Decision ID: 67457a10-37d1-5be0-bf75-03a713615f6a
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ist Angehöriger einer kurdischen Grossfamilie aus
der Provinz B._ (respektive der Provinz C._). Er ersuchte
am 3. Oktober 2016 um Asyl in der Schweiz nach. Im Rahmen des ordentli-
chen Asylverfahrens machte er im Wesentlichen geltend, zwei seiner Brü-
der, D._ (N [...]) und E._ (N [...]), hätten in der Schweiz Asyl
erhalten und er befürchte, einer Verfolgung wegen dieser beiden Angehö-
rigen ausgesetzt zu sein. Er verwies sodann auf die kriegsbedingt schwie-
rige Lebenssituation im Heimatstaat. Im Weiteren machte er geltend, we-
gen Tätigkeiten für den Kurdischen Nationalrat (ENKS) sowie die NGO
F._ im Dezember 2015 während (...) Tage von Mitgliedern der Par-
tei der Demokratischen Union (Partiya Yekitiya Demokrat, PYD), festgehal-
ten worden zu sein.
B.
Mit Verfügung vom 29. Januar 2020 verneinte das SEM die Flüchtlingsei-
genschaft des Beschwerdeführers und lehnte sein Asylgesuch ab. Es ver-
fügte die Wegweisung aus der Schweiz, ordnete aber gleichzeitig die vor-
läufige Aufnahme des Beschwerdeführers infolge Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs an.
C.
Eine gegen diese Verfügung am 29. Februar 2020 vor dem Bundesverwal-
tungsgericht erhobene Beschwerde wurde mit Urteil E-1205/2020 vom
20. März 2020 abgewiesen.
Im Wesentlichen wurde ausgeführt, Verbindungen des Beschwerdeführers
zur F._-Hilfsorganisation seien von ihm mit mehreren Beweismitteln
dokumentiert worden; das Gleiche gelte für die Mitgliedschaft des Be-
schwerdeführers im kurdischen Nationalrat, der damit über ein gewisses
politisches Profil verfüge. Die vom Beschwerdeführer glaubhaft beschrie-
bene (...)tägige Festhaltung durch die PYD und die während diesen Tagen
erfolgten Verhöre und Drohungen liessen sich im politischen Kontext
grundsätzlich in Einklang bringen. Diese Erlebnisse seien zweifellos äus-
serst unangenehm und belastend gewesen. Sie würden aber offensichtlich
keine flüchtlingsrechtlich relevante Intensität aufweisen. Die vom Be-
schwerdeführer beschriebenen wohlwollenden Äusserungen der PYD-An-
gehörigen unmittelbar vor seiner Freilassung würden zudem die Vermu-
tung nahelegen, dass der Geheimdienst des PYD sich von ihm davon habe
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überzeugen lassen, dass er sich in erster Linie in humanitärer Hinsicht en-
gagiert habe. Hinzu komme, dass der Beschwerdeführer in der Folge noch
achteinhalb Monate lang in G._ verblieben sei, ohne dass es zu
weiteren Problemen mit der PYD gekommen sei. Unter diesen Umständen
sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer hypo-
thetischen Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehba-
rer Zukunft durch die PYD zugefügte erhebliche Nachteile im Sinn von
Art. 3 Abs. 2 AsylG zu gewärtigen hätte. Soweit erst auf Beschwerdeebene
ausgeführt werde, der Name des Beschwerdeführers – wie auch derjenige
seines in der Schweiz asylberechtigten Bruders – sei auf dem Internetpor-
tal «Zaman al Wasl» registriert, sei Folgendes festzustellen: Nach Kenntnis
des Gerichts hätten in der Vergangenheit verschiedene Medien mutmass-
liche (geleakte) Suchlisten syrischer Behörden publiziert, die bis zu 1,5 Mil-
lionen Einträge enthalten sollen. Die Authentizität und Aktualität der Daten
lasse sich nicht mit Bestimmtheit beurteilen, zumal die betreffenden Me-
dien nur sehr spärlich Informationen über ihre Quellen preisgeben würden.
