Decision ID: 7649e357-e1bf-5b4e-a25a-988f03ea2aea
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 197
2
,
verheiratet,
aber
seit
November
2018
vom Ehemann
getrennt lebend,
Mutter eines im Jahr 2007 geborenen
Sohnes
,
reiste im Jahr 2006 aus
Y._
in die Schweiz ein (
Urk.
7/17/
1-3
,
Urk.
7/50/9
,
Urk.
7/50/14
,
Urk.
7/
52/3
)
.
Sie
arbeitete zuletzt von September 2015 bis November 2016 in einem Pensum von 60-80
%
als Küchenhilfe (
Urk.
7/17/6). Am
5.
Januar 2018 (Eingangs
datum
) meldete sie sich unter Hinweis auf
seit April 2016 bestehende
gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch ein Mammakarzinom (
Urk.
17/17/6)
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons
Zürich, IV-Stelle, zum Leistungs
bezug an (
Urk.
17/17/6).
Die IV-Stelle
zog zunächst den IK-Auszug vom
1
6.
Januar 2018
bei (
Urk.
17/24
).
Diese
Abklärungen in beruflich-erwerblicher Hinsicht ergänzte sie sodann
durch die
Angaben
der Versicherten zu ihrer
früheren Tätig
keit als Küch
en
hilfe
vom
1.
Februar 2019
(
Urk.
17/38
)
und die Abklärungen zur sozialversicherungsrechtlichen Qualifikation bei der Versicherten zu Hause vom 21. Januar 2020 (Urk. 7/52)
.
Für ihre
Abklärun
gen zum medizinischen Sachver
halt
holte d
ie
IV-Stelle
die Berichte des behandelnden Onkologen,
Prof.
Dr.
med.
Z._
, FM
H Medizinische Onkologie vom 1
7.
Januar 2018
,
1
9.
August
2018 und 1
5.
Januar 2019 (
Urk.
17/25,
Urk.
17/29,
Urk.
17/
36
) sowie die
Bericht
e
der behandelnden Psychiaterin
Dr.
med.
A._
, FMH Psychia
trie, und
lic
.
phil.
B._
,
Psychotherapeutin
ASP
, vom 2
9.
Oktober 2018 (
Urk.
17
/33
)
und
2.
August
2019 (
Urk.
17/44)
ein
.
S
ie
gab
darüber hinaus
bei
Dr.
med.
C._
M.A., Psychiatrie und Psycho
therapie FMH,
Psychoonkolo
gische Psychotherapeutin SGPO,
das p
sychiatrisch-psychothera
peutische Gutach
ten vom 2
6.
November 2019 (
Urk.
7/50) in Auftrag.
Mit Vor
bescheid vom
20
.
Februar
2020 kündigte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung ihres Leistungs
begehrens an (Urk. 8/
54
). Dagegen erhob die Ver
sicherte
-
nac
h von
der
IV-Stelle gewährten
E
rstreckungen
der
Einwandsfrist
-
am 26
.
August 2020 Ein
wand (Urk. 7
/
7
5).
Mit ihrem Einwand reichte sie bei der IV-Stelle die Stel
lung
nahme von
Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
vom 2
3.
Juni 2020 ein (
Urk.
7/74).
Nach Prüfung des Einwandes (
Urk.
7/82) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten m
it Verfügung vom 26. Februar 2021 wie vorbeschieden ab (Urk. 2).
2.
2.1
Dagegen erhob
X._
a
m 8. April 2021
Beschwerde
(Urk. 1)
. Sie beantragte (
Urk.
1 S. 2):
«
1.
Die Verfügung vom 2
6.
Februar 2021 sei aufzuheben.
2.
Es sei der Versicherten eine ganze Rente zuzusprechen.
3.
Eventualiter sei die Sache zwecks Anordnung ergänzender medizinischer Abklärungen (Rückfragen an Gutachterin/neues psychiatrisches Gutachten, somatisches Gutachten/RAD-Untersuchung) an die Beschwerdegegnerin zu
rückzuweisen.
4.
Es sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren.
5.
Unter Kostenfolge zu Lasten der
Beschwerdegegnerin.»
2
.2
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 25. Mai 2021 Abweisung der Beschwerde (Urk. 6, unter Beilage der IV-Akten, Urk. 7/1-85).
2.3
Mit Verfügung vom 3
1.
Mai 2021
wurde der Beschwerdeführerin
die un
entgeltliche Prozessführung gewährt.
Zudem wurde ihr die Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerin vom 25. Mai 2021 (
Urk.
6) zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
G
emäss der mit
BGE 130 V 352
begründeten und seither stetig weiter ent
wickelten Rechtsprechung vermochten eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnos
tizierte somatoforme Schmerzstörung und vergleichbare psychosomatische Leiden
(
BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3, 142 V 342
) in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invaliden
ver
sicherung (IVG)
führende Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Vielmehr bestand die Vermutung, dass solche Beschwerdebilder oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar seien und nur bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machten, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied sich im Einzelfall anhand ver
schiedener Kriterien (so genannte «Foerster-Kriterien», vgl. BGE 130 V 352, BGE 131 V 49 E. 1.2, je wiedergegeben BGE 139 V 547 E. 5 mit weiteren Hinweisen).
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht die Überwindbarkeitsvermutung auf
gegeben und das bisherige Regel-/Ausnahme-Modell durch einen struktu
rierten normativen Prüfungsraster ersetzt. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tat
sächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfaktoren wie den vorhandenen Ressourcen Rechnung getragen wird (BGE 141 V 574 E. 4.1; Urteil des Bundes
gerichts 9C_534
/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2).
1.2.2
Die Rechtsprechung hat
te
sodann
zu den «vergleichbaren psychosomatischen Leiden» ausdrücklich jene gezählt, die im Nachgang zu BGE 130 V 352 über die Jahre als sogenannte «
pathogenetisch
-ätiologisch unklare
syndromale
Beschwer
de
bilder ohne nachweisbare organische Grundlage» in invalidenver
sicherungs
rechtlicher Hinsicht den gleichen sozialversiche
rungsrechtlichen Anforderungen (Regel-/Ausnahme-Modell mit «Überwind
barkeitsvermutung») unterstellt wurden
(BGE 142 V 342 E. 5.2.1; BGE 141 V 281 E. 4.2; BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3
).
Die
Cancer-
related
Fatigue
wurde vom Bundesgericht jedoch davon ausgenom
men.
I
n BGE 139 V 346 E. 3.
4
hielt das Bundesgericht fest, dass die Cancer-
related
Fatigue
a
ls Begleitsymptom onkologischer Erkrankungen und ihrer Therapie zu
mindest mittelbar eine organische Ursache zugrunde
liege
, weshalb es sich nicht rechtfertigt
e
, sozialversicherungsrechtlich auf die tumorassoziierte
Fatigue
die
zum invalidisierenden Charakter somatoformer Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze
(BGE 130 V 352)
analog anzuwenden
(
vgl. auch Urteil des Bundes
gerichts 9C_878/2017 vom 1
9.
Februar 2018 E. 4.4 mit Hinweis)
.
1.3
1.
3
.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkann
ten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
r
aus (vgl. BGE 145 V
215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend ob
jektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.
3
.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4)
1.
3
.3
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Be
weisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und all
fälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressi
ven Störung auszugehen ist, die nicht schon als
chronifiziert
gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines struk
turierten Beweisverfahrens (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. Urteil des Bundes
ge
richts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).
1.
3
.4
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psy
cho
soziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die
Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Fakto
ren
herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
schei
dende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psycho
sozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerb
s
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer ver
sicherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vor
ga
ben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern
sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände aufzuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszu
klammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.
4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.
5
1.5.1
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei,
das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pfl
icht
gemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozial
versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stam
men
, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches ge
statten. Insbe
sondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro
zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
1.5.2
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den
Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
1.5.3
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Be
gut
achtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abwei
chende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige - und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
2.
2.1
2
.1.1
Der Onkologe
Prof.
Dr.
Z._
stellte in seinem Bericht vom 1
7.
Januar 2018 die Diagnosen Brustkrebs (Bösartige Neubildung
der
Brustdrüse [
Mamma,
ICD-10: C50.9]
) und Angststörung (
Urk.
7/25/3). Dazu führte er aus, dass die Beschwerde
führerin seit Mai 2016 an B
rustkrebs leide und sich
gegenwärtig monatlich bei ihm Behandlung befinde (
Urk.
7/25/2).
Zur aktuellen medizinischen Symptomatik und Situation hielt er folgendes fest: «
post
Chemotherapie + Bestrahlung + Anti
horm
on
e
-
seit
22 Monaten behandelt» (Urk. 7/25/2).
Für die
bisherige
Tätigkeit als Küchenhilfe im Stundenlohn attestierte er der Beschwerdeführerin
seit dem
1.
Dezember 2016 und bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
7/25/2).
2
.1.2
In seinem Verlaufsbericht vom 1
9.
August 2018 hielt Prof.
Dr.
Z._
fest, dass sich - soweit von ihm beurteilbar - die Angstzustände durch die Einnahme des
Anti
psychotiku
m
s
Seroquel
® gebessert hätten.
In der bisherigen Tätigkeit sei
die Beschwerdeführerin für 4 Stunden pro Tag arbeitsfähig (
Urk.
7/29/1). Es bestehe eine Verminderung der Leistungsfähigkeit um 50
%
(
Urk.
7/29/2)
.
2
.1.3
Alsdann führte Prof.
Dr.
Z._
im Verlaufsbericht vom 1
5.
Januar
2019
(Urk.
