Decision ID: 346466e3-d724-590d-8010-a8e8b13ee19b
Year: 2016
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1967 geborene P._ (nachfolgend Versicherte oder Be-
schwerdeführerin), seit 2002 schweizerische Staatsangehörige, meldete
sich mit Datum vom 8. April 2005 bei der schweizerischen Invalidenversi-
cherung (IV) zum Leistungsbezug an (Akten IV-Stelle des Kantons Zürich
[IV-ZH-act.] 2). Zu ihrer Behinderung gab sie an, seit einem Verbrennungs-
unfall im Dezember 1989 an chronischen Schmerzen, Depressionen, Herz-
klopfen, Herzrhythmusstörungen und Tachykardien zu leiden. Die IV-Stelle
des Kantons Zürich (nachfolgend IV-Stelle Zürich) nahm medizinische und
erwerbliche Abklärungen vor, zog die Akten der Suva bei (IV-ZH-act. 17)
und holte das psychiatrische Gutachten der A._ vom 29. Novem-
ber 2005 ein (IV-ZH-act. 19). Dr. med. B._ vom regionalen ärztli-
chen Dienst (RAD) erachtete das Gutachten, in dem eine undifferenzierte
Schmerzstörung (ICD-10 F45.1) diagnostiziert und in einer angepassten
Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50% attestiert wurde, als nachvollzieh-
bar (IV-ZH-act. 29 S. 4). Der Einkommensvergleich ergab einen IV-Grad
von 65% (IV-ZH-act. 28). Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens
(IV-ZH-act. 30) sprach die IV-Stelle Zürich der Versicherten mit Verfügung
vom 4. Juli 2007 ab 1. April 2005 eine Dreiviertelsrente zu (IV-ZH-act. 32
und 35).
A.b Im Rahmen der revisionsweisen Überprüfung der Rente im Jahr 2010
machte die Versicherte eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
geltend (vgl. IV-ZH-act. 38 und 40). Aufgrund der Angaben des Hausarztes
erachtete der RAD eine Verschlechterung als nicht plausibel (vgl. IV-ZH-
act. 44 S. 2), worauf die IV-Stelle Zürich der Versicherten mitteilte, es be-
stehe weiterhin Anspruch auf die bisherige IV-Rente (Mitteilung vom 8. De-
zember 2010; IV-ZH-act. 45).
A.c Nach Inkrafttreten der IV-Revision 6a am 1. Januar 2012 (6. IV-Revi-
sion, erstes Massnahmenpaket [AS 2011 5659]; insbes. Schlussbestim-
mungen der Änderung vom 18. März 2011 [nachfolgend: SchlBest. IVG]
Bst. a) leitete die IV-Stelle Zürich am 29. August 2012 ein weiteres Revisi-
onsverfahren ein (IV-ZH-act. 47). Die Versicherte machte erneut eine Ver-
schlechterung ihres Gesundheitszustandes (in somatischer und psychi-
scher Hinsicht) geltend. Zur Frage, mit welchen Massnahmen sie in den
letzten drei Jahren versucht habe, den Gesundheitszustand zu verbessern,
hielt sie fest, sie habe alles Mögliche versucht (auch Alternativmedizin) und
sehe nicht, womit sie noch eine Verbesserung erreichen könnte (IV-ZH-
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act. 48). Die IV-Stelle Zürich forderte beim Hausarzt, Dr. C._, und
bei Frau Dr. D._ (betreffend psychiatrische Behandlung) einen Be-
richt an (IV-ZH-act. 49 und 52). Weiter holte sie bei Dr. med. E._
das psychiatrische Gutachten vom 9. Juli 2013 ein (IV-ZH-act. 53 und 57).
Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte keine psychiatrische Störung
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnose ohne Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit führte er insbesondere eine Anpassungsstörung mit
Angst und depressiver Reaktion, gemischt, (ICD-10 F43.22) an. Aus rein
psychiatrischer Sicht bestehe zum Zeitpunkt der Untersuchung keine Ar-
beitsunfähigkeit. Ob die zahlreichen körperlichen Beschwerden die Arbeits-
fähigkeit der Versicherten langfristig einschränkten, könne er als Psychia-
ter nicht beurteilen. Zur Klärung dieser Frage wäre allenfalls eine polydis-
ziplinäre Begutachtung indiziert (IV-ZH-act. 57 S. 16 f.). Zur Frage, ob sich
der Gesundheitszustand bzw. der Grad der Arbeitsunfähigkeit seit der letz-
ten Revision erheblich verändert habe, führte er aus: Sollte die Versicherte
im Jahr 2005 (bei Zusprechung der Dreiviertelsrente) tatsächlich an einer
psychiatrisch bedingten Arbeitsunfähigkeit gelitten haben, habe sich ihr
Gesundheitszustand seit der letzten Rentenrevision im Jahr 2010 mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit gebessert (a.a.O. S. 17). Der RAD-Arzt, Dr.
