Decision ID: 86edb071-fe21-4cc3-9cd7-d2d7b224ba53
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1980
,
war
seit
10.
Februar
2014
als
Event M
anager
bei der
Y._
AG
in
Baar
angestellt und in dieser Eigenschaft bei der
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG
(nachfolgend
Allianz
) gegen die
Folgen von Unfällen versichert
(vgl. Urk. 9
/2, Urk. 9/
9
)
.
Der Versicherte
liess die Allianz mit Unfallmeldung
UVG
vom 11. Dezember 2018 (Urk. 9/2) wissen, dass seine linke Schulter
am
30.
November
2018
durch Einwir
ken einer Drittperson
ausgekugelt worden
sei
.
Die
Erstbehandler
der
Klinik Z._
diagnostizierten
gleichentags
einen Status nach
anteriorer
Schulterluxa
tion links bei Status nach einer Selbstreposition und Status nach zweimaliger
anteriorer
Schulterluxation links (
Urk. 9/13/8-9
).
Die Allian
z
tätigte in der Folge medizinische Abklärungen – sie holte unter anderem bei Dr. med.
A._
, Fach
arzt für Orthopädische Chirurgie FMH, ein Aktengutachten ein
(Urk. 9/49)
- und
erbrachte die gesetzlichen
Leistunge
n (Heilbehandlung).
1.2
Mit Verfügung vom
22
.
Mai
2019
(Urk. 9/50)
stellte die
Allianz
ihre Leistungen
per
1
.
Februar
2019
ein.
Die vom Versicherten am
21.
Juni
2019 (Urk. 9/60)
erhobene Einsprache wies die
Allianz
mit
Entscheid vom
6
.
November
2019
ab (Urk. 2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid
vom
6. November 2019
erhob der Versicherte am
5
.
Dezember
2019
(Urk. 1)
Beschwerde und beantragte, dieser sei aufzuheben und
die Beschwerdegegnerin
sei zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen aus dem
Unfall
vom 3
0
. November
2018
über den 1. Februar 2019 hinaus
zu
erbringen
(
S. 2
). Die auf Abweisung schliessende Beschwerdeantwort vom
18
.
Februar
2020
(Urk.
8
) wurde dem Versicherten
mit Verfügung vom 19. Februar 2020
zugestellt (Urk.
10).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
(UVG)
werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei folgenden
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind
(Abs. 2): Knochenbrüche (lit. a), Verrenkungen von Gelenken (lit. b), Meniskus
risse (lit. c), Muskelrisse
(lit. d), Muskelzerrungen (lit. e), Sehnenrisse (lit. f), Band
läsionen (lit. g) und Trommelfellverletzungen (lit. h).
1.2
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu.
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs
sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm
obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der
Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vor
zustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens
muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
). Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchs
aufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der Status quo sine
vel
ante noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kos
tenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
2
.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den Einspracheentscheid (Urk. 2)
damit, dass das Ereignis vom 30. November 2018 zu einer vorübergehenden Verschlimme
rung
des
Vorzustandes geführte habe und der Status quo spätestens am 31. Januar 2019 erreicht worden sei.
Dr.
A._
habe in seinem Aktengutachten festgehalten, dass auch bei grosszügiger Interpretation der
Hergangsschilderung
auszuschliessen sei, dass das Ereignis vom 30. November 2018 für die Luxation
ursächlich sei.
Vielmehr lasse sich zweifelsfrei nachweisen, dass die linke Schulter durch das dritte Luxationsereignis keinen neuen Schaden genommen habe, son
dern sämtliche, teilweise erhebliche
n
pathologischen Veränderungen bereits seit 2013 bekannt, klinisch beschrieben, bildgebend und damit beweisend dokumen
tiert seien.
Die vom Beschwerdeführer im Zuge des
Einspracheverfahrens
einge
brachten Einwände und eingereichten medizinischen Unterlagen vermöchten keine Zweifel am Aktengutachten von Dr.
A._
zu wecken, wonach der Status quo nach sechs bis acht Wochen seit dem Ereignis eingetreten sei
(S. 4-7
; vgl. auch die Beschwerdeantwort [Urk. 8 S. 3-8]
). Zudem seien die Kosten für die Berichte vom 24. Juni und 3. Juli 2019 von Dr. med.
B._
nicht zu überneh
men, da sie für die Beurteilung des Leistungsanspruches
nicht
notwendig
gewesen seien
(
Urk. 1
S. 7
, Urk. 8 S. 8
)
.
