Decision ID: 48457d7d-7a5e-5be7-9358-e162d64f2c93
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
Am 5. Juli 2016 wurde A._ von seinen Eltern bei der IV-Stelle des Kantons
St. Gallen zum Bezug von Leistungen für Minderjährige angemeldet (IV-act. 1). Die
behandelnde Dr. med. B._, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -
psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienste St. Gallen, diagnostizierte
eine Adoleszentenkrise (ICD-10: F93.8) bei mangelnder Identitätsentwicklung,
verflachter Mimik, Antriebs- und Interessenlosigkeit, Freudlosigkeit, Leere-Gefühl,
Reizbarkeit mit aggressivem Verhalten, Konzentrationsmangel (medikamentöse
Therapie mit Methylphenidat von ca. 11 bis 14-jährig durch den Kinderarzt),
Schulleistungsproblemen trotz hohem IQ, fehlender Tagesstruktur mit Tag/Nacht-
Umkehr, Cannabiskonsum. Der Versicherte habe anfangs Februar 2016 die KV-Lehre
abgebrochen. Es bestehe keine kinder- und jugendpsychiatrisch attestierte
Arbeitsunfähigkeit. Jedoch seien aufgrund der vorgenannten Angaben zum
Gesundheitsschaden sowie mangelnder Zielvorstellungen und Motivation
Schwierigkeiten bei der Berufseingliederung zu erwarten. Eine Ausbildung im
geschützten Rahmen und bei «interner Wohnsituation» sei empfehlenswert und werde
vom Versicherten selbst gewünscht (Bericht vom 24. August 2016, IV-act. 10). Dr. med.
C._, Oberärztin bei den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Diensten St. Gallen,
berichtete am 15. März 2017, die Behandlung des Versicherten sei ab dem 4. Januar
2017 pausiert worden. Dieser lehne die Fortführung der jugendpsychiatrischen
Behandlung mit Wiederansetzen der Medikation (z. B. Atomoxetin) aktuell ab. Ab sofort
A.a.
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könne mit der Wiederaufnahme einer Tätigkeit in einem 100%igen Umfang gerechnet
werden (IV-act. 18). Die RAD-Ärztin med. pract. G._, Fachärztin für Kinder- und
Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, vertrat in der Stellungnahme vom 27. April
2017 die Ansicht, der Lehrabbruch des Versicherten sei krankheitsbedingt erfolgt. Es
liege ein psychischer Gesundheitsschaden vor, der die Ausbildungsfähigkeit generell
beeinträchtige (IV-act. 20-2). Gleichentags gewährte die IV-Stelle dem Versicherten
eine Berufsberatung (Mitteilung vom 27. April 2017, IV-act. 22), die aufgrund einer
Verschlechterung des Gesundheitszustands des Versicherten in Absprache mit dessen
Eltern sistiert wurde (Schlussbericht Berufsberatung vom 30. Mai 2018, IV-act. 30).
Auf Zuweisung des ambulant behandelnden Dr. med. D._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, nahm der Versicherte vom 24. Mai bis 13. Juni 2018
an einem stationären THC-Entzug in der E._ AG, Privatklinik für Psychiatrie und
Psychotherapie, teil. Die dort behandelnden medizinischen Fachpersonen
diagnostizierten eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1) sowie
psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide: Schädlicher Gebrauch
(ICD-10: F12.1). «Bei Austritt bestand psychopathologisch noch ein fast remittierter
depressiver Affekt, jedoch keine Anhaltspunkte für akute Selbst- oder
Fremdgefährdung ohne Zeichen der Aggravation oder Dissimulation». Für die Dauer
des stationären Aufenthalts wurde dem Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt (Austrittsbericht vom 19. Juni 2018, IV-act. 36). Aufgrund von beruflichen
Schwierigkeiten mit sozialem Rückzug bei mittelschwerem depressivem Zustandsbild
mit Perspektivlosigkeit und starken Selbstzweifeln wurde der Versicherte von Dr. D._
der E._ AG erneut zur stationären Behandlung zugewiesen. Diese dauerte vom
17. Juli bis 28. August 2018. Die medizinischen Fachpersonen der E._ AG
berichteten, dass der Versicherte seit Juni 2018 keinen Cannabiskonsum mehr
betreibe. Die während des Aufenthalts erfolgten Drogenurinbefunde seien für alle
getesteten Substanzen negativ gewesen. Zum Zeitpunkt des Austritts hätten
psychopathologisch nach wie vor Vermeidungstendenzen vor dem Hintergrund
ausgeprägter Insuffizienzgefühle bestanden. Bis zum 18. September 2018 bestehe eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit (Austrittsbericht vom 10. September 2018, IV-act. 35-2 ff.).
