Decision ID: 67a1fdcd-770d-48a1-bd68-1aa8c0cc1aad
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 24. September 2022 in der Schweiz um
Asyl nach. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank
(Eurodac) ergab, dass er am 26. Mai 2022 bereits in Italien ein Asylgesuch
gestellt hatte.
B.
Die Vorinstanz befragte den Beschwerdeführer am 5. Oktober 2022 zu sei-
ner Person (PA) und am 26. Oktober 2022 in einem persönlichen Gespräch
zur allfälligen Zuständigkeit Italiens zur Durchführung des Asyl- und Weg-
weisungsverfahrens und zu einer Überstellung dorthin. Der Beschwerde-
führer führte aus, von der Türkei per Flugzeug nach Bosnien und mit dem
Auto nach Italien gereist zu sein, wo er bei einem türkischen Staatsange-
hörigen gewohnt und (unüberlegt) ein Asylgesuch gestellt habe, obwohl er
aufgrund fehlender italienischer Sprachkenntnisse rassistische Behand-
lungen erlebt habe. Es würden zwar keine besonderen Gründe gegen eine
Rückkehr nach Italien sprechen, aber dort «sei es hinsichtlich Umwelt und
Aufklärung wie in seinem Heimatland» und er sei bezüglich des überall
herumliegenden Mülls sehr sensibel. Auf Nachfrage erklärte er hinsichtlich
seiner gesundheitlichen Verfassung, an Rückenschmerzen zu leiden,
Schlafmedikamente zu nehmen und psychisch belastet zu sein.
C.
Am 26. Oktober 2022 ersuchte das SEM die italienischen Behörden um
Rückübernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b der
Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-
stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).
Die italienischen Behörden liessen sich innerhalb der festgelegten Frist
zum Übernahmeersuchen nicht vernehmen.
D.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 11. November 2022 trat das
SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das
Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine Wegweisung
aus der Schweiz nach Italien an und forderte den Beschwerdeführer auf,
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die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu ver-
lassen. Gleichzeitig stellte es fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den
Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und verfügte die Aus-
händigung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den
Beschwerdeführer.
E.
Mit Eingabe vom 17. November 2022 erhob der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung der
vorinstanzlichen Verfügung vom 11. November 2022 und die Anweisung
der Vorinstanz sich für das materielle Asylverfahren für zuständig zu erklä-
ren; eventualiter sei die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben und die Sa-
che zu weiteren Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Erteilung der aufschieben-
den Wirkung der Beschwerde und um die unentgeltliche Prozessführung
unter Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses ersucht.
F.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
18. November 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 und 4
AsylG).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwer-
deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist– und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (Art. 118 Abs. 3 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und
Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
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unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wie die vorliegende wird in
einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters
entschieden (vgl. Art. 111 Bst. e AsylG). Der Beschwerdeentscheid ist nur
summarisch zu begründen (Art. 111a Abs. 2 AsylG) und auf einen Schrif-
tenwechsel wurde in Anwendung von Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtet.
4.
4.1 Auf Asylgesuche ist in der Regel nicht einzutreten, wenn Asylsuchende
in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl-
und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind
die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort
aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien;
vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation
im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-
gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-
men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demge-
genüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel
III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2019 VI/7 E. 4-6; 2017 VI/5 E. 6.2 und
8.2.1 m.w.H.).
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Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, einen
Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem anderen
Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet eines
anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe der
Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-
III-VO).
4.2.1 Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank Euro-
dac ergab, dass der Beschwerdeführer am 26. Mai 2022 in Italien ein Asyl-
gesuch eingereicht hatte. Das SEM ersuchte deshalb gestützt auf Art. 18
Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO die italienischen Behörden am 26. Oktober
2022 um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers. Nachdem die italieni-
schen Behörden sich innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO festgelegten
Frist nicht zum Wiederaufnahmegesuch des SEM geäussert haben, steht
die Zuständigkeit Italiens gemäss Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-VO grundsätzlich
fest.
