Decision ID: 555136dc-34b6-5ec5-8378-e311a9ecc0a7
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 7. Dezember 2015 in der Schweiz um
Asyl nach. Am 11. Dezember 2015 fand die Befragung zur Person (BzP)
statt. Am 9. Mai 2017 wurde der Beschwerdeführer einlässlich zu seinen
Asylgründen angehört. Eine ergänzende Anhörung fand am 6. Februar
2020 statt.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, er sei sri-lankischer Staatsangehöriger, tamilischer
Ethnie und habe in B._, C._, Nordprovinz, gelebt; dies ge-
meinsam mit seinen Eltern und einem Bruder bis etwa einen Monat vor
seiner Ausreise.
Seine Eltern hätten bis ins Jahr 2013 die Liberation Tigers of Eelam (LTTE)
unterstützt, indem sie Mitgliedern dieser Organisation Unterkunft gewährt
hätten. Der Vater habe die LTTE-Angehörigen jeweils mit nach Hause ge-
bracht, diese mit Essen versorgt, und ihnen geholfen, weiterzureisen. Die
Mutter, eine (...), habe Mitglieder der LTTE medizinisch gepflegt. Aktive
Mitglieder seien die Eltern jedoch nicht gewesen. Hingegen seien die Brü-
der des Vaters allesamt militärische Mitglieder der LTTE gewesen und in
der Zwischenzeit als Flüchtlinge in Europa.
Im Hinblick auf eigene Behelligungen machte der Beschwerdeführer gel-
tend, er habe seit dem Jahr 2012 an mehreren Demonstrationen teilge-
nommen und sei politisch aktiv gewesen. Er habe den Wahlkampf der Par-
tei Tamil National Peoples Front (TNPF) unterstützt, indem er Wahlemp-
fehlungen erteilt und eine Rede an einer Demonstration gehalten habe.
Durch die politischen Aktivitäten zu Gunsten der TNPF sei er von Angehö-
rigen der rivalisierenden Partei Eelam Peoples Democratic Party (EPDP)
behelligt worden, welche eng mit der sri-lankischen Regierung zusammen-
arbeite. Er sei von der EPDP mehrfach verbal bedroht worden, auch tele-
fonisch. Zudem sei er im Zeitraum 2012 bis zu seiner Flucht im Jahr 2015
dreimal respektive fünfmal von den sri-lankischen Behörden verhaftet, be-
fragt und misshandelt worden. Die Verhaftungen hätten zum einen im Zu-
sammenhang mit seinen politischen Aktivitäten gestanden, zum anderen
mit seinen Teilnahmen an Demonstrationen und weil er im Jahr 2013 ein
mutmassliches Mitglied der LTTE, das bei seiner Familie Unterschlupf ge-
sucht habe, mit seinem Fahrrad transportiert habe. Mithilfe von Geldzah-
lungen und des Einflusses eines dem Vater bekannten Politikers sei es ihm
jeweils gelungen, wieder aus den Inhaftierungen freizukommen. Erneute
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Drohungen seitens der Mitglieder der EPDP hätten den Vater im Septem-
ber 2015 veranlasst, ihn nach D._ zu einem Bekannten zu schi-
cken. Auf Anraten dieses Bekannten habe er sich mit Einheimischen be-
kanntgemacht und sich mit lokalen Fischern angefreundet. Diese habe er
aufs Meer begleitet. Die Fischer hätten sich unter anderem als Schlepper
Richtung Indien betätigt. Eines Tages im Oktober 2015 hätten er und diese
Fischer mit dem Boot mehrere Männer Richtung Indien zu schmuggeln ver-
sucht und seien dabei von der Marine aufgehalten und festgenommen wor-
den. Es habe sich herausgestellt, dass es sich bei den Fremden um ehe-
malige «Black Tiger» der LTTE gehandelt habe. Die Marine habe ihm un-
terstellt, ebenfalls ein Mitglied der Black Tiger zu sein und ihn inhaftiert. Er
sei in ein militärisches Camp nach D._ gebracht worden, wo man
ihn befragt und misshandelt habe. Nur durch die Beziehung seines Vaters
sei er freigekommen. Dieser habe einen Politiker eingeschaltet, der sich für
ihn eingesetzt habe. Da der Vater befürchtet habe, dass man ihn, den Be-
schwerdeführer, umbringe, habe er dessen Ausreise organisiert. Nach sei-
ner Ausreise seien seine Eltern und der Bruder mehrfach von den sri-lan-
kischen Behörden sowie Mitgliedern der EPDP behelligt worden, um sei-
nen aktuellen Aufenthaltsort in Erfahrung zu bringen. Aufgrund dieser Be-
helligungen habe seine Familie Anzeige erstattet.
