Decision ID: 1b420f6c-2618-4acf-8474-a05095478fdc
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964, arbeitete
nach seiner Einreise in die Schweiz
ab April 2010 als Kurier bei der
Y._
in
Z._
(
Urk.
10/8/5-8,
10/19/2, 10/20). Am 3
0.
Oktober 2014 meldete er sich unter Hinweis auf einen
Skiunfall
vom 1
3.
Januar 2013
sowie einen
weiteren
Unfall bei einer Auslieferung
am 1
4.
Juli 2014
,
auf
psychische Beeinträchtigun
gen und Probleme mit den Knien, dem Rücken und dem Achsenorgan
bei der Invalidenversicherung des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
10/10).
Diese tätigte erwerbliche (
Urk.
10/
2
0
, 10/22 f.
)
sowie
medizinische Abklärungen (
Urk.
10/
25
, 10/39, 10/53, 10/54
, 10/73
). Zudem zog sie die Akten der
Suva
bei (
Urk.
10/18, 10/41, 10/50, 10/58
).
Mit Mitteilung vom 1
8.
Februar 2015 schloss die IV-Stellte die beruflichen Massnahmen ab (
Urk.
10/33).
Am
9.
Januar 2017 erlitt der Versicherte einen Verkehrsunfall
(
Urk.
10/47)
,
was er
der IV-Stelle mit Formular vom
5.
April 2017
meldete
(
Urk.
10/4
8
).
Vom
6.
Septem
ber bis 1
1.
Oktober 2017 wurde der Versicherte in der
A._
stati
onär behandelt (
Urk.
10/62). Die IV-Stelle
teilte dem Versicherten am 2
9.
Mai 2018 mit, sie
erachte
eine polydisziplinäre Begutachtung für notwendig (
Urk.
10/75). Das Gutachten des
B._
erging am 1
6.
Oktober 2018 (
Urk.
10/82)
.
Mit unangefochten in Recht
skraft erwachsenem Urteil UV.20
17.00127 vom
8.
November 2018 wies das hiesige Gericht die Beschwerde des Versicherten gegen den
Einspracheentscheid
der Suva vom 2
0.
April 2017 (
Urk.
10
/49) betref
fend Abschluss des ersten Falles (Unfall vom 1
3.
Januar 2013) per Ende Mai 2014 und Abschluss desjenigen betreffend den Unfall vom 1
1.
Juli 2014 per Mitte August 2014 ab.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
10/84, 10/87) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
3.
Februar 2019 einen Leistungsan
spruch
des Versicherten
(
Urk.
2).
2.
Dagegen liess d
er
Versicherte mit Eingabe vom
1
8.
März 2019
Beschwerde erhe
ben (
Urk.
1) und beantragen, die Verfügung vom
1
3.
Februar
2019 sei aufzuheben und
es sei ihm
vom
1.
Juni 2014 bis
9.
Januar 2017 eine halbe, vom
1.
Januar 2017 bis
6.
Juli 2018 eine ganze und ab Juli 2018 eine Dreiviertel-Invalidenrente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2)
.
In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdefüh
rer um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
Rechtsverb
eistän
dung
durch Rechtsanwältin
Stéphanie Baur
(
Urk.
1 S.
2
).
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
6.
April 2019
die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9). Mit Verfügung vom
9.
Mai 2019 wurde dies
dem Beschwerdeführer zur Kenntnis gebracht
und es wurde ihm die unent
geltliche Prozessführung
und die
unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
durch Rechtsanwältin Stéphanie Baur gewährt
(
Urk.
11).
Auf
die Vorbringen
der Parteien und di
e Akten
wird
-
soweit für di
e
Entscheid
findung
erforderlich -
in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130
V
396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145
V
215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.5
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 1
3.
Februar 2019
(
Urk.
2)
wurde erwogen,
dass ein Rentenanspruch frühestens sechs Monate nach
der
Anmeldung
zum Leis
tungsbezug
entstehen könne. Der Beschwerdeführer habe sich am 3
0.
Oktober 2014 bei der Invalidenversicherung angemeldet, womit ein Rentenanspruch ab April 2015 möglich sei. Zu diesem Zeitpunkt habe jedoch
wie auch von August 2014 bis Januar 2017
eine v
olle Arbeitsfähigkeit bestanden. Nach dem Unfall vom
9.
Januar 2017
habe ebenfalls
nicht während zwölf Monaten eine durch
schnittlich mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen, womit die Voraus
setzung der einjährigen Wartezeit für die Entstehung eines Rentenanspruchs nicht erfüllt sei. Aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten bestehe beim Beschwerdeführer noch eine Einschränkung für eine rein stehende oder gehende Tätigkeit mit Zwangshaltung und ständiger Gewichtsbelastung beim Heben und Tragen von über 15 Kilo. In seiner angestammten Tätigkeit als Kurierfahrer sei er
aber
voll arbeitsfähig (
Urk.
2 S. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer in der Beschwerde vom 1
8.
März 2019
(
Urk.
1)
im Wesentlichen geltend,
das Gutachten vom 1
6.
Oktober 201
8
sei widersprüchlich (
Urk.
1 S. 5 ff.) und dem Beschwerdeführer höchstens ein Pensum vo
n
38
%
zumutbar (
Urk.
1 S. 8).
Zudem sei ein leidensbedingter Abzug von
25
% zu berücksichtigen
(
Urk.
