Decision ID: 99178b7a-cdbd-540b-b181-3ec9f7f4f3d6
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1957, war seit dem 1. Oktober 2004 im Restaurant
Y._
, mit einem Beschäftigungsgrad von
50 % als Koch ange
stellt
(Urk. 8/3 S. 5 oben
),
als er
am 21. August 2006
auf einer Treppe aus
rutschte und sich eine Fraktur am rechten Handgelenk
zuzog (Urk. 8/109 S. 2 Mitte). Der Versicherte meldete
sich a
m 20. Oktober 2006 bei
der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm mit Verfügung vom 25. März 2010 bei einem Invaliditätsgrad von 62 %
rückwirkend
eine
Dreiviertelsrente
ab 1. August 2007 zu (Urk. 8/102).
Am 27. April 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, der Rentenan
spruch sei unverändert (Urk. 8/116). Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 17. März 2014 erneut mit, der Rentenanspruch sei unverändert (Urk. 8/133).
1.2
Nach Eingang eines am 7. Juli
2015 ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk. 8/14
7)
informierte die IV-Stelle den Versicherten mit Mitteilung vom 25. Januar 2016 (Urk. 8/173), dass eine polydisziplinäre Begutachtung (Allge
meine Innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Kardiologie sowie orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates anstatt Rheumatologie) durch das
Z._
er
folgen werde und teilte ihm die Namen der Gutachter mit. Mit Schreiben vom 8. Februar 2016 teilte der Versicherte mit, dass er mit der Durchführung der polydisziplinären Begutachtung nicht einverstanden sei (Urk. 8/174).
Mit Zwische
nverfügung vom 25. Februar 2016,
welche die Zwischenverfügung vom 12.
Februar
2016
(Urk. 8/175) ersetzte,
hielt die IV-Stelle an einer Abklä
rung durch das
Z._
fest (Urk. 8/180 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 14. April 2016 Beschwerde gegen die
Zwischenverfü
gung
vom 25. Februar 2016 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei das angehobene Revisionsverfahren bei unverändertem Rentenanspruch aufzugeben (Urk. 1
S. 2
Ziff.
I.1.-2.). Die IV-Stelle beantragte mit
Beschwerde
antwort
vom 31. Mai 2016 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 7. Juni 2016 zur Kenntnis gebracht (Urk. 9).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anfechtungsgegenstand
in diesem Verfahren ist
die Verfügung vom 25. Februar 2016 (Urk. 2), mit welcher die Beschwerdegegnerin an der Begutachtung des Beschwerdeführers durch das
Z._
gemäss ihrer Mitteilung vom 25. Januar 2016 (Urk. 8/173) festhielt. Hierbei handelt es sich um eine Zwischenverfügung im Sinne von Art. 55 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des
Bundesgesetz
es
über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
)
, welche bei Be
jahung des nicht wieder gutzumachenden Nachteils (Art. 46 Abs. 1
lit
. a
VwVG
; BGE 132 V 93 E. 6.1) grundsätzlich selbständig mit Beschwerde angefochten werden kann.
Im Zusammenhang mit Entscheiden über die Einholung von Gutachten hat das Bundesgericht die Anfechtbarkeitsvoraussetzungen des nicht wieder
gutzuma
chenden Nachteils für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren in IV-Angele
genheiten bejaht (BGE 139 V 339 E. 4.4 mit Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7).
1.2
Die Verwaltung ist von Amtes wegen verpflichtet, die notwendigen Abklärun
ge
n vorzunehmen (
Art.
43 ATSG). Dies umfasst die Verpflichtung und das Recht, die Untersuchungen anzuordnen, welche zur Klärung des Sachverhalts erforderlich sind, nicht jedoch das Recht, eine „
second
opinion
“ zu einem be
reits in einem Gutachten festgestellten Sachverhalt einzuholen, wenn ihr dieser nicht gefällt (BGE 138 V 271 E. 1.1; Urteil des Bun
desgerichts U
571/06 vom 29. Mai 2007 E. 4.2). Entscheidend dafür, ob weitere Abklärungen angeordnet werden können
und müssen, ist, ob die bereits vorliegenden Gutachten die
pra
xisgemässen
inhalt
lichen und beweismässigen Anforderungen erfüllen (Urteil des Bundesge
richts U 571/06 vom 29. Mai 2007 E. 4.2).
