Decision ID: 46b4fee1-9f2b-58c3-8502-a1e1fa22b5bb
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin verliess Eritrea eigenen Angaben zufolge unge-
fähr im Alter von vier Jahren und gelangte am 15. Juni 2015 zusammen mit
ihrem Lebenspartner (Verfahren E-5994/2017) in die Schweiz, wo sie glei-
chentags um Asyl nachsuchte. Am 19. Juni 2015 wurde sie nach der Zu-
weisung in den Testbetrieb des Verfahrenszentrums D._ zu ihrer
Person befragt (BzP; Protokoll in den SEM-Akten A16/8). Am 30. Juni 2015
teilte das SEM der Rechtsvertretung mit, die Asylgesuche der Beschwer-
deführerin und ihres Ehemannes würden nicht weiter im Verfahrenszent-
rum D._ behandelt. Am 4. Oktober 2016 wurde die Beschwerdefüh-
rerin ein erstes Mal und am 11. August 2017 ergänzend zu ihren Asylgrün-
den angehört (Anhörungen; Protokolle in den SEM-Akten A59/15 und
A69/22).
Zur Begründung ihres Asylgesuchs führte sie aus, sie sei eritreische
Staatsangehörige und in E._ (Eritrea) geboren. Dort habe sie bis
etwa zu ihrem vierten Lebensjahr gewohnt. Kurze Zeit nach dem Tod ihres
eritreischen Vaters – (...) oder (...) – sei sie mit ihrer äthiopischen Mutter
nach Äthiopien gezogen, wo sie bis zu ihrer Ausreise im Jahr 2013 gelebt
habe. Mit etwa acht Jahren habe ihre Mutter sie weggeben müssen. Da-
raufhin sei sie an einen Menschenschmuggler respektive Schlepper gera-
ten, was man erst später bemerkt habe. Diese Person habe sie dann an
einen Hotelbesitzer weiterverkauft, für den sie ohne Lohn ungefähr von
2000 bis 2013 gearbeitet habe. Dort sei sie von einem Mitarbeiter verge-
waltigt worden. Die Polizei habe ihr nicht geholfen, obwohl sie Anzeige ge-
gen diesen Mann erstattet habe. Danach habe sie das Hotel verlassen und
sei illegal in den Sudan geflüchtet, weil ihre Mutter ihr erzählt habe, dass
sie dort Verwandte habe. Im Sudan sei sie von ihrer Cousine väterlicher-
seits empfangen worden respektive sie habe in Khartum nach ihrer Cou-
sine gesucht. Im Sudan habe sie ohne geregelten Aufenthalt in einer Ca-
feteria gearbeitet, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Polizei habe
sie wegen ihres illegalen Aufenthalts wiederholt angehalten, geschlagen
und inhaftiert. Später habe sie ihren Ehemann kennengelernt und kirchlich
geheiratet. 2014 habe sie zusammen mit Ihrem Mann den Sudan verlassen
und sei am 15. Juni 2015 in die Schweiz eingereist.
Die Beschwerdeführerin reichte eine eritreische Identitätskarte, eine Hei-
ratsurkunde aus dem Sudan und die Kopie eines eritreischen Geburtsre-
gisterauszugs ein.
E-5935/2017
Seite 3
B.
Am (...) wurde B._ in der Schweiz geboren.
C.
C.a Am 3. April 2017 gewährte das SEM der Beschwerdeführerin das
rechtliche Gehör zur Änderung ihrer eritreischen Staatsangehörigkeit im
Zentralen Migrationsinformationssystem ZEMIS auf die äthiopische Staats-
angehörigkeit. Es gehe aufgrund der gefälschten Identitätsdokumente (erit-
reische Identitätskarte und Heiratsurkunde vom Sudan) und ihrer in der
Anhörung gemachten Aussagen, namentlich Ihrem mangelnden Hinter-
grundwissen zu Eritrea, den unsubstanziierten Angaben zur Dokumenten-
beschaffung sowie dem fehlenden Beziehungsnetz in Eritrea, davon aus,
dass sie äthiopische Staatsangehörige sei.
C.b In ihrer gemeinsam mit dem Beschwerdeführer verfassten Stellung-
nahme vom 12. April 2017 führte die Beschwerdeführerin aus, sie sei mit
der Änderung ihrer Nationalität nicht einverstanden und verweise betref-
fend die gefälschten Dokumente auf das Anhörungsprotokoll.