1 S. 8 f.)
.
3.
3.1
.1
Im
B._
-Gutachten vom 1
6.
Oktober 2018 wurden folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt (
Urk.
10/82/10):
-
Chronisches belastungsabhäng
iges
lumbospondylogenes
Schmerz
-
syn
drom bei
skoliotischer
Fehlhaltung der LWS und muskulärer
Dysbalance
-
Zervikobrachialgie
bei
myostatischer
Dekompensation des
Musculus
tra
pezius
-
Beginnende Gonarthrose rechts, Grad 1-2 nach
Kellgren
-Lawrence mit/bei:
-
Status nach Kniedistorsion rechts bei Skiunfall am 1
3.
Januar 2013
-
Status nach Kniea
r
throskopie mit medialer
Teilmeniskektomie
am
7.
November 2013
-
Status nach erneuter Kniekontusion rechts am 1
1.
Juli 2014
-
Beginnende
Coxarthrose
beidseits, Grad 2 nach
Ficat
und
Arlet
-
Metabolisches Syndrom mit/bei:
-
Adipositas Grad 1 nach WHO (BMI von 31.9 kg/m2)
-
Arterieller Hypertonie, unbehandelt
-
Gemischter
Hyperlipidämie
, unbehandelt
-
Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen (ICD-10: F68.0, Differentialdiagnose: F68.1)
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden im Gutachten keine
genannt
(
Urk.
10/82/9).
3.
1.2
Im
allgemein-medizinischen/
internistischen
G
utachten
(
Urk.
10
/82/43-63)
hielt
Dr.
med. C._
, Facharzt für Innere Medizin FMH, fest,
der Beschwerde
führer habe angegeben, seine aktuellen Hauptprobleme seien seine chronischen Knie-, Rücken- und Nackenschmerzen, die
Folge
n
der verschiedenen Unfälle seien, sowie seine neu aufgetretenen psychischen Probleme. Dabei sei es für ihn vor allem problematisch, dass er beschwerdebedingt nicht mehr arbeiten könne und kein Geld mehr habe, um seine Familie in Serbien zu unterstützen
(
Urk.
10/82/47 f.)
.
In der vertieften Befragung habe der Beschwerdeführer
sodann
ausgeführt, seine Knieschmerzen rechts habe er seit einem Skiunfall im Januar 201
3.
Im Winterurlaub in Serbien sei er beim Überholen eines anderen Skifahrers gestürzt und
habe
sich mehrfach überschlagen.
In der Schweiz habe man festge
stellt, dass der Meniskus, die Bänder und die Ligamente gerissen seien. Da die Physiotherapie nicht geholfen habe, sei er operiert worden. Dies habe aber auch nicht viel gebracht. Seither habe er dauernd Schmerzen im rechten Knie und könne dieses auch nicht mehr vollständig strecken. Nach 18 Monaten sei er wie
der arbeiten gegangen, wobei er nur noch
in einem 50
%
-Pensum
als Lieferwa
genchauffeur habe arbeiten können.
Am 1
1.
Juli 2014 habe er sich bei einem Treppensturz nochmals am rechten Knie verletzt. Nachdem er 30 Tage krankge
schrieben gewesen sei, habe er wieder versucht 50
%
zu arbeiten, habe aber stän
dig Schmerzen im rechten Bein und auch am Rücken verspürt. Den dritten Unfall habe er am
9.
Januar 2017 erlitten, als er am Steuer seines Lieferwagens mit etwa 60 km/h unterwegs gewesen sei und sich plötzlich ein Strassenpoller gehoben habe.
Er
sei frontal mit dem Poller kollidiert und mit dem Kopf gegen die Decke und dem Brustkorb gegen das Lenkrad geschlagen.
Seit
diesem Unfall habe er ständig Schmerzen im Bereich des Nackens und die Muskulatur sei völlig ver
spannt
(
Urk.
10/82/48)
.
Auch die Rehabilitation in
der
A._
habe nichts gebracht. Die Suva habe sich geweigert, ihm eine Rente zu zahlen und ständig schikaniert, was i
h
n letztendlich psychisch krank gemacht habe (
Urk.
10/82/49).
Der Beschwerdeführe
r
habe weiter berichtet, dass aktuell seine Knieschmerzen rechts im Vordergrund stünden, welche auf einer visuellen Analogskala (VAS von 0 = kein Schmerz bis 10 = stärkster vorstellbarer Schmerz) eine Intensität zwi
schen 6 und 9 aufweisen würden. Das Knie sei auch ständig geschwollen und er könne es nicht mehr ganz biegen oder strecken, könne nur noch maximal einen
Kilometer gehen und habe auch extrem Mühe beim Treppensteigen
. Daneben habe er
Kreuzschmerzen, die ins rechte Bein ausstrahlen und auf der VAS zwi
schen 6 und 10 variieren würden. Im Nackenbereich habe er ebenfalls ständig Schmerzen (VAS 6 bis 10) und er könne seinen Kopf nicht mehr richtig bewegen. Diese Beschwerden seien jeweils am Morgen am schlimmsten, dann sei sein gan
zer Körper wie blockiert und er brauch
e
mindestens eine Stunde, um langsam in Bewegung zu kommen (
Urk.
10/82/49).
Dr.
