Decision ID: 126f3ded-db93-4f22-96c3-d0e4ec7418c2
Year: 2014
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Um den entsprechenden Sachverhalt abzuklären, führte die IV-Stelle am
3. November 2011 eine Haushaltsabklärung durch. Auf der Grundlage der
dabei gewonnenen Erkenntnisse und des eingeholten Arztberichtes kam
sie im Vorbescheid vom 5. April 2013 in der Folge zum Schluss, A._
wäre im Gesundheitsfall nur mehr zu 80 % erwerbstätig und würde sich
ansonsten der Betreuung seiner Tochter sowie der Haushaltsführung
widmen. In Anwendung der gemischten Methode sowie unter
Berücksichtigung einer Leistungseinbusse von 54.4 % im erwerblichen
- 3 -
Bereich und einer solchen von 4.1 % im Haushalt resultiere ein
Invaliditätsgrad von 58.5 %. Dementsprechend sei die bisherige ganze IV-
Rente auf eine Dreiviertelsrente herabzusetzen. Mit Verfügung vom
30. Mai 2013 korrigierte die IV-Stelle diese Einschätzung dahingehend,
als sie nunmehr davon ausging, A._ wäre im Gesundheitsfall zu
90 % erwerbstätig und zu 10 % im Haushalt tätig, woraus sich – in
Anwendung der gemischten Methode und unter Berücksichtigung einer
Leistungseinbusse von 64.4 % im erwerblichen und von 2.0 % im
Haushalt – ein gewichteter Invaliditätsgrad von 66.4 % ergebe.
Demzufolge sei die vormals zugesprochene ganze Rente mit dem ersten
Tag des zweiten Monats nach Zustellung der Verfügung auf eine
Dreiviertelsrente herabzusetzen.
4. Gegen diese Verfügung erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer)
am 25. Juni 2013 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden. Darin beantragte er, die Verfügung der
Invalidenversicherung vom 30. Mai 2013 sei aufzuheben und dem
Beschwerdeführer sei weiterhin eine ganze Invalidenrente (zuzüglich
Kinderrente) zu gewähren. Eventualiter sei die Verfügung vom 30. Mai
2013 aufzuheben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung dieser Anträge führte der
Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, er würde im Gesundheitsfall
auch nach der Geburt zu 100 % als Werklehrer arbeiten. Soweit er
anlässlich der Haushaltsabklärung angegeben habe, im Gesundheitsfall
zwischen 80 bis 100 % erwerbstätig zu sein, sei zu berücksichtigen, dass
es für ihn schwierig (gewesen) sei, eine solche Prognose zu stellen,
zumal er immer schon mit gesundheitlichen Einschränkungen zu leben
gehabt habe. Die Tatsache, dass er seine erwerbliche Tätigkeit bei der
B._ aufgegeben habe, könne nicht als Indiz dafür angesehen
werden, dass er bei voller Gesundheit seine Erwerbstätigkeit nach der
- 4 -
Geburt seiner Tochter reduziert hätte. Entgegen der Auffassung der IV-
Stelle stehe keineswegs mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass
er ohne den Gesundheitsschaden nicht weiterhin zu 100 % erwerbstätig
gewesen wäre. Der Statuswechsel sei demnach nicht nachgewiesen,
weshalb die in der angefochtenen Verfügung vorgenommene Revision
der ganzen IV-Rente zu einer Dreiviertelsrente nicht statthaft sei. Sollte
das Verwaltungsgericht diesen Überlegungen nicht folgen, so sei zu
beachten, dass die gesundheitsbedingte Beeinträchtigung des
Beschwerdeführers in der Führung des Haushalts und der
Kinderbetreuung in der Haushaltsabklärung zu gering veranschlagt
worden sei. Zunächst sei nicht nachvollziehbar, weshalb die
Abklärungsexpertin jeweils eine Reduktion der gesundheitsbedingten
Beeinträchtigung des Beschwerdeführers im Haushalt vorgenommen
habe mit der Begründung, dass bei einer 80%igen ausserhäuslichen
Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführers ein Teil der massgeblichen
Arbeiten auf dessen Ehefrau verlagert worden wären. Wenn die IV-Stelle
beim Betätigungsvergleich davon ausgehe, dass der Erwerb mit 90 % zu
gewichten sei und die Tätigkeit im Haushalt mit 10 %, dann seien diese
10 % bei der Einschränkung als 100 % anzusehen, weshalb eine
weitergehende Reduktion durch die Mithilfe der Ehefrau nicht zulässig sei.
Ausserdem sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer die
meisten Aufgaben im Haushalt nur mit grösseren Pausen vornehmen
könne und bei diesem "Arbeitstempo" am Abend vollkommen erschöpft
sei. Im Übrigen sei die Kinderbetreuung falsch gewichtet worden. Der
Beschwerdeführer habe in der Haushaltsabklärung mehrmals deutlich
darauf hingewiesen, vorrangig mit der Betreuung seiner Tochter
beschäftigt zu sein, was in der Abklärung keine ausreichende
Berücksichtigung gefunden habe. Schliesslich komme der ärztlichen
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gegenüber der Haushaltsabklärung zwar
kein genereller Vorrang zu, jedoch bilde diese eine notwendige Grundlage
- 5 -
für die Haushaltsabklärung. Der von der IV-Stelle angefragte Arzt des
Beschwerdeführers, Dr. med. C._, gehe in seinem Bericht vom
25. Juli 2011 von einer Arbeitsunfähigkeit von 70 % aus. Diese
Einschätzung könne angesichts der darin beschriebenen Tätigkeiten ohne
weiteres auf die vom Beschwerdeführer zu erbringende Haushaltstätigkeit
übertragen werden, weshalb auch hier eine Einschränkung von 70 %
anzunehmen sei. Die Haushaltsabklärung berücksichtige diese
medizinische Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
unzureichend, was nachzuholen sei.
5. Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung vom 28. August 2013 auf
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung brachte sie hauptsächlich
vor, aus den Angaben des Beschwerdeführers gehe klar hervor, dass es
für ihn vollkommen offen sei, ob er als Gesunder sein Arbeitspensum
nach der Geburt seiner Tochter auf ein 80 % Pensum reduziert hätte oder
weiterhin vollzeitlich erwerbstätig geblieben wäre. Könne nun aber nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das eine oder andere Pensum
geschlossen werden und werde berücksichtigt, dass das schweizerische
Sozialversicherungsrecht keinen Grundsatz kenne, wonach die
Versicherungsorgane im Zweifel zugunsten des Versicherten zu
entscheiden hätten, so sei es nicht zu beanstanden, wenn die IV-Stelle in
der angefochtenen Verfügung auf den Mittelwert der Angaben des
Beschwerdeführers abstelle und von einem Erwerbspensum von 90 %
ausgehe. Soweit der Beschwerdeführer im Weiteren die Ergebnisse der
Haushaltsabklärung beanstanden würde, insbesondere die geforderte
Beteiligung seiner Ehefrau, sei darauf hinzuweisen, dass Versicherte der
Schadensminderungspflicht unterliegen würden. Diesem Grundsatz
zufolge hätten die Versicherten die Auswirkungen des
Gesundheitsschadens auf ihre Arbeitsfähigkeit einerseits durch geeignete
organisatorische Massnahmen, andererseits durch die zumutbare Mithilfe
- 6 -
der Familienangehörigen möglichst zu mildern, wobei diese Mithilfe
weitergehe als die ohne Gesundheitsschaden üblicherweise zu
erwartende Unterstützung. Vorliegend habe die Abklärungsexpertin zur
besseren Verständlichkeit jeweils festgestellt, wie hoch die
gesundheitsbedingte Beeinträchtigung des Beschwerdeführers wäre,
wenn er zu 100 % Hausmann wäre und um wie viel sich diese reduzieren
würde, weil er als Gesunder zu 80 % (nunmehr korrigiert auf 90 %)
erwerbstätig wäre und nur im Umfang von 10 % im Haushalt arbeiten
würde. Es sei aus versicherungsrechtlicher Sicht völlig einleuchtend, dass
sich die gesundheitlichen Einschränkungen des Beschwerdeführers in
diesem Fall viel weniger stark auswirken würden, als wenn er als
Gesunder den gesamten Haushalt führen und daneben keiner
Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Diesem Umstand habe die
Abklärungsexpertin mit den beanstandeten Abzügen korrekterweise
Rechnung getragen. Soweit der Beschwerdeführer im Weiteren fordere,
bei der Einschränkung im Haushalt auf die ärztliche Schätzungen der
Arbeitsfähigkeit abzustellen, sei festzuhalten, dass die von der IV-Stelle
nach den Verwaltungsweisungen des Bundesamtes für
Sozialversicherung (BSV) eingeholte Haushaltsabklärung eine geeignete
und im Regelfall genügende Grundlage für die Invaliditätsbemessung im
Haushalt darstellen würde. Die darin enthaltenen Einschätzungen
erwiesen sich im vorliegenden Fall überdies als vollständig und schlüssig,
weshalb die dagegen erhobenen Einwände als unbegründet
zurückzuweisen seien.
6. In der Replik vom 2. Oktober 2013 hielt der Beschwerdeführer an seinen
bisherigen Anträgen fest. Begründend führte er im Wesentlichen aus, die
Vorinstanz übersehe bei der Bestimmung des versicherungsrechtlichen
Status des Beschwerdeführers, dass er zum Zeitpunkt der
invalidisierenden Beeinträchtigung (1991) bereits seit Jahren eine
- 7 -
100%ige Erwerbstätigkeit ausgeübt habe. Diese Validenkarriere lasse
darauf schliessen, dass er im Gesundheitsfall nach der Geburt seiner
Tochter weiterhin vollzeitlich erwerbstätig gewesen wäre. Dies müsse
umso mehr gelten, als er und seine Ehefrau ihre Tochter zu einem
grossen Teil fremdbetreuen liessen. Daraus könne gefolgert werden, dass
sie die Kinderbetreuung auch im Gesundheitsfall in hohem Masse Dritten
überlassen hätten. Der heutige Umfang der Kinderbetreuung spreche
demnach gegen eine Reduktion seines im Gesundheitsfall ausgeübten
Erwerbspensums. Im Weiteren sei es nicht gerechtfertigt, Aussagen
anlässlich einer Haushaltsabklärung in der vorliegenden Weise zu
gewichten. Das Rentensystem sei angesichts seiner Komplexität für den
Laien nicht einfach zu durchschauen. Der Beschwerdeführer habe nicht
wissen können, dass seine Angaben zum Umfang des im Gesundheitsfall
ausgeübten Erwerbspensums eine derart grosse Tragweite hätten. Im
Übrigen gelte im Sozialversicherungsrecht – wie das Bundesgericht in
BGE 138 V 74 E.7 entschieden habe – die Unschuldsvermutung, die sich
insbesondere auf die Beweiswürdigung auswirke. Danach hätte die IV-
Stelle nur dann von dem für den Beschwerdeführer ungünstigeren
Sachverhalt ausgehen dürfen, wenn sie keine erheblichen Zweifel an
dieser Sachverhaltsentwicklung gehabt hätte. Die IV-Stelle habe jedoch in
ihrer Vernehmlassung vom 28. August 2013 selber zugestanden, nicht
sicher sagen zu können, ob der Beschwerdeführer im Gesundheitsfall
sein Erwerbspensum auf 80 % reduziert hätte. Ebenso gut denkbar sei,
dass er als Gesunder nach der Geburt seiner Tochter weiterhin vollzeitlich
erwerbstätig gewesen wäre. Die von der IV-Stelle bei dieser Sachlage
getroffene Annahme eines vom Beschwerdeführer nach der Geburt seiner
Tochter ausgeübten Erwerbspensums von 90 % verletze den Grundsatz
"in dubio pro reo", der nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
ebenfalls für das Sozialversicherungsrecht gelte.
