Decision ID: 84e5d650-c0e8-4ac3-9bfb-c9f9ff4f6b7a
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren am 27 Oktober 1961,
meldete sich am
23. April 2004
(Ein
gangsdatum)
unter Hinweis auf seit zehn Jahren bestehende chronische
S
chmer
zen bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug e
iner Invalidenrente an (Urk. 14/1). Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizi
nische Abklärungen
und holte insbesondere das Gutachten des
Z._
vom 2
2.
November 2006 ein (
Urk.
14/39). Mit Verfü
gung vom
5.
April 2007 wies die IV-Stelle
das Leistungsbegehren gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 3
%
ab (
Urk.
14/53). Die hiergegen am 1
5.
Mai 2007 erhobene Beschwerde am hiesige
n Gericht (
Urk.
14/61) wurde mit Urteil IV.2007.00736 vom 1
2.
Augus
t 2008 abgewiesen (
Urk.
14/69), was wiederum vom Bundesgericht
mit Urteil 9C_
789/2008 vom 2
6.
Februar 2009 bestätigt wurde
(
Urk.
14/71).
Mit Schreiben vom
8.
Juli 2010 ersuchte die Versicherte bei der IV-Stelle um eine beidseitige Hörgeräteversorgun
g (
Urk.
14/73-74), woraufhin die IV-Stelle am
1
7.
Januar 2011 Kostengutsprache für zwei Hörgeräte
erteilte
(
Urk.
14/81).
1.2
X._
arbeitete seit dem
1.
April 2015 als Assistentin Betreuung und Pflege für die Stadt
Y._
und war in diesem Rahmen vom
1.
April 2015 bis zum 3
1.
Juli 2017
bei der Pensionskasse Stadt
Y._
berufsvorsorgeversichert (
Urk.
2/1-2 und
Urk.
2/4a).
Die Versicherte meldete sich am
7.
November 2016 (Eingangsdatum)
unter Hin
weis auf Beschwerden im rechten Handgelenk, im Nacken, der linken Hüfte, Kreuzschmerzen und eine
n
beidseitigen Tinnitus
erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
.
Die Nackenb
eschwerden hätten bereits früher be
standen, seit einem Unfall am 1
8.
Juni 2016
(Ausrutschen in der Badewanne,
vgl.
Urk.
14/93/4) hätten sie sich massiv verschlechtert
(
Urk.
14/87).
Im Auftrag der Pensionskasse Stadt
Y._
erstellte
Dr.
med. A._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, den vertrauensärztlichen Untersu
chungsbericht vom
2.
März 2017 (
Urk.
14/136)
.
Die Suva als zuständige Unfallversicherung trat auf den Schaden ein
und erbrach
-
te
die gesetzlichen Leistungen, bis sie mit Verfügung vom 1
6.
Oktober 2017 die Leistungen einstellte, da die noch geklagten Beschwerden organisch nicht hinreichend nachweisbar und nicht mehr adäquat kausal seien (
Urk.
14/113
).
Die Suva zog
in der Folge
diese Verfügung zurück und erbrachte die gesetzlichen Leistungen
,
um weitere Abklärungen zu tätigen (vgl. Verfügung vom 1
3.
August 2018,
Urk.
14/133).
Die IV-Stelle teilte am
3.
Juli 2017 mit, das
s
keine
Eingliederungsmassnahmen mö
glich seien
(
Urk.
14/105).
Die Pensionskasse Stadt
Y._
gab bei
Dr.
med. B._
, Fachärztin für Psychiat
rie und Psychotherapie, ein G
ut
acht
en
in Auftrag, welche
s
diese am
4.
April 2018 erstattete (
Urk.
14/124).
Mit Verfügung vom 1
3.
August 2018 teilte die Suva mit, dass die notwendigen Abklärungen getätigt worden seien und die Leistungen aufgrund
der fehlenden Adäquanz der
organisch nicht hinreichend nachweisbaren Beschwerden per 3
1.
August 2018 eingestellt würden (
Urk.
14/133).
Die IV-Stelle führte am 2
2.
August 2018 eine Haushaltsabklärung durch (
Urk.
14/137) und sprach der Versicherten mit Verfügung
en
vom
1
8.
Februar und
6.
März 2019
eine ganze Ren
te ab 1
8.
(bzw. 1.)
Juni 2017 zu (
Urk.
14/150 und
Urk.
14/152
; Verfügungsteil 2,
Urk.
14/144).
Am 3
0.
Oktober 2019 stellte die Ver
sicherte ein Zusatzgesuch für eine Hörgeräteversorgung (
Urk.
14/156), welches mit Schreiben vom 2
2.
Januar 2020 gutgeheissen wurde (
Urk.
14/159).
1.3
Mit Schreiben vom 2
6.
April 2019 lehnte die Pen
s
ionskasse der Stadt
Y._
die Leistungspflicht ab (
Urk.
2/4a).
2.
Am
2.
Dezember 2019 reichte die Versicherte am hiesigen Gericht Klage
gegen die Pensionskasse der Stadt
Y._
ei
n und beantragte, es sei ihr aus beruf
licher Vorsorge zulasten der Beklagten eine Rente in der Höhe von mindestens
Fr.
1'068.25 pro Monat zuzusprechen, spätestens ab Juni 2018, zuzüglich Zins zu 5
%
pro Jahr ab Klageeinreichung. Die Beklagte sei zu verpflichten, die vollstän
digen Dossiers mit den Berechnungsgrundlagen für eine gesetzliche und eine reg
lementarische Rente zu edieren und detailliert zu begründen. In prozessualer Hin
sicht ersuchte sie um einen zweiten Schriftenwechsel (
Urk.
1). Mit Klageantwort vom 2
0.
März 2020 schloss die Beklagte auf Abweisung der Klage (
Urk.
10). Nach Beizug der IV-Akten (
Urk.
14/1-159)
änderte
die Klägerin
r
eplicando
ihre Anträge dahingehend, dass die eingeklagt
e Rente ab dem
1.
September 2018
auszurichten sei
(
Urk.
16
S. 8
). Die Beklagte schloss mit Duplik auf Abweisung der Klage (
Urk.
20), worüber die Klägerin am 1
4.
September 2020 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
23).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Die Klägerin brachte vor, dass sie am 1
8.
Juni 2016 rückwärts in der Badewanne ausgerutscht sei, wobei sie sich eine leichte Hirnerschütterung, starke Nacken
schmerzen, Verletzungen im Bereich des rechten Handgelenkes sowie eine Prel
lung des Ste
issbeins zugezogen habe. Seit diesem Unfall sei sie durchgängig voll arbeitsunfähig gewesen, was auch seitens der Beklagten nicht bestritten werde. Im Gutachten des
Z._
von November 2006 sei zwar von einer psychiatrisch bedingten Arbeitsunfähigkeit von 10-20
%
die Rede, es sei allerdings nicht dokumentiert, wie sich diese Arbeitsunfähigkeit danach entwickelt habe, womit eine andauernde Arbeitsunfähigkeit von 20
%
zwischen 2007 und 2015 nicht ausgewiesen sei. Dagegen spreche auch, dass sie zu 60
%
im Pflegeheim gearbei
tet habe und daneben im Geschäft ihres Ehemannes im Umfang von 45
%
tätig gewesen sei. Die psychische Reaktion habe ab Juni 2017 neu eingesetzt, womit diese in die Versicherungszeit der Beklagten falle - dass die Suva eine Leistungs
pflicht dafür verneine, sei irrelevant (
Urk.
1).
1.2
Die Beklagte brachte demgegenüber vor,
dass gemäss
Dr.
B._
bereits seit 1994 ein chronisches Schmerzsyndrom bestehe. Dieses habe sich im Laufe der Jahre auf dem Boden einer biografisch bedingten Persönlichkeitsakzentuierung mit Selbstausbeutung und Selbstüberforderung entwickelt. Dies entspreche auch der Beurteilung des
Z._
von November 200
6.
Daneben hätten auch schon Kopf- und Nackenschmerzen bestanden, welche rheumatologisch eine Arbeitsunfähig
keit nach sich gezogen hätten. Aus den IV-Akten ergebe sich entsprechend klar, dass die vom
Z._
attestierte 10-20%ige Arbeitsunfähigkeit weiterhin bestanden habe - dass die somatoforme Schmerzstörung damals als überwindbar gegolten habe, ändere nichts daran, dass die Arbeitsunfähigkeit nach der heutigen Praxis durchaus weiterbestanden habe. Das gleiche gelte für die Kopf- und Nacken
schmerzen, welche altersbedingt/degenerativ und entsprechend sicherlich nicht weggefallen seien. Sie habe immer in einem Pensum von 50-70
%
gearbeitet, die Mithilfe im Betrieb des Ehemannes sei nicht belegt, zumal die Tätigkeit nachweis
lich unregelmässig gewesen sei. Die heutige Depression stehe auch in engem sachlichen Zusammenhang mit der bereits vor Jahren diagnostizierten somato
formen Schmerzstörung (
Urk.
