Decision ID: c5dc945d-5384-48f8-b89c-cb02f8239eb8
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Die Staatsanwaltschaft Baden führt gegen A. (nachfolgend: Beschwerde-
führer) eine Strafuntersuchung wegen des Vorwurfs des Mordes, der Dro-
hung, der Sachbeschädigung und des Hausfriedensbruchs. Der Beschwer-
deführer wurde am 12. Februar 2022 angehalten und vorläufig festgenom-
men, wobei die Eröffnung der Festnahme am 13. Februar 2022 stattfand.
1.2.
Mit Eingabe vom 14. Februar 2022 stellte die Staatsanwaltschaft Baden
beim Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau einen Antrag auf
Anordnung von Untersuchungshaft für die vorläufige Dauer von drei Mona-
ten. Dieses ordnete mit Verfügung vom 15. Februar 2022 die Untersu-
chungshaft einstweilen bis zum 12. Mai 2022 an. In der Folge wurde diese
auf Antrag der Staatsanwaltschaft Baden vom 4. Mai 2022 mit Verfügung
vom 16. Mai 2022 bis zum 12. August 2022 verlängert.
2.
2.1.
Die Staatsanwaltschaft Baden stellte am 4. August 2022 beim Zwangs-
massnahmengericht des Kantons Aargau ein Gesuch um Verlängerung der
Untersuchungshaft für die vorläufige Dauer von drei Monaten, d.h. bis zum
12. November 2022.
2.2.
Der Beschwerdeführer beantragte mit Stellungnahme vom 9. August 2022
die Abweisung des Haftverlängerungsantrages und die unverzügliche Ent-
lassung aus der Untersuchungshaft. Eventualiter sei ein Kontaktverbot ge-
genüber Frau B. (nachfolgend: Privatklägerin) und deren Arbeitgeber aus-
zusprechen.
2.3.
Mit Verfügung vom 12. August 2022 verlängerte das Zwangsmassnahmen-
gericht des Kantons Aargau die Untersuchungshaft bis zum 12. November
2022.
3.
3.1.
Gegen diese ihm am 16. August 2022 zugestellte Verfügung erhob der Be-
schwerdeführer mit Eingabe vom 19. August 2022 bei der Beschwerde-
kammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Aargau Beschwerde
und beantragte seine unverzügliche Entlassung aus der Untersuchungs-
haft. Eventualiter sei ein Kontaktverbot gegenüber der Privatklägerin und
deren Arbeitgeber auszusprechen.
- 3 -
3.2.
Mit Beschwerdeantwort vom 25. August 2022 beantragte die Staatsanwalt-
schaft Baden die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolgen.

Considerations:
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
Der Beschwerdeführer kann als inhaftierte Person die Verfügung des
Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Aargau vom 12. August 2022,
mit der seine Untersuchungshaft bis zum 12. November 2022 verlängert
wurde, mit Beschwerde anfechten (Art. 222 i.V.m. Art. 393 Abs. 1 lit. c
StPO). Auf seine frist- und formgerecht erhobene Beschwerde (vgl. Art. 396
StPO) ist einzutreten.
2.
Grundsätzlich bleibt eine beschuldigte Person in Freiheit. Sie darf nur im
Rahmen der Bestimmungen der StPO freiheitsentziehenden Zwangsmass-
nahmen unterworfen werden (Art. 212 Abs. 1 StPO). Die Untersuchungs-
haft – als eine der vom Gesetz vorgesehenen freiheitsentziehenden
Zwangsmassnahmen (Art. 197 Abs. 1 lit. a StPO) – ist gemäss Art. 221
Abs. 1 StPO nur zulässig und darf lediglich dann angeordnet oder aufrecht-
erhalten werden, wenn die beschuldigte Person eines Verbrechens oder
Vergehens dringend verdächtigt wird (allgemeiner Haftgrund des dringen-
den Tatverdachts) und zusätzlich ein besonderer Haftgrund vorliegt, also
ernsthaft zu befürchten ist, dass die beschuldigte Person sich durch Flucht
dem Strafverfahren oder der zu erwartenden Sanktion entzieht (Fluchtge-
fahr; lit. a), Personen beeinflusst oder auf Beweismittel einwirkt, um so die
Wahrheitsfindung zu beeinträchtigen (Kollusionsgefahr; lit. b), oder durch
schwere Verbrechen oder Vergehen die Sicherheit anderer erheblich ge-
fährdet, nachdem sie bereits früher gleichartige Straftaten verübt hat (Fort-
setzungsgefahr; lit. c). Haft ist ferner zulässig, wenn ernsthaft zu befürchten
ist, eine Person werde ihre Drohung, ein schweres Verbrechen auszufüh-
ren, wahrmachen (Ausführungsgefahr; Art. 221 Abs. 2 StPO). Freiheitsent-
ziehende Zwangsmassnahmen sind aufzuheben, sobald ihre Vorausset-
zungen nicht mehr erfüllt sind (Art. 212 Abs. 2 lit. a StPO), die von der StPO
vorgesehene oder von einem Gericht bewilligte Dauer abgelaufen ist
(Art. 212 Abs. 2 lit. b StPO) oder Ersatzmassnahmen zum gleichen Ziel
führen (Art. 212 Abs. 2 lit. c und Art. 237 ff. StPO).