D.
Am 22. August 2017 gewährte das SEM der Beschwerdeführerin das recht-
liche Gehör zur Dokumentenanalyse und zur vom Zivilstandsamt
F._ veranlassten Botschaftsabklärung. Die amtsinterne Analyse der
eritreischen Identitätskarte habe ergeben, dass es sich um eine Totalfäl-
schung handle. Gemäss Bericht der Schweizer Vertretung in Khartum vom
19. Dezember 2016 handle es sich bei der sudanesischen Heiratsurkunde
um eine Fälschung, weil deren Rechtmässigkeit weder vom "Khartoum
Non-Muslims Family Affairs Court" noch von der "Ethiopian Orthodox
Church in Khartoum-Sudan" bestätigt worden sei.
Die Beschwerdeführerin reichte keine Stellungnahme sein.
E.
Mit am 21. September 2017 eröffneter Verfügung vom 20. September 2017
stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin und B._ erfüllten die
Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab und ordnete die
Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Die als gefälscht qua-
lifizierten Dokumente (eritreische Identitätskarte und Heiratsurkunde) zog
es ein.
F.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 19. Oktober 2017 erhob die Beschwerde-
E-5935/2017
Seite 4
führerin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfü-
gung. Sie beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, ihre
Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen und ihr sei Asyl zu gewähren;
eventualiter sei sie infolge Unzumutbarkeit oder Unzulässigkeit des Weg-
weisungsvollzuges vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hin-
sicht beantragte sie eine Nachfrist für das Nachreichen eines Berichts der
Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) und unter Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses die Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung. Als Beilagen reichte sie eine Kopie der angefochte-
nen Verfügung und ein Bestätigungsschreiben der FIZ vom 19. Oktober
2017 mit Vollmacht gleichen Datums ein.
G.
Mit Zwischenverfügung der vormaligen Instruktionsrichterin vom 6. Novem-
ber 2017 wurde der Entscheid über die Verfahrensanträge auf einen spä-
teren Zeitpunkt verlegt und das Verfahren mit demjenigen des Ehemannes
der Beschwerdeführerin (E-5994/2017) koordiniert. Die Vorinstanz wurde
unter Hinweis auf Art. 58 Abs. 1 VwVG eingeladen, sich zur Beschwerde
vernehmen zu lassen.
H.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 14. Novem-
ber 2017, die der Beschwerdeführerin am 16. November 2017 zur Kennt-
nis gebracht wurde, unter vollumfänglichem Verweis auf ihre Erwägungen
in der angefochtenen Verfügung die Abweisung der Beschwerde.
I.
Mit Eingabe vom 16. November 2017 ersuchte die Beschwerdeführerin da-
rum, die beiden Beschwerdeverfahren nicht zusammenzulegen, weil sie
von ihrem Ehemann getrennt sei und sich von ihm scheiden lassen wolle.
Er habe sie angegriffen und momentan ein Kontaktverbot.
J.
Mit am 15. März 2018 beim Bundesverwaltungsgericht eingelangter Ein-
gabe (datiert vom 31. Oktober 2017) reichte die Beschwerdeführerin einen
Bericht der FIZ vom 7. März 2018 zu den Akten.
K.
Am (...) wurde C._ in der Schweiz geboren.
E-5935/2017
Seite 5

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführerin und ihr älteres Kind haben am Verfahren vor der Vor-
instanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders
berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde
legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52
Abs. 1 VwVG). Das während des Beschwerdeverfahrens geborene Kind ist
praxisgemäss in das Verfahren seiner Mutter einzubeziehen.
1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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Seite 6
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung des ablehnenden Asylentschei-
des aus, die Vorbringen der Beschwerdeführerin genügten den Anforde-
rungen an die Glaubhaftigkeit nicht. Bei der eingereichten Identitätskarte
handle es sich gemäss einer amtsinternen Analyse offensichtlich um eine
Totalfälschung. Dasselbe gelte gemäss Abklärung der Schweizer Vertre-
tung in Khartum für die sudanesische Heiratsurkunde. Die Beschwerde-
führerin habe von dem ihr im Rahmen des rechtlichen Gehörs eingeräum-
ten Recht zur Stellungnahme zum Abklärungsergebnis keinen Gebrauch
gemacht.
