Decision ID: 075ddfc2-5335-5763-9e6e-2e4cdb2919d7
Year: 2007
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A. Am 3. August 2003 stellte die Beschwerdeführerin in der Schweiz ein Asylgesuch. Dieses wurde mit Verfügung der Vorinstanz vom 12. Mai 2004 abgewiesen und der Vollzug der Wegweisung angeordnet. Auf die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde trat die damals zuständige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) mit Urteil vom 25. Juni 2004 nicht ein.
B. Mit als zweites Asylgesuch bezeichneter Eingabe vom 14. November 2006 () ersuchte die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und um Gewährung der vorläufigen . Eventualiter sei die vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit  Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung anzuordnen. Die  begründete ihr Gesuch damit, sie habe sich in der Schweiz politisch betätigt. Sie sei aktives Mitglied der oppositionellen und regierungsfeindlichen Organisation X._. Als solches habe sie an diversen öffentlichen Veranstaltungen und Demonstrationen gegen die äthiopische Regoirung teilgenommen. Aufgrund ihres exilpolitischen Engagements bestünden subjektive Nachfluchtgründe, welche die Flüchtlingseigenschaft begründen würden. Sie müsste bei einer Rückkehr mit hoher Wahrscheinlichkeit damit rechnen, politisch verfolgt zu werden. Aufgrund ihrer langen Landesabwesenheit würden die äthiopischen Behörden sie verdächtigen, im Ausland für die verbotenen oppositionellen Gruppen aktiv respektive an oppositionellen Aktivitäten beteiligt gewesen zu sein. Im Weiteren müsse sie mit der Ausschaffung nach Eritrea rechnen, wo sie strengen Verhören durch die eritreischen Behörden unterzogen würde. Ihre Furcht, von den äthiopischen Behörden aufgrund ihrer eritreischen Abstammung nach Eritrea deportiert und dort in den Militärdienst zwangsrekrutiert zu werden, sei berechtigt. Gleichzeitig wurde ein  der X._ vom 4. Oktober 2006 als Beweismittel eingereicht.
C. Am 5. Dezember 2006 beauftragte das BFM die Schweizerische Botschaft in Addis Abeba mit Abklärungen. Deren Ergebnis teilte die Botschaft dem BFM mit  vom 13. Februar 2007 mit. Dabei wurde u.a. festgestellt, die  habe an der von ihr angegebenen Adresse in B._ gewohnt. Ihre Familie habe im Jahre 1999 jedoch den Wohnort gewechselt. Der Vater der Beschwerdeführerin sei nicht Eritreer und auch nicht deportiert worden. Er sei zirka 1998 an einer Krankheit gestorben. Die Mutter und zwei Brüder der Beschwerdeführerin hätten nach dem Tod des Vaters ihr Haus verlassen und seien nach C._ umgezogen.
Die Vorinstanz stellte der Beschwerdeführerin am 21. März 2007 ihre  sowie den Bericht der Botschaft zu und gewährte ihr dazu das rechtliche Gehör. Diese nahm mit Schreiben vom 30. März 2007 zu den ihr zur Kenntnis  Abklärungsergebnissen Stellung. Dabei führte sie an, gemäss einem  der zuständigen Verwaltungsbehörde sei ihr Vater im Jahre
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1992 aus Äthiopien ausgereist und sein Aufenthaltsort sei seither unbekannt. Entgegen der Angaben in der Botschaftsauskunft seien ihre Brüder in D._ und hätten dort ein Asylgesuch eingereicht. Gleichzeitig wurde ein Schreiben vom 19. Dezember 1998 mit deutscher Übersetzung als Beweismittel eingereicht.
D. Mit Verfügung vom 15. Mai 2007 qualifizierte die Vorinstanz die Eingabe vom 14. November 2006 als Wiedererwägungsgesuch und lehnte dieses ab.  erklärte sie die Verfügung vom 12. Mai 2004 als rechtskräftig und vollstreckbar und hielt fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. Zur Begründung führte das BFM aus, aufgrund der Abklärungsergebnisse der Botschaft müsse davon ausgegangen werden, dass der Vater der Beschwerdeführerin äthiopischer Staatsangehöriger gewesen sei, nie eine Deportation nach Eritrea zu befürchten gehabt habe und 1998 an einer Krankheit gestorben sei. Daher drohe der Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Äthiopien sicherlich keine Abschiebung nach Eritrea. Im Übrigen sei nicht nachvollziehbar, weshalb sie sich (...) exilpolitisch (...)hätte engagieren sollen.
E.
F. Mit Eingabe vom 15. Juni 2007 an das Bundesverwaltungsgericht beantragte die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter die Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es sei festzustellen, dass subjektive Nachfluchtgründe vorliegen  und die Beschwerdeführerin sei als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Eventualiter sei die vorläufige Aufnahme infolge Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung anzuordnen. In  Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Auf die Begründung im Einzelnen wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen . Die Beschwerdeführerin reichte zudem ein Bestätigungsschreiben der Y._ und einen Mitgliederausweis der X._ zu den Akten.
G.
H. Mit Telefax vom 18. Juni 2007 ersuchte das Bundesverwaltungsgericht das  kantonale Amt, von Vollzugshandlungen abzusehen, bis über allfällige vorsorgliche Massnahmen entschieden werden könne.
I. Mit Zwischenverfügung vom 20. Juni 2007 setzte die zuständige  den Vollzug der Wegweisung aus und gestattete der Beschwerdeführerin, den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz abzuwarten. Im Weiteren  das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20.  1968 (VwVG, SR 172.021) in den Endentscheid verwiesen und auf die  eines Kostenvorschusses verzichtet.
J. In ihrer Vernehmlassung vom 4. Juli 2007 beantragte die Vorinstanz die  der Beschwerde.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als  gelten die in Art. 33 und 34 VGG genannten Behörden. Dazu gehören  des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31); das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder  Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die  gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2. Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht; die Beschwerdeführerin ist legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 und 50 ff. VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten.
3. Zunächst ist festzustellen, dass die Vorinstanz die Eingabe der  vom 14. November 2006 als Wiedererwägungsgesuch qualifiziert hat.
4.
4.1 Ein Anspruch auf Wiedererwägung besteht namentlich dann, wenn sich der  Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid beziehungsweise - was vorliegend von Interesse ist - seit dem Urteil der mit Beschwerde angerufenen Rechtsmittelinstanz (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der ARK in EMARK 1995 Nr. 21 S. 204 Erw. 1c) in wesentlicher Weise verändert hat und mithin die  (fehlerfreie) Verfügung an nachträglich eingetretene Veränderungen der Sachlage anzupassen ist (vgl. EMARK 2003 Nr. 7 E. 1 S. 42 f.). Gleichzeitig besagt Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG als lex specialis (vgl. EMARK 1998 Nr. 1 E. 6b S. 11 f., welches Urteil die Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG vorausgegangene  von Art. 16 Abs. 1 Bst. d AsylG in der Fassung gemäss Ziff. 1 des BB vom 22. Juni 1990 über das Asylverfahren betraf), dass auf ein Asylgesuch nicht  wird, wenn Asylsuchende in der Schweiz bereits ein Asylverfahren erfolglos durchlaufen oder ihr Gesuch zurückgezogen haben oder während des hängigen Asylverfahrens in den Heimat- oder Herkunftsstaat zurückgekehrt sind, ausser die Anhörung ergebe Hinweise, dass in der Zwischenzeit Ereignisse eingetreten sind, die für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft geeignet oder für die  vorübergehenden Schutzes relevant sind. Gemäss der Rechtsprechung der ARK, die auch für das Bundesverwaltungsgericht Geltung hat, sind im Nachgang zu einem erfolglos durchlaufenen Asylverfahren eingereichte Gesuche um  der Flüchtlingseigenschaft, in denen keine Revisionsgründe geltend  werden, nach der Bestimmung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG zu behan-
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deln (vgl. EMARK 1998 Nr. 1 E. 6 S. 10 ff.). Die erste Variante des erfolglosen Durchlaufens eines Asylverfahrens in der Schweiz bedeutet dabei nicht mehr und nicht weniger, als dass in einem ersten Asylverfahren rechtskräftig festgestellt oder implizit davon ausgegangen worden ist, der Gesuchsteller sei nicht Flüchtling (vgl. EMARK 2006 Nr. 20 E.2.1. S. 213; EMARK 1998 Nr. 1 E. 5 S. 5 ff.).
4.2 Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, sie erfülle die  wegen subjektiver Nachfluchtgründe infolge exilpolitischer Aktivitäten nach dem Abschluss des ordentlichen Asylverfahrens. Zudem kämen objektive Nachfluchtgründe (Militärdienstpflicht in Eritrea) hinzu.
4.3 Vorliegend wurde das Asylgesuch der Beschwerdeführerin vom 3. August 2003 mit Verfügung der Vorinstanz vom 12. Mai 2004 abgelehnt und das Fehlen der  rechtskräftig festgestellt. In ihrer als zweites Asylgesuch  Eingabe vom 14. November 2006 machte die Beschwerdeführerin  Nachfluchtgründe geltend und stellte den expliziten Antrag auf  der Flüchtlingseigenschaft. Gemäss der hievor erwähnten Praxis der ARK sind im Nachgang zu einem erfolglos durchlaufenen Asylverfahren eingereichte Gesuche um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, in denen keine  geltend gemacht werden, nach der Bestimmung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG zu behandeln (vgl. EMARK 2006 Nr. 20 E.2.1. S. 213; EMARK 1998 Nr. 1 E. 6 S. 10 ff.). Demzufolge lässt sich festhalten, dass die Eingabe der  vom 14. November 2006 einschliesslich der Beweismittel nicht ein , sondern ein neues Asylgesuch darstellt, welches vom  als solches unter dem Aspekt von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG zu prüfen  wäre.
4.4 Nachdem die Vorinstanz die Eingabe vom 14. November 2006 mitsamt  nicht als zweites Asylgesuch der Beschwerdeführerin, sondern als Wiedererwägungsgesuch entgegennahm und prüfte, bleibt zu beurteilen, ob dieser Mangel eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz rechtfertigt oder aber als durch das vorliegende Beschwerdeverfahren geheilt betrachtet werden kann.
4.5 Vorab ist festzustellen, dass die Eingabe der Beschwerdeführerin vom 14.  2006 mit subjektiven und objektiven Nachfluchtgründen begründet wird. Es geht dabei um Vorbringen, welche nicht bereits Gegenstand des ersten Verfahrens waren und - sofern eine materielle Beurteilung zu erfolgen hat - aufgrund der zu prüfenden flüchtlingsrechtlichen Relevanz genauer Abklärung bedürfen. Die Vorinstanz hat zwar eine Botschaftsanfrage in Auftrag gegeben und der  das rechtliche Gehör zu deren Ergebnis gegeben. Vorliegend kann aber nur mittels einer Anhörung sichergestellt werden, dass der relevante Sachverhalt vollständig und präzise erfasst wird. Das Bundesamt wäre folglich verpflichtet , vor dem Entscheid über das erneute Begehren um Feststellung der  im Rahmen eines ordentlichen zweiten Asylverfahrens eine  gemäss Art. 29 und 30 AsylG durchzuführen.
Nach dem Gesagten stellt der Verzicht der Vorinstanz auf die Durchführung einer vorgängigen Anhörung eine Verletzung des Anspruchs der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör dar. Aufgrund des formellen Charakters des Gehörsanspruchs
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führt eine Verletzung desselben grundsätzlich zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung, unabhängig davon, ob diese bei korrekter Gewährung des rechtlichen Gehörs im Ergebnis anders ausgefallen wäre (vgl. EMARK 2004 Nr. 28 E. 7e und 7f S. 184 f.; EMARK 2004 Nr. 38 E. 7.1. S. 265; EMARK 1999 Nr. 20 S. 131; EMARK 1998 Nr. 34 S. 292; ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN,  Verwaltungsrecht, 5. Aufl., Zürich 2006, Rz. 1709). Auch weil die vorstehend erörterte Problematik nicht fallspezifischer Natur, sondern von grosser praktischer Bedeutung ist und eine beträchtliche Zahl von ähnlich oder gleich gelagerten  betrifft, fällt eine Heilung der Gehörsverletzung aus prozessökonomischen Gründen nicht in Betracht (vgl. EMARK 2006 Nr. 20 E. 3.2. S. 215 mit weiteren Hinweisen).
4.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz die Eingabe der  vom 14. November 2006 zu Unrecht als Wiedererwägungsgesuch  sowie den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör und damit Bundesrecht verletzt hat (vgl. Art. 106 AsylG).
5. Die Beschwerde ist somit hinsichtlich des Hauptbegehrens gutzuheissen, die  Verfügung des Bundesamtes vom 15. Mai 2007 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz .
6. Beim vorliegenden Verfahrensausgang sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Damit wird das Gesuch um Gewährung der  Rechtspflege gegenstandslos.
7. Der Beschwerdeführerin ist in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 des Reglementes über die Kosten und Entschädigungen vor dem  vom 11. Dezember 2006 (VGKE, SR 173.320.2) für die ihr  notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten eine Parteientschädigung zuzusprechen.
Der Rechtsvertreter weist in seiner Kostennote vom 13. Juli 2007 Gesamtkosten in der Höhe von Fr. 1'913.15 auf, wobei diese Aufwendungen auch solche für das erstinstanzliche Verfahren vor dem Bundesamt beinhalten. Für das vorliegende Beschwerdeverfahren (ab 16. Mai 2007) wird ein Aufwand von 3 3⁄4 Stunden (à Fr. 200.--) sowie Auslagen von Fr. 14.-- geltend gemacht, welche als angemessen qualifiziert werden können. Das BFM ist demnach anzuweisen, der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 822.-- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten.
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