C._
beurteilte,
die
internistische Problematik beschränke sich auf eine bis
her immer wieder erwähnte arterielle Hypertonie, welche allerdings noch nie medikamentös angegangen beziehungsweise näher abgeklärt worden sei. Es sei am ehesten von einer essentiellen arteriellen Hypertonie im Rahmen eines meta
bolischen Syndroms auszugehen. Es würden sich jedoch keine Hinweise für eine
hypertensive
Nephropathie oder Kardiopathie zeigen. Die internistischen Diagno
sen seien daher ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. Unter einer adäquaten medikamentösen Einstellung sei von einer Normalisierung des Blutdrucks und des Lipidprofils auszugehen (
Urk.
10/82/60).
Aus internisti
scher Sicht bestehe
damit
keine Einschränkung für die bisherige Tätigkeit als Autokurier (
Urk.
10/82/61).
3.
1.3
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
schil
derte im psychiatrischen
G
utachten
(
Urk.
10/82/64-87)
, der Beschwerdeführer habe sich nicht psychisch beeinträchtigt gezeigt. Der psycho-pathologische Befund sei normal ausgefallen. Eine Störung der Affektivität, Freudlosigkeit und ein äusserst eingeschränktes Interesse, an Aktivitäten
des a
lltäglichen Lebens teil
zunehmen,
habe nicht ausgemacht werden können. Es hätten sich weiter keine Wahrnehmungs- oder Aufmerksamkeitsdefizite gezeigt, die Konzentration sei nicht reduziert und der formale Gedankenablauf nicht verlangsamt oder umständlich, jedoch leicht im inhaltlichen Umfang auf seine Schmerzsymptoma
tik eingeengt gewesen (
Urk.
10/82/75). Damit seien die Hauptsymptome einer depressiven Störung nicht gegeben und auch die
gemäss ICD-10 geforderten Zusatzsymptome
seien
nicht
erfüll
t
. Eine depressiv
e
Episode könne daher ausge
schlossen werden (
Urk.
10/82/76
)
.
Ferner stellte
Dr.
D._
fest, dass beim Beschwerdeführer zwischen den subjektiv
en
, häufig massiven Beschwerde
schilderungen und seinem Verhalten in der Untersuchungssituation eine auffäl
lige Diskrepanz best
ehe
. Die subjektiv geschilderte Intensität der Beschwerden
stehe
im Missverhältnis zur Vagheit der Schilderung der einzelnen Symptome und das Ausmass der geschilderten Beschwerden
stimme
nicht mit der Inan
spruchnahme therapeutischer Hilfe überein, was als fehlender Leidensdruck zu interpretieren sei und von einer geringen Behandlungsaktivität zeuge
(
Urk.
10/82/82 f.). Der Bezug von Rentenleistungen
stehe
beim Beschwerdeführer im Vordergrund und eine berufliche Wiedereingliederung werde durch invalidi
tätsfremde Faktoren limitiert
(
Urk.
10/82/85).
Dr.
D._
diagnostizierte eine Entwicklung kö
r
perlicher Symptome aus psychischen Gründen, die jedoch keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe (
Urk.
1
0/82/
75). Der Beschwerdeführer sei aus psychiatrischer Sicht sowohl in seiner angestammten wie auch einer ange
passten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig (
Urk.
10/82/86).
3.
1.4
Aus orthopädischer Sicht hielt
Dr.
med. E._
, Facharzt für Orthopädische Chi
rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, fest, es bestünde zusammen
fassend ein belastungsabhängiges vermehrtes
lumbospondylogenes
Schmerzsyn
drom bei
skoliotischer
Fehlhaltung der Lendenwirbelsäule und muskulärer
Dys
balance
,
zervikobrachiale
Schmerzen
bei
myostatischer
Insuffizienz des
Musculus
trapezius
, chronische Knieschmerzen rechts bei beginnender Gonarthrose und eine bisher asymptomatisch gebliebene beidseitige
Coxarthrose
. Die zu objekti
vierenden klinischen und radiologischen Befunde seien jedoch diskret und wür
den das Ausmass der beklagten Beschwerden und Behinderungen nicht erklären, weshalb eine gewisse psychische Überlagerung beziehungsweise Aggravation angenommen werden müsse. Gemäss
dem klinischen Befund
sei der Beschwerde
führer in der biomechanischen Funktion
s
einer Wirbelsäule und seines rechten Kniegelenks limitiert und hieraus unweigerlich in der Belastungsfähigkeit mit Limitierung der Geh- und Standfähigkeit
eingeschränkt
. Es bestehe deshalb eine limitierte Leistungsfähigkeit für eine ausschliesslich stehend und gehend ausge
übte Tätigkeit, sowie Tätigkeiten, welche in Wirbelsäulenzwangshaltung durch
geführt
würden
. Auch Tätigkeiten mit Heben und Tragen
von regelmässig mehr als 25 K
ilogramm
seien auf Dauer nicht geeignet und Tätigkeiten mit ständiger Armvorneigehaltung oder ständig über Kopf seien zu meiden. Arbeiten auf Lei
tern, Gerüsten oder unsicherem Gelände seien kritisch zu sehen, ebenso Tätigkei
ten im Freien ohne Schutz vor Kälte, Nässe, Zugluft
und
ohne entsprechende Schutzkleidung sowie auf regennassem, eisglattem und unebenen Untergrund (
Urk.
10/82/101).
Betreffend die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit führte
Dr.
E._
aus, der Beschwerdeführer sei in der bisherigen Tätigkeit als Kurierfahrer zu 100
%
arbeitsfähig. So bestünden genügend Leistungsreserven, um die notwendigen Tätigkeiten unter Beachtung der Strassenverkehrsordnung zu bewältigen. Die limitierten Zwangshaltungen beim Führen eines Kraftfahrzeu
ges könnten mittels Pausen vermindert werden (
Urk.
10/82/106). Auch retrospek
tiv habe ausser den Phasen
der
Hospital
is
ation
eine volle Arbeitsfähigkeit aus orthopädisch-chirurgischer Sicht bestanden (
Urk.
10/82/108).
3.
1.5
Der neurologische
G
utachter,
Dr.
med. F._
, Facharzt für Neurologie FMH, konnte keine neurologische Diagnose stellen
(
Urk.
10/82/118)
.
Es fanden sich
gemäss seiner Beurteilung im Untersuchungsbefund
keine objektivierbare
n
fokal-neurologische
n
Defizite und insbesondere keine persistierende objektive
radiku
läre
Ausfallsymptomatik im Rahmen der degenerativen Lendenwirbelsäulenver
änderungen.
Auch fehle es an einem
Anhalt für eine neuropathische Komponente der beklagten Schmerzen, welche aus neurologischer Sicht als
muskoskelettal
einzuordnen seien. Für die Befunde
i
m MRT der Lendenwirbelsäule vom
6.
März 2017
fehle es
sodann
an einem
anamnestisch-klinische
n
Korrelat
(
Urk.
10/82/118).
Aus
neurologischer Sicht
liege
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
vor
.
Auch
retrospektiv könne keine Einschränkung
attestiert
werden (
Urk.
10/82/122 f.).
3.
1.6
Interdisziplinär wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer in seiner bisheri
gen Tätigkeit als Lastwagenchauffeur ab sofort zu 100
%
arbeitsfähig sei, da diese aufgrund des erhobenen Leistungsprofils als durchaus angepasst zu betrachten sei.
Zudem sei
jede dem Alter und Habitus entsprechende Verweistätigkeit in einem uneingeschränkten Pensum von 100
%
möglich. Es lasse sich damit beim Beschwerdeführer auch aus interdisziplinärer Sicht keine Diagnose stellen, die eine dauerhafte Einschränkung seiner Arbeits- und Leistungsfähigkeit begründen könnte (
Urk.
10/82/14).
Der Beschwerdeführer sei lediglich in der biomechanischen Funktion seiner Wir
belsäule und seines rechten Kniegelenks limitiert mit einer daraus resultierenden Einschränkung der Belastungsfähigkeit mit Limitierung der Geh- und Standfä
higkeit
(
Urk.
10/82/12)
.
Hinsichtlich der Konsistenzprüfung führten die Gutachter aus, es hätten sich aktenkundig immer wieder Diskrepanzen zwischen den sub
jektiven Beschwerden und de
n
objektivierbaren Befunden ergeben. Dies betreffe das rechte Kniegelenk wie auch die Rückenproblematik,
bei der
sowohl klinisch als auch bildgebend keine schwerwiegenden Pathologien objektivierbar gewesen seien. Inkonsistent seien auch die Angaben des Beschwerdeführers in Bezug auf den Unfallhergang vom
9.
Jan
uar 201
7
gewesen. In den Akten
lägen
verschie
dene Versionen
vor
, was an der Glaubwürdigkeit
seiner
Aussagen zweifeln lasse. Es
bestehe, wie bereits durch die
A._
beschrieben, eine erhebliche Symptomausweitung, welche das Ausmass der objektiven Behinderungen auf
grund der Schmerzproblematik wenig plausibel erscheinen lasse
(
Urk.
10/82/
14
)
.
3.
2
RAD-Arzt
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie, führte in seiner Stellungnahme vom 2
2.
Oktober 2018 aus, auf das Gut
achten der
B._
sei abzustellen.
Es sei damit spätestens ab 1
1.
Oktober 2017 von
einer vollen Arbeitsfähigkeit für die zuletzt ausgeübte wie auch eine vergleich
bare Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarktes auszugehen (
Urk.
10/83/15)
.
4.
4.1
Das Gutachten des
B._
vom 1
6.
Oktober 2018 beruht auf den erforderlichen fachärztlichen Untersuchungen und wurde in Kenntnis und Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben (
Urk.
10/82/16-42
). Die Gutachter erhoben detail
lierte Befunde (
Urk.
10/82/
4
8 ff.,
10/82/73 ff., 10/82/95 ff., 10/82/115 f.), berück
sichtigten die geklagten Beschwerden und setzten sich mit diesen auseinander (
Urk.
10/82/47 ff., 10/82/69 ff., 10/82/93 f., 10/82/114 f.
). Die Beurteilung erfolgte im Konsens aller Teilgutachter (
Urk.
10/82/55 ff.).
Die Experten setzten sich mit den vorangegangenen medizinischen Beurteilungen auseinander und begründeten ihre davon abweichende Einschätzung (
Urk.
10/82/
80 f., 10/82/105, 10/82/122
).
Das Gutachten erfüllt demnach
formal
die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen (vgl. E. 1.3).
4.2
4.2.1
In
somatischer
Hinsicht führte
der orthopädische Gutachter
aus, dass die objekti
vierbaren klinischen und radiologischen Befunde das Ausmass der geschilderten Beschwerden nicht erklären könnten (
Urk.
