Decision ID: afb4eddb-cffc-4b0f-89b9-f868b3614100
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 19
61
,
ohne berufliche Ausbildung und zuletzt
n
ichterwerbs
tätig,
meldete sich am
2
4.
Januar 2017 unter Hinweis auf ein psychisches Leiden, Tremor und Folgen von Operationen an der Hand und am Bauch bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbe
zug an (Urk. 7/9
und
Urk.
7/12
). Die IV-Stelle tätigte Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht und verneinte mit Mitteilung vom 1
0.
Mai 2017
(Urk. 7/23)
aus gesundheitlichen Gründen
die Möglichkeit
,
berufliche Eingliede
rungsmassnahmen
durchzuführen
.
Sie
aufer
legte dem Versicherten sodann mit Schreiben vom 2
6.
Mai 2017
(
Urk.
7/24)
eine Schadenminderungspflicht
im Sinne einer tagesklinischen Behandlung, einer fachärztlichen psychiatrisch-psy
chotherapeutischen Behandlung sowie einer psychopharmakologischen Therapie
. Nach Einholung weiterer medizinischer Unterlagen veranlasste die IV-Stelle eine psychiatrische Begutachtung (
Expertise
vom
7.
Dezember 2018;
Urk.
7/52).
Mit Vorbescheid vom 1
1.
Januar 2019 (Urk. 7/54) stell
t
e die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht.
Im Rahmen des
Einwandverfahrens
(
Urk.
7/59,
Urk.
7/66)
liess die IV-Stelle
aufgrund
von
neu eingereichten medizi
nischen Unterlagen vo
m
Gutachter
zwei
m
al
Rückfragen beantworten
(
Urk.
7/72 und
Urk.
7/84)
,
zu
welche
n
der Versicherte jeweils Stellung nehmen konnte
(Urk. 7/82
,
Urk.
7/86
).
Am 14. Februar 2020
verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 2
7.
Februar 2020 (
Urk.
1) Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 1
4.
Februar 2020 sei aufzuhe
ben, es seien weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen und hernach über einen Rentenanspruch zu entscheiden und es sei ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltli
chen Prozessführung.
Die IV-Stelle schloss am 3
0.
März 2020 (
Urk.
6) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1
4.
April 2020 (
Urk.
8) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1,
130
V
396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145
V
215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom 1
4.
Februar 2020 (
Urk.
2) damit, dass der Beschwerdeführer seit Dezember 2016 immer wieder in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei
, wobei die 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 1
3.
Dezember 2016 bis 26. Januar 2017 sowie vom 2
4.
September 2017 bis
6.
März 2018 anerkannt werde
. Die Ein
schränkungen seien jedoch nicht dauerhaft gewesen, da
zwischen
Februar 2017
und
September 2017
sowie seit
7.
März 2018
wieder eine 100%ige Arbeitsfähig
keit vorgelegen habe.
Bezüglich der abweichenden Einschätzung der Arbeitsfä
higkeit durch den Behandler, i
nsbesondere den neuen Behandler
, handle es sich um eine andere Beurteilung des im Wesentlichen unveränderten medizinischen Sachverhalts (S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
er leide sehr wohl an einer dauerhaften Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, was selbst das als Basis herangezogene Gutachten festhalte. Das attestierte Belas
tungsprofil lasse sich jedoch im ersten Arbeitsmarkt nicht finden und stelle ein
mal mehr eine Tätigkeit im geschützten Rahmen dar. Das eingeholte Gutachten vermöge aber weder in der Diagnosestellung noch in der Beurteilung der Arbeits
fähigkeit zu überzeugen, sondern zeige wesentliche Widersprüche und Unklar
heiten auf. Es gelte entsprechend auf eine andere medizinische Grundlage abzu
stellen, um über einen Leistungsanspruch entscheiden zu können (S. 9).
3.
3.1
Vom 21. Dezember 2016 bis 26. Januar 2017 und vom
8.
Februar 2017 bis 16. März 2017 hielt sich der Beschwerdeführer zur
stationären Behandlung in der p
sychiatrischen
K
linik
Z._
auf, deren Ärzte
mit
Bericht vom 1
0.
April 2017 (
Urk.
