Decision ID: 4fb4dbe7-7059-5b78-afc5-bfa9e8faffc2
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, tamilischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in
B._, Distrikt C._, verliess seinen Heimatstaat eigenen An-
gaben zufolge am (...) September 2018 auf dem Luftweg nach Italien, von
wo aus er am 3. Oktober 2018 in die Schweiz eingereist sei und gleichen-
tags um Asyl nachsuchte.
A.b Am 4. Oktober 2018 wurde er per Zufallsprinzip dem Testbetrieb im
Verfahrenszentrum D._ zugewiesen und ihm wurde im Rahmen
des Testbetriebs eine Rechtsvertretung beigeordnet.
B.
B.a Der Beschwerdeführer wurde am 10. Oktober 2018 zu seiner Person
und dem Reiseweg befragt (MIDES Personalienaufnahme). Anlässlich der
Anhörung nach Art. 16 Abs. 3 der Testphasenverordnung vom 4. Septem-
ber 2013 (TestV [SR 142.318.1]) vom 7. Januar 2019 sowie derjenigen
nach Art. 17 Abs. 2 Bst. b TestV vom 8. Februar 2019 – jeweils im Beisein
seiner zugewiesenen Rechtsvertretung – machte er im Wesentlichen Fol-
gendes geltend:
B.b Zwischen 2000 und 2007 sei er für eine Nichtregierungsorganisation
tätig gewesen, die insbesondere verschiedene Unterkunfts- und Infrastruk-
turprojekte zugunsten von Binnenvertriebenen im sri-lankischen Bürger-
krieg durchgeführt und unterstützt habe. Im Rahmen seiner Tätigkeit sei er
unter anderem für Transporte in von den Liberation Tigers of Tamil Eelam
(LTTE) besetztes Gebiet zuständig gewesen. Dank eines Passierscheins
der LTTE habe er sich jeweils vom Regierungsgebiet ins LTTE-Gebiet be-
geben können. Im Jahr 2006 sei für eines der Projekte im LTTE-Gebiet
Zement benötigt worden. Der Transport von Zement in LTTE-Gebiete sei
zu dieser Zeit aber untersagt gewesen, weil die LTTE diesen für den Bun-
kerbau verwendet habe. Mit einer Spezialbewilligung sei es seiner Organi-
sation dennoch gelungen, drei Ladungen Zement vom Regierungs- ins
LTTE-Gebiet transportieren zu dürfen. Die LTTE habe daraufhin eine der
Ladungen für sich beansprucht und ihm sei nichts anderes übriggeblieben,
als die Ladung abzutreten. Die sri-lankische Armee habe ihm sodann bei
einer Befragung an einem Checkpoint vorgeworfen, alle drei Ladungen an
die LTTE übergeben und auch weitere Güter wie beispielsweise Waffen für
die LTTE geschmuggelt zu haben. Später habe sich herausgestellt, dass
sein Chauffeur tatsächlich ohne sein Wissen Transportdienste für die LTTE
unternommen habe. Als er von den LTTE-Verbindungen seines Chauffeurs
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erfahren habe, habe er seinen Arbeitgeber darüber informiert, woraufhin
der Chauffeur entlassen worden sei. In der Folge sei er auch von der LTTE
bedroht worden, weil der Chauffeur – angeblich auch ein Informant der Be-
wegung – seinetwegen seine Stelle verloren habe. Aufgrund der Gescheh-
nisse betreffend diesen Chauffeur hätten sich 2006 und 2007 mehrmals
Unbekannte in Vavuniya nach seinem Aufenthaltsort erkundigt. Zudem sei
er 2009 bis 2011 sowohl von Behördenvertretern als auch von versteckt
lebenden LTTE-Mitgliedern wiederholt telefonisch bedroht worden. An der
Anhörung vom 8. Februar 2019 brachte er ausserdem vor, der Militärge-
heimdienst habe 2015 nach ihm gesucht, als er im (...) einer (...) gelebt
habe. In den letzten Jahren habe er sich nicht mehr frei bewegen können.
Am (...) Juni 2018 habe er abends Geräusche von Motorrädern gehört.