3.
3.1.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau hielt zur Begrün-
dung der angefochtenen Verfügung fest, der Beschwerdeführer bestreite
die Tat nicht. Am dringenden Tatverdacht des vorsätzlichen Tötungsdelikts
- 4 -
bestünden somit keine Zweifel. Es bestehe Kollusionsgefahr. Die Staats-
anwaltschaft Baden habe ausgeführt, es seien weitere Befragungen des
Beschwerdeführers sowie gegebenenfalls weitere Einvernahmen notwen-
dig. Dies habe kollusionsfrei zu erfolgen. Vorliegend könne offengelassen
werden, ob Flucht- bzw. Wiederholungsgefahr vorliege. Der Beschwerde-
führer habe seine Freundin, sein Zuhause und seine Arbeitsstelle verloren.
Daher stelle sich die Frage, was ihn in der Schweiz noch halte, zumal sich
seine Ex-Ehefrau im Ausland aufhalte. Ein Kontaktverbot stelle bei der Ge-
fahr eines Tötungsdeliktes keine vertretbare mildere Massnahme für das
potenzielle Opfer dar.
3.2.
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor, es sei keine Kollusionsgefahr
gegeben. Er sei am 11. August 2022 einvernommen und mit den Abklärun-
gen des kriminaltechnischen Dienstes der Kantonspolizei Aargau sowie
dem Gutachten der Rechtsmedizin vom 6. Juli 2022 konfrontiert worden.
Mündlich habe die Staatsanwaltschaft Baden in Aussicht gestellt, dass aus
ihrer Sicht lediglich noch die Schlusseinvernahme bevorstehe. Das Umfeld
des Beschwerdeführers sei umfassend (auch parteiöffentlich) befragt wor-
den. Der Tatort sei spurentechnisch untersucht und die erhobenen Spuren
sowie die sichergestellten elektronischen Geräte ausgewertet worden. Kol-
lusionsgefahr lasse sich bei diesem Verfahrensstand nicht damit begrün-
den, es seien gegebenenfalls weitere Einvernahmen vorzunehmen.
Der Beschwerdeführer sei Schweizer und hege nicht die Absicht, das Land
zu verlassen. Demzufolge mangle es an der Fluchtgefahr. Er wolle wieder
seiner Arbeit nachgehen. Sein ehemaliger Arbeitgeber werde den Be-
schwerdeführer wieder einstellen, nachdem er ihm infolge der Untersu-
chungshaft notgedrungen habe kündigen müssen. Er sei von seinen Vor-
gesetzten und Kunden sehr geschätzt worden. Zudem hätten seine beiden
jüngeren Töchter aus Kostengründen eine günstigere Wohnung gemietet.
In diese werde der Beschwerdeführer nach der Haftentlassung einziehen.
Er verspüre nicht den geringsten Wunsch, die vorbelastete Beziehung zu
seiner Ex-Ehefrau wieder aufleben zu lassen und zu ihr ins Ausland zu
flüchten.
Es treffe nicht zu, dass der Beschwerdeführer aufgrund von Eifersucht dazu
fähig sei, den neuen Lebenspartner der Privatklägerin umzubringen. Der
Gutachter habe eine Rückfallgefahr verneint. Der (allenfalls dennoch zu
befürchtenden) Wiederholungsgefahr könnte durch den Erlass eines Kon-
taktverbotes gegenüber der Privatklägerin und ihrem Arbeitgeber begegnet
werden.
- 5 -
3.3.
In ihrer Beschwerdeantwort legte die Staatsanwaltschaft Baden dar, ob
weitere Einvernahmen noch erforderlich seien, werde sich erst nach Ein-
gang des polizeilichen Schlussberichts sowie der vollständigen Ermitt-
lungsakten und Beweismittel zeigen. Aufgrund der laufenden Ermittlungen
befänden sich diese derzeit noch bei der Kantonspolizei. Vorliegend werde
ein Mord und damit ein besonders schweres Delikt untersucht, weshalb ein
sehr hohes öffentliches Interesse an einer von Verdunkelungshandlungen
unbeeinflussten Sachverhaltsermittlung bestehe. Dies sei bei der Beurtei-
lung der Kollusionsgefahr zu berücksichtigen. Der Beschwerdeführer habe
seine Freundin, sein Zuhause und seine Arbeitsstelle verloren. Es sei stark
zu bezweifeln, dass sein ehemaliger Arbeitgeber ihn wieder einstelle,
werde der Beschwerdeführer doch wegen Mordes anzuklagen und zu einer
langjährigen Freiheitsstrafe zu verurteilen sein. Die drohende Freiheits-
strafe stelle zudem ein Indiz für Fluchtgefahr dar. Der Gutachter habe die
Rückfallgefahr im Gutachten vom 11. Mai 2022 zwar verneint, jedoch nicht
davon gewusst, dass die Privatklägerin seit dem 8. Juni 2022 an einer
neuen Adresse mit einem Mann gemeldet sei. Der Beschwerdeführer
könnte diese ohne Weiteres herausfinden. Er sei der Privatklägerin weiter-
hin zugeneigt. Es sei zu befürchten, dass der Beschwerdeführer, wenn er
diese nach seiner Entlassung mit einem neuen Partner sehe, wieder in ei-
nen Ausnahmezustand gerate und eine gleichgelagerte Tat verübe. Offen-
sichtlich fürchte sich die Privatklägerin vor ihm, denn sie wolle ihre neue
Adresse geheim halten.
4.
4.1.
Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, in die Wohnung der Privatklägerin
eingedrungen zu sein und dort ihren Partner durch mehrere Messerstiche
getötet zu haben. Der dringende Tatverdacht ist somit gegeben. Damit er-
übrigen sich diesbezügliche Weiterungen und es kann vollumfänglich auf
die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung (E. 3.2) sowie dem Haft-
verlängerungsgesuch der Staatsanwaltschaft Baden vom 4. August 2022
(S. 2 f.) verwiesen werden.
4.2.
4.2.1.
Zunächst ist auf den Haftgrund der Wiederholungsgefahr einzugehen.
4.2.2.
Wiederholungsgefahr im Sinne von Art. 221 Abs. 1 lit. c StPO liegt vor,
wenn die beschuldigte Person eines Verbrechens oder Vergehens drin-
gend verdächtig ist und ernsthaft zu befürchten ist, dass sie durch schwere
Verbrechen oder Vergehen die Sicherheit anderer erheblich gefährdet,
nachdem sie bereits früher gleichartige Straftaten verübt hat.
- 6 -
Nach der Rechtsprechung kann sich Wiederholungsgefahr ausnahms-
weise auch aus Vortaten ergeben, die dem Beschuldigten im hängigen
Strafverfahren erst vorgeworfen werden, wenn die Freilassung des Ersttä-
ters mit erheblichen konkreten Risiken für die öffentliche Sicherheit verbun-
den wäre. Erweisen sich die Risiken als untragbar hoch, kann vom Vor-
tatenerfordernis sogar ganz abgesehen werden. Aufgrund einer systema-
tisch-teleologischen Auslegung von Art. 221 Abs. 1 lit. c StPO kam das
Bundesgericht zum Schluss, es habe nicht in der Absicht des Gesetzge-
bers gelegen, mögliche Opfer von schweren Gewaltdelikten einem derart
hohen Rückfallrisiko auszusetzen (Urteil des Bundesgerichts 1B_269/2020
vom 25. Juni 2020 E. 4.1 mit Hinweisen). Die Verhütung weiterer schwer-
wiegender Delikte ist ein verfassungs- und grundrechtskonformer Mass-
nahmenzweck: Art. 5 Ziff. 1 lit. c EMRK anerkennt ausdrücklich die Not-
wendigkeit, Beschuldigte im Sinne einer Spezialprävention an der Bege-
hung schwerer strafbarer Handlungen zu hindern (BGE 146 IV 136 E. 2.2,
BGE 143 IV 9 E. 2.2). Der Haftgrund der Wiederholungsgefahr ist indes
restriktiv zu handhaben und setzt eine ungünstige Rückfallprognose voraus
(BGE 146 IV 136 E. 2.2, BGE 143 IV 9 E. 2.9 f.). Seine Anwendung über
den gesetzlichen Wortlaut hinaus auf Ersttäter muss auf Ausnahmefälle
beschränkt bleiben und erfordert eine massive und ernsthafte Wiederho-
lungsgefahr. Nötig ist nicht nur ein hinreichender Tatverdacht, sondern es
müssen erdrückende Belastungsbeweise gegen den Beschuldigten vorlie-
gen, die einen Schuldspruch als sehr wahrscheinlich erscheinen lassen.
Die ungünstige Rückfallprognose muss sich zudem auf Delikte beziehen,
die "die Sicherheit anderer erheblich" gefährden. Im Vordergrund stehen
dabei Delikte gegen die körperliche und sexuelle Integrität (Urteil des Bun-
desgerichts 1B_269/2020 vom 25. Juni 2020 E. 4.1 mit Hinweisen).
Je schwerer die drohenden Taten sind und je höher die Gefährdung der
Sicherheit anderer ist, desto geringere Anforderungen sind an die Rückfall-
gefahr zu stellen. Liegen die Tatschwere und die Sicherheitsrelevanz am
oberen Ende der Skala, so ist die Messlatte zur Annahme einer rechtser-
heblichen Rückfallgefahr tiefer anzusetzen. In solchen Konstellationen ist
für die Annahme einer Wiederholungsgefahr eine (einfache) ungünstige
Rückfallprognose erforderlich, aber auch ausreichend. Eine sehr ungüns-
tige Rückfallprognose zu verlangen, würde potenzielle Opfer einer nicht
verantwortbaren Gefahr aussetzen (BGE 143 IV 9 E. 2.9). Besonders bei
drohenden schweren Gewaltverbrechen ist dabei auch dem psychischen
Zustand der beschuldigten Person bzw. ihrer Unberechenbarkeit oder Ag-
gressivität Rechnung zu tragen (BGE 140 IV 19 E. 2.1.1).
