Decision ID: c4e5276b-4d10-43aa-9e70-1529e02b4e44
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A.a A._ bezog ab dem 1. Februar 1987 wegen einer spastischen Spinalparalyse und
wegen eines posttraumatischen psycho-organischen Syndroms (POS) eine ganze
Invalidenrente (IV-act. 31-13 und 37).
A.b Im Oktober 1995 stellte die Versicherte ein Gesuch für einen Lift bzw. einen
Treppenlift (IV-act. 59). Anlässlich einer Abklärung an Ort und Stelle am 20. Oktober
1996 (IV-act. 75) gab die Versicherte an, dass sich ihr Zustand in den letzten Jahren
verschlechtert habe. Zurzeit arbeite sie drei Stunden pro Woche im Betrieb ihres
Ehemannes. Sie glaube, dass sie ihre Arbeitsfähigkeit durch einen Treppenlift auf eine
Stunde pro Halbtag steigern könnte. Mit Verfügung vom 31. Oktober 1996 (IV-act. 80)
wurde der Versicherten gestützt auf die Austauschbefugnis statt eines Treppenlifts ein
Kostenbeitrag an die Anschaffung eines Personenlifts (Hilfsmittel) in der Höhe von Fr.
69'000.-- zugesprochen. Am 2. November 1998 teilte die Versicherte der IV-Stelle mit
(IV-act. 92), dass sie ihre Anwesenheit im Geschäft nicht habe steigern können, weil
sich ihr Gesundheitszustand im letzten Jahr zunehmend verschlechtert habe.
A.c Mit Verfügung vom 30. Juni 2009 (IV-act. 154) wurde der Versicherten rückwirkend
ab 1. Januar 2009 eine Entschädigung wegen einer Hilflosigkeit leichten Grades
zugesprochen (Hilflosigkeit beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen und bei der
Fortbewegung).
A.d Am 5. Juli 2012 bat die Versicherte die IV-Stelle um Beteiligung an den
Reparaturkosten des Personenlifts (IV-act. 165-1). Auf Nachfrage hin erklärte sie, sie
wohne im vierten Stock der Liegenschaft und der Lift sei aussen angebaut (IV-act.
168-2). Die Mieter der Liegenschaft benützten den Lift ebenfalls. Sie selber benötige
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ihn für Arzt- und Therapiebesuche, zum Einkaufen und zur Pflege sozialer Kontakte.
Ohne den Lift könnte sie die Buchhaltung des Betriebes ihres Ehemannes im Parterre
im Umfang von ca. vier Stunden pro Woche sowie einen Teil der Haushaltsarbeiten
(Einkaufen, Kochen, Bügeln) nicht mehr erledigen. Am 18. September 2012 wurde der
Versicherten mitgeteilt, dass Folgekosten, welche ein Senkrechtlift verursachten, nicht
zulasten der Invalidenversicherung gingen (IV-act. 170). Bei einem herkömmlichen
Treppenlift entstünden nämlich keine Aufrüstungskosten wegen der
Geschwindigkeitsproblematik, wie dies beim Senkrechtlift der Fall sei. Hinzu komme,
dass der Senkrechtlift öffentlich zugänglich sei, sodass die Unterhaltskosten durch den
Mietpreis abzugelten seien.
A.e Im Februar 2014 gab die Versicherte im Fragebogen betreffend die Revision der
Hilflosenentschädigung (IV-act. 189) an, dass sich ihr Gesundheitszustand
verschlechtert habe. Sie sei beim An- und Auskleiden, beim Aufstehen, Absitzen und
Abliegen, bei der Körperpflege, bei der Verrichtung der Notdurft, bei der Fortbewegung
und bei der Pflege gesellschaftlicher Kontakte auf regelmässige, nicht jedoch
erhebliche Hilfe Dritter angewiesen. Zudem benötige sie tagsüber und nachts
gelegentlich Pflege durch Dritte. Je nach körperlicher Verfassung sei sie auf eine
lebenspraktische Begleitung angewiesen.
A.f Am 26. Juni 2014 informierte die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft
Hilfsmittelberatung für Behinderte und Betagte (SAHB) die IV-Stelle darüber, dass sie
von der Versicherten wegen der Ersatzversorgung eines Treppenlifts kontaktiert
worden sei (IV-act. 199). Die SHAB bat um die Erteilung eines Auftrags zur
fachtechnischen Abklärung.
A.g Am 2. Juli 2014 notierte eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle, dass es sich bei der
selbstbewohnten Liegenschaft nach wie vor um eine Erbengemeinschaft handle, an der
die Versicherte und ihr Ehemann beteiligt seien (IV-act. 200). Das Ehepaar lebe im
vierten Obergeschoss in einer Wohnung, die behindertengerecht umgebaut worden sei.
Im Untergeschoss und im ersten Obergeschoss habe der Ehemann der Versicherten
seine Geschäftsräume. Im zweiten und dritten Obergeschoss befänden sich
Mietwohnungen. Die Versicherte erledige die Buchhaltung für das Geschäft ihres
Ehemannes. Sie arbeite jeden zweiten Tag für jeweils zwei Stunden. Anlässlich einer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
telefonischen Abklärung der Hilflosigkeit vom selben Tag (IV-act. 212) gab die
Versicherte an, sie sei aufgrund der Spastik in den Beinen in den Alltagsverrichtungen
auf Dritthilfe angewiesen. Die notwendige Hilfe sei tagesabhängig und werde von ihrem
Ehemann geleistet. Am Oberkörper bestünden keine (motorischen) Einschränkungen.
Zuhause bewege sie sich selbständig mit dem Rollator fort. Im Freien sei sie mit dem
Segway oder mit den Stöcken unterwegs. Aus Angst zu stürzen benötige sie dabei
jeweils eine Begleitperson. Die Gehfähigkeit mit den Stöcken betrage ca. 200 Meter (45
Minuten). Eine Rollstuhlanschaffung sei in Planung. Reinigungsarbeiten könne sie
aufgrund ihrer steifen Beine nicht mehr verrichten. Das Waschen und Bügeln werde
durch den Ehemann erledigt. Einzig das Sortieren der Wäsche sei ihr noch möglich. Die
Mahlzeiten bereite sie zusammen mit ihrem Ehemann zu. Die Einkäufe würden
hauptsächlich durch den Ehemann getätigt. Ohne Begleitung könne sie nicht einkaufen
gehen. Zu Terminen mit Behörden etc. müsse der Ehemann sie hinbringen und
abholen. Die Versicherte ergänzte und bestätigte die Richtigkeit des
Gesprächsprotokolls am 11. August 2014 handschriftlich.
A.h Die zuständige IV-Sachbearbeiterin notierte am 9. Juli 2014, dass die Versicherte
gemäss IK-Auszug keine Sozialversicherungsbeiträge geleistet habe (IV-act. 203).
Wahrscheinlich existiere auch kein Lohnausweis. Ausgehend davon, dass die
Versicherte während 47 Wochen pro Jahr mindestens vier Stunden zu einem
Stundenansatz von Fr. 25.-- arbeite (der Stundenansatz für Aushilfsmitarbeiter liege bei
Fr. 27.--), resultiere ein Jahreseinkommen von Fr. 4'700.--. Gemäss Rz. 1019 des
Kreisschreibens über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung
(KHMI) sei ab einem jährlichen Einkommen von Fr. 4'667.-- von einer Erwerbstätigkeit
auszugehen. Die Versicherte sei somit als erwerbstätig einzustufen.
A.i Die SAHB gab in ihrer fachtechnischen Beurteilung vom 29. Juli 2014 an (IV-
act. 207), dass der vorhandene Senkrechtlift aus Altersgründen (Jahrgang 1996) ersetzt
werden müsse. Eine Reparatur wäre nicht wirtschaftlich und es stünden keine
Ersatzteile mehr zur Verfügung. Beim erstmaligen Einbau des Lifts sei ein
Kostenbeitrag geleistet worden. Die Anlage solle auch weiterhin den anderen
Mitbewohnern der Liegenschaft zugänglich sein. Gemäss Rz. 13.05 KHMI würden nur
Treppenlifte oder Hebebühnen von der IV-Stelle finanziert. Um einen Kostenbeitrag für
die Liftanlage zu ermitteln, sei von der Firma B._ eine Offerte für einen Plattformlift
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einverlangt worden. Ein Plattformlift würde einer einfachen und zweckmässigen Lösung
entsprechen. Aufgrund der Austauschbefugnis nach Rz. 1030 KHMI bestehe die
Möglichkeit, für den Senkrechtlift einen Kostenbeitrag in der Höhe der Gesamtkosten
für einen Plattformlift zu leisten. Bei der Prüfung der Offerte der Firma B._ sei
aufgefallen, dass die Kosten für die Arbeiten der Elektroinstallationen nicht aufgeführt
worden seien. Die SAHB empfahl, der Versicherten an den Personenlift einen
Kostenbeitrag von Fr. 62'832.25 sowie einen Beitrag für die Elektroanschlüsse von Fr.
1'500.-- zu bezahlen. Der SAHB-Beurteilung lag eine unverbindliche Richtofferte der
Firma B._ vom 18. Juli 2014 für einen Treppenplattformlift in der Höhe von Fr.
62'832.25 bei (IV-act. 208).
A.j Am 15. Dezember 2014 reichte die Versicherte eine (unvollständige) Offerte der
C._ AG vom 1. Dezember 2014 für die umfassende Modernisierung des Personenlifts
in der Höhe von Fr. 52'596.-- und eine Offerte eines Architekten vom 13. Oktober 2014
für den Liftaustausch in der Höhe von Fr. 32'000.-- ein (IV-act. 221 und 223). Auf
Nachfrage hin stellte die C._ AG der IV-Stelle am 19. Januar 2015 den kompletten
Werkvertrag zu (IV-act. 230).
A.k Im Rahmen der Abklärung der Hilflosigkeit teilte der Hausarzt Dr. med. D._ der
IV-Stelle am 29. Dezember 2014 mit, dass die Versicherte an einer Kraftlosigkeit in den
oberen Extremitäten leide, die es ihr verunmögliche, den Schuhlöffel und einen
Zehenputzer selbständig einzusetzen (IV-act. 226).
A.l Am 21. Januar 2015 notierte die zuständige Sachbearbeiterin der IV-Stelle, dass die
Tätigkeit der Versicherten die Buchungen, den Jahresabschluss und die Rechnungen
beinhalte (IV-act. 231). Diese Arbeiten könne sie wegen der Infrastruktur nicht von der
Wohnung aus erledigen. Am selben Tag teilte die Versicherte der Sachbearbeiterin
telefonisch mit, dass sich in den Geschäftsräumen viele Unterlagen und Ordner
befänden, die sie für ihre Arbeit benötige (IV-act. 232). Diese könnten nicht in die
Wohnung verlagert werden. Sie sei die einzige im Geschäft, die sich mit den (meisten)
Arbeitsabläufen und in der Buchhaltung auskenne.
A.m Am 6. Februar 2015 notierte ein Fachberater der IV-Stelle (IV-act. 233), dass der
Senkrechtlift Bestandteil der Liegenschaft sei, an dem alle Mieter kostenbeteiligt seien.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Eine Liegenschaft mit Lift erhöhe den Wert der Liegenschaft und deren Mietpreis. Eine
Kostenbeteiligung der IV wäre nicht gerechtfertigt, weil die Kosten über den Mietpreis
abgegolten würden. Dass der Senkrechtlift aus Altersgründen ersetzt werden müsse,
sei verständlich. Es handle sich hierbei jedoch um eine normale
Liegenschaftsrenovation, an deren Kosten sich die IV nicht beteiligen könne. Zudem
wäre es angesichts des (tiefen) Erwerbseinkommens der Versicherten nicht
verhältnismässig, einen Lift einzubauen, der Fr. 60'000.-- koste. Mit Vorbescheid vom
12. Februar 2015 (IV-act. 235) kündigte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung
der Kostenübernahme für den Senkrechtlift an. Zur Begründung führte sie aus, dass es
sich um eine normale Liegenschaftsrenovation handle und die Kosten für den Lift über
den Mietpreis abgegolten würden.
A.n Mit Verfügung vom 13. Februar 2015 (IV-act. 236) wies die IV-Stelle ein Gesuch der
Versicherten um Erhöhung der Hilflosenentschädigung ab.
A.o Gegen den Vorbescheid vom 12. Februar 2015 wendete die Versicherte am
16. Februar 2015 ein (IV-act. 239), dass der Senkrechtlift aus dem Jahr 1996 nicht
altershalber, sondern aus technischen Gründen ersetzt werden müsse. Sie sei die
einzige, die den Lift wirklich brauche. Ihr Rechtsvertreter machte am 18. März 2015
ergänzend geltend (IV-act. 245), dass das Bundesgericht die Einkommensgrenze
verbindlich festgelegt habe und deshalb kein Raum für eine weitere
Verhältnismässigkeitsprüfung bestehe. Die Versicherte sei nach wie vor täglich für ca.
zwei Stunden im Geschäft ihres Ehemannes tätig (Offerten, Buchungen,
Jahresabschluss, Rechnungsstellung etc.). Aufgrund der Infrastruktur, insbesondere
wegen der zahlreichen Unterlagen und Ordnern, welche sich in den
Geschäftsräumlichkeiten befänden und zwecks Auftragserledigung auch dort benötigt
würden, könne die Versicherte ihre Arbeit nicht von der Wohnung aus erledigen. Da sie
die einzige sei, die sich mit den Arbeitsabläufen und der Buchhaltung auskenne,
müsste beim Ausfall der Versicherten eine andere Person für diese Tätigkeit angestellt
werden. Am Ergebnis der Abklärung vor Ort vom 18. Februar 1999 habe sich
demzufolge nichts Wesentliches verändert. Ohne Liftanlage könnte die Versicherte
weder im Betrieb des Ehemannes tätig sein noch die Einkäufe und Besorgungen
erledigen und die Wäsche waschen und bügeln. Der Ersatz der Liftanlage sei für die
Versicherte zur Aufrechterhaltung der Erwerbstätigkeit sowie der Haushaltstätigkeit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
unverzichtbar. Zudem wäre die Versicherte beim Wegfall des Lifts auf eine
lebenspraktische Begleitung angewiesen, um ihre Arzt- und Therapietermine
wahrnehmen zu können. Der Ehemann müsse den Betrieb führen und könne sie nicht
ständig überall herumfahren. Der Anspruch der Versicherten auf Ersatzvornahme eines
Treppenlifts sei somit ausgewiesen. Des Weiteren sei die Ablehnung des
Kostenbeitrags an die Ersatzversorgung einer ursprünglich genehmigten Liftanlage mit
dem Hinweis, es handle sich um eine gewöhnliche Liegenschaftsrenovation,
widersprüchlich und rechtlich unhaltbar. Ausserdem sei der Mietpreis der Wohnungen
im 2. und 3. Obergeschoss wegen des Lifteinbaus nicht erhöht worden. Die Mieter
vermöchten nämlich keinen massgeblichen Beitrag an die Amortisationskosten der
Liftanlage zu leisten. Im Übrigen werde der Personenlift praktisch ausschliesslich von
der Versicherten benutzt.
A.p Der Fachberater der IV-Stelle hielt am 7. April 2015 fest (IV-act. 246), dass die
bisherige Liftanlage so konzipiert worden sei, dass deren Benützung allen Mietparteien
offen stehe. Es liege im Ermessen der Versicherten, ob sie die Kosten der Liftanlage
den Mietparteien auferlegen wolle oder nicht. Das ändere jedoch nichts daran, dass es
sich um eine Liftanlage mit öffentlichem Charakter und einem wertvermehrenden
Gebäudeanteil handle. Eine Liftanlage stelle eine wertvermehrende Investition dar, die
mittels einer Mieterhöhung auf die Mieter hätte abgewälzt werden können. Bei einer
Liftanlage gehe man von einer Lebensdauer von 30 Jahren aus. Dass der Senkrechtlift
nun bereits nach rund 17 Jahren ersetzt werden müsse, sei eine Frage der
Anschaffungsqualität und Sache des Liegenschaftsbesitzers. Eine Kostenbeteiligung
im Rahmen einer Renovation und Erneuerung an einer bestehenden Liegenschaft mit
Liftanlage stelle keine Leistung der Invalidenversicherung dar. Daran ändere auch eine
Kostenbeteiligung aus dem Jahr 1996 nichts, da die Ausgangslage heute wegen des
Vorhandenseins eines Senkrechtlifts anders sei. Bezüglich der Verhältnismässigkeit sei
festzuhalten, dass die Versicherte heute umfassend auf die Unterstützung des
Ehemannes sowie auf Haushalts- und Entlastungsdienste angewiesen sei. Als einfache
und zweckmässige Lösung müsste daher auch eine Treppensteighilfe (Scalamobil) in
Betracht gezogen werden. Ein Scalamobil könne zwar nicht selbständig bedient
werden. Allerdings wäre es der Versicherten möglich, sich so zu organisieren, dass sie
die Unterstützung durch die bereits vorhandene Dritthilfe in Anspruch nehmen könnte.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.q Mit Verfügung vom 10. April 2015 wies die IV-Stelle das Gesuch um
Kostengutsprache für die Liftanlage aus den im Vorbescheid angegebenen Gründen ab
(IV-act. 249). Die Stellungnahme zu den Einwänden entsprach inhaltlich jener des
Fachberaters vom 7. April 2015.
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 6. Mai 2015 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der Verfügung und Kostengutsprache für den Ersatz des bestehenden
Personenlifts in der Höhe der Kosten für einen Treppenlift im Betrag von Fr. 62'832.25.
Zusätzlich seien der Beschwerdeführerin die Kosten für die Elektroinstallationen von Fr.
1'500.-- zu vergüten. Ergänzend zur Einwandbegründung machte er geltend, die IV-
Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) habe verkannt, dass es sich bei der
Erneuerung des bestehenden Personenlifts um eine Ersatzversorgung handle und nicht
um eine gewöhnliche Liegenschaftsinvestition. Die Beschwerdeführerin habe einen
gesetzlichen Anspruch auf Ersatzversorgung eines bestehenden Hilfsmittels, wenn
dessen Lebensdauer erreicht sei. Auch wenn im Jahr 1996 ein Treppenlift eingebaut
worden wäre, müsste dieser nach nunmehr 20 Jahren infolge Erreichens seiner
Lebensdauer ebenfalls vollständig ersetzt werden. Zudem habe auch die SHAB
empfohlen, die Kosten für die Erneuerung des Personenlifts in der Höhe von
Fr. 62'832.25 zu übernehmen. Die vorhandene Liftanlage könne nur noch äusserst
bedingt repariert werden, da es weitgehend an Ersatzteilen fehle. Zudem würden nur
noch die rudimentärsten Serviceleistungen für dieses Produkt angeboten. Es sei
voraussehbar und zu erwarten, dass die Anlage bei der nächsten Kontrolle oder beim
nächsten grösseren Defekt aufgrund der Sicherheitsbestimmungen nicht mehr
abgenommen werde. Bezüglich des Einsatzes eine Scalamobils führte der
Rechtsvertreter aus, dass sich die Arbeit der Beschwerdeführerin je nach Art der
Tätigkeit (Buchhaltung, Auftragsbestätigungen, Auftragskontrolle, Qualitätskontrolle der
Druckergebnisse, Rechnungsstellung, Korrespondenz, Vorbereitungsarbeiten und
Einpacken von Druckerzeugnissen in der Werkstatt) in allen drei Stockwerken abspiele.
Die Beschwerdeführerin sei deshalb darauf angewiesen, sich innerhalb der drei
Stockwerke der Firma bewegen zu können. Hinzu komme, dass sie selbständig in der
Lage sein müsse, Einkäufe zu tätigen, administrative Besorgungen und Behördengänge
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zu erledigen und die wöchentlichen Arzt- und Therapiebesuche wahrzunehmen. Der
Ehemann sei Alleinunternehmer und verbringe eine massgebliche Anzahl von Stunden
ausser Haus bei seinen Kunden. Auch in der Werkstatt könne er seine Arbeitsgänge
nicht ständig unterbrechen, um die Beschwerdeführerin von einem Stockwerk ins
andere zu bewegen und sie ständig überall herumzufahren. Die von der
Beschwerdegegnerin geforderte Unterstützung des Ehemannes ginge weit über ein
zumutbares Mass hinaus. Hinzu komme, dass eine Akkuladung des Scalamobils nur für
die Überwindung von 300 Treppenstufen reiche und die Beschwerdeführerin für jeden
Weg von der Wohnung bis ins Erdgeschoss oder zurück mindestens 10 Minuten
benötigen würde. Insgesamt betrachtet sei das Scalamobil daher keine taugliche
Alternative.
B.b Im Rahmen der Abklärungen betreffend die Abgabe eines Rollstuhles erklärte der
Hausarzt am 29. Mai 2015, dass die Beschwerdeführerin aufgrund einer Schwäche in
beiden Armen nicht mehr in der Lage sei, einen gewöhnlichen Handrollstuhl zu
bedienen (IV-act. 256). An zwei Gehstöcken sei die Beschwerdeführerin nur wenige
Meter mobil. Der Fachbereich hielt in einer Stellungnahme vom 30. Juni 2015 fest (IV-
act. 270), dass die Argumente in der Beschwerdeschrift nichts am Entscheid änderten.
Treppenlifte in Wohnblocks hätten gemäss dem Mieterverband eine durchschnittliche
Lebensdauer von 30 Jahren. Es spiele keine Rolle, ob die bestehende Liftanlage von
der IV teilfinanziert worden sei. Der Bau der Liftanlage an einem Mehrfamilienhaus
stelle eine wertvermehrende Investition dar, deren Kosten mittels einer Mieterhöhung
auf die Mieter hätten abgewälzt werden können.
B.c Die Beschwerdegegnerin beantragte am 10. Juli 2015 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Sie argumentierte, dass die Annahme einer Erwerbstätigkeit
ausschliesslich auf der telefonischen Auskunft der Beschwerdeführerin beruhe. Weder
lägen ein Arbeitsvertrag noch eine Lohnabrechnung oder ein Lohnausweis vor, die eine
solche Tätigkeit belegen würden. Auch aus dem aktuellen IK-Auszug seien in den
letzten Jahren keine Einkommen ersichtlich. Es sei fraglich, ob die Beschwerdeführerin
heute trotz progredienter Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes eine
Erwerbstätigkeit von 4-6 Stunden pro Woche ausübe. Der Senkrechtlift sei zudem für
die Erledigung der Tätigkeiten im Aufgabenbereich nicht notwendig. Gemäss der
telefonischen Abklärung der Hilflosigkeit vom 2. Juli 2014 werde das Waschen und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bügeln vom Ehemann erledigt. Die Einkäufe wie auch Termine mit Behörden und mit
der Poststelle erledige das Ehepaar gemeinsam. Die Einkäufe würden zu 90 % durch
den Ehemann getätigt. Unter dem Aspekt der Schadenminderung wäre es dem
Ehemann zumutbar, die Einkäufe wie auch die Posterledigungen alleine zu tätigen.
Ohnehin würde ein Scalamobil für die Erledigung dieser Tätigkeiten ausreichen, da der
Ehemann die Beschwerdeführerin stets dabei begleite. Selbst wenn von einer
Erwerbstätigkeit von 4-6 Stunden pro Woche ausgegangen würde, wäre die finanzielle
wie auch die zeitliche Angemessenheit klar zu verneinen. Während der Kostenbeitrag
an die Liftanlage im Sinne der Austauschbefugnis nämlich Fr. 62'832.25 betragen
würde, könnte die Beschwerdeführerin bei einer Tätigkeit von 4-6 Stunden pro Woche
vermutungsweise ein Jahreseinkommen von Fr. 4'700.-- erwirtschaften. Da darüber
hinaus weitere Personen von der Liftanlage profitierten, erscheine der genannte
Kostenbeitrag als unverhältnismässig. Gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung müsse gewährleistet sein, dass der mit einer
Eingliederungsmassnahme angestrebte Erfolg voraussichtlich von einer gewissen
Dauer sei. Stünden versicherte Personen relativ kurz vor dem ordentlichen AHV-
Rentenalter, sei davon auszugehen, dass sich die noch zu erwartende Arbeitsdauer auf
den verbleibenden Zeitraum bis zur Vollendung des 64./65. Altersjahres beschränke
und die Abweichung hievon nur bei Vorliegen ganz besonderer und konkreter
Umstände möglich sei, welche die Weiterführung einer Erwerbstätigkeit über das
Rentenalter hinaus prognostizieren liessen. Die Beschwerdeführerin sei im Zeitpunkt
der Anmeldung 6_ und im Zeitpunkt des Verfügungserlasses 6_ Jahre alt gewesen.
Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin über das 64. Altersjahr hinaus einer
Erwerbstätigkeit nachgehen würde, lägen nicht vor. Zwar sei ihr Ehemann selbständig
tätig, weshalb bezüglich einer Erwerbstätigkeit über das Pensionsalter hinaus eine
gewisse Flexibilität vorhanden wäre. Da sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin jedoch seit Jahren progredient verschlechtere, sei nicht mit einer
über das 64. Altersjahr hinausgehenden Erwerbstätigkeit zu rechnen. Der geforderte
Beitrag an die Liftanlage erscheine somit auch unter dem Aspekt der zeitlichen
Angemessenheit als unverhältnismässig. Im Übrigen verwies die Beschwerdegegnerin
auf die Stellungnahmen des Fachbereichs vom 6. Februar, 7. April und 30. Juni 2015.
B.d Mit seiner Replik vom 10. September 2015 (act. G 6) beantragte der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ergänzend die Durchführung einer mündlichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verhandlung. In materieller Hinsicht machte er geltend, dass bereits am 21. Mai 1996
und am 18. Februar 1999 mittels Abklärungen an Ort und Stelle verifiziert worden sei,
dass die Beschwerdeführerin einer Erwerbstätigkeit nachgehe. Dass weder ein
Arbeitsvertrag noch eine Lohnabrechnung oder ein Lohnausweis vorhanden seien und
auch keine AHV-Beiträge abgerechnet würden, liege daran, dass die
Beschwerdeführerin unentgeltlich im ehelichen Betrieb tätig sei. Die
Beschwerdegegnerin habe im Verwaltungsverfahren bestätigt, dass die Voraussetzung
der Erwerbstätigkeit nach Rz. 1019 KHMI erfüllt sei. Um jegliche Zweifel zu beseitigen,
dass die Beschwerdeführerin sämtliche Arbeiten im Zusammenhang mit der
Buchhaltung, der Mehrwertsteuererfassung und -abrechnung, der
Liegenschaftsrechnung sowie dem Schriftenverkehr mit Versicherungsgesellschaften
und Sozialversicherungsträgern besorge, habe er mit der Replik entsprechende
Beweismittel eingereicht. Zur Frage der finanziellen und der zeitlichen Angemessenheit
der beantragten Hilfsmittelversorgung werde anlässlich der mündlichen Verhandlung
noch detailliert Stellung genommen. Der Ehemann der Beschwerdeführerin werde im
Monat 201_ das ordentliche Pensionsalter erreichen, die Beschwerdeführerin einen
Monat vorher (richtig: Ende Monat 201_). Nicht zuletzt wegen der seit Jahren
bestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin, des damit
verbundenen Verdienstausfalles und den mit der Behinderung einhergehenden
massgeblichen finanziellen Aufwendungen in den letzten Jahrzehnten werde das
Ehepaar dazu genötigt sein, den Betrieb mindestens bis zum 70. Altersjahr des
Ehemannes, eventuell darüber hinaus, weiterzuführen. Der Ehemann sei auf die Mithilfe
der Beschwerdeführerin im Betrieb angewiesen, da er sich die Anstellung einer
externen Arbeitskraft nicht leisten könne. Zudem sei zu beachten, dass das Ehepaar
die maximale, plafonierte AHV-Rente für Ehepaare nicht erreichen werde. Nach dem
Splitting würden sie je eine AHV-Rente von Fr. X._ erhalten. Der Ehemann verfüge
über keine Versicherung im Rahmen der beruflichen Vorsorge. Die liquiden
Vermögenswerte des Ehepaares hätten sich per 31. Dezember 2014 auf Fr. X._
belaufen. Allein der nunmehr vorgenommene Ersatzeinbau der Aussenliftanlage habe
Fr. 84'596.-- aus dem Vermögen verschlungen. Es verblieben somit Fr. X._, was
umgerechnet zu einem Rentensatz von 6 % einer jährlichen Rente von knapp Fr. X._
entspreche. Bei einem monatlichen Renteneinkommen von knapp Fr. X._ werde
offenkundig, dass das Ehepaar aus finanziellen Gründen zur Weiterführung des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Betriebs über das ordentliche Rentenalter hinaus gezwungen sein werde. Der Replik
lagen diverse Unterlagen bei, u.a. eine Bestätigung der E._ AG vom 31. August 2015,
dass die Beschwerdeführerin die Buchhaltung für den Betrieb ihres Ehemannes führe
(act. G 6.2.7).
B.e Die Beschwerdegegnerin erklärte in ihrer Duplik vom 23. September 2015 (act.
G 8), dass aufgrund der eingereichten Akten das Vorliegen ganz besonderer und
konkreter Umstände, welche eine Erwerbstätigkeit über das Rentenalter hinaus
prognostizierten, nicht belegt sei.
B.f Am 13. Mai 2016 wurden die Parteien zur mündlichen Verhandlung am 23. Juni
2016 eingeladen (act. G 13 f.). Die Beschwerdegegnerin erklärte am 18. Mai 2016, dass
sie auf eine Teilnahme an der Verhandlung verzichte (act. G 15).
B.g Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin machte anlässlich der mündlichen
Verhandlung vom 23. Juni 2016 ergänzend geltend (act. G 17), dass
rechtsprechungsgemäss von einer hinreichenden Erwerbstätigkeit auszugehen sei,
wenn eine versicherte Person aus ihrer Tätigkeit jährliche Einkünfte erziele, aus denen
der AHV-Mindestbeitrag für Nichterwerbstätige resultiere. Die Beschwerdegegnerin sei
von einem für qualifizierte Buchhaltungsarbeiten sehr tiefen Stundenlohn von Fr. 25.--
ausgegangen; gerechtfertigt wäre der doppelte oder dreifache Betrag gewesen.
Trotzdem habe die Beschwerdegegnerin ein Jahreseinkommen von Fr. 4'700.--
ermittelt, weshalb die Voraussetzung der Erwerbstätigkeit erfüllt sei. Die
Beschwerdeführerin sei massiv in ihrer Gehfähigkeit eingeschränkt. Es wäre ihr daher
nicht zumutbar, mit einem Scalamobil mehrmals täglich fünf Etagen zu überwinden. Sie
könnte das Scalamobil nicht selbständig bedienen. Zudem könnte sie die
Treppenabschnitte auf jeder Etage, die das Scalamobil nicht zu überbrücken
vermöchte, allein schon wegen des Kraftaufwandes nicht selber bewältigen. Je nach
Art der Arbeit sei die Beschwerdeführerin darauf angewiesen, sich innerhalb der drei
Stockwerke, in denen sich die Geschäftsräumlichkeiten befänden, frei bewegen zu
können. Die Beschwerdegegnerin überspanne die Unterstützungspflicht des
Ehemannes massiv, wenn sie von dessen jederzeitiger Hilfestellung ausgehe. Da der
Einbau eines Scalamobils entfalle, sei ein Treppenlift das einzige im Katalog
vorgesehene und zugleich das günstigste Hilfsmittel, mit dem der Eingliederungszweck
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erreicht werden könne. Die finanzielle Angemessenheit sei daher zu bejahen. Des
Weiteren lägen konkrete Umstände vor, die eine Weiterführung der Erwerbstätigkeit der
Beschwerdeführerin über das AHV-Rentenalter hinaus überwiegend wahrscheinlich
erscheinen liessen. Die Beschwerdeführerin habe nunmehr über 20 Jahre hinweg eine
ca. 6-stündige wöchentliche Arbeitstätigkeit aufrechterhalten. Aus gesundheitlicher
Sicht stehe der Weiterführung der Arbeit für die nächsten fünf Jahre nichts entgegen.
Die Beschwerdeführerin habe vor rund einem Monat das AHV-Rentenalter erreicht.
Eine Geschäftsaufgabe stehe nach wie vor nicht zur Diskussion. Damit habe die
Beschwerdeführerin den Tatbeweis für die Weiterführung ihrer Arbeitstätigkeit über das
ordentliche Pensionsalter hinaus erbracht. Ab dem Zeitpunkt der Gesuchseinreichung
sei somit von einer mindestens 7-jährigen beruflichen Aktivitätsdauer auszugehen.
Auch die zeitliche Angemessenheit sei somit gegeben. Insgesamt seien die
Voraussetzungen für die Gewährung des vollen Kostenbeitrages zur Erneuerung der
Aussenliftanlage in der Höhe der Kosten eines Treppenlifts gestützt auf Ziff. 13.05 des
Anhangs zur HVI also erfüllt. Sollte das Gericht zu einem anderen Ergebnis kommen,
wäre zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin auch für das Verlassen ihrer
Wohnung auf den Einbau eines Treppenlifts bzw. auf eine neue Aussenliftanlage
angewiesen wäre, weshalb in diesem Fall ein Kostenbeitrag gestützt auf Ziff. 14.05 des
Anhangs zur HVI geleistet werden müsste. Abschliessend ersuchte der Rechtsvertreter
um die Zusprache einer Parteientschädigung von Fr. 5'000.-- zzgl. Mehrwertsteuer. Er
führte an, dass das Beschwerdeverfahren aufgrund der beiden Schriftenwechsel und
der Hauptverhandlung mit einem höheren Aufwand als üblich verbunden gewesen sei.
Die Beschwerdeführerin selbst erklärte auf Nachfrage des Gerichts hin, dass ihr
wöchentliches Arbeitspensum je nach Arbeitsaufwand unterschiedlich sei. Manchmal
arbeite sie 15 Stunden pro Woche, manchmal nur fünf Stunden. In der Arbeitseinteilung
sei sie frei. Im Durchschnitt betrage ihr Arbeitspensum mindestens 20 %.

Considerations:
Erwägungen
1.
1.1 Strittig ist vorliegend, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf einen Treppenlift
resp. auf eine Kostenbeteiligung (in der Höhe der Kosten eines Treppenlifts) für einen
Personenlift hat.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.2 Nach Art. 21 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG, SR 831.20) hat eine versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat
aufzustellenden Liste Anspruch auf jene Hilfsmittel, derer sie für die Ausübung der
Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit in ihrem Aufgabenbereich, für die Schulung, die
Ausbildung oder zum Zweck der funktionellen Angewöhnung bedarf. Eine versicherte
Person, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des
Kontakts mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedarf, hat im
Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die
Erwerbsfähigkeit Anspruch auf solche Hilfsmittel (Art. 21 Abs. 2 IVG). Der Bundesrat
hat die Kompetenz zur Erstellung der Hilfsmittelliste dem Eidgenössischen
Departement des Innern delegiert (Art. 14 der Verordnung über die
Invalidenversicherung, IVV, SR 831.201), welches entsprechend die Verordnung über
die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI, SR 831.232.51) mit
anhangsweise aufgeführter Hilfsmittelliste erlassen hat. Gemäss Ziff. 13.05 Anhang HVI
werden Hebebühnen und Treppenlifte sowie die Beseitigung oder Änderung von
baulichen Hindernissen im und um den Wohn-, Arbeits-, Ausbildungs- und
Schulungsbereich leihweise abgegeben, sofern damit die Überwindung des Weges zur
Arbeits-, Ausbildungs- oder Schulungsstätte oder die Tätigkeit im Aufgabenbereich
ermöglicht wird. Versicherten Personen, die weder erwerbstätig noch im
Aufgabenbereich tätig sind, werden Treppensteighilfen und Rampen leihweise
abgegeben, wenn sie ohne einen solchen Behelf ihre Wohnstätte nicht verlassen
können (Ziff. 14.05). Wird anstelle einer Treppensteighilfe ein Treppenlift eingebaut, so
beträgt der Höchstbeitrag 8000 Franken. In diesem Fall besteht kein Anspruch auf
Vergütung von Reparaturkosten.
1.3 Die Hilfsmittelversorgung unterliegt den allgemeinen Anspruchsvoraussetzungen
gemäss Art. 8 IVG (Geeignetheit, Erforderlichkeit, Eingliederungswirksamkeit; BGE 122
V 212 E. 2c). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bezieht sich die
Notwendigkeit des Hilfsmittels auf die konkrete Situation, in welcher die versicherte
Person lebt (vgl. BGE 135 I 161 E. 5.1). Die Invalidenversicherung ist, auch im Bereich
der Hilfsmittel, keine umfassende Versicherung, welche sämtliche durch die Invalidität
verursachten Kosten abdecken will; das Gesetz will die Eingliederung lediglich soweit
sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist und zudem der
voraussichtliche Erfolg der Eingliederungsmassnahme in einem vernünftigen Verhältnis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zu ihren Kosten steht (BGE 134 I 105 E. 3 mit Hinweisen). Es besteht nur ein Anspruch
auf Hilfsmittel in einfacher, zweckmässiger und wirtschaftlicher Ausführung (Art. 2 Abs.
4 HVI). Hat eine versicherte Person Anspruch auf ein Hilfsmittel, das auf der Liste des
Bundesrates steht, so kann sie ein anderes Mittel wählen, das dieselben Funktionen
erfüllt (sog. Austauschbefugnis). Die Versicherung übernimmt die Kosten für das
gewählte Hilfsmittel, jedoch höchstens bis zu dem Betrag, den sie für das Hilfsmittel
aus der Liste aufgewendet hätte (Art. 21 Abs. 1 und 2 IVG).
2.
2.1 Bei der Kostenzusprache im Jahr 1996 hat es sich um einen Anwendungsfall der
Austauschbefugnis gehandelt: Statt eines Treppenlifts ist der Beschwerdeführerin eine
Kostenbeteiligung an einem Personenlift zugesprochen worden. Bei der Prüfung, ob
die Voraussetzungen für die leihweise Abgabe eines Treppenlifts bzw. in Anwendung
der Austauschbefugnis für eine Kostenbeteiligung an einem Personenlift im
Verfügungszeitpunkt (10. April 2015) erfüllt gewesen sind, ist daher zu fingieren, dass
im Jahr 1996 ein Treppenlift zugesprochen worden ist. Der Streitgegenstand ist also
der fiktive Ersatz eines fiktiven Treppenlifts. Folglich stellt sich die Frage, ob ein im Jahr
1996 installierter Treppenlift im Jahr 2014 hätte ersetzt werden müssen. Eine
Kostenbeteiligung gestützt auf die Austauschbefugnis darf nämlich nicht zu höheren
Kosten für die Invalidenversicherung führen, als wenn das in der HVI vorgesehen
Hilfsmittel abgegeben worden wäre. Die Beschwerdegegnerin hat mit Verweis auf die
Angaben des Hauseigentümerverbandes (HEV) erklärt, dass eine Liftanlage eine
Lebensdauer von 30 Jahren habe. Diese Angabe bezieht sich jedoch auf Personenlifte
und nicht auf Treppenlifte (siehe http://ldt.innov8.ch/ objekte.php?HEV=1&Gid=12,
besucht am 8. April 2016). Nach der allgemeinen Lebenserfahrung ist davon
auszugehen, dass ein Treppenlift eine kürzere Lebensdauer hat als ein Personenlift.
Wäre im Jahr 1996 ein Treppenlift installiert worden, wäre dieser im
Verfügungszeitpunkt fast 20 Jahre alt gewesen. Auch unter Berücksichtigung des
Umstandes, dass die Beschwerdeführerin, hätte sie einen Treppenlift installieren
lassen, diesen mehrmals täglich benutzt hätte, ist mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass ein im Jahr 1996
installierter Treppenlift spätestens im Jahr 2015 hätte ersetzt werden müssen. Da es im
vorliegenden Verfahren um den fiktiven Ersatz eines fiktiven Treppenlifts geht, ist auch
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nicht relevant, dass der Personenlift den anderen Mietern der Liegenschaft zur
Mitbenützung offen gestanden hat und deshalb die Kosten für die Liftanlage auf die
ganze Mieterschaft hätten abgewälzt werden können. Wäre im Jahr 1996 nämlich ein
Treppenlift eingebaut worden, wäre dieser den anderen Mietern nicht zur Mitbenutzung
offengestanden bzw. sie hätten keinen Nutzen an einem Treppenlift gehabt. Die
Beschwerdeführerin hat daher grundsätzlich Anspruch auf den Ersatz des im Jahr 1996
fiktiv zugesprochenen Treppenlifts.
2.2 Als Nächstes ist zu klären, ob es sich bei der erstmaligen Zusprache eines fiktiven
Treppenlifts im Jahr 1996 um die Zusprache einer Dauerleistung gehandelt hat, deren
Anpassung grundsätzlich voraussetzt, dass sich der Sachverhalt nachträglich erheblich
verändert hat (Art. 17 Abs. 2 ATSG), oder ob es sich um eine einmalige
Leistungszusprache ohne Dauercharakter gehandelt hat. Das Bundesgericht hat die
Frage, ob es sich bei der Zusprache eines Hilfsmittels um eine Dauerleistung handelt,
im Urteil 9C_767/2009 vom 10. Februar 2010 offen gelassen (siehe Erw. 5.2). Es hat
jedoch darauf hingewiesen, dass der Entscheid BGE 113 V 22, der vor Inkrafttreten des
ATSG ergangen ist, dies zumindest nahelege. Damals hatte das Eidgenössische
Versicherungsgericht erklärt, dass die Vorschriften über die Revision von
Invalidenrenten im Rahmen der Revision von Eingliederungsleistungen sinngemäss
anwendbar seien (Erw. 3b). Im Urteil 8C_48/2010 vom 20. September 2010 hat das
Bundesgericht allerdings − jedoch ohne jegliche Begründung − erklärt, dass es sich bei
baulichen Anpassungen − worunter im konkreten Fall auch der Einbau eines
Treppenlifts gefallen ist − nicht um Dauerleistungen handle (Erw. 5.1). Auf den ersten
Blick erscheint die Zusprache eines Treppenlifts als einmalige und damit
vorübergehende Leistung, die keinen Dauercharakter aufweist. Massgebend ist jedoch
vielmehr, dass im Jahr 1996 davon hat ausgegangen werden müssen, dass die
Beschwerdeführerin ihre Wohnung nie mehr alleine ohne einen Treppenlift (bzw. einen
Personenlift) würde verlassen können. Auf den zweiten Blick hat es sich bei der
Zusprache des fiktiven Treppenlifts im Jahr 1996 somit um eine Dauerleistung
gehandelt. Gerade im Hinblick auf Hilfsmittel mit kürzerer Lebensdauer würde es einen
unnötigen administrativen Aufwand verursachen, wenn jedes der erstmaligen
Leistungszusprache folgende Gesuch umfassend geprüft werden müsste, obwohl sich
die tatsächlichen Verhältnisse zwischenzeitlich offensichtlich nicht verändert hätten.
Auch unter dem Aspekt der Rechtssicherheit erscheint die Qualifikation der Zusprache
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eines Hilfsmittels als Dauerleistung die sachgerechtere Lösung: Eine versicherte Person
soll darauf vertrauen können, dass sie bei unveränderten Verhältnissen auch zukünftig
weiterhin Anspruch auf ein ihr zugesprochenes Hilfsmittel hat. Vorliegend handelt es
sich somit um ein Revisionsverfahren nach Art. 17 Abs. 2 ATSG.
2.3 Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine formell rechtskräftig
zugesprochene Dauerleistung in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu
überprüfen, wenn ein Revisionsgrund gegeben ist (vgl. z.B. Urteil des Bundesgerichts
vom 21. Oktober 2014, 9C_378/2014 E. 4.2). Dies würde bedeuten, dass im
vorliegenden Verfahren auch bei gleichbleibendem oder sich zwischenzeitlich
verschlechtertem Gesundheitszustand überprüft werden müsste, ob die
Beschwerdeführerin zur Überwindung der Treppen in der Liegenschaft überhaupt auf
einen Treppenlift angewiesen ist. Entgegen der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
ist jedoch eine umfassende Prüfung des Leistungsanspruchs in tatsächlicher und
rechtlicher Hinsicht gestützt auf Art. 17 ATSG nicht zulässig. Denn das Instrument der
Revision bezweckt, eine rechtskräftig verfügte Dauerleistung an eine nachträglich
eingetretene Veränderung des Sachverhalts anzupassen. Die Überprüfungsbefugnis im
Rahmen eines Revisionsverfahrens beschränkt sich daher auf das sich zwischenzeitlich
veränderte Sachverhaltselement bzw. falls mehrere tatsächliche Veränderungen
eingetreten sind, auf die veränderten Sachverhaltselemente. Eine Ausdehnung der
revisionsweisen Überprüfungsbefugnis auf die tatsächliche oder rechtliche Würdigung
von unverändert gebliebenen Sachverhaltselementen ist vom Sinn und Zweck der
Revision nach Art. 17 ATSG nicht abgedeckt. Eine solche käme nämlich einer −
gesetzlich nicht vorgesehenen − Wiedererwägung ex nunc gleich (zum Ganzen siehe
Ralph Jöhl, Die Revision nach Art. 17 ATSG, in: Ueli Kieser/Miriam Lendfers (Hrsg.),
Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 2012, S. 153 ff.).
2.4 Nachfolgend ist zu prüfen, ob ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 2
ATSG gegeben ist, gestützt auf den die Beschwerdegegnerin den fiktiven Ersatz des
fiktiven Treppenlifts (d.h. die Übernahme eines Kostenbeitrages an den zu ersetzenden
Personenlift) zu Recht verweigert hat.
2.5 Die Beschwerdegegnerin bestreitet, dass die Beschwerdeführerin im
Verfügungszeitpunkt noch erwerbstätig im Sinne von Art. 2 Abs. 2 HVI i.V.m. Ziff. 13.05
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
des Anhangs zur HVI gewesen ist. Nach Rz. 1019 des KHMI (Stand 1. Januar 2015) ist
eine Erwerbstätigkeit anzunehmen, wenn die versicherte Person ohne Anrechnung
allfälliger Renten aus ihrer Tätigkeit ein jährliches Einkommen erzielt, das dem
Mindestbeitrag für Nichterwerbstätige gemäss Art. 10 Abs. 1 AHVG entspricht oder
höher ist. Das Kreisschreiben verweist dazu auf seinen Anhang 1 Ziff. 6.1. Dort ist als
Grenzwert für eine Erwerbstätigkeit ein jährliches Einkommen von mindestens Fr.
4'667.-- angegeben (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2014, 9C_886/2013
E. 5 und Urteil vom 10. Februar 2010, 9C_767/2009 E. 3 f., je mit Hinweisen). Gemäss
eigenen Aussagen arbeitet die Beschwerdeführerin seit Jahren im Betrieb ihres
Ehemannes, ohne einen Lohn zu erhalten. Der IK-Auszug der Beschwerdeführerin
bestätigt dies (IV-act. 205). Daher stellt sich grundsätzlich die Frage, ob die Ausübung
einer Tätigkeit ohne Lohn überhaupt eine Erwerbstätigkeit im Sinne von Art. 2 Abs. 2
HVI sein kann. Das Bundesgericht hat im Urteil 9C_767/2009 vom 10. Februar 2010
entschieden, dass bei der Beurteilung, ob eine versicherte Person im Sinne der HVI
erwerbstätig ist, auch ein Naturallohn (hier in Form reduzierter Heimkosten) zu
berücksichtigen sei. Entscheidend sei die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der
versicherten Person, d.h. es komme allein darauf an, wie hoch ihre
arbeitsmarktgerechte Entlöhnung wäre (Erw. 5.1). Diese Sichtweise überzeugt: Zwar
erhält die Beschwerdeführerin für ihre Arbeit keinen direkten Lohn. Wäre sie jedoch
nicht für den Betrieb ihres Ehemannes tätig, müsste dieser die von der
Beschwerdeführerin übernommenen Aufgaben durch eine bezahlte Arbeitskraft
erledigen lassen. Durch die höheren Lohnausgaben würde der Gewinn des
Unternehmens geringer ausfallen, was wiederum zur Folge hätte, dass der
Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann weniger finanzielle Mittel zur Bestreitung ihres
Lebensunterhalts zur Verfügung stünden.
2.6 Als Nächstes ist deshalb zu prüfen, wie hoch die arbeitsmarktgerechte Entlöhnung
der Beschwerdeführerin für die von ihr geleistete Arbeit im Betrieb wäre. Die
Beschwerdeführerin hat der Beschwerdegegnerin nach dem Einbau des Personenlifts
im Jahr 1998 mitgeteilt, dass sie ihre Arbeitstätigkeit von drei Stunden pro Woche
durch den Lifteinbau nicht wie vorgesehen habe erhöhen können. Obwohl sich ihr
Gesundheitszustand gemäss den Akten seither progredient verschlechtert hat, hat die
Beschwerdeführerin in dem diesem Beschwerdeverfahren zugrunde liegenden
Verwaltungsverfahren angegeben, dass sie jeden zweiten Tag zwei Stunden im Betrieb
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
des Ehemannes tätig sei. Die Beschwerdeführerin hat also erklärt, dass sie trotz der
stetigen Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes das Arbeitspensum seit dem
Einbau des Personenlifts im Jahr 1998 habe steigern können. Ihr Rechtsvertreter hat in
der Beschwerdeschrift sogar geltend gemacht, dass die Beschwerdeführerin im
Durchschnitt mindestens zwei Stunden pro Tag arbeite. In der mündlichen Verhandlung
hat er schliesslich von ca. sechs Arbeitsstunden pro Woche gesprochen. Die
Beschwerdeführerin selber hat anlässlich der mündlichen Verhandlung angegeben,
dass ihr wöchentliches Arbeitspensum je nach Arbeitsaufwand sehr unterschiedlich
sei; manchmal arbeite sie 5, manchmal 15 Stunden pro Woche. Im Durchschnitt
betrage ihr Pensum mindestens 20 %. Die vom Rechtsvertreter mit der Replik
eingereichten Unterlagen bestätigen zwar, dass die Beschwerdeführerin nach wie vor
für das Unternehmen ihres Ehemannes tätig ist. Die Unterlagen sagen jedoch nichts
darüber aus, wie viele Stunden sie pro Jahr für den Betrieb arbeitet. Die
(uneinheitlichen) Angaben des Rechtsvertreters und der Beschwerdeführerin zum
Arbeitspensum lassen sich somit anhand der im Recht liegenden Akten nicht
verifizieren. Daher steht nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, welches Arbeitspensum die Beschwerdeführerin für den
Betrieb absolviert. Diesbezüglich sind also weitere Abklärungen notwendig. Zur
Ermittlung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin hat die
Beschwerdegegnerin einen Stundenlohn von Fr. 25.-- herangezogen. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat anlässlich der mündlichen Verhandlung
geltend gemacht, dass der doppelte oder dreifache Stundenlohn (d.h. Fr. 50.-- bis Fr.
75.--) zu veranschlagen sei. Beide Parteien haben den von ihnen angegebenen
Stundenlohn nicht überzeugend begründet. Somit steht auch nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, auf welchen Stundenansatz
bei der Ermittlung der arbeitsmarktgerechten Entlöhnung abzustellen ist. Die
Beschwerdegegnerin wird daher durch eine betriebswirtschaftliche Fachperson −
beispielweise durch einen (internen) AHV-Revisor − abklären müssen, welches
Arbeitspensum die Beschwerdeführerin in den letzten Jahren im Betrieb des
Ehemannes tatsächlich absolviert hat und welcher Lohn für die von ihr erledigte Arbeit
angemessen wäre. Zu berücksichtigen sind dabei auch die Qualität der erledigten
Arbeit und die Art der Tätigkeit. Es ist also danach zu fragen, welcher Lohn einer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arbeitnehmerin bezahlt würde, die die von der Beschwerdeführerin geleisteten Arbeiten
im Betrieb des Ehemannes erledigen würde.
2.7 Die Beschwerdegegnerin hat ausserdem argumentiert, dass selbst wenn von einer
Erwerbstätigkeit von 4-6 Stunden pro Woche ausgegangen würde, die finanzielle wie
auch die zeitliche Angemessenheit klar zu verneinen wären, da die Beschwerdeführerin
in einem (gerechnet ab dem Verfügungszeitpunkt) resp. in zwei Jahren (gerechnet ab
dem Anmeldezeitpunkt) das ordentliche Pensionsalter erreichen werde. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat hiergegen vorgebracht, dass der Ehemann
den Betrieb aus finanziellen Gründen mindestens bis zu seinem 70. Altersjahr (d.h. bis
zum _ Altersjahr der Beschwerdeführerin) weiterführen würde. Anlässlich der
mündlichen Verhandlung hat der Rechtsvertreter erklärt, dass die Beschwerdeführerin
den Tatbeweis für die Weiterführung der Arbeitstätigkeit über das ordentliche
Pensionsalter hinaus zwischenzeitlich erbracht habe, da sie vor rund einem Monat das
AHV-Rentenalter erreicht habe und eine Geschäftsaufgabe nach wie vor nicht zur
Diskussion stehe. Aus gesundheitlicher Sicht spreche nichts gegen die Weiterführung
der Arbeit für die nächsten fünf Jahre. Gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung ist bei der Beurteilung der zeitlichen Angemessenheit des Anspruchs
auf Eingliederungsmassnahmen grundsätzlich davon auszugehen, dass sich die
gesamte zu erwartende Arbeitsdauer auf den verbleibenden Zeitraum bis zur
Vollendung des 64./65. Altersjahres beschränkt. Eine Abweichung hiervon ist nur bei
Vorliegen ganz besonderer und konkreter Umstände möglich, welche die
Weiterführung der Erwerbstätigkeit über das Rentenalter hinaus prognostizieren lassen
(vgl. BGE 132 V 215 E. 4.5.4). Angesichts der selbständigen Erwerbstätigkeit des
Ehemannes der Beschwerdeführerin ist es plausibel, dass der Betrieb einige Jahre über
das ordentliche Rentenalter hinaus weitergeführt wird. Da die Beschwerdeführerin
gemäss eigenen Angaben seit Jahren im Durchschnitt ein konstantes Arbeitspensum
absolviert, spricht auch aus gesundheitlicher Sicht nichts gegen eine Arbeitstätigkeit
über das Pensionsalter hinaus. Sollten die weiteren Abklärungen ergeben, dass die
arbeitsmarktgerechte Entlöhnung der Beschwerdeführerin mindestens Fr. 4'667.-- pro
Jahr beträgt, hätte sie demzufolge gestützt auf Ziff. 13.05 des Anhangs zur HVI einen
Anspruch auf eine Kostenbeteiligung an der Erneuerung des Personenlifts in der Höhe
eines Treppenlifts.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.8 Die vorgenannten weiteren Abklärungen wären überflüssig, wenn die
Beschwerdeführerin schon wegen der Besorgung des eigenen Haushalts auf einen
Treppenlift angewiesen wäre. Gemäss Rz. 1021 KHMI können Hilfsmittel für die
Tätigkeit im Aufgabenbereich nur abgegeben werden, wenn die Arbeitsfähigkeit
gesteigert werden kann (in der Regel mindestens 10 % gemäss Haushaltsabklärung,
vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2010, 8C_961/2009 E. 7.2). Die
Beschwerdeführerin hat im vorliegenden Verfahren geltend gemacht, dass sie ohne
Treppenlift (bzw. ohne Personenlift) nicht mehr selbständig einkaufen, keine
Besorgungen mehr erledigen und die Wäsche nicht mehr waschen und bügeln könnte.
In Widerspruch dazu hat sie am 2. Juli 2014 im Rahmen der Abklärung der Hilflosigkeit
gegenüber der Beschwerdegegnerin angegeben, dass sie − trotz des vorhandenen
Personenlifts − nicht ohne Begleitung einkaufen gehen könne und das Waschen und
Bügeln durch den Ehemann erledigt werde. Auch Reinigungsarbeiten könne sie nicht
mehr ausüben. Es ist somit unklar, inwieweit die Beschwerdeführerin tatsächlich noch
im Haushalt tätig ist. Sollte die Beschwerdeführerin als Nichterwerbstätige eingestuft
werden, müsste deshalb auch abgeklärt werden, ob ein Treppenlift ihre Arbeitsfähigkeit
im Aufgabenbereich um mindestens 10 % steigern würde.
2.9 Unter Berücksichtigung der eingeschränkten revisionsweisen Überprüfbarkeit fiele
die Zusprache lediglich eines Scalamobils erst dann in Betracht, wenn sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin soweit verschlechtern würde, dass sie
auch zur Überwindung der Treppen mit einem Treppenlift bzw. mit einem Personenlift
auf Dritthilfe angewiesen wäre. Auch in diesem Fall erscheint ein Scalamobil im
vorliegenden Fall jedoch als untaugliches Hilfsmittel. Die Bedienung eines Scalamobils
ist aufwändiger und zeitintensiver als die Benutzung eines Treppenlifts. Ein Scalamobil
ist nach der allgemeinen Lebenserfahrung insbesondere für einen flexiblen Einsatz
geeignet. Sobald eine nicht gehfähige versicherte Person darauf angewiesen ist, zur
Ausübung ihrer Erwerbstätigkeit (bzw. zur Betätigung im Aufgabenbereich) regelmässig
(mithin täglich) mehrere Stockwerke desselben Gebäudes zu überwinden, ist es ihr
nicht mehr zumutbar, dies mittels des (günstigeren) Scalamobils zu tun. In diesen
Fällen hat eine versicherte Person also Anspruch auf einen Treppenlift.
2.10 Demnach ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und die Sache zur weiteren
Abklärung der Erwerbstätigkeit und allenfalls der Tätigkeit im Haushalt an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
3.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die
Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles Obsiegen (BGE 132 V
215 E. 6.2), weshalb die Beschwerdegegnerin die gesamten Gerichtskosten von
Fr. 600.-- zu bezahlen hat. Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird der
Beschwerdeführerin zurückerstattet.
3.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat für seine Aufwendungen eine
Entschädigung von Fr. 5'000.-- (zzgl. Mehrwertsteuer) gefordert. Eine Honorarnote hat
er nicht eingereicht. In einem durchschnittlichen IV-Rentenfall spricht das
Versicherungsgericht praxisgemäss eine pauschale Entschädigung von Fr. 3'500.-- zu.
Streitgegenstand ist vorliegend nicht eine Rente, sondern die Zusprache eines
Hilfsmittels gewesen. Die fallrelevanten Akten sind nicht umfangreich gewesen, es hat
sich nicht um einen komplexen Sachverhalt gehandelt und es haben sich auch keine
schwierigen rechtlichen Fragen gestellt. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass der
Rechtsvertreter im Rahmen der Replik diverse neue Unterlagen beschafft und
eingereicht hat (act. G 6.2). Insgesamt ist der Aufwand des Rechtsvertreters, verglichen
mit einem durchschnittlichen Rentenfall, jedoch weniger aufwändig gewesen. Für die
beiden Schriftenwechsel rechtfertigt sich daher eine Parteientschädigung von pauschal
Fr. 3'000.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer). Der Aufwand für die mündliche
Verhandlung, an welcher der Rechtsvertreter ein ausführliches Plädoyer gehalten hat,
ist zusätzlich mit Fr. 1'000.-- zu entschädigen (inkl. Mehrwertsteuer). Die
Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin also mit Fr. 4'000.-- (inkl.
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte