Decision ID: 32594ca7-9c68-5373-b45e-677f5c7d3876
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Am
«...»
2014 liess
X._
sein Einzelunternehmen
Z._
mit dem Zweck Betrieb eines Kommunikationsberatungs-,
Handels- und Transportunternehmens
ins Handelsregister eintragen (
Urk.
5/1
9
/1/9
und
Urk.
5/1
9/3/10
), worauf die Suva zur Abklärung der Versicherungspflicht der Mitarbeitenden Auskünfte einholte (
Urk.
5/1
9
/1/3-6). Am
3.
Oktober 2014
(
Urk.
5/1
9
/
1
/1) ersuchte
die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Aus
gleichskasse,
die Suva um Mitteilung, ob
X._
als selbständig oder unselbständig erwerbstätig einzustufen ist. Die Suva tätigte verschiedene Abklä
rungen
und holte unter anderem einen Fragebogen ein, worin
er
am 1
6.
Oktober 2014 (
Urk.
5/1
9/3/1-2) angab, Fahraufträge von
A._
und eigenen Kunden zu erhalten. Am
3.
November 2014 (
Urk.
5/1
9/6/1) übermittelte
X._
der Suva sodann seine Partnerver
e
inbarung mit der
Y._
(
Urk.
5/1
9/6/2-11).
Am
3.
November 2014 (
Urk.
5/1
9/7/1) teilte
die Suva
X._
schriftlich mit, dass er für seine Tätigkeit
im Bereich
Limousinen
service
als
unselbständigerwerbend
gelte und verfügte am
6.
Januar
2015 (
Urk.
5/1
9/9/1-2)
im gleichen Sinne.
D
agegen
erhob
X._
am
2
6.
Januar und
5.
Februar 2015 (
Urk.
5/1
9/10/1 und
Urk.
5/1
9/12/1-10)
Einsprache und ergänzte diese
am 1
3.
u
nd
20.
April
2015 (
Urk.
5/1
9/13/1-3 und
Urk.
5/1
9/14/1-3)
. Die Suva tätigte hierauf weitere Abklärungen.
Am 1
3.
Juni 2016 (
Urk.
5/1
9/26
/
2
-
3
) orientierte die Suva die
Y._
verfügungsweise über die Qualifikation von
X._
als
Unselbstän
dig
erwerbender
, was auch für die Tätigkeit für die
Y._
gelte
, sowie über die bereits erhoben
e
Einsprache.
Die
Y._
erhob ihrerseits am 1
5.
Juli 2016 (
Urk.
5/1
9/31/2
und
Urk.
5/3/9
) Einsprache
.
Mit Entscheiden vom 2
0.
April 2018 (
Urk.
2 und
Urk.
5/2) wies die Suva die beiden Einsprachen ab.
2.
Am 1
6.
Mai 2018 (
Urk.
1
) erhob
X._
Beschwerde gegen den
Ein
spracheentscheid
vom 2
0.
April 2018 und beantragte sinngemäss seine Qualifikation als
Selbständigerwerbender in Bezug auf seine Tätigkeit für die
Y._
.
Dieses Verfahren wurde unter der vorliegenden Nummer UV.2018.00116 angelegt.
Die
Y._
ihrerseits erhob am 2
8.
Mai 2018 (
Urk.
5/1) Beschwerde mit den folgenden Anträgen (S. 2):
1.
Es seien der gegenüber der
Beschwerdeführerin 2
eröffnete
Einsprache
ent
scheid
der Beschwerdegegnerin vom 2
0.
April 2018 (Vers. Nr.
„...“
) und die von der Beschwerdegegnerin erlassenen Verfügungen vom 1
3.
Juni 2016 (Referenz
„...“
X._
) sowie vom
6.
Januar 2015 (Kunden-Nr.
„...“
) aufzuheben und
X._
in Bezug auf das seit
1.
November 2014 unter verschiedenen Rahmenvereinbarungen bestehende Rechtsverhältnis mit der
Beschwerdeführerin 2
als selbständig erwerbende Person zu qualifizieren.
2.
Eventualiter seien der
Einspracheentscheid
der
Beschwerdeführerin 2
vom 2
0.
April 2018 (Vers. Nr.
„...“
) und die von der Beschwerdegegnerin erlassenen Verfügungen vom 1
3.
Juni 2016 (Referenz
„...“
X._
) sowie vom
6.
Januar 2015 aufzuheben und die Sache zur Neu
beurteilung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen.
3.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwer
de
gegnerin (zuzüglich gesetzlicher MwSt.).
In prozessualer Hinsicht stellte sie folgende Anträge:
1.
Es seien die vollständigen Akten der Beschwerdegegnerin betreffend
X._
beizuziehen.
2.
Es sei das vorliegende Verfahren mit
dem mit Beschwerde vom 1
6.
Mai 2018 von
X._
vor dem S
ozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
eröffneten
Beschwerdeverfahren zu vereinen.
3.
Eventualiter seien
X._
als Mitbetroffener in diesem Verfahren beizuladen und die Akten aus
dem mit Beschwerde vom 1
6.
Mai 2018 von
X._
vor dem
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
eröffneten
Beschwerdeverfahren beizuziehen.
Dieses Verfahren wurde unter der Nummer UV.2018.00
133 angelegt. Mit Ver
fügung vom
4.
Juni 2018 (
Urk.
6) wurden die beiden Prozesse vereinigt, unter der Nummer UV.2018.00116 fortgeführt und der Prozess Nr. UV.2018.00133 als dadurch erledigt
abgeschrieben
(
Urk.
5/5).
Die Suva beantragte am 2
8.
August 2018 (
Urk.
9) Nichteintreten auf die Be
schwerde mangels örtlicher Zuständigkeit. Am
5.
November 2019 (
Urk.
5/1
8) ersuchte die Su
va um Abweisung der Beschwerde, was der
Beschwerdeführerin 2
am
6.
November 2019 (
Urk.
20) zur Kenntnis gebracht wurde. Am 2
7.
November 2019 (
Urk.
22) reichte die
Beschwerdeführerin 2
unaufgefordert eine Replik ein. Die Beschwerdegegnerin hielt am 1
4.
Januar 2020 (
Urk.
25) an den gestellten Anträgen fest, was den übrigen Verfahrensbeteiligten am 2
8.
Januar 2020 (
Urk.
26) zur Kenntnis gebracht wurde. Der Beschwerdeführer 1 liess sich nicht mehr vernehmen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im Eventualstandpunkt beantragte d
ie
Beschwerdeführerin 2
die Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur Neubeurteilung. Zur Begründung führte sie aus, bei Erlass d
e
r
sie angeblich berührenden
Feststellungsverfügung vom
6.
Januar
2015 sei einzig die
konkrete Bez
i
ehung zur
A._
GmbH berücksichtigt worden
. Erst über eineinhalb Jahre später sei in Verallgemeinerung der Verfügung auch sie - die
Beschwerdeführerin 2
- informiert worden. Mit diesem Vorgehen verstosse die Beschwerdegegnerin gegen das von ihr im
Einspra
che
entscheid
vom 2
0.
April 2018 dann zur Begründung ihres Entscheids ange
fügte Gebot der Einzelfallbeurteilung für jedes Erwerbseinkommen. Bereits aus die
sem Grund seien der
Einsprachee
n
t
scheid
vom 2
0.
April 2018, die Verfügung
vom 1
3.
Juni 2016 sowie die Verfügung vom
6.
Januar 2015 aufzuheben (
Urk.
5/
1
Ziff.
12).
Auch der Beschwerdeführer 1 bemängelte die fehlende Erwähnung der
Beschwer
deführerin 2
in der Verfügung vom
6.
Januar 2015 (
Urk.
1
S. 1).
1.2
In der Feststellungsverfügung vom
6.
Januar 2015 (
Urk.
5/1
9/9/1-2) nahm die Beschwerdegegnerin Bezug auf die «vorliegenden Dokumente», wozu auch der Rahmenvertrag zwischen dem Beschwerdeführer 1 und der
Beschwerdeführerin 2
gehört (
Urk.
9/6/2-11). Zur Begründung der Qualifikation des Beschwerdeführers 1
als
Unselbständigerwerbender
führte sie aus, Taxifahrer mit und ohne eigenes Fahrzeug, die an eine Zentrale angeschlossen seien, gälten grundsätzlich als
unselbständigerwerbend
. Der Beschwerdeführer 1 sei arbeitsorganisatorisch stark eingeschränkt und stehe in einem Unterordnungs- und Abhängigkeitsverhältnis gegenüber der Taxizentrale
A._
AG (richtig: GmbH). Der Be
schwerdeführer 1 trete Dritten gegenüber nicht in eigenem Namen auf und sein Personenwagen gelte nicht als erhebliche Investition. Die Beschwerdegegnerin hielt fest, für seine Tätigkeit im Bereich
Limousinenservice
gelte der Beschwerde
führer 1 deshalb bei den Sozialversicherungen als
unselbständigerwerbend
.
In der Verfügung vom 1
3.
Juni 2016 (
Urk.
5/1
9/26/2-3) führte die Beschwerde
gegnerin aus, sie habe festgestellt, dass der Beschwerdeführer 1 seit
1.
November 2014 für die
Beschwerdeführerin 2
eine unselbständige Erwerbstätigkeit ausübe
und deshalb in der Schweiz obligatorisch gegen Unfall versichert sei. Sodann wurde
auf die dem Beschwerdeführer 1 bereits eröffnete Verfügung vom
6.
Januar 2015 verwiesen.
1.3
D
ie Beschwerdegegnerin
nahm
in ihrer Verfügung vom
6.
Januar
2015
in der Tat
hauptsächlich auf das Rechtsverhältnis des Beschwerdeführers 1 mit
A._
Bezug
. Indes
ergibt sich aus dem Dispositiv, dass jegliche Tätigkeit des Beschwer
deführers 1 im Bereich
Limousinenservice
als unselbständige Erwerbstätigkeit gefasst wird.
Die Beschwerdegegnerin
führte
sodann
weitere Begründungs
ele
mente an
(Anschluss an eine Taxizentrale, Auftreten gegenüber Dritten nicht in eigenem Namen, Personenwagen gelte nicht als Investition). Die Bezugnahme auf die «vor
liegenden Dokumente» und die Formulierung des Dispositivs belegt sodann, dass der Beurteilung auch der Rahmenvertrag mit der
Beschwerdeführerin 2
zu Grunde lag und sich die Beurteilung auch auf dieses Rechtsverhältnis bezog. Dies be
stätigte die Beschwerdegegnerin mit der verfügungsweisen Mitteilung an die
Beschwerdeführerin
2 vom 1
3.
Juni 2016.
Auch wenn die Begründungselemente den ko
nkreten Vertragsinhalt nicht wi
der
spiegeln, so ist den beiden Verfügungen doch zu entnehmen, aus welchen Gründen die Qualifikation als
Unselbständigerwerbender
auch in Bezug auf die Tätig
keit bei der
Beschwerdeführerin
2 erfolgte.
Damit b
esteht - trotz k
n
a
pper Begründung - keine Veranlassung zur Aufhebung des angefochtenen
Einsprache
entscheids
und zur Rückweisung zwecks verfügungsweise
r
neue
r
Begründung. Dies gilt umso mehr, als die
Beschwerdeführerin
2
einspracheweise
nicht den Erlass
einer neu begründeten
Verfügung verlangte, sondern
einzig
materiell Stellung nahm
(
Urk.
5/3/9) und die nun angefochtenen
Einspracheentscheide
Be
zug auf das konkrete Rechtsverhältnis nehmen und eine ausführliche Begründung enthalten, was von der
Beschwerdeführerin 2
denn auch nicht in Frage gestellt wird.
Auch der Beschwerdeführer 1 verlangte
einspracheweise
(
Urk.
5/1
9/10/1
,
Urk.
5/1
9/12/1-10,
Urk.
5/1
9/13/1-3 und
Urk.
5/1
9/14/1-3
) keine neue Verfü
gung, auch nicht nach Kenntnisnahme der Verfügung
vom 1
3.
Juni 2016 gegen
über der
Beschwerdeführerin
2.
Gleiches gilt für das vorliegende Gerichtsverfahren.
1.4
Anzufügen bleibt, dass eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, wie sie die
Be
schwerdeführerin
2 sinngemäss rügt, als geheilt zu betrachten wäre, weil der an
gefochtene
Einspracheentscheid
rechtsgenüglich begründet ist und sie sich vor einer Beschwerdeinstanz äussern kann, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
). Von einer Rück
weisung der Sache zur neuen Begründung ist demgemäss auch aus diesem Grund abzusehen.
2.
2.1
Nach der Rechtsprechung beurteilt sich die Frage, ob im Einzelfall selbständige oder unselbständige Erwerbstätigkeit vorliegt, nicht aufgrund der Rechtsnatur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entscheidend sind vielmehr die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die zivilrechtlichen Verhältnisse vermögen da
bei allenfalls gewisse Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu bieten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein. Als unselbständig erwerbstätig ist im Allgemeinen zu betrachten, wer von einem Arbeitgeber in betriebswirt
schaft
licher beziehungsweise arbeitsorganisatorischer Hinsicht abhängig ist und kein spezifisches Unternehmerrisiko trägt.
Aus diesen Grundsätzen allein lassen sich indessen noch keine einheitlichen, schematisch anwendbaren Lösungen ableiten. Die Vielfalt der im wirtschaftlichen Leben anzutreffenden Sachverhalte zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellung einer erwerbstätigen Person jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Weil dabei vielfach Merkmale beider Erwerbsarten zu Tage treten, muss sich der Entscheid oft danach richten, welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (BGE 144 V 111 E. 4.2 mit Hinweisen).
2.2
Selbständige Erwerbstätigkeit liegt im Regelfall dann vor, wenn der Beitrags
pflichtige durch Einsatz von Arbeit und Kapital in frei bestimmter Selbstor
gani
sation und nach
aussen
sichtbar am wirtschaftlichen Verkehr teilnimmt mit dem Ziel, Dienstleistungen zu erbringen oder Produkte zu schaffen, deren Inan
spruch
nahme oder Erwerb durch finanzielle oder geldwerte Gegen
leis
tungen abge
gol
ten wird (BGE 115 V 161 E. 9a). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts sind die Tätigung erheblicher Investitionen, die Benützung eigener Geschäftsräum
lichkeiten sowie die Beschäftigung von eige
nem Per
sonal charak
teristische Merk
male einer selbstän
digen Erwerbstätig
keit. Das spezifische
Unternehmerri
siko besteht dabei darin, dass unabhängig vom Arbeitserfolg Kosten anfallen, die der Versicherte selber zu tragen hat. Für die Annahme selbständiger Erwerbstätigkeit spricht sodann die gleich
zeitige Tätigkeit für mehrere Gesell
schaften in eigenem Namen, ohne indessen von diesen abhängig zu sein.
Mass
gebend
ist dabei nicht die rechtliche Möglich
keit, Arbeiten von mehreren Auf
traggebern anzunehmen, sondern die tat
sächliche Auftragslage.
Von unselb
ständiger Erwerbstätigkeit ist auszugehen, wenn die für den Arbeits
vertrag typischen Merkmale vor
liegen, das
heisst
wenn der Versicherte Dienst auf Zeit zu leisten hat, wirt
schaftlich vom
„
Arbeitgeber“ abhängig ist und während der Arbeitszeit auch in dessen Betrieb eingeordnet ist, praktisch also keine andere Erwerbs
tätigkeit ausüben kann. Indizien dafür sind das Vorliegen eines bestim
mten Arbeitsplans, die Notwendigkeit, über den Stand der Arbeiten Bericht zu er
statten, sowie das
Angewiesensein
auf die Infrastruktur am Arbeitsort. Das wirt
schaftliche Risiko des Versicherten er
schöpft sich diesfalls in der (alleinigen) Ab
hängig
keit vom persönlichen Arbeits
erfolg oder, bei einer
regelmässig
ausge
übten Tätigkeit, darin, dass bei Dahin
fallen des
Erwerbs
ver
hältnisses eine ähn
liche Situation eintritt, wie dies beim Stellenverlust eines Arbeitnehmers der Fall ist (BGE 122 V 169 E. 3c mit weiteren Hin
weisen).
Die Abhängigkeit der eigenen Existenz vom persönlichen Arbeitserfolg ist praxisgemäss nur dann als Risiko eines Selbständigerwerbenden zu werten, wenn beträchtliche Investitionen zu täti
gen oder Angestelltenlöhne zu bezahlen sind (BGE 119 V 161 E. 3b).
Her
vor
zuheben ist, dass sich die Frage nach der Arbeitnehmereigenschaft
regelmässig
nach der
äusseren
Erscheinungsform wirtschaftlicher Sachverhalte und nicht na
ch allfällig davon abweichenden internen Vereinbarungen der Beteiligten beurteilt, was jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalls zu ge
schehen hat. Entscheidend ist dabei, ob geleistete Arbeit, ein Unterordnungs
ver
hältnis und die Vereinbarung eines Lohnanspruchs in irgendeiner Form vorliegen
(Urteil des Bundesgerichts
8C_790/2018
Urteil vom
8.
Mai 2019
E. 3.2).
2.3
2.3.1
Gemäss der Wegleitung über den massgebenden Lohn in der AHV, IV und EO (WML) ist in unselbständiger Stellung erwerbstätig, wer kein spezi
fisches Unter
nehmer
risiko trägt und von einer Arbeitgeberin oder einem Arbeitgeber in wirt
schaftlicher und arbeitsorganisatorischer Hinsicht ab
hän
gig ist (
Rz
101
8
). Merk
male für das Bestehen eines Unternehmerrisikos
sind namentlich (
Rz
101
9
):
-
das Tätigen erheblicher Investitionen,
-
die Verlusttragung,
-
das Tragen des Inkasso- und Delkredererisikos,
-
die Unkostentragung,
-
das Handeln in eigenem Namen und auf eigene Rechnung,
-
das Beschaffen von Aufträgen,
-
die Beschäftigung von Personal,
-
eigene Geschäftsräumlichkeiten.
