Decision ID: 5d4c2679-e2ce-4262-b4c9-3716f8a9f9aa
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer stellte am 11. Dezember 2016 im damaligen Emp-
fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen ein Asylgesuch. Anläss-
lich der im EVZ durchgeführten Befragung zur Person (BzP) vom 21. De-
zember 2016 und der Anhörung zu den Asylgründen vom 18. Dezember
2018 machte er im Wesentlichen Folgendes geltend:
Er sei ethnischer Tamile und stamme aus B._ (Jaffna-Distrikt, Nord-
provinz), wo er während acht Jahren die Schule besucht und bis zum 15.
Lebensjahr mit seinen Eltern, einem Bruder und zwei Schwestern gelebt
habe; sein Vater sei (...) verstorben. Politisch oder religiös sei er nie aktiv
gewesen und er sei nie Mitglied oder Unterstützer der Liberation Tigers of
Tamil Eelam (LTTE) gewesen. Im Jahre 1995 seien sie kriegsbedingt aus
B._ vertrieben worden und er habe fortan in C._ (Mullaitivu-
Distrikt, Nordprovinz, Vanni-Gebiet) zusammen mit seiner Mutter und sei-
ner älteren Schwester gelebt. Seine andere ältere Schwester sei bereits
mit (...) Jahren zu den LTTE gegangen, für die sie (...) im Kampf gefallen
sei. Ab 2002 hätten sie wieder im Heimatdorf gelebt. Da später Angehörige
von Märtyrerfamilien erschossen worden seien, habe er sich im Jahr (...)
einen Pass ausstellen lassen, um von Sri Lanka nach D._ auszu-
reisen. Die Ausstellung des Visums habe sich indessen verzögert, weshalb
er nach E._ gereist sei, von wo er jedoch mangels Aufenthaltsbe-
willigung nach einem Monat wieder nach Sri Lanka zurückgekehrt sei. Am
(...) 2007 sei er in Colombo vom CID (Criminal lnvestigation Department)
festgenommen, entführt, befragt und misshandelt worden, weil er wegen
seiner Auslandreise in Verdacht geraten sei, Mitglied der LTTE zu sein. Im
(...) 2008 sei er aus der Haft freigelassen worden und er habe fortan in
F._ (Distrikt Killinochchi, Nordprovinz, Vanni-Gebiet) gelebt, zumal
er nach seiner anfänglichen Rückkehr nach B._ dort von Soldaten
gesucht worden sei. Als der Krieg sich zu Ende geneigt habe, habe er sich
(...) 2009 auf Empfehlung der srilankischen Armee als Mitglied einer Mär-
tyrerfamilie registrieren lassen, woraufhin er in ein Flüchtlingslager ge-
bracht worden sei. Dort sei er allerdings trotz dieser Registrierung von Be-
amten des CID in einem weissen Kleinbus abgeführt worden, weil diese
ihn auf ihnen verfügbaren Fotos mit seiner gefallenen Schwester verwech-
selt hätten – sie hätten sich durchaus ähnlich gesehen – beziehungsweise
weil er auf Fotos zusammen mit LTTE-Anhängern zu sehen gewesen sei.
In der Folge sei er während über sieben Jahren bis im August beziehungs-
weise Oktober 2016 in der Abgeschiedenheit bei Vavuniya festgehalten,
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regelmässig befragt und misshandelt und unter anderem zur Identifizierung
von Personen eingesetzt worden. Eine Zugehörigkeit zu den LTTE habe er
wahrheitsgemäss stets abgestritten. Von den Misshandlungen habe er ins-
besondere noch Narben an den (...) und Rückenschmerzen. Durch den
Verkauf von Grundstücken und Vieh seines Onkels habe schliesslich seine
nicht offizielle Freilassung mittels Geldzahlung durch einen Singhalesen
erwirkt werden können. Zurück in seinem Heimatdorf habe er als (...) ge-
arbeitet. Zudem habe er eine (...) besucht, was ihm nach der langen Haft-
zeit geholfen habe. (...). Negative Konsequenzen habe dieser Schritt für
ihn aber keine gehabt. Letztlich Auslöser für seinen Ausreiseentschluss sei
ein Ereignis vom 23. Oktober 2016 gewesen, als im Anschluss an die Tö-
tung zweier Studenten zwei Polizisten in einem Laden in B._ ermor-
det beziehungsweise mit Messern verletzt worden seien. An jenem Tag sei
er am Morgen mit einem ehemaligen Schulkameraden in (...) gegangen.