F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in seiner
Stellungnahme vom 11. Juli 2013 fest, auf das Gutachten könne abgestellt
werden. Die Versicherte sei mindestens seit 2010 (wenn nicht seit 2005)
zu 100% arbeitsfähig (IV-ZH-act. 58 S. 5).
A.d Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (IV-ZH-act. 59 ff.) hob
die IV-Stelle Zürich mit Verfügung vom 25. September 2013 die Rente (per
Ende Oktober 2013) auf (IV-ZH-act. 64). Die dagegen erhobene Be-
schwerde vom 23. Oktober 2013 hiess das Sozialversicherungsgericht des
Kantons Zürich in dem Sinne gut, dass es die angefochtene Verfügung auf-
hob und die Akten an die IV-Stelle für Versicherte im Ausland (IVSTA) über-
wies. Das Gericht stellte fest, die Versicherte habe die Schweiz Ende März
2013 verlassen und sich in Spanien niedergelassen. Die IV-Stelle Zürich
habe daher als örtlich unzuständige Behörde verfügt (Urteil IV.2013.00961
vom 29. Januar 2014 [IV-ZH-act. 70]).
A.e Nach Eingang der Akten hob die IVSTA – nach Durchführung des Vor-
bescheidverfahrens (IVSTA-act. 14, 18 und 20) – mit Verfügung vom
16. Juli 2014 die Rente per Ende August 2014 auf und entzog einer allfäl-
ligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung (IVSTA-act. 22).
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B.
Mit Beschwerde vom 8. September 2014 liess P._, vertreten durch
Fürsprecher Daniel Küng, folgende Rechtsbegehren stellen (act. 1):
„1. Die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 16. Juli 2014
sei vollumfänglich aufzuheben.
2. Es sei der Beschwerdeführerin eine ganze Invalidenrente ab wann rech-
tens, spätestens ab August 2012, allerspätestens ab Januar 2013, zuzu-
sprechen und zu entrichten.
3. Eventualiter sei der Beschwerdeführerin die bisherige Dreiviertelsrente
über den 31. August 2014 hinaus zu belassen beziehungsweise weiterhin
zu entrichten.
4. Subeventualiter sei die Prozedur unter Aufhebung der angefochtenen Ver-
fügung vom 16. Juli 2014 zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne
der Erwägungen und anschliessender Neuverfügung gemäss oben Ziffer
2, allenfalls Ziffer 3, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Be-
schwerdegegnerin.“
Die Beschwerdeführerin liess zusammengefasst im Wesentlichen vorbrin-
gen, die Rentenzusprechung ab April 2005 (Verfügung vom 4. Juli 2007)
sei bereits unter Berücksichtigung der Rechtsprechung betreffend somato-
forme Schmerzstörung erfolgt, weshalb Bst. a SchlBest. IVG nicht anwend-
bar sei. Zudem entspreche das psychiatrische Gutachten nicht den Anfor-
derungen und es wäre eine polydisziplinäre Begutachtung angezeigt ge-
wesen.
C.
In ihrer Vernehmlassung vom 5. November 2014 schloss die Vorinstanz
auf Abweisung der Beschwerde (act. 3).
D.
Der mit Zwischenverfügung vom 11. November 2014 auf CHF 400.- fest-
gesetzte Kostenvorschuss (act. 4) ging am 5. Dezember 2014 bei der Ge-
richtskasse ein (act. 6).
E.
Mit Replik vom 12. Januar und Duplik vom 22. Januar 2015 hielten die Par-
teien an ihren Rechtsbegehren fest (act. 9 und 11).
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Seite 5
F.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird,
soweit für die Entscheidfindung erforderlich, im Rahmen der nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG (SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG
und Art. 69 Abs. 1 Bst. b IVG (SR 831.20) ist das Bundesverwaltungsge-
richt zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.1 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich grund-
sätzlich nach dem VwVG (SR 172.021 [Art. 37 VGG]). Vorbehalten bleiben
gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG die besonderen Bestimmungen des ATSG
(SR 830.1).