Die Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH) schätze die Daten von
«Zaman al Wasl» als grundsätzlich zuverlässig ein. In der Beschwerde
werde erwähnt, dass bei den Eintragungen auf der Liste von
«Zaman al Wasl» teilweise auch der die Fahndung bewirkt habende Ge-
heimdienst sowie der Grund der Suche erwähnt seien. Dies sei jedenfalls
auf dem den Beschwerdeführer betreffenden Ausdruck nicht der Fall. Viel-
mehr sei als zuständige syrische Amtsstelle gemäss der eingereichten
Übersetzung merkwürdigerweise das «Handelsministerium» angegeben
und unter der Rubrik Massnahme sei der Begriff «Ausreiseverbot» ver-
merkt. Falls es sich beim eingereichten Beweismittel um ein echtes (und
aktuelles) Dokument handeln sollte, wären die Hintergründe dieser Fahn-
dung völlig unklar. Dies umso mehr als der Beschwerdeführer nie angege-
ben habe, dass er einem Ausreiseverbot unterstanden habe. Zudem habe
er zu Protokoll gegeben, er habe bei seinen beruflichen Kontakten mit sy-
rischen Behörden nie Probleme gehabt, obschon er immer wieder nach
seinen Kontakten befragt worden sei. Bei dieser Aktenlage würden sich
auch keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme ergeben, der Be-
schwerdeführer hätte bei einer hypothetischen Rückkehr nach Syrien eine
flüchtlingsrechtlich relevante (insbesondere relevant motivierte) staatliche
Verfolgung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit zu gewärtigen (vgl. Urteil
E-1205/2020 vom 20. März 2020 E. 10.1 ff.).
Für das ordentliche Verfahren wird auf die entsprechenden Akten der Vor-
instanz N (...) und die des Beschwerdeverfahrens E-1205/2020 verwiesen.
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Seite 4
D.
Am 15. Oktober 2020 (Datum Eingang SEM) reichte der Beschwerdeführer
eine als Mehrfachgesuch bezeichnete Eingabe ein. Zur Begründung wurde
im Wesentlichen ausgeführt, es könne nun mit neuen Beweismitteln die
Suche der syrischen Behörden nach ihm belegt werden. Er habe per Zufall
im Internet seinen Namen auf einer Liste gesuchter Personen entdeckt.
Dabei handle es sich um die Internet-Plattform «Zaman al-Wasl». Gestützt
darauf habe er mittels eines Anwaltes im Heimatstaat weitere Abklärungen
durchführen lassen, um herauszufinden, weshalb nach ihm gesucht werde.
Der Anwalt habe die Kriminalpolizei in B._ um Auskunftserteilung in
strafrechtlicher Hinsicht ersucht. Die Abteilung der Strafregistrierung habe
daraufhin bestätigt, dass gemäss einer Polizeimitteilung aus dem Jahre
2019 gegen den Beschwerdeführer am (...) 2018 ein Haftbefehl erlassen
worden sei. Die Staatsanwaltschaft B._ habe für den Beschwerde-
führer eine Haftstrafe von drei Jahren wegen Arbeitsverweigerung bean-
tragt. Er sei daraufhin zur Fahndung ausgeschrieben worden und es sei
ein Ausreiseverbot gegen ihn verhängt worden. Dies zeige auf, dass er mit
einer unverhältnismässig hohen Haftstrafe rechnen müsse, weshalb ihm
Asyl zu gewähren sei. Des Weiteren verweist der Beschwerdeführer auf
seine exilpolitische Tätigkeit in der Schweiz.
Er reichte folgende Beweismittel zu den Akten:
• Auskunft der syrischen Behörden über die Gründe der Verfolgungs-
massnahmen gegen den Beschwerdeführer (Beilage 2)
• Auszug aus der Internet-Plattform« Zaman al-Wasl» (Beilage 3)
• Fotos und Beiträge des Beschwerdeführers auf sozialen Medien im Zeit-
raum 2013-2019 (Beilage 4)
E.
