Decision ID: d3142a14-83e5-4e20-9a12-71861cdae7ec
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der aus Jaffna stammende Beschwerdeführer verliess seinen Heimat-
staat eigenen Angaben zufolge am (...). Mai 2016 und gelangte auf dem
Luftweg von B._ via C._ in D._. Von dort sei er via
E._ am 20. Mai 2016 in die Schweiz gereist. Am 22. Mai 2016 stellte
er in der Schweiz ein Asylgesuch. Am 26. Mai 2016 fand die Befragung zur
Person (BzP) und am 19. März 2018 die einlässliche Anhörung zu den
Asylgründen in einer reinen Männerrunde statt.
A.b Dabei gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, er sei am (...) 2003 den
Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) beigetreten; zunächst sei es ihm
nur darum gegangen, Geld zu verdienen, später sei er unter Druck Mitglied
geworden. Er habe neu rekrutierte LTTE-Mitglieder von Jaffna nach
F._ transportiert und (...)arbeiten erledigt. Im Februar 2004 habe er
während eineinhalb Jahren ein Basistraining und in der Folge eine sechs-
monatige Spezialausbildung inklusive Waffentraining sowie weitere Ausbil-
dungen absolviert. Er habe hierfür ein Zeugnis erhalten. Sodann sei er in
der (...)abteilung tätig gewesen. Im Jahr 2006 sei er nach G._ ent-
sendet worden, habe dem Befehl aber keine Folge geleistet, weil er be-
fürchtet habe, dort verraten zu werden. Er habe sich stattdessen zu seiner
Tante in H._ begeben und sei danach in I._ im Vanni-Gebiet
untergetaucht. Aus diesem Grund sei er von den LTTE gesucht und seine
Schwester sei bedroht worden. Um weiteren Problemen zu entgehen habe
er sich verheiratet. Als es aber im Sommer 2007 in I._ zu Zwangs-
rekrutierungen der LTTE gekommen sei, sei er mit seiner Ehefrau nach
J._ und von dort nach F._ umgezogen, wo er bis zum dorti-
gen Kriegsausbruch im Jahr 2009 für die Nichtregierungsorganisation
K._ gearbeitet habe. Nach kurzer Flucht habe er sich gemeinsam
mit seiner Frau und anderen Zivilisten am (...). Mai 2009 der Armee erge-
ben. Er sei dann aufgrund einer Splitterverletzung (...) nach L._ ge-
bracht worden, wo sich auch Vertreter der Vereinten Nationen (UN) sowie
des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) aufgehalten hätten.
Er habe sich dort als ehemaliges LTTE-
Mitglied zu erkennen gegeben. Er sei festgenommen worden, während
seine Frau in ein Flüchtlingslager verbracht worden sei. Nach der Behand-
lung seiner Splitterverletzung im Spital in M._ habe er (...) Monate
im Camp in N._ verbracht. Dort sei es für ihn die Hölle gewesen;
Angehörige verschiedener Behörden hätten ihn befragt und er sei dabei
gefoltert sowie sexuell belästigt worden. Er leide seither unter starken
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Schmerzen sowie unter Schlafstörungen. In der Folge sei er in verschie-
dene Camps und Gefängnisse verbracht und schliesslich am (...) 2011 mit
einer ihm auferlegten Unterschriftenleistungspflicht entlassen worden.
Nach seiner abgeschlossenen Rehabilitation habe er an verschiedenen
Wohnorten sowie auf dem Arbeitsweg unter ständiger Beobachtung des
Criminal Investigation Department (CID) gestanden und sei schikaniert
worden. Er habe deshalb jeweils seinen Wohnort sowie dann auch seine
Arbeitsstelle gewechselt und sich schliesslich im Jahr 2012 zur Ausreise
nach O._ entschlossen. Wegen einer Erkrankung sei er indessen
bereits ein Jahr später wieder nach Sri Lanka zurückgekehrt. Er sei aber
auch bei seiner folgenden Arbeitstätigkeit (...) durch das CID regelmässig
beobachtet und befragt worden. Als er am (...). November 2013 auf der
Strasse von mehreren Polizisten kontrolliert und geschlagen worden sei,
habe ein Bekannter von ihm ein Treffen mit einem Politiker und zwei Jour-
nalisten organisiert. Einer der Journalisten habe in einer Zeitung über die-
sen Vorfall berichtet, ohne aber seinen Namen zu nennen. Um
weiteren Behelligungen zu entgehen, habe er ab Januar 2014 eine neue
Arbeitsstelle als (...) angetreten.
Ab (...) 2016 seien nach einem Sprengstofffund mehrere ehemalige hoch-
rangige Mitglieder der LTTE festgenommen worden. Aus diesem Grund
habe er am (...) 2016 den vormaligen LTTE-Kommandanten P._
kontaktiert, den er ungefähr zehn Jahren zuvor in einem Ausbildungszent-
rum kennengelernt und nach dessen Entlassung aus der Rehabilitation im
Jahr 2013 bereits einmal besucht gehabt habe. Nachdem P._ am
folgenden Tag ebenfalls festgenommen worden sei, habe die Terrorism
Investigation Division (TID) auch nach ihm gesucht. Glücklicherweise habe
er sich zu dieser Zeit aber in Q._ aufgehalten und sich danach bei
einer entfernten Cousine versteckt. Er habe seiner Frau aufgetragen, das
Haus zu verlassen und seinen Arbeitgeber über seine Abwesenheit infor-
mieren lassen. Sein Handy habe er seither nicht mehr benutzt. An den da-
rauf-
folgenden Tagen sei er zudem bei seinen Eltern und bei seiner Schwieger-
mutter gesucht worden, was ihn zur Organisation seiner Ausreise mit Hilfe
eines Schleppers bewogen habe.
A.c Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer verschiedene Unterlagen
zu den Akten, unter anderem seine originale Identitätskarte samt Überset-
zung sowie seine Rehabilitation betreffende Dokumente.
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Seite 4
B.
Mit Verfügung vom 24. April 2020 – eröffnet am 27. April 2020 – lehnte das
SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 22. Mai 2016 ab und
ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegwei-
sung an.
C.
Der Beschwerdeführer liess mit Schreiben vom 6. Mai 2020 um vollum-
fängliche Akteneinsicht beim SEM ersuchen, die ihm am 11. Mai 2020 ge-
währt wurde.
D.
Gegen die Verfügung des SEM vom 24. April 2020 liess der Beschwerde-
führer mit Eingabe vom 27. Mai 2020 beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde erheben und beantragen, es sei die angefochtene Verfügung
aufzuheben wegen Verletzung des Anspruchs auf das rechtliche Gehör,
eventuell wegen Verletzung der Begründungspflicht, und die Sache an die
Vorinstanz zurückzuweisen; eventuell sei die Verfügung aufzuheben und
die Sache zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserhebli-
chen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen; eventuell sei die Verfügung aufzuheben und die Flüchtlingseigen-
schaft festzustellen sowie ihm Asyl zu gewähren; eventuell die Unzulässig-
keit oder zumindest die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs fest-
zustellen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess der Beschwerdeführer um
Bekanntgabe des Spruchkörpers sowie um Erteilung der Auskunft ersu-
chen, ob der Spruchkörper nach dem Zufallsprinzip ausgewählt worden
sei. Gegebenenfalls sei bekannt zu geben, nach welchen Kriterien der
Spruchkörper im konkreten Einzelfall ausgewählt worden sei. Es sei ihm
ausserdem Einsicht in die Datei der Software des Gerichts zu gewähren,
mit welchen die Auswahl des Spruchkörpers nach Eingang der Be-
schwerde kreiert worden sei, und ihm bekannt zu geben, wer diese Aus-
wahl getroffen habe.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 10. Juni 2020 teilte die vormalige Instruktions-
richterin dem Beschwerdeführer die Zusammensetzung des Spruch-
körpers mit und forderte ihn zur Leistung eines Kostenvorschusses auf.
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F.
Der Beschwerdeführer leistete den verlangten Kostenvorschuss frist-
gerecht. In einer Eingabe vom 25. Juni 2020 liess er den Umgang der In-
struktionsrichterin mit seinem Antrag betreffend die Zufälligkeit der Spruch-
körperzusammensetzung kritisieren und die Frage in den Raum stellen, ob
diese (und die zuständige Gerichtsschreiberin) in der Lage seien, sein Ver-
fahren unbefangen zu behandeln. Zur Untermauerung seiner Asylvorbrin-
gen liess der Beschwerdeführer mehrere Fotografien (betreffend sein exil-
politisches Engagement, seine Kriegsnarbe sowie eine Hausdurchsuchung
durch die sri-lankischen Behörden) ins Recht legen.
G.
Mit Instruktionsverfügung vom 1. Juli 2020 bestätigte die Instruktionsrich-
terin die fristgerechte Leistung des Kostenvorschusses und forderte den
Beschwerdeführer dazu auf, innert Frist bekannt zu geben, ob er mit seiner
Eingabe vom 25. Juni 2020 ein Ausstandsbegehren gestellt habe. Bei un-
genutzter Frist werde Verzicht angenommen und das Beschwerdeverfah-
ren fortgeführt.
H.
Der Beschwerdeführer liess das Gericht mit Schreiben vom 2. Juli 2020 um
Mitteilung ersuchen, ob die Zwischenverfügung vom 10. Juni 2020 in Wie-
dererwägung gezogen werde.
Mit einer weiteren Eingabe vom 16. Juli 2020 liess der Beschwerdeführer
unter anderem mitteilen, dass er darauf verzichte, ein Ausstandsbegehren
zu stellen.
I.
Mit Instruktionsverfügung vom 17. August 2020 nahm die Instruktionsrich-
terin zur Kenntnis, dass kein Ausstandsbegehren gestellt wurde und lud
das SEM dazu ein, sich zur Beschwerde vernehmen zu lassen.