Am 18. September 2018 begann der Versicherte, wiederum auf Zuweisung von
Dr. D._, einen dritten stationären Aufenthalt in der E._ AG. Zum Zuweisungsgrund
A.b.
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führten die dort behandelnden medizinischen Fachpersonen aus, der Versicherte trete
aufgrund der Komplexität des Störungsbilds und psychosozialer Beeinträchtigung zur
weiteren Stabilisierung, vertieften diagnostischen Abklärung und zur Fortführung der
stationären Therapie im Rahmen des Schematherapieprogramms ein. Diagnostisch
gingen sie von einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit ängstlichen
(vermeidenden), impulsiven und narzisstischen Zügen aus. Den Cannabis-Konsum
bewerteten sie als dysfunktionale Strategie zur Emotionsregulation und somit eindeutig
als sekundär vor dem Hintergrund der Persönlichkeitsstörung. Dem Versicherten sei es
gelungen, die THC-Abstinenz sowohl im stationären Setting als auch während der
Belastungsaufenthalte an den Wochenenden aufrechtzuerhalten. Eine
Aufmerksamkeitsstörung habe im Rahmen einer neuropsychologischen Abklärung
nicht objektiviert werden können (IV-act. 38; zum neuropsychologischen Bericht vom
21. November 2018 [Datum Posteingang IV-Stelle] über die Untersuchungen vom
24. September und 2. Oktober 2018 siehe IV-act. 40).
Am 4. Dezember 2018 meldete sich der Versicherte zum Bezug von IV-Leistungen
für Erwachsene (berufliche Integration/Rente) bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
an (IV-act. 43). Der behandelnde Dr. D._ diagnostizierte eine Persönlichkeitsstörung
mit ängstlich-vermeidenden, narzisstischen und impulsiven Zügen (ICD-10: F61.0), eine
rezidivierende Depression, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1), und
einen schädlichen Gebrauch von Cannabinoiden (ICD-10: F12.1). Möglicherweise habe
der Versicherte nach längerer Abstinenz (seit Ende Mai 2018) wieder Cannabis zu
konsumieren begonnen. Gegenwärtig seien dem Versicherten weder eine berufliche
Eingliederung noch eine geregelte Arbeit möglich (Bericht vom 28. Januar 2019, IV-
act. 49).
A.c.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 9. April 2019 durch Dr. med.
F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachtet. Dieser diagnostizierte
eine Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung, Mischtypus (ICD-10: F90.0),
leicht bis mittelgradig, und einen schädlichen Gebrauch von Cannabis (ICD-10: F12.1;
zum positiven Ergebnis einer am 21. Februar 2019 durchgeführten Urinprobe siehe IV-
act. 55-28), wobei der Schaden im amotivationalen Syndrom liege. Zudem bestünden
noch akzentuierte Persönlichkeitszüge mit narzisstischen und dissozialen Anteilen
(ICD-10: Z73.1), die jedoch nicht das Ausmass einer Persönlichkeitsstörung annehmen
A.d.
