Decision ID: dfdb55f3-25d6-4bd9-a51b-1e891ccc54ca
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967, arbeitete
vom
1.
April 2012
bis
3
1.
Oktober 2013
als Hilfsbäcker bei der
Y._
AG in
Z._
in einem
100%-Pensum
(Urk. 9/2).
Nebenher
war
er seit
1.
Dezember 2008 als
Zei
tungsverträger
bei der
A._
AG
in
Teilzeit
beschäftigt
(Urk. 9/6 S.
2, Urk. 9/8/6
).
Am 2
0
.
Januar 2013
(Urk. 9/8/6
, vgl. dazu auch Urk. 9/8/18
) rutschte er
während
d
er Arbeit
als
Zeitungsverträger
auf einer Treppe aus.
Dabei zog er sich
Prellungen am Schädel, am Handgelenk li
nks und am Fuss
gelenk links zu
(Urk.
9/8/18
).
Der zuständige Unfallversicherer er
brachte für das Ereignis vom 2
0.
Januar
20
1
3
Taggelder,
wobei er sämtliche Versicherungsleistungen per
3
1.
Dezember
20
13
ein
stellte (Urk.
9
/
20
).
1.2
Am 30
.
Juli
20
12 (Urk. 9/2) meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf starke
Schulterschmerzen links seit dem Sturz
vo
m 2
0.
Januar 2013 bei der Inva
liden
versicherung zum
Renten
bezug
an. Die
Sozial
versicherungs
an
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte
einen Auszug aus dem individuellen Konto (Urk. 9/4)
ein,
führte ein St
andortgespräch (Urk. 9/6)
und zog die Akten des
Un
fall
versicherers
bei (Urk. 9/8).
Nach durch
geführtem
Vor
be
scheid
verfah
ren
(Urk.
9
/
11
, vgl. auch Urk. 9/16
)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
31
.
Janu
ar
201
4
(Urk. 2) einen
Rentenanspruch
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom
13
.
Februar
201
4
(Urk. 1
, vgl. da
zu auch Urk. 9/25-27
) Beschwerde und beantragte
sinngemäss e
ine
erneute Prüfung
beziehungsweise die Zusprechung einer Rente
(Urk. 2)
. Mit
Beschwer
de
antwort
vom
1
.
April
201
4
(Urk. 8)
schloss die IV-Stel
le auf Abweisung der
Beschwerde
, was dem Beschwerdeführer am
2.
April 2014
(Urk. 10)
zur Kennt
ni
s gebracht wurde.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die Akten ist, soweit für die
Entscheid
findung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den All
ge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.
2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der Verfügung vom 3
1.
Januar 2014 (Urk. 2) dafür, die Abklärungen hätten ergeben, dass der Beschwerdeführer nur vorüber
gehend in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei und ihm die bis
he
rigen Tätigkeiten als Hilfsb
ä
cker und
Zeitungs
ver
träger
gemäss der
kreis
ärzt
lichen
Untersuchung der SUVA vom
5.
November 2013 wieder zu 100 % zumut
bar seien. Die vorausgesetzte einjährige Wartezeit sei somit nicht erfüllt.
2.2
Der Beschwerdeführer
machte geltend, er
verstehe nicht, weshalb sein Rücken
leiden in keiner Weise berücksichtigt worden sei. Fakt sei, dass es ihm seit dem Unfallereignis schlecht gehe und er im Stehen und Sitzen Probleme mit dem Rücken habe. Er verlange eine faire Bearbeitung seines Falles.
3.
3.
1
Am
9.
April 2013 (Urk. 9/8/45-46)
hielt
Dr.
med.
B._
, FMH Radiologie,
FMH Allgemeine Medizin,
C._
, eine
alters
entsprechende
Darstellung der HWS mit altersentsprechend
mässig
gra
di
gen
degenerativen Veränderungen und ohne Hinweise
auf
eine Fraktur, ein un
auf
fälliges Schultergelenk, insbesondere keine pathologischen Verkalkungen und
keine Hinweise
auf
eine
Rotatorenmanschettenruptur
fest
,
ferner
ein flaches
Bul
ging
der
Disci
Halswirbelkörper (HWK) 3/4 und HWK 6/7 soweit in nur einer sagit
ta
l
en Sequenz zu beurteilen
,
ohne
Kompromittierung
des Spinalkanals be
zie
hungs
weise der
Neuroforamina
/Nervenwurzeln. Hinweise für eine aus
ge
prägte
HWS-Verletzung fand
en
si
ch
keine.
3.
2
Gestützt auf die
Arthromagnetresonanztomographie
des Schultergelenkes links
vom 1
5.
Juli 2013 (Urk. 9/8/57) hielt
Dr.
med.
D._
, FMH Radiologie,
E._
, eine leichte aktivierte AC-Arthrose und Zeichen des
subacromialen
Im
pin
ge
ments
mit
geringradiger
Bursitis, eine intakte
Rotatorenmanschette
sowie eine „kleinste“ Labrumläsion am vorderen Pfannenrand fest.
3.
3
Dr.
med.
