Decision ID: 624a3458-d24e-4e44-b64c-260c83850267
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 3. Juli 2022 in der Schweiz im Bunde-
sasylzentrum (BAZ) B._ um Asyl nach. Er gab an, am (...) geboren
zu sein. Zur weiteren Behandlung seines Gesuches wurde er dem BAZ
C._ zugewiesen.
Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der europäi-
schen Fingerabdruck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am (...) 2022 in
Bulgarien, am (...) 2022 in Österreich und am (...) 2022 in Deutschland
daktyloskopiert worden war und dort jeweils um Asyl ersucht hatte. Weitere
Abklärungen des SEM ergaben, dass Deutschland ein Ersuchen um Rück-
übernahme an die bulgarischen Behörden geschickt und Bulgarien dieses
Ersuchen nicht abgelehnt hatte. In Deutschland und Bulgarien war er zu-
dem als volljährige Person registriert worden.
B.
B.a Anlässlich der Erstbefragung für unbegleitete minderjährige Asylsu-
chende (EB UMA) vom 3. August 2022 wurde dem Beschwerdeführer das
rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der
Möglichkeit einer Überstellung nach Bulgarien oder Österreich gewährt,
welche gemäss Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-
ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und
Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines
von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-
staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol-
gend: Dublin-III-VO), grundsätzlich für die Behandlung seines Asylgesuchs
zuständig seien.
B.b Die grundsätzliche Zuständigkeit dieser Mitgliedstaaten wurde vom
Beschwerdeführer nicht bestritten. Jedoch machte er geltend, nicht nach
Bulgarien zurückkehren zu wollen. Dort hätten sie gewollt, dass er ein In-
terview gebe; er habe geweint, doch sie hätten nicht lockergelassen und
nicht auf ihn gehört. In Bulgarien sei er auch nicht medizinisch behandelt
worden, obwohl die dortigen Ärzte seine Verletzungen gesehen hätten. Er
sei auch von den bulgarischen Polizisten geschlagen worden – die Narben
sehe man überall auf seinen Beinen und am Rücken. Er würde lieber nach
Afghanistan zurückzukehren, als nach Bulgarien zu müssen. Gegen Ös-
terreich – wo er nur eine Nacht geblieben sei – habe er nichts. Dort sei er
auch medizinisch behandelt worden.
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In Bulgarien habe er noch keinen Asylentscheid erhalten. Auch in Öster-
reich und Deutschland habe er den Asylentscheid nicht abgewartet. Er
habe in keinem der drei Länder ein Interview gehabt und sei in keinem der
drei Länder befragt worden.
B.c In medizinischer Hinsicht machte er geltend, dass es ihm psychisch
nicht gut gehe. Anlässlich der Befragung wies er darauf hin, an starken
Kopfschmerzen zu leiden und sich nicht gut zu fühlen, zeigte sich aber mit
der Fortführung der Befragung einverstanden. Er habe schlechte Gedan-
ken, starke Kopfschmerzen, schrecke im Schlaf auf und habe Alpträume.
B.d Anlässlich der EB UMA gewährte das SEM dem Beschwerdeführer zu-
dem das rechtliche Gehör zum Umstand, dass er in Deutschland und Bul-
garien als volljährige Person – in Deutschland mit Geburtsdatum (...) – er-
fasst worden sei. Er gab an, nichts davon zu wissen und dass es ihm psy-
chisch nicht gut gegangen sei. Er habe in diesen Ländern weder selber
Angaben zu seinem Alter gemacht noch Dokumente abgegeben. Er wisse
nicht, wie das passiert sei. Aus seinen weiteren Aussagen ergibt sich, dass
Freunde seines Vaters, welche mit ihm gereist seien, die entsprechenden
Angaben gemacht hätten, da er selber dazu nicht in der Lage gewesen sei.
Das SEM wies ihn sodann darauf hin, dass er aufgrund der nicht geklärten
Minderjährigkeit, der unterschiedlichen Altersangaben aus anderen Län-
dern und des Mangels an Identitätsdokumenten zu einer medizinischen Al-
tersabklärung aufgeboten werde.
C.
C.a Mit Eingaben vom 17. und 26. August 2022 reichte die zugewiesene
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers folgende medizinische Unterla-
gen bei der Vorinstanz ein:
– Migrationsmedizinische Befragung vom (...) Juli 2022,
– vier ärztliche Kurzberichte vom (...). und (...) Juli 2022 sowie (...) und
(...) August 2022,
– Verordnung zur Physiotherapie vom (...) August 2022,
– Medikamentenkarte des Beschwerdeführers,
– Medizinische Dokumentation Pflege BAZ C._ mit letztem Ein-
trag vom (...) August 2022
C.b Mit Eingabe vom 1. September 2022 reichte die Rechtsvertretung ei-
nen Verlaufsbericht des den Beschwerdeführer behandelnden Psycholo-
gen vom (...) August 2022 bei der Vorinstanz ein.
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D.
D.a Am 26. August 2022 wurde der Beschwerdeführer im Rahmen der Al-
tersabklärung forensisch untersucht. Das rechtsmedizinische Gutachten
vom (...) August 2022 kam zum Ergebnis, dass der Beschwerdeführer mit
an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das 18. Lebensjahr vollendet
und die Volljährigkeit erreicht hat.
D.b Am 7. September 2022 gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdefüh-
rer das rechtliche Gehör zum Resultat der Altersabklärung und der beab-
sichtigten Anpassung seines Geburtsdatums im ZEMIS (zentrales Migrati-
onsinformationssystem) auf den (...).
D.c In seiner Stellungnahme vom 12. September 2022 zeigte sich der Be-
schwerdeführer mit der beabsichtigten Altersanpassung nicht einverstan-
den und wies auf die neu erhältlich gemachten Beweismittel (vgl. nachfol-
gend) sowie seine schlechte psychische Verfassung anlässlich der EB
UMA hin. Zudem sei aufgrund seiner Aussagen anlässlich der EB UMA und
des Arztberichtes vom (...) August 2022 davon auszugehen, dass es sich
bei ihm um ein Folteropfer handle. Aus dem Übereinkommen vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (nachfolgend: FoK, SR 0.105) ergebe
sich ein Recht auf Rehabilitation. Er habe sich klar dahingehend geäussert,
dass man in Bulgarien die Folterspuren gesehen habe, diese jedoch nicht
behandelt worden seien. Vielmehr sei er von bulgarischen Polizisten ge-
schlagen worden. Es sei im Falle einer Altersanpassung daher von einer
Wegweisung nach Bulgarien abzusehen und ein Selbsteintritt nach Art. 17
Abs. 1 Dublin-III-VO in Verbindung mit Art. 29a Abs. 3 AsylV1 zu verfügen.
Überdies sei ein Gutachten nach Istanbul-Protokoll zu erstellen, bevor eine
Wegweisung nach Bulgarien in Frage stehe, um so seine konkreten Be-
dürfnisse als Folteropfer korrekt zu beurteilen. Weiter werde der Erlass ei-
ner anfechtbaren Zwischenverfügung betreffend die Altersanpassung im
ZEMIS beantragt.
Er reichte Schulzeugnisse, eine Tazkira inklusive englischer Übersetzung,
eine englische Übersetzung seiner Geburtsurkunde, einen Impfausweis,
eine Tazkira sowie ein Schulzeugnis seines Vaters ein.
E.
Am 5. September 2022 ersuchte das SEM die bulgarischen Behörden um
Rückübernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b
Dublin-III-VO. Bulgarien stimmte diesem Gesuch am 19. September 2022
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auf Grundlage von Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-III-VO zu. Zudem gab Bul-
garien an, der Beschwerdeführer sei dort mit dem Geburtsdatum (...) re-
gistriert.
F.
F.a Mit Verfügung vom 3. Oktober 2022 (eröffnet am 5. Oktober 2022) trat
das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf
das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein (Dispositivziffer 1) und
verfügte die Wegweisung in den für ihn gemäss Dublin-III-VO zuständigen
Mitgliedstaat Bulgarien (Dispositivziffer 2). Gleichzeitig verfügte das SEM
den Vollzug der Wegweisung nach Bulgarien (Dispositivziffern 3-4), die
Aushändigung der editionspflichtigen Akten (Dispositivziffer 5) sowie die
Anpassung des Geburtsdatums im ZEMIS auf den (...) mit Bestreitungs-
vermerk (Dispositivziffer 6) und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde ge-
gen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu (Dispositivzif-
fer 7).
F.b Zur Begründung führte das SEM im Wesentlichen aus, der Abgleich
der Fingerabdrücke mit der Datenbank Eurodac weise nach, dass er am
(...) 2022 in Bulgarien ein Asylgesuch eingereicht habe. Die bulgarischen
Behörden hätten das Gesuch des SEM um seine Übernahme gutgeheis-
sen. Somit liege die Zuständigkeit für die weitere Durchführung seines Ver-
fahrens bei Bulgarien. Weiter gehe das SEM unter Würdigung aller Indizien
davon aus, dass er volljährig sei. Sodann handle es sich bei Bulgarien um
einen Rechtstaat mit funktionierendem Justizsystem und Polizeibehörden.
Sollte er sich durch bulgarische Behörden oder Drittpersonen ungerecht
oder rechtswidrig behandelt fühlen, könne er sich mit einer Beschwerde an
die zuständigen Stellen wenden oder eine Anzeige einreichen. Bezüglich
der Misshandlungen wiesen die eingereichten medizinischen Unterlagen
aus, dass diese in Afghanistan und nicht in Bulgarien stattgefunden hätten.