- 8 -
7. Die IV-Stelle verzichtete mit Schreiben vom 17. Oktober 2013 auf eine
Replik.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten
Beweismittel wird, soweit rechtserheblich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung vom
30. Mai 2013, in der die IV-Stelle die ganze IV-Rente des
Beschwerdeführers mit Wirkung ab dem ersten Tag des zweiten Monats
nach Zustellung der Verfügung auf eine Dreiviertelsrente reduziert hat.
Solche Anordnungen, die gemäss Bundesrecht der Beschwerde an das
Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle unterliegen, können beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden angefochten werden (vgl.
Art. 49 Abs. 2 des Verwaltungsgerichtsgesetzes [VRG; BR 370.100]
i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Die Beurteilung der
vorliegenden Beschwerde fällt somit in die Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden. Als Verfügungsadressat
und Bezugsberechtigter ist der Beschwerdeführer von der angefochtenen
Rentenverfügung ausserdem unmittelbar betroffen und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren gerichtlicher Überprüfung, womit er
zur Beschwerdeführung berechtigt ist (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 des
Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]).
Überdies hat er seine Beschwerde am 25. Juni 2013 frist- und
formgerecht beim Verwaltungsgericht eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG in
Verbindung mit Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG), womit auf diese
einzutreten ist.
- 9 -
2. Nachfolgend ist zu prüfen, ob die IV-Stelle die dem Beschwerdeführer
vormals zugesprochene ganze Invalidenrente in der Verfügung vom
30. Mai 2013 zu Recht mit Wirkung ab dem 1. August 2013 auf eine
Dreiviertelsrente herabgesetzt hat.
a) Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird
die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 1 IVG i.V.m.
Art. 17 Abs. 1 ATSG, Art. 88a und Art. 88bis der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Anlass zur Revision einer
Invalidenrente gibt jede Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu
beeinflussen. Die Invalidenrente ist daher nicht nur bei einer wesentlichen
Veränderung des Gesundheitszustandes, sondern etwa auch dann
revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich
gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben oder eine
andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt (BGE
130 V 343 E. 3.5; Urteile des Bundesgerichts 8C_441/2012 vom 25. Juli
2013 E.3.1.1, 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E.1.2, I 554/05 vom
3. Januar 2006 E.2.1, I 212/03 vom 28. August 2003 E.2.2.3).
b) Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss
des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche Änderung
des Invaliditätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige
Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine
Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustandes)
beruht (BGE 133 V 108 E.5; vgl. auch SVR 2010 IV Nr. 54 S. 167 E.2.1;
- 10 -
Urteil des Bundesgerichts 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E.3.1.2,
9C_418/2010 vom 20. August 2011 E.3.1). Dabei braucht es sich nicht
um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu handeln. Ändert sich
nämlich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer
materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-
Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74ter lit. f IVV auf
dem Wege der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauf folgenden
Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt
grundsätzlich derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des
Bundesgerichts 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E.3.1.2; SVR 2010 IV
Nr. 4 S. 7; ULRICH MEYER, in: MURER/STAUFFER [Hrsg.], Rechtsprechung
des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 2. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2010, S. 379). Ist eine anspruchserhebliche Änderung
des Sachverhalts aufgrund der Gegenüberstellung dieser Verfügung mit
der angefochtenen Revisionsverfügung nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit erstellt, bleibt es nach dem Grundsatz der materiellen
Beweislast beim bisherigen Rechtszustand (Urteil des Bundesgerichts
8C_441/2012 vom 25. Juli 20013 E.3.1.3, 9C_961/2008 vom
30. November 2009 E.6.1, publiziert in: SVR 2010 IV Nr. 30 S. 94).
Ansonsten ist bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit die
anspruchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder
Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem
angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern
wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, wenn sie ohne wesentliche
Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin
andauern wird (Art. Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
c) Mit Mitteilung vom 3. November 2006 teilte die IV-Stelle dem
Beschwerdeführer mit, bei der Überprüfung seines Invaliditätsgrads keine
- 11 -
Änderungen festgestellt zu haben, die sich auf dessen Rentenanspruch
auswirken würden, weshalb er weiterhin Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente habe (IV-act. 16 S. 1). Dieser Entscheid stützt sich
einerseits auf das Formularattest des behandelnden Arztes des
Beschwerdeführers, Dr. med. C._, datierend vom 19. September
2006 (IV-act. 12 und 13), andererseits auf die Angaben des damaligen
Arbeitgebers des Beschwerdeführers, der B._ (IV-act. 15). Darin
werden die gesundheitliche Verfassung des Beschwerdeführers und die
daraus resultierenden erwerblichen Einschränkungen im Vergleich zur
letzten Stellungnahme als gleichbleibend umschrieben. Weder in diesen
Stellungnahmen noch in der im Nachgang erlassenen Mitteilung der IV-
Stelle vom 3. November 2006 findet indes eine eingehende
Auseinandersetzung mit den für die Rentenrevision massgeblichen
Kriterien statt, weshalb die Mitteilung der IV-Stelle vom 3. November 2006
als Vergleichsbasis für die Rentenrevision ausser Betracht fällt.
Heranzuziehen ist hierfür stattdessen die vorgängig erlassene Verfügung
vom 13. September 2002 (vgl. IV-alt-act. 76b und 77), in welcher die IV-
Stelle dem Beschwerdeführer eine ganze IV-Rente zugesprochen hat. Ob
seither unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten eine rechtserhebliche
Änderung eingetreten ist, gilt es anschliessend zu untersuchen, indem der
dieser Verfügung zugrunde liegende Sachverhalt mit jenem verglichen
wird, der sich bis zum Abschluss des vorinstanzlichen Verfahrens am
30. Mai 2013 verwirklicht hat.
3. In der Verfügung vom 13. September 2002 ging die IV-Stelle davon aus,
der Beschwerdeführer würde im Gesundheitsfall eine vollzeitliche
Erwerbstätigkeit als Maschinenzeichner ausüben, mit der er ein
Valideneinkommen von Fr. 74'100.-- erzielen würde. Als
Invalideneinkommen rechnete die IV-Stelle dem Beschwerdeführer
seinen damaligen als Aktivierungstherapeut mit einem Pensum von 30 %
- 12 -
erzielten Bruttolohn von Fr. 17'987.-- an (vgl. alt.IV–act. 76b und 72). Aus
der Gegenüberstellung dieser beiden Einkommen resultierte eine
Einkommenseinbusse von Fr. 56'113.--, welche nach der allgemeinen
Methode des Einkommensvergleichs zu einem Invaliditätsgrad von
75.73 % führte und den Beschwerdeführer zum Bezug einer ganzen
Invalidenrente berechtigte (vgl. alt.IV-act. 76b, 72 und 73a).
