Decision ID: 1fe29f09-7ef4-5540-9a45-8ccb39930c71
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1969, arbeitete seit Oktober 1999 als Pfle
gefachfrau und Ausbildnerin in einem 85%-Pensum am
A._
und war als solche bei der AXA Versicherungen AG (nachfolgend: AXA) obligatorisch
gegen Unfälle versichert. In der Unfallmeldung vom 17. (Urk. 10/A2) beziehungsweise 19. Dezember 2012 (Urk. 10/A1) an die AXA hielt sie fest, sie sei von September 2011 bis November 2012 mehrmals von ihrem Ehemann verbal bedroht und am 6. November 2012 während den Ferien in
B._
auch geschlagen, getreten und gewürgt worden
.
Die AXA erbrachte zunächst Versicherungsleistungen.
Nach Beizug der Akten der Kantonspolizei Zürich zu den Vorfällen (vgl. Urk. 10/P1-6), der Einvernahmeprotokolle der Staatsanwaltschaft (vgl. Urk. 10/P7-8) sowie nach getätigten medizinischen Abklärungen
(Urk. 10/M1-6)
hinsichtlich der geltend gemachten psychischen Beschwerden
,
verneinte die AXA mit Verfügung vom 14. November 2013 eine Leistungspflicht im
Zusammenhang mit den
von der Versicherten geschilderten Ereignissen
, wobei sie auf eine Rückforderung der
bislang
ausgerichteten Leis
tungen verzichtete
(Urk. 10/A23).
Daran hielt sie, nach erfolgter Einsprache der Versicherten (Urk. 10/A30)
,
mit Einspracheentscheid vom 27. März 2014 fest (Urk. 10/A34 = Urk. 2).
Mit Urteil des Bezirksgerichts
C._
vom 7. April 2014 wurde der Ehemann der Versicherten der mehrfachen Drohung sowie der Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte zu einer Freiheitsstrafe von 21 Mo
naten mit Anordnung einer stationären therapeutischen Massnahme verurteilt (Urk. 3/5).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 27. März 2014 (Urk. 2) erhob die Versi
cher
te am 28. April 2014 Beschwerde und beantragte, es seien ihr die versicher
ten Leis
tungen gemäss Bundesgesetz über die Unfallversicherung (
U
VG), insbe
sondere die Kosten für die Heilbehandlung und Taggelder
,
weiterhin
auszurichten. Eventuell
seien ihr nach Erlangen des medizinischen Endzustandes eine angemessene Rente und Integritätsentschädigung zuzusprechen beziehungsweise sei ein psy
chiatrisches Gutachten zu erstellen (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 4. September 2014 beantragte die AXA die Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 9)
.
Replicando (Urk. 12) und duplicando (Urk. 15) hielten die Parteien an ihren Anträ
gen fest.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 6 Abs. 1 UVG wer
den die Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen, Nichtberufsun
fällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes be
stimmt. Als Unfall gilt laut Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi
gende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli
chen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.2
Rechtsprechung und Lehre haben schreckbedingte plötzliche Einflüsse auf die Psyche seit jeher als Einwirkung auf den menschlichen Körper (im Sinne des geltenden Unfallbegriffes) anerkannt und für ihre unfallversicherungsrechtliche Behandlung besondere Regeln entwickelt. Danach setzt die Annahme eines Unfalles voraus, dass es sich um ein aussergewöhnliches Schreckereignis, ver
bunden mit einem entsprechenden psychischen Schock, handelt; die seelische Einwirkung muss durch einen gewaltsamen, in der unmittelbaren Gegenwart des Versicherten sich abspielenden Vorfall ausgelöst werden und in ihrer über
raschenden Heftigkeit geeignet sein, auch bei einem gesunden Menschen durch Störung des seelischen Gleichgewichts typische Angst- und Schreckwirkungen (wie Lähmungen, Herzschlag etc.) hervorzurufen. Das frühere Eidgenössische Versicherungsgericht, heute Bundesgericht, hat diese Rechtsprechung wiederholt bestätigt und dahingehend präzisiert, dass auch bei Schreckereignissen nicht nur die Reaktion eines (psychisch) gesunden Menschen als Vergleichsgrösse dienen kann, sondern in diesem Zusammenhang ebenfalls auf eine „weite Bandbreite" von Versicherten abzustellen ist. Zugleich hat es dabei relativie
rend, unter Bezugnahme auf den massgeblichen Unfallbegriff, betont, dass sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit definitionsgemäss nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber bezieht, weshalb nicht von Belang sein könne, wenn der äussere Faktor allenfalls schwerwie
gende, unerwartete Folgen nach sich zog. An den Beweis der Tatsachen, die das Schreckereignis ausgelöst haben, an die Aussergewöhnlichkeit dieses Ereignisses sowie den entsprechenden psychischen Schock sind strenge Anforderungen zu stellen (Urteil des Bundesgerichts 8C_376/2013 vom 9. Oktober 2013 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen).
