Decision ID: b84b32be-c670-48b9-84c8-92fc4cc308e9
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 19
91 geborene X._
, welche
der Gemeinschaft der Fahrenden angehört,
meldete sich am 11. Februar 200
5 (Eingangsdatum)
unter Hinweis auf eine Morbus Hodgkin
–
Erkrankung erstmals bei der Sozialversiche
rungsan
stalt des Kantons St. Gallen, IV-Stelle, zum
Hilfsmittelbezug
(Perücke)
für Versicherte vor dem 20. Altersjahr an (
Urk.
7/
1). Mit Verfügung vom 1. März 2005 wurde
hierfür
Kosten
gutsprache in der Höhe
von maximal Fr. 1'500.-- pro Kalenderjahr
erteilt
(
Urk.
7/6)
.
Am 27. Juli 2009 (Eingangs
datum) nahm die Versicherte unter
Angabe derselben
E
rkrankung bei der IV-Stelle St.
Gallen eine Anmeldung für Erwachsene
betref
fend Beruflicher Integration/Rente
vor (
Urk.
7/10).
Nach Abklärungen in beruf
lich-erwerblicher sowie medizinischer Hinsicht verneinte die IV-Stelle mit Verfü
gung vom
3. Mai 2010
einen Leistungsanspruch (
Urk.
7/29).
Der behandelnde Psychiater
reichte am 11. Oktober 2011 ein erneutes Gesuch um IV-Leistungen ein (
Urk.
7/30), auf welches mit Verfügung vom
23
.
November
2011 nicht einge
treten wurde (
Urk.
7/33).
Am 27.
September
2016 (Eingangs
datum) meldete sich die Versicherte unter Hin
weis auf die Morbus Hodgkin
–
Erkrankung in der Kindheit und die d
a
rauf
folgen
den Schwierigkeiten mit der Psyche, Herzattacken und chronische
n
Schmerzen wiederum bei der IV-Stelle, nunmehr im Kanton Zürich, z
um Leistungsbezug an (
Urk.
7/43
). Die IV-Stelle klärte
im Folgenden
den erwerblichen und medizi
ni
schen Sachverhalt ab
und stellte mit Vorbescheid vom 22. März 2017 die Abwei
sung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/60). Nach
Eingang des Einwan
des
vom 11. April 2017 (
Urk.
7/62)
tätigte die IV-Stelle weitere Abklä
rungen und
gab insbesondere eine
neuropsychologische
Begutachtung bei
D
r.
rer
.
soc
.
Y._
, Dip
lom-Psychologin, Psychologin FSP
, Klinische Neuropsycho
login GNP, von der Klinik
Z._
AG
in Auf
trag (Gutachten vom
14. Januar 2018 [
Urk.
7/75
]
, Ergänzung vom 2. März 2018 [
Urk.
7/78]
)
.
Am 4.
Mai 2018 wurde der Vers
icher
ten eine Mitwirkungs- beziehungsweise Schadenminderungspflicht
bezüglich einer achtwöchigen stationären psychiatrischen Behandlung
oder
der Behand
lung in einer Tagesklinik auferlegt (
Urk.
7/80).
Mit Vorbescheid vom 26. Septem
ber 2018 wurde die Abweisung des Leistungsbegehrens wegen Verlet
zung der Schadenminderungspflicht in Aussicht gestellt
(
Urk.
7/97).
Dagegen erhob die Versicherte am
3. Oktober 2018
Einwand
(
Urk.
7/101) und begab sich
vom 1.
O
k
tober 2018 bis 23.
November 2018 in
die tage
sklinische Behandlung des
Zentrum
s
A._
(
B
ericht vom 21.
März 2019
,
Urk.
7/110).
Am 10. November 2020 erliess die IV-Stelle einen neuen
Vorbescheid
, mit welchem
sie
erneut
die
Abweisung
des
Leistungsbegehren
s in Aussicht stellte
(
Urk.
7/122).
Nach der
Einwand
erhebung
(
Urk.
7/125,
7/127,
7/134) wies die IV-Stelle das Leis
tungsbegehren wie angekündigt mit
Verfügung vom 25. November 2021
ab
(
Urk.
7/142 =
Urk.
2)
.
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 11. Januar 2022 Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich und beantragte,
dass
die ange
fochtene Verfügung aufzuheben
sei
und ihr die gesetzlichen Leistungen, namentlich eine Invalidenrente
,
zu gewähren
seien
. Eventualiter sei ein verwal
tungsexternes medizinisches Gutachten durch das Gericht in Auftrag zu geben.
Subeventualiter
sei die Sache zwecks Vornahme eines verwaltungsexternen medizinischen Gutachtens an die IV-Stelle zurückzuweisen. In prozessualer Hin
sicht stellte sie ein Gesuch um unentgeltliche Prozess
führung und Rechtsver
tretung sowie die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels (
Urk.
1 S. 2 f). Mit Verfü
gung vom 20. Januar 2022 wurde ihr
Frist zum Nachweis
ihrer
Bedürftigkeit angesetzt (
Urk.
4
)
. Mit Beschwer
deantwort vom 14. Februar 2022 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
6). Nach Ein
reichung des Formulars zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit, der
Unterstützungs
bestätigung der
Stadt B._
vom 21. Februar 2022 sowie weiterer Belege (
Urk.
9
-11) wurde der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 22. März 2022 die unent
geltliche Prozessführung gewährt und ihr Rechtsanwältin Stephanie C. Elms als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt sowie festgestellt, dass die Anordnung eines weiteren Schriftenwechsels nicht erforderlich sei (
Urk.
12). Am 4. April 2022 reichte die Beschwerdeführerin eine weitere Eingabe ein (
Urk.
14), bezüglich welcher die
B
eschwerdegegnerin auf eine Stellung
nahme verzichtete (
Urk.
17).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen – grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung
haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. De
zember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
1.4.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und
Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
.2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapiere
sistenz auszuschliessen sei (E.
5.1). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Res
sourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen
einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1).
Eine leicht- bis mittelgradige depressive Störung ohne nennenswerte Interferen
zen durch psychiatrische Komorbiditäten lässt sich im Allgemeinen nicht als schwere psychische Krankheit definieren. Besteht dazu noch ein bedeutendes the
rapeutisches Potential, so ist insbesondere auch die Dauerhaftigkeit des Gesund
heitsschadens in Frage gestellt.
Diesfalls
müssen gewichtige Gründe vorliegen, damit dennoch auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden kann (BGE 148 V 49 E. 6.2.2 mit Hinweis).
Die Anerkennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu trage
n (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE
144 V 50 E. 4.3).
1.4.3
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden
Fak
to
ren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
scheidende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psy
cho
sozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer versi
cherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vorga
ben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände auf
zuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszu
klammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Ent
scheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festge
stellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechts
mittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog, dass gestützt auf die vorgenommenen Abklärun
gen keine gesundheitliche Einschränkung mit langandauernder und erheblicher Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliege. Einer depressiven Episode fehle der Charakter der Dauerhaftigkeit. Zudem seien die Behandlungsoptionen weiterhin nicht ausgeschöpft. Durch Anpassung der Me
dikation, mindestens monatliche
Konsultationen b
eim Psychiater und wöchentliche
Psychotherapie könne die gesundheitliche Situation weiter verbessert werden. Es könne medizinisch-theoretisch davon ausgegangen werden, dass durch diese Anpassungen eine Remission der D
epression erreicht werden könne
. Die ge
sundheitliche Situation werde ausser
dem erheblich durch die fehlende Berufsausbild
ung, die alleinige Erziehung der Kinder
sowie die Abhängigkeit von wirtschaftlicher Sozialhilfe beeinflusst. Diese Faktoren seien IV-fremd und könnten nicht berücksichtig
t
werden (
Urk.