Mit Verfügung vom 28. Oktober 2020 stellte das SEM fest, die Eingabe
werde als Wiedererwägungsgesuch anhand genommen und wies dieses
ab. Es stellte fest, dass die Vorbringen betreffend exilpolitische Tätigkeiten
zwischen September 2013 bis November 2019 allenfalls revisionsweise
geltend gemacht werden könnten und trat auf dieses Vorbringen mangels
funktioneller Zuständigkeit nicht ein. Die Verfügung des SEM vom 29. Ja-
nuar 2020 wurde für rechtskräftig und vollstreckbar erklärt und eine Gebühr
in der Höhe von Fr. 600.– erhoben.
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F.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer – handelnd durch
seinen Rechtsvertreter – am 26. November 2020 Beschwerde vor dem
Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte, der Entscheid des SEM vom
28. Oktober 2020 sei aufzuheben und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventua-
liter sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und er sei als Flüchtling
vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht wurde beantragt, es sei
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die unent-
geltliche Prozessführung zu gewähren.
G.
Am 30. November 2020 wurde der Eingang der Beschwerde bestätigt.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie-
dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung
auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist
das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
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Seite 6
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise
einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift-
lich und begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfahren
nach den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG
(Art. 111b Abs. 1 AsylG).
4.2 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä-
gungsgesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an
eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage in
Bezug auf Vollzugshindernisse (sogenanntes einfaches Wiedererwä-
gungsgesuch).
4.3 Ebenfalls im Rahmen eines Wiedererwägungsgesuchs geltend zu ma-
chen sind neue Beweismittel, wenn sie geeignet sind, Tatsachen zu bele-
gen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewesen, aber zum Nachteil
der gesuchstellenden Person unbewiesen geblieben sind und erst nach
dem Abschluss des ordentlichen Verfahrens entstanden sind (BVGE
2013/22 E. 6 - 13).
5.
5.1 Das SEM hat zur Begründung seines Entscheids im Wesentlichen er-
wogen, die vom Beschwerdeführer geltend gemachten exilpolitischen Tä-
tigkeiten und die dazu eingereichten Beweismittel (Beilage 4 der Eingabe
vom 15. Oktober 2020) würden einen Zeitraum von September 2013 bis
November 2019 beschlagen und damit vor dem Urteil des BVGer vom
20. März 2020 datieren. Dieses Vorbringen sowie die dazu eingereichten
Beweismittel wären demnach im Rahmen eines allfälligen Revisionsge-
suchs durch das BVGer zu beurteilen. Mangels funktioneller Zuständigkeit
sei daher darauf nicht einzutreten (Art. 9 Abs. 2 VwVG).
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Seite 7
Im ordentlichen Verfahren sei sodann hinsichtlich der Vorbringen festge-
stellt worden, dass diese asylrechtlich nicht relevant seien und der Be-
schwerdeführer keiner speziellen Risikogruppe in Syrien zuzurechnen sei.
An dieser Schlussfolgerung könnten auch die neu eingereichten Beweis-
mittel, der Auszug aus der Internet-Plattform «Zaman al-Wasl» sowie die
Auskunft der syrischen Behörden über die Gründe der Verfolgungsmass-
nahmen gegen den Beschwerdeführer (vgl. Beilagen 2 und 3) nichts än-
dern. Vorerst sei darauf hinzuweisen, dass syrischen Gerichtsdokumenten
kein grosser Beweiswert zukomme, da solche Dokumente einfach fälsch-
bar und beschaffbar seien. Des Weiteren würden sich mehrere Ungereimt-
heiten bezüglich der eingereichten Dokumente ergeben. Die «Auskunft der
syrischen Behörden über die Gründe der Verfolgungsmassnahmen» ge-
gen den Beschwerdeführer enthalte weder Briefkopf noch Kopf- oder Fuss-
zeile, obwohl es sich dabei um ein offizielles und behördlich ausgestelltes
Dokument handeln solle. Auch weise dieses Dokument keine Sicherheits-
merkmale auf. Im Weiteren schweige sich der Beschwerdeführer in der
Eingabe vom 15. Oktober 2020 darüber aus, wann genau, wo und wie die-
ses Dokument in Syrien beschafft worden sei und seinen Weg in die
Schweiz gefunden habe. Gemäss Auskunft der syrischen Behörden solle
gegen den Beschwerdeführer am (...) 2018 ein Haftbefehl erlassen worden
sein. Diesen habe er indessen im ordentlichen Verfahren nicht erwähnt,
auch nicht im Rahmen der Beschwerde vom 28. Februar 2020. Die Daten
der Internet-Plattform «Zaman al-Wasl», auf welcher mutmassliche (gele-
akte) Suchlisten syrischer Behörden publiziert seien, würden sich hinsicht-
lich der Authentizität und Aktualität nicht mit Bestimmtheit beurteilen las-
sen, zumal die betreffenden Medien nur sehr spärlich Informationen über
ihre Quellen preisgeben würden. Laut Inhalt des vom Beschwerdeführer
eingereichten Auszugs aus der Internet-Plattform soll gegen ihn ein Aus-
reiseverbot bestehen. Auch davon habe er im ordentlichen Verfahren
nichts erwähnt. Eigentümlich erscheine in diesem Zusammenhang ferner
der Umstand, dass im Auszug als Amtsstelle das «Handelsministerium»
aufgeführt sei. Indessen sei nicht nachvollziehbar, wieso dieses für den Er-
lass von Ausreiseverboten zuständig sein solle. In der Eingabe vom
15. Oktober 2020 habe der Beschwerdeführer sodann ausgeführt, die
Staatsanwaltschaft B._ habe für ihn eine Haftstrafe von drei Jahren
wegen Arbeitsverweigerung beantragt, er sei daraufhin zur Fahndung aus-
geschrieben worden. Auch davon habe der Beschwerdeführer im ordentli-
chen Verfahren nichts geltend gemacht. Vielmehr habe er ausgeführt, bei
seinen beruflichen Tätigkeiten und Kontakten mit den syrischen Behörden
keine Probleme gehabt zu haben. Aufgrund all dieser Ungereimtheiten be-
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stünden erhebliche Zweifel an der Authentizität der Angaben in der Inter-
net-Plattform «Zaman al-Wasl» betreffend seine Person. Unabhängig von
der Frage der Authentizität würde es diesem Dokument auch an der erfor-
derlichen Erheblichkeit fehlen. Das Fernbleiben von der Arbeit allein sei
nicht asylrelevant und die Gefahr einer asylrechtlich relevanten Bestrafung
lasse sich aus dem Inhalt des besagten Dokumentes – dessen Echtheit
hypothetisch als wahr unterstellt – nicht herleiten.
5.2 In der Beschwerde wird im Wesentlichen geltend gemacht, das vorlie-
gende «Asylgesuch» sei nicht genügend umfassend und sorgfältig geprüft
worden, weshalb das SEM die Pflicht zur vollständigen und richtigen Prü-
fung der Asylgründe verletzt habe. Zudem habe das SEM weitere Rechts-
bestimmungen verletzt, unter anderem Art. 3 und Art. 7 AsyIG sowie Art. 9
BV und Art. 3 EMRK. Die Vorinstanz berufe sich in ihrem Entscheid auf
allgemeine Mutmassungen und nicht auf empirische und konkrete Tatsa-
chen, die gegen eine Asylgewährung sprechen würden. Die Vorinstanz
habe asylrelevante Tatsachen in ihrem Entscheid nicht beachtet und eine
unplausible Begründung geliefert, die spekulativer Natur sei.
Verwiesen wird sodann in allgemeiner Form und ohne Bezug zum Be-
schwerdeführer auf die politische Lage in Syrien insbesondere für opposi-
tionell Tätige, auf Willkür, anhaltende Menschenrechtsverletzungen, insbe-
sondere illegitime Inhaftierungen und Folter durch das Assad-Regime, aber
auch durch die PYD und ihren bewaffneten Arm, welche in den kurdischen
«Selbstverwaltungsgebieten» begangen würden. Ausführungen allgemei-
ner Art wurden sodann auch zum Einmarsch türkischer Truppen im März
2018 im Rahmen der Militäroperation "Olivenzweig" in das von der kurdi-
schen PYD kontrollierte Afrin in Nordsyrien getätigt. Aufgrund der aktuellen
Lage in Syrien bestehe nach wie vor ein signifikantes Sicherheitsrisiko für
die Zivilbevölkerung. Eine Rückkehr dorthin sei nicht möglich.
Sodann werden Ausführungen zu der in Rede stehenden Datenbank ge-
troffen, welche im März 2018 auf einer oppositionsnahen Nachrichtenseite
erschienen sei und 1,5 Millionen Namen von Personen enthalte, die vom
syrischen Regime mit Haftbefehl gesucht würden und die nach eigener
Darstellung auf zugespielten vertraulichen Dokumenten der syrischen Si-
cherheitsbehörden basieren würden. Diese Datenbank sei eine absolut zu-
verlässige und vertrauenswürdige Quelle. Der Beschwerdeführer habe im
Gesuch glaubhaft dargelegt, wie er von der behördlichen Suche nach ihm
und der Registrierung erfahren habe, ebenso wie er das Beweisstück er-
hältlich gemacht habe. Dieses sei von einem Vertrauensanwalt in Syrien
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erhältlich gemacht beziehungsweise ausgestellt worden und kein behörd-
liches Dokument. Nicht jeder syrische Anwalt verwende einen Briefkopf.
Die zuständigen Amtsstellen hätten den Antrag geprüft, ihre Antworten
handschriftlich auf das Antragsblatt geschrieben und mit Stempeln und Un-
terschrift versehen. Dies sei üblich in Syrien. Das Beweisstück enthalte
viele Unterschriften und Stempel von bekannten syrischen Amtsstellen, die
weder gefälscht noch gekauft werden könnten. Das SEM hätte diese Un-
terschriften und Stempel näher auf ihre Authentizität abklären müssen, not-
falls über eine Botschaftsanfrage (Beschwerde S. 17). Es gäbe wahr-
scheinlich versteckte Gründe politischer Natur für die Suche nach dem Be-
schwerdeführer. Der Beschwerdeführer sei staatlich angestellt gewesen.
Die staatlichen Institutionen seien befugt, Massnahmen gegen ihre Mitar-
beiter zu ergreifen, sie anzuklagen, sie nicht ausreisen und sie bestrafen
zu lassen. Legitimiert sei dies durch eine gesetzlich vorgesehene Strafbe-
stimmung (Art. 364; Beschwerde S. 19). Der Beschwerdeführer sei zudem
Angehöriger des kurdischen Nationalrates. Auch in der Schweiz habe er
an Protestaktionen teilgenommen und sei als Redner aufgetreten. Er ver-
öffentliche regelmässig Beiträge auf seinem Facebook-Account.
Für die weiteren Ausführungen zur Ländersituation ohne Bezug zum Be-
schwerdeführer wird auf die Akten verwiesen.
6.
6.1 Die in der Beschwerde erhobene formelle Rüge der Verfahrensverlet-
zung durch das SEM geht vorliegend fehl. Eine unvollständige oder unrich-
tige Feststellung des Sachverhalts ist nicht feststellbar. Das SEM hat den
Sachverhalt, wie er im ausserordentlichen Rechtsmittel vorgebracht wurde,
in seinen Entscheid aufgenommen und diesen sowie die eingereichten Be-
weismittel der materiellen Würdigung zugrunde gelegt. Sofern mit den Aus-
führungen sinngemäss auch eine Verletzung der Begründungspflicht ge-
rügt wird, weil sich das SEM nicht genügend mit den vorgebrachten Tatsa-
chen und Beweismitteln auseinandergesetzt habe, geht auch diese Rüge
fehl. Beide Aspekte bildeten Gegenstand der materiellen Beurteilung. Der
Umstand, dass das SEM aus sachlichen Gründen zu einer anderen Ein-
schätzung in Bezug auf die Tauglichkeit der Beweismittel und die konkrete
Gefährdungslage des Beschwerdeführers gelangt, als von ihm erwartet, ist
als inhaltliche Kritik am Entscheid zu verstehen und bildet Gegenstand der
nachfolgenden materiellen Erwägungen. Insbesondere war das SEM nicht
gehalten, weitere Abklärungen zur Authentizität der eingereichten Beweis-
mittel zu tätigen, beispielsweise durch eine Botschaftsabklärung.
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Seite 10
6.2 Da sich die formellen Rügen als unbegründet erweisen, besteht keine
Veranlassung, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben und an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
7.
7.1 In materieller Hinsicht sind die vorinstanzlichen Erwägungen vollum-
fänglich zu bestätigen und es ist auf diese zur Vermeidung von Wiederho-
lungen vorab zu verweisen.
8.
8.1 An die Substanziierung von ausserordentlichen Rechtsmitteln sind
hohe Anforderungen zu stellen. So hat sich zum einen aus diesen zu erge-
ben, worin genau der neue Sachverhalt oder neue Beweismittel begründet
liegen, die dazu geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu führen.
Dies ist vorliegend jedoch nicht der Fall. In der Beschwerde finden sich vor
allem Ausführungen allgemeiner Art zur politischen Lage und zur Sicher-
heitslage im Heimatstaat des Beschwerdeführers, ohne einen konkreten
Bezug zum vorliegenden Verfahren. Diese Ausführungen sind von vornhe-
rein nicht geeignet, ein ausserordentliches Rechtsmittelverfahren erfolg-
reich zu führen. Was das vom Beschwerdeführer eingereichte Dokumente
anbelangt, ist Folgendes festzustellen: Es ist zunächst darauf hinzuweisen,
dass das Asylgesuch des Beschwerdeführers aus dem Jahr 2016 in einem
ordentlich durchlaufenen Asylverfahren rechtskräftig abgeschlossen
wurde. Die abweisende Verfügung des SEM vom 29. Januar 2020 wurde
mit Urteil E-1205/2020 vom 20. März 2020 des Bundesverwaltungsgerichts
bestätigt und die Beschwerde abgewiesen. Es wurde rechtskräftig festge-
stellt, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt,
weil er keine individuelle Gefährdungssituation glaubhaft machen konnte.
Dabei hat sich das Spruchgremium im genannten Urteil auch einlässlich
mit dem Vorbringen des Beschwerdeführers befasst, dass er auf der Platt-
form «Zaman al-Wasl» als gesuchte Person geführt werde. Im konkreten
Fall wurde eine flüchtlingsrelevante Gefährdung auch unter Berücksichti-
gung dieses Umstandes verneint (vgl. vorangegangene Erwägungen in der
Prozessgeschichte Bst. C). Soweit vorliegend eine Neubeurteilung dieses
bereits beurteilten Sachverhalts im Rahmen eines erneuten Verfahrens an-
gestrebt wird, ist darauf hinzuweisen, dass das ausserordentliche Verfah-
ren nicht dazu dient, rechtskräftige Entscheide einer nochmaligen Beurtei-
lung durch ein anderes Spruchgremium zu unterziehen.
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Seite 11
8.2 Im vorliegenden Verfahren wird nunmehr einzig neu ein Dokument ein-
gereicht, welches vom Juli 2020 und damit nach Abschluss des rechtskräf-
tig abgeschlossenen Asylverfahrens datiert. Das SEM hat dieses daher zu-
treffend unter dem Aspekt der Wiedererwägung geprüft. Das Dokument,
welches laut Ausführungen im Gesuch auf Betreiben eines heimatlichen
Anwalts erstellt worden sein soll, ist auch nach Ansicht des Bundesverwal-
tungsgerichts nicht geeignet, zu einer anderen Einschätzung als der im or-
dentlichen Verfahren getroffenen zu führen. Es ist diesbezüglich auf die
zutreffenden Erwägungen in der nunmehr angefochtenen Verfügung zu
verweisen (vgl. auch E. 4.1). Es ist nicht klar, um was für ein Dokument es
sich hier handeln soll. So enthält es in der Tat keinen Briefkopf, insbeson-
dere nicht den des heimatlichen Anwalts. Es soll sich aber um dessen An-
frage bei den Behörden handeln, ob gegen den Beschwerdeführer Fahn-
dungsbefehle vorliegen. Auf dem gleichen Dokument finden sich verschie-
dene Einträge und Stempelungen ([...]). Formuliert ist sodann unter der
Überschrift «Computer:» «Er ist in der Polizeimitteilung Nr. (...) vom 2019
aufgeführt. Es wurde gegen ihn am (...) 2018 durch die Staatsanwaltschaft
B._ einen Haftbefehl Nr. (...) erlassen. Es wurde für ihn wegen Ver-
brechen der Arbeitsniederlegung (Arbeitsverweigerung) 3 Jahre Haft sowie
eine Busse und Auferlegung der Kosten und Gebühren beantragt.» Ein ent-
sprechender Haftbefehl liegt nicht vor. Weder im Wiedererwägungsgesuch
noch auf Beschwerdeebene konnte sodann nachvollziehbar dargelegt wer-
den, um was für ein Dokument es sich vorliegend handelt und gestützt auf
welche Behördengänge in diesem Dokument die einzelnen Akteure auf ei-
nem «Blankoblatt» die entsprechenden Eintragungen vorgenommen ha-
ben. Das Dokument wirkt insgesamt konstruiert und lässt sich in keinen
nachvollziehbaren Kontext setzen. Es ist ihm daher der Beweiswert abzu-
sprechen. Ergänzend ist festzuhalten, dass die Bestrafung wegen Arbeits-
verweigerung, die gesetzlich vorgesehen ist, nicht per se zur Annahme füh-
ren kann, dass eine Person aus asylrelevanten Motiven verfolgt wird oder
ihr eine illegitime Bestrafung droht (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsge-
richt E-4075/2018 vom 4. Mai 2020 E. 7.1 ff.).
8.3 Insgesamt ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, Gründe dar-
zulegen, die zu einer Wiedererwägung des vorinstanzlichen Entscheids
vom 29. Januar 2020 führen könnten. Folglich hat das SEM das Wiederer-
wägungsgesuch zu Recht abgewiesen und zutreffend festgestellt, dass die
Verfügung vom 29. Januar 2020 rechtskräftig und vollstreckbar ist.
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Seite 12
9.
9.1 Soweit der Beschwerdeführer mit dem Gesuch vom 15. Oktober 2020
im Hinblick auf seine exilpolitische Tätigkeit in der Schweiz in den Jahren
2013-2019 Beweismittel eingereicht hat, ist das SEM darauf zutreffend
mangels funktioneller Zuständigkeit nicht eingetreten. Entsprechende Be-
weismittel könnten allenfalls im Rahmen eines Revisionsgesuches geltend
gemacht werden. Die Revisionsgründe im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a
BGG (neue erhebliche Beweismittel) wären mittels eines Revisionsge-
suchs beim Bundesverwaltungsgericht einzureichen, welches die formel-
len und materiellen Voraussetzungen von Art. 121 ff. BGG erfüllt. Im vorlie-
genden Verfahren wurde kein Revisionsgesuch gestellt und auch keine
konkretisierenden Ausführungen zur exilpolitischen Tätigkeit gemacht.
Weitere Ausführungen erübrigen sich daher vorliegend.
9.2 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 1'500.– festzusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
10.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, da sich die in der Be-
schwerde gestellten Begehren als zum vornherein aussichtslos erweisen.
Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird
mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache gegenstandslos.
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