Decision ID: 66669958-eec2-455f-ab84-3e3a634d9e9d
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1972 geborene
X._
, Heizungsmonteur mit Fähigkeitsausweis, meldete sich am 25. Oktober 2002
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/4). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, ver
neinte am 11. Oktober 2004
verfügungsweise
einen
Leistungsanspruch (Urk. 7/49).
Am 12. Juni 2015 meldete sich
X._
unter Hinweis auf
einen Bandschei
benvorfall
sowie
eine
Schulterverletzung
aufgrund eines
Sturzes
am
28. Februar 2015
erneut bei der Invalidenversicherung an (Urk. 7/63
; vgl. auch Urk. 7/71/
15
).
X._
war
vom
1. J
anuar
2012
bis 31. August 2015
als Heizungsmonteur bei
Y._
GmbH angestellt
und im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei der
PROMEA Pensionskasse
berufsvorsorgeversichert
gewesen
(
Urk. 7/91/19,
Urk. 7/62/3)
.
Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen
, zog die Akten des Unfall
-
und
Kranken
taggeldversicherers bei
und informierte
X._
a
m 15. Juni 2016 über den Abschluss der Berufsberatung, da noch weit
ere Operationen und Abklärungen
geplant seien (Urk. 7/85).
In der Folge ver
anlasste
sie
eine
bidisziplinäre
Begutachtung (Rheumatologie, Neurologie) bei
m
Zentrum
Z._
(Expertise vom 17. Juli 2017 (Urk. 7/119
/1-33
). Mit Vorbescheid vom 5. Oktober 2017 (Urk. 7/128) stellte die IV-Stelle die Abweisung des
Leistungsbegehrens in Aus
sicht, wogegen
X._
am 20. Oktober 2017 Einwand (Urk. 7/129,
Urk
.
7/134,
Urk. 7/144) erhob.
Die IV-Stelle
nahm
weitere Abklärungen
vor
, zu welchen
X._
am 14. September 2018 Stellung (Urk. 7/153) nahm.
Nach
neuerlichem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/157)
bejahte die IV-Stelle am 11. April 2019
ver
fügungsweise
einen Anspruch von
X._
auf eine ganze Invalidenrente
vom
1. Dezember 2015 bis 31. August 2016 und eine halbe Invalidenrente ab 1. September 2016 (Urk. 2).
2.
Dagegen
erhob
die
P
ROMEA Pensionskasse
a
m 24. Mai 2019 Beschwerde (Urk.
1) und beantragte, die angefochtene
n
Verfügung
en
vom 11. April 2019 sei
en
auf
zuheben und die Rentenberechtigung von
X._
zu verneinen. Eventuell sei
X._
von Dezember 2015 bis
längstens
April 2017 eine halbe Rente zuzu
sprechen.
Subeventuell sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zur ergänzen
den medizinischen Abklärung zurückzuweisen (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 4. Juli 2019 (Urk. 6) schloss die Beschwerdegegnerin auf Gutheissung der Beschwerde. Davon wurde de
r
Beschwerdeführerin am 1. Oktober 2019 Kenntnis gegeben und gleichzeitig
X._
zum Prozess beigeladen (Urk. 10). Am 12. November 2019 erging die Stellungnahme des Beigeladenen
(Urk. 12)
, womit er beantragte, dass die Beschwerde
abzuweisen
sei
und die Verfügung
en
der Beschwerdegegnerin vom 11. April 2019 zu bestätigen sei
en
. Eventu
ell
sei ein polydisziplinäres Gutachten einzuholen. In formeller Hinsicht stellte er das Begehren um unentgeltliche Prozessführung (S. 1).
In ihrer Replik vom
3. März 2020
(Urk.
18)
hielt
die
Beschwerdeführerin an
den gestellten
Anträgen fest
(S. 2).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet
e
am
27. März 2020 auf das Einreichen der Duplik (Urk. 20), worauf der Beigeladene am 14. April 2020 Stellung zur Replik nahm (Urk. 23), was
Beschwerdeführerin
und Beschwerdegegnerin am 28. April 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 24).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres
gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medi
zinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmetho
den können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Unter
suchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung
(Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versi
che
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in den angefochtenen Verfügung
en
(Urk. 2)
im Wesentlichen davon aus,
dass dem Beigeladenen per Juni 2015 weder die
Aus
übung
der angestammten noch einer angepassten Tätigkeit zumutbar gewesen sei, weshalb ihm per Dezember 2015
(sechs Monate nach der Anmeldung)
eine ganze Invalidenrente zustehe. Im Juni 2016 habe sich
der
Gesundheit
szustand verbessert, sodass dem Beigeladenen
ab diesem Zeitpunkt die Ausübung von mit
telschweren, wechselpositionierenden Tätigkeiten
möglich sei
. Aufgrund des Ein
kommensvergleichs resultiere ein Invaliditätsgrad von 56 %, weshalb der Beige
ladene
ab November 2015 bis August 2016 Anspruch auf eine ganze Rente und
ab September 2016
(drei Monate nach Verbesserung)
a
uf eine halbe Rente habe.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk.
1), dass in somatischer Hinsicht die
Z._
-
Expertise vorliege, welche gemäss
RAD-
Auffassung auch unter Berücksichtigung des Einwands des Beigeladenen weiter
hin verwendbar sei und somit keine relevante Verschlechterung des physischen Zustands nach Begutachtung vorliege (S. 13 Ziff. 20.4). Demgegenüber sei die Übernahme der
Auffassung
des Zentrums
A._
in psychiatrischer Hinsicht durch den RAD nicht nachvollziehbar
, da
insbesondere
der
entsprechende RAD-Arzt
nicht im Fachbereich Psychiatrie spezialisiert
sei
(S. 14 Ziff. 20.5
, Urk. 18 S. 4 Ziff. 7
). Betreffend Arbeitsfähigkeit führte die Beschwerdeführerin aus, dass entgegen der Auffassung der
Z._
-Gutachter eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit nicht erst nach Dezember 2017 bestehe, sondern eine solche
noch
vor Ablauf des Wartejahrs per Dezember 2015 hätte erreicht werden können
(S. 15
ff.
Ziff.
21 – Ziff. 22.1).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort vom 4.
Juli 2019 (Urk. 6) hielt die Beschwerdegeg
nerin dafür, dass nicht auf die
A._
-Berichte
abgestellt werden könne
, da die
darin attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten mit fach
fremden somatischen Diagnosen
begründet
werde
. Ebenso wenig sei auf die in der RAD-Stellungnahme vom 15. August 2018 postulierte Arbeitsunfähigkeit von 50 % abzustellen, da
die
[im Vergleich zur
Z._
-Expertise] tiefer veranschlagte Arbeitsunfähigkeit einzig auf die nicht beweiskräftigen
A._
-Berichte abgestützt worden sei (S. 1 f.).
Des Weiteren
sei der im
Z._
-Gutachten
statuierte
retrospek
tive Verlauf der Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar
und es
habe
bereits
ab Dezember 2015 ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 30 %
bestanden (S. 3).
2.4
Der
Beigeladene
machte
am 12. November 2019
im Wesentlichen
geltend
, aus den Berichten
des
A._
gehe nachvollziehbar hervor, dass er an einer mittelgra
digen depressiven Episode leide
, da die Kriterien
für eine solche Störung
im
A._
-Bericht vom 24. November 201
7
aufgeführt und bejaht worden seien
. Sollte nicht auf die Berichte des
A._
abgestellt werden, so
w
äre
ein strukturiertes Beweisver
fahren im Rahmen einer polydisziplinären Begutachtung
durchzuführen
,
wobei
der Beigeladene psychiatrisch zu begutachten wäre
(Urk. 12 S. 7 zu 14.2
, S. 11 zu 2.
)
.
Im Zusammenhang mit der retrospektiven Arbeitsfähigkeit machte
er
gel
tend,
dass ab Ende 2014 innert kurz
er
Zeit
diverse Eingriffe durchgeführt worden seien
und sich
sein damaliger
Gesundheitszustand
generell als
schle
c
ht präsen
tiert habe
, weshalb die gutachterliche Annahme einer vollumfänglichen Arbeits
fähigkeit begründet sei
(S. 9 zu
21.3
, S. 11 zu
22.3)
.
3.
3.1
Die
Z._
-Gutachter PD
Dr.
med.
B._
, FMH Physikalische Medizin u
nd Rehabilitation/Rheumatologie
,
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH Neurologie,
D._
, Fachärztin Physikalische Medizin
,
und Physiotherapeut
E._
stellten in ihrer Expertise vom 17. Juli 2017 (Urk. 7/119/1-33) folgende Diagnose
n
mit Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: Chronisches
lumbovertebrales
bis
-
spondylogenes
Syndrom bei progredienter segmentaler Degeneration L4/5 mit mässig hochgradiger Spinalkanalstenose
jedoch ohne radikuläres Reiz- oder Aus
fallsyndrom oder typische Claudicatio Beschwerden
, Schulterschmerzen beidseits, persistierender Schmerz mit Bewegungseinschränkung bei degenerativer
Osteo
chondrose
und beginnenden Spondylarthrosen BWK6/7 und 4/5 rechts betont
sowie
Per
i
a
r
th
r
opathia
genu
links mit funktionellen Einschränkungen. Keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit massen die Gutachter
der von ihnen
diagnostizierten arteriellen Hypertonie,
Adipositas Grad I sowie
Zervikalgien
bei altersentsprechendem Zustand der
Halswirbelsäule (
HWS
)
zu
(S.
30
). Sie hielten weiter fest,
dass in der Gesamtschau
ein chronifiziertes Beschwerdebild bei rele
vanten strukturell-organischen Veränderungen und langer Krankheitsanamnese
bestehe
, wobei psychosoziale Faktoren eine wichtige Rolle spielen dürften
(S. 29).
D
ie angestammte
Tätigkeit
sei
auch unter Berücksichtigung einer gewissen Selbstlimitierung aus rheumatologischer und neurologisch
er Sicht nicht mehr zumutbar, weshalb sie r
etrospektiv in Übereinstimmung mit den Attesten seit 1. März 2015 nicht mehr
möglich
sei
.
Eine mittelschwere und
wechselpositionie
rende Tätigkeit ohne statisch ungünstige Positi
onen für die Lendenwirbelsäule
sei
aus orthopädisch-rheumatologischer und neurologischer Sicht (bei fehlenden neurologischen Ausfällen) ganztags zumutbar. Um der Kumulation der Beschwer
den Rechnung zu tragen, sei eine zusätzliche Pause
von
etwa 1.5 h pro Tag zu geben. Medizin
isch
-theoretisch sei der Beigeladene für eine solche Tätigkeit aus orthopädisch-rheumatologischer Sicht zu 80 % arbeitsfähig. Für den Arbeitsein
sti
e
g sei ein Einstieg halbtags (50 %) und eine Steigerung über sechs Monate bis zum Erreichen der 80%igen Arbeitsfähigkeit zu empfehlen. Eine angepasste Tätigkeit sei retrospektiv nach Re
habilitation seit
dem letzten operativen
Ein
griff, das heisst zirka Mitte 20
16
,
zu 50 % zumutbar. Die verschiedenen zwischenzeit
lichen operativen Eingriffe begründeten vorübergehende Arbeitsunfähigkeiten und verunmöglichten somit auch eine berufliche Eingliederung. Ab 1. Dezember 2017 sei nach erfolgter Anpassung an die Arbeit von einer 80%igen Arbeitsfä
higkeit
auszugehen
(S. 31
f.
).
3.2
In seiner Stellungnahme vom 2. August 2017 (Urk. 7/127/6-8)
führte
RAD-Arzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Chirurgie, Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie
,
im Wesentlichen die im
Z._
-Gutachten
genannten
Diagnosen
auf
. Er führte aus, dass der Beigeladene
seit Jahren unter Rücken-, Knie- und Schulter
schmerzen
leide
, wobei die bisherige operative und konservative Therapie die Beschwe
rden nicht wesentlich verbessert
habe
und psychosoziale Verstärkungs
faktoren anzunehmen seien. Die angestammte Tätigkeit als Heizungsmonteur sei aufgrund der körperlichen Belastung nicht mehr zumutbar, in einer angepassten Tätigkeit bestehe hingegen eine 80%ige Arbeitsfähigkeit. Die Einschränkung von 20 % begründe sich mit einem erhöh
t
en Pausenbedarf
, wobei - ausgehend von 50 % -
ein stufenweiser Belastungsaufbau bis Dezember 2017 zu empfehlen
sei
(Urk. 7/127/8).
Am 18. September 2017
nahm
der RAD-Arzt Stellung
(Urk. 7/127/9)
zu den nach der
Z._
-Begutachtung eingegangenen Berichten
des behandelnden Neuro
chirurgen
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH für Neurochirurgie,
und der Rheuma
k
lini
k
H._
(Urk. 7/124, Urk. 7/125/8
-11). Dabei führte er aus, dass
die darin
erwähnte
Diagnose einer stabilen LWK 2-Fraktur vom Januar 2017 in der gutachterlichen Beurteilung bereits berücksichtigt worden sei und sich
im Übrigen
aus den neuen Berichten keine Hinweise auf eine Veränderung des Zustands seit 17. Juli 2017 ergäben.
3.
3
Die Fachpersonen des
A._
nannten
in
ihrem Bericht vom 20. Juli 2018 (Urk. 7/149/6-8)
als
psychiatrische
Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit
eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige E
pisode (ICD-10 F33.1, seit 2015; S. 2)
. Im Weiteren gaben sie an,
dass
die Ent
wicklung
der depressiven
Symptome ab zirka 2015 eingesetzt habe und
der
Beigeladene
ungefähr zweimal pro Monat psychologisch-psychiatrische Thera
pietermine wahrnehme
(S. 1)
.
Die Stimmung des
Beigeladenen
sei deutlich depressiv-resigniert und er sei kognitiv in Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit und Gedächtnis verlangsamt beziehungsweise deutlich einge
schränkt.
Zudem bestehe
eine deutliche Vergesslichkeit (S. 2). Das Antidepressi
vum Duloxetin habe
er
wegen starkem Magenbrennen wieder abgesetzt (S. 3).
Der
Beigeladene
sei körperlich deutlich eingeschränkt, wobei Zwangshaltungen oder körperlich schwere Arbeiten nicht mehr möglich seien. Er weise zudem eine verringerte Konzentrationsfähigkeit auf und ermüde rasch, weshalb er deutlich langsamer sei und häufigere
und längere Pausen benötige, um
s
ich zu erholen. Im Kontakt mit anderen Menschen zeige er sich schnell aufbrausend,
sodass
die Stresstoleranz und Belastbarkeit deutlich verringert s
eien. Eine Arbeit mit
stän
digem Kundenkontakt und
viel Druck sei
deshalb
nicht möglich und könne
zu einer Zunahme der depressiven Symptomatik führen
. Für eine leidensangepasste Tätigkeit, mit welcher der
Beigeladene
sein Leben finanzieren könne, wäre eine Umschulung nötig. Inwiefern diese in Bezug auf die Konzentrationsfähigkeit, Müdigkeit und Schmerzen durchführbar wäre, müsste anhand eines Belastbar
keitstrainings geprüft werden (S. 3).
3.
4
In seiner Stellungnahme vom 15. August 2018
(Urk. 7/155/4-
6
)
wied
e
rholte
RAD-Arzt
Dr.
F._
im Wesentlichen seine am 2. August 2017
gestellten
Diagnosen
, wobei er
zusätzlich
eine rezidivierende depressive Störung, mittelgra
dige Episode (ICD-10 F33.1
)
aufführte
, welcher er Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit beimass
(Urk. 7/155
/4-5
).
Dr.
F._
attestierte in der bisherigen Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 24. November 2014, wobei er als funktionelle Einschränkungen eine redu
zierte Belastbarkeit des Achsenskeletts und der Schulter-/Kniegelenke sowie eine Störung von Antrieb und der Konzentrations-/Merkfähigkeit
und
eine vermin
derte Durchhaltefähigkeit angab. In angepasster Tätigkeit ging er von einer 100%igen
Arbeitsunfähigkei
t vom 24. November 2014 bis 15.
März 2016 sowie einer solchen von 50 %
ab
16. März 2016 aus
(Urk. 7/155/5)
.
Im Zusammenhang mit dem Belastungsprofil wies
er
auf eine Antriebsstörung mit deutlichen Hemmungen sowie eine psychophysische Belastbarkeitsminde
rung mit vorzeitiger Erschöpfung und Minderung der konzentrativen Ausdauer
belastbarkeit hin
(Urk. 7/155/5)
.
Unter dem Titel versicherungsmedizinische Beurteilung hielt
der RAD-Arzt
fest, dass gemäss
Z._
-Gutachten seit Mitte März 2016 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bestehe und nach Anpassung an die Arbeit ab 1. Dezember 2017 von einer Steigerung auf 80 % auszugehen sei. Bis zu diesem Zeitpunkt
müsse durchgehend eine 50%ige Arbeitsfähigkeit angenommen werden.
Der behandelnde Neuro
chirurg Dr.
G._
begründe seinen Einwand (vgl. Urk. 7/140) mit einer anderen Beurteilung des gleichen Gesundheitszustands. Im Weiteren lägen keine neuen Pathologien vor und eine stärkere Ausbildung de
r
Osteochondrose
im MRI begründe noch keine Verschlechterung des Gesundheitszustands.
Im Weiter
e
n
führte
der RAD-Arzt
aus
,
das
A._
begründe seine Beurteilung der Arbeitsunfä
higkeit mit einem Mix aus somatischen Beschwerden, Zumutbarkeit einer Umschulung und tatsächlichen psychomentalen Einschränkungen. Aufgrund der psychopathologischen Befunde sei eine
Limitierung
der Arbeitsfähigkeit im Sinne eines erhöhten
Pausenbedarfs und einer verminderten Arbeitsgeschwindigkeit nachvollziehbar. Mit der Anregung eines Belastbarkeitstrainings und der Angabe eines Belastbarkeits
profils
sei seitens des
A._
eingeräumt worden, dass eine Rest
arbeitsfähigkeit bestehe. In gesamthafter Wertung von Gutachten, neurochirurgi
scher Beurteilung und psychiatrischer Einschätzung könne in einer optimal angepassten Tätigkeit medizin
isch
-theoretisch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit angenommen werden, wobei bei positivem Krankheitsverlauf und zunehmender Adaptierung am Arbeitsplatz im weiteren Verlauf gegebenenfalls eine Stei
gerung möglich sei (Urk. 7/155/6
).
4.
4.1
Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass der Beigeladene aufgrund seiner somatischen Beschwerden die angestammte Tätigkeit als Heizungsmonteur seit mindestens März 2015 nicht mehr ausüben kann. Strittig ist demgegenüber das Ausmass der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit in somatischer und psychischer Hinsicht.
4.2
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei den rentenzusprechenden Verfügungen
vom 11. April 2019
(Urk. 2) im Wesentlichen auf die Stellungnahme des RAD-Arztes
Dr.
F._
vom
15. August 2018
ab, welcher seinerseits keine eigene Untersuchung durchgeführt hat
(Urk. 7/155/4-
6
)
.
Dr.
F._
ging
unter Hinweis auf das
Z._
-Gutachten
,
die
Beurteilung
des behandelnden
Neurochirurgen
Dr.
G._
und
die psychiatrische Einschätzung
des
A._
in einer angepassten Tätigkeit
von einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit seit Mitte
März
2016
aus.
4.
3
Im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügungen vom 11. April 2019 (Urk. 2) lagen der Beschwerdegegnerin die Beric
hte des
A._
vom 24. November 2017
und 20. Juli 2018
(Urk. 7/143,
Urk. 7/149/6-8) vor, in welchen
Dr.
med.
I._
und
med.
pract
.
J._
,
beide
Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depres
sive Episode,
diagnostizierten. Diese Berichte wurden auf Seiten der Beschwerde
gegnerin einzig RAD-Arzt Dr.
F._
vorgelegt (Urk. 7/155/4), welcher als in
Chirurgie, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie spezialisierter Facharzt nicht über die zur Beurteilung von psychischen Beschwerden erforderliche
n Kenntnisse
verfügt.
D
ie Beschwerdegegnerin
hätte somit
die Berichte des
A._
zumindest einem in Psychiatrie spezialisierten RAD-Arzt zur Beurteilung vorlegen müssen
(vgl. auch Urk. 1 S. 11 Ziff. 14.3, Urk. 6 S. 1)
. Dies umso mehr, als die psychischen Beschwerden des Beigeladenen erstmals in den genannten Berichten thematisiert wurden und insbesondere nicht Gegenstand der
Z._
-Begutachtung
bildeten
. Entsprechend hätte die Beschwerdegegnerin ihre Rentenzusprache
n
vom 11. April 2019 nicht auf die RAD-Einschätzung vom 15. August 2018 abstützen dürfen.
4.
4
In den Akten finden sich sodann keine fachärztlichen Beurteilungen, die in psy
chischer Hinsicht ein
ab
schliessendes Bild betreffend die Arbeitsfähigkeit erlau
ben.
Im Bericht des
A._
vom 24. November 2017 (Urk. 7/143) fehlt für die
in sämtlichen
Tätigkeit
en
postulierte Arbeitsunfähigkeit von 100 % jegliche Begründung
und es wird insbesondere nicht dargelegt, inwiefern der Beigeladene durch die depressive Störung
in seiner Arbeitsfähigkeit
konkret beeinträchtigt wird (S. 4). Gleiches gilt betreffend den
A._
-Bericht vom 20. Juli 2018 (Urk. 7/149/6-8), in
w
elchem betreffend die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit lediglich
festgehalten
wurde, dass für
entsprechende Verrichtungen
eine Umschulung notwendig
und deren
Durchführbarkeit
anhand eines Belastbarkeits
trainings zu prüfen wäre (S. 3).
Diese Einschätzung steht
denn auch
im Wider
spruch zu dem
(nur
zwei Tage früher datierte
n
)
A._
-Bericht vom 18. J
uli 2018 (Urk. 13/3), in welchem
aus psychiatrischer Sicht von einer 100%igen Arbeitsun
fähigkeit in jeglicher Tätigkeit ausgegangen wurde (S. 10).
4.
5
Vor diesem Hintergrund fehlt es an einer vollständigen Sachverhaltsermittlung betreffend den psychischen Gesundheitszustand des Beigeladenen. Damit man
gelt es an verlässlichen medizinischen
Voraussetzungen
zur Beurteilung der gesundheitlichen Situation und der Arbeitsfähigkeit des Beigeladenen und damit an der Grundlage für einen Entscheid. Entsprechend
sind
die angefochtene
n
Ver
fügung
en
vom
11. April 2019
(Urk. 2) aufzuheben und die Sache zu weiteren Abklärungen in psychiatrischer Hinsicht und zum erneuten Entscheid über den Leistungsanspruch des
Beigeladenen
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
In diese
m Zusammenhang ist die Beschwerdegegnerin
daran zu erinnern
, dass gemäss BGE 143 V 409 auch leichte bis mittelschwer
e Depressionen und auch Suchter
krankungen (Urteil des Bundesgerichts 9C_274/2018 vom 11. Juli 2019) für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (Änderung der Recht
spre
chung, vgl. E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V
193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2).
Im Weiteren wird sich die Frage stellen, ob im Zusammenhang mit dem
neuen Ent
scheid über den Leistungsanspruch des Beigeladenen
in somatischer Hinsicht
weiterhin
auf das
Z._
-Gutacht
en abgestellt werden kann, nach
dem seit der gut
achterlichen Exploration am 3./4. April 2017 (Urk. 7/119/1-33 S. 1) aktuell bereits mehr
als drei
Jahre verstrichen sind. In jedem Fall wird einer zwischen den psychischen und somatischen Leiden bestehenden Wechselwirkung Rech
nung zu tragen sein.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenver
siche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens
aufwand und
unab
hän
gig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
legt
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
800
.-- festzusetzen und, da die Rückwei
sung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsie
gen gilt
(BGE 137 V 57 E. 2.2), ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen.
Damit erweist sich das Gesuch des Beigeladenen um unentgeltliche Proze
ssführung (Urk. 12 S. 1) als ge
genstandslos.