Kurz darauf seien vier vermummte und mit Schwertern bewaffnete Perso-
nen in sein Haus eingedrungen. Diese hätten ihm und seiner Frau befohlen
still zu sein, dann würde nichts passieren. Etwa 45 Minuten später hätten
diese vier Personen das Haus wieder verlassen. Später habe er erfahren,
dass es in einer nahegelegenen Kirche zu einer tödlichen Auseinanderset-
zung gekommen sei. Er gehe davon aus, dass die Vermummten von dort
geflohen und in der Sackgasse vor seinem Haus gelandet seien, weswe-
gen sie sich zufälligerweise bei ihnen versteckt hätten. Vermutungsweise
habe es sich bei diesen Personen um Angehörige der sogenannten Aava-
Gruppierung gehandelt. Rund eine Woche nach diesem Zwischenfall habe
er einem Richter davon berichtet, woraufhin dieser ihm geraten habe, die
Polizei aufzusuchen. Er habe sich jedoch nicht getraut, eine Anzeige ein-
zureichen, da niemand wisse, wer genau hinter dieser Gruppierung stecke
und ob diese nicht auch Verbindungen zur Polizei habe. Stattdessen habe
er sich zur Ausreise entschieden.
B.c Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte er unter anderem Ar-
beitsbestätigungen, einen Zeitungsartikel betreffend den Vorfall vom
17. Juni 2018 (in Kopie) und Schreiben zweier Richter vom 8. August 2018
und 30. September 2018 (in Kopie) zu den Akten.
C.
C.a Die Vorinstanz unterbreitete der zugewiesenen Rechtsvertretung des
Beschwerdeführers am 18. Februar 2019 ihren Entscheidentwurf zur Stel-
lungnahme.
C.b Diese nahm am 19. Februar 2019 dazu Stellung.
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D.
Mit Verfügung vom 20. Februar 2019 verneinte das SEM die Flüchtlingsei-
genschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete
die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
E.
Die dem Beschwerdeführer im Testbetrieb zugewiesene Rechtsvertretung
legte ihr Mandat am 20. Februar 2019 nieder.
F.
F.a Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe an das Bundesverwaltungs-
gericht vom 4. März 2019 Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfü-
gung. Darin beantragte er die Aufhebung der angefochtenen Verfügung
und die Asylgewährung unter Anerkennung seiner Flüchtlingseigenschaft,
alternativ sei die Verfügung im Hinblick auf den Vollzug der Wegweisung
aufzuheben und er sei in der Schweiz vorläufig aufzunehmen.
F.b In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung einschliesslich Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 11. März 2019 forderte die zuständige Instruk-
tionsrichterin den Beschwerdeführer auf, innert Frist einen aktuellen ärztli-
chen Bericht sowie eine Entbindungserklärung von der ärztlichen Schwei-
gepflicht einzureichen. Gleichzeitig verzichtete sie auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses.
H.
Mit Eingabe vom 25. März 2019 reichte der Beschwerdeführer einen Arzt-
bericht vom 22. März 2019 sowie eine Entbindungserklärung zu den Akten.
I.
Die zuständige Instruktionsrichterin hiess das Gesuch um unentgeltliche
Prozessführung mit Verfügung vom 3. April 2019 gut und lud die Vorinstanz
zur Vernehmlassung ein.
J.
Die Vorinstanz liess sich am 12. April 2019 zur Beschwerde vernehmen
und hielt dabei vollumfänglich an ihren Erwägungen in der angefochtenen
Verfügung fest.
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Seite 5
K.
Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 15. April 2019 zu-
sammen mit einer Einladung zur Replik übermittelt.
L.
Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 30. April 2019 und hielt
an seinen Rechtsbegehren fest.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel wie auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
3.3 Das Bundesverwaltungsgericht ist an die Begründung der Vorinstanz
nicht gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG); es kann die Beschwerde auch aus
anderen Überlegungen als jenen der Vorinstanz abweisen (sog. Motivsub-
stitution; vgl. MADELEINE CAMPRUBI in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.],
VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren,
2. Aufl. 2019, N. 16 zu Art. 62 VwVG; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal-
tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013,
S. 398, Rz. 1136).
4.