7/21)
folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit nannten (S. 2):
-
F32.3: Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen, seit Februar 2016
-
F43.1: Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung, seit ca. 1980
-
Synkope mit Kopfanprall unklarer Genese am 13.12.2016
-
a.e
.
vasovagal
bei neubegonnenem
Propranolol
,
Differentialdiagnose psychogen bei Dissoziation
-
cCT
/
Traumaspirale
13.12.2016: Keine Frakturen, keine ICB, keine Lun
genembolie, keine
Aortendissektion
, kein Koronarverschluss
Die Ärzte führten aus
, der Eintritt in die Klinik sei freiwillig aufgrund der
schwe
ren depressiven Episode mit affektiver Niedergestimmtheit, Freudlosigkeit und Antriebsmangel sowie vermindertem Selbstwertgefühl, Konzentrationsstörungen, intermittierenden passiven Suizidgedanken, negativer Zukunftsperspektive, Schlafstörungen und reduziertem Appetit erfolgt (S. 5). Der Beschwerdeführer habe im Verlauf von akustischen Halluzinationen und wahnhaften Beeinträchti
gungserlebnissen berichtet. Daneben seien
Hyperarousal
, Alpträume, Flashback
s
und Vermeidungsverhalten
eruierbar
gewesen. Die Antriebsarmut verunmögliche es dem Beschwerdeführer, an einem geregelten Berufsalltag teilzunehmen. Im gegenwärtige
n
Krankheitszustand
sei
es für den Patienten eine Herausforderung
,
im ambulanten Setting einer sehr niederschwelligen Tagesstruktur selbstständig nachzugehen. Daher sei durch die
Z._
eine Anbindung an die Tageskl
inik
A._
erfolgt. Ein
Berufsalltag mit fixen Terminen und Präsenzphasen sei aktuell nicht möglich. Ebenso gelte dies für die genannten Konzentrationsstörun
gen, welche eine effektive und leistungsorientierte Beteiligung auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht zul
ie
ssen
. Gesondert müsse der genannte Aspekt der reduzier
ten
Stressresilienz
in Verbindung mit passiven Todeswünschen erwähnt werden. Eine Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt würde die Wahrscheinlichkeit von Me
hrbelastung durch Stresserfahrungen deutlich erhöhen. Diese, in Kombination mit dem reduzierten Antrieb und den Konzentrationsstörungen bei herabgesetzter
Stressresilienz
, würden höchstwahrscheinlich nicht nur eine Verschlechterung der psychischen Erkrankung nach sich ziehen, sondern auch den Beschwerdeführer gefährden (S. 7).
Zur Arbeitsfähigkeit führten sie aus, d
er Beschwerdeführer sei
aktuell
durch seine depressive Symptomatik zu 100
%
arbeitsunfähig. Eine mögliche Verbesserung dieser Symptome und deren Nachhaltigkeit sei massgeblich durch den Erfolg der ambulanten Interventionen
(Pharmakotherapie, Tagesstruktur, Krankheitsver
ständnis) abhängig
.
Um eine deutlich intensivere und längerfristige Therapie als bisher zu gewährleisten
,
habe man zusätzlich noch einen Platz in der Tagesklinik
A._
organisiert. Insbesondere sei der Aufbau einer selbstwertfördernden Tagesstruktur, der weitere Aufbau eines Krankheitsmodells und die psychophar
makologische Medikation mit Lithium essentiell für eine gute Prognose. Durch diese Massnahmen sei eine Reduktion der depressiven Symptome möglich (S. 8). Die genannten Angaben würden spätestens seit dem 2
1.
Dezember 2016 gelten (S. 11).
3.2
In einem weiteren Bericht vom
4.
Juli 2018 (
Urk.
7/41) nannten die behandelnden Ärzte der
Z._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 5):
-
F31.2: Bipolare affektive Störung, gegenwärtig manische Episode mit psy
chotischen Symptomen
-
F43.1: Posttraumatische Belastungsstörung
-
H00.0: Hordeolum und sonstige tiefe Entzündung des Augenlides
-
D64.9: Anämie, nicht näher bezeichnet
-
Bewusstseinsverlust mit Kopfanprall unklarer Genese am 13.12.2016
-
Differentialdiagnose am ehesten
vasovagale
Synkope
aggraviert
bei neubegonnenem
Propranolol
(
Inderal
), Differentialdiagnose psychogen bei Dissoziation
-
RQW
occipital
(1 x 5mm, 1 x 10mm), konservativ versorgt (
B._
)
-
CCT/
Traumaspirale
/CT Triple-
Rule
-Out 13.12.2016; keine Frakturen, keine ICB, keine Lungenembolie, keine
Aortendissektion
, kein Koronar
verschluss
-
CT Schädel 17.05.2016 bei Kopfanschlag (Stadtspital
C._
),
Arachno
idalzyste
in hinterer Schädelgrube, keine ICB, kein Tumor
-
Episoden von Bewusstseinsveränderungen unklarer Ätiologie
-
Differentialdiagnose dissoziative Störung bei PTBS
-
Aktuell in psychiatrischer Betreuung im Zentrum
A._
, unter
Trittico
und
Fluoxetin
-
Gemäss Hausarzt
Dr.
med.