J.
In seiner Vernehmlassung vom 28. August 2020 kam das SEM zum
Schluss, dass die Beschwerdeschrift keine neuen erheblichen Tatsachen
oder Beweismittel enthalte, die eine Änderung seines Standpunktes recht-
fertigen könne.
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Seite 6
K.
Der Beschwerdeführer machte in seiner Eingabe vom 17. September 2020
Gebrauch von seinem (ihm am 2. September 2020 durch die Instruktions-
richterin eingeräumten) Replikrecht und äusserte sich insbesondere zum
Gang des Instruktionsverfahrens.
L.
In der Eingabe vom 12. März 2021 liess der Beschwerdeführer auf Behel-
ligungen seiner Mutter durch Polizisten hinweisen, die sie nach ihm befragt
hätten. Von diesem Vorfall existiere eine Videoaufnahme, die baldmög-
lichst nachgereicht werde. Zum aktuellen Zeitpunkt könne erst eine engli-
sche Übersetzung der Abschrift der gesprochenen Inhalte des Videos ein-
gereicht werden. Sollten Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Behelligungen
bestehen, sei eine Botschaftsabklärung durchzuführen. Zur Untermaue-
rung seiner Vorbringen legte er weitere Beweismittel ins Recht, darunter
Kopien von Akten des Gerichtsverfahrens eines Freundes sowie Medien-
berichte betreffend die Rolle von rehabilitierten ehemaligen LTTE-
Kämpfern sowie deren Verhaftungen. Mit der Eingabe wurde eine CD-ROM
mit Länderberichten und weiteren länderspezifischen Informationen zu den
Akten gereicht. Der Rechtsvertreter stellte den Antrag, er sei vor dem Ab-
schluss zur Einreichung einer Kostennote aufzufordern.
Am 17. März 2021 reichte der Beschwerdeführer das angekündigte Video
der Hausdurchsuchung bei seiner Mutter zu den Akten. Er erneuerte sei-
nen Antrag auf Durchführung einer Botschaftsabklärung, sollte das Gericht
von der Glaubhaftigkeit dieser Behelligungen nicht überzeugt sein.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen vom 25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt.108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Dem Beschwerdeführer wurde mit Zwischenverfügung vom 10. Juni
2020 antragsgemäss der Spruchkörper gekannt gegeben, dies ausdrück-
lich unter Vorbehalt allfälliger Wechsel bei Abwesenheiten. Weil sowohl die
damalige Instruktionsrichterin als auch der designierte Zweitrichter das
Bundesverwaltungsgericht seither verlassen haben, mussten diese Perso-
nen im Spruchkörper nachträglich ersetzt werden.
3.2 Zu den weiteren Anträgen des Beschwerdeführers in Bezug auf die
Spruchkörperbildung (vgl. Beschwerde S. 2 und 5 ff.) kann ergänzend
Folgendes festgehalten werden:
3.2.1 Die Richterinnen und Richter des am 10. Juni 2020 kommunizierten
Spruchkörpers wurden durch das EDV-basierte Zuteilungssystem des
Bundesverwaltungsgerichts automatisiert bestimmt. Der Ersatz der beiden
zwischenzeitlich pensionierten Mitglieder des Spruchkörpers wurde auf-
grund objektiver und im Voraus bestimmter Kriterien vorgenommen (vgl.
Art. 31 Abs. 3 VGR). Als objektive Kriterien in diesem Sinn gelten Amts-
sprache, Beschäftigungsgrad, Belastung durch die Mitarbeit in Gerichts-
gremien, Vorbefassung, Kammerzuständigkeit, Austritt, Erweiterung des
Spruchkörpers, Ausstand, enger Sachzusammenhang, Abwesenheit sowie
Ausgleich der Belastungssituation (vgl. zum Ganzen das Grundsatzurteil
D-3946/2020 vom 21. April 2022 E. 4.6, zur Publikation vorgesehen).
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Seite 8
3.2.2 Bei den Dateien der Software, mit welcher das Bundesverwaltungs-
gericht den Spruchkörper bestimmt, handelt es sich praxisgemäss nicht um
dem Akteneinsichtsrecht unterstehende Dokumente (vgl. Grundsatzurteil
D-3946/2020 a.a.O. E. 4.5), weshalb der entsprechende Antrag auf Ein-
sicht in die Software oder entsprechende Auszüge abzuweisen ist.
3.2.3 Für die Zuteilung der Spruchkörper des Bundesverwaltungsgerichts
ist das jeweilige Kammer- beziehungsweise Abteilungspräsidium zuständig
(Art. 25 Abs. 5 Bst. b, Art. 31 und Art. 32 des Geschäftsreglements vom
17. April 2008 für das Bundesverwaltungsgericht [VGR, SR 173.320.1];
vgl. auch Grundsatzurteil D-3946/2020 a.a.O. E. 4.4).
4.
4.1 Das SEM führte zur Begründung seines Asylentscheids im Wesentli-
chen Folgendes aus:
4.1.1 Rehabilitierte Personen würden nach ihrer Entlassung häufig über-
wacht, und die durch den Beschwerdeführer geltend gemachte Unterschrif-
tenleistungspflicht habe keine asylrechtlich relevante Intensität erreicht.
Zudem sei ihm nach seiner Rehabilitation im Jahr 2011 ein Reisepass aus-
gestellt worden, mit dem er im (...) 2012 legal nach O._ und im Jahr
2013 unbehelligt wieder in seinen Heimatstaat habe reisen können. Es sei
folglich nicht von einem ernsthaften Interesse an seiner Person seitens der
sri-lankischen Behörden auszugehen.
4.1.2 Die vorgebrachten Verfolgungsereignisse seien teilweise wider-
sprüchlich und damit unglaubhaft; teilweise fehle den behaupteten Über-
griffen aber bereits die asylrelevante Motivation. Die in diesem Zusammen-
hang eingereichten Beweismittel vermöchten an dieser Einschätzung
nichts zu ändern: Die Bestätigung des Arbeitgebers, eines Parlamentariers
und eines Mitglieds des Provincial Councils seien als Gefälligkeitsschrei-
ben zu qualifizieren, und der Bericht über die Verhaftung eines LTTE-
Kaders, in welchem der Beschwerdeführer nicht erwähnt werde, vermöge
nicht zu belegen, dass er gesucht werde. Auch die bezüglich seiner angeb-
lichen Haft zu den Akten gereichten Zeitungsartikel sowie das Foto im You-
Tube-Video könne seine behaupteten Probleme während seiner Haftzeit
nicht belegen. Insgesamt entstehe der Eindruck, dass die angeblich stän-
dige Überwachung einzig seiner subjektiven Wahrnehmung entspreche.
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Seite 9
4.1.3 Was den versuchten Bombenanschlag vom März 2016 anbelange,
habe er nicht plausibel erklären können, aus welchen Gründen das TID
gerade ihn verdächtigt und gesucht habe, nachdem er nach seiner Reha-
bilitation jahrelang keine Verbindungen zu den LTTE gehabt habe. Im
Übrigen seien angesichts seiner Flucht vor den LTTE die behaupteten
Kontakte zu einem hochrangigen LTTE-Kommandanten schwer nachvoll-
ziehbar; diese würden auch deshalb keinen Sinn ergeben, weil er diesen
lediglich einmal im Ausbildungszentrum gesehen und danach jahrelang
keinen Kontakt zu diesem Mann mehr gehabt habe. Im Widerspruch dazu
habe er zudem selber ausgesagt, er habe keine Behelligungen wegen die-
ses Kontakts befürchtet, weil dieser Kommandant von den Behörden frei-
gelassen worden sei.
4.1.4 Bei den übrigen eingereichten Beweismitteln handle es sich um reine
Gefälligkeitsschreiben oder um Belege, die keinen persönlichen Bezug
zum Beschwerdeführer aufweisen würden.
4.1.5 Nachgeschoben und widersprüchlich sei sodann die an der einlässli-
chen Anhörung zu den Asylgründen erstmals vorgebrachte Demonstrati-
onsteilnahme, welche er mit einem Internetausschnitt belege, der ihn
neben einem Parlamentarier zeige. Der Beschwerdeführer habe nämlich
an der BzP zu Protokoll gegeben, er sei politisch nicht aktiv gewesen. Auf
dem Bild sei zudem nicht erkennbar, ob es sich tatsächlich um ihn handle.
Die Beweismittel, welche die behördliche Suche nach ihm nach seiner Aus-
reise belegen sollten, seien dafür nicht tauglich. Die Fotografien seien
offensichtlich nicht geeignet zu belegen, wer an welchem Ort gesucht wor-
den sei. Es sei ausserdem fraglich, ob das CID bei einer Hausdurch-
suchung zugelassen hätte, dass seine Beamten fotografiert würden.
4.1.6 Die in der Rehabilitation erlittene Folter sowie der sexuelle Miss-
brauch müssten für den Beschwerdeführer zweifellos schlimm gewesen
sein. Dennoch würden diese Erlebnisse in keinem Zusammenhang zu sei-
ner Ausreise stehen. Er weise auch kein Risikoprofil im Sinn der bundes-
verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung auf. Die vorgebrachten Über-
wachungsmassnahmen nach seiner Rehabilitation seien teilweise un-
glaubhaft und hätten im Übrigen kein asylrelevantes Mass erreicht. Es sei
somit im Zeitpunkt seiner Ausreise nicht von einem Verfolgungsinteresse
seitens der sri-lankischen Behörden am Beschwerdeführer auszugehen.
