Decision ID: ec53c595-d23d-5e7b-a860-274c5ce48c5c
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte zusammen mit seiner Frau und seiner Toch-
ter am 2. November 2015 in der Schweiz um Asyl nach.
Am 23. November 2015 wurde er anlässlich der Befragung zur Person
(BzP) summarisch befragt und am 7. November 2017 sowie 20. Dezember
2017 vertieft zu seinen Asylgründen angehört. Er machte im Wesentlichen
geltend, er sei afghanischer Staatsangehöriger und ethnischer B._.
Er sei in Afghanistan geboren; er wisse nur, dass er in der Provinz
C._ zur Welt gekommen sei. Respektive seine Familie stamme aus
dem Dorf D._ im Distrikt E._ in der Provinz C._. Aus
ihm nicht näher bekannten Gründen hätten seine Eltern Afghanistan mit
ihm und seinen Geschwistern verlassen, als er (...) respektive (...) oder
(...) Jahre alt gewesen sei, und sie hätten fortan im F._ gelebt. Im
Jahr (...) respektive am (...) habe er im F._ in einer religiösen Ze-
remonie geheiratet. Erst danach habe er erfahren, dass seine Frau ihrem
(Verwandten) in G._ zur Ehe versprochen gewesen sei und deswe-
gen in den F._ geflohen sei. Nachdem seine Frau erfahren habe,
dass ihr Bruder sich auf den Weg in den F._ gemacht habe, um ihn
– den Beschwerdeführer – zu töten, seien sie aus dem F._ ausge-
reist und schliesslich am 2. November 2015 in die Schweiz gelangt. Den
Familiennamen "H._" habe er freiwillig von seiner Frau übernom-
men. Der Nachname seines Vaters laute "I._". Beziehungsweise er
trage den Namen "H._" seit Geburt. Er habe nie einen Pass oder
eine Identitätskarte gehabt, aber im F._ über eine Aufenthaltsbewil-
ligung verfügt. Mehrere Onkel und Tanten seien in J._ wohnhaft und
ein Onkel lebe im Dorf D._.
B.
Nach erfolgter Trennung der Eheleute wurden die Asylverfahren getrennt
geführt. Die Frau und die Tochter wurden vom SEM am (...) wegen Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenom-
men.
C.
Mit Verfügung vom 26. November 2018 stellte das SEM fest, dass der Be-
schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Es lehnte dessen
Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den
Vollzug an.
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Es führte im Wesentlichen an, die Vorbringen des Beschwerdeführers zu
seiner Identität, Herkunft und Biografie sowie zu den Fluchtgründen ver-
möchten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG
(SR 142.31) nicht zu genügen. Er habe keine Identitätsdokumente einge-
reicht und zu seinem Familiennamen, dem Geburtsort sowie seinem Alter
widersprüchliche Angaben gemacht und zur Kindheit in Afghanistan sowie
den Umständen des Umzugs in den F._ praktisch keine Auskunft
geben können. Seine Identität stehe nicht fest. Die Schilderungen der Dro-
hungen durch den Schwiegervater und den Schwager seien substanzlos
geblieben und würden keinerlei Realkennzeichen enthalten. Die Durch-
führbarkeit des Wegweisungsvollzugs sei zwar grundsätzlich von Amtes
wegen zu prüfen. Die behördliche Untersuchungspflicht finde aber ihre
Grenzen an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person, welche die
Substanziierungslast trage. Es sei nicht Sache der Asylbehörden, bei feh-
lenden Hinweisen seitens des Gesuchstellers nach allfälligen Wegwei-
sungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu suchen.
Dennoch sei betreffend die (...) des Beschwerdeführers anzumerken, dass
entsprechende Medikamente und (...) in Apotheken in J._ erhältlich
seien. Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers sei daher als
durchführbar zu erachten. Weder Art. 8 EMRK noch Art. 44 AsylG würden
der Wegweisung entgegenstehen.
D.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 28. Dezember
2018 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde.
Er brachte im Wesentlichen vor, dass sich die Widersprüche in den Aussa-
gen zu seiner Identität erklären lassen würden. Er habe nie über Identitäts-
papiere verfügt, was ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden könne. Zwar
habe er zu Protokoll gegeben, dass er sich nicht an die genauen Gründe
für die Flucht seiner Familie von Afghanistan in den F._ erinnern
könne, aber auch angedeutet, dass die Flucht mit den Taliban in Verbin-
dung gestanden habe, die sich zu jener Zeit über fast alle Landesteile Af-
ghanistans hinweg auszubreiten begonnen hätten. Die unterschiedlichen
Angaben zu seinem Alter im Zeitpunkt des Wegzugs in den F._
seien mit seinem damaligen Alter und den traumatischen Umständen der
Flucht erklärbar. Die divergierenden Aussagen zu seinem Geburtsort seien
auf die Art der Fragestellung zurückzuführen. Er habe sich erst bei der Ein-
reise in die Schweiz entschlossen, den Namen seiner Frau anzunehmen.
Zu seinen Kernvorbingen habe er konsistente Aussagen gemacht. Seine
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Angaben liessen sich zudem durch öffentlich zugängliche Quellen unter-
mauern. Den einschlägigen Länderberichten des UNHCR und der Schwei-
zerischen Flüchtlingshilfe (SFH) sei zu entnehmen, dass in Afghanistan
eine Eheschliessung ohne das Einverständnis der Familien zu Vergel-
tungshandlungen bis hin zu Blutrache führen könne. Weder Afghanistan
noch der F._ könnten ihm ausreichend Schutz vor solcher Vergel-
tung bieten. Er habe seine Mitwirkungspflicht nicht verletzt. Es sei hinrei-
chend belegt, dass er (...) Jahre im F._ gelebt habe und sich seine
Kernfamilie noch immer dort aufhalte. In Afghanistan verfüge er weder über
ein verwandtschaftliches Beziehungsnetz noch eine gesicherte Wohnsitu-
ation. Es lägen mithin keine besonders begünstigenden Umstände im
Sinne der Rechtsprechung vor. Auch könne nicht von der Behandelbarkeit
der (...) in Afghanistan ausgegangen werden. Betreffend die Beziehung zu
seiner Tochter berufe er sich auf Art. 8 EMRK respektive Art. 44 AsylG.
