Decision ID: 5a237c6c-7f6e-49e4-933f-9b82a90ef9aa
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1963
geborene
X._, verheiratet und
Mutter
dreier Kinder (geboren 1994, 1997 und 2003), reiste im September 2000 in die Schweiz ein und war
seit
Dezember 2000
als
diplomierte Pflegefachfrau (HF
)
bei der Y._ im Z._ angestellt (Urk. 7/2 Ziff. 1.3, 1.6, 1.7, 3.1, 5.4)
. Am
3. März 2015 mel
dete sie sich
unter Angabe von seit dem Jahr 2012 bestehenden Herzbeschwerden, Weichteilrheumatismus, Schilddrüsenent
zündung, psychischen Beeinträchtigungen, Magenproblemen, Myom und chro
nischen Schmerzen
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2
Ziff. 6.2
). Nach medizinischen und beruflich-erwerblichen Abklärun
gen sowie
nach
Durchführung des
Vorbescheidverfahrens (Urk. 7/38
) verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, mit Verfügung vom 6. Juni
2016 (
Urk. 2) den Anspruch der Versi
cherten auf eine Invalidenren
te, wobei sie si
ch insbesondere auf die Aktenbeurtei
lung ihres regionalen ärztli
chen Dienstes (RAD; Stellungnahmen vom
21. Januar 2016 [Urk. 7/37 S. 4 f.] und 31. Mai 2016 [Urk. 7/53 S. 3
]) stützte.
2.
Hiegegen erhob X._ am 6. Juli 2016 Beschwerde mit folgenden Anträgen (Urk. 1 S. 2):
„
l.
Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 6. Juni 2016 sei aufzuhe
ben.
2.
Die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, den IV-Grad der
Beschwerde
führerin festzusetzen und gegenüber der Beschwerdeführerin
die gesetz
lich geschuldeten Leistungen, insbesondere eine IV-Rente, zu erbringen.
3.
Eventualiter sei ein polymedizinisches Gutachten durch das Gericht in
Auftrag zu geben und die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Er
kenntnisse dieses Gutachtens anzuweisen, den IV-Grad der Beschwer- de
führerin festzusetzen und gegenüber der Beschwerdeführerin die gesetz-lich geschuldeten Leistungen, insbesondere eine IV-Rente, zu erbringen.
4.
Unter Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin.“
Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 24. August 2016 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 25. August 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsren
te und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Nach der Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf die (versicherungsinterne) Beurteilung des RAD zu entscheiden. Allerdings sind in
solchen Fällen an die Beweis
würdi
gung strenge Anforderungen in dem Sinne zu s
tellen, dass bei auch nur gerin
gen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinter
nen ärztlichen Feststellungen eine versicherungsexterne Begutachtun
g anzu
ordnen ist (BGE 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt gestützt auf die Einschätzung ihres RAD dafür,
es stünden psychosoziale Faktoren im Vordergrund. Wesentliche organische Ver
änderungen, die ein Schmerzsyndrom mit Verdacht auf Fibromyalgie erklären könnten, seien nicht gefunden worden. Die übrigen Diagnosen, Dekonditionie
rung, Extrasystolie, Anpassungsstörung und Immunthyreoiditis, seien vorüber
gehende Störungen, gut behandelbar und bewirkten keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (vgl. Urk. 2 und Urk.
