Decision ID: 17ad0e27-4751-49e6-bba0-2a693651b84c
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1975 geborene X._
war vom 9. Oktober 1991 bis zum 31. Mai 2010
als Produktionsmitarbeiter bei
Y._
tätig (Urk. 13/38).
Am 28. Januar 2008
(Eingangsdatum)
meldete sich der Versicherte
unter
Angabe von
Rücken
- und Beinbeschwerden
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk.
13
/6). Die IV-Stelle
tätigte medi
zinische und erwerbliche Abklärungen
.
Am 20. Mai 2010
(Eingangsdatum)
mel
dete sich der Versicherte bei der IV-Stelle
zum Rentenbezug
an (Urk. 13/28).
Die
IV-Stelle tätigte weitere
Abklärungen.
Das Arbeitsverhältnis des Versicherten wurde von Seiten des Arbeitgebers aus g
esundheitlichen Gründen per 31.
Mai 2010
gekündigt (Urk.
13/38).
Am 20. Juli 2010
teilte
die IV-Stelle
dem Versicherten mit, dass die Arbeitsplatzerhaltung infolge Auflösung des Arbeitsverhältnisses erfolg
los abgeschlossen werde (Urk. 13/40). Mit Eingabe vom 19. August 2010 teilte der Versicherte
der IV-Stelle mit, dass er weiterhin Arbeitsvermittlung wünsche (Urk. 13
/44).
Mit Vorbescheid vom 22. Februar 2011 stellte die IV-Stelle dem Ver
sicherten in
Aussicht, dass die Arbeitsvermittlung abgeschlossen und ein Renten
anspruch ver
neint werde
(Urk. 13
/59). Gegen den in Aussicht gestellten Abschluss der Arbeitsvermittlung erhob der Versicherte mit Eingabe vom 24. März 2011 Einwände (Urk. 13/64).
Am 8. August 2011 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass ihm vom
20. Juli 2011 bis zum 19. Januar 2012 Arbeitsvermittlung gewährt werde (Urk.
13
/84)
und verlängerte diese am 20. Februar 2012
bis 19.
Juli 2012
(Urk. 13/110). Mit Mittei
lung vom 25. März 2012 wurde dem Versicherten Kostengutsprache für ein Arbeits
training erteilt (Urk. 13/111). Der Versicherte absolvierte in der Folge ein Arbeitstraining be
im Z._
vom 27.
März bis 26.
September 2012
Urk. 13/131). Am 21. Septem
ber 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten den Abschluss der Arbeitsver
mittlung mit (Urk. 13/126).
Mit Verfügung vom 23. Oktober 2012 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch des Versicherten (Urk. 13/133).
Die dagegen erhobene Beschwerde
des Versicherten
wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil vom
28.
Februar 2014
ab (
IV.2012.01230,
Urk.
13/144
).
1.2
Am 10. April 2017 (Eingangsdatum)
meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine Schizophrenie erneut bei der IV-Ste
lle zum Leistungsbezug an (Urk.
13/148).
Die IV-Stelle holte ärztliche Berichte ein.
Am 11.
Dezember 2017 teilte sie dem Versicherten mit, dass aufgrund des Gesundheitszustandes zurzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien
(Urk.
13/170).
In der Folge
ver
anlasste
die IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung (Allgemeine/Innere
Medi
zin, Psychiatrie, Neurologie, Rheumatologie, Neuropsychologie)
bei der
A._
AG
(Urk. 13/177
, Urk.
13/181
).
Das
pol
ydisziplinäre Gutachten wurde am
10. Februar 2019
ersta
ttet (Urk.
13/
193
)
.
Die IV-Stelle stellte
in der Folge
Rückfragen an die Begutachtun
g
sstelle
, welche am 20.
Januar 2020 beant
wortet wurden (Urk.
13/20
4) und holte eine Stellungnahme ihres regionalen ärzt
li
chen Dienstes (RAD) ein
(Urk. 13/206 S.
7
ff.).
Nach durchgeführtem
Vorbei
scheidverfahren
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 29. Juni 2020 einen Leistungsanspruch des Versicherten (Urk. 13/211 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte
mit Eingabe vom
31.
August 2020
Beschwerde und beantragte, die ange
fochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm eine
Invalidenr
ente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache
zur Durchführung ergän
zender Abklärungen
a
n die IV-Stelle zurückzuweisen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Bewilli
gung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1). Mit Be
schwerdeantwort vom
16.
Oktober 2020
beantragte die Beschwerdegegnerin die Ab
weisung der Beschwer
de (Urk.
12
), was dem Beschwerdeführer
mit Verfügung vom
19.
Oktober 2020
mitgeteilt wurde (Urk.
14
).
Mit Eingabe vom 31.
Oktober 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme ein, welc
he der Beschwer
degegnerin am 2.
November 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
16).
3.
Auf die
Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für
die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzuge
hen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend ob
jektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mit
telschwere Depressionen).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Be
weisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Die Frage der Notwendigkeit in diesem Sinne beurteilt sich nach dem kon
kreten Beweisbedarf. Sie fehlt ganz allgemein in Fällen, die sich durch die Erhebung prägnanter Befunde und übereinstimmende fachärztliche Einschät
zun
gen hinsichtlich Diagnose und funktioneller Auswirkungen im Rahmen beweis
wertiger Arztberichte und Gutachten auszeichnen. Was die Befunde angeht, ist etwa an Störungsbilder wie
Schizophrenie
, Zwangs-, Ess- und Panikstörungen zu denken, die sich aufgrund klinischer psychiatrischer Untersuchung bezüglich ihrer Überprüf- und Objektivierbarkeit mit somatischen Erkrankungen verglei
chen lassen.
Hier zeigt sich die Beweisproblematik, wenn überhaupt, vor allem bezüglich der funktionellen Auswirkungen. Daher hat auch bei jenen Störungen eine vertiefende Prüfung hinsichtlich des funktionellen Schweregrades und insbe
sondere der Konsistenz zu erfolgen, wenn Hinwiese auf Inkonsistenzen, auf Aggravation oder Simulation bestehen
(BGE 143 V 418 E. 7.1 mit Hinwiesen, vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_721/2018 vom 12. März 2019 E. 3.2).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser
Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der ver
si
cher
ten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Inva
lidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 11
7 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfe
n sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
Den von Versicherung
strägern im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise sprechen (BGE 135 V 465 E.
