Decision ID: f219e46c-f85b-5fbe-ad27-a8426aa8844d
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 18. Mai 2018 im Bundesasylzentrum
(BAZ) B._ um Asyl nach. Dort wurde er am 29. Mai 2018 zu seinen
Personalien und summarisch zu seinem Reiseweg und seinen Fluchtgrün-
den befragt (Befragung zur Person [BzP]). Am 25. September 2019 wurde
er durch eine Mitarbeiterin des SEM vertieft angehört.
A.b Anlässlich der BzP und der Anhörung machte der Beschwerdeführer
im Wesentlichen geltend, er sei türkischer Staatsangehöriger kurdischer
Ethnie und stamme C._, wo er bis zur Ausreise gelebt und nach
Abschluss des (...) auf dem (...) mitgeholfen sowie manchmal auch auf
Baustellen gearbeitet habe. Seit etwa 2013 oder 2014 habe er regelmässig
an kurdischen Feierlichkeiten und Kundgebungen sowie an einigen von der
Halklarin Demokratik Partisi (HDP) organisierten Veranstaltungen teilge-
nommen, wobei er aber nie eine führende Rolle ausgeübt habe. Am 22. Juli
2015 sei er anlässlich einer gegen das "Suruç-Gemetzel" (Anmerkung des
Gerichts: Terroranschlag in der Grenzstadt Suruç vom 20. Juli 2015, wel-
cher 34 Todesopfer und zahlreiche Verletzte forderte) gerichteten Protest-
kundgebung und am 21. März 2017 während der Newroz-Feierlichkeiten
von Polizisten mitgenommen worden. Bei der zweiten Festnahme sei er
nicht nur befragt, sondern auch – unter massiven Drohungen – aufgefor-
dert worden, als Spitzel tätig zu werden. Obwohl er sich nicht dazu bereit
erklärt habe, sei er nach 24 Stunden wieder freigelassen worden. In der
Folge sei er aber unter ständiger Beobachtung gestanden, und er sei wei-
tere Male für Spitzeltätigkeiten angeworben worden. Anlässlich der
Newroz-Festivitäten des folgenden Jahres sei er erneut festgenommen
worden, und bei der Kundgebung zu Ehren des Geburtstags von Abdullah
Öcalan am 4. April 2018 sei er von Polizisten geschlagen, gefesselt und
mit verbundenen Augen an einen unbekannten Ort, vermutlich auf einen
Polizeiposten, gebracht worden. Dort sei er beschimpft und misshandelt
worden, wobei die Schläge zugenommen hätten, als bekannt geworden
sei, dass er bereits einen Antrag für ein Visum (für D._) gestellt habe.
Nach drei Tagen sei er unter der Auflage, das Dorf nicht zu verlassen, frei-
gekommen. Am 29. April 2018, als er sich wieder in besserer körperlicher
Verfassung befunden habe, habe er die Türkei verlassen und sei auf dem
Landweg, durch nicht namentlich genannte Länder, unter Umgehung der
Grenzkontrollen bis in die Schweiz gereist. Wie er durch seine in der
Schweiz wohnhaften Verwandten erfahren habe, hätten sich Angehörige
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der Gendarmerie nach seiner Ausreise mehrmals in seinem Elternhaus
nach ihm erkundigt und auch Hausdurchsuchungen durchgeführt.
A.c Der Beschwerdeführer reichte im Verlauf des vorinstanzlichen Verfah-
rens seine Identitätskarte, seinen Führerausweis, ein Ehefähigkeitszeugnis
sowie Auszüge aus dem Personen- und Geburtsregister zu den Akten; sei-
nen Reisepass habe er in der Türkei zurückgelassen beziehungsweise ver-
nichtet.
B.
Mit Verfügung vom 16. Juli 200 (recte: 2020) – eröffnet am 18. Juli 2020 –
stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus
der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
C.
C.a Der Beschwerdeführer erhob durch seinen Rechtsvertreter mit Ein-
gabe vom 17. August 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde.
