Decision ID: 849cd95d-8778-5c9d-a481-6c8d70204505
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die im Jahr 1953 erstellte 220-kV-Hochspannungs-Freileitung Niederwil-
Obfelden führt auf dem Gebiet der Gemeinde X._ u.a. über das
Grundstück (Parzelle Nr. [...]) von A._ und B_ Parallel zu
dieser Leitung verlief bis zu deren Verlegung ins Erdreich im Jahr 2017
eine 50-kV-Freileitung der Axpo. Die Dienstbarkeit, welche die Grundeigen-
tümer zur Duldung der 220-kV-Freileitung verpflichtete, war bis zum Jahr
2001 befristet. Seit 1985 plante die Nordostschweizerische Kraftwerke AG
(NOK) als Inhaberin der Leitung deren Ausbau auf 380-kV, wobei 1995
durch das Eidgenössische Starkstrominspektorat ESTI ein Variantenent-
scheid gefällt wurde, wonach die bestehende Trasse unter kleinräumigen
Umfahrungen der Bauzone beizubehalten sei. Da sich die Projektierung
weiter verzögerte, bemühte sich die NOK Grid AG ab 2010 um den freihän-
digen Erwerb der seit 1. Januar 2001 ausgelaufenen Überleitungsrechte.
Ende 2012 übernahm die Swissgrid AG die Freileitung. Sie gelangte 2014
an die Eidgenössische Schätzungskommission Kreis 8 (nachfolgend:
ESchK), ersuchte um die Einleitung des Enteignungsverfahrens und bean-
tragte, es sei ihr befristet bis 2030 das erforderliche Überleitungsrecht ein-
zuräumen.
B.
B.a Anlässlich der Einigungsverhandlung vom 23. Oktober 2015 zogen
u.a. auch A._ und B_ihre Einsprache gegen die Enteignung
zurück. Mangels Einigung über die Höhe der Enteignungsentschädigung
leitete deshalb die ESchK das Schätzungsverfahren ein. Mit Urteil vom
29. März 2016 sprach sie A._ und B_ für die Einräumung
des bis 2030 befristeten Überleitungsrechts eine Entschädigung von
Fr. 2'800.-- zuzüglich Zins ab dem 1. Januar 2001 zu.
B.b Im Mai 2016 erhoben sowohl A._ und B._ als auch die
Swissgrid AG Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht. Dabei bean-
tragten A._ und B._ eine Entschädigung in der Höhe von
15% des Verkehrswertes ihrer Liegenschaft im unbelasteten Zustand und
präzisierten später ihre Forderung mit dem Betrag von Fr. 340'000.-- auf-
grund von beigebrachten Privatgutachten. Mit Urteil vom 7. Februar 2017
wies das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde von A._ und
B._ bezüglich der beantragten Enteignungsentschädigung ab, re-
duzierte die auszurichtende Entschädigung auf Fr. 423.35 zuzüglich Zins
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ab 1. Januar 2001 sowie Fr. 130.-- ohne Zins und verpflichtete die Swiss-
grid AG zur Bezahlung von Parteientschädigungen für das Vorverfahren
sowie das Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht.
B.c Am 16. März 2017 erhoben A._ und B._ gegen dieses
Urteil Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten vor Bundes-
gericht. In Gutheissung der Beschwerde hob das Bundesgericht mit Urteil
vom 18. Juli 2017 das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 7. Feb-
ruar 2017 auf und wies die Sache mit Weisungen an dieses zurück.
C.
C.a Mit Urteil vom 22. August 2017 wies das Bundesverwaltungsgericht
seinerseits die Sache mit verbindlichen Weisungen an die ESchK zurück,
um die Frage der Höhe der Entschädigung zu klären. Mit Entscheid vom
14. Mai 2018 verpflichtete die ESchK die Swissgrid AG, A._ und
B._ eine Entschädigung für die an ihrer Liegenschaft verursachte
Wertminderung in der Höhe von Fr. 12'826.-- sowie für die Durchleitung
durch das Grundstück für die Dauer vom 1. Januar 2001 bis zum 31. De-
zember 2030 Fr. 423.35 – jeweils zzgl. Zins ab 1. Januar 2001 bis zur Aus-
zahlung – zu bezahlen. Diesen Entscheid begründete die ESchK im We-
sentlichen damit, die Verwendung des Ertragswertes der Liegenschaft
trage den Umständen am besten Rechnung, wobei sie eine Schutzschild-
funktion des Grundstücks sinngemäss verneinte.
C.b Am 24. August 2018 erhoben A._ und B._ gegen das
Urteil der ESchK Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie bean-
tragten sinngemäss, das Urteil sei betreffend die Wertminderung sowie die
Entschädigung für die Durchleitung aufzuheben. Stattdessen sei die
Swissgrid AG zu verpflichten, für die Überleitung der 220-kV-Hochspan-
nungs-Freileitung über die Parzelle Nr. [...] für die Dauer vom 1. Januar
2001 bis zum 31. Dezember 2030 eine Minderwertentschädigung in der
Höhe von Fr. 340'000.-- zu bezahlen, zzgl. Zins ab 1. Januar 2001, even-
tualiter ab 23. Oktober 2015. Zur Begründung führten sie im Wesentlichen
aus, es sei zu berücksichtigen, dass dem Grundstück eine Schutzschild-
funktion zukomme, dass aufgrund der psychologischen Wirkung der Hoch-
spannungsleitung und deren Immissionen der Verkehrswert der Liegen-
schaft erheblich vermindert werde und dass der Stichtag für dessen Be-
stimmung auf den Zeitpunkt der Einigungsverhandlung vom 23. Oktober
2015 festzulegen sei.
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C.c Mit Eingabe vom 7. September 2018 erhob die Swissgrid AG ihrerseits
gegen den Entscheid der Vorinstanz Anschlussbeschwerde beim Bundes-
verwaltungsgericht. Sie beantragte sinngemäss, der Entscheid der ESchK
vom 14. Mai 2018 sei bezüglich Bestimmung der Wertminderung der Lie-
genschaft von A._ und B._ aufzuheben und es sei festzu-
stellen, dass die Enteignung der Überleitungsdienstbarkeit zu keiner sol-
chen führe. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass das
Grundstück keine Schutzschildeigenschaft besitze, dass ein psychologi-
scher Minderwert nicht zu berücksichtigen sei und dass andernfalls der Be-
wertungszeitpunkt für den relevanten Verkehrswert auf den 1. Januar 2001
festzusetzen sei.
C.d Mit Urteil vom 1. November 2019 hiess das Bundesverwaltungsgericht
die Beschwerde von A._ und B._ gut, soweit es darauf ein-
trat; die Anschlussbeschwerde hiess es teilweise gut und wies sie im Übri-
gen ab. Das Bundesverwaltungsgericht verpflichtete die Swissgrid AG, den
Minderwert des Grundstücks Nr. [...] von A._ und B._ mit
Fr. 340'000.-- zu entschädigen, zuzüglich Zins ab 1. Januar 2001 und auf-
erlegte die Verfahrenskosten und die Parteientschädigung der Swissgrid
AG.
C.e Am 6. Dezember 2019 erhob die Swissgrid AG gegen dieses Urteil Be-
schwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten vor Bundesgericht. In
teilweiser Gutheissung der Beschwerde hob das Bundesgericht mit Urteil
vom 8. Oktober 2020 das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom
1. November 2019 auf und wies die Sache mit Weisungen zu neuem Ent-
scheid an dieses zurück.
Im Wesentlichen kam das Bundesgericht zum Schluss, es sei in einer
neuen Beurteilung die heutige Leitungsführung mit einer hypothetischen
Freileitungsführung unter Beachtung des Grenzabstandes zu vergleichen,
was sodann auch für die Ermittlung der zu entschädigenden Wertdifferenz
massgeblich sei. Ergebe sich dabei ein Minderwert, so sei in diesem Um-
fang eine Schutzschildfunktion des (verbleibenden) Grundstücks Parzelle
Nr. [...] anzuerkennen und deren Verlust zu entschädigen. Im Weiteren er-
wog das Bundesgericht betreffend den Bewertungsstichtag, ein Festhalten
an der gesetzlichen Regelung zu dessen Festlegung sowie auch zur Be-
stimmung des Beginns der Verzinsungspflicht könne zu einer Überent-
schädigung führen, welche grundsätzlich zu verhindern sei. Es sei deshalb
vorliegend zu prüfen, ob es Gründe gebe, um vom Grundsatz abzuwei-
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chen. Ausserdem sei – in Abhängigkeit von der Festlegung des Bewer-
tungsstichtages – auch eine Entschädigung einer durch die bis ins Jahr
2017 bestehende Axpo-Leitung enteignungsbedingt verursachten Wertver-
minderung zu berücksichtigen.