10).
1.3
Die Klägerin führte
replicando
ergänzend aus, dass sie vor dem Unfall gearbeitet habe, womit auch keine Arbeitsunfähigkeit habe dokumentiert werden können.
Dies gehe auch klar aus dem Haushaltsabklärungsbericht der IV-Stelle hervor. Sie sei seit dem Unfall, welcher insbesondere eine schwere Handverletzung nach sich gezogen habe sowie die danach eingetretene schwere Depression, vollumfänglich arbeitsunfähig - eine andauernde vorbestehende Arbeitsunfähigkeit sei nicht dokumentiert und widerspreche auch dem vollen Arbeitspensum. Ein sachlicher
Zusammenhang zur 2006 festgehaltenen somatoformen Schmerzstörung habe die heutige schwere Depression ebenfalls nicht. Des Weiteren sei für den Rentenan
spruch gemäss Reglement 60
%
des letzten versicherten Lohnes vor Eintritt des Gesundheitsschadens relevant. Dieser sei am 1
8.
Juli 2016 eingetreten, als sie noch in einem Pensum von 60
%
gearbeitet habe. Die Reduktion auf 50
%
sei durch den Arbeitgeber erst danach erfolgt. Das Taggeld der Suva sei per 3
1.
August 2018 eingestellt worden, womit der Rentenanspruch erst ab
dem
1.
S
eptember 2018 bestehe (
Urk.
16).
1.4
Mit Duplik vom 1
1.
September 2020 ergänzte die Beklagte, dass die Klägerin ohne jegliche Entlöhnung im Betrieb des Ehemannes mitgearbeitet habe, entsprechend sei sie in einer sogenannten freiwilligen Unternehmerversicherung versichert gewesen.
Objektivierbare Informationen zur Tätigkeit lägen nicht vor. Die IV-Stelle habe sie zwar als voll erwerbstätig beurteilt und ein hypothetisches Ein
kommen für die Tätigkeit beim Ehemann eingerechnet, allerdings habe die IV-Stelle nicht hinterfragt, ob diese Tätigkeit tatsächlich geleistet worden sei. Ent
sprechend sei davon auszugehen, dass die Klägerin ihrer Befindlichkeit angepasst habe arbeiten können im Betrieb des Ehemannes. Sie habe die Leistungen, wie sie auf dem freien Arbeitsmarkt verlangt würden, nicht erbracht. Die heute beste
hende Invalidität sei hauptsächlich psychiatrisch bedingt, da die degenerative rheumatologische Beeinträchtigung in den Hintergrund getreten sei. Bereits im Austrittsbericht der
C._
vom 2
2.
August 2006 sei die Verdachts
diagnose einer depressiven Erkrankung genannt worden, womit der sachliche Zusammenhang ebenfalls erstellt sei. Die IV-Verfügungen seien ihr des Weiteren nicht eröffnet worden, womit sie nicht an den Beginn der Wartefrist gebunden sei. Die Änderung des Anstellungsgrades sei darüber hinaus im Februar 2016 gegengezeichnet worden - mithin vier Monate vor dem Unfall. Als Grund habe sie angegeben, das Enkelkind einen Tag in der Woche betreuen zu wollen - dies habe sie gegenüber der IV-Stelle nie offengelegt.
Entsprech
end sei
der massge
bende Lohn jener in einem 50%-Pensum, w
omit die Invalidenrente auf Fr.
10'681.20 pro Jahr festzulegen wäre. Aufgrund der Überentschädigungsbe
rechnung wäre diese allerdings auf
Fr.
7'460.-- jährlich zu reduzieren (
Urk.
20).
2.
2.1
Nach
Art.
24
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die berufliche Alters-, Hinterlasse
nen- und Invalidenvorsorge (BVG)
hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er mindestens zu 40 % invalid ist. Gemäss
Abs.
1 von
Art.
26 BVG gelten für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestimmun
gen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
Art.
29
des
Bundesge
setz
es
über die Invalidenversicherung, IVG
). Die Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den Anspruch erhebende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses angeschlos
sen war. Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeit
punkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl.
Art.
23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähigkeit (nach einer Wartezeit von einem Jahr gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG in Verbin
dung mit
Art.
26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Arbeitsverhältnis ausge
schieden ist und daher nicht mehr dem Obligatorium unterstanden hat (BGE 123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hinweisen).
2.2
Anspruch auf Invalidenleistungen haben gemäss
Art.
23 BVG Personen, die im Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40
%
invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Nach
Art.
23 BVG versichertes Ereignis ist einzig der Eintritt der relevan
ten Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in wel
chem Masse daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die Versi
cherteneigenschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Ver
schlimmerung der Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit Sinn und Zweck der Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später invalid werden. Für eine einmal aus
während der Versicherungsdauer aufgetrete
ne
Arbeitsunfähigkeit geschuldete Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrich
tung somit
leistungspflichtig, selbst wenn sich nach Beendigung des Vorsorge
verhältnisses der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft kein Erlöschungsgrund (
Art.
26
Abs.
3 BVG e contrario; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E. 5).
2.3
Art.
23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorgeein
richtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit bereits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenversiche
rung zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach
Art.
23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidi
sierenden Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Been
digung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invali
dität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeit
lichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krank
heit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten. Demnach darf nicht bereits eine Unterbrechung des zeitlichen Zusam
menhangs angenommen werden, wenn die Person bloss für kurze Zeit wieder an die Arbeit zurückgekehrt ist. Ebenso wenig darf die Frage des zeitlichen Zusam
menhangs zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität in schematischer (analo
ger) Anwendung der Regeln von
Art.
88a
Abs.
1 der Verordnung über die Inva
lidenversicherung (IVV) beurteilt werden, wonach eine anspruchsbeeinflussende Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in jedem Fall zu berücksichtigen ist, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich andauern wird. Zu berücksichtigen sind vielmehr die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prog
nostische ärztliche Beurteilung und die Beweggründe, die die versicherte Person zur Wiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben (BGE 123 V 262 E.
lc
, 120
V
112 E. 2c/
aa
und 2c/
bb
mit Hinweisen).
Der enge zeitliche Zusammenhang ist so lange nicht unterbrochen, als dass min
destens eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit besteht (BGE 144 V 58 E. 4.4). Eine nachhaltige, den zeitlichen Konnex unterbre
chende Erholung liegt hingegen grundsätzlich vor, wenn während mehr als drei Monaten eine Arbeitsfähigkeit von über 80 % in einer angepassten Erwerbstätig
keit gegeben ist (BGE 144 V 58 E. 4.4) und - kumulativ bezogen auf die ange
stammte Tätigkeit - ein rentenausschliessendes Einkommen erzielt werden kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_623/2017 vom 26. März 2018 E. 3; BGE 134
V
20 E. 5.3). Eine solch drei Monate oder länger andauernde (annähernd) vollstän
dige Arbeitsfähigkeit ist ein gewichtiges Indiz für eine Unterbrechung des zeitli
chen Zusammenhangs, sofern sich eine dauerhafte Wiedererlangung der Erwerbs
fähigkeit als objektiv wahrscheinlich darstellt. Der zeitliche Zusammenhang kann daher auch bei einer länger als drei Monate dauernden Tätigkeit gewahrt sein, wenn eine dauerhafte berufliche Wiedereingliederung unwahrscheinlich war, etwa weil die Tätigkeit (allenfalls auch erst im Rückblick) als Eingliederungsver
such zu werten ist oder massgeblich auf sozialen Erwägungen des Arbeitgebers beruhte (BGE 134 V 20 E. 3.2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_340/2016 vom 21. November 2016 E. 4.1.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_465/2018 vom 30. Januar 2019 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
2.4
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invalidenver
sicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (
Art.
6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilun
gen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungs
bezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüf
barkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorgeeinrichtung beziehungsweise
das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesgerichts 9C_49/2010 vom 2
3.
Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(
a
Art
.
73
bis
IVV; seit
1.
Juli 2006:
Art.
73
ter
IVV) einbe
zogen und ihr die Rentenverfügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bun
desgerichts 9C_81/2010 vom 1
6.
Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-recht
-
liche
Festsetzung des Invaliditätsgrades (grundsätzlich, masslich und zeit
lich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
3.