7/36)
aus, dass
sich der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin
auf
grund der psychopathologischen Befunde (Angststörung und Erschöpfungsde
pression) verschlechtert habe.
Die Leistungsfähigkeit sei
wegen einer reaktiven Depression zu 50
%
eingeschränkt. Gegenwärtig werde eine Behandlung mit Anti
hor
monen (LHRH und Tamoxifen) sowie neu
Aromasin
® 25 mg und eine Anti
depres
siva-
Therapie durchgeführt (
Urk.
7/36/2).
2
.1.4
Gestütz
t auf die Stellungnahme von Dr.
D._
, Facharzt für Innere Medizin, des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD), vom 21. Februar 2019 (Urk. 7/53/4) ersuchte die IV-Stelle Prof. Dr.
Z._
um Beantwortung der Frage, welche funktionellen Einschränkungen die von ihm attestierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründeten. Dabei sei zu berücksichtigen, dass aus fachpsy
chiatrischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit für Tätigkeiten (ohne Nachtarbeit) eingeschätzt werde (Urk. 7/40/1, vgl. auch Urk. 7/41
).
Am
2.
Mai 2019 hielt Prof.
Dr.
Z._
fest, dass bei der Beschwerdeführerin eine funktionelle Einschränkung aufgrund chronischer Erschöpfung, Müdigkeit und Depression bestehe. Somit sei
ihre
Leistungsfunktion zu 50
%
eingeschränkt (
Urk.
7/42/1).
2
.2
2
.2.1
Die Psychiaterin
Dr.
A._
und die Psychotherapeutin
lic
. phil.
B._
führten in ihrem
Bericht vom
2
9.
Oktober 2018
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit die Diagnose Brustkrebs seit 2016 auf. Als
Diagnose
ohne Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie die Diagnose
ängstlich verm
eidende Persönlichkeitsstörung
mit ausgeprägt narzisst
ischen Zügen (ICD-10: F60.6)
(Urk. 7/33/3)
.
Zu den bei ihre
n
Untersuchungen festgestellten objektiven Befunde hielten sie fest,
dass
bei der Beschwerdeführerin pathologische Ängste und ein geringes Selbst
vertrauen bestünden. Sie sei im Umgang mit Behörden sehr ängstlich bis gelegentlich panisch und weiche jeglichem Kontakt möglichst aus. Sie fühle sich un
fähig
,
selbst Bewerbungen zu schreiben. Sie habe massiv
e
Angst, Fehler zu machen.
Es liege weiter eine krankhafte Abhängigkeit und Unselbständigkeit vor. Die psychosoziale Situation sei sehr schwierig, weil die Beschwerdeführerin hier
zu
lande keine Lehre absolviert habe, und wegen des alkoholabhängigen und arbeitsunfähigen Ehemannes.
B
ei der Erziehung ihres Sohnes
sei sie ebenfalls
über
fordert. Zudem sei sie unfähig, dem Sohn und dem Ehemann Grenzen zu setzen
(
Urk.
7/33/2)
.
Zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hielten
Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
fest, dass
sie
aus psychiatrisch-psychologischer Sicht zu 100
%
arbeits
fähig sei (
Urk.
7/33/2).
2
.2.2
Dem Verlaufsbericht von
Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
vom
2.
August 2019 ist zu entnehmen, dass
sich
die depressiven P
erioden der Beschwerdeführerin nach der Trennung von ihrem
schwerst
alkoholabhängigen E
hemann massiv verstärkt hätten
. Es sei ferner zu einem Rückzug von sozialen Kontakten gekommen. Aus
serdem leide die Beschwerdeführerin an Gefühlen von Unwirklichkeit - sie funk
tioniere phasenweise nun mehr wie eine Maschine - und an einer krank
haf
ten Überschätzung der eigenen Möglichkeiten, dem Ehemann helfen zu kön
nen. Infolge der Trennung sei sie tief
verunsichert und fühle sich zu einem Leben alleine, ohne Partner, unfähig. In ihrem Bericht vom 2
9.
Oktober 2018 hätten sie die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus psychiatrisch-psychologischer Sicht
zu positiv beurteilt. Diese zu positive Beurteilung sei zustande gekommen, weil die Beschwerdeführerin früher betont habe, dass
sie
in der Lage sei, in einem Teilzeitpensum zu arbeiten. Sie habe zudem lange Zeit Mühe gehabt, sich einzu
gestehen, dass sie an psychischen Störungen leide. Es komme hinzu, dass sich ihre psychische Verfassung seither massiv verschlechtert habe
. Aufgrund des Verlauf
s
müsse die Beurteilung wie folgt revidiert werden: Die Beschwerde
füh
rerin sei aktuell maximal zu 20
%
arbeitsfähig. Als Diagnose mit Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sei eine ängstlich-vermeidende Persön
lichkeit mit aus
geprägt narzisstischen Störungen (ICD-10: F60.6), welche wahr
scheinlich seit früher Kindheit bestehe
,
zu nennen
(
Urk.
