Decision ID: e97184a4-8482-54fb-abd1-8bc0dad76013
Year: 2017
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law
Law Sub-area: Oeffentliches Bau-, Raumplanungs- und Umweltrecht
Label: approval

Facts:
I. Sachverhalt
1. Die Stadtbauten Bern1 reichten am 16. Juli 2012 ein Baugesuch ein für den Umbau
des bestehenden Sportplatzes F._ auf Parzelle Bern Grundbuchblatt Nr.
H._. Die Parzelle liegt in der Freifläche A für öffentliche Nutzung. Gegen das
Bauvorhaben gingen keine Einsprachen ein. Mit Gesamtentscheid vom 27. Februar 2013
erteilte das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland die Baubewilligung unter anderem mit
der Nebenbestimmung, dass am Sonntag während der Ruhezeit von 12.00 bis 14.00 Uhr
keine Spiele erlaubt seien. Diese Nebenbestimmung focht der D._ (FC
D._) mit Beschwerde vom 2. April 2013 bei der Bau-, Verkehrs- und
Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) an.2 Mit Zwischenverfügung vom 13. Mai 2013
entzog das Rechtsamt der BVE der Beschwerde die aufschiebende Wirkung. Mit Entscheid
vom 15. Juli 2013 trat die BVE auf die Beschwerde nicht ein. Diesen Entscheid zog der FC
D._ ans Verwaltungsgericht des Kantons Bern weiter.3
Die Stadtbauten Bern begannen Anfang Juli 2013 mit der Realisierung des Bauvorhabens.
Die Flutlichtmaste wurden Mitte August 2013 aufgestellt. Mit Eingabe vom 2. September
2013 führten die Beschwerdeführenden 1 und 2 gegen den Gesamtentscheid des
Regierungsstatthalters Bern-Mittelland vom 27. Februar 2013 nachträglich Beschwerde.4
Sie beantragten den Bauabschlag für die Flutlicht- und Lautsprecheranlage und machten
geltend, diese sei nicht oder nur ungenügend publiziert worden. Mit Entscheid vom 12.
Dezember 2013 hiess die BVE die Beschwerde insoweit gut, als sie den Gesamtentscheid
vom 27. Februar 2013 aufhob und die Sache zur Fortsetzung des Verfahrens an das
Regierungsstatthalteramt zurückwies. Mit Abschreibungsverfügung vom 24. März 2014
schrieb das Verwaltungsgericht das Verfahren betreffend die Beschwerde des FC
D._ als gegenstandslos vom Geschäftsverzeichnis ab.
2. Die Stadt Bern als Rechtsnachfolgerin der Stadtbauten Bern reichte am 28. Mai 2014
ein neues Baugesuch ein für die Umgestaltung des bestehenden Rasenfussballfeldes zu
einem Kunstrasenfeld, das Ersetzen der bestehenden Beleuchtungsanlage mit einer
Trainingsbeleuchtung mit 80 - 120 Lux, bestehend aus vier Masten und einer
1 Bis Ende 2013 eine selbstständige öffentlichrechtliche Gemeindeanstalt der Stadt Bern, vgl. Reglement vom 29. August 2013 über die Rückführung der Stadtbauten Bern (RSBR; SSSB 152.013.1) 2 Beschwerdeverfahren RA Nr. 110/2013/275 3 Verfahren Nr. 100.2013.291 4 Beschwerdeverfahren RA Nr. 110/2013/352
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Lichtpunkthöhe von 18 m, sowie dem Erstellen einer Beschallungsanlage montiert an den
vier Beleuchtungsmasten für besondere Anlässe. Das Bauinspektorat der Stadt Bern nahm
die vorläufige formelle Prüfung vor und liess die Baugesuchsunterlagen vervollständigen.
Mit Schreiben vom 26. September 2014 überwies es die Unterlagen zuständigkeitshalber
an das Regierungsstatthalteramt. Dieses veranlasste die Publikation des Bauvorhabens,
informierte die Verfahrensbeteiligten aus den vorangegangenen Beschwerdeverfahren
darüber und holte die Amts- und Fachberichte ein. Gegen das Bauvorhaben erhoben
neben anderen die heutigen Beschwerdeführenden 1 bis 3 Einsprache. Mit
Gesamtentscheid vom 21. Juli 2016 erteilte das Regierungsstatthalteramt der
Beschwerdegegnerin die Gesamtbewilligung. Diese enthält in Ziffer 4.2 folgende
Nebenbestimmungen zum Betrieb der Sportanlage:
«- In den Ruhezeiten ist grundsätzlich kein Spielbetrieb erlaubt (täglich ab 20:00 Uhr und an Sonntagen von 12:00 Uhr bis 14:00 Uhr) mit Ausnahme von Spielen mit bis zu 10 Zuschauern unter der Woche (Montag bis Freitag) ab 20:00 Uhr.
- Die Lautsprecheranlage darf nur bei Spielen der ersten Mannschaft eingesetzt werden. - Die Lautsprecheranlage darf nur für die beim Matchbetrieb notwendigen Durchsagen
verwendet werden. Auf Hintergrundbeschallung mit Musik ist zu verzichten. - Bei Grossanlässen bzw. hohem Besucheraufkommen ist ein genügend dimensionierter
Verkehrsdienst einzusetzen. - Es muss auf die Zuschauer dahingehend eingewirkt werden, dass diese auf
geräuschintensive Instrumente wie Signalhörner, Trommeln, Rasseln, Pfeifen, Megaphone etc. verzichten.»
3. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden 1 und 2 am 22. August 2016
Beschwerde bei der BVE ein. Sie beantragen, das letzte Lemma der Nebenbestimmungen
in Ziffer 4.2 des Gesamtentscheides vom 21. Juli 2016 sei wie folgt zu ändern:
«Es dürfen keine geräuschintensiven Instrumente wie Signalhörner, Trommeln, Rasseln, Pfeifen, Megaphone und dergleichen verwendet werden. Beim Einsatz derartiger Instrumente ist der Spielbetrieb zu unterbrechen, im Wiederholungsfall ist das Spiel abzubrechen.»
Zur Begründung führen sie insbesondere aus, es handle sich um eine wesentliche
Änderung einer bestehenden Anlage. Mit dem Einbau des Kunstrasens sei mehr als eine
Verdoppelung der bisherigen Nutzung der Sportanlage eingetreten. Dazu komme die neue,
ortsfeste Beschallungsanlage. Die Beschwerdeführenden und die übrige Anwohnerschaft
würden insbesondere anlässlich der Spiele der ersten Mannschaft des FC D._ in
massiver Weise durch den Einsatz von lärmenden Instrumenten wie Trommeln,
Signalhörnern, Rasseln, Pfeifen, Megaphonen und dergleichen gestört und belästigt. Die
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angefochtene Nebenbestimmung sei nicht durchsetzbar. Es handle sich um die blosse
Äusserung eines Wunsches. Es sei ein ausdrückliches Verbot mit ausformulierten
Sanktionsmöglichkeiten aufzunehmen.
Mit Eingabe vom 22. August 2016 reichte der FC D._ (nachfolgend
Beschwerdeführer 3) Beschwerde gegen den Gesamtentscheid vom 21. Juli 2016 ein. Er
stellt folgende Rechtsbegehren:
«1. Die Gesamtbewilligung sei der Bauherrschaft zu erteilen.
2. Es seien bauliche Massnahmen zu prüfen und soweit geeignet zu bewilligen, welche sich lärmdämmend auf die Nachbargrundstücke auswirken.
3. Es sei auf die Verfügung von Nebenbestimmungen soweit zu verzichten, als diese unverhältnismässig sind.
4. Eventualiter seien die Nebenbestimmungen respektive Auflagen wie folgt zu präzisieren, abzuändern oder ersatzlos aufzuheben:  In der Ruhezeit vom Sonntag zwischen 12.00 Uhr bis 14.00 Uhr sei pro Kalenderjahr
eine limitierte Anzahl von Juniorenspielen mit Spielbeginn ab 13.00 Uhr zu erlauben.  In den Ruhezeiten sei der Spielbetrieb für bis zu 18 seltene Ereignisse pro
Kalenderjahr zu erlauben (täglich ab 20.00 Uhr) sowie auch für Spiele der unteren Li[e]gen (5. bis und mit 3. Liga) und von Seniorenmannschaften (Senioren 30+, Senioren 40+) sei der Spielbetrieb zu den Ruhezeiten wochentags auch nach 20.00 Uhr zu erlauben ohne in Anspruchnahme der 18 seltenen Ereignisse.
 Die Lautsprecheranlage sei beim Match- respektive Spielbetrieb der ersten Mannschaft auch für die Durchsage der Sponsoren und zeitlich limitiert für die Hintergrundbeschallung mit Musik zu erlauben. Die Lautsprecheranlage sei bei Grossanlässen zu erlauben. Bei Grossanlässen beziehungsweise seltenen Ereignissen mit hohem Besucheraufkommen sei in Absprache mit den zuständigen Verwaltungsstellen bei Bedarf ein genügend dimensionierter Verkehrsdienst einzusetzen.
 Die Nebenbestimmung, wonach auf die Zuschauer dahingehend einzuwirken sei, dass diese auf geräuschintensive Instrumente verzichten, sei ersatzlos zu streichen.»
Zur Begründung führt er insbesondere aus, als Nutzer der Sportanlage sei er von den
Nebenbestimmungen unmittelbar betroffen. Der Fussballplatz F._ bestehe seit
mehr als hundert Jahren. Die Wohnbauten seien später erstellt worden. Aufgrund des
Bauvorhabens handle es sich beim Sportplatz F._ weder um eine neue ortsfeste
Anlage noch um eine wesentlich geänderte Anlage. Der Beschwerdeführer 3 verfüge über
26 Mannschaften und eine Kinderfussballschule. Er erfülle in mehrfacher Hinsicht
Aufgaben, welche im öffentlichen Interesse seien. Bauherrschaft, Fachstelle und
Vorinstanz hätten sich ausschliesslich mit dem Lärm und dessen Minimierung an der
Quelle beschäftigt. Bauliche Massnahmen seien nicht in Betracht gezogen worden. Die
bestimmungsgemässe Nutzung von Sportanlagen verursache immer gewisse
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Lärmimmissionen. Mangels Belastungsgrenzwerten für Sportanlagen seien die
Lärmimmissionen vorliegend gestützt auf die allgemeinen Grundsätze zu beurteilen. Die
Gutachterin der Bauherrschaft habe den Lärm nach zu strengen Massstäben beurteilt.
