Decision ID: 47a5e222-516e-49b9-9788-9f6077e7d7c0
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 3. Februar 2001 wegen eines
Venenleidens erstmals bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-
act. 2). Mit Verfügung vom 1. März 2002 sprach ihr die IV-Stelle mit Wirkung ab 1. März
2001 eine halbe Rente zu, da sie unter chronischen Beinulcera am rechten
Unterschenkel bei Status nach tiefer Venenthrombose 1994 litt (IV-act. 26). Diese
wurde in mehreren Revisionsverfahren bestätigt (Mitteilung vom 13. Januar 2005, IV-
act. 38; Mitteilung vom 14. September 2012, IV-act. 68; Verfügung vom 4. Januar 2016,
IV-act. 96). Am 11. August 2016 ersuchte die Versicherte durch ihren damaligen
Rechtsvertreter erneut um Erhöhung ihrer Rente (IV-act. 106). Sie musste sich am
8. November 2016 einer Operation am rechten Ellbogen unterziehen (Operation nach
Nirschl/Wilhelm bei therapierefraktärer Epicondylopathie humero-radialis rechts,
Operationsbericht Spital B._, IV-act. 115-39). Die IV-Stelle liess die Versicherte
polydisziplinär begutachten (Gutachten Swiss Medical Assessment- and Business-
Center [SMAB] AG vom 10. Februar 2017, IV-act. 115). Die Gutachter erachteten die
Versicherte nach wie vor für 50 % arbeitsfähig, vom November 2016 bis Ende Februar
2017 habe keine Arbeitsfähigkeit bestanden. Die IV-Stelle verfügte am 16. August
2017, die Versicherte habe ab 1. Februar 2017 Anspruch auf eine ganze IV-Rente und
ab 1. Juni 2017 wieder auf die bisherige halbe IV-Rente (IV-act. 131/134). Die dagegen
gerichtete Beschwerde hiess das Versicherungsgericht mit Entscheid vom
13. September 2019 teilweise gut, hob die angefochtene Verfügung auf und wies die
A.a.
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Angelegenheit im Sinn der Erwägungen zur Vornahme weiterer Abklärungen und zu
neuer Verfügung an die IV-Stelle zurück (Verfahren IV 2017/327, IV-act. 153). Es erwog,
die Annahme, dass die Folgen der Ellbogenoperation tatsächlich gemäss
gutachterlicher Prognose ausheilten und somit bereits ab 1. März 2017 wieder eine
50%-ige Arbeitsfähigkeit vorlag, sei aufgrund der vorhandenen Akten nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt. Diesbezüglich sei der Sachverhalt weiter
abzuklären, insbesondere durch Erkundigungen über den effektiven Heilungsverlauf
beim Spital B._ (vgl. IV-act. 114-39) und gegebenenfalls bei der behandelnden
Dr. med. C._, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation (Erw. 4.4.).
Gemäss den von der IV-Stelle vorgenommenen Abklärungen hatte der Operateur
Dr. med. D._, Facharzt für Chirurgie, die Behandlung am 9. Januar 2017 bei
erwartungsgemäss noch nicht vollständig verschwundenen Beschwerden
abgeschlossen (Sprechstundenbericht vom 9. Januar 2017, IV-act. 162-4 f.; Bericht
Dr. med. E._, Spital B._, vom 18. Dezember 2019, IV-act. 162-1).
A.b.
Im Arztbericht vom 16. Dezember 2019 führte Dr. C._ aus, die Versicherte sei
ca. einmal monatlich bei ihr in Behandlung. Vom 16. Januar 2016 bis 31. Juli 2017
habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden, seit dem 1. August 2017 sei die
Versicherte zu 80 % arbeitsunfähig. Eine leichte, nicht repetitive Tätigkeit mit den
Händen könne bis maximal 20% (zwei bis drei Stunden täglich) ausgeübt werden. Der
psychische Zustand sei durch die langdauernde Arbeitsunfähigkeit und ein schlechtes
Selbstwertgefühl immer sehr labil. Es bestünden eine chronische Epicondylitis radialis
beidseits und ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom, welche die
Arbeitsfähigkeit einschränkten, sowie eine anxio depressive Störung, eine
Schlafstörung und ein Refluxsyndrom, die keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
hätten (IV-act. 163).
A.c.
Der RAD-Arzt Dr. med. F._, Facharzt für innere Medizin, nahm am 20. Januar
2020 Stellung, es sei eine monodisziplinäre orthopädische Begutachtung zu
veranlassen (IV-act. 164; Mitteilung vom 29. Januar 2020, IV-act. 167).
A.d.
Dr. med. G._, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Neurologie H._, diagnostizierte gemäss Gutachten vom
A.e.
