Decision ID: cc8e107e-fda3-4e66-958b-ef78c07c182c
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
I. Sachverhalt:
1. Die A._ (nachfolgend A._) hat ihren statutarischen Sitz in
B._ (vorher in C._). Deren einziger Aktionär, D._
(nachfolgend D._), lebt in einem von der Aktiengesellschaft
erworbenen Hausteil in B._. D._ ist quellensteuerpflichtig und
hat damit für Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit
grundsätzlich keine Steuererklärung einzureichen. Da die A._ keine
Quellensteuerabrechnungen einreichte, erfolgten seitens der
Steuerverwaltung des Kantons Graubünden (nachfolgend KStV) zehn
Mahnungen zur Einreichung derselben (alle datiert vom 18. April 2019) für
die Abrechnungen ab Januar 2014 bis Dezember 2018. Am 16. Mai 2019
folgten zehn zweite Mahnungen (per A-Post+) unter Androhung einer
Ordnungsbusse nach Art. 173 StG und der Ermessenstaxation (Art. 131
StG).
2. Mit Verfügungen vom 6. Juni 2019 sprach die KStV betreffend
Quellensteuern für jedes Halbjahr der Abrechnungsperiode 2014 bis 2018
Ordnungsbussen von je CHF 200.-- aus. Die dagegen erhobene
Einsprache vom 5. Juli 2019 wurde am 3. Juli 2020 abgewiesen. Auf die
dagegen eingereichte Beschwerde vom 7. August 2020 trat das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit Entscheid vom
11. September 2020 nicht ein (Verfahren A 20 34). Das Bundesgericht
wies sodann die Beschwerde am 10. November 2020 ab, womit die
Ordnungsbussen in Rechtskraft erwuchsen.
3. Mit Verfügungen vom 20. Juni 2019 veranlagte die KStV die A._ für
die Halbjahre 2014 bis 2018 nach Ermessen jeweils mit einer
Bruttolohnsumme pro Halbjahr von CHF 59'700.-- (sprich CHF 119'400.--
pro Jahr).
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4. Mit am 23. Juli 2019 bei der KStV eingegangener Einsprache gegen die
Ermessensveranlagungen verlangte die A._ die Aufhebung der zehn
Ermessensveranlagungen mit einem quellensteuerpflichtigen Lohn von
rund CHF 10'000.-- für zehn Halbjahre (2014 bis 2018). Die A._ habe
nie quellensteuerpflichtige Löhne ausbezahlt und daher auch nie
Arbeitnehmer als quellensteuerpflichtig angemeldet. Da kein
quellensteuerpflichtiges Personal beschäftigt worden sei, sei
entsprechend auch keine Abrechnung eingereicht worden. Die
Gesellschaft ruhe und sei inaktiv, was auch der KStV mitgeteilt worden sei.
Ebenso sei mitgeteilt worden, dass deren Geschäftsführer D._ bei
einer anderen Gesellschaft tätig sei. Es sei also keine Mitwirkungspflicht
verletzt worden. Die Ermessenstaxationen seien offensichtlich unrichtig,
sie stünden in krassem Gegensatz zu den tatsächlichen Gegebenheiten.
Der Gewinn der A._ habe im Jahre 2017 bei CHF 200.-- und der
Umsatz bei CHF 6'000.-- (Mieteinnahmen von CHF 500.-- pro Monat)
gelegen. Der veranlagte Monatslohn von fast CHF 10'000.-- bzw.
Jahreslohn von CHF 120'000.-- sei offensichtlich willkürlich und
missbräuchlich. Ähnliche Zahlen betreffend Umsatz und Gewinn
bestünden für die Jahre 2014, 2015 und 2016. Der KStV sei bewusst
gewesen, dass die Gesellschaft ruhe und einzig monatliche
Mieteinnahmen von CHF 500.-- erziele und damit nicht plötzlich einen
Jahreslohn von fast CHF 120'000.-- ausbezahlen könne. Die Firma
verfüge überdies über keine Bewilligung zur Ausübung von
Wertpapierhandelsgeschäften. Mit der Einsprache wurden sämtliche
Quellensteuerabrechnungen für die Jahre 2014 bis 2018 eingereicht,
worin der einzige Arbeitnehmer D._ mit einem Lohn von CHF 0.--
ausgewiesen wurde.
5. Mit Schreiben vom 21. August 2019 teilte die KStV der A._ mit, dass
die Möglichkeit bestünde, dass für den Unterhalt von D._, der
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angebe, bei mehreren Firmen beteiligt oder angestellt zu sein, nicht die
A._, sondern andere Firmen aufkommen würden. Wenn
nachgewiesen werde, dass der Lebensunterhalt anderweitig finanziert
worden sei, könne eine Reduktion der Ermessenstaxation vorgenommen
werden. Am 4. Dezember 2019 forderte die KStV von D._ den
Nachweis der Lebenshaltungskosten. Mit E-Mail vom 10. Januar 2020
teilte D._ der KStV mit, dass er in der nächsten Woche die
geforderten Nachweise vollständig werde einreichen können.
