Decision ID: 4e9166a8-19f0-4984-adba-b1ab59732287
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ ist seit dem 1. Mai 2017 als Selbständigerwerbende im Bereich Reinigung
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse
(nachfolgend: Ausgleichskasse), angeschlossen (act. G3.1/1). Mit Mitteilung vom
28. Januar 2019 legte die Ausgleichskasse die Akontobeiträge für das Jahr 2019
ausgehend von einem auf der Vorjahresperiode basierenden voraussichtlichen
beitragspflichtigen Einkommen von Fr. 17'700.-- fest (act. G3.1/9). Mit Formular vom
11. Februar 2019 teilte die Versicherte der Ausgleichskasse mit, ihr voraussichtliches
Einkommen für das Jahr 2019 habe sich wesentlich verändert und betrage Fr. 18'000.--
(act. G3.1/10). Gestützt hierauf berechnete die Ausgleichskasse am 22. Februar 2019
ausgehend von einem beitragspflichtigen Einkommen von Fr. 19'000.-- die
Akontobeiträge 2019 neu (act. G3.1/11). Am 24. Januar 2020 gab die Versicherte an,
ihr voraussichtliches Erwerbseinkommen für das Jahr 2020 betrage Fr. 54'000.--. Als
Erwerbseinkommen für das Jahr 2019 gab sie weiterhin einen Betrag von Fr. 18'000.--
an (act. G3.1/17). Mit Mitteilung vom 18. Februar 2020 setzte die Ausgleichskasse die
Akontobeiträge für das Jahr 2019 erneut gestützt auf ein beitragspflichtiges
Einkommen von Fr. 19'000.-- fest (act. G3.1/18).
A.a.
Am 31. März 2020 meldete die Versicherte sich mittels online-Formular zum Bezug
von Corona-Erwerbsausfallentschädigung ab 16. März 2020 an (act. G3.1/20).
A.b.
Die Ausgleichskasse sprach der Versicherten am 29. April 2020 eine sogenannte
Härtefallentschädigung mit einem Tagesansatz von Fr. 42.40 ab dem 17. März 2020 zu
A.c.
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B.
(act. G3.1/21). Weitere Entschädigungen bis 16. September 2020 vergütete sie jeweils
nach Ablauf der entsprechenden Kontrollperiode (act. G3.1/22 ff.).
Am 1. Februar 2021 erhielt die Ausgleichskasse die Sedex Steuermeldung für das
Jahr 2019 (im von der Ausgleichskasse zugestellten Aktenbündel nicht enthalten, vgl.
jedoch die Angaben der Ausgleichskasse im späteren Einspracheentscheid,
act. G3.1/33, und die vom Gericht beigezogenen Angaben des Steueramtes, wonach
die B._ Steuermeldung am 31. Januar 2021 erstellt worden sei, act. G7 und G7.1).
Gestützt darauf verfügte die Ausgleichskasse unter Zugrundelegung eines
beitragspflichtigen Einkommens von Fr. 46'700.-- am 1. Februar 2021 die definitiven
Beiträge für das Jahr 2019 (act. G3.1/29).
A.d.
Mit Schreiben vom 13. Februar 2021 beantragte die Versicherte aufgrund der
definitiven Steuerveranlagung 2019 bei der Ausgleichskasse eine Neuberechnung der
Corona-Erwerbsausfallentschädigung (act. G3.1/30). Mit Verfügung vom 1. März 2021
wies die Ausgleichskasse den Antrag auf Neuberechnung für den Zeitraum vom
17. März 2020 bis 16. September 2020 unter Hinweis darauf, dass Anträge auf
Änderung des Taggeldansatzes bis zum 16. September 2020 hätten eingereicht
werden müssen, ab (act. G3.1/31). Dagegen erhob die Versicherte am 16. März 2021
Einsprache (act. G3.1/32).
A.e.
Mit Entscheid vom 17. Mai 2021 wies die Ausgleichskasse die Einsprache ab. Zur
Begründung führte sie im Wesentlichen aus, da im Zeitpunkt der Antragsstellung die
definitive Steuerveranlagung 2019 noch nicht vorgelegen habe, habe sie für die
Berechnung der Corona-Erwerbsausfallentschädigung das Einkommen in Höhe von
Fr. 19'000.--, welches für die Festsetzung der Beitragsrechnung für das Jahr 2019
(Akontorechnung) herangezogen worden sei, verwendet. Der Antrag auf Revision vom
13. Februar 2021 sei verspätet, da ein solcher Antrag bis zum 16. September 2020
hätte erfolgen müssen (act. G3.1/33).
