Decision ID: 28eaa2a5-61f2-4f47-a7e1-cb72baeed01b
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1970
, Mutter von zwei Kindern (Jahrgang 1989 und 1999
),
reiste am
8.
Oktober 2009 in die Schweiz ein (
Urk.
5/1
Ziff.
1.6) und meldete sich unter Hinweis auf einen am 1
5.
September 2000 erlittenen Ver
kehr
sunfall mit Schädel-Hirn-Trauma
, Hüftfraktur,
Tibiakopf
f
raktur
und eine
r
Peroneusparese
links
am 1
0.
November 2013 bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug an (
Urk.
5/1
Ziff.
6.2-3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab
und verneinte n
ach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(
Urk.
5/10;
Urk.
5/11
)
mit Verfügung vom
1.
Oktober 2014
einen Rentenanspruch (
Urk.
5/21
=
Urk.
2)
.
2.
Die Versicherte erhob am 1
1.
Oktober 2014
Beschwerde gegen die Verfügung vom
1.
Oktober 2014
(
Urk.
2) und beantragte
sinngemäss
, diese sei aufzuheben
,
und es sei
en
ihr Leistungen
der Invalidenversicherung
zuzusprechen
(
Urk.
1
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
9.
November 2014
(
Urk.
4
) die Abweisung der Beschwerde.
Dies wurde der Beschwerdeführerin am
9.
De
zember 2014 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
6
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetz über die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Nach
Art.
6
Abs.
2
IVG
sind ausländische Staatsangehörige
, vorbehältlich Arti
kel 9
Abs.
3
IVG
,
nur anspruchsberechtigt, solange sie ihren Wohnsitz und
gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz haben und sofern sie bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbrochen während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben.
1.3
Nach
Art.
4
Abs.
2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruches auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat. Dieser Zeitpunkt ist objektiv aufgrund des Gesundheits
zustandes festzustellen; zufällige externe Faktoren sind unerheblich (AHI 2003 S. 209 E. 2a). Er beurteilt sich auch nicht nach dem Zeitpunkt, in dem eine Anmeldung eingereicht oder von dem an eine Leistung gefordert wird und stimmt nicht notwendigerweise mit dem Zeitpunkt überein, in welchem die versicherte Person erstmals Kenntnis davon bekommt, dass der
Gesundheits
schaden
Anspruch auf Versicherungsleistungen geben kann (BGE 126 V 5 E. 2b mit Hinweisen; AHI 2002 S. 147 E. 3a). Aus
Art.
4
Abs.
2 IVG ergibt sich, dass der Eintritt der Invalidität für die einzelnen Leistungen der Invalidenversiche
rung autonom zu bestimmen ist (sog. leistungsspezifische Invalidität). Dabei sind die rechtlichen Vorgaben zu berücksichtigen, die sich aus
Art.
4
Abs.
1 IVG (in Verbindung mit
Art.
8 ATSG) ergeben. Folglich begründet der
Gesundheits
schaden
für jede Leistungsart innerhalb der Eingliederungsmassnahmen je einen eigenen Versicherungsfall (BGE 112 V 275; vgl. auch BGE 126 V 241 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts I 159/05 vom 1
6.
März 2006 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit, da
die Schweiz mit
Y._
kein Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen habe und
die Beschwerdeführerin am
8.
Oktober 2009 bereits mit dem vorliegenden Gesundheitsschaden
aus
Y._
in die Schweiz eingereist sei und seither keine neuen Diagnosen vorlägen, seien die versicherungsm
ässigen Voraus
setzungen nicht erfüllt (S. 1). Eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe bereits seit
dem Jahr 200
0.
Zudem erhalte die Beschwerdeführerin
bereits eine Invali
denrente der
E._
Föderation (S. 2).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend, bei der Einreise in die Schweiz sei es ihr noch psychisch gut gegangen. Eine Reihe von Ereignisse
n
habe dann ihre psychische Stabilität erschüttert, so der Tod ihres
E._
Mannes im Dezember 2009
, die sexuelle Belästigun
g ihrer minderjährigen Tochter
, die Belästigung via Internet durch einen Angestellten der Asylbetreuungsorganisation und ein Verfahren der Staatsanwaltschaft wegen angeblicher telefoni
scher Beleidigung eines Mannes
. Zudem sei es zu
ausländerfeindlichen Intrigen gegen ihre Tochter gekommen
,
und sie - die Beschwerdeführerin - sei im Jahr 2011 knapp 24 Stunden im
Psychiatriezent
rum
Z._
hospitalisiert gewesen
,
und werde sich in Behandlung eines russischsprachigen Psychiaters begeben. Des Weiteren beantrage sie Hilfe zur beruflichen Wiedereingliederung.
3.
3.1
P
rof.
Dr.
med.
A._
, Chefarzt Stellvertreter, Uniklinik
B._
, nannte in seinem Bericht vom 2
1.
Mai 2012 (
Urk.
5/16/6) als Diagnose eine Tendinitis der Hüftabduktoren links bei einem Status nach Hüft-Totalprothese links 2001 im Rahmen eines Polytraumas mit
Acetabulumfraktur
und einer
Peroneusparese
links. Die Patientin sei neulich auf die linke Hüfte gestürzt und wolle sicher sein, dass nichts kaputt gegangen sei. Prof.
A._
führte aus, im Moment seien bis auf eine Physiotherapie zur Instruktion eines Heimprogrammes zur Kräfti
gung der Hüftabduktoren aufgrund der Tendinitis keine Massnahmen erforder
lich. Sicher sei es sinnvoll, von Zeit zu Zeit eine Röntgenkontrolle dieser Hüfte durchzuführen. Eine Kontrolle sei in zwei bis drei Jahren zu empfehlen.
3.2
Dr.
med.
C._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie und für Neu
rologie, stellte in seinem Bericht vom 2
8.
Mai 2014 (
Urk.
5/15) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
leicht- bis mittelgradig depressive Störung
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung
Status nach Polytrauma am 1
5.
September 2000 mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma mit Hüft
-
und mehreren Halswirbelkörper-Frakturen
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
C._
einen Spannungskopfschmerz und eine Migräne. Die Beschwerdeführerin sei
vom
1
8.
Juni
bis 2
6.
August 2013 bei ihm in Behandlung gewesen
(
Ziff.
1.2
und
Ziff.
1.5
).
Während der Behandlungszeit sei die Patientin nicht beruflich tätig gewesen. Der Zustand sei schwankend gewesen. Eine Arbeit wäre ihr während dieser Zeit nicht zuzumuten gewesen (
Ziff.
1.6).
Die Patientin sei nach dem Polytrauma lange Zeit in stationärer Behandlung in
Y._
gewesen (
Ziff.
1.3).
Dr.
C._
führte aus, die Kürze der Behandlung lasse keine sichere Beurteilung zu
(
Ziff.
1.4)
. Die psychiatrische Behandlung sollte bei einem russisch sprechenden Psychiater erfolgen (
Ziff.
1.5).
3.3
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Neurologie, stellte in seinem Bericht vom 1
4.
Juli 2014 (
Urk.
5/19) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit (
Ziff.
1.1):
Status nach schwerem
Polytrauma am 1
5.
September 2000
mit
Schädelhirntrauma
Verdacht auf neuropsychologische Funktionsstörungen (bisher nicht getestet)
Hüftfraktur mit Status nach Hüft-Totalprothese
Unterschenkelverletzung mit Fussheber- und
Senkerparese
wahrscheinlich posttraumatische Belastungsstörung
chronifizierte
Kopfschmerzen
Dr.
D._
führte aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem
9.
Januar 2013 bei ihm in Behandlung und die letzte Kontrolle habe am 1
0.
April 2014 stattgefun
den (
Ziff.
1.2).
A
m 1
5.
September 2000 sei es zu einem Polytrauma unter ande
rem mit
Contusio
cerebri mit längerdauernder Bewusstlosigkeit und
langdau
ernder
Amnesie und multiplen anderen Verletzungen und im Verlauf zur psy
chischen Entgleisung mit depressiven Anteilen und chr
onischen Kopfschmerzen gekommen. Es bestehe ein
chronifizierter
Zustand (
Ziff.
1.4). Seit dem Jahr 2000 beziehungsweise seit dem
9.
Januar 2013 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit aufgrund der eingeschränkten Motorik, der Schmerzen, der psychischen Einschränkungen und wahrscheinlichen neurologischen Funktionsstörungen (
Ziff.
1.6-7). Die schwere psychische Störung mit Depression und Beeinträchti
gung sei seines Wissens bislang noch nicht psychiatrisch untersucht worden (
Ziff.
1.11).
4.
4.1
Da, wie die Beschwerdegegnerin zutreffend ausführte
(vgl. vorstehend E. 2.1)
, zwischen
Y._
, dessen Staatsangehörigkeit die
Beschwerdeführer
in
besitzt, und der Schweiz kein Sozialversicherungsabkommen besteht, richten sich die
versicherungsmässigen
Voraussetzungen
nach
Art.
6
Abs.
2
IVG, was bedeutet,
dass
die
Beschwerdeführer
in
bei Eintritt des Versicherungsfalles
während eines vollen Jahres Beiträge entrichtet oder sich während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben
müsste
.
4.2
Die Beschwerdeführerin reiste
gemäss
eigenen
Angaben am
8.
Oktober 2009 in die Schweiz ein (vgl.
Urk.
5/1
Ziff.
1.6).
Im Rahmen der am 1
0.
November 2013 unterzeichneten Anmeldung zum Leistungsbezug
bei der Invalidenversicherung
gab
sie
an, ihre Beeinträchtigungen bestünden seit
einem
schweren Verkehr
s
unfall
a
m 1
5.
September 2000
(vgl.
Urk.
5/1
Ziff.
6.2-3). Auch führte sie aus, von der
E._
Föderation eine Invalidenrente zu erhalten (
vgl.
Urk.
5/1
Ziff.
4.3).
Anlässlich des
am
5.
Dezember 2013
erfolgten
Standortgespräches
bestätigte die Beschwerdeführerin diese Angaben
und eine seit dem Unfall bestehende
Arbeitsunfähigkeit (vgl.
Urk.
5/6
Ziff.
5).
Seit der Einreise in die Schweiz
im Oktober 2009
ging die Beschwerdeführerin keiner
Erwerbstätigkeit nach
(vgl.
Urk.
5/6
Ziff.
2,
Auszug aus dem individuel
len Konto; IK-Auszug,
Urk.
5/7).
Prof.
A._
(vorstehend E. 3.1) stellte die im Mai 2012 diagnostizierte
Tendinitis der Hüftabduktoren links
in Zusammenhang mit der infolge des Traumas im Jahr 2001 notwendig gewordenen
Hüft-Totalprothese
bei
Acetabulumfraktur
und
Peroneusparese
links.
Deutlich äusserte sich auch
der Neurologe
Dr.
D._
im
Juli 2014 (vorstehend E. 3.
3
)
. So führte er
sämtliche körperlichen und psy
chischen Beeinträchtigung auf das Unfallereignis
Mitte September 2000 zurück
.
Der Psychiater
Dr.
C._
konnte sich
in seinem Bericht vom Mai 2014
(vorste
hend E. 3.2) aufgrund der Kürze der Behandlung nicht
abschliessend
äussern
.
Damit lässt auch die medizinische Aktenlage keine Anhaltspunkte
erkennen, wonach
die Invalidität nicht bereits vor Einreise in die Schweiz im
Oktober 2009 eingetreten
wäre.
4.
3
Aufgrund des Gesagten ist
der Sachverhalt dahingehend erstellt
,
dass die
Invalidi
tät der Beschwerdeführerin
bereits seit dem im Jahre 2000
erlittenen Unfall
besteht
. Damit
verneinte die Beschwerdegegnerin zu
R
echt die
versiche
rungsmässigen
Voraussetzungen
und es
besteht kein Anspruch auf Versiche
rungsleistungen, namentlich nicht auf eine Invalidenrente.
D
er Entscheid der Beschwerdegegnerin
ist somit
nicht zu beanstanden und die Beschwerde ist
abzuweisen
.
5
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
4
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
unterliegenden Beschwerdeführer
in aufzuerlegen.