2.2
Der Beschwerdeführer macht demgegenüber in seiner Beschwerde (Urk. 1) gel
tend,
die Beschwerdegegnerin habe ihre Leistungspflicht wegen des Unfalls am 30. November 2018 grundsätzlich anerkannt, sei aber der Meinung,
der S
tatus
quo sine sei am 31.
Januar 2019 erreicht gewesen.
Sei
die Unfallkausalität einmal nachgewiesen, entfalle die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens dar
stelle. Dafür trage der Unfallversicherer die Beweislast (S. 4 f. Ziff. 7.1-2). Dieser Nachweis sei der Beschwerdegegnerin nicht gelungen. Sie stütze sich dabei einzig auf das Aktengutachten von Dr.
A._
, welchem kein Beweiswert zukomme, da erhebliche Zweifel an seiner Beurteilung bestünden (S. 5-13 Ziff. 7.3). Ferner sei es irrelevant, ob die Gesundheitsschädigung ganz oder nur teilweise Folge des versicherten Unfallereignisses sei, da Pflegeleistungen und Kostenvergütungen sowie Taggelder bei Teilkausalität nicht gekürzt würden (S. 13 unten). Zudem seien die Kosten für die Berichte von Dr.
B._
zu ersetzen, weil diese für die Beurteilung des Anspruches unerlässlich gewesen sei
e
n (S. 14 oben).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin auch über den
1. Februar 2019
hinaus leistungspflichtig ist, insbesondere, ob sie für die im Zusammenhang mit dem operativen Schultereingriff vom
18. April 2019
angefallenen Kosten auf
zukommen hat.
3.
3.
1
3.
1
.1
Im Zusammenhang mit der im Dezember 2013 erlittenen Schulterluxation nannte
Chefarzt
Sportmedizin
Dr. med.
C._
von der
Klinik Z._
in sei
nem Bericht vom 12. Dezember 2013 (Urk. 9/15/10-11) als Diagnose einen Status nach zweiter, anterior-kaudale
r
, traumatische
r
Schulterluxation links mit einer kleinen Hill-Sachs-Delle,
anteriorer
Labrumläsion, vermehrter
Laxität
in beiden Schultergelenken und einem Status nach lateraler
Claviculafraktur
links vor ca.
3 Jahren. Zudem hielt er gestützt auf ein MRI vom 11. Dezember 2013 (Univer
sitätsspital
D._
; vgl. Urk. 9/15/8) fest, es sei ein deutlicher Riss und Ablösung des
anterioren
Labrums
ventrocaudal
ohne ossären
Bankart
sowie eine leichte Hill-Sachs-Veränderung mit typischem, sanftem
Bone
bruise
feststellbar.
Der Beschwerdeführer
möchte
wenn möglich nicht schon sofort eine operative Stabilisierung durchführen lassen, was aufgrund des Befundes sich
er
auch mög
lich sei.
3.
1
.2
In seinem Bericht vom
4. Februar 2014 (Urk. 9/15/
12-13
)
führte
Dr.
C._
aus, der Beschwerdeführer habe über einen schmerzlosen, guten Heil
ungs
verlauf berichtet. Er besuche zweimal pro Woche die Physiotherapie, führe selbständig auch einen Stabilitätsaufbau durch und verspüre aktuell kein Instabilitätsgefühl.
S
echs Wochen nach
der
zweite
n
traumatische
n
Schulterluxation links bestehe ein fristgerechter, erfreulicher Verlauf unter konservativem Regime.
3.
2
3.2.1
Im Nachgang zum vorliegend strittigen Unfall nannten die
Oberärzte Sportmedi
zin Dr. med.
E._
und
F._
von der
Klinik
Z._
in ihrem Bericht vom 30. November 2018 (Urk. 9/
13/8-9
)
als Diagnose unter ande
rem einen Status nach traumatischer
anteriorer
Schulterluxation links vom 30. November 2018 bei einem Status nach Selbstreposition und Status nach zwei
maliger
anteriorer
Schulterluxation links.
Sie hielten
fest
,
b
isher sei eine konser
vative Therapie erfolgt. Im Alltag verspüre der Beschwerdeführer gelegentlich eine geringe Instabilität.
Der Beschwerdeführer
sei sportlich sehr aktiv mit Tennis, Golf, Skifahren und
Snowboarding
. Au
f dem Röntgenbild vom 30. November 2018 sei eine Hill-Sachs-Delle sichtbar.