E.
Mit Urteil D-7455/2018 vom 16. März 2020 wies das Bundesverwaltungs-
gericht die vom Beschwerdeführer erhobene Beschwerde ab.
Das Gericht erwog – soweit für das hängige Verfahren von Belang – , dass
die Ausführungen des Beschwerdeführers zu den Fluchtgründen sowie der
Herkunft und den persönlichen Verhältnissen nicht zu überzeugen ver-
möchten. Die Identität des Beschwerdeführers stehe nicht fest. Er habe
keine Identitätsdokumente eingereicht und seine Aussagen zur Herkunft
würden fraglich erscheinen. Es bestehe Grund zur Annahme, dass er ver-
suche, seine wahre Herkunft und seine persönlichen Verhältnisse zu ver-
schleiern. Bezeichnenderweise habe er die in Aussicht gestellte (...) Auf-
enthaltsbewilligung, über die er verfügt habe, bis dato nicht eingereicht.
Den stattdessen im Beschwerdeverfahren nur in Form von leicht manipu-
lierbaren Fotokopien eingereichten (...) Aufenthaltsbewilligungen der El-
tern und eines Bruders könne kein rechtserheblicher Beweiswert beige-
messen werden. Der Beschwerdeführer vermöge demnach nicht nachzu-
weisen, dass er überhaupt afghanischer Abstammung sei und als kleines
Kind mit seiner Familie in den F._ übergesiedelt sei. Eine solche
Verlegung des Wohnsitzes vermöge er mit seinen widersprüchlichen An-
gaben zum Wegzug der Familie auch nicht glaubhaft zu machen. Allein mit
seinem damaligen Alter und den traumatischen Umständen der Flucht
seien die offensichtlichen Widersprüche in seinen Angaben nicht erklärbar.
Gleichermassen widersprüchlich habe er sich zu seinem Geburtsort und
seinem Familiennamen geäussert, und auch diese Widersprüche vermöge
er im Rahmen des Beschwerdeverfahrens nicht aufzulösen. Die Angabe in
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der Beschwerde, erst bei der Einreise in die Schweiz den Entschluss zur
Annahme des Familiennamens der Frau gefasst zu haben, erscheine als
nachträgliche Sachverhaltsanpassung. Art. 44 AsylG stehe der Wegwei-
sung nicht entgegen. Die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des
Wegweisungsvollzugs seien zwar grundsätzlich von Amtes wegen zu prü-
fen, jedoch finde diese Abklärungspflicht der Asylbehörden ihre Grenze an
der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person, die auch die Substanzi-
ierungspflicht trage. Bei fehlenden, womöglich gezielt vorenthaltenen Hin-
weisen sei es nicht Sache der Behörden, nach allfälligen Wegweisungs-
vollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Ent-
ziehe die asylsuchende Person mit ihrem Verhalten dem Gericht die für
genauere Abklärungen erforderliche Grundlage, sei es nicht Sache der Be-
schwerdeinstanz, sich in Mutmassungen und Spekulationen zu ergehen.
Die Identität und Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers, seine Her-
kunft sowie die persönlichen Verhältnisse würden nicht feststehen. Er habe
keine rechtsgenüglichen Identitätspapiere eingereicht und seine Angaben
zur Herkunft seien weitestgehend unglaubhaft ausgefallen. Durch die Ver-
letzung seiner Mitwirkungspflicht respektive die Verheimlichung seiner
wahren Identität und Herkunft verunmögliche der Beschwerdeführer auch
die Prüfung, welche Staatsangehörigkeit er besitze, und welchen Status er
an seinem bisherigen Aufenthaltsort gehabt habe. Er habe die Folgen sei-
ner fehlenden Mitwirkung insofern zu tragen, als vermutungsweise davon
auszugehen sei, dass einer Wegweisung in den tatsächlichen Heimatstaat
respektive an den bisherigen Aufenthaltsort keine Vollzugshindernisse ent-
gegenstehen würden. Es sei somit auch von der grundsätzlichen Behan-
delbarkeit seiner (...) auszugehen.
F.
Mit Eingabe vom 14. April 2020 ersuchte der Beschwerdeführer beim SEM
unter Berufung auf neue Beweismittel zur Vater-Kind-Beziehung um wie-
dererwägungsweise Gewährung der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz.
Mit Verfügung vom 30. April 2020 erklärte sich das SEM für die Beurteilung
der Vorbringen des Beschwerdeführers in der Eingabe vom 14. April 2020
als nicht zuständig, und trat deshalb auf das Wiedererwägungsgesuch
nicht ein. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
G.
Ein vom Beschwerdeführer unter Berufung auf neue Beweismittel zur Va-
ter-Kind-Beziehung mit Eingabe vom 5. Juni 2020 eingereichtes Revisions-
gesuch betreffend das Urteil D-7455/2018 vom 16. März 2020 wies das
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Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-2964/2020 vom 15. Juni 2020 ab,
soweit es darauf eintrat.
H.
Mit als Wiedererwägungsgesuch betitelter Eingabe vom 11. November
2020 ersuchte der Beschwerdeführer beim SEM um wiedererwägungs-
weise Aufhebung der Verfügung vom 26. November 2018 und um Gewäh-
rung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs.
Zur Begründung machte er geltend, im Asylverfahren sei ihm die geltend
gemachte Identität und afghanische Herkunft nicht geglaubt worden. Mit
neuen Dokumenten – den (...) Aufenthaltsbewilligungen seiner Eltern –
könne er seine Identität und afghanische Herkunft nun aber nachweisen.
Ein Bekannter sei am 25. Oktober 2020 von einer Reise aus dem
F._ in die Schweiz zurückgekehrt und habe ihm die Originale der
(...) Aufenthaltsbewilligungen seines Vaters und seiner Mutter mitgebracht.
Er reiche diese in Form beglaubigter Kopien (inklusive Übersetzung) ein.
Er sei auch zur Einreichung der Originalausweise bereit, sofern das SEM
ihm vorgängig die Rückgabe zusichere. Im Asylverfahren habe er nur Fo-
tos der damaligen (...) Aufenthaltsbewilligungen seiner Eltern und eines
Bruders vorlegen können (Kopien erneut beiliegend), nun sei er – wie ge-
sagt – im Besitz der Originalausweise der Eltern. Diesen von der (...) Be-
hörde für (...) ausgestellten Ausweisen könne entnommen werden, dass
sich seine Eltern als afghanische Staatsangehörige im F._ aufhal-
ten würden. Gestützt auf diese neuen Beweismittel sei es als erwiesen res-
pektive glaubhaft zu erachten, dass er afghanischer Staatsangehöriger sei,
und dass seine Kernfamilie im F._ lebe, er somit im Herkunftsstaat
über kein familiäres Netz verfüge. Auf der Grundlage dieser Beweismittel
und unter Berücksichtigung der prekären Sicherheitslage in Afghanistan
sei der Vollzug der Wegweisung nunmehr als unzumutbar zu qualifizieren.
Ohne familiäre oder andere Unterstützung vor Ort sei im Falle einer Rück-
kehr nach Afghanistan weder sein Existenzminimum noch seine Wohnsitu-
ation gesichert.
I.
Mit Verfügung vom 25. November 2020 trat das SEM auf das Wiedererwä-
gungsgesuch nicht ein.
Es erachtete sich als funktionell nicht zuständig für die Prüfung der neu
vorgelegten Beweismittel. Diese würden auf die Neubeurteilung eines
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Sachverhalts abzielen, mit dem sich das Bundesverwaltungsgericht bereits
materiell auseinandergesetzt habe, weshalb sie im Rahmen eines allfälli-
gen Revisionsgesuchs durch das Gericht zu behandeln wären.
J.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 3. Dezember 2020
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er ersuchte um Aufhebung
der Verfügung vom 25. November 2020 und um Anweisung an das SEM,
auf das Wiedererwägungsgesuch einzutreten.
Er machte geltend, es sei angesichts der (...) Gültigkeit (...) Aufenthaltsge-
nehmigungen für afghanische Geflüchtete davon auszugehen, dass die
Ausweise seiner Eltern, die bis zum (...) gültig seien, im (...) und somit erst
nach Erlass des Beschwerdeurteils vom 16. März 2020 ausgestellt worden
seien. Sie seien daher nicht in einem Revisionsverfahren vom Bundesver-
waltungsgericht, sondern im Rahmen eines Wiedererwägungsverfahrens
vom SEM materiell zu prüfen.
K.
Mit Urteil D-6106/2020 vom 16. Januar 2021 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht die Beschwerde vom 3. Dezember 2020 gut, soweit die Auf-
hebung der vorinstanzlichen Verfügung beantragt wurde. Es hob die Ver-
fügung vom 25. November 2020 auf und wies die Sache zur Neubeurtei-
lung an das SEM zurück.
Das Gericht hielt fest, dass nachträglich, also nach Abschluss des ordentli-
chen Verfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht entstandene Beweis-
mittel, welche vorbestehende Tatsachen belegen sollen und erheblich
seien, nicht revisionsrechtlich durch das Gericht, sondern allenfalls wieder-
erwägungsweise durch die Vorinstanz entgegenzunehmen und zu prüfen
seien (vgl. BVGE 2013/22 E. 3-13). Aufgrund der Aktenlage könne davon
ausgegangen werden, dass die dem Gesuch des Beschwerdeführers um
Gewährung der vorläufigen Aufnahme vom 11. November 2020 zugrunde-
liegenden Beweismittel ([...] Aufenthaltsbewilligungen der Eltern mit Gül-
tigkeit bis zum [...]) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erst nach Ab-
schluss des Beschwerdeverfahrens D-7455/2018 (Urteil vom 16. März
2020) entstanden seien, womit sie einem Revisionsverfahren nicht zu-
gänglich seien. Das SEM habe damit seine funktionelle Zuständigkeit zur
Beurteilung der besagten Beweismittel, welche die vorbestandene Tatsa-
che der afghanischen Herkunft des Beschwerdeführers belegen sollten, zu
Unrecht verneint.
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L.
Auf das vom Beschwerdeführer gestützt auf die besagten (...) Aufenthalts-
bewilligungen der Eltern am 3. Dezember 2020 – parallel zur gleichentags
eingereichten Beschwerde gegen den Nichteintretensentscheid des SEM
vom 25. November 2020 – beim Bundesverwaltungsgericht eingereichte
Revisionsgesuch betreffend das Urteil D-7455/2018 vom 16. März 2020
trat das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-6145/2020 vom 26. Januar
2021 nicht ein.
M.
