Decision ID: 6d1a4f4e-f367-4b4d-88d0-f01d4368bad6
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1983, war von August 2004 bis zum 5. Februar 2007 als Verkäuferin bei der Y._ angestellt (Urk. 10/18/2 Ziff. 2.1 und 2.7). Unter Hinweis auf Depressionen meldete sie sich am 6. Dezember 2007 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/3 Ziff. 6.2). Mit Verfügungen vom 17. Oktober 2008 (Urk. 10/37-38, Urk. 10/36) sprach ihr die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, ab dem 1. September 2007 eine Viertelsrente und ab dem 1. Dezember 2007 befristet bis 31. Mai 2008 eine halbe Rente zu. Ab dem 1. Juni 2008 ver
neinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch.
1.2
Die Versicherte fand per 1. Juli 2011 eine Anstellung als Servicemitarbeiterin in der
Z._
(Urk. 10/49/1-2 Ziff. 1, 2.1 und 2.7). Das Arbeitsverhältnis wurde per 31. Mai 2012 wieder aufgelöst (Urk. 10/49/1 Ziff. 2.1). Im Juli 2012 meldete sich die Versicherte erneut bei der Invalidenver
sicherung an (Urk. 10/43). Die IV-Stelle
holte in der Folge ein psychiatrisches Gutachten ein, das am 18. Mai 2013 erstattet wurde (Urk. 10/66).
Am 3. Juni 2016 erliess die IV-Stelle den Vorbescheid (Urk. 10/112). Die Versi
cherte brachte dagegen am 8. Juni
2016 und am 11. Juli 2016 Einwände vor (Urk. 10/113, Urk. 10/118). Mit Verfügung vom 9. September 2016 (Urk. 10/129 = Urk. 2) sprach die IV-Stelle ihr ab dem 1. Juni 2013 eine Viertelsrente zu.
2.
Die Versicherte erhob am 28. September 2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom 9. September 2016 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verpflichten, ihr eine höhere Invalidenrente auszurichten. Even
tu
ell seien weitere Abklärungen durchzuführen und es sei die Sache hierfür und zur Neubeurteilung an die IV-Stelle zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1-2 oben). Verfahrensrechtlich beantragte die Versicherte die Gewährung der unent
gelt
lichen Prozessführung und Rechtsvertretung (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1-2 unten).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2. November 2016 eine teil
weise Gutheissung der Beschwerde im Sinne einer Rückweisung zur weiteren Abklärung und anschliessenden Beurteilung des Rentenanspruchs (Urk. 9 S. 2 Ziff. 4).
Mit Verfügung vom 5. April 2017 wurde die Swisscanto Sammelstiftung zum Pro
zess beigeladen und der Beschwerdeführerin eine Kopie der Beschwerdeant
wort zugestellt (Urk. 11 Dispositiv Ziff. 1 und 3). Die Swisscanto Sammelstif
tung teilte dem Gericht am 13. April
2017 mit, dass sie nicht die zuständige Vor
sorge
einrichtung sei (Urk. 13).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 die
ser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analo
ger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1
des Bundesge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
vorzu
gehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu be
schliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.2
Ändert sich der In
va
li
ditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Renten
bezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft ent
sprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
säch
lichen Ver
hältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Än
derung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revi
dier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustan
des erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Ver
änderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei
gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundes
gerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai
2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkun
gen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heits
zustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechts
kräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spra
che
entscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Renten
anspruchs mit rechts
konformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesge
richts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hin
weisen).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
che
rung (
IVG
)
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglie
de
rungs
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Ar
beits
marktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid gewor
den wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung fest, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit Juni 2012 verschlechtert habe und ihr die bisherige Tätigkeit als Verkäuferin nicht mehr zumutbar sei. Eine den Beschwerden angepasste Tätigkeit sei ihr hingegen weiterhin zu 50 % möglich. Daraus resultiere ein Invaliditätsgrad von 47 %, womit Anspruch auf eine Viertelsrente bestehe (Urk. 2/1 S. 3).
Mit Beschwerdeantwort vom 2. November 2016 (Urk. 9) kam die IV-Stelle zum Schluss, es sei nicht klar, in welcher Art und in welchem Umfang die Versi
cherte arbeitsfähig sei, weshalb weitere Abklärungen nötig seien.
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen vor, es sei ihr auch in einer angepass
ten Tätigkeit nicht annähernd möglich, ein Invalideneinkommen von Fr. 27‘165.50 zu erzielen (Urk. 1 S. 7 Ziff. 5 oben).
Der Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin habe sich ohne Grund über die frühe
ren Feststellungen der behandelnden Ärzte, des Gutachters Dr. med. A._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie selbst ihres Re
gionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) hinweggesetzt, wonach eine Arbeitsfähig
keit lediglich noch in einem geschützten Rahmen denkbar sei (Urk. 1 S. 8 un
ten).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine höhere Rente als die ihr im angefochtenen Entscheid zugesprochene Viertelsrente hat.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin war nach einem Suizidversuch vom 20. Oktober bis 18. November 2005 in der B._ hospitalisiert (Urk. 10/23/12, vgl. den Bericht vom 1. Dezember 2005, Urk. 10/23/12-14).
3.2
Dr. med.
C._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiat
rie und -psychotherapie, nannte in einem Bericht vom 9. April 2008 (Urk. 10/23/1-7) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine traumabedingte Depression, die seit Oktober 2005 bestehe mit rezidivierenden Episoden, ausgelöst durch
Druck und Mobbing an der Arbeitsstelle, sowie eine Reaktion auf eine schwere Belastung (Ziff. 2.1). Die Psychiaterin attestierte der Beschwerde
führerin für die angestammte Tätigkeit als Verkäuferin seit dem 19. Oktob
er 2005 eine zwischen 20 % und 100 % schwankende Arbeitsunfähig
keit. Seit dem 1. August 2007 bestand bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % (Ziff. 3).
3.3
Dr. med. D._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, RAD, gab in einer Stellungnahme vom 3. Juni 2008 (Urk. 10/25 S. 4) an, den Arztberichten sei zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin seit dem 10. Altersjahr an depressiven Episoden leide. Im Jahr 2005 habe sie einen schweren Suizidversuch unter
nommen und habe auch eine anorektische Phase durchgemacht. Zurzeit bestehe eine depressive Episode mittleren Grades. Seit dem Suizidversuch habe sich die Beschwerdeführerin zuerst unter tagesklinischer Behandlung und mittels Ein
zeltherapie stabilisiert. Sie sei zu 50 % arbeitsfähig. Mit einer Besserung könne mittel- bis längerfristig gerechnet werden. Eine Neuevaluation sei für Ende 2008/Anfang 2009 sinnvoll.
3.4
Mit Verfügungen vom 17. Oktober 2008 (Urk. 10/37-38) sprach die Beschwerde
geg
nerin der Beschwerdeführerin daraufhin ab dem 1. September 2007 eine Viertelsrente und vom 1. Dezember 2007 befristet bis 31. Mai 2008 eine halbe Rente zu.
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin war seit dem 26. März 2012 bei Dr. med. E._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, in ambulanter psychi
atrischer Behandlung. Vom 28. Juni bis 16. August 2012 war sie im F._ in stationärer Behandlung (Urk. 10/50/3 Ziff. 2).
Dr.
E._
nannte im Bericht vom 4. September 2012 (Urk. 10/50/3-5) als Diag
nosen eine wahnhafte Depression seit 2005 sowie einen Intelligenzquoti
enten (IQ) von 73 im untersten Normbereich (S. 1 Ziff. 1). Sie führte aus, das jetzige Bild sei durch eine andauernde depressive Stimmungslage, Ängstlichkeit, chronische Schlafstörungen, einen Verlust an Interessen und Freude, Energie
mangel sowie andauernde Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen ge
prägt. Darüber hinaus bestehe ein Verlust des Selbstvertrauens und des Selbst
wertgefühls (S. 2 Ziff. 2). Aufgrund
des Zustandsbildes mit depressiver Stim
mungslage, schweren
Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen und einem Antriebsmangel gehe sie davon aus, dass bereits eine Chronifizierung der psychischen Ver
fassung stattgefunden habe. Die Beschwerdeführerin benötige vorläufig und bis auf Weiteres eine konstante psychotherapeutische Behandlung, damit eine drohende Dekompensation mit schwerwiegenden Fol
gen verhindert werden könne (S. 2 Ziff. 3).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit scheine eine behinderungsangepasste Tätigkeit in einem IV-Programm zu 50 % möglich zu sein. Die Tätigkeit solle nicht zu monoton und dennoch überschaubar sein, so dass die Gefahr einer Überforde
rung gering gehalten werden könne. Die Patientin befinde sich zurzeit in einer Tagesklinik in Behandlung und sei demzufolge zu 100 % arbeitsunfähig. Nach Absolvierung einer Wiedereingliederungsmassnahme werde man sehen, ob eine Wiederaufnahme der Arbeit zu 50 % möglich sei (S. 3 Ziff. 4).
4.2
Dr. med. G._, Assistenzärztin, und med. pract. H._, Oberärztin, F._, nannten im Bericht vom 11. Oktober 2012 (Urk. 10/52) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depres
sive Störung bei mittelgradiger Episode ohne somatisches Syndrom und einen IQ im untersten Normbereich (Ziff. 1.1).
Dr.
G._
und med. pract.
H._
führten in Bezug auf den stationären Aufenthalt im
F._
aus, die Beschwerdeführerin sei aufgrund geringer Intelli
genz in Bezug auf Aufmerksamkeit, Konzentrationsvermögen, Lernmög
lich
keiten, Abstraktionsvermögen, Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit im Ver
gleich zur Norm deutlich benachteiligt. Bezüglich der nicht angepassten Ar
beits
stelle sei sie permanent überfordert, was das Risiko für eine psychische Er
kran
kung erhöhe. Aufgrund
der psychischen Problematik sei davon auszugehen, dass eventuell auch dauerhaft eine reduzierte Leistungsfähigkeit bestehen werde. Zum Zeit
punkt des Austrittes aus der Klinik sei die Arbeitsfähigkeit noch nicht wieder
hergestellt gewesen (Ziff. 1.7).
4.3
Dr.
E._
führte in einem weiteren Bericht vom 28. Januar 2013 (Urk. 10/57/6-8) aus, seit dem Bericht vom 4. September 2012 habe sich der Zustand der Beschwerdeführerin stark verschlechtert. Das jetzige Bild sei durch eine an
dauernde depressive Stimmungslage, Ängstlichkeit, chronische Schlaf
störungen, einen Verlust an Interessen und Freude, Energiemangel, eine fast permanente Müdig
keit wie auch andauernde Konzentrations- und Aufmerksam
keits
störun
gen geprägt. Trotz ambulanter Behandlung habe sich der Zustand der Beschwerde
führerin verschlechtert. Es sei eine erneute Hospitalisation geplant (S. 2 Ziff. 2 Mitte).
Die Psychiaterin attestierte für die Zeit vom 1. Augus 2007 bis 28. Juni 2012 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % und seit dem 28. Juni 2012 bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (S. 3 Ziff. 4).
4.4
4.4.1
Dr. med. A._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 18. Mai 2013 im Auftrag der Beschwerdegegnerin ein psychiatri
sches Gutachten (Urk. 10/66). Die Untersuchung fand am 3. Mai 2013 statt (S. 1).
Der Gutachter führte zur Krankengeschichte aus, die Mutter der Beschwerde
führe
rin habe sich wegen wiederholter Depressionen mehrfach in stationärer Behandlung befunden (S. 1 Ziff. 1). Die Familienverhältnisse seien schwer be
las
tet gewesen, was die Explorandin in ihrer Schilderung beschönigt habe. Sie habe von einem „grossen Durcheinander“ gesprochen. Einerseits habe eine Belastung durch die wiederholten depressiven Erkrankungen der Mutter mit Hospitalisationen und Fremdplatzierung der Kinder bestanden. Andererseits habe sie unter dem tyrannischen Verhalten des Vaters den Kindern sowie seiner Gattin gegenüber gelitten. 1998 sei es zur Trennung und Scheidung der Eltern gekommen. Offenbar sei die schwierige Beziehung zu ihrem Bruder ausschlag
gebend für einen ernsthaften Suizidversuch der Explorandin gewesen (S. 2 Ziff. 1.2).
Von Geburt an bestehe eine Minderintelligenz mit einem IQ von 73 (unterster Normbereich). Dies stelle für die Explorandin eine Beeinträchtigung im Erwerbs- und auch im Privatleben dar. So bestehe weiterhin die Gefahr, dass sie - wie
schon in der Vergangenheit - ausgenützt werde. Schon als Kind sei es zu einer depressiven Entwicklung gekommen bei einem hohen familiären Risiko für De
pressionen und bei körperlicher Misshandlung sowie emotionaler und sexueller Ausbeutung in der Herkunftsfamilie. Seit dem 10. Lebensjahr komme es zu wie
derkehrenden depressiven
Verstimmungen. Im Oktober 2005 sei es zur ersten psychiatrischen Hospitalisation nach einem ersthaften und längerfristig ge
plan
ten Suizidversuch mit Tablettenintoxikation gekommen. Die Explorandin schil
de
re, sie habe damals böse Stimmen gehört, die ihr befohlen hätten, sich umzubringen (S. 3 Ziff. 2 Mitte).
4.4.2
Es bestünden leicht ausgeprägte Konzentrationsstörungen. Die Beschwerde
führe
rin sei im Denken etwas umständlich und einfach strukturiert und verstehe komplexere Fragen nicht auf Anhieb. Weiter bestehe eine deutli
che Tendenz, es dem Untersucher recht zu machen und die Verhältnisse und Erlebnisse im Eltern
haus zu beschönigen und zu verharmlosen, insbesondere, was die Bezie
hung zum Bruder betreffe (S. 4 Ziff. 4).
Der Gutachter stellte folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit (S. 5 Ziff. 5):
-
rezidivierende schwere depressive Episoden mit psychotischen Sympto
men (ICD-10:F33.2)
-
leichte Intelligenzminderung (ICD-10:F70.0) beziehungsweise IQ im untersten Normbe
reich
-
körperliche Misshandlung als Kind (Z61.6) und sexuelle Ausbeutung als Kind durch Personen innerhalb der Kernfamilie (F61.4)
-
damit verbunden Status nach posttraumatischer Belastungsstörung
Die Einschränkung der Arbeits- und Ausbildungsfähigkeit liege in erster Linie in der schweren depressiven Erkrankung begründet und werde durch eine Intel
li
genzminderung noch verschärft. Für ein konventionelles Arbeitsverhältnis be
stehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. In einem geschützten Rahmen sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen, die sich allenfalls bei weiterer Verbesserung der depressiven Symptomatik erhöhen könne. Auch für einen ge
schützten Rahmen sei nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin je eine volle Arbeitsfähigkeit erlangen werde (S. 5 Ziff. 6). Zu empfehlen sei eine Umschulung der IV zur Befähigung einer regelmässigen Tätigkeit in einem ge
schützten Rahmen. Dabei müsse jedoch die stark eingeschränkte kognitiv-psy
chische Belastungsfähigkeit der Beschwerdeführerin infolge der depressiven Er
krankung und der Minderintelligenz berücksichtigt werden (S. 5 Ziff. 7).
Eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bestehe seit Mitte 2007. Diese sei durch die leichte Intelligenzminderung und die depressive Grunderkrankung gegeben. Seit der zweiten psychiatrischen Hospitalisation im Juni 2012 bestehe für ein kon
ventionelles Arbeitsverhältnis eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (S. 5 Ziff. 8.1).
