Decision ID: 27285485-3a26-5e40-beb5-48f737dc100a
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 23. November 2015 in der Schweiz um
Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 25. November
2015 und der Anhörung vom 11. Juli 2018 machte er im Wesentlichen Fol-
gendes geltend:
Er sei persischer Ethnie sunnitischen Glaubens und stamme aus
B._, Provinz C._. Dort habe er zuletzt mit seiner Ehefrau
und den beiden gemeinsamen Töchtern in einem Haus gelebt, welches
ihnen von seinem Vater zur Verfügung gestellt worden sei. Nach Abschluss
der zehnten Klasse habe er als selbständiger (...) mit eigenem (...) gear-
beitet. Nebenbei habe er Schnaps gebrannt und diesen an Freunde ver-
kauft. Er habe sich vom Islam abgewandt und sich dem Zoroastrismus hin-
gezogen gefühlt. Diesen Glauben habe er im Iran jedoch nicht ausleben
können – er sei lediglich zwei bis dreimal im Jahr nach Yazd gegangen und
habe dort für einige Stunden am ewigen Feuer gesessen. (...) respektive
(...) Jahre vor seiner Ausreise sei er zwei Mal zu je (...) Peitschenhieben
wegen Alkoholkonsums verurteilt worden. Ansonsten habe er bis kurz vor
Ausreise keine Probleme mit den Behörden gehabt. Dann habe er jedoch
erfahren, dass ein Freund, dem er selbstgebrannten Alkohol verkauft habe,
verhaftet worden sei. Da er aufgrund seiner beiden Vorstrafen nunmehr
das Schlimmste befürchtet habe, habe er umgehend einen Schlepper or-
ganisiert. Bereits am darauffolgenden Tag habe dieser sämtliche Ausreise-
vorbereitungen getroffen und er sei (...) Tage nach der Verhaftung seines
Freundes (ungefähr (...) Tage vor seiner Ankunft in der Schweiz) über die
Flughäfen von B._ und Teheran in die Türkei geflogen. Von dort sei
er illegal per Boot nach Griechenland und auf dem Landweg über die Bal-
kanroute schliesslich am (...) November 2015 in die Schweiz gelangt.
In Haft habe sein Freund wohl seinen Namen preisgegeben, da ungefähr
(...) Tage nach seiner Ausreise Polizisten bei ihm zuhause nach ihm ge-
sucht hätten. Die Polizisten hätten seiner Frau erklärt, dass ein Haftbefehl
gegen ihn vorliege. Am darauffolgenden Tag seien die Polizisten erneut
vorbeigekommen, danach sei jedoch nichts mehr vorgefallen. Er habe re-
gelmässig Kontakt mit seiner Familie, ihr gehe es gut. Er sei zwar gegen
das Regime eingestellt, im Iran selbst jedoch nie politisch aktiv gewesen.
Erst in der Schweiz habe er an Aktionen der D._ teilgenommen. Sie
hätten insbesondere gegen die Hinrichtung von Gefangenen demonstriert.
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Als Organisationsleiter der Gruppe sei er für verschiedene Aktionen ver-
antwortlich gewesen. Sie hätten auch vor der iranischen Botschaft de-
monstriert und seien dabei gefilmt worden. In den letzten Monaten hätten
sie keine solchen Aktionen mehr durchgeführt.
Der Beschwerdeführer reichte folgende Dokumente und Beweismittel ein
(als Kopie, sofern nicht anders spezifiziert):
– seine Senasnameh,
– seine Melli-Karte,
– den Nationalitätenausweis sowie den Reisepass seiner Tochter,
– seinen nationalen Führerschein,
– eine Transporterlaubnis für (...),
– das Original seines internationalen Führerscheins,
– diverse Printscreens von Internetseiten bezüglich Kundgebungsteilnah-
men in der Schweiz.
B.