Der Beschwerdeführer reichte eine Identitätskarte, die Kopie der erwähn-
ten Anzeige sowie das Schreiben eines Friedensrichters zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 13. März 2020 stellte die Vorinstanz fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch
ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und beauftragte den zustän-
digen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung.
C.
Mit Eingabe vom 16. April 2020 erhob der Beschwerdeführer – handelnd
durch den rubrizierten Rechtsvertreter – gegen diesen Entscheid Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte, die Verfügung
sei aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen und ihm sei in
der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit
und/oder die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und
die vorläufige Aufnahme zu verfügen. Subeventualiter sei die Sache zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge.
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Neben der Vollmacht wurden verschiedene Medienartikel die Lage in Sri
Lanka betreffend eingereicht.
D.
Mit Schreiben vom 20. April 2020 bestätigte das Gericht den Eingang der
Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren
gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-
derung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-
nung verwenden wird.
2.
2.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
2.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
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Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an das
Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. Im Wesentlichen führte
das SEM unter Angabe der jeweils relevanten Protokollstellen aus, der Be-
schwerdeführer habe in den Befragungen keine kohärenten Angaben zur
Gesamtzahl der von ihm geltend gemachten Verhaftungen im Heimatstaat
machen können. Die Aussagen variierten zwischen drei bis fünf Verhaftun-
gen, dies trotz verschiedentlicher expliziter Nachfragen.
So habe der Beschwerdeführer betreffend das Jahr 2012 einerseits ange-
geben, er sei im April des besagten Jahres verhaftet worden, demgegen-
über habe er in der ersten Anhörung angegeben, dass er im Jahr 2012
zweimal verhaftet worden sei, einmal davon Ende des Jahres 2012. Zu
einem späteren Zeitpunkt habe er vorgetragen, dass er sich an den Monat
der zweiten Verhaftung im Jahr 2012 nicht erinnern könne, es aber Mitte
des Jahres 2012 gewesen sei. Im Rahmen der zweiten Anhörung habe er
wiederum geltend gemacht, im Jahr 2012 nur einmal verhaftet worden zu
sein. Mit diesen Widersprüchen sei der Beschwerdeführer konfrontiert wor-
den. Er habe sie jedoch nicht plausibel auflösen können. Die Angaben wür-
den weitere Unstimmigkeiten aufweisen, habe der Beschwerdeführer doch
anlässlich der BzP geltend gemacht, im Jahr 2012 zusammen mit seinem
Vater festgenommen worden zu sein und dies auf Nachfrage nochmals be-
stätigt. Zu den Verhaftungen des Jahres 2012 in der zweiten Anhörung be-
fragt, habe er den Vater nicht mehr erwähnt, auch nicht, als er explizit auf-
gefordert worden sei, den genauen Ablauf zu schildern. Darauf angespro-
chen, habe der Beschwerdeführer erklärt, er habe sehr wohl erwähnt, dass
man den Vater ein bis zwei Tage später mitgenommen habe. Diese Erklä-
rung beziehe sich aber auf ein Ereignis im Jahr 2013.
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Hinsichtlich der Verhaftungen im Jahr 2013 habe der Beschwerdeführer
ebenfalls widersprüchliche Angaben gemacht. Dem Protokoll der BzP sei
zu entnehmen, dass er eigenen Angaben gemäss im Dezember 2013 vom
Criminal Investigation Department (CID) für drei Tage inhaftiert worden sei
und dies habe er in der ersten Anhörung zunächst auch bestätigt. Die An-
gaben stünden jedoch im Widerspruch zur zweiten Anhörung, in welcher
er geltend gemacht habe, dass sich die Haft im Jahr 2014 ereignet habe
und er für eine Woche inhaftiert gewesen sei. Zu einem späteren Zeitpunkt
der zweiten Anhörung habe er noch eine Haft erwähnt, welche im Oktober
2013 stattgefunden habe. Nachdem er noch zweimal aufgefordert worden
sei, sämtliche Verhaftungen zu nennen, habe er keine Haft im Jahr 2013
genannt.
Im Jahr 2014 sei er gemäss seinen Aussagen anlässlich der BzP im Okto-
ber oder November ein weiteres Mal von der sri-lankischen Armee festge-
nommen worden. In der ersten Anhörung habe er im Gegensatz dazu an-
gegeben, dass es im Jahr 2014 zu keiner Festnahme gekommen sei. Auf
diese Diskrepanz angesprochen, habe er ausgeführt, dass er diese Fest-
nahme vergessen habe, da er viel nachdenken müsse. Später in der An-
hörung habe er diesbezüglich ausgeführt, im Jahr 2014 wegen der Teil-
nahme an einer Demonstration festgenommen worden zu sein. Im Rahmen
der zweiten Anhörung habe er sodann angegeben, er sei im Februar 2014
vom CID verhaftet worden. Die in der BzP für das Jahr 2014 geltend ge-
machte Haft habe er unerwähnt gelassen. Im Rahmen der zweiten Anhö-
rung habe er widersprüchlich ausgeführt, sowohl im Januar als auch im
Februar 2014 festgenommen worden zu sein.
Die festgestellten Widersprüche seien derart diametral, dass dies auch un-
ter Berücksichtigung der über einen Zeitraum von vier Jahren erfolgten Be-
fragung respektive Anhörungen klar gegen eine Authentizität spreche.
Was die letzte Haft im Jahr 2015 anbelange, sei den Aussagen in der BzP
zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer nach der Festnahme durch die
Marine dem CID übergeben und nach einer Woche entlassen worden sei.
In der ersten Anhörung habe er hingegen geltend gemacht, er sei nach ein
bis zwei Tagen Haft in D._ nach E._ gebracht worden und
dort für weitere 20 Tage inhaftiert gewesen. Im Rahmen der zweiten Anhö-
rung habe der Beschwerdeführer hingegen wieder eine einwöchige Haft
geschildert, welche ausschliesslich in D._ in einem Marinecamp er-
folgt sei. Der Beschwerdeführer habe in diesem Zusammenhang Folterun-
gen geltend gemacht. Er habe jedoch nicht detailliert über die Zeit in der
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Haft berichten können. Auf mehrfache Nachfrage hin hätten seine Ausfüh-
rungen etwas Substanz enthalten, jedoch habe ihnen jeglicher persönli-
cher Bezug beziehungsweise eine individuelle Färbung gefehlt, welche bei
derartigen Ereignissen zu erwarten gewesen wären. Die insgesamt einfach
und vage gehaltene Sachverhaltsdarstellung sei mit der erfahrungsgemäss
komplexen Wirklichkeit solcher Erlebnisse kaum zu vereinbaren und könne
in dieser Form von jedem nacherzählt werden.
Soweit der Beschwerdeführer geltend mache, aufgrund seiner politischen
Aktivitäten, namentlich wegen der Teilnahme an Demonstrationen sowie
der Unterstützung legaler Parteien bei deren Wahlkampf bedroht worden
zu sein, sei nicht von einer relevanten Verfolgungsgefahr auszugehen. Die
letzte Bedrohung habe nach Angaben des Beschwerdeführers seitens der
EPDP im August 2013 stattgefunden und somit mehr als zwei Jahre vor
der Ausreise. Dies sei nicht asylrelevant.
Was den Vater betreffe, könne ausgeschlossen werden, dass dieser im Fo-
kus der Behörden stehe, da er seit mehr als 25 Jahren für den Staat als
(...) in einem (...) tätig sei. Es sei auch nicht davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer aufgrund seines Vaters in den Fokus der Behörden ge-
rate, da dieser selbst nie Mitglied der LTTE gewesen sei. Es sei auch nicht
ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer in den Augen der Behörden als
Bedrohung angesehen werde.
