Decision ID: 895e837c-e627-50b7-b2cd-7b2c2a8aabe2
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin, A._, reiste eigenen Angaben zufolge
am 16. Dezember 2015 in die Schweiz ein und suchte gleichentags um
Asyl nach. Am 21. Dezember 2015 wurde sie vom SEM zu ihrer Person,
ihrem Reiseweg und summarisch zu ihren Ausreisegründen aus dem Hei-
matland befragt (Befragung zur Person; BzP). Am 5. September 2017 er-
folgte die einlässliche Anhörung zu ihren Asylgründen.
A.b Dabei machte sie im Wesentlichen geltend, sie sei eritreische Staats-
angehörige und in Addis Abeba, Äthiopien, zur Welt gekommen, jedoch in
C._ aufgewachsen. Nach dem Tod ihrer Eltern in den Jahren (...)
respektive (...) habe sie bei einer Tante mütterlicherseits gelebt, welche
eine (...) ihres späteren Lebenspartners gewesen sei. Ihre beiden Brüder
seien in den Jahren (...) beziehungsweise (...) gestorben. Die Schule habe
sie bis (...) besucht und danach in der (...) ihres späteren Lebenspartners
gearbeitet. Ihre Kinder seien in den Jahren (...), (...) und (...) geboren wor-
den. Der Vater ihrer Kinder, mit dem sie seit (...) zusammengelebt habe,
habe sie seit der Geburt des zweiten Kindes sehr schlecht behandelt. Er
habe sie nicht heiraten wollen, sie wie eine Gefangene behandelt und sie
geschlagen, misshandelt und gewürgt. Auch habe er ihr gedroht, er würde
sie umbringen. Sie habe Angst um ihr Leben gehabt. Einmal habe er wäh-
rend eines Streits eine Gasflasche aufgemacht und absichtlich das heraus-
strömende Gas angezündet. Sie sei danach ins Krankenhaus gekommen,
wo der Vorfall der Polizei gemeldet worden sei. Die Polizei habe sie darauf-
hin befragt und ihr Lebenspartner sei verhaftet, jedoch schon am folgenden
Tag wieder auf freien Fuss gesetzt worden. Zu Hause habe er sie wieder
geschlagen. Auch ein Versöhnungsversuch durch den Pfarrer habe nichts
gebracht. Die Polizei habe ihr nicht geholfen, weil ihr Lebenspartner der
Sohn eines (...) sei. Sie habe Eritrea im (...) 2015 in Richtung Sudan ver-
lassen. Nach ihrer Ausreise sei es den Kindern sehr schlecht ergangen.
Die ältere Tochter habe versucht, mit den Geschwistern aus dem Land zu
flüchten, worauf sie für einige Tage inhaftiert worden sei.
A.c Die Beschwerdeführerin reichte im Verlauf des vorinstanzlichen Ver-
fahrens ihre Identitätskarte, die Taufscheine ihrer drei in Eritrea lebenden
Kinder, einen Impfausweis, ihre Wohnsitzbestätigung und eine Lebensmit-
telkarte (alle in Kopie) sowie mehrere Familienfotos als Beweismittel zu
den Akten.
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Seite 3
B.
Mit Entscheid des SEM vom 22. Dezember 2015 wurde die Beschwerde-
führerin dem Aufenthaltskanton D._ zugewiesen.
C.
Am (...) wurde das rubrizierte Kind der Beschwerdeführerin, B._,
geboren.
D.
Eine Verfahrensstandsanfrage der Beschwerdeführerin vom 19. Septem-
ber 2018 beantwortete das SEM mit Schreiben vom 27. September 2018.
E.
Mit Verfügung vom 4. September 2019 – eröffnet am 9. September 2019 –
stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht (Dispositivziffer 1), lehnte ihr Asylgesuch ab (Dispositivziffer 2)
und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3). Den
Wegweisungsvollzug schob es jedoch infolge Unzumutbarkeit zu Gunsten
einer vorläufigen Aufnahme auf (Dispositivziffern 4–6).
F.
Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe ihrer
Rechtsvertreterin vom 2. Oktober 2019 beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde und beantragte, die Dispositivziffern 1 bis 3 der angefochte-
nen Verfügung seien aufzuheben und es sei ihre und ihres Sohnes Flücht-
lingseigenschaft festzustellen und ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter sei
die Sache zur erneuten Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In
verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde beantragt, es sei die unentgeltliche
Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu gewähren und auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.
Der Beschwerde lagen nebst der angefochtenen Verfügung und einer Voll-
macht eine Schnellrecherche der SFH-Länderanalyse vom 13. Februar
2018 zu "Eritrea: Sexualisierte Gewalt gegen Frauen" bei.
G.
Mit Eingabe vom 9. Oktober 2019 liess die Beschwerdeführerin eine Für-
sorgebestätigung nachreichen.
H.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 11. Oktober
2019 den Eingang der Beschwerde.
D-5137/2019
Seite 4
I.
Mit Zwischenverfügung vom 18. Oktober 2019 wurde das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung unter Vorbehalt einer nach-
träglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse gutgeheissen und auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Der Entscheid über das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung wurde
auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Gleichzeitig wurde dem SEM
Gelegenheit gegeben, eine Vernehmlassung zur Beschwerde einzu-
reichen.
J.
Das SEM liess sich innert erstreckter Frist am 12. November 2019 zur Be-
schwerde vernehmen.
K.
Der Beschwerdeführerin wurde mit Verfügung vom 19. November 2019 die
Gelegenheit zur Einreichung einer Replik erteilt.
L.
In der Folge liess die Beschwerdeführerin am 4. Dezember 2019 replizie-
ren. Der Eingabe lagen der Bericht der Hilfswerkvertretung vom 5. Sep-
tember 2017, eine Schnellrecherche der SFH-Länderanalyse vom 19. Sep-
tember 2018 zu "Érythrée: Situation des familles monoparentales" sowie
eine Kostennote bei.
M.
Mit Eingabe vom 4. August 2020 teilte die Rechtsvertreterin dem Gericht
ihre neue Adresse mit.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 VGG).
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Seite 5
1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das
bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde
ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
3.1 In der Beschwerde wird in formeller Hinsicht eine unrichtige und unvoll-
ständige Sachverhaltsabklärung gerügt. Angesichts der erlittenen körperli-
chen und sexuellen Gewalt leide die Beschwerdeführerin sehr wahrschein-
lich unter einer nicht diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstö-
rung (PTBS). Nebst der über (...) Jahre andauernden häuslichen Gewalt
sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin auch in Libyen miss-
handelt worden sei. Anlässlich der BzP habe sie ausgesagt, sie leide unter
Kopfschmerzen und Ängstlichkeit, seit sie in Libyen gewesen sei. Inwiefern
die erlittene häusliche Gewalt körperlich oder sexuell gewesen sei, sei
überdies von der befragenden Person in keiner Weise abgeklärt worden.
