Decision ID: 7b50b1b3-b648-46e7-8550-da09429896f9
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967, Mutter zweier Kinder (Jahrgänge 1993 und 1995)
,
war von April 2013 bis
Januar 2015 bei der Y._ GmbH in Z._
als Buch
binderin
im
Teillohn
angestellt (Urk.
7/8;
Urk.
7/106/1
1
Ziff.
3.2.6;
Urk.
7/122). Unter Hinweis auf diverse somatische Beschwerden sowie eine reaktive Depres
sion meldete sie sich
nach erfolgter Meldung zur Früherfassung vom 15.
Oktober 2015 (Urk.
7/8)
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/11), wobei das Anmeldeformular am 23.
Oktober 2015
bei der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
einging (Eingangsstempel Urk.
7/11 sowie Aktenverzeichnis zu Urk.
7).
Die
se
klärte die medizinisc
he und erwerbliche Situ
ation ab
und verneinte nach durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
(Urk.
7/33 =
Urk.
7/41, Urk.
7/43, Urk.
7/46/2-3, Urk.
7/59) mit Verfügung vom 11.
Januar 2017 einen Leistungsanspruch (Urk.
7/67).
1.2
Die hiergegen erhobene Beschwerde (Urk.
7/75/3-12) wurde vom hiesigen Gericht mit Urte
il vom 20.
Juni 2017 (Urk.
7/84;
Verfahren Nr.
IV.2017.00201) in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 11.
Januar 2017 auf
gehoben und die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde, damit diese nach erneuter Abklärung neu verfüge.
1.3
Die IV-Stelle klärte die medizinische und erwerbliche Situation in der Folge weiter ab, holte unter anderem bei der
A._
ein interdisziplinäres Gutachten ein, das am 29.
Mai 2018 erstattet wurde (Urk.
7/106), und führte im August 2020 eine Haushaltsabklärung durch (Urk.
7/134).
Am 22.
September 2020 auferlegte die IV-Stelle der Versicherten die Durchführung einer Behand
lung zur Erhaltung des Gesundheitszustands (Urk.
7/137)
.
M
it Verfügung vom 23.
September 2020 (Urk.
7/142) verneinte
sie
einen Anspruch auf eine Hilfslo
senentschädigung.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7/140
; Urk.
7/143; Urk.
7/145; Urk.
7/153
) sprach die IV-Stelle mit Verfügung
en
vom
4.
Juni 2021 der Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 48
%
eine
Viertels
rente
ab 1.
Juli 2016
sowie die entsprechende Kinderrente vom 1.
Juli bis 31.
August 2016
zu (Urk.
2
/1-2
= Urk.
7/
18
3 und
Urk.
7/
189
; Verfügungsteil 2 vgl.
Urk.
7/167).
2.
Die Versicherte erhob am
7.
Juli 2021
Beschwerde gegen die Verfügung
en
vom
4.
Juni 2021
(Urk.
2
/1-2
) und beantragte, diese sei
en
aufzuheben und es sei ihr
anstelle einer Viertelrente eine halbe Rente mit entsprechender Kinderrente
zuzusprechen (Urk.
1 S.
2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
13.
September 2021
(Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
14.
Sep
tember 2021 mit dem Hinweis
zur Kenntnis gebracht
, dass über
ihre
Anträge auf unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsvertretung
(vgl.
Urk.
1 S. 2)
zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde
(Urk.
8
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art.
8 Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art.
7 Abs.
1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art.
7 Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40
% arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
% invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40
% besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50
% auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60
% auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70
% auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Rentenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invalidi
tätsbemessung (Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE
144 I 28 E.
2.2, 117 V 198 E.
3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren (vgl. Art.
27
der Verordnung über
die Invalidenversicherung, IVV
) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie all
fällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätig
keit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E.
2.3, 141 V 15 E.
3.1, 137 V 334 E.
3.2, 125 V 146 E.
2c, 117 V 194 E.
3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beur
teilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl.
BGE 144 I 28 E.
2.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2021 vom 11.
Mai 2021 E.
3.2 mit Hinweisen).
1.4
Gemäss dem in Art.
27
bis
Abs.
2–4
IVV per 1.
Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstä
tigen Versicherten nach der gemischten Methode (Art.
28a Abs.
3
IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs.
2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätig
keit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art.
27
bis
Abs.
3
lit
.
a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads, den die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art.
27
bis
Abs.
3
lit
.
b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte
Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäfti
gungsgrad nach Absatz 3
lit
.
b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs.
4 IVV).
1.5
Adipositas bewirkt grundsätzlich keine zu Rentenleistungen berechtigende Inva
lidität, wenn sie keine körperlichen oder geistigen Schäden verursacht und nicht die Folge von solchen Schäden ist. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, muss
sie unter Berücksichtigung der besonderen Gegebenheiten des Einzelfalles dennoch als invalidisierend betrachtet werden, wenn sie weder durch geeignete Behandlung noch durch zumutbare Gewichtsabnahme auf ein Mass reduziert werden kann, bei welchem das Übergewicht in Verbindung mit allfälligen Folge
schäden keine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Beeinträch
tigung der Erwerbsfähigkeit beziehungsweise der Betätigung im bisherigen Auf
gabenbereich zur Folge hat
(Urteil des Bundesgerichts 8C_66
3/2017 vom 12.
Dezember 2017 E.
3.2 mit Hinweisen).
1.6
Mit BGE
143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E.
6 und
7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE
141 V 281 E.
2, E.
3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE
141 V 281 E.
6; vgl. BGE
144 V 50 E.
4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16.
Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.7
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im
Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE
143
V
418, 143
V
409, 141
V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E.
4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E.
4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.8
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechts
anwendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchti
gungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E.
5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des
strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweis
würdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und
somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden
kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweis
themen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E.
4.3
).
1.9
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist ent
scheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE
134 V 231 E.
5.1, 125 V 351 E.
3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk.
2)
davon aus, dass der Beschwerdeführerin
, gestützt unter anderem auf das MEDAS-Gutachten vom 29.
Mai 2018,
eine einfache Hilfsarbeit zu 50
%
zumutbar sei, wobei es sich um leichte wechselbelastende, überwiegend sitzende Tätigkeiten ohne Publikumsverkehr handle. Die Beschwerdeführerin verfüge über keine Aus
bildung und sei als Hilfsarbeiterin zu qualifizieren, womit sich die Erwerbsein
busse aus einem Prozentvergleich ergebe. Gemäss Haushaltsabklärung wäre ohne gesundheitliche Einschränkung eine Erwerbstätigkeit von 80
%
angezeigt, der restliche Anteil von 20
%
werde dem Haushalt angerechnet, wo
eine Einschrän
kung von 40
%
bestehe. Bei einem Teilinvaliditätsgrad von 40
%
im Erwerbs
bereich und von 8
%
im Haushaltsbereich ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 48
%
. Entgegen der Argumentation der Beschwerdeführerin im
Einwandver
fahren
(vgl.
Urk.
7/153) sei aus näher dargelegten Gründen sowohl an dieser Qualifikation als auch an diesem Quantum an Einschränkungen im Haushalts
bereich festzuhalten.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk.
1), es gebe keine Grundlage für die Annahme, dass sie bei guter Gesundheit nur einer
Teilzeiterwerbstätigkeit nachgegangen wäre.
Vielmehr hätte sie ihren Lebens
unterhalt selbständig bestritten und Vollzeit im Niedriglohnsektor gearbeitet, da sie auf eine Vollzeiterwerbstätigkeit angewiesen gewesen wäre (S.
8 Ziff.
7; vgl.
zum Ganzen S.
4-8 Ziff.
7
).
Im Sinne einer Eventualbegründung machte die Beschwerdeführerin sodann geltend, es sei nicht nachvollziehbar, inwiefern sich die Beeinträchtigung im Haushalt nicht ebenfalls mit einer Leistungseinschrän
kung von 50
%
wie im Erwerbsbereich auswirken solle (S.
