Decision ID: 7b8c6ce0-84b8-4723-b018-205f36551081
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Das Amt für AHV und IV des Kantons
Z._
, IV-Stelle, sprach
X._
, geboren 1971, am 30. April 1998 mit Wirkung ab 1. April 1996 verfügungsweise eine ausserordentliche
einfache
Invalidenrente (Invaliditätsgrad 100 %) zu (Urk. 16/1), welche am
6. September 2007
(Urk. 16/3)
durch die IV-Stelle
des Kantons
Z._
respektive am 14. Februar 2008
(Urk. 16/31)
durch die nun
mehr zuständige Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, bestä
tigt wurde. Am 18. September 2009 wurde der Versicherte Vater von
A._
(Urk. 16/37/1), wobei
Ersterer
und die Mutter des Kindes,
B._
, gemäss der Urkunde über die Sorgeerklärung nach § 1626 a
BGB vom 18. August 2009 (Urk. 16/
40
) die gemeinsame Ausübung der elterli
chen
Sorge erklärten. Mit Verfügung vom 19. August 2010 (Urk. 16/43) sprach die IV-Stelle
dem Versicherten
ab 1. September 2009 eine ausserordentliche Kinderrente
A._
zu. Die Auszahlung der Kinderrente erfolgte an den Versicherten, nachdem die Mutter am 25. April 2010 auf eine Direktauszahlung der Kinder
rente verzichtet und
ge
wünscht
hatte
, dass diese an den Versicherten ausbezahlt
werde
(Urk. 16/42). Am 30. Juli 2015 bestätigte die IV-Stelle den bisherigen An
spruch des Versicherten auf eine ganze Invalidenrente (Urk. 16/55).
Am 13.
September
2019
(Eingangsdatum
,
Urk.
6/62
) respektive 26. September
2019
(Urk. 16/65)
ersuchte die Mutter die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
Ausgleichskasse,
um
Direktauszahlung der Kinderrente
an sich selbst
. Mit Vorbe
scheid vom 27. November 2019 (Urk. 16/69) stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Rückforderung zu viel ausbezahlter Kinderrenten
mangels Wohnsitzes des Kindes in der Schweiz
in Aussicht, wogegen dieser am 17. Dezember 2019
und 1
1.
Februar 2020
Einwand (Urk. 16/71, Urk. 16/82) erhob. In der Folge teilte die Schweizerische Ausgleichskasse SAK dem Versicherten
am
29. Mai
2020 (Urk. 19/57) mit, dass
sie infolge Überweisung der Kinderrente ins Ausland ab nächstem Monat auch für die Zahlung der Hauptrente zuständig sein werde
. Mit Vorbescheid vom 5. Juni 2020 (Urk. 19/59) stellte die SAK dem Versicherten die Direktauszahlung der Kinderrente an die Mutter in Aussicht, wogegen der Ver
sicherte am 22. Juni 2020 Einwand (Urk. 19/60
/1-3
) erhob. Mit Verfügung vom 26. Oktober 2020 (Urk. 2
)
teilte die IV-Stelle
Zürich
dem Versicherten mit, dass
A._
ab 1. Dezember 2019 Anspruch auf eine ausserordentliche Kinder
rente (zur Rente des Versicherten, ganze Rente) habe
(S. 1)
und die Kinderrente an die Mutter ausbezahlt werde
; die Überweisung der Kinderrente und die Rücker
stattung der bezahlten Alimente erfolgten erst, wenn die Verfügung in Rechtskraft erwachsen sei
(S. 4)
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 14. November 2020 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte sinngemäss, es sei der Entscheid vom 26. Oktober 2020 aufzuheben
(S. 2)
und es sei ihm ab Dezember 2019 weiterhin die Kinderrente auszurichten. In formeller Hinsicht stellte er das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 23. Februar 2021 (Urk. 15) ver
wies die Beschwerdegegnerin auf die
auf Beschwerdeabweisung schliessende
Stellungnahme der SAK vom
2
9.
Januar 2021
(Urk.
17-
18)
.
Am 25. Mai 2021 erstatte der Beschwerdeführer Replik (Urk. 25).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1
.
1
.1
Die Beschwerdegegnerin begründete
die Direktauszahlung der Kinderrente an die Mutter
in der angefochtenen Verfügung vom 26. Oktober 2020 (Urk. 2)
damit, dass
A._
ab 1. Dezember 2019 Anspruch auf eine ausserordentliche Kinderrente zur Rente des Beschwerdefüh
rers habe (S. 1).