Es sei deshalb mindestens wahrscheinlich, dass die Erinnerungen an die
traumatisierenden Ereignisse mit Scham behaftet und lückenhaft – da weit-
gehend verdrängt – seien. In der Befragungssituation, in der ihr mehrfach
vorgeworfen worden sei, ihre Kinder beim gewalttätigen Vater und ihrem
Peiniger im Stich gelassen zu haben, sei keine vertrauensvolle Atmo-
sphäre entstanden, in der sie sich hätte öffnen und detailliert berichten kön-
nen, wenn sie denn psychisch dazu im Stand gewesen wäre. Schliesslich
habe die Anhörung inklusive Rückübersetzung lediglich vier Stunden ge-
dauert, was äusserst kurz sei und gerade für das Erzählen von belastenden
Ereignissen nicht ausreiche. Es sei eine Abklärung durch eine psycholo-
gisch qualifizierte Person vorzunehmen.
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3.2 Für die behauptete Traumatisierung bestehen keine Anhaltspunkte.
Dem Anhörungsprotokoll ist nur eine Stelle zu entnehmen, der allenfalls
Schwierigkeiten der Beschwerdeführerin, über Erlebtes zu sprechen, ent-
nommen werden könnten: "[...] Er tat mir Sachen an... Ich weiss nicht, wie
ich das erzählen soll. Es ist so schwer. Solche Dinge tut man einfach keiner
weiblichen Person an. Das tut man einfach nicht. [...]" (vgl. Akten SEM
A10/20 F97). Jedoch werden auf Beschwerdeebene keine neuen Sachver-
haltselemente – etwa hinsichtlich körperlicher oder sexueller Gewalt – vor-
gebracht, obwohl anzunehmen ist, die Rechtsvertreterin hätte dieses
Thema mit der Beschwerdeführerin anzusprechen versucht oder sie an
eine Fachperson verwiesen. Sodann finden sich im Protokoll keine An-
haltspunkte, dass sich die Beschwerdeführerin nur ungenügend hätte an
Erlebtes erinnern können. Aus dem Umstand, dass sie im vorinstanzlichen
Verfahren angab, seit ihrem Aufenthalt in Libyen unter Kopfschmerzen und
Ängstlichkeit zu leiden und dass es ihr wegen der Trennung von ihren Kin-
dern psychisch überhaupt nicht gut gehe (vgl. Akten SEM A3/11 Ziff. 8.02;
A10/20 F156), kann nicht per se auf eine Traumatisierung geschlossen
werden. Die Beschwerdeführerin reichte bis heute keinen Arztbericht ein,
um die behaupteten psychischen Schwierigkeiten zu belegen. Auch stellte
sie einen solchen nicht in Aussicht, obschon es ihr im Rahmen ihrer Mitwir-
kungspflicht gemäss Art. 8 AsylG oblegen hätte, entsprechende Doku-
mente zu beschaffen, was der Rechtsvertretung zweifellos bekannt ist. Der
Beschwerdeführerin wurde sodann in der Anhörung ausreichend Gelegen-
heit gegeben, ausführlich über ihre Beziehungsprobleme und die Art der
Misshandlungen zu berichten. Sie wurde mehrfach aufgefordert, über ihre
Probleme in der Partnerschaft zu berichten (vgl. Akten SEM A10/20 F84,
86, 97, 98, 101 und 102). Die Hilfswerkperson bestätigt in ihrem Kurzbe-
richt, dass die SEM-Mitarbeiterin die Beschwerdeführerin ausführlich be-
fragt und die Fragen mehrmals wiederholt habe, wenn die Beschwerdefüh-
rerin keine detaillierten Antworten gegeben habe. Dass die im Bericht be-
schriebene etwas kühle Atmosphäre die Beschwerdeführerin von einer Öff-
nung abgehalten hätte, erscheint nach dem Gesagten nicht wahrschein-
lich. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die Frage, weshalb
die Beschwerdeführerin ihre Kinder im Stich gelassen habe, zwar nicht be-
sonders einfühlend formuliert war, aber zur Klärung des Sachverhalts be-
rechtigt erscheint. Vor dem Hintergrund der von der Hilfswerkvertretung
festgestellten und sich auch aus dem Protokoll ergebenden ausführlichen
Befragung ist nicht ersichtlich, inwiefern die Befragung zu kurz gewesen
sein soll.
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3.3 Die formellen Rügen erweisen sich damit als unbegründet. Es besteht
keine Veranlassung, die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen bezie-
hungsweise eine Abklärung durch eine psychologisch qualifizierte Person
vorzunehmen. Die entsprechenden Begehren sind demnach abzuweisen.
4.
