Decision ID: c98f4455-ed7f-58b1-bd1a-5815a76d0bb7
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
I
A.
Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie mit letztem Wohnsitz in B._, C._ (Ost-Provinz) – ver-
liess eigenen Angaben zufolge seinen Heimatstaat am 21. September
2012 auf dem Luftweg und gelangte über Italien auf dem Landweg am
18. Oktober 2012 in die Schweiz. Noch gleichentags stellte er im Emp-
fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) D._ ein Asylgesuch. Am
8. November 2012 fand im EVZ die Befragung zur Person (BzP) statt. Am
1. Februar 2013 wurde er einlässlich zu seinen Asylgründen angehört.
Anlässlich dieser beiden Anhörungen trug der Beschwerdeführer zum per-
sönlichen Hintergrund insbesondere vor, er habe zwölf Jahre lang in
E._ (Bezirk F._, Ost-Provinz) die Schule besucht. Seine
Ehefrau und zwei Kinder würden in B._ (Bezirk C._, Ost-
Provinz) leben. Seine Mutter und zwei Geschwister seien in E._ und
zwei Halbgeschwister in G._ wohnhaft.
Von Dezember 1990 bis Ende 1993 sei er als (...) in H._ tätig ge-
wesen. Er habe im Dezember 1993 seine Tätigkeit als (...) beendet, nach-
dem er von den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) dazu aufgefordert
worden sei. Anschliessend habe er sich in Spitalpflege begeben müssen.
Weil seine Krankheitsmeldung dem Arbeitgeber nicht weitergeleitet worden
sei, sei ihm gekündigt worden, worauf er als Tagelöhner gearbeitet habe.
Am 3. Februar 1997 habe er eine Stelle als (...)-Mitarbeiter am (...) von
I._ angetreten und sei für die (...) zuständig gewesen. Während
seines Dienstes sei er im Jahr 1997 vom Geheimdienst der Marine verhaf-
tet und mitgenommen worden. Er sei damals auch von seinem Vorgesetz-
ten J._, welcher Leiter des Security-Bereichs und örtlicher Geheim-
dienstchef gewesen sei, nach den Gründen für seinen Austritt aus dem Po-
lizeidienst und seinen LTTE-Verbindungen befragt worden. Er sei zudem
etwa 20 Mal von der Security vorgeladen und befragt worden, letztmals am
25. Juli 1998. Am 9. November 1998 sei er an den Hafen von K._
versetzt worden, wo er bei der Sri Lanka (...) als (...)angestellter am (...)
gearbeitet habe, dies bis zum 1. Juni 2011. In K._ habe er zunächst
keine Probleme gehabt, bis sein Vorgesetzter J._ im Jahr 2006
auch dorthin versetzt worden sei. Am 9. Mai 2008 habe sich (...) eine Ex-
plosion ereignet. Er sei in diesem Zusammenhang von J._ der
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LTTE-Zugehörigkeit verdächtigt und zur Explosion befragt worden. Er habe
jedoch nie mit den LTTE zu tun gehabt.
Ab dem Jahr 2010 habe er die TNA (Tamil National Alliance) unterstützt,
insbesondere während der Provinzwahlen im Osten Sri Lankas im Oktober
2012. Dabei habe er Propaganda gemacht und Flugblätter verteilt. Wegen
seines Engagements habe er ab dem 25. August 2012 Probleme bekom-
men. Er sei von der TMVP Partei (Tamil Makkal Viduthalai Pulikal; Tamil
Peoples Liberation Tigers) respektive der Pillayan-Gruppe aufgefordert
worden, diese TNA-Unterstützung einzustellen und sich für die TMVP ein-
zusetzen. Er habe sich dennoch weiterhin bei der TNA engagiert. Ab dem
1. September 2012 habe er anonyme Anrufe und Entführungsandrohun-
gen erhalten, die er zunächst nicht ernst genommen habe. Er habe auf
seinem Mobiltelefon die jeweiligen Telefonnummern erfasst. Nach dem
letzten Drohanruf am 15. September 2012 hätten sich Personen in einem
Fahrzeug seinem Wohnhaus genähert. Er sei aus Angst zu seinem Nach-
barn L._ geflohen. Am nächsten Tag sei er auf Anraten dieses
Nachbarn nach C._ gereist und habe einen Parlamentsabgeordne-
ten getroffen. Dieser habe ihm jedoch keine Sicherheit bieten können, habe
aber zugesichert, den örtlichen Bischoff zu kontaktieren. Er habe am
16. September 2012 die Bedrohungen bei den Polizeibehörden in
C._ anzuzeigen versucht; diese hätten indessen seine Anzeige erst
entgegengenommen, nachdem er auf seine frühere Tätigkeit als (...) ver-
wiesen habe. Er habe die Telefonnummern der erhaltenen Drohanrufe der
Polizei nicht mitgeteilt, weil er sein mobiles Telefongerät nicht dabeigehabt
habe. Hierauf habe die Polizei ihm mitgeteilt, dass mangels Beweisen
keine weiteren Massnahmen vorgenommen würden. Am 21. September
2012 sei er wegen dieser Probleme ausgereist.
Von seiner Ehefrau habe er weiter erfahren, dass diese seit seiner Ausreise
ständig zwischen B._ und M._ pendeln müsse, weil sie An-
rufe erhalte, beschimpft und nach dem Aufenthaltsort des Beschwerdefüh-
rers gefragt werde. Bei einer Rückkehr in den Heimatstaat fürchte er sich
vor den TMVP-Leuten, deren Chef ein Berater des (damaligen) sri-lanki-
schen Staatspräsidenten sei.
Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer folgende Be-
weismittel (alle jeweils im Original und inklusive Zustellumschlag) ein:
- fremdsprachiges Schreiben («Extract from the Information Book» einer
«Police Station»), ausgestellt am (...) 2012;
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- Schreiben eines Parlamentsmitgliedes (C._ District) vom (...)
2012;
- Schreiben des Bischoffs der Diözese C._ vom (...) 2012;
- 11 Farbfotos (betreffend Teilnahme an politischen Veranstaltungen, Tä-
tigkeit als [...] respektive [...]-Mitarbeiter);
- Lohnausweis der Sri Lanka (...) vom März und April 2011.
B.
Mit Verfügung vom 21. März 2013 lehnte das BFM das Asylgesuch des
Beschwerdeführers ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz
sowie den Vollzug an.
C.
Mit Beschwerde vom 22. April 2013 focht der Beschwerdeführer diese Ver-
fügung beim Bundesverwaltungsgericht an.
Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer einen TNA-
Ausweis datiert mit «(...)», eine Vorladung der TMVP datierend vom (...)
2013 (beide im Original) sowie acht Farbfotokopien mit Erläuterungen zu
den Akten.
D.
Das Bundesverwaltungsgericht hiess mit Urteil E-2235/2013 vom 15. Ja-
nuar 2014 die Beschwerde vom 22. April 2013 gut, hob die Verfügung des
BFM vom 21. März 2013 auf und wies die Sache zur vollständigen Sach-
verhaltsfeststellung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück.
Zur Begründung hielt das Gericht fest, im August 2013 seien zwei Vorfälle
bekannt geworden, bei welchen sri-lankische Rückkehrer, welche in der
Schweiz jeweils erfolglos ein Asylverfahren durchlaufen hätten, weggewie-
sen worden seien und bei ihrer Rückkehr von den sri-lankischen Behörden
in Haft genommen worden seien. In der Folge sei die Vorinstanz systema-
tisch dazu übergegangen, in Verfahren sri-lankischer Staatsangehöriger
tamilischer Ethnie keine Ausreisefristen mehr anzusetzen und bereits an-
geordnete Ausreisefristen aufzuheben. Faktisch habe sie damit sämtliche
Verfahren in Wiedererwägung gezogen. Die Vorinstanz gehe damit selbst
davon aus, dass der Sachverhalt, wie er der Verfügung vom 21. März 2013
zugrunde liege, offensichtlich nicht vollständig festgestellt sei. Es bestehe
kein Zweifel, dass sich die von der Vorinstanz in Aussicht gestellte neue
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Lagebeurteilung vor Ort auf die konkrete Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts auswirken könne, sei es im Flüchtlings- und Asyl- oder
im Wegweisungsvollzugspunkt.
II.
E.
Mit Eingabe seines damaligen Rechtsvertreters vom 19. September 2014
reichte der Beschwerdeführer weitere Beweismittel im Original nach (ge-
mäss eigenen Angaben: ein Schreiben des Parlamentariers N._
vom 4. September 2014 sowie ein undatiertes Schreiben seiner Schwie-
germutter; beide mit Zustellcouvert und Übersetzung).
F.
Am 28. Mai 2015 fand eine zusätzliche Anhörung des Beschwerdeführers
durch das SEM statt.
Dabei trug dieser ergänzend vor, seine im Heimatstaat verbliebene Familie
wohne inzwischen an zwei Orten: in M._ und B._, weil sie
nach seiner Ausreise Schwierigkeiten bekommen habe. Er sei seit 2010
normales Mitglied der TNA gewesen und habe dabei Essen organisiert und
beim Druck von Flyern mitgeholfen. Im Asylverfahren habe er aus Angst
bisher angegeben, die TNA nur unterstützt zu haben. Bei den früheren Be-
fragungen seien zwei Tamilen anwesend gewesen; es sei bekannt, dass
Mitglieder tamilischer Gruppierungen auch im Ausland anwesend seien.
Im Jahr 2012 habe er bei den Provinzratswahlen («Provincial-Council-
Election») für die TNA Propaganda gemacht. Bis zum Jahr 2012 sei
Pillayan Mitglied dieses Rates gewesen. Er sei von der Pillayan-Gruppe
angehalten worden, seine Propagandatätigkeit für die TNA einzustellen.
Eines nachts sei er zudem von drei Angehörigen dieser Gruppierung zu
Hause gesucht worden. Zudem habe er im September 2012 drei telefoni-
sche Drohanrufe erhalten, die er jedoch nicht sehr ernst genommen habe,
weil er kein wichtiges Mitglied der TNA gewesen sei.
Im Jahr 2013 – als er sich bereits in der Schweiz aufgehalten habe – habe
seine Familie einen Drohbrief erhalten. Zudem sei er zu Hause mehrfach
gesucht und seine Tochter dabei belästigt worden. Seine Familie habe
auch mehrere Drohanrufe erhalten. Im November 2014 seien in Abwesen-
heit seiner Familie die Fenster des Hauses und das Mobiliar zerstört wor-
den. Letztmals seien diese Leute im Januar 2015 vorbeigekommen. Sein
Sohn sei von den gleichen Leuten auf dem Schulweg nach ihm gefragt
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worden, weshalb er die Schule habe wechseln müssen. Weil seine Ehefrau
Tamilin sei, habe sie Angst gehabt, sich an die Behörden zu wenden. Nach-
dem der Dorfvorsteher sie im November 2014 aufgesucht habe, habe sie
dennoch wegen dieser Probleme eine Anzeige erstattet. Dabei habe man
ihr mitgeteilt, dass Fingerabdrücke auf dem Mobiliar abgenommen, aber
keine weiteren Massnahmen vorgenommen würden.
Er selbst sei in der Schweiz nicht politisch aktiv. Er habe lediglich im März
2015 an einer einzigen Massenkundgebung in O._ teilgenommen.
Er unterhalte keinen Kontakt zu TNA-Leuten, weil seine Familie ihm wichtig
sei. Er selbst habe auf Anfrage hin von einem Parlamentsmitglied ein
Schreiben erhalten, welches er zu seinen Asylakten gereicht habe.
In seinem Herkunftsort sei die TNA zwar die stärkste Parteigruppe; die Pro-
vinzratswahlen hätten jedoch eine andere Partei durch betrügerische Ma-
chenschaften gewonnen. Seit den letzten Wahlen trete die Pillayan-Gruppe
sehr aggressiv auf und mache die TNA für ihre politische Niederlage ver-
antwortlich. Viele TNA-Mitglieder hätten Sri Lanka verlassen müssen. Er
könne auch nicht nach Sri Lanka zurück, weil die Lage für ihn dort gefähr-
lich sei und er ermordet würde.
Zur Stützung der Vorbringen wurden mehrere Internetauszüge zu den Ak-
ten gereicht.
G.
Mit Eingabe seines damaligen Rechtsvertreters vom 29. März 2016 reichte
der Beschwerdeführer einen Arztbericht des (...)-Zentrums für Psychotrau-
matologie in P._ (im Nachfolgenden: [...]-Zentrum), datiert vom
22. März 2016, nach, in welchem eine mittelgradige depressive Episode
mit somatischem Syndrom (F32.11) diagnostiziert wurde. Dazu führte er
ergänzend aus, er sei seit Anfang des Jahres 2016 in ärztlicher Behand-
lung. Er leide stark unter der Trennung von seiner Familie und wegen der
Ungewissheit über den Ausgang seines Asylverfahrens. Er habe Schuld-
gefühle, weil seine Familie im Heimatland von Verfolgungsmassnahmen
und Schikanen betroffen sei, die durch sein politisches Engagement und
seine Flucht entstanden seien.
H.
Mit Verfügung vom 28. Juli 2016 – am Folgetag eröffnet – lehnte das SEM
das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete seine Wegwei-
sung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
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Zur Begründung wurde ausgeführt, die Schilderungen des Beschwerdefüh-
rers zur Tätigkeit als (...) und (...)-Mitarbeiter und die damit verbundenen
Vorbringen betreffend Diskriminierung und den gegen ihn gehegten LTTE-
Verdacht seien mangels Intensität nicht asylrelevant. Die vorgetragenen
Nachteile würden sich auf Schikanen bei der Arbeit respektive auf mehrere
Befragungen beschränken. Zudem sei der erforderliche zeitliche und sach-
liche Kausalzusammenhang dieser Schikanen zur Ausreise des Beschwer-
deführers im September 2012 nicht gegeben. Aus seinen Aussagen gehe
zudem hervor, dass der LTTE-Verdacht gegenüber allen Tamilen bestan-
den und hauptsächlich auf Rassismus beruht habe. Er habe auch explizit
angegeben, nie mit den LTTE zu tun gehabt zu haben, weshalb nicht von
einem konkreten, gezielten behördlichen Verdacht gegen ihn auszugehen
sei.
Die Vorbringen betreffend die Unterstützung der TNA und die damit einher-
gehende Verfolgungsgefahr seien nicht überzeugend ausgefallen. Es er-
staune, dass der Beschwerdeführer die beim Eingang der Drohanrufe auf
dem Telefongerät ablesbaren Anrufnummern nicht festgehalten oder nach-
träglich beschafft habe, zumal er von der Polizei über die Wichtigkeit dieser
Nummern für die Feststellung der Urheberschaft der Anrufe aufgeklärt wor-
den sei. Seine Erklärung, die entsprechenden SIM-Karten seien vernichtet
worden, sei als Schutzbehauptung zu werten.
Der Beschwerdeführer habe bei der BzP und im Rahmen des (ersten) Be-
schwerdeverfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht unterschiedliche
Angaben zu seinem Engagement für die TNA gemacht. Sein diesbezügli-
cher Erklärungsversuch, wonach er Angst gehabt habe, dass der tamili-
sche Dolmetscher bei der BzP mit der TMVP in Verbindung gestanden
habe, sei unbehelflich. Seine zusätzlich bei der zweiten Anhörung depo-
nierte Erklärung, wonach bei der ersten Anhörung zwei Tamilen anwesend
gewesen seien, stosse ebenfalls ins Leere, da die als widersprüchlich er-
kannten Angaben bei der BzP und nicht bei der ersten Anhörung gemacht
worden seien. Im Weiteren seien die vagen Angaben respektive sein Un-
wissen über das Schicksal seiner TNA-Kollegen nicht nachvollziehbar. Es
wäre zu erwarten gewesen, dass er sich mit seinen ehemaligen Kollegen
über die erlittenen Probleme ausgetauscht und mehr Interesse für deren
Schicksal gezeigt hätte.
In der Beschwerdeeingabe (zum ersten Asylverfahren) werde behauptet,
der Beschwerdeführer sei ein wichtiges und bekanntes Mitglied der TNA
gewesen. In der späteren, ergänzenden Anhörung habe er jedoch selbst
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erklärt, kein wichtiges Mitglied der TNA gewesen zu sein. Seine Tätigkeit
für die TNA sei mit der Organisation von Essen und der Aushilfe beim Druck
von Flugblättern beschrieben worden. Es sei anhand der eingereichten Fo-
toaufnahmen nicht erkennbar, inwiefern es sich bei ihm um ein wichtiges
Mitglied der TNA handeln solle. Es sei nicht nachvollziehbar, dass er vier
Jahre nach seiner Ausreise noch von der Pillayan-Gruppe gesucht werde
und seine Familie seinetwegen wiederholt Probleme haben solle.
Die Vorladung der TMVP vom (...) 2013 und der Auszug aus dem «Infor-
mation Book» der Polizei vom (...) 2012 würden ausser Nassstempeln, die
nicht fälschungssicher seien, keine Sicherheitsmerkmale enthalten. Im
Weiteren beinhalte dieser Auszug Aussagen, welche der Beschwerdefüh-
rer selbst bei der Polizei zu Protokoll gegeben habe. Zudem weiche das
Dokument inhaltlich von seinen zu Protokoll gegebenen Angaben ab. In
der Anzeige habe der Beschwerdeführer erklärt, er habe beim Vorfall vom
15. September 2012 durchs Fenster eine bewaffnete Gruppe kommen se-
hen; in den Befragungen beim SEM habe er Entsprechendes nicht er-
wähnt. Auf Nachfrage hin habe er erklärt, er habe sich bei der Polizei ent-
sprechend verhalten, weil die Anzeige sonst nicht registriert worden wäre.
Auf den Inhalt der Anzeige sei deshalb kein Verlass. Zudem beeinträchtige
die Falschaussage bei der Polizei die persönliche Glaubwürdigkeit des Be-
schwerdeführers. Bei den verschiedenen Bestätigungsschreiben handle es
sich um typische Gefälligkeitsschreiben, welchen kein Beweiswert zu-
komme. Die Berichte aus dem Internet würden zudem keinen direkten Be-
zug auf eine individuelle Verfolgungsgeschichte aufweisen.
Der Einfluss der bewaffneten Gruppierungen in Sri Lanka habe seit dem
Ende der Kriegshandlungen im Mai 2009 stark abgenommen. Die parami-
litärischen Gruppierungen könnten heute nicht mehr ungehindert agieren,
ihre Mitglieder würden grundsätzlich keinen Schutz der aktuellen Regie-
rung geniessen. So sei Pillayan, der Führer der TMVP, im Oktober 2015 in
Batticaloa wegen eines Mordfalles aus dem Jahr 2005 in Untersuchungs-
haft genommen worden. Es sei nicht mehr davon auszugehen, dass sei-
tens der TMVP Verfolgung zu befürchten sei, da sie sich mittlerweile als
politische Partei etabliert habe. Soweit sich frühere Angehörige solcher
Gruppierungen weiterhin kriminell betätigen würden, handle es sich um
Verfolgungsmassnahmen seitens Dritter, die vom sri-lankischen Staat in
der Regel geahndet würden. Die TNA habe mittlerweile im Parlament offi-
ziell die Rolle der Opposition übernommen. Auch im Heimatdistrikt des Be-
schwerdeführers habe die TNA bei den Parlamentswahlen eine deutliche
Mehrheit erreicht. Die Aussage, er könne wegen seiner Kontakte zur TNA
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keinen (staatlichen) Schutz erhalten, vermöge daher nicht zu überzeugen.
An der Echtheit der eingereichten Beweismittel sei grundsätzlich zu zwei-
feln. Es sei bekannt, dass in Sri Lanka solche Unterlagen ohne Weiteres
unrechtmässig erhältlich seien, weshalb ihr Beweiswert gering sei. Die
Lohnausweise und Fotoaufnahmen, die den Beschwerdeführer als (...)-
Mitarbeiter am Hafen und bei einer politischen Veranstaltung abbilden wür-
den, seien nicht dazu geeignet, eine Verfolgungssituation zu belegen; sie
dienten höchstens dem Nachweis der beruflichen Tätigkeiten, welche vor-
liegend nicht bezweifelt würden.
Die sri-lankischen Behörden würden gegenüber zurückkehrenden Perso-
nen tamilischer Ethnie eine erhöhe Aufmerksamkeit aufweisen. Der Be-
schwerdeführer habe explizit angegeben, nie etwas mit den LTTE zu tun
gehabt zu haben. Seine tamilische Ethnie, die langjährige Landesabwe-
senheit und der Umstand, dass er bei seiner Arbeit – wie andere tamilische
Mitarbeiter – nur aufgrund seiner Ethnie Schikanen und einem LTTE-Ge-
neralverdacht ausgesetzt gewesen sei, genügten als Faktoren nicht, um
anzunehmen, dass er in den Augen der sri-lankischen Sicherheitsbehör-
den eine besonders enge Beziehung zu den LTTE gepflegt habe und bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen
ausgesetzt werde.
Mit seiner in Sri Lanka verbliebenen Ehefrau und den Kindern sowie den
(Halb-) Geschwistern verfüge er im Heimatland über ein gefestigtes Bezie-
hungsnetz. Er habe eine zwölfjährige Schulbildung absolviert sowie jahre-
lange Berufserfahrung als (...) und (...)-Mitarbeiter erworben. Seine Fami-
lie lebe inzwischen von einer eigenen (...) und von den Zinsen (...). Die
vorgetragenen gesundheitlichen Einschränkungen des Beschwerdefüh-
rers seien bei Bedarf in Sri Lanka behandelbar. Diesen Schwierigkeiten
könne im Rahmen der Ausreisevorbereitung Rechnung getragen werden.
Der Wegweisungsvollzug sei deshalb als zulässig, zumutbar und möglich
einzustufen.
I.
Mit Eingabe seiner neu mandatierten Rechtsvertreterin vom 29. August
2016 liess der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht gegen
den Entscheid des SEM Beschwerde erheben. Dabei beantragte er die
Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Zuerkennung der Flücht-
lingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die Unzu-
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mutbarkeit und/oder die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges fest-
stellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei die
Sache zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde die unentgeltliche Rechtspflege in-
klusive Verbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und aArt. a110a
Abs. 1 Bst. a und Abs. 3 AsylG beantragt.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, der Beschwerdefüh-
rer habe kürzlich von seiner Familie telefonisch erfahren, dass die örtliche
Polizei im Mai oder Juni 2016 eine an ihn gerichtete singhalesisch-spra-
chige Vorladung abgegeben habe, wonach er sich im Polizeihauptquartier
in I._ hätte melden sollen. Es sei davon auszugehen, dass die
sri-lankischen Behörden einen LTTE-Verdacht gegen ihn hegen würden,
wie er dies im Rahmen seiner Anhörungen vorgetragen habe. Er habe als
(...)-Mitarbeiter und wegen seiner Tätigkeit für die TNA Schwierigkeiten be-
kommen, die zu fortwährenden und anhaltenden Belästigungen seiner Fa-
milie geführt hätten. Im November 2014 seien die Fenster des Wohnhau-
ses der Familie eingeschlagen und Möbel zerstört worden. Die Tochter sei
im eigenen Haus vergewaltigt worden. Es sei bekannt, dass die TMVP
auch nach der Festnahme von Pillayan im Oktober 2015 eng mit der sri-
lankischen Regierung zusammenarbeite. Es könne nicht ausgeschlossen
werden, dass er behördlich registriert sei.
Der Beschwerdeführer sei selbst seit langer Zeit psychisch schwer ange-
schlagen. Seit dem 5. Januar 2016 befinde er sich in psychotraumatologi-
scher und medikamentöser Behandlung. Es sei im Arztbericht vom
22. März 2016 eine mittelgradige Depression mit Suizidgedanken diagnos-
tiziert worden; eine weitere Behandlung sei dringend indiziert. Es könne
auch ein depressiver Schuldwahn festgesellt werden. Sein psychischer Zu-
stand habe sich massiv verschlechtert, nachdem er von der Vergewalti-
gung seiner Tochter im eigenen Haus erfahren habe. Er habe vor mehreren
Wochen Fotoaufnahmen auf seinem Mobiltelefon erhalten, auf welchen
seine Tochter von fremden Männern umarmt und seine Ehefrau mit frem-
den Männer im Schlafzimmer abgebildet worden seien. Weil die Bilder ihn
erschüttert hätten und er deren Bedeutung nicht habe einschätzen können,
habe er die Aufnahmen gelöscht. Er leide zudem an einer schwergradigen
Schlaf-Apnoe. Die ihm verschriebene Medikation bedürfe einer regelmäs-
sigen Überprüfung durch Fachärzte. Er benötige dringend eine weiterfüh-
rende psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung in einem vertrauli-
chen Rahmen, was in Sri Lanka nicht möglich sei. Gemäss Einschätzung
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der behandelnden Psychotherapeutin und Psychiaterin sei ein Wegwei-
sungsvollzug nach Sri Lanka unzumutbar. Die bei der ersten Anhörung de-
ponierte Aussage, es sei eine weitere tamilische Person als Zuschauer an-
wesend gewesen, könne bereits einen Hinweis auf eine psychotische Stö-
rung des Beschwerdeführers darstellen. Es sei davon auszugehen, dass
sich seine Gesundheit bei einem Wegweisungsvollzug signifikant ver-
schlechtern werde. Es sei auch in keiner Weise absehbar, dass er einer
Erwerbstätigkeit nachgehen könne, weshalb nicht von einer gesicherten
Einkommenssituation auszugehen sei. Zudem sei der (...), auf welchen
das SEM bezüglich der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges verwie-
sen habe, aufgrund einer schweren Überschwemmung im Jahr 2013 zer-
stört worden. Die Zinseinnahmen seien ebenfalls versiegt, da sich die Fa-
milie selbst habe verschulden, ihr Haus habe verpfänden und den
Schmuck habe verkaufen müssen, um die Medikamente für den an (...)
leidenden Sohn finanzieren zu können. Der Beschwerdeführer habe zur
Zeit seiner Zweitanhörung am 28. Mai 2015 von den steigenden finanziel-
len Problemen seiner Familie noch keine Kenntnisse gehabt. Seine Ehe-
frau sei schwer (...)krank und habe einen Moped-Unfall erlitten. Sie sei
körperlich eingeschränkt und müsse für ihren Sohn sorgen, weshalb sie
keiner Erwerbstätigkeit nachgehen könne. Seine Familie mache ihm
schwere Vorwürfe, weil er sie nicht schütze; inzwischen wisse er nicht, wie
seine Familie zu ihm stehe und wer sich in seinem Haus aufhalte. Es könne
nicht von einer gesicherten Wohnsituation oder einem intakten familiären
Beziehungsnetz ausgegangen werden. Es sei eine Botschaftsabklärung
vorzunehmen, um die genauen Lebensumstände in Sri Lanka abzuklären.
Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer folgende Be-
weismittel betreffend seinen an (...) leidenden Sohn ein (in Kopie):
- vier ärztliche Verordnungen (Rezepte) des (...) Hospital in I._
vom 13. Dezember 2013, des (...) Hospital in Q._ vom 25. Feb-
ruar 2013 und des (...) Hospital in I._ vom 6. März 2010 und 20.
April 2010;
- vier Arztberichte: „Prolonged EEG Telemetry Report“ des (...) Hospital
in I._ vom 27. November 2013 und „MRI Scan Report“ des (...)
Hospital in I._ vom 15. März 2011 sowie zwei Berichte des (...)
Hospital in I._ vom 2. September 2009 (MRI Scan [...]) und
28. März 2006 (CT Scan Report).
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Er reichte auch folgende Beweismittel betreffend seine eigene Person zu
den Akten:
- Schreiben von Prof. em. R._, vom 9. August 2016;
- Arztbericht des (...)-Zentrums, datierend vom 23. August 2016;
- Arztbericht des (...) Schlafmedizin des (...)spitals P._ vom 14.
Juni 2016 (Telefax-Kopie).
Sodann wurde eine Kostennote eingereicht.
J.
Mit Eingabe vom 31. August 2016 trug der Beschwerdeführer ergänzend
vor, seine Tochter S._ habe nach einer erlittenen Vergewaltigung
einen Selbstmordversuch unternommen, worauf sie im Spital von
E._ hospitalisiert worden sei. Seine Ehefrau habe diesen Vorfall
dem Beschwerdeführer gegenüber bisher verschwiegen.
Zur Stützung dieser Vorbringen wurde ein fremdsprachiges Beweismittel
(„Diagnosis Ticket“) inklusive Zustellumschlag eingereicht. Aus diesem
geht hervor, dass ein Spitaleintritt von S._ am 27. Juli 2015 wegen
einer Überdosis von 20 Tabletten (...) erfolgt sei.
K.
Am 1. September 2016 reichte der Beschwerdeführer eine Kopie der ihn
betreffenden Vorladung („Message Form“ der Sri Lanka Police) vom (...)
2016 nach und beantragte eine durch das Gericht vorzunehmende amtli-
che Übersetzung.
L.
Mit Eingabe vom 2. September 2016 reichte der Beschwerdeführer eine
Fürsorgebestätigung der (...) gleichen Datums nach.
M.
Am 5. September 2016 teilte der frühere Rechtsvertreter, Hans Peter Roth,
dem Gericht mit, dass er den Beschwerdeführer nicht mehr vertrete. Er
verwies auf die alleinige Vertretung des Beschwerdeführers durch dipl. jur.
Tilla Jacomet, HEKS.
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Seite 13
N.
Mit Zwischenverfügung vom 6. September 2016 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut. Der vom Beschwerdeführer neu
mandatierten Rechtsvertreterin wurde Gelegenheit eingeräumt, sich zu
den vom Gericht genannten Bedingungen für die Einsetzung als unentgelt-
liche Rechtsbeiständin zu äussern.
Mit Eingabe vom 7. September 2016 erklärte sich die Rechtsvertreterin mit
diesen Bedingungen des Gerichts einverstanden.
O.
Mit Zwischenverfügung vom 13. September 2016 wurde dipl. jur. Tilla Ja-
comet, HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende St. Gallen/Appen-
zell als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt. Gleichzeitig wurden dem Be-
schwerdeführer die amtlichen Übersetzungen der von ihm eingereichten
Beweismittel („Message Form“ und „Diagnosis Ticket“) zur Kenntnis ge-
bracht und ihm Gelegenheit eingeräumt, sich hierzu schriftlich zu äussern.
P.
Mit Eingabe vom 12. September 2016 wurden die Originale der Vorladung
vom 3. Mai 2016 („Message Form“) sowie einer Bestätigung der Behand-
lung der (...)erkrankung seiner Ehefrau durch das (...) Hospital in
B._ inklusive Zustellumschlag nachgereicht.
Q.
Mit Eingabe vom 26. September 2016 reichte der Beschwerdeführer eine
Stellungnahme zu den amtlichen Übersetzungen ein. Er führte unter ande-
rem aus, die polizeiliche Vorladung sei seiner Ehefrau übergeben worden;
diese habe den Polizisten erklärt, dass sie keinen Kontakt zum Beschwer-
deführer habe. Sie sei danach bis anhin nicht mehr persönlich belästigt
worden, habe aber bemerkt, dass sich zivilgekleidete Personen in ihrer
Nachbarschaft immer wieder über den Verbleib des Beschwerdeführers er-
kundigt hätten. Die Tochter würde sich aufgrund der Probleme bei Ver-
wandten aufhalten.
R.
In seiner Vernehmlassung vom 11. Oktober 2016 hielt das SEM an seinem
bisherigen Standpunkt fest. Ergänzend wurde ausgeführt, in der Be-
schwerdeschrift seien viele Sachverhaltselemente zum ersten Mal erwähnt
worden (insbesondere: Erhalt einer Vorladung für den Beschwerdeführer
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durch seine Familie im Mai 2016, Erwähnung von Bildern mit Aufnahmen
der Tochter und der Ehefrau, welche zwischenzeitlich gelöscht worden
seien, Zerstörung des (...) der Familie im Jahr 2013; Wegfall der Zinsein-
nahmen, Verschuldung der Familie; Erkrankung der Ehefrau und des Soh-
nes und Vergewaltigung der Tochter sowie Moped-Unfall der Ehefrau). Der
Beschwerdeführer sei ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass er
während des gesamten Asylverfahrens das SEM über allfällig neu eintre-
tende Ereignisse informieren müsse. Das Vortragen derart vieler Sachver-
haltselemente auf Beschwerdeebene sei nicht nachvollziehbar. Da der Be-
schwerdeführer seine Familie von der Schweiz aus finanziell unterstützt
habe, sei davon auszugehen, dass diese ihn jeweils über die aktuelle fi-
nanzielle Situation auf dem Laufenden gehalten hätte. Die angebliche Ver-
schuldung seiner Familie sei unbelegt. Die TNA-Mitgliedschaft sei bereits
im ersten Beschwerdeverfahren nachgeschoben worden. Es entstehe des-
halb der Eindruck, dass der Beschwerdeführer mit allen Mitteln versuche,
sich ein Aufenthaltsrecht in der Schweiz zu verschaffen, was seiner Glaub-
würdigkeit abträglich sei.
Bei der polizeilichen Vorladung vom 3. Mai 2016 handle es sich um ein
handschriftlich ausgefülltes, einfaches Formular ohne Sicherheitsmerk-
male, welches leicht zu fälschen sei. Entsprechende Dokumente könnten
in Sri Lanka ohne Weiteres unrechtsmässig erworben werden. Es sei zu-
dem nicht plausibel, dass der Beschwerdeführer vier Jahre nach seiner
Ausreise aus Sri Lanka eine polizeiliche Vorladung erhalten habe. Die erst-
malige Erwähnung der Vorladung nach dem negativen Asylentscheid und
fast drei Monate nach Erhalt der Vorladung erstaune. Es sei deshalb stark
an der Echtheit des Dokumentes zu zweifeln. Bei den meisten der einge-
reichten ärztlichen Unterlagen aus Sri Lanka handle es sich lediglich um
Kopien, welchen kein Beweiswert zukomme. Das „Diagnosis Ticket“ betref-
fend Suizidversuch der Tochter liege zwar im Original vor, enthalte jedoch
abgesehen von Nassstempeln keine Sicherheitsmerkmale. Ausserdem
wäre dieses Beweismittel höchstens dazu geeignet, zu untermauern, dass
die Tochter eine Überdosis (...) eingenommen habe, nicht jedoch, aus wel-
chen Gründen sie dies getan habe. Ein Zusammenhang mit der nachge-
schobenen Vergewaltigung und der behaupteten Gefährdungssituation
des Beschwerdeführers lasse sich durch das Beweismittel nicht bestäti-
gen. Das Schreiben des Bekannten zur Lage des Beschwerdeführers stelle
ein typisches Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiswert dar. Gemäss den
neuen Arztberichten habe sich der Zustand des Beschwerdeführers seit
dem letzten Arztbericht vom 29. März 2016 verschlechtert; er leide mittler-
E-5214/2016
Seite 15
weile an mehreren Krankheiten. Der psychische Zustand des Beschwer-
deführers und die Möglichkeit einer diesbezüglichen Verschlechterung so-
wie allfällige Suizidhandlungen im Zusammenhang mit der Ablehnung des
Asylgesuches hätten schon in die Erwägungen des angefochtenen Ent-
scheides Eingang gefunden. Mit einer angepassten Betreuung und einer
medikamentösen Behandlung während der Ausreisevorbereitungen und
des Vollzugs könne diesen Schwierigkeiten begegnet werden. Schliesslich
sei die Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges nicht Auf-
gabe von Ärzten, weshalb darauf nicht weiter eingegangen werde.
S.
Mit Replikeingabe vom 31. Oktober 2016 trug der Beschwerdeführer vor,
im Zeitpunkt der Zweitanhörung am 28. Mai 2015 habe er von der zuneh-
mend schwierigen finanziellen Situation seiner Familie nichts gewusst, weil
ihm seine Frau diesen Umstand für lange Zeit verschwiegen habe. Erst als
die Gefahr bestanden habe, dass die Familie das Haus verlieren könne,
habe sie ihn Ende 2015/Anfang 2016 vollständig aufgeklärt. Es sei kein
Widerspruch, dass er seine Familie finanziell unterstützt habe. Er kenne
die medizinischen Probleme und die hohen Medikamentenkosten seiner
Familienangehörigen. Er habe aber erst Ende 2015/Anfang 2016 erfahren,
dass seine Familie Kredite habe aufnehmen müssen und andere Einnah-
mequellen versiegt seien. Die Schulden seiner Familie könnten nicht
schriftlich belegt werden, da nur mündliche Absprachen getroffen worden
seien. Er habe versucht, seinen damaligen Rechtsvertreter über die finan-
ziellen Probleme zu informieren; dieser habe aber geraten, den Endent-
scheid abzuwarten. Auch über die polizeiliche Vorladung vom 3. Mai 2016
sei er von seiner Ehefrau erst Ende August 2016 informiert worden. Er
stehe nicht in regelmässigem telefonischen Kontakt mit seiner Familie, da
die Gespräche eine grosse psychische Belastung darstellen würden und
sich seine Ehefrau nicht immer zu Hause aufhalte. Da er bereits vorgetra-
gen habe, dass seine Familie auch nach seiner Ausreise fortlaufend beläs-
tigt werde und er im Jahr 2013 eine Vorladung erhalten habe, erstaune es
nicht, dass im Jahr 2016 wieder eine Vorladung eingegangen sei, da er
offensichtlich gesucht werde. Aufgrund der dauernden Belästigungen wür-
den sich seine Ehefrau, sein Sohn und seine Tochter in ihrem Haus und
bei Bekannten respektive bei Verwandten aufhalten. Er habe sich ange-
sichts der anwesenden Personen bei der ersten Anhörung zunächst nicht
getraut, seine TNA-Mitgliedschaft zu erwähnen. Er sei während der Anhö-
rungen nie zum gesundheitlichen Befinden seiner Familie befragt worden;
er sei sich über deren Bedeutung nicht bewusst gewesen. Die Übergriffe
auf seine Tochter habe er in der Zweitanhörung bereits angesprochen,
E-5214/2016
Seite 16
weshalb diese nicht nachgeschoben seien. Beim Spitalaufenthalt der Toch-
ter habe die Familie die vorangehende Vergewaltigung nicht erwähnt, weil
dieser Übergriff Schande über die Familie gebracht habe. (...) sei ein Arz-
neimittel, das in der Regel bei (...) eingesetzt werde. Dass dieses Medika-
ment zu Hause vorhanden gewesen sei, weise auf die (...)krankung der
Ehefrau hin.
Zur Stützung dieser Vorbringen wurde ein weiteres Schreiben von
R._ vom 26. Oktober 2016 nachgereicht, in welchem dieser zur Ein-
schätzung seines ersten Schreibens vom 9. August 2016 als Gefälligkeits-
schreiben Stellung bezieht und auf seine Erfahrung als Reisedokumentar-
filmer hinweist.
T.
Mit Instruktionsverfügung vom 1. Juni 2018 teilte Richterin Constance
Leisinger dem Beschwerdeführer mit, dass sie aus gerichtsinternen Grün-
den neu für das vorliegende Beschwerdeverfahren zuständig sei.
U.
Mit Eingabe vom 11. Juni 2018 wurde ein fremdsprachiges Schreiben der
Ehefrau des Beschwerdeführers sowie eine aktualisierte Kostennote nach-
gereicht. Ergänzend wurde hierzu vorgetragen, dass sich zwei Personen
am 26. März 2018 zu Hause nach dem Beschwerdeführer erkundigt hät-
ten, deren Identität dem Beschwerdeführer nicht bekannt sei. Im Weiteren
trug der Beschwerdeführer vor, er befinde sich aktuell in psychologischer
Behandlung.
V.
Am 21. Juni 2018 reichte der Beschwerdeführer einen Bericht von Dr. med.
T._, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, U._, datiert vom
13. Juni 2018, zu den Akten. In diesem werden verschiedene Erkrankun-
gen diagnostiziert, namentlich: (...).
W.
Mit Eingabe vom 25. Juni 2018 wurde ein weiterer Bericht des (...)-Zent-
rums, datiert vom 15. Juni 2018, eingereicht. Aus diesem geht hervor, dass
der Beschwerdeführer seit dem 5. Januar 2016 im Zentrum in Behandlung
stehe. Es wurde die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode
mit somatischem Syndrom (nach IDC-10 Code F32.11) gestellt. Es sei eine
weiterführende ambulante Psychotherapie indiziert und angeboten. Die
E-5214/2016
Seite 17
Behandlungsprognose sei stark abhängig von der weiteren sozialen Ent-
wicklung und des Asylentscheids. Im Fall eines negativen Entscheides
werde mit einer erneuten, deutlichen psychischen Destabilisierung mit Su-
izidalität gerechnet.
X.
Am 28. August 2018 liess der Beschwerdeführer drei Farbfotokopien nach-
reichen und führte dazu aus, es handle sich um Bilder seines Sohnes, der
sich wegen seiner (...)erkrankung habe in Spitalpflege begeben müssen.
