Decision ID: 14c227cb-35d7-519f-933f-d3b68d5f3637
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juni 2010 erstmals zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 3). Nachdem sie ab dem 1. September 2010 wieder
100 % arbeitete, wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Mitteilung vom
20. Oktober 2010 ab (vgl. IV-act. 16 f.).
A.a.
Im Januar 2015 meldete die Versicherte sich wieder zum Leistungsbezug an und
machte als gesundheitliche Beeinträchtigung Rheuma (rheumatoide Arthritis) geltend
(IV-act. 20; vgl. auch IV-act. 30-3). Da sie ab dem 1. Mai 2015 die Arbeit bei der
bisherigen Arbeitgeberin in einer besser angepassten Tätigkeit wieder zu 80 %
aufnahm, wurde das Leistungsbegehren mit Mitteilung vom 8. Mai 2015 erneut
abgewiesen (vgl. IV-act. 38-3 f. und 38).
A.b.
Im Juni 2017 wurde die Versicherte durch die Arbeitgeberin wegen Rheumaleiden
und Knieproblemen zur Früherfassung gemeldet (IV-act. 41). Am 16. August 2017
meldete sie sich deswegen zum Leistungsbezug an (IV-act. 47). Die Arbeitgeberin
kündigte ihr per 30. April 2018 (vgl. IV-act. 109-5).
A.c.
Mit Mitteilung vom 23. April 2018 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab. Zur
Begründung führte sie aus, die Versicherte fühle sich nicht in der Lage, an beruflichen
Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Gemäss medizinischen Abklärungen
bestehe ab Mai 2018 eine dem bisherigen 80%-Arbeitspensum entsprechende
A.d.
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Arbeitsfähigkeit (IV-act. 117). Am 21. Juni 2018 teilte die Versicherte mit, dass sie mit
diesem Entscheid nicht einverstanden sei (IV-act. 121).
Vom 8. August bis 11. September 2018 war die Versicherte in stationärer
Behandlung in der Klinik B._ (vgl. IV-act. 132 und 143; Kurzaustrittsbericht vom
10. September 2018 und Austrittsbericht vom 24. Oktober 2018). Ab dem 5. November
2018 absolvierte die Beschwerdeführerin ein Einsatzprogramm der
Arbeitslosenversicherung bei C._. Dieses wurde per 12. Dezember 2018
abgebrochen, da die Versicherte keine genügende Leistung erzielte (vgl. IV-act. 154
und 161). Mit Mitteilung vom 3. Januar 2019 wies die IV-Stelle berufliche Massnahmen
erneut ab (IV-act. 162).
A.e.
Am 9. Juli 2019 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie eine
polydisziplinäre Begutachtung für erforderlich halte. Mit der Begutachtung wurde die
SMAB AG St. Gallen Swiss Medical Assessment- and Business Center beauftragt (IV-
act. 180, 183 und 186).
A.f.
Mit Gutachten vom 12. November 2019 stellten die SMAB-Gutachter folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Rheumafaktor positive, CCP-AK
negative, rheumatoide Arthritis, ED 2013, geringgradige ISG-Arthrose rechts,
fortgeschrittene Osteochondrose mit vollständig aufgebrauchtem Gelenkspalt rechts
paramedian L2/3, progrediente Diskushernie LWK3/4 mit Einengung Neuroforamen L3
rechts mehr als links mit Kontakt zur Nervenwurzel L3 rechts, kleinvolumige
Diskushernie LWK1/2, 2/3, 4/5 ohne Neurokompression, Laterolisthesis L2 um 6 mm,
geringer auch L3, Facettengelenksarthrose L4/5 links, geringgradige Verschmälerung
der DIP und PIP der Hände bds., ausgeprägte Deformierung und Defektzone MTP III
links mit hochgradig verschmälertem Gelenkspalt und leichten osteophytären
Ausziehungen, DD Normvariante, postentzündlich, Epicondylopathie hum. ulnaris und
hum. radialis rechts, Chondropathie Grad 3 am Patellafirst rechts. Als Diagnose ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie unter anderem eine rezidivierende
depressive Störung, nicht näher bezeichnet (ICD-10 F33.9; IV-act. 194-8 f.). In der
angestammten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin zu 55 % arbeitsfähig. In einer
adaptierten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (IV-act. 194-11 f.).
Geeignet sei eine überwiegend sachorientierte, gut strukturierte, regelmässige, kognitiv
A.g.
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B.
einfache Tätigkeit ohne besonderen Zeitdruck und ohne erhöhte Anforderungen an die
emotionale Belastbarkeit. Vor dem Hintergrund der psychogenen
Schmerzüberlagerung solle es sich um eine körperlich möglichst wenig belastende
Tätigkeit handeln. Vor dem Hintergrund des ADHS seien Tätigkeiten, die eine hohe
Anforderung an die geteilte Aufmerksamkeit (Multitasking) stellten, nicht geeignet. In
körperlicher Hinsicht sei eine leichte, eher wenig manuelle, wechselbelastende Tätigkeit
zumutbar. Das Gewichtslimit betrage 10 kg ohne monoton-repetitive
Gelenksbelastungen. Nässe, Kälte und ausgeprägte Temperaturschwankungen seien
nicht zumutbar. Seltenes in die Hocke Gehen, Bücken, Treppensteigen oder Besteigen
von Leitern seien zumutbar. Nicht zumutbar sei langandauerndes Arbeiten in
Wirbelsäulenzwangshaltungen bzw. in ergonomisch ungünstiger Haltung. Bei längerer
Zeitpräsenz solle die Möglichkeit zu kurzen Pausen gegeben sein zur Einnahme von
Entlastungsstellungen und Durchführung von Entspannungsübungen (IV-act. 194-10).
Nach durchgeführtem Vorbescheid- sowie Einwandverfahren (IV-act. 198 ff.) wies
die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 5. Februar 2020 gestützt auf
die im SMAB-Gutachten ermittelte 100%ige Arbeitsfähigkeit und den errechneten
Invaliditätsgrad von 2 % ab (IV-act. 208).
A.h.
Gegen diese Verfügung erhebt A._, vertreten durch Rechtsanwältin Silvana
Ebneter, am 5. März 2020 Beschwerde. Sie beantragt, die Verfügung vom 5. Februar
2020 sei aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen.
Eventualiter sei die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Ihr sei
die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung durch die Unterzeichnende
zu gewähren. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer
zulasten der Beschwerdegegnerin. Angesichts der Feststellungen im SMAB-Gutachten
sei die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar. Es sei auf die von den
Behandlern attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50 bis 100 % abzustellen. Werde wider
Erwarten auf das SMAB-Gutachten abgestellt, sei angesichts der unterschiedlichen
Einschätzungen betreffend Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht die
funktionelle Leistungsfähigkeit evaluieren (EFL) zu lassen. Für die Bestimmung des
Valideneinkommens sei auf das Jahr 2014 abzustellen. Sollte wider Erwarten von einer
B.a.
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Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden, so rechtfertige sich ein Tabellenlohnabzug von
20 % (act. G1).
Mit Beschwerdeantwort vom 14. April 2020 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Sie bringt im Wesentlichen vor, auf das beweiskräftige
SMAB-Gutachten sei abzustellen. Da die Beschwerdeführerin bereits ab Oktober 2014
teilweise arbeitsunfähig geworden sei, komme das Einkommen des Jahres 2013, in
welchem sie keine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit verzeichnet habe, dem
Einkommen im Gesundheitsfall am nächsten. Auf Seiten des Invalideneinkommens
rechtfertige sich kein Tabellenlohnabzug. Der Invaliditätsgrad betrage somit 6 %,
womit die Beschwerdeführerin keinen Rentenanspruch habe (act. G5).
B.b.
Am 4. Mai 2020 bewilligt die Verfahrensleitung das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung; act. G6).
B.c.
Mit Replik vom 10. Juni 2020 führt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus,
sie leide aktenkundig an einer rezidivierenden depressiven Störung schwankenden
Ausmasses. Die abweichende psychiatrische Diagnose des SMAB-Gutachters sei nicht
plausibel und nicht nachvollziehbar begründet. Ihr Verhalten, ihre Angaben und die
Vorakten seien konsistent gewesen, wie der psychiatrische Gutachter festgestellt habe.
Angesichts der geklagten Beschwerden und Einschränkungen sei die Attestierung einer
vollen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit nicht nachvollziehbar. Das
psychiatrische Teilgutachten erlaube keine schlüssige Beurteilung im Lichte aller
massgeblichen Indikatoren. Folglich würden keine beweiskräftigen medizinischen
Angaben vorliegen, die eine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erlauben
würden. Trotz Arbeitsunfähigkeit ab Oktober 2014 habe die Beschwerdeführerin im
Jahr 2014 mehr verdient als im Jahr 2013. Es sei daher auf das Einkommen im Jahr
2014 abzustellen, da es dem Einkommen im Gesundheitsfall am nächsten komme
(act. G11).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G13).B.e.
Am 15. Juli 2020 reicht die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin eine
Honorarnote über Fr. 4'681.95 ein und macht geltend, angesichts der langen
B.f.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Krankheitsgeschichte und des grossen Aktenumfangs inkl. mehrerer Gutachten
resultiere ein überdurchschnittlicher Aufwand (act. G15).
Auf die einzelnen Kritikpunkte der Beschwerdeführerin und die Akten wird, soweit
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
B.g.
Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
1.3.
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St.Galler Gerichte
2.
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4).
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Rechtserheblich sind alle
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das
Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl., Bern/St. Gallen/Zürich 2020, Art. 61 N 107).
1.4.
Die urteilenden Instanzen haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen). Auf von Versicherungsträgern im
Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholte, den Anforderungen der Rechtsprechung
entsprechende Gutachten externer Spezialärzte (sogenannte Administrativgutachten)
ist abzustellen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 466 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts vom
15. Juli 2020, 8C_335/2020, E. 4.1, und vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3).
1.5.
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
1.6.
Streitgegenstand bilden die Beweistauglichkeit des SMAB-Gutachtens (E. 2 bis
E. 5 nachfolgend) und der Einkommensvergleich (E. 6 bis E. 9 nachfolgend).
2.1.
Die Beschwerdeführerin bringt vor, angesichts der Feststellungen im SMAB-
Gutachten sei die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar. Die
2.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 8/21
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behandelnden Ärzte Dr. med. D._ und Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, würden ihr eine
Restarbeitsfähigkeit von 0 % bzw. 50 % attestieren. Darauf sei abzustellen (act. G1,
S. 9). Diesbezüglich ist vorab anzumerken, dass im Kurzaustrittsbericht Spital F._,
Rheumatologie, Klinik G._, vom 4. Dezember 2019, zur Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit vorerst ein 50%-Pensum, bei positivem Verlauf eine schrittweise
Steigerung des Pensums nach sechs Wochen empfohlen wurde (vgl. IV-act. 202-5).
Demnach gingen diese Behandler nicht davon aus, bei der Beschwerdeführerin liege
eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit von 50 % oder mehr vor.