D.
Das Bundesverwaltungsgericht nimmt das Verfahren unter der Verfahrens-
nummer A-5380/2020 wieder auf. Nach dessen Aufforderung vom 9. De-
zember 2020, die vom Bundesgericht in seinem Entscheid vom 8. Oktober
2020 für möglich gehaltenen Zusicherungen der Nordostschweizerischen
Kraftwerke (NOK) betreffend die Nachzahlung einer Entschädigung sowie
deren Verzinsung darzulegen, nehmen A._ und B._ (Be-
schwerdeführende, aus Praktikabilitätsgründen im Folgenden jedoch als
"Enteignete" bezeichnet) mit Eingabe vom 7. Januar 2021 Stellung zur Sa-
che. Sie beantragen, es sei der Bewertungsstichtag der Minderwertent-
schädigung auf dem Tag der Einigungsverhandlung (23. Oktober 2015) zu
belassen und es sei der Beginn der Verzinsung auf den 1. Januar 2001,
eventualiter auf den 23. Oktober 2015 festzulegen. Sie begründen ihr Be-
gehren im Wesentlichen damit, dies seien die aufgrund der geltenden ge-
setzlichen Regelung korrekten Daten. Mittels der zwischen den Enteigne-
ten und der NOK geführten Korrespondenz aus den Jahren 2001 und 2011
bekräftigen sie im Weiteren ihren Standpunkt, dass die Enteigneten auf die
Zusicherung vertraut hätten, gemäss den dannzumal geltenden Entschä-
digungsansätzen entschädigt zu werden und dass sich die Parteien jedoch
nicht auf die Höhe der Entschädigung einigen konnten, weshalb die Ent-
eignerin am 23. September 2014 bei der ESchK (nachfolgend: Vorinstanz)
die Einleitung des Schätzungsverfahrens beantragt habe. Was die Verzin-
sung betreffe, so sei die Swissgrid AG (Beschwerdegegnerin, aus Prakti-
kabilitätsgründen im Folgenden jedoch als "Enteignerin" bezeichnet) auf
die mit Schreiben vom 18. August 2011 durch deren Rechtsvorgängerin
NOK respektive NOK Grid AG gemachten Zusicherungen zu behaften, wo-
bei der Beginn der Verzinsung auf den 1. Januar 2001 festzusetzen sei.
E.
Mit Eingabe vom 11. März 2021 nimmt die Enteignerin Stellung in der Sa-
che und beantragt, der Bewertungsstichtag der Minderwertentschädigung
sei auf den 1. Januar 2001 festzusetzen und der Beginn der Verzinsung für
diesen Fall ebenso auf dieses Datum festzulegen. Eventualiter sei für den
Fall, dass der Bewertungsstichtag auf den 23. Oktober 2015 festgelegt
werde, auch der Beginn der Verzinsung auf dieses Datum festzusetzen. Im
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Weiteren sei davon Umgang zu nehmen, ihr die Kosten der Privatgutach-
ten der Enteigneten aufzuerlegen. Sie begründet dies im Wesentlichen da-
mit, es bestehe keine Vertrauensgrundlage, aufgrund welcher von dem
durch das Bundesgericht als massgebend erachteten Bewertungsstichtag
vom 1. Januar 2001 abgewichen werden könnte. Ausserdem sei eine Über-
entschädigung zu verhindern, weshalb der Beginn der Verzinsung in Ab-
hängigkeit der Bestimmung des Bewertungsstichtages festzulegen sei. Bei
dessen Festsetzung auf den 1. Januar 2001 würden sodann die Parteigut-
achten der Enteigneten nichts zur Klärung des Minderwertes beitragen,
weshalb die durch sie verursachten Kosten nicht der Enteignerin aufzuer-
legen seien.
F.
Mit Stellungnahme vom 23. Juni 2021 beantragt die Vorinstanz, ihr Urteil
vom 14. Mai 2018 sei zu bestätigen und verweist auf die formell korrekte
Festlegung des Bewertungsstichtages per Datum der Einigungsverhand-
lung vom 23. Oktober 2015, dass dies jedoch im Hinblick auf die faktische
Beanspruchung des enteigneten Rechts seit Januar 2001 materiell unbe-
friedigend sei. Deshalb bleibe es dem Bundesverwaltungsgericht überlas-
sen, in dieser speziellen Situation eine passende Lösung zu finden. Sie
beantragt deshalb die Bestätigung ihres Urteils und stützt sich – unter Ver-
weis auf die Ausübung ihres Ermessens – auf einen über die gesamte Ent-
schädigungsdauer gerechtfertigten Ertragsausfall von Fr. 100.--/Monat,
diskontiert auf die Dauer von 30 Jahren sowie eine Verzinsung ab 2001 bis
zur Auszahlung.
G.
Mit Schreiben vom 2. Juli 2021 verzichtet die Enteignerin auf Schlussbe-
merkungen und verweist auf ihre Eingabe vom 11. März 2021.
H.
In ihren Schlussbemerkungen vom 20. Juli 2021 halten die Enteigneten im
Wesentlichen an ihren Anträgen und Ausführungen fest, beantragen aber
zusätzlich, auf den Antrag der Enteignerin, es sei davon Umgang zu neh-
men, ihr die Kosten der beiden Privatgutachten aufzuerlegen, sei nicht ein-
zutreten, eventualiter sei dieser Antrag abzuweisen. Sie führen dazu aus,
diese Sache sei bereits durch die Vorinstanz mit Entscheid vom 14. Mai
2018 rechtskräftig entschieden worden und die Enteignerin habe dagegen
keine Beschwerde respektive Anschlussbeschwerde erhoben. Ebenso be-
antragen sie neu, auf den Antrag der Vorinstanz, es sei deren Urteil vom
14. Mai 2018 zu bestätigen, sei nicht einzutreten und es sei die Vorinstanz
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anzuweisen, auf Basis der bereits bestehenden Parteigutachten und unter
Einbezug der Erwägungen des Bundesgerichts betreffend die hypotheti-
sche Leitungsführung die Enteignungsentschädigung zu bestimmen. Ins-
besondere halten sie daran fest, es sei ihnen durch die NOK von Beginn
an mit Schreiben vom 4. Mai 2001 sowie vom 18. August 2011 eine Zusi-
cherung hinsichtlich Entschädigung und Verzinsung gemacht worden und
es sei letztendlich dem psychologischen Minderwert angemessen Rech-
nung zu tragen.
I.
In Wahrung ihres Replikrechts nimmt die Enteignerin zu den Schlussbe-
merkungen der Enteigneten mit Eingabe vom 3. August 2021 Stellung und
führt aus, auf den Antrag der Enteigneten, das Bundesverwaltungsgericht
habe die Vorinstanz anzuweisen, der noch zu fällende Entscheid betreffend
die Minderwertentschädigung sei auf Basis der von den Enteigneten bei-
gebrachten Parteigutachten zu fällen, könne nicht eingetreten werden,
eventualiter sei er abzuweisen. Sie begründet dies mit Hinweis auf das ein-
geschränkte Prozessthema der Bestimmung des Bewertungsstichtages.
J.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die sich bei den Akten
befindlichen Schriftstücke wird, soweit relevant, in den nachfolgenden Er-
wägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts im vorliegenden Verfah-
ren ist aufgrund der Rückweisung durch das Bundesgericht ohne Weiteres
gegeben.
2.
Am 1. Januar 2021 ist das Bundesgesetz über die Enteignung vom 20. Juni
1930 (EntG, SR 711) in seiner revidierten Form in Kraft getreten. Dessen
Art. 19bis sieht vor, dass der massgebliche Verkehrswert im Zeitpunkt des
Vorliegens eines vollstreckbaren Enteignungstitels zu bemessen ist. Ge-
mäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen des EntG zur Änderung vom
19. Juni 2020 werden jedoch Enteignungsverfahren, die vor dem Inkraft-
treten der Änderung vom 19. Juni 2020 eingeleitet worden sind, nach bis-
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herigem Recht zu Ende geführt. Anwendbar bleibt im vorliegenden Verfah-
ren somit das EntG mit Stand vom 1. Januar 2012 (nachfolgend als aEntG
bezeichnet), was im Übrigen von den Parteien nicht bestritten wird.
3.
Strittig ist im vorliegenden Verfahren weiterhin die Höhe der aufgrund einer
Erneuerung der Dienstbarkeit für die Leitungsführung über die Parzelle
Nr. [...] entstandenen Wertminderung der Liegenschaft der Enteigneten so-
wie deren Verzinsung. Beide Werte – Minderwert und Verzinsung – hängen
ab von der Festlegung des Bewertungszeitpunktes respektive des Beginns
der Verzinsung. Um für die weitere Bestimmung des Minderwertes eine
Ausgangslage zu schaffen, gilt es im Folgenden, diese beiden Daten zu
bestimmen.
3.1
3.1.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in seinem Urteil A-4864/2018
vom 1. November 2019 auf den Standpunkt gesetzt, grundsätzlich sei dem
Willen des Gesetzgebers zu folgen und gemäss Art. 19bis Abs. 1 aEntG den
gegenwärtigen Verkehrswert am Tag der Einigungsverhandlung zu bewer-
ten, um Spekulationen des Enteigneten auf einen mit zunehmender Ver-
fahrensdauer steigenden Immobilienpreis und damit auf eine Erhöhung der
Entschädigung zu verhindern. Umgekehrt sollte damit aber auch verhindert
werden, dass der Enteignete unverschuldet das Risiko von Marktverände-
rungen während des Enteignungsverfahrens zu tragen hat und möglichst
ohne Verzug zu entschädigen ist. Vorliegend fand die Einigungsverhand-
lung erst 14 Jahre nach Beginn der neuen Dienstbarkeit statt. Das Bundes-
verwaltungsgericht erwog, es sei den Enteigneten nicht anzulasten, wenn
während der Verzögerung – sei es aus Gründen, welche bei der Enteigne-
rin liegen oder aufgrund politischer Prozesse – eine Wertsteigerung der
Immobilie eingetreten sei und sie nun davon profitieren würden.
3.1.2 Im Verfahren vor Bundesgericht (vgl. Urteil 1C_647/2019 vom 8. Ok-
tober 2020 E. 7.2 f.) brachte die Enteignerin vor, der Verzicht auf eine zeit-
nahe Vertragserneuerung sei einvernehmlich erfolgt, da man in jenem Zeit-
punkt von einer baldigen Verlegung der Leitung ausgegangen sei. Dem
widersprachen die Enteigneten und machten geltend, sie seien von der
Vorgängerorganisation der Enteignerin (NOK) in irreführender Weise hin-
gehalten worden, indem ihnen in Aussicht gestellt worden sei, dass die Lei-
tung alsbald verlegt werde und die Entschädigung zwischen Vertragsablauf
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und Fertigstellung der neuen Hochspannungsleitung "nach den dannzumal
geltenden Ansätzen bewertet" und verzinst werde.
3.1.3 Das Bundesgericht bezeichnete die Auffassung des Bundesverwal-
tungsgerichts in seinem Urteil 1C_647/2019 vom 8. Oktober 2020 E. 7.4 f.
nicht grundsätzlich als unzutreffend, hielt allerdings fest, dass es im Ermes-
sen der Vorinstanz liege, in begründeten Fällen einen anderen Bewer-
tungszeitpunkt zu bestimmen. Es kam zum Schluss, dass vorliegend der
1. Januar 2001 als Bewertungsstichtag festzusetzen sei, da andernfalls
(Bewertungsstichtag 23. Oktober 2015) in Kombination mit der an diesem
Tag aufgrund der gesetzlichen Regelung von Art. 76 Abs. 5 aEntG begin-
nenden Verzinsung eine Überentschädigung der Enteigneten drohe. Es
führte sodann im Weiteren aus, ein Abweichen von diesem Datum – res-
pektive eine Bewertung am Tag der Einigungsverhandlung vom 23. Okto-
ber 2015 – könne sich dann rechtfertigen, wenn die NOK den Enteigneten
zugesichert hätte, die Entschädigung zwischen Vertragsablauf und Fertig-
stellung der neuen Hochspannungsleitung nachzuzahlen sowie zu verzin-
sen und die Enteigneten im Vertrauen auf diese Zusicherung jahrelang den
Betrieb der Leitung auf ihrem Grundstück geduldet und darauf verzichtet
hätten, beispielsweise mit einer Eigentumsfreiheitsklage ihr Recht durch-
zusetzen. Aufgrund der fehlenden Erwägungen des Bundesverwaltungs-
gerichts in diesem Punkt sowie aufgrund unvollständiger Dokumente, wel-
che eine solche allfällige Zusicherung belegen würden, wies das Bundes-
gericht die Sache zur neuen Beurteilung zurück, um zu prüfen, ob die da-
malige Kommunikation der NOK auch die Verzinsung der gesamten Ent-
schädigungssumme ab dem 1. Januar 2001 rechtfertigt oder ob ein Ab-
schlag geboten ist, um eine Überentschädigung zu verhindern.
3.2 Die Enteigneten machen in ihrer Eingabe vom 7. Januar 2021 im We-
sentlichen geltend, aus den durch sie eingereichten Beilagen – insbeson-
dere dem Schreiben der NOK vom 4. Mai 2001, welches in identischer
Form an alle betroffenen Grundstückeigentümer ergangen sei (und auch
als anonymer Entwurf vom 23. April 2001 in den Akten liegt), sowie dem
Schreiben der NOK vom 18. August 2011 – gehe hervor, dass die Enteig-
neten im Vertrauen auf die Erstellung einer neuen Hochspannungsleitung
und die Entschädigung im gegebenen Zeitpunkt auf unnötige Verfahrens-
schritte verzichtet hätten. So sei damals darauf verzichtet worden, die NOK
respektive die Enteignerin aufzufordern, das Schätzungsverfahren bei der
Vorinstanz einzuleiten oder gar die Entfernung der Leitung auf dem Klage-
weg anzustreben. Die NOK Grid AG habe als Rechtsnachfolgerin der NOK
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deren Zusicherung vom 4. Mai 2001 bekräftigt, die Konditionen der Ent-
schädigung im Zeitpunkt des 18. August 2011 bekanntgegeben und einen
neuen Dienstbarkeitsvertrag unterbreitet. Zumal sich die Parteien in der
Folge jedoch betreffend die Entschädigungshöhe nicht hätten einigen kön-
nen, habe die Enteignerin mit Schreiben vom 23. September 2014 bei der
Vorinstanz die Einleitung des Schätzungsverfahrens beantragt, was zur Ei-
nigungsverhandlung am 23. Oktober 2015 geführt habe. Aufgrund dieser
Ausgangslage rechtfertige es sich, den Bewertungsstichtag auf diesem
Datum zu belassen.
3.3 Die Enteignerin macht in ihrer Stellungnahme vom 11. März 2021 im
Wesentlichen geltend, das Schreiben vom 4. Mai 2001 enthalte in keiner
Weise eine Zusicherung, welche zu einer Festlegung des Bewertungsstich-
tages auf den 23. Oktober 2015 führen würde. Insbesondere stelle es keine
Vertrauensgrundlage dar. Vertrauensschutz könne ohnehin nur geltend
machen, wer gestützt auf das Vertrauen Dispositionen getätigt habe, wel-
che ohne Nachteil nicht wieder rückgängig gemacht werden könnten. Eine
solche Disposition sei bei den Enteigneten nicht erkennbar. Im Weiteren
würden sich die erwähnten Entschädigungsansätze nicht auf die Entschä-
digung des Minderwertes in enteignungsrechtlichem Sinne beziehen, son-
dern vielmehr die Anwendung der geltenden Empfehlungen des Verbandes
Schweizerischer Elektrizitätswerke (VSE) und des Schweizerischen Bau-
ernverbandes (SBV) in Aussicht stellen. Ebenso könnten die Enteigneten
aus dem Schreiben der NOK Grid AG vom 18. August 2011 nichts zu ihren
Gunsten ableiten. Auch dieses Schreiben beziehe sich auf die Empfehlun-
gen des VSE/SBV. Somit sei sodann nicht vom 1. Januar 2001 als Bewer-
tungsstichtag abzuweichen.
3.4 Im Folgenden gilt es, die beiden Schreiben vom 4. Mai 2001 (dieses
liegt dem Bundesverwaltungsgericht erstmals vor) sowie vom 18. April
2011 hinsichtlich ihrer Bedeutung und ihres Inhaltes, welche die Enteigne-
ten ihnen beimessen durften, einer Auslegung zu unterziehen.
3.4.1 Die in Frage stehende Rechtsbeziehung zwischen der NOK als da-
malige Eigentümerin der Leitung und den privaten Grundeigentümern ist
als öffentlich-rechtlich zu qualifizieren, zumal der Gegenstand – damals wie
heute – die Erneuerung einer Dienstbarkeit für die Durchleitung einer
Hochspannungsleitung zur Versorgung des Landes mit elektrischer Ener-
gie betrifft und die NOK eine privatisierte Gesellschaft in öffentlicher Hand
darstellte. Jedenfalls ist die NOK den Enteigneten (bis ins Jahr 2000 die
Dienstbarkeitsbelasteten) in Erfüllung eines öffentlich-rechtlichen Auftrags
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Seite 12
– jedoch nicht hoheitlich – gegenübergetreten, weshalb es sich schon da-
mals um ein entsprechendes Rechtsverhältnis handelte. Diese Ausgangs-
lage wird von den Parteien nicht grundsätzlich bestritten.
Der Grundsatz von Treu und Glauben gebietet – im öffentlichen Recht
gleichermassen wie im Privatrecht – ein loyales und vertrauenswürdiges
Verhalten im Rechtsverkehr. Im Verwaltungsrecht wirkt er sich einerseits in
Form des sogenannten Vertrauensschutzes aus, indem er der Privatper-
son einen Anspruch auf Schutz ihres berechtigten Vertrauens in ein be-
stimmte Erwartungen begründendes Verhalten der Behörden verleiht. An-
dererseits wirkt er als Verbot widersprüchlichen Verhaltens und als Verbot
des Rechtsmissbrauchs, wobei sowohl der Staat als auch die Privatperson
gebunden werden. Der Grundsatz von Treu und Glauben findet seine
Rechtsgrundlage neben der Regel für das Verhalten von Staat und Priva-
ten in Art. 5 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenos-
senschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) insbesondere auch in Art. 9 BV,
der den Vertrauensschutz im Speziellen statuiert. Dabei bedarf es zunächst
eines Anknüpfungspunktes. Es muss ein Vertrauenstatbestand, das heisst
eine Vertrauensgrundlage vorliegen. Darunter ist das Verhalten eines
staatlichen Organs zu verstehen, das bei der betroffenen Privatperson im
konkreten Fall aus ganz bestimmten Gründen ein individuelles Vertrauen
und individuelle Erwartungen auslöst. Dabei kommt es nicht auf die
Rechtsnatur eines staatlichen Aktes an, sondern nur auf dessen Be-
stimmtheitsgrad, der so gross sein muss, dass der Private daraus die für
seine Dispositionen massgebenden Informationen entnehmen kann. Dies
gilt auch für behördliche Auskünfte oder Zusagen, welche notwendiger-
weise eine inhaltliche Bestimmtheit aufweisen müssen, um als Vertrauens-
grundlage Bestand zu haben. Vage Absichtsbekundungen genügen hinge-
gen nicht. Um aus dem Vertrauensschutz Ansprüche ableiten zu können,
muss der Adressat im guten Glauben und im Vertrauen auf die Richtigkeit
der Auskunft eine Disposition getroffen haben, die er nicht oder jedenfalls
nicht ohne Schaden rückgängig machen kann, wobei als nachteilige Dis-
positionen sodann auch Unterlassungen gelten können. Im Weiteren wird
vorausgesetzt, dass sich die behördliche Auskunft für diese nachteilige
Disposition als kausal erweist. Eine solche Kausalität fehlt, wenn der Ad-
ressat sich auch ohne diese Auskunft für die Massnahme entschieden
hätte. Der Kausalitätsbeweis darf bereits als geleistet gelten, wenn es auf-
grund der allgemeinen Lebenserfahrung als glaubhaft erscheint, dass sich
der Adressat ohne die fragliche Auskunft anders verhalten hätte (vgl. BGE
129 I 161 E. 4.1; Urteile des Bundesgerichts 2C_1085/2019 vom 8. Mai
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2020 E. 6.3.1, 7 und 2C_658/2015 vom 3. Juni 2016 E. 3; ULRICH HÄFE-
LIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl.
2020, Rz. 620 ff., 636, 654 ff., 667 f., 684 ff.; ALFRED KÖLZ/ISABELLE
HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich 2013, Rz. 201 ff.).
3.4.2 Es ist zu klären, ob das Schreiben der NOK vom 4. Mai 2001 betref-
fend die "220-kV-Leitung Niederwil – Obfelden, L532" an die von der vor-
liegend relevanten Leitungsführung respektive von der auslaufenden
Dienstbarkeit betroffenen Grundstückeigentümer als Vertrauensgrundlage
dienen konnte. Ob es sich dabei – wie die Enteignerin ausführt – um eine
Offerte für einen verwaltungsrechlichen Vertrag handelte, kann sodann of-
fenbleiben. Die Auslegung des staatlichen Aktes kann vorliegend nämlich
unabhängig von dessen Rechtsnatur vorgenommen werden, ist doch letzt-
endlich der Bestimmtheitsgrad der Auskunft ausschlaggebend. Dieser
muss so gross sein, dass die Enteigneten im Vertrauen auf die durch sie
entnommenen massgeblichen Informationen die von ihnen geltend ge-
machten Dispositionen getätigt haben und tätigen durften (vgl. HÄFE-
LIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 627). Zunächst ist – als primäres Ausle-
gungselement – der Wortlaut des Schreibens vom 4. Mai 2001 zu erörtern,
bevor der Erklärungswille der NOK und das Verständnis der Enteigneten
zu beurteilen sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts 1C_613/2015 vom
10. August 2016 E. 5, 2C_658/2015 vom 3. Juni 2016 E. 3, Urteil des Steu-
ergerichts des Kantons Solothurn vom 22. Oktober 2018, KSGE 2018 N1,
6, E 6.1; (vgl. JÜRG BICKEL, Auslegung von Verwaltungsrechtsakten, Fri-
bourg 2014, § 10 Rz. 12 ff.). Dem Schreiben ist folgender Wortlaut zu ent-
nehmen (Hervorhebung und Auszug durch BVGer):
"(...) Wie Ihnen vielleicht bekannt ist, sind die NOK seit einigen Jahren mit der
Projektierung einer neuen Leitung, welche die heutige ersetzen soll, beschäf-
tigt. Leider hat sich die Projektierung infolge verschiedener Umstände verzö-
gert und der Zeitpunkt für die Realisierung eines Neubaus ist noch offen.
Diese Leitung ist jedoch ein wichtiger Teil unseres Übertragungsnetzes und
muss deshalb bis zur Erneuerung in diesem Zustand in Betrieb bleiben.
Da wie erwähnt der Zeitpunkt der Leitungserneuerung noch nicht feststeht, ist
es für uns sehr schwierig, die entsprechenden Dienstbarkeiten mit einer zeit-
lich befristeten Verlängerung neu zu regeln. Wir gedenken deshalb, zur Zeit
keine neuen Dienstbarkeiten zu vereinbaren, sondern den betroffenen Grund-
eigentümern nach Fertigstellung des Leitungsneubaus die Ihnen zustehende
A-5380/2020
Seite 14
Entschädigung für die Jahre zwischen Vertragsablauf und Leitungserneue-
rung auszuzahlen. Dies auf der Basis der dannzumal gültigen Entschädi-
gungsansätze. (...)"
Durch die Betreffzeile bezieht sich das Schreiben klar auf den die Enteig-
neten betreffenden Leitungsabschnitt. Der Brieftext selbst macht aufgrund
seiner Wortwahl hingegen deutlich, dass einerseits der übermittelte Inhalt
von Unsicherheit betreffend die zeitlichen Verhältnisse sowie die Umset-
zung des Projektes für die neue Leitungsführung überhaupt geprägt ist und
andererseits auch der rechtliche Umgang respektive die Entschädigungs-
modalitäten für die bestehende Hochspannungsleitung das Stadium einer
konkreten und verlässlichen Planung in jeder Hinsicht noch nicht erreicht
haben. Insbesondere Formulierungen wie "...der Zeitpunkt...ist noch of-
fen...", "...noch nicht feststeht...", "...für uns sehr schwierig...neu zu re-
geln..." und "...wir gedenken..." bestätigen, dass sich der Absender dieses
Schreibens in keiner Weise festlegen wollte. Allein die Tatsache, dass den
Adressaten eine Entschädigung als solche zusteht, ist aus dem Schreiben
mit Sicherheit ersichtlich, ohne jedoch einen bestimmten oder bestimmba-
ren Ansatz zu spezifizieren. Aufgrund des Wortlautes ist demnach festzu-
halten, dass sich das Schreiben der NOK vom 4. Mai 2001 durch eine
Reihe von vagen Äusserungen auszeichnet und somit höchstens als Ab-
sichtserklärung zu qualifizieren ist. Als solche kann es jedoch gemäss
Rechtsprechung und Lehre keine Vertrauensgrundlage darstellen (vgl. Ur-
teil des Bundesgerichts 2C_1085/2019 vom 8. Mai 2020 E. 7; Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts A-2712/2016 vom 25. August 2017 E. 4.4 ff.
m.w.H.; ALAIN GRIFFEL, Allgemeines Verwaltungsrecht im Spiegel der
Rechtsprechung, Zürich 2017, § 7 Rz. 175; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,
a.a.O., Rz. 627, 636, 668 f.; BICKEL, a.a.O., § 13 Rz. 22 ff.).
