Decision ID: 461acbaa-136f-567e-8557-6bd66a7686f6
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Birseck Solar AG mit Sitz in Münchenstein bezweckt, sämtliche mit der
Erzeugung und Abgabe von erneuerbaren Energien verbundenen Tätigkei-
ten auszuüben.
A.a Am 7. Februar 2013 meldete die Birseck Solar AG (nachfolgend: Ge-
suchstellerin) die von ihr erstellte Photovoltaikanlage «A._ AG Dach
1 integriert» mit einer projektierten jährlichen Bruttostromerzeugung von
220'000 kWh/Jahr zur Förderung mit einer kostendeckenden Einspeisever-
gütung (KEV) bei der Swissgrid AG (nachfolgend: Swissgrid) an (KEV-Nr.
[...]). Diese hielt mit Bescheid vom 9. April 2013 fest, dass die Vorausset-
zungen für die KEV erfüllt seien und das Projekt in die Warteliste aufge-
nommen werde. Am 13. Dezember 2013 wurde die Anlage mit einer Leis-
tung von 2049.32 kWp in Betrieb genommen.
A.b Mit Schreiben vom 8. Dezember 2017 teilte die Swissgrid der Gesuch-
stellerin mit, dass das neue Recht ab dem Jahr 2018 für Photovoltaikanla-
gen mit einer Leistung ab 100 kWp ein Wahlrecht zwischen einer Einmal-
vergütung für grosse Photovoltaikanlagen (GREIV) und dem Einspeisever-
gütungssystem (EVS; bisher KEV) vorsehe. Eine Chance auf das EVS hät-
ten allerdings nur Gesuche, die bis zum 30. Juni 2012 angemeldet worden
seien, wobei aus diesem Datum kein Rechtsanspruch abgeleitet werden
und dieses allenfalls geändert werden könne. In diesem Zusammenhang
setzte die Swissgrid der Gesuchstellerin Frist bis zum 30. Juni 2018, um
ihre Wahl zu treffen. Diese entschied sich am 25. April 2018 für das EVS.
Mit Schreiben vom 21. Dezember 2018 bat die Gesuchstellerin darum, von
der EVS Warteliste in die GREIV zu wechseln und reichte ein neues Wahl-
rechtsformular ein.
A.c Mit Verfügung vom 20. August 2019 sprach die Pronovo AG (nachfol-
gend: Pronovo), die seit dem 1. Januar 2018 die zuständige Vollzugsstelle
ist, der Gesuchstellerin für die Photovoltaikanlage eine Einmalvergütung in
der definitiven Höhe von Fr. 1'448'523.70 zu. Die Gesuchstellerin bean-
tragte der Pronovo mit Einsprache vom 16. September 2019, es sei ihr eine
zusätzliche Entschädigung von Fr. 392'846.75 samt Zins zu 5% seit dem
13. Dezember 2013 zu bezahlen. Dies begründete sie damit, dass ihre An-
lage den zweiten Leitsatz der seit dem 1. Januar 2014 nicht mehr gültigen
Richtlinie «Kostendeckende Einspeisevergütung [KEV], Art. 7a EnG, Pho-
tovoltaik, Anhang 1.2 EnV, Version 1.201.10.2011 des Bundesamtes für
Energie (BFE)» erfülle und sie aufgrund der bereits getätigten Investition
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Anspruch auf Ersatz des Vertrauensschadens habe. Mit Einspracheent-
scheid vom 6. Februar 2020 wies die Pronovo den Antrag ab, da für die
Gesuchstellerin kein Nachteil im Sinn eines Vertrauensschadens entstan-
den sei.
B.
Gegen den Einspracheentscheid der Pronovo (nachfolgend: Vorinstanz)
erhebt die Gesuchstellerin (nachfolgend: Beschwerdeführerin) mit Eingabe
vom 14. Februar 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Darin
beantragt sie, der Entscheid sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzu-
weisen, ihr eine Entschädigung von Fr. 392'846.75 samt Zins zu 5% seit
dem 13. Dezember 2013 zu bezahlen.
