Decision ID: a24672eb-ba46-40be-b1f6-6aadecbd6a21
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1959, war von Februar 1990 bis Ende Oktober 2007 bei der Z._ als diplomierte Fachfrau für medizinisch-technische Radiologie (MTRA) in einem
40
%-Pensum angestellt (Urk. 7/25).
Am 4. Dezember 2006 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte bei der Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf psychische Probleme zum Bezug von Leistungen der Invalidenversiche
rung an (Urk. 7/5).
Ausgehend von
einem Invaliditätsgrad von 19 %, unter Annahme eines Anteils von 40 % Erwerbstätigkeit und 60 % Haushaltsbereich,
verneinte
die IV-Stelle mit Verfügung vom 16. Juni 2009 einen Rentenanspruch (Urk. 7/53
).
1.2
Mit Schreiben vom 23. September 2009 (Eingangsdatum) beantragte die Ver
sicherte die Überprüfung ihres Leistungsanspruchs (Urk. 7/55).
Die IV-Stelle holte die Berich
te der behandelnden Ärzte (Urk. 7/63
und
Urk. 7/64) ein, und veran
lasste eine polydisziplinäre medizinische Abklärung durch das A._, welches am 14. Dezember 2010 darüber berichtete (Urk. 7/76)
.
Von keiner wesentlichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes ausgehend verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 17. März 2011 einen Ren
ten
anspruch (Urk. 7/81).
1.3
Am 17. Dezember 2015 (Eingangsdatum)
reichte die Versicherte ein neues Leis
tungsbegehren (
Urk. 7/89
)
unter Beilage diverser Arztberichte (Urk. 7/86) ein.
Die IV-Stelle klärte
erneut
die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab
, zog die Akten der Unfallversicherung (Urk. 7/98) bei
und holte die Berich
te der be
han
delnden Ärzte (Urk. 7/101
und
Urk. 7/102) sowie
einen Auszug aus dem Individuellen Konto der Versicherten (IK-Auszug,
Urk. 7/93
)
ein. Überdies veran
lasste die IV-Stelle eine Abklärung der beeinträchtigen Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt (Haushaltsabklärung vom 26. Januar 2017; Urk. 7/112) sowie eine aktenbasierte Einschätzung beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD). Dr. med. B._, Facharzt für Chirurgie, nahm am 28. April 2016 Stellung (vgl.
Feststellungsblatt; Urk. 7/113 S. 4). Ausgehend von einem unveränderten Ge
sund
heitszustand und einem Invaliditätsgrad von 26 % bei einer Qualifikation als Teilerwerbstätige mit einem Aufgabenbereich (45 % Erwerbsbereich und 55 % Haushaltsbereich) stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 20. Februar 2017 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/114). Dagegen erhob die Versicherte am 27. Februar 2017 sowie ergänzend am 15. März 2017 Einwand (Urk. 7/115 und Urk. 7/119). Der Abklärungsdienst nahm am 26. Juli 2017 dazu
Stellung (vgl. Feststellungsblatt; Urk. 7/123 S. 2-3). Mit Verfügung vom 11. August
2017 verneinte die IV-Stelle wie vorbeschieden einen Rentenanspruch (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 15. August 2017 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung vom 11. August 2017 sei aufzu
heben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, sie als voll erwerbstätig zu qualifizieren und ihr eine ganze Rente der Invalidenversicherung auszurichten. In prozessualer Hinsicht beantragte sie, es sei ihr die unentgeltliche Prozess
führung zu gewähren (Urk. 1).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 18. September 2017 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 21. September 2017 wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Sie kann Folge von Geburtsge
bre
chen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
Bundesgesetz über die Invalidenver
sicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbs
unfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchti
gung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuan
mel
dung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invalidi
tätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbe
grün
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V
108 E. 2b).1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) vom
20. Juni
2017
hielt die Beschwer
degegnerin fest,
aus versicherungsmedizinischer Sicht sei eine Verschlechterung der gesundheitlichen Situation seit der Verfügung vom 17. März 2011 nicht dargestellt. Ferner werde die Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2007 von den Sozialen Diensten unterstützt und gehe keiner Erwerbstätigkeit nach. Die ver
bliebene Restarbeitsfähigkeit habe sie nicht umgesetzt. In den rechtskräftigen Verfügungen aus den Jahren 2009 bzw. 2011 sei die Beschwerdeführerin zu 40 % erwerbstätig und zu 60 % im Haushalt respektive zu 45 % erwerbstätig und zu 55 % im Haushalt tätig qualifiziert worden. Eine wesentliche Änderung sei seit Erlass dieser Verfügungen nicht eingetreten. Ausserdem sei es aufgrund des Alters der Beschwerdeführerin kaum anzunehmen, dass sie bei guter Gesundheit einer 100%igen Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Rein finanzielle Aspekte oder die volle Fürsorgeabhängigkeit würden nicht automatisch eine Erwerbstätigkeit im Umfang von 100 % begründen. Es sei an der bisherigen Qualifikation mit 45 % Erwerbsbereich und 55 % Aufgabenbereich festzuhalten, was bei einer Einschrän
kung im Erwerbsbereich von 52 % und im Haushaltsbereich von 6 % zu einem Invaliditätsgrad von 26 % führe. Entsprechend bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 15. August
2017 (
Urk.
