Decision ID: 7b37814b-2eae-463b-b555-e6599babcbf3
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im März 2011 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, er habe eine Berufslehre zum Polygraph
absolviert, die Berufsmatura erlangt und den Bildungsgang zum typographischen
Gestalter abgeschlossen. Er habe als Polygraph gearbeitet. Zuletzt sei er für kurze Zeit
als „Produktionsmitarbeiter“ angestellt gewesen. Nach Einsicht in die Akten der Suva
notierte Dr. med. B._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) am 11. Mai
2011 (IV-act. 15), der Versicherte habe bei einem Autounfall im Oktober 2010 eine
Tibiafraktur erlitten. Zum Unfall sei es gekommen, weil er unter Drogen- und
Alkoholeinfluss als „Geisterfahrer“ auf der Autobahn unterwegs gewesen sei. Er leide
unter einem Substanzabusus. Die Sucht erkläre die jährlichen Arbeitsplatzwechsel, die
verschlüsselten Arbeitszeugnisse und die unsteten Anstellungsverhältnisse. Prinzipiell
sei die Prognose aber sowohl der Polytoxikomanie als auch bezüglich der
Unterschenkelfraktur als günstig anzusehen. Der Suva sei es offenbar gelungen, den
Versicherten wieder an seiner vorhergehenden Arbeitsstelle einzugliedern. Der
Arbeitsplatzerhalt sollte von der Invalidenversicherung begleitet werden. Am 23. August
2011 berichtete die Psychiatrische Klinik C._ (IV-act. 35), der Versicherte sei am 8.
August 2011 zum vierten Mal zur stationären Behandlung eingetreten. Er leide an einer
kombinierten Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und impulsiven Anteilen,
an Störungen durch Alkohol bei einem schädlichen Gebrauch, an Störungen durch
einen multiplen Substanzgebrauch bei einer aktuellen Abstinenz (allerdings in
beschützender Umgebung) sowie an Störungen durch Hypnotika bei einem
Abhängigkeitssyndrom und einem ständigen Gebrauch. Aufgrund der Vorgeschichte
A.a.
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und der bedrohlichen Situation sei zuerst ein Fremdgefährlichkeitsmonitoring initialisiert
worden. Der Versicherte sei fixiert und isoliert worden. Die Fixation sei nach der
Ausnüchterung wieder aufgehoben worden. Der Versicherte habe sich in der Folge
angepasst und ruhig verhalten. Er sei depressiv und eingeengt auf die Situation im
„Haus 04“ gewesen. Man habe ihn entlassen und einen ambulanten Termin für die
Weiterbehandlung im Psychiatrie-Zentrum D._ organisiert. Wenige Tage später sei
der Versicherte aber überraschend in Armeekleidung und mit einem Gewehr auf dem
Rücken auf der Station erschienen. Er sei polizeilich abgeführt worden. Seither habe
man nichts mehr von ihm gehört. Die Klinik E._ teilte der IV-Stelle am 22. Dezember
2011 mit (IV-act. 45), der Versicherte könne den ursprünglich erlernten Beruf als
Polygraph „ab dem Zeitpunkt der Erlangung der vollen Arbeitsfähigkeit“ wieder
uneingeschränkt ausüben. Aus psychiatrischer Sicht spreche aber auch nichts gegen
einen Berufswechsel. Im Januar 2012 konnte der Versicherte einen Arbeitsvertrag für
eine Arbeitsstelle als Polygraph unterzeichnen (IV-act. 50). Mit einem Vorbescheid vom
5. Dezember 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act. 58), dass sie die
Zusprache einer ganzen Rente für die Zeit vom 1. Oktober 2011 bis zum 30. April 2012
vorsehe. Ausschlaggebend für die Befristung der Rente sei die Tatsache, dass der
Versicherte im Januar 2012 wieder eine Arbeitsstelle als Polygraph habe antreten
können.
Im Januar 2013 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an (IV-act. 59). Im Februar 2013 gab er telefonisch an, er
habe seine Arbeitsstelle bereits wieder verloren und er befinde sich zurzeit in einer
stationären Behandlung in der Klinik E._ (IV-act. 63). Die Klinik E._ berichtete am
11. Februar 2013, der Versicherte leide an einer paranoiden Schizophrenie sowie an
psychischen und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide bei einem
Abhängigkeitssyndrom (IV-act. 67). Am 10. Februar 2013 hatte der Versicherte
während eines „Wochenendurlaubs“ in seiner Wohnung an einer Faustfeuerwaffe
manipuliert, woraufhin sich drei Schüsse gelöst hatten, die die Wohnungstür des
Nachbarn durchschlagen hatten; der Versicherte hatte sich in der Folge der Polizei
gestellt (vgl. IV-act. 98–2). In einem im Auftrag des zuständigen Untersuchungsamtes
erstellten forensisch-psychiatrischen Gutachten diagnostizierte Dr. med. F._ unter
anderem eine schizoide Persönlichkeitsstörung und eine bipolare affektive Störung (vgl.
