Decision ID: 9e76a6d9-78c2-5f15-87f5-cc02416c7bf3
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1975,
meldete sich erstmals am 28. Januar 2011
unter Hinweis auf verschiedene gesundheitliche Beschwerden
bei der Invalidenver
si
cherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/6
Ziff. 6.2
), worauf die Sozialversi
che
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nach getätigten Abklärungen sowie
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/20, Urk. 6/23-24) mit Verfügung vom 23. Dezember
2011 einen Rentenanspruch verneinte (Urk. 6/28). Am 15. Nove
m
ber 2016
meldete sich die Versicherte
unter Hinweis auf Rücken
schmerzen erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 6/37 Ziff. 4.2), wobei die IV-Stelle mit Verfügung vom 22. März 2017 auf das Leistungsbegehren nicht eintrat (Urk. 6/45).
Am 17. Februar 2017 reichte die zuständige Lebensversicherungsgesellschaft eine Meldung zur Früherfassung ein (Urk. 6/53). Auch auf dieses Gesuch trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 1. September 2017 nicht ein (Urk. 6/71).
1.2
Mit Schreiben vom 31. Juli 2019 meldete sich die Versicherte wiederum zum Leistungsbezug an (Urk. 6/78) und reichte einen aktuellen
psychiatrischen
Bericht ein (Urk. 6/77). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/80-81, Urk. 6/83) verfügte die IV-Stelle am 26. September 2019 erneut ein Nichteintreten (Urk. 6/86 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 25. Oktober 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 26. September 2019 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es se
i
auf das Leist
u
ngsbegehren
einzutreten (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 20. November 2019 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was der Beschwerdeführerin am 10. Dezember 2019 mitgeteilt wurde (Urk. 7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prüfung verpflichtet, ob die Vorbringen der versicherten Person überhaupt glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch
Nichteintreten. Dabei wird sie unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dement
sprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anforderungen stellen. Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektieren hat. Daher hat das Gericht die Behandlung der
Eintretensfrage
durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist, das heisst wenn die Verwaltung gestützt auf Art. 87 Abs. 3
der
Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
Nichteintreten beschlossen hat und die versicherte Person deswegen Beschwerde führt; hingegen unterbleibt eine rich
terliche Beurteilung der
Eintretensfrage
, wenn die Verwaltung auf die Neu
anmeldung eingetreten ist (BGE 109 V 108 E. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 71 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.2
Mit Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 IVV soll verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Leistungsverwei
ge
rung immer wieder mit
gleich lautenden
und nicht näher begründeten, das heisst keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE 109 V 108 E. 2a, 262 E. 3). Hingegen kann diese
Eintretensvorschrift
nicht dahin
gehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Änderung gerade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechts
kräftigen Leistungsabweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Person zumindest die Änderung eines Sachverhalts aus dem ge
sam
ten für die Rentenberechtigung erheblichen Tatsachenspektrum glaubwürdig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungs
be
gehren einzutreten und es in tatsächlicher (wie selbstverständlich auch in recht
licher) Hinsicht allseitig zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3a und E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 71 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.3
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tatsa
chen
änderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtser
heb
lichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten
(Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom 5. Juni 2013 E. 2.3; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete das Nichteintreten auf die
erneute A
nmel
dung in der Verfügung vom 26. September 2019 (Urk. 2) damit, dass in dem von der Beschwerdeführerin eingereichten Bericht des
Y._
vom 26. Juni 2019 keine Befunde ersichtlich seien, die aufgrund einer medizinischen Abklärung von Fachärzten festgestellt worden seien. Der Bericht beruhe auf den Aussagen der Beschwerdeführerin. Eine wesentliche Verschlechterung, welche eine potenzielle Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe, sei nicht ausgewiesen (S. 1). Anhand der Akten
hätten
psychische Beschwerden bereits in der Vergangenheit vorge
legen (S. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend (Urk. 1), der von ihr ein
gereichte Arztbericht bestätige, dass sie seit dem 13. September 2018 in regel
mässiger psychiatrischer Behandlung stehe. Die Diagnosen seien von einer Fach
ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie einer Psychologin gestellt worden
. Sie nehme wegen ihrer psychischen Beschwerden regelmässig Psychopharmaka ein, was sich ebenfalls aus dem Bericht ergebe. Die Fachärztin attestiere weiter, dass eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe, eine weiterführende psychothe
rapeutische Behandlung
inklusive Medikation notwendig sei, eine erneute IV-Anmeldung befürwortet werde und eine Unterstützung durch die psychiatrische Spitex empfehlenswert sei. Dieser Arztbericht genüge den reduzierten, minimalen Beweisanforderungen an das Glaubhaftmachen, weshalb die Beschwerdegegnerin auf das neue Gesuch hätte eintreten müssen (S. 5 Ziff. 7).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit allein die Frage, ob die Beschwerdegegnerin auf die
erneute A
nmeldung zu Recht nicht eingetreten sei. Prozessthema ist demnach, ob die Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 87 Abs. 3 IVV glaubhaft gemacht hat, dass sich ihr gesundheitlicher Zustand erheblich verschlechtert hat und zwar verglichen mit dem Zeitpunkt, in welchem der Rentenanspruch letztmals materiell geprüft wurde (BGE 133 V 108), mithin Dezember 2011.