2).
2.
2
Die
Beschwerdeführer
in
brachte demgegenüber im Wesentlichen vor,
dass die Therapierbarkeit eines Leidens dem Eintritt einer rentenbegründenden Invalidität nicht entgegenstehe und eine depressive Störung nicht mehr per se als behandel
bar angesehen werden dürfe. Sie stehe seit Jahren in psychiatrischer Behandlung und nehme Psychopharmaka ein, wobei die Medikation bereits diverse Male angepasst worden sei. Das neuropsychologische Gutachten der Klinik
Z._
AG
aus dem Jahr 2018 habe sie als erheblich eingeschränkt und hochgradig arbeits
unfähig eingestuft. Die daraufhin auferlegte Schadenminderungspflicht im Sinne einer psychiatrischen Behandlung
habe sie
mit
dem achtwöchigen Aufenthalt im
Zentrum
A._
klarerweise erfüllt, ohne dass es dabei zu einer wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes gekommen sei. Das Zent
rum
A._
habe auch ihre Compliance bestätigt. Weiter lägen keine IV-fremden Faktoren vor, vielmehr seien diese allesamt als Folge der Erkrankung zu betrachten
(
Urk.
1).
3.
3.1
Dr.
Y._
vom Zentrum für ambulante Rehabilitation der Klinik
Z._
AG
erstat
tete am 14. Januar 2018 ein neuropsychologisches Gutachten
.
Sie führte aus, dass
momentan eine
depressive Störung mit aktuell mittelgradiger Ausprägung die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
deutlich einschränk
e. Die
als mittelgra
dige neuropsychologische Störung zusammengefasste kognitive
Beeinträchti
gung sei
als Folge der depressiven Störung zu bewerten. Aus der
Nachhilfe in der Schule und den
im Vergleich zu den weiteren Fähigkeiten auffälligen Recht
schreibproblemen ergebe sich auch der Verdacht auf eine Lese
/
Rechtschreib
schwäche, wobei dies
e
jedoch ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu beurteilen sei. Eine Lernstörung sei nicht zu diag
nostizieren, die intellektuelle
Leistungsfäh
igkeit der Beschwerdeführerin we
rde durch die eingesetzten Verfah
ren sowie die Auswirkungen der depressiven Störung unterschätzt. Quantitativ
bestehe
aktuell ein Leistungsvermögen von weniger als zwei Stunden pro Tag.
Weiter eingeschränkt werde das aktuelle Leistungsvermögen durch die Verlang
samung, das erschwerte Lernen und den reduzierten Antrieb. Bei Besserung der depressiven Störung sei anzunehmen, dass das kognitive und intellektuelle Leis
tungsvermögen für einfache Tätigkeiten in einem gut strukturierten Arbeits
umfeld mit reduzierten Anforderungen an Arbeitstempo, Schriftsprache und Rechnen sowie Selbst
st
ändigkeit ausreichend sei. Der Umfang der Tätigkeit sei stark abhängig vom Ausprägungsgrad der depressiven Störung und könne aktuell nicht prognostiziert werden. Eine regelmässige Tätigke
i
t, welche eine Tages
struktur gebe, wäre a
uch unterstütz
end für die Behandlung der depressiven Störung. Bezüglich des Erfolgs der Behandlung der depressiven Störung sei die Medikamentenadhärenz der Beschwerdeführerin ein wesentlicher Faktor. Weiter könne eine höhere
P
sychotherapiefrequenz sinnvoll sein, solange die Symptome so stark ausgeprägt seien und die Medikamentenadhärenz nicht gegeben sei.
Ein
en
Behandlungsbedarf der kognitiven Einschränkungen gebe es nicht, da sich diese bei Verbesserung der depressiven Störung ebenfalls deutlich verbessern würden
(Urk. 7/75)
.
