Decision ID: 50e0460c-ffad-5c19-88b8-616e16b697a7
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zu-
folge Ende September/anfangs Oktober 2015 und gelangte am 19. Okto-
ber 2015 in die Schweiz, wo er am 28. Oktober 2015 um Asyl nachsuchte.
Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 5. November 2015 und
der Anhörung vom 5. Oktober 2016 machte er im Wesentlichen geltend, er
sei iranischer Staatsangehöriger aus B._. Sein Vater gehöre der
Religionsgemeinschaft der Bahaï an, weshalb die Behörden bei ihm und
seiner Familie immer wieder Razzien durchgeführt und sie belästigt hätten.
Aus diesem Grund sei er im Jahre 2011 offiziell den Basij (Sazeman-e Ba-
sij-e Mostazafan; Untereinheit der islamischen Revolutionsgarden) beige-
treten. Danach hätten die Belästigungen seitens der Behörden an Intensi-
tät verloren. Zwei Monate vor seiner Ausreise sei ihm mitgeteilt worden, es
werde beabsichtigt, ihn in den Krieg nach Syrien zu schicken. Dies habe er
jedoch abgelehnt, weshalb er ausgereist sei. Nach seiner Ausreise hätten
seine Eltern zwei Briefe erhalten, in denen man sich nach seinem Verbleib
erkundigt habe, da er nach Syrien hätte geschickt werden sollen. In der
Schweiz sei er Mitglied des Vereins Kanoun (Demokratische Vereinigung
für Flüchtlinge [DVF]) geworden und habe an mehreren Demonstrationen
gegen die iranische Regierung teilgenommen.
Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen.
Anlässlich der Anhörung reichte der Beschwerdeführer vier Dokumente
(eine Shenasnameh und drei Dokumente der Basij) im Original zu den Ak-
ten.
B.
Mit Verfügung vom 13. April 2018 stellte das SEM fest, der Beschwerde-
führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab
und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. Die
Vorinstanz begründete ihren Entscheid damit, an den Vorbringen des Be-
schwerdeführers würden erhebliche Zweifel bestehen und diese würden
den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht standhalten.
C.
Mit Eingabe vom 14. Mai 2018 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht durch seinen Rechtsvertreter dagegen Beschwerde
und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rück-
weisung der Sache an die Vorinstanz, die Anerkennung als Flüchtling und
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die Gewährung von Asyl, eventualiter sei er in der Schweiz vorläufig auf-
zunehmen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
und um Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als amtlichen
Rechtsbeistand.
Gleichzeitig reichte er verschiedene Unterlagen zu seiner exilpolitischen
Tätigkeit (Bestätigung der Allianz der demokratisch-iranischen Kräfte in der
Schweiz vom (...) 2018, Übersetzung von Art. 498-500 des iranischen
Strafgesetzbuches, verschiedene Ankündigungen und Resolutionen, Fo-
tos von Demonstrationsteilnahmen, etc.), ein Bericht der Schweizerischen
Flüchtlingshilfe (SFH; Iran: Ausstieg aus der Basij, Adrian Schuster, 25. Ja-
nuar 2013) und eine Unterstützungsbestätigung vom 20. April 2018 ein.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 17. Mai 2018 hiess die Instruktionsrichterin
die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung gut und ordnete den unterzeichnende Rechtsver-
treter als amtlicher Rechtsbeistand bei.
E.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 26. Juni 2018 die
Abweisung der Beschwerde.
F.
Der Beschwerdeführer nahm dazu in seiner Replik vom 16. Juli 2018 Stel-
lung.
G.
Mit Verfügung vom 13. Januar 2021 teilte die Instruktionsrichterin dem Be-
schwerdeführer mit, es werde eine Motivsubstitution in Betracht gezogen.
Gleichzeitig wurde ihm dazu das rechtliche Gehör gewährt.
H.
Mit Eingabe vom 15. Januar 2021 nahm der Beschwerdeführer dazu Stel-
lung.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden. Das Gericht verwendet nachfolgend die neue Gesetzesbe-
zeichnung.
1.5 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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Seite 5
3.
3.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht die Verletzung des
rechtlichen Gehörs. Die Vorinstanz habe nicht alle für sein Asylgesuch
wichtigen Vorbringen berücksichtigt und damit seinen Anspruch auf recht-
liches Gehör verletzt. Deshalb sei die angefochtene Verfügung aufzuheben
und an die Vorinstanz zurückzuweisen.
3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, was als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei
einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam
zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3 S. 17 f.; BVGE 2009/35
E. 6.4.1 m.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden,
die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Ent-
scheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass
sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander-
setzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143
III 65 E. 5.2 S. 70).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen
Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver-
haltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach-
verhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind;
unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen
Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal-
tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013,
Rz. 1043).
4.
4.1 Vorab ist festzuhalten, dass die Ausführungen des Beschwerdeführers
in diesem Zusammenhang teilweise die rechtliche Würdigung beschlagen
und dort abzuhandeln sind, weshalb an dieser Stelle nicht näher darauf
eingegangen wird.
4.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe seine Aus-
sagen, wonach er unfreiwillig nach Syrien hätte geschickt werden sollen,
nicht berücksichtigt und stattdessen willkürlich gewürdigt. Zudem habe sie
seine geistige Beeinträchtigung bei der Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs nicht berücksichtigt.
4.3 Diese Einwände sind unbegründet. Die Vorinstanz hegte erhebliche
Zweifel an der geltend gemachten Zwangsrekrutierung, liess indes die
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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Frage mangels flüchtlingsrechtlichem Motiv offen. Weiter ist sie bei der Prü-
fung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs gestützt auf die Angaben
des Beschwerdeführers davon ausgegangen, dass dieser gesund sei. So
hat der Beschwerdeführer auf die Frage nach seiner gesundheitlichen Si-
tuation in der BzP geantwortet, er sei in eine Behindertenschule gegangen
und könne daher nicht so gut lesen und schreiben; er könne sich auch Sa-
chen schwer merken. Die Frage, wie es ihm gesundheitlich gehe, beant-
wortete er mit "gut" (vgl. A6 S. 7). Im Rahmen der Anhörung führte er zu-
dem aus, die Behörden hätten ihn und seinen Bruder, weil sein Vater Bahaï
gewesen sei, auf die Behindertenschule geschickt, wo er nach der
11. Klasse mit dem Abitur abgeschlossen habe. Auf die Frage, wie es ihm
gesundheitlich gehe, antwortete er, mit Ausnahme von Kopfschmerzen, die
er vermutlich wegen des Lichts bei der Anhörung verspürt habe, gehe es
ihm gut (vgl. A15 F36 ff., F148 f. und F156). Die Vorinstanz hat somit zu
Recht auf die Aussagen des Beschwerdeführers abgestellt und ihn bei der
Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs als gesund bezeich-
net. Auf Beschwerdeebene wird denn auch nicht näher ausgeführt, was auf
eine "geistige Behinderung" hinweisen würde, welche hätte berücksichtigt
werden müssen.
4.4 Es ist somit nicht ersichtlich, dass das SEM das rechtliche Gehör des
Beschwerdeführers missachtet hätte.
4.5 Insgesamt erweisen sich die formellen Rügen als unbegründet, wes-
halb der Rückweisungsantrag abzuweisen ist.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Seite 7
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.3 Gemäss Art. 54 AsylG (subjektive Nachfluchtgründe) wird Flüchtlingen
kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder
Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge
im Sinne von Artikel 3 wurden. Personen mit subjektiven Nachfluchtgrün-
den werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. Massgebend
ist dabei einzig, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten des Asylsu-
chenden als staatsfeindlich einstufen und dieser deswegen bei einer Rück-
kehr in den Heimatstaat eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG befürch-
ten muss. Es bleiben damit die Anforderungen an den Nachweis einer be-
gründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG; vgl. zum Ganzen auch
BVGE 2009/29 E. 5.1; 2009/28 E. 7.1).
6.
6.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid damit, es bestünden erheb-
liche Zweifel daran, dass dem Beschwerdeführer tatsächlich eine Zwangs-
rekrutierung für einen Kampfeinsatz in Syrien bevorgestanden habe. Der
Iran verfüge über zahlreiche motivierte Freiwillige für den Einsatz in Syrien.
