Decision ID: e14dddb9-f926-435b-801a-44522db52364
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Am 17. August 1998 reichte der aus B._, Syrien, stammende kurdi-
sche Beschwerdeführer zusammen mit seiner damaligen Ehefrau und den
gemeinsamen Kindern in der Schweiz ein Asylgesuch ein. Mit Verfügung
vom 21. Januar 1999 lehnte das damalige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF)
die Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ord-
nete deren Vollzug an.
B.
Gegen diesen Entscheid erhoben der Beschwerdeführer und seine Familie
Beschwerde bei der damaligen Asylrekurskommission (ARK). Diese wies
die Beschwerde mit Urteil vom 11. April 2001 ab. Auch ein Revisionsgesuch
vom 21. Juni 2001 lehnte die ARK mit Urteil vom 12. Dezember 2001 ab.
C.
Die vom Beschwerdeführer am 15. Oktober 2001 beim UN-Anti-Folter-Ko-
mitee (CAT) erhobene Individualbeschwerde wurde von diesem mit Mittei-
lung vom 29. April 2003 abgewiesen.
D.
Aufgrund von Drohungen gegenüber der damaligen Ehefrau verfügte das
Migrationsamt des Kantons C._ am 21. Februar 2003 eine Eingren-
zung des Beschwerdeführers innerhalb des Kantons C._.
E.
Am 5. Mai 2003 wurde der Beschwerdeführer inhaftiert und in der Folge
vom Geschworenengericht des Kantons C._ am (...) 20(...) wegen
(...), (...), (...), (...) und (...) zu (...) Jahren Zuchthaus verurteilt. Eine gegen
dieses Urteil erhobene Nichtigkeitsbeschwerde hiess das Bundesgericht
teilweise gut und wies die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-
rück. Das Geschworenengericht reduzierte die (...) mit Urteil vom (...) auf
(...) Jahre.
F.
Nach seiner Entlassung am 20. März 2012 wurde der Beschwerdeführer
dem Kanton C._ zugeführt und in Ausschaffungshaft genommen.
Anlässlich der Anhörung vor dem Zwangsmassnahmengericht stellte er am
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22. März 2012 ein zweites Asylgesuch. Dabei brachte er im Wesentlichen
vor, in Syrien herrsche Krieg und er könne deshalb nicht zurückkehren.
G.
Mit Verfügung vom 16. Mai 2012 trat das damalige Bundesamt für Migra-
tion (BFM) auf das zweite Asylgesuch nicht ein und ordnete gleichzeitig
den Vollzug der Wegweisung an.
H.
Mit Strafbefehl vom 22. März 2013 verurteilte die Staatsanwaltschaft
D._ den Beschwerdeführer wegen (...).
I.
Am 22. April 2014 reichte der Beschwerdeführer schriftlich sein drittes Asyl-
gesuch (bezeichnet als zweites Asylgesuch) ein. Zur Begründung machte
er im Wesentlichen geltend, er habe sich nach seiner Haftentlassung poli-
tisch betätigt und seine politischen Aktivitäten fortgesetzt. Er habe überdies
Kontakt mit Menschenrechts- und Hilfsorganisationen aufgenommen, um
an der Verbesserung der humanitären Lage in Syrien mitzuwirken. Auf-
grund der dort vorherrschenden Lage sei eine Rückkehr unzumutbar.
J.
Mit Schreiben vom 19. Januar 2015 teilte der Beschwerdeführer dem BFM
mit, dass er sein Asylgesuch zugunsten einer vorläufigen Aufnahme in der
Schweiz zurückziehen wolle. Das BFM informierte ihn mit Schreiben vom
21. Januar 2015, dass ein Rückzug nur bedingungslos erfolgen könne und
sein Schreiben deshalb als gegenstandslos erachtet und das Asylverfah-
ren fortgesetzt werde. Ein Gesuch um Gewährung eines Kantonswechsels
wies das SEM mit Verfügung vom 30. Juni 2015 ab.
K.
Mit Verfügung vom 5. Oktober 2016 stellte das BFM fest, der Beschwerde-
führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab,
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an.