C.
Mit Zwischenverfügung vom 19. Juni 2020 stellt der Instruktionsrichter die
Frist zur Leistung des verspätet einbezahlten Kostenvorschusses wieder
her.
D.
Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 15. Juli 2020 die Ab-
weisung der Beschwerde.
E.
Am 25. August 2020 reicht die Beschwerdeführerin ihre Schlussbemerkun-
gen ein.
F.
Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die sich bei den
Akten befindlichen Schriftstücke wird – soweit relevant – in den nachfol-
genden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Beim Einspracheent-
scheid vom 6. Februar 2020 handelt es sich um eine Verfügung in diesem
Sinne und die Pronovo ist eine Vorinstanz nach Art. 33 Bst. h VGG, deren
Verfügungen gemäss Art. 63 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 66 Abs. 2 des Ener-
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giegesetzes vom 30. September 2016 (EnG, SR 730) beim Bundesverwal-
tungsgericht anfechtbar sind. Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht
zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Das Verfahren
richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt
(Art. 37 VGG).
1.2 Die Beschwerdeführerin hat sich am vorinstanzlichen Verfahren betei-
ligt und ist als Adressatin der vorinstanzlichen Verfügung sowohl formell als
auch materiell beschwert, weshalb sie zur Beschwerde legitimiert ist
(Art. 48 Abs. 1 VwVG).
1.3 Der Streitgegenstand umfasst das durch die Verfügung geregelte
Rechtsverhältnis, soweit dieses angefochten wird. Gegenstand des Be-
schwerdeverfahrens kann grundsätzlich nur sein, was Gegenstand des
erstinstanzlichen Verfahrens war oder nach richtiger Gesetzesauslegung
hätte sein sollen (KÖLZ/HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes, 2. Aufl. 1998, Rz. 403 f.). Im Beschwerdeverfah-
ren wie auch bereits zuvor im Einspracheverfahren vor der Vorinstanz be-
schränkt die Beschwerdeführerin ihren Antrag auf die begehrte Entschädi-
gung eines Vertrauensschadens. Die Zusprechung der GREIV ist hingegen
nicht Gegenstand des Verfahrens.
1.4 Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(Art. 50 und Art. 52 VwVG) ist einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet grundsätzlich mit uneinge-
schränkter Kognition. Es überprüft den angefochtenen Entscheid auf
Rechtsverletzungen – einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der Er-
messensausübung – sowie auf Angemessenheit hin (vgl. Art. 49 VwVG).
Es wendet das Recht von Amtes wegen an und ist an die Begründung der
Parteien nicht gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG).
3.
Fest steht, dass die streitbetroffene Photovoltaik-Anlage (nachfolgend: PV-
Anlage) nach der GREIV förderungswürdig ist und mit Fr. 1'448'523.70 ent-
schädigt wird. Umstritten ist hingegen die Frage, ob der Beschwerdeführe-
rin ein Vertrauensschaden entstand, der zu entschädigen ist.
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3.1 Der Grundsatz des Vertrauensschutzes nach Art. 9 BV verleiht einer
Person Anspruch darauf, in ihrem berechtigten Vertrauen in behördliche
Zusicherungen oder in anderes, bestimmte Erwartungen begründendes
Verhalten der Behörden geschützt zu werden (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016 Rz. 624). Dabei bedarf es zu-
nächst einer Vertrauensgrundlage, das heisst eines Verhaltens eines staat-
lichen Organs, das bei den Betroffenen bestimmte Erwartungen auslöst
und so bestimmt ist, dass diese daraus die für ihre Dispositionen massge-
blichen Informationen entnehmen können. Erforderlich ist weiter, dass die
betroffene Person sich berechtigterweise auf die Vertrauensgrundlage ver-
lassen durfte und gestützt darauf nachteilige Dispositionen getroffen hat,
die ohne Nachteil nicht wieder rückgängig zu machen sind. Schliesslich
kann der Berufung auf den Vertrauensschutz auch bei ansonsten erfüllten
Voraussetzungen ein allfälliges überwiegendes Interesse entgegenstehen
(vgl. statt vieler das Urteil des BVGer A-124/2019 vom 2. September 2019
E. 3.3 m.w.H.; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 624 ff.). In einem sol-
chen Fall besteht aber allenfalls Anspruch auf Schadensersatz. Entweder
bewirkt der Vertrauensschutz folglich eine Bindung der Behörde an die Ver-
trauensgrundlage und gewährleistet damit den so genannten Bestands-
schutz oder er verschafft dem Bürger lediglich einen Entschädigungsan-
spruch gegen den Staat. Der finanzielle Ausgleich von Vertrauensschäden
kommt vor allem dann in Betracht, wenn vermögenswerte Interessen Pri-
vater durch die im Vertrauen auf behördliches Verhalten getroffenen Mas-
snahmen beeinträchtigt werden (vgl. das Urteil des BGer 8C_542/2007
vom 14. April 2008 E. 4.2 m.w.H.).
3.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, es liege ein Vertrauensscha-
den vor. Dieser resultiere daraus, dass ihr im Jahr 2013 Mehrkosten in der
Höhe von Fr. 392’846.75 entstanden seien, um den Anforderungen einer
als (optisch) integriert geltenden PV-Anlage im Sinn der “Richtlinie kosten-
deckende Einspeisevergütung (KEV), Art. 7a EnG, Photovoltaik An-
hang 1.2 EnV“ in der Version vom 1. Oktober 2011, gültig bis Ende 2013
(nachfolgend: KEV-RL 2011), zu genügen. Gemäss dem Urteil A-
4730/2014 des Bundesverwaltungsgerichts vom 17. September 2015
könne Vertrauensschaden geltend machen, wem durch die Erfüllung der
Anforderungen der per 1. Januar 2014 nicht mehr gültigen KEV-RL 2011
Mehrkosten entstandenen seien (vgl. a.a.O. E. 8). Ohne die in der KEV-RL
2011 geschaffene Kategorie der optisch integrierten PV-Anlagen hätte sie
die zusätzlichen Aufwendungen gar nie getätigt. Zum Zeitpunkt des Baus
der Anlage habe sie somit nach Treu und Glauben auf die damals gültige
Praxis vertrauen dürfen.
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Seite 6
3.3 Dagegen bringt die Vorinstanz vor, für die vorliegende Streitsache sei
die Rechtslage im Zeitpunkt der Aufnahme in die GREIV resp. der Festle-
gung der GREIV am 20. August 2019 massgebend. Per 1. Januar 2018
seien das neue Energiegesetz sowie die entsprechenden Verordnungen in
Kraft getreten. Gemäss den Übergangsregelungen (Art. 72 ff. EnG) komme
für die Anlage der Beschwerdeführerin das neue Recht zur Anwendung.
Grundsätzlich seien Private in ihrem berechtigten Vertrauen in behördliche
Zusicherungen und anderes, bestimmte Erwartungen begründendes Ver-
halten von Behörden zu schützen. Das Prinzip des Vertrauensschutzes
stehe einer Änderung des geltenden Rechts jedoch nicht entgegen. Vorlie-
gend habe sich die Rechtslage seit der Anmeldung des Projekts für eine
Förderung geändert. Die Verordnung über die Förderung der Produktion
von Elektrizität aus erneuerbaren Energien vom 1. November 2017 (Ener-
gieförderungsverordnung, EnFV, SR 730.03) sehe in der anwendbaren
Fassung vom 1. April 2019 gemäss Anhang 2.1 Ziff. 2.5 Satz 2 vor, dass
bei einer Leistung einer PV-Anlage von >100 kWp in allen Leistungsklas-
sen ausschliesslich auf die Vergütungssätze für angebaute Anlagen abge-
stellt werde. Mithin gelange unabhängig von der Anlagekategorie derselbe
Ansatz zur Anwendung. Daher würden die aufgewendeten Mehrkosten für
den Bau einer integrierten anstelle einer angebauten Anlage eine freiwillige
Disposition der Bauherrin darstellen; es handle sich also gerade nicht um
einen Nachteil im Sinn eines Vertrauensschadens (vgl. zum Ganzen das
Urteil des BVGer A-124/2019 vom 2. September 2019 E. 3.5.2). Dem Er-
suchen der Beschwerdeführerin könne somit nicht entsprochen werden.