D._
vereinzelt Episoden von Bewusstseinsveränderung (keine Sprache möglich; starke Agitation, Wesensveränderung; wusste nicht, was passiert ist)
-
Generalisierter Tremor unklarer Genese, Differentialdiagnose essentieller Tremor
-
Differentialdiagnose psychovegetativ bei psychischer Erkrankung
-
Inderal
seit 6.12.2016
-
Karpaltunnelsyndrom Operation recht
s
(3/2015)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie
die
Folgen
de
n
(S. 5):
-
Operation
Umbilikalhernie
6/2016 (
Spital
C._
)
-
Novalginunverträglichkeit
(Exanthem)
, Penicillin-Allergie
Zur Arbeitsfähigkeit führten die Fachärzte aus, der Beschwerdeführer habe bereits anfangs 2017 an
einer
Arbeitstherapie teilgenommen. Seitdem sei keine Verbes
serung der Leistungsfähigkeit erreich
t
worden. Wie bereits bei der vorangegan
genen Teilnahme zeige der Beschwerdeführer aktuell ebenfalls keine Leistungs
fähigkeit für eine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Aus arbeitsthera
peutischer Sicht werde eine Rentenprüfung empfohlen. Bei positivem Rentenbe
scheid sei eine halbtägige Arbeitsstruktur im geschützten Rahmen als Tagesstruk
turierung sinnvoll. Vorerst empfehle man Therapien im ambulanten Setting, um den aktuellen Gesundheitszustand zu erhalten (S. 6).
3.3
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
stellte
in seinem Gutachten vom
7.
Dezember 2018 (
Urk.
7/52) folgende Diagnosen (S. 20):
-
Leichte depressive Episode (F31.3.)
-
Bei einer bipolaren affektiven Störung (depressive Symptome ab 12/2016, manische Episode Ende 2017)
-
Posttraumatische Belastungsstörung (F43.1)
-
Anamnestisch in der Folge von Foltererfahrungen zwischen 1979 und 1982 mit zunehmenden Symptomen seit 2011 bzw. 2014
-
Gemisch
t
e dissoziative Störung (F44.7)
-
Mit
grobschlägigem
distal betontem Rumpf- und
Extremitätentremor
seit 2016 sowie Synkope im 12/2016 und anamnestisch Bewusstseins
veränderungen und
Dysphonie
seit 2006
Zu den einzelnen Störungsbildern führte der Gutachter aus, die ICD-10 Kriterien einer depressiven Episode gemäss F32/F33 würden in den Akten zu keinem Zeit
punkt nachvollziehbar erörtert. Dadurch sei vor allem die jeweilige Einschätzung des Schwer
e
grads aus versicherungspsychiatrischer Sicht unklar. Aufgrund der Angaben in den Akten könne aber mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass vom 2
1.
Dezember 2016 bis 2
6.
Januar 2017 eine kli
nisch relevante entsprechende Störung vorgelegen habe. Nach der Rückkehr des Beschwerdeführers aus der Türkei könne jedoch nur noch eine maximal mittel
schwere Ausprägung angenommen werden. Mitte/Ende 2017
sei
es schliesslich zu einer manisch-psychotischen Phase
gekommen,
die spätestens ab März 2018 als remittiert gelten könne. In der Folge hätten die behandelnden Fachpersonen eine mittelschwer ausgeprägte depressive Episode
diagnostiziert
, was aber nicht
substantiiert werde. Aktuell sei von einer leichten depressiven Episode auszuge
hen (S. 21).
Bezüglich der Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung fehle in den Akten eine Erörterung. Entsprechende objektive psychopathologische Befunde würden nicht beschrieben
.
Es werde vollständig auf die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers abgestellt. Eine posttraumatische Belastungsstö
rung könne zusammenfassend aus rein versicherungspsychiatrischer Sicht ab Dezember 2016 begründet werden (Foltererfahrung, Alpträume, andauerndes Gefühl von
Betäubtsein
, emotionale Stumpfhe
i
t, Teilnahmslosigkeit der Umge
bung gegenüber, Schlafstörungen, Selbstunsicherheit und Nervosität
, S. 22 f
f
.). Aufgrund eines
grobschlägigen
distal betonten Rumpf- und
Extremitätentremors
seit 2016 sowie einer Synkope im Dezember 2016 und anamnestisch Bewusst
seinsveränderungen und
Dysphonie
seit 2006 mit einer nicht ausreichenden Erklärbarkeit der subjektiven Wahrnehmung und Darstellung dieser Defizite durch ein somatisches Korrelat stelle sich die Frage nach einer dissoziativen oder Konversionsstörung gemäss ICD-10: F4
4.
Die Kriterien für die Diagnose einer gemischten dissoziativen Störung (F44.7) seien zwar nur teilweise, aber aus ver
sicherungspsychiatrischer Sicht hinreichend erfüllt. Funktionelle Einschränkun
gen würden sich anschaulich vor allem durch die motorischen Defizite des Zit
terns ergeben (S. 24 f
f
.).
Zur Arbeitsfähigkeit
hielt
Dr.
