Decision ID: f4b46053-5853-54e6-a34d-b69e93ec369d
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein türkischer Staatsangehöriger und (...) Kurde,
stellte erstmals am 14. Juni 2018 in der Schweiz ein Asylgesuch. Mit Ver-
fügung vom 6. Februar 2020 lehnte das SEM das Gesuch ab und ordnete
die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Die Verfügung
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.
Mit schriftlicher Eingabe (als «neues Asylgesuch» bezeichnet) suchte der
Beschwerdeführer am 27. April 2020 erneut beim SEM um Asyl nach.
Seiner Eingabe legte er eine Kopie einer in die Türkei gesendeten Anwalts-
vollmacht (in türkischer Sprache) bei.
C.
Das SEM nahm das Gesuch als Mehrfachgesuch gemäss Art. 111c AsylG
entgegen. Mit Verfügung vom 18. Juni 2020 – eröffnet am 23. Juni 2020 –
trat es auf das Gesuch nicht ein, da die Vorbringen im neuen Asylgesuch
den Anforderungen an eine gehörige Begründung im Sinn von Art. 111c
AsylG in Verbindung mit Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht genügen würden. Das
SEM ordnete die Wegweisung an und hielt fest, der Vollzug der Wegwei-
sung gelte weiterhin als zulässig, zumutbar und möglich.
D.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Laieneingabe
vom 29. Juni 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Darin be-
antragte er die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung
der Flüchtlingseigenschaft und Asylgewährung, eventualiter die Feststel-
lung der Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme sowie subeventualiter die
Rückweisung der Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung
und zur neuen Entscheidfindung an die Vorinstanz.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der aufschie-
benden Wirkung der Beschwerde und um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung (unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses). Zudem sei ihm Gelegenheit einzuräumen, sich zu allfälligen Stellung-
nahmen des SEM zu äussern.
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E.
Am 30. Juni 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang
der Beschwerde.
F.
Auf den Inhalt des Asylgesuchs, der vorinstanzlichen Verfügung und der
Beschwerdeschrift wird – soweit für den Entscheid wesentlich – in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge-
gen Verfügungen, die gestützt auf das AsylG durch das SEM erlassen wor-
den sind, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich (mit
Ausnahme von Verfahren betreffend Personen, gegen die ein Ausliefe-
rungsersuchen des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz suchen) end-
gültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen-
dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich
Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausländerrechts richtet sich
die Kognition des Gerichts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5).
2.
Der Beschwerdeführer ist legitimiert; auf seine frist- und formgerecht ein-
gereichte Beschwerde ist – mit nachfolgend erwähnten Einschränkungen –
einzutreten (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48
Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
3.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet über offensichtlich unbe-
gründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung
einer zweiten Richterin beziehungsweise eines zweiten Richters (Art. 111
Bst. e AsylG). Wie nachfolgend aufgezeigt wird, handelt es sich vorliegend
um eine solche Beschwerde, weshalb das Urteil nur summarisch zu be-
gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
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3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Der vorliegenden Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende
Wirkung zu (vgl. Art. 42 AsylG und Art. 55 VwVG) und die Vorinstanz hat
diese auch nicht entzogen. Auf den Antrag um Gewährung der aufschie-
benden Wirkung ist daher nicht einzutreten. Da auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet wird, ist auch auf den Antrag des Beschwer-
deführers, vom Replikrecht Gebrauch machen zu dürfen, nicht einzutreten
(vgl. Bst. F).
5.
5.1 Das SEM hat mit Verfügung vom 6. Februar 2020 über das erste Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers rechtskräftig (da unangefochten) entschie-
den. Das mit Eingabe an das SEM vom 27. April 2020 gestellte zweite Asyl-
gesuch wurde somit offensichtlich innerhalb der Fünfjahresfrist von
Art. 111c AsylG eingereicht. Des Weiteren ist festzustellen, dass das SEM
die Eingabe vom 27. April 2020 korrekterweise als Mehrfachgesuch im
Sinne von Art. 111c Abs. 1 AsylG behandelte. In dieser Konstellation ist –
wie vorinstanzlich zutreffend festgehalten – eine Anhörung gemäss Art. 29
AsylG grundsätzlich nicht vorgesehen, selbst wenn die gesuchstellende
Person vor Antragstellung in ihr Heimatland zurückgekehrt wäre (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.3).
