Decision ID: f2e15697-1aa8-5b90-a749-6aa88b346cc0
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführer suchten am 25. Januar 2016 in der Schweiz um Asyl
nach. Am 10. Februar 2016 fand die Befragung zur Person des Beschwer-
deführers und am 1. März 2016 diejenige der Beschwerdeführerin statt. Am
16. August 2017 fand die Anhörung des Beschwerdeführers und am
17. Oktober 2017 die Anhörung der Beschwerdeführerin statt.
B.
Mit Schreiben vom 4. April 2019 ersuchte das SEM die Schweizerische
Botschaft in Teheran um Abklärungen zu den eingereichten Gerichtsdoku-
menten. Zu dem Botschaftsbericht vom 27. April 2019 wurde den Be-
schwerdeführern mit Schreiben vom 22. Mai 2019 das rechtliche Gehör
gewährt.
C.
Mit Zwischenverfügung vom 4. Juni 2019 hiess das SEM ein Fristerstre-
ckungsgesuch gut und lehnte die Gesuche um Beiordnung eines amtlichen
Rechtsbeistands sowie um Akteneinsicht ab.
D.
Mit Schreiben vom 25. Juli 2019 nahmen die Beschwerdeführer Stellung
im Rahmen des ihnen gewährten rechtlichen Gehörs vom 22. Mai 2019
und ersuchten um Akteneinsicht in die eingereichten Gerichtsunterlagen
sowie um Fristerstreckung. Nach Gewährung der Akteneinsicht in die Ge-
richtsunterlagen und zweimaliger Fristerstreckung ergänzten die Be-
schwerdeführer ihre Stellungnahme vom 25. Juli 2019 mit Schreiben vom
30. September 2019.
E.
Mit Schreiben vom 17. Oktober 2019 ersuchte das SEM die Schweizeri-
sche Botschaft in Teheran um weitere Abklärungen. Zu dem Botschaftsbe-
richt vom 26. Oktober 2019 wurde den Beschwerdeführern am 26. Novem-
ber 2019 das rechtliche Gehör gewährt; die Stellungnahme erfolgte nach
zweimaliger Fristerstreckung am 28. Februar 2020.
F.
Mit Schreiben vom 2. April 2020 gewährte das SEM den Beschwerdefüh-
rern Akteneinsicht.
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Seite 3
G.
Mit Verfügung vom 14. April 2020 (zugestellt am 15. April 2020) stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführer erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte die Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, be-
auftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung und
zog die als gefälscht erkannten Dokumente ein.
H.
Mit Eingabe vom 15. Mai 2020 reichten die Beschwerdeführer unter Bei-
lage dreier Schnellrecherchen sowie zweier Auskünfte der Schweizeri-
schen Flüchtlingshilfe SFH (Iran: Zugang zu verfahrensrelevanten Akten
vom 25. März 2019, Iran: Risiken im Zusammenhang mit der Veröffentli-
chung von «kritischen» Informationen in sozialen Netzwerken vom 25. April
2019, Iran: Gefährdung politisch aktiver kurdischer Personen vom 27. Sep-
tember 2018, Iran: Behandlung von abgewiesenen Asylsuchenden vom
18. August 2011 und Iran: Illegale Ausreise/Situation von Mitgliedern der
PDKI/Politische Aktivitäten im Exil vom 16. November 2010) und eines
Schreibens inklusive Übersetzung beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde ein und beantragten, es sei die Verfügung vom 14. April 2020
vollumfänglich aufzuheben, sie seien als Flüchtlinge anzuerkennen und es
sei ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben
und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventuali-
ter sei die Verfügung aufzuheben und sie seien vorläufig aufzunehmen. In
prozessualer Hinsicht sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und
insbesondere der unterzeichnende Anwalt als amtlicher Rechtsbeistand
beizuordnen.
I.
Mit Instruktionsverfügung vom 22. Mai 2020 bestätigte der Instruktionsrich-
ter den Eingang der Beschwerde und stellte fest, die Beschwerdeführer
könnten den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwar-
ten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
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1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden
Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG
ins AIG übernommen worden.
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG, Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-
führer sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
3.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten
Richterin oder eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weite-
rungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1
und 2 AsylG).
4.
Die Beschwerdeführer machen formelle Rügen geltend, die vorab zu prü-
fen sind, da sie zu einer Kassation der angefochtenen Verfügung führen
können.
5.
5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass
eines Entscheides dar, der in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift.
Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass ei-
nes solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise bei-
zubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträ-
gen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entwe-
der mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch
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Seite 5
auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse,
die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren
Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1,
BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.).
Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form- und fristgerechten
Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit-
frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so ab-
gefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachge-
recht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen nen-
nen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren
Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor-
bringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
Aus dem Akteneinsichtsrecht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs folgt,
dass grundsätzlich sämtliche beweiserheblichen Akten den Beteiligten of-
fenzulegen sind, sofern in der sie unmittelbar betreffenden Verfügung da-
rauf abgestellt wird (BGE 132 V 387 E. 3.1 f.). Die Wahrnehmung des Ak-
teneinsichts- und Beweisführungsrechts durch die von einer Verfügung be-
troffene Person setzt die Einhaltung der Aktenführungspflicht der Verwal-
tung voraus, gemäss welcher die Behörden alles in den Akten festzuhalten
haben, was zur Sache gehört und für den Entscheid wesentlich sein kann
(BGE 130 II 473 E. 4.1 m.w.H.). Der Anspruch auf Akteneinsicht setzt eine
geordnete, übersichtliche und vollständige Aktenführung (Ablage, Paginie-
rung und Registrierung der vollständigen Akten im Aktenverzeichnis)
voraus (vgl. BVGE 2012/24 E. 3.2, 2011/37 E. 5.4.1).
5.2 Was die Akteneinsicht anbelangt, war der Rechtsvertreter nach der Ant-
wort der Vorinstanz auf sein Akteneinsichtsgesuch vom 28. Februar 2020
offensichtlich nicht der Ansicht, die Akten seien unvollständig zugestellt
worden, ansonsten er umgehend hätte remonstrieren müssen, was nicht
geschehen ist (Urteil BVGer E-1670/2014 vom 14. April 2014 E. 5.4). Ver-
letzungen des Akteneinsichtsrechts oder der Aktenführungspflicht sind den
Akten auch keine zu entnehmen. Die Beschwerdeführer monieren insbe-
sondere, dass nicht überprüft werden könne, wer die Botschaftsabklärun-
gen und Äusserungen tatsächlich getätigt habe. Die Vorinstanz beruft sich
hierbei zu Recht auf Geheimhaltungsinteressen in Bezug auf die Identität
in- und ausländischer Informanten und Kontaktpersonen sowie betreffend
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35 http://links.weblaw.ch/BVGE-2012/24
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Seite 6
Angaben über Art und Methoden der Informationsbeschaffung durch die
Schweizerische Botschaft. Diese Geheimhaltungsinteressen sind gemäss
Rechtsprechung gewichtig und geeignet, den Grundsatz des Rechtes auf
Akteneinsicht einzuschränken (Art. 27 Abs. 1 Bst. a und b VwVG; vgl. Ent-
scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1994 Nr. 1 E. 4c). Ferner ergibt sich der wesentliche Inhalt der
Botschaftsabklärung ohne Weiteres aus der anonymisierten Version dieser
Dokumente (SEM-Akte A56/5 und A38/7). Ein Anspruch auf Offenlegung
der anonymisierten Passagen – vorliegend drei kurze Abschnitte lediglich
im ersten Abklärungstext – besteht somit nicht. Der wesentliche Inhalt der
Botschaftsabklärung wurde den Beschwerdeführern ferner bereits im Rah-
men des rechtlichen Gehörs zur Kenntnis gebracht und sie haben dazu
Stellung nehmen können; das rechtliche Gehör wurde korrekt gewährt. Die
Behauptung auf Beschwerdeebene, die Botschaftsabklärungen seien via
E-Mail durchgeführt worden, trifft nicht zu. Die Botschaftsabklärungen sind
weder in formeller noch in materieller Hinsicht zu beanstanden. Es sind
mithin keine Gründe ersichtlich, weshalb sich die Vorinstanz nicht auch auf
die entsprechenden Ergebnisse hätte stützen können. Schliesslich ist die
Verfügung der Vorinstanz ausreichend begründet, zumal sie sich nicht mit
jedem einzelnen Vorbringen auseinandersetzen muss. Dass eine sachge-
rechte Anfechtung möglich war, zeigt die Beschwerde selbst. Der Begrün-
dungspflicht ist mithin ebenfalls Genüge getan.
6.
6.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel (Ur-
kunden, Auskünfte der Parteien, Auskünfte oder Zeugnis von Drittperso-
nen, Augenschein und Gutachten von Sachverständigen). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind. Die Sachverhaltsfeststellung ist demgegenüber unvollständig,
wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände be-
rücksichtigt werden (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 630). Der Amts-
grundsatz zur Feststellung des Sachverhalts findet seine Grenze an der
Mitwirkungspflicht der Partei (Art. 8 AsylG).
6.2 Die Rügen zur rechtsfehlerhaften Sachverhaltsfeststellung gehen fehl.
Zusätzliche Abklärungen würden weder zu neuen sachdienlichen Erkennt-
nissen führen noch wären sie im vorinstanzlichen Verfahren entscheider-
heblich gewesen. Vor dem Hintergrund der vorgelegten Fälschungen und
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der unglaubhaften Fluchtgeschichte der Beschwerdeführer (hierzu E. 8)
war die Vorinstanz nicht gehalten, weitere Abklärungen über andere Fami-
lienmitglieder – die lediglich die vorgetragenen Geschehnisse beziehungs-
weise Suchaktionen bestätigen sollten – zu tätigen, zumal sie keine Re-
flexverfolgung geltend machten. Der Beweisantrag, es seien amtliche Aus-
künfte bei den Geschwistern vor Ort einzuholen und es seien diese für die
Gründe, die zur Flucht der Beschwerdeführer geführt hätten, als Zeugen
zu befragen, ist aus demselben Grund in antizipierter Beweiswürdigung
abzuweisen. Schliesslich können die Beschwerdeführer, die vor Ergehen
der angefochtenen Verfügung keine formelle Rechtsverzögerungsbe-
schwerde eingereicht haben, aus der Dauer des Verfahrens ebenfalls
nichts zu ihren Gunsten ableiten. Wie im Folgenden zu zeigen sein wird,
sind auch die Beweiswürdigung und die Rechtsanwendung der Vorinstanz
nicht zu beanstanden.
7.
7.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (vgl. Art. 3 AsylG).
7.2 Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewählt, wenn sie erst
durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ih-
res Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG
wurden (subjektive Nachfluchtgründe).
7.3 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachweisen oder zumindest glaubhaft
machen, wer um Asyl nachsucht (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Glaubhaft gemacht
ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind ins-
besondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet
oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder
massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt wer-
den (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die An-
forderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in einem publizierten
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Seite 8
Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier ver-
wiesen werden (BVGE 2015/3 E. 6.5.1, m.w.H.).
8.
8.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist in Übereinstimmung mit
der Vorinstanz festzustellen, dass die Vorbringen der Beschwerdeführer
weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG noch denjenigen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG
standzuhalten vermögen, weshalb vorab auf die zutreffenden Erwägungen
der Vorinstanz zu verweisen ist, die insbesondere zum Schluss kam, die
Asylvorbringen der Beschwerdeführer seien unglaubhaft, weil sie sich auf
gefälschte Dokumente stützen würden. So sind insbesondere Vorbringen
unglaubhaft, die massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel
abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3 AsylG). Die ins Recht gelegten Gerichts-
urkunden weisen mehrere Fälschungsmerkmale auf. Vor diesem Hinter-
grund hat die Vorinstanz – nach vertieften Abklärungen der Schweizeri-
schen Vertretung vor Ort – zutreffend festgestellt, dass es sich hierbei um
Fälschungen handelt. Was die Beschwerdeführer hiergegen im Rahmen
des rechtlichen Gehörs oder auf Beschwerdeebene vorgebracht haben,
vermag nicht zu überzeugen beziehungsweise die umfangreichen Abklä-
rungen der Schweizerischen Vertretung nicht in Frage zu stellen. Indem die
Beschwerdeführer ihre Vorbringen massgeblich auf gefälschte Gerichtsur-
kunden abgestützt haben, ist ihren Asylgründen der Boden entzogen.
Hinzu kommt, dass sich die Vorbringen mehrheitlich auf Informationen von
Freunden und der Familie stützen (behördliche Suchaktionen). Vorbringen,
die sich jedoch lediglich auf Informationen Dritter stützen, sind nicht nur
stereotyp, mithin unglaubhaft, sondern genügen auch nicht den Anforde-
rungen an eine Verfolgung im asylrechtlichen Sinne (vgl. Urteile des BVGer
E-801/2015 vom 6. Oktober 2017 E. 3.7, E-4329/2006 vom 17. Oktober
2011 E. 4.4, «Le Tribunal rappelle également que, de pratique constante,
il considère que le fait d'avoir appris un événement par des tiers ne suffit
pas pour établir l'existence d'une crainte fondée de future persécution»,
vgl. auch D-6056/2016 vom 19. Januar 2018 E. 5.2). Schliesslich trifft zwar
zu, dass die Ausführungen der Beschwerdeführer wortreich ausgefallen
sind. Die protokollierten Vorbringen hinterlassen dennoch einen stereoty-
pen Eindruck und zentrale Handlungen (namentlich: Aufbewahrung und
Weitergabe heikler Flugblätter im öffentlich zugänglichen Salon des Be-
schwerdeführers; für Dritte sichtbare Übergabe von Alkohol; kein Detailwis-
sen über den Inhalt der Flugblätter usw.) entbehren jeglicher Logik; ihnen
ist auch aus diesem Grund die Glaubhaftigkeit abzusprechen. Das auf Be-
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schwerdeebene eingereichte, undatierte Schreiben von Familienmitglie-
dern des Beschwerdeführers (Mutter, Schwester, Brüder), mit dem belegt
werden soll, dass die Familie des Beschwerdeführers seit der Flucht der
Beschwerdeführer im Visier der regimetreuen Institutionen im Iran stehen
sollen, ist als Gefälligkeitsschreiben mit geringem Beweiswert einzustufen.
Es ist nicht geeignet, die unglaubhaften Fluchtvorbringen in ein glaubhaftes
Licht zu rücken beziehungsweise die Fälschungen nachvollziehbar zu er-
klären.
Was die exilpolitische Tätigkeit des Beschwerdeführers anbelangt, ist der
Vorinstanz ebenfalls darin beizupflichten, dass diese nicht auf eine Gefähr-
dung des Beschwerdeführers schliessen lassen, geht das Bundesverwal-
tungsgericht doch davon aus, dass die iranischen Sicherheitsbehörden
durchaus in der Lage sind, zwischen politisch engagierten iranischen
Staatsangehörigen, die das Regime zu gefährden vermöchten, und exilpo-
litisch engagierten Personen, die es geradezu darauf anlegen, sich durch
ihre Aktionen bekannt zu machen, zu unterscheiden (vgl. BVGE 2009/28
E. 7.4.3 und das Referenzurteil des BVGer D-830/2016 vom 20. Juli 2016).
Das dargelegte Engagement des Beschwerdeführers (auch im Internet)
geht nicht über die massentypischen und niedrigprofilierten Erscheinungs-
formen exilpolitischer Proteste gegen das iranische Regime hinaus und er
übt auch keine weiteren Aktivitäten aus, die ihn als ernsthaften und poten-
ziell gefährlichen Regimegegner erscheinen lassen könnten. Auf Be-
schwerdeebene wird dem nichts entgegengestellt.
8.2 Angesichts der aufgezeigten Sachlage erübrigt es sich auf weitere Aus-
führungen in der Beschwerde mit Verweisen auf die Rechtsprechung oder
auf die Berichte der Schweizerischen Flüchtlingshilfe einzugehen, da diese
nicht geeignet sind, zu einer anderen rechtlichen Würdigung der Aktenlage
zu führen. Auch können die Beschwerdeführer weder aus einer allfällig il-
legalen Ausreise noch aus einer längeren Landesabwesenheit etwas zu
ihren Gunsten ableiten. Es ist somit festzustellen, dass es den Beschwer-
deführern nicht gelungen ist, einen glaubhaften beziehungsweise flücht-
lingsrechtlich bedeutsamen Sachverhalt darzulegen. Die Feststellung der
Vorinstanz, die Beschwerdeführer erfüllten die Flüchtlingseigenschaft
nicht, ist dementsprechend zu bestätigen. Die Vorinstanz hat die Asylge-
suche zu Recht abgelehnt.
9.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Staatssekretariat in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf
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Seite 10
nicht eintritt. Die Beschwerdeführer verfügen weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen (BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung wurde zu
Recht angeordnet.
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegwei-
sungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsge-
richts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingsei-
genschaft; das heisst, sie sind wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.
BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen. Da die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht
erfüllt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33
Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zu-
lässigkeit des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen ver-
fassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3
des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe
[FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
Weder aus den Akten noch aus der Beschwerde ergeben sich Anhalts-
punkte dafür, dass die Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaffung
in den Iran dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK
oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Die
entsprechenden und nicht weiter vertieften Beschwerdeausführungen ge-
hen ins Leere. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig.
10.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
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Seite 11
Die allgemeine Lage im Heimatstaat der Beschwerdeführer ist nicht von
einer landesweiten Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allgemeiner Ge-
walt geprägt. Auch in individueller Hinsicht sind keine Gründe ersichtlich,
die eine Wegweisung als unzumutbar erscheinen liessen. Die gebildeten
Beschwerdeführer verfügen über Berufserfahrung sowie über ein intaktes
familiäres Beziehungsnetz vor Ort, auf dessen Hilfe sie bei Bedarf zurück-
greifen können. Auf Beschwerdeebene wird dem nichts Stichhaltiges ent-
gegengestellt. Die Schwerhörigkeit der Beschwerdeführerin, die mit ihrer
Familie reisen wird und die sich insbesondere auf die Hilfe ihres Eheman-
nes stützen kann, ist nicht geeignet, an der Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs etwas zu ändern. Im Übrigen soll sie hierunter bereits seit
jungen Jahren leiden; trotzdem konnte sie sich im Alltagsleben offensicht-
lich behaupten (z. B. SEM-Akten A4 Ziff. 8.02, A5 Ziff. Bst. h oder Ziff. 1.17
Schule und Arbeit). Schliesslich steht die Corona-Pandemie dem Wegwei-
sungsvollzug ebenfalls nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen
Aufnahme setzt voraus, dass ein Vollzugshindernis nicht nur
vorübergehender Natur ist, sondern voraussichtlich eine gewisse Dauer –
in der Regel mindestens zwölf Monate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der
Fall, so ist dem temporären Hindernis bei den Vollzugsmodalitäten Rech-
nung zu tragen (vgl. bereits EMARK 1995 Nr. 14 E. 8d f.). Bei der Corona-
Pandemie handelt es sich – wenn überhaupt – um ein bloss temporäres
Vollzugshindernis, welchem somit im Rahmen der Vollzugsmodalitäten
durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der
Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatland angepasst wird. Der
Vollzug der Wegweisung ist zumutbar.
10.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeich-
nen, weil es den Beschwerdeführern obliegt, sich die für eine Rückkehr
notwendigen Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung des Heimat-
staats zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu BVGE 2008/34 E. 12).
Der Vollzug der Wegweisung ist möglich.
10.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
Der Subeventualantrag ist abzuweisen.
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
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Seite 12
(Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. Nach dem Gesagten be-
steht auch kein Anlass zur Rückweisung der Sache an die Vorinstanz, der
Eventualantrag ist ebenfalls abzuweisen.
12.
12.1 Die Beschwerdeführer beantragen die Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehen-
den Erwägungen ergibt sich indessen, dass ihre Begehren als aussichtslos
zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzun-
gen nicht gegeben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist. Aus dem-
selben Grund kann auch dem Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbei-
ständung nicht stattgegeben werden (aArt. 110a Abs. 1 AsylG).
12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2)
den Beschwerdeführern aufzuerlegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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