Dem Antrag der
Mutter
, die Kinderrente an sie
selbst
auszurichten,
sei
zu entsprechen,
da
die Voraus
setzungen für eine Direktzahlung erfüllt seien (S. 4).
Im Vorbescheid vom 5. Juni 2020 (Urk. 19/59) wurde darauf hingewiesen, dass die Eltern von
A._
nicht miteinander verheiratet seien, die nicht rentenberechtigte Mutter die elter
liche Sorge besitze und das Kind nicht beim rentenber
e
chtigten
Elternteil
wohne (S. 1).
1
.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer im Wesentlichen auf den Stand
punkt (Urk. 1), dass er im Oktober 2010 mit der Mutter eine aussergerichtliche Vereinbarung
getroffen habe, dass die Kinderrente an ihn zu überweisen sei
. Dieser Auszahlungsantrag sei von der Beschwerdegegnerin eingefordert und von beiden Elternteilen unterzeichnet worden
.
Die Mutter habe im Jahre 2019 ohne gerichtliche Befugnis
, ohne Einverständnis des Beschwerdeführers – welcher betreffend
A._
über das gemeinsame Sorgerecht verfüge – und ohne recht
lichen Unterhaltstitel bei der Beschwerdegegnerin die Direktauszahlung der Kinderrente verlangt (S. 3). Es bestehe die Gefahr, dass die Kinderrente nicht zum Wohl des Kindes verwendet werde. Die Mutter habe im Jahre 2020 Hartz IV bean
tragt, wobei ihr Lebensstandard ihre Einnahmen übersteige. Das Kind sei mehr
fach von der Mutter betreffend einen Schulwechsel in die städtische Schule be
fragt worden; dies, um bei Erhalt der beantragten Kinderrente die Kosten für die
C._
-Schule
, welche
A._
bislang besuchte,
einzusparen (S. 4).
2
.
2
.1
Männer und Frauen, denen eine Invalidenrente zusteht, haben für jedes Kind, das im Falle ihres Todes eine Waisenrente der Alters- und Hinterlassenenversicherung beanspruchen könnte, Anspruch auf eine
Kinderrente
(Art. 35 Abs. 1
IVG
). Hierbei handelt es sich um einen im Verhältnis zur Hauptrente akzessorischen Anspruch des rentenberechtigten Elternteils und nicht des Kindes (Meyer/Reich
muth, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bun
des
gesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage,
Zürich 2014, Art
. 35
Rz
1).
Während Art. 35 Abs. 1
IVG die Anspruchsberechtigung regelt, geht es in Abs. 4 dieser Bestimmung um die Frage der Auszahlungsberechtigung (Meyer/Reich
muth,
a
.
a
.
O
.
,
Art. 35
Rz
9
): Gemäss Art. 35 Abs. 4 erster Satz IVG wird die
Kinderrente
wie die Rente ausbezahlt, zu der sie gehört, mithin grundsätzlich an den rentenberechtigten Elternteil. Vorbehalten bleiben die Bestimmungen über die z
weckgemässe Verwendung (Art. 20
ATSG
) und abweichende zivilrichterliche Anordnungen (Art. 35 Abs. 4 zweiter Satz IVG). Der Bundesrat kann die Auszah
lung für Sonder
fälle in Abweichung von Art. 20
ATSG regeln, namentlich für Kinder aus getrennter oder geschiedener Ehe (Art. 35 Abs. 4 dritter Satz IVG). Gestützt auf diese Delegationsno
rm hat der Bundesrat in Art. 82 IVV
festgelegt, dass für die Auszahlung der Renten unter anderem Art. 71
ter
der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung
(
AHVV) sinngemäss gilt. Diese Be
stimmung sieht vor, dass die Kinderrente, falls die Eltern des Kindes nicht oder nicht mehr miteinander verheiratet sind oder getrennt leben, auf Antrag dem nicht rentenberechtigten Elternteil auszuzahlen ist, sofern letzterem die elterliche Sorge über das Kind zusteht und es bei ihm wohnt
.
Abweichende vormund
schaftliche oder zivilrichterliche Anordnungen bleiben vorbehalten
(Art. 71
ter
Abs. 1
AHVV). Dies gilt auch für eine allfällige Nachzahlung von
Kinderrente
n; falls der rentenberechtigte Elternteil seine Unterhaltspflicht gegenüber dem Kind erfüllt hat, steht ihm allerdings die Nachzahlung im Umfang der monatlich erbrachten Leistungen zu (Art. 71
ter
Abs. 2 AHVV).