4.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Asylentscheid im We-
sentlichen mit der mangelnden Asylrelevanz der Vorbringen im Zusam-
menhang mit den Transporten und dem Chauffeur im Jahr 2006. Die Ge-
schehnisse seien nicht mehr aktuell und deshalb nicht von asylrechtlicher
Relevanz. Ebenfalls nicht von Relevanz sei der Vorfall mit Personen, die
mutmasslich der Aava-Gruppierung angehört hätten, zumal keine Gezielt-
heit im asylrechtlichen Sinn erkennbar sei. Vielmehr habe der Beschwer-
deführer ausgeführt, die Personen seien nur zufällig bei ihm gelandet. Aus-
serdem habe diese Begegnung keine weiteren Konsequenzen nach sich
gezogen. Betreffend die geltend gemachten telefonischen Behelligungen
zwischen 2009 und 2011, die Suche nach ihm durch unbekannte Personen
2006 sowie die Fahndung nach ihm im Jahr 2015 habe er widersprüchliche
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Seite 7
Angaben gemacht, die er auf Vorhalt hin nicht schlüssig habe erklären kön-
nen. Diese Vorbringen würden sich somit als unglaubhaft erweisen. Der
Eindruck, dass er zum Zeitpunkt seiner Ausreise nicht mehr gesucht wor-
den sei, werde auch dadurch untermauert, dass er sich im Juli 2018 einen
Reisepass habe ausstellen lassen können. In diesem Zusammenhang
würden auch seine Angaben zur eigentlichen Ausreise zweifelhaft erschei-
nen, zumal er angegeben habe am Flughafen sowohl seinen echten als
auch einen gefälschten Reisepass benutzt zu haben. Letztlich seien keine
Anhaltspunkte ersichtlich, wonach er bei einer Rückkehr Massnahmen zu
befürchten hätte, die über eine Befragung zu seinem Hintergrund hinaus-
gingen.
4.2 Der Beschwerdeführer führte zur Begründung seines Rechtsmittels im
Wesentlichen aus, seine Schilderungen seien gesamthaft als glaubhaft zu
erachten. Die vom SEM angeführten Widersprüche beträfen keine wesent-
lichen Sachverhaltselemente. Sowohl die eingereichten Beweismittel als
auch seine sich verschlechternde gesundheitliche Entwicklung würden
seine Vorbringen bekräftigen, wonach er nach wiederholten Drohungen
Angst gehabt und sich zunehmend isoliert habe. Darüber hinaus qualifi-
ziere das Bundesverwaltungsgericht in seiner Rechtsprechung Verbindun-
gen zur LTTE im Fall einer Rückkehr als stark risikobegründend im Hinblick
auf drohende Verfolgungsmassnahmen. Sodann habe das SEM nicht be-
stritten, dass er von den sri-lankischen Behörden verdächtigt worden sei,
Waffen, Funkgeräte und Zement an die LTTE geliefert zu haben. Auch
wenn die verdachtsbegründenden Transporttätigkeiten längere Zeit zu-
rücklägen, müsse davon ausgegangen werden, dass er als Person ver-
zeichnet sei, die zumindest im Verdacht stehe, die LTTE in nicht unerheb-
licher Weise unterstützt zu haben. Die Ausreise mit einem gefälschten Rei-
sepass stelle für sich allein genommen zwar keinen asylrelevanten Risiko-
grund dar, schärfe allerdings sein Risikoprofil. Hinzu komme, dass er kurz
vor seiner Ausreise in eine Aktion der Aava-Gruppierung verwickelt gewe-
sen sei. Der Vorfall sei auch in der Presse Thema gewesen, weshalb für
ihn ein nicht unerhebliches Risiko bestehe, dass die Behörden Kenntnis
davon erlangen könnten, dass die Männer sich kurzzeitig in seinem Haus
versteckt hätten und er deshalb mit ihnen in Verbindung gebracht werden
könnte. Abschliessend fürchte er sich bereits seit längerer Zeit vor Verfol-
gung durch die Behörden, die LTTE sowie nunmehr durch die Aava-Grup-
pierung. Diese Furcht erweise sich als objektiv nachvollziehbar und be-
gründet und werde insbesondere auch anhand seines Gesundheitszustan-
des ([...], [...] und [...]) sichtbar.