3.4 Mit dem Inkrafttreten des totalrevidierten Energiegesetzes vom
30. September 2016, der totalrevidierte Energieverordnung vom 1. Novem-
ber 2017 und der neuen Energieförderungsverordnung am 1. Januar 2018
wurde das System der kostendeckenden Einspeisevergütung in ein Ein-
speisevergütungssystem mit Direktvermarktung umgewandelt. Mit der Re-
vision des Energiegesetzes wurde der Ausbau der Stromproduktion aus
erneuerbaren Energien angestrebt, weshalb die finanzielle Förderung an-
gesichts deren vollständiger Auslastung optimiert, ausgebaut und mit un-
terstützenden Massnahmen flankiert werden sollte. Als Massnahme war
unter anderem die Optimierung der Vergütungssätze vorgesehen. Diese
sollten nicht mehr kostendeckend sein, sondern sich lediglich an den bei
der Inbetriebnahme einer Anlage massgeblichen Gestehungskosten von
Referenzanlagen orientieren (vgl. Botschaft Energiestrategie 2050, BBl
2013 7561, 7624 ff.). Dabei war es dem Gesetzgeber ein Anliegen, die
Neuregelung zum EVS schonend einzuführen und die Wertung, wer nach
den alten und wer nach den neuen Regeln zu behandeln ist, im Grundsatz
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selbst vorzunehmen (vgl. Botschaft Energiestrategie 2050, BBl 2013 7561,
7696; Urteile des BVGer A-6543/2018 vom 24. März 2020 E. 5.2, A-
7036/2018 vom 26. August 2019 E. 4.4.2, A-2760/2019 vom 29. Oktober
2019 E. 3.3). In Art. 72 Abs. 3 EnG wird festgehalten, dass für Betreiber
und Projektanten, die bis zum Inkrafttreten des Gesetzes keinen positiven
Bescheid erhalten haben, insbesondere für diejenigen, denen mitgeteilt
wurde, ihre Anlage sei auf der Warteliste (Wartelistenbescheid), das neue
Recht gilt, auch wenn ihre Anlage beim Inkrafttreten dieses Gesetzes
schon in Betrieb ist. Diese Anordnung ist gemäss Art. 190 BV für das Ge-
richt verbindlich und kann nicht überprüft werden (vgl. das Urteil des BVGer
A-7036/2018 vom 26. August 2019 E. 4.3.3 und 4.5.2 f., bestätigt durch
das Urteil des BGer 2C_821/2019 vom 11. Februar 2020 E. 6.2 ff.). Da die
Beschwerdeführerin vor dem 1. Januar 2018 keinen positiven Bescheid
hinsichtlich der Aufnahme in die KEV erhalten hat, kommt auf die vorlie-
gende Streitsache demnach das neue Recht per 1. Januar 2018, konkret
das Energiegesetz in der Fassung vom 15. Mai 2018 (AS 2018 1811), die
Energieverordnung in der Fassung vom 1. April 2019 (AS 2019 913) und
die Energieförderungsverordnung in der Fassung vom 1. April 2019 (AS
2019 923) zur Anwendung.
3.5 Zur Begründung eines Anspruchs auf Vertrauensschutz bedarf es zu-
nächst einer Vertrauensgrundlage. Die Beschwerdeführerin geht davon
aus, dass das alte Recht, konkret die KEV-RL 2011 eine Vertrauensgrund-
lage bildete, gestützt auf welche sie ihre PV-Anlage unter Einsatz von
Mehrkosten derart anpassen liess, dass diese als optisch integriert galt,
womit sie bei Berücksichtigung durch die KEV von einer höheren Entschä-
digung hätte profitieren können.
3.5.1
3.5.1.1 Unter dem alten Recht ergab sich gemäss Art. 3b Abs. 1bis Satz 1
aEnV (in Kraft vom 1. Oktober 2011 bis zum 31. Dezember 2017, AS 2011
4067) der Vergütungssatz für eine bestimmte Anlage – vorbehältlich hier
nicht relevanter Ausnahmen – aufgrund der im Erstellungsjahr geltenden
Vorgaben. Als Erstellungsjahr galt gemäss Art. 3b Abs. 3 aEnV das Jahr
der tatsächlichen Inbetriebnahme der Anlage. Da die Anlage der Be-
schwerdeführerin am 13. Dezember 2013 in Betrieb genommen wurde, wä-
ren unter altem Recht gestützt auf Art. 3b Abs. 1bis Satz 1 aEnV die Vorga-
ben des Jahres 2013 und insbesondere Anhang 1.2 Ziff. 2.3 aEnV in der
damaligen Fassung und damit auch die KEV-RL 2011 zur Anwendung ge-
kommen (vgl. das Urteil A-4730/2014 vom 15. September 2015 E. 3.3 und
4.2.1).
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Seite 8
3.5.1.2 Bei den durch das BFE erlassenen KEV-Richtlinien handelt es sich
um Vollzugshilfen, die die Definitionen gemäss der verschiedenen Fassun-
gen der aEnergieverordnung erläutern und präzisieren. Solche Richtlinien
bezwecken die Förderung einer einheitlichen Vollzugspraxis; sie weisen
keine Gesetzeskraft auf (vgl. Urteile des BVGer A-124/2019 vom 2. Sep-
tember 2019 E. 3.6.1 und A-4730/2014 vom 17. September 2015 E. 4.2.1).
Anhang 1.2 Ziff. 2 aEnV unterschied zwischen freistehenden, angebauten
und integrierten PV-Anlagen. Die KEV-RL 2011 behandelte bezugnehmend
auf Anhang 1.2 Ziff. 2.3 aEnV PV-Anlagen, die nur optisch als Einheit wahr-
genommen werden (optisch integrierte oder scheinintegrierte Anlagen ge-
nannt), als integrierte Anlagen. Dadurch kam für solche Anlagen der hö-
here Entschädigungstarif gemäss Anhang 1.2 Ziff. 3 aEnV zur Anwendung.
Die Annahme der KEV-RL 2011 stand jedoch nicht mit den gesetzlichen
Grundlagen der aEnergieverordnung in Einklang (vgl. das Urteil des BVGer
A-4730/2014 vom 17. September 2015 E. 6.3). Per 1. Januar 2014 formu-
lierte der Bundesrat Anhang 1.2 Ziff. 2.3 aEnV darum dahingehend um,
dass die nur scheinintegrierten PV-Anlagen explizit von der Definition aus-
genommen wurden. Zudem wurde der integrierte Tarif seither nur noch für
Anlagen bis zu einer Leistung von 100 kWp gewährt; PV-Anlagen mit einer
Nennleistung >100 kWp galten fortan als angebaute Anlagen und wurden
mit dem entsprechenden Tarif entschädigt (vgl. aEnV 2014 Anhang 1.2 Ziff.
3.1.2). In der ebenfalls angepassten KEV-RL 2014 wurde fortan festgehal-
ten, dass Konstruktionen, welche nur den Anschein von Integriertheit er-
wecken (z.B. durch grossflächige Spenglereinfassungen oder breite Rand-
abschlüsse), nicht als integriert gelten.
3.5.1.3 Das Bundesverwaltungsgericht stellte unter Geltung des alten
Rechts verschiedentlich fest, dass sich für scheinintegrierte PV-Anlagen,
die vor dem 1. Januar 2014 in Betrieb genommen wurden, aufgrund der
Anknüpfung von Art. 3b Abs. 1bis aEnV an die Vorgaben des Erstellungs-
jahres und damit die KEV-RL 2011 zwar kein Bestandsschutz, aber ein Er-
satz des Vertrauensschadens rechtfertige (vgl. Urteile des BVGer A-
565/2018 vom 11. April 2018 E. 2.2, A-4809/2016 vom 26. Januar 2017
E. 5.1 ff., A-84/2015 vom 8. Dezember 2015 E. 8.2.3 und 9, A-4730/2014
vom 15. September 2015 E. 8; in diesem Sinne auch A-6543/2018 vom
24. März 2020 E. 7.6.4 m.w.H., A-1526/2018 vom 13. Mai 2019 E. 4). Dem-
nach wurden die Mehrkosten ersetzt, die im Vertrauen auf die RL-KEV
2011 und den sich daraus ergebenden höheren Tarif für den Bau einer op-
tisch integrierten PV-Anlage aufgewendet worden waren.
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Seite 9
3.5.2
3.5.2.1 Mit der Rechtsänderung vom 1. Januar 2018 wurde Art. 3b Abs. 1bis
aEnV ausser Kraft gesetzt. Das neue Recht knüpft zur Festsetzung der
Entschädigung nicht mehr an die Vorgaben im Erstellungsjahr an. Statt-
dessen wird für PV-Anlagen im EVS zwischen drei Leistungsklassen (bis
100 kW, bis 1000 kW, ab 1000 kW) unterschieden und der Vergütungssatz
ist höher, je früher die Anlage in Betrieb genommen wurde (massgebliche
Zeiträume sind: 1. Januar 2013 bis 31. Dezember 2013; 1. Januar 2014 bis
31. März 2015; 1- April 2015 bis 30. September 2015; 1. Oktober 2015 bis
31. März 2016; 1. April 2017 bis 31. Dezember 2017; 1. Januar 2018 bis
31. März 2019; ab 1. April 2019). Die Vergütungsdauer beträgt bei einer
Inbetriebnahme bis zum 31. Dezember 2013 25 Jahre, bei einer Inbetrieb-
nahme zwischen dem 1. Januar 2014 und dem 31. Dezember 2017 20
Jahre und bei einer Inbetriebnahme ab dem 1. Januar 2018 15 Jahre (An-
hang 1.2 Ziff. 2 f. EnFV). Bei der EIV für PV-Anlagen unterscheidet sich der
Vergütungstarif je nach Art der Anlage (integriert oder angebaute/freiste-
hend) und nach dem Datum der Inbetriebnahme. Für Anlagen, die nach
dem 1. Januar 2013 in Betrieb genommen wurden, wird nach denselben
Zeiträumen wie für das EVS differenziert und werden je nach Datum der
Inbetriebnahme unterschiedliche Grundbeiträge sowie Leistungsbeiträge
(unter 30 kW, unter 100kW, ab 100kW) ausgerichtet (Anhang 2.1 Ziff. 2
EnFV).