L.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 3. November
2016 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht.
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M.
Nach seiner Heirat am (...) 20(...) reichte der Beschwerdeführer mit Ein-
gabe vom 25. September 2017 eine Kopie der Trauungsurkunde sowie
eine Kopie des Ausweises F seiner Ehefrau zu den Akten.
N.
Mit Urteil E-6772/2016 vom 31. August 2018 wies das Bundesverwaltungs-
gericht die Beschwerde ab. In den Erwägungen führte es unter anderem
aus, die angeblichen exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerdeführers
seien nicht geeignet, eine flüchtlingsrechtlich relevante Furcht vor Verfol-
gung zu begründen. Ferner gelangte es im Rahmen der Prüfung der Zu-
mutbarkeit sowie Möglichkeit des Wegweisungsvollzuges in Anwendung
von Art. 83 Abs. 7 AuG zum Schluss, das öffentliche Interesse am Wegwei-
sungsvollzug würde das Interesse des Beschwerdeführers am Verbleib in
der Schweiz überwiegen. Schliesslich erachtete es den Wegweisungsvoll-
zug als zulässig.
O.
Mit als "dringliches neues Asylgesuch (Mehrfachgesuch)" bezeichneter
Eingabe vom 11. Oktober 2018 ersuchte der Beschwerdeführer erneut da-
rum, seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren
beziehungsweise im Eventualfall die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Im
Wesentlichen machte er geltend, im Zuge der Ernennung seines in
E._ lebenden Cousins zum (...) F._) hätten sich objektive
Nachfluchtgründe für ihn ergeben. Der letzte in Syrien verbliebene Ver-
wandte habe aufgrund dieser Ernennung des Cousins die Flucht in den
G._ antreten müssen. Sodann leide seine Ehefrau an (...)proble-
men und wäre durch eine Ausreise nach Syrien ernsthaft an Leib und Le-
ben gefährdet. Da ihr Aufenthaltsrecht als gefestigt zu betrachten sei, be-
stehe gestützt auf Art. 8 EMRK ein Anspruch auf Familienleben in der
Schweiz. Schliesslich vermöge das öffentliche Interesse seine Wegwei-
sung zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr zu rechtfertigen.
Zusammen mit seiner Eingabe reichte der Beschwerdeführer unter ande-
rem zwei Medienberichte, zwei Schreiben der G._ vom 6. Oktober
2018 sowie 8. Oktober 2018, ein Schreiben von H._ vom 5. Oktober
2018 betreffend Bestätigung des Verwandtschaftsverhältnisses, ein
Schreiben von I._ betreffend seine Flucht aus Syrien sowie eine
ärztliche Bestätigung der J._ vom 21. September 2018 betreffend
seine Ehefrau zu den Akten.
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P.
Die Vorinstanz nahm die Eingabe vom 11. Oktober 2018 als qualifiziertes
beziehungsweise einfaches Wiedererwägungsgesuch entgegen und wies
diese mit Verfügung vom 22. Oktober 2018 ab, soweit sie darauf eintrat.
Weiter hielt sie fest, die Verfügung vom 5. Oktober 2016 sei rechtskräftig
sowie vollstreckbar und einer allfälligen Beschwerde komme keine auf-
schiebende Wirkung zu.
Q.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 21. November
2018 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte, die Ver-
fügung der Vorinstanz sei aufzuheben und die Sache zur neuen Entschei-
dung an diese zurückzuweisen. Als Begründung machte er im Wesentli-
chen geltend, entgegen der Auffassung der Vorinstanz sei er mit einem
bedeutenden (...) verwandt.
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichte der Beschwerdeführer un-
ter anderem diverse Auszüge aus den zivilen Registern für syrische arabi-
sche Bürger und Bürgerinnen und Auszüge aus dem Einzelzivilregister,
eine Schreiben der F._ sowie medizinische Unterlagen betreffend
seine Ehefrau zu den Akten.
R.
