Decision ID: 10f2daef-0968-516a-bfb9-d216e935ce80
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – eigenen Angaben zufolge ein chinesischer
Staatsangehöriger tibetischer Ethnie – ersuchte am 2. August 2016 im
Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._ um Asyl. Daraufhin
wurde er am 12. August 2016 im Rahmen einer Befragung zur Person
(BzP) zu seinen persönlichen Umständen, dem Reiseweg sowie summa-
risch zu den Gesuchsgründen befragt. Am 5. April 2018 hörte ihn das SEM
einlässlich zu seinen Asylgründen an.
B.
Dabei machte der Beschwerdeführer geltend, er habe in der Heimat im
Dorf C._ (Gemeinde D._ [E._], Bezirk F._,
Präfektur G._) gelebt, drei Jahre die Primarschule besucht und da-
nach als Bauer gearbeitet. Im Jahr 2010 habe er die aus demselben Dorf
stammende H._ geheiratet und sei in deren Elternhaus eingezo-
gen. Eines Tages habe seine Ehefrau von einer Freundin Bilder des Dalai
Lama sowie gesegnete Kügelchen erhalten und diese an ältere Personen
im Dorf verteilt. Aus einem unbekannten Grund – möglicherweise gebe es
im Dorf Spitzel – hätten die chinesischen Behörden davon erfahren. Wäh-
rend er sich gerade mit seiner Ehefrau auf einem Spaziergang befunden
habe, seien Polizisten zu ihnen nach Hause gekommen. Sie hätten nach
seiner Ehefrau gefragt, das Haus durchsucht und seine Schwiegereltern
geschlagen. Aufgrund dieses Vorfalls hätten sie befürchtet, dass seine
Ehefrau von den Chinesen verhaftet würde und auch ihm eine Festnahme
drohe. Daher hätten sie entschieden, dass es besser sei, wenn sie gemein-
sam ausreisen würden. Ein Onkel seiner Ehefrau sei als Händler tätig und
habe sich bereit erklärt, die Ausreise zu organisieren. Am 26. Januar 2012
habe er sie über I._ nach J._ gebracht und dort einen
Schlepper gesucht. Mit dessen Hilfe seien sie nachts durch einen Wald
gegangen und hätten einen Fluss überquert, welcher die Grenze zu Nepal
bilde. In der Folge hätten sie bei einem Freund des Onkels in Nepal gelebt
und in dessen Restaurant mitgearbeitet. Seine Ehefrau sei im Jahr (...)
alleine weitergereist und in die Schweiz gekommen, wo sie kurz darauf die
gemeinsame Tochter K._ zur Welt gebracht habe. Er habe sie da-
mals nicht begleiten können, weil dies zu viel Geld gekostet hätte. Schliess-
lich habe er Nepal im Jahr 2016 ebenfalls verlassen und sei seiner Ehefrau
nachgereist.
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C.
C.a Im Nachgang zur Anhörung gab das SEM die Durchführung einer Her-
kunftsanalyse in Auftrag zur Beantwortung der Frage, ob der Beschwerde-
führer aus der Volksrepublik China stamme und dort hauptsozialisiert wor-
den sei. Gestützt auf ein Telefoninterview mit dem Beschwerdeführer vom
18. Juni 2018 erstellte eine sachverständige Person ein sogenanntes Lin-
gua-Gutachten mit dem Titel "Evaluation des Alltagswissens". In ihrem Be-
richt vom 25. Juli 2018 kam sie zum Schluss, aufgrund der inhaltlichen
Evaluation des Gesprächs beziehungsweise der Angaben des Beschwer-
deführers sei die Wahrscheinlichkeit, dass er im behaupteten geografi-
schen Raum gelebt habe, klein.
C.b Mit Schreiben vom 30. Juli 2018 gewährte das SEM dem Beschwer-
deführer das rechtliche Gehör zum Abklärungsergebnis des Lingua-Gut-
achtens. Dabei führte es aus, es sei unerwartet gewesen, dass er nicht in
der Lage gewesen sei, einen grossen Fluss in der Nähe seines Heimator-
tes zu benennen sowie den Weg zu einem Nachbardorf korrekt zu be-
schreiben. Auch die Hauptstadt seines Heimatbezirks habe er nicht mit
dem richtigen Namen bezeichnen können. Zudem seien seine Aussagen
dazu, seit wann es ein Verbot des Abholzens gebe sowie dass in seiner
Heimat nie gross gebaut worden sei, grob falsch. Erstaunlich sei auch,
dass seine Familie nur Gerste angebaut haben wolle, er den heimatlichen
Begriff für Raps nicht gekannt habe und sich nicht an Knoblauch im eige-
nen Gemüsegarten erinnere. Es sei ihm auch nicht möglich gewesen, den
korrekten Begriff für Brot zu nennen und er habe zwei in der Region geläu-
fige Begriffe nicht gekannt. Zudem habe er falsche Preise für Reis und Wei-
zenmehl angegeben. Weiter sei unerwartet, dass er das Datum des Schul-
festes nicht gekannt und nicht gewusst habe, ob sich in der nahegelegenen
Kreishauptstadt eine Mittelschule befinde. Sodann habe er nicht korrekt
angeben können, wie der Personalausweis erstellt werde und seine Chi-
nesischkenntnisse entsprächen nicht den Erwartungen an eine Person, die
über (...) Jahre in einer relativ zentral gelegenen Ortschaft in Tibet gelebt
habe.
C.c Der Beschwerdeführer nahm mit Eingabe vom 28. August 2018 Stel-
lung zum Abklärungsergebnis des Lingua-Gutachtens. Dabei brachte er
vor, dass er die Frage nach dem Namen des grossen Flusses mit dem
offiziellen chinesischen Namen "L._" beantwortet habe. Zudem sei
er nach Wegen von seinem Heimatdorf zu Nachbardörfern gefragt worden,
woraufhin er mehrere Dörfer aufgezählt und die Wege beschrieben habe.
