Decision ID: 5c423789-fbdc-4641-8bb1-8a2ab935e054
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1958, war von Februar 1997 bis April 2015
(letzter effek
tiver Arbeitstag 2
2.
Oktober 2013)
als Geschäftsstellenleiterin der
A._
in einem
80
%-Pensum angestellt (
Urk.
7/45).
Seit September 1994 war sie überdies
selbst
ändigerwerbend
(vgl.
Urk.
7/21), ab 2013 im Rahmen einer im Handelsregister eingetragenen Einzelfirma (
B._
) im Bereich Immobilienverwaltung und Sekretariatsarbeiten (vgl. auch Urk. 7/40).
Am 1
9.
Januar 2015 (
Eingangsdatum
) meldete sich die Versicherte bei der Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf die Behandlung eines Mammakarzinoms mit Chemotherapie und Bestrahlung sowie ein psychisches Leiden zum Bezug von Leistungen der Invalidenversiche
rung an (Urk. 7/19). Die IV-Stelle klärte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab und zog die Akten der Krankentaggeldversicherung (
Urk.
7/49) bei, holte die Berichte der
behandelnden
Ärzte
(
Urk.
7/25,
Urk.
7
/27,
Urk.
7/28,
Urk.
7/35, Urk.
7/36,
Urk.
7/50
)
sowie einen Auszug aus dem Individuellen Konto der Ver
sicherten (IK-Auszug,
Urk.
7/21) ein und ersuchte die Arbeitgeberin um Aus
künfte (vgl. Arbeitgeberfragebogen vom 26. Juni 2015,
Urk.
7/45/1-7).
Zur Klärung der beruflichen Situation fand erstmals am
5.
Februar 2015 bei der IV
Stelle ein persönliches Gespräch
(
telefonisch
) statt (Urk.
7/22).
Aufgrund des Gesundheitszustandes wurde
der Anspruch auf
berufliche Eingliederungs
mass
nahmen
mit Mitteilung vom
1
1.
Februar 2015 verneint (Urk. 7/44
).
In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine interdisziplinäre medizinische Untersuchung beim Zentrum
C._
, über welche am 1
7.
März 2016 berichtet wurde (Urk. 7/79). Im Rahmen einer aktenbasierten Einschätzung nahm der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) am 1
3.
April 2016 Stellung (vgl.
Fest
stellungsblatt, Urk. 7/81 S. 4). Ausgehend von keinem versicherungs
relevanten Gesundheitsschaden stellte die IV-Stelle mit Vorbe
scheid vom 2
2.
April 2016 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/82). Dagegen erhob die Versicherte am 2
0.
Mai 2016
(
Urk.
7/85)
sowie ergänzend am 2
4.
Mai
(
Urk.
7/88)
,
am
3
0.
Juni (
Urk. 7/93), am 3
0.
September (Urk.
7/102) und
am
29.
November 2016
(
Urk.
7/105)
unter Beilage neue
r Arztberichte (
Urk.
7/101,
Urk.
7/104) Ein
wand. Daraufhin holte die IV-Stelle eine Stellungnahme der
C._
-Gutachter ein (
Urk.
7/108), worauf die Versicherte am 24. April 2017 Stellung nahm (
Urk.
7/112). Mit Verfügung vom 29. Mai 2017 verneinte die IV-Stelle wie vor
beschieden einen Rentenanspruch (
Urk.
7/118 = Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 2
9.
Juni 2017 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung vom 2
9.
Mai 2017 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr eine Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben oder die Angelegen
heit zur umfassenden medizinischen Abklärung an die Beschwerde
gegnerin zurück
zuweisen,
subeventualiter
sei die Angelegenheit zur Abklärung betreffend Anspruch auf berufliche Massnahmen/berufliche Eingliederungs
massnahmen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In prozessualer Hin
sicht beantragte sie die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels (Urk. 1).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
5.
September 2017 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom
5.
September 2017 wurde von einer förmlichen Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels abgese
hen. Zugleich wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zur Kennt
nisnahme zugestellt (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Sie kann Folge von Geburtsge
bre
chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
Bundesgesetz über die Invaliden
versicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchti
gung der kör
perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumut
barer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausge
gliche
nen Arbeits
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheits
schaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zel
fall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinwe
isen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes
oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK
1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Unter
su
chungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegeben
en
falls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gege
benenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
Praxisgemäss ist f
ür die Eignung einer Ärztin oder eines Arztes als Gut
achtens
person in einer bestimmten medizinischen Disziplin ein entsprechen
der, dem Nach
weis der erforderlichen Fachkenntnisse dienender spezialärztlicher Titel der berichtenden oder zumindest der den Bericht visierenden Arztperson voraus
ge
setzt. Hingegen ist der FMH-Titel nicht Bedingung (Urteile des Bundesgerichts 9C_547/2010 vom 2
6.
Januar 2011 E. 2.2 und 8C_65/2010 vom
6.
September 2010 E. 3.1).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) vom
2
9.
Mai
2017 hielt die Beschwer
degegnerin fest,
die Gutachter
hätten
kein
en
invalidenversicherungs
rechtlich rele
vante
n
Gesundheitsschaden
festgestellt
. Die Beschwerdeführerin sei in ihrer bisherigen Tätigkeit wie auch in einer anderen adaptierten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig. Im Prozentvergleich ergebe sich aufgrund der Einschränkung von 20 % ein Invaliditätsgrad von 20 %, weshalb die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung habe.
2.2
Demgegenüber
machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom
2
9.
Juni
2017 (
Urk.
1) zusammengefasst geltend,
das
C._
-Gutachten vermöge aus ver
schiedenen Gründen nicht zu überzeugen und lasse sich nicht als Grundlage für den Entscheid betreffend Vorliegen eines Leistungsanspruchs verwerten. Es liege ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden vor. Der Ein
kommensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von 60 %, womit sie Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung habe. Eventualiter berechtige der Inva
liditätsgrad von 20 % zur Durchführung von beruflichen Massnahmen.
3.
3.1
Anfang 2010 wurde bei der Beschwerdeführerin ein hormonrezeptorpositives, HER2-positives,
nodal
-positives
Mammakarzinom
auf der rechten Seite diagno
stiziert, weshalb sie sich am
4.
Mä
rz 2010 i
n der Klinik
D._
einem operativen Eingriff
(
Lumpektomie
)
unterziehen musste (vgl. Arztbericht
von
Dr.
E._
, Gynäkologie und Geburtshilfe FMH,
vom 24. Februar 2015, Urk. 7/25). In der Folge wurde die Beschwerdeführerin von
Dr.
F._, Onkologie FMH am Z
entrum
G._
, betreut und behandelt. Die Beschwerdeführerin habe eine
adjuvante
Chemotherapie und Herceptin-Behandlung erhalten und sei ergänzend
adjuvant
an der rechten Brust bestrahlt worden. Unter der Chemothe
rapie habe die Beschwerdeführerin ein
Fatigue
-Syndrom entwickelt, welches sich nach Aufnahme der
adjuvanten
Hormon
behan
dlung nicht gebessert habe. Dr.
F._
attestierte der Beschwerde
führerin eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit seit März 2010 (vgl. Arztbericht vom 2
9.
Juli 2015 [
Urk.
7/50] und vom 2
3.
November 2016 [Urk. 7/104]).
Nach eigenen Angaben arbeitete d
ie Beschwer
deführerin ab April 2011 bis Dezember 2011 zu 50 % und ab Januar 2012 bis Oktober 2013 in einem 100%-Pensum wieder als Geschäftsstellenleiterin der Krankenversicherung (vgl.
Urk.
7/38). Seit 2013
- so
Dr.
F._
-
leide sie wieder vermehrt unter Vergesslichkeit, Konzen
trations
störungen und Störungen der Arbeitsprozessverarbeitung. Zusätzlich seien leistungslimitierende
Arthro
myalgien
unter der hormon
senken
den Therapie mit dem
Aromatasehemmer
Femara
aufgetreten. Aufgrund des tumorassoziierten bzw. therapieassoziierten
Fatigue
-Syndroms und der sekun
dären Anpassungsstörung sei keine Arbeitsfä
higkeit gegeben (vgl. Arzt
bericht von
Dr.
F._
vom 2
3.
November 2016,
Urk.
7/104).
3.2
Nach einem Sturz auf die rechte Körperseite im Dezember 2013
, so
Dr.
H._
, Facharzt FMH für Rheumatologie, in seinem Arztbericht vom
8.
März 2015 (
Urk.
7/28),
habe die Beschwerdeführerin Schmerzen in der rechten Hüfte sowie im rechten Oberschenkel ausschliesslich bei der Aussenrotation sowie bei der Flexion im rechten Hüftgelenk angegeben.
Er
diagnostizierte ein
lumbo
spon
dylogenes
Schmerzsyndrom auf der rechten Seite sowie eine Gonarthrose lateral auf beiden Seiten, wobei es links deutlich ausgeprägter sei als rechts. Ausserdem nannte er ein Mammakarzinom bei
adjuvanter
antihormo
neller Therapie mit einem
Aromatasehemmer
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. In therapeutischer Hinsicht habe er
der Beschwerdeführerin
zwecks Kräftigung und Stabilisation der Rumpf-, der tiefen Bauch- und der Oberschenkelmuskulatur Physiotherapien
verordnet, wodurch
sie
im Mai 2014 wieder schmerzfrei gewesen sei und die Behandlung habe abgeschlossen werden können. Aus rein rheumato
logischer Sicht attestierte Dr.
H._
der Beschwerdeführerin eine vollständige Arbeit
sfähigkeit
.
Seit Dezember 2014
geht
die Beschwerdeführerin zwecks weiterer Kräftigung und Stabilisation der Rumpf-, der tiefen Bauch- und der Oberschenkelmuskulatur wieder ein- bis zweimal pro Woche in die Physiotherapie (
verordnet
durch Dr.
I._
, Allgemeine Medizin FMH; vgl. Arztbericht vom 2
3.
Februar 2015,
Urk.
7/27
) sowie einmal pro Woche in
chiropraktorische
Behandlung bei
Dr.
J._
, Chiropraktiker (vgl.
B
ericht vom 2
1.
März 2015, Urk. 7/35). Betreffend Einschätzung der Arbeitsfähigkeit empfahl
Dr.
J._
eine arbeits
medizinische Abklärung.
3.3
Seit Januar 2015
nahm
die Beschwerdeführerin wegen familiäre
r
Probleme (Tumor
erkrankun
g des Ehemannes) und depressiver
Verstimmungsschübe zusätz
lich eine psychoonkologische Begleitbehandlung bei
Dr.
K._
, Fach
ärztin Psychiatrie und Psychotherapie, in Anspruch. In ihrem Arztbericht vom 1
3.
April 2015 (
Urk.
7/36) zu Händen der Beschwerdegegnerin hielt Dr.
K._
fest, die Beschwerdeführerin habe über eine ausgeprägte körperliche Erschöpfung
seit Herbst 2013
berichtet. Ferner habe sie einen rezidivierend auftretenden Tinnitus. Dr.
K._
schilderte
weiter, die Beschwerdeführerin wirke voll orien
tiert und bewusstseinsklar. Sie denke formal und
inhaltlich geordnet, habe aber Kurzzeitgedächtnisstörungen, eine verminderte Konzentration und Aufmerksam
keit sowie kognitive Störungen. In der Verarbeitung sei sie deutlich verlangsamt. Ausserdem zeige sie sowohl eine reduzierte Umstellungsfähigkeit als auch ein
en reduzierten
Antrieb. Sie leide unter Stimmungsschwankungen mit ausgeprägter Gereiztheit, schneller Ermüdbarkeit und ausgeprägten Durchschlafstörungen. Der affektive Rapport sei nur eingeschränkt herstellbar. Es würden aber keine Ängste oder Zwänge, keine wahnhafte Denkstörung, Ich-Störung oder Halluzinationen bestehen. Ebenso wenig bestehe eine akute Eigen- oder Fremdgefährdung. Dr.
K._
konstatierte, die vorliegende Symptomatik entspreche aufgrund ihrer Ausprägung und der Dauer einer mittelschweren Depression, die als Folge der Krebserkrankung und der chronischen Belastungssituation im familiären und beruflichen Umfeld
in den letzten Jahren
zu sehen sei. Dass die Beschwerde
führerin sehr leistungsorientiert sei und sich darüber definiere, führe zu einer weiteren
Destabilisation
.
Neben der mittelschweren depressiven Episode im Sinne einer Stressfolgeerkrankung (ICD
10: F32.1) diagnostizierte
Dr.
K._
eine tumorassoziierte
Fatigue
(
cancer-related
Fatigue
[
crF
])
, kognitive Störungen (ICD
10: F06.70), ein Mammakarzi
nom (Erstdiagnose Januar 2010) sowie Diabetes mellitus mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit und attestierte
der Beschwer
deführerin eine 100%ige Arbeits
un
fähigkeit. Unter Einhaltung ver
mehrter Pausen könne sie zwei Stunden pro Tag arbeiten. Aufgrund der ausge
prägten Schlafstö
rung sei eine Medikation mit
Trittico
angezeigt.
Die Kosten
tragung des von ihr
empfohlene
n
stationäre
n
Auf
enthalt
s
in einer Spezialklinik für Stressfolgeer
krankungen
sei
vom Kranken
ver
sicherer abgelehnt
worden
. In der Folge sei die Erstellung eines ambu
lanten Therapiesettings mit
komple
mentär
medizinischen
Massnahmen, Physio
therapie und Entspannungs
ver
fahren erfolgt. Im Verlauf habe eine psycho
pathologische Stabilisierung mit Teil
remission der depressiven Symptomatik verzeichnet werden können.
Die Beschwer
deführerin weise aber immer noch eine verminderte Leistungsfähigkeit, Energielosigkeit, Erschöpfung nach Alltagstätig
keiten, Tages
müdigkeit, fehlende Rege
neration, fehlender Leistungsaufbau trotz Aktivitäten sowie kognitive Störungen auf.
Es sei von einer tumorassoziierten
Fatigue
(
crF
)
auszugehen. Die Einschränkungen durch die genannten Symptome seien durch die Beschwerde
führerin willentlich teilweise nicht zu überwinden und würden sich im Auftreten durch Unvorhersehbarkeit auszeichnen.
Dr.
K._
attestierte der Beschwerde
führerin zum Ende der Behandlung (März 2016) aus psychiatrisch-psycho
therapeutischer Sicht sowohl in der angestammten wie auch in einer optimal
angepassten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 80 % (
vgl.
Arztbericht vom 2
8.
September 2016, Urk.
7/101).
3.4
3.4
.1
Im Auftrag der Beschwerdegegnerin führten die Ärzte des
C._
vom 1
4.
bis 17. Dezember 2015 eine polydisziplinäre Begutachtung durch, über welche sie am 17. März 2016 berichteten (
Urk.
7/79).
Die Gutachter hielten folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfä
higkeit fest (
Urk.
7/79 S. 39):
-
Diabetes mellitus 2 (Erstdiagnose Oktober 2013) bei Adipositas
-
Mamma-
Ca
rechts Pt1c pN1 (01/18) MO G3 L1
-
Lumpektomie
4.
März 2010
-
adjuvante
C
hemotherapie 1
9.
März bis
2.
Juli 2010
-
adjuvante
Radiotherapie 1
8.
August bis
4.
Oktober 2010 (55/66 Gy)
-
seit 2010 Therapie mit
Aromatasehemmer
-
Chronisches
cervikovertebrales
Syndrom
-
mit
cephaler
Schmerzbeteiligung
-
Chronisches
lumbovertebrales
Syndrom mit
spondylogener
Ausstrahlung
-
degenerative Veränderungen der Lendenwirbelsäule, verstärkte Lor
dose
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien (
Urk.
7/79 S. 40):
-
Vergesslichkeit und Konzentrationsschwierigkeiten unklarer Ätiologie mit
Fatigue
möglicherweise als
Femara
-Nebenwirkung
-
Familiäre Belastung
Colonkarzinom
-
Status nach
Cholezystektomie
,
laparoskopisch
Januar 1999
-
Status nach Nierensteinabgang links circa 1972
-
Muskuläre
Dysbalance
des Schultergürtels
-
Rezidivierendes
thorakovertebrales
Syndrom
-
bei
Fehlform
der Wirbelsäule mit Hyperkyphose der BWS
-
Periarthropathia
humeroscapularis
rechts
-
Fingerpolyarthrose Typ Bouchard beidseits
-
Periarthropathia
coxae
rechts
-
Gonarthrose beidseits, rechtsbetont
-
Sicca
-Symptomatik Mundbereich
-
Status nach Oberschenkelfraktur links gemäss Angabe, abgeheilt
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10: F33.0)
3.4.
2
Im Rahmen der allgemeinmedizinischen und internistischen Untersuchung hielt Dr.
L._
fest,
die Beschwerdeführerin habe sehr aufgeschlossen und freundlich Auskunft gegeben
, wobei sie bei gewissen Jahreszahlen sowie Ereig
nissen
, die nur wenige Monate zurücklä
gen, Mühe habe
,
diese genau zu datieren und zu schildern. An der Besprechung habe sie angeregt teilgenommen sowie Empfehlungen betreffend Diabetes aufmerksam entgegengenommen
(Urk. 7/79 S.
14)
.
Hinsichtlich des
bei der Beschwerdeführerin diagnostizierte
n
Diabetes mellitus
äusserte
Dr.
L._
, dieser
sei möglicherweise durch die deutliche Gewichtszu
nahme unter der C
hemotherapie ausgelöst worden. D
ie von der Beschwerde
führerin praktizierte Diät entspreche
allerdings
kaum einer Diabetes-Diät und müsse unbedingt optimiert werden. Ebenso sei der Diabetes medikamentös unge
nügend eingestellt und potenzielle Spätkomplikationen
seien
nicht erfasst und abgeklärt
(Urk. 7/79 S. 15 und S. 40).
Die Vergesslichkeit und Konzentrationsschwierigkeiten betreffend äusserte der Gutachter, deren Ätiologie sei unklar (
Urk.
7/79 S. 15). Z
um Zeitpunkt der Begut
achtung stehe die Beschwerdeführerin
aufgrund des Mammakarzinoms
unter einer
Femara
-Behandlung, welche für eine gewisse Abgeschlagenheit und mög
licherweise auch verminderte Konzentrationsfähigkeit verantwortlich gemacht werden könne
(
Urk.
7/79 S. 40-41)
.
Nicht einleuchtend sei, dass die
Fatigue
Aus
druck der Krebskrankheit und der Therapie sei, wie es
Dr.
K._
diagnostiziert
habe
(vgl. vorstehend E. 3.3), sei diese im Wesentlichen doch schon im Jahr 2010 abgeschlossen worden (
Urk.
7/79 S. 15-16). Weiter
seien keine Ly
m
phödem
e
fest
gestellt worden, eine Indikation für eine Lymphdrainage sei entsprechend nicht gegeben. Aufgrund eines in der Familie bestehenden massiven
Colonkarzinom
risikos
sei
eine
Colonoskopie
hingegen
dringend zu empfehlen
(
Urk.
7/79 S. 40-41).
3.4.3
Der rheumatologische Gutachter
Dr.
M._
führte aus, im Bereich des Bewe
gungs
apparates bestehe am Achsenskelett eine chronische Rückenproble
matik mit
cervikovertebralem
und
lumbovertebralem
Syndrom, ohne Hinweise auf
radikuläre
Reiz- oder Ausfallsphänomene. Bildgebende Befunde würden im Bereich der Halswirbelsäule degenerative Veränderungen im Sinne von fort
ge
schrittener
Osteochondrose
C6/7 mit multisegmentaler
Spondyl
- und
Unkover
te
bral
arthrosen
zeigen. Im Bereich der Lendenwirbelsäule würde man degene
rative Veränderungen im Sinne einer
hyperostotischen
Spondylose finden. Ausser
dem sei im Deckplattenanteil
von LWK2 eine umschriebene
Sklerosezone
sichtbar. Die Wirbelkörperstrukturen hingegen würden intakt erscheinen. An der rechten Schulter zeige sich eine
Periarth
r
opathia
humeroscapularis
ohne Hin
weise einer
Rotatorenmanschettenläsion
. Die von der Beschwerdeführerin ange
ge
benen Schmerzen im Knochenabschnitt des gesamten Bewegungs
appara
tes seien am ehesten als Nebenwirkung bei laufender
Femara
-Therapie einzu
ordnen. Separat davon seien die Gonarthrosen-Beschwerden beidseits zu werten. Klinisch bestehe eine
Valgus
-Stellung der Kniegelenke mit radiologisch lateral-betonter
Arthro
sesituation
. Die geschilderte Mundtrockenheit könne ebenfalls im Rahmen der laufenden
Femara
-Therapie eingeordnet werden
.
Dr.
M._
attestierte der Beschwerdeführerin für leichte Tätigkeiten in Wechselbelastung eine Teilarbeits
fähigkeit
(
Urk.
7/79 S. 24 und S. 41-42).
3.4.4
Die begutachtende Psychiaterin,
Dr.
N._
, konstatierte, die Beschwerde
führerin wirke wach, bewusstseinsklar und vollständig orientiert. Sie sei aktiv und energisch. Die Psychomotorik wirke nicht beeinträchtigt. Das Ausdrucks
ver
halten sei ausgeglichen, die Mimik mitschwingend und lebhaft. Die Beschwer
de
führerin könne den Kontakt gut herstellen und spreche mit klarer und lauter Stimme. Über ihre Geschichte gebe sie breitwillig und ausführlich Auskunft. Sie wirke natürlich und unbefangen, ihre Umgangsformen seien gewandt, höflich und korrekt. Das formale und das inhaltliche Denken seien nicht beeinträchtigt und es würden weder wahnhafte noch phobische Symptome vorliegen. Die Stimmung und Affekt seien leicht niedergedrückt, die Beschwerdeführerin sei jedoch ruhig, schwingungsfähig und situationsangepasst. Die mnestischen Funk
tionen seien nicht beeinträchtigt, so erinnere sie sich chronologisch exakt und detailreich an frühere Untersuchungen und Behandlungen. Bei der Anpassung an Regeln und Routinen sei die Beschwerdeführerin in ihrer psychischen Funktions
fähigkeit leicht beeinträchtigt. Sie müsse mehr Rücksicht auf ihren körperlichen Zustand nehmen. Die Flexibilität und Umstellungs
fähigkeit sowie auch die Durchhaltefähigkeit seien mittelgradig beeinträchtigt. Die Beschwerdeführerin brauche vermehrt Pausen und sei rasch ermüdet. Laut eigenen Angaben habe sie während ihrer Arbeit manchmal wesentliche Dinge vergessen und ausgelassen.
Die Anwendung fachlicher Kompetenzen sei ent
sprechend mittelgradig beein
trächtigt.
Leicht eingeschränkt seien auch die Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit sowie ihre Selbstbehauptungsfähigkeit (
Urk.
7/79 S. 29-31).
Dr.
N._
hielt zusammenfassend fest, ausser einer leichtgradigen depressi
ven Symptomatik mit einer Antriebsstörung, Gedankenkreisen und einer
Anhedonie
gebe
es keine Anhaltspunkte für eine schwere Erkrankung. Diese Symptomatik könne
entweder im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Epi
sode oder als reaktives Geschehen unter anderem auch auf die psychosozialen Belastungen (Erbschaftskonflikt mit Bruder, Konflikt mit ehemaligem Arbeitge
ber
, Krebserkrankung des Ehemannes
) gesehen werden. Im Hamilton Depressions
index zeige die Beschwerdeführerin 17 von 64 möglichen Punkten, was höchstens einer leichten depressiven Episode entspreche. Auch die psychische Funktionsfä
higkeit sei in vielen Bereichen vollständig erhalten. So organisiere die Beschwer
deführerin ihr Leben selbst, sei fähig zur Einhaltung von Strukturen und zur Pla
nung ihres Lebens. Die Selbststeuerung und die soziale Kontaktfähigkeit sei
en
nicht beeinträchtigt. Auch hier sei
en
lediglich der Antrieb und die Durchhaltefä
higkeit mittelgradig beeinträchtigt. Zum Zeitpunkt der Begutachtung finde nach Angaben der Beschwerdeführerin noch einmal pro Monat eine psychiatrische Behandlung bei Dr.
K._
am Psychoonkologischen Zentrum statt. Eine anti
depressive Therapie habe sie selbständig abgesetzt. Viele der beschriebenen psychischen Symptome seien als mögliche Nebenwirkungen von
Femara
zu interpretieren (
Urk.
7/79 S. 32 und S. 42-43).
3.4.
5
Die neuropsycho
logische Untersuchung führte O._
durch. Er hielt fest, in der neuropsychologischen Testung zeige sich im Bereich der Intelligenz eine durchschnittliche Leistungsfähigkeit.
Es
finde sich
aber
eine Verlangsamung der selektiven Aufmerksamkeit und eine Verlangsamung der Interferenzresistenz sowie der verbalen Flüssigkeit. Die subjektiv empfundenen Gedächtnisbeein
trächtigungen seien neuropsychologisch in der Testung allerdings nicht feststell
bar. Die mnestischen Prozesse seien unauffällig. Zusammenfassend sei
en
eine deutliche Verlangsamung der kognitiven Geschwindigkeit und ein verminderte
r
Eigenant
rieb feststellbar (
Urk.
7/79 S.
37-38 und S. 43).
3.4.
6
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit konstatierten die
Gutachter
, die Beschwerde
führerin sei in der bisherigen Tätigkeit, welche einer Tätigkeit mit leichter kör
perli
cher Belastung entspreche, seit spätestens April 2011 im Rahmen von 80 % arbeits
fähig. Die bisherige Tätigkeit sei optimal adaptiert und es gebe keine weiteren Möglichkeiten der Verbesserung. Einschränkungen bestünden für mittel
schwere bis schwere körperlich belastende Tätigkeiten. Die Reduktion der Arbeitsfähigkeit um 20 % resultiere durch den etwas vermehrten Pausenbedarf, das verlangsamte Arbeitstempo und die Beschwerden, die als
Femara
-Nebenwir
kungen zu verstehen seien. Die
C._
-Gutachter verwiesen überdies darauf, dass weder Schmerzmedikation noch Psychopharmaka eingenommen
würden
(
Urk.
7/79 S. 43).
3.5
Zu den gesamten
Vorakten
nahm RAD-Arzt
Dr.
P._
, Facharzt Anästhesiologie FMH, am 1
3.
April 2016 Stellung
(vgl. Feststellungsblatt, Urk.
7/81 S. 4) und äusserte, aufgrund des Diabetes mellitus mit Hypoglykämien ergebe sich für angepasste Tätigkeiten eine - lediglich qualitative, nicht quanti
tative - Einschränkung für berufsmässiges Autofahren und für selbst- und fremd
gefährdende Tätigkeiten.
3.6
Im Bericht vom 2
8.
Februar 2017 (
Urk.
7/108) beantworteten
Dr.
N._
und
Dr.
L._
vom
C._
die von der Beschwerdegegnerin zusätzlich gestellten Fragen und führten aus, in Bezug auf die Fahrtauglichkeit für Fahrzeuge Klasse
1 werde nicht zwischen beruflichem und nicht beruflichem Einsatz unterschieden. Die Beschwerdeführerin beweise ihre Fahrtauglichkeit durch ihr Autofahren im privaten Bereich. Des Weiteren gehe Diabetes grundsätzlich mit zu hohen Blut
zuckerwerten einher. Nur gewisse Medikamente würden zu einer Hypoglykämie führen, jedoch nicht
Metformin
, weshalb es diesbezüglich auch keine Auflagen bei Fahrern Klasse 1 gebe.
