Decision ID: e7686e77-f186-4095-b297-f7df30808669
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Mit
Schadenmeldung UVG vom 3. Mai 2019
teilte die
Y._
GmbH der Suva
mit
, dass
der
1992 geborene
X._
seit dem
1.
August 2018 als Hilfs
arbeiter bei der
Y._
GmbH angestellt sei und am 2
0.
August 2018 bei einem Ver
kehrsunfall eine Gehirnerschütterung, Quetschung sowie Stauchung der Wirbel
säule erlitten habe
(
Urk.
8/1
).
Die Unfallmeldung an die
Kranken- und Unfall
versicherung
Concordia
(nachfolgend: Concordia)
war
bereits am 20.
September 2018
erfolgt
(
Urk.
8/80
/3-4
).
Die Suva erbrachte v
orerst die gesetzlichen Leistun
gen (Heilbehandlung und Taggeld
;
Urk.
8/39/4-5)
,
veranlasste ein Aussendienst-Gespräch, welches am 16. August 201
9 in der Agentur in Z._
durchge
führt wurde (
Urk.
8/52
)
,
und
holte
verschiedene Unterlagen ein (
Urk.
8/60,
Urk.
8/61,
Urk.
8/62, Urk.
8/63
und
Urk.
8/73).
Mit Schreiben vom 27. September 2019 (Urk. 8/74) teilte die Suva dem Versi
cherten mit, dass die Haftungsfrage auf Grund neu bekannt gewordener Tat
sa
chen überprüft und die Ausrichtung weiterer Versicherungsleistungen unter
bro
c
hen werde.
Namentlich das Sozialver
sicherungszentrum Thurgau (Urk.
8/77), die
Arbeitgeberin des
Versicherten
(
Urk.
8/79)
und
die
Concordia
(
Urk.
8/80/3-4
)
reichten
in der Folge
nach Aufforderung durch die Suva weitere Unterlagen ein (vgl. auch
Urk.
8/76
und
Urk.
8/78)
.
Mit Verfügung vom
9.
Oktober 2019 (
Urk.
8/81) verneinte die Suva ihre Leis
tungs
pflicht für das gemeldete Schadenereignis und forderte vom Versicherten die bereits erbrachten Leistungen im Umfang von Fr. 48'320.-- mit der Begrün
dung
zurück
, ein Arbeitsverhältnis zwischen ihm und der
Y._
GmbH sei nicht nachgewiesen. Die vom Versicherten gegen diesen Entscheid erhobene Ein
sprache vom
6.
November 2019 (
Urk.
8/97) wies die Suva mit
Einspracheent
schei
d
vom 3
0.
Juni 2020 ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
2.
September 2020 (
Urk.
1)
unter Einreichung diverser Unterlagen (
Urk.
3/2 und
Urk.
3/4-13)
Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom
9.
Oktober 2019
(richtig: der
Einspracheentscheid
vom 3
0.
Juni 2020)
sei aufzuheben, ihm seien ab
dem
23. August 2018 bis auf Weiteres Leis
tungen der obligatorischen Unfallversicherung auszurichten, namentlich Taggel
der und Heilungskosten (S. 2).
Am 1
6.
Oktober 2020 (
Urk.
7) beantragte die Suva die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1
9.
Oktober 2020 (
Urk.
9) zur Kenntnis gebracht wurde.
Mit Schreiben vom 1
4.
Januar 2021 (
Urk.
10)
brachte die Suva
weitere
Einwände
vor und reichte zusätzliche Unterlagen (
E-Mailverkehr und Einstellungs
verfü
gung
de
s
Statthalteramts;
Urk.
11/1-2) ein
(vgl. auch die nachträglich
ein
gereicht
e
E-Mail-
Korrespondenz
,
Urk.
14/1-2). Mit Schreiben vom
9.
Februar 2020 (richtig: 2021;
Urk.
15) nahm der Beschwerdeführer unter Beilage weiterer Unterlagen
(
Urk.
16/1-2) Stellung zur Eingabe der Beschwerdegegnerin vom 14.
Januar 202
1
.
Am 1
8.
Februar 2021 (
Urk.
19) verzichtete die Suva auf die Einreichung einer Stellungnahme und verwies auf ihre Beschwerdeantwort vom 3
0.
Juni 2020, was dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 2
2.
Februar 2021 (
Urk.
20) zur Kennt
nis gebracht wurde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. Septembe
r 2015 beziehungsweise am
9. No
vember 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes
über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversiche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
2
0.
August 2018
ereignet, weshalb die
am
1.
Januar
2017
in Kraft getretenen Normen
auf den vorliegenden Fall An
wendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Nach Art. 1a Abs. 1 UVG sind die in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmer, einschliesslich der Heimarbeiter, Lehrlinge, Praktikanten, Volontäre sowie der in Lehr- oder Invalidenwerkstätten tätigen Personen, obligatorisch nach den Be
stimmungen des UVG versichert.
1.3
Als Arbeitnehmer
nach
Art.
1
a
Abs.
1 UVG
gilt nach
Art.
1 UVV, wer eine unselbstständige Erwerbstätigkeit im Sinne der Bundesgesetzgebung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHV) ausübt. Die Rechtsprechung hat im Sinne leitender Grundsätze als Arbeitnehmer gemäss UVG bezeichnet, wer um des Erwerbs oder der Ausbildung willen für einen Arbeitgeber, mehr oder weniger untergeordnet, dauernd oder vorübergehend tätig ist, ohne
hiebei
ein eigenes wirtschaftliches Risiko tragen zu müssen (BGE 115 V 55 E. 2d S. 58 f.; ebenso SVR 2012 UV Nr. 9 S. 32, 8C_503/2011 E. 3.4). Im Regelfall besteht zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ein Arbeitsvertrag gemäss
Art.
319 ff.
des Bun
desgesetzes über das Obligationenrecht (
OR
)
oder ein öffentlich-rechtliches An
stellungsverhältnis. Sind solche Rechtsverhältnisse gegeben, besteht kaum Zweifel,
dass es sich um einen Arbeitnehmer gemäss UVG handelt. Das Vorhandensein eines Arbeitsvertrages wird jedoch für die Annahme der Versicherteneigenschaft gemäss
Art.
1a
Abs.
1 UVG nicht vorausgesetzt. Liegt weder ein Arbeitsvertrag
noch ein öffentlich-rechtliches Anstellungsverhältnis vor, gilt es unter Würdi
gu
ng der wirtschaftlichen Umstände in ihrer Gesamtheit zu beurteilen, ob die Arbeit
nehmereigenschaft gegeben ist. Entscheidend für die Bejahung der Arbeitneh
mereigenschaft nach
Art.
1a UVG ist, ob geleistete Arbeit, ein Unterordnungs
verhältnis und die Vereinbarung eines Lohnanspruchs in irgendeiner Form vor
liegen (BGE 115 V 55 E.
2d S.
59; vgl. auch Urteile 8C_500/2018 vom 1
8.
September 2019 E. 3 mit Hinweisen; 8C_183/2014 vom 2
2.
September 2014 E. 7.1). Für die Versicherungsunterstellung ist grundsätzlich die Bejahung eines Lohnanspruchs relevant. Einer tatsächlichen Lohnauszahlung bedarf es hingegen nicht (
Urteil des Bundesgerichts 8C_538/2019 vom 2
4.
Januar 2020 E. 2.3
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) damit, dass
aufgrund der vielen Ungereimtheiten nicht
rechtsgenüglich
bewiesen sei
, dass
der Beschwerdeführer
im Zeitpunkt des Unfalls
für die
Y._
GmbH
zu den in der Schadenmeldung angegebenen Konditionen
tätig gewesen sei (S.
8 und S.
9).
Anlässlich der polizeilichen Befragung habe der Beschwerdeführer als Beruf «Student» angegeben, habe seine Krankenkasse nie um Ausschluss der Unfalldeckung ersucht und habe bei der Unfallmeldung gegenüber der Kranken
kasse «niemanden» als letzten Arbeitgeber angegeben. Seine Ehefrau habe gegen
über dem Steueramt angegeben, der Beschwerdeführer sei im März 2018 aus dem Ausland zugezogen und habe seit seinem Zuzug nicht gearbeitet bzw. sei auf Stellensuche gewesen. Zahlungen der
Y._
GmbH an den Beschwerde
führer seien erst im Mai 2019 erfolgt. Auch
h
insichtlich de
r Angaben zum Auf
enthalt
am
Unfallort
und zur gewählten Route
würden sich Ungereimtheiten ergeben und die Angaben zum Datum der Anstellung seien widersprüchlich. Der Beschwerdeführer habe angegeben, der Unfall habe sich an seinem ersten Arbeits
tag ereignet, gemäss Schadenmeldung sei er aber ab dem
1.
August 2018 ange
stellt gewesen (S. 8).
Die Revision sei im vorliegenden Fall
zudem
zulässig ge
wesen und die verfügte revisionsweise Rückforderung von Taggeldleistungen im Betrag von
Fr.
48'328.-- sei rechtens (S. 10).
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
7) hielt sie ergänzend fest, der Beschwerde
füh
rer
habe
auch anlässlich der polizeilichen Einvernahme zwei Tage nach dem Un
fall implizit das Nichtbestehen eines Arbeitsverhältnisses bestätigt und zur Frage über seine gesamten Nettoeinkünfte «Nichts» angegeben. Es gebe durchaus plau
sible Gründe dafür, weshalb der Beschwerdeführer so früh morgens unterwegs gewesen sei. Gemäss
Einvernahmeprotokoll
der Polizei habe er auch am Tag des Unfalls wieder
zu seinem Onkel nach A._
gehen wollen, da dieser in ein neues Eigenheim gezogen sei, nachdem er dieses renoviert habe.
Plausibel sei etwa, dass die Renovationsarbeiten noch nicht ganz abgeschlossen gewesen seien
und der stellenlose Beschwerdeführer seinem Onkel Hilfe angeboten habe (S. 1 f.
).
In ihrer Eingabe vom 1
4.
Januar 2021 (
Urk.
10) bracht
e
die Beschwerdegegnerin zudem vor, dass es nicht plausibel sei, weshalb die Anmeldung bei der Pensions
kasse vom
1.
Dezember 2018 datiere,
da
die nachträgliche Anmeldung erst im Mai 2019 erfolgt sei. Auch wenn der erste Arbeitstag am Unfalldatum gewesen sei, so habe der Ferienanspruch bis zum 1
9.
August 2019 zeitnah ausbezahlt werden müssen. In einer E-Mail werde von einer Stelle im diplomatischen Dienst des Kosovo gesprochen, wobei nicht klar sei, ob der Beschwerdeführer zum Zeit
punkt des Unfallere
i
gnisses bereits via Kosovo unfallversichert gewesen sei. Es würden sich ausserdem nirgend
s
zeitnahe Hinweise in den Akten finden, dass sich der Beschwerdeführer auf dem Weg zur Arbeit befunden habe
,
als der Unfall geschehen sei (S. 1 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
der Arbeitsvertrag zwischen ihm und der
Y._
GmbH sei mündlich ge
schlos
sen worden. Der Vorhalt, dass er seine Krankenkasse nicht um Ausschluss der Unfalldeckung ersucht habe, sei lebensfremd und könne nicht gegen ihn aus
gelegt werden. Ihm sei die
se
Möglichkeit
schlicht
nicht bekannt gewesen (S
.
5).
Als erster Arbeitstag sei der 2
0.
August 2018 bestimmt worden und es sei geplant gewesen, dass er zusammen mit seinem Onkel
(und Teilhaber der
Y._
GmbH)
zur Baustelle fahre. Dieser wohne in
A._
, womit sich die angebliche Ungereimtheit betreffend die Rout
e erklären lasse. Er sei am 19.
