Decision ID: 8c9af28c-084d-5972-8f67-86ae7ffeb7e9
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer
Staatsangehöriger tamilischer Ethnie, aus dem Distrikt Jaffna (Nordprovinz)
stammend, am 17. März 2016 sein Heimatland. Am 20. März 2016 reiste er in
die Schweiz ein und stellte am 23. März 2016 ein Asylgesuch.
Am 30. März 2016 wurde der Beschwerdeführer im Empfangs- und
Verfahrenszentrum (EVZ) in B._ zu seiner Person, seinem Reiseweg
und summarisch zu seinen Asylgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]).
Am 2. August 2018 fand die einlässliche Anhörung zu den Asylgründen statt.
B.
B.a Hinsichtlich seiner Person legte der Beschwerdeführer dar, er sei in
C._ geboren und habe, ausser einem Unterbruch zwischen 2006 und
2011 immer dort gelebt. Er habe zehn Schuljahre absolviert, danach als Fischer
sowie nach dem Kauf einer eigenen Autorikscha auch als Taxifahrer gearbeitet.
Seine Eltern, fünf Geschwister sowie Onkel und Tanten würden im Jaffna Dis-
trikt leben. Seine Schwester D._ habe für die LTTE (Liberation Tigers of
Tamil Eelam) gekämpft und sei seit einem Kampfeinsatz körperlich beeinträch-
tigt. Eine andere Schwester sei im Krieg bei einem Luftangriff ums Leben ge-
kommen und eine weitere Schwester sei als Märtyrerin gefallen.
B.b Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen vor, er habe während des Krieges neben seiner Tätigkeit als Fi-
scher für die LTTE Waren sowie verletzte Kämpfer transportiert. Er habe auch
Nahrungsmittel für diese gesammelt und Bunker ausgegraben, sowie geholfen,
Waffen zu vergraben. Zwischen Februar und April 2009 respektive zwischen
Ende 2008 und Februar 2009 habe er von der Kriegsfront verletzte LTTE-
Kämpfer transportiert. Weil eine seiner Schwestern als Märtyrerin gefallen sei,
habe er in er Folge einen Sonderstatus erhalten und habe heimlich das Kriegs-
gebiet auf dem Seeweg verlassen können. Die sri-lankische Armee habe ihn
daraufhin aufgegriffen und er sei gescreent worden, habe jedoch eine Mitglied-
schaft bei den LTTE verneint. Zudem sei er ein Anhänger der TNA (Tamil Na-
tional Alliance). Er habe auf seinem Taxi einen Lautsprecher montiert und so
für die Partei Propaganda betrieben; ausserdem habe er verletzte Mitglieder
dieser Partei transportiert.
Seine Schwester D._ sei jahrelang bei den LTTE gewesen und sei trotz
ihrer Armverletzung bis zum Schluss bei ihnen geblieben. Sie habe jedoch nie
an einem Rehabilitationsprogramm teilgenommen, da sie einerseits eine
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Verletzung gehabt habe, anderseits nie gestanden habe, Mitglied bei den LTTE
gewesen zu sein. Anfang 2016 hätten Mitarbeiter des Criminal Investigation
Departements (CID) mehrmals nach dieser Schwester in seinem Elternhaus
gesucht, um sie in ein Rehabilitationsprogramm zu bringen. Die gesamte
Familie hätte sich gewehrt und es sei auch einen Priester zur Unterstützung
geholt worden. Im Januar 2016 habe er sich selber während eines
Behördenbesuchs aktiv für seine Schwester eingesetzt. Es sei zu einer
Schlägerei zwischen ihm und den anwesenden Mitarbeitern des CID
gekommen, wobei diese schliesslich unverrichteten Dinge wieder fortgegangen
seien. Im Februar 2016 sei auch er durch das CID mitgenommen worden und
nach seiner Vergangenheit, der seiner Schwester D._ und zu den LTTE
befragt worden. Zwei Wochen später seien während seiner Abwesenheit erneut
Beamte zu ihnen nach Hause gekommen und hätten nach ihm gesucht.
Deshalb habe er im März 2016 beschlossen, sein Heimatland verlassen. Nach
seiner Ausreise sei wiederholt nach ihm gefragt worden, da ihm vorgeworfen
worden sei, über Waffenverstecke der LTTE Bescheid zu wissen.
Der Beschwerdeführer machte ausserdem geltend, er sei exilpolitisch aktiv und
habe an Märtyrerfeierlichkeiten sowie an zwei Versammlungen teilgenommen.
Zudem pflege er regelmässigen Kontakt zu ehemaligen LTTE-Mitgliedern in der
Schweiz.
Er reichte seine Identitätskarte, eine Kopie des Führerscheins, eine Bestäti-
gung eines Schulregisterauszugs, eine Wohnsitzbestätigung des Divisional Se-
cretariat (...), eine Geburtsurkunde, eine Kopie einer Bestätigung des Northern
Provincial Council, die Kopie eines Schreibens eines Priesters sowie vier Fotos
ein.
C.
Mit Verfügung vom 24. Juli 2019 – eröffnet am 26. Juli 2019 – stellte das SEM
fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte
sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz
und ordnete deren Vollzug an.
D.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 26. August 2019 liess der Beschwer-
deführer beim Bundesverwaltungsgericht gegen die Verfügung des SEM Be-
schwerde erheben. In dieser wurde beantragt, die Verfügung des SEM sei auf-
zuheben und es sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzu-
stellen sowie ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzu-
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lässigkeit und/oder die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges festzustel-
len und die vorläufige Aufnahme zu verfügen. Subeventualiter sei die Sache an
die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen.
