Decision ID: 61137e7d-132b-414c-94b4-fa40f09938b2
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin (Anmerkung Gericht: mit Beschwerdeführerin
ist nachfolgend jeweils nur die Mutter gemeint) suchte am 11. Juni 2021
zusammen mit ihren Kindern in der Schweiz um Asyl nach. Ein Abgleich
mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac)
ergab, dass sie am 26. März 2021 in Kroatien daktyloskopisch erfasst wor-
den waren und um Asyl nachgesucht hatten.
Auf erstinstanzlicher Ebene machte sie geltend, sie könne wegen ihres ge-
walttätigen Ehemannes und Vaters ihrer Kinder (nachfolgend: Ehemann),
der noch in Kroatien weile, nicht dorthin zurück. Er habe sie wiederholt ge-
schlagen und mit einer Rasierklinge verletzt. Auch die Kinder seien ge-
schlagen worden. In Kroatien sei sie in einer separaten Unterkunft unter-
gebracht worden. Ihr Ehemann habe ihr mit dem Tod gedroht und sie auf-
gefordert, ihm die Kinder zu übergeben. In der Folge sei sie mit ihren Kin-
dern in die Schweiz gereist. Sie habe Depressionen und leide unter Kurz-
atmigkeit/Asthma. Eines der Kinder habe Nasenbluten und das andere sei
psychisch angeschlagen.
A.b Mit Verfügung vom 7. Juli 2021 trat die Vorinstanz auf die Asylgesuche
der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG (sogenanntes Dublin-Verfahren) nicht ein, verfügte die Wegweisung
in den für sie zuständigen Dublin-Staat (Kroatien), forderte sie auf, die
Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen und beauf-
tragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung.
A.c Mit Urteil E-3281/2021 vom 22. Juli 2021 wies das Bundesverwal-
tungsgericht die gegen diese Verfügung am 16. Juli 2021 erhobene Be-
schwerde ab.
B.
Mit Eingabe vom 6. September 2021 reichte die Beschwerdeführerin für
sich und ihre Kinder beim SEM ein Wiedererwägungsgesuch ein. Sie be-
antragte im Wesentlichen, die Verfügung vom 7. Juli 2021 sei aufzuheben
und auf das Asylgesuch sei einzutreten. Als Beilage wurde ein ärztliches
Schreiben vom 27. August 2021 von Dr. med. D._ Psychiatrie &
Psychotherapie, E._, eingereicht.
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C.
Am 16. September 2021 wies das SEM das Wiedererwägungsgesuch ab
und führte aus, die Verfügung vom 7. Juli 2021 sei rechtskräftig und voll-
streckbar und einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende
Wirkung zu.
D.
Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführerenden am
30. September 2021 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und be-
antragten, die Verfügungen vom 16. September 2021 und vom 7. Juli 2021
seien aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf ihr Asylgesuch
einzutreten. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Der vorliegenden Beschwerde sei die aufschie-
bende Wirkung zu erteilen und das Migrationsamt des Kantons F._
sei anzuweisen, von Vollzugshandlungen Abstand zu nehmen. Weiter sei
die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses zu verzichten. Die unterzeichnende Rechtsvertre-
terin sei als unentgeltliche Rechtsbeiständin beizuordnen – alles unter Kos-
ten und Entschädigungsfolge. Der Beschwerde war neben dem bereits mit
dem Wiedererwägungsgesuch eingereichten Arztbericht vom 27. August
2021 ein Austrittsbericht des G._ vom 15. September 2021, beide
betreffend die Beschwerdeführerin, beigelegt. Die Beschwerde war im We-
sentlichen mit ihrem schlechten psychischen Gesundheitszustand begrün-
det. Was den Gesundheitszustand der Kinder betreffe, sei dieser gar nicht
abgeklärt worden. Es sei zweifelhaft, ob Kroatien über ein genügendes Ge-
sundheits- und Schutzsystem für besonders vulnerable Personen wie die
Beschwerdeführenden verfüge.
E.
Am 1. Oktober 2021 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Weg-
weisung per sofort einstweilen aus.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 5. Oktober 2021 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und
verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig wies
sie das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung ab. Sie forderte die
Beschwerdeführenden ausserdem auf, ärztliche Berichte betreffend den
(psychischen) Gesundheitszustand der Kinder sowie Entbindungserklä-
rungen einzureichen.
E-4348/2021
Seite 4
Am 8. November 2021 liessen die Beschwerdeführenden aufforderungs-
gemäss einen psychologischen Bericht vom 26. Oktober 2021 von
H._ hinsichtlich der beiden Kinder sowie eine Entbindungserklä-
rung einreichen.
G.
Mit Vernehmlassung vom 9. Dezember 2021 führte das SEM im Wesentli-
chen aus, die Beschwerde enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen
oder Beweismittel, welche die Änderung seines Standpunktes rechtfertigen
könnten.
In ihrer Replik vom 12. Januar 2022 hielten die Beschwerdeführenden
ebenfalls an ihren Rechtsbegehren fest. Weiter reichten sie zwei medizini-
sche Berichte, darunter einen psychiatrischen Verlaufsbericht vom 4. Ja-
nuar 2022 der Psychiatrie I._ hinsichtlich der Beschwerdeführerin,
zu den Akten.
Duplikweise hielt die Vorinstanz am 16. Februar 2022 an ihren bisherigen
Erwägungen fest und fügte ergänzend an, dass die Schweiz nicht als Mas-
sstab für die anderen europäischen Länder gelten könne. Es genüge, die
Mindeststandards zu erfüllen. Kroatien erfülle alle Mindeststandards in den
Bereichen medizinische Gesundheitsversorgung, familiengerechte Unter-
bringung, Respektierung der Familieneinheit und des Kindeswohls.
In ihrer Triplik vom 7. März 2022 hielten die Beschwerdeführenden eben-
falls an ihren Anträgen fest und reichten eine Kurzstellungnahme hinsicht-
lich einer anzugehenden kinderpsychologischen Abklärung für beide Kin-
der vom 4. März 2022 der Psychiatrie I._ sowie den aktuellen Be-
richt der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH), «Situation of asylum see-
kers and beneficiaries of protection with mental health problems in
Croatia», zu den Akten.
H.
Am 24. März 2022 wurde ein Arztbrief vom 23. März 2022 die Beschwer-
deführerin betreffend nachgereicht. Diesem sei eine Verschlechterung ih-
res Gesundheitszustands zu entnehmen.
E-4348/2021
Seite 5
I.
Am 18. Mai 2022 wurde ein weiterer Arztbrief vom 17. Mai 2022 die Be-
schwerdeführerin betreffend zu den Akten gereicht. Darin wird aufgrund ih-
res psychischen Zustands eine sozialpädagogische Familienbegleitung
empfohlen.
J.
In ihrer Quadruplik vom 20. Juli 2022 teilte die Vorinstanz mit, sie habe die
kroatischen Behörden am 12. Juli 2022 darüber informiert, dass die Be-
schwerdeführenden von häuslicher Gewalt betroffen seien. Diese hätten
mit Schreiben vom 15. Juli 2022 darauf geantwortet. Die Beschwerdefüh-
renden nahmen am 25. August 2022 dazu Stellung.
K.
Am 7. September 2022 wurde den Beschwerdeführenden vom Gericht das
Informationsersuchen des SEM vom 12. Juli 2022 an die kroatischen Be-
hörden sowie deren Antwort vom 15. Juli 2022 in Kopie zugestellt. Mit Ein-
gabe vom 22. September 2022 äusserten sich die Beschwerdeführenden
dazu.
L.
Am 24. Oktober 2022 teilten die Beschwerdeführenden mit, dass die Be-
schwerdeführerin zweimal stationär habe behandelt werden müssen und
eines der Kinder psychologisch betreut werde.
Das Bundesverwaltungsgericht zieht n Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie-
dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung
auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist
das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG).
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Seite 6
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich
Missbrauch und Überschreitung des Ermessens sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
3.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schriftlich
und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG). In seiner praktisch
relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungsgesuch die Änderung
einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine nachträglich eingetretene
erhebliche Veränderung der Sachlage (sog. einfaches Wiederwägungsge-
such; vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.).
3.2 Ebenfalls im Rahmen einer Wiedererwägung geprüft werden können
gegebenenfalls Beweismittel, die erst nach einem materiellen Beschwer-
deentscheid des Bundesverwaltungsgerichts entstanden sind und daher
revisionsrechtlich nicht im Rahmen eines Revisionsverfahrens vor Bundes-
verwaltungsgericht berücksichtigt werden können (sog. qualifiziertes Wie-
dererwägungsgesuch; vgl. BVGE 2013/22, insb. E.12.3).
3.3 Die Wiedererwägung ist nicht beliebig zulässig. Sie darf nicht dazu
dienen, die Rechtskraft von Verwaltungsentscheiden immer wieder infrage
zu stellen oder die Fristen für die Ergreifung von Rechtsmitteln zu umgehen
(vgl. BGE 136 II 177 E. 2.1).
4.
4.1 Das Wiedererwägungsgesuch vom 6. September 2021 wird damit be-
gründet, dass sich sowohl die allgemeine Lage in Kroatien wie auch die
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individuell/persönliche Situation der Beschwerdeführerin seit Urteilseröff-
nung durch das Bundesverwaltungsgericht am 26. Juli 2021 nochmals
massiv verschlechtert habe, weshalb Überstellungshindernisse der Be-
schwerdeführenden nach Kroatien vorliegen würden. Dem Arztbericht vom
27. August 2021 (Abklärung D._ Kinder- und Jugendpsychiatrie & -
psychotherapie) sei zu entnehmen, dass bei der Beschwerdeführerin eine
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), eine schwere de-
pressive Episode ohne psychotische Symptome (F32.2) sowie eine latente
Suizidalität diagnostiziert worden seien. Sie sei dringend auf eine psychi-
atrische Begleitung angewiesen, das kroatische Gesundheitswesen sei in-
des bezüglich Psychotherapien mangelhaft. Fehlende psychiatrische Be-
gleitung und eine Rückkehr nach Kroatien würden die Gefahr eines Suizi-
des massiv erhöhen. Der psychische Zustand der Beschwerdeführerin
bleibe den Kindern bereits jetzt nicht verborgen, weshalb deren Kindswohl
im Zusammenhang mit der Zumutbarkeit der Überstellung zu berücksichti-
gen sei. Auch lebe ihr gewalttätiger Ehemann weiterhin in Kroatien; im Ur-
teil sei aufgrund eines Übersetzungsfehlers fälschlicherweise von dessen
Anwesenheit in Kosovo ausgegangen worden. Der Zugang zur angemes-
senen Unterbringung im Sinne von Art. 4 der EU Grundrechtscharta sowie
Art. 3 EMRK sei in Kroatien nicht garantiert.
4.2 Das SEM verwies in seinem Wiedererwägungsentscheid darauf, dass
Kroatien über ein funktionierendes Gesundheitssystem verfüge. Es lägen
keine Hinweise dafür vor, dass die Beschwerdeführerin in Kroatien nicht
adäquat behandelt werden könne, selbst wenn sich der Gesundheitszu-
stand seit dem Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts vom 22. Juli
2021 verschlechtert habe. Die Behandlung einer posttraumatischen Belas-
tungsstörung und einer Depression mit latenter Suizidalität könne demge-
mäss auch in Kroatien erfolgen. Nötigenfalls könnten ihr Medikamente mit-
gegeben werden, damit ihre Behandlung keinen Unterbruch erleide. Aus-
serdem würden die kroatischen Behörden vor einer Überstellung über Ih-
ren Gesundheitszustand informiert, damit eine lückenlose Behandlung ge-
währleistet sei. Was eine tatsächliche oder vermeintliche Suizidgefahr be-
treffe, stehe ihr die entsprechende medizinische Infrastruktur auch in Kro-
atien zur Verfügung.
4.3 Es sei nicht ersichtlich, inwiefern durch eine Rückkehr der Beschwer-
deführerin und ihrer Kinder nach Kroatien die Kinderrechtskonvention ver-
letzt werde. Die Beschwerdeführenden lebten bereits jetzt in einem schwie-
rigen Umfeld. Kroatien verfüge über spezielle kindgerechte Unterkünfte
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und es gebe keine Hinweise dafür, dass die Beschwerdeführenden in Kro-
atien nicht Platz in einer solchen Unterkunft finden würden. Bei einer allfäl-
ligen Überstellung nach Kroatien werde den kroatischen Behörden mitge-
teilt, dass eine kindsgerechte Unterbringung nötig sei, der Ehemann keinen
Kontakt zu den Beschwerdeführenden aufnehmen und nicht über ihre Un-
terbringung in einer speziellen Unterkunft erfahren dürfe. Insgesamt lägen
keine Gründe vor, welche die Rechtskraft der Verfügung vom 7. Juli 2021
beseitigen könnten.
4.4 Die Beschwerdeführerenden begründeten die Beschwerde mit einem
verschlechterten beziehungsweise erstmals abgeklärten psychischen Ge-
sundheitszustand der Beschwerdeführerin gestützt auf den bereits einge-
reichten Arztbericht vom 27. August 2021 und einen Austrittsbericht vom
15. September 2021 (G._, mit Hauptdiagnose
einer erneuten Hyperventilation bei psychosozialer Belastungssituation am
14. September 2021 sowie posttraumatischer Belastungsstörung, schwe-
rer depressiver Episode und bekanntem Asthma bronchiale; die Beschwer-
deführerin habe nach Eintritt wegen akuter Hyperventilation am selben Tag
entlassen werden können). Sie könne allein und ohne ärztlich Betreuung
nicht für ihre Kinder sorgen und brauche dringend eine psychiatrische Be-
handlung, die in Kroatien nicht gewährleistet sei. Das Wohl der Kinder sei
gefährdet und deren Gesundheitszustand sei nicht abgeklärt worden.
Durch eine Rückführung nach Kroatien würde die Schweiz überdies auf-
grund der besonderen Vulnerabilität der Beschwerdeführerin gegen die
Verpflichtungen aus Art. 2 lit. b des Übereinkommens vom 18. Dezember
1979 zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (SR 0.108,
nachfolgend: CEDAW) verstossen. Die vollständige Ausübung von Men-
schen- und Grundrechten sowie genügender behördlicher Schutz wären
trotz der bestehenden Gesetze zur Prävention häuslicher Gewalt in Kroa-
tien nicht gewährleistet.
4.5 Vernehmlassungsweise führte die Vorinstanz am 9. Dezember 2021
ergänzend aus, die Beschwerde klammere aus, dass Kroatien Opfern von
häuslicher Gewalt Unterkünfte zur Verfügung stelle. Die Beschwerdefüh-
renden seien vom gewalttätigen Ehemann getrennt untergebracht worden.
Sie hätten diese Unterkunft selbständig verlassen, seien in die Schweiz
gereist und hätten sich damit den Schutzmassnahmen der kroatischen Be-
hörden entzogen. Kroatien verfüge über eine professionelle Kinderschutz-
behörde, die eingeschaltet werde, sollte der Beschwerdeführerin etwas zu-
stossen. Bei der Abwägung der Interessen an der Überstellung der Be-
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schwerdeführenden in den zuständigen Mitgliedstaat würden die öffentli-
chen Interessen gegenüber ihren privaten überwiegen. Bei einer Überstel-
lung nach Kroatien sei weder Art. 3 EMRK noch Art. 3 des Übereinkom-
mens über die Rechte der Kinder (KRK [SR 0.107]) verletzt. Zu einer allfäl-
ligen Suizidgefahr bei der Beschwerdeführerin führte das SEM aus, eine
solche sei nachvollziehbar im Hinblick darauf, dass sie allfällig nach Kroa-
tien zurückkehren müssten. Allerdings sei auch dafür Verständnis aufzu-
bringen, dass es stossend sei, wenn jemand durch Berufung auf eine tat-
sächliche oder vermeintliche Suizidgefahr, oder durch Herbeiführung einer
Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes die Behörden
zum Einlenken zwingen könne. Es werde dem Schutzbedürfnis der Be-
schwerdeführenden und ihrem Schutzanspruch als Opfer häuslicher Ge-
walt bei der Organisation der Rückkehr nach Kroatien dadurch Rechnung
getragen, indem die kroatischen Behörden vor der Rückkehr nochmals
über ihren konkreten Fall von häuslicher Gewalt und die in der Schweiz
allfällig in Anspruch genommenen Vorsichtsmassnahmen informiere.
4.6 Replikweise beanstandeten die Beschwerdeführenden, die Vorinstanz
habe die gesundheitliche Situation ausgeklammert und sei nur auf die
Frage der häuslichen Gewalt eingegangen. Auch habe sie sich nur zu the-
oretisch vorhandenen Schutzmechanismen geäussert, nicht jedoch zur tat-
sächlichen Umsetzung der Unterbringung. Push-Backs an der Grenze Kro-
atiens zu Serbien und Bosnien und weitere Beispiele würden zeigen, dass
Kroatien die unterzeichneten internationalen Verträge nicht umsetze und
gegen Völkerrecht verstosse. Gemäss dem Bericht der SFH bestehe in
Kroatien zurzeit keine angemessene Unterkunft für besonders verletzliche
Personen, zu welchen die Beschwerdeführenden gehören würden.
4.7 In ihrer Duplik hielt die Vorinstanz fest, die geltend gemachten Beein-
trächtigungen der Beschwerdeführenden hätten schon in Kroatien bestan-
den. Das kroatische Gesundheitssystem verfüge über eine ausreichende
medizinische Infrastruktur und sei verpflichtet, ihnen die erforderliche me-
dizinische Versorgung zu gewähren, welche zumindest die Notversorgung
und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schwe-
ren psychischen Störungen umfasse.
4.8 Triplikweise führten die Beschwerdeführenden am 7. März 2022 aus,
die Vorinstanz habe den medizinischen Sachverhalt ungenügend abge-
klärt. Die psychische Gesundheit der Kinder sei sehr labil und bedürfe einer
umfassenden kinderpsychologischen Abklärung, die mehrere Wochen be-
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Seite 10
anspruchen werde. Sie verwiesen ferner auf den Bericht der SFH vom De-
zember 2021 «Situation of asylum seekers and beneficiaries of protection
with mental health problems in Croatia», wonach der Zugang zur psychi-
schen Behandlung beinahe unmöglich sei und die Chancen auf eine stabile
langfristige Behandlung minimal seien. Die SFH rate deshalb von Kroatien-
Überstellungen von Personen, die auf psychologische oder psychiatrische
Hilfe angewiesen seien, ab.
Mit Eingabe vom 24. März 2022 reichte die Beschwerdeführerin einen aus-
führlichen Arztbrief der Psychiatrie I._ vom 23. März 2022 nach und
machte damit eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustands geltend.
Aufgrund traumatisierender Erfahrungen seit ihrer Kindheit sei zusätzlich
eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert worden. Anläss-
lich der Sprechstunde vom 18. März 2022 sei es zu einem schweren dis-
soziativen Zustand gekommen. Da sie nicht mehr reorientierbar gewesen
sei, sei eine stationär-psychiatrische Einweisung erfolgt. Nach Austritt habe
sie sich am 23. März 2022 wieder in der Sprechstunde präsentiert und von
stark depressiver Symptomatik mit wiederkehrenden Suizidgedanken und
Momenten der Panik im häuslichen Umfeld berichtet. Es werde versucht,
die Behandlung ambulant mittels Erhöhung der Behandlungsfrequenz und
eines Notfallplans fortzuführen. Zum Schutz des Kindeswohls werde eine
Abklärung zur Unterstützung der Kinderbetreuung empfohlen. Sie führte in
ihrer Eingabe aus, es werde deshalb Kontakt zur Kindes- und Erwachse-
nenschutzbehörde (KESB) J._ aufgenommen.
Mit Eingabe vom 18. Mai 2022 reichte die Beschwerdeführerin einen wei-
teren Arztbrief der Psychiatrie I._ vom 17. Mai 2022 zu den Akten,
woraus hervorgeht, dass sie wegen ihrer psychiatrischen Erkrankung auf
die Unterstützung durch eine sozialpädagogische Familienbegleitung an-
gewiesen sei.
4.9 Am 20. Juli 2022 stellte das SEM in seiner Quadruplik fest, die kroati-
schen Behörden seien sich der Problematik der häuslichen Gewalt inner-
halb der vorliegenden Familie, d.h. ihrer Schutzpflicht, bereits bei deren
Einreise gewahr gewesen, hätten sie doch die Beschwerdeführerin und die
Kinder vom gewalttätigen Ehemann getrennt und in einer separaten Unter-
kunft untergebracht, welche die Beschwerdeführerin jedoch mit ihren Kin-
dern selbstständig verlassen habe und in die Schweiz gelangt sei, um Asyl
zu beantragen. Insbesondere mit Blick auf das umfassende und engma-
schige Instrumentarium, welches Kroatien für Opfer von häuslicher Gewalt
zur Verfügung stelle (Istanbul-Konvention, CEDAW, KRK, EMRK, Gender
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Seite 11
Equality Ombudsfrau, Gender Equality Act, Aufnahmerichtlinie), sehe das
SEM keinen Spielraum, in Verletzung von internationalen Verträgen von
seiner Position abzuweichen. Die Istanbul-Konvention sei für Fälle wie den
vorliegenden konzipiert. Und zwar nicht nur, was den Schutz angehe, wo-
bei die Kinder wegen möglicher direkter und indirekter Konsequenzen der
häuslichen Gewalt einen speziellen Schutz geniessen würden, sondern
auch mit Blick auf die Leistungen und medizinischen Unterstützungsmass-
nahmen, welche die Genesung nach der häuslichen Gewalt erleichtern sol-
len. Garantien würden sich aus den erwähnten Übereinkommen zwar be-
reits ergeben, aber auch aus dem innerstaatlichen kroatischen Recht
(Schutz vor dem Ehemann, kindergerechte Unterbringung, Kinder-Mass-
nahmen bei Wegfall der Beschwerdeführerin als Hauptbezugsperson, Wei-
terführung von medizinischen Behandlungsmassnahmen). Die kroatischen
Behörden würden in ihrer Antwort vom 15. Juli 2022 garantieren, dass bei
Bedarf eine Schutzunterkunft für die Beschwerdeführenden zur Verfügung
stehe. Befände sich der Ehemann weiterhin in Kroatien, sei auch ein direk-
ter Transfer in eine Schutzunterkunft möglich. Zudem seien die notwendi-
gen medizinischen Untersuchungen und Behandlungen psychologischer
oder psychiatrischer Art ebenfalls gewährleistet, wie auch die Integration
des älteren Kindes in das kroatische Schulsystem. Der kroatische Staat sei
für den Empfang von Opfern von häuslicher Gewalt bereit.
4.10 In ihren Stellungnahmen zur Quadruplik vom 25. August und 22. Sep-
tember 2022 monierten die Beschwerdeführenden, dass das SEM aufs
Neue Urteile des EGMR, Berichte des Europäischen Ausschusses zur Ver-
hütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung o-
der Strafe (CPT), sowie die Aussagen der Gender Equality Ombudsperson
ignoriere, welche darlegen würden, dass Kroatien seine internationalen
Verpflichtungen nicht einhalte und die internationalen Verträge demnach
keine Garantien seitens Kroatien darstellen würden. Zum Bericht der SFH
vom Dezember 2021 äussere sich das SEM trotz Aufforderung nicht. Die-
sem könne indes entnommen werden, dass das kroatische Gesundheits-
system masslos überlastet sei, weshalb die Chancen auf eine stabile lang-
fristige Behandlung minimal seien. Die Antwort von Kroatien vom 15. Juli
2022 sei sehr offen formuliert und es könne nicht von einer konkreten Zu-
sicherung ausgegangen werden. Es stehe nicht fest, ob mit Sicherheit eine
Schutzunterkunft für die Familie zur Verfügung stehe. Dies müsse in jedem
Fall gewährleitet sein, auch wenn sich der Ehemann nicht in Kroatien be-
finden sollte, da er die Beschwerdeführenden einfach ausfindig machen
könne. Es seien bisher keine Abklärungen seitens der kroatischen Behör-
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Seite 12
den vorgenommen worden, um den Aufenthaltsort des Ehemannes ausfin-
dig zu machen. Im Falle einer Überstellung seien diesbezüglich auch keine
Garantien abgegeben worden. Überdies sei nicht ersichtlich, welches me-
dizinische Institut für die weitere Behandlung zuständig sei. Die erhaltene
Antwort reiche nicht aus, um die notwendige Behandlung der Beschwerde-
führerin zu garantieren.
5.
Das SEM hat den grundsätzlichen Anspruch der Beschwerdeführenden auf
Behandlung ihres Wiedererwägungsgesuchs nicht in Abrede gestellt.
5.1 Prozessgegenstand bei einem Wiedererwägungsgesuch hinsichtlich
eines gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG gefällten Nichteintretensent-
scheides kann lediglich die Frage bilden, ob sich seit Abschluss des or-
dentlichen Verfahrens eine nachträglich veränderte Sachlage respektive
Gründe nach Art. 66 Abs. 2 VwVG im Hinblick auf die staatsvertragliche
Zuständigkeit des fraglichen Mitgliedstaates oder hinsichtlich der Völker-
rechts-konformität einer Überstellung dorthin ergeben haben, oder ob seit-
her hu-manitäre Gründe im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 eingetreten
sind.
5.2 Nachfolgend ist demnach zu prüfen, ob das SEM zu Recht davon aus-
gegangen ist, dass die Voraussetzungen für eine Überstellung nach Kroa-
tien gestützt auf die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Par-
laments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und
Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines
von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-
staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol-
gend: Dublin-III-VO), weiterhin gegeben sind und es zu Recht an ihrer ur-
sprünglichen Verfügung vom 7. Juli 2021 festgehalten hat, wobei praxis-
gemäss der sich präsentierende Sachverhalt im Urteilszeitpunkt massge-
bend ist.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht erinnert daran, dass sich die Mitglied-
staaten grundsätzlich auf die Vermutung verlassen können, dass die am
gemeinsamen Europäischen Asylsystem beteiligten Staaten die Men-
schenrechte beachten, und sie insoweit Vertrauen ineinander haben dürfen
(vgl. dazu BVGE 2010/45 E. 7.4 f.; ausserdem Urteil des Gerichtshofs der
Europäischen Union [EuGH] vom 21. Dezember 2011 in den verbundenen
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Seite 13
Rechtssachen C-411/10 [N. S./Secretary of State for the Home Depart-
ment] und C-493/10 [M. E. u.a. /Refugee Applications Commissioner, Min-
ister for Justice, Equality and Law Reform], Rn. 78 ff.). Wenn jedoch syste-
mische Mängel des Asylverfahrens und der Aufnahmebedingungen ernst-
lichen Anlass zur Annahme geben, die asylsuchende Person laufe Gefahr,
einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung ausgesetzt zu
werden, ist der zuständigkeitsprüfende Mitgliedstaat gehalten, sie nicht an
den als zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen (Art. 3 Abs. 2
Unterabsatz 2 Dublin-III-VO).
6.2 Auf der Grundlage von Art. 17 Abs. 1 Dublin III-Verordnung (Souverä-
nitätsklausel) kann jeder Mitgliedstaat beschliessen, einen Antrag auf in-
ternationalen Schutz zu prüfen, der ihm von einem Drittstaatsangehörigen
oder einem Staatenlosen vorgelegt wird, auch wenn er nach den in der
Verordnung festgelegten Kriterien nicht für diese Prüfung zuständig ist.
Gemäss Rechtsprechung (vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1, 2012/4 E. 2.4 und
2011/9 E. 4.1) muss das SEM die Zuständigkeit der Schweiz in diesem
Sinn anerkennen, wenn die vorgesehene Überstellung an den als zustän-
dig bezeichneten Mitgliedstaat gegen völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz verstösst. Es kann diese Verantwortung auch aus humanitären
Gründen im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 bejahen (vgl. dazu BVGE
2015/9 E. 8.2.2, 2012/4 E. 2.4 in fine, m.w.H.). Das SEM verfügt bezüglich
der Anwendung der Souveränitätsklausel aus humanitären Gründen ge-
stützt auf Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessenspielraum, der es
ihm erlaubt, zu ermitteln, ob humanitäre Gründe vorliegen, welche einen
Selbsteintritt der Schweiz rechtfertigen. Aufgrund der Kognitionsbeschrän-
kung des Bundesverwaltungsgerichts infolge der Aufhebung von Art. 106
Abs. 1 Bst. c AsylG muss dieses den Ermessenspielraum der Vorinstanz
respektieren. Indes kann das Gericht nach wie vor überprüfen, ob das SEM
sein Ermessen gesetzeskonform ausgeübt hat. Dies ist nur dann der Fall,
wenn das SEM bei von der gesuchstellenden Person geltend gemachten
Umständen, die eine Überstellung aufgrund ihrer individuellen Situation
oder der Verhältnisse im zuständigen Staat problematisch erscheinen las-
sen, in nachvollziehbarer Weise prüft, ob es angezeigt ist, die Souveräni-
tätsklausel anzuwenden. Dazu muss die Vorinstanz in ihrer Verfügung wie-
dergeben, aus welchen Gründen sie auf einen Selbsteintritt verzichtet. Tut
sie das nicht, liegt eine Ermessensunterschreitung vor (vgl. BVGE 2015/9
E. 7 und 8).
E-4348/2021
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6.3 Gemäss der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist der unbe-
stimmte Begriff «humanitäre Gründe» restriktiv auszulegen (vgl. BVGE
2010/45 E. 8.2.2; 2011/9 E. 8.1 f.). Dabei ist eine Gesamtschau der Gründe
vorzunehmen, die einer Überstellung unter diesem Aspekt entgegenstehen
könnten. Entsprechende Gründe können sich ergeben aus medizinischen
Problemen, aus der spezifischen Situation im Land, in das die Überstellung
erfolgen soll, aus der besonderen Verletzlichkeit der zu überstellenden Per-
son, aus dem überwiegendes Kindesinteresse, aus traumatisierenden Er-
lebnissen im Heimatland oder im Staat, in den überstellt werden soll, aus
Überlegungen unter dem Gesichtspunkt der Einheit der Familie und aus
der Dauer des Zuständigkeitsverfahrens beziehungsweise des Aufenthalts
in der Schweiz (vgl. Urteil des BVGer E-5488/2019 vom 31. Oktober 2019
E. 7.4 m.w.H.). Bei der Würdigung der humanitären Gründe ist das Verhält-
nismässigkeitsprinzip zu beachten. Wenn das Gesetz einer Behörde die
Wahl zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten offenlässt, ist ihre
Ermessensfreiheit insofern eingeschränkt, als sie sich bei ihrem Entscheid
am zu verfolgenden öffentlichen Interesse auszurichten hat. Die Schwere
der Faktoren, die im zu beurteilenden Fall in ihrer Gesamtheit zur Annahme
von humanitären Gründen führen können, ist ausschlaggebend. Je mehr
Gründe einer Überstellung entgegenstehen, umso mehr ist die Ermessens-
freiheit durch das zu beachtende Verhältnismässigkeitsprinzip einge-
schränkt (vgl. Urteil E-5488/2019 E. 7.5).
7.
7.1 Die Beschwerdeführenden rügten bereits im ersten Beschwerdeverfah-
ren E-3281/2021, in Kroatien sei eine angemessene Unterbringung und
Betreuung nicht garantiert und es bestehe kein Zugang zu einer angemes-
senen medizinischen Versorgung. Die Beschwerdeführerin und eines ihrer
Kinder seien jedoch auf eine nahtlose psychologische Behandlung ange-
wiesen. Bei einer Rückkehr nach Kroatien bestehe ausserdem die Gefahr,
dass die Kinder erneut der Gewalt des Ehemannes ausgesetzt seien, was
gegen die KRK verstosse (vgl. Urteil des BVGer E-3281/2021 E. 5).
7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat in der Folge die einzelnen Rügen
ausführlich geprüft. Um Wiederholungen zu vermeiden, ist auf die ausführ-
lichen Erwägungen zu verweisen (vgl. E-3281/2021 E. 6.1 ff.). Es kam zum
Schluss, dass Kroatien nicht systematisch gegen seine vertraglichen Ver-
pflichtungen verstosse. Die Beschwerdeführerin habe auch nicht konkret
dargetan, inwiefern die für sie und ihre Kinder bei einer Rückführung zu
erwartenden Bedingungen in Kroatien derart schlecht seien, dass sie zu
einer Verletzung von Art. 4 der EU Grundrechtscharta sowie Art. 3 EMRK
E-4348/2021
Seite 15
führen könnten. Die Beschwerdeführenden würden unter diesen Umstän-
den bei einer Wegweisung nach Kroatien nicht in eine existenzielle Notlage
geraten (vgl. a.a.O. E. 6.5).
Das Bundesverwaltungsgericht prüfte in der Folge auch, ob allenfalls das
Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO auszuüben
sei. Sowohl hinsichtlich der Frage, ob der Schutz vor dem Ehemann in Kro-
atien gewährleistet sei, als auch des (im damaligen Zeitpunkt bekannten)
medizinischen Sachverhalts kam das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Beschwerdeführenden kein konkretes und ernsthaftes
Risiko hätten dartun können, wonach die Wegweisung nach Kroatien die
Verletzung völkerrechtlicher Bestimmungen zur Folge hätte (vgl. a.a.O.,
E. 7).
7.3 Die Beschwerdeführenden bringen im vorliegenden Verfahren keine
neuen Aspekte vor, die wiedererwägungsweise trotz neuer ärztlicher Be-
richte und Hinweise auf Länderberichte und internationale Abkommen, zu
einem anderen Entscheid führen würden.
7.3.1 Was die befürchtete Bedrohung durch den Ehemann betrifft, ist nicht
ersichtlich, inwiefern diese seit der Beurteilung des Bundesverwaltungsge-
richts vom 22. Juli 2021 zugenommen haben sollte, selbst wenn irrtümli-
cherweise vom Aufenthalt des Ehemannes in Kosovo ausgegangen wor-
den sein sollte. Auch in der damaligen Beurteilung wurde die Infrastruktur
für Opfer häuslicher Gewalt in Kroatien als genügend erachtet. Dahinge-
hend ist auf die ausführlichen Erörterungen der Vorinstanz in der Vernehm-
lassung zu verweisen, wonach Kroatien über eine sehr gute Infrastruktur
hinsichtlich Opfern von häuslicher Gewalt verfüge (vgl. B-act. 12 S. 1-3).
Die Beschwerdeführenden waren in Kroatien in einer entsprechenden In-
stitution geschützt vor dem Ehemann untergebracht, verliessen diese je-
doch und reisten in die Schweiz. Im Übrigen ist auch in der Schweiz ein
gewisses Risiko vor der Gewalttätigkeit des Ehemanns nicht ausgeschlos-
sen, zumal er weiss, dass sie sich in der Schweiz aufhalten (vgl.
E-3281/2021 E. 7.2 f.). Kommt hinzu, dass nach dem Urteil vom 22. Juli
2021 die kroatischen Behörden mit Schreiben vom 15. Juli 2022 zusicher-
ten, dass eine Schutzunterkunft für die Beschwerdeführenden zur Verfü-
gung gestellt werden kann, wenn die zuständige Stelle (Centre for Social
Welfare) auf Gesuch des Empfangszentrums, wo die Familie bei ihrer An-
kunft untergebracht wird und alle notwendigen Abklärungen getätigt wer-
den, dies als notwendig erachtet. Das Empfangszentrum wird als sicherer
Ort bezeichnet. Befände sich der Ehemann nicht mehr in Kroatien, sei ein
E-4348/2021
Seite 16
sofortiger Transfer in eine Schutzunterkunft weniger wahrscheinlich. Selbst
im Lichte der von der Beschwerdeführerin erwähnten Berichte der SFH und
anderer Organisationen besteht kein Grund zur Annahme, dass sich seit
der Beurteilung des Bundesverwaltungsgerichts vom 22. Juli 2021 die Si-
tuation derart verschlechtert hätte, dass die Verfügung des SEM vom 7. Juli
2021 wiedererwägungsweise aufzuheben wäre. Zudem liegt heute das
Schreiben der kroatischen Behörden vom 15. Juli 2022 vor, welches den
Beschwerdeführenden eine erhöhte Sicherheit gibt, dass ihr Schutzbedürf-
nis sorgfältig abgeklärt und diesem, so rasch wie nötig, Rechnung getragen
wird (vgl. Beilage zur Quadruplik vom 20. Juli 2022).
7.3.2 Hinsichtlich der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin
war im Zeitpunkt des Urteils vom 22. Juli 2021 bekannt, dass sie nach dem
Telefonanruf ihres Freundes (recte wohl: Ehemann) am 30. Juni 2021 eine
Panikattacke erlitten hatte. Ausserdem hatte sie in der Anhörung geltend
gemacht, sie leide unter Depressionen (E-3281/2021 E. 7.4 ff.).
7.3.2.1 Gestützt auf die aktuellen Akten wurde bei der Beschwerdeführerin
eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome und eine
komplexe Form einer posttraumatischen Belastungsstörung (dissoziativer
Stupor; vgl. Beilage zu B-act. 23: Arztbericht der Psychiatrie I._ vom
23. März 2022), verbunden mit einer latenten Suizidalität (vgl. ärztliches
Schreiben vom 27. August 2021 an die Rechtsvertretung) diagnostiziert.
Im Nachgang zur Abweisung des Wiedererwägungsgesuchs ist eine Pani-
kattacke vom 14. September 2021 (vgl. Beilage 4 zu B-act. 1) dokumentiert
und es wurde gemäss Bericht der Psychiatrie I._ vom 4. Januar
2022 eine ambulante psychotherapeutische Behandlung begonnen (vgl.
Beilage zu B-act. 16). Die Beschwerdeführerin ist am 18. März 2022 (bis
längstens 23. März 2022) stationär-psychiatrisch eingewiesen worden (vgl.
Arztbericht vom 23. März 2022). Ausserdem wurde sie gemäss Schreiben
vom 24. Oktober 2022 zweimal stationär behandelt; die zuständige Ärztin
sei um einen entsprechenden Bericht gebeten worden.
7.3.2.2 Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitli-
chen Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen
Art. 3 EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die be-
troffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheits-
stadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit
dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstüt-
zung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 m.H.a. die damalige Praxis
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Seite 17
des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine wei-
tere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch
die Abschiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im
Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, ra-
schen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszu-
stands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheb-
lichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des
EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer
41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
7.3.2.3 Vorliegend ist eine solche Situation, die einer Überstellung der Be-
schwerdeführerin und ihrer Kinder in den zuständigen Dublinstaat Kroatien
entgegenstehen würde angesichts der Aktenlage weiterhin nicht anzuneh-
men. Aus beiden Berichten vom 4. Januar und 23. März 2022 der Psychi-
atrie I._ die Beschwerdeführerin betreffend ergibt sich im Wesentli-
chen, dass die genannten Diagnosen in einem engen Zusammenhang ste-
hen mit der erlebten Traumatisierung seit ihrer Kindheit (u.a. durch die er-
fahrene Zwangsheirat und die wiederkehrende und anhaltende häusliche
Gewalt durch den Ehemann seit der Zwangsheirat, sowie die grosse Angst
vor einer Rückschaffung nach Kroatien, wo sich auch der Ehemann auf-
halte). Weiter ist dem Verlaufsbricht vom 4. Januar 2022 zu entnehmen,
dass das psychische Zustandsbild der Patientin in Kroatien schlechter ge-
wesen sei als aktuell. Es werde davon ausgegangen, dass dies mit der
dortigen realen Bedrohung durch den Ehemann und der dadurch massiven
psychischen Belastung zusammenhänge. Dem letzten eingereichten Be-
richt vom 23. März 2022 ist zwar eine Verschlechterung (komplexe post-
traumatische Belastungsstörung) zu entnehmen, welche jedoch die hohe
Schwelle einer Verletzung von Art. 3 EMRK nicht erreicht. Daran ändert
nichts, dass in der Schweiz nunmehr eine ausführliche Diagnostik erstellt
und eine Behandlung mit Psychopharmaka sowie eine Psychotherapie ein-
geleitet wurde. Wie bereits im ordentlichen Verfahren (a.a.O., E. 7.5.2) dar-
gelegt, darf davon ausgegangen werden, dass Kroatien über eine ausrei-
chende medizinische Infrastruktur verfügt und die Beschwerdeführerin bei
Bedarf eine adäquate Weiterbehandlung und Betreuung zuteil wird (vgl.
über die Möglichkeiten der medizinischen Versorgung im Asylbereich in
Kroatien das Urteil des BVGer F-3878/2022 vom 31. Oktober 2022
E. 5.3.2). Auch mit Blick auf die von der Beschwerdeführerin eingereichte
neue Analyse durch die SFH zur Situation von psychisch erkrankten Asyl-
suchenden und Schutzbedürftigen in Kroatien vom Dezember 2021 ist im
vorliegenden Fall nicht davon auszugehen, dass Kroatien in Missachtung
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der völkerrechtlichen Verpflichtungen der Beschwerdeführerin eine adä-
quate medizinische Behandlung verweigern würde. Dies wird zudem durch
das Schreiben der kroatischen Behörden vom 15. Juli 2022 bestätigt, worin
sie ausführen, dass die Beschwerdeführenden jegliche benötigte medizini-
sche und psychologische Unterstützung erhalten.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung stellt Suizidalität sodann
kein Vollzugshindernis dar (vgl. BGE 139 II 393 E. 5.5.5). Dies entspricht
auch der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. Urteil des BVGer
F-5933/2019 vom 23. Januar 2020 E. 7.6 m.w.H.). Gemäss Praxis des
EGMR ist der wegweisende Staat nicht verpflichtet, vom Vollzug der Aus-
weisung Abstand zu nehmen, falls die betroffenen Personen für den Fall
des Vollzugs des Wegweisungsentscheides mit Suizid drohen. Die Über-
stellung verstösst nicht gegen Art. 3 EMRK, wenn der wegweisende Staat
Massnahmen ergreift, um die Umsetzung einer entsprechenden Suiziddro-
hung zu verhindern (vgl. EGMR i.S. Dragan und andere gegen Deutsch-
land vom 7. Oktober 2004, Nr. 33743/03, angeführt in EMARK 2005 Nr. 23
E. 5.1; sowie bspw. Urteil des BVGer D-1017/2021 vom 21. April 2021
E. 7.4.2.3 ff.).
7.3.2.4 Was den Gesundheitszustand der Kinder betrifft, wird gestützt auf
den Bericht der Psychologin H._ vom 26. Oktober 2021 nicht ange-
zweifelt, dass beide Kinder psychisch angeschlagen sind und einer kinder-
psychologischen Behandlung bedürfen. Eine massgebende Verschlechte-
rung ihres Gesundheitszustands seit der Beurteilung durch das Bundes-
verwaltungsgericht vom 22. Juli 2021 ist indes nicht ersichtlich. Eine Ände-
rung der Sachlage besteht einzig darin, dass nunmehr eine psychologische
Beurteilung erfolgte und eine kinderpsychologische Abklärung vorgesehen
ist (vgl. Beilage zu B-act. 22) beziehungsweise das ältere Kind psycholo-
gisch betreut wird. Den Ausführungen der Vorinstanz ist zuzustimmen,
dass die tatsächliche Behandlung gestützt auf die in Kroatien genügend
vorhandene Infrastruktur bei den Kindern durch- beziehungsweise weiter-
geführt werden kann. Darüber hinaus bleibt zum Kindeswohl anzumerken,
dass die beiden noch jungen Kinder (6 und 4 Jahre) sich erst seit knapp
über einem Jahr zusammen mit der Beschwerdeführerin – ihrer soweit er-
sichtlich einzigen Bezugsperson – in der Schweiz aufhalten. Hinsichtlich
einer Integration und Verwurzelung in der Schweiz ergibt sich damit für die
Kinder seit der Beurteilung der Sache durch das Bundesverwaltungsge-
richt vom 22. Juli 2021 auch keine substanziell ersichtliche Änderung.
E-4348/2021
Seite 19
7.3.2.5 Nach dem Gesagten steht der gesundheitliche Zustand der Be-
schwerdeführerenden einer Überstellung nach Kroatien nicht entgegen.
Wie bereits im ordentlichen Verfahren ausgeführt, bleibt vorliegend zu wie-
derholen, dass die Beschwerdeführenden in Kroatien bereits während des
laufenden Asylverfahrens getrennt vom gewalttätigen Ehemann in einer fa-
miliengerechten Unterkunft untergebracht waren und nicht von der proble-
matischen Push-back-Praxis betroffen sind (vgl. E-3281/2021 E. 6.4 f.).
Aufgrund der obigen Ausführungen sind keine weiteren medizinischen Ab-
klärungen angezeigt. In antizipierter Würdigung ist nicht zu erwarten, dass
weitere in der Schweiz erhobene medizinische Befunde hinsichtlich der
psychischen Gesundheit der Beschwerdeführenden etwas an dieser Ein-
schätzung zu ändern vermögen (zur sog. antizipierten Beweiswürdigung
vgl. BERNHARD WALDMANN/JÜRG BICKEL, in: Bernhard Waldmann/Philippe
Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl., Zürich/Ba-
sel/Genf 2016, Art. 33, N 14 ff., m.w.N.).
7.3.2.6 Es wird nicht bestritten, dass der Gesundheitszustand der Be-
schwerdeführerin fragil ist und eine Rücküberführung nach Kroatien für die
Beschwerdeführerin – und damit verbunden auch für die Kinder – eine Be-
lastung darstellt. Die mit dem Vollzug beauftragten Schweizer Behörden
werden aufgefordert, den Vollzug im Umfang von Art. 31 f. Dublin-III-VO
sorgfältig vorzubereiten. Die vollziehende Behörde hat die kroatischen Be-
hörden demnach vorgängig zur Überstellung in geeigneter Weise über die
spezifischen medizinischen Umstände bei allen Beschwerdeführenden
hinsichtlich aktuellem Stand der Abklärungen und allenfalls laufenden The-
rapien zu informieren, sowie nochmals auf die Notwendigkeit einer kindge-
rechten Unterkunft und den Schutz vor dem gewalttätigen Ehemann hinzu-
weisen. Allfällige Medikamente sind mitzugeben.
7.3.3 Nach dem Gesagten liegt keine Verletzung von Art. 3 oder Art. 3 KRK
vor und es besteht damit kein Überstellungshindernis, welches die Schweiz
zu einem Selbsteintritt gemäss Art. 17 Dublin-III-VO zwingen würde.
7.3.4 Es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass das SEM sein Ermes-
sen im Zusammenhang mit der Prüfung nach Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht
gesetzeskonform ausgeübt hätte (vgl. E. 6.2 oben).
7.4 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Vorbringen
und (nachträglich entstandenen) Beweismittel im Beschwerdeverfahren
nicht geeignet sind, zu einer Anpassung der Verfügung vom 7. Juli 2021 zu
führen. Das SEM hat das Wiedererwägungsgesuch zu Recht abgewiesen.
E-4348/2021
Seite 20
8.
Folglich verletzt die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht, stellt den
rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig fest (Art. 106
Abs. 1 AsylG) und ist – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen.
Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Der am 1. Oktober 2021 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem
Urteil dahin.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1‒3 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihnen jedoch mit Zwi-
schenverfügung vom 5. Oktober 2021 die unentgeltliche Prozessführung
gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und nicht von einer massge-
blichen Veränderung ihrer finanziellen Verhältnisse auszugehen ist, ist von
der Kostenerhebung abzusehen.
(Dispositiv nächste Seite)
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Considerations: