Decision ID: 172fcf09-ae53-4ec2-ba81-f1e9f938f959
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren
1971, war letztmals vom Juni 2008 bis Juni 2
009 beim Restaurant «Y._» in Z._
(Urk. 9/62/2) als Kellnerin (Urk. 9/5/1) erwerbstätig, als sie sich am 23. Juni 2015 bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug anmel
dete (Urk. 9/1). Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, liess die Ver
si
cherte polydisziplinär (internistisch, neurologisch und psychiatrisch; Gutachten vom 11. Juli 2016; Urk. 9/21/1-37) und neuro
psychologisch (Gutachten vom
1.
Juni 2016;
Urk.
9/22/1-5) begutachten.
Nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(Urk.
9
/32
und
Urk. 9
/34
)
verneinte
die IV-Stelle
mit Verfügung vom
7.
August 2017 (
Urk.
9/36)
bei einem
Invaliditätsgrad von 10
%
einen
Rentena
nspruch der
Versicherten.
Die von der Versicherten am 1
2.
September 2017 dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 9/39/3
6) wies das hiesige Gericht mit Entscheid vom
3.
Januar 2019 (Prozess Nr. IV.2017.00959;
Urk.
9/48/1-20) ab. Die von der Versicherten gegen diesen Entscheid am 1
3.
Februar 2019 (
Urk.
9/49/2-8) erhobene Beschwerde wies das Bundesgericht mit Entscheid vom 1
9.
August 2019 (Prozess Nr. 8C_129/2019;
Urk.
9/50/1-7) ab.
1.2
Am 2
2.
Juni 2021 meldete sich die Versicherte
mit dem Hinweis auf ein zuhanden der Gemeinde Stäfa, Sozialberatung, erstelltes psychiatrisches Gutachten vom 2
7.
November 2020 (
Urk.
9/53)
erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
(Urk.
9/55
Ziff.
6.1
), worauf die IV-Stelle
nach ergänzender
Sachverhalt
sabklä
rung (vgl.
Urk.
9/60) und nach Erlass
eines
Vorbescheids (Urk. 9/61) mit Verfügung vom
7.
September 2021 (
Urk.
9/63 =
Urk.
2) einen Rentenanspruch der Versicherten erneut
verneinte
.
2.
Gegen die Verfügung vom
7.
September 2021
(
Urk.
2
) erhob
die
Ver
si
cherte
am 25. August 2021 Beschwerde (Urk. 1)
und beantragte
sinngemäss
, diese
sei auf
zuhe
ben und es sei
ihr eine Rente der Invalidenversicherung zuzu
sprechen
.
Mit Beschwerdeantwort vom
1
0.
November
2021 (Urk.
8
) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, wovon der Beschwerdeführerin am
8.
M
ärz 2022
Kenntnis gegeben wurde (Urk.
11
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente,
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG
in der bis 31. Dezember 2021 geltenden Fassung).
1.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidi
tät. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1
.5
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.6
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechts
an
wendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträch
ti
gungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E.
5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen
anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen la
ssen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des struk
turierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeits
unfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3
).
1.7
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über
die Invalidenversicherung, IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.8
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art.
17 Abs
.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
be
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetisc
hen) Sach
verhalts bestehen (BGE 144 I
28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hin
wei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
acht
lich (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Weder eine im Vergleich zu frü
he
ren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens ge
nügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesund
heits
zustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.9
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte
in der angefochtenen Verfügung vom
7.
Septem
ber
2021 (Urk. 2)
fest, dass die Beschwerdeführerin weiterhin
nicht
in
einer regelmässigen psychiatrischen, psychologischen
oder
psychopharmakologischen Behandlung stehe (S. 1), und dass
davon auszugehen sei, dass
ihr die Ausübung einer optimal angepassten Tätigkeit weiterhin in vollzeitlichem Umfang zuzumu
ten sei.
Da sich
der medizinische Sachverhalt seit dem Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung vom
7.
August 2017 nicht
erheblich
verändert habe,
sei
ein Renten
anspruch der Beschwerdeführerin
weiterhin nicht ausgewiesen (S. 2)
.
2.2
Die
Beschwerdeführer
in
b
rachte
hiegegen
vor, dass sich ihr
Gesundheitszustand verschlechtert habe, und dass
ihr die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf Grund gesundheitlicher Beeinträchtigungen im Sinne einer Diskushernie im Bereich L4/5, einer Agoraphobie
sowie im Sinne
depressiver Episoden nicht mehr zuzumuten sei. Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei zudem auf
das von
der Gemeinde Stäfa, Sozialberatung
, eingeholte Gutachten der
Ärzte des Psychi
atriezentrums
A._
vom 2
7.
November 2020
abzustellen,
worin ihr
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
attestiert worden sei
(
Urk.
1).
3.
Da
ein Rentenanspruch der Beschwerdeführerin letztmals bei Erlass der einen Rentenanspruch verneinenden Verfügung vom
7.
August 2017 (
Urk.
9/36) rechts
kräftig materiell geprüft wurde,
gilt es im Folgenden zu prüfen, ob
sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
im Vergleichszeitraum
seit
Erlass der
Verfü
gung vom
7.
August
2017
bis zum Erlass de
r angefochtenen Verfügung vom
7.
September
2021 (Urk. 2)
in einer
hinsichtlich des
Renten
anspruch
s erheblichen
Weise
verändert hat.
4.
4.1
Bei Erlass der
Verfügung
vom
7.
August
2017 (Urk.
9/36
)
stellte
sich der mass
ge
bende medizinische Sachverhalt folgender
massen dar:
4.2
Dr. med. B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, stellte in seinem
Bericht vom 23. August 2015 (Urk.
9
/7/1-5) die folgenden, sich auf die Arbeits
fähigkeit auswirkenden Diagnosen (Ziff. 1.1):
-
Verdacht auf Intelligenz-Minderung
-
Neurofibromatose
mit/bei:
-
zahllosen Neurofibrom-Knoten im Gesicht, Hals, Armen und überall
-
Nachteilen im Sozialkontakt
-
Zustand nach diversen Knoten-Entfernungen
-
depressive Krankheit nach jahrelangen Misserfolgen mit/bei:
-
Zustand nach Suizidversuchen in den Jahren 1994 und 2011
-
überhöhter Alkoholkonsum
Der Arzt erwähnte, dass die knotige Hautveränderung und die dadurch erfolgte soziale Ausgrenzung eher schlimmer würden (Ziff. 1.4). Die Beschwerdeführerin sei seit dem Jahre 2010 stellenlos (Ziff. 1.6). Der Beschwerdeführerin sei die Aus
übung von Hilfsarbeiten im Hintergrund zuzumuten. Solche Arbeitsstellen liessen sich aber nicht finden (Ziff. 1.7
). Allenfalls sei eine Alkohole
ntzugstherapie zu empfehlen (Ziff. 1.8).
4.3
Die Ärzte
der MEDAS C._
(
C._
), erwähnten in ihrem polydisziplinären Gutachten vom 11. Juli 2016 (Urk.
9
/21
), dass die Beschwerde
führerin am 18., 25. und 26. Mai 2016 internistisch, psychiatrisch, neurologisch und neuropsychologisch untersucht worden sei (S. 1)
,
und stellten die folgenden Diagnosen (S. 29 f.):
Hauptdiagnosen mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit:
-
Morbus Recklinghausen
Nebendiagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit:
-
rezidivierende Spannungskopfschmerzen
-
Verdacht auf
Karpaltunnelsyndromrezidiv
beidseits
-
Raynaud-Syndrom linker Zeigefinger
-
Alkoholabhängigkeit, ständiger Substanzgebrauch
-
grenzwertige Intelligenz
-
Nikoti
nkonsum
-
Dyspepsie
Eine am 18. Mai 2016 durchgeführte Haaranalyse habe
Hinweise auf
einen starken und
chronischen Alkoholkonsum
ergeben
(S. 18).
Bei der
neuropsycho
logische
n
Untersuchung
hätten
teilweise deutlich bis weit unterdurchschnittliche Testresultate
resultiert
. Eine leichte Intelligenz
min
derung könne ind
es nicht diagnostiziert werden. V
ielmehr
sei
von einer grenz
wertigen Intelligenz auszu
gehen (S. 19).