Durch die Nebenbestimmungen des Verbots auf Hintergrundbeschallung und einzig der
Zulassung von notwendigen Durchsagen für den Matchbetrieb sowie dem Einwirken auf
die Zuschauer, auf geräuschintensive Instrumente zu verzichten, würden entgegen der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung Auflagen verfügt, welche im Ergebnis zu welt- und
lebensfremden Konsequenzen führen würden, die nicht dem Sinn und Zweck der
Umweltschutzgesetzgebung entsprechen würden.
Mit Eingabe vom 22. August 2016 reichte die Stadt Bern (nachfolgend
Beschwerdegegnerin) Beschwerde gegen den Gesamtentscheid vom 21. Juli 2016 ein. Sie
beantragt, die Alinea 1, 3, 4 und 5 von Ziffer 4.2 des Gesamtentscheids seien aufzuheben.
Eventuell seien sie durch folgende Nebenbestimmungen zu ersetzen:
«- Mit Ausnahme von maximal 18 Matches pro Jahr ("seltene Ereignisse") ist der Matchbetrieb der 1. Liga von Montag bis Samstag ab 20.00 Uhr und am Sonntag von 12.00-14.00 Uhr untersagt. An Sonntagen dürfen vor 9.00 Uhr und nach 20.00 Uhr keine Matches gespielt werden.
- Die Lautsprecheranlage darf nur für Durchsagen beim Matchbetrieb verwendet werden.»
Zur Begründung macht sie insbesondere geltend, die Lärmimmissionsbegrenzungen, die
die Vorinstanz angeordnet habe, könnten sich grundsätzlich auf die
Umweltschutzgesetzgebung stützen. Die Vollzugshilfe des Bundesamts für Umwelt (BAFU)
lehne sich eng an deutsches Recht an, obwohl sich dieses in wesentlichen Punkten vom
schweizerischen Recht unterscheide. Das BAFU habe dies erkannt und arbeite an einer
grundlegenden Überarbeitung der Vollzugshilfe. Insgesamt werde dadurch die Beurteilung
von Sportplätzen gesetzmässiger. Dazu müssten Abklärungen getroffen und es müsse das
mildere Bundesrecht angewandt werden. Es könne davon ausgegangen werden, dass die
Beschränkungen bei Anwendung der neuen Vollzugshilfe nicht rechtmässig seien und
ersatzlos aufgehoben werden müssten, weil selbst die deutschen Richtwerte eingehalten
würden. Die Nebenbestimmungen würden Grossanlässe verunmöglichen. Hinzu komme,
dass sie teilweise unklar und nicht durchsetzbar seien.
4. In seiner Beschwerdeantwort vom 21. September 2016 beantragt der
Beschwerdeführer 3 die Abweisung der Beschwerde der Beschwerdeführenden 1 und 2.
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Die geforderte Auflage beziehe sich in erster Linie auf den Spielbetrieb der ersten
Mannschaft. Ein Spielabbruch wegen der Verwendung von geräuschintensiven
Instrumenten hätte eine Forfait-Niederlage zur Folge.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 22. September 2016 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde der Beschwerdeführenden 1 und 2, soweit darauf
eingetreten werden könne. Die Beschwerde des Beschwerdeführers 3 sei insoweit
gutzuheissen, als der Verzicht auf Nebenbestimmungen beantragt wird. Die Vorinstanz
habe fälschlicherweise den Betrieb der ganzen Anlage und nicht nur der geänderten Teile
betrachtet und die Anlage im Ergebnis wie eine neue behandelt. Soweit der
Beschwerdeführer 3 die Anordnung baulicher Massnahmen beantrage, sei der
Beschwerde nicht stattzugeben. Allfällige Lärmschutzmassnahmen an den Banden, die er
selber angebracht habe, wären vom Beschwerdeführer 3 auszuführen und zu tragen.
Weitere Massnahmen, welche den Lärm massgeblich senken könnten und
verhältnismässig wären, seien nicht ersichtlich.
In ihren Beschwerdeantworten vom 27. September 2016 beantragen die
Beschwerdeführenden 1 und 2 die Abweisung der Beschwerden des Beschwerdeführers 3
und der Beschwerdegegnerin. Die Anwohner hätten grundsätzlich nichts gegen die
Sportanlage. Der Lärm, der von ihr ausgehe, habe aber sowohl aufgrund der intensiveren
Nutzung als auch durch den Gebrauch der Beschallungsanlage erheblich zugenommen.
Mit den Auflagen sei sicherzustellen, dass trotz Richtwertüberschreitungen ein Spielbetrieb
ermöglicht werden könne, ohne dass die Anwohner dabei massiven Lärmimmissionen
ausgesetzt seien. Die bestimmungsgemässe Nutzung der Sportanlage werde durch die
angeordneten Massnahmen in keiner Weise behindert. Sowohl Fussballspiele als auch
Trainings seien weiterhin möglich. Zudem bestehe mit dem neu aufbereiteten Sportplatz
I._ eine Alternative in nächster Umgebung.
5. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet5, holte weitere
Vorakten ein. Anschliessend erkundigte es sich beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) nach
dem Inhalt und dem voraussichtlichen Publikationsdatum der überarbeiteten Vollzugshilfe
"Lärm von Sportanlagen". Die Parteien erhielten Gelegenheit, Schlussbemerkungen
5 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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einzureichen. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Considerations:
II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Der Entscheid des Regierungsstatthalters ist ein Gesamtentscheid im Sinne von
Art. 9 KoG6. Er ist gestützt auf Art. 11 Abs. 1 KoG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 KoG mit
Baubeschwerde nach Art. 40 Abs. 1 BauG7 bei der BVE anfechtbar. Die BVE ist somit zur
Beurteilung der Beschwerden zuständig. Die Beschwerden sind innert der Rechtsmittelfrist
eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1 BauG). Sie enthalten einen Antrag und eine
Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG8).
b) Die Beschwerdeführenden 1 und 2 haben sich zulässigerweise als Einsprechende
am Baubewilligungsverfahren beteiligt (Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG). Sie sind zur
Beschwerde im Rahmen ihrer Einsprachegründe befugt (Art. 40 Abs. 2 BauG). Auf ihre
form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist deshalb einzutreten.
c) Der Beschwerdeführer 3 nutzt den Fussballplatz F._ zu Trainings- und
Spielzwecken. Ähnlich wie ein Mieter oder Pächter ist er grundsätzlich
einspracheberechtigt soweit er einwendet, das Bauvorhaben beeinträchtige seine
schutzwürdigen Interessen als Nutzungsberechtigter.9 In seiner Eingabe vom
17. November 2014 hat der Beschwerdeführer 3 vorsorglich Einsprache erhoben mit der
Begründung, bei der Durchführung des ersten Baubewilligungsverfahrens habe eine für ihn
nachteilige Auflage (zeitlich beschränktes sonntägliches Spielverbot) Eingang in die
Baubewilligung gefunden. Er machte somit nicht geltend, das Bauvorhaben widerspreche
den für die Baubewilligung massgeblichen Vorschriften des öffentlichen Rechts.10 Seine
Eingabe stellt deshalb inhaltlich keine Einsprache dar, sondern sie kommt einem
Beiladungsbegehren im Sinne von Art. 14 Abs. 1 VRPG gleich.
6 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 7 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 8 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 9 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 35-35c N. 19 10 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 35-35c N. 2
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Als Nutzungsberechtigter steht der Beschwerdeführer 3 in einer Rechtsbeziehung zur
Verfügungsadressatin. Er kann sich deshalb zum Rechtsstreit beiladen lassen und
Parteirechte ausüben (vgl. Art. 14 Abs. 2 VRPG). Die Vorinstanz hat den
Beschwerdeführer 3 zwar nicht förmlich beigeladen, ihn aber am weiteren Verfahren
beteiligt. Er konnte im Rahmen des Streitgegenstandes Angriffs- und Verteidigungsmittel
vorbringen. Als Beigeladener ist er befugt, selbstständig Rechtsmittel einzulegen.11 Auf
seine form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde kann deshalb insoweit eingetreten
werden, als er die Aufhebung oder Änderung von Nebenbestimmungen verlangt, die ihn
belasten. Hingegen kann er nicht mehr verlangen, als die Beschwerdegegnerin als
Bauherrin zur Bewilligung beantragt hat, oder zusätzliche Auflagen zulasten der
Beschwerdegegnerin beantragen. Zudem ist die Erteilung der Gesamtbewilligung im
Grundsatz unbestritten und bildet deshalb nicht Gegenstand des Verfahrens. Soweit die
Anträge des Beschwerdeführers 3 ausserhalb des Streitgegenstandes liegen, kann nicht
auf seine Beschwerde eingetreten werden.
d) Die Beschwerdegegnerin ist als Baugesuchstellerin grundsätzlich
beschwerdelegitimiert (Art. 40 Abs. 2 BauG). Sie hat ein schutzwürdiges Interesse an der
Aufhebung von belastenden Nebenbestimmungen. Auf ihre form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist deshalb grundsätzlich einzutreten.
2. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdegegnerin macht geltend, die Vorinstanz habe die
Schlussbemerkungen erst zusammen mit dem Gesamtentscheid zugestellt. Dies stelle
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, weil ihr damit die Möglichkeit abgeschnitten
worden sei, allenfalls nochmals dazu Stellung zu nehmen. Die Gehörsverletzung könne
geheilt werden, was aber bei den Kostenfolgen berücksichtigt werden müsse.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 21 ff. VRPG gibt den Parteien das
Recht, sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten
zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung
wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu
äussern. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst insbesondere auch das Recht der
11 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 14 N. 5
RA Nr. 110/2016/119 9
Parteien, von jedem eingereichten Aktenstück bzw. jeder Stellungnahme von Parteien und
Behörden Kenntnis zu nehmen und sich dazu äussern zu können.12 Dies bedeutet, dass
den Beteiligten jede eingereichte Stellungnahme und die Amts- und Fachberichte zur
Kenntnis zu bringen sind.13 Nach der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung gilt
dies unabhängig davon, ob die Stellungnahmen neue Tatsachen oder Argumente enthalten
und ob sie das Gericht tatsächlich zu beeinflussen vermögen.14 Demnach sind den
Parteien im Baubewilligungsverfahren die Amts- und Fachberichte sowie die
Stellungnahmen der Gegenpartei zuzustellen, so dass diese Gelegenheit haben, sich dazu
zu äussern, sofern sie dies als erforderlich erachten.15 Es trifft zu, dass die Vorinstanz die
Schlussbemerkungen erst zusammen mit dem Gesamtentscheid zugestellt hat. Sowohl die
Einsprechenden als auch die Bauherrschaft hatten daher keine Möglichkeit, vor dem Erlass
des Entscheides von ihrem Replikrecht Gebrauch zu machen. Insofern wurde das
rechtliche Gehör verletzt.
c) Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist ein formeller Anspruch; die Verletzung des
rechtlichen Gehörs führt deshalb grundsätzlich zur Aufhebung des angefochtenen
Entscheids. Eine Gehörsverletzung kann aber dann geheilt werden, wenn die Rechts-
mittelinstanz dieselbe Kognition hat wie die Vorinstanz und der beschwerdeführenden
Person aus der Heilung kein Nachteil erwächst. Bei besonders schwerwiegenden
Gehörsverletzungen schliesst die Rechtsprechung jedoch eine Heilung grundsätzlich aus.16
Die Heilung des rechtlichen Gehörs ist allenfalls bei der Kostenverlegung zu
berücksichtigen.17 Die Gehörsverletzung kann im Beschwerdeverfahren vor der BVE
unbestritten geheilt werden, da ihr nach Art. 40 Abs. 3 BauG die volle
Überprüfungsbefugnis zukommt. Die Beschwerdegegnerin macht weder geltend noch ist
ersichtlich, dass die Verletzung des rechtlichen Gehörs Mehrkosten oder einen
prozessualen Mehraufwand verursacht hat. Die Heilung der Gehörsverletzung hat daher
keine Auswirkungen im Kostenpunkt.
12 BGE 137 I 195 E. 2.3.1 mit Hinweisen; BGer 5P.385/2005 E. 2.1 f. vom 17. Januar 2006 13 BGer 5A_151/2007 E. 3.2 vom 22. Januar 2008 14 BGE 133 I 98 E. 4.3 ff. 15 BVR 2009 S. 328 ff. E. 2.4; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, Band I, 4. Aufl., Bern 2013, Art. 38-39 N. 9b; Urs Eymann, Das rechtliche Gehör im erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahren, KPG-Bulletin 2006 S. 47 ff. 16 BVR 2012 S. 28 E. 2.3.5; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 21 N. 16 17 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 108 N. 9
RA Nr. 110/2016/119 10
3. Gegenstand des Verfahrens
a) In der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege sind sowohl das Verfahren als auch
der Entscheid in der Sache grundsätzlich auf den Streitgegenstand begrenzt. Dieser
bestimmt sich aufgrund des Anfechtungsobjekts (d.h. des Dispositivs der vorinstanzlichen
Verfügung) und der in der Beschwerde enthaltene Begehren auf Änderung oder Aufhebung
der angefochtenen Verfügung. Der Streitgegenstand braucht sich nicht mit dem
Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses hinausgehen. Die
angefochtene Verfügung bildet nicht nur den Ausgangspunkt des Beschwerdeverfahrens,
sondern zugleich den Rahmen und die Begrenzung des Streitgegenstandes. Als Folge der
Dispositionsmaxime bestimmen im Beschwerdeverfahren die Parteien innerhalb dieses
Rahmens den Streitgegenstand. Rechtsbegehren, die ausserhalb des in der Verfügung
geregelten Rechtsverhältnisses liegen, sind grundsätzlich unzulässig. Die Parteien können
den Streitgegenstand im Verlauf des Verfahrens nicht erweitern, sondern nur
einschränken.18 Es ist daher vorab zu prüfen, was Streitgegenstand des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens ist.
b) Die Vorinstanz hat das Vorhaben der Beschwerdegegnerin gemäss Baugesuch vom
30. Mai 2014 samt den dazugehörigen Situations- und Projektplänen mit
Nebenbestimmungen bewilligt. Abgesehen von den zusätzlichen Bedingungen und
Auflagen ist es somit so bewilligt, wie es der Bewilligungsbehörde im Zeitpunkt des
Entscheids zur Beurteilung vorlag. Jede Abweichung davon setzt die vorgängige
Bewilligung einer Projektänderung oder die Durchführung eines neuen
Baubewilligungsverfahrens voraus.19 Was genau bewilligt worden ist, ergibt sich somit aus
der Baueingabe. Diese besteht aus dem Baugesuch, dem Situationsplan, den
Projektplänen und den allenfalls erforderlichen weiteren Unterlagen (vgl. dazu Art. 10 ff.
BewD20). Sie bildet die Grundlage für das Baubewilligungsverfahren. Geprüft wird unter
anderem, ob das Bauvorhaben mit den Vorschriften der Umweltschutzgesetzgebung
übereinstimmt.21 Die zu erwartenden Immissionen sind grundsätzlich im
Baubewilligungsverfahren zu ermitteln und die Baubewilligung ist nur dann zu erteilen,
18 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum Bernischen VRPG, Bern 1997, Art. 72 N. 6-8; Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 1983, 44 ff. 19 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 42 N. 1 20 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 21 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 24 N. 11
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wenn die Anlage die massgeblichen Belastungsgrenzwerte in der Umgebung
voraussichtlich einhalten wird. Die Bewilligungsbehörde hat deshalb eine Lärmprognose zu
verlangen, wenn eine Überschreitung nicht ausgeschlossen werden kann (vgl. Art. 25 Abs.
1 USG22, Art. 38 Abs. 1 LSV23).24 Die Lärmprognose samt dem zugrundeliegenden
Betriebskonzept gehört deshalb ebenfalls zu den Baugesuchsunterlagen (vgl. Art. 10 Abs.
5 BewD). Das Betriebskonzept bildet Bestandteil der Baubewilligung.25
c) Die Beschwerdegegnerin hat im Laufe des Baubewilligungsverfahrens drei
Lärmprognosen der J._ AG eingereicht. Diese stützen sich bezüglich Methodik auf
die Vollzugshilfe des BAFU für die Beurteilung des Lärms von Sportanlagen26
(nachfolgend: Vollzugshilfe), die sich ihrerseits auf die 18. BImSchV27 stützt. Danach wird
bei der Beurteilung der Lärmbelastung zwischen dem (intensiven) Normalbetrieb, den so
genannten seltenen Ereignissen, welche an maximal achtzehn Tagen pro Jahr stattfinden
dürfen, und den Veranstaltungen von herausragender Bedeutung unterschieden.
Die Berichte der J._ AG vom 18. Dezember 201228, vom 7. April 201529 und vom
4. März 201630 beruhen auf unterschiedlichen Betriebsannahmen. Es lässt sich ihnen
zusammengefasst folgendes Betriebskonzept entnehmen, das Grundlage des
angefochtenen Gesamtentscheids bildet: Im Normalbetrieb sind von Montag bis Freitag
von 08:00-12:00 Uhr Schulsport und von 14:00-22:00 Uhr Trainingsbetrieb bzw. Spiele mit
maximal 10 Zuschauern vorgesehen. Am Samstag findet der Spielbetrieb von 12:00-18:00
Uhr statt. Dieser besteht aus einem normalen Spiel (100 Zuschauer) und einem (normalen)
Spiel der ersten Mannschaft (450 Zuschauer). Am Sonntag ist von 10:00-18:00
Spielbetrieb vorgesehen. Zusätzlich zu diesem Regelbetrieb sind maximal 18
Grossanlässe bzw. seltene Ereignisse pro Jahr vorgesehen. Dazu gehören die Derbyspiele
oder Spiele der 1. Mannschaft mit erhöhtem Zuschaueraufkommen (mehr als 500
Zuschauer), die jeweils am Samstag während des ordentlichen Spielbetriebs stattfinden,
sowie die Spiele des Schweizer Cups und der Burkhalter-Cup, für die kein zeitlicher
22 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 23 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41) 24 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 24 N. 13a 25 Vgl. BGer 1C_169/2008 vom 5. Dezember 2008 E. 5.2 26 Bundesamt für Umwelt (BAFU) (Hrsg.), Lärm von Sportanlagen. Vollzugshilfe für die Beurteilung der Lärmbelastung, Bern 2013 (nachfolgend Vollzugshilfe) 27 Achtzehnte Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes vom 18. Juli 1991 (18. BImSchV) 28 Vorakten des Regierungsstatthalteramts, pag. 103 ff. 29 Vorakten des Regierungsstatthalteramts, pag. 249 ff. 30 Vorakten des Regierungsstatthalteramts, pag 647 ff.
RA Nr. 110/2016/119 12
Rahmen definiert ist.31 Veranstaltungen von herausragender Bedeutung im öffentlichen
Interesse, für die keine Einschränkungen gelten, sind nicht vorgesehen. Dieses für die
Lärmberechnung massgebliche Betriebskonzept der Beschwerdegegnerin wurde der
Beurteilung zugrunde gelegt und weist auch den maximal möglichen Betrieb aus.32
Abgesehen vom Spielverbot am Sonntag zwischen 12:00-14:00 Uhr, hat die Vorinstanz
dieses Betriebskonzept bewilligt.
d) Die Beschwerdeführenden 1 und 2 beantragen einzig die Änderung von Alinea 1 der
Nebenbestimmungen Ziff. 4.2. Die Gesamtbewilligung als solche samt den bewilligten
Betriebszeiten akzeptieren sie demgegenüber. Der Beschwerdeführer 3 beantragt, es sei
auf die Verfügung von Nebenbestimmungen soweit zu verzichten, als diese
unverhältnismässig seien. Eventuell seien die Nebenbestimmungen zu präzisieren,
abzuändern oder aufzuheben. Die Beschwerdegegnerin beantragt die Aufhebung bzw. die
Änderung der Alineas 1, 3, 4 und 5 der Nebenbestimmungen Ziff. 4.2. Alinea 2 der
Nebenbestimmungen Ziff. 4.2 akzeptiert sie demgegenüber. Streitgegenstand ist somit
zum einen, ob die Auflage betreffend die geräuschintensiven Instrumente verschärft oder
aufgehoben werden soll, ob auf die Auflage über die zulässigen Lautsprecher-Durchsagen
verzichtet werden kann und ob bei hohem Besucheraufkommen ein Verkehrsdienst
eingesetzt werden muss. Andererseits sind die bewilligten Betriebszeiten insofern
umstritten, als in den Ruhezeiten (täglich ab 20:00 Uhr und an Sonntagen von 12:00 Uhr
bis 14:00 Uhr) grundsätzlich kein Spielbetrieb erlaubt ist, mit Ausnahme von Spielen mit bis
zu 10 Zuschauern unter der Woche (Montag bis Freitag) ab 20:00 Uhr
(vgl. Nebenbestimmung Ziff. 4.2 Alinea 1). Zu berücksichtigen ist allerdings, dass diese
Nebenbestimmung im Wesentlichen das zur Bewilligung unterbreitete Betriebskonzept der
Beschwerdegegnerin für den Normalbetrieb wiedergibt und insoweit lediglich klarstellt, was
aufgrund des Baugesuchs ohnehin gilt. Eine Auflage im Rechtssinn stellt sie einzig
bezüglich des Spielverbots am Sonntag von 12:00-14:00 Uhr dar, da sie nur in diesem
Punkt vom Betriebskonzept der Beschwerdegegnerin abweicht. Würde diese Auflage
aufgehoben, hätte dies lediglich zur Folge, dass das Betriebskonzept der
Beschwerdegegnerin ohne Einschränkungen bewilligt wäre. Zusätzlich erlaubt wäre somit
der Spielbetrieb an Sonntagen von 12:00-14:00 Uhr. Hingegen wären Spiele mit mehr als
zehn Zuschauern in den Ruhezeiten unter der Woche weiterhin nicht erlaubt.
31 Vgl. dazu Ziff. 1 und 2.2 des Berichts der J._ AG vom 7. April 2015, Vorakten des Regierungsstatthalteramts, pag. 249 ff. 32 Vgl. BGer 1C_169/2008 vom 5. Dezember 2008 E. 5.2
RA Nr. 110/2016/119 13
Falls die Beschwerdegegnerin und der Beschwerdeführer 3 vom bewilligten
Betriebskonzept für den Normalbetrieb abweichen und neu in den Ruhezeiten unter der
Woche normale Spiele mit mehr als zehn Zuschauern durchführen wollen, stellt dies eine
Projektänderung dar. Dafür müsste ein Projektänderungsgesuch samt Lärmprognose
eingereicht werden. Gleiches gilt für das Eventualbegehren Alinea 1 der
Beschwerdegegnerin: Soweit sie beantragt, am Sonntag dürften vor 09:00 Uhr und nach
20:00 Uhr keine Matches gespielt werden, geht sie über das beantragte und (teilweise)
bewilligte Betriebskonzept für den Normalbetrieb hinaus, ist doch gemäss den
Baugesuchsunterlagen am Sonntag lediglich von 10:00-18:00 Uhr Spielbetrieb
vorgesehen. Es wäre auch hier eine Projektänderung erforderlich. Auch der Eventualantrag
des Beschwerdeführers 3, während der sonntäglichen Ruhezeit eine limitierte Anzahl
Juniorenspiele ab 13:00 Uhr zu erlauben, weicht vom beantragten und (teilweise)
bewilligten Betriebskonzept ab. Demgegenüber müssen die seltenen Ereignisse bzw.
Grossanlässe in den Nebenbestimmungen nicht ausdrücklich genannt werden, da sie in
Absprache mit der Fachstelle Lärmakustik/Lasertechnik der Kantonspolizei als zuständige
kantonale Lärmschutzfachstelle (vgl. Art. 3 Abs. 2 Bst. e KLSV33) definiert wurden34 und
Gegenstand des bewilligten Betriebskonzepts bilden. Falls die Beschwerdegegnerin und
der Beschwerdeführer 3 bezüglich der Grossanlässe oder seltenen Ereignisse über das
bewilligte Betriebskonzept hinausgehen wollen, müssten sie ein Projektänderungsgesuch
samt Lärmprognose einreichen.
e) Zusammenfassend steht fest, dass bezüglich des Spielbetriebs einzig zu prüfen ist,
ob das Spielverbot in der Ruhezeit am Sonntag von 12:00-14:00 Uhr berechtigt ist. Die
übrigen Anträge zum Spielbetrieb (Ausdehnung der Spielzeiten am Sonntag, Spiele mit
mehr als zehn Zuschauern in den Ruhezeiten unter der Woche) liegen ausserhalb des
Anfechtungsobjektes und müssten im Rahmen eines Projektänderungsgesuchs oder eines
neuen Baugesuchs eingebracht werden. Als Eventualantrag können sie nicht ins Verfahren
eingebracht werden.35 Aufgrund der Ausdehnung des Spielbetriebs wäre eine neue
Lärmbeurteilung erforderlich. Zudem müsste das geänderte Vorhaben wohl erneut
publiziert werden, da der Kreis der von der Änderung berührten Dritten nicht eindeutig
bestimmbar ist (vgl. dazu Art. 27 Abs. 5 Bst. a BewD). Die Beschwerdegegnerin geht mit
dem Beschwerdeführer 3 davon aus, dass die überarbeitete Vollzugshilfe "Lärm von
33 Kantonale Lärmschutzverordnung vom 14. Oktober 2009 (KLSV; BSG 824.761) 34 Vgl. dazu Ziff. 1 des Berichts der J._ AG vom 7. April 2015, Vorakten des Regierungsstatthalteramts, pag. 249 35 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 32-32d N. 13c
RA Nr. 110/2016/119 14
Sportanlagen" des BAFU eine Ausdehnung des Spielbetriebs erlauben wird. Es steht ihr
deshalb frei, zu gegebener Zeit ein entsprechendes Baugesuch samt einem neuen
Betriebskonzept und einer aktualisierten Lärmprognose einzureichen.
4. Änderung einer ortsfesten Anlage
a) Beim Sportplatz F._ handelt es sich um eine (ortsfeste) Anlage im Sinne von
Art. 7 Abs. 7 USG36 und Art. 2 Abs. 1 LSV37, die Einwirkungen in Form von Lärm erzeugt.
Der Anlage zuzurechnen sind alle Geräusche, die durch ihre bestimmungsgemässe
Benutzung verursacht werden, und zwar unabhängig davon, ob sie innerhalb oder
ausserhalb des Areals erzeugt werden. Über den technischen Eigenlärm hinaus ist einer
Sportanlage also derjenige Lärm zuzurechnen, der von ihren Benützern bei
bestimmungsgemässer Nutzung innerhalb und ausserhalb der Anlage erzeugt wird. Dazu
gehört der bei der Sportausübung selber erzeugte Lärm. Auch der Schall von
Lautsprecheranlagen und ähnlichen Einrichtungen ist zum Betriebslärm zu rechnen,
genauso wie der von Trainern, Sportlern und Zuschauern durch Rufe, Schreie und Pfiffe
oder den durch den Gebrauch von Megafonen, Musikinstrumenten, Knallkörpern und
ähnlichen Geräten verursachte Lärm. Das gleiche gilt auch für den Lärm von
Nebeneinrichtungen wie zum Beispiel einem zur Sportanlage gehörenden
Gastwirtschaftsbetrieb.38
b) Den Fussballplatz F._ gibt es gemäss den Akten (mindestens) seit 1902. Ab
1931 wurde er von den beiden Rechtsvorgängern des Beschwerdeführers 3 genutzt.39 Der
Fussballplatz F._ wurde somit lange vor Inkrafttreten des USG erstellt und gilt
damit als bestehende Anlage. Wird eine solche Anlage wesentlich geändert, so müssen die
Lärmemissionen der gesamten Anlage mindestens so weit begrenzt werden, dass die
Immissionsgrenzwerte nicht überschritten werden (Art. 8 Abs. 2 LSV). Als wesentliche
Änderungen ortsfester Anlagen gelten Umbauten, Erweiterungen und vom Inhaber der
Anlage verursachte Änderungen des Betriebs, wenn zu erwarten ist, dass die Anlage
selbst oder die Mehrbeanspruchung bestehender Verkehrsanlagen wahrnehmbar stärkere
36 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 37 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41) 38 BGE 133 II 292 E. 3.1; Thomas Widmer Dreifuss, Planung und Realisierung von Sportanlagen: raumplanerische, baurechtliche und umweltrechtliche Aspekte beim Bau und der Sanierung von Sportanlagen, Diss. Zürich 2002, S. 346 ff. 39 Vgl. dazu Vorakten des Regierungsstatthalteramts, pag. 721
RA Nr. 110/2016/119 15
Lärmimmissionen erzeugen. Der Wiederaufbau von Anlagen gilt in jedem Fall als
wesentliche Änderung (Art 8 Abs. 3 LSV). Die vorhersehbare Erhöhung der
Lärmimmissionen ist nicht das einzige Kriterium für das Vorliegen einer wesentlichen
Änderung. Es muss aufgrund einer gesamthaften Betrachtung entschieden werden, ob die
Änderung gewichtig genug ist, um als wesentlich qualifiziert und den Rechtsfolgen von Art.
18 USG in Verbindung mit Art. 8 Abs. 2 LSV unterstellt zu werden. Nach der
Rechtsprechung können zudem bedeutende Modernisierungen oder
Kapazitätserweiterungen einer wesentlichen Änderung gleichkommen, selbst wenn sie
nicht wahrnehmbar stärkere Lärmimmissionen bewirken.40 Zu berücksichtigen sind
insbesondere der Umfang der baulichen Massnahmen und die Kosten: Kommen diese
einem Neubau bzw. einem Wiederaufbau nahe, so ist die Änderung in der Regel als
wesentlich einzustufen. Eine wesentliche Änderung ist in der Regel auch dann
anzunehmen, wenn das Projekt die Lebensdauer der Gesamtanlage erheblich verlängert.41
Eine wesentliche Änderung einer Sportanlage liegt beispielsweise vor, wenn ein
Naturrasen mit einem modernen Drainagesystem ausgestattet oder durch einen
synthetischen Rasen ersetzt wird. Solche Massnahmen ermöglichen eine erheblich
verstärkte Belegung des Platzes, insbesondere während Nasswetterperioden. Das gleiche
gilt, wenn eine Beleuchtungsanlage erstellt wird, die eine längere Nutzung des
Sportplatzes in den Abendstunden ermöglicht und zu Lichtimmissionen in der
Nachbarschaft führt.42
c) Im vorliegenden Fall wurde das bestehende Naturrasenspielfeld in ein
Kunstrasenspielfeld umgewandelt. Zudem wurde die Beleuchtungsanlage neu konzipiert.