Konkrete Anhaltspunkte, dass sich diese Situation seit beziehungsweise
mit seiner Ausreise geändert hätte, würden keine vorliegen. Namentlich
E-2748/2020
Seite 10
würden die Präsidentschaftswahlen vom 16. November 2019 keinen per-
sönlichen Bezug zum Beschwerdeführer aufweisen respektive sei kein sol-
cher vom Beschwerdeführer dargetan worden. Die Kontrollmassnahmen,
welche illegal ausgereiste Rückkehrer ohne gültige Identitätsdokumente
durchlaufen müssten, würden grundsätzlich kein asylrelevantes Ausmass
annehmen. Vorliegend sei von nichts anderem auszugehen, zumal keine
relevante Verfolgungssituation glaubhaft gemacht worden sei.
4.1.7 Der Wegweisung sowie dem Wegweisungsvollzug würden ebenfalls
keine Gründe entgegenstehen. Es gebe keine Hinweise darauf, dass dem
Beschwerdeführer bei seiner Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
eine verbotene Strafe oder Behandlung drohe oder er aus anderen Grün-
den im Heimatstaat konkret gefährdet sei. Die Sicherheitslage sei trotz der
Geschehnisse im vergangen Jahr aktuell als ruhig zu bezeichnen und bei
ihm könnten individuelle Zumutbarkeitskriterien bejaht werden, weshalb
seine Rückkehr in die Nordprovinz als zumutbar zu beurteilen sei. Insbe-
sondere würden auch seine gesundheitlichen Beschwerden einer Rück-
kehr nicht im Wege stehen, weil sie dort entweder behandelbar seien oder
keine Behandlung angezeigt sei.
4.2
4.2.1 Zur Begründung seiner Beschwerdeanträge liess der Beschwerde-
führer ausführen, es handle sich bei ihm um ein Paradebeispiel einer poli-
tisch verfolgten Person. Er sei ein rehabilitierter LTTE-Kämpfer, der über
mehrere Jahre inhaftiert und dabei schwerstens gefoltert worden und auch
nach seiner Freilassung behördlichen Repressionen ausgesetzt gewesen
sei. Bei einer Rückkehr aus seinem langjährigen Exil in der Schweiz – ei-
nem tamilischen Diasporazentrum – würde er mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit mit asylrelevanten Verfolgungshandlungen konfrontiert.
Das SEM habe ihm zwar seine LTTE-Laufbahn, seine Rehabilitierung und
die dabei erlittenen Misshandlungen geglaubt, nicht jedoch die geltend ge-
machten Verfolgungshandlungen im Jahr 2016 und nach seiner Ausreise.
Diese Einschätzung basiere auf einer völlig willkürlichen Beweis-
abnahme und -würdigung. Sein Asylverfahren habe strukturelle Mängel
aufgewiesen, indem ihm trotz langer Dauer zwischen den Befragungen
vermeintliche Widersprüche zwischen den protokollierten Vorbringen vor-
geworfen würden. Es sei ihm auch zu Unrecht nicht das rechtliche Gehör
vor dem Entscheid gewährt worden (bei welchem er hätte geltend machen
können, dass er erneut gesucht worden sei und er sich inzwischen in der
Schweiz exilpolitisch engagiert habe).
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Seite 11
4.2.2 Das SEM habe in der Verfügung sodann nicht die alles entschei-
dende Frage beantwortet, ob er gemäss den definierten Risikofaktoren im
Zeitpunkt einer allfälligen Rückkehr mit Verfolgung zu rechnen hätte. Die
Vorinstanz habe das rechtliche Gehör verletzt, indem sie zentrale Beweis-
mittel im Zusammenhang mit seiner Inhaftierung und Rehabilitation nicht
abgenommen und gewürdigt habe. Diese hätten nicht nur die bereits als
glaubhaft angesehene Inhaftierung belegt, sondern auch die im Jahr 2016
erlebten Repressionen. Die nicht abgenommenen Zeitungsausschnitte so-
wie der Internetbericht über die Verhaftung von P._ hätten zwar
nicht ihn selber betroffen, wohl aber einen historischen und fallspezifischen
Kontext geschaffen. Das SEM habe die Relevanz und die Bedeutung der
eingereichten Beweismittel verkannt und den Grundsatz "Beweis vor
Glaubhaftmachung" verletzt; aufgrund der vorliegenden Beweislage sei
eine Glaubhaftigkeitsprüfung ohnehin obsolet.
4.2.3 Auch die Argumentation des SEM betreffend das Bild von der
Demonstrationsteilnahme sei unhaltbar und es werde ihm böswillig unred-
liches Verhalten unterstellt. Der Standpunkt des SEM hinsichtlich der
Fotografien der Hausdurchsuchungen durch das CID sei inakzeptabel, zu-
mal im Asylverfahren grundsätzlich eine herabgesetzte Beweisanforderung
gelte, die er mehr als hinreichend erfüllt habe. Die Zweifel daran, ob es sich
tatsächlich um das Haus des Beschwerdeführers gehandelt habe, hätten
zudem ohne Weiteres mit Referenzbildern ausgeräumt werden können.
Weiter habe es das SEM zu Unrecht unterlassen, trotz ausführlicher
Schilderungen der erlebten Folterungen seinen psychischen Gesundheits-
zustand weiter abklären zu lassen. Es sei bekannt, dass Personen mit
Posttraumatischer Belastungsstörung oft Mühe hätten, sich an gewisse
Details zu erinnern. Es wäre somit bezüglich Glaubhaftigkeit der Aussagen
sowie Behandlungsmöglichkeiten im Heimatstaat angezeigt gewesen, sei-
nen Gesundheitszustand genauer abzuklären. Auf die Glaubhaftigkeit sei-
ner Aussagen wirke sich auch die lange Dauer zwischen der BzP und der
Anhörung aus, was zu berücksichtigen sei.
4.2.4 Vor dem Hintergrund der vom SEM nicht bestrittenen und der im Rah-
men des Beschwerdeverfahrens dargelegten Risikofaktoren einerseits so-
wie der neuen politischen Lage in seinem Heimatstaat andererseits sei
klarerweise von einer asylrelevanten Gefährdung auszugehen.
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Seite 12
4.2.5 Als Ergänzung zum bereits bekannten Sachverhalt führte der Be-
schwerdeführer einerseits aus, er sei in der Schweiz nun doch exponiert
exilpolitisch in Erscheinung getreten, und andererseits sei es bei seiner
Familie zwischenzeitlich zu weiteren behördlichen Vorsprachen gekom-
men, bei denen nach ihm gefragt worden sei. Sollte es zur Prüfung des
Vollzugs der Wegweisung kommen, sei insbesondere die neue Ausgangs-
lage seit der Wahl des neuen Präsidenten, die Zunahme an dokumentier-
ten Verfolgungsmassnahmen sowie der besorgniserregende Kompetenz-
zuwachs des Militärs mit zu berücksichtigen.
4.3
4.3.1 In der Vernehmlassung vom 28. August 2020 stellte sich das SEM
auf den Standpunkt, dass die eingereichte Beschwerde samt Beweismittel,
zu keiner anderen Einschätzung der Vorinstanz führen könnten. Internet-
ausdrucke zu allgemeinen Geschehnissen nach seiner Ausreise vermöch-
ten sein Asylverfahren nicht massgeblich zu beeinflussen. Der gesundheit-
liche Zustand des Beschwerdeführers sei im Rahmen seines Asylverfah-
rens abgefragt worden und es habe keine Veranlassung bestanden, von
Amtes wegen weitere diesbezügliche Abklärungen zu tätigen, zumal er zu
diesem Zeitpunkt bereits in ärztlicher Behandlung gewesen sei. Dem Be-
schwerdeführer respektive seinem Rechtsvertreter habe ausserdem genü-
gend Zeit zur Verfügung gestanden, ein fachärztliches Gutachten erstellen
zu lassen oder ein solches zu beantragen.
4.3.2 In diesem Zusammenhang sei an seine Mitwirkungspflicht zu erin-
nern, wonach er auch allfällige politische Aktivitäten hätte anzeigen müs-
sen, zumal er an den Asylbefragungen noch angegeben hatte, er habe bis-
her an keinen Kundgebungen teilgenommen und auch in Zukunft nicht vor,
an solchen teilzunehmen. Ausserdem stamme das eingereichte Foto des
Beschwerdeführers, auf welchem er angeblich an einer Demonstration zu
sehen sei, vom (...) 2016 und somit rund zwei Jahre vor seiner Bundesan-
hörung. Die lange Zeitdauer, die zwischen den beiden Befragungen ver-
strichen sei, tauge vorliegend nicht als Erklärungsgrund für Aussage-wider-
sprüche. Insgesamt sei auch diesbezüglich auf seine Mitwirkungspflicht
hinzuweisen, wonach er verpflichtet gewesen sei, die Asylbehörden über
während des Asylverfahrens neueintretende Ereignisse zu informieren.
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Seite 13
4.3.3 Der vorgebrachte Risikofaktor, er verfüge über Narben, sei nicht wei-
ter abgeklärt worden, zumal diese nicht einem bestimmten Ereignis oder
einer bestimmten Entstehungsgeschichte zugeordnet werden könnten.
Nachdem die heimatlichen Behörden ohnehin über seine frühere LTTE-
Zugehörigkeit sowie die erfolgte Rehabilitation Bescheid wüssten, seien
diese Narben in Übrigen ohnehin keine zusätzlichen Gefährdungsfaktoren.
4.3.4 Schliesslich würden auch die auf Beschwerdeebene erneut einge-
reichten Fotos betreffend die angebliche Suche nach dem Beschwerdefüh-
rer nach der Ausreise an der Einschätzung des SEM nichts ändern.
4.4
4.4.1 In seiner Replik stellte sich der Beschwerdeführer auf den Stand-
punkt, das SEM habe zu Unrecht behauptet, die Unterlagen betreffend die
allgemeine Lage im Heimatland seien nicht relevant. So würden diese die
allgemeine Gefahr und Bedrohungslage in seiner Gegend belegen oder
zumindest glaubhaft machen, wie beispielsweise, dass in seiner Heimat-
region ehemalige LTTE-Mitglieder inhaftiert worden seien. Folglich würde
sich dies auf die Glaubhaftigkeitsbeurteilung in Bezug auf die geltend ge-
machten Behelligungen im Jahr 2016 auswirken.
4.4.2 Nach den geschilderten Folterungen sei das Argument des SEM ab-
surd, der Beschwerdeführer habe zu keinem Zeitpunkt geltend gemacht,
wegen dem Erlebten an psychischen Problemen zu leiden. Spätestens
nach dem eingereichten Arztbericht hätte offensichtlich sein sollen, dass
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer Traumatisierung des
Beschwerdeführers auszugehen sei. Gemäss Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts sei sein exilpolitisches Engagement klar zu
berücksichtigen, zumal demgemäss eine besondere Exponiertheit nicht
erforderlich sei. Dies gelte im Besonderen für rehabilitierte LTTE-Mitglieder,
womit es sich vorliegend um einen asylrelevanten Nachfluchtgrund handle.
Hinzukommen würden sodann die zahlreichen Risikofaktoren kombiniert
mit den Umständen der Ausreise aus dem Heimatstaat, weshalb ihm Asyl
zu gewähren oder er zumindest als Flüchtling vorläufig aufzunehmen sei.
4.4.3 Die Glaubhaftigkeitsbeurteilung des SEM hinsichtlich seiner flucht-
auslösenden Vorbringen vermöge nicht zu überzeugen. Einerseits setzte
sich das SEM in seinen Weisungen im Handbuch zu Asyl und Rückkehr
mit durch Zeitablauf verblassenden Erinnerungen auseinander; anderer-
seits sei eine ausführliche Begründung notwendig, nachdem die Haupt-
punkte seines Risikoprofils als glaubhaft erachtet worden seien. Mit der
E-2748/2020
Seite 14
Bagatellisierung seiner Narben lasse das SEM ausserdem sein fehlendes
Verständnis dafür erkennen, dass bei der Beurteilung subjektiver Nach-
fluchtgründe sämtliche Risikofaktoren kumulativ zu würdigen seien, um
eine drohende asylrelevante Verfolgung korrekt erfassen zu können.
Schliesslich sei den Ausführungen in der Vernehmlassung auch deshalb
zu widersprechen, weil er alle vorgebrachten Sachverhaltselemente ent-
weder mittels objektiver Beweismittel belegt oder aber glaubhaft gemacht
habe.
4.5
4.5.1 In der Eingabe vom 12. März 2021 liess der Beschwerdeführer auf
die anhaltende Behelligungen seiner Mutter durch Polizisten hinweisen, die
ihr weiterhin mit seiner sofortigen Verhaftung am Flughafen drohen
würden. Ausserdem werde sie auf den Bekannten des Beschwerdeführers
R._ angesprochen, der ebenfalls rehabilitiertes LTTE-Mitglied und
auf der Flucht nach Indien, nachdem er entlassen worden sei, am Flugha-
fen in S._ festgenommen worden sei. Dieser Mann befinde sich
nach wie vor in Haft und habe ihn wahrscheinlich unter Folter an die sri-
lankischen Behörden verraten. Diese Behelligungen seien durch eine Vi-
deoaufnahme dokumentiert worden (mit der Eingabe wurde eine über-
setzte Transkription der Konversation der Polizisten mit der Mutter ein-
gereicht und mit der Eingabe vom 17. März 2021 die entsprechende Film-
datei).
4.5.2 In diesem Zusammenhang sei sodann auf die Situation rehabilitierter
LTTE-Kämpfer zu verweisen, die sich seit der Machtergreifung von Gota-
baya Rajapaksa verschlechtert habe, womit die Gefahr der Inhaftierung
– auch für den Beschwerdeführer – grösser geworden sei. Es sei hierzu
auch auf ein sri-lankisches Gerichtsurteil betreffend ein ehemaliges LTTE-
Mitglied hinzuweisen, wonach dieses wegen Unterstützung des Terroris-
mus zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt, dieses Urteil nun
aber aufgehoben worden sei. Dennoch sei der Angeklagte nicht entlassen
worden. Es ergebe sich daraus unter anderem, dass eine Rehabilitation
keine Strafverbüssung sei, in Sri Lanka keine Verjährung für LTTE-Aktivi-
täten existiere und nach wie vor gerichtlich und behördlich gegen Personen
wegen Unterstützung der LTTE vorgegangen werde, was erhebliche Kon-
sequenzen zur Folge habe.
E-2748/2020
Seite 15
4.5.3 Er gelte zudem als verdächtig, weil er nach den Osteranschlägen im
Jahr 2019 in den Fokus der heimatlichen Behörden geraten sei und darauf-
hin die Flucht ergriffen habe. Er lebe inzwischen seit vielen Jahren in der
Schweiz und erfülle auch alle übrigen durch die Rechtsprechung des Bun-
desverwaltungsgerichts definierten Risikofaktoren. Infolgedessen sei seine
Beschwerde gutzuheissen und zur Neubeurteilung an das SEM zurückzu-
weisen oder aber ihm unter Feststellung der Flüchtlingseigenschaft direkt
Asyl zu gewähren.
5.
5.1 In seinem Rechtsmittel erhebt der Beschwerdeführer die Rügen der
Verletzung des rechtlichen Gehörs, namentlich der Begründungspflicht,
und der unvollständigen sowie unrichtigen Abklärung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts. Diese sind vorab zu beurteilen.
5.2
5.2.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss
so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht.
Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
5.2.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG).
Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
E-2748/2020
Seite 16
5.2.3 Gemäss Art. 33 Abs. 1 VwVG hat eine Behörde die von den Parteien
angebotenen Beweise abzunehmen, wenn sie zur Abklärung des rechtser-
heblichen Sachverhalts tauglich erscheinen beziehungsweise diesen er-
hellen könnten (vgl. BVGE 137 II 266 E. 3.2). Die Beurteilung der Tauglich-
keit liegt im Ermessen der entscheidenden Instanz; diese kann namentlich
dann von einem beantragten Beweismittel absehen, wenn zum Vornherein
gewiss ist, dass diesem die Beweiseignung abgeht oder die verfügende
Behörde den Sachverhalt aufgrund eigener Sachkunde ausreichend wür-
digen kann (sog. Antizipierte Beweiswürdigung; statt vieler BGE 140 I 285
E. 6.3.1; Urteil des BVGer A-6519/2016 vom 3. Mai 2017; MOSER/BEUSCH/
KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.144, KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 153).
Dem angebotenen Beweismittel darf allerdings nicht leichthin jegliche Be-
weistauglichkeit abgesprochen werden, sondern nur, wenn dieses das Be-
weisergebnis offensichtlich nicht zu beeinflussen vermag (WALDMANN/
BICKEL, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG,
2. Aufl. 2016, Art. 33 Rz. 15).
5.3
5.3.1 Der Beschwerdeführer rügt die Nichtabnahme von Beweisen und die
fehlende Würdigung zentraler Beweismittel durch das SEM. Dieses habe
es zu Unrecht unterlassen seinen Gesundheitszustand einlässlich ab-
zuklären. Weiter sei der zeitliche Abstand zwischen der BzP und der
Anhörung einerseits und zwischen der Anhörung und der angefochtenen
Verfügung andererseits zu bemängeln. Das SEM hätte ihm zudem vor
Erlass der angefochtenen Verfügung Gelegenheit geben müssen, in der
Zwischenzeit erfolgte Ereignisse zu belegen. Sein Anspruch auf korrekte
Erteilung des rechtlichen Gehörs sei verletzt worden, weil die angefochtene
Verfügung nicht durch dieselbe Person erlassen worden sei, die auch die
Anhörung durchgeführt habe. Sollte wider Erwarten keine Rückweisung an
die Vor-instanz erfolgen, müsse das Gericht in Bezug auf die Glaubhaftig-
keitsprüfung zumindest die intern angelegten Akten beiziehen.
5.3.2 Mit der Rüge, es seien zentrale Beweismittel nicht oder lückenhaft
gewürdigt worden, vermag der Beschwerdeführer nicht durchzudringen.
Das SEM hat die durch den Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel
in der angefochtenen Verfügung vollständig aufgeführt (vgl. dort S. 4) und
entsprechend ihrer Rechtserheblichkeit gewürdigt. Die Vorinstanz hat sich
im Zusammenhang mit den angebotenen Zeitungsartikeln darüber erkun-
digt, ob der Name des Beschwerdeführers darin vorkomme und ob es sich
um Ereignisse handle, die nach seiner Ausreise geschehen seien (vgl. A18
E-2748/2020
Seite 17
F13 ff.; vgl. auch Vernehmlassung vom 28. August 2020). Sie hat die an-
gebotenen Beweise als nicht geeignet erachtet, um zu einem anderen Ent-
scheid zu führen. Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers in
seiner Beschwerde hat das SEM im Zusammenhang mit den Zeitungs-
artikeln nicht seinen Gehörsanspruch verletzt, sondern eine zulässige
– und inhaltlich überzeugende – antizipierte Beweiswürdigung vorgenom-
men. Es besteht diesbezüglich keine Veranlassung, die Angelegenheit zur
ergänzenden Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Sodann erweist sich auch die Rüge als unbegründet, das SEM habe eine
lückenhafte Beweiswürdigung vorgenommen. Es musste sich, wie ein-
gangs dargelegt, nicht mit sämtlichen Vorbringen des Beschwerdeführers
auseinandersetzen. Aus den vorliegenden Verfahrensakten geht hervor,
dass es die wesentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers gewürdigt
hat und eine sachgerechte Anfechtung dieser Verfügung ohne Weiteres
möglich war.