Die psychiatrische Untersuchung habe keine Anhaltpunkte für affektive Stö
run
gen, Angsterkrankungen, Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis oder Persönlichkeitsstörungen ergeben. Infolge der grenzwertigen Intelligenz verfüge die Beschwerdeführerin nur über wenige Coping-Strategien und sei schnell überfordert. Sie brauche von aussen Hilfe, um ihr Leben adäquat zu führen und um im Beruf eine genügende Leistung erbringen zu können (S. 21). Sie werde durch die Neurofibrome des Morbus Recklinghausen sowie die
grenzwertige Intel
li
genz beeinträchtigt und habe auf dem Arbeitsmarkt
in den Bereichen
,
in denen
das Aussehen eine relevante Rolle spiele,
Schwierigkeiten
. In psychiatrischer Hinsicht bestehe indes weder in der bisherigen noch in einer adaptierten Tätigkeit eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 22).
Auf Grund einer beginnenden Degeneration der Wirbelsäule und eines Rezidivs
des
Karpaltunnelsyndroms beidseits sei der Beschwerdeführerin die Ausübung körperlich schwerer und andauernd mittelschwerer Arbeiten sowie Tätigkeiten, welche repetitive Handbelastungen erforderten, nicht mehr zuzumuten. Auf Grund des Morbus Recklinghausen sei ihr zudem die Ausübung von Tätigkeiten mit Sozialkontakt und von solchen, bei welchem das Aussehen eine Rolle spiele, nicht mehr zuzumuten (S. 33). Auf Grund der durch den Morbus Recklinghausen verursachten Hautveränderungen bestehe in Bezug auf die bisherige Tätigkeit, welche teilweise Publikumskontakt beinhaltet habe, eine Arbeits
unfähigkeit von 50 % (S. 34) seit der Aufgabe dieser Tätigkeit im Jahre 2009 (S. 36). Die Beschwer
deführerin sei insbesondere in der Ausübung von Tätigkeiten, welche eine Kompetenz- und Wissensanwendung beinhalteten und welche die Planung und Struk
turierung von Aufgaben sowie Bewältigungsstrategien bei unerwarteten Prob
lem
situationen erforderten, beeinträchtigt. Die Ausübung behinderungs
angepasster, körperlich leichter bis gelegentlich mittelschwerer, geistig einfacher und leicht zu erlernender Tätigkeiten, ohne grössere soziale Kontakte, ohne Zugang zu Alkohol, ohne thermische Belastung der Hände und ohne Vibrationen sei der Beschwerde
führerin jedoch ohne Leistungseinschränkung im Umfang eines vollzeitlichen Arbeitspensums zuzumuten (S. 36).
4.4
Dr. med. D._
, Facharzt für P
sychiatrie und Psychotherapie, l
eitender Arzt
d
es Psychiatriezentrums E._
, stellte in seinem Bericht vom 7. Novem
ber 2016 (Urk.
9
/29) die folgende, die Arbeitsfähigkeit beeinflussende Diagnose (Ziff. 1.1):
-
Morbus Recklinghausen
Er erwähnte, dass es sich bei der Alkoholproblematik um eine Nebendiagnose handle, welcher für die Arbeitsfähigkeit keine Bedeutung zukomme. Auf Grund der Intelligenzminderung sei eine Entwöhnungstherapie im Sinne einer psychia
trisch-psychotherapeutischen Intervention im engeren Sinne bei der Beschwer
de
führerin nur begrenzt möglich. Da die Beschwerdeführerin einen stationären Alkoholentzug ablehne, sei vereinbart worden, dass sie eine Konsumreduktion in Eigenregie umsetze (Ziff. 1.4). Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit werde auf die Beurteilung durch die Gutachter der
C._
verwiesen (Ziff. 1.6-1.7).
4.5
PD Dr. med. univ. F._
, Facharzt für Neurologie, Regionaler Ärztlicher Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom 11. Juli 2016 (Urk.
9
/31/3-4) aus, dass das Gutachten der Ärzte der
C._
vom
1
1.
Juli 2016
detailliert auf die Aktenlage eingehe und umfassende Befunde enthalte, weshalb darauf abgestellt werden könne (S. 1). Gestützt darauf sei daher von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in behinderungsangepassten Tätigkeiten auszugehen. Es sei ein Alkoholentzug und eine längere Entwöhnungsbehandlung indiziert. Nach erfolgtem Entzug und gefestigter Abstinenz sei vorgesehen, in ungefähr einem Jahr im Rahmen einer Nachuntersuchung eine medizinische Neu
beurteilung vorzunehmen (S. 2).
5.
D
as hiesige Gericht
ging in dem in Rechtskraft erwachsenen Urteil in Sachen der Parteien vom
3.
Januar 2019 (Prozess Nr. IV.2017.00959;
Urk.
9/48) davon aus
, dass die Beschwerdeführerin gestützt auf das voll beweiskräftige
Gutachten der Ärzte der
C._
vom 1
1.
Juli 2016
ausschliesslich durch einen Morbus Recklinghausen und die damit verbundenen Hautveränderungen in ihrer Arbeits
fähigkeit beeinträchtigt sei.
Die Ausübung von
Tätigkeiten mit Sozialkontakt beziehungsweise
von solchen, bei denen das Aussehen eine Rolle spiele,
seien
ihr
aus diesem Grund unzumutbar. Die Alkoholabhängigkeit hindere sie nicht an einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit. Auch bestehe keine Einschränkung aus psychiatrischer Sicht. Z
u berücksichtigen seien indes
eine grenzwertige Intelli
genz, eine beginnende Degeneration der Wirbelsäule und ein Karpaltunnel
syndrom beidseits.
Der Beschwerdeführerin sei die Ausübung l
eidensangepasst
er,
körperlich leichte
r
bis (gelegentlich) mittelschwere
r
, geistig einfache
r
, leicht zu erlernende
r
Tätigkeiten ohne grössere soziale Kontakte, ohne Zugang zu Alkohol sowie ohne thermische Belastung der Hände und ohne Vibration
, in einem vollzeitlichen Umfang und ohne Leistungseinschränkungen zuzumuten (E. 6.1 des Urteils)
.
Diese Beurteilung wurde von der Beschwerdeführerin vor dem Bundesgericht nicht bestritten und vom Bundesgericht nicht beanstandet
(
Urteil des Bundesgerichts
8C_129/2019
E. 2 und E. 4.1;
Urk.
9/50). Davon ist auch vorliegend auszugehen.
6.
6.1
Zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im
Vergleichszeitraum vom
7.
August
2017 bis
7.
September
2021
erheblich verän
dert hat. Diesbezüglich stellte sich der massgebende
medizinische Sachverhalt folgendermassen dar:
6.2
Die Ärzte des Psychiatriezentrums
A._
führten
in ihrem zuhanden der Gemeinde Stäfa, Sozialberatung, erstellten Gutachten vom 2
7.
November 2020 (
Urk.
9/53)
aus
, dass
die
Begutachtung
aus Anlass
eine
r
Weigerung der Beschwer
deführerin ihren Hausarzt zu ermächtigen, der Gemeinde Stäfa
eine mündliche medizinische Auskunft zu erteilen,
erfolgt sei (S. 1), und
erwähnten, dass das Gutachten gestützt auf die Berichte von
Dr.
med.
D._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, vom 3
0.
November 2018 und von
Dr.
med.
G._
, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin
, vom 2
6.
Oktober 2020 sowie
gestützt
auf die Ergebnisse der
gutachterlichen
Untersuchungen vom 2
7.
Oktober und vom
5.
