Decision ID: 51dc6302-cc26-4da7-b096-b57abb061fee
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der
1968 geborene
X._
, ausgebildeter Maschinen
bau
inge
nieur, reiste
1997
in die Schweiz ein und war ab 2001
in beratender Funktion
mehrheitlich selbständig
erwerbend
tätig
(Urk.
7/1/2, Urk.
7/2
und
Urk. 7/15). Am 6. März 2012 meldete er sich
wegen
einer psychi
schen Störung
bei der
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV
Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invaliden
versicherung an (Urk. 7/
2
). Die IV-Stelle klärte die erwerblichen und medizini
schen Verhältnisse ab
und
zog die Akten des Krankentaggeldversicherers bei (Urk. 7/7)
.
Mit Schreiben vom 4. April 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass
zurzeit
keine beruflichen Ein
gliederungsmassnahmen
notwendig seien (Urk. 7/12
).
Am 13. September 2012 veranlasste sie eine psychiatrische Begutachtung des Versicherten
(Urk. 7/19 ff.).
Dr.
med.
Y._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, erstat
tete sein
Gutachten am
21. November 2012
(Urk. 7/24).
Gestützt darauf
kündigte
die IV-Stelle
mit
Vorbescheid vom 27. November 2012
an, das
Leis
tungsbe
gehren
abzuweisen (Urk. 7/27).
Mit
Schreiben vom 24. Februar 2013
(U
rk. 7/42) beziehungsweise vom 23
. Juli 2013
(Urk. 7/54)
nahm Dr.
Y._
zu
den Einwän
den de
s
Versicherten
Stellung
. M
it Verfügung vom
4. November 2013
verneinte die IV-Stelle
einen Anspruch auf eine Invalidenrente
(Urk. 7/65
[
= Urk. 2]).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom
5. Dezember 2013
Beschwerde
und beantragte
, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm
ab dem 1. September 2012
eine ganze Rente der Invalidenversicherung zuzuspre
chen (Urk. 1). Mit
Beschwerde
antwort
vom
31. Januar 2014
schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde
(Urk. 6)
. Am
5. Februar 2014
wurde dem Beschwerdeführer das Doppel dieser Eingabe zugestellt (Urk. 8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
(Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG])
.
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen fes
t
zustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Die IV-Stelle hielt im angefochtenen Entscheid fest, gemäss den medizinischen Unterlagen bestehe seit dem Zeitpunkt der Begutachtung kein
Gesundheitsscha
den
im Sinne der Invalidenversicherung, welcher eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit begründen könne. Auch eine vorherige dauerhafte relevante Arbeitsunfähigkeit sei aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht ausgewiesen. Zu den Einwänden des Beschwerdeführers hielt die IV
Stelle
unter anderem fest, a
us den neu
eingereichten
medizinischen Unterlagen würden keine Befunde
hervorgehen, welche nicht bereits im Gutachten
berücksichtigt
worden seien (Urk. 2).
2.2
Der Besc
hwerdeführer bringt dagegen vor, dem Gutachten von Dr.
Y._
komme kein Beweiswert zu. Es sei deshalb entweder ein
gerichtliches
Gutachten
einzuholen
oder für die Rentenberechnung auf die Angaben der behandelnden Psychiaterin
Dr.
Z._
abzustellen. Die Diagnose von
Dr.
Y._
stehe im Widerspruch zur Diagnose
von
Dr.
Z._
sowie
derjenigen der im
A._
tätigen Ärzte
.
Wäre die bipolare affektive Störung vollständig remittiert, wie von
Dr.
Y._
festgestellt
, wäre eine Lithium-Therapie nicht mehr nötig. Dr.
Y._
messe
zudem
dem diagnostizierten ADHS im Bericht vom 23. Juli 2013 keine Wichtigkeit zu;
Dr.
Z._
sei diesbezüglich klar anderer Meinung.
Die Aussagen von Dr.
Y._
zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers seien sodann widersprüchlich und würden die im IV-Verfahren massge
benden Fragen nicht beantworten. Im Gutachten werde nicht analysiert, welche Fähigkeiten vom Beschwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit gefordert wür
den und inwiefern er noch in der Lage sei, diese zu verwerten
. Die Frage der Erwerbsunfähigkeit und
deren
Ausmass könnten aufgrund der Angaben im Gutachten nicht beantwortet werden. Gemäss Einschätzung der behandelnden Psychiaterin Dr.