8 Ziff.
8.1). Ihre Leis
tungsfähigkeit sei aus psychischen Gründen und damit grundsätzlich um 50
%
reduziert, weshalb auch im Aufgabenbereich eine Invalidität von 50
%
vorliege
. Tatsächlich übernehme der Sohn sogar den grössten Teil der gesamten Haushalt
arbeit
(S.
9 Ziff.
8.2).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin und dabei insbesondere i
hr Status
sowie gegebenenfalls
das Ausmass von beste
henden Einschränkungen im Haushalt.
3.
3.1
Dr.
med. B._
, Facharzt für Neurologie, nannte in seinem Bericht
vom 29.
Mai 2015 (Urk.
7/31) folgende Diagnosen (S.
1 oben
):
-
Armparese rechts wahrscheinlich
zerebrovaskulärer
Genese, bei 40
% Abgangs
stenose der
Arteria
carotis
interna
links
-
residuelle
, periphere Fazialisparese rechts
D
ie Anamnese
sei
aus sprachlichen Gründen nur ungenau erhoben worden (S.
1 Mitte). Die neurologischen Ausfälle auf der rechten Seite
bestünden einerseits aus einer peripheren Fazialisparese rechts, offenbar vor zirka acht Jahren aufgetreten, und einer leichten Armschwäche rechts, aufgetreten vor vier Wochen, mit bis heute nur teilweiser Rückbildung (S.
2 unten).
3.2
Dr.
med.
C._
, Hausärztin der Beschwerdeführerin (vgl.
Urk.
7/84 E.
3.3)
,
führte in ihrem Bericht vom 1.
Dezember 2015 (Urk.
7/25) aus, dass sie die Beschwerdeführerin seit
dem 12.
Mai 2015 ambulant behandle (Ziff.
1.2), und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff.
1.1):
-
Diabetes mellitus
,
insulinpflichtig, seit 2003
-
Armparese (Lähmung) rechts
zerebrovaskulärer
Genese
-
40
% Abgangsstenose
Arteria
carotis
interna
links
-
Fazialisparese rechts
,
sehr schwer
-
Sarkoidose seit 2009
-
Oligoarthritis
-
Lymphadenopathie
-
lymphozytäre
Alveolitis
-
reaktive Depression
-
Osteomalazie, Osteoporose seit 2002
-
polyzistische
Ovarien
-
arterielle Hypertonie
-
Adipositas permagna
, Body Mass Index (BMI) 40.5 kg/m
2
-
Metforminunverträglichkeit
-
Insulinresistenz
Die Beschwerdeführerin werde aufgrund ihres Aussehens (Fazialisparese, schwerste Adipositas) abgelehnt, was zu einer reaktiven Depression geführt habe. Die Prognose sei eher verschlechternd (Ziff.
1.4). Aktuell bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit,
wobei die
Beschwerdeführerin noch nie gearbeitet
habe
(Ziff.
1.6).
3.3
M
ed.
prac
t
. D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Prävention und Gesundheitswesen,
Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD),
führte
in ihrer Stellungnahme vom 27.
Januar 2016 (Urk.
7/32/3-4)
aus
,
in Bezug auf die bisherige Tätigkeit als Hausfrau
seien
alltagsrelevante Verrichtungen leicht ein
geschränkt mög
lich, Angaben der behandelnden Ärzte zum Leistungsvermögen und zu den Einschränkungen würden jedoch fehlen.
Der Diabetes mellitus, d
ie Fazialisparese
,
die Oste
oporose,
die
Sarkoidose,
die
Oligoarthrose und
die
Adipo
sitas permagna
hätten keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
. Im Übrigen würden Beschreibungen der aus diesen Diagnosen resultierenden Funktionsein
bussen fehlen, Facharztbefunde zur Objektivierung der Gelenkbeschwerden lägen nicht vor und es handle sich um subjektive Schilderungen seitens der Beschwer
deführerin. Eine reaktive Depression gelte als überwindbar und sei somit ebenfalls nicht invaliditätsrelevant. Es verbleibe lediglich die Armparese rechts, welche durch Dr.
B._
als leicht beschrieben werde. Zusammenfassend könne daher ein dauerhafter Gesundheitsschaden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht festgestellt werden.
3.4
Dr.
B._
(vorstehend E.
3.1)
bestätigte in seinem Schreiben vom 4.
März
2016 (Urk.
7/38/2), dass aus gesundheitlichen Gründen keine Arbeitsfähigkeit vorhan
den sei. Angesichts der gesundheitlichen Einschränkungen sei auch eine leidens
angepasste Tätigkeit in nur se
hr beschränktem Umfang von 10-20
%
möglich.
3.5
Dr.
C._
(vorstehend E.
3.2) führte
in ihrem Schreiben vom 27.
Juli 2016 (Urk.
7/52)
aus
, dass auf
grund der Sprachschwierigkeiten bis jetzt keine Psycho
therapie
möglich gewe
sen sei. Jedoch sei bei der Beschwerdeführerin offensicht
lich eine reaktive De
pression vorhanden.
3.6
RAD-Ärztin
med.
pract
.
D._
(vorstehend E.
3.3)
führte in ihrer Stellung
nahme vom 16.
Dezember
2016 (Urk.
7/66/3) aus,
eine
psychiatrische bezie
hungsweise polydisziplinäre Begutachtung
sei aus
versicherungsmedizini
scher Sicht nicht erforderlich. Ein dauerhafter Gesundheitsschaden liege nicht vor.
4.
Das Rückweisungsurteil des hiesigen Gerich
ts vom 20.
Juni 2017 (Urk.
7/84;
Ver
fahren Nr.
IV.2017.00201)
nach der rentenabweisenden Verfügung
der Beschwer
degegnerin
vom 11.
Januar 2017 (Urk.
7/67)
wurde im Wesentlichen damit begründet, dass
die RAD-Ärztin keine eigenen Untersuchungen durchgeführt ha
tte
, weshalb bei Fehlen einer von einem anderen Arzt attestierten vollständigen Arbeitsfähigkeit (in angepasster Tätigkeit) sowie einer fachärztlich gestellten psychiatrischen Diagnose ihre Einschätzung nicht zu überzeugen verm
ochte
. Aus
serdem ha
tte
es die Beschwerdegegnerin unterlassen, den Status der Beschwer
de
führerin und allfällige Einschränkungen im Haushalt genau abzu
klären. Schliess
lich
war
bei den Untersuchungen kein Dolmetscher beigezogen worden (E.
4.3). Entsprechend
lag
keine schlüssige und zuverlässige Beurteilung vor, vielmehr
bestand
weiterer Abklärungsbedarf
bezüglich der zu stellenden Diagnosen sowie
zum Ausmass der
Leistungseinschränkung
und deren Aus
wirkung
auf die Arbeits
fähigkeit sowie auf die H
aushaltsarbeiten. Ausserdem bed
urfte
es der Klärung der Qualifikation der Beschwerdeführerin als Erwerbstät
ige und/oder im Haushalt Tätige
(E.
4.4).
5.
5.1
Dr.
med. E._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Pneumologie, diagnostizierte in ihrem Bericht vom 6.
November 2017 (Urk.
7/92/8-10
= Urk.
7/96/11-13
) neu ein leichtes obstruktives Schlafapnoe
syndrom (S.
1 f.). Die Ursache der vermehrten Anstrengungsdyspnoe unter kör
perlicher Belastung sei nicht pulmonaler Ätiologie. Vielmehr komme als Ursache der Kurzatmigkeit eine Dekonditionierung bei vernachlässigter körper
licher Akti
vität wegen der Adipositas permagna in Kombination mit einer depres
siven Ver
stimmung zum Tragen (S.
2 unten
).
5.2
Dr.
med. F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für
Rheumatologie, Dr.
med.
G._
, Facharzt für Neurologie
,
und Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie,
A._
,
erstat
teten am 29.
Mai 2018 ihr interdisziplinäres Gutach
ten (Urk.
7/106)
.
5.3
Im neurologischen Teilgutachten (Urk.
7/106 S.
8
-17) nannte Dr.
G._
folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S.
15 Ziff.
6.2):
-
residuelle
periphere
Fazialparese
rechts ungeklärter Ätiologie, Erstsymp
tomatik 2004
-
bei inkomplettem Lidschluss zweimalige Lidoperation, nun wieder möglich
-
Differentialdiagnose (DD) idiopathisch, DD bei
Sarkodose
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte er (Ziff.
6.3):
-
Kopfschmerzen, nicht näher klassifizierbar
-
anamnestisch mögliche ischämische Hirninfarkte, am ehesten
mikro
angio
pathisch
links 2004 beziehungsweise im Frühjahr 2015
Zum schulischen und beruflichen Werdegang wurde festgehalten, die Beschwer
deführerin habe 12 Jahre in Pakistan die Schule besucht, anschliessend sei sie stets Hausfrau gewesen, habe keine Ausbildung oder berufliche Tätigkeiten absolviert. Nach der Einreise in die Schweiz habe sie 3 Jahre lang stundenweise im Rahmen eines Integrationsprogramms in einer Buchbinderei gearbeitet (S.
10 Ziff.
3.2.5). Diese Tätigkeit sei nicht relevant entlohnt worden (S.
11 Ziff.
3.2.6).
Die Versicherte habe spontan nur wenig Auskunft gegeben, auch auf Nachfrage seien nur wenig konkrete und unzuverlässige Angaben erhältlich. Die klinische Untersuchung sei bei eingeschränkter Kooperation nur mit relevanten Einschrän
kungen durchführbar. Dazu zähle auch, dass die Versicherte, vermutlich aus kultu
rellen Gründen, ein Auskleiden verweigere (S.
12 Ziff.
4.1). Die Kommuni
kation erfolge ausschliesslich über eine Dolmetscherin, da auch eine einfachste Verständigung auf Deutsch nicht möglich sei (S.
13 Ziff.
4.2). Eine dezidierte Anamnese sei nicht möglich gewesen. Hinsichtlich der Beschwerdeangaben seien deutliche Aggravationstendenzen und ein demonstratives Verhalten festzustellen gewesen (S.
13 oben Ziff.
4.3). Eine Aussicht auf Besserung sehe die Versicherte nicht. Sie zeige keinen Antrieb, ihre Probleme lösen zu wollen (S.
15 Ziff.
7.1).
Die Versicherte habe keine angestammte Tätigkeit. Im Haushalt bestünden soweit beurteilbar aus neurologischer Sicht keine Einschränkungen (S.
16 Ziff.
8.1). In angepasster Tätigkeit bestehe aus neurologischer Sicht lediglich eine qualitative Einschränkung in Hinsicht auf die periphere Fazialisparese rechts
. Aus kosme
tischen Gründen seien Tätigkeiten mit direktem Kundenkontakt und in sehr stau
biger oder zugiger Umgebung aufgrund des eingeschränkten Lidschlusses rechts nicht zu
empfehlen. Unter Berücksichtigung dieser Einschränkungen sei eine volle Arbeitsfähigkeit zu erzielen (S.
17 Ziff.
8.2).
5.4
Im rheumatologischen Teilgutachten (Urk.
7/106 S.
18-25) nannte Dr.
F._
folgende Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S.
24 Ziff.
6.2):
-
metabolisches Syndrom mit massiver Adipositas BMI 48 kg/m
2
, Diabetes mellitus Typ 2 seit 2003, arterielle Hypertonie, Fettschürze, Lipödem und Lymphödem (ICD-10 E66.8, E14.9, I11.9)
Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff.
6.3) nannte er ein generalisiertes unspezifisches weichteilrheumatisches Schmerzsyndrom und
Pan
ni
kulose
mit vielen vegetativen Begleitbeschwerden.
Die Versicherte habe so wortkarg und apathisch gewirkt, dass ausnahmsweise der begleitende 25-jährige Sohn zusammen mit einer Dolmetscherin bei der Befra
gung anwesend gewesen sei. Dieser müsse alle Angelegenheiten der Mutter besorgen, zum Teil mit Hilfe seiner um zwei Jahre jüngeren Schwester, da die Versicherte schlecht Deutsch spreche und auch seit Jahren zurückgezogen in der Wohnung lebe (S.
18 Ziff.
3).
Sie habe in den 90er Jahren einen einjährigen Deutschkurs absolviert
.
Sie habe von Schmerzen berichtet, welche sich seit der Trennung und Scheidung 2005 vom gewalttätigen und heroinabhängigen Ex-Mann zunehmend im ganzen Körper rechtsbetont ausgebreitet hätten. Die chro
nischen Schmerzen im Nacken, lumbal und rechtsbetont an den Extremitäten, habe sie seit über zehn Jahren zunehmend ohne besondere Stress- oder Wetter
anfälligkeit (S.
18 f. Ziff.
3.1). Mehr als die Hälfte der Angaben stammten vom begleitenden Sohn, da die Versicherte sich in ihrer Passivität nur knapp geäussert habe (S.
24 Ziff.
5).
Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit entfalle, da seit der Einreise in die Schweiz 1995 nie eine reguläre Erwerbstätigkeit ausgeübt worden sei (S.
25 Ziff.
8.1). Eine überwiegend sitzende Tätigkeit bei morbider Adipositas wäre somatisch zu 50
%
denkbar. Die Arbeitsprognose sei schlecht, wobei vorwiegend psychosoziale und teilweise invalidenversicherungsrechtlich fremde Faktoren eine Rolle spielten: Migrationsproblematik, minimale Deutsch
kenntnisse, nie ausgeübte Erwerbstätigkeit, familiäre Belastungsfaktoren und subjektive Krankheitsüberzeugungen (S.
25 Ziff.
8.2). Betreffend medizinische Massnahmen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S.
25 Ziff.
8.3) führte Dr.
F._
aus, eine nötige Gewichtsreduktion wäre wohl nur mit einem bariat
rischen Eingriff zu erreichen
.
5.5
Im allgemein-internistischen Teilgutachten (Urk.
7/106 S.
26-30) verwies Dr.
F._
betreffend die Diagnosen (S.
29 Ziff.
6) auf das rheumatologische Teilgutachten und auch im Übrigen weitgehend auf die anderen Teilgutachten
(vorstehend E.
5.3-4,
nachstehend E.
5.6)
sowie auf die interdisziplinäre Gesamt
beu
rteilung (nachstehend E.
5.7
). Zur Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit (S.
30 Ziff.
8.2) hielt Dr.
F._
fest, somatisch denkbar wäre eine rein sitzende und körperlich leichte Tätigkeit ohne komplizierte Anfahrtswege rund 6
Stunden täglich mit einer Leistung insgesamt von geschätzten 50
%
bezogen auf ein Vollpensum, dies wegen verlangsamter Bewegungsabläufe bei massiver Adi
positas und Dekonditionierung
.
Behindernd seien stets vorwiegend soziale IV
fremde Faktoren gewesen: Nebst den bereits im rheumatologischen Teilgut
achten erwähnten (E.
5.
4
) nannte Dr.
F._
auch
Selbstlimitierung und
schlechte Compliance bezüglich Gewichtsproblemen und Diabetes.
5.6
Im psychiatrischen Teilgutachten
(Urk.
7/106 S.
31-37) nannte Dr.
H._
folgende Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S.
35 Ziff.
6.2):
-
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (F32.11)
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff.
6.3) nannte er:
-
soziokulturelle Entwurzelung (Z60.3)
-
Status nach zerrütteter Ehe (Z63.0)
Laut Anamnese habe die Versicherte bis zum Alter von 25 Jahren eine in psy
chopathologischer Hinsicht komplikationslose Entwicklung gehabt. 1992 habe sie
geheiratet, eine nach Tradition arrangierte Ehe durch die Eltern. 1993 habe sie
einen Sohn geboren, der Ehemann habe sich als drogensüchtig entpuppt und der
Beschwerdeführerin offenbar viele Probleme bereitet. 1999 (richtig: 1995
; vgl.
S.
33 Ziff.
3.2.8
), schwanger mit dem zweiten Kind, habe sie auf Anraten der Eltern ihren Mann verlassen und sei in die Schweiz eingereist, wo sie versucht habe, mit den beiden Kindern ein neues Leben aufzubauen. Ihr Mann sei jedoch nachgekommen und habe auch hier Probleme verursacht. Sie habe die beiden Kinder alleine grossgezogen, auch nachdem der Ehemann 2003 verschwunden sei. Parallel zu somatischen Krankheiten habe sie ein depressives Syndrom mit Schlaflosigkeit, Kraftlosigkeit, Insuffizienzgefühlen, Freudlosigkeit, Lustlosigkeit, Interesseverlust und sozialem Rückzug entwickelt. Zudem bestehe anhaltend das Gefühl von Lebensüberdruss, einzige Motivation schienen die Kinder zu sein, die sich psychosozial und beruflich gut entwickelt hätten. Das Denken sei verlang
samt, es bestünden mnestische und kognitive Einschränkungen, die Stimmung sei anhaltend gedrückt und auch psychomotorisch sei sie eingeengt. Somit liege eine mittelgradige depressive Episo
de mit somatischem Syndrom vor
(S.
35 Ziff.
6.1).
Zum Tagesablauf (S.
33 Ziff.
3.2.10) wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin bewohne zusammen mit dem Sohn eine Dreizimmerwohnung. Die Tochter sei vor
drei Jahren ausgezogen. Um den Haushalt kümmere sich der Sohn, wenn die
Tochter
zu Besuch komme, helfe auch diese. Die Beschwerdeführerin sei die meiste Zeit zuhause, liege ab oder sitze auf dem Balkon. Sie schaue Fernsehen, habe aber an nichts Freude oder Lust. Sie habe hier keine Familie, keine Kontakte. Mit einer Freundin telefoniere sie einmal in der Woche. Selten gehe sie mit den Kindern in die Moschee. Sie versuche, kurze Spaziergänge zu machen, es träten jedoch sofort Rücken- und Beinschmerzen auf, sie kehre dann nach Hause zurück. Nach vielen Jahren sei sie voriges Jahr mit dem Sohn in Pakistan gewesen.
Bisher habe keine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung stattgefunden (S.
33 Ziff.
3.2.11), dies wegen der Sprache. Sie habe sich nie Gedanken da
zu
gemacht, der Hausarzt habe eine psychiatrische Behandlung auch nicht vorge
schlagen (S.
34 Ziff.
3.2.13
).
Anlässlich der Untersuchung habe sich herausgestellt, dass sich die Beschwerde
führerin mit einfachem Deutsch gut verständigen könne, die Dolmetscher
in komme selten zum Einsatz. Die Beschwerdeführerin
sei freundlich und koope
rativ, mache allerdings kaum spontane Angaben (S.
34 Ziff.
4.1
).
Ihre
Angaben seien konsistent, sie schildere ihre Lebens- und Leidensgeschichte nachvollzieh
bar (S.
36 Ziff.
7.3).
Aufgrund der depressiven Symptome könne die Beschwerdeführerin ihre vorhan
denen Ressourcen nicht mobilisieren und es bestehe in allen Aufgaben des All
tags, sowohl im Haushalt als auch bei weiteren psychosozialen Verpflichtungen, einschliesslich Arbeit, eine mittelgradige Beeinträchtigung in allen zu beurtei
lenden Fähigkeiten gemäss Mini-ICF-App
.
Die Lebensgeschichte habe jedoch gezeigt, dass sie fähig sei, bevorstehende Lebensprobleme zu bewältigen, wenn es ihr gesundheitlich gut gehe. Sie habe es geschafft, in einem fremden Land ihre beiden Kinder mit Erfolg grosszuziehen. Auch seien ihre Deutschkenntnisse genü
gend, um anstehende Massnahmen durchhalten zu können. Zuvor müsse jedoch eine Verbesserung des psychopathologischen Zustandes eintreten (S.
36 Ziff.
7.4).
Aus psychiatrischer Sicht
liege für sämtliche Verweistätigkeiten in der freien Wirtschaft eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
vor, das heisse bei zumutbarem vollen Pensum bestehe eine Leistungsreduktion von 50
%
(S.
36 Ziff.
8.1).
Eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung sei indiziert und zumutba
r
(S.
37 Ziff.
8.3).
5.7
In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung (S.
4-7) führten die Gutachter zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit (S.
6 Ziff.
4.7) aus, es bestehe eine geschätzte Arbeitsunfähigkeit von 50
%
vorwiegend aufgrund der psychischen Faktoren, dies auch unter Beachtung der damit einhergehenden internistisch-
rheumatologischen Probleme
.
In einer adaptierten Verweistätigkeit wäre eine Arbeits
fähigkeit von 50
%
zu schät
zen, dies theoretisch, da die Beschwerde
führerin in der Schweiz nie regulär erwerbstätig gewesen sei. In Frage kämen überwiegend sitzende Tätigkeiten (S.
6 Ziff.
4.8). Zur Begründung der Gesamt-Arbeitsunfähigkeit (S.
6 Ziff.
4.9) führten die Gutachter aus, eine Arbeitsunfähig
keit von 50
%
werde vorwiegend psychiatrisch geschätzt unter Beachtung der damit einhergehenden somatischen Probleme (extreme Adipositas und Dekon
ditionierung). Beide vergesellschafteten Probleme führten zu einer Verlangsa
mung und vermehrt nötigen Pausen (S.
6 Ziff.
4.9).
6.
6.1
RAD-Ärztin med.
pract
.
D._
(vorstehend E.
3.3) führte in ihrer Stellung
nahme vom 31.
Mai 2018 (Urk.
7/138 S.
6-8) zum MEDAS-Gutachten (E.
5.2-7
) aus, durch den neurologischen Gutachter sei eine Aggravation und durch den internistischen Gutachter eine Selbstlimitierung berichtet worden. Letzterer berichte zudem IV-fremde Faktoren, welche sich nachteilig auf die Arbeitsfähig
keit auswirkten. Die Beurteilung des Sachverhalts durch den psychiatrischen Gut
achter weiche von den Stellungnahmen der anderen Gutachter ab, worauf in der Zusammenfassung des Gutachtens nicht eingegangen werde
.
Da bei nicht leit
liniengerechter Behandlung der psychischen Erkrankung momentan nicht von einer dauerhaften Therapieresistenz ausgegangen werden könne und aus somati
scher Sicht überwiegend IV-fremde Faktoren die Arbeitsunfähigkeit begründete
n
, werde empfohlen, auf das Gutachten hinsichtlich des festgestellten Grades der Arbeitsunfähigkeit nicht abzustellen (S.
8 oben). Ein invalidenversicherungs
rechtlich relevanter Gesundheitsschaden, welcher sich dauerhaft auf die Arbeits
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit auswirke, habe unter Berücksichtigung des vorliegenden MEDAS-Gutachtens aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht festgestellt werden können (S.
8 Mitte
).
6.2
PD Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe
rapie sowie für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –
psychotherapie
,
und J._
, Psychotherapeut ASP,
nannte
n
i
m
Bericht vom 29.
August 2018 (Urk.
7/111) folgende Diagnosen (S.
2 Mitte):
-
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (F32.11)
-
soziokulturelle Entwurzelung (Z60.3)
Dr.
I._
führte aus, e
s bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit
Behand
lungs
beginn am
16.
Mai 2018 bis auf Weiteres. Im Vordergrund des Erst
gesprächs sei der Umgang mit der schwierigen Lebenssituation gestanden, damit sich Hilf- und Hoffnungslosigkeit nicht noch stärker chronifizierten. Es werde medikamentös und mit gesprächstherapeutischen Methoden gearbeitet. Zur eini
germassen deutlichen Besserung und Linderung der Symptome sowie Stabilisie
rung sei mit einer längeren Behandlung zu rechnen (S.
2 f.)
6.
3
PD
Dr.
I._
(vorstehend E.
6.2)
führte in seinem Bericht vom 20.
November 2019 (Urk.
7/128
/2-4
) aus, er behandle die Beschwerdeführerin seit August 2018 in einem 14-tägigen Rhythmus, zusätzlich habe sie psychiatrische Spitex (Ziff.
3.1).
Er nannte als Fachdiagnose eine rezidivierende depressive Erkrankung, gegenwärtig mittelgradige Episode,
seinerseits
diagnostiziert
seit
August 2018, anamnestisch seit 17 Jahren bestehen
d (Ziff.
1.2). Aktuell erziele d
ie
Beschwer
deführerin
in der
Montgomery–
Åsberg
Depression Rating
Scale
(MADRS) 31 Punkte. Die bisherige Tätigkeit als Hausfrau sei zu 20
%
möglich, eine angepasste Tätigkeit ebenfalls zu 20
%
(Ziff.
2.1).
Die aktuelle Medikation beinhalte
Brin
tellix
20mg und
Quietapin
50mg (Ziff.
3.2).
Eine weitere Besserung sei mittelfris
tig nicht zu erwarten, das Zustandsbild sei chronisch (Ziff.
3.3
).
Eine Belastbarkeit für Massnahmen der Wiedereingliederung im Umfang von mindestens 2 Stunden pro Tag bestehe nicht (Ziff.
4.2).
Die Motivation bei seiner Patientin beurteile er auf einer Skala von 1 bis 10 mit 8 Punkten (Ziff.
4.3).
6.
4
Dr.
C._
(vorstehend E.
3.2) nannte in ihrem Bericht vom 13.
Februar 2020 (Urk.
7/131) als Diagnose unter anderem eine schwere Depression (Ziff.
1.2). Arbeit sei weder in der bisherigen noch in einer angepassten Tätigkeit möglich (Ziff.
2.1). Die Motivation bei ihrer Patientin beurteile sie auf einer Skala von 1 bis 10 mit 1 Punkt (Ziff.
4.3
).
Die Kinder seien sehr bemüht, ihr zu helfen. Sie seien ihre einzige Motivation (Ziff.
4.4).
6.
5
RAD-Ärztin med.
pract
.
D._
(vorstehend E.
3.3) führte in ihrer Stellung
nahme vom 2.
Juni 2020 (Urk.
7/138 S.
12-13) aus, eine Gewichtsreduktion würde die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin sicher verbessern. Erfahrungsgemäss sei bei einem BMI von 47 eine Gewichtsreduktion allein durch diätetische Massnahmen und Steigerung der Aktivität selten erfolgreich. Selten
komme es durch die Gewichtsreduktion aber auch zu einer Besserung der
psychi
atrischen Erkrankung, zumal der Behandler von einer chronischen, seit 17 Jahren andauernden Erkrankung ausgehe. Es liege nun scheinbar doch ein Gesundheits
schaden vor, welcher sich längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit auswirke. Aufgrund dieser Beurteilung sei zunächst eine Haushaltsabklärung erforderlich (S.
13 oben).
6.6
RAD-Ärztin med.
pract
.
D._
(vorstehend E.
3.3) führte in ihrer Stellung
nahme vom 17.
August 2020 (Urk.
7/138 S.
13 f.) aus, in Bezug auf die bisherige Tätigkeit bestehe eine Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit durch die morbide Adipositas, Luftnot bei Belastung und eine Antriebsminderung. Die Einschränkungen seien sowohl somatisch als auch psychiatrisch begründet. Das
Belastungsprofil beinhalte leichte wechselbelastende, überwiegend sitzende Tätig
keiten ohne Publikumsverkehr (S.
13 f.).
Eine sitzende leichte Tätigkeit könnte die Beschwerdeführerin analog dem Gut
achten von 2018 in einem 50%-Pensum verrichten. Der Gesundheitszustand habe sich in den vergangenen 2 Jahren nicht verschlechtert. Im Haushalt bestehe eine Einschränkung von 40
%
. Die Hausärztin beurteile ihre Patientin seit jeher als zu 100
%
arbeitsunfähig, ähnlich verhalte es sich hinsichtlich der Beurteilung durch den behandelnden Psychiater. Er diagnostiziere eine mittelgradige depressive Episode, die Intensität habe nicht zugenommen (S.
14 unten).
7.
7.1
Im Rahmen der Abklärung der beeinträchtigen Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt führte die Abklärungsperson der Beschwerdegegnerin die Erhebung vor Ort am 3.
August 2020 durch und erstellte ihren Bericht am 11.
August 2020 (Urk.
7/134).
Die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass sie sich bis vor 2 Jahren noch voll
umfänglich selbst um den Haushalt gekümmert habe (S.
2 Mitte Ziff.
1).
Zur privaten Ist-Situation (Ziff.
2.3.1) führte sie aus, die Beschwerdeführerin sei geschieden und lebe mit ihrem erwachsenen Sohn zusammen, die Tochter wohne nicht mehr im Familienhaushalt. Beide Kinder verfügten über eine abgeschlos
sene Berufsausbildung, wobei die Tochter voll erwerbstätig und der Sohn seit Februar 2020 arbeitslos sei. In der Wohnung sei ausserdem ein Kollege der Kundin angemeldet, der sich jedoch real nicht dort aufhalte. Die Mietkosten würden durch 3 geteilt, wobei Fr.
500.- auf die Beschwerdeführerin entf
ielen
.
Zur beruflichen Situation ohne Gesundheitsschaden (Ziff.
2.5) habe die Beschwer
deführerin gesagt, dass sie aus finanziellen Gründen auf ein eigenes Einkommen angewiesen wäre. Die heutige unklare finanzielle Lage sei belastend. Die Arbeits
einsätze
im 80%-
Pensum hätten ihr gut gefallen. Bei guter Gesundheit hätte sie gern in diesem Ausmass eine Anstellung angenommen. Heute wäre sie bei guter Gesundheit gewiss nicht daheim geblieben. Die Kinder seien mittlerweile erwach
sen und im Normalfall ganztags abwesend. Nebst ihrem Erwerbsanteil hätte sie sich weiterhin um den Haushalt gekümmert.
Die Qualifikation sei auf 80
%
Erwerbstätigkeit und 20
%
Haushalt festzulegen (Ziff.
2.6). Die Angaben der Beschwerdeführerin seien nachvollziehbar. Mit einem Erwerbsanteil von 80
%
könnte sie genügend Einkommen erzielen, um in der heutigen Wohnsituation finanziell unabhängig zu sein (Ziff.
2.6.1). Die Ein
schränkung im Haushaltsbereich betrage aus näher genannten Gründen (Ziff.
6.
1-
5
) insgesamt 40
%
(Ziff.
6.6).
7.2
Nachdem im
Vorbescheidverfahren
seitens der Beschwerdeführerin Einwände betreffend die Qualifikation und die Einschränkungen im Haushalt erhoben worden waren (Urk.
7/153), nahm die Abklärungsperson der Beschwerdegegnerin am 5.
November 2020 (Urk.
7/157) Stellung zu diesen. Dabei führte sie zur Erwerbsbiographie aus, die Beschwerdeführerin sei nie auf dem freien Arbeits
markt tätig gewesen. Eigene Bestrebungen zum Eintritt ins Erwerbsleben seien nicht vorhanden gewesen. Sie habe sich beispielsweise nicht für stundenweise Arbeiten im Reinigungsbereich oder ähnliche Tätigkeiten beworben, die ohne Berufskenntnisse und nebst der Kinderbetreuung möglich seien. Sie wäre auch auf gute sprachliche Kenntnisse angewiesen gewesen, um auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen und sich bessere Voraussetzungen für die Stellensuche zu schaffen. Auch in dieser Hinsicht habe sie keine nachhaltigen Bemühungen gezeigt. Auch in späteren Jahren habe sie sich keine ausserhäusliche Tätigkeit gesucht, als die Kinder schulergänzend den Hort/Mittagstisch besucht hätten. Erst als das Sozial
amt auf einem Arbeitsprogramm bestanden habe, habe die Beschwerdeführerin 2013 das Erwerbsleben in seinen Grundsätzen kennengelernt. Sie habe die Erwerbstätigkeit mit 80
%
aus sozialer Sicht bereichernd gefunden. Sie sei sich bewusst, dass sie finanziell auf ein eigenes Einkommen
angewiesen
wäre. Aber ihr sei auch die Tätigkeit als Hausfrau wichtig gewesen, so dass sie sich gesamt
haft entschieden
hätte
, bei guter Gesundheit 80
%
im Erwerb und 20
%
im Haus
halt tätig zu sein.
Finanziell hätte das Einkommen aus dem 80
%
Pensum ausge
reicht, um die Grundbedürfnisse abzudecken
. Ein wichtiger Aspekt sei der Mitbe
wohner, der einen Mietanteil von Fr.
500.-- übernehme. Selbst wenn der Sohn sich entschlossen hätte,
auszuziehen, wäre diese Erleichterung bei den Lebens
haltungskosten geblieben
(S.
2). An der Qualifikation sei festzuhalten (S.
3 oben).
8.
8.1
Das MEDAS-Gutachten vom 2
9
.
Mai 2018 (E.
5.2-7) erfüllt die Voraussetzungen an einen beweiskräftigen ärztlichen Bericht (E.
1.9
), weshalb grundsätzlich
unbe
strittener
w
eise
(E.
2.1-2)
darauf abgestellt werden kann.
Gutachterlich gesichert
e,
mit der RAD-Ärztin Dr.
D._
auch im August 2020 (Urk.
7/138 S.
13)
sowie mangels entgegenstehender Indizien auch im Verfü
gungszeitpunkt vom 4.
Juni 2021 weiterhin bestehende somatische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sind somit ein metabolisches Syndrom mit massiver Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, arterielle
r
Hypertonie, Fett
schürze, Lipödem und Lymphödem (E.
5.4) und eine
residuelle
periphere
Fazial
parese
rechts unklarer Ätiologie (E.
5.3).
In psychischer Hinsicht liegt unbestrittenermassen eine mittelgradige depressive Störung vor. Nachdem der psychiatrische MEDAS-Teilgutachter noch eine mit
telgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom diagnostiziert hatte (E.
5.6), erachtete der behandelnde PD Dr.
I._
eine rezidivierende depres
sive Erkrankung, gegenwärtig mit
telgradige Episode, als gegeben.
Anamnestisch bestehe diese
bereits seit 17 Jahren
(E.
6.
3
), was indes
durch keine echtzeitlichen Berichte belegt ist,
weshalb
auf diese Angabe
und die offenbar daraus gefolgerte Diagnose einer rezidivierenden depressiven Erkrankung nicht abgestellt werden
kann
.
Erstellt ist demnach eine mittelgradige depressive
Episode mit
somatischem Syndrom.
8.2
Eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
in einer Verweistätigkeit wurde dabei bereits in rein psychiatrischer Hinsicht attestiert (E.
5.6). Auch interdisziplinär schätzten die MEDAS-Gutachter die Arbeitsunfähigkeit von 50
%
vorwiegend psychiat
risch, dies unter Beachtung der damit einhergehenden somatischen Probleme der extremen Adipositas und Dekonditionierung. Beide vergesellschafteten Probleme führten zu einer Verlangsamung und vermehrt nötigen Pausen (E.
5.7).
Ein «Einhergehen» der somatischen und psychischen Probleme lässt ein
entspre
chendes
Zusammenspiel erahnen, lässt indes offen, ob es sich dabei etwa um ein Zusammenwirken oder eine kausale Verursachung – und wenn ja, in welche Rich
tung
und auf welche Weise
- handeln könnte.
Dass ein relevanter Zusammenhang zwischen der depressiven S
törung,
der Adipositas
und der Dekonditionierung
bestehen
könnte
, ist
nicht abwegig, nachdem a
uch die behandelnde Pneumologin im November 2017
auf einen solchen hin
gewiesen hatte
(E.
5.1).
Es liegen somit gewisse Indizien dafür vor, dass die Adipositas vorliegend die Folge eines psychischen Gesundheitsschadens sein und somit gemäss bundes
geri
chtlicher Rechtsprechung (E.
1.5
) eine zu Rentenleistungen berechtigende Invalidität begründen könnte.
Sie sind
jedoch
noch
zu unbestimmt, um einen entsprechenden Kausalzusammenhang mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu beweisen. Hierfür mangelt es insbesondere an einer
expli
ziten
entsprechenden ärztlichen Aussage.
Nachdem eine Gewichtsabnahme bis
lang seitens der Beschwerdeführerin noch nicht angegangen worden ist, kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass eine s
olche nicht zumutbar sei (E.
1.5
).
8.3
In rein somatischer Hinsicht vermag
gemäss aktuellem Aktenstand
die morbide Adipositas somit vorliegend
alleine noch
keine invalidenversicherungsrechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin zu begründen.
Eine weitere diesbezügliche Abklärung hätte jedoch – wie noch zu zeigen sein wird
(nach
stehend E.
8.
7
)
– keinen Einfluss auf den Ausgang dieses Verfahrens, weshalb davon abzusehen ist.
Nachdem die
geschätzte
Arbeitsunfähigkeit
von 50
%
gemäss dem MEDAS-Gut
achten bei ausgewiesener mittelgradiger depressiver Störung
vorwiegend
auf
grund der psychis
chen Faktoren besteht (E.
5.7),
und der
zuständige
Teilgutachter denn auch bereits aus rein psychiatrischer Sicht eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
attestiert hatte
(E.
5.6),
ist
ein strukturiertes Beweisverfahren
gemäss
BGE 141 V 281 durchzuführen. Da das Gutachten eine schlüssige Beurte
ilung des Leistungs
vermögens der Beschwerdeführerin
im Lichte der
m
assgeblichen
Indikatoren (E.
1.6
) erlaubt, kann es vorlie
gend als Grundlage für die Rentenprüfung dienen.
8.4
Zum Komplex Gesundheitsschädigung ist in Bezug auf den Indikator Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin unter Schlaflosigkeit, Kraftlosigkeit, Insuffizienzgefühlen, Freudlosigkeit, Lustlosigkeit, Interesseverlust und sozialem Rückzug leidet. Zudem besteht anhaltend das Gefühl von Lebensüberdruss, einzige Motivation scheinen die Kinder zu sein. Das Denken ist verlangsamt, es bestehen mnestische und kognitive Einschränkungen, die Stimmung ist anhaltend gedrückt und auch psychomotorisch ist sie eingeengt. In allen zu beurteilenden Fähigkeiten gemäss Mini-ICF-App besteht eine mittel
gradige Beeinträchtigung (E.
5.6). Demnach bestehen bei der Beschwerdeführerin insgesamt mittelschwere psychische Beeinträchtigungen.
In Bezug auf den Indikator Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
–
resistenz
ist festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführerin
erst im Mai 2018 in
psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung begab (E.
5.
6, E.
6.2). Nachdem seitens des Behandlers anfänglich noch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attes
tiert worden war (E.
6.2), wurde im November 2019 eine 20%ige Arbeitsfähigkeit im Haushalt sowie in angepasster Tätigkeit angegeben, der Schweregrad der Depression jedoch nicht angepasst
(E.
6.
3
)
. Eingliederungsbemühungen sind bislang
abgesehen von der
durch das Sozialamt vermittelten
Teillohnanstellung von April 2013 bis Januar 2015
keine erfolgt. Entsprechend liegt weder eine Behandlungs- noch eine Eingliederungsresistenz vor.
Eine psychiatrisch
e Komorbidität liegt nicht vor.
Zum Komplex Persönlichkeit ist weiter hinzuzufügen, dass die Beschwerdeführe
rin weder in ihrem Herkunftsland Pakistan noch in der Schweiz über eine
abge
schlossene A
usbildung oder
Berufs
erfahrung verfügt, abgesehen von einem knapp zweijährigen Einsatz als Buchbinderin auf dem zweiten Arbeitsmarkt
. Es gelang ihr indes, in einem fremden Land ihre beiden Kinder mit Erfolg grosszu
ziehen, was durchaus für gewisse
persönliche
Ressourcen spricht (vgl.
E.
5.6).
Zum Komplex sozialer Kontext ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin nach der arrangierten Heirat 1992 in Pakistan gemeinsam mit ihrem damaligen
drogen
süchtigen
Ehemann
einen Sohn (geboren 1993) und eine Tochter
(
geboren
1995)
zeugte
,
mit
den Kindern
199
5
in die Schweiz ausreiste, um ein neues Leben aufzubauen
, wobei ihr
jedoch
der Ehemann nachfolgte,
der
hier ebenfalls Prob
leme verursachte und 2003 verschwand (E.
5.6). Beide Kinder konnten in der Schweiz eine Berufsausbildung absolvieren, wobei der Sohn
gemäss aktueller Aktenlage arbeitslos ist
, bei der Beschwerdeführerin wohnt und ihr tatkräftig bei
den Haushaltsarbeiten und sonstigen Angelegenheiten hilft. Daneben wohnt
formell
eine weitere Person im gemeinsamen H
aushalt, welche allerdings kaum anwesend ist
. Auch die Tochter kommt gelegentlich zu Besuch
(E.
5.6; E.
7.1)
.
Die Beschwerdeführerin verfügt somit über ein intaktes Familienleben mit ihren
bei
den
hilfsbereiten
erwachsenen
Kindern, im Übrigen liegt jedoch ein starker sozi
aler Rückzug beziehungsweise eine starke soziale Isolation vor, abgesehen von einem wöchentlichen Telefonat mit einer Freundin finden kaum ausserhäusliche Kontakte statt. Ihr Tagesablauf ist sodann von grosser Passivität geprägt (vgl.
E.
5.4, E.
5.6). Es ist somit von mittelgradig verminderten sozialen Ressour
cen auszugehen.
8.5
Zu prüfen ist schliesslich die Konsistenz. Hinsichtlich des Gesichtspunkts des Aktivi
tätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen sind keine Inkonsis
tenzen festzustellen, nachdem der Tagesablauf der Beschwerdeführerin durch
wegs von grosser Passivität geprägt ist. In der Begutachtungssituation wurde sie denn auch als apathisch wahrgenommen (vgl.
E.
5.4).
Hinsichtlich des Gesichtspunkts des behandlungs- und eingliederungsanamnes
tisch ausgewiesenen Leidensdrucks ist zu
näch
st auf E.
8.4 zu verweisen. Die
Hausärztin begründete die bislang ausgebliebene Psychotherapie im Juli 2016 mit Sprachschwierigkeiten
(E.
3.
5
), was angesichts der ab
Mai 2018
dann immerhin doch
aufgenommenen Psychotherapie nicht
unbedingt
einzuleuchten vermag.
Es wird denn vor diesem Zeitpunkt auch von keinen Bemühungen berichtet, einen geeigneten Psychotherapeuten zu finden. Behandlungs- und eingliederungs
anam
nes
tisch ist somit lediglich ein mässiger Leidensdruck ausgewiesen.
Während der neurologische Teilgutachter deutliche Aggravationstendenzen und ein demonstratives Verhalten feststellte (E.
5.3), befand der psychiatrische Teil
gutachter, die Angaben der Beschwerdeführerin seien konsistent, sie schildere ihre Lebens- und Leidensgeschichte nachvollziehbar (E.
5.6). Da die psychischen Beschwerden im Vordergrund stehen und zu beurteilen sind, ist vorliegend die Wahrnehmung des Psychiaters entscheidend und nicht diejenige des Neurologen.
8.6
Zusammengefasst führt die Prüfung der einzelnen Indikatoren
zu einem genü
gend konsistenten, stimmigen Gesamtbild und damit
zum Schluss, dass der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im psychiatrischen Teilgutachten von Dr.
H._
gefolgt werden kann
(E.
1.8)
.
Es
besteht demnach aus psychiatrischer Sicht für sämtliche Verweistätigkeiten in der freien Wirtschaft bei zumutbarem vollem Pensum eine Leistungsreduktion von 50
%
und somit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
(E.
5.6)
.
8.7
Mit dem neurologischen Teilgutachter (E.
5.3)
und der RAD-Ärztin (E.
6.6
)
sind Tätigkeiten mit direktem Kundenkontakt nicht zu empfehlen
.
Sofern die Adipo
sitas und Dekondit
ionierung zu berücksichtigen wäre
, so sollte die angepasste Tätigkeit
sodann
überwiegend sitzend ausgeübt werden können (E.
5.7
, E.
6.6
)
.
Nachdem es sich dabei um ein Detail im Belastungsprofil handelt, dessen Klärung auf den vorzunehmenden Einkommensvergleich ohnehin keine Auswirkung hätte,
ist – wie bereits
angesprochen
(E.
8.3)
–
vorliegend
nicht von Belang, ob die Adipositas invalidenversicherungsrechtliche Relevanz besitzt (E.
1.5)
. Denn
eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
konnte bereits
aus psychiatrischer S
icht erstellt werden
(
E.
8.6;
vgl.
dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_663/2017 vom 12.
Dezem
ber 2017 E.
5)
.
8.8
Dazu, ab welchem Zeitpunkt die attestierte Arbeitsunfähigkeit zu gelten habe, äusserten sich die Gutachter nicht. Die Beschwerdegegnerin
ging davon aus, diese habe seit
dem im Meldeformular zur Früherfassung genannten Beginn der Arbeits
unfähigkeit am 29.
Juli 2015 (vgl.
Urk.
7/8 Ziff.
2) bestanden (Urk.
7/138 S.
15 Mitte), was nicht zu beanstanden ist.
8.9
Zu
ermitteln
blei
bt
im Folgenden
der Invaliditätsgrad, wobei zunächst
die Status
frage
und gegebenenfalls die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
im Haus
halt zu klären sind.
9.
9.1
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort nach Mass
gabe des Art.
69 Abs.
2 IVV
stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der gesundheitlichen Einschränkung im Haushalt dar.
Hinsichtlich des Beweiswerts der entsprechenden Berichterstattung ist wesentlich, dass sie durch eine qualifizierte Person erfolgt, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich erge
benden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plau
sibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschrän
kungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen.
Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haushalt mass
gebend, sondern gelten analog für jenen Teil eines Abklärungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von teilerwerbstätigen Versi
cherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts
I 236/06 vom 19.
Juni 2006 E.
3.2
).
9.2
Das Gespräch zur Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt (vorstehend E.
7.1) fand am 3.
August 2020 bei der Beschwerdeführe
rin zuhause statt. Die örtlichen und räumlichen Verhältnisse waren der beurtei
lenden Person somit ebenso bekannt wie die bestehenden medizinischen Diagno
sen und die sich daraus ergebenden Einschränkungen (vgl.
Urk.
7/134 S.
1 f.). Die Anga
ben der Beschwerdeführerin wurden ausreichend
berücksichtigt. Der Bericht
vom 11.
August 2020 (E.
7.1) sowie die ergänzende Stellungnahme vom 5.
November 2020 (E.
7.2) erscheinen objektiv und ausgewogen, sind
sorgfältig verfasst, plau
sibel, begründet und bezüglich der einzelnen Einschränk
ungen angemessen detail
liert. Der Bericht vom 3.
August 2020 einschliesslich der Ergänzungen vom 5.
November 2020
ist somit voll beweiskräftig (vgl.
vorstehend E.
9.1) und es kann grundsätzlich auf ihn abgestellt werden.
Gut nachvollziehbar und schlüssig ist
auch
die Begründung der Qualifikation
der Beschwerdeführerin als zu 80
%
im Erwerb und zu 20
%
im Haushalt T
ätige.
Diese Einschätzung überzeugt insbesondere deshalb, weil sie mit der
von der Beschwer
deführerin anlässlich der Haushaltsabklärung selbst getätigten
Angabe überein
stimmt, wonach sie bei guter Gesundheit gerne eine Anstellung im Pensum von 80
%
angenommen und sich daneben weiterhin um den Haushalt gekümmert hätte. Triftig sind auch die Argumente der Abklärungsperson, wonach sich die Beschwerdeführerin nie um stundenweise Arbeiten beworben habe, die nebst
der Kinderbetreuung möglich gewesen wären, und auch ihre sprachlichen Kenntnisse nicht verbessert
habe
(E.
7.2).
In dieser Hinsicht hat sie offenbar trotz ver
schiedentlich berichteter sprachlicher Schwierigkeiten (E.
3.1, E.
3.5, E.
5.3, E.
8.5) lediglich einen einjährigen Deutschkurs in den 90er-Jahren absolviert (E.
5.4).
Demgegenüber blieb das spätere Vorbringen der Beschwerdeführerin unbelegt, wonach die gesundheitlichen Einschränkungen der Grund dafür gewesen
seien
, dass sie auch mit Abnahme des Betreuungsbedarfs für die Kinder keinen Versuch gemacht habe, ins Erwerbsleben einzutreten (Urk.
1 S.
5 unten).
Wenn sie sodann argumentiert, sie hätte im Gesundheitsfall eine volle Erwerbstätigkeit aufgenom
men und nicht versucht, mit Untermiete ein Zusatzeinkommen zu erzielen (Urk.
1 S.
7), so
verkennt sie, dass die Statusfrage danach zu beurteilen ist, was die ver
sicherte Person als Gesunde bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wobei die
persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen
Verhältnisse zum Verfü
gungszeitpunkt
massgeblich sind (E.
1.3). Dazu sind auch die Wohnverhältnisse zu zählen, welche
unbestrittener Weise
im Verfügungszeitpunkt
zu
den erwähn
ten
Einnahmen aus Untermiete
führen
, wobei die Beschwerdeführerin auch nicht bestritt, dass sie selbst bei einem Auszug des Sohnes mit einem 80%igen Pensum im Niedriglohnbereich noch ihren Grundbedarf decken könnte (vgl.
E.
7.2).
Die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Qualifikation der Beschwerde
führerin
als
zu 80
%
Erwerbstätige und zu 20
%
im Haushalt tätige ist demnach
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt (vgl.
E.
1.3).
9.3
Zur ebenfalls strittigen
Arbeitsfähigkeit im
Haushalt äusserten sich die MEDAS-Gutachter nicht
genauer
. Zwar hielt der psychiatrische Teilgutachter fest, es bestehe in allen Aufgaben des Alltags und somit auch im Haushalt eine mittel
gradige Beeinträchtigung in allen zu beurteilenden Fähigkeiten gemäss Min
i-ICF-App (E.
5.6). Daraus zog
er jedoch nicht den Schluss auf eine lediglich 50%ige Arbeitsfähigkeit im Haushalt, und ein solcher ist entgegen der Beschwerde
führerin auch nicht zulässig. Sie moniert zwar, es sei nicht nachvollziehbar, inwie
fern
sich
die Beeinträchtigung im Haushalt nicht ebenfalls mit einer Leis
tungseinschränkung von
50
%
wie im Erwerbsbereich auswirken solle (E.
2.2), setzt sich jedoch mit der sorgfältigen und detaillierten diesbezüglichen Würdi
gung durch die Abklärungsperson (Urk.
7/134 Ziff.
6.1.-5) gar nicht auseinander. Dieser ist sodann darin zuzustimmen, dass die Betätigung im Haushalt nicht unbesehen auf die Erwerbstätigkeit im Wirtschaftsleben übertragbar ist, da man sich im Haushalt im Gegensatz zum Erwerbsleben die Zeit und Arbeitsgänge relativ frei einteilen und Pausen einlegen
kann (vgl.
Urk.
7/153 S.
3).
Dies gilt vorliegend umso mehr, als der psychiatrische Teilgutachter ein volles Pensum bei einer Leistungsreduktion von 50
%
als zumutbar erachtete (E.
5.6) und interdisziplinär eine Verlangsamung und vermehrt nötige Pausen als Gründe für die Leistungsreduktion angegeben wurden (E.
5.7). Es ist somit gut nachvoll
ziehbar
,
ohne Weiteres vorstellbar
und damit erstellt
, dass die Beschwerdeführerin mit den nötigen Pausen, etwas zeitlichem Mehraufwand und der
angemessenen Mithilfe
durch den Sohn
(vgl.
BGE 133 V 504 E.
4.2)
den Haushalt zu 60
%
ver
richten vermag. Dies wäre ihr
also theoretisch
zumutbar,
weshalb
keine Rolle spielt, ob der Sohn in Wirklichkeit wie
geltend gemacht
(E.
2.2) den grössten Teil der Hausarbeit übernimmt.
Im Haushalt besteht somit ein
Invaliditätsgrad von 40
%
, mithin ein
anteiliger
Teilinvaliditätsgrad von 8
%
(40
%
von 20
%
).
Gemäss eigenen Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der Abklärung vor Ort vom 3.
August 2020 habe sie
sich
bis vor 2 Jahren noch vollumfänglich selbst um den Haushalt gekümmert (E.
7.1).
Dies
e Aussage
divergiert indes mit den Angaben im MEDAS-Gutachten vom Mai 2018, wonach sich
der Sohn – gele
gentlich mit Hilfe der Tochter
–
um den Haushalt kümmere (E.
5.6). Ab welchem Zeitpunkt der anteilige Teilinvaliditätsgrad im Haushalt von 8
%
zu gelten hat, lässt sich demnach nicht erstellen. Zugunsten der Beschwerdeführerin ist davon auszugehen, dass auch die Einschränkungen im Haushalt bereits ab dem 29.
Juli 2015 in dem Ausmass bestanden, wie sie im August 2020 festgestellt wurden.
9.4
Nachdem die Beschwerdeführerin über keine Berufsausbildung und keine Berufs
erfahrung im ersten Arbeitsmarkt verfügt, ist sie
unbestrittener Weise
als Hilfs
arbeiterin zu qualifizieren
(vgl.
E.
2.1)
. M
it der Beschwerdegegnerin (
Urk.
7/136 S. 19)
ist
von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
54'581.15 auszugehen
, wobei der
Invaliditätsgrad
im Erwerbsbereich dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berück
sichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn entspricht (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 19.
Juni 2017 E.
4 unter Hin
weis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18.
April 2017 E.
3.2.1)
, mithin 50
%
.
Gründe für einen
leidensbedingten Abzug (vgl.
BGE 135 V 297 E.
5.2)
wurden nicht geltend gemacht und liegen nicht vor.
Der anteilige Teilinvaliditätsgrad im Erwerbsbereich beträgt demnach 40
%
(50
%
von 80
%
).
9.5
D
er Gesamtinvaliditätsgrad
(vgl.
E.
1.4) beträgt
demnach
48
%
(E.
9.3
, E.
9.
4
)
,
was der Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine
Viertelsrente
vermittelt (vgl.
E.
1.2
)
.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
10.
10.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zu
legen (Art.
69 Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr.
900.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Da die entsprechenden Voraussetzungen gegeben sind, ist der Beschwerdefüh
rerin
antragsgemäss
die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren (
§
16
Abs.
1 des Gesetzes über
das Sozialversicherungsgericht,
G
SVGer
) und die Gerichts
kosten sind demzufolge einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
10.2
Da die Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtsvertretung erfüllt sind, ist der Beschwerdeführerin in Bewilligung derselben Rechtsanwalt
Daniel
Bohren
als unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen (
§
16
Abs.
2
GSVGer
).
Mit
Honorarnote
vom 22.
September 2021 (Urk.
10
) machte dieser
einen Aufwand von total 11.9 Stunden sowie Barauslagen von Fr.
3.-- geltend. Dies erscheint unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (§
34 Abs.
3 des
Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
)
als angemessen. Die Entschädigung ist
daher
antragsgemäss
auf
Fr.
2‘82
2.80
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzulegen.
Das Gericht
beschliesst
:
I
n Bewilligung des Gesuchs vom
7.
Juli 202
1 wird der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung gewährt, und es wird ihr Rechtsanwalt
Daniel Bohren
, Zürich, als unentgelt
licher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt.