Decision ID: 822200d2-9011-40a4-b2e5-ab4ae365078d
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach
X._
mit Verfügung vom
5.
März 2012
eine ganze Invalidenrente mit
Wirkung ab
1.
November 2011 zu (
Urk.
8/56-66
).
In der Folge ersuchte er um Aus
richtung einer Kinderrente für
die bei se
iner Ehefrau in
Y._
lebende
Z._
(
Urk.
8/43+45
).
Mit Verfügung vom 1
6.
Juli 2012
beurteilte die IV-Stelle das Gesuch abschlägig (
Urk.
8/79). Daran hielt sie mit
Einspracheent
scheid
vom 2
7.
August 2012 fest
. Zugleich verneinte sie einen Anspruch auf unentgeltliche
Rechtsverbeist
ändung
für das Verwaltungs
-
verfahren
(
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
am 2
6.
September 2012 Beschwerde erhe
ben und die Zusprechung einer Kinderrente für
Z._
rückwirkend ab
1.
November 2011 beantragen. In prozessualer Hinsicht liess er um Gewährung
der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung
für das Verwaltungs- und das
Be
schwer
deverfahren
ersuchen (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss in der
Be
schwer
deantwort
vom
1.
November 2012 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Die IV-Stelle führte ein (beschwerdeweise nicht gerügtes) förmliches
Einsprache
verfahren
durch. Der Frage, ob stattdessen das auf den 1. Juli 2006 für IV-spe
zifische Aspekte wieder eingeführte
Vorbescheidverfahren
durchzuführen ge
wesen
wäre, ist im vorliegenden Kontext nicht weiter nachzugehen, nachdem die Mitwirkungs- bzw. Gehörsrechte des Beschwerdeführers durch das Vorgehen der Verwaltung nicht beeinträchtigt wurden.
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist,
ob der Beschwerdeführer
Anspruch auf eine
Kinder
rente
für
Z._
hat. Die Beantwortung dieser Frage
hängt davon ab, ob zwischen ihm und
Z._
ein
Pflegekindverhältnis
besteht.
2
.2
Männer und Frauen, denen eine Invalidenrente zusteht, haben für jedes Kind, das im Falle ihres Todes eine Waisenrente der Alters- und
Hinterlassenenversi
cherung
beanspruchen könnte, Anspruch auf eine Kinderrente (
Art.
35
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
). Für Pflegekinder, die erst nach Eintritt der Invalidität in Pflege genommen werden, besteht ein An
spruch jedoch nur, wenn es sich um die Kinder des an
deren Ehegatten handelt
(
Art.
35
Abs.
3 IVG).
Bei der Kinderrente handelt es sich um einen im Verhältnis zur Haupt- oder Stammrente akzessorischen An
spruch des Rentners (vgl.
Art.
35
Abs.
4 IVG; Bundesgerichtsurteil 8C_625/2012 vom
1.
Juli 2013 E. 3.3).
2
.3
Anspruch auf eine Waisenrente haben Kinder, deren Vater oder Mutter gestor
ben
ist (
Art.
25
Abs.
1 Satz 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinter
lasse
nen
versicherung
, AHVG). Gemäss
Art.
25
Abs.
3 AHVG in Verbindung mit
Art.
49
Abs.
1 der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVV) haben Pflegekinder beim Tod der Pflegeeltern Anspruch auf eine Waisenrente nach
Art.
25 AHVG, wenn sie unentgeltlich zu dauernder Pflege und Erziehung aufgenommen wor
den sind. Der Anspruch entsteht nicht, wenn das Pflegekind zum Zeitpunkt des Todes der Pflegeeltern bereits eine ordentliche Waisenrente nach
Art.
25 AHVG bezieht (
Art.
49
Abs.
2 AHVV). Der Anspruch erlischt, wenn das Pflegekind zu einem Elternteil zurückkehrt oder von diesem unterhalten wird (
Art.
49
Abs.
3 AHVV).
2
.4
E
in
Pflegekindverhältnis
kann nur mit einer unmündigen Person begründet
werden und setzt voraus, dass das Kind unter der faktischen Obhut der Pflege
el
tern lebt (Ingeborg
Schwenzer
,
in: Basler Kommentar - Zivilgesetzbuch I,
4.
Aufl.
2010,
Rz
. 2 zu
Art.
300 ZGB,
Peter
Tuor
/
Bernhard
Schnyder
/Jörg Schmid/
Alexandra
Rumo-Jungo
, Das Schweizerische Zivilgesetzbuch, 1
3.
Aufl., Zürich 2009, S. 491 f., Peter
Mösch
Payot
, Rechtsstellung der Pflegeeltern, Zeitschrift für Kindes- und Erwachsenenschutz [ZKE] 2011, S. 87 ff., S. 89).
Sie ist kein selbstständiges Rechtsinstitut, sondern ein faktisches Familienverhältnis, dem das Recht einzelne Wirkungen des Kindesverhältnisses beilegt
.
Nach der Rechtsprechung zu
Art.
49 AHVV gilt als Pflegekind im Sinne dieser Bestimmung ein Kind, das sich in der Pflegefamilie tatsächlich der Lage eines ehelichen Kindes erfreut und dessen Pflegeeltern die Verantwortung für Unter
halt und Erziehung wie gegenüber einem eigenen Kind wahrnehmen. Das
sozi
al
versicherungsrechtlich
wesentliche Element des
Pflegekindverhältnisses
liegt in der tatsächlichen Übertragung der Lasten und Aufgaben auf die Pflegeeltern, die gewöhnlich den leiblichen Eltern zufallen; auf den Grund dieser Übertra
gung kommt es nicht an. Welche Aufgaben und Verpflichtungen den Pflegeel
tern, namentlich in finanzieller Hinsicht, zufallen, lässt sich nicht allgemein sa
gen, sondern hängt vielmehr von der gesamten Ausgestaltung des fraglichen Ver
häl
tnisses ab. Die Pflegekindschaft erscheint in zahlreichen Formen, die sich in Zweck,
Dauer, Beschaffenheit der aufnehmenden Stelle (Familie, Heim, An
stalt), in der finanziellen Ausgestaltung und den rechtlichen Grundlagen (frei
willige
Unterbringung, behördliche Anordnung) unter
scheiden (Urteil des Eid
genössi
schen Versicherungsgerichts
H 123/02 vom 2
4.
Februar 2003 E. 2 mit Hinwei
sen
auf Literatur und Rechtsprechung).
Allein eine finanzielle Unterstüt
zung vermag kein
Pflegekindverhältnis
zu begründen (
vgl.
Urteil des
Bundesver
waltungs
ge
richts C-5223
/2009 vom
9.
Mai 2012 E. 3.3.2).
3.
3.1
Z._
wurde
am
3.
März 1993 geboren. Der Beschwerdeführer sowie seine Ehefrau
,
A._
,
nahmen sie
i
m Laufe des Jahres 1994 bei sich
auf
, nachdem ihr Vater verstorben war und sich ihre Mutter nicht mehr um sie ge
kümmert hatte.
Am 1
6.
Mai 1995
wurde
A._
zu ihrem
Vor
m
und
bestellt
(
Urk.
8/17). Der Beschwerdeführer
seinerseits
war
zuvor am 1
7.
April 1994
aus erwerblichen Gründen in die Schweiz emigrier
t (
Urk.
8/30/2).
3.2
Die V
erwaltung
verneinte ein Pflegeverhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und
Z._
. Es fehle an der faktischen Obhut. Seit 1
7.
April 1994 lebe der Beschwerdeführer in d
er
Schweiz. Er habe demnach die unmündige
Z._
nie zur dauernden Pflege und Erziehung aufgenommen. Daran ändere nichts, dass er für ihren Unterhalt aufkomme, die Familie in
Y._
gelegent
lich besuche und in regelmässigem telefonischem
Kontakt mit ihr stehe.
Ob a
l
len
falls
ein
Pflegekindverhältnis
zwischen seiner Ehefrau und
Z._
be
stehe
,
sei unerheblich
. Entscheidend sei
einzig,
dass
ein solches
zwischen ihm und
Z._
zu verneinen sei
(
Urk.
2, vgl. auch
Urk.
7).
3.3
Der Beschwerdeführer hält der vorinstanzlichen Beurteilung
im Wesentlichen entgegen,
a
ufgrund der ehelichen Rollenverteilung komme er für den Unterhalt auf, während seine Ehefrau für die Erziehung zuständig sei. Nur weil er aus er
werblichen Gründen nicht in
Y._
bei seiner Familie wohnhaft sei, habe dies
nicht
zur Folge,
dass
zwischen ihm und
Z._
kein
Pflegek
indverhältnis
bestehe (
Urk.
1).
3.4
Der Beschwerdeführer argumentiert
losgelöst von der Rechtsprechung zur
Pfle
ge
kindschaft
, die das Vorliegen einer faktischen Obhut über das Kind voraus
setzt
(vgl. dazu E.
2.4
hievor
).
Da die Kinderrent
e akzessor
isch zum Rentenan
spruch ist,
muss
das
Pflegekindverhältnis
zu ihm
als
rent
enberechtigte
Person
bestehen
.
Es ge
nügt nicht, wenn ein solches zwisc
hen seiner Ehefrau u
nd
Z._
vor
liegt
. Der Beschwerdeführer geht fehl, wenn er argumentiert, sein Wohnsitz sei unerheblich.
Ohne
gemeinsamen Wohnsitz beziehungsweise ohne
Hausgemein
schaft ist eine faktische Obhut über ein Kind
und damit ein
Pflege
kindverhältnis
nicht möglich.
Unterhalt
szahlungen vermögen dieses Erfordernis nicht zu erset
zen.
Dies führt ohne
Weiteres
zur Abweisung der Beschwerde.
4.
Zu prüfen bleibt weiter, ob
der Beschwerdeführer Anspruch auf
unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
hat.
D
er Beschwerdeführer
wurde
während des
invalidenversicherungsrechtlichen
Ad
ministrativverfahrens
vom Sozialamt de
r Stadt Zürich unterstützt
(
Urk.
3/5, 8/14
,
8/21, 8/26)
. Er
verfügte damit über Verbindungen zu fachkundigen Stel
len, w
elche
aufgrund ihrer Erfahrung
Unterstützung und
Beratung hätten bieten können. D
ie Beanspruchung einer anwaltlichen Vertretung hätte
sich somit
ver
meiden lassen, ohne
dass
damit
ein Verzicht
auf
geboten
e Vorkehren ver
bunden gewesen wäre
(vgl. auch Bundesgerichtsurteil 8C_693/2012 vom 2
7.
März 2013 E. 6).
Demzufolge besteht kein Anspruch auf unentgeltliche Rechtsvertretung für das Verwaltungsverfahren.
Das Gesuch um
Rechtsverbeiständung
für das vorliegende Beschwerdeverfahren
ist wegen Aussichtslosigkeit abzuweisen. Der Sachverhalt ist klar und unbe
stritten.
Die Rechtslage
wurde von der Verwaltung
im
E
ntscheid
vom 27. August 2012
ausführlich dargelegt. Unter anderem ver
wies sie auf
das Urteil
des Eid
genössischen Versicherungsgerich
ts H 123/02 vom 2
3.
Februar 200
3
, dem eine ähn
liche Kons
tellation wie im vorliegenden Fall zu Grunde lag
. Auch in jenem Entscheid fehlte es an einer Hausgemeinschaft
. Spätestens nach dem Studium
des
Verwaltungs
entscheids hätte
dem Beschwerdeführer beziehungsweise dessen Rechts
vertreter klar sein
müssen
,
dass ein
Pflegekindverhältnis
zwischen ihm und
Z._
zu verneinen ist. Die Kosten des vorliegenden Verfahrens
(
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) sind auf
Fr.
500.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Be
schwerdeführer aufzuerlegen.