6. Nachdem keine Unterlagen darüber eingereicht wurden, wie D._
seinen Unterhalt finanzierte, wies die KStV die Einsprache mit Entscheid
vom 29. April 2021 ab. Sie begründete dies im Wesentlichen damit, dass
der Vertreter der A._ (sprich D._) nicht den Nachweis habe
erbringen können, wie er seinen Lebensunterhalt bestreite, d.h. wie er die
Miete bezahle, seinen Bedarf an Lebensmitteln finanziere, wie hoch seine
Krankenkassenprämien seien und wieviel er für die von ihm behaupteten
Spitalaufenthalte selber habe "berappen" müssen. Auch habe er im Jahre
2017 privat eine Liegenschaft in E._ zum Preis von CHF 60'000.--
erwerben können. Es sei unklar, wie der Vertreter der A._ dies
bewerkstelligt habe. Allenfalls habe er in den fraglichen Perioden von
anderen (noch existierenden oder aufgelösten) Gesellschaften einen Lohn
(der auch der Quellensteuer unterliegen würde) bezogen oder ein
Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit erzielt (was ergänzend im
ordentlichen Verfahren besteuert würde). Aufgrund des
Liegenschaftenbesitzes werde beim Vertreter der A._ ein solches
ergänzendes ordentliches Verfahren seit 2017 durchgeführt. Auch hier
habe der Genannte nie eine Steuererklärung eingereicht und sich immer
nach Ermessen veranlagen lassen, wobei das im vorliegenden
Quellensteuerverfahren angenommene Einkommen von CHF 120'000.--
satzbestimmend herangezogen worden sei. Dabei habe sich der Vertreter
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der A._ nicht beeindrucken lassen und kein Rechtsmittel dagegen
ergriffen. Es erscheine nicht rechtens, wenn er nun die Höhe des von der
KStV festgesetzten Einkommens als willkürlich bezeichne, selber aber nie
irgendeinen Hinweis liefere, wovon er seinen Unterhalt bestreite. Immerhin
sei er gemäss Handelsregisterauszug Direktor und
Verwaltungsratspräsident der Firma, ein monatliches Einkommen von
CHF 9'950.-- erscheine daher nicht unrealistisch. Dieser Betrag führe zu
einem jährlichen Bruttoeinkommen von unter CHF 120'000.--. Mit der
Festlegung dieser Grenze solle vermieden werden, dass die Grenze für
die nachträgliche ordentliche Veranlagung gemäss Art. 105a StG und
Art. 28 ABzStG (CHF 120'000.--) überschritten und ein weiteres Verfahren
in Gang gesetzt werde. Wenn der Vertreter der A._ seine
Mitwirkungspflicht ständig verletze und versprochene Nachweise nicht
beibringe, so dürfe ihm das nicht zum Vorteil gereichen.
7. Dagegen erhob die A._ (nachfolgend Beschwerdeführerin) am
31. Mai 2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden und beantragte, der Einspracheentscheid sei aufzuheben
und es sei festzustellen, dass D._ von der Beschwerdeführerin in der
fraglichen Zeit keinen Lohn bezogen habe und diese in der fraglichen Zeit
generell keine Löhne entrichtet habe. Mit dem Aktienkapital der A._
habe die Beschwerdeführerin für CHF 98'000.-- die Liegenschaft in
B._ gekauft, worin D._, der oft kaum über dem Existenzminimum
lebe, wohne und dafür eine monatliche Miete von CHF 500.-- bezahle. Von
einem von der Beschwerdeführerin bezogenen Einkommen von
CHF 120'000.-- könne unter den gegebenen Umständen (inaktive
Gesellschaft) keine Rede sein. D._ habe zuvor in anderen Kantonen
gelebt, wo ihm mitgeteilt worden sei, dass bei Firmen, die keinen Lohn
ausschütteten, ein Vermerk "Null-Ausschüttung" genüge und sich eine
detailliert ausgefüllte Steuererklärung erübrige. Dass die
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Beschwerdeführerin ruhe, sei auch durch Pfändungsprotokolle der
Betreibungsämter der Stadt F._ und später des Betreibungsamtes
G._ bzw. später des Betreibungs- und Konkursamts H._ belegt.
Zudem sei der Wertpapierhandel bewilligungspflichtig und es liege für die
Gesellschaft keine Bewilligung vor. Im Weiteren habe D._ am 13. Juli
2017 eine schwere Bein-/Fussverletzung erlitten und sei deswegen über
einen längeren Zeitraum nicht arbeitsfähig gewesen (Aufenthalte in vier
Spitälern und insgesamt vier Operationen). Der Buchhalter sei an Krebs
erkrankt und 2018 verstorben. Es sei daher zu Betreibungen gegenüber
D._ und der Beschwerdeführerin gekommen. Wie solle da die
Beschwerdeführerin jährlich einen Lohn von CHF 120'000.-- an D._
ausbezahlt haben? Als Nachweis für die prekäre finanzielle Situation
würden auch die zahlreichen Pfändungseinvernahmen des Betreibungs-
und Konkursamts H._ dienen. Es seien sodann Ermessenstaxationen
und Steuerbussen hinzugekommen. D._ habe sich nicht zur Wehr
setzen können, obwohl die Ermessenstaxationen nicht den real
existierenden Daten entsprochen hätten. Nach der Aufforderung vom
21. August 2019, den Nachweis zu erbringen, wie er seinen
Lebensunterhalt bestreite, habe D._ der KStV telefonisch mitgeteilt,
dass er bei der "I._ AG" (Internetagentur/Medienagentur) tätig
geworden sei und dort einen geringfügigen Lohn bezogen habe, nachdem
die Beschwerdeführerin stillgelegt worden sei. Erst nach 1 1⁄4 Jahren sei
dann der Einspracheentscheid erfolgt. Bei den persönlichen Steuern habe
D._ in der damaligen Situation nicht mehr die Kraft gehabt, sich zur
Wehr zu setzen. Es sei ihm nichts Anderes übriggeblieben, als in den
sauren Apfel zu beissen und die zu hohen Ermessenstaxationen zu
bezahlen.
Die von der KStV erfolgten Lohnschätzungen von rund CHF 120'000.--
seien demnach massiv zu hoch. Tatsächlich hätten die Lohnzahlungen
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CHF 0.-- betragen und sei in den Jahresabrechnungen jeweils ein
Einkommen von CHF 0.-- deklariert worden. Zudem würden die
Ermessenstaxationen der Abteilung Quellensteuern den
Ermessenstaxationen der Beschwerdeführerin im Bereich der
Gewinnsteuer widersprechen. Die Gewinnsteuer sei jeweils im
dreistelligen oder niedrigen vierstelligen Bereich festgelegt worden. Auch
dies zeige, dass der ermessensweise angenommene
quellensteuerpflichtige Lohn von rund CHF 120'000.-- pro Jahr in keiner
Art und Weise gerechtfertigt sei. Die Behauptung der KStV, das
Geschäftsgebaren der Beschwerdeführerin (A._) sei völlig
intransparent, sei daher nicht gerechtfertigt.
D._ habe im Jahre 2015 eine Erbschaftsauszahlung erhalten, welche
es ihm ermöglicht habe, 2016 die "J._ AG" zu gründen, die jedoch nie
aktiv geworden sei. Sowohl die "I._ AG" als auch die "J._ AG"
habe er inzwischen verloren. Betreffend Bestreitung des Lebensunterhalts
führt die Beschwerdeführerin weiter an, dass D._ die Krankenkassen-
Prämien nicht mehr habe bezahlen können, so dass er dafür betrieben
worden und auf der schwarzen Liste der säumigen Zahler gelandet sei.
Aus dem Betreibungsregisterauszug gehe auch hervor, welche Kosten
D._ für die Spitalaufenthalte selber habe tragen müssen. D._
erhalte von der "I._ AG" – wie schon seit Jahren – einen monatlichen
Lohn von CHF 1'000.--, was belegt sei und mit der
Sozialversicherungsanstalt Zürich abgerechnet werde. Er lebe sehr
bescheiden und wohne in einer stark sanierungsbedürftigen Liegenschaft,
was auch dem Verwaltungsgericht bekannt sei. Das Amt für
Immobilienbewertung habe im Jahre 2020 angedroht, die Liegenschaft als
unbewohnbar einzuschätzen, da keine Küche vorhanden sei (bloss
"Ersatzküche").
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8. Mit Vernehmlassung vom 21. Juni 2021 beantragte die KStV (nachfolgend
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde; eventualiter sei
das der Quellensteuer unterliegende Bruttoeinkommen von D._ bei
der A._ für die Abrechnungsperiode vom 1. Januar 2014 bis
31. Dezember 2018 durch das streitberufene Gericht festzulegen. Die
Beschwerdegegnerin erläutert erneut den Sachverhalt und verweist auf
die gesetzlichen Grundlagen betreffend die Pflicht zur halbjährlichen
Einreichung einer Quellensteuerabrechnung. D._ zeichne gemäss
Handelsregister als Verwaltungsratspräsident und Direktor der A._,
so dass sein Verhalten als Organ der Gesellschaft in direktem
Zusammenhang zu seinem Verhalten als Privatperson zu sehen sei. Er
lebe seit Jahren in der Schweiz und seit 2009 im Kanton Graubünden. Er
sei aber offensichtlich nicht willens, sich an landesübliche Pflichten zu
halten. Dies werde teilweise vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
bestätigt ("...eine Unbedarftheit an den Tag gelegt, wie sie nicht toleriert
werden kann..."). Selbst der Umgang mit Forderungen lasse einige
Fragen zum Verhalten von D._ offen (unter Verweis auf die Beilage 4
betreffend Schuldnerinformation der Beschwerdeführerin). D._ habe
in der hier massgeblichen Periode (2014 bis 2018) Funktionen bei vier
Gesellschaften innegehabt und davor bei weiteren drei Gesellschaften
eine leitende Funktion ausgeübt. Die Aussage, wonach D._ die
Beschwerdegegnerin in einem Telefonat über den von der "I._ AG"
bezogenen Lohn von CHF 1'000.-- orientiert habe, werde bestritten. Die
"I._ AG" habe im Kanton Graubünden nie eine
Quellensteuerabrechnung eingereicht (obwohl sie das für den
Arbeitnehmer D._ hätte tun müssen). Es sei unklar, ob sie als
juristische Person an ihrem Sitz im Kanton Zürich je eine Steuererklärung
eingereicht habe. Die Aussage betreffend Erbschaftsauszahlung in der
Beschwerde werfe die Frage auf, ob dieser Vermögenszugang nicht
irgendwo hätte besteuert werden müssen (Erbschaftssteuer). Es dürfte
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sich um einen grösseren Betrag gehandelt haben, habe D._ doch
eine Aktiengesellschaft mit einem zu 50 % liberierten Aktienkapital von
CHF 100'000.-- gründen können. Die Aktien hätte er zudem im Rahmen
einer ergänzenden ordentlichen Veranlagung gemäss Art. 105 StG
deklarieren müssen, was jedoch unterblieben sei. Es bleibe weiter offen,
wie D._ im Jahre 2017 die Liegenschaft in E._ für den Betrag
von CHF 60'000.-- habe erwerben können. Allenfalls habe D._ nebst
den eingestandenen Zahlungen der "I._ AG" auch noch von weiteren
Quellen Lohn bezogen oder sei einer selbständigen Erwerbstätigkeit
nachgegangen. Letzteres würde einer ergänzenden ordentlichen
Besteuerung unterliegen. Ein solches Verfahren finde aufgrund des
Liegenschaftenbesitzes in E._ seit 2017 statt. Auch in diesen
Verfahren sei nie eine Steuererklärung eingereicht worden und in der
Ermessentaxation das im vorliegenden Quellensteuerverfahren
angenommene Einkommen von rund CHF 120'000.-- satzbestimmend
herangezogen worden, was nie bestritten worden sei.