Y.
Mit Eingabe vom 19. September 2018 wurden betreffend den im Heimat-
staat lebenden Sohn ein Radiologiebericht („Radiology MRI“; MRI-Scan
des Hirns) sowie ein Entlassungsbericht („[...]) des (...) Hospital in
I._ vom 14. respektive 28. August 2018 sowie eine diesbezügliche
Rechnung eingereicht.
Z.
Am 25. September 2018 veranlasste das Bundesverwaltungsgericht Ab-
klärungen durch die Schweizer Botschaft in Colombo.
AA.
Am 5. Februar 2019 übermittelte die Schweizer Botschaft in Colombo ihre
Abklärungsergebnisse dem Gericht.
Aus dem diesbezüglichen Botschaftsbericht geht hervor, dass die vom Be-
schwerdeführer eingereichte „Message Form“ vom 3. Mai 2016 nicht au-
thentisch sei. Unter anderem existiere kein Offizier mit der aufgeführten
Nummer in der Terrorist’ Investigation Division (TID). Die Art und Weise,
wie die Nachricht verfasst sei, entspreche nicht den Vorschriften des TID.
Die Botschaft habe die Ehefrau vor Ort getroffen, welche mit der Tochter
und den beiden Söhnen zusammenwohne. Die Tochter habe vor einem
Jahr in V._ geheiratet; ihr Ehemann lebe seit zehn Jahren in
W._; die Tochter warte auf ihr Visa für den Familiennachzug. Der
ältere Sohn sei aufgrund eines Unfalls mit sieben Jahren psychisch beein-
trächtigt und leide an einer starken Epilepsie; sein Hirn sei klein geblieben;
er habe insbesondere Anfälle, wenn er viel an den Vater denke. Der jün-
gere Sohn gehe noch zur Schule. Die Ehefrau arbeite nicht und lebe vom
Geld, das ihr der Beschwerdeführer regelmässig überweise, insbesondere
für die Behandlung und die Medikamente des Sohnes. Die Eltern des Be-
schwerdeführers würden in E._ wohnen.
E-5214/2016
Seite 18
Die Ehefrau habe bezüglich der Probleme ihres Ehemannes angegeben,
dass dieser von 1990 bis 1993 als (...) gearbeitet habe. Von 1998 bis 2011
habe er als (...) im Hafen von K._ gearbeitet. Im Jahr 2010 sei er
von Unbekannten während der Arbeit mit dem Tod bedroht worden, angeb-
lich, weil er in der Vergangenheit für die (...) gearbeitet habe. Den genauen
Grund kenne die Ehefrau nicht. Er sei seit 2010 Mitglied der TNA gewesen
und habe sich während der Wahlen für den Parlamentarier N._ en-
gagiert. Die Ehefrau habe den diesbezüglichen Bestätigungsbrief der TNA
in die Schweiz gesandt. Sie wisse nicht, ob die Bedrohungen mit den poli-
tischen Aktivitäten ihres Ehemannes zusammenhängen würden. Etwa
2014 seien zwei Unbekannte auf dem Motorrad tagsüber bei ihnen zu
Hause erschienen und hätten nach dem Beschwerdeführer gefragt. Sie
hätten die Telefonnummer erhalten und wissen wollen, ob er Geld nach
Hause schicke; dabei hätten sie mit der Entführung ihrer Kinder gedroht.
Etwa zwei Wochen später hätten erneut nachts Personen an das Tor ge-
klopft und nach dem Beschwerdeführer gefragt. Etwa eine Woche später
habe sie einen Anruf erhalten, in welchem nach dem Aufenthaltsort und der
Telefonnummer des Beschwerdeführers gefragt worden sei. Drei Wochen
später habe sie wiederum einen Anruf erhalten, danach nicht mehr. Auf-
grund dieser Bedrohungen sei die Ehefrau eine Zeit lang bei Verwandten
gewesen und habe eine Anzeige bei der Polizei gemacht, doch seien keine
Ermittlungen aufgenommen worden. Seither sei sie nicht mehr belästigt
worden. Den Kindern sei nie etwas widerfahren. Ihr kranker Sohn habe
bereits sechs bis sieben Mal versucht, sich das Leben zu nehmen, weil er
seinen Vater sehr vermisse.
Im Übrigen habe der Bischoff von C._ die Authentizität des einge-
reichten Schreibens bestätigt. Der eingereichte Arztbericht des (...) Hospi-
tal vom 27. Juli 2015 betreffend die Tochter sei authentisch.
BB.
Mit Zwischenverfügung vom 19. Februar 2019 wurde dem Beschwerdefüh-
rer die Botschaftsanfrage und -antwort – unter Abdeckung der geheim zu
haltenden Stellen – unterbreitet und ihm Gelegenheit eingeräumt, hierzu
Stellung zu nehmen.
CC.
Mit Eingabe vom 6. März 2019 führte der Beschwerdeführer aus, es sei für
ihn nicht erklärbar, weshalb auf der „Message Form“ die Nummer eines
nicht existierenden Offiziers angegeben sei. Die Polizei respektive das TID
sei jedoch sehr manipulativ. Es könne sein, dass absichtlich eine falsche
E-5214/2016
Seite 19
Nummer verwendet worden sei, insbesondere da bekannt sei, dass das
TID teilweise Personen bei der Festnahme foltere und dabei unerkannt
bleiben wolle. Die Botschaft gehe nicht weiter darauf ein, weshalb der In-
halt des Dokuments nicht den Vorschriften des TID entsprechen solle. Er
habe seiner Ehefrau die Details der 2010 erhaltenen Drohungen nicht be-
richtet, um diese zu schützen. Er gehe davon aus, dass die Drohungen im
Zusammenhang mit einer Explosion erfolgt seien, die sich während seiner
Arbeit als (...) im Hafen von K._ ereignet habe. Es sei möglich, dass
seine Frau der Botschaft gegenüber nicht alles berichtet habe, da sie auf-
geregt und eingeschüchtert gewesen sei. Seine Familie halte sich weiter-
hin nicht nur in B._, sondern auch in M._ bei Verwandten
auf. Der Beschwerdeführer sei immer noch psychisch angeschlagen und
sei seit Anfang 2016 in regelmässiger Behandlung beim (...)-Zentrum und
beim Hausarzt.
DD.
Mit Eingabe vom 9. April 2019 wurde ein Bericht des behandelnden Haus-
arztes, (...) Dr. med. X._, (...) vom 5. April 2019 sowie ein von die-
sem erstellter Medikationsplan (Stand: 7. März 2019) zu den Akten ge-
reicht, in welchem dieser festhält, der Beschwerdeführer werde wegen (...)
behandelt. Zudem leide er unter einer posttraumatischen Belastungsreak-
tion mit depressiven Episoden, bedingt durch die Notwendigkeit des Ver-
lassens seiner Heimat. Ergänzend führte der Beschwerdeführer aus, er sei
weiterhin regelmässig beim (...)-Zentrum in Behandlung.
EE.
Am 7. Mai 2019 wurde ein Arztbericht des (...)-Zentrums, datiert vom
1. Mai 2019 nachgereicht. Aus diesem geht als aktuelle Diagnose eine
chronifizierte mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom
(F32.11) hervor. Zum Psychostatus, zur Beurteilung und zum Verlauf wurde
weiter ausgeführt, der Beschwerdeführer sei leicht adipös; seine Konzent-
ration und Aufmerksamkeit seien leicht reduziert. Inhaltlich würden seine
Gedanken um die Sorge um die Familie in Sri Lanka kreisen. Die depres-
sive Symptomatik habe sich weiter chronifiziert. Im Verlauf der Behandlung
habe eine gewisse Selbst- und Ressourcenaktivierung aufgebaut und ver-
stärkt werden können. Damit sich der psychische Gesundheitszustand län-
gerfristig stabilisieren könne, sei ein Gefühl von subjektiver Sicherheit not-
wendig. Ein sicherer Aufenthaltsstatus in der Schweiz würde seine Chance
auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Mit einer Arbeitsanstellung könnte der
Beschwerdeführer wichtige selbstwerterhöhende Erfahrungen machen,
E-5214/2016
Seite 20
was sich positiv auf seine depressive Symptomatik und seine Sozialhilfeun-
abhängigkeit auswirken würde.
FF.
Mit Eingabe vom 26. Juli 2019 wurde ein Bericht des Zentrums für (...) des
Kantonsspitals P._ vom 23.Juli 2019 betreffend den Beschwerde-
führer ([...]) sowie ein Medikationsrezept des (...) Spitals vom 19. Juli 2019
betreffend einen erneut erlittenen Epilepsieanfall des Sohnes nachge-
reicht.
GG.
Am 4. Dezember 2019 wurde mitgeteilt, dass der Sohn des Beschwerde-
führers erneut einen epileptischen Anfall erlitten habe. Die Tochter befinde
sich nunmehr in W._, da sie von der Mutter dorthin geschickt wor-
den sei. Die Lage in Si Lanka sei aktuell sehr angespannt.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 in
Kraft getreten (AS 2016 3101). Für das vorliegende Verfahren gilt das bis-
herige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
E-5214/2016
Seite 21
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf diese ist mithin
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Personen, die erst wegen ihrer Ausreise oder ihres Verhaltens danach sol-
chen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind respektive begründete Furcht
haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, sind nach Art. 54 AsylG
zwar als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen, indes wegen sogenannter
subjektiver Nachfluchtgründe von der Asylgewährung auszuschliessen.
Anspruch auf Asyl nach schweizerischem Recht hat demnach nur, wer im
Zeitpunkt der Ausreise ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG
ausgesetzt war (Vorfluchtgründe) oder aufgrund von äusseren, nach der
Ausreise eingetretenen Umständen, auf die er keinen Einfluss nehmen
konnte, bei einer Rückkehr ins Heimatland solche ernsthaften Nachteile
befürchten müsste (sogenannte objektive Nachfluchtgründe).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
E-5214/2016
Seite 22
4.
Nach Durchsicht der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass das SEM zu Recht von der Unglaubhaftigkeit der vom Be-
schwerdeführer vorgetragenen Verfolgungssituation ausgegangen ist.
Diesbezüglich kann auf die Begründung in der angefochtenen Verfügung
verwiesen werden. Die vom Gericht als massgeblich eingestuften Wider-
sprüche werden in den nachstehenden Erwägungen erläutert.
4.1 Zunächst ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer bezüglich der
Frage, ob er jemals von staatlichen Behörden festgenommen respektive
mit diesen Schwierigkeiten gehabt habe, unterschiedliche Angaben zu Pro-
tokoll gab.
Bei der BzP gab er an, mit den sri-lankischen Behörden nie Probleme ge-
habt und von diesen nie mitgenommen oder inhaftiert worden zu sein (vgl.
A5, Ziff. 7.1). Demgegenüber trug er in der ersten Anhörung vom 1. Februar
2013 vor, er sei im Jahr 1997 von der Marine verhaftet und mitgenommen
worden (A10, F67, F73 und F74). Zudem trug er dort vor, er sei von der
«Security»-Behörde beziehungsweise vom Geheimdienst mehrmals res-
pektive etwa 20 Male vorgeladen worden, letztmals am 25. Juli 1998 (A10,
F73, F79 und F81). Während der Anhörung wurde er auf diese Diskrepanz
hingewiesen, er vermochte diese jedoch nicht plausibel aufzuklären (A10,
F173).
4.2 Im Weiteren gab der Beschwerdeführer in der BzP zwei Mal an, nie
Mitglied der TNA gewesen zu sein: er habe diese Allianz nur mit Propa-
ganda-Tätigkeiten unterstützt (A5, Ziff. 7.01). Seinen Angaben in der ersten
Anhörung vom 1. Februar 2013 zufolge will er die TNA unterstützt haben,
insbesondere bei den Parlamentswahlen (A10, F10, und F118 ff.). Er trug
dabei nie vor, TNA-Mitglied gewesen zu sein. Im Gegensatz dazu gab er
bei der zweiten Anhörung am 28. Mai 2015 explizit mehrmals zu Protokoll,
er sei seit 2010 Mitglied der TNA gewesen. Dabei betonte er mehrmals
seine bloss «normale» Mitgliedschaft und hielt weiter fest, er habe die aus-
gesprochenen Drohungen zunächst nicht ernst genommen, weil er «kein
wichtiges» Mitglied der TNA gewesen sei (A33, F24, F29, F48 und F55).
Der Beschwerdeführer wurde bei der zweiten Anhörung auf diesen Wider-
spruch hingewiesen. Er gab dabei zu Protokoll, er habe aus Angst seine
Mitgliedschaft bei der ersten Anhörung nicht angegeben, weil «zwei Tami-
len anwesend» gewesen seien. Wie die Vorinstanz in der angefochtenen
E-5214/2016
Seite 23
Verfügung bereits festhielt, erweist sich dieser Erklärungsversuch als un-
behelflich. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die angebliche
Anwesenheit von zwei Tamilen, die ihn bei der ersten Anhörung verunsi-
chert haben sollen, im betreffenden Protokoll keinerlei Stütze findet. Ein-
gangs der Anhörung vom 1. Februar 2013 wurden die bei der Befragung
anwesenden Personen (Befragerin der Vorinstanz, Dolmetscher sowie
Hilfswerksvertretung) festgehalten (vgl. A10, «Begrüssung und Einlei-
tung»). Weitere Personen waren ausweislich des Protokolls bei der Anhö-
rung nicht anwesend. Die anwesende Hilfswerksvertretung hat im An-
schluss an die eigentliche Befragung zwar festgehalten, die Atmosphäre
sei «spürbar contra» den Beschwerdeführer gewesen; es sei auf Wider-
sprüche hingewiesen worden, die keine gewesen seien. Eine angebliche
Anwesenheit von zwei fremden, nicht zur ordentlichen Besetzung der Be-
fragung gehörenden Personen wurde dabei von der Hilfswerksvertretung
nicht erwähnt. Im Weiteren ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
tatsächlich auf Unstimmigkeiten innerhalb seiner Angaben hingewiesen
wurde. Es wurde ihm aber hinreichend Gelegenheit eingeräumt, sich hierzu
zu äussern (A10, F147-152, F159 ff., F173 ff.). Auch die Ergänzungs- und
Verständigungsfragen der Hilfswerksvertretung wurden dabei korrekt pro-
tokolliert (A10, F181, F184 sowie im Anschluss an die Rückübersetzung,
S. 22). Nach dem Gesagten sind die von der Vorinstanz festgestellten Un-
stimmigkeiten innerhalb wesentlicher Vorbringen des Beschwerdeführers
zu bestätigen. Bei dieser Sachlage bestehen bereits erhebliche Zweifel an
der persönlichen Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers. Sodann be-
zeichnete er sich selbst einerseits als bloss «normales» respektive als
«kein wichtiges» Mitglied der TNA (A33, F24, F29, F48 und F55). Die an-
derslautende Behauptung in der Beschwerde (im ersten Beschwerdever-
fahren; vgl. S. 6) steht deshalb in einem Widerspruch zu den vom Be-
schwerdeführer selbst zu Protokoll gegebenen Angaben.
Das von ihm geltend gemachte Engagement für die TNA erscheint nicht
zuletzt vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Allianz die grösste op-
positionelle Kraft im Parlament ist sodann nicht geeignet, ihn bei seiner
Rückkehr nach Sri Lanka ins Visier der heimatlichen Behörden zu rücken.
Es ist nicht davon auszugehen, dass TNA-Mitglieder und -anhänger im
heutigen Zeitpunkt verfolgt werden (vgl. Urteil E-2234/2016 vom 22. No-
vember 2018, E. 4.2.2).
4.3 Schliesslich ist auch nicht davon auszugehen, dass er seitens der
TMVP mit Behelligungen rechnen muss, zumal sich diese Gruppierung
E-5214/2016
Seite 24
mittlerweile als politische Partei in Sri Lanka etabliert hat und nicht mehr
als militante Organisation auftritt.
4.4 Sodann gab er explizit an, nie mit den The Liberation Tigers of Tamil
Eelam (LTTE) zu tun gehabt zu haben (A5, Ziff. 7.3 sowie F10, F60). Kon-
krete Anhaltspunkte für eine relevante Verbindung des Beschwerdeführers
zu den LTTE sind nicht ersichtlich.
4.4.1 Was die angeblich erhaltenen Drohanrufe von Unbekannten anbe-
langt, vermag das Vorbringen ebenfalls nicht zu überzeugen. So will der
Beschwerdeführer die geltend gemachten, telefonisch übermittelten Droh-
anrufe auf seinem Telefonapparat abgespeichert und die diesbezüglichen
Telefonnummern gekannt haben. Als er am 6. September 2012 eine An-
zeige bei der Polizei zu erstatten versucht habe, habe er die auf seinem
Telefonapparat abgespeicherten Telefonnummern der Polizei nicht mitge-
teilt, weil er den Telefonapparat nicht mitgenommen habe (A5 Ziff. 7.01, S.
10 sowie A10, F152 ff., F168 ff. und F184 ff.). Der Umstand, dass er nicht
versucht hat, der Polizei in C._ bei der Ermittlung der Urheberschaft
der Drohanrufe mitzuhelfen, obwohl er massgebliche Angaben dazu hätte
machen können, bestärkt die Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Vorbrin-
gen.
4.5 Die vorgenommene Botschaftsabklärung vermag die vom Beschwer-
deführer geltend gemachte asylbeachtliche Gefährdungslage ebenfalls
nicht zu stützen, das heisst als überwiegend wahrscheinlich darzutun.
4.5.1 Die von der Schweizerischen Botschaft in Colombo kontaktierte Ehe-
frau hat zwar die vom Beschwerdeführer vorgetragenen Schwierigkeiten
am Arbeitsplatz in K._ bestätigt. Wie aus den vorinstanzlichen Er-
wägungen hervorgeht, handelt es sich bei diesen Problemen aber im We-
sentlichen um Schikanen bei der Arbeit. Die seitens des Vorgesetzen
J._ geäusserten Verdächtigungen hinsichtlich der Verbindungen
des Beschwerdeführers zu den LTTE beruhten offenkundig auf dessen ras-
sistischer Gesinnung und nicht auf einem fundierten behördlichen Verdacht
der Entfaltung missliebiger Polittätigkeiten. Diese Vorfälle weisen auch
nicht die vom Asylgesetz geforderte Intensität auf. Die Ereignisse lagen
zudem im Zeitpunkt der Ausreise im September 2012 zu lange zurück, um
als ausreiseauslösend erachtet zu werden. Diesem Vorbringen mangelt es
an dem vom Asylgesetz geforderten zeitlichen und sachlichen Kausalzu-
sammenhang.
E-5214/2016
Seite 25
4.5.2 Soweit die Ehefrau gegenüber der Schweizer Vertretung vortrug, Un-
bekannte seien nach der Ausreise des Beschwerdeführers zu Hause er-
schienen und hätten nach diesem gefragt, bleibt festzustellen, dass die
Identität dieser Personen im Dunkeln bleibt. Es kann nicht ausgeschlossen
werden, dass die Absichten dieser Personen rein finanziell motiviert waren,
zumal sie einerseits nach allfälligen Geldzahlungen des Beschwerdefüh-
rers an seine in Sri Lanka verbliebene Familie nachgefragt und zudem mit
der Entführung der Kinder gedroht haben sollen. Nachdem die Ehefrau in
Sri Lanka nach Vornahme der Polizeianzeige gemäss eigenen Angaben
nicht mehr behelligt worden ist, besteht in diesem Zusammenhang keine
überwiegende Wahrscheinlichkeit für eine begründete Furcht vor weiteren
Behelligungen.
4.5.3 Der Beschwerdeführer hat sodann angegeben, sein Sohn sei auf
dem Schulweg bedroht worden. Zudem verwies er auf die (...)-Erkrankung
seines Sohnes. Er trug weiter vor, seine Tochter sei zu Hause vergewaltigt
worden. Er stellte diese Behelligungen und Übergriffe seiner Kinder in ei-
nen Kontext zur eigenen (angeblichen) Verfolgungssituation.
Auch diese Vorbringen werden durch die getätigte Botschaftsabklärung
nicht gestützt. Seine Ehefrau hat einerseits die genannten Behelligungen
der gemeinsamen Kinder gegenüber der Botschaftsmitarbeitenden mit kei-
nem Wort erwähnt. Zudem gab sie explizit an, den Kindern sei nie etwas
widerfahren. Die gemäss den Angaben des Beschwerdeführers im Haus
der Familie von der Tochter erlittene Vergewaltigung erwähnte die Ehefrau
mit keinem Wort. Die psychischen Beeinträchtigungen und die (...)-Erkran-
kung des Sohnes erwähnte die Ehefrau als Folge eines Unfalls, den der
Sohn im Alter von sieben Jahren erlitten habe. Der vom Beschwerdeführer
behauptete, angeblich asylrechtlich motivierte Hintergrund für die Behelli-
gungen seiner Kinder lässt sich nach dem Gesagten nicht mit den Ergeb-
nissen der Botschaftsabklärungen vereinbaren oder gar stützen.
4.6 Die vom Beschwerdeführer im Rahmen des erstinstanzlichen und des
Beschwerdeverfahrens eingereichten Beweismittel vermögen die von ihm
geltend gemachte asylbeachtliche Verfolgungssituation ebenfalls nicht als
überwiegend wahrscheinlich darzutun.
4.6.1 So hat sich die eingereichte «Message Form» vom 3. Mai 2016 ge-
mäss Abklärungen durch die Schweizerische Botschaft als nicht authen-
tisch erwiesen. Die vom Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 6. März
2019 deponierte pauschale Erklärung, wonach das TID sehr manipulativ
E-5214/2016
Seite 26
sei und mutmasslich absichtlich eine nichtexistierende Nummer verwendet
habe, vermag nicht zu überzeugen. Um eine missbräuchliche Weiterver-
wendung zu vermeiden, ist das Dokument „Message Form» des TID, da-
tiert mit 3. Mai 2016, gestützt auf Art. 10 Abs. 4 AsylG einzuziehen.
4.6.2 Das bei der Vorinstanz eingereichte angebliche Polizeischreiben
(«Extract from the Information Book») vom 18. September 2012 beruht im
Wesentlichen auf den vom Beschwerdeführer gegenüber der Polizei selbst
deponierten eigenen Angaben, was den Beweiswert der darin enthaltenen
Informationen einschränkt. Wie die Vorinstanz bereits in der angefochte-
nen Verfügung festhielt, stimmt das Beweismittel auch inhaltlich nicht mit
den vom Beschwerdeführer im Asylverfahren zu Protokoll gegebenen An-
gaben überein. Gemäss Polizeianzeige soll der Beschwerdeführer den
Vorfall vom 15. September 2012 aus dem Fenster beobachtet und eine
bewaffnete Gruppe herankommen gesehen haben. Diese Umstände hat er
im Rahmen seiner insgesamt drei Befragungen nicht vorgetragen. Auf
Nachfrage hin hat der Beschwerdeführer erklärt, er habe Entsprechendes
bei der Polizei angeben müssen, weil diese sonst seine Anzeige nicht ent-
gegengenommen hätte. Diese Anzeige einer Falschangabe bei der Polizei
stützt die Angaben des Beschwerdeführers nicht; vielmehr zeigt sie auf,
dass auf den (unwahren) Inhalt dieses Dokuments nicht abgestellt werden
kann.
4.6.3 Wie die Vorinstanz bereits zutreffend festhielt, vermögen die Schrei-
ben des Parlamentsmitglieds und des Bischoffs von C._ als blosse
Bestätigungsschreiben keine namhafte Beweiskraft zu entfalten, da sie
ebenfalls im Wesentlichen auf den eigenen Angaben des Beschwerdefüh-
rers und nicht auf eigenen Wahrnehmungen der bestätigenden Personen
beruhen. Das Gleiche gilt auch für das Schreiben der Schwiegermutter.
4.6.4 Aus dem fremdsprachigen Dokument, bei welchem es sich um eine
Vorladung der TMVP handeln soll, geht nicht hervor, aus welchem Grund
der Beschwerdeführer vorgeladen worden sein soll. Auch dieses Beweis-
mittel ist daher nicht geeignet, eine asylrelevante Verfolgungssituation zu
belegen.
4.6.5 Die eingereichten Lohnabrechnungen und Fotoaufnahmen, auf wel-
chen der Beschwerdeführer als (...)-Mitarbeiter am Hafen abgebildet wird,
sind – wie die Vorinstanz bereits zutreffend ausführte – nicht geeignet die
Asylvorbringen des Beschwerdeführers zu stützen. Sie dienen einzig dem
E-5214/2016
Seite 27
Nachweis der angegebenen Berufstätigkeiten, welche auch vom Gericht
nicht angezweifelt werden.
4.6.6 Die eingereichten Internetauszüge weisen keinen persönlichen Be-
zug zum Beschwerdeführer auf, weshalb auch sie nicht geeignet sind,
seine Asylvorbringen konkret zu untermauern.
4.6.7 Das eigenhändige Schreiben der Ehefrau des Beschwerdeführers, in
welchem diese von einem am 26. März 2018 erfolgten Besuch von zwei
Personen berichtet, die sich über den Beschwerdeführer erkundigt hätten,
ist ebenfalls nicht geeignet, die Vorbringen des Beschwerdeführers zu stüt-
zen. Insbesondere bleibt die Identität dieser Personen im Dunkeln, zumal
der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 11. Juni 2018 selbst angibt,
nicht zu wissen, um wen es sich dabei gehandelt habe.
4.6.8 Die Unterlagen zu den medizinischen Behandlungen der Tochter res-
pektive des Sohnes legen inhaltlich dar, dass die Tochter eine Medikamen-
tenüberdosis eingenommen habe respektive der Sohn wegen (...) behan-
delt werde. Ein diesen Behandlungen zugrundeliegender asylrelevanter
Hintergrund wird mit den Beweismitteln jedoch nicht dargetan, weshalb
ihnen für die geltend gemachten Asylvorbringen die Beweiskraft abgespro-
chen werden muss. Das Beweismittel «Diagnosis Ticket» vermag deshalb
nicht als glaubhafte Grundlage für die vom Beschwerdeführer geltend ge-
machte Vergewaltigung der Tochter im Rahmen einer behördlichen Suche
nach dem Beschwerdeführer zu dienen, die – wie bereits festgestellt – ge-
mäss Abklärungen der Schweizerischen Botschaft im Heimatstaat konstru-
iert wurde.
4.6.9 Schliesslich vermögen weder die im vorinstanzlichen Verfahren noch
auf Beschwerdeebene abgegebenen Ausführungen von R._ die
Asylrelevanz der Vorbringen des Beschwerdeführers zu untermauern. Das
Gericht stellt die Fachkompetenz des Filmemachers nicht generell in
Frage, stellt jedoch fest, dass dessen Ausführungen zum vorliegenden
Asylverfahren im Wesentlichen auf den Angaben des Beschwerdeführers
beruhen und nicht auf eigene Wahrnehmungen oder Beobachtungen.
5.
5.1 Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer trotz fehlender Vorverfol-
gung bei einer Rückkehr in seinem Heimatland ernsthafte Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden.
E-5214/2016
Seite 28
5.1.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Ge-
fahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind. Zur Beurteilung des Risi-
kos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaf-
tung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risikofaktoren identifi-
ziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene Ver-
bindung zu den LTTE, ein Eintrag in der „Stop-List“ und die Teilnahme an
exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als stark risikobegrün-
dende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid dargelegten Um-
ständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begründe-
ten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Fehlen ordentlicher
Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und eine ge-
wisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach risikobegrün-
dende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weitreichenden
Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene kleine Gruppe tatsächlich mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3
AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen Behörden be-
strebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen, und so
den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die dargelegten Ri-
sikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren Namen
in der am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop-List" vermerkt seien und
der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungsweise einen Straf-
registereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten
Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte für sri-lankische
Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch betätigt hätten.
5.1.2 Der Beschwerdeführer, unbestrittenermassen ein sri-lankischer
Staatsangehöriger tamilischer Ethnie aus dem Osten Sri Lankas, hat sein
Heimatland im September 2012 verlassen und hielt sich seither in der
Schweiz auf. Die geltend gemachte Vorverfolgung erwies sich als nicht
glaubhaft. Es sind sodann keine Anhaltspunkte für eine relevante Verbin-
dung des Beschwerdeführers zu den LTTE aus den Akten ersichtlich. Auch
das von ihm geltend gemachte Engagement in der TNA erscheint nicht ge-
eignet, ihn bei seiner Rückkehr nach Sri Lanka ins Visier der heimatlichen
Behörden zu rücken. Auch die geltend gemachten exilpolitischen Tätigkei-
ten des Beschwerdeführers in der Schweiz weisen kein namhaftes Gefähr-
dungspotential auf. Er trug diesbezüglich vor, er sei politisch nicht aktiv und
gehöre keiner tamilischen Vereinigung an. Er gab explizit an, in der
Schweiz mit den TNA-Leuten keinen Kontakt zu pflegen (A33, F87). Er
habe im März 2015 an einer (einzigen) Massenkundgebung in O._
E-5214/2016
Seite 29
teilgenommen (A33, F95-99). Es ist nicht davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr ins Heimatland von den sri-lankischen
Behörden verdächtigt würde, sich während seines längeren Aufenthalts in
der Schweiz exponiert exilpolitisch betätigt zu haben und damit ein Wie-
deraufleben der LTTE anzustreben.
5.1.3 Im vorinstanzlichen Verfahren machte der Beschwerdeführer gel-
tend, er habe im August 2012 in Colombo auf legale Weise einen Reise-
pass erhalten, welcher zehn Jahre gültig sei. Er sei jedoch mit einem an-
deren Reisepass ausgereist (vgl. A5, Ziff. 4.2), welchen er seinem Agenten
abgebeben habe (A10 F26 ff). Die sri-lankische Identitätskarte des Be-
schwerdeführers befindet sich in den vorinstanzlichen Akten. Selbst wenn
der Beschwerdeführer ohne Reisepass respektive mit temporären Reise-
dokumenten nach Sri Lanka zurückkehren müsste, würde dies allenfalls
bei der Wiedereinreise in Sri Lanka zu einem „background check“ führen.
Es muss damit gerechnet, dass er nach dem Verbleib seiner Reisepapiere
und zum Grund seiner Ausreise befragt und überprüft wird. Dabei kann
nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer wegen des feh-
lenden Reisepasses gebüsst wird, wobei ein entsprechendes Vorgehen
der sri-lankischen Behörden keine flüchtlingsrechtliche Relevanz entfaltet
(vgl. Referenzurteil E. 8.4.4).
5.1.4 Vorliegend sind keine weiteren Risikofaktoren ersichtlich. Folglich lie-
gen mit der Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie, der Herkunft aus dem
Osten des Landes, der mehrjährigen Landesabwesenheit und der nicht ex-
ponierten exilpolitischen Tätigkeit keine im zitierten Referenzurteil definier-
ten, stark risikobegründenden Faktoren vor, auf Grund welcher Anlass zur
Annahme besteht, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in
sein Heimatland dort Massnahmen zu befürchten hat, welche über eine
einfache Kontrolle hinausgehen, und wegen seines Profils von den Behör-
den als Bedrohung wahrgenommen wird.
6.
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass das SEM zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat.
7.
7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG).
E-5214/2016
Seite 30
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, andernfalls wenigstens glaubhaft zu
machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2, m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
8.2.1 Das SEM wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin,
dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen
schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche
Gefährdung glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte
Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-
wendung finden. Eine Rückkehr nach Sri Lanka ist demnach unter dem
Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
E-5214/2016
Seite 31
8.2.2 Sodann ergeben sich – wie nachfolgend dargelegt – weder aus den
Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte da-
für, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbote-
nen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR
sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer
eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass
ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung
drohen würde (vgl. EGMR, Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar
2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.).
Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine
EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä-
ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst
(vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Be-
schwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, Urteil vom 31. Mai
2011, Beschwerde Nr. 41178/08; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Ja-
nuar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. gegen Dänemark, Urteil vom
20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien,
Urteil vom 17. Juli 2008, Beschwerde Nr. 25904/07; Rechtsprechung zu-
letzt bestätigt in J.G. gegen Polen, Entscheidung vom 11. Juli 2017, Be-
schwerde Nr. 44114/14). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in
genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe
eine unmenschliche Behandlung. Vielmehr müssten im Rahmen der Beur-
teilung, ob der oder die Betroffene ernsthafte Gründe für die Befürchtung
habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Befragung ein Inte-
resse, verschiedene Aspekte – welche im Wesentlichen durch die im Re-
ferenzurteil E-1866/2015 identifizierten Risikofaktoren abgedeckt sind (vgl.
EGMR, T.N. gegen Dänemark, a.a.O., § 94; EGMR, E.G. gegen Grossbri-
tannien, a.a.O., § 13 und 69) – in Betracht gezogen werden. Dabei sei dem
Umstand gebührend Beachtung zu tragen, dass diese einzelnen Aspekte,
auch wenn sie für sich alleine betrachtet möglicherweise kein "real risk"
darstellen, diese Schwelle bei einer kumulativen Würdigung erreichen
könnten.
Nachdem der Beschwerdeführer nicht glaubhaft gemacht hat, dass er be-
fürchten müsse, bei einer Rückkehr ins Heimatland die Aufmerksamkeit
der sri-lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Aus-
mass auf sich zu ziehen, bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, ihm
würde eine menschenrechtswidrige Behandlung in Sri Lanka drohen.
E-5214/2016
Seite 32
8.2.3 Aus Sicht des Bundesverwaltungsgerichts besteht kein Grund zur
Annahme, dass sich die jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka
konkret auf den Beschwerdeführer auswirken könnten. Die allgemeine
Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum
heutigen Zeitpunkt nicht als generell unzulässig erscheinen und der Be-
schwerdeführer weist seinerseits keine individuellen Merkmale auf, welche
eine Unzulässigkeit des Vollzugs begründen könnten. Der Vollzug der
Wegweisung erweist sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtli-
chen Bestimmungen als zulässig.
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. An dieser Einschät-
zung vermögen auch die Gewaltvorfälle in Sri Lanka am 21. April 2019 und
der von der sri-lankischen Regierung verhängte und inzwischen am 20. Au-
gust 2019 wieder aufgehobene Ausnahmezustand nichts zu ändern (vgl.
Urteil E-2140/2019 vom 7. August 2019 E. 5.2 sowie Neue Zürcher Zeitung
[NZZ¡ vom 24. August 2019: («Sri Lankas Feldherren machen Karriere»).
8.3.3 Was die allgemeine Situation in Sri Lanka betrifft, aktualisierte das
Bundesverwaltungsgericht im Referenzurteil E-1866/2015 die Lagebeur-
teilung bezüglich der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in die Nord-
und Ostprovinzen Sri Lankas (vgl. E.13.2-13.4). Betreffend die Ost-Provinz
(Distrikte Trincomalee, Batticaloa, Ampara), aus dem der Beschwerdefüh-
rer stammt, hielt es zusammenfassend fest, dass es den Wegweisungs-
vollzug dorthin als zumutbar erachte, wenn das Vorliegen der individuellen
Zumutbarkeitskriterien – insbesondere Existenz eines tragfähigen familiä-
ren oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte
Einkommens- und Wohnsituation – bejaht werden könne (vgl. E. 13.4).
8.4 Der Beschwerdeführer stammt aus der Ost-Provinz. Er hat in
E._ (Distrikt F._) zwölf Jahre lang die Schule besucht und
vor seiner Ausreise mit seiner Ehefrau und den beiden Kindern in
E-5214/2016
Seite 33
B._, Distrikt C._, gelebt. Es ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer in seiner Heimatregion ein tragfähiges Beziehungsnetz
(Ehefrau, Sohn, Mutter, Geschwister und Halbgeschwister) vorfinden wird.
Auf die Hilfe seiner engen Familienangehörigen und sonstigen Verwandten
wird er bei seiner Rückkehr zählen können. Seine Ehefrau und der Sohn
leben in B._ (Bezirk C._) und seine Mutter und Geschwister
in E._ (Distrikt F._). Seine Tochter lebt zwischenzeitlich in
W._. Der Beschwerdeführer war im Heimatstaat sodann immer be-
rufstätig.
Zwar leidet der gemäss den zahlreich eingereichten ärztlichen Unterlagen
und Spitalberichten an verschiedenen Krankheitsbildern, namentlich (...).
Diese sind jedoch auch im Heimatstaat behandelbar und nicht als gravie-
rend einzuschätzen. Im Zusammenhang mit seinen physischen Beschwer-
den ging er in der Schweiz zu ärztlichen Jahreskontrollen und er wird nach
wie vor medikamentös behandelt. Zudem ist eine chronifiizierte mittelgra-
dige depressive Episode mit somatischem Syndrom (F32.11) respektive
eine posttraumatische Belastungsreaktion mit depressiven Episoden diag-
nostiziert worden. Gemäss den Einschätzungen der medizinischen Fach-
personen scheinen insbesondere die psychischen Probleme im Zusam-
menhang mit der Sorge und Ungewissheit des Beschwerdeführers um
seine Zukunft und das Schicksal seiner Familie zu stehen.
Praxisgemäss ist bei einer Rückweisung von Personen mit gesundheitli-
chen Problemen nur dann von einer medizinisch bedingten Unzumutbar-
keit auszugehen, wenn die ungenügende Möglichkeit einer Weiterbehand-
lung eine drastische und lebensbedrohliche Verschlechterung des Ge-
sundheitszustands nach sich zöge. Diese Schwelle ist nach dem Gesagten
nicht erreicht. Die notwendige medizinische Versorgung in Sri Lanka ist für
den Beschwerdeführer zudem gewährleistet. In allen drei Distrikten der
Ost-Provinz sind namentlich Kardiologen, Psychiater und allgemein Medi-
ziner («General Physicians») tätig. Laut «Taiwanese Journal of Psychiatry»
sind über 100 Psychiatrie-Facharztpersonen im Ministerium für Gesundheit
und in den Universitätsspitälern tätig, welche eine landesweite Abdeckung
aller 24 Distrikte mit qualifizierten Fachärzten gewährleisten. (vgl. dazu:
Ministry of Health, Nutrition and Indigenous Medicine Sri Lanka, Annual
Health Bulletin 2014, published in 2016 http://www.health.gov.lk/moh_fi-
nal/english/public/elfinder/files/publictions /AHB/AHB2014.pdf , insbe-
sondere S. 16 [Distribution of Specialists in Curative Care Services by Re-
gional Director of Health Services Division], Dezember 2016» sowie: Tai-
wanese Journal of Psychiatry (Taipeh): Volume 33, Issue 2. April-June
E-5214/2016
Seite 34
2019: Review: Development of Mental Health Care in Sri Lanka: Lessons
Learned: http://www.e-tjp.org/temp/TaiwanJPsychiatry33255-2740728_
073647.pdf, insbesondere S. 6; beide Internetlinks abgerufen am
11.03.2020).
In diesem Zusammenhang ist zudem auf die Möglichkeit einer medizini-
schen Rückkehrhilfe (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG) hinzuweisen, so dass
auch die erforderliche Medikamentation für die Anfangsphase nach der
Rückkehr nach Sri Lanka sichergestellt werden kann.
8.4.1 Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Sri Lanka
erweist sich demnach insgesamt als zumutbar.
8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich – sofern nötig – bei
der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr not-
wendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und
dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist daher
auch als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist da-
her abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Angesichts der am
6. September 2016 gewährten unentgeltlichen Rechtspflege wird auf die
Erhebung von Verfahrenskosten verzichtet.
10.2 Das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung wurde mit Instrukti-
onsverfügung vom 13. September 2016 ebenfalls gutgeheissen und dipl.
jur. Tilla Jacomet, HEKS Rechtsberatung für Asylsuchende St. Gallen/Ap-
penzell wurde als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt, weshalb ihr zu
Lasten der Gerichtskasse ein Honorar zuzusprechen ist.
E-5214/2016
Seite 35
Die zuletzt aktualisierte Kostennote vom 6. März 2019 weist einen Arbeits-
aufwand von 14.5 Stunden sowie Auslagen (Übersetzungen und sonstige
Spesen) von Fr. 275.– auf, was angemessen erscheint. Darüber hinaus ist
auch der Aufwand für die Einreichung der später erfolgten Eingaben zu
entschädigen. Bei der Entschädigung der nicht-anwaltlichen amtlichen Ver-
beiständung wird seitens des Bundesverwaltungsgerichts ein Stundenan-
satz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– angewandt (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs.
2 VGKE). Die amtliche Rechtsbeiständin hat sich mit Schreiben vom
7. September 2016 mit diesem Stundenansatz einverstanden erklärt. Der
amtlichen Rechtsbeiständin ist für ihre Bemühungen im Beschwerdever-
fahren durch das Bundesverwaltungsgericht ein amtliches Honorar in der
Höhe von insgesamt Fr. 2‘600.–.
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 36