Decision ID: d25a0f45-1dcb-46b4-b81e-7b7da451c7d2
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1977, verfügt über keine Berufsausbildung. Zuletzt
wurde
er
im Juli und August 2005 sowie
von April bis Oktober 2006
durch die
Z._
, Zürich
,
als Hilfsmaler
an Einsatzbetriebe vermittelt
(Urk. 9/6/10 f., 9/11/2).
Am 12. November 2009 meldete er sich unter Hinweis auf eine Hirnblutung mit körperlicher Beeinträchtigung bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 21. März 2011 (Urk. 9/26) wies die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, da
s Leistungsbegehren aufgrund
fehlende
r
Mitwirkung des Versicherten ab.
1.2
Am 9./25. Oktober 2012 (Urk. 9/28, 9/30) meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
und erklärte sich bereit, die ärztliche Behandlung wiederaufzunehmen. In der Folge holte die IV-Stelle
Berichte behan
delnder Arztpersonen (Urk. 9/38, 9/40, 9/58, 9/66, 9/68 f.) ein und zog einen Auszug aus dem Individuellen Konto bei (Urk. 9/32). Mit Vorbescheid vom 6. Juni 2016 (Urk. 9/74) stellte sie dem Versicherten die Abweisung seines Leistungs
begehrens in Aussicht. Dagegen erhob dieser am 7
.
Juli (Urk. 9/78) sowie am 14. September 2016 (Urk. 9/85) Einwände.
Im
Vorbescheidverfahren
holte die
IV-Stelle den Bericht der A._
vom 24. April 2017 ein (Urk. 9/96). Trotz den vom Versicherten erhobenen Einwänden verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 13. Juli 2017 (Urk. 2) einen Leistungsanspruch.
2.
Dagegen erhob der
Versicherte
am 13. September 2017 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Zusprechung eine
r
Invalidenrente ab April 201
3.
Im Sinne eines Eventualantrages beantragte er die Zusprechung beruflicher Massnahmen im Sinn
e
von Integrationsmass
nahmen. In prozessualer Hinsicht stellte er ein Gesuch um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 2).
Zudem reichte er den Bericht der
A._
vom 8. September 2017 (
Urk.
3/4)
ein.
Mit Beschwerdeantwort vom 30. Oktober 2017 (Urk. 8) schloss die Beschwerdegegnerin
auf Abweisung der Beschwerde
. Mit
Re
plik vom 22. Januar 2018 (Urk. 13)
präzisierte
der Beschwerdeführer
seinen
Eventualantrag
und beantragte nebst Integrationsmassnahmen, es sei ihm eine
erstmalige berufliche Ausbildung
zu gewähren
. Zudem legte er
zwei
Dokumente
der
B._
(heute:
C._
)
(Protokoll
vom 2. August 1995
; Urk. 14/1 sowie
Massnahmenverlaufs
bericht vom 11. Januar 1997; Urk. 14/2) sowie den Bericht der
A._
vom 10. Januar 2018 (Urk. 14/3) ins Recht.
Mit Verfügung vom 25. Januar 2018 (Urk. 15) wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Pro
zessführung gewährt. Mit Schreiben vom 2. März 2018 (Urk. 16) teilte die Beschwerdegegnerin ihren Verzicht auf eine Duplik mit, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
5. März 2018 (Urk. 17)
zur Kenntnis gebracht wurde.
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften
und die eingereichten Urkunden
wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Nach der Rechtsprechung führt Drogensucht (wie auch Alkoholismus und Medi
kamentenmissbrauch) als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Dagegen wird sie im Rahmen der Invalidenversicherung relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetre
ten ist, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheits
schadens ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 265 E. 3c). Aus letzterem Leitsatz folgt nicht, dass die Auswirkungen einer Drogensucht, die ihrerseits auf einen Gesundheitsschaden zurückgeht, per se invaliditätsbegründend sind. Die zitierte Praxis setzt vielmehr den Grundsatz um, dass funktionelle Einschränkun
gen nur anspruchsbegründend sein können, wenn sie sich als Folgen selbständi
ger
Gesundheitsschädigungen darstellen (Art. 6 ff. ATSG und Art. 4 Abs. 1 IVG). Insofern verhält es sich ähnlich wie im Verhältnis zwischen psychosozialen oder soziokulturellen Umständen und fachärztlich festgestellten psychischen Störun
gen von Krankheitswert (BGE 127 V 294 E. 5a): Wo die Gutachter im Wesent
lichen nur Befunde erheben, welche in der Drogensucht ihre hinreichende Erklä
rung finden, gleichsam in dieser aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben. Dies trifft zu, wenn davon auszugehen ist, dass sich beispielsweise ein depressives Zustandsbild bei einer (angenommenen) positiven Veränderung der suchtbedingten psychosozialen Problematik wesentlich
bessern
(und die damit verbundene Beeinträchtigung des Leistungsvermögens sich ent
sprechend verringern) würde (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.1 unter Hinweis auf 8C_580/2014 vom 11. März 2015 E. 2.2.1 und 9C_856/2012 vom 19. August 2013 E. 2.2.1).
Angesichts der insoweit finalen Natur der Invalidenversicherung (BGE 120 V 95 E. 4c; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014,
Rz
51 zu Art. 4 IVG) ist nicht entscheidend, ob die Drogensucht Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist oder ob die Sucht ausserhalb eines Kausalzusammenhangs mit dem versicherten Gesundheitsschaden steht. In beiden Konstellationen sind reine Suchtfolgen
invalidenversicherungs
rechtlich irrelevant, soweit sie als solche allein leistungsmindernd wirken. Hingegen sind sie gleichermassen
invalidenversicherungs
rechtlich relevant, soweit sie in einem engen Zusammenhang mit einem eigenständigen Gesundheitsschaden stehen. Dies kann der Fall sein, wenn die Drogensucht – einem Symptom gleich – Teil eines Gesundheitsschadens bildet (BGE 99 V 28 E. 3b); dies unter der Voraus
setzung, dass nicht allein die unmittelbaren Folgen des Rauschmittelkonsums, sondern wesentlich auch der psychiatrische Befund selber zu Arbeitsunfähigkeit führt. Sodann können selbst reine Suchtfolgen invalidisierend sein, wenn dane
ben ein psychischer Gesundheitsschaden besteht, welcher die Betäubungsmittel
abhängigkeit
aufrechterhält
oder deren Folgen massgeblich verstärkt. Umgekehrt können die Auswirkungen der Sucht (unabhängig von ihrer Genese) wie andere psychosoziale Faktoren auch mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der Folgen eines Gesundheitsschadens beeinflussen (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.2 unter Hinweis auf 8C_580/2014 vom 11. März 2015 E. 2.2.2 und 9C_856/2012 vom 19. August 2013 E. 2.2.2).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.4
Die regionalen ärztlichen Dienste (nachfolgend: RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Ver
fügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massge
bende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schluss
folgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7)
.
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin begründete
die angefochtene
Verfügung
im Wesent
lichen damit, dass die Arbeitsunfähigkeit vor allem durch das Abhängigkeitsver
halten begründet sei, weshalb keine Invalidität im Sinne des
IVG
vorliege (Urk. 2 S. 1). Der Beschwerdeführer setze seinen Suchtmittelkonsum nach wie vor fort. Die fehlende Zumutbarkeit einer Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt sei nicht durch eine psychische Erkrankung begründet
,
sondern
auf
die fehlende Ausbil
dung und Berufserfahrung
zurückzuführen
. Es seien keine invalidenversiche
rungsrechtlich relevanten Diagnosen gestellt worden, we
l
che die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
beeinträch
tig
t
en (
Urk.
2 S. 2).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer zusammengefasst entgegen, gemäss dem Fest
stellungsblatt für den Beschluss vom 13. Juli 2017 habe die IV-Stelle für ihren Entscheid einzig auf die Einschätzung von med.
pract
.
D._
, Facharzt für Neurologie und Arzt ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes, abgestellt.
Dessen Aussage betreffend Heroinkonsum sei nicht nachvollziehbar, da er
, der Ver
sicherte,
mindestens seit dem Anfang des Jahres abstinent sei. In Widerspruch zu den medizinischen Akten habe der RAD-Arzt festgehalten, dass es keine Hinweise für eine primäre psychische Erkrankung gebe. Sowohl die Fachärzte der
E._
(nachfolgend:
E._
)
als auch die behandelnden Ärzte der
A._
gingen von einer primären psychischen Erkrankung mit massiver Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aus (Urk. 1 S. 9). Das Vorliegen von Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe
med.
pract
.
D._
einzig aufgrund einer Aktenwürdigung verneint
. Dies habe er damit begründet, dass die Suchterkrankung und zahlreiche psychosoziale Belastungsfaktoren im Vorder
grund stünden. Diesbezüglich sei auf die Stellungnahme der
A._
vom 8. Septem
ber 2017 zu verweisen. Danach bestünden ausgeprägte funktionale Einschrän
kungen mit unmittelbarer Relevanz für die Arbeitsfähigkeit.
So sei s
eine Belast
barkeit niedrig,
und
seine Konzentrationsfähigkeit sei ebenso eingeschränkt wie die Fähigkeit zu adäquatem sozialem Kontakt in Belastungssituationen
. Die geschilderten Flashbacks rührten
wohl kaum
von psychosozialen Faktoren her. Soweit der RAD-Arzt einzig psychosoziale Faktoren und die Suchterkrankung für
die
Arbeitsunfähigkeit
verantwortlich mache, vermöge dies nicht zu überzeugen
. Sowohl die
E._
als auch die
A._
gingen von einer zurzeit fehlenden Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt aus. Dies sei durch die Persönlich
keitsstruktur, die rezidivierende depressive Störung sowie die komplexe
Trauma
folgestörung
bedingt (
Urk.
1 S. 10 f.). Damit stehe fest, dass es sich bei seinen psychiatrischen Leiden um
selbständige, von der zeitweise bestandenen Suchter
krankung unabhängige Erkrankungen handle (Urk. 1 S. 11).
2.3
Dazu führte die
Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort
aus
, diverse psychosoziale Faktoren
hätten
einen grossen Einfluss auf das psychische Leidens
bild und die Drogensucht des Beschwerdeführers.
Daran vermöge auch die in den Berichten der
E._
sowie der
F._
aufgeführte Diagnose einer post
traumatischen Belastungsstörung nichts zu ändern. Diese
Diagnose
sei ebenso wenig
nachvollziehbar und objektivierbar nach
dem ICD-10-System hergeleitet wo
rden
, wie die im Bericht der
A._
vom 24. April 2017
genannte
andauernde Persönlichkeitsänderung nach einer Extrembelastung (Urk. 8 S. 2 f.
).
2.4
Der Beschwerdeführer
hielt
dem
in der Replik entgegen
, dem Austrittsbericht der
E._
vom 10. Februar 2017 sei zu entnehmen, dass seine Flashbacks eine starke Intensität aufwiesen und vor allem durch den Geruch von Männer
schweiss ausgelöst würden.
Obschon er seit zwei Jahren abstinent sei, habe keine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt festgestellt werden können
(Urk. 13 S. 2).
3.
3.1
Die Ruptur eines Aneurysmas der
Artria
Carotis
-
interna-
Bifurkation
rechts führte beim Beschwerdeführer
am 25. November 2007 zu einer
Subar
a
chnoidalblutung
. Diese wurde mittels eines am 28. November 2007
durchgeführten
Clippings
behandelt
.
Am 30. April 2013 trat der Beschwerdeführer zur Durchführung einer
Embolisation
des partiell
rekanalisierten
,
geclippte
n
Aneurysmas sowie eines bisher nicht behandelten Aneurysmas der
Carotis
-
interna-Bifurkation
links
in die
G._
ein (Urk. 9/40/5).
Dies
er
operative
Eingriff
wurde
am
2. Mai 2013 erfolgreich durch
geführt, so dass der Beschwerdeführer am 4. Mai 2013 entlassen werden konnte (Urk. 9/40/1, 9/40/6)
. Am 8. Oktober 2015
zeigte
sich bei einer magnetreso
nanztomographischen Untersuchung des Gehirns im
G._
erneut ein Aneurysma an der rechten ICA-Bifurkation sowie eine Hirngewebsschädigung im
Gyrus
frontalis
inferior und Caput
nuclei
caudati
(Urk. 9/69/1, 9/69/9).
3.2
Am 24. April 2017 (Urk. 9/96/1-9) berichtete die
A._
aus psychiatrischen Sicht
der Beschwerdegegnerin über die ambulante Behandlung des Beschwerde
führers. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (komplexe
Trauma
folgestörung
; ICD-10: F62.0), eine rezidivierende depressive Störung, gegenwär
tig mittel
gradige Episode
(ICD-10: F33.1) sowie aktenanamnestisch eine orga
nische Impulskontrollstörung nach
Subarachnoidalblutung
(ICD-10: F07.8)
genannt
. Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit massen die behandelnden Arzt
personen den Diagnosen einer psychischen
-
und
Verhaltensstörung durch Opioide
(
Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent unter Substitution mit
Sevre
-Long
)
sowie erworbener zerebraler Aneurysmen (ICD-10: I67.10) bei (Urk. 9/96/1). Sie wiesen
zur Frage nach der Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
darauf hin, dass der Beschwerdeführer weder über eine abgeschlossene Ausbildung noch über einen erlernten Beruf verfüge und attes
tierten eine
seit mindestens 2014 bestehende,
anhaltende 100%ige Arbeitsun
fähigkeit
(Urk. 9/96/5).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin legte der angefochtenen Verfügung in medizinischer Hinsicht die Stellungnahmen
von
med.
pract
.
D._
, Facharzt für Neurologie und
RAD-
Arzt
vom
17. Oktober 2015 (Urk. 9/73/5), vom
18. April 2016 (Urk. 9/73/6) sowie vom 6. Juli 2017 (Urk. 9/99/
4 f.
)
zugrunde
.
Diese
r wies
a
uf
fehl
en
de
Hinweise für eine primäre psychische Erkrankung
hin
. Die fehlenden Chancen, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuss zu fassen
,
seien durch die psychoso
zialen Faktoren und den Suchtmittelkonsum begründet
(Urk. 9/99/5)
.
Aus den
im Beschwerdeverfahren neu eingereichten psychiatrischen Berichten
geht hervor, dass der Beschwerdeführer offenbar bereits im Jugendalter „zeit
weise” Heroin konsumiert hatte (Urk. 14/1 S. 6). Dies steht im Widerspruch zu
den Annahmen
im
A._
-Be
richt vom 24. April 2017
(
Erstkonsum
nach den
Auf
enthalten in Heimen und der
B._
in den Jahren 1993 bis
1996
beziehungsweise
vor dem Antritt einer Freiheitsstrafe
;
(Urk. 9/96/3)
sowie im Austrittsbericht der
E._
vom 10. Februar 2017 (2003 erstmals Heroin; Urk. 9/96/11
).
Der für die
hier wichtige, zu entscheidende
Frage nach einer primären Suchterkrankung ausschlaggebende Beginn der Heroinabhängig
keit kann aufgrund der vorliegenden Unterlagen nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit bestimmt werden (vgl.
BGE 138 V 218 E. 6
m.w.H
.
), weshalb
diesbezüglich
weitere Abklärungen erforderlich sind.
4.2
4.2.1
In den Berichten
der
E._
vom 4. März (Urk. 9/58/1) und vom 15. Juli 2015 (Urk. 9/66/1)
sowie der
F._
vom 24. Dezember 2015 (Urk. 9/68/1) wurde die Diagnose einer PTBS gestellt. Die
A._
nannte am
24. April 2017 (Urk. 9/
96/1
)
die
Diagnose einer andauernden Persönlichkeits
änderung nach Extrembelastung (komplexe
Traumafolgestörung
; ICD-10: F62.0)
.
4.2.2
Diese
Diagnosestellung
erachtete die Beschwerdegegnerin als nicht n
achvollzieh
bar: Sie führte in ihrer Beschwerdeantwort vom 30. Oktober 2017 zur PTBS-Diagnose aus, die Flashbacks seien zu ungenau beschrieben worden und deren Intensität nicht erkennbar. Zudem sei in den klinisch-diagnostischen Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation für psychische Störungen eine Latenzzeit von maximal sechs Monaten vorgesehen. Beim Beschwerdeführer habe diese jedoch dreissig Jahre betragen. Die Diagnose sei erstmals im Jahr 2014, also im Alter von 37 Jahren gestellt worden. Zudem habe sich der Beschwerdeführer nicht bereits als Kind in psychiatrischer Behandlung befunden (Urk. 8 S. 2). In Bezug auf die Diagnose einer Persönlichkeitsänderung nach einer Extrembelastung führte sie aus, diese erfordere ein Vergleich
sbild
des Patienten vor der besagten Extrembelastung. Ein solcher
Vergleich
fehle jedoch im Bericht der
A._
vom 24. April 2017 (Urk. 8 S. 3).
4.2.3
Nach der Definition im gebräuchlichen Klassifikationssystem ICD-10 entsteht eine posttraumatische Belastungsstörung als verzögerte oder protrahierte Reak
tion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmasses (kurz oder langanhaltend), die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Hierzu gehören eine durch Naturereignisse oder von Menschen verursachte Katastrophe, eine Kampf
handlung, ein schwerer Unfall oder Zeuge des gewaltsamen Todes anderer oder selbst Opfer von Folterung, Terrorismus, Vergewaltigung oder anderen Ver
brechen zu sein. Typische Merkmale sind das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen, Flashbacks), oder in Träumen vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von
Betäubtsein
und emotionaler Stumpfheit, Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teil
nahmslosigkeit der Umgebung gegenüber,
Anhedonie
sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könn
ten. Üblicherweise findet sich Furcht vor und Vermeidung von Stichworten, die den Leidenden an das ursprüngliche Trauma erinnern könnten. Selten kommt es zu dramatischen akuten Ausbrüchen von Angst, Panik oder Aggression, ausgelöst durch ein plötzliches Erinnern und intensives Wiedererleben des Traumas oder der ursprünglichen Reaktion darauf.
Gewöhnlich tritt ein Zustand vegetativer Übererregtheit mit
Vigilanzsteigerung
, einer übermässigen Schreckhaftigkeit und Schlaflosigkeit auf. Angst und Depression sind häufig mit den genannten Symp
tomen und Merkmalen assoziiert und Suizidgedanken sind nicht
selten. Drogen
einnahme oder übermässiger Alkoholkonsum können als komplizierende Fakto
ren hinzukommen.
Die Störung folgt dem Trauma mit einer Latenz, die Wochen bis Monate dauern kann (doch selten mehr als sechs Monate nach dem Trauma). Der Verlauf ist wechselhaft, in der Mehrzahl der Fälle kann jedoch eine Heilung erwartet werden. Bei wenigen Patienten nimmt die Störung über viele Jahre einen chronischen Verlauf und geht dann in eine dauernde Persönlichkeitsänderung über (vgl.
D
illing
/
Mombour
/S
chmidt
[Hrsg.],
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien,
10.
Aufl
age
201
5
, S.
207 f.).
4.2.
4
Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
über starke
Flashbacks
geklagt habe
, welche durch Gerüche
- insbesondere Männer
schweiss - ausgelöst würden (
vgl. den
Austrittsbericht
E._
vom 1
0.
Februar 2017; Urk. 9/96/11). Dabei handle es sich um Nachhallerinnerungen
an trauma
tische Kindheitserlebnisse:
D
as Auffinden der Leiche seines Onkels in Südafrika
(Urk. 9/96/2)
sowie den erlebten Missbrauch durch männliche, der Familie nahe
stehende Personen (Urk. 9/96/11).
Entsprechende Hinweise darauf finden sich bereits im Bericht des Psychologen
H._
, welcher in der Zusammenfassung der
interdisziplinären
Besprechung vom 26. Juli 1995 wiedergegeben wurde (Urk. 14/1 S. 2):
«
Andererseits erschien
X._
in seiner Phantasiefähigkeit eingeen
gt. Er lieferte zwar viel Material, dies aber inhaltlich aus einem eng beschriebenen Themenkreis. Auf der
emotionalen Ebene bietet Herr X
.
_
zwar viel an, dem steht im inneren Erleben wenig Differenziertheit gegenüber. Wiederkehrend war das Erkennen von Schädel, Lachen,
Gesichtern und Blut. Die Bedeutung ist unklar, könnte auf frühe Traumatisierung
hindeuten.
»
D
em Bericht der
E._
vom 4. März 2015
lässt sich
entnehmen, dass im Novem
ber 2014 erstmals eine stationäre ps
ychiatrische Behandlung erfolgte
. Jedoch geht daraus ebenfalls
hervor, dass der Beschwerdeführer während seinen Heim
a
ufenthalten vom 1
4.
bis zum 19.
Altersjahr von Heimpsychiatern behandelt worden sei (Urk. 9/58/2; vgl. auch den Bericht von
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2. August 1995; Urk. 14/1).
Entgegen der Beschwerdegegnerin wurde auch von Schwierigkeiten in der Schule berichtet:
1991
wurde
er wegen auffälligen
Verhalten
s und schlechter schulischer
Leistun
gen von der Regelschule ins Schulheim
J._
versetzt (Urk. 9/96/3).
Die Schule
beendete
er ohne Abschluss (Urk. 9/58/2
).
Während seiner Heimaufent
halte
flüchtete
er
immer wieder und
fing an
,
Straftaten zu verüben
(Urk. 9/96/3).
Nachdem er e
ine Lehre zum Maler nach zwei Jahren ohne Abschluss abgebrochen
hatte
(Urk. 9/7/5, 9/96
/
11
)
, begann er
während einer Freiheitsstrafe
die
Handels
schule
. Diese brach er
nach zwei Semestern
ebenfalls
ab
(Urk. 9/96/11)
. Dem Aus
zug aus dem Individuellen Konto des Beschwerdeführers ist zu entnehmen, dass er bisher nur
äusserst bescheidene
Erwerbseinkünfte erzielt hat (maximal Fr.
7'555.--
pro Jahr; Urk. 9/
32
).
Zudem bestand bis
September 2016 (Urk. 9/96/11
)
eine Heroinabhängigkeit.
In
den psychiatrischen Berichten
werden
zudem Schlafstörungen
und Alpträume (Urk. 9/58/3, 9/66/2
, 9/68/2, 9/96/4
)
genannt
sowie eine Erkrankung aus dem depressiven Formenkreis
(Urk. 9/68/1, 7/96/1) diagnostiziert
. Da
mit bestehen
Anhaltspunkte für das Bestehen
eines posttraumatischen Leidens
,
weshalb
die der angefochtenen Verfügung zugrunde
liegende Verneinung der Diagnosen einer PTBS beziehungsweise einer Persön
lichkeitsänderung nach Extrembelastung
allein gestützt auf die Aktenbeurteilung des RAD-Arztes, welcher Neurologe und nicht Psychiater ist,
nicht überzeugt.
4.3
Aus den medizinischen Akten geht zudem in somatischer Hinsicht hervor, dass der Beschwerdeführer an wiederkehrenden Aneurysmen der
Arteria
carotis
interna
leidet (vgl. E. 3.
1
).
Entgegen der Beschwerdegegnerin kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich aus den Berichten keine neurologischen Symp
tome ergäben, weshalb neurologische Einschränkungen mi
t
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nicht erkennbar seien (Urk. 8 S. 2; vgl. Urk. 9/73/5):
Im letzten
,
undatierten Bericht der G._
(Eingang bei der IV-Stelle: 22. Januar 2016; Urk. 9/69) wurde davon ausgegangen, dass die zuletzt ausgeübte Tätigkeit während sechs bis acht Monaten nicht zumutbar sei (Urk. 9/69/2). Angaben darüber, welche Arbeitsfähigkeit nach diesem Zeitraum und bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung (Juli 2017; Urk. 2) bestand
,
fehlen ebenso wie eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit. Es bleibt damit unklar, ob und allenfalls wie sich dieses Leiden auf die
Arbeits- und
Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirkt
e
.
4.4
Damit weist
der
Beschwerdeführer gesundheitliche Befunde auf, deren gesamt
hafte Bedeutung für die Arbeitsfähigkeit ungeklärt
ist
.
Ergänzende
Abklärungen sind daher notwendig. Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung ist Beweis über sozialversicherungsrechtliche Ansprüche schwergewichtig auf der Stufe des Administrativverfahrens zu führen und nicht im gerichtlichen Prozess (
Art.
43
Abs.
1 ATSG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine Rückwei
sung an die Verwaltung vorzunehmen, wenn sie in der notwen
di
gen Erhebung einer bisher vollständig ungek
lärten Frage begründet ist (BGE
139 V 99 E. 1.1 mit Hinweis auf
BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4). Dies ist hier der Fall.
Entsprechend hat die Beschwerdegegnerin die fehlenden medizinischen Abklärungen im Rahmen einer mehrdisziplinären Begutachtung mit Gesamt
beurteilung vorzuneh
men, um die Wechselwirkungen zwischen allfälligen
somatischen
und
psychiat
rischen
Einschränkungen zu berücksichtigen.
4.5
Damit ist die Beschwerde insoweit gutzuheissen,
als
die angefochtene Verfü
gung
aufzuheben
und die Sache zur
ergänzenden Abklärung im Sinne der Erwägun
gen und zum neuen Entscheid über
berufliche Massnahmen respektive
den Renten
anspruch an die Beschwerdegeg
nerin zurückzuweisen ist
.
5.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenver
siche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens
aufwand und unabhän
gig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
setzt. Vorlie
gend erweist sich eine Kostenpauschale von Fr. 700.-- als ange
messen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückwei
sung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfü
gung
als vollständiges Obsiegen (BGE
137 V 57 E. 2.2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.