6
mit Verweis auf die RAD-Stellungnahmen vom 21. Januar und 31. Mai 2016
).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt,
dass sie auch an einer chronifizierten Depression leide, dies der RAD der Beschwerde
gegnerin bei der Beurteilung aber nicht berücksichtigt und auch keine weiteren Abklärungen in die Wege geleitet habe (Urk. 1 Ziff. 12). Es treffe auch nicht zu, dass lediglich der „Verdacht" auf eine Fibromyalgie vorliege, nachdem der Ver
trauensarzt der Pensionskasse der Y._ in der späteren Verlaufskontrolle die Fibromyalgie als gesichert beurteilt habe (Ziff. 14). Es werde durch die Ak
ten auch nicht gestützt, dass psychosoziale Faktoren (Wechsel der vorgesetzten Person am Arbeitsplatz) im Vordergrund stünden. Zwar ergebe sich unter ande
rem aus dem Gutachten des Vertrauensarztes der Pensionskasse der Y._, dass psychosoziale Gründe vorliegen würden; gleichzeitig sei aber auch festgehalten, dass die Beschwerden seit mindestens Anfang 2012 bestünden. Der als psychosoziale Belastung gesehene Konflikt am Arbeitsplatz habe sich aber erst anfangs 2014 zugetragen (Ziff. 15). Die Beschwerdegegnerin habe es auch unterlassen die funktionellen Auswirkungen des Leidens (Fibromyalgie und chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Folgen) anhand der Standardindikatoren zu überprüfen (Ziff. 18). Die angefochtene Verfügung sei deshalb aufzuheben und es seien die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Soweit weitere medizinische Abklärungen notwendig seien sollten, sei die An
gelegenheit an die Vorinstanz zwecks Einholung eines polymedizinischen Gut
achtens zurückzuweisen (Ziff. 22).
3.
3.1
Dr. med. A._ berichtete am 8. Juli 2012 (Urk. 7/12/17-18), seit etwa ei
nem Jahr bestünden diffuse Myalgien und Arthralgien, akzentuiert im Bereich der Nacken- und Beckenregion unter Einbezug der Ellenbogen-, Schulter- Knie- und oberen Sprunggelenke beidseits. Diese verstärkten sich unter Belastung und seien auch nachts und am Morgen mit Anlaufschmerz und allgemeinem Steifig
keitsgefühl im ganzen Körper vorhanden. Die klinischen Untersuchungen zeig
ten keine Auffälligkeiten im Bereich der Gelenke. Es seien vor allem diffuse muskuläre Weichteilbefunde zu finden, die in ihrer Summe an eine Fibromyal
gie erinnerten, bei sonst unauffälliger internistischer und neurologischer Unter
suchung. Die diversen Abklärungen hätten aber keine Pathologie und lediglich eine leicht erhöhte Blutsenkungsreaktion ergeben, was nicht ins Bild der Fibro
myalgie passe.
3.2
Dr. med. B._, Fachärztin FMH Gastroenterologie und Innere Medi
zin, hielt im Bericht vom 26. September 2014 fest (Urk. 7/16/13), es ergäben sich nach drei Gastroskopien mit gleichen Befunden keine Hinweise auf eine organische Störung. Die Beschwerden passten zu einer Aerophagie mit habituel
lem Regurgitieren und Rülpsen. Hilfreich sei ein Versuch, das Luftschlucken durch Verhaltensänderung zu beeinflussen.
3.3
Der Vertrauensarzt, Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH, welcher im Auftrag der Pensionskasse der Y._ am 16. Februar 2015 einen Bericht verfasste, stellt die folgenden Diagnosen (Urk. 7/17 S. 7):
l.
Generalisiertes Weichteil-Schmerzsyndrom mit Erschöpfung Erstdiag
nose 2012
-
Verdacht auf Fibromyalgie 2012/2013
2.
Anpassungsstörung ICD-10 F43.2 bei
-
Arbeitsplatzkonflikt seit anfangs 2014
3.
Massive ventrikuläre Ausflusstrakt-Extrasystolie, Erstdiagnose Okto
ber 2014
Als objektive Untersuchungsbefunde wurde aufgeführt, bei der Beschwerdefüh
rerin handle es sich um eine 52-jährige aus Südindien stammende, gut Deutsch sprechende Pflegefachfrau mit gutem affektiven Rapport, die zeitlich struktu
riert und ohne Aggravation berichte. Sie sei gekränkt und ärgerlich über ein als zurücksetzend und entwertend erlebtes Verhalten durch einen Vorgesetzten an ihrem Arbeitsplatz, welcher ihr früher hierarchisch gleichgestellt gewesen sei. Es bestünden kein psychotisches Erleben, keine mnestischen Störungen und das Denken sei inhaltlich und formal nicht gestört. Die für Fibromyalgie typischen tender points im Nackenbereich, sternocostal, an Ellbogen, Hüften und Knien seien nicht lokalisiert, und die angegebenen Schmerzen in Muskeln und Glie
dern seien eher diffus, ohne Gelenkschwellungen und mit alters- und dem Trai
ningsmangel entsprechend normaler Beweglichkeit.
Es sei zu berücksichtigen, dass die Beschwerden mindestens seit anfangs 2012 bestünden, der Konflikt am Arbeitsplatz jedoch erst anfangs 2014 entstanden sei.
3.4
Dr. D._, FMH Kardiologie und FMH Innere Medizin, nannte im Bericht vom 11. März 2015 die Diagnosen Haschimoto-Thyreoiditis, symptomatische Extrasystolie, funktionelle Palpitationen, stenosefreie Koronararterien, anam
nestische Polymyalgie und Dyslipidämie. Im Jahr 2012 sei eine kardiologische Abklärung bei unklaren thorakalen Beschwerden und einer belasteten Familien
anamnese für kardiovaskuläre Erkrankungen erfolgt. Eine Koronar-CT-Untersuchung habe stenose- und kalkfreie Koronarien gezeigt. Es bestehe eine vermehrte Müdigkeit und Kraftlosigkeit. Der Arbeitsversuch auf dem Lauf
bandergometer sei subjektiv und formal unauffällig ausgefallen, womit keine Hinweise für eine limitierte Koronarperfusion bestehe und weiterhin von steno
se- und kalkfreien Koronararterien, wie anlässlich der Koronar-CT-Untersuchung zwei Jahre zuvor, ausgegangen werden könne. Echokardiogra
phisch lägen keine strukturellen Herzveränderungen vor und das Vorliegen ei
ner rechtsventrikulären Dysplasie könne ausgeschlossen werden. Ein Perikar
derguss liege nicht vor. In Anbetracht der erhobenen Befunde sei prognostisch von einer günstigen Situation auszugehen und auf weiterführende Abklärungen oder reguläre Verlaufskontrollen könne verzichtet werden.
3.5
Dr. med. E._, FMH Rheumatologie, berichtete am 15. April 2015 zu Händen der Beschwerdegegnerin über die ambulante Behandlung der Beschwerdeführe
rin seit dem 3. September 2013 (Urk. 7/12/1-3). Die Beschwerdeführerin klage über zervikal und lumbal betonte Rückenbeschwerden, chronische Kopfschmer
zen, begleitet von einem Krankheitsgefühl, von Kraftlosigkeit und Müdigkeit bei persistierenden hartnäckigen Schlafstörungen. Strukturelle Veränderungen, die die Symptome alleine erklären könnten, lägen nicht vor. Es handle sich um eine fibromyalgieartige Schmerzerkrankung, möglicherweise in Zusammenhang mit einer durchgemachten Hashimoto-Thyreoiditis, bei aktuell euthyreoter Stoff
wechsellage. Die Beschwerdeführerin sei durch die Schmerzerkrankung und die diese begleitende Erschöpfung in ihrer psychophysischen Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Es wurde eine Arbeitsunfähigkeit als Pflegefachfrau vom 11. März bis 31. April 2015 attestiert und festgehalten ab 1. Mai 2015 sei bis auf weiteres ein 60 % Pensum (zirka 5 bis 6 Stunden pro Tag) zumutbar.
3.6
Dr. med. F._, Fachärztin für Innere Medizin, hielt im Formularbericht zu Händen der Beschwerdegegnerin vom 15. April 2015
(
Urk.
7/16/1-6)
eine seit März 2014 bestehende depressive Episode mit somatischen Symptomen nach „Herabstufung/Mobbing?“ am Arbeitsplatz fest. Eine seit Sommer 2013 beste
hende Systemerkrankung sei nicht ausgeschlossen (Ziff. 1.1). Sie kenne die Be
schwerdeführerin seit gut fünf Jahren im Zusammenhang mit Hausbesuchen im Altersheim. Als Hausärztin betreue sie die Beschwerdeführerin seit Oktober 2013. Im Frühling/Sommer 2013 seien gesundheitliche Probleme aufgetreten, welche sich durch die Situation am Arbeitsplatz verstärkt hätten „(oder viel
leicht auch umgekehrt)“ (Ziff. 1.4). Zur Frage der Arbeitsfähigkeit wurde festge
halten (Urk. 7/16 S. 2 oben), bis September 2014 sei die Beschwerdeführerin als Pflegefachfrau 100 % arbeitsfähig. Seit dem Frühling 2013 bestünden leichtere gesundheitliche Probleme, die sich unter einer ungünstigen Arbeitssituation (Mobbing) verstärkt und ab September 2014 zu einer Arbeitsunfähigkeit geführt hätten. Mehrere Arbeitsversuche im unveränderten Arbeitsumfeld seien erfolg
los geblieben. N
ach Erholung von der aktuellen Problematik
schätze sie (die Ärztin) in einem angenehmen Arbeitsumfeld die Arbeitsfähigkeit auf 50 %. Auf längere Sicht bestehe eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 50 %.
3.7
Med. pract. G._ nannte im Bericht vom 30. Juni 2015 folgende Diagnosen (Urk. 7/44/2):
Mittelschwere depressive Störung bei:
-
Hashimoto Thyreoiditis mit Verdacht auf Hashimoto Enzephalopathie
-
Chronisches Schmerzsyndrom bei Fibromyalgie
-
Differentialdiagnose Stiff Man-Syndrom
-
Leichte kognitive Störung
Sie hielt fest, die Hausärztin habe der Beschwerdeführerin ab 1. Juni 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bescheinigt. Nach kurzer Arbeitserprobung habe sich jedoch herausgestellt, dass sie den Belastungen am Arbeitsplatz nicht mehr gewachsen sei. Die Belastungseinschränkungen würden einerseits durch die de
pressive Symptomatik, die chronische Schmerzsymptomatik aber auch durch die kognitive Störung mit ausgeprägten Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstö
rungen verursacht. Derzeit sei die Beschwerdeführerin im Sinne einer Arbeitser
probung zu 30 % in einer Betreuungsgruppe auf der Demenzstation eingeteilt. Auch dieses Pensum könne sie nicht immer uneingeschränkt leisten. Unter Be
rücksichtigung der psychischen und somatischen Einschränkungen sei sie der Ansicht, dass die Beschwerdeführerin maximal noch zu 30 % arbeitsfähig sei.
3.8
Am 21. September 2015 (Urk. 7/31) berichtete Oberarzt prakt. med. H._ vom I._ über den Klinikaufenthalt vom 16. August bis 12. September 2015. Er hielt die Diagnosen Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), Fibromyalgie, Anpas
sungsstörung (ICD-10 F43.2), Chronische Sinusitis, Hashimoto-Thyreoiditis, Ventrikuläre Extrasystolie, Uterus Myomatosus und Othosclerose fest. Die Be
schwerdeführerin leide an einem generalisierten Weichteil-Schmerzsyndrom und Fibromyalgie. Psychosoziale Belastungsfaktoren führten in Kombination mit einer Hashimoto-Thyreoiditis und dem Verdacht auf assoziierte bezie
hungsweise Folgestörungen zu einem psychophysischen Erschöpfungssyndrom. Es sei die Fortführung der Physio- und Trainingstherapie und
die Fortführung der
vorbestehenden
ambulanten Psychotherapi
e bei Dr. G._ zu empfehlen. Eine berufliche Reintegration sei in einem tiefen Teilzeitpensum von 20 – 40 % für leichte, wechselbelastende Tätigkeit ab Zeitpunkt des Austritts realistisch.
3.9
Im Verlaufsbericht vom 22. Oktober 2015 zu Händen der Pensionskasse der Y._ hielt Dr.
med.
C._ die folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (Urk. 7/34/2):
„
1. Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren ICD-10: F45.41 ED 08/2015
- Fibromyalgie-Syndrom mit Fatigue
- Schwere Dekonditionierung
Bestehend seit wann: Allmähliche Entwicklung seit 2012, akzentuiert
seit 2015
“
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er: Fasziitis plantaris rechts bei Senk- und leichtem Hohlfuss und Verkürzung der Waden
muskulatur, Hashimoto Thyreoiditis, bisher mit Euthyreose, Uterus myomatosus, Otosklerose rechts, Adipositas Simplex, anamnestisch chronische Sinusitis, anamnestisch unter augenärztlicher Kontrolle, Status nach Ventrikulärer Aus
flusstrakt-Extrasystolie.
Der Arzt wies darauf hin, die Beschwerdeführerin besuche zweimal pro Woche
Physiotherapie
und
14-täglich
eine Psychotherapie (S. 8). Es zeige sich ein chronifizierter Verlauf der psychiatrischen/psychosomatischen Erkrankung (Schmerzstörung), mit im Verlauf seit einem Jahr zunehmenden Fixierung auf ein ausschliesslich statisches Krankheitskonzept. Es wurde in bisheriger Tätig
keit eine dauernde Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert (S. 11).
3.10
Die RAD-Ärztin J._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin/Prävention im Gesundheitswesen, schrieb in ihrer Aktenbeurteilung vom 21. Januar 2016 (Urk. 7/37/4 f.), aus versicherungsmedizinischer Sicht stünden psychosoziale Faktoren im Vordergrund des Geschehens, da die Beschwerden im Zusammen
hang mit einem Wechsel der vorgesetzten Person am Arbeitsplatz aufgetreten seien. Organische Veränderungen, die das Schmerzsyndrom mit Verdacht auf Fibromyalgie erklären könnten, seien nicht gefunden worden, und auch die üb
rigen Gesundheitsstörungen, wie Dekonditionierung, Anpassungsstörung und Immunthyreoiditis sowie die Extrasystolie seien vorübergehende Störungen be
ziehungsweise der Behandlung gut zugänglich. Zusammenfassend liege aus ver
sicherungsmedizinischer kein ausgewiesener Gesundheitsschaden vor.
4.
4.1
Nach Lage der Akten klagte die Beschwerdeführerin bereits seit dem Jahr 2011 über Beschwerden (Schmerzen), die verschiedentliche Abklärungen zur Folge hatten. Mangels objektivierbarer somatischer Befunde wurde im Juli 2012 an die Diagnose einer Fibromyalgie gedacht (E. 3.1). Aus gastroentorologischer Sicht wurde das Vorliegen einer organischen Störung nach drei Gastroskopien Ende September 2014 verneint (E. 3.2).
Ein generalisiertes Weichteil-Schmerzsyndrom mit Erschöpfung diagnostizierte der Vertrauensarzt der Pension
skasse der Y._ im Februar 2015 (E. 3.3
)
. Im März 2015 konnte in Anbetracht der erhobenen Befunde eine relevante Herzproblematik fachärztlich ausgeschlossen werden (E. 3.4). Im April 2015 beschrieb die behandelnde Hausärztin eine depressive Symptomatik (E. 3.6). Im Juni 2015 hielt die psychotherapeutisch behandelnde Ärztin unter anderem die Diagnose einer mittelschweren depressiven Störung fest (E. 3.7). Sodann wiesen die Ärzte anlässlich des rund vierwöchigen Aufenthaltes im August/September 2015 im Reha Zentrum Davos nebst körperlichen Beschwerden auf eine psychische Symptomatik hin (E. 3.8), und der Vertrauensarzt der Pensionskasse vermerkte in seinem Verlaufsbericht von Oktober 2015 einen nunmehr chronifizierten Verlauf der psychiatrischen/psychosomatischen Erkrankung (E. 3.9).
4.2
Ausweislich der medizinischen Akten ergeben sich damit verschiedene Anhalts
punkte, die neben somatischen Störungen auf ein (eigenständiges) psychisches Leiden hinweisen, welchem die behandelnden Ärzte einen Einfluss auf die Ar
beitsfähigkeit beimassen. Der RAD der Beschwerdegegnerin hat indes, ohne nä
her auf die Diskrepanz zur abweichenden Auffassung der behandelnden (Fach)Ärzte einzugehen, der psychischen Symptomatik keinen Stellenwert zugemes
sen. Aufgrund der Akten ergeben sich zwar Hinweise auf psychosoziale Fakto
ren (Probleme am letzten Arbeitsplatz), die im Zusammenhang mit dem Leiden — insbesondere als auslösende Faktoren bereits vorbestehender Störungen — ge
sehen wurden. Aktenkundig ist aber auch die Diagnose einer mittelschweren
depressiven Störung
, die von fachärztlicher Seite bis anhin nicht näher abge
klärt wurde. Damit bestehen gewisse Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüs
sigkeit der Einschätzung des RAD, sodass praxisgemäss (vgl. E. 1.5) nicht darauf abgestellt werden kann. Dies gilt umso mehr, als es der
RAD
-Ärztin
J._,
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin/Prävention im Gesundheitswesen
,
an der einschlägigen Qualifikation zur Beurteilung des in Frage stehenden psychi
schen Gesundheitsschadens und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fehlt. Auch hat sie die Beschwerdeführerin nicht persönlich untersucht, sondern eine reine Aktenbeurteilung vorgenommen, obwohl ein lückenloser Befund be
ziehungsweise ein feststehender medizinischer Sachverhalt nicht vorliegt, so dass die Voraussetzungen für eine blosse Aktenbeurteilung durch den RAD nicht gegeben sind (vgl. dazu die Urteile des Bundesgerichts 9C_335/2015 vom 1. September 2015 E. 4.3 und 9C_558/2016 vom 4. November 2016 E. 6.2).
4.3
Ebenso wenig kann zur Beurteilung des strittigen Rentenanspruchs der Be
schwerdeführerin auf die Einschätzungen der behandelnden Ärzte abgestellt werden. Es liegen unterschiedliche Diagnosen vor, und der medizinische Sach
verhalt ergibt keinen verlässlichen Aufschluss darüber, ob respektive inwiefern sich die psychischen und gegebenenfalls somatischen Einschränkungen auf das Leistungsvermögen der Beschwerdeführerin auswirken.
4.4
Zusammengefasst erweist sich die Aktenlage für eine abschliessende Beurtei
lung des strittigen Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin jedenfalls in medi
zinischer, insbesondere in psychiatrischer Hinsicht, als unzureichend. Infolge
dessen ist die angefochtene Verfügung vom 6. Juni 2016 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den Ge
sundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der ange
stammten sowie in einer leidensangepassten Tätigkeit in geeigneter Form fach
medizinisch abkläre und hernach (je nach Ergebnis unter Berücksichtigung der geänderten Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung psychischer Leiden [Leitentscheide des Bundesgerichts 8C_841/2016 und 8C_130/2017 vom 30. November 2017]) über deren Leistungsanspruch neu entscheide. In diesem Sinne ist die Beschwerde entsprechend dem Eventualantrag der Beschwerdefüh
rerin (Urk. 1 S. 2 und S. 12 Ziff. 22) gutzuheissen.
5.
5.1
Die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung gilt rechtsprechungsgemäss für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung als vollständiges Obsiegen, unabhängig davon, ob sie beantragt oder ob das entsprechende Begehren im Haupt- oder im Eventualantrag gestellt wurde (BGE 141 V 281 E. 11.1, 137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2).
5.2
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und entsprechend dessen Ausgang der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.3
Ausgangsgemäss steht der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG und § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) eine Prozessentschädigung zu, welche ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses sowie unter Anwendung des praxisgemässen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) für als Rechtsanwälte zugelassene Juristen auf Fr. 1‘700.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.