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Leider sei ihm nicht klar, von welchem Flussnamen der Gutachter ausge-
gangen sei und welcher der von ihm genannten Wege inwiefern falsch ge-
wesen sei. Ferner habe er als Hauptstadt seines Heimatbezirkes
G._ genannt und es sei für ihn nicht nachvollziehbar, weshalb dies
nicht korrekt sein soll. In Bezug auf das Abholzungsverbot sei festzuhalten,
dass es dieses de iure schon seit den Achtzigerjahren gebe, wobei es de
facto nie eingehalten worden sei. Heute würden Widerhandlungen aber
streng sanktioniert, weshalb das Verbot auch befolgt werde. Er habe auf
die Frage, seit wann das Verbot bestehe, eine Zeitspanne genannt, die ihm
annehmbar erschienen sei. Hinsichtlich des Bauens habe er offenbar die
ihm gestellte Frage fehlerhaft verstanden. Nach seinem Verständnis sei er
gefragt worden, ob er viel gebaut habe, woraufhin er geantwortet habe,
dass er persönlich nie gebaut habe. Sodann sei es üblich, dass manche
Familien allein Gerste anbauen. Ob Gerste, Raps oder Mais angebaut
werde, sei abhängig von der Anzahl Familienmitglieder und der Familien-
tradition. Als Bezeichnung für Raps habe er den Begriff Pekang (Schreib-
weise des Sachverständigen: Pekar) genannt und ein anderer sei ihm nicht
bekannt. Es sei auch nie notwendig gewesen, Knoblauch privat anzupflan-
zen, da dieser bei Bedarf problemlos im nahegelegenen Gemüseladen
habe gekauft werden können. Für das Wort Brot habe er auf Nachfrage nur
einen Begriff (M._) genannt, wobei ihm klar sei, dass umgangs-
sprachlich auch ein anderes Wort (N._) benutzt werde. Aufgrund
seiner Aufgeregtheit und Nervosität sei er in diesem Moment blockiert ge-
wesen. An die beiden Begriffe, welche in der Region geläufig sein sollen
und die er angeblich nicht gekannt habe, könne er sich nicht erinnern. Da
sie vom SEM nicht genannt würden, könne er darauf auch nicht eingehen.
Weiter seien die Preise für Reis und Weizenmehl von der Qualität abhängig
und würden variieren, weshalb es nicht nur einen korrekten Preis gebe. Er
habe gemäss seiner eigenen Erfahrung einen ungefähren Durchschnitts-
preis genannt, der seines Erachtens nicht falsch sein könne. Das Datum
des Schulfests habe er tatsächlich nicht gewusst, wobei zu berücksichtigen
sei, dass er die Schule sehr früh abgebrochen habe und danach nichts
mehr damit zu tun gehabt habe. Des Weiteren habe er beschrieben, dass
die Primar- und Sekundarstufe im E._ unterrichtet würden und hö-
here Klassenstufen in I._ oder O._. Damit habe er die Frage
nach den Schulstufen seiner Ansicht nach beantwortet. Ebenso habe er
den Prozess des Erhalts einer Identitätskarte beschrieben, wie er ihn per-
sönlich erlebt habe. Schliesslich sei ihm nicht klar, was genau die Erwar-
tungen an die chinesischen Sprachkenntnisse einer Person seien, die über
(...) Jahre in Tibet gelebt habe. Er sei schon als kleiner Junge nicht mehr
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in die Schule gegangen und weder seine Familie noch sein soziales Umfeld
habe es als notwendig empfunden, die chinesische Sprache zu erlernen.
D.
D.a Mit am Folgetag eröffneter Verfügung vom 24. Januar 2019 stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz.
Gleichzeitig ordnete es den Vollzug der Wegweisung an, unter Ausschluss
des Wegweisungsvollzugs in die Volksrepublik China.
D.b Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, dass eine von der
Fachstelle Lingua beauftragte sachverständige Person ein Gutachten zum
Alltagswissen des Beschwerdeführers erstellt habe. Darin sei diese zum
Schluss gekommen, die Wahrscheinlichkeit, dass er im behaupteten geo-
grafischen Raum sozialisiert worden sei, sei klein. In der Folge sei dem
Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu diesem Gutachten gewährt
worden und er habe eine Stellungnahme eingereicht. Seine Ausführungen
vermöchten an der Einschätzung der sachverständigen Person jedoch
nichts zu ändern. Insgesamt verfüge er nicht über das Alltagswissen aus
der von ihm angegebenen Region, welches aufgrund seiner Biografie zu
erwarten gewesen wäre. Er habe nur vage Angaben gemacht und bei
Nachfragen deutliche Wissenslücken aufgewiesen oder unzutreffende
Aussagen gemacht. Es sei daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, dass er nicht in der Volksrepublik China sozialisiert
worden sei und sich längere Zeit in einem Drittstaat aufgehalten habe.
Als Grund für seine Ausreise mache der Beschwerdeführer eine Reflexver-
folgung wegen politischen Aktivitäten seiner Ehefrau im Januar 2012 gel-
tend. Diesbezüglich sei vorab zu erwähnen, dass die Ausführungen der
Ehefrau in ihrem Asylverfahren substanzarm, vage, stereotyp und teilweise
widersprüchlich ausgefallen seien, weshalb sie als nicht glaubhaft einge-
stuft worden seien. Seine eigenen Schilderungen zur vorgebrachten Re-
flexverfolgung seien ebenfalls oberflächlich und stereotyp. Zwar enthielten
die Angaben durchaus einige Realkennzeichen; sie wiesen aber nicht die
Qualität auf, welche zu erwarten wäre, wenn er die Ereignisse tatsächlich
erlebt hätte. Namentlich fehle es ihnen an individuellen und subjektiv ge-
prägten Schilderungen und Empfindungsbeschreibungen. Es gelinge ihm
daher nicht, glaubhaft zu machen, dass er aufgrund einer Reflexverfolgung
aus der Volksrepublik China geflohen sei. Dies füge sich ein in die Ein-
schätzung, wonach er nicht dort sozialisiert worden sei und die Aussagen
seiner Ehefrau unglaubhaft gewesen seien. Es sei mit überwiegender
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Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer vor
seiner Ankunft in der Schweiz nicht in der Volksrepublik China, sondern in
der exiltibetischen Diaspora gelebt habe. Da er keine konkreten, glaubhaf-
ten Hinweise auf einen längeren Aufenthalt in einem Drittstaat geliefert
habe, komme das SEM zum Schluss, dass keine flüchtlings- oder wegwei-
sungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Auf-
enthaltsort sprechen würden.
