Decision ID: fe6de6fb-17e4-44ba-8e58-49c7a2b36088
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1970, erlitt am 1. September 2000 einen Auffahr
unfall (Urk. 6/1 Ziff. 4 und 6). Die SWICA Versicherungen AG (nachste
hend:
Swica
) sprach ihr mit Verfügung vom 18. März 2008 eine Invalidenrente entsprechend einer Erwerbseinbusse von 24 % ab April 2007 und eine Integri
tätsentschädigung entsprechend einer Integritätseinbusse von 50 % zu (Urk. 6/189).
1.2
Nach Eingang des Revisionsfragebogens vom 23. Februar 2015 (Urk. 6/207) holte die
Swica
unter anderem ein polydisziplinäres Gutachten ein, das von den Ärzten des Y._ am 10. September 2015 erstattet wurde (Urk. 6/243). Mit Verfügung vom 18. Dezember 2015 stellte die
Swica
ihre Leistungen per 31. Januar 2016 ein (Urk. 6/250). Die dagegen von der Versicherten am 11. Januar 2016 erhobene Einsprache (Urk. 6/251) wies sie mit
Einspracheentscheid
vom 12. Juli 2016 ab (Urk. 6/252 = Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 12. Juli 2016 (Urk. 2) erhob die Versicherte am 5. September 2016 Beschwerde und beantragte, die Rente sei ihr weiterhin auszurichten (Urk. 1 S. 6 unten Ziff. 2).
Die
Swica
beantragte mit Beschwerdeantwort vom 22. September 2016 (Urk. 5) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 16. November 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein
natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.2
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch
das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.3
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule (HWS) auch nach Ablauf einer ge
wissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitli
chen Beeinträchtigun
gen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsaus
fälle zurückzuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Recht
sprechung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Störun
gen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeu
tung für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise der Erwerbsunfähigkeit zu
kommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit ande
ren Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitli
cher Beeinträchtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne weiteres zu ver
neinen und bei schweren Unfällen ohne weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier (BGE 134 V 109):
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bundes
gericht in seiner Rechtsprechung für die Beurtei
lung des adäquaten Kausal
zusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psy
chischen Fehlent
wicklung (BGE 115 V 133) für relevant erachtet hat, wird bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleuder
trauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Dif
ferenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
1.4
Die Frage der Adäquanz bezieht sich auf den Zeitpunkt, in welchem von der Fortsetzung der medizinischen Behandlung insgesamt keine namhafte Besse
rung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann (BGE 134 V 109 E. 4.1).
1.5
Organisch objektiv ausgewiesene Unfallfolgen als Differenzierungsmerkmal für das Erfordernis einer Adäquanzprüfung sind rechtsprechungsgemäss anzu
nehmen bei objektivierbaren Untersuchungsergebnissen, mithin solchen, die reproduzierbar und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen
kann somit erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt wurden und die
hiebei
ange
wendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sind (BGE 138 V 248 E. 5.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (Urk. 2) davon aus, die gutachterlich festgestellte Einschränkung der HWS- und Schulterbeweglich
keit sei kein organisch nachweisbarer Befund im Sinne der Rechtsprechung, weshalb für die Frage des
rechtsgenüglichen
, namentlich adäquaten Kausalzu
sammenhangs BGE 134 V 109 massgebend sei (S. 5 Ziff. 3.5). Von den massge
benden Kriterien sei einzig die erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiese
ner Anstrengung erfüllt, wenn auch nicht in ausgeprägter Weise (S. 5 f. Ziff. 3.6). Demnach seien die Adäquanz und somit eine weitere Leistungspflicht zu verneinen (S. 6 Ziff. 3.7).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), es lägen objektiv ausgewiesene organische Unfallfolgen vor, weshalb BGE 134 V 109 nicht anwendbar und die aus rheumatologischer Sicht attestierte Arbeits
unfähigkeit von 20 % zu berücksichtigen sei (S. 5 f. Ziff. 4).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, ob per 31. Januar 2016 noch ein
rechtsgenügli
cher
Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden und dem 2000 erlittenen Auffahrunfall besteht.
3.
3.1
In der Unfallmeldung wurde angegeben, am 1. September 2000 sei bei stocken
dem Kolonnenverkehr auf der Autobahn ein anderes Fahrzeug mit 150 km/h auf das Fahrzeug der Beschwerdeführerin aufgefahren (Urk. 6/1 Ziff. 4 bis 6). In der Schadenanzeige der Beifahrerin wurde ausgeführt,
die Beschwerdeführerin sei mit zirka 90 km/h gefahren (Urk. 6/2/3).
3.2
Ein am 30. September 2000 erstelltes MR der HWS ergab einen unauffälligen Befund, insbesondere keine Anhaltspunkte für eine traumatisch bedingte Wir
bel- oder Bandscheibenläsion, keine
Myelonverletzung
und keine
ligamentären
Verletzungen (Urk. 6/21).
3.3
Dr. med. Z._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin sowie für Rheu
matologie, führte in seinem Arztzeugnis vom 12. Oktober 2000 (Urk. 6/20) aus, die Erstbehandlungen seien am 15. und 18. September andernorts sowie am 21. September 2000 bei ihm erfolgt, und nannte als Geschwindigkeit des Fahr
zeugs der Beschwerdeführerin zirka 80 km/h und des auffahrenden zirka 160 km/h (S. 1 Mitte). Er nannte die folgenden Diagnosen (S. 1 f. Ziff. 5):
-
Status nach Auffahrkollision
-
Commotio cerebri
-
HWS-Distorsionstrauma
-
postkontusionelles
Syndrom
-
persistierende Kopfschmerzen
-
Cervical
-Vertebral-Syndrom
-
Status nach
Schwankschwindelbeschwerden
und Übelkeit
-
Status nach intermittierender radikulärer Reizsymptomatik C8 linksbe
tont
-
Status nach klonischen Zuckungen an den Extremitäten unklarer Ätiolo
gie
Er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit dem 1. September 2000 bis auf Weiteres (S. 2 Ziff. 8).
3.4
Am 30. Oktober 2002 erstatteten die Ärzte des A._ ein Gutachten (Urk. 6/102). Darin wurden folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit genannt (S. 12 Ziff. 5.1):
-
HWS-Distorsion nach Verkehrsunfall am 1. September 2000
-
leichte traumatische Hirnverletzung (ICD-10 F07.2)
-
konsekutiv mit protrahiert verlaufendem
zerviko-spondylogenem
Syn
drom ohne Nachweis radikulärer und/oder spinaler Funktions
störungen
-
regredienter
posttraumatische
migräniforme
Cephalea
-
teilweise
regrediente
traumatische vegetative Dysregulation
-
noch anhaltende neuropsychologische Funktionsstörungen (ICD
10 F06.7)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie einen fort
gesetzten Nikotinkonsum, einen gelegentlichen Cannabis-Konsum sowie einen Status nach HWS-Distorsionen 1994 / 1999, abgeheilt ohne Residualzu
stand (S. 12 Ziff. 5.2).
Die Grundproblematik sei aus neurologisch-neuropsychologischer Sicht zu erklä
ren und entsprechend die Arbeitsfähigkeit daraus abzuleiten. Der Beruf einer Köchin sei grundsätzlich langfristig ungünstig und in nicht (wie am letzten Arbeitsplatz) adaptierter Form nicht mehr zumutbar (S. 13 Ziff. 6.1.2).
Die angegebenen Beschwerden seien durch die organischen Korrelate objektivier
bar und erklärbar. In - näher umschriebener - angepasster Tätigkeit könne aktuell von einer Zumutbarkeit von 50 % ausgegangen werden. Es sei denkbar, dass die Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeit in den nächsten Monaten und Jahren noch gesteigert werden könne (S. 14 Ziff. 6.1.4).
In Beantwortung von Zusatzfragen am 30. Oktober 2002 (Urk. 6/103) wurde ausgeführt, der Unfall sei die einzige relevante Ursache der festgestellten gesundheitlichen Störung (S. 1 Ziff. 1.1). Eine Verbesserung des Gesundheitszu
standes sei noch möglich, allerdings im jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzbar (S. 2 Ziff. 4). Es werde eine abschliessende Beurteilung, auch eines allfälligen Integritätsschadens, in 2 Jahren vorgeschlagen, wenn ein Residualzustand anzunehmen sei (S. 2 Ziff. 5).
3.5
Ein am 10. September 2007 erstelltes MRI HWS / MR Schädel (Urk. 6/180) ergab bezüglich der HWS eine
breitbasige
rechtsbetonte Diskushernie C6/7 mit Kon
takt zur Nervenwurzel C7 rechts und bezüglich des Schädels keine fokalen Läsi
onen, keine
Hämosiderinablagerungen
und im Normbereich liegende innere und äussere
Liquorräume
. In der Beurteilung wurden mit Hinweis auf die Vorunter
suchung vom 30. September 2000 (vgl. vorstehend E. 3.2) im Verlauf zunehmende degenerativ erklärbare Veränderungen der Bandscheibe C6/7 mit Diskushernie rechts genannt.
3.6
Am 21. Dezember 2007 erstattete Dr. med. B._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, ein Gut
achten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (Urk. 6/179). Anamnestisch hielt er fest, die Patientin habe in der Zwischenzeit eine von der Invalidenversicherung finanzierte Umschulung zur Sozialbegleiterin abgeschlossen (S. 2 Mitte) und trete ab September 2007 eine entsprechende Stelle mit einem Pensum von 70 % an (S. 3 oben).
Er führte aus, es finde sich klar eine Differenz zum MRI aus dem Jahr 2000, neu sei eine
Diskopathie
ohne Nervenkompression feststellbar (S. 5 oben). Heute finde sich im Bereich der HWS ein gemischtes Schmerzbild, einerseits unfallbe
dingt, andererseits krankheitsbedingt (Diskushernie). Er empfehle, den Fall abzuschliessen und in zirka 6-10 Monaten einen Zeitpunkt zu terminieren, in welchem die unfallbedingten Beschwerden abgeschlossen werden und die Rest
beschwerden der krankhaften Veränderung zugeordnet würden (S. 5 Mitte).
Den Integritätsschaden beurteilte er gesamthaft mit 50 % (S. 6).
3.7
Mit Verfügung vom 18. März 2008 (Urk. 6/189) sprach die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin unter anderem eine Invalidenrente bei einem Invalidi
tätsgrad von 24 % zu (S. 3), wobei sie die Beschwerdeführerin mit der Tätigkeit als Sozialbegleiterin, in welcher sie sogar zu 70 % angestellt sei, als optimal integriert erachtete (S. 2 unten).
4.
4.1
Dr. Z._ (vorstehend E. 3.3) führte in seinem Bericht vom 14. April 2015 (Urk. 6/210 S. 1 Ziff. 2) unter anderem aus, klinisch bestehe weiterhin eine Einschränkung der HWS-Beweglichkeit, die Patientin habe immer noch starke Kopfschmerzen. Seit Mitte Mai 2013 betreibe sie mit einer Kollegin (als selb
ständige Köchin) ein Restaurant / eine Bar, sie arbeite 70 % (nicht ohne Schmerzen).
4.2
Ein am 13. Juli 2015 erstelltes MRI ergab leichtgradige degenerative Wirbel
säulen
veränderungen und leichtgradige
spondylarthropathische
Facetten
gelenks
veränderungen lumbal sowie keinen Nachweis von intrakraniellen
Traumafolgen
,
ligamentären
Verletzungen oder einer Spinalkanalstenose (Urk. 6/239 S. 2 oben).
4.3
4.3.1
Am 10. September 2015 erstatteten die Ärzte des Y._ ein Gutachten im Auf
trag der Beschwerdegegnerin (Urk. 6/243). Sie stützten sich auf die ihnen über
lassenen und zusätzlich eingeholte Akten (S. 4 ff.), die Angaben der Versicher
ten (S. 21 ff.) sowie die von ihnen am 6., 9., 13. und 17. Juli 2015 (S. 1) erhobenen internistischen, rheumatologischen, neurologischen, neuro
psycholo
gischen und psychiatrischen Befunde.
4.3.2 Berufsanamnestisch wurde festgehalten, die Versicherte habe im Mai 2013 gemeinsam mit einer Kollegin ein Restaurant eröffnet. Hier arbeite sie durch
schnittlich 60 %. Da es ihr gesundheitlich eher wieder schlechter gehe, solle das Restaurant demnächst verkauft werden (S. 22 unten).
Im Auszug aus der Krankengeschichte vom 25. Juni 2015 seien immer wieder Behandlungen im
O._
-Gesundheitszentrum wegen Müdigkeit und Eisen
mangel festgehalten (S. 21 Mitte). Gemäss ihren eigenen Angaben besuche die Versicherte wöchentlich die Physiotherapie,
wo sie Lymphdrainage und Massage erhalte, zuhause mache sie Yoga und ein Heimprogramm. Den Rheu
matologen Dr. Z._ sehe sie alle zwei Monate, manchmal auch nur halbjährlich (S. 28 oben).
4.3.3
Die Gutachter nannten folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 83 f. Ziff. 6.1):
-
persistierende HWS-Beschwerden mit/bei
-
Status nach Beschleunigungstrauma der HWS bei einer Heckauf
fahrkollision am 1. September 2000
-
persistierenden
Weichteildysbalancen
mit
Triggerpunktbildung
para
zer
vikal, Schultergürtelregion beidseits und
Musculus
infraspi
natus beidseits
-
Endphasenschmerzen in allen Bewegungsrichtungen zervikal im Sinne von Gelenksirritationen mit Irritationszonen
-
deutliche Streckhaltung der HWS mit angedeuteter
Kyphosebildung
im mittleren Abschnitt und damit verbunden
-
konsekutiver Bewegungshemmung und Überlastung des
zerviko
tho
rakalen
und subokzipitalen Übergangs
-
belastungsabhängige
Cephalgien
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (S. 84 Ziff. 6.2) Mischkopfschmerzen am ehesten im Rahmen einer Somatisierungs
störung (Differentialdiagnose chronischer Kopfschmerz vom Spannungs-Typ), somatisch nicht klassifizierbare Körperschmerzen und Missempfindungen wechsel
nder Intensität und Lokalisation, einen Verdacht auf ein Restless-leg Syndrom und eine undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.1).
4.3.4
In ihrer Beurteilung führten die Gutachter unter anderem aus, aus internisti
scher Sicht lasse sich keine Arbeitsunfähigkeit begründen, weder in der zuletzt ausgeübten noch in einer dem Alter und dem Habitus angepassten Verweistä
tigkeit (S. 88 oben). Aus rheumatologischer Sicht bestehe eine bleibende Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit auch in einer idealen Tätigkeit mit Wechsel der Positionen, ohne repetitives Heben und Tragen von Lasten über 15 kg im Berei
che von
20 % bezogen auf ein volles Pensum, also eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. Dies gelte auch für die Tätigkeit als Sozialbegleiterin. Die angestammte Tätigkeit als Köchin entspreche diesem Belastungsprofil nicht und sei deshalb nicht mehr zumutbar (S. 88).
Bei der neurologischen Untersuchung ergäben sich keine Hinweise auf fokal neurologische Defizite. Die geklagten Kopfschmerzen entsprächen phänomeno
logisch am ehesten einem Mischkopfschmerz aus chronischen Kopfschmerzen vom Spannungs-Typ und Kopfschmerzen im Rahmen einer Somatisierungsstö
rung. Ein Status nach Commotio cerebri könne aufgrund der Exploration und der Akten nicht diagnostiziert werden. Bezüglich der Nackenschmerzen bestehe auf neurologischem Fachgebiet keine erkennbare organpathologische Ursache. Aus neurologischer Sicht bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für alle Tätig
keiten auf dem freien Arbeitsmarkt (S. 88 Mitte). Bei der neuropsychologischen Exploration hätten sämtliche Befunde, mit Ausnahme der teilweise unterdurch
schnittlichen Aufmerksamkeitsfunktionen, im durchschnittlichen bis über
durchschnittlichen Bereich gelegen. Dieses Ergebnis habe keinen eigenen Krankheitswert. Es lägen keine neuropsychologischen Funktionsstörungen vor und die Versicherte könne aus neuropsychologischer Sicht die kognitiven Anforderungen ihrer angestammten Berufstätigkeit im ersten Arbeitsmarkt bewältigen (S. 88 unten).
Bei der psychiatrischen Exploration bestünden im objektiven psychopathologi
schen Befund keine psychopathologischen Auffälligkeiten. Analog den Para
metern der funktionellen Leistungsfähigkeit bestünden keine Einschränkungen der Aktivität und Partizipation. Aufgrund der angegebenen diffusen körperli
chen Schmerzen und der diffusen Missempfindungen ohne ausreichende Erklärbarkeit durch ein somatisches Korrelat bestehe die Diagnose einer undif
ferenzierten Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.1). Die Ausprägung dieser Störung sei als objektiv leicht einzustufen. Die gutachterliche
Konsistenzprü
fung ergebe Hinweise auf nicht im geklagten Umfang vorhandene Funktionsbe
einträchtigungen. Die Versicherte sei auf psychiatrischem Fachgebiet für alle Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt 100%ig arbeitsfähig (S 89 oben).
Zusammenfassend und unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde sei die Versicherte aus rheumatologischer Sicht für die angestammte Tätigkeit als Köchin nicht mehr arbeitsfähig. Für eine dem Leiden optimal angepasste, wechselbelastende Tätigkeit, ohne repetitives Heben und Tragen von Lasten über 15 kg sei die Versicherte aufgrund der HWS-Beschwerden und der vermehrt notwendigen Pausen zu 80 % arbeitsfähig. Dies gelte auch für die Tätigkeit als Sozialbegleiterin. Aus chirurgisch-allgemeinmedizinischer, neuro
logischer und psychiatrischer Sicht sei die Versicherte zu 100 % arbeitsfähig. Aus neuropsychologischer Sicht könne die Versicherte die kognitiven Anforde
rungen ihrer angestammten Tätigkeit als Köchin sowie die Anforderungen von Tätigkeiten mit ähnlichem Profil bewältigen (S. 89 Ziff. 7.4).
Das aktuell ermittelte Belastbarkeitsprofil gelte seit der aktuellen Begutachtung. Seit der Begutachtung im A._ im Jahr 2002 sei eine Besserung der Beschwerden eingetreten (S. 89 Ziff. 7.5). Die
Versicherte
habe
das Pensum als Sozialbe
treuerin auf 70
%
steigern
können und habe in den letzten zwei Jahren in einem Pensum von 60 % mit einer Freundin ein Restaurant geführt und sei dort als Köchin tätig gewesen (S. 89 f.). Dieses Pensum sei langfristig offenbar zu belastend, was die Einschätzung bestätige, dass die Tätigkeit als Köchin nicht mehr zumutbar sei. Die jetzt erhobenen Befunde hätten sich im Vergleich zu den Voruntersuchungen verbessert, dies sowohl auf rheumatologischem wie auf neuropsychologischem Fachgebiet. Zu welchem Zeitpunkt eine Verbesserung eingetreten sei, lasse sich retrospektiv nicht festlegen. Immerhin sei im Januar 2006 neuropsychologisch eine Verbesserung der
vorbestehenden leichten bis mittelschweren Hirnfunktionsstörung festgestellt worden. Weshalb Dr. B._ sich 2007 bei seiner fachfremden Festlegung eines Integritäts
schaden auf einen veralteten Bericht abgestützt habe, bleibe unklar (S. 90 oben).
4.3.5
Die HWS-Beschwerden hätten insofern objektiviert werden können, als dass eine gewisse Einschränkung der Beweglichkeit wiederholt durch verschiedene Untersucher festgestellt worden sei. Das Ausmass der Beschwerden lasse sich aber dadurch allein nicht erklären (S. 91 Ziff. 5).
4.3.6
Der Unfall sei nicht die einzige Ursache der festgestellten Gesundheitsstörung (S. 91 Ziff. 6.1). Die aktuell bestehenden Nackenbeschwerden seien aus rheu
matologischer Sicht überwiegend wahrscheinlich als Endzustand des Unfalls zu betrachten. Die weiteren Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule, die Misch
kopfschmerzen und die undifferenzierte Somatisierungsstörung seien über
wiegend wahrscheinlich unfallfremd (S. 92 Ziff. 6.2).
Bezüglich der Mischkopfschmerzen müsse davon ausgegangen werden, dass diese überwiegend wahrscheinlich auch ohne Unfall aufgetreten wären. Bezüg
lich der psychiatrischen Diagnose könne diese Frage nicht plausibel beantwortet werden. Der Status quo sine sei überwiegend wahrscheinlich vor zirka 7 Jahren erreicht gewesen (S. 92 Ziff. 6.5).
4.3.7
Die Versicherte sei in der Tätigkeit als Sozialbegleiterin krankheitsbedingt zu 80 % arbeitsfähig (S. 93 Ziff. 9.2), dies ebenfalls für - näher umschriebene - wechselbelastende Tätigkeiten (S. 94 Ziff. 9.4).
Schliesslich führten die Gutachter aus, entsprechend der Verbesserung der rheu
matologischen und neuropsychologischen Befunde sähen sie sich veranlasst, eine im Vergleich zum Vorgutachten des A._ deutlich erhöhte Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
von 80 % zu attestieren. Ansonsten hätten sich keine Änderungen ergeben, die eine andere Beurteilung der Kausalität oder der Behandlungsbedürftigkeit begründen würden (S. 95 Ziff. 10.2).
5.
5.1
Vorab stellt sich die Frage, ob organisch ausgewiesene Unfallfolgen vorliegen.
Dr. Z._ nannte im April 2015 als Beschwerden eine Einschränkung der HWS
Beweglichkeit und Kopfschmerzen (vorstehend E. 4.1). Im Y._-Gutachten wur
den die Nackenschmerzen als Endzustand des Unfalls bezeichnet, alle übrigen Beschwerden hingegen als unfallfremd eingestuft (vorstehend E. 4.3.6). Bezüg
lich der Nackenschmerzen bestehe auf neurologischem Fachgebiet keine erkennbare organpathologische Ursache (vorstehend E. 4.3.4). Die HWS-Be
schwerden hätten insofern objektiviert werden können, als verschiedene Untersucher eine gewisse Einschränkung der Beweglichkeit festgestellt hätten (vorstehend E. 4.3.5).
Es ist somit davon auszugehen, dass die Y._-Gutachter die eingeschränkte HWS-Beweglichkeit und die Nackenschmerzen als Unfallfolge einstuften. Sie hielten aber auch fest, dass neurologisch keine organpathologische Ursache dafür feststellbar sei, und erachteten die Beschwerden als insofern objektiviert, als verschiedene Untersucher eine eingeschränkte Beweglichkeit festgestellt hätten.
Als organisch ausgewiesen im Sinne der Rechtsprechung (vorstehend E. 1.5) können die Nackenbeschwerden und die eingeschränkte HWS-Beweglichkeit somit nicht eingestuft werden, fehlt doch gerade jeder bildgebende Nachweis einer organischen Verursachung.
5.2
Demzufolge hängt die allfällige Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin davon ab, ob die verbleibenden Beschwerden noch in
rechtsgenüglichem
Kausalzu
sammenhang
mit dem erlittenen Unfall stehen, womit nach Massgabe von BGE 134 V 109 (vorstehend E. 1.3) in erster Linie die Adäquanz zu prüfen ist. Der massgebende Zeitpunkt dieser Prüfung ist das Erreichen des medizinischen End
zustands (vorstehend E. 1.4). Gemäss den Angaben im Y._-Gutachten war der Status quo sine vor zirka 7 Jahren, mithin im Jahr 2008, erreicht. Seither steht einer Adäquanzprüfung - also auch insbesondere im Zeitpunkt der dem hier angefochtenen Entscheid zugrundeliegenden Verfügung - nichts entgegen.
5.3
Die Beschwerdegegnerin hat den Unfall als mittelschwer im mittleren Bereich eingestuft (Urk. 6/250 S. 3 Mitte). Dies wurde nicht beanstandet und ist auch im Lichte der Rechtsprechung (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_169/2007 vom 5. Februar 2008 E. 4.2, 8C_743/2007 vom 14. Januar 2008 E. 6, U 213/06 vom 29. Oktober 2007 E. 7.2, U 258/06 vom 15. März 2007 E. 5.2, U 492/06 vom 16. Mai 2007 E. 4.2) zutreffend.
Somit sind die gemäss der Rechtsprechung massgebenden Kriterien (vorstehend E. 1.3) zu prüfen und die Adäquanz wird bejaht, wenn mindestens deren drei (oder eines in ausgeprägter Weise) erfüllt sind.
5.4
Beim Unfall vom 1. September 2000 handelte es sich um eine Heckauffahrkolli
sion (vorstehend E. 3.1). Deren einzige Auffälligkeit besteht darin, dass sie sich auf einer Autobahn ereignete, weshalb die beiden beteiligten Fahrzeuge mit erheblicher Geschwindigkeit unterwegs waren. Besonders dramatische Begleit
umstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls lassen sich daraus nicht ableiten.
Die einzigen echtzeitlich diagnostizierten Beeinträchtigungen waren eine HWS
Distorsion und eine Commotio cerebri (vorstehend E. 3.3). Somit fehlt es an der Schwere oder einer besonderen Art der erlittenen Verletzungen.
Ärztliche Konsultationen finden im Abstand von zwei bis sechs Monaten statt (vorstehend E. 4.3.2). Dies stellt
keine fortgesetzt spezifische, belastende ärztli
che Behandlung dar.
Die Nackenbeschwerden und eine eingeschränkte HWS-Beweglichkeit als ein
zige dem Unfall zuzuordnende Beeinträchtigungen vermögen das Kriterium erheblicher Beschwerden nicht zu erfüllen.
Für eine allfällige ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, einen schwierigen Heilungsverlauf oder erhebliche Kom
plikationen gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Diese Kriterien sind nicht erfüllt.
Ob mit einer Arbeitsfähigkeit von 60 % das Kriterium einer erheblichen Arbeits
unfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen - wenn auch nicht in ausge
prägter Weise - erfüllt ist, wovon die Beschwerdegegnerin ausgegangen ist (Urk. 2 S. 6 oben), kann schliesslich offen bleiben, da auch in diesem Fall nur ein Kriterium erfüllt wäre, was zur Verneinung der Adäquanz führt.
5.5
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass im Zeitpunkt der dem angefochte
nen Entscheid zugrundeliegenden Verfügung zwischen den noch vorhandenen Beschwerden und dem Auffahrunfall von 2000 mangels Adäquanz kein
rechts
genüglicher
Kausalzusammenhang mehr besteht. Dementsprechend endet die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin.
Der angefochtene Entscheid erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.