Decision ID: 971bcec8-6e69-40c7-afdd-1917c3e53607
Year: 2022
Language: de
Court: AG_SVWG
Chamber: AG_SVWG_002
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Gericht entnimmt den Akten:
1.
Mit Verfügung vom 21. Juli 2020 wurden A. und B. von der Steuerkommis-
sion Q. für das Jahr 2018 zu einem steuerbaren Einkommen von
CHF 231'500.00 (davon qualifizierter Beteiligungsertrag von
CHF 40'000.00) und zu einem steuerbaren Vermögen von CHF 591'000.00
veranlagt. In Abweichung von der Selbstdeklaration wurden unter anderem
für die Liegenschaft GB S. Nr. ddd, Parzelle bbb, Einfamilienhaus,
X-Strasse, ein Eigenmietwert von CHF 16'860.00 aufgerechnet und
pauschale Liegenschaftsunterhaltskosten von CHF 3'372.00 abgezogen.
2.
Gegen die Verfügung vom 21. Juli 2020 liessen A. und B. mit Schreiben
vom 20. August 2020 Einsprache erheben und folgenden Antrag stellen:
"Das steuerbare Einkommen 2018 für die Staats- und Gemeindesteuern sei
gemäss untenstehender Berechnung mit CHF 218'066 zu veranlagen. Die Be-
rechnung setzt sich wie folgt zusammen:
Steuerbares Einkommen gem. def. Steuerveranl. 2018: CHF 231'554
./. Eigenmietwert EFH S. CHF -16'860
+ Liegenschaftsunterhaltskosten pauschal EFH S. CHF +3'372
Steuerbares Einkommen StSt und Gd'Steuern 2018 CHF 218'066
Steuerbares Einkommen 2018 Q. CHF 178'066
Beteiligungsertrag Q. CHF 40'000
Das steuerbare Einkommen 2018 für die direkte Bundessteuer sei analog an-
zupassen."
3.
Mit Entscheid vom 19. April 2021 wies die Steuerkommission Q. die
Einsprache ab.
4.
Den Einspracheentscheid vom 19. April 2021 (Zustellung an A. und B. am
7. Mai 2021, an ihre Vertreterin am 11. Mai 2021) liessen A. und B. mit
Rekurs vom 19. Mai 2021 und 4. Juni 2021 (Postaufgabe gleichentags)
fristgerecht an das Spezialverwaltungsgericht, Abteilung Steuern,
weiterziehen. Sie lassen folgenden Antrag stellen:
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"Das steuerbare Einkommen 2018 für die Staats- und Gemeindesteuern sei
gemäss untenstehender Berechnung mit CHF 218'066 zu veranlagen. Die Be-
rechnung setzt sich wie folgt zusammen:
Steuerbares Einkommen gem. def. Steuerveranl. 2018: CHF 231'554
./. Eigenmietwert EFH S. CHF -16'860
+ Liegenschaftsunterhaltskosten pauschal EFH S. CHF +3'372
Steuerbares Einkommen StSt und Gd'Steuern 2018 CHF 218'066
Steuerbares Einkommen 2018 Q. CHF 178'066
Beteiligungsertrag Q. CHF 40'000
Das steuerbare Einkommen 2018 für die direkte Bundessteuer sei analog an-
zupassen."
Auf die Begründung wird, soweit für die Entscheidung erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.
5.
Die Steuerkommission Q. sowie das Kantonale Steueramt beantragen die
Abweisung des Rekurses.
6.
A. und B. liessen keine Replik erstatten.
- 4 -

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Der vorliegende Rekurs betrifft die Kantons- und Gemeindesteuern sowie
die direkte Bundessteuer 2018.
1.2.
Gegenstand der Veranlagungsverfügung vom 21. Juli 2020 sowie des Ein-
spracheentscheids vom 19. April 2021 sind nur die Kantons- und Gemein-
desteuern 2018. Auf den Antrag, wonach das steuerbare Einkommen 2018
für die direkte Bundessteuer analog anzupassen sei, ist daher nicht einzu-
treten.
1.3.
Massgebend für die Beurteilung ist das Steuergesetz vom 15. Dezember
1998 (StG).
2.
2.1.
Mit Verfügung vom 16. April 2020 setzte das Kantonale Steueramt, Sektion
Grundstückschätzung, den Eigenmietwert für die Liegenschaft GB S.
Nr. ddd, Parzelle bbb, Einfamilienhaus, X-Strasse, ab der Steuerperiode
2018 auf CHF 16'860.00 fest. Diese Verfügung ist in Rechtskraft
erwachsen.
2.2.