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Seite 8
4.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz vollumfänglich an den Er-
wägungen der angefochtenen Verfügung und insbesondere der Argumen-
tation bezüglich der teilweisen Unglaubhaftigkeit der Vorbringen fest. Zu-
dem führte das SEM ergänzend aus, dass sich der Beschwerdeführer –
soweit er in seinem Rechtsmittel seine verdachtsweisen Verbindungen zur
LTTE anführte – nach dem Kriegsende noch rund neun Jahre unbehelligt
in Sri Lanka aufgehalten habe. Bei den Befürchtungen des Beschwerde-
führers, sein Risikoprofil könnte sich weiter schärfen, wenn bekannt werde,
dass Mitglieder der Aava-Gruppierung sich in seinem Haus versteckt hät-
ten, handle es sich lediglich um Vermutungen. Einerseits bestehe keine
Gewissheit, dass die Personen überhaupt Teil der Aava-Gruppierung ge-
wesen seien, und andererseits stehe auch nicht fest, ob die Behörden von
deren kurzzeitigen Versteck zukünftig Kenntnis nehmen würden oder wie
beziehungsweise ob sich dies noch auf den Beschwerdeführer auswirken
würde. Die allenfalls subjektiv empfundene Furcht des Beschwerdeführers
könne anhand objektiver Kriterien nicht nachvollzogen werden.
4.4 In seiner Replik hielt der Beschwerdeführer im Wesentlichen an der
Glaubhaftigkeit seiner Aussagen sowie den Ausführungen betreffend sein
Risikoprofil fest.
5.
5.1 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass dem vorinstanzlichen Entscheid im
Ergebnis zuzustimmen, jedoch vorliegend – in Abweichung von den Erwä-
gungen der Vorinstanz – bezüglich sämtlichen Vorbringen des Beschwer-
deführers von deren mangelnden Asylrelevanz auszugehen ist.
Als Wesentlich wird Folgendes erachtet:
5.2
5.2.1 Wie vom SEM zutreffend festgestellt mangelt es den Schilderungen
des Beschwerdeführers betreffend die Transporte in LTTE-Gebiete und die
Verbindungen des Chauffeurs zur LTTE an asylrechtlicher Relevanz. Die
entsprechenden Vorkommnisse lagen im Zeitpunkt der Ausreise bereits
über zehn Jahre zurück, womit die Vorbringen keinen zeitlichen Kausalzu-
sammenhang zur Ausreise aufweisen. Überdies enthalten die Aussagen
des Beschwerdeführers keine Hinweise, die – als die Geschehnisse noch
aktuell waren – auf behördliche Massnahmen von asylrechtlich relevanter
Intensität schliessen lassen würden.
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Seite 9
5.2.2 Soweit der Beschwerdeführer sodann im Rahmen der Anhörung vom
8. Februar 2019 erstmals geltend machte, im Jahr 2015 von Angehörigen
des Militärgeheimdienstes gesucht worden zu sein, entfaltet auch dieses
Vorbringen keine Asylrelevanz. Selbst bei unterstellter Glaubhaftigkeit sind
den Akten keine Hinweise auf weitere Probleme des Beschwerdeführers in
diesem Zusammenhang zu entnehmen, weshalb im Zeitpunkt der Ausreise
ebenfalls kein zeitlicher Kausalzusammenhang gegeben war. So war es
dem Beschwerdeführer insbesondere möglich, sich im Juli 2018, kurz vor
seiner Ausreise, einen Reisepass ausstellen zu lassen (vgl. SEM-act [...]-
27 [A27/15] F18 f.). Der Beschwerdeführer gab zwar an, ab 2015 versteckt
gelebt zu haben (vgl. act. A27/15 F66). Da er sich dabei aber vornehmlich
an seinem registrierten Wohnort sowie besuchsweise bei seinen Familien-
angehörigen aufgehalten habe, ist davon auszugehen, dass die sri-lanki-
schen Behörden leicht auf ihn hätten zugreifen können, sofern sie ein tat-
sächliches Interesse an ihm gehabt hätten (vgl. act. A27/15 F85).
5.3 Es wird nicht in Abrede gestellt, dass es für den Beschwerdeführer und
seine Frau beängstigend gewesen sein musste, als vermummte, bewaff-
nete Personen sich im Juni 2018 Zutritt zu ihrem Haus verschafft haben,
um sich dort kurzzeitig zu verstecken. Allerdings mangelt es diesem Ein-
dringen durch unbekannte Personen sowohl an einem Motiv nach Art. 3
AsylG als auch an der Gezieltheit im asylrechtlichen Sinn, zumal die Per-
sonen das Haus des Beschwerdeführers nur zufällig aufgrund dessen
Lage in einer Sackgasse aufgesucht hatten (vgl. act. [...]-27 [A23/15] F73).