Mit Verfügung vom 13. August 2019 – eröffnet am 15. August 2019 – ver-
neinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und
lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es seine Wegweisung aus
der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Auf die Begründung wird – soweit
relevant – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
C.
Mit Beschwerde vom 16. September 2019 an das Bundesverwaltungsge-
richt beantragte der damals vertretene Beschwerdeführer die Aufhebung
der angefochtenen Verfügung, die Anerkennung seiner Flüchtlingseigen-
schaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die Sache zwecks Er-
gänzung des Sachverhalts und Neubeurteilung an das SEM zurückzuwei-
sen, subeventualiter sei die Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs festzustellen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege inklusive Kostenvorschuss-
verzicht und um Beiordnung seines Rechtsvertreters als amtlicher Rechts-
beistand. Auf die Begründung wird – soweit relevant – in den nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.
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Der Beschwerde lagen eine Bestätigung der D._ über die politi-
schen Aktivitäten des Beschwerdeführers, ein Bestätigungsschreiben des
Präsidenten der D._, zwei Ausdrucke von der Webseite der
D._, ein Ausdruck eines Fotos sowie ein Flugblatt der D._
als Beweismittel bei.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 26. September 2019 stellte die vormals zu-
ständige Instruktionsrichterin den rechtmässigen Aufenthalt des Beschwer-
deführers in der Schweiz für die Dauer des Verfahrens fest. Gleichzeitig
wies sie seine Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und Beiordnung
eines amtlichen Rechtsbeistands ab und erhob einen Kostenvorschuss.
Dieser wurde in der Folge fristgerecht bezahlt.
E.
Mit Schreiben vom 18. Dezember 2020 informierte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers das Bundesverwaltungsgericht über die Beendigung
seines Mandats.
F.
Aus organisatorischen Gründen ist die Verfahrensleitung zwischenzeitlich
auf den vorsitzenden Richter als neuen Instruktionsrichter übergegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft
getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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Seite 5
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb das
Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Das SEM begründete seine Verfügung im Asylpunkt mit der fehlenden
Glaubhaftigkeit (Art. 7 AsylG) sowie der fehlenden Asylrelevanz (Art. 3
AsylG) der Vorbringen des Beschwerdeführers.
4.1.1 An der BzP und der Anhörung habe der Beschwerdeführer erheblich
unterschiedliche Gründe für seine Ausreise angeführt. An der BzP habe er
im Wesentlichen dargelegt, sich vom Islam abgewandt zu haben und zum
Zoroastrismus konvertieren zu wollen. Aus Angst, dass die Behörden dies
herausfinden könnten, habe er das Land verlassen. In der Anhörung habe
er hingegen zu Protokoll gegeben, dass ein Freund, welchem er selbstge-
brannten Schnaps verkauft habe, verhaftet worden sei und ihn womöglich
an die Behörden verraten haben könnte, sodass er nach seiner Ausreise
polizeilich gesucht worden sei. Es sei nicht nachvollziehbar, dass er dies
an der BzP nicht erwähnt habe, zumal er die früheren Verurteilungen auf-
grund von Alkoholkonsum angesprochen habe. Die anschliessende Frage
nach weiteren Problemen mit den iranischen Behörden habe er ausdrück-
lich verneint. Auf entsprechenden Vorhalt an der Anhörung habe er gesagt,
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dass man ihn damals unterbrochen und auf die Anhörung für weitere De-
tails zu den Asylgründen verwiesen habe. Diese Erklärung sei jedoch nicht
überzeugend, zumal nicht nachvollziehbar sei, weshalb er zwar weit zu-
rückliegende Ereignisse, nicht aber die aktuellen Gründe für seine Ausreise
erwähnt habe. An der Anhörung habe er wiederum seinen Wunsch zur
Konversion erst auf Vorhalt hin erwähnt, was er nicht nachvollziehbar habe
erklären können. Sodann habe er sich bezüglich der beiden früheren Ver-
urteilungen widersprüchlich geäussert. Während er an der BzP erklärt
habe, dass er aufgrund von Alkoholkonsum verurteilt worden sei, habe er
an der Anhörung gesagt, dass er wegen der Herstellung von Schnaps ver-
urteilt worden sei. An der BzP habe er an keiner Stelle erwähnt, dass er
Schnaps hergestellt und verkauft habe. Seine Aussagen seien in Bezug
auf einen zentralen Punkt seiner Asylvorbringen deshalb als nachgescho-
ben zu taxieren und enthielten Widersprüche. Im Weiteren habe er den Iran
offensichtlich problemlos legal über die Flughäfen von B._ und Te-
heran verlassen. Es sei deshalb unwahrscheinlich, dass er durch die Be-
hörden gesucht worden sei, andernfalls er mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit aufgegriffen worden wäre. Dass er überhaupt das Risiko auf sich
genommen habe und über die Flughäfen legal ausgereist sei, sei ange-
sichts der dargelegten Umstände nicht einleuchtend.