10/82/101). So seien wesentliche strukturelle Schädigungen durch die umfangreiche Diagnostik bereits ausge
schlossen worden und gravierende Funktionsstörungen seien aus orthopädisch-
traumatologischer
Sicht nicht auszumachen (
Urk.
10/82/105). Dies
erweist sich
auch im
Lichte der
restliche
n
Aktenlage
als schlüssig
.
So hielt
schon
Dr.
med. H._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
apparates
, in seinem Bericht vom 2
5.
April 2016 fest, dass die geschilderten Knie
schmerzen nicht mit den vorliegenden klinischen und radiologischen Befunden erklärt werden könnten (
Urk.
10/50/310).
In der
A._
wurde ausserdem festgestellt
, dass die umfassende Bilddiagnostik weder eine knöcherne noch eine disko-
ligamentäre
Läsion der untersuchten Körperregionen, so auch der Lenden
wirbelsäule und des rechten Knies aufweise. Die vom Beschwerdeführer während der Rehabilitation geltend gemachten Beschwerden und Funktionseinschränkun
gen seien zwar teilweise in ihrer Lokalisation aber nicht in ihrer Intensität zu erklären
gewesen (
Urk.
10/62/5)
.
Im neurologischen Gutachten konnte sodann nachvollziehbarerweise keine Diag
nose gestellt werden, da sich keine objektivierbaren fokal-neurologische
n
Defizite
im
Untersuchungsbefund finden liessen.
So waren auch die angegebene Minde
rung des oberflächlichen Berührungsempfinden
s
am rechten Arm und rechten
Bein nicht von Reflexdifferenzen oder umschriebenen Paresen begleitet
(
Urk.
10/82/118)
. Der Ausschluss einer Schädigung der neurogenen Struktur ist somit schlüssig.
A
uch
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Neurologie,
verneinte
am 1
7.
März 2017 eine Verletzung am Nervensystem
mangels neurologischer Aus
fälle
(
Urk.
10/54/7).
Der Beschwerdeführer bringt
da
gegen
vor
,
die
im Austrittsbericht der
A._
diagnostizierte
Diskushernie auf der Höhe L4/L5
mit einem
Anulus
fibrosus
Riss,
sei
im Gutachten nicht berücksichtigt
worden
(
Urk.
1 S. 6)
.
Dass im
B._
-Gutachten die Diskushernie nicht als Diagnose aufgeführt wurde, vermag dessen Beweiswert
nicht
zu schmälern. So war die Diskushernie den Gutachtern bekannt
(
Urk.
10/82/113
, 10/82/117
) und wurde entsprechend in die Beurteilung einbezo
gen (
Urk.
10/82/118)
. Im neurologischen Gutachten wurde
festgehalten, dass kein anamnestisch-klinisches Korrelat für die im Befund zur bildgebenden Untersu
chung vom
6.
März 2017
(
Urk.
3/8)
beschriebene Tangierung der Wurzel L4 links, vorliege (
Urk.
10/82/118).
Auch die Degenerationen in den Facettengelenken der mittleren und unteren Lendenwirbelsäule
sowie der Riss im
Anulus
fibrosus
wurde
durch den neurologischen Gutachter
berücksichtigt
(
Urk.
10/82/117) und im orthopädischen Gutachten
findet sich der Befund
,
wonach
sich i
m Bereich der Facettengelenke ein Druckschmerz in Höhe L5 provozieren
habe
lassen
(
Urk.
10/82/96).
Rechtsprechungsgemäss sind für die Einschätzung der Arbeits
fähigkeit im Zusammenhang mit Degeneration der Wirbelsäule
denn auch
in ers
ter Linie die klinischen Befunde massgeblich (Urteil des Bundesgerichts 9C_89/2020 vom 1
8.
Juni 2020 E. 4.6 mit weiteren Hinweisen).
Sodann erachtete
die
A._
den Beschwerdeführer
trotz Diagnose der Diskushernie (
Urk.
10/62/1)
als ganztags arbeitsfähig in seiner angestammten Tätigkeit (
Urk.
10/62/3)
.
Dies überzeugt insbesondere auch angesichts des Fehlens
erheb
li
cher struktureller Schäden und der nachvollziehbar aufgezeigten deutlichen Inkonsistenzen (E. 3.1.4), welche bereits im Austrittsbericht der
A._
vom 3
1.
Oktober 2017 ihren Niederschlag fanden, wurde dort doch ebenfalls eine erhebliche Symptomausweitung festgestellt (
Urk.
8/62/3). Die Beschreibung der Schmerzen sei undifferenziert und das Schmerzverhalten nicht immer adä
quat gewesen (
Urk.
10/62/5). Auch zuvor hatte
Dr.
J._
im kreisärztli
chen Untersuchungsbericht vom 1
1.
Februar 2014 Zweifel am Beschwerdevortrag und den klinisch demonstrierten Einschränkungen des Beschwerdeführers geäus
sert. So habe
dies
er beim Fersengang das
hinkfreie
gesunde linke Bein als funk
tionsgemindert demonstriert, indem er
den linken
Vorfuss
habe
runterschlappen lasse
n
. Der Fersengang des rechten verunfallten Beines habe er jedoch problemlos ausführen können. Zudem sei bei der Prüfung des
Lasegue’schen
Zeichens mit
Bragard’scher
Verstärkung ab 40° Hüftbeugung plötzlich ohne Schmerzangabe das Kniegelenk in ein deutlich geringeres Streckdefizit abgesackt (
Urk.