Insbesondere vermag der Beschwerdeführer nicht zu plausibilisieren, wes-
halb die sri-lankischen Behörden aufgrund dieses zufälligen Vorfalls ein In-
teresse an ihm entwickeln sollten, nachdem ein solches bis zum Zeitpunkt
der Ausreise nicht ersichtlich gewesen war, zog dieser einmalige Vorfall
doch keine weiteren Konsequenzen für den Beschwerdeführer oder seine
Familie nach sich (vgl. act. A27/15 F91). Während die Angst und insbeson-
dere der Schock des Beschwerdeführers im Lichte des Rufs der Aava-
Gruppierung verständlich erscheint, lässt das bisher Gesagte nicht den
Schluss einer objektiv begründeten Furcht vor zukünftigen ernsthaften
Nachteilen in diesem Zusammenhang zu.
5.4 Die Vorinstanz kam zu Recht zum Schluss, dass der Beschwerdeführer
keine Risikofaktoren im Sinn der bundesverwaltungsgerichtlichen Recht-
sprechung aufweist (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom
15. Juli 2016) und somit im Fall einer Rückkehr keine begründete Furcht
vor zukünftiger Verfolgung anzunehmen ist.
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Seite 10
5.4.1 Wie bereits dargelegt erweisen sich die geltend gemachten Vorflucht-
gründe des Beschwerdeführers als nicht asylrelevant. Entgegen der in der
Beschwerde vertretenen Auffassung führt der lange zurückliegende Vor-
wurf gegen den Beschwerdeführer, die LTTE unterstützt oder Verbindun-
gen zu ihr gehabt zu haben, nicht zur Annahme relevanter Risikofaktoren.
Vielmehr ist darauf zu verweisen, dass die damaligen Vorwürfe nicht mehr
aktuell erscheinen und sie bereits während dem rund neunjährigen Aufent-
halt des Beschwerdeführers in Sri Lanka nach dem Ende des Bürgerkriegs
kein behördliches Interesse an ihm zu begründen vermochten. Es ist nicht
ersichtlich, weshalb sich an dieser Einschätzung etwas geändert haben
sollte. Sodann verfügt der Beschwerdeführer auch nicht über Familienmit-
glieder mit Verbindungen zur LTTE (vgl. act. A23/15 F87).
5.4.2 Den Akten sind keine Hinweise zu entnehmen, wonach der Be-
schwerdeführer sich auf einer "Stop-List" befunden haben soll. Der An-
nahme eines solchen Eintrages steht – ungeachtet der tatsächlichen Aus-
reisemodalitäten – jedenfalls die Beantragung und Ausstellung eines Rei-
sepasses im Juli 2018, die ohne weitere Konsequenzen blieb, entgegen
(vgl. E. 5.2.2).
5.4.3 Der Beschwerdeführer machte anlässlich der Anhörungen kein poli-
tisches Engagement – und insbesondere keine exilpolitischen Tätigkeiten
– geltend. Zu Zeiten des Bürgerkrieges habe er – wie alle anderen auch –
die von jedem Haushalt geforderten Goldstücke an die LTTE bezahlt und
an diversen Anlässen der Bewegung teilgenommen (vgl. act. A23/15 F86
und act. A27/15 F71). Hieraus vermögen sich allerdings ebenfalls keine
Risikofaktoren begründen, zumal der Beschwerdeführer angab, deswegen
keine Probleme gehabt zu haben (vgl. act. A27/15 F71). Zudem handelte
es sich Aussagen des Beschwerdeführers zufolge sowohl bei den Zahlun-
gen als auch der Teilnahme an Anlässen nicht um politische Aktivitäten,
sondern lediglich um etwas, das zu jener Zeit weite Teile der Bevölkerung
der von der LTTE kontrollierten Gebiete so handhabten.
5.4.4 Schliesslich ist vorliegend auch aus der mittlerweile rund dreijährigen
Landesabwesenheit und der tamilischen Ethnie keine Gefährdung im Sinn
der gefestigten Rechtsprechung bei der Prüfung individueller Risikofakto-
ren ableitbar.