4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom
11. Juni 2019 E.
2 mit Hinweisen).
1.7
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisfüh
rungs
last begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der
verfügen
den Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Be
weismate
rials
besorgt zu sein (BGE 115 V 111 E. 3d/
bb
; Maurer, Sozial
ver
sicherungsrecht, Bd. I, 2. unveränderte Aufl., Bern 1983, S. 438 Ziff. 7a). Im Sozial
versicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 115 V 133 E. 8a).
Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrschein
lichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b).
1.8
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der – anschliessend reformatorisch entscheidenden – Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen mög
lich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig unge
klärten Frage begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.4, publiziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S. 3)
.
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin,
im Gutachten seien diverse Inkonsistenzen zwischen den einzelnen begutachtenden Disziplinen aufgefallen. Aufgrund dessen habe der Sachverhalt nicht objektiv klar geprüft werden können. Die gestellte Diagnose einer paranoiden Schizophrenie sei auf
grund der Inkonsistenzen nicht ohne weiteres plausibel. Aus diesen Gründen sei nicht von einer IV-anerkannten Diagnose und somit auch nicht von einer renten
tangierenden Einschränkung auszugehen. Das Rentengesuch werde daher abge
wiesen (Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber im Wesentlichen geltend,
das Gut
achten und die ergänzenden Angaben seien umfassend, schlüssig und beweis
bil
dend. Die gutachterliche Diagnose und deren Ableitung stünden im Einklang mit der seit der letzten stationären Behandlung auch seitens der Fachärzte und Fach
ärztinnen der B._
stationär und ambulant gestellten Diagnose einer para
noiden Schizophrenie. Wenn die Beschwerdegegnerin gestützt auf die abweichen
de Mei
nung des RAD-Psychiaters das Gutachten als «mittelmässig» einschätze und vor allem in Bezug auf das psychiatrische Teilgutachten als nicht beweisbildend
erachte, hätte sie eine Neubegutachtung veranlassen sollen, wie es der RAD-Mitarbeit
ende selbst vorgeschlagen habe
(Urk.
1 S
.
16
f.).
In seiner Stellungnahme vom 31.
Oktober 2020
wies
d
er
Beschwerdeführer
ergän
zend
auf
die am Kantonsspital C._
2016/2017 durchgeführten Bildge
bungen
hin, welche
im Gehirn des Beschwerdeführers morphologische Auffällig
keiten vor allem im
Angio
auf der Höhe des Hippocampus links
zeigten
. Diese organischen Befunde seien hinweisend auf hirnorganische Auffälligkeiten der Hirnstruktur mit neuropsychiatrischer Inzidenz für F20. Diesen klinisch-orga
ni
schen Befunden könne sich die Beschwerdegegnerin nicht in Rahmen einer ver
sicherungsrechtlichen Diskussion mit Hinweis auf
eine
angebli
che Aggravation entziehen (Urk.
15 S.
3 f.).
Im Übrigen seien
die
Aktenbeurteilungen
des RAD-Psychiaters
nicht geeignet, eine multidisziplinäre Begutachtung zu ersetzen
(Urk.
15 S.
6).
2.3
Streitig
und zu prüfen
ist, ob die Beschwerdegegnerin das neue Leistungs
be
gehren des Beschwerdeführers zu Recht abgewiesen hat.
3.
3.1
Die medizinischen Akten, welche der rentenabweisenden Verfügung der IV-Stelle vom
23.
Oktober 2012 bzw. dem Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich
IV.2012.01230
vom
28.
Februar 2014 zugrunde lagen, wurden darin zusammengefasst (Urk. 13/144 E. 3.1-3.2). Darauf kann verwiesen werden.
3.2
Im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom
29. Juni 2020
präsentierte sich die medizinische Aktenlage wie folgt:
3.2.1
Im Austrittsbericht der Int
egrierten Psychiatrie B._
vom 7.
Juli 2014 betreffend den statio
nären Aufenthalt vom 5. bis 23
.
April 2014 wurden die folgenden Diagnosen gestellt:
-
Rezidivierende depressive Störung
,
gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41)
Es wurde ausgeführt, bei Eintritt habe ein klinisches Zustandsbild
imponiert
, welches durch Pseudohalluzinationen,
Deprimiertheit
sowie Hoffnungslosigkeit und Schlafschwierigkeiten gekennzeichnet gewesen sei. Im Verlauf habe
der Beschwerdeführer
sich stabilisiert, habe über weniger Pseudohalluzinationen, besseren Schlaf und Stimmungsverbesserung berichtet.
Er sei am 23.
April in psychophysiologisch stabilisiertem
Zustand entlassen worden. Bei Austritt sei er
wach, bewusstseinsklar und zu allen Qualitäten orientiert gewesen. Es hätten keine Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen bestanden. Der formale Ge
dan
kengang sei geordnet gewesen. Es habe kein Hinweis auf Wahn bestanden
und Sinnestäuschungen seien weniger im Vordergrund gestanden. Es hätten keine
Ich-Störungen bestanden. Im Affekt sei er flach gewesen, der affektive Rapport sei herstellbar gewesen. Es hätten keine Antriebs- oder psychomotorischen Stö
rungen bestanden (Urk.
3/16).
3.2
.2
Im neuropsychologischen Untersuc
hungsbericht
des Instituts D._
vom 11.
November 2016 bet
reffend die Unter
suchung vom 7.
November 2016 wurde
als Zuweisungsdiagnose
(von Dr. med.
E._
, Facharzt Allgemeine Medizin FMH)
eine Depression mit psychoti
schen Symptomen genannt. Es wurde
festgehalten,
aus der Untersuchung und den
anamnestischen Angaben hätten sich Hinwiese ergeben, dass die Validität der Befunde nicht zweifelsfrei gegeben sei. Es gebe keinen Anhalt für zentrale moto
rische und sensorische Beeinträchtigungen. In einem Beschwerdevalidie
rungsver
fahren habe der Beschwerdeführer eine auffällige Leistung erbracht. In den klini
schen Vergleichsgruppen hätten nur jene mit schwersten
(Gedächtnis-)Störungen
Testergebnisse in diesem Bereich.
Insgesamt fänden sich Hinweise auf eine nicht durchgängig gegebene Anstrengungsbereitschaft sowie
Kooperativität
, wodurch die Validität der Ergebnisse eingeschränkt sei. Die
Fremdsprachigkeit
führe eben
falls dazu, dass die Testergebnisse nur eingeschränkt beurteilbar seien. Testpsy
chologisch zeigten sich in allen getesteten Bereichen Minderleistungen. Das Ausmass und das Bestehen authentischer neuropsychologischer Minderleistung sei aktuell jedoch nicht bestimmbar. Aufgrund der Verhaltensbeobachtung und einzelner Ergebnisse der Testung könnten schwere neuropsychologische Werk
zeug
störungen ausgeschlossen werden.
Anzunehmen sei zumindest partiell eine Aggravation der Beschwerden und Einschränkungen.
Aufgrund des Anamnese
gesprächs und des zusätzlichen Telefonats mit der Ehefrau bestehe ein
Verdacht auf Medikamentenmissbrauch
(Urk.
3/13).
3.2.3
Im
Austrittsbericht der
B._
(Akutstation für Erwachsene)
vom 28.
April 2017 betreffend di
e stationäre Behandlung vom 14.
März bis 20.
April 2017 wurde die Diagnose einer
paranoiden Schizophrenie
(Abklärung)
F20.0
gestellt
. Es wurde ausgeführt, bei Eintritt hätten deutlich psychotische Symptome
bestanden. Nach Angaben der Ehefrau verlaufe die Erkrankung in Schüben, die sich gelegentlich verschlechterten und dann wieder in einem gewissen Rahmen remittierten. Wann die Symptome zum ersten Mal aufgetreten seien, lasse sich anamnestisch nicht mehr genau eruieren, jedoch sei von
mindestens 10 Jahren auszugehen
. Vor diesem Hintergrund sei im stationären Setting die Diagnose einer paranoiden
Schizophrenie als wahrscheinlich erschienen. Die typischerweise vorkommende
Hyppocampusatrophie
habe sich in einem MRI
aus dem Kantonsspital C._
vom November 2016 bestätigen lassen. Ausserdem bestehe eine starke familiä
re Vorbelastung, da die Mutter
sowie ein Onkel des Beschwerdeführers ebenfalls an einer paranoiden Schizophrenie litten.
Das gute Ansprechen der Symptome auf Neuroleptika sprächen ebenfalls für die Diagnose
.
Unter dieser Medikation habe der Beschwerdeführer deutlich geordneter und weniger wahnhaft gewirkt und auch das Stimmenh
ö
ren habe deutlich nachgelassen
(Urk.
13/159).
3.2.4
Im Bericht der B._
(Akutstation für Erwachsene)
vom 3.
Mai 2017 zuhanden der IV-Stelle wurde
festgehalten,
der Beginn der Krankheit liege
mindestens 10 bis 15 Jahre
zurück
. D
er Zustand des Beschwerdeführers habe sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Es handle sich dabei um einen fluktuierenden Ver
lauf. Es bestehe eine deutliche Residualsymptomatik einer paranoiden Schizo
phrenie.
Der Beschwerdeführer leide unter wahnhaften Verfolgungsideen, Stim
men
hören, Antriebsminderung, Schlafstörungen und chronischen Schmerzen
(Urk.
13/
157)
.
3.
2.
5
Im Bericht der B._
(psychiatrische Poliklinik)
vom 30
.
November 2017 zuhanden der IV-Stelle wurde als Diagnose mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit
die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie (F20.0) genannt. Der Beschwerdeführer
sei seit Mai 2011 in ambulanter psychiatrischer Behandlung in der psychia
tri
schen
Poliklinik der B._
. Seither bestehe ein Zustand mit depressiver Sympto
matik mit akustischen Halluzinationen und Schlafstörungen in Zusammenhang mit
chroni
schen
Schmerzen. Er sei 2014 und 2017
zur Krisenintervention bei psychischer Dekompensation hospitalisiert worden.
Der Verlauf habe sich durch die An
wendung des Neuroleptikums (
Olanzapin
,
Abilify
) erfolgreich gestaltet,
wobei er deutlich geordneter
und weniger wahnhaft wirke und
auch das
S
timme
n
hören habe deutlich nachgelassen.
Es bestehe eine 100%-
ige
Arbeitsun
fähigkeit auf
grund einer
schweren psychotischen Symptomatik und einer schweren Residual
symptomatik.
Bei
chronifiziertem
Verlauf sei die zuletzt ausgeübte Tätigkeit bis auf weiteres nicht mehr möglich (Urk.
13/173).
3.
2.
6
Im polydisziplinären Gutachten
der
A._
AG
vom 10.
Februar 2019 wurde als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine
para
noide
Schizophrenie ICD
10 F20.0
genannt. Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurden die Folgenden erwähnt
(Urk.
13/193 S.
6):
-
Adipositas (BMI 31.4 kg/m
2
)
-
Sprachstörung (Stottern unter Belastung)
-
chronisches lumbales und zervikales Schmerzsyndrom
-
Wirbelsäulenfehlhaltung (Rundrücken)
-
Magnetresonanzuntersuchungen der LWS von 1996, 03.07.2003, 05.12.2007 sowie 19.01.2010: kleine
breitbasige
Protrusion
der Bandscheibe L4/5 ohne Neurokompression
-
Aktenkundig fachärztlich kein
e neurolo
gisch objektivierbaren Ausfälle (02.12.2009, 22.04.2010, 01.04.2011)
-
Ureterolithiasis
rechts (bereits 11/2002, zuletzt
Pigtail
-Katheter-Einlage am 07.09.2017)
In
der inter
disziplinären
Gesamtbeurteilung
wurde ausgeführt,
seit vielen Jahren
seien
unspezifische Rückenschmerzen
bekannt. Verschiedenste Therapien hätten keine durchschlagende Besserung erbracht. Bereits in den früheren fachärztlichen Beurteilungen hätten keine Hinweis
e
für eine neurale Kompression verifiziert werden können. Auch hätten die benannten Schmerzen nicht rheumatologisch begründet werden können. Früh im Verlauf der Krankengeschichte hätten Hin
weise einer Symptomausweitung bestanden, welche zunächst als dysfunktionale Schmerzverarbeitung, später als Somatisierung eingeordnet worden seien.
Seit dem Jahr 2010
sei der Krankheitsverlauf überwiegend psychiatrisch geprägt. Der Beschwerdeführer sei mehrfach stationär behandelt worden, auch jetzt finde s
eit über einem Jahr durchgehend
eine ambulante psychiatrische Behandlung statt. Leitliniengericht erfolge eine medikamentöse Therapie mit einem hochpotenten atypischen Neuroleptikum.
Trotz dieser hochdosierten Medikation sei keine voll
ständige Remission eingetreten.
Es liege eine
schwere Residualsymptomatik
vor mit erheblichen psychosozialen Konsequenzen. In Berücksichtigung des Längs
schnittes der Erkrankung müsse festgehalten werden, dass
wohl ein langes Pro
d
ro
malstadium vorliege mit überwiegend kognitiven Funktionsstörungen, An
triebs
min
derung
und depressiver Verstimmung. Es sei nicht auszuschliessen, dass der Beschwerdeführer jahrelang das Ausmass der produktiv psychotischen Symp
tomatik nicht kommuniziert habe.
Auch unter zeitnaher Betrachtung des Verlaufs der Behandlung seit dem Jahr 2017 müsse insgesamt ein
e
ungünstige Prognose abgegeben werden.
Die
Therapiemassnahmen auf psychopharmakologischem Ge
biet seien ausgeschöpft worden.
Die Diagnosekriterien einer paranoiden Schizo
phrenie seien zweifelsfrei erfüllt
. Eine Eingliederung auf dem ersten Arbeitsmarkt sei unter Berücksichtigung der sch
w
eren Funktionsstörungen nicht realisierbar. Die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien allein psychiatrisch begründet. Die Einschränkungen seien erheblich ausgeprägt und beträfen alle Lebensbereiche in gleichem Masse.
E
s liege eine erhebliche Störung der höh
eren kognitiven Funktionen vor. Es bestehe eine Beeinträchtigung des Realitätsbezugs und der Kritik- und Urteilsfähigkeit. Es bestehe ei
ne deutliche Antriebsminderung.
Bei dem vorliegenden Krankheitsbild komme es häufig vor, dass die Betroffenen das
Ausmass der Beschwerden nicht schilderten und insbesondere das Vorliegen einer psychotischen Symptomatik negierten. Dies möge auch beim Beschwerdeführer der Fall gewesen sein. Die Inkonsistenzen, die in der Vergangenheit festgehalten worden seien und die verminderte Anstrengungsbereitschaft, welche bei der Ab
klärung im Jahr 2010 und auch aktuell in der neuropsychologischen Begut
ach
tung genannt worden seien, könnten damit erklärt werden, dass bereits zu einem früheren Zeitpunkt der Realitätsbezug in erheblicher Weise beeinträchtigt ge
wesen sei. Hinweise auf eine nicht valide Beschwerdeschilderung könnten aber auch bei kritischer Überprüfung und Würdigung der Vorbefunde nicht gefunden werden. Es bestehe keine Arbeitsfähigkeit in der bisherigen wie auch in einer angepassten Tätigkeit. Die Gesamtarbeitsunfähigkeit sei allein begründet durch die psychiatrische Diagnose.
Die somatischen Beschwerden würden keinen rele
vanten Einfluss auf di
e Arbeitsfähigkeit nehmen (Urk. 13/193 S. 5
ff.).
Im psychiatrischen Teilgutachten
führte
pract
. med. F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, aus
,
es liessen sich inhaltliche Denkstörungen mit akustischen Halluzinationen eruieren, die auch unter
der Medikation anhalten würden. Der Beschwerdeführer habe in der Vergangenheit über optische Halluzi
nationen aber auch Körperhalluzinationen berichtet.
Eine eigentliche Wahnthe
matik sei aktuell nicht
eruierbar
.
Es habe so geschienen
,
als wenn er auf dies
e
Thematik nicht habe eingehen wollen. Anamnestisch gebe es Hinweise auf
Ver
folgungs
- und Beeinträchtigungswahnideen und möglicherweise auch Beeinflus
sungs
erlebnisse, die er aber aktuell nicht habe konkretisieren können oder wollen.
Die akustischen Halluzinationen hätten einerseits kommentierenden Charakter, teilweise aber auch imperativen Charakter. So habe er davon erzählt, dass die Stimmen ihn aufgefordert hätten, den jüngsten Sohn zu ermorden, damit er ge
heilt werden könne. Er habe eine Störung der Impulskontrolle mit latent fremd
aggressivem Verhalten beschrieben, teilweise auch Suizidgedanken, bisher jedoch keine konkreten Suizidabsichten. Nach Anwendung eines Neuroleptikums sei er deutlich geordneter, weniger wahnhaft und auch das Stimmenhören habe nach
gelassen. M
öglicherweise habe bereits im Jahr 2010 bei der psychiatrischen Untersuchung eine produktiv psychotische Symptomatik in Form von Stimmen
hören vorgelegen. Damals sei bereits eine psychomotorische Hemmung und Auffälligkeiten des Affektes bei depressiver Stimmungslage festgestellt worden.
Bei der Krisenintervention im Jahr 2012 sei ebenfalls noch keine produktiv psy
chotische Symptomatik eruiert worden
. Der Beschwerdeführer habe aber fremd
aggressives Verhalten gezeigt. Die produktiv psychotische Symptomatik sei wäh
rend der stationären Behandlung und bei der ambulanten Behandlung festge
halten worden,
unter der Medikation mit einem atypischen Neuroleptikum sei
eine Teilremission eingetreten. Es
könne zumindest mit überwiegender Wahr
schein
lichkeit davon ausgegangen werden, dass eine paranoide Schizophrenie vorliege mit einem langen Prodromalstadium, das möglicherweise länger als 10 Jahre zurückreiche
.
Da zwischen dem Jahr 2012 und dem Jahr 2017 keine psy
chiatrischen Befundberichte vorlägen, könne über den weiteren Verlauf der
Symptomatik keine schlüssigen Aussagen getätigt werden. Unter Berüc
ksichtigung der vorliegenden Befundberichte könne aber festgehalten werden, dass
seit April 2017 ein
e
psychotische Symptomatik diagnostiziert worden sei, die auch unter hochdosier
ter
Neuroleptika-Medikation nicht vollständig remittiert sei
.