Das Bundesgericht erachtet es als Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im
Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten
ihrer Patienten aussagen, sodass ihre Berichte deshalb zurückhaltend zu werten sind
(vgl. hierzu etwa BGE 125 V 351 E. 3b/cc oder BGE 135 V 465 E. 4.5). Dasselbe hat
auch für Spezialärzte zu gelten, die einen Patienten über einen längeren Zeitraum
regelmässig behandeln (Urteil des Bundesgerichts vom 1. Mai 2006, I 854/05, E. 3.3.1
mit Hinweis). Dabei handelt es sich um eine Richtlinie, die als solche mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) vereinbar ist. Bei der
Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden
Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte
behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine
Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von
vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und
umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse
hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und
Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits
nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum
Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu
anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich
eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und
nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die
im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteile des
Bundesgerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2, und vom 17. Februar 2021,
8C_783/2020, E. 5.2, je mit Hinweisen). Zudem ist auch dem Umstand, dass die
ärztliche Beurteilung von der Natur der Sache her unausweichlich Ermessenszüge
trägt, Rechnung zu tragen (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Januar 2019,
9C_804/2018, E. 2.2 mit Hinweisen).
2.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 9/21
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Nachfolgend wird daher geprüft, ob die behandelnden Ärzte wesentliche Aspekte
benannt haben, welche im Rahmen der Begutachtung nicht gewürdigt wurden. In
erster Linie werden die Angaben von Dr. D._ gemäss seinem Bericht vom 10. Januar
2020 (IV-act. 202-1) erörtert, auf welche die Beschwerdeführerin in der Beschwerde
ausdrücklich verweist (vgl. act. G1, S. 9).
2.4.
Dr. D._ brachte vor, im Mittelpunkt der Beschwerden würde eine rheumatoide
Arthritis stehen. Die rheumatologische Gutachterin stellte bei ihrer klinischen
Untersuchung jedoch keine Hinweise auf Gelenksergüsse oder Synovitiden als
Ausdruck einer entzündlichen Aktivität fest. An der Diagnose rheumatoide Arthritis sei
nicht zu zweifeln, die Entzündung sei aber zurzeit gut unter Kontrolle. Die von der
Beschwerdeführerin beschriebenen Schmerzen hätten keinen entzündlichen Charakter.
Laborchemisch zeige sich keine humorale Aktivität (IV-act. 194-7). Auch im
Kantonsspital St. Gallen (KSSG), Klinik für Rheumatologie, wurden sowohl im Januar
2016 als auch im Oktober 2016 keine geschwollenen Gelenke und keine entzündliche
oder postentzündliche Veränderung bzw. Erosionen festgestellt. Es fiel eine wiederholte
Diskrepanz zwischen als schmerzhaft eingestuften, jedoch nicht geschwollenen
Gelenken auf. Die Beschwerdeführerin beurteilte ihren Krankheitsverlauf zudem
regelmässig deutlich gravierender als die Ärzteschaft des KSSG (vgl. IV-act. 76,
act. G5.2/6-10 f. und act. G5.2/6-23). Die Aussage von Dr. D._, wonach eine
rheumatoide Arthritis im Mittelpunkt der Beschwerden der Beschwerdeführerin stehe,
ist somit mit Blick auf die Vorakten zu relativieren.
2.4.1.
Dr. D._ argumentierte, der jahrelange Einsatz systemischer Steroide habe zu
einer steroidinduzierten Myopathie geführt, welche zu Schmerzen im gesamten
Achsenskelett und der Extremitätenmuskulatur geführt habe. Aus dem SMAB-
Gutachten oder den Vorakten, namentlich auch aus dem vom
Krankentaggeldversicherer der letzten Arbeitgeberin in Auftrag gegebenen
bidisziplinären PMEDA-Gutachten vom 21. Februar 2018 (act. G5.2/8 und G5.2/10),
kann indes keine entsprechende Diagnose entnommen werden. Insbesondere das
KSSG diagnostizierte keine Myopathie (vgl. etwa act. G5.2/6-23) und sah nicht einen
entzündlichen Schmerz im Vordergrund (vgl. etwa act. G5.2/6-26 ff.). Soweit ersichtlich
ergeben sich auch aus den übrigen Vorakten keine Hinweise für das Vorliegen einer
Muskelschwäche oder für auf eine Myopathie zurückzuführende Schmerzen.
2.4.2.
Dr. D._ bezog in seinem Bericht vom 10. Januar 2020 die Komorbiditäten und
die kognitive Verfassung der Beschwerdeführerin (geltend gemacht werden
Ermüdbarkeit sowie verringerte Konzentrations-, Merk- und Leistungsfähigkeit)
2.4.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 10/21
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3.
fachfremd mit ein. Demgegenüber erfolgte die SMAB-Begutachtung konsensuell durch
vier Fachdisziplinen. Im SMAB-Gutachten wurde die kognitive Verfassung der
Beschwerdeführerin von den Gutachtern geprüft. Beispielsweise gab die
Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der Nebendiagnose ADHS an, sie könne
sich mit Ritalin gut konzentrieren (vgl. IV-act. 194-9 und 194-30). Der psychiatrische
Gutachter hielt fest, die Auffassung sei nicht erschwert und die Konzentration nicht
auffallend beeinträchtigt. Die Beschwerdeführerin habe dem Untersuchungsgespräch
aufmerksam folgen und auch rasche Themenwechsel problemlos bewältigen können
(IV-act. 194-33). Zwar äusserte die Beschwerdeführerin auch anlässlich der
Begutachtung, sie sei morgens müde und unausgeschlafen, tagsüber auch eher müde
(IV-act. 194-74), eine erhöhte Ermüdbarkeit wurde jedoch im Rahmen der
Begutachtung nicht objektiviert.
Dr. D._ brachte schliesslich vor, es habe sich ein chronisches lumboradikuläres
Reizsyndrom L3 rechts mit konsekutiver Überlastung der unteren
Facettengelenkssegmente entwickelt. Diese Diagnose wurde von den SMAB-
Gutachtern nicht gestellt. Die neurologische Gutachterin hielt vielmehr fest, es hätten
sich keine Hinweise für eine Radikulopathie oder andersartige Nervenschädigungen
ergeben (IV-act. 194-66).