5.2 Die Beschwerdeinstanz enthält sich – falls sie den Nichteintretensent-
scheid als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen materiellen Prü-
fung; sie hebt die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1
m.w.H.). Nachdem die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Voll-
zugs materiell geprüft hat, kommt dem Bundesverwaltungsgericht diesbe-
züglich volle Kognition zu.
6.
Prüfungsgegenstand ist im vorliegenden Verfahren einzig die Frage, ob die
Vorinstanz gestützt auf Art.111c Abs. 1 Satz 1 AsylG zu Recht auf das neue
Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist. Soweit mit der
Beschwerde die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewäh-
rung des Asyls beantragt werden, ist darauf nicht einzutreten.
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6.1 Soweit der Beschwerdeführer eine unvollständige und falsche Feststel-
lung des Sachverhalts rügt (Beschwerdeschrift S. 6), vermengt er die Frage
der Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts mit der Frage der
rechtlichen Würdigung der Sache. Alleine darin, dass das SEM aus sachli-
chen Gründen zu einer anderen Würdigung der Gesuchvorbringen gelangt,
als vom Beschwerdeführer verlangt, liegt keine Verletzung der Untersu-
chungspflicht beziehungsweise keine ungenügende oder falsche Sachver-
haltsfeststellung.
6.2 Asylgesuche, die innert fünf Jahren nach Eintritt der Rechtskraft des
Asyl- und Wegweisungsentscheides eingereicht werden, haben gemäss
Art. 111c Abs. 1 AsylG schriftlich und begründet zu erfolgen. Ausreichend
begründet ist ein Gesuch, wenn die Behörde in der Lage ist, über das Ge-
such zu entscheiden, auch ohne dass sie die gesuchstellende Person vor-
her anhört. Die Beschleunigung darf jedoch nicht auf Kosten der Rechts-
staatlichkeit der Verfahren geschehen. So ist auch dem Umstand Rech-
nung zu tragen, dass während der gesetzlich vorgesehenen Zeitspanne
von fünf Jahren seit Abschluss des ordentlichen früheren Asylverfahrens
auch die erneuten Asylgesuche jener Personen nach den Regeln von
Art. 111c AsylG zu behandeln sind, die zwischenzeitlich in ihren Heimat-
staat – mithin in den potentiellen und behaupteten Verfolgerstaat – zurück-
gekehrt sind. In diesen Fällen könnten tatsächlich neue beachtliche
Gründe für eine Verfolgung geltend gemacht werden, welche von den Ge-
suchstellenden in einer schriftlichen (Laien-)Eingabe nicht ausführlich ge-
nug dargelegt werden können. In Ermangelung einer Regelung im Asylge-
setz sind daher bei ungenügender Einhaltung der Formvorschriften die Re-
geln nach Art. 52 VwVG zu beachten. Die analoge Anwendung der Vor-
schriften hinsichtlich Beschwerdeverbesserung und -ergänzung in den Ver-
fahren betreffend Mehrfachgesuche ist auch mit Rücksicht auf die hoch-
rangigen Rechtsgüter geboten, welche Gegenstand des Asylverfahrens
sind (vgl. die Botschaft zur Änderung des Asylgesetzes vom 26. Mai 2010,
BBl 2010 4455, 4473; BVGE 2014/39 E. 5.3 ff.).
6.3 Kommt eine asylsuchende Person im Rahmen eines Mehrfachgesuchs
ihrer Begründungspflicht offensichtlich nicht nach, hat die Behörde auch in
Verfahren, in denen nicht ohnehin schon die speziellen Voraussetzungen
der Art. 31a Abs. 1–3 AsylG vorliegen, die Möglichkeit, auf das Gesuch
gestützt auf Art. 111c Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht einzu-
treten (BVGE 2014/39 E. 7.1 S. 699).