4.1 Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in
dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zuge-
hörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politischen An-
schauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-
dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1
AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-
bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-
lichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgrün-
den ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss
Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat be-
ziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zu-
kunft begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine
bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; vielmehr
müssen konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen re-
alistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57
E. 2.5).
4.3 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachgewiesen oder zumindest glaub-
haft gemacht werden. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vor-
handensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Un-
glaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu
wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht
entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit-
tel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung aus, die Schilderun-
gen der Beschwerdeführerin zu den geltend gemachten Übergriffen durch
ihren Lebenspartner seien zu einem grossen Teil pauschalen Inhalts ge-
wesen, ohne dass sie das Vorgebrachte weiter habe konkretisieren kön-
nen. Auf Nachfrage, Einzelheiten über ihre damalige Situation mit ihrem
Lebenspartner zu berichten, habe sie ausgeführt, dass sie ihn um eine
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Seite 8
Eheschliessung gebeten habe. Irgendwann seien die Schläge zu viel ge-
worden und Nachbarn hätten es mitbekommen. Selbst als sie um eine aus-
führlichere Schilderung ihrer Probleme gebeten worden sei, habe sie nur
wiederholt, dass es um das Thema der Eheschliessung gegangen sei. Ob-
wohl ihr Lebenspartner ihr in Aussicht gestellt habe, sie nach dem zweiten
Kind zu heiraten, habe er die Ehe verweigert. Er habe ihr Sachen angetan,
die man einfach keiner Frau antue. Sie habe kein normales Leben führen
können. Ihre Tochter habe ihr gesagt, dass sie sich schützen müsse. Nach
weiteren Einzelheiten gefragt, habe sie wiederholt, dass ihr Lebenspartner
betrunken am Morgen nach Hause gekommen sei und sie vor den Augen
der Kinder geschlagen habe. Die Kinder würden keine Liebe für den Vater
empfinden. Sie habe die Polizei informiert, jedoch habe sich nichts geän-
dert. Obschon sie anfänglich zu Protokoll gegeben habe, dass ihr Lebens-
partner sie täglich geschlagen habe, seien ihre Angaben zu den erlittenen
Schlägen substanzlos und ausweichend geblieben. Als sie gebeten wor-
den sei, hierüber ausführlich zu berichten, habe sie nur gemeint, dass ihr
Lebenspartner sie gewürgt und beinahe umgebracht habe. Auch dieses
Vorkommnis habe sie auf Nachfrage nicht konkretisieren können und sei
ausgewichen, indem sie zum wiederholten Male auf Allgemeinplätze ver-
wiesen habe. Im Weiteren habe sie dargelegt, dass ihr Lebenspartner bei
einem Konflikt um die von ihr verlangte Eheschliessung das Gas angezün-
det habe. Sie sei ins Krankenhaus gekommen und von der Polizei befragt
worden. Zum Glück sei ihr nicht viel passiert. Die Polizei habe daraufhin
ihren Lebenspartner einen Tag lang in Gewahrsam genommen. Nach die-
sem Vorfall, bei dem er sie fast umgebracht habe, sei ihr klargeworden,
dass es nicht zu einer Eheschliessung kommen würde. Weiter habe sie
vorgebracht, dass sie sich wegen der Übergriffe an die Polizei gewandt
habe. Auch hierzu seien ihre Angaben substanzlos gewesen. Auf die
Frage, wie oft dies der Fall gewesen sei, habe sie gemeint, dass sie erst
gedacht habe, dass es richtige Gesetze gebe, weshalb sie die Polizei in-
formiert habe. Sie habe dann jedoch begriffen, dass die Gesetze sie nicht
schützen würden, weshalb sie sich zur Ausreise entschieden habe. Auch
der hinzugezogene Pfarrer habe nicht schlichten können. Gegen Ende
habe sie keine andere Lösung gesehen, als auszureisen. Diese pauschale
Darlegung habe, gemessen an der einschneidenden Bedeutung, die das
Verlassen der Heimat und das Zurücklassen der Kinder unter derartigen
Umständen mit Sicherheit gehabt hätte, nicht zu überzeugen vermocht.
Insbesondere sei in ihren Ausführungen auch keine persönliche Betroffen-
heit zu erkennen. Es werde zwar nicht in Zweifel gezogen, dass sie Prob-
leme in ihrer Partnerschaft gehabt habe und es auch zu Handgreiflichkei-
ten gekommen sei. Auch sei glaubhaft, dass ihr Lebenspartner bei einem
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Streit das Gas entzündet habe. Die Polizei sei jedoch damals ihrer Schutz-
pflicht nachgekommen und habe den Lebenspartner einen Tag lang in Ge-
wahrsam genommen. Zudem habe sie die Möglichkeit gehabt, sich an den
Pfarrer zu wenden, um Hilfe zu erhalten. Dieser habe sich eingeschaltet,
um zwischen ihr und ihrem Lebenspartner zu vermitteln. Ihren Angaben sei
zu entnehmen, dass der Pfarrer den Lebenspartner davon habe überzeu-
gen wollen, sie der Kinder willen zu heiraten. Sie hätten beide akzeptiert,
was der Pfarrer gesagt habe. Nach einer Woche habe ihr Lebenspartner
sie wieder geschlagen. Sie habe sich jedoch nicht mehr an den Pfarrer
gewandt. Es sei ihr nur noch darum gegangen, von dort wegzukommen.
Sie habe nicht glaubhaft zu machen vermocht, dass sie sich in einer aus-
weglosen Situation befunden habe, der sie sich nur durch eine Flucht ins
Ausland habe entziehen können. Sie hätte etwa auch in Erwägung ziehen
können, bei Verwandten unterzukommen. Ihre Erklärung, dass ihre Ver-
wandten ihr nicht helfen würden, sei zu pauschal. Auch könne ihre Argu-
mentation, dass ihre Verwandten in E._ leben, ihre Kinder jedoch
in C._ zur Schule gehen würden, nicht gehört werden, zumal sie mit
einem zeitweiligen Wegzug nach E._ zumindest eine räumliche
Distanz geschaffen und sich den Schlägen ihres Lebenspartners hätte ent-
ziehen können. Ihre Behauptung, ihr Lebenspartner hätte sie auch dort
nicht in Ruhe gelassen und es hätte auch nichts gebracht, wenn sie sich in
C._ eine andere Unterkunft gemietet hätte, sei rein hypothetisch.
Abgesehen von den festgestellten Unglaubhaftigkeitselementen würden
die Vorbringen mangels Intensität somit auch der asylrechtlichen Relevanz
entbehren. Schliesslich sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit da-
von auszugehen, dass sich eritreische Staatsangehörige aufgrund einer
illegalen Ausreise mit Sanktionen ihres Heimatstaates konfrontiert sehen
würden, die ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 AsylG darstellen würden.
Andere Anknüpfungspunkte, welche die Beschwerdeführerin in den Augen
des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könn-
ten, seien ebenfalls nicht ersichtlich.
