Decision ID: ac0f1b3f-5d95-5b90-924d-c6cc83835f42
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
B._ war seit dem 1. April 2006 bei der Ausgleichskasse der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) als Selbstständigerwerbende
im Haupterwerb angemeldet (Schule für Körpertherapie [act. G 3.3/10]). Nach
vorgängigen schriftlichen und telefonischen Anfragen bei der Ausgleichskasse des
Kantons Bern und der SVA St. Gallen meldete sie letzterer mit Schreiben vom 7. Juni
2019, dass sie seit Oktober 2013 nebenbei als Lehrerin bei der A._ angestellt sei.
Diese organisiere die Kurse, erledige alle „Papiersachen“, ziehe das Geld bei den
Kursteilnehmenden ein und bezahle ihr den Lohn, d.h. 43 % der Einnahmen. Sie habe
unterschreiben müssen, dass sie die AHV selber bezahle, obwohl sie - wie ihre
Kollegen - Angestellte sei (act. G 3.3/83.1 - 83.6). Nach Rückfrage bei der
Ausgleichskasse Bern teilte die SVA St. Gallen B._ am 8. Juli 2019 mit, sie gelte für
A.a.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 3/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
die Tätigkeit bei der A._ als Unselbstständigerwerbende. Diese sei verpflichtet, mit
der zuständigen Ausgleichskasse abzurechnen (act. G 3.3/86 f.).
Am 20. September 2019 meldete sich B._ erneut bei der SVA St. Gallen. Sie
habe das Schreiben vom 8. Juli 2019 an die A._ weitergeleitet. Dessen Leiter sei der
Auffassung, er müsse keine AHV-Beiträge für die Lehrerinnen und Lehrer bezahlen (act.
G 3.3/92). Die SVA leitete das Schreiben am 16. Oktober 2019 zuständigkeitshalber an
die Ausgleichskasse Bern weiter, da B._ für die A._ arbeite, die mit dieser Kasse
abrechne (act. G 3.3/97). Die Ausgleichskasse Bern wiederum gab der A._
Gelegenheit zur Stellungnahme. Diese liess sich am 5. November 2019 vernehmen und
machte im Wesentlichen geltend, B._ sei selbstständig erwerbend (act. G 3.3/99.3 ff).
Mit Schreiben vom 6. November 2019 teilte die Ausgleichskasse Bern der SVA St.
Gallen mit, sie habe keine Kenntnisse über das massgebende Einkommen von B._
und könne somit keine Nachzahlungsverfügung erlassen. Deshalb ersuche sie die SVA,
eine Feststellungsverfügung betreffend die sozialversicherungsrechtliche Stellung von
B._ zu erlassen (act. G 3.3/99.1).
A.b.
Die SVA St. Gallen kam diesem Ansinnen nach und erliess am 13. November 2019
eine Verfügung über die sozialversicherungsrechtliche Stellung von B._. Dabei stufte
sie die Versicherte als Unselbstständigerwerbende ein (act. G 3.3/101). Dagegen
reichte die A._ am 10. Dezember 2019 Einsprache ein mit dem Antrag auf Aufhebung
der angefochtenen Verfügung. Zudem sei festzustellen, dass B._ selbstständig
erwerbend sei. Sie habe ihr Akupressurkonzept selbstständig begründet und den
Lehrgang selber konzipiert (act. G 3.3/108). Nach einer Einspracheergänzung vom
8. Mai 2020 wies die SVA St. Gallen die Einsprache mit Entscheid vom 28. Mai 2020
ab. Im konkreten Fall überwögen die Merkmale für eine selbstständige Erwerbstätigkeit
jene für eine unselbstständige Erwerbstätigkeit deutlich (act. G 3.3/127 und 132).
A.c.
Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde der A._ vom
26. Juni 2020 mit dem Antrag, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und B._
sei als Selbstständigerwerbende zu qualifizieren. Begründet wird dies unter anderem
damit, dass B._ gemäss ihrer eigenen Website im Jahr 2020 wiederum Akupressur
Einführungs- und Basiskurse anbiete, jedoch nicht bei der Beschwerdeführerin,
B.a.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sondern in Österreich. Damit sei widerlegt, dass die Beschwerdeführerin die
Kursteilnehmenden selber suche. Die Therapeutin habe ihr Akupressurkonzept
selbstständig begründet, den Lehrgang selber konzipiert und habe der
Beschwerdeführerin mit Hinweis auf ihre Urheberrechte präventiv verboten,
Kursunterlagen von ihr zu benützen. In formeller Hinsicht wird geltend gemacht, die
Beschwerdegegnerin habe das rechtliche Gehör der Beschwerdeführerin verletzt,
indem sie oberflächlich, unvollständig und einseitig Argumente für ein angebliches
Subordinationsverhältnis zwischen B._ und der Beschwerdeführerin konstruiert habe
(act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 20. August 2020 beantragt die Verwaltung die
Abweisung der Beschwerde. Zwar seien nicht alle Argumente für die Qualifikation als
Arbeitnehmerin belegt worden. Wie im Einspracheentscheid ausgeführt, hätten aber
trotzdem die gesamten Umstände für die Beurteilung, ob eine selbstständige oder
unselbstständige Erwerbstätigkeit ausgeführt werde, gewürdigt werden können. Der
Anspruch auf rechtliches Gehör verlange, dass die Behörde die Vorbringen der Partei
tatsächlich höre, prüfe und in der Entscheidfindung berücksichtige. Nicht erforderlich
sei jedoch, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetze und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlege. Es genüge, wenn die Begründung so
abgefasst sei, dass die betroffene Person den Entscheid in voller Kenntnis der Sache
an die höhere Instanz weiterziehen könne. Dies sei im angefochtenen Entscheid erfolgt.
In materieller Hinsicht ändere sich nichts, wenn das Schulkonzept urheberrechtlich
geschützt sein solle (act. G 3).
B.b.
Mit Eingabe vom 26. August 2020 verzichtet die Beschwerdeführerin auf eine
ausführliche Replik und bemängelt erneut, dass sich die Beschwerdegegnerin nicht
vertieft und fundiert mit den einzelnen Beurteilungskriterien auseinandersetze (act. G 5).
B.c.
Mit Schreiben des Versicherungsgerichts vom 1. April 2021 wird B._ zum
Verfahren beigeladen (act. G 7). Mit Stellungnahme vom 20. April 2021 lässt sich die
Beigeladene vernehmen, indem sie im Wesentlichen ausführt, dass weder sie noch die
anderen Lehrpersonen je in selbstständig erwerbender Stellung beim A._ gearbeitet
hätten (act. G 8).
B.d.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Considerations:
Erwägungen
1.
Über Beschwerden gegen Verfügungen und Einspracheentscheide kantonaler
Ausgleichskassen entscheidet in Abweichung von Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (SR 830.1; abgekürzt: ATSG)
das Versicherungsgericht am Ort der Ausgleichskasse (Art. 84 des Bundesgesetzes
über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [SR 831.10; abgekürzt: AHVG]). Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen ist somit für die Beurteilung der
vorliegenden Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der SVA St. Gallen örtlich
und sachlich zuständig. Nachdem auch die übrigen Eintretensvoraussetzungen erfüllt
sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
Am 18. August 2021 lässt sich die Beschwerdeführerin dazu vernehmen. Sie führt
nochmals aus, dass die Kursunterlagen sowie die Domainadressen im Besitz der
Dozentinnen gewesen seien und diese das Sagen gehabt hätten. Von einem
Unterordnungsverhältnis könne daher keine Rede sein. Zudem habe das Akupressur-
Lehrerinnen-Team die Kooperation mit der Beschwerdeführerin per 2019 einseitig
gekündigt und zu einer anderen Schule gewechselt. Nicht die Beschwerdeführerin
habe den Lehrerinnen die Kündigung ausgestellt, sondern diese hätten das
Auftragsverhältnis beendet. Die Beschwerdeführerin sei von den Dozentinnen, auch
von der Beigeladenen, nur als Kooperationspartnerin für die organisatorische und
administrative Durchführung des Ausbildungslehrgangs inklusive Inkasso eingesetzt
worden. Die Weiterführung des Ausbildungslehrgangs mit anderen
Kooperationspartnern für die Kursadministration beweise, dass kein
Subordinationsverhältnis zur Beschwerdeführerin bestanden habe. Bezogen auf ihre
Kurse in Österreich, die sie ebenfalls von einer Drittperson organisieren lasse,
argumentiere die Beigeladene auch nicht, dass sie diesbezüglich als unselbstständig
Erwerbende anzusehen sei (act. G 12).
B.e.