E._
fest, der Beschwerdeführer könne bei seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit für sechs Stunden pro Tag anwesend sein. Während dieser Anwesenheitszeit bestehe aber eine Einschränkung der Leistung im Umfang von 25
%
aufgrund einer verminderten Belastbarkeit bei Defiziten, vor allem in den Bereichen Planung/Strukturierung von Aufgaben, Flexibili
tät/Umstellungsfähigkeit, Entscheidungs-/Urteilsfähigkeit, Durchhaltefähigkeit und zwischenmenschliche Kontaktfähigkeit sowie motorische
r
Defizite durch Zit
tern. Für die Arbeitsfähigk
eit in der bisherigen Tätigkeit
führe dies bei sechs Stunden Präsenzzeit an fünf Arbeitstagen pro Woche mit einer zusätzlichen Leis
tungsminderung von 25
%
bezog
en auf 40
Arbeitsstunden pro Woche zu einem Wert von 56.25 %
(von 100
%
). Eine Minderung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit sei aus versicherungspsychiatrischer Sicht nicht zu begrün
den (S. 37 und S. 39).
Zur Entwicklung der Arbeitsfähigkeit
gab der Gutachter an, dass mit Austrittsbe
richt vom 2
8.
Dezember 2
0
16 vom
B._
(
Hospitalisation
vom 1
3.
bis 1
9.
Dezem
ber 2016 aufgrund eines Kopfanpralls,
Urk.
7/22/23-29)
erstmals ein Gesund
heitsschaden dokumentiert werde, der zu einer Arbeits
un
fähigkeit von 100 % zwischen dem 1
3.
Dezember 2016 und 2
6.
Januar 2017 geführt habe. Danach könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit noch eine maximal mittelschwere
Ausprägung des Gesundheitsschadens angenommen und somit auf die
oben genannte Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
von 56.25
%
abgestellt werden. Zwi
schen dem 2
4.
September und 2
3.
November 2017 werde eine akute manisch-psychotische Episode dokumentiert, die bis maximal
6.
März 2018 eine erneute Arbeitsunfähigkeit von 100
%
begründet habe. Danach könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit noch eine maximal mittelschwere Ausprägung des Gesund
heitsschadens angenommen und somit wiederum auf die bereits dargelegte Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit abgestellt werden (S. 37 f.).
Gesamthaft
ergäben
sich unter Berücksichtigung der vorliegenden Arztberichte, der in den Akten dokumentierten fremdanam
nestischen Angaben und des aktu
ellen Untersuchungsbefundes aus versicherungspsychiatrischer Sicht keine hin
reichenden Belege für eine aktuelle und/oder im Verlauf stattgefundene Aggra
vation der beschriebenen Beeinträchtigungen (S. 33).
3.4
Mit Bericht vom 2
5.
März 2019 (
Urk.
7/64) nahmen die behandelnden Ärzte des Zentrums
A._
Stellung zum Gutachten und führ
ten aus, der Gutachter habe Beeinträchtigungen in der Urteils-, Durchhalte- und Kontaktfähigkeit zu Dritten, der Gruppenfähigkeit sowie der Fähigkeit zu famili
ären Beziehungen festgestellt, welche dann aber nicht nachvollziehbar keine Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben sollen (S. 1).
Die Diagnose einer leich
ten depressiven Episode sei falsch. Offenbar gehe
Dr.
E._
von einer bipolaren affektiven Störung aus, was zur Diagnose
einer
bipolare
n
affektive
n
Störung und gegenwärtig leichte
r
depressive
r
Episode führe. Sodann stelle Dr.
E._
als ein
zige Fachperson eine gemischte dissoziative Störung fest und versuche damit, den seit Jahren bestehenden Tremor zu begründen. Selbst wenn diese Diagnosen kor
rekt sei
e
n, würden sie nicht zur Indikation von
Lithiofor
,
Risperdal
und
Quetiapin
führen.
Des Weiteren seien die Beschwerden
im Gutachten
oberflächlich aufge
nommen worden. Die in der
Z._
dokumentierten manischen Phasen seien nicht im Ansatz erfragt worden. Auch das bipolare Krankheitsgeschehen fehle
und
ein Hinweis auf eine vertiefte Befragung hinsichtlich psychotischer Symptome (S. 2).
Der Beschwerdeführer leide seit
einem
Unfall
vo
m 1
6.
Juli 2011
(mit Auto in eine Garage gefahren
)
unter Zittern der Hände, Wutanfällen, Gereiztheit, Schlafstö
rungen,
Grübelzwang
, Kraftlosigkeit und Nutzlosigkeitsgedanken. Er habe heute noch regelmässig nachts Erinnerungen an die Folterzeit aus dem Jahr 1979 und leide an Flashbacks, deutlichem Vermeidungsverhalten und habe Herzrasen sowie Schweissausbrüche. Er berichte zudem über starke Konzentrationsstörungen, Ver
gesslichkeit, Ein- und Durchschlafstörungen, Freud- und Sinnlosigkeitsgedanken, Traurigkeit und Blockaden. Zudem habe er manische Phasen mit deutlich gestei
gertem Selbstwert. Der Beschwerdeführer habe vier Jahre seine Ehefrau
(an Epi
lepsie erkrankt)
und seinen damals zweijährigen Sohn zu Hause betreuen müssen, was ihn zusätzlich belastet und überfordert habe (S. 2).
Als Diagnosen führ
t
en sie eine bipolare affektive Störung gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (F31.5) sowie eine posttrauma
tische Belastungsstörung (F43.1) auf. An eine Arbeitsfähigkeit sei nicht zu den
ken. Der Beschwerdeführer sei aufgrund seiner Dauermüdigkeit nicht in der Lage
,
im Haushalt zu helfen
, sei bei kleinsten Anforderungen, störungsbedingt
,
über
fordert und habe aus diesem Grund auch das Autofahren aufgegeben (S. 3).
3.5
In seiner Stellungnahme vom
2.
Juli 2019 (
Urk.
7/72) zum Bericht des Zentrums
A._
(E. 3.4)
führte
Dr.
E._
aus, dass für die genann
ten Beeinträchtigungen eine Einschränkung der Leistung von 25
%
festgestellt worden sei (S. 1
f.
). Im Gutachten
habe er
zudem ausdrücklich unter anderem eine bipolare affektive Störung attestiert, die zum Zeitpunkt der Untersuchung am
6.
November 2018 mit einer leicht ausgeprägten depressiven Episode in Erscheinung getreten sei.
Es werde
im betreffenden Bericht
nicht substantiiert, weshalb dies falsch sein soll. Ebenso habe am 6. November 2018 keine neuropsy
chologische Untersuchung stattgefunden. Neben einer Verhaltensbeobachtung und ausführlichen Exploration habe der Beschwerdeführer mit Hilfe einer struk
turierten Selbstbeurteilung (SCL-90-R) weitere Angaben ergänzen können. Die Fremdbeurteilung mit Hilfe der MADRS diene einer transparenten nachvollzieh
baren Einschätzung depressiver Symptome. Hinzu gekommen sei eine Untersu
chung von Urin und Blut.
Die in den Akten dokumentierte manische Phase des Beschwerdeführers sei gewürdigt worden und habe zur Diagnose gemäss ICD-10: F31 geführt. Ein vollständiger objektiver psychopathologischer Befund finde sich im Gutachten unter Punkt 4.1 und 4.
3.
Im Bericht des
A._
werde das Postulat einer «gegenwärtig schweren depressiven Episode» nicht substantiiert. Auch die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit stütze sich offensichtlich vollständig auf die Selbsteinschätzung durch den Beschwerdeführer, bleibe undifferenziert,
berück
sichtige krankheitsfremde Aspekte und werde zeitlich nicht konkretisiert
(S 2 f.).
Dr.
E._
konstatierte
, aufgrund des neuen Berichts könne er keine Änderung seiner Einschätzung hinsichtlich Diagnose und Arbeitsfähigkeit begründen
(S. 3).
3.6
Li
c
. phil.
F._
, Psychologe FSP und
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
führte
n
in
ihrem
Ber
icht vom 1
0.
Oktober 2019 (Urk.
7/81) aus, der Beschwerdeführer befinde sich seit dem 2
8.
Mai 2019 bei
lic
.
phil.
F._
in Behandlung und nehme alle zwei Wochen einen Termin wahr
(S.
1).
Des Weiteren
gaben
sie
an,
Dr.
E._
habe in seinem Gutachten eine fal
sche Diagnose gestellt.
Ihrer
Meinung nach seien die folgenden Diagnosen zutreffend:
-
ICD-10: F33.1, rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgra
dige Episode (seit 2007)
-
ICD-10: F43.1, Posttraumatische Belastungsstörung (seit 2006)
-
ICD-10: F44.7, gemischte dissoziative Störung
Der Beschwerdeführer leide stark unter Symptomen der depressiven Störung. Seine Niedergeschlagenheit sei auch während der Therapiegespräche spürbar. Er leide aktuell zudem unter Ein- und Durchschlafstörungen, Antrieb
s
losigkeit, innerer Unruhe, Angst, eingeschränktem Denk- und Konzentrationsvermögen, sozialer Isolation, Selbstwert- und Interessenverlust sowie an körperlicher Müdig
keit. Aufgrund dieser Symptome sei die Diagnose einer rezidivierenden depressi
ven Störung mit gegenwärtig mittelgradiger Episode korrekt (S. 5).
Aktuell sei der Beschwerdeführer aufgrund seiner Beschwerden im ersten Arbeitsmarkt bis zu 100
%
arbeitsunfähig. Eine angepasste leichte Tätigkeit könne ihm bis zu 30
%
zugemutet werden (S. 5).