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18. März 2020 (Untersuchung vom 17. März 2020; IV-act. 175) eine venöse
Abflussstörung im rechten Bein nach Mehretagenthrombose mit nur partieller
Venenrekanalisation und wiederholter Geschwürbildung am rechten Innenknöchel und
eine Funktionsstörung der Lendenwirbelsäule bei Aufbrauchveränderungen, ohne
Nervenwurzelreizerscheinungen und Beeinträchtigung sowie eine Ansatzreizung der
Unterarmstrecker am speichenwärts gelegenen Oberarmknochen. Letztere
Beeinträchtigung zeitige keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 175-15). Er
kam zum Schluss, im Rahmen der Exploration und der Untersuchung hätten sich
(insbesondere hinsichtlich der Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule)
Inkonsistenzen ergeben (vgl. IV-act. 175-20). In der bisherigen Tätigkeit bestehe seit
den Thromboseereignissen Ende der 1990-er Jahre eine Arbeitsfähigkeit von 50 %,
bezogen auf ein 100 %-Pensum. Nach der Tennisellbogenoperation rechts vom
8. November 2016 sei von einer drei- bis viermonatigen therapeutisch bedingten
Unterbrechung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Adaptiert seien Tätigkeiten im
Wechsel von Stehen, Gehen, gegebenenfalls auch Sitzen, ohne Heben und Tragen von
Lasten über 10 kg, ohne häufiges Bücken oder Arbeiten in Zwangshaltung für die
Lendenwirbelsäule und ohne häufige Überkopftätigkeiten. Die bisherige Tätigkeit
entspreche einer optimal angepassten Tätigkeit. Die maximale Präsenz liege bei vier
bis fünf Stunden täglich (IV-act. 175-21). Seit der Verfügung vom 16. August 2017 habe
sich der Gesundheitszustand nicht verändert (IV-act. 175-22). Der RAD-Arzt Dr. F._
nahm am 4. Mai 2020 dahingehend Stellung, auf das Gutachten könne abgestellt
werden (IV-act. 177).
Mit Vorbescheid vom 31. August 2020 gewährte die IV-Stelle der Versicherten das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Zusprache einer ganzen Rente mit Wirkung vom
1. Februar bis 30. Juni 2017 und einer halben Rente ab 1. Juli 2017 (IV-act. 183).
Gegen diesen Vorbescheid liess die Versicherte durch ihren Rechtsvertreter am
6. Oktober 2020 Einwand erheben und geltend machen, es sei mehr als fraglich, ob die
Tätigkeit im Service den Adaptionskriterien des Gutachters entspreche. Auch weil sie
aufgrund ihres Alters eine allfällige Restarbeitsfähigkeit wirtschaftlich gar nicht mehr
verwerten könne, sei ihr ab 1. Juli 2017 weiterhin eine ganze Rente auszurichten (IV-
act. 191).
A.f.
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B.
Die IV-Stelle verfügte am 9. Februar 2021 gemäss Vorbescheid (IV-act. 197). Zur
Begründung führte sie aus, aus medizinscher Sicht werde die Tätigkeit als
Serviceangestellte als leidensadaptiert beurteilt, da sie im Wechsel vorwiegend stehend
und gehend ausgeübt werden könne. In Frage kämen auch Hilfsarbeitertätigkeiten, z.B.
in der Kleinteilmontage oder Qualitätssicherung. Dabei wäre der Lohn gemäss
Lohnstrukturerhebungen des Bundesamtes für Statistik höher als im Service. Der
Einschätzung eines Gutachtens komme ein höheres Gewicht zu als der Beurteilung der
behandelnden Ärzte. Neue Tatsachen würden nicht geltend gemacht (IV-act. 194).
A.g.
Gegen die Verfügung vom 9. Februar 2021 lässt die Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. Ch. Anwander, am 10. März 2021 Beschwerde erheben. Sie
beantragt, die Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge teilweise
aufzuheben und ihr mit Wirkung ab 1. Juli 2017 nicht nur eine halbe, sondern eine
ganze IV-Rente auszurichten. Die Höhe der Rentenleistung sei danach neu zu
berechnen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen und
zu neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur Begründung wird
angeführt, entgegen der Weisung des Versicherungsgerichts habe die
Beschwerdegegnerin statt bei Dr. C._ bzw. beim Spital B._ Erkundigungen
einzuholen, bei der Neurologie H._ ein Gutachten in Auftrag gegeben. Aufgrund der
in den Gutachten vom 18. März 2020 und vom 10. Februar 2017 formulierten
Adaptionsbedingungen sei mehr als fraglich, ob in der körperlich anstrengenden
Tätigkeit als Serviceangestellte eine 50%ige Arbeitsfähigkeit vorliege. Diese stehe auch
im Widerspruch zur Einschätzung von Dr. C._, die ihr ab 1. August 2017 eine
Arbeitsfähigkeit von 20 % für leichte Arbeiten mit geringer Belastung des rechten
Armes attestiert habe. Werde dennoch gestützt auf das Gutachten von einer
Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer leidensangepassten Tätigkeit ausgegangen, sei
diese aufgrund ihres Alters, ihrer Ausbildungs- und Erwerbsbiografie ohne in der
Schweiz anerkannte Berufslehre oder Berufskenntnisse in anderen als der
Gastrobranche und mit eingeschränkten Deutschkenntnissen, der langen Abwesenheit
vom Arbeitsmarkt und der massiven gesundheitlichen Einschränkungen wirtschaftlich
nicht mehr verwertbar und deren Verwertung gestützt auf die
Selbsteingliederungspflicht könne ihr auch nicht mehr zugemutet werden (act. G 1).
B.a.