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht
werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die allei
nige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereig
nis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammen
hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglich
keit eines Zusammen
hangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Die weiter vorausgesetzte Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen einem Schreckereignis ohne körperliche Verletzungen und den nachfolgend aufgetre
tenen psychischen Störungen beurteilt sich nach der allgemeinen Formel (gewöhnlicher Lauf der Dinge und allgemeine Lebenserfahrung). Diese Recht
sprechung trägt der Tatsache Rechnun
g, dass bei Schreckereignissen -
anders als im Rahmen üblicher Unfälle - die psychische Stresssituation im Vordergrund steht, wogegen dem somatischen Geschehen keine (entscheidende) Bedeutung beigemessen werden kann.
An den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen psychischen Beschwerden und so genannten Schreckereignissen werden - im Hinblick auf ihre schwere Kontrollierbarkeit - hohe Anforderungen gestellt. Nach der Rechtsprechung besteht die übliche und einigermassen typische Reaktion auf solche Ereignisse erfahrungsgemäss darin, dass zwar eine Traumatisierung stattfindet, diese aber vom Opfer in aller Regel innerhalb einiger Wochen oder Monate überwunden wird (Urteil des Bundesgerichts 8C_653/2007 vom 28. März 2008 E. 2.4 und 2.5 mit weiteren Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerde
gegnerin
begründete den angefochtenen Einspracheent
scheid im Wesentlichen damit, das
s die in der Schadenanzeige mit dem genannten Unfall
datum 20. September 2011 aufgelisteten folgenden Ereignisse bis zum
19. Novem
ber 2012 die Anforderungen an ein aussergewöhnliches Schreckereignis nicht erfüllen wür
den
. Die psychischen Probleme ihres Ehe
mannes seien der Beschwerdeführerin schon seit Jahren bekannt gewesen; dieser habe immer wieder eifersüchtig und aggressiv reagiert. Ausser dem Ereignis vom
6.
November 2012, dem eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abgesprochen werde, sei keiner der Vorfälle so imponierend gewesen, dass er die Anforderun
gen an ein aussergewöhnliches Schreckereignis erfüllt hätte. Damit fehle es am Unfallbegriff. Die für die Beschwerdeführerin als bedrohlich empfundene Situa
tion habe über einen län
geren Zeitraum hinweg in unterschiedlicher Intensität bestanden. Es handle sich somit nicht um ein einzelnes Ereignis (
Urk.
2 S. 3). Im Anschluss an das Ereig
nis vom
6.
November 2012 habe die Beschwerdeführerin noch keine Anzeige bei der Polizei
von B._
erstattet und keine Unter
stützung bei ihrer Familie, die ebenfalls vor Ort gewesen sei, gesucht. Eine ärzt
liche Behandlung der fotografisch dokumen
tierten Schürfungen im Gesicht sei nicht erfolgt. Die Beschwer
deführerin habe sich erst am
6.
Dezember 2012 in psychiatrische Behandlung begeben und eine Arbeitsunfähigkeit sei erst ab dem 1
5.
Januar 2013 attestiert. Dabei sei eine posttraumatische Belastungsstörung nach mehr
maligen, sich über einen läng
eren Zeitraum erstreckenden physischen und psy
chischen Gewalt
anwen
dungen diagnostiziert worden, was dafür spre
che, dass die Störung nicht einem einzelnen Ereignis zuzuordnen sei (S. 4).
Weiter sei nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin am
6.
Novem
ber 2012 vergewaltigt worden sei, da sie weder in der Unfallmeldung noch anlässlich der Befragung durch die Strafverfolgungsbehörden entspre
chende Angaben gemacht habe. Ebenso wenig sei ihr Ehemann wegen Verge
waltigung verurteilt worden (
Urk.
9 S. 7). Selbst wenn man die Unfallqualität des Ereig
nisses vom
6.