Mit Verfügung vom 11. Februar 2021 – eröffnet am 12. Februar 2021 – wies
das SEM das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers vom
11. November 2020 ab. Es erklärte die Verfügung vom 26. November 2018
für rechtskräftig und vollstreckbar, wies das Gesuch um Erlass der Verfah-
renskosten ab, erhob eine Gebühr von Fr. 600.– und stellte fest, dass einer
allfälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme.
Zur Begründung führte es an, das SEM und das Bundesverwaltungsgericht
seien in den bisherigen Entscheiden zum Schluss gelangt, dass die vom
Beschwerdeführer behauptete afghanische Herkunft und dessen Aufent-
haltsorte vor der Einreise in die Schweiz nicht glaubhaft nachgewiesen
seien. Daran vermöchten die neu eingereichten Beweismittel nichts zu än-
dern. Der Beschwerdeführer habe bis dato keine afghanischen Identitäts-
papiere beigebracht, die seine Identität sowie seinen Geburts- und Aufent-
haltsort in Afghanistan glaubhaft nachweisen würden. Die im Asylentscheid
vom 26. November 2018 festgestellten Widersprüche und Ungereimtheiten
in den Angaben des Beschwerdeführers zu seiner Identität und Herkunft
würden sich durch die nachgereichten (...) Aufenthaltsbewilligungen der
Eltern nicht plausibel erklären lassen. Ferner handle es sich bei den (...)
Aufenthaltsbewilligungen, welche die Angehörigen als afghanische Staats-
angehörige ausweisen würden, nicht um von den afghanischen Behörden
ausgestellte Ausweise. Zudem würden sich diese Dokumente nicht auf den
Beschwerdeführer persönlich beziehen. Sie seien daher nicht geeignet,
glaubhafte Angaben zu der Staatsangehörigkeit, der Herkunft und den Auf-
enthaltsorten des Beschwerdeführers vor der Einreise in die Schweiz zu
machen. Des Weiteren könnten solche Schriftstücke im F._ leicht
käuflich erworben und verfälscht werden. Die Dokumente seien daher nicht
geeignet, die vom Beschwerdeführer vorgetragene Identität und Herkunft,
die von den Schweizer Asylbehörden bereits mehrfach als unglaubhaft er-
wogen worden sei, nachträglich glaubhaft zu machen. Im Übrigen würde
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die afghanische Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers selbst bei hy-
pothetischer Wahrunterstellung allein nicht bereits zur Annahme der Un-
durchführbarkeit respektive Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
führen. Es sei nicht Sache der Asylbehörden, nach allfälligen Wegwei-
sungshindernissen zu forschen, wenn keine konkreten Hinweise auf solche
vorliegen würden. Dabei trage nach der Bestimmung von Art. 8 ZGB
(SR 210) die asylsuchende Person die Beweislast und damit die Folgen
der Beweislosigkeit. Ein Wegweisungsverfahren könne nicht sinnvoll ge-
führt werden, wenn die asylsuchende Person die Herkunft und ihre Lebens-
umstände verschweige oder verschleiere. Wie bereits in den vorhergehen-
den Entscheiden ausgeführt, würden die lokale Herkunft, der letzte Woh-
nort und die persönlichen Verhältnisse des Beschwerdeführers nicht fest-
stehen, weshalb dessen Einwand, ein Vollzug der Wegweisung nach Af-
ghanistan sei unter Berücksichtigung der neu eingereichten Dokumente
nunmehr als unzumutbar zu erachten, nicht zu greifen vermöge. Es lägen
insgesamt betrachtet keine Gründe vor, welche die Rechtskraft der Verfü-
gung vom 26. November 2018 beseitigen könnten.
N.
Mit Eingabe vom 15. März 2021 erhob der Beschwerdeführer durch die
rubrizierte Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde,
worin um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 11. Februar 2021
und um Gewährung der vorläufigen Aufnahme, eventualiter um Rückwei-
sung der Sache an das SEM zwecks ergänzender Sachverhaltsabklärung
und Neubeurteilung ersucht wurde. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde
zudem – unter Verweis auf eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung vom
8. Dezember 2020 – um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
und Rechtsverbeiständung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses ersucht. Des Weiteren wurde beantragt, der Beschwerde
die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, im Asylverfahrens seien
seine Identität und Herkunft als ungenügend belegt betrachtet worden,
weshalb die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Afghanistan
bisher nicht geprüft worden sei. Gestützt auf die neu eingereichten beglau-
bigten Kopien der (...) Ausländerausweise seiner Eltern sei dies nun nach-
zuholen. Den Vorhalt des SEM, er habe seine Identität verheimlichen wol-
len oder gar gezielt Hinweise auf seine Herkunft vorenthalten, weise er zu-
rück. Er habe nie über einen Pass oder andere afghanische Identitätsur-
kunden verfügt, die er hätte einreichen können. Das einzige Ausweisdoku-
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ment, das ihm einmal ausgestellt worden sei, sei die (...) Aufenthaltsbewil-
ligung. Diese habe er von seiner Familie bisher aber nicht erhalten. Auf
wiederholte Nachfrage hin hätten ihm seine Eltern und ein Bruder nach
dem ersten negativen Asylentscheid zwar Fotos ihrer Ausweise geschickt,
