Decision ID: 4a8352f2-45fd-4f17-8a62-c6f14fcc3dee
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Der 1964 geborene Beschwerdeführer meldete sich am 23. November
2021 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Suhr zur Arbeits-
vermittlung an und stellte im Dezember 2021 bei der Arbeitslosenkasse per
13. Dezember 2021 Antrag auf Arbeitslosenentschädigung. Mit Verfügung
vom 10. Januar 2022 stellte der Beschwerdegegner den Beschwerdeführer
ab 6. Januar 2022 während fünf Tagen in seiner Anspruchsberechtigung
ein, weil er eine Weisung vom 22. Dezember 2021 nicht befolgt hatte. Die
vom Beschwerdeführer dagegen erhobene Einsprache vom 3. Februar
2022 wies der Beschwerdegegner mit Einspracheentscheid vom 16. Feb-
ruar 2022 ab.
2.
2.1.
Am 21. Februar 2022 (Poststempel; beim Beschwerdegegner fristgemäss
eingereicht und von diesem zuständigkeitshalber an das Versicherungsge-
richt weitergeleitet) erhob der Beschwerdeführer Beschwerde. Mit verbes-
serter Beschwerde vom 10. März 2022 beantragte er sinngemäss die Auf-
hebung des Einspracheentscheids vom 16. Februar 2022.
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 23. März 2022 beantragte der Beschwerdegeg-
ner die Abweisung der Beschwerde.

Considerations:
Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdegegner den Beschwerdeführer
mit Einspracheentscheid vom 16. Februar 2022 (Vernehmlassungsbeilage
[VB] 28-30) zu Recht ab dem 6. Januar 2022 für 5 Tage in der Anspruchs-
berechtigung eingestellt hat.
2.
2.1.
Gemäss Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person, die Versiche-
rungsleistungen beanspruchen will, mit Unterstützung des zuständigen Ar-
beitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermei-
den oder zu verkürzen. Nach Art. 17 Abs. 2 AVIG muss sich die versicherte
Person möglichst frühzeitig, spätestens jedoch am ersten Tag, für den sie
Arbeitslosenentschädigung beansprucht, persönlich zur Arbeitsvermittlung
anmelden und von da an die Kontrollvorschriften befolgen. Dazu gehört
- 3 -
nach Art. 17 Abs. 3 Satz 2 lit. b AVIG, dass die arbeitslose Person auf Wei-
sung der zuständigen Amtsstelle an Beratungsgesprächen und Informa-
tionsveranstaltungen teilnimmt.
2.2.
Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG ist die versicherte Person in der An-
spruchsberechtigung einzustellen, wenn sie die Kontrollvorschriften und
Weisungen der zuständigen Amtsstelle nicht befolgt, namentlich eine zu-
mutbare Arbeit nicht annimmt oder eine arbeitsmarktliche Massnahme
ohne entschuldbaren Grund nicht antritt, abbricht oder deren Durchführung
oder Zweck durch ihr Verhalten beeinträchtigt oder verunmöglicht. Die Ein-
stellung in der Anspruchsberechtigung dient dazu, die Schadenminde-
rungspflicht der versicherten Personen durchzusetzen. Sie hat die Funktion
einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, welche die ver-
sicherten Personen hätten vermeiden oder vermindern können. Als versi-
cherungsrechtliche Sanktion bezweckt sie die angemessene Mitbeteiligung
der versicherten Person am Schaden, den sie durch ihr Verhalten der Ar-
beitslosenversicherung in schuldhafter Weise natürlich und adäquat kausal
verursacht hat. Ein Selbstverschulden der versicherten Person liegt vor,
wenn und soweit der Eintritt oder das Andauern der Arbeitslosigkeit nicht
objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den persön-
lichen Umständen und Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versi-
cherten Person liegt, für das die Versicherung die Haftung nicht übernimmt
(THOMAS NUSSBAUMER, Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Bd. XIV, Soziale Sicherheit, 3. Aufl.
2016, S. 2511 Rz. 828 mit Hinweisen).
3.