3.4.3 Wie soeben dargestellt, lässt sich dem Wortlaut kein Wille der Ent-
eignerin entnehmen, einen Sachverhalt verbindlich zu regeln, also weder
eine Zusicherung betreffend die zeitlichen Verhältnisse für die Umsetzung
des neuen Leitungsbauprojektes oder der konkreten neuen Leitungsfüh-
rung, noch betreffend die Modalitäten der Entschädigung abzugeben. Auf
Vertrauensschutz kann sich jedoch nur berufen, wer von einer Vertrauens-
grundlage Kenntnis hatte und deren allfällige Fehlerhaftigkeit nicht kannte
und – bei gebotener Sorgfalt – auch nicht hätte kennen müssen, also in
berechtigtem Vertrauen auf einen konkreten Sachverhalt handelte. Dabei
ist auf die individuellen Fähigkeiten und Kenntnisse der sich auf Vertrau-
A-5380/2020
Seite 15
ensschutz berufenden Personen abzustellen (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHL-
MANN, a.a.O., Rz. 654 ff., 682, 684; BICKEL, a.a.O., § 10 Rz. 7, § 13 Rz. 22,
26).
Es ist nicht bestritten, dass den Enteigneten das fragliche Schreiben der
NOK vom 4. Mai 2001 bekannt war, selbst wenn nur dessen Vorlage und
Kopien von den an andere Anwohner gesandten Schreiben vorliegen.
Diese Schreiben sind jedoch deckungsgleich, was darauf schliessen lässt,
dass sämtliche Betroffene dasselbe Schreiben im Sinne einer allgemeinen
Orientierung über das beabsichtigte Vorgehen erhalten haben. Den Akten
ist nicht zu entnehmen, dass die Enteigneten zu jenem Zeitpunkt bereits
anwaltlich vertreten gewesen wären. Doch auch ohne solche Vertretung
hätte den Enteigneten bei angemessener Sorgfalt auffallen müssen, dass
das Schreiben in allgemein und unverbindlich gehaltenem Stil keinen Wil-
len der NOK erkennen lässt, sich festzulegen und im Besonderen keine
konkreten Zusagen für die Höhe der individuellen Entschädigung der be-
troffenen Grundeigentümer macht. Zwar ist nicht von der Hand zu weisen,
dass das Schreiben geeignet ist, eine gewisse Hoffnung für die Umsetzung
der beschriebenen Vorgehensweise zu wecken und die Enteigneten – al-
lenfalls in Erwartung einer beträchtlichen Entschädigung – dazu veran-
lasste, abzuwarten. Insbesondere die konturlose Äusserung bezüglich der
Entschädigung und ohne Bezeichnung der konkret angewandten Ansätze
hätte bei den Betroffenen aber ein Bedürfnis auslösen müssen, weiterge-
hende Informationen bei der NOK oder allenfalls eine Rechtsberatung zu
suchen. Dennoch haben die Enteigneten während rund zehn Jahren kei-
nen Versuch unternommen, die NOK zu kontaktieren und konkrete Infor-
mationen oder Zusagen einzufordern, auch nicht um sich über die appro-
ximative Höhe der Entschädigung oder die angewandte Praxis zu erkundi-
gen. Auch wurden offenbar keine Massnahmen getroffen, um der NOK zu
signalisieren, dass man im Bewusstsein, dass die alte Dienstbarkeit aus-
gelaufen ist und faktisch ein rechtsloser Zustand herrscht, nicht gewillt ist,
länger abzuwarten beziehungsweise sich hinhalten zu lassen. Wie aus
dem Urteil des Bundesverwaltungsgericht A-3273/2016 et al. (E. 8.3.2 ff.
und 9) ersichtlich – und vom Bundesgericht in seinem Urteil 1C_163/2017
vom 18. Juli 2017 nicht kritisiert – konnte bereits aus dem Verhalten der
NOK im Vorfeld respektive im Nachgang zum Schreiben vom 4. Mai 2001
– welches unter anderem in einem Schreiben vom 16. Dezember 2002 an
einen Mit-Einsprecher der Enteigneten bestand, im aktuell vorliegenden
Verfahren allerdings keine Erwähnung mehr gefunden hat – keine Vertrau-
ensgrundlage gesehen werden. Auch dieses Verhalten der NOK konnte die
Enteigneten jedoch nicht dazu bewegen, die Initiative zu ergreifen und ihre
A-5380/2020
Seite 16
Rechtsposition zu klären. Erst aufgrund des späteren Schreibens vom
18. August 2011 und des Entwurfs eines Dienstbarkeitsvertrages, welche
– in den Augen der Enteigneten – eine grobe Verletzung der Entschädi-
gungspflicht der Enteignerin darstellte, drohten diese eine Eigentumsfrei-
heitsklage an (vgl. nachfolgend E. 3.4.4 und 3.5). Jedenfalls geht nichts
anderes aus den Akten hervor; weder in den Rechtschriften im vorliegen-
den Verfahren, noch im vorangehenden Verfahren vor Bundesverwaltungs-
gericht A-4864/2018 (wo das Bundesverwaltungsgericht in Unkenntnis des
Schreibens vom 4. Mai 2001 noch davon ausging, die Enteigneten hätten
Verzögerungen in der Umsetzung des Leitungsprojektes aufgrund politi-
scher Abläufe nicht zu vertreten) wurde etwas anderes geltend gemacht
oder belegt. Wie erwähnt hat das Bundesverwaltungsgericht in derselben
Sache bereits im gleichen Sinne entschieden. Dabei wurde im Übrigen
auch festgehalten, dass selbst aus der Tatsache, dass die Dienstbarkeit für
ein Überleitungsrecht Ende 2000 auslaufe, durch die Enteigneten nicht da-
rauf vertraut werden dürfe, die Betreiberin werde künftig auf eine enteig-
nungsweise Sicherung dieser Dienstbarkeit verzichten oder die Leitung
verlegen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgericht A-3273/2016 et al. vom
7. Februar 2017 E. 8.3.2 zweiter Absatz und E. 9).
Sodann gilt es festzuhalten, dass der Wortlaut des Schreibens vom 4. Mai
2001 einzig auf eine Absicht der NOK bezüglich eines möglichen Vorge-
hens schliessen lässt, wobei auch kein Wille erkennbar ist, sich darin fest-
zulegen oder Zusicherungen abzugeben. Absichtserklärungen werden ge-
mäss Rechtsprechung und Lehre jedoch nicht als Zusicherung behandelt,
weshalb das Schreiben vom 4. Mai 2001 auch nicht als Vertrauensgrund-
lage dienen kann. Ausserdem hat sich ergeben, dass die Enteignerin – ins-
besondere bezüglich Entschädigungen – keine konkreten Zusagen abge-
ben wollte und dass die Enteigneten sich auch nicht in berechtigtem Ver-
trauen auf eine bestimmte Entschädigung verlassen durften. Selbst aus
den Gesamtumständen ergibt sich keine andere Erkenntnis und es ist auch
nicht zu vermuten, dass die NOK bereit gewesen wäre, etwas anzuordnen
oder zu vereinbaren, was mit den von ihr zu wahrenden öffentlichen Inte-
ressen im Widerspruch stehen würde. Zumal es bereits an der Vorausset-
zung einer Vertrauensgrundlage fehlt, liegt keine Verletzung des Vertrau-
ensschutzes nach Art. 9 BV vor und es kann auf die Prüfung von weiteren
Voraussetzungen, wie einer nachteiligen Disposition oder der Kausalität,
verzichtet werden. Auch ein Fall von widersprüchlichem oder rechtsmiss-
bräuchlichem Verhalten seitens der NOK ist nicht ersichtlich (vgl. BGE 129
I 161 E. 4.2 f.; Urteile des Bundesgerichts 2C_1085/2019 vom 8. Mai 2020
A-5380/2020
Seite 17
E. 7 und 2C_658/2015 vom 3. Juni 2016 E. 3; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,
a.a.O., Rz. 688 ff.; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 201 ff.).
3.4.4 Im Weiteren liegt den Akten das Schreiben der NOK Grid AG vom
18. August 2011 bei, welches sich auf die "Leitung 532 Obfelden – Nieder-
wil" sowie die "Leitung 544 Obfelden – Regensdorf" bezieht und an alle
betroffenen Grundeigentümer richtet. Es verweist auf das Schreiben der
NOK vom 4. Mai 2001 und wird vom Bundesgericht in seinem Urteil als
mögliche Quelle einer Vertrauensgrundlage in Betracht gezogen. Dieses
Schreiben begleitete den Versand des Entwurfs für einen neuen Dienstbar-
keitsvertrag (undatiert) zwischen den Beschwerdeführenden und der NOK
Grid AG, welcher durch Erstere mit Schreiben vom 2. April 2012 abgelehnt
wurde. Selbst wenn dieses Schreiben vom 18. August 2011 Formulierun-
gen der Zusicherung verwendet, erweist es sich – als Begleitschreiben des
abgelehnten und somit wirkungslosen Dienstbarkeitsvertrages – als nicht
bindend und demzufolge für die Beurteilung der Frage, ob eine Vertrauens-
grundlage besteht, als nicht relevant.
3.5 Nach diesen Ausführungen steht fest, dass aufgrund fehlender Zusa-
gen der Vorgängerorganisationen der Enteignerin keine Vertrauensgrund-
lage bestand, welche es den Enteigneten gestattet hätte, die bestehende
Leitung in gutem Glauben zu dulden, von weiteren Verfahrensschritten, wie
beispielsweise die Enteignerin aufzufordern, das Schätzungsverfahren bei
der Vorinstanz einzuleiten oder gar die Klage auf Entfernung der Freileitung
beim Zivilgericht einzureichen (vgl. Eingabe der Enteigneten vom 7. Januar
2021 Rz. 7), abzusehen und sich auf die Erneuerung der Hochspannungs-
leitung sowie damit verbunden auf eine bestimmte Minderwertentschädi-
gung zu verlassen. Somit ist der vom Bundesgericht angewandten Praxis
zu folgen, angesichts einer drohenden Überentschädigung vom gesetzlich
vorgesehenen Beurteilungsstichtag im Zeitpunkt der Einigungsverhand-
lung abzuweichen und stattdessen die Bestimmung des Verkehrswertes
der durch einen Minderwert belasteten Liegenschaft im Zeitpunkt der aus-
gelaufenen Dienstbarkeit am 1. Januar 2001 vorzunehmen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 1C_647/2019 vom 8. Oktober 2020 E. 7.4 f.).
3.6 Zu keiner anderen Erkenntnis vermag im Übrigen das Argument der
Enteigneten zu führen: Sie bringen vor, die von den beiden Parteien in Auf-
trag gegebenen Gutachten – sowohl von Kurt Zumsteg/Diego Pergher vom
17. Mai 2016 und Barbara Weber vom 21. Juni 2016, als auch das Gutach-
ten der Enteignerin von Stephan Grylka vom 4. Dezember 2017 (worin de-
A-5380/2020
Seite 18
ren Anerkennen des massgebenden Beurteilungszeitpunktes vom 23. Ok-
tober 2015 und deshalb ein widersprüchliches Verhalten der Enteignerin
zu erblicken sei [vgl. Eingabe der Enteigneten vom 20. Juli 2021 Rz. 13
und 22]) – würden sich auf den Bewertungsstichtag vom 23. Oktober 2015
stützen. Dieses von den Gutachtern gewählte Datum dürfte sich allein auf-
grund der gesetzlichen Regelung von Art. 19bis Abs. 1 aEntG respektive der
Anweisungen der auftraggebenden Parteien ergeben haben und ohne die
Praxis des Bundesgerichts, bei langer Verfahrensdauer in Abweichung der
gesetzlichen Regelung zur Vermeidung einer Überentschädigung auf den
Zeitpunkt der ausgelaufenen Dienstbarkeit abzustellen, in Erwägung zu
ziehen. Jedenfalls lässt sich daraus nicht ohne Weiteres ableiten, der
23. Oktober 2015 sei als relevanter Beurteilungszeitpunkt anzunehmen.
3.7 Auch der Beginn der Verzinsung der geschuldeten Entschädigung ist
auf den 1. Januar 2001 festzulegen, was der gesetzlichen Regelung von
Art. 76 Abs. 5 aEntG entspricht. Zumal die Enteigneten beantragen, es sei
die Verzinsung zum "üblichen durch das Bundesverwaltungsgericht festge-
legten Zinsfuss" vorzunehmen und dieses Begehren auch in dessen Be-
gründung bekräftigen, ist für die Verzinsung der übliche Zinsfuss im Sinne
von Art. 19bis Abs. 4 aEntG (gemäss Publikation des Bundesamtes für
Wohnungswesen, www.bwo.admin.ch; vgl. auch Webseite des Bundesver-
waltungsgerichts. www.bvger.ch => das Gericht => Aufsicht) massgebend.
Dieses Ergebnis entspricht im Übrigen auch dem Antrag der Enteignerin.
3.8 Bei diesem Ergebnis wird der Rechtsprechung des Bundesgerichts
Rechnung getragen und eine drohende – durch lange Verfahrensdauer
und damit verbunden durch steigende Immobilienpreise verursachte –
Überentschädigung verhindert. Im Weiteren ist festzuhalten, dass dem Ar-
gument, es sei ausgesprochen aufwändig, den vor mehr als zwanzig Jah-
ren massgeblichen Verkehrswert der Liegenschaft zu bestimmen, nicht zu
folgen ist: Bereits zu jenem Zeitpunkt wurden ausführliche Statistiken und
Aufzeichnungen erstellt, wodurch eine Fachperson durchaus in der Lage
sein dürfte, anhand des (Vergleichs-)Materials eine entsprechende Bewer-
tung vorzunehmen. Der geltend gemachte Aufwand ist somit in Kauf zu
nehmen.
3.9 Zusammenfassend ist dem Antrag der Enteigneten betreffend die Fest-
legung des Bewertungsstichtags auf den 23. Oktober 2015 nicht zu folgen
und die Beschwerde diesbezüglich abzuweisen. Hingegen ist ihr Begehren
betreffend den Beginn der Verzinsung sowie den anzuwendenden Zinsfuss
– in Übereinstimmung mit dem Antrag der Enteignerin gutzuheissen. Der
A-5380/2020
Seite 19
Antrag der Vorinstanz auf Bestätigung ihres Entscheides vom 14. Mai 2018
ist abzuweisen. Eine Behandlung der Eventualanträge erübrigt sich.
4.
4.1 Die Beschwerdeinstanz entscheidet in der Sache selbst oder weist
diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zu-
rück (Art. 61 Abs. 1 VwVG). Bei der Wahl zwischen diesen beiden Ent-
scheidarten steht dem Gericht ein weiter Ermessensspielraum zu. Liegen
sachliche Gründe für eine Rückweisung vor, ist diese regelmässig mit dem
Untersuchungsgrundsatz und dem Prinzip eines einfachen und raschen
Verfahrens vereinbar. Zur Rückweisung führt insbesondere eine mangel-
hafte Abklärung des Sachverhalts durch die Vorinstanz, die ohne eine auf-
wendigere Beweiserhebung nicht behoben werden kann. Die Vorinstanz ist
mit den tatsächlichen Verhältnissen besser vertraut und aufgrund ihres
Fachwissens im Allgemeinen auch besser in der Lage, die erforderlichen
Untersuchungen durchzuführen. Zudem bleibt der betroffenen Partei in die-
sem Fall der gesetzlich vorgesehene Instanzenzug erhalten (statt vieler Ur-
teil des Bundesverwaltungsgerichts A-1865/2016 vom 14. Dezember 2016
E. 5 m.w.H.; PHILIPPE WEISSENBERGER/ASTRID HIRZEL, Art. 61, in: Wald-
mann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl., Zürich
2016, [nachfolgend: Praxiskommentar VwVG], Rz. 10).
Vorliegend kann der erhobene Sachverhalt betreffend die aktuelle Lage der
Leitungsführung, des Zustandes und der Situation der Liegenschaft Par-
zelle Nr. [...] der Vorinstanz als Grundlage für einen neuen Entscheid in der
Sache dienen. Dennoch gilt es aufgrund der Erkenntnis, es sei der 1. Ja-
nuar 2001 als Bewertungsstichtag zu verwenden, neue Abklärungen und
Beurteilungen vorzunehmen. Dies hat durch die Vorinstanz als für die Be-
urteilung von Entschädigungen im Zusammenhang mit enteignungsrecht-
lichen Verfahren zuständige (vgl. Art. 19bis aEntG und Art. 64 aEntG ) und
kompetente Fachbehörde für Schätzungsfragen – evtl. unter Beizug weite-
rer Fachkräfte – zu geschehen, ist sie doch mit den Verhältnissen besser
vertraut als das Bundesverwaltungsgericht und verfügt über volle Kogni-
tion. Würde dieses ausserdem eine Sache direkt beurteilen, so würde dies
den Rechtsweg verkürzen, wohingegen durch eine Rückweisung den Par-
teien der doppelte Instanzenzug erhalten bleibt. Aus diesem Grund recht-
fertigt es sich, die Sache zur Neubeurteilung und neuem Entscheid betref-
fend die Höhe der – unbestrittenermassen – zustehenden Entschädigung
zurückzuweisen, dies unter Beachtung der einerseits durch das Bundes-
gericht mit Urteil vom 8. Oktober 2020 gemachten Vorgaben, andererseits
A-5380/2020
Seite 20
des oben gefällten Entscheides betreffend die Festlegung des Beurtei-
lungszeitpunktes sowie der Verzinsungsmodalitäten (Art. 61 Abs. 1 VwVG;
vgl. WEISSENBERGER/HIRZEL, Praxiskommentar VwVG, a.a.O., Rz. 15 ff.;
ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor
dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl., Bern 2013, Rz.3.194 m.w.H.).
4.2 Bei der erneuten Prüfung hat die Vorinstanz gemäss den Erwägungen
des Bundesgerichts (vgl. Urteil 1C_647/2019 vom 8. Oktober 2020 E. 5)
insbesondere einen Vergleich der heutigen Leitungsführung mit einer hy-
pothetischen Freileitungsführung auf der Nachbarparzelle parallel zur
Grundstücksgrenze unter Beachtung des Grenzabstandes zu berücksich-
tigen, wobei die zu entschädigende Wertminderung nach der praxisge-
mäss angewandten Differenzmethode zu berechnen und auch einem psy-
chologischen Minderwert angemessen Rechnung zu tragen ist. Im Weite-
ren ist die 50-kV-Leitung der Axpo, welche das Grundstück der Enteigneten
von 2001 bis 2017 durchquerte, zu berücksichtigen.
5.
5.1 Die Enteignerin beantragt in ihrer Stellungnahme vom 11. März 2021
sinngemäss, es sei davon Umgang zu nehmen, der Enteignerin die Kosten
der beiden Privatgutachten der Enteigneten aufzuerlegen. Zur Begründung
führt sie im Wesentlichen aus, diese würden bei einer Festlegung des Be-
wertungsstichtages auf den 1. Januar 2001 nichts zur Beurteilung der kor-
rekten Enteignungsentschädigung beitragen. Die Gutachten seien sodann
auf eigenes Risiko der Enteigneten erstellt worden, weshalb diese auch die
entsprechenden Kosten zu tragen hätten.
5.2 Die Enteigneten beantragen hingegen in ihrer Stellungnahme vom
20. Juli 2021 sinngemäss, es sei auf diesen Antrag nicht einzutreten, even-
tualiter sei er abzuweisen. Zur Begründung führt sie aus, die beiden Gut-
achten würden sehr wohl auf dem korrekten Bewertungsstichtag basieren
und sich deshalb nach wie vor auch als nützlich erweisen. Im Übrigen habe
die Vorinstanz in ihrem Entscheid vom 14. Mai 2018 (Dispositivziffer 3) be-
reits rechtskräftig entschieden, da die Enteignerin dagegen keine Be-
schwerde respektive Anschlussbeschwerde erhoben habe. Abgesehen da-
von habe die Enteignerin die Gutachterkosten den Enteigneten bereits zu-
rückerstattet.
5.3 Bereits in seinem Urteil A-3273/2016 vom 7. Februar 2017 E. 18.2 äus-
serte sich das Bundesverwaltungsgericht ausführlich zu den Grundsätzen
A-5380/2020
Seite 21
des Ersatzes für Auslagen in Form von Kosten für Parteigutachten. Diese
Ausführungen an sich wurden vom Bundesgericht nicht beanstandet, allein
die Prüfung einer Neuverlegung wurde im neuen durch die Vorinstanz im
Lichte des ergangenen Urteils des Bundesgerichts 1C_163/2017 vom
18. Juli 2017 E. 7 zu fällenden Entscheid verlangt. Demnach sind für Pri-
vatgutachten in der Regel keine Vergütungen zuzusprechen, da in den
Schätzungskommissionen selbst die benötigten Fachleute vertreten sind
oder solche, falls notwendig, zusätzlich beigezogen werden können (vgl.
auch Art. 47 der Verordnung vom 13. Februar 2013 über das Verfahren vor
den eidgenössischen Schätzungskommissionen [SR 711.1; per 1. Januar
2021 aufgehoben, jedoch vorliegend anwendbar, vgl. E. 2]). Entschädigun-
gen für Privatgutachten werden mithin nur ausnahmsweise gewährt, so
wenn sich ein Enteignungsverfahren als schwierig und die Arbeit des vom
Enteigneten beigezogenen Experten im Schätzungsverfahren als nützlich
erweist (so wie beispielsweise im Entscheid des Bundesverwaltungsge-
richts A-4864/2018 vom 1. November 2019 geschehen).
5.4 In ihrem Entscheid vom 14. Mai 2018 erwog die Vorinstanz diesbezüg-
lich, die beiden von den Enteigneten ins Recht gelegten Gutachten hätten
in ihrem Entscheid Verwendung gefunden, weshalb deren Kosten von der
Enteignerin zu tragen und den Enteigneten im Umfang von Fr. 2'820.15 zu
erstatten seien. Darauf verwies auch das Bundesverwaltungsgericht in sei-
nem Urteil A-4864/2018 vom 1. November 2019 E. 4.3 und hielt fest, die
Regelung sei unangefochten geblieben. Die Dispositivziffer 3 des Entschei-
des der Vorinstanz vom 14. Mai 2018 wurde sodann in diesem Urteil auch
nicht aufgehoben. Zwar hob das Bundesgericht in seinem Urteil
1C_647/2019 vom 8. Oktober 2020 den Entscheid des Bundesverwal-
tungsgerichts gesamthaft auf, doch blieb die Frage der Entschädigung der
Kosten für die Parteigutachten offenbar unbestritten, hat sich das Bundes-
gericht doch dazu nicht geäussert. Infolge Res iudicata ist demzufolge auf
den Antrag der Enteignerin nicht einzutreten.
6.
6.1 Die Enteigneten beantragen in ihrer Stellungnahme vom 20. Juli 2021
sinngemäss, die Vorinstanz sei dazu zu verpflichten, auf der Basis der bei-
den Gutachten Zumsteg/Pergher und Weber sowie unter Einbezug der Er-
wägungen 6.3 des Bundesgerichts in seinem Urteil vom 8. Oktober 2020
betreffend die Minderwertbestimmung unter Berücksichtigung der hypothe-
tischen Leitungsführung ausserhalb des Grundstücks der Enteigneten die
Enteignungsentschädigung zu bestimmen. Zur Begründung führen sie im
A-5380/2020
Seite 22
Wesentlichen aus, infolge des korrekterweise auf den 23. Oktober 2015
festzulegenden Bewertungsstichtages würden sich die beiden Gutachten,
welche ihren Berechnungen dieses Datum zu Grunde legen würden, nach
wie vor als die korrekte Basis für die Bemessung des definitiven Minder-
wertes erweisen.
6.2 Die Enteignerin äussert sich zu diesem Antrag in ihrer Eingabe vom
3. August 2021 und führt – ohne einen förmlichen Antrag zu stellen – aus,
es könne nicht darauf eingetreten werden, eventualiter sei er abzuweisen.
Sie begründet dies damit, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Zwi-
schenverfügung vom 9. Dezember 2020 das Prozessthema auf die Festle-
gung des Bewertungsstichtages beschränkt habe, weshalb Anweisungen
der genannten Art an die Vorinstanz, wie und auf welcher Basis die Enteig-
nungsentschädigung festzulegen ist – mit Ausnahme des Bewertungsstich-
tages – ausgeschlossen seien.
6.3 Der Argumentation der Enteignerin ist grundsätzlich zu folgen. Ausser-
dem verlieren die Parteigutachten ihre Bedeutung aufgrund der gemachten
Erwägungen zum Bewertungszeitpunkt und dessen Festlegung auf den
1. Januar 2001 und können der Vorinstanz kaum mehr als Grundlage für
einen neuen Entscheid dienen. In welchem Umfang sie die Parteigutachten
jedoch noch konsultieren will, steht gänzlich in ihrem Ermessen. Im Übri-
gen hat sich die Vorinstanz an die Vorgaben des Bundesgerichts zu halten.
Der Antrag der Enteigneten ist deshalb abzuweisen.
7.
Es bleibt über die Kosten und Entschädigungen des Beschwerdeverfah-
rens vor dem Bundesverwaltungsgericht zu befinden. Zumal das Bundes-
gericht in seinem Urteil 1C_647/2019 vom 8. Oktober 2020 das Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts A-4864/2018 vom 1. November 2019 umfas-
send aufhob, gilt es auch die Kosten und Parteientschädigung aus jenem
Rechtsgang erneut zu verlegen, selbst wenn sie vom Bundesgericht nicht
beanstandet wurden.
7.1 Die Kosten des Verfahrens vor Bundesverwaltungsgericht einschliess-
lich einer Parteientschädigung an den Enteigneten trägt der Enteigner.
Werden die Begehren des Enteigneten ganz oder zum grösseren Teil ab-
gewiesen, so können die Kosten auch anders verteilt werden. Unnötige
Kosten trägt in jedem Fall, wer sie verursacht hat (Art. 116 Abs. 1 aEntG).
A-5380/2020
Seite 23
Die Gerichtsgebühr bemisst sich nach Umfang und Schwierigkeit der
Streitsache, Art der Prozessführung und finanziellen Lage der Parteien
(Art. 63 Abs. 4bis VwVG sowie Art. 2 Abs. 1 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). In enteignungsrechtlichen Verfahren
ist es zudem üblich, die Kosten eher niedrig zu halten (vgl. Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts A-2163/2012 vom 1. April 2014 E. 26). In Anbe-
tracht des Umfangs und der Schwierigkeit der Sache, wurde im Verfahren
A-4864/2018 für die Verfahrenskosten ein Betrag von Fr. 5'000.-- festgelegt
und mangels missbräuchlicher oder mutwilliger Prozessführung der Ent-
eignerin auferlegt (Art. 114 Abs. 1 und 2 aEntG).
7.2 Die Parteientschädigung umfasst die Kosten der Vertretung sowie all-
fällige weitere notwendige Auslagen der Partei (Art. 8 f. VGKE). Das Bun-
desverwaltungsgericht legt die Parteientschädigung aufgrund einer detail-
liert einzureichenden Kostennote oder, wenn keine solche eingereicht wird,
aufgrund der Akten fest (Art. 14 VGKE; vgl. Urteil des Bundesverwaltungs-
gerichts A-3841/2014 vom 1. Juli 2015 E. 2.2 mit Hinweis).
Die von der Rechtsvertreterin der Enteigneten mit Datum vom 10. Dezem-
ber 2018 eingereichte Zusammenstellung wies den angefallenen Zeitauf-
wand für die einzelnen Tätigkeiten und die dabei entstandenen Kosten
(Barauslagen) im Verfahren A-4864/2018 detailliert aus. Die Zusammen-
stellung gab insofern zu keinen Bemerkungen Anlass. Ein Stundenansatz,
war darin zwar nicht enthalten, doch liess sich aus der geleisteten Anzahl
Stunden (54.6) und der Honorarforderung (Fr. 13'650.--) ein angewendeter
Stundenansatz von Fr. 250.-- (exkl. MwSt) errechnen.
Dieser Ansatz liegt zwar in dem von Art. 10 Abs. 2 VGKE vorgesehenen
Bereich des Stundenansatzes für Rechtsvertretungen zwischen Fr. 200.--
und maximal Fr. 400.-- exkl. MwSt., ist aber dennoch im Enteignungsver-
fahren durch das Bundesverwaltungsgericht einer Angemessenheitskon-
trolle zu unterziehen (vgl. grundlegend hierzu: A-2163/2012 E. 27.3.2 mit
zahlreichen Hinweisen). Wie bezüglich der Verfahrenskosten bereits er-
wähnt, ist auch eine allfällige Parteientschädigung im enteignungsrechtli-
chen Verfahren praxisgemäss tief anzusetzen. Gemäss Rechtsprechung
des Bundesgerichts und des Bundesverwaltungsgerichts ist eine solche
primär an den konkreten Umständen des einzelnen Verfahrens resp. tat-
beständlichen und rechtlichen Schwierigkeiten des Falles sowie am Um-
fang der auf dem Spiel stehenden Vermögenswerte etc. zu bemessen. So
A-5380/2020
Seite 24
erachtete das Bundesgericht einen Normalansatz von Fr. 200.-- resp. ei-
nen Ansatz von Fr. 250.-- für tatbeständlich und rechtlich sehr komplexe
Fälle, in welchen die Entschädigungsforderung Fr. 500'000.-- überstieg, als
angemessen. Diese Praxis wurde vom Bundesverwaltungsgericht über-
nommen (vgl. zum Ganzen BGE 129 II 106 E. 3.4 und BGE 123 II 456 E. 3;
Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-330/2013 vom 26. Juli 2013
E. 9.4 f. [ausführlich], A-3425/2016 vom 8. Juni 2017 E. 11.3.2.2,
A-3465/2016 vom 15. September 2016 E. 19.3).
Aus diesem Grund erschien ein Stundenansatz von Fr. 200.-- (exkl. MwSt.)
als angemessen: Die Streitigkeit befand sich im zweiten Rechtsgang und
es waren nur noch wenige Rechtsfragen zu klären, weshalb es an einer
erhöhten tatbeständlichen und rechtlichen Komplexität fehlte. Ausserdem
war die Rechtsvertreterin der Enteigneten bereits bestens mit der Streitsa-
che vertraut. Den Enteigneten wurde deshalb eine Parteientschädigung im
Umfang von Fr. 10'920.-- zuzüglich Barauslagen von Fr. 372.90, d.h. total
Fr. 12'162.45 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer im Sinne von Art. 9
Abs. 1 Bst. c VGKE) zugesprochen und der Enteignerin zur Bezahlung auf-
erlegt. Hingegen stand der Enteignerin – trotz der teilweisen Gutheissung
ihrer Anschlussbeschwerde – von vornherein keine Parteientschädigung
zu (Art. 116 Abs. 1 aEntG e contrario).
7.3 Das Bundesgericht beanstandete diese Verteilung der Kosten und Par-
teientschädigungen in seinem Urteil 1C_647/2019 vom 8. Oktober 2020
nicht. Die Regelung ist deshalb zu übernehmen.
7.4 Für den vorliegenden Entscheid gilt folgende Regelung von verfahrens-
kosten und Parteientschädigungen.
Die Rückweisung der Sache an die jeweilige Vorinstanz zu weiteren Abklä-
rungen und neuem Entscheid (mit noch offenem Ausgang) – wie im vorlie-
genden Fall – gilt in der Verwaltungsrechtspflege des Bundes praxisge-
mäss als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei (vgl. BGE 141
V 281 E. 11.1, 137 V 210 E. 7.1 und 132 V 215 E. 6.1; Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts A-5990/2014 vom 8. Juni 2015 E. 7 mit Hinweis).
7.4.1 Die Enteigneten haben ihre Begehren weder missbräuchlich noch
mutwillig eingereicht, ist das Verfahren doch vielmehr eine Folge der Rück-
weisung durch das Bundesgericht. Gemäss den in E. 7.1 bereits ausge-
führten Grundsätzen erweist sich deshalb in Anbetracht des Umfangs und
der Schwierigkeit der vorliegenden Sache ein Betrag von Fr. 2'000.-- als
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angemessen. Der Betrag ist der Enteignerin als Beschwerdegegnerin und
unterliegender Partei aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG).
7.4.2 Wie bereits in E. 7.2 ausgeführt umfasst die Parteientschädigung die
Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere notwendige Auslagen der
Partei (Art. 8 f. VGKE). Die Vertreterin der Enteigneten hat vorliegend mit
Eingabe vom 10. August 2021 eine Honorarnote eingereicht. Diese weist
den angefallenen Zeitaufwand für die einzelnen Tätigkeiten und die dabei
entstandenen Kosten (Barauslagen) im vorliegenden Verfahren detailliert
aus und gibt insofern zu keinen Bemerkungen Anlass. Ein Stundenansatz,
zu welchem die einzelnen Tätigkeiten zu entschädigen sind, ist darin je-
doch nicht enthalten. Aufgrund der ausgewiesenen Anzahl von 23.45 ge-
leisteten Stunden und der Honorarforderung (ohne Auslagen) in der Höhe
von Fr. 5'867.50 lässt sich ein angewendeter Stundenansatz von
Fr. 250.-- (exkl. MwSt) errechnen.
Analog der bereits gemachten Ausführungen (vgl. E. 7.2) erscheint auch
im vorliegenden Fall ein Stundenansatz von Fr. 200.-- (exkl. MwSt.) als an-
gemessen: Nach zweimaligem Gang ans Bundesgericht ist die Rechtsver-
treterin der Enteigneten mit der Streitsache bestens vertraut und das Pro-
zessthema ist auf wenige Rechtsfragen beschränkt, weshalb es an einer
erhöhten tatbeständlichen und rechtlichen Komplexität fehlt. Den Enteig-
neten ist deshalb eine Parteientschädigung im Umfang von Fr. 4'690.-- zu-
züglich Barauslagen von Fr. 193.20 zuzusprechen. Inklusive Mehrwert-
steuer (i.S.v. Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) ergibt sich ein Total von
Fr. 5'259.20, welches durch die Enteignerin zu entrichten ist.
Der Enteignerin wie auch der Vorinstanz steht keine solche Entschädigung
zu (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario; Art. 7 Abs. 1 und 3 VGKE).
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