Die
für den Fall relevante
medizinische Aktenlage präsentiert sich folgendermas
sen:
3.1
Die Klägerin befand sich vom 1
7.
Juli bis zum 1
4.
August 2006 in stationärer Behandlung in der
C._
.
Die Ärzte hielten folgende Diagnosen fest (
Urk.
14/61/12 ff.):
-
Chronisches
zervikozephales
und
zervikobrachiales
Schmerzsyndrom rechts
-
Halswirbelsäulen-Distorsion (HWS) 1994
-
erneute HWS-Distorsion bei Auffahrunfall am 2
9.
Juni 2006
-
ausgeprägte Dekonditionierung
-
Diskushernie C5/6 rechts
mediolateral
(MRI HWS 02/200
0
)
-
Status nach periradikulärer Infiltration Wurzel C6 rechts 1999
-
Verdacht auf depressive Entwicklung
-
Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
-
Ein- und Durchschlafstörungen
-
Tinnitus rechts
-
verstärkt nach Otosklerose-Operation und sekundärer Prothesenentfer
nung 2005
-
Hypogeusie
durch Verletzung der
chorda
tympani
rechts bei Status nach Mittelohroperation wegen Otosklerose 2005
-
Status nach rezidivierenden Laparotomien mit/bei
-
Status nach
Appendicitis
perforata
mit Douglas-Abszess 1999
-
Rectosigmoid
-Resektion 2005 bei ausgeprägter fixierter Schlingenbil
dung mit
Lumeneinengung
Colon descendens
-
Status nach Divertikulitis-Schub 01/05
-
Arterielle Hypertonie
-
Langjährige Migräne
-
Polyallergie
-
Allergie auf
Novalgin
, Pollinose auf Gräser, R
oggen und Sensibilisie
rung auf K
atzen,
Quinke
-Ödem 01/2003 unklarer Genese
-
Klaustrophobie im MRI
Aus physiotherapeutischer Sicht seien die lumbalen Beschwerden sowie die Schulter-/Nackenbeschwerden rechts mit Ausstrahlungen bis in den Ellenbogen die Hauptprobleme bei Eintrit
t gewesen. Des Weiteren hätte die Klägerin
eine verminderte Körperwahrnehmung gehabt und die allgemeine Belastbarkeit sowie die Leistungsfähigkeit seien ebenfalls beeinträchtigt gewesen. Die Schmerzen hät
ten sich auf der Visuellen Analogskala (VAS) von 8-9/10 auf 7-8/10 bei Austritt gesenkt und die Leistungsfähigkeit sowie Ausdauerleistung hätten sich deutlich verbessert. Durch Schulung der Körperwahrnehmung habe sie die Möglichkeit, belastende Momente besser zu erkennen und adäquat darauf zu reagieren, sie erkenne nun besser ihre Grenzen. Sie könne 7.5 kg ergonomisch korrekt vom Boden bis zur Taillenhöhe heben.
Aus psychologischer Sicht habe sie gute Fortschritte erreichen können. Trotz Schmerzen habe sie eine Aktivitätssteigerung bezüglich Velo und Laufband erreicht. Sie sehe wieder besser, was sie trotz Schmerzen machen könne. Ein wei
teres wichtiges Ziel sei Lernen, nicht über die Grenzen zu gehen und sich abzu
grenzen gewesen. Sie habe dabei grosse positive Veränderungen gemacht, könne sich selbst besser wahrnehmen, spüre wieder ihren Körper seit Jahren, könne bes
ser bei sich bleiben, sich ernstnehmen, sich äussern und gleichzeitig Kontakte mit offenem Ohr pflegen
.
Aufgrund der geringen körperlichen Belastbarkeit bestehe bei Austritt eine volle Arbeitsunfähigkeit und die theoretische maximale Arbeitsfähigkeit betrage
10-15
%
(
Urk.
14/61/14).
3.2
Die Gutachter des
Z._
hielten in ihrem Gutachten vom 2
2.
November 2006 fol
gende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest (
Urk.
14/39/24):
-
Chronifiziertes und therapieresistentes
cervikovertebrales
Schmerzsyn
drom mit/bei:
-
Status nach möglicher
Halswirbelsäulen(
HWS
)
-Distorsion 1994 und im Juni 2006
-
MRI-
dokumentierter kleiner Diskushern
ie rechts C5/6
mediolateral
ohne Kontakt zur Nervenwurzel
-
aktuell
myofascial
fortgeleiteten Beschwerden in den
rechten Arm und rechten Hinterk
opf ohne Hinweise für Facettengelenks-fortgeleitete Schmerzen bzw. radikuläre Symptomatik
-
muskulärer Dekonditionierung
-
anhaltender somatoformer Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit notierten sie folgende Diagnosen:
-
Status nach wiederholten Laparotomien mi
t/
bei
:
-
Status nach
Appendicitis
perforata
mit Douglas-Abszess 1999
-
Status nach totaler Hysterektomie wegen Endometriose 2000
-
Status nach laparoskopischer
Cholezystektomie
wegen Cholezystitis 2001
-
Status nach
Rectosigmoid
-Resektion wegen rezidivierender
Diverticu
litis
und Divertikel-
Blutung 2005
-
Otosklerose rechts mit/bei:
-
Status nach erfolgloser Mitt
elohroperation 2005
-
aktuell persistierende
m
Tinnitus rechts mit Mittelohrschwerhörigkeit, apparativ versorgt
-
Polyallergie mit S
tatus nach
Quincke-Oedem
2003
Die Gutachter führten aus (
Urk.
14/39/25 ff.), dass die Klägerin
über subjektiv unerträgliche, bewegungs- und belastungsakzentuierte Schmerzen vor allem lokalisiert im Nacken- und Schultergürtelbereich mit Ausstrahlungen in den rech
ten Oberarm und zeitweise mit Einbezug des IV. Fingers rechts
klage
. Daneben komme es zu Missempfindungen am Hinterkopf rechts bis frontal reichend, vor allem
während der Nacht. Daneben klage
sie
über einen starken Tinnitus rechts, der nach einer gescheiterten Otosklerose-Operation im Januar 2005 deutlich zugenommen h
ab
e, sowie über zunehmende Merkfähigkeits- und Konzentrati
onsstörungen. Von Seiten des Abdomens habe sie seit der letzten Operation nur noch intermittierende Bauchkrämpfe, die aber nach wie vor sehr störend seien.
Bei der internistischen Untersuchung finde
sich eine 44-jä
hrige,
übergewichtige Frau in gutem
Al
Igemeinzustand
. Ihre arterielle Hypertonie sei
unter der jetzigen Therapie einigermassen zufried
enstellend eingestellt und es fä
nden sich klinisch keine Hinweise für
hypertensive Fol
geerkrankungen.
Sie sei
kard
iopulmonal kompensiert und
weise
auch sonst im Status keine Auffä
lligkeiten auf. Insbeson
dere sei
der
Abdominalstatus
nach
den multiplen abdominellen Eingriffen völlig bland
. Der rechtsseitige Tinnitus sei
nicht arbeitseinschrän
kend und die Schwer
hörigkeit sei
appara
tiv versorgt. Zusammengefasst lasse
sich aus internistischer Sicht keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit stellen.
Bei der r
heumatologischen Untersuchung fie
len gewisse Diskrepanzen mit
Inkon
sistenzen auf. So bestünden
Berührungs-
und Palpationsschmerzen
paracerv
ikal
und in der Schultergürtelregion rechts, die a
ber nicht konstant seien
und bei Ablenkung der
Klägerin nicht mehr angegeben wü
rden. Bei der p
assiven Unter
suchung der HWS übe
sie
eine kräftige Gegeninnervation aus, wobei sie in unbeobachteten Momenten, zum Beispiel beim Aus- und Ankleiden bzw. in Bauchlage, ihren Kopf proble
mlos auf beide Seiten bewegen kö
nn
e
. Radiologisch
finde
sich lediglich eine S
treckhaltung der HWS, strukturelle Läsionen seien
nicht
objektivierbar. Trotz MRI-dokumentierter kleiner
Diskushernie rechts C5/6 bestünden
klinisch keine radikuläre Kompressionssymptomatik und auch keine Facettengelenks-fortgel
eitete Schmerzen. Auffallend sei
die allgemeine musku
läre Dekonditionierung. Die ausgeprägten Beeinträchtigungen der Belastbarkeit und die Therapieresistenz könn
t
en aber rheumatologisch-somatisch nicht erklärt werden. In der
angestammten Tätigkeit als Café
-
Mitarbeiterin besteh
e
eine Belastbarkeitsverminderung von 20 bis höchstens 30
%
. Für eine Halswirbelsäu
len-schonende Arbeit ohne Gewichte heben und ohne monotone Stellungen, ide
ale
rweise wechselbelastend, bestehe
eine bleibende Arbeitsunfähigkeit im Bereich von 10 bis 20
%
.
