Decision ID: 3ce822eb-4db1-4b5d-add6-9c85e9302fb7
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der am 23. März 1992 geborene
X._
leidet unter einer
congenital
ten
oberen
Plexusparese
rechts (Urk. 7/7, Geburtsgebrechen Ziffer 397 des Anhangs zur Verordnung über Geburtsgebrechen;
GgV
), sowie unter ei
ner angeborenen cerebralen Bewegungsstörung vom spastischen Typ (Urk. 7/41/3, Geburtsgebrechen Ziffer 390
GgV
-Anhang).
Am 22. April 1992 (Urk. 7/4) wurde er erstmals bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug (medizinische Massnahmen, Hilfsmittel) angemeldet. In den Folgejahren wurden ihm diverse Leistungen zugesprochen (Hilfsmittel,
Einglie
derungs
- und medizinische Massnahmen sowie Sonderschulung, vgl. Urk. 7/121 und Urk. 7/122). Mit Verfügung vom 13. August 2008 (Urk. 7/101) wurde dem Versicherten letztmals Kostengutsprache für die ambulante Physiotherapie bis zum 31. März 2010 erteilt.
Mit Rechnung Nr.
...
vom 9. Mai 2010 (Ur
k. 7/142/2) ersuchte der Physio
the
rapeut
Y._
,
Z._
, um die Vergütung von Kosten für erbrachte Physiotherapie-Leistungen vom 3. März bis 14. April 2010, wor
aufhin die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, die Verlän
gerung der Kostengutsprache für Physiotherapie im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 397 prüfte (Urk. 7/143).
Mit Vorbescheid vom 20. August 2010 (Urk. 7/149) stellte die IV-Stelle eine Ablehnung der Verlängerung der Kostengutsprache für Physiotherapie in Aus
sicht und am 29. September 2010 (Urk. 2) verfügte sie im angekündigten Sinn.
2.
Gegen die Verfügung der IV-Stelle erhob die
Wincare
Versicherungen AG als Krankenversicherer von
X._
am
29. Oktober 2010
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die Verfügung vom 29. September 2010 sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass die Invalidenversicherung die Kosten der Physio
therapie im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 397 bis zum Ab
schluss des 20. Altersjahres zu übernehmen habe.
Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung vom
2. Dezember 2010
(Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 7. Dezember 2010 wurde der Versicherte
X._
zum Verfahren beigeladen, dieser liess sich jedoch persönlich nicht vernehmen. Allerdings erfolgte eine Eingabe des Physiotherapeuten
Y._
am 24. Januar 2011 (Urk. 11).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
Die Einzelrichterin

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Be
handlung von Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG) notwendigen medizini
schen Massnahmen (Art. 13 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung, IVG). Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines Ge
burtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewähr
ter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den thera
peutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (Art. 2 Abs. 3
GgV
).
Die medizinischen Massnahmen umfassen gemäss Art. 14 Abs. 1 IVG die Behand
lung, die vom Arzt oder von der Ärztin selbst oder auf ihre Anordnung durch medizinische Hilfspersonen in Anstalts- oder Hauspflege vorgenommen wird (
lit
. a), mit Ausnahme von logopädischen und psychomotorischen Thera
pien sowie die Abgabe der vom Arzt oder der Ärztin verordneten Arzneien (
lit
. b). Beim Entscheid über die Gewährung von ärztlicher Behandlung in
An
stalts
- oder Hauspflege ist auf den Vorschlag des behandelnden Arztes oder der behandelnden Ärztin und auf die persönlichen Verhältnisse der versicherten Person in angemessener Weise Rücksicht zu nehmen (Art. 14 Abs. 3 IVG).
Als medizinische Massnahmen im Sinne dieser Bestimmung gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft an
gezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (Art. 2 Abs. 3
GgV
).
3.
3.1
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Versicherten auf Übernahme der Behandlungskosten für Physiotherapie im Zeitraum vom 1. April 2010 bis zum vollendeten 20. Altersjahr am 23. März 2012 durch die Invalidenversicherung.
3.2
Die IV-Stelle begründete die Ablehnung des Leistungsbegehrens damit, die selb
ständige Durchführung eines Krafttrainings sei möglich. Im Rahmen der Ver
nehmlassung machte sie geltend, eine Verordnung für Physiotherapie liege nicht vor.
3.3
Dem hält die Beschwerdeführerin entgegen, es gehe nicht um die selbständige Durchführung eines Krafttrainings, sondern um notwendige und indizierte Physiotherapie im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziffer 397.
4.
4.1
Im Arztbericht vom 18. August 2009 (Urk. 7/110) hielt der behandelnde Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Kinder- und Jugendmedizin, speziell Rehabi
litation, fest, der Versicherte absolviere einmal wöchentlich ein Training in Be
gleitung des Physiotherapeuten. Diese Physiotherapie erfolge im Sinne einer medizinischen Trainingstherapie, weshalb er die Fortsetzung der Kosten
gutsprache befürworte.
In der Folge war die Übernahme der Kosten für ein Fitnessabonnement umstrit
ten. Dazu nahm Dr. med.
B._
, Facharzt FMH für Pädiatrie und Facharzt FMH für Intensivmedizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) am 17. September 2009 (Urk. 7/121) Stellung. Er hielt fest, dem Arztbericht von Dr.
A._
zufolge sei eine selbständige Durchführung des Krafttrainings eigenverantwortlich möglich und daher sei keine Kostengutsprache für die Verlängerung des Fit
nessabonnements zu erteilen. Am 4. Januar 2010 (Urk. 7/123) wurde daraufhin verfügt, dass keine Verlängerung der Kostengutsprache für das Fitnessabonne
ment erfolge.
4.2
Zur Überprüfung der Verlängerung der Kostengutsprache für die Physiotherapie fragte die IV-Stelle den behandelnden Arzt Dr.
A._
am 9. Juni 2010 (Urk. 7/144) mit standardisiertem Fragebogen an. Als ergänzende Fragen for
mulierte sie: „Verlängerung Physiotherapie: Wie lange ist diese noch notwen
dig, in welchen Abständen? Ziele? Besteht eine Verordnung?“
Am 7. Juli 2010 antwortete Dr.
A._
, es bestehe ein Restzustand nach oberer
Plexusparese
rechts. Es liege ein Streckdefizit im Ellbogen von 20° vor und zu
dem sei die Aussenrotation bei 90° flektiertem Ellbogen auf 20°-30° einge
schränkt. Derzeit erfolge eine wöchentliche Physiotherapie in einem Trainings
zentrum. Das Ziel der Therapie bestehe in der Erhaltung der Beweglichkeit und der Kraft. Eine Verordnung im engeren Sinne habe er nicht ausgestellt. Es sei davon auszugehen, dass der Versicherte von der Therapie profitiere, weshalb er um eine entsprechende Kostengutsprache bis zum Abschluss des 20. Lebensjahres ersuche.
Am 19. August 2010 (Urk. 7/147) nahm die RAD-Ärztin Dr. med.
C._
, Fach
ärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Stellung. Mit Verweis auf die Stel
lungnahme des RAD-Arztes Dr.
B._
vom 17. September 2009 empfahl sie die Ablehnung einer Verlängerung eines Fitness-Abonnements.
5.
Aufgrund der Feststellungen des behandelnden Arztes Dr.
A._
zeigt sich, eine regelmässige Physiotherapie nach wie vor indiziert ist. Er hat auch unzweifel
haft um Kostengutsprache für diese bis zum vollendeten 20. Altersjahr des Ver
sicherten nachgesucht (Urk. 7/144/5). Sinngemäss stellt dieses Schreiben damit eine Verordnung für Physiotherapie dar.
Weiter ist aufgrund des Schreibens des Physiotherapeuten vom 24. Januar 2011 (Urk. 11) nicht daran zu zweifeln, dass der Versicherte einmal wöchentlich eine physiotherapeutische Behandlung erfährt und es sich dabei nicht lediglich um Krafttraining handelt.
Die Feststellungen der RAD-Ärzte vermögen die Indikation des behandelnden Arztes nicht zu entkräften. Zum einen äusserte sich Dr.
B._
lediglich im Verfahren bezüglich der Kostenübernahme eines Fitnessabonnements und er äusserte sich nicht zur Frage, ob generell eine Physiotherapie indiziert sei (Urk. 7/121). Darüber hinaus ist auch nicht ersichtlich, weshalb Dr.
B._
zum Schluss kam, dem Versicherten sei eine selbständige Durchführung des Krafttrainings möglich. Dem Bericht von Dr.
A._
, auf den er verwies, ist sol
ches nicht zu entnehmen, und eine Begründung dafür lieferte er nicht. In der Stellungnahme von Dr.
C._
wurde - mit Verweis auf die Feststellungen von Dr.
B._
- lediglich die Nichtverlängerung eines Fitness-Abonnements empfohlen, auf die tatsächlich in Frage stehende Problematik, ob weiterhin Physiotherapie zur Behandlung des Geburtsgebrechens notwendig sei, ging sie mit keinem Wort ein.
Damit ist auf die Beurteilung des behandelnden Arztes abzustellen, wonach eine physiotherapeutische Behandlung nach wie vor angezeigt ist. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen und die vom Versicherten benötigte wöchentliche Phy
siotherapie ist bis zur Vollendung des 20. Lebensjahres von der Invalidenversi
cherung zu übernehmen.
6.
Abweichend von Art. 61
lit
. a ATSG ist das Beschwerdeverfahren um die Bewilli
gung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Gericht kostenpflichtig. Die Gerichtskosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Die Kosten sind auf Fr.
600
.-- anzusetzen und entsprechend dem Verfahrensausgang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.