Decision ID: b13ad5d7-618e-5594-9ada-df7e6508e933
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: der Beschwerdeführer) und seine Ehefrau
(nachfolgend: die Beschwerdeführerin) – beides syrische Staatsangehö-
rige und ethnische Kurden – verliessen ihr Heimatland zusammen mit ihren
beiden Kindern C._ und D._ eigenen Angaben zufolge am
(...) 2016 Richtung Türkei. Von dort aus reisten sie via Griechenland und
weitere europäische Länder am 13. Oktober 2016 in die Schweiz ein, wo
sie gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) F._
um Asyl nachsuchten.
A.b Die Vorinstanz befragte die Eltern (nachfolgend: die Beschwerdefüh-
renden) am 24. Oktober 2016 zu ihrer Person und ihrem persönlichen Hin-
tergrund, zum Reiseweg sowie summarisch zu ihren Gesuchsgründen (Be-
fragung zur Person [BzP]).
A.c Am 5. Juni 2018 wurde die Beschwerdeführerin und am 7. Juni 2020
der Beschwerdeführer vertieft zu den Asylgründen angehört.
A.d Anlässlich der Befragungen brachte die Beschwerdeführerin zu ihrem
persönlichen Hintergrund vor, sie sei in G._ (Provinz H._)
geboren und aufgewachsen. Sie habe (...) Jahre lang an der Universität
I._ (...) studiert und sei nach ihrem Abschluss wieder in ihren Hei-
matort zurückgekehrt. Nach ihrer Heirat mit dem Beschwerdeführer
(...) 2014 sei sie mit ihm nach J._, K._ (kurdisch) bezie-
hungsweise L._ (arabisch; Provinz H._) gezogen. Als Frei-
willige habe sie bei verschiedenen Organisationen gearbeitet und beim
kurdischen Studentenverein, welcher politisch ausgerichtet gewesen sei,
mitgewirkt. Zur Begründung ihres Asylgesuches machte sie geltend, da ihr
zu Unrecht eine Anstellung beim Staat verweigert worden sei, habe sie nie
auf ihrem erlernten Beruf arbeiten können. Als Kurdin sei sie von den staat-
lichen Behörden systematisch schikaniert worden. Sie habe deshalb zwi-
schen 2014 und 2015 an drei bis vier Demonstrationen teilgenommen und
regierungskritische Posts auf ihrem Facebook-Profil veröffentlicht. Da dar-
über hinaus auch ihr Ehemann von den syrischen Behörden gesucht wor-
den sei und sie in Syrien weder Rechte noch eine Zukunftsperspektive
habe, sei sie schliesslich gezwungen gewesen ihr Heimatland zu verlas-
sen. In der Anhörung brachte sie vor, sie habe mit einem Mitglied der (...)
Kontakt, sei selber jedoch nicht exilpolitisch aktiv.
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Der Beschwerdeführer gab bezüglich seiner Person und Herkunft an, er
sei in J._, K._ aufgewachsen. Er habe knapp (...) Jahre
lang die Schule besucht, wobei er diese nicht abgeschlossen habe. Von
(...) 2003 bis (...) 2005 habe er als (...) Militärdienst geleistet, bis er or-
dentlich entlassen worden sei. Anschliessend habe er in I._ als (...)
gearbeitet. Hinsichtlich seiner Gesuchsgründe führte er aus, im Jahr 2012
sei er wiederholt von Alewiten aufgefordert worden, in seinem Laden Fah-
nen und Fotos des Präsidenten aufzuhängen, wogegen er sich jedoch ge-
wehrt habe. Infolge seiner Weigerung habe er vor seinem Laden zunächst
einen Drohbrief und später eine Gewehrpatrone vorgefunden. Daraufhin
sei er aus Angst nach M._ geflüchtet. Nachdem er seinem Bruder
bei dessen Desertion aus dem Militärdienst geholfen habe, sei er nach
K._ zurückgekehrt. Aufgrund der behördlichen Suche nach seinem
Bruder habe er sich nicht mehr frei bewegen können. In K._ habe
er sich an Demonstrationen beteiligt, weshalb er selber ins Visier der Be-
hörden geraten und anschliessend per Haftbefehl gesucht worden sei. Auf-
grund der fehlenden Sicherheit habe er Syrien schliesslich zusammen mit
seiner Familie im (...) 2016 illegal verlassen.
A.e Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens reichten die Beschwerdefüh-
renden die folgenden Dokumente als Beweismittel zu den Akten (vgl. SEM-
Akte A32 [Beweismittelcouvert]):
- ein Abschlusszeugnis der Universität I._ der Beschwerdeführe-
rin vom (...) 2013 (im Original) mitsamt deutscher Übersetzung,
- ein Schreiben von N._, (...) des (...), vom (...) 2017 (in Kopie)
mitsamt deutscher Übersetzung,
- ein Fahndungsschreiben respektive „Haftbefehl“ der politischen Sicher-
heitsabteilung in H._ mit Datum vom (...) 2013 (im Original) mit-
samt deutscher Übersetzung,
- ein laminiertes Zertifikat (...) die Beschwerdeführerin betreffend,
- vier Fotos der Beschwerdeführerin an einer Veranstaltung (im Original),
- zwei laminierte Zertifikate einer Hilfswerks- und einer Presseorganisa-
tion die Beschwerdeführerin betreffend,
- ein Mitgliederausweis der Studentenvereinigung der Beschwerdefüh-
rerin (in Kopie) mitsamt deutscher Übersetzung,
- ein Familienbüchlein (im Original) mitsamt deutscher Übersetzung,
- die Identitätskarten des Beschwerdeführers und der Beschwerdeführe-
rin (im Original) mitsamt deutscher Übersetzung,
- ein Postcouvert (im Original),
- das Militärbüchlein des Beschwerdeführers (im Original).
