Decision ID: 287b3bae-ca2e-5229-a483-50aca069e547
Year: 2016
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law
Law Sub-area: Oeffentliches Bau-, Raumplanungs- und Umweltrecht
Label: dismissal

Facts:
I. Sachverhalt
1. Aufgrund eines Hinweises des Beschwerdeführers 1 hat die Gemeinde Mühlethurnen
am 18. November 2015 davon Kenntnis erlangt, dass der Motorradclub "F._"
einen Teil der leerstehenden Gewerberäumlichkeiten der G._ Fabrik auf der
Parzelle Mühlethurnen Grundbuchblatt Nr. H._ zu einem Clublokal mit einer Bar
("I._Bar") umgenutzt hat. Die Parzelle liegt in der Arbeitszone AZ. Mit Schreiben
vom 27. November 2015 hat die Gemeinde den Beschwerdegegner zur Einreichung eines
nachträglichen Baugesuchs aufgefordert.
2. Der Beschwerdegegner reichte daraufhin am 4. Januar 2016 ein nachträgliches
Baugesuch bei der Gemeinde ein für die Umnutzung und den Innenausbau der genannten
Gewerberäumlichkeiten in ein privates Clublokal mit einem Büro- bzw. Sitzungsraum sowie
einem Aufenthaltsraum mit einer Bar. Dagegen erhoben die Beschwerdeführenden
Einsprache. Mit Entscheid vom 10. Juni 2016 erteilte die Gemeinde Mühlethurnen unter
Auflagen die Baubewilligung sowie eine Ausnahmebewilligung für die Nutzung als
Clublokal in der Arbeitszone.
3. Gegen diese Verfügung reichten die Beschwerdeführenden am 13. Juli 2016
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Die
Beschwerdeführenden beantragen die Aufhebung des Bauentscheids vom 10. Juni 2016
und die Erteilung des Bauabschlags. Eventualiter sei die Angelegenheit an die Vorinstanz
zurückzuweisen mit der Weisung, eine Lärmprognose durch ein Akustikbüro zu erstellen,
eine Messung der Lichtstärken vorzunehmen und ein entsprechendes Gutachten
ausarbeiten zu lassen sowie einen Augenschein vorzunehmen. Sie machen insbesondere
geltend, die Vorinstanz habe den Sachverhalt mangelhaft abgeklärt und zu Unrecht kein
Lärmgutachten eingeholt. Die Vorinstanz habe sich nicht genügend mit den Rügen
betreffend Lärm-, Licht- und Geruchsimmissionen auseinandergesetzt, sondern unbesehen
die Argumentation des Beschwerdegegners übernommen. Die Gemeinde hält an ihrem
Entscheid fest, verzichtet aber auf die Stellung eines förmlichen Antrags. Der
Beschwerdegegner beantragt hingegen die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde,
soweit darauf einzutreten sei.
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4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte neben den Vorakten bei der Fachstelle für
Lärmakustik/Lasertechnik der Kantonspolizei Bern einen Fachbericht ein. Die Parteien
erhielten Gelegenheit, sich zum Fachbericht zu äussern und Schlussbemerkungen
einzureichen.
5. Auf die Rechtsschriften und den Fachbericht wird, soweit für den Entscheid
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 Abs. 1 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist damit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Die Beschwerdeführenden wiesen mit Schreiben vom
8. September 2016 jedoch darauf hin, dass der Beschwerdegegner Angestellter beim Amt
für Grundstücke und Gebäude des Kantons Bern (AGG) ist. Sie "bitten" deshalb darum,
von Amtes wegen zu prüfen, ob das Beschwerdeverfahren vor der BVE durchgeführt
werden könne oder ob das genannte Anstellungsverhältnis des Beschwerdegegners für die
BVE einen Ausstandsgrund darstelle.
Gemäss Art. 9 Abs. 1 VRPG3 können Ausstands- und Ablehnungsgründe bloss gegen
einzelne Mitglieder einer Behörde und gegen Personen, die eine Verfügung oder einen
Entscheid zu treffen haben, geltend gemacht werden, nicht aber gegen eine Behörde als
solche.4 Die von den Beschwerdeführenden in diesem Zusammenhang geäusserten
Bedenken, welche sich gegen die BVE als Gesamtbehörde richten, können demnach nur
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 4 BVR 2002 S. 426 E. 1b/bb; VGE 2012/283 vom 15.5.2013, E. 1.2; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 9 N. 7
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so verstanden werden, dass die Beschwerdeführenden die Unbefangenheit aller
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des mit der Verfahrensleitung befassten Rechtsamts der
BVE sowie diejenige der unterzeichnenden Direktorin der BVE in Frage stellen. Bei dieser
Ausgangslage müsste das Vorliegen von Ausstands- und Ablehnungsgründen gemäss
Art. 9 Abs. 2 VRPG von der zuständigen Rechtsmittelbehörde, mithin dem
Verwaltungsgericht des Kantons Bern, beurteilt werden.5 Da die Beschwerdeführenden
aber kein förmliches Ablehnungsbegehren gestellt haben, erübrigte sich vorliegend eine
Weiterleitung der Eingabe der Beschwerdeführenden an das Verwaltungsgericht bzw. ein
Entscheid über eine Ablehnung. Im Übrigen sind ohnehin keine Gründe ersichtlich, welche
vorliegend auf eine Befangenheit der mit dem Beschwerdeverfahren befassten Personen
schliessen lassen würden.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die
Beschwerdeführenden, deren Einsprache abgewiesen wurde, sind durch den
vorinstanzlichen Bauentscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert.
Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten.
2. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden rügen, die Vorinstanz begründe den angefochtenen
Entscheid nicht im eigentlichen Sinne, sondern stelle vielmehr auf nicht belegte oder gar
falsche Behauptungen und Annahmen ab. Auch sei sie im Grunde nicht auf die von den
Beschwerdeführenden in ihrer Einsprache angeführten Argumente eingegangen. So habe
keine wirkliche Auseinandersetzung mit der Lärm-, Licht- und Geruchsimmissionssituation
stattgefunden. Die Vorinstanz wäre insbesondere dazu verpflichtet gewesen, ein Beweis-
und Ermittlungsverfahren gemäss den Bestimmungen der LSV6 durchzuführen und dabei
wie von den Beschwerdeführenden beantragt eine Lärmprognose erstellen zu lassen.
Durch ihr Vorgehen habe die Vorinstanz den Anspruch der Beschwerdeführenden auf
rechtliches Gehör verletzt.
5 BVR 2002 S. 426 E. 1b/bb; VGE 2012/283 vom 15.5.2013, E. 1.2 6 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41)
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Der Beschwerdegegner hält dem entgegen, die Vorinstanz habe sich mit sämtlichen
Einsprachepunkten rechtsgenüglich auseinandergesetzt und die Hauptgründe, welche zur
Erteilung der Baubewilligung führten, genannt. Das Nichteinholen eines Lärmgutachtens
lasse zudem nicht automatisch auf eine mangelhafte Sachverhaltsabklärung schliessen.
So kenne die Vorinstanz sowohl das Innere des Clublokals als auch die allgemeine
Situation vor Ort. Im Gegensatz zu den Beschwerdeführenden hätten sich Vertreter der
Gemeinde anlässlich des Eröffnungsanlasses vom 23. Januar 2016 nämlich selber ein Bild
von den Räumlichkeiten gemacht.
Die Gemeinde weist den Vorwurf der ungenügenden Entscheidbegründung zurück. Sie
habe sich mit allen Rügen der damaligen Einsprecher in genügender Weise
auseinandergesetzt. Da sie das Betriebskonzept zum verbindlichen Bestandteil der
Baubewilligung erklärt habe, hätte sie sich mit der Annahme der Beschwerdeführenden,
wonach ein öffentliches Lokal mit entsprechenden Lärmimmissionen bewilligt werde, nicht
weiter auseinandersetzen müssen.
b) Die Behörden stellen den Sachverhalt von Amtes wegen fest; sie sind nicht an die
Beweisanträge der Parteien gebunden (Art. 18 VRPG). Der Anspruch auf rechtliches
Gehör (Art. 21 ff. VRPG) verpflichtet aber die Behörden, die von den Parteien angebotenen
Beweise abzunehmen, sofern diese nötig sind für die Klärung des Sachverhalts. Wenn die
Behörde bei freier, pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung gelangt, die
vorhandenen Akten erlaubten die richtige und vollständige Feststellung des Sachverhalts
oder die behauptete Tatsache sei für die Entscheidung der Streitsache nicht von
Bedeutung, so kann sie auf das Erheben weiterer Beweise verzichten (sog. antizipierte
Beweiswürdigung). Wenn die Behörde dagegen Beweisanträge zu Unrecht ablehnt, begeht
sie eine Gehörsverletzung.7
Nach Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG muss eine Verfügung eine Begründung enthalten. Eine
Begründung muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen die Verfügung sachgerecht
anfechten können. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von
denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Behörde
muss jedoch nicht auf jedes Argument der Parteien eingehen; es genügt, wenn sie sich mit
den wesentlichen Gesichtspunkten auseinandergesetzt hat.8
7 BVR 2012 S. 252 E. 3.3.3; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 18 N. 8 ff. 8 BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 52 N. 5
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Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist ein formeller Anspruch; die Verletzung des
rechtlichen Gehörs führt deshalb grundsätzlich zur Aufhebung des angefochtenen
Entscheids. Eine Gehörsverletzung kann aber dann geheilt werden, wenn die
Rechtsmittelinstanz dieselbe Kognition hat wie die Vorinstanz und der
beschwerdeführenden Person aus der Heilung kein Nachteil erwächst, mithin sie ihre
Rechte im Beschwerdeverfahren vollumfänglich wahrnehmen konnte. Bei besonders
schwerwiegenden Gehörsverletzungen schliesst die Rechtsprechung jedoch eine Heilung
grundsätzlich aus.9 Die Heilung des rechtlichen Gehörs ist allenfalls bei der
Kostenverlegung zu berücksichtigen.10
c) Die Beschwerdeführenden rügen nicht, dem angefochtenen Entscheid fehle es
gänzlich an einer Begründung. Sie machen lediglich geltend, die Vorinstanz stütze sich bei
ihrer Begründung auf nicht belegte oder gar falsche Behauptungen und Annahmen.
Demnach war es für die Beschwerdeführenden nachvollziehbar, von welchen
Überlegungen sich die Vorinstanz hat leiten lassen. Ob es sich bei diesen Überlegungen
letztlich um nicht belegte bzw. falsche Behauptungen und Annahmen handelt, ist erst im
Rahmen der materiellen Beurteilung zu prüfen. Eine Gehörsverletzung ist der Vorinstanz
insoweit jedenfalls nicht vorzuwerfen.
d) Die Gemeinde hat sich zudem genügend mit der Licht- und Geruchssituation bzw. mit
den diesbezüglichen Einsprachepunkten der Beschwerdeführenden auseinandergesetzt.
Es bestand für die Gemeinde auch kein Anlass, in diesem Zusammenhang weitere
Abklärungen vorzunehmen; sie hat gestützt auf eine antizipierte Beweiswürdigung zu
Recht auf weitere Beweismassnahmen zu diesen Fragen verzichtet (E. 6 f.).
e) Hinsichtlich der Lärmsituation präsentiert sich die Lage hingegen anders. Gemäss
Art. 36 Abs. 1 LSV ermittelt die Vollzugsbehörde die Aussenlärmimmissionen ortsfester
Anlagen oder ordnet deren Ermittlung an, wenn sie Grund zur Annahme hat, dass die
massgebenden Belastungsgrenzwerte überschritten sind oder ihre Überschreitung zu
erwarten ist. Die Beantwortung der Frage, ob Grund zur Annahme besteht, dass die
Belastungsgrenzwerte überschritten werden, verlangt eine vorweggenommene Würdigung
der Lärmsituation. Ist diese Frage zu bejahen, so ist die Behörde zur Durchführung eines
9 BVR 2012 S. 28 E. 2.3.5; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 21 N. 16 10 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 108 N. 9
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Beweis- und Ermittlungsverfahrens nach den Art. 36 ff. LSV und den Anhängen 2-7 LSV
verpflichtet, ohne dass ihr insoweit noch ein Ermessenspielraum zustünde.11 Dies gilt für
alle Bauvorhaben, auch für vermeintlich "unbedeutende": Massgeblich ist einzig, ob die zu
erwartenden Aussenlärmimmissionen des Vorhabens die Planungswerte überschreiten
können. Dabei dürfen keine hohen Anforderungen an die Wahrscheinlichkeit der
Überschreitung der Planungswerte gestellt werden. Setzt die Erteilung der Baubewilligung
eine positive Prognose hinsichtlich der Einhaltung der Planungswerte voraus – was
vorliegend der Fall ist (E. 5c) –, so sind weitere Ermittlungen in Form einer Lärmprognose
schon dann geboten, wenn eine Überschreitung der Planungswerte möglich erscheint, das
heisst beim aktuellen Kenntnisstand nicht ausgeschlossen werden kann.12
Es ist zwar nachvollziehbar, dass die Gemeinde angesichts ihrer Ortskenntnisse – welche
nicht zuletzt auf die Besichtigung des Clublokals durch Vertreter der Gemeinde und der
Ortspolizei anlässlich des Eröffnungsanlasses vom 23. Januar 2016 zurückzuführen sind –
auf die Einholung eines Lärmgutachtens verzichtet hat. Sie konnte aber im Zeitpunkt der
Erteilung der Baubewilligung eine Überschreitung der Planungswerte nicht vollständig
ausschliessen. Aufgrund der blossen Möglichkeit einer Überschreitung der Planungswerte
wäre die Vorinstanz gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung verpflichtet gewesen,
eine Lärmprognose einzuholen. Die Vorinstanz hat den entsprechenden Beweisantrag
folglich zu Unrecht abgelehnt und damit den Anspruch der Beschwerdeführenden auf
rechtliches Gehör verletzt. Durch die Einholung eines Fachberichts bei der Fachstelle für
Lärmakustik/Lasertechnik der Kantonspolizei Bern hat die BVE diesen Mangel jedoch
geheilt. Als erste Beschwerdeinstanz kommt ihr nämlich eine umfassende
Überprüfungsbefugnis bzw. Kognition zu (Art. 40 Abs. 3 BauG).13 Die
Beschwerdeführenden bringen zudem nicht vor und es ist auch sonst nicht ersichtlich, dass
ihnen durch die Gehörsverletzung ein Rechtsnachteil entstanden sei. Der Mangel ist aber
bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen.
3. Vereinslokal / Gastgewerbebetrieb
11 BGer 1A.180/2006 vom 9.8.2007, E. 5.5; BGE 115 Ib 446 E. 3a S. 451 12 BGer 1A.180/2006 vom 9.8.2007, E. 5.5 13 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 40-41 N. 9 und 11
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a) Die Vorinstanz hat eine Umnutzung von Gewerberäumlichkeiten in ein Clublokal
bewilligt und damit das Einholen einer Gastgewerbebewilligung als nicht notwendig
erachtet. Die Beschwerdeführenden sind dagegen der Auffassung, beim strittigen Clublokal
handle es sich nicht bloss um ein Versammlungslokal für einen Verein, sondern um einen
Barbetrieb, welcher zumindest einmal pro Woche auch Gästen offen stünde und in
welchem gegrillt bzw. gegessen würde. Es ist somit zu prüfen, ob es sich beim
vorliegenden Clublokal um einen bewilligungspflichtigen Gastgewerbebetrieb im Sinne von
Art. 6 Abs. 2 GGG14 oder um ein Vereinslokal handelt, welches unter bestimmten
Voraussetzungen nicht dem GGG unterstellt wäre.
b) Gemäss Art. 3 Abs. 1 Bst. g GGG sind Lokale von Vereinen, sofern sie der
Bewilligungsbehörde gemeldet sind und die in der GGV15 umschriebenen Einschränkungen
einhalten, nicht dem GGG unterstellt. Die Einschränkungen gemäss GGV lauten wie folgt:
"Art. 8 Lokale von Vereinen
1 Die Einschränkungen gemäss Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe g GGG für Lokale von Vereinen sind:
a Der Betrieb des Vereinslokals darf nicht den Hauptzweck des Vereins darstellen. b Der Verein muss das Lokal selber auf eigene Rechnung führen. c Der Umsatz darf 50'000 Franken und die Lokalmiete 18'000 Franken je Jahr nicht
übersteigen. d Das Lokal darf nach aussen nicht wie ein Gastgewerbebetrieb in Erscheinung
treten. e Ausserhalb des Lokals darf nicht für das Speise- und Getränkeangebot geworben
werden. f Das Lokal darf nur Vereinsmitgliedern und ausnahmsweise Gästen in deren
Begleitung offen stehen. g Die Zutrittsberechtigung ist in geeigneter Weise zu kontrollieren. h Die Vereinsmitgliedschaft darf nicht beim Besuch des Lokals erworben werden
können. i Das Lokal darf nicht regelmässig über die Polizeistunde gemäss Artikel 11 GGG
hinaus geöffnet sein. 2 (...)"
