Decision ID: 712bbcd8-e13f-4c1a-84ea-8905f24d5495
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1961
, war
vom
1.
März bis 3
1.
August 2019 (Urk. 14/K1 S. 1)
als EDV-Fachmann
beim
Verein
Y._
tätig und über diese bei der
Helsana Unfall AG, Dübendorf (Helsana),
gemäss dem Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) gegen Unfälle, unfallähnliche Körperschädigungen und Berufskrankheiten versichert, als
er
am
8.
August 2019
(
vgl.
Urk.
14/K23 und
Urk.
15/M1)
beim Baden
im See vom Dach seines eigenen Bootes (
vgl.
Urk.
14/K23)
ins Wasser sprang und beim Eintauchen in das Wasser ein schmerzhaftes Knacken im
linken Ohr verspürte (
Urk.
14/K1 S.
2 und
Urk.
14/K8).
In der Folge litt
er
unter einem Tubenkatarrh links mit begin
nender Mittelohrentzündung links (Urk. 15/M1). Mit Verfügung
vom
2
4.
Januar 2020
(
Urk.
14/K21
) verneinte die
Helsana
einen Anspruch des Ver
sicherten auf Versicherungsleistungen für die Folgen des Ereignisses vom
8.
August 201
3.
Die vom Versicherten am
1
7.
Februar 2020
dagegen erhobene Einsprache (
Urk.
14/K23
) wies die
Helsana
mit Entscheid vom
1
1.
Mai 2020
(Urk.
14/K27
=
Urk.
2) ab.
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom
1
1.
Mai 2020
(
Urk.
2) erhob der Versicherte am
9.
Juni 2020
Beschwerde und beantragte
sinngemäss
,
es seien
ihm für
die
Folgen
des Ereignisses vom
8.
August 2019
die
gesetzlichen Lei
stungen zuzu
sprechen
und
es sei festzustellen, dass
dieses Ereignis
den Unfallbegriff erfülle
(
Urk
1
).
Mit Beschwerdeantwort vom
1
1.
September 2020
beantragte die
Helsana
die
Ab
wei
sung der
Beschwerde (
Urk.
13
S.
2
), wovon dem Beschwerdeführer am
3
0.
September 2020
ein
e Kopie zugestellt wurde (
Urk.
16
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleis
tungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1).
1.2
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen
Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.3
Nach der Rechtsprechung bezieht sich
das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er – nach einem objektiven Massstab – den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlag
gebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umweltein
wirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.1 und E. 4.3.1 mit Hinweis).
1.4
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam «programmwidrig» beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen Körper und Aus
senwelt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhn
licher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1 mit Hinweisen). Ohne besonderes Vorkomm
nis ist bei einer Sportverletzung das Merkmal der Ungewöhnlichkeit und damit das Vorliegen eines Unfalles zu verneinen (BGE 130 V 117 E. 2.2 mit Hinweis).
1.5
Praxisgemäss sind die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens von der versi
cherten Person glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser Forderung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubhaft erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die not
wendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Ist aufgrund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereig
nisses nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt – die blosse Möglichkeit genügt nicht –, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten de
r versicherten Person auswirkt
(BGE 116 V 136 E. 4b, 114 V 298 E. 5b).
1.6
Die leistungsansprechende Person hat
das Vorliegen eines Unfalles bezie
hungs
weise die Unfreiwilli
gkeit der Schädigung nachweisen, ohne dass ihr
eine sub
jek
tive Beweisführungslast im Sinne von
Art.
8
des Zivilgesetz
buches (
ZGB
) oblie
gen würde
. Eine Beweislast besteht nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zuungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen ge
blie
benen Sachverhalt Rechte ableiten will. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungs
grund
satzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entspre
chen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_727
/2007 vom 2
6.
August 2008 E. 2.2; BGE 117 V 261 E. 3b
).
Als Indizien,
zum Nachweis eines
behauptete
n
, von keinem Zeugen beobachtete
n
Unfall
s
fallen vorab der Zeitpunkt und das Motiv der Unfallmel
dung, die Zeitspanne zwischen Ereignis und Meldung sowie die Anamnese, namentlich ob diese frühere gleiche oder analoge Gesundheits
-
störungen enthält, die erfahrungsgemäss auch als alleinige Folge von Krankheiten auftreten können, in Betracht. Von erheblicher Bedeutung für die Beweiswürdigung ist auch, ob die erste Schilderung des Unfallgeschehens mit späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können, in wesentlichen Punkten übereinstimmt.
