Decision ID: 4329ad9d-fa45-4fd2-9e2c-81315ac53284
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1973 geborene
X._
war
vom 1. September 2000 bis 31. März 2010 als Garderobiere im I._ (Urk. 6/6) und vom 26. Juni 2000 bis 31. Mai 2002 als Haushelferin für die Y._ (Urk. 6/7) jeweils in einem Teilzeitpensum angestellt. Am 28. Januar 2003 meldete sie sich unter Hinweis auf Rücken- und Kniebeschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und wies das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 17. Dezember 2003 ab (Urk. 6/16).
Die Versicherte war daraufhin bei verschiedenen Arbeitgebern unter anderem als Reinigungsmitarbeiterin und Privathaushälterin tätig (Urk. 6/22/2). Am 30. Juli 2015 meldete sie sich unter Hinweis auf Schmerzen in Händen, Füssen und Ge
lenken sowie auf einen 2014 diagnostizierten Brustkrebs erneut zum Leistungs
bezug an (Urk. 6/26). Die IV-Stelle tätigte wiederum medizinische und erwerbli
che Abklärungen und wies das Rentenbegehren nach durchgeführtem Vorbe
scheidverfahren (Urk. 6/60 f. und Urk. 6/66)
mit Verfügung vom 2
4.
November 2016 (Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 24. Dezember 2016 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die Verfügung vom 24. November 2016 sei aufzuheben und es sei ihr eine Rente der Invalidenversicherung auszurichten. Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zu
dem sei ihr die unentgeltliche Prozessführung unter Bestellung einer unentgeltli
chen Rechtsvertretung zu bewilligen (S. 2). Am 7. Februar 2017 (Urk. 5) bean
tragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 24. Februar 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 11).

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsren
te und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erz
ielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der ver
sicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades
auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der frühe
ren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prü
fen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchs
begründende Invalidität zu be
jahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwer
defall obliegt die gleiche materi
elle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom 24. November 2016 (Urk. 2) damit, dass die Beschwerdeführerin in
einer angepassten Tätigkeit zu 80
%
arbeitsfähig sei. Der Verlauf nach de
r Mammakarzinom-Diagnose sei dabei bereits berücksichtigt worden. Nachdem sie sich derzeit nicht in entsprechender Behandlung befinde, könne ein aktueller psy
chiatrischer Bericht nicht eingeholt werden. Für die Berechnung des Validenein
kommens sei auf die
vom Bundesamt für Statistik herausgegebene Lohnstruk
turerhebung (LSE)
abzustellen. Beim Invalideneinkommen sei kein Leidensabzug zu berücksichtigen. Es bestehe ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 20 %.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
nach einem 2014 diagnostizierten Brustkrebs seien ihr bei den anschliessenden drei Operationen die linke Brust amputiert und die Muskeln des linken Armes praktisch weggeschnitten worden. Es sei eine weitere Operation geplant, in die
sem Zusammenhang seien allenfalls weitere Abklärungen notwendig und die Sa
che sei dazu an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (S. 3-5). Sie sei in psy
chiatrischer Behandlung, einen entsprechenden Bericht habe die Beschwerdegeg
nerin jedoch nicht eingeholt. Sie sei auch aus psychischen Gründen in der Ar
beitsfähigkeit eingeschränkt, allenfalls seien auch diesbezüglich weitere Abklä
rungen und eine Rückweisung erforderlich (S. 5 f.). Es sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auch in einer angepassten Tätigkeit auszugehen (S. 6). Würde von einer Restarbeitsfähigkeit ausgegangen, so wäre das Valideneinkommen aus dem Jahre 2001 auf das Jahr 2016 hochzurechnen und ein Leidensabzug von 25 % zu berücksichtigen (S. 4 und S. 7).
3.
Vergleichszeitpunkt für eine für die Neuanmeldung relevante Veränderung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin bildet die Verfügung vom
17. De
zember 2003 (Urk. 6/16
), mit welcher die Beschwerdegegnerin das Leistungs
be
gehren abgewiesen hat.
4.
4.1
Dem im Rahmen der Erstanmeldung eingeholten Bericht des damaligen Hausarz
tes Dr. med. Z._ vom 27. Juli beziehungsweise 4. August 2003 (Urk. 6/8/1-4) sind folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (S. 1):
-
Orthostatische Hypotonie
-
Adynamie-Myalgie-Syndrom
-
Kraftlosigkeit, rasche Erschöpfbarkeit und Einschlafgefühl in Armen und Bei
nen
-
Dysaesthesien an Händen und Füssen
-
Fehlform, Fehlhaltung und Dysbalance der Wirbelsäule
-
Depressive Verstimmung
-
Untergewicht
Zudem stellte Dr. Z._ die Diagnosen einer Hypokaliämie und eines Haken
wurminfektes, welche keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Bei kör
perlicher Belastung betrage die Arbeitsfähigkeit 20 % (S. 1 f.).