Soweit er geltend mache, seine Eltern seien nach seiner Ausreise mehr-
fach behelligt worden, weshalb diese den Vorfall zur Anzeige gebracht hät-
ten, sei aufgrund der vorangegangenen Erwägungen einer allfälligen Su-
che nach der Person des Beschwerdeführers jegliche Grundlage entzo-
gen. Der Beschwerdeführer habe sodann zum Zeitpunkt dieser Behelli-
gung unterschiedliche Angaben gemacht und der eingereichten Anzeige
sei aufgrund des Datums der Anzeige, welches zeitlich dem Ereignis vor-
gelagert sei, jeglicher Beweiswert abzusprechen.
Weiter hielt das SEM fest, es bestehe kein begründeter Anlass zur An-
nahme, der Beschwerdeführer sei bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten
Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt. Es gelte zu prüfen, ob er im Falle
der Rückkehr begründete Furcht vor künftigen Verfolgungsmassnahmen
im Sinne von Art. 3 AsylG habe. Diese Prüfung sei gemäss dem Referenz-
urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 an-
hand von Risikofaktoren vorzunehmen. Rückkehrer, die illegal ausgereist
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seien, über keine gültigen Identitätsdokumente verfügten, im Ausland ein
Asylverfahren durchlaufen hätten oder behördlich gesucht würden, würden
am Flughafen zu ihrem Hintergrund befragt. Diese Befragung und das all-
fällige Eröffnen eines Strafverfahrens wegen illegaler Ausreise stellten
keine asylrelevante Verfolgungsmassnahme dar. Regelmässig würden
Rückkehrer auch am Herkunftsort zwecks Registrierung, Erfassung der
Identität, bis hin zur Überwachung der Aktivitäten der Person befragt. Diese
Kontrollmassnahmen nähmen grundsätzlich kein asylrelevantes Ausmass
an. Aufgrund der Aktenlage sei nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerde-
führer bei einer Rückkehr in Sri Lanka in asylrelevanter Weise verfolgt wer-
den sollte.
Auch die am 16. November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl mit dem
Sieg von Gotabaya Rajapakse könne diese Einschätzung nicht umstossen.
Mit der Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten sowie ersten An-
zeichen zunehmender Überwachungsaktivitäten gingen Befürchtungen
von mehr Repression von Menschenrechtsaktivisten, Journalisten, Oppo-
sitionellen, Regierungskritikern und Minderheiten einher. Die Überwachung
der Zivilbevölkerung habe denn auch seit den Terroranschlägen an Ostern
2019 und nochmals nach der Präsidentschaftswahl zugenommen. Den-
noch bestehe aktuell kein Anlass zur Annahme, ganze Volksgruppen seien
kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt. Voraussetzung für die An-
nahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der Präsidentschaftswahlen vom
16. November 2019 sei ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Person
zu diesem Ereignis respektive dessen Folgen. Ein solcher sei vorliegend
nicht gegeben.
5.2 Der angefochtenen Verfügung wurde auf Beschwerdeebene entgegen-
gehalten, dass der Beschwerdeführer durchaus konzise Aussagen getätigt
habe, und seine Vorbringen die Anforderungen an die Glaubhaftmachung
erfüllten. Kleinere Unstimmigkeiten, die im vorliegenden Verfahren wegen
der langen Zeitspanne zwischen den Befragungen zu erwarten seien,
könnten diese Glaubhaftmachung nicht umstossen. Das SEM habe mit sei-
ner Feststellung, die geltend gemachten Verhaftungen seien als unglaub-
haft zu qualifizieren, den Sachverhalt unvollständig und unrichtig abgeklärt
beziehungsweise den Sachverhalt willkürlich festgestellt. Es verkenne die
schwierigen Voraussetzungen des vorliegenden Asylverfahrens, welches
sich über Jahre hingezogen habe sowie die kognitiven Fähigkeiten des Be-
schwerdeführers, das Erlebte im Detail zu schildern. Insgesamt lege es ei-
nen zu restriktiven und damit unzulässigen Beweismassstab an (vgl. Be-
schwerde BS 4).
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Das SEM habe zudem durch eine mangelnde Würdigung des rechtsrele-
vanten Sachverhalts das rechtliche Gehör verletzt und eine willkürliche Be-
weiswürdigung vorgenommen. Konkret habe es die Aussagen des Be-
schwerdeführers als widersprüchlich und nicht genügend substanziiert und
damit als unglaubhaft eingestuft. Dabei verkenne es, die Kohärenz und die
Konkretheit der Aussagen des Beschwerdeführers. Zudem begründe es
die Unglaubhaftigkeit mit blossen Mutmassungen beziehungsweise nicht
substanziierten Begründungen. Damit unterlasse es das SEM, die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers tatsächlich zu hören beziehungsweise ernst-
haft zu prüfen und verletze dessen Anspruch auf rechtliches Gehör. Im
Rahmen der Willkürrüge sei zudem auf das vom Beschwerdeführer einge-
reichte Beweismittel einzugehen. Bei diesem handle es sich um die An-
zeige der Familie, die sie aufgrund von Behelligungen im Zusammenhang
mit der Suche nach dem Beschwerdeführer durch die sri-lankischen Be-
hörden im August 2019 erstattet hätten. Das SEM habe dem Beweismittel
den Beweiswert aberkannt, weil es fälschlicherweise festgehalten habe,
das Dokument datiere vom 8. April 2019 und mithin eine Datierung analog
der Schweiz angenommen habe. In Sri Lanka werde jedoch meistens das
Datum in der umgekehrten Reihenfolge aufgeschrieben. Zudem sei das
Untersuchungsgebot verletzt, indem die politischen Veränderungen nicht
gebührend berücksichtigt worden seien. Das SEM sei verpflichtet, den
Stand der Länderanalyse in Sri Lanka für die Erwägungen zu evaluieren
und aktualisieren (vgl. Beschwerde BS 5).
Es liege sodann eine unvollständige Sachverhaltsfeststellung in Bezug auf
die Präsidentschaftswahl vor. Dem Beschwerdeführer seien hierzu anläss-
lich der Anhörung vom 6. Februar 2020 keine vertieften Fragen zu dieser
Thematik gestellt worden. Vielmehr habe die ergänzende Befragung ledig-
lich dazu gedient, ergänzende Fragen zur vorangegangenen Anhörung zu
stellen (Beschwerde BS 7).
Da die Vorbringen allesamt glaubhaft seien, sei der Beschwerdeführer
asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen. Diesbe-
züglich wurden im Wesentlichen die Sachverhaltsvorbringen nochmals
wiederholt und darauf verwiesen, dass er seitens der EPDP bis zum No-
vember 2014 bedroht worden sei. Nach dem Sieg Rajapaksa’s ergebe sich
in Bezug auf den Beschwerdeführer ein Risikoprofil, aufgrund seiner politi-
schen Aktivität, seiner mutmasslichen LTTE-Verbindung beziehungsweise
der Reflexverfolgung seines Vaters im Jahr 2012 respektive im Jahr 2014.
Die Länderanalyse des SEM sei überholt und unzureichend. In diesem Zu-
sammenhang wurden weiterführende Ausführungen zur aktuellen Situation
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gemacht. Verwiesen wurde dabei auch auf die diplomatische Krise, welche
durch die Befragung und Inhaftierung einer Angehörigen der Schweizeri-
schen Botschaft in Colombo ausgelöst worden war. Sodann wurde auf die
Situation der Rückkehrer Bezug genommen (Beschwerde BS 7).
6.
6.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben. Diese sind vorab
zu prüfen, da diese bei berechtigtem Vorbringen zur Kassation der ange-
fochtenen Verfügung führen können (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2;
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.).
6.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss
kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde
hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich
ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-
einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 136 I 184 E. 2.2.1; BVGE 2007/30 E. 5.6).
Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes we-
gen fest. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b
AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung insbesondere, wenn der
Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird
oder Beweise nicht erfasst oder falsch gewürdigt worden sind; unvollstän-
dig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachum-
stände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz.
1043).
6.3 Die Rügen auf Beschwerdeebene, wonach die Vorinstanz den Sach-
verhalt unvollständig und unrichtig abgeklärt beziehungsweise willkürlich
festgestellt habe, den Beweismassstab zu restriktiv anlege und durch eine
mangelnde Würdigung des rechtsrelevanten Sachverhalts das rechtliche
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Gehör verletze, sie zudem durch blosse Mutmassungen die Unglaubhaf-
tigkeit begründe und eine willkürliche Beweiswürdigung vorgenommen
habe, halten einer Überprüfung nicht stand.
Nach Auffassung des Gerichts hat die Vorinstanz im Rahmen ihrer Abklä-
rungs- und Untersuchungspflicht den Sachverhalt in genügender Weise er-
hoben, dem Beschwerdeführer aufgrund der bereits im Mai 2017 zurück-
liegenden Anhörung im Februar dieses Jahres nochmals Gelegenheit ge-
geben, einlässlich seine Asylgründe vorzutragen. Dabei wurde dem Be-
schwerdeführer insbesondere mehrfach die Gelegenheit gegeben, seine
Asylgründe frei zu schildern und ihm auch die Möglichkeit eingeräumt, zu
festgestellten Widersprüchen im Sachvortrag Stellung zu nehmen. Das
SEM hat sodann auch der Begründungspflicht Genüge getan. Die Vo-
rinstanz hat in der angefochtenen Verfügung die wesentlichen Überlegun-
gen dargelegt, von denen sie sich hat leiten lassen und auf die gemäss
ihrer Ansicht relevanten Protokollstellen hinsichtlich der als wesentlich er-
achteten Widersprüche verwiesen. Sie hat sich mit den vom Beschwerde-
führer geltend gemachten Vorbringen in einer ausführlichen Begründung
befasst. Dies betrifft die von ihm geltend gemachten Vorfluchtgründe, aber
auch die veränderte politische Situation im Heimatstaat des Beschwerde-
führers. Eine sachgerechte Anfechtung der vorinstanzlichen Verfügung war
– wie die vorliegende Beschwerde zeigt – möglich. Die Tatsache, dass die
Vorinstanz die Glaubhaftmachung und das Risikoprofil anders beurteilt als
vom Beschwerdeführer erwünscht, betrifft nicht den Anspruch auf rechtli-
ches Gehör, sondern die materielle Würdigung.
7.
7.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
7.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
8.
8.1 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung einlässlich darge-
legt, weshalb die Vorbringen des Beschwerdeführers zu seinen Vorflucht-
gründen den Anforderungen an das Glaubhaftmachen nicht zu genügen
vermögen. Dem Beschwerdeführer gelingt es mit seinen Ausführungen in
der Rechtsmitteleingabe nicht, den vorinstanzlichen Erwägungen, insbe-
sondere den festgestellten Widersprüchen, etwas Stichhaltiges entgegen-
zuhalten, setzt er sich doch mit diesen nicht konkret auseinander, sondern
wiederholt er im Wesentlichen den Sachverhalt und hält an dessen Glaub-
haftigkeit fest. Eine Bundesrechtsverletzung vermag er damit nicht darzu-
legen. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann im Übrigen auf die ange-
fochtene Verfügung (A26/12 S. 3 ff.) verwiesen werden.
8.2 Der Beschwerdeführer konnte wie die Vorinstanz zutreffend festhielt,
die von ihm geltend gemachten Verhaftungen im Zeitraum 2012 bis 2014
weder zeitlich einordnen, noch war es ihm möglich, sich hinsichtlich der
Häufigkeit der Verhaftungen festzulegen. Angesichts der nach seiner Aus-
sage entweder dreimal oder aber fünfmal erfolgten Verhaftungen, mithin
einer überschaubaren Frequenz, die allerdings jeweils mehrere Tage er-
folgt sein sollen, konnte eine genauere Angabe erwartet werden, dies auch
unter Berücksichtigung des Umstandes, dass zwischen der ersten einläss-
lichen Anhörung und der ergänzenden Anhörung fast drei Jahre lagen. Der
Beschwerdeführer konnte diese Verhaftungen zwischen den Jahren 2012
und 2014 aber auch weder in Bezug auf den jeweiligen Anlass noch die
Umstände nachvollziehbar substanziieren. Das Bild eines politisch aktiven
jungen Mannes, der sich im Wahlkampf und bei studentischen Protesten
engagiert, konnte er nicht glaubhaft vermitteln (vgl. A20/16 F83 ff.; A24/29
F146 ff., F198 ff.). Die angeblich seitens Angehöriger der EPDP ausgespro-
chenen Drohungen, wegen der Unterstützung anderer Parteien sind eben-
falls nicht weiter konkretisiert worden (vgl. A24/29 F 172 ff., F180 ff., F217
ff.). Sie wären aber auch bei Wahrunterstellung mangels Intensität nicht
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asylrelevant. Nach nicht näher substanziierten Angaben des Beschwerde-
führers erfolgten die Drohungen sodann nur bis zum Jahr 2014 (vgl. A24/29
F 217). In diesem Zusammenhang ist sodann darauf hinzuweisen, dass
der Beschwerdeführer nach eigenen Aussagen jeweils durch Vermittlung
von Parlamentariern aus der Haft entlassen worden sein soll. Er konnte
jedoch keine Angaben zu diesen Bekannten seines Vaters machen (vgl.
A24/29 F138). Unplausibel und ebenfalls nicht substanziiert schildert der
Beschwerdeführer sodann die Hilfsleistungen, die die Familie der LTTE an-
geblich hat angedeihen lassen. Auch seine eigene Hilfsleistung, die er ei-
nem LTTE Angehörigen gegenüber erbracht haben soll, indem er ihn mit
dem Fahrrad transportierte und daraufhin in den Fokus der Behörden ge-
riet, konnte er nicht plausibel und nachvollziehbar machen (vgl. A24/29 F78
ff.).
8.3 Was die Ereignisse im Jahr 2015 in D._ anbelangt, welche letzt-
lich zum Ausreiseentschluss geführt haben sollen, sind die von der Vo-
rinstanz festgestellten Widersprüche in Bezug auf den angegebenen Ort
der Haft und die Haftdauer für das Gericht wesentlich. Diese konnte der
Beschwerdeführer nicht auflösen (A24/29 F243 ff.). Auch in diesem Zusam-
menhang machte der Beschwerdeführer wieder geltend, sein Vater habe
ihn mit Hilfe eines Politikers aus der Haft helfen können, ohne dabei jedoch
nähere Angaben zu dieser Person machen zu können. Unplausibel scheint
auch die Aussage des Beschwerdeführers, man habe ihn nach der Verhaf-
tung auf dem Boot verdächtigt, ebenfalls ein ehemaliges Mitglied der zu
Kriegszeiten tätigen «Black Tiger» gewesen zu sein, dies schon aufgrund
seines Alters zum Zeitpunkt des Krieges (A24/29 F209 ff.). Nicht nachvoll-
ziehbar ist schliesslich die vom Beschwerdeführer geäusserte Furcht des
Vaters, die Entlassung aus der Haft könne auch dazu gedient haben, den
Beschwerdeführer umzubringen, weshalb die Eltern ihn ins Ausland in Si-
cherheit gebracht hätten (A24/29 F195).
8.4 Was die angeblichen Behelligungen der Familie durch Sicherheits-
kräfte nach der Ausreise des Beschwerdeführers anbelangt, wurde dies
nicht näher konkretisiert und den Beweismitteln (Anzeigekopie und Schrei-
ben eines Friedensrichters) ist in einer Gesamtbetrachtung der Beweiswert
abzusprechen. Dies im Übrigen auch ungeachtet der Frage, ob das von
der Vorinstanz als nichtstimmig erachtete Datum der Ausstellung tatsäch-
lich wie auf Beschwerdeebene vorgetragen, aufgrund einer umgekehrten
Schreibweise erklärbar ist.
E-2058/2020
Seite 14
8.5 Die Vorinstanz hat im Übrigen auch in Bezug auf die Eltern zutreffend
eine Gefährdungslage verneint. Die angeblichen Hilfsleistungen konnte der
Beschwerdeführer nicht substanziieren. Ein Bezug zu seinen Onkeln, die
der LTTE angehört haben sollen und sich im Ausland aufhalten, wurde
nicht konkretisiert. Der Beschwerdeführer hat denn auch nicht vorgetragen,
dass die Familie wegen der Onkel, die sich seit (...) Jahren im Ausland
befinden sollen (A24/29 F12), jemals in den Fokus der sri-lankischen Si-
cherheitsbehörden geraten ist.
8.6 Im Weiteren ist nicht von einem Risikoprofil im Sinne des Referenzur-
teils des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 aus-
zugehen.
Nachdem mit der Vorinstanz einherzugehen ist, dass der Beschwerdefüh-
rer zum Zeitpunkt seiner Ausreise keinen relevanten Behelligungen seitens
der heimatlichen Behörden oder anderer Akteure ausgesetzt war und auch
die anderen nahen Familienangehörigen nicht, hat das SEM zutreffend da-
rauf geschlossen, dass sich vorliegend ein Risikoprofil des Beschwerde-
führers nicht begründen lässt. Zu einer anderen Einschätzung gelangt man
auch nicht unter Berücksichtigung der zwischenzeitlich politisch volatilen
Situation in Sri Lanka nach dem Regierungswechsel. Von einer kollektiven
Verfolgung aller Tamilen ist nicht auszugehen. Es braucht individuelle und
konkrete Anhaltspunkte für die Annahme einer objektiv wahrscheinlichen
Gefährdung. Zu den in der Beschwerdeschrift aufgeführten Umständen
und Entwicklungen der allgemeinen politischen Lage in Sri Lanka ist fest-
zustellen, dass in keiner Weise erkennbar ist, wie sich diese zum heutigen
Zeitpunkt auf den Beschwerdeführer auswirken könnten. Diesbezüglich
kann auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung
verwiesen werden. An dieser Einschätzung ändert die erfolgte Entführung
und Verhaftung einer sri-lankischen Mitarbeiterin der Schweizerischen Bot-
schaft in Colombo nichts, da diesbezüglich kein individueller Bezug zum
Beschwerdeführer ersichtlich ist. Gemäss Auskunft der Schweizerischen
Botschaft sind in diesem Zusammenhang keine Informationen an die sri-
lankischen Behörden gelangt, so dass keine Anhaltspunkte auf eine er-
höhte Gefährdungssituation vorliegen.
8.7 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die
Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Die
Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
E-2058/2020
Seite 15
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2
10.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
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Seite 16
10.2.2 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri
Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka
lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts nicht als un-
zulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 E. 12.2 sowie statt vieler Urteil BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020
E. 9.2). Es ergeben sich aus den Akten auch keine konkreten Hinweise
darauf, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die
über einen so genannten "Background Check" (Befragung und Überprü-
fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass
er persönlich gefährdet wäre. Daran vermögen der Regierungswechsel
vom November 2019 sowie die seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts
zu ändern. Der Wegweisungsvollzug erweist sich somit als zulässig.
10.3
10.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
E-2058/2020
Seite 17
10.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Ge-
mäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Nord- und Ost-
provinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskri-
terien bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 E. 13.2). An dieser Einschätzung vermögen die Gewalt-
vorfälle in Sri Lanka vom 21. April 2019, der gleichentags von der sri-lanki-
schen Regierung verhängte und am 28. August 2019 aufgehobene Aus-
nahmezustand sowie die mit den Wahlen im November 2019 zusammen-
hängenden gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu ändern (vgl. dazu
auch vorstehend E. 10.2.2 sowie statt vieler Urteil BVGer E-895/2020 vom
15. April 2020 E. 9.3).
10.3.3 Vorliegend sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Der Beschwerdeführer stammt aus
der Nordprovinz, wohin der Vollzug gemäss vorstehender Rechtsprechung
grundsätzlich zumutbar ist. Er ist jung und soweit aktenkundig gesund. Zu-
dem verfügt er in Sri Lanka über ein intaktes familiäres Beziehungsnetz
(vgl. A6/13 S. 3, A24/29 F10 f.). Gemäss seinen Angaben geht es der Fa-
milie finanziell gut. Der Vater ist seit Jahrzehnten Staatsangestellter in ei-
nem (...), die Mutter (...) im Bereich (...) (vgl. A20/16 F15, F32). Im Weite-
ren hat er eine gute Schulbildung genossen (vgl. A6/13 S. 3). Es ist somit
nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka in eine existentielle Notlage geraten wird. Der Vollzug der
Wegweisung ist zumutbar.
10.4
10.4.1 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.4.2 Daran vermag auch die bestehende Corona-Pandemie nichts zu
ändern. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt nämlich voraus,
dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, sondern
voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf Mo-
nate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären Hin-
dernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entscheidun-
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Seite 18
gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [E-
MARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e). Bei der Corona-Pandemie handelt es sich
– wenn überhaupt – um ein bloss temporäres Vollzugshindernis, welchem
somit im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden
Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situa-
tion im Heimatland angepasst wird.
10.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Kosten
des vorliegenden Verfahrens zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), die auf
Fr. 750.– festzusetzen sind (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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