4.2.2 Der Beschwerdeführer bestätigte, in Italien ein Asylgesuch gestellt zu
haben, und der Einwand der diesbezüglichen «Unüberlegtheit» vermag an
der daraus folgenden Zuständigkeit nichts zu ändern. Er ist unbestritten in
das Hoheitsgebiet des Dublin-Staates eingereist und hat damit die Zustän-
digkeit Italiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens
begründet (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO). Aus seiner vorgebrachten
Sensitivität gegenüber Umweltverschmutzung sowie aus ideologischen
Überlegungen (Aufklärung) kann sich der Beschwerdeführer hinsichtlich
staatsvertraglicher Zuständigkeit nichts zu seinen Gunsten ableiten. Über-
dies räumt die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein, den ih-
ren Antrag prüfenden Staat selbst zu wählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3).
4.3 Die staatsvertragliche Zuständigkeit Italiens ist somit gegeben.
4.4 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-
ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die
Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-
sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-
lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen
Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin-
gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat
als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als
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zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-
staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
4.5 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintritts-
recht).
5.
5.1 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentli-
che Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebe-
dingungen für Asylsuchende in Italien würden systemische Schwachstellen
aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden
Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich
bringen würden. Ebenso ist zu prüfen, ob das Selbsteintrittsrecht nach
Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO auszuüben ist.
5.2 Der Beschwerdeführer macht auf Beschwerdeebene – nebst der Wie-
derholung seiner bei der Vorinstanz vorgebrachten Gründen – hauptsäch-
lich systemische Mängel in Italien geltend. Er habe weder Unterstützung
gegen den erfahrenen Rassismus noch einen Unterbringungsplatz erhal-
ten. Bei einer Überstellung nach Italien werde ihm Obdachlosigkeit drohen
und er werde trotz benötigter psychotherapeutischer Behandlung, auftre-
tender Schlafstörungen und Rückenschmerzen keinen Zugang zu medizi-
nischer Versorgung erhalten. Seine Beschwerden würden auf eine post-
traumatische Belastungsstörung (PTBS) hinweisen, jedoch hätten noch
keine genaueren Abklärungen stattgefunden. Die Vorinstanz habe mit dem
angefochtenen Entscheid nicht bis zum Ergebnis seines Arzttermins vom
21. November 2022 zugewartet, weshalb der medizinische Sachverhalt
auch nicht ausreichend erstellt worden sei. Zudem habe sie sich unzu-
reichend mit den Umständen in Italien hinsichtlich Gesundheitsversorgung
und Unterbringung der Asylsuchenden auseinandergesetzt. Diesbezüglich
sei auf die Berichte der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 25.Ap-
ril 2022 und 6. Mai 2022 sowie auf die deutsche Rechtsprechung (VG Ber-
lin, Beschluss vom 27. April 2021) zu verweisen. Das Aufnahmesystem für
Asylsuchende sei aufgrund des Ukraine-Krieges zusätzlich überfordert und
infolge des Wahlsieges der rechtsnationalistischen Parteien in Italien be-
stehe das Risiko einer zukünftigen Verschärfung der Situation.
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5.3 Italien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301). Es darf davon ausgegangen werden, dass Italien die
Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen
Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsa-
men Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen
Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013
zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internati-
onalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben, anerkennt
und schützt. Das italienische Asylverfahren und Aufnahmesystem weist
demnach – entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers – keine sys-
temischen Mängel auf (vgl. Referenzurteil des BVGer F-6330/2020 vom
18. Oktober 2021 E. 9.1 m.w.H.). Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO kommt nicht
zur Anwendung.
5.4 Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar-
getan, die italienischen Behörden würden sich weigern, ihn aufzunehmen
und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln
der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe
für die Annahme zu entnehmen, Italien werde in seinem Fall den Grundsatz
des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwin-
gen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Es gibt auch kei-
nen Grund zur Annahme, die Überstellung des Beschwerdeführers nach
Italien würde zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen oder Italien
würde ihn dauerhaft die ihm gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden mi-
nimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Der Beschwerdeführer kann
sich einerseits hinsichtlich Unterbringung aus dem Hinweis auf die deut-
sche Rechtsprechung denn auch nichts zu seinen Gunsten ableiten, zumal
Urteile ausländischer Gerichte nicht bindend sind. Andererseits nahm er
die Unterbringung in einem Asylzentrum nicht in Anspruch, sondern wohnte
gemäss eigenen Angaben bei einem Landsmann (A14/1). Bei einer allfälli-
gen vorübergehenden Einschränkung der minimalen Lebensbedingungen
ist er alsdann gehalten, sich an die italienischen Behörden zu wenden und
die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einzufor-
dern, zumal es sich bei Italien um einen funktionierenden Rechtsstaat han-
delt (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Es ist ihm auch zuzumuten, sich bei
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allfälligen Problemen mit Drittpersonen (rassistische Behandlung) an die
zuständigen Behörden (Polizei) zu wenden.
Des Weiteren liegen keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass die Ge-
sundheit des Beschwerdeführers bei einer Überstellung nach Italien ernst-
haft gefährdet würde. Selbst angesichts seiner Schlafstörungen und Rü-
ckenschmerzen und falls er zukünftig eine psychotherapeutische oder me-
dizinische Behandlung benötigen sollte, kann einerseits bei der Überstel-
lung darauf Rücksicht genommen werden und andererseits ist darauf hin-
zuweisen, dass die Mitgliedstaaten verpflichtet sind, den Antragstellern die
erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung
und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schwe-
ren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1
Aufnahmerichtlinie). Antragstellenden mit besonderen Bedürfnissen ist die
erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe, einschliesslich psychologi-
scher Betreuung, zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Der Be-
schwerdeführer hat nicht vorgebracht, dass er bisher in Italien medizinisch
nicht behandelt beziehungsweise ihm eine medizinische Behandlung ver-
weigert worden sei, sondern er behauptete einzig generell beziehungs-
weise mit Hinweis auf öffentlich zugängliche Quellen (Berichte SFH), die
dortige medizinische Versorgung sei ungenügend, was gemäss den vor-
stehenden Ausführungen nicht zu bestätigen ist. Es deutet somit nichts da-
rauf hin, dass dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Italien eine
Verletzung von Art. 3 EMRK drohen würde. Seine gesundheitliche Situa-
tion hat sich gemäss den Akten zudem mit Hilfe von Medikamenten ver-
bessert und es handelt sich bei den anstehenden Arztterminen um Impfun-
gen (A19/2; Arztbericht vom 2. November 2022: Rückenschmerzen,
Krampfadern und psychische Probleme in Form von Einschlaf-/Schlafstö-
rungen; Albträume infolge erlebte Ausgrenzung in der Türkei). Weiter ist
den Akten ein geplanter, aber nicht weiter substantiierter Termin beim Psy-
chiater vom 21. November 2022 zu entnehmen (A20/1).
Bei dieser Ausgangslage durfte die Vorinstanz von einem genügend erstell-
ten medizinischen Sachverhalt ausgehen und die diesbezügliche Rüge er-
weist sich als unbegründet.
5.5 Im Weiteren beobachtet das Bundesverwaltungsgericht die Situation in
Italien fortlaufend (vgl. beispielsweise Urteil F-6330/2020 vom 18. Oktober
2021 zur Einholung individueller Garantien) und hat bisher – entgegen der
blossen Behauptung des Beschwerdeführers keine Hinweise auf eine
Überbelastung des italienischen Asylsystems aufgrund des Ukrainekrieges
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festgestellt. Aus dem unsubstantiierten Einwand einer mutmasslichen, zu-
künftigen Verschärfung der Situation aufgrund der politischen Wahlen in
Italien kann er sich ebenfalls nichts zu seinen Gunsten ableiten.
5.6 Die auf Beschwerdeebene vorgebrachten formellen Rügen der unvoll-
ständigen Sachverhaltserstellung erweisen sich insgesamt als unbegrün-
det, weshalb das Eventualbegehren um Rückweisung der Sache zu weite-
ren Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz abzuweisen ist.
5.7 Es ist festzuhalten, dass kein Grund für die Anwendung der Souverä-
nitätsklausel von Art. 17 Dublin-III-VO und Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 vorliegt,
zumal keine völkerrechtlichen Überstellungshindernisse bestehen, die die
Schweiz zum Selbsteintritt verpflichten würden, und, soweit die Vorinstanz
über Ermessen verfügt, keine Fehler bei der Ermessensbetätigung ersicht-
lich sind.
6.
Die Vorinstanz ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1
Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten.
Da der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder
Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Italien in An-
wendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a
AsylV 1).
7.
Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist. Die
Beschwerde ist abzuweisen und die Verfügung der Vorinstanz zu bestäti-
gen.
8.
Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, wes-
halb sich die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung sowie
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses als gegenstandslos
erweisen.
9.
Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den
vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen
sind, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt
sind.
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10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-
zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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