Decision ID: 8c3e6b4f-cfbb-5836-a655-6b14819ca726
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1974,
ohne abgeschlossene berufliche Ausbildung
(
Urk.
9/5/5)
,
war bis ins Jahr
2008 für verschiedene Arbeitgeber tätig und ab diesem Zeitpunkt nicht mehr erwerbstätig
(
Urk.
9/9)
.
Am 2
5.
März 2019 meldete sie sich unter Hinweis auf ein ADHS, Hochsensibilität, eine
Borderlinestörung
, eine Rückenproblematik und einen Beckenschiefstand sowie einen Verdacht auf grünen und grauen Star bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/5
/6
). Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte einen Auszug aus dem individuellen Konto
(
IK-Auszug;
Urk.
9/9
)
und
ärztliche Berichte
(
Urk.
9/
15,
Urk.
9/19)
ein
und
gab zusätzlich
ein
p
s
ychiatrisch-neuropsychologisches Gutachten bei Prof.
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie
,
und
Dr.
phil
.
Z._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie
,
in Auftrag (
Urk.
9/23)
,
das
dieser
am
3.
April 2020 erstattet
e
(
Urk.
9/35).
Mit Vor
bescheid
vom 3
0.
April 2020
stellte
die IV-Stelle
der Versicherten die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht
(
Urk.
9/37). Nachdem die Versicherte da
gegen Einwand erhoben hatte (
Urk.
9/4
4)
,
verfügte
die IV-Stelle
am
1
9.
November 2020
im angekündigten Sinne
(
Urk.
9/49 =
Urk.
2).
2
.
Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Susanne
Friedauer
, am 2
1.
Dezember 2020 Beschwerde mit den Anträgen, die Verfügung vom 1
9.
November 2020 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu ver
pflichten, ihr die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine Rente zu gewähren; eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach den notwendigen Abklärungen in der Sache neu entscheide. In formeller Hinsicht
ersuchte sie sodann um Gewährung der unentg
eltlichen Prozessführung und
um
die
Bestellung von
Rechtsanwältin Susanne
Friedauer
als unentgeltliche Rechts
vertreterin
(
Urk.
1).
Mit Beschwerdeantwort vom
3.
Februar 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8). Hier
von wurde der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 1
5.
Februa
r 2021 Kenntnis
gegeben
. Gleichzeitig
wurde ihr die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwältin Susanne
Friedauer
als unentgeltliche Rechts
vertreterin bestellt (
Urk.
12).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der
versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Bestimmen psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditäts
fremden Faktoren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen. Solche von der sozio
kulturellen oder psychosozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative
funk
tionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer ver
sicherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vor
gaben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern so
gar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände
aufzuzeige
n
und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus
zuklammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
Beruht sodann die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung,
die eindeutig über die blosse unbewusste Tendenz zur Schmerzausweitung und -verdeutlichung hinausgeht, ohne dass das betreffende Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen wäre, liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor (BGE 141 V 281 E. 2.2.1, Urteil des Bundesgerichts 9C_371/2019 vom 7. Oktober 2019 E. 5.1.2).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Verneinung des Rentenanspruchs damit, dass die
ärztliche
Untersuchung gezeigt habe, dass eine 20%ige Arbeits
unfähigkeit bei einer 100%igen Präsenzzeit vorliege. Diese Einschränkung bestehe aufgrund der noch vorhandenen depressiven Symptome und der kognitiven Störungen. Dies führe jedoch nicht zu einer rententangierenden Ein
schränkung.
Abgesehen
von den Zeiten der stationären Behandlung wegen der Alkoholabhängigkeit seien keine wesentlichen Schwankungen dieser Arbeits
fähigkeit in den letzten Jahren festzustellen. Zudem hätten ihre Abklärungen ergeben, dass die Beschwerdeführerin bei vollständiger Gesundheit zu 100
%
im Haushalt zu qualifizieren sei. Dort bestünden keine wesentlichen Ein
schränkungen
. Es bestehe daher kein Anspruch auf Leistungen der Invaliden
versicherung
(
Urk.
2 S. 1
f.
).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen
zunächst vor, sie sei aufgrund der Mit
teilung
der Beschwerde
gegn
erin
davon ausgegangen, dass
Prof.
Y._
die Begutachtung in seiner Funktion als
Oberarzt der Gruppenpraxis
A._
ausführe und nicht unter seiner privaten Firma, dem Institut
B._
. Die Unabhängigkeit des Gutachters sei eine andere, je nachdem ob er das Gutachten als Privatperson oder als Mitarbeiter einer grossen Institution ausführe. Da das Schreiben der Beschwerdegegnerin irreführend gewesen sei, leide das Gutachten unter einem formalen Mangel (
Urk.
1 S. 9
f.
).
In materieller Hinsicht führte sie aus
, das psychiatrische Gutachten sei nicht reliabel, da
sie
bei der psychiatrischen Begutachtung unter Alkoholeinfluss gestanden habe. Dies habe der Gutachter bereits zu Beginn der Untersuchung bemerkt und hätte davon ausgehen müssen, dass dieser Umstand einen wesent
liche
n
Einfluss auf die Begutachtung haben würde
. Unter solch ungenauen Prämissen ein Gutachten zu erstelle
n, sei nicht annehmbar und füh
re zu dessen Unverwertbarkeit
. Es sei da
her der Beurteilung
der behandelnden Psychiaterin zu folgen, welche
sie
als nicht mehr arbeitsfähig
für Tätigkeiten
auf dem ersten Arbeitsmarkt eracht
et
habe
(
Urk.
1 S. 1
0
f
f
.)
.
Des Weiteren führte die Beschwerdeführerin aus,
grundsätzlich
nicht in Abrede zu stellen seien die gestellten Diagnosen. Diese sei
en
sorgfältig und differenziert hergeleitet worden. Die meisten der gestellten Diagnosen deckten sich auch mit den von den behandelnden Ärzten genannten. Auch die Befundlage sei vom Experten und
den
behandel
n
den Ärzten
im Wesentlichen
übereinstimmend dar
gestellt worden.
Die deutliche Affektlabilität und
die Störung der Inter
a
ktion liessen an der vom Gutachter attestierten Arbeitsfähigkeit von 80
%
aber gleich
wohl
zweifeln.
Es sei sodann nicht ersichtlich, wie die in den untersuchten Disziplinen je einzeln festgestellten Beeinträchtigungen in der Gesamtwürdigung gewichtet worden seien. P
rof.
Y._
habe ferner nicht ausreichend nachvoll
ziehbar dargel
e
gt, weswegen die Diagnose einer posttraumatischen Belastungs
störung (PTBS) trotz
der
in der Anamnese geschilderten
klaren Hinweise hierfür - insbesondere de
n
in der Kindheit erlittene
n
sexuelle
n
Missbrauch -
nicht zu stellen sei
(
Urk.
1 S. 13 ff.).
Die Beschwerdeführerin
legte weiter dar
,
Prof.
Y._
habe seinen Auftrag, die Einschränkungen im Haushalt zu erfragen, nicht erfüllt, was das Gutachten eben
falls nicht beweistauglich erscheinen lasse, da ein unvollständiges Gutachten keine
rechtsgenügliche
Grundlage für eine Leistungsabweisung sein könne (
Urk.
2 S.
18
f.
). Weiter
leite
er
seine Diagnosen zwar
sorgfältig
und lege
artis
her,
verneine aber die ihm nicht genehmen Diagnosen der
behandelnden
Psychiaterin sehr oberflächlich und nicht mit der notwendigen Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Gegebenheiten. Während die von ihm gestellten Diagnosen zwar durchaus zu überzeugen vermöchten, erscheine seine Einschätzung der Aus
wirkungen dieser Erkrankungen nicht schlüssig, denn sie sei weder im Haushalt noch in einer angepassten Tätigkeit zu 80
%
leistungsfähig.
Prof.