Mit der Beschwerde wurden unter anderem eine polizeiliche Vorladung vom
13. August 2018, ein Bestätigungsschreiben von Herrn E._ vom 23. Au-
gust 2019 inklusive deutscher Übersetzung (Beilage 4), eine polizeiliche Vorla-
dung vom 13. August 2018 mit englischer Übersetzung (Beilage 5), drei Fotos
seiner Schwester D._ (Beilage 6), ein Foto und eine Todesanzeige ei-
ner anderen Schwester des Beschwerdeführers (Beilage 7) sowie zwei Schrei-
ben der (...) (HCR) vom 9. und vom 13. Mai 2019 (im Beweismittelverzeichnis
nicht erwähnt) eingereicht.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 29. August 2019 wurde der Beschwerdeführer auf-
gefordert, innert Frist einen Kostenvorschuss von Fr. 750.– zugunsten der Ge-
richtskasse einzuzahlen. Der Kostenvorschuss ging am 9. September 2019 ein.
F.
Die Vorinstanz nahm mit ihrer Vernehmlassung vom 25. November 2019 zur
Beschwerde ausführlich Stellung.
G.
Mit Eingabe vom 9. Januar 2020 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerde-
führers neben einer Replik verschiedene Medienartikel zur aktuellen Situation
in Sri Lanka sowie eine Kostennote zu den Akten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-
den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden
nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsge-
richts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG
liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beur-
teilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des
Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staa-
tes, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG liegt nicht vor.
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1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. Sep-
tember 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden (aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch
die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Ein-
reichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48
Abs. 1 VwVG). Nachdem der Kostenvorschuss innert angesetzter Frist geleis-
tet wurde, ist auf die Beschwerde einzutreten.
2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Auslän-
derrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 In der Beschwerde wird zunächst gerügt, der Sachverhalt sei unrichtig und
unvollständig abgeklärt und das rechtliche Gehör verletzt worden, da nicht alle
Tatsachen sowie nicht alle vorhandenen Beweismittel korrekt gewürdigt worden
seien. Das SEM verneine eine auch künftige, asylrelevante Verfolgung trotz
Vorliegen der Glaubhaftigkeit. Der zentrale Punkt sei, dass der Beschwerdefüh-
rer während zweier Jahren bei den Sea-Tigers gewesen sei und dies mittels
den beigelegten Beweismitteln belegen könne. Da er dieses Vorbringen aus
verständlichen Gründen nicht habe an der Befragung darlegen können, müsse
eine ergänzende Anhörung zu diesen Punkten durchgeführt werden. Die Vo-
rinstanz habe sich ungenügend mit den entscheidenden Elementen zu seiner
Mitgliedschaft bei den Sea-Tigers auseinandergesetzt und es dabei versäumt,
das erhebliche Risiko, welche seine Rückreise mit sich bringen würde, zu be-
leuchten und die Verfolgungsgefahr zu bejahen.
3.2
3.2.1 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die Be-
hörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechts-
erheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwendigen Un-
terlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzuklären und ord-
nungsgemäss darüber Beweis zu führen. Dabei beschränken sich die behörd-
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lichen Ermittlungen nicht nur auf jene Umstände, welche die Betroffenen belas-
ten, sondern haben auch die sie entlastenden Momente zu erfassen. Die Be-
hörde hat alle sach- und entscheidwesentlichen Tatsachen und Ergebnisse in
den Akten festzuhalten. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn
der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird,
etwa, weil die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneint wird und
folglich nicht alle entscheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts ge-
prüft werden, oder weil Beweise falsch gewürdigt wurden. Unvollständig ist die
Sachverhaltsfeststellung demgegenüber, wenn nicht alle für den Entscheid
rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt wurden. Dies ist häufig dann
der Fall, wenn die Vorinstanz gleichzeitig den Anspruch der Parteien auf recht-
liches Gehör verletzt hat (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.).
3.2.2 Nach Art. 8 AsylG hat die asylsuchende Person demgegenüber die Pflicht
(und unter dem Blickwinkel des rechtlichen Gehörs im Sinne von Art. 29 VwVG
und Art. 29 Abs. 2 BV auch das Recht, an der Feststellung des Sachverhaltes
mitzuwirken. Sofern die gesetzlichen Mitwirkungspflichten durch die asylsu-
chende Person nicht verletzt worden sind, muss die Behörde insbesondere
dann weitere Abklärungen ins Auge fassen, wenn aufgrund der Vorbringen der
asylsuchenden Person und der von ihr eingereichten oder angebotenen Be-
weismittel Zweifel und Unsicherheiten am Sachverhalt weiterbestehen, die vo-
raussichtlich mit Ermittlungen von Amtes wegen beseitigt werden können.
3.2.3 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien eines Verfahrens Anspruch
auf rechtliches Gehör. Dieser Grundsatz wird in den Art. 29 ff. VwVG für das
Verwaltungsverfahren konkretisiert. Er dient einerseits der Aufklärung des
Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungs-
recht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt, dass die ver-
fügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und
ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entspre-
chend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss.