Z._
bestehe eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit in bisheriger und angepasster Tätigkeit, sodass sechs Monate nach erfolgter IV-Anmeldung beziehungsweise ab dem 1. September 2012 ein Anspruch auf eine ganze Inva
lidenrente bestehe
(Urk. 1 S. 4 ff.).
3.
3.1
3.1.1
Im Bericht vom 10. April 2012 führte die behandelnde Ärztin des Beschwerde
führers, Dr. med.
Z._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und
Psycho
therapie, die folgenden
Diagnosen auf
(Urk. 7/16/5)
:
bipolare affektive Störung, gegenwärtig gemischte Episode (ICD-10 F31.6)
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0; Okt. 2011 testdiagnostisch bestätigt)
Dr.
Z._
hielt in ihrem Bericht fest, sie habe dem Beschwerdeführer seit dem 31. Januar 2011 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert
(Urk. 7/16/5
). Bei Behandlungsbeginn im Januar 2011 habe sie eine depressive Episode mit soma
tischen Symptomen bei bipolarer affektiver Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F31.3)
, und einen Verdacht auf eine einfache Aktivitäts- und
Auf
merksamkeitsstörung
diagnostiziert gehabt
(Urk. 7/16/5; vgl. auch Urk. 7/59)
.
Die depressive Symptomatik sei seit Oktober 2011 eher im Hinter
grund und es zeichne sich ein Wechsel mit Neigung zu submanischem Verhal
ten ab. Dank Therapie und Lithiummedikation habe eine manische Eskalation bisher verhindert werden können, der Beschwerdeführer sei deutlich stabiler. Es bestünden Stimmungsschwankungen und eine reduzierte psychische Belastbar
keit bei Neigung zur Selbstüberschätzung und Selbstüberforderung. Eine
Lang
zeitprognose
sei abhängig von längerfristiger Lithiumwirkung (oft erst nach einem Jahr Einnahme beurteilbar). Bisher habe ein gutes Ansprechen beobachtet werden können. Der Beschwerdeführer erhoffe sich eine volle berufliche Wiederintegration. Am 2. März 2012 sei ein Arbeitsversuch mit acht Wochen
stunden gestartet worden.
Das Resultat dieses Arbeitsversuches sei abzuwarten
(Urk. 7/16/6 ff.).
3.1.2
Im Verlaufsb
ericht vom
5. September 2012 (Urk. 7/18
)
d
iagnostizierte Dr.
Z._
eine mittelgradige depressive Episode der bipolaren affektiven Störung (ICD-10 F31.3). Trotz Lithiumeinstellung (Spiegelkontrolle einwandfrei) hätten die Stimmungsschwankungen bisher zwar gebessert, aber noch nicht genug stabilisiert werden können. Von Februar 2012 bis Juli 2012 habe sich der Beschwerdeführer in einer submanischen Phase befunden. Er sei von sich aus bereit gewesen, das Lithium in dieser Zeit zu erhöhen. Eine Steigerung des Arbeitsversuches (Erhöhung der Stundenzahl) sei wegen drohender manischer Dekompensation nicht möglich gewesen. Der Arbeitsversuch laufe mit acht Stunden wöchentlich seit März 201
2.
Im Rahmen dieses Arbeitsversuches ver
richte der Beschwerdeführer teilweise Arbeiten im angestammten Beruf (Inge
nieur), teilweise auch andere Arbeiten (z.B. Mithilfe in
Gastrobetrieb
). Die Mög
lichkeit, die Arbeitsfähigkeit zu steigern, könne du
r
ch
eine
angepasste Tätigkeit nicht gebessert werden. Seit Mitte Juli 2012 befinde sich der Beschwerdeführer wieder in einer depressiven Phase. Bei einer Verbesserung/Stabilisation des Gesundheitszustandes sei geplant, die Stundenzahl zu erhöhen (Urk. 7/18/5).
3.2
3.2.1
Dr.
med.
Y._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
stellte
im Gutachten vom 21. November 2012 die Diagnose einer bipolaren affektiven Störung, gegenwärtig in Remission (ICD-10 F31.7).
Dr.
Y._
hielt fest, er habe im Rahmen seiner psychiatrischen Untersuchung nicht genügend Anhaltspunkte gefunden, um die Diagnose einer
Aufmerksam
keitsstörung
(ADHS)
zu bestätigen. Zum Zeitpunkt der neuropsychologischen Testung und Diagnosestellung im Oktober 2011 habe sich der Beschwerdeführer noch in einem mittelgradig depressiven Zustand befunden, welcher die
Testre
sultate
möglicherweise verfärbt habe
(Urk. 7/24/11)
.
Gemäss seiner psychiatri
schen Untersuchung habe sich der psychische Zustand des Beschwerdeführers deutlich stabilisiert. Klinisch zeige er
viel Temperament, eine etwas unge
hemmte Affektivität. Die kognitiven Funktionen, die Emotionalität und das Verhalten stünden im üblichen Rahmen. Gemäss Exploration des Beschwerde
führers sei die Stresssymptomatik wie zum Beispiel der Tinnitus verschwunden. Die Stimmungslage bewege sich „im Mittelfeld“. Der Beschwerdeführer beschäf
tige sich stets mit irgendetwas, er weise keine psychovegetativen Störungen mehr auf.
Die behandelnde Psychiaterin habe im Bericht vom 6. September 2012, in welchem sie nur von einer „drohenden manischen Dekompensation“ gesprochen habe, keine klinisch relevante psych
opathologische Symptomatik festgehalten
. Er habe auch keine solche feststellen können. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit müsse die Frage der aktuellen psychischen Belastbarkeit offen
bleiben. Die psychische Stresstoleranz sei aufgrund der Konditionierung und nach dem Hörsturz wahrscheinlich weiterhin herabgesetzt. Der Grad könne aber nicht mit Sicherheit als pathologisch bezeichnet werden. Wie der Beschwerde
führer heute Arbeitsaufträge mit einem vollen Pensum psychisch bewältigen würde, könne darum nicht vorausgesagt werden. Abgesehen von dieser Ein
schätzung scheine die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aktuell aus psy
chopathologischen Gründen nicht mehr in einem für die IV relevanten Ausmass beeinträchtigt zu sein. Nachdem die medikamentöse Therapie mit Lithium seit einem Jahr eine bessere Stabilität des psychischen Zustandes bewirkt habe, sei prognostisch nicht mit einer spontanen Verschlechterung zu rechnen
. Allgemein sei die Prognose einer bipolaren Störung bei einem späten Krankheitsbeginn besser als bei einem Beginn in der Jugendzeit. Die psychische Reaktion auf eventuellen beruflichen Stress sei allerdings nicht vorhersehbar. Berufliche Massnahmen seien nicht indiziert, der Beschwerdeführer sei seiner selbständi
gen Ingenieurtätigkeit fachlich und psychisch gut gewachsen bis auf die genannte Frage der Stresstoleranz, welche sich erst im Laufe der weiteren
Lithi
umprophylaxe
klären werde
(Urk. 7/24/13 f.)
.
3.2.2
Am
24. Februar 2013
(Urk. 7/42)
nahm
Dr.
Y._
zu Einwänden des Beschwerde
führers
Stellung
und führte aus, ein ADHS sei eine permanente, unveränderliche Störung aus der Kindheit und müsste sich lebenslang immer gleich auf die Arbeitsfähigkeit einer Person auswirken. Beim Beschwerdeführer seien frühere Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit durch die spezifische Symptomatik eines ADHS aber nicht bekannt. Zudem stehe im Bericht des
A._
vom 25. Oktober 2011
ausdrücklich, aktuell seien die Symptome eines ADHS durch die bipolare Erkrankung deutlich überlagert. Die bipolare Erkrankung stehe momentan deutlich im Vordergrund. Von einer Behandlung
des ADHS werde zum momentanen Zeitpunkt auch abgeraten. Somit sei ein ADHS auch nach Ansicht der behandelnden Ärzte des
A._
nicht zu quantifizieren und habe keine Relevanz für die Invali
denversicherung.
Auch im Bericht der Tagesklinik des
B._
vom 5. Juli 2011 sei keine für die Invalidenversicherung relevante psychopathologische Symptomatik erhoben worden.
3.2.3
Dr.
Y._
hielt in der zweiten Stellungnahme
vom 23. Juli 2013 (Urk
. 7/54)
zu
den weiteren
Einwänden des Beschwerdeführers
fest, er habe die Diagnose eines ADHS nicht bestritten, sondern aufgrund seiner Untersuchung nicht bestätigen können. Er habe auf die häufige Komorbidität von ADHS und manischen Stö
rungen hingewiesen. Trotzdem müsse der Krankheitsverlauf in jedem Einzelfall gesondert erhoben werden. Gerade beim Beschwerdeführer sei es von der Jugendzeit an über sehr viele Jahre nie zu einer relevanten Arbeitsunfähigkeit gekommen. Bei ADHS kämen praktisch alle ps
ychischen Störungen gehäuft vor
. Allgemeingültige Implikationen auf den jeweiligen Krankheitsverlauf könnten fast nicht ersehen werden, da es überall Störungen leichtesten bis schwersten Grades gebe mit ganz unterschiedlichen Verläufen und vor allem da ADHS ein grosser Sammeltopf verschiedenster neuropsychologischer Entwicklungsstörun
gen sei. Im Gutachten habe er beim
Beschwerdeführer
Diagnose und Verlauf diskutiert. Eine Hyperaktivität in der Jugendzeit habe ausserdem eine breite Differenzialdiagnose. Er habe
in Über
ein
stimmung mit Dr.
Z._
ausgeführt, dass die Frage der psychischen Belastbarkeit und damit der weiteren Prognose offen sei.
Dr.
Z._
habe in ihren Berichten vom April und September 2012 für die Diagnose einer schweren Depression oder einer schweren Manie, welche eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
begründen
könnten, nicht genügend klinisch relevante und manifeste psychopathologische Symptome gemäss ICD-Glossar aufgeführt beziehungsweise die aufgeführten Symptome seien für die Unter
scheidung einer leichten oder schweren Störung nicht genügend quantifiziert.
Dr.
Z._
leite aus dem gescheiterten Arbeitsversuch im Jahr 2012 eine volle Arbeitsunfähigkeit ab. Er selber habe sich nicht auf diesen Arbeitsversuch abgestützt, da dieser seines Erachtens unter zu wenig kontrollierten Bedingun
gen stattgefunden habe. Es sei darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer ihm gegenüber geäussert habe, im Juli bis zu 35 Wochenstunden geleistet zu haben. Von einem anschliessenden schwe
ren depressiven Rückfall habe ihm der Beschwerdeführer
nicht berichtet.
4.
4.1
Das Gutachten von
Dr.
Y._
vermag die an eine beweiskräftige ärztli
che Exper
tise gestellten Anforderungen vollumfänglich zu erfüllen (E. 1.4).
So
tätigte
er
sorgfältige, umfassende Abklärungen, berücksich
tig
te
die ge
kla
gten Beschwerden und begründete seine
Einschätzung in nachvoll
zieh
ba
rer Weise sowie in Ausei
nandersetzung mit den
Vorakten
.
Dr.
Y._
legte die medizini
schen Zusam
menhänge und die medizinische Situation einleuchtend dar und begründete seine Schlussfolgerungen schlüssig.
Mit seinen
Stellungnahmen vom 24. Februar und 23. Juli 2013 ergänz
te
und präzisier
te er
das Gutachten
und verm
ochte
die Einwände
des Beschwerdeführers
zu entkräften
.
Dem Gut
achten kommt somit grundsätzlich volle Beweiskraft zu.
Hinweise, welche gegen die Verwertbarkeit
desselben
sprächen, sind entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers
n
icht ersichtlich.
4.2
Dr.
Y._
stellte
im Gutachten
vom 21. November 2012
die Diagnose ein
er bipo
laren affektiven Störung und
kam
zum Schluss, die
se
befinde sich
in Remission
. Diese Einschätzung
ist
angesichts
des sich in der Begutachtung prä
sentierten Zustands des Beschwerdeführers nicht zu beanstanden.
Dieser schil
derte, er befinde sich in einer stabilen Phase, es gehe nicht schlecht. Zwei
mal im Monat gehe er noch in
die
Therapie. Seit Oktober 2011 nehme er Lithium, was gut sei. Seither seien die Schwankungen gedämpft. Ein neues Leben habe begonnen, alles sei viel ruhiger (Urk. 7/24/5).
Dr.
Y._
wies zu Recht darauf hin,
Dr.
Z._
habe in ihren Berichten vom April und September 2012 für die Diagnose einer schweren Depression oder einer schweren Manie, welche eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % begründen könnten, nicht genügend klinisch relevante und manifeste psychopathologische Symptome gemäss ICD-Glossar aufgeführt beziehungsweise die aufgeführten Symptome seien für die Unter
scheidung einer leichten oder schweren Störung nicht genügend quantifi
ziert.
4.3
Im
Einwandverfahren
reichte Dr.
Z._
am
29. April 2013
einen Bericht
ein und
hielt darin fest
,
die bipolare Störung befinde sich nicht in Remission. Es bestünden weiterhin Stimmungsschwankungen, je nach Phase gemischt, manisch oder depressiv (ICD-10 F31.3). Aktuell bestehe eine depressive Phase. Seit dem Gutachten (November 2012) sei es zum Neuauftreten einer mittel
schwer
en
depressiven Phase gekommen. Der Beschwerdeführer habe auf das Gutachterresultat mit massiver Verunsicherung, Stress, existentiellen
Bedro
hungsgefühlen
und Verzweiflung reagiert.
Seit Dezember 2012 habe sich trotz Lithiummedikation eine erneute depressive Phase abgezeichnet, im Januar 2013 habe sich der Zustand so destabilisiert, dass die Therapie nicht mehr ambulant habe weitergeführt werden können.
Im Februar sei der Beschwerdeführer ins
A._
eingetreten (Urk. 7/50/1).
Eine Stimmungsverschlechterung
Ende 2012/
Anfang 2013
wurde vom
Partner
des Beschwerdeführers
in der
Fremdanamnese des
A._
vom 12. März 2013
(Urk. 7/57/2) bestätigt
. Die Festtage seien immer eine schwierige Zeit für den Beschwerdeführer
gewesen
. Es sei
dann
aber wahrscheinlich einiges zusammengekommen: der Ablehnungsentscheid (richtig: ablehnender Vorbe
scheid) der IV-Stelle, welcher finanzielle Sorgen ausgelöst
habe, die Festtage und
die Abreise der Eltern. Das Tief habe im Gegensatz zu den vorhergehenden Tiefs länger angehalten, circa 5-6 Stunden intensiv und danach nur langsam abklingend. Bis anhin sei es dem Beschwerdeführer häufig nur eintägig oder zweitägig nicht gut gegangen, danach sei es häufig zu einer schnellen
Stim
mungsver
besserung
gekommen
.
Bei den genannten
Gründen für die
Verschlechte
rung des Ge
sundheitszustandes
handelt es sich
u
m psychosoziale Umstände
, welche
versicherungsrechtlich
grundsätzlich
unbea
chtlich sind
.
Ausserdem lassen
sowohl
die Schilderungen
des Beschwerdeführers selbst als auch diejenigen seines
Partners nicht auf eine länger dauernde depressive Episode schliessen.
Der Beschwerdeführer gab gegenüber den Ärzten des
A._
an, er sei nach Weihnachten während drei bis vier Tagen nur noch im Bett gewesen und habe keinen Antrieb
mehr
gehabt. Er habe sich jedoch danach wieder auffangen können und sich in die Arbeit gestürzt. Nac
h vier Wochen habe dies
zu einer Erschöpfung geführt, was schlussendlich zur Einweisung in die Klinik geführt habe (Urk. 7/57/4 f.). Den
Berichten
des
A._
vom 8. Mai und 18. Juli 2013 (Urk. 7/57)
, wo sich der Beschwerdeführer vom 18. Februar bis zum 11. März 2013 in stationärer p
sychiatrischer Behandlung
befand
,
lässt sich
indes
keine depressive Symptomatik
entnehmen
. Es wurden kombinierte und andere
Per
sönlichkeitsstörungen
mit narzisstischen und
histrionischen
Anteilen (ICD
10 F61), aktenanamnestisch eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig
hypoma
nische
Episode (ICD-10 F31.0)
,
diagnostiziert (Urk. 7/57/4). Der psychopatholo
gische Befund bei Eintritt
ins
A._
wurde
im Austrittsbericht vom 8. Mai 2013
wie folgt beschrieben: „Wacher, bewusstseinsklarer Patient mit erhaltener Orientierung in allen Modalitäten. Im Kontaktverhalten zuge
wandt, freundlich, kooperativ. Affektiver Rapport gut herstellbar. Antrieb und Psychomotorik wirken eher gesteigert, werden jedoch von Seite
n
des Patienten nicht so wahrgenommen. Keine
mnestischen
Defizite
eruierbar
. Stimmung wird als gedrückt beschrieben (-3 auf einer Skala von 0
bis
-5), jedoch wirkt der Patient affektiv gut schwingungsfähig, auslenkbar und eher heiter.
Formalge
danklich
eher kohärent und leicht beschleunigt. Keine inhaltlichen
Denk
störun
gen
, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen. Appetit unauffällig. Schlaf sei gut und in den Phasen der Arbeitsbelastung eher noch länger (ca. 8h zuletzt). Von akuter Suizidalität glaubhaft distanziert“ (Urk. 7/57/5).
Es seien keine depressi
ven Symptome beobachtet worden (Urk. 7/57/7).
Mit Bericht vom 18. Juli 2013
wurde der Austrittsbericht
des
A._
vom 8. Mai 2013
auf Wunsch des Beschwerdeführers
ergänzt und präzisiert
: W
ährend des Aufent
haltes habe sich keine eigentliche depressive oder (sub-)manische Symptomatik gezeigt. Der Patient habe seine Stimmung als gut beschrieben. In den therapeu
tischen wie auch den sozialen Kontakten auf der Station sei eher eine
persön
lichkeitsbedingte
, leicht gehobene, extrovertierte Stimmung aufgefallen. Anam
nestisch gebe es allerdings eine klar gesicherte bipolare Störung mit rapid
cycling
und innerhalb dieser Phasen zusätzliche Stimmungsschwankung
en
, welche oft situationsbedingt ausf
ielen
. Die Amplitude dieser bipolaren Störung scheine sich unter Lithium aber deutlich reduziert zu haben. Des Weiteren sei zu betonen, dass sich Persönlichkeitsstruktur und bipolare Störung tendenziell gegenseitig de
stabilisieren könnten. Daher werde
dringend zu einer Fortführung der Stimmungsstabilis
ation mit Lithium geraten
(Urk. 7/57/2).
Die Berichte des
A._
stützen
somit die Einschätzung von Dr.
Y._
,
wonach
keine klinisch relevante psychopathologische Symptomatik me
hr feststellbar
sei
(Urk. 7/24/13). D
ie medikamentöse Therapie mit Lithium
habe
eine bessere Stabilität des psychischen Zusta
nds bewirkt
(Urk. 7/24/14)
.
Eine grundsätzliche Verbesserung des Gesundheitszustandes des Beschwerde
führers nahm denn auch sein Partner gemäss Fremdanamnese des
A._
wahr. Er schilderte, wahrscheinlich bestehe ein Zusammenspiel zwi
schen Medikation und Therapie
. So nehme er den Beschwerdeführer etwas kon
trollierter wahr in den letzten Monaten mit etwas weniger
Stimmungsschwan
kungen
. Früher habe er oft in schwierigen Situationen erwartet, dass der Beschwerdeführer in Verärgerung ausbreche, dies sei seltener geworden. Nach wie vor gebe es einige Schwierigkeiten in sozialen Kontakten, so stosse der Beschwerdeführer mit seiner Art andere vor den Kopf. In den gehobenen Pha
sen, welche beim Beschwerdeführer mehrheitlich vorhanden seien, nehme er ihn als Menschen mit der Einstellung, alles
sei
möglich
,
wahr
(Urk. 7/57/2).
4.4
Das Argument des Beschwerdeführers, die Diagnose von
Dr.
Y._
könne des
halb nicht zutreffen, weil bei einer remittierten Störung keine Lithium-Therapie mehr nötig sei, geht fehl.
Die
festgestellte
Remission hebt die Diagnose einer bipolaren affektiven Störung
selbstredend
nicht auf.
Eine
Behandlungsbedürf
tigkeit
besteht weiterhin, welch
e das Risiko von zukünftigen Episoden
jedoch
reduziert
(ICD-10 F31.7; Weltgesundheitsorganisation, Internationale Klassifi
kation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien,
9.
Auflage, Bern 2014, S. 168 f.).
4.
5
Es ist sodann festzuhalten, dass sich
Dr.
Z._
, insbesondere hinsichtlich der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, primär auf die subjektiven Angaben
des
Beschwerdeführers
stützt
. Dabei ist der Erfahrungs
tat
sache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hin
blick auf ihre auftragsrechtliche Ver
trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Pati
enten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
Nicht nachvollziehbar ist die
Aussage
von Dr.
Z._
, selbst
eine
Symptomfreiheit sei
kein Beweis für eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
.
Daran ändert
auch der
Hinweis
auf eine Studie, gemäss wel
cher die Mehrheit der Patienten zwei Jahre nach
Hospitalisation
quasi
symp
tomfrei
sei, aber nur 43 % davon ihren ursprünglichen beruflichen Status wieder erreicht hätten (Urk. 7/50/3)
,
n
ichts
.
4.
6
Im Sinne des Gesagten
ist nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle
–
gestützt auf das Gutachten
von
Dr.
Y._
–
ab September 2012 (sechs Monate nach
der IV-
Anmeldung; vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG)
von keiner
relevanten
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(mehr)
ausging.
Es ist
demzufolge
auch nicht erforderlich, ein weiteres Gutachten einzu
holen.
Die Beschwerde
ist
somit
abzuweisen.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzulegen und ausgangsgemäss vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).