Y._
verharm
lose
und banalisiere den schweren
Kampf
, den sie täglich führe
,
und verkenne, dass es sich längst nicht mehr um externe
psychosoziale
Faktoren handle, son
dern um eine schwere, komplexe psychische Erkrankung, die aufgrund ihrer Biographie auch nachvollziehbar sei (
Urk.
1 S. 26).
Prof.
Y._
habe sodann die Diagnose einer
chronischen
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren negiert, da er keine Anzeichen
habe
erkennen könne
n
, dass
d
ie Schmerz
darstellung
übertri
e
be
n sei
.
Er habe fest
gehalten, dass
eine rheumatoide Erkrankung
chronische Schmerzen verursache,
sei also davon ausgegangen
,
dass die Schmerzen
einen organischen Ursprung hätten
.
Bereits vor der Begutachtung sei gegenüber den behandelnden Ärzten über
Gliederschmerzen
, ständige Erschöpfung, tägliche
s
Erbrechen sowie Tachykardien und Atemnot berichtet
worden
. Die körperlichen Einschränkungen habe die Beschwerdegegnerin bei der Ermittlung der Arbeitsfähigkeit nicht weiter
beachtet. Der Sachverhalt sei somit auch nicht
rechtsgenüglich
abgeklärt.
Die
körperliche Konstitution sei sodann durch eine
Urosepsis
mit beginnendem Multiorganversagen im August 2020 weiter geschwächt
worden
(
Urk.
1 S. 27).
Schliesslich
bestritt
die Beschwerdeführerin
die
Annahme der Beschwerde
gegnerin, dass sie bei guter Gesundheit zu 100
%
im Haushalt tätig wäre, viel
mehr
wäre
sie
diesfalls
zu 100
%
erwerbstätig. Werde der Invaliditätsgrad berechnet, sei zusätzlich zur angegebenen Einschränkung von 20
%
mit einem maximalen Tabellenlohnabzug zu rechnen, aufgrund
d
er erheblich eingeschränkten Möglichkeit, eine allfällige Restarbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt umzusetzen (
Urk.
1 S. 28).
3.
3.1
Vom 3
1.
Januar bis am 2
7.
Februar 2019 war die Beschwerdeführerin auf der psychosomatischen Abteilung des Spitals
C._
hospitalisiert. Im Austritts
bericht vom
6.
März 2019 stellten med.
pract
.
D._
, Oberarzt Psychiatrie
,
und
E._
, Sozial- und Bewegungstherapeut, die folgenden Diagnosen (
Urk.
9/19/1):
-
Störungen durch Alkohol: Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent in beschützender Umgebung (ICD-10 F10.21)
-
c
hronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
e
motional instabile Persönlichkeitsstörung
Borderline
-Typ (ICD-10 F60.31)
-
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
p
sychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F17.2)
-
Aufmerksamkeitsdefizit bei Hyperaktivitätsstörung (ICD-10 F90.0)
-
c
hronische Hepatitis B
(ICD-10 B18.1)
-
Stat
us nach intravenösem
Drogenabusus
(1989 bis 1997)
Ziel der stationären Behandlung war die Stabilisierung nach zuvor durch
laufenem Alkoholentzug. Im Verlauf
habe d
ie angestrebte Stabilisieru
ng erreicht und auch die Schmerzmitteleinnahme abgebaut werden können. Es sei nur ein einziges Mal am Wochenende vor dem Abschluss der Behandlung zu einem ein
maligen Konsumereignis gekommen. In der Austrittswoche habe sich die Beschwerdeführerin wieder deutlich ruhiger gefühlt und sei zuversichtlich gewesen, zukünftig mit ihren Problemen zu Hause und auch im Umgang mit den Ämtern besser zurecht zu kommen (
Urk.
9
/19/3 f.).
3.2
Die von den behandelnden Therapeutinnen
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
und
G._
, Psychologin FSP,
in ihrem Bericht vom
2
6.
März 2019
gestellten Diagnosen decken sich
weitgehend
mit denjenigen
im Bericht des Spitals
C._
vom
3.
März 201
9.
Sie
hielten jedoch im Rahmen der rezidivierenden depressiven Störung eine gegenwärtig schwere E
pisode
mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3)
für gegeben
.
Sie führten aus, die Beschwerdeführerin zeige seit Behandlungsbeginn einen sehr schwankenden Verlauf. Sie sei klar mit den Lebensaufgaben überfordert, weshalb sie seit rund acht Jahren von der Sozialh
ilfe lebe und arbeitsunfähig sei
. Sie stemme bestmöglich den Haushalt und die Versorgung der Kinder. Es zeigten sich immer wieder starke Verzweiflung und Überforderung bis hin zum Wu
n
sch zu sterben. Trotz Unterstützungsversuchen durch die Spitex und
einem
Kinder- und Jugendzentrum
der Wohngemeinde
habe sich keine
Entlastung
gezeigt
.
I
m Gegenteil
lasse d
ie schwere Persönlichkeitsstörung sie immer wieder in schwierige zwischenmenschliche Situationen geraten, was das Alltagsleben erschwere. Auch der Klinikaufenthalt, welcher zwischenzeitlich eine leichte
B
esserung ihres Befindens bewirkt habe, habe längerfristig
keine
Wirkungen
gezeigt
(
Urk.
9/4/1 f.).
In ihrem Bericht vom
2
7.
Mai 2019
stellte
Dr.
F._
zusätzlich die Verdachts
diagnose einer p
osttraumatische
n
Belastungsstörung (PTSD, ICD-10 F43.1)
und
attestierte der Beschwerdeführerin bis auf Weiteres eine 100%ige
Arbeits
unfähigkeit
mit der Möglichkeit
,
in stabilen Phasen kleinere
Tätigkeiten
auszu
üben. Aufgrund der
P
ersönlichkeits
störung würden sich im zwischen
menschlichen Bereich sehr starke Herausforderungen zeigen. Des Weitere
n
bestehe aufgrund des ADHS eine ständige
Überforderung
, welche durch weitere Anfo
rderungen verstärkt werde
und schnell zu Impulsdurchbrüchen führen könne. Die Regulierung dieser Impulsdurchbrüche falle ihr schwer, gegen
über den Kindern
gelinge ihr
dies jedoch
(
Urk.
9/15/5). Abgesehen vom Führen des Haus
haltes übe die Beschwerdeführerin zur
z
eit keine Tätigkeit aus. Es zeige sich auch in diesem Setting eine ständige Überforderung. Eine regelmässige Tätigkeit sei aktuell nicht möglich. Den Haushalt und die Kinderbetreuung könne sie meistern, wenn auch mit einem grossen Kraftaufwand. Sie erhalte inzwischen Unter
stützung des
Kinder- und Jugendzentrums
bei
der Kindererziehung (
Urk.
9/15/6).
3.3
3.3.1
Prof.
Y._
stellte im psychiatrischen Gutachten vom
3.
April 2020
die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung mit überwiegend
histrionischem
Persönlichkeits
muster und zusätzlichen Aspekten der emotional-instabilen Persönlichkeits
störung nach dem
Borderline
-Typ
(
Urk.
9/35/26-29)
,
sowie die Diagnosen
einer Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten (ICD-10 F43.25
;
Urk.
9/35/24 f.
)
und
einer Alkoholabhängigkeit, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F10.24
;
Urk.
9/35/25 f.
).
3.3.2
Prof.
Y._
führte aus, bei der
Beschwerdeführerin
würden zunächst deutliche Störungen der
Interaktionen auffallen. So zeige
sie eine deutliche Affektlabilität
;
es liege ein Wechsel zwischen Weinen, aggressiv-
dysphorischem
Sc
himpfen, Scherzen und Lachen bei einem
während der ganzen
Unt
e
rsuchung eher
klagsam-jammerigem
Affekt vor. Zusammengefasst gleiche das interaktionelle Verhalten einem
histrionischen
Muster. Zudem habe die Beschwerdeführerin über Ängste und eine depressive Symptomatik im Sinne eines ängstlich-depressiven Syndroms berichtet. Bei den objektiv zu beurteilenden Aspekten stehe ein ängstlich-depressives Bild aber nicht im Vordergrund, die Beschwerdeführerin selbst beziehe dies vor allem auf starke Erschöpfung. Wesentlich erscheine auch die deutliche Alkoholisierung der Beschwerdeführerin, die zwar die gesamte klinische Untersuchung
nicht wesentlich beeinträchtigt habe
, aber doch auch
nicht
durch den Genuss eines Glase
s Prosecco auf der Anfahrt
zu erklären sei
(
Urk.