Gemäss Art. 1a Abs. 1 lit. b AHVG ist jede in der Schweiz erwerbstätige Person
obligatorisch versichert und grundsätzlich beitragspflichtig. Die
sozialversicherungsrechtliche Beitragspflicht Erwerbstätiger richtet sich unter anderem
2.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
danach, ob das in einem bestimmten Zeitraum erzielte Erwerbseinkommen als solches
aus selbstständiger oder aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit zu qualifizieren ist
(Art. 5 und 9 AHVG sowie Art. 6 ff. der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung [AHVV; SR 831.101]). Nach Art. 5 Abs. 2 AHVG gilt als
massgebender Lohn jedes Entgelt für in unselbstständiger Stellung auf bestimmte oder
unbestimmte Zeit geleistete Arbeit; als Einkommen aus selbstständiger
Erwerbstätigkeit gilt nach Art. 9 Abs. 1 AHVG jedes Erwerbseinkommen, das nicht
Entgelt für in unselbstständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt.
Nach der Rechtsprechung beurteilt sich die Frage, ob im Einzelfall selbstständige
oder unselbstständige Erwerbstätigkeit vorliegt, nicht auf Grund der Rechtsnatur des
Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entscheidend sind vielmehr die
wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die zivilrechtlichen Verhältnisse vermögen dabei
allenfalls gewisse Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu bieten, ohne
jedoch ausschlaggebend zu sein. Als unselbstständig erwerbstätig ist im Allgemeinen
zu betrachten, wer von einem Arbeitgeber in betriebswirtschaftlicher bzw.
arbeitsorganisatorischer Hinsicht abhängig ist und kein spezifisches Unternehmerrisiko
trägt. Dabei zwingt die Vielfalt der im wirtschaftlichen Leben anzutreffenden
Sachverhalte dazu, die beitragsrechtliche Stellung einer erwerbstätigen Person jeweils
unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalls zu beurteilen. Weil vielfach
Merkmale beider Erwerbsarten zu Tage treten, muss sich der Entscheid oft danach
richten, welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (BGE 123 V 161 E. 1
S. 163; 122 V 169 E. 3a S. 171; 281 E. 2a S. 283; 119 V 161 E. 2 S. 162; SVR 2018 AHV
Nr. 4 S. 9, 9C_250/2017 E. 2.3).
2.2.
Das wirtschaftliche bzw. arbeitsorganisatorische Abhängigkeitsverhältnis
Unselbstständigerwerbender kommt namentlich zum Ausdruck beim Vorhandensein
eines Weisungsrechts, eines Unterordnungsverhältnisses, der Pflicht zur persönlichen
Aufgabenerfüllung, eines Konkurrenzverbots und einer Präsenzpflicht. Als Merkmale für
das Bestehen eines Unternehmerrisikos gelten erhebliche Investitionen, Verlusttragung,
Inkasso- und Delkredererisiko, Unkostentragung, Handeln in eigenem Namen und auf
eigene Rechnung, Beschaffung von Aufträgen, Beschäftigung von Personal und eigene
Geschäftsräumlichkeiten (vgl. Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherung
über den massgebenden Lohn in der AHV, IV und EO [WML] Rz 1018 ff.). Zum
massgebenden Lohn gehören Bezüge von Personen, die an Schulen,
Ausbildungsstätten oder Tagungszentren regelmässig unterrichten bzw. Kurse geben.
Massgebende Kriterien sind dabei, dass die Lehrkräfte an den Investitionen der
Veranstaltungen nicht beteiligt sind, das Inkassorisiko nicht tragen und die
2.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
Kursteilnehmenden nicht selber suchen müssen. Nicht zum massgebenden Lohn
gehören in der Regel Vergütungen für Kurse, die nur gelegentlich gegeben werden (Rz
4010 WML).
Hat eine Ausgleichskasse durch eine formell rechtskräftige Verfügung ein
bestimmtes Beitragsobjekt als Einkommen aus selbstständiger oder aus
unselbstständiger Erwerbstätigkeit qualifiziert, ist dieser Entscheid für jede andere
Ausgleichskasse verbindlich. Über das gleiche Beitragsobjekt kann nur erneut verfügt
werden, wenn die Voraussetzungen der Wiedererwägung oder der prozessualen
Revision gegeben sind (Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherungen über
die Beiträge der Selbstständigerwerbenden und Nichterwerbstätigen in der AHV, IV
und EO [WSN], Rz 1057 mit Hinweis auf die Wegleitung des Bundesamtes für
Sozialversicherungen über den Bezug der Beiträge in der AHV/IV/EO [WBB], Rz 3024
ff., und das Kreisschreiben über die Rechtspflege in der AHV, der IV, der EO und bei
den EL [KSRP], Rz 1019 und 2064 ff.). In Bezug auf ein Beitragsobjekt, über das noch
nie formell rechtskräftig entschieden wurde, sind die Ausgleichskassen in der
beitragsrechtlichen Qualifikation grundsätzlich frei (Rz 1057 WSN, mit Hinweis auf Rz
3026 f. WBB).
2.4.
Die Beigeladene war seit 1. April 2006 bei der Beschwerdegegnerin als
Selbstständigerwerbende im Bereich Körpertherapie (Akupressur) angeschlossen (act.
G 3.3/4 und 10). Sie verlangte sodann mit Anfrage vom 7. Juni 2019 implizit eine
schriftliche Einschätzung ihrer Tätigkeit bei der Beschwerdeführerin, wobei sie geltend
machte, dort in unselbstständiger Stellung erwerbstätig gewesen zu sein (act.
G 3.3/83.1). Dies bestätigte die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 8. Juli 2019
nach Rücksprache mit der Ausgleichskasse des Kantons Bern und wies auf die
Möglichkeit hin, bei Nichteinverständnis eine anfechtbare Verfügung zu verlangen. Das
Schreiben brachte sie zudem ordnungsgemäss der potentiellen Arbeitgeberin wie auch
der involvierten Ausgleichskasse Bern zur Kenntnis (act. G 3.3/87; vgl. Rz 1052 WSN).
Nachdem weder die Ausgleichskasse Bern noch die Arbeitgeberin Anstalten machten,
die Angelegenheit weiter zu verfolgen, gelangte die Beigeladene mit E-Mail vom
20. September 2019 erneut an die Beschwerdegegnerin, welches Schreiben im
vorliegenden Zusammenhang als Verlangen einer anfechtbaren Verfügung zu
interpretieren ist (act. G 3.3/94.1). Die Beschwerdeführerin ihrerseits machte mit
Stellungnahme vom 5. November 2019 zuhanden der Ausgleichskasse Bern geltend,
die mit Schreiben vom 8. Juli 2019 gemachten Ausführungen der Beschwerdegegnerin
träfen nicht zu. Die Ausgleichskasse Bern leitete diese Stellungnahme
3.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zuständigkeitshalber an die Beschwerdegegnerin weiter (act. G 3.3/99), was im
vorliegenden Zusammenhang ebenfalls als Verlangen einer anfechtbaren Verfügung
anzusehen ist. Die Beschwerdegegnerin war somit als involvierte Ausgleichskasse
zweifellos berechtigt, eine Feststellungsverfügung darüber zu erlassen, ob das
fragliche, von der Beigeladenen bei der Beschwerdeführerin im angemeldeten Bereich
(Kurse Akupressur) erzielte Einkommen ebenfalls unter das bei ihr erfasste
Beitragsstatut der selbstständigen Erwerbstätigkeit fällt oder nicht (vgl. Rz 1054 f.
WSN; vgl. allgemein zum Erlass von Feststellungsverfügungen Art. 49 Abs. 1 ATSG).
In materieller Hinsicht macht die Beschwerdeführerin dazu im Wesentlichen
geltend, die Beigeladene sei selbstständig erwerbend. So gehe aus deren Website klar
hervor, dass diese mit ihrem eigenen Konzept sowohl mit ihrer Praxis für
Körpertherapie in C._ als auch als Gründerin und Leiterin der Schule für Z._ in
D._ am Markt tätig sei und - wie auch alle anderen Lehrkräfte bei der
Beschwerdeführerin - selbstständig Kurse anbiete. Die Beigeladene sei an die
Beschwerdeführerin herangetreten, habe Zeitfenster gebucht und über ihre eigene
Website Kursteilnehmende angeworben, diese also selber gesucht. In der Zwischenzeit
arbeite sie nicht mehr mit der Beschwerdeführerin zusammen und es sei dieser
verboten, das Schulungskonzept der Beigeladenen zu verwenden. Im Weiteren hätten
beide Parteien das Unternehmerrisiko gemeinsam getragen. Sei ein Kursgeld nicht
einbringlich gewesen, hätten sich die Gesamteinnahmen - und damit auch der Anteil
der Beigeladenen (45%) - entsprechend verringert. Die Verträge seien so vereinbart
worden, dass die Kursgebenden alle Sozialversicherungskosten selber zu tragen
hatten, weshalb der prozentuale Anteil an den Gesamteinnahmen (Entgelt) zusätzlich
erhöht worden sei. Aus dieser auftragsrechtlichen Aufteilung der Einnahmen lasse sich
auch das Inkassorisiko ableiten. Schliesslich habe kein Subordinationsverhältnis
bestanden. Zusammenfassend habe die Beigeladene ihr Akupressurkonzept
selbstständig begründet, den gesamten Lehrgang selber konzipiert und der
Beschwerdeführerin mit Verweis auf die Urheberrechte verboten, die Kursunterlagen
weiter zu benutzen. Sie trete unter eigenem Namen und auf eigene Rechnung auf,
verfüge über eine eigene Geschäftsorganisation, trage das Verlustrisiko selber, sei in
der Art und Weise der Arbeitserbringung völlig frei und unterliege keinen Weisungen.
Sie lasse nun ihre Seminare durch ein anderes Seminarhaus mitorganisieren (act. G 1).
3.2.
Dem ist zunächst entgegenzuhalten, dass die zivilrechtliche Ausgestaltung des
Vertragsverhältnisses zwischen der Beschwerdeführerin und der Beigeladenen bzw.
den anderen Lehrkräften allenfalls gewisse Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche
Qualifikation bieten können, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein (vgl. vorstehende
3.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Erwägung 2.2). Wie sich sodann aus der Website der Beschwerdeführerin ergibt, preist
diese das Ausbildungs- und Kursangebot unter eigenen Namen an ("unser Angebot").
Dieses besteht im Wesentlichen aus Ausbildungen und Fortbildungen in diversen
Körpertherapien sowie aus Seminaren und Retreats im Bereich
Persönlichkeitsentwicklung. Ergänzend können Kursräumlichkeiten gemietet werden
(<https://www.A._.ch>, abgerufen am 31. August 2021). Entgegen den Ausführungen
in der Beschwerde (S. 17) bildet somit die Seminartätigkeit - und nicht die Hotellerie -
den Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit der Beschwerdeführerin. Die Lehrkräfte
werden sodann unter der Rubrik "unsere Dozent/innen" im Dozenten-Verzeichnis
aufgeführt. Auf dieser Liste finden sich denn auch die meisten der von der
Beschwerdeführerin als Zeugen für das Vorliegen einer selbstständigen
Erwerbstätigkeit genannten Dozentinnen und Dozenten (<https://www.A._.ch> unter
campus/dozenten, abgerufen am 31. August 2021; vgl. Beschwerde S. 14 und 20; vgl.
auch act. G 3.3/110.19, wo auch die Beigeladene im Dezember 2019 noch als Dozentin
der Beschwerdeführerin aufgeführt wurde). Daran vermag nichts zu ändern, dass diese
Lehrkräfte - wie auch die Beigeladene - jeweils auch selbstständigerwerbend sind, wird
doch in den entsprechenden Bestätigungen regelmässig darauf hingewiesen, dass die
Genannten nicht automatisch für alle Tätigkeiten als Selbstständigerwerbende gelten
und die Beitragspflicht für weitere Tätigkeiten im Einzelfall zu beurteilen sei (vgl. act.
G 1.2; vgl. auch Rz 1057.1 WSN). Weiter publiziert die Beschwerdeführerin die Kurse
und Daten, legt diese intern fest und sucht die Kursteilnehmenden (act. G 8.19 und
G 12 S. 7). Sie legt die Preise fest, gewährt Rabatte (u.a. Frühbucher,
Kurswiederholungen) und übernimmt das Inkasso des Kursgeldes. Eine Anmeldung hat
über die Website der Beschwerdeführerin zu erfolgen, wobei auch deren Allgemeine
Geschäftsbedingungen akzeptiert werden müssen. Diese enthalten etwa
Bestimmungen über die Verbindlichkeit der Anmeldung, die Benutzung der
Infrastruktur der Beschwerdeführerin, die Zahlungsmodalitäten, die
Rücktrittsbedingungen oder das Recht der Beschwerdeführerin, Änderungen am
Lehrplan oder bei den Lehrkräften vorzunehmen. Hingegen findet sich kein Hinweis
darauf, dass eine Lehrkraft etwa einen Kurs nach eigenem Gutdünken absagen könnte
(Stand 27. April 2021, abgerufen am 31. August 2021).