Zudem lasse die Darstellung des Beschwerdeführers auf einen freiwilligen
Einsatz schliessen. Unbesehen davon kam die Vorinstanz zum Schluss,
dass es der Befürchtung des Beschwerdeführers vor einer Zwangsrekru-
tierung an einem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv fehle. Eine
(Zwangs)Rekrutierung knüpfe nicht an einen der in Art. 3 AsylG genannten
Gründe, sondern an das Alter, das Geschlecht, den Wohnort oder andere
Merkmale einer Person, die nicht untrennbar mit dieser verbunden seien,
an. Vorliegend sei nicht davon auszugehen. Der Beschwerdeführer verfüge
weder über ein politisches Profil oder eine oppositionelle Gesinnung noch
gehöre er einer ethnischen oder religiösen Minderheit oder einer bestimm-
ten sozialen Gruppe an, an die die Rekrutierung möglicherweise ange-
knüpft hätte. Es sei auch nicht davon auszugehen, dass die Zugehörigkeit
seines Vaters zur Religionsgemeinschaft der Bahaï für die Rekrutierung
ausschlaggebend gewesen wäre. Hinsichtlich der geltend gemachten Raz-
zien seitens der Behörden und der Schikanen während der Schulzeit – bei-
des wegen der Zugehörigkeit seines Vaters zur Religionsgemeinschaft der
Bahaï – sei davon auszugehen, dass die erlittenen Nachteile nicht von ei-
ner derartigen Intensität gewesen seien, dass ihm im Iran ein menschen-
würdiges Leben verunmöglicht oder in unzumutbarer Weise erschwert wor-
den wäre. Diese hätten zudem seit seiner Mitgliedschaft bei der Basij stark
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/29 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/28
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abgenommen. Daher sprach die Vorinstanz den erlittenen Schikanen und
Behelligungen die Asylrelevanz ab. Schliesslich hielt die Vorinstanz in Be-
zug auf die geltend gemachte exilpolitische Tätigkeit des Beschwerdefüh-
rers (Mitgliedschaft im Verein Kanoun, recte: DVF, sowie Teilnahme an Ver-
sammlungen dieser Vereinigung und an Demonstration vor der iranischen
Botschaft in [C._]) fest, den Akten und seinen Schilderungen könn-
ten keine Hinweise auf ein besonderes Hervortreten seiner Person im op-
positionspolitischen Umfeld entnommen werden. Daher bestehe kein be-
gründeter Anlass zur Annahme, dass er deswegen im Falle einer Rückkehr
in den Iran mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung zu befürchten hätte. An die-
ser Einschätzung würden auch die beigezogenen Akten seiner Brüder
nichts ändern.
6.2 Der Beschwerdeführer hält in der Rechtsmitteleingabe fest, es sei sein
Ausstieg bei den Basij und die damit verbundenen Konsequenzen zu be-
rücksichtigen, wobei er auf den diesbezüglich eingereichten Bericht der
SFH (Iran: Ausstieg aus der Basij) hinweist. Deshalb und wegen seiner
exilpolitischen Tätigkeit müsse er bei einer Rückkehr in den Iran mit harter
Strafe, Auspeitschen, Gefängnis, Folter und sogar Todesstrafe rechnen.
Die Vorinstanz sei zu Unrecht von der Freiwilligkeit seiner Rekrutierung
ausgegangen. Die Basij seien Teil der iranischen Armee und könnten je-
derzeit zu einem Militäreinsatz verpflichtet werden, so auch im Ausland.
Seine Zwangsrekrutierung habe unmittelbar bevorgestanden. Diese sei zu-
dem aus asylrechtlich relevanten Motiven erfolgt. Weiter seien bei der Be-
urteilung der Folgen seines exilpolitischen Engagements der Bericht der
SFH "Iran: Behandlung von abgewiesenen Asylsuchenden, Fiorenza
Kuthan, August 2011" sowie der Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts
D-1325/2015 vom 31. Mai 2017 zu berücksichtigen. Es drohe ihm im Falle
einer Rückkehr eine asylrechtlich relevante Verfolgung.
In einem Schreiben der Allianz der demokratisch-iranischen Kräfte in der
Schweiz vom (...) 2018 wird die Mitgliedschaft des Beschwerdeführers
beim DVF seit dem Jahr 2016 und dessen Aktivitäten im Rahmen von
Kundgebungen bestätigt. Zudem ist er auf Fotos von Kundgebungs- und
Demonstrationsteilnahmen in verschiedenen Schweizer Städten für die
Zeit von 2016 bis 2018 abgebildet.
6.3 Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung an ihrem Standpunkt fest.
Insbesondere führte sie aus, beim geltend gemachten exilpolitischen En-
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gagement des Beschwerdeführers handle es sich um niederschwellige Ak-
tivitäten, die keine Verfolgungsfurcht vor den iranischen Behörden zu be-
gründen vermöchten. Es könnten den Unterlagen keine Hinweise dafür
entnommen werden, dass er sich in besonderer Weise und über das Mass
der anderen teilnehmenden Personen hinaus exponiert oder eine in der
Öffentlichkeit erkennbare wichtige Funktion oder Position eingenommen
habe. Der Umstand, dass er während den Demonstrationen Plakate mit
regimekritischen Äusserungen vor sich gehalten habe, sei nicht geeignet,
um das Profil eines herausragend exponierten Regierungsgegners beja-
hen zu können. Ein besonderes Hervortreten im oppositionspolitischen
Umfeld sei nicht gegeben.
6.4 Der Beschwerdeführer führte in seiner Replik dazu aus, die Vorinstanz
habe sich in ihrer Vernehmlassung auf eine Wiederholung der Erwägungen
im angefochtenen Entscheid beschränkt. Sie habe sich mit seinem Austritt
aus den Basij nicht auseinandergesetzt und zudem die Rechtsprechung
des Bundesverwaltungsgerichts im Urteil D-1325/2015 vom 31. Mai 2017
ignoriert.
6.5 Mit Zwischenverfügung vom 13. Januar 2021 teilte die Instruktionsrich-
terin dem Beschwerdeführer mit, es sei nicht an die Begründung der Vo-
rinstanz gebunden und ziehe eine Motivsubstitution in Betracht. Insbeson-
dere dürfte gestützt auf öffentlich zugängliche Quellen sowie weitere un-
glaubhafte Angaben des Beschwerdeführers ausgeschlossen werden,
dass er gegen seinen Willen rekrutiert worden sei.
6.6 Der Beschwerdeführer führte dazu in seiner Stellungnahme vom
15. Januar 2021 aus, seine Vorbringen seien glaubhaft und deshalb unter
dem Gesichtspunkt von Art. 3 AsylG zu prüfen. Die vom Bundesverwal-
tungsgericht zitierten Quellen zur Zwangsrekrutierung seien unzuverlässig
respektive nicht objektiv. Deshalb komme ihnen kein oder nur ein geringer
Beweiswert zu. Dagegen gebe es Quellen, die von gravierenden und be-
unruhigenden Vorkommnissen berichten würden.
7.
7.1 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Vorinstanz die geltend gemachte Zwangsrekrutierung
des Beschwerdeführers für einen Einsatz in Syrien zu Recht in Zweifel ge-
zogen hat. Wie mit Verfügung vom 13. Januar 2021 in Aussicht gestellt
worden ist, nimmt das Bundesverwaltungsgericht eine Motivsubstitution
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vor. So erweisen sich mehrere Vorbringen des Beschwerdeführers als un-
glaubhaft, weshalb die Asylrelevanz nicht zu prüfen ist. Die mittels ver-
schiedenen Dokumenten untermauerte Mitgliedschaft des Beschwerdefüh-
rers und die Ausbildung bei den Basij werden vom Gericht zwar nicht in
Abrede gestellt. Jedoch kann gestützt auf öffentlich zugängliche Quellen
ausgeschlossen werden, dass er gegen seinen Willen rekrutiert – ausge-
hend von seinen Angaben zum Zeitpunkt seiner Ausreise (Ende Septem-
ber/Anfang Oktober 2015) und dem Aufgebot der Basij etwa zwei Monate
vorher (vgl. Akten A6 E. 5.01 und E. 7.01 und A15 F60) war dies zirka im
September 2015 – respektive eine Zwangsrekrutierung zu jenem Zeitpunkt
angekündigt worden war. Auch wenn die Quellenlage zu Einheiten des ira-
nischen Sicherheitsapparates, zu welchen die Basij gehören, beschränkt
ist und öffentlich verfügbare und verifizierbare Informationen zu den Basij
rar oder nicht vorhanden sind, lässt sich doch mehreren nachfolgend zitier-
ten, übereinstimmenden Berichten der Einsatz der iranischen Kämpfer in
Syrien grob in drei Phasen unterteilen: Erste Phase von 2011 bis Oktober
2015, zweite Phase von Oktober 2015 bis April/Mai 2016 und dritte Phase
ab Mai 2016 (vgl. Al Jazeera, Members of Iran's elite force killed in Syria
clashes, 07.05.2016, http://www.aljazera.com/news/2016-/05/members-
iran-elite-force-killed-syria-clashes-160507162338065.html, abgerufen am
21. Januar 2021). In die erste Phase (von 2012 bis 2015), fiel der Einsatz
von Offizieren der Revolutionsgarden (auch Pasderan, oder Iranian Revo-
lutionary Guard Corps [IRGC]), welche schiitische Truppen auf Seiten As-
sads anführten. Iranische Behörden sprechen in diesem Zusammenhang
von Beratern oder Freiwilligen der IRGC, welche nach Syrien in den Kampf
zogen. In die erste Phase fiel auch der Einsatz von Fatemiyoun Brigaden,
welche sich aus freiwilligen oder zwangsweise rekrutierten afghanischen
Schiiten (später auch aus Irakern, Pakistanis und eingebürgerten afghani-
schen Iranern) zusammengesetzt hat. Die zweite Phase begann mit der
russischen Intervention Ende September 2015 und wurde durch den ver-
mehrten Einsatz von Bodentruppen der Revolutionsgarden bestimmt. In
dieser Phase wurden auch Freiwillige der Basij-Miliz nach Syrien entsandt.
Gleichzeitig wurden Rekrutierungs-Regeln definiert, um den „Ansturm an
Freiwilligen“ einzudämmen, die in Syrien kämpfen wollten (vgl. Refworld
Iran: Recruitment of Iranian nationals to the war in Syria; Foreign Policy
[FP], Iran has more volunteers for the Syrian war than it knows what to do
with, Mai 2016, http://foreignpolicy.com/2016/05/12/iran-suleimani-basij-
irgc-assad-syria/, alle abgerufen am 21. Januar 2021). Der Beginn der drit-
ten Phase lässt sich auf April/Mai 2016 festlegen – neben den Revolutions-
garden wurden erstmals reguläre militärische Truppen (Artesh) nach Sy-
rien geschickt (vgl. Al-Monitor, Who sent Iranian Green Berets to Syria?,
http://foreignpolicy.com/2016/05/12/iran-suleimani-basij-irgc-assad-syria/ http://foreignpolicy.com/2016/05/12/iran-suleimani-basij-irgc-assad-syria/
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28.04.2016, https://www.al-monitor.com/pulse/originals/2016/04/iran-
army-brigade-65-green-berets-syria-deployment.html, alle abgerufen am
21. Januar 2021). Gestützt auf diese Quellen bestehen erhebliche Zweifel
an den Vorbringen des Beschwerdeführers, da sich seine Ausführungen
mit der soeben beschriebenen Rekrutierungspraxis weder in zeitlicher
(sein Aufgebot müsste in die erste Phase gefallen sein) noch in persönli-
cher (Offizieren der Revolutionsgarden und Fatemiyoun Brigaden) Hinsicht
decken. Seine vagen Schilderungen lassen auch keinen anderen Schluss
zu. Der Behauptung des Beschwerdeführers, wonach die vom Bundesver-
waltungsgericht zitierten Quellen allesamt unzuverlässig und nicht objektiv
seien, kann nicht gefolgt werden. Auch können die von ihm zitierten Quel-
len zu keiner anderen Beurteilung führen, zumal sich diese insbesondere
zur Rekrutierung von Kindersoldaten und Migranten äussern, nicht aber zu
der hievor erwähnten Rekrutierungspraxis, respektive es werden keine Be-
richte zitiert, aufgrund derer diese Praxis in Frage gestellt würde. Darüber
hinaus fällt auf, dass der Dienstausweis des Beschwerdeführers bei den
Basij nur bis September/Oktober 2011 gültig war. Auch wenn er, wie von
ihm angeführt, tatsächlich mehrmals vergeblich versucht haben will, diesen
zu verlängern, vermag er damit nichts zur Glaubhaftigkeit seiner Vorbrin-
gen beizutragen. Ob er sich allenfalls freiwillig für den Kriegseinsatz ge-
meldet hat (anfangs der Phase 2 ab Ende September 2015), braucht auf-
grund des Gesagten nicht geprüft zu werden. Vorliegend kommt hinzu,
dass der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung angab, er habe seine
Eltern zirka 25 Tage vor der Anhörung kontaktiert. Diese hätten ihm dabei
gesagt, dass sie oft Briefe von Behörden erhalten hätten, bei denen es sich
um Vorladungen zu seiner Rekrutierung gehandelt habe (vgl. A15 F31 ff.).
