Decision ID: a65cc661-ade3-4456-b570-1d97a354fa74
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964, meldete sich am 1
1.
August 2010
(Eingangsda
tum)
unter Hinweis auf einen Status nach schwerer depressiver Episode 2006, schädlichem Gebrauch von Alkohol und Kokain 2006 und pathologischen Rauschzuständen unter Alkoholeinfluss bei der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-
Stelle, zum Leistungsbezug (Massnahmen für die berufliche Eingliederung) an
(
Urk.
11/7)
.
Nach beruflichen und medizinischen Abklärun
gen
lehnte
die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
1.
März 2011
das
Leistungsbe
gehren
ab
(
Urk.
11/32).
Am 2
5.
Januar 2013 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle unter Hinweis auf Depressionen zum Leistungsbezug an
(
Urk.
11/37)
.
Die IV-Stelle tätigte berufliche und medizinische
Abklärungen,
insbesondere
holte sie
den
psych
iatrischen Untersuchungsbericht
von med.
pract
.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
des Regiona
len Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 2
0.
Januar 2014 (
Urk.
11/49)
ein. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahre
n
(Vorbescheid vom 2
1.
Januar 2014,
Urk.
11/52; Einwand vom 2
1.
Februar 2014,
Urk.
11/59; ergänzende
Einwand
begründung
vom 1
8.
März 2014
,
Urk.
11/63
) verneinte die IV-Stelle mit Verfü
gung vom 2
5.
November 2014
(
Urk.
2) einen
Leistungsanspruch
.
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am
5.
Januar 2015 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, es seien ihm Integrationsmassnahmen
zu gewähren. Ab dem
1.
August 2013 sei ihm eine ganze Rente auszurichten. In formeller Hinsicht ersuchte er um einen zweiten Schriftenwechsel sowie
um
unentgeltliche
Pro
zessführung
und Bestellung von Rechtsanwältin Christina Ammann als unent
geltliche
Rechtsbeiständin
. Mit Beschwerdeantwort vom
2.
Februar 2015 schloss die Beschwerdegegnerin auf A
bweisung der Beschwerde (
Urk.
10
unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
11/1-70), was dem Beschwerdeführer am
4.
Februar 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
Mit Eingabe vom
1
7.
August 2015 (
Urk.
17)
reichte der Beschwerdeführer
einen Zwischenbericht von
Z._
vom 2
7.
Juli 2015 ein (
Urk.
18), was der Beschwerdegegnerin am
2.
September 2015 zu
r Kenntnis gebracht wurde (Urk.
19).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin brachte in der angefochtenen Verfügung vom 2
5.
November 2014 vor, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht kein Gesundheitsschaden des Beschwerdeführers ausgewiesen sei, welcher die Arbeitsfähigkeit erheblich und dauerhaft einschränke (
Urk.
2).
Der Beschwerdeführer hielt demgegenüber im Wesentlichen dafür, dass
die Ein
schätzung
von med.
prac
t
.
Y._
nicht nachvollziehbar sei. Seiner Argumenta
tion, dass der jetzige Gesundheitszustand weitgehend der Einschätzung der
A._
vom 2
6.
April 2012 entspreche, sei nicht zu folgen, da die damalige Einschätzung durch die Berichte von med.
pract
.
B._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
4.
August 2013 und
7.
Februar
2013 längst
überholt sei (
Urk.
1 S. 3 f.). Med.
pract
.
B._
diagnostiziere im Bericht vom 1
1.
Dezember 2014 eine psychische Störung mit Krankheitswert im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (
Urk.
1 S. 8). Sie gehe davon aus, dass es keine medizinischen Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsfä
higkeit des Beschwerdeführers gebe. Aufgrund der affektiven Erkrankung (rezidivierende Depression) in Kombination mit der Persönlichkeitsstörung sei er in der freien Wirtschaft, als gelernter Drucker wie auch in einer angepassten Tätigkeit, zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
1 S. 9). Dies decke sich auch mit dem Bericht der Arbeitgeberin
Z._
wo er in geschütztem Rahmen arbeite (
Urk.
1 S. 10).
Aufgrund der Aktenlage sei erwiesen, dass er schon seit mindestens Oktober 2012 arbeitsunfähig sei (Brief von med.
prac
t
.
B._
vom
7.
Februar 2013
[
Urk.
1 S. 11
]
).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.
