Decision ID: 6f8fe823-a5b0-4904-8e95-84aec9938cb3
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1975,
verfügt über keine Berufsausbildung und
war von 2012
bis zur Kündigung
per 3
1.
März
2016
dur
ch die Arbeitgeberin bei der Y._
als Wagenreiniger beschäftigt
. Seither
geht
er
keiner Erwerbstätigkeit nach (
Urk.
8/8/35-36;
Urk.
8/7/7).
A
m 24.
Juni 2017 erlitt er beim Fussball
spielen eine Kniedistorsion (
Urk.
8/8/3) und am 19. September 2017 einen Treppensturz mit Luxation der linken Schulter (U
rk.
8/73)
.
Er meldete sich am 1
6.
August 2018 unter Hinweis auf
unfallbedingte
Schulter- und Knie
beschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
(
Urk.
8/3)
.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medi
zinische und erwerbliche Abklärungen und holte die Akten der S
uva ein,
die
im Rahmen ihrer Leistungspflicht nach dem Bundesgesetz über die Unfallver
sicherung (UVG)
im Zusammenhang mit den genannten Ereignissen
für die Heilbehandlungskosten aufkam und Taggelder ausrichtete
(
Urk.
8/
7-9; Urk. 8/17; Urk. 8/21; Urk. 8/23; Urk. 8/34; Urk. 8/45; Urk. 8/63-64)
.
Mit Mitteilung vom 1
9.
November 2020 (
Urk.
8/43) schloss die IV-Stelle die berufliche Eingliederung (Arbeitsvermittlung) ab und teilte dem Versicherten mit Vorbescheid vom 2
0.
Januar 2021 mit, dass sie sein Gesuch um eine Invalidenrente abweisen werde
, wogegen der
Versicherte
am 22.
Februar 2021 Einwand
erhob
(Urk. 8/60)
.
Am 1
6.
Dezember 2020 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass sie
die
Ausrichtung der Taggelder per
1.
März 2021 einstellen werde
(
Urk.
8/63/36-38)
. M
it Verfügung
vom
3. März 2021
verneinte sie
einen Anspruch auf eine Invalidenrente nach UVG und sprach ihm wegen der eingeschränkten Beweg
lichkeit der Schulter bis zur Horizontalen sowie der mässig schweren Kniearthrose gestützt auf eine Einbusse von 30 % eine Integritätsentschädi
gung zu (
Urk.
8/64/2-6).
Am
9. März 2021 wies
die IV-Stelle wie vorbeschieden
das Gesuch um eine Rente der Invalidenversicherung ab
(Urk. 2).
2.
Dagegen
erhob
der Versicherte am 24. April 2021 Beschwerde und beantragte
, es
sei
die
angefochtene
Verfügung
aufzuh
e
ben
und
es sei
ihm
mindestens
eine
halbe
Invalidenrente
zuzusprechen;
eventuell
sei er
psychiatrisch und
schulter-orthopädisch
zu begutachten
.
Weiter sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und die U
nterzeichnende
zu seinem unentgelt
lichen Rechtsvertreter zu ernennen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
1 S. 2)
.
Mit Beschwerdeantwort vom
3.
Juni 2021 schloss die Beschwerdegegnerin mit Verweis auf die Stellung
nahmen ihres Regional
en
Ärztlichen
Dienstes (RAD) auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was dem Beschwerdeführer am 2
0.
Juli 2021 mitgeteilt wurde (
Urk.
13).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach frei zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten (
Art.
61
lit
. c ATSG). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351
E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
1.5
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestimmun
gen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a
der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV) analog anzuwenden (BGE 133 V
263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_
122/2020 vom 26
.
Februar 2021 E. 2
). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhält
nisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des ana
log anwendbaren Art. 88a Abs. 1
IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchs
änderung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hat den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente mit der Begründung verneint, dass zwar die angestammte Tätig
keit nicht mehr, eine angepasste
,
leichte Tätigkeit
mit näher beschriebenem Belastungsprofil
aber
weiterhin
vollzeitlich zumutbar sei
(
Urk.
2)
.
2.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer im Wesentlichen ein, dass er angesichts der
chronifizierten
Schmerzsituation der linken Schulter und unter Berücksicht
i
g
ung der belastungsabhängigen Schmerzen im rechten Knie selbst in einer angepassten, leichten Tätigkeit lediglich zu 50 % arbeitsfähig sei (Urk. 1
R
z
.
