Decision ID: c6630fd2-5a77-5518-8d73-682de3d15ff2
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Februar 2003 erstmals zum Bezug und IV-Leistungen an (IV-
act. 1). Er gab an, er sei gelernter Metallbauschlosser. Am 19. Februar 2003 berichtete
der Allgemeinmediziner Dr. med. B._ (IV-act. 7), der Versicherte leide an einer
thoracalen Diskushernie Th 10/11 links mit einer Pediculektomie Th11. Die Hernie sei
am 29. Oktober 2002 entfernt worden. In seinem Beruf sei der Versicherte seit dem 20.
Februar 2002 und bis auf Weiteres vollständig arbeitsunfähig. Gemäss dem
Austrittsbericht der Klinik C._ vom 12. Dezember 2002 (IV-act. 13–5 ff.) betreffend die
stationäre Rehabilitation im Zeitraum vom 13. November 2002 bis zum 3. Dezember
2002 hatte der Versicherte Schmerzen überwiegend auf der Höhe Th4–8, also kranial
des eigentlichen Operationsgebietes, angegeben. Die konventionell-radiologischen
Aufnahmen der BWS vom 28. November 2002 hatten eine mässiggradige, in der
mittleren BWS akzentuierte Spondylose gezeigt. Klinisch war eine Haltungsinsuffizienz
aufgefallen. Dies hatte die Schmerzen ausreichend erklärt. Eine im EKG bestätigte
Tachykardie war im Zusammenhang mit Schweissausbrüchen auf eine vegetative
Symptomatik zurückgeführt worden. Bis zum 31. Januar 2003 war dem Versicherten
eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden. Der Versicherte hatte im Februar 2003 mit
einer Umschulung zum Verkäufer beginnen wollen. Der Austrittsbericht der Klinik C._
hatte keine Hinweise auf psychische Probleme des Versicherten enthalten. Der
Chefarzt der Klinik C._ verneinte gegenüber der IV-Stelle die Frage nach einer
psychischen Störung in einem Bericht vom 19. August 2003 ausdrücklich (IV-act. 13–
4).
A.a.
Am 26. August 2003 berichtete der Psychiater Dr. med. D._ (IV-act. 15), der
Versicherte befinde sich seit Anfang des Jahres 2003 bei ihm in Behandlung. Er leide
A.b.
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an einer depressiven Störung bei chronifizierten Schmerzen auf dem Boden einer
neurotischen Entwicklung und eines chronifizierten Schmerzsyndroms nach einer
Diskushernienoperation im Oktober 2002. Als Metallbauschlosser sei der Versicherte
seit dem 13. Februar 2003 und bis auf Weiteres zu 70 Prozent arbeitsunfähig.
Berufliche Massnahmen seien angezeigt. Der Versicherte könne zwei bis drei Stunden
täglich als Taxifahrer arbeiten, wobei er dazwischen genug Zeit brauche, um sich
körperlich und seelisch zu erholen. Der RAD-Arzt Dr. med. E._ notierte am 12.
September 2003, der Versicherte sollte mindestens zu 50 Prozent arbeitsfähig sein,
damit berufliche Massnahmen durchgeführt werden könnten (IV-act. 16). Der
Berufsberater der IV-Stelle, der offenbar die Notiz des RAD-Arztes missverstanden
hatte und davon ausgegangen war, der RAD-Arzt habe einen Arbeitsfähigkeitsgrad von
50 Prozent für adaptierte Tätigkeiten attestiert, hielt am 2. Dezember 2003 fest (IV-act.
18), der vom behandelnden Psychiater vorgeschlagene „punktuelle Einsatz als
Taxifahrer“ sei als eine sinnvolle Überbrückungsmassnahme zu qualifizieren, denn die
psychisch und körperlich limitierte Leistungsfähigkeit des Versicherten erlaube derzeit
keine erfolgsversprechende Umschulung. Daher sei die Tätigkeit als Taxifahrer
momentan die einzige Verwertungsmöglichkeit der Restarbeitsfähigkeit des
Versicherten. Diese Tätigkeit sei nur möglich, weil der Versicherte bei seinem Vater
arbeiten könne, wo ihm ein grösserer Freiraum bei der Arbeitszeitgestaltung zu
Verfügung stehe. Als berufliche Perspektive schwebe dem Versicherten die
Betriebsübernahme des Taxi-Betriebes seines Vaters in circa sechs Jahren vor.
Grundvoraussetzung dafür sei aber eine mehr oder weniger volle Arbeitsfähigkeit als
Taxifahrer. Ob dieses Ziel realistisch sei, werde nach dem Arbeitsversuch als Taxifahrer
besser abzuschätzen sein. Sollte die Betriebsübernahme wahrscheinlich sein, sei eine
Car-Prüfung als Umschulungsmassnahme in Betracht zu ziehen, denn die Carfahrt sei
ein Leistungszweig des Taxiunternehmens. Sollte die Arbeitsfähigkeit des Versicherten
als Taxifahrer bei 50 Prozent bleiben, müsste die Berufsrichtung neu geprüft werden.
Der Vergleich zwischen dem zuletzt erzielten Einkommen des Versicherten als
Metallbauschlosser und dem erzielbaren Einkommen als Taxifahrer in einem Pensum
von 50 Prozent ergebe einen Invaliditätsgrad von 66,1 Prozent. Der RAD-Arzt Dr. E._
gab am 8. Dezember 2003 an, die Berentung ausgehend vom Einkommensvergleich
des Berufsberaters sei „okay“ (IV-act. 22).
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Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 28. Januar 2004 mit, dass sie beschlossen
habe, ihm mit Wirkung ab dem 1. Februar 2003 eine halbe und mit Wirkung ab dem 1.
Januar 2004 („Gesetzesänderung“) eine Dreiviertelsrente zuzusprechen (IV-act. 26). Am
19. Februar 2004 beantragte der Versicherte die Zusprache einer ganzen Rente mit der
Begründung, er könne nur zu 30 Prozent arbeiten (IV-act. 29). In einem Fragebogen für
die Revision der IV-Rente gab der Versicherte am 26. Februar 2004 an (IV-act. 30), er
habe geplant gehabt, eine Tätigkeit in einem Pensum von 50 Prozent auszuüben.
Aufgrund der grossen Schmerzen und auf Anraten des Arztes sei aber höchstens ein
Pensum von 30 Prozent möglich. Der Hausarzt Dr. B._ berichtete am 15. März 2004
gegenüber der IV-Stelle, der Gesundheitszustand des Versicherten sei stationär (IV-act.
33). Mit einer Verfügung vom 22. April 2004 sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit
Wirkung ab dem 1. Februar 2003 eine ganze Rente bei einem Invaliditätsgrad von 86
Prozent zu (IV-act. 35). Mit einer zweiten, jene vom 22. April 2004 ersetzenden
Verfügung vom 6. Mai 2004 sprach sie dem Versicherten mit Wirkung ab dem 1. Mai
2004 gestützt auf einen IV-Grad von 66 Prozent eine Dreiviertelsrente zu (IV-act. 36).
Am 1. Juni 2004 widerrief sie die Verfügung vom 6. Mai 2004 mit der Begründung,
aufgrund des Antrages des Versicherten vom 19. Februar 2004 auf eine ganze Rente
werde sie weitere Abklärungen tätigen (IV-act. 38). Am 7. Juni 2004 berichtete Dr.
B._ (IV-act. 40), der Versicherte sei zurzeit zu 30 Prozent arbeitsfähig; er arbeite als
Taxifahrer und könne sich die Arbeitszeit einteilen. Am 10. August 2004 hielt der RAD-
Arzt Dr. E._ fest (IV-act. 42), Dr. B._ habe einen stationären Verlauf bestätigt. Im
Schreiben vom 13. Juni 2004 habe er lediglich eine andere Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit für die gleiche Sachlage vorgenommen, die er nur mit den subjektiven
Angaben des Versicherten begründet habe. Aus medizinischer Sicht bestehe kein
Bedarf für weitere Abklärungen. Am 14. Oktober 2004 verfügte die IV-Stelle die
Zusprache einer halben Invalidenrente vom 1. Februar 2003 bis 31. Dezember 2003
und einer Dreiviertelsrente ab dem 1. Januar 2004 (IV-act. 49).
A.c.
Im Juni 2010 informierte der Versicherte die IV-Stelle darüber (IV-act. 72), dass er
per 1. Juli 2010 das Taxigeschäft seines Vaters übernehmen werde. Die IV-Stelle schob
die Eröffnung eines Rentenrevisionsverfahrens mit der Begründung bis Mitte 2012 auf,
erst dann würden die ersten Buchhaltungsunterlagen vorliegen (IV-act. 73). Der
Versicherte führte das Taxigeschäft als Einzelunternehmen (IV-act. 76). Am 14. Juni
A.d.
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2011 gab der Versicherte im Revisionsformular an, sein Gesundheitszustand habe sich
verschlechtert (IV-act. 79). Stellvertretend für Dr. B._ bestätigte Dr. med. F._ am
27. Juni 2011 einen unveränderten Gesundheitszustand (IV-act. 84). Er hielt fest, der
Versicherte sei „zu 66 Prozent arbeitsunfähig vor allem für rückenbelastende
Tätigkeiten“. Die eingereichten Geschäftsabschlüsse von 2011 wiesen nur einen
geringen Gesamtgewinn von lediglich 1’000 Franken aus (IV-act. 86–8 ff. und IV-act.
93). Die IV-Stellte teilte dem Versicherten am 14. Dezember 2012 mit, dass er weiterhin
einen Anspruch auf die bisherige Invalidenrente habe (IV-act. 104). Der
Einkommensvergleich beruhte nicht auf den Geschäftsabschlüssen. Die IV-Stelle hatte
lediglich die Vergleichseinkommen, die der ursprünglichen Rentenzusprache zugrunde
gelegen hatten, an die Nominallohnentwicklung 2008–2011 angepasst (vgl. IV-act.
103).
Am 21. April 2016 gab der Versicherte im Revisionsformular an (IV-act. 108), sein
Gesundheitszustand habe sich seit Januar 2014 verschlechtert. Zu den bestehenden
Schmerzen sei jetzt noch ein Krebsleiden (mit Operation, Bestrahlung und
Chemotherapie) hinzugekommen. Dr. B._ berichtete am 20. Juni 2016 (IV-act. 112),
die neue Diagnose laute: Kutanes niedriges malignes B-Zell-NHL. Die Auswirkung der
gesundheitlichen Störung auf die bisherige Tätigkeit sei unverändert. Am 30. August
2017 nahm die IV-Stelle eine Abklärung im Betrieb des Versicherten vor. Gemäss dem
Abklärungsbericht vom 6. November 2017 (IV-act. 126) hatte der Versicherte
angegeben, das Leistungsangebot umfasse Schulbus-, Taxi- und Limousinenfahrten
sowie die Vermietung von Exklusivfahrzeugen. Die Fahrzeuge befänden sich am
Standort beim G._ in H._, das Büro am Wohnort des Versicherten. Das
Taxigeschäft sei im Wandel. Er habe mit Partnern Verschiedenes versucht. Seit dem
Januar 2017 bestehe der Betrieb G._ GmbH. Dabei handle es sich um einen
Garagenbetrieb mit Pneuhandel, mechanischen Fahrzeugwartungen,
Standplatzvermietung und Fahrzeugzubehör. Zum Angebot gehörten auch
Limousinenfahrten sowie die Vermietung von Sportwagen. Die Gebäudefläche betrage
850 Quadratmeter. Weiter seien drei Liftanlagen sowie eine modernste
Lenkgeometriemessanlage vorhanden. Die Nachfrage nach Stellplätzen sei gross,
weshalb man sich um zusätzlichen Raum bemühe. Das Taxigeschäft werde in sechs
bis sieben Jahren nicht mehr existieren. Bis dahin sollte sich der G._ soweit
A.e.
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entwickelt haben, dass es auch für den Versicherten eine Funktion und eine
Beschäftigung gegen Lohn gebe. Die G._ GmbH beschäftige einen Geschäftsführer.
Der Versicherte habe keine offizielle Funktion im Betrieb. Er bringe seine Ideen und sein
Netzwerk ein und könne bei regelmässigen Vorsprachen gewisse
Kundenempfehlungen abgeben. Er erledige die Betriebsführung und die Administration
(ca. zwei Stunden pro Woche), fahre den Schulbus (ca. zwei Stunden pro Woche), helfe
im Taxigeschäft aus (ca. zwei bis drei Stunden pro Woche), mache Fahrzeugunterhalt
(ca. zwei Stunden pro Woche) und pflege Kundenkontakte im G._ (ca. zwei bis drei
Stunden pro Woche). Die Abklärungsperson ging von einer durchschnittlichen
Tagesleistung von drei bis vier Stunden aus. Sie empfahl eine ganzheitliche
medizinische Beurteilung und anschliessend eine Prüfung der beruflichen
Eingliederung.
Am 27. November 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act. 131), dass
sie zur Klärung der Leistungsansprüche eine umfassende medizinische Untersuchung
(Allgemeine/Innere Medizin, Neurologie, Orthopädie und Psychiatrie) als notwendig
erachte. Die Zentrum für Interdisziplinäre Medizinische Begutachtungen (ZIMB) AG
erstattete am 24. Mai 2018 ein entsprechendes polydisziplinäres Gutachten (IV-act.
152). Die Sachverständigen führten als Diagnose mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit lediglich ein belastungsabhängig vermehrtes thoraco-lumbales
Schmerzsyndrom ohne Radiculopathie an. Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit nannten sie ein kutan niedrig malignes B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom
(aktuell klinisch und radiologisch in Remission seit dem 13. Februar 2017), eine
passagere Hemiparese rechts am 22. Juni 2015 (aktuell komplett regredient), eine
morbide Adipositas, Grad II nach WHO, eine intermittierend auftretende
Cervicocephalgie mit einer betonten Ostechondrose im Bereich C3–7 (gegenwärtig
ohne Beschwerdevortrag sowie ohne Funktionsstörung) sowie eine
Belastungseinschränkung im Bereich des rechten Ellenbogengelenks nach einer im
Jahr 2017 erfolgten Re-Fixation der langen Bizepssehne (gegenwärtig ohne
Beschwerdevortrag sowie ohne Funktionseinschränkung). Sie führten an, bei der
psychiatrischen Untersuchung habe der Versicherte angegeben, er sei depressiv
beeinträchtigt. Die objektiven Befunde hätten dies nicht bestätigt. Der Versicherte sei
während der Untersuchung emotional schwingungsfähig und auslenkbar gewesen.
A.f.
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Dem aktuellen psychopathologischen Befund könne kein relevanter depressiver
Zustand entnommen werden. Die Affektivität sei nicht gestört und das Interesse zur
Teilnahme an den alltäglichen Lebensaktivitäten sei nicht reduziert gewesen. Eine
somatoforme Schmerzstörung oder eine andere psychiatrische Erkrankung sei nicht zu
erkennen gewesen. Als Ergebnis der polydisziplinären Konsensbesprechung hielten die
Sachverständigen fest, der Versicherte sei in seiner Brust- und Lendenwirbelsäule
limitiert. Daher seien keine überwiegend mittelschweren oder gar schweren
körperlichen Tätigkeiten mehr möglich. Zumutbar seien hingegen leichte bis
intermittierend mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten mit gelegentlichem,
beidhändigem Anheben von Gegenständen körperfern bis maximal 10kg sowie
körpernah bis maximal 15kg, ohne Arbeiten mit ständigen Rotationsbewegungen des
Oberkörpers beziehungsweise des Kopfes sowie ohne häufiges Arbeiten auf oder über
der Schulterhöhe. Repetitive speditive Umwendbewegungen der Brust- und
Lendenwirbelsäule und Tätigkeiten mit Vibrationsbelastungen der Wirbelsäule sowie
solche, die zu einer intraspinalen Druckerhöhung führten, seien nicht möglich.
Vermehrte Tätigkeiten im Freien ohne Schutz vor Kälte, Zugluft und Nässe oder auf
regennassem oder eisglattem Untergrund seien zu vermeiden. Für das Heben und
Tragen von Lasten über 15kg körpernah beziehungsweise 10kg körperfern seien
technische Hilfsmittel notwendig. Der Versicherte verfüge über sehr gute Ressourcen;
er habe das Taxigeschäft des Vaters übernommen und ausgebaut. Zudem arbeite er
seit einem Jahr mit einem Geschäftspartner in einer neu gegründeten Garage, in
welcher er regelmässig Kunden betreue und auch administrativ sowie organisatorisch
tätig sei. Psychosoziale Belastungsfaktoren oder andere belastende Lebenslagen seien
nicht vorhanden. In der angestammten Tätigkeit als Metallbauer bestehe seit der
Rückenoperation im Jahr 2002 eine volle Arbeitsunfähigkeit. In der gegenwärtigen
Tätigkeit als Betreiber eines Limousinen-Service mit Vermietung von hochpreisigen
Limousinen und Sportwagen sowie als Leiter eines Taxiunternehmens sei der
Versicherte sowohl quantitativ als auch qualitativ uneingeschränkt arbeitsfähig; diese
wechselbelastende, administrative Tätigkeit entspreche einer adaptierten Tätigkeit.
Eine angepasste Tätigkeit sei bei einem vollen Pensum ab sofort uneingeschränkt
zumutbar.
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Der RAD-Arzt Dr. med. I._ notierte am 6. Juni 2018 (IV-act. 153), das Gutachten
der ZIMB AG entspreche den geltenden Qualitätskriterien, weshalb auf es abgestellt
werden könne. Aufgrund des hohen Aktivitätsniveaus des Versicherten seien die
Sachverständigen für eine adaptierte Tätigkeit von einer vollen Arbeitsfähigkeit
ausgegangen. Der Gesundheitszustand habe sich seit dem Referenzzeitpunkt im Jahre
2003 verbessert. Der Zeitpunkt der Verbesserung könne aus medizinischer Sicht auf
den Zeitpunkt des Gutachtens gelegt werden. Das Resultat der Abklärung im Betrieb
des Versicherten (vgl. IV-act. 126) sei nicht plausibel. Zu empfehlen seien leichte bis
gelegentlich mittelschwere Wechselbelastungen. Ein Sachbearbeiter der IV-Stelle hielt
am 7. Juni 2018 fest (IV-act. 155), der Versicherte sei im Rahmen seiner selbständigen
Erwerbstätigkeit hinreichend beruflich eingegliedert. Das Valideneinkommen als
Metallbauschlosser sei mit einem Invalideneinkommen im Betrag des Zentralwerts der
Hilfsarbeiterlöhne zu vergleichen. Daraus resultiere ein IV-Grad von sechs Prozent (IV-
act. 154).
A.g.
Mit einem Vorbescheid vom 8. Juni 2018 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten
die Einstellung der laufenden Rente an (IV-act. 156). Am 27. August 2018 liess der
Versicherte einwenden (IV-act. 160), er beantrage die die Weiterausrichtung der
Dreiviertelsrente, eventualiter die Durchführung weiterer medizinischen Abklärungen
und subeventualiter die Prüfung von beruflichen Massnahmen und die Gewährung von
Eingliederungsmassnahmen. Die IV-Stelle habe es in Verletzung der amtlichen
Abklärungspflicht unterlassen, Arztberichte bei den behandelnden Fachärzten
einzuholen. Die Sachverständigen der ZIMB AG hätten die Vorakten unzureichend
gewürdigt, weshalb das Gutachten keine Beweiskraft habe. Im Gutachten der ZIMB AG
werde die entscheidende Frage, ob seit dem Referenzzeitpunkt eine wesentliche
Veränderung des Gesundheitszustandes eingetreten sei, nicht beantwortet; dies stelle
einen Mangel dar. Die Sachverständigen hätten tatsachenwidrig festgehalten, dass der
Versicherte über sehr gute Ressourcen verfüge und ein erfolgreicher Geschäftsmann
mit einem florierenden Unternehmen sei. Die Konsistenzprüfung sei unhaltbar; die
Formulierung sei nicht neutral und sie widerspreche dem Abklärungsbericht für
Selbständigerwerbende. Die Sachverständigen hätten die volle Arbeitsfähigkeit für eine
leidensadaptierte Tätigkeit nur mit der wahrheitswidrig behaupteten hohen
Alltagsaktivität des Versicherten begründet. Insgesamt sei keine Veränderung des
A.h.
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Gesundheitszustandes mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen worden.
Damit könne auch nicht von einer erheblichen Veränderung des IV-Grades
ausgegangen werde; eine Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sei nicht zulässig.
Folglich sei gestützt auf die Verfügung vom 14. Oktober 2004 weiterhin eine
Dreiviertelsrente auszurichten. Der zuständige Sachbearbeiter der IV-Stelle notierte am
28. September 2018 (IV-act. 161), der medizinische Revisionsgrund sei im Gutachten
„nicht so gut dargelegt“ worden. Dass ein solcher vorliege, könne jedoch anhand des
psychiatrischen Teilgutachtens nachvollzogen werden. Die bisherige Rente sei
vorwiegend aufgrund von psychischen Einschränkungen zugesprochen worden. Es
empfehle sich, die Sachverständigen aufzufordern, zum Revisionsgrund noch
ausführlich Stellung zu nehmen. Am 13. Oktober 2018 berichtete die behandelnde
Psychiaterin Dr. med. J._ gegenüber der IV-Stelle (IV-act. 168), der Versicherte sei im
Jahr 2015 zweimal und im Jahr 2016 dreimal bei ihr in Behandlung gewesen. Seit
August 2018 sei der Versicherte erneut bei ihr in der Behandlung. Er sei eingewiesen
worden, weil man ihm in der Onkologie dazu geraten habe. Bei der Untersuchung sei
der Versicherte bewusstseinsklar, örtlich, zeitlich und situativ gut orientiert gewesen. Er
habe erschöpft gewirkt. Auffallend sei eine seltsame Sprachstörung. Die Stimme
erhöhe sich plötzlich, werde laut, dann stottere der Versicherte kurz (Dyslexie) und
dann lasse die Lautstärke nach. Je angespannter der Versicherte sei, desto mehr falle
die Sprachstörung auf. Es seien deutliche formale Denkstörungen vorhanden. Der
Versicherte grüble ständig und kreise um seine Probleme. Der Gedankenduktus wirke
gehemmt, die Antriebslage sei deutlich vermindert und die Affektlabilität sei stark
ausgeprägt. Die Stimmungslage sei niedergeschlagen, labil, gereizt. Bei einer
Konfrontation mit einer emotionalen Sache sei der Versicherte schnell affektlabil,
überfordert, gereizt und laut. Der formale Denkablauf sei sprunghaft. Der Versicherte
leide an Hypervigilanz, Kraft- und Energielosigkeit und er habe Angst von einem
Rückfall der Krebserkrankung und dem Tod. Er sei alexithym, er habe keine Hobbies
und er übe keine sozialen Aktivitäten aus. Gegenüber der Familie bestünden
Schuldgefühle. Inhaltliche Denkstörungen seien nicht vorhanden. Eine Suizidalität,
Depersonalisationserlebnisse oder Ich-Störungen seien nicht evaluierbar. Der
Versicherte leide an einer reaktiven depressiven Störung nach einer Krebserkrankung
im Jahr 2015, an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einem somatischen
Syndrom und einer Ausbildung einer Erschöpfungssymptomatik, an einer Agoraphobie
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sowie an einer störenden Persönlichkeitsänderung. Am 13. Dezember 2018 und 11.
Januar 2019 berichteten die Fachärzte der Klinik K._ (IV-act. 174 und 177), der
Versicherte habe sich vom 14. November bis zum 22. Dezember 2018 bei ihnen in einer
stationären Behandlung befunden. Er leide an einer rezidivierenden depressiven
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, im Rahmen der Anpassung an eine
lebensverändernde Erkrankung bei einer Persönlichkeitsakzentuierung und einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Während
des stationären Aufenthaltes sei der Beschwerdeführer für alle Tätigkeiten voll
arbeitsunfähig gewesen. Die volle Arbeitsunfähigkeit bestehe bis zum 20. Januar 2019.
Frühestens ab dem 21. Januar 2019 sei eine Arbeitsfähigkeit von 30 Prozent und bei
guter Erholung von maximal 50 Prozent zu erreichen. Aufgrund der Rückenschmerzen
seien längeres Sitzen und Stehen von mehr als einer Stunde sowie das Bücken, das
Heben und das Verrichten einer körperlichen Arbeit nicht möglich. Der Versicherte
benötige Wechselbelastungen, langsame Bewegung, regelmässiges Liegen, Ruhe
aufgrund von Erschöpfung und hoher Reizempfindlichkeit.
Am 8. Februar 2019 forderte die IV-Stelle die Sachverständigen der ZIMB AG auf,
Stellung zum Verlauf des Gesundheitszustandes in der Vergangenheit sowie zu den
neusten Berichten der behandelnden Ärzte zu nehmen (IV-act. 179). Die
Sachverständigen antworteten am 25. März 2019 (IV-act. 181), zum Zeitpunkt der
Begutachtung hätten aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkungen in der Tätigkeit
als Taxichauffeur-Unternehmer und Leiter einer Garage vorgelegen. Wohl bereits gegen
Ende 2016 sei es zu einer Besserung des Gesundheitszustandes gekommen, da der
Versicherte selbst erklärt habe, nach den Ferien damals sei es ihm besser gegangen;
daher habe er auch keine Sprechstunde mehr benötigt. Bis August 2018 sei dies so
geblieben. Auch unter Einbezug der aktuellen medizinischen Unterlagen könne an der
bisherigen gutachterlichen Einschätzung festgehalten werden. Der RAD-Arzt Dr. I._
hielt am 28. März 2019 fest (IV-act. 182), dass am Gutachten der ZIMB AG vom Mai
2018, in welchem eine volle Arbeitsfähigkeit festgestellt worden sei, weiterhin
festgehalten werden könne. Am 29. März 2019 verfügte die IV-Stelle die Einstellung der
Rente auf das Ende des nach der Zustellung der Verfügung folgenden Monats (IV-act.
183). Bezüglich der Einwände führte sie aus, dass die Abklärungspflicht nicht verletzt
worden sei. Gemäss dem Fragebogen Rentenrevision (Eingang bei der IV-Stelle am 27.
A.i.
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B.
April 2016) und dem Bericht des Abklärungsdienstes (vom 6. November 2017) hätten
ausser beim Onkologen keine fachärztlichen Behandlungen stattgefunden. Die Berichte
des Onkologen hätten vorgelegen, womit die Sachverständigen der ZIMB AG über eine
vollständige Aktenlage verfügt hätten. Ein Revisionsgrund sei vorhanden; spätestens
ab dem Begutachtungszeitpunkt (8. März 2018) habe sich die Arbeitsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit aus psychiatrischer Sicht verändert. Berufliche Massnahmen
respektive Eingliederungsmassnahmen seien nicht notwendig, da der Versicherte
bereits voll berufstätig sei und jeweils den ganzen Tag arbeite. Im Weiteren seien die
Sachverständigen der ZIMB AG zum Schluss gekommen, dass auch unter Einbezug
der aktuellen medizinischen Unterlagen an der bisherigen gutachterlichen Einschätzung
festgehalten werden könne, wonach eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe.
Der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) liess am 15. Mai 2019 eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 29. März 2019 erheben (act. G 1). Seine
Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die
Weiterausrichtung der Dreiviertelsrente, eventualiter die Durchführung von weiteren
medizinischen Abklärungen und subeventualiter die gerichtliche Anweisung an die IV-
Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin), berufliche Massnahmen zu prüfen und
erforderlichenfalls zu gewähren. Zur Begründung führte sie aus, die Stellungnahme der
Gutachterstelle sei dem Beschwerdeführer vor Erlass der Verfügung nicht zugestellt
worden, worin eine Verletzung des rechtlichen Gehörs zu erblicken sei. Bezüglich des
Gutachtens der ZIMB AG führte sie ergänzend aus, dass der Beschwerdeführer zu
Unrecht als erfolgreicher Geschäftsmann mit einem florierenden Unternehmen
dargestellt worden sei; er habe erhebliche Liquidationsprobleme. Der aktuelle
Sachverhalt sei nicht mit jenem im Zeitpunkt der Rentenzusprache im Jahr 2003
verglichen worden. Die Frage, ob eine relevante Veränderung vorliege, sei nicht
beantwortet worden. Die Gutachterstelle habe die geschätzte Arbeitsfähigkeit mit der
hohen Alltagsaktivität und einer angeblichen Arbeitsleistung von acht Stunden täglich
begründet. Dies entspreche nicht der Realität und widerspreche auch den Angaben in
den restlichen Akten. Der Beschwerdeführer „wurstle“ sich trotz seiner
gesundheitlichen Beeinträchtigung „durch“, wobei er seine gesundheitlichen Probleme
B.a.
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verheimliche. Insgesamt gehe aus dem Gutachten der ZIMB AG keine Verbesserung
des Gesundheitszustandes seit der Referenzsituation im Jahre 2003 hervor.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 12. Juli 2019 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Sie führte aus, aufgrund der einleuchtenden gutachterlichen
Feststellungen sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die
für die Rentenzusprechung verantwortliche depressive Störung im
Begutachtungszeitpunkt remittiert gewesen sei und dass sich folglich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Verlauf massgeblich verbessert habe.
Eine Verletzung der Abklärungspflicht liege nicht vor. Der Beschwerdeführer habe auf
dem amtlichen Revisionsformular keinerlei psychiatrische Behandlung erwähnt und
auch die weiteren Arztberichte hätten eine solche Behandlung nicht genannt. Die
Sachverständigen der ZIMB AG seien aufgrund des Tagesablaufs und der beruflichen
Aktivitäten des Beschwerdeführers zu Recht zum Schluss gekommen, dass der
Beschwerdeführer über gute Ressourcen verfüge. Die wohl zu Unrecht gemachte
Annahme des psychiatrischen Sachverständigen, dass der Beschwerdeführer
wirtschaftlichen Erfolg habe, erwecke keine Zweifel an der psychiatrischen Beurteilung,
denn der Sachverständige habe aus den Umsatzzahlen keine direkten Rückschlüsse
auf den Gesundheitszustand gezogen. Insgesamt überzeuge das Gutachten der ZIMB
AG unter Einbezug der ausführlichen und überzeugend begründeten gutachterlichen
Stellungnahme. Die subjektive Eingliederungsfähigkeit beziehungsweise
Eingliederungsbereitschaft des Beschwerdeführers sei nicht gegeben. Auch sei er nicht
während der ganzen 16 Jahre, in denen er eine Dreiviertelsrente bezogen habe, vom
Arbeitsmarkt abwesend gewesen; vielmehr sei er seit mehreren Jahren
unternehmerisch tätig. Ein Eingliederungsbedarf sei nicht ersichtlich.
B.b.
Am 9. September 2019 liess der Beschwerdeführer an seinen
Beschwerdeanträgen festhalten (act. G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf
eine Duplik (act. G 8).
B.c.
Mit einem Schreiben vom 10. Februar 2021 fragte der verfahrensleitende Richter
beim Beschwerdeführer nach (act. G 12), ob er im Hinblick auf die gerügte Verletzung
des rechtlichen Gehörs eine materielle Beurteilung unter Ausserachtlassung einer
allfälligen formellen Rechtswidrigkeit der angefochtenen Verfügung oder aber eine in
B.d.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung
auf deren Rechtmässigkeit. Sein Gegenstand muss also jenem des mit der
angefochtenen Verfügung abgeschlossenen Verwaltungsverfahrens entsprechen. Das
Verwaltungsverfahren ist eröffnet worden, nachdem der Beschwerdeführer im April
2016 eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes respektive eine nach der
ursprünglichen Rentenzusprache eingetretene Krebserkrankung geltend gemacht
hatte. Das Verfahren hat sich auf die Frage beschränkt, ob nach der ursprünglichen
Rentenzusprache im Oktober 2004 eine relevante Sachverhaltsveränderung eingetreten
war. Folglich hat es sich um ein Revisionsverfahren im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG
gehandelt, das mit der angefochtenen Verfügung vom 29. März 2019 mit einer
revisionsweisen Aufhebung der laufenden Rente abgeschlossen worden ist. Den
Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens kann deshalb nur die Frage bilden, ob in
der Zeit zwischen der ursprünglichen Rentenzusprache im Oktober 2004 und dem
Abschluss des Revisionsverfahrens im März 2019 eine relevante
Sachverhaltsveränderung eingetreten ist. Auf das Subeventualbegehren des
Beschwerdeführers, das auf berufliche Eingliederungsmassnahmen abzielt, kann
deshalb zum Vorneherein nicht eingetreten werden.
2.
jedem Punkt formal korrekte Beurteilung bevorzuge. Der Beschwerdeführer liess am
15. Februar 2021 mitteilen (act. G 13), dass er eine materielle Beurteilung unter
Ausserachtlassung einer allfälligen formellen Rechtswidrigkeit der angefochtenen
Verfügung vorziehe.
Die Beantwortung der für die Anwendung des Art. 17 Abs. 1 ATSG massgebenden
Frage, ob sich der massgebende Sachverhalt seit der ursprünglichen Rentenzusprache
erheblich verändert hat, erfordert einen Vergleich zwischen dem Sachverhalt im
Zeitpunkt der Rentenzusprache und jenem im Zeitpunkt des Abschlusses des
Rentenrevisionsverfahrens. Idealerweise steht der reale Sachverhalt für beide
Vergleichszeitpunkte mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest. In der Praxis treten aber immer wieder Fälle auf, die nicht
diesem Idealfall entsprechen, weil der im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenzusprache massgebende Sachverhalt damals nicht hinreichend abgeklärt
2.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/19
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worden ist und weil er sich im Rentenrevisionsverfahren retrospektiv nicht mehr mit
dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ermitteln lässt.
In einem solchen Fall liegt eine objektive Beweislosigkeit hinsichtlich des tatsächlichen
Sachverhaltes im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache vor. Diese würde an
sich den Vergleich jenes Sachverhaltes mit dem aktuellen Sachverhalt im Zeitpunkt des
Abschlusses des Rentenrevisionsverfahrens verunmöglichen. Dadurch würde eine auf
einem ungenügend ermittelten Sachverhalt basierende Rente aber „revisionsresistent“,
denn jede Rentenrevision müsste zufolge der Unmöglichkeit des
Sachverhaltsvergleichs scheitern. Dies liefe offenkundig dem Sinn und Zweck des Art.
17 Abs. 1 ATSG zuwider. Folglich muss die Revision einer Rente auch dann zulässig
sein, wenn der Sachverhalt zum Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache nicht
mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht. In
einem solchen Fall muss der (überwiegend wahrscheinliche) Sachverhalt im Zeitpunkt
des Abschlusses des Rentenrevisionsverfahrens mit jener Sachverhaltsannahme
verglichen werden, die bei der ursprünglichen Rentenzusprache unter den gesetzlichen
Tatbestand subsumiert und damit der rentenzusprechenden Verfügung zugrunde
gelegt worden ist. Ein Revisionsgrund liegt in einem solchen Fall also dann vor, wenn
der aktuelle Sachverhalt nicht mehr jener Sachverhaltsannahme entspricht, auf die die
IV-Stelle bei der ursprünglichen Rentenzusprache abgestellt hat (vgl. dazu etwa den
Entscheid IV 2016/364 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 25. Juni 2019, E.
1.1).
Die ursprüngliche Rentenzusprache im Oktober 2004 hat auf der
Sachverhaltsannahme beruht, dass der Beschwerdeführer aus somatischen Gründen
seine erlernte und angestammte Tätigkeit als Metallbauschlosser nicht mehr ausüben
könne und dass er aus psychischen Gründen für sämtliche Tätigkeiten zu 50 Prozent
arbeitsunfähig und darüber hinaus auch umschulungsunfähig sei. Eine wesentliche
Grundlage dieser Sachverhaltsannahme hat der Bericht des damals behandelnden
Psychiaters Dr. D._ vom 26. August 2003 gebildet, in dem wegen einer depressiven
Störung bei chronifizierten Schmerzen auf dem Boden einer neurotischen Entwicklung
und wegen eines chronifizierten Schmerzsyndroms ein Arbeitsunfähigkeitsgrad von 70
Prozent attestiert worden war. Die Beschwerdegegnerin hat nur deshalb nicht auf das
Attest von Dr. D._ (Arbeitsunfähigkeitsgrad von 70 Prozent) abgestellt, weil sie den
Arztbericht von Dr. D._ infolge einer Verkettung von internen Missverständnissen
falsch interpretiert hatte: Der RAD-Arzt hatte in einer internen Notiz festgehalten, für
eine Umschulung müsse der Beschwerdeführer einen Arbeitsfähigkeitsgrad von 50
Prozent erreichen; dieser Hinweis war vom Berufsberater als ein Attest einer
Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent missverstanden worden; der Berufsberater hatte
2.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 15/19
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ausgehend von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 50 Prozent einen Invaliditätsgrad von
66 Prozent errechnet; der RAD-Arzt hatte diese Berechnung – wohl aufgrund der
„Nähe“ zum von Dr. D._ attestierten Arbeitsunfähigkeitsgrad von 70 Prozent – als
„okay“ qualifiziert. Diese internen Missverständnisse ändern allerdings nichts daran,
dass die ursprüngliche Rentenzusprache auf der Sachverhaltsannahme beruht hat, der
Beschwerdeführer sei aufgrund einer depressiven Störung und einer Schmerzstörung
für sämtliche Tätigkeiten in einem hohen Ausmass arbeitsunfähig und zudem
(vollständig) umschulungsunfähig. Retrospektiv vermag der ausschlaggebende Bericht
von Dr. D._ nicht zu überzeugen, denn er enthält keine objektiven klinischen
Befunde, die das Attest einer Arbeitsunfähigkeit von 70 Prozent für sämtliche
Tätigkeiten erklären könnten. Als klinische Befunde hat Dr. D._ nämlich lediglich eine
depressive Stimmung mit einer innerlichen Verspannung und Unruhe sowie eine
affektive Labilität genannt. Die übrigen klinischen Befunde waren offenbar unauffällig
gewesen. Dr. D._ hat den Beschwerdeführer als bewusstseinsklar und voll orientiert
beschrieben. Der Kontakt hatte gut hergestellt werden können. Der Beschwerdeführer
hatte verschiedene Fragen richtig beantworten können und spontan „gut produziert“.
Der intellektuelle Eindruck war durchschnittlich gewesen. Eine eingehende,
unabhängige versicherungspsychiatrische Begutachtung hätte bei diesem weitgehend
unauffälligen klinischen Befund wohl zu einem anderen Ergebnis bezüglich der Arbeits-
und Umschulungsfähigkeit des Beschwerdeführers geführt, aber nachdem mittlerweile
fast 18 Jahre vergangen sind, kann angesichts der dünnen Aktenlage in antizipierender
Beweiswürdigung von einer retrospektiven Beurteilung keine überzeugendere
Arbeitsfähigkeitsschätzung erwartet werden, weshalb bezüglich des realen
medizinischen Sachverhaltes im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache eine
objektive Beweislosigkeit vorliegt. Folglich muss der Sachverhalt im Zeitpunkt des
Abschlusses des Rentenrevisionsverfahrens am 29. März 2019 mit der
Sachverhaltsannahme verglichen werden, die der ursprünglichen Rentenzusprache
zugrunde gelegen hat, nämlich der Annahme, dass der Beschwerdeführer wegen einer
depressiven Störung und wegen eines Schmerzsyndroms zu 50 Prozent arbeitsunfähig
sei.
Die Sachverständigen der ZIMB AG haben die medizinischen Vorakten eingehend
gewürdigt. Zwar haben ihnen bei der eigentlichen Begutachtung die Berichte der
behandelnden Psychiaterin Dr. J._ nicht vorgelegen, weil der Beschwerdeführer im
Rahmen des Revisionsverfahrens bis zur Begutachtung durch die ZIMB AG nicht
darauf hingewiesen hatte, dass er sich in einer psychiatrischen Behandlung befunden
hatte, aber die Sachverständigen der ZIMB AG haben sich im Rahmen der
nachträglichen Stellungnahme noch eingehend mit dem Bericht von Dr. J._ und dem
2.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 16/19
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Bericht der Klinik K._ betreffend eine nach der Begutachtung durchgeführte
Behandlung auseinander gesetzt. Sie haben den Beschwerdeführer zudem umfassend
internistisch, neurologisch, orthopädisch und psychiatrisch untersucht. Sie haben
sowohl die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers als auch die von ihnen
erhobenen objektiven klinischen Befunde ausführlich wiedergegeben, wobei sie auf
eine sorgfältige Trennung der Angaben und der Befunde bedacht gewesen sind. Damit
enthält das Gutachten der ZIMB AG eine vollständige Darstellung des gesamten
medizinischen Sachverhaltes, der für die Beurteilung respektive für die
Diagnosestellung und für die Arbeitsfähigkeitsschätzung massgebend gewesen ist. Es
besteht kein Grund zur Annahme, dass die Sachverständigen wesentliche Aspekte der
Gesundheitsbeeinträchtigung übersehen haben könnten. Die sorgfältige
Unterscheidung zwischen den Angaben des Beschwerdeführers und den klinischen
Befunden hat es den Sachverständigen erlaubt, ihre Diagnosestellung und ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzung allein anhand der versicherungsmedizinisch massgebenden
objektiven klinischen Befunde zu begründen. Sowohl dem Bericht der behandelnden
Psychiaterin Dr. J._ als auch dem Bericht der Klinik K._ mangelt es nicht nur an
einer solchen sorgfältigen Trennung zwischen den subjektiven Angaben und den
objektiven Befunden, sondern auch an einer sich rein an den objektiven Befunden
orientierenden Diagnosestellung und Arbeitsfähigkeitsschätzung. Bei ihrer Beurteilung
haben sich Dr. J._ und die Ärzte der Klinik K._ massgeblich von den subjektiven
Angaben des Beschwerdeführers beeinflussen lassen, weshalb diese keine Beweiskraft
haben und auch keinen Zweifel an der Überzeugungskraft des Gutachtens der ZIMB
AG wecken können. Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers haben die
Sachverständigen ihre Beurteilung nicht auf falsche Annahmen bezüglich des Umfangs
und des Erfolgs der vom Beschwerdeführer ausgeübten Tätigkeit gestützt. Aus dem
Gutachten geht eindeutig hervor, dass die objektiven klinischen Befunde, die in allen
Fachdisziplinen weitestgehend unauffällig ausgefallen waren, ausschlaggebend für die
Diagnosestellung und für die Arbeitsfähigkeitsschätzung gewesen sind. Die
Sachverständigen der ZIMB AG haben in ihrem Gutachten auch mehrfach explizit
darauf hingewiesen, dass sich die Angaben des Beschwerdeführers teilweise durch
erhebliche Diskrepanzen ausgezeichnet hätten, weshalb es unsinnig gewesen wäre,
wenn sie bei ihrer Beurteilung dann doch auf diese von ihnen als offensichtlich
unzuverlässig erkannten Angaben abgestellt hätten. Andererseits hat die Wiedergabe
der – inkonsistenten – Angaben des Beschwerdeführers zu seinen beruflichen und
alltäglichen Aktivitäten das Gesamtbild abgerundet, was es dem medizinischen Laien
erleichtert, die (strikt) medizinische Beurteilung ohne medizinische Fachkenntnisse
nachzuvollziehen. Der Vorwurf des Beschwerdeführers, die Sachverständigen seien
von falschen Annahmen ausgegangen (die für die Beurteilung aber gar nicht
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/19
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massgebend gewesen sind), fällt auf ihn selbst zurück, da die Sachverständigen ja
lediglich seine Angaben bei der Begutachtung wiedergegeben haben, wodurch sich
letztlich nur gezeigt hat, dass die Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers
situativ bedingt sehr unterschiedlich ausfallen kann. Das hat für die Beurteilung aber
ohnehin keine Rolle gespielt, weil die Sachverständigen diese Diskrepanzen entdeckt
und weil sie ihre Beurteilung allein auf die objektiven klinischen Befunde gestützt
haben. Das Gutachten enthält keine Widersprüchlichkeiten. Die Begründung ist
nachvollziehbar und überzeugend. Gestützt auf das Gutachten der ZIMB AG steht
deshalb mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
fest, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Begutachtung nicht mehr an einer
depressiven Störung oder an einer sonstigen psychischen
Gesundheitsbeeinträchtigung gelitten hat, die seine Arbeitsfähigkeit oder seine
Umschulungsfähigkeit eingeschränkt hätte.
Da der Beschwerdeführer ursprünglich eine Berufsausbildung abgeschlossen hat
und da er seinen erlernten Beruf krankheitsbedingt nicht mehr ausüben kann, besteht
grundsätzlich ein Umschulungsanspruch im Sinne des Art. 17 IVG. Ein solcher
Umschulungsanspruch hat aber nicht zum Gegenstand des mit der angefochtenen
Verfügung abgeschlossenen Verwaltungsverfahrens gehört, weshalb eine materielle
Auseinandersetzung mit dieser Frage in diesem Beschwerdeverfahren nur zulässig
wäre, wenn zugleich eine Umschulungspflicht im Sinne des Grundsatzes
„Eingliederung vor Rente“ (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020,
Vorbemerkungen N 86 ff., mit Hinweisen) bestünde. Das wäre der Fall, wenn ohne eine
Umschulung trotz der Verbesserung des Gesundheitszustandes immer noch ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad vorläge und wenn davon auszugehen wäre, dass
nach einer Umschulung in einen leidensadaptierten Beruf kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad mehr bestünde. Ohne eine Umschulung kann der Beschwerdeführer
nur leidensadaptierte Hilfsarbeiten verrichten, weshalb das zumutbarerweise erzielbare
Invalideneinkommen dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne entsprechen
muss. Dieser hat sich gemäss den neusten Ergebnissen der Schweizer
Lohnstrukturerhebung (LSE) aus dem Jahr 2018 auf 5’417 Franken pro Monat bei einer
standardisierten Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche belaufen. Unter
Berücksichtigung der betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden
und der Nominallohnentwicklung 2018/2019 von 0,9 Prozent entspricht das einem für
das Jahr 2019 massgebenden Jahreslohn von 68’377 Franken. Das Valideneinkommen
ist bei der ursprünglichen Rentenzusprache anhand des im individuellen AHV-
Beitragskonto hinterlegten Jahreslohns 2001 von 61’126 Franken unter
Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung 2001–2003 auf 63’719 Franken
2.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/19
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festgesetzt worden. Im Rahmen des Revisionsverfahrens muss das Valideneinkommen
mangels einer entsprechenden Sachverhaltsveränderung verbindlich bleiben.
Allerdings muss es der seitherigen Nominallohnentwicklung bis zum Jahr 2019
angepasst werden. Der Indexstand (Basis 1993 = 100 Punkte) hat sich im Jahr 2003
auf 112,3 Punkte und im Jahr 2019 auf 130,7 Punkte belaufen. Damit ergibt sich für
das Jahr 2019 ein Valideneinkommen von 74’159 Franken. Die Erwerbseinbusse
beträgt folglich 5’782 Franken, was einem Invaliditätsgrad von 8,46 Prozent entspricht.
Das bedeutet, dass der Beschwerdeführer selbst ohne eine Umschulung nicht mehr in
einem rentenbegründenden Ausmass invalid gewesen ist, weshalb sich die
revisionsweise Aufhebung der laufenden Rente als rechtmässig erweist.
Das Bundesgericht hat verschiedentlich festgehalten, dass insbesondere nach
einem langjährigen Rentenbezug und einer damit einhergehenden „arbeitsmarktlichen
Desintegration“ eine revisionsweise Rentenaufhebung infolge einer Verbesserung des
Gesundheitszustandes und der „medizinisch-theoretischen“ Arbeitsfähigkeit die
vorgängige Durchführung von beruflichen Eingliederungsmassnahmen erfordere (vgl.
etwa das Urteil des Bundesgerichtes 9C_163/2009 vom 10. September 2010, E. 4.2 f.).
Unter Hinweis auf diese Auffassung des Bundesgerichtes könnte sich der
Beschwerdeführer auf den Standpunkt stellen, die revisionsweise Aufhebung der
Invalidenrente nach einer 15 Jahre umfassenden Bezugsdauer sei unzulässig, solange
die Beschwerdegegnerin noch keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
beziehungsweise noch keine Umschulung durchgeführt habe. Dem wäre entgegen zu
halten, dass das Bundesgericht seine erwähnte Auffassung mit dem Vorbehalt vertritt,
die persönliche Eingliederungspflicht der Versicherten gehe in jedem Fall vor, weshalb
eine berufliche Eingliederung auf Kosten der Invalidenversicherung vor einer
revisionsweisen Rentenaufhebung nur dann in Frage komme, wenn die wiedererlangte
„medizinisch-theoretische“ Arbeitsfähigkeit ohne solche Eingliederungsmassnahmen
als faktisch nicht verwertbar erscheine (vgl. das erwähnte Urteil 9C_163/2009 vom 10.
September 2010, E. 4.2.2, mit zahlreichen Hinweisen). Eine solche Situation liegt hier
nicht vor, weil nie eine „arbeitsmarktliche Desintegration“ stattgefunden hat; der
Beschwerdeführer ist während der ganzen Dauer des Rentenbezuges erwerbstätig
gewesen. Daran ändert der im Rahmen der Replik geltend gemachte zwischenzeitliche
„Ausstieg“ aus der Unternehmung nichts, zumal es sich dabei um eine erst nach der
Eröffnung der angefochtenen Verfügung eingetretene Tatsache handelt. Hier bleibt
deshalb nur die Frage zu beantworten, ob es dem Beschwerdeführer als Berufsmann
zumutbar ist, in eine Hilfsarbeit zu wechseln. Diese Frage ist zu beantworten, weil für
die Prüfung des Rentenanspruchs allein die medizinisch zumutbaren
Erwerbsmöglichkeiten auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt
2.5.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 19/19
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3.
Zusammenfassend ist die Beschwerde abzuweisen. Die angesichts des
durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzenden
Gerichtskosten sind dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Sie sind
durch den von ihm geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt. Der
unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.