Decision ID: ce1c84f6-b97a-5c71-9fd6-9f4d5d4b0ded
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer (ein [...] geborener nigerianischer Staatsange-
höriger) am (...) Juli 2021 in der Schweiz um Asyl ersuchte,
dass ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der «Eurodac»-Datenbank
ergab, dass er am (...) September 2015 und am (...) März 2021 in Italien
Asylgesuche gestellt hatte,
dass dem Beschwerdeführer anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 23. Juli
2021 das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Italiens und
zu seinem Gesundheitszustand gewährt wurde,
dass das SEM gleichentags die italienischen Behörden in Anwendung von
Art. 18 Abs. 1 Bst. d der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist
(nachfolgend: Dublin-III-VO), um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers
ersuchte,
dass die italienischen Behörden zum Übernahmeersuchen der Vorinstanz
innerhalb der geltenden Frist keine Stellung nahmen,
dass das SEM mit Verfügung vom 18. August 2021 (eröffnet am 19. August
2021) in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das
Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat, dessen Wegweisung aus
der Schweiz in den zuständigen Dublin-Staat (Italien) anordnete, ihn auf-
forderte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist
zu verlassen, den Kanton B._ mit dem Vollzug der Wegweisung be-
auftragte und die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an
den Beschwerdeführer aushändigte,
dass der Beschwerdeführer mit Beschwerde vom 26. August 2021 an das
Bundesverwaltungsgericht gelangte,
dass er darin beantragte, die Verfügung vom 18. August 2021 sei aufzuhe-
ben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und
das Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen,
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dass eventualiter die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache
zu weiteren Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen
sei,
dass der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen sei und die
Vollzugsbehörden anzuweisen seien, von einer Überstellung nach Italien
abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die vorliegende Be-
schwerde entschieden habe,
dass auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, die unent-
geltliche Prozessführung zu gewähren und eine angemessene Parteient-
schädigung zuzusprechen sei,
dass die zuständige Instruktionsrichterin am 27. August 2021 den Vollzug
der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aussetzte,

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
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dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), die Beurteilungskompetenz des Gerichts grund-
sätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das
Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E.
2.2, je m.w.H.),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass diesbezüglich die Dublin-III-VO zur Anwendung kommt,
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass ein Abgleich der europäischen Fingerabdruck-Datenbank «Eurodac»
ergab, dass der Beschwerdeführer in Italien Asylgesuche eingereicht hat,
dass das SEM die italienischen Behörden am 23. Juli 2021 um Wiederauf-
nahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-
VO ersuchte,
dass die Zuständigkeit an Italien übergegangen ist, nachdem sich die itali-
enischen Behörden innert der gemäss Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-VO festge-
legten Frist nicht zum Wiederaufnahmegesuch der Vorinstanz geäussert
haben,
dass der Beschwerdeführer nicht bestreitet, in Italien Asylgesuche einge-
reicht zu haben, und auch die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Mitglied-
staates unbestritten blieb,
dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-
schliessen kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder
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Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch
wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die
Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO),
dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)
konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-
mung aus humanitären Gründen auch dann behandeln kann, wenn dafür
gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre,
dass Italien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR
0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR
0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtun-
gen nachkommt,
dass auch davon ausgegangen werden kann, Italien anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26.
Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die
internationalen Schutz beantragen (Aufnahmerichtlinie) ergeben,
dass im letztgenannten Zusammenhang zwar nicht von der Hand zu wei-
sen ist, dass die in Italien herrschenden Aufnahmebedingungen schon wie-
derholt zu Klagen Anlass gaben, wozu sich das Bundesverwaltungsgericht
bereits mehrfach geäussert hat (vgl. BVGE 2015/4 E. 4, 2016/2 E. 5, 2017
VI/5 E. 8.4 und 2017 VI/10 E. 5 sowie BVGer-Urteil E-962/2019 vom
17. Dezember 2019 [publiziert als Referenzurteil]),
dass das Bundesverwaltungsgericht aber in ständiger Rechtsprechung da-
von ausgeht, dass das italienische Asylsystem – trotz punktueller
Schwachstellen – keine systemischen Mängel im Sinn von Art. 3 Abs. 2
zweiter Satz Dublin-III-VO aufweist (vgl. Referenzurteil E-962/2019 vom
17. Dezember 2019 E. 6.3),
dass die unsubstanziierten Mutmassungen und zitierten Berichte in der Be-
schwerde hieran nichts zu ändern vermögen und ebenfalls keinen Anlass
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zur Annahme geben, der Beschwerdeführer wäre in Italien ernsthaft ge-
fährdet,
dass die in der Beschwerdeschrift erstmals vorgebrachte und nicht weiter
substanziierte Bedrohung durch nigerianische Landsmänner in Italien als
nachgeschoben und damit unglaubhaft zu betrachten ist,
dass der Beschwerdeführer mit der Beschwerdeschrift geltend macht, eine
Rückschaffung nach Italien könnte eine Kettenabschiebung zur Folge ha-
ben,
dass jedoch keine Gründe für die Annahme ersichtlich sind, Italien werde
im Falle des Beschwerdeführers den Grundsatz des Non-Refoulements
missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib,
sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG
gefährdet sind oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein
solches Land gezwungen zu werden,
dass der Beschwerdeführer weiter geltend macht, er habe in Italien keine
staatliche Unterstützung erhalten und auf der Strasse gelebt, so dass er
bei einer Rückkehr erneut Gefahr laufe, wieder auf der Strasse zu landen,
nicht genug Essen und Trinken zu erhalten oder gar unter unmenschlichen
Bedingungen und ohne Grund inhaftiert zu werden,
dass er zudem vorbringt, er leide an gesundheitlichen Beschwerden, na-
mentlich starken Zahnschmerzen, und befürchte, angesichts des einge-
schränkten Zugangs zur Gesundheitsversorgung in Italien keine medizini-
sche Versorgung zu erhalten, zumal ihm eine solche zuvor verweigert wor-
den sei,
dass das Bundesverwaltungsgericht in seinem Referenzurteil E-962/2019
vom 17. Dezember 2019 strengere Kriterien für Dublin-Überstellungen von
schwer erkrankten Asylsuchenden, die sofort nach der Ankunft in Italien auf
lückenlose medizinische Versorgung angewiesen sind, beschlossen und
die Vorinstanz verpflichtet hat, individuelle Zusicherungen betreffend die
Gewährleistung der nötigen medizinischen Versorgung und Unterbringung
bei den italienischen Behörden einzuholen (vgl. Referenzurteil E-962/2019
E. 7.4.3),
dass der Beschwerdeführer indessen nicht dieser Kategorie der besonders
vulnerablen Personen zuzurechnen ist,
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dass sich bezüglich des medizinischen Sachverhalts aus den Akten ergibt,
dass der Beschwerdeführer in der Schweiz zahnärztlich behandelt wurde
(SEM-act. 20),
dass er anlässlich der Befragung vom 23. Juli 2021 angab, es gehe ihm
besser, seitdem ihm in der Schweiz Zähne gezogen worden seien,
dass er andere gesundheitliche Probleme ausdrücklich verneinte (SEM-
act. 15),
dass kein ausreichender Anlass zur Annahme besteht, wegen der erwähn-
ten gesundheitlichen Schwierigkeiten des Beschwerdeführers oder aus ei-
nem anderen Grund drohe im Falle seiner Überstellung nach Italien ein
Verstoss gegen Art. 3 EMRK (vgl. BVGE 2011/9 E. 7, mit Hinweisen auf die
damalige Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
[EGMR]; vgl. aus der neueren Rechtsprechung das Urteil des EGMR Pa-
poshvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016 [Grosse Kammer], Be-
schwerde Nr. 41738/10, Ziff. 180–193, m.w.H.),
dass Italien im Übrigen grundsätzlich über eine ausreichende medizinische
Infrastruktur verfügt (vgl. Urteile des BVGer D-3501/2021 vom 11. August
2021 E. 6.3.2; E-6298/2019 vom 5. Dezember 2019; F-4617/2019 vom
14. Oktober 2019 E. 5.3),
dass dem Beschwerdeführer, einem jungen und – abgesehen von den er-
wähnten, als leicht zu bezeichnenden gesundheitlichen Beeinträchtigun-
gen – gesunden Mann, zugemutet werden kann, in Italien seine Rechte in
Bezug auf die medizinische Versorgung und sonstige Unterstützung ge-
mäss Art. 19 Aufnahmerichtlinie gegebenenfalls bei den zuständigen staat-
lichen Stellen geltend zu machen,
dass sich – neben den staatlichen Strukturen – auch zahlreiche private
Hilfsorganisationen der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen
annehmen, bei denen er bei Bedarf ebenfalls um Unterstützung nachsu-
chen kann,
dass im Übrigen keine Sachverhaltsumstände ersichtlich sind, die in
rechtserheblicher Weise gegen eine Wegweisung in den für ihn zuständi-
gen Dublin-Vertragsstaat sprechen würden,
dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 ein Ermes-
sen zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf
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eine gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a
AsylG) durch die Vorinstanz zu entnehmen sind,
dass das Bundesverwaltungsgericht sich unter diesen Umständen weiterer
Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält,
dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und
– weil der Beschwerdeführer insbesondere nicht im Besitz einer gültigen
Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von
Art. 44 AsylG die Überstellung nach Italien angeordnet hat (Art. 32 Abs. 1
Bst. a AsylV 1),
dass die Beschwerde folglich abzuweisen ist,
dass das mit der Beschwerdeschrift gestellte Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) abzuweisen ist, da
die hauptsächlichen Begehren – wie sich aus den angestellten Erwägun-
gen ergibt – als von vornherein aussichtslos zu bezeichnen waren,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist,
weshalb die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung und auf
Erlass des Kostenvorschusses gegenstandslos geworden sind.
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