F._
, Leitender Oberarzt, Orthopädie Obere Extremitäten,
nannte
am
2
1.
August 2013
(
Urk. 9/8/51-53
, vgl. auch
Urk. 9/8/25-26, Urk. 9/8/28, Urk. 9/8/35
)
in der
adominanten
Schul
ter links eine traumatisch aktivierte AC-Gelenksarthrose (Sturz am 2
0.
Januar 2013) und einen Status nach einer ge
ziel
ten AC-Infiltration am 2
9.
Mai 201
3.
Dr.
F._
hielt fest, die Infiltration habe keinen Effekt gebracht. Die Schmer
zen bestünden fort.
Die heutige
Lokalanästhetikuminfiltration
habe die
Symptomatik mit Ausstrahlung in den Nacken
auch
nicht beeinflussen kön
nen. Seit dem Sturz am 2
0.
Januar 2013 habe der Beschwerdeführer über
Cervico
brachialgien
geklagt. Klinisch seien weiterhin ein druckschmerzhaftes
Eck
gelenk
rechts sowie diffuse
Triggerpunkte
persicapulär
aufgefallen. Zwei
malige In
filt
rationen des AC-Gelenkes hätten die Symptomatik in keiner Weise zu beein
flus
sen vermocht.
Da die
Arthro
-MRI-
Untersuchung
weitgehend normal ausgefallen sei, möchte er Abstand von
jeglicher
operativer Inter
vention nehmen
. Eine Re
duktion der Belastung am Arbeits
platz er
scheine un
um
gänglich, um eine
Reinte
gration wieder zu er
möglichen. Physio
therapeutische Anstrengungen würde
n als praktisch einziges unterstützendes Hilfs
mittel verbleiben.
3.
4
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Chirurgie FMH, Kreisärztin, SUVA, nannte im
kreis
ärztlichen
Untersuchungsbericht
vom
5.
November 2013 (Urk. 9/9 S.
5 f.)
Rest
beschwerden
im Bereich der linken Schulter bei diskreter
AC-Gelenks
arth
rose
und ein chronisches
Panvertebralsyndrom
mit
spondylogener
Aus
strah
lung.
Dr.
G._
hielt fest (S. 6), bei der heutigen klinischen Untersuchung habe sich eine mässige muskuläre Verspannung der Nacken-, Schulter- und
Pan
vertebral
mus
kulatur
gezeigt. Objektiv habe sich eine seitengleiche Beweglichkeit der
Hals
wirbelsäule
(HWS), der Lendenwirbelsäule (LWS) und
in den
Schultern
- beim
Ausführen mit vermehrten Schmerzangaben im Bereich der linken Schul
ter
-
gezeigt
.
Auch seien im Bereich der linken Schulter und im Bereich der LWS
Er
schüt
terungs
schmerzen
angegeben worden. Die erhobene zirkuläre
Hy
posensi
blität
im Bereich des linken Arms sei an sich aufgrund der vor
liegenden Diag
nostik und
der
sonst erhobenen Befunden nicht erklärbar
beziehungs
weise nicht nachvollziehbar. Auch sei aufgrund der erhobenen
Um
fang
masse
eine
Schon
haltung
des linken Armes wie sie vom Beschwerde
führer vorgeführt und ange
geben werde, nicht nachvollziehbar, da nach zehn Monaten eine
Um
fang
ver
minderung
vorliegen müsste.
Objektiv seien die beklagten Schmerzen im Be
reich
der linken Schulter und in der Wirbelsäule aufgrund der vorliegenden mässigen muskulären Verspannungen,
aufgrund
verminderter Fitness und der
bild
gebend
dokumentierten leichten degenerativen Veränderungen erklärbar, jedoch zehn Monate nach dem Unfallereignis nicht mehr mit überwiegender Wahr
schein
lich
keit auf das Unfallereignis vom
20. Januar 2013
zurück
zu
führen, da keine
strukturelle traumatische Läsion in der bildgebenden Diagnostik nachweisbar sei.
Aus rein unfallkausaler Sicht sei der Beschwerdeführer in einer mittelschweren Tätig
keit voll arbeitsfähig. Aus unfallkausaler Sicht könne er sicherlich seine Hilfs
tätigkeit bei
Y._
sowie das Austragen der Sonntagszeitung wieder realisieren.
Die beklagten subjektiven Beschwerden im Bereich der linken Schulter und
der
Wir
bel
säule seien aufgrund der vorliegenden bildgebenden Diagnostik, wo eine strukturelle traumatische Verletzung, welche auf das Ereignis vom 2
0.
Januar 2013 zurückzuführen wäre, nicht nachweisbar sei, medizinisch/somatisch nicht er
klär
bar. Die beklagten Beschwerden seien mit überwiegender Wahr
schein
lich
keit nicht mehr auf das Unfallereignis zurückzuführen, sondern auf
grund der
körper
lichen
Dekonditioni
erung
, Schonhaltung und
aufgrund
”
mässige
r
Dege
ne
ration
”
nach
vollziehbar und erklärbar.