Ihre Schilderungen zur Ausstellung der Identitätskarte seien sehr auswei-
chend und·realitätsfremd ausgefallen. So habe sie beispielsweise bei den
Bundesanhörungen erklärt, den Ausweis selbständig bei der eritreischen
Botschaft abgeholt zu haben, was angesichts der offensichtlichen Fäl-
schungsmerkmale erstaune. Überdies falle auf, dass sie unterschiedliche
Angaben zum Standort der eritreischen Botschaft in Khartum gemacht
habe. Einmal habe sie "Jiref" (phonetisch) und das andere Mal "Riyadh
District" als Standort bezeichnet. Ferner sei nicht nachvollziehbar, dass sie
den Ausweis lediglich hätten abholen können, obwohl sie vorher nie selber
bei den zuständigen Behörden gewesen sei, ihre Cousine väterlicherseits
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habe alles für sie organisiert. Überdies überraschten ihre Schilderungen
auch wegen dem eritreischen Staatsangehörigkeitsgesetz (Eritrean Natio-
nality Proclamation Nr. 21 / 1992). Demnach habe eine Person, die väter-
licher- oder mütterlicherseits eritreischer Abstammung sei, grundsätzlich
Anrecht auf die eritreische Staatsangehörigkeit. Um diese zu erlangen,
müsse jedoch konkret ein Antrag gestellt und mit entsprechenden Doku-
menten untermauert werden. Die Beschwerdeführerin habe zu keinem
Zeitpunkt geltend gemacht, sich persönlich darum bemüht zu haben, einen
solchen Antrag zu stellen.
Die Beschwerdeführerin habe bei den Bundesanhörungen mehrmals er-
wähnt, sie könne die Echtheit der Dokumente, namentlich der Identitäts-
karte und der sudanesischen Heiratsurkunde, nicht beurteilen. Gleichzeitig
habe sie erklärt, die Dokumente seien ihr bei der Schweizergrenze abge-
nommen worden, obwohl sie diese gar nicht habe einreichen wollen. Sie
habe auch geltend gemacht, diese Ausweise im Sudan lediglich benutzt zu
haben, um sich auszuweisen und Probleme zu vermeiden. Es sei nicht
nachvollziehbar, dass sie die Dokumente hätte vorenthalten wollen, wenn
sie selber nicht gewusst oder geahnt hätte, dass es sich um Fälschungen
handle. Demzufolge sei sinngemäss davon auszugehen, dass es ihr wohl
bewusst gewesen sei, dass es sich um eine gefälschte Identitätskarte
handle. Des Weiteren erstaune, dass die Beschwerdeführerin als angebli-
che eritreische Staatsangehörige nicht zumindest über rudimentäre
Tigrinya-Kenntnisse verfüge. Nicht nachvollziehbar sei auch, dass sie in
Äthiopien als Person eritreischer Herkunft in Erscheinung getreten sei und
deshalb Schwierigkeiten gehabt habe, obwohl sie nur Amharisch spreche.
Die Beschwerdeführerin sei trotz Schwierigkeiten in Äthiopien nie nach
Eritrea zurückgekehrt. Ihre Weiterreise in den Sudan zu einer Cousine vä-
terlicherseits erscheine umso unlogischer, als ihre Mutter und Halbschwes-
ter noch in Äthiopien gelebt hätten.
Unstimmig seien zudem ihre Aussagen zum Treffen der Cousine im Sudan.
Bei der ergänzenden Anhörung habe sie ausgesagt, ihre Cousine aufgrund
eines Fotos der Mutter ihrer Cousine gefunden zu haben. Bei der Anhörung
hingegen habe sie geltend gemacht, die Cousine habe sie im Sudan emp-
fangen. Zudem erscheine realitätsfremd, dass sie ihre Cousine aufgrund
eines Fotos ihrer Tante in einer Grossstadt wie Khartum hätte finden kön-
nen. Ihre Aussagen zur familiären Situation erweckten den Eindruck, dass
sie die schweizerischen Behörden über ihre wahren Verhältnisse täusche.
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Die geltend gemachte Biografie wirke überdies konstruiert, weil sie angeb-
lich über keinerlei Kontakte zu Familienangehörigen verfüge. Sie habe ihre
Mutter seit ihrem achten Lebensjahr nicht mehr gesehen oder mit ihr ge-
sprochen. Die Mutter habe ihr ohne Kontaktdetails von ihr selber lediglich
die Telefonnummer und ein Foto der Tante väterlicherseits gegeben. Un-
stimmig seien zudem die Aussagen der Beschwerdeführerin zum Verbleib
ihrer Cousine. Bei der Anhörung habe sie ausgeführt, diese sei kurze Zeit
ihrer Ankunft im Sudan an Malaria gestorben. Dies sei gewesen, als sie mit
ihrem Ehemann im Sudan zusammengelebt habe. Bei der ergänzenden
Anhörung habe sie hingegen erklärt, ihre Cousine sei nach ihrer Ausreise
verstorben. Ferner sei nicht erklärbar, weshalb sie bei der Anhörung aus-
gesagt habe, ausser der Cousine keine weiteren Verwandten zu haben,
und im Unterschied dazu bei der zweiten Anhörung ausgeführt habe, sie
habe gehört, dass sich noch Verwandte ihres Vaters in F._ befinden
würden. Hierzu sei zudem zu ergänzen, dass sie allgemein sehr wenig
über ihren Vater gewusst habe. Auch ihr damals junge Alter erkläre das
Unwissen über die Geschwister ihres Vaters nicht, zumal die Familie in ih-
rem kulturellen Kontext wichtig sei. Es erscheine deshalb realitätsfremd,
dass sie von ihrer Cousine nicht mehr Informationen zu ihren Familienver-
hältnissen erfahren habe.
Hinzu komme, dass die Beschwerdeführerin ihren Aufenthalt im Hotel in
G._ und die damit im Zusammenhang stehende Vergewaltigung
standardisiert und oberflächlich geschildert habe. Es sei nicht plausibel,
dass sie keine genauen Adressangaben zum Hotel habe machen können,
obwohl sie mit Mitarbeitern und Hotelgästen zu tun gehabt und dreizehn
Jahre dort gelebt habe. Sie habe erst auf Nachfrage hin und erklärt, dass
sich das Hotel in Addis Abeba befinde. Sie habe einerseits nicht gewusst,
ob die Strassen in G._ Namen tragen würden, andererseits aber
angeben können, dass sich ein Flüchtlingscamp für Eritreer in der Nähe
befinde. Dieses Wissen sei angesichts ihres angeblich eingeschränkten
Bewegungsradius und der angeblich fehlenden Kommunikation über den
Standort des Hotels erstaunlich. Zudem seien ihre Aussagen zur Bewe-
gungsfreiheit widersprüchlich. Bei der Anhörung habe sie ausgeführt, sie
habe das Hotel nicht verlassen dürfen. Bei der ergänzenden Anhörung
habe sie hingegen erklärt, es sei ihr erlaubt worden, das Hotel für kleine
Einkäufe zu verlassen. Des Weiteren hab sie vage Angaben zu ihrer Woh-
nadressen im Sudan gemacht. Als Ihre letzte Wohnadresse im Sudan habe
sie lediglich das Quartier genannt, obwohl sie nach einer genauen Adresse
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gefragt worden sei. Sie erwecke erneut den Eindruck, über ihre wahre Bi-
ografie zu täuschen und deshalb ungenaue Angaben zu der jeweiligen
Wohnsituation zu machen.
Die Schilderungen der Beschwerdeführerin zu den Vergewaltigungen
seien überwiegend oberflächlich und stereotyp ausgefallen. Ihre Antworten
auf Fragen nach konkreten Ereignissen seien vage geblieben. Es sei ihr
überdies nicht gelungen, den Täter ausführlich zu beschreiben. Auch bei
der Frage nach einer konkreten Situation, bei der sie von diesem beleidigt
worden sei, habe sie oberflächlich geantwortet. Als sie jedoch nach dem
Grund für die Anzeige gegen ihren Ex-Partner und Vater ihres Kindes in
der Schweiz gefragt worden sei, sei sie durchaus zu einer detaillierten
Schilderung in der Lage gewesen. Zwar sei zu berücksichtigen, dass die
angebliche Vergewaltigung zeitlich weiter zurückliege, dies ändere jedoch
angesichts der Wichtigkeit dieser Ereignisse im Hinblick auf eine Anzeige
bei der Polizei nichts daran, dass ihre Schilderungen dazu jeglicher per-
sönlichen Färbung oder Bezugnahme auf Selbsterlebtes entbehren wür-
den. Ferner erstaune im Zusammenhang mit ihrer Aussage, sie habe 2013
nach der Vergewaltigung Anzeige bei der Polizeistation in G._ er-
stattet und sei unverrichteter Dinge weggeschickt worden; dies auch des-
halb, weil sie vorher geltend gemacht habe, sich über all die Jahre vor den
Behörden versteckt gehalten zu haben.
Erstaunlich sei zudem, dass sie bei der ergänzenden Anhörung nach der
Erläuterung der Gesetzeslage zur äthiopischen Staatsbürgerschaft erklärt
habe, ihre Mutter sei nicht bei der Kebele registriert und ihr Name nicht
bekannt gewesen. Dies, obwohl sie ständig von ihrer äthiopischen Mutter
gesprochen habe. Auch das Desinteresse an äthiopischen oder eritrei-
schen Identitätspapiere trotz ihrer angeblichen Schwierigkeiten aufgrund
der Herkunft aus Eritrea sei nicht nachvollziehbar. Die Zweifel an ihrer erit-
reischen Staatsangehörigkeit würden auch deshalb erhärtet, weil gemäss
äthiopischem Recht alle Eritreer von 1952 bis 2003 als äthiopische Staats-
angehörige gegolten hätten. Wer nach 1992 die eritreische Nationalität
habe annehmen wollen, habe 1993 am Unabhängigkeitsreferendum teil-
nehmen müssen. Da die Beschwerdeführerin 1993 erst etwa (...)jährig und
damit am Referendum nicht teilnahmeberechtigt gewesen wäre, hätte sie
auch nach diesem Zeitpunkt als äthiopische Staatsangehörige gelten müs-
sen. Des Weiteren hätte selbst die Teilnahme des Vaters am Referendum
von 1993 nicht zum Verlust der äthiopischen Staatsbürgerschaft der Be-
schwerdeführerin geführt. Überdies sei der Vater noch vor der Unabhän-
gigkeit Eritreas verstorben, weshalb er zum Todeszeitpunkt Äthiopier und
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die Beschwerdeführerin Äthiopierin gewesen wären. Die Unabhängigkeit
Eritreas sei entgegen ihren Angaben nicht 2000, sondern 1993 verkündet
worden. Zudem habe sie erwähnt, ihr Vater sei vor ihrer Ausreise (...) oder
(...) verstorben und ihre Mutter äthiopische Staatsangehörige gewesen.
Sie habe deshalb Anspruch auf die äthiopische Staatsbürgschaft gehabt.
Das Argument der Beschwerdeführerin, ihre Mutter habe nicht gewagt,
eine Identitätskarte oder sonst ein Ausweispapier für sie ausstellen zu las-
sen, weil ein Kind in Äthiopien traditionellerweise nach dem Vater benannt
werde und die Behörden sie wegen ihres eritreischen Vaters nach Eritrea
hätten zurückschicken können, überzeuge nicht. Gemäss der äthiopischen
Verfassung erlange nämlich jede Person mit einem oder zwei äthiopischen
Elternteilen, welche die äthiopische Staatsangehörigkeit hätten, die äthio-
pische Staatsangehörigkeit. Das Recht auf die äthiopische Staatsbürger-
schaft werde in der Verfassung im Weiteren so geregelt; dass diese nie-
mand gegen seinen Willen verliere. Gemäss dem früher geltenden äthiopi-
schen Nationalitätengesetz von 1930 habe das aus einer gemischtnationa-
len Ehe entsprossene Kind automatisch die Nationalität des Vaters erlangt.
Dieses Gesetz sei durch die Proclamation on Ethiopian Nationality vom
23. Dezember 2003 ersetzt worden. Diese nehme die entsprechend Be-
stimmung der Verfassung auf und proklamiere, dass alle Personen mit ei-
nem oder beiden äthiopischen Elternteilen automatisch Äthiopier seien.
Ausserdem halte sie fest, dass die äthiopische Staatsangehörigkeit ver-
liere, wer eine andere Staatsangehörigkeit annehme. Dabei werde präzi-
siert, dass wer durch Geburt eine andere Nationalität erhalte, die äthiopi-
sche Staatsangehörigkeit auf Antrag und mit explizitem Verzicht auf die
fremde Nationalität behalten könne. Ein Verlust der Staatsangehörigkeit ei-
ner Person habe keine Auswirkungen auf die Nationalität von Ehegatten
und Kindern. Entsprechend kämen im eritreisch-äthiopischen Kontext un-
terschiedliche Staatsangehörigkeiten innerhalb ein und derselben Familie
durchaus vor. Aufgrund des Gesagten sei die Beschwerdeführerin mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit äthiopische Staatsangehörige.
Zwar habe sie angegeben, sich den Behörden weitestgehend entzogen zu
haben, indem sie sich versteckt habe. Dies könne ihr jedoch aufgrund di-
verser Unstimmigkeiten nicht geglaubt werden. Der Schluss, dass sie in
Äthiopien zumindest hätte registriert sein müssen, dränge sich umso mehr
auf, als sie dort insgesamt etwa 18 Jahre lang gelebt habe. Dabei sei an-
zumerken, dass in Äthiopien der Besitz eines Identitätsausweises für Per-
sonen ab 18 Jahren obligatorisch sei. Es sei somit nicht einzusehen, wes-
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halb die Beschwerdeführerin das ihr zustehende äthiopische Staatsbürger-
recht nicht hätte erhalten sollen. Aufgrund der obigen Darlegungen er-
scheine ihre Biografie in Ihrer Gesamtheit konstruiert. Ihre angeblichen
Probleme in Äthiopien könnten ihr deshalb nicht geglaubt werden.
4.2 Die Beschwerdeführerin brachte in der Beschwerde vor, sie sei auf-
grund ihrer starken Traumatisierung nicht in der Lage gewesen, präzise,
vollständige und widerspruchsfreie Angaben zu ihrer Geschichte zu ma-
chen. Sie habe auch im Interview sehr oft gesagt, dass es für sie sehr
schwierig sei, über alles zu reden. Sie habe nicht gewusst, was sie sagen
solle oder wie sie das alles erzählen könne. Traumatisierte Personen wür-
den dazu neigen, Gedanken, Gefühle und Gespräche, die sich auf trauma-
tische Ereignisse beziehen würden, zu vermeiden. Sie seien teilweise voll-
ständig unfähig, sich an wichtige Aspekte des traumatisierenden Erlebnis-
ses zu erinnern. Es sei anerkannt, dass sich Personen mit einer Posttrau-
matischen Belastungsstörung häufig nicht genau an gewisse Details erin-
nern könnten. Bei sexuellem Missbrauch sei es zum Beispiel möglich, dass
sich Opfer daran erinnern würden, mehrmals vergewaltigt worden zu sein,
ohne genaue Angaben über Ort, Räumlichkeit, Daten oder den Täter ma-
chen zu können. Diese Unfähigkeit bestätige die Glaubwürdigkeit eher als
sie zu mindern; dies sei auch vom Bundesverwaltungsgericht schon aner-
kannt worden. Auch die (vormalige) Schweizerische Asylrekurskommission
(ARK) habe festgestellt, dass Opfer sexueller und anders gearteter massi-
ver Gewalt "ein beeindruckendes Mass an Beherrschung an den Tag legen
und erstaunliche Energien freimachen" könnten, mit denen sie das
Erinnertwerden an traumatisierende Erlebnisse oder die Entstehung be-
klemmender Vermutungen in ihrer Umgebung um jeden Preis zu verhin-
dern versuchten. Jenem Selbstschutz- und Verdrängungsmechanismus
sei bei der Beurteilung von Aussagen potenzieller Traumaopfer hinrei-
chend Rechnung zu tragen.
Sie habe bisher keine Möglichkeit gehabt, eine Therapie zu machen. Bei
der ersten Anhörung habe sie aufgrund von Konzentrationsschwierigkeiten
nicht alles sagen können. Sie sei auch in der Schweiz Opfer häuslicher
Gewalt durch ihren Ehemann geworden. Sie habe sich deshalb nicht sicher
gefühlt und sei in sehr schlechter psychischer Verfassung gewesen. Seit
der Kontaktaufnahme mit der FIZ sei es besser geworden und sie sei lang-
sam in der Lage gewesen, offen über das Erlebte zu sprechen. Die Hilfs-
werkvertretung habe bei beiden Anhörungen festgehalten, dass es ihr
überhaupt nicht gut gehe und ihre wenig detaillierten Erzählungen nicht
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gegen ihre Glaubwürdigkeit sprechen würden. Zudem habe sie wegen ih-
res Mannes den ganzen Tag mit ihrem kleinen Kind im Warteraum auf ihre
erste Anhörung warten müssen. Sie und das Befragungs-Team seien
schon müde gewesen. Die Hilfswerkvertretung habe deshalb einen Ab-
bruch der Anhörung angeregt, weil es schon spät gewesen sei. Sie ersuche
darum, den ausstehenden Bericht der FIZ noch einreichen zu können, da-
mit er beim Entscheid berücksichtigt werde.
5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zum Schluss, dass die Vor-
instanz das Asylgesuch der Beschwerdeführerin mit zutreffender Begrün-
dung abgelehnt hat. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann vollum-
fänglich auf die Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen
werden. Insbesondere ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass es sich bei
der Beschwerdeführerin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
nicht um eine eritreische, sondern um eine äthiopische Staatsangehörige
handelt. Sie hat ihr Asylgesuch massgeblich auf gefälschte Beweismittel
abgestützt und damit ihre Mitwirkungspflicht grob verletzt. Es ist ihr mit ih-
ren Aussagen bei den Anhörungen nicht gelungen, ihre Identität, Herkunft
und Biografie zumindest glaubhaft zu machen. Die Entgegnungen in der
Beschwerde sind nicht geeignet, zu einer anderen Beurteilung zu gelan-
gen. Eine Durchsicht des Protokolls der ersten Anhörung ergibt keine Hin-
weise darauf, die Beschwerdeführerin könnte wegen der langen Wartezeit
Konzentrationsschwierigkeiten gehabt haben und nicht in der Lage gewe-
sen sein, die ihr gestellten Fragen zu beantworten. Zudem ist das SEM der
Anregung der Hilfswerkvertretung bei der ersten Anhörung nachgekom-
men, die Beschwerdeführerin ergänzend durch ein gleichgeschlechtliches
Team anzuhören. Zum Vorbringen, die Hilfswerkvertretung habe bei der
ergänzenden Anhörung ausgeführt, ihre wenig detaillierten Erzählungen
würden wegen ihres kulturellen Hintergrunds nicht gegen ihre Glaubwür-
digkeit sprechen, ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass die Beschwer-
deführerin bei der Frage nach dem Grund für die Anzeige gegen ihren Ehe-
mann durchaus in der Lage war, das Erlebte detailliert und mit einer per-
sönlichen Färbung zu erzählen (A69 F145–148). Demgegenüber sind ihre
Schilderungen zu den Vergewaltigungen ohne jegliche persönliche Fär-
bung und Bezugnahme auf Selbsterlebtes geblieben (A69 F134–144). Der
Bericht der FIZ enthält zwar umfassende Ausführungen zur Lebens-
geschichte der Beschwerdeführerin vor dem Hintergrund der Situation in
Äthiopien und dem Sudan. Sie stützen sich aber in individueller Hinsicht
ausschliesslich auf ihre Erzählungen bei der FIZ ab und sind damit nicht
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geeignet, ihre gesuchsbegründenden Aussagen objektiv glaubhafter er-
scheinen zu lassen. Auf die Ausführungen, die Beschwerdeführerin habe
sich aufgrund häuslicher Gewalt von ihrem Mann trennen müssen, die
Chancen für eine Reintegration und ein menschenwürdiges Leben in Äthi-
opien seien für eine alleinstehende, mittellose Mutter ohne familiäres Netz
sehr gering, und sie befinde sich nach wie vor nicht in regelmässiger the-
rapeutischer Behandlung, wird bei der Prüfung der Durchführbarkeit des
Wegweisungsvollzugs eingegangen.
5.2 Zusammenfassend gelingt es der Beschwerdeführerin nicht, die
Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu ma-
chen. Die Vorinstanz hat ihr Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2
7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
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7.2.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.2.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Be-
schwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin und ihrer
Kinder nach Äthiopien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG
rechtmässig.
7.2.4 Weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Ak-
ten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaf-
fung nach Äthiopien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.). Dies gelingt ihr nicht. Auch die allgemeine Menschenrechtssitua-
tion im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt
nicht als unzulässig erscheinen.
