Decision ID: 6c45c81f-41d6-58fd-829a-0adcc1e38cf9
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
I.
A.
Der Beschwerdeführer stellte am 2. Dezember 2015 in der Schweiz ein
Asylgesuch, das er anlässlich seiner Anhörungen durch das SEM im We-
sentlichen folgendermassen begründete: Er sei ab Frühling 2014 für die
Basij-Volksmiliz als Sittenwächter tätig gewesen. Im Februar 2015 sei von
ihm verlangt worden, in den Syrienkrieg zu ziehen. Er habe sich aber ge-
weigert und sich gegenüber seinem Vorgesetzten kritisch über den Islam
geäussert. Daraufhin sei er wegen Befehlsverweigerung und Beleidigung
des Islams in Haft genommen und während eines mehrmonatigen Gefäng-
nisaufenthalts gefoltert und vergewaltigt worden. Anlässlich eines Haft-
urlaubs sei es ihm gelungen, das Land zu verlassen; in der Folge sei seine
Mutter, die für ihn die Kaution für den Urlaub geleistet gehabt habe, verhaf-
tet worden. Während seines Aufenthalts in der Schweiz sei er zum
Christentum konvertiert.
B.
Das SEM stellte mit Verfügung vom 14. September 2017 fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Voll-
zug der Wegweisung an. Der Asylentscheid wurde mit der Unglaubhaf-
tigkeit der geltend gemachten Fluchtgründe und mit der mangelnden flücht-
lingsrechtlichen Relevanz der geltend gemachten Konversion und der exil-
politischen Aktivitäten begründet.
C.
Eine vom Beschwerdeführer am 16. Oktober 2017 gegen diesen Asylent-
scheid erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Ur-
teil E-5870/2017 vom 27. Mai 2019 ab. Im Entscheid wurde die Unglaub-
haftigkeitsargumentation des SEM (Vorfluchtgründe) im Wesentlichen be-
stätigt. Das Gericht schloss sich auch der vom SEM vertretenen Auffas-
sung an, die geltend gemachte Konversion zum Christentum sei vorliegend
flüchtlingsrechtlich nicht relevant, und hielt zudem fest, das Gleiche gelte
für die vom Beschwerdeführer geltend gemachten (niederschwelligen) exil-
politischen Aktivitäten in der Schweiz.
E-6398/2020
Seite 3
II.
D.
Mit einer als "Wiedererwägungsgesuch" bezeichneten Eingabe seiner
Rechtsvertreterin an das SEM vom 21. September 2020 liess der Be-
schwerdeführer inhaltlich, es sei der Eintritt einer wiedererwägungsrecht-
lich massgeblichen Änderung der Sachlage sowie seine Flüchtlingseigen-
schaft aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe festzustellen und er sei als
Flüchtling in der Schweiz vorläufig aufzunehmen.
Das Gesuch wurde im Wesentlichen damit begründet, dass der Beschwer-
deführer einige Zeit nach seiner Konversion zum Christentum Zweifel an
diesem Glauben bekommen habe. Er sei dann über zwei ihm bekannte
Bahais in Kontakt mit jenem Glauben gekommen und habe sich intensiv
damit auseinandergesetzt. Schliesslich sei er der Bahai-Religion im Som-
mer 2020 offiziell beigetreten. Im Iran wüssten seine Angehörigen über
diese Konversion Bescheid; er habe bereits negative telefonische Reakti-
onen und Drohungen seines älteren Bruders und eines Onkels erhalten,
welche für die iranischen Behörden arbeiten würden. Mittlerweile sei er
einer der Betreuer der Website "B._" und publiziere seine Gedan-
ken für diese.
E.
In der Folge ging beim SEM ein weiteres Wiedererwägungsgesuch einer
anderen Rechtsvertreterin für den Beschwerdeführer ein (das auf den
7. September 2020 datiert, allerdings erst am 1. Oktober 2020 verschickt
worden war). In dieser Eingabe wurde die vorläufige Aufnahme des
Beschwerdeführers in der Schweiz infolge Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs beantragt.