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Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Mit Beschwerdeantwort vom 26. April 2021 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Sie bringt vor, dem in Erfüllung des
Untersuchungsgrundsatzes eingeholten Arztbericht der Hausärztin sei ein geringerer
Beweiswert zuzumessen, da Hausärzte eher dazu tendierten, zugunsten versicherter
Personen eine Arbeitsfähigkeit (richtig wohl: Arbeitsunfähigkeit) anzunehmen. Daher sei
durch die monodisziplinäre orthopädische Begutachtung abzuklären gewesen, wie sich
die chronische Epikondylitis zusammen mit dem geltend gemachten
lumbospondylogenen Syndrom nach der Operation im November 2016 auf die
Arbeitsfähigkeit auswirke. Indizien, die Zweifel an der Einschätzung des
orthopädischen Gutachters erwecken könnten, habe die Beschwerdeführerin nicht
konkret vorgebracht. Die von Dr. C._ attestierte 80%ige Arbeitsunfähigkeit gehe mit
ihren Aussagen in ihrem Arztbericht einher. Daher habe in antizipierter
Beweiswürdigung auf die Einholung eines weiteren aktuellen Berichts verzichtet
werden können. Ausserdem sei ihre Einschätzung vom orthopädischen Gutachter
widerlegt worden. Da psychiatrisch weder eine Behandlung durchgeführt werde noch
Einschränkungen bzw. Beschwerden geltend gemacht würden, hätten zum
Verfügungszeitpunkt keine Anhaltspunkte für weitere psychiatrische Abklärungen
bestanden. Die Operation am Ellbogen habe keine über die Rekonvaleszenz
hinausgehende Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gehabt. Im Kompetenzniveau 1
bestünden eine Vielzahl vorliegend angedachter Verweistätigkeiten. Gemäss dem
Entscheid des Versicherungsgerichts und der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
schliesse das Alter der Beschwerdeführerin die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
nicht aus (act. G 4).
B.b.
Mit Replik vom 24. Juni 2021 macht die Beschwerdeführerin nach Kenntnisnahme
des Berichts von Dr. C._ vom 16. Dezember 2019 geltend, die Beschwerdegegnerin
habe eine monodisziplinäre Begutachtung angeordnet, da ihr der Inhalt offenbar nicht
gepasst habe (act. G 8).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 8. Juli 2021 auf eine Duplik (act. G 10).B.d.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20; in der vorliegend anwendbaren, bis zum 31. Dezember 2021 gültigen
Fassung; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 20. April 2022, 8C_803/2021, E. 3.2)
besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.1.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen
Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu
beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des
Gesundheitszustandes oder der erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich
gebliebenen Gesundheitszustandes revidierbar. Dagegen stellt die unterschiedliche
Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen
Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit allein keinen Revisionsgrund im Sinne
von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (BGE 144 I 105 E. 2.1).
1.2.
Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung
des Invaliditätsgrads ist bei der Prüfung eines Gesuchs um Erhöhung der Rente wie
auch bei der Prüfung einer Rentenanpassung von Amtes wegen die letzte
rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108; BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des
Bundesgerichts vom 8. Juli 2020, 9C_235/2020, E. 3.1). Eine Verschlechterung der
Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, ist zu
1.3.
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2.
berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat
(Art. 88a Abs. 2 IVV).
Streitgegenstand ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Zu entscheiden
ist nach wie vor über ihr Revisionsgesuch vom 11. August 2016 (IV-act. 105). Das
vorgängige Revisionsverfahren wurde gestützt auf das Gutachten der MEDAS
Ostschweiz vom 14. Juni 2012 (IV-act. 64) am 14. September 2012 mit der Mitteilung
abgeschlossen, die Beschwerdeführerin habe unverändert Anspruch auf eine halbe
Rente (IV-act. 67). Dieser Entscheid bildet die revisionsrechtliche Referenz, so dass
vorliegend der Zeitraum zwischen September 2012 und Februar 2021 zu beurteilen ist.
Grundlage dafür bilden das SMAB-Gutachten vom 10. Februar 2017 (IV-act. 114) und
das Gutachten von Dr. G._, Neurologie H._, vom 18. März 2020 (IV-act. 175).
2.1.
Das Versicherungsgericht hielt im Entscheid vom 13. September 2019 (IV
2017/327; IV-act. 153) fest, das SMAB-Gutachten vom 10. Februar 2017
berücksichtige die Beschwerden und die Vorakten, würdige diese und die erhobenen
Befunde seien schlüssig und nachvollziehbar. Insbesondere sei mit den Gutachtern
davon auszugehen, dass ab November 2016 zufolge der Ellenbogenoperation eine
volle Arbeitsunfähigkeit bestanden habe und dass nach Ausheilung bzw. ohne
Berücksichtigung der Ellenbogenbeschwerden von einer Arbeitsfähigkeit von 50 %
auszugehen sei (E. 3.7). Die Annahme, dass die Folgen der Ellbogenoperation
tatsächlich gemäss gutachterlicher Prognose ausheilten und somit bereits ab 1. März
2017 wieder eine 50 %-ige Arbeitsfähigkeit vorgelegen habe, sei aufgrund der
vorhandenen Akten nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt. Diesbezüglich
sei der Sachverhalt weiter abzuklären, insbesondere durch Erkundigungen über den
effektiven Heilungsverlauf beim Spital B._ (vgl. IV-act. 114-39) und gegebenenfalls
bei Dr. C._ (E. 4.4).