14). Zudem habe auch
sein
psychische
r
Zustand einen Einfluss auf seine Erwerbs
fähigkeit,
was
durch eine psychiatrische Begutachtung
abgeklärt
werden
und in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit miteinfliessen
müsse (
Rz
. 15-16).
Die Einschränkungen aufgrund des linken Arms, die mangelnde Schul- und Berufs
bildung, die fehlenden Sprachkenntnisse und der Migrationshintergrund müssten bei der Bemessung des Invalideneinkommens berücksichtigt werden, weshalb insgesamt eine Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von mindestens 50
%
auszurichten sei (
Rz
. 18-19).
2.3
Umstritten
und zu prüfen ist, ob
der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invali
denrente hat.
3.
3.1
Vom 1
9.
November bis am 1
8.
Dezember 2018
befand sich der Beschwerdeführe
r
zur stationären Rehabilitation in der Rehaklinik
Z._
(
Urk.
8/19
).
Dem Austrittsbericht vom 2
0.
Dezember 2018 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
erstmals im Februar 2010 beim Heben eines Abfallbehälters in einen Container eine Luxation der linken Schulter erlitten hatte mit Reluxationen im A
ugust 2010,
September 2010
, im
September 2017
und im April 201
8.
Am 28.
Mai 2018 sei
in der Universitätsklinik
A._
eine offene Schulterstabilisa
tion nach
Latarjet
mit Verschraubungen erfolgt, wobei
die behandelnden Ärzte am 12. Oktober 2018
von einem Rehabilitationsdefizit mit unspezifischen
periart
eri
ellen
Weichteilschmerzen berichtet
hätten
(S
. 1
)
.
Am rechten Knie diagnostizierten die Ärzte eine Kniekontusion mit Innen
menis
kus
läsion nach Treppensturz am 2. November 201
4.
Am 1
1.
November 2014 sei eine Arthroskopie erfolgt mit fast vollständiger
Meniskektomie
des Innenmenis
kus und einer Teilresektion mit Glättung des Aussenmeniskus (S. 2).
Zudem nannten die Ärzte
aus
psychiatrischer Sicht die Diagnose einer Anpas
sungsstörung mit längere
r depressiver Reaktion (Trauer,
ICD.10: F43.21
)
, differentialdiagnostisch eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: 32.1)
.
Das Ziel des Aufenthalts sei es gewesen, im Hinblick auf die Stellensuche die Belastbarkeit zu steigern, was weitgehend habe erreicht werden können (S. 4).
Folgende Probleme hätten bei Austritt noch bestanden:
eingeschränkte Beweg
lichkeit, Kraftminderung in alle Richtungen und belastungsabhängige Schmerzen der ventralen Seite der linken Schulter sowie ein Reizzustand des rechten Knies
(S. 2 unten)
.
Die festgestellte psychische Störung begründe keine arbeitsrelevante Leistungs
minderung. Aus somatischer Sicht seien mittelschwere, vorwiegend gehe
nd-stehende Tätigkeiten -
wie die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit in der Wagenreinigung -
nicht mehr zumutbar. Leichte Tätigkeiten seien ganztags zumutbar
, wobei wegen der Schulterbeschwerden längerdauernde Tätigkeiten über Kopf
sowie
Schläge
und
Vibrationsbelastungen vermieden werden sollten. Wegen der Knieproblematik sollte eine angepasste Tätigkeit wechselbelastend sein ohne längerdauernde Zwangshaltungen, ohne Tätigkeiten auf unebenem Gelände und
ohne das Ersteigen von Leitern oder
Gerüsten.
Anlässlich eines Gesprächs mit der Case Managerin der Suva seien berufliche Alternativen thematisiert worden, wobei der Beschwerdeführer als eigene Ideen Buschauffeur und Trampilot genannt habe. Man habe auch über leichtere Kontroll- und Montagearbeiten oder eine Tätigkeit in der Logistik gesprochen
(S. 4 f.)
.
3.
2
Am
7.
März 2019 erfolgte in der Universitätsklinik
A._
wegen symptomatischer Pseudoarthrose ein erneuter schulterchirurgischer Eingriff (Revision
Latarjet
mit Anfrischen
Glenoidhals
und
Refixation
Coracoidblock
, Urk. 8/
21/9-10
).
Am 2
6.
April 2019
gaben
die behandelnden Ärzte der Universitätsklinik
A._
an
, dass sich sechs Wochen nach dem Revisions-
Latarjet
ein regelrechter Verlauf zeige und mit der physiotherapeutischen Mobilisation ohne Belastung begonnen werde (
Urk.
8/23/29-30).
A
m 2
6.
Juli 2019 (Urk. 23/15-16)
wurde aus der Universitätsklinik
A._
berichtet
, dass immer noch ein deutliches Rehabilitationsdefizit bestehe, weshalb weiterhin kontinuierliche Physiotherapie empfohlen werde.
Am 2
9.
Juli 2019 teilte der Beschwerdeführer der Suva mit, dass er laut den Ärzten der Universi
tätsklinik
A._
wieder zu 10 bis 20
%
arbeiten dürfe (
Urk.
8/23/17).
Im
Sprechstundenbericht vom
5.
November 2019
(
Urk.
8/26/10-11)
wurde ausgeführt, dass sich
acht Monate nach
dem
Revisions-
Eingriff eine langsame Besserung
zeige
;
die Beweglichkeit sei aber immer noch signifikant einge
schränkt. Man habe mit dem Beschwerdeführer besprochen, dass seine Schulter wohl nie wieder den Zustand
wie
vor der ersten Operation einnehmen werde und er sich n
ach weniger schulterbelastenden, nicht repetitiven
Tätigkeiten
ohne Heben und Tragen von Gewichten
umsehen solle.
3.3
M
ed.
pract
.
B._
, Facharzt für Allgemeine Medizin und Pädiatrie, bei dem
der Beschwerdeführer seit 2014 in hausärztlicher Betreuung steht,
gab am 2
5.
Feb
ruar 2020 an,
dass dieser in seiner angestammten Tätigkeit seit dem 20. Septem
ber 2017 zu 100
%
arbeitsunfähig sei.
L
eichte angepasste Tätigkeiten sei
en
je nach Belastung anfänglich
zu
50
%
möglich mit einer schrittweisen Steigerung. Trotz weiterhin
chronifizierender
Schulter- und Kniebeschwerden sei der Beschwerdeführer motiviert
,
einer Arbeit nachzugehen und sich neu zu orientie
ren. Hierfür benötige er dringend Hilfe in der Form einer Umschulung oder von Kursen (
Urk.
8/31/7-8)
.
3.4
Im Bericht der Universitätsklinik
A._
vom 1
0.
März 2020 wurde die vormalige Einschätzung zum Anforderungsprofil für eine angepasste Tätigkeit bestätigt. Der genaue zeitliche Umfang sei durch ein medizinisches Gutachten oder ein arbeits
basiertes Assessment
zu evaluieren (
Urk.
8/32/4-6).
3.5
Am 3
0.
Juni 2020 fand an der Uniklinik
A._
eine therapeutische Infiltration am linken Schultergelenk statt (Urk. 8/45/37).
3.6
Am 2
3.
September 2020 berichtete med.
pract
.
B._
, dass der Beschwerdeführer nach dreimaliger Operation im Schulterbereich links weiterhin schmerzgeplagt sei.
Die zuletzt durchgeführte
Stereoid
-Infiltration
habe
keinerlei Erfolg gezeigt. Auch über Kniebeschwerden rechts klage der Beschwerdeführer, wobei die Schulterschmerzen im Vordergrund stünden. Neu gab med.
pract
.
B._
an, dass
in einer angepassten Tätigkeit mit einem 30%igen Pensum gestartet werden solle mit langsamer Steigerung; der Beschwerdeführer sei sehr unsicher und ängstlich (
Urk.
8/40).
Am 2
2.
Februar 2021
hielt
med.
pract
.
B._
wiederum
fest
,
dass der Beschwerdeführer in angepasster Tätigkeit zu 50
%
arbeitsfähig sei (
Urk.
8/59).
3.7
Am 1
0.
Dezember 2020 wurde der Beschwerdeführer von Suva-Kreisarzt med.
pract
.
C._
, Facharzt für Chirurgie FMH, unt
ersucht. Dieser nannte am 14.