3
Alkoholismus (wie auch Drogensucht und Medikamentenabhängigkeit) begrün
det für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird er invalidenversicherungsrechtlich erst relevant, wenn er eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychi
scher, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn er selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (Urteil des Bundesge
richts 8C_694/2008 vom 5. März 2009 E. 2). Dabei ist das ganze für die Alko
holsucht massgebende Ursachen- und Folgespektrum in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen, was impliziert, dass einer allfälligen Wechselwirkung zwischen Suchtmittelabhängigkeit und psychischer Begleiterkrankung Rechnung zu tra
gen ist (Urteile des Bundesgerichts I 758/01 vom 5. November 2002 E. 3.2, und I 390/01 vom 19. Juni 2002 E. 2b). Was die krankheitsbedingten Ursachen der Alkoholsucht betrifft, ist für die invalidenversicherungsrechtliche Relevanz der Abhängigkeit erforderlich, dass dem Alkoholismus eine ausreichend schwere und ihrer Natur nach für die Entwicklung einer Suchtkrankheit geeignete Gesundheitsstörung zugrunde liegt, welche zumindest eine erhebliche
Teilursa
che
der Alkoholsucht darstellt (Urteil des Bundesgerichts I 192/02 vom 23. Oktober 2002 E. 1.2.2 mit Hinweis); es genügt nicht, wenn es sich nur um eine ganz untergeordnete Teilursache handelt (nicht veröffentlichtes Urteil des Bundesgerichts I 130/93 vom 29. August 1994). Mit dem Erfordernis des
Krank
heitswerts
einer allfälligen verursachenden psychischen Krankheit wird ver
langt, dass diese die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit einschränkt (BGE 99 V 28
E. 2; Urteil des Bundesgerichts I 940/05 vom 10. März 2006 E. 2.2; erwähntes Urteil I 758/01 E. 3.1). Wenn der erforderliche Kausalzusammenhang zwischen Alkoholsucht und krankheitswertigem psychischem Gesundheitsschaden besteht, sind für die Frage der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit die psychi
schen und die suchtbedingten Beeinträchtigungen gesamthaft zu berücksichti
gen. Um diese Frage beantworten zu können, sind Verwaltung und Gericht auf möglichst detaillierte medizinische Auskünfte über die Verhältnisse zur Zeit der Entstehung der Alkoholsucht auf der einen und der allfälligen psychiatrischen Komorbidität auf der andern Seite sowie über den allfälligen ursächlichen Zusammenhang zwischen den beiden Aspekten angewiesen (vgl. zur Bedeutung medizinischer Auskünfte zur Bestimmung der Invalidität BGE 115 V 133 E. 2; BGE 124 V 265 E. 3c mit Hinweis, 99 V 28 E. 2; SVR 2001 IV Nr. 3 S. 7 E. 2b; AHI 2002 S. 30 E. 2a, 2001 S. 228 f. E. 2b mit Hinweisen; Urteile des Bundes
gerichts I 169/06 vom 8. August 2006 E. 2.2 und 4.2 mit Hinweisen und 8C_672/2010 vom 27. September 2010 E. 2).
2.4
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
beurteilen die RAD die medi
zinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmetho
den können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135
V
465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.5
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfah
rungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre
auftrags
rechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
2.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
3.
Die aktuelle medizinische Aktenlage präsentier
t sich im Wesentlichen folgender
massen
:
3
.1
Der Beschwerdeführer war vom 2
1.
Oktober bis zum
5.
Dezember 2011 in der
C._
, Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, hospitali
siert. Die behandelnden Ärzte stellten
in ihrem Bericht vom 1
3.
Dezember 2011
folgende Diagnosen (
Urk.
11/48 S. 4
ff.
):
Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol:
Abhängigkeitssyn
drom
: Gegenwärtig abstinent, aber in schützender Umgebung (ICD-10 F10.21)
Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak:
Abhängigkeitssyn
drom
: Mit ständigem Substanzgebrauch (ICD-10 F17.25)
Mittelgradige depressive Episode: ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.10)
Die Anamnese und der Befund spräche
n
beim Beschwerdeführer
für eine seit mehreren Jahren bestehende Abhängigkeitserkrankung von Alkohol, wobei die Kriterien
in Abgrenzung zu einem schädlichen Gebrauch wie starker
Konsum
wunsch
, verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, Beendigung und Menge des Konsums, Toleranzsteigerung, körperliche Entzugssymptome, Ver
nachlässigung anderer Interessen und anhaltender Substanzkonsum trotz Nachweis
schädlicher Folgen erfüllt seien
. Zusätzlich bestehe eine mittelgradige
depressive Episode mit gedrückter Stimmung, Antriebsminderung, Schuld- und Schamgefühlen sowie Konzentrationsstörungen. Die Abhängigkeitserkrankung und die affektive Störung würden sich gegenseitig ungünstig beeinflussen. Fehlende Strategien zur adäquaten Emotionsregulation könnten als aufrechter
haltender Faktor der Abhängigkeitserkrankung angesehen werden. Ausserdem habe der Tod der Mutter vor einem Jahr zu einer Verschlechterung des psychi
schen Zustands des Beschwerdeführers geführt. Als protektive Faktoren könnten die hohe
Behandlungscompliance
sowie die ausgeprägte Introspektionsfähigkeit des Beschwerdeführers gewertet werden (
Urk.
11/48 S. 4).
Im von der Beschwerdegegnerin eingeholten Arztbericht
vom 3
0.
Januar 2014 über die
Hospitalisation
vom 2
1.
Oktober bis zum
5.
Dezember 2011
hielten die Ärzte eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit für die Dauer des stationären Aufenthalts fest
(
Urk.
11/56)
. Im Zeitpunkt der Behandlung im Oktober 2011 sei der Beschwerdeführe
r
in der früheren Arbeit in einer Druckerei aufgrund
erheb
barer
Konzentrationsstörungen,
mnestische
r
Störungen
,
formale
r
und inhaltli
che
r
Denkstörungen, Antriebslosigkeit und Schlafstörungen eingeschränkt gewesen. Erschwerend
kämen
die Suchtproblematik mit Kontrollverlust über Beginn, Beendigung und Menge des Konsums
sowie die
Vernachlässigung anderer Interessen hinzu. Ob die bisherige Tätigkeit noch zumutbar sei, in wel
chem zeitlichen Rahmen und ob eine verminderte Leistungsfähigkeit bestehe,
könnten die Ärzte nicht beurteilen
. Hierfür verwiesen sie auf die
Nachbehandler
(
Urk.
11/56 S. 3). Gemäss der im Rahmen der stationären Behandlung im Okto
ber 2011 erhobenen Befunde sei er eingeschränkt gewesen im Konzentrations- und Auffassungsvermögen, sowie in der Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit (
Urk.
11/56 S.5).
3
.2
Vom 1
5.
Dezember 2011 bis zum 2
9.
Februar 2012 war der Beschwerdeführer in der
A._
in stationärer Behandlung. Die behandelnden Ärzte stellten
im Bericht vom 2
6.
April 2012
folgende Diagnosen (
Urk.
11/48 S.1):
Alkoholabhängigkeitssyndrom,
gegenwärtig
abstinent aber in beschützen
der Umgebung (ICD-10 F10.21)
Tabakabhängigkeitssyndrom, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10 F17.25)
Schädlicher Gebrauch von Cannabis (ICD-10 F12.1)
Schädlicher Gebrauch von Kokain (ICD-10 F14.1)
Rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig
remittiert (ICD-10 F33.4)
Die Behandlungsschwerpunkte
hätten
auf der Alkoholabhängigkeit, der
Emoti
onsregulierung
und der Arbeitstherapie
gelegen
. Der Beschwerdeführer
habe
psychisch stabilisiert den Übertritt ins halbstationäre Setting der Tagesklinik ins Auge fassen
können
. Die Arbeitsfähigkeit habe 0
%
betragen
(
Urk.
11/48 S. 2).
3.
3
Med.
prac
t
.
Y._
diagnostizierte in seinem Bericht vom
2
0.
Januar 2014
eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig
leichte Episode
(ICD-10 F33.0) mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
11/49 S. 4)
. Als o
hne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit notierte er eine Alkoholabhängigkeit, derzeit abstinent (ICD-10 F10.20) sowie ein
en
Status nach schädlichem Gebrauch von Kokain und Cannabis (ICD-10 F14.1 und ICD-10 F12.1). Die von med.
pract
.
B._
geschilderten Symptome (rasche Ermüdung, kognitive Leistungsfä
higkeit redu
ziert, Reizbarkeit
) hätten bei seiner Untersuchung nicht mehr festgestellt werden können. Der Gesundheitszustand scheine sich gebessert zu haben. Die von med.
pract
.
B._
postulierte Beschäftigung in einem geschützten Bereich ent
spreche nicht dem
jetzigen Gesundheitszustand. Der jetzige Gesundheitszustand entspreche weitgehend der diagnostischen Einschätzung der
A._
, die im Bericht vom 2
6.
April 2012 eine gegenwärtig remittiert
e depressive Störung festgestellt habe. Im
Bericht der
C._
vom 1
3.
Dezember 2011
hätten die Ärzte
von einem episod
isch
en Alkoholkonsum seit 1990
berichtet
. Da keine vorangegangene gravierende psychische Erkrankung bekannt sei, handle es sich um eine primäre Alkoholabhängigkeit. Ein anhaltender Folgeschaden des Alko
hols liege nicht vor. Die sozialen Probleme (wiederholt geschieden, Schulden) seien IV-fremd. Es bestünden keine Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
11/48
S.
5).
In Bezug auf
eine Arbeitstätigkeit
(
sowohl
angepasst als auch als
Mitarbeiter im technischen Dienst
)
sei er dahingehend eingeschränkt, dass er keine Tätigkeiten mit beruflichem Alkoholkontakt ausüben könne (
Urk.
11/49 S. 5).
3.
4
Med.
pract
.
B._
notierte in ihrem
von der
Rechtsbeiständin
des Beschwerdeführers eingeholten
Bericht vom 1
1.
März 2014 folgende Diagnosen
(
Urk.
11/62 S.2)
:
Rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33)
Anamnestisch seit ca. 2002 bestehend
Mit dokumentierter erster schwerer depressiver Episode 2005/2006 (erste stationäre psychiatrische Behandlung)
Zwischenzeitlich wiederkehrende Phasen von depressiver
Stimmungs
lage
, besonders im Jahr 2011
Ab Sommer 2012 nach Entlassung aus mehrmonatiger stationärer und teilstationärer psychiatrischer Behandlung nochmalige Verstär
kung der depressiven Symptomatik, im Herbst 2012 mittelgradige depressive Episode, ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F33.10)
Seither wechselhafter Verlauf, ohne vollständige Remission, auch unter intensivierter Therapie und konsequenter medikamentöser
anti
depressiver
Behandlung
Bei akzentuierten Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1), emotional-insta
bile und zwanghafte Anteile, Impulsivität
Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F10.20)
Abstinenz dokumentiert seit Oktober 2011, mit Beginn stationärer suchtspezifischer Behandlung
Tabakabhängigkeit, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10 F17.25)
Status nach schädlichem Gebrauch von Cannabis und Kokain (ICD-10 F12.1; ICD-10 F14.1)
Deutlich spürbar sei
en
die depressive Stimmung und der Verlust von Interesse und Freude
;
er sei affektiv vermindert schwingungsfähig. Das Denken sei formal eingeengt auf negativ erlebte Aspekte des Lebens, Gedankenkreisen, Grübeln. Er sei pessimistisch, habe ein Gefühl der Sinnlosigkeit, Insuffizienzgefühle und innere Anspannung, Unruhe und Nervosität. Er sei
logorrhoisch
und könne sich nur begrenzt auf ein Thema konzentrieren. Der Antrieb sei vermindert, es
lägen
erhöhte Ermüdbarkeit, sozialer Rückzug und Schlafstörungen, welche unter Medikation mehrheitlich behandelt seien, vor. Der Schlaf-Wach-Rhythmus sei nach hinten verschoben. Keine Suizidalität. Der Appetit sei nicht beeinträchtigt, die Libido sei vermindert (
Urk.
11/62 S. 2).
Es liege eine psychische Störung mit Krankheitswert im Sinne der
bundesgerichtli
chen
Rechtsprechung vor, nämlich
eine
affektive Erkrankung,
in der Form einer
rezidivierende
n
depressive
n
Störung (ICD-10 F33)
,
gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.10). Es handle sich dabei um eine eigenständige Erkrankung, die nicht als blosse Folge der ebenfalls bekannten Alkoholabhängigkeitserkrankung zu sehen sei, auch wenn sich der klare Beginn der affektiven Erkrankung nach so vielen Jahren nicht mehr belegen lasse (nach Angaben des Beschwerdeführers ca. 2002). Bekannt seien hingegen Faktoren, welche die affektive Erkrankung
begünstigt haben dürften (belastende Erfah
rungen in der Kindheit und Jugend, Persönlichkeitsentwicklung, Migration, positive Familienanamnese betreffend affektiver Erkrankungen) oder wahr
scheinlich Ausdruck derselben
gewesen seien
(„Knick“ im Lebenslauf, zum Bei
spiel zunehmend prekäre Arbeitssituation ab ca. 2001; zunehmende soziale Isolation [
Urk.
11/62 S. 2]).
Es könne vom Beschwerdeführer auch bei geeigneter therapeutischer Behand
lung willensmässig
- selbst in einer angepassten Tätigkeit -
nicht erwartet wer
den, auf dem ersten Arbeitsmarkt zu arbeiten
.
Denkbar sei zurzeit einzig eine Tätigkeit im geschützten Bereich zu einem reduzierten Pensum, in einer spezia
lisierten Einrichtung für Menschen mit psychischen Störungen, wo besser auf die besonderen Bedür
fnisse eingegangen werden könne
und trotzdem eine gere
gelte Tagesstruktur aufgebaut werden könnte. Er habe sich in den vergangenen Monaten trotz innerer Widerstände um eine solche Anstellung bemüht un
d habe Kontakt zur Institution
Z._
(
Urk.
11/62
S.
3).
In den vergangenen Jahren bis zum Herbst 2012 habe er sich
,
abgesehen von kurzen
Temporäranstellungen
,
immer wieder in Arbeitseinsätzen und
Beschäfti
gungsprogrammen
auf dem
sekundären Arbeitsmarkt
befunden. Trotz hoher Arbeitsmotivation und guter Arbeitsleistung zu Beginn habe er keine Konstanz entwickeln können. Selbst in der vergleichsweise ruhigen Phase 2009 bis 2010, während der er sein Alkoholprob
lem besser im Griff gehabt
und ein mehrmona
tiges Beschäftigungsprogramm absolviert habe, sei es bedingt durch die affek
tive Erkrankung zu Erschöpfung und zu wiederholten Arbeitsausfällen gekom
men. Diese negativen Erfahrungen hätten zu einem Gefühl der Sinnlosigkeit geführt.
Er weise eine stark reduzierte psychische Belastbarkeit auf. Er habe Mühe, eigene Bedürfnisse zu erkennen und adäquat mitzuteilen. Angespanntheit und Reizbarkeit würden den Kontakt zu anderen Menschen erschweren. Er tendiere zu impulsiven, überschiessenden Verhaltensweisen und ziehe sich zurück (depressive
Kontakstörung
). In den vergangenen Jahren sei es zu einer zuneh
menden sozialen Isolation und Vereinsamung gekommen. Sein Verhalten wirke
chronifiziert
und wenig flexibel. Das heisse nicht, dass er sich in einzelnen Momenten nicht angepasst verhalten könne und vielleicht unauffällig erschei
nen möge. Es reiche aber nicht, um Beziehungen, sei es im privaten Rahmen oder an einem Arbei
tsplatz, längerfristig aufrechtzu
erhalten oder als befriedi
gend erleben zu können. Noch komplexere Bedingungen, wie z.B. Arbeit in einem Team
,
würden ihn momentan überfordern. Zudem bestünde das Risiko, dass eine übermässige Belastung den Verlauf der affektiven Grunderkrankung negativ beeinflussen könnte (
Urk.
11/62 S. 3).
Die depressive Antriebsstörung (siehe Schilderung des Beschwerdeführers zum Tagesablauf), raschere Ermüdung und kognitive Probleme (sei es durch die depressive Erkrankung, störende Begleiterscheinungen der dämpfenden Medi
kamente oder fehlendes Training) würden sich zusätzlich störend auf eine
Tätigkeit auswirken. Je nachdem könnten auch Probleme mit der Sicherheit auftreten (z.B. Bedienen von Fahrzeugen, Maschinen [
Urk.
11/62 S. 3
]
).
4.
Aus den angeführten ärztlichen Beurteilungen l
ässt
sich der Gesundheitszustand des Beschwer
deführers und insbesondere dessen
Auswirkungen auf
die
Arbeitsfähigkeit im Rahmen der Neuanmeldung nur ungenügend beurteilen.
4.1
Die Ärzte der
C._
äusserten sich in ihren Berichten
(E. 3.1
) lediglich bezüg
lich des Gesundheitszustandes sowie der daraus resultierenden Arbeitsunfähig
keit während des stationären Aufenthalts vom 2
1.
Oktober bis zum
5.
Dezember 201
1.
Eine darüber hinausgehende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gaben sie nicht ab, auch verwiesen sie für die prognostische Beurteilung auf die nachbe
handelnden Ärzte und hielten ausdrücklich fest, dass sie vom weiteren Verlauf der psychischen Erkrankung sowie der Therapien ab 2011 nicht informiert seien (
Urk.
11/56 S. 3). Gestützt auf den Bericht der
C._
-Ärzte
lässt sich demnach eine allfällige andauernde Gesundheitseinschränkung nicht beurteilen.
4.2
Die behandelnden Ärzte der
A._
notierten im Schlussb
ericht vom
26.
April 2012 (E. 3.2
) eine Arbeitsfähigkeit vo
n 0
%
. Er werde im Anschluss
teilstationär behandelt. Eine ausführliche Darstellung der konkreten Beeinträch
tigungen der Arbeitsfähigkeit sowie eine Angabe zur Dauer
der attestierten Arbeitsunfähigkeit
fehlen. Ob diese Angabe auch noch nach Übertritt in die teilstationäre Behandlung galt oder nicht
,
bzw. wie sich eine allfällige gesund
heitliche Einschränkung konkret auswirkt
e
, k
ann nicht nachvollzogen werden. Eine längerfristig
e
Beurteilung ist demnach gestützt auf diesen Bericht ohnehin nicht möglich.
4.3
Med.
pract
.
B._
behandelt den Beschwerdeführer bereits seit
2007 (
Urk.
11/42). Auf ihre Arztberichte kann unter Hinweis auf die Erfahrungstatsa
che,
dass
behandelnde Arztpersonen im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pati
entinnen und Patienten aussagen, nic
ht abgestellt werden (vgl. E. 2.5
).
4.4
Med.
pract
.
Y._
notierte, dass im Bericht der Ärzte der
C._
vom 1
3.
Dezember 2011 (
Urk.
11/56 S. 8) von einem episodischen Konsum seit 1990 berichtet werde. Da keine vorangegangene gravierende psychische Erkrankung bekannt sei, handle es sich um eine primäre Alkoholabhängigkeit. Ein anhal
tender Folgeschaden des Alkohols liege nicht vor (
Urk.
11/49 S. 5).
Die Ärzte der
C._
hielten im Bericht vom 3
0.
Januar 2014 fest, dass der Beschwerdeführer sich seit 2004 in ambulanter psychiatrischer und psychothe
rapeutischer Behandlung befinde. Er sei ausserdem ab 2005 mehrfach in der
C._
wegen Depressionen (2005 und 2006) und wegen Alkohol und Depressi
onen (2006 und 2011) stationär behandelt worden (
Urk.
11/56 S. 2; vgl.
Urk.
11/56 S. 8).
Die erstmaligen stationären Behandlungen erfolgten
demnach wegen
Depressionen, nicht aufgrund einer Alkoholsucht. Daran ändert der
epi
sodische
Konsum von Alkohol seit 1990 nichts, ist damit
- entgegen den Aus
führungen von med.
pract
.
Y._
-
nicht zweifelsfrei eine
Alkoholsucht erstellt. Es bestehen entsprechend Zweifel, ob es sich - wie von med.
pract
.
Y._
fest
gehalten - um eine primäre Alkoholsucht handelt.
Des We
iteren hielt med.
pract
.
Y._
dafür, dass die rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit habe. Versicherungspsychiatrisch beurteilte er sie
hingegen
ohne nähere Begründung als Diagnose ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Dies kann - ohne weitergehende
Erklärung - nicht zweifelsfrei nachvollzogen werden.
Damit bestehen Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit des Untersu
chungsberichts von med.
pract
.
Y._
, womit nicht darauf abgestellt werden kann (
vgl. E. 2.4
).
4.5
Die Sache ist demnach an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (E. 2.
6
), damit sie den
psychischen
Gesundheitszustan
d des Beschwerdeführers im Rah
men eines medizinischen Gutachtens abklärt
. Der Gutachter hat insbesondere Stellung zu nehmen, ob das Alkoholabhängigkeitssyndrom
eine Krankheit bewirkt hat, in deren Folge ein die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder
ob das Alkoholabhängigkeitssyndrom
selber Folge eines Gesundheitsschadens
ist, dem Krankheitswert zukommt. H
er
nach
hat die Beschwerdegegnerin
neu über einen allfällig
en Leistungsanspruch zu entscheiden
. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die
Verwal-tung
zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) unter Berücksichti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
2‘
1
00
.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche
Rechtsvertre
tung
vom
5.
Januar 2015 (
Urk.
1) erweist sich damit als gegenstandslos.