1) zusammengefasst geltend,
angesichts ihrer finanziellen Verhältnisse sowie der nicht mehr bestehenden Betreuungsaufgaben sei davon auszugehen, dass sie im Gesundheitsfall zu 100 % erwerbstätig
wäre. Im Übrigen dürfe die Beschwerdegegnerin bei Sozialhilfebezügern nur dann von einer Teiler
werbstätigkeit ausgehen, wenn damit ein existenzsicherndes Einkommen erzielt werden könne. Entsprechend sei die Beschwerdeführerin als voll erwerbstätig zu qualifizieren.
2.3
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom
17. Dezember 2015 (Eingangsdatum, Urk. 7/89) eingetreten. Streitig und zu prüfen
ist demnach, ob seit der mit Verfügung vom
17. März 2011
(
Urk. 7/81
) erfolgten Renten
abweisung
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
11. August 2017
(
Urk.
2) eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Ver
änd
erung
der tatsächlichen Verhältnisse
eingetreten ist.
3.
3.1
Vergleichsbasis im vorliegenden Neuanmeldeverfahren bildet die Verfügung vom
17. März 2011
(
Urk. 7/81
), welcher in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen
das polydisziplinäre Gutachten des A._ vom 14. Dezember 2010
zugrunde lag.
3.2
Die Beschwerdeführerin wurde am 26. Oktober 2010 im A._ internistisch/ allge
meinmedizinisch und psychiatrisch sowie am 2. November 2010 gastroentero
logisch untersucht. Die A._-Gutachter stellten folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/76/18):
-
Morbus Crohn, Erstdiagnose 1992 (ICD-10: K50.1)
-
Status nach
Hemikolektomie
links 2005 wegen Stenose
-
rekto
-vaginale Fistel
-
derzeit ohne spezifische Behandlung
-
Persistierende Diarrhoe multifaktorieller Ätiologie
-
Differentialdiagnose bei
Dg
. 5.1.1, Reizdarmkomponente
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4)
-
Alkoholabhängigkeit (ICD-10: F10.2)
-
äthyl-toxische Hepatopathie mit leicht bis
mässiggradig
erhöhten Leberenzymen
-
grenzwertig erhöhtes MCV
-
CDT im Normbereich
-
Koronare
Einasterkrankung
(ICD-10: I25.1)
-
Status nach subakutem anteriorem Myokardinfarkt (6. Juli 2008)
-
PTCA und
Stenting
einer mittleren RIVA-Stenose (9. Juli 2008)
-
50-70%ige Stenose im proximalen Diagonalast I ohne Therapie (9. Juli 2008)
-
erhaltene linksventrikuläre Funktion
-
Kardiovaskuläre Risikofaktoren
-
positive Familienanamnese
-
fortgesetzter Nikotinkonsum (50-60
Packyears
(ICD-10: F17.1)
-
arterielle Hypertonie, medikamentös behandelt (ICD-10: I10)
-
Dyslipidämie
, medikamentös behandelt (ICD-10: E78.2)
-
Rezidivierende
gastritische
Beschwerden (ICD-10: K29.7)
-
Dauerbehandlung mit PPI
3.2.1
Dr. med. C._, Innere und Allgemeine Medizin, äusserte, aus inter
nistischer und anderweitiger somatischer Sicht gebe die Beschwerdeführerin wäh
rend der Exploration keine Beschwerden an. Insbesondere würden bei der Be
schwerdeführerin keine möglicherweise kardial zu deutende Symptome be
stehen. Die Risikofaktoren arterielle Hypertonie und
Dyslipidämie
seien medikamentös
adäquat behandelt. Die unspezifischen Verspannungszustände wechselnder Loka
li
sation seien keiner wesentlichen Diagnose zuzuordnen. Insgesamt bestehe aus internistischer und allgemeinmedizinischer Sicht bei der Beschwerdeführerin für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/76/19). Die Sistierung des erheblichen Nikotinkonsums sei bei nachge
wiesener koronarer
Einasterkrankung
aber dringend zu empfehlen (Urk. 7/76/21).