5.3.3 Ebenso unbegründet ist die Rüge des Beschwerdeführers, das SEM
hätte ein psychologisches Gutachten zur vollständigen Abklärung des me-
dizinischen Sachverhalts erstellen müssen. Zu Recht verweist das SEM in
seiner Vernehmlassung einerseits auf die Mitwirkungspflicht des Be-
schwerdeführers und andererseits darauf hin, dass der Beschwerdeführer
zu keinem Zeitpunkt in seinem Asylverfahren eine Traumatisierung oder
psychische Probleme geltend gemacht habe; im Übrigen wäre davon aus-
zugehen, dass sein behandelnder Arzt ihn gegebenenfalls weiterverwiesen
hätte, zumal er seine Erlebnisse mit seinem Patienten besprochen habe.
Der durch einen Rechtsanwalt vertretene Beschwerdeführer hat auch auf
Beschwerdeebene keine medizinischen Berichte ins Recht gelegt oder
eine medizinische Behandlung auch nur behauptet. Die Feststellung, dass
das SEM "lediglich medizinische Abklärungen bei einem Allgemeinmedizi-
ner eingeholt" habe (vgl. Beschwerde S. 14), ist in dieser Form unzutref-
fend: Die Vorinstanz hatte den Beschwerdeführer aufgefordert, seine Ge-
sundheitsbeschwerden mit einem ärztlichen Bericht zu dokumentieren,
ohne den Autor dieses Dokuments vorzugeben (vgl. A24). Die Vorinstanz
hält zu Recht fest, dass der Beschwerdeführer bereits seit langer Zeit in
der Schweiz lebt und damit genügend Zeit gehabt hätte, einen ausführli-
cheren Arztbericht einzureichen. Die Befragungsprotokolle lassen im Übri-
gen darauf schliessen, dass er offenkundig ohne Weiteres in der Lage war,
ausführlich über seine Erlebnisse zu berichten (vgl. A4 S. 8 ff.; A18 ad F115
und F119 ff.). Dies obschon er bereits an der BzP angegeben hatte,
er habe schlimme Dinge erlebt, weshalb er nicht so schnell antworten
könne und viel Zeit zum Reden brauche (vgl. A4 S. 11).
E-2748/2020
Seite 18
5.3.4 In der beanstandeten zeitlichen Distanz zwischen den Befragungen
respektive zwischen der Anhörung und der angefochtenen Verfügung kann
vorliegend keine Verletzung des rechtlichen Gehörs ersehen werden.
Praxisgemäss ist die verstrichene Zeit zwischen den zwei Befragungen bei
der Beurteilung der Übereinstimmung der protokollierten Aussagen zu be-
rücksichtigen. Bei dem durch den Beschwerdeführer zitierten Rechtsgut-
achten von Prof. Dr. Kälin handelt es sich jedoch lediglich um eine Emp-
fehlung, dass die Anhörung möglichst zeitnah zur BzP durchgeführt wer-
den soll, nicht aber um eine justiziable Verfahrenspflicht (vgl. Urteil des
BVGer D-6560/2016 vom 29. März 2018 E. 5.2). Allfällige neue Entwick-
lungen bezüglich seiner Asylvorbringen hatte der Beschwerdeführer dem
SEM im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) mitzuteilen. Er hat
dies unterlassen. Für die Vorinstanz bestand demnach keine Veranlas-
sung, ihm vor Erlass ihrer Verfügung das rechtliche Gehör zu gewähren.
5.3.5 Die vorangegangenen Ausführungen gelten auch für den Einwand
des Beschwerdeführers, die angefochtene Verfügung sei nicht durch die-
selbe Person erlassen worden, die auch die Anhörung durchgeführt habe.
Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich keine Verpflichtung für
das SEM, eine Verfügung durch die befragende Person verfassen zu las-
sen (was manchmal aus naheliegenden Gründen praktisch unmöglich
wäre). Es ist auch nicht ersichtlich, inwiefern dem Beschwerdeführer hie-
raus ein Nachteil entstanden sein soll.
5.3.6 Den Akten sind sodann keine Einschätzungen der für die Anhörung
verantwortlichen Person zu entnehmen, weshalb eine solche auch nicht
herausgegeben werden kann und auf den entsprechenden Antrag (vgl. Be-
schwerde S. 17 f.) nicht einzutreten ist (vgl. hierzu auch Urteil des BVGer
E-2298/2020 vom 7. August 2020 E. 7.7.).
5.3.7 Nach dem Gesagten ist der Eventualantrag des Beschwerdeführers
auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz wegen Verletzung des recht-
lichen Gehörs abzuweisen.
5.4
5.4.1 Der Beschwerdeführer rügte weiter die Verletzung der Begründungs-
pflicht durch das SEM, indem es seine Asylvorbringen unsorgfältig und
nicht ernsthaft geprüft habe, weil entsprechende Ausführungen aktenwidrig
seien oder die Begründung jeglicher Logik entbehre. Mithin vermöge der
Bericht des SEM wissenschaftlichen Qualitätsstandards nicht zu genügen
E-2748/2020
Seite 19
und sei inhaltlich falsch, weshalb er als Grundlage für einen negativen Asyl-
entscheid nicht tauglich sei. Weiter habe sich das SEM bei der Beurteilung
der aktuellen Lage in Sri Lanka auf keinerlei Quellen gestützt.
5.4.2 Nach Durchsicht der Verfahrensakten ist keine Verletzung der Be-
gründungspflicht durch das SEM zu erkennen. Es hat in der angefochtenen
Verfügung nachvollziehbar und im Einzelnen hinreichend differenziert auf-
gezeigt, von welchen Überlegungen es sich leiten liess, und hat sich mit
sämtlichen wesentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers auseinander-
gesetzt. Der Beschwerdeführer war angesichts der mehr als 50-seitigen
Beschwerde offenkundig in der Lage, die angefochtene Verfügung sach-
gerecht anzufechten. Der blosse Umstand, dass er die Auffassung des
SEM nicht teilt, stellt keine Verletzung der Begründungspflicht dar, sondern
eine Kritik an der durch das SEM vorgenommenen Würdigung des Sach-
verhalts. Soweit in der Beschwerde vorgebracht wird, der Beschwerdefüh-
rer habe keine Möglichkeit gehabt, einen persönlichen Bezug zur neuen
Präsidentschaft in Sri Lanka darzulegen und auf politische Entwicklungen
hinzuweisen, weshalb ihm zwischen der Anhörung und dem Erlass des
Asylentscheids erneut das rechtliche Gehör hätte gewährt werden müssen,
ist der Beschwerdeführer wiederum auf seine Mitwirkungspflicht nach
Art. 8 AsylG hinzuweisen. Wenngleich tatsächlich viel Zeit vergangen ist
zwischen Durchführung der Anhörung und Erlass der angefochtenen Ver-
fügung, wäre es seine Sache gewesen, das SEM über allfällige neue Ent-
wicklungen bezüglich seiner Asylvorbringen zu informieren. Dem ist der
Beschwerdeführer er nicht nachgekommen, weshalb sich die entspre-
chende Rüge als unbegründet erweist. Im Übrigen hat die Vorinstanz die
seit der Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 erfolgte Verände-
rung der Situation in Sri Lanka durchaus berücksichtigt und entsprechend
geprüft (vgl. angefochtene Verfügung S. 9 f.).
5.4.3 Folglich ist auch der Eventualantrag des Beschwerdeführers auf
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz wegen Verletzung der Begrün-
dungspflicht abzuweisen.
5.5
5.5.1 Schliesslich bemängelt der Beschwerdeführer ganz allgemein die
unvollständige und unrichtige Abklärung des rechtserheblichen Sach-
verhalts einerseits hinsichtlich seiner individuellen Asylgründe und ande-
rerseits in Bezug auf die Länderinformationen zu Sri Lanka. Die Vorinstanz
hätte nämlich den Sachverhalt bezüglich der im Referenzurteil des Bun-
desverwaltungsgerichts definierten Risikofaktoren einlässlich abklären
E-2748/2020
Seite 20
müssen (mithin allfällige exilpolitischen Aktivitäten, die Existenz von
Narben und den Gesundheitszustand). Wiederum macht der Beschwerde-
führer geltend, die Verfügung des SEM basiere auf einem komplett veral-
teten Wissensstand zur Lage in Sri Lanka.
5.5.2 Aus den Verfahrensakten geht hervor, dass der Beschwerdeführer
anlässlich der Befragungen in Bezug auf allfällige Risikofaktoren angespro-
chen wurde respektive er darüber berichten konnte (vgl. A4 S. 8 f., S. 11;
A18 ad F4 ff., F11, F13 f., F 94 ff., F115) und er im Laufe des Verfahrens
aufgefordert wurde, einen Arztbericht einzureichen (vgl. A24 und A25).
Damit hat das SEM gerade angesichts des bereits im erstinstanzlichen Ver-
fahren vertretenen Beschwerdeführers seiner Abklärungspflicht Genüge
getan. Zudem ist auch an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass das SEM
in seiner Länderpraxis zu Sri Lanka eine andere Linie verfolgt, als vom Be-
schwerdeführer vertreten, und es aus sachlichen Gründen auch zu einer
anderen Würdigung der Asylvorbringen gelangt. Darin ist jedoch weder
eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung zu erblicken noch stellt dies
eine Verletzung der Begründungs- beziehungsweise Beweiswürdigungs-
pflicht dar. Vielmehr handelt es sich bei der Überprüfung dieser Würdigung
um eine materielle Rechtsfrage.
5.5.3 Betreffend die Rüge des unvollständig abgeklärten Gesundheits-
zustands ist der Beschwerdeführer vorab auf die obigen Ausführungen zu
verweisen (vgl. vorstehende E. 5.3.3). Auch auf Beschwerdeebene erge-
ben sich keine Hinweise darauf, dass der Sachverhalt bezüglich des Ge-
sundheitszustandes des Beschwerdeführers ungenügend erstellt wäre,
weshalb der Antrag auf Erstellung eines psychiatrischen Berichts (respek-
tive Setzen einer Frist zur Einreichung eines solchen) abzuweisen ist.