A.b.
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IV-act. 98–2). Im Januar 2014 wurde der Versicherte zu einer Freiheitsstrafe von
zweieinhalb Jahren verurteilt; der Strafvollzug wurde zugunsten einer stationären
Massnahme aufgeschoben (vgl. IV-act. 97). Bereits am 18. Dezember 2013 hatte das
Massnahmenzentrum G._ der IV-Stelle mitgeteilt, dass der Versicherte am 18.
September 2013 für eine derzeit noch unbestimmte Dauer in den Massnahmenvollzug
eingetreten sei (IV-act. 89). Am 30. September 2013 hatte die Psychiatrische Klinik
C._ über die dem Massnahmenvollzug unmittelbar vorangegangene stationäre
Behandlung des Versicherten ab dem 8. Juli 2013 berichtet und festgehalten, dieser sei
im Zeitpunkt des Austrittes am 18. September 2013 zu 100 Prozent arbeitsfähig
gewesen (IV-act. 93). Mit einem Vorbescheid vom 12. März 2014 teilte die IV-Stelle
dem Versicherten mit (IV-act. 104), dass angesichts des Massnahmenvollzugs weder
weitere Abklärungen angezeigt noch ein „weitergehender“ Rentenanspruch
ausgewiesen sei, weshalb sie nach wie vor vorsehe, eine befristete Rente für die Zeit
vom 1. Oktober 2011 bis zum 30. April 2012 zuzusprechen. Da der Versicherte nicht
auf diesen Vorbescheid reagierte, erliess die IV-Stelle am 18. Juni 2014 eine Verfügung,
mit dem sie dem Versicherten für die Zeit vom 1. Oktober 2011 bis zum 30. April 2012
eine ganze Rente zusprach (IV-act. 111). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in
formelle Rechtskraft.
Im Januar 2017 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-
act. 116). Er wies darauf hin, dass eine Entlassung zwar mit einer Verfügung vom 13.
Januar 2017 abgelehnt worden sei, dass er dagegen aber eine Beschwerde erhoben
habe. Diese Beschwerde wurde am 7. März 2017 abgewiesen (IV-act. 123). Am 3. April
2017 wurde dem Versicherten ein Arbeitsversuch als Teilschritt zur Lockerung des
Massnahmenvollzugs gewährt (IV-act. 125). Im April 2018 berichtete die Psychiaterin
Dr. med. H._ (IV-act. 160), der Versicherte sei seit dem Jahr 2010 vollständig
arbeitsunfähig und werde es wohl auch dauerhaft bleiben. Gemäss dem Vorgesetzten,
bei dem er den Arbeitsversuch absolviere, erbringe er insgesamt eine Leistung von
etwa 20–30 Prozent. Der RAD-Arzt med. pract. I._ fragte die damals zuständig
gewesene Ärztin der Psychiatrischen Klinik C._ am 2. Mai 2018 telefonisch an (IV-
act. 163), wie sich die im Austrittsbericht vom 30. September 2013 attestierte
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit mit dem Attest einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit
seit dem Jahr 2010 durch Dr. H._ vereinbaren lasse. Die Ärztin hielt fest, das Attest
A.c.
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B.
im Austrittsbericht sei falsch. In der Vorlage sei jeweils bereits standardmässig eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit angeführt. Treffe dies im konkreten Fall nicht zu,
müsse diese Angabe manuell abgeändert werden, was hier versehentlich nicht
geschehen sei. In der Folge reichte sie einen entsprechend korrigierten Austrittsbericht
ein (IV-act. 164). Der RAD-Arzt I._ hielt am 15. Mai 2018 fest (IV-act. 165), der
Gesundheitszustand des Versicherten werde sich wohl nicht mehr verbessern lassen.
Folglich müsse von einer bleibenden Arbeitsunfähigkeit für Tätigkeiten auf dem freien
Arbeitsmarkt ausgegangen werden; der Versicherte sei nur in einem geschützten
Rahmen, wie er ihm im Rahmen des Arbeitsversuchs geboten werde, teilarbeitsfähig.