Am Arbeitsplatz habe ihm seine Tante dann telefonisch mitgeteilt, dass die
Behörden vorbeigekommen seien und ihn mündlich zu einem Besuch im
CID-Camp in G._ auf den (...) Oktober 2016 vorgeladen hätten. Der
Aufforderung habe er Folge geleistet. Im Camp sei er über den Vorfall mit
den Polizisten und über allfällige Verbindungen zu den LTTE und zur be-
rüchtigten «Hawa»-Gruppe befragt worden. Da er wahrheitsgemäss weder
Kontakte zu besagten Gruppen noch irgendwelche Kenntnisse über den
Vorfall mit den Polizisten eingeräumt habe, ihm aber nicht geglaubt worden
sei, sei er mit Schlägen und «Waterboarding» gefoltert worden. Seither
gehe es ihm psychisch nicht gut. Erst am nächsten Morgen habe man ihn
mit der Auflage, sich für eine zweite Befragung bereitzuhalten, gehen las-
sen. Am (...) November 2016 habe er eine Vorladung erhalten, gemäss
welcher er am Nachmittag beziehungsweise am (...) November 2016 beim
Polizeiposten in G._ zu erscheinen habe. Am Tag davor habe er
sich nach Colombo abgesetzt, weil er keine Schläge und Misshandlungen
mehr habe ertragen wollen. Am (...) Dezember 2016 habe er Sri Lanka auf
dem Luftweg legal und kontrolliert mit seinem eigenen, echten Reisepass
verlassen. Via H._ sei er nach I._ gereist und sodann auf
dem Landweg via ihm unbekannte Länder am 11. Dezember 2016 illegal
in die Schweiz gelangt. Dabei habe er zwar Grenzkontrollen erlebt, jedoch
sei er nie persönlich kontrolliert worden; der ihn begleitende Mann habe
alle Formalitäten erledigt. Auch die Tatsache, dass er aufgrund seines Ge-
fängnisaufenthalts in Sri Lanka keine Frau finden und man ihm kaum Arbeit
geben würde, habe zum Ausreiseentschluss beigetragen. Nach seiner
Ausreise sei seine Tante seinetwegen mitgenommen und für einen Tag
festgehalten worden. Über das Schicksal seines Schulfreundes habe er
keine Informationen. In der Schweiz befänden sich bereits seine Schwester
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und seine Mutter. Sein Bruder sei verschollen. In Sri Lanka lebten als Ver-
wandte nur noch seine Tante und eine Grossmutter.
Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer insbesondere seine alte Iden-
titätskarte, eine im Jahre 2008 ausgestellte «family registration card», ver-
schiedene Fotos von Familienangehörigen und Verwandten, Nachbarn und
Bekannten – darunter auch ehemalige LTTE-Angehörige –, Fotos angeb-
lich seiner Schwester als LTTE-Kämpferin sowie eine vom (...) November
2016 datierende Vorladung der Polizei («police message form») zwecks
seiner Befragung zu den Akten. Beweise für seine siebenjährige Inhaftie-
rung könne er nicht vorlegen, da kein Urteil existiere und die Freilassung
«illegal», gegen Bezahlung erfolgt sei. Sein Pass sei beim Schlepper in der
Türkei geblieben und seine aktuelle Identitätskarte hätten CID-Beamte am
(...) November 2016 bei der Suche nach ihm bei ihm zuhause in Gegen-
wart seiner Tante mitgenommen. Für die weiteren Beweismittel wird auf die
Akten verwiesen.
Das SEM zog die Akten der Schwester (N [...]) und der Mutter (N [...]) bei.
Das Asylgesuch der Schwester vom 8. August 2006 entschied das dama-
ligen Bundesamts für Flüchtlinge (BFM) mit Verfügung vom 22. September
2006 mit der Feststellung, dass sie die originäre Flüchtlingseigenschaft
mangels Fluchtgründen (Einreise zwecks [...]) nicht erfülle, sie aber das
Familienasyl unter Feststellung der von ihrem Ehemann abgeleiteten
Flüchtlingseigenschaft erhalte. Das Asylgesuch der Mutter vom 6. Januar
2008 wurde mit unangefochten gebliebener Verfügung des BFM vom 5.
September 2008 unter Verneinung ihrer Flüchtlingseigenschaft abgewie-
sen, weil die Asylvorbringen als nicht glaubhaft erkannt wurden; gleichzei-
tig wurde sie infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges vorläufig
in der Schweiz aufgenommen.
B.
Mit Verfügung vom 1. Oktober 2019 stellte das SEM fest, der Beschwerde-
führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht (Dispositiv Ziff. 1), lehnte des-
sen Asylgesuch ab (Dispositiv Ziff. 2) und ordnete seine Wegweisung aus
der Schweiz (Dispositiv Ziff. 3) sowie deren Vollzug an (Dispositiv Ziff. 4
und 5). Mit dem Entscheid wurden ihm zudem die editionspflichtigen Akten
zugestellt.
C.
Mit Eingabe vom 4. November 2019 erhob der Beschwerdeführer gegen
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diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Darin be-
antragt er deren Aufhebung mit Rückweisung der Sache an die Vorinstanz
zur Ergänzung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung. Eventualiter sei
ihm Asyl zu gewähren unter Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft.
Subeventualiter beantragt er die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. In
prozessualer Hinsicht ersuchte er weiter um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung mit Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses.
D.
Mit Instruktionsverfügung vom 11. November 2019 bestätigte der zustän-
dige Instruktionsrichter die zuvor bereits am 6. November 2019 proviso-
risch verfügte Feststellung des rechtmässigen Aufenthalts des Beschwer-
deführers in der Schweiz während des Verfahrens. Im Weiteren hiess er
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und
verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Mit derselben In-
struktionsverfügung wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehm-
lassung bis zum 2. Dezember 2019 eingeladen.
E.
Mit Vernehmlassung vom 21. November 2019 beantragt das SEM sinnge-
mäss die Abweisung der Beschwerde.
F.
Mit Instruktionsverfügung vom 27. November 2019 wurde die Vernehmlas-
sung dem Beschwerdeführer zur Kenntnis gebracht, unter Einräumung ei-
ner Frist bis zum 12. Dezember 2019 zur Einreichung einer Replik und mit
dem Hinweis, dass bei ungenutzter Frist Verzicht angenommen werde.
Die Frist verstrich ungenutzt.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1
3.1.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.1.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn
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die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für
gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-
chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den
Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen von Asylvorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis; darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.), soweit nicht
in den nachfolgenden Erwägungen noch spezifisch darauf Bezug zu neh-
men ist.
3.2 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
3.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
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der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
4.
4.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids qualifizierte das
SEM die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Verfolgungsvorbrin-
gen einenteils als den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaft-
machung eines Asyl begründenden Sachverhalts und andernteils jenen
von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügend.
Zwar sei nicht gänzlich auszuschliessen, dass sich der Beschwerdeführer
in Sri Lanka in Haft befunden habe. Die angebliche siebeneinhalb Jahre
dauernde Inhaftierung aufgrund des Verdachts der LTTE-Mitgliedschaft er-
scheine jedoch nicht glaubhaft, da viele Angaben hierzu nicht plausibel
seien. Insbesondere sei es in Anbetracht seines persönlichen Profils sehr
unwahrscheinlich, dass die Behörden ein derartiges Interesse an ihm hät-
ten und ihn über einen derart langen Zeitraum wegen Verdachts der LTTE-
Zugehörigkeit hätten festhalten sollen. Gemäss eigenen Angaben sei er
denn auch nie Mitglied oder Unterstützer der LTTE in irgendeiner Form ge-
wesen. Die einzigen konkreten Verbindungen zur LTTE seien einerseits
seine (...) getötete Schwester und andererseits Nachbarn gewesen. Sein
Profil (Zugehörigkeit zu einer Märtyrerfamilie und Kontakte zu LTTE-Mit-
gliedern beim damaligem Aufenthalt im Vanni-Gebiet) sei als schwach ein-
zustufen. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die srilankischen Behörden
seinetwegen derartige Ressourcen über eine derart lange Zeit hätten auf-
wenden sollen. Die Aussage eines auf ihm lastenden LTTE-Verdachts we-
gen der Zugehörigkeit der Schwester bei der LTTE stehe zudem im Wider-
spruch zur andern Aussage, wonach der Grund seiner trotz Registrierung
als Angehöriger einer Märtyrerfamilie erfolgten Festnahme in seiner Ver-
wechslung mit der ihm ähnelnden Schwester durch die Behörden liege.
Wäre es tatsächlich zu dieser Verwechslung gekommen, was an sich
schon unwahrscheinlich sei, hätten die Behörden ihn kaum der Mitglied-
schaft bei der LTTE bezichtigt, weil seine Schwester ebenfalls bei der LTTE
gewesen sei. Auch seine angebliche mehrmalige Aufgabe der Identifizie-
rung von LTTE-Mitgliedern als möglicher Grund für seine lange Festhaltung
ergebe angesichts seines beschriebenen Profils wenig Sinn, da er als
Nichtmitglied nicht über für die srilankischen Behörden wertvolle Informati-
onen betreffend die LTTE verfügt hätte, welche typischerweise ein höher-
rangiges Mitglied hätte liefern können. Die Umstände und Dauer der vor-
gebrachten Haft seien daher unglaubhaft. Weiter sei nicht plausibel, dass
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er nicht rehabilitiert worden seien, da die srilankischen Behörden ihn ge-
mäss eigenen Aussagen der Mitgliedschaft bei der LTTE verdächtigt hät-
ten. Anstelle der nicht nachvollziehbaren und mithin unglaubhaften langen
Haftdauer und Festhaltungsgründe sei vielmehr davon auszugehen, dass
er längere Zeit vor der Ausreise im Heimatdorf wohnhaft gewesen sei.