2.2.
Grundsätzlich ist nur das Dispositiv, nicht aber die Begründung eines Entscheides
anfechtbar. Verweist das Dispositiv eines Rückweisungsentscheides (indes)
ausdrücklich auf die Erwägungen, werden diese zu dessen Bestandteil und haben,
soweit sie zum Streitgegenstand gehören, an der formellen Rechtskraft teil (Urteil des
Bundesgerichts vom 12. Februar 2019, 8C_728/2018, E. 1.2). Vorliegend besteht
Rechtskraft hinsichtlich der Beweistauglichkeit des SMAB-Gutachtens und der darin
geschätzten - bis zur Ellbogenoperation und ab Abschluss der damit verbundenen
Rekonvaleszenz - attestierten Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer optimal angepassten
Tätigkeit (IV-act. 114-26). Zufolge der rechtskräftig festgestellten Beweistauglichkeit
2.3.
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3.
des SMAB-Gutachtens hat das Gutachten von Dr. G._ vom 18. März 2020 in erster
Linie Bedeutung für den Verlauf ab der Begutachtung im SMAB vom 20. Dezember
2016 und insbesondere für die Frage, bis wann und in welchem Umfang eine
Einschränkung nach der Tennisellbogenoperation rechts vom 8. November 2016
bestand.
Es ist folglich nachfolgend zu prüfen, ob das Gutachten von Dr. G._ hinsichtlich
der Beurteilung des Verlaufs seit der rheumatologischen Begutachtung im SMAB am
20. Dezember 2016 beweistauglich ist.
3.1.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, das Gutachten vom 18. März 2020
hätte nicht in Auftrag gegeben bzw. angeordnet werden dürfen, ist ihr Folgendes
entgegenzuhalten: Die Beschwerdegegnerin erliess am 29. Januar 2020 die Mitteilung,
es sei eine orthopädische Begutachtung notwendig, welche durch Dr. G._
vorgesehen sei. Der Beschwerdeführerin wurde eine Frist gesetzt, um triftige
Einwendungen gegen die Art der Begutachtung, die vorgesehene Fachdisziplin sowie
die begutachtende Person zu erheben (IV-act. 167). Nach Treu und Glauben wäre die
Beschwerdeführerin auch bezüglich des Einwandes, eine weitere Begutachtung sei
nicht notwendig, gehalten gewesen, diesen innert der angesetzten Frist vorzubringen
(vgl. BGE 143 V 66). Zudem obliegt die Abklärung des Sachverhalts gemäss Art. 43
Abs. 1 ATSG dem Versicherungsträger. Entscheidend für die Frage, ob weitere
Abklärungen angeordnet werden können und müssen, ist, inwieweit die bereits
vorliegenden Gutachten die praxisgemässen inhaltlichen und beweismässigen
Anforderungen erfüllen (Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019,
E. 3.2). Sodann hielt das Versicherungsgericht fest, ob bereits ab 1. März 2017 wieder
eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit vorgelegen habe, sei aufgrund der vorhandenen Akten
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt. Diesbezüglich sei der Sachverhalt
weiter abzuklären, insbesondere durch Erkundigungen über den effektiven
Heilungsverlauf beim Spital B._ und gegebenenfalls bei Dr. C._ (E. 4.4, IV-
act. 153-13). Eine erneute Begutachtung wurde durch die Formulierung "insbesondere"
nicht ausgeschlossen. Die Beschwerdegegnerin holte zunächst Berichte vom Spital
B._ und von Dr. C._ ein (IV-act. 162 und 163). Der RAD hielt nach Einsicht in diese
fest, da Dr. C._ mit der Beschwerdeführerin in einem Vertrauensverhältnis stehe und
da die ehemaligen Chirurgen die Beschwerdeführerin am 9. Januar 2017 letztmals
gesehen hätten, sei die Frage nach dem Verlauf seitens der Epikondylagie einer
monodisziplinären, orthopädischen Begutachtung zuzuführen (IV-act. 164). Dass bei
der Beweiswürdigung medizinischer Berichte behandelnder Ärzte die
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/17
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Erfahrungstatsache zu berücksichtigen ist, dass diese im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen die Arbeitsfähigkeit mitunter eher
zugunsten der versicherten Person einschätzen, entspricht der Rechtsprechung (Urteil
des Bundesgerichts vom 27. September 2017, 8C_295/2017, E. 6.4.2, mit weiteren
Verweisen). Zudem wichen die Beurteilungen des Spitals B._ und von Dr. C._ stark
voneinander ab und waren in Bezug auf Befunde und Einschränkungen nicht
ausführlich. Die Anordnung der erneuten Begutachtung war demnach begründet und
rechtmässig.
3.3.
Betreffend das Rückenleiden liegt ein CT vom 5. März 2015 vor. Es wurden im
Bereich L2 bis S1, vor allem L4/L5, Bandscheibenprolapse bzw. -protrusionen mit
Kontakt zur Nervenwurzel L5 und möglicherweise S1 nachgewiesen (vgl. IV-act. 103
und IV-act. 115-25). Im SMAB-Gutachten vom 10. Februar 2017 wurde die
Beweglichkeit der Wirbelsäule als gut bezeichnet. Der Finger-Boden-Abstand betrug
10 cm und es wurde ein Aufrichteschmerz bei forcierter Flexion angegeben. Weiter
wurde eine deutliche lumbale Muskelverspannung beidseits und eine Tendoperiostose
über der Spina iliaca rechts erhoben (IV-act. 115-24). Dr. C._ stellte gemäss
Arztbericht vom 16. Dezember 2019 eine endphasig schmerzhafte Extension und
Flexion sowie eine Druckdolenz im Bereich L5/S1 und der SIPS (Spina iliaca posterior
superior) fest (IV-act. 163-4).
3.3.1.
Anlässlich der Begutachtung im März 2020 beklagte die Beschwerdeführerin in
erster Linie lumbale Rückenschmerzen. Diese bestünden seit Jahren und seien in den
letzten zwei Monaten wieder schlimmer geworden. Wegen der Schmerzen könne sie
sich kaum bewegen und nicht schlafen (IV-act. 175-10, 18). Dr. G._ hielt fest, beim
vorsichtigen Beklopfen der Dornfortsätze von Brust- und Lendenwirbelkörpern habe
die Beschwerdeführerin bereits ab Höhe BWK 4 abwärts massive Beschwerden
angegeben. Der Aufforderung, den Oberkörper nach vorne zu beugen, sei sie mit dem
Hinweis, sie habe dann extreme Schmerzen am unteren Rücken, nicht
nachgekommen. Eine Messung der segmentalen Brust- oder
Lendenwirbelsäulenentfaltbarkeit sei somit nicht durchführbar gewesen. Kurz darauf
sei der Langsitz auf der Untersuchungsliege problemlos möglich gewesen. Eine lokale
Muskelspannungserhöhung im schmerzhaften lumbalen Bereich oder
Nervenwurzelreizerscheinungen hätten nicht erhoben werden können. Das An- und
Auskleiden sei ihr flüssig und ohne erkennbare lumbale Behinderung gelungen (IV-
act. 175-14,18). Der Gutachter legte nachvollziehbar dar, der ohne weiteres mögliche
3.3.2.
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Langsitz auf der Untersuchungsliege, der Bewegungsablauf beim Be- und Entkleiden
und das Fehlen einer tastbaren Muskelspannungserhöhung seien mit einer
Funktionsstörung der Lendenwirbelsäule nicht vereinbar (IV-act. 175-20). Er konnte
demnach keine Befunde erheben, welche eine Zunahme der LWS-Beschwerden seit
dem Gutachten der SMAB konsistent objektivieren.
3.4.
Dr. med. I._, Facharzt für Handchirurgie, diagnostizierte am 5. Februar 2016
eine ausgeprägte chronische Epicondylopathia humeri radialis rechts mit Teilruptur der
Sehnenplatte (IV-act. 100). Diese wurde am 8. November 2016 operativ behandelt
(Operation nach Nirschl/Wilhelm bei therapierefraktärer Epicondylopathie humero-
radialis rechts; Operationsbericht Spital B._, IV-act. 115-39). Die Behandlung wurde
am 9. Januar 2017 bei noch vorhandenen Restbeschwerden abgeschlossen und nicht
wieder aufgenommen (Bericht Spital B._ vom 18. Dezember 2019, IV-act. 162-1). Im
rheumatologischen Teilgutachten der SMAB vom 10. Februar 2017 wurde festgehalten,
die Beschwerdeführerin beklage nach wie vor Schmerzen an der rechten Schulter
sowie Schmerzen und eine Bewegungseinschränkung am rechten Ellbogen (IV-
act. 115-22). Im Befund wurde eine Bewegungseinschränkung im rechten
Schultergelenk erhoben; Abduktion und Elevation seien bis 160° möglich, die
Innenrotation sei um ein Drittel eingeschränkt. Am rechten Ellenbogen seien Flexion
(120°) und Extension (-25°) eingeschränkt. Die frische Narbe über dem Epicondylus
radialis sei leicht druckdolent. Der rechte Arm werde geschont, denn der
Oberarmumfang sei bei der Rechtshänderin rechts kleiner (IV-act. 115-25). Dr. C._
erhob gemäss Bericht vom 16. Dezember 2019 bezüglich der rechten Schulter eine
Abduktion bis 140° rechts, eine schmerzhafte endphasige Aussenrotation, eine Druck-
Dolenz subacromial beidseits und ein rechts positives Impingement (aufgrund des
Hinweises auf die subacromiale Druckdolenz ist anzunehmen, dass es sich hierbei um
den Befund der rechten Schulter handelt). Am rechten Epicondylus war im Gegensatz
zu links keine Druckdolenz vorhanden (IV-act. 163-4). Sie führte aus, im Verlauf hätten
die Beschwerden nach der Operation protrahiert und sich langsam von der Schulter auf
den Ellbogen verlagert. Vom 16. Januar bis 31. Juli 2017 habe eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit bestanden. Seit 1. August 2017 könne eine leichte, nicht repetitive
Tätigkeit bis maximal 20 % ausgeübt werden (Arztbericht vom 16. Dezember 2019, IV-
act. 163, Ziff. 1.3, 2.4 und 2.7).
3.4.1.
Im Bereich der rechten Schulter wurde bei der Beschwerdeführerin am
4. Dezember 2012 eine Superior Labrum anterior to posterior - Läsion Schulter rechts II
3.4.2.
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arthroskopisch versorgt (Austrittsbericht Spital B._ vom 14. Dezember 2012, IV-
act. 103). Dr. G._ fand eine geringfügige Einschränkung der Seitenhebung (IV-
act. 175-12). Er hielt fest, die Beschwerdeführerin habe bei Belastung der Schulter-/
Nackenregion und der Halswirbelsäulenregion keine lokalen Schmerzen geäussert.
Chirodiagnostisch sei keine nachweisbare Blockierung feststellbar gewesen (IV-
act. 175-13). Wesentliche Funktionsbeschränkungen an den Schultergelenken seien
nicht feststellbar gewesen. Die Beweglichkeit sei bis auf eine minimale
Seitenhebereduktion nahezu frei möglich gewesen. Häufige Überkopfarbeiten sollten
allerdings unterbleiben (IV-act. 175-19 f.). Die von ihm erhobenen Befunde entsprächen
jenen gemäss Gutachten vom 10. Februar 2017 (IV-act. 175-17). Dies erscheint mit
Blick auf die im rheumatologischen SMAB-Gutachten festgehaltenen
Beweglichkeitseinschränkungen (Abduktion und Elevation bis 160°, Innenrotation um
einen Drittel eingeschränkt, IV-act. 115-24) nachvollziehbar. Weiter stellte Dr. G._
zutreffend fest, dass die Schulterbeschwerden rechts seit Jahren nicht mehr behandelt
würden (IV-act. 175-19; IV-act. 162-1). Auch wenn Dr. C._ zwischenzeitlich eine
etwas eingeschränktere Abduktion als der spätere Gutachter notierte, ändert dies
nichts am Schluss, dass die aktuellen gutachterlichen Befunde auch in Bezug auf die
Schulter nicht auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes gegenüber dem
Vorgutachten schliessen lassen.
Bezüglich Ellbogen ist anzufügen, dass die dem SMAB-Gutachten vom
10. Februar 2017 zugrundeliegende Untersuchung noch während der von Dr. G._
angenommenen Rekonvaleszenzzeit von drei Monaten ab der Operation vom
8. November 2016 stattfand. Insoweit erscheint plausibel, dass damals der rechte Arm
noch geschont wurde, was bei der Begutachtung durch Dr. G._ im Jahr 2020 nicht
mehr der Fall war. Er führte aus, hinsichtlich der beklagten Ellenbogenbeschwerden
bestehe eine unveränderte Einsetzbarkeit. Eine Muskelminderung rechts gegenüber
links liege nicht vor, so dass eine Schonung des rechten Arms im Alltag
ausgeschlossen werden könne (IV-act. 175-20). Es sei eine nicht funktionsbehindernde
minimale Streckhemmung am rechten Ellenbogen verblieben bei uneingeschränkter
Beugefähigkeit und fehlender Muskelminderung des rechten Armes, so dass von einer
im Alltag beibehaltenen vollen Belastbarkeit auszugehen sei (IV-act. 175-13, 23). Somit
kam er nachvollziehbar zum Schluss, nach der Tennisellbogenoperation rechts vom
8. November 2016 sei von einer drei- bis viermonatigen therapeutischen
Unterbrechung der Arbeitsfähigkeit auszugehen (IV-act. 175-21, 23). Auch ist
anzunehmen, dass ein objektiv protrahierter Heilungsverlauf zu weiteren Abklärungen
und Behandlungen geführt hätte.
3.4.3.
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Was die Venenproblematik anbelangt, wurde im SMAB-Gutachten vom
10. Februar 2017 ausgeführt, das postthrombotische Syndrom führe unvermindert zu
einer Zunahme der Schwellungen bei langem Stehen und es träten trotz Tragens eines
Kompressionswadenstrumpfes immer wieder Ulcera cruris auf (IV-act. 114-25).
Dr. G._ führte dazu aus, aktuelle fachphlebologische Berichte zum Status der
Venenverhältnisse gebe es aus den letzten zehn Jahren nicht. In den vergangenen
Jahren sei auch kein neues differenziertes Therapiekonzept vorgelegt worden, so dass
sich die Behandlung auf die konsequente Versorgung mit Kompressionsstrümpfen
beschränke. Ein "offenes Bein" habe nach Angaben der Beschwerdeführerin seit
vergangenem Sommer (2019) nicht mehr vorgelegen. Aktuell sei keine Ödembildung
feststellbar gewesen, phlebologisch gesichert liege bei der Beschwerdeführerin
allerdings eine venöse Abflussstörung bei nur partieller Rekanalisation des
Venensystems am rechten Bein vor, so dass von einer Gefährdung bei überwiegendem
Stehen und Sitzen auszugehen sei. Durch die konsequente Kompressionstherapie
könne eine teilweise Kompensation dieser Problematik angenommen werden. Die
Erkrankung sei nicht so ausgeprägt, dass eine Antikoagulation erforderlich sei. Arbeiten
im Wechsel zwischen Stehen, Gehen und Sitzen mit überwiegender Gehbelastung
seien optimal (IV-act. 175-19). Aus dem Gesagten ergibt sich ohne Weiteres, dass auch
hinsichtlich der Beinbeschwerden seit dem Gutachten des SMAB vom 10. Februar
2017 keine Verschlimmerung des Zustandes eingetreten ist.