1.2 Als direkte Adressatin ist die Beschwerdeführerin von der angefochte-
nen Verfügung berührt und sie kann sich auf ein schutzwürdiges Interesse
an deren Aufhebung oder Änderung berufen (vgl. Art. 59 ATSG, Art. 48
Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(vgl. Art. 38 ff. und Art. 60 ATSG, Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist, nachdem auch
der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet wurde, einzutreten.
2.
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die von der Vorinstanz eingereichten
Akten der IV-Stelle Zürich nicht den Anforderungen der Rechtsprechung
entsprechen.
2.1 Gemäss Art. 46 ATSG sind für jedes Sozialversicherungsverfahren alle
Unterlagen, die massgeblich sein können, vom Versicherungsträger syste-
matisch zu erfassen. Ferner sind die Unterlagen von Beginn weg in chro-
nologischer Reihenfolge abzulegen; bei Vorliegen eines Gesuchs um Ak-
teneinsicht und spätestens im Zeitpunkt des Entscheids ist das Dossier zu-
dem durchgehend zu paginieren (SVR 2011 IV Nr. 44 [8C_319/2010]
E. 2.2.2). In der Regel ist auch ein Aktenverzeichnis zu erstellen, welches
eine chronologische Auflistung sämtlicher in einem Verfahren gemachter
Eingaben enthält (Urteil BGer 2C_327/2010 vom 19. Mai 2011 E. 3.2 [nicht
publiziert in BGE 137 I 247]; 8C_319/2010 E. 2.2.2; Urteil BGer 8C_616/
2013 vom 28. Januar 2014 E. 2.1).
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Seite 6
2.2 Die Akten wurden zwar handschriftlich mit einer Nummer versehen, es
fehlt aber eine durchgehende Paginierung (Aktorum 17 enthält bspw. ohne
weitere Nummerierung sämtliche Suva-Akten, Aktorum 12 die Akten der
Generali-Versicherungen betreffend einen im Juli 2004 erlittenen Autoun-
fall). Weiter fehlt ein Aktenverzeichnis. Sodann fällt auf, dass die IV-Stelle
Zürich dem Rechtsvertreter im Oktober 2013 ihre Akten Nummer 1 – 84
zur Einsicht zustellte, das Schreiben nun aber als Aktorum 66 bezeichnet
ist.
2.3 Vorliegend kann davon abgesehen werden, die systematisch erfassten
Akten bei der Vorinstanz oder der IV-Stelle Zürich nachzuverlangen, da die
Sache ohnehin zu ergänzenden Abklärungen an die Vorinstanz zurückzu-
weisen ist, wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt.
3.
Streitig ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Zunächst sind die
für die Beurteilung massgebenden gesetzlichen Bestimmungen und die
von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätze darzulegen.
3.1 Der Anspruch auf eine Invalidenrente beurteilt sich auch im Anwen-
dungsbereich des FZA und der Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 des Eu-
ropäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinie-
rung der Systeme der sozialen Sicherheit (SR 0.831.109.268.1; bzw. bis
31. März 2012 Verordnung [EWG] Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni
1971) sowie (EG) Nr. 987/2009 des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 16. September 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durch-
führung der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über die Koordinierung der Sys-
teme der sozialen Sicherheit (SR 0.831.109.268.11) nach schweizeri-
schem Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil BGer 9C_573/2012 vom
16. Januar 2013 E. 4 mit Hinweisen; BASILE CARDINAUX, § 7 Beweiserhe-
bung im Ausland, in: Recht der Sozialen Sicherheit, 2014, S. 281 Rz. 7.23;
Urteile BVGer C-2816/2014 vom 12. Februar 2016 E. 2.1 und C-5263/2014
vom 6. Juli 2016 E. 2, je mit Hinweisen).
3.2 In zeitlicher Hinsicht sind – vorbehältlich besonderer übergangsrechtli-
cher Regelungen – grundsätzlich diejenigen materiellen Rechtssätze mas-
sgebend, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechts-
folgen führenden Tatbestandes Geltung haben (Urteil BGer 8C_419/2009
vom 3. November 2009 E. 3.1; BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Der Leistungsan-
spruch ist für die Zeit vor einem Rechtswechsel aufgrund der bisherigen
und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen zu beurteilen (vgl. BGE
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130 V 445). Vorliegend sind insbesondere auch die am 1. Januar 2012 in
Kraft getretenen Vorschriften gemäss IV-Revision 6a zu beachten.
3.3 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG; der am 1. Januar 2008 in Kraft getretene Abs. 2 hat
den Begriff der Erwerbsunfähigkeit nicht modifiziert, BGE 135 V 215
E. 7.3).
Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Un-
fähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu
leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem ande-
ren Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
3.4 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG (in
der seit 1. Januar 2008 gültigen Fassung) Versicherte, die ihre Erwerbsfä-
higkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten
oder verbessern können (Bst. a), während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG)
gewesen sind (Bst. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 %
invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. c).
3.5 Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf
eine Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindes-
tens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens 70 % auf eine
ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG [in der seit 1. Januar 2008 gültigen Fas-
sung], Art. 28 Abs. 1 IVG [in der ab 1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2007
gültigen Fassung]).
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Seite 8
3.6 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be-
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4, BGE 125 V 256 E. 4).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des
Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, BGE 125 V 351 E. 3a).
3.7 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Ren-
tenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Ge-
such hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgeho-
ben (Art. 17 Abs. 1 ATSG).
3.8 Nach Bst. a Abs. 1 SchlBest. IVG werden Renten, die bei pathogene-
tisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nach-
weisbare organische Grundlage gesprochen wurden, innerhalb von drei
Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung überprüft. Sind die Vorausset-
zungen nach Art. 7 ATSG nicht erfüllt, so wird die Rente herabgesetzt
oder aufgehoben, auch wenn die Voraussetzungen von Art. 17 Abs. 1
ATSG nicht erfüllt sind. Diese Bestimmung wurde höchstrichterlich als ver-
fassungs- und EMRK-konform beurteilt (BGE 139 V 547). Sie findet laut
Bst. a Abs. 4 SchlBest. IVG keine Anwendung auf Personen, die im Zeit-
punkt des Inkrafttretens der Änderung das 55. Altersjahr zurückgelegt ha-
ben oder im Zeitpunkt, in dem die Überprüfung eingeleitet wird, seit mehr
als 15 Jahren eine Rente der Invalidenversicherung beziehen.
4.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Rentenaufhebung gestützt auf
Bst. a SchlBest. IVG sei unzulässig. Die Rente sei ihr im April 2007 (recte:
Juli 2007) zugesprochen worden und es bestehe kein Anlass zur Annahme,
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Seite 9
dass die Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit nicht unter Beach-
tung der damals und aktuell weiterhin massgeblichen Rechtsprechung er-
folgt sei.
4.1 Gemäss der mit BGE 130 V 352 (Urteil vom 12. März 2004) und BGE
131 V 49 (Urteil vom 16. Dezember 2004) eingeleiteten und bei Erlass der
hier angefochtenen Verfügung im Juli 2014 noch anwendbaren Rechtspre-
chung (betreffend neuer Rechtsprechung nach BGE 141 V 281 vgl. nach-
folgende E. 5.1) vermochten somatoforme Schmerzstörungen und ähnli-
che ätiologisch-pathogenetisch unklare syndromale Leidenszustände in
der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs. 1 IVG führende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu bewirken (vgl.
