Decision ID: 554d5a00-18e0-4759-8751-c49fbcd5e2c0
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass die Beschwerdeführenden am 29. August 2022 in der Schweiz um
Asyl nachsuchten,
dass ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zent-
raleinheit Eurodac) ergab, dass die Beschwerdeführenden am 21. August
2022 illegal nach Italien eingereist sind,
dass sowohl A._ (nachfolgend der Beschwerdeführer) als auch
B._ (nachfolgend die Beschwerdeführerin) am 15. September 2022
im Rahmen eines Dublin-Gesprächs das rechtliche Gehör zur mutmassli-
chen Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des Asylverfahrens – auch
hinsichtlich der beiden minderjährigen Kinder – sowie zum Gesundheitszu-
stand der Familienmitglieder gewährt wurde,
dass das SEM die italienischen Behörden am 19. September 2022 gestützt
auf Art. 13 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist,
(nachfolgend: Dublin-III-VO) um Übernahme der Beschwerdeführenden er-
suchte,
dass die italienischen Behörden dem Übernahmeersuchen am 9. Novem-
ber 2022 ausdrücklich zustimmten und bestätigten, dass die Familie ge-
mäss dem Rundschreiben Italiens vom 8. Februar 2021 im Aufnahme- und
Integrationssystem untergebracht werde in einer Weise, welche dem Alter
der Kinder angemessen sei und die Einheit der Familie garantiere,
dass das SEM mit Verfügung vom 15. November 2022 – eröffnet am
16. November 2022 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR
142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz
nach Italien anordnete und die Beschwerdeführenden aufforderte, die
Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen,
dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-
scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an die Beschwer-
deführenden verfügte,
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dass am 17. November 2022 die damalige Rechtsvertretung das Mandats-
verhältnis mit den Beschwerdeführenden für beendet erklärte,
dass die Beschwerdeführenden mit undatierter Eingabe (Eingang beim
Bundesverwaltungsgericht am 21. November 2022) gegen diesen Ent-
scheid Beschwerde erhoben und beantragten, die angefochtene Verfü-
gung sei aufzuheben und ihr Asylgesuch sei in der Schweiz zu prüfen,
dass sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Erteilung der aufschiebenden
Wirkung, unentgeltliche Rechtspflege und Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses ersuchten,
dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am
21. November 2022 in elektronischer Form vorlagen (vgl. Art. 109 Abs. 3
AsylG),
dass die Beschwerdeführenden durch ihre neu mandatierte Rechtsvertre-
terin mit elektronischer Eingabe vom 23. November 2022 eine Beschwer-
deergänzung einreichten, welcher neben der angefochtenen Verfügung
zwei Vollmachten (inklusive Substitutionsvollmacht), eine Terminkarte bei
der Mütter- und Väterberatung sowie zwei Berichte der Schweizerischen
Flüchtlingshilfe (SFH) vom Juni 2021 respektive Februar 2022 beilagen,
dass in dieser Eingabe zusätzlich beantragt wird, eventualiter sei die Sa-
che zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, subeventualiter
seien von den italienischen Behörden Zusicherungen einzuholen, dass die
Beschwerdeführenden ab dem Zeitpunkt der Ankunft in Italien umgehend
und längerfristig Obdach, Nahrung und eine adäquate und regelmässige
medizinische sowie insbesondere psychologische Behandlung erhalten,
dass in verfahrensrechtlicher Hinsicht ergänzend die superprovisorische
Aussetzung des Wegweisungsvollzugs, die Edition der vorinstanzlichen
Akten sowie die Einräumung der Möglichkeit, nach vertieftem Studium der
Akten eine (weitere) Beschwerdeergänzung einzureichen, beantragt wird,
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Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass sich das Verfahren nach dem VwVG und dem VGG richtet, soweit
das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass die Beschwerdeführenden am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-
nommen haben, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt
sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise
Änderung haben und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert
sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass sich die Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensichtlich
unbegründet erweist, weshalb über diese in einzelrichterlicher Zuständig-
keit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweiten Richters
zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass vorab darauf hinzuweisen ist, dass die Kinder der Beschwerdeführen-
den erst fünf respektive zehn Jahre alt sind, weshalb das SEM darauf ver-
zichten konnte, sie persönlich zu befragen,
dass die Eltern anlässlich ihrer Dublin-Gespräche ausdrücklich nach Grün-
den gefragt wurden, welche gegen die Wegweisung ihrer Kinder sprechen
könnten (vgl. SEM-Akten [...]24/2 und 25/2),
dass eine Verletzung des rechtlichen Gehörs oder des Übereinkommens
über die Rechte des Kindes (Kinderrechtskonvention [KRK]; SR 0.107) –
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wie in der Beschwerdeergänzung geltend gemacht wird – in diesem Zu-
sammenhang nicht vorliegt,
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass diesbezüglich die Dublin-III-VO zur Anwendung kommt,
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass die Vorinstanz aufgrund des Eurodac-Treffers zu Recht die Zustän-
digkeit Italiens erkannte und die italienischen Behörden – gestützt auf
Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO – um Übernahme der Beschwerdeführenden
ersuchte,
dass die Beschwerdeführenden anlässlich ihrer Dublin-Gespräche aus-
führten, sie seien von der Türkei her kommend mit dem Schiff nach Italien
gereist, wo sie aufgrund der illegalen Einreise ihre Fingerabdrücke hätten
abgeben müssen (vgl. SEM-Akten [...]24/2 und 25/2),
dass die italienischen Behörden dem Übernahmeersuchen des SEM mit
Schreiben vom 9. November 2022 ausdrücklich zustimmten, wobei sie ga-
rantierten, dass eine angemessene Unterkunft zur Verfügung gestellt und
die Einheit der Familie gewahrt werde,
dass die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens somit gegeben ist,
dass an dieser Stelle darauf hinzuweisen ist, dass die Dublin-III-VO den
Schutzsuchenden nicht das Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden
Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3),
dass es keine Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-
nahmebedingungen für Antragsteller in Italien weise – trotz punktueller
Schwachstellen – systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2
Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf (vgl. Referenzurteile F-6330/2020 vom
18. Oktober 2021 E. 9.2 sowie E- 962/2019 vom 17. Dezember 2019
E. 6.3),
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dass Italien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR
0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR
0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtun-
gen nachkommt,
dass auch davon ausgegangen werden darf, dieser Staat anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom
26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (Aufnahmerichtlinie) ergeben,
dass an dieser Einschätzung auch die in der Beschwerdeergänzung ge-
äusserte Kritik am italienischen Aufnahmesystem nichts zu ändern vermag,
dass insbesondere keine Anhaltspunkte für die darin aufgestellte Vermu-
tung bestehen, dass die Beschwerdeführenden nach ihrer Rückkehr keine
Unterkunft vorfänden, möglicherweise obdachlos würden und auf die Un-
terstützung wohltätiger Einrichtungen angewiesen wären,
dass diesbezüglich auf das Antwortschreiben der italienischen Behörden
vom 9. November 2022 hinzuweisen ist, in welchem den Beschwerdefüh-
renden ausdrücklich eine dem Alter der Kinder angemessene Unterkunft
unter Wahrung der Einheit der Familie zugesichert wird, weshalb sie sich
nach der Ankunft in Italien umgehend beim "Ufficio di Polizia di Frontiera"
am Flughafen Fiumicino zu melden hätten (vgl. SEM-Akte [...]32/1),
dass die Beschwerdeführenden kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar-
getan haben, die italienischen Behörden würden sich weigern sie aufzu-
nehmen und ihren Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der
Regeln der erwähnten Richtlinien zu prüfen,
dass den Akten auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen sind,
Italien werde in ihrem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missach-
ten und sie zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben
oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist
oder in dem sie Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land
gezwungen zu werden,
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dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann,
einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-
ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in
dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO),
dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)
konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-
mung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür
gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre,
dass die Beschwerdeführenden in ihrer Beschwerdeeingabe vorbringen,
sie seien eineinhalb Jahre unterwegs gewesen und hätten psychische
Probleme; zudem seien in Italien viele Leute, es gebe dort kein gutes Le-
ben und ihre Familienangehörigen lebten in der Schweiz,
dass man sie in Italien habe umbringen wollen, da sie Hazara seien, und
sie dort – genauso wie in Afghanistan – nicht in Sicherheit gewesen seien,
dass die Beschwerdeführenden damit implizit die Anwendung von Art. 17
Abs. 1 Dublin-III-VO respektive Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 fordern,
dass das SEM zu Recht darauf hinwies, dass Italien ein Rechtsstaat sei,
weshalb sich die Beschwerdeführenden bei allfälligen Problemen, die sie
als Hazara mit Angehörigen von anderen ethnischen Gruppen erhalten
könnten, an die zuständigen italienischen Behörden zu wenden hätten,
dass die Beschwerdeführenden überdies nicht weiter konkretisieren, wer
sie in Italien habe umbringen wollen respektive weshalb sie dort nicht in
Sicherheit gewesen sein sollen,
dass auch das Vorbringen, ihre Familienangehörigen lebten in der
Schweiz, nichts an der Zuständigkeit Italiens für die Durchführung der Asyl-
verfahren zu ändern vermag,
dass die in der Beschwerde geltend gemachten gesundheitlichen respek-
tive psychischen Beschwerden weder genauer beschrieben noch durch
entsprechende ärztliche Berichte belegt sind,
dass in der Beschwerdeergänzung zudem vorgebracht wird, der ältere
Sohn der Beschwerdeführenden sei in psychologischer Behandlung und
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der nächste Termin beim Psychologen sei auf den 5. Dezember 2022 an-
gesetzt,
dass als Beweismittel hierfür eine Terminkarte der Mütter- und Väterbera-
tung des Kantons E._ vorgelegt wurde (vgl. Beilage 3 der Be-
schwerdeergänzung),
dass aus diesem Dokument nicht hervorgeht, dass sich der Sohn in psy-
chologischer Behandlung befindet oder dringend auf eine ärztliche Betreu-
ung angewiesen wäre,
dass der Beschwerdeführer bei seinem Dublin-Gespräch geltend machte,
er habe (...), welches ihm Schmerzen bereite; zudem habe er Probleme
mit der (...) und leide unter (...) (vgl. SEM-Akte [...]24/2),
dass die Beschwerdeführerin ihrerseits angab, sie sei psychisch ange-
schlagen wegen der möglichen Trennung von der Familie; weiter sei sie in
der Türkei schwanger gewesen, habe das Kind verloren und sei nicht gut
behandelt worden, weshalb sie noch immer an (...) leide (SEM-Akte
[...]25/2),
dass sie ferner Probleme mit den (...) habe, während ihre Kinder an (...)
litten und häufig erkältet seien (SEM-Akte [...]25/2),
dass in diesem Zusammenhang festzuhalten ist, dass eine zwangsweise
Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ganz
ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen kann,
dass dies gemäss der Praxis des EGMR insbesondere der Fall ist, wenn
eine schwer kranke Person durch die Abschiebung – mangels angemes-
sener medizinischer Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko
konfrontiert würde, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Ver-
schlechterung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu
intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwar-
tung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. De-
zember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.),
dass das Bundesverwaltungsgericht in seinem Referenzurteil E-962/2019
zwar strengere Kriterien für Dublin-Überstellungen von schwer erkrankten
Asylsuchenden, die sofort nach der Ankunft in Italien auf lückenlose medi-
zinische Versorgung angewiesen sind, beschlossen und das SEM ver-
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pflichtet hat, in diesen Fällen individuelle Zusicherungen betreffend die Ge-
währleistung der nötigen medizinischen Versorgung und Unterbringung bei
den italienischen Behörden einzuholen (vgl. Urteil E-962/2019 E. 7.4.3),
dass das Gericht jedoch im Referenzurteil D-4235/2021 vom 19. April 2022
zum Schluss kam, dass bei sogenannten Aufnahmeverfahren (engl. take
charge) keine solchen individuellen Garantien vor Anordnung der Überstel-
lung nach Italien mehr notwendig sind (vgl. a.a.O. E. 10.4.3.3 und 10.4.4.),
dass es sich vorliegend um ein solches Aufnahmeverfahren handelt und
die von den Beschwerdeführenden vorgebrachten – indessen nicht durch
ärztliche Berichte belegten – medizinischen Probleme nicht als schwerwie-