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würden. Beim Versicherten liege eine hohe Intelligenz vor, er habe eine kräftige Statur
und eine gute Leistungsfähigkeit, wenn er denn motiviert und nicht mit Cannabis
betäubt sei. Ungünstig seien seine narzisstisch-dissozialen Persönlichkeitszüge, sein
Hang zur Bequemlichkeit, was ihn zum Cannabiskonsum geführt habe «und alles
zusammen ihn sehr träge werden liess». «Wenn man das ADHS nicht behandelt und er
weiterhin Cannabis konsumiert, wird er im ersten Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig sein
und eine Ausbildung macht auch keinen Sinn, allerdings selbstverschuldet. Wenn man
[das] ADHS hingegen behandelt, er die Medikamente wie verordnet einnimmt, und
wenn er komplett auf Cannabis verzichtet, womit das amotivationale Syndrom sich
legt, ist [...] bei seiner Persönlichkeit zu erwarten, dass er im ersten Arbeitsmarkt Erfolg
haben wird. Er muss dazu aber auch seine Haltung ändern, was zumutbar ist». Der
Versicherte sei besserwisserisch (narzisstisch) und reagiere regredierend auf die
wohlwollenden und entlastenden Therapien in E._. Die Strukturierungsversuche mit
der Tagesklinik seien als kontraproduktiv zu werten, insbesondere da man seinen
Cannabiskonsum weiterhin ohne Konsequenzen zur Kenntnis nehme. Die angeblich
vorliegende mittelgradige depressive Episode sei anhand der Berichte nicht
nachvollziehbar und nicht korrekt, bzw. das Motivationsproblem sei viel besser durch
die Cannabiswirkung (amotivationales Syndrom), die Enttäuschung und Kränkung nach
Entlassung erklärbar. Bezogen auf eine Tätigkeit als Hilfsarbeiter bescheinigte Dr. F._
dem Versicherten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (Gutachten vom 9. Mai 2019, IV-
act. 55). Die RAD-Ärztin med. pract. G._ bewertete die gutachterliche Beurteilung als
formal und inhaltlich korrekt. Das Gutachten sei plausibel und nachvollziehbar. Der
Versicherte könne ab sofort zu 100% als Hilfsarbeiter erwerbstätig sein. Bei
Behandlung des ADHS und einer Cannabisabstinenz liege eine Ausbildungsfähigkeit im
ersten Arbeitsmarkt vor (Stellungnahme vom 14. Mai 2019, IV-act. 57).
Mit Vorbescheid vom 21. Mai 2019 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Ab
weisung des Gesuchs um berufliche Massnahmen und Rentenleistungen in Aussicht
(IV-act. 59). Dagegen erhob der Versicherte am 21. Juni 2019 Einwand, worin er
berufliche Massnahmen beantragte. Über einen allfälligen Rentenanspruch sei nach
Abschluss der beruflichen Massnahmen anhand der dannzumaligen Gegebenheiten zu
entscheiden. Das Gutachten von Dr. F._ hielt er aus verschiedenen Gründen für
mangelhaft. Des Weiteren stellte er die Fähigkeit von Dr. F._ als Gutachter und
A.e.
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dessen Unvoreingenommenheit infrage (IV-act. 66). Zudem reichte er einen
«Abklärungsbericht Aufmerksamkeits- / Hyperaktivitätsstörung» von Dr. phil. H._,
Psychotherapeut FSP, vom 12. Juni 2019 ein. Dieser war zur Auffassung gelangt, dass
eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F90) vorliege. Bei
Compliance könne eine multimodale Intervention etabliert werden. Eine Massnahme
durch die Invalidenversicherung für die berufliche Integration sei notwendig (IV-
act. 66-17 ff.).
Die IV-Stelle legte den Einwand des Versicherten mit Schreiben vom
19. September 2019 Dr. F._ zur Stellungnahme vor (IV-act. 72). Dieser äusserte sich
hierzu am 22. Oktober 2019. Aus seiner Sicht lägen keine neuen medizinischen
Erkenntnisse vor, weshalb er an seinen Schlussfolgerungen in seinem Gutachten
festhalte. Eine berufliche Massnahme sei weder mit Cannabiskonsum noch mit der
ADHS-Behandlung zu begründen. Sie wäre im Fall des Versicherten wegen
Verlängerung und Tolerierung seines ungünstigen Verhaltens kontraproduktiv. Es sei
wichtig, dass man unterscheide, wer eine «invalidisierende/relevante» Krankheit habe
und wer nicht. Wenn die «falsche Person» eine berufliche Massnahme erhalte, werde
unnötig ein Platz besetzt und die Unterforderung schädige auch diese Person (IV-
act. 74).
A.f.
Der Versicherte meldete sich am 18. November 2019 bei der kantonalen Arbeits
losenkasse als arbeitslos. Diese gab der IV-Stelle am 7. Februar 2020 zur Auskunft,
dass der Versicherte eine Arbeitsstelle mit einem 100%igen Beschäftigungsgrad bei
einer 100%igen Vermittlungsfähigkeit suche. Arztzeugnisse betreffend eine allfällige
Arbeitsunfähigkeit lägen nicht vor. Der Versicherte beziehe seit dem 18. November
2019 Taggeldleistungen (IV-act. 80).
A.g.
Die RAD-Ärztin med. pract. G._ empfahl in der Stellungnahme vom 9. März
2020, Dr. F._ um Beantwortung verschiedener Fragen zu ersuchen (IV-act. 82-3).
Hierzu kam es in der Folge jedoch nicht.
A.h.
Die im Psychiatrie-Zentrum I._ behandelnden medizinischen Fachpersonen
berichteten am 22. März 2020, psychopathologisch im Vordergrund stünden
Versagensängste mit deutlichem Vermeidungsverhalten, Antriebs- und
A.i.
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Motivationslosigkeit, leichte Ablenkbarkeit, innere Unruhe, Stimmungsschwankungen
sowie geringe Frustrationstoleranz, die sich auf die berufliche Ausbildung auswirken
würden. Die Einschränkungen bestünden anamnestisch seit Abschluss der
Sekundarschule. Bereits zu Beginn der Einzeltherapie seien ein Vermeidungsverhalten
und fehlende Verbindlichkeit deutlich geworden, was die Überprüfung der in
Vergangenheit gestellten Diagnosen einerseits, andererseits die Erstellung eines
Behandlungsplans deutlich erschwert bis verunmöglicht habe. Der Versicherte betreibe
ein selbstschädigendes Verhalten (Cannabisabusus). Ein Behandlungsplan mit Fokus
auf die AD(H)S-Symptomatik, Optimierung bzw. Umstellung der
psychopharmakologischen Medikation, Festigung der in der E._ AG als auch in der
Tagesklinik erlernten «Strategien», sei angedacht gewesen. Der Versicherte sei
allerdings nur zu drei Folgegesprächen erschienen (IV-act. 83-1 ff.).
Der RAD-Arzt med. pract. J._, Facharzt für Arbeitsmedizin, gelangte gestützt auf
die gutachterliche Beurteilung, dass der Versicherte bei Cannabisabstinenz – die ihm
uneingeschränkt zumutbar sei – als Hilfsarbeiter auf dem 1. Arbeitsmarkt sofort
arbeitsfähig wäre, zur Auffassung, dass eine Psychotherapie nicht als eine von der
Invalidenversicherung zu erbringende medizinische Massnahme anerkannt werden
könne (Stellungnahme vom 6. April 2020, IV-act. 84-2). Daraufhin zeigte die IV-Stelle
dem Versicherten mit Vorbescheid vom 17. April 2020 an, dass sie das Gesuch um
Kostengutsprache für medizinische Massnahmen (Psychotherapie) ablehne (IV-act. 87).
A.j.
In der Eingabe vom 22. April 2020 machte der Versicherte weitere Ausführungen
zu der von ihm geltend gemachten Voreingenommenheit von Dr. F._ (IV-act. 88).
A.k.
