Decision ID: 94376ddc-f3e7-4e71-8590-bde394d6e225
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1974, war
zuletzt von August 2010 bis November 2015 als Ausbildner im Fitnessbereich
tätig, wobei der letzte Arbeitstag am
1.
Juni
2015 war (
Urk.
9/2
Ziff.
5.4,
Urk.
9/7
Ziff.
2.1-2.3). Unter Hinweis auf Stim
mungs
schwankungen, Ängste und Verunsicherung meldete sich der
Versicherte am
1
3.
April 2016
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizi
nische und erwerbli
che Situation ab, zog Akten der Krankenkasse bei (
Urk.
9/75
) und holte bei
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
the
rapie,
ein p
sychiatrisches
Gutachten ein, das am
2
8.
August 2019 erstattet wurde (
Urk.
9/57
).
Am
1
9.
August 2016 teilte die IV-Stelle
dem Versicherten
mit, dass derzeit keine beruflichen Eingli
ederungsmassnahmen möglich seien
(
Urk.
9/13).
Am 1
8.
Mai 2017 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining vom
6.
Juni bis
3.
September 2017 (
Urk.
9/25),
welches mit Mitteilung vom
9.
Juni 2017 abgebrochen wurde (
Urk.
9/29).
Am 1
7.
Mai 2018 forderte die IV-Stelle den Versicherten auf, einen Nachweis über die Abstinenz von Suchtmitteln (THC und
Alkohol) zu erbringen (
Urk.
9/41).
M
it Schreiben vom 3
1.
Oktober 2019 (Urk. 9/
63) wurde dem Versicherten eine Schadenminderungspflicht auferlegt, indem er
sich
regelmässig Drogen-Urin-Kontrollen und CDT-Tests in unregelmässigen Abstän
den sowie regelmässige
n
Termine
n
bei einem Psychotherapeuten
unterziehen soll.
Nach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/64,
Urk.
9/68,
Urk.
9/73,
Urk.
9/78)
verneinte
die
IV-Stelle mit Verfügung vom
1
1.
September 2020 einen Rentenanspruch (
Urk.
9/80
=
Urk.
2)
.
2.
Der
Versicherte erhob am
1
2.
Oktober 2020
Beschwerde (
Urk.
1) gegen die Ver
fügung vom
1
1.
September 2020
(
Urk.
2) und beantragte
, diese sei aufzuheben und
es sei ihm
ab November 2016 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen (S. 2
Ziff.
1 und 2), es
sei
die mit Schreiben vom 3
1.
Oktober 2019 festgesetzte Scha
den
minderungspflicht aufzuheben
(S. 2
Ziff.
3
)
, eventuell seien weitere medizi
nische Abklärungen vorzunehmen (S. 2
Ziff.
4)
.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
2.
November 2020
(
Urk.
8
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 2
0.
November 2020
wurde antragsgemäss (vgl.
Urk.
1
S. 2
) di
e unentgeltliche Prozessführung bewilligt und dem Beschwerde
führer
die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
10
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Nach der allgemeinen Beweisregel (Art. 8 des Zivilgesetzbuches, ZGB) obliegt es bei erstmaliger Rentenprüfung der versicherten Person die invalidisierenden Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit dem Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Gelingt dieser Nachweis nicht, verfügt sie über keinen Leistungsanspruch. Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit ver
mutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirkt (BGE 140 V 290 E. 4.1; 139 V 547 E. 8.1). Bleiben die Auswirkungen eines ob
jektivierbaren wie auch eines nicht (bildgebend) fassbaren Leidens auf die Ar
beitsfähigkeit trotz in Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes sorgfältig durchgeführter Abklärungen vage und unbestimmt, ist der Beweis für die An
spruchsgrundlage nicht geleistet und nicht zu erbringen (BGE 140 V 290 E. 4.1 mit Hinweisen auf die Literatur).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2,
143
V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1).
Die Anerkennung eines rentenbe
gründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig
, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.6
UV170510
Beweiswert eines Arztberichts
08.2018
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.7
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsan
wendung hat sich das
Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Ab
schätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchti
gun
gen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen las
sen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswür
digung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch an
hand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und so
mit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich im
mer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rah
men des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwor
tet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang an
dauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Ein
schränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeits
unfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu er
bringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid
(
Urk.
2)
fest, die
Ab
klärungen hätten ergeben, dass der Beschwerdeführer in seiner bisherigen Tätig
keit als Ausbildner zu 80
%
arbeiten könne. In einer optimal angepassten Tätig
keit wäre er zu 100
%
arbeitsfähig (S. 1 unten).
Der Einkommensvergleich habe einen IV-Grad von 7
%
ergeben, womit kein R
entenanspruch bestehe (S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1),
auf die gutachterliche Beurteilung durch
Dr.
A._
könne
gemäss dem behandelnden Psychiater med.
pract
.
B._
nicht abgestellt werden.
Es sei nicht schlüssig
und nachvollziehbar
. Der behandelnde Psychiater sehe ihn aktuell und auf länge
r
fristige Sicht
seit Juni 201
5
als 100
%
arbeitsunfähig für die bisherige und eine angepasste Tätigkeit
(S. 8
f.
, S. 12
).
Die von der Beschwerdegegnerin angeordnete Schadenminderungspflicht sei eine reine Schikane und führe in keiner Weise zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes, da eine Abstinenz seit mehreren Jahren aufgrund vorbestehender Ergebnisse angenommen werden müsse
(S. 14)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers und in diesem Zusammenhang
insbesondere
, ob auf das psychiatrische Gutachten vom 28. August 2019 abgestellt werden kann.
3.
3.1
Die Ärzte der
Psychiatrischen Universitätsklinik C._
, Ambulatorium
D._
, berichteten am
1.
September 2015 (
Urk.
9/75/29-31)
und nannten fol
gen
de Diagnosen (S. 2
Ziff.
4):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
V
erdacht auf bipolar II-
Störung
Sie
führten aus, der Beschwerdeführer beschreibe innerfamiliäre Schwierigkeiten (Gewalt in der Ehe der Eltern), was schliesslich zur Trennung der Eltern geführt habe, als er
vier Jahre alt
gewesen sei. Als er Teenager gewesen sei, sei die Mutter bald mit ihm überfordert gewesen, da er sich nichts habe sagen lassen. Ebenfalls habe er Cannabis zu konsumieren begonnen. Er sei dann in ein Internat im
E._
gesteckt worden, sei dort aber innerhalb von 24 Stunden rausgeflogen.
Danach sei er 1.5 Jahre zu einer befreundeten Familie gekommen. Mit 18 Jahren habe er die erste eigene Wohnung gehabt. Er habe nach der obligatorischen Schulzeit eine KV-Lehre absolviert und das Handelsdiplom erlangt. 20
1
0 sei er nach Zürich gekommen, wo er als Fitness-Instruktor gearbeitet habe.
Der Beschwerdeführer habe schon in der Adoleszenz eine depressive Phase gehabt, die mit
Ludiomil
behandelt worden sei. Ebenfalls zirka
im Jahre
2006 habe er eine depressive Phase gehabt, dazwischen fragliche
hypomane
Phasen mit Geldausgeben und verkürzter Sch
l
afdauer (mit
Cipralex
behandelt).
Kurz vor der Behandlung bei ihnen sei der Beschwerdeführer bei
der Psychopol
des
Universitätsspitals F._
mit den gleichen Symptomen vorstellig geworden, ausgelöst durch massive Konflikte mit einem Arbeitskollegen. Er sei von dort zugewiesen worden (S. 1).
Der Beschwer
deführer leide unter einer depressiven Stimmung, Freud- und Interessenlosigkeit,
Antriebsstörungen, vermindertem Selbstwert, Schuldgefühle
n
, Konzentrations
stö
rungen, Nervosität und Anspannung, Morgentief, Schlafstörungen und sporadi
schen Suizidgedanken.
Er habe in Zürich einen kleinen Kollegen
k
reis. Mit seiner Familie habe er wenig Kontakt. Der Beschwerdeführer habe in der Zwischenzeit seine Arbeitsstelle bei
G._
auf den 3
0.
November 2015 gekündigt. Er werde von ihnen weiter arbeitsplatzbezogen krankgeschrieben, solle sich aber beim RAV anmelden und ab sofort eine andere Arbeitsstelle suchen.
Der Beschwerdeführer
sei vom 2
2.
Juni bis inklusive
3.
September 2015 zu 100
%
arbeitsunfähig (arbeits
platzbezogen). Bei Rückkehr an seinen derzeitigen Arbeitsplatz müsste mit einer akuten Verschlechterung seines Befindens gerechnet werden.
Bei einer anderen zumutbaren Erwerbstätigkeit sei der Beschwerdeführer 100
%
arbeitsfähig (S. 2).
3.2
Die Ärzte der
Psychiatrischen Universitätsklinik C._
, Ambulatorium
D._
, berichteten am 2
7.
Januar 2016 (
Urk.
9/23/2) und führten aus,
b
ei Beginn der Behandlung bei ihnen (
8.
Juni 2015)
sei von einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Epi
sode, sowie von einem Verdacht auf eine
B
ipolar II-Störung aus
gegangen wor
den
.
Der Beschwerdeführer sei arbeitsplatzbezogen 100
%
arbeitsunfähig ge
schrie
ben worden, weil davon aus
gegangen worden
sei, dass seine Erkrankung durch belastende Ereignisse an seinem Arbeitsplatz verursacht worden seien und er ansonsten vermittelbar gewesen sei. Aufgrund des Behandlungsverlaufs, der Anamnese und der Persönlichkeitsstruktur des Beschwerdeführers sei zusätzlich zur Anfangsdiagnose retrospektiv von einem Verdacht auf eine kombinierte Per
sönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen und ängstlich-vermeidenden Antei
len (ICD-10 F61) auszugehen
, weshalb eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit Behandlungsbeginn angezeigt sei.
3.3
Med.
pract
.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berich
tete am 2
0.
Juni 2016 (
Urk.
9/8)
und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
-
bipolare Störung (ICD-10 F31, bipolar II Typ); gegenwärtig leicht depres
sive Phase, bestehend seit Jugend
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61) mit
histrionischen
, ängst
lich vermeidenden und zwanghaften Anteilen, seit Jugend bestehend
E
r führte aus,
der Beschwerdeführer sei seit Januar 2016 bei ihm in Behandlung
. B
is Ende Mai 2016 hätten wöchentliche Sitzungen stattgefunden, seither sei die Behandlung unterbrochen
(S. 1
Ziff.
1.2, S. 3
Ziff.
1.5)
.
Aus
psychothera
peuti
scher Sicht hätten sich im Verlauf diagnostisch gesehen persistierende, unflexible, wohl seit langem bestehende, zwischenmenschliche Muster gezeigt.
Im Kern schie
nen dies Persönlichkeitsstrukturen stark zwanghaften und unsicher-vermei
den
den Charakters, basierend auf Prägungen wahrscheinlich vor allem durch die Vaterfigur. Sekundär scheine sich darüber eine
histrionische
Fassade gestülpt zu haben. Im Rahmen der Psychotherapie sei versucht worden
,
hierzu differenzierte Selbstkonzepte zu entwickeln, was dem Beschwerdeführer auch gut gelungen sei. Die
histrionische
Seite habe in der Therapie recht gut abgelegt werden können. Allerdings scheine der Beschwerdeführer die Arbeit an den zwanghaften und unsicheren Anteilen sehr zu fordern.
Da der Eindruck bestanden habe, dass der Beschwerdeführer trotz sehr guter Reflexionsfähigkeit kaum in die Handlung komme, sei zuletzt von seiner Seite und von Seite der unterstützenden, psychia
trischen Spitex verstärkt auf konkrete Verhaltensexperimente gedrängt worden. Der Beschwerdeführer habe hierauf die psychiatrische
Spitexunterstützung
abge
brochen und sei auch für ihn nicht mehr erreichbar gewesen (S. 2
Ziff.
1.4).
Die Prognose sei nicht einfach zu stellen, da er es bisher wie erwähnt nicht habe be
werkstelligen können, den Beschwerdeführer zu konkreten Konfrontationen mit der Arbeitswelt zu bewegen.
Allerdings wirke auch dieser Umstand eindeutig
krankheitsbedingt. Diese Umstände
,
zusammen mit den vielen Berufs- und Stel
l
enwechseln in der Vorgeschichte
,
würden auf eine reduzierte Anpassungs
fähig
keit, je nach Konstellation auf eine reduzierte Gruppenfähigkeit, auf eine redu
zierte Flexibilität
,
sich an Regeln und Routinen zu gewöhnen
,
und auf eine reduzierte Gesamtbelastbarkeit hinweisen.
Trotzdem sei es dem Beschwerdeführer gelungen, fast fünf Jahre beim gleichen Arbeitgeber zu arbeiten
. Auch
habe
er
sich die ersten zwei Jahre wohl auch gut geschützt und akzeptiert gefühlt, was die Ressourcenseite auch illustriere. Auch würden die intellektuellen Ressourcen als sehr gut wirken. Könne also eine stufenweise Reintegration, idealerweise be
gleitet zum Beispiel über ein Jobcoaching
,
in ein wertschätzendes, transparentes Arbeitsumfeld ohne allzu grossen zeitlichen und emotionalen Stress erfolgen, werde auch ein intaktes Potential gesehen
(S. 3
Ziff.
1.4)
.
Die Arbeitsfähigkeit sei durch die aktualisierten, negativen Selbst- und Beziehungsannahmen hochgradig
eingeschränkt. Mittelfristig sei eine Reintegration wohl zu 50-100
%
möglich (S. 3
Ziff.
1.6).
3.4
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, beratender Arzt der Krankenversicherung des Beschwerdeführers, nahm am 2
1.
November 2016 Stellung (
Urk.
9/75/24-28) und führte aus,
die vorliegenden Akten würden belegen, dass sich beim Beschwerdeführer eine manifeste Belastungssymptomatik gezeigt habe, welche gemäss den Angaben der ersten Behandlungsstelle auf einen
Arbeitsplatzkonflikt zurückzuführen gewesen sei.
Hierbei sei festgehalten worden
, dass eine Rückkehr an die bisherige Arbeitsstelle nicht mehr zumutbar sei, dass aber in einer anderen angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
aus
gewiesen sei
(S. 3)
.
Die Durchsicht der vorgefundenen dokumentierten Psycho
pa
thologie verweise auf gewisse affektive Schwankungen sowie auf nur leicht
gra
dige kognitive Einschränkungen
, doch werde auch seitens med.
pract
.
B._
explizit darauf hingewiesen, dass unter der fortgeführten Psychopharma
kothe
rapie (bis Ende Mai 2016) keine gravierenden Depressionen oder Manien hätten beobachtet werden können. Die alleinige Berücksichtigung dieser Psychopa
tho
logie qualifiziere nicht für eine anhaltend
höhergradige
(25
%
und mehr) Arbeits
unfähigkeit. Implizit werde dies auch seitens med.
pract
.
B._
bestätigt, da er
die eigentliche Problematik nicht in der psychopathologischen Verfassung des Be
schwerdeführers einordne, sondern in seinem Interaktionsverhalten im Rah
men eines Arbeitsteams oder in einer Gruppe.
Demzufolge sei in einer angepassten Arbeitsumgebung keine Beeinträchtigung mit Krankheitswert vorliegend, welche zu einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit führen würde (S. 4).
Es dürfe ab dem
1.
April 2016 von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
in einer angepassten Tätigkeit ausgegangen werden (S. 5).
3.5
Med.
pract
.
B._
berichtete am
1.
Dezember 2016 (
Urk.
9/18) und führte aus,
die letzte Kontrolle habe am 2
3.
November 2016 stattgefunden (S.
1
Ziff.
1.2). Der Beschwerdeführer habe sich im August 2016 wieder gemeldet. Er habe sich in einer mittelschweren depressiven Phase befunden, habe sich von allen sozialen Kontakten weitgehend zurückgezogen gehabt und sei mit der Alltagsbewältigung in vielen Bereichen überfordert gewesen.
Der Beschwerdeführer sei in der F
olge
vom
1
8.
Oktober
bis 2
1.
November 2016
in die Tagesklinik des Sanatoriums
I._
eingetreten. Bereits während der ersten Wochen seien dabei Schwierigkeiten in den psychologischen Gruppen aufgetreten. Bedauerlicherweise habe sich der Beschwerdeführer in Absprache mit seiner Ärztin entschieden, die Tagesklinik nach nur einem Monat abzubrechen
(S. 2
Ziff.
1.4)
.
Die stufenweise Reintegration in ein wertschätzendes, transparentes Arbeitsumfeld ohne allzu grossen, zeit
li
chen und emotionalen Stress erscheine als prioritär. Allerdings sei ein Weg zurück in eine relevante Arbeitsfähigkeit (zirka 50
%
) nur auf längere Sicht (mehr als ein Jahr) realistisch.
Aktuell sei der Beschwerdeführer als
Fitnessinstruktor
hoch
gradig (zirka 75
%
) eingeschränkt (S. 3
Ziff.
1.4 und
Ziff.
1.5).
3.6
Med.
pract
.
B._
berichtete am 2
0.
Dezember 2016 (
Urk.
9/75/22-23) zuhan
den des Ombudsmanns der Privatversicherungen und der Suva und führte aus,
dass die Therapie s
eit September
2016
ambulant und anschliessend teilstationär
nochmals
deutlich intensiviert worden
sei, wobei der
Hauptfokus auf
der
Inter
aktionsstörung gelegen
sei
. Leider
sei die
Entwicklung des G
esundheitszustandes
aber sehr
unerfreulich
. Es habe sich am konkreten Beispiel gezeigt, dass die f
unktionelle
n
Defizite so gravierend
seien
, dass
der
B
eschwerdeführer den
Alltag einer
psychotherapeutischen
Tagesklinik nicht
habe
bewältigen können
(S. 1)
. Seither werde eine ganz
niederschwellige Reintegration versucht.
Es bestehe eine grosse Übereinstimmung in der Beurteilung der Art des Gesundheitsschadens mit
Dr.
H._
. Allerdings bestünden grosse Differenzen in der Einschätzung des Aus
masses und des Zeitverlaufs. Die Arbeitsunfähigkeit sei gemäss seiner Ein
schätzung über das ganze Jahr 2016 anhaltend hochgradig geblieben, während einem Klinik- oder Tagesklinikaufenthalt sei diese per definitionem 100
%
. Seit
her stelle sich nun wieder die Frage, ob eine vorsichtige, schrittweise Reinte
gration unter intensiver, therapeutischer Begleitung leistbar werde. Der Abbruch des Tagesklinikprogramms aus gesundheitlichen Gründen, die Einschätzung der Tagesklinik als schwere depressive Episode und die Einschätzung der Invali
den
versicherung als momentan fraglich
reintegrierbar
stimmten aber natür
l
ich mehr als kritisch (S. 2).
3.7
Mit Austrittsbericht vom 2
1.
Dezember 2016 (
Urk.
9/37/6-9) berichteten die Ärzte des Sanatoriums
I._
über den teilstationären Aufenthalt des Beschwerde
führers vom 1
8.
Oktober bis 2
1.
N
ovember 2016 und nannten folgende Diagnose (S. 1):
-
bipolare affektive Störung, gegenwärtig
mittelgradige depressive
Episode ohne psychot
ische
Symptome
(ICD-10 F31.3)
Der Beschwerdeführer
gebe an, im Rahmen einer psychosozialen Belastungs
situation
eine
zunehmende depressive Symptomatik entwickelt zu haben
mit starkem sozialem Rückzug. Der Beschwerdeführer leide sehr unter der depressiven Verstimmung und habe grosse Angst, in die manische Phase zu kippen. S
eit Tee
nagerzeiten kenne er depressive
Episoden
. Eine e
rste
hypomane
Phase
habe er
mit Beginn des 2
0.
Lebensjahres
erlebt
.
Seither habe er im Verlauf eher deutliche Depressionen und weniger deutliche Manien, wahrscheinlich Hypomanien, erlebt (S. 1).
Er habe in Absprache mit seinem ambulanten Therapeuten und auf drin
gen
den eigenen Wunsch die vorbestehende Medikation im Sommer 2015 abge
setzt.
Seit Oktober 2016 bestehe eine schlafanstossende Medikation (S. 2). Auf
grund der starken Gefühlsvermeidung des Beschwerdeführers und Befürchtung
,
seine Wut nicht kontrollieren zu können, sei die Gruppenfähigkeit mittelgradig
eingeschränkt. Aufgrund von ständigen zwischenmenschlichen Interaktionen durch
die Gruppentherapien sei der Beschwerdeführer stets angespannt gewesen und habe sich nicht auf das Therapieprogramm einlassen können. In gegen
sei
tigem Einverständnis sei ein Abbruch der teilstationären Behandlung beschlossen worden. Um den Beschwerdeführer weiter zu stabilisieren und einen Wiederein
stieg in die Berufswelt zu ermöglichen, werde mindestens eine ambulante psy
chia
trisch-psychotherapeutische Nachbehandlung empfohlen (S. 3).
3.8
Dr.
H._
nahm am 1
3.
März 2017 Stellung (
Urk.
9/75/20-21) und
führte aus,
er könne sich der Beurteilung
durch
med.
pract
.
B._
bezüglich einer anhal
tenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit nicht anschliessen. Der Bericht von med.
pract
.
B._
erwähne nur indirekt und vage einen psychiatrischen Sachverhalt mit Krankheitswert. Die alleinige zitierte Wiedergabe einer Diagnose ohne ICD-Codierung, ohne psychopathologischen Befund und ohne ausführlichen Bericht und der summarische Hinweis auf weitere therapeutische Bemühungen seien als Beurteilungsgrundlage nicht ausreichend.
3.9
Med.
pract
.
B._
berichtete am
4.
April 2017 (
Urk.
9/75/17-19) und
führte aus,
von psychotherapeutischer Seite sei die Persönlichkeitsstörung respektive Interaktionsstörung im Fokus gelegen. Hier sei im Sinne einer schemathe
rapeu
tischen und klärungsorientierten Therapie an den zentralen Prägungen des Be
schwerdeführers gearbeitet worden. Der Therapieunterbruch Ende Mai bis Anfang August 2016 sei denn auch im Zuge dieser Symptomatik zustande gekommen. Aufgrund dieser Erfahrung sei dann nach der Rückkehr versucht worden, die Integration und die angestrebten, korrektiven Erfahrungen im sozialen Kontext in einem therapeutischen, statt direkt beruflich orientierten Rahmen anzupeilen.
Daher sei die Anmeldung für die psychotherapeutische Tagesklinik erfolgt.
Dieser Aufenthalt habe aufgrund ungenügender Gruppenfähigkeit abgerochen werden müssen. Seither finde eine regelmässige, ambulante, psychiatrische und psycho
therapeutische Behandlung statt.
Die Behandlung hinsichtlich der Interaktions
störung brauche viel Zeit, sei aber der zentrale Bestandteil auch zur Verbesserung der Funktionsdefizite des Beschwerdeführers
(S. 2)
.
3.10
Dr.
H._
nahm am 1
0.
Mai 2017 Stellung (
Urk.
9/75/5) und führte aus,
er könne sich der Beurteilung durch med.
pract
.
B._
bezüglich einer anhaltenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit bis Leistungsende (3
1.
Mai 2017) anschliessen. Es werde eine manifeste Erkrankungsproblematik sowie eine fachärztliche Behand
lung belegt. Der Verlauf weise eine erhebliche Tendenz der
Chronifizierung
auf.
3.11
Med.
pract
.
B._
berichtete am 2
9.
September 2017 (
Urk.
9/37/1-4) und
führte
aus, die Befunde, Psychopathologie und die funktionellen Einschrän
kungen seien gegenüber dem letzten Bericht kaum verändert, dies abgesehen von leichteren Schwankungen der bipolaren Symptomatik. Gerade vor dem Hintergrund dieser Stabilisierung der Achse I-Störung werde jedoch klar, wie deutlich die Gesamt
psychopathologie und funktionellen Defizite primär durch die Achse II-Störung (Persönlichkeitsstörung) dominiert sei
.
Die interaktionellen Defizite, welche im Zusammenhang mit dem Tagesklinikaufenthalt dargestellt worden seien, hätten sich beim Versuch anfangs Juni
,
in eine berufliche Integrationsmassnahme ein
zusteigen
,
wiederholt
(S. 1
Ziff.
1.3).
Die bisherige Tätigkeit sei auf längere Frist (1-2 Jahre) nicht leistbar. Eine angepasste Tätigkeit sei günstigstenfalls im Sinne einer therapeutisch begleiteten Tätigkeit im tiefen Prozentbereich (zirka 25
%
) in wertschätzendem, therapeutisch geschultem, konfliktarmem Umfeld mit vorsich
ti
gem Einstieg möglich
(S. 2
Ziff.
2.1)
.
Da immer wieder auffalle, dass der Be
schwerdeführer seine Emotionalität sehr stark kontrolliere, in weitschweifig, zwanghafter Weise rationalisiere/intellektualisiere und eine stark belastete Kind
heit bestehe, sei zusätzlich zur kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlung ein Versuch über EMDR (
Eye Movement
Desensitization
and
Reprocessing
) bei
Dr.
J._
unternommen worden. Soweit dies zu beurteilen sei, habe dies bisher leider zu keinen relevanten Fortschritten geführt (S. 2 f.
Ziff.
3.1).
Aufgrund des unbefriedigenden Verlaufs seien auch die medikamentösen Therapiemassnahmen nochmals intensiviert worden. S
o
sei im März mit einer Lithiummedikation begonnen worden, seit Mitte April bestehe ein stabiler Spiegel. Da gerade die An
triebsblockaden weiter persistiert
en
, sei versucht worden, ob eine zusätzliche Etablierung eines Antidepressivums doch einen weiteren Gewinn bringen könne. Hierunter habe sich innerhalb von zwei Wochen ein Syndrom mit Schweiss
ausbrüchen, Zittern und Schlafstörungen entwickelt, weshalb dieses wieder abgesetzt worden sei. Vor Kurzem sei nun aufgrund von Durchschlafstörungen und der gedrückten Affektlage und eben diese
r
oben genannten Erfahrung noch ein Versuch mit
Valdoxan
unternommen worden, der in der ersten Erfahrung leicht positiv sei (S. 3
Ziff.
3
.1).
3.12
Am
4.
Dezember 2017 beantwortete med.
pract
.
B._
die von der Beschwer
degegnerin gestellten Zusatzfragen (
Urk.
9/39; vgl. auch
Urk.
9/38) und führte aus,
die über lange Zeit sehr regelmässigen Termine, auch in den Morgenstunden, hätten keine sichtlichen Hinweise für eine Beeinträchtigung durch Suchtmittel ergeben. Für einen gesteigerten Alkoholkonsum ergäben sich im beiliegenden Labor keine Anhaltspunkte. Die Compliance in Bezug auf die Medikation sei gut. Der Spiegel von Lithium sei stabil an der Nebenwirkungsgrenze oder eigentlich «darüber» (S. 1).
Valdoxan
sei nach über einem Monat in therapeutischer Dosis aufgrund Wirkungslosigkeit wieder abgesetzt worden. Ein Ausbau, gerade in anti
depressive Richtung
,
scheine also nicht nur «nicht erfolgversprechend», sondern kontraindiziert.
Die Fähigkeit, sich an Regeln und Routinen anzupassen,
die Flexibilität/Umstellungsfähigkeit, das Durchhaltevermögen, die
Selbstbe
haup
tungs
- und Kontaktfähigkeit zu
D
ritten seien stark eingeschränkt durch selbstun
sichere Anteile
. Der Beschwerdeführer klammere
sich stark an eigene Verhaltens
muster in engen Grenzen
,
wie es bei ängstlich-vermeidenden und zwanghaften Persönlichkeiten üblich se
i
. Es sei nicht von einer Aggravation auszugehen und der Beschwerdeführer sei eher «überangestrengt». Er scheine sowohl im Rahmen seiner Therapie
als
auch bei der EMDR Therapie bei
Dr.
J._
an die Grenzen seines persönlich Leistbaren zu gehen. Therapeutisch und integrationsorientiert sei vieles versucht worden.
Es sei nicht selten zu sehen, dass Personen mit einer Per
sönlichkeitsstörung irgendwie eine einigermassen funktionierende Nische fän
den und erst später nach «Bestätigung der frühen, biographischen Erfahrungen» nachhaltig in ihrer Leistungsfähigkeit einbr
ä
chen (S. 2).
Hierzu müsse aber gesagt werden, dass es viele Faktoren gebe, die bereits hochdysfunktionales, zwischen
menschliches Verhalten des Beschwerdeführers in Schule und ersten beruflichen E
ngagements nahelegen würden.
Seither seien die unter «Funktionalität» ausge
führten Einschränkungen
aggraviert
, die dahinterliegenden Schemata «aktua
li
siert». Willentlich überwindbar sei dies für den Beschwerdeführer nicht
(S. 3)
.
3.13
Dr.
med.
K._
, praktischer Arzt, Hausarzt des Beschwerdeführers, führte am
3.
Oktober 2018 aus (
Urk.
9/46), dass der Beschwerdeführer seit Ende Juni 2018 regelmässig auf Cannabis und Alkohol getestet worden sei. Es hätten sich weder im Labor noch im klinischen Bild Hinweise für eine
n
Suchtmittel
konsum ergeben.
3.14
Med.
pract
.
L._
, Facharzt für Neurologie, Regionaler Ärztlicher Dienst
(RAD) der Beschwerdegegnerin, nahm am 2
0.
November 2018 Stellung (
Urk.
9/62
/6) und führte aus, streng betrachtet sei der Nachweis der Abstinenz in Bezug auf Ecstasy und Kokain nicht erbracht, da nur Cannabis untersucht worden sei. Dies sei negativ. Hinsichtlich der abschliessenden
Beurteilung sei darüber hinaus jedoch auch ein aktueller psychiatrischer Fachbericht erforderlich, da der letzte Bericht von Dezember 2017 datiere und daher zu alt sei, um den aktuellen psychiatrischen Befund zu beurteilen. Es sei davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand durch die Therapie gebessert habe. Daher werde empfohlen, einen aktuellen Bericht einzuholen. In diesem Bericht müsse auch Stellung ge
nommen werden zum Krankheitsverlauf und zur Zumutbarkeit einer Behand
lungs
optimierung, falls bisher keine Besserung eingetreten sei, da die Therapie
möglichkeiten bisher nicht ausgeschöpft worden seien.
3.15
Med.
pract
.
B._
berichtete am 3
0.
Dezember 2018 (
Urk.
9/48) und
führte aus, die Befunde, Psychopathologie und funktionellen Einschränkungen seien gegen
über dem letzten Bericht gesamthaft kaum verändert
(S. 1
Ziff.
1.3)
.
Die bisherige Tätigkeit sei auf längere Frist (1-2 Jahre) nicht leistbar. Eine geschützte Tätigkeit sei günstigstenfalls im Sinne einer therapeutisch begleiteten Tätigkeit im tiefen Prozentbereich (zirka 25
%
)
in wertschätzendem, therapeutisch geschultem, kon
flikt
armem Umfeld mit vorsichtigem Einstieg möglich, der dem Beschwerdeführer ein schrittweises Überwinden und Bewältigen interaktioneller Vermeidungs
muster ermögliche
(S. 1
Ziff.
2.1)
.
Letztlich sei der Krankheitsverlauf ohne gravie
rende Veränderung. Bedauerlicherweise weise dieser trotz der intensiven thera
peu
tischen Unterstützung aber eine Tendenz zur
Chronifizierung
und Bestätigung tiefgreifender Selbst- und Beziehungsannah
m
en aus.
So habe der Beschwerde
führer Anfang 2018 kurzzeitig eine leicht aufgehellte, weniger vermeidende Phase
aufgewiesen. In dieser Phase habe er sich
gegenüber einem
Ausbau sozialer Akti
vitäten und
einer
vermehrte
n
Öffnung
, an
eigenen zwischenmenschlichen Be
dürfnissen zu arbeiten
, zugänglich
gezeigt.
Konkret seien zwei Sitzungen mit seiner Schwester zur vermehrten Selbstreflexion auf biographischem Hintergrund gemacht worden. Zudem sei es dem Beschwerdeführer häufiger gelungen, mit seiner besten Kollegin Aktivitäten auszumachen. Nach einer ersten positiven und bestärkenden Phase sei es zu Entwicklungen gekommen, die den Beschwerde
füh
rer massiv überfordert und letztlich zur erwähnten Bestätigung seiner negativen Selbstannahmen geführt hätten.
Seit Sommer habe er daher wieder eine zu
mindest mittelschwere depressive Phase mit massiven Vermeidungstendenzen gegenüber jeglichen sozialen Aktivitäten oder individuellen Zielsetzungen erlebt. Seit November sei es nun wieder zu einer leichten Stabilisierung gekommen
. Der Beschwerdeführer sei 2017 auf Lithium eingestellt worden, welches er über zehn Monate eingenommen habe. Zuletzt hätten sich die Nebenwirkungen gehäuft. Der Beschwerdeführer habe eine Hypothyreose entwickelt, welche habe substituiert werden müssen. Zudem habe der Tremor störend zugenommen. Die positiven Wirkungen seien zudem sehr begrenzt gewesen.
Daher sei entschieden worden,
die Lithiumbehandlung auszusetzen.
Ein teilstationärer Klinikaufenthalt sei bereits
versucht worden. Der Beschwerdeführer habe sich damals überfordert gezeigt, ge
rade in psychologische Gruppen einzusteigen. Angesichts der aktuellen Erfah
rungen zum Funktionsniveau im sozialen Kontext sei zu erwarten, dass der Be
schwerdeführer weiterhin von den Anforderungen eines stationären oder teilsta
tionären Einzel- und Gruppentherapieprogramms überfordert wäre
und daher nic
ht profitieren könnte respektive das zu erwartende Versagenserleben die Sympto
matik sogar noch
aggravieren
würde
(S. 2
f.
Ziff.
3.1)
.
3.16
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete sein psychiatrisches Gutachten am 2
8.
August 2019 (
Urk.
9/57) gestützt auf die Akten sowie die Untersuchung des Beschwerdeführers und nannte folgende Dia
gnose
(S. 23
Ziff.
5):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
histrionischen
und narzisstischen Anteilen (ICD-10 F61.0)
E
r führte aus, es habe klinisch keine Anhaltspunkte für eine Intoxikation mit
psychotropen Substanzen gegeben. Im Gespräch habe der Beschwerdeführer keine
Mühe gehabt
,
den Blickkontakt zu halten
,
und habe im Gedankengang nicht blockiert gewirkt (S. 15). Betreffend Stimmungsbild habe der Beschwerdeführer einen nicht depressiven, unauffällig modulierbaren Affekt präsentiert. Er sei in der Lage gewesen, situationsbedingt zu lachen. Es habe eine kurzdauernde Affekt
labilität bei Fragen nach der Kindheit und Jugend gegeben. Bei Verschieben des
Fokus sei der Beschwerdeführer sofort wieder auslenkbar und unauffällig gewe
se
n
.
Das Vorhandensein in höherem Ausmass von depressivem Freudverlust, Schuld-,
B
estrafungsgefühlen, Selbstableh
nung und Interessenverlust
sei
nicht festzu
stel
len
gewesen
. Es
sei
unter anderem ferner nicht objektivier
bar
gewesen
, dass der
Beschwerdeführer
stark angespannt oder ängstlich
gewirkt habe
. Die von ihm lächelnd vorgetragene Angst, u
nter anderem
nicht zu genügen,
habe
sich in der Gegenübertragung nicht ab
gebildet
. Es
sei
zudem nicht deutlich
gewesen
, dass
der Beschwerdeführer
an depressivem Selbstwertverlust oder einer überdauern
den Affektstörung (kein depressiver oder schmerzverzerrter Gesichtsausdruck, weiter modulierbarer Affekt) leide.
Die Grundstimmung
sei zum Begutach
tungs
zeitpunkt ausgeglichen
und weder als inkontinent noch
dysphorisch
zu beurteilen
gewesen
. Eine überdauernde depressiv-niedergeschlagene und verzweifelte Affekt
lage
sei
nicht festzustellen
gewesen
. Auch eine depressive Hoffnungslosigkeit
sei
in den Schilderungen des
Beschwerdeführers
nicht deutlich
geworden
. Eine
höhergradige
ausgeprägte depressive Verzweiflung
habe
nicht festgestellt werden
können
. Klinisch
seien
beim
Beschwerdeführer
während des Untersuchu
ngsge
sprächs keine Aufmerksamkeitsstörungen auf
gefallen
, eine vermehrte Vergess
lichkeit - also Gedächtnisstörung - und Ablenkbarkeit
seien
nicht augenschein
lich
gewesen
(zu allen Qualitäten orientiert, Einordnung biographischer Inhalte durch den
Beschwerdeführer
ohne Probleme möglich, keine mnestischen Ein
schränkungen während der Untersuchung
; S. 1
6
)
.
Die Persönlichkeit
des Beschwerdeführers wirke
histrionisch
-narzisstisch
;
alles, was seine Person
betreffe, wirke
sehr bedeutungsschwer. Der
Beschwerdeführer stelle
höchste Leistungsans
prüche an sich selbst und strebe
na
ch perfekter Erfül
lung. Er fühle
sich mit einer einfachen Bürotätigkeit unterfordert, da diese unin
teressant und „schlimmer als der Tod" sei. Wenn er hinter
seinen Erwartungen zurückbleibe, führe
er äussere Umstände und multiple Krankheitssymptome an, die ihn u
nter anderem
zum Opfer machen
würden. So werde
das bisherige Scheitern ausschliesslich externen Faktoren zugeschrieben. Diesen Ver
lust seiner Möglichkeiten erlebe
der
Beschwerdeführer
als von aussen zustossend und nicht in
der eigenen Verantwortung (Ver
antwort
ungsabwehr). Entsprechend erlebe
sich
der Beschwerdeführer
als krank und als Opfer, das wegen seiner Krankheit beruf
l
iche Ziele bisher nicht mehr habe umsetzen können. Die
Wahrnehmungen ermöglich
t
en es
dem Beschwerdeführer
, die jetzige Situation nicht als ein per
sönliches Misserfolgserleben begreifen zu müssen
(S. 16 f
.).
Die Beschwerdevalidierung
sei
z
u Ung
unsten einer authentischen Beschwerde
s
childerung durch den
Beschwerdeführer
aus
gefallen
. Es
hätten
weder ein valides Testprofil noch
eine zuverlässige Beschwerdeschilderung durch den Beschwerde
führer ermittelt werden können
(S. 17)
.
Der
Beschwerdeführer habe
sich in der Untersuchung am 2
1.
August
2019 klinisch-psychiatrisch unauffällig
präsentiert.
Es
seien
weder eine überdauernde Verlangsamung, überdauernde Aufmerksamkeitsstörung noch eine überdauernde Einschränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit festzustellen
gewesen. Der Be
schwerdeführer
habe
sich lediglich kurzzeitig affektiv instabil
gezeigt
(< 20 Sekunden). Im Untersuchungsgespräch
seien
zudem keine Dissoziation und keine krankhaft gesteigerte Stimmung festzustellen
gewesen
. Das Gangbild und Bewe
gungsverhalten
seien
unauffällig
gewesen (S. 23 f.)
.
Beim Beschwerdeführer sei neben einem
histrionischen
Persönlichkeitsstil auch ein narzisstischer Anteil zu beurteilen, der mit Perfektionismus, interpersonellen Konflikten, Angst vor Fehlern und Unzulänglichkeiten, Angst vor einem Verlust der Zuwendung durch andere, durch ein verletzliches Selbstbewusstsein
sowie
mit Manipulationstendenzen verknüpft sei. Da der Beschwerdeführer fürchte, das
s andere Menschen ihn abwerten könnten, wenn seine (vermeintliche) eigene
Un
zulänglichkeit offenbart werde
, s
ehe
er sich gezwun
gen, zu vermeiden, sich der
arti
gen sozialen Situationen auszusetzen
(S. 24)
.
Die Analyse der Lebensgeschichte
des
Beschwerdeführer
s
lege
dabei den Schluss nahe, dass die von ihm subjektiv geschilderten Schwierigkeiten und Krank
heits
symptome nur ein Glied in einer langen
Kette von Problemen gewesen seien. Er habe
nach der Stellenkündigung als Fitness-Ausbilder im Jahre 2015 seither an keinem Ort wieder beruflich F
uss
gefasst. Der
Verlauf der letzten Jahre zeige
einen fortgesetzten Misserfolg in verschiedenen Bereichen.
Der Beschwerdeführer
ha
be
mit der von ihm berichteten Krankheit einer Bipolar II
-
Störung ein neues Element der Gestaltung der äusseren Bedingungen in die Hand bekommen, obgleich jed
wede fachärztlich-psychiatrische Objektivierung für diese psychische Gesund
heits
störung seit der Jugendzeit (Kapitel F
3 der ICD-10) in den Akten fehle. Die auftretenden Beschwerden hätt
en dabei einen sehr stark regressiven Charakter, die seit der Stellenkündigung im Jahr 2015 zu einer prolongierten dauernden Schonung führ
t
en. Auf der anderen Seite beleg
t
en hingegen auch seine Angaben, dass der
Beschwerdeführer zahlreiche Ressourcen habe. Er verfüge
über einen sehr guten
deutschen Wortschatz und habe
es trotz seiner
Schwierigkeiten me
hrere
J
ahre bis
zum Jahr 2015 geschafft, erfolgreic
h
beruflich tätig zu sein.
Aus versiche
ru
ngsmedizinischer-psychiatrischer Sicht
sei
es deshalb wichtig, dass
der Beschwerdeführer
mit einem etwaigen Job-Coach-Programm eine Hilfe und Begle
itung in der Anstrengung bekomme
, sich in eine Arbeitsumgebung zu inte
grieren, um unter von aus
s
en gegebenen Bedingungen eine verwertbare Leistung zu erbringen. Eine Arbeitstätig
k
eit
sei dem Beschwerdeführer
in einem ange
pa
ssten Arbeitspl
atzsetting aus rein versicherungsme
d
izinischer-psychiatrischer Sicht vollschichtig zumutbar
. E
s g
ebe
keine psychiatrischen
G
ründe, die Ein
schränkungen der Anforderungen an ihn
rechtfertigten. Das Problem bes
teh
e
für
den Beschwerdeführer
v
or allem
darin, eine Arbeitstätigkeit zu
finden, die vom Niveau her seinen
hohen (Selbst
)Ansprüchen genüge. Dieses Problem deute
s
ich
zum Beispiel
in seinen Schil
derungen
an, früher eine Büro-Arbeitsstelle ge
kün
digt zu haben, da sie u
nter anderem
„uninteressant" und „sch
limmer als der Tod" gewesen sei (S. 24).
Die beim
Beschwerdeführer auftretenden Symptome seien
in erster Linie als Aus
druck seiner kombinierten narzi
sstischen-
histrionischen
Persönl
ichkeitsstörung (ICD-10 F61.0) zu beurteilen. Die Schwierigkeiten
des Beschwerdeführers würden
also seine Charakterpathologie
betreffen
, die die
berufliche Integration erschwere
. Der
Beschwerdeführer neige dazu, sich als Opfer zu erl
eben b
eziehungsweise
zu inszenieren.
Er gebe
dabei m
ultiple psychosomatische Symptome an und neige
dazu, sein Helfersystem für seine Ziele einzuspannen. Der psy
chische Gesund
heitszustand neige
beim
Beschwerdeführer
unter psychosozialen Belastungen zu psychosomatischen (Mit-)Reaktionen. Das Verhalten
des Beschwerdeführers zeige
dabei eine ausgeprägte
histrionisch
anmutende Emphase, die se
ine Umgebung jeweils mobilisiere. S
o
habe
er
zum Beispiel
seine Behandler im Ambu
latorium
D._
im Jahre 2016 motiviert
, einen Bericht zur alleinigen Beurteilung seiner Arbeitsfähigkeit zu erstellen und danach den Kontakt abzubrechen
(S. 25 oben)
.
A
us rein versicherungsmedizinischer-psychiatrischer Perspektive steh
e die kom
binierte P
ersönlichkeitsstörung bei
m Beschwerdeführer
klar im Vordergrund
. A
lle übrigen Symptome
seien
sekundär und ferner nicht losgelöst von psychosozialen Belastungsfaktoren b
eziehungsweise
einer kurzandauernden Dekompensation der Persönlichkeitsstörung zu beurteilen. Den ausge
prägten psychodyn
a
m
is
chen Grund
konflikt versuche der Beschwerdeführer
mit
histrionisch
anmu
tendem Ver
halten zu bewältigen. Es
sei
ein entsprechender Interaktionsstil bei
ihm
fest
zu
stellen. Die
histrionische
-narzisstische Natur der Persönlichkeit
des Beschwerde
führers komme
vor allem darin zu
m
Ausdruck, dass er sich mit seinen Be
schwer
den an andere wende und eine Anerkennung seiner Person zu suchen schein
e
, die möglichst in Form einer Handlung oder einer praktischen Hilfe zum Ausdruck kommen soll. Der
Beschwerdeführer
verfüg
e
übe
r ein grosses Helfernetz. Es sei
gut begründet anzunehmen, dass es bei vielen dieser Massnahmen nicht in erster Linie um ihren Inhalt geh
e. S
ie h
ätt
en vielmehr den Wert einer Anerkennung und ermöglich
t
en ihm ein Erlebnis von Selbstwirksamkeit. Die zugrundeliegenden multiplen psychischen Einschränkungen, die
der Beschwerdeführer
als Begrün
d
ung anführ
e
,
würden
vor allem
demonstrativ oder
appellativ
vorgetragene, unspezifi
sc
he Beschwerden
betreffen
, die schliesslich auch in die subjektive Be
wertung einer vollschichtigen eingeschränkten Arbeitsfähigkeit für den
1
. Arbeits
markt gemündet h
ätt
en. Wenn die Anforderungen für
den Beschwerdeführer zu gross wü
rden und er seinen hohen Selbstansprüchen
nicht genüge
(„Angst
,
nicht gut genug zu sein") oder wenn ihm - subjektiv empfundene -
Kränkungen zu
ge
fügt würden, neige
er rasch dazu, eine gesundheitliche Verschlechterung anzu
geben. Eine akute Suizidalität
sei
zum gutachterlichen Untersuchungszeitpunkt am 2
1.
August
2019 nicht festzustellen
gewesen
. Die Beschwerdeschilderung und das Verhalten des
Beschwerdeführers
wirk
t
en demonstrativ und dürften
vor allem
appellativen
Charakter haben. Diese Neigung
sei
dem Bewältigungsstil der
his
trionischen-narzi
sstischen
Grundproblematik zuzu
rechnen und
b
e
rge
das Risiko, dass es unter Belastung und bei Ausbleiben von subjektiv genügend erlebter Unterstützung zu impulsiven Handlungen kommen k
önne
. Auch die Feststellung des
appellativen
Charakters seiner Beschwerdeangaben dürfte für den
Beschwer
de
führer
einen kränkenden Charakter haben, was den
Anlass zu einer verstärkten Nei
gung, dieses Verhalten zu zeigen, bilden k
önne (S. 25)
.
Ins Auge spring
e
beim
Beschwerdeführer
ferner eine deutliche Fähigkeit, sich
be
ziehungsweise
anamnestis
c
he Daten so darzustellen, wie es ihm g
erade opportun zu sein scheine.
Widersprüche zwischen den Anknüpfungstatsachen in den Akten und seinen Angaben (z.B. sich seit dem Jahre 2015 regelmässig in therapeutischer Behandlung zu befinden, währenddessen in de
n
Akte
n
von regelmässigen Thera
pieabbrüchen die Rede
sei
), könn
t
en von ihm nicht reflektiert werden.
Diese Manipulationstendenz mache
ihn unberechenbar, da in der direkten Interaktion diese Charaktereigenschaften nicht
ohne weiteres augenscheinlich würden - im Gegenteil wirke der Beschwerdeführer
überangepasst freundlich, konziliant, ein
vernehmend und höflich. Dabei
sei
auch in der aktuellen versicherungs
medi
zinischen-psychiatrischen Untersuchung am 2
1.
August
2019 deutlich geworden, dass der
Beschwerdeführer Angaben mache
, die nicht mit den objektiven klini
schen Befunden übereinstimm
t
en (z.B. kognitive Einschränkungen ohne klinische Entsprechung) und daher nicht gänzlich ausgeschl
o
ssen werden k
önne
, dass seine
Ä
usserungen ausschliesslich an der Nützlichkeit der eigenen Opferinszenierung - und nicht an der Realität - orientiert s
eien
. Für den
Beschwerdeführer fühle
sich etwas als Wahrheit an, wenn es ihm nützlich
sei. Insofern sei
festzustellen, dass eine Instrumentalisierung von Beziehungen - auch der therapeutischen
bezie
hungsweise
ärztlichen Beziehung - nicht gänzlich auszuschliessen
sei
,
und es für ihn keine emotionalen Barrieren g
ebe
, verschiedene Drittpersonen gegeneinander auszuspielen
(S. 26)
.
Aus dem Dargelegten ergebe
sich, dass der Unterzeichnende die ICD-10 Ein
gangs
kriterien
zur Diagnose einer Persönlichkeitsstörung, also einer schwerwiegenden Unausgeglichenheit oder Auffälligkeit des Verhaltens und Charakters seit der Kindheit und Jugend beim Fehlen
von
Hinweise
n
für eine schwere Hirnpa
tho
logie, die mehrere Funktionsbereiche wie Affektivität, Antrieb, Impulskontrolle, Wahrnehmung, Denken sowie d
ie Beziehung zu anderen betreffe
und die durch ein andauerndes, gleichförmiges Verhaltensmuster und nicht auf (episodische) psychische Krankheiten begrenzt
sei
, mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit be
stä
tigen könne. Der Beschwerdeführer zeige überdauernde Einschränkungen in der sozialen und
emotionalen Ada
ptationsfähigkeit, die sich unter anderem
durch zwischenmenschliche Probleme im Sozialverhalten zeig
t
en.
Es sei
überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen,
d
ass
beim Beschwerdeführer k
ran
kh
eitswertige
Per
sönlichkeitsmerkmale
vorlägen
,
die
eine passagere krankhafte Regulation von Affekten und Impulsen, Veränderungen in Bewusstsein und Veränderungen der Selbstwahrnehmung beinhalten
würden, die jedoch keine überdau
ernde volle Einschränkung der beruflichen Leistungsfähigkeit rechtfertig
t
en.
Der Beschwer
de
führer
neig
e
zu einer dramatischen Selbstdarstellung, einem theatralischen Auftreten und einem übertriebenen
Ausdruck von Gefühlen und neige
zur Sug
gestibilität, d
as heisse
zur Übernahme von Gefühlen, Wahrnehmungen und Vor
stel
lungen, auf Kosten der Realität. Dies zeige
sich u
nter anderem
in den Schil
derungen zu Symp
tomen und Diagnosen (Bipolar II-
Störung), die sich nicht mit den objektiven
Befunden in Einklang bringen lie
ssen
beziehungsweise
zu plau
sibi
l
isieren
gewesen seien
. Die
Persönlichkeitsstörung entfalte
eine dynamische Kraft, so dass er im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steh
e
, wobei auch das manipulative Verhalten des
Beschwerdeführers
seinen Zielen diene
(S. 26)
.
Die in der Krankengeschichte berichteten Krankheitsepi
soden und die doku
men
tierte Psy
chopathologie könn
t
en daher als Ausdruck einer passager
dekompen
sierten
kombinierten Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0) nachvollzogen werden,
die sich ausgehend von psychosozialen Belastungssituationen (z.B. zunehmende Arbeitsplatzkonflikte) und Kränkungserleben entwickelt ha
be
. Eine leistungsein
schrä
nkende affektive Erkrankung im Sinne
einer Störung des Kapitels F3
der ICD-10 sei
beim
Beschwerdeführer
am 2
1.
August
2019 hingegen nicht festzu
stellen b
eziehungsweise
auch nicht anhand des Dossiers zu plausibilisieren
ge
wesen
. Eine aktive Abhängigkeit und ein schädlicher Gebrauch von
Alkohol und illegalen Drogen lie
ssen sich derzeit beim Versicherten nicht objektivieren; die zur Begutachtung durchgeführte Drogen-UP-Kontrolle
sei
negativ und der CDT3-Wert unauffällig
gewesen
(S. 2
6 f.
)
.
In einer Gesamtschau
sei
zu beurteilen, dass es im vorgel
egten Fall wesentliche Inkonsis
tenzen und
Unplausibilitäten
g
ebe
, auf die der Gutachter lediglich i
m Sinne
der Konsistenzprüfung hinweisen
könne
, ohne dass diese also mit medi
zi
nischen Mitteln oder weiteren Begutachtungen zu objektivieren
seien
. Die Wider
sprüche und ein nicht immer gegebener logischer Zusammenhang seiner An
ga
ben
(u.a. äussern einschränkender psychopathologischer Symptome bei unauf
fälligem klinischem Untersuchungsbefund, unterschiedliche Wirklichkeitskonstruktionen
im Vergleich zur Aktenlage) sprä
chen gegen die Authentizität der geltend ge
machten Symptome. Eine Beschwerdevalidierung im SRSI (
Self
-Report
Symptom
Inventory
) sei
zum Ergebnis
gekommen
, dass diese zu Ungunsten einer authen
tischen Beschwerdeschilderung durch den
Beschwerdeführer
aus
gefallen sei
. Es
hätten
weder ein valides Testprofil noch eine zuverlässige Beschwerdeschilderung
durch den Beschwerdeführer ermittelt werden können.
Gegen einen bis zu 22 Stun
den andauernden sozialen R
ückzug in die Wohnung spreche
, dass man dann eher nicht ein braungebranntes - der Jahreszeit entsprechendes Hautkolorit - beim
Beschwerdeführer
erwarten müsste. Auch
sei
eine regelmässige Einnahme von
Temesta
® (
Lora
zepam
) nicht objektivierbar, da
der Drogen-UP-Befund des
Be
schwerdeführers
auf Benzodiazepine negativ aus
gefallen sei
. An einer manifesten Angst un
d Anspannung leidende Personen
zeig
ten in der Regel
positive Werte für Benzodiazepine
.
Dies
sei
beim
Beschwerdeführer nicht der Fall. Zudem habe der Beschwerdeführer
regelmässig i
hm angebotene psychiat
risch-psychothe
ra
peutische Behandlungen wieder ab
gebrochen
und
diese auch zeitlich korre
liert zum IV-Verfahren
wieder auf
genommen
, was wesentlich gegen einen ausgepräg
ten Leidensdruck spr
eche
(S. 27)
.
In einer Gesamtschau beurteile
der Unterzeichnende, da
ss die subjektiv geäusser
ten Be
schwerden des
Beschwerdeführers
mit seinem Verhalten, den Schilde
run
gen und den bisher wahrgenommenen Behandlungsoptionen nicht durch
gän
gig korrelier
t
en. Die geschilderten Beschwerden st
ünden
daher nicht in durch
gehen
der
Übereinstimmung mit seinen Anga
ben. Eine spezifische Psychopharma
kothe
rapie werde nicht mehr durchgeführt, was gegen einen ausgeprägten Leidens
druck
spreche.
Gerade unter einer bipolaren Störung leidende Menschen würden im Allgemeinen von einer psychopharmakologischen Behandlung sehr profitieren und zeig
t
en dabei - auf Grund des Leidensdrucks - auch i
n der Regel
eine hohe Compliance. Auf Grund der o
ben erwähnten
Ausführungen
sei
es daher not
wendig zu erwähnen, dass zu Differenzialdiagnosen, auch die Selbstlimitierung, A
ggravation, der sekundäre Krank
heitsgewinn und das bewusste Vortäuschen b
eziehungsweise
Simulieren einer psychischen Störung (Z76.5 nach ICD-10) gehör
t
en, wofür v
or allem
die o
ben erwähnten
Diskrepanzen sprechen würden. Simulation
sei
zunächst kein psychiatrisches Krankheitsbild, sondern
ein Ver
halten. Eine solche lasse
sich nur einwandfrei belegen, wenn de
r Betroffene diese selbst zugebe
oder bei einer Tätigkeit oder bei der Teilnahme am sozialen Lebe
n angetroffen werde
, die mit den genannten Krankheitsbildern nicht vereinbar
seien (S. 28 oben)
.
Fasse
man die Erkenntnisse im vor
liegenden Fall zusammen, so müsse
festgestellt werden, dass
der Beschwerdeführer an
keiner klinisch relevanten psychiatrischen Gesundheitsstörung der Achse I (z.B. einer affektiven Störung de
s Kapitels F3 der ICD-10) leide
b
eziehungsweise
diese Erkrankung auch rückwirkend nicht
plausi
bilisiert werden könne
. Die berufliche Leistungsfähigkeit
sei
nicht
höhergradig
eingeschränkt. Die seitens der Behandler behaupteten Einschränkungen der be
ruflichen Leistungsfähigkeit könn
t
en nicht mit einer Störung der
Achse I erklärt werden, die nach der ICD-10 klassifiziert b
eziehungsweise plausibilisiert werden könne
.
Der Beschwerdeführer
leide überwiegend wahrscheinlich in Einklang mit den bisherigen fachärztlich-psychiatrischen Beurteilungen an einer (kombi
nier
ten) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0), die die berufliche Leistungsfähigkeit nicht überdauernd und relevant
höhergradig
einschränke;
dies in Bezug zu einem an
gepassten Arbeitssetting
b
eziehungsweise
einer Verweistäti
gkeit. Dafür spreche auch die Analyse der Faktoren der MINI-ICF APP. In Zukunft sei nicht
auszu
schli
essen, dass seine Handlungen beziehungsweise
sein Verhalten erneut den Zweck verfolgen
würden
,
seiner
Sicht der Dinge Nachdruck zu
verleihen
und
eine
entsprechende
Anerkennung und Hilfestellung zu erhalten. Eine berufliche Wie
der
eingliederung
sei
an die Bedingung einer überdauernden ambulanten psychia
trisch-psychotherapeutischen Behandlung der Persönlichkeitsstörung und an eine überdauernde Abstinenz von psychotropen Substanzen zu knüpfen. In Bezug zum nicht angepassten Setting im bisherigen
Tätigkeitsprofil als Ausbilder
sei
von einer medizinisch-theoretischen Arbeitsunfähigkeit von 20
%
auszu
gehen.
Aus rein versicherungsmedizinischer-psychiatrischer Sicht
sei
der
Beschwerdeführer
- medizinisch-theoretisch - in Bezug
auf
eine angepasst
e
Verweistätigkeit
hingegen als
zu
100
%
arbeitsfähig zu beurteilen. Eine alleinige Persönlichkeitsstörung i.e.S. begründe nach versicherungsmedizinischer Lehrmeinung im vorgelegten Fall keine vollschichtige Arbeitsunfähigkeit
(S. 28 f.).
Probleme
bei der Eingliederung seien
bis heute überwiegend wahrscheinlich und wesentlich nicht durch ein psychisches Störungsbild der Achse I (z.B. Bipolar II-Störung, Kapitel F3 der ICD-10) begründet. Zum gutachterl
ichen Untersu
chungs
zeitpunkt sei
eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung i.S. einer Achse II-Störung zu plausibilisie
ren
gewesen
, die indessen die bisherigen Probleme bei der Eingli
e
derung nicht in Gänze zu erklären vermö
g
e
(S. 33)
.
Da keine psychiatrische Erkrankung der
Achse I i.e.S. festgestellt beziehungsweise
i
m
Hinblick auf die berufliche Leistungsfähigkeit
habe plausibilisiert werden können
(z.B. keine Bipolar II-Störung, Kapitel F3 ICD-10), die eine Einschränkung der beru
flichen Leistungsfähigkeit beim Beschwerdeführer begründe, seien
Ein
glie
derungsmassnahmen aus rein versicherungsmedizinischer-psychiatrischer Sicht
zumutbar. Etwaige IV-un
terstützte berufliche Eingliederungsmassnahmen seien
an die Bedingung einer überd
auernden regelmässigen psychiat
risch-psy
chotherapeutischen Behandlung und einer kon
trollierten Drogen- und Alkohol
abstinenz (vollständige Drogen-UP-Kontrollen, Haaranalysen in 3-4-monatige
m
Abstand) zu knüpfen. Eingliederungsmassnahmen
seien
schwierig umzusetzen, da
sich
der
Beschwerdeführer
als arbeitsunfähig im
ersten
Arbeitsmarkt - in
Ein
klang mit seinem Psychotherapeuten
–
beurteile
(S. 33)
.
Es sei beim Beschwerdeführer
keine psychische Gesundheitsstörung der Achse I (z.B. keine Bipolar-II-Störung, Kapitel F
3 der ICD-10) festzustellen beziehungs
weise
zu plausibilisieren, die eine Einschränkung der beruflic
hen Leistungs
fähig
keit begründe. Insofern lasse sich keine psychische Gesundheitsstörung der Achse
I
feststellen, die nach der ICD-10 oder DSM- 5®-Klassifikat
ionen diagnostiziert werden könne
und etwaig relevante Auswirkungen auf die Lebensbereiche wie Beruf, Erwerb, Haushalt, Freizeit und soziale
Aktivitäten h
abe
; dafür spreche
auch die Bewertung der Items der MINI-ICF APP. Eine kombinierte
Persönlichkeits
stö
rung begründe
im vorgelegten Fall keine
höhergradigen
Einschränkungen
betref
fend die
Lebensbereiche Haushalt, Freizeit, s
oziale Aktivitäten und begründe
hier ferner keine vollschichtige Arbeitsunfähigkeit im l. Arbeitsmarkt
(S. 34)
.
3.17
Med.
pract
.
L._
, RAD, nahm am
8.
Oktober 2019 Stellung (
Urk.
9/62/8-9) und führte aus,
in Bezug auf die bisherige Tätigkeit als Ausbildner bestehe eine redu
zierte Frustrationstoleranz und Konfliktfähigkeit infolge der Persönlichkeits
stö
rung mit narzisstischen und
histrionischen
Anteilen, die zu Arbeitsplatz
kon
flikten führen könne. Für eine angepasste Tätigkeit bestünden keine nennens
werten Einschränkungen. Es bestehe eine leichte Beeinträchtigung der Kontakt- und Gruppenfähigkeit, der Entscheidungs- und Selbstbehauptungsfähigkeit sowie der Flexibilität.
Eingliederungsmassnahmen seien vor dem Hintergrund der kombinierten Persön
lichkeitsstörung zumutbar. Es bestünden keine psychischen Erkrankungen, die einer beruflichen Wiedereingliederung in erheblich behindernder Weise entge
gen
stünden. Sie würden jedoch schwierig umzusetzen sein, da sich der Be
schwer
deführer für arbeitsunfähig halte. Im Sinne einer Schadenminderungspflicht seien vollständige Drogen-Urin-Kontrollen und CDT-Tests in unregelmässigen Abstän
den zu empfehlen.
3.18
Med.
pract
.
B._
nahm am 2
6.
November 2019 Stellung zum Vorbescheid (
Urk.
9/70) und führte aus,
aus der Anamnese und den Schilderungen des Be
schwerdeführers auch im Gutachten werde deutlich, dass dieser massive funk
tio
nelle Defizite ausweise, die er trotz hohem therapeutischen Engagement nicht überwinden könne. Im Mini-ICF bilde der Gutachter diese nicht ab. Insofern sei das Gutachten nicht schlüssig und nachvollziehbar.
Die vom Gutachter bestätigte Diagnose einer Persönlichkeitsstörung sei keineswegs irrelevant für die Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers (S. 1).
Im Januar 2018 habe eine
hypomane
Phase stattgefunden. Dies sei sicher kein Vollbild einer Manie, nur eine Hypo
manie, aber gerade auf dem Hintergrund der sonstigen Funktionsmuster des Be
schwerdeführers nicht anders einzuordnen als in einer Störung aus dem Bipolar-Spektrum
(S. 2 oben)
.
Er könne die Einschätzung des Gutachters, dass keine Ein
schränkung der Anpassung an Regeln und Routinen vorliegen solle
,
in keiner Weise nachvollziehen. Er sehe diese zumindest als erheblich. Die Einschrän
kun
gen seien durch die Achse II-Störung bedingt
(S. 3)
.
Formaldiagnostisch sehe er die gleiche Störung (Persönlichkeitsstörung) wie der Gutachter, halte aber da
neben weiter auch an der bipolaren Störung fest.
Im Hinblick auf die Beurteilung der funktionellen Ressourcen/Defizite und damit der Arbeitsunfähigkeit stehe die Persönlichkeitsstörung mit ihren Auswirkungen auf Kognitionen, Affektivität, Bedürfnisbefriedigung und Art des Umgangs mit anderen
Menschen klar im Vor
dergrund. Hier bestünden sehr gravierende Einschränkungen, die sich bisher auf alle therapeutischen Versuche als resistent erwiesen hätten
(S. 5)
.
Daher sei der Beschwerdeführer aktuell und auf längerfristige S
icht
100
%
arbeitsunfähig für die bisherige oder eine angepasste Tätigkeit (S. 6).
3.19
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –
psychotherapie
,
nahm am 3
1.
Dezember 2019
in einer E-Mail
Stellung (
Urk.
9/71) und führte aus, das Gutachten von
Dr.
A._
basiere auf unvollständigen bezie
hungsweise lückenhaften Angaben zur Vorgeschichte des Beschwerdeführers. Da
her stünden die Schlussfolgerungen auf sehr wackligen F
üssen, sowohl betreffend Diagnosen als auch bezüglich der Arbeitsfähigkeit. Der Beschwerdeführer habe ih
n
erstmals im Herbst 2016 aufgesucht. Im Jahr 2017 habe er ihn vierzehn
M
al und in den Jahren 2018-2019 insgesamt siebenundsechzig
M
al gesehen, wobei
er neun Sitzungen aus gesundheitlichen Gründen nicht habe wahrnehmen können
.
Er habe ausserdem Gespräche mit der Schwester sowie der Mutter des Be
schwer
deführers führen können. Ohne all diese Informationen sei es seiner Meinung nach nicht möglich, sich ein umfassendes Bild der jetzigen psychischen Situation und Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu machen.
3.20
Dr.
J._
berichtete am
2.
Juni
2020
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
9/76/2-13) und führte aus,
das Erstgespräch für eine
trauma
-zentrierte psy
chiatrisch-psychotherapeutische Behandlung in französischer Sprache habe im September 2016 stattgefunden (S. 6)
. Er nannte folgende Diagnosen (S. 9
Ziff.
5):
-
Bipolar-II-Störung (ICD-10 F31.8), aktuell mittelgradige depressive Phase
-
k
ombinierte Persönlichkeitsstörung (ängstlich mit paranoiden und narzis
s
tischen Zügen; ICD-10 F61.0)
-
a
uf der Grundlage einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) bei langjähriger körperlicher, psychischer und verbaler Gewalt in der Familie während Kindheit und Jugend
-
Hyperhydrosis
(ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit)
E
r führte aus, der Beschwerdeführer sei in ein schwer dysfunktionales Familien
system geboren worden. Es sei in der psychischen Entwicklung des Beschwer
de
führers zu einer sogenannten strukturellen Dissoziation der Persönlichkeit ge
kom
men. Heute liege eine sekundäre Dissoziation im Rahmen einer komplexen post
traumatischen Belastungsstörung vor.
Intrapsychisch seien die Bindungs
fähig
keit sowie das Urvertrauen in andere Menschen, die Sozialisierung, die Fundierung des Selbst, die Zuversicht im Sinne eines basalen Gefühls von Sicherheit, die
Stressbewältigung, die Affektregulierung und die Impulskontrolle beschädigt wor
den
(S. 10)
. Der Beschwerdeführer sei schon als Kind und Jugendlicher jahrelang in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung gewesen und habe ein
tetra
zyklisches
Antidepressivum eingenommen. Während der Beschwerdeführer als Jugendlicher und später als junger Erwachsener wieder ein einigermassen all
tagstaugliches Funktionsniveau erreicht habe, sei seit 2015 keine nennenswerte beziehungsweise dauerhafte Zustandsverbesserung nachweisbar. Der Beschwer
de
führer sei innerlich blockiert und erstarrt, werde von Ängsten, Befürchtungen und Sorgen heimgesucht, begegne seiner Umwelt voller Misstrauen, ziehe sich sozial sehr stark zurück, erlebe sich oft hilflos, schutzlos und ausgeliefert, was wiederum suizidale Gedanken auslöse. Seine negative Grundüberzeugung habe bisher ebenso wenig verändert werden können wie seine Selbstzweifel
und sein schlechtes Selbstwertgefühl. Es handle sich somit um einen schweren und seit vielen Jahren bestehenden Gesundheitsschaden. Die medizinische Prognose sei mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit langfristig ungünstig.
Der Beschwerdeführer habe jahrelang ein labiles inneres Gleichgewicht halbwegs aufrechterhalten können. Er sei somit zeitweise über mehrere Monate arbeitsfähig gewesen. Beim letzten Arbeitgeber, wo er zum ersten Mal in seinem Leben länger beruflich tätig gewesen sei, habe er jedoch eine Wiederholung seiner schwierigen Kindheits
er
fahrungen an verbaler, emotionaler und einmalig auch körperlicher Gewalt erlebt. Er sei seither zu 100
%
arbeitsunfähig. Die Bipolar-II-S
törung, die komplex
e PTBS
sowie die schwere kombinierte Persönlichkeitsstörung hätten allesamt erheblichen negativen Einfluss auf das Denken, das Handeln, die Affektsteuerung,
die Belastbarkeit, die Anpassungsfähigkeit, die Flexibilität, die Selbstbehaup
tungs
fähigkeit sowie die Steuerung sozialer Kontakte. Daher müsse langfristig davon
ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer sowohl für die bisherige als auch
für eine angepasste Tätigkeit weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig sei (S. 1
1 f.
).
3.21
Dr.
med.
M._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, nahm am 2
3.
Juli 2020 Stellung (
Urk.
9/79/3-5) und führte aus,
im sehr ausführlichen und umfangreichen Gutachten von
Dr.
A._
werde das Vorliegen einer bipolaren Störung nachvollziehbar diskutiert und ausgeschlossen. Das Vor
liegen einer kombinierten Persönlichkeitsstörung werde nicht bezweifelt.
Die unterschiedlichen Persönlichkeitsanteile seien ebenfalls im Gutachten hergeleitet und diskutiert worden, übereinstimmend bestünden narzisstische Persönlich
keits
anteile.
Eine Persönlichkeitsstörung beginne in der Kindheit oder Adoleszenz und bestehe in der Regel lebenslang. Im Bericht von med.
pract
.
B._
gebe dieser an, dass die Einschränkungen durch die Persönlichkeitsstörung führend für die Leistungseinschränkungen seien. In seiner letzten Tätigkeit habe der Beschwer
deführer trotz der vorliegenden Persönlichkeitsstörung von 2007 bis 2015 zu
nächst als Trainer und später als Ausbildner tätig sein können, obwohl diese Tätigkeit nicht seinem optimalen Belastungsprofil entsprochen habe.
Das Vorlie
gen der Persönlichkeitsstörung schliesse demnach nicht die Arbeitsfähigkeit aus. Die von med.
pract
.
B._
angegebenen Einschränkungen seien nicht nach
vollziehbar. Die funktionellen Einschränkungen seien ebenfalls im Gutachten ausführlich begründet und diskutiert worden.
Beim Beschwerdeführer seien die Bedingungen für eine
posttraumatische Belastungsstörung
gemäss ICD-10 nicht erfüllt. Der Diagnose von
Dr.
J._
könne nicht gefolgt werden. Das Vorliegen
einer
posttraumatischen Belastungsstörung
sei bereits im Gutachten von
Dr.
A._
ausgeschlossen worden. Neue oder unberücksichtigte medizinische Tatsachen gingen aus dem Einwand nicht hervor. Es könne weiterhin auf das Gutachten von
Dr.
A._
a
b
gestellt werden.
4.
4.1
Der psychiatrische Gutachter Dr.
A._
konnte in seinem Gutachten vom August 2019 (vgl. vorstehend E. 3.16) als Diagnose eine kombinierte Persönlichkeits
stö
rung mit
histrionischen
und narzisstischen Anteilen (ICD-10 F61.0) nennen und ging davon aus, dass der Beschwerdeführer in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit zu 80
%
und in jeder angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei.
4.2
Das Gutachten von Dr.
A._
vom
August 2019
erfüllt die formalen Beweiswert-Anforderungen (vorstehend E. 1.6) ohne weiteres, ist es doch für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt auch die geklagten Beschwerden und wurde in Kenntnis der
ihm zur Verfügung ge
stellten
Vorakten
(Anamnese) abgegeben. Darüber hinaus leuchtet es in der Dar
legung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medi
zi
ni
schen Situation ein und ent
hält nachvollziehbar begründete Schlussfolge
run
gen, weshalb darauf abge
stellt wer
den kann.
Eine entsprechende Pr
üfung ergibt denn auch, dass der
psychiatrische Gutachter die heute massgebenden Standardindikatoren (vorstehend E. 1.5) in
seine
Beurtei
lung weitestgehend einbezogen hat.
So hat er
sich einlässlich mit den diagno
serelevanten Befunden und deren Aus
prägung auseinandergesetzt (Urk.
9
/
57 S. 15 ff., S. 23 f.
), ebenso
mit dem Be
handlungserfolg (S.
32 f.). Er
legte in nachvollziehbarer Weise dar, dass
die kom
binierte Persönlichkeitsstörung
bei
m
Beschwerdeführer
klar im Vordergrund stehe
und alle übrigen Symptome sekundär und nicht losgelöst von psychosozialen Belastungsfaktoren zu beurteilen seien
(S. 25)
.
Das Vorliegen einer leistungsein
schränkenden affektiven Erkrankung im Sinne einer Störung des Kapitels F3 der
ICD-10
, insbesondere einer Bipolar II-Störung,
verneinte er in ausführlicher Weise
und begründete dies schlüssig und nachvollziehbar (S. 27
f.
, S.
29
ff.
, S.
33 f.).
Z
um Explorationszeitpunkt habe sich der Beschwerdeführer klinisch-psychia
trisch
unauffällig präsentiert (S. 23).
Bisher hätten (medikamentöse) Behand
lungs
ange
bote im ambulanten und (teil-)stationären Setting stattgefunden (S. 32),
eine berufliche Wiedereingliederung sei an die Bedingung einer überdauernden ambu
lanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung der Persönlichkeitsstö
rung und an eine überdauernde Abstinenz von psychotropen Substanzen zu knüpfen (S. 28).
Zum Aspekt der Persönlichkeit wies der Gutachter darauf hin, dass die Persönlichkeit des Beschwerdeführers
histrioni
sch
-narzisstisch wirke, alles was seine Person betreffe, wirke sehr bedeutungsschwer.
Der Beschwerde
führer stelle höchste Leistungsansprüche an sich selbst und strebe nach perfekter Erfüllung. Wenn er hinter seinen Erwartungen zurückbleibe, führe er äussere Um
stände und multiple Krankheitssymptome an, die ihn unter anderem zum Opfer machten.
So werde das bisherige Scheitern ausschliesslich externen Fakto
ren zuge
schrieben. Entsprechend erlebe sich der Beschwerdeführer als krank und als Opfer (S. 16).
Die Schwierigkeiten des Beschwerdeführers beträfen also seine Charakterpathologie, die die berufliche Integration erschwere (S. 25).
Als persön
liche Ressourcen können dem Gutachten
die jahrelange erfolgreiche Tätigkeit des Beschwerdeführers als Fitness-Ausbilder
, das Abschliessen von Ausbildungen
sowie die schnelle Aneignung eines sehr guten deutschen Wortschatzes entnom
men werden (S. 24
, S. 30
).
Hinsichtlich des Gesichtspunkts der Konsistenz ist festzuhalten, dass
die Beschwerdeschilderung und das Verhalten des Beschwerde
führers als demonstrativ wirkend beschrieben wurden und
appellativen
Charakter hätten (S. 25). Ferner springe eine deutliche Fähigkeit des Beschwerdeführers ins Auge, sich beziehungswese anamnestische Daten so darzustellen, wie es ihm ge
rade opportun zu sein scheine. Diese Manipulationstendenz mache ihn unbere
chenbar. Insofern sei festzustellen, dass eine Instrumentalisierung von Bezie
hungen nicht gänzlich auszuschliessen sei. Das Verhalten zeige sich auch in den Schilderungen zu Symptomen und Diagnosen, die sich nicht mit den objektiven Befunden in Einklang bringen liessen (S. 26).
In einer Gesamtschau sei zu beur
teilen, dass es vorliegend wesentliche Inkonsistenzen und
Unplausibilitäten
gebe. Die Widersprüche und ein nicht immer gegebener logischer Zusammenhang der
Angaben des Beschwerdeführers sprächen gegen die Authentizität der geltend ge
machten Symptome. Gegen einen bis zu täglich 22 Stunden andauernden sozia
len Rückzug in die Wohnung spreche, dass man dann eher nicht ein braun
ge
branntes – der Jahreszeit entsprechendes – Hautkolorit erwarten müsste. Auch sei eine regelmässige Einnahme von
Temesta
nicht objektivierbar. Zudem habe der Beschwerdeführer regelmässig ihm angebotene psychiatrisch-psychotherapeu
tische Behandlungen wieder abgebrochen und habe diese auch zeitlich korreliert zum IV-Verfahren
wieder aufgenommen
, was wesentlich gegen einen ausge
prägten Leidensdruck spreche (S. 27
f.