4.2.3.
4.2.3.1.
Anlässlich der delegierten Einvernahme durch die Kantonspolizei Aargau
als Zeugin am 23. Februar 2022 legte die Privatklägerin dar, als sie sich
vom Beschwerdeführer habe trennen wollen, sei er sauer geworden und
- 7 -
habe ihr gedroht sie umzubringen. Dies sei zwei- bis dreimal vorgekom-
men, weil sie ihm gegenüber gesagt habe, dass sie nun mit dem Opfer
zusammen sei (Protokoll der delegierten Einvernahme der Privatklägerin
als Zeugin vom 23. Februar 2022, S. 12 in HA.2022.228, Beilage [B] 2 zum
Haftverlängerungsgesuch der Staatsanwaltschaft Baden vom 4. Mai 2022).
Mit Schreiben vom 10. August 2022 an die Staatsanwaltschaft Baden er-
suchte die Privatklägerin um Geheimhaltung ihrer neuen Adresse (B 1 zur
Beschwerdeantwort).
Der Beschwerdeführer legte anlässlich der psychiatrischen Untersuchung
dar, dass die Privatklägerin an den Einvernahmen viel gelogen habe. Es
sei für ihn sehr belastend, dass er sie bisher nicht habe sehen und mit ihr
sprechen können. Es sei ein grosser Wunsch, sich mit ihr auszutauschen.
Der Beschwerdeführer sei überzeugt, dass ihre Beziehung auch heute
noch eine Chance hätte (Forensisch-Psychiatrisches Gutachten vom
11. Mai 2022, S. 30 f., in HA.2022.375, B 3 zum Haftverlängerungsgesuch
der Staatsanwaltschaft Baden vom 4. August 2022).
Der psychiatrische Gutachter hielt im Gutachten vom 11. Mai 2022 fest, der
Entschluss des Beschwerdeführers, zukünftig auf die Einnahme des
Schlafmittels zu verzichten, seine stabile Lebenssituation und die Unter-
stützung durch seine Familie wirkten sich positiv auf die Legalprognose
aus. Weiterhin sei zu erwarten, dass durch die Ereignisse das komplexe
und konfliktträchtige Beziehungsverhältnis zur Privatklägerin geklärt werde,
auch wenn der Beschwerdeführer offenbar weiterhin eine grosse Zunei-
gung für sie hege. Insgesamt liege keine relevant erhöhte Rückfallgefahr
für schwere Gewalt- oder Tötungsdelikte im Vergleich zur durchschnittli-
chen Normalbevölkerung vor (Forensisch-Psychiatrisches Gutachten vom
11. Mai 2022, S. 73, in HA.2022.375, B 3 zum Haftverlängerungsgesuch
der Staatsanwaltschaft Baden vom 4. August 2022). Allerdings führte er
gleichzeitig aus, dass der Beschwerdeführer es vorziehe, psychische und
körperliche Qualen auszuhalten oder zu vermeiden. In der Folge komme
es aufgrund einer durch Passivität und Depressivität ausgelösten Steue-
rungsschwäche zu kurzzeitigen, aber fatalen Kontrollverlusten, welche wie-
derrum mit einer fatalistisch-melancholischen Stimmungslage einhergin-
gen. Dabei komme es, auch wenn keine grundsätzliche aggressive Hand-
lungsbereitschaft vorliege, zu einer eruptiv entladenen Verzweiflung, wel-
che von einer eingeengten Wahrnehmung und Kognition begleitet werde.
Ein solches Verhaltensmuster lasse sich nicht nur in den aktuellen Tatvor-
würfen, sondern auch früheren von Verzweiflung geprägten suizidnahen
Handlungen erkennen (Forensisch-Psychiatrisches Gutachten vom 11. Mai
2022, S. 67 in HA.2022.375, B 3 zum Haftverlängerungsgesuch der Staats-
anwaltschaft Baden vom 4. August 2022). Die vom Beschwerdeführer vor
der Tat übermässig eingenommenen Schlafmittel würden als konstellativer
Faktor in die Annahme einer relevanten Affektdeliktkonstellation mit daraus
- 8 -
resultierenden Auswirkungen bzw. Einschränkungen auf das Steuerungs-
vermögen einfliessen (Forensisch-Psychiatrisches Gutachten vom 11. Mai
2022, S. 75, in HA.2022.375, B 3 zum Haftverlängerungsgesuch der
Staatsanwaltschaft Baden vom 4. August 2022). Der Gutachter lehne die
Anordnung einer Behandlung im Zusammenhang mit dem Schlafmittel ab,
weil der Beschwerdeführer dieses selbst abgesetzt habe (Forensisch-Psy-
chiatrisches Gutachten vom 11. Mai 2022, S. 77 f., in HA.2022.375, B 3
zum Haftverlängerungsgesuch der Staatsanwaltschaft Baden vom 4. Au-
gust 2022).
