Decision ID: 5a3838c4-584f-43b8-b36e-93760fee45ed
Year: 2010
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Beurteilung des unveränderten Sachverhaltes sei deshalb nicht möglich. Aus
medizinischer Sicht sei dem Versicherten eine Tätigkeit im Bürobereich
weiterhin voll zumutbar, er habe eine abgeschlossene Handelsschule und
einen abgeschlossenen kaufmännischen Führungslehrgang. Wirtschaftliche
Gründe, dass eine versicherte Person keine Arbeitsstelle finde, seien IV-
fremd und begründeten keinen Umschulungsanspruch. Es bestehe kein
Anspruch auf bestmögliche Umschulung.
6. In seiner Beschwerde vom 26. November 2009 beantragte der
Beschwerdeführer die Aufhebung der Verfügung vom 28. Oktober 2010. Am
20. April (recte: 11. März) 2004 habe ihm die IV-Stelle die Umschulung zum
Technischen Kaufmann bewilligt. Er habe die Tageshandelsschule und den
kaufmännischen Führungslehrgang dann auch abgeschlossen. Die per 1.
Januar 2006 begonnene Arbeitsstelle habe er nach einem Jahr verloren.
Danach habe er bei der ... gearbeitet, wo er immer wieder Arbeitsausfälle,
Rückenprobleme und andere Schmerzen gehabt habe. Danach habe er in
eine Baufirma als Allrounder gewechselt, welche Stelle ihm aber aus
wirtschaftlichen Gründen wieder gekündigt worden sei. Schliesslich sei er bei
der ... tätig gewesen. Jedoch habe er auch diese Stelle nach kurzer Zeit aus
gesundheitlichen Gründen aufgeben müssen. Sein Hausarzt Dr. med. ...
könne alle diese Arbeitsausfälle bestätigen. Die IV-Stelle möge ihm die
Umschulung zum Technischen Kaufmann oder zumindest eine
Kurzausbildung noch fertig finanzieren. Danach würden seine Berufschancen
erheblich steigen.
7. In ihrer Beschwerdeantwort vom 12. Januar 2010 beantragte die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde. Streitgegenstand bilde nur, ob die IV-Stelle
auf das Gesuch vom 27. März 2009 einzutreten habe und ob glaubhaft
dargelegt sei, dass sich die Verhältnisse seit der letzten Verfügung vom 29.
März 2006 wesentlich verändert hätten. Die Anträge, einen Arztbericht des
Hausarztes einzuholen und eine Umschulung zuzusprechen, seien
abzulehnen, da die Eintretensfrage präjudiziert würde. Die einzige Änderung
des Sachverhaltes bestehe in der invaliditätsfremden Tatsache, dass der
Beschwerdeführer zurzeit keine Arbeit habe. Diese Sachverhaltsänderung
könne aber nur erheblich sein, wenn angenommen werden könne, dass der
Anspruch auf eine berufliche Massnahme begründet sei. Dies sei vorliegend
nicht der Fall. Wie den früheren Invaliditätsbemessungen entnommen werden
könne, betrage der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers höchstens 7%
und erreiche damit die praxisgemäss für eine Umschulung notwendige
Schwelle von circa 20% nicht.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet die
Verfügung der IV-Stelle vom 28. Oktober 2010. Umstritten und zu prüfen ist,
ob die Vorinstanz zu Recht auf das Gesuch des Beschwerdeführers vom 27.
März 2009 um berufliche Massnahmen nicht eingetreten ist.
2. a) Mit Verfügung vom 29. März 2006 stellte die Vorinstanz fest, dass die
beruflichen Massnahmen erfolgreich abgeschlossen worden seien, der
Beschwerdeführer seit dem 1. Januar 2006 rentenausschliessend
eingegliedert sei und ab diesem Zeitpunkt kein Anspruch auf ein IV-Taggeld
mehr bestehe. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft,
weshalb im Folgenden zu prüfen ist, ob ein Revisionsgrund vorliegt, welcher
die Neubeurteilung dieser Verfügung erlaubt.
b) Gemäss Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird, wenn sich der
Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich ändert, die Rente von Amtes
wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt
oder aufgehoben. Nach Abs. 2 dieser Bestimmung wird auch jede andere
formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung von Amtes wegen oder auf
Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der ihr zu
Grunde liegende Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat. Wird ein
Gesuch um Revision eingereicht, ist darin glaubhaft zu machen, dass sich der
Grad der Invalidität oder der Hilflosigkeit oder die Höhe des
invaliditätsbedingten Betreuungsaufwandes des Versicherten in einer für den
Anspruch erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung
über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Laut Art. 87 Abs. 4 IVV
wird, wenn eine Rente oder eine Hilflosenentschädigung wegen eines zu
geringen Invaliditätsgrades oder wegen fehlender Hilflosigkeit verweigert
wurde, eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs. 3 der Bestimmung erfüllt sind. Nach der bisherigen Rechtsprechung zu
altArt. 41 IVG wurden die Bestimmungen über die Rentenanpassungen
sinngemäss auf die Revision von Eingliederungsmassnahmen angewendet
(BGE 113 V 22 E.3b; 109 V 119 E.3a). Indem der Gesetzgeber in Art. 17 Abs.
2 ATSG die Dauerleistung als massgebendes Abgrenzungskriterium gewählt
hat, strebte er an, die bisherige Praxis weiterzuführen (Ueli Kieser,
Kommentar zum ATSG, 2. Aufl., Zürich 2009, N 39 zu Art. 17). Demnach
gelten die aufgeführten Gesetzes- und Verordnungsbestimmungen auch für
die Revision von Eingliederungsmassnahmen.
c) Mit Art. 87 Abs. 4 IVV soll verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach
vorangegangener rechtskräftiger Leistungsverweigerung immer wieder mit
gleichlautenden und nicht näher begründeten, d.h. keine Veränderung des
Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE 117 V 198 E.4b;
109 V 119 E.2b m.w.H.). Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die
Verwaltung zunächst zur Prüfung verpflichtet, ob die Vorbringen des
Versicherten überhaupt glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das
Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Dabei hat sie u.a. zu
berücksichtigen, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit
zurückliegt, und wird dementsprechend an die Glaubhaftmachung höhere
oder weniger hohe Anforderungen stellen (ZAK 1966 S. 279). Insofern steht
ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den der Richter grundsätzlich zu
respektieren hat (BGE 109 V 119 E.3b). Daher hat der Richter die Behandlung
der Eintretensfrage durch die Verwaltung nur zu prüfen, wenn das Eintreten
streitig ist, d.h. wenn die Verwaltung gestützt auf Art. 87 Abs. 4 IVV
Nichteintreten beschlossen hat und der Versicherte deswegen Beschwerde
führt; hingegen unterbleibt eine richterliche Beurteilung der Eintretensfrage,
wenn die Verwaltung auf die Neuanmeldung eingetreten ist (BGE 109 V 108
E.2b).
d) In seinem Gesuch vom 27. März 2009 machte der Beschwerdeführer einzig
Rückenschmerzen im unteren Teil des Rückens geltend. Mit Schreiben der
Vorinstanz vom 3. April 2009 wurde der Beschwerdeführer unter
ausdrücklichem Hinweis auf Art. 87 Abs. 3 und 4 IVV aufgefordert, glaubhaft
zu machen, dass sich sein Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat. Der Beschwerdeführer beschränkte seine
Vorbringen im weiteren Verfahren darauf, dass er seit dem 1. Januar 2006
verschiedene Arbeitsstellen angetreten und wieder verlassen habe und dass
er auch seine letzte Stelle aus gesundheitlichen Gründen nach kurzer Zeit
wieder habe aufgeben müssen. Ergänzend wies der Beschwerdeführer noch
darauf hin, sein Arzt könne seine gesundheitsbedingten Stellenaufgaben
bestätigen und reichte zu diesem Zweck ein Arztzeugnis seines Hausarztes
vom 21. Mai 2009 ein. In diesem Arztzeugnis erwähnte der Hausarzt die
beklagten, seit dem Januar 2002 auftretenden Rückenschmerzen, indes ohne
Angabe von Gründen für eine Verschlechterung, abgesehen von der
vermehrten Belastung im Jahre 2008. Gleiches gilt für die diagnostizierte
Atopie mit saisonaler Rhinokonjunktivitis und Asthma sowie für die
oberflächlich gehaltenen Umschreibung der psychischen Probleme des
Beschwerdeführers. Bereits im Rahmen des eingeholten Gutachtens der ...
vom 9. März 1994 wurde eine Allergietestung durchgeführt, aus welcher eine
sehr starke positive Reaktion auf Gräser- und Getreidepollen sowie teilweise
auf Baumpollen resultierte. Dem Case Report vom 28. Oktober 2009 und im
Speziellen den darin enthaltenen Äusserungen von Dr. med. ... vom
Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) Ostschweiz folgend, kommt das Gericht
daher zum Schluss, dass eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
des Beschwerdeführers nicht ausreichend begründet und somit eine
Änderung des Invaliditätsgrades nicht glaubhaft gemacht worden ist. Sowohl
vom Beschwerdeführer als auch von seinem Hausarzt wurden keine neuen
oder in der rechtskräftigen Verfügung vom 29. März 2006 unberücksichtigt
gebliebenen Sachverhaltselemente in Bezug auf die gesundheitliche Situation
des Beschwerdeführers vorgebracht. Nach dem Gesagten kann somit
festgehalten werden, dass - obwohl zwischen der rechtskräftigen Verfügung
vom 29. März 2006 und der Neuanmeldung vom 27. März 2009 fast drei Jahre
liegen - der Beschwerdeführer eine Verschlechterung seiner Gesundheit in
einer für den Anspruch auf berufliche Massnahmen erheblichen Weise nicht
glaubhaft gemacht hat.
e) Indem der Beschwerdeführer vorbringt, er habe (auch) seine letzte
Arbeitsstelle aufgegeben und sei nunmehr ohne Arbeit, macht er eine nicht
invaliditätsbedingte Änderung des Sachverhaltes geltend, welche ebenfalls
Anlass zur Revision einer Eingliederungsmassnahme geben kann (BGE 113
V 22 E.3b). Jedoch entbindet dies den Beschwerdeführer nicht von seiner in
Art. 87 Abs. 3 IVV statuierten Obliegenheit, glaubhaft zu machen, dass sich
hierdurch der Invaliditätsgrad in erheblicher Weise geändert hat. Die
Vorinstanz hat zu Recht erwogen, dass diese invaliditätsfremde Änderung des
Sachverhaltes nur erheblich sei, wenn angenommen werden könne, der
Anspruch auf eine berufliche Massnahme sei – bedingt durch die
vorgebrachte Sachverhaltsänderung – begründet. Der geltend gemachte
Anspruch auf Umschulung im Sinne von Art. 17 IVG setzt voraus, dass der
Invaliditätsgrad ein bestimmtes erhebliches Mass erreicht hat; nach der
Rechtsprechung ist dies der Fall, wenn der Versicherte in den ohne
zusätzliche berufliche Ausbildung noch zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine
bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20% -
entsprechend einem Invaliditätsgrad von etwa 20% - erleidet (BGE 130 V 488
E. 4.2, 124 V 108 E. 2b; AHI 1997 S. 80 E. 1b; ZAK 1984 S. 91; 1966 S. 439
E. 3). Aus den Akten geht hervor, dass mit Berechnung vom 20. Oktober 2004
bzw. vom 5. Januar 2005 der Invaliditätsgrad auf 5.88% bzw. 7.36%
festgesetzt wurde, wobei in diesen Invaliditätsberechnungen noch nicht
berücksichtigt wurde, dass der Beschwerdeführer unterdessen die
Handelsschule sowie den kaufmännischen Führungslehrgang als berufliche
Massnahmen absolviert hat. Mangels Vorliegens eines Invaliditätsgrades von
etwa 20% hat der Beschwerdeführer somit keinen Anspruch auf Umschulung.
Durch sein Vorbringen, er habe seine letzte Arbeitsstelle aufgegeben, vermag
er damit nicht glaubhaft zu machen, dass sich sein Invaliditätsgrad in einer für
den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Im Übrigen ist darauf
hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer, welchem bereits der Besuch der
Handelsschule sowie der kaufmännische Führungslehrgang als berufliche
Massnahmen finanziert wurde, keinen Anspruch auf bestmögliche
Umschulung hat, denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit
sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE
121 V 260 E. 2c; 115 V 198 E. 4e/cc; ZAK 1992 S. 210 E. 3a).
f) Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass der Beschwerdeführer
durch seine Vorbringen nicht glaubhaft zu machen vermag, dass sich sein
Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Die
Vorinstanz hat somit mangels erheblicher Änderung des Sachverhaltes zu
Recht die Voraussetzungen einer Revision verneint und ist auf die
Neuanmeldung vom 27. März 2009 nicht eingetreten. Die Beschwerde ist
daher abzuweisen.
3. Soweit mit der Vorinstanz davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer
einen Antrag auf Einholung eines Arztberichtes stellt, ist darauf hinzuweisen,
dass diese Frage die materielle Prüfung des Anspruchs auf berufliche
Massnahmen betrifft, welche sich erst dann stellt, wenn auf eine
Neuanmeldung einzutreten ist und Abklärungen vorzunehmen sind. Dies ist
vorliegend nicht der Fall. Ausserdem ist der Vorinstanz zu folgen, wenn sie
darauf hinweist, dass die Einholung eines Arztberichtes die Eintretensfrage
präjudizieren würde.
4. Laut Art. Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung
von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Diese Kosten werden jeweils nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert der Sache im Umfang von Fr. 200.- bis Fr.
1'000.- festgelegt. Aufgrund des Ausgangs dieses Verfahrens rechtfertigt es
sich vorliegend, dem unterliegenden Beschwerdeführer Kosten von Fr. 300.-
zu überbinden.