3.2.4 Die Begründungspflicht, welche sich aus dem Anspruch auf rechtliches
Gehör gemäss Art. 29 VwVG ergibt, verlangt, dass die Behörde ihren Entscheid
so begründet, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls sachgerecht an-
fechten kann und sich sowohl sie als auch die Rechtsmittelinstanz über die
Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl. BVGE 2007/30
E. 5.6). Dabei kann sich die verfügende Behörde auf die wesentlichen Ge-
sichtspunkte beschränken, hat jedoch wenigstens die Überlegungen kurz an-
zuführen, von denen sie sich leiten liess und auf welche sie ihren Entscheid
stützt (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2). Nicht erforderlich jedoch ist, dass sich die
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Begründung mit allen Parteipunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes
einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
3.3
3.3.1 Mit den Ausführungen in der Beschwerde hinsichtlich einer unvollständi-
gen und unrichtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts wird ver-
kannt, dass das SEM im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung
keine Kenntnis von den erst mit der Beschwerde geltend gemachten Asylvor-
bringen beziehungsweise eingereichten Beweismittel hatte und diese bereits
deshalb nicht hat berücksichtigen können. In diesem Zusammenhang ist auch
auf die Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG zu verweisen, wo-
nach asylsuchende Personen allfällige Beweismittel unverzüglich und vollstän-
dig einzureichen haben. Der Beschwerdeführer wäre mithin verpflichtet gewe-
sen, die die polizeiliche Vorladung vom 13. August 2018 und das Schreiben des
HCR vom 13. Mai 2019 dem SEM vor Erlass der angefochtenen Verfügung zur
Kenntnis zu bringen (vgl. E. 6.2). Des Weiteren geht aus der umfangreichen
Vernehmlassung hervor, dass sich das SEM eingehend mit den neuen Vorbrin-
gen und Beweismitteln auseinandergesetzt, diese in ihren Überlegungen ge-
würdigt hat und zum Schluss gekommen ist, dass auch die neu geltend ge-
machten Vorbringen den Anforderungen an Art. 7 AsylG nicht genügen würden.
Allein die Tatsache, dass das SEM die anders beurteilt hat, als sich dies der
Beschwerdeführer erhofft hatte, stellt keine unrichtige oder unvollständige
Sachverhaltsfeststellung dar. Zudem ist nicht ersichtlich, inwiefern das rechtli-
che Gehör verletzt worden sein soll.
3.3.2 Soweit in der Beschwerde geltend gemacht wird, das SEM habe die Vor-
bringen des Beschwerdeführers nicht korrekt gewürdigt und die im Referenzur-
teil des Bundesverwaltungsgerichts festgelegten Risikofaktoren nicht beurteilt,
liegt ebenfalls keine unvollständige und unrichtige Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhalts vor. Die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen
beziehungsweise allfälliger Faktoren, die eine Gefährdung des Beschwerdefüh-
rers nach sich ziehen können, ist nicht eine Frage der Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhalts, sondern eine Frege der rechtlichen Würdigung des-
selben (vgl. nachfolgend E. 6).
3.4
3.4.1 In der Beschwerde wird ferner geltend gemacht, dem Beschwerdeführer
dürfe nicht vorgeworfen werden, dass er an der Anhörung nicht alles erzählt
habe. Es liege ein triftiger Grund vor, dass er seine Mitwirkungspflicht verletzt
habe. Die Vorinstanz verharmlose das noch bis heute bekannte Gerücht, den
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Schweizer Behörden allfällige Verbindung zu den LTTE offenzulegen, nicht zu-
letzt deshalb, da es lange unklar geblieben sei, ob die LTTE als terroristische
Organisation gelte und den asylsuchenden Personen dadurch Nachteile ent-
stehen könnten. Dem Rechtsvertreter seien mehrere Fälle bekannt, anlässlich
welchen eine Verbindung zu den LTTE aus demselben Grund nicht offengelegt
worden seien. Insgesamt habe der Beschwerdeführer aus Angst angegeben,
dass er nur unter Druck für die LTTE gearbeitet habe. Die Vorinstanz hätte zu-
dem aufgrund einiger Widersprüche und Aussagen, davon ausgehen müssen,
dass er stärker als angegeben, bei den LTTE aktiv gewesen sei. Auch deshalb
sei der Sachverhalt ungenügend berücksichtigt worden.
3.4.2 Die Begründung, es sei dem Beschwerdeführer aufgrund eines Gerüchts
nicht möglich gewesen, seine Mitgliedschaft bei den Sea-Tigers während sei-
nen Anhörungen darzulegen, überzeugt nicht. Es ist im Einklang mit dem SEM
festzustellen, dass der Beschwerdeführer während des Verfahrens mehrmals
auf die Verschwiegenheitspflicht der Schweizer Behörden hingewiesen wurde.
Er kann sich somit nicht auf mangelnde Rechtskenntnis berufen. Ferner liegt
auch die Entscheidung, auf Empfehlungen von anderen Asylsuchenden zu ver-
trauen, in der persönlichen Verantwortung jeder einzelnen Person. Überdies ist
festzustellen, dass es im Sinne der Mitwirkungspflicht einer asylsuchenden Per-
son obliegt, alle asylrelevanten Ereignisse den zuständigen Behörden mitzutei-
len, wobei zu erwähnen ist, dass der Beschwerdeführer im laufenden Verfahren
auch über diese Pflichten mehrmals informiert wurde. Schliesslich darf nicht
erwartet werden, dass aufgrund von impliziten oder gar widersprüchlichen An-
deutungen des Beschwerdeführers hätten weitere Abklärungen zu seiner Mit-
gliedschaft bei den LTTE erfolgen müssen, zumal er – darauf angesprochen –
explizit zu Protokoll gab, er sei nicht Mitglied der LTTE gewesen (vgl. act.
A16/19, F55).
3.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Anspruch auf das rechtliche Gehör
oder der Untersuchungsgrundsatz respektive die Pflicht der vollständigen und
richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts nicht verletzt worden
sind. Ebenso wenig ist der Entscheid ungenügend begründet worden. Der Sub-
eventualantrag, die Sache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen, ist demzufolge abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-
lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in
dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörig-
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keit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An-
schauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht
haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens
oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen
Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder
zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde
ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Un-
glaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig
begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen
oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt wer-
den (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid damit, dass die Schilderungen
des Beschwerdeführers verschiedene Ungereimtheiten und Ungenauigkeiten
vorweisen würden und seine geltend gemachte Verfolgung deshalb nicht glaub-
haft sei. So habe er anlässlich der BzP dargelegt, die sri-lankischen Behörden
hätten seine Schwester D._ mehrmals zu Hause aufgesucht, um sie zu
den LTTE zu befragen. Erst während der Anhörung habe er erklärt, dass er sie
bei einem Pastor versteckt habe, damit diese nicht gezwungen werde, am Re-
habilitationsprogramm teilzunehmen. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb er
dies erst in der Anhörung und nicht bereits während der BzP erwähnt habe.
Weiter habe er erst in der Anhörung erklärt, sich körperlich gegen die Mitnahme
der Schwester gegenüber den Mitarbeitern des CID gewehrt zu haben. Auch
das Erwähnen dieses Vorfalls wäre zu erwarten gewesen, zumal er bereits in
der BzP viel von seiner Schwester erzählt habe. Zudem sei es unrealistisch,
dass er nach einem körperlichen Angriff gegen die Behörden keine unmittelba-
ren Konsequenzen erlitten haben soll. Bei einem solchen Auftreten gegenüber
Behördenangehörigen wäre anzunehmen gewesen, dass er umgehend festge-
nommen worden wäre und nicht erst einige Zeit später lediglich befragt und
ohne Konsequenzen wieder freigelassen worden wäre. Ebenso unwahrschein-
lich erscheine sein Vorbringen, dass er zwar verdächtigt worden sei, für die
LTTE tätig gewesen zu sein und über Informationen von Waffenverstecken ver-
fügt zu haben, jedoch keine konkreten Massnahmen gegen ihn eingeleitet wor-
den seien. Überdies sei ein solches behördliches Verhalten im Kontext, dass
seine Schwester der Mitgliedschaft bei den LTTE verdächtigt worden sei, nicht
realistisch. Ferner sei es hinsichtlich seinem Einsatz bei den LTTE zu Wider-
sprüchen gekommen. Anlässlich der BzP habe er dargelegt, nur während zwei
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Monaten zwangsweise für diese tätig gewesen, aber nicht rekrutiert worden zu
sein. Während der Anhörung hingegen habe er geschildert, mehrere weitere
Aktivitäten für die LTTE ausgeführt zu haben. Es sei nicht verständlich, weshalb
er seine Nähe zu den LTTE nicht bereits in der ausführlich gehaltenen BzP dar-
gelegt habe, weshalb dieses Sachverhaltselement als nachgeschoben zu wer-
ten sei. Auch hinsichtlich der Zeitspanne, während welcher er für die LTTE im
Einsatz gestanden habe, seinem letzten Behördenkontakt im Jahr 2016 sowie
im Zusammenhang mit seiner politischen Tätigkeit für die TNA sei es zu wider-
sprüchlichen Aussagen gekommen. Sein diesbezüglicher Versuch, diese Dis-
krepanzen zu erklären, würden nicht überzeugen. Schliesslich könne ihm auch
deshalb nicht geglaubt werden, da seine Schilderungen zur angeblichen Mit-
nahme im Jahr 2016 oberflächlich und ohne jegliche Realkennzeichen ausge-
fallen seien. Des Weiteren sei es zu widersprüchlichen und unklaren Angaben
bezüglich der Zeitspanne nach dem zweiten Behördenbesuch und seiner Aus-
reise sowie hinsichtlich seiner Ausreisemodalitäten gekommen, welche nicht
hätten aufgelöst werden können. Das eingereichte Schreiben des Pastors ver-
füge über keine Beweiskraft und müsse als Gefälligkeitsschreiben betrachtet
werden. Überdies würden die eingereichten Fotos seine geltend gemachten
Schwierigkeiten im Heimatland nicht zu belegen vermögen. Aus diesen Grün-
den seien seine Asylvorbringen nicht glaubhaft bezugsweise nicht asylrelevant.
Zudem würden keine Risikofaktoren vorliegen, welche auf ein behördliches Ver-
folgungsinteresse schliessen lassen könnten. Auch die exilpolitischen Aktivitä-
ten des Beschwerdeführers sowie der Kontakt zu ehemaligen LTTE Mitgliedern
würden keine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG auszulösen vermögen, zu-
mal er diese weder belegt noch detailliert ausgeführt habe. Eine Rückkehr nach
Sri Lanka sei zudem zulässig und zumutbar, daran würde auch die aktuelle
politische Lage nichts ändern. Schliesslich seien keine individuellen Gründe er-
sichtlich, welche einen Vollzug der Wegweisung unzumutbar erscheinen lassen
würden.
5.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer habe
seine Mitgliedschaft bei den LTTE unverschuldet und aufgrund fehlender
Rechtskenntnis nicht vollständig offenlegen können, da zur Zeit seiner Anhö-
rung das Gerücht unter tamilischen Asylbewerbern umhergegangen sei, man
solle allfällige Verbindungen und Tätigkeiten in Bezug auf die LTTE nicht offen-
legen. Dieses Gerücht sei auch dem Rechtsvertreter bekannt. Zudem seien
viele tamilische Asylsuchende davon ausgegangen, dass wegen eines hängi-
gen Strafverfahrens die LTTE als kriminelle Organisation betrachtet werde und
diesbezügliche Tätigkeiten auch deshalb nicht offengelegt werden sollten. Aus
diesen Gründen habe der Beschwerdeführer seine Mitgliedschaft bei den LTTE
anfänglich zu verharmlosen versucht. Er sei während 2007 bis 2009 bei den
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Sea-Tigers aktiv gewesen. Dies gehe aus dem beigelegten Bestätigungsschrei-
ben eines ehemaligen Vorgesetzten, hervor, welcher in der Schweiz als aner-
kannter Flüchtling lebe. Des Weiteren sei zu erwähnen, dass der Beschwerde-
führer immer noch behördlich gesucht werde, wie dies die der Beschwerde bei-
gelegte polizeiliche Vorladung vom 13. August 2018 belege. Gemäss Recht-
sprechung sei seine Aktivität bei den Sea-Tigers klarerweise als asylrelevant
zu betrachten. Da der Beschwerdeführer glaubhaft habe darlegen können, ins
Visier der sri-lankischen Behörden geraten zu sein und immer noch gesucht
werde, erfülle er das Risikoprofil. Weiter sei er auch einem unerträglichen psy-
chischen Druck im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt.
Aus der eingereichten Kopie der (...) gehe hervor, dass der Beschwerdeführer
weiterhin behördlich gesucht werde. Die Behörden hätten erneut mehrmals
nach ihm gesucht, wobei seine Schwester am 6. Mai 2019 brutal vom sri-lanki-
schen Geheimdienst verhört worden sei. Ferner gehöre er der sozialen Gruppe
der abgewiesenen tamilischen Asylsuchenden an und würde bei einer Rück-
kehr ins Heimatland einem Generalverdacht unterstehen, die LTTE zu unter-
stützen. Auch sei die aktuelle politische Lage im Hinblick auf die Bombenan-
schläge von Ostern 2019 zu berücksichtigen. Zusammenfassend würden ku-
mulative Gründe vorliegen, welche eine asylrelevante Verfolgung begründen
würden.
5.3 Die Vorinstanz hält in ihrer Vernehmlassung fest, das Vorbringen des Be-
schwerdeführers, er sei Mitglied der Sea-Tigers gewesen, sei erstmalig auf Be-
schwerdeebene erfolgt und wirke nachgeschoben. Es sei offensichtlich, dass
er sich damit lediglich bessere Chancen im Beschwerdeverfahren erhoffe. Es
erscheine nicht glaubhaft, dass er lediglich eines Gerüchts zufolge seine wahre
Tätigkeit für die LTTE respektive die Sea-Tigers nicht dargelegt habe. Er sei
während seines Asylverfahrens mehrfach auf die Verschwiegenheitspflicht auf-
merksam gemacht worden, zudem sei er anlässlich der BzP explizit darauf hin-
gewiesen worden, lückenlos allfällige Tätigkeiten und eine Nähe zu den LTTE
offenzulegen. Auch sei er darüber informiert worden, jegliche neuen Ereignisse
im Heimatland dem SEM mitzuteilen. Überdies sei festzustellen, dass er in der
BzP und in der Anhörung ausdrücklich dargelegt habe, keine weiteren als die
genannten Asylgründe zu haben. Schliesslich seien ihm alle Protokolle rück-
übersetzt geworden und er habe die Richtigkeit mit seiner Unterschrift bestätigt.
Es erscheine nicht nachvollziehbar, dass er seine Aktivitäten bei den Sea-Ti-
gers während der Anhörung aus Furcht nicht erwähnt habe, dies, obwohl er
eingeräumt habe, für die LTTE Waffen versteckt zu haben und demnach bereits
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Seite 12
eine Verbindung zu den LTTE zugegeben habe. Für die Unglaubhaftigkeit sei-
ner Aussagen spreche auch die Tatsache, dass er seine diesbezüglichen Tä-
tigkeiten in der Beschwerdeschrift in keiner Weise präzisierte. Ferner würden
aus dem Bestätigungsschreiben seines angeblichen ehemaligen Vorgesetzten
bei den Sea-Tigers keine Details hervorgehen, welchen eine Beweiskraft zu
entnehmen wäre. In der Beschwerdeschrift habe er die als massiv einzustufen-
den Widersprüche als minim bezeichnet, ohne jedoch konkret darauf einzuge-
hen, weshalb diese als minim zu werten seien. Weiter erstaune es, dass er
lediglich elf Tage nach seiner Anhörung eine polizeiliche Vorladung erhalten ha-
ben soll, ohne das SEM darüber in Kenntnis gesetzt zu haben, dies, obwohl er
auf seine Mitwirkungspflicht hingewiesen worden sei. Die Tatsache, dass er we-
der über die Vorladung noch über die drei weiteren Mitnahmen seiner Schwes-
ter informiert habe, lasse die Vermutung aufkommen, dass diese Begebenhei-
ten konstruiert seien. Zudem liege diese Vorladung lediglich in Kopie vor und
es sei nicht ersichtlich, unter welchen Umständen er respektive seine Familien-
angehörigen diese erhalten haben, zumal es sich offensichtlich um ein internes
behördliches Dokument handle. Auch erscheine es nicht nachvollziehbar, wes-
halb die Schwester wegen ihm bezüglich den LTTE befragt worden sein soll,
ohne jedoch selber weitere Massnahmen erlitten zu haben, obwohl doch der
eigentliche, von ihm angegebene Fluchtgrund seine Schwester und deren Tä-
tigkeiten für die LTTE gewesen seien. Schliesslich habe er nach Kriegsende
während sieben Jahren unbehelligt und problemlos in Sri Lanka leben können
und sei auch nach seinen angeblichen Problemen mit den heimatlichen Behör-
den legal ausgereist. Angesichts der gesamten Umstände könne davon ausge-
gangen werden, dass kein behördliches Interesse an ihm oder seiner Schwes-
ter in Bezug auf eine Mitgliedschaft bei den LTTE bestehe, da auch seine
Schwester bis zum heutigen Zeitpunkt im Heimatland leben würde. Schliesslich
würden die eingereichten Fotos über keinen Beweiswert verfügen, zumal aus
diesen keine Verfolgungsgefahr für ihn noch die Identität seiner Schwester ab-
geleitet werden könne.
5.4 In der Replik wird demgegenüber ausgeführt, der Beschwerdeführer sei be-
müht, die Identität der Schwester auf den eingereichten Fotos anhand von Do-
kumenten zu belegen und somit deren Nähe zu den LTTE zu beweisen. Es
liege kein konstruierter Sachverhalt vor, da er in der Beschwerde den Sachver-
halt der Anhörung lediglich ergänzt und nicht neu erfunden habe. Bereits aus
der Anhörung seien Indizien auf seine oppositionelle Mitgliedschaft ersichtlich
gewesen und seine angeblichen Widersprüche würden lediglich auf der Tatsa-
che basieren, dass er seine Mitgliedschaft bei den Sea-Tigers verheimlicht
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habe. Zudem hätten entgegen der Ansicht der Vorinstanz die sri-lankischen Be-
hörden primär das Interesse an seiner Person und nicht an der seiner Schwes-
ter.
Hinsichtlich des Bestätigungsschreibens seines ehemaligen Vorgesetzten bei
den Sea-Tigers habe sich die Vorinstanz auf inhaltliche Differenzen und auf
dessen Asyldossier gestützt. Da ihm keine Einsicht in die relevanten Akten ge-
währt worden sei, könne er dazu nicht Stellung nehmen und würde jegliche
Vorwürfe oder Widersprüche in dieser Hinsicht bestreiten.
Schliesslich wird geltend gemacht, aufgrund der Machtübernahme des Rajapa-
ksa Clans am 17. November 2019 sowie der Entführung einer Mitarbeiterin der
Schweizerischen Botschaft in Colombo habe eine Überprüfung aller Asylgesu-
che von tamilischen Gesuchtellern zu erfolgen. Aus den beigelegten Medien-
berichten gehe hervor, dass sich die Lage in Sri Lanka massiv verschlechtert
habe und alle vorherigen, von der Vorinstanz beigezogenen Berichte hinfällig
geworden seien. Angesichts dessen und wegen des Risikoprofils des Be-
schwerdeführers würden die Schweizer Behörden bei einer Ausweisung nach
Sri Lanka gegen zwingendes Völkerrecht verstossen.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Entscheiden
dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar 2015 E. 5.6.1 [als Re-
ferenzurteil publiziert] m.w.H.).
6.2
6.2.1 Das SEM erachtete die Vorbringen des Beschwerdeführers als teilweise
widersprüchlich und nicht nachvollziehbar, wobei es sich auf den Standpunkt
stellte, dass er Sachverhaltselemente, welche er erst während der Anhörung
erwähnt habe, bereits in der BzP hätte erwähnen müssen. Diese Feststellung
kann insofern nicht gestützt werden, als dass davon auszugehen ist, dass eine
BzP einen summarischen Charakter hinsichtlich der Asylvorbringen aufweist
und somit von einer asylsuchenden Person nicht erwartet werden kann, dass
sie bereits dann jedes Details darlegt. Hingegen ist in Einklang mit der Vo-
rinstanz festzuhalten, dass es logisch nicht nachvollziehbar ist und der allge-
meinen Erfahrung widerspricht, dass der Beschwerdeführer sich körperlich ge-
gen die anwesenden Beamten gewehrt haben soll und diese in der Folge mit-
hilfe aller herbeigerufenen Nachbarn habe vertreiben sowie unter Kontrolle
bringen können, zumal es notorisch ist, dass die sri-lankischen Behörden nicht
D-4321/2019
Seite 14
vor Gewalt zurückschrecken. Wäre es tatsächlich zu einem wie von ihm ge-
schilderten Vorfall gekommen, hätten die sri-lankischen Behörden kaum drei
bis vier Wochen zugewartet, um ihn (einzig) deshalb vorzuladen, um ihn mit
erfundenen Vorwürfen zu konfrontieren. Vielmehr ist davon auszugehen, dass
er umgehend, also bereits während der Schlägerei festgenommen worden
wäre. Überdies fällt auf, dass seine Schilderungen zu diesem Vorfall lediglich
sehr oberflächlich ausgefallen sind, als dass ihnen Glauben geschenkt werden
könnte (vgl. act. A16/19, F96-98). Seine Schilderungen bleiben insgesamt zu-
dem substanzlos und weisen weder Realkennzeichen noch persönliche Be-
züge zu den verschiedenen prägnanten Geschehnissen auf. So beruht sein
Vorbringen hinsichtlich seines Einsatzes für die LTTE kurz vor Kriegsende auf
vagen und äusserst allgemein gehaltenen Aussagen, welche er trotz Nachfra-
gen nicht weiter präzisieren konnte (vgl. act. A16/19, F54, F57, F71). Des Wei-
teren fehlt es auch hinsichtlich seinen Tätigkeiten für die TNA an Substanz. Fer-
ner ist übereinstimmend mit der Vorinstanz festzuhalten, dass es nicht nach-
vollziehbar ist, dass sowohl der Beschwerdeführer als auch seine Schwester
erst rund sieben Jahre nach Ende des Krieges einer allfälligen Mitgliedschaft
bei den LTTE verdächtigt worden sein sollen. Schliesslich ist auch unter dem
Aspekt, dass der Beschwerdeführer legal mit seinem Pass ausgereizt ist, nicht
von einer behördlichen Verfolgung auszugehen.
6.2.2 In der Beschwerde wird ausgeführt, der Beschwerdeführer habe aufgrund
eines Gerüchts, wonach es sich im Asylverfahren als nachteilig erweisen
würde, eine solche offenzulegen, seine Mitgliedschaft bei den LTTE im erstin-
stanzlichen Verfahren verschwiegen. Seine Schilderungen, von 2007 bis 2009
für die Sea-Tigers aktiv gewesen zu sein, untermalte er mit verschiedenen Be-
weismitteln.
Dieser Rechtfertigungsversuch erweist sich als nicht stringent. Der Beschwer-
deführer erklärte schon bei der Anhörung, er habe für die LTTE Waffen ver-
steckt (vgl. act. A16/19, F57, F70-72. F105-107). Damit hat er seine Nähe zu
den LTTE bereits offenbart, weshalb es nicht einleuchtet, weshalb er seine an-
gebliche Mitgliedschaft bei den Sea-Tigers hätte verschweigen sollen. In der
Beschwerde bleiben seine Angaben zur angeblichen Mitgliedschaft zudem
oberflächlich, insbesondere wird nicht näher ausgeführt, worin seine Aktivitäten
bei den Sea-Tigers bestanden haben. Dem Argument, es handle sich lediglich
um Ergänzungen zu seinen vorhergehenden Schilderungen, kann insofern
nicht gefolgt werden, als dass er der BzP und in der Anhörung eine Reflexver-
folgung geltend machte und ein primäres sowie individuelles Verfolgungsinte-
resse an seiner Person aufgrund von LTTE-Aktivität verneinte. Dies steht in
einem diametralen Widerspruch zu den Ausführungen in der Beschwerde, in
D-4321/2019
Seite 15
welcher er seine persönliche Verfolgung in den Vordergrund stellt und das be-
hördliche Verfolgungsinteresse an seiner Schwester weitgehend relativiert.
Auch aus den eingereichten Beweismitteln lässt sich keine asylrechtlich rele-
vante Verfolgung ableiten. Einerseits werden im Bestätigungsschreiben seines
angeblichen ehemaligen Vorgesetzten keine Detailangaben über die Funktion
und Aufgaben des Beschwerdeführers sowie über das Verhältnis zwischen ihm
und seinem Vorgesetzten gemacht. Solches wäre aber zu erwarten gewesen.
Demnach ist im Einklang mit dem SEM davon auszugehen, dass es sich bei
dem vorgelegten Schreiben um ein Gefälligkeitsschreiben handelt, dem kein
Beweiswert beigemessen werden kann. Anderseits wirft auch die Kopie der ein-
gereichten polizeilichen Vorladung 13. August 2018 Fragen auf. So wird in die-
sem Dokument zwar bestätigt, dass der Beschwerdeführer vorgeladen wurde,
jedoch wird kein Grund hierfür genannt. Allein deshalb, dass er durch die Polizei
vorgeladen wurde, lässt nicht darauf schliessen, dass dies wegen Verbindun-
gen zu den LTTE erfolgte. Zudem geht aus der Vorladung respektive der bei-
gelegten Übersetzung hervor, dass der Beschwerdeführer bereits zu einem
früheren Zeitpunkt (vergeblich) vorgeladen worden sei, weshalb davon auszu-
gehen ist, dass eine frühere Vorladung vorhanden sein müsste. Eine solche
wurde indessen nicht eingereicht. Aus diesen Gründen ist auch die Vorladung
nicht geeignet, eine Verfolgung wegen einer allfälligen LTTE-Tätigkeit zu bele-
gen. Überdies ist nicht ersichtlich, weshalb die polizeiliche Vorladung vom
13. August 2018 – also elf Tage nach seiner Anhörung und rund ein Jahr vor
Ergehen des vorinstanzlichen Entscheids – erst mit der Beschwerde einge-
reicht wurde. Weiter geht auch aus der eingereichten Kopie der Anzeige bei der
(...) lediglich hervor, dass sich seine Schwester über drei Übergriffe der Polizei
beschwert hat. Gemäss dem Prozedere des HCR werden eingegangene An-
zeigen in der Regel geprüft. Fallen sie in die Zuständigkeit der Kommission,
werden weitere Untersuchungen eingeleitet und je nach Fall eine Mediation mit
den beteiligten Parteien veranlasst. In jedem Fall wird ein schriftliches Doku-
ment zu den Erkenntnissen erstellt (http://www.hrcsl.lk/make-a-complaint, ab-
gerufen am 8. Juli 2020). Nachdem die Anzeige bereits vor fast zwei Jahren
eingereicht worden war, ist davon auszugehen, dass ein (schriftliches) Resultat
der Untersuchung vorliegt. In diesem Zusammenhang ist erneut auf die Mitwir-
kungspflicht im Sinne von Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG zu verweisen, wonach all-
fällige Beweismittel unverzüglich und vollständig einzureichen sind. Schliess-
lich ist auch nicht glaubhaft, dass seine Schwester trotz ihrer langjährigen Tä-
tigkeit für die LTTE nicht von den heimatlichen Behörden belangt wurde.
6.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer weder mit
seinen Angaben im erstinstanzlichen Verfahren noch mit seinen nachträglich
http://www.hrcsl.lk/make-a-complaint
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Seite 16
geltend gemachten Vorbringen in der Beschwerde glaubhaft zu machen ver-
mag, dass er in Sri Lanka zum Zeitpunkt der Ausreise in flüchtlingsrechtlich
relevanter Weise verfolgt worden ist oder begründete Furcht hatte, verfolgt zu
werden.
7.
7.1 Weiter ist zu prüfen, ob Nachfluchtgründe vorliegen und dem Beschwerde-
führer bei einer Rückkehr ins Heimaltland mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen.
7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka
vorgenommen und festgestellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zu-
rückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden
Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien (vgl. E. 8.3). Das Gericht
orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernst-
hafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiede-
nen Risikofaktoren. Dabei handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsäch-
lichen oder vermeintlichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den
LTTE, um die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen und
um das Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üb-
licherweise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbin-
dung zu den LTTE (sogenannte stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O.,
E. 8.4.1–8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu wer-
den, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitäts-
papiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise zurückgeführt wer-
den oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri
Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (sogenannte
schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Ge-
richt wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren
eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Da-
bei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrenden eine begrün-
dete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen
seitens der sri-lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt
seien, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O.,
E. 8.5.1).
7.3 Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsiden-
ten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der
Rajapaksa-Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; https://www.theguar-
dian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate-rajapaksa-prem
https://www.theguardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate-rajapaksa-prem https://www.theguardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate-rajapaksa-prem
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adas-count-continues, abgerufen am 5. März 2020). Gotabaya Rajapaksa war
unter seinem älteren Bruder, dem ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapa-
ksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht war, Verteidigungssekretär. Er wurde
angeklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten so-
wie Aktivisten begangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Men-
schenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er be-
streitet die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 –
Sri Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen
Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal
Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Cha-
mal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlrei-
che Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. vgl. https://www.ani-
news.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-raja
pksa-sworn-in-as-ministers-of-state 20191127174753/, abgerufen am 4. März
2020). Beobachter und ethnische / religiöse Minderheiten befürchten insbeson-
dere mehr Repression und die vermehrte Überwachung von Menschenrechts-
aktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen
und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]:
Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März
2020 löste Gotabaya Rajapaksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neu-
wahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident löst das Parlament auf, 3.3.2020).
7.4 Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszuge-
hen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind bezie-
hungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundes-
verwaltungsgerichts E 1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Families
of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeit-
punkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka
ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wä-
ren. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher
Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. Novem-
ber 2019 respektive deren Folgen besteht.
7.5 Der Beschwerdeführer machte geltend, in der Schweiz an ein oder zwei
Versammlungen in F._ und G._ sowie an Märtyreranlässen teil-
genommen zu haben. Zudem pflege er regelmässigen Kontakt zu ehemaligen
LTTE-Mitgliedern. Dem Gericht liegen keine Unterlagen vor, aus welchen her-
vorgehen würde, dass er sich in der Schweiz tatsächlich politisch engagiert
https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-raja%20pksa-sworn-in-as-ministers-of-state https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-raja%20pksa-sworn-in-as-ministers-of-state https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-raja%20pksa-sworn-in-as-ministers-of-state
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hätte und dass er dadurch in den Fokus der heimatlichen Behörden geraten
sein könnte. Weitere risikobegründende Faktoren sind nicht vorhanden. Zudem
ist er legal mit seinem eigenen Pass ausgereist (vgl. act. A4/13, F4.02 F5.05).
Schliesslich ist auch mangels Glaubhaftigkeit seiner geltend gemachten Vor-
verfolgung durch die heimatlichen Behörden das Vorhandensein von risikobe-
gründenden Faktoren zu verneinen.
7.6 Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, dass der Beschwerdeführer bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt
wäre und ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG befürchten
müsste. Das SEM hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh-
rers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an;
es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die
Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE
2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen
Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG
[SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Pra-
xis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der
Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der
strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen
(vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Hei-
mat- , Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).So
darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen
werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach
Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in
D-4321/2019
Seite 19
ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso
Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Überein-
kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und
der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.2.2 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement schützt nur Per-
sonen, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung
nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte
Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwen-
dung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in seinen Heimatstaat Sri
Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
9.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaf-
fung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt
wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte
(EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der
Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft
machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Be-
handlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar
2008, Grosse Kammer 37201/06, § 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug nicht als un-
zulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 E. 12.2 sowie statt vieler Urteil des BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020
E. 9.2). Es ergeben sich aus den Akten auch keine konkreten Hinweise darauf,
dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so ge-
nannten "Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im
In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre.
Daran vermögen der Regierungswechsel vom November 2019 sowie die seit-
her veränderte Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Der Wegweisungsvollzug
erweist sich somit als zulässig.
D-4321/2019
Seite 20
9.3
9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von
Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Not-
lage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist –
unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.
9.3.2 In Sri Lanka herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt.
Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den LTTE
ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. In den beiden Referenzurteilen E-
1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 hat das
Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Einschätzung der Lage in Sri Lanka
vorgenommen. Dabei stellte es fest, dass der Wegweisungsvollzug sowohl in
die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter Einschluss des sogenannten
Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorliegen von individuellen Zumutbar-
keitskriterien bejaht werden kann. Zu den individuellen Zumutbarkeitskriterien
gehören insbesondere das Vorhandensein eines tragfähigen familiären oder
sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkom-
mens- und Wohnsituation.
9.3.3 Der Beschwerdeführer stammt aus der Nordprovinz, ist gesund und ver-
fügt über mehrjährige Arbeitserfahrung als Taxifahrer und Fischer in Sri Lanka.
Neben seiner Familie leben weitere Verwandte in der Nordprovinz und es ist
anzunehmen, dass er über ein breites soziales Netz verfügt, zumal er den
grössten Teil seines Lebens im selben Dorf verbrachte. Diese Beziehungen
könnten ihn bei Bedarf bei einer beruflichen und wirtschaftlichen Reintegration
unterstützen. Zudem ist davon auszugehen, dass er in das Haus seiner Eltern
zurückkehren und erneut bei ihnen wohnen kann, weshalb auch seine Wohnsi-
tuation als gesichert gilt. Insgesamt sind keine Anzeichen ersichtlich, dass er
bei einer Rückkehr in eine existentielle Notlage geraten würde. Der Vollzug der
Wegweisung erweist sich nicht als unzumutbar.
9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen
Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedoku-
mente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34
E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen
ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht
als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen
Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
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Seite 21
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundes-
recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig
feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – an-
gemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe geleistete
Kostenvorschuss zur Bezahlung der Verfahrenskosten ist hierfür zu verwen-
den.
(Dispositiv nächste Seite)
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