2
.2
Aufgrund der Aktenlage steht fest
, dass der Beschwerdeführer und die Mutter von
A._
nicht verheiratet sind
und getrennt leben
, die Mutter die (geteilte) elterliche Sorge besitzt und
A._
seit Geburt bei der Mutter wohnt (Urk. 16/40, Urk. 16/39
, Urk. 16/72 S. 1, Urk. 16/82 S. 2
). Im Weiteren sind keine
vor
mund
schaftliche
n
oder zivilrichterliche
n
Anordnungen betreffend die Auszahlung der Kinderrente ak
tenkundig
und werden im Übrigen vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht
. Bei dieser Sachlage ist die Kinderrente an den nicht ren
ten
berechtigten Elternteil auszurichten, sofern dieser ein entsprechendes Gesuch
gestellt hat
. Letzteres wurde von der Mutter am 13. September 2019 (Eingangs
datum
,
Urk. 16/62
) respektive
26. September 2019 (
Urk. 16/65)
bei der Beschwer
de
gegnerin eingereicht, weshalb die Voraussetzungen für die Direktauszahlung
der Kinderrente an die Mutter
ab 1. Dezember 2019
gemäss
Art. 71
ter
Abs. 1
AHVV
erfüllt sind (vgl. E. 3.1.2; vgl. auch Bundesamt für Sozialversicherungen BSV, Wegl
ei
tung über die Renten [RWL] in der Eidgenössischen Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenversicherung, Stand 1. Januar 2021
Rz
10006 ff.).
Daran vermag der Hinweis des Beschwerdeführers, die Mutter habe den Antrag um Direktauszahlung ohne sein Einverständnis und ohne rechtlichen Unterhaltstitel gestellt (Urk. 1 S. 3)
,
nichts zu ändern.
Eine entsprechende Zustimmung oder ein entsprechender Unterhaltstitel sind keine Voraussetzungen für eine Direktaus
zahlung an den nicht rentenb
erechtigten Elternteil. Was den vom Beschwerde
führer gemachte Einwand betreffend zweckwidrige Verwendung der Kinderrente seitens der Mutter angeht (S. 4), fehlt es an entsprechenden
urkundlichen
Belegen.
Im Weiteren vermag auch der Hinweis de
s
Beschwerdeführers, in
D._
sei ein Verfahren betreffend
das alleinige
Sorgerecht über
A._
hängig (Urk. 25),
nichts zu ändern.
2.3
Nach dem Gesagten erweist sich die Verfügung vom 26. Oktober 2020 (Urk. 2) betreffend die Direktauszahlung der Kinderrente an die Mutter als recht
en
s, was zur Abweisung der Beschwerde
in diesem Punkt
führt.
3.
3.1
Strittig ist sodann
der dem Beschwerdeführer
zustehende Anteil der Nachzahlung
gemäss
Art. 71
ter
Abs. 2 AHVV
(E. 2.1) aufgrund bereits erbrachter Unterhalts
leistungen für die massgebliche Periode.
3.2
3.2.1
Die
SAK
führte
in ihrer Eingabe vom 14. November 2020 (Urk. 18) aus, dass bei der Nachzahlung der Kinderrente die monatliche
n
Unterhaltsleistung
en
des Be
schwerdeführers in der Höhe von EUR 220.-- angerechnet worden sei
en
, nicht jedoch die übrigen Leistungen (Schulgeld, Musikschule etc.). Dabei sei unter Be
rücksichtigung der einschlägigen Rechtsprechung allerdings fraglich, ob ange
sichts der fehlenden verbindlichen Regelung des Kindesunterhalts zu Recht ein Teil der Nachzahlung zugesprochen worden sei, oder ob diese vollumfänglich der Mutter hätte zugesprochen werden müssen (S. 2).
3.2.2
Der Beschwerdeführer hielt
sinngemäss
dagegen,
er zahle seit der Geburt der Tochter im Jahr 2009
freiwilligen
Unterhalt. Der Unterhalt werde auf gesetzliche Anpassung sofort angepasst und ausbezahlt, dies in gegenseitigem Einvernehmen mit der Kindsmutter. So zahle er neben dem freiwilligen Unterhalt alle Schul
gelder, alle Beiträge an die Musikschule, Förderbeiträge sowie Prämien für eine Spar- und Lebensversicherung (
Urk.
1 S. 2).
3.3
Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer in der fraglichen Zeit monatliche Unterhaltszahlungen an die Kindsmutter im Betrag von
EUR
220.-- geleistet hat (
Urk.
3/1). Sodann finden sich Zahlungsbestätigungen über Hort-, Schulgeld- und (obligatorische) Förderbeitragszahlungen von
EUR
2‘492.60 für das Jahr 2019 (
Urk.
3/2) und solche der Musikschule
E._
über
Fr.
1‘719.75 für die Periode November 2017 bis September 2020 (
Urk.
3/1
in
fine
).
3.4
Nach der
Rechtsprechung
setzt die Anwendbarkeit von
Art.
71
ter
Abs.
2 Satz 2 AHVV und damit die Beurteilung, ob der rentenberechtigte Elternteil seiner
Unter
stützungspflicht nachgekommen ist, begriffsnotwendig voraus, dass der nicht
Obhutsberechtigte
seine Unterhaltspflicht durch einen gerichtlich oder vertraglich festgesetzten Unterhaltsbeitrag leisten muss. Fehlt es an dieser verbindlich geregelten Unterhaltspflicht, kann eine behauptete Leistung von Kindesunterhalt an den
obhutsberechtigten
Elternteil nicht von der Nachzahlung der Kinderrente in Abzug gebracht werden (
BGE 145 V 154
)
.
3.5
Vorliegend besteht eine vereinbarte Leistungspflicht offensichtlich nur in Bezug auf den Unterhaltsbeitrag von
EUR
220.--.
Diesen Betrag überwies der Beschwer
deführer
regelmässig
an die Kindsmutter, weshalb davon auszugehen ist, dass eine entsprechende verbindliche, allenfalls auch mündliche
vertragliche
Verein
ba
rung besteht.
Demgemäss
hat die Beschwerdegegnerin die Ausrichtung der Nachzahlung in diesen Betrag
zutreffenderweise
an den Beschwerdeführer vorge
sehen.
Im übrigen Umfang ist dagegen keine vertragliche oder gerichtliche Verpflich
tung des Beschwerdeführers zur Unterhaltszahlung erkennbar. Das freiwillige Äufnen einer Spar- und Lebensversicherung
schliesst
schon begrifflich die Quali
fikation als Unterhalt aus. Die Kosten für die Privatschule sowie den Musik
unterricht überwies der Beschwerdeführer nicht der Kindsmutter, sondern
direkt den betroffenen Institutionen. Dass
darüber
eine verbindliche Absprache mit der Kindsmutter besteht, wurde nicht vorgebracht. Dies ergibt sich nicht zuletzt dadurch, dass die Kindsmutter offenbar bestrebt ist, das Kind in der öffentlichen Schule unterrichten zu lassen (
Urk.
1 S. 4 unten). Welche Unterrichtsform für das Kind am passendsten ist, ist nicht in diesem Verfahren zu klären. Erstellt ist jedenfalls, dass kein vertraglich oder gerichtlich festgesetzter Unterhaltsbeitrag in Höhe dieser Kosten besteht und
sie deshalb nicht als Unterhaltszahlungen im Sinne des IVV gefasst werden können. Eine Ausrichtung dieses Anteils der Nach
zahlung an den Beschwerdeführer fällt damit
ausser
Betracht. Ähnlich verhält es sich in Bezug auf die Kosten der Musikschule. Auch wenn hier keine Uneinigkeit der Eltern erkennbar ist, fehlt es aber auch diesbezüglich an einer verbindlichen Pflicht des Beschwerdeführers zur Zahlung dieser Kosten.
Anzufügen bleibt, dass es nicht in der Kompetenz der Versicherten liegt, die Art des ihnen gut schei
nenden Unterhalts zu bestimmen und hierdurch eine Nachzahlung seitens der Invalidenversicherung zu erwirken. Das Kindswohl und die angemessenen Aus
ga
ben für das Kind bilden nicht Gegenstand dieses rein sozialversicherungsrecht
lichen Verfahrens.
%1.
Da
es nicht um Streitigkeiten über IV-Leistungen geht (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
;
BGE 129 V 362
) und
die kantonalen sozialversicherungsrechtlichen Gerichtsverfahren kostenlos sind (Art. 61
lit
. a ATSG), erweist sich das Gesuch des Beschwerde
führers um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 2) als gegenstandslos.