Auch den medizinischen Erkenntnissen bezüglich der traumatischen oder patho
logischen Ursachen eines Gesundheitsschadens kommt im Rahmen der Beweis
würdigung von unklaren Unfallsachverhalten die Bedeutung von Indizien zu
(Urteile des Bundesgerichts 8C_727/2007 vom 2
6.
August 2008 E. 2.3,
U 161/04 vom 3
0.
Novem
ber 2004
und U 117/02 vom 9. Mai 2003 E. 1
). Dabei
gilt es
zu beachten, dass sich der medizinische Begriff des Traumas nicht mit dem Unfall
begriff
im Sinne von
Art.
4 ATSG
deckt
(BGE 134 V 72 E. 4.3.2.2;
Urteile des Bundesgerichts 8C_241/2020 vom 2
9.
Mai 2020 E. 3 und
8C_225/2019 vom 2
0.
August 2019 E. 3.4
;
in BGE 130 V 380 nicht
publ
. E. 1 des Urteils
des Bundes
gerichts U 199/03 vom 1
0.
Mai 2004).
Ein traumatisches Ereignis schliesst zwar eine patho
logische Ursache aus, umfasst jedoch neben dem eigentlichen Unfall im Rechts
sinne auch Ereignisse, denen der Charakter der Ungewöhnlich
keit und/oder der
Plötzlichkeit abgeht (Urteil des Bundesgerichts U 236/98 vom 3. Januar 2000 E.
2d).
1.7
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erbringt die Versicherung ihre Leistungen auch
bei folgenden
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind: Knochenbrüche (lit. a); Verrenkungen von Ge
len
ken (lit. b), Meniskusrisse (lit. c), Muskelrisse (lit. d), Muskelzerrungen (lit. e), Sehnenrisse (lit. f), Bandläsionen (lit. g) und Trommelfellverletzungen (lit. h).
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist ab
schliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schweize
risches Unfallversicherungsrecht, 2. Auflage, Bern 1989, S. 202).
1.
8
Seit dem Inkrafttreten der Revision des UVG und der dazugehörigen Verordnung
über die Unfallversicherung
(UVV) per 1. Januar 2017 ist das Bestehen einer vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung nicht länger vom Vorliegen eines äusseren Ereignisses abhängig. Die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 UVG genannte Körperschädigung vorliegt, führt zur Vermu
tung, dass es sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt, die vom Unfallversicherer übernommen werden muss. Dieser kann sich aber von der Leistungspflicht befreien, wenn er beweist, dass die Körperschädigung vorwie
gend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen ist (Zusatzbotschaft zur Ände
rung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [Unfallversicherung und Unfallverhütung; Organisation und Nebentätigkeiten der Suva] vom 19. September 2014,
BBl
2014 7922 7934 f.).
Gemäss
BGE 146 V 51
ergibt sich a
us der in Art. 6 Abs.
2 UVG vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises weiterhin die Notwendigkeit der Abgrenzung der vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs- und erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit ist die Frage nach einem initialen
erinnerlichen
und benennbaren Ereignis - nicht zu
letzt auch aufgrund der Bedeutung eines zeitlichen Anknüpfungspunktes (Versicherungsdeckung; Zuständigkeit des Unfallversicherers; Berechnung des versicherten Verdienstes; intertemporalrechtliche Fragestellungen) - auch nach der UVG-Revision relevant. Lässt sich dabei kein initiales Ereignis erheben oder lediglich ein solches ganz untergeordneter respektive harmloser Art, so verein
facht dies zwangsläufig in aller Regel den Entlastungsbeweis des Unfallver
sicherers. Denn bei der in erster Linie von medizinischen Fachpersonen zu beur
teilenden Abgrenzungsfrage ist das gesamte Ursachenspektrum der in Frage stehenden Körperschädigung zu berücksichtigen. Nebst dem Vorzustand sind somit auch die Umstände des erstmaligen Auftretens der Beschwerden näher zu beleuchten. Die verschiedenen Indizien, die für oder gegen Abnützung oder Erkrankung sprechen, müssen aus medizinischer Sicht gewichtet werden. Damit der Entlastungsbeweis gelingt, hat der Unfallversicherer gestützt auf beweis
kräftige ärztliche Einschätzungen - mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit - nachzuweisen, dass die fragliche Listenverletzung vorwie
gend, das heisst im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50
%, auf Abnüt
zung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Besteht das Ursachenspektrum einzig
aus Elementen, die für Abnützung oder Erkrankung sprechen, so folgt daraus unweigerlich, dass der Entlastungsbeweis des Unfallversicherers erbracht ist und sich we
itere Abklärungen erübrigen (E.
8.6).
1.9
Gemäss
BGE
146
V
51
hat der Unfallversicherer nach Meldung einer Listenver
letzung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG
in der seit 1.
Januar 2017 geltenden Fassung die genauen Begleitumstände abzuklären. Ist die Listenverletzung auf ein U
nfall
ereignis im Sinne von Art.
4 ATSG zurückzuführen, so ist der Unfallversicherer solange leistungspflichtig, bis der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache darstellt, der Gesundheitsschaden also nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Sind hingegen nicht sämtliche Kriteri
en des Un
fall
begriffs nach Art.
4 ATSG erfüllt, so wird der Unfallversicherer für
eine Listenverletzung nach Art. 6 Abs.
2 UVG grundsätzlich leistungspflichtig, sofern er nicht den Nachweis dafür erbringt, dass die Verletzung vorwiegend auf Ab
nützung oder Erkrankung zurückzuführen ist (E. 9.1). Der Entlastungsbeweis des Unfallversicherers ist erbracht, wenn die Listendiagnose zu mehr als 50 % auf Abnützung oder Erkrankung beruht (E. 8.2.2.1, E. 8.6).
1.10
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Einspracheentscheid vom
1
1.
Mai 2020
(Urk. 2) davon aus, dass das Ereignis vom
8.
August 2019
den Unfallbegriff nicht erfülle, und dass dieses mangels einer
Listenverletzung beziehungsweise einer
entsprechenden Diagnose auch keine unfallähnliche Körperschädigung dar
stelle (S.
5
).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte hiegegen vor, dass er anlässlich des Ereignisses
(
vom
8.
August 2019) von einem Schiff ins Wasser gesprungen sei, und dass er dabei einen Ohrenschaden erlitten habe, als er beim Eintauchen in das Wasser ein
«
Knacken
»
beziehungsweise ein Knackgeräusch im Ohr wahrgenommen habe. Dieses Ereignis habe den Unfallbegriff erfüllt, weil es sich dabei um eine nicht beabsichtigte Einwirkung
gehandelt habe. Sein
bisheriger
Haus
a
rzt
, welcher zwischenzeitlich
verstorbene
sei,
habe fälschlicherweise ein Beissen und Pfeifen
im Ohr
und nicht ein Knacken im Ohr als Grund für den (am 1
2.
August 2019 erfolgten) Arztbesuch angegeben. Sodann habe es sich beim streitigen Ereignis, welches eine anhaltende Hörminderung verursacht habe, nicht um das Eindringen von Wasser in das Ohr, wovon die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Ein
spracheentscheid fälschlicherweise ausgegangen sei, sondern um
ein
Knacken im Ohr
gehandelt
(Urk. 1).
3.
3.1
Vorerst gilt es zu prüfen, ob es sich beim Ereignis vom
8.
August 2019
um einen Unfall im unfallversicherungsrechtlichen Sinne ge
han
delt hat.
3.2
Der
Verein
Y._
beschrieb den Hergang des Ereignisses vom 1
3.
(richtig: 8.) August 2019
im Formular «Schadenmeldung UVG» vom
3
0.
Aug
u
st 2019
(Urk.
14
/
K
1
S. 2
)
folgendermassen:
«
Hat in einer Tiefe von 50 - 100 cm getaucht und hatte sofort Wassereinfall im linken Ohr. Daraufhin verspürte Herr
X._
ein Beissen und
Pfeifen. Der Arzt diagnostizierte eine beginnende Ohrenentzündung
»
.
3.3
Der Beschwerdeführer führte in seinem Schreiben an die Beschwerdegegnerin vom 2
6.
Oktober 2019
zum Ereignishergang das Folgende aus (Urk.
14/K8
):
«
Ich bin vom Schiff runtergesprungen, Höhe weniger als zwei Meter
.
(...) Plötzlich, wie ich eingetaucht bin ins Wasser, knackte es in meinem Ohr, ich hatte sofort Schmerzen (...)»
.
3.4
Dr.
med.
Z._
,
Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin
,
beschrieb in seinem Bericht vom
3.
Oktober 2019 (
Urk. 15/M1
) auf Grund der Angaben des Beschwerdeführers den folgenden Ereig
nishergang:
«
Am 08.08.2019 beim Tauchen bei einer Tiefe von 1⁄2 Meter Auftreten von Druck
gefühl im linken Ohr mit leichten Schmerzen
.
»
Mit Mail vom
5.
Februar 2020
(
Urk.
14/K22) teilte
Dr.
Z._
dem Beschwerde
führer mit, dass er die Angaben in seinem Bericht vom
3.
Oktober 2019 der Kran
ken
geschichte entnommen habe, und
sie daher
nicht nachträglich auf Wunsch des B
eschwerdeführers abändern könne. Vielmehr käme
dies einer Zeugnis
fäl
schung gleich.
3.5
Der Beschwerdeführer führte in seiner Einsprache vom 1
7.
Februar 2020 (Urk. 14/K23) das Folgende aus:
«
Am
8.
August 2019 bin ich vom Dach meines Schiffs auf dem Zürichsee ins Wasser gesprungen, wie ich das x-tausend Mal zuvor ohne Folgen gemacht habe. Die Eintauchtiefe war geschätzt etwas einen halben Meter (...)
.
Beim Eintauchen ins Wasser ‹knallte› es in meinem linken Ohr, ich hatte sofort Schmerzen und das Wasser lief ein
.
(...)»
3.6
Am
8.
Juni 2020 nahm der Beschwerdeführer zur Beschreibung des Ereignisher
gangs durch den
Verein
Y._
im Formular «Schadenmeldung UVG» vom 3
0.
August 2019
folgendermassen Stellung (Urk. 3):
«
Zum Arzt bin ich gegangen wegen des Knackens im linken Ohr und des nach wie vor verminderten Hörens. Nicht wegen der Diagnose Beissen und Pfeifen
.
»
In seiner Beschwerde vom
9.
Juni 2020 (
Urk.
1) führte der Beschwerdeführer aus, da
s
s er vom Schiff ins Wasser gesprungen sei und in der Folge einen Ohren
scha
den erlitten habe, als es beim Eintreffen ins Wasser im Ohr geknackt habe.
4.
4.1
Die erwähnten Schilderungen des Ereignishergangs
durch den Beschwerdeführer
weichen in Bezug auf
den Inhalt
des Ereignisablaufs
nicht wesentlich
voneinan
der ab.
Gestützt auf die
se
grundsätzlich übereinstimmenden und keine wesentli
chen Widersprüche aufweisenden Angaben des Beschwerdeführers zum Gesche
hensablauf vom
8.
August 2019 ist daher davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer am
8.
August 2019 von einem Schiff aus einer Höhe
v
on weni
ger als zwei Metern ins Wasser sprang
,
beim Eintauchen ins Wasser ein Knackge
räusch
in seinem
linken Ohr wahr
nahm und infolgedessen unter sofortigen Schmerzen im Ohr litt.
A
bg
esehen vom erwähnten
Knackgeräusch im linken Ohr
hat sich gemäss den Aussagen des Beschwerdeführers
n
ichts Unge
wöhnliches - insbesondere auch keine unkoordinierte Bewegung -
zugetragen.
4.2
Etwas Ungewöhnliches lässt sich ferner auch nicht im
Eindringen von Wasser ins linke Ohr
erkennen
. Denn beim Schwimmen oder
Eintauchen ins Wasser stellt ein Eindringen von Wasser in die Ohren kein
ungewöhnli
ches Ereignis
dar. A
uch a
us dem Umstand alleine, dass der Beschwerdeführer anlässlich des Ereignisses sofort Schmerzen verspürte, lässt sich nicht auf eine
Ungewöhnlichkeit
des Ereignisses
schliessen.
4.3
Die Einwendungen des
Be
schwerdeführers
vermögen an d
iesem Ergebnis nichts zu ändern.
Nach Gesagtem steht demnach fest, dass es dem Ereignis vom
8.
August 2019 a
n einem für den Unfallbegriff vorausgesetzten unge
wöhnlichen äusseren Faktor fehlt.
5
.
5
.1
Zu prüfen bleibt, ob unter dem Titel der unfallähnlichen Körperschädigung eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für die Folgen des Ereignisses vom
8.
August 2019
besteht
.
5.2
Dr.
Z._
erwähnte in seinem Bericht vom
3.
Oktober 2019 (
Urk.
15/M1), dass die Erstbehandlung nach dem Ereignis vom
8.
August 2019 am 1
2.
August 2019 stattgefunden habe, und dass er den Befund eines linksseitig geröteten Trommel
fells
,
bei
negativem
Valsalva
,
erhoben habe, wobei von einem durch eine Krank
heit verursachten Leiden auszugehen sei.
Der Arzt führte aus
, dass
eine Therapie mit
Inflamac
,
Triofan
Nasenspray und
anschliessend
Cortinasal
Nasenspray
be
gon
nen
, und dass die Behandlung am 1
6.
August 2019 abgeschlossen worden sei. Er
stellte die folgende Diagnose:
-
Tubenkatarrh links mit beginnender Mittelohrentzündung links
Eine Arbeitsunfähigkeit attestierte
Dr.
Z._
dem Beschwerdeführe
r
nicht
.
5.3
Gemäss
dem
Bericht von
Dr.
Z._
vom
3.
Oktober 2019 (vorstehend E.
5.2
)
habe
dieser
einen
„negativen
Valsalva
“ festgestellt
.
Bei einem
Valsalva
Manöver kann es sich einerseits um einen o
tologischen
Test zur Funktion
sprü
fung der
Ohr
trompete
durch Erzeugung ei
nes Ü
ber
drucks im Nasen-Ra
chen-Raum nach tiefer
In
spirati
on
bei ge
schlos
se
nem Mund und zu
gehaltener Nase
handeln (vgl.
Val
salva-Vesuch
[HNO],
in: www.pschyrembel.de
). Andererseits kann es sich hierbei auch um eine
ärztliche Massnahme zum Feststellen einer Trommelfellver
letzung handeln. Dabei wird ein
Valsalva
-Manöver im Sinne
der
Erzeugung ei
nes Ü
ber
drucks im Nasen-Ra
chen-Raum nach tiefer
In
spirati
on
bei ge
schlos
se
nem Mund und zu
gehaltener Nase
bei einem mit Wasser aufgefüllten linken
Ohrkanal
durchgeführt.
Dabei wird
bei einem positiven Ergebnis, wenn Luftblasen aus dem
Ohrkanal
entweichen, auf eine
Trommefellverletzung
beziehun
g
s
weise -perfora
tion geschlossen. Bei
einem negativen Testergebnis, wenn keine Luftblasen aus dem mit Wasser gefüllten
Ohrkanal
entweichen,
kann indes lediglich vermu
tungs
weise und nicht mit Sicherheit
auf ein intaktes Trommelfell
geschlossen werden
(vgl.
Medscape
,
Middle
Ear
,
Tympanic
Membrane,
Perforations
Workup
vom
7.
Mai 2020; https://emedicine.medscape.
com
/
article
/858684-workup#c7)
.
5.4
In Anbetracht der gesamten Umstände ist vorliegend davon auszugehen, dass
Dr.
Z._
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit das Trommelfell des Beschwer
de
führers auf eine Trommelfellverletzung hin überprüfen wollte, und dass er daher
anlässlich der Konsultation vom 1
2.
August 2019
beim
Beschwerde
führer
bei einem mit Wasser aufgefüllten
linken
Ohrkanal
ein
Valsalva
-Manöver
im Sinne
der
Erzeugung ei
nes Ü
ber
drucks im Nasen-Ra
chen-Raum nach tiefer
In
spirati
on
bei ge
schlos
se
nem Mund und zu
gehaltener Nase
durch
führen
liess
, und dass
dabei
hinsichtlich einer Trommelfellverletzung ein negativer Befund resultierte.
5.
5
Gestützt auf den nachvollziehbaren
Bericht von
Dr.
Z._
vom
3.
Oktober 2019 (vorstehend E.
5.2
)
ist daher davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer anlässlich des Ereignisses vom
8.
August 2019 im Bereich seines linken Ohres
bei einem geröteten Trommelfell
unter einem Tubenkatarrh mit beginnender Mittel
ohrentzündung litt,
dass indes keine Hinweise auf eine Trommelfellverletzung bestanden.
Obwohl
der Beschwerdeführer nicht
durch eine Fachärztin oder einen Facharzt der
Oto
-
Rhino
-Laryngologie
untersucht wurde und obwohl insbe
son
dere weder eine
Otoskopie
oder Audiometrie (vgl. Trommelfellruptur
in:
ww
w
.pschyrembel.de
)
durchgeführt wurden
,
weshalb eine Tromme
l
fellruptur nicht mit
Sicherheit
auszuschliessen
war
, steht auf Grund der von
Dr.
Z._
durch
geführten
Untersuchungen
immerhin fest, dass keine Hinweise auf eine Trommelfellruptur bestanden, und dass
mit
einer gewissen
Wahrscheinlichkeit
auf ein intaktes Trommelfell zu
schliessen
war.
5.
6
Da unter anderem auf Grund der Erfahrungstatsache,
wonach
k
leine
Trommel
fellverletzungen in der Regel bereits nach kurzer Zeit beziehungsweise bereits nach einem bis zwei Tagen
von selbst
ausheilen (vgl.
Trommelfellruptur
in:
www.pschyrembel.de
), davon auszugehen ist, dass
ergänzende
Beweismassnahmen
an diesem Ergebnis nichts mehr änderten,
und da insbesondere auch die Einholung ergänzender Auskünfte bei
Dr.
Z._
auf Grund des Umstandes, dass dieser
gemäss
den Angaben des Beschwerdeführers (vgl. vorstehend E. 2.2) zwischenzeitlich verstorben ist, sich als unmöglich erweist,
ist von weiteren medizinischen Abklärungen beziehungsweise von
einer Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur Durchführung solcher
,
abzusehen
(antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen).
5.
7
Nach Gesagtem
steht
daher
fest, dass
eine durch das versicherte Ereignis vom
8.
Au
gust 2019 verursachte Trommelfellverletzung
im Sinne von
Art.
9
Abs.
2
lit.
h UVV
i
m Bereich des linken Ohres des Beschwerdeführe
r
s nicht mit dem
mass
gebenden
Beweisgrad der überwiegende
n
Wahrscheinlichkeit erstellt ist
.
6.
In Würdigung der medizinischen Akten ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
vielmehr
davon auszugehen, dass der Beschwerde
führer
bereits beim
Ereignis
vom
8.
August 2019 im Bereich seines linken Ohres
unter
einem
Tubenkatarrh mit beginnender Mittelohrentzündung
litt,
und
dass
die Beschwerden
beim Ein
tauchen ins Wasser
durch dieses Leiden verursacht wurden
.
Dieses Leiden
ist indes
nicht unter
den
in Art. 9 Abs. 2 UVV aufgelisteten unfallähnlichen Körper
schädigungen
beziehungsweise Listenverletzungen
aufgeführt
(vorstehend E.
1.7 und E. 18
). Demzu
folge fällt eine Leistungspflicht der Beschwerde
gegnerin
unter dem Titel der unfallähnlichen Körperschädigung schon deshalb ausser Betracht, weil nach Lage der medizinischen Akten keine Hinweise dafür bestehen, dass sich der Beschwerdeführer eine der in Art. 9 Abs. 2 lit. a bis
h UVV
abschliessend aufgezählten Körperschädigungen
zuge
zogen hätte (vgl. BGE 134 V 72 E. 4.3.2.2 und 123 V 43 E. 2b).
7.
Demzufolge ist
ein Leistungsanspruch des Beschwerdeführers
für das Ohrleiden
weder unter dem Titel des Unfalls noch unter dem
jenigen der unfallähnlichen
Körperschädigung ausgewiesen
.
Die
Be
schwerde
ist daher
abzuweisen
.