Auf der anderen Seite kommt das wirtschaftliche respektive arbeitsorgani
sato
ri
sche Abhängigkeitsverhältnis
Unselbständigerwerbender
namentlich zum Aus
druc
k
beim Vorhandensein
(
Rz
10
20
):
-
eines
Weisungsrecht
s
,
-
eines
Unterordnungsverhältni
s
s
es
,
-
einer
Pflicht zur persönlichen Aufgabenerfüllung,
-
eines
Konkurrenzverbots,
-
einer
Präsenzpflicht.
Gemäss Wegleitung gelten
Taxichauffeusen
und -chauffeure im Allgemeinen als
Unselbständigerwerbende
. Dies auch dann, wenn sie ein eigenes Fahrzeug besit
zen, aber einer Taxizentrale angeschlossen sind (
Rz
4
086
). Sie gelten als
selb
stän
digerwerbend
, soweit sie ein Unternehmerrisiko tragen und arbeits
organisatorisch nicht in besonderem Masse von den Auftraggebenden abhängig sind (
Rz
4
088
).
2.3.2
Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entschei
dung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende
Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmun
gen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Ver
waltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkre
ti
sierung der rechtlichen Vorgaben dar
stellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen
eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (B
GE 133 V 587 E. 6.1; 133 V 257 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. BGE 133 II 305 E. 8.1).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin führte
zur Begründung ihre
r
Entscheide (
Urk.
2
und
Urk.
5/2
)
aus, durch die
Beschwerdeführerin 2
werde Transportangebot und -nach
frage zusammengeführt und würden Fahrgäste sowie Fahrer in Verbindung gebracht (S. 3). Sie bejahte sodann ein Abhängigkeitsverhältnis unter Verweis auf ein Weisungsrecht der Beschwerdegegnerin, ein Unterordnungsverhältnis, die Pflicht zur persönlichen Aufgabenerfüllung, ein Konkurrenzverbot (S. 4 ff.) wie auch ein Unternehmerrisiko des
Beschwerdeführers
1
, wobei sie die Themen Inve
stitionen, Unkostentragung, Verlusttragung, Inkasso- und Delkredererisiko, Han
d
eln in eigenem Namen und auf eigene Rechnung, Beschaffen von Aufträgen, Beschäftigen von Personal und Geschäftsräumlichkeiten (S. 12 ff.) beleuchtete.
3.2
Der Beschwerdeführer 1 hielt dagegen
(
Urk.
1
)
,
er arbeite seit bald vier Jahren selbständig und sei
mit
seinem Einzelunternehmen
Z._
in den Bereichen Kommunikation und Transport tätig. Die Beschwerdegegnerin habe seine selbständige Tätigkeit im Kommunikationsbereich bestätigt wie auch den Anschluss als Selbständigerwerbender im Haupterwerb. Wie die Kommunikationssparte sei auch der Bereich
Limousinenser
v
ice
als homogene Geschäfts
ein
heit zu
betrachten
mit verschiedenen Kunden und Partnern. Jede Geschäfts
beziehung im
Limousinenservice
als «weitere Tätigkeit» zu sehen und in Bezug auf seine sozialversicherungsrechtliche Stellung separat zu beurteilen, sei abstrus und entbehre jeglichen unternehmerischen Grundverständnisses. Klare Partner- und Auftragsvereinbarungen seien im Geschäftsleben gang und gäbe und kein Spezifikum der Unselbständigkeit. Er sei in allen
Tätigkeitsfeldern
selbständig, denn er entscheide völlig frei, wann er arbeite und welche Aufträge er annehme oder nicht. Er trage das volle Unternehmerrisiko
u
nd zahle für alle Geschäfts
tätigkeiten Sozialabgaben und die Mehrwertsteuer.
3.3
Die
Beschwerdeführerin 2
führte in ihrer Beschwerde (
Urk.
5/
1) aus, die «Taxi
regelung» sei vorliegend nicht anwendbar (S.
6
) und führte dazu aus, ihr Ge
schäftsmodell bestehe
darin, unter Verwendung der Möglichkeiten der Telekom
munikation die Nachfrage nach Personentransporten mit den Anbietern solcher Transporte, welche normalerweise lokale professionelle Fahrdienstleistungs
unter
neh
men seien, welche über die notwendigen Bewilligungen und Versicherungen verfügten, zusammenzubringen. Dabei werde nicht die
Beschwerdeführerin 2
zur
Erbringung der Fahrdienstleistung verpflichtet. Diese Verpflichtung gehe der Fahr
dienstleister ein. Die seit März 2014 geltenden AGB hielten daher fest, dass die
Beschwerdeführerin 2
die Fahrdienstleistung weder selber noch durch Dritte erbringe. Sie verfüge daher auch über keine eigenen Fahrer. Der zwischen dem letztlich Beförderten und der
Beschwerdeführerin 2
abgeschlossene Vertrag sei ein Auftrag und räume keinen Beförderungsanspruch ein. Nach schweizerischem Rechtsverständnis handle die
Beschwerdeführerin 2
daher quasi wie ein indirekter Stellvertreter bzw. Kommissionär in eigenem Namen aber auf Rechnung des Beförderten und schliesse mit dem Fahrdienstleister einen Beförderungsvertrag zu Gunsten des Beförderten ab. Dabei bezahle der Beförderte der
Beschwerde
führerin 2
für diese Geschäftsbesorgung eine Geschäftsbesorgungsvergütung. Ein
e Klage auf Durchführung der Beförderung und jegliche Klagen aufgrund von während bzw. durch die Beförderung dem Beförderten entstandenen Schäden rich
teten sich gegen den Fahrdienstleister direkt. Dieser trete damit - gegen aussen und insbesondere dem Beförderten erkennbar - in eigenem Namen auf. Dies ergebe sich neben den AGB auch aus der mit den Fahrdienstleistern abge
schlossenen Rahmenvereinbarung. Gleichzeitig bilde die
Beschwerdeführerin 2
für den Beförderten erkennbar nicht Teil des Fahrdienstleisters, sondern vielmehr den «verlängerten Arm» des Beförderten, indem sie zu dessen Gunsten (aber in eigenem Namen) für jede einzelne Fahrt einen einzelnen Beförderungsvertrag mit dem Fahrdienstleister abschliesse (S.
7
f.).
Zur Thematik des Abhängigkeitsverhältnisses brachte sie vor, der
Beschwerde
führer 1
sei bei der Ausgestaltung seiner Tätigkeit in jeder Hinsicht frei, ihm oblägen keine Abnahme- oder persönlichen Präsenzpflichten, er entscheide im Rahmen einer umgekehrten Auktion (unter allen in Frage kommenden Fahrern in der Region bei steigendem Preis, der erste Interessierte führt die Fahrt aus, S. 1
2
) selbständig, zu welchem Preis er eine Fahrt offerieren wolle. Er entscheide selb
ständig, welche zusätzlichen Leistungen er gegenüber den Fahrgästen erbringen wolle (z.B. Wifi). Ihm stehe es frei, Aufträge innerhalb seiner eigenen Firma ande
ren Fahrern zuzuweisen, ihn treffe kein Konkurrenzverbot. Die
Beschwerdefüh
rerin 2
verfüge sodann nicht über ein Weisungsrecht und der
Beschwerdeführer 1
stehe zu ihr nicht in einem Unterordnungsverhältnis. Bei den in der Rahmen
vereinbarung enthaltenen Vorschriften
sowie den geforderten Qualitätsstandards handle es sich um Empfehlungen und die Vorgaben müssten von den Fahrdienst
leistern bereits aufgrund anderweitig bestehender Rechtspflichten erfüllt werden (Datenschutzgesetz, Taxiverordnungen). Es handle sich um übliche und sich aus der Natur des Beförderungsvertrages im Luxus-Segment ergebende Anordnungen und Erwartungen oder diese ergäben sich aus der vertraglichen Leistungspflicht (wie das Absetzen des Fahrgasts am richtigen Ort und unter sicheren Umständen). Damit bestehe kein Abhängigkeitsverhältnis zur Beschwerdegegnerin, zumal einzelne Indizien für eine Weisung oder ein Unterordnungsverhältnis nicht aus
reichten, um ein Abhängigkeitsverhältnis zu belegen. Selbst bei einer finan
ziellen Betrachtungsweise müsse ein Abhängigkeitsverhältnis verneint werden, da die
Beschwerdeführerin 2
nur
20
%
an den Gesamtumsatz der Firma des
Beschwerde
führers
1
beisteuere (S. 4
2
).
Betreffend unternehmerisches Risiko führte die
Beschwerdeführerin 2
aus, der
Beschwerdeführer 1
habe erhebliche Investitionen getätigt (
Anschaffung
eines Fahr
zeuges im Wert von
Fr.