Dazu ist festzuhalten, dass solchen Aussagen Dritter nur ein beschränkter
Beweiswert zukommt. Der Beschwerdeführer hätte zudem seit seiner Ein-
reise in die Schweiz über vier Jahre Zeit gehabt, diesbezüglich aussage-
kräftige Beweismittel zu besorgen. Dies umso mehr, als er offensichtlich in
der Lage war, mehrere Dokumente zu seiner Mitgliedschaft bei den Basij
über eine Verwandte seiner Mutter in Deutschland, welche oft in den Iran
gehe, beizubringen. Unter den dargelegten Umständen kann ihm nicht ge-
glaubt werden, er habe den Befehl der Basij, in den Syrien-Krieg zu ziehen,
verweigert beziehungsweise sich einem solchen Einsatz entzogen. Den
weiteren Eingaben auf Beschwerdeebene ist auch nichts Stichhaltiges zu
entnehmen, das zu einem gegenteiligen Schluss führen würde.
7.2 Die Vorfluchtgründe erweisen sich somit als insgesamt unglaubhaft.
E-2819/2018
Seite 12
7.3 Weiter ist in Bezug auf die Konsequenzen eines Ausstiegs aus der Ba-
sij davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer aus anderen Gründen
und unter anderen als den von ihm angegebenen, hievor als unglaubhaft
bezeichneten Umständen, ausgetreten ist. Gestützt auf den von ihm er-
wähnten Bericht der SFH vom 25. Januar 2013 ist ein ordentlicher Austritt
aus der Basij zum einen möglich, und zum anderen hat ein solcher – an-
ders als dies allenfalls bei einer Befehlsverweigerung der Fall wäre – keine
Konsequenzen zur Folgen, welche in asylrechtlicher Hinsicht relevant wä-
ren (vgl. a.a.O. S. 5 f). Für einen freiwilligen Austritt spricht vorliegend zu-
dem der Umstand, dass der diesbezüglich eingereichte Mitgliederausweis
des Beschwerdeführers – wie bereits erwähnt – nur bis September/Okto-
ber 2011 gültig war.
7.4 Schliesslich hat die Vorinstanz bezüglich der geltend gemachten exil-
politischen Aktivitäten des Beschwerdeführers ebenfalls zu Recht eine be-
gründete Furcht vor künftiger Verfolgung verneint.
7.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Praxis grundsätz-
lich von einer unbefriedigenden Menschenrechtssituation im Iran aus. Auch
nach den Präsidentschaftswahlen im Juni 2013 steht es vor allem um die
Wahrung der politischen Rechte und insbesondere der Meinungsäusse-
rungsfreiheit schlecht. Jegliche Kritik am System der Islamischen Republik
und deren Würdenträgern ist tabu, ebenso die Berichterstattung über poli-
tische Gefangene oder echte Oppositionsbewegungen. Die iranischen Be-
hörden unterdrücken in systematischer Weise die Meinungsäusserungs-
freiheit durch die Inhaftierung von Journalisten und Redakteuren, und die
Medien sind einer strengen Zensur – respektive einem Zwang zur Eigen-
zensur – unterworfen. Somit hat sich die Einschätzung des Bundesverwal-
tungsgerichts zur Lage im Iran (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3.1) auch nach
den Präsidentschaftswahlen im Juni 2013 nicht geändert und behält nach
wie vor ihre Gültigkeit (vgl. beispielsweise Urteil des BVGer
E-4282/2018 vom 4. März 2020 E. 7.3.1 m.w.H.).
