Decision ID: 07c7088b-5255-4157-99a0-9bb67f4f6a05
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Am 1. April 2021 ersuchten die beiden Brüder X._ (geb. [...]; nach-
folgend: Gesuchsteller 1 bzw. Eingeladener 1) und Y._ (geb. [...];
nachfolgend: Gesuchsteller 2 bzw. Eingeladener 2), beide burundische
Staatsangehörige, bei der Schweizerischen Botschaft in Nairobi um Aus-
stellung eines Schengen-Visums für einen Besuchsaufenthalt vom 7. April
2021 bis 14. April 2021 bei dem im Kanton C._ wohnhaften
B._ (nachfolgend Gastgeber 2 bzw. Beschwerdeführer 2; vgl. Akten
[...] der Vorinstanz [SEM act. I] 8/120 und Akten [...] der Vorinstanz [SEM
act. II] 5/94). Grund für den Aufenthalt der beiden Brüder in der Schweiz
sei die Teilnahme an der Beerdigung ihrer hierzulande aufenthaltsberech-
tigten und verstorbenen Schwester Z._, wie sich aus dem Schriftver-
kehr zwischen A._ (nachfolgend: Gastgeber 1 bzw. Beschwerde-
führer 1) und der Vorinstanz ergibt (SEM act. II 1/36).
B.
Mit Formular-Verfügung vom 9. April 2022 lehnte die Botschaft die Visums-
anträge ab, da die fristgerechte Wiederausreise der Gesuchstellenden aus
dem Schengen-Raum nicht als hinreichend gesichert erscheine (SEM act.
I 8/111, SEM act. II 5/85).
C.
Gegen diesen Entscheid erhoben sowohl B._ (...) wie auch
A._ (...) am 1. Mai 2021 Einsprache (SEM act. I 3 und SEM act. II
3). In der Folge liess das SEM durch die kantonale Migrationsbehörde wei-
tere Abklärungen zum Sachverhalt vornehmen (SEM act. I 6 und SEM act.
II 9).
D.
Mit Entscheid vom 18. November 2022 wies die Vorinstanz die Einsprache
ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, weder die allgemeine
Lage in Burundi noch die persönliche Situation der Gesuchstellenden wür-
den Gewähr für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise in ihr
Heimatland bieten (SEM act. I 9 und SEM act. II 10).
E.
Mit Rechtsmitteleingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 7. Januar
2022 stellten die Beschwerdeführenden sinngemäss die Begehren, die
vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und den Gesuchstellenden das
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beantragte Schengen-Visum auszustellen (Akten des Bundesverwaltungs-
gerichts [BVGer act.] 1).
F.
Auf Aufforderung des Gerichts hin teilten die Beschwerdeführenden mit
Schreiben vom 10. Februar 2022 mit, dass zukünftige Entscheide und Ver-
fügungen dem Beschwerdeführer 2 zuzustellen seien. Gleichzeitig wurde
die Zustellung eines weiteren Beweismittels in Aussicht gestellt (BVGer
act. 5). Dieses wurde dem Gericht in der Folge eingereicht (BVGer act. 7).
G.
Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 1. April 2022 auf Ab-
weisung der Beschwerde (BVGer act. 8).
H.
Die Beschwerdeführenden nahmen mit Replik vom 3. Mai 2022 Stellung
(BVGer act. 10).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Von der Vorinstanz erlassene Einspracheentscheide bezüglich Schen-
gen-Visa sind mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar
(vgl. Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). Das Rechtsmittelverfahren richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.2 Die Beschwerdeführenden haben am vorangegangenen Einsprache-
verfahren teilgenommen und sind als Gastgeber der Gesuchstellenden
durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt. Obwohl der ur-
sprünglich angestrebte Besuchszeitraum inzwischen abgelaufen ist, muss
auf ein fortbestehendes Rechtsschutzinteresse geschlossen werden. Dies
belegt allein schon die Einreichung des Rechtsmittels. Die Beschwerdefüh-
renden sind daher zur Erhebung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 48
Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (vgl. Art. 50 und 52 VwVG).