In der bisherigen Tätigkeit im Verkauf bestehe bereits seit 2007 eine Arbeits
un
fä
higkeit von 50 %. Die Hilfstätigkeit in einer Bäckerei in den Jahren 2010 bis 2011 sei nur solange möglich gewesen, als diese von den verständnis
vollen Eltern des Freundes der Beschwerdeführerin geführt worden sei, die auf deren Einschränkung Rücksicht genommen hätten und sich nicht an ihrem langsamen Arbeitstempo gestört hätten. Mit und seit der zweiten stationären Behandlung müsse von einer deutlichen Aggravation der depressiven Erkran
kung ausge
gangen werden. Entsprechend habe sich seither auch die Arbeitsfä
higkeit bis zu einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % für ein konventionelles Ar
beitsverhältnis entwickelt (S. 5 f. Ziff. 8.2).
Die behandelnde Psychiaterin Dr. E._ habe die schwere Erkrankung der Be
schwerdeführerin sehr gut erfasst. Ihre Arztberichte seien schlüssig. Sie wür
den einen ausgezeichneten Einblick in das Krankheitsbild, aber auch die Res
sour
cen der Explorandin geben.
4.5
Dr. med. I._, Facharzt für Anästhesiologie, RAD, führte in einer Stellung
nahme vom 15. Juni 2013 (Urk. 10/110 S. 6) aus, gemäss dem psychiatrischen Gutachten von Dr. A._ vom 18. Mai 2013 leide die Beschwerdeführerin an rezidivierenden schweren depressiven Episoden mit psychotischen Sympto
men. Zudem bestehe eine leichte Intelligenzminderung beziehungsweise ein IQ im untersten Normbereich. Im Gutachten würden sodann eine körperliche Miss
handlung und sexuelle Ausbeutung als Kind durch Personen innerhalb der Kernfamilie erwähnt. Damit verbunden sei ein Status nach posttraumatischer Be
las
tungsstörung.
Gemäss Dr. A._ bestehe in einem konventionellen Arbeitsverhältnis eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. In einem geschützten Rahmen sei von einer Ar
beitsfähigkeit von 50 % auszugehen. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergebe sich in erster Linie durch die schwere depressive Erkrankung und werde durch eine Intelligenzminderung noch verstärkt. Seit Mitte 2007 betrage die Ar
beitsunfähigkeit 50 %, seit Juni 2012 bestehe eine solche von 100 %.
Das Gutachten sei umfassend, beruhe auf allseitigen Untersuchungen und berück
sichtige die geklagten Beschwerden und die Vorakten. Die Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge leuchte ein und die medizinischen Schlussfolgerungen seien begründet. Demzufolge habe in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit seit Mitte 2007 medizinisch-theoretisch eine Ar
beitsfähigkeit von 50 % bestanden. Seit Juni 2012 betrage die Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft 0 %. In einem geschützten Rahmen bestehe eine Ar
beitsfähigkeit von 50 %.
4.6
Die Beschwerdeführerin ist seit August 2015 bei Dr. med. J._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in ambulanter psychiatrischer Behandlung (Urk. 10/97/1 Ziff. 1.2).
Dr. J._ stellte im Bericht vom 26. Dezember 2015 (Urk. 10/97) folgende Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10:F43.1) aufgrund von (sexuali
sierter) Gewalt im Elternhaus
-
rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode (ICD-10:F33.2) mit regel
mässig wiederkehrender Suizidalität
-
Verdacht auf atypische Anorexie, scheinbar keine Körperschemastörung, aber aktueller BMI bei 18.5
-
Verdacht auf kombinierte Persönlichkeitsstörung mit anankastischen, ängstlich vermeidenden und dependenten Anteilen (ICD-10:F61)
-
unterdurchschnittliche Intelligenz
Dr. J._ führte zur Anamnese aus, die Patientin habe angedeutet, dass es durch den Bruder auch zu sexueller Gewalt gekommen sei. In der Vergangenheit seien längerfristige Arbeitseinsätze misslungen. Diese seien regelmässig an zwi
schenmenschlichen Konflikten und subjektiv wahrgenommenem Mobbing ge
scheitert. Die Beschwerdeführerin lebe aktuell von der Sozialhilfe (S. 2 Ziff. 1.4 oben). Das Beschwerdebild sei als chronifiziert zu betrachten. Die zugrunde lie
gende Traumaanamnese verhindere eine langfristige Stabilisierung der Patien
tin. Unter idealen Bedingungen (glückhafte zwischenmenschliche Situation) könne ein langsamer Aufbau der Arbeits- und Leistungsfähigkeit erfolgen. Hin
sichtlich der Integrationsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt bestünden aufgrund der Erfahrungen in den ersten Therapiewochen Zweifel (S. 2 Ziff. 1.4 Mitte).
In einem sehr wertschätzenden zwischenmenschlichen Rahmen unter sorgfälti
ger Beachtung des psychischen Zustandes der Patientin sollte eine behinde
rungsangepasste Tätigkeit mit einem Pensum von 50 % möglich sein (S. 3 Ziff. 1.8).
4.7
Dr.
I._
führte in einer weiteren Stellungnahme vom 19. Januar 2016 (Urk. 10/110 S. 9) aus, im Bericht von Dr.
J._
vom 29. Dezember 2015 werde die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung gestellt, die allerdings im Psychostatus keinen plausiblen Niederschlag finde. Gutachterlich habe Dr.
K._
einen Zustand
nach posttraumatischer Belastungsstörung festgestellt.
Eine Persönlichkeitsstörung sei nur verdachtsweise angeführt worden, womit sie nicht IV-relevant sein könne. Ein IQ von 73 liege formal noch über dem IV-re
le
vanten Wert von 70. Aus der Diagnose einer mittelgradigen depressiven Epi
sode im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung lasse sich aus versi
che
rungs
medizinischer Sicht aktuell lediglich eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % ableiten, womit der Gesundheitszustand
die Aufnahme einer Tätigkeit in diesem Ausmass ermöglichen sollte. Die Beschwerdeführerin habe schon bei L._ und in einem Café mit einem solchen und teilweise einem höheren Pensum gearbei
tet.
Ob eine Leistungserbringung nur in einem geschützten Rahmen möglich sei, sei letztlich keine medizinische Frage.
4.8
Med. pract. M._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Ärztlicher Leiter, N._, führte in
einem Schreiben vom 4. März
2016 (Urk. 10/103) aus, die Patientin sei seit dem 18. Juni 2012 in der Tagesklinik in Behandlung. Das psychische Leiden der hoch
sen
siblen und traumatisierten Patientin sei schwerwiegend und bedürfe durch
gehend einer stützenden Hilfestellung. Aus fachärztlich-psychiatrischer Sicht sei sie seit dem 18. Juni
2012 bis heute in allen Berufsbereichen des ersten Arbeitsmarktes zu 100 % arbeitsunfähig. In einem geschützten Arbeitsbereich ohne jegliche Leistungsanforderungen sei sie zu einem Pensum von maximal 30 % in der Lage, wie zum Beispiel in der Ergotherapie der Tagesklinik zur Ar
beits
rehabilitation.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin meldete sich im Juli 2012 wegen einer Verschlechte
rung ihres Gesundheitszustandes erneut bei der Invalidenversicherung an (Urk. 10/43).
Dr. A._ nannte im Gutachten vom 18. Mai 2013 als Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende schwere depressive Epi
sode mit psychotischen Symptomen und eine leichte Intelligenzminderung. Der Gutachter verwies in der Diagnoseliste zudem auf eine körperliche Miss
hand
lung und sexuelle Ausbeutung als Kind durch Personen innerhalb der Kern
familie und diagnostizierte damit zusammenhängend einen Status nach post
traumatischer Belastungsstörung. Dr. A._ kam zum Ergebnis, dass seit der zweiten Hospitalisation der Beschwerdeführerin im Juni 2012 in einem kon
ventionellen Arbeitsverhältnis keine Arbeitsfähigkeit mehr bestehe. Einzig in einem geschützten Rahmen bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (E. 4.4.2 hiervor).
5.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
5.3
Der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes ist ein theoretischer und abstrak
ter Begriff, welcher dazu dient, den Leistungsbereich der Invalidenversicherung von jenem der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Er umschliesst einerseits ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struk
tur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar so
wohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Vorausset
zungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichts
punkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten, und ob sie ein rentenausschlies
sendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE 110 V 273 E. 4b; ZAK 1991 S.
321 E. 3b und 1985 S. 462 E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 343 E. 3.2). An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind praxis
gemäss nicht übermässige Anforderungen zu stellen; diese hat vielmehr nur so weit zu gehen, als im Einzelfall eine zuverlässige Ermittlung des Invali
ditätsgrades gewährleistet ist. Für die Invaliditätsbemessung ist nicht darauf ab
zustellen, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnis
sen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nützen könnte, wenn die verfügbaren Arbeits
plätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI 1998 S. 290 f. E. 3b; Urteile des Bundesgerichts I 273/04 vom 29. März 2005, I 591/02 vom 5. Mai 2004, I 285/99 vom 1
3.
März
2000 und U 176/98 vom 1
7.
April 2000). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen vonseiten des Arbeitgebers rechnen können (Urteile des Bun
desgerichts 9C_95/2007 vom 2
9.
August
2007 E. 4.3 und 9C_98/2014 vom 2
2.
April
2014 E. 3.1, je mit Hinweisen).
5.4
Das Gutachten von Dr. A._ vom 18. Mai 2013 erfüllt die Anforderungen der Rechtsprechung an den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens. Darin werden die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin dar
gelegt. Weiter beruht es auf der notwendigen Untersuchung und berücksichtigt die geklagten Beschwerden in angemessener Weise. Es vermag sodann auch in der Beurteilung der medizinischen Situation und in den Schlussfolgerungen zu
überzeugen. Die Angaben von Dr.
A._
zur Arbeitsunfähigkeit der Be
schwer
de
führerin sind dahingehend zu verstehen, dass auf dem ersten Arbeits
markt beziehungsweise wie vom Gutachter formuliert in einem konventionellen Arbeitsverhältnis keine verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr besteht. Einzig in einem geschützten Rahmen besteht eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit von 50 %.
Gegen das psychiatrische Gutachten lässt sich auch nicht anfügen, dass es zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung bereits mehr als drei Jahre alt war. Die Dauer des vorinstanzlichen Verfahrens ist im Wesentlichen darauf zurückzu
führen, dass das Verfahren nach einer internen Anfrage bis zur Stellungnahme des Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin vom 22./23. Juli 2015 (Urk. 10/98 S. 2) während mehr als zwei Jahren nicht weiter bearbeitet wurde, obschon das Gutachten von Dr. A._ vorlag und über den Rentenanspruch der Be
schwerdeführerin hätte entschieden werden können. Das psychiatrische Gut
ach
ten von Dr. A._ erweist sich daher als beweistauglich und es kann da
rauf abgestellt werden.
Dr. I._ schloss sich in der Stellungnahme vom 15. Juni 2013 zunächst der
Ein
schätzung von Dr.
A._
an und attestierte für jegliche Tätigkeiten in der freien Wirtschaft eine Arbeitsfähigkeit von 0 % (E. 4.5). In der Stellung
nahme vom 19. Januar
2016 sprach er sich dann aber dafür aus, dass der Be
schwer
de
führerin die früher ausgeübte Tätigkeit als Verkäuferin oder Ser
vice
mitarbeiterin zu 50 % möglich sei (E. 4.7). Er beantwortete in der Stellung
nah
me jedoch nicht, weshalb aktuell wieder von einer höheren Arbeitsfähigkeit aus
zu
gehen wäre als
zum Zeitpunkt der psychiatrischen Begutachtung. Dafür, dass sich der Gesund
heits
zustand der Beschwerdeführerin seither verbessert ha
ben könnte, bestehen keine ausreichenden Anhaltspunkte. Den sich widerspre
chenden Einschätzungen von Dr. I._ in den Stellungnahmen vom 15. Juni 2013 und vom 19. Januar 2016 kann daher nicht gefolgt werden.
Dr. J._ stellte im Bericht vom 26. Dezember 2015 nebst weiteren Diagnosen jene einer rezidivierenden depressiven Episode bei aktuell mittelgradiger Epi
sode. Der Bericht von Dr. J._ lässt jedoch gerade nicht auf eine gesundheitli
che Verbesserung seit der Begutachtung durch Dr. A._ schliessen. So attestierte auch er für die Tätigkeit als Verkäuferin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Gemäss Dr. J._ ist bei der depressiven Erkrankung der Beschwerde
führerin zudem erschwerend eine regelmässig wiederkehrende Suizidalität zu berücksichtigen (E. 4.6). Die depressive Erkrankung besteht zudem schon seit der Kindheit der Beschwerdeführerin, weshalb die invalidisierende Wirkung selbst unter Annahme einer mittelschweren depressiven Störung aufgrund der lan
gen Dauer der Erkrankung sowie der langjährigen intensiven therapeutischen Massnahmen mit Psychotherapie, Einnahme entsprechender Medikamente, wie
derholten stationären Aufenthalten und Besuch der Tagesklinik nicht verneint beziehungsweise die attestierte Arbeitsunfähigkeit nicht gekürzt werden kann.
Dr.
J._
umschrieb zudem die behinderungsangepasste Tätigkeit dahingehend, dass es sich dabei um einen sehr wertschätzenden zwischenmenschlichen Rah
men unter sorgfältiger Beachtung des psychischen Zustandes der Beschwerde
führerin handeln solle (E. 4.6 hiervor), was einem geschützten Umfeld ent
spricht. Auch wenn in
der Invalidenversicherung vom Begriff des ausgegliche
nen Arbeitsmarktes auszugehen ist (E. 5.3 hiervor), kann im ersten Arbeitsmarkt und auch für einen Nischenarbeitsplatz vernünftigerweise nicht mit einem der
art ver
ständnisvollen Arbeitsumfeld wie von Dr. J._ und Dr. A._ um
schrie
ben gerechnet werden. Ein geschützter Rahmen ist sodann auch gemäss dem Leiter der Tagesklinik, med. pract. M._, nötig (Urk. 10/103).
5.5
Der medizinische Sachverhalt ist demzufolge als dahingehend erstellt zu erach
ten, dass gestützt auf das psychiatrische Gutachten von Dr. A._ für jegli
che Tätigkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % auszugehen ist. Einzig an einem geschützten Arbeitsplatz besteht eine Arbeitsfähigkeit von 50 %.
Anders als von der Beschwerdegegnerin im Einkommensvergleich vom 3. Juni 2016 ermittelt (Urk. 10/109 S. 1 f.), kann für die Bestimmung des Invalidenein
kommens der Beschwerdeführerin nicht auf den Lohn für eine Hilfstätigkeit ab
gestellt werden. Nachdem die Beschwerdeführerin auch an einem geschützten Arbeitsplatz nur eingeschränkt arbeitsfähig ist, ist davon auszugehen, dass ihr im Vergleich zu dem von ihr als Verkäuferin erzielten Valideneinkommen von
Fr. 51‘465.50 gemäss Einkommensvergleich vom 3. Juni 2016 die Erzielung keines nennenswerten Einkommens zugemutet werden kann. Die Beschwerde
führerin hat daher mit Wirkung ab 1. Juni 2013 (Art. 28 Abs. 1 IVG, Art. 29
bis
IVV
)
Anspruch auf eine ganze Rente. Dies führt zur Gutheissung der Be
schwer
de.
5.6
Die beigelandene Swisscanto Sammelstitung erklärte in der Eingabe vom 13. April 2017, sie sei nicht die zuständige Personalvorsorgeeinrichtung (Urk. 13). Der vorliegende Endentscheid ist der Beigeladenen daher nicht zuzu
stellen
.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf Fr. 800.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3 GSVGer).
Die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin ist vorliegend mit Fr. 2‘300.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
6.3
Bei diesem Ausgang des Verfahrens erweisen sich die Verfahrensanträge um Gewährung der unentgeltliche Prozessführung und der unentgeltlichen Rechts
vertretung (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1-3 unten) als gegenstandslos.