7.4.2 Die politische Betätigung für staatsfeindliche Organisationen im Aus-
land ist seit der Neufassung des iranischen Strafrechts im Jahr 1996 unter
Strafe gestellt. Einschlägigen Berichten zufolge wurden in der Vergangen-
heit denn auch bereits Personen verhaftet, angeklagt und verurteilt, welche
sich unter anderem im Internet kritisch zum iranischen Staat äusserten (vgl.
SFH, „Iran: Illegale Ausreise / Situation von Mitgliedern der PDKI / Politi-
sche Aktivitäten im Exil“, 16. November 2010, S. 7 ff., m.w.H.). Es ist zwar
bekannt, dass die iranischen Behörden die politischen Aktivitäten ihrer
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Staatsbürger im Ausland überwachen und erfassen (vgl. dazu beispiels-
weise das Urteil des BVGer E-4302/2020 vom 18. September 2020
E. 6.4.2 m.w.H.). Es bleibt jedoch im Einzelfall zu prüfen, ob die exilpoliti-
schen Aktivitäten bei einer allfälligen Rückkehr in den Iran mit überwiegen-
der Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im flüchtlingsrechtlichen Sinne
nach sich ziehen. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist dabei
davon auszugehen, dass sich die iranischen Geheimdienste auf die Erfas-
sung von Personen konzentrieren, die über die massentypischen, niedrig-
profilierten Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen
ausgeübt und/oder Aktivitäten vorgenommen haben, welche die jeweilige
Person aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausstechen
und als ernsthaften und gefährlichen Regimegegner erscheinen lassen.
Dabei darf davon ausgegangen werden, dass die iranischen Sicherheits-
behörden zu unterscheiden vermögen zwischen tatsächlich politisch enga-
gierten Regimekritikern und Exil-aktivisten, die mit ihren Aktionen in erster
Linie die Chancen auf ein Aufenthaltsrecht zu erhöhen versuchen (vgl.
BVGE 2009/28 E. 7.4.3).
7.4.3 Weder den vorinstanzlichen Akten noch den Darlegungen und einge-
reichten Beweismitteln auf Beschwerdeebene können Hinweise darauf
entnommen werden, dass sich der Beschwerdeführer durch seine Aktivitä-
ten (Mitglied bei der DVF bzw. der Allianz der demokratisch-iranischen
Kräfte in der Schweiz und Teilnahme an Demonstrationen in verschiedenen
Städten) in qualifizierter Weise exilpolitisch betätigt hat. Sein Verhalten in
der Schweiz ist jedenfalls nicht geeignet, ein ernsthaftes Vorgehen der ira-
nischen Behörden zu bewirken. Zudem bestehen keine Anhaltspunkte für
die Annahme, im Iran wären gegen ihn behördliche Massnahmen eingelei-
tet worden. Sein Hinweis auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
D-1325/2015 vom 31. Mai 2017 lässt keine andere Schlussfolgerung zu,
da diesem Entscheid eine andere Konstellation als dem vorliegenden zu-
grunde lag. Aus diesen Gründen ist auch das Vorliegen subjektiver Nach-
fluchtgründe zu verneinen.
7.4.4 Aufgrund der hiervor gemachten Feststellungen, wonach nicht davon
auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer vor dem Verlassen aus dem
Iran als regimefeindliche Person ins Blickfeld der Behörden geraten ist, ist
auch im heutigen Zeitpunkt nicht anzunehmen, dass die iranischen Behör-
den auf ihn aufmerksam geworden sind und ihn als staatsgefährdend ein-
stufen würden und er deshalb flüchtlingsrechtlich relevante Massnahmen
zu befürchten hätte.
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7.5 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine
Verfolgung oder begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne
von Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte und deshalb
nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. Es kann seinen Vorbringen
auch kein unerträglicher psychischer Druck abgeleitet werden, der ihm den
weiteren Verbleib in seiner Heimat verunmöglicht hätte beziehungsweise
zukünftig verunmöglichen würde. Das SEM hat sein Asylgesuch somit zu
Recht abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
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ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
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9.5
9.5.1 Die im Iran herrschende allgemeine Lage zeichnet sich nicht durch
eine Situation allgemeiner Gewalt aus, obwohl die Staatsordnung als tota-
litär zu bezeichnen ist und die allgemeine Situation in verschiedener Hin-
sicht problematisch sein kann. Selbst unter Berücksichtigung dieser Um-
stände wird der Vollzug von Wegweisungen in den Iran nach konstanter
Praxis als grundsätzlich zumutbar erachtet (vgl. statt vieler Urteil des
BVGer E-4643/2020 vom 23. Oktober 2020 E. 8.5.2 m.w.H.).
9.6 Sodann handelt es sich beim Beschwerdeführer um einen jungen und
gesunden Mann. Seinen Angaben zufolge verfügt er über ein Abitur einer
Schule für beeinträchtigte Personen, dies aufgrund der religiösen Zugehö-
rigkeit seines Vaters. Dies sowie der Umstand, dass er eine Ausbildung bei
den Basij absolviert und zuvor während zwei Jahren in einem (...) gearbei-
tet hat, lässt auf eine gewisse Selbständigkeit schliessen (vgl. A15 F42).
Sodann kann er in seiner Heimat mit seinen Eltern sowie zwei Brüdern auf
ein familiäres Beziehungsnetz und eine gesicherte Wohnsituation zurück-
greifen, welche ihm beim Aufbau einer neuen Existenzgrundlage eine Hilfe
sein können. Zudem machte der Beschwerdeführer geltend, seine Familie
werde von den in der Schweiz lebenden Brüdern und weiteren Verwandten
finanziell unterstützt worden (vgl. A6 S. 4 und A15 F26). Es bestehen ins-
gesamt keine Anzeichen dafür, dass er bei einer Rückkehr in den Iran in
eine existenzielle Notlage geraten würde.
9.7 Schliesslich ist festzuhalten, dass die aktuelle Lage im Zusammenhang
mit der Coronavirus-Pandemie (COVID-19) grundsätzlich nicht geeignet
ist, die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs in Frage zu stellen. Die
Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt voraus, dass ein Vollzugshin-
dernis nicht nur vorübergehender Natur ist, sondern voraussichtlich eine
gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf Monate – bestehen bleibt.
Andernfalls ist dem temporären Hindernis im Rahmen der Vollzugsmodali-
täten Rechnung zu tragen. Soweit derzeit feststellbar, handelt es sich bei
der Coronavirus-Pandemie allenfalls um ein temporäres Vollzugshindernis.
Es obliegt somit den kantonalen Behörden, der Entwicklung der Situation
bei der Wahl des Zeitpunkts des Vollzugs in angemessener Weise Rech-
nung zu tragen (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-139/2020 vom 19. Juni
2020 E. 9.6 m.w.H.).
9.8 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
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9.9 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.10 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit
Verfügung vom 17. Mai 2018 das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung gutgeheissen und ist den Akten keine Änderung sei-
ner finanziellen Lage zu entnehmen, womit keine Verfahrenskosten aufzu-
erlegen sind.
11.2 Mit derselben Verfügung wurde ausserdem das Gesuch um amtliche
Verbeiständung gutgeheissen (aArt. 110a Abs. 1 AsylG) und dem Beschwer-
deführer sein Rechtsvertreter als Rechtsbeistand bestellt. Demnach ist die-
sem zu Lasten des Gerichts ein amtliches Honorar für seine notwendigen
Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten (Art. 65 Abs. 5
VwVG und Art. 12 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2] i.V.m. Art. 8 ff VGKE). Der Rechtsvertreter reichte am 16. Juli
2018 eine (aktualisierte) Kostennote in der Höhe von Fr. 2'016.70 (neun
Stunden und 10 Minuten) ausgehend von einem Stundenansatz von
Fr. 220.– und Auslagen von Fr. 45.50 ein und machte mit Eingabe vom
15. Januar 2021 einen zusätzlichen Aufwand von zwei Stunden plus Aus-
lagen von Fr. 6.30 geltend, wobei noch die Mehrwertsteuer hinzuzurech-
nen sei. Der insgesamt geltend gemachte Aufwand erscheint angemessen.
Das Honorar ist demnach auf Fr. 2'701.60 (inklusive MWST und Auslagen)
festzusetzen und Rechtsanwalt Florian Wick als amtliches Honorar zu Las-
ten des Gerichts auszurichten.
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