3.5.
Im SMAB-Gutachten vom 10. Februar 2017 kam der psychiatrische Gutachter zu
folgender Beurteilung: Die Beschwerdeführerin sei überwiegend ausgeglichen, zum Teil
leicht angespannt, ängstlich wirkend und weise eine adäquate affektive Reagibilität auf.
Ende 2016 habe sie eine überwiegend stützende psychiatrische Behandlung
einschliesslich Verordnung eines Antidepressivums (Paroxetin) begonnen, der
geschilderte niederfrequente Behandlungsrhythmus (ca. alle sechs bis acht Wochen,
IV-act. 115-30) erscheine ausreichend. Mit Bezug auf die zu diskutierenden Indikatoren
liege auf psychiatrischem Fachgebiet keine Beschwerdesymptomatik vor, die eine
krankhafte Bedeutung einnehme, so dass keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
bestehe. Es bestehe lediglich eine leichte Anpassungsstörung, die im Zusammenhang
mit reaktiven Einflüssen stünde und im Rahmen einer einfachen niederfrequenten
psychiatrischen Behandlung einschliesslich einer supportiven antidepressiven
Medikation gut kompensiert werde (IV-act. 115-34 f.). Er diagnostizierte eine die
Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigende Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2; IV-
act. 115-33) und führte aus, ungünstig seien Wechselschicht- und Akkordbedingungen.
Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit seit der vorangegangenen
psychiatrischen Begutachtung nicht eingeschränkt gewesen (IV-act. 115-15). Dr. C._
3.6.
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4.
hielt im Arztbericht vom 16. Dezember 2019 eine anxio depressive Störung und eine
Schlafstörung als Beeinträchtigungen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest
und gab an, dass die Beschwerdeführerin ausschliesslich durch sie behandelt werde
(IV-act. 163). Mithin besteht keine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung
mehr. Dass die Beschwerdeführerin unter psychischen Beschwerden mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit leidet, geht aus den Akten, die den relevanten Zeitraum betreffen,
nicht hervor. Es kann daher ohne weitere Abklärungen davon ausgegangen werden,
dass in psychischer Hinsicht keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
eingetreten ist.
Zusammenfassend entspricht das orthopädische Gutachten vom 18. März 2020
den Anforderungen der Rechtsprechung. Es beantwortet die im SMAB-Gutachten offen
gebliebenen Fragen und erweist sich als beweistauglich. Der medizinische Sachverhalt
ist umfassend abgeklärt, weshalb sich entgegen des Eventualantrags der
Beschwerdeführerin weitere Abklärungen erübrigen. Demgemäss besteht bei der
Beschwerdeführerin eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten. Bis zur
Tennisellbogenoperation und nach Rekonvaleszenz war sie ebenfalls in einer
adaptierten Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig. Aufgrund der Operation vom 8. November
2016 war sie während drei bis vier Monaten zu 100 % bis arbeitsunfähig (vgl. IV-
act. 175-21 f.). Entsprechend nahm die Beschwerdegegnerin eine Verbesserung
spätestens im Verlauf des März 2017 an und setzte mit Blick auf Art. 88a IVV für die
Zeit vom 1. Februar bis 30. Juni 2017 einen befristeten Anspruch auf eine ganze Rente
fest (IV-act. 194-1), was nicht zu beanstanden ist.
3.7.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
sei nicht gegeben. Im Zeitpunkt der Kenntnisnahme des Gutachtens vom 18. März
2020 sei sie bereits 57 1/2 Jahre alt gewesen, womit eine Aktivitätsdauer von lediglich
6 Jahren verbleibe. Sie verfüge über keine in der Schweiz anerkannte Berufslehre, habe
in der Schweiz ausschliesslich im Gastgewerbe gearbeitet und verfüge über keine
Berufskenntnisse bezüglich anderer Branchen. Weiter sei sie seit beinahe sechs Jahren
nicht mehr erwerbstätig. Hinzu kämen die massiven gesundheitlichen
Beeinträchtigungen (act. G 1-9).
4.1.
Massgebend für die Beurteilung der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist der
Zeitpunkt des Feststehens der medizinischen Zumutbarkeit einer
(Teil-)erwerbstätigkeit. Dies ist gegeben, sobald die medizinischen Unterlagen eine
zuverlässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE 138 V 461 f. E. 3.3 f.). Vorliegend
4.2.
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war dieser Zeitpunkt entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht erst mit
Erstattung des Gutachtens im März 2020 gegeben, sondern mit der im SMAB-
Gutachten vom Februar 2017 festgestellte Arbeitsfähigkeit von 50 % und
allerspätestens, als das Versicherungsgericht mit Entscheid vom 13. September 2019
die Verfügung vom 16. August 2017 schützte.
Die Möglichkeit einer versicherten Person, das verbliebene Leistungsvermögen auf
dem allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt von den konkreten
Umständen des Einzelfalls ab. Massgebend sind rechtsprechungsgemäss die Art und
Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare
Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch die
Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung,
beruflicher Werdegang oder die Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem
angestammten Bereich. Beim ausgeglichenen Arbeitsmarkt handelt es sich um eine
theoretische Grösse, so dass nicht leichthin angenommen werden kann, die
verbliebene Leistungsfähigkeit sei unverwertbar. Er umfasst auch sogenannte
Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen Behinderte mit
einem sozialen Entgegenkommen des Arbeitgebers rechnen können. Unverwertbarkeit
der Restarbeitsfähigkeit ist insbesondere dann anzunehmen, wenn die zumutbare
Tätigkeit in nur so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene
Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden
einer entsprechenden Stelle daher zum Vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil
des Bundesgerichts vom 2. Dezember 2020, 8C_416/2020, E. 4 mit Verweisen). An die
Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten betreffend Verweistätigkeiten sind
rechtsprechungsgemäss keine übermässigen Anforderungen zu stellen (Urteil des
Bundesgerichts vom 22. Dezember 2016, 9C_469/2016, E. 3.2). Massgebend für die
Beurteilung der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist der Zeitpunkt des
Feststehens der medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-)erwerbstätigkeit. Dies ist
gegeben, sobald die medizinischen Unterlagen eine zuverlässige
Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE 138 V 461 f. E. 3.3 f.). Nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind die Hürden für die Annahme der
Unverwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit hoch (vgl. Urteile des
Bundesgerichts vom 25. August 2017, 8C_403/2017, E. 5.3 f., vom 31. August 2018,
8C_117/2018, E. 3.3.1, vom 6. Juli 2016, 8C_113/2016, E. 4.3 und vom 28. Mai 2009,
9C_918/2008, E. 4.3).
4.3.
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5.
Nach geltender Rechtsprechung gilt eine verbleibende Aktivitätsdauer von rund
fünf Jahren grundsätzlich als ausreichend, um eine neue einfache Erwerbstätigkeit
aufzunehmen, sich einzuarbeiten und die Arbeit auszuüben. Das gilt insbesondere
bezüglich Tätigkeiten, bei denen keine langen Einarbeitungszeiten, intellektuelle
Fähigkeiten oder Sprachkenntnisse erwartet werden müssen (Urteil des
Bundesgerichts vom 8. März 2019, E. 3.2.3, 8C_77/2019, mit Verweisen). Im Übrigen
beherrscht die Beschwerdeführerin die deutsche Sprache gut (vgl. Arztbericht
Dr. C._ vom 16. Dezember 2019, IV-act. 163-2, und Gutachten vom 18. März 2020,
IV-act. 175-12). Zudem ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführerin bereits im
Gutachten vom 10. Februar 2017 eine künftige Arbeitsfähigkeit von 50 % attestiert
wurde (IV-act. 115-25 f.). Hinsichtlich einer 59-jährigen Beschwerdeführerin, die
während über 30 Jahren im selben Hotelbetrieb als Servicemitarbeiterin tätig gewesen
war, über keine Ausbildung verfügte und fortan zwar zu 100 %, jedoch nur in sitzenden
Tätigkeiten mit einem Gewichtslimit von 10 kg arbeitsfähig war, eine eingeschränkte
Gehstrecke aufwies und einen den äusseren Bedingungen (Feuchtigkeit, Kälte)
angepassten Arbeitsplatz benötigte, hielt das Bundesgericht die Verwertbarkeit
gesamtbetrachtend für gegeben (Urteil vom 6. Juli 2017, 9C_505/2016, E. 4). Selbst
wenn eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch Beschwerden der rechten Schulter
oder des rechten Ellbogens angenommen wird, führt dies nicht zur Unverwertbarkeit
der Restarbeitsfähigkeit (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts vom 23. März 2009,
8C_971/2008, E. 4.2.2). Mit Blick auf diese Rechtsprechung ist die Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit vorliegend gegeben.
4.4.
Im Entscheid vom 13. September 2019 berechnete das Versicherungsgericht das
Valideneinkommen auf Basis des Einkommens, welches die Beschwerdeführerin 2001
vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit erzielt hatte. Das Invalideneinkommen ermittelte es
ausgehend vom Tabellenlohn, womit unter Berücksichtigung der attestierten 50%igen
Arbeitsfähigkeit bereits ohne Tabellenlohnabzug ein Invaliditätsgrad von 50,4 %
resultierte. Weiter erwog es, aufgrund des Vorliegens verschiedener
Beeinträchtigungen sei ein Tabellenlohnabzug von 10 % zu gewähren (E. 4.2, IV-
act. 153-12). Auch dabei bliebe es bei einem Invaliditätsgrad von 55,4 % und damit
einem Anspruch auf eine halbe Rente. Ein höherer Abzug ist nicht gerechtfertigt. Damit
ist die angefochtene Verfügung zu bestätigen, wonach die Beschwerdeführerin ab
1. Februar 2017 befristet Anspruch auf eine ganze und ab 1. Juli 2017 Anspruch auf
eine halbe Rente hat.
5.1.
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6.