Die derzeit beklagen
Beschwerden seien auf den Vorzustand – namentlich auf
die
”
vorliegend degenerativen Verän
de
rungen
”
und die körperliche
Dekon
ditionierung
– zurückzuführen (S. 7).
3.
5
Dr.
med.
H._
, Ärztin des Regionalen Ärztlichen Dienstes, hielt in ihrer Stel
lung
nahme vom
3.
Februar 2014 (Urk. 9/21) fest, die SUVA sei von einer vollen Arbeits
fähigkeit für mittelsc
hwere Tätigkeiten (samt den
bisherigen Tätig
keiten)
ausgegangen. Die angegebenen Schmerzen im Schulter- und
Wirbel
säulen
be
reic
h
könnten keinem organischen, diagnostisch zu erfassenden Sub
strat zu
ge
ord
net
werden. G
emäss der kreisärztlichen Unter
suchung vom
5.
November 2013
lägen aktuell
keine organisch begründbaren Erklärungen für die Schmer
zen vor. Über
wiegend wahrscheinlich lägen aus
versicherungs
medizinischer
Sicht keine orga
nisch begründbaren funktionellen Ein
schränkungen vor, die die Arbeits
fähig
keit aus unfallfremder Sicht ein
schränk
t
en.
4.
4
.1
Die Beschwerdegegnerin ging
in der
angefochtenen Verfügung
davon aus, dass
aus invalidenversicherungsmedizinischer Sicht keine organisch begründbaren funk
tionellen Einschränkungen vorlägen, die die Arbeitsfähigkeit aus
unfall
fremder
Sicht einschränk
ten
(Urk. 2 S.
2 oben). Mit anderen Worten ver
neinte
sie unfallfremde
,
die Arbeitsfähigkeit einschränkende
Beein
träch
tigungen und ging
gestützt auf die
Einschätzung der den Unfall
ver
sicherer beratenden
Kreis
ärztin
Dr.
G._
vom
5.
November 2013
(E.
3.
4
hie
vor
) davon aus, dass der
Beschwerdeführer in den bisherigen Tätigkeiten wieder voll arbeitsfähig sei.
Da
die Ein
schätzung von
Dr.
G._
bezüglich des Unfalles vom
20
.
Januar 2013
aber
unter Aus
klammerung der von ih
r
genannten
unfall
fremden
Faktoren
wie ins
be
sond
ere der mässigen
De
generationen
erfolgte
,
kann auf diese Beurteilung nicht abgestellt wer
den
;
sind doch im
in
validen
ver
sicherungs
recht
lichen
Ver
fah
ren unfallkausale und
un
fall
fremde
ge
sund
heit
liche
Be
ein
trächtigungen gleicher
massen zu be
rück
sichtigen.
Entgegen der Auf
fas
sung der RAD-Ärztin
führte die beratende
Kreis
ärztin
des
Unfallversiche
rers
die derzeit be
klagten
Beschwerden
auf einen
nur
mehr
krank
haften Vorzustand
, insbesondere auf degenerative
Ver
änderungen,
zu
rück
.
M
äs
siggradige
de
generative Ver
änderungen in der HWS (E.
3.2
hievor
) und eine leichte (aktivierte)
AC-Arthrose (E. 3.3
hievor
, E.
3.4
hie
vor
, E. 3.5
hievor
)
sind in den medizinischen Akten denn auch
mehr
fach und
bild
gebend
dokumentiert,
blieben
in der kausal ausgerichteten
unfall
ver
siche
rungsrechtlichen
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Be
schwerde
führers
jedoch unberücksichtigt
.
4.
2
Es kann aber auch nicht
auf die
Einschätzungen des behandelnden Hausarztes
Dr.
I._
(
Urk. 9/8/3
,
U
rk. 9/8/22
)
abgestellt werden
, stellte letzterer
doch
zum einen einzig
Arbeits
unfähigkeitszeugnisse
für die bisherigen Tätigkeiten aus
,
ohne die dazugehöri
gen Befunde und Diagnose
n
aufzuführen
. Z
um anderen machte er keine Anga
ben zur Ar
beits
fähig
keit in einer
be
hinderungs
ange
passten
Tätigkeit.
Der behandelnde
Dr.
F._
(E.
3.3
hievor
, vgl. auch
Urk. 9/8
/
25-26, Urk. 9/8/28, Urk. 9/8/35) machte ebenso wenig Angaben zu einer
behinde
rungsangepassten
Tätigkeit.
Schliesslich äusserten sich auch die weite
ren
(Fach-)Ärzte nicht zur Arbeits
fähigkeit (E. 3.
1-2
).
4.
3
Da sich die vorliegenden Abklärungen für die abschliessende Beurteilung des
medizinischen Sachverhalt
s aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht
als unzu
läng
lich
erweisen, ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach entsprechender
medizinischer Abklärung
eine
Ge
samt
beur
tei
lung
d
er Arbeitsfähigkeit in bisheriger
wie
auch in
be
hin
derungs
an
gepasster
Tätigkeit
vornehme
und hernach über einen allfälligen Leistungsanspruch neu entscheide
.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr. 7
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).