Am 2. März 2018 ergänzte Dr.
Y._
, dass die im Gutachten insgesamt als mittel
gradige neuropsychologische Störung zusammengefasste kognitive Beeinträchti
gung einer Arbeitsunfähigkeit von 50 bis 70 % entspreche. Aufgrund der aktuell schwer ausgeprägten depressiven Symptomatik könne dieses Leistungsvermögen jedoch nicht abgerufen werden,
womit
aktuell von einer 100%igen Arbeitsun
fähigkeit auszugehen
sei
. Bei Besserung der depressiven Symptome sei ebenfalls von einer Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit auszugehen
(
Urk.
7/78)
.
3.2
Das
Zentrum
A._
berichtete am
21. März 2019
über die tagesklinische Rehabilitationsbehandlung vom 1. Oktober bis 23. November 201
8.
Es stellte die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegen
wärti
g
mittelgradige Episode
(ICD-10 F32.1),
von
Panikattacken (ICD-10 F41.0),
eine
s
Status nach Hodgkin Tumor (
Patientinnenangabe
)
sowie
von
Knieschmer
zen beidseits mit/bei Meniskusriss beidseits
(
Patientinnenangabe
) und führte
aus, das
s die Beschwerdeführerin am 23.
November 2018 minimal verbessert und wei
t
erhin zu 100 % arbeitsunfähig aus der tagesklinischen Rehabilitations
behandlung entlassen worden sei. Die Depression habe minimal reduziert werden können. Besonders positiv auf die psychische Befindlichkeit hätten
sich
die einzeltherapeutischen Gespräch
e
sowie das Erlernen von Entspannungs- und Achtsamkeitsmethoden
aus
gewirkt. Da es sich um eine rezidivierende Depression handle, sei zum momentanen Zeitpunkt nicht von einer sukzessiven Steigerung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die Beschwerdeführerin sei am 6. Dezember
2018 zum ersten Mal nach der tagesklinischen Behandlung ambulant in die Behandlung zurückgekehrt
(
Urk.
7/110)
.
3.3
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) nahm am 30.
Dezember 2019 und 22.
Okto
ber 2021
eine med
i
zinische Beurteilung vor
.
Sie führte aus, dass die psychiatri
sche Therapie der weiterhin bestehenden mittelgradigen Depression nicht ausge
schöpft sei. Es best
ü
nden noch viele Behandlungsoptionen. Die Compliance der Beschwerdeführerin
werde sehr wechselhaft beschrieben. So werde
beispielsweise
angegeben, die kognitive Verhaltenstherapie werde durchgeführt, soweit es ihr als Fahrende möglich sei. Die Beschwerdeführer
in
erhalte
Cipralex
, eine Dosie
rung werde nicht angegeben, eine leitliniengerechte Behandlung mit Validierung anhand der Medikamentenspiegel, gegebenenfalls bei nicht ausreichender Wirkung
eine
Erhöhung,
ein
Wechsel oder
eine
Zweifachkombination
würden
nicht durchgeführt
.
Die Arbeitsfähigkeit und die aktuellen Einschränkungen würden aufgrund der kognitiven Einschränkungen gesehen. Diese seien laut neu
ropsychologischem Gutachten der Klinik
Z._
AG
besserungsfähig, wenn denn die depressive Episode lege
artis
behandelt werden würde.
Es lägen erhebliche psychosoziale Faktoren vor und die funktionelle
n
Leistungseinschränkungen beträfen nicht alle Lebensbereiche. In ihrer Funktion als Mutter sei
die Beschwer
deführerin
nicht eingeschränkt.
Einer depressiven Episode fehle der Charakter der Dauerhaftigkeit. Eine Vollremission sei medizintheoretisch durch die Anpassung der Medikation, der Behandlungsfrequenz (mindestens monatlich) und einer zusätzlichen psychotherapeutischen Behandlung (mindestens wöchentlich) möglich.
Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei damit kein dauerhafter Ge
sundheitsschaden ausgewiesen (
Urk.
7/121/4 f., 7/141/4).
4.
4.1
Gestützt auf die aktenkundigen medizinischen Berichte ist das Vorliegen eines psychiatrischen Leidens mit Krankheitswert nicht auszuschliessen. So berichtete
der die Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2009 behandelnde
Dr.
med. D._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
in ver
schiedenen Berichten vo
n einer chronischen depressiven Entwicklung mit rezidivierenden Angstzuständen bei
familiärer Vorbelastung mit
Dysthymie
(
Urk.
7/18, 7/30, 7/57
,
7/66/8,
7/95
)
. Die Neuropsychologin Dr.
Y._
– welcher es allerdings an einem Facharzttitel und damit der fachlichen Qualifikation zur Stel
lung von psychiatrischen Diagnosen fehlt –
stellte eine als mittelgradige neu
ropsychologische Störung zusammengefasste kognitive Beeinträchtigung fest,
welche sie als Folge einer depressiven Störung wertete (
Urk.
7/75, 7/78
, vgl. E. 3.1). Und das
Zentrum
A._
erhob verschiedene Befunde, welche es als rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, sowie Panikatta
cken
interpretierte
(
Urk.
7/110
, vgl. E. 3.2
)
.
Sowohl die
Fachärzte
als auch die Neuropsychologin
attestierten der Beschwerdeführerin eine
vollständige
Arbeitsunfähigkeit.
4.2
Die Beschwerdegegnerin verneinte in der angefochtenen Verfügung demgegen
über eine erhebliche gesundheitliche Einschränkung, die sich längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirke. Zur Begründung führte sie – gestützt auf die Stellungnahme
n
der RAD-Ärztin Dr.
C._
vom
30. Dezember 2019 und 22. Oktober 2021
(Urk. 7/121/4 f., 7/141/4, vgl. E. 3.3)
– aus, dass mit einer intensivierten Therapie sowie dem Wegfall der schwie
rigen, invaliditätsfremden Lebensumstände eine volle Arbeitsfähigkeit erreicht werden könne (
Urk.
2).
4.3
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die Therapierbarkeit eines Leidens dem Eintritt einer rentenbegründenden Invalidität nicht absolut ent
gegensteht. Gestützt auf die vorliegenden Akten ist zudem von langjährigen
Psychotherapiebesuchen bei einem Facharzt
auszugehen, womit ein Leidensdruck – trotz der zumindest nicht regelmässigen Einnahme von Psychopharmaka und dem bisherigen Fehlen einer stationären Behandlung – nicht zum Vornherein verneint werden kann.
Auch hinsichtlich der offenbar vorliegenden erheblichen psychosozialen Faktoren (Wohnsituation auf einem Durchgangsparkplatz, alleinerziehende Mutter, Abhängigkeit vom Sozialamt, nur sehr kurze Schulbildung) ist darauf hinzu
weisen
, dass beim Vorliegen von psycho
sozialen und soziokulturellen Faktoren eingehend zu prüfen ist, ob diese
direkt oder nur mittelbar negative funktionelle Folgen zeitigen, insbesondere ob von der psychosozialen Belastungs
situation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit bestehen (vgl. E. 1.4.3). Zu dieser Abgrenzung äusserte sich der RAD nicht näher. Damit ist ein invaliden
versicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden entgegen der Auf
fassung der Beschwerdegegnerin gestützt auf die d
erzeitige Aktenlage nicht ohne W
eite
res aus
zuschliessen.
4.4
Ob die Anspruchsvoraussetzungen für Leistungen der Invalidenversicherung er
füllt sind, lässt sich aber gestützt auf die medizinischen Berichte nicht abschlies
send beurteilen:
Hinsichtlich der Diagnose der rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode
, ist zu berücksichtigen, dass sich
eine
(
leicht- bis
)
mittel
gradige depressive Störung ohne nennenswerte Interferenzen durch psychiatri
sche Komorbiditäten im Allgemeinen nicht als schwere psychische Krankheit definieren lässt
.