nicht aber seiner eigenen, mittlerweile abgelaufenen Bewilligung. Es treffe
nicht zu, dass er unwahre Angaben zu seiner Herkunft gemacht habe oder
die Schweizer Asylbehörden gar hätte täuschen wollen. Zutreffend sei nur,
dass er keine Identitätsdokumente habe einreichen können. In den Akten
des ordentlichen Asylverfahrens seien aber Kopien des Ehescheins und
der Geburtsmitteilung seiner Tochter (Foto/Kopie beiliegend, mit hand-
schriftlicher Übersetzung). Die Angaben in der Heiratsurkunde zu seinem
Geburtsort und dem Geburtsort seiner Ex-Frau sowie zum Namen seines
Vaters würden mit seinen Aussagen in der BzP übereinstimmen. Seine Ex-
Frau sei gestützt auf die Heiratsdokumente mit der Tochter vorläufig in der
Schweiz aufgenommen worden, weshalb die Echtheit dieser Dokumente
vom SEM nicht grundsätzlich angezweifelt worden sein könne. Den nun
neu vorgelegten beglaubigten Kopien der Aufenthaltsbewilligungen seiner
Eltern im F._ könne entnommen werden, dass seine Eltern afgha-
nische Staatsangehörige seien und im F._ leben würden. Die Bei-
bringung dieser Beweismittel sei ihm aus entschuldbaren Gründen nicht
früher möglich gewesen. Es sei nachvollziehbar, dass seine Angehörigen
zunächst nicht bereit gewesen seien, ihre Originalausweise zur Verfügung
zu stellen. Erst nach wiederholter Verdeutlichung der Dringlichkeit hätten
sich seine Eltern zur vorübergehenden Aushändigung einverstanden er-
klärt. Dies sei für sie mit einem nicht unwesentlichen Risiko verbunden ge-
wesen, da sie ihre Ausweise in dieser Zeit bei allfälligen Kontrollen im
F._ nicht hätten vorweisen können. Um die rechtzeitige Erneuerung
der Ausweise nicht zu gefährden, habe die Rechtsvertreterin ihm die Origi-
nalausweise mittlerweile zur Rückgabe an seine Eltern wieder ausgehän-
digt. Der Einwand, dass die eingereichten Dokumente im F._ leicht
käuflich erworben sowie verfälscht werden könnten, sei zurückzuweisen,
habe die Vorinstanz die angebotene Aushändigung der Originalausweise
zur Echtheitsprüfung doch nicht einmal erwogen. Den mangelnden Willen
der Vorinstanz, den Fall ernsthaft zu prüfen, zeige sich auch an der raschen
Entscheidfällung nach der Rückweisung vom 26. Januar 2021 und der Tat-
sache, dass das SEM behaupte, es sei auch eine beglaubigte Kopie des
Ausweises des Bruders eingereicht worden, was nicht zutreffe. Der Bruder
sei anders als die Eltern nicht bereit gewesen, seinen Originalausweis zur
Verfügung zu stellen. Auch wenn dies kein schwerwiegender Verfahrens-
mangel sei, zeuge dieser Umstand doch von einem behördlichen Desinte-
resse. Nachdem die Originalausweise der Eltern wieder retourniert worden
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seien, werde im Sinne eines Beweisantrags um Vornahme einer Echtheits-
prüfung in Zusammenarbeit mit der Schweizer Botschaft in K._ er-
sucht. Seine Eltern seien bereit, persönlich bei der Botschaft vorzuspre-
chen und die Originalausweise dort untersuchen zu lassen. Auch wenn
sich die besagten Ausweise nicht auf ihn beziehen würden, sei es nicht
plausibel anzunehmen, dass er über eine andere Staatsangehörigkeit als
seine Eltern verfügen würde. Selbst wenn an der Einschätzung festgehal-
ten werden sollte, dass seine Angaben zur Flucht aus Afghanistan in den
F._ widersprüchlich und damit unglaubhaft seien, könnten nun mit
den (...) Aufenthaltsbewilligungen der Eltern sowohl die afghanische
Staatsangehörigkeit als auch der Aufenthalt der Familie im F._ un-
termauert werden, und die Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs nach Afghanistan sei nunmehr vorzunehmen. Nachdem mit den
neuen Beweismitteln nachgewiesen worden sei, dass seine Angehörigen
nach wie vor im F._ leben würden, sei auch belegt, dass er im Her-
kunftsstaat über kein familiäres Netz verfüge. Unter den gegebenen Bedin-
gungen und unter Berücksichtigung der nach wie vor prekären Sicherheits-
lage in Afghanistan sei eine Wegweisung als unzumutbar zu erachten. Bei
einer Rückkehr nach Afghanistan sei ohne familiäre oder andere Unterstüt-
zung vor Ort weder sein Existenzminimum noch seine Wohnsituation gesi-
chert. Folglich würden keine begünstigenden Umstände vorliegen, wobei
die Massgeblichkeit solcher Umstände ohnehin bisher nur für die Städte
Kabul, Herat und Mazar-i-Sharif anerkannt worden sei. Da er nicht aus ei-
ner dieser Städte stamme, würden die genannten Kriterien vorliegend gar
nicht zur Anwendung gelangen. Dass eine Wegweisung in seine Herkunfts-
region generell als unzumutbar zu erachten sei, habe das SEM in seinem
Entscheid vom 26. November 2018 bereits festgehalten. Sollte das Gericht
der Ansicht sein, die Dokumentenprüfung sei nicht auf Beschwerdeebene
abzuschliessen, werde eventualiter um Rückweisung der Sache ersucht,
verbunden mit der Anweisung an das SEM, die Prüfung der Echtheit der
Ausweise in Zusammenarbeit mit der Schweizer Botschaft in K._
vornehmen zu lassen, und danach unter Einbezug der diesbezüglichen Er-
kenntnisse neu über das Wiedererwägungsgesuch zu entscheiden.
O.
Am 17. März 2021 verfügte die Instruktionsrichterin die einstweilige Aus-
setzung des Vollzugs der Wegweisung.
P.
Mit Zwischenverfügung vom 24. März 2021 erteilte die Instruktionsrichterin
der Beschwerde die aufschiebende Wirkung. Das Gesuch um Gewährung
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der unentgeltlichen Prozessführung hiess sie gut, dasjenige um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung wies sie ab. Des Weiteren
lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung zur Beschwerde ein.
Q.
In seiner Vernehmlassung vom 6. April 2021 beantragte das SEM die Ab-
weisung der Beschwerde. Es hielt an seinem bisherigen Standpunkt fest
und führte zudem aus, eine Echtheitsprüfung der Aufenthaltsbewilligungen
der Eltern durch die Schweizer Botschaft im F._ erübrige sich, da
diese Dokumente – selbst bei Wahrunterstellung der Echtheit – keine
glaubhaften Hinweise auf den tatsächlichen Geburtsort des Beschwerde-
führers, den Ort beziehungsweise die Orte seiner Sozialisation und seine
Aufenthaltsorte seit der Geburt bis zu seiner Einreise in die Schweiz liefern
würden. Aus der vorläufigen Aufnahme seiner Ex-Frau und der Tochter
könne der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten herleiten. Das SEM
halte an seiner Schlussfolgerung fest, wonach bei erheblichen Mitwir-
kungspflichtverletzungen praxisgemäss davon auszugehen sei, dass einer
Wegweisung keine Vollzugshindernisse im gesetzlichen Sinne entgegen-
stehen würden. Dies gelte für die Zulässigkeit, die Zumutbarkeit und die
Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs gleichermassen.
R.
Am 14. April 2021 stellte die Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer
die Vernehmlassung zur Kenntnisnahme zu und räumte ihm Gelegenheit
ein, bis zum 29. April 2021 eine Replik einzureichen.
S.
In seiner Replik vom 29. April 2021 wies der Beschwerdeführer den Vor-
halt, er habe seine Identität im bisherigen Verfahren verschleiert und damit
seine Mitwirkungspflicht verletzt, erneut zurück. Er habe die ihm gestellten
Fragen stets nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet und die ver-
fügbaren Unterlagen eingereicht. Des Weiteren äusserte er sich zu ihm im
ordentlichen Asylverfahren vorgehaltenen Unregelmässigkeit in seinen An-
gaben. Zwar seien seine Aussagen bereits im ordentlichen Beschwerde-
verfahren berücksichtigt worden, jedoch habe das Bundesverwaltungsge-
richt hinsichtlich der damals eingereichten Kopien der (...) Ausländeraus-
weise der Eltern nicht ausgeführt, dass diese inhaltlich irrelevant seien,
sondern nur, dass die Authentizität der Ausweise allein gestützt auf Kopien
nicht beurteilt werden könne. Auch wenn sich die neu eingereichten Origi-
nalausweise nicht auf ihn selbst beziehen würden, würden die Ausweise
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der Eltern doch zum Beleg zentraler Elemente der geltend gemachten Bi-
ografie dienen, würden doch mit diesen die afghanische Staatsangehörig-
keit und der Aufenthalt seiner Familie im F._ untermauert.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1
VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-
treten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrunds schriftlich
und begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfahren nach
den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66-68 VWVG (Art. 111b
Abs. 1 AsylG).
3.2 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä-
gungsgesuch die Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an
eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange-
fochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem
blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde – können auch Revisi-
onsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen (vgl. zum so-
genannten „qualifizierten Wiedererwägungsgesuch“ BVGE 2013/22 E. 5.4
m.w.H.). Darüber hinaus sind Revisionsgründe, welche sich auf Tatsachen
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und Beweismittel abstützen, die erst nach Abschluss eines Beschwerde-
verfahrens entstanden sind, stets unter dem Titel der Wiedererwägung bei
der Vorinstanz einzubringen (vgl. Art. 45 VGG i.V.m. Art. 123 Abs. 2 Bst. a
[letzter Satz] BGG; BVGE 2013/22). Nach Art. 66 Abs. 2 VwVG liegen Re-
visionsgründe unter anderem dann vor, wenn eine Partei neue erhebliche
Tatsachen oder Beweismittel vorbringt (Bst. a). Neue Beweismittel im
Sinne von Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG müssen entweder den Beweis für
neue erhebliche Tatsachen oder den Beweis für Tatsachen erbringen kön-
nen, deren Existenz oder Eigenschaften im Beschwerdeverfahren respek-
tive im Asylverfahren vor dem SEM zum Nachteil der beschwerdeführen-
den Person unbewiesen geblieben sind.
3.3 Die Wiedererwägung ist nicht beliebig zulässig. Sie darf insbesondere
nicht dazu dienen, die Rechtskraft von Verwaltungsentscheiden immer wie-
der infrage zu stellen oder die Fristen für die Ergreifung von Rechtsmitteln
zu umgehen (vgl. BGE 136 II 177 E. 2.1). Gründe, die bereits im Zeitpunkt
des ordentlichen Beschwerdeverfahren bestanden haben, können nicht als
Wiedererwägungsgründe vorgebracht werden (Art. 66 Abs. 3 VwVG).
3.4 Das SEM hat den Antrag des Beschwerdeführers vom 11. November
2020 um wiedererwägungsweise Feststellung der Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs und um Gewährung der vorläufigen Aufnahme in
der angefochtenen Verfügung beurteilt. Im vorliegenden Beschwerdever-
fahren ist zu prüfen, ob das SEM zu Recht davon ausgegangen ist, dass
die neuen Vorbringen und Beweismittel des Beschwerdeführers nicht ge-
eignet sind, die Rechtskraft der Verfügung vom 26. November 2018 zu be-
seitigen. Für die Beurteilung der Durchführbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs ist praxisgemäss der sich im Urteilszeitpunkt präsentierende Sach-
verhalt massgebend.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer begründet sein (zweites) Gesuch um wiederer-
wägungsweise Gewährung der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz mit
der Vorlage von Aufenthaltsdokumenten, welche seinen Eltern im
F._ ausgestellt worden seien und die diese als afghanische Staats-
angehörige ausweisen würden. Des Weiteren beruft er sich auf das Fehlen
eines Beziehungsnetzes in Afghanistan und auf die dortige schlechte Si-
cherheitslage.
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft und seine
Herkunft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Die asylsuchende
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Person trägt die Substanziierungslast (Art. 7 AsylG). Der in Art. 12 VwVG
statuierte Untersuchungsgrundsatz, wonach die Behörde den Sachverhalt
von Amtes wegen feststellt, findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht
der asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG). Dazu gehört insbesondere die
Pflicht zur Offenlegung der Identität und Beibringung eines Identitätsnach-
weises (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4). Die Staatsangehörigkeit fällt als Be-
griffselement der Identität im Sinne von Art. 1a Bst. a der Asylverordnung 1
vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) unter diese Offenlegungs-
pflicht. Sie muss in jedem Asylverfahren erstellt werden. Dies ergibt sich
einerseits aus der systematischen Stellung von Art. 8 AsylG und anderer-
seits aus dem Zweck des Asylverfahrens, das der Ermittlung von Verfol-
gung beziehungsweise von Wegweisungshindernissen mit Bezug auf ei-
nen konkreten Heimatstaat dient. Ein Asylverfahren kann nicht sinnvoll ge-
führt werden, wenn die asylsuchende Person ihre Staatsangehörigkeit
nicht offenlegt; beziehungsweise durch die Verheimlichung und Verschlei-
erung der wahren Herkunft wird auch die Prüfung der Flüchtlingseigen-
schaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland ver-
unmöglicht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 und 6). Dabei trägt nach der Bestim-
mung von Art. 8 ZGB, die als allgemeiner Rechtsgrundsatz auch im öffent-
lichen Recht Anwendung findet, die asylsuchende Person die Beweislast
und damit die Folgen der Beweislosigkeit.
4.3 Wie in E. 4.2 dargelegt, kommt der Frage der Verlässlichkeit der Her-
kunftsangaben der asylsuchenden Person wesentliche Bedeutung zu. Der
Beschwerdeführer hat im ordentlichen Asylverfahren keinen rechtsgenüg-
lichen Identitätsnachweis beigebracht und er vermochte die geltend ge-
machte Herkunft und seinen Lebenslauf nicht glaubhaft zu machen. Seine
Identität und Herkunft sowie die persönlichen Verhältnisse stehen nicht
fest.
4.4 Nach Abschluss des Asylverfahrens liegt es am Beschwerdeführer, die
behauptete Identität zu belegen. Das SEM hatte im vorliegenden Wieder-
erwägungsverfahren nur zu prüfen, ob die mit dem Wiedererwägungsge-
such eingereichten Beweismittel geeignet sind, die bisher nicht festste-
hende Identität und Herkunft des Beschwerdeführers zu belegen. Dieser
Pflicht ist die Vorinstanz nachgekommen. Die Rüge des Beschwerdefüh-
rers, das SEM hätte die angebotenen Originalausweise der Eltern einer
Echtheitsprüfung unterziehen müssen, vermag keine mangelhafte Sach-
verhaltserstellung respektive eine Verletzung des rechtlichen Gehörs des
Beschwerdeführers seitens der Vorinstanz zu begründen. Das SEM hat die
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Echtheit der vom Beschwerdeführer in Form beglaubigter Kopien einge-
reichten Aufenthaltsbewilligungen der Eltern nicht grundsätzlich in Frage
gestellt, sondern diese – unabhängig von der Frage der Authentizität – in-
haltlich auf ihre Erheblichkeit hin geprüft und gewürdigt. Es besteht damit
keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen
aufzuheben und die Sache an das SEM zurückzuweisen. Der entspre-
chende Rückweisungsantrag ist abzuweisen. Der Einschätzung des SEM,
wonach die neu vorgelegten (...) Aufenthaltsbewilligungen der Eltern nicht
geeignet seien, die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Identität und
Herkunft respektive den vorgetragenen Lebenslauf nachzuweisen, ist zu-
zustimmen. Das Verwandtschaftsverhältnis zwischen dem Beschwerde-
führer, der seinen Nachnamen mit "H._" angibt, und den Eltern, wel-
che laut den (...) Aufenthaltsbewilligungen "L._" und "M._"
heissen würden, ist durch keine rechtsgenüglichen Identitätsdokumente
nachgewiesen. Zudem besagen die vorgelegten (...) Aufenthaltsbewilli-
gungen lediglich, dass die aufgeführten Personen afghanische Staatsan-
gehörige seien, im F._ über eine bis zum (...) gültige vorläufige Auf-
enthaltsgenehmigung verfügen würden und ihren Wohnsitz in N._
hätten, sagen jedoch nichts aus über den Herkunftsort der Familie und die
Dauer ihres Aufenthalts im F._. Die besagten Dokumente vermögen
weder das geltend gemachte Verwandtschaftsverhältnis (Eltern-Sohn)
noch den Geburtsort des Beschwerdeführers und dessen Aufenthaltsort
vor der Ausreise in den F._ respektive seine Aufenthaltsorte vor der
Einreise in die Schweiz zu belegen. Der Schlussfolgerung des SEM, dass
die vorgelegten Dokumente angesichts ihres Inhalts nicht geeignet seien,
zu einer wiedererwägungsweisen Änderung der Einschätzung in Bezug auf
die fehlende Glaubhaftigkeit der Herkunftsangaben des Beschwerdefüh-
rers zu führen, ist nicht zu beanstanden. Es besteht damit auch kein An-