Schliesslich komme seiner Abwendung vom Islam und seinem Interesse
am Zoroastrismus keine Asylrelevanz zu. Seine Glaubensausübung habe
sich darin erschöpft, dass er zwei- bis dreimal im Jahr nach Yazd zum
Hauptsitz der Zoroastrier gegangen sei, am ewigen Feuer gesessen und
sein Herz ausgeschüttet habe. Auf entsprechende Nachfrage hin habe er
keine Probleme mit den iranischen Behörden aufgrund seiner Sympathie
für den Zoroastrismus erwähnt.
4.1.2 Seine geltend gemachten exilpolitischen Tätigkeiten vermöchten
ebenfalls keine flüchtlingsrechtliche Relevanz zu entfalten. Den Akten
seien keine konkreten Hinweise darauf zu entnehmen, dass er sich in qua-
lifizierter Weise exilpolitisch betätigt habe. An dieser Einschätzung ver-
möchten auch die eingereichten Einträge beziehungsweise Fotos einer In-
ternetseite nichts zu ändern, handle es sich doch um eine Seite aus der
Schweiz mit beschränktem Wirkungsgrad, zumal der letzte Eintrag vom
2. Juli 2018 stamme. Zudem werde er auf der erwähnten Internetseite nicht
namentlich erwähnt. Sein nur sehr geringfügiges politisches Profil werde
auch nicht durch vereinzelte Fotos, auf welchen er bei der Teilnahme an
politischen Anlässen in der Schweiz zu sehen sei, geschärft. Es sei daher
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nicht davon auszugehen, dass es sich bei ihm um eine überdurchschnitt-
lich engagierte Person in exponierter Stellung handle. Es bestünden zu-
dem keine Anhaltspunkte für die Annahme, dass im Iran gegen ihn auf-
grund dieser Aktivitäten behördliche Massnahmen eingeleitet worden wä-
ren. Demnach könne nicht davon ausgegangen werden, dass er als kon-
krete Bedrohung für die iranischen Behörden wahrgenommen und deshalb
verfolgt würde. Darüber hinaus habe er sich im Iran nie politisch betätigt.
4.2
4.2.1 Der Beschwerdeführer äusserte sich in seiner Beschwerdeeingabe
zunächst zur vorinstanzlichen Einschätzung, wonach seine Asylgründe be-
treffend den Schnapsverkauf nachgeschoben seien. Entgegen der Auffas-
sung des SEM könne man die Vorbringen der Abwendung vom Islam und
die Verfolgung aufgrund des Alkoholkonsums/-produktion, was aufgrund
des Islam verboten sei, nicht voneinander trennen. Dabei handle es sich
um ein und denselben Grund für seine Flucht. Deshalb habe er sich an der
BzP auch nur auf den Wichtigsten Grund für seine Flucht – nämlich die
Abwendung vom Islam – konzentriert. Er habe zudem mit den zwei Vorfäl-
len, an denen er wegen Alkoholkonsums verurteilt worden sei, auch das
für die Flucht zentrale Ereignis zumindest ansatzweise als Asylgrund er-
wähnt. Deshalb dürfe die Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens nicht auf-
grund des Nachschiebens in Frage gestellt werden. Dies, zumal der BzP
aufgrund ihres summarischen Charakters nur beschränkter Beweiswert zu-
komme. Entgegen den Ausführungen des SEM gebe es zudem keinen Wi-
derspruch betreffend den Grund für die Verurteilungen, zumal er die kon-
kreten Gründe für die Verurteilungen an der Anhörung überhaupt nicht er-
wähnt habe. Ohnehin wären diese Widersprüche nicht so schwerwiegend,
als dass diese die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen erschüttern würden.