Bei de
r psychiatrischen Exploration falle
auf, dass sich die
Klägerin
bei der Arbeit und für ihre Fam
ilie schon immer überfordert habe. So habe
sie während ihrer Schwangerschaft mit der jüngsten Tochter zusammen mit dem Ehemann ein eigenes Haus gebaut, teilweise gearbeitet, den Haushalt gemacht und noch Kinder
anderer Leute gehütet. Hinzu sei
die schwere Erkrankung des Vaters
gekommen
, währenddessen sie ebenfalls ihre Eltern
habe
unterstützen m
üssen. Zusätzlich falle
der erste Autounfall in diese Zeit, wonach sie
,
anstelle sich zu schonen bzw. in Behandlung zu begeben, ihre
körperlichen Probleme verdrängt
und so
durch die ständige Ü
berlastung zunehmende
Nackenschmerzen entwickelt habe
. Als sie dann ihre diversen Bauchoperationen
gehabt
und dann noch einen zweiten Autounfal
l
erlitt
en habe, sei
sie nicht mehr in der Lage
gewesen
, weiter zu arbei
ten. Für diese überperfekte, stets hilfsbereite Frau,
die immer gern gegeben habe
und nie
ge
l
ernt habe
, für sich selbst zu nehmen,
sei
es schwierig, ihre eigenen Grenzen zu sehen. Somit
hab
e sie im Verlauf der Jahre chronische und weitge
hend therapierefraktäre Körperschmerzen
entwickelt
, für die sich kein s
omati
sches Korrelat finden lasse
. Somit k
ö
nn
e
das Beschwerdebild im Rahmen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung interpretiert werden, auf dem Grunde einer Persönlichkeit mit Abhängigkeit
und zum Teil auch ängstlichen und zwanghaften Zügen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine Arbeitsfähigkeitsein
schränkung von 10 bis 20
%
.
Zusammenfassend und unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde sei sie in ihrer Arbeitsfähigkeit global gesehen nur leicht eingeschränkt, als Ser
viceangestellte in einem Café zu 30
%
, in
einer körperlich leichten, Halswirbel
säulen-schonenden Tätigkeit ohne die Notwendigkeit schwere Gewichte zu heben und ohne monotone Stellungen, idealerweise mit Wechsel zwischen sitzender und stehender Position
,
sei sie zu 20
%
eingeschränkt.
3.3
Dr.
med. D._
, Facharzt für Innere Medizin, hielt im Bericht vom 1
9.
April 2012 folgende
(z.T. gekürzt wiedergegebenen)
Diagnosen fes
t
(
Urk.
14/96)
:
-
Status nach offener
Rectosigmoidresektion
2005
-
Status nach Operation einer epigastrischen Hernie 2010
-
Status nach
Appendicitis
perforata
mit Douglasabszess 1999
-
Status nach Hysterektomie und Adnexektomie wegen Endometriose 2000
-
Status nach laparoskopischer
Cholecystektomie
bei Cholelithiasis mit Koliken 2001
-
Status nach
Divertikulitisschub
2001 und 2005
-
Obstipation
-
Arterielle Hypertonie
-
Chronische
s
belastungsabhängiges zervikales Schmerzsyndrom mit
Cephalea
nach
-
Aktivierung durch erneuten Auffahrunfall 2006
-
Status nach HWS-Distorsion bei Autounfall 1994
-
Status nach Diskushernie C5/C6 rechts mit radikulären Reizbeschwer
den 1999
-
Status nach PRT an die Wurzel C6 1999
-
Periarthropathia
coxae
links
-
Polyarthrose
-
Epicond
ylo
pathia
humeri
ulnaris
beidseits
-
Plantarfasziitis
beidseits
-
Hypogeusie
durch Verletzung der Chorda
tympani
rechts bei Mittelohro
peration wegen Otosklerose 2005, Vertigo
-
Tinnitus rechts
-
Migräne mit Aura seit der Pubertät
-
Symptomatische Nebenastvarizen am rechten Oberschenkel
-
Quinkeödem
Januar 2003 unklarer Genese
-
Unverträglichkeit mit starker Übelkeit nach Tramal und Codein, Kristall
reaktion auf Steroide
-
Unverträglichkeit auch auf
Pantozol
,
Irfen
,
Saroten
,
Paragar
-
Novalginallergie
-
Pollinose auf Gräser/Roggen und Sensibilisierung auf Katzen
-
Klaustrophobie im MRI
Handschriftlich wurde auf diesem Bericht des Weiteren notiert, dass seit ca.
4 Jahren Rückenschmerzen,
seit
2016 ein Hörstur
z mit bleibendem Tinnitus links und
somit beidseitig sowie
seit Juni 2016
Handgelenksprobleme vorlägen.
3.4
Dr.
med. E._
, Facharzt für Chirurgie und Kreisarzt der Suva,
diagnos
tizerte
in seinem Bericht vom 1
4.
Dezember 2016
(
Urk.
14/100)
einen Sturz in der Badewanne mit (1) dorsalem Ausriss im Bereich des Os
triquetrums
rechts, (2) kräftigem
Bone
bruise
am Os capitatum, Os
hamatum
und Os
lunatum
, (3) aus
gedehnten posttraumatischen Veränderungen der dorsalen Handgelenkskapsel und (4) einer Rückenprellung.
Die
Klägerin
habe sich beim Sturz Han
dverletzun
gen rechts sowie eine Rückenprell
ung zugezogen
. Eine Diagnostik bezüglich der Rückenprellung sei bisher nicht erfolgt. Die Klägerin klage jedoch über ausstrah
lende Schmerzen von der Wirbelsäule ausgehend über den Trochanter ins linke Bein.
Bei der heutigen Untersuchung zeigten sich noch eine eingeschränkte Beweglichkeit im rechten Handgelenk sowie eine eingeschränkte Belastbarkeit der rechten Hand.
Es bestehe lediglich eine Arbeitsfähigkeit für leichte Tätigkeiten, also die Buch
führung für den Betrieb des Ehemanns ab dem 1
4.
Dezember 201
6.
Für weitere Tätigkeiten, wie sie vor dem Unfall durchgeführt worden seien, bestehe noch keine Arbeitsfähigkeit. Die jetzt noch vorhandenen Beschwerden im Bereich der rechten Hand seien unfallkausal. Fraglich unfallkausal seien die Rückenbe
schwerden, hierzu müsse ein MRI Aufschluss geben.
3.5
Dr.
E._
konstatierte am 3
1.
Januar 2017
(
Urk.
14/110/61)
nach Einsicht in das MRI Becken/Lendenwirbelsäule vom 2
8.
Dezember 2016, dass die geltend gemachten Rückenbeschwerden nicht auf den Sturz in der Badewanne zurückge
führt werden könn
t
e
n
, da keine traumatisch bedingten Schäden vorlägen. Die Klägerin sei für Büroarbeiten zu 80
%
arbeitsfähig bei erhöhtem Pausenbedarf.
3.6
Im Auftrag der Beklagten erstellte
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Al
l
gemeine Innere Medizin, den Vertrauensärztlichen Bericht vom
2.
März 2017 (
Urk.
14/136).
Dr.
A._
führte aus, dass die Klägerin eine lange Leidensge
schichte mit chronischen Schmerzen und diversen anderen Problemen habe, aus
gelöst 1994 durch einen Auffahrunfall. Vor diesem Hintergrund habe sich die Genesung der Handwurzelverletzung vom Juni 2016 hinausgezögert und die Beschwerden an der Hand seien mittlerweile ebenfalls chronifiziert. Die Klägerin scheine sich dieser Prozesse mit Hilfe der spezifischen Schmerztherapie langsam bewusst zu werden und deshalb erscheine es sinnvoll, den weiteren Verlauf abzuwarten. Ein Arbeitsversuch wäre im Verlauf des Jahres nochmals anzustre
ben, aber sicherlich vorerst ohne die volle Belastung. Ein Arbeitsversuch wäre vor allem auch hinsichtlich der psychischen Verfassung für die Klägerin wichtig und würde sie motivieren.
Sie sei zur Zeit aber für schwerere manuelle Arbeiten (Kör
perpflege, Transfers, Reinigungsarbeiten etc.) weiterhin voll arbeitsunfähig.
3.7
Kreisarzt
Dr.
med. F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, untersuchte die Klägerin 1
5.
