Decision ID: c8a84455-7326-4726-828f-9082e3807f03
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) war als Coiffeuse bei der B._ SA angestellt und
dadurch bei der AXA Versicherungen AG (nachfolgend: AXA) gegen die Folgen von
Unfällen versichert. Mit Bagatellunfallmeldung UVG vom 11. Januar 2019 liess die
Versicherte durch ihre Arbeitgeberin melden, es habe ihr am 7. Juni 2018 im Fitness
beim Gewicht auf die Schulter Heben einen Druck auf das Knie gegeben, so dass sie
sich eine Knieverletzung rechts zugezogen habe (act. G 5.1/A1). Eine Erstbehandlung
hatte am 11. Juni 2018 bei Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Medizin,
stattgefunden, der in der Krankengeschichte als "Problem" eine Knie-/Patelladistorsion
rechts am 7. Juni 2018 notiert hatte. Am 14. Juni 2018 hatte die Versicherte sodann mit
Dr. C._ telefoniert und am 23. Juli 2018 war eine weitere hausärztliche Konsultation
gefolgt, anlässlich welcher die Behandlung bezüglich des rechten Knies abgeschlossen
worden war (act. G 5.2/M1, M9, M11). In einem "Formular zum Ereignis" der AXA
machte die Versicherte nähere Angaben zum Hergang des Ereignisses vom 7. Juni
2018 (Frage 1). Es habe bei der Kniebeugeübung mit Gewicht, als sie in die Hocke
gehen und wieder aufrecht aufstehen wollte, das rechte Knie geknackst. Dabei habe
sie das rechte Knie verrenkt. Die Schmerzen seien erstmals nach dieser falschen
Bewegung aufgetreten und hätten immer mehr zugenommen. Die Frage, ob sich etwas
A.a.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/19
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Ungewöhnliches oder Programmwidriges, das zum Ereignis beigetragen habe, z. B. ein
Ausgleiten oder ein Sturz, ereignet habe, verneinte sie; insbesondere verneinte sie
einen Sturz (act. G 5.1/A2). Mit Schreiben vom 31. Januar 2019 teilte die AXA der
Versicherten mit, dass mangels Vorliegens eines Unfalls im Sinne des Gesetzes kein
Anspruch auf Versicherungsleistungen der obligatorischen Unfallversicherung bestehe
(act. G 5.1/A3). Nachdem der Lebenspartner der Versicherten die AXA mit E-Mail vom
14. Februar 2019 um eine Neubeurteilung des Schadenfalls ersucht hatte (act. G 5.1/
A4), hob diese mit Schreiben vom 27. Februar 2019 ihre Ablehnung vom 31. Januar
2019 auf und erklärte sich bereit, für die bereits abgeschlossene Arztbehandlung (vgl.
dazu act. G 5.2/M1, M12) die Versicherungsleistungen zu erbringen, hielt jedoch fest,
dass es sich um eine Leistung ohne Präjudiz handle. Falls die ärztliche Behandlung
wieder aufgenommen werden müsse, behalte sie sich vor, den Fall neu zu beurteilen
(act. G5.1/A5).
Parallel zum Behandlungsabschluss bezüglich der Knieproblematik rechts hatte
Dr. C._ bei der Versicherten gemäss Eintrag in der Krankengeschichte am 23. Juli
2018 eine Tendinitis Handgelenk rechts erhoben. Im Zusammenhang mit einer
Handgelenkproblematik rechts folgten weitere Konsultationen beim Hausarzt (act. G
5.1/M11), Untersuchungen durch Dr. med. D._, FMH Handchirurgie, FMH Plastische,
Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, und Dr. med. E._, FMH Handchirurgie,
FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, St. Gallen
(act. G 5.2/M3, M7, M10), eine MRI-Untersuchung des rechten Handgelenks durch Dr.
med. F._, Facharzt FMH für medizinische Radiologie (act. G 5.2/M6) sowie eine
klinisch-neurologische sowie elektrophysiologische Untersuchung zur Beurteilung
eines rechtsseitigen Karpaltunnelsyndroms bei beklagter lageabhängiger
Nervenreizsymptomatik durch Dr. med. G._, FMH Neurologie (act. G 5.2/M4). Dr.
D._ hatte nach der MRI-Untersuchung eine posttraumatische scapholunäre
Dissoziation Handgelenk rechts nach Distorsion vom 7. Juni 2018, eine TFCC-Läsion
Handgelenk rechts mit reaktiver Synovialitis, eine unfallunabhängig angedeutete
Madelung-Veränderung Handgelenk rechts und klinisch ein Karpaltunnelsyndrom
rechts diagnostiziert (act. G 5.2/M3), doch ergaben die Untersuchungen durch Dr.
G._ keine Hinweise auf ein peripheres Nervenengpass-Syndrom (act. G 5.2/M8). Am
25. Juni 2019 reichte Dr. C._ der AXA eine ärztliche Stellungnahme ein, worin er
A.b.
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B.
Die gegen diese Verfügung mit E-Mail vom 8. Juli 2019 erhobene Einsprache (act. G
5.1/A13) wurde von der AXA nach Einholung eines Auszugs aus der von Dr. C._ ab 1.
Januar 2018 bis 31. Mai 2019 geführten Krankengeschichte der Versicherten (act. G
5.1/A24) und einer Beurteilung ihres Vertrauensarztes Dr. med. H._, Facharzt FMH
Chirurgie, Beratender Arzt/SGV, vom 22. Oktober 2017 (act. G 5.2/M12) mit
Einspracheentscheid vom 29. Oktober 2019 (act. G 5.1/A29) abgewiesen. Dr. H._
hatte zu den Fragen Stellung genommen, ob es sich bei den Handbeschwerden links
(richtig: rechts) um eine unfallähnliche Körperschädigung handle und falls ja, ob diese
vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sei (act. G 5.2/M12). Am
21. November 2019 führte Dr. E._ am rechten Handgelenk der Versicherten eine
diagnostische Arthroskopie, eine offene SL-Kapsulodese und ein TFCC-Debridement
durch (act. G 5.2/M13).
C.
festhielt, dass es durch das Ereignis vom 7. Juni 2018 auch zu einer Schädigung im
Bereich des rechten Handgelenks gekommen sei und diese Schädigung kausal
ausschliesslich durch das Unfallereignis aufgetreten sei (act. G 5.2/M9).
Inzwischen hatte die AXA der Versicherten mit Schreiben vom 18. Juni 2019
mitgeteilt, dass mangels belegter Brückensymptome keine Beteiligung des rechten
Handgelenks am Ereignis vom 7. Juni 2018 nachgewiesen sei und damit keine
Versicherungsleistungen für das rechte Handgelenk erbracht würden (act. G 5.1/A6).
Obwohl die Versicherte am 19. Juni 2019 telefonisch mitteilen liess, Dr. C._
bestätige, dass das Handgelenk der Versicherten bereits im Juni 2018 untersucht
worden sei, dieses jedoch in der Hergangsschilderung unerwähnt geblieben sei, weil
das Hauptproblem das Knie gewesen sei (act. G 5.1/A9), hielt die AXA mit Verfügung
vom 5. Juli 2019 an ihrer Leistungsablehnung betreffend das rechte Handgelenk
mangels eines natürlichen Kausalzusammenhangs zum Ereignis vom 7. Juni 2018 fest
(act. G 5.1/A10).
A.c.
Gegen den Einspracheentscheid vom 29. Oktober 2019 erhob die Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 26. November 2019 Beschwerde.
Sie beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids
C.a.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/19
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Considerations:
Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin für das von der
Beschwerdeführerin bzw. ihrer Arbeitgeberin am 11. Januar 2019 gemeldete Ereignis
vom 7. Juni 2018 und die bei der Beschwerdeführerin in der Folge ärztlich, am 21.
November 2019 insbesondere auch operativ behandelten Gesundheitsstörungen im
Bereich des rechten Handgelenks, leistungspflichtig ist. Die nach dem Ereignis vom 7.
Juni 2018 ab 11. Juni 2018 von Dr. C._ begonnene Behandlung von
Kniebeschwerden rechts ist unbestrittenermassen abgeschlossen. Die
Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 27. Februar 2019
zugesichert, die Kosten dieser Heilbehandlung zu übernehmen. Dieser Aspekt bildet
deshalb unstreitig nicht Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens. Mit
dem vorgenannten Schreiben (act. G 5.1/A5) hat zwar die Beschwerdegegnerin
offensichtlich das Ereignis vom 7. Juni 2018 nicht als Unfall im Sinne des Gesetzes
anerkannt (vgl. act. G 5, Ziff. 1.4) und die Zusicherung von Versicherungsleistungen im
Zusammenhang mit der Knieproblematik rechts erfolgte "ohne Präjudiz" (nur) zur
Vermeidung unnötiger Diskussionen und aufgrund der Tatsache, dass die fragliche
Heilbehandlung im damaligen Zeitpunkt bereits abgeschlossen gewesen war. Im
vorliegenden Beschwerdeverfahren muss jedoch nicht geprüft werden, ob
Kulanzleistungen in der Sozialversicherung mit dem Legalitätsprinzip zu vereinbaren
sind. Dem angefochtenen Einspracheentscheid liegt nämlich als Sachverhalt nicht die
Knieproblematik rechts, sondern die Handgelenksproblematik rechts zugrunde,
bezüglich welcher eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin streitig ist, und für
welche die gesetzlichen Anspruchsvoraussetzungen (auch diejenige des Vorliegens
eines Unfalls im Sinne des Gesetzes; vgl. nachfolgende Erwägung 3) gesamthaft erfüllt
sein müssen und damit neu zu überprüfen sind.
2.
sowie die Zusprechung der gesetzlichen Versicherungsleistungen für die beim Ereignis
vom 7. Juni 2018 verletzte rechte Hand (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 19. Februar 2020 beantragte die AXA (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
C.b.
Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer Replik (act. G 7).C.c.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/19
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Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung in der seit 1.
Januar 2017 geltenden Fassung (UVG; SR 832.20) werden Versicherungsleistungen bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt. Als Unfall gilt nach Art. 4 des Bundesgesetztes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht
beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Dabei bezieht sich das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors,
sondern auf den Faktor selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist
somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach
sich gezogen hat. Ein äusserer Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im
jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft,
beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht
fallen (André Nabold, N 42 zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.],
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 32 ff.
zu Art. 6, in: Ghislane Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.],
Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019 [nachfolgend zitiert: BSK UVG];
Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 31; RKUV 2000 Nr. U
368 S. 99 E. 2b mit Hinweisen; BGE 122 V 233 E. 1, 121 V 38 E. 1a, je mit Hinweisen).
Das für den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors
kann nach Lehre und Rechtsprechung auch in einer unkoordinierten Bewegung
bestehen. Bei unkoordinierten Bewegungen ist das Merkmal der Ungewöhnlichkeit
erfüllt, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer
Körperbewegung gleichsam „programmwidrig“ beeinflusst hat, was beispielsweise
dann zutrifft, wenn die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an einen
Gegenstand anstösst oder wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige
Abwehrbewegung ausführt oder auszuführen versucht. Dass es tatsächlich zu einem
Sturz kommt, wird mithin nicht vorausgesetzt. Wo sich eine Schädigung auf das
Körperinnere beschränkt und sie erfahrungsgemäss auch als alleinige Folge von
Krankheiten, namentlich von degenerativen Veränderungen eines Körperteils innerhalb
eines durchaus normalen Geschehensablaufs auftreten kann, muss die unkoordinierte
Bewegung als unmittelbare Ursache der Schädigung indessen unter besonders
sinnfälligen Umständen gesetzt worden sein; denn ein Unfallereignis manifestiert sich
in der Regel in einer äusserlich wahrnehmbaren Schädigung, während bei deren Fehlen
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/19
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eine erhöhte Wahrscheinlichkeit rein krankheitsbedingter Ursachen besteht (vgl. BGE
134 V 80 E. 4.3.2.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 25. März 2011,
8C_693/2010, E. 5; RKUV 1999 Nr. U 333 S. 199 E. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422 E. 2b,
RKUV 1996 Nr. U 253 S. 204 E. 4d; KOSS UVG-Nabold, N 32 zu Art. 6; BSK UVG-
Hofer, N 38 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 40 f.; Alfred Maurer,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 176 f.).