Die Ärzte
empfahlen aufgrund der rezidi
vierenden Schulterluxationen nach dritter
anteriorer
Schulterluxation die Erwä
gung einer stabilisierenden Operation (S. 1).
3.2.2
In der
MR
Arthrographie
der linken Schulter vom 3. Dezember 2018 (Urk. 9/11)
des
Instituts G._
wurde in der Beurteilung durch PD Dr. med.
H._
, Facharzt für Radiologie FMH, festgehalten, feststellbar sei ein grosser Hill-Sachs-Defekt am
Humeruskopf
postero
-superior ohne angrenzendes Knochenmarködem, ein Hill-Sachs-Defekt anterior mit angrenzendem Knochen
marködem sowie ein Labrumriss an der Labrumbasis
antero
-inferi
or bei kleinem Labrum zirkulär.
3.
2.
3
Dr. med.
I._
,
Oberarzt Orthopädie Obere Extremitäten an
der
Klinik Z._
führte in seinem Bericht vom 15. Januar 2019 (Urk. 9/13/
4-5
) gestützt auf ein MRI
(
13. Dezember 2018
;
Klinik Z._
)
und
ein CT
(9. Januar 2019;
J._
) der linken Schulter
aus,
es habe sich einerseits eine weit medial liegende dorsale Hill-Sachs-Läsion, andererseits auch eine kleinere ventrale
reverse
-Hill-Sachs-Läsion bei intaktem knöchernem
Glenoid
gezeigt. Erstaunlicherweise zeige sich weder ventral noch dorsal ein Knochenmarksödem als Hinweis für die Luxations
richtung. Vor dem Hintergrund der klinischen Untersuchung wie auch der bild
gebenden Befunde und der Anamnese gehe er jedoch von einer symptomatischen ventralen Instabilität aus, sodass er mit dem Beschwerdeführer über die Möglich
keit einer
arthroskopischen
ventralen
Labrumrefixation
und Kapselraffung sowie gegebenenfalls
Microfracturing
im Bereich der kleinen Knorpelläsionen am vent
ralen Pfannenrand in Kombination mit einer dorsalen
Remplissage
gesprochen habe.
3.
3
Dr.
A._
hielt in seinem von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebenen Akten
gutachten
vom 8. Mai 2019 (Urk. 9/49) fest, zwar bestehe zum Ereignisab
lauf am 30. November 2018 Interpretationsspielraum, welcher gegebenenfalls
einer weiteren Klärung bedürfe. Indes sei aufgrund der zeitnahen Schilderung erfahrungsgemäss die Version des Beschwerdeführers die eher zutreffende. Dem
nach sei es durch den Körperkontakt mit dem Verursacher beim Beschwerdeführer zu einem brüsken Aufwachen gekommen, in dessen Verlauf die linke Schulter zum dritten Mal luxiert sei. Nun gelte, wie bereits anlässlich des Ereignisses 2013 mehrfach festgestellt
,
auch für vorliegendes Ereignis die Feststellung, dass sich eine gesunde Schulter nie ohne eine erhebliche und gerichtete Kraftanwendung ausrenken lasse. Eine solche sei vorliegend nicht gegeben. Vorliegend sei auch bei grosszügiger Interpretation der
Hergangsschilderungen
auszuschliessen, dass das Ereignis ursächlich für die Luxation verantwortlich gewesen sei. Vielmehr lasse sich zweifelsfrei nachweisen, dass die linke Schulter durch das dritte Luxa
tionsereignis keinen neuen Schaden genommen habe, sondern dass sämtliche, teilweise erheblichen pathologischen Veränderungen bereits seit 2013 bekannt, klinisch beschrieben, bildgebend und damit beweisend dokumentiert seien. Damit habe das Ereignis bloss zu einer vorübergehenden Verschlimmerung der bekann
ten Vorzustände geführt. Die vorübergehende Verschlimmerung dauere höchstens 6-8 Wochen, so dass der Status quo sine spätestens am 31. Januar 2019 wieder erreicht gewesen sei (S. 4).
3.
4
3.
4
.1
Aufgrund der Schulterinstabilität links erfolgte am 18. April 2019 eine operative Bankart-
repair
sowie
Remplissage
im Spital
K._
. Operateur Dr. med.
B._
, Facharzt für Chirurgie FMH (vgl. Urk. 9/62/3),
hielt im Operationsbericht vom
gleichen Tag
(Urk. 3) fest,
humeral
sei eine grosse tiefe Hill Sachs Läsion feststell
bar. Diese
scheine
zu
engagen
. Aus diesem Grund erfolge der Entscheid zur Ver
sorgung wie geplant. Nach erfolgter Operation sei eine sehr schöne Deckung des gesamten Hills Sachs festzustellen gewesen.
3.
4
.2
Dr.
B._
bericht
e
te
am 24. Juni 2019 (Urk. 9/62/3)
auf
Rückfrage des
Rechtsv
ertreters des Beschwerdeführers
,
während der Operation vom 18. April 2019 habe er keine neuen Erkenntnisse über die Beschwerdeursache erhalten. Die Stellungnahme, dass die Folgen des Unfalls vom 30. November 2019 [richtig: 2018] nach längstens 6-8 Wochen vollständig ausgeheilt gewesen seien, könne er nicht unterstützen. Falls die Schulter am 30. November 2019 [richtig: 20
18] wieder traumatisch luxiert
worden sei, und eine abgeheilte Kapsel abgerissen
worden wäre
, wäre die Kapsel niemals nach 6-8 Wochen wieder
stabil
gewesen.
Nach dem letzten Eingriff
habe
beim Beschwerdeführer eine schmerzhafte Insta
bilität persistiert, was in den vorhergehenden beiden Luxationen nicht aufgetre
ten sei.
3.
4
.3
Auf erneute Rückfrage des
Rechtsv
ertreters hielt Dr.
B._
am 3. Juli 2019 (Urk. 9/62/4) fest,
zur Instabilität führe die abgerissene Kapsel. Die Instabilität sei schmerzhaft, weil der Kopf aus der Pfanne springen könne. Dies oft auch nur teilweise und
dies
führe dabei zu einer Einklemmung des Schleimbeutels. Eine abgerissene Kapsel (Kapselbandapparat) könne am richtigen Ort anwachsen und führe dann dazu, dass die Schulter wieder stabil werde. In den meisten Fällen geschehe dies aber nicht. Somit bleibe das Gelenk nachhaltig in der Funktion eingeschränkt. Im MRI könnten frische Läsionen vermutet werden. Beweisend seien sie aber nicht. Bei den meisten frischen Läsionen seien in der Umgebung
Einblutung
en
im Knochen oder in den Weichteilen vorhanden. Dies sei aber nicht zwingend.
4.
4.1
Nach der Rechtsprech
ung gehören zu den im Sinne von
Art.
6
Abs.
1 UVG
mass
gebenden Ursachen auch Umstände, ohne deren Vorhandensein die gesundheit
liche Beeinträchtigung nicht zur gleichen Zeit eingetreten wäre. Eine schadens
auslösende traumatische Einwirkung wirkt also selbst dann leistungsbegründend, wenn der betreffende Schaden auch ohne das versicherte Ereignis früher oder später wohl eingetreten wäre, der Unfall somit nur hinsichtlich des Zeitpunkts des Schadenseintritts
conditio
sine qua non war. Anders verhält es sich, wenn der Unfall nur Gelegenheits- oder Zufallsursache ist, welche ein gegenwärtiges Risiko, mit dessen Realisierung jederzeit zu rechnen gewesen wäre, manifest wer
den lässt, ohne im Rahmen des Verhältnisses von Ursache und Wirkung eig
en
ständige Bedeutung anzunehmen.
Einem Ereignis kommt demzufolge der Charakter einer anspruchsbegründenden Teilursache zu, wenn
das
aus der potentiellen pathogenen Gesamtursache resul
tierende Risiko zuvor nicht dermassen gegenwärtig war, dass der auslösende Fak
tor gleichsam beliebig und austauschbar erschiene. Dagegen entspricht die unfallbedingte Einwirkung - bei erstelltem Auslösezusammenhang - einer (anspruchshindernden) Gelegenheits- oder Zufallsursache, wenn sie auf einen derart labilen, prekären Vorzustand trifft, dass jederzeit mit einem Eintritt der (organischen) Schädigung zu rechnen gewesen wäre, sei es aus eigener Dynamik der pathogenen Schadensanlage oder wegen Ansprechens auf einen beliebigen anderen Zufallsanlass. Wenn ein alltäglicher alternativer Belastungsfaktor zu annähernd gleicher Zeit dieselbe Gesundheitsschädigung hätte bewirken können, erscheint der Unfall nicht als kausal signifikantes Ereignis, sondern als austausch
barer Anlass; es entsteht daher keine Leistungspflicht des obligatorischen Unfall
versicherers (
Urteil des Bundesgerichts 8C_337/2016 vom
7.
Juli 2016 E. 4.1 mit Hinweisen).
4.