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6.4 Zur Begründung des ersten Asylgesuchs machte der Beschwerdefüh-
rer im Wesentlichen geltend, er habe am (...) Mai 2015 an einer Gedenk-
feier für lbrahim Kaypakkaya in B._ ein Poster von Kaypakkaya ge-
tragen und Slogans gerufen. Die Polizei habe die Versammlung auflösen
wollen und es sei zu Ausschreitungen und vielen Verhaftungen gekommen,
ihm sei indessen die Flucht gelungen. Am 2. Mai 2018 sei eine «Terrorope-
ration» durchgeführt worden, bei der er gesucht worden sei, da er beschul-
digt werde, Terrorpropaganda und –unterstützung betrieben zu haben. Es
sei aus diesem Grund in seinem Falle eine Akte eröffnet worden. Im De-
zember 2015 habe er zudem einen Mann bei einer Auseinandersetzung
mit einem Messer verletzt, weshalb er zu vier Jahren und zwei Monaten
Gefängnis verurteilt worden sei. Das Verfahren sei beim Kassationshof
hängig. Des Weiteren sei er dem Militärdienstaufgebot im Jahre 2016 oder
2017 nicht gefolgt. Da er befürchtet habe, verhaftet und ins Gefängnis ge-
bracht beziehungsweise getötet zu werden, sei er kurz nach der Terrorope-
ration ausgereist.
6.5 Die Vorinstanz hielt in der Verfügung zum ersten Asylgesuch fest,
gemäss Abklärungen in der Türkei seien gegen den Beschwerdeführer
zwei Verfahren eröffnet worden. lm ersten Verfahren ([...] Gericht für
schwere Straftaten in C._) sei er mit Urteilsnummer (...) wegen
«vorsätzlicher Verletzung durch ein Messer» zu einer Gefängnisstrafe von
(...) Jahren und (...) Monaten verurteilt worden. Das Urteil sei rechtskräftig.
Ein weiteres Verfahren wegen «körperlicher Verletzung» sei am (...)
Landesstrafgericht in C._ unter der Grundsatznummer (...) eröffnet
worden und diesbezüglich sei am (...) Januar 2018 ein Festnahme-
beschluss eingetragen worden. Zudem sei eine weitere Ermittlung wegen
Verdachts auf «Betrug mittels Bank- und lnformatiksystemen» unter der
Nummer (...) hängig. Am (...) Juni 2017 sei diesbezüglich ein
Festnahmebeschluss erstellt worden. Die Existenz einer Akte wegen
Terrorunterstützung und -propaganda habe derweil nicht festgestellt
werden können. Somit würden sich die Vorbringen in Zusammenhang mit
der angeblichen Akte wegen Terrorunterstützung und Terrorpropaganda,
mit der der Beschwerdeführer seine Ausreise aus der Türkei hauptsächlich
begründet habe, als tatsachenwidrig erweisen.
Im Übrigen seien die Angaben anlässlich der Anhörung widersprüchlich,
unsubstanziiert und undifferenziert ausgefallen, weshalb sie den
Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht
standhielten.
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Bezüglich der beiden Strafverfahren wegen Körperverletzung, der
hängigen Ermittlung aufgrund des Verdachts auf Betrug mittels Bank- und
lnformatiksystemen sowie des Aufgebots zum Militärdienst sei folgendes
anzumerken: Die Ahndung von Straftaten wie Körperverletzung und die
Ermittlung im Verdachtsfall von Betrug mittels Bank- und lnformatik-
systemen seien als rechtstaatlich legitim einzustufen. Somit könne aus den
daraus resultierenden Strafverfahren keine Asylrelevanz im Sinne von
Art. 3 AsylG abgeleitet werden. Dasselbe gelte für allfällige Nachteile in
Zusammenhang mit der geltend gemachten Wehrdienstverweigerung
beziehungsweise der Furcht, künftig solchen ausgesetzt zu sein.