Hinsichtlich der
Fatigue
-Symptomatik äusserten sie, eine
Fatigue
könne bei Krebserkrankungen und speziell deren Therapien bestehen, insbesondere während einer Chemo- und Strahlentherapie des Kopfes. Ausserdem werde sie bei schwe
ren, fortgeschrittenen und metastasierenden Krebserkrankungen beschrieben. Sehr oft laufe sie parallel mit einer Anämie. Alle diese Komplika
tionen seien bei der Beschwerdeführerin nicht vorhanden. Ebenso sei
en
betreffend
die
geklagte
Fatigue
auch aufgrund des Tätigkeitsprofils im Privat- und Freizeitbereich kaum äquivalente Einschränkungen zu eruieren gewesen.
Was die durch
Dr.
K._
propagierte Depression betreffe, habe diese während der Untersuchung ebenfalls nicht festgestellt werden können. Angesichts dessen, dass die Krankenkasse keine Indikation für eine stationäre Behandlung gesehen habe und die Depression lediglich mit niedrigdosiertem
Trittico
(und selbst dies nur kurzfristig) und komplementärmedizinischen Massnahmen behandelt worden sei, sei davon auszugehen, dass die Diagnosekriterien einer mittelschweren depressiven Störung kaum erfüllt worden seien.
3.7
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichte die Beschwerdeführerin den Arzt
bericht von
Dr.
F._
vom 1
4.
Juni 2017 (
Urk.
3/4) zu den Akten. Dr.
F._
legte dar, bei der Beschwerdeführerin sei eine antihormonelle Therapie mit dem
Aromatasehemmer
Femara
weitergeführt worden, um das
Rezidivrisiko
des Mammakarzinoms von 2010 zu senken. Aufgrund dessen seien bei der Beschwerdeführerin zunehmend kognitive Störungen,
Vergesslichkeiten
und Konzentrationsstörungen aufgetreten, welche es ihr
verunmöglicht hätten
,
die Tätigkeit als Geschäftsleiterin auszuführen. Überdies seien aus psychiatrischer Sicht dieselben Beschwerden aufgeführt und die Arbeitsunfähigkeit bestätigt worden (vgl. Arztbericht von
Dr.
K._
; vorstehend
E. 3.
3
).
4.
4.1
Beim Erlass der angefochtenen Verfügung vom 2
9.
Mai 2017 (
Urk.
2) stützte sich die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen auf das polydisziplinäre
C._
Gut
achten vom 1
7.
März 2016 (vgl. vorstehend E. 3.4), wonach ein Diabetes mellitus Typ 2, ein Mammakarzinom rechts nach
Lumpektomie
(März 2010)
und
nach
Chemo- und Radiotherapie (2010) sowie
ein chronisches
cervikovert
ebrales
und
lumbovertebrales
Syndrom mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor
liegen
. Des Weiteren diagnostizierten die Gutachter unter anderem Vergesslich
keit und Konzentrationsschwierigkeiten unklarer Ätiologie mit
Fatigue
(möglich
er
weise als
Femara
-Nebenwirkungen) sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig leichte Episode
,
(ICD-10: F 33.0) ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
4.2
Das polydisziplinäre
C._
-Gutachten vom 1
7.
März 2016 umfasst
e
die Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie, Psychiatrie und Neuro
psychologie. Die Gutachter
Dr.
L._
,
Dr.
M._
und
Dr.
N._
verfü
gen
über den entsprechenden Facharzttitel und waren somit in ihren Fach
ge
bieten zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit
der
Beschwerdeführer
in
befähigt.
Gegen das neuropsychologische Teilgutachten brachte
die
Beschwerdeführer
in
unter anderem vo
r, dem beigezogenen Neuro
p
sy
cho
log
en
O._
fehle es an einer zureichenden fachlichen Qualifi
kation (
Urk.
1 S.
12
). Kritisiert wurde namentlich das Fehlen einer Mitgliedschaft im Verband der Schweizer Neuropsychologen SVNP (
Urk.
3/5)
.
Die Bestimmung von
Art.
50b der Verordnung über die Krankenversicherung (KVV), auf welche sich
die
Beschwerdeführer
in
mutmasslich bezieht, trat erst am
1.
Juli 2017 und somit nach der Begutachtung durch
das
C._
in Kraft. Darüber hinaus müssen die Zulassungsbedingungen in
Art.
50b KVV nicht von Gesetzes wegen zwingend auf den Zeitpunkt seines Inkrafttretens in der IV
Begut
achtungs
praxis übernommen werden (Urteile des Bundesgerichts
8C_466/2017 vom
9.
November 2017 E. 4.3;
9C_531/2017 und 9C_532/2017 vom 1
5.
Sep
tem
ber 2017 E. 4.3), demnach schon gar nicht rückwirkend.
Ausserdem ist O._
Neuropsychologe und daher zur
Durchführung der neuropsycho
logischen Untersuchung befähigt und unterliegt es der Verantwor
tung der gutachterlichen Fachärzte, hier insbesondere der Psychiaterin, psycho
logische Testverfahren durch nichtärztliches Fachpersonal durchführen zu lassen und zu überwachen.
Die diesbezüglichen Einwä
nd
e
der Beschwerde
führerin
erweisen sich demnach als unbegründet
.
Die Gutachter berücksichtigten die geklagten Beschwerden und
das
Verhalten
der
Beschwerdeführer
in
(
Urk.
7/79
S. 9-13, S. 18-20 und S. 25-29
)
und erstellten ihren jeweiligen Teil des Gutachtens in Kenntnis der
Vorakten
(
Urk.
7/79
S. 5-9
, S. 17 und S. 22)
. Die gestellten Diagnosen als auch die Schlussfolgerungen zur Arbeitsfähigkeit werden im Gutachten ausführlich begründet und sind nachvoll
ziehbar.
Hierbei setzten sich die Gutachter jeweils mit den medizinischen Vorak
ten, insbesondere den anderslautenden Ei
nschätzungen, auseinander (Urk.