Urteil des BGer 8C_689/2014 vom 19. Januar 2015 E. 2.1 mit Hinweisen
auf BGE 136 V 279 E. 3; 130 V 352 E. 2.2.2 und 2.2.3; 132 V 65; 131 V
49; 130 V 396). Die – nur in Ausnahmefällen anzunehmende – Unzumut-
barkeit eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess setzte das Vorliegen
einer mitwirkenden, psychisch ausgewiesenen Komorbidität von erhebli-
cher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer oder aber das Vorhan-
densein anderer qualifizierter, mit gewisser Intensität und Konstanz erfüll-
ter Kriterien voraus, wie chronische körperliche Begleiterkrankungen und
mehrjähriger Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter
Symptomatik ohne längerfristige Remission, ein ausgewiesener sozialer
Rückzug in allen Belangen des Lebens, ein verfestigter, therapeutisch nicht
mehr angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psy-
chisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn)
oder schliesslich unbefriedigende Behandlungsergebnisse trotz konse-
quent durchgeführter Behandlungsbemühungen (auch mit unterschiedli-
chem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnah-
men bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der versicherten
Person voraus (BGE 130 V 352 E. 2.2.3). Je mehr dieser sogenannten
"Förster-Kriterien" zutrafen und je ausgeprägter sich die entsprechenden
Befunde darstellten, desto eher waren die Voraussetzungen für eine zu-
mutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 139 V 547 E. 9; 137 V 64
E. 4.1; 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
4.2 Eine IV-Rente kann nicht gestützt auf Bst. a SchlBest. IVG herabge-
setzt oder aufgehoben werden, sofern die Rentenzusprache bereits auf der
Grundlage der massgebenden Überwindbarkeitsrechtsprechung, die mit
BGE 130 V 352 und BGE 131 V 49 betreffend anhaltende somatoforme
Schmerzstörung eingeleitet wurde, erfolgt ist (BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3). Der
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Anwendungsbereich von Bst. a SchlBest. IVG ist aber nicht auf die spezi-
fischen Diagnosen beschränkt, welche ausdrücklich in die Überwindbar-
keitsrechtsprechung einbezogen wurden. Massgebend ist vielmehr die Na-
tur des Gesundheitsschadens, mithin ob die Rente „bei“ einem unklaren
Beschwerdebild zugesprochen worden ist (vgl. Urteile BGer 9C_384/2014
vom 10. Juli 2014 E. 3.2 und 9C_379/2013 vom 13. November 2013
E. 3.2.3).
4.2.1 Die Beschwerdeführerin war vom 28. Februar bis 20. März 2005 in
der Klinik G._ hospitalisiert. Im Austrittsbericht (Anhang zu IV-ZH-
act. 11) werden folgende (Haupt-)Diagnosen aufgeführt: somatoforme
Schmerzstörung (F45.4), rezidivierende depressive Störung, derzeit mittel-
schwere Episode (F33.1), somatoforme autonome Funktionsstörung
(F45.3). Die behandelnde Psychiaterin, Frau Dr. med. H._, Fach-
ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in ihrem Bericht an die IV-
Stelle vom 21. Juli 2005 die Diagnosen posttraumatische Belastungsstö-
rung (F43.1), Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion (F43.21),
somatoforme autonome Funktionsstörung (F45.3) sowie lumbospondylo-
genes Schmerzsyndrom auf (IV-ZH-act. 13; vgl. auch Bericht des Hausarz-
tes Dr. C._ vom 25. Mai 2005, IV-ZH-act. 11). Gemäss psychiatri-
schem Gutachten der A._ vom 29. November 2005 stand damals
in diagnostischer Hinsicht eine undifferenzierte Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45.1) im Vordergrund. Eine Depression als eigenständige Krank-
heit könne nicht diagnostiziert werden. Die Symptomatik einer posttrauma-
tischen Belastungsstörung liege nicht vor und habe nach Aktenlage auch
in der Zeit nach dem Verbrennungsunfall nicht vorgelegen. Nach Einschät-
zung der Gutachter sei die Explorandin zurzeit ca. 50% arbeitsfähig, wobei
am ehesten ruhige selbständige Arbeiten in Frage kämen, wie die aktuell
ausgeübten Putzarbeiten. Eingeschränkt sei sie in ihrer Arbeitsfähigkeit
durch die besonders unter Belastung immer wieder auftretenden wech-
selnden körperlichen Beschwerden (Somatisierungen) und die Tendenz zu
selbstunsicherem und resignativem Rückzug beziehungsweise zur Ent-
wicklung depressiver Symptomatik. Weiter wird ausgeführt, worum es in
der psychotherapeutischen Behandlung im Wesentlichen gehen sollte (IV-
ZH-act. 19 S. 8 f.). Der RAD erachtete das psychiatrische Gutachten als
nachvollziehbar. Es könne darauf abgestellt und eine Arbeitsunfähigkeit
von 50% angenommen werden. Auf die Frage der Verwaltung, ob im Sinne
der Schadenminderungspflicht eine Psychotherapie zu verlangen sei, hielt
er fest, eine Psychotherapie finde seit drei Jahren statt und werde weiter-
geführt. Eine Schadenminderungspflicht sei nicht aufzuerlegen (Stellung-
nahme Dr. B._ vom 2. Dezember 2005; IV-ZH-act. 29 S. 4).