Der Beschwerdegegner führte im angefochtenen Einspracheentscheid im
Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer habe die Weisung vom 22. De-
zember 2021 nicht befolgt und die Bestätigung vom Informationsmodul bis
am 5. Januar 2022 nicht eingereicht. Die mangelnden Deutsch- und Eng-
lischkenntnisse würden keinen entschuldbaren Grund darstellen, womit
eine sanktionswürdige Pflichtverletzung vorliege (VB 28-29).
4.
4.1.
Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer anlässlich des
Erstgesprächs vom 13. Dezember 2021 vom zuständigen RAV-Berater da-
rauf hingewiesen wurde, dass das Informationsmodul bis am 20. Dezem-
ber 2021 zu absolvieren sei (vgl. VB II S. 5 [Prozessorientiertes Beratungs-
protokoll]). Mit schriftlicher Weisung vom 22. Dezember 2021 wurde der
Beschwerdeführer angewiesen, die Bestätigung vom Informationsmodul
bis spätestens am 5. Januar 2022 einzureichen. Bei Nichtbefolgen der Wei-
sung werde geprüft, ob die Taggeldleistungen gekürzt werden müssten
(VB 77). Mit E-Mail vom 3. Januar 2022 wies der zuständige RAV-Berater
- 4 -
den Beschwerdeführer erneut darauf hin, dass das Informationsmodul noch
gemacht werden müsse. Weiter stellte er dem Beschwerdeführer einen
diesbezüglichen Flyer zu (VB 69). Der Beschwerdeführer antwortete glei-
chentags in englischer Sprache per E-Mail und führte aus, er habe die "In-
formation" bereits vor 15 Tagen gemacht. Einen Teil habe er aber nicht
verstanden, also habe er es nicht gemacht (VB 67). Mit zwei E-Mails vom
4. Januar 2022 wies der zuständige RAV-Berater erneut darauf hin, dass
der Test bzw. das Infomodul bis am 5. Januar 2022 zu absolvieren sei
(VB 58; 67).
4.2.
Es steht unbestritten fest, dass der Beschwerdeführer das Informationsmo-
dul bis am 5. Januar 2022 nicht absolviert hat und damit der Weisung vom
22. Dezember 2021 nicht nachgekommen ist. Zu prüfen ist demnach ein-
zig, ob der Beschwerdeführer einen entschuldbaren Grund (beispielsweise
Krankheit oder Unfall) vorbringen kann.
Der Beschwerdeführer macht diesbezüglich im Wesentlichen geltend, er
habe das Informationsmodul nicht absolvieren können, weil er die Sprache
und die Fragen nicht verstehe. Er habe seinen RAV-Berater mehrmals an-
gerufen und sei trotz Erklärung an dem Modul nicht weitergekommen. Aus
der Stellungnahme des zuständigen RAV-Beraters vom 14. Februar 2022
geht jedoch hervor, dass dieser dem Beschwerdeführer anlässlich des
Erstgesprächs Schritt für Schritt erklärt habe, wie vorzugehen sei
(vgl. VB 31). Dass der Beschwerdeführer allenfalls nicht alle Informationen
und Fragen verstehen konnte, ist ferner unerheblich: So führte der zustän-
dige RAV-Berater aus, der Beschwerdeführer könne nach Absolvieren des
Tests auch ein Foto oder ein Screenshot davon zusenden (vgl. VB 67).
Dies spricht dafür, dass vom Beschwerdeführer nicht erwartet wurde, dass
er sämtliche Fragen verstehen und beantworten kann. Anzumerken ist zu-
dem, dass für die erfolgreiche Absolvierung des Tests ebenfalls nicht alle
Fragen, sondern lediglich 75 % der Fragen erfolgreich beantwortet werden
müssen (vgl. www.ag-elearning.ch; zuletzt besucht am 21. Juni 2022).