November 2012 anerkennen wolle, sei doch nicht mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, dass die im Januar 2013 diagnosti
zierte posttraumatische Belastungsstörung durch das an jenem Tag Erlebte natürlich kausal verursacht worden sei. Die grosse bereits bestehende Belastung sei auch ohne diesen Vorfall geeignet gewesen, bei der Beschwerde
führerin eine posttraumatische Belastungsstörung hervorzurufen. Auch beziehe sich die Unfallmeldung auf mehrere Ereignisse. Der behandelnde Psychiater beschreibe das fragliche Ereignis lediglich als „endgültige Eskalation“ (S. 8). Die adäquate Kausalität sei aus näher dargelegten Gründen nicht gegeben; insbe
sondere sei ein akut ausgelöster Schock fraglich: Die Beschwerdeführerin sei nach dem Vorfall in
B._
in der Lage gewesen, ihren Ehemann durch Zure
den zu beruhigen, so dass er ihre Fesseln löste und sie freiliess. Während er einen Joint geraucht habe, habe sie telefonisch ihre Mutter und Tochter beru
higt, welche
bereits befürchtet hätten, der Ehemann würde ihr etwas antun. Sie habe sich gegenüber ihrem Ehemann verhalten, als ob nichts geschehen wäre, habe ein
gewilligt, mit ihm zu schlafen, habe im Bungalow Lebensmittel zusam
menge
packt und die Schrammen im Gesicht mit Make-up verdeckt, um sie vor ihrer Familie zu verbergen. Unter diesen Umständen sei nicht davon auszuge
hen, dass sie unter Schock gestanden habe. Dies gelte auch für die Heimreise in die Schweiz und die folgenden Tage, als sie eine Anzeige geplant habe. Spätes
tens im Zeitpunkt der Leistungseinstellung ab November 2013 habe kein adä
quater Kausalzusammenhang zwischen dem als Unfall gemeldeten Vorfall vom
6.
Novem
ber 2012 und der darüber hinaus anhaltenden gesundheitlichen Beeinträchtigung mehr bestanden (S. 10 unten f.).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, das Ereignis vom 6. November 2012 habe
eigenständigen
Unfallcharakter, zumal die Beschwerdegegnerin
hierfür auch Leistungen erbracht und dieser Vorfall
alleine
die PTBS ausgelöst habe. Ferner seien der natürliche und kausale Zusammen
hang erfüllt
:
Ihr Ehemann habe sie am
6.
November 2012 in den Ferien in
B._
in einen im Voraus gemieteten Bungalow gelockt und geschlagen, gewürgt und mit Kabelbindern an Händen und Füssen gefesselt. Er habe ihr dann gesagt, dass sie sich per Videobotschaft von den Kindern verabschieden könne, bevor er sie töten würde. Sie habe Panik und Todesangst gehabt; die Tortur habe dreieinhalb Stunden gedauert. Sie habe im Gesicht geblutet und Schürfungen erlitten. Erst nach langem Zureden habe sich ihr Ehemann ent
spannt und die Fesseln durchtrennt. Anschliessend habe er Geschlechtsverkehr gewollt, was sie entgegen ihrem Willen habe geschehen lassen, weil sie immer noch unter Todesangst gelitten habe und nicht nochmals einen Anfall habe ris
kieren wollen. Sie habe sich am 2
0.
November 2012 zu einer Anzeige ent
schliessen können. Ihr Psychiater habe sie nach Ablauf ihres Mutterschaftsur
laubs ab dem 1
5.
Januar 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig geschrieben; ansonsten sie unmittelbar an die erste Konsultation am
6.
Dezember 2012 voll arbeitsun
fähig geschrieben worden wäre (
Urk.
1 S. 5). Da die Haupttaten ihres Eheman
nes wie Freiheitsberaubung, Vergewaltigung und einfache Körperverletzung in
B._
verübt worden seien, hätten sie bei der Urteilsfällung nicht berück
sichtigt werden können (S. 7). Weiter treffe es nicht zu, dass sie dem Beischlaf zugestimmt habe (
Urk.
12 S. 3 unten, S. 7).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob
das Ereignis vom 6. November 2012 ein Schreck
er
eignis im Sinne der Rechtsprechung darstellt und ob
die psychischen Beschwer
den
zu diesem Ereignis
adäquat kau
sal sind (vgl. vorstehend E. 1.3 f.
). Rechtsprechungsgemäss kann der Unfallversicherer trotz vorheriger Ausrich
tung von Heilbehandlung und Taggeld ohne Berufung auf einen Wiedererwä
gungs- oder Revisionsgrund die Adäquanz verneinen und gestützt hierauf die Leistungen „ex nunc et pro futuro“ einstellen (BGE 130 V 380 E. 2.3.1).
Unbestritten und auch in Replik und Duplik nicht mehr erwähnt ist die Tatsa
che, dass die übrigen geschilderten Ereignisse
vom 20. September, 6. Oktober 2011, 26. Juni und Ende September 2012 (vgl. Urk. 10/A2)
für sich alleine
kei
nen Unfall im Sinne des gesetzlichen Unfallbegriffs
gemäss Art. 4 ATSG
dar
stellen, für dessen gesundheitliche Folgen die Beschwerdegegnerin grundsätz
lich leistungspflichtig
wäre
.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin schilderte die Ereignisse vom
6.
November 2012 am 2
0.
November 2012 gegenüber der Kantonspolizei Zürich wie folgt (
Urk.