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Seite 11
4.2.2 Die Rentenzusprache im Juli 2007 erfolgte somit aufgrund einer Ge-
sundheitsbeeinträchtigung, die in den Anwendungsbereich von Bst. a Schl-
Best. IVG fällt. Bei der Prüfung des Rentenanspruchs wäre zweifellos die
Überwindbarkeitsrechtsprechung zu berücksichtigen gewesen. Den Akten
lassen sich jedoch keine Hinweise dafür entnehmen, dass die IV-Stelle Zü-
rich, der RAD oder die Gutachter die vom Bundesgericht aufgestellten
Grundsätze betreffend invalidisierende Wirkung von somatoformen Stö-
rungen (BGE 131 V 49 und 130 V 352) nur im Ansatz berücksichtigt hätten
(vgl. insbes. auch Fragenkatalog des RAD für die Begutachtung, IV-ZH-
act. 29 S. 3). Eine Rentenüberprüfung nach Bst. a SchlBest. IVG ist dem-
nach zulässig.
4.3 Unbestritten ist, dass kein Ausschlussgrund im Sinne von Bst. a Abs. 4
SchlBest. IVG vorliegt. Weder hat die 1967 geborene Beschwerdeführerin
am 1. Januar 2012 das 55. Altersjahr zurückgelegt, noch bezog sie bei Ein-
leitung der Rentenrevision im August 2012 seit mehr als 15 Jahren eine IV-
Rente.
5.
Weiter ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht gestützt auf das psychiat-
rische Gutachten von Dr. E._ die Rente aufgehoben hat.
5.1 Das Bundesgericht hat mit BGE 141 V 281 seine Rechtsprechung zu
den Voraussetzungen, unter denen anhaltende somatoforme Schmerzstö-
rungen und vergleichbare psychosomatische Leiden eine rentenbegrün-
dende Invalidität zu bewirken vermögen, grundlegend überdacht und teil-
weise geändert. Weiterhin kann eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit
nur anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer fachärztlich einwandfrei
diagnostizierten Gesundheitsbeeinträchtigung ist (BGE 130 V 396). Auch
künftig wird der Rentenanspruch – in Nachachtung der verfassungs- und
gesetzmässigen Vorgaben von Art. 8 und 29 BV (Rechtsgleichheit) und
Art. 7 Abs. 2 ATSG (objektivierte Zumutbarkeitsbeurteilung) – anhand ei-
nes normativen Prüfrasters beurteilt (vgl. BGE 130 V 352 E. 2.2.2; 139 V
547 E. 5.9), und es braucht medizinische Evidenz, dass die Erwerbsunfä-
higkeit aus objektiver Sicht eingeschränkt ist. Indes hält das Bundesgericht
an der Überwindbarkeitsvermutung nicht länger fest (BGE 141 V 281
E. 3.5). Anstelle des bisherigen Regel/Ausnahme-Modells tritt ein struktu-
rierter, normativer Prüfraster. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand
von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren
das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und sym-
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metrisch beurteilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfakto-
ren wie den vorhandenen Ressourcen Rechnung getragen wird (Urteil
BGer 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 [SVR 2015 IV Nr. 38] E. 3.1; zum
Ganzen: Urteil BGer 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2).
5.1.1 Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erwähnten Indikatoren hat
das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Ka-
tegorie "funktioneller Schweregrad" (E. 4.3) mit den Komplexen "Gesund-
heitsschädigung" (E. 4.3.1; Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
und Symptome [E. 4.3.1.1]; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
-resistenz [E. 4.3.1.2]; Komorbiditäten [E. 4.3.1.3]), "Persönlichkeit" (Per-
sönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychische Funktio-
nen [E. 4.3.2]) und "sozialer Kontext" (E. 4.3.3) sowie Kategorie "Konsis-
tenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleichmäs-
sige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebens-
bereichen (E. 4.4.1) und behandlungs- und eingliederungsanamnestisch
ausgewiesener Leidensdruck (E. 4.4.2). Sie erlauben – unter Berücksich-
tigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und
Kompensationspotenzialen (Ressourcen) anderseits – das tatsächlich er-
reichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6
und E. 4.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgra-
des ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch
festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand
der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest)