5.2 In der Beschwerde wird entgegnet, es sei allgemein bekannt, dass es
sich beim absichtlichen Entzünden von Gas um ein äusserst schwerwie-
gendes Ereignis handle, das innert Bruchteilen von Sekunden zu Flammen
und Explosionen führe, was zu schwersten Verbrennungen und zum Tod
jeder sich in der Nähe befindlichen Person führen könne. Weshalb die Vor-
instanz vor diesem Hintergrund der Ansicht sei, es mangle dem Gasangriff
an der asylrechtlichen Intensität, sei nicht nachvollziehbar. Der Gasangriff
sei Teil einer jahrelang andauernden systematischen Misshandlung durch
den ehemaligen Lebenspartner der Beschwerdeführerin. Sodann könne
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die Vorinstanz nicht einerseits die Handgreiflichkeiten, um die es im Anhö-
rungsprotokoll grösstenteils gehe, für glaubhaft befinden und andererseits
der Ansicht sein, dass genau diese Handgreiflichkeiten aufgrund pauscha-
ler Aussagen unglaubhaft seien. Es sei zudem die seit mehr als 20 Jahren
bekannte wissenschaftliche Erkenntnis zu berücksichtigen, dass traumati-
sierte Asylsuchende häufig nicht in der Lage seien, präzise, vollständige
und widerspruchsfreie Angaben zu erlittenen Misshandlungen zu machen,
sie dazu neigen würden, Gedanken, Gefühle und Gespräche, die sich auf
das traumatische Ereignis bezögen, zu vermeiden und teilweise oder voll-
ständig unfähig seien, sich an wichtige Aspekte des traumatisierenden Er-
eignisses zu erinnern. Die Asylrekurskommission habe selbst festgestellt,
dass Opfer von sexueller und anders gearteter massiver Gewalt "ein be-
eindruckendes Mass an Beherrschung an den Tag legen und erstaunliche
Energien freimachen" könnten, "mit denen sie das Erinnertwerden an trau-
matisierende Erlebnisse oder die Entstehung beklemmender Vermutungen
in ihrer Umgebung um jeden Preis zu verhindern versuchen". Diese wis-
senschaftliche Erkenntnis müsse bei den Schilderungen der Beschwerde-
führerin zur deren erlittenen körperlichen und psychischen Übergriffen be-
rücksichtigt werden. Dies erkläre, warum sie die körperlichen Misshandlun-
gen relativ knapp beschrieben habe. Andererseits gelte auch zu beachten,
dass es sich offensichtlich um täglich wiederkehrende körperliche Miss-
handlungen, insbesondere Schläge, gehandelt und sie diese immer gleich
ablaufenden Misshandlungen zusammengefasst habe. Aus ihren Aussa-
gen gehe klar hervor, dass es ihr grosse Mühe bereitet habe, über die er-
lebten Misshandlungen zu berichten, insbesondere, wenn von ihr verlangt
worden sei, die Übergriffe im Detail zu schildern. Die Erinnerung daran,
dass ihre Kinder nun an ihrer Stelle gequält würden, habe sie emotional
aufgewühlt. Es gehe nicht an, diese Aussagen als pauschal und auswei-
chend zu bezeichnen. Vielmehr sei davon auszugehen, dass sie während
Jahren eine äusserst traumatische und von Gewalt geprägte Beziehung
gelebt habe, in der sie nur ihrer Kinder wegen verblieben sei. Circa ab Ge-
burt ihres zweiten Kindes im Jahre (...) bis zu ihrer Ausreise im Jahr 2015
sei sie täglich geschlagen und misshandelt worden. Der Vater der drei Kin-
der habe auch nicht davor zurückgeschreckt, seine eigene Tochter zu miss-
brauchen, nachdem die Beschwerdeführerin geflohen sei. Dies sei durch-
aus plausibel und spreche ebenfalls für die Glaubhaftigkeit der Aussagen.
Auf die Frage, wie oft sie sich an die Polizei gewandt habe, habe sie durch-
aus eine substantiierte Antwort gegeben. Sie habe angegeben, dass sie so
oft dort gewesen sei, dass sich die Polizisten bereits an sie gewöhnt hätten.
Es sei davon auszugehen, dass sie sich an die genaue Zahl angesichts
der Häufigkeit schlicht nicht mehr habe erinnern können. Die befragende
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Person habe es sodann unterlassen nachzufragen, auf welchen Zeitrah-
men sich die Angabe, dass es eine Zeit gegeben habe, in der sie drei Mal
zur Polizei gegangen sei, bezogen habe. Zu behaupten, die Angaben der
Beschwerdeführerin seien substanzlos, sei nicht nachvollziehbar. Was die
persönliche Betroffenheit anbelange, seien an diversen Stellen des Proto-
kolls Gefühlsäusserungen festgehalten, die darauf hindeuten würden, dass
die vorgebrachten Erlebnisse real seien. Dabei falle auf, dass die Be-
schwerdeführerin das eine Mal, als sie sich schliesslich dazu habe über-
winden können, genauer über den Vorfall mit der Gasflasche zu erzählen,
anfange zu weinen und ihre Erzählung daraufhin abbreche. Zum Beizug
des Pfarrers habe sie ebenfalls substantiiert berichtet und etwa präzisiert,
dass dieser sich eingeschaltet habe, nachdem der Gasvorfall gezeigt habe,
dass durch die Polizei keine Hilfe von staatlicher Seite zu erwarten gewe-
sen sei. Schliesslich habe sie auch klar angegeben, warum sie nach der
fehlenden Hilfe durch die Polizei und dem gescheiterten Schlichtungsver-
such des Pfarrers die Entscheidung gefasst habe, auszureisen. Sie sei voll-
ständig auf sich alleine gestellt gewesen und habe gewusst, dass ihr aus
Angst vor den Konsequenzen niemand helfen würde. Ihr Partner sei jedes
Mal mit den Übergriffen davongekommen, obwohl alle Personen in ihrer
Umgebung wie Nachbarn und entferntere Familienmitglieder dies gewusst
hätten. Nach dem Tod der Eltern und der beiden Brüder habe es auch keine
männlichen Familienmitglieder gegeben, die ihr hätten helfen können.
Schliesslich sei sie bei ihrer Tante mütterlicherseits aufgewachsen, die eine
(...) der Mutter ihres ehemaligen Partners gewesen sei. Vor diesem Hin-
tergrund sei nachvollziehbar, dass von der Verwandtschaft keine Unterstüt-
zung gekommen sei, zumal Gewalt gegen Frauen in Eritrea weit verbreitet
sei. Weder der Staat in Form der Polizei noch die Kirche in Gestalt des
Pfarrers noch die Zivilgesellschaft hätten ihr wirklich helfen wollen oder
können. Sodann sei ihre Einschätzung, nirgends im Land ihre Ruhe zu ha-
ben, durchaus realistisch. Die Verwandtschaft habe ihr nicht geholfen. Ihr
Partner habe hingegen einen Reisepass und Geld. Somit sei er mobil und
habe die Möglichkeit, sie in einem grösseren Radius zu verfolgen. Als ehe-
maliger (...) und Sohn eines (...) habe er zudem die Polizei "in der Hand
gehabt". Obwohl die Gewalt seit (...) angedauert habe, sei sie erst 2015
geflüchtet, als auch ihre älteste Tochter in den Fokus des Vaters geraten
sei und der letzte Schlichtungsversuch durch den Pfarrer nach dem Gas-
angriff nichts gebracht habe. Die Bemerkung der Vorinstanz, dass sie nach
dem Gasangriff durch die Polizei wirksamen Schutz erhalten habe, sei
schon fast zynisch. In der Schweiz würde in einem solchen Fall auch bei
leichten Verletzungen eine Untersuchung wegen eventualvorsätzlicher Tö-
tung eingeleitet. Der ehemalige Partner sei jedoch nach einem Tag wieder
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Seite 12
aus dem Polizeigewahrsam entlassen und nie angeklagt worden. Das SEM
habe die vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs verfügt und gehe folglich davon aus, dass die Wegweisung nach
Eritrea im gesamten Land nicht zumutbar sei und somit auch nicht nach
E._, wo die Verwandten leben würden. Auch die Möglichkeit, eine
andere Wohnung in C._ zu mieten, falle demnach nach Ansicht der
Vorinstanz offensichtlich ausser Betracht. Beide Punkte habe das SEM je-
doch als Gründe dafür angeführt, dass die Beschwerdeführerin eine inner-
staatliche Fluchtalternative gehabt habe. Wie die Vorinstanz zum Schluss
komme, dass einerseits eine innerstaatliche Fluchtalternative bestehe und
andererseits jedoch der Wegweisungsvollzug unzumutbar sei, sei nicht
nachvollziehbar. Schliesslich habe sie in der (...) ihres Partners gearbeitet
und sei somit auch finanziell von ihm abhängig gewesen. Es wäre ihr des-
halb nicht möglich gewesen, eine andere Wohnung in C._ zu mie-
ten. Häusliche Gewalt sei in Eritrea – mit Verweis auf verschiedene Be-
richte – weit verbreitet und auch akzeptiert. Die erlittene Gewalt führe oft
dazu, dass die Opfer unter dem Verstoss seitens der Familie und der Ge-
meinschaft leben würden. Sie würde bei einer Rückkehr nach Eritrea mit
grosser Wahrscheinlichkeit in die Fänge ihres ehemaligen Partners gera-
ten. Ein wirksamer Schutz durch den Staat sei nicht zu erwarten. Aufgrund
der bereits erlittenen jahrelangen Misshandlungen sei sie auch gefährdeter
als eritreische Frauen im Allgemeinen, wieder Opfer von häuslicher Gewalt
ohne wirksamen Schutz zu werden.
5.3 In seiner Vernehmlassung hält das SEM an seinen Erwägungen fest
und führt ergänzend aus, die Beschwerdeführerin habe keinen ärztlichen
Bericht zum Nachweis der behaupteten Traumatisierung zu den Akten ge-
reicht, so dass diese auch nicht erwiesen sei. Das SEM habe nicht in Ab-
rede gestellt, dass es in der Beziehung mit ihrem damaligen Partner Prob-
leme gegeben und es zum Streit und wohl auch zu Handgreiflichkeiten ge-
kommen sein könne. Allerdings habe sie eine derartige Zwangslage, wie
sie in der Beschwerdeschrift angeführt werde, nämlich, dass sie eine äus-
serst traumatische, von Gewalt geprägte Beziehung gelebt habe und seit
der Geburt ihres zweiten Kindes im Jahr (...) bis zu ihrer Ausreise im Jahr
2015 täglich geschlagen und misshandelt worden sei, nicht glaubhaft ma-
chen können. So habe sie beispielsweise in der Anhörung erwähnt, dass
es nach der Geburt ihres zweiten Kindes ständig Streit gegeben habe,
dann hätten sie sich wieder vertragen und dann habe es wieder Streit ge-
geben. Es sei ein ständiges Auf und Ab gewesen. Diese Aussage sei mit
der Angabe in der Beschwerdeschrift, sie sei seit (...) täglich geschlagen
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und misshandelt worden, nicht zu vereinbaren. Auch sei es schwer vorstell-
bar, dass die Beschwerdeführerin trotz der vorgebrachten Misshandlungen
von ihrem damaligen Lebensgefährten verlangt haben solle, dass er sie
heirate beziehungsweise dass es bei den Auseinandersetzungen um die
Frage der von ihr angestrebten Eheschliessung gegangen sei. Auch bevor
ihr Lebensgefährte das Gas angezündet habe, habe es im Vorfeld eine
Auseinandersetzung wegen der Eheschliessung gegeben.
5.4 In der Replik wird dem – mit Verweis auf verschiedene Berichte – ent-
gegengehalten, zwar sei bislang keine PTBS diagnostiziert worden, daraus
könne jedoch umgekehrt nicht geschlossen werden, dass keine Traumati-
sierung bestehe. Letztlich sei entscheidend, dass sich aus den Anhörungs-
protokollen ergebe, dass die Beschwerdeführerin äusserst ungern über
das Erlebte berichtet habe und ihre Aussagen darauf hindeuten würden,
dass die erlebte häusliche Gewalt sie traumatisiert habe. Auch die Hilfs-
werkvertretung halte in ihrem Bericht fest, man habe gespürt, wie sehr es
sie (die Beschwerdeführerin) mitgenommen habe, darüber zu sprechen.
Sodann lasse die Vorinstanz die Erkenntnisse zu häuslicher Gewalt in part-
nerschaftlichen Beziehungen völlig ausser Acht. Gewalt in Paarbeziehun-
gen trete nicht dauernd offen zutage, sondern es lasse sich ein Zyklus von
Gewaltphasen erkennen, die sogenannte Gewaltspirale. Das SEM ver-
kenne bei seinem Vorwurf, die Zwangslage sei nicht glaubhaft gemacht,
weil es sich um ein ständiges Auf und Ab gehandelt habe, die Dynamik von
häuslicher Gewalt. Auch impliziere das SEM, dass die häusliche Gewalt
wohl nicht besonders schlimm gewesen sein könne, ansonsten die Be-
schwerdeführerin nicht bei ihrem Partner hätte bleiben und ihn sogar hätte
heiraten wollen. Dieses Argument sei nicht stichhaltig. Für Beziehungen,
die von häuslicher Gewalt geprägt seien, sei es geradezu symptomatisch,
dass Opfer in der Beziehung verbleiben und teilweise durch übertriebenes
Entgegenkommen gegenüber dem Täter beziehungsweise der Täterin ver-
suchen würden, diesem beziehungsweise dieser alles recht zu machen.
Die Vorinstanz lasse anerkannte und wissenschaftlich untermauerte Er-
kenntnisse zu häuslicher Gewalt ausser Acht, wenn sie mit Unverständnis
reagiere, wenn das Opfer die Beziehung nicht beende. Zudem sei im vor-
liegenden Kontext zu beachten, in welcher Situation sich eine unverheira-
tete eritreische Frau mit Kindern befinde. Die Beschwerdeführerin sei von
ihrem Lebenspartner in verschiedener Hinsicht, auch finanziell, abhängig
gewesen. Auch die Hilfswerkvertretung sei der Ansicht gewesen, dass es
plausibel sei, dass die Beschwerdeführerin die Situation über Jahre hinweg
erduldet habe, weil ihr Partner ein einflussreicher (...) gewesen und immer
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wieder ins Ausland gereist sei. Hinzu komme, dass das Stigma für unver-
heiratete Frauen mit Kindern in Eritrea ungleich grösser sei als in der
Schweiz. Für Frauen mit ausserehelichen Kindern sei es sehr schwierig,
Arbeit oder einen Partner zu finden, und sie könnten gezwungen sein, zu
betteln oder sich zu prostituieren. Es gebe in Eritrea auch keine Institutio-
nen, bei denen alleinstehende Frauen mit ausserehelichen Kindern Zu-
flucht finden könnten, wenn sie Opfer von Gewalt oder sozialer Diskrimi-
nierung würden. Es habe deshalb für die Beschwerdeführerin bereits aus
sozialen und gesellschaftlichen Gründen ein sehr hoher Druck bestanden,
ihren Partner zu heiraten. Bei dieser Sachlage zu implizieren, die häusliche
Gewalt könne nicht so schlimm gewesen sei, da sie ihren ehemaligen Part-
ner mehrmals habe heiraten wollen, sei realitätsfremd.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-
scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar
2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.).
6.2 Die Vorinstanz hat die Vorbringen der Beschwerdeführerin in der ange-
fochtenen Verfügung im Grundsatz mit ausführlicher und überzeugender
Begründung als unglaubhaft beziehungsweise als nicht asylrelevant quali-
fiziert. Diesbezüglich kann vorab auf die weitgehend zutreffende Argumen-
tation in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. In Ergänzung
und Präzisierung dazu ist Folgendes festzustellen:
6.3 Das Bundesverwaltungsgericht geht übereinstimmend mit dem SEM
davon aus, dass die partnerschaftliche Beziehung, in welcher die Be-
schwerdeführerin lebte, schwierig war und der Lebenspartner bei einem
Streit Gas entzündete. Gleichzeitig finden sich in den Schilderungen zahl-
reiche Unglaubhaftigkeitselemente, welche erhebliche Zweifel daran auf-
kommen lassen, dass die Beschwerdeführerin seitens ihres Lebenspart-
ners Übergriffe im behaupteten Ausmass erlitt. Die diesbezügliche Argu-
mentation des SEM ist durchaus schlüssig.
6.4 Hätten tatsächlich über Jahre hinweg täglich wiederkehrende körperli-
che Misshandlungen stattgefunden, wäre anzunehmen, dass die Be-
schwerdeführerin das Vorgefallene lebensnah beschreiben könnte. Selbst
wenn die Misshandlungen immer gleich abgelaufen wären und sie diese
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zusammengefasst hätte, müssten die subjektiv als schwerwiegend einge-
stuften Vorfälle dennoch insgesamt gut in Erinnerung geblieben sein. Statt-
dessen fielen die entsprechenden Ausführungen während der gesamten
Anhörung trotz wiederholter Nachfragen ausgesprochen undifferenziert
aus. Mangels entsprechender Hinweise kann die fehlende Substantiierung
nicht auf eine Traumatisierung der Beschwerdeführerin zurückgeführt wer-
den. Weder liegt ein entsprechender Arztbericht vor noch ist dem Anhö-
rungsprotokoll zu entnehmen, die Beschwerdeführerin habe grosse Mühe
gehabt, sich an das Erlebte zu erinnern oder darüber zu sprechen bezie-
hungsweise habe versucht, einer genaueren Beschreibung aus dem Weg
zu gehen (vgl. E. 3.2). Vielmehr ergibt sich der Eindruck, die Beschwerde-
führerin habe das Vorgebrachte nicht im behaupteten Ausmass erlitten und
weiche deshalb den Fragen aus respektive versuche, möglicherweise tat-
sächlich Erlebtes in einem anderen, dramatischeren Lichte erscheinen zu
lassen. Die in der Beschwerde zitierten Protokollstellen führen zu keinem
anderen Schluss (vgl. Beschwerde Ziff. IV.2.2.1.d). Dass die Hilfswerkper-
son die Vorbringen als ausreichend detailliert erachtete und ausführte,
"man spürte, wie sehr es sie [die Beschwerdeführerin] mitnahm, darüber
sprechen", vermag an der Einschätzung des Gerichts ebenfalls nichts zu
ändern. Sodann fällt auf, dass eine persönliche Betroffenheit dort zutage
tritt, wo die Rede ist von den Eltern, Brüdern oder Kindern (vgl. Akten SEM
A3/11 Ziff. 7.01; A10/20 F53, F77, F91 ff. und F156). Dass die Beschwer-
deführerin ihre zurückgelassenen beziehungsweise verstorbenen Famili-
enmitglieder vermisst und sich ungeachtet des in der Heimat tatsächlich
Vorgefallenen Sorgen um ihre Kinder macht, ist nachvollziehbar. Die ein-
zige Gefühlsäusserung in anderem Zusammenhang, nämlich im Kontext
des Vorfalls mit dem Gas, lässt nicht auf die Glaubhaftigkeit der gesamten
Vorbringen schliessen (vgl. Akten SEM A10/20 F106).
6.5 Was die Häufigkeit der Schläge und Misshandlungen durch den Leben-
spartner anbelangt, sind dem Anhörungsprotokoll keine widerspruchs-
freien und substantiierten Aussagen der Beschwerdeführerin zu entneh-
men. So erklärte sie zunächst, sie sei täglich geschlagen worden (vgl. Ak-
ten SEM A10/20 F78). Kurz darauf führte sie dagegen aus: "Es gab ständig
Streit, dann vertrugen wir uns wieder und dann gab es wieder Streit; ein
ständiges Auf und Ab" (vgl. Akten SEM A10/20 F84). Auf die ausdrückliche
Frage, wie oft ihr Lebenspartner sie geschlagen habe, antwortete die Be-
schwerdeführerin sodann: "Als dieses zweite Kind geboren wurde bis zur
Ausreise 2015." In der Folge wurde die Frage wiederholt, worauf die Be-
schwerdeführerin zu Protokoll gab: "Dass er kam und mich geschlagen
hat? Wie soll ich das sagen? In unserer Kultur ist das so, dass du dich
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einfach schlagen lässt. Du wehrst dich nicht. Das ist sehr schwer" (vgl. Ak-
ten SEM A10/20 F99 f.). Insgesamt gelingt es der Beschwerdeführerin
nicht ansatzweise, ein stimmiges Bild zu vermitteln, wie oft sie unter der
Gewalt ihres Lebenspartners gelitten habe. Auch die Ausführungen in der
Replik zum Thema der Gewaltspirale bei häuslicher Gewalt vermögen die
Ungereimtheiten in den Aussagen der Beschwerdeführerin nicht zu erklä-
ren.
6.6 Erhebliche Zweifel am geschilderten Ausmass des Konflikts mit dem
Partner ergeben sich sodann aufgrund des Umstands, dass die Beschwer-
deführerin ohne ihre Kinder ausreiste, zumal sie angesichts der dargeleg-
ten Umstände damit rechnen musste, dass sich ihr Lebenspartner an den
Kindern rächen würde. Schon als sie noch zusammen in Eritrea gelebt hät-
ten, hätten die Kinder keine Liebe für ihren Vater empfunden, der oft am
Morgen betrunken nach Hause gekommen sei (vgl. Akten SEM A10/20
F98). Tatsächlich soll der Vater die Tochter nach ihrer (der Beschwerdefüh-
rerin) Ausreise geschlagen haben (vgl. Akten SEM A10/20 F87 und F90 f.,
vgl. auch F111). In der Beschwerde wird zudem vorgetragen, die Be-
schwerdeführerin sei, obwohl die Gewalt seit (...) angedauert habe, erst
2015 geflüchtet, als auch ihre älteste Tochter in den Fokus des Vaters ge-
kommen sei und auch der letzte Schlichtungsversuch durch den Pfarrer
nichts gebracht habe (vgl. Beschwerde Ziff. IV.2.2.3.c). Selbst wenn die
Tochter ihre Mutter aufgefordert hätte, sich in Sicherheit zu bringen, er-
scheint nach dem Gesagten kaum vorstellbar, dass die Beschwerdeführe-
rin ihre Kinder im Umfeld des gewalttätigen Vaters zurückgelassen hätte.
Der befragenden Person drängte sich zu Recht eine entsprechende Frage
auf, wenngleich die Wortwahl ("[...], bevor Sie ins Ausland gehen und Ihre
Kinder im Stich lassen") in der Tat unglücklich gewählt war (vgl. Akten SEM
A10/20 F125; vgl. E. 3.2). Es wäre unter den vorgebrachten Umständen
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin alles unternommen
hätte, um nicht nur sich selber, sondern auch die Kinder vor dem Vater zu
schützen. Selbst wenn sie befürchtet hätte, dass ihr Partner sie seiner Rei-
semöglichkeiten wegen hätte verfolgen können, wäre zu erwarten gewe-
sen, dass sie vor dem radikalen Schritt einer alleinigen Ausreise ernsthaft
nach einer anderen Wohnmöglichkeit zusammen mit ihren Kindern in Erit-
rea gesucht hätte. Dass sie in der Anhörung ausführte, sie hätte wegen der
Distanz von (...) Kilometern nicht nach E._ zu Verwandten ziehen
können, da ihre Kinder in C._ die Schule besucht hätten, und es
stattdessen vorzog, alleine auszureisen, erhärtet die Zweifel an der geltend
gemachten Tragweite der Beziehungsproblematik (vgl. Akten SEM A10/20
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F124). Soweit in der Beschwerde geltend gemacht wird, die Beschwerde-
führerin hätte mangels finanzieller Möglichkeiten keine eigene Wohnung in
C._ mieten können, ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin
in der Anhörung zu diesem Thema ins Feld führte: "Ich hätte mir in
C._ auch etwas anderes mieten können, aber das hätte überhaupt
nichts gebracht" (vgl. Akten SEM A10/20 F125).
6.7 Der Beschwerdeführerin ist insoweit beizupflichten, als es möglich er-
scheint, dass sie sich nicht mehr an die genaue Anzahl der Polizeikontakte
erinnern kann. Auch ist vorliegend in der Tat unklar, auf welchen Zeitraum
sich die konkreten Angaben beziehen (vgl. Akten SEM A10/20 F114).
Gleichzeitig ist dem Anhörungsprotokoll zu entnehmen, dass die Be-
schwerdeführerin den ersten zwei Fragen nach der Häufigkeit der Polizei-
kontakte auswich und stattdessen etwa pauschal antwortete: "Die Polizis-
ten hatten sich eigentlich schon fast an mich gewöhnt. Ich habe irgend-
wann mal die Schläge akzeptiert meiner Kinder Willen, damit ich sie ein-
fach irgendwie grossziehen kann. Erst, als meine Tochter grösser war und
von sich aus äusserte, dass ich mein Leben selber schützen müsse und
gehen solle, habe ich es begriffen" (vgl. Akten SEM A10/20 F112). Dass
die Beschwerdeführerin über Jahre hinweg viele Male bei der Polizei um
Schutz ersucht haben soll, obwohl ihr nie geholfen worden sei, erscheint
im Übrigen auch realitätsfremd. An dieser Stelle sei ergänzt, dass die Be-
schwerdeführerin ihr Vorbringen in der BzP, wonach ihr Lebenspartner der
Sohn eines (...) und (...) sei, weshalb ihr die Polizei nicht habe helfen wol-
len (vgl. Akten SEM A3/11 Ziff. 7.02), in der Anhörung nicht mehr wieder-
holte. Dort führte sie die fehlende Hilfe seitens der Polizeibehörden sinn-
gemäss auf seine Stellung als (...) zurück (vgl. Akten SEM A10/20 F129 f.).
6.8 Die Ausführungen hinsichtlich des Beizugs des Pfarrers erscheinen da-
gegen einen etwas höheren Detailliertheitsgrad aufzuweisen als diejenigen
zu den erlebten Misshandlungen. Daraus lässt sich jedoch einzig der
Schluss ziehen, dass wohl eheliche Schwierigkeiten bestanden haben, in
deren Rahmen der Pfarrer beigezogen wurde. Über das Ausmass dieser
Schwierigkeiten ergeben sich aus den entsprechenden Angaben jedoch
keine weiteren Aufschlüsse.
6.9 Sodann sind auch die Ausführungen zur fehlenden Hilfe seitens der
Verwandten und Nachbarn nicht geeignet, das geltend gemachte Ausmass
der häuslichen Gewalt glaubhaft zu machen. Zwar bestehen keine Zweifel,
dass die Eltern und Geschwister der Beschwerdeführerin verstorben sind.
Jedoch sind ihre Erklärungen, dass beziehungsweise weshalb sie keine
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Hilfe von anderen Verwandten oder Nachbarn erhalten habe, derart verall-
gemeinernd und unsubstantiiert ausgefallen, dass sie kein Bild einer tat-
sächlich erlebten ausweglosen Situation zu vermitteln vermögen (vgl. etwa
Akten SEM A10/20 F86, F109 und F122 ff.).
6.10 Was das Entzünden des Gases durch den Lebenspartner, wobei die
Beschwerdeführerin nur durch ein Dazwischengehen ihrer Tochter gerettet
worden sei, anbelangt, ist der pauschalen Beschreibung des Hergangs des
Vorfalls nicht zu entnehmen, wie dieser genau abgelaufen ist (vgl. Akten
SEM A10/20 F84 und F102 f.). Auf die Frage, was denn damals genau pas-
siert sei, antwortete die Beschwerdeführerin wenig konkret: "Das Gas in
Eritrea ist nicht wie hier. Es gibt keinen Herd. Das ist eine kleine Flasche.
Dort benutzt man keine Elektrik. Man muss das auffüllen. Nachdem ich
mich gewehrt hatte und wir uns da gestritten hatten, hat er das mit Absicht
angezündet. Gott sei Dank ist mir nicht viel passiert, aber ich kam an-
schliessend ins Krankenhaus. Danach konnte ich einfach nicht mehr so
weiterleben. Ich habe es nicht mehr ertragen" (vgl. Akten SEM A10/20
F103). Weshalb der Lebenspartner lediglich einen Tag in Gewahrsam ge-
nommen wurde, muss letztlich offenbleiben. Jedenfalls lässt sich den Schil-
derungen der Beschwerdeführerin nicht entnehmen, dass sich die eritrei-
sche Polizei hätte veranlasst sehen müssen, von einem "Gasangriff", wel-
chen Begriff im Übrigen auch das SEM nicht verwendet (vgl. angefochtene
Verfügung S. 3 f.: "bei einem Konflikt das Gas angezündet"), auszugehen.
6.11 Soweit zur Frage der Eheschliessung in der Replik geltend gemacht,
es habe für die Beschwerdeführerin bereits aus sozialen und gesellschaft-
lichen Gründen – und unabhängig von der Dynamik der häuslichen Gewalt
in der Beziehung mit ihrem ehemaligen Lebenspartner – ein sehr hoher
Druck bestanden, ihren (ehemaligen) Partner zu heiraten, ist dem eine er-
hebliche Diskrepanz in den Aussagen der Beschwerdeführerin entgegen-
zuhalten. In der BzP antwortete sie nämlich auf die Frage, weshalb sie nicht
verheiratet gewesen sei: "C'est moi qui ne voulait pas me marier". Nach
dem Grund gefragt gab sie zu Protokoll: "Voilà, J'étais comme une prison-
nière" (vgl. Akten SEM A3/11 Ziff. 7.02). Trotz des grammatikalischen Feh-
lers ("voulait" statt "voulais") bestehen aufgrund des Wortes "moi" kaum
Zweifel daran, dass die Beschwerdeführerin in der BzP zum Ausdruck brin-
gen wollte, sie selber habe die Heirat nicht gewollt. In der Anhörung dage-
gen bringt die Beschwerdeführerin wiederholt zum Ausdruck, dass auf ihrer
Seite ein Heiratswunsch bestanden habe (vgl. etwa Akten SEM A10/20
F105 ff.). Vor diesem Hintergrund kann darauf verzichtet werden, auf die
weiteren allgemeinen Ausführungen in den Rechtsschriften zum Thema
D-5137/2019
Seite 19
der häuslichen Gewalt und der Situation von unverheirateten eritreischen
Frauen mit Kindern einzugehen.
6.12 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich – übereinstimmend
mit dem SEM –, dass in der Partnerschaft der Beschwerdeführerin offen-
sichtlich Differenzen bestanden, in deren Rahmen es auch zu Handgreif-
lichkeiten kam. Jedoch ist es der Beschwerdeführerin nicht gelungen,
glaubhaft zu machen, dass die Übergriffe seitens ihres Lebenspartners ein
asylrelevantes Ausmass erreichten. Weitergehende Ausführungen zur
Frage der Schutzfähigkeit und -willigkeit der eritreischen Behörden im Zu-
sammenhang mit häuslicher Gewalt beziehungsweise des Vorliegens einer
innerstaatlichen Fluchtalternative (bzw. Schutzalternative) erübrigen sich
damit. Es kann deshalb darauf verzichtet werden, auf die entsprechenden
Ausführungen in den Rechtsschriften einzugehen.
6.13 Aus dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin in der Schweiz vor-
läufig aufgenommen wurde, kann sie nichts zu ihren Gunsten ableiten.
Diese ist gemäss dem internen Antrag des SEM im Wesentlichen auf die
seit ihrer Ausreise eingetretenen veränderten Lebensumstände zurückzu-
führen.
6.14
6.14.1 Mit Urteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Referenzurteil pu-
bliziert) hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass eine illegale Aus-
reise allein zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft nicht ausreicht. Von
der begründeten Furcht vor intensiven und flüchtlingsrechtlich begründeten
Nachteilen ist nur dann auszugehen, wenn zur illegalen Ausreise weitere
Faktoren hinzukommen, welche die asylsuchende Person in den Augen
der eritreischen Behörden als missliebige Person erscheinen lassen (vgl.
a.a.O. E. 4.1 und 5.1 f.). Auch unter Berücksichtigung von neueren Lände-
rinformationen und der internationalen Rechtsprechung – welche zudem
stets nur Einzelfälle zum Gegenstand hat – besteht aktuell kein Anlass, von
dieser Praxis abzuweichen.
6.14.2 Vorliegend fehlt es an konkreten Anhaltspunkten dafür, dass bei der
Beschwerdeführerin – neben der behaupteten illegalen Ausreise – zusätz-
liche Faktoren hinzukommen, welche sie in den Augen der eritreischen Be-
hörden als missliebige Person erscheinen liessen und aufgrund welcher
sie deshalb bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat Sanktionen zu befürch-
ten hätte, welche ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen
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Seite 20
würden. Auch die illegale Ausreise der Beschwerdeführerin führt mithin
nicht zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft.
6.15 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die von der Beschwerdefüh-
rerin geltend gemachten Asylgründe nicht geeignet sind, eine flüchtlings-
rechtlich relevante Verfolgung oder eine entsprechende Verfolgungsfurcht
zu begründen. Demnach hat das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft
der Beschwerdeführerin verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Aus diesen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundes-
recht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuwei-
sen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten den Be-
schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Vorliegend
wurde indes der Antrag auf unentgeltliche Prozessführung im Sinne von
Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 18. Oktober 2019 gutge-
heissen. Es sind daher keine Verfahrenskosten zu erheben.
9.2 Das Bundesverwaltungsgericht bestellt auf Antrag einer asylsuchen-
den Person, die von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit wurde,
grundsätzlich eine amtliche Rechtsbeiständin oder einen amtlichen
Rechtsbeistand. Die Rechtsvertreterin erfüllt die persönlichen Vorausset-
zungen gemäss aArt. 110a Abs. 3 AsylG und ist gestützt auf das Gesuch
vom 2. Oktober 2019 als amtliche Rechtsbeiständin beizuordnen. Dem-
nach ist ihr ein Honorar für ihre notwendigen Ausgaben im Beschwerde-
verfahren auszurichten. In der bei den Akten liegenden Kostennote vom
4. Dezember 2019 wird ein Vertretungsaufwand von 9 Stunden bei einem
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Stundenansatz von Fr. 220.– sowie Auslagen von Fr. 15.– ausgewiesen.
Dieser Aufwand erscheint angemessen und der aufgeführte Stundenan-
satz bewegt sich im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) und entspricht der Praxis des
Gerichts. Für die Adressänderungsmeldung vom 4. August 2020 erfolgt
kein Zuschlag. Der Rechtsvertreterin ist demnach zulasten der Gerichts-
kasse ein amtliches Honorar von Fr. 1'995.- (inkl. Auslagen, inkl. allfälliger
Mehrwertsteuerpflicht) zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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