3.7
Dr.
E._
nahm in einem weiteren Bericht vom 2
7.
November 2019 (
Urk.
7/84) Stellung zu den Ausführungen von
lic
. phil.
F._
und
Dr.
G._ (E. 3.6
).
E
r
hielt
fest, dass durch den Bericht keine Fehler, Wiedersprüche und/oder wesent
liche Unklarheiten
in seinem
Gutachten vom 7. Dezember 2018 hätten aufgezeigt werden können. Es seien auch keine neuen, relevanten Informationen dokumen
tiert worden. Mit diesem neu vorgelegten Bericht könne er keine Änderung seiner Einschätzung, insbesondere bezüglich Diagnosen und Arbeitsfähigkeit, wie er sie in seinem Gutachten dargelegt habe, begründen
. Es sei von einer anderen Beur
teilung des gleichen Sachverhalts auszugehen
(S. 4).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich beim Erlass der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen auf das psychiatrische Gutachten von
Dr.
E._
(
Urk.
7/52) sowie dessen Stellungnahmen vom
2.
Juli 2019 (
Urk.
7/72) und 2
7.
November 2019 (
Urk.
7/84).
Als Diagnosen führte er eine leichte depressive Episode, eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine gemischte dissoziative Störung auf. Dazu
attestierte
er dem
Beschwerdeführer für die Zeit vom 13. Dezember 2016 bis 2
6.
Januar 2017 und vom 2
4.
September bis maximal 6. März 2018 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Für die übrige Zeit ging er
in
der angestammten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 56.25
%
und in einer angepassten von 100
%
aus. Gestützt darauf ging die Beschwerdegegnerin von einer Arbeitsfähig
keit von 100 % aus und wies das Rentenbegehren ab.
Aus den vorliegenden Akten geht hervor, dass
sich
der Beschwerdeführer vom 21. Dezember 2016 bis
2
6.
Januar 2017 (
Urk.
7/18/6-
13), vom
8.
Februar bis 16. März 2017 (
Urk.
7/22/11-12), vom 2
4.
bis 2
9.
September 201
7 (
Urk.
7/52/49-51) und vom 30.
September bis 2
3.
November 2017 (
Urk.
7/41)
jeweils
in stationäre
r
respektive zuletzt in am
b
ulanter
Behandlung befand.
Im Rahmen des ersten stationären Aufenthalts
in der
Z._
wurde die Diagnose einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen sowie der Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung gestellt. Insbesondere beschrieben die zuständigen Ärzte eine affektive Niedergestimmtheit, Freudlosig
keit und Antriebsmangel sowie ein vermindertes Selbstwertgefühl, Konzentrati
onsstörungen, intermittierende passive Suizidgedanken, negative Zukunftsper
spektive
n
, Schlafstörungen und einen reduzierten Appetit.
Sie
berichtete
n
zudem über akustische Halluzinationen und wahnhafte Beeinträchtigungserlebnisse, wobei zusätzlich
Hyperarousal
, Alpträume, Flashbacks und ein Vermeidungsver
halten
eruierbar
waren. Der Beschwerdeführer erfüllte damit die Kriterien einer schweren depressiven Episode. Auch im Rahmen des zweiten stationären Aufent
halts
in der
Z._
wurden
ähnliche
Symptome geschildert
und die bereits gestellten Diagnosen bestätigt (Urk.
7/22/19).
Im Rahmen de
r
letzten
Therapiebemühungen
wurden unter anderem aufgrund der paranoiden Wahnvorstellungen die Diag
nose einer bipolaren affektiven Störung, gegenwärtig manische Episode mit psy
chotischen Symptomen
,
gestellt und die Diagnose einer posttraumatischen Belas
tungsstörung bestätigt (Urk. 7/41/5).
Im weiteren Verlauf diagnostizierten die behandelnden Ärzte
des
A._
eine bipolare affektive Störung gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
und
eine posttrauma
tische Belastungsstörung (E. 3.4) sowie
lic
. phil.
F._
und
Dr.
G._
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, eine post
traumatische Belastungsstörung und eine gemischte dissoziative Störung
( E.
3.6).
Sowohl die
genannten
Befunde als auch die jeweilige Diagnosestellung
wurden einleuchtend geschildert
.
4.2
Bei dieser Ausgangslage
stellt sich insbesondere die Frage, ob auf die gutachter
liche Einschätzung
der
Arbeitsfähigkeit abgestellt werden kann und ob diese Ein
schätzung i
m
Einklang
mit
den Akten steht.
Die behandelnden Ärzte der
Z._
führten
im Bericht vom 1
0.