5.5.4 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass das SEM den rechtser-
heblichen Sachverhalt vollständig und richtig festgestellt hat.
5.6 Die formellen Rügen erweisen sich als unbegründet, weshalb keine
Veranlassung besteht, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen
aufzuheben und die Sache an das SEM zurückzuweisen. Die diesbezügli-
chen Rechtsbegehren und Beweisanträge (insb. im Zusammenhang mit
der Abklärung des Gesundheitszustands, mit der Durchführung einer er-
neuten Anhörung, mit dem Beibringen weiterer Beweismittel [vgl. Be-
schwerde S. 39 f.] und mit der beantragten Botschaftsabklärung [vgl. Ein-
gaben vom 12. und 17. März 2021]) sind abzuweisen.
E-2748/2020
Seite 21
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2
6.2.1 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn
die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für
gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-
chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den
Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.2.2 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge-
nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich
nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht
widersprüchlich sein, nicht der inneren Logik entbehren oder den Tatsa-
chen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Vorbringen sind sub-
stanziiert, wenn sie sich auf detaillierte, präzise und konkrete Schilderun-
gen stützen. Als schlüssig gelten Vorbringen, wenn sie innerhalb einer An-
hörung, zwischen Anhörungen oder im Vergleich zu Aussagen Dritter keine
Widersprüche aufweisen. Allerdings sollten kleine, marginale Widersprü-
che sowie solche, die nicht die zentralen Asylvorbringen betreffen, zwar in
die Gesamtbetrachtung einfliessen, jedoch nicht die alleinige Begründung
für die Verneinung der Glaubhaftigkeit darstellen. Darüber hinaus muss die
gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbe-
sondere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt
oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen aus-
wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwir-
kung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Ge-
gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der
gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die
Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht.
Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5
E-2748/2020
Seite 22
E. 2.2 und 2010/57 E. 2.2 und 2.3, je m.w.H.; ANNE KNEER / LINUS SONDER-
EGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfahren – Ein Überblick über die
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, in: ASYL 2015/2 S. 5).
6.2.3 Die Glaubhaftigkeit von Aussagen asylsuchender Personen kann im
Rahmen eines inhaltsorientierten Ansatzes aufgrund sogenannter Real-
kennzeichen beurteilt werden. Die Realkennzeichen ermöglichen eine Dif-
ferenzierung zwischen erlebnisbasierten und erfundenen respektive ver-
fälschten Aussagen. Zu den Realkennzeichen gehören insbesondere die
logische Konsistenz, die ungeordnete, aber inhaltlich letztlich stimmige
Darstellung, der quantitative Detailreichtum, raum-zeitliche Verknüpfun-
gen, die Wiedergabe von Gesprächen, ausgefallene Einzelheiten, spon-
tane Verbesserungen der eigenen Aussagen, das Eingeständnis von Erin-
nerungslücken sowie die Schilderung von Interaktionen, Komplikationen,
Nebensächlichkeiten, unverstandenen Handlungselementen und eigenen
psychischen Vorgängen (vgl. ANGELIKA BIRCK, Traumatisierte Flüchtlinge,
Wie glaubhaft sind ihre Aussagen?, Heidelberg 2002, S. 82 ff. und
S. 139 ff.; LUDEWIG / TAVOR / BAUMER, Wie können aussagepsychologi-
sche Erkenntnisse Richtern, Staatsanwälten und Anwälten helfen?, in:
AJP 11/2011, S. 1423 ff.; sowie BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1 und
2012/5 E. 2.2, jeweils m.w.H.).
6.3 Der vorliegend durch das SEM nicht bestrittene Sachverhalt betrifft die
durch den Beschwerdeführer geltend gemachte Mitgliedschaft bei den
LTTE, das absolvierte Training sowie sein Untertauchen ab dem Jahr 2006
und die aufgrund seiner LTTE-Vergangenheit erlebte Rehabilitationshaft
während rund zwei Jahren nach der Beendigung des Bürgerkriegs. Auch
das Gericht stellt diese Vorbringen nicht in Frage. Bestritten und nach-
folgend zu würdigen sind damit die vorgebrachten Verfolgungsmass-
nahmen nach Entlassung aus der Rehabilitation. Nach Durchsicht der
Verfahrensakten erachtet das Bundesverwaltungsgericht die Glaubhaftig-
keitsbeurteilung des SEM als im Wesentlichen überzeugend.
6.4 Mit dem SEM ist festzustellen, dass angesichts der bekannten fragilen
Situation in Sri Lanka nach Beendigung des Bürgerkriegs sowie der ein-
lässlichen und übereinstimmenden Ausführungen des Beschwerdeführers
an seinen Befragungen von der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten
Überwachungsmassnahmen seitens der heimatlichen Behörden im Jahr
2011 auszugehen ist. Trotzdem war es dem Beschwerdeführer ohne Wei-
teres möglich, sich einen Reisepass ausstellen zu lassen und damit im Jahr
2012 nach O._ sowie im Jahr 2013 zurück in seinen Heimatstaat
zu reisen (vgl. A4 S. 9).
E-2748/2020
Seite 23
6.5 Ebenfalls einig geht das Gericht mit der Einschätzung des SEM,
wonach es als lebensfremd einordnete, dass der Beschwerdeführer zwar
bereits im Jahr 2006 vor den LTTE geflohen und seither in ständiger Angst
sowohl vor diesen als auch vor den heimatlichen Behörden gewesen sei,
im Jahr 2013 hingegen Kontakt zu einem hochrangigen LTTE-Komman-
danten aufgenommen haben will, nachdem dieser aus dem Rehabilitati-
onsprogramm entlassen worden sei. Dies erscheint umso erstaunlicher,
nachdem dieser Kommandant ihn gar nicht (mehr) gekannt habe (vgl. A18
ad F73 ff. insbes. F77). Die Erklärung für sein Verhalten, er habe nicht mit
Problemen gerechnet, weil dieser LTTE-Kommandant von den Behörden
freigelassen worden sei, vermag schon deshalb nicht zu überzeugen, weil
er selber gerade Behelligungen geltend macht, die nach seiner Freilassung
geschehen sein sollen (vgl. a.a.O. ad F93; ad F98: "[...]. Während der Haft-
zeit hatten wir keine Angst um unser Leben gehabt. Aber nach der Freilas-
sung musste ich jederzeit Angst haben, dass jederzeit etwas passierten
[sic] könnte [...]. Ausser dieser Unterschriftenleistung musste ich auch im
Minimum einmal im Monat zu Befragungen gehen [...]."). Vor diesem Hin-
tergrund ist es geradezu als abwegig und widersprüchlich zu bezeichnen,
dass der Beschwerdeführer angibt, er habe sogleich nach der Festnahme
von zwei ehemaligen LTTE-Kadern einen weiteren ehemaligen LTTE-Kom-
mandanten kontaktiert. Des Weiteren kann in diesem Zusammenhang auf
die überzeugenden Erwägungen des SEM in der angefochtenen Ver-
fügung verwiesen werden, welchen sich das Bundesverwaltungsgericht
anschliesst (vgl. dort S. 7).
6.6 Entgegen der Einschätzung des SEM in der angefochtenen Verfügung
erachtet jedoch das Gericht auch die Behelligungen (Beobachtung und Be-
fragungen durch CID-Leute) nach der im Jahr 2013 erfolgten Rückkehr des
Beschwerdeführers nach Sri Lanka als grundsätzlich glaubhaft. Diese
Ereignisse vermochte er bereits anlässlich der BzP detailliert und in über-
zeugender Weise zu schildern und an der Anhörung übereinstimmend dar-
zulegen (vgl. A4 S. 9; A18 ad F102 ff.). Seine diesbezüglichen Ausführun-
gen enthalten sodann zahlreiche Realkennzeichen, und er konnte die
Umstände rund um die Erlebnisse im Zusammenhang mit einer Polizei-
kontrolle, bei der es zu Tätlichkeiten gekommen sei, nachvollziehbar erklä-
ren (vgl. A4 S. 9: "[...] Das war gegen 20:30 Uhr in F._ ... Nein, das
war nicht in F._ , sondern in der Nähe, der Ort heisst T._
[...]. Am selben Abend hat U._, ein Ladenbesitzer, V._ infor-
miert, dass ich geschlagen worden war. Dieser wollte mit mir reden, und
U._ brachte mir sein Handy, damit wir miteinander sprechen konn-
ten [...]. Dort waren Journalisten von zwei Zeitungen namens W._
E-2748/2020
Seite 24
und X._. Das war am (...).2013. Am (...). oder (...). wurde dann ein
Artikel in der W._-Zeitung veröffentlicht.
Die X._-Zeitung publizierte aber nichts [...]."; A18 ad F94 ff., F108:
"Ich war sehr wütend, weil sie mich ohne etwas zu machen in dieser Art
geschlagen haben. Egal was passiert, ich will das bekannt machen. Aber
V._ hat mir gesagt, das könnte auch gefährlich sein für mein Leben,
ich soll das nicht machen.").
6.7 Der Beschwerdeführer reichte bereits an der Anhörung Unterlagen zur
Stützung seiner Vorbringen ein (u.a. Schreiben eines Parlamentariers,
eines Provincial Council-Mitglieds sowie des ehemaligen Arbeitsgebers).
Der Beweiswert solcher Dokumente für sri-lankische Asylverfahren werden
indessen praxisgemäss als grundsätzlich tief einschätzt und bilden im vor-
liegenden Verfahren folglich nur ein schwaches Indiz für die Richtigkeit sei-
nes Sachvortrags.
