Decision ID: 14a339d0-ef04-5158-867a-dbac4aa6adfa
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am 4. März 2021 in der Schweiz ein Asylge-
such ein und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region Zürich zu-
gewiesen. Nachdem er ab dem 15. März 2021 unbekannten Aufenthalts
war, wurde sein Asylgesuch am 7. April 2021 als gegenstandslos geworden
abgeschrieben.
B.
Mit Schreiben vom 18. August 2021 ersuchte er – handelnd durch seine
Vertrauensperson (...) – um Wiederaufnahme seines Asylverfahrens. Da-
bei wurde erklärt, er habe Bekannte in Genf besuchen wollen, sei aber im
Zug eingeschlafen und in Frankreich gelandet. Dort sei er von zivilen Poli-
zisten aufgegriffen und in ein Camp gebracht worden. Da er kein Geld ge-
habt habe, mit der Sprache und den Örtlichkeiten nicht vertraut gewesen
sei und aufgrund der covidbedingten Massnahmen sei es ihm erst Monate
später gelungen, in die Schweiz zurückzukehren. Er habe keinesfalls in
Frankreich bleiben wollen und habe deshalb im Rahmen der Befragung
durch die Migrationsbehörden falsche Angaben gemacht zu seinen Perso-
nalien, seinen Asylgründen und seinen Familienverhältnissen. Die dortigen
Migrationsbehörden hätten ausserdem sein Alter ohne sein Einverständnis
auf volljährig festgelegt, obwohl er den (...) als Geburtsdatum angegeben
habe. Anfang August sei ihm mit Hilfe eines jungen Landsmannes die
Rückreise in die Schweiz gelungen, seither halte er sich im (...) auf. Die
Beiständin sowie die sozialpädagogische Bezugsperson hätten ausführli-
che Gespräche mit ihm geführt. Er wirke noch sehr jung und verfüge al-
tersspezifisch noch nicht über die ausgeprägte Fähigkeit, die Konsequen-
zen seiner Handlungen abschätzen zu können.
C.
Am 3. September 2021 wurde sein Asylverfahren in der Schweiz wieder-
aufgenommen.
D.
Am 19. Oktober 2021 wurde er summarisch zu seiner Person befragt (Erst-
befragung UMA). Dabei gab er betreffend sein Alter an, er kenne sein Ge-
burtsdatum erst seit Kurzem, er habe dies per Telefon bei seiner Mutter
erfragt. Davor habe er auf der Reise jeweils irgendein Datum angegeben.
In Afghanistan habe er nicht gewusst, wie alt er sei, dies sei nie Thema
gewesen. Anlässlich der Befragung wurde er über die Möglichkeit der
Durchführung eines medizinischen Altersgutachtens informiert.
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E.
Im Altersgutachten des Instituts für Rechtsmedizin (IRM) des Kantonsspi-
tals B._ vom 27. Oktober 2021 wurde festgehalten, die Befunde der
Röntgenuntersuchung der Hand würden dem Bild eines abgeschlossenen
Skelettwachstums entsprechen (mittleres skelettales Alter von 18 bezie-
hungsweise 19 Jahren, Mindestalter von 16.1 Jahren). Daher sei die Indi-
kation zur Durchführung einer computertomographischen Untersuchung
der Schlüsselbeine gegeben. Die Untersuchung des rechten Schlüsselbei-
nes habe ein durchschnittliches Lebensalter von 17 Jahren (17.8 ± 1.6)
sowie ein Mindestalter von 16.1 Jahren ergeben. Die zahnärztliche Unter-
suchung habe ein Durchschnittsalter von 18 Jahren (18.3 ± 2.2, 18.2 ± 2.1)
ergeben. Zusammenfassend ergebe dies ein durchschnittliches Lebensal-
ter von 17 bis 18 Jahren und ein Mindestalter zum Zeitpunkt der Untersu-
chung am 22. Oktober 2021 von 16.1 Jahren. Das angegebene Alter von
(...) könne somit gemäss der aktuellen wissenschaftlichen Studienlage
nicht zutreffen.
F.
Am 8. November 2021 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer das
rechtliche Gehör zum Altersgutachten und informierte ihn über die geplante
Anpassung seines Geburtsdatums. In einer Gesamtwürdigung erscheine
die Volljährigkeit wahrscheinlicher als die Minderjährigkeit, weshalb er für
das weitere Verfahren vom SEM als volljährig betrachtet werde. Am 12. No-
vember 2021 reichte der Beschwerdeführer eine entsprechende Stellung-
nahme ein. Am 15. November 2021 wurde sein Geburtsdatum im ZEMIS
vom (...) auf den (...) gesetzt und der Eintrag gestützt auf Art. 25 Abs. 2
Bundesgesetz vom 19. Juni 1992 über den Datenschutz (DSG, SR 235.1)
mit einem Bestreitungsvermerk versehen.
G.
Mit seiner Stellungnahme vom 12. November 2021 erklärte der Beschwer-
deführer im Wesentlichen, er sei mit der Altersanpassung nicht einverstan-
den. Dabei wurde ausgeführt, er habe anlässlich des Gesprächs mit der
Rechtsvertretung offengelegt, seine Mutter habe ihm bei der Ausreise ge-
sagt, er sei (...) Jahre alt. Die Ausreise liege mittlerweile deutlich über ein
Jahr zurück. Somit sei er mittlerweile wahrscheinlich (...) Jahre und meh-
rere Monate alt. Dies sei problemlos mit den Ergebnissen des Altersgut-
achtens vereinbar. Er halte deshalb nicht an seinem ursprünglich angege-
benen Geburtsdatum, jedoch sehr wohl an seiner Minderjährigkeit fest.
Dass er teilweise widersprüchliche und unpräzise Angaben gemacht habe,
überrasche nicht. So habe er stets gesagt, dass er sich bei den Angaben
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betreffend sein Alter und Geburtsdatum nicht sicher sei. Er kenne sein Ge-
burtsdatum nicht und habe ein grundsätzlich anderes Verständnis von Zeit-
abständen. Schliesslich wurden Stellungnahmen der Beiständin sowie der
betreuenden Sozialpädagogin (beide vom 10. November 2021) einge-
reicht. Somit sei die Minderjährigkeit zumindest glaubhaft gemacht. Weiter
sei der (...) und ein Alter von aktuell (...) Jahren und mehreren Monaten
als das wahrscheinlichere Geburtsdatum einzustufen, als das vom SEM
vorgesehene. Zudem sei insbesondere auch zu beachten, dass bei einer
Feststellung der Volljährigkeit erhebliche Rechtsnachteile drohen würden.
Das Geburtsdatum sei deshalb auf den (...) anzupassen, von einer Anpas-
sung auf den (...) sei abzusehen.
Dem Bericht der Beiständin vom 10. November 2021 ist im Wesentlichen
zu entnehmen, dass sich für sie aufgrund dessen Verhaltens unmissver-
ständlich zeige, dass der Beschwerdeführer noch minderjährig sei. Er sei
aufgrund der Erlebnisse auf der Flucht sowie der Trennung von seinen El-
tern stark belastet, wenn nicht gar traumatisiert. Aus Sicht des Kindes-
schutzes und der Beiständin würde durch eine Mutation auf Volljährigkeit
und der damit verbundenen Zuweisung in Erwachsenenstrukturen und des
einhergehenden Entfallens sämtlicher sozialpädagogischer Betreuung und
Begleitung sowohl im Alltag wie auch im Asylverfahren das ausgewiesene
Risiko einer starken Gefährdung des Kindeswohles und der weiteren för-
derlichen Entwicklung des noch sehr bedürftigen Beschwerdeführers be-
stehen. Aus entwicklungspsychologischer und sozialpädagogischer Per-
spektive und derjenigen des Kindesschutzes werde es als unzumutbar für
den psychisch belasteten Beschwerdeführer erachtet, sein Alter auf Voll-
jährigkeit zu mutieren. Ferner wurde festgehalten, dass aus Sicht der Bei-
ständin die Durchführung der Anhörung nicht als dem Kindswohl Rechnung
tragend einzuschätzen und der besonderen Situation von Minderjährigen
im Verfahren ungenügend Rechnung getragen worden sei. Die Fragen hät-
ten ihn stark verunsichert und irritiert. Es sei nicht gelungen, eine kindsge-
rechte und vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, welche jedoch Prä-
misse für die Durchführung von Anhörungen mit Minderjährigen darstelle.
Aus dem Bericht der Sozialpädagogin vom 10. November 2021 geht her-
vor, dass der Beschwerdeführer viel Zeit mit seiner Peergroup verbringe
und ihm dies Halt gebe. Innerhalb dieser Peergroup steche er mit seinem
kindlichen Verhalten heraus. Er wirke im Vergleich zu anderen Jugendli-
chen aus dem Zentrum noch sehr verspielt und energiegeladen. In Kon-
fliktsituationen reagiere er teilweise mit einem trotzigen, frechen Verhalten,
das auf sein noch sehr kindliches Verhalten zurückzuführen sei. Er sei in
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verschiedenen Bereichen auf Unterstützung angewiesen und weise einige
Lernbereiche auf, die jedoch aus sozialpädagogischer Sicht einem Ent-
wicklungsstand eines ca. (...)-jährigen entsprechen würden. Für seine wei-
tere Entwicklung sowie zu seinem Schutz sei es wichtig, dass er in einer
Unterkunft mit Gleichaltrigen lebe.
H.
Am 9. Dezember 2021 wurde der Beschwerdeführer vertieft zu seinen Asyl-
gründen angehört. Bei diesem Anlass reichte er eine Kopie seiner Tazkera
zu den Akten. Sein Onkel habe das Original gefunden und ihm eine Kopie
geschickt. Gemäss dem Dokument war der Beschwerdeführer im Jahr (...)
elf Jahre alt. Der Rechtsvertreter hielt diesbezüglich fest, da kein genaues
Geburtsdatum auf der Tazkera vermerkt sei, lasse diese eine Altersspanne
von ungefähr einem Jahr zu. Damit sei von einem Alter zwischen (...) und
(...) Jahren zum aktuellen Zeitpunkt auszugehen. Dies sei mit dem mit Al-
tersgutachten festgestellten Mindestalter von 16.1 Jahren vereinbar. Er be-
antragte erneut, es sei der (...) als Geburtsdatum festzuhalten, dies ent-
spreche der Amtspraxis.
I.
Am 16. Dezember 2021 wurde dem Beschwerdeführer vom SEM der Ent-
scheidentwurf zur Stellungnahme zugestellt. Darin wurde festgehalten, er
erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und sein Asylgesuch werde abge-
wiesen. Da der Wegweisungsvollzug aktuell unzumutbar sei, werde er in
der Schweiz vorläufig aufgenommen. Ausserdem werde als sein Geburts-
datum im ZEMIS der (...) erfasst. In seiner Stellungnahme erklärte der Be-
schwerdeführer, er sei mit dem geplanten Entscheid nicht einverstanden,
insbesondere mit der Altersanpassung. Er sei noch keine 18 Jahre alt, ge-
schweige denn fast 19. Ferner bat er darum, dem Kanton Zürich zugewie-
sen zu werden, da er seit mehreren Monaten hier wohnhaft sei und auch
seine Beiständin hier habe. Zur Altersanpassung machte er im Wesentli-
chen geltend, das vom SEM eingetragene Alter sei nicht mit dem Altersgut-
achten vereinbar, in welchem festgehalten worden sei, aufgrund der Unter-
suchung der inneren Schlüsselbeinanteile bestehe ein Mindestalter von
16.1 Jahren und ein durchschnittliches Lebensalter von 17 Jahren. Ge-
mäss Altersanpassung des SEM habe er aber zum Untersuchungszeit-
punkt ein Alter von (...) gehabt, was deutlich über dem festgestellten
Durchschnittsalter der inneren Schlüsselbeinanteile liege. Schliesslich sei
es im Kontext von Afghanistan durchaus üblich, dass jemand sein exaktes
Geburtsdatum nicht kenne.
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Seite 6
J.
Mit Verfügung vom 20. Dezember 2021 stellte das SEM fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab und wies ihn aus der Schweiz weg. Gleichzeitig wurde festgehal-
ten, da der Vollzug der Wegweisung zurzeit nicht zumutbar sei, werde er
vorläufig aufgenommen und sein Geburtsdatum werde im ZEMIS als der
(...) erfasst.
K.
Am 18. Januar 2022 erhob der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die Ziffer 7
der angefochtenen Verfügung sei aufzuheben, die Vorinstanz sei anzuwei-
sen, das Geburtsdatum im ZEMIS auf den (...) zu ändern, eventualiter sei
die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurtei-
lung und zur vollständigen Feststellung des Sachverhaltes an die Vo-
rinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege und Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses ersucht.
Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung inklusive Empfangs-
bestätigung sowie eine Vollmacht bei.
L.
Mit Vernehmlassung vom 15. Februar 2022 hielt das SEM fest, die Be-
schwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweis-
mittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könne.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich um eine Verfügung im
Sinne von Art. 5 VwVG, welche von einer Vorinstanz im Sinne von Art. 33
Bst. d VGG erlassen wurde. Da keine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG
vorliegt, ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung der Beschwerde
zuständig (Art. 31 VGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG soweit das VGG nichts an-
deres bestimmt (Art. 37 VGG).
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1.3 Der Beschwerdeführer war am vorinstanzlichen Verfahren beteiligt und
ist als Adressat der angefochtenen Verfügung sowohl formell als auch ma-
teriell beschwert, weshalb er zur Beschwerde legitimiert ist (Art. 37 VGG
i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG).
1.4 Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 37 VGG
i.V.m. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 VwVG) ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Datenschutzrecht nach Art. 49 VwVG.
3.
Die vorinstanzliche Vernehmlassung wird dem Beschwerdeführer mit dem
vorliegenden Urteil zur Kenntnis gebracht.
4.
4.1 Die Vorinstanz führt zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben das
ZEMIS, welches der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer-
und dem Asylbereich dient (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 des Bundesgesetzes
über das Informationssystem für den Ausländer- und den Asylbereich vom
20. Juni 2003 [BGIAA, SR 142.51]) und in der Verordnung über das Zent-
rale Migrationsinformationssystem (ZEMIS-Verordnung) vom 12. April
2006 (SR 142.513) näher geregelt ist. Nach Art. 19 Abs. 1 der ZEMIS-Ver-
ordnung richten sich die Rechte der Betroffenen, insbesondere deren Aus-
kunfts-, Berichtigungs- und Löschungsrecht sowie das Recht auf Informa-
tionen über die Beschaffung besonders schützenswerter Personendaten,
nach dem Datenschutzgesetz (DSG, SR 235.1) und dem VwVG.
4.2 Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu ver-
gewissern (Art. 5 Abs. 1 DSG). Werden Personendaten von Bundesorga-
nen bearbeitet, kann jede betroffene Person insbesondere verlangen, dass
unrichtige Personendaten berichtigt werden (Art. 5 Abs. 2 i.V.m. Art. 25
Abs. 3 Bst. a DSG). Auf die Berichtigung besteht in einem solchen Fall ein
absoluter und uneingeschränkter Anspruch (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 3.2).
Die ZEMIS-Verordnung sieht zudem in Art. 19 Abs. 3 ausdrücklich vor,
dass unrichtige Daten von Amtes wegen zu berichtigen sind.
4.3 Grundsätzlich hat die das Berichtigungsbegehren stellende Person die
Richtigkeit der von ihr verlangten Änderung, die Bundesbehörde im Be-
streitungsfall dagegen die Richtigkeit der von ihr bearbeiteten Personen-
daten zu beweisen (vgl. Urteil des BGer 1C_11/2013 vom 21. Oktober
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2013 E. 4.2; BVGE 2018 VI/3 E. 3.3). Nach den massgeblichen Beweisre-
geln des VwVG gilt eine Tatsache als bewiesen, wenn sie in Würdigung
sämtlicher Erkenntnisse so wahrscheinlich ist, dass keine vernünftigen
Zweifel bleiben; unumstössliche Gewissheit ist dagegen nicht erforderlich.
Die mit dem Berichtigungsbegehren konfrontierte Behörde hat zwar nach
dem Untersuchungsgrundsatz den Sachverhalt grundsätzlich von Amtes
wegen abzuklären (Art. 12 VwVG); die gesuchstellende Person ist jedoch
gemäss Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG verpflichtet, an dessen Feststellung
mitzuwirken (vgl. zum Ganzen BVGE 2018 VI/3 E. 3.3).
4.4 Kann bei einer verlangten oder von Amtes wegen beabsichtigten Be-
richtigung weder die Richtigkeit der bisherigen noch diejenige der neuen
Personendaten bewiesen werden, dürfen grundsätzlich weder die einen
noch die anderen Daten bearbeitet werden (vgl. Art. 5 Abs. 1 DSG). Dies
ist jedoch nicht immer möglich, müssen doch bestimmte Personendaten
zur Erfüllung wichtiger öffentlicher Aufgaben notwendigerweise bearbeitet
werden. Dies gilt namentlich auch für im ZEMIS erfasste Namen und Ge-
burtsdaten. In solchen Fällen überwiegt das öffentliche Interesse an der
Bearbeitung möglicherweise unzutreffender Daten das Interesse an deren
Richtigkeit. Unter diesen Umständen sieht Art. 25 Abs. 2 DSG die Anbrin-
gung eines Bestreitungsvermerks vor. Spricht dabei mehr für die Richtig-
keit der neuen Daten, sind die bisherigen Angaben zunächst zu berichtigen
und die neuen Daten anschliessend mit einem derartigen Vermerk zu ver-
sehen. Verhält es sich umgekehrt, erscheint also die Richtigkeit der bisher
eingetragenen Daten als wahrscheinlicher oder zumindest nicht als un-
wahrscheinlicher, sind diese zu belassen und mit einem Bestreitungsver-
merk zu versehen. Über dessen Anbringung ist jeweils von Amtes wegen
und unabhängig davon zu entscheiden, ob ein entsprechender Antrag ge-
stellt worden ist (vgl. zum Ganzen BVGE 2018 VI/3 E. 3.4; vgl. ferner Urteil
des BGer 1C_240/2012 vom 13. August 2012 E. 3.2).
5.
5.1 Zur Begründung seines Entscheides führte das SEM im Wesentlichen
an, der Beschwerdeführer habe im Rahmen des Asylverfahrens in der
Schweiz geltend gemacht, er sei am (...) geboren und damit minderjährig.
Bis zum Entscheiddatum habe er aber keine rechtsgenüglichen Identitäts-
dokumente zu den Akten gereicht. Ausserdem seien seine Angaben im Zu-
sammenhang mit dem Alter, der Schulbildung, und dem Reiseweg sowie
den Identitätsdokumenten ungenau und teilweise widersprüchlich ausge-
fallen. Zum Altersgutachten wurde ausgeführt, dieses habe ein Mindestal-
ter von sechzehn Jahren zum Zeitpunkt der Untersuchung ergeben und
D-264/2022
Seite 9
festgehalten, dass das angegebene Geburtsdatum nicht zutreffen könne.
Während auf Basis des forensischen Gutachtens im Fall des Beschwerde-
führers sowohl die Minder- als auch die Volljährigkeit im Bereich des Mög-
lichen liegen würden, sei das von ihm angegebene Geburtsdatum nicht
möglich. Ferner könne er die geltend gemachte Minderjährigkeit nicht
glaubhaft machen oder belegen. Vielmehr sei davon auszugehen, dass er
versucht habe, die Schweizer Asylbehörden hinsichtlich seines Alters und
seiner Identität zu täuschen. In Gesamtwürdigung aller vorgenannten An-
haltspunkte erscheine die Volljährigkeit wahrscheinlicher als die Minderjäh-
rigkeit. Der eingereichten Kopie der Tazkera komme sodann nur geringer
Beweiswert zu. Dokumente dieser Art seien vor Fälschung nicht sicher und
auch käuflich einfach erhältlich. Folglich vermöge die eingereichte Kopie
der Tazkera die Einschätzung des SEM nicht umzustossen.
5.2 In der Beschwerde wurde entgegnet, es obliege vorliegend der Vor-
instanz zu beweisen, dass das von ihr geänderte, aktuell im ZEMIS einge-
tragene Geburtsdatum korrekt beziehungsweise das wahrscheinlichste
sei. Der Beschwerdeführer habe bereits in seinen Stellungnahmen vom
12. November 2021 und vom 17. Dezember 2021 dargelegt, er halte nicht
an dem von ihm ursprünglich angegebenen Geburtsdatum fest, sondern
beantrage, es sei der (...) einzusetzen. Dies erfasse aufgrund der beste-
henden Amtspraxis der Vorinstanz alle möglichen Geburtstage im Jahr
(...), welche nicht auf den Tag genau bekannt seien. Es sei ausserdem mit
dem Altersgutachten sowie mit den Angaben der Tazkera vereinbar. Auf
diesen Antrag sei die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid aber nicht
eingegangen, sondern stütze sich nach wie vor auf das ursprünglich vom
Beschwerdeführer geltend gemachte Geburtsdatum vom (...). Es sei ferner
darauf hinzuweisen, dass es im afghanischen Kontext durchaus üblich sei,
dass der Beschwerdeführer sein genaues Geburtsdatum nicht kenne und
auch sonst Daten keinen hohen Stellenwert hätten. So habe er in der Erst-
befragung selbst darauf hingewiesen, dass in Afghanistan nicht über Daten
gesprochen werde. Hinzu komme, dass die Erstbefragung nicht kindsge-
recht ausgefallen sei, so dass er verunsichert gewesen sei und einige sei-
ner Aussagen deswegen vermutlich knapp ausgefallen seien. Seine Aus-
sagen seien angesichts der nicht kindsgerechten Befragungssituation, des
minderjährigen Alters sowie des soziokulturellen Kontextes mit Bezug auf
Afghanistan zu relativieren und insgesamt als glaubhaft einzustufen. Was
die verschiedenen, im Ausland erfassten Geburtsdaten angehe, sei darauf
hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer äusserst nachvollziehbar erklä-
ren könne, wie es zu den falsch registrierten Geburtsdaten in Rumänien
D-264/2022
Seite 10
und Frankreich gekommen sei und warum er nichts gegen die falsch er-
fassten Daten habe unternehmen können. Daraus könne nicht die Volljäh-
rigkeit abgeleitet werden. Als Nachweis der geltend gemachten Minderjäh-
rigkeit habe er eine Kopie seiner Tazkera eingereicht und plausibel erklärt,
dass das Original aufgrund der aktuellen Lage in Afghanistan nicht in die
Schweiz geschickt werden könne. Gemäss den Daten der Tazkera – der
Beschwerdeführer sei am (...) (Ausstellungsdatum) elf Jahre alt, würde das
Geburtsdatum zwischen dem (...) und dem (...) liegen. Diese mögliche
Bandbreite sei mit dem beantragten Geburtsdatum vom (...) vereinbar, da
gemäss Amtspraxis jegliche Geburtstage im Jahr (...), bei welchen der ge-
naue Tag nicht bekannt sei, auf den (...) anzupassen seien. Der Tazkerak-
opie komme zwar geringer Beweiswert zu, sie habe aber doch zumindest
als Indiz für die Minderjährigkeit zu gelten. Neben der Rechtsvertretung
hätten auch die Beiständin sowie die betreuende Sozialpädagogin das Ver-
halten des Beschwerdeführers als kindlich empfunden, weshalb er eindeu-
tig als minderjährig wahrgenommen werde. Dabei handle es sich um zwei
geschulte und über jahrelange Erfahrung verfügende Fachpersonen, wel-
che den Beschwerdeführer über Wochen eng begleitet hätten. Die Minder-
jährigkeit erschliesse sich für die sozialpädagogischen Fachpersonen aus
dem Verhalten aufgrund des entwicklungspsychologischen Reifegrades
des Beschwerdeführers eindeutig. Aufgrund der klaren Einschätzung so-
wohl der betreuenden Sozialpädagogin als auch der Beiständin sei im Ein-
verständnis mit der Rechtsvertretung und dem Beschwerdeführer verein-
bart worden, dass er trotz der Altersanpassung durch die Vorinstanz aus-
nahmsweise weiterhin im (...) wohnen dürfe, um damit einer Kindswohlge-
fährdung, welche in einer Unterkunft für Erwachsene drohen würde, vorzu-
beugen. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass die Richtigkeit keines
der Geburtsdaten habe bewiesen werden können. Auch wenn der Be-
schwerdeführer sein genaues Geburtsdatum nicht kenne und unterschied-
liche Angaben gemacht habe, habe er konsequent seine Minderjährigkeit
geltend gemacht. Sowohl die Kopie der Tazkera als auch das Altersgutach-
ten und die Einschätzung der Fachpersonen, die ihn eng begleiten, würden
für eine Minderjährigkeit sprechen. Hingegen würden keine Hinweise für
eine Volljährigkeit vorliegen abgesehen von der Registrierung in Frank-
reich, welche der Beschwerdeführer plausibel habe entkräften können. Es
sei abschliessend festzuhalten, dass aufgrund dieser genannten Indizien
das geltend gemachte Geburtsdatum im Herbst (...) (gemäss Amtspraxis
angepasst auf den [...]), wahrscheinlicher sei als der (...). Das Geburtsda-
tum sei entsprechend auf den (...) anzupassen.
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Seite 11
5.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz fest, anhand des Alters-
gutachtens sei sowohl die Volljährigkeit als auch die Minderjährigkeit des
Beschwerdeführers möglich. Das SEM habe in der Verfügung ausführlich
ausgeführt, weshalb es die geltend gemachte Minderjährigkeit nicht als
glaubhaft erachte. Die Kopie der Tazkera sei erst im Rahmen der vertieften
Anhörung und somit nach erfolgter Altersabklärung sowie Altersanpassung
zu den Akten gereicht worden. Dabei handle es sich um kein fälschungssi-
cheres Dokument und der Beschwerdeführer habe sich diesbezüglich wi-
dersprüchlich geäussert, weshalb diese nur über sehr geringe Beweiskraft
verfüge. Der Vorwurf, die Erstbefragung sei nicht kindsgerecht ausgefallen,
sei sodann entschieden zurückzuweisen. Den Akten würden sich keine
Hinweise entnehmen lassen, wonach der Beschwerdeführer nicht in der
Lage gewesen wäre, die ihm gestellten Fragen zu verstehen und adäquat
zu beantworten. Seine Antworten seien sodann auch keineswegs knapp
ausgefallen. Zum Vorwurf, die Vorinstanz sei nicht auf die Einschätzung
der Beiständin sowie der Sozialpädagogin eingegangen, wurde ange-
merkt, dass diese Berichte insbesondere auf das Verhalten und die Reife
des Beschwerdeführers eingehen würden. Diese könnten zwar Indizien für
das Alter darstellen, liessen aber nicht ohne Weiteres auf das tatsächliche
oder wahrscheinlichste Alter schliessen. Das SEM komme weiterhin zum
Schluss, dass das Geburtsdatum (...) wahrscheinlicher sei als der (...).
6.
6.1 Wie vorstehend (vgl. E.3) dargelegt, obliegt es grundsätzlich dem SEM
zu beweisen, dass das aktuell im ZEMIS eingetragene Geburtsdatum des
Beschwerdeführers ([...]) korrekt ist. Der Beschwerdeführer hat seinerseits
nachzuweisen, dass das von ihm geltend gemachte Geburtsdatum ([...])
richtig respektive zumindest wahrscheinlicher ist als die derzeit im ZEMIS
erfassten Angaben. Gelingt keiner Partei der sichere Nachweis des Ge-
burtsdatums, ist dasjenige im ZEMIS zu belassen oder einzutragen, des-
sen Richtigkeit wahrscheinlicher ist (vgl. zum Ganzen BVGE 2018 VI/3 E.
3.5, m.w.H.).
6.2
6.2.1 Bei der Einschätzung des Alters des Beschwerdeführers ist eine Ge-
samtwürdigung vorzunehmen, bei der auch die protokollierten Aussagen
zu den persönlichen Lebensumständen zu berücksichtigen sind (vgl.
EMARK 2004 Nr. 30 E. 6.4.3 f.: insbesondere [übereinstimmende] Anga-
D-264/2022
Seite 12
ben zum Alter, zu Identitätspapieren bzw. zu den Gründen für deren Nicht-
einreichung, zu den familiäre Umständen, zum Schulbesuch, zu Berufsbil-
dung / Berufstätigkeit und zu den Ausreiseumständen sowie nachvollzieh-
bare länderspezifische Angaben zum behaupteten Herkunftsgebiet).
Wieso die Vorinstanz aufgrund der Erstbefragung zum Schluss kommt, der
Beschwerdeführer sei volljährig, erschliesst sich dem Gericht nicht. Zwar
macht dieser keine klaren Angaben zu seinem Alter oder Geburtsdatum,
seine Aussagen erscheinen aber als durchaus mit dem afghanischen Kon-
text vereinbar. Es ist für im ländlichen Gebiet aufwachsende Jugendliche
durchaus üblich, dass sie ihr Alter nicht mit Sicherheit angeben können und
dieses von Drittpersonen im Verlauf ihres Lebens erfahren (vgl. Urteil des
BVGer E-322/2021 vom 17. Februar 2021 E. 3.4).
6.2.2 Das Altersgutachten vom 27. Oktober 2021 hält fest, aufgrund der
computertomographischen Untersuchung des rechten Schlüsselbeines
(das linke weise eine anatomische Normvariante auf, weshalb es nicht für
die Altersdiagnostik herangezogen werden könne) sei von einem durch-
schnittlichen Lebensalter von 17 Jahren sowie einem Mindestalter von 16.1
Jahren auszugehen. Gemäss zahnärztlicher Untersuchung liege ein
Durchschnittsalter von 18 Jahren vor. Ein Mindestalter sei nicht angege-
ben. Diese Einschätzung erfolgte überwiegend aufgrund des Mineralisati-
onsstadiums der Weisheitszähne. Bei den Zähnen 1 bis 7 im ersten Quad-
ranten sei ein vollständiger Abschluss des Wurzelwachstums festgestellt
worden, die Zähne 1 bis 7 im dritten Quadranten hätten aufgrund einer
suboptimalen Kopfposition nur unzureichend beurteilt werden können. Die
(zum Beweis der Minder- respektive Volljährigkeit ohnehin ungeeignete
[vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.1]) Handknochenanalyse habe ein mittleres
skelettales Alter von 18 Jahren ergeben sowie ein Mindestalter von 16.1
Jahren. Ferner wurde betreffend Zahnuntersuchung festgehalten, dass bei
der Geschwindigkeit der Mineralisation der Weisheitszähne signifikante
Unterschiede zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen beobachtet
worden seien, weswegen Abweichungen durch ethnische Unterschiede
aufgrund der angegebenen Herkunft aus Afghanistan gegebenenfalls zu
berücksichtigen seien. Allerdings würden zu keinem der untersuchten
Merkmale Vergleichsstudien zu einer männlichen, afghanischen Popula-
tion vorliegen. Somit ist festzuhalten, dass der Einfluss der ethnischen Zu-
gehörigkeit mangels entsprechender Studien nicht berücksichtigt werden
konnte. Zusammenfassend wurde im Gutachten ein durchschnittliches Le-
bensalter von 17 bis 18 Jahren sowie ein Mindestalter von 16.1 Jahren
festgestellt. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
D-264/2022
Seite 13
lässt sich bei einem Mindestalter bei der Schlüsselbein- respektive Sklettal-
tersanalyse und der zahnärztlichen Untersuchung unter 18 Jahren keine
Aussage zur Minder- respektive Volljährigkeit einer Person machen (vgl.
BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2). Da vorliegend bei der zahnärztlichen Untersu-
chung kein Mindestalter angegeben wurde und jenes der Schlüssel-
beinanalyse bei 16.1 Jahren liegt, können aufgrund des Altersgutachtens
keine Aussagen dazu gemacht werden, ob die Minder- oder die Volljährig-
keit wahrscheinlicher ist. Der Vollständigkeit halber ist dennoch festzuhal-
ten, dass das vom Beschwerdeführer beantragte Geburtsdatum ([...]) ([...]
zum Zeitpunkt der Untersuchung) mit dem Altersgutachten vereinbar wäre.
Das vom SEM erfasste Geburtsdatum ([...]) würde ein Alter von (...) zum
Untersuchungszeitpunkt ergeben. Dies ist mit dem Ergebnis des Altersgut-
achtens – durchschnittliches Lebensalter von 17 bis 18 Jahren, Mindestal-
ter von 16.1 Jahren – weniger vereinbar und erscheint daher als eher un-
wahrscheinlich.
6.2.3 Der Beschwerdeführer machte im Rahmen seines Asylverfahrens un-
terschiedliche Angaben zu seinem Geburtsdatum und wusste sein Alter
nicht zu benennen. Dies ist – neben dem Altersgutachten, welches sein
ursprünglich angegebenes Geburtsdatum als nicht zutreffend beurteilt –
der einzige Hinweis, der für seine Volljährigkeit spricht. Eine Abwägung, ob
das vom SEM eingetragene oder das vom Beschwerdeführer beantragte
Geburtsdatum wahrscheinlicher ist, ist in der vorinstanzlichen Verfügung
nicht enthalten. Ebenso fehlt jegliche Erwähnung oder Auseinanderset-
zung mit den Aussagen der beiden sozialpädagogischen Bezugspersonen
des Beschwerdeführers. Diese legen mehrfach dar, dass aufgrund ihrer
fachlichen Beurteilung vorliegend ganz klar von der Minderjährigkeit aus-
zugehen sei. Dabei wird auch die Argumentation des SEM entkräftet, in-
dem einerseits beschrieben wird, dass der Beschwerdeführer aufgrund
mangelnder Reife die Konsequenzen seines Handelns – Angabe unter-
schiedlicher Geburtsdaten – nicht zur Genüge einschätzen könne, und an-
dererseits festgehalten wurde, bei der Erstbefragung sei der besonderen
Situation von Minderjährigen ungenügend Rechnung getragen worden,
was zu einer starken Verunsicherung des Beschwerdeführers geführt habe
– was wiederum zu unklaren Aussagen führen könne. In einem Fall wie
dem Vorliegenden, in welchem das Altersgutachten keine Aussagen zur
Minder- oder Volljährigkeit des Beschwerdeführers zulässt, sind solche
Einschätzungen von Fachpersonen als Indizien zu werten und können
nicht einfach ignoriert werden. Weshalb das SEM diese noch nicht einmal
erwähnt in seiner Verfügung ist nicht nachvollziehbar. Die beiden Stellung-
nahmen der sozialpädagogischen Bezugspersonen sind somit als Indiz für
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den vom Beschwerdeführer als Geburtsdatum beantragten Eintrag zu wer-
ten.
6.3 Nach dem Gesagten ist weder dem SEM noch dem Beschwerdeführer
der Nachweis gelungen, dass das aktuell im ZEMIS eingetragene Geburts-
datum ([...]) beziehungsweise das vom Beschwerdeführer beantragte Ge-
burtsdatum ([...]) korrekt ist. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen lie-
gen jedoch mehr Indizien vor, die für das von ihm beantragte Datum spre-
chen als dagegen. Vor dem Hintergrund, dass die Differenz des möglichen
Knochenalters weniger als drei Jahre von den Angaben des Beschwerde-
führers und dem in seiner Tazkera erfassten Datum abweicht, und aufgrund
der Tatsache, dass das Gericht die Aussagen des Beschwerdeführers als
grundsätzlich konsistent, im länderspezifischen Kontext nachvollziehbar
erachtet, ist vorliegend das Vorgehen des SEM, ohne Berücksichtigung al-
ler Indizien von der Volljährigkeit auszugehen, nicht nachvollziehbar. Es
überwiegen die Hinweise, welche für das vom Beschwerdeführer geltend
gemachte Geburtsdatum sprechen.
7.
Die Beschwerde ist somit gutzuheissen und die Dispositivziffer 7 der Ver-
fügung des SEM vom 20. Dezember 2021 aufzuheben. Das SEM ist anzu-
weisen, das Geburtsdatum des Beschwerdeführers im ZEMIS vom (...) auf
den (...) zu ändern.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
8.2 Ganz oder teilweise obsiegende Parteien haben für ihnen erwachsene
notwendige und verhältnismässig hohe Kosten Anspruch auf eine Partei-
entschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Die Entschädigung umfasst die not-
wendigen Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere Auslagen der Par-
tei (vgl. Art. 8 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Das Bundesverwaltungsgericht legt die Parteientschädigung
aufgrund der eingereichten Kostennote oder, wenn keine Kostennote ein-
gereicht wird, aufgrund der Akten fest (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Vorliegend
wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht. In Anbetracht des mut-
masslichen Arbeits- und Zeitaufwandes für das vorliegende Verfahren hält
das Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1'600.–
(inkl. Auslagen) für angemessen. Diese ist der Vorinstanz aufzuerlegen.
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9.
Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts auf dem Gebiet des Daten-
schutzes sind gemäss Art. 35 Abs. 2 der Verordnung vom 14. Juni 1993
zum Bundesgesetz über den Datenschutz (VDSG, SR 235.11) dem Eidge-
nössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) bekannt
zu geben.
(Dispositiv nächste Seite)
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