Das Bundesverwaltungsgericht hiess die Beschwerde mit Urteil
E-6590/2018 vom 16. Dezember 2019 gut, hob die Verfügung vom 22. Ok-
tober 2018 auf und wies die Sache zur neuen Entscheidung an die Vor-
instanz zurück. In den Erwägungen setzte sich das Gericht mit der in Syrien
bestehenden Gefahr möglicher Reflexverfolgung sowie der politischen Be-
deutung der F._ auseinander und hielt fest, der Beschwerdeführer
könne glaubhaft darlegen, dass er mit einem bedeutenden (...) verwandt
sei.
S.
Die Vorinstanz wies das Wiedererwägungsgesuch mit Verfügung vom
10. Februar 2020 erneut ab, soweit sie darauf eintrat, und stellte fest, die
Verfügung vom 5. Oktober 2016 sei rechtskräftig und vollstreckbar und ei-
ner allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu.
T.
Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 17. Februar 2020 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt, die Verfügung
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der Vorinstanz sei vollumfänglich aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigen-
schaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Vor-
instanz anzuweisen, die vorläufige Aufnahme zufolge Unzulässigkeit des
Wegweisungsvollzuges anzuordnen. Subeventualiter sei die Vorinstanz
anzuweisen, die vorläufige Aufnahme zufolge Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzuges anzuordnen. Ferner sei die aufschiebende Wirkung der
Beschwerde wieder herzustellen und es sei superprovisorisch der Vollzug
der angefochtenen Verfügung auszusetzen, bis über die Wiederherstellung
der aufschiebenden Wirkung habe entschieden werden können. Sodann
sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen, auf die Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses sei zu verzichten und ihm ein unentgeltlicher
Rechtsbeistand zu bestellen.
U.
Mit Zwischenverfügung vom 19. Februar 2020 hiess die Instruktionsrichte-
rin das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung gut und hielt
fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten, womit das Gesuch um superprovisorische Aussetzung
des Wegweisungsvollzuges gegenstandslos geworden sei. Die weiteren
Anträge würden nach Ablauf der Rechtsmittelfrist behandelt.
V.
Mit Zwischenverfügung vom 17. März 2020 hiess die Instruktionsrichterin
die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung – unter
Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses – sowie um amtliche
Rechtsverbeiständung gut und forderte den Beschwerdeführer auf, innert
Frist einen aktuellen Arztbericht betreffend den Gesundheitszustand seiner
Ehefrau einzureichen.
W.
Der Beschwerdeführer gab mit Schreiben vom 2. April 2020 diverse medi-
zinische Unterlagen betreffend seine Ehefrau sowie die Kostennote des
Rechtsvertreters zu den Akten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren
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gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-
derung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 105 Asylgesetz [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Be-
schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 und
Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung
eines Schriftenwechsels verzichtet.
3.
Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, es
würden keine Gründe vorliegen, welche die Rechtskraft der Verfügung vom
5. Oktober 2016 beseitigen könnten und wies das Wiederwägungsgesuch
beziehungsweise das qualifizierte Wiedererwägungsgesuch ab. Soweit sie
die Vorbringen des Beschwerdeführers als Revisionsgesuch qualifizierte,
trat sie darauf nicht ein.
Zur Begründung führt die Vorinstanz aus, der Beschwerdeführer habe Sy-
rien noch vor dem Bürgerkrieg verlassen und in den bisherigen Verfahren
weder Vorfluchtgründe noch subjektive Nachfluchtgründe beziehungs-
weise ein relevantes politisches Profil glaubhaft darlegen können. Der Um-
stand, dass sein Cousin im Jahre 20(...) zum (...) F._ gewählt wor-
den sei, könne an dieser Einschätzung nichts ändern. Die Vorinstanz ver-
kenne nicht, dass auch verwandtschaftliche Beziehungen ausserhalb der
Kernfamilie zu Reflexverfolgungsmassnahmen durch die syrischen Behör-
den führen könnten. Da der Beschwerdeführer jedoch kein politisches Pro-
fil aufweise und zwischen ihm und seinem Cousin weder eine politische
Nähe noch eine andere relevante Verbindung bestehe, erscheine eine Re-
flexverfolgung als unwahrscheinlich. Sodann sei dem eingereichten
Schreiben des Verwandten I._, welcher Syrien angeblich aufgrund
der (...) H._ (...) des F._ habe verlassen müssen, aufgrund
des Gefälligkeitscharakters kein massgeblicher Beweiswert zu attestieren.