A.f.
Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde vom 15. Juni
2021. Die Beschwerdeführerin beantragt, ihre Corona-Erwerbsausfallentschädigung sei
unter Zugrundelegung des Erwerbseinkommens 2019 gemäss definitiver
B.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Beitragsverfügung vom 1. Februar 2021 neu zu berechnen. Zur Begründung bringt sie
sinngemäss vor, zwischen dem voraussichtlichen und dem definitiven
Erwerbseinkommen für das Jahr 2019 bestehe eine Differenz von Fr. 28'700.--, sodass
die ursprünglich ausbezahlte Corona-Erwerbsausfallentschädigung zu tief ausgefallen
sei (act. G1 und G1.3).
Mit Beschwerdeantwort vom 25. Juni 2021 beantragt die Beschwerdegegnerin
unter Verweis auf den Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G3).
B.b.
Das Versicherungsgericht gibt der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom
30. Juni 2021 Gelegenheit zur Akteneinsicht und allfälliger Stellungnahme (act. G4). Am
10. September 2021 teilt es den Parteien mit, dass der Schriftenwechsel
abgeschlossen ist (act. G5).
B.c.
Am 12. September 2022 ersucht das Versicherungsgericht das zuständige
Steueramt um Zustellung der Steuerakten 2019 der Beschwerdeführerin sowie
Auskunft darüber, wann die definitive Steuerveranlagung der Beschwerdeführerin
eröffnet worden und wann die B._ Steuermeldung an die Beschwerdegegnerin
ergangen seien (act. G6).
B.d.
Am 16. September 2022 teilt das zuständige Steueramt mit, die Steuern der
Beschwerdeführerin seien am 2. Dezember 2020 definitiv veranlagt worden. Nach
Ablauf der Rechtsmittelfrist sei die Steuermeldung an die Beschwerdegegnerin am
31. Januar 2021 erstellt worden (act. G7).
B.e.
Mit Schreiben vom 26. September 2022 gab das Versicherungsgericht den
Parteien Gelegenheit zur Einsicht in die vom Steueramt eingereichten Akten (act. G8).
B.f.
Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich
auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung bzw. des streitigen
Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 144 V 210 E. 4.3.1 und 148 V
162 E. 3.2.1). In intertemporalrechtlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen
Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu
1.1.
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2.
Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1 und 144 V
210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen).
Vorliegend hatte die Beschwerdeführerin für den Zeitraum ab 17. März 2020
Corona-Erwerbsausfallentschädigung beantragt. Die erste Abrechnung der Corona-
Erwerbsausfallentschädigung datiert vom 29. April 2020, die Verfügung, mit welcher
die Beschwerdegegnerin das Revisionsgesuch um Neuberechnung des Taggeldes
abgelehnt hatte, erging am 1. März 2021 und der Einspracheentscheid am 17. Mai
2021. Zwar erwähnte die Beschwerdeführerin in ihrer Einsprache vom 13. Februar
2021, die Beschwerdegegnerin habe für den Zeitraum vom 17. März 2020 bis 30. April
2020 Corona-Erwerbsausfallentschädigung ausgerichtet (act. G3.1/32). Indes bezog
sich die Begründung in der Verfügung vom 1. März 2021 auf den Zeitraum vom
17. März 2020 bis 16. September 2020, womit auch der Gegenstand des
Einspracheentscheids definiert war. Somit sind hier die Gesetze und Verordnungen in
den von März 2020 bis September 2020 gültigen Fassungen anwendbar. Die
nachfolgenden Normen werden grundsätzlich in der für diese Periode anwendbaren
Fassung zitiert. Soweit unterschiedliche Fassungen zur Anwendung kommen, werden
diese als solche bezeichnet.
1.2.
Als Anspruchsgrundlage kommt im vorliegenden Fall unstreitig die Verordnung
über Massnahmen bei Erwerbsausfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus
(COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall; SR 830.31) zur Anwendung.
Anspruchsberechtigt für eine Corona-Erwerbsausfallentschädigung sind unter anderem
Selbstständigerwerbende im Sinne von Art. 12 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (SR 830.1; abgekürzt: ATSG), die auf
Grund einer Massnahme nach Art. 6 Abs. 1 und 2 der COVID-19-Verordnung 2 einen
Erwerbsausfall erleiden und im Sinn des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) obligatorisch versichert sind (Art. 2
Abs. 3 in Verbindung mit Art. 2 Abs. 1 lit. c COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall in
der bis 16. September 2020 gültig gewesenen Fassung).
2.1.
bis
Die Corona-Erwerbsausfallentschädigung wird als Taggeld ausgerichtet. Pro fünf
Taggelder werden zusätzlich zwei Taggelder ausgerichtet (Art. 4 COVID-19-Verordnung
Erwerbsausfall). Das Taggeld beträgt 80 % des durchschnittlichen
Erwerbseinkommens, das vor Beginn des Anspruchs auf die Entschädigung erzielt
wurde. Für die Ermittlung des Einkommens ist Art. 11 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende, bei Mutterschaft und bei Vaterschaft (EOG; SR
2.2.
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3.
834.1) sinngemäss anwendbar (Art. 5 Abs. 1 und Abs. 2 COVID-19-Verordnung
Erwerbsausfall).
Nach Art. 11 Abs. 1 EOG bildet Grundlage für die Ermittlung des
durchschnittlichen vordienstlichen Erwerbseinkommens das Einkommen, von dem die
Beiträge nach dem AHVG erhoben werden. Der Bundesrat erlässt Vorschriften über die
Bemessung der Entschädigung und lässt durch das Bundesamt für
Sozialversicherungen (BSV) verbindliche Tabellen mit aufgerundeten Beträgen
aufstellen. Gestützt auf die Verordnung zum Erwerbsersatzgesetz (EOV; SR 834.11)
wird bei Selbständigerwerbenden die Entschädigung aufgrund des auf den Tag
umgerechneten Erwerbseinkommen berechnet, das für den letzten vor dem Einrücken
verfügten AHV-Beitrag massgebend war. Wird für das Jahr der Dienstleistung später
ein anderer AHV-Beitrag verfügt, so kann die Neubeurteilung der Entschädigung
verlangt werden (Art. 7 Abs. 1 Satz 2 EOV [in der bis 30. Juni 2021 gültig gewesenen
Fassung]).
2.3.
Die Entschädigung wird gemäss Art. 8 Abs. 5 COVID-19-Verordnung
Erwerbsausfall im formlosen Verfahren nach Art. 51 ATSG festgesetzt. Dies gilt in
Abweichung von Art. 49 Abs. 1 ATSG auch für erhebliche Entschädigungen.
2.4.
Nach dem Wortlaut der COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall in der Fassung vom
6. Juli 2020, gültig bis 16. September 2020, kann nach der Festlegung der Corona-
Erwerbsausfallentschädigung eine Neuberechnung der Entschädigung nur
vorgenommen werden, wenn eine aktuellere Steuerveranlagung bis zum
16. September 2020 der anspruchsberechtigten Person zugestellt wird und diese den
Antrag zur Neuberechnung bis zu diesem Datum einreicht (Art. 5 Abs. 2 Satz 2
COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall). Das Bundesgericht hat in seinem zur
Publikation vorgesehenen Entscheid vom 6. November 2022, 9C_663/2021
festgehalten, diese Regelung für den Zeitraum bis zum 16. September 2020 sei
aufgrund der damaligen Dringlichkeit der Situation nicht zu beanstanden (vgl.
Medienmitteilung des Bundesgerichts vom 13. Dezember 2022, https://www.bger.ch/
files/live/sites/bger/files/pdf/de/9c_0663_2021_2022_12_13_T_d_09_52_30.pdf,
abgerufen am 14. Dezember 2022).
2.5.
Verwaltungsweisungen richten sich an die Behörden und sind für die Gerichte an
sich nicht verbindlich. Die Unterart der vollzugslenkenden Verwaltungsweisungen kann
namentlich dazu dienen, eine einheitliche Handhabung des Verwaltungsermessens
sicherzustellen. Obwohl für das Gericht nicht verbindlich, sind Verwaltungsweisungen
3.1.
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wie etwa Wegleitungen oder Kreisschreiben aber zu berücksichtigen, sofern sie eine
dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren
gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen
Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung
der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung,
durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten,
Rechnung getragen. Verwaltungsweisungen dürfen indes keine über Gesetz oder
Verordnung hinausgehende Einschränkungen materieller Rechtsansprüche einführen
(BGE 148 V 144 E. 3.1.3 und 147 V 278 E. 2.2, je mit Hinweisen).
Vorliegend ist in diesem Sinne das Kreisschreiben des BSV über die
Entschädigung bei Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus – Corona-
Erwerbsersatz (nachfolgend: KS CE) zu berücksichtigen. Dabei ist grundsätzlich
diejenige Fassung zu beachten, die der Entscheidbehörde im Verfügungszeitpunkt
vorgelegen hat. Spätere Ergänzungen können allenfalls in die Entscheidfindung
einfliessen, insbesondere, wenn sie Schlüsse auf eine bereits zuvor gelebte
Verwaltungspraxis zulassen (BGE 147 V 278 E. 2.2 mit Hinweisen).
3.2.
Gemäss der KS CE (in der bis 12. Mai 2020 aktuellen Fassung, erste und zweite
Version) bildet das Einkommen gemäss der aktuellsten Beitragsverfügung des Jahres
2019 Grundlage für die Bemessung der Entschädigung für Selbständigerwerbende.
Dabei ist unerheblich, ob die Grundlage der Beitragsverfügung provisorisch oder
definitiv ist. Ab der dritten Version des KS CE, welche vom 13. Mai 2020 datiert, wird
die Bemessung weiter konkretisiert. Demnach ist als Basis das Einkommen zu
verwenden, welches für die Festsetzung der AHV/IV/EO-Beitragsrechnungen für das
Jahr 2019 (Akontorechnungen) herangezogen wurde. Liegt im Zeitpunkt der
Festsetzung der Entschädigung die definitive Steuerveranlagung für das Jahr 2019
bereits vor, ist auf diese abzustellen (Rz 1065 KS CE dritte Fassung vom 13. Mai 2020).
Basierte die festgesetzte Entschädigung auf dem Einkommen, welches für die
Akontorechnungen 2019 herangezogen wurde und wurde dieses seit der letzten
definitiven Beitragsverfügung nicht angepasst, so ist auf Antrag das Einkommen der
letzten definitiven Beitragsverfügung abzustellen. Liegt zum Zeitpunkt des Antrages die
definitive Steuerveranlagung für das Jahr 2019 bereits vor, so ist diese zu
berücksichtigen (Rz 1065.1 KS CE dritte Fassung vom 13. Mai 2020).
3.3.
Gemäss Rz 1068 KS CE dritte Version bewirkt eine nachträgliche Anpassung des
Erwerbseinkommens infolge der definitiven Steuermeldung für das Beitragsjahr 2019,
die nach dem 16. September 2020 eingeht, keine Änderung in der Entschädigung.
Ebenso keine Änderung in der Höhe der Entschädigung sollen nach dem 17. März
3.4.
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4.
2020 erfolgte Anpassungen des den Akontorechnungen 2019 zugrundeliegenden
Erwerbseinkommens bewirken (vorbehalten bleibe Rz 1065.1). Das Bundesgericht hat
in BGE 147 V 278 allerdings festgestellt, es verstosse gegen Bundesrecht, bei der
Prüfung des Anspruchs auf Corona-Erwerbsausfallentschädigung zwischen dem
17. März 2020 und der erstmaligen Verfügung über den Corona-Erwerbsersatz erfolgte
Änderungen der AHV-Beitragszahlungen für das Jahr 2019 ausser Acht zu lassen.
Vorliegend hat die Beschwerdeführerin sich am 31. März 2020 zum Bezug von
Corona-Erwerbausfallentschädigung angemeldet (act. G3.1/20). Die
Beschwerdegegnerin hat ihren Anspruch sodann geprüft, wie in Art. 8 Abs. 5
COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall vorgeschrieben im formlosen Verfahren nach
Art. 51 ATSG den Erwerbsausfall festgesetzt und der Beschwerdeführerin gestützt
hierauf am 29. April 2020 die erste Abrechnung zugestellt (act. G3.1/21). Sie hatte sich
in diesem Zeitpunkt nach der damaligen Version des KS CE zu richten und musste als
Grundlage für die Bemessung der Entschädigung das Einkommen gemäss der
aktuellsten Beitragsverfügung des Jahres 2019 heranziehen (Rz 1065 KS CE erste und
zweite Version, in der bis 12. Mai 2020 aktuellen Fassung; vgl. auch act. G3.1/9).
4.1.
Anzumerken ist an dieser Stelle, dass der Beschwerdeführerin die Möglichkeit
offen gestanden hätte, der Beschwerdegegnerin eine wesentliche Veränderung des
Einkommens aus dem Jahr 2019 mittels entsprechendem Formular vor der ersten
Abrechnung der Corona-Erwerbsausfallentschädigung vom 29. April 2020 zu melden.
Die Beschwerdegegnerin hätte sie in diesem Fall auffordern müssen, das gemeldete
Einkommen zu plausibilisieren, und zur Vermeidung von rechtsmissbräuchlichem
Verhalten eine summarische Prüfung der Glaubhaftigkeit der Angaben der
Beschwerdeführerin durchführen müssen. Anschliessend hätte sie eine geänderte
Akontorechnung erlassen und die Corona-Erwerbsausfallentschädigung gestützt auf
die neue Grundlage berechnen müssen (vgl. hierzu E. 3.4 vorstehend). Der
Beschwerdeführerin war die Möglichkeit, eine wesentliche Veränderung des
Einkommens zu melden, bekannt, reichte sie der Beschwerdegegnerin doch letztmals
am 24. Januar 2020 ein entsprechendes Formular ein (act. G3.1/17). Auf diesem
Formular veranschlagte sie jedoch wie bereits früher das Erwerbseinkommen für das
Jahr 2019 auf Fr. 18'000.--.
4.2.
Die Beschwerdegegnerin ist somit für die ursprüngliche Festlegung der Corona-
Erwerbsausfallentschädigung korrekt vorgegangen.
4.3.
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5.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Corona-
Erwerbsausfallentschädigung nach der ursprünglichen Festlegung neu hätte berechnen
müssen. Gestützt auf Art. 5 Abs. 2 Satz 2 COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall in der
Fassung vom 6. Juli 2020 hätte die Beschwerdeführerin bis zum 16. September 2020
eine aktuellere Steuerveranlagung einreichen müssen, damit die Beschwerdegegnerin
eine Neuberechnung vorgenommen hätte.
5.1.
Die kantonale Rechtsprechung erachtete die einheitliche Befristung der
Revisionsmöglichkeit per 16. September 2020 teilweise als nicht sachgerechte,
verfassungswidrige Regelung, welche Ungleiches – die Steuerpflichtigen erhalten die
definitive Veranlagung aus Gründen, die sie zumindest nicht alleine zu vertreten haben,
nicht gleichzeitig – nicht nach Massgabe der Ungleichheit, sondern ohne zureichende
Begründung gleich behandelt (vgl. hierzu beispielhaft das in Rechtskraft erwachsene
Urteil des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 17. Mai 2022, EO 2021/8; zum
gleichen Schluss gelangte auch das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich in
seinem Urteil vom 29. Oktober 2020 [EE.2020.00006] E. 3). Nachdem das
Bundesgericht einen zur Publikation vorgesehenen anderen Entscheid gefällt hat und
die Befristung per 16. September 2020 darin als zulässig und verfassungsmässig
erachtet (Urteil des Bundesgerichts vom 6. November 2022, 9C_663/2021; vgl.
Medienmitteilung des Bundesgerichts vom 13. Dezember 2022, https://www.bger.ch/
files/live/sites/bger/files/pdf/de/9c_0663_2021_2022_12_13_T_d_09_52_30.pdf,
abgerufen am 14. Dezember 2022), ist auf diese höchstrichterliche Rechtsprechung
abzustellen.
5.2.
Vorliegend erging die definitive Steuerveranlagung für das Jahr 2019 am
2. Dezember 2020 (act. G7). Dementsprechend konnte die Beschwerdeführerin diese
nicht vor dem Stichtag vom 16. September 2020 bei der Beschwerdegegnerin
einreichen. Unstreitig stellte sie den Antrag auf Neuberechnung denn auch erst am
13. Februar 2021. Weil die Beschwerdeführerin den Antrag auf Neuberechnung unter
Einreichung der definitiven Steuerveranlagung nicht bis am 16. September 2020
gestellt hat, kann für den Zeitraum bis zu diesem Datum keine Neuberechnung
stattfinden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. November 2022, 9C_663/2021,
E. 11.3 f.). Die Beschwerde ist somit vollumfänglich abzuweisen.
5.3.
Gerichtskosten sind keine zu erheben, nachdem in der COVID-19-Verordnung
Erwerbsausfall keine solchen vorgesehen sind (Art. 1 COVID-19-Verordnung
Erwerbsausfall in Verbindung mit Art. 61 lit. f ATSG).
5.4.
bis
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