3.5.2.2 Rechtsetzungsakte stellen in der Regel keine Vertrauensgrundlage
dar. Da gemäss dem demokratischen Prinzip die Rechtsordnung jederzeit
geändert werden kann, können Private grundsätzlich nicht auf den Fortbe-
stand eines geltenden Gesetzes vertrauen, sondern müssen mit dessen
Revision rechnen (vgl. statt vieler BGE 134 I 23 E. 7.5; Urteile des BVGer
A-217/2020 vom 18. Mai 2020 E. 5.3, A-7036/2018 vom 26. August 2019
E. 4.3.4). Private können das Prinzip des Vertrauensschutzes gemäss der
Rechtsprechung im Fall einer Rechtsänderung ausnahmsweise anrufen,
wenn sie durch eine unvorhersehbare Rechtsänderung in schwerwiegen-
der Weise in ihren gestützt auf die bisherige gesetzliche Regelung getätig-
ten Dispositionen getroffen werden und keine Möglichkeit der Anpassung
an die neue Rechtslage haben. Auch in einem solchen Fall besteht aber
kein Anspruch auf Nichtanwendung des neuen Rechts, sondern es kann
lediglich aus Gründen der Rechtsgleichheit, der Verhältnismässigkeit und
des Willkürverbots geboten sein, gegebenenfalls eine angemessene Über-
gangsregelung zu schaffen (BGE 145 II 140 E. 4, 130 I 26 E. 8.1; Urteile
des BVGer A-6543/2018 vom 24. März 2020 E. 5.5.2, A-5647/2016 vom
6. September 2018 E. 6.2.1; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 641).
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Seite 10
3.5.2.3 Für die Anlage der Beschwerdeführerin gilt gemäss den vom Ge-
setzgeber verbindlich festgelegten Übergangsbestimmungen das neue
Recht (vgl. vorne E. 3.4). Zur massgeblichen Norm von Art. 72 Abs. 3 EnG
führt die Botschaft zum ersten Massnahmenpaket zur Energiestrategie
2050 ausdrücklich aus, mit der bisherigen Deckelung der Mittel für die Ein-
speisevergütung seien nicht nur die Ausgaben begrenzt, sondern implizit
auch Rechtsänderungen vorbehalten worden. Ein Anspruch auf Vergütung
(zu den bisherigen Bedingungen) habe nur im Rahmen der zur Verfügung
gestellten Mittel bestanden, darüber hinaus aber gerade nicht (BBl 2013
7561, 7696 f.).
3.5.2.4 Dass die Beschwerdeführerin unter altem Recht anders behandelt
worden wäre (vgl. vorne E. 3.5.2), ist nach dem Gesagten unerheblich. Der
blosse Umstand, dass ein Anspruch, der nach der bisherigen Rechtslage
bestanden hätte, wegen einer Gesetzesänderung nicht mehr besteht, kann
auch keinen Entschädigungsanspruch begründen, soweit durch die Geset-
zesänderung nicht in gesetzesbeständige wohlerworbene Rechte einge-
griffen oder eine individuelle, konkrete Zusicherung verletzt wird (vgl. das
Urteil des BGer 1A.104/2000/1A.116/2000 vom 20. Oktober 2000 E. 5e),
was vorliegend gerade nicht ersichtlich ist. Aufgrund der Rechtsänderung
kann sich die Beschwerdeführerin mithin nicht mehr auf die Anknüpfung an
die Vorgaben im Erstellungsjahr gemäss Art. 3b Abs. 1bis aEnV berufen.
Damit ist auch die KEV-RL 2011 nicht mehr massgeblich. Diese vermag
folglich keine Vertrauensgrundlage für eine Weitergeltung der KEV resp.
eine Entschädigung zufolge Vertrauensschadens zu bilden.
3.5.3 Im Weiteren zu prüfen ist, ob allenfalls der Wartelistenbescheid eine
Vertrauensgrundlage bilden könnte.
Die Swissgrid teilte der Beschwerdeführerin mit Bescheid vom 9. April 2013
mit, dass das BFE einen Bescheidstopp für alle Technologien verfügt habe
und sämtliche Neuanmeldungen für alle Technologien auf die Warteliste
gesetzt würden. Sollte das Projekt der Beschwerdeführerin Platz in der re-
gulären Förderung finden, werde sie einen positiven Bescheid mit dem
festgelegten provisorischen Vergütungssatz, den einzuhaltenden Fristen
und weiteren Pflichten erhalten. Ob und wann das Projekt von der Warte-
liste in die reguläre Förderung übernommen werde, sei offen. Das Projekt
wurde in der Folge nach dem Datum der Anmeldung und innerhalb dessel-
ben Tages nach der Grösse der Leistung in die Warteliste aufgenommen.
Daraus ergibt sich, dass erst im Rahmen des positiven Bescheids bestimmt
wird, ob ein Projekt überhaupt von einer Förderung profitieren kann und
A-985/2020
Seite 11
wie hoch ein allfälliger Vergütungssatz ausfällt. Selbst nach einem positi-
ven Bescheid gilt der Vergütungssatz noch als provisorisch. Bis zum posi-
tiven Bescheid musste die Beschwerdeführerin in jedem Fall damit rech-
nen, dass sich Änderungen betreffend eine Förderung ergeben können.
Dies zeigt auch die Fussnote am Ende des Wartelistenbescheids, wonach
das Parlament eine Änderung bei der Förderung von PV-Anlagen beab-
sichtige. Die tatsächliche Förderung der Anlage war abhängig von den fi-
nanziellen Mitteln des Fonds (Gesamtdeckel).
Angesichts des Wortlauts des Wartelistenbescheids ist nicht ersichtlich, in-
wiefern dieser bei der Beschwerdeführerin ein berechtigtes Vertrauen in
die Weitergeltung der KEV, geschweige denn in die Ausrichtung eines be-
stimmten Tarifs, hätte schaffen können. Der Wartelistenbescheid kann da-
her ebenfalls keine Vertrauensgrundlage gemäss Art. 5 und Art. 9 BV im
Hinblick auf eine spätere definitive Aufnahme in die KEV resp. das EVS
oder die EIV bzw. gar für die Vergütungshöhe bilden (vgl. die Urteile des
BVGer A-4324/2019 vom 2. September 2020 E. 3.4.6, A-217/2020 vom
18. Mai 2020 E. 3.4 und 5.4, A-6043/2018 vom 24. März 2020 E. 7.5.1
m.w.H., A-7036/2018 vom 26. August 2019 E. 4.4.3 und 4.5.4, bestätigt
durch das Urteil des BGer 2C_821/2019 vom 11. Februar 2020 E. 7.2 f.;
Botschaft Energiestrategie 2050, BBl 2013 7561, 7697).
3.5.4 Zusammenfassend wurde der Beschwerdeführerin vor dem System-
wechsel resp. der am 1. Januar 2018 in Kraft getretenen Totalrevision des
Energiegesetzes keine KEV ausgerichtet und sie verfügte im Zeitpunkt des
Inkrafttretens des neuen Rechts über keine Zusicherung, jemals von der
KEV oder dem EVS/EIV-System zu profitieren. Aus dem alten Recht kann
sie keine Vertrauensgrundlage ableiten resp. ist sie in ihrem Vertrauen auf
die unbefristete Gültigkeit des alten Rechts und der KEV-RL 2011 bzw. den
Wartelistenbescheid nicht zu schützen. Somit kann der Beschwerdeführe-
rin auch keine Entschädigung für einen erlittenen Vertrauensschaden zu-
gesprochen werden, denn auch der finanzielle Ausgleich als Ersatzmass-
nahme zum Bestandsschutz bedarf einer Vertrauensgrundlage (vgl. das
Urteil des BGer 8C_542/2007 vom 14. April 2008 E. 4.2; vorne E. 3.1). Eine
Prüfung der weiteren Voraussetzungen des Vertrauensschutzes entfällt da-
mit.
3.6 Nach dem Gesagten hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf
eine Entschädigung von Vertrauensschaden. Die Beschwerde ist daher ab-
zuweisen.
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4.
Es bleibt über die Kosten und Entschädigungen des Beschwerdeverfah-
rens vor dem Bundesverwaltungsgericht zu befinden.
4.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens gilt die Beschwerdeführerin als
unterliegend, weshalb sie die Verfahrenskosten zu tragen hat (Art. 63
Abs. 1 VwVG). Diese werden auf Fr. 7’000.– festgesetzt (Art. 1 ff. des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE,
SR 173.320.2]). Dieser Betrag wird dem in gleicher Höhe geleisteten Kos-
tenvorschuss entnommen.
4.2 Der unterliegenden Beschwerdeführerin steht keine Parteientschädi-
gung zu (Art. 64 VwVG i.V.m. Art. 7 ff. VGKE). Ebenso wenig hat die
Vorinstanz Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 7 Abs. 3 VGKE).
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