).
Die Bestim
mung der Arbeitsfähigkeit (S. 28 f.)
ist zudem so erfolgt, dass sie sich gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) ergibt.
4.3
Nachdem sich der Gutachter
Dr.
A._
in
seiner
Beurteilung (auch) an den Stan
dardindikatoren orientiert hat, ist die von der Rechtsanw
endung zu prüfende Frage, ob er
sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehal
ten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indika
to
ren einge
schätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), klar zu bejahen. Die funk
tionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrund
lage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen (BGE 144 V 50 E. 3.4). Mithin erfüllt das Gutachten sowohl die praxisgemässen herkömmlichen Anforderungen (vorstehend E. 1.6) als auch diejenigen des strukturierten Beweis
verfahrens (vor
stehend E. 1.3-1.5). Somit ist betreffend die Diag
nosen wie auch hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit
auf das Gutachten von Dr.
A._
abzustellen.
4.4
Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers vermögen die Berichte der be
handelnden Psychiater, welche ihm
nebst einer Persönlichkeitsstörung auch eine Bipolar II-Störung diagnostizierten und von
eine
r
100%ige
n
Arbeits
unfähig
keit
ausgingen
, das Gutachten von
Dr.
A._
nicht umzustossen.
So steht unbe
strit
te
nermassen fest, dass der Beschwerdeführer an einer kombinierten Persön
lich
keits
störung leidet und diese dominierend ist beziehungsweise klar im Vor
dergrund steht, was die Einschränkungen anbelangt. Der Beschwerdeführer zeigt krank
heits
wertige Persönlichkeitsmerkmale betreffend Interaktion, leidet an interaktio
nellen Defiziten und es bestehen Einschränkungen in der sozialen und emo
tio
nalen Adaptionsfähigkeit, in der Regulation von Affekten und Impulsen und in
der Selbstwahrnehmung.
Die Auswirkungen dieser Einschränkungen werden inso
fern unterschiedlich beurteilt, als der behandelnde Psychiater med.
pract
.
B._
diese als gravierend beschreibt (vgl. E. 3.18), während der Gutachter einzig
(
in sechs Bereichen
)
leichte Einschränkungen festhält.
Die Begründung und
Schlussfolgerung im Gutachten
vermögen zu überze
ugen (vgl.
Urk.
9/57 S. 18 ff.),
indem der Gutachter aufzeigte, dass
keine Psychopathologie festzustellen
sei
, die es begründen beziehungsweise plausibel machen könnte, dass der Beschwer
de
führer grössere Schwierigkeiten habe, den Tag zeitlich strukturieren zu können und anstehende Aufgaben nicht in ihrer zweckmässigen Folge zu erledigen. Ob
jektive krankheitsbedingte Gründe, die es ihm verunmöglichen würden, eine Tages
struktur und eine
n
geregelten Arbeitsablauf einhalten zu können, seien nicht festzustellen gewesen (S. 18).
Aufgrund der kombinierten Persönlich
keits
störung habe der Beschwerdeführer Schwierigkeiten, sich neuen Situationen erwartungs
gemäss anzupassen. Er sei in der Tat weniger flexibel in Bezug darauf, sein Verhalten wechselnden Anforderungen anzupassen. Insofern sei eine Arbeits
platzanpassung notwendig, wodurch in Bezug zur beruflichen Leistungsfähigkeit dann eine leichte Einschränkung dieser Fähigkeit resultiere (S. 19).
Beim B
e
schwer
deführer könnten keine psychopathologischen Befunde festgestellt werden,
die es ihm verunmöglichten, an Freizeit- und Er
holungsaktivitäten teilzunehmen.
Krankheitsbedingte Lethargie und Passivität seien nicht augenscheinlich.
Es seien beim Beschwerdeführer keine krankheitsbedingten psychischen Gründe objekti
vierbar, die begründen könnten, dass er bei einer etwaigen beruflichen Aufgabe nicht über die erforderliche Zeit hin aktiv bleiben könnte und eine eingeschränkte Qualität resultiere (S. 20).
Der Gutachter bemerkte a
usserdem
zu Recht,
dass in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die Ärzte des Ambulatoriums
D._
(vgl. vorstehend E. 3.
2) die attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit als arbeits
platz
bezogen beurteilt wurde, lediglich ein Verdacht auf eine Bipolar II-Störung gestellt und zudem ausgeführt wurde, dass die Erkrankung durch belastende Ereig
nisse am Arbeitsplatz verursacht worden sei. Es erhelle somit, dass vorlie
gend ein arbeitsplatzbezogener Gesundheitsschaden vorgelegen habe, der in der
Entwicklung nur sehr unwahrscheinlich losgelöst von psychosozialen
Belas
tungs
faktoren zu beurteilen gewesen sei.
Weiter machte der Gutachter nachvollziehbar darauf aufmerksam, dass für die in den Arztberichten von med.
pract
.
B._
festgehaltene Diagnose einer Bipolar II-Störung seit der Jugendzeit jedwede fachärztlich-psychiatrischen
Objektivierungen
in den Akten fehlten.
Wesentlich gegen das Vorliegen dieser Störung spreche zudem, dass der Beschwerdeführer bis zur attestierten Arbeitsunfähigkeit im Jahre 2015 mehrere Jahre erfolgreich beruflich tätig gewesen sei und Ausbildungen abgeschlossen habe
(S. 29 f.)
.
Schliesslich konnte der Gutachter die im Bericht von med.
pract
.
B._
fest
gestellte
Chronifizierung
(vgl. vorstehend E
.
3.15) in Bezug
zu einer versiche
rungsmedizinisch-relevanten psychischen Gesundheitsstörung mit Einfluss auf die berufliche Leistungsfähigkeit nicht bestätigen.
Sodann hat das Gericht – bei
Berichten von behan
delnden Ärzten -
der Erfahrungstatsache Rechnung zu tra
g
en, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifels
fall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3a/cc
S.
353 mit weiteren Hinweisen).
Zwar kann die einen längeren Zeitraum ab
deckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte oft wertvolle Erkenntnisse hervorbringen. Jedoch lässt es die unterschiedliche Natur von Be
hand
lungsauftrag des thera
peutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begut
achtungsauftrag des bestell
ten fachmedizinischen Experten andererseits (
BGE 125 V 351 E. 3b/cc S. 353; 124 I 170 E. 4. S. 175; Urteil des Bun
desgerichts 9C_906/2011 vom 8. August 2012 E. 4.4)
nicht zu, eine medizinische Admini
strativ- oder Gerichtsexpertise stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behan
delnden Ärzte zu anderslau
tenden Ein
schätzungen gelangen. Vorbehalten blei
ben Fälle, in denen sich eine abwei
chende Beurteilung aufdrängt, da die behan
delnden Ärzte wichtige - und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende - Aspekte benen
nen, welche im Rahmen der Begutachtung uner
kannt oder ungewürdigt geblie
ben sind (Urteile des Bundesgerichts 8C_278/2011 vom 26.
Juli
2011 E. 5.3;
8C_567/2010 vom 19. November 2010 E. 3.2.2 sowie 9C_710/2011 vom 20. März 2012 E. 4.5;
SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43, I 514/06 E. 2.2.1).
Dies ist vorliegend nicht der Fall.
Dies gilt auch für die von
Dr.
J._
genannte Diagnose einer komplexen post
traumatischen Belastungsstörung. Mit RAD-Ärztin
Dr.
M._
(vorstehend E.
3.21)
, die über einen Facharzttitel in Psychiatrie und Psychotherapie verfügt und welcher sämtliche Akten vorlagen, gilt es festzuhalten, dass die aktuell gültige internationale Klassifikation psychischer Störungen die Diagnose einer
komplexen posttraumatischen Belastungsstörung nicht vorsieht.
Die Diagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung nach ICD-10 F43.1 setzt sodann voraus, dass sie mit einer Latenz von wenigen Wochen bis Monaten nach einem Ereignis mit
aussergewöhnlicher
Bedrohung oder katastrophenartigem
Ausmass
auftritt, das bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Diese
Voraussetzungen sind vorliegend – in Übereinstimmung mit
Dr.
M._
– nicht
erfüllt, worauf bereits der Gutachter
Dr.
A._
hingewiesen hat (
Urk.
9/57 S. 31).
4.5
Zusammenfassend steht der Sachverhalt dahingehend fest, dass die Arbeits
fähigkeit des Be
schwerdeführers aus psychiatrischer Sicht in der zuletzt ausge
übten Tätigkeit als
Fitness-Ausbilder zu 20
%
eingeschränkt ist, in
sämtlichen anderen Tätigkeiten
gemäss Arbeitsplatzprofil hingegen von keiner relevanten Einschränkung auszugehen ist.
Betreffend die von der Beschwerdegegnerin auferlegte Schadenminderungspflicht bleibt festzuhalten, dass
gemäss Gutachten eine berufliche Wiedereingliederung an die Bedingung einer überdauernden Abstinenz von psychotropen Substanzen zu knüpfen sei (
Urk.
9/57 S. 28).
Die vom Beschwerdeführer in der IV-Anmeldung festgehaltene
n
S
ym
p
tome seien nicht losgelöst von psychosozialen Belastungs
faktoren und auch nicht losgelöst von einem später im Verlauf sich plausibili
sierenden Suchtmittelmissbrauch zu beurteilen (S. 29).
Der von med.
pract
.
B._
beschriebene Konsum von Alkohol, Cannabis,
Cocain
und Ecstasy in
hypo
manen
Phasen beschreibe einen Konsum illegaler Substanzen, der bereits alleine geeignet sei, die vom Beschwerdeführer berichteten Symptome auszulösen (S. 30).
Allein der Kokainkonsum könne eine
hypomane
-gereizte Stimmung als direkte Suchtmittelfolge auslösen, was nicht mit einer Störung des Kapitels F3 der ICD-10, für die es beim Beschwerdeführer überhaupt keine objektiven Belege und Ver
haltensbeobachtungen gebe, verwechselt werden dürfe
(S. 31)
.
Der Gutachter beurteilte schliesslich, dass nicht das durchgeführt worden sei, w
as vom RAD ver
langt worden sei, nämlich eine Haaranalyse, die über den zeitlichen Verlauf einer etwaigen Suchtmitteleinnahme Auskunft gebe
(S. 32).
Vor diesem Hintergrund
mit einem Drogenkonsum in der Vergangenheit
sowie der Begründung des RAD-A
rztes
med.
pract
.
L._
, wonach die Vorbeugung hinsichtlich der Entwicklung einer Drogensucht bei gegenwärtigem Erreichen einer Abstinenz
Zweck der Schaden
minderungspflicht sei (vgl. vorstehend E. 3.17), erscheint diese gerechtfertigt und gibt zu keinen Beanstandungen Anlass.
Die angefochtene Verfügung (Urk. 2) erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt
.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 900.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzu
er
legen.
Zufolge Gewährung der
unentgeltliche
n Prozess
führung sind die Gerichtskosten einstwei
len auf die Gerichtskasse zu nehmen.