Decision ID: de632b74-2333-414d-94dc-070793b46626
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass das SEM mit Verfügung vom 20. Januar 2020 auf das Asylgesuch der
Beschwerdeführerin vom 16. September 2019 nicht eintrat sowie die Weg-
weisung und den Vollzug anordnete, wobei es unter anderem ausführte,
die Beschwerdeführerin sei in Griechenland als Flüchtling anerkannt, wes-
halb sie im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG dorthin zurückkehren
könne,
dass das Bundesverwaltungsgericht die dagegen erhobene Beschwerde
mit Urteil E-515/2020 vom 3. Februar 2020 abwies,
dass das SEM mit Verfügung vom 24. März 2021 das Wiedererwägungs-
gesuch der Beschwerdeführerin vom 15. Oktober 2020 abwies und die
Rechtskraft sowie die Vollstreckbarkeit der Verfügung vom 20. Januar 2020
feststellte,
dass die Beschwerdeführerin dagegen am 16. April 2021 Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht erhob,
dass die Beschwerdeführerin am 10. Mai 2021 Klage beim Ausschuss der
Vereinten Nationen zur Beseitigung der Diskriminierung der Frau (CEDAW)
eingereichte,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf die Beschwerde vom 16. April
2021 mit Urteil E-1714/2021 vom 18. Mai 2021 nicht eintrat,
dass die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung auf Veranlassung des
CEDAW am 20. Mai 2021 aussetzte,
dass die Beschwerdeführerin am 1. Juli 2022 erneut ein Wiedererwägungs-
gesuch bei der Vorinstanz stellte,
dass sie darin insbesondere geltend machte, dem aktuellen Bericht der
Asylum Information Database (AIDA) vom 3. Juni 2022 sowie dem Refe-
renzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-3427/2020 vom 28. März
2022 könne entnommen werden, dass sich Lage in Griechenland erheblich
geändert habe, dies auch wegen der Überlastung des griechischen Asyl-
systems im Zuge des Ausbruchs des Ukraine-Konflikts im Februar 2022,
dass die Vorinstanz der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 2. August
2022 mitteilte, ihre als Wiedererwägungsgesuch bezeichnete Eingabe vom
1. Juli 2022 an den CEDAW weitergeleitet zu haben,
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dass die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 6. August 2022 die Vor-
instanz aufforderte, die Eingabe vom 1. Juli 2022 als Wiedererwägungsge-
such entgegenzunehmen beziehungsweise im Falle der Nichtanhand-
nahme eine anfechtbare Verfügung zu erlassen,
dass die Vorinstanz mit Zwischenverfügung vom 17. August 2022 festhielt,
dass unter anderem aufgrund der von der Europäischen Union eingeleite-
ten Massnahmen sowie aufgrund von Erklärungen des griechischen Staa-
tes selber nicht von einer offenkundigen Gefahr der Überlastung des dorti-
gen Asylsystems auszugehen sei,
dass in der Zwischenverfügung weiter festgehalten wurde, auf die Situation
von Personen mit Schutzstatus in Griechenland sei bereits in der Verfü-
gung vom 20. Januar 2020 ausführlich eingegangen und die Verfügung
später vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 3. Februar 2020 ge-
stützt worden,
dass die Vorinstanz in der Zwischenverfügung sodann ausführte, aktuell
liege keine derart veränderte Situation vor, welche ein Zurückkommen auf
den früheren Entscheid rechtfertige, und dass eine neue Rechtsprechung
des Bundesverwaltungsgerichts im Übrigen keinen Wiedererwägungs-
grund darstelle,
dass die Vorinstanz in der Zwischenverfügung deshalb zur Auffassung ge-
langte, das Wiedererwägungsgesuch sei als aussichtslos zu qualifizieren,
und die Beschwerdeführerin deshalb aufforderte, innert Frist einen Kosten-
vorschuss von Fr. 600.– zu leisten,
dass die Vorinstanz mit Verfügung vom 7. September 2022 feststellte, der
auferlegte Kostenvorschuss sei nicht innert angesetzter Frist geleistet wor-
den, deshalb auf das Wiederwägungsgesuch vom 1. Juli 2022 nicht eintrat,
ferner die Rechtskraft sowie Vollstreckbarkeit der Verfügung vom 20. Ja-
nuar 2020 feststellte und festhielt, der Wegweisungsvollzug bleibe auf-
grund des Verfahrens vor dem CEDAW ausgesetzt und einer Beschwerde
komme keine aufschiebende Wirkung zu,
dass die Beschwerdeführerin am 15. September 2022 Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht erhob und beantragt, der Nichteintretensent-
scheid der Vorinstanz vom 7. September 2022 sowie die Zwischenverfü-
gung 17. August 2022 (Kostenvorschuss) seien aufzuheben und sie sei
vorläufig in der Schweiz aufzunehmen, eventualiter die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen und diese anzuweisen, ohne Kostenvorschuss auf
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das Wiedererwägungsgesuch einzutreten und ihr zufolge Mittellosigkeit die
unentgeltliche Rechtspflege, unter Verzicht auf Erhebung eines Kostenvor-
schusses, zu gewähren,
dass in der Beschwerdebegründung im Wesentlichen ausgeführt wird, ge-
mäss aktuellem AIDA-Bericht vom 3. Juni 2022 habe sich die Situation für
Schutzberechtigte in Griechenland verschlechtert und dem jüngsten Refe-
renzurteil des Bundesveraltungsgerichts zu Griechenland sei ebenfalls zu
entnehmen, dass es von veränderten Umständen, insbesondere in Bezug
auf äusserst vulnerable Personen, ausgehe,
dass aus dem AIDA-Bericht vom 3. Juni 2022 unter anderem hervorgehe,
Schutzberechtigten drohe aufgrund der gegenwärtigen Lage in Griechen-
land Obdachlosigkeit und Verelendung,
dass es sich bei der Beschwerdeführerin ferner um ein psychisch schwer
angeschlagenes Opfer genderspezifischer Gewalt handle, weshalb sie in
der Schweiz regelmässig entsprechende Behandlung habe in Anspruch
nehmen müssen und gemäss Arztbericht vom 24. August 2022 weiterhin
behandlungsbedürftig sei, wobei mit einer Überführung nach Griechenland
und dem damit einhergehenden Therapieabbruch die gemachten Fort-
schritte gefährdet würden und der Zugang zu adäquater Behandlung in
Griechenland darüber hinaus nicht sichergestellt sei,
dass in der Beschwerde weiter vorgebracht wird, die Vorinstanz schätze
die Auswirkungen des Ukrainekonflikts auf das griechische Asylsystem
falsch ein und gehe – nach dem in der Beschwerdebegründung Dargeleg-
ten – insgesamt zu Unrecht davon aus, das Wiedererwägungsgesuch sei
aussichtslos, weshalb sie auch den Kotenvorschuss zu Unrecht erhoben
habe und der Nichteintretensentscheid im Ergebnis Bundesrecht verletze,
weil im Ergebnis von einer wesentlich veränderten Sachlage seit dem letz-
ten materiellen Entscheid auszugehen sei,
dass die Beschwerdeführerin als Beweismittel unter anderem einen ärztli-
chen Bericht vom 24. August 2022 zu den Akten gab,

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m.
Art. 31‒33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
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dass die Beschwerdeführerin am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass die Zwischenverfügung vom 17. August 2022 mit der Beschwerde ge-
gen die Verfügung vom 7. September 2022 als angefochten gilt (Art. 46
Abs. 2 VwVG),
dass der erwähnten Praxisänderung des Bundesverwaltungsgerichts be-
treffend die Überstellung nach Griechenland durchaus Bedeutung zuzu-
messen ist und sich insbesondere unter dem Aspekt der Rechtsgleichheit
diesbezüglich eine widererwägungsweise Berücksichtigung aufdrängen
kann (vgl. Kölz/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes, 2013, S. 259; Urteil des BVGer
E–2852/2015 vom 14. Juli 2014 E. 3, m.w.H; vgl. sodann im Grundsatz
auch Urteil des BVGer E-2187/2008 vom 30. Mai 2008 E. 2.7, welches im
konkreten Fall lediglich die Rückwirkung einer Praxisänderung im Asyl-
punkt verneint),
dass eine neue Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts deshalb
– entgegen den Ausführungen in der angefochtenen Verfügung – einen
Wiedererwägungsgrund darstellen kann, soweit sich diese auf den konkret
zu beurteilenden Fall in massgeblicher Weise auswirkt,
dass das SEM bei der Einschätzung der Aussichtslosigkeit des Wiederer-
wägungsgesuches im Zusammenhang mit der Überstellung nach Grie-
chenland auf die Erwägungen seiner Verfügung vom 20. Januar 2020 so-
wie diejenigen des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts E-515/2020
vom 3. Februar 2020 verweist,
dass seit dem Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-3427/2021
beziehungsweise E-3431/2021 vom 28. März 2022 eine strengere Praxis
bei Überstellungen nach Griechenland gilt, wobei unter anderem eine in
Griechenland seit März 2020 geltende Gesetzesänderung den Ausschlag
dafür gab,
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dass der Zwischenverfügung vom 17. August 2022 nicht entnommen wer-
den kann, dass die Vorinstanz bei der Einschätzung der Aussichtslosigkeit
und der Auferlegung eines Kostenvorschusses dessen Nichtbezahlung
schlussendlich zur Nichtanhandnahme des Wiedererwägungsgesuches
führte, die aktuelle Praxis berücksichtigt hat,
dass den Erwägungen der Vorinstanz auch nicht entnommen werden kann,
dass sie sich – zumindest in summarischer Weise – mit dem Inhalt des
jüngsten AIDA-Berichts vom 3. Juni 2022 auseinandergesetzt hat,
dass die Einschätzung der Vorinstanz – unter Zugrundelegung früherer
Entscheide in der gleichen Angelegenheit – über die Aussichtslosigkeit des
Verfahrens beziehungsweise ihr Entscheid über die Auferlegung des Kos-
tenvorschusses nicht per se als fehlerhaft zu qualifizieren sind, dass sie mit
dem Ausserachtlassen beziehungsweise mit der in ihren Erwägungen feh-
lenden Auseinandersetzung mit der neuen Rechtsprechung des Bundes-
verwaltungsgerichts wie auch mit dem jüngsten AIDA-Bericht vom 3. Juni
2022 jedoch die Begründungspflicht beziehungsweise den Anspruch der
Beschwerdeführerin auf Gewährung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs.
2 BV) verletzt, da sich ihre Erwägungen – selbst unter Berücksichtigung,
dass diese bei der Einschätzung der Prozessaussichten durchaus summa-
risch sein dürfen – mit zentralen Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht
beziehungsweise zu wenig auseinandersetzt (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEU-
BÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 3. Aufl. 2022,
S. 219 Rz. 3.106),
dass die Vorinstanz aufgrund des Ausgeführten anzuhalten ist, bei der Be-
urteilung der Verfahrensprognose und dem darauf gestützten Entscheid
über einen Kostenvorschuss die aktuellen Begebenheiten, insbesondere
die neuere Rechtsprechung, einzubeziehen,
dass die Beschwerde gutzuheissen und die Sache deshalb zur vollständi-
gen und rechtsgenüglichen Entscheidbegründung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen ist (Art. 61 Abs. 1 VwVG),
dass nach dem Gesagten und angesichts des Nichteintretensentscheids
durch das SEM ein direkter, materieller Entscheid durch das Bundesver-
waltungsgericht nicht in Frage kommt,
dass bei dieser Ausgangslage des Beschwerdeverfahrens keine Prozess-
kosten zu erheben sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), womit der Antrag auf
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Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs.
1 VwVG gegenstandlos geworden ist,
dass der vertretenen Beschwerdeführerin angesichts ihres Obsiegens in
Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr notwen-
digerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen und damit auch der
Antrag auf anwaltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2
VwVG gegenstandslos geworden ist,
dass keine Kostennote eingereicht wurde, weshalb die notwendigen Par-
teikosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine
VGKE),
dass die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung in An-
wendung der genannten Bestimmungen und unter Berücksichtigung der
massgeblichen Bemessungsfaktoren demnach von Amtes wegen auf ins-
gesamt Fr. 900.– (inkl. Auslagen) festzulegen ist.
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