3.2.2
Die psychiatrische Exploration wurde durch Dr. med. D._, Psychiatrie
und Psychotherapie, durchgeführt. Dieser hielt fest, die Beschwerdeführerin mache
einen mässig gepflegten Eindruck, sei freundlich und kooperativ. Im Rahmen der Untersuchung habe sie vor allem über ihre Magen-Darm-Beschwerden geklagt und über ihre Alkoholabhängigkeit nur vage und ausweichende Angaben ge
macht. Immer wieder habe sie sich als Opfer der Umstände dargestellt. So habe sie eine schwierige Kindheit gehabt und dann eine schwierige Beziehung mit ihrem Ehemann. Dr. D._ führte weiter aus, die Stimmung der Beschwerde
führerin sei herabgesetzt, aber nicht eigentlich depressiv. Die Psychomotorik sei lebhaft, der affektive Kontakt zu ihm sei eher distanziert geblieben. Die Be
schwerdeführerin wirke allseits orientiert und bewusstseinsklar. Die Aufmerk
sam
keit habe für die Dauer des Gesprächs durchgehend aufrechterhalten werden können. Die Konzentration und Auffassung seien ungestört. Die Beschwerde
füh
rerin habe auch keine Merkfähigkeitsstörungen gezeigt und das Langzeitge
dächt
nis habe sich klinisch als unauffällig erwiesen. Ihr formaler Gedankengang sei geordnet. Hinweise auf Sinnestäuschungen in Form von Halluzinationen oder illusionären Verkennungen gebe es keine. Misstrauen sei nicht vorhanden. Inhalt
liche Denkstörungen in Form von wahnhaften Gedanken, Wahnwahrnehmungen oder einer systematisch wahnhaften Denkstruktur würden sich auch nicht zeigen. Ebenso wenig gebe es Hinweise für Ich-Störungen in Form eines Fremd
be
ein
flussungs
erlebens (
Derealisations
- oder Depersonalisations
phänomene). Darüber hinaus seien auch keine Hinweise auf eine hypochondrische Erlebnisverarbeitung im engeren Sinne oder phobische Gedankengänge feststellbar gewesen. Zwang
hafte Handlungen oder Zwangsgedanken seien nicht
eruierbar
und paroxysmale Ängste seien nicht erwähnt worden. Ausserdem fänden sich auch keine circa
dianen Besonderheiten. Ebenso seien keine Hinweise für ausgeprägten sozialen Rückzug, Aggressivität, Suizidalität oder Selbstbeschädigung gefunden worden. Die Realitätsprüfung und die Urteilsbildung seien ungestört. Hinweise für man
gelnde Affektsteuerung und fehlende Impulskontrolle sowie eine gestörte Inten
tionalität oder einen gestörten Antrieb gebe es keine. Der Selbstwert sei hingegen vermindert (Urk. 7/76/13-14).
Dr. D._ konstatierte, nach der Geburt der Tochter (Jahr 1991) habe die Beschwerdeführerin angefangen, zunehmend Alkohol zu konsumieren und eine Abhängigkeit zu entwickeln, aufgrund welcher sie im Jahr 2007 stationär in der E._ behandelt worden sei. Immer wieder sei es zu Rückfällen gekommen. So habe sie nach eigenen Angaben auch im ersten Halbjahr 2010 hohe Mengen von Alkohol konsumiert und sich weitgehend von der Umwelt zurückgezogen. Im Zeitpunkt der Begutachtung besuche sie das Ambulatorium der E._ und es sei geplant, dass sie eine Arbeit im geschützten Rahmen aufnehmen werde. Dr. D._ hielt fest, es handle sich um eine primäre Alko
holabhängigkeit. Die Beschwerdeführerin habe anfangs der Neunzigerjahre nicht an einer schweren psychiatrischen Störung gelitten, zu deren Behandlung sie Alkohol eingesetzt hätte. Sie habe wegen zunehmender beruflicher und per
sön
licher Schwierigkeiten (Trennung vom Ehemann, Rückzug der Kinder, Schwie
rig
keiten am Arbeitsplatz) eine Depression entwickelt, infolge derer sie sich vor
übergehend in psychologische Behandlung begeben
habe. Im Zeitpunkt der Explo
ration fänden sich aber keine Hinweise auf eine depressive Störung. Diese sei remittiert. Hinweise für eine Persönlichkeitsstörung seien keine vorhanden. Die Beschwerdeführerin sei früher zwar unsicher und ängstlich gewesen und habe sich nur wenig zugetraut, dennoch sei es ihr gelungen, erfolgreich eine berufliche Ausbildung abzuschliessen und während mehr als zwanzig Jahren erfolgreich als Röntgenassistentin zu arbeiten. Ebenso wenig gebe es Hinweise auf impulsive Persönlichkeitsanteile. Es sei Teil der Alkoholabhängigkeit, dass die Impulskon
trolle und die Fähigkeit, zielgerichtet zu handeln, unter dem Einfluss von Alkohol vermindert werde. Aufgrund eines impulsiven Verhaltens unter Alkohol könne aber nicht auf eine impulsive Persönlichkeitsstörung geschlossen werden (Urk. 7/76/14-15).