Dabei beantragte er, die angefochtene Verfügung sei wegen Verletzung
des Anspruchs auf rechtliches Gehörs [2], eventualiter der Begründungs-
pflicht [3] aufzuheben, und die Sache sei an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen, eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und zur Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhaltes und zur Neubeurteilung an das SEM zu-
rückzuweisen [4], eventualiter sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustel-
len und ihm Asyl zu gewähren [5], eventualiter sei die Verfügung in den
Ziffern 5 und 6 aufzuheben und die Unzulässigkeit oder zumindest die Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen [6].
In prozessualer Hinsicht beantragte er, das Bundesverwaltungsgericht
habe unverzüglich darzulegen, welche Gerichtspersonen mit der Behand-
lung der vorliegenden Sache betraut worden seien. Gleichzeitig habe das
Bundesverwaltungsgericht bekannt zu geben, wie diese Gerichtspersonen
ausgewählt worden seien. Falls in die Auswahl eingegriffen worden sei,
habe das Gericht die objektiven Kriterien bekannt zu geben, nach denen
die Gerichtspersonen ausgewählt worden seien. Dem Beschwerdeführer
sei dazu Einsicht in die Datei der Software des Bundesverwaltungsgerichts
zu gewähren, mit welcher diese Auswahl nach Eingang der Beschwerde
kreiert worden sei und es sei offenzulegen, wer diese Auswahl getroffen
habe [1].
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C.b Zur Stützung seiner Anträge reichte er eine CD-ROM mit zahlreichen
Unterlagen betreffend die Lage in der Türkei zu den Akten.
D.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 18. August 2020 den Ein-
gang der Beschwerde.
E.
Die Instruktionsrichterin teilte dem Beschwerdeführer mit Zwischenverfü-
gung vom 7. September 2020 mit, er dürfe den Abschluss des Verfahrens
gestützt auf Art. 42 AsylG (SR 142.31) in der Schweiz abwarten und das
Beschwerdeverfahren werde in deutscher Sprache geführt. Sodann infor-
mierte sie ihn antragsgemäss über das Spruchgremium, unter Vorbehalt
allfälliger Änderungen im Verlauf des Verfahrens. Ferner werde auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses verzichtet (Art. 63 Abs. 4 letzter Satz
VwVG). Ebenfalls mit Zwischenverfügung vom 7. September 2020 wurde
die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung bis zum 22. Septem-
ber 2020 eingeladen.
F.
In seiner Vernehmlassung vom 21. September 2020 hielt das SEM vollum-
fänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be-
schwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das
bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VwVG und Art. 6 AsylG).
1.4 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert, weshalb auf
die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten ist (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Dem Rechtsvertreter wurde mit Zwischenverfügung vom 7. September
2020 die Zusammensetzung des Spruchgremiums bekanntgegeben.
Diese Zusammensetzung hat sich zwischenzeitlich nicht geändert. Auf den
mit der Beschwerdeschrift gestellten Antrag auf Bekanntgabe, wie die Ge-
richtspersonen ausgewählt worden seien, ist nicht einzutreten (vgl. Urteil
des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4.3). Für weitere Ausführun-
gen besteht kein Anlass, da die im Verfahrensantrag formulierte Bedingung
nicht eingetreten ist.
4.
Die vorinstanzliche Vernehmlassung wird dem Beschwerdeführer mit dem
vorliegenden Urteil zur Kenntnis gebracht.
5.
5.1 In der Beschwerdeschrift wird eine Verletzung des Anspruchs auf recht-
liches Gehör, der Begründungspflicht sowie eine unvollständige und un-
richtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt. Diese for-
mellen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet wären, eine
Kassation der vorinstanzlichen Verfügung herbeizuführen.
5.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die
Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
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rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-
digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-
klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen (vgl.
BVGE 2012/21 E. 5.1. m.w.H.).
Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör,
welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei ein-
zuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur
Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1).
Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein,
dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht. Nicht erforderlich ist,
dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-
nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 143 III 65 E. 5.2).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un-
richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
6.
6.1 In der Beschwerde (vgl. S. 5–7 und 12) wird zunächst der Vorwurf er-
hoben, die angefochtene Verfügung sei von einer Mitarbeiterin des SEM
verfasst worden, welche die deutsche Sprache nur rudimentär beherrsche.
Dies ergebe sich daraus, dass im Entscheid vom 16. Juli 2020 als Sach-
verhalt nur das in französischer Sprache abfasste Protokoll der BzP auf
gerade mal siebeneinhalb Zeilen zusammengefasst worden sei, wohinge-
gen die in der ausführlichen Anhörung vom 25. September 2019 gemach-
ten, wichtige zusätzliche Sachverhalte enthaltenden Ausführungen des Be-
schwerdeführers nicht den geringsten Eingang in die Sachverhaltsannah-
men des SEM gefunden hätten. Da das Anhörungsprotokoll vom 25. Sep-
tember 2019, aus welchem erst die Dimension und die tiefere Verfolgung
ersichtlich werde, offensichtlich nicht ausreichend verstanden und dement-
sprechend auch nicht herangezogen worden sei, sei die Asylrelevanz der
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Verfolgung des Beschwerdeführers nicht korrekt geprüft und erkannt wor-
den. Diese Nichtberücksichtigung des Sachverhalts aus der Anhörung
müsse auch als schwerstmögliche Verletzung der Begründungspflicht an-
gesehen werden.
Sodann wird gerügt, der Beschwerdeführer sei – obschon im Kanton
E._ wohnhaft – in französischer Sprache summarisch befragt und
auch die Verfügung vom 16. Juli 2020 sei in französischer Sprache abge-
fasst worden. Überdies sei entgegen der Ankündigung in der angefochte-
nen Verfügung nicht einmal das Dispositiv in die deutsche Sprache über-
setzt worden. Mit der Anwendung der Ausnahmeregelung von Art. 16 Abs.
3 Bst. b AsylG im vorliegenden Asylverfahren sei der Rechtsschutz des Be-
schwerdeführers massiv eingeschränkt worden, seien doch die Überset-
zungsmöglichkeiten von Französisch auf Tamilisch (recte wohl: Türkisch)
im Kanton E._ massiv kleiner als etwa im Kanton F._, und
auch die Suche nach einer Französisch sprechenden Rechtsvertretung ge-
stalte sich viel schwieriger (vgl. Beschwerde S. 7–10).
Des Weiteren wird geltend gemacht, der Umstand, dass der Entscheid
nicht von der gleichen Mitarbeiterin verfasst worden sei, die den Beschwer-
deführer zuvor angehört habe, habe zu einem weiteren erheblichen Nach-
teil für den Beschwerdeführer geführt, zumal die Übergabe des Dossiers
ins BAZ G._ zwecks Ausfällung auch aus prozessökonomischer
Sicht sinnlos sei (vgl. Beschwerde S. 10 f.).
Schliesslich wird einerseits – unter Hinweis auf die entsprechenden auf der
beigelegten CD-ROM abgespeicherten Berichte und Unterlagen – die un-
vollständige und unrichtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts
insbesondere hinsichtlich der politischen und menschenrechtlichen Lage
in der Türkei und andererseits eine unvollständige Abklärung der anhalten-
den Verfolgung des Beschwerdeführers beanstandet (vgl. Beschwerde
S. 12–28).
6.2 Das SEM nimmt in seiner Vernehmlassung vom 21. September 2020
mit keinem Wort zu den in der Beschwerdeschrift geäusserten formellen
Rügen Stellung. Es hält daran fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers
vermöchten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von
Art. 3 AsylG nicht zu genügen und führte im Weiteren aus, die Schilderun-
gen des Beschwerdeführers seien zu wenig substanziiert ausgefallen. Ins-
besondere habe er weder genaue Angaben zum Ort der Kundgebungen
oder zu der ihn angeblich verfolgenden Behörde machen können noch
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habe er Dokumente zu den Akten gegeben, welche belegen könnten, dass
er in der Türkei registriert und gegen ihn ein Haftbefehl ausgestellt worden
wäre oder dass dafür ein aktuelles Risiko bestehen würde.
6.3 Das Gericht hat sich vorab mit der Frage zu befassen, ob das SEM –
wie in der Beschwerde behauptet – mit der Abweichung vom Grundsatz,
Verfügungen in der am Wohnort des Beschwerdeführers gesprochenen
Sprache zu verfassen, die Verfahrensrechte des Beschwerdeführers ver-
letzt hat.
6.3.1 Der Beschwerdeführer hat sein Asylgesuch am 18. Mai 2018 gestellt.
Massgeblich ist daher – wie bereits festgestellt (E. 1.1) – das zu diesem
Zeitpunkt geltende Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
6.3.2 Gemäss aArt. 16 Abs. 2 AsylG (in der Fassung Stand 1. Oktober
2016) werden Verfügungen oder Zwischenverfügungen des SEM in der
Sprache eröffnet, die am Wohnort der Asylsuchenden Amtssprache ist.
Das SEM kann gemäss Abs. 3 ausnahmsweise davon abweichen, wenn
die asylsuchende Person oder deren Rechtsvertreterin oder Rechtsvertre-
ter einer anderen Amtssprache mächtig ist (Bst. a); dies unter Berücksich-
tigung der Gesuchseingänge oder der Personalsituation vorübergehend für
eine effiziente und fristgerechte Gesuchserledigung erforderlich ist (Bst. b);
oder die asylsuchende Person in einem Empfangs- und Verfahrenszent-
rum direkt angehört und einem Kanton mit einer anderen Amtssprache zu-
gewiesen wird (Bst. c). Diese Bestimmung war mit der Asylgesetzrevision
am 1. Februar 2014 in das Asylgesetz aufgenommen worden.
Praxisgemäss ist in der Regel dem Grundsatz Rechnung zu tragen, dass
die Verfügung in der Sprache erlassen werde, die am Wohnsitz der asyl-
suchenden Person Amtssprache ist. Die vom Gesetzgeber vorgesehenen
Ausnahmen sind begrenzt durch das Recht auf wirksame Beschwerde und
einen fairen Prozess (Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 13 EMRK). Eine Verfügung
kann ausnahmsweise in einer anderen Amtssprache ergehen, wenn
gleichzeitig im Gegenzug geeignete Korrektivmassnahmen getroffen wer-
den, die das Recht auf eine wirksame Beschwerde und auf einen fairen
Prozess gewährleisten. Sofern die Vorinstanz keine geeigneten Korrektiv-
massnahmen ergriffen hat – was sich regelmässig erst auf der Stufe des
Beschwerdeverfahrens herausstellt – kommt die Kassation der angefoch-
tenen Verfügung einzig aus dem Grund, dass die Regeln betreffend die
anzuwendende Verfahrenssprache verletzt wurden, grundsätzlich dann
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nicht in Frage, wenn die beschwerdeführende Person im Beschwerdever-