10/P1 S. 4 ff.): Sie seien gemeinsam mit der Familie in
B._
in den Ferien gewe
sen. Ihr Ehemann habe an diesem Abend gewollt, dass sie ohne ihre Tochter mit ihm in das andere Dorf fahre, um Würstchen zu kaufen. Dies sei ihr komisch vorgekommen, weshalb sie die Tochter habe mitnehmen wollen. Er habe jedoch mit ihr allein sein wollen. Also habe sie sich gefügt. Etwa 30 km entfernt sei er in eine Ferienanlage abgebogen. Als er die Fernbedienung für das Eingangstor hervorgezogen habe, sei ihr bewusst worden, dass er etwas im Schilde führte. Er sei am Vormittag bereits lange unterwegs gewesen und habe den Laptop und die Fotokamera mitgenommen. Er habe gesagt, dass er nur Spass haben und mit ihr allein sein wolle. Er habe ein Haus mit einem mitgebrachten Schlüssel geöffnet und sie im Flur mit beiden Händen ins Gesicht geschlagen. Dies mehr
mals, sie habe beide Hände vor dem Kopf gehalten während er sie weiter geschlagen habe. Er habe sie in ein Schlafzimmer gestossen und an ihrem Halstuch gezogen, habe es immer wieder zugezogen. Sie habe nur noch schreien können und habe ein paar Sekunden Mühe gehabt, Luft zu bekommen und es sei ihr kurzfristig schwindlig geworden. Sie habe nur noch an ihre Kinder den
ken können. Er habe bereits Kabelbinder bereit gelegt gehabt und ihre Hände und Füsse gefesselt. Sie habe ihn angefleht und geschrien; leider habe sie nie
mand hören können. Es sei dunkel gewesen und es sei ihr vorgekommen, als ob er das äusserste, abgelegenste Haus gemietet hätte. Die ganze Zeit sei der Fern
seher sehr laut an gewesen, es sei ihr vorgekommen wie im Krimi, damit nie
mand ihre Schreie hörte. Er habe den Laptop und die Kamera installiert gehabt und gesagt, bevor Du stirbst, kauen wir das ganze Programm durch. Damit habe er Beweise gemeint, die er gegen sie gesammelt habe. Er habe sie bereits im Mai umbringen wollen, weil sie ihrer Schwester telefoniert und ihr gesagt habe, sie müsse zur Polizei gehen, wenn ihr Mann so weitermache. Da sie diesen Anruf
von einer Telefonzelle an ihrem Arbeitsplatz aus getätigt habe, müsse sie davon ausgehen, dass er sie abgehört habe; er habe ihr einen selbstgebastelten Schlüsselanhänger geschenkt, in dem sie ein Mikrofon vermute. Er habe ihr auf dem Laptop dieses Gespräch vorgespielt und ihr Filme gezeigt, wo sie bei ihrer Arbeit im Spital zu sehen gewesen sei. Sie habe Panik und Todesangst gehabt, habe aber versucht, ruhig zu bleiben und habe auf ihn eingeredet. Er habe ihr auch Filme gezeigt, wo sie beide beim Geschlechtsverkehr zu sehen gewesen seien und die er ohne ihr Wissen aufgenommen habe. Er habe ihr gedroht, diese Filme zu veröffentlichen, wenn sie zur Polizei gehe oder tot sei. Er habe sie an den Haaren gerissen. Ihr Ohrring müsse durch die vielen Schläge zu Boden gefallen sein. Das Ganze habe etwa drei Stunden gedauert. Er habe die Kamera vor ihr Gesicht gehalten und gesagt, sie könne sich nun von den Kindern ver
abschieden. Dann hätte er sie und sich selbst umbringen können; er sagte, dass er dies ohne Schmerzen machen könne. Sie habe ihn durch Zureden dazu brin
gen können, nichts zu machen. Er habe ihr nach langer Zeit Wasser gebracht und mit einer Zange die Kabelbinder durchtrennt. Danach sei er vor die Haus
türe getreten und habe einen Joint geraucht. Plötzlich sei er wieder wie ein anderer Mensch gewesen und habe sich um sie gekümmert. Er habe noch blei
ben wollen. Sie hätten Geschlechtsverkehr gehabt; sie habe einfach alles mit
gemacht, wie wenn es ihr gut gehen würde. Sie habe sich nicht gewehrt und ihm gezeigt, dass sie es auch wolle, damit er sie in Ruhe lasse und nicht erneut ausraste. Sie habe ihn auch überreden können, die Handys wieder einzuschal
ten. Sie habe ihre Mutter angerufen und sich nach den Kindern erkundigt. Sie habe nach einer Ausrede gesucht, um ihre Tochter zu beruhigen. Sie habe ihren Mann noch gefragt, was sie wegen ihrer Verletzung an der Nase und dem blauen Fleck am rechten Auge tun solle. Sie seien etwa zwischen 23 und 23:30 Uhr wieder daheim gewesen, sie habe viel Make-up aufgelegt, bevor sie zu ihrer Mutter ins Wohnzimmer gegangen sei. Ihre Mutter habe nichts gesagt, weil sie auch Angst vor dem Ehemann habe. Sie habe ihre Familie gebeten, nichts zu tun, da er sie abhöre. Seit diesem Vorfall schlafe sie kaum und habe Alpträume. Sie fürchte seit einem Jahr, er könne ihr etwas antun. Sie habe nicht gleich nach den Ferien zur Polizei gehen können, da er immer zu Hause sei.
