Decision ID: 337618b4-2e1a-5ce4-ae51-1841445b42fa
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 9. November 2021 in der Schweiz um
Asyl. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zent-
raleinheit Eurodac) ergab, dass er bereits am 4. November 2021 in Slowe-
nien um Asyl ersucht hatte. Des Weiteren hatte er am 23. Februar 2021
und am 10. Januar 2020 in B._ sowie am 14. April 2016 in
C._ ein Asylgesuch eingereicht.
B.
Mit Vollmacht vom 12. November 2021 mandatierte der Beschwerdeführer
die ihm zugewiesene Rechtsvertretung.
C.
Am 17. November 2021 fand die Personalienaufnahme statt.
D.
Im Rahmen des persönlichen Gesprächs gemäss Art. 5 Verordnung (EU)
Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni
2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-
gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen
oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-
nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), welches am
24. November 2021 stattfand, gewährte das SEM dem Beschwerdeführer
im Beisein seiner zugewiesenen Rechtsvertretung das rechtliche Gehör
zur Zuständigkeit Sloweniens für die Durchführung des Asyl- und Wegwei-
sungsverfahrens, zu einer Überstellung dorthin sowie zum medizinischen
Sachverhalt (vgl. Protokoll in den SEM-Akten: Akte 13). Der Beschwerde-
führer führte im Wesentlichen aus, er habe in Slowenien kein Asylgesuch
stellen, sondern einfach durchreisen wollen. Er sei aber von der Polizei
angehalten, geschlagen und ins Polizeibüro gebracht worden. Dort sei er
aufgefordert worden, entweder ein Deportationspapier zu unterzeichnen
oder ein Asylgesuch einzureichen. Von Slowenien sei er dann über Italien
in die Schweiz weitergereist. Nach seinem Gesundheitszustand gefragt,
gab er an, Probleme mit den (...) zu haben. Ihm sei gesagt worden, er
müsse unbedingt am (...) operiert werden. Psychisch gehe es ihm nicht
gut. Die Angst vor einer Deportation begleite ihn überall. Er habe in
C._ und in B._ negative Entscheide erhalten. Dies würde
ihm auch in Slowenien widerfahren. Er sei in die Schweiz gekommen, um
am Leben zu bleiben und sein Leben weiterzuführen.
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Der Beschwerdeführer reichte ärztliche Berichte aus C._ zu den
Akten.
E.
Am 24. November 2021 ersuchte das SEM die slowenischen Behörden
gestützt auf die Eurodac-Daten um Übernahme des Beschwerdeführers
gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO.
Die slowenischen Behörden hiessen das Ersuchen am 3. Dezember 2021
gut.
F.
Mit Verfügung vom 6. Dezember 2021 – tags darauf eröffnet – trat das SEM
auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und verfügte die
Überstellung nach Slowenien. Es beauftragte den zuständigen Kanton mit
dem Vollzug der Wegweisung, händigte die editionspflichtigen Akten ge-
mäss Aktenverzeichnis aus und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde
gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu.
G.
Mit Eingabe vom 7. Dezember 2021 teilte die Rechtsvertretung dem SEM
die Beendigung des Mandatsverhältnisses mit.
H.
Mit Beschwerde vom 13. Dezember 2021 an das Bundesverwaltungsge-
richt beantragt der Beschwerdeführer, die angefochtene Verfügung sei auf-
zuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, ihre Pflicht oder ihr Recht zum
Selbsteintritt auszuüben und sich für das vorliegende Asylverfahren für zu-
ständig zu erklären.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersucht der Beschwerdeführer um Ertei-
lung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde. Die Vollzugsbehörden
seien anzuweisen, bis zum Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts von
einer Überstellung nach Slowenien abzusehen. Es sei auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltliche Prozessfüh-
rung zu gewähren.
I.
Mit superprovisorischer Massnahme vom 14. Dezember 2021 setzte die
Instruktionsrichterin den Vollzug der Überstellung des Beschwerdeführers
gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 105 AsylG (SR 142.31) in Verbindung mit Art. 31 VGG ist
das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem
Gebiet des Asyls zuständig und entscheidet über diese in der Regel – wie
auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwer-
deführer ist zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf
die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108
Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb
sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines
zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e
AsylG) ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summarischer
Begründung zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art.
7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen
Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein
Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wie-
deraufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich
keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr
statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1).
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3.3 Die slowenischen Behörden stimmten dem Übernahmeersuchen der
Vorinstanz innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO festgelegten Frist zu.
Die Zuständigkeit Sloweniens ist somit grundsätzlich gegeben.
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, Slowenien sei nie sein Ziel-
land gewesen, ist ihm entgegenzuhalten, dass die Dublin-III-VO den
Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat
selbst zu wählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3).
4.
4.1 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-
ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die
Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-
sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-
lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen
Union (EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prüfen, ob aufgrund
dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden
kann. Kann kein anderer zuständiger Mitgliedstaat bestimmt werden, wird
der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat
(Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
4.2 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-
nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-
siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu-
manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-
VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche
Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE
2015/9 E. 8.2.1).
5.
5.1 Slowenien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
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(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Ausserdem darf auch davon ausgegangen werden, die-
ser Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende
aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates
2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuer-
kennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrens-
richtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Nor-
men für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantra-
gen (sog. Aufnahmerichtlinie), ergeben.
5.2 Das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Slowenien wei-
sen nach konstanter Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
keine systemischen Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und
3 Dublin-III-VO auf (vgl. Urteile des BVGer D-715/2021 vom 19. Februar
2021, F-4659/2020 vom 24. September 2020 E. 4.1 und F-3660/2020 vom
22. Juli 2020 E. 4.1). Für eine Änderung der Rechtsprechung besteht auch
in Würdigung der vom Beschwerdeführer gemachten Äusserungen zu sei-
ner Behandlung in Slowenien sowie der von ihm angeführten Verweise auf
verschiedene Berichte zur Lage Asylsuchender in Slowenien keine Veran-
lassung.
5.3 Nach dem Gesagten ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO
nicht gerechtfertigt.
6.
6.1 Zwar kann die Vermutung, Slowenien halte seine völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen ein, im Einzelfall widerlegt werden (vgl. BVGE 2010/45
E. 7.4 f.). Dies gelingt dem Beschwerdeführer aber nicht.
6.2 Es liegen keine Hinweise für die Annahme vor, dass der Beschwerde-
führer nach der Überstellung keinen Zugang zum Asylverfahren in Slowe-
nien hätte. Sein Einwand anlässlich des Dublin-Gespräches, er habe kein
Vertrauen zu Slowenien, vermag zu keiner anderen Einschätzung zu füh-
ren, zumal er sich dort offenbar nur wenige Tage aufgehalten und den Aus-
gang seines Asylverfahrens nicht abgewartet hat. Auch in seinem Fall ist
anzunehmen, dass in Slowenien das Non-Refoulement-Gebot eingehalten
wird. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass er bei einer Überstellung
einer Behandlung ausgesetzt wäre, die nicht mit Art. 3 EMRK vereinbar ist.
Zwar ist nicht auszuschliessen, dass er in Slowenien die geltend gemach-
ten Übergriffe tatsächlich erlebt hat. Dass er im Rahmen der Dublin-Über-
stellung erneut solchen ausgesetzt wäre, ist aber unwahrscheinlich. Wie
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vom SEM zu Recht festgehalten, ist zudem davon auszugehen, dass er
sich an die zuständigen Stellen wenden könnte, sollte er künftig tatsächlich
wieder mit ähnlichen Vorkommnissen konfrontiert sein, zumal Slowenien
ein Rechtsstaat mit einem funktionierenden Justizsystem ist.
Schliesslich liegen auch keine Hinweise vor, dass Slowenien seinen Ver-
pflichtungen im Rahmen der Dublin-III-VO in medizinischer Hinsicht nicht
nachkommen würde. Die Vorinstanz führt zutreffend aus, dass das Land
über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt und gemäss
Art. 19 Abs. 1 der Aufnahmerichtlinie verpflichtet ist, dem Beschwerdefüh-
rer die erforderliche medizinische Versorgung, welche zumindest die Not-
versorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten
und schweren psychischen Störungen umfasst, zu gewähren.
6.3 Hinsichtlich der geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden ist
im Einzelnen Folgendes festzuhalten:
6.3.1 Auch wenn die Annahme einer Verletzung von Art. 3 EMRK aus ge-
sundheitlichen Gründen nicht mehr ein fortgeschrittenes oder terminales
Krankheitsstadium beziehungsweise eine Todesnähe voraussetzt (vgl.
etwa noch BVGE 2011/9 E. 7 m.w.H.), bleibt die Schwelle hoch. Sie kann
erreicht sein, wenn eine schwer kranke Person durch die Abschiebung –
mangels angemessener medizinischer Behandlung im Zielstaat – mit ei-
nem realen Risiko konfrontiert würde, einer ernsten, raschen und unwie-
derbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt
zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung
der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili ge-
gen Belgien vom 13. Dezember 2016, 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
6.3.2 Anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 24. November 2021 (vgl.
A13/3) gab der Beschwerdeführer an, durch ein (...)leiden beeinträchtigt
zu sein. (...). Die operative Behandlung seines (...) in C._ habe auf-
grund seiner Rückführung nach Afghanistan nicht stattfinden können. Ihm
sei gesagt worden, er müsse unbedingt an diesem (...) operiert werden, da
er sonst einen (...) bekommen könnte. Besonders, wenn das Wetter kalt
werde, habe er Schmerzen im (...). Oft komme Blut aus dem (...) und er
habe (...). (...). Nachts habe er (...) und das sei unerträglich. Davon habe
er Schlafprobleme. Obschon er noch jung sei, sei er sehr schwach. Er
würde an ständiger Nervosität und Sorgen leiden.
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Dem bei der Vorinstanz eingereichten ärztlichen Bericht des D._
vom 22. August 2018 ist zu entnehmen, dass zur Behandlung eines (...)
ein operativer Eingriff bevorstand.
Gemäss einem ärztlichen Kurzbericht des E._ vom 26. November
2021 wurde beim Beschwerdeführer ein (...) diagnostiziert. Die operative
Versorgung des (...) sei ausstehend. Ebenso wurden (...) diagnostiziert.
Eine entsprechende Medikation mit (...) wurde eingeleitet. Des Weiteren
wurde der Beschwerdeführer ans F._ zu einer (...)-ärztlichen Un-
tersuchung zwecks Aufgleisung einer operativen Versorgung des (...) über-
wiesen und für einen (...) Termin am 9. Dezember 2021 angemeldet.
6.3.3 Ohne die gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdefüh-
rers verharmlosen zu wollen, handelt es sich bei ihm nach dem Gesagten
nicht um eine schwer kranke Person im Sinne der Rechtsprechung des
EGMR (vgl. E. 6.3.1). Das SEM hat den medizinischen Sachverhalt zu
Recht als ausreichend erstellt erachtet. Es führt in antizipierender Beweis-
würdigung zutreffend aus, dass die anlässlich der ausstehenden (...)-Un-
tersuchung im F._ beziehungsweise im Rahmen des (...) Termins
zu erwartenden Diagnosen nicht geeignet sein dürften, die Einschätzung
hinsichtlich der Zulässigkeit der Wegweisung nach Slowenien oder der An-
wendung der Souveränitätsklausel zu entkräften. Ergänzend kann diesbe-
züglich festgestellt werden, dass den Akten keine Hinweise auf eine medi-
zinische Notfallsituation zu entnehmen sind. Auch auf Beschwerdeebene
wird nicht geltend gemacht, dass sich die gesundheitliche Situation des
Beschwerdeführers seit dem 26. November 2021 in relevanter Weise ver-
schlechtert hätte. Im aktuellen Zeitpunkt ist somit nicht von einer schweren
Erkrankung im Sinne eines Überstellungshindernisses auszugehen. Das
SEM hält im Übrigen zu Recht fest, dass die Reisefähigkeit kurz vor der
Überstellung definitiv beurteilt werde. Die Vollzugsbehörden werden die
slowenischen Behörden im Sinne von Art. 31 und 32 Dublin-III-VO – sofern
notwendig – vor der Überstellung über den Gesundheitszustand und die
notwendige Behandlung informieren, wodurch die angemessene Weiter-
behandlung des Beschwerdeführers gewährleistet werden kann.
Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, in der Schweiz Medikamente zu
erhalten, die er im Falle der Ausreise nicht mehr bekommen würde, ist da-
rauf hinzuweisen, dass er beim SEM ein Gesuch um medizinische Rück-
kehrhilfe im Sinne von Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999
(AsylV 2, SR 142.312) stellen kann. Bei Bedarf kann ihm zur Sicherstellung
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Seite 9
einer lückenlosen Behandlung für die erste Zeit eine Reservemedikation
mitgegeben werden.
6.3.4 Der aktuelle Gesundheitszustand des Beschwerdeführers führt somit
für den Fall einer Überstellung nach Slowenien im Rahmen des Dublin-
Verfahrens nicht zur Annahme einer drohenden Verletzung von Art. 3
EMRK.
6.4 Nach dem Gesagten ist kein Grund für einen zwingenden Selbsteintritt
gestützt auf Art. 17 Dublin-III- VO und Art. 3 EMRK zu erkennen.
6.5 Es besteht auch kein Anlass, aus humanitären Gründen von einer
Überstellung des Beschwerdeführers zufolge seiner medizinischer Beein-
trächtigungen abzusehen.
6.5.1 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei
der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über
einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Aufgrund der Kog-
nitionsbeschränkung durch die Asylgesetzrevision vom 1. Februar 2014
(Streichung der Angemessenheitskontrolle des Bundesverwaltungsge-
richts gemäss aArt. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG) überprüft das Gericht den
vorinstanzlichen Verzicht der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht
mehr auf Angemessenheit hin; das Gericht beschränkt seine Beurteilung
nunmehr im Wesentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbe-
züglich korrekt und vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen
Rechnung getragen und seinen Ermessensspielraum genutzt hat (vgl.
Art. 106 Abs. 1 Bst. a und b AsylG).
6.5.2 Inwiefern das SEM die spezifischen Umstände des Einzelfalls nicht
genügend berücksichtigt haben soll – so dass ein Ermessenmissbrauch
anzunehmen wäre – wird in der Rechtsmitteleingabe nicht substantiiert gel-
tend gemacht und ist auch nicht erkennbar. Die angefochtene Verfügung
ist unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den
Akten keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- res-
pektive Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält
sich deshalb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen.
6.6 Nachdem kein Grund für eine Anwendung der Ermessenklauseln von
Art. 17 Dublin-III-VO besteht, bleibt Slowenien der für die Behandlung des
Asylgesuchs des Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss
Dublin-III-VO.
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7.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Der
Beschwerdeführer ist nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Nie-
derlassungsbewilligung, weshalb die Überstellung nach Slowenien in An-
wendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet wurde (Art. 32
Bst. a AsylV 1). Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Vo-
raussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1
Bst. b AsylG ist, sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3
und 4 AIG (SR 142.20) unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl.
BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.).
8.
Die Beschwerde ist aus den dargelegten Gründen abzuweisen und die Ver-
fügung der Vorinstanz zu bestätigen. Das Beschwerdeverfahren ist mit vor-
liegendem Urteil abgeschlossen, weshalb sich der Antrag auf Gewährung
der aufschiebenden Wirkung als gegenstandslos erweist. Der am 14. De-
zember 2021 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit dem vorliegenden Urteil
dahin.
9.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist abzu-
weisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen
ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Verfahrenskosten sind
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Behandlung des Gesuchs um Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses erübrigt sich mit dem vorlie-
genden abschliessenden Urteil in der Sache.
(Dispositiv nächste Seite)
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