4. Die Verfahrensbeteiligten sind sich darin einig, dass sich seither weder
die gesundheitliche Verfassung des Beschwerdeführers noch die daraus
resultierenden erwerblichen Auswirkungen nennenswert verändert haben.
Strittig ist hingegen, in welchem Umfang der Beschwerdeführer nach der
Geburt seiner Tochter als Gesunder erwerbstätig gewesen wäre.
a) Ob eine Person, wenn sie keine gesundheitliche Beeinträchtigung erlitten
hätte, voll- oder teilzeitlich erwerbstätig oder im bisherigen
Aufgabenbereich im Sinne von Art. 8 Abs. 3 ATSG tätig gewesen wäre,
was je nach dem zur Anwendung einer anderen Methode der
Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, Betätigungsvergleich bzw.
gemischte Methode) führt, hängt davon ab, was diese als Gesunde bei im
Übrigen unveränderten Umständen getan hätte. Entscheidend ist somit
nicht, welches Erwerbspensum der versicherten Person im
Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern ob und in welchem
Umfang sie als Gesunde erwerbstätig und im bisherigen Aufgabenbereich
im Sinne von Art. 8 Abs. 3 ATSG tätig gewesen wäre. Diese Frage ist
aufgrund der persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen
Verhältnisse der versicherten Person zu beantworten. Bei verheirateten
Versicherten ist überdies die Aufgaben- und Rollenverteilung im Rahmen
der ehelichen Gemeinschaft zu beachten. Massgebend sind die
Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung entwickelt haben,
wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall
- 13 -
ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht
übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit gilt (vgl. BGE
137 V 334 E.3.2, 133 V 504 E.3.3, 131 V 51 E.5.1.2 und E.5.1.2, 125 V
150 E.2c; Urteile des Bundesgerichts 9C_311/2013 vom 12. November
2013 E.3.1, 9C_915/2012 vom 15. Mai 2013 E. 4.1, 9C_932/2011 vom
29. Mai 2012 E.3.1.1; MEYER, a.a.O., S. 376; vgl. zum Ganzen: URS
MÜLLER, Die materiellen Voraussetzungen der Rentenrevision in der
Invalidenversicherung [Rentenrevision], in: GAUCH [Hrsg.], Arbeiten aus
dem juristischen Seminar der Universität Freiburg Schweiz, Diss.,
Freiburg 2003, N. 663 ff.).
b) Mit Schreiben vom 17. August 2011 teilte die IV-Stelle dem
Beschwerdeführer mit, ein Rentenrevisionsverfahren eingeleitet zu haben,
und ersuchte ihn, ihr die Gründe anzugeben, welche zur Auflösung des
Arbeitsverhältnisses geführt hätten (IV-act. 39). In der Folge informierte
der Beschwerdeführer die IV-Stelle mit Schreiben vom 23. August 2011,
gekündigt zu haben, um seine Ehefrau nach der Geburt seiner Tochter
unterstützen zu können. Später wolle er im Rahmen seiner Möglichkeiten
einen gewissen Teil der Kinderbetreuung übernehmen (IV-act. 40).
Befragt nach dem Umfang seiner Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall gab
der Beschwerdeführer anlässlich der Haushaltsabklärung vom
3. November 2011 sodann an, es falle ihm schwer, den Grad seiner
Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall zu bestimmen, da er nicht wisse,
welchen beruflichen und familiären Weg er bei völliger Gesundheit
eingeschlagen hätte. Denkbar sei, dass er in diesem Fall stets zu 100 %
gearbeitet, Karriere gemacht und dieses berufliche Engagement nach der
Geburt seiner Tochter fortgeführt hätte, während seine Ehefrau zu Hause
geblieben wäre. Ebenso gut könne er sich jedoch vorstellen, dass sich
seine Ehefrau und er für ein Jobsharing entschieden hätten (IV-act. 45).
Auf dem Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall"
- 14 -
präzisierte der Beschwerdeführer diese Angaben am 4. November 2011
dahingehend, als er festhielt, er wäre ohne gesundheitliche
Beeinträchtigung nach der Geburt seiner Tochter mutmasslich im Umfang
von 80-100 % erwerbstätig gewesen. Erläuternd führte er aus, wie er
bereits anlässlich der Haushaltsabklärung ausgeführt habe, falle es ihm
ausgesprochen schwer zu sagen, in welchem Umfang er als gesunder
Mann erwerbstätig gewesen wäre, weil er sein Leben lang schon krank
sei und alle seine Entscheidungen vor diesem Hintergrund getroffen
habe. Er könne sich vorstellen, dass er als gesunder Mann bereit
gewesen wäre, sein Arbeitspensum in gewissem Umfang zu reduzieren,
um die Betreuung seines Kindes zu übernehmen. Es wäre jedoch ebenso
gut denkbar, dass er bis zur Geburt seines Kindes als Gesunder Karriere
gemacht hätte und in einer leitenden Position einen gut bezahlten Beruf
ausüben würde. In diesem Fall wäre er wohl kaum gewillt gewesen, sein
Erwerbspensum wegen der Kinderbetreuung zu reduzieren (IV-act. 43).
Im Einwand vom 21. April 2013 bestätigte der Beschwerdeführer diese
Angaben grundsätzlich, hielt jedoch fest, er empfinde es nicht als
angemessen, wenn die IV-Stelle auf dieser Grundlage von einem
80%igen Erwerbspensum ausgehe und die von ihm als gleichwertige
Alternative angegebene vollzeitliche Erwerbstätigkeit in ihren
Überlegungen ausblende. Ein solches berufliches Engagement oder eine
90%ige Erwerbstätigkeit seien gleichermassen plausibel wie das von der
IV-Stelle angenommene Pensum (act.-IV 51). In seiner Beschwerdeschrift
vom 25. Juni 2013 und in der Replik vom 2. Oktober 2013 lässt der
Beschwerdeführer schliesslich ausführen, bis zum Eintritt des
invalidisierenden Gesundheitsschadens vollzeitlich erwerbstätig gewesen
zu sein. Diese Validenkarriere lasse darauf schliessen, dass er ohne
gesundheitliche Beeinträchtigung nach der Geburt seiner Tochter
weiterhin vollzeitlich erwerbstätig gewesen wäre, zumal er und seine
- 15 -
Ehefrau ihre gemeinsame Tochter zu einem grossen Teil fremdbetreuen
liessen (vgl. dazu ausführlich: Sachverhalt Ziff. 4 und Ziff. 6 hiervor).
c) Diese Ausführungen des Beschwerdeführers zeigen, dass er die an ihn
gerichtete Frage nach seinem Erwerbspensum im Gesundheitsfall korrekt
verstanden und sich bemüht hat, den Umfang seines Erwerbspensums,
das er als Gesunder nach der Geburt seiner Tochter mutmasslich
ausgeübt hätte, zu bestimmen und schliesslich mit 80-100 % angegeben
hat. Dass der Beschwerdeführer während des Beschwerdeverfahrens auf
diese Angaben zurückgekommen ist, vermag den Beweiswert seiner
ursprünglichen Angaben nicht zu schmälern. Stehen nämlich zwei
Aussagen einer Person im Widerspruch zueinander, so erweist sich nach
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung diejenige als glaubhafter,
welche die Person zuerst, d.h. in Unkenntnis der versicherungsrechtlichen
Konsequenzen, abgegeben hat. In der Regel ist eine solche "Aussage der
ersten Stunde" zuverlässiger als spätere Darstellungen, die bewusst oder
unbewusst von versicherungsrechtlichen Überlegungen beeinflusst sein
können (vgl. BGE 121 V 47 E.2a, 115 V 143 E.8c; URS MÜLLER, Das
Verwaltungsverfahren in der Invalidenversicherung, Bern 2010, Rz. 1597,
je m.w.H.). Für die Beurteilung des vom Beschwerdeführers ausgeübten
Erwerbspensums ist damit auf dessen Angaben anlässlich der
Haushaltsabklärung vom 3. November 2011, die dieser tags darauf
gegenüber der IV-Stelle schriftlich präzisierte und im Einwand vom
21. April 2013 grundsätzlich bestätigte, abzustellen. Danach wäre der
Beschwerdeführer, wenn er als gesunder Mann Karriere gemacht hätte,
nach der Geburt mutmasslich weiterhin vollzeitlich erwerbstätig gewesen.
Andernfalls hätte er sein Erwerbspensum auf 80 % reduziert. Da weder
die eine noch die andere Entwicklung unter den gegebenen Umständen
wahrscheinlicher erscheint, ist mit der IV-Stelle vom Mittelwert der
- 16 -
fraglichen Angaben und damit von einer 90%igen Erwerbstätigkeit im
Gesundheitsfall auszugehen.
d) Soweit der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, es sei nicht
gerechtfertigt, bei der Bemessung des von ihm im Gesundheitsfall
ausgeübten Tätigkeit auf seine Angaben abzustellen, da er nie ganz
gesund gewesen sei und sich deshalb nur schwer vorstellen könne, wie
seine Erwerbsbiographie als gesunder Mann verlaufen wäre, ist
anzumerken, dass der Beschwerdeführer vom 18. April 1978 bis zum
17. April 1982 eine Lehre als Maschinenzeichner absolviert hat und bis
1985 vollzeitlich auf diesem Beruf tätig war. Anschliessend arbeitete er
zunächst vollzeitlich in der Pflege und Betreuung kranker Kinder bei der
D._ und bis September 1989 als Sportverkäufer bei der E._.
Diese während elf Jahren als vollzeitlich Erwerbstätiger gesammelten
Erfahrungen erlauben es dem Beschwerdeführer durchaus,
abzuschätzen, was es bedeutet, ein vollzeitliches Erwerbspensum
zugunsten der Kinderbetreuung zu reduzieren. Es besteht daher kein
Anlass, die Angaben des Beschwerdeführers bezüglich seines im
Gesundheitsfall ausgeübten Erwerbspensums ausser Betracht zu lassen.
Soweit der Beschwerdeführer im Weiteren geltend macht, die Würdigung
der fraglichen Angaben durch die IV-Stelle verletze den im
Sozialversicherungsrecht geltenden Grundsatz "in dubio pro reo", ist
festzustellen, dass diese strafrechtliche Beweiswürdigungsregel nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ausschliesslich im
Administrativsanktionsverfahren zu beachten und damit im vorliegenden
Rentenrevisionsverfahren keine Geltung beansprucht (BGE 138 V 74
E.7). In Bezug auf den versicherungsrechtlichen Status hat das
Bundesgericht denn auch mehrfach entschieden, dass diesbezüglich der
im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit gilt (vgl. statt vieler: BGE 125 V 150 E.2c; Urteil des
- 17 -
Bundesgerichts 9C_311/2013 vom 12. November 2013 E.3.1,
9C_915/2012 vom 15. Mai 2013 E. 4.1, Urteil des Bundesgerichts
9C_932/2011 vom 29. Mai 2012 E.3.1.1; MEYER, a.a.O., S. 376; MÜLLER,
a.a.O., N. 1591 und N. 1555). Ohnehin entzieht sich der Nachweis der
Validenkarriere von der Natur der Sache her einem strikten Beweis, weil
in diesem Fall die hypothetische Erwerbsbiographie des Versicherten im
Gesundheitsfall nachzuzeichnen ist, wofür auf dessen Angaben und
durch Erfahrungswerte erhärtete Hypothesen abgestellt werden muss.
Der Beschwerdeführer hat diesbezüglich angegeben, er wäre nach der
Geburt seiner Tochter wohl weiterhin vollzeitlich erwerbstätig gewesen,
wenn er Karriere gemacht hätte und in leitender Funktion tätig gewesen
wäre. Andernfalls jedoch hätte er sein Erwerbspensum wohl auf 80 %
reduziert, um sich (vermehrt) der Kinderbetreuung widmen zu können.
Diese Angaben stimmen mit der tatsächlichen Erwerbsbiographie des
Beschwerdeführers insofern überein, als er nach der Geburt seiner
Tochter die Tätigkeit bei der B._ aufgegeben hat, um die Möglichkeit
zu haben, die Kinderbetreuung zu übernehmen, wenn seine Ehefrau nach
dem Mutterschaftsurlaub ins Berufsleben zurückkehrt (IV-act. 45 S. 1 f).
Bei dieser Entscheidung mag durchaus der geringe Verdienst des
Beschwerdeführers, der wohl nahezu vollständig für die in diesem
Zeitraum angefallenen Kosten für die Fremdbetreuung aufgebracht
worden wäre, eine Rolle gespielt haben. Nichts desto trotz kann die
Aufgabe der Erwerbstätigkeit bei der B._ als Indiz dafür angesehen
werden, dass der Beschwerdeführer im Gesundheitsfall seine
Erwerbstätigkeit ebenfalls zugunsten der Kinderbetreuung reduziert hätte.
Dem steht nicht entgegen, dass der Beschwerdeführer bis zum Eintritt
des invalidisierenden Gesundheitsschadens stets vollzeitlich erwerbstätig
gewesen ist, war er zu diesem Zeitpunkt doch weder verheiratet noch
Vater einer betreuungsbedürftigen Tochter, weshalb an der ansonsten
geltenden Vermutung, wonach der Beschwerdeführer in diesem Umfang
- 18 -
bis zum gesetzlichen Rentenalter erwerbstätig gewesen wäre, nicht ohne
weiteres festgehalten werden kann. Schliesslich lässt auch die
gegenwärtige Betreuungssituation nicht auf eine vollzeitliche
Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführers im Gesundheitsfall schliessen,
dürfte diese doch massgeblich durch die gesundheitliche Verfassung des
Beschwerdeführers bedingt sein, die eine Tätigkeit desselben in seinem
angestammten Beruf ebenso verunmöglicht, wie die vollständige
Übernahme der Kinderbetreuung und Haushaltsführung. Die deshalb vom
Ehepaar gewählte Aufgabenteilung mit einer anfänglich 80 %, nunmehr
70 % Erwerbstätigkeit der Ehefrau des Beschwerdeführers und einer
ausserhäuslichen Betreuung der gemeinsamen Tochter im Umfang von
mindestens anderthalb Tagen, dürfte daher kaum Rückschlüsse auf die
vom Ehepaar im Gesundheitsfall gewählte Rollenverteilung zulassen.
Selbst wenn jedoch das gegenwärtige Betreuungsmodell als Massstab für
den Gesundheitsfall übernommen würde, müsste die gemeinsame
Tochter selbst bei Annahme einer Erwerbstätigkeit des
Beschwerdeführers von 90 % während drei Tagen fremdbetreut werden,
wenn die Ehefrau des Beschwerdeführers, wie heute, zu 70 %
erwerbstätig wäre. Auch die gegenwärtige Betreuungssituation spricht
somit keineswegs gegen eine Reduktion des Erwerbspensums des
Beschwerdeführers im angenommenen Umfang. Mit der IV-Stelle ist
somit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer seit der Geburt
seiner Tochter im Gesundheitsfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
zu 90 % erwerbstätig wäre und sich im Übrigen der Kinderbetreuung
sowie dem Haushalt widmen würde.
e) Bei dieser Sachlage ist der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers seit
der Geburt seiner Tochter nach der gemischten Methode zu bestimmen
(Art. 28a Abs. 3 IVG). Damit hat sich die für die Bemessung des
Invaliditätsgrads massgebliche Methode seit dem 13. September 2002
- 19 -
verändert, womit unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten eine
rechtserhebliche Änderung eingetreten ist. Demzufolge hat die IV-Stelle
die Mitteilung vom 3. November 2006 zu Recht in Revision gezogen und
den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine ganze Invalidenrente
überprüft.
4. Bei diesem Ergebnis ist nachfolgend zu prüfen, ob die IV-Stelle den
Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers in der angefochtenen Verfügung
korrekt berechnet hat.
a) Der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers, der als Gesunder teils
erwerbstätig, teils im bisherigen Aufgabenbereich im Sinne von Art. 8
Abs. 3 ATSG tätig gewesen wäre, ist nach Art. 28a Abs. 3 IVG zu
bestimmen. Danach wird der Invaliditätsgrad für den Erwerbsbereich
gemäss Art. 16 ATSG, d.h. nach der für Erwerbstätige üblichen Methode
des Einkommensvergleichs, ermittelt. Für den Nichterwerbsbereich wird
der Invaliditätsgrad nach Art. 8 Abs. 3 ATSG und Art. 28a Abs. 2 IVG,
also nach der spezifischen Methode des Betätigungsvergleichs,
festgelegt. Der für die Beurteilung des Rentenanspruchs massgebliche
Invaliditätsgrad ergibt sich alsdann aus einer Addition der in beiden
Bereichen ermittelten und gewichteten Teilinvaliditäten (sogenannte
gemischte Methode, Art. 28a Abs. 3 IVG; vgl. BGE 137 V 334 E.3.1.3,
131 V 51 E.5.1.2, 125 V 146 E.2b; GUSTAVO SCARTAZZINI/MARC HÜRZELER,
Bundessozialversicherungsrecht, 4. Aufl., Basel 2012, S. 190). Nach der
Gerichtspraxis entspricht der Anteil der Erwerbstätigkeit dabei dem
zeitlichen Umfang der vom Versicherten ohne gesundheitliche
Beeinträchtigung ausgeübten Beschäftigung im Verhältnis zu der im
betreffenden Beruf üblichen Arbeitszeit. Beträgt der auf diese Weise
ermittelte Invaliditätsgrad mindestens 40 %, so hat der Versicherte
Anspruch auf eine Viertelrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe
- 20 -
Rente, bei mindestens 60 % auf eine drei Viertel Rente und bei
mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
b) Um den rentenbegründenden Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers zu
ermitteln, gilt es nach dem vorangehend Ausgeführten folglich zunächst
die gewichtete Leistungseinbusse des Beschwerdeführers im
erwerblichen Bereich und im bisherigen Aufgabenbereich im Sinne von
Art. 8 Abs. 3 ATSG zu bestimmen. Im Anschluss daran ist die
Gesamtinvalidität zu berechnen und auf dieser Grundlage über den
Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu entscheiden.
c) In Bezug auf den erwerblichen Bereich geht die IV-Stelle von einem der
Nominalentwicklung angepassten Valideneinkommen von Fr. 75'294.05
aus, das der Beschwerdeführer mit einem Erwerbspensum von 90 % als
Maschinenzeichner erzielt hätte (IV-act. 53 S. 2). Dieses
Valideneinkommen ist aufgrund der Akten ausgewiesen und wird vom
Beschwerdeführer denn auch nicht bestritten, weshalb es sich erübrigt,
darauf näher einzugehen. Das diesem gegenüberzustellende
Invalideneinkommen hat die IV-Stelle ausgehend von einer 30%igen
Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit auf der Grundlage
der Lohnstrukturerhebung des Bundes (LSE) 2010, Durchschnitt aller
Einkommen, männlich, Anforderungsniveau 3, unter Gewährung eines
Leidensabzugs von 5 % mit Fr. 21'445.25 beziffert (IV-act. 53 S. 2).
aa) Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der
konkreten beruflich-erwerblichen Situation des Versicherten auszugehen,
wenn dieser nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit ausübt, mit
der er seine Restarbeitsfähigkeit ausschöpft und ein angemessenes
Einkommen erzielt (vgl. zu den besonderen Voraussetzungen: BGE 135
V 297 E.5.2, 126 V 75 3.b/aa, BGE 117 V 18 E.2c/aa, je mit Hinweisen).
- 21 -
Liegt kein solches Erwerbseinkommen vor, namentlich weil der
Versicherte nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls
keine ihm an sich zumutbare Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist
das Invalideneinkommen entweder aufgrund der Dokumentierten
Arbeitsplatz (DAP)-Zahlen oder der LSE-Tabellenlöhne zu ermitteln
(BGE 135 V 297 E.5.2, 126 V 75 E.3b/bb). Im letztgenannten Fall ist
allerdings der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass Versicherte,
die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich
zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern
lohnmässig benachteiligt werden und deshalb in der Regel mit
unterdurchschnittlichen Löhnen rechnen müssen (BGE 134 V 322 E.5
und 6, BGE 126 V 75 E.5b/aa; SVR 2003 IV 1 S. 1; AHI 2002 S. 62). Ist
aufgrund der persönlichen und beruflichen Merkmale der versicherten
Person, wie etwa deren Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit,
Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad,
anzunehmen ist, dass sie ihre Restarbeitsfähigkeit infolge eines oder
mehrerer dieser Merkmale auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem Einkommen verwerten kann, sind die LSE-
Tabellenlöhne um maximal 25 % zu reduzieren (BGE 135 V 297 E.5.2;
BGE 126 V 75 E.5b/aa). Der fragliche Abzug sollte – weil insoweit nicht
mehr materialisierbar und (gerichtlich) überprüfbar – grundsätzlich nicht
unter 10 % liegen (Urteil des Verwaltungsgerichts S 13 52 vom 30. April
2012 E.5a; MEYER, a.a.O., S. 314). Im Übrigen sind keine getrennten
Abzüge je für die massgeblichen Kriterien vorzunehmen, sondern der
Abzug ist gesamthaft unter Würdigung der aller massgeblichen Umstände
im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen vorzunehmen (BGE 126 V
75 E.5b/cc, vgl. Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden S 13 52 vom 12. Dezember 2013 E.4d, S 12 5 vom 15. Mai
2012 E.3a/bb; SUSANNE LEUZINGER-NAEF, Der Einkommensvergleich –
Rückblick und Ausblick, in: KIESER [Hrsg.], Validen- und
- 22 -
Invalideneinkommen, Ecksteine, Kriterien und Elemente, Überlegungen
zur Bestimmung des Invaliditätsgrads, Schriftenreihe des Instituts für
Rechtswissenschaft und Praxis, IRP-HSG, St. Gallen 2013, S. 40 f.). Bei
der Überprüfung des Leidensabzugs ist die Kognition des kantonalen
Versicherungsgerichts nicht auf Rechtsverletzungen beschränkt, sondern
erstreckt sich auch auf die Beurteilung der Angemessenheit der
angefochtenen Verfügung. Dabei darf das kantonale
Versicherungsgericht sein Ermessen indes nicht ohne triftigen Grund an
die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen. Vielmehr muss es sich auf
Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende
Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V
71 = Praxis 2011 Nr. 91 E.5.2, BGE 126 V 51 E.6; Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden S 13 52 vom 30. April
2012 E.5a).
bb) Der Beschwerdeführer hat seine Arbeitsstelle bei der B._ per 31. Mai
2011 gekündigt und geht seit dem 1. Juni 2011 keiner Erwerbstätigkeit
mehr nach. Sein Invalideneinkommen kann daher nicht aufgrund seiner
konkret-erwerblichen Situation festgelegt werden, weshalb die IV-Stelle
zu dessen Bemessung zu Recht die LSE-Tabellenlöhne für das Jahr 2010
herangezogen hat. Ebenso wenig ist es zu beanstanden, wenn sie
diesbezüglich auf den Tabellenlohn 2010, männlich, Anforderungsniveau
3, abgestellt und den vom Beschwerdeführer mit einer solchen
beruflichen Tätigkeit bei einem Pensum von 30 % erzielbaren Verdienst
mit Fr. 23'762.-- beziffert hat. Jedoch vermag das Vorgehen der IV-Stelle
insoweit nicht zu überzeugen, als sie dem Beschwerdeführer lediglich
einen Leidensabzug von 5 % zugestanden hat. Diesbezüglich ist
einerseits zu berücksichtigen, dass bei nur mehr leichten Tätigkeiten –
wie die dem Beschwerdeführer zumutbaren – praxisgemäss ein
Leidensabzug von 10 % zu gewähren ist. Andererseits ist vorliegend der
- 23 -
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass teilzeitlich erwerbstätige
Männer überproportional tiefer entlöhnt werden im Vergleich zu Männern,
welche ein Vollzeitpensum ausüben (vgl. LSE 06 Tabelle T2* Anhang 3).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist deshalb Männern, die
gesundheitsbedingt nur noch teilzeitlich erwerbstätig sein können,
regelmässig ein Abzug von rund 10 % zuzugestehen (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_344/2012 vom 16. August 2012 E.3.2, 9C_643/2010
vom 27. Dezember 2010 E.3.2, 8C_664/2007 vom 14. April 2008). Beim
Beschwerdeführer dürfte dieser Abzug sogar noch höher ausfallen,
erzielten doch Männer im Jahr 2006 in Tätigkeiten, die Berufs- und
Fachkenntnisse voraussetzen (Anforderungsniveau 3), bei einem
Arbeitspensum zwischen 25 % bis 49 % aufgerechnet auf eine
vollzeitliche Tätigkeit durchschnittlich ein um 11.95 % (100% - 88.05 %
[5'000 : 5'678 x 100] tieferes Einkommen als Vollzeitbeschäftigte (vgl.
LSE 2006 Tabelle T2* Anhang 3). Demzufolge ist dem Beschwerdeführer
einen Leidensabzug von mindestens 20 % zu gewähren, womit von
einem Invalideneinkommen von Fr. 18'059.10 auszugehen ist. Ob dem
Beschwerdeführer ein höherer Leidensabzug zuzugestehen wäre, kann
offengelassen werden, da er bereits unter diesen Umständen eine ganze
Invalidenrente beanspruchen kann.
cc) Wird das Invalideneinkommen von Fr. 18'059.10 vom massgeblichen
Valideneinkommen Fr. 75'294.05 abgezogen, so resultiert eine
Erwerbseinbusse von Fr. 57'234.95 (Fr. 75'294.05 – Fr. 18'059.10), d.h.
von 76.01 %, was bei einer Gewichtung von 90 % zu einem
Teilinvaliditätsgrad von 68.40 % im erwerblichen Bereich führt.
d) Im bisherigen Aufgabenbereich geht die IV-Stelle in der angefochtenen
Verfügung von einer Einschränkung von 20 % aus, woraus bei einer
Gewichtung von 10 % ein Invaliditätsgrad von 2 % resultiert. Selbst wenn
- 24 -
auf die entsprechenden Angaben abgestellt wird, weist der
Beschwerdeführer nach der gemischten Methode demnach einen
Invaliditätsgrad von 70.40 % auf. Damit hat er Anspruch auf eine ganze
Rente der Invalidenversicherung. Bei diesem Ergebnis kann daher
dahingestellt bleiben, ob die IV-Stelle die gesundheitsbedingte
Leistungseinbusse des Beschwerdeführers im bisherigen
Aufgabenbereich korrekt berechnet hat.
5. Zusammenfassend kann damit festgehalten werden, dass die IV-Stelle in
der Verfügung vom 30. Mai 2013 zu Recht von einer Änderung des
versicherungsrechtlichen Status des Beschwerdeführers seit der letzten
rechtskräftigen Verfügung ausgegangen ist. Infolgedessen war sie
berechtigt, die Verfügung vom 4. August 2006 in Anwendung von Art. 17
Abs. 1 ATSG in Revision zu ziehen und den Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente nach Massgabe des sich bis
zum Abschluss des vorinstanzlichen Verfahren verwirklichten
Sachverhalts zu prüfen. Die neue Bemessung des Invaliditätsgrades des
Beschwerdeführers aufgrund der gemischten Methode führt jedoch zum
Ergebnis, dass der Beschwerdeführer einen Invaliditätsgrad von 70.40 %
aufweist, womit er weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente der
Invalidenrente hat. Die vorliegende Beschwerde erweist sich demzufolge
als begründet, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und
festzustellen ist, dass der Beschwerdeführer weiterhin Anspruch auf eine
ganze Rente der Invalidenversicherung hat.
6. Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren im
Invalidenversicherung bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Diese Kosten werden jeweils je
nach Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
- 25 -
Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Die nach Massgabe dieser Kriterien
auf Fr. 700.-- festzulegenden Verfahrenskosten sind entsprechend dem
Ausgang des vorliegenden Verfahrens der IV-Stelle als unterliegender
Partei aufzuerlegen (Art. 73 Abs. 1 VRG). Diese hat dem
Beschwerdeführer ausserdem die durch den Rechtsstreit verursachten
Parteikosten zu entschädigen (Art. 61 lit. g ATSG). Darunter fallen
insbesondere die Kosten für die anwaltliche Vertretung (UELI KIESER,
ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 61 N. 113). Die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers macht unter Zugrundelegung
eines Stundenansatzes von Fr. 260.-- einen Kostenaufwand von
Fr. 4'511.05 (Honorar: Fr. 4'095.--, Barauslagen: Fr. 81.80 und MWST:
Fr. 334.15) geltend. Die IV-Stelle erachtet diesen Aufwand als übersetzt,
da sich vorliegend mit der anzuwendenden Methode und der
Einschränkung im Haushalt nur relativ einfache Rechtsfragen stellen
würden, weshalb ein Zeitraufwand von 15.75 als übermässig erscheine.
Dem ist entgegenzuhalten, dass sich der vorliegende Fall zwar nicht als
besonderes aufwändig erweist, der getätigte Aufwand jedoch, wenngleich
er sich auch im oberen Bereich des für solche Fälle zulässigen bewegen
dürfte, durchaus angemessen ist. Die IV-Stelle ist demzufolge gehalten,
dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 4'511.05 (inkl.
Barauslagen und MWST) zu bezahlen.