Seitens der Kantonspolizei wurde festgehalten, dass, auch wenn diese Tat im Ausland begangen worden sei, die Hervorhebung der Details wichtig sei, da das Verhalten des Beschuldigten anlässlich des Vorfalls in
B._
die unheimliche kriminelle Energie und grosse Gewaltanwendung zeige (
Urk.
10/P6a S. 8 un
ten f.). Es sei unschwer zu erkennen, dass die Beschwerdeführerin durch ihren gewalttätigen Ehemann einem enorm grossen psychischen Druck ausgesetzt sei. Auch die ältere Tochter sei als total verstört und weinend wahrgenommen wor
den. Während der Anzeigenerstattung und protokollarischen Befragung hätten sich bei beiden heftige Angstzustände gezeigt. Dies habe soweit geführt, dass sie unter allen Umständen wollten, dass die Polizeistation abgeschlossen sei, damit der Beschuldigte sie nicht betreten könne. Auch habe die Beschwerdeführerin während der Befragung die Rolläden herunter gelassen, damit der Beschuldigte sie nicht finden kann. Während der protokollarischen Befragung habe sich die Tochter, welche im Vorraum gewartet habe, mehrfach übergeben müssen. Die kleinsten Geräusche hätten die beiden in Aufregung versetzt. Aufgrund dieses Verhaltens könne nur erahnt werden, unter welchem Druck und in welcher Angst die beiden stünden.
3.2
Die therapeutische Behandlung erfolgte in der psychotherapeutischen Praxisge
meinschaft
P._
durch Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Fachpsychologe lic. phil.
E._
.
Der Fachpsychologe berichtete am 21. Januar 2013 (Urk. 10/M1) der Beschwer
de
gegnerin, dass die Beschwerdeführerin auf Empfehlung der
Opferhilfe
O._
erstmals am 6.
Dezember 2012
psychiatrische Hilfe aufgesucht habe. Dabei sei diagnostisch noch unklar, ob eine
PTBS
(ICD-10 F43.1) oder eine Anpassungs
störung (ICD-10 F43.22, Angst und depressive Reaktion gemischt) vorl
iege. Von Dr.
D._
sei die Beschwerdeführerin
ab dem 15. Januar 2013 für vorerst drei Wochen krankgeschrieben (S. 1).
Dr.
D._
diagnostizierte am
5.
Februar 2013 (
Urk.
10/M2) eine posttraumatische Belastungsstörung, wobei er als Unfallda
tum den 2
0.
September 2011 nannte. Die Beschwerdeführerin sei ab 1
5.
Januar 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig.
Im Rahmen von Eheschutzmassnahmen präzisierte
auch
der Fachpsychologe
E._
mit Schreiben vom 18. Februar 2013 (Urk. 10/M3) die Diagnose, als er aufgrund der mehrmaligen, sich über einen längeren Zeitraum erstreckenden psychischen und physischen Gewaltanwendungen eine PTBS (ICD-10 F43.1) diagnostizierte, bei der Beschwerdeführerin als Folgeerscheinungen massive Ängste, Selbstunsicherheit, depressive Verstimmungszustände, Antriebslosigkeit, vegetative Störungen nannte und von direkten Konfrontationen mit ihrem Ehemann abriet (S. 1).
Auf Anfrage der Beschwerdegegnerin führte lic. phil.
E._
mit Bericht vom 10. Juni 2013 (Urk. 10/M4) aus, bislang sei es zu insgesamt zehn psychothera
peutischen Behandlungen gekommen. Von Dr.
D._
erhalte sie Cipralex. Der Beschwerdeführerin gehe es deutlich besser. Sie habe ihre frühere Arbeitstätig
keit als Pflegefachfrau wieder teilzeitlich aufnehmen können (40%-Pensum seit 22. April 2013). Die nach wie vor ungewisse Entwicklung des hängigen Straf
verfahrens gegen ihren Ehemann verunsichere sie jedoch immer wieder. Ihre
weitere psychische Entwicklung hänge sehr stark vom weiteren Verlauf dieses juristischen Verfahrens ab. Die Beschwerdeführerin habe ein Trennungsbegeh
ren eingereicht und im März 2013 sei es zur Verhandlung vor dem Bezirksge
richt
C._
gekommen. Er gehe davon aus, dass die psychotherapeutische Betreuung für vorerst ein halbes Jahr weiterzuführen sei. Insgesamt beurteile er die Prognose als günstig (S. 1 f.).
