Decision ID: 83603955-c393-4015-97fc-c9128c2b3873
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführenden suchten am 10. August 2022 in der
Schweiz um Asyl nach.
A.b Am 17. August 2022 bevollmächtigen die Beschwerdeführenden die
zugewiesene Rechtsvertretung.
A.c Am 17. November 2022 hörte das SEM A._ und B._ zu
ihren Asylgründen an und bot ihnen Gelegenheit, sich zum medizinischen
Sachverhalt zu äussern. Dabei brachten sie vor, anlässlich der Geburt ih-
res Sohnes D._ hätten die Ärzte eine bestehende Rhesus-Unver-
träglichkeit nicht erkannt, worauf D._ eine Gelbsucht entwickelt
habe. Im weiteren Verlauf der Erkrankung sei er fast gestorben und habe
eine Schädigung der Hirnzellen erlitten. In der Folge hätten mehrere Neu-
rologen das Kind untersucht und jeweils andere Therapien empfohlen. Als
D._ drei Monate alt gewesen sei, hätten sie sich auf Vorschlag ei-
nes weiteren Neurologen für eine Vojta-Therapie entschieden. Die erwar-
teten Fortschritte hätten sich aber auch nach mehreren Monaten Therapie
nicht eingestellt, und ein MRI habe keine neuen Erkenntnisse gebracht.
Zudem hätten sie zunehmend finanzielle Probleme bekommen. Die Thera-
pie sei teuer gewesen, und sie hätten sich bei Freunden und der Bank ver-
schuldet. Vom Staat hätten sie kaum Unterstützung erhalten, die ihnen auf-
grund eines staatlichen Projekts zustehende Fachperson für die Frühent-
wicklung von Kindern sei nur unregelmässig vorbeigekommen, und die
Therapeutin habe darauf bestanden, nicht über die staatliche Kranken-
kasse, sondern bar bezahlt zu werden. Ihr Antrag bei der Krankenkasse
sei erfolglos geblieben. Es bestünden lange Wartezeiten, und es handle
sich ohnehin nur um eine Grundversicherung. Sie hätten sich daher ent-
schieden, in ein Land auszureisen, in welchem ihrem Sohn geholfen
werde. Den georgischen Ärzten würden sie nicht mehr vertrauen. In der
Schweiz habe D._ bereits Fortschritte gemacht; er erhalte eine Be-
wegungstherapie.
A.d Die Beschwerdeführenden reichten im Verlauf des vorinstanzlichen
Verfahrens ihre Reisepässe sowie ärztliche Unterlagen betreffend
D._ aus Georgien und der Schweiz zu den Akten.
A.e Am 24. November 2022 unterbreitete das SEM den Beschwerdefüh-
renden den Entscheidentwurf und gewährte ihnen dazu das rechtliche Ge-
hör. Sie reichten keine Stellungnahme zu den Akten.
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B.
Mit Verfügung vom 28. November 2022 – gleichentags eröffnet – trat die
Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 3 AsylG (SR 142.31) auf die
Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht ein, verfügte die Wegwei-
sung aus der Schweiz und forderte sie auf, die Schweiz sowie den Schen-
gen-Raum bis am Tag nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung zu ver-
lassen. Ferner beauftragte sie den Kanton Solothurn mit dem Vollzug der
Wegweisung und händigte den Beschwerdeführenden die editionspflichti-
gen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus.
C.
Am 30. November 2022 orientierte die zugewiesene Rechtsvertretung das
SEM über die Mandatsniederlegung per 28. November 2022.
D.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 5. Dezember 2022
beantragten die Beschwerdeführenden, die vorinstanzliche Verfügung sei
vollumfänglich aufzuheben, es sei die Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme an-
zuordnen. Eventuell sei die Sache zur Vornahme von weiteren Abklärun-
gen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Vorinstanz
anzuweisen, von den georgischen Behörden individuelle Zusicherungen
bezüglich des Zugangs zu adäquater medizinischer Versorgung und deren
Finanzierung einzuholen. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung (inklusive Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses) sowie unentgeltliche Verbeiständung.
Ausserdem sei festzustellen, dass der Beschwerde aufschiebende Wir-
kung zukomme.
Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung, eine Vollmacht vom
1. Dezember 2022 sowie eine Kostennote bei (alles in Kopie).
E.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
7. Dezember 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
F.
Mit Eingabe vom 8. Dezember 2022 reichten die Beschwerdeführenden ein
ärztliches Schreiben vom 5. Dezember 2022 zu den Akten.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls
in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten zur Be-
schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG sowie
Art. 52 VwVG) ist – unter Vorbehalt der nachstehenden Erwägung – einzu-
treten.
1.4 Soweit die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Be-
schwerde beantragt wird, ist festzustellen, dass der Beschwerde von Ge-
setzes wegen aufschiebende Wirkung zukommt (vgl. Art. 6 AsylG i.V.m.
Art. 55 Abs. 1 VwVG) und die Vorinstanz die aufschiebende Wirkung nicht
entzogen hat, weshalb – in Ermangelung eines Rechtsschutzinteresses –
auf den Antrag nicht einzutreten ist.
2.
Die Beschwerdeführenden beantragen in Ziff. 1 der Rechtsbegehren zwar
die «vollumfängliche» Aufhebung der angefochtenen Verfügung, stellen je-
doch keine konkreten Anträge bezüglich des vom SEM verfügten Nichtein-
tretens auf das Asylgesuch, sondern beantragen lediglich die Feststellung
der Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung und
die Gewährung der vorläufigen Aufnahme. Auch aus der Beschwerdebe-
gründung ist zu schliessen, dass sie die vorinstanzliche Verfügung vom
28. November 2022 nur im Vollzugspunkt anfechten wollen. Gegenstand
des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet demnach einzig die Frage
des Vollzugs der Wegweisung. Die angefochtene Verfügung ist damit be-
züglich des Nichteintretens auf die Asylgesuche sowie hinsichtlich der ver-
fügten Wegweisung (vgl. Dispositivziffern 1 und 2 der vorinstanzlichen Ver-
fügung) in Rechtskraft erwachsen.
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3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl.
BVGE 2014/26 E. 5).
4.
4.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel,
weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG).
4.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Das SEM begründete seine Verfügung im Wegweisungsvollzugspunkt
wie folgt: Der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden nach
Georgien sei zulässig, zumutbar und möglich. Zum Kriterium der Zumut-
barkeit erwog das SEM, den Beschwerdeführenden sei angesichts ihres
Alters und Gesundheitszustandes sowie ihrer Ausbildung und Berufserfah-
rung die wirtschaftliche Reintegration in Georgien zuzumuten. Falls sie Un-
terstützung benötigten, könnten sie sich an ihre in Georgien wohnhaften
Verwandten oder auch an die in Italien lebende Mutter der Beschwerdefüh-
rerin wenden. Insgesamt sei nicht davon auszugehen, dass sie bei einer
Rückkehr in den Heimatstaat in eine existenzbedrohliche Situation geraten
würden. Der Vollzug der Wegweisung sei sodann auch unter dem Aspekt
des Kindeswohls als zumutbar zu erachten, zumal die Beschwerdeführen-
den erst vor wenigen Monaten aus Georgien in die Schweiz eingereist
seien und somit noch nicht von einer gesprochen werden könne. Schliess-
lich stelle auch der Gesundheitszustand des Sohnes D._ kein Voll-
zugshindernis dar. Den Akten zufolge sei bei ihm eine (...) diagnostiziert
worden. Er sei (...), ausserdem bestehe eine noch korrigierbare (...). Die
Behandlung bestehe zurzeit aus unterschiedlichen Physiotherapien.
D._ sei bereits in Georgien untersucht und behandelt worden; es
sei dieselbe Diagnose gestellt worden wie in der Schweiz, und auch die
durchgeführten Behandlungen seien ähnlich gewesen. Georgien verfüge
über ein funktionierendes Gesundheitssystem, und der Zugang dazu sei
grundsätzlich gewährleistet. Somit könne D._ auch in Georgien
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weiterbehandelt werden, zumal in E._ verschiedene geeignete me-
dizinische Einrichtungen vorhanden seien. Die Unzufriedenheit mit den Er-
folgen der Behandlung in Georgien vermöge an dieser Einschätzung nichts
zu ändern. Hinsichtlich der Finanzierungsfrage sei darauf zu verweisen,
dass die Beschwerdeführenden offensichtlich krankenversichert seien und
schon bisher gewisse staatliche Unterstützungen erhalten hätten. Für unter
der Armutsgrenze lebende Personen sei die Krankenkasse im Übrigen
kostenlos. Es sei ihnen zuzumuten, bei Bedarf weitergehende Unterstüt-
zungsleistungen anzufordern. Behinderte Kinder hätten aufgrund eines
staatlichen Programms ein Anrecht auf eine vollständig durch den Staat
gedeckte ambulante sowie stationäre Behandlung in Notfällen. Falls
D._ als invalid erachtet würde, könnte für ihn bei der zuständigen
staatlichen Stelle eine Rente beantragt werden. Ein weiteres staatliches
Programm spreche in medizinischen Härtefällen Ergänzungsleistungen zu;
die Beschwerdeführenden könnten sich auch darum bemühen. Zudem hät-
ten sie die Möglichkeit, Rückkehrhilfe zu beantragen.
5.2 In der Beschwerde wird entgegnet, D._ könne in Georgien nicht
adäquat behandelt werden. Die (...) sei durch ungenügende medizinische
Behandlungen verursacht worden, und die bisherige Vojta-Therapie sei
nicht ausreichend gewesen. Zudem hätten die Beschwerdeführenden nicht
die finanziellen Mittel, um die benötigte Behandlung zu bezahlen. Die bis-
herige Behandlung hätten sie selber finanzieren müssen, wobei sie sich
hoch verschuldet hätten. Gemäss Einschätzung der in der Schweiz aufge-
suchten Kinderarztpraxis sei bei D._ eine rasche neuropädiatrische
Vorstellung notwendig, und ein früher Start einer (...) sei zu diskutieren. Es
seien weitere Abklärungen sowie eine unterstützende Therapie in den Be-
reichen Schlucken und Bewegung nötig. In Georgien seien die weiteren
Abklärungen im Sand verlaufen. Eine (...) sei nie zur Debatte gestanden.
Dies zeige, dass die dortigen Therapiemassnahmen ungenügend gewesen
seien. Zwar sei die Grundversorgung gewährleistet, und durch staatliche
Programme seien Fortschritte in Spezialbereichen erzielt worden. Aller-
dings fehle ein Programm für (...). Ferner decke die Krankenversicherung
nur Grund- und Notfallbedürfnisse. Den Beschwerdeführenden sei es nicht
möglich gewesen, anderweitige staatliche Unterstützung zu bekommen.
Der Vollzug der Wegweisung sei aus diesen Gründen unzumutbar.
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Seite 7
6.
In der Beschwerde wird unter Ziff. 3 der Rechtsbegehren eventualiter be-
antragt, die Sache sei zu weiteren Abklärungen an die Vorinstanz zurück-
zuweisen. Die damit implizit erhobene Rüge, der rechtserhebliche Sach-
verhalt sei ungenügend abgeklärt worden, wird indessen nicht näher be-
gründet; es finden sich dazu in der Beschwerde keinerlei weitere Ausfüh-
rungen. Das Gericht erachtet den rechtserheblichen Sacherhalt als hinrei-
chend erstellt. Der Rückweisungsantrag erweist sich damit als unbegrün-
det und ist abzuweisen.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
7.2
7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der
Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
7.2.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
Die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aufgrund einer medizini-
schen Notlage ist nur dann anzunehmen, wenn eine notwendige medizini-
sche Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rück-
kehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Ge-
sundheitszustandes führt. Dabei wird als wesentlich die allgemeine drin-
gende medizinische Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung ei-
ner menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Der Vollzug der
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Wegweisung ist auch dann zumutbar, wenn im Heimat- oder Herkunfts-
staat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizini-
sche Behandlung möglich und dauerhaft zugänglich ist (vgl. BVGE 2009/2
E. 9.3.2, mit Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize-
rischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 24 E. 5a und b).
7.2.3 Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder
der Ausländer weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in
einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83
Abs. 2 AIG).
7.3 In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshinder-
nissen gilt gemäss der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche
Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft, das heisst,
sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls
wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.
8.1 Hinsichtlich der Frage der Zulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung
der Beschwerdeführenden nach Georgien hat das SEM zu Recht erwogen,
der Vollzug der Wegweisung erweise sich in Beachtung der anwendbaren
völker- und landesrechtlichen Bestimmungen als zulässig. In der Be-
schwerde werden diesbezüglich keine konkreten Einwände vorgebracht.
Der Vollzug der Wegweisung ist daher ohne weiteres als zulässig zu er-
achten.
8.2 In Bezug auf die Frage der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung
wenden die Beschwerdeführenden ein, der Vollzug sei unzumutbar, weil
die bei D._ bestehende (...) in Georgien nicht adäquat behandelt
werden könne respektive sie die nötige Behandlung nicht finanzieren könn-
ten. Dazu ist Folgendes festzustellen: Den aktenkundigen ärztlichen Un-
terlagen zufolge leidet D._ an einer (...) und damit einhergehend
unter (...). Dem Arztbericht der Kinderarztpraxis (...) vom 18. August 2022
zufolge wird eine neuropädiatrische Untersuchung und eventuell eine (...)
empfohlen. D._ benötige eine unterstützende Therapie in den Be-
reichen (...). Die bereits vorhandene, neurogene (...) sei noch korrigierbar.
Anlässlich eines Termins bei der Neuropädiatrie des Universitäts-Kinder-
spitals (...) wurde (sinngemäss) festgehalten, es seien die Untersuchungs-
ergebnisse aus Georgien zu beurteilen, und es werde eine (...) empfohlen
(vgl. das ärztliche Schreiben vom 5. Dezember 2022). Die (...) wurde be-
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reits in Georgien diagnostiziert, und D._ erhielt dort eine physiothe-
rapeutische Behandlung (Vojta-Therapie). Ungeachtet der Tatsache, dass
die (...) bei D._ möglicherweise infolge einer unzureichenden me-
dizinischen Aufklärung oder aufgrund eines Behandlungsfehlers entstan-
den ist, ist daher festzustellen, dass eine adäquate Weiterbehandlung so-
wie allenfalls notwendige weitere Untersuchungen auch in Georgien erhält-
lich sind (vgl. dazu auch das Urteil des BVGer E-6288/2019 vom 3. De-
zember 2019, E. 7.3). Es ist in diesem Zusammenhang auf die bereits von
der Vorinstanz auf S. 6 der angefochtenen Verfügung genannten, in
E._ (dem Herkunftsort der Beschwerdeführenden) vorhanden me-
dizinischen Einrichtungen zu verweisen. Da die Beschwerdeführenden ei-
genen Angaben zufolge in Georgien krankenversichert sind, ist davon aus-
zugehen, dass die Krankenversicherung zumindest einen Teil der für die
benötigte Behandlung anfallenden Kosten übernimmt; denn die staatliche
Krankenversicherung in Georgien (Universal Health Care [UCH]) über-
nimmt 70 bis 100% der (als notwendig erachteten) Behandlungskosten
(vgl. dazu auch Urteil des BVGer E-4429/2019 vom 14. Juli 2021
E. 8.3.3.3). Wie das SEM zu Recht ausgeführt hat, haben die Beschwer-
deführenden ferner die Möglichkeit, Ergänzungsleistungen beim «Referral
Service» (http://ssa.gov.ge/index.php?lang_id=ENG&sec_id=828) oder
eine Invalidenrente für V. zu beantragen. Im Übrigen ist es ihnen auch zu-
mutbar, bei Bedarf die in Italien lebende Mutter der Beschwerdeführerin um
finanzielle Unterstützung zu bitten, was sie bisher offenbar nicht gemacht
haben (vgl. A29 F38). Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass die
adäquaten und dringend benötigten – wenn auch allenfalls nicht dem ho-
hen schweizerischen Standard entsprechenden – Untersuchungen und
Behandlungen von D._ auch in Georgien gewährleistet sind. Es ist
nicht zu erwarten, dass sich der Gesundheitszustand von D._ bei
einer Rückkehr ins Heimatland aus medizinischen Gründen rasch und in
lebensgefährdender Weise verschlechtern wird. Der Gesundheitszustand
von D._ stellt somit kein Vollzugshindernis dar. Bei dieser Sachlage
besteht keine Veranlassung, die Resultate von weiteren medizinischen Ab-
klärungen in der Schweiz abzuwarten oder bei den georgischen Behörden
individuelle Zusicherungen betreffend den Zugang zu adäquater medizini-
scher Versorgung und deren Finanzierung einzuholen. Die übrigen vo-
rinstanzlichen Erwägungen bezüglich der Frage der Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs sind ebenfalls zu bestätigen, und die Beschwerde-
führenden bringen diesbezüglich keine Einwände vor. Nach dem Gesagten
erweist sich der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden nach
Georgien insgesamt als zumutbar.
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8.3 Der Vollzug der Wegweisung nach Georgien ist schliesslich auch mög-
lich, zumal die Beschwerdeführenden über gültige georgische Reisepässe
verfügen.
8.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen,
soweit darauf einzutreten ist.
10.
10.1 Das Beschwerdeverfahren ist mit dem vorliegenden Urteil abge-
schlossen. Der Antrag, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
zu verzichten, ist damit gegenstandslos geworden.
10.2 Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
(Art. 65 Abs. 1 VwVG) und amtliche Verbeiständung (Art. 102m Abs. 1
Bst. a AsylG) sind ungeachtet einer allenfalls bestehenden prozessualen
Bedürftigkeit abzuweisen, da sich die Beschwerdebegehren entsprechend
den vorstehenden Erwägungen von vornherein als aussichtslos erwiesen
haben.
10.3 Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– den
Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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