Decision ID: 6e7c6a40-d7d6-4a02-b893-f16f4ea6da83
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1965 geborene
X._
wurde – wegen einer seit einer Erkrankung
an Masern im Jahr 1968 bestehenden Behinderung - am 19. September 1983
erst
mals
zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) angemeldet (Urk. 11/1).
Nach entsprechenden medizinischen Abklärungen sprach d
ie Sozialversicherungsanstalt des Kantons Aar
gau, IV-Stelle,
dem Ver
sicherten in der Folge
– wiederholt - Eing
liederungsmassnahmen in Form einer
leihweisen Abgabe eines Hinterohrhörgeräts zu (vgl. Verfügung vom 21. August 1984 [Urk. 11/7], Sekretariatsbeschluss vom 28. Februar 1989 [Urk. 11/9]).
Auf
entsprechendes Gesuch hin (Urk. 11/18) leistete a
m 3. März 2009 auch die
–
in
folge eines Umzugs des Versicherten neu zuständige
(vgl. Urk. 11/13)
-
IV-Stelle des Kantons Zürich
Kostengutsprache für zwei Hörgeräte (Urk. 11/29).
1.2
Am 3. September 2012
ersuchte
X._
die IV-Stelle
– unter Hinweis auf eine schwere soziale Phobie und eine Hörbeeinträchtigung – erneut um Leistungen (berufliche Integration, Rente; Urk. 11/34). Die IV-Stelle traf darauf
hin berufliche, erwerbliche sowie medizinische Abklärungen und zog die Akten der Arbeitslosenversicherung (Urk. 11/41) bei. In der Folge teilte sie dem Versi
cherten am 13. August 2013 mit, dass sich berufliche Eingliederungsmassnah
men aufgrund seines Gesundheitszustandes derzeit als unmöglich erwiesen und sie über den Rentenanspruch zu gegebener Zeit noch separat verfügen werde (Urk. 11/52). Nachdem der Ver
sicherte am 22. Oktober 2013 ein Gesuch um
Hilflosenentschädigung
gestellt hatte (Urk. 11/56),
liess die IV-Stelle ihn am 8. Januar 2014 von med.
pract
.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
the
rapie, Arzt des Regionalärztlichen Dienstes (RAD) der IV, untersuchen (vgl. Be
richt vom 9. Januar 2014, Urk. 11/61). In der Folge verfügte sie – in Bestäti
gung
ihres Vorbescheids vom 20. Januar 2014 (Urk. 11/65) und unter Hinweis auf das
Fehlen einer invaliditätsbedingten Erwerbseinbusse – am 21. November 2014 die
Abweisung des Rentenbegehrens (Urk. 2).
2.
Gegen diese Verfügung (Urk. 2) liess
X._
am 5. Januar 2015 mit folgenden Anträgen Beschwerde erheben (Urk. 1 S. 2):
„1.
Es seien dem Beschwerdeführer Integrationsmassnahmen zu gewähren, namentlich Stellenvermittlung.
2.
Eventuell sei dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente basierend auf einem IV-Grad von mindestens 50 % rückwirkend ab 1.3.2013 zuzu
sprechen.
3.
Es sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und ein unentgeltlicher Rechtsbeistand in der Person der unterzeichnenden Anwältin zu bewilligen.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 8 % Mehrwert
steuer zulasten der Beschwerdegegnerin.“
Die IV-Stelle schloss am
6. Februar 2015 auf Abweisung
der Beschwerde (
Be
schwerdeantwort
[
Urk. 8
]; vgl. auch Urk. 13
), was dem Beschwerdeführer am
11. Februar
2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Ur
k. 12
).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zu
gehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Sie kann Folge von
Ge
burts
gebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
träch
ti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil
wei
se Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den aus
ge
glichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlie
gens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heit
li
chen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem
nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
sche
n Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also
nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden
kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Per
son
sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinwei
sen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung
und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit be
i
aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes
Invalidenein
kom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog
enanntes
Valideneinkom
men
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbsein
kommen
ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der
Einkom
mensdifferenz
der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog
enannte
allgemeine Methode des
Ein
kommensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die Leistungsverweigerung damit, dass
der Besc
hwer
deführer
bei zumutbarer Willensanstrengung in der Lage sei, vollzeitlich einer
leidensangepassten Tätigkeit nachzugehen und damit ein
rentenaus
schliessen
des
Salär zu erzielen (Urk. 2 S. 2 f.).
Hinsichtlich des geltend gemachten
Anspruch
s
auf
Integrationsmass
nahmen
beziehungsweise Stellenvermi
ttlung
, über den sie
noch nicht definitiv befunden
habe, stehe es dem
Beschwerdeführer
frei
, zu ge
gebener Zeit ein ent
sprechendes Gesuch zu stellen (Urk. 10 S. 1 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich dem
gegenüber
– unter Hinweis
auf
den Be
richt von Dr. med.
Z._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psycho
therapie, vom 1. Mai 2014 (Urk. 11/77) und die Beurteilung der Ärzte der
A._
vom 3. Dezember 2014 (Urk. 3/3)
–
auf den Standpunkt, das Gutachten des RAD-Arztes med.
pract
.
Y._
vom 9. Januar 2014 (Urk. 11/61), auf dem die Leistungsverweigerung basiere, sei aufgrund verschiedener Mängel nicht beweistauglich
. Tatsächlich komme
der
soziale
n
Ph
obie und der
beidseitigen
schwerste
n
Schwerhörigkeit
durchaus in
va
lidisierende Wirkung zu
(Urk. 1 S. 4 ff.)
.
Dies habe sich
bei der
Eingliede
rungs
beratung
,
anlässlich
des im Zusammenhang mit dem Gesuch um
Hilflo
sen
ent
schädigung
am 1. Juli 2014 durchgeführt
en Abklärungsgesprächs sowie
im
Rah
men
der Betreuung durch eine psychi
atrische Spitex-Fachfrau ge
zeigt
(S. 6 ff.).
Unter Berücksichtigung
der seit 26. Juni 2012 ausgewiesenen 100%igen
Arbeitsunfähigkeit
und der am 19. September 2012 erfolgten Anmel
dung zum Leistungsbezug
habe er demnach spätestens ab 1. März 2013
An
spruch auf eine
Invalidenrente (S. 8).
3.
3.1
Die Psychiaterin
Dr.
Z._
diagnostizierte am 31. Januar 2013 eine – seit mindestens der Adoleszenz bestehende – soziale Phobie (ICD-10 F40.1)
. Der Beschwerdeführer, der seit 26. Juni 2012 bei ihr in Behandlung stehe, leide seit seiner frühen Jugend an einer ausgeprägten soziale
n Phobie und an einer Hypakusis
(Urk. 11/46 S. 1). Er sei seit über zwei Jahren arbeitslos beziehungs
weise arbeite
derzeit zirka zwei Stunden täglich als Reinigungskraft
an einer ihm
vom Sozialamt vermittelten Stelle
. Durch die lange Arbeitslosigkeit habe sich die soziale Phobie noch erheblich verstärkt.
Es finde nun ein Sozialtraining mit einer Spitex statt
, dessen Ziel es sei, dass der
Beschwerdeführer
bei Gängen zu Behörden, zum Zahnarzt oder etwa zum Konsulat nicht
mehr
zurückwei
che. Sei einmal ein Kontakt
mit der betreffenden Person
hergestellt, weiche er
ihr
nicht
mehr aus.
Die Prognose hange davon ab, ob der Beschwerdeführer schnell wieder
sozial integriert werden könne respektive im Rahmen eines ent
sprechenden Integrationsprogramms in der Lage sei, seine wachsende Scheu vor Menschen erneut zu überwinden.
Es sei ein soziales
Rehabilitationspro
gramm
angezeigt. Als Hilfsarbeiter sei der Beschwerdeführer seit mindestens 26. Juni 2012 zu 80 % arbeitsunfähig (S. 2); eine Tätigkeit in geschütztem Rahmen sei ihm zu 50 bis 100 % zumutbar. Es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer nach Durchführung eines sorgfältigen Sozialtrainings wieder
zu
100
%
arbeitsfähig sei
(S. 3). Er bedürfe – insbesondere zu Beginn – einer verständnisvollen Umge
b
ung, da er auf harsche Worte mit sofortigem
Kontakt
abbruch
reagiere (S. 4).
3.2
Am 29. September 2013 bezeichnete Dr.
Z._
den Gesundheitszustand als unverändert. Der Beschwerdeführer habe im Juli 2013 einen Termin für ein Vorgespräch in der Tagesklinik
B._
nicht wahrgenommen, weil keine Spitex-Begleiterin verfügbar gewesen sei. Seit Mitte September 2013 erfolge
eine Verhaltenstherapie mit einer psychiatrischen Spitex (zuvor sei die allge
meine
Spitex involviert gewesen, da das Sozialamt nicht für die zusätzlichen Spesen einer psychiatrischen Spitex habe aufkommen wollen; Urk. 11/54 S. 1 f.). Es sei damit zu rechnen, dass sich mittels Verhaltenstherapie bezie
hungsweise durch regelmässige Exposition mit Menschen eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit erzielen lasse.
Nach
erfolgreichem Sozialtraining sei
mit dem
Wiedererlangen der vollen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit zu
rechnen
(S. 3).
3.3
In seiner auf den Akten beruhenden Stellungnahme vom 6. November 2013 (Urk. 11/63 S. 4) gelangte der RAD-Arzt med.
pract
.
Y._
zum Schluss, dass der Beschwerdeführer, der alle zwei Wochen Dr.
Z._
konsultiere,
schon
aufgrund dieser Gegebenheit
an keine
r
un
überwindbaren Scheu leiden könne.
Da
das Ausmass der Funktionseinschränkungen unklar sei, sei eine psychiatri
sche Untersuchung im RAD indiziert.
3.4
Gestützt auf die Ergebnisse seiner
daraufhin am 8. Januar 2014 durchgeführten
Untersuchung stellte der RAD-Arzt med.
pract
.
Y._
i
m
Bericht vom 9. Januar 2014 nachstehende Diagnosen (Urk. 11/61 S. 4):
Soziale Phobie, ICD-10 F40.1
Schwerhörigkeit beidseits
In einer behinderungsangepassten Tätigkeit, in welcher der Beschwerdeführer möglichst allein arbeite
n
könne beziehungsweise über einen Arbeitsplatz ver
füge, an dem er in Ruhe gelassen werde und mit niemandem sprechen müsse, bestehe eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit.
Es sei dringend ein Sozial
training im Rahmen einer tageklinischen Behandlung angezeigt, ansonsten mit einem Fortschreiten des Vermeidungsverhaltens zu rechnen sei (S. 5).
3.5
Auf entsprechende Anfrage der Rechtsvertreterin des Beschwerdef
ührers gab Dr.
Z._
am 1. Mai 2014 an, dieser sei in der derzeitigen psy
c
h
i
s
chen Verfassung nicht arbeitsfähig. Ob
der Beschwerdeführer sein – über
Jahrze
h
nte
hinweg
eingeschliffenes und
unbehandelt gebliebenes
– angstbedingtes
Vermei
dungsverhalten
zu überwinden imstande sei, hange nicht von seinem Willen, sondern vom Erfolg einer sorgfältigen und vor allem langfristigen Behandlung ab.
Die einzige in Betracht fallende Massnahme
zur Verbesserung der Arbeitsfä
higkeit sei
Verhaltenstherapie, wie sie mittlerweile auch durchgeführt werde. Allerdings sei nicht zu erwarten dass die Störung nach jahrzehntelanger Dauer vollständig geheilt werden könne
(Urk. 11/77 S. 2)
.
Aufgrund der durch die
soziale Phobie bedingten Unfähigkeit, die an einem Arbeitsplatz unbedingt not
wendigen zwischenmenschlichen Kontakte herzustellen respektive auszuhalten, sei der Beschwerdeführer in der Tätigkeit als Hilfsarbeiter zu 100 % arbeitsun
fähig und – generell – in der freien Wirtschaft nicht vermittelbar. Da er
jeweils vor Eintritt einer
angstauslösenden Situation
die Flucht ergreife und sich so regelmässig der Angst entziehe, erlebe er nur noch das Vermeidungsverhalten und nicht
mehr die Angst. Insofern erstaune es auch nicht, dass er anlässlich der Untersuchung durch den RAD-Arzt med.
pract
.
Y._
bei der Schilderung angstauslösender Situationen keine klinischen Zeichen von Angst gezeigt habe (S. 3).
3.6
Der RAD-Arzt med.
pract
.
Y._
hielt in seiner Stellungnahme vom 19. Mai 2014 (Urk. 11/88 S. 3) fest,
dass
eine soziale Phobie grundsätzlich behandelbar
sei
.
Hinzuweisen sei darauf, dass der
Beschwerdeführer trotz des psychischen Leidens noch in der Lage
sei
, als Reinigungsmitarbeiter tätig zu sein und in den
C._
zu gehen. Angesichts der Tatsache, dass er seit fast zwei Jah
ren
bei Dr.
Z._
in Behandlung stehe, sei das Vermeidungsverhalten durch
aus therapeutisch angegangen worden. Schliesslich sei darauf hinzuwei
sen, dass der Beschwerdeführer auch während der
RAD-Untersuchung kaum
psycho
vege
tative
Symptome einer Angst gezeigt habe, obwohl er dabei einen Kontakt nicht habe vermeiden können.
3.7
Nachdem sie den Beschwerdeführer vom 11. Juni bis 22. August 2014 in der
Tages
klinik
behandelt hatten, diagnostizierten die Ärzte der
A._
am 3. Dezember 2014 eine
chronifizierte
, ängstlich-vermeidende
Persönlich
keits
störung
(ICD
-10 F60.6) bei ausgeprägter Hyp
akusis beidseits.
Der Beschwerde
führer klage
über eine
massive
Angstsymptomatik in sozialen Situ
ationen (mehr als zwei Personen), wenn er einfache Fragen stellen oder seine Rechte durch
setzen sollte. Er laufe jeweils davon, ohne seine Anliegen klären zu können; nur in Begleitung einer wohlwollenden (Fach-)Person gelinge es ihm, entsprechende Situationen zu meistern.
Gemäss fremdanamnestischen
A
ngaben zeige er schon
seit der frühen Kindheit eine ängstlich-vermeidende Persönlich
keitsstruktur. Diese
Schwierigkeiten in sozialen Interaktionen hätten zur Kündi
gung des letzten
Arbeitsverhältnisses durch die Arbeitgeberin geführt (Urk. 3/3 S. 1). Der Be
schwer
de
führer, der – auch im
Rahmen der Therapie
in der
Tages
klink
– bei Mehrpersonensettings eine ausgeprägte, nicht überwindbare
Angst
symptomatik
ge
zeig
t habe
, sei als Hilfsarbeiter längerfristig zu 100 % arbeits
unfähig und in der freien Wirtschaft nicht
vermittelbar (S. 2).
4.
4.1
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zustän
dige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit
bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den
beschwer
deweise
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem
Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und
insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Die
Beschwerdegegnerin
hat
in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) aus
schliess
lich über
den
Rentenanspruch des Beschwerdeführers befunden
(vgl. dazu
auch Urk. 10)
. Hin
sichtlich des –
unsubstantiiert
gebliebenen – Antrags auf
Zu
sprache
von
Integ
rationsmassnahmen
(Urk. 1 S. 2)
ist daher
mangels
Anfech
tungsgegenstand
s
nicht
auf die Beschwerde
einzutreten.
4.2
Nach Lage der Akten steht f
est, dass der Beschwerdeführer
(
schon seit Jahrzehn
ten
)
einerseits an einer beidseitige
n Hyp
akusis und andererseits an
– v
on den Ärzten unter die Diagnose einer sozialen Phobie (Urk.
11/46 S. 1, Urk. 11/61 S. 4, Urk. 11/77 S. 1 f., Urk. 11/88 S. 3
) beziehungsweise einer
ängstlich-ver
meidenden Persönlichkeitsstörung (Urk. 3/3) subsumierten – psychischen Be
schwer
den leidet.
Aus den zitierten Arztberichten
, den einschlägigen Angaben
des Beschwerdeführers
und de
ssen
bisherige
n Erwerbstätigkeiten
(vgl. Urk. 11/31-32)
ist sodann zu schliessen, dass
aus der
seit 1968 bestehende
n
(Urk. 11/1 S. 3) Hörminderung beidseits in einer Tätigkeit, die keine erhöhten Anforderungen an das Gehör stellt,
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultiert
(vgl.
hiezu
etwa Urk. 11/61 S. 2)
.
Was die psychische Symptomatik anbelangt, wirkt sich diese gemäss den
akten
kundigen
medizinischen Berichte
n
insofern auf das Leistungsvermögen aus, als der
Beschwerdeführer
zwischenmenschliche Kontakte
aufgrund dadurch ausge
löster Ängste meidet.
Dies verunmöglicht es ihm, in einem Team zu arbeiten oder eine Tätigkeit auszuüben, bei welcher er ständig der Instruktionen bedarf und/oder Kontakt mit Kunden pflegen muss. Anderweitige funktionelle Defizite, die es ihm
un
zumutbar machten, vollzeitlich einer behinderungsangepassten Tätigkeit nachzugehen, sind indes nicht dokumentiert
(vgl.
hiezu
Urk. 11/46 S. 2, Urk. 11/61 S. 3)
.
Insbesondere bereitet es ihm offenbar keine Schwierig
keiten, sich unter Menschen, mit denen er nicht kommunizieren muss, aufzu
halten. So
besucht
er nach eigenen Angaben regelmässig
und
aus eigenem An
trieb (alleine) Restaurants und
verbringt Zeit in den Lokalitäten des
C._
(vgl. Urk. 11/40 S. 3, Urk. 11/61 S. 1 f., Urk. 11/88 S. 3).
Zwar hat der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben im Laufe der Jahr
e
schon
wiederholt die Stelle verloren, weil er
sich bei Auseinandersetzungen nicht zur Wehr g
esetzt und
ungerechtfertigte Vorwürfe
schweigend hingenom
men hat
be
ziehungsweise –
b
ei der letzten Stelle
– aus Scheu
, sich für sein Zu
spätkommen zu entschuldigen
,
gar nicht mehr zur Arbeit erschien
en ist
(Urk. 11/51 S. 2,
Urk. 11/53 S. 6,
Urk. 11/61 S. 2, Urk.
3/4).
Allerdings war er während der
(meist mehrjährigen)
Dauer der jeweiligen Arbeitsverhältnisse
(vgl. Urk. 11/39)
– trotz der schon seit Jahren anhaltenden psychischen Beeinträchti
gung
–
offenbar durchaus in der Lage, eine voll
e
Leistung zu erbringen. Sein letzter Arbeitgeber, bei dem er vom 13. Oktober 2005 bis 31. März 2010, mithin während rund vier
einhalb Jahren, tätig gewesen war,
hielt gar explizit fest, der Beschwerdeführer sei bis zu
m
letzten effektiven Arbeitstag am 4. März 2010 „kerngesund“ gewesen (Urk. 11/45 S. 1). Nach dem Stellenverlust
im Frühjahr 2010
war er bis zum Ende der Rahmenfrist für den Leistungsbezug am 6. Dezember 2011 – im Rahmen
einer Vermittelbarkeit von 100 % –
bei der Ar
beitslosenversicherung angemeldet (Urk. 11/41 S. 2
)
, wo er seine Pflichten, namentlich auch die Teil
nahme an den Beratungsgesprächen, offenbar weitgehend klaglos erfüllte (Urk.
11/41/6-19
). Um Arbeit bemühte er sich dabei nicht etwa mittels schrift
licher Bewerbungen, sondern indem er persön
lich (und offenbar ohne Begleit
per
son) bei potentiellen Arbeitgebern vorsprach und diese nach offenen Stellen im Betrieb fragte (Urk. 8/53 S. 5). Dass die
Stel
lensuche
– anders als nach früh
eren
Stelle
n
verlusten – erfolglos verlief, erklärte er sich nicht mit der psychi
schen Beeinträchtigung, sondern
vielmehr
mit sei
nem Alter (Urk. 3/4).
Hin
zu
weisen ist in diesem Zusammenhang darauf, dass der Beschwerdeführer wohl keine Arbeit im gewünschten Pensum fand, seit Oktober 2010 aber immerhin
an einer ihm vom Sozialamt vermittelten (Teilzeit-)Stelle zu knapp 20 % als
Reini
gungsmitarbeiter
tätig ist
, wobei er abends arbeiten und damit Drittpersonen etwas ausweichen kann
(Urk. 11/40 S. 2,
Urk. 11/53 S. 5 und S. 8, Urk. 9/1-2).
Im Rahmen der beruflichen Abklärung gab er denn auch an, er wolle arbeiten, bedürfe dabei aber eines Arbeitsplatzes, an dem er mit niemandem sprechen müsse (Urk. 11/40 S. 3, Urk. 11/61 S. 4). Damit überein
stimmend beantragte er
im vorliegenden Verfahren (wenn auch unbegründet) in erster Linie
Integra
tions
massnahmen
in Form
insbesondere
einer Stellenver
mittlung
und nur even
tua
liter
eine Rente (Urk. 1 S. 2).
Auch wenn sich gemäss den Ärzten der
A._
im Rahmen der
tages
klinischen
Behandlung vom 11. Juni bis 22. August 2014 erg
eben
bezie
hungsweise bestätigt
hatt
e, dass der Beschwerdeführer in Situationen, die eine Kommunikation mit mehr als zwei Personen erfordern
,
an Ängsten leidet (Urk. 3/3), ist aufgrund der geschilderten Gegebenheiten
mit überwiegender
Wahr
scheinlichkeit davon auszugehen, dass er bei zumutbarer
Willensanstren
gung
in der Lage
ist
, vollzeitlich (statt wie bis anhin im Pensum von knapp
20 %) einer leidensangepassten Tätigkeit nachzugehen. Anzumerken ist in die
sem
Zusammenhang
einerseits
,
dass der Beschwerdeführer durchaus imstande
war
,
das Erstgespräch bei der Beschwerdegegnerin allein zu führen und die erforder
li
chen Angaben zu machen (Urk. 11/53/4 f.) und die für die Unterstützung durch die Sozialhilfebehörde (Urk. 9/1-2) notwendigen
Vo
rkehren zu treffen
. Zu
dem ist er in der Lage,
regelmässig eine Tagesklinik zu besuchen beziehungs
weise Konsultationen bei seiner Psychiaterin
Dr.
Z._
wahrzunehmen, wobei er gemäss dieser zunehmend „auftaut“, wenn einmal ein erster Kontakt zu einer Person herge
stellt ist (Urk. 11/46 S. 2).
Andererseits ist darauf
hinzu
weisen, dass er
anläss
lich der Untersuchung vom 8. Januar 2014 durch den RAD-Arzt med.
pract
.
Y._
, die im Beisein eines Dolmetschers und damit in
einem
gemäss den Ärz
ten der
A._
eine ausgeprägte, unüber
wind
bare
Angstsympto
matik
auslösenden
Mehrpersonen-Setting (Urk. 3/3) stattfand,
die ihm gestellten Fragen zu beantworten in der Lage war, ohne dabei psychovegetative Symp
tome einer Angst zu zeigen (
Urk. 11/61
S. 3
, Ur
k
. 11/88 S. 3
)
.
4.3
Da der – über
keine Berufsausbildung verfügende (Urk. 11/53 S. 1) – Beschwer
de
führer nach dem Gesagten in einer behinderungsangepassten
Hilfsarbeitertä
tig
keit
weiterhin zu 100 % arbeitsfähig ist,
ist die Rentenverweigerung zu Recht erfolgt
(Urk. 2). Die Beschwerde ist folglich
, soweit darauf einzutreten ist,
abzu
weisen. Dem Beschwerdeführer bleibt es
dabei
– wie
auch die
Beschwerdegeg
nerin
explizit anerkannt hat (Urk. 10 S. 1 f.)
– unbenomm
en
, bei entsprechender Motivation erneut ein Gesuch um Stellenvermittlung zu stellen.
5.
5.1
Da der Beschwerdeführer selbst rechtsunkundig ist und ein erhebliches Interesse am Ausgang dieses Verfahrens hat, seine Bedürftigkeit aufgrund der Akten (Urk. 9/1-2) ausgewiesen ist und der vorliegende Prozess nicht als von vornhe
rein aussichtslos bezeichnet werden kann, ist ihm - antragsgemäss (Urk. 1 S. 2) - die unentgeltliche Prozessführung
und die unentgeltliche
Rechtsverbeistän
dung
in der Person von Rechtsanwältin
Christina Ammann
zu gewähren (BGE 103 V 47, 100 V 62, 98 V 117).
5.2
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen abweichend von Art. 61
lit
. a ATSG vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Entsprechend dem
Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten in Höhe von Fr.
8
00.-- dem
Beschwerdeführer aufzuer
legen,
jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.3
Mit Honorarnote vom
15
.
Dezember 2015
(Urk. 1
5
) machte die
unentgeltli
che Rechts
vertreter
in
des Beschwerdeführers einen Aufwand von
10.42
Stunden
, wo
von 2.24 Stunden im Jahr 2015 angefallen sind,
und
Barausla
gen
im Betrag von Fr.
51.--
geltend. Der verrechnete Zeitaufwand er
scheint als angemessen.
Unter Berücksichtigu
ng eines
bis 31. Dezember 2014 gültig gewesenen
Stunden
ansatzes
von Fr.
200
.
--
und seither geltenden Ansatzes von Fr. 220.--
sowie der Barauslagen von Fr.
51.--
(je zuzüglich Mehr
wertsteuer) ist Rechtsanw
ältin
Christina Ammann
mit einem Betrag von Fr.
2’354.--
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.