2.4.4.
Mit dem RAD ist überdies festzustellen, dass Dr. D._ einen körperlichen
Untersuchungsbefund mit Dokumentation aktueller oder bleibender rheumatologischer
Untersuchungsbefunde nicht vorlegte. Er zog intermittierende Entzündungen und die
langsame Progression der Erkrankung zur Begründung der dauerhaften
vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit heran. Neue medizinische Sachverhalte enthielt
sein Bericht hingegen nicht. Demgegenüber stützte sich die SMAB-Begutachtung auf
eine ausführliche Exploration mit Befunderhebung sowie auf die Vorakten (vgl. IV-
act. 206-2 f., RAD-Stellungnahme von Dr. med. H._, Fachärztin für Allgemeine Innere
Medizin, vom 5. Februar 2020). Die Ausführungen Dr. D._s wecken nach dem
Gesagten keine ernstlichen Zweifel an den Ergebnissen des SMAB-Gutachten.
2.4.5.
Die Beschwerdeführerin räumt ein, es möge sein, dass gewisse Werte sich
verbessert hätten. Sie führt eine allfällige Verbesserung jedoch darauf zurück, dass sie
seit zwei Jahren keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehe und ihre Gelenke weniger
Belastung ausgesetzt gewesen seien. Sobald sie eine Arbeit ausführe, würden sich die
Schmerzen drastisch verschlimmern, was konkrete Arbeitsversuche in den Jahren
2018 und 2019 aufgezeigt hätten (act. G1, S. 9).
3.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/21
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An Arbeitsversuchen sind lediglich die Arbeitsplatzerhaltung bei der letzten
Arbeitgeberin sowie das Einsatzprogramm der C._ 2018 aus den Akten ersichtlich.
Bei beiden handelte es sich nicht um ideal adaptierte Tätigkeiten (vgl. zur
angestammten Tätigkeit IV-act. 194-11). Bei der letzten Arbeitgeberin war eine
weitergehende Adaption der Arbeitsstelle nicht möglich (vgl. etwa IV-act. 109-5). Bei
der C._ war die Arbeit grösstenteils feinmotorisch und wenig wechselbelastend
ausgerichtet. Dies war aufgrund der Gesundheitseinschränkungen der
Beschwerdeführerin nicht optimal (vgl. etwa IV-act. 152-2, 158-3 und 194-10 f.), wie sie
selbst auch in der Beschwerde ausführt (act. G1, S. 6). Dementsprechend kann aus
diesen Arbeitsversuchen nicht geschlossen werden, bei der Beschwerdeführerin käme
es bei der Aufnahme einer leidensangepassten Arbeitstätigkeit zu einer erheblichen
Verschlechterung ihres Gesundheitszustands.
3.2.
Betreffend Schmerzerleben ist zu erwähnen, dass die Beschwerdeführerin ihre
Einschränkungen gravierender einschätzt als einige ihrer Behandler und die Gutachter.
Beispielsweise erachtete sie sich im Januar 2018 als vollständig arbeitsunfähig,
während das KSSG und Dr. E._ ihr eine Arbeitsfähigkeit von 80 % bzw. 50 %
attestierten, und sie fühlte sich von der Beschwerdegegnerin genötigt, trotz Schmerzen
eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. IV-act. 109-4 f.). Auf die Diskrepanz zwischen als
schmerzhaft wahrgenommenen und geschwollenen Gelenken bzw. zwischen der
ärztlichen und der Selbsteinschätzung der Krankheitsaktivität wurde bereits
hingewiesen (siehe E. 2.4.1 vorstehend).
3.3.
Die Beschwerdeführerin gab anlässlich der rheumatologischen SMAB-
Begutachtung an, wenn sie länger sitzen und stehen müsse, bekomme sie
Rückenschmerzen bis VAS 10. Im Bereich des rechten Armes bestünden dauerhafte
Schmerzen mit VAS 8 bis 9, manchmal auch bis VAS 10. In der rechten Hand sei ein
konstanter Schmerz von VAS 9 vorhanden. Selten habe sie im rechten Oberschenkel
bis zum Knie Schmerzen, bis VAS 8. Im Bereich der mittleren BWS und lumbal gab sie
einen Rüttelschmerz von VAS 8 an (IV-act. 194-44 und 194-49). Die Gutachter stellten
gar keine Beeinträchtigung durch Schmerzen und insbesondere kein dem
angegebenen hohen Schmerzgrad entsprechendes Verhalten anlässlich der
Exploration fest (vgl. für die rheumatologische Begutachtung IV-act. 194-48; für die
psychiatrische und neurologische Begutachtung IV-act. 194-11, 194-34, 194-65).
Dementsprechend kam die rheumatologische Gutachterin nachvollziehbar zum
Ergebnis, dass die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit zu 100 %
arbeitsfähig sei (IV-act. 194-58).
3.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/21
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4.
Daran ändert nichts, dass die SMAB-Gutachter der Beschwerdeführerin (mit
Ausnahme der neurologischen Gutachterin) ein grundsätzlich konsistentes Verhalten
attestierten und keine Anzeichen für Aggravation, Selbstlimitation oder Simulation
feststellten, denn diese Äusserungen bezogen sich auf das Verhalten anlässlich der
Begutachtung (vgl. IV-act. 194-10 f.).
3.5.