6.8 Nachdem das angeblich fluchtauslösende Ereignis im Jahr 2016 nicht
geglaubt werden kann und unangenehme Behelligungen – wie bereits die
im Jahr 2011 erlebten Massnahmen – als bekannte Überwachungsmass-
nahmen rehabilitierter Personen zu betrachten sind, qualifiziert das Gericht
die glaubhaft geltend gemachten Behelligungen unter Berücksichtigung
aller Umstände wegen fehlender Intensität als flüchtlingsrechtlich nicht
relevant. Diese Einschätzung wird unterstrichen durch die Aussage des
Beschwerdeführers, wonach es zu keinen persönlich erlebten Vorfällen
gekommen sei, die ihn zur Flucht bewegt hätten, sondern ihm die ganze
Situation Angst bereitet habe (vgl. A18 ad F99). Weiter sei er auch nicht
persönlich gesucht worden, sondern es seien lediglich allgemeine Auffor-
derungen an Rehabilitierte erfolgt, an Versammlungen teilzunehmen, de-
nen er jedoch keine Folge geleistet habe (vgl. a.a.O. F111 ff.).
6.9 Was die angeblichen Behelligungen der Mutter des Beschwerdeführers
anbelangt, ergeben sich aus dem Sachvortrag des Beschwerdeführers
mehrere Ungereimtheiten: Einerseits wird – entgegen der Darstellung des
Beschwerdeführers – in der am 17. März 2021 eingereichten kurzen
Videosequenz offensichtlich nicht die Szene wiedergegeben, deren (ins
Englische übersetzte) Transkription zuvor mit der Eingabe vom 12. März
2021 ins Recht gelegt worden war: Jenes Beweismittel Nr. 16 gibt auf zwei
A4-Seiten einen Dialog zwischen "Mother" und "Police" wieder, wobei die
Redeanteile ausgeglichen sind. In der Videosequenz, die offenbar von ei-
ner Überwachungskamera aufgenommen worden ist, ist die von einem
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Seite 25
Uniformierten auf einem Hausvorplatz angesprochene Frau hingegen pas-
siv und beschränkt sich im Wesentlichen darauf, gesprochene Informatio-
nen des Mannes entgegenzunehmen. Auch die mehrmalige Vorlage von
Fotografien (vgl. Beweismittel 16 S. 1: "so, who is it in this photo?", "This
one?") findet in der Filmsequenz offensichtlich nicht statt. Andererseits hat
der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene wiederholt geltend gemacht,
er werde bei einer Wiedereinreise nach Sri Lanka schon am Flughafen ver-
haftet; mit dem Androhen einer solchen Festnahme gegenüber der Mutter
des Beschwerdeführers würde die Polizeibehörde das Erreichen dieses
angeblich beabsichtigten Ziels faktisch selber erschweren oder verunmög-
lichen. Dieses Verhalten macht aus der Sicht der Beamten deshalb offen-
kundig keinen Sinn. Schliesslich wird in der Videosequenz nicht ein Aus-
schnitt der Videodaten der Überwachungskamera direkt wiedergegeben,
sondern eine (verwackelt) von Hand abgefilmte Wiedergabe dieses Films
auf einem Monitor. Es kann sich dabei demnach um irgendeine beliebige
Filmsequenz handeln, beispielsweise auch um eine solche, die im Fernse-
hen gezeigt und während der Ausstrahlung abgefilmt worden ist. Was die
bereits beim SEM eingereichten Fotografien von der Durchsuchung eines
Hauses anbelangt, schliesst sich das Gericht den Zweifeln des SEM an,
wonach das CID es kaum zugelassen hätte, dass eine solche Polizeiaktion
vom Schwager des Beschwerdeführers mit "15 Fotos" dokumentiert wor-
den wäre (vgl. A18 ad F18). Den Fotografien und auch der Videosequenz
lassen sich im Übrigen keinerlei Hinweise auf die Identität der gezeigten
Personen entnehmen. Diese Beweismittel vermögen nach dem Gesagten
eine aktuelle behördliche Suche nach dem Beschwerdeführer nicht zu be-
legen. Angesichts der vielen Ungereimtheiten erübrigen sich in diesem Zu-
sammenhang auch weitere Sachverhaltsabklärungen (insbesondere vor
Ort durch die Schweizer Botschaft).
6.10 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer damit nicht gelun-
gen glaubhaft zu machen, er sei im Zeitpunkt der definitiven Ausreise aus
einem der in Art. 3 AsylG genannten Gründen asylrelevanten Verfolgungs-
massnahmen ausgesetzt gewesen und habe sein Heimatland deswegen
im Jahr 2016 verlassen. Daran vermag auch der Umstand nichts zu än-
dern, dass der Beschwerdeführer offenbar viele Jahre zuvor einer Verfol-
gungssituation ausgesetzt worden war, kehrte er doch nach seiner ersten
Ausreise ins Ausland – offensichtlich ohne zwingende Not (vgl. A18 ad F27)
– wieder nach Sri Lanka zurück und stellte sich insoweit wieder unter den
Schutz seines Heimatstaates (vgl. Art. 1 Bst. C Ziff. 1 des Abkommens vom
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
E-2748/2020
Seite 26
7.
7.1 Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer trotz fehlender Vorverfol-
gung bei einer Rückkehr in seinem Heimatstaat ernsthafte Nachteile im
Sinn von Art. 3 AsylG drohen würden.
7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr
von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind. Zur Beurteilung des Risikos
von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung
und Folter zu werden, wurden verschiedene Risikofaktoren identifiziert.
Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene Verbindung
zu den LTTE, ein Eintrag in der "Stop-List" und die Teilnahme an exilpoliti-
schen regimekritischen Handlungen wurden als stark risikobegründende
Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid dargelegten Umständen
bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begründeten Furcht
führen könnten. Demgegenüber stellen das Fehlen ordentlicher Identitäts-
dokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und eine gewisse Aufent-
haltsdauer in einem westlichen Land schwach risikobegründende Faktoren
dar. Von den Rückkehrenden, die diese weitreichenden Risikofaktoren er-
füllten, habe jedoch nur jene kleine Gruppe tatsächlich mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinn von Art. 3 AsylG zu be-
fürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen Behörden bestrebt sei, den
tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen, und so den sri-
lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die dargelegten Risikofak-
toren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren Namen in der
am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop-List" vermerkt seien und der
Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungsweise einen Straf-
registereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten
Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte für sri-lankische
Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch betätigt hätten (vgl.
Urteil E-1866/2015 E. 8.5.5).
7.3
7.3.1 Es handelt sich beim Beschwerdeführer um einen aus dem Norden
Sri Lankas stammenden Tamilen. Er hat eine LTTE-Vergangenheit; diese
ist den heimatlichen Behörden aber bereits bekannt, und er durchlief ein
längeres Rehabilitationsverfahren.
E-2748/2020
Seite 27
7.3.2 Der Beschwerdeführer war im Zeitpunkt seiner problemlosen ersten
Ausreise aus Sri Lanka auf dem Luftweg im Jahr 2012 offensichtlich nicht
auf der "Stop-List" aufgeführt. Nach den vorstehenden Ausführungen gibt
es keinen Grund zur Annahme, dass dies aktuell der Fall sein sollte, zumal
auch die zweite Ausreise im Jahr 2016 über den Flughafen von Y._
(gemäss seinen Angaben zwar mithilfe von Bestechungsgeld aber offenbar
mit dem eigenen Reisepass; vgl. A4 S. 6 und 10) ohne Komplikationen ver-
lief.
7.3.3 Der Beschwerdeführer hat bei seiner Anhörung vom 19. März 2018
explizit zu Protokoll gegeben, nicht exilpolitisch tätig zu sein (vgl. A18 ad
F96: "In der Schweiz habe ich nicht an einer Demo teilgenommen, ich
werde auch nicht an diesen Demos teilnehmen."). In der Beschwerde
wurde demgegenüber behauptet, er sei in der Schweiz "exponiert exilpoli-
tisch in Erscheinung getreten" und nehme an den politischen Veranstaltun-
gen der Diaspora teil (vgl. Beschwerde S. 10, 22, 27 f., 43, 45, 46, 48, 49,
50). Dieses Vorbringen wurden im Rechtsmittel zwar mehrmals wiederholt,
indessen in keiner Weise substanziiert oder belegt. In der Eingabe vom
25. Juni 2020 wurde eine Fotografie ins Recht gelegt, die den Beschwer-
deführer an einer "exilpolitischen Demonstration am (...) 2016 in
Z._" zeigen soll (vgl. Eingabe S. 3 und Beilage 11). Die – im Stil
eines Touristenbilds erstellte – Aufnahme zeigt zwar den Beschwerdefüh-
rer neben drei Landsmännern vor (...) in Z._. Der Fotografie sind
aber keinerlei Hinweise auf eine politische Kundgebung zu entnehmen
(Banner, Plakate, Menschenmassen etc.), weshalb diese Aufnahme nicht
als Beleg für exilpolitischer Aktivitäten taugt; dies umso weniger, nachdem
sich der Beschwerdeführer seinen Angaben zufolge (...) 2016 noch in sei-
nem Heimatstaat befunden hat, wo er am (...) 2016 an einer Kundgebung
in F._ teilgenommen habe, und er zwei Jahre nach der angeblich
am (...) 2016 erstellten Fotografie zu Protokoll gab, er habe in der Schweiz
nicht an Kundgebungen teilgenommen (vgl. A18 ad F94 ff.; A6 S. 6). Ob-
wohl das SEM in seiner Vernehmlassung auf diese Ungereimtheiten expli-
zit hingewiesen hatte, substanziierte und belegte der durch einen paten-
tierten Rechtsanwalt vertretene Beschwerdeführer seine angeblichen exil-
politischen Tätigkeiten auch in den folgenden Eingaben an das Bundesver-
waltungsgericht in keiner Weise. Dieses Vorbringen ist damit nicht glaub-
haft gemacht.
7.3.4 Die mit Fotografien dokumentierte Narbe des Beschwerdeführers be-
findet sich im Bereich der (...) und ist bei normaler (...)bekleidung nicht
sichtbar.
E-2748/2020
Seite 28
7.3.5 Nach Würdigung aller Umstände geht das Bundesverwaltungsgericht
trotz der längeren Landesabwesenheit und dem angeblichen Fehlen
ordentlicher Identitätsdokumente nicht davon aus, dass die sri-lankischen
Behörden beim rückkehrenden Beschwerdeführer annehmen werden,
er sei bestrebt, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen,
und wolle den sri-lankischen Einheitsstaat gefährden. Entscheidend
erscheint bei dieser Einschätzung insbesondere die Tatsache, dass der Be-
schwerdeführer nach Durchlaufen seiner Rehabilitationszeit bereits einmal
aus dem Ausland nach Sri Lanka zurückgekehrt ist (und sich damit ohne
zwingende Not unter den Schutz seines Heimatstaates gestellt hat), ohne
dass er in der Folge relevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt
worden wäre.
8.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das SEM zu Recht die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint hat (Art. 3 und Art. 54
AsylG) und sein Asylgesuch abgewiesen hat.
9.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen
(Art. 32 Abs. 1 AsylV 1 [SR 142.31]). Die Wegweisung wurde demnach zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den ge-
setzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
10.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.3
10.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
E-2748/2020
Seite 29
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK,
SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder
unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen
werden.
10.3.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
10.3.3 Sodann ergeben sich nach den vorstehenden Ausführungen zum
Asylpunkt weder aus den Aussagen des Beschwerde-führers noch aus den
Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den
Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3
EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt
wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschen-
rechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der
Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.).
10.3.4 Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf
eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem
europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren, wiederholt befasst (vgl.
EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Beschwer-
de Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, Urteil vom 31. Mai 2011,
Beschwerde Nr. 41178/08; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar
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Seite 30
2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Ja-
nuar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien, Urteil
vom 17. Juli 2008, Beschwerde Nr. 25904/07; Rechtsprechung bestätigt in
J.G. gegen Polen, Entscheidung vom 11. Juli 2017, Beschwerde
Nr. 44114/14). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller
Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine un-
menschliche Behandlung. Vielmehr müssten im Rahmen der Beurteilung,
ob der oder die Betroffene ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die
Behörden hätten an seiner Festnahme und Befragung ein Interesse, ver-
schiedene Aspekte – welche im Wesentlichen durch die im Referenzurteil
E-1866/2015 identifizierten Risikofaktoren abgedeckt sind (vgl. EGMR,
T.N. gegen Dänemark, a.a.O., § 94; EGMR, E.G. gegen Grossbritannien,
a.a.O., § 13 und 69) – in Betracht gezogen werden. Dabei sei dem Um-
stand gebührend Beachtung zu tragen, dass diese einzelnen Aspekte,
auch wenn sie für sich alleine betrachtet möglicherweise kein "real risk"
darstellen, diese Schwelle bei einer kumulativen Würdigung erreichen
könnten.
10.3.5 Nachdem der Beschwerdeführer nicht glaubhaft gemacht hat, dass
er befürchten müsse, bei einer Rückkehr in den Heimatstaat die Aufmerk-
samkeit der sri-lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevan-
ten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür,
ihm würde eine menschenrechtswidrige Behandlung in Sri Lanka drohen.
10.3.6 Aus Sicht des Bundesverwaltungsgerichts besteht bei der heutigen
Aktenlage kein Grund zur Annahme, dass sich die jüngsten politischen Ent-
wicklungen in Sri Lanka konkret auf den Beschwerdeführer auswirken
könnten. Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den
Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als generell unzulässig
erscheinen und der Beschwerdeführer bringt seinerseits keine individuel-
len Merkmale glaubhaft vor, welche eine Unzulässigkeit des Vollzugs be-
gründen könnten.
10.3.7 Der Vollzug der Wegweisung erweist sowohl im Sinn der asyl- als
auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig.
E-2748/2020
Seite 31
10.4
10.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.4.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Was die allgemeine
Situation in Sri Lanka betrifft, aktualisierte das Bundesverwaltungsgericht
in den Referenzurteilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2–13.4 und
D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 die Lagebeurteilung bezüglich der Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in die Nord- und Ostprovinzen Sri
Lankas. Dabei stellte es fest, dass der Wegweisungsvollzug sowohl in die
Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter Einschluss des Vanni-Gebiets
zumutbar ist, wenn das Vorliegen von individuellen Zumutbarkeitskriterien
(insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Bezie-
hungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und
Wohnsituation) bejaht werden kann. Auch die politischen Entwicklungen
der letzten Zeit in Sri Lanka – namentlich die vom Beschwerdeführer in
seinen Eingaben wiederholt thematisierte Wahl von Gotabaya Rajapaksa
zum Präsidenten und deren Folgen – führen nicht dazu, dass der Weg-
weisungsvollzug generell als unzumutbar angesehen werden müsste.
Die Wahl von Ranil Wickremesinghe am 20. Juli 2022 zum Nachfolger des
abgetretenen Gotabaya Rajapaksa als neuen Staatspräsidenten ändert
vorerst nichts an der bisherigen Lageeinschätzung, ist dieser doch Teil der
bisherigen politischen Elite (vgl. Urteil des BVGer D-2995/2022 vom 21. Ju-
li 2022 E. 13).
10.4.3 Das SEM stellte sich in seiner Verfügung auf den Standpunkt, der
Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Sri Lanka sei so-
wohl in allgemeiner als auch in individueller Hinsicht als zumutbar zu qua-
lifizieren. Der Beschwerdeführer sei ein junger Mann mit Arbeitserfahrung
in verschiedenen Berufen. Seine Ehefrau, seine Eltern und eine Schwester
würden im Heimatland leben. Nachdem sowohl die Eltern als auch seine
Frau Häuser besitzen würden, sei auch die Wohnsituation gesichert. Nöti-
genfalls könne eine in (...) lebende Tante, den Beschwerdeführer nach ei-
ner Rückkehr anfänglich finanziell unterstützen. Der Beschwerdeführer
habe angegeben, an Polyglobulie zu leiden und in Sri Lanka deswegen in
E-2748/2020
Seite 32
Behandlung gewesen zu sein. Gemäss einem Arztbericht vom 29. Novem-
ber 2019 leide er an Polycythemia Vera, arteriellem Hypertonus und Gas-
tritis, benötige jedoch keine Behandlung. Nachdem die Erkrankung bereits
im Heimatland habe behandelt werden können und gemäss Arztbericht
nichts gegen eine Behandlung in Sri Lanka spreche, stünden diese medi-
zinischen Probleme einer Rückkehr nicht im Weg.
10.4.4 Auf Beschwerdeebene wird auf diese Argumentation inhaltlich kaum
Bezug genommen; im Rechtsmittel vom 27. Mai 2020 wird zur Frage der
Zumutbarkeit des Vollzugs in medizinischer Hinsicht einzig Folgendes an-
gemerkt: "Der Beschwerdeführer hat zudem erhebliche gesundheitliche
Probleme. Dies alles trägt weiter zu einer unzumutbaren Situation für ihn
in Sri Lanka bei" (vgl. Beschwerde S. 51).
10.4.5 Soweit im Beschwerdeverfahren eine zu vermutende psychische
Erkrankung aufgrund der erlittenen Misshandlungen thematisiert wird (vgl.
insbesondere Beschwerde S. 14 f.), hat das SEM festgehalten, dass es am
Beschwerdeführer sei, derartige Beschwerden gegebenenfalls substanzi-
iert darzutun, was er bisher nie getan habe (vgl. Vernehmlassung S. 1 f.).
Diese Feststellung ist korrekt und entspricht der publizierten Praxis des
Bundesverwaltungsgerichts zur Mitwirkungspflicht von Asylsuchenden mit
Gesundheitsproblemen (vgl. BVGE 2009/50 E. 10). In seiner Stellung-
nahme lässt der Beschwerdeführer zwar die Haltung des SEM (mit unnötig
scharfen Worten) kritisieren (vgl. Replik S. 3 f.]); weder in dieser Replik
noch in den beiden folgenden Eingaben seines Rechtsvertreters wird
jedoch ausgeführt, dass sich der Beschwerdeführer seit seiner Einreise in
die Schweiz im Jahr 2016 jemals wegen psychischer Beschwerden hätte
behandeln lassen müssen. Bei dieser Aktenlage ist auch insoweit nicht von
relevanten medizinischen Vollzugshindernissen auszugehen.
10.4.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung so-
wohl in genereller als auch in individueller Hinsicht als zumutbar. An dieser
Feststellung vermag auch die schwere gegenwärtige Wirtschaftskrise in Sri
Lanka nichts zu ändern (vgl. hierzu SCHWEIZERISCHE FLÜCHTLINGSHILFE,
Sri Lanka: Wirtschaftskrise und Gesundheitsversorgung, Bern, 13. Juli
2022).
E-2748/2020
Seite 33
10.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der sehr umfangrei-
chen Eingaben auf Beschwerdeebene mit zahlreichen Beilagen ohne indi-
viduellen Bezug zum Beschwerdeführer sind die Kosten praxisgemäss auf
insgesamt Fr. 1500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe geleistete Kos-
tenvorschuss ist zur Begleichung dieser Kosten zu verwenden.
13.
Das Zusprechen einer Parteientschädigung steht bei diesem Verfahrens-
ausgang nicht zur Debatte. Es besteht schon deshalb keine Veranlassung
den Rechtsvertreter zur Einreichung einer Kostennote aufzufordern (vgl.
zudem Art. 14 Abs. 2 VGKE).
(Dispositiv nächste Seite)
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