Lic. phil.
E._
hielt fest, der Ehemann der Beschwerdeführerin habe sie und ihre Familie schon länger an Leib und Leben bedroht. Ab Herbst 2011 hätten diese Bedrohungen immer massivere Ausmasse angenommen. Im November 2012 sei es dann bei einem Ferienaufenthalt in
B._
zur endgültigen Eskalation gekommen (S. 2).
Am 1. Juli 2013 bestätigte auch Dr.
D._
(gemeinsam mit lic. phil.
E._
)
, dass
die Beschwerdeführerin aktuell zu 60 % arbeitsunfähig sei (Urk. 10/M5).
3.3
Der beratende Arzt der Beschwerdegegnerin, Dr. med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ging in seiner
Aktenb
eurteilung vom 4. November 2013 (Urk. 10/M6) gestützt auf die in seinen Augen nachvollzieh
baren Angaben des behandelnden Therapeuten hinsichtlich der Unfallkausalität davon aus, dass die Entwicklung der spezifischen posttraumatischen Sympto
matik auf das gesamte Ausmass der Belastungen über einen längeren Zeitraum zurückzuführen sei und nicht an einem Einzelereignis festgemacht werden könne
(S. 1 Ad 1).
3.4
Am 13. April
2014
(Urk. 3/4)
führte lic. phil
E._
ergänzend aus, zunächst seien zwei Notfallkonsultationen am 6. und 12. Dezember 2012 zur Klärung und Stabilisation erfolgt. Die eigentliche psychotherapeutische Bearbeitung habe am 15. Januar 2013 begonnen. Psychodiagnostisch sei zum Zeitpunkt der Erstkon
sultation vom Vorliegen einer PTBS auszugehen. Besonders typisch seien bei der
Beschwerdeführerin
immer wiederkehrende Erinnerungsbilder an die trau
matisierenden Ereignisse, welche sich explizit auf die Ereignisse in
B._
(6. November 2012) bezö
gen. Diese hätten sich sowohl im Wachzustand, wie auch in Träumen und Phantasien gezeigt. Nach seiner Einschätzung komme diesem Ereignis eine herausragende, besonders gravierende Bedeutung zu und er erachte deshalb die Voraussetzungen gemäss ICD-10 (belastendes Ereignis
oder eine Situation aussergewöhnlicher Bedrohung oder
mit katastrophenarti
gem
Ausmass)
als erfüllt
.
Vom 15. Januar bis 21. April 2013 sei vom Psychiater Dr.
D._
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
,
a
nschliessend eine solche von 60 % und ab dem 1. März 2014 eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit
attestiert wor
den
.
Prognostisch gehe er davon aus, dass ab Juli 2014 wieder eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe (S. 1 f.).
4.
4.1
Vorab stellt sich die Frage, ob das Ereignis vom 6. November 2012 als Schreck
ereignis zu qualifizieren ist.
Wie unter E. 1.2 ausgeführt
,
haben Rechtsprechung und Lehre schreckbedingte plötzliche Einflüsse auf die Psyche seit jeher als Einwirkung auf den menschli
chen Körper im Sinne von Art. 4 ATSG anerkannt. Danach setzt die Annahme eines Unfalles voraus, dass es sich um ein aussergewöhnliches Schreckereignis, verbunden mit einem entsprechenden psychischen Schock, handelt
.
4.2
Die Beschwerdeführerin musste bereits im Vorfeld des Ereignisses vom
6.
November 2012 unter dem Verhalten ihres Ehemannes leiden, welcher sie bedrohte, kontrollierte und ohne ihr Wissen bei der Arbeit und in intimen Situ
ationen abhörte und filmte. Jedoch eskalierte dieses Verhalten am
6.
November 2012 in einem Ausmass, welches auch bei einem gesunden Menschen eine typische Angst- und Schreckwirkung hervorrufen könnte: Der Ehemann der Beschwerdeführerin brachte sie an einen abgelegenen Ort, wo sie ihm geradezu ausgeliefert war. Er nahm ihr Handy weg und sorgte dafür, dass sie nicht gehört werden konnte, indem er im gemieteten
,
abgelegene
n
Ferienhaus den Fernseher auf höchste Lautstärke einstellte. Der Ehemann schlug und fesselte sie und würgte sie so stark, dass sie Mühe hatte, Luft zu bekommen und sogar kurzzei
tigen Schwindel verspürte. Er drohte, sie und sich selbst umzubringen, und for
derte sie auf, per Videobotschaft von ihren Kindern Abschied zu nehmen.
An diesem Abend musste die Beschwerdeführerin ganz konkret mit ihrem Tod rechnen. Dies umso mehr, als ihr Ehemann bereits früher Todesdrohungen geäussert hatte und sie aufgrund seines paranoiden, kontrollierenden Verhaltens und seiner Unberechenbarkeit davon ausgehen musste, dass er seine Drohungen diesmal in die Tat umsetzen würde, zumal er ein Setting schuf, welches dies ohne Zeugen ermöglicht hätte. In dieser Situation ist ohne weiteres nachvoll
ziehbar, dass die Beschwerdeführerin, nachdem es ihr gelungen war, den Ehe
mann zu beruhigen, alles tat, um eine weitere Eskalation zu vermeiden. Ihr vor
zuhalten, dass sie in dieser Situation in den Geschlechtsverkehr eingewilligt habe, und daraus auf einen fehlenden Schock zu schliessen (vgl.
Urk.
9 S. 10 unten), ist geradezu zynisch. Dass die Beschwerdeführerin nicht bereits in
B._
zur Polizei ging, ist auf das Verhalten des Ehemannes zurückzuführen und kann ihr ebenfalls nicht angelastet werden. Die Beschwerdeführerin hatte gute Gründe, um erst später Anzeige zu erstatten, musste sie doch zuerst einen geeigne
ten Zeitpunkt abwarten. Die Schilderungen des einvernehmenden Poli
zeibeamten (vgl. vorstehend E. 3.1), welcher im Zusammenhang mit dem Ereignis in
B._
die unheimliche kriminelle Energie und grosse Gewaltan
wendung des Ehemannes bestätigte, belegen sodann eindrücklich, wie sich das Ereignis auf die Beschwerdeführerin und ihre Tochter auswirkte. Auch ist ohne Belang, dass das Ereignis nicht zu einer Verurteilung des Ehemannes in der Schweiz geführt hat, ist dies doch einzig auf den ausländischen Begehungsort zurückzuführen. Im Übrigen war auch die Beschwerdegegnerin noch in der leistungseinstellenden Verfügung vom 1
4.
November 2013 der Ansicht, das Erei
gnis vom
6.
November 2012 weise eine Heftigkeit aus, welche Unfall
charakter habe (
Urk.
10/A23 S. 2).
4.3
Somit handelte es sich bei dem Ereignis vom
6.
November 2012 um ein Schreck
ereignis, welches den Unfallbegriff erfüllt. Dieses löste eine posttrauma
tische Belastungsstörung aus, denn obwohl
Dr.
D._
zunächst den 2
0.
September 2011
als Unfalldatum
genannt hatte, hielt lic. phil.
E._
aus
drücklich fest, dass es i
m November 2012 zur endgültigen Eskalation gekom
men
sei (vgl. vorstehend E. 3.2). Dies folgt auch aus seiner Stellungnahme vom 1
3.
April 2014 (vgl. vorstehend E. 3.4). Dass die Beschwerdeführerin an einer behandlungsbedürftigen PTBS litt, ist im Übrigen unbestritten.
Somit bleibt zu prüfen, wie es sich mit der adäquaten Kausalität verhält.
5.
5.1
Aus den Akten geht nicht hervor, dass sich die Beschwerdeführerin ernsthaft somatisch verletzt hat
(fotografisch dokumentierte Schürfungen im Gesicht,
Hämatome am Körper und im Gesicht,
vgl. Urk. 10/P
6 S. 3
)
, zumal in den medi
zinischen Akten ausschlies
slich über psychische Folgen des
Vorfall
s
vom
6. November 2012 berichtet wurde. Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführe
rin
an einer PTBS mit Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit leidet
. Insgesamt kann somit festgehalten werden, dass die psychischen Beschwerden im Vorder
grund gestanden haben, während
alfälligen
somatischen Beschwerden keine Bedeutung beigemessen werden kann. Der adäquate Kausalzusammenhang ist daher nach der allgemeinen Formel (gewöhnlicher Lauf der Dinge und allge
meine Lebenserfahrung) zu überprüfen.
Dabei ist rechtsprechungsgemäss (BGE 129 V 177) auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen und im All
gemeinen kein allzu strenger Massstab anzulegen. An den adäquaten Kausal
zusammenhang zwischen psychischen Beschwerden und den Schreckereignissen werden jedoch hohe Anforderungen gestellt.