Den Gutachtern war nach dem Gesagten bekannt, dass die Arbeitsplatzerhaltung
und der Arbeitsversuch bei der C._ gescheitert waren und dass die
Beschwerdeführerin ihre Schmerzen als sehr gravierend und unter Belastung
zunehmend einstuft. Deshalb wurde im SMAB-Gutachten auch festgehalten, die von ihr
beschriebenen Schmerzen hätten keinen entzündlichen Charakter. Sie beklage
belastungs- und bewegungsabhängige Schmerzen (IV-act. 194-7). Ihrem
Schmerzerleben wurde durch ein ausführliches Zumutbarkeitsprofil Rechnung
getragen, wobei explizit darauf hingewiesen wurde, vor dem Hintergrund der
psychogenen Schmerzüberlagerung solle die adaptierte Tätigkeit körperlich möglichst
wenig belastend sein (vgl. IV-act. 194-10). Das rheumatologische Teilgutachten ist
damit nachvollziehbar und einleuchtend.
3.6.
Die Beschwerdeführerin beantragt, angesichts der auseinanderklaffenden
Beurteilungen der rheumatologischen Facharztpersonen sei eine EFL vorzunehmen
(act. G1, S. 10).
4.1.
Die ärztliche Beurteilung weist notgedrungen eine hohe Variabilität auf und trägt
von der Natur der Sache her unausweichlich Ermessenszüge (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 19. Mai 2020, 9C_18/2020, E. 4.1 in fine mit Hinweis). Eine EFL ist
bei zuverlässiger ärztlicher Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in der Regel nicht
notwendig. Ausnahmsweise kann eine EFL erforderlich sein, wenn mehrere involvierte
Ärzte diese angesichts eines multiplen und schwierig einzuschätzenden
Krankheitsbildes ausdrücklich befürworten (Urteil des Bundesgerichts vom 5. Oktober
2018, 9C_433/2018, E. 4.2).
4.2.
Vorliegend empfahl Dr. D._ zur exakten Bestimmung der Leistungsfähigkeit "eine
detaillierte Untersuchung (z.B. EFL)" (IV-act. 172-2). Es handelte sich also lediglich um
eine nicht weiter begründete Empfehlung, wobei die EFL als Beispiel aufgeführt wurde.
Die rheumatologische Gutachterin nahm tatsächlich eine umfassende Untersuchung
vor, womit sie der Empfehlung Dr. D._s ("detaillierte Untersuchung") nachkam. Sie
überprüfte dabei unter anderem die Beweglichkeit und Schmerzhaftigkeit der
Bewegungen von Wirbelsäule, Rumpf, Schultergürtel, Becken und Extremitäten (vgl.
4.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/21
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5.
IV-act. 194-48 ff.). Im Übrigen fand bereits anlässlich der PMEDA-Begutachtung vom
21. Februar 2018 eine ausführliche klinische Untersuchung des Rückens, Beckens und
der Extremitäten statt. Eine EFL wurde auch anlässlich jener Begutachtung
offensichtlich nicht als notwendig erachtet (vgl. act. G5.2/10-18 ff.). Eine EFL war somit
im Rahmen der SMAB-Begutachtung nicht erforderlich. Im Übrigen sind EFL bezüglich
zumutbarer Belastbarkeit nur bei guter Leistungsbereitschaft zuverlässig (Urteil des
Bundesgerichts vom 25. November 2009, 9C_512/2009, E. 5.3). Nachdem die
Beschwerdeführerin unter anderem gestützt auf die Einschätzung von Dr. D._ davon
ausgeht, gar nicht arbeiten zu könne und sich keine berufliche Tätigkeit vorstellen kann
(vgl. z. B. IV-act. 194-64, Angabe anlässlich der neurologischen Begutachtung), wären
von einer EFL keine verwertbaren Ergebnisse zu erwarten.
Die Beschwerdeführerin zitiert ausführlich sowohl ihren behandelnden Psychiater
Dr. E._ als auch das SMAB-Gutachten. Sie macht geltend, gemäss Dr. E._ gehe es
nicht an, die depressive Störung als "nicht näher bezeichnet" zu klassifizieren. Die
Gutachter hätten dem schwankenden Verlauf dieser Erkrankung zu wenig Rechnung
getragen. Eine fundierte Auseinandersetzung mit der Schmerzproblematik und den
damit verbundenen erheblichen Auswirkungen im Alltag würden fehlen. Der
psychiatrische Gutachter habe einen stabilen familiären Hintergrund bei der
Beschwerdeführerin gesehen und dabei verkannt, dass die familiäre Situation durch
[...] stark belastet sei (act. G11, S. 2 f.). Entgegen dem SMAB-Gutachten und mit
Dr. E._ sei von einer mittelgradigen depressiven Störung, differenzialdiagnostisch
von einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung oder von einer Komorbidität und
von einer aus psychiatrischer Sicht um 50 % reduzierten Arbeitsunfähigkeit
auszugehen (act. G1, S. 10 f.).
5.1.
Dr. E._ ging in seinem Schreiben vom 7. Januar 2019 davon aus, die depressive
Störung sei "nicht mehr bezeichnet" (vgl. IV-act. 202-6), was nicht zutrifft. Der
psychiatrische Gutachter hat die Diagnose einer depressiven Störung gestellt und
diese dann als "nicht näher bezeichnet" eingestuft (IV-act. 194-9). Dr. E._ führte aus,
seines Erachtens sollten die Beschwerden der Beschwerdeführerin gewürdigt und
unter einer mittelgradigen depressiven Störung subsumiert werden.
Differenzialdiagnostisch käme dann doch eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung in Betracht. Zusammenfassend halte er an seinen Diagnosen einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode und
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren fest. Diese
5.2.
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Diagnosen würden zu funktionellen Einschränkungen führen, welche auch in einer
adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % begründe (IV-act. 202-7).
Zwischen dem behandelnden und dem begutachtenden Psychiater besteht
insofern Einigkeit, als beide der Beschwerdeführerin eine rezidivierende depressive
Störung (F33 ICD-10) attestieren. Uneinigkeit besteht lediglich darüber, in welchem
Grad diese depressive Störung zuletzt vorlag, ob zusätzlich zur depressiven
Erkrankung ein somatisches Syndrom bzw. eine chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren zu diagnostizieren ist und inwiefern sich die
psychische Gesundheitsbeeinträchtigung auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt (vgl. IV-
act. 173-3 und 194-9).