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind (BGE 141 V 281
E. 6 in fine; zum Ganzen: 9C_534/2015 E. 2.2.1).
5.1.2 Die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach dem
dargelegten Prüfungsraster erübrigt sich rechtsprechungsgemäss, wenn
Ausschlussgründe vorliegen, etwa wenn die Leistungseinschränkung über-
wiegend auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht, welche
die Annahme einer gesundheitlichen Beeinträchtigung von vornherein aus-
schliessen (BGE 141 V 281 E. 2.2; 9C_534/2015 E. 2.2.2 m.w.H.). Wie das
Bundesgericht im Urteil 9C_899/2014 festgehalten hat, ist aber die Grenz-
ziehung zwischen einer anspruchsausschliessenden Aggravation und ei-
ner blossen Verdeutlichungstendenz – welche nicht gleichgesetzt werden
dürfen – heikel. Zum einen prägt die (unbewusste) Tendenz zur Schmer-
zausweitung und -verdeutlichung das Wesen von Schmerzstörungen und
vergleichbaren Leiden gerade mit, welche sich bekanntlich dadurch cha-
rakterisieren, dass für die geklagten Beschwerden kein ausreichendes or-
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ganisches Korrelat gefunden werden kann. Zum andern dürfen die Beson-
derheiten des sozialversicherungsrechtlichen Abklärungsverfahrens nicht
ausser Acht gelassen werden. Die versicherte Person, welche mit ihrer An-
meldung bei der Invalidenversicherung die Zusprechung von Versiche-
rungsleistungen bezweckt, wird vielfach (wenn auch nicht ausnahmslos) –
bewusst oder unbewusst – ihre Beschwerden und Einschränkungen im
Hinblick auf dieses Ziel präsentieren (9C_899/2014 E. 4.2.1 mit Hinweisen
auf Rechtsprechung und Literatur).
5.1.3 Intertemporalrechtlich gilt es sodann zu beachten, dass gemäss al-
tem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten ihren Beweiswert nicht per
se verlieren. Mit Blick auf die nunmehr materiell-beweisrechtlich geänder-
ten Anforderungen bei der Einschätzung des funktionellen Leistungsver-
mögens ist jedoch in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen
administrativen und/oder gerichtlichen Sachverständigengutachten, gege-
benenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten, eine schlüs-
sige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren erlauben oder
nicht (BGE 141 V 281 E. 8; 9C_534/2015 E. 2.2.3).
5.1.4 Die Rechtsprechung nach BGE 141 V 281 ist auch auf Rentenüber-
prüfungen gemäss SchlBest anwendbar (Urteile BGer 9C_354/2015 vom
29. Februar 2016 E. 5, 8C_51/2016 vom 5. April 2016 E. 2 und
9C_558/2015 vom 4. April 2016 E. 6.1).
5.2 Der psychiatrische Gutachter diagnostiziert keine psychiatrische Stö-
rung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen ohne Auswir-
kung auf die Arbeitsfähigkeit führt er auf: Anpassungsstörung mit Angst und
depressiver Reaktion, gemischt (ICD-10 F43.22), bei multifaktorieller psy-
chosozialer Belastungssituation; Benzodiazepin-Abhängigkeitssyndrom,
„DD iatrogen“ (ICD-10 F13.24); akzentuierte Persönlichkeitszüge mit im-
pulsiven und narzisstischen Anteilen (ICD-10 Z73.1). Zur Diagnose einer
somatoformen Störung äussert sich der Gutachter nicht explizit. In der Be-
urteilung wird aber ausgeführt, es stelle sich auch die Frage, ob die ver-
schiedenen somatischen Beschwerden aufgrund einer psychischen Auffäl-
ligkeit zustande kämen. Diese Frage lasse sich nicht abschliessend beant-
worten, jedoch seien die körperlichen Beschwerden relativ diffus geblieben
und nicht genau objektivierbar, was sich in den Vorakten auch in verschie-
denen Diagnosen somatoformer Syndrome niedergeschlagen habe (IV-
ZH-act. 57 S. 16). Später wird – ohne weitere Ausführungen – festgehal-
ten, es sei aufgrund der Angaben in den Vorakten und den Aussagen der
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Versicherten anlässlich der Untersuchung „auch von einer gewissen Nei-
gung zur Selbstlimitierung“ auszugehen; die Schilderungen der Beschwer-
den lasse „auf eine gewisse Aggravationsneigung schliessen“ (IV-ZH-
act. 57 S. 16 f.). Diese Mutmassungen werden aber in keiner Weise mit
Beispielen unterlegt. Abschliessend hält der Gutachter fest, als Psychiater
könne er nicht beurteilen, ob die zahlreichen körperlichen Beschwerden
der Versicherten ihre Arbeitsfähigkeit langfristig einschränkten. Zur Klärung
dieser Frage wäre allenfalls eine polydisziplinäre Begutachtung indiziert
(IV-ZH-act. 57 S. 17).