fahren von einem professionellen Rechtsvertreter vertreten wird. Die Vor-
instanz kann in einem solchen Fall aber zur Leistung einer Entschädigung
verpflichtet werden für allfällige nützliche Auslagen, die der unterliegenden
Partei entstehen, um diesen Mangel zu beheben (vgl. Entscheide und Mit-
teilungen der ARK [EMARK 2004 Nr. 29 E. 7 ff.], Urteile des BVGer
E-5882/2019 vom 2. März 2020 E. 6 ff., D-1361/2020 vom 3. November
2020 E. 6 ff. [zur Publikation vorgesehen]; E-3640/2020 vom 29. Januar
2021 E. 4.5).
6.3.3 Der Beschwerdeführer hat seinen Wohnsitz im Kanton E._
und damit in einem Gebiet, welches der deutschen Amtssprache untersteht
(...). Es wäre mithin der Erlass einer Verfügung in deutscher Sprache die
Regel gewesen. Das SEM beruft sich in der Begründung seiner Verfügung
auf eine Situation, welche es in Anwendung von aArt. 16 Abs. 2 Bst. b
AsylG rechtfertige, die Verfügung ausnahmsweise in einer anderen als der
am Wohnort gesprochenen, vorliegend in der französischen Sprache, zu
erlassen. Weiter wurde festgehalten, dass es sich um eine vorüberge-
hende Massnahme handle, die dem zügigen Abbau der bei der Vorinstanz
noch pendenten, rund 8'000 altrechtlichen Verfahren diene. Zum besseren
Verständnis werde das Dispositiv, welches das Wesentliche der Verfügung
zusammenfasse, in die deutsche Sprache übersetzt; rechtlich verbindlich
sei allerdings der Haupttext auf Französisch (vgl. Ziff. I, letzter Abschnitt).
6.3.4 Entgegen der Darstellung in der angefochtenen Verfügung wurde das
Dispositiv indessen nicht auch in deutscher Sprache ausgefertigt. Ebenso
wenig wurde die Rechtsmittelbelehrung übersetzt. Das vom SEM gewählte
Vorgehen erscheint – insbesondere in Anbetracht der fehlenden Korrektiv-
massnahme der Ausfertigung des Dispositivs der Verfügung in die Amts-
sprache am Wohnort des Beschwerdeführers und trotz der Tatsache, dass
es dem Beschwerdeführer vorliegend offensichtlich mit Hilfe des von ihm
mandatierten Rechtsvertreters möglich war, eine in jeder Hinsicht rechts-
genügliche Beschwerde einzureichen – zumindest fragwürdig. Die vorin-
stanzliche Verfügung hinterlässt insgesamt den Eindruck einer nicht sehr
sorgfältigen Redaktion (Verfügungsdatum: 16. Juli 200, Datum der BzP
28. Mai 2018 anstelle 29. Mai 2018, der Hinweis auf angebliche unglaub-
hafte Angaben, obschon keine Glaubhaftigkeitsprüfung vorgenommen
wurde in Ziff. III/1 S. 3). Eine abschliessende Prüfung des in Art 29a BV
und Art. 13 EMRK garantierten Anspruches auf effektiven gerichtlichen
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Rechtsschutz kann vorliegend allerdings unterbleiben, da die angefoch-
tene Verfügung – wie nachfolgend (E. 6.4 f.) aufgezeigt wird – aus anderen
verfahrensrechtlichen Gründen zu kassieren ist.
6.4 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Anspruchs auf rechtli-
ches Gehörs und der Begründungspflicht sowie eine unrichtige und unvoll-
ständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts.
6.4.1 In der Beschwerdeschrift wird zu Recht bemerkt, dass das SEM im
Sachverhalt seiner angefochtenen Verfügung (vgl. II 2.) im Wesentlichen
lediglich die vom Beschwerdeführer in der BzP geschilderten Gesuchs-
gründe (vgl. act. A7 Ziff. 7.01) dahingehend auf wenige Zeilen zusammen-
gefasst hat, dass jener die HDP unterstützt und an Kundgebungen gegen
das Regime teilgenommen habe, wobei er in den Jahren 2015, 2017 und
2018 kurzzeitig festgenommen und nach der letzten Freilassung immer von
den Behörden überwacht und bedroht worden sei. Anlässlich der Anhörung
vom 25. September 2019 hatte der Beschwerdeführer seine anlässlich der
BzP gemachten Aussagen allerdings mit verschiedenen Angaben zu den
Kundgebungen in C._ ergänzt und überdies erklärt, in der Haft
misshandelt und zur Spitzeltätigkeit aufgefordert worden zu sein; auch
nach der Freilassung hätten Sicherheitsleute immer wieder versucht, ihn
als Spitzel anzuwerben und ihm dafür auch Geld angeboten (vgl. act. A20
zu F52, F71–F74, F82 und F92 f.). Ausserdem gab er an, nach seiner Aus-
reise hätten Angehörige der Gendarmerie mindestens zweimal nach ihm
gesucht, und es habe seinetwegen auch Hausdurchsuchungen gegeben
(vgl. act. A20 zu F19–F22 und F107).
6.4.2 Diese im Verlauf der mehr als dreieinhalb Stunden dauernden Anhö-
rung vorgebrachten, durchaus wesentlich erscheinenden Ergänzungen
fanden indessen weder in den Sachverhalt noch in die (knappen) Erwä-
gungen der SEM-Verfügung vom 16. Juli 2020 (vgl. Ziff. III 1.und 2) Ein-
gang und wurden auch in der Vernehmlassung vom 21. September 2020
nicht erwähnt. Damit ist weder für den Beschwerdeführer noch für das Bun-
desverwaltungsgericht ersichtlich, ob die Vorinstanz tatsächlich sämtliche
vom Beschwerdeführer vorgetragenen Umstände in seine Entscheidfin-
dung einbezogen hat. Das Bundesverwaltungsgericht erachtet deshalb
den in der angefochtenen Verfügung wiedergegebenen Sachverhalt als un-
vollständig und aus diesem Grund auch als nicht richtig erstellt. Die Frage,
ob der den angefochtenen Entscheid redigierende Sachbearbeiter – wie
vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vermutet – tatsächlich die
deutsche Sprache nicht ausreichend beherrscht und daher den Inhalt des
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Seite 11
Anhörungsprotokolls nicht oder zumindest nicht vollumfänglich verstanden
hat, ist nicht entscheidend, auch wenn diese Vermutung nahe liegt.
6.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den Anspruch
des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt hat, indem sich aus
der angefochtenen Verfügung nicht ergibt, ob alle für den Entscheid we-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden. Bei dieser Sachlage er-
übrigt es sich, auf die weiteren verfahrens- und materiellrechtlichen Vor-
bringen einzugehen.
7.
Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht
in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an
die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-
stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-
ren ist. Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätz-
lich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden,
wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht er-
scheint; sie muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5). Vorliegend liegt
der Mangel in einer unvollständigen Sachverhaltsfeststellung sowie einer
Verletzung der Begründungspflicht, weshalb sich eine Kassation der ange-
fochtenen Verfügung rechtfertigt. Im Übrigen bleibt auf diese Weise der In-
stanzenzug erhalten, was umso wichtiger ist, als das Bundesverwaltungs-
gericht letztinstanzlich entscheidet.
8.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit die Aufhe-
bung der angefochtenen Verfügung beantragt wird. Die Verfügung vom
16. Juli 2020 ist aufzuheben und die Sache zur vollständigen Feststellung
des Sachverhalts – insbesondere unter Einbezug des gesamten Inhalts
des Anhörungsprotokolls vom 25. September 2019 – und anschliessenden
Neubeurteilung unter Würdigung aller entscheidwesentlichen Sachverhalt-
selemente und eingereichten Beweismittel an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
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9.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG kann der obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für die ihr
erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zugespro-
chen werden (vgl. für die Grundsätze der Bemessung der Parteientschädi-
gung ausserdem Art. 7 ff. des Reglements über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE,
SR 173.320.2]). Im vorliegenden Verfahren wurde keine Kostennote einge-
reicht. Auf die Nachforderung einer solchen wird indessen verzichtet (vgl.
Art. 14 Abs. 2 VGKE), weil im vorliegenden Verfahren der Aufwand für die
Beschwerdeführung zuverlässig abgeschätzt werden kann. Gestützt auf
die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) ist die
Parteientschädigung aufgrund der Akten pauschal auf Fr. 1’000.– festzu-
setzen. Dieser Betrag ist dem Beschwerdeführer durch das SEM zu ent-
richten.
(Dispositiv nächste Seite)
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