5.3.
Der psychiatrische SMAB-Gutachter hat sich eingehend mit den Vorakten,
namentlich der Einschätzung des Behandlers sowie der Klinik B._
auseinandergesetzt und diese wie auch seine eigenen Untersuchungsbefunde in seine
Einschätzung einbezogen. Er hielt insbesondere fest, stimmungsmässig sei es der
Beschwerdeführerin nach dem Klinikaufenthalt in B._ nach eigenen Angaben besser
gegangen (IV-act. 194-30). Eine mittelgradige depressive Episode habe zum
Austrittszeitpunkt offensichtlich nicht mehr vorgelegen. Die Beschwerdeführerin wirke
bei erheblicher Alltagsaktivität (vgl. hierzu IV-act. 194-31, 194-46 und 194-55) nicht
depressiv und im Antrieb nicht gemindert. Ein Teil der von ihr angegebenen
Beschwerden liessen sich von rheumatologischer Seite nicht objektivieren, sodass von
einer zusätzlichen psychogenen Überlagerung, welche bei Depressionen durchaus
häufig vorkomme, auszugehen sei. Bei depressiver Stimmungslage würden Schmerzen
stärker empfunden, als dies somatisch nachvollziehbar sei. Derzeit bestehe nur eine
gering ausgeprägte depressive Symptomatik, die nicht einmal die Kriterien für eine
auch nur leichte depressive Episode erfülle (vgl. IV-act. 194-30, 194-34 f., 194-37 f.).
Die Diagnose Dr. E._s gemäss Bericht vom 14. Dezember 2017 (rezidivierende
depressive Störung schwankenden Ausmasses, derzeit mittelgradige Episode mit
somatischem Syndrom [F33.11]) sei für die damalige Situation plausibel. Im PMEDA-
Gutachten vom 21. Februar 2018 werde zwar die Diagnose "mögliche rezidivierende
depressive Störung, derzeit leichtgradig ausgeprägte depressive Episode" gestellt. Aus
dem damaligen psychiatrischen Befund ergebe sich aber höchstens das Vorliegen
einer depressiven Restsymptomatik unterhalb des Schweregrades einer leichten
depressiven Episode (IV-act. 194-37).
5.4.
Weshalb der Schweregrad einer leichten depressiven Episode nicht erreicht wird
und keine eigenständige Diagnose betreffend die Schmerzen der Beschwerdeführerin
gestellt werden konnte, legte der psychiatrische SMAB-Gutachter ausführlich und
5.5.
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einleuchtend dar (vgl. IV-act. 194-37 f.). Auch hielt er fest, der Bericht Dr. E._s vom
18. Oktober 2018 mit letzter Kontrolle am 3. Oktober 2018 sei nicht nachvollziehbar.
Nachdem sich der Zustand der Beschwerdeführerin während des stationären
Aufenthalts in B._ gebessert habe und bei Austritt nur eine depressive
Restsymptomatik bestanden habe, sei nicht plausibel, dass wenige Wochen danach
eine mittelgradige Episode weiterbestanden haben solle, zumal keine Hinweise für eine
erneute Verschlechterung der Depression vorliegen würden und die
Beschwerdeführerin auch nicht anlässlich der Begutachtung darüber berichtet habe
(IV-act. 194-38). Dass die depressive Störung sich in der Zukunft in einer mittelgradigen
Episode manifestieren könnte, hat der psychiatrische Gutachter nicht ausgeschlossen.
Sollte dies eintreten und sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
längerfristig verschlechtern, könnte bei der Beschwerdegegnerin eine
Wiederanmeldung eingereicht werden.
Betreffend familiärer Situation ist festzuhalten, dass den Gutachtern die finanziell
angespannte Lage der Familie bekannt war. Dessen ungeachtet ist die familiäre
Situation insofern stabil, als die Beschwerdeführerin seit vielen Jahren mit ihrem
Ehemann zusammenlebt und ihre beiden Kinder im Zeitpunkt der Begutachtung
ebenfalls im gleichen Haushalt wohnten. Die Beschwerdeführerin gab an, ihre Tochter
und ihr Ehemann würden Haushaltsarbeiten übernehmen, wenn sie diese nicht
erledigen könne (vgl. IV-act. 194-63 f. und 194-75). Aus den Vorakten ergibt sich, dass
die Beschwerdeführerin sich Sorgen um ihren Sohn machte (vgl. IV-act. 45-3 und
66-3). Schon anlässlich der PMEDA-Begutachtung im Januar 2018 negierte die
Beschwerdeführerin jedoch gravierende aktuelle familiäre Probleme (act. G5.1/8-4). Der
Sohn war zum Zeitpunkt der Begutachtung wieder [...] (IV-act. 194-75). Somit ist nicht
zu beanstanden, dass der psychiatrische SMAB-Gutachter die familiäre Situation als
stabil und somit als Ressource ansah.
5.6.
Es liegen zwei Gutachten mit weitgehend gleichlautenden Untersuchungsbefunden
und Diagnosen vor (vgl. hierzu auch die Stellungnahme der RAD-Ärztin vom 5. Februar
2020, IV-act. 206-3). Insgesamt beurteilen der behandelnde und der begutachtende
Psychiater den selben Sachverhalt medizinisch unterschiedlich. Dr. E._ nannte keine
wichtigen Aspekte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt
geblieben wären und die Beurteilung des psychiatrischen Gutachters als unzutreffend
erscheinen liesse. Es ist deshalb auf die gutachterliche Einschätzung abzustellen.
5.7.
Zusammenfassend wurde das SMAB-Gutachten in Kenntnis der vollständigen
Anamnese erstellt. Es beruht auf interdisziplinären fachärztlichen Untersuchungen und
setzt sich mit den Schilderungen der Beschwerdeführerin auseinander. Es ist für die
5.8.
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6.
vorliegend streitigen Belange umfassend und in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge sowie der daraus gezogenen Schlussfolgerungen einleuchtend,
sodass darauf abzustellen ist. Die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin beträgt
demnach in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit 55 % (ca. sechs Stunden täglich bei einer
Leistungsminderung von 20 %). In einer adaptierten Tätigkeit betrug die
Arbeitsfähigkeit 50 % vom 16. Juni 2017 bis 8. Januar 2018, 100 % vom 9. Januar
2018 bis (spätestens) 21. Mai 2018, 50 % vom 22. Mai 2018 bis 7. August 2018 und
0 % während des Klinikaufenthalts in B._ vom 8. August 2018 bis 11. September
2018. Seit dem 12. September 2018 beträgt die Arbeitsfähigkeit wieder 100 % (vgl. IV-
act. 194-11 f.).
Die Beschwerdeführerin beanstandet die Berechnung des Invaliditätsgrades. Für
die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund
geblieben wäre (Valideneinkommen; Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG). Für den
Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des Beginns des
Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf
zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige rentenwirksame Änderungen der
Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 129 V
222 E. 4.1 f. mit Hinweisen).
6.1.
Vorliegend hat sich die Beschwerdeführerin am 16. August 2017 erneut zum Bezug
von IV-Leistungen angemeldet. Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf
von sechs Monaten nach Geltendmachung (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG), vorliegend also
frühestens per 1. Februar 2018. Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, die
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40
% arbeitsunfähig gewesen sind. Dieses Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG
endete gestützt auf die SMAB-Einschätzung, wonach in der angestammten Tätigkeit
ab dem 28. April 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 45 % bestand (vgl. IV-act. 194-11),
am 1. April 2018. Somit ist für den Einkommensvergleich auf das Jahr 2018
abzustellen.
6.2.
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7.
Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Nicht zu
beachten ist, was sie bestenfalls hätte verdienen können. In der Regel wird am zuletzt
erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die
bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Berufliche
Weiterentwicklungen, die ein Versicherter normalerweise vollzogen hätte, sind bei der
Festsetzung des Valideneinkommens zu berücksichtigen, sofern ein hypothetischer
beruflicher Aufstieg sehr wahrscheinlich erscheint. Rein theoretische
Aufstiegsmöglichkeiten sind unbeachtlich (Meyer/Reichmuth, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 28a N 49 und N 63 f.;
BGE 129 V 222 E. 4.3.1 und BGE 131 V 51 E. 5.1.2).
7.1.
Während die Beschwerdegegnerin für das Valideneinkommen in der Verfügung auf
den Auszug aus dem Individuellen Konto (nachfolgend: IK) für das Jahr 2016 abstellte
und das Einkommen auf ein 100%-Pensum hochrechnete (Fr. 45'002.-- / 80 x 100 =
Fr. 56'253.--; vgl. IV-act. 196 und 52), will die Beschwerdeführerin auf den IK-Auszug
2014 abstellen, da dies das letzte Jahr gewesen sei, in welchem sie 100 % gearbeitet
habe, bevor sie gesundheitsbedingt ihr Arbeitspensum auf 80 % reduziert habe
(Fr. 58'628.--; vgl. act. G1, S. 12 und IV-act. 52). Im Beschwerdeverfahren stellt die
Beschwerdegegnerin auf das Jahr 2013 (Fr. 56'626.--; IV-act. 52) ab, weil die
Beschwerdeführerin ab Oktober 2014 krankheitshalber teilweise ausgefallen sei
(act. G5).
7.2.
Da die Beschwerdeführerin ab 2015 gesundheitlich bedingt nur noch 80 %
gearbeitet hat, kann – wie auch die Beschwerdegegnerin im Beschwerdeverfahren
anerkannt hat – für die Bestimmung des Valideneinkommens nicht auf das letzte
Einkommen aus dem Jahr 2016 abgestellt und dieses hochgerechnet werden. Zwar fiel
die Beschwerdeführerin ab Oktober 2014 am Arbeitsplatz aus. Dennoch ist für das
Valideneinkommen auf das Jahr 2014 abzustellen, und zwar aus folgenden Gründen.
Dem IK-Auszug (IV-act. 52) ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin ihr
Einkommen bei der letzten Arbeitgeberin seit Beginn des Arbeitsverhältnisses 2005
grundsätzlich kontinuierlich steigern konnte (der Einkommenseinbruch im Jahr 2010
war gesundheitlich bedingt, vgl. IV-act. 3 ff.). Sogar nachdem die Beschwerdeführerin
ihre Tätigkeit für die letzte Arbeitgeberin hatte anpassen und ihr Pensum auf 80 %
reduzieren müssen, steigerte sie ihr Einkommen 2016 im Vergleich zum Vorjahr wieder
7.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/21
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8.
9.
und hatte hochgerechnet auf ein Vollzeitpensum bereits das Einkommens-Niveau aus
dem Jahr 2013 wieder erreicht. Vergleicht man die Monatslöhne Januar bis September
2013 und 2014, so fällt auf, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2014 wesentlich
mehr verdient hat (siehe IV-act. 34-4). Es erscheint daher überwiegend wahrscheinlich,
dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall das 2014 erzielte Einkommen auch in
späteren Jahren erzielt hätte, sodass dieses als Valideneinkommen heranzuziehen ist.
Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung für Frauen (vgl. Tabelle "T39
Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne" der vom
Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung [nachfolgend: LSE]) beträgt das Valideneinkommen für das hier
relevante Jahr 2018 demnach Fr. 59'922.-- (Fr. 58'628 / 2'673 x 2'732).
7.4.
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist
kein effektives Erwerbseinkommen gegeben, namentlich, weil die versicherte Person
nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich
zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung statistische Werte, insbesondere die LSE beigezogen werden (BGE
139 V 592 E. 2.3).
8.1.
Die Beschwerdeführerin ist nicht erwerbstätig. Deshalb ist für das
Invalideneinkommen auf die LSE abzustellen. 2017 betrug der Jahreslohn Fr. 54'783.--
(Anhang 2 der von der Informationsstelle AHV/IV herausgegebenen IV-Textausgabe,
Ausgabe 2019, S. 228, basierend auf der LSE des Bundesamtes für Statistik, Tabelle
TA1 2018, total alle Wirtschaftszweige, Kompetenzniveau 1, Frauen). Angepasst an die
Nominallohnentwicklung liegt das Invalideneinkommen 2018 demnach bei Fr. 55'045.--
(Fr. 54'783.-- / 2'719 x 2'732).
8.2.
Die Beschwerdeführerin macht einen Tabellenlohnabzug von 20 % geltend,
während die Beschwerdegegnerin keinen Tabellenlohnabzug gewährte. Mit dem
Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte
Personen im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren
arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen
9.1.
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Umständen des konkreten Einzelfalls (leidensbedingte Einschränkung, Alter,
Dienstjahre, Nationalität, Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) ab (BGE 126 V
75). Bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene
gesundheitliche Einschränkungen dürfen nicht zusätzlich in die Bemessung des
leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben
Gesichtspunkts führen. Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das Invalideneinkommen
ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Der Abzug ist auf
höchstens 25 % begrenzt (Urteil des Bundesgerichts vom 20. April 2018,
9C_833/2017, E. 2.2; BGE 134 V 327 E. 5.2).
Dass der Beschwerdeführerin nur noch leichte Tätigkeiten zumutbar sind, wobei
weitere Faktoren sowie ein erhöhter Betreuungsaufwand zu berücksichtigen sind, wird
vom Bundesgericht generell nicht als Grund für einen Abzug akzeptiert (vgl. Urteile des
Bundesgerichts vom 8. Oktober 2019, 9C_447/2019, E. 4.3.2, und vom 30. November
2015, 9C_437/2015, E. 2.4). Auch die geltend gemachten vermehrten
Krankheitsabsenzen werden gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht
als eigenständiges Abzugskriterium berücksichtigt (vgl. beispielhaft Urteil des
Bundesgerichts vom 19. Mai 2020, 9C_18/2020, E. 6.2.2). Das umfangreiche
Adaptionsprofil erfordert von einem potentiellen Arbeitgeber sowie allfälligen
Mitarbeitenden indes viel Wohlwollen gegenüber der Beschwerdeführerin. Die
Beschwerdeführerin kann nicht flexibel eingesetzt werden. Eine adaptierte Tätigkeit
darf nicht nur körperlich, sondern auch kognitiv und psychisch nicht belastend sein.
Gemäss Adaptionsprofil benötigt die Beschwerdeführerin bei längerer Zeitpräsenz
sodann die Möglichkeit, kurze Pausen machen zu können. Da dies für die adaptierte
Tätigkeit nicht durch eine Reduktion des Rendements berücksichtigt wurde, ist es im
Rahmen der Prüfung eines Tabellenlohnabzuges miteinzubeziehen. Gesamthaft ist
deshalb ein Abzug von 10 % vom Tabellenlohn vorzunehmen. Ein weitergehender
Tabellenlohnabzug rechtfertigt sich indes mit Blick auf die strenge bundesgerichtliche
Rechtsprechung nicht. Im Übrigen würde selbst bei Vornahme des Höchstabzugs von
25 % kein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren.
9.2.
Dem Valideneinkommen von Fr. 59'922.-- steht demnach ein Invalideneinkommen
von Fr. 49'541.-- (Fr. 55'045.-- x 90%) gegenüber. Daraus resultiert ein Invaliditätsgrad
von 17 %. Folglich hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine
Invalidenrente.
9.3.
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10.
Die Beschwerdegegnerin hat somit zu Recht einen Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin verneint. Die vorliegende Beschwerde ist demnach vollumfänglich
abzuweisen.
10.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegenden Angelegenheit angemessen. Da die Beschwerdeführerin
vollumfänglich unterliegt, ist die Gerichtsgebühr ihr aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]). Zufolge unentgeltlicher
Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu befreien.
10.2.
bis
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt
und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach
der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis
Fr. 15'000.--.
10.3.
Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat eine Honorarnote über
Fr. 4'681.95 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) eingereicht und dabei für den
Fall des Obsiegens einen Stundenansatz von Fr. 250.-- verwendet (act. G15.1). Da die
Beschwerdeführerin unterliegt, kommt die unentgeltliche Rechtspflege zur Anwendung,
sodass mit einem Stundenansatz von Fr. 200.-- zu rechnen wäre. Die Rechtsvertreterin
hat ausgeführt, angesichts der langen Krankengeschichte und des grossen
Aktenumfangs inkl. mehrerer Gutachten habe ein überdurchschnittlicher Aufwand
resultiert. Die Angelegenheit war indes nicht aussergewöhnlich komplex. Sowohl die
Krankengeschichte als auch der Aktenumfang sprengten nicht den Rahmen des
Üblichen. Zwar lagen zwei Gutachten im Recht, jedoch ist auch dies nicht
ungewöhnlich. Demnach erscheint eine pauschale Parteientschädigung von
Fr. 4'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) der Bedeutung und dem
Aufwand der Streitsache angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31
Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat die Rechtsvertreterin
pauschal mit Fr. 3'200.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
entschädigen.
10.4.
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