Ausserdem sei angesichts der erst zweieinhalb Jahre nach der BzP erfolg-
ten Anhörung seine verblassende Erinnerung zu berücksichtigen. Hinsicht-
lich der Ausreise über die Flughäfen gehe aus seinen Schilderungen ein-
deutig und plausibel hervor, dass er zum Zeitpunkt der Flucht nicht habe
annehmen müssen, schon konkret im Fokus der Behörden zu stehen. Er
habe nach der Verhaftung seines Freundes sehr schnell gehandelt und
sich umgehend zur Flucht entschieden. Somit habe das Risiko, am Flug-
hafen aufgegriffen zu werden, auf ein Minimum reduziert werden können.
Es wäre der Vorinstanz zudem zuzumuten gewesen, sich selbst um die
Beschaffung der erforderlichen Beweismittel (z.B. Haftbefehl oder Ausrei-
sesperre) zu bemühen.
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Seite 8
4.2.2 Hinsichtlich des Zoroastrismus sei die Schlussfolgerung des SEM,
dass er, aufgrund der Verneinung einer Frage zu weiteren Behördenprob-
lemen, gar keine Probleme habe, falsch. Das SEM habe auch keine weite-
ren Fragen zwecks Feststellung der Glaubhaftigkeit der Abwendung vom
Islam und der Zuwendung zum Zoroastrismus gestellt. Mit weiteren Fragen
hätte er aufzeigen können, dass seine Apostasie und Zuwendung zum Zo-
roastrismus bedeutsam sei und ihn tatsächlich einer Verfolgungsgefahr
aussetze. Damit seien nicht alle Tatsachen festgestellt und der Untersu-
chungsgrundsatz sowie sein Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt wor-
den. Seine Abwendung vom Islam sei den iranischen Behörden sicherlich
bekannt. Diese sei durch die mehrmaligen Verurteilungen aufgrund von Al-
koholkonsum und die nun aufgedeckte Herstellung von Alkohol belegt.
4.2.3 Entgegen der Auffassung des SEM sei das exilpolitische Engage-
ment des Beschwerdeführers schon aufgrund der Teilnahmen an verschie-
denen Demonstrationen der D._ als auffällig und exponiert zu er-
achten. Er habe sich anlässlich dieser Demonstrationen aktiv exponiert,
indem er sich vor regimekritische Banner gestellt und sich so habe fotogra-
fieren lassen. Diese Fotos seien auf der Webseite der D._ ([...])
veröffentlicht worden. Am (...) 2019 hätten sie sogar vor der iranischen Bot-
schaft in Bern demonstriert, wo sie von Botschaftsmitarbeitenden gefilmt
und entsprechend bei den iranischen Behörden registriert worden seien.
Er sei zudem Mitglied im Exekutivkomitee der D._. Entgegen der
Behauptung des SEM sei er auch auf der Webseite der D._ na-
mentlich erwähnt und mit Foto abgebildet. Sodann sei die Befragung zu
diesem Themenkreis mit lediglich zwei materiellen Fragen sehr oberfläch-
lich ausgefallen. Damit seien nicht alle rechtserheblichen Tatsachen fest-
gestellt, der Untersuchungsgrundsatz sowie sein Anspruch auf rechtliches
Gehör verletzt worden. Es sei zudem nicht nachvollziehbar und nicht weiter
begründet, weshalb das SEM zur Feststellung komme, dass es sich bei
der Webseite der D._ um eine Seite aus der Schweiz mit be-
schränktem Wirkungsgrad handle. Auch eine Seite aus der Schweiz könne
von den iranischen Behörden aufgerufen werden. Aufgrund dessen droh-
ten ihm im Iran die Verhaftung und Inhaftierung unter grausamen und un-
menschlichen Bedingungen.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer erhebt in seiner Beschwerdeeingabe verschie-
dene formelle Rügen. Diese sind vorab zu beurteilen, da sie allenfalls ge-
eignet wären, eine Kassation der angefochtenen Verfügung zu bewirken.
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Der Beschwerdeführer rügt eine unvollständige Sachverhaltsfeststellung
respektive eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes durch die Vo-
rinstanz sowie eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Er sei betreffend
seine Abwendung vom Islam respektive die Konversion zum Zoroastrismus
sowie sein exilpolitisches Engagement nur oberflächlich befragt worden,
womit nicht alle rechtserheblichen Tatsachen festgestellt worden seien.
5.2 Die formellen Rügen des Beschwerdeführers erweisen sich als unbe-
gründet. Das SEM stellte die Glaubhaftigkeit seiner Zuwendung zum Zoro-
astrismus nicht in Frage und prüfte dieses Vorbringen daher korrekterweise
lediglich unter dem Gesichtspunkt der Asylrelevanz. Inwiefern weitere Fra-
gen zur Glaubhaftigkeit dieses Aspekts daher relevant gewesen wären, er-
schliesst sich dem Gericht nicht. Die Beschwerde schweigt sich auch dazu
aus, inwiefern er mit weiteren Fragen hierzu eine Verfolgungsgefahr hätte
aufzeigen können und zeigt damit keinen Abklärungsbedarf auf. Insofern
er rügt, das SEM habe aus seinen Aussagen die falschen Schlussfolgerun-
gen gezogen, stellt dies eine Frage der materiellen Würdigung des Sach-
verhalts dar; darauf wird nachfolgend in E. 7 eingegangen. Hinsichtlich sei-
nes exilpolitischen Engagements ist ebenfalls nicht ersichtlich, inwiefern
dieser Aspekt vom SEM nicht rechtsgenüglich abgeklärt worden wäre.
Dies, zumal der Beschwerdeführer diesbezüglich auch in seiner Be-
schwerde keine neuen Sachverhaltselemente anführt und im Wesentlichen
seine Vorbringen anlässlich der Anhörung bloss wiederholt. Es ist zudem
im Rahmen der Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. d AsylG Sache
des Beschwerdeführers, Beweismittel zu seinen Vorbringen einzureichen
– er kann sich nicht lediglich auf den Untersuchungsgrundsatz der Vo-
rinstanz gemäss Art. 12 VwVG berufen.
Nach dem Ausgeführten erweisen sich die prozessualen Rügen des Be-
schwerdeführers als nicht stichhaltig. Eine Rückweisung der Sache an das
SEM fällt demnach ausser Betracht, womit das Gericht in der Sache zu
entscheiden hat (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
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Seite 10
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die wegen
ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck
noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat bestehen-
den Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen von Asylvorbringen
in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis.
Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11
E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.).
7.
7.1 In materieller Hinsicht gelangt das Bundesverwaltungsgericht nach
Prüfung der Akten zum Schluss, dass das SEM die Vorbringen des Be-
schwerdeführers im Resultat zu Recht für unglaubhaft im Sinne von Art. 7
AsylG respektive asylirrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG befunden hat.
Der im Wesentlichen überzeugenden Argumentation des SEM vermag der
Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeeingabe nichts Stichhaltiges zu
entgegnen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann daher auf die
grundsätzlich zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz gemäss angefoch-
tener Verfügung (dort E. II) und obiger Zusammenfassung (E. 4.1) verwie-
sen werden, denen sich das Gericht – mit nachfolgend erläuterten Ein-
schränkungen – anschliesst.
7.1.1 Zunächst ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass der Beschwerde-
führer die Gründe für seine Ausreise aus dem Iran an den beiden Befra-
gungen gänzlich unterschiedlich geschildert hat. Sein Erklärungsversuch,
man könne die Vorbringen der Abwendung vom Islam und die Verfolgung
aufgrund des Alkoholkonsums respektive der Alkoholproduktion nicht von-
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Seite 11
einander trennen, ist nicht nachvollziehbar, zumal die beiden Themenbe-
reiche keinen erkennbaren Sachzusammenhang aufweisen. Bei dem an
der BzP geltend gemachten Wunsch zur Konversion zum Zoroastrismus
und der an der Anhörung angeführten Verfolgung aufgrund des Alkoholver-
kaufs an einen Freund, welcher anschliessend verhaftet worden sei, han-
delt es sich um zwei gänzlich unterschiedliche Vorbringen. Die vom Be-
schwerdeführer hergestellte Verbindung über die geltend gemachte Ab-
wendung vom Islam erscheint äusserst gesucht und – auch wenn die Affi-
nität des Beschwerdeführers zum Alkohol im entferntesten Sinne auf sei-
nen fehlenden Glauben zurückzuführen sein mag – sehr weit hergeholt. Er
hat an der BzP denn auch explizit den Konversionswunsch zum Zoroast-
rismus angeführt, und nicht lediglich – wie die Beschwerde suggeriert – die
Abwendung vom Islam. Nicht zu folgen ist sodann seinem Beschwerdear-
gument, wonach er mit den beiden Vorfällen, an denen er vor über (...)
angeblich wegen Alkoholkonsums zu (...) Peitschenhieben verurteilt wor-
den sei, zumindest ansatzweise das für die Flucht zentrale Ereignis er-
wähnt habe. Das zentrale Fluchtereignis – seinen Ausführungen an der An-
hörung folgend – war die Festnahme seines Freundes, welchem er zuvor
Alkohol verkauft hat. Es gelingt ihm mit diesen Ausführungen nicht, die Dis-
krepanz in seinen Schilderungen nachvollziehbar zu erklären. Die unter-
schiedliche Angabe von Asylgründen vermag er auch mit seinem Hinweis
auf eine verblassende Erinnerung an der Anhörung nicht zu erklären, zu-
mal es sich dabei nicht um Details, sondern um den einen zentralen Aspekt
– mithin den Auslöser seiner Flucht – handelt. Es kann dabei erwartet wer-
den, dass er zu Fragen nach seinen Ausreisegründen auch nach über zwei
Jahren übereinstimmende Antworten geben kann. Im Weiteren bleibt auch
mit der entsprechenden Erklärung auf Beschwerdeebene nicht nachvoll-
ziehbar, weshalb sich der Beschwerdeführer durch eine legale Ausreise
über zwei iranische Flughäfen dem erheblichen Risiko einer Verhaftung
ausgesetzt hat. Sein Argument, bereits (...) Tage nach der Verhaftung sei-
nes Freundes ausgereist zu sein und damit das Verhaftungsrisiko minimiert
zu haben (vgl. A11, F95 f., Beschwerdeeingabe Ziff. 17), überzeugt nicht.
Dies, zumal nach (...) Tagen wohl längst mit der Herausgabe des Namens
des Beschwerdeführers zu rechnen gewesen wäre und eine Person, wel-
che sich verfolgt glaubt, sich wohl kaum wissentlich und willentlich einem
derartigen Risiko ausgesetzt hätte.
Zuzustimmen ist dem Beschwerdeführer lediglich bezüglich des Einwands,
an der Anhörung den Grund für die früheren Verurteilungen gar nicht er-
wähnt zu haben. Ein Widerspruch lässt sich demnach entgegen der An-
sicht des SEM nicht bestätigen – es hat die einschlägige Protokollstelle
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Seite 12
(vgl. A11, F71) augenscheinlich falsch interpretiert. Gesamthaft betrachtet
ist es ihm jedoch nicht gelungen, die von ihm geltend gemachten Vorflucht-
gründe glaubhaft darzutun.
7.1.2 Mit dem SEM ist sodann festzustellen, dass der Beschwerdeführer
trotz mehrmaliger Nachfrage keine Probleme mit Behörden aufgrund sei-
ner Sympathie für den Zoroastrismus erwähnte. Dies weder an der BzP
(vgl. A5, Ziff. 7.01 f.) noch an der Anhörung (vgl. A11, F71, F105 f., F133).
Er wurde an der Anhörung – mit Blick auf Zoroastrismus – mehrmals darauf
hingewiesen, dass er an der BzP etwas anderes erzählt habe und wurde
daraufhin mehrmals zu allfälligen Problemen mit Behörden diesbezüglich
befragt (vgl. A11, F101-109). Anstatt jedoch konkrete Antworten zu allfälli-
gen Problemen zu geben, machte er lediglich allgemeine Ausführungen zur
Situation im Iran (vgl. a.a.O.). Dass er deswegen konkret Probleme mit den
Behörden gehabt hätte respektive diese überhaupt von seinem blossen In-
teresse für den Zoroastrismus erfahren hätten, machte er auch in seiner
Beschwerdeeingabe nicht geltend, sondern verwies stattdessen lediglich
wiederum auf die mit dem Alkoholkonsum/-produktion zusammenhängen-
den Probleme. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass er im Falle einer
Rückkehr in den Iran aufgrund seiner einfachen Sympathie für den Zoro-
astrismus – eine «offizielle» Konversion ist bis zum heutigen Datum nicht
aktenkundig – asylrelevante Massnahmen seitens der iranischen Behör-
den zu befürchten hätte. Ohnehin ist mit einer asylrelevanten Verfolgung
durch den iranischen Staat aufgrund einer Konversion mithin nur dann zu
rechnen, wenn sich die Person durch eine missionierende Tätigkeit expo-
niert und Aktivitäten des Konvertiten vorliegen, die vom Regime als Angriff
auf den Staat angesehen werden (vgl. zum Ganzen BVGE 2009/28 E. 7.3
sowie Urteil des BVGer E-5337/2018 vom 25. Juli 2020 E. 6.2). Davon ist
vorliegend klarerweise nicht auszugehen.
7.1.3 Hinsichtlich des politischen Profils des Beschwerdeführers kann
grundsätzlich auf die zutreffenden Erwägungen des SEM verwiesen wer-
den. Die von ihm geschilderten exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz
(Teilnahme an diversen Demonstrationen in der Schweiz, an deren Orga-
nisation er als Mitglied des Exekutivkomitees der D._ massgeblich
beteiligt sei) lassen nicht darauf schliessen, dass er in die Kategorie der
Personen fällt, die aufgrund ihrer Tätigkeit oder Funktionen als ernsthafte
und potentiell gefährliche Regimegegner wahrgenommen werden (vgl.
dazu BVGE 2009/28 E. 7.4.3). Auch wenn der Beschwerdeführer – entge-
gen der unzutreffenden Feststellung des SEM – namentlich und mit Foto
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Seite 13
auf der Webseite des D._ aufgeführt ist (vgl. auch Beweismittelum-
schlag A13, Beweismittel Nr. 6), ist noch nicht von einer besonders expo-
nierten Stellung seiner Person auszugehen, welche den Eindruck erwecke,
er würde aus Sicht der iranischen Sicherheitsdienste mit grosser Wahr-
scheinlichkeit als eine Person herausragen, die als Gefahr für den Bestand
des Regimes eingeschätzt werden müsste. Die Protestaktionen der
D._ zeichnen sich – wie sowohl der Webseite der D._ als
auch den vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismitteln entnommen
werden kann – durch ihre Häufigkeit statt durch im vorliegenden Sinn inte-
ressierende Qualität aus und zählten stets nur sehr wenige Teilnehmer. Es
ist keine in der Öffentlichkeit herausragende Führungstätigkeit des Be-
schwerdeführers ersichtlich. Sodann ist festzustellen, dass neben ihm
noch weitere Mitglieder der D._ für die Organisation von Kundge-
bungen zuständig waren respektive sind (vgl. Urteile des BVGer D-
1052/2018 vom 7. März 2018 Bst. D; E-1140/2018 vom 27. Juni 2018
Bst. E). Bei seinem Vorbringen, anlässlich einer Kundgebung in Bern vor
der iranischen Botschaft von Botschaftsmitarbeitenden gefilmt und regis-
triert worden zu sein, handelt es sich um eine unbelegte Behauptung res-
pektive eine reine Mutmassung. Er macht in seiner Beschwerdeeingabe
auch nicht geltend, dass seine Familie im Iran wegen seinen Tätigkeiten
von den Behörden behelligt worden wäre. Es besteht kein Grund zu der
Annahme, dass er über die massentypischen, niedrigprofilierten Erschei-
nungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Aktivitäten vorgenommen
hätte, welche ihn aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen her-
ausstechen und als ernsthaften und gefährlichen Regimegegner erschei-
nen lassen.
7.2 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die
von ihm geltend gemachten Vorfluchtgründe respektive subjektive Nach-
fluchtgründe glaubhaft zu machen. Es ist daher nicht davon auszugehen,
dass er bei einer Rückkehr in den Iran mit überwiegender Wahrscheinlich-
keit flüchtlingsrechtlich relevante, ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3
AsylG zu gewärtigen hätte. Das SEM hat demzufolge zu Recht seine
Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
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Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Die Vorinstanz erachtete den Vollzug der Wegweisung für zulässig, zu-
mutbar und möglich.
Der Beschwerdeführer hielt dem entgegen, dass ihm bei einer Rückkehr
die Verhaftung und eine unmenschliche Strafe oder Behandlung drohe. Er
werde untertauchen müssen, weshalb weder seine Wohnsituation noch
seine berufliche Wiedereingliederung gesichert sei. Der Vollzug der Weg-
weisung sei weder zulässig noch zumutbar.
9.3 Der Vollzug der Wegweisung ist vorliegend in Beachtung der massge-
blichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig (Art. 83 Abs.
3 AuG), da weder das flüchtlingsrechtliche Non-Refoulement-Prinzip tan-
giert ist noch Anhaltspunkte für eine im Heimatstaat drohende menschen-
rechtswidrige Behandlung im Sinne von Art. 25 Abs. 3 BV, von Art. 3 des
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK,
SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK ersichtlich sind. Insbesondere
vermag der Beschwerdeführer kein „real risk“ im Sinne der massgeblichen
Rechtsprechung darzutun, zumal die blosse Möglichkeit einer menschen-
rechtswidrigen Behandlung nicht ausreicht (vgl. Urteil des EGMR Saadi
gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124 ff.
m.w.H.).
9.4 Sodann lassen weder die allgemeine Lage in Iran noch individuelle
Gründe auf eine konkrete Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen,
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weshalb der Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist (Art. 83
Abs. 4 AuG). Hierzu kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführun-
gen der Vorinstanz gemäss angefochtener Verfügung (dort E. III) verwie-
sen werden, welchen das Gericht nichts anzufügen hat. Mit seinem einfa-
chen Verweis auf die bereits für unglaubhaft befundene Verfolgungssitua-
tion vermag der Beschwerdeführer diese Einschätzung nicht umzustossen.
9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss
ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
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