7/79 S. 15, S. 24, S. 31 und zusammengefasst S. 43) und die Beurteilung erfolgte im Konsens aller am Gutachten bete
iligten Fachärzte (
Urk.
7/79 S.
37).
Damit erfüllt das
C._
-Gutachten die bundesgerichtlichen Anforderungen an ein medizini
sches Gutachten (
vgl.
vorstehend
E. 1.5
) vollumfänglich, so dass für die
Ent
scheidfindung
darauf abzustellen ist.
Da von weiteren medizinischen Abklärungen keine neuen
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten wären, kann davon in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 124 V 90 E. 4b) abgesehen werden.
4.3
4.3.1
Es bestehen divergente ärztliche Beurteilungen darüber, ob der depressiven Symptomatik mit einer Antriebsstörung, Gedankenkreisen und einer
Anhedonie
, der festgestellten
Fatigue
sowie dem Diabetes mellitus ein invalidenver
siche
rungs
rechtlich relevanter Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zukommt respek
tive in welchem Ausmass. Die
C._
-Gutachter schätzten die Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin insbesondere aufgrund ihrer deutlichen Ver
langsamung im kognitiven Bereich sowie ihrer Beschwerden im Zusammen
hang mit der Ein
nahme des
Aromatasehemmers
Femara
um 20 % beeinträchtigt ein. Auf der anderen Seite verneinte der behandelnde Onkologe
Dr.
F._
eine Arbeits
fähigkeit aufgrund einer tumorassoziierten
Fatigue
(
crF
) (vgl.
vor
stehend E. 3.1).
Die behandelnde Psychiaterin Dr.
K._
beurteilte die Beschwerde
führerin gestützt auf eine tumorassoziierten
Fatigue
(
crF
) sowie eine mittelschwere Depression bis zu 80 % in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (vgl.
vorstehend E. 3.3).
4.3.2
Die depressive Störung betreffend bezweifelte die begutachtende Psychiaterin, dass die Diagnosekriterien für eine mittelschwere depressive Störung je erfüllt waren (vgl. E. 3.6). Sie stellte während der Exploration eine leichte depressive Episode fest, die sich vor allem durch subjektive Aufmerksamkeits- und Konzen
trationsstörungen, einem Antriebsmangel und psychovegetativen Symptomen äusserte, wobei diese Symptomatik entweder als rezidivierende depressive Epi
sode oder als reaktives Geschehen (insbesondere auf die psychosozialen Belastungen) gesehen werden könne (vgl. E. 3.4.4). Vor dem Hintergrund, dass die Beschwerdeführerin sowohl mit ihrem Bruder als auch ihrer ehemaligen Arbeitgeberin in juristische Auseinandersetzungen involviert und ihr Ehemann im Jahr 2012 an Prostatakrebs erkrankt war, ist ein reaktives Geschehen auf psychosoziale Belastungsfaktoren - und damit invaliditätsfremde Faktoren - nachvollziehbar. Überdies besuchte die Beschwerdeführerin die Psychotherapie erst ab Januar 2015 bis März 2016 (
Urk.
7/101) und hat die antidepressive Medi
kation selbständig abgesetzt (vgl. vorstehend E. 3.4.4). Entsprechend ist nicht von einem derart hohen Leidensdruck und die Arbeitsfähigkeit dauernd beeinträchti
genden depressiven
Krankheits
geschehen auszugehen.
4.3.3
Eine tumorassoziierte
Fatigue
wurde von den
C._
-Gutachtern verneint. Diese bestehe vor allem während einer Chemo- oder Strahlentherapie und werde bei schweren, fortgeschrittenen und metastasierenden Krebserkrankungen beschrieben. Diese Komplikationen würden bei der Beschwerdeführerin jedoch nicht bestehen (vgl. E. 3.6).
Des Weiteren betrifft die
tumorassoziierte
Fatigue
auch die körperliche Ebene, da Erschöpfung und Müdigkeit im Vordergrund ste
hen und ihr zumindest mittelbar eine organische Ursache zu Grunde liegt (vgl.
BGE 139 V 346 E. 3.2-3.4
).
Vor diesem Hintergrund sowie angesichts dessen, dass die Beschwerdeführerin in der Lage ist, ihren Alltag alleine zu meistern, das Essen zuzubereiten, den Haushalt zu erledigen, täglich längere Spaziergänge mit den Hunden zu unternehmen sowie die Arzt- und Therapietermine selbständig wahr
zunehmen (vgl.
Urk.
7/79 S. 12), ist eine körperliche Erschöpfung und Müdig
keit respektive eine tumorassoziierte
Fatigue
(
crF
) im Privat- und Freizeit
bereich über die attestierte 20%ige Minderung hinaus nicht zu eruieren. Es ist nicht einleuch
tend, dass die geklagte
Fatigue
zwei Jahre nach Abschluss der Chemo- und Radiotherapie, und nachdem die Beschwerdeführerin wieder fast zwei Jahre voll arbeitstätig war, aufgetreten sein soll. Vielmehr ist gestützt auf die
nachvollzieh
baren Ausführungen der Gutachter davon auszugehen, dass die Sympto
matik einer
Femara
-Nebenwirkung zuzuordnen ist, welche in der Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt wurde (vgl. nachstehend E. 4.4).
4.4
Ins
oweit die Beschwerdeführerin
rügte, dass auf das
C._
-Gutachten
nicht abge
stellt werden könne
,
da
verschiedene gestellte Diagnosen, unter anderem der Diabetes mellitus
Typ 2
oder
d
ie kognitiven Störungen
, in der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht
rechtsgenüglich
berücksichtigt worden seien
(
Urk.
1 S. 17)
, ist dem entgegenzuhalten, dass
der
C._
-Gutachter
Dr.
L._
im Rahmen der internistischen Exploration festhielt, dass der Diabetes mellitus medikamentös ungenügend eingestellt sei und auch diätetisch nur ungenügende Kenntnisse bestehen würden (vgl. vorstehend E. 3.4.
2
). Demnach ist davon auszugehen, dass der Diabetes mellitus bei richtiger medikamentöser Einstellung die Arbeits
fähig
keit nicht beeinträchtigt.
Hinsichtlich der kognitiven Störungen verwies die begutachtende Psychiaterin auf die neuropsychologische Testung, in welcher
sich eine deutliche Verlangsamung der kognitiven
Geschwindigkeiten gezeigt habe. D
iese
sei
unklarer Ätiologie und
könne
möglicherweise im Rahmen der medi
ka
mentösen Behandlung mit
Femara
auftreten (vgl.
Urk.
7/79 S. 32; vor
stehend E.
3.4.4-3.4.5
). Die
Gutachter
attestierten der Beschwerdeführerin eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit
, wobei die Reduktion unter anderem
mit dem
ver
langs
amten Arbeitstempo sowie der
Femara
-Nebenwirkungen
begründet wurde
(vgl. vor
ste
hend E. 3.4.5). Damit wurden die kognitiven Störungen unklarer Ätiologie und möglicherweise
von
der
Femara
-Therapie herrührend durchaus
bei
der Beur
tei
lung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt.
Die diesbezüglichen Ein
wände der Beschwerdeführerin verfangen folglich nicht.
4.5
Die Beschwerdeführerin kritisierte weiter, dass das
C._
-Gutachten offensichtlich auf einem falschen Tätigkeitsprofil betreffend bisherige bzw. angestammte
Tätig
keit basiere
(
Urk.
1 S. 15). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass
die
C._
-Gut
achter
im Rahmen der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit davon
ausgingen
, dass es sich um eine körperlich leichte Tätigkeit hand
elt, was unter Berücksichtigung der Angaben im Arbeitgeberfragebogen (
Urk.
7/45/7)
und ihrem eigenen Tätigkeitsbeschrieb (
Urk.
7/79 S. 9 und S. 37)
zutreffend ist.
Weiter sind die Anforderungen an das Durchhaltevermögen und die Sorgfalt sowie die Konzentration/Aufmerksamkeit laut Angaben im Arbeitgeberfragebogen mittel bis gross (vgl.
Urk.
7/45/7).
Wie vorstehend bereits genannt, berücksichtigte
n
die
C._
-Gutachter
in ihrer Beurteilung der Arbeits
fähigkeit die vorhandenen kogni
tiven Störungen indem sie die Arbeitsfähigkeit um 20 % reduzierte
n (vgl.
E.
4.3)
.
Soweit die
Beschwerdeführerin darauf hinwies, dass sie auf die Benutzung des Autos angewiesen bzw. dies berufsbedingt notwendig sei (Urk. 1 S. 17), ist
zu erwähnen, dass
Dr.
L._
und
Dr.
N._
in ihrer ergänzenden Stellung
nahme vom 2
8.
Februar 2017 dar
legten, dass die Beschwerdeführerin
aufgrund des Diabetes mellitus
in ihrer Fahr
tauglichkeit nicht eingeschränkt sei
und sie dies auch durch ihr Autofahren im privaten Bereich beweise
(
Urk.
7/108 S. 2).
Es ist nachvollziehbar, dass nicht zwischen beruflichem und privatem Gebrauch des Autos unterschieden wird und die Beschwerdeführerin bei richtiger medikamen
töser Einstellung des Diabetes mellitus
auch in ihrer Fahrtauglichkeit nicht ein
geschränkt ist.
Dass die gut
achterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auf einer unrichtigen Grundlage beruhe und damit nicht verwertbar sei, erweist sich als unbegründet.
5
.
5
.1
Zu prüfen bleibt, wie sich die
leicht beeinträchtigte
Arbeitsfähigkeit in erwerbli
cher Hinsicht auswirkt.
Die Beschwerdeführerin rügte, dass die Beschwer
de
gegnerin den für die Invaliditätsbemessung erforderlichen Einkommens
vergleich (
Art.
16 ATSG) nicht durchgeführt habe.
5
.2
Die Beschwerdegegnerin
hat weder den ohne Gesundheitsschädigung möglichen Lohn (
Valideneinkommen
) noch einen trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung
zumutbarerweise
realisierbaren Verdienst (Invalideneinkommen) ziffernmässig festgehalten und diese beiden Werte einander gegenüber
gestellt, sondern ein
en
Prozentvergleich vorgenommen. Dies ist vorliegend auch nicht zu beanstanden, wäre die Beschwerdeführerin
doch
gemäss dem im
C._
-Gutachten formulierten Zumutbarkeitsprofil wieder in der Lage, ihre zuletzt ausgeübte oder eine ver
gleichbare Tätigkeit zu 80 %
(vgl. E. 3.4.6
)
auszuüben.
Damit ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin nicht rentenrelevant in ihrer Erwerbs
fähigkeit eingeschränkt ist.
5
.
3
Zu einem allfälligen Anspruch auf berufliche Massnahmen
hat die Beschwerde
gegnerin
keine Stellung genommen. Da der Anspruch auf Eingliederungs
mass
nahmen nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung war, fehlt es vorliegend an einem Anfechtungsobjekt, womit auf diesen Antrag nicht einzu
treten ist.
6.
Zusammenfassend erweist sich der angefochtene Entscheid als rechtens. Die dagegen erhobene Beschwerde ist dementsprechend abzuweisen
, soweit darauf einzutreten ist
.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind unabhängig
vom Streitwert festzulegen
und gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ermessensweise auf
Fr.
7
00.-- festzu
setzen.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen
.