7.2.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
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7.3
7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Praxis von der
grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in alle Regionen
Äthiopiens aus (vgl. Referenzurteil D-6630/2018 vom 6. Mai 2019 E. 12.2.,
in Bestätigung von BVGE 2011/25 E. 8.3).
7.3.3 In individueller Hinsicht ist zunächst festzuhalten, dass die Untersu-
chungspflicht ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden
Person (Art. 8 AsylG) findet, die auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7
AsylG). In der angefochtenen Verfügung wurde zu Recht ausgeführt, die
Beschwerdeführerin habe unglaubhafte Angaben zu ihrer Herkunft und ih-
ren Ausreisegründen aus Äthiopien gemacht und es sei dem SEM deshalb
nicht möglich, sich in voller Kenntnis ihrer tatsächlichen persönlichen und
familiären Situation zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges zu äus-
sern. Gemäss ständiger Rechtsprechung ist es nicht Aufgabe der Asyl-
behörden, bei fehlenden Hinweisen nach allfälligen Wegeweisungshinder-
nissen zu forschen, wenn die asylsuchende Person – wie vorliegend – ihrer
Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht nicht nachkommt und die Behörden zu
täuschen versucht. Es ist deshalb vermutungsweise davon auszugehen,
dass einer Wegweisung keine Vollzugshindernisse im gesetzlichen Sinne
in Bezug auf die Person der Beschwerdeführerin entgegenstehen
(vgl. BVGE 2015/10 E.8.2).
7.3.4 Aus den Akten ergibt sich, dass der Ehemann nach der Anzeigeer-
stattung durch die Beschwerdeführerin wegen häuslicher Gewalt mit einem
Rayonverbot belegt und per (...) 2017 temporär in einer anderen Unter-
kunft platziert wurde. Das "Time-Out" dauerte bis am (...) 2017. Die Be-
schwerdeführerin und ihr Ehemann beabsichtigten zu diesem Zeitpunkt,
das Zusammenleben nach Ablauf des "Time-Outs" wiederaufzunehmen.
Gemäss den in ZEMIS ersichtlichen Daten verzeichnen die Beschwerde-
führerin und ihr Partner bereits seit längerer Zeit wieder den gleichen
Wohnsitz, und die Familie wohnt an der gleichen Adresse. Bei der Be-
schwerdeführerin handelt es sich somit nicht um eine alleinstehende Mut-
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ter mit zwei Kleinkindern, zumal sie zusammen mit ihrem Ehemann, des-
sen Beschwerde (E-5994/2017) mit Urteil heutigen Datums abgewiesen
wird, nach Äthiopien zurückkehren kann.
7.3.5 Soweit im Bericht der FIZ ausgeführt wird, die Beschwerdeführerin
befinde sich nach wie vor nicht in regelmässiger therapeutischer Behand-
lung, ergeben sich aus den Akten keine Hinweise darauf, dass sie eine
solche inzwischen aufgenommen hat. Es darf davon ausgegangen wer-
den, dass sie das Gericht über die Inanspruchnahme einer Therapie infor-
miert hätte.
7.3.6 Auch mit Blick auf das Kindeswohl der in der Schweiz geborenen
Kinder B._ und C._ sind unter Berücksichtigung der kon-
stanten Rechtsprechung keine Gründe ersichtlich, die gegen einen Vollzug
der Wegweisung sprechen würden (vgl. die vom Bundesverwaltungsge-
richt übernommene Praxis der ARK gemäss Entscheidungen und Mittei-
lungen der ARK [EMARK] 2005 Nr. 6 E. 6 und 2006 Nr. 24 E. 6.2.3.; BVGE
2009/28 E. 9.3.2, 2009/51 E. 5.6). Bei B._ und C._ handelt
es sich um Kleinkinder, die in Begleitung ihrer Eltern nach Äthiopien reisen
werden.
7.3.7 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
7.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu
beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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9.
Mit vorliegendem Urteil wird das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses gegenstandslos.
10.
Der Antrag auf Erlass der Verfahrenskosten im Sinne von Art. 65 Abs. 1
VwVG ist gutzuheissen, zumal sich die gestellten Rechtsbegehren nicht
als aussichtslos erwiesen haben und sich die prozessuale Bedürftigkeit der
Beschwerdeführerin aus den Akten ergibt. Es sind folglich keine Verfah-
renskosten zu erheben.
(Dispositiv nächste Seite)
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