Seine Ausführungen vermöchten die Zuständigkeit Bulgariens zur Durch-
führung des weiteren Verfahrens nicht zu widerlegen. Es gebe keine we-
sentlichen Gründe für die Annahme, dass das Asylverfahren und die Auf-
nahmebedingungen für Asylsuchende in Bulgarien Schwachstellen aufwie-
sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-
lung im Sinne von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta und Art. 3 EMRK mit
sich brächten. Bulgarien habe die Richtlinien 2013/32/EU (Verfahrensricht-
linie), 2011/95/EU (Qualifikationsrichtlinie) und 2013/33/EU (Aufnahme-
richtlinie) ohne Beanstandungen von Seiten der Europäischen Kommission
umgesetzt. Es lägen keine Anhaltspunkte vor, dass Bulgarien als Signatar-
staat des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
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Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und der EMRK seinen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nicht nachkommen und das Asyl- und Wegweisungsverfahren
nicht korrekt durchführen würde. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungs-
gerichts lägen keine wesentlichen Gründe für die Annahme vor, das Asyl-
verfahren und die Aufnahmebedingungen in Bulgarien würden allgemein
für Antragstellende systematische Schwachstellen aufweisen, die eine Ge-
fahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung mit sich brin-
gen würden. Es bestünden – selbst unter Berücksichtigung einer allfällig
angespannten Situation in Bulgarien – keine genügend konkreten Hin-
weise dafür, dass er in diesem Land nicht Zugang zu einem rechtsstaatli-
chen Verfahren im Sinne des Dublin-Systems hätte. In seinem Referenz-
urteil F-7195/2018 vom 11. Februar 2020 komme das Bundesverwaltungs-
gericht ebenfalls zum Schluss, dass keine Gründe für die Annahme vorlä-
gen, in Bulgarien würden systemische Mängel in Bezug auf die Aufnahme-
bedingungen und das Asylverfahren bestehen. Das Gericht habe in seiner
jüngsten Rechtsprechung bestätigt, dass diese Feststellung auch im Zuge
der Belastung Bulgariens durch ukrainische Kriegsflüchtlinge seine Gültig-
keit behalte. Es sei nicht davon auszugehen, dass er bei einer Überstellung
nach Bulgarien gravierenden Menschenrechtsverletzungen im Sinne von
Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO und Art. 3 EMRK ausgesetzt, in eine existenzi-
elle Notlage geraten oder ohne Prüfung seines Asylgesuchs und unter Ver-
letzung des Non-Refoulement-Gebots in seinen Heimat- oder Herkunfts-
staat überstellt würde; auch lägen keine systematischen Mängel in Bulga-
riens Asyl- und Aufnahmesystem vor. Darüber hinaus habe Bulgarien die
FoK ratifiziert und dort bestünden Unterstützungsangebote für Opfer von
Folter und Gewalt, wohin er sich bei Bedarf wenden könne. Folglich habe
ein allfälliges Gutachten nach dem Istanbul-Protokoll in Bulgarien zu erfol-
gen. Es lägen auch keine Gründe gemäss Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO vor,
die die Schweiz verpflichten würden, sein Asylgesuch zu prüfen. Es lägen
sodann auch keine Gründe vor, die Anlass zur Anwendung der Souveräni-
tätsklausel gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 geben würden. Es lägen keine
begründeten Anhaltspunkte dafür vor, dass er nach einer Rückkehr nach
Bulgarien in eine existenzielle Notlage geraten könnte. Angesichts der teils
tatsächlich schwierigen Bedingungen in Bulgarien könne nicht ausge-
schlossen werden, dass er bei seiner Ankunft in Bulgarien problematische
Verhältnisse angetroffen habe. Er habe sich aber nur vergleichsweise
kurze Zeit dort aufgehalten. Nach einer Rücküberstellung könne er dort um
Wiederaufnahme seines Asylverfahrens ersuchen und werde in die ent-
sprechenden Strukturen integriert. Gegebenenfalls müsse er sich an die
bulgarischen Behörden wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedin-
gungen auf dem Rechtsweg einfordern.
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Aufgrund der vorhandenen medizinischen Unterlagen und in Berücksichti-
gung der geschilderten gesundheitlichen Beeinträchtigungen sei nicht da-
von auszugehen, dass die hohe Schwelle für eine drohende Verletzung
nach Art. 3 EMRK überschritten werde. Es könne ausgeschlossen werden,
dass in seinem Fall eine medizinische Notlage bestehe und sich sein Ge-
sundheitszustand bei einer Rückkehr nach Bulgarien drastisch verschlech-
tern werde. Selbst wenn sich durch zukünftige fachärztliche Beurteilung die
Diagnose seiner psychischen Beschwerden weiter spezifizieren würde,
würde dies an der Einschätzung des SEM nichts zu ändern vermögen. Bul-
garien verfüge über eine ausreichende medizinische Infrastruktur und sei
verpflichtet, ihm die erforderliche medizinische Versorgung zu gewähren.
Es lägen keine Hinweise vor, wonach Bulgarien ihm eine medizinische Be-
handlung verweigert hätte oder zukünftig verweigern würde. Asylsuchende
hätten in Bulgarien denselben Anspruch auf medizinische Versorgung wie
bulgarische Staatsangehörige. Die Kosten für die Krankenversicherung
würden durch den Staat gedeckt. Für das weitere Dublin-Verfahren sei ein-
zig die Reisefähigkeit ausschlaggebend, welche erst kurz vor der Überstel-
lung definitiv beurteilt werde. Zudem trage das SEM seinem aktuellen Ge-
sundheitszustand Rechnung, indem es die bulgarischen Behörden vor der
Überstellung über seinen Gesundheitszustand und die notwendige medizi-
nische Behandlung informiere. Sodann sei zwar nachvollziehbar, dass sich
bei gewissen Personen eine suizidale Tendenz bemerkbar machen könne,
wenn auf deren Asylgesuch nicht eingetreten und die Wegweisung aus der
Schweiz angeordnet werde. Es wäre aber stossend, wenn er durch Beru-
fung auf eine tatsächliche oder vermeintliche Selbstmordgefahr die Behör-
den zum Einlenken zwingen könnte. Es stehe ihm frei, allenfalls medizini-
sche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wobei die entsprechende Infrastruktur
auch in Bulgarien zur Verfügung stehe.
G.
G.a Mit Beschwerde vom 12. Oktober 2022 an das Bundesverwaltungsge-
richt beantragte der Beschwerdeführer, die Verfügung vom 3. Oktober
2022 sei in den Dispositivziffern 1-4 sowie 7 aufzuheben und auf sein
Asylgesuch sei einzutreten, eventualiter sei die Sache zwecks vollständi-
ger Abklärung des Sachverhalts und Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragte er zum einen die Ge-
währung der aufschiebenden Wirkung sowie die Anweisung an die Voll-
zugsbehörden im Rahmen vorsorglicher Massnahmen, bis zum Entscheid
über das vorliegende Rechtsmittel von Vollzugshandlungen abzusehen,
und zum anderen die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung in-
klusive Kostenvorschussverzicht.
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G.b Zur Begründung seiner Beschwerde machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, dass er aufgrund seiner psychischen Verfassung
und als Folteropfer besonders vulnerabel sei. Hinsichtlich seines Gesund-
heitszustands verwies er auf den Verlaufsbericht vom (...) August 2022. Er
müsse regelmässig Medikamente einnehmen. Es sei daher unumgänglich,
dass er bei Ankunft in Bulgarien, einem Land in dem er dazu noch trauma-
tisiert worden sei, umgehend in medizinische Behandlung genommen
werde. Er habe bereits versucht in Bulgarien medizinische Unterstützung
zu beanspruchen, was jedoch trotz der offensichtlichen Folterspuren sowie
dem auch für Laien evidenten schlechten Gesundheitszustand ignoriert
worden sei. Das Bundesverwaltungsgericht habe im Referenzurteil
F-7195/2018 festgehalten, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebe-
dingungen in Bulgarien zwar besorgniserregende Mängel (unter anderem
hinsichtlich Nahrung, Hygiene und der sanitären Anlagen) aufweisen wür-
den, jedoch nicht so schwerwiegende, dass sie als systemisch gewertet
werden könnten. Auch komme es gemäss Gericht zu Inhaftierungen von
Asylsuchenden, welche punktuell mit respektlosem und abwertendem Ver-
halten des Sicherheitspersonals einhergehen könnten. Sodann hätten
Asylsuchende zwar Zugang zu medizinischer Versorgung, sähen sich al-
lerdings aufgrund des an grossen finanziellen und materiellen Schwächen
leidenden bulgarischen Gesundheitssystems mit massiven Problemen
konfrontiert. Dies bedeute konkret, dass Behandlungsangebote für Folter-
opfer und Personen mit psychischen Problemen nicht verfügbar seien.
Diese Situation dürfte sich mit der Flüchtlingsbewegung aus der Ukraine
erneut verschlechtert haben. Im Urteil F-73/2022 vom 14. Juli 2022 komme
das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass für die Beurteilung der
Vulnerabilität eines Asylsuchenden verschiedene Kriterien (psychisches
Gesundheitsbild, Verfahrensstand und die damit einhergehenden Unter-
kunftsmöglichkeiten in Bulgarien) massgeblich seien. Zudem müssten die
Auswirkungen der Fluchtbewegungen aus der Ukraine auf den aktuellen
Zustand berücksichtigt werden. Bei diesen Mängeln im bulgarischen Asyl-
system sowie der Überlastung durch den Ukraine-Krieg erscheine es un-
wahrscheinlich, dass er die für ihn geeignete medizinische Unterstützung
in Anspruch nehmen könne.
Sodann drohe ihm in Bulgarien eine Kettenabschiebung nach Afghanistan.
Asylgesuche von afghanischen Staatsangehörigen würden in Bulgarien
quasi durchwegs abgelehnt und es werde auch kein subsidiärer Schutz
erteilt. Neben der systematischen Abweisung von Asylgesuchen afghani-
scher Staatsangehöriger gebe es zahlreiche weitere Hinweise auf grobe
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Verfahrensverstösse und Verletzung von Grundrechten von Asylsuchen-
den in Bulgarien. Er bezweifle daher, dass er in Bulgarien tatsächlich ein
rechtsstaatliches Asylverfahren erhalten würde. Die Regelvermutung, wo-
nach Bulgarien bei der Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfah-
rens die aus dem Völkerrecht fliessenden Verpflichtungen respektiere, sei
im vorliegenden Einzelfall widerlegt worden. Zudem habe es die Vorinstanz
gänzlich unterlassen, Abklärungen betreffend den Verfahrensstand des
Asylgesuchs in Rumänien (recte: Bulgarien) vorzunehmen. Auch habe sie
es unterlassen, sich mit der aktuellen Situation aufgrund des Ukrainekrie-
ges und des damit zusammenhängenden Massenzustroms Flüchtender in
Bulgarien zu befassen und damit den Untersuchungsgrundsatz verletzt.
Hinsichtlich seines Eventualantrags führte der Beschwerdeführer aus, die
Vorinstanz wäre angesichts seines psychischen Zustands und seiner Ei-
genschaft als Folteropfer verpflichtet gewesen, von den bulgarischen Be-
hörden konkrete Garantien hinsichtlich des sofortigen Zugangs zu notwen-
diger medizinischer Behandlung und angemessener Unterbringung einzu-
holen. Eine Einzelfallprüfung gemäss der Rechtsprechung des Bundesver-
waltungsgerichts sowie des UN-Ausschusses gegen Folter (CAT) fehle
gänzlich. Dies, obwohl in casu hinreichend Indizien bestünden, dass es
sich bei ihm um eine vulnerable Person handle. Weiter habe das SEM
seine Begründungspflicht verletzt indem es sich hinsichtlich der Frage nach
einem Selbsteintritt der Schweiz damit begnügt habe, textbausteinartig
darzulegen, dass die Legalvermutungen nicht hätten umgestossen werden
können, ohne sich mit den konkreten Vorbringen auseinanderzusetzen.
H.
Am 13. Oktober 2022 setzte der Instruktionsrichter gestützt auf Art. 56
VwVG den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus.
I.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
13. Oktober 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-
gitimiert (Art. 105 AsylG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48
Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
2.3 Die Anpassung des Geburtsdatums im ZEMIS durch die Vorinstanz
(Dispositivziffer 6 der angefochtenen Verfügung) wurde vorliegend nicht
angefochten und bildet daher auch nicht Verfahrensgegenstand.
3.
3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
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Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind
die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort
aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien;
vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation
im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-
gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-
men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demge-
genüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel
III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).
Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän-
digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An-
nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An-
tragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen,
die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung
im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union
(2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist
zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zu-
ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zustän-
dig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat
zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
3.3 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an-
deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet
eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe
der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b
Dublin-III-VO).
E-4619/2022
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Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen, einen
bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten An-
trag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser
Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht).
4.
4.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Eu-
rodac"-Datenbank ergab, dass dieser am (...) 2022 in Bulgarien ein Asyl-
gesuch eingereicht hatte. Das SEM ersuchte deshalb die bulgarischen Be-
hörden am 5. September 2022 um Wiederaufnahme des
Beschwerdeführers gestützt auf Art. 23 Dublin-III-VO. Die bulgarischen Be-
hörden stimmten dem Gesuch um Übernahme am 19. September 2022 zu.
Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, in Bulgarien ein Asylgesuch einge-
reicht zu haben, und auch die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Mitglied-
staates blieb unbestritten.
Die grundsätzliche Zuständigkeit Bulgariens ist somit gegeben.
4.2 Der Beschwerdeführer macht systematische Mängel im Asyl- und Auf-
nahmesystem Bulgariens geltend. Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO
ist deshalb zu prüfen, ob es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das
Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Bulga-
rien würden systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer
unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4
der EU-Grundrechtecharta mit sich bringen würden.
Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Referenzurteil F-7195/2018
vom 11. Februar 2020 ausführlich mit dem bulgarischen Asylsystem und
der Situation asylsuchender Personen in diesem Land auseinanderge-
setzt. Es hat festgehalten, dass das dortige Asylverfahren sowie die Auf-
nahmebedingungen zwar gewisse Mängel aufweisen würden, diese aber
nicht systemischer Natur seien, weshalb von Überstellungen nach Bulga-
rien grundsätzlich nicht abzusehen sei. Korrekte Asylverfahren seien nicht
systembedingt unmöglich. Die tiefe Anerkennungsquote gegenüber
Staatsangehörigen gewisser Länder rechtfertige es nicht, keine Überstel-
lungen mehr vorzunehmen. Betroffene Personen könnten gegen einen ne-
gativen Asylentscheid ein wirksames Rechtsmittel einlegen. Zudem seien
die Bedingungen in den Aufnahme- und Haftzentren zwar prekär, könnten
jedoch nicht als unmenschlich oder entwürdigend qualifiziert werden (vgl.
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Referenzurteil F-7195/2018 E. 6.6.1 und 6.6.7). Auch heute geht das Bun-
desverwaltungsgericht praxisgemäss nicht von systemischen Mängeln im
bulgarischen Asylverfahren aus (vgl. u.a. Urteile des BVGer E-3163/2022
vom 4. August 2022 E. 6.3; D-3152/2022 vom 28. Juli 2022 E. 6.4; F-
2956/2022 vom 14. Juli 2022 E. 6.3; E-2756/2022 vom 29. Juni 2022 E. 5.5
je m.w.H). Für besonders vulnerable Asylsuchende mit ernsthaften Erkran-
kungen könne aber gegebenenfalls die Einholung einer entsprechenden
Zusicherung seitens der bulgarischen Behörden eine der Voraussetzungen
für die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs bilden (vgl. Referenzurteil F-
7195/2018 E. 7.4.1 f.).
4.3 Bulgarien kommt somit seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen aus
der EMRK, der FoK und der FK sowie dem Zusatzprotokoll der FK vom
31. Januar 1967 (SR 0.142.301) grundsätzlich nach. Im Weiteren darf da-
von ausgegangen werden, Bulgarien anerkenne und schütze die Rechte,
die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parla-
ments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen
Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen
Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013
zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internati-
onalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. Prinzipiell ist
davon auszugehen, dass der Zugang zu einer Asylunterkunft, zu Nah-
rungsmitteln sowie medizinischer Grundversorgung und psychologischer
Betreuung für Asylsuchende gewährleistet ist.
4.4 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO nicht gerechtfertigt.
5.
5.1 Es bleibt zu prüfen, ob die Vorinstanz trotz der grundsätzlichen Zustän-
digkeit Bulgariens das Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 Abs. 1 erster Satz
Dublin-III-VO, konkretisiert in Art. 29a Abs. 3 AsylV 1, hätte ausüben müs-
sen. Zwar kann die Vermutung, Bulgarien halte seine völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nicht ein, im Einzelfall widerlegt werden. Dafür bedarf es aber
konkreter und ernsthafter Hinweise, die gegebenenfalls vom Betroffenen
glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.).
5.2 Mit seinen Ausführungen hinsichtlich der behaupteten Gewalterfahrun-
gen seitens bulgarischer Polizisten vermag der Beschwerdeführer diese
Vermutung in seinem Fall nicht umzustossen. Vorab ist hierzu festzuhalten,
dass es sich hierbei um eine unbelegte Parteibehauptung handelt. Ferner
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ist auch zu beachten, dass der Beschwerdeführer bei seinen Schilderun-
gen stellenweise zu Vorbringen neigt, die in der behaupteten Weise so
nicht zutreffen können. So beispielsweise seine Behauptung, er habe von
Bulgarien bis in die Schweiz den ganzen Weg zu Fuss laufen müssen.
Nicht nur, dass diese Behauptung offen mit seinen Angaben hinsichtlich
der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel kontrastiert. Vielmehr kann auf-
grund der Registrierungsdaten in den einzelnen Ländern gänzlich ausge-
schlossen werden, dass diese Behauptung zutreffen kann. Auch seine of-
fenkundig unzutreffenden Altersangaben gegenüber der Vorinstanz lassen
erkennen, dass die Parteibehauptungen des Beschwerdeführers durchaus
kritisch zu hinterfragen sind. Ob die behauptungsweise erlebte Polizeige-
walt in Bulgarien sich also effektiv so zugetragen hat, muss daher offen
gelassen werden. Die Bedingungen in Bulgarien sind zwar teilweise als
schwierig anzusehen, weshalb es nicht ausgeschlossen werden kann,
dass der Beschwerdeführer dort keine einfachen Umstände angetroffen
hat. Im Falle einer Rücküberstellung würde er jedoch nicht als Neuan-
kömmling behandelt, sondern direkt in die dortigen Asylstrukturen aufge-
nommen. Die bulgarischen Behörden haben seiner Wiederaufnahme ge-
stützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-III-VO zugestimmt. Der Beschwerde-
führer wird die Wiederaufnahme seines Asylverfahrens beantragen und die
ihm zustehenden Rechte wahrnehmen können (vgl. Urteile des BVGer F-
556/2022 vom 10. Februar 2022 E. 3.2.2; F-3101/2022 vom 22. Juli 2022
E. 6.1; F-3473/2019 vom 25. Mai 2020 E. 5.3.1).
Auch seiner Beschreibung der Leibesvisitationen kann nichts entnommen
werden, was die oben erwähnte Regelvermutung umstossen könnte. So-
dann hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zu Recht festge-
stellt, dass Bulgarien als Rechtsstaat mit einem funktionierenden Jus-
tizsystem einzustufen ist. Folglich ist von der grundsätzlichen Schutzwillig-
keit und Schutzfähigkeit dieses Staates auszugehen. Bei einer allfälligen
vorübergehenden Einschränkung oder ungerechten Behandlung durch
eine Behörde ist er im Übrigen gehalten, sich nötigenfalls an die bulgari-
schen Behörden zu wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingun-
gen auf dem Rechtsweg einzufordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Es
ist ihm zuzumuten, sich an das Justizwesen Bulgariens, dortige Aufsichts-
behörden oder eine dort tätige NGO zu wenden, wenn er rechtswidrig be-
handelt werden sollte.
5.3 Es besteht auch kein Grund zur Annahme, die bulgarischen Behörden
würden dem Beschwerdeführer nach einer Überstellung den Zugang zum
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Asyl- respektive zu einem allfälligen Wiederaufnahmeverfahren unter Ein-
haltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie verweigern. Aus der vom Be-
schwerdeführer angeführten tiefen Gutheissungsquote für Asylgesuchstel-
lende aus Afghanistan (vgl. auch die Statistik in Asylum Information Data-
base, Country Report: Bulgaria, update 2021, S. 7; < https://asylumineu
rope.org/wp-content/uploads/2022/02/AIDA-BG_2021update.pdf >, abge-
rufen am 20.10.22) lässt sich nicht ableiten, sein Asylverfahren werde in
Bulgarien nicht korrekt durchgeführt oder die bulgarischen Behörden wür-
den in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und
ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder
seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder
in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwun-
gen zu werden (vgl. Referenz-Urteil F-7195/2018 E. 6.6.7 und E. 7.2.2; Ur-
teile des BVGer E‐3904/2022 E. 6.3.4; E-2642/2022 vom 24. Juni 2022
E. 8.3.2; D-1720/2022 vom 21. April 2022 E. 10.2.2). Gegen einen allfälli-
gen negativen Asylentscheid wird der Beschwerdeführer in Bulgarien ein
Rechtsmittel einlegen können.
5.4 In Bezug auf den medizinischen Sachverhalt ist anzumerken, dass eine
zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen
nur ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellt. Nach der
Rechtsprechung des EGMR ist dies bei schwerkranken Personen der Fall,
welche durch eine Abschiebung – mangels angemessener medizinischer
Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, ei-
ner ernsten, raschen und unwiederbringlichem Verschlechterung ihres Ge-
sundheitszustandes ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder
einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Ur-
teil des EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse
Kammer 41738/10, §§ 180-193 m.w.H.).
5.4.1 Die medizinische Situation des Beschwerdeführers präsentiert sich
wie folgt:
Vor der EB UMA war der Beschwerdeführer in der Pflege. Hierbei hat er
suizidale Äusserungen vorgebracht (vgl. vorinstanzliche Akten [...] -17/14
[nachfolgend act. 17] Bst. b). Anlässlich der EB UMA gab er an, er habe
starke beziehungsweise sehr starke Kopfschmerzen (vgl. act. 17 Ziff.
1.16.04, Ziff. 5.02). Auf die konkrete Aufforderung, gesundheitliche Be-
schwerden zu benennen, gab er Folgendes an: «Mir geht es psychisch
nicht so gut. Ich habe schlechte Gedanken und starke Kopfschmerzen und
im Schlaf schrecke ich auf und habe Alpträume» (vgl. a.a.O. Ziff. 8.02).
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Anlässlich der migrationsmedizinischen Befragung vom (...) Juli 2022 gab
er an, bei körperlicher Anstrengung weise er Kurzatmigkeit auf. In den letz-
ten Wochen habe er verschiedene Hautprobleme (...) sowie Einschlafprob-
leme gehabt. Sein allgemeiner Gesundheitseindruck wurde allerdings mit
gut beschrieben («bonne santé», vgl. zum Ganzen act. 21). Anlässlich der
medizinischen Zusatzbefragung zur Altersabklärung gab er ferner in ge-
sundheitlicher Hinsicht an, an keinen chronischen Krankheiten zu leiden.
Indes nehme er wegen seiner Kopfschmerzen Medikamente (...) ein (vgl.
act.18).
Dem ärztlichen Kurzbericht vom (...) Juli 2022 ist zu entnehmen, dass er
bei gutem Allgemeinzustand, niedergeschlagen aber gut kontaktierbar,
nicht akut suizidal und absprachefähig gewesen sei. Er sei infolge Kopf-
schmerzen, unklarer posttraumatischer Hautveränderungen und psychi-
scher Probleme vorstellig geworden. Er habe seit circa sechs Monaten
Kopfschmerzen und nehme zwei verschiedene Medikamente hiergegen.
Er habe am Vortag aus dem Fenster springen wollen, weshalb er zu einem
Psychiater geschickt worden sei. Diagnostiziert wurden (...), (...) sowie ein
(...), aktuell nicht suizidal (vgl. act. 22).
Gemäss ärztlichem Kurzbericht vom (...) Juli 2022 gehe es ihm eigenen
Angaben zufolge etwas besser – auch hinsichtlich der Kopfschmerzen.
Psychisch sei er immer noch sehr belastet. Eine akute Suizidalität wurde
ausdrücklich verneint (vgl. act. 23).
Mit dem ärztlichen Kurzbericht vom (...) August 2022 wurden beim Be-
schwerdeführer «(...)» sowie (...) mit nun latenter Suizidalität diagnosti-
ziert. Hinsichtlich ersterer Diagnose wurde ihm Physiotherapie verordnet
(vgl. act. 24 f.).
Dem ärztlichen Kurzbericht vom (...) August 2022 zufolge stellten sich beim
Beschwerdeführer eine leichte Besserung der Kopfschmerzen ein, psy-
chisch gehe es ihm weiterhin nicht gut «mit viel Traurigkeit und Müdigkeit»
sowie nächtlichen Angstzuständen. Diagnostiziert wurden (...) sowie (...)
(vgl. act. 29).
Dem Verlaufsbericht des den Beschwerdeführer behandelnden Psycholo-
gen vom (...) August 2022 ist zu entnehmen, dass beim Beschwerdeführer
eine (...) bestehe. Die Nachhallerinnerungen sowie die Ein- und Durch-
schlafprobleme seien nach den Vorfällen (...) in Afghanistan sehr stark aus-
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geprägt. Diese führten zu starken somatischen Beschwerden, wie zum Bei-
spiel Kopfschmerzen. Durch seinen Zustand sei er sensibel gegenüber
Lärm und könne nicht lange an zwischenmenschlichen Interaktionen teil-
nehmen. Es werde eine langfristige Therapie empfohlen, welche aber nur
in einem stabilen Umfeld durchgeführt werden sollte. Es bestehe weiterhin
die Gefahr, aus Affekt oder zu stark auftauchenden belastenden Erinnerun-
gen eine Suizidhandlung durchzuführen. Als weiteres Prozedere wurden
weitere Kontrolltermine festgehalten (vgl. act. 31).
5.4.2 Der Beschwerdeführer weist demnach zwar psychische Probleme
auf. Diese sind indes nicht als derart gravierend einzustufen, dass er im
Falle einer Überstellung nach Bulgarien mit dem Risiko einer ernsten, ra-
schen und unwiederbringlichen Verschlechterung seines Gesundheitszu-
standes konfrontiert wäre, so dass aus humanitären Gründen von einer
Überstellung abgesehen werden müsste (vgl. auch in vergleichbaren
Konstellationen Urteile des BVGer D-3152/2022 vom 28. Juli 2022 E. 6.5.3
und E-3150/2022 vom 30. September 2022 E. 4.5.4).
Bulgarien verfügt zudem über eine ausreichende medizinische Infrastruk-
tur. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellenden die erforder-
liche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die
unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psy-
chischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Auf-
nahmerichtlinie); Antragstellenden mit besonderen Bedürfnissen ist die er-
forderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls ei-
ner geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2
Aufnahmerichtlinie). Es ist nicht davon auszugehen, dass Bulgarien ihm
eine allenfalls notwendige Behandlung verweigern würde. Er machte zwar
geltend, Bulgarien habe bei Ankunft seine Verletzungen nicht behandeln
wollen, er hielt sich aber nur vergleichsweise kurze Zeit in Bulgarien auf
und ist danach eigenständig weitergereist. Bei einer Rückkehr nach Bulga-
rien wird er zudem direkt in die regulären Asylstrukturen integriert, womit
er auch Anspruch auf die erforderliche medizinische Versorgung gemäss
der erwähnten Aufnahmerichtlinie hat.
Betreffend eine allfällige Suizidgefahr ist festzuhalten, dass gemäss bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung Suizidalität für sich allein kein Vollzugs-
hindernis darstellt (vgl. Urteil BGer 2C_221/2020 vom 19. Juni 2020 E. 2),
was auch der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts entspricht (vgl. z.B.
Urteil BVGer F-27/2021 vom 25. Februar 2021 E. 9.2 m.w.H.). In solchen
Fällen sind die schweizerischen Behörden jedoch gehalten, im Rahmen
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der konkreten Rückkehrmassnahmen alles ihnen Zumutbare vorzukehren,
um medizinisch sowie betreuungstechnisch sicherzustellen, dass das Le-
ben und die Gesundheit der rückkehrpflichtigen Person möglichst nicht be-
einträchtigt wird (vgl. Urteil BGer 2C_221/2020 a.a.O.).
5.4.3 Die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochten
Verfügung beauftragt sind, sind anzuweisen, den medizinischen Umstän-
den bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung des
Beschwerdeführers Rechnung tragen und die bulgarischen Behörden über
die spezifischen medizinischen Probleme des Beschwerdeführers in
Kenntnis zu setzen und auch inskünftig über allenfalls veränderte Um-
stände und Bedürfnisse des Beschwerdeführers in dieser Hinsicht zu infor-
mieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO).
5.4.4 Nach dem Ausgeführten ist gesamthaft betrachtet auch nicht davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer in die Kategorie der besonders
vulnerablen Personen mit speziellen Bedürfnissen fällt, was gemäss Refe-
renzurteil F-7195/2018 gegebenenfalls das Einfordern konkreter Garantien
von den bulgarischen Behörden erforderlich machen könne.
5.5 Zusammenfassend ist kein Grund für eine Anwendung der Ermessen-
klauseln von Art. 17 Dublin-III-VO sowie von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 er-
sichtlich.
5.6 Somit bleibt Bulgarien der für die Behandlung des Asylgesuchs des
Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO. Bulga-
rien ist verpflichtet, das Asylverfahren gemäss Art. 23, 24, 25 und 29 Dub-
lin-III-VO wiederaufzunehmen.
6.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da
der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Nie-
derlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Bulgarien in An-
wendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a
AsylV 1).
Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2
m.w.H.).
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7.
Nach dem Ausgeführten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfü-
gung des SEM zu bestätigen.
Die formellen Rügen des Beschwerdeführers (Verletzung der Begrün-
dungs- respektive der Untersuchungspflicht durch die Vorinstanz) erweisen
sich als unbegründet. Insbesondere die Rüge, die Vorinstanz habe sich mit
den Auswirkungen des Ukrainekonflikts auf Bulgarien nicht auseinander-
gesetzt, ist unzutreffend, hat die Vorinstanz hierzu sogar auf die Kasuistik
des Bundesverwaltungsgerichts verwiesen. Eine Rückweisung der Sache
an die Vorinstanz zwecks weiterer Abklärungen und Neubeurteilung ge-
mäss dem gestellten Eventualbegehren ist daher nicht angezeigt.
Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, wes-
halb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als ge-
genstandslos erweist.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da seine Begeh-
ren nicht von vornherein aussichtslos waren und aufgrund der Aktenlage
von seiner Mittellosigkeit auszugehen ist, ist sein Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzu-
heissen und auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. Mit
dem vorliegenden Direktentscheid ist das Gesuch um Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden.
9.
Der am 13. Oktober 2022 angeordnete superprovisorische Vollzugsstopp
fällt mit vorliegendem Urteil dahin.
(Dispositiv nächste Seite)
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