Die Vorinstanz rechnete in der Veranlagung sowie im Einspracheentscheid
für die Liegenschaft in S. einen Eigenmietwert von CHF 16'860.00 auf und
zog pauschale Liegenschaftsunterhaltskosten von CHF 3'372.00 ab. Zur
Begründung führt sie aus, dass während rund drei Jahren keine Bemü-
hungen für eine Vermietung oder einen Verkauf nachgewiesen seien; erst-
malige Vermietungsbemühungen seien mit dem Inserat vom 21 August
2020 nachgewiesen. Renovationsarbeiten, welche gegen eine objektive
Nutzbarkeit sprechen würden, seien ebenfalls nicht aktenkundig. Es sei da-
her praxisgemäss von Eigengebrauch auszugehen (vgl. Einspracheent-
scheid und Vernehmlassung vom 14. Juli 2021).
2.3.
Die Rekurrenten lassen beantragen, dass betreffend die Liegenschaft in S.
kein Eigenmietwert von CHF 16'860.00 aufzurechnen und keine pau-
schalen Liegenschaftsunterhaltskosten von CHF 3'372.00 abzuziehen
seien. Deren Vertreterin führt aus, dass die Rekurrenten mit ihren Kindern
ihr Einfamilienhaus in Q. bewohnen würden. Das Einfamilienhaus in S. sei
leer gestanden mit der Absicht, einen geeigneten Mieter zu finden. Es sei
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nicht zur Eigennutzung zur Verfügung gestanden, und es habe auch nicht
die Absicht zur Bereithaltung für eigene Zwecke bestanden.
Dementsprechend sei das Haus während des Leerstandes auch nicht möb-
liert gewesen. Das Haus in S. sei auf dem Portal "www.aaa.ch" unter der
Rubrik "zu vermieten" publiziert gewesen und seit Herbst 2020 wieder
vermietet. Während des Leerstandes habe für die Rekurrenten nie ein Nut-
zenertrag bestanden (vgl. Rekurs).
3.
3.1.
3.1.1.
Bei der Einkommenssteuer ist der Mietwert von Liegenschaften oder Lie-
genschaftsteilen steuerbar, soweit sie der steuerpflichtigen Person auf
Grund von Eigentum oder eines unentgeltlichen Nutzungsrechts für den Ei-
gengebrauch zur Verfügung stehen (§ 30 Abs. 1 lit. b StG; Art. 7 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kan-
tone und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 [StHG]).
3.1.2.
Rechtsprechungsgemäss ist ein steuerlich relevanter Eigengebrauch (nur)
insoweit nicht gegeben, als eine Liegenschaft aufgrund von objektiven,
äusseren Umständen nicht benutzt werden kann. Gleich verhält es sich,
wenn ein Objekt leer steht, weil es trotz entsprechender Absicht und ernst-
hafter Bemühungen nicht vermietet oder verkauft werden kann; auch dies-
falls unterbleibt die Nutzung aufgrund eines äusseren Faktors. Demgegen-
über ist selbst dann ein steuerrechtlich massgeblicher Eigengebrauch an-
zunehmen, wenn ein Eigentümer die Liegenschaft zwar nicht tatsächlich
bewohnt, sich aber das Recht hierzu vorbehält, ohne es auszuüben; auch
in einem solchen Fall hat er die Liegenschaft inne, weil er sie jederzeit be-
ziehen kann (Bundesgerichtsurteil vom 7. Oktober 2020 [2C_ 509/2020]
E. 3. = StE 2021 B 25.3 Nr. 48 = StR 2020 S. 930; SGE vom 22. März 2018
[3-RV.2016.60]).
3.1.3.
In Bezug auf die Beweislast gilt Folgendes: Der Nachweis für steuerbegrün-
dende oder steuererhöhende Tatsachen obliegt der Steuerbehörde, der
Nachweis für steueraufhebende oder steuermindernde Tatsachen der
steuerpflichtigen Person; diese hat die entsprechenden Tatsachen also
nicht nur zu behaupten, sondern auch zu belegen (BGE 140 II 248 E. 3.5;
Bundesgerichtsurteil vom 7. Oktober 2020 [2C_ 509/2020] E. 1.4. = StE
2021 B 25.3 Nr. 48 = StR 2020 S. 930; VGE vom 4. November 2009
[WBE.2009.18]; SGE vom 21. April 2022 [3-RV.2020.176]).
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2C_509%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-II-248%3Ade&number_of_ranks=0#page248
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3.2.
Die Rekurrenten haben betreffend die Liegenschaft in S., welche im Ei-
gentum des Rekurrenten steht, grundsätzlich einen Eigenmietwert zu ver-
steuern. Der Nachweis für die steuermindernde Tatsache, dass ein steuer-
lich relevanter Eigengebrauch der Liegenschaft in S. im Jahr 2018 aufgrund
von objektiven, äusseren Umständen nicht gegeben war, obliegt den
Rekurrenten.
3.3.
3.3.1.
Die Rekurrenten liessen zusammen mit der Einsprache ein Inserat von
www.aaa.ch einreichen, wonach die Liegenschaft in S. zu vermieten ist.
Dieses Inserat war gemäss Suche der Vorinstanz vom 24. August 2020 auf
dem Immobilien-Portal von E. (auf diesem finden sich sämtliche Angebote
der grössten Immobilienmarktplätze in der Schweiz; vgl. www.ccc.ch)
erstmals am 21. August 2020 online. Damit vermögen die Rekurrenten
offensichtlich keine ernsthaften Vermietungsbemühungen für das Jahr
2018 nachzuweisen.
3.3.2.
Weitere Vermietungsbemühungen im Jahr 2018 sind weder geltend ge-
macht noch nachgewiesen. Vielmehr soll die Rekurrentin auf ein Schreiben
des Gemeindesteueramts Q. vom 10. Februar 2020 hin am 17. Februar
2020 telefonisch mitgeteilt haben, dass die Liegenschaft in S. seit dem
1. Oktober 2017 leer stehe, keine Vermietungsbemühungen unternommen
worden seien, da sie auf entsprechende Erträge grundsätzlich nicht
angewiesen seien, und die Absicht bestehe, die Liegenschaft ab 2020
wieder zu vermieten.
3.3.3.
Den Rekurrenten gelingt es somit nicht, ernsthafte Vermietungsbemühun-
gen hinsichtlich der Liegenschaft in S. für das Jahr 2018 nachzuweisen.
3.4.
In der Einsprache wird ausgeführt, dass das Einfamilienhaus in S. vorerst
für Sanierungsarbeiten leer gestanden sei. Mit dieser lediglich behaupteten
und nicht belegten Tatsache vermögen die Rekurrenten nicht zu beweisen,
dass die Liegenschaft in S. im Jahr 2018 aufgrund von Reno-
vationsarbeiten nicht habe benutzt werden können. Dies gilt umso mehr,
als im Inserat auf www.aaa.ch als letztes Renovationsjahr 2014 angegeben
ist und im Rekurs ausgeführt wird, dass keine grösseren Unterhaltsarbeiten
nötig gewesen seien, um das Einfamilienhaus in S. erneut vermieten zu
können.
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3.5.
Dass die Liegenschaft in S. leer gestanden und nicht möbliert gewesen sei,
und dass den Rekurrenten ihr Einfamilienhaus in Q. zur Eigennutzung zur
Verfügung stehe, ist für die rechtliche Würdigung nicht relevant. Ebenso
wenig trifft zu, dass das Einfamilienhaus in S. den Rekurrenten im Jahr
2018 nicht für eigene Zwecke zur Verfügung gestanden sei und keine
Absicht bestanden habe, dieses für eigene Zwecke bereitzuhalten. Die
Rekurrenten haben die Liegenschaft in S. im Jahr 2018 zwar nicht
tatsächlich bewohnt, sich das Recht hierzu allerdings vorbehalten, da keine
objektiven, äusseren Umstände vorliegen, aufgrund derer die Liegenschaft
nicht genutzt werden konnte.
3.6.
Die Vorinstanz hat den Rekurrenten für die Liegenschaft in S. demnach zu
Recht einen Eigenmietwert aufgerechnet. Dessen Höhe von
CHF 16'860.00 ist aufgrund der in Rechtskraft erwachsenen Verfügung
vom 16. April 2020 nicht zu beanstanden.
4.
4.1.
Gemäss § 39 Abs. 5 StG können für Grundstücke des Privatvermögens an
Stelle der tatsächlichen Kosten und Prämien folgende Pauschalabzüge
geltend gemacht werden:
a) für Gebäude, die zu Beginn der Steuerperiode oder beim Eintritt in die
aargauische Steuerpflicht bis und mit 10 Jahre alt sind: 10 % des ge-
samten Mietrohertrages;
b) für Gebäude, die zu Beginn der Steuerperiode oder beim Eintritt in die
aargauische Steuerpflicht über 10 Jahre alt sind: 20 % des gesamten
Mietrohertrages.
4.2.
Das Einfamilienhaus in S. ist mit Baujahr 1987 mehr als zehn Jahre alt.
Zudem haben die Rekurrenten diesbezüglich keine tatsächlichen Kosten
geltend gemacht. Die Vorinstanz hat daher zu Recht pauschale Liegen-
schaftsunterhaltskosten von 20 % des gesamten Mietrohertrages von
CHF 16'860.00, das heisst von CHF 3'372.00 abgezogen.
5.
Der Rekurs erweist sich somit als unbegründet und ist abzuweisen.
6.
Bei diesem Verfahrensausgang haben die Rekurrenten die Kosten des Re-
kursverfahrens zu tragen (§ 189 Abs. 1 StG). Es ist keine Parteikostenent-
schädigung auszurichten (§ 189 Abs. 2 StG).
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