Gestützt darauf bescheinigte der Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der Beschwerdeführerin eine Arbeitsfähigkeit von 50 % als Spitexmitarbeiterin, von 75 % als Garderobiere und von 100 % in einer leidensangepassten Tätigkeit (Urk. 6/14/2).
Die Beschwerdegegnerin hielt daraufhin in der Verfügung vom 17. Dezember 2003 fest, der Beschwerdeführerin sei es zumutbar, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen (Urk. 6/16/2).
4.2
Dem im Rahmen der Neuanmeldung eingereichten Bericht von Dr. med. A._, Psychiatrie und Psychotherapie, von der B._ vom 28. Juli 2014 (Urk. 6/39/17-19) ist folgende Diagnose zu entnehmen (S. 2):
-
Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion
-
reaktiv im Rahmen der Mammakarzinom-Diagnose
Dazu führte sie aus, Abklärungen im Juni 2014 hätten ein Mammakarzinom ge
zeigt, welches am 15. Juli 2014 entfernt worden sei. Aktuell sehe es so aus, dass der Tumor noch nicht invasiv gewesen und die Behandlung abgeschlossen sei. Die Beschwerdeführerin sei über die Ereignisse erschüttert. Zuvor habe es so aus
gesehen, als ob sich ihre Situation verbessert habe. Sie hätte im Juli 2014 eine 100 %-Stelle als Haushälterin antreten können, die Beziehung zu ihrem Freund, welcher wegen über Jahre bestehenden Drogen- und Alkoholprobleme in Kontakt zur Justiz gewesen sei, habe sich verbessert und auch ihre zuvor bestehenden Gelenkprobleme hätten sich verringert. Nun seien alle ihre Pläne wieder über den Haufen geworfen. Sie sei häufig müde und kraftlos, hinzu kämen Probleme mit dem Körperbild, nachdem man die ganze linke Brust habe entfernen müssen. Ein Aufbau mit einem Silikonimplantat sei geplant. Der Einsatz eines Antidepressi
vums sei mit ihr besprochen worden, sie sei jedoch skeptisch und werde sich das noch überlegen. Eine weitere psychoonkologische Begleitung sei geplant (S. 1 und S. 3).
4.3
Dr. med. C._, FMH Rheumatologie, führte in seinem Bericht vom 16. Sep
tember 2015 (Urk. 6/34) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit auf (S. 6):
-
Seronegativ undifferenzierte Polyarthralgien der Hände und Füsse
-
Depressives Zustandsbild
Zudem stellte er folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 6):
-
Femoropatellares Schmerzsyndrom
-
Mammakarzinom, Mastektomie und Radiotherapie 2014
Dazu führte er aus, die Beschwerdeführerin habe seit Jahren muskuloskelettale Beschwerden, welche sie in der Ausübung von mittelschweren und schweren Ar
beiten hindern würden. In der bisherigen Tätigkeit als Haushalthilfe sei eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit angemessen. In einer angepassten leichten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. Da sie aber auch einen niedergeschlage
nen und depressiven Eindruck vermittle, sei sie aktuell nicht vermittelbar (S. 5-7).
4.4
Dr. med. D._, Praktische Ärztin FMH, hielt in ihrem Bericht vom 17. Septem
ber 2015 (Urk. 6/39/1-5) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit fest (S. 1):
-
Belastungsabhängige Polyarthralgien, beginnende Polyarthrose
-
Chronifiziertes generalisiertes Schmerzsyndrom
-
Zervicothorakales Schmerzsyndrom
-
Lumbovertebralsyndrom
-
Status nach Mammakarzinom
Dazu führte sie aus, ohne steten Gebrauch der Hände und Füsse sei eventuell eine Reintegration in den Arbeitsmarkt möglich. In einer angepassten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin je nach Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig (S. 3-5; vgl. auch Be
richt vom 7. Januar 2016, Urk. 6/44).
4.5
Dr. med. E._, FMH Gynäkologie und Geburtshilfe, führte in ihrem Bericht vom 6. Oktober 2015 (Urk. 6/41) aus, aufgrund ihres Mammakarzinoms sei die Be
schwerdeführerin vom 14. Juli bis 12. September 2014 sowie vom 16. Juli bis 16. August 2015 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen (S. 2).
4.6
Im Verlaufsbericht vom 24. Februar 2016 (Urk. 6/51) hielt Dr. C._ fest, in der bisherigen Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Für eine angepasste leichte, wechselnd sitzend-stehende Tätigkeit ohne Tragen von schweren Lasten könne die Arbeitsfähigkeit bis höchstens 80 % gesteigert werden. Die Leistungs
fähigkeit sei durch die depressive Symptomatik leicht eingeschränkt (S. 5).
4.7
Pract. med. F._, FA für Arbeitsmedizin, vom RAD stellte in seiner Akten
beurteilung vom 6. August 2016 (Urk. 6/59/4) folgende
Diagnosen mit Auswir
kung auf die
Arbeitsfähigkeit:
-
Seronegativ undifferenzierte Polyarthralgien der Hände und Füsse
-
Depressives Zustandsbild, reaktiv
-
Chronifiziertes gen
eralisiertes
Schmerzsyndrom
-
Status nach Mastektomie links, bei
Mammakarzinom
2014
Dazu führte er aus, aktuell scheine keine regelmässige fachärztliche psychiatri
sche Behandlung stattzufinden (vgl. dazu Urk. 6/55 und Urk. 6/57). Es beständen muskuloskelettale Beschwerden sowie progrediente Hand- und Fussbeschwerden. Es sei von einer eingeschränkten Belastbarkeit des Achsenskelettes und der Hände auszugehen. In ihrer angestammten Tätigkeit als Raumpflegerin sei sie nicht mehr arbeitsfähig. In einer körperlich leichten überwiegend sitzenden oder wechselbe
lastenden Tätigkeit ohne Tragen von schweren Lasten sei sie seit jeher mindestens zu 80 % arbeitsfähig.
4.8
Der Kostenübernahmebestätigung der zuständigen Krankenkasse vom 19. De
zember 2016 ist zu entnehmen, dass aufgrund des Mammakarzinoms ein weiterer Eingriff vorgesehen sei (Wechsel auf ein kleineres Implantat, zwei ambulante Sit
zungen Lipofilling; Urk. 3/3).
4.9
Am 16. Dezember 2016 bestätigte Dr. med. G._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, dass die Beschwerdeführerin seit dem 15. November 2016 zu ihm in die Therapie komme (Urk. 3/4).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer leistungsabweisenden Verfügung vom
24.
November 2016 (Urk. 2) auf die Stellungnahme ihres RAD-Arztes
pract. med. F._ vom 6. August 2016 (E. 4.7
hievor).
5.
2
Die RAD stehen den IV-Stellen zur Beurtei
lung der medizinischen Voraus
setzun
gen des Leistungsanspruchs zur Verfü
gung. Sie setzen die für die Invali
denversi
cherung nach Art. 6 ATSG massge
bende funktionelle Leistungsfähigkeit der Ver
sicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufga
benbe
reich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Ein
zelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
IVV
beurteilen die RAD die me
dizinischen Voraussetzungen des Leistungs
anspruchs. Die geeigneten Prüfmetho
den können sie im Rahmen ihrer medi
zinischen Fachkompetenz und
der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD kön
nen Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersu
chungsergebnisse schrift
lich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – ge
wissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Ge
richten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den ha
ben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu wür
digen, wozu na
mentlich auch
gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere An
sicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
nehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (vorerwähntes Urteil des Bun
desgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hin
weisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem ex
ter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifi
kationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis
versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte ge
hören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesge
richts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
5.3
5.3.1
Bei der Beschwerdeführerin wurde 2014 ein Mammakarzinom diagnostiziert, wel
ches mit mehreren Operationen und anschliessend mit einer im Januar 2015 ein
geleiteten Radiotherapie behandelt wurde (vgl. Urk. 6/39/6-19 und Urk. 6/41) und gemäss der behandelnden Dr. E._ zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit vom
1
4.
Juli bis 1
2. September 2014 sowie vom 16.
Juli bis 1
6.
August 2015 führte (vgl. E. 4.
5
hievor). Eine - vorübergehende - Verschlechterung des Gesundheits
zustandes ist damit ausgewiesen.
Umgekehrt ist aus dem Bericht von Dr. E._ aber ebenso zu schliessen
, dass das
Mammakarzinom vom 17. August
2015 bis
mindestens
im
Zeitpunkt des Verfügungserlasses im November 2016 keine Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit mehr hatte. Dass der Brustkrebs und die Ampu
tation der Brust
die Arbeitsfähigkeit zusätzlich beeinflussen würden, wie dies die
Beschwerdeführerin
geltend machte, ist aus den Akten nicht ersichtlich.