August 2018 bereits bei seinem Onkel in
A._
gewesen, um dessen frisch renoviertes Haus zu
besichtigen (S. 6).
Alleine der Unfallzeitpunk um 06.21 Uhr weise deutlich darauf hin, dass er auf dem Weg zur Arbeit respektive auf dem Weg zu seinem
Onkel gewesen sei, um mit ihm zur Arbeit zu fahren. Es gebe keinen anderen pla
u
siblen Grund, weshalb er so früh morgens mit dem Firmenfahrzeug der
Y._
GmbH unterwegs gewesen sein soll (S. 7 f.).
Als kleines Unternehmen ohne geschulte Personalabteilung sei die
Y._
GmbH davon ausgegangen, dass sich der Unfall vor Beginn des Arbeitsverhältnisses ereignet habe und habe aus diesem Grund keine Schadenmeldung eingereicht. Aus diesem Grund habe er ge
genüber der Krankenkasse angegeben, vor dem Unfall bei niemandem gearbeitet zu haben (S. 8).
Wenn zwischen ihm und der
Y._
GmbH kein Arbeits
verhältnis bestanden hätte, hätte die Rechtsvertreterin der
Y._
GmbH sicherlich nicht das Bestehen eines Arbeitsverhältnisses bestätigt oder einen nichtexistierenden Arbeitsvertrag per Mai 2019 gekündigt (S. 9). Es habe von ihm nicht erwartet werden können, dass er die faktische von der juristischen Situation unterscheiden könne. Da er am Unfalltag faktisch noch nicht gearbeitet habe, sei die Angabe gegenüber dem Steueramt, er habe seit seinem Zuzug im März 2018 nicht gearbeitet, wa
h
rheitsgetreu und vollständig
gewesen
(S. 11 f.).
Angebliche Widersprüche gegenüber der Krankenkasse, der Beschwerdegegnerin und dem Steueramt würden ausschliesslich auf mangelnden Kenntnissen über den juris
tisch korrekten Sachverhalt beruhen.
Innerhalb seines Verständnisses habe er
je
doch stets kohärent und konsistent ausgesagt (S. 14).
In seiner Stellungnahme (
Urk.
15) hielt er ergänzend fest, dass die Anmeldung bei der Pensionskasse vom
1.
Dezember 2018 datiere
,
sei damit zu erklären, dass die Anmeldung durch die Frau des Teilhabers durchgeführt worden sei und es sich um einen Flüchtigkeitsfehler handle (S. 2 f.).
Hinsichtlich der Stelle im diplo
matischen Dienst des Kosovo sei es zu einem Missverständnis gekommen und er sei dort nie angestellt gewesen (S. 5).
Am Unfallort sei die Information über seine Arbeitsstelle verständlicherweise völlig irrelevant gewesen, weshalb die Schluss
folgerungen der Beschwerdegegnerin betreffend die polizeilichen
Einvernahme
proto
kolle
und das Rettungsprotokoll lebensfremd seien (S. 6 f.).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Unfalls vom 2
0.
August 2018 nach dem Beweisgrad der üb
erwiegenden Wahrscheinlichkeit
Arbeitnehmer der
Y._
GmbH und damit bei der Beschwerdegegnerin gegen die Folgen des fraglichen Unfalls versichert war und ob er – sofern für die Ereignisse
keine Versicherungsdeckung bestand – die erbrachten Versicherung
s
leistungen von Fr. 48'328.-- zurückzuerstatten hat.
3.2
Gemäss Angaben der
Y._
GmbH und des Beschwerdeführers
war
per 1.
August 2018 ein mündlicher Arbeitsvertrag
zwischen dem Gesellschafter
B._
und dem Beschwerdeführer
geschlossen worden
(
Urk.
1 S. 5,
Urk.
8/79)
.
Gemäss Schreiben der Rechtsschutzversicherung der
Y._
GmbH vom 8.
Juli 2019 (
Urk.
8/79)
war
zwischen den beiden gleichberechtig
t
en und einzel
zeichnungsberechtigten Gesellschaftern
B._ und C._
(
Handels
re
gisterauszug Kanton Schwyz vom
2.
September 2020;
Urk.
3/4) lange Zeit nicht klar gewesen, ob mit dem Beschwerdeführer ein Arbeitsvertrag zustande ge
kom
men
war
. Entgegen
den Angaben
des Beschwerdeführers, wonach keine Zweifel über das Bestehen des Arbeitsverhältnisses bestanden
hätten
(
Urk.
1 S. 5),
ist
den Akten
damit
jedoch
Gegenteiliges
zu entnehmen, da diesbezüglich ausdrücklich Unklarheiten bestanden haben (
Urk.
8/79)
.
D
er Beschwerdeführer
gab
gegenüber der Concordia
in der Schadenmeldung
vom
20.
September 2018 (
Urk.
8/80/3-4
) an, am 2
0.
August 2018 einen Unfall erlitten zu haben, nannte jedoch keinen Arbeitgeber.
D
ie Frage «Bis
w
ann und bei wem haben Sie vor d
em Unfall letztmals
gearbeitet?
»
beantwortete er mit «nieman
dem». Auch Angaben zum Namen des Arbeitgebers,
zur
Arbeitszeit pro Woche oder
zur
Telefonnummer
machte
der Beschwerdeführer
keine
(S. 1).
Diese
Äusse
rungen
stimmen auch mit der polizeilichen Einvernahme vom 2
2.
August 2018 (
Urk.
3/5) überein, im Rahmen welcher der Beschwerdeführer unter Punkt 5 sein
en Tages
ablauf am Tag vor dem Unfall und
bis
zum Unfallzeitpunkt
ge
schildert
hatt
e. Demnach sei er am Sonntag, 19. August 2018
,
bei seinem Onkel (
B._
) zu Besuch gewesen, da dieser nach der Renovation in ein neues Eigenheim in
A._
gezogen sei. Später habe er bei einem anderen Onkel übernachtet und sei am Morgen wieder losgefahren. Auf die Frage 11, wohin er habe fahren wolle
n
, gab der Beschwerdeführer seinen Onkel in
A._
an, wo er schon am Vortag zu Besuch gewesen sei
(vgl. Frage 5)
. Er kenne die Örtlichkeit gut, da er die Strecke öfters fahre und schon früher oft zu Besuch gewesen sei (Frage 12).
Er verneinte etwaige Nettoeinkünfte (Frage 39) und gab an, seine Frau arbeite als Dentalassistentin (Frage 40).
Weder gegenüber der Concordia noch gegenüber der Polizei machte der Beschwerdeführer somit
Angaben
, welche auf ein bestehendes,
wenn
auch nur mündlich geschlossenes Arbeitsverhältnis hindeuten würden.
Dabei
konnte
er
in der polizeilichen Einvernahme
durchaus
ausführlich schildern, was er am Vortag des Unfalls getan hat
te
, was er gegessen hat
te
und auch die übrigen Angaben sind kohärent. Es ist daher nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer genau die Tatsache, dass er auf dem Weg zu seinem ersten
Arbeitstag
war
, nicht hätte nennen sollen
. Dies steht i
m
Einklang mit der expliziten Verneinung eines
e
twaige
n
Einkommen
s
.
Selbst wenn er zwei Tage nach dem Unfall gegenüber der Polizei keine entsprechenden Angaben machen konnte, so erfolgte die Unfallmeldun
g bei der Concordia erst am 20.
September 2018 (
Urk.
8/80
/
3-4
), mitunter einen Monat
nach
dem Unfall, zu welchem Zeit
punkt zu erwarten
gewesen
wäre, dass er sich an ein bestehendes Arbeitsver
hältnis erinnert
oder diesbezüglich
mit seinem Onkel Kontakt gehabt hätte.
Dass der mündlich geschlossene Arbeitsvert
r
ag in der Zeit von August 2018 bis
März
2019 weder zwischen dem Beschwerdeführer und seinem Onkel, noch zwischen den zwei Gesellschaftern der
Y._
GmbH zur Sprache gekommen ist, erscheint kaum nachvollziehbar
(vgl.
Urk.
8/79 S. 2)
.
Auch
dem Vorbringen
, dass es keine anderen Gründe geben kann, weshalb der Beschwerdeführer seinen Onkel frühmorgens besuchen würde (
Urk.
1 S. 7), kann nicht gefolgt werden, zumal er angegeben hat
,
die Örtlichkeit gut zu kennen und schon häufig dort gewesen zu sein. Es ist daher durchaus
denkbar
, dass er für einen weiteren Besuch dort war
oder das Auto zurückbringen wollte (vgl.
Urk.
8/125)
.
Ebenfalls gegen eine An
stellung spricht die Tatsache, dass dem
Beschwerdeführer
,
entgegen seiner späte
ren Angaben
,
weder nach dem Unfall noch anlässlich der Unfallmeldung bei der Concordia bekannt
war
, dass er per 1. August 2018 angestellt war und bis zum Unfall am 2
0.
August 2018 somit F
erien bezog
en hatte
(
Urk.
15 S. 4).
Die
im Anschluss an den Unfall erfolgten
Angaben stimmen sodann mit der Aussage der Ehefrau des Beschwerdeführers überein, welche gegenüber dem
Steueramt der Gemeinde D._
angegeben
hatte
, der Beschwerdeführer sei erst im März 2018 aus dem Ausland zugezogen, habe seit seinem Zuzug nicht gearbeitet und sei auf Stellensuche gewesen (
Urk.
8/73
). Daraus kann geschlossen werden, dass auch der Frau des Beschwerdeführers nicht bekannt war, dass er mit seinem Onkel
und Gesellschafter der
Y._
GmbH
B._
den geltend gemachten
mündlichen
Arbeitsvertrag geschlossen hatte.
3.3
Ungereimtheiten sind auch diversen anderen Unterlagen zu entnehmen.
Gemäss Auskunft der Pensionskasse
Tellco
vom 1
1.
Mai 2020 (
Urk.
8/120) ging die An
meldung für den Beschwerdeführer am
2.
Mai 2019 (versendet: 30. April 2019)
ein. Die Anmeldung datiert jedoch vom
1.
Dezember 2018 (
Urk.
8/121
) und wurde von E._
, der Ehefrau einer der Gesellschafter unterzeichnet. Als Erklä
rung für die
unklare Rückdatierung reichte der Beschwerdeführer ein Schrei
ben von E._
vom
4.
Februar 2021 (
Urk.
16/1) ein, in welchem sie angibt, sich nicht erinnern zu können, weshalb Anträge oder Formulare ein be
stimmtes Datum hätten, es eine intensive und stressige Zeit gewesen sei und sie
erledige
nur nebenbei Arbeiten für die
Y._
GmbH.
Der Beschwerdeführer führte zudem aus, dass
E._
überfordert gewesen sei und es sich schlichtweg um einen stressbedingten Flüchtigkeitsfehler handle (
Urk.
15 S.
3).
Es trifft zwar zu, dass administrative Fehler der
Y._
GmbH nicht dem Beschwerdeführer angelastet werden dürfen
.
I
n Anbetracht der übrigen Unge
reimt
heiten und der Tatsache, dass es sich bei einem der Gesellschafter um den Onkel des Beschwerdeführers handelt,
darf eine solche nicht erklärbare Rückda
tierung
durchaus mitberücksichtigt werden.
Die Erklärung, wonach es sich um ein weiteres Missverständnis handelt, greift hier zu kurz.
Ebenfalls gegen das Bestehen eines Arbeitsverhältnisses sprechen die bis zur Un
fallmeldung im Mai 2019 nichtexistierenden Lohnzahlungen. Diese wurden näm
lich
für die Zeit von
August 2018 bis Mai
2019 erst am
1
7.
Mai
beziehungswiese
3.
Juni
2019 (Urk.
8/79/5-6
)
rückwirkend in Auftrag gegeben
. Per 3
1.
Mai 2019 wurde dem Beschwerdeführer
ausserdem
das Arbeitsverhältnis
schliesslich ge
kün
digt (Urk.
3/8). Wenn mindestens für einen Gesellschafter, vorliegend
für
den
Onkel des Beschwerdeführers,
B._
, klar gewesen
sein soll
, dass ein münd
licher Arbeitsvertrag geschlossen wurde und der Beschwerdeführer für die Zeit bis zum 2
0.
August 2018 Ferien bezog, so hätte ihm durchaus auch klar sein müssen, dass ein entsprechend vereinbarter Lohn geschuldet ist. Den Akten lassen sich jedoch keine Belege über allfällige
zeitgerechte
Lohnzahlungen entnehmen. Der Einwand des Beschwerdeführers, die
Y._
GmbH habe dies zunächst intern klären müssen und hätte sicher keinen nichtexistierenden Arbeitsvertrag gekündigt, greift hier
ebenfalls
zu kurz. Schliesslich fällt ins Gewicht, dass vor dem Hintergrund der engen persönlichen Beziehung zwischen dem Beschwerde
führer und seinem Arbeitgeber das Missbrauchsrisiko als hoch einzustufen
ist.
Auffällig sind auch die Angaben in der Schadenmeldung UVG vom
3.
Mai 2019 (
Urk.
8/1
), im Rahmen
welcher rückwirkend klare Angaben
über den Beschäfti
gungsgrad und die vorgesehene Arbeitszeit pro Woche gemacht werden konnten.
Dabei handelt es sich um
Informationen, welche dem Beschwerdeführer bei seiner Unfallmeldung am 20.
September 2018 gegenüber der Concordia offensichtlich
(noch)
nicht bekannt waren. Dies spricht ebenfalls gegen ein zum Zeitpunkt des Unfalls
bestandenes
Arbeitsverhältnis.
Alle Ungereimtheiten
und Widersprüche
mit den mangelnden Kenntnissen des Beschwerdeführers über den juristisch kor
rek
ten Sachverhalt zu begründen
(
Urk.
1 S. 14)
, erscheint wenig nachvollziehbar
, ging es doch um die Angabe von
einfachen
Lebensfakten
wie eine getroffene Abmachung oder auf dem Weg zur Arbeit zu sein
.
3.
4
Zusammenfassend lassen sich d
en zeitnah erfolgten Angaben und Belegen, wel
chen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Dar
stel
lungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versi
che
rungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis), keine Hinweise auf ein am 2
0.
August 2018 bestan
denes Arbeitsverhältnis entnehmen.
B
ei darüber hinaus bestehenden Ungereimt
heiten
ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen, dass der Beschwerdeführer Arbeitnehmer der
Y._
GmbH und damit über diesen Betrieb obligatorisch bei der Beschwerdegegnerin versichert
war
.
An diesem Be
weis
ergebnis vermöchten
auch die beantragten Befragungen des Be
schwerde
füh
rers und des Onkels und seiner Frau (
Urk.
1 S. 4 und S. 7 f.) nichts zu ändern, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung zu verzichten ist
(BGE 124 V 90 E. 4b; 122 V 157 E. 1d).
D
amit
ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerde
gegnerin die Versicherungsdeckung für den Unfall vom 2
0.
August 2018
und
den Anspruch auf
Versicherungsleistungen
verneinte
.
4.
4.1
Zu prüfen bleibt die
Rechtmässigkeit der
Rückforderung der bereits geleisteten Versicherungsleistun
gen von Fr. 43'328.-- (Urk. 8/80
S. 3).
4
.2
Nach Art. 25 Abs. 1 Satz 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG)
sind unrechtmässig bezogene Leistungen zu
r
ück
zuerstatten. Rechtsprechungsgemäss gehören Heilbehandlungen und Tag
gel
der
nicht zu den Dauerleistungen nach Art. 17 Abs. 2 ATSG. Der Versiche
rungs
träger kann
des
halb diese Leistungen ohne Berufung auf einen
Wiederer
wägungs
- oder Revisionsgrund „ex
nunc
et pro
futuro
“ einstellen etwa mit dem Argument, bei rich
tiger Betrachtung liege kein versichertes Ereignis vor (BGE 130 V 380 E.
2.3.1). Eine solche Einstellung kann auch rückwirkend erfolgen; etwas
A
nderes gilt für jene Fälle, in denen der Versicherungsträger die zu Unrecht erbrachten Leistungen zurückfordert (BGE 133 V 57 E. 6.8). Eine Rück
for
derung bereits erbrachter Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen ist dem
nach
an die Voraus
set
zung eines
Rückkommenstitels
(Wiedererwägung [wegen zwei
felloser Unrichtig
keit der Leistungserbringung und erheb
licher Bedeutung der Berichtigung; Art. 53 Abs. 1 ATSG] oder prozessuale Revision [wegen vorbestan
dener neuer Tatsachen oder Beweismittel; Art. 53 Abs. 2 ATSG]) geknüpft (vgl. zum Ganzen Urteil des Bun
desgerichts 8C_987/2010 vom 24. August 2011 E. 3.3.1).
Neue Tatsachen und Beweismittel im Sinne von
Art. 53 Abs. 1 ATSG
sind innert 90 Tagen nach ihrer Entdeckung geltend zu machen; nebst dieser relati
ven Frist gilt eine absolute
10-jährige Frist, die mit der Eröffnung der Verfü
gung respektive des
Einsprache
entscheides
zu laufen beginnt (BGE 143 V 105 E. 2.1). Ergeben sich aus den neu entdeckten Tatsachen und Beweismitteln (ledig
lich) gewichtige Indizien für das Vorliegen eines prozessualen Revisionsgrundes, sind innert angemessener Frist zusätzliche Abklärungen vorzunehmen, um dies
bezüglich hinreichende Sicher
heit zu erhal
ten. In solchen Fällen beginnt die re
lative 90-tägige Revisionsfrist erst zu laufen, wenn die Unterlagen die Prüfung der Erheblichkeit des geltend gemach
ten Revisionsgrundes erlauben (Urteil des Bundesgerichts 9C_896/2011 vom 31. Januar 2012 E. 4.2).
4
.3
Die Beschwerdegegnerin
forderte nach der vorsorglichen Leistungs
ei
nstellung
mit Verfügung vom 9.
Oktober 2019
die
bereits ausgerichtete
n
Versicherungsleis
tun
gen im Betrag von
Fr.
48'328.-- zurück.
Die Beschwerdegegnerin
hatte
am 2
4
.
September
2019
(
Urk.
8/
73)
die
eingeforderten Unterlagen des Steueramts
und
am
7.
Oktober 2019
die
zusätzlich
einverlangten
Akten
der Co
ncordia
erhal
ten
(
Urk.
8/80)
. Dabei handelte es
sich
um
neue Tatsachen und Beweismittel
(vgl.
K
ieser
, ATSG-Kommentar, 4. Auflage, Zürich
20
20, N 33 ff. zu Art. 53
ATSG
)
.
Da die Beschwerdegegnerin die
Revision
bereits mit Verfügung vom 9. Oktober 2019 (
Urk.
8/81) geltend gemacht hat, wurde die Frist von 90 Tagen
gemäss
Art.
53
Abs.
1 ATSG ohne Weiteres gewahrt. Der zurückzuzahlende Betrag blieb in
mass
licher
Hinsicht unbeanstandet, und es bestehen keine Anhaltspunkte, dass die Rückforderung insofern fehlerhaft sein könnte.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.