Diese Einschätzung werde durch die mehrfach widersprüchlichen Angaben
in der BzP und in der Anhörung betreffend den Freilassungszeitpunkt, den
(...)zeitpunkt, die Arbeitstätigkeiten und die betreffende Ereignischronolo-
gie zwischen August und Oktober 2016 untermauert. Eine aktuelle Verfol-
gung durch die srilankischen Behörden aufgrund seines Profils müsse da-
her mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als unglaubhaft eingestuft wer-
den. Seine vorgebrachte Festnahme und Folterung durch CID-Beamte im
Zusammenhang mit einem Angriff auf Polizisten und die angeblichen Be-
fürchtungen im Zusammenhang mit der Nichtbefolgung eines zweiten Be-
fragungstermins seien im Weiteren wenig substantiiert, ferner unplausibel
sowie widersprüchlich, weshalb erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt
dieser Schilderungen bestünden. Diese ermangelten erlebnisgeprägter
Elemente sowie genügender Substanz. Auch seine erklärten Absichten,
Reaktionen und Vorgehensweisen nach dem angeblichen, von Folter be-
gleiteten Verhör und ab der zweiten Vorladung seien weder plausibel noch
nachvollziehbar noch substanziiert. Zudem erscheine es realitätsfremd,
dass er sich in der Woche nach der Freilassung nicht zwecks Auslotung
von Handlungsoptionen bei seinem ehemaligen Schulkameraden nach
dessen Verbleib und nach Informationen erkundigt habe. Ausserdem habe
er sich widersprüchlich zum Schicksal der am 23. Oktober 2016 angegrif-
fenen zwei Polizisten geäussert. Weiter wirkten seine Aussagen bezüglich
seiner Treffen mit dem Schulkameraden konstruiert und betreffend die
Gründe des Treffens und des nachfolgenden Ladenbesuchs ungereimt.
Die Unstimmigkeiten habe er auf Vorhalt hin nicht zu klären vermocht. Die
eingereichte schriftliche Vorladung vermöge die Zweifel am Wahrheitsge-
halt dieser Vorbringen nicht zu zerstreuen, denn das Dokument weise kei-
nerlei Sicherheitsmerkmale auf und sei dementsprechend leicht zu fäl-
schen, weshalb der Beweiswert eingeschränkt sei. Insgesamt seien somit
die Vorbringen betreffend die langjährige Haft und die Verfolgung durch das
CID aufgrund des Mangels an Substanziiertheit und Plausibilität sowie des
Vorliegens von Widersprüchen nicht glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG.
Von der Abhandlung weiterer Ungereimtheiten und der Prüfung der Asylre-
levanz dieser Vorbringen könne abgesehen werden.
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Eine bei der Rückkehr nach Sri Lanka allfällig dennoch bestehende und
anhand der Risikofaktoren gemäss dem Referenzurteil des Bundesverwal-
tungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 zu prüfende begründete
Furcht vor künftigen Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG
sei sodann im Falle des Beschwerdeführers zu verneinen. Rückkehrer, die
illegal ausgereist seien, über keine gültigen Identitätsdokumente verfügten,
im Ausland ein Asylverfahren durchlaufen hätten oder behördlich gesucht
würden, würden am Flughafen zu ihrem Hintergrund befragt. Diese Befra-
gung allein und das allfällige Eröffnen eines Strafverfahrens wegen illega-
ler Ausreise stellten keine asylrelevante Verfolgungsmassnahme dar. Dies
gelte auch für Befragungen und Kontrollmassnahmen am Herkunftsort.
Zwar sei nicht auszuschliessen, dass sich der Beschwerdeführer in Sri
Lanka zu einem bestimmten Zeitpunkt in Haft befunden habe. Aufgrund
seiner unglaubhaften Angaben zu seiner Verfolgungssituation seien die
Gründe für eine mögliche Inhaftierung jedoch nicht feststellbar. Eine Inhaf-
tierung – auch eine langjährige – ohne anschliessende Verfolgungshand-
lungen entfalte noch keine Asylrelevanz. Es sei vorliegend davon auszu-
gehen, dass er nach Kriegsende bis Ende 2016 in seiner Heimatregion in
Sri Lanka wohnhaft gewesen sei. Aufgrund der Aktenlage sei nicht ersicht-
lich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus
der Behörden geraten sollte. Somit bestehe kein begründeter Anlass zur
Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungs-
massnahmen ausgesetzt würde.
Die gesetzliche Regelfolge der Ablehnung des Asylgesuchs sei die Weg-
weisung aus der Schweiz. Deren Vollzug in den Heimatstaat sei mangels
Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft unter dem Aspekt von Art. 5 Abs. 1
AsylG und Art. 33 FK, mangels Anhaltspunkten für die beachtliche Wahr-
scheinlichkeit der Gewärtigung einer nach Art. 3 EMRK verbotenen Strafe
oder Behandlung und unter Berücksichtigung der EGMR-Rechtsprechung
völkerrechtlich zulässig. Die allgemeine Menschenrechtslage in Sri Lanka
bewirke keine generelle Unzulässigkeit. Der Wegweisungsvollzug sei fer-
ner mangels gegenteiliger Anhaltspunkte allgemein und individuell zumut-
bar. Der aus Jaffna stammende Beschwerdeführer habe unter Berücksich-
tigung seiner oben erkannten unglaubhaften Aussagen vor der Ausreise
über längere Zeit in der Nord- beziehungsweise Ostprovinz gelebt. Ein Voll-
zug der Wegweisung dorthin sei gemäss dem Referenzurteil E-1866/2015
grundsätzlich und bei Erfüllung der individuellen Kriterien zumutbar. Er ver-
füge in seinem Heimatdorf B._ über eine eigene Bleibe mit kleinem
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Grundstück. Nebenan wohne seine Tante, auf deren Unterstützung er zäh-
len könne, und zudem seien seine Onkel für seine Ausreise aufgekommen.
Es sollte ihm daher nach einer Anpassungszeit grundsätzlich möglich sein,
finanziell auf eigenen Beinen zu stehen, zumal er über Berufserfahrungen
in verschiedenen Bereichen verfüge. Insgesamt sei daher nicht davon aus-
zugehen, er würde in eine existenzbedrohende Lage geraten. Der Vollzug
der Wegweisung sei im Übrigen technisch möglich und praktisch durch-
führbar.
4.2 In seiner Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer geltend,
das SEM übergehe bei seiner Gesamtwürdigung der Unglaubhaftigkeit der
langjährigen Inhaftierung wegen Verdachts auf Mitgliedschaft bei den LTTE
die einzelnen Vorbringen und es widerspreche sich, wenn es zwar eine
Inhaftierung nicht gänzlich ausschliesse, die konkret vorgebrachte Haft
aber gleichwohl in Abrede stelle. Es gelte zu bemerken, dass er die Haft-
dauer übereinstimmend angegeben und unter anderem Angaben zu Mit-
gefangenen, zu verschiedenen Inhaftierungsorten, zum normalen Tages-
ablauf, zu seiner zwangsweisen Einsetzung zwecks Identifikation von
LTTE-Personen, zu seiner Freilassung sowie zu seinen durch die Miss-
handlungen geschundenen und vernarbten (...) gemacht habe. Konkreti-
sierende Nachfragen hierzu seien unterblieben. Dadurch habe das SEM
den Untersuchungsgrundsatz verletzt, den Sachverhalt unzureichend er-
fasst und ihm die Glaubhaftmachung der Flüchtlingseigenschaft zu Un-
recht abgesprochen. Weiter treffe es nicht zu, dass er ein zu geringes Profil
für eine Verfolgung aufweisen würde. Mit der Schwester in einer Kampfein-
heit zähle er zu einer LTTE-Familie und er selber habe während des Bür-
gerkrieges in LTTE-kontrolliertem Gebiet gelebt, wo zwangsläufig Unter-
stützung eingefordert worden sei. Im Bekanntenkreis habe er Kontakte zu
ehemaligen LTTE-Mitgliedern gepflegt – so zum Nachbar – und er sei sel-
ber der LTTE-Zugehörigkeit verdächtigt worden, worauf auch vorgelegte
Beweismittel hindeuteten. Hinzu kämen Aussagen von Dritten, die ihn be-
lasteten. Aufgrund all dieser Umstände sei nicht auszuschliessen, dass die
Behörden bei ihm von einer LTTE-Mitgliedschaft ausgegangen seien und
ihn deswegen über sieben Jahre gefangen gehalten hätten. Das SEM
stütze sich sodann bei der Erkennung von Widersprüchen zu Unrecht auf
zeitliche Angaben bei der BzP ab, obwohl er in der Anhörung (dort F59 f.)
darauf hingewiesen habe, dass er bei der BzP «abgeklemmt» worden sei.
Zudem habe er im Rahmen der Anhörung konkrete Angaben zu den Vor-
fällen im Oktober 2016 wie auch ergänzende zeitliche Angaben gemacht,
die in sich stimmig und nachvollziehbar seien. Von entscheidender Bedeu-
tung seien zudem seine Schlag- und Folterspuren an den (...), welche mit
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seinen Vorbringen übereinstimmten und diese ausreichend glaubhaft
machten beziehungsweise nachweisen würden. Auch diesbezüglich hätte
das SEM vor einer Unglaubhaftigkeitserkenntnis ergänzende Sachver-
haltsabklärungen vornehmen müssen. Die Sache sei daher zwecks Nach-
holung unterlassener Untersuchungshandlungen, zur Vervollständigung
des Sachverhalts und zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen, andernfalls er direkt als Flüchtling anzuerkennen und ihm Asyl
zu gewähren sei. Auch die vorinstanzlich erkannte Unglaubhaftigkeit seiner
Befragung durch das CID und seiner Vorladung zu einem zweiten Befra-
gungstermin sei nicht gerechtfertigt. In seinen Ausführungen habe er in
Übereinstimmung mit recherchierbaren Fakten und Berichten angegeben,
dass er im Zuge der (sich am 23. Oktober 2016 ereigneten) Verletzung
zweier Polizisten zur Befragung vorgeladen, dabei zur Hawa-Gruppe be-
fragt sowie mittels «Waterboarding» und Schlägen gefoltert worden sei.