Eine Rückweisung zur weiteren Abklärung der nach Verfügungserlass geplanten Ope
ration (Wechsel Implantat und Lipofilling, vgl. E. 4.8 hievor) ist somit nicht an
gezeigt. Sollte die Operation zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes führen, so wäre dies praxisgemäss im Rahmen einer Neuanmeldung bei der Be
schwerdegegnerin geltend zu machen.
5.3.2
Gemäss dem behandelnden Rheumatologen vermittelte die Beschwerdeführerin einen niedergeschlagenen und depressiven Eindruck (E. 4.3 hievor). Von einer depressiven Verstimmung wurde bereits im Rahmen der Erstanmeldung 2003 be
richtet (E. 4.1 hievor), eine entsprechende Behandlung fand jedoch soweit ersicht
lich nicht statt. Nach der Diagnose eines Mammakarzinoms wurde sie ab Juli 2014 unter der rechtsprechungsgemäss nicht invalidisierenden Diagnose einer Anpassungsstörung (Urteil des Bundesgerichts 9C_283/2017 vom 29. August 2017 E. 4.1.2)
psychoonkologisch begleitet (E. 4.2 hievor).
Der empfohlenen Psychopharmakotherapie stand sie skeptisch gegenüber und i
m Zeitpunkt der Neuanmeldung im
Juli 2015 war die Betreuung bereits wieder beendet. Denn aus der Anmeldung sind weder psychische Beschwerden noch eine diesbezügliche Behandlung ersichtlich (vgl. Urk. 6/26). Wohl Anfang 2016 begab sich die Be
schwerdeführerin zu med. pract. H._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, in Behandlung (vgl. Urk. 6/47), doch berichtete sie im April 2016 von einem erschütterten Vertrauensverhältnis und brach die Therapie - unter an
derem auch aufgrund einer Erkrankung von med. pract. H._ - spätestens im August 2016 wieder ab (Urk. 6/55, Urk. 6/56 und Urk. 6/68). Ein Bericht des be
handelnden Psychiaters konnte nicht eingeholt werden. Im Oktober 2016 meldete die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin, dass sie derzeit nicht in Be
handlung stehe (Urk. 6/68). Dass Letztere vor Erlass der angefochtenen Verfügung am 24. November 2016 nicht erneut versuchte, einen entsprechenden Bericht ein
zuholen, ist in Anbetracht dieser Umstände nachvollziehbar. Erst im Rahmen des Beschwerdeverfahrens teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie sich am 15. No
vember 2016 wiederum in psychiatrische Behandlung begeben habe (vgl. E. 4.9 hievor). Anhaltspunkte für eine allfällige Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit sind der Bestätigung ihres neuen Therapeuten nicht zu entnehmen. Selbst die Hausärztin erwähnte am 17. September 2017 weder eine psychiatrische Störung noch eine entsprechende Medikation (Urk. 6/39/1-2). Für den vorliegend mass
gebenden Zeitraum bestehen somit keine (fachärztlich) bestätigten psychiatri
schen Diagnosen, auch wurde von keinem (Fach)Arzt eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit festgehalten. Ihre psychischen Beschwerden liess sie auch nicht konsequent behandeln, sondern brach angefangene Therapien jeweils be
reits nach kurzer Zeit wieder ab. Ein (relevanter) Leidensdruck ist damit nicht ersichtlich. Daran ändert nichts, dass eine der Behandlungen unter anderem auf
grund der Erkrankung von med. pract. H._ abgebrochen wurde, denn die Beschwerdeführerin schien nicht an einer raschen Anschlusslösung interessiert (vgl. Urk. 6/55 f.) und trat erst mehrere Monate nach Behandlungsabbruch eine erneute Therapie an.
Von einer bis Verfügungserlass aus psychischen Gründen massgeblich einge
schränkten Arbeitsfähigkeit ist in Anbetracht dieser Umstände entgegen der Dar
stellung der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 6) nicht auszugehen; vielmehr ist rechtsprechungsgemäss Validität zu vermuten (BGE 142 V 106 E. 4.4). Auch in diesem Zusammenhang ist eine Rückweisung zur weiteren Abklärung nicht an
gezeigt und eine allfällige Verschlechterung der psychischen Beschwerden nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung wäre im Rahmen einer Neuanmeldung bei der Beschwerdegegnerin geltend zu machen.
5.3.3
Aus rheumatologischer Sicht ist die Beschwerdeführerin in einer angepassten leichten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig (E. 4.3 hievor). In seinem rund 5 Monate später erstellten Verlaufsbericht bestätigte der behandelnde Rheumatologe die 80%ige Arbeitsfähigkeit (E. 4.6 hievor). RAD-Arzt pract. med. F._ folgte in seiner Aktenbeurteilung (E. 4.7 hievor) der Einschätzung von Dr. C._, was mit Blick auf die Tatsache, dass dieser die Beschwerdeführerin seit dem 7. April 2006 behandelt und demnach dank langjähriger medizinischer Betreuung
auf vertieftere Kenntnisse abstellen konnte (vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts 9C_468/2009 vom 9. September 2009 E. 3.3.1)
, nachvollziehbar ist
.
Zwar erachtete die behandelnde Hausärztin die Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit als um 50 % eingeschränkt (E. 4.4 hievor), doch begründete sie diese abweichende Einschätzung nicht weiter. Im Verlaufsbericht vom 7. Januar 2016 (Urk. 6/44) vermochte sie zudem keine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit mehr zu machen (S. 2).
Ihre Einschätzung vermag damit die dem Rheumatologen folgenden Ausführungen des RAD-Arztes nicht in Zweifel zu ziehen, zumal
bei Berichten von Hausärzten der Erfahrung
statsache Rechnung zu tragen ist
, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtli
che Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aus
sa
gen (BGE 125 V 351 E.
3b/cc).
5.3.4
Zusammenfassend ist somit
aufgrund der eingeschränkten Belastbarkeit des Ach
senskelettes und der Hände von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der ange
stammten und einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer den Beschwerden ange
passten leichten Tätigkeit auszugehen.
Zu prüfen bleibt, wie sich das Leistungs
vermögen de
r
Beschwerdeführer
in
in
erwerblicher
Hinsicht auswirkt.
6.
6.1
Der für die Invaliditätsbemessung und damit den Rentenanspruch massgebende Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (BGE 130 V 343 E. 3.4.2).
6.2
6.2.1
Die Beschwerdeführerin war bis am 31. März 2010 für das I._ tätig und kündigte diese Anstellung aufgrund ihres Wegzuges nach Biel (Urk. 6/30). Auch die Anstellung beim J._ hat sie per 31. März 2010 aus eige
nem Antrieb und damit wohl ebenfalls aus privaten Gründen und nicht krank
heitsbedingt gekündigt (Urk. 6/22/6). Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass sie bei guter Gesundheit weiterhin für diese beiden Arbeitgeber tätig wäre. Dem
nach ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin
zur Berechnung des Valideneinkommens auf die
LSE
abgestellt
hat.
6.2.2
Auch für die Berechnung des Invalideneinkommens ist auf die LSE abzustellen. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der eingeschränkten Belastbarkeit ihrer Hände auch bei der Ausübung einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit beeinträchtigt ist. Weitere Umstände, welche einen leidensbedingten Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigen würden, sind hingegen nicht ersichtlich. Es ist somit entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht der maximale Leidensabzug von 25 %, sondern höchstens ein solcher von 10 % zu gewähren.
6.2.3
Die Beschwerdeführerin war seit ihrer Einreise in die Schweiz im Jahre 1996 stets als Hilfsarbeiterin tätig und wechselte dabei mehrfach die Stelle (
Urk.
6/31).
D
as Validen- wie auch Invalideneinkommen
ist deshalb
anhand der identischen Ta
bellenwerte zu ermitteln, nämlich basierend auf einfachen Tätigkeiten körperli
cher oder handwerklicher
Art.
Damit entspricht der Invaliditätsgrad dem Arbeits
unfähigkeitsgrad von 20
% beziehungsweise beträgt bei Berücksichtigung
eines höchstens 10%igen
Abzug
s vom Tabellenlohn
rentenausschliessende 28 %.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig und sind die Gerichtskosten gemäss Art. 69
Abs. 1
bis
IVG ermessensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss sind
die Gerichtskosten de
r
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen
.
Da die Voraussetzungen für die unentgeltliche
Prozessführung
gemäss § 16 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) erfüllt sind
, sind sie jedoch
einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7.2
Ebenso sind die
Voraussetzungen für die unentgeltliche
Rechtsvertretung erfüllt und es ist Rechtsanwalt Tomas Kempf aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
Die
Entschädigung ist – gestützt auf
§
34
Abs.
3 GSVGer und nach Einsicht in die Kostennote vom 2
6.
Juni 2018 (Urk. 13) – auf Fr. 1‘746.50
(inkl. Barauslagen und MWSt) festzusetzen.
7
.3
Die
Beschwerdeführer
in
ist auf
§
16
Abs.
4 GSVGer hinzuweisen, wonach
sie
zur Nachzahlung der
Gerichtskosten sowie der
Auslagen für die Vertretung verpflich
tet werden kann, sofern
sie
dazu in der Lage ist.