Sie ist nur noch auf vier Maste mit je drei Sportplatzscheinwerfern pro Mast konzentriert.
Diese sind mit ihrer Lichtpunkthöhe von 18 m im Vergleich zu den vorherigen Masten
massiv höher. Ausserdem wurde an den vier Masten eine festinstallierte
Beschallungsanlage montiert. Die Baukosten betragen gemäss Baugesuchsformular 2.4
Millionen Franken. Der Gemeinderat der Beschwerdegegnerin hat einem Baukredit von 2.9
Millionen Franken zugestimmt. Das Kunstrasenfeld erlaubt eine intensivere Nutzung des
Sportplatzes insbesondere für den Trainingsbetrieb unter der Woche. Mit dem Umbau kann
40 BGE 133 II 181 E. 7.2 41 BGE 141 II 483 E. 4.6 42 Thomas Widmer Dreifuss, Planung und Realisierung von Sportanlagen: raumplanerische, baurechtliche und umweltrechtliche Aspekte beim Bau und der Sanierung von Sportanlagen, Diss. Zürich 2002, S. 307 f., mit weiteren Hinweisen
RA Nr. 110/2016/119 16
die Nutzungskapazität beträchtlich erhöht werden.43 Gemäss Auskunft der Fachleute
anlässlich der Einigungsverhandlung ist Naturrasen nur etwa während sieben Monaten
(April bis Oktober) nutzbar. Demgegenüber kann auf Kunstrasen das ganze Jahr gespielt
werden. In der Praxis wird er etwa während zehn Monaten genutzt.44 Mit dem Einbau des
Kunstrasens erhöht sich somit die Nutzungskapazität mindestens um etwa 40 Prozent, bei
einer ganzjährigen Nutzung sogar um etwa 70 Prozent. Es handelt sich deshalb um eine
wesentliche Änderung.45 Folglich müssen die Lärmemissionen der neuen oder geänderten
Anlageteile nach den Anordnungen der Vollzugsbehörden so weit begrenzt werden, als
dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11 Abs. 2 USG
und Art. 8 Abs. 1 LSV). Die Lärmemissionen der gesamten Anlage müssen mindestens so
weit begrenzt werden, dass die Immissionsgrenzwerte nicht überschritten werden (Art. 8
Abs. 2 LSV).
5. Allgemeines zu den Emissionsbegrenzungen
a) Umstritten sind verschiedene von der Vorinstanz verfügte Massnahmen zur
Emissionsbegrenzung. Nach Art. 11 Abs. 1 USG werden Luftverunreinigungen, Lärm,
Erschütterungen und Strahlen durch Massnahmen bei der Quelle begrenzt
(Emissionsbegrenzungen). Unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung sind
Emissionen nach Art. 11 Abs. 2 USG im Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen, als
dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist (vorsorgliche
Emissionsbegrenzung). Die Emissionsbegrenzungen werden gemäss Art. 11 Abs. 3 USG
verschärft, wenn feststeht oder zu erwarten ist, dass die Einwirkungen unter
Berücksichtigung der bestehenden Umweltbelastung schädlich oder lästig werden
(verschärfte Emissionsbegrenzung). Als Instrumente zur Emissionsbegrenzung kommen
unter anderem Emissionsgrenzwerte, Bau- und Ausrüstungsvorschriften sowie Verkehrs-
oder Betriebsvorschriften (Art. 12 Abs. 1 Bst. a bis c USG) in Frage. Für die Beurteilung der
schädlichen oder lästigen Einwirkungen legt der Bundesrat Immissionsgrenzwerte fest (Art.
13 USG). Diese sind so festzulegen, dass nach dem Stand der Wissenschaft oder der
43 Vgl. J._ AG, Bericht vom 18. Dezember 2012 betreffend Sportplatz F._ (in den Vorakten des Regierungsstatthalteramts, pag. 103 ff.), S. 4; Protokoll der Einigungsverhandlung vom 18. August 2015, S. 4, Vorakten des Regierungsstatthalteramts, pag. 525 (Rückseite); vgl. auch RRB 0486 vom 24. April 2013 betreffend Sammelbeschluss April 2013 über Beiträge aus dem Lotterie- und dem Sportfonds, S. 12 44 Vgl. Protokoll der Einigungsverhandlung vom 18. August 2015, S. 3, Vorakten des Regierungsstatthalteramts, pag. 525 45 Vgl. dazu auch BGer 1C_278/2010 vom 31. Januar 2011, E. 3.2
RA Nr. 110/2016/119 17
Erfahrung Immissionen unterhalb dieser Werte die Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden
nicht erheblich stören (Art. 15 USG). Fehlen Belastungswerte (wie insbesondere für
menschlichen Verhaltenslärm), müssen die Lärmimmissionen von der Vollzugsbehörde im
Einzelfall nach Art. 15 USG beurteilt werden, unter Berücksichtigung der Art. 19 und 23
USG (Art. 40 Abs. 3 LSV). Dabei sind der Charakter des Lärms, Zeitpunkt und Häufigkeit
seines Auftretens sowie die Lärmempfindlichkeit bzw. Lärmvorbelastung zu
berücksichtigen. Es ist nicht auf das subjektive Lärmempfinden einzelner Personen
abzustellen, sondern eine objektivierte Betrachtung unter Berücksichtigung von Personen
mit erhöhter Empfindlichkeit vorzunehmen. Unter Umständen können fachlich genügend
abgestützte ausländische oder private Richtlinien eine Entscheidungshilfe bieten, sofern
die Kriterien, auf denen diese Unterlagen beruhen, mit denjenigen des schweizerischen
Lärmschutzrechtes vereinbar sind.46
b) Gestützt auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts47 hat das BAFU eine
Vollzugshilfe für die Beurteilung des Lärms von Sportanlagen herausgegeben. Dabei
handelt es sich nicht um eine Norm, die zwingend beachtet werden müsste, sondern um
eine Empfehlung.48 Als Grundlage dient die 18. BImSchV. Die Vollzugshilfe zeigt, wie die
Methodik des deutschen Regelwerkes auf schweizerische Verhältnisse übertragen werden
kann, damit der Lärm von Sportanlagen im Rahmen einer Einzelfallbeurteilung
störungsgerecht beurteilt werden kann. Beurteilt wird dabei nicht der
jahresdurchschnittliche Betrieb, sondern zwei Zustände (bei maximaler Auslastung),
nämlich der Normalbetrieb und die seltenen Ereignisse (maximal 18 Tage pro Jahr). Für
die Beurteilung des Normalbetriebs ist der maximal zulässige Betrieb eines normalen
Tages massgebend. Für die Beurteilung der seltenen Ereignisse ist das intensivste dieser
Ereignisse massgebend. Unterschieden werden die drei Zeiträume Tag, Nacht (die
lauteste Stunde) und Ruhezeiten. Dem speziellen Ruhebedürfnis der Bevölkerung an
Sonn- und Feiertagen wird insofern Rechnung getragen, als eine mittägliche Ruhezeit
definiert wird, für die unter gewissen Umständen eine separate Beurteilung vorzunehmen
ist. Sofern nicht im kommunalen Polizeireglement oder aufgrund der ausdrücklichen
Anweisung der Gemeindebehörden etwas anderes verlangt wird, empfiehlt das BAFU, die
Mittags-Ruhezeit an Sonn- und Feiertagen auf 12:00 bis 14:00 Uhr anzusetzen. Eine
wichtige Grundlage für Lärmberechnungen sind die den zu beurteilenden Tätigkeiten
zugrunde liegenden Emissionskennwerte bzw. Schallleistungspegel. Diese können
46 BGE 133 II 292 E. 3.3, mit weiteren Hinweisen 47 BGE 133 II 292 und BGer 1C_169/2008 vom 5. Dezember 2008 48 BGer 1C_278/2010 vom 31. Januar 2011 E. 4.4.6
RA Nr. 110/2016/119 18
entweder anhand spezifischer Lärmmessungen ermittelt oder aus der Fachliteratur
beigezogen werden.49 Die Vollzugshilfe empfiehlt in Anlehnung an die 18. BImSchV ein an
die schweizerischen Empfindlichkeitsstufen angepasstes Richtwertschema.50 Grundlage für
die Ermittlung der Lärmbelastung bildet in der Regel ein Nutzungskonzept, in dem die
Nutzung der Sportanlage für die unterschiedlichen Tage und Nutzungsintensitäten
(Normalbetrieb/seltene Ereignisse) festgehalten ist. Die Beurteilung der Lärmbelastung
erfolgt sowohl für die unterschiedlichen Nutzungsintensitäten wie auch für die
unterschiedlichen Beurteilungszeiträume: für den Tag ausserhalb der Ruhezeiten, den Tag
innerhalb der Ruhezeiten und die Nacht.51 Die Vollzugshilfe stellt den Vollzugsbehörden
somit Grundsätze und ein Richtwertschema für die Beurteilung des Lärms von
Sportanlagen zur Verfügung, das der schweizerischen Umweltschutzgesetzgebung
entspricht.52
c) Das BAFU prüft regelmässig, ob die Empfehlungen zur Lärmbeurteilung aus Sicht
der Wissenschaft oder der Erfahrung nach wie vor aktuell sind. Aufgrund neuer
Erkenntnisse wird die Vollzugshilfe zurzeit überarbeitet. Die künftige Vollzugshilfe basiert
im Grundsatz immer noch auf der 18. BlmSchV, kann aber als eigenständige Methode
angewendet werden. Die Beurteilungsmethodik soll vereinfacht und an die Methodik der
LSV angepasst werden. Unter anderem sollen die verschiedenen Lärmquellen (bspw.
Sportlärm, Parkplatzlärm, Lärm aus Gartenwirtschaften usw.) separat beurteilt werden.