Es bleibe zu prüfen, ob der Beschwerdeführer durch Einbezug in die
Flüchtlingseigenschaft seiner Ehefrau diese derivativ erwerben könne. Ge-
mäss Art. 51 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) würden Ehegatten in die Flücht-
lingseigenschaft einbezogen, wenn keine besonderen Umstände dagegen
sprächen. Ein solcher Umstand werde namentlich dann angenommen,
wenn die familiären Beziehungen im Heimat- oder Herkunftsstaat der nicht-
verfolgten Person gelebt werden könnten und keine Vollzugshindernisse
der Wegweisung in diesen Staat im Wege stünden. Vorliegend habe der
Beschwerdeführer hinsichtlich seiner tatsächlichen Herkunft seine Mitwir-
kungspflicht verletzt, weshalb nicht geprüft werden könne, ob er seine fa-
miliären Beziehungen in seinem Heimatstaat oder einem Drittstaat leben
könne. Er verunmögliche daher die Klärung der Frage, ob besondere Um-
stände einem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft seiner Ehefrau ent-
gegenstünden. Aus diesem Grund könne ihm kein Familienasyl gestützt
auf Art. 51 Abs. 1 AsylG gewährt werden.
E.
E.a Mit Eingabe vom 25. Februar 2019 erhob der Beschwerdeführer durch
seinen Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ge-
gen diesen Entscheid und beantragte die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung, die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft sowie die Ge-
währung von Asyl. Eventualiter sei er wegen Unzulässigkeit und Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen, subeventualiter
sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In
verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Rechtspflege,
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und Beiordnung des
unterzeichnenden Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand.
E.b Der Beschwerdeführer brachte dabei vor, dass sich die Vorinstanz in
ihrer Verfügung in erster Linie auf das von der Fachstelle Lingua erstellte
Gutachten stütze. Im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs
habe er sich einlässlich zu den ihm vorgeworfenen fehlenden oder unrich-
tigen Angaben geäussert, wobei er umfassende Einwände gegen das von
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der Vorinstanz angefertigte Lingua-Gutachten vorgebracht habe. Diese
seien in der angefochtenen Verfügung aber nicht berücksichtigt worden.
Vielmehr habe das SEM in pauschaler Weise festgehalten, dass seine Aus-
führungen an der Einschätzung des Sachverständigen nichts zu ändern
vermöchten und er den Abklärungsergebnissen nichts entgegenzuhalten
habe. Es sei jedoch nicht ersichtlich, wie die Vorinstanz zu diesem Schluss
gelange, da sie inhaltlich nicht auf die Vorbringen in der Stellungnahme
eingehe. In dieser habe er unter anderem auch geltend gemacht, dass die
Vorinstanz ihm keine ausreichenden Informationen zur Verfügung gestellt
habe, um zu den ihm gemachten Vorwürfen tatsächlich Stellung zu neh-
men. Mit diesem Vorgehen verletze das SEM den Anspruch auf rechtliches
Gehör, da es weder seinem Akteneinsichtsrecht noch der Begründungs-
pflicht ausreichend nachkomme. Hinzu komme, dass die Anhörung Mängel
bei der Übersetzung aufgewiesen habe. So sei der Hilfswerksvertretung
aufgefallen, dass der Dolmetscher wiederholt einzelne Wörter oder ganze
Sätze nicht richtig verstanden und bei der Übersetzung von längeren Ab-
schnitten den Faden verloren habe.
Weiter habe die Vorinstanz seine Verfolgungsvorbringen zu Unrecht als
unglaubhaft bezeichnet. Es sei ihm trotz den widrigen Umständen gelun-
gen, seine Fluchtgründe in sich schlüssig, ausführlich und nachvollziehbar
zu präsentieren. Zudem weise seine Schilderung zahlreiche Realkennzei-
chen auf, was für die Glaubhaftigkeit der Aussagen spreche. Insgesamt
habe er somit glaubhaft machen können, dass er aus seiner Heimat geflo-
hen sei, weil seine Ehefrau Bilder des Dalai Lama sowie gesegnete Ge-
genstände verteilt habe und deswegen von den Behörden verfolgt worden
sei. Er sei daher als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu ge-
währen.
Eventualiter sei ihm gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG derivativ die Flücht-
lingseigenschaft zuzuerkennen. Die Vorinstanz vertrete die Auffassung,
dass der Beschwerdeführer seine Mitwirkungspflicht verletzt habe, wes-
halb die Frage, ob dem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft seiner Ehe-
frau besondere Umstände entgegenstünden, nicht geklärt werden könne.
In seinem kürzlich ergangenen Urteil E-5669/2016 vom 18. Januar 2019
habe das Bundesverwaltungsgericht festgehalten, dass die Lingua-Ana-
lyse beziehungsweise der Ort der Sozialisierung nichts über das Vorliegen
besonderer Umstände aussage. Die Beweislast für das Vorliegen von be-
sonderen Umständen liege bei der Vorinstanz, weshalb diese die Folgen
der Beweislosigkeit zu tragen habe. Selbst wenn er in Nepal oder Indien
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und nicht in China sozialisiert worden wäre, wäre damit noch nicht erwie-
sen, dass er eine dieser Staatsangehörigkeiten erworben habe. Es lägen
keine konkreten Hinweise vor, die den Schluss zuliessen, dass er eine an-
dere Staatsbürgerschaft besitze als seine Ehefrau, die chinesische Staats-
angehörige sei. Das Vorliegen von besonderen Umständen im Sinne von
Art. 51 Abs. 1 AsylG sei somit zu verneinen und er sei in die Flüchtlingsei-
genschaft seiner Ehefrau einzubeziehen.
E.c Als Beschwerdebeilagen wurden – neben einer Vollmacht, der ange-
fochtenen Verfügung und dem Zustellcouvert – eine Bestätigung der Kin-
desanerkennung betreffend K._ vom 1. November 2018, eine Be-
stätigung von P._ (Leiterin Kindertagesstätte) vom 18. Februar
2019, eine Bestätigung vom Q._ (Kindergarten (...), R._)
vom 18. Februar 2019 sowie diverse Fotos des Beschwerdeführers und
seiner Tochter eingereicht. Ebenso wurden Arbeitsverträge sowie Lohnab-
rechnungen von H._ und zwei Bescheinigungen der Fürsorgeunab-
hängigkeit vom 20. Februar 2019 zu den Akten gegeben.
F.
Der Instruktionsrichter stellte mit Zwischenverfügung vom 4. März 2019
fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten. Gleichzeitig forderte er ihn auf, das Formular "Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege" ausgefüllt und mit den nötigen Beweismit-
teln versehen einzureichen.