Bei einer Sportverletzung ist ohne besonderes Vorkommnis das Merkmal der
Ungewöhnlichkeit und damit das Vorliegen eines Unfalls zu verneinen (BGE 130 V 118
E. 2.2 mit Hinweis). Hingegen ist bei sportlichen Tätigkeiten ein Unfall im Rechtssinn
dann anzunehmen, wenn die sportliche Übung anders verläuft als geplant (vgl. RKUV
1992 Nr. U 156 S. 258). Wenn sich das in einer sportlichen Übung inhärente Risiko
einer Verletzung verwirklicht, liegt kein derartiges Unfallereignis vor. Ein solches ist
auch dann zu verneinen, wenn die Übung zwar nicht ideal verläuft, die Art der
Ausführung sich aber in der Spannweite des Üblichen bewegt (RKUV 2004 Nr. U 502 S.
185 E. 4.4).
2.2.
Gestützt auf Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer sodann bei Vorliegen
eines Unfalls für einen Gesundheitsschaden nur insoweit Leistungen zu erbringen, als
dieser in einem natürlichen sowie adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten
Ereignis steht (BGE 129 V 181 E. 3.1 ff. mit Hinweisen; KOSS UVG-Nabold, N 48 ff. zu
Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 63 ff. zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55; Urteil des
Bundesgerichts vom 22. Februar 2007, U 37/06, E. 5.2). Für die Beantwortung der
Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der
Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen
angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber
eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten
Regeln zu beurteilen ist (vgl. KOSS UVG-Nabold, N 53, 59 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N
66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58; BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3.2
sowie in BGE 135 V 465 nicht publizierte E. 2 des Urteils 8C_216/2009 vom 28.
Oktober 2009, je mit Hinweisen). Die Adäquanz spielt im Bereich organisch objektiv
ausgewiesener Unfallfolgen indessen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate
weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2).
2.3.
Gemäss neuem Art. 6 Abs. 2 UVG (in Kraft seit 1. Januar 2017) erbringt die
Versicherung ihre Leistungen auch bei den folgenden, abschliessend aufgelisteten
Körperschädigungen (vgl. dazu KOSS UVG-Nabold, N 42 zu Art. 6), sofern sie nicht
vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind: a. Knochenbrüche,
b. Verrenkungen von Gelenken; c. Meniskusrisse; d. Muskelrisse, e. Muskelzerrungen;
2.4.
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f. Sehnenrisse; g. Bandläsionen; h. Trommelfellverletzungen. Mit Art. 6 Abs. 2 lit. a bis h
UVG wird die gesetzliche (Kausalitäts-)Vermutung statuiert, dass der Unfallversicherer
bei erfüllter Listendiagnose leistungspflichtig ist. Dieser kann sich aber von seiner
Leistungspflicht befreien, wenn er den Nachweis erbringt, dass die Körperschädigung
vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist (Botschaft vom 30. Mai
2008, BBl 2008 S. 5411, und Zusatzbotschaft vom 19. September 2014, BBl 2014
S. 7922; SZS 2017 S. 33). Auf das Kriterium des äusseren Faktors wird explizit
verzichtet (BBl 2014 S. 7922). Der Gegenbeweis der vorwiegend abnützungs- oder
krankheitsbedingten Verursachung beschlägt den natürlichen Kausalzusammenhang.
Nur der Nachweis eines rechtsgenügenden, d.h. vorwiegend degenerativ oder
krankhaft verursachten Schadens, kann zu einer Verneinung des natürlichen
Kausalzusammenhangs bzw. der Leistungspflicht des Unfallversicherers führen
(Evalotta Samuelsson, Neuregelung der unfallähnlichen Körperschädigung, Das
Beispiel des Meniskusrisses, in: SZS 2018 S. 358). Der (Gegen-)Beweis der vorwiegend
krankhaften oder degenerativen Pathogenese der Listendiagnose ist erbracht, wenn für
die Richtigkeit einer degenerativ oder krankhaft begründeten Listenverletzung mehr
Indikatoren vorliegen als für die traumatische Pathogenese, wenn also die
Listendiagnose zu mehr als 50% auf Abnützung oder Erkrankung beruht (Urteil des
Bundesgerichts vom 24. September 2019, 8C_22/2019, E. 8.2.2.1 mit Hinweisen;
Samuelsson, a.a.O., S. 355 f., Markus Hüsler, Erste UVG-Revision: wichtigste
Änderungen und mögliche Probleme bei der Umsetzung, in SZS 2017 S. 34). Zur
Feststellung der medizinischen Verhältnisse, konkret zur Beurteilung der Tatfrage, ob
eine Schädigung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist, ist
die rechtsanwendende Behörde auf Unterlagen angewiesen, die ihr von Ärzten und
Ärztinnen zur Verfügung zu stellen sind (vgl. BGE 122 V 157 E. 1b mit zahlreichen
Hinweisen; vgl. dazu KOSS UVG-Nabold, N 53 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 66 zu Art.
6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55; Samuelsson, a.a.O., S. 357 f.).
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG; Thomas Locher/Thomas
Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70 N 2 ff., N 20;
BGE 122 V 158 E. 1a, 121 V 210 E. 6c). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine
Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Die Parteien
tragen aber eine Beweislast insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesenen Sachverhalt Rechte
2.5.
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3.
Im Folgenden ist zunächst zu prüfen, ob das Ereignis vom 7. Juni 2018 als Unfall zu
qualifizieren ist, und dabei insbesondere, ob im Sinne der Legaldefinition des Unfalls
gemäss Art. 4 ATSG von einem ungewöhnlichen äusseren Faktor gesprochen werden
kann.
ableiten wollte (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen, 138 V 221 f. E. 6). Die Verwaltung
respektive das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn
sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Die Frage, ob sich ein Unfallereignis im
Rechtssinn ereignet hat (vgl. Erwägung 2.1), und falls ja, die weitere Frage, ob
zwischen dem Unfallereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist (vgl. Erwägung 2.2), und ebenso die Frage, ob eine
Schädigung vorwiegend durch Abnützung oder Krankheit verursacht ist (vgl. Erwägung
2.3), beurteilt sich nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit; die blosse Möglichkeit eines Sachverhalts genügt
für die Begründung eines Leistungsanspruchs oder für die Verneinung einer
Leistungspflicht nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen; vgl. Locher/Gächter,
a.a.O., § 70 N 58 f.). Die obgenannte Beweislastregel kommt also erst zur Anwendung,
wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes hinsichtlich der vorgenannten Fragen
kein überwiegend wahrscheinlicher Sachverhalt ermittelt werden kann (BGE 138 V 221
f. E. 6, BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen, 114 V 298 E. 5b). Wird auf dem Weg der
Beweiserhebung das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit dem
Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, so hat dieses als
unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der versicherten Person auswirkt (BGE 116
V 136 E. 4b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50). Bei der Frage, ob ein Kausalzusammenhang
eines Gesundheitsschadens zu einem Unfallereignis gegeben ist, ist ebenfalls die
versicherte Person beweisbelastet (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326; Urteil des
Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2; BGE 117 V 264 E. 3b;
Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 f.). Die Beweislast in Bezug auf den Nachweis einer
vorwiegend krankhaften oder degenerativen Verursachung der Listendiagnose trägt
demgegenüber der Unfallversicherer (Samuelsson, a.a.O., S. 363).
3.1.
Damit beurteilt werden kann, ob das Ereignis vom 7. Juni 2018 einen Unfall im
Rechtssinn darstellt, ist zunächst festzulegen, von welchem Geschehensablauf
auszugehen ist. Die leistungsansprechende Person muss die einzelnen Umstände des
3.1.1.
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Unfallgeschehens glaubhaft machen. Zur Glaubhaftmachung genügt es nicht, einen
Gesundheitsschaden nachzuweisen, der möglicherweise auf ein Unfallereignis
zurückgehen könnte, sondern es müssen über das konkrete Geschehen wahre, genaue
und wenn möglich ins Einzelne gehende Daten namhaft gemacht werden, aufgrund
derer der Versicherer in die Lage versetzt wird, sich über die Umstände des Ereignisses
ein Bild zu machen und diese in objektiver Weise abzuklären. Im Streitfall obliegt es
dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt
sind (Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 29; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50; KOSS-Nabold, N 9
zu Art. 6). Das Gericht stellt auf jene Sachverhaltsdarstellung ab, die es von allen
möglichen Geschehensabläufen als die Wahrscheinlichste würdigt (vgl. dazu Locher/
Gächter, a.a.O., § 70 N. 58 f.). Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten
Person über den Unfallhergang kann praxisgemäss auf die Beweismaxime abgestellt
werden, wonach die so genannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der
Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst
oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder
anderer Art beeinflusst sein können (RKUV 1988 Nr. U 23 S. 363 E. 3b/aa; BGE
115 V 143 E. 8c und 121 V 47 E. 2a). Wenn die versicherte Person ihre Darstellung im
Lauf der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht
hat, in der Regel grösseres Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer
Ablehnungsverfügung des Versicherers (BGE 121 V 47 E. 1a mit Hinweisen; Rumo-
Jungo/Holzer, a.a.O., S. 29 f.). Präzisierend ist zu ergänzen, dass auch ein im
Nachhinein dargelegter Sachverhalt als ausgewiesen gelten und berücksichtigt werden
kann, wenn spätere Aussagen auf früheren Aussagen aufbauen bzw. sich die späteren
einzig durch einen höheren Detaillierungsgrad auszeichnen. Die verschiedenen
Aussagen müssen kongruent miteinander vereinbar sein, damit nicht von
widersprüchlichen Aussagen gesprochen werden kann. Wird dagegen zu einem
späteren Zeitpunkt ein neuer, mit der bisherigen Schilderung nicht zu vereinbarender
Sachverhalt hinzugefügt, ist er überwiegend wahrscheinlich als zweifelhaft und damit
lediglich als möglich zu betrachten.
Sofern der Unfallversicherer die tatsächlichen Verhältnisse mittels Fragebogens
detailliert erhoben hat, ist er seiner Verpflichtung zur richtigen und vollständigen
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts grundsätzlich rechtsgenüglich
nachgekommen (Untersuchungsgrundsatz; vgl. BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a)
und es überzeugt in der Regel nicht, wenn die versicherte Person einen bestimmten
bedeutsamen Sachverhalt bzw. Umstand als Schadensursache erst nach einem
abschlägigen Schreiben erwähnt, im Fragebogen jedoch unerwähnt lässt. Der
3.1.2.
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Unfallversicherer ist nicht gehalten, die versicherte Person im Nachgang zu
umfassenden Erhebungen zur weiteren Substantiierung des gemeldeten Geschehens
aufzufordern (Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 26.
Februar 2004, U 64/2002, E. 2.2.3, und 27. Juni 2002, U 148, E. 2b).
Die Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin schilderte in der Bagatellunfallmeldung
UVG vom 11. Januar 2019, es habe der Beschwerdeführerin im Fitness beim Gewicht
auf die Schulter Heben einen Druck auf das Knie gegeben (act. G 5.1/A1). Im
Fragebogen der Beschwerdegegnerin beschrieb die Beschwerdeführerin, ihr habe bei
der Kniebeugeübung mit Gewicht, als sie habe in die Hocke gehen und wieder
aufstehen wollen, das rechte Knie geknackst. Dieses habe sie sich dabei verrenkt. Die
Frage, ob sich etwas Ungewöhnliches oder Programmwidriges ereignet habe, das zum
Ereignis beigetragen habe, z.B. ein Ausgleiten oder ein Sturz, verneinte die
Beschwerdeführerin (act. G 5.1/A2). Mit E-Mail vom 14. Februar 2019 ergänzte der
Lebenspartner der Beschwerdeführerin, diese habe die beschriebene Fitnessübung
wegen eines plötzlich aufgetretenen Geräuschs im Fitnessstudio - "Beispiel
überraschend laut fallende Gewichte anderer" - schreckhaft unsauber ausgeführt,
weshalb es zur Verrenkung des Kniegelenks gekommen sei (act. G 5.1/A4). Anlässlich
der neurologischen Konsultation vom 23. April 2019 bei Dr. G._ berichtete die
Beschwerdeführerin, sich nicht mehr an den genauen Unfallhergang im Fitnessstudio
mit herabfallenden Gewichten erinnern zu können. Am ehesten habe sie mit ihrer
rechten Hand eine Dorsalextensions- und gleichzeitige Drehbewegung im Handgelenk
ausgeführt (act. G 5.2/M4). In der Beschwerde vom 26. November 2019 trug die
Beschwerdeführerin allerdings wieder vor, sie habe wegen einer plötzlichen äusseren
Ablenkung im Fitnessstudio, bei welcher Dritten Gewichte runtergefallen seien, die
Knieübung mit Langhantel-Gewichten unsauber ausgeführt. Durch den Schreck habe
sie sich während der Kniebeuge das rechte Knie verrenkt, was wiederum zu einer
Instabilität der rechten Hand und der dort gelagerten Gewichte geführt habe. Dies habe
dazu geführt, dass sie sich das rechte Knie und die rechte Hand verletzt habe (act. G
1).
3.2.
3.3.
Das Sachverhaltselement des plötzlichen lauten Geräuschs bzw. der laut
fallenden Gewichte anderer ist grundsätzlich etwas Ungewöhnliches, das sich in der
Aussenwelt zugetragen hat. Es hat zwar nicht unmittelbar auf den Körper der
Beschwerdeführerin gewirkt, doch hat es angeblich eine unsauber ausgeführte
Knieübung mit Knieverrenkung und eine Instabilität der rechten Hand bewirkt, was
3.3.1.
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wiederum unkoordinierte, programmwidrige Bewegungen impliziert. Ob diese
tatsächlich die physiologische Bewegungsgrenze eines Knies und eines Handgelenks
überschreiten und somit das Ereignis zu einem unphysiologischen werden lassen, kann
offengelassen werden, weil - wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen - der fragliche
Sachverhalt nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen ist.
Der besondere Moment des von Dritten verursachten plötzlichen lauten
Geräuschs durch fallende Gewichte zeichnet sich nicht bloss durch einen höheren
Detaillierungsgrad aus. Vielmehr ist von einem neuen, eigenständigen
Sachverhaltselement zu sprechen, welches von der Beschwerdeführerin und ihrem
Lebenspartner vor allem erst in Kenntnisnahme der Leistungsablehnung der
Beschwerdegegnerin vorgebracht wurde (act. G 5.1/A10, A12). Insofern kann nicht
ausgeschlossen werden, dass die neue Darstellung des Ereignisses von
versicherungsrechtlichen Überlegungen beeinflusst war, was sie als wenig glaubwürdig
erscheinen lässt. Die erst nach der Leistungsablehnung vorgebrachte
Sachverhaltsschilderung wurde ausserdem zuerst lediglich als "Beispiel" aufgeführt
(act. G 5.1/A4), woraus abzuleiten ist, dass vom genauen Sachverhalt keine Kenntnis
bestand. Dass sich die Beschwerdeführerin nicht mehr genau an den Ereignishergang
und insbesondere an herabfallende Gewichte erinnern konnte, bestätigte sie denn auch
gegenüber Dr. G._. Mit dem Fragebogen wurde die Beschwerdeführerin sodann
explizit aufgefordert, den Hergang des Ereignisses vom 7. Juni 2018 detailliert zu
schildern, sowie klar und verständlich nachgefragt, ob sich etwas Ungewöhnliches
oder Programmwidriges wie namentlich ein Ausgleiten oder ein Sturz ereignet habe.
Sofern also nach einem ungewöhnlichen oder programmwidrigen Ereignis gefragt wird,
ist es nicht nachvollziehbar, wenn eine versicherte Person diese konkrete Frage
verneint und das zu einer als falsch bezeichneten Bewegung führende, wesentliche
Element unerwähnt lässt. Vor diesem Hintergrund erscheint dieses wenig glaubwürdig
und bleibt demzufolge beweislos.
3.3.2.
Angesichts der vorangehenden Darlegungen ist im Folgenden mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit von einem Sachverhalt auszugehen, wie ihn die
Beschwerdeführerin im "Formular zum Ereignis" der Beschwerdegegnerin
niedergeschrieben hat (vgl. Erwägung 3.2).
3.4.
3.5.
Mit diesem Sachverhalt ist jedoch das Unfallbegriffsmerkmal des
ungewöhnlichen Faktors nicht erfüllt. Kniebeugen, sogenannte Squats, sind eine
3.5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/19
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bekannte Sportübung, bei der mit oder ohne Gewichte mit einem geraden Rücken in
die Hocke gegangen und aus der Hocke wieder aufgestanden wird. Dabei kommt es
zur Beanspruchung von verschiedenen Muskeln und Gelenken, vornehmlich der
Kniegelenke und - bei Kniebeugen mit Gewichten - auch der Handgelenke. Die dabei
anfallende Krafteinwirkung auf den Körper gehört zur ausgeführten Übung und ist
damit nicht aussergewöhnlich. Damit eine körpereigene Bewegung das gemäss Art. 4
ATSG erforderliche Tatbestandsmerkmal der Ungewöhnlichkeit erfüllt, muss sie
zusätzlich aus einer eindeutig programmwidrigen Bewegung im Sinne von Erwägung
2.1 hervorgegangen sein. Eine solche unfallversicherungsrechtlich relevante
Programmwidrigkeit oder eine unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzte
unkoordinierte Bewegung, vergleichbar mit einem Ausgleiten oder Sturz, liegt im
konkreten Fall indessen aufgrund der Beschreibung des Übungsablaufs nicht vor.
Das in Bezug auf das rechte Knie genannte Knacksen und die Knieschmerzen
stellen keinen äusseren Faktor im Sinne der Rechtsprechung dar, sondern höchstens
die Wirkung des äusseren Faktors, weshalb dessen Ungewöhnlichkeit nicht bewiesen
ist, wenn die versicherte Person nur das (erstmalige) Auftreten solcher
Beschwerdesymptome in zeitlicher Hinsicht anzugeben vermag (BGE 129 V 469 E.
4.2.1). Das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit bezieht sich, wie gesagt, nicht auf
die Wirkung des äusseren Faktors, sondern auf den Faktor selbst. Die Formulierungen
"verrenkt" und "falsche Bewegung" implizieren zwar ein traumatisches Ereignis. Die
Angaben im "Formular zum Ereignis", insbesondere die Ereignisbeschreibung,
enthalten jedoch keine Weiterungen, aufgrund derer man sich ein genaues Bild über
die "falsche Bewegung" und die Verrenkung, den konkreten Schweregrad der
Krafteinwirkung oder das Ausmass der Bewegung machen könnte. Gerade
Verrenkungen zeichnen sich durch verschiedenste Schweregrade aus und können
auch ein geringfügiges Trauma darstellen. Eine Verrenkung muss nicht in jedem Fall
einem Unfall mit unphysiologischer, programmwidriger Beanspruchung eines
Körperteils im Sinne eines ungewöhnlichen äusseren Faktors entsprechen. Eine
"falsche Bewegung" ist sodann nicht klar definierbar. Die subjektive Betrachtungsweise
der betroffenen Person bestimmt entscheidend mit, was als falsch wahrgenommen
wird und was nicht. Insofern kann allein aus den obigen Formulierungen keine
Ungewöhnlichkeit abgeleitet werden.
3.5.2.
Zusammenfassend ergibt sich, dass das Ereignis vom 7. Juni 2018 den
Unfallbegriff von Art. 4 ATSG nicht erfüllt.
3.6.
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4.
Selbst bei Annahme eines Unfallereignisses im Zusammenhang mit dem rechten
Kniegelenk wäre dieses jedoch unbeachtlich, weil es - wie die nachfolgenden
Erwägungen zeigen und von der Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid vom 29.
Oktober 2019 (act. G 5.1/A29) sowie in der Beschwerdeantwort vom 19. Februar 2020
(act. G 5) überzeugend und in Übereinstimmung mit den Akten dargelegt wurde - als
äusserer Faktor mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zumindest
nicht schädigend auf das rechte Handgelenk eingewirkt hätte. So fällt insbesondere
auch auf, dass die Beschwerdeführerin in der Ereignisschilderung im "Formular zum
Ereignis" das rechte Handgelenk in keiner Weise erwähnte. Ebenso, wie der
Unfalltatbestand gemäss Art. 4 ATSG nur erfüllt ist, wenn das Ereignis eine Schädigung
der Gesundheit zur Folge hat, muss konkret dasjenige Sachverhaltselement, welches
den Unfalltatbestand von Art. 4 ATSG erfüllt und damit einen ungewöhnlichen äusseren
Faktor darstellt, für die Gesundheitsschädigung verantwortlich sein. Nur in diesem Fall
kommt überhaupt das Vorliegen einer natürlich kausalen Unfallfolge in Betracht (vgl.
Art. 6 Abs. 1 UVG und Erwägung 2.3).
4.1.
Einen bedeutsamen Umstand im Rahmen der Kausalitätsbeurteilung stellt der
zeitliche Ablauf dar. Können traumatische Verletzungen radiologisch sichtbar gemacht
werden, geschieht das am besten unmittelbar nachdem sie sich ereignet haben. Denn
danach schliesst der Heilungsprozess an, was in der Regel zu einer stetigen Abnahme
der Erkennbarkeit von Verletzungen führt. Auch klinisch zeigen sich massgebende
Verletzungen in der Regel unmittelbar nach einem verursachenden Ereignis am
auffälligsten, d.h. präsentieren sich in Form von Schmerzen und
Funktionseinschränkungen und ihr Vorliegen kann - zumindest klinisch - vermutet
werden. Grundsätzlich weist also ein zeitliches Zusammentreffen einer
Körperschädigung mit einer geeigneten Krafteinwirkungssituation eher auf eine
traumatische Genese hin (vgl. SZS 2018 S. 352). Insofern ist dem Grundsatz Rechnung
zu tragen, dass die Anforderungen an den Beweis des natürlichen
Kausalzusammenhangs im Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit strenger sind,
je grösser der zeitliche Abstand zwischen einem berichteten Ereignis und der
Objektivierung einer Schädigung ist (Urteil des Bundesgerichts vom 26. September
2008, 8C_102/2008, E. 2.2; RKUV 1997 Nr. U 275 S. 191 E. 1c). Dieser Grundsatz ist
insbesondere in denjenigen Fällen zu beachten, in welchen nach einer längeren
Latenzzeit radiologisch nur Befunde erhoben werden konnten, welche verschiedene
Ursachen (traumatische, degenerative oder krankhafte) haben können. Sowohl die
Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vom 19. Februar 2020 (act. G 5) als
4.2.
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auch ihr Vertrauensarzt Dr. H._ in seiner Beurteilung vom 22. Oktober 2019 nehmen
die obigen Darlegungen auf und sehen im zeitlichen Ablauf des konkreten Sachverhalts
mit den echtzeitlich erhobenen Diagnosen und Befunden sowie subjektiv geklagten
Beschwerden mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit keine
Verletzung des rechten Handgelenks der Beschwerdeführerin am 7. Juni 2018.
Die Beschwerdegegnerin legt chronologisch dar, dass eine Schädigung des
rechten Handgelenks echtzeitlich (bezogen auf den 7. Juni 2018) nicht belegt werden
könne. Gemäss der von Dr. C._ dokumentierten Krankengeschichte erfolgten die
zum Ereignis vom 7. Juni 2018 zeitnahe Erstkonsultation vom 11. Juni 2018, das
Telefongespräch vom 14. Juni 2018 sowie die nachgefolgte Konsultation vom 10. Juli
2018 wegen der Knieproblematik rechts und werden Handgelenksbeschwerden rechts
erst rund sechs Wochen danach im Rahmen der hausärztlichen Konsultation vom 23.
Juli 2018, aktenkundig. Weitere Konsultationen bei Dr. C._ wegen der
Handgelenksproblematik folgten am 10. September 2018 sowie am 15. Januar, 13.
März und 5. April 2019 (act. G 5.2/M11). Dr. C._ ging von einer Tendinitis des rechten
Handgelenks aus und erwähnte diesbezüglich - anders als bei den Konsultationen im
Zusammenhang mit der Knieproblematik rechts und derjenigen vom 23. Juli 2018 - das
Ereignis vom 7. Juni 2018 nicht. Zwar notierte er unter der Rubrik "Objektiv" der
Konsultationen vom 15. Januar und 13. März 2019 "Rechnung Nr. 2 storniert, da Unfall
noch nicht angemeldet wurde. Jetzt alles neu eingetragen und erneut übermittelt." bzw.
"Unfallfolgen Handgelenk rechts". In diesen Einträgen kann jedoch keine zuverlässige
oder überhaupt begründende Beurteilung der Kausalitätsfrage gesehen werden. Die
Umschreibung auf Unfall bestätigt - wie von Dr. H._ in seiner Beurteilung plausibel
bemerkt - vielmehr, dass die Handgelenksbeschwerden zuerst behandelt wurden, ohne
dass von beiden Seiten von einem Unfall ausgegangen wurde. Die erklärte
Notwendigkeit einer fachärztlichen Abklärung weist sodann darauf hin, dass die
medizinische Sachlage für Dr. C._ nicht eindeutig war. Bei einer Tendinitis handelt es
sich im Regelfall um einen chronischen Befund einer Überbeanspruchung und nicht um
ein akutes Geschehen (vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. 2017, S.
1782; Roche Lexikon, Medizin, 5. Aufl. 2003, S. 1807 f.). Eine durch Dr. F._ am 29.
März 2019 durchgeführte MRI-Untersuchung (act. G 5.2/M6) brachte sodann eine SL-
Bandverletzung sowie eine TFCC-Läsion mit klinischem Karpaltunnelsyndrom rechts
mehr als links hervor (act. G 5.2/M10). Wie der medizinischen Literatur zu entnehmen
ist, können eine SL-Bandverletzung sowie eine TFCC-Läsion an sich Folge eines
Traumas sein (vgl. Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl.
2005, S. 747; Pschyrembel, a.a.O., S. 1831). Dr. H._ geht jedoch in seiner
Beurteilung vom 22. Oktober 2019 (act. G 5.2/M12) von degenerativ bedingten
4.3.
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Gesundheitsschäden am Handgelenk aus. In Bezug auf die SL-Läsion hält er
überzeugend und schlüssig fest, dass es für eine akute Läsion insofern keinerlei Anhalt
gebe, als sich hierfür weder klinisch noch im MRI adäquate Begleitverletzungen wie
eine Ergussbildung und/oder Schwellung im Bereich der umgebenden Weichteile
gezeigt hätten, hingegen eine Überbeweglichkeit beider Handgelenke vorliege (vgl. act.
G 5.2/M7 f., M10: scapholunäre Dissoziation). Ausserdem betreibe die
Beschwerdeführerin Kraftsport, was eine chronische Überlastung der Handgelenke
darstelle (https://www.handchirurgie-ravensburg.de/de/ pdf/sldlt-engelhard.pdf.,
abgerufen am 14. September 2020). Dr. H._ hält weiter fest, es sei nicht vorstellbar,
dass die Beschwerdeführerin erst über einen Monat nach dem angeschuldigten
Trauma plötzlich ihre Handgelenksbeschwerden bei ihrem Hausarzt geltend mache.
Zur Aussage von Dr. C._ in dessen Stellungnahme vom 25. Juni 2019 - es komme
bei posttraumatischen Schädigungen wie einer Distorsion im Handgelenk relativ häufig
vor, dass die Pathologien erst viel später im weiteren Verlauf zum chronischen Problem
würden, und gerade bei Berufen mit Beanspruchung der Hände würden sie durch die
Betroffenen vielfach als Überlastung fehlinterpretiert - stellt Dr. H._ zutreffend fest,
dass es sich dabei um eine nicht belegte Behauptung handle und eine
Übereinstimmung der hausärztlichen Auffassung mit Dr. D._ in dessen
aktenkundigen Berichten nicht erkennbar sei. Der von Dr. D._ im Zusammenhang mit
der Diagnose der scapholunären Dissoziation verwendete Begriff
"posttraumatisch" (act. G 5.2/M2 f., M7) vermag jedenfalls juristisch gesehen nichts
über eine allfällige Unfallkausalität auszusagen, zumal Ursache und Wirkung nicht
diskutiert werden, sondern drückt nur aus, dass gewisse Beschwerden nach einem
Unfall aufgetreten sind bzw. eine bestimmte Gesundheitsschädigung nach einem
solchen erhoben worden ist (vgl. dazu die beweisrechtlich untaugliche Formel "post
hoc ergo propter hoc" z.B. in: Maurer, a.a.O., S. 460 N 1205; BGE 119 V 340). Im Sinne
der Darlegungen in Erwägung 4.2 beschreibt Dr. H._ nachvollziehbar, dass bei einer
Verletzung im Regelfall ein Decrescendo der Beschwerden und kein Crescendo
auftrete. Er hält es zwar für möglich, dass nach einer Abheilungszeit die Beschwerden
stark rückläufig seien oder gar verschwinden und dann aufgrund einer chronischen
Instabilität nach längerer Zeit wieder evident werden können, postuliert hierfür aber
ganz andere Zeiträume als wenige Wochen. Im Übrigen wird mit der Entwicklung einer
chronischen Instabilität die Folge einer initial erlittenen strukturellen Verletzung
beschrieben, welche im vorliegenden Fall gerade nicht nachgewiesen ist. In diesem
Zusammenhang ist anzufügen, dass der medizinischen Literatur als
Auslösemechanismus einer traumatischen SL-Bandruptur sowie TFCC-Läsion in der
Regel ein Sturz auf die Hand zu entnehmen ist (Pschyrembel, a.a.O., S. 1831; https://
www.handchirurgie-ravensburg.de/de/pdf/sldlt-engelhard.pdf, abgerufen am 14.
https://www.handchirurgie-ravensburg.de/de/
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September 2020) und ein solcher im konkreten Fall ohnehin nicht ausgewiesen ist (vgl.
Erwägung 3.2).
Angesichts des Gesagten ist gesamthaft betrachtet eine Sachlage gegeben,
welche mit Blick auf die Darlegungen in Erwägung 4.2 mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit für eine degenerative bzw. krankheitsbedingte
Verursachung der radiologisch erhobenen strukturellen Gesundheitsschädigungen im
Bereich des rechten Handgelenks der Beschwerdeführerin spricht. Von den von Dr.
H._ und der Beschwerdegegnerin angesprochenen Beurteilungskriterien deutet
keines stichhaltig auf eine traumatische Genese hin.
4.4.
An dieser Beurteilung vermögen schliesslich auch die Aussagen von Dr. C._ in
der ärztlichen Stellungnahme vom 25. Juni 2019 (act. G 5.2/M9) - die
Beschwerdeführerin sei initial vor allem durch den Funktionsverlust des Knies
beeinträchtigt gewesen bzw. die Knieproblematik habe die Beeinträchtigung des
Handgelenks primär überlagert und im weiteren Verlauf habe eine analgetische
Medikation zu einer deutlichen Besserung der Knieproblematik und einer stabilen
Situation geführt - nichts zu ändern. Die Beschwerdegegnerin hält diese Argumentation
in der Beschwerdeantwort vom 19. Februar 2020 zu Recht nicht als nachvollziehbar.
Auch sie vermag eine rund sechswöchige Latenzzeit bis zum Auftreten von
Handgelenksbeschwerden und deren Dokumentation nicht zu begründen. Die
Unfallverletzung am rechten Knie - eine Distorsion ohne strukturelle Schädigung - war
nicht derart schwerwiegend, dass sie das Bemerken der Beschwerdesymptomatik am
rechten Handgelenk verhindert hätte. Bereits einen zweiten Konsultationstermin
betreffend die Knieproblematik bei Dr. C._ zur Besprechung eines Zwischenberichts
für die Taggeldversicherung wollte die Beschwerdeführerin offenbar nicht wahrnehmen,
worauf man telefonisch kommunizierte (vgl. act. G 5.2/M1: Telefongespräch vom 14.
Juni 2018). Ohne weitere Konsultation erfolgte schliesslich am 23. Juli 2018 bezüglich
des rechten Knies bereits der Behandlungsabschluss bei Dr. C._. Die
Beschwerdegegnerin hält ausserdem zutreffend fest, dass es sich um komplett
unterschiedliche Schmerzlokalisationen handelte und die vorliegende
Handgelenksproblematik - wäre sie beim Ereignis vom 7. Juni 2018 entstanden -
angesichts des täglichen Gebrauchs der Hände, insbesondere in dem von der
Beschwerdeführerin ausgeübten Coiffeurberuf, bestimmt nicht unbemerkt geblieben
wäre.
4.5.
Die Beschwerdeführerin kann sich nicht erklären, warum es in den ursprünglichen
Aktenzusammenfassungen ab 11. Juni 2018 keinen Eintrag über die Hand gegeben
habe (act. G 1). Sollte sie damit geltend machen wollen, Dr. C._ habe in der
4.6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/19
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5.
Krankengeschichte Angaben der Beschwerdeführerin oder Untersuchungsergebnisse
nicht festgehalten oder aus medizinischer Sicht erforderliche Untersuchungen und
Behandlungen nicht durchgeführt, bestehen dafür keine Hinweise. Grundsätzlich ist
von der Richtigkeit des in der Krankengeschichte Notierten auszugehen.
Zusammenfassend steht aufgrund der überzeugenden Darlegungen von Dr. H._
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass - unabhängig
davon, ob die Beschwerdeführerin am 7. Juni 2018 einen Unfall im Sinne des Gesetzes
erlitten hat oder nicht - die strukturellen Gesundheitsschäden im Bereich ihres rechten
Handgelenks nicht traumatischer Natur sind.
4.7.
Nachdem ein Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG mit einer natürlich kausalen
schädigenden Einwirkung auf das rechte Handgelenk der Beschwerdeführerin zu
verneinen ist, bleibt eine Leistungspflicht gestützt auf Art. 6 Abs. 2 UVG (unfallähnliche
Körperschädigungen, vgl. Erwägung 2.3) zu prüfen.
5.1.
Es ist unbestritten, dass es sich bei der bei der Beschwerdeführerin nach dem
Ereignis vom 7. Juni 2018 am 29. März 2019 radiologisch nachgewiesenen Läsion des
SL-Bandes um eine Listenverletzung gemäss Art. 6 Abs. 2 lit. g UVG handelt. Die
TFCC-Läsion ist hingegen von Art. 6 Abs. 2 UVG nicht mitumfasst. Der Discus
triangulis ist lediglich Teil des ulnocarpalen Komplexes TFCC, jedoch selbst kein
Bänderkomplex, weshalb dessen Einriss nicht unter eine Bandläsion nach Art. 6 Abs. 2
lit. g UVG fällt (Urteil des Bundesgerichts vom 11. März 2020, 8C_671/2019, E. 5.2).
5.2.
Im Urteil vom 24. September 2019 (8C_22/2019) prüfte das Bundesgericht, ob es
als Notbehelf für denselben Gesundheitsschaden eine subsidiäre Haftung nach Art. 6
Abs. 2 UVG gebe, wenn Unfallfolgen verneint würden. Unabhängig davon, ob in Bezug
auf das Ereignis vom 7. Juni 2018 die Merkmale des Unfalls gemäss Art. 4 ATSG als
erfüllt zu betrachten sind, ist im vorliegenden Fall - wie in Erwägung 4 dargelegt -
jedenfalls nicht der Beweis erbracht, dass das Ereignis die SL-Bandläsion verursacht
hat. Damit ist aber gleichzeitig auch erstellt, dass die SL-Bandläsion vorwiegend, d.h.
zu mehr als 50%, auf Abnützung oder Erkrankungen zurückzuführen ist. Die Vermutung
der Leistungspflicht gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG in der seit 1. Januar 2017 geltenden
Fassung ist demnach umgestossen und die Beschwerdegegnerin von ihrer
Leistungspflicht befreit. Im dem Sinne erübrigt sich - wie im obgenannten
Bundesgerichtsurteil festgestellt - bei einem fehlenden natürlichen
Kausalzusammenhang zwischen einem Unfallereignis nach Art. 4 ATSG und einer
Listenverletzung eine Prüfung der Leistungspflicht nach Art. 6 Abs. 2 UVG.
5.3.
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6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 29. Oktober 2019 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).