Diese Eingabe wurde einerseits mit der schlechten (psychischen) Gesund-
heitszustand des Beschwerdeführers sowie einer Abhängigkeit von Ben-
zodiazepin-Medikamenten begründet; andererseits wurde auf die starke
Belastung des iranischen Gesundheitssystems durch die Corona-Pande-
mie hingewiesen, weshalb seine Behandelbarkeit im Heimatstaat nicht mit
hinreichender Sicherheit gewährleistet sei. Schliesslich wies diese Rechts-
anwältin in ihrem Gesuch darauf hin, dass der Beschwerdeführer christli-
chen Glaubens sei und sich in der Schweiz auch exilpolitisch betätige.
E-6398/2020
Seite 4
F.
Nach einer Klärung der Vertretungsverhältnisse nahm das SEM mit Verfü-
gung vom 13. November 2020 (eröffnet am 17. November 2020) das
Gesuch des Beschwerdeführers vom 21. September 2020 als Mehrfach-
gesuch gemäss Art. 111c AsylG (SR 142.31) entgegen und stellte fest,
dass im Rahmen der Behandlung dieses Gesuchs – im Wegweisungs
vollzugspunkt – auch die in der Eingabe vom 1. Oktober 2020 geltend ge-
machten Wiedererwägungsgründe geprüft würden. Das SEM stellte fest,
der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft weiterhin nicht,
wies das Mehrfachgesuch sowie das Wiedererwägungsgesuch ab und
ordnete erneut die Wegweisung aus der Schweiz und den Wegweisungs-
vollzug an.
G.
Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 17. Dezember 2020
(Datum der Postaufgabe) liess der Beschwerdeführer auch diese Verfü-
gung des SEM anfechten. Er beantragte die Aufhebung dieses Entscheids,
die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung des
Asyls, eventuell die Anordnung der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz
wegen Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. In
prozessualer Hinsicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung, die Befreiung von der Kostenvorschusspflicht und die Beiordnung
einer amtlichen Rechtsbeiständin beantragt. Mit der Eingabe wurden unter
anderem ein Internetartikel über die Lebensbiografie eines Onkels des Be-
schwerdeführers und ein Bestätigungsschreiben des Nationalen Geistigen
Rats der Bahai in der Schweiz vom 4. Dezember 2020 zu den Akten ge-
reicht.
H.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
23. Dezember 2020 vor (vgl. Art. 109 Abs. 6 AsylG).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von
E-6398/2020
Seite 5
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist – unter dem nachfolgend erwähnten Vorbehalt – einzutreten.
1.3
1.3.1 Gegenstand des Beschwerdeverfahrens kann grundsätzlich nur sein,
was Gegenstand des erstinstanzlichen Verfahrens war oder nach richtiger
Gesetzesauslegung hätte sein sollen (BVGE 2009/54 E. 1.3.3 m.H. auf
Lehre und Praxis).
1.3.2 In den beiden "Wiedererwägungsgesuchen" des Beschwerdeführers
vom 21. September und 1. Oktober 2020 war die Asylgewährung nicht be-
antragt worden. Demzufolge kann nur Gegenstand des vorliegenden Be-
schwerdeverfahrens sein, ob das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft
verneint und die vorläufige Aufnahme nicht angeordnet hat. Soweit in der
Beschwerdeeingabe die Gewährung des Asyls beantragt wird, liegt eine
unzulässige Erweiterung des Streitgegenstands vor. Auf diesen Antrag ist
deshalb nicht einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
E-6398/2020
Seite 6
4.
4.1 Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in
dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zuge-
hörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-
schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-
dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1
AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-
bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-
lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Gemäss Art. 54 AsylG wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt, wenn sie erst
durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ih-
res Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinn von Art. 3 AsylG wur-
den. Personen mit solchen subjektiven Nachfluchtgründen werden jedoch
als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. Massgebend ist in diesem Zusam-
menhang praxisgemäss, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten des
Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und dieser deswegen bei einer
Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung gemäss Art. 3 AsylG be-
fürchten muss. Dabei bleiben die Anforderungen an den Nachweis einer
begründeten Furcht relevant (Art. 3 und 7 AsylG; vgl. zum Ganzen auch
BVGE 2009/29 E. 5.1; 2009/28 E. 7.1).
4.2 Die Flüchtlingseigenschaft ist von der gesuchstellen Person nachzu-
weisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Letzteres ist dann der Fall,
wenn die Behörde die Flüchtlingseigenschaft mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit als gegeben qualifiziert. Unglaubhaft sind insbesondere Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-
dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf
gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger
Praxis (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 sowie BVGE 2013/11 E. 5.1; ANNE
KNEER / LINUS SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfahren
– Ein Überblick über die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts,
Asyl 2/2015 S. 5 ff.).
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/29 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/28
E-6398/2020
Seite 7
5.
Das SEM begründete sie angefochtene Verfügung im Hauptpunkt folgen-
dermassen:
5.1
5.1.1 An der Ernsthaftigkeit und Nachhaltigkeit der angeblichen Hinwen-
dung des Beschwerdeführers zum Bahai-Glauben bestünden erhebliche
Zweifel: Es sei notorisch, dass iranische Asyl-Gesuchsteller in der Schweiz
– insbesondere nach einem negativen Entscheid – nicht selten kurzfristig
einen neuen Glauben annähmen, um dadurch in einem Folgeverfahren ein
Anwesenheitsrecht in der Schweiz zu erwirken. Häufig handle es sich um
Hinwendungen zum christlichen Glauben; in letzter Zeit seien nach Kennt-
nis des SEM aber auch Wechsel zur Bahai-Glaubensgemeinschaft festzu-
stellen.
5.1.2 Der Beschwerdeführer habe im ersten Asylverfahren eine Konversion
zum christlichen Glauben (mit einer Taufe am [...] 2016) geltend gemacht.
Bezeichnenderweise verweise eine seiner beiden Rechtsvertreterinnen in
der Eingabe vom 1. Oktober 2020 auf den christlichen Glauben ihres Man-
danten; jedenfalls für den Zeitpunkt der Erteilung der Vertretungsvollmacht
an diese Anwältin, im September 2019, sei davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer noch Christ gewesen sei.
5.2 Die Prozessgeschichte und der zweite Glaubenswechsel innert kurzer
Zeit (nach negativen Asylentscheiden) lege die Vermutung nahe, dass es
sich beim angeblich zweiten Wechsel um ein asyltaktisches Vorgehen und
nicht um eine aufrichtige, nachhaltige Konversion handle. In diesem Zu-
sammenhang sei auch darauf hinzuweisen, dass die (Vor-)Fluchtgründe
sich im ersten Asylverfahren als unglaubhaft erwiesen hätten.
5.3 Mit seinen handschriftlichen Erklärungen zur Eingabe vom 21. Septem-
ber 2020 habe sich der Beschwerdeführer nur sehr allgemein und wenig
substanziiert zu den Beweggründen für seine erneute religiöse Neu-Orien-
tierung geäussert.
5.4 Soweit der Beschwerdeführer angebe, er habe sich für die Website
B._ engagiert, habe das Bundesverwaltungsgericht in einem ande-
ren Verfahren (E-4382/2020, Urteil vom 22. September 2020) kürzlich fest-
gestellt, dass eine Identifizierung der Betreiber der Website beziehungs-
weise des Telegram-Kanals nicht möglich sei; das SEM habe sich beim
Aufrufen dieser Website am 9. November 2020 vergewissern können, dass
E-6398/2020
Seite 8
diese keine Rückschlüsse auf die hinter der Website stehenden Individuen
zulasse.
5.5 Schliesslich habe das Bundesverwaltungsgericht kürzlich in zwei Urtei-
len festgestellt, dass nicht jede formelle Zugehörigkeit eines Asylsuchen-
den zur Bahai-Gemeinde der Schweiz zu einer Gefährdung des Betroffe-
nen im Falle einer Rückkehr nach Iran führe (Urteile BVGer E-2642/2020
vom 13. Juli 2020 E. 7.3.5 und E-4382/2020 a.a.O. E. 7.4). In diesen bei-
den Verfahren hätten die Beschwerdeführer zwar ihre Zugehörigkeit zur
Bahai-Gemeinde mit einer schriftlichen Bestätigung oder zumindest einer
Mitgliedskarte dargelegt. Das Gericht sei trotzdem zum Schluss gekom-
men, dass nicht von einer Identifizierung des Beschwerdeführers als Kon-
vertit respektive von einer Kenntnisnahme der formellen Zugehörigkeit zur
Bahai-Gemeinde durch die iranischen Behörden auszugehen sei.
5.6 Soweit der Beschwerdeführer eine Bedrohung durch einen Bruder und
einen Onkel geltend mache, müsse dieses wenig plausible, unlogische und
unsubstanziierte Vorbringen als unglaubhaft bezeichnet werden.
5.7 Der Beschwerdeführer habe demnach nicht glaubhaft machen können,
dass ihm wegen der (formellen) Konversion zum Bahai-Glauben bei der
Rückkehr nach Iran eine Verfolgung oder Behelligungen durch Familienan-
gehörige drohen würden.
6.
6.1 In der Beschwerde werden zunächst die Beweggründe des Beschwer-
deführers für den erneuten Religionswechsel ausführlich dargelegt, und es
wird auf die mit dem Rechtsmittel eingereichte Bestätigung der Konversion
durch die Bahai-Religionsgemeinschaft in der Schweiz hingewiesen.
6.2 Dass der Beschwerdeführer der Bahai-Gemeinschaft nur beigetreten
sei, um daraus ein Anwesenheitsrecht ableiten zu können, wird energisch
bestritten. Er habe mit zwei Bahais, die er in seinem Asylheim kennenge-
lernt habe, über ihren Glauben diskutiert, die Bahai-Schriften auf Farsi er-
halten und an einem Kurs teilgenommen, in dem er mit anderen Suchen-
den die Schriften zusammen studiert, diskutiert und Gebete gesprochen
habe. Dies habe sein Herz und seinen Verstand berührt und ein tiefgreifen-
des Gefühl für diesen Glauben bewirkt. Er sei diesem nicht sofort beigetre-
ten, sondern erst "nach einem Jahr oder mehr", und dies nicht, um sich
einen Vorteil zu verschaffen, sondern aus reiner und tiefer Überzeugung.
Durch seine intensiven und fortlaufenden Aktivitäten für seinen Glauben
E-6398/2020
Seite 9
übe er seine Religion aus, und es bestehe kein Zweifel an seinen missio-
narischen Tätigkeiten.
6.3 Das SEM habe in der angefochtenen Verfügung keine seriöse Prüfung
seiner neuen Asylgründe vorgenommen, sondern sich darauf beschränkt,
über die persönlichen Beweggründe zu spekulieren, welche iranische Asyl-
suchende zur Konversion bewegen würden. Es sei auch seiner Begrün-
dungspflicht nicht genügend nachgekommen, wenn es sich bloss auf das
eine oder andere Urteil des Bundesverwaltungsgerichts abstütze und so
zum Schluss komme, dass die Konversion nicht überzeugend sei. Das
SEM hätte beispielsweise den Beschwerdeführer zu einer ergänzenden
Anhörung einladen und ihn ausführlich über seinen Sinneswandel befra-
gen, oder mehr Informationen über die drohenden Verfolgungen seitens
seiner Familienmitglieder verlangen können. Stattdessen habe die Vor-
instanz "Testbausteinsätze" genommen, habe sich mit allgemeinen Aus-
führungen begnügt und sei nicht hinreichend auf dem konkreten Fall ein-
gegangen. Auch den ausführlichen und substanziierten Erklärungen des
Beschwerdeführers in seinem handschriftlichen Dokument habe die Vor-
instanz keine Beachtung geschenkt.
6.4 Die Angaben des Beschwerdeführers zu seiner Konversion zum Bahai-
Glauben seien plausibel, substanziiert und schlüssig. Er sei von seinem
Onkel, der eine hochrangige Regierungspersönlichkeit sei, und von seinem
Bruder, der ein "treuer Regierungsangehöriger und angestellt" sei, mit dem
Schlimmsten bedroht worden. Dem mit der Beschwerde eingereichten
Internet-Auszug sei zu entnehmen, dass dieser Onkel eng mit staatlichen
Organen und insbesondere mit den Revolutionsgarden zusammenarbeite.
6.5 Der Beschwerdeführer übe, wie die Bestätigung vom 4. Dezember
2020 belege, in der B._ diverse Aktivitäten aus. Man könne davon
ausgehen, dass die Website B._ von den iranischen Behörden
überwacht werde, und diese demnach den Beschwerdeführer identifiziert
und von seiner Konversion und den missionarischen Tätigkeiten Kenntnis
erhalten hätten.
6.6 Der Beschwerdeführer könne bei einer Rückkehr in den Iran seinen
Glauben nicht frei ausüben und ihm drohe ein rechtswidriges Verfahren
wegen Verletzung der religiösen Regeln und der Gefährdung der inneren
Sicherheit des Irans "mit einer hohen Strafe bis zum Tod". Zudem hätte er
bei einer Rückkehr auch ernsthafte und nicht wiedergutzumachende Nach-
E-6398/2020
Seite 10
teile seitens Familienangehöriger zu gewärtigen. Demzufolge werde bean-
tragt, es sei aufgrund von subjektiven Nachfluchtgründen seine Flücht-
lingseigenschaft anzuerkennen und er als Flüchtling in der Schweiz vorläu-
fig aufzunehmen.
7.
7.1 Nach Durchsicht der Aktenstellt das Gericht fest, dass die Vorinstanz
den rechtserheblichen Sachverhalt korrekt und vollständig festgestellt hat.
Für weitere Abklärungen bestand und besteht keine Veranlassung (vgl.
auch Art. 111c Abs. 1 AsylG, der festhält, dass Verfahren betreffend Mehr-
fachgesuche in der Regel schriftlich ablaufen und insbesondere keine er-
neute Anhörung des Gesuchstellers erfolgen muss). Eine Verletzung sei-
ner Begründungspflicht muss sich das SEM klarerweise nicht vorwerfen
lassen: Die Begründung der angefochtenen Verfügung ist einlässlich und
individuell auf den konkreten Einzelfall zugeschnitten. Die vorinstanzlichen
Erwägungen sind in keinem Punkt zu beanstanden. Von einem blossen
Aneinanderreihen von Textbausteinen oder einer bloss summarischen Prü-
fung der Akten kann keine Rede sein.
7.2 Inhaltlich schliesst sich das Gericht im Hauptpunkt ebenfalls voll-
umfänglich der Haltung der Vorinstanz an: Das SEM hat ausführlich und
sehr überzeugend dargelegt, wieso erhebliche Zweifel an der Ernsthaf-
tigkeit und Nachhaltigkeit der Hinwendung des Beschwerdeführers zum
Bahai-Glauben angebracht sind. Mehreren dieser Argumente entgegnet
der Beschwerdeführer nichts – dass er der Vorinstanz pauschal Unsorgfalt
und Oberflächlichkeit vorwirft, vermag auch unter diesem Blickwinkel nicht
zu überzeugen.
7.3 Nachdem der Beschwerdeführer der einlässlichen Begründung der an-
gefochtenen Verfügung nichts Stichhaltiges entgegenzusetzen vermag,
kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen im Rahmen der vorliegen-
den Summarbegründung vollumfänglich auf die – oben zusammenfassend
wiedergegebenen (vgl. E. 5) – Erwägungen des SEM verwiesen werden.