Besteht dazu noch ein bedeutendes therapeutisches Potential, so ist insbesondere auch die Dauerhaftigkeit des Gesundheitsschadens in Frage gestellt.
Diesfalls
müssen gewichtige Gründe vorliegen, damit dennoch auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden kann.
Solche Umstände wurden in der
bisherigen Aktenlage
weder vom behandelnden P
sychiater noch vom
Zentrum
A._
und auch nicht durch die neuropsychologische Abklärung – welche
allerdings
nur eine Zusatzuntersuchung darstellt, während es
grundsätzlich Aufgabe des psychiatrischen Facharztes
ist
, die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung allfälliger neuropsychol
ogischer Defizite einzuschätzen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_11/2021 vom 16. April 2021 E 4.2) –
genügend aufgezeigt
. Insbesondere ist es gestützt auf die
se
Berichte nicht möglich,
die funk
tionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesu
ndheitlichen Anspruchsgrundlage
anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit
nachzuweisen
(
vgl. E.
1.4.2
,
BGE 148 V 49 E. 6.2.2 mit Hinweis
, BGE 141 V 281 E. 6; BGE
144 V 50 E. 4.3
). Ähnliche Überlegungen drängen sich auch bei der
diagnostizierten
Panikstörung auf.
Zusammengefasst kann die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin mangels verlässlicher Angaben zu ihrem Gesundheitszustand aus psychiatrischer Sicht nicht abschliessend beurteilt werden, weshalb hierzu weitere Abklärungen zu tätigen sind.
4.5
Was die gesundheitliche Situation in somatischer Hinsicht betrifft, so
befinden sich
diesbezüglich lediglich ältere Berichte
in den Akten. Diese weisen
neben dem Hodgkin Lymphom in der Kindheit
eine aktivierte Gonarthrose beidseits,
retropa
tellär
betont,
eine Ruptur des medialen Meniskus in der Pars
intermedia
am rech
ten Knie, einen Status nach Sturz mit d
istaler
Fibulafraktur
etwa 2007
(
anamnes
tisch
)
, einen Status nach
Plattenosteosnynthese
und eine leichtgradige Tendinit
i
s der kurzen
P
eronealsehne
am OSG rechts aus
, wobei soweit aktenkundig jeweils keine Arbeitsunfähigkeiten attestiert wurden (
Urk.
7/66)
.
Demzufolge
ist zwar anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin
diesbezüglich
grundsätzlich vollum
fänglich arbeitsfähig ist.
Allerdings werden die Akten in dieser Hinsicht zu vervollständigen beziehungsweise zu aktualisieren
und gegebenenfalls weitere Abklärungen zu tätigen sein.
4.6
Zusammenfassend ist es bei der aktuellen medizinischen Aktenlage nicht mög
lich, mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit die funktionelle Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin abschliessend zu beurteilen. Damit erweist sich der medizinische Sachverhalt sowohl in psychiat
rischer als auch in somatischer Hinsicht als ergän
zungsbedürftig. Die angefoch
tene Verfügung vom
25. November
2021 ist demnach aufzuheben und die Sache zur Durchführung weiterer Abklärungen und zu neuem Entscheid über den Leis
tungsanspruch der Beschwerdeführerin an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei
sen. Je nach Resultat der medizinischen Abklärungen wird auch die Statusfrage zu klären und zu prüfen sein, in welchem Pensum die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall tätig wäre.
5.
5.1
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr.
600.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
5.2
Die vertretene Beschwerdeführerin
hat demnach Anspruch auf eine Prozessent
schädigung
. Dies
e ist gestützt auf Art. 61
lit
.
g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierig
keit des Prozesses auf Fr. 1‘8
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.