1.3
#BeginnXX100
<Rentenrevision, Gesetzestext und Voraussetzungen < letzte Revision: 9/13#
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
säch
lichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei
gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. Augus
t 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
sprache
ent
scheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
be
messung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
#EndeXX100#
Eine Rentenr
evision wird
sodann
nach Art. 87 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) von Amtes wegen durchgeführt, wenn sie im Hin
blick auf eine mögliche erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades auf einen bestimmten Termin in Aussicht genommen worden ist (
lit
. a) oder wenn Tatsa
chen bekannt oder Massnahmen angeordnet werden, die eine erhebliche Ände
rung des Invaliditätsgrades als möglich erscheinen lassen (
lit
. b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
erwog in der Verfügung vom 25. Februar
2016 (Urk. 2
), dass sie von Amtes wegen dazu verpflichtet sei, nach einer gewissen Zeit den
Rentenanspruch zu überprüfen. Die Wahl des Revisionszeitpunktes stehe ihr frei
. Gemäss Arztbericht von
Dr.
med.
A._
habe sich der Ge
sundheits
zu
stand des Beschwerdeführers verändert. Damit die Veränderung bei diesem kom
plexen Gesundheitszustand genau abgeklärt werden könne, sei ein
polydis
ziplinäres
Gutachten notwendig (S. 2 Mitte).
2.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer ein (Urk. 1), das Revisionsverfahren sei
un
rechtmässig eröffnet worden.
Einerseits sei i
m Feststellungsblatt
vom 17. März
2014
(vgl. Urk. 8/132 S. 3 unten)
die nächste Revision für den
1. März 2017 vor
gesehen worden
.
Obwohl dieser ordentliche Revisionstermin gemäss Art. 87 Abs.
1
lit
. a IVV noch nicht eingetreten sei, habe ihm die
Beschwerde
gegnerin
im Juni 2015 einen erneuten Revisionsfragebogen zugestellt. Ande
rerseits hätten
vor Versand des Revisionsfragebogens keine neuen Tatsachen im Sinne von Art. 87 Abs. 1
lit
. b IVV vorgelegen, die es der Beschwerdegegnerin
erlaubt
hätten, eine ausserordentliche Revision durchzuführen.
Letzteres
habe die
Be
schwer
degegnerin
in ihrem an ihn gerichteten Schreiben vom 22. Dezember
2016 (korrekt
:
2015) sinngemäss selbst zu
gegeben
, indem sie als Legitimation für das vorliegende Revisionsverfahren auf die im laufenden
Revi
sionsverfahren
eingeholten Berichte Bezug nehme
und behaupte, gestützt auf diese im vorlie
genden Verfahren eingeholten Arztberichte Hinweise auf eine Veränderung des Gesundhe
itszustandes erhalten zu haben (
S. 4 f.
Ziff. III.C.2).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht an der
polydis
ziplinären
Begutachtung des Beschwerdeführers im
Z._
festgehalten hat.
3.
3.1
Die
Zusprache
der
Dreiviertelsrente
vom 25. März 2010 (Urk. 8/102) rückwir
kend per August 2007 erfolgte aufgrund der unfall
bedingten Handproblematik (Urk. 8/75 S. 1 Mitte
). Der
Leistungszusprache
lag im Wesentlichen das
interdis
ziplinäre Gutachten
von Dr.
med.
B._
,
C._
für Physikalisch
e Medizin und Rehabilitation
, stellvertretende Chefärztin,
med.
pract
.
Reinhold,
C._
für Innere Medizin, und Dr.
med.
D._
,
Facharzt für Innere Medizin
, Chefarzt,
E._
vom 6. November 2008 (Urk. 8/51) zugrunde.
Die Gutachter
stützten sich auf d
ie ihnen überlasse
nen Akten (S. 2
ff.
Ziff. 1.3
), die
An
gaben des Beschwerdeführers (S. 9
ff.
Ziff. 3), die von ihnen
erhobenen Befunde (S.
14
ff.
Ziff. 4
) sowie
auf
ein rheumatologi
sches (S.
17
ff.
Ziff. 5.1
), ein psychiatrisches (S.
24
ff.
Ziff. 5.2) und ein neurolo
gisches (S. 29
ff.
Ziff. 5.3
) Teilgutachten.
Die Gutachter
diagnostizierten eine
schmerzhafte Funktionseinschränkung des rechten Handgelenkes
bei
Status nach
einer intraartikulären
Radiusmehrfragmentfraktur
rechts am 21. August 2006, konservativ therapiert
und mit einem komplexen regionalen
Schmerzsyn
drom
(CRPS)
Typ II mit sympathisch unterhaltenen Schmerzen, sensiblen und moto
rischen Defiziten
sowie eine
mittelgradige depressive Episode mit somati
schen
Symptomen (IC
D-10 F
32.11)
mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 32 Ziff.
6.1).
Die Beschwerdegegnerin ging im Zeitpunkt der
Leistungszusprache
davon aus, dass der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit als Koch zu 100 % eingeschränkt sei,
ihm
eine behinderungsangepasste Tätigkeit jedoch zu 50 % zu
mutbar
sei
. Aufgrund der medizinischen Beurteilung sei dem Beschwerde
füh
rer seit dem Unfallereignis im August 2006 eine behinderungsangepasste, sehr leichte bis leichte, wechselbelastende primär linkshändige Tätigkeit, mit maxi
mal seltenen anfallenden grobmanuellen und feinmotorischen Arbeiten ohne Notwendigkeit von Unterarmrotation und ohne das Arbeiten mit/an
vib
rieren
den stossenden Geräten zumutbar. Dabei ermittelte die
Beschwerdegegne
rin
einen Invaliditätsgrad von 62 % (Urk. 8/77 S. 2).
3.2
Der Unfallversicherer übermittelte der Beschwerdegegnerin am 11. August 2014 eine Verfügung gleichen Datums
, in welcher – unter Bezugnahme auf das Urteil des hiesigen Gerichts vom 26. Juni 2013 (UV.2012.00141) – eine volle Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers für leichte, einhändig ausführbare Tätigkeiten angenommen und ein Rentenanspruch verneint wurde (Urk. 8/134).
Mit
Ein
spracheentscheid
vom 28. November 2014
wies der
Unfallversicherer
die dage
gen erhobene Einsprache ab. Dieser Entscheid
wurde der Beschwerdegegnerin am 2. Dezember 2014 zugestellt (Urk. 8/136).
Das hiesige Gericht hiess die da
gegen erhobene Beschwerde mit Urteil vom 24. März 2016 teilweise gut, in dem sie dem Beschwerdeführer
rückwirkend ab 1. Februar 2009 eine Rente entspre
chend
einer Erwerbsunfähigkeit von 11
% zusprach
(UV.2015.00015). Im
ge
nannten
Urteil ging das hiesige Gericht davon aus, dass der Beschwerdeführer, der für sämtliche leichte, einhändig ausführbare Tätig
keiten als zu 100 % arbeitsfähig
erachtet wurde
, die ihm verbliebene Arbeitskraft bei ausgeglichener
Arbeits
marktlage
wirtschaftlich verwerten
und entgegen seinen Vorbringen nicht bloss an einem geschützten Arbeitsplatz tätig sein
könn
t
e
(E. 4.4)
.
Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Beurteilung der Erwerbsunfähig
keit des Beschwerdeführers durch den Unfallversicherer nur auf den somati
schen
Beeinträchtigungen bas
iert
(UV.2012.00141 E. 4.4, 5.5
; vgl. UV.2015.00015 E. 4.1
)
;
die psychischen Beeinträchtigungen wurden aufgrund des Fehle
ns eines
adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen den psychischen Beeinträchtigung
en und der Arbeitsunfähigkeit nicht berücksichtigt (E. 5.5).
3.3
Dr.
med.
A._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diag
nostizierte in seinem Bericht vom 25. September 2015 (Urk. 8/158/1-5) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit so
matischem Syndrom (ICD-10 F33.11) sowie den Verdacht auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Ziff. 1.1).
Der Beschwerdeführer könne auf dem freien Arbeitsmarkt aktuell
,
ab
er auch längerfristig
,
gar keine Tätigkeiten mehr ausüben, er sei zu 100 % ar
beits
unfähig (Ziff. 1.6).
3.4
Vor diesem Hintergrund
ist es nachvollziehbar
und zulässig
, dass die
Beschwer
degegnerin
nach Kenntnisnahme des
Einspracheentscheids
des
Unfallversiche
rers
vom 28. November 2014 (vgl. vorstehend E. 3.2)
ein Revisionsverfahren eröffnete und dem Beschwerdeführer einen Revisionsfragebogen zustellte
.
Denn ange
sichts dieser neuen Tatsachen erscheint es als möglich, dass sich der
Inva
lidi
tätsgrad
des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 87 Abs. 1
lit
. b IVV erheblich verändert hat.
Aufgrund der vorliegenden Akten ist keine abschliessende Beurteilung des aktu
el
len Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers und
dessen
Auswirkung auf seine Arbeitsfähigkeit möglich, weshalb ein polydisziplinäres Gutachten
als notwendig erscheint.
Die Beschwerdegegnerin hat daher zu Recht
ein Revisionsverfahren eingeleitet und
an der polydisziplinären Begutachtung des Beschwerdeführers im
Z._
fest
gehalten.
Die diesbezügliche Beschwerde ist demnach abzuweisen.
4.
Da es im vorliegenden Verfahren nicht um die Bewilligung oder Verweigerung
von IV-Leistungen geht, ist das Beschwerdeverfahren
kostenlos
(
Art. 69 Abs. 1
b
is
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
,
IVG
im Umkehrschluss)
.