lass, die Echtheit der vorgelegten Dokumente im F._ prüfen zu las-
sen, da diese – wie ausgeführt – unabhängig von der Frage der Authenti-
zität die Identität und Herkunft des Beschwerdeführers nicht zu belegen
vermögen. Der entsprechende Beweisantrag ist entsprechend abzuwei-
sen. Bei den dem Wiedererwägungsgesuch vom 11. November 2020 bei-
gelegten Fotokopien früherer (...) Aufenthaltsbewilligungen handelt es sich
nicht um neue Beweismittel. Diese waren bereits Gegenstand des ordentli-
chen Beschwerdeverfahrens und es ist auf die dortigen Erwägungen zum
fehlenden Beweiswert der besagten Dokumente zu verweisen (vgl. Urteil
des BVGer D-7455/2018 vom 16. März 2020 E. 6.2.2). Gleiches gilt für die
im vorliegenden Beschwerdeverfahren wiederholten Erklärungen des Be-
schwerdeführers zu den Widersprüchen in seinen Aussagen im Asylverfah-
ren, die bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren abgehandelt wurden
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(vgl. Urteil des BVGer D-7455/2018 vom 16. März 2020 E. 6.2.2). Doku-
mente, aus denen sich verlässliche Rückschlüsse auf die Herkunft und die
Aufenthaltsorte des Beschwerdeführers vor der Einreise in die Schweiz er-
geben würden, liegen weiterhin nicht vor. Weder von ihm noch von seinen
Eltern liegen afghanische Identitätsdokumente vor. Auch seine eigene (...)
Aufenthaltsbewilligung, über die er vor der Einreise in die Schweiz verfügt
habe, hat der Beschwerdeführer bis heute nicht eingereicht. Dies ist nur
schwer verständlich, zumal es kaum nachvollziehbar erscheint, dass die
Eltern, die bereit gewesen seien, ihre eigenen Originalausweise in die
Schweiz zu übermitteln, nicht Hand geboten hätten, dem Beschwerdefüh-
rer seinen Ausweis, für den die Eltern nach seiner Ausreise aus dem
F._ keine Verwendung mehr gehabt haben dürften, zukommen zu
lassen. Die Personalien (Name, Staatsangehörigkeit), unter denen der Be-
schwerdeführer im F._ registriert gewesen sei, sind nicht bekannt.
Schliesslich vermögen auch die Kopien einer handschriftlich ausgefüllten
Heiratsurkunde und der Geburtsmitteilung der Tochter im F._ die
Identität und Herkunft des Beschwerdeführers nicht rechtsgenüglich nach-
zuweisen.
4.5 Hinsichtlich des Einwands des Beschwerdeführers, dass es nicht plau-
sibel sei anzunehmen, dass er über eine andere Staatsangehörigkeit als
seine Eltern, die im F._ als afghanische Staatsbürger registriert
seien, verfügen würde, ist anzumerken, dass selbst dann, wenn von der
afghanischen Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen
würde, dieser Umstand allein nicht zur Annahme der Undurchführbarkeit
des Wegweisungsvollzugs zu führen vermöchte. Wie zuvor in E. 4.2 aus-
geführt, ist es nicht Sache der Asylbehörden, nach allfälligen Wegwei-
sungshindernissen zu forschen, wenn keine konkreten Hinweise auf solche
vorliegen. Dabei trägt die asylsuchende Person die Beweislast (Art. 8 ZGB)
und damit die Folgen der Beweislosigkeit. Ein Wegweisungsverfahren
kann nicht sinnvoll geführt werden, wenn die asylsuchende Person die Her-
kunft und ihre Lebensumstände verschweigt oder verschleiert. Wie vorste-
hend ausgeführt, stehen die lokale Herkunft des Beschwerdeführers, sein
letzter Wohnort in Afghanistan sowie seine Aufenthaltsorte bis zur Einreise
in die Schweiz und seine persönlichen Verhältnisse sowie seine Verwandt-
schaftsbeziehungen in Afghanistan oder anderen Ländern nicht fest, wes-
halb sein Einwand, ein Vollzug der Wegweisung nach Afghanistan sei als
unzumutbar zu erachten, nicht zu greifen vermag. Bezüglich des Ein-
wands, die Sicherheitslage sei in ganz Afghanistan prekär, ist auf die gel-
tende Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts hinzuweisen, wo-
nach sich der Vollzug der Wegweisung nach Afghanistan unter bestimmten
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Voraussetzungen als zumutbar erweisen kann (vgl. hierzu die als Refe-
renzurteile publizierten Urteile des BVGer D-5800/2016 vom 13. Oktober
2017 und D-4287/2017 vom 8. Februar 2019).
4.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die vom Beschwerdeführer
im Wiedererwägungs- und vorliegenden Beschwerdeverfahren vorgeleg-
ten Dokumente und seine diesbezüglichen Vorbringen nicht geeignet sind,
zu einer wiedererwägungsweisen Änderung der Einschätzung in Bezug auf
die fehlende Glaubhaftigkeit der Herkunftsangaben des Beschwerdefüh-
rers zu führen. Das SEM hat das Wiedererwägungsgesuch vom 11. No-
vember 2020 zu Recht abgelehnt. Die Beschwerde ist abzuweisen.
5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm aber mit
Zwischenverfügung vom 24. März 2021 die unentgeltliche Prozessführung
gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, ist von der Kostenerhebung
abzusehen, zumal nicht ersichtlich ist, dass der Beschwerdeführer nicht
mehr bedürftig wäre.
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