G.
Mit Eingabe vom 18. März 2019 liess der Beschwerdeführer dem Gericht
das ausgefüllte Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege" mit den
entsprechenden Beweismitteln zukommen.
H.
Mit Instruktionsverfügung vom 20. März 2019 wurde das Gesuch um un-
entgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheis-
sen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Zudem
wurde dem Beschwerdeführer Advokat Reto Ragettli als amtlicher Rechts-
beistand beigeordnet.
I.
Das SEM liess sich mit Schreiben vom 26. März 2019 zur Beschwerde vom
25. Februar 2019 vernehmen. Dabei hielt es erneut fest, dass der Be-
schwerdeführer durch seine Mitwirkungspflichtverletzung die Prüfung der
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Frage, ob sich seine Familie in seinem Heimatstaat oder einem Drittstaat,
in welchem er einen Aufenthaltsstatus besitze, niederlassen könne, verun-
mögliche. Es stehe dem Beschwerdeführer jederzeit frei, seine tatsächli-
che Identität und Herkunft offenzulegen und den Asylbehörden damit eine
Prüfung der Flüchtlingseigenschaft und allfälliger Wegweisungsvollzugs-
hindernisse zu ermöglichen.
J.
Mit Eingabe vom 10. Mai 2019 reichte der Beschwerdeführer durch seinen
Rechtsvertreter eine Replik ein, unter Beilage des Originals der Bestäti-
gung von P._ und einer Kopie seines N-Ausweises. Zudem legte
der Rechtsvertreter eine Kostennote mit seinen bisherigen Aufwendungen
und Auslagen vor.
In der Replik wurde erneut darauf hingewiesen, dass der Beschwerdefüh-
rer seine Herkunft offengelegt und glaubhaft ausgeführt habe, dass er in
Tibet sozialisiert worden sei. Von dort aus sei er über Nepal in die Schweiz
geflüchtet. Sollte das Gericht diese Auffassung nicht teilen, sei – neben
dem bereits in der Beschwerdeschrift zitierten Urteil E-5669/2016 – auf den
kürzlich ergangenen Entscheid D-4678/2016 vom 15. Februar 2019 zu ver-
weisen. Darin habe das Bundesverwaltungsgericht festgehalten, dass es
wahrscheinlich sei, dass Angehörige der tibetischen Ethnie in Besitz der
chinesischen Staatsangehörigkeit seien. Es bestehe deshalb kein Grund,
davon auszugehen, dass die betroffenen Personen diese vermutungs-
weise nicht besitze und somit ein besonderer Umstand vorliege. Zudem
habe der Beschwerdeführer gegenüber sämtlichen schweizerischen Be-
hörden stets betont, dass er chinesischer Staatsbürger sei und kein Auf-
enthaltsrecht in einem Drittstaat habe. In seinem N-Ausweis sei denn auch
China als Nationalität aufgeführt. Seine Zugehörigkeit zur tibetischen Eth-
nie sei unbestritten und es lägen weder Anhaltspunkte für das Fehlen sei-
ner chinesischen Staatsbürgerschaft noch für einen Aufenthaltstitel in ei-
nem Drittstaat vor. Es handle sich nicht um eine gemischt-nationale Ehe
und es gebe keine Hinweise auf einen besonderen Umstand im Sinne von
Art. 51 Abs. 1 AsylG. Der Beschwerdeführer sei daher in die Flüchtlingsei-
genschaft seiner Ehefrau einzubeziehen. Sollte das Gericht wider Erwarten
zu einem anderen Schluss kommen, so sei ihm gestützt auf Art. 8 EMRK
(SR 0.101) und Art. 3 KRK (SR 0.107) eine vorläufige Aufnahme zu ertei-
len. In Anbetracht des Grundsatzes der Einheit der Familie erscheine es
stossend, dass der Beschwerdeführer die Schweiz verlassen solle. Kurz
nach der Asylgesuchstellung sei er zu seiner Ehefrau und seiner Tochter
gezogen und die Familie wohne seither zusammen. Da die Ehefrau mit
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einem Pensum von 90% arbeite, betreue er die gemeinsame Tochter. Es
sei nicht zumutbar, dass das Familienleben in einem Drittstaat geführt
werde.
K.
Der Beschwerdeführer liess mit Eingabe vom 13. Juni 2019 die Kopie eines
Auszugs seines Eintrags im Zentralen Migrationssystem (ZEMIS) einrei-
chen, in welchem als Staatsangehörigkeit "China" eingetragen ist. Er ver-
wies erneut auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-4678/2016. In
jenem Verfahren habe das SEM das Gesuch um Einbezug der Beschwer-
deführerin in die Flüchtlingseigenschaft ihres Partners aufgrund von be-
sonderen Umständen abgewiesen. Die Beschwerdeführerin sei aber im
ZEMIS als chinesische Staatsangehörige eingetragen gewesen, weshalb
für das Bundesverwaltungsgericht kein Grund bestanden habe, davon aus-
zugehen, dass sie die chinesische Staatsbürgerschaft nicht besitze. Ent-
sprechend habe nicht ohne weiteres angenommen werden können, dass
es sich um ein gemischt-nationales Konkubinatspaar handle, weshalb das
SEM angewiesen worden sei, die Beschwerdeführerin in die Flüchtlingsei-
genschaft ihres Partners einzubeziehen. Vorliegend sei der Beschwerde-
führer ebenfalls als chinesischer Staatsangehöriger im ZEMIS eingetra-
gen, weshalb er vom Gericht – sollte es zum Schluss kommen, dass er
nicht in Tibet sozialisiert worden sei – gestützt auf die Erwägungen im zi-
tierten Urteil in die Flüchtlingseigenschaft seiner Ehefrau einzubeziehen
sei. Es bestehe vorliegend ebenfalls keine gemischt-nationale Ehe bezie-
hungsweise bzw. kein gemischt-nationales Konkubinatspaar.
L.
Mit Schreiben vom 6. September 2019 teilte der Beschwerdeführer dem
Gericht mit, dass mit Eingaben vom 22. und 30. August 2019 ein kantona-
les Härtefallgesuch für H._ und die gemeinsame Tochter
K._ sowie ein Familiennachzugsgesuch für ihn selbst eingereicht
worden seien. Je eine Kopie der entsprechenden Gesuche inklusive Beila-
gen würden dem Gericht zur Kenntnisnahme zugestellt.
M.
Mit Eingabe vom 5. November 2019 informierte der Beschwerdeführer das
Gericht über die Schwangerschaft seiner Ehefrau, unter Beilage einer Ko-
pie der entsprechenden ärztlichen Bestätigung. Zudem wurde erneut auf
Art. 8 EMRK verwiesen und festgehalten, dass die Ehefrau sowie die Toch-
ter als Flüchtlinge anerkannt seien und hauptsächlich der Beschwerdefüh-
rer die Betreuung der Tochter übernehme. Gestützt auf den Grundsatz der
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Einheit der Familie solle er daher in der Schweiz bleiben können, da es
nicht zumutbar sei, das Familienleben in einem Drittstaat zu führen.
N.
Sodann setzte der Beschwerdeführer das Gericht mit Schreiben vom
29. November 2019 darüber in Kenntnis, dass seine Ehefrau und seine
Tochter am 4. Dezember 2019 zu einem Termin beim Migrationsamt
S._ eingeladen worden seien im Zusammenhang mit dem gestell-
ten Härtefallgesuch. Gleichzeitig reichte der Rechtsvertreter eine weitere
Kostennote betreffend die zwischenzeitlich angefallenen Aufwendungen
und Auslagen zu den Akten.
O.
Mit Schreiben vom 16. Januar 2020 teilte der Beschwerdeführer dem Ge-
richt mit, dass seiner Ehefrau und seiner Tochter eine Aufenthaltsbewilli-
gung B erteilt worden sei. Zudem werde voraussichtlich im (...) 2020 ihr
zweites Kind zur Welt kommen und automatisch ebenfalls eine Aufenthalts-
bewilligung erhalten. Seine Familienangehörigen seien somit nicht nur als
Flüchtlinge anerkannt, sondern verfügten auch über ein gefestigtes Aufent-
haltsrecht in der Schweiz. Dem Schreiben lagen Kopien der B-Ausweise
der Ehefrau und der Tochter bei.
P.
Mit Eingabe vom 13. März 2020 informierte der Beschwerdeführer das Ge-
richt – unter Beilage eines entsprechenden Auszugs aus dem Geburtsre-
gister – über die Geburt seines zweiten Kindes am (...) 2020. Er wies da-
rauf hin, dass die Vaterschaftsanerkennung vor dem Zivilstandsamt bislang
aufgrund von fehlenden heimatlichen Ausweispapieren noch nicht habe er-
folgen können und wahrscheinlich der "gerichtliche Umweg" über eine Va-
terschaftsklage gemacht werden müsse. Ergänzend wurde wiederum auf
den Grundsatz der Einheit der Familie verwiesen, aufgrund dessen seine
Wegweisung unzumutbar sei. Für den neugeborenen Sohn sei ein Gesuch
um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft seiner Mutter gestellt worden
und er werde vom Kanton S._ eine Aufenthaltsbewilligung erhalten.
Q.
In der Folge teilte der Beschwerdeführer dem Gericht mit Schreiben vom
28. April 2020 mit, dass sein zweites Kind in der Schweiz als Flüchtling
anerkannt worden sei und eine Aufenthaltsbewilligung B erhalten habe. In
der Beilage wurden eine Kopie des entsprechenden SEM-Entscheids vom
2. April 2020 sowie eine Kopie des B-Ausweises des Sohnes eingereicht.
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Erneut wurde darauf hingewiesen, dass neben der Ehefrau zwischenzeit-
lich auch beide Kinder des Beschwerdeführers als anerkannte Flüchtlinge
mit B-Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz lebten und damit über ein ge-
festigtes Aufenthaltsrecht verfügten. Es sei der Familie somit nicht zumut-
bar, das Familienleben in einem Drittstaat zu führen.
R.
Mit Eingabe vom 2. Juni 2020 informierte der Beschwerdeführer das Ge-
richt darüber, dass das Migrationsamt S._ auf sein Familiennach-
zugsgesuch aufgrund der Ausschliesslichkeit des Asylverfahrens nicht ein-
getreten sei. Das entsprechende Schreiben des Migrationsamt S._
vom 28. Mai 2020 – welches die Behörde dem Gericht ebenfalls in Kopie
zukommen liess – lag der Eingabe bei. Gleichzeitig wurde um baldige Wei-
terführung des Verfahrens sowie Mitteilung des aktuellen Verfahrensstan-
des gebeten.
S.
Der Instruktionsrichter beantwortete die Verfahrensstandesanfrage mit
Schreiben vom 9. Juni 2020.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren
gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-
derung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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Seite 13
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, es
müsse aufgrund der Aktenlage davon ausgegangen werden, dass der Be-
schwerdeführer zwar tibetischer Ethnie sei, aber vor seiner Ankunft in der
Schweiz nicht am behaupteten Herkunftsort in Tibet, sondern in der exilti-
betischen Diaspora gelebt habe.
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4.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat in BVGE 2009/29 festgehalten,
dass illegal aus der Volksrepublik China ausgereiste Tibeterinnen und Ti-
beter verdächtigt würden, den Dalai Lama zu unterstützen. Sie liefen somit
Gefahr, als separatistisch gesinnte Oppositionelle zu gelten und hätten bei
einer Rückkehr eine Verfolgung in einem flüchtlingsrechtlich relevanten
Ausmass zu befürchten (vgl. BVGE 2009/29 E. 6.5 f.). Des Weiteren kam
das Gericht in BVGE 2014/12 zum Schluss, dass für Angehörige der tibe-
tischen Ethnie sowohl in Nepal als auch in Indien die Möglichkeit bestehe,
unter gewissen Bedingungen eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten, und
es unter engen Voraussetzungen auch möglich sei, die entsprechende
Staatsangehörigkeit zu erwerben, womit die chinesische Staatsangehörig-
keit wegfalle. Es müsse aber weiterhin davon ausgegangen werden, dass
ein grosser Teil der in Nepal und Indien lebenden Exil-Tibeterinnen und -
Tibeter keine neue Staatsangehörigkeit erworben habe und nach wie vor
die chinesische Staatsangehörigkeit besitze (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.8).
Im betreffenden Entscheid wurde zudem präzisierend festgestellt, dass bei
Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder ver-
heimlichen, vermutungsweise davon auszugehen sei, dass keine flücht-
lings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ih-
ren bisherigen Aufenthaltsort bestünden, zumal die Abklärungspflicht der
Asylbehörden ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden
Person finde. Verunmögliche ein tibetischer Asylsuchender durch die Ver-
letzung seiner Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status
er in Nepal respektive Indien innehabe, könne namentlich keine Drittstaa-
tenabklärung im Sinn von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies
werde durch die Verheimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft
auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in
Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. BVGE 2014/12 E.
5.9 f.).
4.3 Vor diesem Hintergrund kommt der Frage der Verlässlichkeit der Her-
kunftsangaben der asylsuchenden Person eine wesentliche Bedeutung zu.
Vorliegend macht der Beschwerdeführer geltend, er sei chinesischer
Staatsangehöriger und habe bis zur Ausreise im Januar 2012 zusammen
mit seiner Ehefrau H._ in Tibet gelebt. Sie seien gemeinsam nach
Nepal gegangen, von wo aus seine damals schwangere Ehefrau im Jahr
(...) allein in die Schweiz weitergereist sei. Mit Verfügung vom 20. Novem-
ber 2014 stellte das SEM fest, dass H._ die Flüchtlingseigenschaft
zwar erfülle, ihr Asylgesuch jedoch abgelehnt werde. Zur Begründung
führte es im Wesentlichen aus, dass es ihr nicht gelungen sei, Vorflucht-
gründe glaubhaft zu machen. Ihre Herkunft aus der Volksrepublik China
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wurde indessen nicht in Frage gestellt, weshalb sie wegen des Vorliegens
von subjektiven Nachfluchtgründen als Flüchtling vorläufig aufgenommen
wurde (vgl. A26). Im Verfahren des Beschwerdeführers schätzte das SEM
dagegen sowohl die Vorbringen hinsichtlich der Fluchtgründe als auch die
geltend gemachte Herkunft aus der Volksrepublik China als unglaubhaft
ein.
5.
5.1 Die Behörde ist verpflichtet, von Amtes wegen für die richtige und voll-
ständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Art. 12
VwVG). Die asylsuchende Person trifft dabei gemäss Art. 8 AsylG eine Mit-
wirkungspflicht, im Rahmen derer sie insbesondere ihre Identität offenzu-
legen und vorhandene Reise- oder Identitätspapiere abzugeben hat (vgl.
hierzu auch BVGE 2011/28 E. 3.4). Sofern die gesetzlichen Mitwirkungs-
pflichten durch die asylsuchende Person nicht verletzt worden sind, muss
die Behörde namentlich dann weitere Abklärungen ins Auge fassen, wenn
aufgrund der Vorbringen der asylsuchenden Person oder der eingereichten
oder angebotenen Beweismittel Zweifel und Unsicherheiten am Sachver-
halt weiterbestehen, die voraussichtlich mit Ermittlungen von Amtes wegen
beseitigt werden können (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.2).
5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Dies verpflichtet die Behörde, die von einem in ihre Rechtsstellung
eingreifenden Entscheid betroffene Person anzuhören, ihre Vorbringen
sorgfältig und ernsthaft zu prüfen sowie in der Entscheidfindung angemes-
sen zu berücksichtigen (vgl. Art. 30 und 32 VwVG). Eng damit verbunden
ist die Pflicht der Behörden, ihren Entscheid zu begründen (vgl. Art. 35 Abs.
1 VwVG). Erst aufgrund der Begründung lässt sich erkennen, ob sich die
Behörde tatsächlich mit allen erheblichen Vorbringen der Parteien befasst
und auseinandergesetzt hat. Insgesamt muss der Entscheid so abgefasst
sein, dass der Betroffene diesen gegebenenfalls sachgerecht anfechten
kann. Dabei kann sich die Behörde in ihrer Argumentation zwar auf die für
den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken; sie darf aber
nur diejenigen Argumente stillschweigend übergehen, die für den Ent-
scheid erkennbarerweise unbehelflich sind. In diesem Sinne müssen we-
nigstens kurz die wesentlichen Überlegungen genannt werden, von denen
sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt
(vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
D-987/2019
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5.3 Bei Zweifeln an der geltend gemachten Herkunft einer asylsuchenden
Person lässt das SEM in der Regel durch einen amtsexternen Sachver-
ständigen mit entsprechenden Sprach- und Länderkenntnissen eine Her-
kunftsanalyse (sog. Lingua-Analyse) durchführen. Bei dieser werden so-
wohl die landeskundlich-kulturellen Kenntnisse als auch die sprachlichen
Fähigkeiten einer asylsuchenden Person geprüft. Unter dem Titel „Evalua-
tion des Alltagswissens“ werden teilweise auch Analysen durchgeführt,
welche sich auf die landeskundlich-kulturellen Elemente beschränken und
keine linguistischen Aspekte berücksichtigen. Bei solchen Analysen han-
delt es sich zwar nicht um Sachverständigengutachten im Sinne von Art. 12
Bst. e VwVG, sondern um schriftliche Auskünfte einer Drittperson im Sinne
von Art. 12 Bst. c VwVG. Sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche
Qualifikation, Objektivität und Neutralität des Analysten und an die inhaltli-
che Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit erfüllt sind, ist ihnen jedoch ein
erhöhter Beweiswert beizumessen (vgl. BVGE 2014/12 E. 4.2.1).
6.
6.1 Vorliegend gibt es konkrete Anhaltspunkte dafür, dass das vorinstanz-
liche Verfahren den Anforderungen an eine vollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts nicht zu genügen vermag. Der Beschwer-
deführer hat keine Identitätspapiere eingereicht und es liegen keinerlei Do-
kumente vor, welchen sich Hinweise auf seine Identität entnehmen liessen.
Die Vorinstanz liess zur Abklärung der Herkunft sein Alltagswissen über-
prüfen, verzichtete aber auf eine linguistische Begutachtung. Nach Durch-
sicht der Akten ist jedoch festzustellen, dass die Frage, ob er tatsächlich –
wie von ihm geltend gemacht – bis im Januar 2012 in Tibet gelebt hat, nach
wie vor nicht schlüssig beantwortet werden kann.
6.2 Die sachverständige Person kam in ihrem Gutachten vom 25. Juli 2018
zum Schluss, die Wahrscheinlichkeit, dass der Beschwerdeführer in dem
von ihm angegebenen geografischen Raum gelebt habe, sei klein. Zwar
wird im Bericht berechtigterweise auf gewisse Lücken im erfragten Länder-
und Alltagswissen hingewiesen. Zu diesen wurde dem Beschwerdeführer
das rechtliche Gehör gewährt (vgl. B22), woraufhin er eine ausführliche
Stellungnahme einreichte (vgl. B25). Das SEM beschränkt sich in der an-
gefochtenen Verfügung aber darauf, aus dem Bericht zur Evaluation des
Alltagswissens die Wissenslücken des Beschwerdeführers herauszugrei-
fen, seine Stellungnahme dazu zusammenzufassen und jeweils den Satz
hinzuzufügen, dass diese an der Einschätzung der sachverständigen Per-
son nichts zu ändern vermöge. Eine eigentliche inhaltliche Auseinander-
setzung mit den Einwänden des Beschwerdeführers fehlt vollständig. Die
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einzige vom SEM angebrachte Anmerkung ist, dass er anlässlich des In-
terviews mit der sachverständigen Person als Namen des grossen Flusses
in der Nähe seines Heimatdorfes nicht "L._" angegeben habe. Dies-
bezüglich ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer den Fluss im Inter-
view – wie bereits in der Anhörung (vgl. B14, F54) – mit "T._" be-
zeichnet hat. Die phonetische Schreibweise dieser beiden Namen dürfte
relativ ähnlich sein, weshalb dies kaum als wesentliche Wissenslücke ge-
wertet werden kann.
6.3 Sodann ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer im Rah-
men der Evaluation des Alltagswissens auch zahlreiche Angaben gemacht
hat, welche gemäss Einschätzung des Sachverständigen zutreffen. So
konnte er umliegende Dörfer, weitere Gemeinden sowie mehrere Nachbar-
kreise korrekt benennen. Er berichtete von einer Pilgerreise und gab die
Reisezeit zu diesem Ziel richtig an. Gemäss der sachverständigen Person
ist es zudem plausibel, dass in seiner Heimat neben Gerste auch – wie
vom Beschwerdeführer ausgeführt – Raps, Mais und Weizen angebaut
werden. Gleichzeitig hält sie es aber für schwer vorstellbar, dass seine Fa-
milie allein Gerste und keine weiteren Getreidesorten angebaut haben
wolle. Ebenfalls als plausibel angesehen wurden die rund sechs vom Be-
schwerdeführer genannten Gemüsesorten, welche im eigenen Garten ge-
pflanzt worden seien. Zudem habe er zutreffend angegeben, dass in seiner
Heimat auch Tomaten angebaut würden. Diese korrekten Angaben relati-
vieren die Feststellung des Sachverständigen, es sei unerwartet, dass er
sich nicht an den Anbau von Knoblauch erinnern könne. Vielmehr erscheint
es durchaus denkbar, dass dieser bei Bedarf im Laden gekauft und nicht
selbst kultiviert worden sei. Sodann machte der Beschwerdeführer bereits
bei der Anhörung ausführliche Angaben zu seinem Leben als Bauer, wobei
er unter anderem auch detailliert beschrieb, wie sie Gerste angebaut hät-
ten (vgl. B14, F69). Die vorhandenen landwirtschaftlichen Kenntnisse deu-
ten darauf hin, dass der Beschwerdeführer, wie von ihm vorgebracht, als
Bauer tätig war respektive in diesem Zusammenhang zutreffende Angaben
gemacht hat.
6.4 Die sachverständige Person hielt weiter fest, die Aussage des Be-
schwerdeführers, dass in seiner Heimat nie gross gebaut worden sei, er-
weise sich als unzutreffend. In seiner Stellungnahme machte er geltend,
dass er die betreffende Frage falsch verstanden habe und nach seiner Auf-
fassung gefragt worden sei, ob er persönlich gebaut habe. Angesichts des
Umstands, dass der Beschwerdeführer bei der Anhörung davon sprach,
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dass sich der Bezirkshauptort sehr schnell entwickelt habe und es dort im-
mer mehr Läden gegeben habe (vgl. B14, F61 und F71) – womit durchaus
auch auf eine gewisse Bautätigkeit hingewiesen wird – erscheint es zumin-
dest möglich, dass es diesbezüglich zu einem Missverständnis kam.
6.5 Des Weiteren beschrieb der Beschwerdeführer in seiner Stellung-
nahme den Prozess der Ausstellung des Personalausweises im Wesentli-
chen zutreffend, während er gemäss dem Bericht des Sachverständigen
anlässlich des Interviews abweichende Angaben gemacht habe. Zudem
brachte er vor, er habe dargelegt, welche Schulen in E._ besucht
werden könnten. Das SEM geht in der angefochtenen Verfügung mit kei-
nem Wort auf diese Anmerkungen ein und verzichtete darauf, zu prüfen,
ob die entsprechenden Einwände berechtigt sind. Dies wäre jedoch ange-
bracht gewesen angesichts des Umstands, dass die angeblich unrichtigen
Aussagen des Beschwerdeführers in diesen Bereichen von der sachver-
ständigen Person als klar gegen eine Herkunft aus Tibet sprechende As-
pekte eingestuft worden waren.
6.6 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass fehlende respektive ungenü-
gende Kenntnisse der chinesischen Sprache bei tibetischen Asylsuchen-
den für sich genommen nicht den Schluss zulassen, dass diese nicht in
China sozialisiert worden sind (vgl. Urteil des BVGer E-907/2015 vom 17.
Oktober 2016 E. 5.3 m.w.H.). Zudem war der Beschwerdeführer offenbar
in der Lage, anlässlich des Interviews zumindest einige chinesische Wörter
zu nennen. Ebenso verwendete er bei der Anhörung vereinzelt chinesische
Begriffe (vgl. B14, F53, F69 und F77), weshalb auch die angeblich unzu-
reichenden Chinesischkenntnisse nicht als klares Zeichen für eine Soziali-
sation ausserhalb der Volksrepublik China gewertet werden können.
6.7 Trotz den ebenfalls vorhandenen korrekten Angaben des Beschwerde-
führers und den wohl zumindest teilweise berechtigten Einwänden im Rah-
men der Stellungnahme vom 28. August 2018 setzt sich das SEM mit die-
sen nicht auseinander. Vielmehr hält es in der angefochtenen Verfügung
mehrmals pauschal fest, die Stellungnahme vermöge an der Einschätzung
der sachverständigen Person nichts zu ändern. Es ist jedoch nicht nach-
vollziehbar, wie die Vorinstanz zu diesem Schluss kommt. In diesem Zu-
sammenhang ist das SEM seiner Begründungspflicht nicht ausreichend
nachgekommen. Auch auf Beschwerdeebene unterliess es die Vorinstanz,
auf die Argumente des Beschwerdeführers betreffend die Einschätzung
zum landeskundlich-kulturellen Wissen einzugehen.
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6.8 Insgesamt ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer im Rahmen
der Evaluation seines Alltagswissens zwar gewisse Wissenslücken auf-
wies, aber durchaus auch Angaben gemacht hat, welche für eine Herkunft
aus Tibet sprechen. Der Schlussfolgerung des Experten, wonach er nur
vage Ausführungen gemacht habe und in keinem der abgefragten Bereiche
zu überzeugen vermöge, weshalb die Wahrscheinlichkeit einer Herkunft
aus dem behaupteten geografischen Raum klein sei, kann daher nicht vor-
behaltlos zugestimmt werden. Angesichts des Ergebnisses des Alltagswis-
senstests – welches gerade nicht als eindeutig angesehen werden kann –
wäre das SEM umso mehr gehalten gewesen, sich mit den Einwänden des
Beschwerdeführers in seiner Stellungnahme auseinanderzusetzen. Dies
insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass er bereits bei der Anhörung
herkunftsspezifische Fragen – namentlich zu seiner Pilgerreise, zu seinem
Leben als Bauer sowie zu Veränderungen in seinem Heimatdorf (vgl. B14,
F49 ff., F69 und F71) – relativ ausführlich beantwortet hat und seine dahin-
gehenden Angaben nicht von vornherein als unsubstanziiert gewertet wer-
den können. Es ist daher festzustellen, dass die Vorinstanz insofern ihre
Begründungspflicht verletzt hat.
6.9 Ferner ist darauf hinzuweisen, dass sich in den Akten keine Hinweise
darauf finden, dass der Beschwerdeführer einen Dialekt spricht, welcher
auf eine Sozialisierung ausserhalb von Tibet schliessen lassen würde. Das
SEM hat vorliegend keine linguistische Abklärung vorgenommen und den
Akten lassen sich keine Anhaltspunkte dafür entnehmen, dass die Sprech-
weise des Beschwerdeführers auf eine Herkunft aus einer exiltibetischen
Gemeinschaft in Indien oder Nepal hindeuten würde.
6.10 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass aufgrund
der bestehenden Aktenlage nicht mit rechtsgenüglicher Sicherheit ge-
schlossen werden kann, dass der Beschwerdeführer – anders als seine
Ehefrau – nicht chinesischer Staatsangehöriger ist und vor seiner Flucht
nicht in Tibet respektive der Volksrepublik China gelebt hat. Die Sachver-
haltsfeststellung des SEM ist als mangelhaft zu beurteilen, nachdem sich
diese massgeblich auf die Evaluation des Alltagswissens stützt, welche je-
doch nicht als überzeugend und schlüssig angesehen werden kann. Es ist
auch festzuhalten, dass die Vorinstanz allein jene Elemente berücksichtigt,
welche gegen die Herkunft aus Tibet sprechen, ohne diese gegen die kor-
rekten Angaben des Beschwerdeführers abzuwägen und sich mit dessen
im Rahmen des rechtlichen Gehörs vorgebrachten Einwänden auseinan-
derzusetzen.
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7.
Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet die Beschwerdeinstanz in der
Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisun-
gen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung ist insbe-
sondere dann angezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müs-
sen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Da das Bun-
desverwaltungsgericht vorliegend die Entscheidreife nicht selber herstellen
kann, ist die Sache zwecks Vornahme weiterer Abklärungen (bspw. zweiter
Alltagswissenstest und/oder linguistische Analyse; ergänzende Anhörung)
ans SEM zurückzuweisen. Der Beschwerdeführer ist in diesem Zusam-
menhang auf die ihm obliegende Mitwirkungspflicht hinzuweisen. Nach
vollständig erstelltem Sachverhalt wird das SEM bei der Entscheidfindung
alle für und gegen den Beschwerdeführer sprechenden Elemente zu be-
rücksichtigen und unter Beachtung der massgeblichen Rechtsprechung
gegeneinander abzuwägen haben. Für eine Kassation spricht auch der
Umstand, dass auf diese Weise der Instanzenzug erhalten bleibt, was
umso bedeutender ist, als das Bundesverwaltungsgericht letztinstanzlich
entscheidet. Auf eine Auseinandersetzung mit den weiteren Beschwerde-
vorbringen kann bei diesem Verfahrensausgang im heutigen Zeitpunkt ver-
zichtet werden.
8.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insofern gutzuheissen, als die Auf-
hebung der Verfügung vom 24. Januar 2019 und die Rückweisung der Sa-
che an die Vorinstanz zur Neubeurteilung beantragt wird. Demnach ist die
Sache zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts im Sinne der Erwä-
gungen und zur neuen Entscheidung an das SEM zurückzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG).
9.2 Angesichts der Gutheissung der Beschwerde ist dem Beschwerdefüh-
rer eine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m.
Art. 37 VGG und Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter reichte mit Eingabe vom 10. Mai 2019
eine erste Kostennote zu den Akten, in welcher er einen Aufwand von 735
Minuten (Stundenansatz: Fr. 300.–) sowie Auslagen von Fr. 80.– geltend
machte. Im Rahmen der Eingabe vom 29. November 2019 wurde eine er-
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gänzende Kostennote vorgelegt, womit insgesamt Aufwendungen im Um-
fang von Fr. 4'120.– geltend gemacht werden. Zwischenzeitlich erfolgten
noch diverse weitere Eingaben an das Gericht. Dennoch erscheint der ver-
anschlagte Aufwand für das vorliegende Verfahren als unverhältnismässig
hoch. Die Parteientschädigung wird daher unter Berücksichtigung der mas-
sgeblichen Bemessungsfaktoren pauschal und einschliesslich aller Ausla-
gen auf Fr. 3'000.– festgesetzt und ist durch das SEM zu entrichten. Der
Anspruch des als unentgeltlicher Rechtsbeistand eingesetzten Rechtsver-
treters auf ein amtliches Honorar wird damit gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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