9/35/20 f.)
.
3.3.3
Prof.
Y._
kam zum Schluss, in der aktuellen Tätigkeit im Haushaltsbereich
könne die Beschwerdeführerin
zu 100
%
anwesend sein. Eine Einschränkung der Leistung bestehe in dieser Tätigkeit auf Grund der noch vorhandenen depressiven Symptome und der kognitiven Störungen, die mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit auf die Alkoho
labhängigkeit zurückzuführen seien
, allenfalls in einem Ausmass von 20
%
. Eine wesentliche Schwankung dieser Arbeitsfähigkeit über die letzten Jahre sei nicht festzustellen, allenfalls sei
in der Phase von
schwerere
m
Alkoholkonsum, der dann zur stationären Behandlung geführt habe, eine höhere Arbeitsunfähigkeit gegeben gewesen. Eine der Behinderung optimal angepasste Tätigkeit sollte eher in einem kleineren Team mit einfacheren Arbeiten stattfinden. Mitarbeiterinnen und Vorgesetzte sollten grosses Verständnis für die Persönlichkeitsauffälligkeiten der Beschwerdeführerin aufbringen
.
E
ine Führungstätigkeit erscheine aufgrund der gegebenen Sachlage
als
ausgeschlossen. In einer
angepassten
T
ätigkeit sei
eine Präsenz von 100
%
möglich, wobei
aufgrund der rezidivierenden Alkoholproblematik sowie der Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion aufgrund der Persönlichkeits
eigenschaften
mit einer Einschränkung
der Leistung im Umfang von etwa 20
%
selbst dann zu rechnen
sei
, wenn die
Tätigkeit
optimal angepasst
sei. Abgesehen von den Zeiten der stationären Behandlung wegen der Alkoholabhängigkeit seien keine wesentlichen Schwankungen dieser beurteilten Arbeitsfähigkeit festzu
stellen (
Urk.
9/35/35 f.).
3.3.4
Dr.
Z._
ermittelte
anlässlich der am 1
3.
März 2020 durchgeführten neuro
psychologischen Untersuchung mehrheitlich durchschnittliche Resultate
und bemerkte,
zu leichten und isolierten Leistungseinbussen sei es im Bereich der exekutiven und mnestischen Funktionen gekommen. Diese Teilleistungs
einbussen entsprächen einer leichten kognitiven Störung. Die Funktionsfähigkeit sollte im Alltag und unter den meisten beruflichen Anforderungen aus rein neuropsychologischer Sicht nicht grob eingeschränkt sein. Bei Aufgaben und Tätigkeiten mit sehr hohen kognitiven Anforderungen könne die Funktions
fähigkeit leicht eingeschränkt sein, solche Tätigkeiten entsprächen jedoch nicht dem Ausbildungsniveau der Beschwerdeführerin. Aus rein neuropsychologischer Sicht könne die Arbeitsfähigkeit in einer ausbildungsadäquaten Tätigkeit um 20
%
reduziert sein
(
Urk.
9/35/60).
3.4
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 2
7.
November 2020 über eine im August 2020 durchgeführte Behandlung auf
grund einer
Urosepsis
, die bei Diagnosestellung zu einem beginnenden M
ulti
organversagen geführt habe.
Unter Therapie sei es zu einer langsamen Besserung gekommen, die Inappetenz und allgemeine Schwäche
hätten
jedoch noch Wochen angedauert (
Urk.
3/4).
3.5
RAD-Ärztin
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Ps
y
chiatrie und Psychotherapie, hielt
in zwei Stellungnahmen vom
1
5.
April 2020
und 1
9.
Oktober 2020
fest, aus versicherungsmedizini
s
che
r
Sicht könne auf das Gutachten von Prof.
Y._
und
Dr.
Z._
abgestellt werden, sowohl hinsichtlich der Beurteilung des Gesundheits
zustandes als auch hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
9/36/7
;
Urk.
9/36/47
).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützt die Abweisung des Rentenbegehrens auf das psychiatrisch-neuropsychologische Gutachten von
Prof.
Y._
und
Dr.
Z._
vom
3.
April 2020
(
Urk.
9/35)
. Es ist
zunächst auf den Einwand der Beschwerde
führerin
einzugehen, dass
das Gutachten unter einem formellen Mangel
leide
, da
die Mitteilung
der Beschwerdegegnerin
betreffend Begutachtung vom 2
8.
Oktober 2019
insofern irreführend gewesen sei
,
als dass Prof.
Y._
die Begutachtung in seiner Funktion als Oberarzt der Gruppenpraxis
A._
ausführe und nicht unter seiner privaten Firma, dem Institut
B._
(
Urk.
1 S. 9 f.).
Dazu ist festzuhalten, dass der Mitteilung der Beschwerdegegnerin vom 2
8.
Oktober 2019 zwar die Adresse der Gruppenpraxis
A._
zu entnehmen ist (
Urk.
9/23), wo die Begutachtung in der Folge auch durchgeführt wurde. Bereits das Einladungsschreiben zur Begutachtung erfolg
te jedoch mit dem Briefkopf des Institutes B._
(vgl.
Urk.
9/24 f.)
, so dass der
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Begutachtung
bewusst sein musste, dass
das Gutachten
nicht
durch
Prof.
Y._
in seiner Stellung als Angestellter der
Gruppenpraxis A._
AG
verfasst
wird. I
nsofern
lag keine Irreführung vor
.
Darüber hinaus
leitet die Beschwerdeführerin aus dem genannten Umstand keine Hinweise ab, die Zweifel an der Unabhängigkeit von
Prof.
Y._
zu erwecken vermögen, ins
besondere macht sie nicht geltend, dass ein
Ausstandsgrund
vorliege
, weshalb das Gutachten in formeller Hinsicht verwertbar ist
.
4.2
4.2.1
Die
Beschwerdeführerin
hält
das
Gutachten
zudem auch in inhaltlicher Hinsicht
nicht
für
verwertbar
, da sie bei der
psychiatrischen
Begutachtung alkoholisiert gewesen sei (
Urk.
1 S. 10 f
f.).
4.2.2
Vorab ist zu bemerken, dass die Beschwerdeführerin
nicht geltend
macht
, dass
sie
in einem Ausmass alkoholisiert gewesen sei, dass sie der Untersuchung nicht mehr
hätte
folgen können beziehungsweise nicht adäquat
und wahrheitsgemäss
auf die gestellten Frag
en hätte reagieren können, wofür
sich aus dem Gutachten auch keine Hinweise
ergeben
.
Die Beschwerdeführerin erwähnt eine Ange
trunkenheit mit einem Blutalkoholwert um
0.5 ‰
und macht geltend
, dass dieser wesentlich dazu beigetragen habe, dass sie teilweise euphorisch und
fröhlich gewirkt habe
und sich ein
erhöhtes Selbstwertgefühl dadurch
geäussert habe,
dass
sie ihre selbständige Tätigkeit als Schamanin bald
wieder aufnehmen
werde
und
dass sie
viele Freunde habe (
Urk.
1 S. 11).
E
ine labile, teilweise optimistische Stimmung
ergibt sich indessen
auch aus den Berichten der behandelnden Fach
personen
(
Urk.
9/15/3)
. Ferner wurde
auch im Austrittsbericht des Spitals
C._
vom
3.
März 2019
festgehalten
, dass die Beschwerdeführerin baldmöglichst wieder Reiki- und Heiler-Ausbildungen anbieten möchte und derzeit an der Aktualisierung der Seminarunterlagen für die
se Kurse arbeite (
Urk.