Es liege eine schwere Residualsymptomatik mit erheblichen psychosozialen Konsequen
zen vor. Zum jetzigen Zeitpunkt könne aufgrund der Sprachbarriere nicht ab
schliessend beurteilt werden, ob nicht weiterhin Wahnvorstellungen vorlägen
(
Urk. 13/193 S.
32
f
f
.)
.
Im neuropsychologischen Teilgutachten
hielt
lic
. phil. G._
, Fach
psychologin für Neuropsychologie FSP
,
fest,
insgesamt wiesen alle durchge
führten Symptomvalidierungstests auf eine
verminderte Leistungsbereitschaft
hin. Diese verminderte Leistungsbereitschaft in den Tests sei konsistent mit dem Verhalten in der Untersuchungssituation und den mittelgradig bis schwer ver
min
derten Resultaten in al
len durchgeführten Tests. (Urk. 13/193 S.
64).
Die Symptomvalidierungstests wiesen auf eine mangelnde Anstrengungsbereitschaft hin, wie dies auch im Verhalten und in den Tests habe beobachtet werden können. Das Verhalten habe sich trotz mehrmaliger Aufforderung nicht gebessert. Es seien
in erster Linie kognitive Symptomvalidierungstests durchgeführt worden, die keine
Aussage über die Authentizität der geschilderten psychiatrischen Symp
to
me machen könnten
. Eine psychomotorische Verlangsamung und Antriebs
stö
rung finde sich ab 2010 in den Berichten. 2012 seien keine groben Gedächtnis
stö
run
gen beschri
e
ben worden. Konzentration, Aufmerksamkeit und Auffassung seien als ungestört beschrieben worden.
Diese Befunde seien anhand klinischer Beob
achtung und nicht durch kognitive Tests beschrieben worden. In den Akten fänden sich keine Hinweise auf neuropsychologische Untersuchungen und/oder Tests und Befragungs
instrumente im Rahmen der psychiatrischen
Hospitalisa
tionen
und Kriseninterventionen. In der Literatur zeigten sich bei Schizophrenie neuropsychologische Beeinträchtigungen wie eine Störung der Aufmerksamkeit, des Arbeitstempos, des Gedächtnisses und der exekutiven Funktionen. Die Leis
tungen der kognitiven Funktionen würden im Mittel etwa eine Standard
ab
wei
chung unter den Leistungen gesunder Menschen liegen. Beim Beschwerdeführer kämen zudem verschiedene weitere Faktoren zusammen, die die schweren kog
nitiven Beeinträchtigungen mindestens teilweise erklären könnten. Die
Fremd
spra
chigkeit
, die geringe Schulbildung, das bildungsferne Milieu, der unklare Schweregrad des aktuellen Schubes, Symptome der Zurückgezogenheit, der man
gelnden Motivation und der Antriebsminderung, die als Negativsymptome zur Schizophrenie gehörten. Zudem gebe es Forschungsresultate, die auf eine vermin
derte Motivation bei Schmerzen hinwiesen. Aus diesen Gründen
könne im aktu
ellen neuropsychologischen Teilgutachten weder eine valide Aussage über den Schweregrad der kognitiven Störung
noch
über die durchgeführten Symptom
valid
i
erungstests gemacht werden.
Die Ergebnisse in den Symptomvalidierungs
tests könnten einen Hinweis auf eine Verdeutlichung oder Aggravation sein. Allerdings dürfe
die Diagnose einer vorgetäuschten neurokognitiven Störung nur
gestellt werden, falls andere Ursachen, welche das (Täuschungs-)Verhalten erklä
ren könnten, ausgeschlossen worden seien. Im psychiatrischen Teilgutachten werde
eine
paranoide Schizophrenie diagnostiziert
,
die mindestens teilweise das Ver
halten und die mangelnde Motivation wie auch die kognitiven Einschränkungen erklären könne.
Eine schwere psychiatrische Erkrankung zeige die Grenzen der Tests zur Symptomvalidierung wie auch der neuropsychologischen Untersuchung auf. Beim Beschwerdeführer könnten aus diesem Grund
keine gesicherten Aus
sagen über eine allenfalls vorgetäuschte neurokognitive Störung und das Aus
mass der kognitiven Störung gemacht werden
(Urk. 13/193 S. 68 f.)
.
3.
2.7
RAD-Arzt Dr. med. H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in seiner Stellungnahme 29. März 2019 fest, die
Symptomatik, die
der Be
schwerdeführer der psychiatrischen Gutachterin schildere,
erscheine etwas unüb
lich,
auch
dass er die psychotische Symptomatik nicht früher berichtet habe.
Dass er diese Symptomatik schliesslich 2017 geschildert habe und nun ein schwer
wiegender Gesundheitsschaden diagnostiziert werde, erscheine
nicht ganz nach
vollziehbar.
Die Gutachter
i
n postuliere in diesem Zusammenhang eine
länger
e
Prodromalphase
. Gemäss der neuropsychologischen Gutachterin seien einige ge
plante Tests vorzeitig abgebrochen worden, weil der Explorand grosse Schwierig
keiten mit bereits einfachem Untersuchungsmaterial gezeigt habe und schnell mit der Begründung, dies sei ihm alles zu schwierig, aufgegeben habe. Er sei wenig motiviert und leistungsbereit gewesen und sei mehrmals gebeten worden, sich besser anzustrengen. In den Beschwerdevalidierungen hätten alle Tests auf eine
verminderte Leistungsbereitschaft
hingewiesen, was nach Beurteilung der Neu
ropsychologin als konsistent mit dem Verhalten in der Untersuchungssituation und den mittelgradig bis schwer verminderten Resultaten in allen durchgeführten Tests sei. Die Neuropsychologin schreibe, dass die Ergebnisse in den
Symptom
validierungstests Hinweise auf eine Verdeutlichung oder Aggravation sein
könnten.
Da im psychiatrischen Teilgutachten ein
e paranoide Schizophrenie dia
gn
o
s
tiziert werde, könne keine gesicherte Au
s
sage über eine allenfalls vorge
täuschte neurokognitive Störung und das Ausmass der kognitiven Störung ge
macht werden.
Nach Ansicht des Referenten (Dr.
H._
) sei
insgesamt ein nicht valides Berichten durch den Beschwerd
eführer wahrschei
nlich,
weshalb auf das psychiatrische Gutachten nicht abgestellt werden könne
, allerdings erst Rück
fragen gestellt werden müssten
. Auch auf das neuropsychologische Gutachten könne nicht abgestellt werden
(Urk. 13/206 S.