Die Beschwerdeführerin habe in den fraglichen Jahren nie innert Frist eine
Steuererklärung eingereicht und damit ihre Mitwirkungspflicht im
Veranlagungsverfahren laufend verletzt. Sie sei dafür mehrfach gebüsst
und schliesslich nach Ermessen veranlagt worden. Die zuletzt
eingereichte Steuererklärung weise einen Umsatz von gerade mal
CHF 6'000.-- aus. Die Beschwerdeführerin könne auch aus dem FINMA-
Bericht, der aus dem Jahre 2010 stamme, nichts für die hier fraglichen
Jahre 2014 bis 2018 herleiten. Auch der Rechtfertigungsgrund der Bein-
/Fuss-Verletzung sei nicht erwiesen. Selbst wenn, sei es D._ indes
möglich gewesen, einen Vertreter zu beauftragen. Die Vorgehensweise
von D._ mit Gründungen von Firmen, die hochtrabende
Firmenzwecke vorgegeben hätten und angeblich nie aktiv geworden seien
oder bald schon wieder hätten liquidiert werden müssen, sei wirtschaftlich
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nicht nachvollziehbar. Das Vorgehen mit fehlenden Abschlüssen und
Belegen sowie nicht eingereichten Steuererklärungen sei aber als
systematisch zu bezeichnen und diene möglicherweise nur der
Verschleierung. Zurück blieben geprellte Gläubiger. Aus der von der
Beschwerdeführerin eingereichten Beilage 4 sei ersichtlich, dass
vorwiegend die öffentliche Hand betroffen sei. Zusammenfassend sei das
Geschäftsgebaren der Beschwerdeführerin für die Steuerbehörden völlig
intransparent. Bis und mit Einspracheverfahren habe D._ als
Vertreter der Beschwerdeführerin nicht dargelegt, wie er seinen
Lebensunterhalt bestreite. Die Beschwerdegegnerin sei damit nicht in der
Lage, das Einkommen von D._, gemäss Handelsregister Direktor und
Verwaltungsratspräsident, festzulegen. Ein monatliches Bruttoeinkommen
von CHF 9'950.-- erscheine nicht unrealistisch. Die Beschwerdegegnerin
habe dieses Einkommen auch mit dem statistischen Lohnrechner des
Bundesamtes für Statistik zu plausibilisieren versucht. Mit der Festlegung
des Bruttolohns auf CHF 9'950.-- bleibe die Beschwerdegegnerin über
30 % unter dem ermittelten Zentralwert für mittleres und oberes Kaders
eines Finanzdienstleisters in der Ostschweiz. Die Beschwerdegegnerin
führt zusammenfassend an, dass die Quellensteuer im System der
Selbstveranlagung erhoben werde, die Mitwirkung des Steuer- oder
Abrechnungspflichtigen damit Voraussetzung für eine Besteuerung sei.
Wenn – wie im vorliegenden Fall – die Beschwerdeführerin bzw. deren
Vertreter die Mitwirkungspflicht systematisch verletze und versprochene
Nachweise nicht beibringe, dürfe dies nicht zu ihrem Vorteil gereichen. Die
Beschwerdegegnerin habe aufgrund des Schreibens vom 21. August
2019 klar zum Ausdruck gebracht, dass sie bereit gewesen wäre, D._
aufgrund der effektiven Verhältnisse zu beurteilen und sein Einkommen
entsprechend festzulegen.
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9. Seitens der Beschwerdeführerin folgten mit Eingaben vom 5., 12. und
13. Juli 2021 Ausführungen zur Replik, wobei die Argumente wiederholt
und nochmals vertieft wurden. Ergänzend führte die Beschwerdeführerin
an, dass D._ ein Gesuch um Sozialhilfe eingereicht und dann aber
wieder zurückgezogen habe und sich auch von Privatpersonen habe Geld
leihen müssen. Die Beschwerdegegnerin handle willkürlich, wenn sie
Lohnzahlungen von rund CHF 120'000.-- durch die Beschwerdeführerin
an D._ annehme. Für die Liegenschaft in E._, die momentan
zwangsversteigert werde, habe der Beschwerdeführer zudem mit Ach und
Krach lediglich zwei Anzahlungen von je CHF 5'000.-- (teilweise mit
geliehenem Geld) leisten können, jedoch nicht den Restkaufpreis.
10. Mit Duplik vom 12. August 2021 unterstrich die Beschwerdegegnerin
nochmals die Verletzung der Verfahrenspflichten und die Tatsache, dass
die Beschwerdeführerin bzw. D._ die Folgen davon zu tragen hätten.
Sie hielt fest, dass es ihr trotz allem Bemühen nicht möglich sei, den
Untersuchungsnotstand mit angemessenem Aufwand zu beseitigen.
11. Es folgten am 9. September 2021 (Poststempel) je eine Triplik durch die
Beschwerdeführerin samt Einreichung der anwaltlichen Honorarforderung
und eine durch D._.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und
den angefochtenen Einspracheentscheid wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Considerations:
II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahrens bildet der Einspracheentscheid vom 29. April 2021
betreffend Quellensteuern für die Abrechnungsperioden 2014 bis 2018,
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mit welchem die Beschwerdegegnerin die Einsprache der heutigen
Beschwerdeführerin vom 22. Juli 2019 abgewiesen hat (vgl.
beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 2; beschwerdegegnerische Akten
[Bg-act.] 12). Ein solcher Entscheid kann mit Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden weitergezogen werden (vgl.
Art. 50 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten
Steuern der Kantone und Gemeinden [StHG; SR 642.14] i.V.m. Art. 139
Abs. 1 des Steuergesetzes für den Kanton Graubünden (StG;
BR 720.000) und Art. 29 Abs. 2 des Gesetzes über die Gemeinde- und
Kirchensteuern [GKStG; BR 720.200]). Die sachliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 29 Abs. 1 lit. b des kantonalen
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100), wonach
das Verwaltungsgericht Beschwerden gegen Entscheide von
Dienststellen der kantonalen Verwaltung und von unselbständigen
Anstalten des kantonalen Rechts beurteilt, soweit das kantonale Recht
den direkten Weiterzug vorsieht, was hier – wie gesehen (vgl. Art. 139
Abs. 1 StG) – der Fall ist. Demzufolge fällt die Beurteilung der
vorliegenden Beschwerde in die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts
des Kantons Graubünden. Als formelle und materielle Adressatin des
angefochtenen Einspracheentscheids ist die Beschwerdeführerin
überdies berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an dessen
Aufhebung
oder Änderung auf (vgl. Art. 50 VRG). Auf die zudem frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten (Art. 52 Abs. 1 und
Art. 38 VRG).
2. Strittig ist vorliegend, ob die Beschwerdegegnerin gegenüber der
Beschwerdeführerin zu Recht eine Ermessenstaxation für nicht
abgerechnete Quellensteuern verfügt hat und ob diese rechtmässig ist.
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3.1. Nach den (unbestrittenen) Ausführungen der Beschwerdegegnerin ist
D._ im Kanton Graubünden für Einkommen aus unselbständiger
Erwerbstätigkeit der Qellenbesteuerung unterworfen (Art. 83 Abs. 1
Gesetz über die direkte Bundessteuer [DBG; SR 642.11]; Art. 98 Abs. 1
lit. a StG). Nach Art. 41 Abs. 3 der Ausführungsbestimmungen zur
Steuergesetzgebung des Kantons Graubünden (ABzStG; BR 720.015) ist
die Abrechnung der Quellensteuern durch den Schuldner der steuerbaren
Leistung bzw. den Arbeitgeber innerhalb eines Monats nach Ablauf der
Abrechnungsperiode einzureichen. Bei weniger als fünf
quellensteuerpflichtigen Personen kann die Quellensteuerabrechnung
halbjährlich vorgenommen werden (vgl. Ziff. 9.1.2 der Weisungen der
Steuerverwaltung Graubünden über die Erhebung der Quellensteuer,
abrufbar unter:
https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dfg/stv/steuererklaerung/-
quellensteuer/WegleitungenMerkbltterTarife/-Form100-2019.pdf;
letztmals besucht am 16. November 2021).
3.2. Vorab gilt es festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin für die
Steuerperiode 2014 bis 2018 betreffend die Quellensteuern zu Recht nach
Ermessen veranlagt wurde. Eine Ermessenstaxation ist vorzunehmen,
wenn eine steuerpflichtige Person trotz Mahnung keine
Quellensteuerabrechnung oder keine zuverlässigen Unterlagen einreicht
oder nur ungenügend Auskunft erteilt und ihr eine Ermessenstaxation
angedroht wurde (Art. 130 Abs. 2 DBG und Art. 46 Abs. 3 StHG i.V.m.
Art. 131 Abs. 1 lit. a StG). Voraussetzung für eine rechtswirksame
Mahnung wiederum ist, dass der Steuerpflichtige mit der Erfüllung seiner
Verfahrenspflichten in Verzug ist. Eine Ermessenstaxation wird in der
Regel bei natürlichen Personen oder Juristischen Personen
vorgenommen. Mit der Ermessenstaxation bei einer Arbeitgeberin für nicht
abgerechnete Quellensteuern liegt hier ein Ausnahmefall vor. Auch bei der
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Quellensteuer, die eine Selbstdeklarationssteuer darstellt, ist es indes
möglich, bei der Verletzung von Verfahrenspflichten (z.B. keine
Abrechnungen oder unglaubwürdige bzw. widersprüchliche
Abrechnungen) eine Ermessenstaxation vorzunehmen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 2C_1126/2013 vom 18. Februar 2014 E.1.2;
ZWEIFEL/HUNZIKER, in: ZWEIFEL/BEUSCH [Hrsg.], Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die Harmonisierung der
direkten Steuern der Kantone und Gemeinden [StHG], 3. Aufl., Basel
2017, [Nachfolgend: Kommentar StHG], Art. 46 Rz. 29).
Mangels fristgerechter Einreichung der Quellensteuerabrechnungen 2014
bis 2018 mahnte die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin
erstmals mit Schreiben vom 18. April 2019 (vgl. Bg-act. 3) und
nachfolgend mit 2. Mahnungen vom 16. Mai 2019 (vgl. Bg-act. 4).
Nachdem die Beschwerdeführerin trotz Mahnung die
Quellensteuerabrechnungen 2014 bis 2018 nicht einreichte, büsste die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin mit Verfügungen vom
6. Juni 2019 gestützt auf Art. 173 StG. In den Bussverfügungen forderte
die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin letztmals auf, innert acht
Tagen die Quellensteuerabrechnungen 2014 bis 2018 einzureichen und
teilte ihr mit, dass bei erneutem Fristversäumnis eine
Ermessensveranlagung erfolge, die nur mit dem Vorwurf der
offensichtlichen Unrichtigkeit anfechtbar sei (vgl. Bg-act. 5). Nachdem die
Beschwerdeführerin auch innerhalb der gewährten Frist von acht Tagen
die Quellensteuerabrechnungen 2014 bis 2018 nicht eingereicht hatte,
erfolgte mit Verfügungen vom 20. Juni 2019 betreffend die
Quellensteuerabrechnungen 2014 bis 2018 eine Ermessensveranlagung
(vgl. Bg-act. 6). Dies ist, nachdem die Beschwerdeführerin ihren
Verfahrenspflichten trotz Mahnung und Androhung einer
Ermessenstaxation unbestrittenermassen nicht nachgekommen ist, und
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die Quellensteuerabrechnungen 2014 bis 2018 nicht innert acht Tagen
nach Erhalt der Bussverfügungen eingereicht hat, nicht zu beanstanden.
4.1. Eine Ermessentaxation hat immer nach "pflichtgemässem Ermessen" zu
erfolgen. Eine Veranlagung nach pflichtgemässem Ermessen kann der
Steuerpflichtige gemäss Art. 132 Abs. 3 DBG und Art. 48 Abs. 2 StHG
i.V.m. Art. 137 Abs. 4 StG nur wegen offensichtlicher Unrichtigkeit
anfechten (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_42/2017, 2C_43/2017 vom
20. Januar 2017 E.2.2, 2C_554/2013 vom 30. Januar 2014 E.2.5). Die
Einsprache ist zu begründen und muss allfällige Beweismittel nennen
(Art. 132 Abs. 3 DBG). Der Nachweis der offensichtlichen Unrichtigkeit der
Ermessensveranlagung wird dem Steuerpflichtigen überbunden (vgl.
ZWEIFEL/HUNZIKER, Kommentar StHG, Art. 48 Rz. 44; ZWEIFEL/HUNZIKER,
in: ZWEIFEL/BEUSCH [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen
Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer [DBG], 3. Aufl.,
Basel 2017 [nachfolgend: Kommentar DBG], Art. 132 Rz. 37;
ZWEIFEL/CASANOVA/BEUSCH/HUNZIKER, Schweizerisches
Steuerverfahrensrecht Direkte Steuern, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2018,
§ 20 Rz. 19; RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, Handkommentar zum
DBG, 3. Aufl., Zürich 2016, Art. 132 Rz. 54 und Art. 140 Rz. 51). Die
Anforderungen an den Unrichtigkeitsnachweis und an die Überprüfung der
angefochtenen Schätzung der Steuerfaktoren sind im
Beschwerdeverfahren dieselben wie im Einspracheverfahren (vgl. Urteile
des Bundesgerichts 2C_783/2018 vom 29. November 2018 E.2.2.2,
2C_683/2013 vom 13. Februar 2014 E.5.1; ZWEIFEL/HUNZIKER,
Kommentar DBG, Art. 132 Rz. 54; ZWEIFEL/HUNZIKER, Kommentar StHG,
Art. 49 Rz. 62).
4.2. Offensichtlich unrichtig ist eine Schätzung, die einen wesentlichen
Gesichtspunkt übergangen oder falsch gewürdigt hat; die sachlich nicht
begründbar ist, insbesondere erkennbar pönal oder fiskal motiviert ist, sich
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auf sachwidrige Schätzungsgrundlagen, -methoden oder –hilfsmittel stützt
oder sonst mit den aktenkundigen Verhältnissen des Einzelfalls aufgrund
der Lebenserfahrung vernünftigerweise nicht vereinbart werden kann.
Offensichtlich unrichtig ist demzufolge eine Schätzung, die auf
missbräuchlicher Betätigung des Schätzungsermessens beruht, das
heisst, willkürlich ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_96/2019 vom
19. September 2019 E.5.2.2, 2C_260/2014 vom 2. April 2014 E.4.1,
2C_683/2013 vom 13. Februar 2014 E.5.1, 2C_279/2011 vom
17. Oktober 2011 E.3.1 m.H; ZWEIFEL/HUNZIKER, Kommentar StHG,
Art. 48 Rz. 59; ZWEIFEL/HUNZIKER, Kommentar DBG, Art. 132 Rz. 52).
4.3. Tatsächlich kann bei fehlender Deklaration ein Veranlagungsnotstand
bestehen, der erst dann vorliegt, wenn der Sachverhalt auch nach
Einbezug der Regeln über die Beweislast nicht ermittelbar ist, wenn es an
den Grundlagen für die Steuerveranlagung mangelt (vgl.
ZWEIFEL/CASANOVA/BEUSCH/HUNZIKER, a.a.O., § 20 Rz. 22;
ZWEIFEL/HUNZIKER, Kommentar DBG, Art. 130 Rz. 15 ff. und Rz. 30). Die
Ermessenseinschätzung dient dazu, einen solchen
Untersuchungsnotstand der Steuerbehörde zu beheben. Sie darf aber
keinen pönalen Charakter haben, kann doch für die Verletzung der
Verfahrenspflichten eine Ordnungsbusse ausgesprochen werden. Sie ist
vielmehr ein Mittel zur Erreichung einer vollständigen und richtigen
Veranlagung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_42/2017, 2C_43/2017
vom 20. Januar 2017 E.2.2; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-
849/2012 vom 27. September 2012 E.2.3.3; A 5460/2008 vom 12. Mai
2010 E.2.5.3; ZWEIFEL/CASANOVA/BEUSCH/HUNZIKER, a.a.O., § 22 Rz. 13).
Der Steuerpflichtige (hier die Gesellschaft bzw. der
Verwaltungsratspräsident/Direktor derselben) hätte es in der Hand gehabt,
durch die Einhaltung seiner Verfahrenspflichten den
Veranlagungsnotstand zu vermeiden.
- 17 -
Die Veranlagungsbehörde ist indes von der Pflicht, zur Abklärung der
steuerrechtlich massgebenden Verhältnisse nicht entbunden. Sie kann
sich nicht auf blosse Vermutungen beschränken, sondern muss
versuchen, alle verfügbaren Tatsachen abzuklären und die verbleibenden
Lücken mittels Schätzungen (Erfahrungszahlen, Vermögensentwicklung,
Lebensaufwand, etc.) auszufüllen. Dabei müssen schlüssige
Anhaltspunkte für das Vorhandensein der von der Steuerverwaltung
angenommenen Faktoren vorliegen und die Ermessenseinschätzung
einen hohen Grad an Wahrscheinlichkeit für sich haben (vgl. Urteile des
Bundesverwaltungsgerichts A-5175/2015 vom 1. März 2016 E.2.6.2, A-
849/2012 vom 27. September 2012 E.2.3.4). Es ist zulässig, bei einer
Ermessenstaxation nach Erkenntnissen durch Abklärungen des
Sachverhalts (z.B. Anfrage bei Arbeitgeber, SVA-Abrechnungen,
Handelsregister, Onlinequellen, etc.) eine grosszügige Schätzung
vorzunehmen (also quasi ein "Aufrunden" der Faktoren). Die
Steuerverwaltung berücksichtigt dabei Erfahrungszahlen, die
Vermögensentwicklung und den Lebensaufwand des Steuerpflichtigen.
Unter Erfahrungszahlen i.e.S. werden Ergebnisse verstanden, die aus
einwandfreien Buchhaltungen gewonnen und nach
betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten statistisch verarbeitet werden.
Mithilfe einer Vermögensvergleichsrechnung prüft die
Veranlagungsbehörde, ob der Vermögenszuwachs (angesichts des
Einkommens, des Lebensaufwandes, etc. in der betreffenden
Steuerperiode) erklärt werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts
2C_279/2011/2C_280/2011 vom 17. Oktober 2011 E.3.2;
ZWEIFEL/HUNZIKER, Kommentar StHG, Art. 46 Rz. 41). Der
Lebensaufwand spielt in der Regel im Zusammenhang mit den
Erfahrungszahlen oder mit der Vermögensentwicklung eine Rolle (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 2C_861/2008 vom 4. Juni 2009 E.2.3;
ZWEIFEL/HUNZIKER, Kommentar DBG, Art. 130 Rz. 48e). Es ist aber nicht
- 18 -
zulässig, willkürlich hohe Ermessenstaxationen vorzunehmen, da diese
nicht nach pflichtgemässem Ermessen erstellt wären.
4.4.1. Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdegegnerin ihre eigene Pflicht
verletzt, eine Veranlagung nach pflichtgemässem Ermessen
vorzunehmen. Von der Beschwerdeführerin kann D._ in der besagten
Periode wahrhaftig kaum einen monatlichen Lohn von CHF 9'950.--
bezogen haben. Die Beschwerdeführerin deklariert keine Aktivität, sie
verfügt über keine Homepage und der eigentliche Unternehmenszweck ist
ohne Bewilligung der FINMA nicht zulässig. Eine solche Bewilligung liegt
hier nicht vor. Die Beschwerdegegnerin hätte z.B. über das
Betreibungsamt erfahren können, ob gegen die Beschwerdeführerin
Betreibungsverfahren laufen, welche Vermögenswerte vorhanden sind,
wie die Zahlungen geleistet werden, etc. Die von der Beschwerdeführerin
eingereichte Schuldnerinformation (siehe Bf-act. 4) zeigt, dass die
Beschwerdeführerin bisher vor allem Forderungen der öffentlichen Hand
bezahlt hat, dies jedoch regelmässig erst beim Betreibungsamt.
Soweit die Beschwerdegegnerin vorbringt, die Beschwerdeführerin habe
vor allem bei der öffentlichen Hand offene Forderungen, entspricht dies
damit den Tatsachen. Die Beschwerdegegnerin will damit hervorheben,
dass sich der Verwaltungsratspräsident der Beschwerdeführerin nicht an
die Regeln in der Schweiz halte. Tatsächlich lässt sich aber aus der
besagten Schuldnerinformation (auch) herauslesen, dass vermutlich keine
Geschäftsaktivität vorliegt, da abgesehen von Strom, Steuern, etc. keine
Forderungen von Lieferanten, Kunden, Angestellten, etc. im
Betreibungsverfahren geltend gemacht wurden.
4.4.2. Entgegen der Vorbringen der Beschwerdegegnerin ist aus den Akten nicht
ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin einer Geschäftsaktivität
nachgeht. Es bleibt unklar, wie der Verwaltungsratspräsident der
Beschwerdeführerin seinen Lebensunterhalt bestreitet. Dies ist aber nicht
- 19 -
direkt eine Frage der Ermessenstaxation bei der Beschwerdeführerin. Der
nachweislich vorhandene Vermögenswert der Beschwerdeführerin ist die
Liegenschaft in B._, in welcher deren Verwaltungsratspräsident lebt.
Diesbezüglich hätte die Beschwerdegegnerin beim kantonalen Amt für
Immobilienbewertung (vorher Amt für Schätzungswesen) weitere
Angaben einholen können. Falls diese Liegenschaft tatsächlich als nahezu
unbewohnbar eingestuft wurde, würde dies gegen einen grossen Umsatz
bzw. gegen gute finanzielle Verhältnisse der Beschwerdeführerin
sprechen. Auch dagegen spricht die geringe Grösse der betroffenen
Parzelle (126 m2). Beim Grundbuchamt hätte ausserdem der Kaufvertrag
eingeholt werden können, um sich einen Eindruck vom damaligen
Kaufpreis machen zu können. Wenn die Beschwerdegegnerin davon
ausgeht, dass eine Geschäftstätigkeit besteht, da keine Unterlagen
eingereicht werden, so kommt sie den ihr obliegenden Aufgaben nicht
nach und hat damit nicht alles unternommen, um den Sachverhalt
pflichtgemäss zu erstellen. Für das Vorhandensein eines Umsatzes bei
der Beschwerdeführerin von über CHF 120'000.-- (ansonsten wäre ja ein
Bruttolohn von fast CHF 120'000.-- vorausgesetzt), besteht nicht einmal
ansatzweise ein Indiz. Auch das Ansetzen der Bruttolohnsumme auf
knapp unter CHF 120'000.-- hatte offenbar einzig den Zweck, gegenüber
der Beschwerdeführerin als Schuldnerin der steuerbaren Leistung ein
Bezugsverfahren einzuleiten. Hätte man einen Bruttolohn von über
CHF 120'000.-- angenommen, hätte keine Quellensteuerpflicht bestanden
und nicht die Beschwerdeführerin wäre Schuldnerin der steuerbaren
Leistung, sondern vielmehr der Verwaltungsratspräsident der
Beschwerdeführerin wäre ordentlich veranlagt worden. Weshalb die
Beschwerdegegnerin ein Einkommen von knapp unter CHF 120'000.--
angenommen hat, wird nicht nachvollziehbar erklärt. Ein möglicher Grund
könnte auch darin liegen, dass dann die Immobilie der
Beschwerdeführerin zur Versteigerung gelangen könnte (auch weil
- 20 -
grundsätzlich für Steuerforderungen keine Betreibung auf Konkurs
erfolgt).
4.4.3. Das Ableiten eines Einkommens von fast CHF 120'000.-- aus der Funktion
"Direktor" bzw. "Verwaltungsratspräsident" mag zwar korrekt sein, wenn
die betreffende Person tatsächlich eine Kaderfunktion innehat. Aber nur
bezogen auf die Bezeichnung aus dem Handelsregister kann nicht
gutgläubig damit argumentiert werden. Dies gilt umso mehr, als die
Gesellschaft (Beschwerdeführerin) weder über eine Homepage noch über
einen Social-Media-Auftritt noch über sonst irgendwelche öffentlich
zugänglichen Quellen verfügt. Quellen, die sonst bei einer
"Finanzgesellschaft" zum Standardvertriebskanal gehören. Betreffend den
Verwaltungsratspräsidenten der Beschwerdeführerin hätte sich die
Beschwerdegegnerin über die Betreibungsregisterinformationen
(Betreibungsregisterauszug) zumindest über die Zahlungsmoral ein Bild
machen können. Eine Person kann ja auch betrieben werden, wenn sie
vermögend ist, aber aus Prinzip immer zu spät bezahlt. Tatsächlich bleibt
unklar, wie der Verwaltungsratspräsident der Beschwerdeführerin seinen
Lebensunterhalt bestreitet. Dargelegt hat er indes, dass er bescheiden
lebt. Nichtsdestotrotz konnte er in E._ eine Immobilie für (äusserst
geringe) CHF 60'000.-- erwerben. Woher er den Betrag dafür hatte, ist
nicht bekannt. Ebenfalls klar ist aber, dass diese Immobilie aufgrund
ausstehender Schulden der Beschwerdeführerin offenbar nun versteigert
wurde. Auch aus der Tatsache heraus, dass der Verwaltungsratspräsident
die ergänzende ordentliche Veranlagung nach Ermessen nicht
angefochten hat, kann nicht auf eine Anerkennung des dortigen
satzbestimmenden Einkommens geschlossen werden.
5.1. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass eine
Ermessenstaxation bei der Beschwerdeführerin für Quellensteuern oder
eine Ermessenstaxation beim Verwaltungsratspräsidenten der
- 21 -
Beschwerdeführerin durchaus zulässig ist. Unzulässig ist es hingegen, die
Ermessenstaxation ohne vorherige rudimentärste Abklärungen
vorzunehmen. Die Beschwerdegegnerin hat es unterlassen, diese zu
tätigen und dabei die Ermessenstaxation in pflichtwidriger Weise zu hoch
angesetzt. Damit hat die Beschwerdegegnerin willkürlich gehandelt, so
dass der Einsprachentscheid aufzuheben ist.
5.2. Die Beschwerdegegnerin beantragt eventualiter, dass das Gericht die
Quellensteuer-Ermessenstaxation vornehmen solle. Es ist indes nicht
Sache des Verwaltungsgerichts, die Versäumnisse der
Beschwerdegegnerin nachzuholen, so dass die Sache zur neuen
Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen ist.
6.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Gerichtskosten in
Anwendung von Art. 73 Abs. 1 VRG zu Lasten der unterliegenden
Beschwerdegegnerin, zumal eine Rückweisung hinsichtlich der
Auferlegung von Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung
praxisgemäss als vollständiges Obsiegen der beschwerdeführenden
Partei gilt (vgl. BGE 137 V 210 E.7.1). Die Verfahrenskosten bestehen aus
der Staatsgebühr, den Gebühren für die Ausfertigungen und Mitteilungen
des Entscheides sowie den Barauslagen (Art. 75 Abs. 1 VRG). Die
Staatsgebühr wird vorliegend in Anbetracht des Umfangs und der
Schwierigkeit der Sache gestützt auf Art. 75 Abs. 2 VRG auf CHF 2'500.-
- festgesetzt und zusammen mit den Kanzleiausgaben der
Beschwerdegegnerin auferlegt.
6.2. Gestützt auf Art. 78 Abs. 1 VRG wird der obsiegenden
Beschwerdeführerin dem Ausgang des Beschwerdeverfahrens
entsprechend eine aussergerichtliche Parteientschädigung
zugesprochen. Der Vertreter der Beschwerdeführerin reichte am
9. September 2021 (Poststempel) seine detaillierte Honorarnote ein. Für
- 22 -
die Beschwerde- und Replikschriften macht er insgesamt einen (hohen)
Aufwand von 18 Stunden, wovon alleine sechs Stunden für die
Beschwerde (elf Seiten) und 12 Stunden für die Repliken (20 Seiten), für
die Instruktion und das Aktenstudium vor der Eingabe der
Beschwerdeschrift vier Stunden sowie Spesen von insgesamt CHF 465.--
(2 Std. Telefonate, Spesen, darunter für Autofahrten zum Klienten)
geltend. Weiter macht er Zugtickets für den Verwaltungsratspräsidenten
der Beschwerdeführerin als Aufwand geltend (fünf Tageskarten und ein
übliches Ticket der SBB). Entschädigt wird der notwendige Aufwand, die
Zugtickets für den Verwaltungsratspräsidenten der Beschwerdeführerin
sind nicht als notwendige Kosten des Rechtsvertreters zu betrachten. Es
handelt sich dabei vielmehr um Lebenshaltungskosten, die der Anwalt
nicht hätte bezahlen müssen. Der Vertreter der Beschwerdeführerin macht
einen Stundenansatz von CHF 200.-- geltend, was beim insgesamt
geltend gemachten Aufwand von 24 Stunden (exkl. Tickets SBB) Kosten
von insgesamt CHF 5'239.60 ergibt. Der Vertreter der Beschwerdeführerin
hat jedoch viel Unnötiges vorgebracht bzw. oftmals Aussagen wiederholt.
Es bleibt auch unklar, weshalb drei Repliken erforderlich waren. Die zu
hohe Honorarnote ist deshalb nach Ansicht des Gerichts zu kürzen und
die Entschädigung pauschal auf CHF 4'000.-- (inkl. MWST) festzulegen.