5.3 Das psychiatrische Gutachten genügt nicht, um zu beurteilen, ob eine
anspruchserhebliche Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit besteht. Weshalb
die IV-Stelle Zürich – und in der Folge die Vorinstanz – davon abgesehen
haben, ein polydisziplinäres Gutachten einzuholen, lässt sich den Akten
nicht entnehmen. Im vorliegenden Fall wäre eine polydisziplinäre Begut-
achtung angezeigt gewesen. Nach der Rechtsprechung muss bei komple-
xen zweifellos gesundheitlichen Beeinträchtigungen die Einschätzung der
Leistungsfähigkeit auf umfassender, die Teilergebnisse verschiedener me-
dizinischer Disziplinen integrierender Grundlage erfolgen. Dasselbe gilt mit
Blick auf die mitunter schwierige Abgrenzung der im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG versicherten Zustände von invaliditätsfremden Faktoren (BGE 137 V
210 E. 1.2.4). Eine polydisziplinäre Expertise ist auch dann einzuholen,
wenn der Gesundheitsschaden zwar bloss als auf eine oder zwei medizi-
nische Disziplinen fokussiert erscheint, die Beschaffenheit der Gesund-
heitsproblematik aber noch nicht vollends gesichert ist (BGE 139 V 349
E. 3.2). Steht – wie vorliegend – eine somatoforme Störung und ihre Aus-
wirkungen in Frage, ist auch der Grundsatz zu beachten, wonach beim Zu-
sammenwirken von physischen und psychischen Beeinträchtigungen die
somatischen und psychischen Befunde nicht isoliert abzuklären sind, son-
dern eine interdisziplinäre Untersuchung durchzuführen ist (vgl. Urteile
BGer 8C_168/2008 vom 11. August 2008 E. 6.2.2 und 9C_235/2013 vom
10. September 2013 E. 3.2.2, je mit Hinweisen).
5.4 Die angefochtene Verfügung beruht demnach auf einem unvollständig
abgeklärten Sachverhalt (vgl. Art. 43 ATSG) und ist daher aufzuheben. Da
die Verwaltung wesentliche Fragen überhaupt nicht abgeklärt hat, steht die
Rechtsprechung nach BGE 137 V 210 einer Rückweisung nicht entgegen
(vgl. BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4; Urteil BGer 8C_633/2014 vom 11. Dezem-
ber 2014 E. 3.2). Die Vorinstanz wird in Zusammenarbeit mit dem RAD ein
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polydisziplinäres Gutachten einzuholen haben, welches eine rechtskon-
forme Beurteilung des Rentenanspruchs – auch im Lichte von BGE 141 V
281 – ermöglicht. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung. Dabei ist zu berücksichtigen, dass eine Rückweisung
praxisgemäss als vollständiges Obsiegen der beschwerdeführenden Partei
gilt (vgl. BGE 132 V 215 E. 6, Urteil BGer 9C_868/2013 vom 24. März 2014
E. 6).
6.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis und 2
IVG), wobei die Verfahrenskosten gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG in der Re-
gel der unterliegenden Partei auferlegt werden. Der unterliegenden Vo-
rinstanz werden jedoch keine Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2
VwVG). Der obsiegenden Beschwerdeführerin ist der geleistete Verfah-
renskostenvorschuss von CHF 400.- nach Eintritt der Rechtskraft des vor-
liegenden Urteils zurückzuerstatten.
6.2 Die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat gemäss Art. 64
Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht (VGKE, SR 173.320.2) Anspruch auf eine Parteientschädigung zu
Lasten der Verwaltung. Da keine Kostennote eingereicht wurde, ist die Ent-
schädigung aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE).
Unter Berücksichtigung des Verfahrensausgangs, des gebotenen und ak-
tenkundigen Aufwands, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierig-
keit des vorliegend zu beurteilenden Verfahrens erscheint eine Parteient-
schädigung von pauschal CHF 2'500.- (inkl. Auslagen, ohne Mehrwert-
steuer, vgl. Urteil BVGer C-1741/2014 vom 28. April 2016 E. 8.3 mit Hin-
weisen) angemessen (vgl. Art. 9 Abs. 1 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE).
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