5.5 An dieser Einschätzung vermag auch die aktuelle Lage in Sri Lanka
nichts zu ändern. Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der Veränderun-
gen in Sri Lanka bewusst, beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und
E-1106/2019
Seite 11
berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Aus der Situation seit
dem Machtwechsel im Jahr 2019 lässt sich in Bezug auf den Beschwerde-
führer keine konkrete und individuelle Gefährdungssituation ableiten (vgl.
dazu auch act. A23/15 F78 und 81 ff. und A27/15 F90 bezüglich früherer
Regierungswechsel). Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, wonach
speziell der Beschwerdeführer einer erhöhten Gefahr ausgesetzt wäre.
Ebenso gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass
seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv
einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären.
6.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer aufgrund
des Dargelegten die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt und das SEM sein
Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Die Vorinstanz erachtete den Vollzug der Wegweisung als zulässig,
zumutbar und möglich. Der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, weshalb der Grundsatz der Nichtrückschiebung (Art. 5 Abs. 1
E-1106/2019
Seite 12
AsylG keine Anwendung finde. Die allgemeine Menschenrechtssituation in
Sri Lanka lassen den Wegweisungsvollzug nicht als generell unzulässig
erscheinen und es seien keine Anhaltspunkte ersichtlich, wonach dem Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Der
Wegweisungsvollzug in die Herkunftsregion des Beschwerdeführers er-
weise sich als zumutbar, wenn individuelle Zumutbarkeitskriterien vorlä-
gen. Angesichts seiner Ausbildung und Arbeitserfahrung sowie seines Be-
ziehungsnetzes und dessen finanzieller Situation könne das Vorliegen sol-
cher Zumutbarkeitskriterien bejaht werden. Auch medizinische Gründe
ständen dem Wegweisungsvollzug nicht entgegen, zumal er sich in seinem
Heimatland wegen des (...) und dem (...) in einer Privatklinik habe behan-
deln lassen und regelmässig Medikamente eingenommen habe. Seine ge-
sundheitlichen Probleme könnten auch in seinem Heimatland adäquat be-
handelt werden, wenn auch der Behandlungsstandard wohl nicht demjeni-
gen in der Schweiz entsprechen werde.
8.2.2 Der Beschwerdeführer hielt dieser Einschätzung im Wesentlichen
entgegen, dass angesichts seiner gesundheitlichen Beschwerden bei ihm
– trotz vorhandenem Familiennetzwerk – nicht vom Vorliegen individueller
Zumutbarkeitskriterien ausgegangen werden könne. Seine Behandlungs-
bedürftigkeit werde auch daran ersichtlich, dass er sich während seines
relativ kurzen Aufenthalts im Verfahrenszentrum insgesamt (...) ärztlichen
Konsultation habe unterziehen müssen und er tägliche (...)kontrollen
durchführen müsse. Sein Krankheitsbild sei durch die belastenden Ereig-
nisse hervorgerufen beziehungsweise verstärkt worden, weshalb davon
auszugehen sei, dass es im Falle einer Rückkehr zu einer weiteren Ver-
stärkung komme. Zudem gebe es gerade für die Behandlung von (...)prob-
lemen im Norden Sri Lankas nur unzureichende Möglichkeiten, weshalb er
in seiner Herkunftsregion mit erheblicher Wahrscheinlichkeit nicht die not-
wendige Behandlung für sein Krankheitsbild erhalten werde.
8.3 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.3.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
E-1106/2019
Seite 13
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.3.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
8.3.3 Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Ak-
ten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaf-
fung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr nachweisen oder glaubhaft
machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche
Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien
28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies
gelingt ihm nicht. Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen (vgl. dazu BVGE 2011/24 E. 10.4 und Referenzurteil E-
1866/2015 E. 12.2). Wie auch der Beschwerdeführer erwähnt, hat sich der
EGMR mit der Gefährdungssituation namentlich für Tamilen, die aus einem
europäischen Land zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl. EGMR,
R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Nr. 10466/11; T.N.
gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Nr. 20594/08; P.K. gegen
Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Nr. 54705/08; Rechtsprechung zu-
letzt bestätigt in J.G. gegen Polen, Entscheidung vom 11. Juli 2017, Be-
schwerde Nr. 44114/14). Der EGMR hat dabei festgehalten, dass nicht in
genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe
eine unmenschliche Behandlung.
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8.3.4 Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte dafür,
dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen
sogenannten «Background Check» (Befragung und Überprüfung von Tä-
tigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich
gefährdet wäre. Der Argumentation, dass aufgrund des Gesundheitszu-
standes des Beschwerdeführers eine Befragung und menschenrechtswid-
rige Behandlung bei seiner Rückkehr unter Umständen zu einer lebensbe-
drohlichen Reaktion führen könnte, kann nicht gefolgt werden (vgl. Be-
schwerde S. 11). So gibt es insbesondere keine Hinweise, die auf eine
menschenrechtswidrige Behandlung hindeuten würden. Zudem ist auch
der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nicht geeignet, eine dro-
hende Verletzung von Art. 3 EMRK als wahrscheinlich erscheinen zu las-
sen (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien, Urteil vom 13. De-
zember 2016, Grosse Kammer, Nr. 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
8.3.5 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zur Einschätzung, dass sich
die jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka nicht in relevanter
Weise auf den Beschwerdeführer auswirken dürften. Die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heu-
tigen Zeitpunkt weiterhin nicht als unzulässig erscheinen.
8.3.6 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.4
8.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.4.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt, dies gilt auch unter
Berücksichtigung der aktuellen dortigen Ereignisse und Entwicklungen und
der vom Beschwerdeführer erwähnten Gefahr, als zurückkehrender Tamile
am Flughafen Verhören ausgesetzt zu werden. Nach einer eingehenden
Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundesverwal-
tungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvollzug in die
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Herkunftsregion des Beschwerdeführers zumutbar ist, wenn das Vorliegen
der individuellen Zumutbarkeitskriterien bejaht werden kann (vgl. Urteil
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2).
8.4.3 Auch die politischen Entwicklungen seit der Ausreise des Beschwer-
deführers, namentlich der im Nachgang an die Terroranschläge in Sri
Lanka im April 2019 ausgerufene Notstand und die Präsidentschaftswahl
im Jahr 2019, lassen keine andere Einschätzung zu.
8.4.4 In Bezug auf das Vorliegen individueller Zumutbarkeitskriterien kann
mit Verweis auf die Akten festgehalten werden, dass es sich beim Be-
schwerdeführer um einen gutausgebildeten Mann mit mehrjähriger Berufs-
erfahrung und einem tragfähigen familiären und sozialen Beziehungsnetz
im Heimatstaat handelt. Der Beschwerdeführer beschrieb die wirtschaftli-
che Situation seiner Familie zudem als wohlhabend (vgl. act. A23/15 F35).
Insofern ist anzunehmen, dass er sich bei einer Rückkehr auf die finanzielle
Unterstützung durch seine Familie verlassen kann und es ihm darüber hin-
aus möglich ist, sich wieder eine eigene wirtschaftliche Existenz aufzu-
bauen. Bezüglich der gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers
lässt sich mit Blick auf die Akten festhalten, dass auch diese den Wegwei-
sungsvollzug nicht als unzumutbar erscheinen lassen. Einerseits litt der
Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge bereits mehrere Jahre vor
seiner Ausreise an diesen gesundheitlichen Beschwerden und befand sich
deswegen auch in seiner Heimat in Behandlung (vgl. act. A27/15 F107 ff.).
Andererseits finden sich in den ärztlichen Berichten keine Hinweise, wo-
nach der Beschwerdeführer nunmehr einer medizinischen Behandlung be-
darf, die in seinem Heimatland nicht erhältlich wäre. Somit ist – auch an-
gesichts der finanziellen Verhältnisse seiner Familie – davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer nach seiner Rückkehr wiederum Zugang zu
der für ihn notwendigen medizinischen Behandlung erhalten wird. In die-
sem Zusammenhang kann abschliessend auf die Möglichkeit der Inan-
spruchnahme medizinischer Rückkehrhilfe verwiesen werden (vgl. Art. 93
AsylG).
8.4.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung – ent-
gegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung – auch als zumutbar.
8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, der in Besitz einer Iden-
titätskarte im Original ist (vgl. Act. A11, Ziff. 4.01), sich bei der zuständigen
Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-
dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
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2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Instruktions-
verfügung vom 3. April 2019 sein Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde
und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich seine finanzielle Lage
seither entscheidrelevant verändert hätte, ist von der Auflage von Verfah-
renskosten abzusehen.
(Dispositiv nächste Seite)
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