1.3 In der vorliegenden Beschwerdeangelegenheit entscheidet das Bun-
desverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
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2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62
Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann
die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder abweisen. Massgebend sind grundsätzlich die tatsächli-
chen Verhältnisse zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1
E. 2 m.H.).
3.
Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch von zwei burundischen
Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums zu Besuchszwecken für die
Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchstellenden nicht auf die EU/EFTA-
Personenfreizügigkeitsabkommen berufen können und die beabsichtigte
Aufenthaltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsa-
che in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich der Schen-
gen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Be-
sitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte
übernommen hat (BVGE 2014/1 E. 3; 2011/48 E. 3). Das Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG, SR 142.20) und dessen Ausführungsbestimmun-
gen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungs-
abkommen keine abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 4
AIG).
4.
4.1 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-
Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit-
raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz eines Visums sind, falls
ein solches nach Massgabe der Verordnung (EU) 2018/1806 des Europä-
ischen Parlaments und des Rates vom 14. November 2018 (Aufstellung
der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der
Aussengrenzen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der
Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind
[ABl. L 303/39 vom 28.11.2018; nachfolgend: Verordnung [EU] 2018/1806;
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in Kraft seit 15. Februar 2019]) erforderlich ist (Art. 6 Abs. 1 Bst. b der Ver-
ordnung [EG] Nr. 2016/399 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 9. März 2016 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten
der Grenzen durch Personen [Kodifizierter Text] [Schengener Grenzkodex,
SGK, Abl. L 77/1 vom 23.03.2016]; Art. 6 Abs. 1 der Verordnung über die
Einreise und die Visumserteilung vom 15. August 2018 [VEV], vgl. auch
Art. 2 Ziff. 6 SGK; Art. 5 Abs. 1 Bst. a AIG). Als burundische Staatsangehö-
rige unterliegen die Gesuchstellenden unbestrittenermassen der Visums-
pflicht (Anhang I der bereits erwähnten Verordnung Nr. 2018/1806; Art. 8
Abs. 1 VEV).
4.2 Voraussetzung zur Visumserteilung und zur Einreise ist unter anderem,
dass die drittstaatsangehörige Person keine Gefahr für die öffentliche Ord-
nung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internatio-
nalen Beziehungen eines Mitgliedstaats darstellt (Art. 6 Abs. 1 Bst. e SGK)
und Gewähr für die gesicherte Wiederausreise bietet (Art. 32 Abs. 1 Bst. b
der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [Visako-
dex, VK, ABl. L 243/1 vom 15.09.2009]; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2011/48
E. 4.5; 2009/27 E. 5.2). Wenn die betreffende Person nicht bereit ist, das
Hoheitsgebiet des Schengen-Raums fristgerecht wieder zu verlassen, ist
eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. e
SGK anzunehmen (BVGE 2014/1 E. 4.3 m.H.). Die Behörden haben daher
zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu belegen, dass die Gefahr
einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Aus-
reise nicht besteht respektive dass die gesuchstellende Person für die ge-
sicherte Wiederausreise Gewähr bietet (Art. 14 Abs. 1 Bst. d VK; Art. 21
Abs. 1 VK; BVGE 2014/1 E. 4.4; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2009/27 E. 5.2).
4.3 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines
Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Ertei-
lung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch –
grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise
zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es
sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesge-
setz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002
3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 m.H.). Das Schengen-Recht schränkt die natio-
nalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraussetzun-
gen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die
Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraussetzungen nicht
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erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visumserteilung vermittelt
auch das Schengen-Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.5).
4.4 Sind sämtliche Voraussetzungen für die Visumserteilung erfüllt, ist das
Schengen-Visum auszustellen. Ist hingegen einer der in Art. 32 Abs. 1 VK
(nicht abschliessend) aufgelisteten Tatbestände gegeben, darf ein einheit-
liches Visum nicht erteilt werden (vgl. Art. 21 Abs. 1 und Abs. 3 VK; Art. 32
Abs. 1 VK; BVGE 2014/1 E. 4.5; 2011/48 E. 4.6; Urteil des BVGer
F-7617/2016 E. 4.1). Das Schengen-Visum ist deshalb unter anderem zu
verweigern, wenn Zweifel an der von der drittstaatsangehörigen Person
bekundeten Absicht bestehen, das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten vor
Ablauf der Gültigkeit des beantragten Visums wieder zu verlassen (Art. 32
Abs. 1 Bst. b VK; BVGE 2014/1 E. 4.4). Den Behörden kommt bei der Be-
urteilung, ob die Voraussetzungen für die Visumserteilung erfüllt sind, ein
weiter Beurteilungsspielraum zu (BVGE 2014/1 E. 4.1.5 in fine; Urteil des
BVGer F-7617/2016 E. 4.1).
4.5 Sind – abgesehen vom Visum selbst – die Einreisevoraussetzungen
nicht erfüllt, kann in Ausnahmefällen ein Visum mit räumlich beschränkter
Gültigkeit erteilt werden, das nur für das Hoheitsgebiet des betreffenden
Mitgliedstaats gilt. Von dieser Möglichkeit kann ein Mitgliedstaat unter an-
derem Gebrauch machen, wenn er es aus humanitären Gründen, aus sol-
chen des nationalen Interesses oder aufgrund internationaler Verpflichtun-
gen für erforderlich hält (vgl. Art. 3 Abs. 4 VEV; Art. 25 Abs. 1 Bst. a VK;
Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK).
5.
5.1 Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach Art. 6 Abs. 1 SGK
ist die Frage der gesicherten Wiederausreise zentral. Eine solche erach-
tete das SEM vorliegend aufgrund der allgemeinen Situation im Heimat-
land und der persönlichen Verhältnisse der eingeladenen Personen als
nicht genügend gewährleistet.
5.2 In der Regel lassen sich keine gesicherten Feststellungen darüber tref-
fen, ob eine drittstaatsangehörige Person tatsächlich beabsichtigt, vor Ab-
lauf des Visums den Schengen-Raum zu verlassen, weshalb darüber eine
Prognose zu erstellen ist. Hierzu sind alle Umstände des Einzelfalles zu
würdigen. Die Beweisführungslast obliegt dabei der drittstaatsangehörigen
Person (Art. 14 Abs. 1 Bst. d VK; Art. 14 Abs. 3 i.V.m. Anhang II VK; Art. 5
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Abs. 1 Bst. c SGK; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2014/1 E. 4.4 und E. 6.1). An-
haltspunkte zur Beurteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wiederaus-
reise können sich zunächst aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland
der drittstaatsangehörigen Person ergeben. Ein Visum darf dabei nur erteilt
werden, wenn keine begründeten Zweifel an der Absicht des Gesuchstel-
lers bestehen, den Schengen-Raum vor Ablauf des Visums zu verlassen
(vgl. BVGE 2014/1 E. 4.4 m.H). Namentlich bei Einreisegesuchen von Per-
sonen aus Staaten bzw. Regionen mit politisch, wirtschaftlich und sozial
ungünstigen Verhältnissen rechtfertigt sich eine strenge Praxis, da die per-
sönliche Interessenlage in solchen Fällen erfahrungsgemäss häufig nicht
mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung im
Einklang steht (BVGE 2014/1 E. 6.1 m.H.).
5.3 Burundi gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Knapp 75 Prozent der
Bevölkerung gelten dort als arm. Das Bevölkerungswachstum von über drei
Prozent übersteigt das Wirtschaftswachstum deutlich, sodass selbst gut
ausgebildete Fachkräfte keine berufliche Perspektive haben. Die humanitäre
Situation im Land ist prekär. Die burundische Wirtschaft ist seit dem Beginn
der Krise in eine schwere Rezession geschlittert. Der Bildungs- und Gesund-
heitssektor leiden unter massiven Ausgabenkürzungen, wie eine Malaria-
Epidemie mit 5,7 Mio. Betroffenen Anfang 2019 exemplarisch belegt. Trotz
der Corona-Epidemie fanden die Präsidentschaftswahlen im Mai 2020 statt.
Die politische Lage bleibt jedoch selbst nach dem erfolgten Regierungs-
wechsel infolge der langjährigen politischen Krise weiterhin angespannt
(vgl. dazu https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/fachthemen/afrika/
burundi/ sowie https://www.bpb.de/themen/kriege-konflikte/dossier-kriege-
konflikte/212902/burundi/ abgerufen jeweils im Oktober 2022).
5.4 Vor diesem Hintergrund ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, dass
die Vorinstanz das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise von
Besucherinnen und Besuchern aus Burundi als grundsätzlich sehr hoch
einschätzt. Allerdings wäre es zu schematisch und nicht haltbar, generell
und ohne spezifische Anhaltspunkte ausschliesslich aufgrund der allgemei-
nen Lage in der Herkunftsregion auf eine nicht hinreichend gesicherte Wie-
derausreise zu schliessen. Es gilt vielmehr, über die Situation im Herkunfts-
land hinaus, die weiteren Umstände ebenfalls zu würdigen. Dabei sind in
die Prognose über die Absicht einer gesuchstellenden Person, den Schen-
gen-Raum fristgerecht zu verlassen, deren persönliche, familiäre und be-
rufliche bzw. wirtschaftliche Situation sowie deren Interessenlage miteinzu-
beziehen (BVGE 2014/1 E. 6.3.1). Obliegt einer gesuchstellenden Person
im Heimatland beispielsweise eine besondere berufliche, gesellschaftliche
https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/fachthemen/afrika/%20burundi/ https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/fachthemen/afrika/%20burundi/ https://www.bpb.de/themen/kriege-konflikte/dossier-kriege-konflikte/212902/burundi/ https://www.bpb.de/themen/kriege-konflikte/dossier-kriege-konflikte/212902/burundi/
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oder familiäre Verantwortung, kann dies die Prognose für eine anstands-
lose Wiederausreise begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in
ihrer Heimat keine besonderen Verpflichtungen haben, das Risiko eines
ausländerrechtlich nicht regelkonformen Verhaltens nach einer bewilligten
Einreise als hoch eingeschätzt werden (BVGE 2014/1 E. 6.3.1 m.H.;
2009/27 E. 8).
6.
6.1 Den eingereichten Dokumenten lässt sich entnehmen, dass der Ge-
suchsteller 1 Vater eines im Jahr 2013 geborenen Kindes ist (Beilage
Bd-1 zur Replik); beschwerdeweise wird darauf hingewiesen, dass er seine
Hochzeit vorbereite (S. 4 ebenda). Mit Replik wird weiter ausgeführt, er
gedenke, seine Verlobte im November 2022 zu heiraten (vgl. Replik S. 3).
Belege dazu wurden hingegen keine eingereicht. Sein Bruder, der Gesuch-
steller 2, hat gemäss den Akten insgesamt sechs Kinder (vier davon min-
derjährig) mit zwei verschiedenen Frauen (vgl. Beilagen Bc-1 bis Bc-6 zur
Replik). Mit Beschwerde wird zudem geltend gemacht, die Familie pflege
mit der derzeitigen Regierung gute Beziehungen; dies sei anders gewesen,
als die Schwester der Gesuchstellenden in die Schweiz gekommen sei;
damals sei die Familie gezielt verfolgt worden; heute gäbe es keinen Grund
mehr, nicht wieder nach Burundi zurückzureisen (Beschwerde S. 2). Die
Gesuchstellenden verfügen sicherlich über gewisse familiäre Verpflichtun-
gen, wenn auch konkrete Angaben zum familiären Umfeld (Wohnsituation,
Betreuung der Kinder usw.) fehlen. Es gilt jedoch zu bedenken, dass das
Zurücklassen minderjähriger Kinder für sich allein noch keine Garantie für
eine anstandslose und fristgerechte Wiederausreise nach einem Besuchs-
aufenthalt bildet. Die Erfahrung zeigt, dass es in der Regel vielmehr die
individuell herrschenden wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse sind,
die letztlich über Rückkehr oder Verbleib im Ausland entscheiden. Dass
eine Familie vorübergehend getrennt wird, wird je nach Interessenlage in
Kauf genommen. Dies umso eher, wenn die Betreuung der Kinder durch
die Mutter sichergestellt ist und die Möglichkeit besteht, die Kinder allen-
falls später nachziehen zu können (vgl. bspw. Urteil des BVGer
F-4313/2019 vom 14. Februar 2020 E. 5.4). Die familiären und persönli-
chen Verpflichtungen sind daher nicht so beschaffen, dass sie die Gesuch-
stellenden in nachhaltiger Weise von einer Emigration abhalten könnten.
Weiter sind weder den Akten noch den Vorbringen der Beschwerdeführen-
den Hinweise auf konkrete soziale Verpflichtungen der beiden Brüder in
ihrem Heimatland zu entnehmen. Solche lassen sich auch nicht aus der
pauschalen Aussage ableiten, die Fortführung des Projekts «[...]» bedinge
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die Anwesenheit der Gesuchstellenden in ihrem Heimatland, welche Ver-
bindungen zu diversen namentlich erwähnten Persönlichkeiten hätten;
dank dieser Verbindungen bestünde eine Chance, das Projekt weiter zu
entwickeln (Beschwerde S. 3).
6.2 Es gilt somit weiter die wirtschaftliche Situation der Gesuchstellenden
in ihrem Heimatland zu prüfen.
6.2.1 Der Gesuchsteller 1 gab in seinem Visumsantrag vom 1. April 2021
an, er sei «[...]» und arbeite bei «[...]» (SEM act. I 8/118; vgl. auch SEM
act. I 2/55). Die Vorakten enthalten überdies Lohnabrechnungen, aus de-
nen sich ergibt, dass er im April 2020 BIF 162'766.- (ca. CHF 81.-), im Juni
2020 BIF 156'726.- (ca. CHF 78.-), im Juli 2020 BIF 257'702.- (ca. CHF
129.-) und im August 2020 BIF 257'093.- (ca. CHF 128.50) verdiente (SEM
act. I 2/49 ff.). Diese Beträge finden sich auch auf einem eingereichten
Kontoauszug wieder (SEM act.I 2/48). Mit Beschwerde wurde für die An-
stellung bei «[...]» ein Arbeitsvertrag, datiert vom 1. März 2010, eingereicht.
Vereinbart wurde dort ein Grundgehalt von BIF 45'000.- (ca. CHF 22.50).
Zu einem späteren Zeitpunkt wurde im vorliegenden Verfahren ein weite-
rer, erneuerter Vertrag vom 1. Januar 2022 über ein Anstellungsverhältnis
des Gesuchstellers 1 bei «[...]» eingereicht. Vereinbart wurde dort ein Lohn
von BIF 2'000'000.- (ca. CHF 1'000.-; BVGer act. 7). Erklärt wurde die
Nachreichung des neuen Arbeitsvertrags mit dem Umstand, dass [...] eine
internationale Geschäftsfrau sei und des Öfteren nach Europa reise. Diese
Reisetätigkeit seien denn auch, zusammen mit einer Erkrankung des Ge-
suchstellers 1, der Grund, dass der Arbeitsvertrag habe nachgeliefert wer-
den müssen; Frau L._ unterhalte in O._ zwei Arbeitsberei-
che, in denen der Gesuchsteller sich jeweils um die Administration und die
Buchführung kümmere. Das Hauptgeschäft, welches auch wirtschaftlich
erfolgreich arbeite, sei ein Betrieb, welcher Freizeitangebote führe. Das
zweite Geschäft sei ein Sportclub, der es erlaube, jungen Talenten von
Bujumbura das Fussballspiel zu ermöglichen und an Meisterschaften teil-
zunehmen. Diese Tätigkeit gleiche eher einem Sponsoring für sportliche
Betätigung junger Menschen von O._. Das seien die Hauptgründe,
weshalb es zwei unterschiedliche Verträge gebe, wobei die Unternehmerin
frei bestimme, wo und wann der Gesuchsteller 1 tätig sein solle (Replik
S. 3). Aus dem mit der Replik eingereichten Kontoauszug ist zudem zu ent-
nehmen, dass in den Monaten Februar, März und April des Jahres 2022 je
ein Betrag von BIF 2'000'000.- auf das Konto des Gesuchstellers 1 einbe-
zahlt wurde (Beilage Cd-1und Cd-2 zur Replik).
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6.2.2 Die Eingaben der Beschwerdeführenden ergeben bezüglich der be-
ruflichen Situation des Gesuchstellers 1 kein hinreichend klares Bild. Ins-
besondere fällt auf, dass im zweiten Arbeitsvertrag vom 1. Januar 2022
ein Lohn aufgeführt wird, der um ein Vielfaches höher ist als derjenige im
ersten Vertrag und dieser auch nicht im Einklang mit den im vorinstanzli-
chen Verfahren eingereichten Lohnabrechnungen steht. Wieso das Gehalt
des Gesuchstellers 1 eine exorbitante Erhöhung erfahren hat, wurde nicht
erläutert. Unklar ist auch, inwiefern «[...]» tatsächlich mit «[...]» verbunden
ist. Gemäss einer einfachen Internetrecherche handelt es sich bei «[...]»
um eine Handelsmarke einer Holdinggesellschaft. Weiter ist es der Name
eines Fussballklubs (vgl. dazu [...]). Ein Zusammenhang zwischen [...]
ergibt sich hingegen nicht.
6.2.3 Der Gesuchsteller 2 gab auf seinem Visumsantrag vom 1. April 2021
an, sein aktueller Beruf sei «[...] bei R._ (SEM act. II 5/92). Einem
Empfehlungsschreiben vom 21. März 2021 ist zu entnehmen, dass er dort
Buchhalter sei (SEM act. II 5/79). Konkrete Angaben zum Anstellungsver-
hältnis und insbesondere zur Höhe des Lohnes sind den vorinstanzlichen
Akten nicht zu entnehmen. Erst auf Beschwerdeebene wurde eine Lohn-
bescheinigung eingereicht. Gemäss dem entsprechenden Dokument vom
5. Januar 2022 sei der Gesuchsteller 2 seit dem 1. Januar 2020 in der
«[...]» als Buchhalter tätig und erhalte dort ein Gehalt von BIF 1'526'350.-.
Ein ebenfalls mit Beschwerde eingereichter Arbeitsvertrag datiert vom
5. Januar 2022 (vgl. unpaginierte Beschwerdebeilagen). Nachdem das
SEM mit Vernehmlassung geltend gemacht hatte, es seien keine Belege
über erfolgte Salärzahlungen eingereicht worden, stellten die Beschwerde-
führenden dem Gericht mit Replik einen Bankauszug zu. Daraus ergibt
sich, dass der Gesuchsteller 2 in der Zeitspanne vom 1. Februar 2022 bis
30. April 2022 monatlich eine Zahlung über BIF 1'526'350.- (ca. CHF 609.-
) erhalten hat (Beilage Cc-2 der Replik).
6.2.4 Dem SEM ist vorliegend nicht vorzuwerfen, dass es die Ansicht ver-
trat, es könne beim Gesuchsteller 2 nicht von guten wirtschaftlichen Ver-
hältnissen ausgegangen werden. Auch die im vorliegenden Verfahren ein-
gereichten Dokumente können die Unklarheiten nicht ausräumen, welche
sich in Bezug auf das berufliche und wirtschaftliche Umfeld des Gesuch-
stellers 2 ergeben. So bleibt unklar, wieso er auf dem Visumsantrag als
aktuellen Beruf «Diener Gottes (religiös)» angab, obwohl er gemäss einem
Empfehlungsschreiben als Buchhalter arbeite. Der am 7. April 2021 aus-
gestellten Geburtsurkunde seiner Tochter (...) ist wiederum zu entnehmen,
dass er Chauffeur sei (Beilage Bc-6 zur Replik). Der erst mit Beschwerde
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eingereichte Arbeitsvertrag wurde zudem am 5. Januar 2022 ausgestellt.
Eine über eine längere Zeit erfolgte Dokumentation der Lohnzahlung mit-
tels Lohnabrechnungen oder Bankauszügen – gemäss dem Vertrag sei der
Gesuchsteller 2 seit dem 1. Januar 2020 beim gleichen Arbeitgeber tätig –
erfolgte nicht. Insbesondere lassen die im Februar/März/April 2022 erhal-
tenen Lohnzahlungen nicht bereits auf solide berufliche Verhältnisse
schliessen.
6.3 Trotz der von den Beschwerdeführenden im vorliegenden Verfahren
zusätzlich eingereichten Dokumente und Ausführungen bleibt die berufli-
che Situation der Gesuchstellenden im Sinne der obgenannten Erwägun-
gen unklar. Es versteht sich von selbst, dass damit nicht von vorteilhaften
wirtschaftlichen Verhältnissen ausgegangen werden kann, welche sie
nachhaltig von einer Emigration abzuhalten vermöchten.
6.4 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass ein gemeinsames Wirken am
Projekt «[...]» zwischen dem Beschwerdeführer 1 und den Gesuchstellen-
den – entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführenden (Replik S. 4
f.; vgl. auch Beschwerdebeilage) – auch über moderne Kommunikations-
mittel sowie Besuche des Gastgebers in Burundi realisierbar wäre. Aus den
Akten geht denn auch nicht hervor, inwiefern die Anwesenheit der Gesuch-
stellenden in der Schweiz dazu zwingend erforderlich wäre. Gleiches gilt
auch für den Austausch allfälliger Familieninformationen (vgl. Beschwerde
S. 4).
6.5 Vor dem dargelegten allgemeinen und persönlichen Hintergrund der
Gesuchstellenden durfte die Vorinstanz davon ausgehen, die Wiederaus-
reise der Eingeladenen sei im Sinne der massgeblichen Bestimmungen
nicht gesichert. An der Richtigkeit dieser Einschätzung ändert selbst die
Tatsache nichts, dass die Beschwerdeführenden gemäss den eingereich-
ten Unterlagen über einen guten Leumund verfügen. Entgegen ihren Vor-
bringen wird damit ihre Integrität keinesfalls angezweifelt (vgl. Beschwerde
S. 3, Replik S. 1). Bei der Risikobeurteilung ist denn auch in erster Linie
das mögliche Verhalten des Gastes selbst von Bedeutung. Gastgeber kön-
nen mit rechtlich verbindlicher Wirkung zwar für gewisse finanzielle Risiken
im Zusammenhang mit dem Besuchsaufenthalt, nicht aber für ein bestimm-
tes Tun oder Unterlassen ihres Gastes einstehen (vgl. in diesem Zusam-
menhang auch BVGE 2009/27 E. 9). Insofern läuft auch das Angebot der
Beschwerdeführenden ins Leere, dem SEM die (Retour-)Flugtickets der
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Seite 12
Gesuchstellenden in Kopie zuzustellen sowie täglich über ihren Aufent-
haltsort zu informieren und die Ausreise transparent zu gestalten (Be-
schwerde S. 2; Replik S. 1).
6.6 Mit diesen Ausführungen fehlt es an einer unabdingbaren Vorausset-
zung für die Erteilung eines einheitlichen Visums für den Schengen-Raum.
7.
Weiter liegen keine Dokumente vor, welche eine enge Beziehung zwischen
der verstorbenen Z._ und den Gesuchstellenden dokumentieren
würden. Dies obwohl den Beschwerdeführenden bereits von einem Mitar-
beiter der Schweizerischen Botschaft mitgeteilt wurde, dass sie den be-
haupteten engen Kontakt zwischen den Geschwistern nachweisen sollten
(SEM act. II 5/75 f.). Dementsprechend machte auch das SEM in seiner
Verfügung vom 18. November 2021 geltend, Belege oder Nachweise, wel-
che Aufschluss über die Beziehung geben würden, seien keine eingereicht
worden; es bleibe unklar, wie eng das Verhältnis zwischen den Geschwis-
tern gewesen sei, da die Schwester bereits 2006 in die Schweiz eingereist
sei (SEM act. II 10/114). Im vorliegenden Verfahren wurde lediglich auf re-
gelmässige Telefonanrufe verwiesen (Beschwerde S. 3, Replik S. 5). Eine
enge Beziehung zwischen den Geschwistern wurde somit weder konkret
dargelegt noch belegt. Weitere Ausführungen bezüglich der Erteilung eines
Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit erübrigen sich damit (vgl.
E. 4.5).
8.
Aus diesen Darlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte
von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh-
renden aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
F-81/2022
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