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B.
Mit Verfügung vom 31. Januar 2019 – eröffnet am darauf folgenden Tag –
verneinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführen-
den, lehnte ihre Asylgesuche ab und verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz. Den Vollzug schob sie infolge Unzumutbarkeit zugunsten einer
vorläufigen Aufnahme in der Schweiz indes auf. Des Weiteren wurde das
Familienbüchlein eingezogen.
C.
Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführenden – handelnd
durch den rubrizierten Rechtsvertreter – mit Eingabe vom 1. März 2019
(Datum Poststempel) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Dabei
beantragten sie, die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Fest-
stellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. In formel-
ler Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung.
Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung mitsamt
Gesetzestext, ein Schreiben des SEM betreffend Akteneinsichtsgesuch
vom 20. Februar 2019, eine Vollmacht vom 8. Februar 2019 sowie eine
Mitgliederbestätigung der (...) vom 11. Februar 2019 bei.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 7. März 2019 wurde festgehalten, dass der
Beschwerde aufschiebende Wirkung zukomme und die Beschwerdefüh-
renden den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürften. Wei-
ter hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch um unentgeltliche Prozess-
führung unter der Voraussetzung des Nachreichens einer Fürsorgebestä-
tigung gut. Die Beschwerdeführenden wurden aufgefordert, entweder in-
nert Frist einen Kostenvorschuss zu leisten oder eine Fürsorgebestätigung
nachzureichen, verbunden mit der Androhung, dass ansonsten auf die Be-
schwerde nicht eingetreten werde.
E.
Mit Eingabe vom 12. März 2019 reichten die Beschwerdeführenden eine
Kostenartenliste des (...) vom 5. März 2019 nach.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 14. März 2019 wurde der Vorinstanz die Ge-
legenheit zur Einreichung einer Vernehmlassung geboten.
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Seite 5
G.
In seiner Vernehmlassung vom 18. März 2019 hielt das SEM an der ange-
fochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
Die Vernehmlassung wurde den Beschwerdeführenden am 21. März 2019
zur Kenntnisnahme zugestellt.
H.
Am (...) kam der gemeinsame Sohn E._ zur Welt. Er wurde in der
Folge ebenfalls in das Asylverfahren der Beschwerdeführenden miteinbe-
zogen.
I.
Mit Eingabe vom 17. April 2020 reichten die Beschwerdeführenden ein Ur-
teil des Versöhnungs- und Strafgerichts in H._ vom (...) 2018 (im
Original) mitsamt deutscher Übersetzung sowie Versandcouvert zu den Ak-
ten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101; SR 142.31); für das vorliegende Verfahren gilt das bishe-
rige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fragen
nach der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung. Der Weg-
weisungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz die Be-
schwerdeführenden wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
vorläufig aufgenommen hat.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält (Art. 7 Abs. 1 und 2 AsylG). Unglaubhaft sind insbesondere Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-
dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf
gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7
Abs. 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an
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das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dar-
gelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden
(vgl. beispielsweise BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
4.3 Wer sich darauf beruft, dass durch seine Ausreise aus dem Heimat-
oder Herkunftsstaat oder wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine
Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht subjektive Nach-
fluchtgründe geltend (Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe begrün-
den zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen je-
doch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob
sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen
werden Personen, die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder
glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen
(vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
5.
5.1 In der angefochtenen Verfügung gelangte die Vorinstanz zum Schluss,
dass die Vorbringen der Beschwerdeführenden weder den Anforderungen
an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht-
lingseigenschaft nach Art. 3 AsylG standhalten würden. Zur Begründung
des ablehnenden Asylentscheids führte das SEM zunächst aus, zwischen
den Aussagen des Beschwerdeführers sei es zu groben Widersprüchen
gekommen. Seine Aussagen zu seiner Rolle an den Demonstrationen und
zu seiner politischen Exponierung in Syrien seien nicht glaubhaft. Die dies-
bezüglichen inkonsistenten Angaben könnten auch nicht durch den einge-
reichten Haftbefehl aufgelöst werden; dieser trage lediglich zu zusätzlichen
Unstimmigkeiten bei. Es sei ihm deshalb nicht gelungen glaubhaft darzu-
legen, dass er das behördliche Interesse aufgrund seinen Demonstrations-
aktivitäten geweckt habe. Weiter hielt das SEM fest, dass die geltend ge-
machten Nachteile nicht die asylrelevante Intensität erreichen würden. So
sei es zwar nachvollziehbar, dass sich der Beschwerdeführer von den Be-
suchen und Beschimpfungen der Behörden und der Alewiten gedemütigt
fühlte. Gleichermassen sei es verständlich, dass sich die Beschwerdefüh-
renden von der Situation in Syrien negativ betroffen gefühlt und ihren Un-
mut durch die Teilnahme an Demonstrationen kundgetan hätten, die damit
verbundenen Konsequenzen würden jedoch aufgrund fehlender Intensität
keine Asylrelevanz entfalten. Aus den Akten würden sich sodann keine An-
zeichen dafür ergeben, dass sie konkreten und gezielt gegen sie gerichte-
ten Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt gewe-
