankung anzusehen sei. Indes
ging
auch
Dr.
B._
davon
aus,
dass die schwierige Kindheit der Beschwerdeführerin das Entstehen einer
Per
sönlichkeitsstörung
prinzipiell erklären könn
t
e
und
dass
die
Alkohol
proble
matik
ein dys
funk
tionaler Kompensationsversuch der Beschwerde
führerin darstellen könnte, um besser mit den Folgen der Impul
sivität umgehen zu kön
nen
.
Auch räumt
e
er ein, dass
es bereits in ihrer Jugend Konflikt
e
mit der Mutter gegeben habe und
sich die betreffende Frage nicht restlos klären lasse
(Urk. 7/52/12)
.
L
etztlich
schloss
Dr.
B._
allein
aus dem Umstand, dass sich
der
emo
tionale und
affektive Zustand der Beschwerdeführerin in der Zeit
der Abstinenz
nach dem
Alkohol
e
ntzug
im Sommer 2010 verbessert
habe
,
auf
eine primäre
Sucht
problematik
(Urk. 7/52/12)
.
Dies überzeugt jedoch nicht. Denn
in der Klinik
C._
waren
gemäss dem Bericht vom 18. Juni 2010
nicht nur ein
Alkohol
ent
zug
durchgeführt, sondern auch
Strategien zur Gefühlsregulierung erarbeitet
worden
(Urk. 7/1/6)
, welche auch der Regulierung der
Symp
tome respek
tive
Charakter
züge einer emotional-instabilen Persön
lichkeit
zugute
kommen, wes
halb die damalige
vorübergehende Stabilisierung der Symptomatik
nicht allein der Alkoholabstinenz zugeschrieben werden kann.
Zudem sind auch Wechsel
wirkungen und die psychische Erkran
kung als Teilursache für die Sucht zu berück
sichtigen.
Insbesondere
ist zu beachten
, dass
sich nicht nur ein impulsiv-aggressives Verhal
ten bereits in der Jugend (heftige Auseinandersetzung mit der Mutter, Urk. 7/52/9), sondern auch
ein Verhalten der Autoaggressi
on
(
Selbst
verletzung
durch Ritzen, Prostitution bereits in der Jugendzeit,
gewalttätige Paarbeziehung
; Urk. 7/52/5
-8, 10
, Urk. 7/47/2
)
schon
f
r
üh
gezeigt hat
.
Mit
den behandelnden Ärzten
wäre daher
nicht nur der impulsive Typ
einer
Persön
lichkeitsstörung
, sondern auch der
Borderline
-Typ zu diskutieren gewesen, der sich zusätzlich durch
Störung des
Selbstbild
es
, ein chronisches Gefühl
der
innere
n
Leere, unbe
ständige
Beziehungen mit emotionalen Krisen
und Tren
nungs
äng
sten/Eifer
sucht sowie
selbstschädigende
Handlungen auszeichnet (
Dilling
,
Mombour
, Schmidt [Hrsg.], a.a.O., S. 280)
. A
ls weiteres häufiges Symptom
ist
auch
und gerade
das Suchtverhalten zu nennen
, weshalb ein (kausaler) Zusammenhang von
Border
line-Persönlichkeitsstörung
und Suchtmittelabusus/-abhängigkeit besteht
(
Freyberger
, Schneider, Stieglitz [Hrsg.], Kompen
dium Psychiatrie Psycho
thera
pie Psychosomatische Medizin, 12. Auf
lage
2012, S. 144 und S. 333)
.
Dafür, dass
hier
die emotionale Dysfunktion vor dem Bestehen einer eigent
li
chen Alkoholabhängigkeit
vorlag
, spricht zudem, dass
die Beschwerde
führerin
- gemäss der
Krankheits
anamnese
im Gutachten von
Dr.
B._
-
, als sie mit 15
Jahren zu ihrer Mutter in die Schweiz gekommen war und es rasch zu intensiv geführten Konflikten gekommen
ist
,
zwar
parallel dazu begonnen
hat
, im Ausgang Alkohol zu trinken, damals jedoch noch in Massen.
E
rst wäh
rend der darauf
folgenden
Coiffeurlehre
, als sie praktisch täglich in den Ausgang gegangen sei, sei der Alkoholkonsum angestiegen. Später habe sie Alkohol getrunken, um die Umstände der Prostitution auszuhalten (Urk. 7/52/7).
Dem Bericht der Klinik
C._
vom 18. Juni 2010 ist
sodann
zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin angegeben habe, sie habe Mühe, ihre Emotionen bei Streitig
keiten zu kontrollieren und
dass
der Alkohol dazu diene, ihre innere Anspan
nung zu reduzieren und konfliktreiche Situationen überhaupt aushalten zu kön
nen. Auch während der - abstinenten - stationären Behandlung sei unter
schwellig ihre innere Anspannung klar spürbar gewesen (Urk. 7/1/5-6).
Auch v
or diesem Hintergrund ist der Standpunkt der Ärzte der
C._
Klinik
bezüglich
der
Kausalität
nachvoll
ziehbar.
4.4
.
Nach dem Gesagten ist
davon auszugehen, dass bei der Beschwerdeführerin eine krankhafte Störung zumindest in teilkausaler Weise am
Alkoholab
hängigkeits
syndrom
ursächlich beteiligt ist, was zur Annahme einer Invalidität im
Rechts
sinne
genügt (
Art.
4
Abs.
1 IVG; ZAK 1992 S. 173 E. 4d).
F
ür die Beurteilung
de
s
noch zumutbaren
Umfangs der Arbeitsfähigkeit in einer
Erwerbstätigkeit und der Leistungsfähigkeit im Aufgaben
bereich
ab dem hier dafür
mass
gebli
chen
Zeitpunkt (
Mai 2011
; vgl. E. 3.3
hiervor)
sind daher
die psychischen und suchtbedingten Beein
trächtigungen gesamthaft zu berück
sichtigen.
5.
5.1
Dr.
B._
erklärte im Gutachten vom 24. Oktober 2012, aufgrund der medi
zini
schen Gesamtsituation (Sucht, Persönlichkeitsauffälligkeit, Depression)
sei nicht
anzunehmen
, dass die Beschwerdeführerin in der Lage sei, einer
regel
mässigen
Tätigkeit nachzugehen (Urk. 7/52/13). Es ist daher von einer 100%igen Arbeits
unfähigkeit im Erwerbsbereich auszugehen. Da die Be
schwerde
führerin nach ihren Angaben gegenüber dem Gutachter nach zirka einem Jahr nach der stationären Behandlung in der
C._
Klinik
(bis am 11.
Juni 2010, Urk. 7/1/5)
wieder rückfällig wurde und zudem
der Einstieg in die
Inte
grations
massnahmen
(Juni 2011) scheiterte (Urk. 7/52/7-8, Urk. 7/
42; vgl. auch das Protokoll der Berufsberatung, Urk. 7/34/4-6
)
,
ist
davon auszu
gehen,
dass
diese vollständige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit ab Mai 2011 bereits bestand respektive spätestens ab dann
gegeben war.
Im 70%igen Erwerbsbereich ist somit
-
nach der Methode des Prozentvergleichs (vgl.
Urteil
e
des Bundesgerichts
9C_882/2010 vom 2
5.
Januar 2011 E. 7.1
und
I
315/02
vom 9.
Dezember 2003
E.
4.2
) -
von einem Teilinvaliditätsgrad von
70 % auszugehen.
5.2
Bei diesem
Ergebnis kann auf eine Haushaltsabklärung verzichtet werden. Denn
bei Anwendung der gemischten Methode
ist
der
Beginn des Rentenanspruches auch bei nichterwerbstätigen Versicherten - analog zur Arbeitsunfähigkeit bei Er
werbstätigen – auf der Basis medizinischer Stellung
nahmen zu beurteilen
(
vgl. BGE 130 V 97 E. 3.3.3)
.
Zur
Be
stimmung des
Umfang
s
der Leistungs
fähig
keit
im Aufgabenbereich
kann von der Durchführung einer
Haushaltsab
klärung
zudem ausnahmsweise abgesehen werden
, wenn der zur Erreichung einer
renten
begründen
den
Gesamt
invalidität
erforderliche
In
validitäts
grad
im
Haus
halts
bereich
derart hoch aus
fallen müsste, dass eine entsprechende Ein
schrän
kung nach den Grund
sätzen der antizipierten
Beweis
würdigung
ausge
schlossen werden kann (
Urteile des Bundesgerichts 9C_13/2008 vom 28. Juli 2008 E. 5.1 und
9C_596/2007
vom 19. Mai 2008 E. 4.3 mit Hinweisen
).
Hier
ergibt auch die Annahme einer vollständigen Leistungsfähigkeit oder einer nur geringfügigen Einschränkung im Aufgabenbereich in Kombination mit dem Teilinvaliditätsgrad von 70
%
im Erwerbsbereich einen Gesamtinvaliditätsgrad
von mindestens 70
%
und mehr, was in jedem Fall den Anspruch auf eine ganze Rente begründet (Art. 28
Abs.
2 IVG).
5.3
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde somit gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung vom 22. März 2013 ist folglich aufzuheben und es ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin ab dem 1. Mai 2011 Anspruch auf eine ganze Rente hat.
6
.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen. Das Verfahren ist daher kostenpflichtig. Die Ge
richtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG in der seit dem 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Fassu
ng) und ermessensweise auf Fr. 8
00.--
anzusetzen. Ausgangsgemäss
sind die Gerichtskosten
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
Der Beschwerdeführerin steht eine Prozessentschädigung zu, welche nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das
Sozialver
si
cherungs
gericht
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen
sowie der Honorarnote der
unentgeltlichen
Rechtsvertreterin der Beschwerde
führerin vom 16. September 2014
(Urk. 14)
auf Fr. 3‘129.50
(inklu
sive
Bar
auslagen
und Mehr
wertsteuer) fest
zusetzen ist.