c) Beim Motorradclub "F._" handelt es sich nicht um einen Verein im Sinne von
Art. 60 ff. ZGB16. Gemäss den Ausführungen des Beschwerdegegners ist der Club
vielmehr ein loser Zusammenschluss von sechs langjährigen Motorradfreunden. Dies
ändert jedoch nichts an der Anwendbarkeit der vorerwähnten Bestimmungen des GGG
14 Gastgewerbegesetz vom 11. November 1993 (GGG; BSG 935.11) 15 Gastgewerbeverordnung vom 13. April 1994 (GGV; BSG 935.111) 16 Schweizerisches Zivilgesetzbuch vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 210)
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bzw. der GGV betreffend Vereinslokale. Es ist nämlich kein Grund ersichtlich, weshalb
diese Bestimmungen nicht auch auf Lokale von vereinsähnlichen Zusammenschlüssen
ohne Statuten angewendet werden sollten. Dies wird denn auch in der Praxis regelmässig
getan.
d) Da es sich nicht um einen Verein handelt, gibt es auch keine Statuten, aus welchen
sich der Vereinszweck ergeben würde. Gemäss den Angaben des Beschwerdegegners sei
der Club aber nicht gegründet worden, um eine Bar zu führen bzw. den Clubmitgliedern
ökonomische Vorteile durch den Verkauf von Speisen und Getränken oder durch die
Vermietung des Clublokals zu verschaffen, sondern einzig zur Freundschaftspflege und zur
Durchführung gemeinsamer Aktivitäten (insbesondere Motorradausfahrten). Dies erscheint
glaubhaft und deckt sich mit den Ausführungen im Betriebskonzept "I._ Bar"17,
welches gemäss Ziffer 3 erstes Lemma des Dispositivs des angefochtenen Bauentscheids
zum verbindlichen Bestandteil der Baubewilligung erklärt worden ist. Danach dient die Bar
lediglich als Treffpunkt für ein Bier, das Feiern von Familienfesten sowie das gesellige
Beisammensein mit Freunden.18 Dementsprechend verfügt das Clublokal auch nur über
sehr eingeschränkte Öffnungszeiten (donnerstags von 19:00 bis 23:00 Uhr und zwischen
Oktober bis April auch samstags von 20:00 bis 01:00 Uhr).19 Auch das Getränkeangebot ist
äusserst überschaubar bzw. auf den clubeigenen Bedarf ausgerichtet; auf das generelle
Anbieten von Speisen wird zudem verzichtet.20
e) Des Weiteren bestehen keine Anhaltspunkte, wonach das Clublokal nicht auf eigene
Rechnung des Motorradclubs geführt würde oder dessen Umsatz die Grenze von
Fr. 50'000.– übersteigen könnte. So werden die Getränke aus der Clubkasse finanziert und
bei deren Konsumation lediglich auf eine entsprechende Spende hingewiesen.21 Dem
Mietvertrag betreffend Abstellplätze für Motorfahrzeuge und Zweiräder vom 6./10. August
2016 ist zudem zu entnehmen, dass die monatliche Miete für die Räumlichkeiten und
Parkflächen insgesamt Fr. 600.– beträgt und damit deutlich unter dem jährlichen
Höchstbetrag von Fr. 18'000.– liegt.
17 Vgl. Vorakten pag. 22 18 Vgl. Ziffer 1 und 4 des Betriebskonzepts "I._ Bar", Vorakten pag. 22 19 Vgl. Ziffer 6 des Betriebskonzepts "I._ Bar", Vorakten pag. 22 20 Vgl. Ziffer 7 des Betriebskonzepts "I._ Bar", Vorakten pag. 22 21 Vgl. Ziffer 7.1 des Betriebskonzepts "I._ Bar", Vorakten pag. 22
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f) Das Clublokal ist ferner gegen aussen nicht als Bar erkennbar und es wird auch
keine Werbung betrieben. Dies wird von den Beschwerdeführenden denn auch nicht
behauptet. In seinen Schlussbemerkungen vom 7. November 2016 hat sich der
Beschwerdegegner sodann bereit erklärt, eine allfällige Auflage, welche eine Vermietung
des Clublokals an Dritte verbieten würde, zu akzeptieren (E. 5e/f). Für allfällige öffentliche
Anlässe können separate Einzelbewilligungen gemäss Art. 7 Abs. 1 Bst. a GGG eingeholt
werden; diese sind jedoch nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens.
g) Schliesslich befindet sich auf der Internetseite des Motorradclubs der Hinweis,
wonach es sich bei der "I._ Bar" um einen Privatclub handelt, in welchen man nur
mit einer Mitgliederkarte Zutritt hat. Wie der Beschwerdegegner richtigerweise geltend
macht, wird dabei an keiner Stelle erwähnt, wie man eine solche Mitgliederkarte erwerben
kann. Folglich erscheint die Aussage des Beschwerdegegners, es würden nicht aktiv neue
Mitglieder angeworben und die jetzigen Clubmitglieder hätten ohnehin kein Interesse an
der Aufnahme solcher, ebenfalls glaubhaft. Der Beschwerdegegner führt überdies aus, das
Clublokal stünde nur den sechs Clubmitgliedern und ausnahmsweise deren
Familienmitgliedern und Freunden offen. Die Zutrittsregelung werde mittels Aushändigung
von Mitgliederkarten strikte umgesetzt. Über die verteilten Karten bzw. die
Zutrittsberechtigten werde genau Liste geführt. Die Eingangstüre bliebe den ganzen Abend
über verschlossen und werde nach dem Klingelzeichnen und nur bei Vorzeigen einer
Mitgliederkarte geöffnet. Diese Schilderungen entsprechen den Ziffern 4 und 9 des
Betriebskonzepts "I._ Bar".22 Die Existenz der besagten Mitgliederkarten und -liste
ergibt sich sodann aus Beilage 1 der Stellungnahme des Beschwerdegegners vom
14. März 2016.23 Insofern hat nicht jeder Zugang zur fraglichen Bar. Diese steht vielmehr
nur einem sehr beschränkten Personenkreis zur Verfügung. Etwas anderes lässt sich auch
nicht aus dem blossen Platzangebot, welches das Lokal maximal bietet, ableiten. Ob es
sich wie von den Beschwerdeführenden geltend gemacht bei den "F._" um einen
Ableger der "Hells Angels" handelt, was vom Beschwerdegegner ausdrücklich bestritten
wird, ist für die Frage des Vorliegens eines bewilligungspflichtigen Gastgewerbebetriebs im
Übrigen nicht relevant und kann daher offen gelassen werden.
h) Nach dem Gesagten handelt es sich beim Clublokal nicht um eine öffentliche,
gewerblich betriebene Bar. Dementsprechend benötigt der Beschwerdegegner auch keine
22 Vgl. Vorakten pag. 22 23 Vgl. Vorakten pag. 40
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gastgewerbliche Betriebsbewilligung. Daran ändert auch die von den
Beschwerdeführenden befürchtete Möglichkeit, dass gegen die Baubewilligung bzw. die
damit verbundenen Auflagen verstossen werden könnte, nichts. Die Aufsicht über die
Einhaltung der Bauvorschriften sowie der Bedingungen und Auflagen der Baubewilligung
ist vielmehr Sache der zuständigen Baupolizeibehörde, welche gegebenenfalls ein
separates baupolizeiliches Verfahren einzuleiten hat (Art. 45 Abs. 1 und 2 BauG).
Gemäss Art. 8 Abs. 1 Bst. i GGV i.V.m. Art. 11 Abs. 1 GGG darf das Lokal jedoch nicht
regelmässig über 00:30 Uhr hinaus geöffnet sein. Regelmässigkeit wird in diesem
Zusammenhang praxisgemäss bereits dann angenommen, wenn das Lokal mindestens
einmal pro Monat über die Polizeistunde hinaus geöffnet hat. Zudem muss das Clublokal
dem Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland, welches vorliegend gemäss Art. 31 Abs. 1
GGG die zuständige Bewilligungsbehörde für Gastgewerbebetriebe ist, gemeldet werden.24
Beides lässt sich mittels entsprechender Auflagen sicherstellen. Bezüglich der behaupteten
Lärm-, Licht- und Geruchsimmissionen wird im Übrigen auf die diesbezüglichen
Erwägungen verwiesen (E. 5 ff.).
4. Zonenkonformität / Ausnahmebewilligung
a) Das Clublokal befindet sich in der Arbeitszone AZ. In dieser dürfen gemäss Art. 25
Abs. 1 GBR25 grundsätzlich nur Gewerbe-, Industrie- und Bürobauten erstellt werden. Die
Vorinstanz führt in ihrem Entscheid aus, weder im Gemeindebaureglement noch im
Zonenplan sei eine Zone ausgeschieden, die explizit auch nicht gewerbliche
Versammlungslokale zuliesse. Aus diesem Grund und mit Hinweis auf den Umstand,
wonach unmittelbar neben dem Baugrundstück das Kulturzentrum "J._"
angesiedelt sei, welches eine vergleichbare Nutzung wie das Clublokal aufweise, hat die
Vorinstanz dem Beschwerdegegner neben der Baubewilligung auch eine
Ausnahmebewilligung für die Nutzung als Clublokal in der Arbeitszone erteilt.
b) Die Beschwerdeführenden machen dagegen geltend, der von der Vorinstanz
vorgenommene Vergleich mit dem bestehenden Kulturzentrum "J._" sei
24 Vgl. zum Ganzen Merkblatt/Meldeformular Vereinslokale, einsehbar unter <https://www.jgk.be.ch/jgk/de/index/direktion/organisation/rsta/formulare_bewilligungen/gastgewerbe.html> 25 Baureglement der Einwohnergemeinde Mühlethurnen vom 29. April 2002 (GBR)
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unzulässig. Die Vorinstanz hätte sich vielmehr mit den durch das vorliegend umstrittene
Clublokal zu erwartenden Lärm-, Licht- und Geruchsimmissionen auseinandersetzen
müssen.
c) Laut Art. 26 BauG können Ausnahmen von einzelnen Bauvorschriften – worunter
insbesondere die Nutzungsvorschriften der Bauzone fallen – bewilligt werden, wenn
besondere Verhältnisse es rechtfertigen und wenn keine öffentlichen Interessen
entgegenstehen. Ausnahmen dürfen überdies keine wesentlichen nachbarlichen
Interessen verletzen, es sei denn, die Beeinträchtigung könne durch Entschädigung
vollwertig ausgeglichen werden. Diese Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein.26
d) Die Beschwerdeführenden bestreiten nicht das Vorliegen besonderer Verhältnisse.
Sie rügen einzig eine ungenügende Prüfung der durch den Betrieb des Clublokals zu
erwartenden Lärm-, Licht- und Geruchsimmissionen. Diesbezüglich kann jedoch auf die
nachfolgenden Ausführungen verwiesen werden (E. 5 ff.). Aus diesen geht insbesondere
hervor, dass durch das Clublokal weder öffentliche noch wesentliche nachbarliche
Interessen beeinträchtigt bzw. verletzt werden. Folglich ist nicht zu beanstanden, dass die
Vor-instanz dem Beschwerdegegner eine Ausnahmebewilligung für die zonenfremde
Nutzung erteilt hat.
5. Lärmimmissionen
a) Die Beschwerdeführenden befürchten, die Umnutzung der bestehenden
Gewerberäumlichkeiten zum Clublokal der "F._" würde zu einer übermässigen
Lärmbelastung bzw. zur Nichteinhaltung der umweltschutzrechtlichen Bestimmungen über
den Lärmschutz führen.
b) Die Umweltschutzgesetzgebung bezweckt insbesondere, Menschen und Tiere gegen
schädliche oder lästige Einwirkungen zu schützen (Art. 1 Abs. 1 USG27). Zu diesen
"Einwirkungen" gehört unter anderem Lärm (Art. 7 USG). Das Umweltschutzrecht sieht die
Begrenzung dieser unerwünschten Einwirkungen an der Quelle nach einem zweistufigen
Konzept vor: Einwirkungen, die schädlich oder lästig werden könnten, sind im Sinne der
Vorsorge frühzeitig zu begrenzen (Art. 1 Abs. 2 USG). Dabei sind gemäss Art. 11 Abs. 2
26 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 26-27 N. 1 und 3 27 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01)
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USG zunächst unabhängig von der bestehenden Belastung die Emissionen soweit zu
begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist. Wenn
aber feststeht oder zu erwarten ist, dass die Einwirkungen unter Berücksichtigung der
bestehenden Umweltbelastung schädlich oder lästig werden, sind die
Emissionsbegrenzungen zu verschärfen (Art. 11 Abs. 3 USG).
c) Der Bundesrat hat in der LSV Belastungsgrenzwerte (Planungs-, Immissionsgrenz-
und Alarmwerte) für verschiedene Lärmarten festgelegt. Für den durch den Betrieb eines
Vereinslokals verursachten Lärm fehlen jedoch spezifische Belastungsgrenzwerte. Nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind die in Anhang 6 LSV vom Bundesrat
festgelegten Werte zwar massgebend für typischen Industrie- und Gewerbelärm (z.B.
Maschinenlärm), können jedoch nicht direkt auf Gaststätten, Diskotheken und ähnliche
Betriebe angewendet werden, da dort überwiegend menschliches Verhalten Ursache der
Lärmimmissionen ist.28 Die Lärmimmissionen sind daher im Einzelfall nach Art. 15 USG
unter Berücksichtigung von Art. 19 und Art. 23 USG zu beurteilen (Art. 40 Abs. 3 LSV).29
Nach Art. 15 USG sind die Immissionsgrenzwerte für Lärm so festzulegen, dass nach dem
Stand der Wissenschaft oder der Erfahrung Immissionen unterhalb dieser Werte die
Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich stören. Bei dieser Beurteilung im
Einzelfall sind neben der zonenmässigen Zuordnung und der entsprechenden
Empfindlichkeitsstufe auch der Charakter des Lärms, Zeitpunkt und Häufigkeit seines
Auftretens sowie die Lärmempfindlichkeit bzw. Lärmvorbelastung der Zone, in der die
Immissionen auftreten, zu berücksichtigen.30 Den mit den örtlichen Verhältnissen
vertrauten Bewilligungsbehörden kommt dabei ein gewisser Beurteilungsspielraum zu.31
Mitentscheidend ist weiter, ob es sich um eine Neuanlage oder um die Änderung einer
bestehenden Anlage handelt. Die Lärmimmissionen neuer Anlagen dürfen die
Planungswerte grundsätzlich nicht überschreiten und höchstens geringfügige Störungen
verursachen (Art. 7 LSV). Wesentlich geänderte Anlagen müssen dagegen lediglich die
Immissionsgrenzwerte respektieren und dürfen zu keinen erheblichen Störungen führen
(Art. 8 LSV). Beim strittigen Clublokal handelt es sich um eine Anlage nach Art. 7 Abs. 7
28 BGE 123 II 325 E. 4d/aa 29 BGE 133 II 292 E. 3.3., 126 II 366 E. 2c; BVR 2002 S. 356 E. 2c 30 BGE 133 II 292 E. 3.3 mit Hinweisen; BVR 2002 S. 356 E. 2c, 2000 S. 122 E. 4c 31 BVR 2002 S. 356 E. 2c
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USG und Art. 2 Abs. 1 LSV.32 Die Räumlichkeiten, in welchen das Lokal eingerichtet
worden ist, wurden früher zu Abpackungszwecken der G._ genutzt. Der Zweck der
Räumlichkeiten wurde somit vollständig geändert, weshalb es sich um eine neue Anlage im
Sinne von Art. 2 Abs. 2 LSV handelt. Das Clublokal darf folglich zu höchstens
geringfügigen Störungen führen.
Bei der Beurteilung von Lärmimmissionen sind alle einem Betrieb zurechenbaren
Lärmemissionen zu berücksichtigen, d.h. alle Geräusche, die durch die bestimmungs-
gemässe Nutzung der Anlage verursacht werden, unabhängig davon, ob sie innerhalb oder
ausserhalb des Gebäudes entstehen.33 Zu diesem Lärm gehört nicht nur der technisch
verursachte Lärm, sondern auch der Lärm infolge menschlichen Verhaltens.34 Dies gilt
insbesondere auch für Lärm, der von den Benutzerinnen und Benutzern der Anlage
ausserhalb des Gebäudes verursacht wird, jedenfalls wenn die Lärmverursachung in
unmittelbarer Nähe eines Lokals erfolgt und in Zusammenhang mit dessen Benutzung
steht.
d) Das Clublokal befindet sich in der Arbeitszone AZ. In dieser gilt die
Empfindlichkeitsstufe III (Art. 33 GBR). Die östlich angrenzende Parzelle Mühlethurnen
Grundbuchblatt Nr. K._, auf welcher sich die Liegenschaft der
Beschwerdeführenden befindet, liegt in der Wohn- und Arbeitszone WA, für die gemäss
Art. 33 GBR ebenfalls die Empfindlichkeitsstufe III gilt. Es sind somit nur mässig störende
Betriebe zugelassen (Art. 43 Abs. 1 Bst. c LSV).
e) Die Fachstelle für Lärmakustik/Lasertechnik der Kantonspolizei Bern hat das
umstrittene Lokal untersucht. Sie stellte dabei Folgendes fest35:
Zur Lage/Beschreibung des Clublokals:
Die Liegenschaft auf der Parzelle Mühlethurnen Grundbuchblatt Nr. H._ diene
einerseits dem Wohnen (Obergeschoss) und andererseits als Lager- und Umschlagshalle
resp. für die Interessen des Motorradclubs (Erdgeschoss) sowie zum Zuschneiden und
32 Vgl. dazu BGE 123 II 74 E. 3c; BGE vom 28. März 1996, in URP 1997 S. 197 ff. E. 2 33 BGE 133 II 292 E. 3.1, 123 II 325 E. 4a/bb; Robert Wolf, in Kommentar USG, 2000, Art. 25 N. 36 34 BGE 123 II 74 E. 3b; Urs Walker, Umweltrechtliche Beurteilung von Alltags- und Freizeitlärm, in URP 2009 S. 64 ff., S. 70 35 Fachbericht vom 30. September 2016
RA Nr. 110/2016/98 15
Reifen von Kabis. Der Zugang zum Clublokal erfolge von der Ostfassade her über die
dortige Verladerampe ins Gebäudeinnere. Von dort gelange man in einer Tiefe von
ca. 8 Metern zum Eingang des Clublokals. Das Lokal selber sei bereits realisiert worden
und werde auch schon betrieben. Hierzu sei der betreffende Raum eigenständig zu einer
Bar bzw. zum Clublokal umgebaut worden. Das Clublokal solle ca. 40 Personen Platz
bieten. Die Toiletten befänden sich ausserhalb des Clublokals, jedoch im Innern des
Gebäudes, links neben dem Eingang zum Lokal.
Besucher der Lokalität würden individuell anreisen, vornehmlich mit dem motorisierten
Individualverkehr. Den Mitgliedern stünden genügend Parkplätze auf dem Gelände der
Landi Mühlethurnen (recte: Landi Thun) zur Verfügung. Die Motorräder sollten auf dem
Platz nordseitig des Gebäudes, in welchem sich das Clublokal befindet, parkiert werden.
Die Zu- und Wegfahrt mit den Motorrädern solle über die M._strasse erfolgen.
Die am stärksten von Immissionen betroffene Anwohnerschaft befände sich im selben
Gebäude wie das Clublokal. Die Liegenschaft der Beschwerdeführenden liege in einer
Distanz von ca. 27 Metern zum Haupteingang des Lokals entfernt.
Betrieblicher Lärm:
Die Fachstelle hat eine Besichtigung der betreffenden Räumlichkeiten durchgeführt und
sich dabei vom Beschwerdegegner das Betriebskonzept erläutern lassen. Die Fachstelle
hat sich sodann den vom Beschwerdegegner maximal beabsichtigten Musikschallpegel
abspielen lassen und dabei festgestellt, dass dieser einer Hintergrundmusik von maximal
75 dB(A) entspricht, was erfahrungsgemäss zu keinen übermässigen Störungen in der
unmittelbaren Nachbarschaft führe. Neben der Musikbeschallung könnte auch das
Verhalten von Clubmitgliedern im Freien (z.B. Raucher) zu Lärmimmissionen
unterschiedlicher Intensität führen (Diskussionen, Gelächter, Gläserklirren etc.). Je
fortgeschrittener die Nachtzeit, umso störender könnten sich solche Geräusche auf die
direkt angrenzende Nachbarschaft auswirken.
Im Gegensatz zu ordentlichen Gastgewerbebetrieben sei das vorliegende Clublokal jedoch
nur einem beschränkten Personenkreis zugänglich. Aufgrund des im Bauentscheid als
verbindlich erklärten Betriebskonzepts und unter Berücksichtigung der geplanten
Öffnungszeiten könne sodann erfahrungsgemäss davon ausgegangen werden, dass bei
einer ordentlichen Führung des Clublokals gesamthaft höchstens geringfügige Störungen
RA Nr. 110/2016/98 16
in der Anwohnerschaft auftreten würden. Bei einem Musikangebot im Lokalinnern müssten
aber, insbesondere ab 22:00 Uhr (Beginn der Nachtruhe), Fenster und Türen geschlossen
gehalten werden. Dies könne vorliegend ohne Weiteres bewerkstelligt werden, da der
Eingangsbereich des Clublokals den Charakter einer Schallschutzschleuse aufweise und
einzig die Notausgangstüre westseitig, in Richtung Bahngeleise, geöffnet werden könnte;
das Lokal verfüge zudem über keine Fenster.
Ferner seien nach Auffassung der Fachstelle am Standort des Clublokals durchaus
maximal fünf (zusätzliche) Veranstaltungen pro Kalenderjahr möglich. Für diese müsse
aber jeweils ein Einzelbewilligungsverfahren durchgeführt werden, in welchem die
erforderlichen Auflagen zur Schallpegelhöhe, Veranstaltungsdauer etc. formuliert würden.
Die aufgeführte Anzahl Anlässe beziehe sich zudem auf die in diesem Gebiet betroffene
Anwohnerschaft und bedeute daher nicht, dass mehrere Veranstalter bzw. Anlagen jeweils
für fünf Anlässe Einzelbewilligungen nachsuchen könnten. Im Übrigen müsse die
Anwohnerschaft frühzeitig auf geeignete Art und Weise über solche Anlässe informiert
werden.
Sekundärlärm:
Weiter kam die Fachstelle zum Schluss, dass sich der beim Betreten und Verlassen des
Clublokals von den Besuchern verursachte (Zuschlagen von Autotüren, Diskussionen,
Zurufe und Gelächter auf dem Parkareal etc.) sowie der bei der Zu- und Wegfahrt vom
Parkplatz entstehende Lärm (sowohl von den Fahrzeugen auf dem Landiparkplatz als auch
von den Motorrädern auf dem Parkplatz nördlich des Gebäudes) erfahrungsgemäss stark
störend auf die Nachbarschaft auswirken könne. Mit der zunehmenden Nachtzeit falle der
Umgebungsgeräuschpegel zudem ab, was wiederum dazu führe, dass die genannten
Störgeräusche umso deutlicher wahrgenommen würden.
Dieser Sekundärlärm könne aber mit einer ordnungsgemässen Führung des Betriebs in
Grenzen gehalten werden. Insbesondere könnten die Clubmitglieder durch geeignete
Massnahmen (z.B. mittels Plakaten) gezielter auf das Ruhebedürfnis der Anwohnerschaft
(insbesondere nach 22:00 Uhr) aufmerksam gemacht werden, als dies bei Gästen von
öffentlichen Gastgewerbebetrieben der Fall sei. Schliesslich seien Ansammlungen von
Besuchern vor der Lokalität möglichst zu vermeiden.
RA Nr. 110/2016/98 17
Zusammengefasst sei vorliegend unter Berücksichtigung des Betriebskonzepts mit neuen
Sekundärlärmimmissionen zu rechnen, die vorher nicht vorhanden gewesen wären. Diese
könnten zwar minimiert, jedoch nie gänzlich ausgeschlossen werden. Gemäss der
Fachstelle seien die Sekundärlärmimmissionen gesamthaft aber höchstens als geringfügig
einzuschätzen.
Fazit und Vorschläge für Massnahmen/Auflagen zur Lärmminderung:
Zusammenfassend hält die Fachstelle in ihrem Bericht fest, dass das Bauvorhaben unter
Berücksichtigung des Betriebskonzepts zu höchstens geringfügigen Störungen in der
Nachbarschaft führe. Gleiches gelte für den Zu- und Weggang der Mitglieder. Im Sinne der
Vorsorge (Art. 1 Abs. 2 USG) sollten laut Fachstelle folgende Punkte in die
Betriebsbewilligung einfliessen oder anderweitig verfügt werden:
 Der maximale Schalldruckpegel beträgt im Leq 75 dB(A)/10s.
 Fenster und Türen sind ab 22:00 Uhr sowie jederzeit bei Musikbetrieb geschlossen zu halten.
 Im Freien darf keine Musik abgespielt werden.