April 2017 (Urk. 7/21)
zur Arbeitsfähigkeit aus, dem Beschwerdeführer sei es nicht möglich an einem geregelten Berufsalltag teilzu
nehmen. Aufgrund der Konzentrationsstörungen sei zudem eine effektive und leistungsorientierte Beteiligung auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht möglich
und er sei aufgrund der depressiven Symptomatik zu 100
%
arbeitsunfähig (Urk. 7/21/7). In einem weiteren Bericht vom
4.
Juli 2018 (
Urk.
7/41) gaben sie
diesbezüglich an, der Beschwerdeführer habe im Jahr 2017 an einer Arbeitsthe
rapie teilgenommen und seitdem habe keine Verbesserung der Leistungsfähigkeit erreicht werden können. Es bestehe bei ihm weiterhin keine Leistungsfähigkeit für den allgemeinen Arbeitsmarkt und es wurde zudem eine Rentenprüfung emp
fohlen. Lediglich bei einem positiven Rentenbescheid könne eine halbtägige Arbeitsstruktur in geschütztem Rahmen im Sinne einer Tagesstrukturierung in Erwägung gezogen werden (S. 6).
Die weiteren behandelnden Ärzte des Zentrums
A._
gingen von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus und
lic
. phil.
F._
und
Dr.
med.
G._
von einer 100%igen in angestamm
ter und 30%igen in einer angepassten Tätigkeit aus.
4.3
Aufgrund der vorliegenden Aktenlage
ist nicht nachvollziehbar, weshalb Dr.
E._
nur für
die Zeit vom 1
3.
Dezember 2016 bis 2
6.
Januar 2017 und 24. September 2017 bis
6.
März 2018
von einer
100%igen
Arbeitsunfähigkeit ausging. Obschon sich die Verfassung des Beschwerdeführers im Rahmen der sta
tionären Unterbringungen
teilweise
besser
te
respektive stabilisier
t
e
, bestehen keine genügenden Anhaltspunkte, welche eine anschliessende Arbeitsfähigkeit
von 56.25
%
begründen würden.
In den Akten befinden sich als echtzeitliche Ber
ichte jene der
Z._
(
Urk.
7/21 und
Urk.
7/41)
,
aus
welchen
indes
hervor
geht
, dass eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt nicht möglich
war
und
lediglich
eine Tagesstrukturierung in Form einer Arbeitsstruktur im geschützten Rahmen emp
fohlen wurde. Die retrospektive Einschätzung
von
Dr.
E._
, wonach der Beschwerdeführer zwischen den stationären Aufenthalten und bis zur Begutach
tung in der angestammten Tätigkeit im Umfang von 56.25
%
und in einer ange
passten zu 100
%
arbeitsfähig gewesen sein soll, ist nicht schlüssig
.
Insbesondere berichteten die Ärzte der
Z._
lediglich
von einer leichten Zustandsverbesserung
respektive Teilremission der depressiven Symptomatik
, was eine derartige Steige
rung der Leis
tungsfähigkeit
- zumindest ohne nähere Begründung - in Frage stellt
(
Urk.
7/18/9 und
Urk. 7/21/5
).
4.
4
Der Beschwerdeführer
arbeitete
gemäss eigenen Angaben zuletzt als Chauff
eur bzw. Zügelmann (
Urk.
7/9/6)
. Hinsichtlich des zeitlichen Aspekts machte der Beschwerdeführer
hingegen
widersprüchliche Angaben. In der
Z._
gab er an
,
im Jahr 2013 den Job verloren zu haben, was er als Auslö
s
er der Depression wahr
nahm
(
Urk.
7/18/7)
.
B
eim Gutachter
berichtete
er hingegen
, im
Jahr 2011
bei der Arbeit einen Autounfall erlitten zu haben und seither arbeitsunfähig zu sein
(
Urk.
7/52 S. 11)
. Ein Auszug aus dem individuellen Konto des Beschwerdeführers zeigt, dass seine letzte Anstellung
in den
Monate
n
Juni bis November 2008
lag
(
Urk.
7/12).
Unbestritten ist
jedoch
grundsätzlich, dass der
Beschwerdeführer seit seiner Einreise in die Schweiz im Bereich von Hilfsarbeiten tätig war.
Zum Belastungsprofil gab
Dr.
E._
in seinem Gutachten
an
, der Beschwerde
führer könne unter Berücksichtigung einer verminderten Belastbarkeit bei Defi
ziten, vor allem in den Bereichen Planung und Strukturierung von Aufgaben, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, Durchhaltefähigkeit und zwischenmenschliche
r
Kontaktfähigkeit sowie wegen motorischen Defiziten durch Zittern
insgesamt
in einem Umfang von 56.25
%
in der bisherigen Tätigkeit arbeiten (
Urk.
7/52 S. 37).
Zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit nannte
Dr.
E._
das gleiche Belastungsprofil mit der Ergänzung, eine erhöhte emotionale Belastung, Zeitdruck, Ansprüche an eine grössere geistige Flexibilität und überdurchschnittliche Dauerbelastung sollten vermieden werden (S. 38).
Eine Minderung der Arbeitsfähigkeit in einer ange
p
assten Tätigkeit war gemäss Dr.
E._
jedoch nicht zu begründen
(S. 39).
Es erscheint nicht nachvollziehbar, w
eshalb
die vorliegende Pathologie
in der angestammten Tätigkeit zu einer
massiven
Mind
erung der Arbeitsfähigkeit füh
ren
, in einer angepassten Tätigkeit je
doch keinen Einfluss haben soll
.
So unter
scheidet sich das Belastungsprofil für eine angepasste Tätigkeit nur rudimentär von der bisherigen - zuletzt vor gut einem Jahrzehnt ausgeübten - Tätigkeit. So ist nicht anzuneh
m
en, dass er als Hilfsarbeiter mit vier Jahren Schulbildung Auf
gaben planen oder strukturieren musste, eine hohe Flexibili
tät/Umstellungsfäh
i
gkeit benötigte, Entscheidungen treffen musste oder gar eine höhere geistige Flexibilität gefordert war. Damit verbleibt als effektive relevante Leistungseinschränkung die Durchhaltefähigkeit, Probleme in zwischenmensch
lichen Kontakten, bei erhöhter emotionaler Belastung und Zeitdruck. Dass dies zu einer Steigerung der Arbeitsfäh
i
gkeit im Umfang von 43.75
%
führen soll, ist nicht nachvollziehbar begründet.
Jedenfalls wurde nicht dargetan, weshalb die doch erheblichen Befunde mit lediglich rudimentären Anpassungen der Arbeits
stelle keine Auswirkungen mehr haben sollen.
Auch in den nachfolgenden Stellungnahmen (vgl. E. 3.
5 u
nd 3.
7
hiervor)
zeigte
der Gutachter nicht schlüssig auf, aus welchem Grund sich die genannten Defizite bei einer angepassten Tätigkeit nicht ebenfalls auf die Arbeitsfähigkeit auswirken
sollten
.
Die gutachterliche Einschätzung
zur
Arbeitsfähigkeit in angestammter sowie angepasster Tätigkeit erscheint somit widersprüchlich und ist nicht plausi
bel.
Das Abstellen auf die Einschätzung des Gutachters vermag
auch
in dieser Hinsicht
somit
nicht zu überze
u
gen.
4.
5
Die Frage, ob die von
Dr.
E._
gestellten Diagnosen zutreffend sind, kann
einstweilen
offengelassen werden, da das Gutachten n
ach dem Gesagten
nament
lich
in Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und das Belastungsprofil des Beschwerdeführers nicht
den
rechtsprechungsgemässen Anforde
rungen an eine beweiskräftige ärztliche Expertise
entspricht
(E. 1.7), weshalb darauf nicht abgestellt werden kann. Auch die anderen Berichte lassen keine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit über den ganzen Zeitraum zu. Der
behandelnde Psychologe
lic
. phil.
F._
und
Dr.
G._
begründeten ihre Diagnosestellung sowie die Einschätzung des Leistungsvermögens in ihrem aktuellen Bericht vom
1
0.
Oktober 2019
(
vgl. E. 3.6 hiervor
) nur vage und allgemein, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann.
Die Ärzte des
A._
begründeten ihre Einschätzung zur Arbeitsfähigkeit ebenfalls wenig differenziert (
Urk.
7/64).
Zudem ist
in Bezug auf Berichte von Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifels
fällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc). Die Ärzte der
H._
äusserten sich nicht zur Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/
52/49-51
) und die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei
tens de
r
Z._
bezog sich lediglich auf den Zeitraum bis
ca. November 2017
(Urk. 7/
41
/1
). Damit erw
eist sich der medizinische Sach
verhalt als ungenügend abgeklärt.
4.
6
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die Aktenlage für eine ab
schlies
sende Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes des Beschwerde
führers und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit im
gesamten
Zeitverlauf als unzureichend erweist.
Für eine
rechtsgenügliche
Einschätzung des verbleibenden Leistungsvermögens erscheinen damit weitere Abklärungen
, insbesondere ein neues psychiatrisches Gutachten,
unumgänglich. Die zuständigen Fachpersonen werden sich dabei in Auseinandersetzung auch mit den
Vorakten
nicht nur zur Arbeitsfähigkeit und deren Verlauf zu äussern, sondern auch zu den seit BGE 143 V 418 für alle psychischen Erkrankungen massgebenden Standardindikatoren Stellung zu nehmen haben, damit die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in Ein
klang mit der geltenden Rechtslage vorgenommen werden kann (vgl. zum struk
turierten Beweisverfahren BGE 143 V 418 und BGE 141 V 281). In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Damit erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Prozess
führung bei diesem Verfahrensausgang als gegenstandslos.