7/44/5).
2
.3
2
.3.1
Dr.
C._
stellte in ihrem Gutachten vom 2
6.
November 2019 keine Dia
gnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnose ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit führte sie Angst und depressive Störung, gemischt
(ICD-10: F41.2) mit/bei ausgeprägten narzisstischen Persönlich
keits
zügen (ICD-10
: Z73) an (
Urk.
7/50/14).
2
.3.2
Der Beurteilung von
Dr.
C._
ist zu entnehmen, dass bei der Beschwerde
führerin die diagnostischen Kriterien für
die Diagnose Angst und depressive Stö
rung, gemischt (ICD-10: F41.2) erfüllt seien. Es bestehe eine Angstsymptomatik im Hinblick auf eine mögliche Ausweisung, die jedoch nicht das Ausmass einer Angst
störung gemäss ICD-10 erreiche. Ebenso sei es mit der depressiven Sympto
matik. Es bestünden einzelne depressive Symptome, die jedoch nicht die Diagnose einer affektiven Erkrankung im Sinne einer Depression rechtfertigen würden. Da weder das Ausmass einer Angststörung noch einer Depression erreicht würden, sei durch die Symptomatik auch keine Minderung der Arbeitsfähigkeit bedingt, die über 20
%
hinausgehe. Bei der Beschwerdeführerin bestehe eine ausgeprägte narzisstische Kränkung, die durch das Fremdgehen des Ehemannes und die erfolgte Trennung bedingt seien. Sie beschreibe sich dadurch als «demoralisiert».
Während der Exploration sei sie immer wieder auf die Situation mit dem Ehe
m
ann zu sprechen gekommen und habe verdeutlicht, die Trennung bis heute nicht akzep
tieren zu können. Verstärkt werde das Erleben durch weitere invali
ditäts
fremde Faktoren wie fehlende Integration in den A
rbeitsmarkt und Abhängigkeit von Sozialleistungen. Es sei jedoch keine psychiatrische Erkran
kung im Sinne einer affektiven Störung festzustellen (
Urk.
7/50/15).
Dr.
C._
hielt in ihrer Beurteilung weiter fest, dass in den Vorberichten der behandelnden Psychiaterin der Beschwerdeführerin eine Persönlichkeitsstörung attestiert worden sei. Diese Diagnose könne aus gutachterlicher Sicht nicht geteilt werden, weil die diagnostischen Kriterien von der Beschwerdeführerin nicht er
füllt würden. Persönlichkeitsstörungen würden nach ICD-10 als tief verwur
zelte, anhaltende Verhaltensmuster definiert, die sich in starren Reaktionen auf unter
schiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeigen würden. Bei der Be
schwerdeführerin sei kein solches Verhaltensmuster
erkennbar
. Sie stamme aus unauffälligen
familiären Verhältnissen und habe die schulische und beruf
liche Aus
bildung erfolgreich abschliessen können. Von 2001 bis 2006 sei die Be
schwerdeführerin beruflich integriert gewesen. Auch im Hinblick auf die soziale Integration - die Beschwerdeführerin habe immer Kollegen gehabt und pflege bis heute Kontakte - gebe es keine Auffälligkeiten. Eine Ausnahme bilde die Bezie
hung zum suchtkranken Ehemann, die davon geprägt sei, dass die Beschwer
de
führerin
die
Überzeugung
ge
habt habe, den Ehemann von der Sucht wegbringen zu können, wenn sie ihn ausreichend unterstützte. Hier kämen die narzisstischen Persönlichkeitszüge zum Tragen. Zusammenfassend lasse sich bei der Beschwer
de
führerin keine pathologische Persönlichkeitsstruktur im Sinne einer Persön
lich
keitsstörung objektivieren (
Urk.
7/50/15).
Die von den
Vorbe
handlerinnen
beschriebene krankhafte Unselbständigkeit könne aufgrund des Verhaltens der Beschwerdeführerin vor und während der Untersuchung nicht bestätigt werden (Urk. 7/50/16).
Dr.
C._
führte
sodann
aus, dass bei der Beschwerdeführerin auch die diagnostischen Kriterien für die Diagnose einer Cancer-
related
Fatigue
nicht erfüllt seien. Bei der Beschwerdeführerin
habe keine erhöhte Ermüdbarkeit, kein Interessensverlust, keine Minderung der Konzentration und Aufmerksamkeit, keine Antriebsminderung, keine Schwierigkeiten in der Alltagsbewältigung auf
grund von Müdigkeit etc. objektiviert werden können (
Urk.
7/50/17).
2
.3.3
Zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin führte
Dr.
C._
aus, dass im Verlauf bis heute aus rein psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht keine Ein
schränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit, die über ein Ausmass von 20
%
hinausgehe, nachvollziehbar sei. Dies
gelte für die angestammte Tätigkeit als Mitarbeiterin einer Pizzeria sowie für
angepasste Tätigkeiten und Aufgaben im Haushalt. Aus psychiatrische
r
Sicht sei der Beschwerdeführerin
für den Z
eit
raum 2017 bis Oktober 2018 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
attestiert
worden
, was auch ihrer Einschätzung entsprechen würde. Die Angaben zur Arbeitsun
fähigkeit des behandelnden Onkologen, der psychiatrische Diagnosen anfüh
re, könnten nicht nachvollzogen werden. Im Herbst 2018 sei die Trennung vom
Ehe
mann gewesen.
Gemäss Angaben der Psych
iaterin sei dann eine Verschlechterung
des psy
chi
sc
hen Zustandes
eingetreten
, so dass bei der Beschwerdeführerin nur noch eine 20%ige Arbeitsfähigkeit v
orhanden sei. Auch diese Angaben seien für sie
(
Dr.
C._
)
nicht nachvollziehbar.
Ihre
Einschätzung der Arbeits- und L
eis
tungs
fähigkeit erf
olge
aus
rein psychiatrisch-ps
ychotherapeutischer
Sicht
(
Urk.
7/50/19)
.
Z
u
so
ma
tischen Einschränkungen durch die onkologische Grund
erkrankung bezie
hun
gs
weise
zu
somatischen Folgen der Therapie könne sie keine Einschätzung
abgeben
. So könne aus psychiatrisch-p
sychotherapeu
tischer Sicht nicht beurteilt
werden
, ob und in welcher Ausmass während der onkolo
gischen Therapie (Opera
tion, Chemotherapie) eine längerfristige Arbeitsun
fähig
keit bestanden ha
be (
Urk.
7/50/20).
In ihrem Gutachten hielt Dr.
C._
überdies
fest, dass die Beschwerdeführerin das Medikament
Aromasin
® 25 (
Exemestan
) als
Aromatase
-Inhibitor einnehme. Die Beschwerdeführerin habe über Nebenwirkungen geklagt, zum Be
i
spiel starkes Schwitzen in der Nacht und Muskelschmerzen in den Beinen. Ob durch die Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie eine Einschränkung der Arbeits- und Leistungs
fähigkeit bestehe, könne von ihr (Dr.
C._
) aus psychiatrisch-psycho
therapeutischer Sicht nicht beur
teilt werden. Auch berichte die Beschwer
de
führerin über Symptome, die auf eine Polyneuropathie als Folge der Chemo
therapie in Händen und Füssen Hin
weisen könnten (gestörtes Gefühl in den Händen, Dinge würden vermehrt aus der Hand fallen, Gefühlsstörungen an den Füssen und Unterschenkeln). Ob bei der Beschwerde
führerin eine Polyneuro
pa
thie bestehe und sich daraus Einschrän
kungen der Arbeits- und Leistungs
fähig
keit ergeben würden, müsste durch Experten der entsprechenden Fachrich
tungen beurteilt werden (Urk. 7/50/17).
2
.4
Die RAD-Ärztin
Dr.
med.
E._
, F
achärztin für orthopädische Chi
r
ur
gie und Trauma
tologie,
hielt in ihre
r
Stellungnahme vom 1
8.
Februar 2020 fest,
dass die Arbeitsunfähigkeitsangaben des behandelnden Onkologen, soweit er sich auf psychiatrische Diagnosen stützte, kaum nachvollziehbar
sei
en
. Nach der Be
handlung des Mamma-Karzinoms ab Mai 2016 sei eine vorübergehende Arbeits
unfähigkeit von 100% nachvollziehbar. Eine dauerhafte Arbeitsun
fähigkeit sei jedoch nicht ausgewiesen. Die Arbeitsun
fähigkeit könne bis einige Monate nach Abschluss der Chemotherapie angenom
men werden. Zur Therapie sei lediglich bekannt, dass die Chemotherapie im Januar 2018 (erster Bericht von Prof.
Dr.
Z._
) bereits abgeschlossen gewesen sei. Prof.
Dr.
Z._
habe als aktuelle Therapie Antihormon-Tabletten und Anti
depressiva genannt. Die Beschwerde
führerin habe zum Verlauf berichtet, dass die starken Neben
wirkungen der Therapie inzwischen abgeklungen seien. Sie habe noch Gefühls
störungen. Nach der Chemotherapie habe sie b
is November 2016 weiterhin im angestammten Pen
sum gearbeitet. Ihre Stelle habe sie im November 2016
gekündigt, da der Ehe
mann eine Suchttherapie habe beginnen und sie sich mehr um den Sohn habe kümmern müssen. Sie habe in der Folge nicht mehr arbeiten können, da sie ihren Ehemann zuhause habe unterstützen müssen (
Urk.
7/53/7). Bis wann genau die Chemotherapie durchgeführt worden sei, sei im Gutachten nicht erfasst und sei auch den Akten nicht zu entnehmen (
Urk.
7/53/7-8). Angesichts des guten Funk
tionsniveaus im Alltag und der minimalen Ein
schränkungen im Mini-CF sei eine höhere Arbeitsunfähigkeit von Medika
menten-Nebenwirkungen und Polyneuro
pa
thie nicht nachvollziehbar zu begrün
den. Die Krebs-Erkrankung sei in Remis
sion. Gesamthaft bestehe kein dauerhafter Gesundheitsschaden (
Urk.
7/53/8).
2.5
Im
Vorbescheidverfahren
beantworteten
Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
am 23. Juni 2020
die von der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin gestellten Fragen und nahmen
zum Gutachten von Dr.
C._
Stellung
(Urk. 7/74)
.
Da
bei
hielten
sie zunächst fest, dass die Gutachterin eine ausführliche und sorg
fältige Beschreibung der erhobenen Befunde mache; sie komme aber zu einer von ihnen
(Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
)
abweichenden diagnostischen Beurtei
lung und bezüglich Arbeitsfähigkeit zu von ihnen abweichenden Schlussfolge
rungen. Insbesondere
kritisierten sie,
die Gutachterin
habe sich
nicht
mit den gescheiterten
Arbeitsintegrations- und
Eingliederungsbemühungen auseinander
ge
setzt.
D
ie Beschwerdeführerin
habe
seit 1997 eine «mangelhafte Bewährung» im Arbeitsbereich gezeigt. In den vergangenen zwanzig Jahren (1997 bis 2020) habe sie über sehr lange Zeit nur sporadisch und wenn überhaupt, dann nur wenige Monate gearbeitet. Sodann sei für sie sehr fraglich, ob die Beschwerde
führerin die Schule und die Ausbildung erfolgreich habe abschliessen können. Die Beschwerdeführerin weigere sich bis heute zu lernen, auf dem Mobiltelefon eine E-Mail-Nachricht zu schreiben. Als Folge davon benötige sie für jede schriftliche Mitteilung an eine Behörde die Hilfe einer anderen Person. Es sei sehr wohl denkbar, dass bereits in der Schulzeit eine Lernverweigerung bestanden habe. Anders würden sich die Lücken im Schulwissen nicht erklären lassen. Aus
serdem seien traumatische Erfahrungen in der Kindheit, welche die Beschwerde
führerin «abspalten» müsse, nicht auszuschliessen (Urk. 7/74/1). Seit 2017 (Thera
piebeginn) bestünden bei der Beschwerdeführerin Konzentrations
stö
rungen, eine verlangsamte Auffassung, eine Antriebs
min
derung, ein perio
discher Interes
sen
verlust, ein ausgeprägtes Ausweich
ver
halten von Behördengängen und vor Tele
fonaten, eine geringe Ausdauer und ein geringes Durch
halte
ver
mö
gen. Die von ihnen festgestellten Schwierigkeiten bei Bewerbungen seien aufgrund ihrer (ge
meint ist vermutlich: erfolglos gebliebenen) therapeutischen Bemühungen und aufgrund ihrer Längsschnittbeobachtung eindeutig durch die Persönlichkeits
stö
rung der Beschwerdeführerin bedingt und nur zu einem unwesentlichen Teil auf
psychosoziale Faktoren zurückzuführen (Urk. 7/74/2). Seit der Trennung von ihrem
Ehemann 2018 habe sich der psychische Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin verschlechtert. Sie habe sich mit der Trennung nicht abfinden können. Immer wieder dränge es sie, sich um ihren Ehemann zu küm
mern und ihm Geld zuzustecken. Sie habe sich periodisch von sozialen Kontakten zurückgezogen und die depressiven Episoden hätten sich verstärkt. Phasenweise schlafe sie bis spät am Nachmittag. Dies einerseits infolge der depressiven Ver
stim
mungen und ander
seits wegen einer verminderten Steuerungsfähigkeit. Die Strukturierung des Alltags sei sowohl in der Therapie sowie auch in der Ergo
therapie über lange Zeit immer wieder besprochen worden. Dies habe aber bis heute zu keiner Verbes
serung geführt. Die Beschwerdeführerin habe
Unwirk
lich
keits
- und Roboterge
fühle beschrieben. Mehrmals seien besorgniserregende Aus
setzer und Impuls
durch
brüche, zum Beispiel die Einnahme einer Überdosis Alko
hol in suizidaler Absicht,
festgestellt worden. Dieses Beschwerdebild und die damit verbundenen Ein
schrän
kungen sei
e
n primär krankheitsbedingt, das heisse durch die ängstlich vermei
den
d
e Persönlichkeitsstörung mit ausgeprägt narziss
tischen Zügen (ICD-10: F60.6) be
dingt. Sie seien nicht primär auf psychosoziale Faktoren zurückzuführen und auch nicht durch ein
fatigue
syndrome
bedingt.
Die Einschätzung der Gutachterin entspreche nur einer Querschnitts-, nicht einer Längsschnittbeurteilung. Die Gutachterin stütze sich insbesondere auf das Mini-ICF-Rating, in welchem die Beschwerdeführerin relativ gut abschneide. Dieses Rating beurteile, ob die Leis
tungs
fähigkeit ausgeführt werden könnte, wenn die Patientin denn wollte. Es beurteile jedoch nicht, ob die Leistung tatsächlich ausgeführt werde.
In Abwei
chung zur Gutachterin
würden
sie (Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
)
die Be
schwerdeführerin aktuell als zu 20 % arbeitsfähig beurteilen (Urk. 7/74/3).
2.6
Dr. med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
stellte in ihrer RAD-Stellungnahme vom 1. Februar 2021 fest, dass die Gutach
terin Dr.
C._
in ihrem psychiatrischen Gutachten zu einer anderen dia
gnostischen Einschätzung und damit auch zu einer anderen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gekommen sei als Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
. Diese würden
in ihrer Stellungnahme vom 23. Juni
2020 keine wesentlich neuen Befunde nennen
, die der Gutachterin nicht bereits bekannt gewesen seien. Auch nach nochmaliger Durchsicht des Gutachtens sei dieses als den Anforderungen vollum
fänglich entsprechend zu beurteilen
, weshalb darauf abgestellt werden könne. Die von den
Behandlerinnen
angemerkten Punkte stellten eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhalts dar (Urk. 7/82/3).
3
.
3
.1
Die Beurteilung von RAD-Ärztin
E._
, wonach in somatischer Hinsicht kein dauerhafte
r
Gesundheitsschaden bestehe (E. 2.4) vermag zu überzeugen.
Wie dem Bericht von Prof.
Dr.
Z._
vom
17. Januar 2018
zu entnehmen ist,
war
die Chemotherapie und Bestrahlung zur Behandlung des Brustkrebses
damals bereits
beendet
(
E. 2.1.1
; vgl. auch die Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der Abklärung der Qualifikation, wonach diese Behandlung bis ca. Ende September 2016 gedauert habe [Urk. 7/52/2]
).
Eine Polyneuropathie in Händen und Füssen als Folge der Chemothera
pie - wie sie von der Psychiaterin
Dr.
C._
im Gutachten vom 26. November 2019 diskutiert wurde (E. 2.3.3) - wurde vo
n
Prof.
Dr.
Z._
in keinem seiner Berichte aus der Zeitperiode
17. Januar 2018 bis 2. Mai 2019 erwähnt
(E. 2.1.1-2.1.4)
. Eine solche Erkrankung
wurde
vom behan
delnden Onkologen mithin
weder
diagnostiziert
noch
stellte er entsprechende Hin
weise fest, welche weiterer Abklärung bedurft hätten.
Ebenso wenig hat er in
seinen
Berichten aus
geführt, dass die Beschwerdeführerin bezüglich de
r
von
ihm verschriebenen Medikamente
zur Krebsbehandlung
an
erheblichen
Nebenwir
kungen
leide. Im vorliegenden Verfahren lässt die Beschwerdeführerin
- wie bereits im
Vorbescheidverfahren
-
vorbringen
, dass sie laut
telefonischer Aus
kunft von
Prof.
Dr.
Z._
«sicher» unter einer sekundären Medikamenten
neben
wirkung leide (
Urk.
1 S. 8).
Ein dieses Vorbringen bestätigender medizinischer Bericht
mit objektiv nachvollziehbaren Befunden
wurde indessen nicht einge
reicht
. Eine Cancer-
related
Fatigue
wurde
von Prof.
Dr.
Z._
ebenfalls nicht
diagnostiziert
(vgl. Urteil des Bundes
ge
richts 8C_909/2013 vom 14. Juli
2014 E.
3.2)
. Anzufügen ist, dass auch
Dr.
C._
, welche
sich
auf Psychoonkologie spezialisiert
hat (vgl. www.zepp.ch/ueber-uns),
eine Cancer-
related
Fatigue
ver
neint
hat
(E. 2.3.2). Dies
e Beurteilung teilen
die behandelnde Psychiaterin und
die
behandelnde Psychotherapeutin
in
ihrer Stellungnahme vom 23. Juni
2020
, worin
sie
festgehalten haben, dass
das
bei der Beschwerdeführerin bestehende Be
schwer
debild und die damit verbundenen Einschränkungen nicht durch ein
fatig
ue
syndrome
bedingt seien (E. 2.2.3). Prof.
Dr.
Z._
begründete
die von ihm atte
stierte
Arbeitsunfähigkeit
- trotz entsprechender Nachfrage durch die Beschwer
degegnerin -
nicht
näher und legte nicht dar,
welche
funktionellen Einschrän
kungen
aus onkologischer Sicht die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen würden.
