Decision ID: fd053861-1585-43f8-b1aa-72ac1568b3f8
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1980, war als Polizist über seine Arbeit
geberin bei der Schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG gegen Unfälle obligatorisch versichert, als er
sich am 2
0.
August 2015 bei
m Selbst
ver
teidigungstraining
an der linken Schulter verletzte
(z.B.
Urk.
8/3/5 und 8/3/7)
.
Mit
Schreiben vom 1
3.
Juni 2016
verneinte die Unfallversicherung
ihre Leistungs
pflicht mit der Begründung, es liege weder ein Unfall im Rechtssinne noch eine unfallähnliche Körperschädigung vor (
Urk.
8/1/
9 f.
).
Daran hielt si
e nach telefonischem Einwand des Versicherten (
Urk.
8/1/11) auch
mit Verfügung vom 1
1.
Juli 2016 fest (
Urk.
8/
1/13 f.). Die vom Versicherten dagegen erhobene Einsprache, aufgegeben bei der Post am
8.
August 2016 (
Urk.
8/1/17 f.), wies die Unfallversicherung mit Entscheid vom 1
4.
Oktober 2016 ab (
Urk. 2
).
2.
Gegen diese Entscheid erhob der Versicherte am
3.
November 2016 Beschwerde und beantragte sinngemäss dessen Aufhebung sowie die Zusprechung der gesetzlichen Leistungen (
Urk.
1). Die Unfallversicherung schloss in der Beschwerdeantwort vom 1
8.
November 2016 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Es wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
9). In der Replik vom 2
1.
Dezember 2016 (
Urk.
11) sowie der Duplik vom
6.
Januar 2017 (
Urk.
14) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015
bzw.
9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfall
versicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten. Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung
jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sach
verhalt verwirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126
V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Dementsprechend
sieht Absatz 1 der
Übergangs
bestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Ver
siche
rungsleistungen für Unfälle, die sich
– wie der vorliegende –
vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben
,
nach bisherigem Rech
t gewährt werden
.
E
s finden somit
die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen Anwendung und
werden
in dieser Fassung zitiert.
1.2
Gemäss
Art.
6 UVG werden
-
soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt
-
die Ver
sicherung
sleistungen bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (
Abs.
1).
Der Bundesrat kann darüber hinaus
Körperschä
digungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung ein
beziehen (
Abs.
2).
1.3
Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines unge
wöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (
Art.
4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er - nach einem objektiven Massstab - nicht mehr im Rahmen dessen liegt, was für den jeweiligen Lebensbereich alltäglich und üblich ist (BGE 134 V 72 E. 4.1
).
Mit dem Kriterium der Plötzlichkeit wird ein zeitlicher Rahmen gesteckt. Die schädigende Einwirkung muss zwar nicht auf einen blossen Augenblick beschränkt sein, jedoch innerhalb eines relativ kurzen, abgrenzbaren Zeitraums erfolgen. Die Einwirkung muss plötzlich eingesetzt haben und eine einmalige gewesen sein (
Urteil des Bundesgerichts 8C_494/2013 vom 2
2.
April 2014 E.
5.1).
1.4
Die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens sind von der versicherten Person glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser For
derung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Beste
hen eines unfallmässigen Schadens als unglaubhaft erscheinen las
sen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Par
teien heranziehen. Ist aufgrund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfall
ereignisses nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt – die blosse Mög
lichkeit genügt nicht –, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der versicherten Person aus
wirkt (BGE 116 V 136 E. 4b, 114 V 298 E. 5b, 111 V 201 E. 6b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50).
Nur selten
lässt sich
dabei
d
er mangelnde Nachweis eines die Merkmale des U
nfalles erfüllenden Ereignisses
durch medizinische Feststellungen ersetzen. Diesen kommt im Rahmen der Beweiswürdigung für oder gegen das Vorliegen eines unfallmässigen Geschehens in der Regel nur die Bedeutung von Indizien zu. Dabei ist zu beachten, dass sich der medizinische Begriff des Traumas nicht mit dem Unfallbegriff deckt. Ein traumatisches Ereignis schliesst zwar eine pathologische Ursache aus, umfasst jedoch neben dem eigentlichen Unfall im
Rechtssinne auch Ereignisse, denen der Charakter der Ungewöhnlichkeit und/oder der Plötzlichkeit abgeht (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts U 6/02 vom 1
8.
Dezember 2002 E. 2.3
mit diversen Hinweisen
).
1.5
Im Übrigen hat der Bundesrat i
n
Art. 9 Abs. 2 UVV
folgende
Körperschä
digungen, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degene
ration zurückzuführen sind, auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung den Unfällen gleichgestellt:
a.
Knochenbrüche;
b.
Verrenkungen von Gelenken;
c.
Meniskusrisse;
d.
Muskelrisse;
e.
Muskelzerrungen;
f.
Sehnenrisse;
g.
Bandläsionen;
h.
Trommelfellverletzungen.
Diese
Aufzählung
ist
abschliessend
(BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schweizerisches Unfall
versicherungsrecht, 2. Aufl., 1989, S. 202).
Zu beachten ist, dass bei
den unfallähnlichen Körperschädigungen im Vergleich zu den eigentlichen Unfällen nach
Art.
4 ATSG einzig das Tatbe
standselement der Ungewöhnlichkeit des auf den Körper einwirkenden äusseren Faktors
entfällt
(BGE 139 V 327 E. 3.1
,
129 V 466 E. 2.2 und 123 V 43 E. 2b, je mit Hinweisen). Alle übrigen Begriffsmerkmale eines Unfalls müssen erfüllt sein. Dies gilt namentlich für das Erfordernis des auf den menschlichen Körper einwirkenden äusseren Faktors, worunter ein ausserhalb des Körpers liegender, objektiv feststellbarer, sinnfälliger
-
eben unfallähnlicher
-
Einfluss auf den Körper zu verstehen ist (BGE 129 V 466 E. 2.2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE
139 V 327 E. 3.3.1
).
2.
Die Beschwerdegegnerin erwog im
Einspracheentscheid
,
der Beschwerdeführer habe nach dem konkreten Hergang des Unfalls gefragt angegeben, dieser habe sich anlässlich des monatlichen Selbstverteidigungstrainings ereignet, das wie gewohnt bzw. unter den bekannten Umständen abgelaufen sei, ohne dass
sich
etwas Besonderes ereignet habe. Ferner liege keine Listenverletzung im Sinne von
Art.
9
Abs.
2 UVV vor (
Urk.
2).
Dem entgegnete
der Beschwerdeführer in der Beschwerde,
den Unfallfragebogen vom 1
6.
Dezember 2015 habe er zurückhaltend ausgefüllt, da die Ärzte von ei
ner unfallbedingten Verletzung ausgegangen seien.
Durch eine plötzliche Aktion des Gegenübers habe ein erhebliche
r
äusserer Faktor auf seinen
K
örper eingewirkt, der unabsichtlich und ungewöhnlich, den Rahmen des Üblichen weit überstiegen und in einem ungewöhnlich drehenden Moment mit plötzlichem Knacken und
stechendem Schmerz gegipfelt habe.
Die Körperschädigung sei eingetreten als Folge der im Vergleich zur gewohnten Beanspruchung im Selbstverteidigungstraining unabsichtlichen und ungewöhnlichen plötzlichen Aktion des Gegenübers, programmwidrig als unerwarteter äusserer Faktor mit gesteigertem Gefahrenpotenzial. Dass
er
ein Ausgleiten bzw. einen Sturz durch programmwidrige Reflexbewegungen habe verhindern können, rechtfertige keine Verneinung des Unfallbegriffs.
Dr.
Y._
habe die Unfallkausalität bejaht
,
Dr.
A._
eine Pathologie verneint
und
Dr.
Z._
eine post
traumatische
Limbusläsion
bzw. eine solche nach Schulter-Distorsion diagnosti
ziert (
Urk.
1).
In der Beschwerdeantwort
betonte
die Beschwerdegegnerin
erneut
, dass es sich bei den
von
Dr.
Z._
gestellten Diagnosen um keine Listenverletzungen
gemäss
Art.
9
Abs.
2 UVV hand
le
. Zudem sei auf die Aussagen der ersten Stun
de
, d.h. d
ie Unfallmeldung
sowie
das Sch
reiben vom 4.
Januar 2016
,
abzu
stellen. Die
abweichende
Sachverhaltsdarstellung nach Kenntnisnahme der Leistungsablehnung sei unglaubwürdig, zumal vom
Beschwerdeführer
bereits
zuvor unmissverständlich eine genauere Schilderung des
Unfallh
ergangs ver
langt worden sei.
Im Übrigen
erfasse der medizinische Terminus Trauma auch Geschehnisse, denen der Charakter der Ungewöhnlichkeit und Plötzlichkeit abgehe (
Urk.
7).
In der Replik
ergänzte
der
Beschwerdeführer
,
das
Merkmal
der Plötzlichkeit
ergebe sich
bereits aus der Unfallmeldung
. Zudem sei er
gesund bzw.
gut trainiert
. Ferner
wies
er auf die Definition des Begriffs Unfall im Duden
hin
und
beanstandete
sinngemäss
die
Verwendung
desselben
in Frage 5 des Fragebo
gens
, was versicherte Personen in falscher Sicherheit
wiege
(
Urk.
11).
Die Beschwerdegegnerin
wiederholte
in der Duplik, der Beschwerdeführer
habe
trotz ausdrücklicher Aufforderung nicht erwähnt, dass die sportliche Übung anders verlaufen sei als geplant. E
r habe auch keinen einzelnen
Vorfall erwähnt, sondern dass es währen
d
des Trainings zu Schulterschmerzen gekommen sei
und verschiedene Personen
b
eteiligt gewesen seien. Schliesslich seien plötzliche Drehungen zu Boden dem Üben von Armschlüsselgriffen inhä
rent
(
Urk.
14).
3.
3.1
D
ie bildgebende Untersuchung (MR-
Arthrographie
) der linken Schulter des Beschwerdeführers vom 1
7.
November 2015
zeigte
eine ausgedehnte Läsion des
anterioren
, inferioren und
k
audalen dorsalen Labrums unter Beteiligung des
Bizepsankers
, eine
anteriore
inferiore Knorpelläsion des
Glenoids
sowie eine
paralabrale
Zyste dorsal
(
Urk.
8/3/3 f.).
K
eine neuen Erkenntnisse brachte die Schulteroperation vom
2.
März 2016 (
Urk.
8/3/10 f.). Im diesbezüglichen
Aus
trittsbericht vom
8.
März 2016
findet sich
d
ie
vergleichbare
Diagnose posttrau
matische
Limbusläsion
ventral kaudal sowie kaudal
posterior
und kranial
poste
rior
mit assoziierter kleiner Hill-Sachs-Läsion an der linken Schulter (
Urk.
8/3/12).
3.2
Wie das Bundesgericht in seinem Urteil 8C_835/2013
vom 2
8.
Januar 2014
E. 4
(mit diversen Hinweisen)
ausführlich erörterte
, zählen Verletzungen am Labrum
glenoidale
nicht zu den in
Art.
9
Abs.
2 UVV abschliessend aufgezählten Listen
verletzungen. Diese würden weder als Sehnenriss gelten, noch recht
fertigte sich angesichts der Entstehungsgeschichte der erwähnten Bestimmung eine analo
gie
weise Ausdehnung des Begriffs des Meniskus auf andere Körper
stellen von vergleichbarer Natur und mit gleicher Funktion.
3.3
Damit entfällt eine Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin aus
Art.
9
Abs.
2 UVV bereits aufgrund der Diagnose
.
Eine Prüfung der diesbezüglichen weiteren Voraussetzungen
(vgl.
insbesondere
Urteil des Bundesgerichts 8C_147/2014 vom 1
6.
Juli 2014 E. 2
zu
r Würdigung
von
Schmerzen als Symptom
e
einer Schädi
gung sowie
zur
Notwendigkeit
eines gesteigerten Schädigungspotenzials, sei es zu
einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage
,
sei es durch
Hinzutreten eines zusätzlichen Elements,
da
s zur Unkontrollierbarkeit einer
an sich
alltägli
chen Ver
richtung führt)
erübrigt sich.
4.
4.1
Zu prüfen bleibt
somit
, ob sich beim Selbstverteidigungstraining am 2
0.
August 2015 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein Unfall im Sinne von
Art.
4 ATSG ereignete.
Bei Schädigungen, die sich
– wie die Labrumläsion –
auf das Körperinnere beschränken,
ist dabei zu beachten, dass
der Nachweis eines Unfalls insofern strengen Anforderungen
unterliegt
, als die unmittelbare Ursache der Schädigung unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzt wer
den muss; denn ein Unfallereignis manifestiert sich in der Regel in einer äusser
lich wahrnehmbaren Schädigung, während bei deren Fehlen eine erhöhte Wahr
scheinlichkeit rein krankheitsbedingter Ursachen besteht (BGE 99 V 136 E.
1). Der äussere Faktor ist zentrales Begriffscharakteristikum eines jeden Unfall
ereignisses; er ist Gegenstück zur - den Krankheitsbegriff konstituieren
den - in
ner
en Ursache (BGE 134 V 72 E. 4.1 und 4.3.2.1
).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist das Merkmal der Unge
wöhnlichkeit ohne besonderes Vorkommnis daher auch bei einer Sportver
letzung zu verneinen (BGE 130 V 117 E. 2.2; in BGE 130 V 380 nicht
publ
. E.
3.2 des Urteils U 199/03 vom 1
0.
Mai 2004; Urteil
des Bundesgerichts
8C_189/2010 vom
9.
Juli 2010 E. 3.3). Der äussere Faktor ist nur dann unge
wöhnlich, wenn er - nach einem objektiven Massstab - nicht mehr im Rahmen dessen liegt, was für den jeweiligen Lebensbereich alltäglich und üblich ist, nicht aber, wenn ein Geschehen in die gewöhnliche Bandbreite der Bewe
gungsmuster des betreffenden Sports fällt (vgl. in BGE 130 V 380 nicht
publ
. E.
4.2 des Urteils U 199/03 vom 1
0.
Mai 2004; SVR 2011 UV Nr. 11 S. 39,
Urteile des Bundegerichts
8C_693/2010 E. 5
,
8C_186/2011 vom 2
6.
Juli 2011 E.
5 und
8C_189
/2010 vom
9.
Juli 2010 E. 5.1; vgl. zum Ganzen Urteil des Bundes
gerichts 8C_835/2013 vom 2
8.
Januar 2014 E. 5.1).
4.2
Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel
sodann
auf die „Aussagen der ersten Stunde“ ab, denen in beweis
mässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrecht
licher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a
, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
In diesem Sinne vorrangige Bedeutung beizumessen ist somit den Dokumenten, die verfasst wurden, bevor die Beschwerdegegnerin im Juni 2015 Abstand von der ursprünglich
mitgeteilten
Kostengutsprache nahm (
Urk.
8/1/
6-10
).
4.3
In der
Schadenmeldung
vom 1
4.
Oktober 2015
nannte
der Beschwerdeführer
zunächst
ein
spezifisches
schadenauslösendes Ereignis, nämlich einen
Armgriff
mit plötzlicher Drehung zu Boden
im
Selbstverteidigungstraining
(
Urk.
8/
2/
1).
Kurz darauf liess die Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer
einen Frage
bogen zukommen, den
dieser
am
4.
Januar 2016 ausfüllte
.
Mit Frage 1 wurde er zu einer „ausführlichen” Schilderung des Vorfalls auf
ge
fordert
und erklärte,
es sei während des monatlichen Selbstverteidigungstrainings der Polizei im Zusammenhang mit
„
mehreren
”
Armschlüsseltechniken (Polizeigriff), welche die Teilnehmer aneinander üb
ten
, zu Schulterschmerzen gekommen. Diese hätten in den folgenden 24 Stunden sehr stark zugenommen und seien in den darauffol
genden Tagen nicht besser geworden.
Auf Frage 5, ob weitere Personen oder Gegenstände direkt am Unfall beteiligt gewesen seien, antwortete er „ver
schiedene Personen”. Ebenso wie die vorstehenden Antworten lässt
auch
dieje
nige auf Frage 6, wonach sich die Beschwerden erstmals
„während des
Trainings” bemerkbar gemacht hätten,
im Gegensatz zur Schadensmeldung nicht mehr
auf ein konkretes, schmerzauslösendes Moment schliessen.
Die Frage 2, ob es sich um eine gewohnte Tätigkeit gehandelt habe und diese unter den gängigen, bekannten Umständen abgelaufen sei, bejahte der Beschwerdeführer
, und verneinte
Frage 4, ob etwas Besonderes
,
z.B. ein
Ausgleiten oder
Sturz,
passiert sei
(
Urk.
8/2/2 f.)
.
Im
Nachhinein erklärte
er
sinngemäss, den Fragebo
gen zurückhaltend ausgefüllt zu haben, da er weder aufgrund der Arztberichte noch der Formulierung der Fragen Grund zur Annahme gehabt habe, dass ein Unfall in Abrede ge
stellt wer
den könnte
(vgl. E. 2)
.
Schliesslich machte der Beschwerdeführer
mit
Einsprache vom 1
0.
August 2016
erstmals sinngemäss und
in
Erläuterung der Schadensmeldung
geltend, die Aktion des Gegenübers
sei
plötzlich
gewesen und habe unabsichtlich den Rahmen des
Ü
blichen weit überstiegen
.
In einem unge
wöhnlich drehenden Moment habe es in der Schulter geknackt und er habe einen stechenden Schmerz verspürt (
Urk.
8/1/
18
).
4.4
Soweit es die medizinischen Unterlagen betrifft
, wurde im Bericht der Sono
graphie vom 2
5.
September 2015
zur
Indikation angegeben, der Beschwer
deführer habe sich bei einer dienstlichen Tätigkeit an der linken Schulter ver
letzt, indem er im Selbstverteidigungskurs ein Reissen im vorderen Bereich der linken Schulter gespürt habe, nachdem er eine unüblich abrupte Bewegung durchgeführt habe (
Urk.
8/3/1).
Im
Arztzeugnis
von
Dr.
med.
Y._
, Facharzt
für Allgemeine Medizin, vom 4.
Januar 2016
findet sich
der Hinweis, der Beschwerdeführer
habe
beim Selbst
verteidigungstraining ein akutes Trauma erlitten (
Urk.
8/3/5).
Der
letztlich
operierende Facharzt für orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie,
Dr.
med.
Z._
,
hielt in der Anamnese
seines
Berichts vom 2
6.
Januar 2016
fest, der Beschwerdeführer habe im Rahmen eines Selbst
verteidigungskurses eine heftige Distorsion der linken Schulter mit sofort ein
schiessenden Schmerzen erlitten (
Urk.
8/3/7).
Ferner
erläuterte der
die Beschwerdegegnerin beratende Facharzt für Chirurgi
e,
Dr.
med.
B._
,
am
2
4.
Februar 2016, Labrumläsionen in diesem Alter seien bei fehlenden degenerativen Veränderungen und entsprechendem Trauma Input mit überwiegender Wahrscheinlichkeit traumatisch bedingt. Dass sich früher schon entsprechende Schädigungen (Mikrotraumata) am Schultergelenk ereignet
hätten
, sei sehr gut möglich (
„
Armhebel Übungen gegen Kraft im Rahmen von Selbstverteidigungsübungen
”
;
Urk.
8/3/9
).
4.
5
Somit legen
die Schilderungen des Beschwerdeführers
sowie die
medizinischen Berichte
(
mit Ausnahme des
hinsichtlich der
Beteiligung
eines
Berufskollegen
ver
ständlicherweise
zurückhaltend
ausgefüllten Fragebogens
)
nahe
,
dass
der Beschwerdeführer unmittelbar nach
einem
von einem anderen Trainings
teilnehmer ausgeführten
Armgriff
in der Schulter
ein Knacken
/Reissen sowie Schmerzen verspürte.
Die sich von Beginn weg – mithin Monate vor der Leistungs
ablehnung – findenden Beschreibungen wie
"plötzliche Drehung zu Boden”, „heftige Distorsion”
und
„unüblich abrupte Bewegung” lassen ferner
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
darauf schliessen, dass die Ausführung des
monatlich geübten
Armgriffs vom Beschwerdeführer in der Art
und Weise
, wie
dieser
erfolgt
ist
,
klar
nicht erwartet
wurde
. Die direkte Krafteinwirkung durch
den
anderen Trainingsteilnehmer
als äusserer Faktor
stellt
daher nicht nur
ein zeitlich genügend eingegrenztes Ereignis
dar
, sondern
ist in seinem Ausmass a
uch
als ungewöhnlich zu qualifizieren
(vgl. dazu
Nabold
André, Sportunfall - ein Blick auf die Rechtsprechung, publiziert in:
Kieser
/
Landolt
[Hrsg.], Unfall? Novembertagung 2015 zum Sozialversicherungsrecht, Zürich/St. Gallen 2016,
S.
66-68).
Als weiteres (zumindest) Indiz für die Erfüllung des Unfallbegriffs ist ferner zu erwähnen
, dass
selbst der von der Beschwerdegegnerin beauftragte
Dr.
B._
ein Trauma in der vorliegenden
Konstellation
(Alter,
keine Hinweise auf degenerative Veränderung
en
) aus medizinischer Sicht ausdrücklich als überwiegend wahrscheinlich beurteilt
e
.
Keiner Erläuterung bedarf, dass im Rahmen des Trainings keine Schädigungsabsicht anzunehmen ist
. D
ie Schulter
verletzung
ist
zudem wie erwähnt
bildgebend nachgewiesen
(vgl. E. 3.1)
und angesichts der zitierten medizinischen Unterlagen
durch das Ereignis im Training vom 2
0.
August 2015
verursacht.
5.
Nach dem Gesagten ergibt sich,
dass die Voraussetzungen für die Bejahung einer unfallähnlichen Körperschädigung gemäss
Art.
9
Abs.
2 UVV nicht erfüllt sind. Indes ist
das Ereignis vom 2
0.
August 2015 als Unfall im Sinne von
Art.
4 ATSG zu qualifizieren
und
war
natürlich kausal für die Schulterverletzung. Die Beschwerdegegnerin hat ihre Leistungspflicht daher zu Unrecht verneint. Die Beschwerde ist folglich gutzuheissen.