6.6 Im Rahmen des zweiten Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer
geltend, es seien aktuell zwei Strafverfahren (eines im Bezirk D._,
Provinz C._ mit Aktenzeichen [...] und eines in der Provinz
E._ mit Aktenzeichen [...]) gegen ihn hängig. Es werde ihm
«Unterstützung einer terroristischen Organisation» sowie «Beleidigung des
Staatspräsidenten Erdogan» unterstellt. Über das Dossier sei er via seine
Eltern informiert worden. Am 13. April 2020 hätten die Antiterroreinheiten
in deren Wohnung eine Razzia durchgeführt. Die Polizei habe ihn wegen
Terrorpropaganda gesucht, dabei die Wohnung verwüstet und seine Eltern
bedroht. Er habe deswegen am 22. April 2020 einem Anwalt in der Türkei
eine Vollmacht zukommen lassen. Nach Erhalt werde dieser das Dossier
abholen und dem Beschwerdeführer schicken. Von seinem Anwalt sei ihm
auch am 15. April 2020 bestätigt worden, dass er tatsächlich wegen
Terrorpropaganda gesucht werde. Dafür könne er zu einer Strafe von 1 bis
5 Jahren Gefängnis verurteilt werden.
Die neuen Beweismittel würden verdeutlichen, dass er in seinem Heimat-
land ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sei, weshalb er die Flüchtlingsei-
genschaft erfülle und Anspruch auf Asyl habe. Eventualiter würde eine
Wegweisung gegen das Refoulement-Verbot von Art. 3 EMRK verstossen.
In jedem Fall drohe ihm im Falle einer Rückkehr in sein Heimatland eine
ernsthafte und aktuelle Gefährdung von Leib und Leben. Daher sei festzu-
stellen, dass der Wegweisungsvollzug unzumutbar und unzulässig sei.
Gleichzeitig stellte der Beschwerdeführer die Einreichung von Beweismit-
teln in Aussicht.
6.7 Das SEM hielt in der angefochtenen Verfügung vom 18. Juni 2020 fest,
der Beschwerdeführer habe bereits im ersten Asylverfahren geltend
gemacht, dass in seinem Fall eine Akte wegen Terrorunterstützung und
Terrorpropaganda eröffnet worden sei. Wie schon mit Entscheid vom
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6. Februar 2020 dargelegt worden sei, hätten seine diesbezüglichen
Ausführungen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7
AsylG nicht zu genügen vermocht. Ferner habe eine Anfrage des SEM bei
der Schweizerischen Vertretung in Ankara ergeben, dass in seinem Fall
keine Akte wegen Terrorunterstützung oder Terrorpropaganda vorliege. Vor
diesem Hintergrund sei nicht ersichtlich, weshalb neu zwei diesbezügliche
Verfahren gegen ihn hängig sein sollten. Das gehe auch aus seinem
Gesuch vom 27. April 2020 nicht hervor. Schliesslich sei die Verfügung vom
6. Februar 2020 auch unangefochten geblieben, obwohl ihm dazu die
Möglichkeit offen gestanden hätte.
Im Zusammenhang mit dem erneuten Asylgesuch seien bis dato keine Be-
weismittel eingereicht worden, die seine Vorbringen bestätigen könnten.
Insbesondere lägen dem SEM die erwähnten Akten betreffend Gerichts-
verfahren nicht vor. Da diese bis zum heutigen Datum noch ausstünden,
sei auch nicht damit zu rechnen, diese würden innert nützlicher Frist ein-
gereicht. Zudem sei aufgrund der bisherigen Verfahrensgeschichte und in
antizipierender Beweiswürdigung nicht davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer Beweismittel beibringen könne, die eine Änderung des
Standpunktes rechtfertigen könnten. Dies insbesondere auch weil er an-
lässlich seines ersten Asylgesuchs bereits tatsachenwidrig geltend ge-
macht habe, es bestünde eine Akte wegen Terrorunterstützung und Terror-
propaganda. Somit könne auf das Abwarten weiterer Beweismittel verzich-
tet werden.
Vor dem Hintergrund des Gesagten erweise sich sein erneutes Asylgesuch
als zu wenig begründet, um den gesetzlichen Bestimmungen in Zusam-
menhang mit Nachfolgeverfahren zu genügen. Im Übrigen sei nicht erfor-
derlich, ihn zu einer Anhörung zu den Asylgründen vorzuladen, zumal Ver-
fahren nach Art. 111b und Art. 111c AsylG grundsätzlich schriftlich geführt
würden. Eine Anhörung erweise sich vorliegend auch gestützt auf Art. 12
VwVG nicht als angezeigt, weshalb auf das Mehrfachgesuch nicht einzu-
treten sei (Art. 111c AsylG i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG).
Bezüglich Wegweisung schloss die Vorinstanz, eine solche sei zulässig, da
aufgrund der fehlenden Flüchtlingseigenschaft der Grundsatz der Nicht-
rückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht angewandt werde und sich
ferner aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür ergäben, dass ihm im Falle
einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Da der
aus C._ stammende Beschwerdeführer jung und gesund sei, über
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eine schulische Ausbildung, Berufserfahrung sowie ein soziales Bezie-
hungsnetz verfüge und überdies auf Verwandte zurückgreifen könne, die
ihn bis zu seiner Ausreise unterstützt hätten und dies nach seiner Rückkehr
wieder tun könnten, erweise sich ein Wegweisungsvollzug auch als zumut-
bar.
6.8 In der Beschwerdeschrift werden vorab die Ausführungen im Mehrfach-
gesuch zu den angeblichen Strafverfahren wiederholt. Aufgrund des
Corona-Virus seien die Behörden in der Türkei nicht aktiv gewesen, wes-
halb er auch keine Beweismittel habe einreichen können. Des Weiteren sei
ihm unklar, welche Art Abklärungen von der Vorinstanz während der
Corona-Zeit durchgeführt worden seien, zumal sinngemäss die existieren-
den Akten nicht hätten ausfindig machen können. Es sei indessen gewiss,
dass er von der Polizei aus politischen Gründen gesucht werde. Gemäss
der Auskunft seines Anwalts handle es sich bei den betreffenden Strafver-
fahren um solche, die mehrere Personen beträfen. Die betreffenden Akten-
zeichen würden dann geändert werden müssen, wenn je separate Verfah-
ren eröffnet und die Ermittlungen einzeln geführt würden. Die Ermittlungen
würden von Staatsanwalt F._ unter dem Aktenzeichen (...) geführt.
Im Moment sei es dem Beschwerdeführer nicht möglich, die Änderungen
der Verfahrensnummern zu nennen. Seinem Anwalt sei indes letzte Woche
von der Staatsanwaltschaft C._ ein Protokoll einer ihn betreffenden
Strafanzeige ausgehändigt worden. Infolge Zeitnot betreffend Beschwer-
deeinreichung habe der Anwalt ihm ein Foto zukommen lassen. Gemäss
Auskunft des zuständigen Staatsanwalts werde er dem Anwalt nach Erhalt
des Berichts der Sicherheitsdirektion, auf den er warte, die gesamten Akten
zukommen lassen. In zwei Wochen könne sein Anwalt diese Akten abho-
len, damit er beweisen könne, was er behaupte.
7.
7.1 Die vorinstanzlichen Erwägungen sind vollumfänglich zu stützen (vgl.
E. 7.4). Die im zweiten Asylgesuch enthaltenen Vorbringen sind offensicht-
lich nicht dazu geeignet, eine asylrechtlich relevante Gefährdung des Be-
schwerdeführers in der Türkei glaubhaft zu machen. In Bezug auf die be-
treffend seine Person anlässlich des ersten Asylverfahrens durchgeführte
Botschaftsabklärung von April 2019 ist vorab festzustellen, dass diese sehr
gründlich durchgeführte Recherche – entgegen der Auffassung des Be-
schwerdeführers – sehr wohl Informationen zu gegen ihn hängigen Straf-
verfahren zu Tage brachte, welche indessen nicht die Natur (namentlich
den Zusammenhang mit Terrorprogapaganda und –unterstützung) aufwie-
sen, die er behauptete (vgl. E. 6.5).