 Lärmintensive Anlässe (bis maximal 5 Veranstaltungstage pro Jahr), welche über den Rahmen
der Baubewilligung hinausgehen, müssen im Einzelbewilligungsverfahren beurteilt werden. Die
Anzahl Anlässe bezieht sich auf die betroffene Anwohnerschaft und nicht auf die Lokalität. Die
Anwohnerschaft ist frühzeitig auf geeignete Art und Weise über solche Anlässe zu informieren.
 Personenansammlungen im Freien, insbesondere ab 22:00 Uhr, sind auf geeignete Art und
Weise zu verhindern bzw. nicht gestattet.
 Personen dürfen die Räumlichkeiten nicht mit Speisen und/oder Getränken verlassen.
 Die Lokalität darf nicht an Dritte vermietet werden.
 Die Öffnungszeiten richten sich nach dem Betriebskonzept.
f) Gemäss den vorstehenden Ausführungen verursacht das streitige Clublokal sowohl
Betriebs- als auch Sekundärlärm. Der Betriebslärm entsteht dabei hauptsächlich durch das
Abspielen von Musik im Lokalinnern, welcher nach aussen dringen kann, und durch
Personen, welche sich im Freien aufhalten. Der Sekundärlärm ist dagegen vor allem auf
das Verhalten von Personen beim Betreten und Verlassen des Clublokals, aber auch auf
das Zu- und Wegfahren der parkierten Fahrzeuge zurückzuführen. Die Fachstelle legt in
ihrem Bericht jedoch überzeugend und nachvollziehbar dar, dass der durch das Clublokal
verursachte Lärm bei einer ordnungsgemässen Führung des Betriebs zu höchstens
geringfügigen Störungen in der Nachbarschaft führt. So kann insbesondere aufgrund der
faktischen "Schallschutzschleuse" im Eingangsbereich des Clublokals und der Tatsache,
RA Nr. 110/2016/98 18
dass dieses über keine Fenster verfügt, ein Nachaussendringen von Musiklärm verhindert
werden. Zudem kann durch entsprechende Auflagen verlangt werden, dass beim
Abspielen von Musik ein bestimmter Schallpegel nicht überschritten und die Türe
geschlossen gehalten wird. Im Gegensatz zu öffentlichen Gastgewerbebetrieben ist das
Clublokal zudem nur einem sehr beschränkten Personenkreis zugänglich. Es ist daher
einfacher die jeweiligen Personen auf das Ruhebedürfnis der Anwohnerschaft aufmerksam
zu machen. Dies wird von den Betreibern des Clublokals auch bereits getan. So haben
diese an verschiedenen Stellen im Clublokal, aber auch in dessen Eingangsbereich,
entsprechende Hinweisschilder angebracht.36 Zudem können mit einer Auflage
Personenansammlungen im Freien untersagt werden. Mit einer entsprechenden
Verkehrssignalisation sorgen die Betreiber schliesslich dafür, dass während den
Öffnungszeiten des Clublokals niemand die Zufahrtsstrasse befährt, welche am Haus der
Beschwerdeführenden vorbeiführt.37 Unter Einhaltung bestimmter Auflagen führt das
Clublokal daher zu höchstens geringfügigen Störungen in der Nachbarschaft und hält
daher die Planungswerte ein.
Die von der Fachstelle empfohlenen Auflagen stehen ausnahmslos in einem engen
sachlichen Zusammenhang zur vom Beschwerdegegner nachgesuchten Baubewilligung
und sind verhältnismässig; sie sind mit anderen Worten zur vorsorglichen Lärmminderung
erforderlich, geeignet und für den Bauherrn zumutbar. Letzteres gilt umso mehr, als dass
sich der Beschwerdegegner in seinen Schlussbemerkungen mit den Vorschlägen der
Fachstelle einverstanden erklärt hat. Allerdings haben sich die Öffnungszeiten des
Clublokals nicht bloss nach dem Betriebskonzept, sondern auch nach Art. 8 Abs. 1 Bst. i
GGV i.V.m. Art. 11 Abs. 1 GGG zu richten, wonach das Lokal nicht regelmässig über 00:30
Uhr hinaus geöffnet sein darf (E. 3h). Der angefochtene Entscheid ist entsprechend zu
ergänzen.
g) Auf die von den Beschwerdeführenden gerügten Lärmimmissionen anlässlich der
vom Motorradclub durchgeführten "L._-Party" anfangs Oktober 2016 ist
schliesslich nicht weiter einzugehen. Denn wie der Beschwerdegegner richtigerweise
geltend macht, handelte es sich bei diesem Anlass um einen der vier bis fünf öffentlichen
Anlässe pro Jahr, für welche jeweils eine Einzelbewilligung einzuholen ist. Folglich ist
36 Vgl. Beilage 5 der Stellungnahme des Beschwerdegegners vom 14. März 2016, Vorakten pag. 40 37 Vgl. Beilage 4 der Stellungnahme des Beschwerdegegners vom 14. März 2016, Vorakten pag. 40
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dieser Anlass für die Beurteilung der im vorliegenden Beschwerdeverfahren zu prüfenden
Fragen, die nur die Benützung der umstrittenen Räume als Clublokal betreffen, irrelevant.
6. Lichtimmissionen
a) Die Beschwerdeführenden rügen, die Vorinstanz habe keine richtige Untersuchung
der Lichtsituation vorgenommen. Vielmehr gehe sie ohne weitere Abklärungen davon aus,
die durch das Clublokal verursachten Lichtimmissionen seien nicht überdurchschnittlich
bzw. nicht umfangreicher oder intensiver als beispielsweise Lichtimmissionen, die bei einer
reinen Arbeitsnutzung entstehen würden. Diese Annahme sei jedoch unzutreffend, da
dabei unberücksichtigt bleibe, in welchem Zeitraum die fraglichen Lichtquellen betrieben
würden; was vorliegend vor allem in der Nacht der Fall sei. Zudem gäbe es neben der
Aussenbeleuchtung, welche aus mehreren Leuchten bestehe, auch eine Beleuchtung vom
Innenraum nach aussen. Deren Lichtimmissionen seien ebenfalls zu berücksichtigen.
Der Beschwerdegegner macht dagegen geltend, die Aussenbeleuchtung bestehe aus zwei
über dem Eingang angebrachten Fluoreszenzröhren (FL-Röhren), welche er mit einem
hochwertigen, aluminiumbeschichteten Klebeband, soweit aus Sicherheitsgründen
überhaupt zulässig, abgedunkelt habe. Als Bestandteil der Aussenbeleuchtung des
Gebäudes seien diese zudem bereits vor Jahren installiert worden und hätten die
Beschwerdeführenden bislang offenbar nicht gestört. Die beiden FL-Röhren würden ferner
nur noch von Oktober bis April jeweils am Samstagabend eingeschaltet und zwar aus
Sicherheitsgründen. Bei der von den Beschwerdeführenden monierten Innenbeleuchtung
müsse es sich schliesslich um die schwache Beleuchtung im Gang zur Toilette handeln,
die übrige Hallenbeleuchtung sei nämlich dauerhaft ausgeschaltet. Diese Beleuchtung
diene einzig dazu, den Weg in der dunklen Halle zum WC einigermassen auszuleuchten.
Die Gemeinde führt ebenfalls aus, dass es sich bei der Aussenbeleuchtung um eine bereits
bestehende Beleuchtung handle. Da das Baugrundstück in der Arbeitszone und das
Grundstück der Beschwerdeführenden in einer Wohn- und Arbeitszone liege, könnten die
vorliegenden Lichtimmissionen zudem nicht als übermässig betrachtet werden. Denn in
diesen Zonen wären insbesondere Verkaufsgeschäfte zulässig, die häufig auch nachts das
Licht in ihren Schaufenstern brennen liessen. Die Lichtimmissionen wären bei einer
zonenkonformen Nutzung also auch nachts mindestens so intensiv.
RA Nr. 110/2016/98 20
b) Für die Beurteilung von Lichtimmissionen fehlen sowohl auf eidgenössischer wie
auch auf kantonaler Ebene entsprechende Grenzwerte.38 Ein Vorschlag des Bundesrates,
Massnahmen zum Umgang mit Lichtemissionen zu treffen, muss erst rechtlich umgesetzt
werden und ist daher im vorliegenden Verfahren nicht relevant.39 Das Bundesamt für
Umwelt (BAFU)40 und das beco41 haben zwar Empfehlungen zur Vermeidung von
Lichtemissionen herausgegeben, welche aufzeigen, wie sich unnötige Lichtemissionen
durch eine nachhaltige Lichtnutzung in Aussenräumen vermeiden lassen. Die
Empfehlungen verstehen sich jedoch lediglich als "Leitlinie" und enthalten keine konkret
anwendbaren Normen.42 Letzteres gilt auch für die SIA-Norm 491 zur Vermeidung von
unnötigen Lichtemissionen im Aussenraum. Da somit keine verbindlichen Regelungen für
den Schutz vor übermässigen Lichtimmissionen bestehen, müssen die
rechtsanwendenden Behörden diese im Einzelfall unmittelbar gestützt auf Art. 11 bis 14
USG sowie Art. 16 bis 18 USG beurteilen.
Dabei sind Emissionen zunächst, unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung, im
Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich
und wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11 Abs. 2 USG). Die Emissionsbegrenzungen werden
verschärft, wenn feststeht oder zu erwarten ist, dass die Einwirkungen unter
Berücksichtigung der bestehenden Umweltbelastung schädlich oder lästig werden (Art. 11
Abs. 3 USG). Die Immissionsgrenzwerte sind bei Lichtimmissionen wie bei
Luftverunreinigungen unter anderem so festzulegen, dass nach dem Stand der
Wissenschaft oder der Erfahrung Immissionen unterhalb dieser Werte die Bevölkerung in
ihrem Wohlbefinden nicht erheblich stören (Art. 14 Bst. b USG).43 Lichtimmissionen sind
demnach so zu begrenzen, dass sie die Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich
stören. Ein völlig ungestörtes, immissionsfreies Wohnen ist hingegen nicht gefordert. Dabei
ist auch zu beachten, dass das Licht bei Beleuchtungsanlagen nicht als unerwünschte
38 VGE 2010/208 vom 24.1.2011, E. 2.3 mit Hinweisen 39 Vgl. Medienmitteilung des Bundesrats vom 13. Februar 2013, einsehbar unter <https://www.admin.ch/gov/ de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-47743.html> 40 Bundesamt für Umwelt BAFU (vormals BUWAL), Empfehlungen zur Vermeidung von Lichtemissionen, 2005, einsehbar unter <www.bafu.admin.ch/publikationen/publikation/00847/index.html?lang=de> 41 beco Berner Wirtschaft, Lichtverschmutzung vermeiden, einsehbar unter <http://www.vol.be.ch/vol/de/index/ luft/lichtverschmutzung/downloads_publikationen/licht_elektrosmogchemie.html> 42 VGE 2010/208 vom 24.1.2011, E. 2.3 mit Hinweisen 43 Vgl. BGer 1C_177/2011 vom 9.2.2012, E. 5.2
RA Nr. 110/2016/98 21
Nebenwirkung einer anderen Tätigkeit entsteht, sondern gewollt und gezielt erzeugt wird.
Massnahmen zur Emissionsbegrenzung können somit nicht jegliche Lichtemissionen
verhindern, da ansonsten der Zweck der Beleuchtungsanlage vereitelt würde.
c) Die Beschwerdeführenden machen keine übermässigen Lichtimmissionen geltend.
Solche sind vorliegend auch nicht ersichtlich. Sowohl bei den beiden FL-Röhren an der
Ostfassade der Liegenschaft als auch bei der Beleuchtung im Vorraum zum Clublokal
handelt es sich nämlich um gewöhnliche Beleuchtungsanlagen, welche bereits aus
Sicherheitsgründen notwendig sind. So besteht bei Dunkelheit insbesondere auf der
Verladerampe, über welche das Clublokal betreten wird, ein erhebliches Sturzrisiko und
zwar auch nach Anbringen eines Personenschutzgeländers. Dass es im überbauten Gebiet
zu Lichtimmissionen kommt, ist zudem normal und lässt sich nicht verhindern. Dies gilt hier
umso mehr, als dass sich das Baugrundstück in der Arbeitszone AZ und das Grundstück
der Beschwerdeführenden in der Wohn- und Arbeitszone WA befinden. Die
Beschwerdeführenden bestreiten sodann nicht, dass der Beschwerdegegner die
Aussenbeleuchtung technisch bereits so weit abgedunkelt hat, als dies aus
Sicherheitsgründen überhaupt zulässig ist. Unter diesen Umständen erübrigt sich auch
eine Messung der Lichtstärken. Nach dem Gesagten kann aufgrund der
Sicherheitsaspekte auch gestützt auf das Vorsorgeprinzip keine (weitergehende)
Begrenzung der betreffenden Lichtemmissionen verlangt werden.
7. Geruchsimmissionen
a) Die Beschwerdeführenden befürchten schliesslich, durch den Betrieb des Clublokals
könnten Geruchsimmissionen entstehen. Sie werfen der Vorinstanz vor, sich nicht konkret
mit der Geruchssituation auseinandergesetzt zu haben.
b) Gemäss Ziffer 7.2 des Betriebskonzepts "I._ Bar" verzichten die Betreiber
des Clublokals auf das Anbieten von Speisen.44 Dementsprechend verfügt das Clublokal
auch über keine Küchenausstattung, welche das Zubereiten von warmen Speisen
ermöglichen würde.45 Es ist daher nicht ersichtlich, inwiefern durch den Betrieb des
Clublokals überhaupt (störende) Gerüche entstehen könnten. Die Beschwerdeführenden
44 Vgl. Vorakten pag. 22 45 Vgl. Beilage 8 der Stellungnahme des Beschwerdegegners vom 14. März 2016, Vorakten pag. 40
RA Nr. 110/2016/98 22
machen denn auch keine konkreten Geruchsimmissionen geltend, geschweige denn
übermässige. Für die Vorinstanz bestand folglich kein Anlass, sich näher mit der
Geruchssituation auseinanderzusetzen. Allfällige Geruchsimmissionen, welche im Rahmen
der vier bis fünf öffentlichen Anlässe pro Jahr entstehen könnten (z.B. durch Grillieren),
sind schliesslich nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens.
8. Parkplätze
a) Die Vorinstanz kam in ihrem Entscheid zum Schluss, die erforderliche Anzahl
Abstellplätze für Motorfahrzeuge und Zweiräder werde auf dem eigenen Grundstück in der
nordwestlich gelegenen Parzellenecke ausgewiesen. Die Bauherrschaft habe zudem auf
freiwilliger Basis weitere Abstellplätze für Motorfahrzeuge bei der Landi Thun
Genossenschaft gemietet, welche bei grösseren Anlässen zur Verfügung stünden. Die
Bauherrschaft sei schliesslich für ein geordnetes Abstellen der Fahrzeuge verantwortlich.
b) Die Beschwerdeführenden machen dagegen geltend, aus den Akten sei nicht
ersichtlich, wo die genannten Abstellplätze tatsächlich ausgewiesen würden. Vielmehr
gebe es auf dem Areal, wo sich das Clublokal befinde, gar keine Parkplätze bzw. seien
dort keine vorgesehen. Die Abstellplätze bei der Landi Thun genügten zudem nicht, da
diese nur gemietet und nicht dinglich gesichert wären.
c) Wird durch die Erstellung, die Erweiterung, den Umbau oder die Zweckänderung von
Bauten und Anlagen ein Parkplatzbedarf verursacht, so ist dafür auf dem Grundstück oder
in seiner Nähe eine ausreichende Anzahl von Abstellplätzen für Motorfahrzeuge, Fahrräder
und Motorfahrräder zu errichten (Art. 16 Abs. 1 BauG). Abstellplätze auf fremdem Boden
sind grundbuchlich sicherzustellen. Die Gemeinden können die Sicherstellung abweichend
regeln (Art. 49 Abs. 3 BauV46). Die Anzahl der erforderlichen Abstellplätze für
Motorfahrzeuge wird durch eine Bandbreite begrenzt; innerhalb dieser Bandbreite legt die
gesuchstellende Partei die Anzahl fest (Art. 50 Abs. 1 BauV).
46 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
RA Nr. 110/2016/98 23
d) Die Parkplatzberechnung der Vorinstanz ergibt eine Bandbreite von minimal 3 und
maximal 13 Abstellplätzen. Sie geht dabei von einer anrechenbaren Geschossfläche von
200 m2 und einem Korrekturfaktor (n-Wert) von 20 aus. Aufgrund der Baugesuchspläne
erscheint die Fläche von 200 m2 plausibel und die Vorinstanz hat den richtigen
Korrekturfaktor gemäss Art. 52 Abs. 1 Bst. c BauV verwendet (n = 20 für Einkaufen,
Freizeit, Kultur). Die Berechnung der Bandbreite ist somit nicht zu beanstanden; deren
Ergebnis wird von den Beschwerdeführenden denn auch nicht bestritten. Sie machen nur
geltend, auf dem Areal seien gar keine Parkplätze ausgewiesen. Es trifft zwar zu, dass in
den Gesuchsplänen selbst keine Parkplätze eingezeichnet sind. In der Beilage 3 der
Stellungnahme vom 14. März 2016 zur Einsprache der Beschwerdeführenden47 – welche
diesen mit verfahrensleitender Verfügung der Vorinstanz vom 15. März 201648 zugestellt
worden ist – hat der Beschwerdegegner jedoch eine Parkfläche ausgewiesen, welche den
Mindestbedarf an Abstellplätzen deutlich übersteigt. Mit der Beschwerdeantwort vom
17. August 2016 hat der Beschwerdegegner sodann den Mietvertrag betreffend
Abstellplätzen für Motorfahrzeuge und Zweiräder vom 6./10. August 2016 zwischen ihm
und der G._ Genossenschaft eingereicht. Danach darf der sich in der
nordwestlichen Ecke der Parzelle Mühlethurnen Grundbuchblatt Nr. H._
befindliche Abstellplatz sowie die parallel zur Verladerampe verlaufende Parkfläche beim
Vordereingang des Clublokals als Parkplatz für Motorfahrzeuge und Zweiräder genutzt
werden; die beiden Parkflächen sind auf einem dem Mietvertrag beiliegenden
Grundstücksplan eingezeichnet. Auf diesen Flächen können mehr als drei Motorfahrzeuge
parkiert werden. Daher ist die Gemeinde zu Recht von einer genügenden Anzahl
Abstellplätzen auf dem Baugrundstück ausgegangen; eine dingliche Sicherung der
zusätzlichen Abstellplätze auf dem Grundstück der Landi Thun Genossenschaft ist daher
nicht nötig.
9. Zusammenfassung und Kosten
a) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Baubewilligung für das Bauvorhaben des
Beschwerdegegners erteilt werden kann, aber zusätzliche Auflagen anzuordnen sind. Der
angefochtene Entscheid ist entsprechend zu ergänzen. Im Übrigen ist der Entscheid der
Vorinstanz zu bestätigen und die Beschwerde abzuweisen.
47 Vgl. Vorakten pag. 40 48 Vgl. Vorakten pag. 41
RA Nr. 110/2016/98 24
b) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird vorliegend festgesetzt auf Fr. 1'500.–
(Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV49). Nach Art. 108 Abs. 1 VRPG werden
die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das prozessuale
Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen Umstände
rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben. Den Vorinstanzen können grundsätzlich
keine Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 108 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Bst. a
und b VRPG).
c) Im vorliegenden Verfahren sind die Beschwerdeführenden mit ihrem Antrag, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und dem Bauvorhaben sei der Bauabschlag zu
erteilen, nicht durchgedrungen. Gleiches gilt für ihren Eventualantrag, mit welchem sie eine
Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz mit der Weisung verlangt haben, eine
Lärmprognose durch ein Akustikbüro zu erstellen, eine Messung der Lichtstärken
vorzunehmen und ein entsprechendes Gutachten ausarbeiten zu lassen sowie einen
Augenschein durchzuführen. Aber auch der Beschwerdegegner ist teilweise unterlegen, da
zusätzliche Auflagen anzuordnen sind. Diese sind gesamthaft betrachtet jedoch bloss von
untergeordneter Bedeutung, weshalb die Beschwerdeführenden überwiegend unterliegen.
Es rechtfertigt sich daher, den Beschwerdeführenden vier Fünftel und dem
Beschwerdegegner ein Fünftel der Verfahrenskosten aufzuerlegen. Allerdings ist zu
berücksichtigen, dass vorliegend auch ein Verfahrensmangel (Verletzung des rechtlichen
Gehörs) geheilt werden musste. Dieser Verfahrensfehler stellt einen besonderen Umstand
im Sinne von Art. 108 Abs. 1 VRPG dar, welcher es rechtfertigt auf die Erhebung eines
Fünftels der Verfahrenskosten bzw. Fr. 300.– zu verzichten.50 Gemäss Rechtsprechung
des Verwaltungsgerichts ist dieser Betrag jedoch einzig den von der Gehörsverletzung
betroffenen Beschwerdeführenden zugutezuhalten bzw. von den auf sie entfallenden
Verfahrenskosten in Abzug zu bringen.51 Im Ergebnis sind damit den
Beschwerdeführenden Fr. 900.– bzw. drei Fünftel (Fr. 1'200.– bzw. vier Fünftel
Verfahrenskostenanteil abzüglich Fr. 300.– für Gehörsverletzung) und dem
Beschwerdegegner Fr. 300.– bzw. ein Fünftel der (gesamten) Verfahrenskosten
49 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21) 50 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 108 N. 7 und 9; BVR 2004 S. 133 E. 3.1 51 VGE 2014/198 vom 6.8.2015, E. 4.3
RA Nr. 110/2016/98 25
aufzuerlegen; den Restbetrag von Fr. 300.– trägt der Kanton. Die Beschwerdeführenden
haften solidarisch für den gesamten auf sie entfallenden Betrag.
d) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten der
Beschwerdeführenden sind in analoger Anwendung des zuvor Ausgeführten zu einem
Fünftel dem Beschwerdegegner und zu einem Fünftel der Gemeinde Mühlethurnen
aufzuerlegen; drei Fünftel ihrer Kosten haben die Beschwerdeführenden selbst zu tragen.
Die Parteikosten des Beschwerdegegners wären grundsätzlich den Beschwerdeführenden
im Ausmasse ihres Unterliegens, d.h. zu vier Fünftel aufzuerlegen; nach der
verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung hat aber die Vorinstanz, die eine
Gehörsverletzung begangen hat, auch hier die von der Gehörsverletzung betroffenen
Beschwerdeführenden zu entlasten. Daher hat die Gemeinde dem Beschwerdegegner
einen Fünftel seiner Parteikosten zu ersetzen und drei Fünftel der Parteikosten des
Beschwerdegegners werden den Beschwerdeführenden auferlegt.
e) Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung
anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die Kostennote des Anwalts des
Beschwerdegegners beläuft sich auf Fr. 6'267.24 (Honorar Fr. 5'625.–, Auslagen Fr. 178.–,
Mehrwertsteuer Fr. 464.24). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV52 beträgt das Honorar in
verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren Fr. 400.– bis Fr. 11'800.– pro Instanz.
Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache
gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG53). Im vorliegenden Fall ist der gebotene Zeitaufwand
aufgrund der Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels zwar als eher durchschnittlich
zu werten. Angesichts der Baukosten gemäss Baugesuch von lediglich Fr. 6'700.– und den
umstrittenen Rechtsfragen sind aber die Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit
des Prozesses insgesamt als unterdurchschnittlich einzustufen. Daher erscheint eine
Ausschöpfung des Gebührenrahmens zu 25 % und damit ein Honorar von Fr. 3'250.– als
angemessen. Die Parteikosten des Beschwerdegegners werden somit festgelegt auf
52 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung, PKV; BSG 168.811) 53 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11)
RA Nr. 110/2016/98 26
Fr. 3'702.25 (Honorar Fr. 3'250.–, Auslagen Fr. 178.–, Mehrwertsteuer Fr. 274.25). Die
Kostennote des Anwalts der Beschwerdeführenden beläuft sich auf Fr. 2'292.85 (Honorar
Fr. 2'000.–, Auslagen Fr. 123.–, Mehrwertsteuer Fr. 169.85) und gibt zu keinen
Bemerkungen Anlass. Nach dem Gesagten haben die Beschwerdeführenden dem
Beschwerdegegner einen Parteikostenanteil von Fr. 2'221. 35 (drei Fünftel von
Fr. 3'702.25) zu bezahlen. Die Beschwerdeführenden haften solidarisch für den gesamten
Betrag. Sodann hat die Gemeinde Mühlethurnen dem Beschwerdegegner einen
Parteikostenanteil von Fr. 740.45 (ein Fünftel von Fr. 3'702.25) zu bezahlen. Der
Beschwerdegegner hat den Beschwerdeführenden Parteikosten im Umfang von Fr. 458.55
(ein Fünftel von Fr. 2'292.85) zu ersetzen. Schliesslich hat auch die Gemeinde
Mühlethurnen den Beschwerdeführenden einen Parteikostenanteil von Fr. 458.55 (ein
Fünftel von Fr. 2'292.85) zu ersetzen.