Viel
mehr erwähnte er primär psychische Gründe, ohne jedoch objektivierbare Be
funde aufzuführen (vgl. E. 2.1.3-2.1.4). Daher
kann weder der Beschwerdegeg
nerin vor
ge
halten werden, dass sie den medizinischen Sachverhalt
in somatischer Hinsicht
zu wenig abgeklärt ha
be
(vgl.
Art.
43
Abs.
1 ATSG), noch besteht für das Sozialversicherungsgericht Anlass
,
solche zusätzlichen Abklärungen vorzu
neh
men (vgl.
Art.
61
lit
. c ATSG).
Zu prüfen bleibt, ob die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in psychischer Hinsicht eingeschränkt ist.
3
.2
Das
psychiatrisch-psychothera
peutische Gutachten von
Dr.
C._
vom
26. November 2019 (Urk. 7/50) beruht auf der
erforderlichen
fachärztlichen Unt
er
suchung (Urk. 7/50/4-12)
und wurde in Kenntnis der und Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben
(Urk. 7/50/2-4, Urk. 7/50/2-4)
.
Dr.
C._
hat
detaillierte Befunde erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten de
r
Beschwerdeführer
in
auseinander
gesetzt
(vgl. Urk.
7
/171/65-75).
Nach der bundesgerichtlichen Recht
sprechung kommt den Gutachterinnen und den Gutachtern bei der Wahl der Methode zur Erstellung des Gut
achtens ein grosses Ermessen zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_820/2016
vom 27. September 2017 E. 5.2). Entgegen der Ansicht von Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
(Urk. 7/74/3) schadet es dem Beweiswert
des
Gutachtens
nicht, dass
Dr.
C._
das
Mini-ICF-
APP-Rating
verwendet hat (
Urk.
7/50/24-25) und in ihre
r
Beurteilung darauf Bezug genommen hat (
Urk.
7/50/18).
Das Bundesgericht hat
zum Mini-ICF-APP-Rating festgehalten, dass
sich dessen Verwendung im gutachterlichen Betrieb bei psychosomatischen Leiden bewährt hat und für ein Mindestmass an Einheit
lichkeit und Vergleichbarkeit der Folgenabschätzung bei derartigen Leiden sorgen kann. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit unter ergän
zender Verwendung der Mini-ICF-APP Ratings
sei dah
e
r
nicht zu beanstanden. Eine Veranlassung, aus diesem Grund von
einer
gutachterlichen Einschätzung der Arbei
tsfähigkeit abzuweichen, bestehe nicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_157/2019 vom
2
8.
Oktober 2019 E. 4.3).
Die Beurteilung von
Dr.
C._
vermag
sodann
ebenfalls zu überzeugen.
Es finden sich keine Widersprüche.
Zu
dem hat sich die Gutachterin hinreichend
mit den Berichten von Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
auseinandergesetzt und nachvollziehbar
begründet, weshalb sie
abweichend
von
den
Behandlerinnen
keine Persönlichkeitsstörung diagnosti
zierte.
Soweit
die Therapeutinnen nunmehr geltend machen, es sei fraglich, ob
die Beschwerdeführerin die Schule und die Ausbildung überhaupt erfolgreich habe
abschliessen können, ist auf das am 14. Juni 1996 ausgestellte Diplom betreffend Gesangsausbildung hinzuweisen (Urk. 7/15), welches diese Vermutung widerlegt.
I
n der Stellungnahme von Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
vom
23. Juni 2020
werden
keine objektivierbaren Befunde oder andere wichtige Aspekte angeführt, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären.
Ihre Aus
führungen vermögen daher keine Zweifel an der Zuverlässigkeit der gutachter
lichen Beurteilung zu erwecken.
Das Gutachten von Dr.
C._
erfüllt dem
nach die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen (vgl. E.
1.5.1
).
Daran vermag auch nicht
s
zu ändern, dass sich das Gutachten nicht explizit zu
den Standardindikatoren (vgl. E.
1.3.2) äussert, hat die Gutachterin doch
eine
lediglich leichtgradige
Störung festgestellt und
keine Diagnosen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (vgl. E. 1.3.3).
4
.
Zusammenfassend ergibt sich, dass
kein anspruchserheblicher
Gesund
heits
scha
den ausgewiesen ist und
die Beschwerdegegnerin einen
Rentenanspruch
der Be
schwerdeführerin mit der angefochtenen Verfügung vom 26. Februar 2021 (Urk. 2)
zu Recht verneint hat.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.
5
.
5
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das vorliegende Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
b
is
IVG) und ermessensweise auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
r
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen, jedoch zufolge Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung (Dispositiv-Ziffer 1 der Verfü
gung vom 31. Mai 2021, Urk. 8) einst
weilen auf die Gerichtskasse zu nehme
n.
5
.2
Die Beschwerdeführerin ist auf § 16 Abs. 4
Satz 1
des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht (
GSVGer
) hinzuweisen, wonach
sie
zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet ist, sobald
sie
dazu in der Lage ist.