Dezember 2020 die folgenden Diagnosen
(
Urk.
8/47 S. 7
)
:
-
Status nach mehrfachen Schulterluxationen links mit letzter Luxation 2017 mit subsequenter Instabilität
-
Posttraumatische
Varusg
o
n
arthrose
rechts nach Kniekontusion rechts mit Innenmeniskusläsion 2014 und erneutem Unfall am 2
4.
Juni 2017
An der linken Schulter habe der Beschwerdeführer durch die verschiedenen Luxationen und den nachfolgenden Operationen bleibende Schäden und Einschränkungen erlitten, die nachvollziehbar seien. Insbesondere die mangelnde Bewegungsfähigkeit sei nachvollziehbar und objektivierbar, ebenso die Rest
schm
erzen in der Narbe über dem
Sul
c
u
s
deltoidopectoralis
. Von weiteren Eingriffen sei keine Verbesserung im Sinne einer Schmerzfreiheit oder
einer Steigerung des Bewegungsumfangs zu erwarten.
Die Behandlung des rechten Knies könne bei einem doch sehr ansprechenden und guten Resultat abgeschlossen werden. Beschwerden bestünden allenfalls noch in Ansätzen, Einschränkungen seien indes nicht feststellbar. Die Arthrose sei aber nachweisbar.
In der angestammten Tätigkeit als Wagenreiniger könne der Beschwerdeführer wegen zu häufigen Tragen
s
von schweren Lasten, zu häufigen Zwangshaltungen, zu häufigen Überkopfarbeiten und zu häufigen Schlägen/Vibrationen auf die linke obere Extremität nicht mehr arbeiten.
Der Kreisarzt nannte folgendes Belastungsprofil für eine angepasste Tätigkeit: Das Heben und Tragen auf der linken Seite solle nur sehr leicht sein, auf der rechten Seite bestünden keine Einschränkungen. Das Hantieren mit Werkzeugen solle links leicht, das heisst feinmotorisch sein, wobei auch hier rechtsseitig keine Einschränkungen vorlägen. Beidhändige Arbeiten seien so zu organisieren, dass der Beschwerdeführer links nicht mehr belastet werde als angegeben. Sämtliche Arbeiten, welche Schläge und/oder Vibrationen auf die linke obere Extremität verursachen, dürften nicht durchgeführt werden. Sitzen und Stehen
sei
uneinge
schränkt möglich, auch gelegentliches Knien sei möglich. Längerdauernde Haltungen und die Fortbewegung seien uneingeschränkt. Beim Gehen auf unebe
nem Gelände sollt
e
wegen des rechten Knies auf das Tragen von Lasten verzichtet werden. Treppensteigen sei möglich, wohingegen das Besteigen von Leitern vermieden werden sollte. Arbeiten über Kopfhöhe und sämtliche Arbeiten, welche ein Gleichgewicht erfordern
,
sowie alle absturzgefährdeten Arbeiten s
ollten vermieden werden (S. 8).
3.
8
RAD-Arzt
Dr.
D._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie verwies am
4.
Januar 2021
zur angepassten
Tätigkeit auf das Belastungsprofi
l gemäss Suva-Kreisarzt
. Hinsichtlich Arbeitsunfähigkeiten seien die wenigen,
aktenkundigen Angaben des Hausarztes und der behandelnden Ärzte der Uni
klinik
A._
plausibel
, sodass sich folgende Gesamtbeurteilung ergebe: In der bisherigen Tätigkeit sei der Beschwerdeführer seit September 2017 durchgehend und auf Dauer zu 100 % arbeitsunfähig. Für angepasste Tätigkeiten ergebe sich eine 100%
ige
Arbeitsunfähigkeit bis Februar 202
0.
Ab März 2020 sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
auszugehen mit langsamer schrittweiser Steigerung um etwa eine Stunde alle vier Wochen. Es verbleibe eine Arbeits
unfähigkeit von 20
%
bei ganztäg
iger Präsenz und einer Leistungsminderung von 20
%
wegen der Notwendigkeit häufigerer Arbeitsunterbrechungen und Ruhepausen (
Urk.
8/54 S. 10-12)
.
3.9
Am
8.