sen wären oder solche zu befürchten hätten. Da die Voraussetzungen für
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die Annahme einer Kollektivverfolgung der kurdischen Bevölkerung in Sy-
rien nicht erfüllt sei, würden die Vorbringen der Beschwerdeführerin, wo-
nach sie aufgrund von ihren Tätigkeiten für einen kurdischen Studenten-
verein von jeglichen syrischen Staatsstellen ausgeschlossen worden sei
und als Kurdin kategorische Diskriminierungen durch die syrischen Behör-
den erlitten habe, ebenfalls als nicht asylrelevant gewertet werden. Auch
die weiteren von den Beschwerdeführerenden beschriebenen Nachteile
(die Schikanen durch den IS oder die Al-Qaida, welche die Beschwerde-
führerin erlitten habe, das Vorbringen der Beschwerdeführerin sie habe in
Syrien keine Rechte, die (...)- und (...)-Probleme der Tochter und die (...)-
Erkrankung der Mutter des Beschwerdeführers beziehungsweise der
Schwiegermutter der Beschwerdeführerin, welche sie ausserhalb von
K._ nicht hätten medizinisch behandeln lassen können, sowie die
fehlende Sicherheit in Syrien) seien auf die zurzeit herrschende Situation
und allgemein gegenwärtige Gewalt in Syrien zurückzuführen und nicht
asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG. Ferner seien die von den Be-
schwerdeführenden geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten nicht ge-
eignet, eine Furcht vor flüchtlingsrelevanter Verfolgung zu begründen. Es
sei zwar bekannt, dass die syrischen Sicherheitsdienste auch im Ausland
aktiv seien und oppositionelle Kreise aus Syrien überwachen würden. An-
gesichts der umfangreichen exilpolitischen Betätigungen von syrischen
Staatsangehörigen im Ausland sei jedoch davon auszugehen, dass sich
die syrischen Geheimdienste auf die Erfassung von Personen konzent-
riere, die qualifizierte exilpolitische Aktivitäten ausüben und dadurch als ex-
poniert gelten würden. Schliesslich hielt die Vorinstanz fest, dass die ein-
gereichten Beweismittel nicht geeignet seien, ihre Einschätzung zu wider-
legen und den Sachverhalt als glaubhaft oder asylrelevant erscheinen zu
lassen.
5.2 Die Beschwerdeführenden entgegneten in ihrer Rechtsmitteleingabe,
betreffend die widersprüchlichen Angaben in den beiden Befragungen des
Beschwerdeführers sei zu erwähnen, dass die fehlende Erwähnung seiner
politischen Aktivitäten in I._ während der BzP nicht automatisch
ausschliesse, dass keine solche stattgefunden hätten. Dasselbe gelte be-
züglich seiner Funktion und Rolle während den Demonstrationen. Er habe
seine Aktivitäten an den Demonstrationen und seine Funktion im (...) an-
lässlich der Anhörung sehr detailliert dargelegt. Hinsichtlich den von Unge-
reimtheiten im Zusammenhang mit dem Haftbefehl sei darauf hinzuweisen,
dass der Beschwerdeführer diesen in Syrien nie gesehen habe und dem-
entsprechend nicht genau wissen konnte, wann er ausgestellt worden sei.
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Die Zeitachse und die Kongruenz seiner Aussagen würden sich nicht wi-
dersprechen, sondern seien in sich stimmig. Zudem komme der Erstbefra-
gung aufgrund ihres summarischen Charakters nur beschränkter Beweis-
wert zu. Schliesslich sei hervorzuheben, dass sich keine Widersprüche
oder Ungereimtheiten zwischen den Schilderungen der Beschwerdefüh-
renden ergeben hätten, weshalb davon auszugehen sei, dass ihre Vorbrin-
gen glaubhaft seien. Aus den Aussagen des Beschwerdeführers gehe so-
dann anschaulich hervor, dass er von den Behörden gesucht und sich über
einen längeren Zeitraum verstecken musste, um nicht verhaftet zu werden.
Obwohl der Beschwerdeführer seine Tätigkeit als Informationsbeauftragter
im (...) in Syrien detailliert erläutert und seine dadurch entstandene Expo-
sition deutlich dargelegt habe, habe die Vorinstanz behauptet, seine Vor-
bringen seien nicht genügend intensiv, um eine Asylrelevanz aufzuweisen.
Weiter habe das SEM die Tatsache nicht berücksichtigt, dass er aufgrund
seiner Mithilfe bei der Desertion seines Bruders nicht unerheblichen Nach-
teilen und der Verfolgung durch die syrischen Behörden im Sinne des Asyl-
gesetztes ausgesetzt sei. Diesbezüglich wurde in der Beschwerde auf eine
Schnellrecherche der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 25. Ja-
nuar 2017, wonach eine Reflexverfolgung ein vertrautes politisches Instru-
ment und aufgrund der allgemeinen Lage in Syrien nicht auszuschliessen
sei, sowie das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-6823/2016 vom
6. Dezember 2016 verwiesen. Alsdann wurde geltend gemacht, die
Vorinstanz habe die politischen Aktivitäten der Beschwerdeführerin nicht
gewürdigt, obwohl sie im Rahmen der Anhörung ihre Tätigkeiten bei den
verschiedenen Organisationen detailreich umschrieben und mit Belegen
nachgewiesen habe. Auch wie sie sich dadurch exponiert und deshalb den
Behörden aufgefallen sein musste, habe sie dargelegt. Zudem habe sie
erwähnt, dass sie auf Facebook bedroht und beschimpft worden sei. Des
Weiteren wiesen die Beschwerdeführenden daraufhin, dass sie in der
Schweiz ihre bereits im Heimatland begonnenen politischen Tätigkeiten
weitergeführt hätten und (exil-) politisch aktiv seien, wobei die Beschwer-
deführerin Mitglied der (...) sei. Das SEM habe ihre politischen Aktivitäten
und ihre daraus resultierende Exponiertheit nicht genügend berücksichtigt
und sie als nicht asylrelevant eingestuft. Zusammenfassend hielten die Be-
schwerdeführenden fest, sie seien ernsthaft gefährdet im Falle ihrer Rück-
kehr nach Syrien eine Behandlung zu erfahren, welche gegen Art. 3 EMRK
verstosse und im Sinne von Art. 3 AsylG asylrechtlich relevant sei. Ihre de-
tailreichen Schilderungen würden sehr wohl den Kriterien der Glaubhaft-
machung gemäss Art. 7 AsylG standhalten, zumal zu berücksichtigen sei,
dass die Vorinstanz die Echtheit des Haftbefehls nicht in Zweifel gezogen
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Seite 10
habe. Damit werde auch dargelegt, dass es sich bei ihren Vorbringen klar-
erweise um eine asylrelevante Verfolgung handle.
6.
6.1 Nach eingehender Prüfung der Akten durch das Bundesverwaltungs-
gericht ist in Übereinstimmung mit dem SEM festzustellen, dass es den
Beschwerdeführenden – entgegen den Ausführungen in der Beschwerde –
nicht gelungen ist, eine asylbeachtliche Verfolgung im Sinne von Art. 3 und
Art. 7 AsylG glaubhaft zu machen. Für Einzelheiten wird auf die entspre-
chenden Erwägungen der vorinstanzlichen Verfügung (vgl. dort, E. II sowie
die Zusammenfassung der entsprechenden Ausführungen in E. 5.1 des
vorliegenden Urteils) verwiesen, welchen sich das Gericht vollumfänglich
anschliesst. Die neu eingereichten Beweismittel (vgl. Prozessgeschichte,
Bst. C und I) und die Entgegnungen auf Beschwerdeebene sind nicht ge-
eignet, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen. In Ergänzung und Prä-
zisierung ist Folgendes festzuhalten:
6.2
6.2.1 Der Beschwerdeführer machte vordergründig geltend, von den syri-
schen Behörden aufgrund seiner Teilnahmen an Demonstrationen gegen
das Regime verfolgt worden zu sein. Dabei machte er jedoch widersprüch-
liche Aussagen betreffend seine Rolle bei den Demonstrationsteilnahmen
sowie der Anzahl besuchter Veranstaltungen. In der BzP führte er diesbe-
züglich aus, er habe einmal in O._ (Gemeinde im Stadtteil
I._) und wiederholt in K._ an Demonstrationen teilgenom-
men, wobei er wie alle anderen einfach mitgelaufen sei (vgl. SEM-Akte A3,
Ziff. 7.02). In der Anhörung erklärte er demgegenüber, er habe sowohl in
I._ als auch in der Region rund um K._ an verschiedenen
Demonstrationen teilgenommen. Nach seiner Rückkehr nach K._
(...) 2012 bis zu seiner Ausreise im Jahr 2016 habe er mindestens zwei bis
drei Mal in der Woche demonstriert. Dabei habe er Reden gehalten, Flag-
gen gehisst, Plakate getragen und Parolen gerufen. Weiter habe er mit De-
monstrationskomitees zusammengearbeitet und Aufklärungsfunktionen
wahrgenommen (vgl. SEM-Akte A31, F38–48). Diese Widersprüche ver-
mochte er auf Beschwerdeebene nicht nachvollziehbar zu erklären. Ob-
wohl der BzP nur summarischer Charakter zukommt und bei der Beurtei-
lung der Glaubhaftigkeit den Aussagen im Erstprotokoll lediglich ein be-
schränkter Beweiswert zuzumessen ist, wäre zu erwarten gewesen, dass
er diese wesentlichen Elemente des Sachverhalts (insbesondere die be-
hauptete exponierte Stellung während den Demonstrationen, wodurch er
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Seite 11
bei den Behörden bekannt geworden sein soll) bereits von Anfang an vor-
trägt. Ferner wurde er jeweils zu Beginn der Befragungen auf die Wichtig-
keit vollständiger, lückenloser und wahrheitsgetreuer Angaben wie auf
seine Verantwortung für seine Aussagen hingewiesen (vgl. SEM-Akten A3,
Seite 2 und A31, Seite 2). Damit geht der in der Rechtsmitteleingabe erho-
bene Einwand, wonach es sich bei der BzP nur um eine summarische Be-
fragung handle, welche von Eile begleitet gewesen sei, sodass er keine
eindeutigen und detaillierten Aussagen habe machen können, fehl. Soweit
in der Beschwerde vorgebracht wurde, dass er in der Anhörung seine
Funktion im (...) sehr aufschlussreich und detailliert geschildert habe, ist
zu entgegnen, dass er erst auf explizite Nachfrage der anwesenden Hilfs-
werkvertretung (HWV) seine Tätigkeit näher erläuterte. Seinen diesbezüg-
lichen Schilderungen ist – entgegen den Vorbringen in der Beschwerde-
schrift – jedenfalls keine besondere Exponierung zu entnehmen bezie-
hungsweise lassen ihn diese Aufgaben nicht als ernstzunehmenden Geg-
ner des politischen Systems in Syrien erscheinen, zumal er in dieser Funk-
tion keine Führungsrolle übernahm (vgl. SEM-Akte A31, F 120–122). Wei-
ter ist nicht nachvollziehbar, wie der Beschwerdeführer ab 2013, als er ins
Visier der Behörden geraten sei, bis zu seiner Ausreise im (...) 2016 mehr-
mals wöchentlich an Demonstrationen teilnehmen konnte (vgl. SEM-
Akte A31, F38 und F42, F44 f.), obwohl er sich von den Behörden, welche
ihn etwa drei Mal pro Monat aufgesucht haben sollen (vgl. SEM-Akte A31,
F56), versteckt haben will. Seine diesbezüglichen Schilderungen fielen ins-
gesamt sehr vage, oberflächlich und ohne markanten Details aus
(vgl. SEM-Akte A31, F38 und F56 ff.). Dadurch, dass er nie selber direkten
Kontakt zu den Behörden hatte, wirken seine diesbezüglichen Ausführun-
gen überdies konstruiert und wenig überzeugend. Aufgrund dieser Erwä-
gungen ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer vor der
Ausreise ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgesetztes zu gewärtigen
gehabt hatte.
