Decision ID: c9ac4c90-2a02-43e5-ac81-c9147b2cd7c1
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 8. Februar 2022 in die Schweiz einreiste,
wo er gleichentags im Bundesasylzentrum (BAZ) B._ um Asyl nach-
suchte,
dass er anlässlich der Befragung (Erstbefragung unbegleiteter minderjäh-
riger Asylsuchender [EB UMA]) vom 1. März 2022 sowie der Anhörung zu
den Asylgründen vom 18. März 2022 zur Begründung des Asylgesuchs im
Wesentlichen geltend machte, sein Vater sowie sein Onkel väterlicherseits
seien Leibwächter eines Richters gewesen, weshalb die Taliban nach der
Machtübernahme immer wieder nach ihnen und ihren Waffen gesucht
habe,
dass sie die Familie des Beschwerdeführers dazu wiederholt aufgesucht
und ihn mehrmals geschlagen habe,
dass die Taliban auch nach der Ausreise des Beschwerdeführers weiter
nach seinem Vater und seinem Onkel gefragt und seine Brüder unter Druck
gesetzt habe,
dass ihn die Vorinstanz mit Zuteilungsentscheid vom 25. März 2022 dem
erweiterten Verfahren zuwies,
dass die Vorinstanz mit Verfügung vom 12. Mai 2022 – eröffnet am 16. Mai
2022 – die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneinte, sein
Asylgesuch vom 8. Februar 2022 ablehnte und die Wegweisung aus der
Schweiz anordnete, wobei sie den Vollzug wegen Unzumutbarkeit zu
Gunsten einer vorläufigen Aufnahme aufschob,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 13. Juni 2022 gegen diese
Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhob und bean-
tragte, die Dispositivziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung seien auf-
zuheben, seine Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen und ihm sei Asyl zu
gewähren,
dass er in prozessualer Hinsicht um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege inkl. Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und
um unentgeltliche Rechtsverbeiständung ersuchte,
dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am
14. Juni 2022 in elektronischer Form vorlagen (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG),
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und das Bundesverwaltungsgericht erwägt,
dass es auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend –
endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM
entscheidet (Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten (vgl. BVGE
2014/26 E. 5),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb das Urteil
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl gewährt (Art. 2 Abs. 1
AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG),
dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft
gemacht werden muss (Art. 7 AsylG),
dass das SEM seinen Asylentscheid im Wesentlichen mit der mangelnden
flüchtlingsrechtlichen Relevanz der geltend gemachten Reflexverfolgung
begründete,
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dass der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe ausführlich die
Richtigkeit der asylrechtlichen Argumentation der Vorinstanz bestritt, zumal
aufgrund der Tätigkeit seines Vaters und seines Onkels und der nunmehr
akzentuierten Gefährdungslage durchaus eine politisch motivierte Bedro-
hungslage vorliege,
dass das Gericht nach Durchsicht der Akten zum Schluss gelangt, dass
das SEM in seiner Verfügung mit überzeugender Begründung zu Recht zur
Erkenntnis gelangt ist, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den
Anforderungen von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit
nicht zu genügen vermögen,
dass auf die Erwägungen des SEM verwiesen werden kann und es dem
Beschwerdeführer in der Beschwerde nicht gelingt, diesen Argumenten et-
was Stichhaltiges entgegenzusetzen,
dass die subjektive Furcht des Beschwerdeführers vor den Taliban zwar
durchaus verständlich erscheint, es ihm aber nicht gelingt, eine objektiv
begründete Furcht vor asylrelevanten Problemen mit den Taliban aufzuzei-
gen,
dass der Beschwerdeführer nicht geltend machte, persönlich in den Fokus
der Taliban geraten oder mit diesen Probleme gehabt zu haben
(vgl. A12/10 F7.01 und A16/8 F42 und F49),
dass er in der Beschwerdeschrift denn auch eingesteht, das Interesse der
Taliban bestehe vorwiegend an seinem Vater und seinem Onkel,
dass er gemäss eigenen Angaben und trotz der geltend gemachten Schi-
kanen durch die Taliban bis zu seiner Ausreise (offensichtlich) unbehelligt
seinem Alltag nachgehen und zur Schule gehen konnte (vgl. A12/10
F1.17.04),
dass insbesondere keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine Reflexver-
folgung des Beschwerdeführers aufgrund der (lediglich behaupteten) Leib-
wächtertätigkeit seiner Verwandten vorliegen,
dass zudem alle übrigen Familienangehörigen des Beschwerdeführers
(Mutter und Geschwister) im Heimatstaat verblieben sind (vgl. A12/10
F3.01 und F3.03, A16/8 F45), was diese Einschätzung bestätigt,
dass somit keine konkrete Bedrohungssituation des Beschwerdeführers
ersichtlich ist,
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dass darüber hinaus die Aussagen, der angeblich durch die Taliban ver-
folgte und sich bislang versteckt haltende Vater respektive Onkel des Be-
schwerdeführers sei mittlerweile «nach Hause gekommen» (vgl. A12/10
F3.01), obgleich die Taliban die Familie auch weiterhin aufgesucht habe
(vgl. 16/8 F36), widersprüchlich erscheinen respektive gegen eine Furcht
vor Verfolgung sprechen,
dass ausserdem das Vorbringen, die Taliban hätten nunmehr die jüngeren
Geschwister des Beschwerdeführers körperlich angegangen (vgl. A16/8
F42) nachgeschoben wirkt,
dass obgleich die Vorinstanz die Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers
nicht in Frage stellte aufgrund des Gesagten das Gericht Zweifel an der
Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG hegt, wobei die Glaubhaftigkeit letzt-
lich offen bleiben kann,
dass daran auch die Argumentation in der Beschwerdeschrift, entspre-
chend dem für minderjährige Asylsuchende geltenden tieferen Beweis-
mass habe der Beschwerdeführer seine Vorbringen nachvollziehbar dar-
gelegt, nichts zu ändern vermag,
dass das Gericht denn auch zum Schluss gelangt, dass – auch unter Be-
rücksichtigung der aktuellen Lage – nicht ersichtlich ist, inwiefern die Tali-
ban am Beschwerdeführer ein flüchtlingsrechtlich relevantes Interesse ha-
ben sollten,
dass der Hinweis in der Beschwerdeschrift auf Personengruppen, deren
Gefährdungslage sich seit der Machtübernahme durch die Taliban akzen-
tuiert habe, diese Einschätzung nicht in Frage stellt, da weder aus der Be-
schwerde noch aus den Akten ersichtlich wird, inwiefern der Beschwerde-
führer einer besonders gefährdeten Personengruppe angehören könnte,
dass es dem Beschwerdeführer auch unter Berücksichtigung der aktuellen
Lage in Afghanistan somit nicht gelingt, die Flüchtlingseigenschaft nachzu-
weisen oder zumindest glaubhaft zu machen, weshalb das Staatssekreta-
riat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat,
dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein sol-
ches in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44
AsylG), vorliegend insbesondere der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung
erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.), weshalb die verfügte
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Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und
demnach vom Staatssekretariat ebenfalls zu Recht angeordnet wurde,
dass sich aus den Erwägungen ergibt, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,
dass die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung (Art. 65 Abs. 1 VwVG und
Art. 102m Abs. 1 lit. a AsylG) ungeachtet der ausgewiesenen Mittellosigkeit
des Beschwerdeführers abzuweisen sind, da seine Begehren – wie sich
aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu gelten ha-
ben, womit die kumulativen Voraussetzungen im Sinne von Art. 65 Abs. 1
VwVG nicht erfüllt sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG), gestützt auf
Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR
173.320.2) jedoch auf die Erhebung von Verfahrenskosten vom noch min-
derjährigen Beschwerdeführer zu verzichten ist,
dass das Gesuch um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses mit
dem vorliegenden Direktentscheid gegenstandslos wird.
(Dispositiv nächste Seite)
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Considerations: