Decision ID: 6f394226-36ae-4919-b9cb-2261ca359d5f
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1966,
absolvierte eine 4-jährige Lehre als Werk
zeug
macher
(
Urk. 8/25 S. 3 und S. 5
).
1.2
Am
17
.
März
201
4 (Urk. 8/25)
meldete
er
sich bei der Invalidenversicherung unter Hinweis auf
- anlässlich einer tätlichen Auseinandersetzung am 2
2.
Sep
tember 2011 zugezogenen (
Urk.
8/25/6,
Urk.
8/29/186-189; vgl. auch
Urk.
1 S. 4 f.) -
Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Tinnitus, Müdigkeit und Erschöpfung
zum Leistungsbezug an. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte
in der Folge
Abklärungen in erwerblicher sowie medizi
nischer Hinsicht und zog
die Akten
d
er Suva
bei
.
Mit Vorbescheid vom
2
.
November
201
5
(Urk.
8
/
67)
stellte
sie
dem
Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht.
Auf
Einwände vom 20.
November 2015 (Urk. 8/71) und vom 15.
Januar 2016 (Urk. 8/74)
sowie
einer
Stellungnahme
des Versicherten vom
1. September 2016
zu de
n
im
Vorbescheidverfahren
ergänzten Akten
(Urk. 8/87)
wies
die IV-Stelle
das Leistungsbegehren
mit Verfügung vom
22
.
Dezember
2016 (Urk. 2)
ab
.
2.
Dagegen erhob
der
Versicherte am
30
.
Januar
201
7 (Urk. 1)
Beschwerde mit den Anträgen, es sei die Verfügung vom
22
.
Dezember
2016 aufzuheben; es sei
die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen auszurich
ten, insbesondere sei sie zu verpflichten, ihm eine Invalidenrente auszurichten;
eventualiter
sei sie zu verpflichten, weitere medizinische Abklärungen zu tätigen und gestützt darauf den Invaliditätsgrad zu bestimmen und im Falle einer Rest
arbeitsunfähigkeit Integrationsmassnahmen zu gewähren. Daneben beantragte er die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels sowie die Gewährung der
unentgeltliche
n
Rechtspflege
unter Bestellung von
Rechtsanwalt Kaspar Gehring, Zürich, als unentgeltlichen Vertreter (S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom
22
.
Februar
201
7
(Urk.
7
) Ab
weisung der Beschwerde, was
dem
Versicherten mit Verfügung vom
5
.
April
201
7 (Urk. 12
) zur Kenntnis gebracht wurde.
Am 4. April 2017 (Urk. 10) teilte der Beschwerdeführer unter Beilage eines Schreibens seiner Rechtsschutzversicherung vom 30. März 2017 (Urk. 11) mit, dass diese
wegen verspäteter Anmeldung
keine Leistung erbringen
wolle
, und erneuerte sein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbs
unfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
legte
dar
(Urk. 2)
, dass
die Leiden des Beschwerdeführers massgeblich durch psychosoziale Belastungsfaktoren ausgelöst worden seien. Diese seien invaliditätsfremd und begründeten keinen erheblichen Gesundheits
schaden. Die Arbeitsunfähigkeit werde massgeblich von diesen Faktoren beein
flusst. Eine Invalidität im Sinne des Gesetzes liege daher nicht vor. Aufgrund der guten Behandelbarkeit und der daraus folgenden mangelnden Erheblichkeit des Gesundheitszustandes liege kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversiche
rung vor. Eine Therapieresistenz sei zu verneinen (S. 2).
Ein psychiatrischer Bericht und ein Arztbericht des Universitätsspitals seien eingeholt worden. Dem Untersuchungsgrundsatz beziehungsweise der Abklärungspflicht
sei sie nachge
kommen
.
Eine Ressourcenprüfung nach neuer Rechtsprechung sei vorgenommen worden. Aus juristischer Sicht
seien
die medizinischen Mass
nahmen noch nicht ausgeschöpft
worden
. Vor allem habe im Rahmen der begonnenen Therapie eine Verbesserung des Gesundheitszustandes erzielt werden könne. Betreffend
die
drohende Invalidität
könn
t
e
n
nach erfolgreichen medizini
schen Massnahmen Eingliederungsmassnahmen geprüft werden (S. 3).
2.2
Der Beschwerdeführer
stellte sich hingegen auf den Standpunkt
(Urk. 1)
,
er leide an mehreren somatischen und psychischen Erkrankungen, welche sich auf seine Arbeitsfähigkeit auswirkten
(S. 8)
. Die aktuellsten Berichte der Klinik für Neuro
logie des Y._
zeigten, dass seine somatische Gesund
heitsproblematik weder diagnostisch, noch mit Bezug auf die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit genügend
abgeklärt worden sei.
Indem die Beschwerdegegnerin der Aufforderung, die Klinik für Neurologie des
Y._
mit einem klärenden Gut
achten zu bea
uftragen, nicht Folge geleistet
und ihre Verfügung
trotz zahlreicher ungeklärter Fragen erlassen habe, habe sie die Abklärungspflicht gemäss Art. 43 ATSG verletzt. Die Diagnostik, die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und die Ein
gliederungsfrage würden zusätzlich durch das Vorliegen einer rezidivierenden depressiven Störung erschwert
(S. 10)
.
Im Austrittsbericht der
Z._
vom 30. Januar 2015 würden auch eine dissoziative Störung, ein chronischer posttraumatischer Kopfschmerz und ein arzneimittelin
duzierter Kopfschmerz diagnostiziert. Es könne nicht darauf geschlossen werden, dass eine vorwiegend durch invaliditätsfremde psychosoziale Umstände geprägte Erkrankung vorliege (S. 1
1
). Er sei seit über fünf Jahren arbeitsunfähig und
werde
in somatischer Hinsicht zu einem unbestimmten Prozentsatz sowie in psychiatri
scher Hinsicht zu mindest
ens 50 % arbeitsunfähig bleiben
, auch in angepasster Tätigkeit.
Falls das Gericht davon ausginge, dass auf die vorhandenen medizini
schen Berichte abgestellt werden könne, wäre
im
Mindesten von einer dauernden 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen und der Invaliditätsgrad auf dieser Grundlage zu bemessen. Dabei resultierte ein Invaliditätsgrad von 72 %, welcher Anspruch auf eine ganze Invalidenrente gebe (S. 12).
Zudem habe die Beschwer
degegnerin eine Ressourcenprüfung vorgenommen, eine solche dränge sich nur bei der Anwendung der Schmerzrechtsprechung auf. Da nicht ein psychosomati
sches Leiden zu beurteilen
sei
, könne eine solche ausbleiben. Im Übrigen bestehe ein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen bereits bei drohender Invalidität, was vorliegend zweifellos gegeben sei (S. 14 f.).
2.3
Strittig
ist
,
ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invalidenrente und allen
falls auf berufliche Massnahmen hat. Insbesondere zu prüfen ist, ob die vorhan
denen medizinischen Berichte zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
eine genü
gende Grundlage bieten
.
3.
3.1
Dr. med.
univ.
A._
,
Fachärztin
für
Psychiatrie und Psychotherapie
,
bei wel
cher si
ch der Beschwerdeführer seit 1.
Oktober 2013 in Behandlung befand
,
nannte
in
ihrem
Bericht
vom
13
.
April
2014
(Urk. 8/
28)
als Diagnose mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode mit somati
schem Syndrom (ICD-10 F32.11). Sie führte aus,
i
n seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als selbständiger Unternehmer sei
der Beschwerdeführer
vom 1. Oktober 2013 bis zum 31. März 2014 bis maximal 50 % arbeitsunfähig.
Es bestünden geistige Einschränkungen in Form leichtgradig reduzierter Konzentration sowie psychische Einschränkungen in Form eines sozialen Rückzuges, mittelgradig reduzierter psychischer Belastbarkeit durch eine depressive Verarbeitung, Nieder
geschlagenheit und ausgeprägte Insuffizienz
gefühle. Dies wirke sich auf die Arbeit aus, indem eine Unfähigkeit bestehe, das Arbeitstempo des ersten Arbeits
marktes durchzuhalten sowie eine Qualitäts
minderung. Die bisherige Tätigkeit sei ihm aus psychiatrischer Sicht zumutbar in einem zeitlichen Rahmen von 100 %. Aktuell bestehe eine verminderte Leistungs
fähigkeit. Kurz
-
bis mittelfristig sei eine behinderungs
angepasste Tätigkeit möglich (S. 3). Mit der Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit beziehungs
weise Erhöhung der Einsatzfähigkeit könne im Umfang von 100 % mittel- bis langfristig gerechnet werden (S. 4).
3.2
Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie
sowie
Psychotherapie
und
Ober
arzt, und
Assistenzarzt
C._
, von
der
Z._
, wo sich der Beschwerdeführer
frei
willig auf Zuweisung des
D._
wegen einer depressiven Symptoma
tik im Rahmen einer psychosozialen Belastungssituation vom
28
.
Juli bis zum
19. Dezember 2014 in stationärer Behandlung befand
, stellten in ihrem
Austritts
bericht
vom
30
.
Januar
201
5
(Urk. 8/
53
) folgende
Diagnosen
(S. 1):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Dissoziative Störung
(
Konversionsstörung, Trancezustände
;
ICD-10 F44.3)
-
Chronischer posttraumatischer Kopfschmerz (ICD-10 G44.3)
-
Arzneimittelinduzierter Kopfschmerz (ICD-10 G44.4)
Sie führten
aus, beim Beschwerdeführer habe initial ein depressives Zustandsbild mit
Anhedonie
und einem Gefühl von Hoffnungslosigkeit imponiert. Er sei deut
lich eingeengt auf die, laut seinen Angaben stattgefundene, ungerechte Behand
lung durch seine Ex-Chefin und ein in diesem
Zusammenhang laufendes Gerichtsverfahren. Nach Umstellung der antidepressiven Medikation seien vo
n
ihm die Kopfschmerzen als unverändert beschrieben worden. Es habe sich aber eine leichte Besserung der Stimmung gezeigt. Die depressive Symptomatik habe dann aber nochmals
exazerbiert
, nachdem er die Information bekommen habe,
dass er einen seiner gerichtlichen Prozesse verlieren werde. Der Beschwerdeführer
habe
in diesem Zusammenhang
einen zunehmenden Antriebsverl
ust
gezeigt
und
berichtet
, dass er den Verdacht habe, von seiner
Chefin «
überwacht
»
zu werden.
Da von ärztlicher Seite nicht habe geklärt werden können, ob er tatsächlich von seiner ehemaligen Chefin zu Unrecht verklagt und eine Beschäftigung mit dieser Thematik im Rahmen der Behandlung als nicht fruchtbar und sinnvoll angesehen worden sei, hätten
sie sich
darauf geeinigt, den Behandlungsschwerpunkt auf die Klärung seiner sozialen Situation zu legen
und
für ihn mit seinem Einverständnis eine Beistandschaft beantragt, da er sich mit der Erledigung seiner administrati
ven Angelegenheiten
überfordert gesehen habe (S. 4).
3.3
Dr. med.
E._
,
Facharzt für Neurologie und Oberarzt
, und med.
pract
.
F._
,
Assistenzärztin
an
der
Klinik für Neurologie
des
Y._
, wo
hin
sich der Beschwer
deführer
auf Wiederzuweisung durch den Hausarzt zur erneuten Beurteilung bei weiterhin bestehendem Medikamentenüberkonsum am 5. Februar 2016 zur Kon
trolle begab
, stellten in ihrem
nach Erlass des Vorbescheids (
Urk.
8/67) verfassten
Bericht vom
5
.
Februar
2016 (Urk. 8/
81/6-9
) folgende Hauptdiagnosen (S. 1):
-
Verdacht auf
Medikamentenübergebrauchkopfschmerzen
(ICHD-III
beta
: 8.2.3)
-
Verdacht auf posttraumatische Kopfschmerzen, Erstmanifestation Sep
tember 2011
-
Unklare
Hemihypästesie
links posttraumatisch, Erstmanifestation September 2011
-
Unklare
Episoden von Orientierungslosigkeit
, Erstmanifestation 2013
-
Rezidivierende depressive Episode
-
Unklare rezidivierende
Thoraxschmerzen
, am ehesten funktional
im Rahmen des
Schmerzsyndrom
s,
differentialdiagnostisch
cardial
Sie führten aus, der Beschwerdeführer sei seit der letzten Vorstellung im Juli 2015 nicht in der Lage gewesen, seinen täglichen Analgetika-Konsum zu reduzieren. Es bestehe ein hoher Leidensdruck aufgrund täglicher Kopfschmerzen von diffus drückendem Charakter. Um eine Progredienz des komplexen Kopfschmerz
syn
droms zu vermeiden
,
sei ein stationärer Schmerzmittelentzug indiziert. Der Beschwerdeführer sei gewillt
,
an einem stationären Programm teilzunehmen (S. 4).
3.4
Mit Bericht
vom 1
2.
März 2016 (Urk. 8/81/1-4)
legte
med.
pract
.
F._
von
der Klinik für Neurologie
des
Y._
dar
, dass die Arbeitsfähigkeit nicht Gegenstand
ihrer
Konsultation gewesen sei. Sollte eine ausführliche Stellungnahme bezüglich Arbeitsfähigkeit gewünscht sei, empfehle sie eine Zuweisung zur gutachterlichen
Beurteilung (S. 2).
3.5
Dr. med.
G._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Ober
ärztin, und med.
pract
.
H._
,
Assistenzarzt,
von
der
Z._
, wo sich der Beschwerdeführer seit 5. Februar 2015 in ambulanter Behandlung befindet, stell
ten in ihrem Bericht vom 18. Mai 2016 (Urk. 8/83) folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradig
e Episode
(ICD-10 F33.1), seit 2015
-
Verdacht auf
Medikamentenübergebrauchkopfschmerzen
(ICHD-III
beta
: 8.2.3
-
Verdacht auf posttraumatische Kopfschmerzen
bei
zervikozephalem
Schmerzsyndrom nach
kraniozervikalem
Beschleunigungstrauma am 22.
September 2011
-
Verdacht auf unklare Episoden von Orientierungslosigkeit
Dr.
G._
und
med.
pract
.
H._
führten aus,
der Beschwerdeführer sei am
5. Februar
2015
zum ersten Mal in ihre ambulante psychiatrische Behandlung gekommen. Zu diesem Zeitpunkt habe er das Vollbild einer mittelgradigen depressiven Episode mit verzweifelter und hoffnungsloser Grundstimmung, Insuffizienzgefühlen, mittelgradigen Schlafstörungen und sozialem Rückzug gezeigt. Krankheitsverstärkend habe eine diffuse, seit Monaten bestehende, Kopf
schmerzsymptomatik gewirkt. An psychischen Einschränkungen bestünden Konzentrationsstörungen, Stimmungsstörungen sowie eine eingeschränkte Belastbarkeit. Er leide sehr unter seinen finanziellen Schwierigkeiten und sei froh, einen Beistand erhalten zu haben. Angesichts der Schwere der Symptomatik seien die therapeutischen Gespräche hauptsächlich auf Stressreduktion fokussiert gewesen. Seit Beginn der Behandlung habe der Beschwerdeführer gute Fort
schritte gemacht. Die Symptomatik
remittiere schrittweise
, so dass aktuell noch eine leichtgradige depressive Symptomatik bestehe. Unter der Voraussetzung der weiterführenden
Pharmako
- sowie Psychotherapie, der Etablierung von
entspre
chenden
Arbeitsbedingungen
(ruhige, stressarme Umgebung) und einer konse
quenten Reduktion
der täglichen Akutschmerzmittel-Einnahme
gingen sie
von einer vorsichtig
günstigen Prognose aus
(S. 3)
.
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als LKW-Fahrer bestehe seit 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Es g
e
be Einschränkungen im Sinne der leichten depressiven Episode. Aktuell sei die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit leicht bis mittelgradig eingeschränkt. Der Beschwerdeführer benötige einen ruhigen Arbeitsplatz mit schrittweiser Steigerung des Arbeitspensums (S. 4).
Die bisherige Tätigkeit könne aus medizinischer Sicht nicht mehr ausgeübt werden (Funktions
ausfälle), weil zuerst die Fahrtauglichkeit überprüft werden müsse.
Es bestehe
insgesamt eine mittelgradig geminderte Leistungsfähigkeit und ein Leistungspro
fil rascher Erschöpfung bei insuffizienter Grundbelastbarkeit. Aktuell bestehe nur eine limitierte Arbeitsfähigkeit. Es sei sinnvoll, die Anforderungen zu Beginn zu reduzieren und die Arbeitsfähigkeit schrittweise aufzubauen, damit das berufliche Selbstvertrauen gestärkt sowie auftretende Schwierigkeiten im Rahmen der ambulanten therapeutischen Gespräche thematisiert und neue Verhaltensmuster im Alltag gefestigt werden könn
t
en. Sobald eine Fahrtauglichkeit gegeben sei, sei mit einer 50%igen Arbeitsfähigkeit zu rechnen. Aus dem Leistungsprofil ergebe sich ein angepasstes Tätigkeitsprofil mit klar strukturierten Abläufen, einer Arbeitszeit von maximal 3-4 Stunden täglich sowie der Möglichkeit, bedarfsge
rechte Pausen einzulegen. Bei konsequenter Fortführung der psychotherapeuti
schen Behandlung mit anschliessender Reduktion der täglichen Schmerzmittel-Einnahme könne die Symptomatik reduziert und die Leistungsfähigkeit bis zu einem gewissen Grad wiedererlangt werden (S. 5).
Dr.
G._
und med.
pract
.
H._
empfahlen eine spezifische Abklärung über zum Beispiel ein Belastungstraining/andere berufliche Wiederein
gliede
rungs
massnahmen und Kontaktaufnahme zu den Ärzten, die die somatischen Symptome abklären und behandeln würden. Sie stellten weiter fest, mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit beziehungsweise Erhöhung der Ein
satzfähigkeit könne gerechnet werden. Der Beschwerdeführer habe noch einige Einschränkungen und eine nachvollziehbare grosse Verunsicherung durch seine somatische Symptomatik, die er als sehr einschränkend erlebe. Mit ausreichender Therapie-Compliance und nach Abschluss einer stationären Kopfschmerz-Reha
bilitationstherapie hoff
t
en sie, dass er wieder in der Lage sein werde für einen schrittweisen Einstieg in eine Arbeitstätigkeit.
Er sei momentan gesundheitlich nicht genug belastbar, um in ein Wiedereingliederungsprogramm einzusteigen. Zunächst solle der stationäre Arzneimittel-Entzug erfolgen.
Anschliessend sei ein
e
Arbeitsfähigkeit von 50
%
zu erwarte
n
(S. 6)
4.
4.
1
Die
der Verfügung der Beschwerdegegnerin zugrundeliegende (damals gültig gewesene) Rechtsprechung
, gemäss welcher leichte bis mittelgradige depressive Störungen als invalidisierende Krankheiten nur in Betracht fielen, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent waren
(vgl. Urk. 2 S. 2 f.
, vgl. auch Urk. 8/89 S. 5
)
, hat das Bundesgericht zwischenzeitlich mit BGE 143 V 409 geändert. Seit
her sind auch leichte bis mittelschwere Depressionen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich einem strukturierten Beweisverfahren nach Mass
gabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen. Dieses für somatoforme Leiden entwi
ckelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatoren, die - unter Berücksichti
gung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits - erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen. Entscheidend ist dabei, unab
hängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gelingt, auf objek
tivierter Beurteilungsgrundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hin
weis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2
).
4.2
Unter dem Geltungsbereich dieser neuen, auf alle hängigen Fälle anwendbaren Rechtsprechung darf im Falle der
beim
Beschwerdeführer
von Dr.
A._
am
13. April 2014 (E. 3.1) und den Ärzten der
Z._
am 30. Januar 2015 (vgl. E.
3.
2
)
diagnostizierten mittelgradigen
respektive
von den Ärzten der
Z._
am 18. Mai 2016 (
E.
3.5
) diagnostizierten leichten
depressiven Episode ein invalidisierender Gesundheitsschaden nicht mehr mit der Begründung verneint werden, dass noch zumutbare therapeutische Möglichkeiten existierten. Vielmehr ist für die Beant
wortung der Frage, ob das depressive Leiden invalidisierend ist, ein den Grund
sätzen von BGE 141 V 281 Rechnung tragendes strukturiertes Beweisver
fahren durchzuführen. Dies ist bisher in ungenügender Weise gescheh
e
n.
Die vorliegen
den psychiatrischen Berichte (vgl. E. 3.1, E. 3.
2
, und
E. 3.5
)
lassen
eine abschliessende Beurteilung nicht zu, weil
sie
sich zu den verschiedenen Indika
toren nicht umfassend
äusser
n
. Die offenen Fragen lassen sich auch anhand der übrigen Akten nicht beantworten.
Die Beschwerdegegnerin hat zwar
allerdings ohne Bezugnahme auf die medizinischen Akten und auch ohne Rücksprache mit ihrem Regionalen ärztlichen Dienst -
eine eigene «Ressourcen
prüfung» vorge
nommen
,
bezeichnete jedoch selbst verschiedene Standardindi
katoren als nicht beurteilbar
, wie den Indikator der Persönlichkeit oder denjenigen der g
l
eich
mässigen Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebens
bereichen (vgl. Urk. 8/89 S. 4
f.).
Gerade der Indikator der gleichmässigen Ein
schränkung als einer von zwei Indikatoren des beweisrechtlich
entscheidenden Aspekts
der Konsistenz
beim strukturierten Beweisverfahren
(BGE 141 V 281 E.
4.4)
bedarf einer fundierten
ärztlichen Beurteilung
. Eine
schlüssige
Beurteilung anhand der massgeblichen Indikatoren ist
vorliegend
nicht möglich.
4.3
Nach Ansicht der Beschwerdegegnerin werden die Beschwerden sodann massge
blich durch invaliditätsfremde psychosoziale Belastungsfaktoren beeinflusst (E.
2.1). Dies ist nicht ohne Weiteres von der Hand zu weisen, erwähnten doch ins
besondere die Ärzte der
Z._
wiederholt entsprechende Umstände wie Über
for
de
rung mit der Erledigung der administrativen Angelegenheiten und
finanzielle Schwierigkeiten (E. 3.2, E. 3.5). Es ist daher auch abzuklären, ob solche weiter
hin vorliegen, was der Beschwerdeführer in Abrede stellte (
Urk.
1 S. 11), und gege
benenfalls die Arbeitsfähigkeit unter Ausklammerung dieser Faktoren einzu
schätzen.
4.3
Im Rahmen dieser medizinischen Abklärung wird der Gesundheitszustand auch in somatischer Hinsicht zu beurteilen sein. Den vorliegenden Akten lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer insbesondere auch an Kopfschmerzen leidet, deren (somatische) Ursache und Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nicht geklärt ist, empfahl doch die Neurologin des
Y._
diesbezüglich ausdrücklich eine gutachterliche Beurteilung (E. 3.3-4). Dabei werden auch die gegenüber den Neu
rologen erhobenen
Thoraxschmerzen
zu berücksichtigten sein, welche von diesen - allerdings nicht abschliessend - als funktional beschrieben wurden (E. 3.3). Diese Einschätzung bedarf der Klärung.
4.4
Es rechtfertigt sich daher, die Sache an
die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie ein
psychiatrisch-neurologisches
Gutachten einhole, das die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Einklang mit der neuen Rechtslage nach Massgabe der im Regelfall heranzuziehenden Standardindikatoren
und unter Berücksichtigung der somatischen Leiden
erlaubt.
In
diesem Sinne ist die
Beschwerde
gutzuheissen und
die angefochtene Verfügung vom 22. Dezember
2016 somit aufzuheben.
5.
5.1
Bei diesem Ereignis
erweist sich das Gesuch des Beschwerde
führers um unent
geltliche Rechtspflege als gegenstandslos.
5.2
I
m vorliegenden Verfahren
geht es
um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen,
weshalb
das Verfahren kostenpflichtig
ist
. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie von der unterliegenden Beschwer
degegnerin zu tragen.
5.3
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten hat grundsätzlich die obsiegende Beschwerde führende Person, die erhebliche Auslagen im Rahmen des Prozesses gehabt hat (vgl. Art. 61
lit
. g ATSG).
Nach § 34 Abs. 3
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
(
GSVGer
)
bemisst sich die Höhe der gerichtlich fest
zusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierig
keit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss § 8 in Verbindung mit § 7 Abs. 1 der Verordnung über die
Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungs
gericht (
GebV
SVGer
) wird namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
Der von Rechtsanwalt
Kaspar Gehring
,
Zürich
, mit Eingabe vom
10
. Mai 2017 (Urk.
13
) geltend gemachte Aufwand von
17.7
Stunden zu einem Honorar
stun
denansatz von Fr.
300
.-- und Fr.
159
.
30
Barauslagen ist der Bedeutung der Streit
sache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen, insbesondere auf
grund der Tatsache, dass er
den Beschwerdeführer
schon im
Vorbescheid
ver
fahren
vertrat und die Akten somit bekannt waren
(vgl. Urk. 8/71, Urk. 8/74 und Urk. 8/87)
. Namentlich erscheint ein Aufwand von
2 Stunden für Fallannahme und Aktenstudium sowie 11.8
Stunden für die Arbeiten an der Beschwerdeschrift
und
eine
Stunde für das Studium des Urteils und Besprechung mit der
Klientschaf
t
bei Gutheissung als überhöht.
Angesichts der zu rekapitulierenden gut
95
Akten
stücke der Beschwerdegegnerin, der
13
-seitigen Beschwerde, den Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche Rechts
pflege
sowie
den
in ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträgen ist die Parteientschädigung
von
Rechtsanwalt Kaspar Gehring, Zürich,
bei Anwendung des gerichtsüblichen Stun
denansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf Fr. 2'
2
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Die Beschwerdegegnerin ist in der Folge zu verpflichten,
dem
Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in diesem Umfang zu bezahlen.