Auch die ins Recht gelegten Beweismittel sind nicht geeignet, zu einer an-
deren Einschätzung zu gelangen. Zur Vermeidung weitgehender Wider-
sprüche kann vollumfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz in der
angefochtenen Verfügung (vgl. dort E. II, Ziff. 5) verwiesen werden. Beim
im erstinstanzlichen Verfahren zu den Akten gereichten Fahndungsschrei-
ben respektive „Haftbefehl“ vom 20. März 2013 handelt es sich um ein in-
ternes Dokument der politischen Sicherheitsabteilung in H._, wel-
ches an alle politischen Abteilungen in der Provinz H._ gerichtet ist.
Darin wird festgehalten, dass der Beschwerdeführer verhaftet werden
müsse, da er infolge Opposition und Teilnahme an Demonstrationen gegen
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die Regierung gesucht werde. Hinsichtlich der Beschaffung erklärte er an-
lässlich der BzP, selbst wenn ein Haftbefehl ausgestellt worden sei, be-
komme man diesen nicht von den Behörden (vgl. SEM-Akte A3, Ziff. 7.02).
In der Folge reichte er dennoch das Originaldokument zu den Akten
(vgl. SEM-Akte A32 [Beweismittelcouvert]) und gab in der Anhörung zu
Protokoll, er habe seinen Onkel darum gebeten ihm den Haftbefehl auf ir-
gendwelche Art und Weise, sei es durch Bestechungsgelder oder Vermitt-
lung, zu beschaffen. Die Nachfrage, ob er wisse, was sein Onkel konkret
unternommen habe, um an dieses Dokument zu kommen, verneinte er
(vgl. SEM-Akte A31, F62–66). In Bezug auf den Beweiswert des Fahn-
dungsschreibens ist vor diesem Hintergrund festzuhalten, dass aufgrund
der grassierenden Korruption in Syrien nicht nur Fälschungen unterschied-
lichster Qualität erhältlich sind, sondern gegen Bezahlung auch formell
echte amtliche Dokumente beschafft werden können. Daher ist selbst ei-
nem formell echten amtlichen Dokument nur dann eine relevante Beweis-
kraft beizumessen, wenn dieses im Kontext eines hinreichend schlüssigen
Sachverhaltsvortrages eingereicht wird. Dies ist vorliegend jedoch gerade
nicht der Fall. Nachdem sich – wie vorstehenden dargelegt wurde – die
Fluchtvorbringen des Beschwerdeführers als unglaubhaft erwiesen haben
und er nicht angab, wie sein Onkel in den Besitz dieses behördeninternen
Dokuments gekommen ist, muss dem Beweismittel eine relevante Be-
weistauglichkeit abgesprochen werden. Auch das auf Beschwerdeebene
eingereichte Urteil des Versöhnungs- und Strafgerichts in H._ vom
(...) 2018 vermag an der Einschätzung, die geltend gemachten politischen
Tätigkeiten des Beschwerdeführers im Heimatland seien unglaubhaft,
nichts zu ändern. Zunächst fällt auf, dass er weder die Verurteilung, welche
in seiner Abwesenheit erfolgt sein soll, noch die Existenz eines Urteils im
vorinstanzlichen Verfahren erwähnte und auch in der Beschwerdeschrift
eine solche mit keinem Wort angeführt wurde. Die Beibringung des Urteils
lässt damit gewichtige Zweifel an der Authentizität des Dokuments aufkom-
men. Weiter bleibt unklar, wann und wie er von seiner Verurteilung Kennt-
nis erhalten hatte und wie er in den Besitz des beigebrachten Urteilsaus-
zuges gekommen sein soll. Gestützt auf diese Feststellungen kann dem
Beschwerdeführer die geltend gemachte behördliche Suche sowie die Ver-
urteilung infolge seines politischen Engagements in seinem Heimatstaat
nicht geglaubt werden.
6.2.2 Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist nach dem Gesagten festzu-
halten, dass die Kernvorbringen des Beschwerdeführers betreffend seine
Demonstrationsteilnahmen und seine politische Exponierung, weshalb er
ins Visier der syrischen Behörden geraten und von diesen verfolgt worden
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Seite 13
sein soll, den Anforderungen an das Glaubhaftmachen nicht genügen. In-
folgedessen erübrigt sich die Prüfung, ob diese Ausführungen den Anfor-
derungen an Art. 3 AsylG genügen würden.
6.3
6.3.1 Angesichts der teilweise widersprüchlichen Aussagen des Beschwer-
deführers zu den Beschimpfungen und Bedrohungen durch Alewiten im
Jahr 2012 in I._ hegt das Gericht erhebliche Zweifel an der Glaub-
haftigkeit dieser Vorbringen. So sind seine Angaben in der Anhörung, wann
er seinen Laden geschlossen habe, nicht konsistent. Zunächst gab er zu
Protokoll, er habe sich bezüglich des Drohbriefes, welchen er erhalten
habe, keine Gedanken gemacht. Nachdem er jedoch eine Patrone einer
Kalaschnikow vor seinem Laden aufgefunden habe, habe er fürchterliche
Angst bekommen. Er habe alles stehen und liegen gelassen, den Laden
geschlossen und sei nach M._ geflüchtet (vgl. SEM-Akte A31,
F38). Im späteren Verlauf der Anhörung erklärte er, er habe seinen Laden
zu gemacht, nachdem er den Zettel erhalten habe und sei unmittelbar da-
nach aus I._ geflüchtet (vgl. SEM-Akte A31, F69). Als er mit diesem
Widerspruch konfrontiert wurde, brachte er wiederum vor, er sei nach Er-
halt des Drohbriefes ruhig geblieben und habe weitergearbeitet. Die Pat-
rone habe ihn dann jedoch in solch eine Angst versetzt, dass er sich ent-
schlossen habe, wegzugehen (vgl. SEM-Akte A31, F107 f.). Des Weiteren
brachte er in der BzP vor, einmal hätten Alewiten die Fenster seines Ge-
schäfts zerbrochen (vgl. SEM-Akte A3, Ziff. 7.01), wohingegen er dies in
der Anhörung nicht erwähne. Auf Nachfrage bestritt er, dies gesagt zu ha-
ben (vgl. SEM-Akte A31, F109 f.). Die Frage der Glaubhaftigkeit kann aber
letztlich offengelassen werden, da den behaupteten Ereignissen, aufgrund
des fehlenden zeitlichen Kausalzusammenhangs für die erst rund vier
Jahre später erfolgte Ausreise, keine asylrechtliche Relevanz zukommt.
6.3.2 Des Weiteren ist das Vorliegen einer asylbeachtlichen (Reflex-) Ver-
folgung respektive entsprechenden Verfolgungsgefahr im Zusammenhang
mit dem bereits im Jahr 2012 aus Syrien ausgereisten Bruder des Be-
schwerdeführers zu verneinen. In der BzP brachte der Beschwerdeführer
zwar vor, die Behörden hätten seine Familie nicht mehr in Ruhe gelassen,
nachdem er seinem Bruder zur Flucht aus dem Militärdienst verholfen
habe. Sie hätten sich nicht mehr frei bewegen können und im (...) 2014
habe der Geheimdienstagent P._ deshalb sogar das Haus seiner
Eltern gestürmt (vgl. SEM-Akte A3, Ziff. 7.01). In der Anhörung führte er
demgegenüber aus, nachdem sein Bruder im (...) oder gegen (...) 2012
aus dem Militärdienst desertiert und in den Irak geflüchtet sei, hätten sich
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die syrischen Behörden sowie Spitzel der Regierung während drei bis vier
Monaten bei seiner Familie nach ihm erkundigt (vgl. SEM-Akte A31, F38,
F54 und F72 f.). Dabei sei sein Vater einmal beschimpft worden und an-
fangs 2013 hätten sie mitten in der Nacht eine Razzia durchgeführt, wobei
seine Angehörigen in grosse Angst und Panik versetzt worden seien
(vgl. SEM-Akte A31, F74–76). Ab 2013 seien die Behörden dann nicht
mehr wegen seines Bruders, sondern wegen ihm (dem Beschwerdeführer)
vorbeigekommen (vgl. SEM-Akte A31, F54 f.). Damit zeigte die Desertion
seines Bruders – abgesehen von den geltend gemachten Besuchen der
Behörden – keine weiteren (nachteiligen) Folgen, insbesondere wurde we-
der der Beschwerdeführer noch seine Familie dadurch an Leib und Leben
gefährdet, weshalb die notwendige Intensität der geltend gemachten Re-
flexverfolgung nicht gegeben ist. Nach dem Gesagten ist nicht davon aus-
zugehen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Ausreise im Zusam-
menhang mit der Desertion seines Bruders asylrelevante Nachteile erlitten
hat beziehungsweise solche begründet zu befürchten hatte. Entgegen den
pauschalen und nicht weiter substantiierten Behauptungen in der Be-
schwerde ist infolgedessen auch nicht davon auszugehen, dass er wegen
der Desertion seines (politisch nicht aktiven) Bruders bei einer hypotheti-
schen Rückkehr einer asylrechtlichen Reflexverfolgung ausgesetzt wäre.
Weder der auf Beschwerdeebene zitierte Artikel noch der Verweis auf das
Gerichtsurteil des Bundesverwaltungsgerichts sind geeignet daran etwas
zu ändern. Dieses Vorbringen ist demnach ebenfalls als nicht asylrelevant
zu erachten.
6.3.3 Gemäss den Feststellungen des Bundesverwaltungsgerichts machte
die Beschwerdeführerin weder in den Anhörungen noch auf Beschwerde-
stufe konkrete, zielgerichtete Verfolgungsmassnahmen durch die syri-
schen Behörden oder durch Dritte aufgrund in ihrer eigenen Person liegen-
den Faktoren geltend, welche die Grundlage für eine begründete Furcht
vor asylrelevanter Verfolgung bieten könnten. In der Anhörung brachte sie
vor, in den Jahren 2014 und 2015 an drei bis vier Demonstrationen teilge-
nommen zu haben (vgl. SEM-Akte A30, F56 f.). Während einer dieser Ver-
anstaltungen seien Fotos und Videoaufnahmen von den Teilnehmenden
gemacht worden, wobei sie nicht wisse, ob von ihr Aufnahmen ins Internet
gestellt worden seien. Sie habe denn auch alles unternommen, um sich in
dieser Hinsicht zu schützen (vgl. SEM-Akte A30, F48 f.). Dass sie anläss-
lich einer Demonstration fotografiert worden sei, ist folglich nur eine Mut-
massung. Hinweise, dass sie dabei identifiziert worden wäre, ergeben sich
aus den Akten jedenfalls keine. Gemäss eigenen Angaben war sie an den
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Demonstrationen ohnehin nur Teilnehmerin und hat keine darüberhinaus-
gehenden Aufgaben wahrgenommen (vgl. SEM-Akte A30, F58). Daher
sind ihr aus ihren Teilnahmen an den Demonstrationen ebenfalls keine
asylrelevanten Nachteile entstanden. Alsdann ist weder aus ihren Angaben
zu ihren Tätigkeiten für die (...), dem (...), eine Presseorganisation sowie
einen kurdischen Studentenverein noch aus den in diesem Zusammen-
hang eingereichten Beweismitteln eine Exponierung in der Öffentlichkeit zu
erkennen, welche den Eindruck erweckt, dass sie aus Sicht des syrischen
Regimes als potentielle Bedrohung wahrgenommen wurde. Dagegen
spricht ausserdem der Umstand, dass sie selber nie gesucht oder verfolgt
wurde. Hinsichtlich der von ihr für den kurdischen Studentenverein verfass-
ten Berichte, welche nicht veröffentlicht wurden, ist im Übrigen auf die zu-
treffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen. Soweit die Be-
schwerdeführerin schliesslich vorbrachte, wegen regimekritischen Posts
auf ihrem Facebook-Account von Arabern unwürdig beschimpft worden zu
sein (vgl. SEM-Akte A30, F77 f.), handelt es sich um unbelegte Behaup-
tungen. Überdies wären die dargelegten Beschimpfungen infolge ihrer Ein-
träge auf Facebook ohnehin nicht als hinreichend intensiv im Sinne von
Art. 3 AsylG zu qualifizieren, zumal sie damit keine sich von der Masse ab-
hebende, exponierte Aktivität darzulegen vermag. Es ist vor diesem Hin-
tergrund nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin von den
staatlichen syrischen Behörden als Gegnerin des Regimes identifiziert wor-
den ist.
6.3.4 Hinsichtlich der weiteren, im Zusammenhang mit der Bürgerkriegssi-
tuation in Syrien stehenden Vorbringen der Beschwerdeführenden (na-
mentlich Schikanen durch den IS und die Al-Qaida, generell schwierige Si-
cherheitslage und auch in anderer Hinsicht prekäre Lebensbedingungen,
schlechte medizinische Versorgungslage sowie eingeschränkte Rechte) ist
darauf hinzuweisen, dass die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft
nach schweizerischer Rechtsprechung den gezielten, auf die betreffende
Person individuell fokussierten Willen des Verfolgers erfordert, diese be-
stimmte Person unmittelbar ernsthaften Nachteilen im Sinne des Gesetzes
zu unterwerfen. Vorliegend kann aus den besagten Vorbringen der Be-
schwerdeführenden nicht auf eine solche gezielte, individuelle Verfolgung
im Sinne von Art. 3 AsylG geschlossen werden. Der bürgerkriegsbedingten
Gefährdungslage und der fortbestehenden Volatilität und Dynamik der Ent-
wicklung in Syrien wurde von der Vorinstanz in Rahmen des Wegwei-
sungsvollzugs respektive der in diesem Zusammenhang angeordneten
vorläufigen Aufnahme der Beschwerdeführenden Rechnung getragen.
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Seite 16
6.3.5 Die Beschwerdeführenden vermögen aus ihrer kurdischen Ethnie
ebenfalls keine flüchtlingsrechtlich relevante individuelle Verfolgung abzu-
leiten. Gemäss geltender Rechtsprechung ist nicht davon auszugehen,
dass syrische Staatsangehörige kurdischer Ethnie im heutigen Zeitpunkt in
besonderer und gezielter Weise aufgrund ihrer Ethnie in einem derart wei-
ten und umfassenden Ausmass unter Anfeindungen zu leiden hätten, dass
von einer Kollektivverfolgung ausgegangen werden müsste. Auch unter
dem Gesichtspunkt der heute veränderten Lage, insbesondere seit dem
Einmarsch der türkischen Sicherheitskräfte und der verbündeten islamisti-
schen Milizen in Nordsyrien, ist nicht anzunehmen, dass sämtliche in Sy-
rien und insbesondere in Nordsyrien verbliebenen Kurdinnen und Kurden
derzeit eine objektiv begründete Furcht vor einer Verfolgung hätten
(vgl. etwa Urteile des BVGer D-1220/2020 vom 3. November 2020 E. 6.5,
D-6344/2018 vom 26. Mai 2020 E. 5.4, D-6431/2019 vom 16. März 2020
E. 5.2.3 und E-937/2017 vom 16. Januar 2020 E. 6.3).
6.3.6 Insgesamt vermögen die Beschwerdeführenden die Anforderungen
an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht zu erfüllen.
6.4 Die Beschwerdeführenden machten des Weiteren subjektive Nach-
fluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend, indem sie vorbrachten,
dass sie sich beide in der Schweiz exilpolitisch engagieren würden und die
Beschwerdeführerin ein aktives Mitglied der (...) sei.
6.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner Praxis davon aus, dass
der Schwerpunkt der Aktivitäten syrischer Geheimdienste im Ausland nicht
bei einer grossflächigen, sondern bei einer selektiven und gezielten Über-
wachung der im Ausland lebenden Opposition liegt (vgl. Referenzurteil des
BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.3). Die Annahme, die be-
troffene Person habe die Aufmerksamkeit der syrischen Geheimdienste in
einer Weise auf sich gezogen, welche auf eine begründete Furcht vor Ver-
folgung wegen exilpolitischer Tätigkeiten schliessen lässt, rechtfertigt sich
deshalb nur, wenn sie sich in einem besonderen Mass exponiert. Dies ist
dann der Fall, wenn sie aufgrund ihrer Persönlichkeit, der Form des Auftritts
und aufgrund des Inhalts der in der Öffentlichkeit abgegebenen Erklärun-
gen den Eindruck erweckt, sie werde aus Sicht des syrischen Regimes als
potenzielle Bedrohung wahrgenommen (vgl. Referenzurteil des BVGer
D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.3.6).
6.4.2 Vorab gilt es zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführenden
keine Vorverfolgung glaubhaft machen konnten, weshalb sie im Zeitpunkt
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Seite 17
ihrer Ausreise nicht im Fokus der syrischen Behörden standen. Alsdann
zeichnet sich das exilpolitische Engagement der Beschwerdeführenden in
der Schweiz – wenn überhaupt – nur von geringem Niveau aus. Die Be-
schwerdeführerin gab anlässlich ihrer Anhörung in Bezug auf ihre exilpoli-
tischen Tätigkeiten in der Schweiz zu Protokoll, sie stehe mit Q._,
einem Mitglied der (...) in Kontakt. Am (...) 2019 habe sie in R._ an
einer Sitzung mit S._ teilgenommen, wobei sie über ihre Aktivitäten
in Syrien berichtet habe. Nach der Geburt ihres Sohnes am (...) 2019 habe
sie an keinen weiteren Sitzungen und Veranstaltungen mehr teilgenommen
(vgl. SEM-Akte A30, F64). Der Beschwerdeführer gab in seiner Anhörung
an, in der Schweiz noch nicht politisch tätig zu sein, dies aber vorzuhaben
(vgl. SEM-Akte A31, F90). Die diesbezüglichen Ausführungen in der Be-
schwerdeschrift beschränkten sich auf die oberflächlichen Angaben, die
Beschwerdeführenden seien weiterhin in der Schweiz politisch aktiv und
die Beschwerdeführerin sei Mitglied der (...). Damit wird nicht substantiiert
dargelegt, wie das geltend gemachte exilpolitische Engagement der Be-
schwerdeführenden konkret aussieht. Folglich ist davon auszugehen, dass
es sich bei den Beschwerdeführenden nicht um für die exilpolitische Szene
bedeutsame Persönlichkeiten handelt, die mit Blick auf Art und Umfang ih-
rer exilpolitischen Tätigkeiten als ausserordentlich engagierte und expo-
nierte Regimegegner aufgefallen sein könnten. Selbst unter Berücksichti-
gung der Mitgliedschaftsbestätigung der Beschwerdeführerin bestehen
keine konkreten und glaubhaften Anhaltspunkte, dass diese wegen ihrer
Tätigkeit im Exil die Aufmerksamkeit der syrischen Behörden auf sich ge-
zogen haben könnte; zumal der Bestätigung keinerlei konkrete Angaben
darüber zu entnehmen sind, seit wann sie Mitglied der Partei ist, worin ihre
Tätigkeiten bestehen, in welcher Art und in welchem Umfang sie diese aus-
übt. Den Beschwerdeführenden ist es somit nicht gelungen, überzeugend
darzulegen, dass sie sich in der Schweiz profiliert exilpolitisch betätigen.
6.4.3 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen erscheint es insgesamt
nicht als wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführenden wegen ihren exil-
politischen Aktivitäten bei einer Rückkehr nach Syrien mit flüchtlingsrecht-
lich relevanten Nachteilen rechnen müssten. Die Flüchtlingseigenschaft
der Beschwerdeführerenden ist somit auch unter dem Aspekt der subjekti-
ven Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG zu verneinen.
6.5 Schliesslich bleibt der Vollständigkeit halber anzumerken, dass eine
flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung allein aufgrund der illegalen Aus-
reise der Beschwerdeführenden aus Syrien und der Asylgesuchstellung in
der Schweiz gemäss konstanter Praxis des Bundesverwaltungsgerichts
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ebenfalls nicht anzunehmen ist (vgl. u.a. die Urteile des BVGer D-
1220/2020 vom 3. November 2020 E. 6.6, D-6344/2018 vom 26. Mai 2020
E. 5.5, E-1822/2018 vom 23. Januar 2020 E. 7.6 und E-5788/2017 vom
23. April 2019 E. 6.5, m.w.H.), weshalb das Vorliegen subjektiver Nach-
fluchtgründe auch diesbezüglich zu verneinen ist.
6.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asyl-
gründe sowie subjektiven Nachfluchtgründe nicht geeignet sind, eine asyl-
respektive flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung beziehungsweise eine
entsprechende Verfolgungsfurcht zu begründen. An dieser Einschätzung
vermögen die weiteren Ausführungen auf Beschwerdeebene nichts zu än-
dern, weshalb darauf nicht mehr näher einzugehen ist. Unter Berücksichti-
gung der gesamten Umstände folgt, dass die Beschwerdeführenden keine
Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnten.
Die Vorinstanz hat deshalb die Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint
und die Asylgesuche der Beschwerdeführenden zutreffend abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.3 Es bleibt anzumerken, dass aus den angestellten Erwägungen nicht
etwa zu schliessen ist, die Beschwerdeführenden seien zum heutigen Zeit-
punkt angesichts der jüngsten Entwicklungen der Situation in Syrien in ih-
rem Heimatstaat nicht gefährdet. Indessen ist eine solche Gefährdungs-
lage im Falle der Beschwerdeführenden ausschliesslich auf die allgemeine
in Syrien herrschende Bürgerkriegssituation zurückzuführen, welche durch
die Vorinstanz gestützt auf Art. 83 Abs. 4 AIG im Rahmen der Anordnung
der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Vollzugs der Weg-
weisung – wie bereits erwähnt – berücksichtigt wurde.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
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Seite 19
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem
Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Nachdem mit Zwi-
schenverfügung vom 7. März 2019 das Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen
worden ist und weiterhin von ihrer Bedürftigkeit auszugehen ist, sind ihnen
keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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