Decision ID: 064785b3-6b6d-518f-8a78-13547e5f9c5a
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamili-
scher Ethnie, erstmals am 14. Mai 2002 in der Schweiz ein Asylgesuch
stellte,
dass das damalige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF; nunmehr BFM) die-
ses Asylgesuch mit Verfügung vom 15. Juli 2002 ablehnte und die Weg-
weisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie den Vollzug an-
ordnete,
dass diese Verfügung unangefochten in Rechtskraft erwuchs,
dass der Beschwerdeführer am 26. März 2007 ein erneutes Asylgesuch
stellte,
dass er durch das BFM am 3. April 2007 summarisch zu den Gründen
seines zweiten Asylgesuchs befragt wurde,
dass er in der Folge für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Grau-
bünden zugewiesen wurde,
dass er durch das Bundesamt am 12. Dezember 2012 eingehend zu den
Gründen seines zweiten Asylgesuchs angehört wurde,
dass das BFM mit Verfügung vom 18. Januar 2013 gestützt auf Art. 32
Abs. 2 Bst. e des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] auf
das Asylgesuch vom 26. März 2007 nicht eintrat und den Vollzug der
Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz anordnete,
dass der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung mit Eingabe seines
Rechtsvertreters vom 30. Januar 2013 beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde erhob,

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls über
Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Verwaltungsverfahrensge-
setzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM entschei-
det (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes
vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32],
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dass es – mit einer vorliegend nicht zutreffenden Ausnahme – endgültig
entscheidet (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),
dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise Änderung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde
legitimiert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 50 und 52 VwVG),
dass mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht die Verletzung
von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden kön-
nen (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird
(Art. 111 Bst. e AsylG),
dass es sich, wie nachstehend aufgezeigt, vorliegend um eine solche
handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begrün-
den ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf die Durchführung des Schrif-
tenwechsels verzichtet wird,
dass sich im vorliegenden Fall die Frage stellt, ob das BFM zu Recht auf
das zweite Asylgesuch des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 32 Abs. 2
Bst. e AsylG nicht eingetreten ist,
dass gemäss dieser Bestimmung auf ein Asylgesuch nicht eingetreten
wird, wenn die asylsuchende Person in der Schweiz bereits ein Asylver-
fahren erfolglos durchlaufen oder ihr Gesuch zurückgezogen hat oder
während des hängigen Asylverfahrens in den Heimat- oder Herkunfts-
staat zurückgekehrt ist, ausser die Anhörung ergebe Hinweise, in der
Zwischenzeit seien Ereignisse eingetreten, die geeignet sind, die Flücht-
lingseigenschaft zu begründen, oder die für die Gewährung vorüber-
gehenden Schutzes relevant sind,
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dass sich die Prüfung von Verfolgungshinweisen im Sinne dieser Bestim-
mung insbesondere von der Glaubhaftigkeitsprüfung im Rahmen einer
materiellen Beurteilung unterscheidet und gestützt auf Art. 32 Abs. 2
Bst. e AsylG nur dann ein Nichteintretensentscheid auszufällen ist, wenn
die Unglaubhaftigkeit der Verfolgungshinweise bereits auf den ersten
Blick erkennbar ist (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri-
schen Asylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 14),
dass bei der Prüfung von Hinweisen auf in der Zwischenzeit eingetretene,
für die Flüchtlingseigenschaft relevante Ereignisse, die gemäss Art. 32
Abs. 2 Bst. e AsylG zum Eintreten auf das zweite Gesuch führen, die
Anforderungen an das Beweismass tief anzusetzen sind (vgl. EMARK
2000 Nr. 14, 2005 Nr. 2), wobei für die Relevanz der geltend gemachten
Verfolgung der Verfolgungsbegriff von Art. 3 AsylG massgeblich ist,
dass auf ein Asylgesuch mithin nicht einzutreten ist, wenn eines der Ele-
mente des Flüchtlingsbegriffs gemäss Art. 3 AsylG offensichtlich nicht
erfüllt ist (vgl. EMARK 2005 Nr. 2 zum Beweismass und zum Verfolgungs-
begriff im Rahmen von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG),
dass der Beschwerdeführer anlässlich seiner Anhörung vom
12. Dezember 2012 im Wesentlichen angab, er habe vor seiner Ausreise
aus Sri Lanka sowohl für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) als
auch für die Eelam People's Democratic Party (EPDP) Transportdienste
geleistet und sei Ende des Jahres 1999 durch die sri-lankische Armee
verhaftet und während eines halben Jahres gefangen gehalten worden,
wobei er gefoltert worden sei,
dass er anschliessend einer Meldepflicht unterworfen gewesen sei,
dass er ausserdem wegen seiner Zusammenarbeit mit der EPDP auch
mit den LTTE Probleme gehabt habe und befürchte, bei einer Rückkehr
deswegen erneut in Schwierigkeiten zu geraten,
dass er zum heutigen Zeitpunkt ausserdem befürchte, in seiner Her-
kunftsregion mit Angehörigen der muslimischen Bevölkerungsgruppe
Probleme zu bekommen, da er vor seiner Ausreise aus Sri Lanka auf An-
weisung der LTTE bei der Vertreibung von Muslimen mitgewirkt habe,
dass er zudem fürchte, bei einer Rückkehr in seine Herkunftsregion
wegen seiner Zusammenarbeit mit den LTTE erneut durch die Armee ver-
haftet zu werden und mit der EPDP in Konflikt zu geraten,
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dass das BFM in der angefochtenen Verfügung verschiedene Wider-
sprüche in den Aussagen des Beschwerdeführers bezüglich dessen Asyl-
gründe aufzählte,
dass sich das Bundesamt im Übrigen darauf beschränkte festzuhalten, es
ergäben sich aus den Akten keine Hinweise, dass nach dem Abschluss
des ersten Asylverfahrens Ereignisse eingetreten seien, die geeignet
wären, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, oder die für die Gewäh-
rung vorübergehenden Schutzes relevant wären,
dass das BFM dabei ausschliesslich wiedergab, womit der Beschwerde-
führer seine Ausreise aus Sri Lanka im Jahr 2002 begründet hatte,
dass es hingegen unerwähnt liess, dass und aus welchen Gründen der
Beschwerdeführer zum heutigen Zeitpunkt im Falle einer Rückkehr nach
Sri Lanka Verfolgungsmassnahmen seitens der sri-lankischen Sicher-
heitskräfte und möglicherweise auch durch die paramilitärische Organisa-
tion EPDP befürchtet,
dass das BFM zudem auch nicht darauf einging, ob und inwiefern sich die
seit dem Ende des Bürgerkriegs in Sri Lanka im Mai 2009 eingetretenen
Veränderungen der Sicherheitslage auf die Beurteilung der Vorbringen
des Beschwerdeführers auswirken,
dass das Bundesamt somit, indem es ausschliesslich auf die Gründe der
ursprünglichen Ausreise des Beschwerdeführers aus Sri Lanka einging,
die unter dem Aspekt von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG zu prüfenden sach-
verhaltsmässigen und rechtlichen Fragen verfehlt hat,
dass ausserdem festzustellen ist, dass das zweite Asylgesuch des Be-
schwerdeführers vom 26. März 2007 datiert und das BFM seinen auf
Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG gestützten diesbezüglichen Entscheid am
18. Januar 2013 fällte,
dass eine derart lange Verfahrensdauer von fast sechs Jahren den
Schluss nahelegt, dass das BFM aufgrund der neuen Vorbringen zu-
nächst davon ausging, dass die Voraussetzungen für einen Nicht-
eintretensentscheid gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG nicht erfüllt
waren,
dass das Vorgehen der Vorinstanz, nach fast sechs Jahren dennoch
gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG einen Nichteintretensentscheid zu
fällen, als widersprüchliches Verhalten zu bezeichnen ist,
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dass nach dem Gesagten die Beschwerde insofern gutzuheissen ist, als
damit die Aufhebung der angefochtenen Verfügung beantragt wird,
dass die Sache ausserdem zu neuer Beurteilung an das Bundesamt
zurückzuweisen ist, das dabei auf das Asylgesuch des Beschwerde-
führers vom 26. März 2007 einzutreten und dieses materiell zu prüfen
haben wird,
dass im Übrigen darauf hinzuweisen ist, dass der Beschwerdeführer
durch seinen Rechtsvertreter verschiedene Verletzungen des rechtlichen
Gehörs rügt,
dass dabei unter anderem geltend gemacht wird, dem Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers sei keine Einsicht in die Akten des ersten Asyl-
verfahrens gegeben worden, obwohl sich das BFM in der angefochtenen
Verfügung auf die damals gemachten Vorbringen beziehe,
dass weiter unter anderem vorgebracht wird, die Unterschriften bezieh-
ungsweise Funktionsbezeichnungen in der angefochtenen Verfügung
seien nicht rechtskonform,
dass diese Rügen nicht von vornherein als unbegründet zu bezeichnen
sind,
dass das BFM insbesondere darauf hinzuweisen ist, dass die in der an-
gefochtenen Verfügung verwendete Bezeichnung "Chef" keinerlei
Rückschlüsse auf die Funktion des betreffenden Mitarbeiters zulässt,
dass es sich indessen angesichts des Ergebnisses des vorliegenden Ver-
fahrens erübrigt, auf die genannten Rügen näher einzugehen,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten zu erheben sind
(Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG),
dass gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG der obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für die
ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zu-
gesprochen werden kann (vgl. für die Grundsätze der Bemessung der
Parteientschädigung ausserdem Art. 7 ff. des Reglements über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom
21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]),
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dass mit der Beschwerdeschrift beantragt wird, es sei dem Rechts-
vertreter vor einer allfälligen Gutheissung der Beschwerde eine Frist zur
Einreichung einer Kostennote zur Bestimmung der Parteientschädigung
anzusetzen,
dass das Bundesverwaltungsgericht den Rechtsvertreter des Beschwer-
deführers in der Vergangenheit mehrfach darauf aufmerksam gemacht
hat, dass Kostennoten unaufgefordert und rechtzeitig einzureichen sind,
dass der genannte Prozessantrag folglich abzuweisen ist,
dass im Übrigen auf die Nachforderung einer Kostennote auch insofern
verzichtet werden kann (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE), als im vorliegenden
Verfahren der Aufwand der Rechtsvertretung zuverlässig abgeschätzt
werden kann, soweit dieser für die Gutheissung der Beschwerde not-
wendig erscheint,
dass somit gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungs-
faktoren (Art. 9-13 VGKE) die Parteientschädigung aufgrund der Akten
auf Fr. 800.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist,
dass dieser Betrag dem Beschwerdeführer durch das BFM zu entrichten
ist.
(Dispositiv nächste Seite)
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