gende Erkrankungen eingestuft werden können,
dass das SEM ferner zutreffend festhielt, dass Italien über eine ausrei-
chende medizinische Infrastruktur verfüge (vgl. etwa Urteile des BVGer
F-1025/2022 vom 9. März 2022 E. 5.3.2; D-869/2022 vom 1. März 2022
S. 7 f.; je m.H.) und gestützt auf Art. 19. Abs. 1 der Aufnahmerichtlinie ver-
pflichtet sei, den Beschwerdeführenden die erforderliche medizinische Ver-
sorgung zu gewähren,
dass daran auch die Ausführungen in der Beschwerdeergänzung, wonach
eine angemessene Gesundheitsversorgung in Italien nicht gewährleistet
sei, nichts zu ändern vermögen,
dass keine genügenden Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Überstel-
lung nach Italien bei den Beschwerdeführenden eine schwerwiegende, ra-
sche und irreversible Verschlechterung ihres Gesundheitszustands hervor-
rufen könnte,
dass nicht aktenkundig ist, dass sich die Beschwerdeführenden während
ihres Aufenthalts in der Schweiz einer medizinischen Behandlung unterzo-
gen hätten, was Zweifel an der in der Beschwerdeergänzung behaupteten
– indessen nicht weiter belegten – Dringlichkeit einer ärztlichen Behand-
lung aufkommen lässt,
dass unter diesen Umständen keine Veranlassung bestand, weiterge-
hende Abklärungen hinsichtlich des Gesundheitszustands der Beschwer-
deführenden vorzunehmen,
dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen
zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine
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gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG)
durch die Vorinstanz zu entnehmen sind und insbesondere nicht – wie in
der Beschwerdeergänzung vorgebracht wird – von einer Ermessensunter-
schreitung ausgegangen werden kann,
dass das Bundesverwaltungsgericht sich unter diesen Umständen weiterer
Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält,
dass ferner keine Hinweise auf eine drohende Verletzung der KRK respek-
tive eine Beeinträchtigung des Kindeswohls bei einer Überstellung nach
Italien bestehen,
dass diesbezüglich in der Beschwerdeergänzung insbesondere auf die
psychischen Probleme des Sohnes verwiesen wird, welche noch nicht aus-
reichend abgeklärt seien,
dass hierzu erneut festzuhalten ist, dass aus der Terminkarte der Mütter-
und Väterberatung nicht hervorgeht, dass sich der Sohn in psychologischer
Behandlung befindet oder eine solche benötigen würde,
dass das SEM demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG
auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht eingetreten ist und –
weil die Beschwerdeführenden nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts-
oder Niederlassungsbewilligung sind – in Anwendung von Art. 44 AsylG die
Überstellung nach Italien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),
dass unter diesen Umständen allfällige Vollzugshindernisse gemäss
Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen sind, da das
Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nicht-
eintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE
2015/18 E. 5.2 m.w.H.),
dass der Sachverhalt als richtig und vollständig festgestellt zu erachten ist,
dass es den Beschwerdeführenden möglich war, sowohl persönlich eine
Beschwerde einzureichen als auch eine ausführliche Ergänzung derselben
mithilfe einer Rechtsvertretung vorzulegen, weshalb der Antrag auf Anset-
zung einer Frist für eine weitere Beschwerdeergänzung abzuweisen ist,
dass die italienischen Behörden zugesichert haben, die Beschwerdefüh-
renden nach einer Rückkehr adäquat unterzubringen, und die Einholung
von weitergehenden Garantien angesichts der geltend gemachten, aber
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nicht weiter belegten gesundheitlichen Probleme – welche nicht als
schwerwiegend erachtet werden können – im Lichte des bereits erwähnten
Referenzurteils D-4235/2021 nicht angezeigt erscheint,
dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen ist,
dass das Beschwerdeverfahren mit dem vorliegenden Urteil abgeschlos-
sen ist, weshalb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wir-
kung respektive superprovisorische Aussetzung des Wegweisungsvoll-
zugs als gegenstandslos erweist,
dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus
den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen wa-
ren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt
sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1‒
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) den
Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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