4.2.3.2.
Beim Beschwerdeführer handelt es sich zwar um einen Ersttäter, allerdings
bestreitet er nicht, das ihm vorgeworfene vorsätzliche Tötungsdelikt began-
gen zu haben (vgl. E. 4.1 hiervor). Damit erscheint ein Schuldspruch als
sehr wahrscheinlich.
Der psychiatrische Gutachter stellte keine relevant erhöhte Rückfallgefahr
für schwere Gewalt- oder Tötungsdelikte fest (vgl. E. 4.2.3.1 hiervor).
Selbst wenn sich im vorliegenden Fall aus dem Gutachten keine hohe
Wahrscheinlichkeit dafür ableiten lässt, dass der Beschwerdeführer nach
seiner Freilassung erneut Menschen töten würde, lässt dies seine Inhaftie-
rung nicht als verfassungswidrig erscheinen. Bei Gewalttaten von derarti-
ger Schwere darf an die Annahme von Wiederholungsgefahr kein allzu ho-
her Massstab gelegt werden. Anders zu entscheiden hiesse, die potentiel-
len Opfer von neuerlichen Verzweiflungs- oder Kurzschlussreaktionen des
Beschwerdeführers einem nicht verantwortbaren Risiko auszusetzen (vgl.
E. 4.2.2 hiervor). In diesem Zusammenhang gilt es zu beachten, dass der
Gutachter schliesslich auch die Möglichkeit von fatalen Kontrollverlusten
und eruptiv entladener Verzweiflung mit eingeengter Wahrnehmung und
Kognition erwähnte (vgl. E. 4.2.3.1 hiervor). Damit ist der Beschwerdefüh-
rer letztendlich unberechenbar (vgl. E. 4.2.2 hiervor).
Im Nachgang zum Gutachten meldete sich die Privatklägerin am 8. Juni
2022 an einer neuen Adresse mit einem neuen Mann an (vgl. E. 3.3 hier-
vor). Diese Tatsache war weder dem Beschwerdeführer noch dem Gutach-
ter bekannt und konnte bei der Risikoeinschätzung nicht berücksichtigt wer-
den. Da der Beschwerdeführer weiterhin glaubt, seine Beziehung mit der
Privatklägerin hätte noch eine Chance weiterzubestehen (vgl. E. 4.2.3.1
hiervor), handelt es sich um einen relevanten Umstand, der bei der Wie-
derholungsgefahr zu berücksichtigen ist. Ferner stellte der Gutachter eine
positive Legalprognose, weil sich der Beschwerdeführer in einer stabilen
Lebenssituation befand und auf die Unterstützung seiner Familie zählen
konnte (vgl. E. 4.2.3.1 hiervor). Inzwischen haben sich diese Umstände
ebenfalls geändert, hat er schliesslich seine Arbeitsstelle verloren. Über-
dies sind seine Töchter in eine andere Wohnung gezogen (vgl. E. 3.2 hier-
vor). Ob die Darlegungen des Beschwerdeführers stimmen, dass er nach
- 9 -
der Haftentlassung bei ihnen wird einziehen können, lässt sich nicht über-
prüfen. Ausweislich der Akten nahmen die Töchter diesbezüglich nicht Stel-
lung. Damit stellt dies lediglich eine Behauptung dar, woran auch die
Adressänderung im GERES-Auszug nichts ändert. Sodann lehnt die Pri-
vatklägerin wohl jeglichen Kontakt zu ihm ab, ersuchte sie doch um Ge-
heimhaltung ihrer Adresse (vgl. E. 4.2.3.1 hiervor). Auch in dieser Hinsicht
hat sich seine Lebenssituation somit destabilisiert und dies ist bei der Risi-
kobeurteilung zu berücksichtigen. Überdies hatte die Einnahme des Schlaf-
mittels Einfluss auf das Steuerungsvermögen des Beschwerdeführers und
er befindet sich diesbezüglich nicht in Behandlung, sondern das Absetzen
des Mittels wurde ihm selbst überlassen (vgl. E. 4.2.3.1 hiervor). Dies stei-
gert das Risiko für mögliche Gewalttaten.
Sodann drohte der Beschwerdeführer der Privatklägerin mehrmals mit dem
Tod, sollte sie ihn verlassen (vgl. E. 4.2.3.1 hiervor). Nachdem er bereits
eine Person getötet hat, und die Privatklägerin mit einem neuen Mann zu-
sammenlebt, müssen diese Drohungen ernst genommen werden.
4.2.4.
Der Gutachter sprach zwar von einer nicht relevant erhöhten Rückfallge-
fahr, doch haben sich seit dem Gutachten die Umstände geändert. Vorlie-
gend wird dem Beschwerdeführer ein Mord vorgeworfen. An die Rückfall-
gefahr können daher keine allzu hohen Anforderungen gestellt werden. Es
besteht eine ernsthafte Gefahr, dass der Beschwerdeführer im Fall der
Haftentlassung der Privatklägerin bzw. ihrem neuen Partner wieder auflau-
ert, bei einem Zusammentreffen die Kontrolle verliert und zu einer schwe-
ren Gewalttat schreitet. Die potenziellen Opfer können dieser Gefahr nicht
ausgesetzt werden. Zusammenfassend liegt in casu ein Ausnahmefall vor,
bei dem die Wiederholungsgefahr auch bei einem Ersttäter angenommen
werden kann.
4.3.
4.3.1.
Sodann stellt sich die Frage, ob vorliegend Fluchtgefahr besteht.
4.3.2.
Die Annahme von Fluchtgefahr als besonderer Haftgrund setzt ernsthafte
Anhaltspunkte dafür voraus, dass die beschuldigte Person sich dem Straf-
verfahren oder der zu erwartenden Sanktion durch Flucht entziehen könnte
(Art. 221 Abs. 1 lit. a StPO). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerich-
tes darf die Schwere der drohenden Sanktion zwar als ein Indiz für Flucht-
gefahr gewertet werden. Sie genügt jedoch für sich allein nicht, um einen
Haftgrund zu bejahen. Vielmehr müssen die konkreten Umstände des be-
treffenden Falles, insbesondere die gesamten Lebensverhältnisse der be-
schuldigten Person, in Betracht gezogen werden. So ist es zulässig, ihre
familiären und sozialen Bindungen, ihre berufliche Situation und Schulden
- 10 -
sowie Kontakte ins Ausland und Ähnliches mitzuberücksichtigen (BGE 145
IV 503 E. 2.2, BGE 143 IV 160 E. 4.3, Urteil des Bundesgerichts
1B_548/2021 vom 26. Oktober 2021 E. 2.1). Auch psychische Auffälligkei-
ten, die auf eine besondere Neigung zu Impulsausbrüchen bzw. Kurz-
schlusshandlungen schliessen lassen, können eine Fluchtneigung erhöhen
(BGE 123 I 268 E. 2e, Urteile des Bundesgerichts 1B_88/2014 vom 2. April
2014 E. 4.1 und 1B_34/2013 vom 21. Februar 2013 E. 4.1).
4.3.3.
Der Beschwerdeführer bestreitet die Tötung nicht (vgl. E. 4.1 hiervor). Der
untere Strafrahmen für Mord liegt bei 10 Jahren (Art. 112 StGB), jener für
vorsätzliche Tötung bei fünf Jahren (Art. 111 StGB). Die für den Fall einer
Verurteilung zu erwartende hohe Freiheitsstrafe bildet somit einen starken
Fluchtanreiz (vgl. E. 4.3.2 hiervor).
Der Beschwerdeführer ist Schweizer Staatsbürger mit Wohnsitz hierzu-
lande. Er ist Vater dreier Töchter (Jahrgang 1995, 1997, 2003) und lebte
mit zweien davon in einer Wohnung zusammen (Protokoll der delegierten
Einvernahme von C. als Zeugin vom 12. Februar 2022, S. 1 und 5, in
HA.2022.74, B 7 zum Haftantrag der Staatsanwaltschaft Baden vom
14. Februar 2022). Anlässlich der Eröffnung der Festnahme vom 13. Feb-
ruar 2022 sagte der Beschwerdeführer gegenüber der Staatsanwaltschaft
Baden aus, eigentlich sei das Verhältnis zu seinen drei Töchtern gut gewe-
sen. Danach sei er mit der Privatklägerin zusammen gewesen. Seine Töch-
ter seien gegen ihn gewesen und hätten die Beziehung nicht verstanden.
Die älteste Tochter habe die Privatklägerin gar nicht kennenlernen wollen.
Er habe seinen Töchtern vorgeworfen, die Beziehung zur Privatklägerin zu
zerstören, wenn sie weiter gegen sie seien (Protokoll der Eröffnung der
Festnahme vom 13. Februar 2022, S. 3, 5 und 7 in HA.2022.74, B 2 zum
Haftantrag der Staatsanwaltschaft Baden vom 14. Februar 2022). Die
Töchter des Beschwerdeführers bestätigten dessen Angaben. Sie seien mit
der Beziehung nicht einverstanden gewesen. Der Beschwerdeführer habe
sie beschuldigt, diese zerstört zu haben (Protokoll der delegierten Einver-
nahme von C. als Zeugin vom 12. Februar 2022, S. 6, in HA.2022.74, B 7
zum Haftantrag der Staatsanwaltschaft Baden vom 14. Februar 2022; Pro-
tokoll der delegierten Einvernahme von D. als Zeugin vom 12. Februar
2022, S. 6, in HA.2022.74, B 9 zum Haftantrag der Staatsanwaltschaft Ba-
den vom 14. Februar 2022). Nachdem die Töchter unbestrittenermassen
aus seiner Wohnung ausgezogen sind (vgl. E. 3.2 hiervor), stellt sich die
Frage, wie gut das Verhältnis tatsächlich noch ist. Dieses war bereits durch
die Beziehung zur Privatklägerin angeschlagen. Die familiären Bindungen
des Beschwerdeführers präsentieren sich daher nicht besonders gut und
vermögen nicht zu garantieren, dass er bei einer Entlassung aus der Haft
nicht ins Ausland flieht.
- 11 -
Was seine sonstigen sozialen Bindungen angeht, so scheint der Beschwer-
deführer davon überzeugt, dass seine Beziehung zur Privatklägerin auch
heute noch eine Chance hätte (Forensisch-Psychiatrisches Gutachten vom
11. Mai 2022, S. 30 f., in HA.2022.375, B 3 zum Haftverlängerungsgesuch
der Staatsanwaltschaft Baden vom 4. August 2022). Diese hingegen führte
anlässlich ihrer delegierten Einvernahme durch die Kantonspolizei Aargau
als Zeugin am 13. Februar 2022 aus, der Beschwerdeführer sei nur ein
Freund von ihr. Sie habe ihm keine Hoffnung machen wollen. Sie vermute
jedoch, dass er mehr als eine freundschaftliche Beziehung von ihr gewollt
habe. Der Beschwerdeführer habe gewollt, dass sie sich von ihrem Partner,
dem Opfer, trenne. Die Frage, ob sie ein Verhältnis mit dem Beschwerde-
führer gehabt habe, wolle sie nicht beantworten (Protokoll der delegierten
Einvernahme der Privatklägerin als Zeugin vom 13. Februar 2022, S. 3, 5
und 10, in HA.2022.74, B 4 zum Haftantrag der Staatsanwaltschaft Baden
vom 14. Februar 2022). Auch anlässlich der delegierten Einvernahme
durch die Kantonspolizei Aargau als Zeugin vom 23. Februar 2022 legte
die Privatklägerin dar, sie habe keine Liebe für den Beschwerdeführer emp-
funden und sie seien nur Kollegen (Protokoll der delegierten Einvernahme
der Privatklägerin als Zeugin vom 23. Februar 2022, S. 11, in HA.2022.228,
B 2 zum Haftverlängerungsgesuch der Staatsanwaltschaft Baden vom
4. Mai 2022). Diesen Eindruck von der Beziehung hatte auch eine der
Töchter des Beschwerdeführers, welche sogar davon sprach, die Privatklä-
gerin habe sich geekelt, als der Beschwerdeführer diese am Bein berührt
habe (Protokoll der delegierten Einvernahme von E. als Zeugin vom
16. März 2022, S. 5, in HA.2022.228, B 4 zum Haftverlängerungsgesuch
der Staatsanwaltschaft Baden vom 4. Mai 2022). Eine Beziehung mit der
Privatklägerin scheidet somit nicht nur aufgrund der Tat aus, sondern
wurde von dieser zuvor abgelehnt. Damit mangelt es an dieser sozialen
Bindung und es besteht ein weiterer Grund zur Flucht.
Der Beschwerdeführer war 15 Jahre lang in einem 100%-Pensum für F.
tätig (Protokoll der Eröffnung der Festnahme vom 13. Februar 2022, S. 7,
in HA.2022.74, B 2 zum Haftantrag der Staatsanwaltschaft Baden vom
14. Februar 2022). Diese Anstellung wurde ihm inzwischen gekündigt (vgl.
E. 3.2 hiervor). Demzufolge hat er keinen beruflichen Bezug mehr zur
Schweiz. Nachdem ihm in baldiger Zeit eine langjährige Freiheitsstrafe
droht, ist es praktisch ausgeschlossen, dass er eine neue Stelle findet. Die
berufliche Situation des Beschwerdeführers könnte ihn ebenfalls dazu ver-
leiten ins Ausland zu flüchten.
Auch seine Kontakte zum Ausland sprechen für eine Fluchtgefahr. Zu-
nächst hat der Beschwerdeführer einen Bruder in Z., USA (Protokoll der
delegierten Einvernahme von D. als Zeugin vom 16. März 2022, S. 7, in
HA.2022.228, B 3 zum Haftverlängerungsgesuch der Staatsanwaltschaft
Baden vom 4. Mai 2022). Im September 2021 trennte sich der Beschwer-
deführer nach 20 Jahren Leiden von seiner Ehefrau. Er gab gegenüber der
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Staatsanwaltschaft Baden an, er habe keine gute Ehe gehabt. Die Ehefrau
sei zurück auf die Philippinen gegangen (Protokoll der Eröffnung der Fest-
nahme vom 13. Februar 2022, S. 5 und 7, in HA.2022.74, B 2 zum Haftan-
trag der Staatsanwaltschaft Baden vom 14. Februar 2022). Der Beschwer-
deführer sagte dem psychiatrischen Gutachter gegenüber aus, dass er sich
um seine Ehefrau weiterhin sorge und diese unterstützen wolle. Offenbar
unterstützte er sie finanziell mit Fr. 2'500.00 pro Monat. Eine richtige Schei-
dung sei nie Thema gewesen (Forensisch-Psychiatrisches Gutachten vom
11. Mai 2022, S. 28 und 40 in HA.2022.375, B 3 zum Haftverlängerungs-
gesuch der Staatsanwaltschaft Baden vom 4. August 2022). Demnach hat
der Beschwerdeführer ein gespaltenes Verhältnis seiner Ehefrau gegen-
über. Damit kann eine Flucht auf die Philippinen nicht ausgeschlossen wer-
den, zumal die Scheidung bisher nicht thematisiert wurde. Zudem könnte
der Beschwerdeführer auch zu seinem Bruder in die USA flüchten.
Laut dem Gutachter wird beim Beschwerdeführer durch Passivität und De-
pressivität eine Steuerungsschwäche ausgelöst, die zu kurzzeitigen, aber
fatalen Kontrollverlusten führt (vgl. E. 4.2.3.1 hiervor). Diese psychische
Auffälligkeit kann sicher eine Fluchtneigung erhöhen (vgl. E. 4.3.2 hiervor).
4.3.4.
Zusammenfassend ist somit ernsthaft zu befürchten, der Beschwerdefüh-
rer würde sich in Freiheit der für den Fall einer Verurteilung drohenden
langjährigen Freiheitsstrafe durch Flucht entziehen.
4.4.
Nachdem bereits zwei Haftgründe vorliegen, erübrigt sich die Prüfung der
Kollusionsgefahr (Urteil des Bundesgerichts 1B_142/2021 vom 15. April
2021 E. 4.4).
5.
5.1.
Untersuchungshaft muss verhältnismässig sein (Art. 197 Abs. 1 lit. c und d
StPO) und darf nicht länger dauern als die zu erwartende Freiheitsstrafe
(Art. 212 Abs. 3 StPO). Das zuständige Gericht ordnet anstelle der Unter-
suchungshaft eine oder mehrere mildere Massnahmen an, wenn diese den
gleichen Zweck wie die Haft erfüllen (Art. 237 Abs. 1 StPO) (vgl. zum Gan-
zen etwa Urteil des Bundesgerichts 1B_235/2018 vom 30. Mai 2018
E. 3.1).
Der Wiederholungsgefahr kann insbesondere mit der Auflage, sich nur oder
sich nicht an einem bestimmten Ort oder in einem bestimmten Haus aufzu-
halten (Art. 237 Abs. 2 lit. c StPO) entgegengewirkt werden.
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5.2.
Vorliegend ist die Fluchtgefahr als ausgeprägt einzustufen. Mildere Ersatz-
massnahmen nach Art. 237 StPO, welche sie hinreichend bannen könnten,
sind nicht erkennbar und bei ausgeprägter Fluchtgefahr gemäss einschlä-
giger Praxis des Bundesgerichts ohnehin nicht ausreichend (Urteil des
Bundesgerichts 1B_51/2017 vom 7. März 2017 E. 3.5).
Damit würden sich Ausführungen zu Ersatzmassnahmen betreffend Wie-
derholungsgefahr an sich erübrigen. An dieser Stelle sei jedoch erwähnt,
dass geeignete und hier konkret anwendbare Ersatzmassnahmen, welche
die Wiederholungsgefahr zu bannen vermöchten, nicht ersichtlich sind. Das
vom Beschwerdeführer beantragte Kontaktverbot (wohl im Zusammen-
hang mit einem Annäherungsverbot) gegenüber der Privatklägerin und ih-
rem Arbeitgeber kann vor dem Hintergrund einer möglichen Tötung der Pri-
vatklägerin oder ihres neuen Partners nicht verantwortet werden.
5.3.
Die Dauer der bisher erstandenen und einstweilen um drei Monate bis zum
12. November 2022 zu verlängernden Untersuchungshaft erscheint ange-
sichts des dem Beschwerdeführer zur Last gelegten Deliktes und der bei
einer Verurteilung zu erwartenden (langjährigen) Freiheitsstrafe als verhält-
nismässig. Dem Beschwerdeführer droht schliesslich eine Verurteilung we-
gen Mordes, dessen Tatbestand sogar eine lebenslängliche Freiheitsstrafe
vorsieht. Es besteht daher keine Gefahr für eine Überhaft.
6.
Zusammenfassend ist die am 12. August 2022 vom Zwangsmassnahmen-
gericht des Kantons Aargau verfügte Verlängerung der Untersuchungshaft
um drei Monate bis zum 12. November 2022 nicht zu beanstanden. Die
Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
7.
7.1.
Bei diesem Ausgang hat der Beschwerdeführer die Kosten des Beschwer-
deverfahrens zu tragen (Art. 428 Abs. 1 StPO).
7.2.
Die dem amtlichen Verteidiger des Beschwerdeführers für das vorliegende
Beschwerdeverfahren auszurichtende Entschädigung ist am Ende des
Strafverfahrens von der zuständigen Instanz festzulegen (Art. 135 Abs. 2
StPO).
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