Des Weiteren sei aufgrund der längeren Landesabwesenheit und der Asyl-
gesuchstellung zwar davon auszugehen, der Beschwerdeführer würde bei
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einer Rückkehr nach Syrien einer Befragung durch die heimatlichen Be-
hörden unterzogen. Jedoch sei in Ermangelung von Vorfluchtgründen so-
wie wegen Fehlens eines flüchtlingsrechtlich relevanten exilpolitischen
Profils nicht anzunehmen, er hätte begründete Furcht vor Verfolgung im
Heimatland. Zudem seien vergangenes Jahr zehntausende Personen aus
den umliegenden Ländern wieder nach Syrien zurückgekehrt. Es sei davon
auszugehen, dass sich die syrischen Behörden auf Personen konzentrie-
ren würden, welche sie als Bedrohung empfinden würden, wovon beim Be-
schwerdeführer jedoch nicht auszugehen sei.
Die Ausführungen des Beschwerdeführers, eine Gefährdung resultiere
auch aus dem Umstand, dass zahlreiche seiner Verwandten im Ausland
den Asyl- oder Flüchtlingsstatus geniessen würden, qualifizierte die Vor-
instanz als Revisionsgesuch und trat wegen fehlender Zuständigkeit nicht
darauf ein.
Die Vorbringen des Beschwerdeführers im Zusammenhang mit dem Ge-
sundheitszustand der Ehefrau und dem daraus abgeleiteten Anspruch auf
Achtung des Familienlebens behandelte die Vorinstanz als einfaches Wie-
dererwägungsgesuch. In diesem Zusammenhang führt sie in den Erwä-
gungen aus, aufgrund der eingereichten medizinischen Berichte sei nicht
rechtsgenüglich dargetan, inwiefern eine allfällige Wegweisung seiner
Ehefrau Art. 3 EMRK zuwiderlaufen würde. Selbst bei Bejahung vermöchte
dies kein gefestigtes Aufenthaltsrecht seiner Ehefrau zu begründen, aus
welchem er ein Anwesenheitsrecht im Sinne von Art. 8 EMRK ableiten
könnte. Sodann sei angesichts seiner erheblichen Straffälligkeit von einem
überwiegenden öffentlichen Interesse am Vollzug seiner Wegweisung aus-
zugehen.
4.
In der Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer geltend, er habe
glaubhaft darlegen können, dass er mit (...) F._, H._, in der
Seitenlinie als Cousin verwandt sei. Ausserdem sei dieser Cousin mit sei-
ner Schwester verheiratet. Diese sei im Zeitpunkt des ersten Asylverfah-
rens ebenfalls innerhalb der K._-Partei aktiv gewesen. Ihre politi-
sche Oppositionstätigkeit dürfte durch (...) H._ zum (...) der
F._ den syrischen Behörden erneut zu Kenntnis gekommen sein,
was für ihn eine zusätzliche Gefährdung bedeute. Sodann lasse die Vo-
rinstanz ausser Acht, dass er wegen seiner Weigerung, der L._ bei-
zutreten, vom (...) 19(...) bis (...) 19(...) inhaftiert gewesen sei und den
Behörden somit noch vor seiner Ausreise aus Syrien negativ aufgefallen
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sei. Diese Verhaftung sei nie in Frage gestellt worden. Vor diesem Hinter-
grund müsse auch seine exilpolitische Tätigkeit neu betrachtet werden.
Ferner lasse sich den Akten entnehmen, dass durchaus eine politische
Nähe zwischen ihm und seinem Cousin bestanden habe. Sodann sei die
persönliche familiäre Beziehung zum Cousin nur schon deshalb sehr eng,
weil dieser mit seiner Schwester verheiratet sei. Die Familie stehe unter
anderem über Whats-App und per Telefon in steten und regelmässigen
Kontakt und der Cousin habe im Jahre 20(...) anlässlich eines Traueran-
lasses die Schweiz besucht. Im Lichte dieser Tatsachen sei darüber hinaus
zu berücksichtigen, dass zahlreiche seiner Verwandten im Ausland den
Asyl- beziehungsweise Flüchtlingsstatus erhalten hätten, womit sein Profil
weiter geschärft werde. Indem die Vorinstanz keine Gesamtschau der Ri-
sikofaktoren vornehme und auf die Vorbringen im Zusammenhang mit den
Verwandten nicht eingetreten sei, verletze sie die Pflicht zur Abklärung des
relevanten Sachverhalts.
Des Weiteren sei festzuhalten, dass in zahlreichen Berichten die Bestra-
fung und Misshandlung von Rückkehrern durch die heimatlichen Behörden
dokumentiert sei.
Vor dem Hintergrund dieser neuen Fakten müssten auch die alten Beweis-
mittel neu gewürdigt werden, zumal die Behörden den Beweis der Fäl-
schung nicht hätten erbringen können.
Insgesamt sei sowohl das Vorliegen von objektiven als auch subjektiven
Nachfluchtgründen zu bejahen. Der Vollzug der Wegweisung stehe zudem
im Widerspruch zu völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz und sei
ferner unzumutbar.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer machte bereits im Rahmen der Replik vom
22. März 1999 anlässlich des gegen die Verfügung des BFM vom 21. Ja-
nuar 1999 eingeleiteten Beschwerdeverfahrens geltend, er habe einen
Cousin, welcher in Europa eine (...) einnehme. Ferner erklärte er, eine sei-
ner Schwestern sei mit dem Cousin verheiratet (vgl. Beschwerdeakten
Schweizerischen Asylrekurskommission [ARK], A67).
Im Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts E-6590/2018 vom 16. De-
zember 2019 wurde festgehalten, der Beschwerdeführer habe sein Ver-
wandtschaftsverhältnis zu besagtem Cousin sowie dessen politische Tä-
tigkeit, insbesondere als (...) F._, glaubhaft machen können. Den
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mit der Beschwerde vom 20. Februar 1999 eingereichten Beweismitteln
kann ferner entnommen werden, dass sein Cousin mit M._, gebo-
ren am (...) verheiratet ist (vgl. Beschwerdeakten ARK A75 ff). Aus dem bei
den Akten liegenden Familienregisterauszug (vgl. Beilage 3 zur Beschwer-
deschrift vom 21. November 2018) geht zudem hervor, dass es sich dabei
um eine Schwester des Beschwerdeführers handelt.
5.2 Die Vorinstanz erblickt in der im Jahre 2018 erfolgten Wahl des Cousins
zum (...) keine konkreten Hinweise auf eine möglicherweise drohende Re-
flexverfolgung. Dies – neben dem Umstand, dass der Beschwerdeführer
kein flüchtlingsrechtlich relevantes politisches Profil aufweise – insbeson-
dere deshalb, da es sich beim Cousin nicht um ein Mitglied der Kernfamilie
handle und auch keine weitere nähere Verbindung zwischen diesem und
dem Beschwerdeführer auszumachen sei. Der Umstand, dass eine
Schwester des Beschwerdeführers mit dem Cousin verheiratet ist, wurde
in den Erwägungen nicht berücksichtigt.
Vor dem Hintergrund, dass Reflexverfolgungen in Syrien eine ernst zu neh-
mende Gefahr darstellen (vgl. bereits die Ausführungen im Urteil des
BVGer E-6590/2018 vom 16. Dezember 2019 E. 8.5; sodann aus jüngerer
Zeit die Urteile des BVGer E-2089/2020 vom 19. Oktober 2022 E. 7.4 sowie
E-3053/2020 vom 4. Oktober 2022 E. 6.5.1 m.w.H.) ist im Umstand, dass
eine Schwester des Beschwerdeführers mit einem (...) und Cousin verhei-
ratet ist, ein für die Entscheidung wesentliches sowie zu würdigendes Ele-
ment zu erblicken. Dies nicht zuletzt deshalb, da die Vorinstanz in der an-
gefochtenen Verfügung davon ausgeht, dass der Beschwerdeführer als
Rückkehrer bei einer Wiedereinreise in Syrien einer behördlichen Befra-
gung unterzogen würde.
5.3
5.3.1 Mit dem Anspruch auf Gewährung des rechtlichen Gehörs (Art. 29
Abs. 2 BV) korreliert die Pflicht der Behörden, ihre Entscheide zu begrün-
den, wobei sie sich mit den für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunk-
ten auseinanderzusetzen haben (BGE 143 III 65 E. 5.2). Ferner haben die
Behörden den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen (Untersu-
chungsgrundsatz; vgl. Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Unvollständig ist
die Sachverhaltsfeststellung unter anderem, wenn durch die Behörde nicht
alle für die Entscheidung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wur-
den (vgl. MOSER, et al., Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht,
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3. Aufl. 2022, S. 125 Rz. 2.189 mit zahlreichen Verweisen auf die Recht-
sprechung des Bundesverwaltungsgerichts).
5.3.2 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungs-
gericht in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindli-
chen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Bei der betreffenden Wahl steht
dem Gericht ein Ermessenspielraum zu (vgl. Urteil des BVGer
A-5017/2013 vom 15. Juli 2014 E. 1.5).
5.3.3 Das – neben der Eigenschaft als Cousin – Vorliegen einer zusätzli-
chen verwandtschaftlichen Verbindung zu einem (...) durch die Ehe mit ei-
ner Schwester des Beschwerdeführers war bereits im erstinstanzlichen
Verfahren aktenkundig. Die Vorinstanz wäre – vor dem Hintergrund des
konkreten Länderkontextes – gehalten gewesen, dieses wesentliche Ele-
ment bei der Entscheidfindung zu berücksichtigen. Mit der Nichtberück-
sichtigung, dass der Cousin des Beschwerdeführers mit einer seiner
Schwestern verheiratet ist, legt die Vorinstanz ihrem Entscheid einerseits
einen unvollständigen Sachverhalt zugrunde, anderseits wird auch der An-
spruch des Beschwerdeführers auf Gewährung des rechtlichen Gehörs
verletzt, da die Vorinstanz dieses zu berücksichtigenden Element im Er-
gebnis nicht würdigt. Da in der vorliegenden Angelegenheit unter Umstän-
den zusätzlich Abwägungsfragen im Zusammenhang mit der strafrechtli-
chen Vergangenheit des Beschwerdeführers zu beurteilen sind, wird die
Angelegenheit kassationsweise an die Vorinstanz zur erneuten Beurteilung
und Entscheidfindung zurückgewiesen. Damit bleibt auch der Anspruch auf
zwei Instanzen erhalten, was umso wichtiger ist, als das Bundesverwal-
tungsgericht letztinstanzlich entscheidet. Angesichts der Rückweisung der
Sache erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit den weiteren Vorbringen
auf Beschwerdeebene.
6.
Die Beschwerde ist nach dem Ausgeführten gutzuheissen. Die Verfügung
vom 10. Februar 2020 ist aufzuheben und die Sache zur neuen Entschei-
dung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu auferlegen
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Damit ist die mit Zwischenverfügung vom
17. März 2020 gewährte unentgeltliche Prozessführung gegenstandslos
geworden.
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Seite 12
7.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm
notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte mit Schreiben vom
2. April 2020 eine Kostennote ein. Der darin ausgewiesene Zeitaufwand
(7.15 Stunden) sowie der Stundenansatz (Fr. 300.–) erscheinen als ange-
messen. Die weiteren Unkosten werden nur vergütet soweit diese der Kos-
tennote klar und nachvollziehbar entnommen werden können und sind vor-
liegend auf Fr. 72.5 festzusetzen. Die Parteientschädigung beträgt demge-
mäss (zuzüglich Mehrwertsteuer) insgesamt Fr. 2'388.– (vgl. für die
Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung Art. 7 ff. VGKE). Die-
ser Betrag ist von der Vorinstanz auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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