Die RAD-Ärztin med. pract. G._ hielt in der Stellungnahme vom 27. April 2020
fest, dass sich aus medizinischer Sicht nichts geändert habe, und verwies auf die
früheren RAD-Stellungnahmen (IV-act. 90).
A.l.
Am 30. April 2020 versandte die IV-Stelle einen neuerlichen Vorbescheid, worin
sie dem Versicherten die Abweisung der Gesuche um berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen in Aussicht stellte. Mit diesem ersetzte sie den Vorbescheid vom
21. Mai 2019. Zur Begründung führte sie aus, bei einer adäquaten Behandlung des
ADHS sowie einer Cannabisabstinenz bestehe eine volle Ausbildungs- bzw.
A.m.
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B.
Arbeitsfähigkeit auf dem 1. Arbeitsmarkt. Die bisherigen Einschränkungen stünden
hauptsächlich im Zusammenhang mit dem schädlichen Gebrauch von Cannabis und
nicht mit der ADHS-Erkrankung (IV-act. 92). Dagegen erhob der Versicherte am 2. Juni
2020 Einwand und ersuchte darin u.a., den Entscheid über den Rentenanspruch
einstweilen auszusetzen. Er reichte eine Anweisung des Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) Rapperswil-Jona zur Teilnahme an einem
Motivationssemester vom 13. Januar 2020 und einen Lehrvertrag vom 3. April 2020
betreffend die Ausbildung zum Logistiker EFZ ein (Beginn am 1. August 2020, IV-
act. 98).
Mit Verfügung vom 4. Juni 2020 wies die IV-Stelle die Gesuche um berufliche
Massnahmen und eine Rente ab (IV-act. 101).
A.n.
Am 3. Juli 2020 verfügte die IV-Stelle, dass das Gesuch um Kostengutsprache für
medizinische Massnahmen (Psychotherapie) abgewiesen werde (IV-act. 102).
A.o.
Gegen die Verfügung vom 4. Juni 2020 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 6. Juli 2020. Der Beschwerdeführer beantragt darin deren Aufhebung und die
Gewährung der notwendigen beruflichen Massnahmen einschliesslich Taggeld. Über
einen allfälligen Rentenanspruch sei nach Abschluss der beruflichen Massnahmen
aufgrund der dannzumaligen Gegebenheiten zu entscheiden; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zudem ersucht er um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege. Zur Begründung bringt der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, das
Gutachten von Dr. F._ sei nicht beweiskräftig. Vielmehr sei gestützt auf die
Einschätzung der behandelnden medizinischen Fachpersonen davon auszugehen,
dass er krankheitsbedingt nicht in der Lage sei, im Arbeitsmarkt und in der Ausbildung
zu bestehen (act. G 1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom
16. September 2020 die Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich im Wesentlichen
auf den Standpunkt, dass die gutachterliche Beurteilung von Dr. F._ beweiskräftig
sei. In einer Gesamtbetrachtung der medizinischen Aktenlage sei eine
ressourcenhemmende Wirkung des nicht adäquat behandelten ADHS und
B.b.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet
ausschliesslich die Verfügung vom 4. Juni 2020 betreffend berufliche Massnahmen und
Rente (act. G 1). Die Verfügung vom 3. Juli 2020 betreffend medizinische Massnahmen
(IV-act. 102) blieb unangefochten.
Cannabiskonsums nicht ausgewiesen. Aufgrund des Fehlens eines invalidisierenden
Gesundheitsschadens sei somit weder ein Anspruch auf eine erstmalige berufliche
Ausbildung noch ein Rentenanspruch gegeben (act. G 3).
Innert mehrfach erstreckter Frist (act. G 7, act. G 9 und act. G 10) reicht der
Beschwerdeführer am 10. März 2021 die Replik ein. Darin zeigt er sich mit der
formlosen Abweisung seines Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege (siehe hierzu das Schreiben des Versicherungsgerichts vom 22. Oktober
2020, act. G 4) einverstanden. Ansonsten hält er unverändert an den gestellten
Anträgen fest (act. G 11).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin teilt am 25. März 2021 den Verzicht auf eine Duplik mit
(act. G 14).
B.d.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Um einen Gesundheitsschaden und eine allenfalls daraus resultierende Invalidität
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
1.2.
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2.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist zunächst die Frage,
ob der Sachverhalt spruchreif abgeklärt worden ist. Die Beschwerdegegnerin stützt
sich in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen auf die gutachterliche
Einschätzung von Dr. F._ vom 9. Mai 2019 (IV-act. 55). Der Beschwerdeführer hält
diese aus verschiedenen Gründen für mangelhaft (act. G 1 und act. G 11).
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der medizinischen Fachperson ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Im Weiteren sind die medizinischen Auskünfte eine wichtige Grundlage für
die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch
zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte
Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der
freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und die
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines medizinischen Berichts ist entscheidend, ob er für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Auf ein im Verfahren
nach Art. 44 ATSG eingeholtes Gutachten ist rechtsprechungsgemäss abzustellen,
wenn nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
137 V 227 E. 1.3.4; BGE 135 V 469 f. E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts vom 15. Juli
2020, 8C_335/2020, E. 4.1).
Soweit die Vorbringen des Beschwerdeführers auf die Person von Dr. F._ und
seine Fähigkeit zur psychiatrischen Begutachtung abzielen (act. G 1, IV. Rz 11 ff., und
act. G 11, Rz 6 ff.), ist vorab zu bemerken, dass der Beschwerdeführer triftige
Einwendungen bereits vor der Begutachtung hätte geltend machen können. Überdies
kann auf die eingehenden Ausführungen des Versicherungsgerichts im Entscheid vom
24. Januar 2020, IV 2017/299, verwiesen werden, die ebenfalls Dr. F._, den vom
Beschwerdeführer erwähnten Zeitschriftenartikel und das dort besprochene
Strafverfahren betrafen (siehe act. G 1, IV. Rz 12). Das Versicherungsgericht legte u.a.
2.1.
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dar, dass weder der Inhalt des Zeitungsartikels noch das damalige Strafverfahren in
irgendeinem Zusammenhang mit der von ihm (dem Versicherungsgericht) zu
beurteilenden Sache gestanden habe und deshalb hierfür irrelevant seien sowie vor
dem Hintergrund der dem Gericht obliegenden Objektivität und Neutralität nicht
berücksichtigt werden dürften (E. 2.2 des Entscheids). Dasselbe gilt auch für den
vorliegenden Fall.
Der Beschwerdeführer legt auch nicht plausibel dar und es ist nicht ersichtlich,
dass die moralische Haltung von Dr. F._ zum Drogenkonsum von Häftlingen sowie
die Verurteilung wegen Körperverletzung in irgendeinem relevanten Zusammenhang
mit dem andersgearteten Fall des Beschwerdeführers steht (zur Kritik des
Beschwerdeführers siehe act. G 11, IV. Rz 3). Die Beschwerdegegnerin weist ferner
zutreffend auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts hin, dass sogar ausfällige
Äusserungen eines medizinischen Sachverständigen in einem anderen Verfahren
keinen Ausstandsgrund darstellen (Urteil des Bundesgerichts vom 12. August 2014,
9C_718/2013, E. 3.1). Nichts anderes gilt hinsichtlich der von Dr. F._ auf seiner
Geschäftswebseite wiedergegebenen Sinnsprüche (act. G 11, IV. Rz 4). Insbesondere
bleibt unklar, weshalb die Wiedergabe nicht defizit-, sondern
eigenressourcenorientierter Aphorismen geeignet sein könnte, Dr. F._ als Person
oder psychiatrischer Sachverständiger generell zu disqualifizieren. Zu erwähnen ist
ausserdem, dass Dr. F._ sowohl als Amtsarzt als auch ärztlicher Fachrichter tätig ist.
2.1.1.
Soweit sich Dr. F._ kritisch zu den Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen
behandelnder medizinischer Fachpersonen äusserte (siehe hierzu die Kritik des
Beschwerdeführers, act. G 1, IV. Rz 15), kann ebenfalls auf den bereits erwähnten
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 24. Januar 2020, IV 2017/299, E. 2.2,
verwiesen werden, worin dieses eine Voreingenommenheit verneinte und hierzu das
Folgende ausführte: Es sei davon auszugehen, «dass er sich damit auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach bekannt ist, dass behandelnde Ärztinnen
und Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im
Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5 mit
Hinweisen), bezogen hat».
2.1.2.
Konkrete Indizien für eine Voreingenommenheit von Dr. F._ ergeben sich auch
nicht aus der gutachterlichen Beurteilung. Anzufügen bleibt, dass auch die vom
Beschwerdeführer kritisierten, teilweise unzweideutigen gutachterlichen
Einschätzungen (etwa «Hang zur Bequemlichkeit», «sich nicht aufraffen mag» und
«selbstverschuldet», act. G 11, IV. Rz 7) nicht per se gegen die Objektivität des
2.1.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/14
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Gutachters sprechen (Entscheid des Versicherungsgerichts vom 24. Januar 2020,
IV 2017/299, E. 2.3). Vielmehr beschreibt Dr. F._ – entsprechend seiner
gutachterlichen Aufgabe – in einem durchaus sachlichen, jedoch sehr direkten Tonfall
motivationale und selbstverschuldete Aspekte. Solche werden auch von anderen
medizinischen Fachpersonen beschrieben («mangelnde Zielvorstellungen und
Motivation», IV-act. 10-2; «Mühe die Verantwortung für eigene Fehler zu übernehmen,
Opferhaltung», IV-act. 11-2 oben; «antisoziale Tendenz», IV-act. 11-2 und IV-act. 11-3
je unten; «Pokerface», IV-act. 41-5 Mitte; «selbstdestruktives Verhalten», IV-act. 41-6;
«Motivationslosigkeit», IV-act. 83-2 oben; nur bei «ausreichender Eigenmotivation» sei
eine Therapie zielführend, IV-act. 83-2 Mitte; «Vermeidungsverhalten und fehlende
Verbindlichkeit», die u.a. einen Behandlungsplan deutlich erschweren bis
verunmöglichen würden, IV-act. 83-3 oben). Hinzu kommt, dass sich in seinem
Gutachten auch aufrichtig anerkennende Worte für den Beschwerdeführer finden, was
ebenfalls gegen eine konkrete Voreingenommenheit spricht (etwa «kooperativ», «offen
und ehrlich wirkend», IV-act. 55-26 oben; «anständig», IV-act. 55-30 oben; «ein derart
intelligenter und kräftiger Mann», IV-act. 55-33; «Es ist schade, wenn man sieht[,]
welche Ressourcen der Versicherte ungenutzt lässt», IV-act. 55-35 f.).
Des Weiteren rügt der Beschwerdeführer, die gutachterliche Beurteilung stehe den
Einschätzungen sämtlicher behandelnder Medizinalpersonen entgegen und beruhe
nicht auf einer vollständigen Akten- oder wenigstens Informationslage (act. G 1,
IV. Rz 6 ff.).
2.2.
Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend darlegt und worauf verwiesen werden
kann (act. G 3, III. Rz 3), beinhaltet das Gutachten von Dr. F._ eine ausführliche
Zusammenstellung der Vorakten (IV-act. 55-7 ff.). Hinzu kommt, dass sich Dr. F._ mit
den Einschätzungen der behandelnden medizinischen Fachpersonen
auseinandersetzte und seine davon abweichende Sichtweise plausibel begründete (IV-
act. 55-34). Das von ihm im Gegensatz zu den medizinischen Fachpersonen der E._
AG bejahte Vorliegen eines ADHS (IV-act. 55-34 Mitte, IV-act. 55-35 und IV-act. 55-39)
wurde denn auch von Dr. H._ bestätigt (IV-act. 66-19). Vor diesem Hintergrund
erscheinen auch die gestützt auf die ADHS-Diagnose getätigten kritischen
Bemerkungen von Dr. F._ zu früheren Behandlungen und dem Cannabiskonsum
nachvollziehbar (IV-act. 55-34 Mitte).