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Sein Einwand auf Beschwerdeebene, es sei nicht nachvollziehbar, was die
Vorinstanz während der Corona-Zeit hätte abklären können, ist angesichts
der Tatsache, dass die Abklärung bereits im April 2019 erfolgte, unbehelf-
lich. Zudem bleibt aufgrund der Ausführungen des Beschwerdeführers, wie
von der Vorinstanz zutreffend festgehalten, völlig unklar, weshalb diese bei-
den neuen Verfahren nun – seit Ergehen der letzten Verfügung – gegen
ihn anhängig gemacht wurden oder weshalb er erst jetzt davon erfahren
haben sollte. An der Unglaubhaftigkeit seiner Behauptungen vermögen
auch die angegebenen Verfahrensnummern, seine Ausführungen zum un-
tersuchenden Staatsanwalt beziehungsweise zu einer allfälligen zukünfti-
gen Änderung der Verfahrensnummer oder die angebliche Razzia bei sei-
nen Eltern nichts zu ändern.
7.2 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Prüfung des Mehrfachgesuchs
durch die Vorinstanz nicht zu beanstanden ist. Sie hat in zutreffender Weise
das Erfordernis einer ausreichenden Begründung im Sinne von Art. 111c
Abs. 1 AsylG als nicht erfüllt erachtet und ist zu Recht in Anwendung von
Art. 13 Abs. 2 VwVG auf das Gesuch nicht eingetreten.
7.3 Das auf Beschwerdeebene eingereichte Beweismittel in türkischer
Sprache ist nicht geeignet, etwas an dieser Einschätzung zu ändern. Ge-
mäss Ausführungen des Beschwerdeführers soll damit nachwiesen wer-
den, dass die Staatsanwaltschaft in der Türkei gegen ihn ermittelt. Das
Schreiben liegt nur in Kopie und ohne Übersetzung vor. Ausserdem stimmt
das auf dem Dokument vermerkte Aktenzeichen ([...]) nicht mit den vom
Beschwerdeführer im Mehrfachgesuch vom 27. April 2020 gemachten An-
gaben zu den Aktenzeichen der angeblich gegen ihn eingeleiteten Straf-
verfahren ([...] und [...]) überein. Angesichts der Tatsache, dass der Be-
schwerdeführer bereits anlässlich des ersten Asylverfahrens die gegen ihn
laufenden Strafverfahren in einem falschen Licht dargestellt hatte bezie-
hungsweise eine politische Motivation der Behörden als ausschlaggebend
darstellte (was sich als tatsachenwidrig erwies) und weitere gegen ihn hän-
gige Verfahren wegen kriminellen Handlungen verschwiegen hatte, ist das
eingereichte Dokument als Beweis untauglich. Schliesslich ist auch nicht
nachvollziehbar, warum dem Anwalt lediglich diese Akte ausgehändigt wor-
den sein soll und andere allenfalls existierende Dokumente (bisher) nicht.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
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Seite 11
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
9.2 In diesem Zusammenhang kann ebenso auf die betreffenden Erwägun-
gen in der Verfügung vom 6. Februar 2020 und vom 18. Juni 2020 verwie-
sen werden, wo einlässlich ausgeführt wurde, warum der Vollzug der Weg-
weisung des Beschwerdeführers in die Türkei zulässig, zumutbar und mög-
lich ist. Die in der Beschwerdeschrift enthaltenen Vorbringen vermögen
nicht zu einer anderen Einschätzung führen, zumal sich die Umstände seit
der Verfügung vom 6. Februar 2020 (wie mit Verfügung vom 18. Juni 2020
bestätigt) nicht verändert haben.
9.3 Die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung und deren Vollzug ste-
hen somit auch diesmal in Übereinstimmung mit den zu beachtenden Best-
immungen und sind zu bestätigen. Nach dem Gesagten fällt eine Anord-
nung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Das mit der Beschwerdeeingabe gestellte Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege ist abzuweisen, da die Begehren, wie sich
aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, als aussichtslos zu bezeichnen
waren. Die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG sind demnach –
unbesehen einer allfälligen Prozessbedürftigkeit des Beschwerdeführers –
nicht erfüllt.
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11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 1500.- festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
11.3 Mit dem vorliegenden Entscheid in der Sache wird der Antrag des
Beschwerdeführers auf Befreiung von der Kostenvorschusspflicht gegen-
standslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 13