1
07
'
0
00.--, S. 4
3) und tätige solche, er trage einen Verlust bei ausbleibendem oder ungenügendem Umsatz selbst, er müsse sowohl eine
B
uchhal
t
ung führen,
Abrechnungen
kontrollieren und bei Zahlungsrück
ständen oder Uneinigkeiten die notwendigen
Massnahmen
einleiten und finan
zier
en
sowie
gegebenenfalls
das Inkass
o
bzw. Del
k
redererisiko tragen, er finan
zi
e
re die laufend anfallenden Unkos
t
en selbst, er handle auf eigene Rechnung und eigenen
Namen
,
er unterhalte eigene Geschäftsräume und beschaffe sich seine Aufträge (indem er gegenüber der
Beschwerdeführerin 2
zum Beispiel die Applikation nutze und seine Preise festlege) selbst. Er erfülle damit alle Kriterien, welche die Tragung eines Unternehmerrisikos definierten, welche aber nicht alle vorliegen müssten, um eine selbständige Erwerbstätigkeit anzunehmen (S.
49
).
4.
4.1
Die Grundlagen der Zusammenarbeit zwischen der
Beschwerdeführerin 2
und dem
Beschwerdeführer
1
finden sich im Rahmenvertrag (Framework
Cooperation
and Transportation Services Agreement) in der bei der Anme
ldung gültig ge
wesenen (
Urk.
5/3/13
) und ab
3
1.
August
2016 (
Urk.
5/
3/1
4
) anwendbaren Fassu
ng (
Urk.
5/
1 S.
7 f.
). Sodann bestehen Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB,
Urk.
5/
3/
12
), Verhaltensanweisungen bei Notfällen (
Urk.
5/
3/
2
1), Sicherheitsricht
linien (
Urk.
5/
3/
2
2),
Qualitätsstandards (
Urk.
5/3/23
) und eine Übersicht über Kon
sequenzen bei Missverhalten (
Urk.
5/
3/
2
0).
4.2
4.2.1
Zur Thematik der arbeitsorganisatorischen Abhängigkeit ergibt sich aus dem Rahmenvertrag (
Urk.
5/3/14
) im Hinblick auf das Weisungsrecht der
Beschwerde
führerin 2
respektive ein allfälliges Unterordnungsverhältnis, dass ein Beförde
rungsvertrag erst zu Stande kommt, wenn die
Beschwerdeführerin 2
das Angebot des Fahrers annimmt (
Ziff.
2.1). Wohl findet eine umgekehrte Auktion statt, wobei die
Beschwerdeführerin 2
den Fahrern aus der Region zuerst einen tiefen Preis für das Erbringen der Dienstleistung offeriert und das Angebot schrittweise erhöht, bis ein Fahrer das Angebot annimmt. Auch wenn dieser Vorgang auto
matisiert sein dürfte und jeweils der Fahrer berücksichtig
t
wird, welcher als Erster ein Angebot abgibt (
Urk.
5/1
Ziff.
29
und
Ziff.
4
3
f.), ist es gleichwohl an der
Beschwerdeführerin 2
, den Vertrag mit dem ihr genehmen Fahrer zu schliessen. Dass die
Beschwerdeführerin 2
dabei den Transportvertrag nicht
für sich selbst, sondern für
den Kunden
abschliesst
(
AGB
Ziff.
1), spielt dabei keine Rolle.
Dies zeigt eine dominierende Stellung der
Beschwerdeführerin 2
auf, indessen handelt es sich bei diesen Vorgängen um Verhandlungen bei Vertragsabschluss, welche zu einer gegenseitigen, übereinstimmenden Willensäusserung führen müssen. Dass die
Beschwerdeführerin 2
schliesslich den Zuschlag gibt, ist unter diesem Gesichtspunkt nicht als erhebliche Überordnung zu fassen.
4.2.2
Der Fahrer hat seine Dienstleistung entsprechend verschiedener durch die
Be
schwerdeführerin 2
festgelegter Vorschriften zu erbringen (Rahmenvertrag
Ziff.
2.2
). Dazu gehört unter anderem, bei Abholung mit Kenntlichmachung mit einem Schild (z.B. am Flughafen) das von der
Beschwerdeführerin 2
vorge
schrie
bene Logo zu verwenden. Dies stellt eine gewisse Unterordnung dar.
4.2.3
Wird ein Transportauftrag durch den Kunden storniert, führt dies zur Stornierung des durch die
Beschwerdeführerin 2
vermittelten Transportvertrages (Rahmen
vertrag
Ziff.
2.3). Dies ist kostenfrei nur während einer gewissen Zeitspanne und
aus bestimmten Gründen möglich, auf welche der
Beschwerdeführer 1
keinen Ei
n
fluss hat. So ist es ist ihm verwehrt, etwa bei einem Stammkunden nachsichtiger zu sein. Der Kunde ist aus eigenem Rechtsverhältnis gegenüber der
Be
schwer
deführerin 2
kostenpflichtig. Dies ist als Unterordnung des
Beschwerde
führers
1
zu fassen.
4.2.4
Der Fahrer «soll» eine Fahrt nur durchführen, wenn ein sicherer Transport garantiert werden kann. Wollen etwa zu viele Personen einsteigen, ist die Fahrt nicht durchzuführen, sondern die
Beschwerdeführerin 2
zu kontaktieren zwecks Lösungsfindung für den Kunden. Der Fahrer hat in einem solchen Fall Beweise sicherzustellen, z.B. durch Fotos (Rahmenvertrag
Ziff.
2.4).
Auch wenn diese Anordnungen
nicht verbindlich
sein sollten (
Urk.
5/1
Ziff.
5
2
f.),
ist damit eine Einflussnahme auf die Abwicklung der Fahraufträge erstellt. Dass der Fahrer etwa auf eigenes Risiko hin die Vorschriften verletzende Fahrten durchführt mit zu vielen Personen oder ohne passende Sicherung von Tieren, wird sinngemäss als inadäquat angesehen, was für ein Unterordnungsverhältnis spricht. Gleiches gilt für die Unterstützung der
Beschwerdeführerin 2
beim Finden von Lösungen, sollte ein Transport aus Sicherheitsgründen nicht möglich sein. Wenn dies aus Sicht des Fahrers ein angenehmer Service sein mag, ist es aus Sicht der
Beschwerdeführerin 2
eine massive Einflussnahme mit dem Ziel, den Transportauftrag zu Ende zu bringen und den guten Ruf des Unternehmens zu sichern.
4.2.5
Wenn ein Kunde einen Zwischenstopp oder ein neues, noch nicht kommuniziertes Ziel angibt, das vom ursprünglich gebuchten bedeutend entfernt ist oder die gebuchte Zeit bedeutend überschreitet, stellt die
Beschwerdeführerin 2
dem Kunden die zusätzlichen Aufwendungen in Rechnung und kompensiert die Auf
wendungen des Fahrers. Dieser soll auf Verlangen der
Beschwerdeführerin 2
ent
sprechende Beweise beibringen (Rahmenvertrag
Ziff.
2.5).
Auch wenn diese Bestimmung auslegungsbedürftig ist (
Urk.
5/1
Ziff.
5
4
), geht damit jedenfalls eine Rechenschaftspflicht des Fahrers einher und eine Befugnis der
Beschwerdeführerin 2
, solche Beweise einzuverlangen. Dies spricht für eine gewisse Unterordnung. Allerdings muss auch ein Fahrer, der nicht in einem Unterordnungsverhältnis steht, über seine erbrachten Leistungen rapportieren.
4.2.6
Erbringt der Fahrer die Dienstleistung nicht wie gefordert, ist er beispielsweise nicht zeitgerecht am vereinbarten Abholort, muss er der
Beschwerdeführerin 2
alle Kosten erstatten, welche über den vereinbarten Fahrpreis hinaus anfallen. Darüber hinaus richten sich die Folgen solchen Verhaltens nach besonderen, von der
Beschwerdeführerin 2
erlassenen Bestimmungen, welche sie jederzeit an
passen kann (Rahmenvertrag
Ziff.
2.6).
Auch ein auf Auftragsbasis arbeitender Chauffeur wird bei Verletzung seiner Ver
tragspflichten schadenersatzpflichtig. Allerdings ist in dieser Bestimmung gleich
wohl ein gewisses Unterordnungsverhältnis zu sehen, bestimmt doch die
Be
schwer
deführerin 2
einseitig die Bedingungen, welche bei Nichtakzept durch den Fahrer zur Auflösung des Vertragsverhältnisses führen. Zu bemerken ist sodann, dass die Schadenersatzpflicht gegenüber der
Beschwerdeführerin 2
besteht und nicht gegenüber dem Kunden. Dies zeigt die praktizierte Schadensregulierung auf: Die
Beschwerdeführerin 2
steht in der Pflicht und übernimmt die Regulierung dem Kunden gegenüber und hält sich hernach am Fahrer schadlos. Das spricht für eine Einbindung des
Beschwerdeführers
1
in die Organisationsstruktur der
Beschwerdeführerin
2.
Gleiches gilt für den Umstand, dass bei Mängeln bei der Dienstleistungserbringung ein Teil der Vergütung gestrichen wird und eine Bear
beitungsgebühr zu bezahlen ist, so etwa, wenn ein vorgeschriebener Kindersitz nicht mitgeführt wird (
Urk.
5/3/20
). Dass dies bereits gesetzlich geahndet wird, ändert nichts an der zusätzlichen Verantwortlichkeit der
Beschwerdeführerin 2
gegenüber.
4.2.7
Der Fahrer soll die
Beschwerdeführerin 2
sofort informieren, wenn ein Kunde Gegenstände im Auto zurücklässt, und alle nötigen Vorkehren treffen, um die Gegenstände an der vom Kunden angegebenen Adresse auf dessen Kosten zu
rück
zugeben (Rahmenvertrag
Ziff.
2.7).
Das Involvieren der
Beschwerdeführerin 2
hat einen gewissen Aspekt der Ein
bindung in die Organisationsstruktur samt Unterordnungsverhältnis, wogegen auch
ein auf Auftragsbasis tätiger Chauffeur verlorene Gegenstände zu retour
nieren hat (
Urk.
5/1
Ziff.
6
1
).
4.2.8
Der Fahrer muss sich an die gesetzlichen Vorschriften des Ortes halten, an dem er seine Dienstleistung erbringt sowie alle notwendigen Versicherungen ab
schliessen (Rahmenvertrag
Ziff.
3.1). Diese Vorschrift regelt wohl eine Selbstver
ständlichkeit, bedeutet aber gleichwohl eine Kontrolle und eine Weisung der
Be
schwerdeführerin
2.
Auch der Umstand, dass der Fahrer bei Abschluss der Vereinbarung sowie nach
Aufforderung durch die Beschwerdegegnerin innerhalb von 24 Stunden alle mass
gebenden Bewilligungen und Unterlagen einreichen muss, lässt auf ein Unter
ordnungsverhältnis schliessen. Wiederum handelt es sich hier um Unterlagen, deren Vorlage auf Geheiss hin selbstverständlich ist. Sie zeigt aber die Wei
sungsbefugnis der
Beschwerdeführerin 2
auf, welche bei Unregelmässigkeiten einschreiten kann. Dass dies ganz im Sinne der Kunden ist (
Urk.
5/1
Ziff.
6
3
), ist zweifellos zutreffend, ändert aber am Umstand nichts, dass die
Beschwerde
füh
rerin 2
etwas fordern kann und der Fahrer
etwas liefern muss. Dies indes auf eigene Kosten, was für ein eigenständiges Interesse des Fahrers spricht.
4.2.9
Der Rahmenvertrag enthält sodann Bestimmungen über die Fahrzeuge und deren Zustand, so etwa müssen sie rauchfrei sein, einen Feuerlöscher mitführen und regelmässig unterhalten werden (
Ziff.
4.1-3). Dass diese Vorschriften zum Teil bereits gesetzlich vorgesehen sind (
Urk.
5/1
Ziff.
6
6
), ändert wiederum nichts daran, dass die
Beschwerdeführerin 2
dies überwacht und deshalb dem Fahrer übergeordnet ist.
4.2.10
In
Ziff.
6 des Rahmenvertrags sind die Richtlinien der
Beschwerdeführerin 2
beschr
ie
ben, nach welchen sich der Fahrer an die in weiteren Dokumenten um
schriebenen Vorschriften zu halten hat (Qualitätsstandards, Verhaltensanwei
sungen bei Notfällen, Sicherheitsrichtlinien). Sodann räumt der Fahrer der
Be
schwerdeführerin 2
das Recht ein, durch einen Mitarbeiter oder Konsulent Inspek
tionen, Prüfungen oder Risikobewertungen vor Ort vorzunehmen (etwa in den Büroräumlichkeiten oder jedem Abhol- und Zielort) und allfällige hieraus resul
tierende Empfehlungen innert Frist umzusetzen unter der Androhung der Ver
tragsauflösung. Dies spricht für ein Unterordnungsverhältnis und gibt der
Be
schwerdeführerin 2
Instrumente in die Hand, mit welchen sie ihre Interessen durchsetzen kann. Dass es sich dabei vorwiegend um gesetzlich ohnehin vorge
schriebene Pflichten und solche im Zusammenhang mit der Sicherheit des Trans
portes handelt (
Urk.
5/1
Ziff.
7
4
), ändert am Umstand nichts, dass die
Beschwer
de
führerin 2
eine übergeordnete Position einnimmt und direktiv handeln kann.
4.2.11
Der Partner darf Aufträge nicht ohne Einwilligung der
Beschwerdeführerin 2
an Dritte weitergeben (Rahmenvertrag
Ziff.
8.1). Innerhalb der Organisation des Partners ist dies wohl möglich, nicht aber eine
Subkontrahierung
. Dies spricht eher für ein Unterordnungsverhältnis, ist doch der Fahrer nicht frei in der Aus
führung der Dienstleistung.
4.2.12
Die
Beschwerdeführerin 2
informiert die Partner regelmässig über die aufge
lau
fene Vergütung, Beanstandungen müssen innert fünf Tagen erfolgen (Rahmen
vertrag
Ziff.
9.3). Die Beschwerdegegnerin brachte hierzu vor, dass die Verwal
tu
ng, Organisation und Überwachung des Zahlungsverkehrs bei der
Beschwerde
füh
rerin 2
angesiedelt sei (
Urk.
2 S. 8). Die
Beschwerdeführerin 2
ersah darin keine Unterordnung und führte aus, die Zahlungsabwicklung zwischen ihr und dem Fahrgast sei die Angelegenheit zwischen diesen beiden Parteien des Ge
schäfts
besorgungsvertrages. Demgegenüber liege die Kontrolle des Zahlungs
ver
kehrs zwischen ihr und dem Fahrer bei diesem. Sie - die
Beschwerdeführerin 2
- stelle dem Fahrer einen aufgrund der erhobenen Daten erstellten Rechnungs
entwurf (des Fahrers an die
Beschwerdeführerin 2
) zu, welchen dieser zu kontrol
lieren habe (
Urk.
5/1
Ziff.
8
0
).
Fakt ist, dass der gesamte Zahlungsverkehr über die
Beschwerdeführerin 2
läuft. Der Kunde bezahlt die in Anspruch genommene Transportdienstleistung nicht dem Fahrer, sondern der
Beschwerdeführerin
2.
Der Fahrer zahlt mithin der
Be
schwerdeführerin 2
kein Entgelt für die Vermittlung der Fahrt, sondern die
Be
schwerdeführerin 2
bezahlt den Fahrer für die erbrachte Dienstleistung. Hieraus ist nicht von vornherein ein Unterordnungsverhältnis zu ersehen, aber das Geld ist jederzeit in der Hand der
Beschwerdeführerin 2
, was ihr eine dominierende Stellung einräumt.
4.2.13
Die
Beschwerdeführerin 2
kann die Auszahlungen an die Fahrer etwa bei Ver
spätung oder sonstiger unpassender Dienstleistungserbringung vermindern ent
sprechend den einschlägigen Bedingungen. Diese können von der
Beschwerdeführerin 2
jederzeit angepasst werden (Rahmenvertrag
Ziff.
9.5). Angesichts der detaillierten Regelung der Entschädigung des Fahrers kann nicht davon ge
spro
chen werden, dass die Gestaltung der Vergütung
bei der
Beschwerdeführerin 2
liegt (
Urk.
2 S. 8), dies bezogen auf die einzelne Entschädigung. Die generell-abstrakte Gestaltung der Entschädigungsmodalitäten liegt indes einseitig bei der
Beschwerdeführerin
2.
Sie kann jederzeit die Regeln anpassen und eine Ableh
nung der Änderungen durch den Fahrer führt umgehend zur Auflösung des Zusammenarbeitsvertrages. Dies spricht für eine übergeordnete Stellung der
Be
schwerdeführerin
2.
4.2.14
Der Rahmenvertrag enthält sodann Regeln über Vertraulichkeit und Ver
schwie
genheit (
Ziff.
10), wie sie auch im Arbeitsrecht anzutreffen sind. Hieraus kann indes kein Unterordnungsverhältnis abgeleitet werden (
Urk.
2 S. 8), unterscheiden sich doch die Bestimmungen nicht von dem, was man auch im Rahmen eines Auftragsverhältnisses erwarten würde, so etwa das Verbot, Angaben über die Fahrgäste, wie etwa Namen oder Telefonnummer, zu verbreiten (
Ziff.
10.1). Diese Verschwiegenheit ist vertragsinhärent unabhängig von der Qualifikation der Erwerbstätigkeit.
4.2.15
Für die Dauer der Zusammenarbeit und die nachfolgenden sechs Monate unter
lässt es der Fahrer, Kontakt mit der Presse, Regierungsbehörden oder sonstigen öffentlichen Stellen aufzunehmen oder öffentliche Stellungnahmen oder öffent
lich zugängliche Kommentare zu verfassen (Rahmenvertrag
Ziff.
11.3).
Diese Regelung zeigt ein Unterordnungsverhältnis auf. Der
Beschwerdeführerin 2
ist es nicht verwehrt, sich entsprechend öffentlich vernehmen zu lassen, der Fahrer
hingegen
darf sich nicht einmal an die Behörden wenden. Ob Solches nach Arbeitsrecht überhaupt zulässig wäre, ist zu bezweifeln und beschneidet die Rechte des Fahrers massiv. Dass damit - wie die
Beschwerdeführerin 2
ausführt - lediglich Äusserungen gemeint sind, welche ihr schaden (
Urk.
5/1
Ziff.
8
6
), ent
spricht nicht der Regelung im Vertrag. Dies wäre auch bei einer Vertragsbeziehung auf Augenhöhe nachvollziehbar. Potentiell schädigende Äusserungen sind aber zusätzlich zu den genannten Beschränkungen verboten (
partner
shall
...
refrain
from
... «
or
otherwise
from
doing
anything
that
is
intended
or
would
reasonably
be
expected
to
disparage
,
harm
Y._
or
its
reputation
...»).
4.2.16
Im Falle einer Vertragsverletzung bestimmter Punkte (Verbot der Abwerbung von Kunden, Vertraulichkeit und Geheimhaltung, Öffentliche Mitteilungen und schä
digende Äusserungen) darf die
Beschwerdeführerin 2
den Fahrer sofort vom Partnerportal entfernen und den Zusammenarbeitsvertrag aufheben. Darüber hin
aus wird eine Vertragsstrafe von EUR 1'000 fällig für jede einzelne Vertrags
ver
letzung. Weitergehende Ansprüche sind vorbehalten (Rahmenvertrag
Ziff.
11.4).
Der Beschwerdegegnerin ist insoweit zuzustimmen, dass sich eine solche Rege
lung, namentlich die fristlose Auflö
sung des Vertrages, nicht ohne W
eiteres mit dem Schweizer Arbeitsrecht verträgt (
Urk.
5/1
Ziff.
87
). Allerdings zeigen diese Regelungen wiederum die Überlegenheit der
Beschwerdeführerin 2
auf, welche direktiv etwa Kausalitätsaspekte der Haftung ausklammert. Indes sind Konven
tionalstrafen bei Auftragsverhältnissen nicht unüblich. Diese Bestimmung enthält demgemäss Aspekte für und gegen eine unselbständige Erwerbstätigkeit.
4.2.17
Die Zustimmung des Fahrers zur Übermittlung von Verkehrs-, Standort-, Geo-Daten sowie Telefonnummer an die
Beschwerdeführerin 2
und den Kunden (Rahmenvertrag
Ziff.
14) ist notwendiger Bestandteil des Zusammenarbeits
ver
trages, ist doch die von der
Beschwerdeführerin 2
angebotene Dienstleistung nur auf diesem Wege realisierbar. Der wartende Kunde soll online verfolgen können, wo sich der Fahrer befindet und sich auf dessen Ankunft vorbereiten sowie diesen notfalls kontaktieren können. Hieraus ist keine Unterordnung zu ersehen. Auch die Verwendung der Daten für Erhebungen seitens der
Beschwerdeführerin 2
spricht nicht hierfür, sondern ist vielmehr für Qualitätssicherung notwendig unab
hängig von der Qualifikation des Vertragsverhältnisses. Ein Arbeitgeber muss das Resultat ebenso wie ein Auftraggeber überprüfen.
4.2.18
Der Rahmenvertrag kann von beiden Vertragsparteien jederzeit fristlos gekündigt werden (Rahmenvertrag
Ziff.
16.2), wobei bereits gebuchte Fahrten noch durch
zuführen
sind (Rahmenvertrag
Ziff.
16.4). Das Fehlen einer Kündigungsfrist ist dem Auftragsrecht nachempfunden und spricht damit grundsätzlich für eine selb
ständige Erwerbstätigkeit.
4.2.19
In Bezug auf die gegenseitige Haftung und Schadenersatzpflicht erwachsen Ansprüche des Fahrers gegenüber der
Beschwerdeführerin 2
nur bei vorsätzlicher und grobfahrlässiger Pflichtverletzung (Rahmenvertrag
Ziff.
17.1). Der Fahrer ist gegenüber der
Beschwerdeführerin 2
schadenersatzpflichtig in Bezug auf alle von Dritten gestellten Ansprüche (respektive erhobenen Klagen, Verlusten, Haftungs
ansprüchen usw.), welche mit einem Vertragsbruch des Fahrers respektive einem Unfall in Zusammenhang stehen (Rahmenvertrag
Ziff.
17.2).
Diese Regelungen sprechen eher für eine selbständige Erwerbstätigkeit, ist doch
wohl auch ein Arbeitnehmer haftbar für Pflichtverletzungen gegenüber dem Arbeitgeber, indessen die Einschränkung der Haftbarkeit der
Beschwerdeführerin 2
gegenüber den Fahrern auf
grobe
Fahrlässigkeit aussergewöhnlich für ein Arbeits
verhältnis.
4.2.20
Ausstehende Entschädigungen des Fahrers dürfen bei Gegenforderungen durch die
Beschwerdeführerin 2
zurückbehalten werden (Rahmenvertrag
Ziff.
19). Diese Regelung entspricht allgemeinem Vertragsrecht und spricht weder für die eine noch die andere Qualifikation.
4.2.21
Anpassungen des Rahmenvertrags bedürfen, wenn sie vom Fahrer vorgeschlagen werden, der schriftlichen Zustimmung der
Beschwerdeführerin
2.
Anpassungen
durch die
Beschwerdeführerin 2
können hingegen einseitig erfolgen und gelten ze
hn Tage nach der Benachrichtigung als angenommen, sofern er nicht schriftlich widerspricht. In diesem Fall hat die
Beschwerdeführerin 2
das Recht, den Fahrer sofort vom Partnerportal zu entfernen und die Zusammenarbeit zu beenden (Rahmen
vertrag
Ziff.
20.2).
4.2.22
Die nach
Ziff.
2.2 des Rahmenvertrags einzuhaltenden Qualitätsstandards (
Urk.
5/3/
23
) beinhalten verschiedene Pflichten des Fahrers: Anrufe von
Y._
müssen priorisiert und es muss eine Freisprechanlage verwendet oder zur Seite gefahren werden. Der Fahrer muss professionell und höflich auftreten; Kunden dürfen nicht in Gespräche verwickelt werden und heikle Themen müssen vermieden werden. Der Fahrer muss einen dunklen Anzug, ein weisses Hemd und schwarze Schuhe tragen. Das Fahrzeug muss sich in einem ausgezeichneten Zustand befinden, sa
uber
sein und nicht nach Essen oder Rauch riechen. Es müssen - je nach gebuchter Klasse - Wasserflaschen und englische Zeitungen angeboten werden. Die Fahrer müssen ausreichend Englisch sprechen können. Upgrades der Fahrzeugklasse bedürfen der Zustimmung der
Beschwerdeführerin
2.
Der Fahrer muss sich zehn Minuten vor dem vereinbarten Zeitpunkt am Treffpunkt einfinden und
die
Beschwerdeführerin 2
sowie den Gast informieren. Bei Abholungen am Flughafen muss ein Schild (Tablet) benutzt werden, deren Inhalt von der
Beschwerdeführerin 2
bestimmt wird. Sodann ist der Gast nach einer festen Formel zu begrüssen. Wenn der Fahrgast nicht erscheint, muss die
Beschwerdeführerin 2
kontaktiert werden, damit der Fahrer die Erlaubnis erhält, den
no
-show-Knopf zu drücken. Die Türen des Fahrzeugs müssen geöffnet werden und der Fahrer muss beim Verstauen des Gepäcks helfen. Es muss die schnellste Route gefahren werden. Mit dem Kunden ist die Temperatur sowie das Einstellen von Musiksendern abzusprechen. Bei Kundenanwesenheit im Auto darf nicht telefoniert werden. Es darf nicht nach Trinkgeldern gefragt werden. Der Gast muss an einer geeigneten Stelle abgesetzt und es muss kontrolliert werden, ob er persönliche Gegenstände vergessen hat.
Die
Beschwerdeführerin 2
wies zu Recht darauf hin, dass es sich bei diesen Qua
litätsrichtlinien zum grossen Teil um Pflichten handelt, die sich bereits aus der gesetzlichen Regelung ergeben oder Selbstverständlichkeiten bei dieser Art von Dienstleistungen darstellen (
Urk.
5/1
Ziff.
72
ff.).
In der Tat en
thalten die Qualitätsstandards
(
Urk.
5/3/23)
keine aussergewöhn
lichen Aspekte. Allerdings legen sie den Standard auf hohem Niveau fest und sichern ein einheitliches Auftreten der Fahrer. So ist die standardisierte Begrüs
sungsformel «Willkommen Herr/Frau [Name Kunde], ich bin [Name Fahrer], Ihr
Y._
Fahrer. Wir fahren nach [Destination], ist das richtig? Bitte lassen sich mich Ihnen mit Ihrem Gepäck helfen.» Ausdruck eines Unternehmenskonzeptes, das eine einheitliche Dienstleistung unter einem einheitlichen Namen anbieten (respektive vermitteln) will. Dies schränkt die Selbständigkeit des Fahrers ein und lässt ihn - aus Sicht des Kunden - als Mitarbeiter der
Beschwerdeführerin 2
er
scheinen. Dass die
Beschwerdeführerin 2
nach
Ziff.
1 der Allgemeinen Geschäfts
bedingungen (
Urk.
5/3/12
) keine Fahrdienstleistungen erbringt, sondern lediglich einen Beförderungsanspruch gegen einen von ihr unabhängigen Fahrdienstleister besorgt, ändert am konkreten Auftreten, am Eindruck beim Kunden und an der mangelnden Freiheit des Fahrers nichts. Gleiches gilt in Bezug auf die
Tenue
vorschriften
. Auch wenn ein Kunde bei einem Transport im qualitativ höheren Segment einen Fahrer im Anzug erwartet, ist es gleichwohl eine Pflicht des Fah
rers, sich den Kleidervorschriften zu unterziehen. Damit ist ein Unterord
nungs
verhältnis offenkundig.
Es ist einleuchtend, dass das Konzept der
Beschwerdeführerin 2
, ihre Marke inter
national zu positionieren, nur dann funktionieren kann, wenn ein einheitlicher Standard angeboten wird. Auch wenn dieser Standard grösstenteils in nach
voll
ziehbaren oder gar
gesetzlichen Vorschriften besteht, ist der Standard gleichwohl vorgeschrieben und Vertragsinhalt und muss sich der Fahrer daran halten.
4.2.23
Zusammenfassend zeigen die Vertragsbestimmungen eine Tendenz in Richtung Weisungsrecht der
Beschwerdeführerin 2
sowie Unterordnungsverhältnis des
Beschwerdeführers
1.
Die
Beschwerdeführerin 2
bestimmt direktiv die Regeln der Zusammenarbeit, ein Ausscheren führt zur Beendigung der Zusammenarbeit. Der Fahrer muss sich mannigfaltigen Regeln unterziehen und die Firmenmarke gegenüber dem Gast portieren. Der Gast soll das Gefühl haben, in einem Wagen der
Beschwerdeführerin 2
zu s
itzen respektive in einem
, dessen Qualitäts
stand
ards durch die
Beschwerdeführerin 2
festgelegt sind und von ihr kontrolliert werden. Damit geht die von der
Beschwerdeführerin 2
verkaufte Dienstleistung über ein Beschaffen eines Beförderungsanspruchs hinaus. Es ist vielmehr ein Trans
port, der in einem qualitativ abgesteckten, kontrollierten Rahmen und unter ihrem Namen erfolgt. Der Fahrer wird von den Kunden nicht als eigenständig wahrgenommen, sondern als Teil der
Beschwerdeführerin
2.
Das ist schliesslich auch das Ziel der
Beschwerdeführerin 2
, als starke Marke wahrgenommen und gebucht zu werden.
4.3
Betreffend
Pflicht zur persönlichen Aufgabenerfüllung
ergibt sich, dass der
Be
schwerdeführer 1
ersteigerte Fahrten jederzeit an eigene Angestellte (oder Beauf
tragte) weitergeben darf, allerdings nur an Fahrer, welche ihrerseits bei der
Be
schwerdeführerin 2
angemeldet sind (Rahmenvertrag
Ziff.
5.1). Eine Weitergabe an Dritte im Sinne einer
Subkontrahierung
ist - die Einwilligung der
Beschwerde
führerin 2
vorbehalten - verboten (Rahmenvertrag
Ziff.
8.1).
Eine persönliche Aufgabenerfüllung ist demgemäss nicht vorgesehen, im Gegen
teil können Unternehmen verschiedene Fahrer beschäftigen und die ersteigerten Aufträge diesen zur Erledigung zuweisen. Eine absolute Freiheit besteht indes nicht. Die Beschwerdegegnerin behält die Kontrolle über den konkreten Fahrer, welcher die Dienstleistung erbringt. Dies spricht gesamthaft gesehen in der Ten
denz gegen die Pflicht zur persönlichen Aufgabenerfüllung.
4.4
Ein Konkurrenzverbot besteht explizit nicht. Der Fahrer darf mit anderen Ver
mittlern zusammenarbeiten (Rahmenvertrag
Ziff.
15). Dies spricht für eine selb
ständige Erwerbstätigkeit. Das Verbot der Abwerbung von Kunden respektive überhaupt der Kontaktaufnahme mit diesen (Rahmenvertrag
Ziff.
7) hat einen anderen Regelungsgehalt, nämlich die Kunden der
Beschwerdeführerin 2
bei ihr zu belassen und sich nicht aus dem Kundenstamm zu bedienen, welcher dem Fahrer nur deshalb bekannt
ist, weil er für die
Beschwerdeführerin 2
Fahrten ausführt. Dies ist Ausdruck einer verständlichen Firmenpolitik und nicht eines Konkurrenzverbotes.
4.5
Eine Präsenzpflicht des
Beschwerdeführers
1
besteht nicht. Er kann sich jederzeit zum Erhalt von An
geboten zu- und auch wieder weg
schalten. Das Konzept der
Beschwerdeführerin 2
geht von einer völligen Freiheit der Fahrer aus, sie richtet sich an eine Vielzahl von Fahrdienstleistern, die zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbar sind, ohne es sein zu müssen. Dass Verträge mit Fahrern, welche wiederkehrend abwesend sind, aufgelöst werden, ergibt sich nicht aus den Akten. Eine Pflicht zur Verfügbarkeit ist jedenfalls nicht Vertragsbestandteil. Ob die
Beschwerdeführerin 2
interne Auswertungen macht und faktisch entsprechende Massnahmen einleitet, ist nicht erkennbar. Damit spricht dieses Kriterium für eine selbständige Erwerbstätigkeit.
4.6
Anzufügen bleibt, dass auch die Regelung der Vertragsauflösung für eine selb
ständige Erwerbstätigkeit spricht (
Urk.
5/1
Ziff.
97
). Beide Seiten können den Rahmenvertrag jederzeit fristlos kündigen (Rahmenvertrag
Ziff.
16.2).
5.
5.1
Zur Thematik des Unternehmerrisikos und namentlich der Investitionen verwies die
Beschwerdeführerin 2
vorweg
auf
die Kosten für
das angeschaffte Fahrzeug
von
Fr.
1
07’000
.-- (
Urk.
5/1
Ziff.
101
).
Nach der Rechtsprechung sind
erhebliche Investitionen als bedeutsamer Anhalts
punkt für die Annahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit und namentlich für das Vorliegen eines wesentlichen Unternehmerrisikos in der Anschaffung und im Unterhalt eines für einen Taxibetrieb geeigneten Motorfahrzeuges in aller Regel nicht zu erblicken
(Urteil des Bundesgerichts 8C_571/2017 vom
9.
November 2017 E. 4.1). Dass die Summe der nicht zu berücksichtigenden Investitionen auf
Fr.
50‘000.-- begrenzt ist, wie dies die
Beschwerdeführerin 2
sinn
ge
mäss
vor
bringt (
Urk.
5/1
Ziff.
10
1
), ergibt sich nicht aus den höchstrichterlichen Urteilen. Der Beschwerdeführer kann sein Fahrzeug
ausserhalb
der Taxifahrten uneinge
schränkt zu privaten oder anderen erwerblichen Zwecken einsetzen. De
r
Anschaf
fungspreis
des Autos ist wohl hoch, steht aber (noch)
nicht in einem Missver
hältnis zu den Kosten von einzig zu privaten Zwecke
n angeschafften Fahrzeugen.
Bei diesem Ergebnis sind auch die Kosten für den Unterhalt unbeachtlich respek
tive gelten diese nicht als erhebliche Investitionen (Urteil des Bundesgerichts 8C_357/2014 vom 1
7.
Juni 2014 E. 4.2).
5.2
In Bezug auf die Tätigkeit für die
Beschwerdeführerin 2
hat der
Beschwerdeführer
1
nur am Rande Verluste zu tragen und
es
trifft ihn weder ein Inkasso- noch ein Delkredererisiko. Für das Inkasso ist die
Beschwerdeführerin 2
zuständig, es ist dem
Beschwerdeführers
1
gar untersagt, selber Gelder entgegenzunehmen. Die Zahlungen der Kunden erfolgen per Kreditkarte an die
Beschwerdeführer 1
, welche den Fahrer auszahlt. Das Delkredererisiko gegenüber der
Beschwer
de
füh
rerin 2
(
Urk.
5/1
Ziff.
1
0
7
) ist in diesem Zusammenhang irrelevant, es geht um die Zahlungen der Kunden, welche Basis für seinen eigenen Entschädi
gungs
an
spruch bilden.
Vom Beschwerdeführer
1
zu tragende Verluste sind denkbar bei Haftpflicht
an
sprüchen, Schäden am Fahrzeug, welche er zu reparieren hat
,
bei Verlust des Fahrzeugs bei einem Totalschaden. Dies
dürfte indes durch eine Versicherung abgedeckt sein (
Urk.
1
Ziff.
102
)
, welche er allerdings selber zu bezahlen hat wie auch die übrigen mit dem Beruf einhergehenden Kosten wie etwa die Flug
hafen
pauschale (
Urk.
5/1
Ziff.
102)
. Ausser Betracht fallen in diesem Zusammenhang die Risiken für die übrige
n
Tätigkeit
en
des
Beschwerdeführers
1
, welcher auch auf anderen Kanälen Aufträge für Personentransporte
oder seine andere Ge
schäftssparte
generiert.
Dies ist
insgesamt eher
ein Indiz für eine unselbständige Erwerbstätigkeit.
5.3
Die Unkosten sind vom
Beschwerdeführer
1
zu zahlen, der Entschädi
gungs
an
spruch gegenüber der
Beschwerdeführerin 2
erschöpft sich im jeweils (mittels umgekehrter Ersteigerung) vereinbarten Fahrpreis. Dies spricht für eine selbstän
dige Erwerbstätigkeit.
5.4
Zum
Handeln in eigenem Namen
ist zu bemerken, dass der
Beschwerdeführer 1
nicht als eigene Person, sondern als
Y._
Fahrer in Erscheinung tritt. Er wird von den Kunden nicht gebucht, weil er
X._
ist, sondern weil er über die App der
Beschwerdeführerin 2
verfügbar ist. Bei Krankheit des
Beschwer
deführers
1
wird die Fahrt nicht verschoben, sondern ein beliebiger anderer Fahr
er übernimmt die Dienstleistung. Auch das Entschädigungssystem (umgekehrte Ver
steigerung) zeigt mit aller Deutlichkeit auf, dass die Person des Fahrers irrelevant ist, es geht nicht
um
das Zusammenführen von Kunden mit einem bestimmten, sondern mit einem beliebigen Fahrer, welcher allerdings gewisse Anforderungen erfüllen muss. Auch die vorgeschriebene Begrüssungsformel («Ich bin Ihr
Y._
Fahrer»,
Urk.
5/3/23
) lässt keine Zweifel daran offen, dass gerade beab
sichtigt ist, den Firmennamen der
Beschwerdeführerin 2
ins Zentrum zu rücken und nicht die Person des Fahrers. Etwas Anderes wäre denn auch verwunderlich, will doch die
Beschwerdeführerin 2
sich
selber auf dem Markt positionieren und nicht die Namen der einzelnen Fahrer. Die Bestimmung in den AGB (
Urk.
5/3/12
Ziff.
2.1), wonach lediglich
ein Beförderungsanspruch gegen einen von der
Be
schwerdeführerin 2
unabhängigen Fahrdienstleister verschafft wird, ändert am Auftreten und der Aussenwirkung nichts.
Die Dienstleistungen erfolgen sodann auf Rechnung der
Beschwerdeführerin 2
und nicht auf jene des Fahrers. Die Preisbestimmung erfolgt nach dem Konzept der
Beschwerdeführerin 2
, wobei es dem Fahrer
freisteht
, das Angebot anzu
nehmen oder zuzuwarten mit dem Risiko, unterboten zu werden. Der ganze Zahlungsverkehr läuft über die
Beschwerdeführerin 2
, der Kunde zahlt an diese und nicht an den Fahrer. Auf Rechnung des Fahrers erfolgt einzig die einzelne Fahrt.
Dieses Kriterium spricht nach dem Gesagte
n
vorwiegend für eine unselbständige Erwerbstätigkeit.
5.5
Das Beschaffen von Aufträgen ist dem Fahrer in Bezug auf das Verhältnis zur
Beschwerdeführerin 2
gar nicht möglich. Kunden melden sich nicht beim
Be
schwerdeführer
1
, sondern ausschliesslich über die App der
Beschwerdeführerin 2
und haben auch keine Einflussmöglichkeit, mit welchem Fahrer sie den Transport durchführen wollen. Erst die umgekehrte Auktion fördert zu Tage, welcher Fahrer die Fahrt durchführt. Selbst wenn die
Beschwerdeführerin 2
durch die Fahrer noch bew
orben
werden sollten, etwa auf deren Homepages, ändert das nichts am Umstand, dass ein Interessierter nicht steuern kann, mit welchem Fahrer er unterwegs sein möchte. Die Fahrer können demnach keinen einzigen konkreten Auftrag selber beschaffen.
Dass Fahrer auch über andere Kanäle Kunden generieren, ändert an dieser Be
trachtungsweise nichts. Denn es ist nicht die Frage zu beantworten, ob die Fahrer in ihrer übrigen Tätigkeit Kunden akquirieren, sondern es ist nur das Ver
hältnis zu
r
Beschwerdeführerin 2
zu beleuchten. Dies spricht für eine unselb
ständige Erwerbstätigkeit.
Insofern fällt auch nicht wesentlich ins Gewicht, dass der
Beschwerdeführer 1
nur rund
20
%
seines Umsatzes mit Fahrten für die
Beschwerdeführerin 2
erzielt (
Urk.
5/1
Ziff.
11
5
). Auch wenn damit aus Sicht des
Beschwerdeführers
1
eine wirtschaftliche Abhängigkeit von der
Beschwerdeführerin 2
nicht in besonderem Ausmass vorliegen mag, kann er doch über diesen Kanal keine Kunden akqui
rieren.
5.6
Den Akten ist nicht zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer 1
eigenes Personal beschäftigt
. Die diesbezügliche Feststellung der Beschwerdegegnerin (
Urk.
2 S. 15) wurde beschwerdeweise nicht bestritten.
5.7
Auch wenn der
Beschwerdeführer 1
eigene Geschäftsräumlichkeiten haben mag, sind diese in Bezug auf das Verhältnis zur
Beschwerdeführerin 2
nicht notwendig (
Urk.
2 S. 15
f.
und
Urk.
5/1
Ziff.
116
). Bei dieser Beurteilung handelt es sich nicht um die Betrachtungsweise einer prozentualen Umrechnung der Kosten der Räum
lichkeiten auf die einzelnen Absatzkanäle
oder Geschäftssparten
, sondern um die Feststellung, dass die Tätigkeit für die
Beschwerdeführerin 2
gar keinen Raum
bedarf mit sich bringt. Der gesamte Kontakt erfolgt elektronisch über das Mobil
telefon. Dies ist ein Indiz für eine unselbständige Erwerbstätigkeit.
6.
Zusammenfassend ergibt sich, dass verschiedene Punkte für eine selbständige Erwerbstätigkeit sprechen. Insbesondere die Flexibilität bei der Arbeitszeit und die Freiheit, sich nach Belieben überhaupt als Dienstleister für die
Beschwerde
führerin 2
bereit zu halten, sprechen hierfür wie auch die Möglichkeiten zur Auflösung des Rahmenvertrags. Damit einher geht die fehlende Präsenzpflicht. Auch die fehlende
Pflicht zur persönlichen Aufgabenerfüllung,
und die Möglich
keit, eine konkurrenzierende Tätigkeit auszuüben, sprechen für eine selbständige Erwerbstätigkeit.
Die Mehrheit der Gesichtspunkte sprechen indes für eine unselbständige Erwerbs
tätigkeit. Hierzu gehören namentlich die entscheidenden Aspekte des Weisungs
rechts und des Unterordnungsverhältnisses. In Bezug auf die Arbeit für die
Be
schwerdeführerin 2
unterliegt der
Beschwerdeführer 1
mannigfaltigen Vorschriften und Regeln. Auch wenn diese grösstenteils nichts Auffälliges beinhalten, definiert doch die
Beschwerdeführerin
2
imperativ die Regeln der Zusammen
arbeit und kann sich auch jederzeit vor Ort über deren Einhaltung vergewissern. Massgeblich ins Gewicht fällt sodann die konzeptionelle Ausrichtung der
Be
schwer
deführerin 2
, welche ihren eigenen Namen platziert und die Fahrer unter ihrem Namen und System arbeiten lässt. Nach aussen tritt die
Beschwerdeführerin 2
in Erscheinung und nicht der einzelne Fahrer. Dessen Namen ist irrelevant und zufällig. Der Fahrer ist mithin beliebig austauschbar.
Die Tätigkeit des
Beschwerdeführers
1
für die Beschwerdeführerin 2
ist nach dem Gesagten als unselbständige Erwerbstätigkeit zu qualifizieren, was zur Abweisung der Beschwerde führt.