Ein Sachbearbeiter der IV-Stelle notierte am 23. Mai 2018 (IV-act. 166), die Verfügung
vom 18. April (recte: Juni) 2014 sei „eindeutig falsch“ gewesen, weshalb sie
„wiedererwägungsweise aufgehoben werden“ müsse. Allerdings könnten „Leistungen
erst ab dem Zeitpunkt der Entdeckung des Fehlers ausgerichtet“ werden. Dieser
Zeitpunkt sei hier auf dem 14. April 2018 zu datieren, da der Fehler erst mit dem
Bericht von Dr. H._ offenkundig geworden sei. Die Rente müsse also ab 1. April 2018
zugesprochen werden. Mit einem mit „Vorbescheid Zusprache Rente; Zusprache einer
Invalidenrente; Wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 18. April 2014“
betitelten Vorbescheid teilte die IV-Stelle dem Versicherten am 25. Mai 2018 mit (IV-
act. 168), dass sie vorsehe, die Verfügung vom 18. Juni 2014 wiedererwägungsweise
aufzuheben und ihm mit Wirkung ab dem 1. April 2018 eine ganze Rente bei einem
Invaliditätsgrad von 75 Prozent zuzusprechen. Dagegen liess der Versicherte am 26.
Juni 2018 einwenden (IV-act. 170), die „massgebliche Arbeitsunfähigkeit“ sei schon im
Jahr 2009 eingetreten. Am 28. Juni 2018 liess er ergänzend geltend machen (IV-act.
171), ihm sei ab Dezember 2015 eine unbegleitete Vollzugsöffnung bewilligt worden,
weshalb er ab jenem Zeitpunkt eine Arbeitsstelle hätte antreten können. Die Krankheit
habe ihn aber daran gehindert. Deshalb müsse die Rente spätestens ab Dezember
2015 zugesprochen werden. Mit einer Verfügung vom 28. Februar 2019 sprach die IV-
Stelle dem Versicherten für die Zeit ab dem 1. April 2018 eine ganze Rente zu (IV-act.
188).
Am 21. März 2019 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 28. Februar 2019 erheben (act. G 1). Sein
B.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der Verfügung, „soweit eine weitergehende
Leistungspflicht verneint wird“, und die Zusprache einer ganzen Rente ab Dezember
2015. Zur Begründung führte er aus, vorliegend gehe es gar nicht um eine
Wiedererwägung, sondern um ein Wiederaufleben einer wegen eines Strafvollzugs
sistierten Rente. Der entscheidende Zeitpunkt für das Wiederaufleben sei der 1.
Dezember 2015. Selbst wenn es sich um eine Wiedererwägung handeln sollte, leuchte
nicht ein, weshalb die Rente erst ab April 2018 zugesprochen worden sei.
Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 7. Juni 2019
die Abweisung der Beschwerde (act. G 8). Zur Begründung führte sie an, nach Art.
88 Abs. 1 lit. c IVV sei die Korrektur eines Fehlers zugunsten einer versicherten
Person nur für die Zeit ab der Entdeckung des Mangels möglich. Es gehe nicht darum,
wann der Fehler hätte entdeckt werden müssen, sondern wann der Fehler effektiv
entdeckt worden sei. Zudem sei die ursprüngliche Rentenzusprache von Beginn weg
befristet gewesen; die Befristung habe keinen Zusammenhang mit dem Strafvollzug
gehabt.
B.b.
bis
Der Beschwerdeführer liess am 5. Juli 2019 an seinen Anträgen festhalten (act. G
10). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 12).
B.c.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die (umfassende) Überprüfung der
angefochtenen Verfügung vom 28. Februar 2019, weshalb es sich nicht auf die völlig
unspezifische „Verweigerung von weitergehenden Leistungen“ beschränken kann. Sein
Gegenstand muss jenem des vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen.
1.1.
Der Beschwerdeführer hat geltend gemacht, jenes Verwaltungsverfahren habe nur
die Frage zum Gegenstand gehabt, ob eine Sistierung einer früher zugesprochenen
Invalidenrente nach Art. 21 Abs. 5 ATSG wieder aufzuheben sei. Diese Auffassung
erweist sich als unzutreffend, denn die Beschwerdegegnerin hatte bereits am 5.
Dezember 2012 vorgesehen, lediglich eine bis zum 30. April 2012 befristete Rente
zuzusprechen, also in einem Zeitpunkt, in dem der Beschwerdeführer noch nicht
einmal die Straftat begangen hatte, die zum späteren Strafvollzug geführt hat.
Nachdem sich der Beschwerdeführer sinngemäss mit der „Neuanmeldung“ vom
1.2.
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2.
Januar 2013 nicht einverstanden erklärt hatte, hat die Beschwerdegegnerin weitere
Abklärungen getätigt. Während des laufenden Abklärungsverfahrens hat sie Kenntnis
von der Verurteilung und dem Antritt des Strafvollzugs erhalten. Der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers hat zwar zu Recht geltend gemacht, dass dieser Umstand
ausschlaggebend für den „Abbruch“ der Sachverhaltsabklärung gewesen sei, aber er
hat übersehen, dass die Beschwerdegegnerin aufgrund einer versehentlichen falschen
Angabe im Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik C._ vom 30. September 2013
davon ausgegangen ist, der Beschwerdeführer sei ohnehin wieder vollständig
arbeitsfähig gewesen, weshalb die ursprüngliche – im Vorbescheid vom 5. Dezember
2012 zum Ausdruck gebrachte – Ansicht, der Stellenantritt im Januar 2012 belege die
Wiedererlangung einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit, richtig sein müsse. Hätte
sie dem Beschwerdeführer eine unbefristete, aber mit Antritt des Massnahmenvollzugs
sistierte Rente zusprechen wollen, hätte sie ihre Verfügung vom 18. Juni 2014
entsprechend formuliert und sie hätte die Rente nicht bis zum 30. April 2012 befristet,
sondern vielmehr per 30. September 2013 (Antritt des Massnahmenvollzugs) sistiert.
Die unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsene Verfügung vom 18. Juni 2014
kann jedenfalls schon aufgrund des Wirkungszeitpunktes der Befristung der Rente her
nicht als eine Sistierung einer unbefristeten Rente wegen eines Strafvollzugs
interpretiert werden.
Aufgrund des Wirkungszeitpunktes der angefochtenen Verfügung vom 28. Februar
2019 könnte die Auffassung vertreten werden, dass es sich um eine „kombinierte“
Verfügung handeln könnte, die einerseits die wiedererwägungsweise „Nicht-Korrektur“
der ursprünglichen Verfügung vom 18. Juni 2014 und andererseits die Neuzusprache
einer Rente per 1. April 2018 enthalte. Aus der Verfügungsbegründung und aus den
Akten, insbesondere der Notiz vom 23. Mai 2018 (IV-act. 166), geht aber eindeutig
hervor, dass die Beschwerdegegnerin einzig die ursprüngliche Verfügung vom 18. Juni
2014 in Wiedererwägung gezogen hat. Sie ist allerdings überzeugt gewesen, der Art.
88 Abs. 1 lit. c IVV erlaube diese wiedererwägungsweise Korrektur nur für die Zeit ab
jenem Monat, in dem sie den ursprünglich begangenen Fehler (das Abstellen auf die
falsche Angabe im Austrittsbericht vom 30. September 2013) entdeckt habe, also im
April 2018. Den Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens bildet folglich die
Wiedererwägung der ursprünglichen rentenzusprechenden Verfügung vom 18. Juni
2014.
1.3.
bis
Laut dem Art. 53 Abs. 2 ATSG kann ein Versicherungsträger auf eine formell
rechtskräftige Verfügung zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig und ihre
2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/14
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Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Die Beschwerdegegnerin ist ursprünglich
davon ausgegangen, dass der Stellenantritt im erlernten Beruf im Januar 2012 eine
wiedererlangte uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit belege. Dabei hat sie übersehen,
dass der RAD-Arzt Dr. B._ bereits am 11. Mai 2011 festgehalten hatte, die zuvor
erfolgten häufigen Arbeitsplatzwechsel seien als Symptom der – damals noch nicht
hinreichend geklärten – gesundheitlichen Problematik zu qualifizieren. Vor diesem
Hintergrund hat ein Stellenantritt natürlich keine hinreichende Aussagekraft in Bezug
auf die massgebende Arbeitsfähigkeit haben können. Tatsächlich hat sich kurz darauf
herausgestellt, dass der Beschwerdeführer jene Arbeitsstelle (wiederum) nur für kurze
Zeit hatte halten können und dass er sich bald darauf bereits wieder hatte in eine
stationäre psychiatrische Behandlung begeben müssen. Da nach dem Vorbescheid
vom 5. Dezember 2012 noch keine entsprechende Verfügung ergangen war, hat die
Beschwerdeführerin damals – im Verlauf des Jahres 2013 – noch die Möglichkeit
gehabt, eine von Beginn weg richtige Verfügung zu erlassen. Allerdings hat der
Beschwerdeführer im September 2013 einen Strafvollzug angetreten, was zur Folge
gehabt hätte, dass eine noch zuzusprechende Rente in Anwendung des Art. 21 Abs. 5
ATSG hätte sistiert werden müssen. Die Beschwerdegegnerin hat das aus nicht
nachvollziehbaren Gründen zum Anlass genommen, die Sachverhaltsabklärung
abzubrechen. Offenbar ist sie der Ansicht gewesen, dass es keine Rolle spiele, ob sie
eine sistierte Rente oder gar keine Rente zuspreche. Da im damals aktuellsten
Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik C._ vom 30. September 2013 aufgrund
eines administrativen Versehens fälschlicherweise eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit attestiert worden war, hat die Beschwerdegegnerin den offenkundig
falschen Schluss gezogen, die ursprünglich vorgesehene Befristung der Rente per 30.
April 2012 sei korrekt, weshalb sie am 18. Juni 2014 entsprechend verfügt hat. Wie sie
im Mai 2018 zu Recht festgehalten hat, ist die Befristung der Rente bis zum 30. April
2012 vor diesem Hintergrund als zweifellos unrichtig zu qualifizieren. Die Berichtigung
dieses Fehlers ist von erheblicher Bedeutung. Die Beschwerdegegnerin hat die
ursprüngliche Verfügung vom 18. Juni 2014 deshalb zu Recht wiedererwägungsweise
aufgehoben.
Der Beschwerdeführer hat geltend gemacht, er sei bereits im Jahr 2009
„massgeblich“ arbeitsunfähig gewesen, weshalb ihm die Rente nicht erst ab dem 1.
Oktober 2011 zugesprochen werden dürfe. Da er sich erst im März 2011 zum
Leistungsbezug angemeldet hat, könnte ihm die Rente in Anwendung des Art. 29 Abs.
1 IVG frühestens per 1. September 2011 zugesprochen werden. Tatsächlich deuten
zwar gewisse Anhaltspunkte, namentlich die häufigen Stellenwechsel und die Art der
psychischen Erkrankung, darauf hin, dass der Beschwerdeführer wohl schon vor
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/14
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Oktober 2010 in einem relevanten Ausmass arbeitsunfähig gewesen sein könnte. Aber
der Beschwerdeführer hat bis zum Verkehrsunfall im Oktober 2010 in einem
Vollpensum als Polygraph gearbeitet, weshalb die Arbeitsunfähigkeit nur für die Zeit ab
Oktober 2010 mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit ausgewiesen ist. Bezüglich des Zeitraums davor steht nicht
überwiegend wahrscheinlich fest, ob und allenfalls in welchem Ausmass der
Beschwerdeführer arbeitsunfähig gewesen ist. Von weiteren Sachverhaltsabklärungen
ist diesbezüglich in antizipierender Beweiswürdigung kein ausreichender
Erkenntnisgewinn zu erwarten, weshalb eine objektive Beweislosigkeit vorliegt, deren
Folgen in einer lückenfüllenden, analogen Anwendung des Art. 8 ZGB der
Beschwerdeführer tragen muss. Das sogenannte Wartejahr (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG)
hat folglich erst im Oktober 2010 zu laufen begonnen, weshalb der Rentenanspruch am
1. Oktober 2011 entstanden ist. Der Invaliditätsgrad beträgt überwiegend
wahrscheinlich mindestens 70 Prozent, denn der Beschwerdeführer ist, wie der RAD-
Arzt I._ anschaulich und überzeugend aufgezeigt hat, selbst unter günstigsten
Umständen mit einer intensiven Therapie und einem überaus wohlwollenden und
verständnisvollen Arbeitsumfeld nicht in der Lage gewesen, eine Leistung zu erbringen,
die mehr als 30 Prozent der Leistung eines gesunden Polygraphen entsprochen hätte.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG ist damit ein Anspruch auf eine ganze Rente mit Wirkung ab
dem 1. Oktober 2011 ausgewiesen.
Bleibt zu prüfen, ob der Art. 88 Abs. 1 lit. c IVV der wiedererwägungsweisen
Zusprache der Rente für die Zeit vor dem 1. April 2018 entgegen steht, wie die
Beschwerdegegnerin geltend gemacht hat. Gemäss dem Art. 88 Abs. 1 lit. c IVV
erfolgt die Erhöhung einer Rente frühestens von dem Monat an, in dem der Mangel
entdeckt wurde, wenn festgestellt wird, dass der Beschluss der IV-Stelle zum Nachteil
des Versicherten zweifellos unrichtig war. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin kann diese Bestimmung im hier zu beurteilenden
Wiedererwägungsverfahren nicht massgebend sein, denn nach seinem klaren und
eindeutigen Wortlaut betrifft der Art. 88 Abs. 1 lit. c IVV nur die (revisionsweise)
Erhöhung, aber nicht die Zusprache (auch nicht die wiedererwägungsweise Zusprache)
einer Rente. Die systematische Interpretation führt zum selben Ergebnis, denn der Art.
88 IVV befindet sich im Abschnitt E, der mit „Die Revision der Renten, der
Hilflosenentschädigung und des Assistenzbeitrages“ betitelt ist. Es handelt sich also
nicht um eine Ausführungsbestimmung zum Art. 53 Abs. 2 ATSG, sondern eindeutig
um eine Ausführungsbestimmung zum Art. 17 ATSG. Der Art. 88 Abs. 1 lit. c IVV
kommt also nur zur Anwendung, wenn es im Rahmen eines Revisionsverfahrens zu
einer zweifellosen Unrichtigkeit gekommen ist. Schliesslich läge im Ergebnis eine
2.3. bis
bis
bis
bis
bis
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/14
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3.
unerhörte, durch nichts zu rechtfertigende Härte beziehungsweise
Leistungsverweigerung vor, wenn die wiedererwägungsweise Zusprache einer Rente
wegen eines früheren Fehlers – nicht des Versicherten, sondern der IV-Stelle! – erst auf
einen deutlich späteren Zeitpunkt als eine ursprüngliche Rentenzusprache bei
ansonsten identischen tatsächlichen Verhältnissen erfolgen könnte. Zusammenfassend
kann der Art. 88 Abs. 1 lit. c IVV jedenfalls vorliegend nicht einschlägig sein. Die von
der Beschwerdegegnerin verfügte Rentenzusprache ab dem 1. April 2018 erweist sich
damit als rechtswidrig. Der Beschwerdeführer hat mit Wirkung ab dem 1. Oktober 2011
einen Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung. Da sich der
Gesundheitszustand respektive die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers in der Zeit
von Oktober 2011 bis Ende Februar 2019 nicht relevant verändert hat, steht eine
„revisionsanaloge“ Abstufung der wiedererwägungsweise neu zuzusprechenden Rente
nicht zur Diskussion.
bis
Nach Art. 21 Abs. 5 ATSG kann die Auszahlung von Geldleistungen mit
Erwerbsersatzcharakter während der Zeit, in der sich eine versicherte Person im Straf-
oder Massnahmenvollzug befindet, ganz oder teilweise eingestellt werden. Der
Beschwerdeführer hat sich ab dem 18. September 2013 im Massnahmenvollzug
befunden, weshalb die Rente ab dem 1. Oktober 2013 (vgl. Rz. 6007 des
Kreisschreibens über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung
[KSIH]) zu sistieren ist. Dem Beschwerdeführer ist im Dezember 2015 eine
Vollzugserleichterung gewährt worden, die es ihm grundsätzlich ermöglicht hätte, eine
Arbeitsstelle anzunehmen und einer Arbeit nachzugehen. Effektiv hat er erst im April
2017 einen Arbeitsversuch begonnen. Nach der Verwaltungspraxis und der Auffassung
des Bundesgerichtes rechtfertigt der Wechsel in eine Halbgefangenschaft respektive
eine Erleichterung eines Massnahmenvollzugs die Aufhebung einer in Anwendung des
Art. 21 Abs. 5 ATSG verfügten Rentensistierung (vgl. Rz. 6003 ff. KSIH). Diese
Auffassung hält einer kritischen Würdigung nicht stand, wie sich aus der ausführlichen
Begründung in SVR 2018 IV Nr. 41 ergibt. Laut den Art. 77b und 79 StGB hängt der
Entscheid, ob eine Strafe in Halbgefangenschaft verbüsst werden kann, nämlich nicht
von der Arbeits- respektive Erwerbsfähigkeit, sondern massgebend davon ab, ob die
zu inhaftierende Person effektiv erwerbstätig ist (vgl. dazu BSK Strafrecht I-Baechtold,
Art. 77b N 8 sowie Art. 79 N 4 und 10; Günter Stratenwerth, Schweizerisches
Strafrecht, Allgemeiner Teil, Band II, 2. Aufl. 2006, §4 N 29, mit Hinweisen). Folglich ist
die Ausübung einer Erwerbstätigkeit im Zeitpunkt des Haftantritts auch das einzige
Kriterium für die Beantwortung der Frage, ob eine allfällige Rente der
3.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/14
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Invalidenversicherung für die Dauer des Strafvollzugs zu sistieren sei. Das bedeutet,
dass jene Invalide, die ihre allfällige Resterwerbsfähigkeit im Zeitpunkt des Haftantritts
effektiv verwerten, ihre Rente weiter beziehen können, während die Rente jener
Invaliden, die ihre Resterwerbsfähigkeit nicht verwerten oder die überhaupt nicht mehr
erwerbsfähig sind, für die Dauer des Strafvollzugs sistiert wird. Nun hängt der
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung aber gar nicht davon ab, ob eine
allfällige Resterwerbsfähigkeit effektiv verwertet wird. Der Rentenanspruch einer
versicherten Person ändert sich nicht, wenn diese eine Erwerbstätigkeit aufnimmt,
verliert oder aufgibt. Ihr Rentenanspruch bleibt also auch von einer vorübergehenden
haftbedingten Unmöglichkeit, eine allfällige Resterwerbsfähigkeit zu verwerten,
unberührt. Der Bedarf eines effektiv erwerbstätigen Versicherten nach einer Rente der
Invalidenversicherung unterscheidet sich (bei ansonsten identischen tatsächlichen
Verhältnissen) nicht vom Bedarf eines nicht erwerbstätigen Versicherten. Die effektive
Ausübung einer Erwerbstätigkeit kann also kein sachlich geeignetes Kriterium zur
Ungleichbehandlung von invaliden Inhaftierten sein, da sie mit dem Leistungsbedarf
nichts zu tun hat. Die Ungleichbehandlung von inhaftierten Invaliden, die ihre allfällige
Resterwerbsfähigkeit effektiv verwerten, und jenen inhaftierten Invaliden, die nicht
erwerbstätig sind, lässt sich folglich sachlich nicht rechtfertigen, weshalb sie das
Gleichbehandlungsgebot des Art. 8 BV verletzt. In seinem Bestreben, eine
rechtsgleiche Behandlung von validen und invaliden Inhaftierten zu ermöglichen, hat
der historische Gesetzgeber also paradoxerweise eine Regelung geschaffen, welche
die rechtsgleiche Behandlung aller invaliden Inhaftierten verunmöglicht (vgl. SVR 2018
IV Nr. 41).
Damit stellt sich die Frage, ob ein anderes sachliches Kriterium existiert, das eine
unterschiedliche Behandlung von invaliden Inhaftierten rechtfertigen könnte
(beziehungsweise dazu zwingen würde). Dafür fällt die Unterscheidung zwischen Voll-
und Teilinvalidität in Betracht, denn auf den ersten Blick scheint ein Haftantritt für einen
Teilinvaliden andere Wirkungen zu zeitigen als für einen Vollinvaliden. Mit einem
Haftantritt verliert nämlich ein nicht erwerbstätiger Teilinvalider für die Dauer des
Strafvollzugs die Möglichkeit, doch noch eine Erwerbstätigkeit auszuüben, während
der Vollinvalide definitionsgemäss auch dann keiner Erwerbstätigkeit nachgehen
könnte, wenn er keine Haftstrafe verbüssen müsste. Der Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten des nicht erwerbstätigen Teilinvaliden ist aus
invalidenversicherungsrechtlicher Sicht irrelevant. Für den Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung ist es nämlich ohne Belang, ob die konkrete Möglichkeit zu einer
effektiven Verwertung einer allfälligen Resterwerbsfähigkeit besteht, denn die Rente
bezieht sich ja nicht auf jenen Teil der Erwerbsfähigkeit, der allenfalls noch verwertet
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/14
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werden könnte, sondern im Gegenteil auf jenen Teil, der infolge einer
Gesundheitsbeeinträchtigung sowieso nicht (mehr) vorhanden ist. Auch eine
unterschiedliche Behandlung von Voll- und Teilinvaliden liesse sich folglich sachlich
nicht rechtfertigen, weshalb auch sie gegen das Gleichbehandlungsgebot des Art. 8 BV
verstossen würde. Ein anderes Kriterium, das eine Ungleichbehandlung von invaliden
Inhaftierten rechtfertigen könnte, ist nicht ersichtlich. Bezüglich des Bedarfs nach einer
Rente der Invalidenversicherung erweist sich die Verbüssung einer Haftstrafe folglich in
jedem Fall als irrelevant. Ein Strafvollzug kann mit Blick auf den Rentenanspruch keine
unterschiedlichen Folgen für bestimmte Kategorien von Invaliden zeitigen, weshalb sich
eine Ungleichbehandlung von invaliden Inhaftierten nicht rechtfertigen lässt.
Konsequenterweise muss also jede Invalidenrente während der Dauer eines
Strafvollzugs sistiert werden (vgl. SVR 2018 IV Nr. 41).
Das Gleichbehandlungsgebot des Art. 8 BV verlangt darüber hinaus auch eine
rechtsgleiche Behandlung von inhaftierten und nicht inhaftierten Invaliden. An sich
müsste deshalb danach gefragt werden, ob es sich denn sachlich überhaupt
rechtfertigen lasse, die Rente eines inhaftierten Invaliden zu sistieren. Das ist nicht der
Fall, da sich die Verbüssung einer Haftstrafe wie oben dargelegt nicht auf den
Leistungsbedarf respektive auf den Leistungsanspruch gegenüber der
Invalidenversicherung auswirken kann. Der Invaliditätsgrad bleibt von einem Haftantritt
unberührt. Auch der in der Rechtsprechung wiederholt erwähnte Umstand, dass der
Staat während der Dauer einer Haftstrafe für den Unterhalt der inhaftierten Person
aufkomme, kann keine unterschiedliche Behandlung rechtfertigen, denn das mag zwar
für Kost und Logis zutreffen, aber nicht für die übrigen laufenden Unkosten der
invaliden Person. Gerade während einer nur relativ kurzen Haftstrafe wird die invalide
Person nicht umhin kommen, ihre Wohnungsmiete, die Prämien für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung, die Steuern etc. weiter zu bezahlen. Für diese Unkosten
kommt der Staat während einer Haftstrafe nicht auf. Aus der Sicht der invaliden Person
ändert sich folglich mit einem Haftantritt weder auf der Einnahmen- noch auf der
Ausgabenseite etwas; ihr Leistungsbedarf bleibt unverändert. Die Sistierung der Rente
für die Dauer des Strafvollzugs lässt sich deshalb nicht mit dem im Art. 8 BV
verankerten Gleichbehandlungsgebot in Übereinstimmung bringen, weshalb der Art. 21
Abs. 5 ATSG an sich als verfassungswidrig qualifiziert werden müsste. Der Art. 190 BV
verpflichtet aber die rechtsanwendenden Behörden und die Gerichte zur Anwendung
der Bundesgesetze, was bedeutet, dass der Art. 21 Abs. 5 ATSG ungeachtet seiner
Verfassungskonformität angewendet werden muss. Die Auslegung dieser Bestimmung
muss aber so verfassungskonform und damit auch so rechtsgleich wie möglich
erfolgen. Da es also Fälle geben muss, in denen eine Rente oder eine andere
3.3.
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4.
Zusammenfassend ist dem Beschwerdeführer damit (wiedererwägungsweise) mit
Wirkung ab dem 1. Oktober 2011 eine unbefristete ganze Rente zuzusprechen, die mit
Wirkung ab dem 1. Oktober 2013 im Sinne des Art. 21 Abs. 5 ATSG zu sistieren ist.
Dieser Verfahrensausgang ist hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen
praxisgemäss als ein Obsiegen des Beschwerdeführers zu qualifizieren, weshalb die
angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken
festzusetzenden Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind. Dem
Beschwerdeführer wird der von ihm geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken
zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine
Parteientschädigung auszurichten. Der erforderliche Vertretungsaufwand ist als
insgesamt durchschnittlich zu qualifizieren. Zwar ist der Aktenumfang vergleichsweise
gering, weshalb nur ein unterdurchschnittlicher Aufwand für das Aktenstudium
angefallen ist, aber die rechtliche Problematik erweist sich als überdurchschnittlich
komplex, was einen entsprechenden Mehraufwand in rein rechtlicher Hinsicht
Geldleistung mit Erwerbsersatzcharakter zu sistieren ist, und da es keine Kriterien zur
(dem Gleichbehandlungsgebot genügenden) Unterscheidung einzelner
Fallkonstellationen gibt, kann die möglichst rechtsgleiche Behandlung nur darin
bestehen, ausnahmslos alle Geldleistungen mit Erwerbsersatzcharakter während der
Dauer eines Strafvollzugs zu sistieren (vgl. SVR 2018 IV Nr. 41).
Der Beschwerdeführer hat im September 2013 einen Massnahmenvollzug
angetreten, weshalb die Rente mit Wirkung ab dem 1. Oktober 2013 zu sistieren ist. Bis
zur Eröffnung der angefochtenen Verfügung vom 28. Februar 2019 hat er sich weiterhin
im Massnahmenvollzug befunden. Das Gleichbehandlungsgebot zwingt aus den oben
dargelegten Gründen dazu, die Lockerungen des Massnahmenvollzugs und den Antritt
einer Arbeitsstelle zu ignorieren. Die Sistierung der Rente hätte deshalb im hier
massgebenden Zeitraum bis zur Eröffnung der angefochtenen Verfügung am 28.
Februar 2019 nicht aufgehoben werden dürfen. Auch diesbezüglich erweist sich die
angefochtene Verfügung als rechtswidrig, weshalb sie zu korrigieren ist. Trotz der
damit einhergehenden Verschlechterung der Rechtsposition des Beschwerdeführers ist
nicht auf eine mögliche reformatio in peius hinzuweisen gewesen, weil der damit
einhergehende „Verlust“ von elf Monatsrenten (April 2018 bis und mit Februar 2019;
Beurteilung nur bis zum Datum der Eröffnung der angefochtenen Verfügung) durch den
„Gewinn“ von 17 Monatsrenten für die Zeit von Mai 2012 bis und mit September 2013
mehr als wettgemacht wird.
3.4.
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verursacht hat. Da sich der aktenmässige Minderaufwand und der rein rechtliche
Mehraufwand in etwa ausgleichen, ist die Parteientschädigung praxisgemäss auf 4’000
Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.