2
Gestützt
auf die medizinischen Berichte ist erstellt und wird zu Recht nicht be
stritten, dass das linke Schultergelenk des
rechtsdomina
n
ten
Beschwerdeführers im Zeitpunkt des
Vorfalles
vom
30. November 2018
aufgrund
eines
Snowboard
sturzes
im
Februar
2004 und
eines Ereignisses
im Jahr 2013,
wobei jeweils d
ie Schulter ausgerenkt
worden war
,
einen wesentlichen Vorzustand
aufwies
(vgl. Urk. 1 S. 7 f., Urk. 2 S. 4 f., E. 3.1)
.
Dieser Schaden wurde, obwohl
zumindest nach dem Ereignis im Jahr 2013
eine ope
rative Sanierung in Betracht ge
zogen wurde,
im Jahr 2013 g
enaus
o
wie
zuvor
nach dem Unfall im Jahr 2004
konser
vativ behandelt
,
wobei
bezüglich
l
etzterem Ereignis
keine medizinischen Unter
lagen mehr vorhanden sind (vgl.
E. 3.1,
Urk. 9/
22
).
Eine Indikation zur operativen Sanierung des Schultergelenks nach
Ausheilung des Ereignisses im Jahr 2013
wurde
in der Folgezeit nicht mehr gesehen, res
pektive ist solches nicht aktenkun
dig.
Dass der B
eschwerdeführer nach dem Erster
eignis
vom Februar 2004
und zwi
schen dem Zweitereignis vom
5
.
Dezember
2013
und dem Drittereignis vom 3
0
. November
2018
aufgrund der konservativen Behandlung nicht beschwerde
frei wurde, lässt sich den Akten nicht entnehmen.
Dr.
C._
vermerkte denn auch am 4. Februar 2014 (E. 3.1.2)
,
sechs Wochen nach der zweiten traumatischen Schulterluxation links bestehe ein fristgerechter, erfreulicher Verlauf unter kon
servativem Regime.
Anderslautende
Arztbe
richte oder medizinische Behandlun
gen mit Bezug auf das Schulterleiden sind nicht aktenkundig. Damit steht fest, dass
sich
der Beschwerdefü
hrer, trotz bestehendem Vorscha
den an der linken Schulter, insgesamt während mehr als
fünf
Jahren soweit stabilisieren konnte, dass der Vorzustand beim alltäglichen Einsatz nicht in Erscheinung trat und der Schaden ihn auch nicht derart behinderte, dass
ein Anlass für weitere medizini
sche Behandlungen
bestanden h
ätte
.
Vielmehr konnte der Beschwerdeführer wie
der in vielseitiger Hinsicht unbehindert Sport treiben. So ging er
ohne Einschrän
kungen diversen belastungsintensiven
Sportarten nach wie
Eishockey, Skifahren, Snowboarden, Tennis und Golf (vgl. Urk. 1 S. 7).
Somit kann auch nicht als erstellt gelten, dass sich der Schulterzustand bereits vor dem Ereignis vom
30. November 2018
derart labil zeigte, dass sich der Beschwerdeführer die Relu
xation
– wenn auch
betreffend beide Schultergelenksseiten
eine
geringe
Laxität
bestand
(E. 3.1.1) -
au
ch bei einer beliebigen Alltags
aktivität
hätte zuziehen kön
nen.
4.3
Das
Ereignis,
welches am 30. November 2018
zur Reluxation der Schulter geführt
hat –
ein
Mitarbeiter
liess
sich
auf den schlafenden Beschwerdeführer
fallen
mit anschliessender Umarmung
in betrunkenem Zustand (vgl.
Urk. 9/2 S. 2,
Urk. 9/
7
)
- kann
denn auch nachvollziehbar in Bezug auf den Bewegungsablauf und die Krafteinwirkung
(Druck durch das Körpergewicht einer erwachsenen Person)
auf das linke Schultergelenk nicht mit einer
gewöhnlichen Alltags
aktivität verglichen werden.
Dr.
B._
hielt denn auch fest, dass erst nach dem Ereignis vom 30. November 2018
eine schmerzhafte Instabilität
persistierte
, was
bei
den vor
hergehenden beiden Luxationen nicht aufgetreten
war (E. 3.4.2).
Fest steht jeden
falls, dass das
unbestrittenermassen (vgl. Urk. 2 S. 3 Ziff. 8)
als Unfall zu
quali
fi
zierende Geschehnis vom 3
0
. November
2018
einen bis dahin bestehenden Vor
zustand aktiviert und behandlungsbedürftig gemacht hat und damit zumindest teilkausal
für den Gesundheitsschaden ist.
4.4
In medizinischer Hinsicht ist erstellt, dass vor dem Ereignis vom 30. November 2018
lediglich eine kleine Hill-Sachs-Delle beschrieben
wurde
(E. 3.1.1). Dahin
gegen wurde im Zug
e
der Behandlung des auf den Unfall vom 30. November 2018 zurückgehenden Gesundheitsschaden
s
nun ein grosser Hill-Sachs-Defekt am
Humeruskopf
postero
-superior festgestellt (E.
3.2.2).
Damit führte der neuer
liche Unfall zu einer erkennbaren Verletzung.
An der Durchführung der Operation vom 18. April 2019 wurde denn auch gerade wegen der grossen tiefen Hill Sachs Läsion festgehalten, weil diese zu
engagen
schien (E. 3.4.1). Wenn auch das MRI im Jahr 2013 nicht mit Kontrastmitteln durchgeführt worden war (vgl. Urk. 9/68 S. 2 oben),
ist davon auszugehen, dass
ein solch markanter Schaden am
Humeruskopf
bildgebend ersichtlich gewesen und von den Fachärzten beschrieben worden
wäre
, was jedoch nicht der Fall war (vgl. E. 3.1, Urk. 9/15/8). Eine degenerative Ursache dafür kommt nicht in Frage und Anhaltspunkte für andere schädigende Ereignisse in der Zeit zwischen dem 5. Dezember 2013 und dem 30. November 2018 liegen keine vor.
Dementsprechend vermag die Argumentation von Dr.
A._
, auch bei grosszü
giger Interpretation der
Hergangsschilderungen
sei auszuschliessen, dass das Ereignis ursächlich für die Luxation verantwortlich gewesen war (E. 3.3), nicht zu überzeugen. Auch wenn eine gesunde Schulter das Ereignis schadlos über
standen hätte, führte doch der Unfall zur ausgewiesenen Verschlechterung der Situation.
Inwiefern die beschriebenen Labrumrisse und das
Ossikel
vorbestehend waren
,
braucht nicht näher beantwortet zu werden, da es
am Ergebnis
nichts ändert.
Nach dem Unfall war neu eine grosse Hill-Sachs-Läsion vorhanden, wel
che operativ angegangen werden musste. Ob daneben Labrumrisse und das
Ossi
kel
hervorgerufen wurden, ist irrelevant, stehen doch diese nicht im Vordergrund.
Demzufolge ist das Ereignis vom 30. November 2018 anspruchsbegründende
Tei
l
ursache
der Verschlimmerung der Hill-Sachs-Läsion
,
denn
das
aus der potenti
ellen pathogenen Gesamtursache resultierende Risiko
war
zuvor nicht dermassen gegenwärtig, dass der auslösende Faktor gleichsam beliebig und
austauschbar erschien (E. 4.1).
4.
5
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer am 3
0
. November
2018
einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG erlitten hat, der zumindest teilkausal für die linksseitigen Schulterbeschwerden ist. Die
Beschwerdegegnerin
hat daher bis zum Zeitpunkt, in dem di
e Fortsetzung der ärztlichen Be
handlung keine nam
hafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwarten liess (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG), mithin auch noch im Zusammenhang mit dem operativen Eingriff vom 18.
April
201
9
, die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen, und der angefochtene Ein
spracheentscheid ist aufzuheben.
5.
5
.1
Der Beschwerdeführer
macht
e
geltend, es seien
ihm
die Auslagen für
die
Schrei
ben
von
Dr.
B._
vom
24
.
Juni und 3. Juli 2019
zu ersetzen (
E. 3.
4.2-E. 3.4.3
).
Der Versicherungsträger übernimmt die Kosten der Abklärung, wenn er die Mass
nahmen nicht angeordnet hat, wenn sie für die Beurteilung des Anspruchs uner
lässlich waren (
Art.
45
Abs.
1 Satz 2 ATSG).
Die Gutheissung der Beschwerde gründet
auch
auf der Berichterstattung von
Dr.
B._
. Damit hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin die Kosten dies
er
Auslagen in der Höhe von Fr. 35
0
.-- (Urk. 9/62
) zu ersetzen
.
5
.2
Ausgangsgemäss ist dem vertretenen Beschwerdeführer gestützt auf Art. 61 lit. g
ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 GSVGer eine Prozessentschädigung zuzusprechen, wobei ein Betrag von Fr. 1‘700.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen erscheint.