3.
3.1
Der letzten materiellen Anspruchsprüfung im Dezember 2011 lagen folgende Berichte
zugrunde.
3.2
In ihrem Bericht vom 15. Oktober 2007 (Urk. 6/5/1
-2) nannten die Ärzte der Z._
folgende Diagnosen (S. 1):
-
anhaltend depressive Episode, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10: F32.10)
-
Verdacht auf anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Probleme in Verbindung mit der sozialen Umgebung (ICD-10 Z60.0)
Die Beschwerdeführerin lebe unter sehr schwierigen psychosozialen Verhält
nissen
. Neben der prekären finanziellen Lage zeigten sich auch die Beziehungsmuster als eher unsicher. Subjektiv bedeutsamer Faktor für die aktuelle Verschlechterung sei der gewaltsame Tod des Bruders im Herbst des letzten Jahres. Die aktuelle Quer
schnittssymptomatik weise auf ein depressives Zustandsbild hin, welches durch eine begleitende Schmerzsymptomatik, die bereits seit etlichen Jahren bestehe,
verkompliziert werde. Aufgrund der geringen Introspektionsfähigkeit, des undiff
e
renzierten Selbstbildes und der weiterhin bestehenden Ambivalenz sei ein psy
chotherapeutischer Ansatz zunächst in
supportiver
Modalität zu empfehlen. Zur Symptomkontrolle solle zunächst eine medikamentöse Behandlung stattfinden (S. 2).
3.3
Am 18. Jul
i 2011 erstattete Dr. med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, gestützt auf die vorliegenden Akten sowie eine eigene Unter
suchung
sein psychiatrisches Gutachten (Urk. 6/17) und hielt darin fest, es könne
keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden (S. 8 Ziff.
5.1). Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte Dr.
A._
eine depressive Entwicklung (
Dysthymia
; ICD-10 F34.1) mit reaktivem Charakter bei
multiplen psychosozialen Belastungsfaktoren (S. 8 Ziff. 5.2). Im Rahmen der Unter
suchung habe sich eine Beschwerdeführerin mit depressiv getönter Grund
stim
mung und leichtgradig eingeschränkter affektiver Schwingungsfähigkeit ge
zeigt. Die Beschwerdeschilderungen seien insgesamt glaubhaft und ein Leidens
druck
spürbar. Gegen eine gravierende depressive Störung würden hingegen die klini
sch intakten kognitiven Funktionen sprechen (S. 9 Ziff. 6.1). Aus versiche
rungsme
dizinischer Sicht begründe eine
Dysthymia
keine andauernde Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit, aus rein psychiatrischer Sicht sei daher für an das so
matische Leiden angepasste Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit zu atte
stieren (S. 10
Ziff. 6.2). Die Beschwerdeführerin nehme derzeit keine fachärztlich-psychia
trische
Behandlung in Anspruch und das von der Hausärztin verordnete Antidepres
si
vum
nehme sie aufgrund
von Nebenwirkungen nur sporadisch ein (S. 11 Ziff. 6.5). Bei der Genese der genannten psychiatrischen Erkrankung würden invaliditätsfremde
psychosoziale Belastungsfaktoren eine entscheidende Rolle spielen (S. 11 Ziff. 6.
7).
3.4
Die Ärztin der
Z._
nannte in ihrem Bericht vom 24. November 2011 (Urk. 6/26) folgende Diagnosen (S. 2 Ziff. 1.1):
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) / chronische Depres
sio
n
en
-
Hinweis auf
Traumafolgestörung
-
chronisches Schmerzsyndrom / lumbal betontes
Panvertebralsyndrom
Die Beschwerdeführerin
berichte
über eine lang andauernde depressive Symp
tomatik mit gedrückter Stimmung, Freudlosigkeit, Antriebsverlust, Konzentra
tions
störungen, Schlafstörungen, ausgeprägter Rückzugsneigung sowie teilweise vermehrter Reizbarkeit (S. 2 Ziff. 1.4). Für die Bezugstätigkeit
bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit Behandlungsbeginn am 21. September 2011. Anzumerken sei, dass die Arbeitsunfähigkeit nicht allein aus psychiatrischer Sicht beurteilt werden könne, zusätzlich sei eine rheumatologische Beurteilung erfor
derlich (S. 3 Ziff. 1.6). Aus psychiatrischer Sicht erscheine eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt gegenwärtig nicht vorstellbar. Über die Sozialberatung Winter
thur sei zunächst eine Beschäftigung auf dem zweiten Arbeitsmarkt ge
plant, was aus psychiatrischer Sicht uneingeschränkt zu unterstützen sei. Insge
samt sei eine langsame Steigerung der Belastbarkeit bei individueller Anpassung des Arbeitspensums zunächst im geschützten Rahmen sinnvoll. Unter Berücksich
tigung der individuellen Belastungsfaktoren sei mittel- bis längerfristig eine Arbeitsfähigkeit von 50 % vorstellbar, wobei körperliche Belastungen vor dem Hintergrund der Schmerzsymptomatik vermieden werden sollten. Diesbezüglich sollte eine ergänzende rheumatologische Einschätzung erfolgen (S. 4).
3.5
Gestützt auf diese Aktenlage ging die Beschwerdegegnerin davon aus, dass
kein relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen sei. Es sei weder von einer Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit noch von einer Einschränkung der Tätigkeit im Haushaltsbereich auszugehen (vgl. Verfügung vom 23. Dezember 2011, Urk. 6/28
S. 1). Mit dem Bericht der
Z._
würden insbesondere im relevanten psychiatri
schen
Bereich keine neuen medizinischen Tatsachen und Befunde vorgebracht (S. 2).
4.
4.1
Im weiteren Verlauf und insbesondere im Rahmen der Wiederanmeldung am 31. Juli 2019 (Urk. 6/78) lagen der Beschwerdegegnerin
unter anderem
folgende Berichte vor.
4.2
Die Hausärztin Dr. med.
B._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
nannte in ihrem Bericht vom 6. Februar 2017
(Urk. 6/46)
folgende
Diag
nosen (S. 1):
-
chronische Verdauungsstörungen mit Schleimerbrechen, Nausea und rezi
di
vierenden krampfartigen Oberbauchschmerzen bei
-
Mikrohämaturie und
Proteinurie
unklarer Genese
Die bisherigen Untersuchungen der Gastroenterologie am
C._
hätten bis auf den Verdacht auf ein Dumping Syndrom nach Magen
bypass Operation keine definitiven Befunde gebracht. Es würden noch Verlaufs
untersuchungen durchgeführt (S. 1). Aufgrund der ständig persistenten Schmerzen
und der Essensproblematik mit der nötigen Ruhephase könne die Beschwerde
führerin ihren Beruf als Raumpflegerin zurzeit nicht ausüben. Auch sei sie derzeit nicht vermittelbar, da die Leistung durch die ständigen Schmerzen und die Übel
keit mit Erbrechen deutlich reduziert und nicht nachhaltig sei. Es sei eine Ernäh
rungsberatung zur Überprüfung des Essverhaltens durchgeführt
worden
, ein Be
richt sei noch ausstehend. Weiter seien noch die gynäkologische und eventuell urologische Kontrolle bei unklarer Hämaturie abzuwarten. Ein erneuter Verlaufs
bericht könne frühestens in drei bis vier Monaten erbracht werden (S. 2).
4.3
Vom 12. bis 14. April 2017 war die Beschwerdeführerin im
D._
, Klinik für Chirurgie und Orthopädie, zur diagnostischen Laparoskopie hospitalisiert. In ihrem Bericht vom 13. April 2017 (unvollständig bei den Akten; Urk. 6/63) nannten die Ärzte insbesondere folgende Diagnosen:
-
rezidivierende
kolikartige
abdominelle Schmerzen bei
Ometum-Bride
und Blind-loop-Syndrom mit/bei
-
Zustand nach
Magenbypassanlage
2011
-
Status nach
Cholezystektomie
2013
-
kein Nachweis von H.
pylori
Der postoperative Verlauf habe sich komplikationslos gestaltet, die Beschwer
deführerin habe in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden können.
4.4
Dr. med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, und
F._
,
MSc
Psychologin,
Y._
, nannten in ihrem Bericht vom 26. Juni 2019 (Urk. 6/77) folgende Diagnosen (S. 1 Ziff. 1):
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Somatisierungsstörung (F45.0)
Die Beschwerdeführerin stehe seit dem 13. September 2018 bei ihnen in Be
handlung
, an Medikamenten nehme sie
Zolpdem
ein sowie
Truxal
nach Bedarf
(S. 1 Ziff. 1). Sie
berichte
über eine wesentliche Verschlechterung des Gesund
heitszustandes, seit dem Jahre 2017 leide sie unter einer Depressions- und Angstsymptomatik sowie unter körperlichen Symptomen (S. 1 Ziff. 2). Seit dem 1. Dezember 2018 sei eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert, die Haus
halts
führung sei nur noch eingeschränkt möglich. Die meisten Tätigkeiten (putzen, waschen) würden von den Kindern übernommen. Sie selbst koche zwei
mal monatlich (S. 1 f. Ziff. 3). Durch eine weiterführende psychotherapeutische Behandlung inklusive Medikation könnte die Arbeitsfähigkeit wesentlich ver
bessert werden, eine Unterstützung durch die psychiatrische Spitex wäre zudem wünschenswert (S. 2 Ziff. 4). Derzeit seien keine Tätigkeiten zumutbar (S. 2 Ziff.
5).
5.
5.1
Nach der Einschätzung der Beschwerdegegnerin vermochte die Beschwerde
füh
rerin eine seit der letzten rentenverneinenden Verfügung vom 23. Dezember 2011 eingetretene Verschlechterung insbesondere ihres psychischen Gesundheitszu
stan
des nicht glaubhaft zu machen.
5.2
Im Zeitpunkt der
für die
Rentenabweisung im Jahre 2011
wesentlichen Begut
achtung durch Dr.
A._
konnte dieser aus psychiatrischer Sicht keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit stellen (E. 3.3). Demgegenüber diagnostizierten die behandelnden Ärzte der
Z._
im Jahre 2011 eine mittelgradige depressive Episode
beziehungsweise
chronische Depressionen, einen Hinweis auf
eine
Traumafolgestörung
sowie ein chronisches Schmerzsyndrom beziehungs
weise
ein lumbal betontes
Panvertebralsyndrom
(E. 3.4).
Bei einer ersten oberfläch
li
chen Prüfung scheint damit keine
wesentliche
Veränderung des Gesundheits
zu
standes eingetreten zu sein.
Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass
sich aus den bei den Akten liegenden medizinischen Berichten der Jahre 2012 bis 2018 keine Hinweise auf eine psy
chische Erkrankung ergeben (vgl. E. 4.2-3 sowie Urk. 6/47, Urk. 6/49). Dazu passt, dass sich die Beschwerdeführerin am 15. November 2016
einzig
unter Hin
weis auf Rückenbeschwerden erneut bei der Beschwerdegegnerin anmeldete (vgl. Urk. 6/37
Ziff. 4.2) und auch im Schreiben vom 8. April 2017, welches im Nach
gang zur Meldung zur Früherfassung vom 24. März 2017 verfasst wurde, keine psychischen Beschwerden erwähnt wurden
,
sondern ausschliesslich auf die im
D._
geplante Operation hingewiesen wurde (vgl. Urk. 6/
53, Urk. 6/61).
Nach der Rentenabweisung im Jahre 2011 sind damit
während
mehrerer
Jahre
keine psychischen Beschwerden mehr dokumentiert, weshalb nun bei der unter Hinweis auf eine psychische Erkrankung vorgenommenen
erneuten A
nmeldung vom 31. Juli 2019 nicht von einer unveränderten Situation ausgegangen werden kann.
5.3
Die Argumentation der Beschwerdegegnerin, wonach die Angaben im Bericht
vom
26. Juni 2019 insbesondere auf den subjektiven Angaben der Beschwerde
führerin beruhten, vermag nicht zu überzeugen.
Zwar enthält der Bericht keine objektiven Befunde und ist eher knapp ausgefallen. D
ie Beschwerdeführerin
steht jedoch
seit September 2018 bei der Psychiaterin Dr.
E._
sowie der Psycho
login
F._
in regelmässiger psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung und
wird
auch medikamentös behandelt (E. 4.4).
Beim
Bericht vom 26. Juni 2019
handelt es sich demnach nicht um einen Kurzbericht nach einem Erstgespräch, sondern
wurde von einer psychiatrischen Fachärztin nach einer Behandlungsdauer von knapp einem Jahr verfasst.
5.4
Nachdem die psychiatrische Begutachtung der Beschwerdeführerin durch Dr.
A._
mehr als acht Jahre zurückliegt, sind an die Glaubhaftmachung einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes
keine überzogenen
Anforde
rungen zu stellen
(vgl. E.
1.1)
. Insgesamt ist gestützt auf den Bericht von Dr.
E._
und
der Psychologin
F._
sowie
die
in den Akten fehlenden Hinweis
e
auf eine psychiatrische Erkrankung in den Jahren 2012 bis 2018 glaubhaft dargetan, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin massgeblich verschlechtert hat. Die Beschwerdegegnerin ist damit auf die
erneute A
nmeldung zu Unrecht nicht eingetreten, weshalb die Beschwerde gutzuheissen und die Sache zur materiellen Beurteilung an die Verwaltung zurückzuweisen ist.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Nach Einsicht in die Honorarnote vom 3. Januar 2020 (Urk. 8) ist die
Prozessentschädigung
auf
Fr.
1'667.70
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen)
festzusetzen
.