7 f.)
.
3.2.8
In ihrer Stellungnahme vom 20. Januar 2020
führte
n
Psychiaterin
p
ract
. med.
F._
und
Rheumatologe
Dr. med. I._
zur Beantwortung
der
Rückfragen
der I
V-Stelle
aus, im
psychiatrischen Gutachten sei die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie genannt worden. Der Längsschnitt der Erkrankung und die Dia
gnosekriterien seien im Gutachten hergeleitet worden. Aus ihrer Sicht gebe es
keine Zweifel an dieser Diagnose, die auch von den behandelnden Psychiatern gestellt werde
. Die neuropsychologische Gutachterin habe in ihrer Zusammen
fassung darauf hingewiesen, dass die festgestellten kognitiven Funktions
stö
rungen und die Störung der Exekutivfunktionen mit der Diagnose einer Schizo
phrenie vereinbar seien. Da eine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis auch mit einer verminderten Motivation einhergehe, habe die Gutachterin sich bezüglich Verdeutlichung und Aggravation nicht festgelegt mit dem Hinweis, dass eine sch
w
ere psychiatrische Erkrankung
wie eine paranoide Schizophrenie die Grenzen von Symptomvalidierungstests
aufzeige
.
Es sei davon auszugehen, dass die vermeintlichen Inkonsistenzen in der psychiatrischen Erkrankung be
grün
det seien.
Patienten mit einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formen
kreis klagten häufig über verschieden
e
körperliche Beschwerden, in Ausnahme
fällen sogar ausschliesslich über somatische Beschwerden ohne Vorliegen einer entsprechenden Organpathologie. Eine Validierung der Beschwerdeschilderung sei unerheblich, wenn dies
e
Symptome Teil der schizophrenen Störung seien. Der Verdacht der Aggravation, Verdeutlichung und Simulation ergebe sich vorwie
gend bei der Darstellung der Funktionsstörungen auf somatischem Gebiet. Diese hätten aber bei
der
Einschätzung der Funktionsstörungen und der Arbeits
fähig
keit keine Rolle gespielt
. Im Hinblick auf die «Verdeutlichungstendenz – Aggra
vation – Simulation» sei die Interpretation aus rheumatologischer Sicht schwierig. Eine funktionelle Einschränkung sei im Fachgutachten aber nicht formuliert worden. In Anbetracht der eindeutig psychiatrischen Diagnose mit aufgehobener Arbeitsfähigkeit
erscheine eine vertiefte Auseinandersetzung mit einer möglichen Aggravation zweitrangig
(Urk. 13/204).
3.2.9
RAD-Arzt Dr.
H._
hielt
in seiner Stellungnahme vom 12.
Februar 2020 fest, die Beantwortung der Rückfragen sei für ihn
nicht schlüssig
. Sowohl die psy
chiatrische Teilgutachterin als auch der rheumatologisch
e
Teilgutachter begrün
deten nicht überzeugend, dass
Aggravation nicht vorliege bzw. zweitrangig sei. Er bleibe bei seiner Einschätzung, dass
Aggravation im Raum stehe und dass die Diagnostik insgesamt wenig überzeuge
(Urk. 13/206 S. 9).
4.
4.1
Im Zeitpunkt
der
erstmaligen rentenabweisenden Verfügung
vom 23. Oktober 2012
(Urk.
13/133
)
,
welche
durch Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom
28. Februar 2014
bestätigt wurde
(Urk.
13/144
)
,
standen somatische Beschwerden sowie
eine
somatoforme
Schmerzstörung
und leichte depressive Episoden
im Vordergrund. Die im aktuellen Beschwerdeverfahren im Wesentlichen zu beurteilende paranoide Schizophrenie wurde
gemäss Aktenlage
erstmals
2017
diagnostiziert, weshalb sie von der Verfügung vom
23.
Oktober 2012
nicht erfasst war.
Aufgrund der
damit
glaubhaft gemachten Veränderung
in psychiatrischer Hinsicht
ist die Beschwerdegegnerin
auf das erneute Leis
tungsbegehre
n des Beschwerdeführers vom 10.
April 2017 eingetreten.
Somit
war
sie gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz
verpflichtet,
von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen.
4.2
Unbestritten ist, dass in somatischer Hinsicht
ein unveränderter Gesundheits
zustand vorliegt
. Streitig und zu
prüfen ist
, ob sich die tatsächlichen Verhältnisse
aus psychiatrischer Sicht
insofern verändert haben, dass nunmehr ein Renten
an
spruch besteht
bzw.
ob diese Frage gestützt auf die vorliegenden Akten
überhaupt
beurteilt werden kann.
4.3
RAD-Psychiater
Dr.
H._
gelangte zum Schluss,
dass die Diagnose einer para
noiden Schizophrenie nicht ohne
W
eiteres plausibel sei. Er wies bereits in Bezug auf die Berichte de
r
B._
auf
diverse Widersprüche hin
.
So
sei
die
B._
in
ihrem
Bericht vom 3. Mai 2017 davon ausgegangen, dass der Beginn der paranoiden Schizophrenie mindestens 10-15 Jahre zurückliege, was aufgrund der Aktenlage doch etwas gewagt erscheine (Urk. 13/206 S. 6).
Dass der Beginn mindestens zehn Jahre zurückliegen soll, erstaunt auch
angesichts der Tatsache, dass der Be
schwerdeführer
bereits seit 2011 in Behandlung bei der
B._
war und noch
im
Bericht vom
7. Juli
2014
betreffend den stationären Aufenthalt vom
5. bis 23.
April 2014
als Diagnosen
eine rezidivierende depressive Störung gegenwärtig
mittelgradige Episode (F33.1)
und eine chronische Schmerzstörung mit somati
schen und psychischen Faktoren (F45.41)
gestellt wurden
(vgl. E. 3.2.1), wobei dieser Austrittsbericht der Beschwerdegegnerin nicht eingereicht wurde
und der
psychiatrischen Gutachterin nicht vorlag (vgl. Urk. 13/193 S. 18
, Urk. 13/206 S. 5
f.
)
.
Nach Austritt
am 23.
April 2014 ist bis zur erneuten stationären Behand
lung im März/April 2017
keine psychiatrische Behandlung
mehr
dokumentiert
.
Vor diesem Hintergrund weist
RAD-
Psychiater
Dr.
H._
zu Recht darauf hin, dass es
nicht nachvollziehbar erscheint
, dass die Symptomatik erst
mals
2017 ge
schildert und zum ersten Mal ein schwerwiegender Gesundheitsschaden diagnos
tiziert worden sei
, welcher jedoch schon seit Jahren bestanden haben soll
(Urk. 13/206 S.
7). Die psychiatrische Gutachterin
erklärt dies mit einer
mutmass
lich
längeren Prodromalphase, geht jedoch diesbezüglich nicht näher auf die Aktenlage ein.
Eine Prodromalphase von
(mindestens)
zehn Jahren erscheint zumindest etwas ungewöhnlich.
Wie lange ein
e
solche
in der Regel
dauert
,
wird nicht abgehandelt
. Aufgrund der Aussagen von R
AD
-Arzt Dr.
H._
bestehen jedoch gewisse Zweifel an der von der psychiatrischen Gutachterin
aufgestellten These
.
Die Gutachterin
hält
fest, dass es zwischen 2010 und 2017 zu einer zu
nehmenden Verschlechterung des psychiatrischen Kran
kheitsbildes gekommen sei (Urk. 13/193 S.
34)
, obwohl ihr für den Zeitraum von Mai 2012 bis März 2017 keine
Befundberichte
vorlagen
.
Dies
e Aussage
hat sie
demnach
wohl aus den Berichten der
B._
übernommen
.
An anderer Stelle führt
die Gutachterin denn auch
aus
, da zwischen 2012 und 2017 keine psychiatrischen Befundberichte vor
lägen, könn
t
e
n
über den weiteren Verlauf der Symptomatik keine schlüssigen Aus
sagen getätigt werden. Unter Berücksichtigung der vorliegenden Befund
be
richte könne aber festgehalten werden, dass seit April 2017 eine psychotische Symptomatik diagnostiziert worden sei, die auch unter hochdosierter Neuro
lep
tika-Medikation nicht vollständig remittiert sei (U
rk. 13/193 S.
33).
RAD-Arzt Dr.
H._
weist
jedoch
darauf hin, dass die Symptomatik, die der Beschwerde
führer schildere, unüblich erscheine (Urk. 13/2016 S. 7).
Gemäss der
psychiatri
sche
n
Gutachterin
ist
die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie zweifelsfre
i erfüllt.
Dies obwohl sie
einräumt, dass über den Verlauf der Symptomatik keine schlüssigen Aussagen getätigt werden könnten.
Sie
scheint sich
vorwiegend auf die Diagnosestellung der
B._
zu stützen
,
ohne diese kritisch zu hinterfragen.
Dies wäre
jedoch
umso mehr erforderlich gewesen, als der RAD-Arzt
in seiner Stel
lungnahme vom 25. Mai 2018
auf verschiedene Inkonsistenzen in den Berichten der
B._
hingewiesen und Zweifel an der Herleitung der Diagnose geäussert hatte, weshalb schliesslich ein polydisziplinäres Gutachten angeordnet wurde
(vgl. Urk. 13/206 S. 6).
Weiter hat es die Gutachterin unterlassen,
die von ihr erhobe
nen psychiatrischen Befunde hinreichend konkret (mit Beispielen
untermauert) dazulegen, um die daraus gezogenen Schlüsse nachvollziehbar zu machen
,
sowie
differenzialdiagnostische Überlegungen zu formulieren.
Auch in formeller Hinsicht
weist
das psychiatrische Teilgutachten
Mängel auf
.
Laut Ziff. 1.1 (Abwicklung des Gutachtenauftrages) erfolgte die Begutachtung ohne Dolmetscher (Urk. 13/193 S. 21), aus der Darlegung der Befundaufnahme
ergibt sich
indessen
, dass
offenbar
ein Dolmetscher anwesend war (vgl. Urk. 13/193
S. 30)
. Weiter werden fremdanamnestische Angaben der Ehefrau aufgeführt (Urk. 13/193 S. 28 und S. 31), ohne darzulegen inwieweit die Ehefrau bei der Untersuchung anwesend war. Das Teilgutachten wurde sodann am 30. August 2018 erstellt
(Urk. 13/193 S. 21)
, bezieht aber die Ergebnisse der neuropsycho
lo
gischen Untersuchung, die erst am 31. Oktober
2018 erfolgte, bereits ein
(Urk. 13/193 S. 34).
Soweit
die
psychiatrische
Gutachterin feststellte, dass zwischen 2012 und 2017 keine psychiatrischen Befundberichte vorlagen,
ist schliesslich zu bemerken, dass
von der
B._
am 30. November 2017 berichtet wurde, der Beschwerdeführer stehe seit Mai 2011 in ambulanter psychiatrischer Behandlung (vgl. E. 3.2.5)
. Daher
wäre
die Expertin
gehalten gewesen, entweder selber bei der
B._
nachzufragen oder die Beschwerdegegnerin zur Vervollständigung der Akten
(Einholen eines Verlaufsberichts)
aufzufordern.
Dem neuropsychologischen Teilgutachten ist zu entnehmen, dass weder eine valide Aussage über den Schweregrad der kognitiven Störung noch über die durchgeführten Symptomvalidierungstests gemacht werden kann. Die Ergebnisse in den Symptomvalidierungstests könnten einen Hinweis auf eine Verdeutlichung oder Aggravation sein
. Es sei von einer mangelnden Anstren
g
ungs
b
ereitschaft auszugehen
(vgl. vorne E.
3
.2.6
)
.
Dies stimmt mit der Einschätzung im neuro
psychologischen Untersuchungsbericht
vom 11.
November 2016 überein, wonach ebenfalls zumindest partiell eine Aggravation der Beschwerden und Einschrän
kungen anzunehmen war
(Urk. 3/13)
.
Gemäss der
psychiatrische
n
Gutachterin
können diese Auffälligkeiten retrospektiv mit einer Beeinträchtigung des Reali
täts
bezugs erklärt werden (Urk.
13/193 S.
5). Sie
geht davon aus
, dass die ver
meintlichen Inkonsistenzen in der psychiatrischen Erkrankung begründet
sind (Urk.
13/204)
.
Dies
vermag
jedoch
–
wie auch die Gutachterin festhält
-
nur teil
weise die mittelgradig bis schwer verminderten Resultate in allen durchgeführ
ten neuropsychologischen Tests
zu
erklären
(vgl.
vorne E. 3.2.6).
Das Gutachten äussert sich nicht dazu, ob die Aussage im Austrittsbericht der
B._
vom 14. März 2017, wonach eine
Hyppocampusatrophie
typischerweis
e
bei einer paranoiden Schizophrenie vorkomme (E. 3.2.3), dem Stand der medizini
schen Wissenschaft entspricht.
Zu der Frage, ob
vorliegend
aufgrund der MRI-Bilder
des Gehirns des Beschwerdeführers
Rückschlüsse auf
ein allfälliges psy
chiatrisches Krankheitsbild gemacht werden
können
– wie dies der Beschwer
deführer behauptet (Urk. 15 S.
6) – liegt keine medizinisch fundierte Beurteilung vor.
Es obliegt einem medizinischen Sachverständigen zu beurteilen, ob die vom Beschwerdeführer eingereichten medizinischen Publikationen Urk. 3/18-25) für den vorliegenden Fall von Relevanz sind.
Insgesamt
ist mit dem RAD-Psychiater Dr.
H._
festzustellen, dass
die
Diagnose einer paranoiden Schizophrenie
nicht nachvollziehbar und schlüssig begründet wurde.
Die im Raum stehenden Inkonsistenzen
wurden
weder
im
Gutachten
noch
bei der Beantwortung der Rückfragen der IV-Stelle
einleuchtend
geklärt. Der pau
schale Hinweis
der psychiatrischen Gutachterin
, diese seien
allesamt
krank
heitsbedingt,
genügt nicht, zumal
eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem inkonsistenten Verhalten des Beschwerdeführers fehlt und
die Diagnose
stel
lung – wie oben ausgeführt - nicht überzeugt.
Im Übrigen erfordern
Hinweise auf Inko
n
sistenzen eine vertiefende Prüfung des funktionellen Schweregrades des psychischen Leidens
, damit das Ausmass einer allfäl
l
igen Arbei
tsunfähigkeit be
stimmt werden kann
(vgl. vorne E.
1.
3)
.
4.4
Nach dem Gesagten
bestehen Indizien, welche die Zuverlässigkeit der psychia
trischen Expertise in Frage stellen.
Dass die Beschwerdegegnerin – gestützt auf die Beurteilung ihres RAD – nicht darauf abgestellt hat, ist demnach nicht zu beanstanden.
4.5
Stellt der RAD nach Eingang eines polydisziplinären Gutachtens fest, dass dieses den Anforderungen nicht entspricht und daher nicht beweiskräftig ist (vgl. zur dem RAD obliegenden Qualitätsprüfung auch
Rz
. 2081 f.
des Kreisschreibens
über das Verfahren in der Invalidenversicherung [KSVI])
, so hat die Verwaltung ein neues Gutachten einzuholen, wenn der Gesundheitszustand und die funktionelle Leistungsfähigkeit des Versicherten – wie vorliegend – nicht mit zumindest über
wiegender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden können.
Die Schlussfolgerung nicht nachvollziehbarer Einschätzungen der
Sachver
stän
digen
bzw. einer ungenügenden medizinischen Aktenlage kann angesichts der Untersuchungsmaxime nicht der Ausschluss einer Krankheit im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG oder die Annahme der Beweislosigkeit sein, sondern dies erfordert die
Anhandnahme
weiterer medizinischer Abklärungen zur Verifizierung oder zum
Ausschluss der durch die Gutachter
innen und Gutachter
gestellten Diagnose
und
der
attestierten gesundheitsbedingten Einbussen der Arbeits-
und Leistungs
fähig
keit
.
Die Rechtsprechung gemäss BGE 137 V 210 änderte nichts an der gesetzlichen Ordnung, wonach der Beweis über sozialversicherungsrechtliche Ansprüche pri
mär auf der Stufe des Administrativverfahrens (vgl. Art. 43 f. ATSG) und nicht im gerichtlichen Prozess geführt wird (vgl. BGE 137 V 210 E. 2.2.2 und 4.2). Wie das Bundesgericht festgestellt hat, litte die Rechtsstaatlichkeit der Versicherungs
durchführung empfindlich und wäre von einem Substanzverlust bedroht, wenn die Verwaltung von vornherein darauf bauen könnte, dass ihre Arbeit ohnehin in jedem verfügungsweise abgeschlossenen Sozialversicherungsfall auf Beschwerde hin gleichsam gerichtlicher Nachbesserung unterläge (BGE 137 V 210 E. 4.2).
Schliesslich ist darauf hinzuweisen,
dass die Beschwerdegegnerin – aufgrund der Stellungnahme des RAD
-Psychiaters
– den Sachverständigen Ergänzungsfrage
n stellte (Urk. 13/194
), ohne dem Beschwerdeführer das Gutachten zuzustellen und ihm Gelegenheit zu bieten, seinerseits allfällige Ergänzungsfragen zu stellen
(vgl.
Rz
. 2083 ff. KSVI)
, womit sie dessen Mitwirkungsrechte bei der Beweiserhebung und mithin das rechtliche Gehör (Art. 42 ATSG) verletzt hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_162/2019 vom 29. Mai 2019 E. 5.3.3.2).
Die angefochtene Verfügung ist daher aufzuheben und die Sache zur Vornahme ergän
zender
psychiatrischer
Abklärungen sowie zur anschliess
enden neuen Verfü
gung an die Be
schwerd
egegnerin zurückzuweisen. In diesem
Sinne ist die Be
schwer
de gutzu
heissen.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.-- festzusetzen und, da die Rückwei
sung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsie
gen
gilt (BGE 137 V 57 E. 2.29), ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzu
er
legen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
).
5.2
Nach
§ 34 Abs. 1
GSVGer
hat die obsiegende Partei Anspruch auf Ersatz der Par
teikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Vorliege
nd erscheint die
von der Rechts
vertre
terin des Beschwerdeführers mit Schreiben vom
27. Mai 2021
(Urk.
19
) geltend gemachte
Par
t
eientschädigung von Fr. 2'141.60.--
(inkl. Barauslagen)
als
ange
messen.
5.3
Damit erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unent
geltlichen Rechtspflege als gegenstandslos.