9/19/3). Ins
gesamt ist
so
mit nicht davon auszugehen
, dass diese Selbstdarstellung der Beschwerdeführerin
massgeblich
auf ihrer Alkoholisierung
anlässlich der Begut
achtung
beruhte
, zumal d
er
Alkoh
o
lgehalt
im Urin
im Zeitpunkt der Begutachtung (
Abgabe am
2
0.
Januar 2020
um 09.40 Uhr)
unter 0,1 Promille lag (
Urk.
9/35/45)
.
Die Einordnung der erheblichen Stimmungsschwankungen der Beschwerdeführerin im Rahmen einer Persönlichkeitsstörung
und ganz grund
sätzlich
die von Prof.
Y._
gestellten Diagnosen werden
von der Beschwerde
führerin
denn
auch nicht kritisiert
(
Urk.
1 S. 15 f.)
.
4.2.3
Weiter lässt sich dem Gutachten
entnehmen, dass
Prof.
Y._
bereits zu Beginn der Untersuchung ein
en deutlichen
Foetor
Alcoholicus
bemerkte und die Beschwerdeführerin darauf ansprach, worauf diese angab, auf der Anfahrt ein Glas Prosecco getrunken zu haben (
Urk.
9/35/10 f.).
Prof
.
Y._
erachtete dies
zwar
nicht als genügende Erklärung für die Alkoholisierung der Beschwerde
führerin, kam jedoch insgesamt zum Schluss, dass die gesamte klinische Unter
suchung d
ad
urch nicht wesentlich beeinträchtigt gewesen sei
. Im Vordergrund stand nach den Feststellung
en
des Experten vielmehr ein interaktionelles Ver
halten mit
histrionischem
Muster
(
Urk.
9/35/2
0 f.
). Daraus erschliesst sich, dass
Prof.
Y._
der Zustand der Beschwerdeführerin bewusst war, insbesonder
e bemerkte er, dass ein über deren
Angaben hinausgehender Alkoholkonsum vor
lag. Er
führte
seine Untersuchung somit
im Wissen darum
durch, dass sich die Beschwerdeführerin
nicht
in e
inem nüchternen Zustand befand
,
und
hat
diesen
Umstand
bei seiner Beurteilung
berücksichtigen
und mögliche auf die Alkoholisierung zurückzuführende Verhaltensweisen der Beschwerdeführerin einordnen
sowie darüber hinaus auch die psychopathologisch bedeutsamen Aspekte im Verhalten der Beschwerdeführerin feststellen
können
.
Zudem
lagen
Prof.
Y._
die Berichte der behandelnden Ärzte vor, die er in seine Beurteilung miteinzubeziehen hatte, so dass er
auch
auf dieser Grundlage den Einfluss der Alkoholisierung einzuschätzen vermochte
(
Urk.
9/35/25 f.)
.
Gestützt auf diese Erkenntnisse
stellte er dann
einerseits
die Diagnose der Alkoholabhängigkeit
mit
gegenwärtige
m
Substanzgebrauch
und überdies die Diagnosen einer An
passungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten und einer Persönlichkeitsstörung mit überwiegend
histrionischem
Persönlichkeits
muster und zusätzlichen Aspekten der emotional-instabilen Persönlichkeits
störung nach dem
Borderline
-Typ (
Urk.
9/35/29).
4.2.4
Dr.
Z._
brach
die erste, auf den 1
0.
Januar 2020 angesetzte Untersuchung
der Beschwerdeführerin
ab (
Urk.
9/35/56 f.). Da die Beschwerdeführerin auffällig nach Alkohol roch, ging die Expertin von einer Alkoholisierung aus. Der Abbruch erfolgte jedoch nicht in erster Linie deswegen,
sondern aufgrund des auffälligen Verhaltens der Beschwerdeführerin insgesamt, insbesondere
aufgrund
einer enormen Nervosität und
Angetriebenheit
,
aufgrund
einer auffälligen Unkonzentriertheit und
aufgrund
der fehlenden Fähigkeit, sich auf die
zu lösenden
Aufgaben einzulassen (
Urk.
9/35/56).
Beim weiteren Untersuchungs
termin am 1
3.
März 2020 zeigte die Beschwerdeführerin bei D
r.
Z._
keine physiognomischen A
uffäll
i
gkeiten mehr und sie wirkte im Verhalten deutlich ruhiger, angepasster und stabiler (
Urk.
9/35/
57
).
4.2.5
Insgesamt bestehen keine konkreten Hinweise
dafür
, dass die Alkoholisierung der Beschwerdeführerin die Begutachtung in einer Weise beeinflusst
e
, die deren Ergebnisse massgeblich verfälscht hätte. Alleine gestützt auf diesen Umstand
lässt sich
daher nicht von einer Unverwertbarkeit des Gutachtens ausgehen.
4.3
Weiter kritisiert die Beschwerdeführerin,
Prof.
Y._
habe
im Gutachten
eine zufällige Begegnung
mit
der ihm noch unbekannten Beschwerdeführerin un
mittelbar
vor der Begutachtung
ge
schilder
t
und
dabei betont
,
sie
habe
gelacht und fröhlich gewirkt (
Urk.
1 S. 13).
Prof
.
Y._
hat
die
betreffende
Begegnung i
m
Gutachten
erwähnt, wobei er
die Beschwerdeführerin
in
der Untersuchung
auch
darauf angesprochen
hat
(
Urk.
9/35/10 f.)
. Dass
Prof.
Y._
im Zusammenhang mit dieser Begebenheit voreilige
Schlüsse z
og
, ist jedoch nicht ersichtlich
, ins
besondere
wertete d
er
Gutachter
das unterschiedliche Verhalten vor und während der Begutachtung nicht als
wesentliche
Inkonsistenz (
Urk.
9/35/16).
4.4
4.4.1
Prof.
Y._
stellte die Diagnosen einer Persönlichkeitsstörung mit überwiegend
histrionischem
Persönlichkeitsmuster und zusätzlichen Aspekten der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung nach dem
Borderline
-Typ,
die Diagnose
einer Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten
und die Diagnose
einer Alkoholabhängigkeit (
Urk.
9/35/29).
Diese Diagnosen werden von der Beschwerdeführerin nicht in
Frage
gestellt (
Urk.
1 S. 14).
Sie
hält
jedoch
die Auseinandersetzung mit den Beurteilungen der behandelnden Fach
personen für mangelhaft (
Urk.
1 S. 20 ff.)
und ist mit der gutachterlich ermittelten Restarbeitsfähigkeit nicht einverstanden (
Urk.
1 S. 10 ff.)
.
4.4.2
Es
trifft
zu
, dass
Prof.
Y._
davon ausgeht, die Behandlung im Spital
C._
sei
nicht
durch
psychiatrische Fachärzte
erfolgt, was
den Wert der Diagnostik ein
s
chränk
e
(
Urk.
9/35/21).
Er
beliess es
aber
nicht bei dieser Feststellung, sondern setzte sich inhaltlich mit dem Austrittsbericht des Spitals
C._
auseinander und hielt insbesondere die Diagnose von acht
verschiedenen
psychischen Krank
heiten
ohne Erhebung eines psychopathologischen Befundes
, die abgesehen von der Alkoholerkrankung nicht begründet oder nach den ICD-10 Kriterien überprüft
w
o
rden
seien
,
nicht für plausibel
. Letztere Punkte bemängelte er auch an den Berichten der behandelnden Psychiaterin
(
Urk.
9/35/22)
.
Zwar sind die behandelnden Fachpersonen, wie die Beschwerdeführerin vorbringt
(
Urk.
1 S. 21)
, nicht verpflichtet, die Diagnosen einer
Kriterienprüfung
nach ICD-10 zu unter
ziehen,
unterla
ssen sie dies
jedoch und begründen ihre Diagnosen
auch nicht auf andere Weise - wie dies vorliegend der Fall ist - ist die Plausibilität der Diagnosestellung nicht nachvollziehbar
.
Was den von
Prof.