August 201
7.
Er konstatierte, dass der Unfall vom 1
8.
Juni 2016 keine strukturellen Ver
letzungen an der Hand zur Folge gehabt habe, welche objektivierbar seien. Mit den heutigen Informationen könne davon ausgegangen werden, dass mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit die Unfallfolgen keine Rolle mehr spielten im Beschwerdebild der Klägerin. Es sei entweder die ps
y
chologische und psychiatri
sche Beurteilung der
G._
abzuwarten, oder bei nicht ausreichender Aktenlage allenfalls der psychiatrisc
he Dienst der Suva beizuziehen (
Urk.
14/110/163).
3.8
Dr.
med.
H._
, Oberärztin der
G._
, hielt in ihrem Bericht vom 1
0.
August 2017 folgende Diagnosen fest (
Urk.
14/110/164):
-
Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Juni 2016 Sturz auf den Rücken und die Hände mit
undislozierter
Fraktur des Os
triquetrum
und ausgeprägtem
Bone
bruise
in Os capitatum,
hama
tum
und
lunatum
rechts sowie Rückenkontusion. Seither nur schleppende Schmerzreduktion im Handgelenk mit Exacerbationen im rechten Arm und linken Bein
Der Eintritt sei auf Zuweisung des
I._
erfolgt aufgrund zunehmender depressiver Verstimmung und Erschöpfun
g
im Rahmen eines
exa
cerbierten
Schmerzsyndroms nach Handgelenksfraktur und bereits zuvor beste
hender chronischer Schmerzstörung. Bei Eintritt habe die Klägerin berichtet
,
durch den trotz ihres grossen Engagements schleppend verlaufenden Heilungs
prozess einer Handgelenksfraktur seit November 2016 in ausgeprägte Erschöp
fung geraten zu sein und zum Aufnahmezeitpunkt unter
vor allem
ausgeprägter Erschöpfung, Anspannung und Unruhe
zu
leide
n
. Es sei die Diagnose einer Anpassungsstörung
g
estellt und eine systemisch orientierte Psychotherapie mit 2-3 wöchentlichen Sitzungen aufgenommen worden. Eines der Behandlungsziele sei die Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit gewesen, um die Rückkehr an den Arbeitsplatz zu ermöglichen. Der sich bessernde Genesungsverlauf sei durch den Erhalt der Kündigung destabilisiert worden und es habe sich im Verlauf zuerst eine mittelgradige depressive Episode
entwickelt
, welche zum Einsatz von Dulo
xetin 60 mg
geführt habe. B
ei weiterer Verschlechterung
sei es zu einer stationä
ren psychiatrischen Behandlung gekommen infolge
einer schweren depressiven Episode mit schwerer Antriebslosigkeit, Niedergestimmtheit und Perspektivlosig
keit, welche noch laufe.
Die Prognose sei aufgrund der schweren depressive
n Dekompensation, die aktuell stationär behandelt werde, schwer einzuschätzen. Es handle sich anamnestisch um eine erste depressive Episode dieser
Art.
3.9
Im Austrittsbericht der
G._
hielten die behandelnden Ärzte fest, dass die Klägerin erstmals einen stationären Aufenthalt
vom 1
0.
Juli bis
6.
September 2017
bei schwerer depressiver Störung, seit mehr als 20 Jahren bestehender chronischer Schmerzproblematik, Tinnitus und Schlafstörungen absolviere. Es handle sich anamnestisch um eine erste depressive Episode dieser
Art.
Es liege eine volle Arbeitsunfähigkeit bis zum Eintritt in die Tagesklinik vor.
Im Rahmen der stationären Behandlung sei es ihr zunehmend gelungen, Stress bei sich selbst wahrzunehmen und ihr leistungsorientiertes Verhalten zu hinter
fragen und Verhaltensalternativen z
u erproben. Die Medikation sei
angepasst
worden
. Letztendlich habe sich die depressive Symptomatik leicht gebesser
t
, sie sei als aktiver und affektiv aufgehellter erlebt worden. Sie gingen von einer depressiven Dekompensation mit zusätzlicher Schmerzsymptomatik aus und
zugrundeliegenden
strukturellen Einschränkungen, welche die Dekompensation in dem Ausmass mit mangelnden Bewältigungsmöglichkeiten begründen würden. Die strukturelle Einschränkung sei jedoch nicht im Ausmass einer Persönlich
keitsstörung ausgeprägt. Aktuell und mittelfristig (5-6 Monate) gingen sie von einem gleich
bleibenden Zustand aus (
Urk.
14/114).
3.10
Vom 2
6.
Oktober bis zum
6.
Dezember 2017 befand sich die Klägerin erneut sta
tionär in der
G._
. Die Medikation wurde erneut angepasst und die die depressive Symptomatik habe sich im Verlauf deutlich gebessert, sie sei als aktiver und affektiv aufgehellter erlebt worden (
Urk.
14/121).
3.11
Die Beklagte holte bei
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, ein Gutachten ein, welches
Dr.
B._
am
4.
April 2018 erstattete.
Dr.
B._
diagnostizierte folgendes mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
14/124/5):
-
R
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig anhaltende schwere Epi
sode
(ICD-10
F33.2
)
-
C
hronische Schmerzs
törung
(ICD-10
F45.4
)
-
A
kzentuierte Persönlichkeit
(ICD-10
Z73
)
auf dem Boden von Problemen durch negative Kindheitserlebnisse
(ICD-10
Z61
)
Bei
d
er Klägerin hätten
sich im Laufe der Jahre auf dem Boden einer biografisch bedingten Persönlichkeitsakzentuierung mit Selbstausbeutung und Selbstüber
forderung eine Schmerzstörung und Schlafproblematik entwickelt.
Sie habe
den
noch als Pflegehelferin weitergearbeitet bis im Juni 2016 ein häuslicher Unfall das
sprichwörtlich bereits volle Fass zum Überlaufen
gebracht habe
. In einer ers
ten Phase
sei
die Schmerzstörung
exacerbiert
und nun stünden
in der zweiten Phase die psychiatrische Problematik mit einer rezidivierenden depressiven Stö
rung mit gegenwärtig anhaltender schwer
er depressiver Episode möglicher
weise mit psychotischen Symptomen (
akustische
Halluzinationen) im Vordergrund.
Trotz seit Dezember 2016 adäquater Behandlung (Schmerzzentrum, Psychothera
pie, Antidepressiva, Neuroleptika) besteh
e
seit Sommer 2017 weiterhin eine schwere depressive Symptomatik mit massiven Auswirkungen auf Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit.
Die Klägerin
habe
eine stark ausgeprägte Antriebsstörung, einen Interessenverlust, eine Anhedonie,
ei
nen sozialen Rückzug und e
in über
steigertes Schlafbedürfnis. Insgesamt nehme
sie kaum mehr am g
esellschaftlichen Leben teil.
Aufgrund der Persönlichkeitsakzentuierung und des jahrelangen inadäquaten Kräfteverschleisses sowie der Belastung durch das jahrelange Schmerzerleben verf
üge sie über keine weiteren Bewäl
tigungsstrategien und keine intrapsychischen Kraftreserven mehr, um dem sich verstärkenden Krank
heitsgeschehen etwas entgegenzusetzen. Sie dreh
e
hilflos im Teufelskreis vo
n Schmerz und Depression. Sie kö
nn
e
ihre Schmerzen im Gegensatz zu den frühe
ren Jahr
en nicht mehr überwinden und sei
der Depression bisher gänzlich a
usge
liefert. Dementsprechend sei sowohl in bisheriger Tätig
k
e
it als Pflegehelferin als auch in angepassten Tätigkeiten von einer andauernden 100%igen
Arbeitsunfä
higkeit auszugehen. Die Prognose sei
ungünstig.
3.12
Dr.
med.
J._
,
Fachärztin für Neurologie, diagnostizierte
in ihrem Bericht vo
m 1
8.
Ju
n
i 2018
(1) einen Spannungskopfschmerz un
d belastungsabhängig zunehmenden
Handgelenksschmerz rechts mit Verdacht auf somatoforme Aus
weitung und (2) eine depressive Episode.
Es bestünden ein Spannungskopf
schmerz sowie ein Schmerzsyndrom im Schulter-/Nackenbereich und im Hand
gelenksbereich rechts, am ehesten myofaszial bedingt, bei massiver Anspannung und deutlicher depressiver Episode. Anhaltspunkte für eine neurogene Läsion fänden sich in der Elektroneurographie nicht. Die angegebenen Sensibilitätsstö
rungen am rechten Arm liessen sich keinem Nervenversorgungsgebiet zuordnen, entsprächen am ehesten einer somatoformen Ausweitung im Rahmen der Schmerzerkrankung. Die Ursache der angegebenen Sensibilitätsstörung am rech
ten Oberschenkel sei unklar.
Lokalisatorisch
käme ein L3-Wurzelreizsyndrom in Frage, im Untersuchungsbefund fänden sich aber keine diesbezüglich weiteren Symptome, der anamnestische Verlauf sei nicht typisch und in der MRI-Bildgebung vom Dezember 2016 finde sich keine passende foraminale Enge. Dif
ferentialdiagnostisch sei auch hier eine somatoforme Störung zu erwägen. Von neurologischer Seite bestehe aktuell kein weiterer diagnostischer oder therapeu
tischer
Handlungsbedar
f
, die Weiterbetreuung sollte wie bisher ambulant psychi
atrisch und über die Schmerzsprechstunde erfolgen (
Urk.
11/7).
3.13
Im von der IV-Stelle eingeholten Bericht von
Dr.
phil.
K._
, Psychologin und Psychotherapeutin ASP, sowie
Dr.
med.
H._
, Oberärztin
G._
, vom 1
2.
Juli 2018 übernahmen sie die Einschätzung von
Dr.
B._
und führten ergänzend aus, dass die gegenwärtige mittelschwere bis schwere depressive Epi
sode mit psychotischen Symptomen seit Oktober 2017 bestehe, davor habe eine mittelschwer
e
bis leichte Episode bestanden. Die chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren bestehe seit 1994 (
Urk.
14/130/4).
3.14
Am 2
4.
Juli 2018 erfolgte eine kreisärztliche Untersuchung durch
Dr.
F._
(
Urk.
11
/
6).
Dr.
F._
diagnostizierte einen Zustand nach nicht dislozierter Fraktur des Os
triquetrums
bei Sturz im Badezimmer am 1
8.
Juni 2016, Endzu
stand erreicht. Nicht unfallkausal seien (1) eine schwere depressive Störung sowie (2) eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Bei der aktuellen Untersuchung fänden sich im Bereich des rechten Handgelenks, im Bereich der Wirbelsäule und im Bereich des Kopfes keine Hinweise für das Vorliegen einer somatischen Ursache für die geklagten Beschwerden. Es könne somit festgehalten werden, dass idente Befunde vorlägen wie bei der kreisärztli
chen Untersuchung vom 1
5.
August 201
7.
Es lägen
keine Pathologien im Bereich des Kopfs, der Halswirbelsäule oder des rechten Handgelenks vor, welche mit überwiegender Wahrscheinlichkeit unfallkausal seien. Der medizinische Endzu
stand sei erreicht und es seien keine Unfallfolgen mehr mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit nachweisbar.
3.15
Dr.
med. L._
, Facharzt für Chirurgie, des Regionalen Ärztlichen Dienstes der IV-Stelle, nahm am 2
6.
Juli 2018 Stellung. Er beurteilte folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
14/138/6 f.):
-
Chronisch rezidivierende depres
sive Störung, schwere Episode (I
CD-10 F32.2
)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Status nach Handgelenkstrauma rechts Juni 2016
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit beurteilte er den Tinnitus.
Er führte aus, dass bei der Klägerin eine langjährige somatoforme Schmerzstö
rung mit rezidivierenden depressiven Episoden bestehe. Nach dem Unfall im Juni 2016 sei der psychische Zustand dekompensiert. Nach übereinstimmender Ein
schätzung von behandelnden Psychiatern und psychiatrischer Gutachterin bestehe keine verwertbare Restarbeitsfähigkeit. Aus versicherungsmedizinischer Sicht seien die
bisherige Tätigkeit und jedwede angepasste Tätigkeit
en
seit dem 1
8.
Juni 2016 bis auf weiteres nicht mehr zumutbar. Eine vorzeitige Überprüfung nach 12 Monaten werde empfohlen.
4.
Strittig und zu prüfen ist, wann die invalidisierende
Arbeitsunfähigkeit
eingetre
ten ist, womit sich vorab
die Frage der Bindungswirku
ng des Entscheids der
IV-Stelle stellt
(vgl. BGE 130 V 270 E. 3.1 f.).
Der Beklagten wurde
n
weder der Vorbescheid (
Urk.
14/140) noch
die rentenzu
sprechende
n
Verfügung
en
der IV-Stelle
vom 1
8.
Februar und
6.
März 2019
zugestellt (vgl.
Urk.
14/
150 und
Urk.
14/
152), womit d
ie formellen Voraus
setzungen für eine Bindungswirkung des Entscheides der Invalide
nversicherung für die Beklagte
nicht erfüllt sind (vgl. E. 2.
4). Dies blieb auch seitens der Klägerin unbestritten (vgl.
Urk.
1 S. 7).
Die Anspruchsvoraussetzungen für Leistungen der beruflichen Vorsorge sind
daher frei zu prüfen.
5.
Unbestritten und aufgrund der Aktenlage ist erstellt, dass die Klägerin
in jeglicher Tätigkeit
arbeitsunfähig ist seit dem Unfall am 1
6.
August 201
6.
5.1
Die
rentenzusprechenden Verfügungen vom 1
8.
Februar und
6.
März 2019 basierten im
Wesentlichen
auf den obgenannten medizinischen Berichten sowie der darauf basierenden Einschätzung von
Dr.
L._
vom
2
6.
Juli 2018 (vgl.
E.
3.15).
Aufgrund der vorhandenen medizinischen Akten ist erstellt, dass
der psy
chische Gesundheitszustand
während der Versicherungsdauer der Beklagten dekompensierte. Strittig ist, ob sich die Beschwerden bereits vor Versicherungs
beginn bei der Beklagten, sprich vor dem
1.
April 2015 in berufsvorsorgerechtlich relevanter Weise
im Sinne einer vorbestehenden 20%igen Arbeitsunfähigkeit
aus
wirkten.
Wie bereits ausgeführt (E. 1.3), ist für die Bejahung der Leistungspflicht einer Vorsorgeeinrichtung ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang
zwischen der Arbeitsunfähigkeit
und
der
Invalidität
erforderlich.
Nach der Recht
-
sprechung
ist eine Unterbrechung des zeitlichen Konnexes dann anzunehmen, wenn während mehr als dreier Monate eine Arbeitsfähigkeit von über 80 % in einer angepassten Erwerbstätigkeit besteht (BGE 144 V 58).
5.2
5.2.1
Den Unterlagen lässt sich
aus erwerblicher Sicht
entnehmen, dass die
Kläge
-
rin
- nach Abweisung des Leistungsgesuches für eine Invalidenrente mit Verfügung
vom
5.
April 2007 (bestätigt mit Urteil des Bundesgerichts vom 9C_789/2008 vom 2
6.
Februar 2009, vgl. E. 1.1) - vom
1.
August 2009 bis zum 3
1.
Dezember 2014 in einem Pensum von 50
%
als Pflegehelferin im
M._
arbeitete (
Urk.
14/97/3). Vom
1.
Januar bis zum
3.
März 2015
war sie in einem Pensum von 70
% in der
N._
tätig (
Urk.
14/97/2)
und trat danach ihre Stelle im
O._
an, zuerst in einem Pensum von 60
%
(
Urk.
14/97/1)
.
A
b dem
1.
September 2016
wäre eine
Pensumsreduktion
au
f 50
%
geplant gewesen
. Entgegen den Ausführungen der Klägerin erfolgte die Reduk
tion des Pensums mit Verfügung vom 1
0.
Februar 2016 und da
mit klarerweise vor dem Unfall
(
Urk.
21/1).
I
m Änderungsantrag
wurde
vermerkt, dass die Kläge
rin Grossmutter werde und das Enkelkind einen Tag pro
Woche hüten möchte (
Urk.
21/2), entsprechend ist eine freiwillige und nicht eine gesundheitlich bedingte
Pensumsreduktion
überwiegend wahrscheinlich.
Entgegen den Vorbringen der Beklagten gehen aus den vorliegenden Arbeits
zeugnissen der letzten Tätigkeiten ausserhalb des Betriebes des Ehemannes kei
nerlei Hinweise hervor, dass die Klägerin die erforderlichen Leistungen im ersten Arbeitsmarkt nicht erbracht hätte (vgl. hierzu
Urk.
14/97).
5.2.2
Bereits anlässlich der Früherfassung am 2
0.
Oktober 2016 wurde der IV-Stelle mitgeteilt, dass die Klägerin nebst der Tätigkeit als Pflegehelferin auch im Umfang von 40
%
im Betrieb des Ehemannes,
P._
, mitarbeite (
Urk.
14/85). Im Anmeldeformular notierte die Klägerin, sie arbeite unregelmässig im Unternehmen des Ehemannes mit (
Urk.
14/87/6). Entsprechend erfolgte auch eine Unfallmeldung durch die
P._
(
Urk.
14/93/3), wor
in
ein vertraglicher Beschäftigungsgrad von 45
%
bei unregelmässigem Arbeitseinsatz notiert wurde.
Für den Einsatz im Betrieb des Ehemannes wurde - soweit aus den Akten ersicht
lich - kein Einkommen abgerechnet (vgl. Auszug aus dem individuellen Konto,
Urk.
14/109). Die Klägerin
war allerdings
über die
P._
bei der Suva unfall
versichert.
Entsprechend wurde im Haushaltsabklärungsbericht der IV-Stelle vom 2
2.
August 2018 vermerkt, dass sie
bei ihrem Ehemann im Betrieb zu 40
%
mit
gearbeitet habe und
sie
wurde entsprechend als voll erwerbstätig qualifiziert (
Urk.
14/137).
5.2.3
Zusammenfassend ist aufgrund der vorliegenden erwerblichen Unterlagen nicht
überwiegend wahrscheinlich
von einer bereits vor dem 1
8.
Juni 2016 vorbeste
henden Arbeitsunfähigkeit im Ausmass von 20
%
oder mehr auszugehen.
5.3
Auch aus den medizinischen Unterlagen lässt sich nichts
Anderes
ableiten:
Die Ärzte der
C._
h
ielten
in ihrem Bericht vom 2
2.
August 2006
noch eine theoretische maximale Arbeitsfähigkeit von 10-15
%
fest
(vgl. E. 3.1
;
Urk.
14/61/15
). Die Gutachter des
Z._
attestierten
allerdings
ein Quartal später
in einer körperlich leichten, halswirbelsäulen-schonenden Tätigkeit ohne die Not
wendigkeit schwere
Gewichte zu heben und ohne monotone Stellungen, idealer
weise mit Wechsel zwischen sitzender und stehender Position eine Einschränkung
von bis zu 20
%
(vgl. E. 3.2), worauf sich auch die IV-Stelle bezog.
Die Tätigkeit als Pflegehelferin, welcher die Klägerin in den folgenden Jahren nachging, entspr
ach
diesem Belastungsprofil nur bedingt. Trotzdem führte sie die Tätigkei
t - gemäss ihren Angaben
nebst der Allround-Tätigkeit im Betrieb des Ehemannes - in einem Pensum von bis zu 70
%
aus. Entsprechend ist überwie
gend wahrscheinlich davon auszugehen, dass die Klägerin in einer angepassten Tätigkeit sicherlich zu
mehr als zu
80
%
erwerbsfähig gewesen ist vor dem Unfall am 1
8.
Juni 2016
bzw. vor Versicherungsbeginn bei der Beklagten.
Hinzu kommt, dass nebst der Diagnoseliste von
Dr.
D._
vom 1
9.
April 2012 keinerlei echtzeitlichen Arztberichte im Recht liegen, welche
überdies
eine bereits vorbestehende bzw. andauernde Arbeitsunfähigkeit für die Jahre 2009-2016 attestieren würden.
5.4
Zusammenfassend
ist überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen, dass die gesund
heitlichen Einschränkungen erst während der Versic
herungszeit bei der Beklagten relevante Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Klägerin zeitigten
, weshalb diese leistungspflichtig ist.
Eine weitere Prüfung eines allfälligen sachlichen Zusammenhangs kann damit unterbleiben.
6.
Bis zum 3
0.
August 2018
wurden Unfalltaggelder bezahlt, w
eshalb
die Rente erst ab dem
1.
September 2018 zu laufen beginnt, was seitens der Parteien auch unbestritten blieb (vgl. hierzu auch Vorsorgereglement der Beklagten, gültig ab
1.
Januar 2014 [folgend: VSR]
Art.
21
Abs.
1,
Urk.
11/2).
Strittig u
nd zu prüfen bleibt, ob das Pensum von 60
%
oder 50
%
massgebend ist für die Bestimmung des versicherten Lohnes sowie
ob die ganze Rente infolge einer Überentschädigung zu kürzen ist.
6.1
6.1.1
Gemäss
Art.
24
Abs.
2-4 BVG wird die Invalidenrente
nach dem gleichen Umwandlungssatz berechnet wie die Altersrente im 65. Altersjahr
.
Das der Berechnung zu Grunde lieg
ende Altersguthaben besteht aus (a)
dem Altersgutha
ben, das der Versicherte bis zum Beginn des Anspruches auf
die Invalidenrente erworben hat und (b)
der Summe der Altersgutschriften für die bis zum ordentli
chen Rentenalter fehlenden Jahre, ohne Zinsen.
Diese Altersgutschriften werden auf dem
koordinierten Lohn des Versicherten während seines letzten Versiche
rungsjahres in der Vorsorgeeinrichtung berechnet.
Im Todesfall oder bei Eintritt der Invalidität entsp
richt der koordinierte Lohn wäh
rend des letzten Versicherungsjahres dem letzten koordinierten Jahreslohn, der für die Altersgutschriften festgelegt wurde
(
Art.
18
Abs.
1
der
Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterl
assenen- und Invalidenvorsorge, BVV 2
).
Gemäss
Art.
22
Abs.
1 VSR entspricht die ganze Invalidenrente 60
%
des letzten versicherten Lohnes, mindestens aber dem Betrag, welcher sich aus dem vorhan
denen Sparguthaben und dem Umwandlungssatz im massgebenden Rentenalter ergibt. Bei schwankendem Jahreslohn gilt der durchschnittlich versicherte Lohn der letzten 36 Monate.
6.1.2
Im Zeitpunkt des Eintrittes der Invalidität im Juni 2017, sprich ein Jahr nach dem Unfall vom 1
8.
Juni 2016, war die Klägerin noch in einem Pensum von 50
%
im
O._
angestellt. Wie bereits ausgeführt, wurde die
Pensumsreduktion
noch vor dem Unfall und damit nicht infolge eines allfälligen Gesundheitsscha
dens vereinbart. Der versicherte Lohn ist demnach anhand des
letzten versicher
ten Lohnes, d.h. anhand des
50%-Pensums im
O._
festzusetzen (vgl. hierzu auch
Art.
18
Abs.
1 BVV2).
6.2
Strittig ist des Weiteren die Überentschädigungsberechnung.
6.2.1
Gemäss
Art.
34a des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen und Invalidenvorsorge (BVG) kann die Vorsorgeeinrichtung die Hinterlassenen- und Invalidenleistungen kürzen, soweit diese zusammen mit anderen Leistungen gleicher Art und Zweckbestimmung sowie weite
ren anrechenbaren Einkünften 90
% des mutmasslich entgangenen Verdienstes übersteigen. Treffen Leistungen nach diesem Gesetz mit gleichartigen Leistungen anderer Sozialversicherungen zusammen, so findet Artikel 66 Absatz 2 des Bundesgesetzes über den Allgemei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) Anwendung.
Art.
24 der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invali
denvorsorge (BVV 2) sieht vor, dass die Vorsorgeeinrichtung bei der Kürzung von Invalidenleistungen vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters und von
Hinter
lassenenleistungen
folgende Leistungen und Einkünfte anrechnen kann: a. Hin
terlassenen- und Invalidenleistungen, die andere in- und ausländische Sozialver
sicherungen und Vorsorgeeinrichtungen der leistungsberechtigten Person auf
grund des schädigenden Ereignisses ausrichten; dabei werden Kapitalleistungen mit ihrem Rentenumwandlungswert angerechnet; b. Taggelder aus obligatori
schen Versicherungen; c. Taggelder aus freiwilligen Versicherungen, wenn diese mindestens zur Hälfte vom Arbeitgeber finanziert werden; d. wenn die versicherte Person Invalidenleistungen bezieht: das weiterhin erzielte oder
zumutbarerweise
noch erzielbare
Erwerbs- oder Ersatzeinkommen. Dieser Regelung entspricht im Wesentlichen auch
Art.
31
Abs.
2 VSR (
Urk.
11/2).
Der mutmasslich entgangene Verdienst unterliegt keiner oberen Grenze wie zum Beispiel dem Maximalbetrag des koordinierten Lohnes (Vetter-Schreiber, BVG/ FZG Kommentar,
3.
Aufl. 2013,
Rz
9 zu
Art.
24 BVV2 mit Hinweisen) und ent
spricht dem gesamten Erwerbs- oder Ersatzeinkommen, das die versicherte Person ohne das schädigende Ereignis mutmasslich erzielen würde (
Art.
24
Abs.
6
BVV 2) und zwar im Zeitpunkt, in de
m sich die Kürzungsfrage stellt.
Nach der gesetz
lichen Konzeption der Invalidenleistungen aus Erster und Zweiter Säule sind die Festlegungen der IV-Stelle bezüglich Entstehung, Höhe und Beginn des Renten
anspruchs grundsätzlich für die Invalidenrente der obligatorischen beruflichen Vorsorge massgebend und verbindlich. Das im
invalidenversiche
-
rungsrechtlichen
Verfahren festgelegte
Valideneinkommen
muss dem Grundsatz nach auch in der berufsvorsorgerechtlichen Überentschädigungsberechnung Berücksichtigung fin
den. Ausgangspunkt ist daher der Grundsatz der Kongruenz von
Valideneinkom
men
und mutmasslich entgangenem Verdienst im Sinne von
Art.
34a
Abs.
1 BVG (beziehungsweise
a
Art
.
24
Abs.
1 BVV2). Im Sinne einer Vermutung ist davon auszugehen, dass das von der IV-Stelle festgelegte
Valideneinkommen
dem mut
masslich entgangenen Verdienst nach
Art.
34a
Abs.
1 BVG entspricht
(BGE 143 V 91 E. 3.2 mit Hinwe
isen).
Auch wenn nach dem Gesagten zwar eine Vermutung besteht, dass das invali
denversicherungsrechtlich relevante
Valideneinkommen
dem mutmasslich ent
gangenen Verdienst im Sinne von
Art.
34a
Abs.
1 BVG entspricht, ist das erstere indessen nicht unmittelbar bindend. Vielmehr ist den spezifischen Gegebenheiten und tatsächlichen Chancen des Versicherten auf dem für ihn in Betracht kom
menden Arbeitsmarkt Rechnung zu tragen. Ausgehend vom zuletzt vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit
erzielten Verdienst sind alle einkommensrelevanten Veränderungen (Teue
rung, Reallohnerhöhung, Karriereschritte und so weiter) zu berücksichtigen, wel
che ohne Invalidität überwiegend wahrscheinlich eingetreten wären. Anders als im Invalidenversicherungsrecht mit der Beurteilungsgrundlage des ausgegliche
nen Arbeitsmarkts basiert das
zumutbarerweise
erzielbare Einkommen aber allein auf dem Zumutbarkeitsgrundsatz, welcher die Berücksichtigung der persönlichen und weiterer Umstände verlangt. Im Unterschied zum IV-Verfahren kann die ver
sicherte Person (oder die Vorsorgeeinrichtung) somit alle arbeitsmarktbezogenen und persönlichen Umstände anführen, die ein Abweichen vom
Valideneinkom
men
rechtfertigen. Solche Abweichungen hat die versicherte Person nicht nur mit Bezug auf das mit dem Invalideneinkommen äquivalente Resterwerbseinkommen, sondern auch betreffend den mutmasslich entgangenen Verdienst zu substantiie
ren und in Nachachtung ihrer Mitwirkungspflicht die erforderlichen Beweise zu offerieren (Urteil des Bundesgerichts 9C_819/2018 vom 2
8.
Mai 2019 E. 4.1 mit Hinweisen).
Reduziert
der weiterhin erwerbstätige (teil-)invalide Versicherte sein
Arbeitspen
sum
aus familiären und damit invaliditätsfremden Gründen, so ist auch der mut
masslich entgangene Verdienst aufgrund des reduzierten Arbeitspensums festzu
legen (
Urteil des Bundesgerichts
B 119/06
vom
7.
November 2007 E
. 3.4
).
Bei der Berechnung der Überentschädigung ist bei der Ermittlung des hypotheti
schen Verdienstes einer im Betrieb des Ehegatten tätigen Person auf den realen wirtschaftlichen Wert der Mitarbeit abzustellen, wenn diese dafür eine unter den üblichen Lohnansätzen liegende Entschädigung erhält resp. erhielt. Dass eine Ent
löhnung zu einem tiefen Ansatz erfolgte, ist nicht massgebend. Zur Bestimmung des hypothetischen Verdienstes muss auf den wirklichen wirtschaftlichen Wert der Mitarbeit des Ehegatten abgestützt werden, wobei davon auszugehen ist, dass dieser seine Berufstätigkeit ausserhalb des Familienunternehmens hätte ausüben können oder dass er einen Arbeitnehmer ersetzt, welcher bei Fehlen dieser Mit
arbeit hätte angestellt werden müssen
(Sta
uffer Hans-Ulrich, in: Stauf
fer
/
Cardinaux
, Rechtsprechung des Bundesger
ichts zur beruflichen Vorsorge,
4.
Aufl., Zürich/Basel/
Genf 2019,
Art.
34a S
. 138, mit weiteren Hinweisen).
6.2.2
Die Invalidenversicherung ging von einem
Valideneinkommen
im Jahr 2017 in Höhe von
Fr.
60'381.10 aus. Dieses setzte sich zusammen aus dem Einkommen als Pflegeassistentin in einem 50%-Pensum sowie einem hypothetischen Einkom
men von
Fr.
21'894.05 für die Tätigkeit im Betrieb des Ehemannes, welche auf dem Tabellenlohn für Hilfsarbeiten für Frauen
in einem
40%-Pensum beruhte (vgl.
Feststellungsblatt vom
1.
November 2018,
Urk.
14/138/8; Haushaltsabklä
rungsbericht vom 2
2.
August 2018,
Urk.
14/137/4).
Gestützt auf die obigen Ausführungen und in Einklang mit der bundesgerichtli
chen Rechtsprechung ist das Einkommen in einem Pensum von 50
%
im
O._
anzurechnen, da diese
Pensumsreduktion
bereits im Februar 2016
aufgrund familiärer Umstände
vereinbart wurde - mithin lange vor dem Unfall am 1
8.
Juni 2016, infolgedessen die Klägerin dekompensierte.
Darüber hinaus ist - der bundesgerichtlichen Rechtsprechung folgend
(vgl. E. 6.2.1)
- bei der Überentschädigungsberechnung das von der Invalidenversiche
rung hypothetisch angerechnete Einkommen im Betrieb des Ehegatten in Höhe von
Fr.
21'894.05 (für das Jahr 2017) miteinzubeziehen, welches die Invaliden
versicherung gestützt auf den
Tabellenlohn für Hilfsarbeiten für Frauen (LSE 2016) festsetzte.
Somit
entspricht der mutmasslich entgangene Verdienst dem Einkommen in einem 50%-Pensum im
O._
sowie dem durch die Invali
denversicherung hypothetisch angerechneten Einkommen
für die Tätigkeit im Betrieb ihres Ehemannes
.
6.3
Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass die Klägerin mit Wirkung ab
1.
September 2018 Anspruch auf eine Invalidenrente gestützt auf einen Invalidi
täts
grad von 100 % gemäss den gesetzlichen und reglementarischen Bestimmun
gen der Beklagten hat.
Die Festsetzung
des Leistungsanspruchs in masslicher Hin
sicht
bleibt - unter Berücksichtigung der obge
n
annten Erwägungen
(E. 6.1-6.2
)
-
einstweilen der Beklagten überlassen; in einem allfällig diesbezüglich sich erge
benden Streitfall stünde der Klägerin erneut der Klageweg offen (vgl. BGE 129 V 450).
6.4
Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen geschuldet, wobei grundsätzlich Art. 105 Abs. 1 des Obligationenrechts anwendbar ist (BGE 119 V 131 E. 4). Danach ist der Verzugszins vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an geschuldet. Der Zinssat
z beträgt 5 %, sofern das Regle
ment der Vorsorgeeinrichtung keine andere Regelung kennt (BGE 119 V 131 E. 4c).
Die Bekla
gte verzichtete auf eine Regelung des Verzugszinses in ihrem Reglement (vgl.
Urk.
11/2).
Die Klägerin erhob am
2.
Dezember 2019 Klage. Entsprechend sind der Klägerin Verzugszinsen von
5
% pro Jahr
für die bis zu diesem Zeitpunkt fällig gewordenen Betreffnisse und für die übrigen ab dem jeweiligen Fälligkeits
datum zuzusprechen.
7.
Ausgangsgemäss ist die Beklagte gestützt auf § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) zu verpflichten, der anwaltlich ver
tre
tenen
Klägerin eine Prozessentschädigung zu entricht
en, wobei ein Betrag von Fr. 2’7
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) als angemessen erscheint.