2.2.1.
Dass die Eigenressourcen betonende Sichtweise von Dr. F._, das von ihm
festgestellte amotivationale Syndrom (siehe auch IV-act. 55-39 unten) sowie seine
Arbeitsfähigkeitsschätzungen nicht abwegig, sondern vielmehr überwiegend
2.2.2.
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3.
wahrscheinlich als zutreffend erscheinen, ergibt sich zudem aus dem nach der
gutachterlichen Beurteilung eingetretenen Sachverhalt. Nachdem der
Beschwerdeführer die Therapie im Psychiatrie-Zentrum I._, die sich am in der E._
erarbeiteten Behandlungskonzept orientierte, im Juli 2019 abgebrochen hatte (IV-
act. 83-4), meldete er sich am 18. November 2019 mit einer 100%igen
Vermittlungsfähigkeit bei der kantonalen Arbeitslosenkasse an und sah sich in der
Lage, eine vollzeitliche Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt zu suchen und
gegebenenfalls anzunehmen. Darüber hinaus bestätigte die kantonale
Arbeitslosenkasse, dass ihr keine Arztzeugnisse betreffend eine allfällige
Arbeitsunfähigkeit vorliegen würden (Stellungnahme vom 7. Februar 2020, IV-act. 80).
Auch im weiteren Verfahren gab der Beschwerdeführer nicht an, dass sich an seiner
gegenüber der kantonalen Arbeitslosenkasse geltend gemachten vollständigen Arbeits-
und Vermittlungsfähigkeit etwas geändert hatte. Der rechtskundig vertretene
Beschwerdeführer brachte auch nicht vor, es seien im Rahmen des vom RAV
Rapperswil-Jona vom 13. Januar bis 12. Juli 2020 angeordneten Einsatzprogramms
relevante krankheitsbedingte Probleme aufgetreten (IV-act. 99-8 f.). Vielmehr
vermochte der Beschwerdeführer noch während des Einsatzprogramms am
3. / 16. April 2020 einen Lehrvertrag betreffend die Ausbildung zum ._
abzuschliessen (IV-act. 99-10 f.). Der Vollständigkeit halber bleibt diesbezüglich zu
ergänzen, dass der Beschwerdeführer während des Beschwerdeverfahrens keine
konkreten krankheitsbedingten Probleme für die Zeit nach dem Antritt der Lehre
(1. August 2020, IV-act. 99-10) ins Feld führte (vgl. Replik vom 10. März 2021). Diese
Umstände liegen zeitlich zwar nach dem Verfügungszeitpunkt, bekräftigen jedoch die
Einschätzung von Dr. F._, dass der Beschwerdeführer weder in seiner
Erwerbsfähigkeit noch in der Fähigkeit zur Stellensuche wegen eines
Gesundheitsschadens in relevanter Weise dauerhaft beeinträchtigt war. Der
Beschwerdeführer legte denn auch gar nicht konkret dar, welcher von ihm als «recht
dringlich» nottuenden begleitenden Massnahmen er aus invaliditätsbedingten Gründen
noch bedurft hätte (act. G 1, IV. Rz 18). Solche sind auch nicht erkennbar.
Dass die gutachterliche Beurteilung von Dr. F._ die Voraussetzungen an eine
beweiskräftige versicherungsmedizinische Einschätzung erfüllt, hat bereits die
Beschwerdegegnerin ausführlich dargelegt (act. G 3, III. Rz 3 f. und RAD-
Stellungnahme vom 14. Mai 2019, IV-act. 57), worauf verwiesen wird.
2.2.3.
Gemäss vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.3.1.
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