7.4 Ergänzend ist Folgendes festzuhalten:
7.4.1 In der eingereichten Bestätigung der schweizerischen Bahai-
Gemeinschaft wird ausgeführt, der Beschwerdeführer sei der Glaubensge-
meinschaft offiziell am (...) 2020 beigetreten, nachdem er seit (...) 2019 mit
verschiedenen Mitgliedern der Bahai-Gemeinde der Schweiz in Kontakt
E-6398/2020
Seite 11
gewesen sei. Dies deckt sich nicht mit der Darstellung in seiner Be-
schwerde, er sei dem Glauben erst ein Jahr oder mehr als ein Jahr, nach-
dem er die beiden Bahai im Asylheim kennengelernt habe, beigetreten (vgl.
Beschwerde S. 5 f.). Ob es ich bei diesem Dokument um eine authentische
Bestätigung handelt, kann angesichts der nachfolgenden Ausführungen of-
fenbleiben.
7.4.2 Gemäss der schweizerischen Asylpraxis unterliegen die Bahai im
Iran einer Kollektivverfolgung (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3.2.2). Allein die for-
melle Zugehörigkeit zu dieser Glaubensgemeinschaft vermag jedoch, wie
vom Bundesverwaltungsgericht im Urteil E-2642/2020 vom 13. Juli 2020
E. 7.3.5 festgestellt, die Flüchtlingseigenschaft noch nicht zu begründen.
Diese Praxis wurde in einem späteren Urteil E-4382/2020 vom 22. Sep-
tember 2020 E. 7.3 bestätigt. Auffälligerweise waren auch in diesen beiden
Beschwerdeverfahren die Asylsuchenden durch die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers verbeiständet (zudem weisen viele der in jenen Ent-
scheiden erwähnten Sachverhaltselemente starke Ähnlichkeit zu den
neuen Vorbringen des Beschwerdeführers auf).
7.4.3 Selbst wenn der Beschwerdeführer der neuen Glaubensgemein-
schaft tatsächlich formell angehören würde, vermöchte er seine innere Zu-
wendung zum Bahaitum nicht überzeugend darzutun. Zudem entstünde
weder aus dem erwähnten Bestätigungsschreiben noch aus der Be-
schwerde der Eindruck eines besonders exponierten und von aussen
wahrnehmbaren Engagements des Beschwerdeführers für diesen Glau-
ben.
7.4.4 An dieser Feststellung vermag auch die Behauptung des Beschwer-
deführers, er sei als einer der Administratoren der Website B._ von
den heimatlichen Behörden identifiziert worden (vgl. Beschwerde S. 9):
Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil E-4382/2020 festgestellt, dass
der Austausch von Nachrichten auf der Website B._ nur über einen
privaten Telegram-Kanal funktioniert, bei dem der Beitritt über eine Einla-
dung funktioniert; auch die Profilbilder und die Namen sind nur den Mitglie-
dern zugänglich (vgl. BVGer E-4382/2020 E. 7.3 S. 10).
7.4.5 Bei dieser Aktenlage ist demnach nicht davon auszugehen, dass
die iranischen Behörden den Beschwerdeführer als Konvertiten identifiziert
oder gar registriert hätten.
E-6398/2020
Seite 12
7.4.6 Die angeblichen Behelligungen durch Verwandte des Beschwerde-
führers wurden vom SEM mit überzeugender Begründung als unglaubhaft
qualifiziert. Ob es sich bei der Person, dessen Lebenslauf mit der Be-
schwerde eingereicht worden ist, tatsächlich um einen Onkel des
Beschwerdeführers handelt, kann offenbleiben.
7.5 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer wei-
terhin keine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinn von
Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte. Das SEM hat zu
Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und insoweit das Mehrfach-
gesuch abgelehnt.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Auch die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
E-6398/2020
Seite 13
9.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich nach den vorstehenden Erwägungen weder aus den
Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte da-
für, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK
verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis
des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener
des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine kon-
krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im
Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen
würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008,
Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.).
9.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinn
der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
E-6398/2020
Seite 14
9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.1 In der angefochtenen Verfügung hatte das SEM im Zusammenhang
mit den gesundheitlichen Vorbringen des Beschwerdeführers festgestellt,
die im Wiedererwägungsgesuch vom 1. Oktober 2020 thematisierten Ge-
sundheitsbeschwerden würden im Wesentlichen denjenigen entsprechen,
über welche das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil vom 27. Mai
2019 befunden habe. Das Gericht habe festgehalten, dass der Iran über
eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfüge und die gesundheit-
liche Situation nicht gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
spreche. Seit diesem Urteil habe sich die Situation nicht wesentlich verän-
dert. Zwar treffe es zu, dass der Iran schwer von der Corona-Pandemie
(und den amerikanischen Sanktionen) getroffen worden sei. Trotzdem sei
nach wie vor von der Behandelbarkeit der Gesundheitsprobleme des Be-
schwerdeführers auszugehen. Möglicherweise entspreche die medizini-
sche Behandlung in Iran nicht den hohen schweizerischen Standards.
Es müsse indessen nicht angenommen werden, dass eine Rückkehr in das
Heimatland zu einer raschen, lebensgefährdenden Beeinträchtigung des
Gesundheitszustandes führen würde.
9.3.2 In der vorliegend zu behandelnden Beschwerde werden diese Aus-
führungen des SEM nicht ernsthaft bestritten. Die diesbezüglichen Ausfüh-
rungen im Rechtsmittel beschränken sich auf diesen Satz: "Dazu soll die
herrschende Situation, der verbreitete Pandemie (Covid-19) und mangel-
hafte bis ungenügende medizinische Behandlungsmöglichkeiten im Iran
beachtet und gebührend bei der Feststellung der Wegweisungshindernisse
berücksichtigt werden" (vgl. Beschwerde S. 10).
9.3.3 Das Bundesverwaltungsgericht verfolgt die Entwicklung der Corona-
Pandemie in den Herkunftsländern der beschwerdeführenden Personen
aufmerksam und ist sich der Belastung der medizinischen Infrastruktur des
Irans bewusst. Trotzdem wurde der Vollzug der Wegweisung iranischer
Asylsuchender mit (vergleichbaren) Gesundheitsbeschwerden vom
Gericht in letzter Zeit als zumutbar qualifiziert (vgl. etwa die Urteile
E-5403/2020 vom 2. Dezember 2020 E. 8.5 [chronische PTBS, rezidivie-
rende depressive Störung], E-4643/2020 vom 23. Oktober 2020 E. 8.5.5
E-6398/2020
Seite 15
[PTBS, mittelgradige depressive Episode] oder D-2862/2020 vom 28. Sep-
tember 2020 E. 6.3.2 [PTBS, leichte depressive Episode, Anpassungs-
probleme bei Veränderungen der Lebensumstände]).
9.3.4 Es bleibt zusammenfassend festzustellen, dass der Beschwerdefüh-
rer auch mit Bezug auf seine medizinische Situation keine relevanten Wie-
dererwägungsgründe vorgetragen hat.
9.3.5 Auch hinsichtlich der übrigen individuellen Zumutbarkeitsfaktoren
kann auf das Urteil vom 27. Mai 2019 verwiesen werden (vgl. BVGer
E-5879/2017 E. 14.3).
9.3.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung wei-
terhin als zumutbar.
9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist.
Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Mit dem vorliegenden Urteil ist das Beschwerdeverfahren abge-
schlossen. Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung (vgl. Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist ungeachtet
der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers abzuweisen, weil die
Begehren gemäss den vorstehenden Erwägungen als aussichtslos zu be-
zeichnen sind und es daher an einer gesetzlichen Voraussetzung für die
Gutheissung dieses prozessualen Antrags fehlt. Mit der festgestellten Aus-
sichtslosigkeit der Rechtsbegehren fällt auch die Rechtsverbeiständung
E-6398/2020
Seite 16
des Beschwerdeführers – nach Massgabe von Art. 65 Abs. 2 VwVG (vgl.
Art. 102m Abs. 2 AsylG) – ausser Betracht, weshalb auch dieses Gesuch
abzuweisen ist. Das Gesuch um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht
ist mit dem Entscheid in der Sache gegenstandslos geworden.
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1500.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
E-6398/2020
Seite 17