Anstelle der maximalen Tagesnutzung wird eine über eine intensive Woche (Montag bis
Samstag) gemittelte Tagesnutzung verwendet. Der Sonntag wird weiterhin separat
beurteilt. Das Beurteilungsrichtwertschema wird angepasst. Insbesondere sollen die
Beurteilungszeiten vereinfacht und die Richtwerte geändert werden.53 Die künftige
Vollzugshilfe liegt erst in der Form eines BAFU-internen Entwurfs vor. Geplant ist eine
Konsultation bei allen kantonalen Lärmschutzfachstellen. Der genaue Zeitplan ist noch
nicht bekannt. Die definitive überarbeitete Fassung der Sportlärm-Vollzugshilfe dürfte
daher erst im Sommer oder Herbst 2017 vorliegen. Es ist deshalb noch offen, ob sämtliche
angedachten Änderungen in der künftigen Fassung verbleiben werden. Im vorinstanzlichen
Verfahren erfolgte die Ermittlung und Beurteilung des Lärms des geänderten
49 Vgl. dazu Vollzugshilfe, S. 13 ff. 50 Vgl. dazu Vollzugshilfe S. 19 51 Vgl. dazu Vollzugshilfe S. 19 f. 52 Vgl. BGer 1C_34/2011 vom 27. Juli 2011 E. 2.1, 1C_278/2010 vom 31. Januar 2011 E. 4.4.3 und 4.4.4; AGVE 2012 S. 135 E. 3.4 und 3.5 53 Vgl. dazu Präsentation des BAFU betreffend Überarbeitung der Vollzugshilfe Lärm von Sportanlagen, Akten RA Nr. 110/2016/119, pag. 114 ff.
RA Nr. 110/2016/119 19
Fussballplatzes F._ gestützt auf die aktuelle Vollzugshilfe. Die ist nicht zu
beanstanden. Auch im Beschwerdeverfahren ist deshalb auf die aktuelle Vollzugshilfe
abzustellen.
d) Der vorgesehene Betrieb führt an den Wochenenden zu einer Überschreitung der
massgeblichen Richtwerte der Vollzugshilfe. Unter der Woche können die Richtwerte
eingehalten werden, sofern die Abendspiele vor maximal zehn Zuschauern stattfinden. Die
Lärmschutzfachstelle kam deshalb zur Beurteilung, dass der Betrieb des Sportplatzes
F._ grundsätzlich zu höchstens geringfügigen Lärmimmissionen in der
Nachbarschaft führt. Eine Ausnahme bestehe bezüglich der Spiele der ersten Mannschaft
und der Spiele während der Ruhezeit am Sonntag. Diese Überschreitungen beurteilte die
Lärmschutzfachstelle als erheblich störend. Sie empfahl deshalb verschiedene
Massnahmen zur Lärmminderung, damit die Immissionen für die am stärksten betroffenen
Anwohnerinnen und Anwohner als nicht erhebliche Störungen beurteilt werden könnten.
Abgesehen von der Auflage betreffend Verkehrsdienst, wurden die Nebenbestimmungen
von Ziff. 4.2 in den Gesamtentscheid aufgenommen, damit die Immissionsgrenzwerte
voraussichtlich nicht überschritten werden. Bei ihrer Beurteilung trug die
Lärmschutzfachstelle auch dem Umstand, dass es für die Beurteilung von Sportlärm keine
Grenzwerte, sondern Richtwerte gibt, angemessen Rechnung. Insbesondere erachtete sie
unter Berücksichtigung der Verhältnismässigkeit die Überschreitung der Richtwerte bei den
Spielen der ersten Mannschaft als nicht erheblich störend. Auch die vereinzelte
Überschreitung der Spitzenpegel beim Torjubel beurteilte sie als nicht erheblich störend.
Sie zog weiter in Erwägung, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass bei
Zuschauerzahlen über 700 die Richtwerte für seltene Ereignisse überschritten werden
könnten. Eine allfällige Überschreitung erachtete die Lärmschutzfachstelle als vertretbar
störend. Dass die Vorinstanz unter diesen Umständen die Beurteilung der
Lärmschutzfachstelle teilte und deren Empfehlungen übernahm, ist somit nicht zu
beanstanden.
6. Spielverbot während der Ruhezeit am Sonntag
a) Der Beschwerdeführer 3 macht geltend, das sonntägliche Spielverbot sei für ihn zu
einschränkend. Er setze seit Jahren jeweils am Sonntag zwischen 12:00-14:00 Uhr
ausschliesslich Juniorenspiele an. Dieser Zeitraum sei für den reibungslosen Spielbetrieb
RA Nr. 110/2016/119 20
von erheblicher Bedeutung. Reklamationen seien keine bekannt. Ein Zusammenhang mit
dem Einbau des Kunstrasens bestehe nicht. Der angefochtene Entscheid unterstelle
unterschwellig und fälschlicherweise, es würden auch Spiele der Aktivmannschaft
stattfinden. Soweit eine Nebenbestimmung betreffend die sonntägliche Ruhezeit
aufgenommen werde, müsse berücksichtigt werden, dass mangels Reklamationen bei der
Interessenabwägung das Vorsorgeprinzip weniger stark gewichtet werden müsse.
b) Die Lärmermittlung und -beurteilung erfolgt nicht gestützt auf den konkreten
Spielbetrieb des Beschwerdeführers 3. Massgebend ist viel mehr das Betriebskonzept der
Beschwerdegegnerin bzw. der in den Lärmprognosen der Beschwerdegegnerin beurteilte
Modellbetrieb. Dieser sieht am Sonntag von 10:00-18:00 normale Spiele mit 100
Zuschauern vor. Die Lärmschutzfachstelle und die Vorinstanz haben deshalb ihre
Beurteilung zu Recht auf dieses Benutzungsmodell abgestellt. Die gemäss
Betriebskonzept beantragten Benützungszeiten und Nutzungsarten wurden mit Ausnahme
der Ruhezeit an Sonntagen von 12:00-14:00 Uhr bewilligt. Grund für diese Auflage
(Spielverbot während der Ruhezeit am Sonntag) ist, dass die Richtwerte an den
massgeblichen Immissionspunkten gemäss Bericht der J._ AG vom 18. Dezember
2012 bei einem normalen Spiel in der Ruhezeit bei drei Liegenschaften erreicht und bei
zehn Liegenschaften um 1-7dB(A) überschritten werden.54 Die massgeblichen
Belastungswerte sind somit nicht eingehalten. Deshalb müssen die Emissionen der Anlage
vermindert werden, beispielsweise durch die Anordnung einschränkender Betriebszeiten
und Nutzungseinschränkungen. Als mögliche Massnahme empfiehlt der Bericht in Ziff. 6
deshalb eine Einschränkung der Betriebszeit am Sonntag zwischen 12:00-14:00 Uhr.55 Die
kantonale Lärmschutzfachstelle hat die Überschreitungen als erheblich störend beurteilt
und empfohlen, dass während der Ruhezeit an Sonntagen kein Spielbetrieb stattfinden
dürfe. Diese Massnahme dient somit der Einhaltung der Belastungswerte. Die Vorinstanz
hat diese Beurteilung geteilt und deshalb eine entsprechende Auflage in den
Gesamtentscheid aufgenommen. Diese Beurteilung ist nachvollziehbar und überzeugt. Die
Einschränkung der Betriebszeiten am Sonntagmittag ist technisch und betrieblich möglich,
da sie einzig eine Anpassung der künftigen Spielpläne erfordern. Angesichts des
Umstandes, dass sich der Sportplatz F._ mitten in einem Wohnquartier befindet,
überwiegt das Ruhebedürfnis der Nachbarinnen und Nachbarn am Sonntagmittag das
Interesse an der lärmverursachenden Tätigkeit.
54 Vgl. Vorakten pag. 093 f. 55 Vgl. Vorakten pag. 091
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c) Gemäss Auskunft des BAFU soll der Sonntag auch nach dem internen Entwurf der
künftigen Vollzugshilfe weiterhin separat beurteilt werden, es wird aber voraussichtlich
keine fixe Mittagsruhezeit am Sonntag mehr vorgesehen sein.56 Falls die Vollzugshilfe in
dieser Form publiziert wird, werden die Lärmimmissionen über Mittag nicht mehr speziell
ermittelt. Das heisst aber nicht, dass die Vollzugsbehörden künftig keine Mittagsruhe mehr
anordnen können. Betriebsvorschriften wie etwa Beschränkungen der Betriebszeiten zum
Schutz der Nacht-, Sonntags und Mittagsruhe werden weiterhin zulässig sein.57 Da sich der
Fussballplatz mitten im Wohngebiet befindet, wäre wohl auch unter dem Titel der Vorsorge
eine Beschränkung des Spielbetriebs am Sonntagmittag gerechtfertigt, um dem erhöhten
Anspruch der Nachbarschaft auf Ruhe am Sonntag angemessen Rechnung zu tragen.
Dies kann jedoch offen gelassen werden, da noch offen ist, wie die künftige Vollzugshilfe
ausgestaltet sein wird. Im Übrigen steht es der Beschwerdegegnerin offen, das
Betriebskonzept entsprechend den Bedürfnissen des Beschwerdeführers 3 zu überarbeiten
und auf seine Bewilligungsfähigkeit überprüfen zu lassen.
d) Zusammenfassend steht fest, dass die Vorinstanz zu Recht eine Einstellung des
Spielbetriebs am Sonntagmittag angeordnet hat. Aus diesen Gründen werden die
Rechtsbegehren der Beschwerdegegnerin und des Beschwerdeführers 3 betreffend Alinea
1 der Nebenbestimmungen abgewiesen.
7. Lautsprecheranlage
a) Die Auflage, wonach die Lautsprecheranlage nur bei Spielen der ersten Mannschaft
eingesetzt werden darf, ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Die Vorinstanz hat
zusätzlich angeordnet, dass die Lautsprecheranlage nur für die beim Matchbetrieb
notwendigen Durchsagen verwendet werden darf und dass auf die Hintergrundbeschallung
mit Musik zu verzichten ist. Diese Auflage ist umstritten. Die Beschwerdegegnerin macht
geltend, die Auflage sei zu wenig klar. Sie beantragt in ihrem Eventualbegehren folgende
Formulierung: «Die Lautsprecheranlage darf nur für Durchsagen beim Matchbetrieb
verwendet werden.» Der Beschwerdeführer 3 beantragt in seinem Eventualbegehren
folgenden Wortlaut: «Die Lautsprecheranlage sei beim Match- respektive Spielbetrieb der
56 Vgl. Präsentation des BAFU betreffend Überarbeitung der Vollzugshilfe Lärm von Sportanlagen, Akten RA Nr. 110/2016/119, pag. 127 57 Schrade/Loretan, in Kommentar USG, 1998, Art. 12 N. 28 f.
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ersten Mannschaft auch für die Durchsage der Sponsoren und zeitlich limitiert für die
Hintergrundbeschallung mit Musik zu erlauben. Die Lautsprecheranlage sei bei
Grossanlässen zu erlauben.»
b) Gemäss Beurteilung der Lärmschutzfachstelle vom 24. April 201558 werden die
Überschreitungen der Richtwerte um bis zu 3 dB(A) bei normalen Spielen der ersten
Mannschaft nur dann als nicht erheblich störend beurteilt, wenn auf das Abspielen von
Musik verzichtet wird. Die Auflage, dass auf die Hintergrundbeschallung mit Musik zu
verzichten ist, ist deshalb bereits aus diesem Grund gerechtfertigt. Zudem sind aufgrund
des Vorsorgeprinzips auf alle nicht mit dem Fussballspiel zusammenhängenden lärmigen
Aktivitäten zu verzichten. Das Abspielen von Musik ist für das Fussballspielen nicht
erforderlich und zwar weder eine halbe Stunde vor Spielbeginn, noch während des Spiels,
noch während der viertelstündigen Pause oder nach dem Spiel. Zudem würde dies den
aktualisierten Betriebsannahmen gemäss Bericht der J._ AG vom 7. April 2015
widersprechen: Danach beruht die Lärmprognose darauf, dass die Lautsprecheranlage nur
während Grossanlässen und Spielen der ersten Mannschaft am Samstagnachmittag
benützt wird und pro Spiel lediglich während maximal einer Stunde in Betrieb ist.59 Soweit
sie darüber hinaus für Grossanlässe bzw. seltene Ereignisse ohne Beteiligung der ersten
Mannschaft verwendet werden soll, ist wie bis anhin eine Ausnahmebewilligung nach Art. 6
Abs. 3 des Reglements zur Bekämpfung des Betriebs- und Wohnlärms60 einzuholen.
Im Übrigen erläutert die Lärmschutzfachstelle in ihrer Stellungnahme vom 8. Oktober
201561 überzeugend und nachvollziehbar, warum sich Zuschauer bei Musikbeschallung
erfahrungsgemäss lauter unterhalten, was zu einem insgesamt höheren Immissionspegel
führe. Auch unter dem Titel der vorsorglichen Emissionsminderung hat die Vorinstanz
deshalb zu Recht eine zeitlich und inhaltlich begrenzte Nutzung der Lautsprecheranlage für
die beim Matchbetrieb notwendigen Durchsagen verfügt sowie ein Verbot der
Hintergrundbeschallung mit Musik erlassen. Als Baugesuchstellerin und
Grundeigentümerin ist die Beschwerdegegnerin grundsätzlich die richtige Adressatin dieser
Nebenbestimmung. Soweit noch nicht vorhanden, hat sie ein entsprechendes
Benutzungsreglement für den Fussballplatz F._ zu erlassen oder die
Beschwerdeführerin 3 anderweitig zur Einhaltung der Auflagen zu verpflichten. Im Übrigen
58 Vgl. Vorakten pag. 727 ff. 59 Vgl. Vorakten pag. 247 60 Reglement vom 4. Juni 1961 zur Bekämpfung des Betriebs und Wohnlärms (SSSB 824.1) 61 Vgl. Vorakten pag. 579 ff.
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genügen für die Durchsetzung eines die Anwohnerschaft schonenden Spielbetriebs die
Vorschriften von Art. 13 des Reglements zur Bekämpfung des Betriebs- und Wohnlärms.
c) Die Beschwerdegegnerin macht geltend, die Auflage sei zu wenig klar. Ihr
Formulierungsvorschlag trägt jedoch auch nicht zur Klärung bei, welche Durchsagen
erlaubt sind und welche nicht. Der Beschwerdeführer 3 erläutert in ihrer Stellungnahme
vom 14. November 2016, der Stadionkatalog der 1. Liga schreibe vor, dass das Stadion mit
einer Beschallungsanlage auszustatten sei. Diese sei so zu konzipieren, dass
sicherheitsrelevante Durchsagen auch bei ungünstigsten Verhältnissen im Zutritts-,
Aufenthalts- und Zuschauerbereich zu verstehen seien. Im Übrigen habe sie den
Vorschriften kantonaler Feuerversicherer zu entsprechen. Es entspreche einer seit Jahren
geübten Praxis aller Vereine, vor dem Spiel Hintergrundmusik zu spielen, die
Mannschaftsaufstellung bekannt zu geben, Sponsoren zu nennen sowie Spielstand,
Spielerwechsel, Zuschauerzahl und die Voranzeige für das nächste Heimspiel mitzuteilen.
Während der Pause sei es üblich, Hintergrundmusik abzuspielen und allfällige Sponsoren
erneut zu nennen.
d) Der Verzicht auf die Hintergrundmusik ist nach dem bisher Ausgeführten erforderlich,
damit der Spielbetrieb der ersten Mannschaft nicht zu erheblich störenden Immissionen
führt. Zudem ist er technisch und betrieblich ohne weiteres möglich und auch wirtschaftlich
tragbar. Hingegen ist nachvollziehbar, dass ein Verbot, Sponsoren zu nennen, für den
Beschwerdeführer 3 mit wirtschaftlich nachteiligen Folgen verbunden sein dürfte. Das
Nennen von Sponsoren wurde im Fachbericht der Lärmschutzfachstelle auch nicht
ausdrücklich als problematisch erwähnt. Es ist dem Beschwerdeführer 3 deshalb zu
ermöglichen, dass er die Sponsoren einmal pro Spiel nennen darf. Weitere Durchsagen zu
Reklamezwecken sind für das Fussballspiel hingegen nicht erforderlich und deshalb nicht
erlaubt. Dies ergibt sich im Übrigen auch Art. 6 Abs. 1 und 2 des Reglements zur
Bekämpfung des Betriebs- und Wohnlärms, wonach im Freien der belästigende Gebrauch
von Lautsprechern und dergleichen untersagt ist, ebenso die Verwendung von
Lautsprechern zu Reklamezwecken. Ausnahmen sind lediglich für besondere
Veranstaltungen möglich.
e) Aus diesen Gründen wird das Eventualbegehren der Beschwerdegegnerin betreffend
Alinea 3 der Nebenbestimmungen abgewiesen. In teilweiser Gutheissung des
Eventualbegehrens des Beschwerdeführers 3 wird die Nebenbestimmung Alinea 3
folgendermassen präzisiert: «Die Lautsprecheranlage darf nur für die beim Matchbetrieb
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notwendigen Durchsagen (sicherheitsrelevante Durchsagen, Bekanntgabe der
Mannschaftsaufstellung, der Spielstand, der Spielerwechsel und der Zuschauerzahl,
einmalige Nennung der Sponsoren und Voranzeige des nächsten Heimspiels) verwendet
werden.»
8. Verkehrsdienst
a) Die Beschwerdegegnerin beantragt die ersatzlose Aufhebung der Auflage Alinea 4,
wonach bei Grossanlässen bzw. hohem Besucherraufkommen ein genügend
dimensionierter Verkehrsdienst einzusetzen ist. Der Beschwerdeführer 3 wiedersetzt sich
einer Auflage, bei gewissen Anlässen einen Verkehrsdienst einzusetzen, nicht
grundsätzlich. Er weist lediglich darauf hin, dass es für sie kaum vorhersehbar sei, ob mit
einem überdurchschnittlichen Publikumsaufmarsch zu rechnen sei. Mit Blick auf die
Vorhersehbarkeit und Zumutbarkeit könne grundsätzlich nur für Grossanlässe und seltene
Ereignisse eine einigermassen verlässliche Prognose gemacht werden. Die
Nebenbestimmung sei folglich so zu präzisieren, dass nicht wie im angefochtenen
Entscheid auf das Kriterium des hohen Besucheraufkommens für sich allein abgestellt
werde.
b) Gemäss Beurteilung der Lärmschutzfachstelle vom 24. April 201562 hat es in der
unmittelbaren Umgebung des Sportplatzes F._ genügend öffentliche Parkplätze.
Aufgrund ihrer Erfahrung beurteilt sie den Sekundärlärm der Sportanlage als wenig
problematisch, da der Besucherzu- und -weggang selbst bei Grossanlässen mehrheitlich
geordnet ablaufe. Bei gewissen Anlässen könne jedoch bei nicht genügend grosser
Parkfläche durchaus sogenannter Suchverkehr entstehend. Diesem könne mit einem
geeigneten Konzept begegnet werden. Des Weiteren sei bei einem Grossanlass ein
geeigneter und genügend dimensionierter Verkehrsdienst einzusetzen. Die umstrittene
Auflage bezweckt somit, bei Grossanlässen den Parkplatzsuchverkehr einzudämmen. Es
handelt sich dabei um eine Betriebsvorschrift im Sinn von Art. 12 Abs. 1 Bst. c USG, die
zur Begrenzung der verkehrsbedingten Emissionen bei Grossanlässen geeignet ist.63 Der
Antrag der Beschwerdegegnerin, Alinea 4 der Nebenbestimmungen aufzuheben, wird
deshalb abgewiesen.
62 Vgl. Vorakten pag. 727 ff. 63 Vgl. Thomas Widmer Dreifuss, a.a.O., S. 364
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c) Es trifft allerdings zu, dass die Auflage nicht genügend klar formuliert ist. Ein
Verkehrsdienst ist dann erforderlich, wenn aufgrund des zu erwartenden grossen
Besucheraufkommens mit Suchverkehr im Quartier zu rechnen ist. Aufgrund der
nachvollziehbaren Beurteilung der Lärmschutzfachstelle ist dies bei Anlässen, die zum
Normalbetrieb gehören, nicht der Fall. Die Auflage wird deshalb entsprechend dem
Eventualantrag des Beschwerdeführers 3 wie folgt angepasst: «Bei Grossanlässen bzw.
seltenen Ereignissen mit hohem Besucheraufkommen ist in Absprache mit den
zuständigen Verwaltungsstellen bei Bedarf ein genügend dimensionierter Verkehrsdienst
einzusetzen.»
9. Geräuschintensive Instrumente
a) Sowohl die Beschwerdeführenden 1 und 2 als auch der Beschwerdeführer 3 und die
Beschwerdegegnerin beantragen eine Änderung bzw. die ersatzlose Aufhebung der
Nebenbestimmung Alinea 5, wonach auf die Zuschauer dahingehend eingewirkt werden
muss, dass diese auf geräuschintensive Instrumente verzichten.
b) Bei der Auflage bezüglich der geräuschintensiven Instrumente handelt es sich um
eine Betriebsvorschrift, die grundsätzlich zulässig ist. Gemäss Beurteilung der
Lärmschutzfachstelle vom 24. April 201564 ist eine Einschränkung des Einsatzes von
geräuschintensiven Signalhörnern, Trommeln, Rasseln, Pfeifen, Megaphonen und
dergleichen in Betracht zu ziehen und gemäss ihrer Einschätzung in einer Zone mit
Empfindlichkeitsstufe II auch verhältnismässig. Der Einsatz solcher Instrumente führe
subjektiv zu mehr als erheblichen Störungen der Anwohnerschaft. Diese Beurteilung ist
nachvollziehbar. Es gehört zwar zu einem Fussballspiel, dass die Fans ihre Mannschaft
lautstark unterstützen. Es ist jedoch nicht erforderlich, dass sie zu diesem Zweck
lärmintensive Instrumente verwenden. Es sind deshalb Vorkehrungen zu treffen, dass die
Zuschauer keine übermässig lärmerzeugenden Geräte oder Gegenstände verwenden.
Diese Massnahme ist nach dem bisher Ausgeführten erforderlich, damit der Spielbetrieb
der ersten Mannschaft nicht zu erheblich störenden Immissionen führt. Zudem ist sie
technisch und betrieblich ohne weiteres möglich. Das Ruhebedürfnis der Nachbarschaft
überwiegt das Interesse an dieser für den Spieltrieb nicht notwendigen
lärmverursachenden Tätigkeit. Sie entspricht auch Art. 6 des Reglements zur Bekämpfung
64 Vgl. Vorakten pag. 727 ff.
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des Betriebs- und Wohnlärms, wonach im Freien übermässiger Lärm zu vermeiden ist und
der belästigende Gebrauch von Tonverstärkern, Lautsprechern, Musikautomaten und
dergleichen untersagt ist.
Soweit der Beschwerdeführer 3 und die Beschwerdegegnerin die Aufhebung dieser
Auflage beantragen, ist ihre Beschwerde deshalb abzuweisen. Den Beschwerdeführenden
1 und 2 ist insoweit zuzustimmen, dass die fragliche Auflage nicht klar genug formuliert ist.
In teilweiser Gutheissung ihrer Beschwerde wird deshalb die Nebenbestimmung Alinea 5
durch folgenden Wortlaut ersetzt: «Es dürfen keine geräuschintensiven Instrumente wie
Signalhörner, Trommeln, Rasseln, Pfeifen, Megaphone usw. verwendet werden.»
c) Hingegen kann es nicht Sache der Baubewilligungsbehörde oder der
Beschwerdeinstanz sein, im Vornherein festzulegen, welche Folgen ein Verstoss gegen
diese Auflage haben soll. Gemäss den Ausführungen des Beschwerdeführers 3 steht ein
Spiel-abbruch in der alleinigen Kompetenz des Spielleiters, wobei die Reglemente des
Fussballverbandes keinen Spielabbruch oder Spielunterbruch wegen der Verwendung
lärmintensiver Instrumente vorsehen würden. Die von den Beschwerdeführenden 1 und 2
beantragte Ergänzung der Nebenbestimmung ist deshalb nicht durchsetzbar, entscheidet
doch der Schiedsrichter und nicht die Baupolizeibehörde darüber, unter welchen
Umständen ein Fussballspiel zu unterbrechen oder gar abzubrechen ist. Soweit die
Beschwerdeführenden 1 und 2 beantragen, die Auflage sei so zu ergänzen, dass bei
Einsatz derartiger Instrumente der Spielbetrieb zu unterbrechen, im Wiederholungsfall
abzubrechen sei, ist ihre Beschwerde deshalb abzuweisen. Die Durchsetzung der
fraglichen Auflage ist Sache der zuständigen Behörden der Beschwerdegegnerin. Als
Grundeigentümerin kann sie eine Nutzungsordnung für den Fussballplatz aufstellen und
darin insbesondere die Verwendung lärmintensiver Instrumente untersagen. Sie kann
zudem gestützt auf Art. 15 des Reglements zur Bekämpfung des Betriebs- und Wohnlärms
gegen jede vorschriftswidrige Lärmverursachung einschreiten. Zudem sind
Widerhandlungen gegen dieses Reglement strafbar (vgl. Art. 13). Als Baupolizeibehörde
kann sie im Falle eines Verstosses gegen diese Auflage die nötigen Anordnungen treffen
und beispielsweise anordnen, dass die Spiele der ersten Mannschaft auf einem anderen
Fussballplatz ausgetragen werden müssen. Auch der Beschwerdeführer 3 hat zahlreiche
Möglichkeiten, die Nebenbestimmung durchzusetzen (Anschlagblätter, direkte Ansprache
der entsprechenden Zuschauer, Eingangskontrolle). Dies gilt umso mehr, als ihm gemäss
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den Vorakten die fraglichen Zuschauer, die diese lärmintensiven Instrumente hauptsächlich
verwenden, namentlich bekannt sind.
10. Zusammenfassung und Kosten
a) Zusammenfassend steht fest, dass die Nutzungskapazität des Fussballplatzes
F._ mit dem Einbau des Kunstrasens beträchtlich erhöht worden ist. Es handelt
sich deshalb um eine wesentliche Änderung. Folglich müssen die Lärmemissionen der
neuen oder geänderten Anlageteile so weit begrenzt werden, als dies technisch und
betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist. Die Lärmemissionen der gesamten
Anlage müssen mindestens so weit begrenzt werden, dass die Immissionsgrenzwerte nicht
überschritten werden. Dazu braucht es die Nebenbestimmungen von Ziff. 4.2
grundsätzlich. Sie sind lediglich geringfügig anzupassen.
b) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 1'200.00 pro Beschwerde (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 und
Art. 21 Abs. 3 GebV65). Zusätzliche Kosten sind keine angefallen. Die Verfahrenskosten
betragen somit insgesamt Fr. 3'600.00.
Die Beschwerdeführenden 1 und 2 dringen mit ihrer Beschwerde teilweise durch. Sie
haben deshalb für die Behandlung ihrer Beschwerde nur Fr. 600.00 zu bezahlen. Der
Beschwerdeführer 3 und die Beschwerdegegnerin haben die Abweisung dieser
Beschwerde beantragt. Sie unterliegen deshalb teilweise und haben je Fr. 300.00 zu
bezahlen. Soweit auf die Beschwerde des Beschwerdeführers 3 überhaupt eingetreten
werden kann, dringt er mit seinen Hauptanträgen nicht durch. Seine Eventualbegehren
werden einzig insoweit gutgeheissen, als die Auflagen bezüglich Gebrauch der
Lautsprecheranlage und Verkehrsdienst präzisiert werden. Er hat deshalb für die
Behandlung seiner Beschwerde Fr. 1'000.00 zu bezahlen. Die Beschwerdeführenden 1
und 2 haben die Abweisung dieser Beschwerde beantragt. Sie unterliegen deshalb
teilweise und haben Fr. 200.00 zu bezahlen. Die Beschwerdegegnerin dringt mit ihrer
Beschwerde nicht durch. Sie hat deshalb für die Behandlung ihrer Beschwerde Fr. 1'200.00
65 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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zu bezahlen. Die Beschwerdeführenden 1 und 2 haben somit insgesamt Fr. 800.00, der
Beschwerdeführer 3 insgesamt Fr. 1'300.00 und die Beschwerdegegnerin Fr. 1'500.00 zu
bezahlen.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten umfassen den durch die
berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11
Abs. 1 PKV66 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren
Fr. 400.00 bis Fr. 11'800.00 pro Instanz. Ein Zuschlag von bis zu 100 Prozent auf das
Honorar wird gewährt bei Verfahren, die besonders viel Zeit und Arbeit beanspruchen (Art.
16 i.V.m. Art. 9 PKV). Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz
nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung der Streitsache und
der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG67). Angesichts des Umstandes, dass
im vorliegenden Fall drei Beschwerdeverfahren vereinigt worden sind und daher mehrere
Beschwerdeantworten und Schlussbemerkungen erforderlich waren, geben die
Kostennoten der Anwälte bzw. der Anwältin der Parteien zu keinen Bemerkungen Anlass.
Die Beschwerdeführenden 1 und 2 obsiegen mit ihrer eigenen Beschwerde zur Hälfte. Mit
ihren Anträgen zur Beschwerde des Beschwerdeführers 3 obsiegen sie zu etwa 85
Prozent, mit ihren Anträgen zur Beschwerde der Beschwerdegegnerin obsiegen sie
vollumfänglich. Es rechtfertigt sich deshalb, dass sie 80 Prozent ihrer Parteikosten von
insgesamt Fr. 13'937.40, ausmachend Fr. 11'149.90, erstattet erhalten. Bei der Verteilung
dieses Kostenanteils zwischen dem Beschwerdeführer 3 und der Beschwerdegegnerin ist
zu berücksichtigen, dass die Beschwerdegegnerin mit ihrer Beschwerde vollumfänglich
unterliegt. Daher hat sie etwas mehr als die Hälfte des Parteikostenersatzes an die
Beschwerdeführenden 1 und 2 zu übernehmen. Aus diesen Gründen hat der
Beschwerdeführer 3 den Beschwerdeführenden 1 und 2 Fr. 5'017.50 und die
Beschwerdegegnerin Fr. 6'132.40 zu bezahlen. Der Beschwerdeführer 3 obsiegt mit seiner
Beschwerde zu etwa 15 Prozent und gegenüber den Beschwerdeführenden 1 und 2 zur
Hälfte. Es rechtfertigt sich deshalb, dass er 30 Prozent seiner Parteikosten von insgesamt
8'270.40, ausmachend Fr. 2'481.10, erstattet erhält. Dieser Anteil wird den
66 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811) 67 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11)
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Beschwerdeführenden 1 und 2 zur Bezahlung auferlegt. Die Beschwerdegegnerin
unterliegt mit ihrer Beschwerde vollumfänglich. Gegenüber den Beschwerdeführenden 1
und 2 obsiegt sie zur Hälfte. Es rechtfertigt sich deshalb, dass sie 20 Prozent ihrer
Parteikosten von insgesamt 9'955.45, ausmachend Fr. 1'991.10, erstattet erhält. Dieser
Anteil wird den Beschwerdeführenden 1 und 2 zur Bezahlung auferlegt.