Februar 2021 berichteten
die Ärzte der Klinik E._
, dass sie den Beschwerdeführer zwecks Zweitmeinung zu allfälligen Therapieoptionen unter
sucht hätten, sie aber keine neuen Aspekte zur Diskussion beitragen könnten. Wie die behandelnden Ärzte der Universitätsklinik
A._
seien sie der Meinung, dass eine Re-Arthroskopie und Metallentfernung als
ultima
ratio
zwar möglich wäre, es aber völlig unsicher sei, ob der Beschwerdeführer davon profitieren würde. Eine dauerhafte schmerztherapeutische Behandlung sei in Erwägung zu ziehen (Urk. 3/3).
4.
4.1
Zunächst ist festzuhalten, dass unter Berücksichtigung der gesamten medizi
nischen Aktenlage beim Beschwerdeführer keine psychiatrischen Diagnosen mit A
uswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen. So haben bereits die Ärzte der Rehaklinik
Z._
am 2
0.
Dezember 2018 festgestellt, dass die Diagnose einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion keine arbeitsrelevante L
eistungsminderung bewirkt
. In der Folge wurden weder
von
seinem Hausarzt
noch von den Ärzten der Universitätsklinik
A._
psychiatrische Diagnosen gestellt oder Befunde beschrieben, die auf ein invalidisierendes psychisches Leiden hinweisen.
Ebenso wenig befand
er
sich soweit ersichtlich je in
psychiat
rischer oder
p
sycho
therapeutischer Behandlung.
Damit sind entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers aus psychischer Sicht keine weiteren Abklärungen erfor
derlich.
4.2
4.2.1
In somatischer Hinsicht
hat RAD-Arzt
Dr.
D._
festgestellt
, dass der Beschwerde
führer in seiner angestammten Tätigkeit seit September 2017 auf Dauer nicht mehr arbeitsfähig ist. Eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
in angepassten Tätigkei
ten sei bis Februar 2020 ausgewiesen.
Diese Einschätzung steht im Einklang mit
den übrigen medizinischen Verlaufsberichten
nach dem Sturz mit Schulterluxa
tion im September 2017
,
der
bis Juni 2020
zwei
chirurgische
Eingrif
fe
, eine Infiltration und engmaschige Physiotherapie-Sitzungen
nach sich zog
.
Dr.
B._
hielt
erstmals Ende Februar 2020 fest, dass eine leichte angepasste Tätigkeit
in
einem anfänglichen Pensum von 50 % möglich sei.
Auch wenn von den behandelnden Ärzten in
Z._
und der Universitätsklinik
A._
der Wiedereinstieg ins Erwerbsleben
in einer angepassten Tätigkeit
schon vor Februar 2020
thematisiert
worden war
,
war
bis zu diesem Zeitpunkt nie
von einer relevanten Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten die Rede.
4.2.2
D
er Beschwerdeführer
war
damit seit September 2017 bis mindestens Februar 2020 sowohl in angestammter wie auch angepasster Tätigkeit vollständig arbeits
unfähig
und
damit
nach Ablauf des Wartejahrs
per
1.
September 2018
zu 100 % erwerbsunfähig.
Er hat sich
am 1
6.
August 2018 bei der
Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug angemeldet,
womit er
unter Nachachtung von
Art.
29
Abs.
1 IVG (frühestmöglicher Rentenbeginn nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs)
ab dem
1.
Februar 2019 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung
hat
(E. 1.1-2)
.
4.3
4.3.1
A
us
den
Ausführungen von
Suva-Kreisarzt
C._
geht hervor, dass der Beschwerdeführer unter Berücksichtigung sowohl der linksseitigen Schulter
beschwerden wie auch der
Varusgonarthrose
im rechten Knie im Zeitpunkt der kreisärztlichen Untersuchung vom 1
0.
Dezember 2020 in angepassten Tätigkeiten wieder voll arbeitsfähig war.
Der Kreisarzt
hat den Beschw
erdeführer umfassend untersucht und
sich bei seiner Beurteilung
sowohl
auf eine sorgfältige Anamnese
wie auch
auf die relevante Bildgebung gestützt.
Darauf
basierend
hat er - unter Berücksichtigung der Bewegungseinschränkungen und Restschmerzen der linken Schulter und der Arthrose im rechten Knie - ein differenziertes Belastungsprofil erstellt, unter dessen Einhaltung
der Beschwerdeführer eine ganztätige Arbeit ausführen kann. Seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit mit diesem Belastungs
profil ist im Kontext der vor
liegenden Diagnosen und Befunde nachvollziehbar und plausibel. Sie entspricht im Übrigen auch der Einschätzung von
Dr.