Aus diesen Ausführungen erhellt, dass die Beschwerdeführerin die gesamte
Organisation und Durchführung der Kurse und Ausbildungen übernimmt und
kontrolliert; der Vertrag der Kursteilnehmenden kommt mit der Beschwerdeführerin
zustande und nicht mit den einzelnen Kursleiterinnen und -leitern (AGB, "Anmeldung",
Ziff. 2). Diese handeln somit nicht in eigenem Namen. Dasselbe ergibt sich aus der
vertraglichen Ausgestaltung, wonach der Beigeladenen ein bestimmter Prozentsatz der
3.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kurseinnahmen zusteht (vgl. die Honorarabrechnungen, wo der Beigeladenen nebst
einem Anteil an den Kurseinnahmen von angeblich 45 %, teilweise allerdings nur die
Hälfte von 22,5 %, sowie eine Verpflegungspauschale und die Reisekosten, teilweise
auch die Raummiete [wohl für Kurse in den Räumlichkeiten der Beigeladenen] vergütet
wurden [act. G 3.3/103.7 ff. und 127.4 ff.]). Demnach kann ausgeschlossen werden,
dass es sich bei letzterer um eine externe Kursanbieterin handelte, die bei der
Beschwerdeführerin lediglich Seminarräume angemietet hatte. Wenn letztere ausführt,
die Beigeladene sowie die anderen Akupressur-Lehrerinnen hätten bei ihr mangels
eigenen Ressourcen lediglich die Kursadministration "eingekauft", ist dies allein schon
deshalb nicht zu hören, weil die Beschwerdeführerin keine solchen Dienstleistungen
auf dem Markt anbietet, sondern Kurse in den Bereichen Körpertherapie und
Persönlichkeitsentwicklung, für die sie die entsprechenden Lehrkräfte benötigt. Bei den
Beweisanträgen geht die Beschwerdeführerin offenbar selber davon aus, dass die
vorgeschlagenen Zeuginnen und Zeugen bestätigen könnten, dass sie zur
Beschwerdeführerin in einem Subordinationsverhältnis ständen und dass sie
regelmässig Kurse bei der Beschwerdeführerin abhielten (Beschwerde, S. 13). An den
obigen Ausführungen vermag schliesslich nichts zu ändern, dass die
Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben keinen Einfluss auf die konkreten
Lehrinhalte nimmt, was andererseits nicht ausschliesst, dass sie bestimmte Kurse -
etwa mangels passenden Profils (Körpertherapie und Persönlichkeitsentwicklung) -
ablehnen kann. Jedenfalls überwiegt bei den angebotenen Kursen insgesamt das
Element der Vermarktung unter der "Marke" der Beschwerdeführerin. Davon geht
offenbar auch die Beschwerdeführerin aus, wenn sie ausführt, sie ziehe auf Grund ihres
grossen Bekanntheitsgrads und ihres Beherbergungskonzepts als Wohlfühloase
Interessierte an und erziele damit einen entsprechenden Werbeeffekt (Beschwerde,
Ziff. 19.c, S. 15).
Zusammenfassend musste die Beigeladene bezüglich der bei der
Beschwerdeführerin abgehaltenen Kurse keine Investitionen tätigen und die
Teilnehmenden nicht selber suchen. Dass ihr die Beschwerdeführerin den Lohnanteil -
entgegen den Honorarvereinbarungen bzw. -tarifen vom April 2014 und November
2017, wonach die Nettoeinnahmen als Vollpreis abzüglich allfällige Rabatte definiert
wurden (act. G 8.18) - offenbar nur von den effektiv eingegangenen Zahlungen
ausrichtete und ihr damit einen Teil des Inkassorisikos aufbürdete (wobei das
Inkassorisiko der Beigeladenen offenbar ohnehin hauptsächlich darin bestand, dass die
Beschwerdeführerin selber ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht vollumfänglich
nachkam), kann im vorliegenden Zusammenhang nicht zur Annahme einer
selbstständigen Erwerbstätigkeit führen. Es ist somit nicht willkürlich, wenn die
3.5.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (aArt. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember 2020 gültig gewesenen, für das
vorliegende Verfahren gemäss Art. 82a ATSG noch anwendbaren Fassung).