November 2020 verfasst worden sei (S. 2)
. Sie
stellten
d
ie folgenden Diagnosen (S. 12 f.):
psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Agoraphobie
-
Verdacht auf leichte Intelligenzminderung mit/bei:
-
deutlichen Hinweisen in der Anamnese und im psychometrischen Screening
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige Ausprägung
psychiatrische Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Status nach schädlichem Gebrauch von Alkohol
somatische Diagnosen:
-
Neurofibromatose
Morbus Recklinghausen
-
zerviko
- und
thoracovertebrales
Schmerzsyndrom
-
paramediane Diskushernie im Bereich L4/5 (Erstdiagnose im Jahre 2012)
-
mässig differenziertes,
duktales
Mammakarzinom (NST) links (Erstdiag
nose im Jahre 2019)
Die Ärzte führten aus, dass die Beschwerdeführerin unter
eine
r
Agoraphobie mit Angst und Panikzuständen bei Menschenansammlungen
leide
. Sie meide den Supermarkt zu Stosszeiten und
dann,
wenn es zu viele Leute habe.
Wenn sie alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln reise, verschlimmerten sich ihre Ängste und Panikzustände, weshalb sie solche Situationen
zu vermeiden
versuche
. Grosse Städte mit vielen Menschen mach
t
en ihr ebenfalls Angst
,
und sie
würde
dort
unter
ein
em
Gefühl der Atemnot
sowie
Schwindel
leiden
.
Die Beschwerde
führe
rin
habe bereits als Kind, wenn ein Raum kein Fenster gehabt habe
, Panik verspürt
(S. 13)
.
Bei der Beschwerdeführerin hätten sich
deutliche Hinweise auf eine zumindest leichte Intelligenzminderung
gezeigt. Für
ein niedriges Intelligenzniveau
würden sodann die
schulische Ausbildung
mit dem
Besuch einer Sonderschule
und
einem fehlenden
Lehrabschluss
sprechen. Die Beschwerdeführerin sei jedoch
in der Lage
,
ihren Haushalt selbstständig zu bewältigen. Um das Ausmass der kognitiven Einschränkung vollständig beurteilen zu können,
sei
eine
neuropsychologische Abklärung
erforderlich
(S. 14).
Die Beschwerdeführerin erfülle die Kriterien einer leichtgradigen depressiven Episode. Auf Grund der psychiatrischen Anamnese mit mehreren Suizidversuchen sei zudem von einer rezidivierenden depressiven Störung auszugehen
. Es hätte sich zudem gezeigt, dass die
Beschwerdeführerin
sich
bemühe
,
sich in einem bessern Licht
zu präsentieren, Schwächen zu überspielen und Defizite zu negieren
(S. 15)
.
Die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin werde durch
e
ine
Agoraphobie, durch den Verdacht auf eine leichtgradige Intelligenzminderung sowie durch eine rezidivierende depressive Störung, aktuell leichtgradige Episode, beeinträchtigt, wobei für eine genaue Einschätzung des Intelligenzniveaus eine neuropsycholo
gische Abklärung erforderlich
wäre
. Erst danach könn
t
e das Ausmass der kognitiven Einschränkungen und damit der Leistungsfähigkeit vollständig beurteilt werden. Insgesamt sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
auszugehen. Es sei nicht auszuschliessen, dass es bei der Ausübung eines
höhergradigen
Arbeits
pensums (von mehr als 50
%
) zu Überforderungsgefühlen und damit zu einer Verschlechterung der depressiven Symptomatik kommen könnte. Die Beschwer
deführerin habe angegeben, dass sie sich eine Tätigkeit im Umfang eines Pensums von 50
%
zutraue. Es sei indes noch die endgültige Abklärung der fraglichen Intelligenzminderung abzuwarten, um die Arbeitsfähigkeit vollständig beurteilen zu können (
S. 15)
.
Der Beschwerdeführerin sei die Ausübung einer
Tätigkeit in einer kleinen Stadt
oder einem
Dorf nahe
ihrem Wohnort in einem einigermassen
geschützten Rahmen
,
wie
beispielsweise
in einem Altersheim oder in einem Café oder in einem nicht hochfrequentierten Laden
, halbtags zuzumuten (S. 16).
6.3
RAD-Arzt
PD
Dr.
F._
führte in seiner Stellungnahme vom
2
5.
Juni 2021 (Urk.
9/60/2) aus,
dass bezüglich der von den Ärzten des Psychiatriezentrums
A._
diagnostizierten Agoraphobie keine psychiatrische, psychologische oder psychopharmakologische Therapie dokumentiert sei, weshalb von
offenstehenden
Therapieoptionen auszugehen sei. Das durch die Ärzte des Psychiat
riezentrums
A._
für eine angepasste Tätigkeit formulierte Zumut
barkeits
profil
entspreche demjenigen, welches
bereits
die Ärzte der
C._
in ihrem Gutachten
vom 1
1.
Juli
2016
erstellt hätten, und werde dadurch abgedeckt. Zudem sei anlässlich der Begutachtung durch die Ärzte der
C._
im Jahre 2016 bereits eine neuropsychologische Begutachtung durchgeführt worden. Im Vergleich zum medizinischen Sachverhalt bei
m
Verfassen des Gutachtens der Ärzte der
C._
im Jahre 2016 seien neue medizinische Tatsachen mit einer relevanten beziehungsweise erheblichen Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nicht erstellt.
7.
7.1
Die
Beurteilung durch
den RAD-Arzt
PD
Dr.
F._
vom 2
5.
Juni 2021 (vorstehend E.
6.3
)
vermag in inhaltlicher Hinsicht insoweit nicht
zu überzeugen,
als er darin davon ausging,
dass d
as durch die Ärzte des Psychiatriezentrums
A._
für eine angepasste Tätigkeit formulierte Zumutbarkeitsprofil
d
emjenigen
entspreche
, welches die Ärzte der
C._
in ihrem Gutachten vom 1
1.
Juli 2016 erstellt hätten
, und dass
neue medizinische Tatsachen mit einer relevanten beziehungs
weise erheblichen Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nicht erstellt
seien
.
Denn d
ie Ärzte der
C._
stellten
in ihrem Gutachten
vom 1
1.
Juli 2016 (vorstehend E.
4.3
)
aus psychiatrischer Sicht lediglich die Diagnosen einer Alkoholabhängigkeit bei ständigem Substanzgebrauch und einer grenzwertigen Intelligenz, wobei sie diesen psychischen Leiden keinen Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit zumassen (
Urk.
9/21 S. 22)
. Insgesamt
gingen
sie
in somatischer und psychischer Hinsicht
zudem
von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit in Bezug auf angepasste Tätigkeiten aus (
Urk.
9/21 S. 35).
Demgegenüber stellten die Ärzte
des Psychiatriezentrums
A._
in ihrem Gutachten vom 2
7.
Novem
ber 2020 (
vorstehend E.
6.2
)
aus psychiatrischer Sicht die Diagnosen einer Agoraphobie und
eine
r
rezidivierende
n
depressive
n
Störung,
gegenwärtig leicht
gradige Ausprägung, sowie die Verdachtsdiagnose einer
leichtgradige
n
Intelligenz
minderung
und gingen davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
in Bezug auf angepasste Tätigkeiten
dadurch erheblich beeinträchtigt werde, wenn auch der Umfang der Beeinträchtigung auf Grund
einer ausstehenden
aktuellen neuropsychologischen Abklärung nicht mit letzter Gewissheit bestimmt werden könne. Insoweit PD
Dr.
F._
daher die Ansicht vertrat, dass
das Zumutbarkeitsprofil hinsichtlich angepasster Tätigkeiten der
Ärzte des Psychiatriezentrums
A._
vom 2
7.
November 2020
mit demjenigen der Ärzte der
C._
vom 1
1.
Juli 2016
übereinstimme, entspricht dessen Beurteilung nicht den Tatsa
chen und vermag deshalb nicht zu überzeugen.
In Bezug auf die Beurteilung durch den RAD-Arzt
PD
Dr.
F._
gilt es zudem zu beachten, dass
er als Facharzt für Neurologie nicht über eine für die Beurteilung
der psychischen Komponente des Gesundheitsschadens der Beschwerdeführerin angezeigte
fachärztliche
Weiterbildung im
Bereich
Psychiatrie und Psychothera
pie
verfügt
e
. Sodann sind
rechtsprechungsgemäss ergänzende Abklärungen vorzunehmen, wenn bei Berichten eines versicherungsinternen Arztes auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und der Schlüssigkeit seiner Feststellungen bestehen (BGE 139 V 225 E. 5.2 und 135 V 465 E. 4.6). Geringe Zweifel sind bei der vorliegenden Sachlage offe
nkundig, weshalb auf die Stellungnahme
von
PD
Dr.
F._
vom 2
5.
Juni 2021 (vorstehend E.
6.3
)
vorliegend nicht abgestellt werden kann.
7.2
Die Ärzte
des
Psychiatriezentrums
A._
verfügten beim Verfassen ihres Gutachtens vom
2
7.
November 2020
(vorstehend E.
6.2
)
als Fachärzte
für Psychi
atrie und Psychotherapie über
die
für die Beurteilung der
psy
chischen Kompo
nente des Besc
hwerdebildes
der
Beschwerdeführer
in
angezeigte
fachärzt
lichen
Weiterbildungen
. Sie hatten indes lediglich Kenntnis der
Berichte von
Dr.
D._
vom 3
0.
November 2018 und von
Dr.
G._
vom 2
6.
Oktober 2020
, weshalb
sie
beim Verfassen ihres Gutachtens
keine Kenntnis der massgeblichen
medizi
nischen
Vorakten
hatten
. Insbesondere hatten sie keine Kenntnis des Gutachtens der
Ärzte der
C._
vom 1
1.
Juli 2016
und des von diesen veranlassten neuropsychologischen Gutachtens.
Zudem vermag die Arbeitsfähigkeitsbeurtei
lung durch
die Ärzte des Psychiatriezentrums
A._
auch inhaltlich nicht zu überzeugen. Indem sie
in ihrem Gutachten einerseits davon ausgingen, dass erst nach der Durchführung einer
neuropsychologisch
en
Abklärung das Ausmass der kognitiven Einschränkungen und damit der
Arbeits- und
Leistungsfähigkeit vollständig beurteilt werden
könne, und andererseits dennoch eine
Arbeitsfähig
keit von 50
%
in angepassten Tätigkeiten postulierten, erscheint
ihre
Beurteilung
vielmehr als widersprüchlich und vermag nicht nachvollzogen zu werden
. Nicht zu überzeugen vermag die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung durch die Ärzte des Psychiatriezentrums
A._
auch insoweit, als sie sich
in i
hrer Beurteilung
massgeblich
von den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin, wonach
sich
diese die Ausübung
eine
r
Tätigkeit im Umfang eines Pensums von 50
%
selbst
zutr
aue, hatten leiten lassen. Denn gemäss
Art.
7
Abs.
2 ATSG
ist
für die Frage, ob es der versicherten Person zuzumuten ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen, eine objektivierte Betrachtungsweise massgeblich
. Demzufolge kann es nicht ausschliesslich
oder überwiegend
auf das subjektive
Empfinden
der versicherten Person
an
kommen
(BGE 141 V 281 E. 3.7.1)
.
Vielmehr
hat
aus der ärztlichen Beurteilung
ersichtlich
zu
sein, inwiefern sich bei objektivierter
Betrachtung
aus funktionellen Ausfällen
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
ergeben soll
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_10/2015 vom
5.
September 2015 E. 4.2 mit Hinweis
auf BGE 141 V 281).
Des Weiteren gilt es zu beachten, dass
dem von der Beschwerdeführerin ins Recht gelegten Gutachten
der Ärzte de
s Psychiatriezent
rums
A._
nicht der gleiche
Rang wie ein
em
vom
Sozialversicherungsträger im Verfahren nach
Art.
44 ATSG
oder wie ein
em
vom Gericht nach dem vorge
geb
enen Verfahrensrecht
eingeholte
n
Gutachten
zukommt
(vgl. BGE 125 V 351).
Es besteht
insbesondere
kein Anspruch der versicherten Person, abschliessend nach einem Parteigutachten beurteilt zu werden.
Dem Gericht obliegt es jedoch zu prüfen, ob das Privatgutachten Zweifel an der Zuverlässigkeit eines Admi
nistrativgutachtens zu begründen vermag (vgl. BGE 125 V 351 E. 3c; Urteile des Bundesgerichts 9C_6/2020 vom 1
9.
Mai 2020 E. 3.2.2 und 8C_725/2017 vom
4.
Mai 2018 E. 3.4).
Obwohl
die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung durch die Ärzte des
Psychiatriezentrums
A._
vom
2
7.
November 2020 (vorstehend E.
6.2
)
, wonach in Bezug auf angepasste Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen im Umfang von 50
% bestehe,
aus den erwähnten Gründen nicht
zu überzeugen
vermag
,
enthält das Gutachten
gewisse Hinweise, wonach sich der Gesundheits
zustand der Beschwerdeführerin in psychischer Hinsicht seit der letzten rechts
kräftigen Verneinung eines Rentenanspruchs verändert haben könnte. Denn im Gegensatz zu den Ärzten der
C._
, welche in ihrem
Gutachten vom 1
1.
Juli 2016
(vorstehend E.
4.3
) in psychischer Hinsicht
Anhaltpunkte für affektive Stö
rungen und
An
gsterkrankungen ausdrücklich verneinten, gingen die Ärzte
des Psychiatriezentrums
A._
in ihrem
Gutachten
vom 2
7.
November 2020 (vorstehend E.
6.2
)
davon aus, dass die Beschwerdeführerin, abgesehen vom Verdacht
auf eine leichte Intelligenzminderung, in
s
besondere
durch eine Agora
phobie und durch eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig leichtgra
dige Ausprägung,
in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtig
t
werde. Im Rahmen einer Würdigung der vorhandenen medizinischen Akten, insbesondere
des Gutachtens der
Ärzte des Psychiatriezentrums
A._
vom 2
7.
November 2020
,
bestehen Anhaltspunkte
für
eine hinsichtlich eines
Rentenanspruch
s erhebliche Verände
rung des psychischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin im
Vergleichszeitraum vom
7.
August
2017 bis
7.
September
202
1.
Bei gegenwärti
ger Aktenlage ist diese Veränderung jedoch nicht mit dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen, weshalb der Sachver
halt weiterer Abklärung bedarf.
8.
8.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
).
Eine Rückwei
sung an die Verwaltung ist insbesondere dann
möglich, wenn es darum geht, zu einer bisher vollständig ungeklärten Frage ein Gutachten einzuholen. Ebenso steht es dem Versicherungsgericht frei, eine Sache zurückzuweisen, wenn allein eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführun
gen erforderlich ist (BGE 139 V 99 E. 1.1; 137 V 210 E. 4.4.1.4).
8.2
Auf Grund der vorhandenen medizinischen Akten lässt sich
die Resta
rbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin
in leidensangepassten Tätigkeiten
nach Gesagtem
nicht verlässlich beurteilen.
Demzufolge lässt sich die Frage, ob beziehungsweise allenfalls inwiefern sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin i
m Vergleichszeitraum
vom
7.
August 2017
bis
7.
September 2021 (vgl. vorstehend E. 3)
in einer
hinsichtlich des Renten
anspruchs erheblichen
Weise
verändert hat, nicht plausibel beantworten. Der Sachverhalt
erweist
sich diesbezüglich daher als ungenügend abgeklärt
,
und es
bedarf weiterer
medizinischer
Abklärung
en
.
Die Sache ist
daher
an die
Beschwerdegegnerin zur ergänzenden Abklärung des medizinischen Sach
verhalts und anschliessender erneuter Verfügung übe
r
den Rentenanspruch der Beschwerdeführer
in
zurückzuweisen. Dabei wird die Beschwerdegegnerin
sinnvollerweise bei der Gutachtenstelle
C._
ein psychiatrisches und neuropsychologisches Verlaufsgutachten einholen oder die Beschwerdeführerin durch eine andere Gutachtenstelle psychiatrisch und neuropsychologisch begutachten lassen
sowie
anschliessend über den Rentenan
spruch der Beschwerdeführerin
neu
verfügen.
In
genanntem Sinne ist die Beschwerde
daher
gutzuheissen.
9.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen
Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verwei
ge
rung
von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzli
chen Rahmens
(Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 700.-- festzusetzen und ausgangs
gemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.