B._
, der bereits im Februar 2020 festgehalten hatte, dass
dem
Beschwerdeführer
eine angepasste
Tätigkeit
anfänglich im Umfang von 50 % mit einer schrittweisen Steigerung des Pensums
zumutbar sei.
Soweit med.
pract
.
B._
am 2
2.
Februar 2021 (
Urk.
3/4) weiterhin eine lediglich 50%ige Arbeitsfähigkeit attestierte, kann ihm nicht gefolgt werden. Der Hinweis auf persis
t
ierende Schulterschmerzen
macht eine Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit nicht
unplausibel
und es fehlt dem Bericht eine Auseinandersetzung mit den fachärztlichen Feststellungen
des Suva-Kreisarztes.
Die Ärzte der Universitätsklinik
A._
gingen
ebenfalls von einem schulterschonenden Belastungsprofil aus und
erachteten
den Beschwerdeführer
darin
grundsätzlich als arbeitsfähig, auch wenn sie sich nicht zum zeitlichen Umfang des Zumutbaren äusserten.
Damit ist der Beschwerdeführer spätestens seit Dezember 2020 in angepassten Tätigkeiten mit entsprechendem Belastungsprofil
nachweislich
wieder voll arbeitsfähig.
Welche Bewandtnis es hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers damit hat, dass er sich nach seiner Mitteilung vom 1
8.
Oktober 2021
(Urk. 14)
in einem 30-tä
gigen Arbeitsversuch in einem 100%-Pensum befindet, ist für die Beurteilung des vorliegenden Falles nicht beachtlich, da
vorliegend
auf den Sach
verhalt abzustellen ist, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung (hier: 9. März 2021) ereignet hat (zur zeitlichen Grenze der richter
lichen Überprüfungsbefugnis: BGE 132 V 215 E. 3.1.1)
. Eine Verfahrenssistierung rechtfertigt sich jedenfalls nicht.
4.3.2
Der
Beschwerdeführer
war
bei Anmeldung zum Leistungsbezug im August 2017 bereits arbeitslos,
weshalb
für das
Validen- wie auch
für
das Invalideneinkommen auf
die
gleichen
statistische
n
D
aten
der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung
abzustellen ist und der durch
einen rechnerischen
Prozentvergleich zu ermittelnde Invaliditätsgrad damit bei
100%iger
Arbeitsfähigkeit 0 % beträgt.
Damit würde
auch bei einem maximalen Abzug vom
statistischen
Tabellenlohn von 25
%
zur Ermittlung des Invalideneinkommens
vorliegend kein renten
begründender Invaliditätsgrad (mehr) resultieren.
Anzumerken bleibt lediglich,
dass auch bei einer Relevanz des Tabellenlohn
abzugs für den Invaliditätsgrad ein solcher im Falle des Beschwerdeführers nach
der Rechtsprechung des Bundesgerichts
ohnehin nicht zulässig wäre. Der
für den Beschwerdeführer massgebliche
LSE-
Tabellenlohn im Kompetenzniveau
1
(LSE 2018)
umfasst nämlich
eine Vielzahl von leichten Tätigkeiten, die
seinen
Einschränkungen
genügend
Rechnung tragen
.
Angesichts des ärztlich umschrie
benen Zumutbarkeitsprofils ist
damit
von einem genügend breiten Spektrum
an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen, die keine besondere Beanspruchung
des nichtdominanten linken Arms einschliesslich der Hand
hinsicht
lich Kraft, Feinmotorik und Sensibilität erfordern. Aufgrund der vorliegenden Einschränkungen
des
Beschwerdeführers
ist somit
- entgegen seiner Auffassung -
nicht von einer
(
faktischen
)
Einhändigkeit
auszugehen, die einen Abzug
vom
massgebenden statistischen Durchschnittslohn
rechtfertigen würde.
Zumutbar sind
ihm
unter Berücksichtigung der bundesgerichtlichen Recht
sprechung in ähn
lich gelagerten Fällen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_498/2019 vom 1
1.
Dezember 2019 E. 4.2.2)
beispielsweise Überwachungs-, Prüf- und Kontroll
tätigkeiten sowie die Bedienung und Überwachung von
(halb-) automatischen Maschinen oder Produktionseinheiten, die
entsprechend dem medizinischen Belastungsprofil
keinen
oder nur einen sehr geringen
Einsatz des
linken
Arms und der
linken
Hand voraussetzen (vgl. statt vieler Urteil
des Bundesgerichts 8C_730/2018 vom 1.
April 2019 E. 5.2.2).
Somit
haben sich die tatsächlichen Verhältnisse
spätestens
ab Dezember 2020
erheblich geändert, was unter Nachachtung von
Art.
88a IVV zu einer Befristung d
er Rente bis am 2
8.
Februar 2021
führt (E. 1.6).
4.4
Es stellt sich
schliesslich noch
die Frage, ob die ab
1.
Februar 2019 zugesprochene ganze Rente
bis zum Ende
ihrer
Ausrichtungsdauer am 2
8.
Februar 2021
abge
stuft herabzusetzen ist.
A
nalog zum Revisionsrecht
müsste dafür
mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit nachgewiesen sein, wann sich die Arbeitsfähigkeit in welchem Ausmass
sukzessiv
gesteigert hat
(E. 1.6)
.
RAD-Arzt
Dr.
D._
ging von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ab März 2020 aus, wobei er sich dabei wohl auf die Einschätzung von med.
pract
.
B._
stützte, der am 2
5.
Februar 2020 angegeben hatte, dass dem Beschwerdeführer leichte Tätigkeiten je nach Belastung anfänglich in einem Pensum von 50
%
mit schritt
weiser Steigerung zumutbar seien. Mit dieser hausärztlichen Einschätzung ist indes eine revisionsrechtliche relevante Verbesserung, die für die Abstufung der
ganzen
Rente erforderlich wäre, nicht genügend nachgewiesen. Zum einen konnten praktisch zeitgleich
zu
r
Stellungnahme
des Hausarztes
die behandelnden Fachärzte der Universitätsklinik
A._
am 1
0.
März 2010 lediglich das Anfor
derungsprofil für eine angepasste Tätigkeit umschreiben, vermochten aber über den zeitlichen Umfang keine Angabe zu machen.
Zum anderen empfahl Hausarzt
B._
als Startpensum für die Aufnahme einer angepassten Tätigkeit
im September 2020
nur
noch ein Startpensum von
30 %
, nachdem
im Juni 2020 das linke Schultergelenk
erfolglos infiltriert worden war.
Vor diesem Hintergrund erscheint die
medizinisch nicht begründete
Einschätzung von RAD-Arzt
Dr.
D._
rein
spekulativ
, dass der Beschwerdeführer
ab März
50
%
arbeitsfähig
sein soll
und von einer
monatlichen Steigerung um eine Stunde bis zu einem vollen Pensum
mit 20%iger Leistungsminderung ab Juli 2020 auszugehen
wäre
. Als Beweisgrundlage für die stufenweise Herabsetzung im Rahmen der befristeten
Rentenzusprache
ist
auch diese Einschätzung
nicht geeignet.
Es ist zwar davon auszugehen, dass sich die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers
im Laufe der
Behandlungsmassnahmen
bis zur vollen Arbeitsfähigkeit ab spätestens Dezember 2020
sukzessive gesteigert hat, ab wann aber von welchen Arbeitsfähigkeiten auszugehen ist, lässt sich mangels echtzeitlicher medizinischer Beurteilungen
im Nachhinein nicht mehr
rechtsgenüglich
nachweisen
. Die Folgen dieser Beweis
losigkeit hat die materiell beweisbelastete Beschwerdegegnerin (
Art.
8 ZGB)
zu tragen
, weshalb eine abgestufte Herabsetzung ausser Betracht fällt
.
4.5
Damit bleibt
es bei der Feststellung, dass der Beschwerdeführ
er vom
1.
Februar 2019 bis am 2
8.
Februar 2021 Anspruch auf eine ganze Rente der Invaliden
versicherung hat, was zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung und zur
teilweisen
Gutheissung der Beschwerde führt.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerde
führer eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwen
dung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwier
igkeit des Prozesses auf
Fr.
2’2
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird bei diesem Verfahrensausgang gegen
standslos.