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit äusserte Dr. D._, die depressive Störung sei remittiert. Hinweise auf kognitive Einschränkungen aufgrund der langjährigen Alkoholabhängigkeit würden keine bestehen. Die Beschwerdeführerin sei im Jahr 2007 neuropsychologisch in der E._ abgeklärt worden, Hinweise auf kognitive Einschränkungen hätten aber keine gefunden werden können. Auch bei der vorliegenden psychiatrischen Untersuchung hätten sich keine Hinweise auf kognitive Einschränkungen finden lassen. Die Alkoholabhängigkeit schränke die Arbeitsfähigkeit nicht ein, vorausgesetzt die Beschwerdeführerin verzichte auf den Konsum von Alkohol. Dr. D._ fügte an, eine ambulante psychiatrische Behandlung oder eine Behandlung in einer Fachstelle für Alkoholkrankheiten sei sicherlich indiziert. Falls die Beschwerdeführerin zu einem späteren Zeitpunkt die notwendige Motivation zeige, sich beruflich wieder eingliedern zu wollen, könne
ihr im Rahmen eines Arbeitstrainings geholfen werden, sich wieder an die Belas
tungen der Arbeitswelt zu gewöhnen (Urk. 7/76/15).
3.2.3
Die Beschwerdeführerin fühle sich aber primär aufgrund ihrer Magen-Darm-Beschwerden nicht in der Lage, in der freien Wirtschaft zu arbeiten. Dr. med. F._, Gastroenterologie, stellte im Rahmen seiner gastroenterologischen Untersuchung fest, seit der
Hemikolektomie
im April 2005 habe sich eine deut
liche symptomatische Besserung des Morbus Crohn eingestellt. Es würden nach wie vor Diarrhoen persistieren, wobei nicht ganz klar sei, ob diese alleine dem Morbus Crohn zugeschrieben werden könnten. Die Angaben der Beschwerde
führerin über die Häufigkeit der Diarrhoe würden zudem deutlich schwanken, zwischen sieben- bis fünfzigmal. Die stärkeren Diarrhoen würden in den frühen Morgenstunden auftreten und im Verlauf weniger werden. Nächtliche Diarrhoen würden keine auftreten. Aufgrund der Tatsache, dass bei der letzten Koloskopie vom 30. April 2008 weder endoskopisch noch histologisch entzündliche Verän
derungen im Kolon und terminalen Ileum nachweisbar gewesen seien, könne diese Art der Diarrhoe zumindest teilweise durch eine Reizdarmsymptomatik erklärbar sein. Die Diarrhoe sei damit ungenügend geklärt. Ob im Rahmen der Blähungssituation noch eine zusätzliche Laktoseintoleranz vorhanden sei, bleibe offen. Zudem könne eine
äthylische
Hepatopathie ohne Zeichen der Leberin
suffi
zienz zur Kenntnis genommen werden. Die Arbeitsfähigkeit sei bei der Beschwer
deführerin aus gastroenterologischer Sicht formal einzig durch die Diarrhoe eingeschränkt. Dr. F._ schätzte die Arbeitsfähigkeit trotz wechselnder Angaben in Bezug auf die Diarrhoen auf 80 % ein. Die Beschwerdeführerin müsse ihre Arbeit jedoch jederzeit unterbrechen und eine saubere Toilette aufsuchen können (Urk. 7/76/16-17). Aufgrund der anamnestisch doch hohen Stuhlfrequenz könne in der Annahme eines ein- bis zweimal stündlichen Toilettenganges von einer
20%igen Leistungseinbusse ausgegangen werden (Urk. 7/76/19). Dr.
F._
be
merkte hingegen, es bestünden gewisse Zweifel, wie hoch die Stuhlfrequenz der Beschwerdeführerin tatsächlich sei. Zur besseren Beurteilung der Häufigkeit der Diarrhoe, welche letztlich für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ausschlag
gebend sei, sei eine stationäre Beobachtung zu diskutieren (Urk. 7/76/17).
3.2.4
Die A._-Gutachter hielten zusammenfassend fest, aus polydisziplinärer Sicht sei die Beschwerdeführerin für jegliche leichte bis mittelschwere Tätigkeit, bei der eine jederzeitige Toilettenzugänglichkeit gewährleistet sei, spätestens ab Oktober 2010 zu 80 % arbeits- und leistungsfähig (Urk. 7/76/20). Durch medizinische Massnahmen könne eine Verbesserung des Gesundheitszustandes und indirekt der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit erreicht werden (Urk. 7/73/21).
4.
4.1
Im Zusammenhang mit der Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom 17. Dezem
ber 2015 sind die von ihr eingereichten diversen Behandlungsberichte (Urk. 7/86) sowie die Berichte der behandelnden Ärztin Dr. med.
O._
, FMH für Allgemeinmedizin, vom 1. April 2016 samt diversen Beilagen (Urk. 7/101) und des G._ vom 20. April 2016 (Urk. 7/102) aktenkundig.
4.2
Am 27. April 2011 wurde die Beschwerdeführerin im Rahmen einer interdiszi
plinären Sprechstunde am H._ untersucht, wo ein erneuter Alkoholrückfall festgestellt wurde. Die behandelnden Ärzte sahen eine ambulante oder stationäre Behandlung des
Äthylismus
dringend angezeigt (vgl. Arztbericht vom 28. April 2014; Urk. 7/101/12-15). In Ergänzung berichtete der behandelnde Rheumatologe des H._, die in der interdisziplinären Sprechstunde geschilderte Schmerzsymp
tomatik sei im Rahmen der degenerativen Veränderungen im Bereich der Wirbel
säule und der grossen Gelenke zu erklären (vgl. dazu auch Radiologische Befunde vom 3. und 10. Mai 2011; Urk. 7/101/19-20). Ein Zusammenhang mit einer
Ente
ropathie-assoziierten
systemisch entzündlichen Erkrankung bei bekanntem Mor
bus Crohn liege nicht vor. Die Beschwerdeführerin sei keine HLA-B27 Merkmal
strägerin (vgl. Arztbericht vom 10. Mai 2011; Urk. 7/101/21-24).
Aufgrund einer persistierenden Diarrhoe wurde am 21. März 2013 in der Gastro
enterologie Bethanien eine Koloskopie durchgeführt, wobei der untersuchende Arzt ein gut
lavagiertes
Kolon sowie ein normales terminales Ileum feststellte. Neben diskret verwachsenen Gefässzeichnungen gebe es keine weiteren Hinweise auf
Crohnaktivität
. Die Anamnese mit den Durchfällen passe nicht zu den sehr geringen objektivierbaren Befunden. Differentialdiagnostisch komme ein proxi
maler Dünndarmbefall in Frage, wobei sich dieser eher als Schmerz äussern würde. Denkbar sei auch, dass der Alkoholkonsum die Diarrhoe verstärke (vgl. Arzt
bericht vom 21. März 2013; Urk. 7/101/7).
Im November 2013 wurde die Beschwerdeführerin eigeninitiativ auf der inter
disziplinären Notfallstation vorstellig, wo eine psychische Störung und eine Verhaltensstörung durch Alkohol (Abhängigkeitssyndrom) sowie eine bekannte rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10: F33.0) festgestellt wurden. Die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass sie sich Unter
stützung bei der Fortsetzung ihrer bereits begonnenen Alkoholentzugsbe
hand
lung wünsche, woraufhin ihr verschiedene Kontakte mitgegeben worden seien (vgl. Arztbericht vom 6. November 2013; Urk. 7/101/9-11). Am 9. April 2014 trat die Beschwerdeführerin dann freiwillig zur Behandlung einer depressiven Episode
sowie zur Durchführung eines qualifizierten Alkoholentzugs ins Sanatorium
Q._
ein.
Di
e behandelnden Ärzte konstatierten, im psychopathologischen Befund erscheine die Beschwerdeführerin wach, in allen Qualitäten voll orientiert sowie angemessen im Kontaktverhalten. Konzentration und Merkfähigkeit seien eingeschränkt, die Sprache leicht verwaschen. Im Denken sei sie formalgedank
lich geordnet aber verlangsamt, subjektiv grübelnd, ohne Anhalt für akute inhalt
liche Denkstörungen, Störungen des Ich-Erlebens oder der Wahrnehmung. Die Stimmungslage wirke leicht gedrückt bei normaler affektiver Schwingungsfähig
keit. Ängste, Phobien, Zwänge seien keine vorhanden und Beeinträchtigungen von Antrieb und Psychomotorik seien ebenfalls nicht
eruierbar
. Psychovegetativ bestehe eine Störung der Vitalgefühle. Schmerzempfindungen
habe sie keine. Hinweise auf akute Fremd- oder Selbstgefährdung würden keine vorliegen. Die behandelnden Ärzte führten weiter aus, die Beschwerdeführerin habe sich gut in das Stationssetting eingefügt und regelmässig an den angebotenen Therapien teil
genommen. Am 29. April 2014 sei sie dann vorzeitig aus der Therapie aus
getreten. Um eine langfristige Abstinenz zu sichern sei eine psychiatrisch-psy
chotherapeutische Nachbehandlung im ambulanten, teilstationären oder statio
nären Setting jedoch zu empfehlen (vgl. Austrittsbericht vom 29. April 2014, Urk. 7/101/25-31).
4.3
Auf Zuweisung des Hausarztes war die Beschwerdeführerin aufgrund einer Ver
schlechterung des Allgemeinzustandes mit chronischer Diarrhoe und bei regel
mässigem Alkoholkonsum sowie neu aufgetretenem Hautausschlag (pustulös, vor
allem im Gesicht) und schlechtem psychischem Zustand vom 11. bis 17. Juni 2015
im H._ hospitalisiert (vgl. Austrittsbericht vom 17. Juni 2015; Urk. 7/86/4-15). Die Beschwerdeführerin berichtete,
das Medikament
Cipralex
eigenständig abge
setzt zu haben, da es keine günstige Wirkung mehr gehabt habe.
Das Haus ver
lasse sie nur noch selten, unter anderem auch wegen einer weiterhin bestehenden
entero
vaginalen
Fistel. Ausserdem bestehe ein intermittierendes Zittern am ganzen Körper. Die behandelnden Ärzte stellten folgende Diagnosen:
-
Schädlicher Gebrauch von Alkohol
-
mit Refluxösophagitis, chronischer Gastritis (
Gastro
Juni 2015) und Diarrhoe
-
mit depressiven Syndrom
-
mit
makrozytärer
Anämie
-
mit
Thrombopenie
-
mit Verdacht auf Leberzirrhose
-
Verdacht auf
äthylische
Leberzirrhose, Erstdiagnose 2010
-
Rektusdiastase
-
Koronare Herzkrankheit
-
EF 59 % (Echo Juni 2015)
-
Status nach subakutem Myokardinfarkt mit PTCA/
Stenting
(BMS) der RIVA Juli 2008
-
Morbus Crohn, Erstdiagnose ca. 1991
-
Status nach partieller
Colektomie
April 2005
-
entero
vaginale
Fistel, Erstdiagnose 2010
-
Mit chronischem asymptomatischem Harnwegsinfekt
-
Vitamin-D-Mangel, Erstdiagnose Juni 2015
-
Unklare Bläschen im Gesicht, an
Décolleté
und Beinen, Erstdiagnose Mai 2015
-
Differentialdiagnose Lichen
strophulus
-
Quantiferontest
15. Juni 2015: ausstehend
-
Verdacht auf Intertrigo inguinal beidseits, Differentialdiagnose Ekzem
-
Mykologie vom 15. Juni 2015: ausstehend
-
Migräne ohne Aura
-
Hypothyreose
Die Ärzte konstatierten, angesichts der Befunde sei von einer
äthylischen
höher
gradigen
Leberfibrose
/-zirrhose auszugehen. Passend zum Alkoholkonsum finde sich eine
makrozytäre
Anämie sowie ein erhöhter Wert von
AST
. Es seien der Beschwerdeführerin die Zusammenhänge des chronischen Alkoholkonsums mit der Leberproblematik erklärt worden und dabei auf die Wichtigkeit einer abso
luten Abstinenz vor allem auch hinsichtlich Mortalität hingewiesen worden.
4.4
Dr. I._ nannte in ihrem Arztbericht vom 1. April 2016 (Urk. 7/101) zu Händen der Beschwerdegegnerin folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Depression, rezidivierende depressive Störung
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom mit psychischen und Verhaltensstörungen
-
Chronisches Erschöpfungssyndrom (Differentialdiagnose:
Chronic
Fatigue Syndrom)
-
Morbus Crohn, Status nach
Hemikolektomie
links, persistierende Colitis und Proktitis koloskopisch 2013
-
Chronische Schmerzen, chronisches
zervikospondylogenes
Schmerz
syn
drom, chronisches
thorakovertebrales
Schmerzsyndrom, chronisches
lumbo
spondylogenes
Schmerzsyndrom
Keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten die koronare Herzkrankheit, Status nach Myokardinfarkt sowie die arterielle Hypertonie.
Dr. I._ führte aus, der Allgemeinzustand habe sich in den letzten Jahren zunehmend verschlechtert. So weise die Beschwerdeführerin eine einge
schränkte Konzentrations- und Merkfähigkeit auf und wirke im Denken verlang
samt sowie grübelnd. Die Stimmungslage sei insgesamt gedrückt. Zudem würden depressive Episoden, Erschöpfung und Schmerzzustände hinzukommen, sodass die Beschwerdeführerin auf die Unterstützung der psychiatrischen Spitex (2 x pro Woche) sowie psychologische Gespräche (alle 2 bis 4 Wochen) angewiesen sei. Aufgrund der raschen Erschöpfung mit Konzentrationsstörungen, der Angst
attacken, Schlafstörungen, Durchfallepisoden, Magen- und Kopfschmerzen sowie der Schmerzen im Bewegungsapparat (Rücken, Schulter) könne die Beschwerde
führerin keiner regelmässigen Arbeit nachgehen. Zur Stützung der Tagesstruktur sei die Mithilfe am Mittagstisch im bisherigen Umfang (2 bis 3 x pro Woche) hin
gegen durchaus zumutbar.
4.5
Seit dem 14. August 2015 war die Beschwerdeführerin in regelmässiger Psychotherapie im G._ (vgl. Arztbericht vom 20. April 2016; Urk. 7/102). In diesem Rahmen – so die behandelnden Ärzte - habe die Be
schwerdeführerin über verschiedene traumatische Erlebnisse in ihrer Kindheit berichtet, die man therapeutisch noch nicht habe aufarbeiten können. Es wurden die Diagnosen einer Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2), einer
Dysthymia
(ICD-10: F34.1) sowie einer Alkoholabhängigkeit (ICD-10: F10.23) gestellt und der Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) und auf eine
myalgische
Enzephalomyelitis
/
Chronic
Fatigue Syndrom (ICD-10: G93.3)
geäussert. Hinsichtlich des Alkoholabusus führten die Ärzte aus, man habe das Bedürfnis nach Alkohol durch
Selincro
weitgehend abbauen können, ohne medi
kamentöse Unterstützung und
supportiver
Psychotherapie müsse jedoch aufgrund der sehr labilen Gesamtsituation mit einem Rückfall gerechnet werden. Die dauernde somatische Belastung, die seit langem bestehende chronifizierte de
pressive Verstimmung sowie die aktuell latent vorhandene Alkoholabhängigkeit würden dazu führen, dass die Beschwerdeführerin wahrscheinlich längerfristig auf medizinische, psychiatrische und psychotherapeutische Unterstützung ange
wiesen sei. Die behandelnden Ärzte konstatierten weiter, in beruflicher Hinsicht einschränkend seien insbesondere die Antriebslosigkeit, das geringe Selbstbe
wusstsein, das lähmende geistige und körperliche Gefühl chronischer Erschöp
fung, die Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, die Konzentrations- und Ge
dächtnisstörungen, Schlafstörungen sowie die Angst und Scham, in Bezug auf die Alkoholsucht blossgestellt zu werden, und damit verbunden der Rückzug aus sozialen Beziehungen. Die Mehrfachbelastung sich gegenseitig verstärkender komorbider
Störungen verunmögliche jegliche berufliche Tätigkeit, weshalb die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeitsunfähig sei.
4.6
Die Beschwerdegegnerin veranlasste eine Haushaltsabklärung, welche am 10. Januar
2017 durchgeführt wurde (vgl. Urk. 7/112). Die Beschwerdeführerin berichtete, zwischen 2014 und Dezember 2016 sei sie durch die
Psychiatriespitex
2 x pro Woche für 1.5 Stunden betreut worden, seither noch einmal wöchentlich. Die Reduktion sei erfolgt, weil die Krankenkasse die zweimalige Unterstützung pro Woche nicht mehr habe zahlen wollen.
In Bezug auf die berufliche Situation ohne Gesundheitsschaden habe die Be
schwerdeführerin angegeben, bei guter Gesundheit würde sie vermutlich einem 50%-Pensum nachgehen, wie sie es auch früher als MTRA gemacht habe. Aller
dings würde sie nicht mehr als MTRA arbeiten wollen, da der Beruf zu stressig sei. Wahrscheinlicher sei eine Tätigkeit in einer Gärtnerei oder mit Kindern. Ent
sprechend ihrem effektiv ausgeübten Pensum als MTRA von 45 % qualifizierte die Abklärungsperson sie als zu 45 % erwerbstätig und zu 55 % im Haushalt tätig. Eingeschränkt sei die Beschwerdeführerin insbesondere in der Haushaltführung und Wohnungspflege. Da werde sie von der
Psychiatriespitex
psychiatrisch be
glei
tet sowie in der Tages- und Wochenplanung und Strukturierung unterstützt. Punktuell würden ausserdem kleine Hilfestellungen im Haushalt erledigt werden. Der Invaliditätsgrad im Haushaltsbereich betrage total 3.25 %.
5.
5.1
In medizinischer Hinsicht ist in Würdigung der vorhandenen Arztberichte davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin neben der Alkoholabhängigkeit und dem Morbus Crohn auch an einer rezidivierenden depressiven Störung, einem
Chronic
Fatigue Syndrom sowie an einer koronaren Herzkrankheit leidet (vgl. vorstehend E. 4). Die aufgeführten Diagnosen waren bereits im Rahmen der
Exploration im
A._
bekannt (vgl. vorstehend E. 3.2) und wurden im Zu
sam
men
hang mit der rentenabweisenden Verfügung vom 17. März 2011 (Urk. 7/81) ge
würdigt. Aus versicherungsmedizinischer Sicht ist entsprechend eine Verschlech
te
rung der gesundheitlichen Situation seit dem letzten Entscheid nicht dargestellt. Auch in der Ausprägung der einzelnen Beschwerden ist keine Verschlechterung nachgewiesen. So besteht hinsichtlich dem Morbus Crohn nach wie vor nur eine geringe Aktivität und in Bezug auf die depressive Symptomatik ist diese mehr oder weniger beständig nur leicht ausgeprägt resp. wird als
Dysthymia
bezeich
net. Die Erschöpfung prägte bereits im Jahr 2011 und auch vorher das Beschwer
debild (vgl. Bericht von
lic
. phil. J._ vom 25. Februar 2008 [Urk. 7/35], Arztbericht der E._
vom 13. März 2008 [Urk. 7/37], Arztbericht der K._ vom 22. Mai 2008 [Urk. 7/38]). Es ist dementsprechend von einer seit der A._-Begutachtung unveränderten Restar
beits
fähigkeit auszugehen (vgl. vorstehend E. 3.2.4).
5.2
5.2.1
Jede Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Inva
lidi
tätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen, gibt Anlass zu einer Rentenrevision (vgl. vorstehend E. 1.3). Somit stellt auch eine Änderung der Quali
fikation (Statusfrage, Veränderung der Tätigkeitsanteile) einen Revisions
grund dar (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Mai 2013 9C_915/2012 E. 2) und es hat - grundsätzlich unabhängig davon, ob es zusätzlich auch zu einer Verän
derung des Gesundheitszustandes gekommen ist - eine umfassende Neuüber
prü
fung des Rentenanspruchs zu erfolgen (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3).
5.2.2
Die Beschwerdeführerin erklärte im Rahmen der Haushaltsabklärung, bei guter Gesundheit würde sie in etwa einem Pensum von 50 % nachgehen, so wie sie es auch früher als MTRA gemacht habe (vgl. Haushaltsabklärung vom 26. Januar 2017; Urk. 7/112 Ziff. 2.5). In der Beschwerde vom 15. August 2017 gab sie dann an, bei guter Gesundheit würde sie vollzeitlich arbeiten,
habe sie doch bei der Befragung im Rahmen der Haushaltsabklärung klar zum Ausdruck gebracht, dass sie nicht wisse, wieviel man heute verdiene
,
und damit klargestellt, dass sie «nur» 50 % erwerbstätig wäre, wenn dies aus finanzieller Sicht auch möglich wäre (Urk.
1 S. 5).
Aus den Arbeitgeberberichten geht hervor, dass die Beschwerde
führerin von August 1993 bis Ende 2006 zu durchschnittlich 30 % und ab Januar 2007 in einem rund 40%-Pensum als MTRA gearbeitet hatte (vgl. Arbeit
geber
fragebogen vom 11. Januar 2006 [Urk. 7/15] sowie vom 15. Oktober 2007 [Urk. 7/25]). Die Beschwerdegegnerin folgte der Beurteilung der Abklärungsper
son, welche die Beschwerdeführerin zu 45 % als erwerbstätig und 55 % im Haus
haltsbereich tätig qualifizierte (vgl. vorstehend E. 4.6).
Angesichts dessen, dass die Beschwerdeführerin bis zur Geburt ihres ersten Kindes (im Jahr 1988) vollzeitlich erwerbstätig war und auch nach der Geburt ihrer beiden Kinder stets in einem bis zu 50%-Pensum gearbeitet hatte (vgl. Urk. 7/76 S. 10, Urk. 7/112 S. 3), ist es durchaus glaubhaft, dass sie im Gesundheitsfall ihre Erwerbstätigkeit so ausgedehnt hätte, dass sie sich ihren Lebensunterhalt selber finanzieren könnte. Relevante Veränderungen in den tatsächlichen Verhältnissen gegenüber dem Jahr 2011 sind allerdings keine ersichtlich. So lebte die Beschwer
deführerin bereits im Jahr 2003 von ihrem Ehemann getrennt, ist seit Ende 2007 geschieden, ohne Unterhaltsanspruch, und hatte keine Betreuungspflichten mehr (vgl. Urk. 7/88). Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise darauf, dass die
Beschwerdeführerin vor dem Jahr 2011 einen Aufgabenbereich hatte, der nun weggefallen wäre. Der beschwerdeweise vorgebrachte Hinweis auf die schlechte finanzielle Situation genügt nicht, denn die Beschwerdeführerin war bereits im Jahr 2009 von der Sozialhilfe abhängig (Urk. 7/67). Hinsichtlich der für die Statusfrage massgeblichen Indizien (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b) sind im Vergleich zum Zeit
punkt der rechtskräftigen Verfügung vom 17. März 2011 keinerlei Ände
rungen ersichtlich. Eine von Grund auf neue Beurteilung des hypothetischen Um
fangs der Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfalle verbietet sich daher.
5.3
In Anbetracht dessen, dass sich gegenüber dem Zeitpunkt der letztmaligen ren
ten
verneinenden Verfügung im März 2011 weder in gesundheitlicher Hinsicht noch im Erwerbs- oder Aufgabenbereich etwas verändert hat, ist es nicht zu bean
standen, dass die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf eine Invaliden
rente verneinte.
Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
6.
6.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
not
wendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Als bedürftig gilt eine Person, wenn sie ohne Beeinträchtigung des für sie und ihre Familie nötigen Lebensunterhalts nicht in der Lage ist, die Prozesskosten zu bestreiten (Urteil des Bundesgerichts 9C_617/2009 vom 1
5. Januar 2010 E. 6.2.1 mit Hin
weisen).
Die Beschwerdeführerin ersuchte mit Beschwerde vom
15. August 2017
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1 S. 2). Die Vorausset
zungen zur Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung
gemäss §
16 des Gesetzes
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) sind erfüllt (vgl.
Urk. 9,
Urk. 10/1-7
), weshalb dem Gesuch stattzugeben ist.
6.2
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr. 7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
, wonach eine Partei, der die unent
geltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.