10/18/208 f.).
Es ist damit
erstellt
, dass der Beschwerdeführer aufgrund de
s
chronischen
,
belas
tungsabhängigen
,
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms, der
Zervikobrachial
gie
und der beginnenden Gonarthrose im rechten Knie in der biomechanischen Funktion seiner Wirbelsäule und seines rechten Kniegelenks
zwar
limitiert ist. Die daraus resultierenden Einschränkungen des Belastungsprofils ziehen jedoch
,
wie
im Gutachten überzeugend
dargelegt (
Urk.
10/82/12-14)
,
keine Arbeitsunfähig
keit
in
der angestammten Tätigkeit nach sich, da
es
sich
dabei
um eine mehrheit
lich sitzende, teilweise gehende, ehe
r leichte körperliche
und damit angepasste
Tätigkeit handelt.
4.
2.3
Der Beschwerdeführer macht
sodann
geltend, das psychiatrische Gutachten
sei
widersprüchlich und es
sei
nicht
nachvollziehbar
,
weshalb
der Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung gegenwärtig mittelgradig, wie sie von der
A._
gestellt worden sei, nicht
gefolgt werde
(
Urk.
1 S. 6).
So habe auch
der behandelnde Psychiater des Beschwerdeführers eine rezidivierende depressive Störung mit einer mittelgradig bis schweren Episode
diagnostiziert
(
Urk.
1 S. 7).
Dies vermag jedoch nicht
an der Beweiskraft des Gutachten
s
und insbesondere an dessen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
Zweifel zu wecken. So wurde
bereits
im Austrittbericht der
A._
festgehalten, dass eine erhebliche Symp
tomausweitung erkennbar
gewesen sei
und trotz gestellter psychiatrischer Diag
nose wurde dem Beschwerdeführer
lediglich eine leichte bis mittelschwere Leis
tungsminderung, nicht jedoch eine Arbeitsunfähigkeit attestiert
(
Urk.
10/62/3)
.
Dr.
D._
legte sodann überzeugend dar,
weshalb
der Diagnose einer rezidi
vierenden depressiven Störung nicht gefolgt werden könne. So finde sich insbe
sondere kein überzeugender Hinweis auf eine vorhe
rige depressive Episode
in den Akten
und es sei
hinsichtlich der psychosomatischen Beurteilung
von
A._
fraglich, ob eine Konsistenzprüfung, insbesondere aufgrund der in der Klinik beobachteten Symptomausweitung, vorgenommen
worden sei
(
Urk.
10/82/81).
Dr.
D._
hingegen nahm einlässlich zur Konsistenz der Beschwerdeschil
derung unter Einbezug der gesamten Aktenlage Stellung (
Urk.
10/82/81 ff.).
Er hielt sodann fest, dass z
w
ischen den subjektiven, häufig massiven Beschwerde
schilderungen des Beschwerdeführers und dem Verhalten in der Untersuchungs
situation eine auffällige Diskrepanz bestehe. Die subjektiv geschilderte Intensität der Beschwerden stehe in einem Missverhältnis zur Vagheit der Schilderung der einzelnen Symptome.
Zudem legte
er schlüssig da
r
, dass die mangelnde Inan
spruchnahme einer psychiatrischen Therapie
im
Widerspruch zu dem Ausmass
der geschilderten Beschwerden
stehe
, was insgesamt als fehlender Leidensdruck zu interpretieren sei (
Urk.
10/82/82 f.). Weiter hielt
Dr.
D._
Inkonsisten
zen innerhalb der Aktenlage fest, wie beispielsweise die voneinander abweichen
den Schilderungen des Unfallhergangs vom
9.
Januar 2017, welche wiederum nicht im Einklang mit dem Unfallgutachten der Arbeitsgruppe für Unfallmecha
nik vom 1
2.
Juli 2017 zu bringen seien (
Urk.
10/82/83 f.).
So legte er
insgesamt
überzeugend dar, dass beim Beschwerdeführer von einer Symptomausweitung, wenn nicht sogar von einer Aggravation ausgegangen werden müsse. Der Bezug von Rentenleistungen stehe dabei im Vordergrund und die berufliche Wiederein
gliederung sei lediglich durch invaliditätsfremde Faktoren limitiert (
Urk.
10/82/85).
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig kein versicherter Gesundheitsschaden vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer
ähnlichen Konstellation beruht
(BGE 141 V 281 E. 2.2.1, BGE 131
V
49 E. 1.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4.1).
Zudem
gilt es zu berücksichtigen
, dass der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit seiner angegebenen Depression
diverse
psychosoziale Faktoren
benannte
.
So sei für ihn besonders belastend, dass er seine Familie in Serbien nicht mehr unterstützen könne (
Urk.
10/82/48). Bereits in der
A._
standen die Sorge, seine Kinder nicht finanziell unterstützen zu können und die Trennung von seiner Ehefrau im Vordergrund seiner Schilderungen (
Urk.
10/62/16). Kön
nen
aber
im
Wesentlichen nur Befunde
erhoben werden,
welche in den psycho
sozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheits
schaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a)
.
Die
Berichte von
Dr.
K._
(
Urk.
10/73
/1-4
)
weisen sodann
weder eine
H
erleitung
der Diagnose
noch eine
nähere
Begründung der Arbeitsunfähigkeit
auf
. Die Berichte sind
äusserst knapp
und
stützten
sich mehrheitlich
auf
d
ie
subjektiven Angaben des Beschwerdefüh
rers.
In Bezug auf Berichte von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist
zudem
auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifels
fällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351
E.
3b/cc).
Gestützt auf die überzeugende
Beurteilung von
Dr.
D._
(
Urk.
10/82/81) kann
somit
das Vorliegen einer krankheitswerti
gen psychischen Störung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ausgeschlos
sen werden.
Praxisgemäss bleibt ein strukturiertes Beweisverfahren entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte eine Arbeitsunfähigkeit in nach
vollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Ein
schätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kan
n (Urteil des Bundesgerichts 8C_597/2019 vom 1
2.
Dezember 2019 E. 7.2.3).
Vorliegend hat
Dr.
D._
mit nachvoll
ziehbarer und überzeugender Begründung
eine
die Arbeitsfähigkeit beeinflus
sende psychiatrische Diagnose
ausgeschlossen und damit die gegenteiligen Ein
schätzungen der behandelnden Ärzte widerlegt, weshalb auf ein strukturiertes Beweisverfahren verzichtet werden kann.
4.3
Zusammenfassend überzeugt
das Gutachten des
B._
vom 1
6.
Oktober 2018 in seiner Beurteilun
g der Arbeitsfähigkeit
. Es ist damit
von einer vollen Arbeitsfä
higkeit in der angestammten Tätigkeit als Lieferwagenchauffeur ab dem Austritt aus der
A._
am 1
1.
Oktober 2017 auszugehen
.
Hinsichtlich des Einwandes des Beschwerdeführers, wonach die Unfallversiche
rung bis
zum
1
9.
März 2018 Taggelder gestützt auf eine 100%ige Arbeitsunfä
higkeit ausbezahlte (
Urk.
1 S. 6, 3/6), ist darauf hinzuweisen, dass
zwischen
der
Invaliden- und Unfallversicherung keine Bindungswirkung der Invaliditätsschät
zung des einen Versicherers für den jeweils anderen Sozialversicherungszweig
besteht
. Die IV-Stellen und die Unfallversicherer haben die Invaliditätsbemessung in jedem einzelnen Fall selbständig vorzunehmen. Sie dürfen sich ohne weitere eigene Prüfung nicht mit der blossen Übernahme des Invaliditätsgrades des jeweils anderen Sozialversicherers begnügen (BGE 133 V 549 E. 6.1).
Die weitere Taggeldauszahlung durch die Suva
hat
entsprechend auch
keinen Einfluss
auf die Beurteilung der
invaliden
versicherungs
rechtlichen
Arbeitsfähigkeit.
4.4
Was den Verlauf der Arbeitsfähigkeit bis zum 1
1.
Oktober 2017 anbelangt, ist dieser angesichts der Anmeldung vom 3
0.
Oktober 2014 und der Bestimmungen zum frühesten möglichen Rentenbeginn (
Art.
29
Abs.
1 IVG)
sowie
zum Warte
jahr
(
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG
)
ab
April 201
4
zu prüfen.
4.4.1
Für den Beschwerdeführer standen gemäss Aktenlage bis zum dritten Unfall im Januar 2017 die Kniebeschwerden eindeutig im Vordergrund.
So
wurden
im
Arzt
bericht von
Dr.
L._
vom 1
2.
April 2016
,
in
dem
er
den Verlauf seit dem ersten Unfall ausführlich darlegte
(
Urk.
10/50/311 f.), einzig
Kniebeschwerden
aufgeführt
.
Am 2
5.
April 2016 hielt auch
Dr.
H._
fest, dass der Beschwerde
führer seit einiger Zeit über Knieschmerzen klage.
Andere
Beschwerde
n
wurde
n
nicht aufgeführt (
Urk.
10/50/309).
Das Sozialversicherungsgericht erkannte
hin
sichtlich der Unfallfolgen vom 1
3.
Januar 2013
unter Würdigung der damaligen
und auch in diesem Verfahren im wesentlichen vorliegenden Akten
bereits im Urteil UV.2017.00127
vom
8.
November 2018
, dass der Beschwerdeführer ab dem
1.
Juni 2014 – mit einem kurzen Unterbruch aufgrund des Unfalls vom 1
1.
Juli 2014 – in seiner angestammten Tätigkeit als Kurierfahre
r voll arbeitsfähig war
.
Dabei stützte es sich im Wesentlichen darauf,
dass
Dr.
J._
den Beschwerdeführer
trotz der Restbeschwerden mit endphasige
m
Beuge- und Streckdefizit des rechten Kniegelenks und der geklagten Anlauf- und Belastungs
schmerzen
bereits am 1
1.
Februar 2014 als voll arbeitsfähig beurteilte (
Urk.
10/18/209). Der Sturz vom 1
1.
Juli 2014 hatte schliesslich keine zusätzli
chen strukturellen Verletzungen zur Folge
und die Behandlung erschöpfte sich in Physiotherapie und
Taping
sowie physikalischen Massnahmen (
Urk.
10/18/51 f.)
. S
elbst der behandelnde Arzt
ging von
keiner durch diesen Unfall verursachten dauerhaften Verschlechterung des Zustandes des rechten Knies a
us
(
Urk.
10/41/6)
.
4.4.2
Dr.
L._
begründete im Bericht vom
2.
Juni 2014
zwar eine 50%-
Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit
mit einer
verminderten Belastbarkeit des Achsenorgans und dem Ausschluss wirbelsäulenbelastender Tätigkeiten (
Urk.
10/18/127
; vgl. E. 3.3 + E. 4.3 im Urteil UV.2017.00127 vom 2
8.
November
2018
)
. Weitere Hinweise auf Rückenbeschwerden lassen sich
aber in den Akten nicht
finden
.
Anhalts
punkte dafür
, dass sich in der hier relevanten Zeitspanne Rückenschmerzen
über längere Zeit
le
istungseinschränkend auswirkten, fehlen.
4.4.3
Hinsichtlich psychische
r
Beschwerden
ist anzumerken,
dass der Beschwerdeführer zwar bereits mit
der
Anmeldung vom 3
0.
Oktober 2014 solche geltend machte (
Urk.
10/10/5),
sich
aber
erstmals im
ambulanten Assessment der
A._
vom
2
7.
Juli
2017
(
Urk.
10/58/150)
entsprechende Hinweise
in den
medizinischen
Akten
finden lassen
.
Eine
psychiatrische
Diagnose wurde
denn auch
erstmals im Austrittsbericht der
A._
vom 3
1.
Oktobe
r 2017 gestellt (
Urk.
10/62/2)
,
welche aber, wie
in
E.
4.2.3
erläutert,
nicht nachvollziehbar
ist
.
Eine frühere Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund psychischer
Beschwerden
kann man
gels entsprechender Hinweise in den Akten
somit ebenfalls
überwiegend wahr
scheinlich
ausgeschlossen werden.
4.4.4
Sodann äusserte
n
sich
im
B._
-Gutachten alle Gutachter
zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit dahingehend, dass
mit Ausnahme
der Phasen der
Hospitalisation
auch retrospektiv
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestand (
Urk.
10/82/62,
10/82/86,
10/82/10
6
, 10/82/123
).
4.4.
5
Damit besteht weder aufgrund der Parteivorbringen noch aufgrund der Ak
t
en Anlass, von der im Urteil UV.2017.00127 festgestellten, uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit abzuweichen.
Aus
der
Unfallmeldung vom 1
0.
Januar 2017
wird sodann auch
ersichtlich
, dass der Beschwerdeführer zum Unfallzeitpunkt
auch
entsprechend
wieder in einem 100
%
-Pensum angestellt war (
Urk.
10/58/4)
.
5
.
Zusammenfassend ist damit als erstellt zu betrachten, dass der Beschwerdeführer ab dem 2
1.
Juli 2014
mit einem kurzen Unterbruch vom
1
2.
bis 2
0.
Juli 2014
aufgrund des Unfalls vom
1
1.
Juli 2014
zu 100
%
in seiner angestammten Tätig
keit arbeitsfähig war, womit zum Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbegin
nes im April
2015 kein Rentenanspruch entstehen konnte
.
Da der Beschwerde
führer
seither
bis zum
9.
Januar 2017 voll arbeitsfähig war und damit ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit
vorlag
(
Art.
29
ter
der Verordnung über
die Invalidenversicherung [IVV]
), begann die Wartezeit nach
Art.
28
Abs.
1
lit
. b m
it dem Unfall vom
9.
Januar 2017 neu
zu laufen
.
Nachdem aber
spätestens
ab
dem
Austritt aus der
A._
am 1
1.
Oktober 2017
erneut von einer 100%ige
n
Arbeitsfähigkeit auszugehen ist,
wurde die Jahresfrist
gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG
nicht erfüllt und es
konnte
auch
kein
befristeter
Rentenanspruch entstehen.
Die Beschwerde ist damit abzuweisen.
6
.
6
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, zufolge der Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu neh
men.
6
.2
Mit Verfügung vom
9.
Mai 2019
wurde dem Beschwerdeführer Rechtsanwältin
Stéphanie Baur
als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt
(
Urk.
11)
.
Rechtanwältin
Stéphanie Bau
r machte mit Honorarnote vom
2
2.
Mai 2019 einen Gesamtaufwand von 12.67
Stunden sowie Barauslagen von
Fr.
65.30
geltend (
Urk.
13/1
).
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Der geltend gemachte Aufwand von 12.67 Stunden ist der Bedeutung der Streit
sache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen, zumal Rechtsan
wältin Stéphanie Baur den Beschwerdeführer schon im Verwaltungsverfahren vertrat und
ihr
die Akten somit bekannt waren. Als überhöht erscheint insbeson
dere der geltend gemachte Aufwand von insgesamt 10 Stunden für das Verfassen der Beschwerdeschrift
(
Urk.
13/2)
. Die Beschwerdeschrift entspricht denn auch
im Wesentlichen
wörtlich
den Vorbringen
im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
(vgl. Einwand vom 1
6.
Januar 2019,
Urk.
10/87)
, weshalb ein Aufwand von vier Stunden angemessen erscheint
.
Damit resultiert ein Gesamtaufwand von 8.67 Stunden.
Die Entschädigung ist somit bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansat
zes von
Fr.
220.
--
sowie unter Berücksichtigung der Barauslagen von
Fr.
65.30
und der Mehrwertsteuer auf
Fr. 2'124.60
festzulegen.
6
.3
Der Beschwerdeführer ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Entschädigung an den unentgeltlichen Rechtsvertreter verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.