Y._
erwähnten
Widerspruch bezüglich der
von der
behandelnden T
herapeutin
diagnostizierten
depressiven Erkrankung mit psychotischen Symptomen betrifft
(vgl.
Urk.
9/35/22)
, ist sodann festzuhalten, dass
Dr.
F._
nicht nur die psychotischen Symptome nicht näher umschrieb, sondern im psychiatrischen Be
fund ausdrücklich festhielt, es läge keine psychotische Symptomatik (
mit
Wahn
oder Sinnestäuschung) vor (
Urk.
9/15/3)
.
Anlässlich der gutachterlichen Unter
suchung
bestanden gemäss
Prof
.
Y._
wiederum
keine Anhaltspunkte für Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen (
Urk.
9/35/18).
D
ass
d
er
Gutachter
unter diesen Umständen
diesbezüglich - u
nd auch allgemein zu den von der behandelnden Psychiaterin
gestellten Diagnosen -
keine fremdanamnestischen Auskünfte eingeholt hat, steht der Beweiskraft sei
ner Beurteilung nicht entgegen.
E
ine Fremdanamnese ist
denn auch im Allgemeinen
keineswegs zwingend, sondern liegt im Ermessen der Experten. Die versicherte Person hat darauf keinen Rechtsanspruch (Urteil des Bundesgerichts 9C_263/2013 vom 28. November 2013 E. 5.3 mit Hinweis).
Insgesamt ist d
i
e Schluss
folgerung
von
Prof
.
Y._
, dass er
aus der Diagnostik der behandelnden Fachpersonen keine wesentlichen Erkennt
nisse gewinnen konnte
,
daher nachvollziehbar.
Von einer mangelhaften Aus
einandersetzung mit den Beurteilungen der behandelnden Fachpersonen kann somit keine Rede sein.
4.4.3
Was die von den behandelnden Fachpersonen gestellten und von
Prof.
Y._
ver
neinten Diagnosen
einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, einer rezidivierenden depressiven Störung, eines ADHS so
wie einer PTBS
betrifft
(vgl.
Urk.
9/15/3,
Urk.
9/19/1)
,
ist zunächst
darauf hinzu
weisen, dass die psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann und dem begutachtenden Psychiater praktisch immer ein gewisser Spielraum bleibt, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_629/2017 vom 28. November 2017 E. 4.3 mit Hinweis auf 8C_839/2013 vom 13. März 2014 E. 4.2.2.1).
Prof.
Y._
setzte
sich
mit den Diagnosen der behandelnden Fach
personen
gestützt auf seine
ausführliche Anamnese- und Befunderhebung - wo
bei er auch
gemäss
der Beschwerdeführerin alle wesentl
ichen Befunde erhob (
Urk.
1 S.
13 f.) -
und unter Bezugnahme auf die jeweiligen Diagnosekriterien des
ICD-10
einzeln
auseinander und kam zum Schluss, dass
d
i
e erforderlichen
D
iagnosekriterien
nicht
erfüllt seien
(
Urk.
9/35/2
1
ff.)
.
Insbesondere konnte
Prof.
Y._
bereits das Eingangskriterium eines Ereignisses von katastrophenartigem Ausmass
für die von
Dr.
F._
nur als Verdachtsdiagnose gestellte PTBS nicht eruieren
(
Urk.
9/35/23
), weshalb sich weitere Ausführungen dazu erübrigten. Was die Diagnose der rezidivierenden depressiven Störung betrifft, verneinte
Prof
.
Y._
diese nicht nur aufgrund des allenfalls fehlenden wellenförmigen Verlaufs, sondern
es
lag anlässlich der Untersuchung kein charakteristisches depressives Symptommuster vor, das die Schwelle einer depressiven Episode überschritten hätte. Die Möglichkeit, dass sich die Beschwerdeführerin derzeit i
n
einem
symptomfreien oder -armen Intervall befinde, verneinte
Prof.
Y._
überzeugend
mit dem
Hinweis auf die Klage der Beschwerdeführerin, dass sie sich zurzeit in einer Krise befinde. Die feststellbaren Symptome von Niedergeschlagenheit, Schuldgefühlen, einer Störung der Vitalgefühle sowie d
i
e leichte Antriebs
hemmung und
die
ängstliche Symptomatik stellte
Prof.
Y._
sodann zwar in einen Zusammenhang mit der belastenden psychosozialen Situation der Beschwerdeführerin
- wobei er entgegen der Beschwerdeführerin nicht nur die finanzielle Situation erwähnte, sondern auch die Umstände als allein erziehende Mutter
und ebenso
die
Schwierigkeiten in Partnerschaften und den Druck durch Behörden -
schloss indessen eine psychische Störung nicht
wie von der Beschwerdeführerin behauptet
aus, sondern diagnostizierte eine Anpassungs
störung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
9/35/24
,
Urk.
9/35/33
)
. Ins
gesamt ist
somit
nicht ersichtlich,
inwiefern
Prof.
Y._
den der psychiatrischen Beurteilung inhärenten Ermessensspielraum überschritten haben sollte und nicht lege
artis
vorgegangen sein soll.
Insbesondere vermögen die von der Beschwerdeführerin beziehungsweise deren Rechtsvertreterin - mithin von medizi
ni
schen Laien - vorgenommene andere Einschätzung der Situation und Einordnung der Symptome in die von der behandelnden Fachärztin gestellten Diagnosen
(
Urk.
1 S. 21 ff.) keine
begründeten
Zweifel an der Diagnostik von
Prof.
Y._
zu wecken.
Im Übrigen bleibt zu betonen, dass es invaliden
versicherungsrechtlich grundsätzlich nicht auf die Diagnose, sondern darauf an
kommt, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit hat.
Massgebend
sind
mithin
in erster Linie der lege
artis
erhobene psycho
pathologische Befund und der Schweregrad der Symptomatik sowie die damit verbundenen Funktionseinschränkungen (Urteil des Bundesgerichts 9C_273/2018 vom 2
8.
Juni 2018 E. 4.2 mit Hinweisen), worauf im Folgenden näher einzugehen ist.
4.5
4.5.1
Die Beschwerdeführerin macht
diesbezüglich
geltend,
Prof.
Y._
habe die Aus
wirkungen der (soweit korrekt erhobenen) Befunde auf ihre Arbeitsfähigkeit so
wie ihre Fähigkeit, die Haushaltsarbeiten zu erledigen, falsch eingeschätzt. E
s
sei nicht nachvollziehbar, dass die vom Gutachter
festgestellten
Einschränkungen neben den kognitiven Einschränkungen von 20
%
überhaupt keine Aus
wirkungen auf die Leistungsfähigkeit hätten
(
Urk.
1 S. 16)
. Dazu ist zunächst zu bemerken, dass die von der neuropsychologischen Gutachterin erhobenen kognitiven Störungen gemäss
Prof.
Y._
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die Alkoholabhängigkeit zurückzuführen sind (
Urk.
9/35/35) und demnach Teil des psychischen Störungsbilds und nicht eine davon abgrenzbare und allen
falls mit den psychischen Einschränkungen zu kumulierende Störung darstellen. Weiter ist zu beachten, dass die von
Prof.
Y._
attestierte Leistungsfähigkeit von 80
%
nicht für jegliche Tätigkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt gilt, sondern nur für
dem Leiden
der Beschwerdeführerin angepasste Tätigkeiten. Eine solche adaptierte Tätigkeit sollte gemäss
Prof.
Y._
eher in einem kleineren Team mit einfacheren Arbeiten stattfinden. Mitarbeite
nde
und Vorgesetzte sollten grosses Verständnis für die Persönlichkeitsauffälligkeiten der Beschwerdeführerin auf
bringen, eine Führungstätigkeit erscheine aufgrund der gegebenen Sachlage
als
ausgeschlossen (
Urk.
9/35/35). Indem somit
der Beschwerdeführerin
nur Tätig
keiten zumutbar sind, bei denen zwischenmenschliche Interaktionen nur in reduziertem und reguliertem Ausmass vorkommen, trägt dieses Tätigkeitsprofil den von
Prof.