5.2
Die Adäquanz psychischer Probleme, namentlich einer PTBS, nach einem Schreck
ereignis bejaht hat das Bundesgericht – soweit ersichtlich – nur in we
nigen Fällen. Dies gilt für den Fall einer Frau, die von einem betrunkenen und
mit einem Messer bewaffneten Unbekannten sexuell genötigt wurde (Urtei
l U 193/06 vom 20. Oktober 2006
),
und der Frau, die frühmorgens am Arbeitsplatz vermummten und bewaffneten Einbrechern begegnete, die ihr befahlen, sich auf den Boden zu legen, sie fesselten und in einer Toilette einsperrten (Urteil 8C_522/2007 vom 1. September 2008). Ebenfalls bejaht hat das Bundesgericht die anhand der einfachen Formel geprüfte Adäquanz zwischen einer PTBS und dem 2004 in Thailand erlebten Tsunami (Urteil U 548/06 vom 20. September 2007).
Verneint hat das Bundesgericht hingegen die Adäquanz bei Schreckereigni
ssen unter anderem im Fall einer Versicherten
, die auf offener Strasse von einem Unbekannten angegriffen, zu Boden gedrückt und in Tötungsabsicht gewürg
t worden war (RKUV 1996 S. 215), im Fall einer Spielsalonaufsicht, die nach Geschäftsschluss überraschend von einem Vermummten mit der Pistole bedroht und (ohne dass sie körperlich angegriffen worden wäre) zur Geldherausgabe gezwungen worden war (Urt
eil
U 15/00 vom 19. März 2003), bei einem Mann, der im Zusammenhang mit seinem Geschäft von einem unbekannten Begleiter eines Kunden mit dem Messer bedroht und erpresst worden war (Urteil U 15/00 vom 19. März 2003)
und
bei einer Frau, die bei einem nächtlichen Angriff eines alkoholisierten Mannes mit Beschimpfungen und Würgen traktiert worden war (Urteil U 390/04 vom 14. April 2005).
5.3
Die in E. 3.1 geschilderte Situation
vom 6. November 2012
ist nicht vergleich
bar mit den vorgenannten Fällen, welche nach Meinung des Bundesgerichts nicht geeignet waren, langjährige, psychische Störungen mit andauernder Arbeitsunfähigkeit auszulösen.
Unter Berücksichtigung der dargelegten Recht
spre
chung fällt ins Gewicht, dass sich die Beschwerdeführerin aufgrund des bereits im Vorfeld des fraglichen Ereignisses bestehenden kontrollierenden und dro
henden Verhaltens des Ehemannes, vor dem sie auch ihre Familie schützen musste, in einem Zustand erhöhter Vulnerabilität befand - wovon im Übrigen auch die Beschwerdegegnerin auszugehen scheint, hielt sie doch fest, dass di
e grosse bereits bestehende Belastung auch ohne diesen Vorfall geeignet gewesen sei, bei der Beschwerdeführerin eine posttraumatische Belastungsstörung hervorzurufen
(vgl.
Urk.
9 S. 8 oben)
.
Mit der richtiggehenden Entführung am
6.
No
vember 2012, anlässlich derer sie von ihren Kindern und der Familie
welche vermutlich bis anhin eine gewisse Schutzfunktion eingenommen hat
ten - entfernt wurde und dem Ehemann vollkommen ausgeliefert war, wurde sie in einen Zustand versetzt, aus dem es kein Entrinnen gab. Sie konnte im Gegen
satz zu den vorgenannten Fällen nicht einmal darauf hoffen, dass jemand zu
fällig Zeuge der Tat oder ihr zur Hilfe kommen würde. Sie erfuhr an diesem Tag, wie stark der Ehemann ihren Körper und ihre Psyche
tatsächlich kontrollierten konnte. Sie wurde während drei Stunden wiederholt gewürgt, gefesselt, geschla
gen und mit dem Tod bedroht und musste anschliessend die Demütigung erdul
den, sich so zu verhalten, wie wenn alles in Ordnung wäre. Die Summe dieser Elemente ergibt ein Bild, welches nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, anhaltende psychische Beschwer
den herbeizuführen. Der adäquate Kausalzusammenhang ist zu bejahen. Ein medizinischer Endzustand ist zudem nach Lage der Akten bislang nicht erreicht worden, war die Beschwerdeführerin doch gemäss Beurteilung durch lic. phil.
E._
im Zeitpunkt des angefochtenen Einspracheentscheides weiterhin zu 40
%
arbeitsunfähig und behandlungsbedürftig (vgl.
Urk.
3/4).
In Gutheissung der Beschwerde ist demnach der angefochtene Einspracheent
scheid mit der Feststellung aufzuheben,
dass die Leistungspflicht der Beschwer
degegnerin auch nach dem 14. November 2013 weiter besteht.
6
.
Ausgangsgemäss ist der Beschwerdeführerin ein
e Prozessentschädigung von Fr. 2‘6
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen (§ 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht; GSVGer).