Bezüglich der Sprachkenntnisse ist sodann anzumerken, dass der Be-
schwerdeführer bei der Anmeldung zur Arbeitsvermittlung angab, dass er
über gute mündliche und schriftliche Deutschkenntnisse und über gute
mündliche und sehr gute schriftliche Englischkenntnisse verfüge
(vgl. VB 91). Weiter absolvierte er bereits im Jahr 2013 während rund sie-
ben Monaten und im Jahr 2014 während rund einem Monat Intensiv-
Deutschkurse (Niveau A2; vgl. VB 84-87). Themen des 90 Lektionen à 45
Minuten umfassenden Sprachkurses im Jahre 2014 waren sodann unter
anderem die Förderung der Sprachverwendung in Situation beim
(Wieder-)Eintritt in den Arbeitsmarkt und die Vermittlung der sprachlich-
kommunikativen Erfordernisse für die Stellensuche, Bewerbungssituatio-
nen sowie der Situationen am Arbeitsplatz. Zudem umfasste der Kurs auch
- 5 -
"AVIG-Grundlagen" (vgl. VB 84). Schliesslich gab der Beschwerdeführer in
seinem Bewerbungsschreiben vom 1. Januar 2022 selber an, er verstehe
und spreche Deutsch (vgl. VB 72). Es ist deshalb davon auszugehen, dass
es dem Beschwerdeführer möglich gewesen wäre, die kurz gefassten Fra-
gen zu verstehen und zu beantworten, zumal lediglich angekreuzt werden
musste, ob die betreffende Aussage zutrifft oder nicht. Eine Schreibfähig-
keit in deutscher Sprache wurde folglich nicht vorausgesetzt.
Das Informationsmodul steht sodann in mehreren Sprachen – unter ande-
rem auch in Englisch – zur Verfügung (vgl. www.ag-elearning.ch; zuletzt
besucht am 21. Juni 2022). Der RAV-Berater konnte demnach nicht davon
ausgehen, dass die Teilnahme am Informationsmodul an den Sprachkennt-
nissen des Beschwerdeführers scheitern würde. Schliesslich machte der
Beschwerdeführer auch erst im Einspracheverfahren geltend, es sei ihm
aufgrund seiner geringen Deutschkenntnisse nicht möglich gewesen, die-
ses zu absolvieren (vgl. VB 34). Ohnehin stellen die mangelhaften Sprach-
kenntnisse keinen entschuldbaren Grund dar, ist es dem – sich seit 2012
in der Schweiz aufhaltenden – Beschwerdeführer im Hinblick auf die Scha-
denminderungspflicht (vgl. E. 2.2. hiervor) doch zuzumuten, sich diesbe-
züglich die notwendige Unterstützung selber zu holen.
Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass der Beschwerde-
gegner einen entschuldbaren Grund (vgl. E. 2.2. hiervor) für das Nichtbe-
folgen der Weisung vom 22. Dezember 2021 (VB 77) verneint hat. Die Ein-
stellung in der Anspruchsberechtigung erfolgte demnach zu Recht.
5.
Die Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtigung bemisst sich nach
dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 Satz 3 AVIG) und beträgt 1 bis
15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem und 31 bis
60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3 AVIV). Gemäss dem
Einstellraster der AVIG-Praxis Arbeitslosenentschädigung des Staatssek-
retariats für Wirtschaft SECO ALE D79, Ziff. 3.B wird, wer eine Weisung
des RAV nicht befolgt, mit 3 bis 10 Einstelltagen sanktioniert.
Der Beschwerdegegner ging davon aus, dass der Beschwerdeführer erst-
mals nicht fristgerecht eine Weisung nicht befolgt habe und verfügte fünf
Einstelltage. Die Dauer der verfügten Einstelltage wird weder vom Be-
schwerdeführer beanstandet noch ergeben sich aus dem vorliegenden
Sachverhalt triftige Gründe, um diesbezüglich vom Ermessen der
Vorinstanz abzuweichen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_342/2017 vom
28. August 2017 E. 4.2. mit Hinweisen). Damit ist der Einspracheentscheid
vom 16. Februar 2022 zu bestätigen und die Beschwerde abzuweisen.
5.1.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen.
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5.2.
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG).
5.3.
Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens
(Art. 61 lit. g ATSG) und dem Beschwerdegegner aufgrund seiner Stellung
als Sozialversicherungsträger (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-
spruch auf Parteientschädigung zu.