Trotz Freilassung am folgenden Tag habe seine Tante danach eine Vorla-
dung zu seiner erneuten Befragung erhalten und ihn benachrichtigt. Die
Vorladung habe er als Beweismittel ins Recht gelegt. Plausibel sei ebenso,
dass er zur «Hawa-Gruppe bzw. recte zur Aava Gang» befragt worden sei,
nachfolgend um sein Leben habe fürchten müssen und sich daher zur
Flucht entschlossen habe, zumal die Messlatte bereits bei der ersten Be-
fragung EMRK-widrig angelegt worden sei. Da der Fall bis heute nicht ge-
klärt sei, dürfte auch sein Verfolgungsrisiko nach wie vor aktuell sein. Allein
schon diese menschenrechtswidrige spezialpolizeiliche Befragung verbun-
den mit Folter stelle einen asylrelevanten staatlichen Übergriff dar, der zu
seiner Anerkennung als Flüchtling und zur Gewährung von Asyl führen
sollte.
Sodann wendet sich der Beschwerdeführer gegen die vorinstanzliche Ver-
neinung von in seiner Person bestehenden Risikofaktoren bei einer Rück-
kehr. Aufgrund obiger Ausführungen sowie seiner Zugehörigkeit zu einer
Märtyrerfamilie und des klaren Verdachts der Behörden auf Zugehörigkeit
zur LTTE ergebe sich eine erhebliche Gefahr ernsthafter Benachteiligung,
die sich nicht in einer blossen Rückkehrkontrolle, sondern in neuer Verfol-
gung niederschlagen würde. Indem das SEM die Vorbringen als unsub-
stanziiert würdige, lege es einen falschen Massstab für die Glaubhaftma-
chung nach Art. 7 AsylG an. Der Sachverhalt sei auch hierbei nur mangel-
haft erfasst und die Sache müsse entsprechend an die Vorinstanz zurück-
gewiesen werden, sollte nicht direkt das Asyl gewährt werden können.
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Schliesslich hält der Beschwerdeführer der vorinstanzlich erkannten und
insbesondere auf die Urteile E-1866/2015 und BVGE 2011/24 abgestütz-
ten Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges entgegen, dass er gemäss
seinen vorstehenden Ausführungen durchaus in mehrfacher Hinsicht ein
Risikoprofil aufweise, welches zumindest bei der Zumutbarkeitsfrage be-
rücksichtigt werden müsse. In der Nordprovinz sei die Armeepräsenz noch
ausserordentlich stark und der geringste Verdacht reiche aus, um von den
Sicherheitskräften festgenommen zu werden. Da nach wie vor der Preven-
tion of Terrorism Act (PTA) angewandt werde, wäre er im Fall einer Verhaf-
tung weitgehend schutzlos und behördlicher Willkür und Folter ausgesetzt.
Weiter sei zu berücksichtigen, dass im Jaffna-Distrikt nur noch seine Tante
lebe, wogegen alle nahen Verwandten (Mutter und Schwester) aus Sri
Lanka ausgereist seien. Ihm fehle daher dort ein sozialer Rückhalt. Eine
innerstaatliche Alternative stehe ihm nicht offen, zumal er aufgrund seiner
zwei längeren Verhaftungen aktenkundig vermerkt sein müsse. Weiter sei
die generelle Menschenrechtslage in Sri Lanka gemäss Berichten unver-
ändert schlecht und die Unterdrückung der tamilischen Minderheit halte an.
Die Notstandgesetze seien weiterhin in Kraft und staatliche Gewalt bleibe
ungesühnt. Der Stillstand bei der Aussöhnung wie auch die Weitergeltung
des PTA machten eine Rückkehr generell unzumutbar. Die auf Urteile des
Bundesverwaltungsgerichts abgestützte Länder-Einschätzung des SEM
überzeuge angesichts dessen sowie unter Berücksichtigung von Länder-
berichten von Amnesty International, von UK Home Office und der SFH
betreffend insbesondere die menschenrechtswidrige Behandlung von
LTTE-Verdächtigen und den stockenden Aufarbeitungsprozess zu staatli-
chen Kriegsverbrechen gegenüber den Tamilen nicht. Ihm sei eine Rück-
kehr nicht zumutbar. Er habe somit zumindest Anspruch auf Gewährung
der vorläufigen Aufnahme.
Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer einen Bericht des J._
vom 18. November 2016 betreffend die Ereignisse um die erwähnte Tötung
zweier Studenten vom Oktober 2016 zu den Akten.
4.3 In seiner Vernehmlassung hält das SEM an seinen Standpunkten und
Erwägungen fest, zumal es keine neuen erheblichen Argumente oder Tat-
sachen erkenne. Den Vorwurf einer widersprüchlichen Argumentation da-
hingehend, dass es einerseits die Vorbringen als unglaubhaft einstufe und
andererseits eine Inhaftierung dennoch nicht ausschliesse, weist es unter
Hinweis auf seine Verfügung zurück, denn dort würden die Gründe der an-
geblichen Inhaftierung in Verbindung mit der langen Haftdauer als unglaub-
haft erachtet, nicht aber eine allfällige kürzere Inhaftierung aus anderen
E-5794/2019
Seite 14
Gründen. Zudem weise wie erwähnt auch eine langjährige Inhaftierung
ohne anschliessende Verfolgungshandlungen noch keine Asylrelevanz
auf. Der J._-Bericht ändere ebenfalls nichts an der erkannten Un-
glaubhaftigkeit der behaupteten Verfolgung durch das CID, denn er weise
keinerlei konkreten Bezug zum Beschwerdeführer auf; zudem habe das
SEM nicht die Glaubhaftigkeit des im Bericht aufgeführten Vorfalls und des-
sen Konsequenzen an sich in Abrede gestellt, sondern vielmehr beurteilt,
inwiefern die vorgebrachten Verfolgungsmassnahmen durch das CID ge-
gen den Beschwerdeführer im Kontext dieses Vorfalls als glaubhaft einzu-
schätzen seien.
5.
5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen, was sich entsprechend
in einer sachgerecht anfechtbaren Entscheidbegründung niederzuschla-
gen hat (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29, Art. 32 Abs. 1 und Art. 35 Abs. 1
VwVG). Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Partei-
standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Der Anspruch auf recht-
liches Gehör beschlägt nur die Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts, nicht aber dessen rechtliche Würdigung. Die unrichtige oder unvoll-
ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts bildet einen Be-
schwerdegrund und dem Bundesverwaltungsgericht obliegt gemäss
Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG eine
umfassende Sachverhaltskontrolle. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststel-
lung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zu-
grunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollstän-
dig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachum-
stände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungs-
verfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013,
Rz. 1043). Ermittelt das Bundesverwaltungsgericht eine fehler- oder lü-
ckenhafte Feststellung des Sachverhalts, hebt es die Verfügung auf und
weist die Sache an die Vorinstanz zurück, damit diese den rechtserhebli-
chen Sachverhalt neu und vollständig feststellt (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEU-
BÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013,
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Rz. 2.191; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1155). Der Untersuchungs-
grundsatz gehört sodann zu den allgemeinen Grundsätzen des Verwal-
tungs- beziehungsweise Asylverfahrens (Art. 12 VwVG). Demnach hat die
Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-
digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-
klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Gemäss Art. 33
Abs. 1 VwVG nimmt sie ferner die ihr angebotenen Beweise ab, wenn
diese zur Abklärung des Sachverhalts tauglich erscheinen.
5.2 Die in der Beschwerde in diesen Themenzusammenhängen erhobe-
nen formelle Rügen haben eine potenzielle Eignung, eine Kassation der
vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken, weshalb sie vorab zu beurteilen
sind (vgl. BGE 142 II 218 E. 2.8.1).
5.2.1 Den Rückweisungsantrag zwecks Vervollständigung des Sachver-
halts und Neubeurteilung der Sache stützt der Beschwerdeführer haupt-
sächlich auf die Rüge, dass das SEM Abklärungen und insbesondere kon-
kretisierende Nachfragen zu den von ihm vorgebrachten Misshandlungs-
spuren (Folterspuren am Körper, insb. geschundene und vernarbte [...])
unterlassen, dadurch den Untersuchungsgrundsatz verletzt und den Sach-
verhalt unzureichend festgestellt habe. Das SEM hätte nach seiner Auffas-
sung vor einer Unglaubhaftigkeitserkenntnis ergänzende Sachverhaltsab-
klärungen vornehmen müssen, zumal angesichts seines Profils (Zugehö-
rigkeit zu einer Märtyrerfamilie, Kontakte zu LTTE-Mitgliedern beim dama-
ligem Aufenthalt im Vanni-Gebiet, Verdacht der Behörden auf eigene Zu-
gehörigkeit zur LTTE), das im Falle seiner Rückkehr nach Sri Lanka ein
gefährdungsbegründendes Potenzial aufweise.
5.2.2 Diese Rügen sind aus den vom Beschwerdeführer genannten, aber
auch aus weiteren Gründen berechtigt:
Der Beschwerdeführer hat unbestrittenermassen in der BzP und in der An-
hörung Inhaftierungen und Folterungen durch die Behörden geltend ge-
macht. Diese geltend gemachten Inhaftierungen werden vom SEM aus ver-
schiedenen Gründen als unglaubhaft erkannt. Wenngleich nicht ausdrück-
lich, aber zumindest implizit erachtet das SEM somit auch die dabei an-
geblich erlittenen Folterungen und Misshandlungen als unglaubhaft. Bei
dieser Ausgangslage kommt der Frage der Glaubhaftigkeit der geltend ge-
machten Folterungen und Misshandlungen rechtsrelevante Bedeutung zu.
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Es stellt sich in sachverhaltlicher Hinsicht zum einen die Frage, ob der Be-
schwerdeführer wie von ihm behauptet überhaupt solche erlitten hat (und
entsprechende Verletzungsbilder aufweist), und zum andern in welchem
Zusammenhang er diese erlitten hat. Die Schilderung seiner behauptungs-
gemäss erlittenen körperlichen Beeinträchtigungen erwähnt der Beschwer-
deführer in der BzP erst in allgemeiner Form (vgl. Protokoll BzP [Akte A7]
Ziff. 7.01, 7.02 und 8.02). In der Anhörung (Akte A14) konkretisiert er diese
jedoch: Insbesondere nennt er in F71 eine von einem Gewehrkolben stam-
mende Narbe am (...), in F80 ausgerissene (...), in F94, F100, F168 und
F186 mehrere ausgeschlagene (...), in F94-96 Narben und weitere Verlet-
zungsspuren von Schlägen und von Verbrennungen durch (...) sowie in
F97 und F186 dauerhafte innere (...)schmerzen durch (u.a.) Stiefeltritte.
Der Beschwerdeführer beanstandet zurecht das Unterlassen von Nachfra-
gen hierzu durch das SEM. Auch sind die Verletzungen nicht dokumentiert.
Es wäre Teil der Abklärungs-, Untersuchungs- und Beweiserhebungspflicht
des SEM gewesen, diese Verletzungen in Form von Fotografien, zumin-
dest Beschreibungen oder mittels Einforderung eines ärztlichen Berichts
aktenkundig zu machen und zu prüfen, ob deren geltend gemachte Ursa-
chen überhaupt mit den Verletzungs- und Krankheitsbildern übereinstim-
men können beziehungsweise ob diese aufgrund des Spurenbilds nicht
anderweitige, nicht rechtserhebliche Ursachen haben. Beachtenswert ist
vorliegend aber nicht nur eine Missachtung der erwähnten behördlichen
Verfahrenspflichten, sondern ein eigentliches Desinteresse des SEM an ei-
ner diesbezüglichen Sachverhaltsabklärung und –feststellung. Dieses
Desinteresse manifestiert sich beispielsweise in der Weigerung des SEM,
vom Beschwerdeführer ausdrücklich anerbotene Beweise für diese Vor-
bringen abzunehmen, so insbesondere indem das SEM dem Beschwerde-
führer die von diesem anerbotene Präsentation seiner (behauptungsweise)
verschiedenartigen Spuren von (...)- und (...)verletzungen ausschlug (vgl.
F80 und F94-96). In der angefochtenen Verfügung finden die Verletzungs-
spuren und insbesondere Narben im Sachverhaltsteil denn auch keine ex-
plizite Erwähnung und sie bleiben ebenso in der Würdigung des Sachver-
halts – sei es bei der Beurteilung unter dem Aspekt von Art. 3 und 7 AsylG
oder bei der Prüfung des Bestehens allfälliger Wegweisungsvollzugshin-
dernisse – unerwähnt. Angesichts der potenziellen Relevanz dieser aner-
botenen Beweise für die nähere Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Verfol-
gungsvorbringen sowie deren flüchtlingsrechtlicher und vollzugsrechtlicher
Bedeutsamkeit – im Besonderen für die Gesamtbeurteilung des gemäss
dem Referenzurteil E-1866/2015 zu prüfenden Risikoprofils (vgl. dort insb.
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E. 8.4.5 und 8.5.5) – ist dieses Vorgehen nicht nachvollziehbar. Die Ver-
nehmlassung des SEM äussert sich zu den in der Beschwerde in diesem
Zusammenhang deponierten Beanstandungen ebenfalls nicht.
5.3 Da nach dem Gesagten nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen
Sachumstände abgeklärt und berücksichtigt wurden und mithin eine lü-
ckenhafte Feststellung des Sachverhalts vorliegt, ist die angefochtene Ver-
fügung aufzuheben und die Sache zur vollständigen Sachverhaltsabklä-
rung und –feststellung sowie zur Neubeurteilung an das SEM zurückzu-
weisen. Die Beschwerde ist insoweit gutzuheissen.
Eine (praxisgemäss nur unter restriktiven Voraussetzungen mögliche) Hei-
lung der erkannten Verfahrensmängel aus prozessökonomischen Gründen
auf Beschwerdeebene fällt vorliegend im Übrigen schon deshalb nicht in
Betracht, weil die Sachverhaltsabklärung und -feststellung Sache der Vor-
instanz ist und dem Beschwerdeführer im Falle eines für ihn ungünstigen
Ergebnisses von weiteren Abklärungen oder einer fehlerhaften vervollstän-
digenden Sachverhaltsfeststellung durch das letztinstanzlich entschei-
dende Bundesverwaltungsgericht der Rechtsweg abgeschnitten würde.
6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht verletzt sowie den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig,
insbesondere unvollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die ange-
fochtene Verfügung ist daher aufzuheben und die Beschwerde ist entspre-
chend im Kassationsantrag gutzuheissen. Die Sache ist zur vollständigen
und richtigen Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts sowie zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen. Auf die wei-
teren Rügen und den weiteren Beschwerdeinhalt ist einstweilen nicht wei-
ter einzugehen.
7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die mit Zwischenverfügung vom 11. November
2019 gewährte unentgeltliche Prozessführung wird damit gegenstandslos.
7.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens
in den Hauptanträgen (Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Ergänzung des Sachver-
halts und zur Neubeurteilung) in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7
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Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2)
eine Entschädigung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikos-
ten zuzusprechen.
Es wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb die notwendigen Partei-
kosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine
VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren
(Art. 9–13 VGKE) ist dem Beschwerdeführer zulasten der Vorinstanz eine
Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1'200.– zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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