Y._
erhobenen und auch von der Beschwerdeführerin in der Beschwerde vorgetragenen Hauptbefunden von deutlichen Störungen der Inter
aktionen und einer deutlichen Affektlabilität Rechnung
;
die kognitiven Störungen werden darüber hinaus durch die Beschränkung auf einfachere Tätig
keiten berücksichtigt. Es ist daher nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin in einer derartigen Tätigkeit trotz der diagnostizierten
psychischen Störungen in einem hohen Pensum
arbeitstäti
g sein könnte. Dagegen ist die
von der behandelnden Psychiaterin
Dr.
F._
attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit mit Möglichkeit von kleineren Tätigkeiten in stabilen Phasen wenig überzeugend, schildert doch auch sie hauptsächlich Herausforderungen im zwischenmensch
lichen Bereich sowie eine sich durch Impulsdurchbrüche äussernde Über
forderung (
Urk.
9/15/5). Inwiefern diese Einschränkungen in einer
der
beschrieben
en,
angepassten Tätigkeit zu einer massgeblichen Reduktion der Leistungsfähigkeit führen sollten
,
ist nicht ersichtlich.
4.5.2
Betreffend die Einschränkungen der Beschwerdeführerin in der Haushaltstätigkeit trifft es sodann zu, dass
Prof.
Y._
entgegen dem Auftrag der Beschwerde
gegnerin nicht
erhoben
hat,
bezüglich welcher Haushalttätigkeit konkret
Ein
schränkungen bestehen. Vielmehr hielt
d
er
Gutachter
dazu fest, die Beschwerde
führerin bewältige die Haushaltsaufgaben vollständig ohne nennenswerte externe Hilfe
,
wobei sie
auch
ihre kleinere Tochter ohne grössere offensichtliche Mängel versorge
(
Urk.
9/35/37). Der von der Beschwerdeführerin aus der fehlenden Befragung zu den einzelnen Haushaltstätigkeiten gezogene Schluss, dass
Prof.
Y._
deswegen keine Einschätzung der Einschränkung im Haushalt abgeben könne (
Urk.
1 S. 20)
,
lässt sich
indessen
so nicht ziehen
. So ist entgegen der Beschwerdeführerin dem Gutachten
betreffend
Haushalt
tätigkeit
nicht bloss
die
Aussage
der Beschwerdeführerin
zu entnehmen, sie koche für die Tochter und schlafe tagsüber so viel wie möglich, sondern
die Beschwerdeführerin
beschrieb im Rahmen ihres Tagesablaufs zudem, dass sie nachmittags Haushalt
arbeiten
ver
richte
, einkaufen gehe und Termine wahrnehme. Zudem betreibt sie mit der Ver
sorgung der diversen Haustiere inklusive eigener Futterzucht einen doch beträchtlichen Aufwand, was eine erhebliche Einschränkung der Fähigkeit, den Haushalt zu erledigen nicht
plausibel
erscheinen lässt. Eine gewisse Erschwerung der Haushaltstätigkeit erachtete sodann auch
Prof
.
Y._
für nachvollziehbar, attestierte er der Beschwerdeführerin doch eine Einschränkung der Leistungs
fähigkeit von allenfalls 20
%
bei einer 100%igen Anwesenheit (
Urk.
9/35/35).
Deutliche
Einschränkungen bei der Erledigung der Haushaltstätigkeiten ergeben sich weder aus der Darstellung der Beschwerdeführerin in der Beschwerdeschrift noch aus den von ihr zitierten Berichten der behandelnden Psychiaterin. So schilderte
Dr.
F._
zwar
eine gewisse Unzufriedenheit der Beschwerdeführerin mit ihrer Leistung im Haushalt, ihre Mühe, etwas anzupacken bis zur Verzweiflung, es nicht hinzukriegen
,
sowie eine ständige Überforderung
, hielt jedoch fest, sie könne den Haushalt und die Kinderbetreuung meistern, wenn auch mit einem grossen Kraftaufwand
. Bezüglich der Kindererziehung erha
lte sie Unterstützung durch das Kinder- und Jugendzentrum
(
Urk.
9/4/1,
Urk.
9/15/6)
. Besondere Einschränkungen bei einzelnen Tätigkeiten oder gar eine Unfähigkeit, diese zu erledigen, macht
die Beschwerdeführerin
nicht geltend
und solche wurden auch von
Dr.
F._
konkret nicht beschrieben
. Ebenso
wenig ist dargelegt, dass die Haushaltstätigkeiten in erheblichem Ausmass von einer Drittperson, wie zum Beispiel der Tochter der Beschwerdeführerin erledigt würden. Darüber hinaus ist zu beachten, dass die Tätigkeit im Haushalt
auch
den vom Gutachter formulierten Kriterien für eine angepasste Arbeitstätigkeit, die der Beschwerdeführerin in einem Umfang von 80
%
zumutbar ist, entspricht. So sind im Haushalt zwischen
menschliche Interaktionen, die der Beschwerdeführerin hauptsächlich Schwierig
keiten bereiten
,
nicht oder nur in einem ge
ringen Ausmass erforderlich
und
ihre
schwankende Affektlage
erscheint in diesem Bereich
von geringer Bedeutung. Ferner
machte die Beschwerdeführerin nicht geltend
, dass ihre
Haushaltstätigkeit
derart anspruchsvolle
Aufgaben
beinhalte
t
,
welche
ihre
letztlich
nur leicht beeinträchtigten
kognitiv
en Fähigkeiten übersteigen würden
. D
ie Tätigkeit im
Haushalt erfüllt
somit auch in dieser Hinsicht die Anforderungen an eine angepasste Tätigkeit. Dass die Beschwerdeführerin im Haushalt entsprechend der Einschätzung
der
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ebenfalls um etwa 20
%
eingeschränkt ist, erscheint daher plausibel. Welche zusätzlichen Erkenntnisse die Befragung der Beschwerdeführerin zu den einzelnen Haus
haltstätigkeiten hätte ergeben können, ist somit insgesamt nicht ersichtlich
;
von weiteren Beweismassnahmen
wie einer erneuten Begutachtung oder allenfalls einer Abklärung bei der Beschwerdeführerin zu Hause
ist daher abzusehen
(antizipierte Beweiswürdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3, 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d).
4.6
4.6.1
Prof.
Y._
hielt fest, di
e Funktions
störungen der Beschwerdeführerin seien auf die dysfunktionalen Persönlichkeitsanteile einerseits zurückzuführen, anderer
seits aber auch in grossem Ausmass auf die psychosozialen Schwierigkeiten und das esoterische Lebenskonzept der Beschwerdeführerin.
Die geklagten Symptome und die Fu
nktionseinbussen seien ferner deutlich
aggraviert
.
In der Abwägung zwischen medizinisch beg
ründeten und
nicht
medizinisch
begründeten Funktionsstörungen spielten
die psychosozialen Schwierigkeiten der Beschwerdeführerin eine wesentlich vorrangige Rolle. Das esoterische Lebens
konzept und die Ablehnung schulmedizinischer Behandlungsmethoden einerseits sowie die realen psychosozialen Schwierigkeiten und die dysfunktionalen Persönlichkeitsanteile
andererseits
wirkten sich insgesamt ungünstig auf die Belastbarkeit aus (
Urk.
9/35/
33 f.
).
Diese Beurteilung ist zu prüfen.
4.6.2
Aus der im Gutachten wiedergegebenen Biographie der Beschwerdeführerin ergibt sich, dass ihr Leben seit Jahren von erheblichen Belastungen psycho
sozialer Art geprägt ist (
Urk.
9/35/
10 ff.
).
Prof.
Y._
erwähnte, es handle sich in erster Linie um Schwierigkeiten als alleinerziehende Mutter, Probleme in der Partnerschaft und
um
S
chwierigkeiten im Umgang mit
Behörden. Im Zusammen
hang damit
erachtete
Prof.
Y._
die Eingangskriterien für eine Anpassungs
störung
als
erfüllt
.
Als
Symptome
erwähnte er
Nied
ergeschlagenheit, Schuld
gefühle
, Störung der Vitalgefühle
sowie
eine
leichte Antriebshe
mmung und
eine leicht
ängstlich-depressive
Symptomatik (
Urk.
9/35/24 f.).
Demgegenüber steht die von der Beschwerdeführerin ge
klagte erheblich eingeschränkte
Belastbarkeit (Urk. 9/35/10 f.). In diesem
geklagten
Ausmass
allerdings
vermag die vom
Gut
achter nachvollziehbar als leicht eingestufte Symptomatik
das Störungsbild nicht
hinreichend zu erklären.
4.6.3
Zu den Untersuchungsterminen erschien die Beschwerdeführerin teilweise alkoholisiert (
Urk.
9/35/
10 f.,
Urk.
9/35/60), wobei die
Exploration bei Prof.
Y._
ohne Verzug
durchgeführt werden konnte.
Die Untersuchung
bei
Dr.
Z._
musste
zunächst
abgebrochen werden,
jedoch
war dies nicht in erster Linie Folge der Alkoholisierung. Vielmehr erschien die Beschwerdeführerin insgesamt nicht stabil genug, war nervös und wenig kooperationsbereit, weswegen die Unter
suchung in gegenseitigem Einvernehmen verschoben wurde. Zum Folgetermin erschien die Beschwerdeführerin
jedoch
in deutlich gebessertem Zustand (
Urk.
9/35/60).
2019
hatte sie sich
einer stationären Alkoholentzugstherapie und einer nach
geordneten psychosomatischen Behandlung zur Etablierung
einer
Abstinenz
unterzogen
(
Urk.
9/35/6 f.).
Diese
konnte die Beschwerdeführerin in der Folge
aber
nicht umsetzen. Anlässlich der Begutachtung zeigte sich, dass die Beschwerdeführerin weiterhin Alkohol konsumiert.
Die Laborwerte ergaben in
dessen keinen Hinweis auf einen erheblichen Konsum
, weswegen von einem einigermassen kontrollierten
Trinkverhalten
ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen wurde
(
Urk.
9/35/
25,
Urk.
9/35/39,
Urk.
9/35/45
).
Eine Beeinträchtigung in geringem Umfang ist gemäss Gutachten aber g
leichwohl
gegeben.
Aufgrund der Alkoholabhängigkeit und den damit im Zusammenhang stehenden leichten kognitiven Einschränkungen, die anlässlich der neuro
psychologischen Untersuchung festgestellt wurden (
Urk.
9/35/60 f.)
,
erachteten
die Gutachter
eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
respektive des
Leistungs
vermögen
s
im Aufgabenbereich im Umfang von 20
%
als
ausgewiesen
(
Urk.
9/35/35).
4.6.4
Die gutachterlich diagnostizierte
Persönlichkeitsstörung
führt zu Auffälligkeiten auf der Verhaltensebene (
Urk.
9/35/26 ff.). Diesen wird im Gutachten dadurch Rechnung getragen, dass eine berufliche Tätigkeit der Beschwerdeführerin in einem kleinen Team erfolgen und
nur
einfachere Arbeiten bei
nhalten sollte. Mitarbeite
nde
und Vorgesetzte sollten
des Weiteren
grosses Verständnis für die Verhaltensauffälligkeiten aufbringen
. Eine Führungsaufgabe fällt nicht in Betracht. In einer solchen Arbeitsumgebung ist der Beschwerdeführerin
laut Gut
achten
eine volle Präsenz zumutbar (
Urk.
9/35/35). Dies ist nachvollziehbar, da weder funktionelle noch kognitive Einschränkungen bestehen, abgesehen von denjenigen leichter Art, die
Dr.
Z._
ermittelte (
Urk.
9/35/60 f.) und denen mit
der Zuweisung von nur wenig anspruchsvollen Aufgaben und darüber hinaus mit
einer Leistungseinschränkung von
generell
20
%
Rechnu
ng getragen wurde (Urk. 9/35/35
f.).
4.6.5
Zusammenfassend lässt sich festhalten,
dass
a
ufgrund der depressiven Symptome einerseits und anderseits auch aufgrund der auf neuropsychologischer Ebene fest
gestellten leichten kognitiven Störungen, die die Gutachter als Folge der Alkoholabhängigkeit interpretierten,
diese
der Beschwerdeführerin eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit im Ausmass von
gesamthaft
20
%
attestierten
. Den mit der Persönlichkeitsstörung einher
gehenden Verhaltensauffälligkeiten
sodann
wird mit dem im Gutachten skizzierten Anforderungsprofil hinsichtlich einer angepassten Tätigkeit Rechnung getragen
(
Urk.
9/35/
35)
.
Die attestierte Einschränkung ist
vor dem Hintergrund der erhobenen diagnoserelevanten Befunde (
Urk.
9/35/20 ff.) und der auffälligen Abweichungen zwischen privaten und beruflichen Aktivitäten (
Urk.
9/35/33) nachvollziehbar.
Hinzu kommt eine mit dem ausgewiesenen Störungsbild nicht erklärbare
Dysfunktionalität
im Zusammenhang mit der Leidensbehandlung, die auf allen Ebenen nicht leitliniengerecht erfolgt (
Urk.
9/35/33
,
Urk.
9/35/36
).
Da aus medizinischer Sicht
keine erheblichen
funktionell
en
Beeinträchtigungen
fest
zustellen waren
, indessen ins
Gewicht fallende
psychosoziale Belastungsfaktoren
und ebenso Anzeichen für ein
aggravierendes
Verhalten,
ist die gutachterliche Schlussfolgerung
plausibel
, dass
in erster Linie diese Faktoren limitierend sind
und aus medizinischer Sicht nur von einer
geringfügigen Beeinträchtigung für Verweistätigkeiten
oder im Aufgabenbereich
auszugehen
ist.
Unter Ausklammerung der invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände und unter Berücksichtigung der
aggravatorischen
Verhaltensanteile
ist
mit Blick auf die in vorstehender E. 1.3 dargestellten Grundsätze die gutachterlich attestierte Leistungseinschränkung von 20
%
nicht zu beanstanden
, wobei von einem über die Jahre gleichbleibenden Ausmass der Beeinträchtigung auszugehen ist (
Urk.
9/35/36).
4.
7
Insgesamt erfüllt das psychiatrische Gutachten von
Prof.
Y._
die vom Bundes
gericht gestellten Anforderungen an ein beweiswertes ä
rztliches Gutachten (vgl.
vorstehende
E. 1.4) und die Einwendungen der Beschwerdeführerin vermögen daran keine
ins Gewicht fallenden
Zweifel zu erwecken. Es kann daher darauf
abgestellt werden.
Es ist somit
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt
, dass die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin
aus psychiatrischer Sicht
so
wohl in einer angepassten Tätigkeit als auch in der Haushaltstätigkeit um höchstens 20
%
eingeschränkt ist.
4.
8
In somatischer Hinsicht hat die Beschwerdegegnerin keine Abklärungen durch
geführt, die Beschwerdeführerin
qualifiziert
dies angesichts der von
Prof.
Y._
für glaubhaft erachteten Schmerzen
, die er
auf die Rheumaerkrankung zurück
geführt habe
,
sowie aufgrund der weiteren, im Gutachten geschilderten körper
lichen Symptome
als
eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes
(
Urk.
1 S. 26 f.)
.
Diesbezüglich ist zunächst hervorzuheben
, dass nicht jegliche (subjektiven) Beschwerden relevant im Sinne der Invalidenversicherung sind. So führt selbst das Vorliegen einer ärztlich gestellten Diagnose nicht zwingend zu einer Aus
wirkung auf die Erwerbsfähigkeit. Aus diesem Grund müssen auch nicht zwingend alle vorhandenen Beschwerden gutachterlich abgeklärt werden, sondern nur jene, welche einen relevanten dauernden Einfluss auf die Arbeits- beziehungsweise Erwerbsfähigkeit haben oder haben könnten.
Die Beschwerde
führerin klagte zwar anlässlich der Begutachtung über rheumatische Schmerzen
in verschiedene
n Körperregionen (
Urk.
9/35/23)
;
erwähnt werden
rezidivierende Schmerzen des Beckens sowie des Rückens
im Rahmen einer Schmerzstörung
so
dann
auch im Bericht des Spitals
C._
vom
6.
März 2019
(
Urk.
9/19/1)
.
Die Beschwerdeführerin
befindet sich jedoch diesbezüglich
weder
in ärztlicher Behandlung
noch sind ärztlich gestellte Dia
gnosen oder Beurteilungen einer aus somatischen Gründen eingetretenen
Leis
t
ungseinschränkung aktenkundig. Die Beschwerdeführerin
macht
denn
auch keine konkreten Auswirkungen
der geschilderten Schmerzen
auf die Arbeitsfähigkeit beziehungsweise
auf
die Fähig
keit
,
die
Haushaltsarbeiten zu erledigen
,
geltend
, sondern hält lediglich fest, dass diese sicherlich Einfluss auf die Leistungsfähigkeit hätten (
Urk.
1 S. 27)
. Von den weiteren geltend gemachten körperlichen Symptomen
wie
Atemnot, Tachykardie, Gliederschmer
zen und Lähmungen berichtete die Beschwerdeführerin
sodann einzig im Zusammenhang mit A
ngstanfällen
und geht somit selbst davon aus, dass dieser Symptomatik eine psychische und nicht eine körperliche
Störung
zu
grunde liege (
Urk.
9/
3
5/18)
.
Schliesslich hielten die Symptome der von der Beschwerdeführerin im August 2020 durchgemachten
Urosep
s
is
nur wenige Wochen lang an
(
Urk.
3/4)
und stellen daher keine dauerhafte
und damit invalidenversicherungsrechtlich relevante
Verschlechterun
g
des somatischen Zu
stands dar.
Anhand
der vorhandenen medizinischen Akten
sowie
de
r
Vorbringen
der Beschwerdeführerin bestehen somit
keine Anhaltspunkte für somatische Ein
schränkungen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, weshalb
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass die
Beschwerdeführerin
in körperlicher Hinsicht voll leistungsfähig ist
. W
eitere Abklärungen in somatischer Hinsicht erweisen
sich damit als nicht notwendig
.
5
.
5.1
Die Beschwerdeführerin bestreitet schliesslich, dass sie auch im Gesundheitsfall zu 100
%
im Haushalt tätig
wäre
, vielmehr
wäre
diesfalls
von einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit auszugehen
, da die Kinder nicht mehr allzu viel Betreuung benötigten und nicht anzunehmen sei, dass die
Sozialhilfe
den Unterhalt einer gesunden Frau einfach so übernehme
,
ohne eine Erwerbsaufnahme zu fordern
(
Urk.
1 S.
28).
5.2
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Rentenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditätsbemessung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betätigungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig ein
zustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Ent
scheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen (vgl. Art. 27 IVV) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungs
aufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Aus
bildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungs
verfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungs
recht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2021 vom 11.
Mai
2021 E. 3.2 mit Hinweisen).
5.3
Die Beschwerdeführerin ist Mutter von zwei Kindern mit Jahrgang 2001 und 2006
(
Urk.
9/5/3)
. Somit war die ältere Tochter im Verfügungszeitpunkt bereits voll
jähr
ig und die jüngere Tochter
14-jähr
ig. Die Töchter benötigten
bereits seit einigen Jahren keine
engmaschige
Betreuung mehr. Dennoch war die Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2008
nicht mehr
erwerbstätig
(vgl.
Urk.
9/9)
. Gemäss eigenen Angaben
arbeitete
sie zwar zwischenzeitlich selbständig
als Heilerin (Schamanismus, Reiki usw.;
Urk.
9/35/31)
, d
ass sie damit je ein erheb
liches Einkommen erzielt hätte
, ist jedoch nicht
belegt
(vgl.
Urk.
9/9)
und
dies
macht sie auch nicht geltend
.
Darüber hinaus sind trotz jahrelanger Abhängigkeit von der Sozialhilfe
auch
keinerlei
Bemühungen, eine unselbständige Tätigkeit zu finden
dokumentiert, obwohl insbesondere die
Betreuungspflichten
gegenüber den Kindern
nicht dagegengesprochen hätte.
Dass die fehlende Aufnahme einer Erwerbstätigkeit während der gesamten Zeit gesundheitliche Gründe
hatte
, macht die Beschwerdeführerin
sodann
ebenfalls
nicht geltend
und
eine gesundheitlich bedingte Arbeitsunfähigkeit ist in den Akten denn auch frühestens ab dem Jahr 2017 dokumentiert
(
Urk.
9/15/2)
.
Das Argument
der Beschwerdeführerin
, dass sie aufgrund des Druckes der Sozialbehörde im Gesundheitsfall eine Arbeitstätigkeit aufnehmen würde, ist
angesichts der geschilderten Umstände
nicht stichhaltig.
Ausführungen dazu, welche Tätigkeit sie allenfalls a
usüben würde oder inwiefern die geplante Wiederaufnahme ihrer
selbständige
n
Tätigkeit zu einem relevanten Einkommen führen könnte, machte die Beschwerdeführerin keine.
Diese Um
stände lassen die
Ausübung
einer 100%igen Tätigkeit
ohne den Eintritt des Gesundheitsschadens
nicht
als
überwiegend wahrscheinlich
erscheinen.
Dag
egen spricht auch
die
weiter zurückliegende Erwerbsbiographie der Beschwerde
führerin. So gab sie selbst an, jeweils nur Gelegenheitsjobs
mit einem Beschäftigungsgrad von rund 60
%
ausgeübt zu haben
(
Urk.
9/5/6)
,
was
auch durch den IK-Auszug bestätigt
wird
, wonach sie
in ihrem gesamten Erwerbsleben einzig in einig
en wenigen Jahren ein
Einkommen
erzielte,
mit dem sie ihren Lebensunterhalt
effektiv hat
decken können
(
Urk.
9/9)
.
Insgesamt ist somit
nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall eine
Volle
rwerbstätigkeit aufgenommen hätte
. Naheliegender ist die Betätigung im Aufgabenbereich
, allenfalls
ergänzt durch
eine
gelegentlich
e
Erwerbsarbeit
.
Es ist somit nicht zu beanstanden, dass d
ie Beschwerdegegnerin von der Durchführung eines Einkommensvergleichs abgesehen
hat
.
Der Invaliditätsgrad beträgt gestützt auf die von
Prof.
Y._
und
Dr.
Z._
über
zeugend hergeleitete Einschränkung für die Haushaltstätigkeit demnach höchstens 20
%
.
Somit
besteht kein rentenbegründender Invaliditätsgrad. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
6
.
6
.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61
lit
. a ATSG in der hier anwendbaren, bis am 3
1.
Dezember 2020 in Kraft gewesenen Fassung (
Art.
83 ATSG) kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- zu bemessen und vorliegend auf
Fr.
8
00.-- festzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen, in
folge der ihr gewährten unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
12) jedoch einst
weilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6
.2
Mit Verfügung vom 1
5.
Februar 2021 (
Urk.
12) wurde der Beschwerdeführerin Rechtsanwältin Susanne
Friedauer
als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt. Da diese von der Möglichkeit, eine Honorarnote einzureichen (vgl.
Urk.
12 Dispositiv-Ziffer 3), keinen Gebrauch gemacht hat, ist die Entschädigung ermessensweise ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache und der Schwierigkeit des Prozesses festzulegen (
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Unter Berücksichtigung der genannten Kriterien ist die Entschädigung auf
Fr.
2’
6
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen
und aus der Gerichtskasse zu bezahlen
.
6
.3
Die Beschwerdeführerin ist abschliessend auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Entschädigung ver
pflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.