Decision ID: 9388e534-c332-530b-8b79-a5bf0d9dbbea
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden verliessen ihren Heimatstaat gemäss eigenen
Angaben Anfangs August 2014. Am 16. März 2015 reisten sie in die
Schweiz ein und suchten gleichentags um Asyl nach.
B.
Am 24. März 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) statt.
B.a Dabei gab der Beschwerdeführer an, er sei kurdischer Ethnie und
stamme aus E._, Provinz F._. Die Schule habe er nicht be-
sucht. Er sei als (...) und (...) tätig gewesen. Seit dem Jahr (...) sei er mit
der Beschwerdeführerin verheiratet. Anfangs August 2014 hätten sie ihren
Heimatstaat verlassen. Seine Eltern hätten ebenfalls die Flucht ergriffen.
Er wisse nicht, wo sie sich derzeit aufhalten würden. Seine (...) Brüder und
(...) seiner Schwestern seien bei den Eltern. (...) Schwestern seien vom
sogenannte Islamischen Staat (IS) verschleppt worden. Er wisse nicht,
durch welche Länder er in die Schweiz gereist sei. Es sei möglich, dass er
in Ungarn daktyloskopiert worden sei. Er habe einen (...) erlitten und ver-
gesse viel. Einen Pass habe er nie gehabt und seine Identitätskarte befinde
sich im Irak. Er habe gehört, dass Araber gegen Geld Identitätskarten und
Pässe auf seinen Namen ausstellen würden.
Zu seinen Asylgründen führte der Beschwerdeführer aus, der IS habe das
Dorf E._ im August 2014 angegriffen.
B.b Die Beschwerdeführerin führte aus, sie sei kurdischer Ethnie und
stamme ebenfalls aus dem Dorf E._, Provinz F._. Die
Schule habe sie nicht besucht. Seit (...) sei sie mit dem Beschwerdeführer
verheiratet. Ihr Vater sei verstorben. Ihre Mutter und Geschwister seien un-
bekannten Aufenthalts. Sie wisse weder durch welche Länder sie in die
Schweiz eingereist, noch ob sie in Ungarn daktyloskopisch erfasst worden
sei. Einen Pass habe sie nie gehabt und ihre Identitätskarte befinde sich
im Irak.
Zu ihren Asylgründen führte die Beschwerdeführerin aus, der IS habe ihr
Dorf angegriffen. Ihre Mutter und Geschwister seien ebenfalls geflohen.
C.
C.a Mit Verfügung vom 17. April 2015 trat die Vorinstanz auf die Asylgesu-
che der Beschwerdeführenden nicht ein, wies sie aus der Schweiz nach
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Ungarn weg und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der
Wegweisung. Zur Sicherstellung des Vollzuges ordnete die Vorinstanz die
Ausschaffungshaft der Beschwerdeführenden während höchstens 30 Ta-
gen an.
C.b Mit Urteil E-2989/2015 vom 11. Mai 2015 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht die Beschwerde vom 5. Mai 2015 gegen die Anordnung der
Ausschaffungshaft gut, hob die Ziffern 7 und 8 der Verfügung vom 17. April
2015 auf und ordnete die unverzügliche Entlassung des Beschwerdefüh-
rers aus der Ausschaffungshaft an.
C.c Am 12. Mai 2015 wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil
E-2890/2015 die Beschwerde vom 5. Mai 2015 gegen die Verfügung vom
17. April 2015 (Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung nach Un-
garn [Dublin-Verfahren]) ab, soweit es darauf eintrat.
D.
Mit Entscheid vom 28. Juli 2015 ordnete die Kindes- und Erwachsenen-
schutzbehörde (KESB) des Kantons G._ gestützt auf Art. 426 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. Dezember 1907 (ZGB;
SR 201) eine fürsorgerische Unterbringung der Beschwerdeführerin in der
Universitären Psychiatrischen Klinik H._ an.
E.
Mit Verfügung vom 26. Oktober 2015 hob die Vorinstanz den Entscheid
vom 17. April 2015 auf und nahm das nationale Verfahren auf.
F.
Die Vorinstanz hörte die Beschwerdeführenden am 19. Juli 2016 einläss-
lich zu ihren Asylgründen an.
Dabei führte der Beschwerdeführer aus, er habe seit seiner Geburt bis zur
Heirat mit seinen Eltern und Geschwistern im Dorf E._ gelebt. Da-
nach sei er mit seiner Ehefrau in ein eigenes Haus im selben Dorf gezogen.
Die Schule habe er nicht besucht. Er sei in der (...) tätig gewesen. Im Jahr
2013 oder 2014 habe er einen (...) erlitten. Er habe sich in einer (...) Klinik
in I._ behandeln lassen. Im August 2014 habe der sogenannte IS
ihr Dorf angegriffen, worauf er mit seiner Ehefrau die Flucht ergriffen habe.
Nach einer Nacht in einem unbekannten Dorf seien sie nach J._
gelangt, wo sie sich ungefähr einen Monat in einem Schulhaus aufgehalten
hätten. Dort hätten sie einen arabischen Schlepper kennengelernt, der ihre
Ausreise organsiert habe. Er wisse nicht, wo sich seine Eltern, Geschwister
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sowie weitere Verwandte im Irak aufhalten würden. Seinen Pass und seine
Identitätskarte habe er unterwegs verloren.
F.a Die Beschwerdeführerin gab an, sie habe seit ihrer Geburt im Dorf
E._ gelebt. Dort habe sie zusammen mit ihrer Mutter, ihrem Onkel
mütterlicherseits, zwei Brüdern und einer Schwester gewohnt. Sie habe
das Haus nie verlassen. Da ihr Vater früh verstorben sei, habe ihre Mutter
arbeiten müssen und sei jeweils spät abends nach Hause gekommen. Sie
– die Beschwerdeführerin – habe gedacht, es sei besser, wenn sie ihre
Mutter im Haushalt unterstützen würde, weshalb sie nicht zur Schule ge-
gangen sei. Ihre Schwester habe die Schule besucht und ihre Brüder hät-
ten in der (...) gearbeitet. Nach der Heirat sei sie zu ihrem Ehemann gezo-
gen, der aus demselben Dorf stamme. Im August 2014 habe der IS ihr Dorf
angegriffen, worauf sie mit ihrem Ehemann geflüchtet sei. In J._
seien sie in einem Schulhaus untergebracht worden. Kurze Zeit später
seien sie ausgereist. Auf der Flucht habe sie erfahren, dass ihr Onkel müt-
terlicherseits umgebracht worden sei. In der Schweiz habe sie vom Tod
ihrer Mutter erfahren, die ebenfalls ermordet worden sei. Sie wisse nicht,
wo sich ihre Geschwister aufhalten würden.
G.
Am (...) kamen die Zwillinge der Beschwerdeführenden auf die Welt.
H.
Am 3. August 2017 leitete das Migrationsamt G._ dem SEM die
Identitätskarten im Original, einen Auszug aus dem irakischen Personen-
register und den Ehevertrag der Beschwerdeführenden vom 11. Februar
2013 weiter.
I.
Mit Verfügung vom 26. Februar 2018 verneinte die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft der Beschwerdeführenden, lehnte die Asylgesuche ab
und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Den zuständigen Kanton
beauftragte sie mit dem Vollzug der Wegweisung.
J.
Mit Eingabe vom 29. März 2018 erhoben die Beschwerdeführenden beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragen, die Verfügung
der Vorinstanz sei aufzuheben, sie seien als Flüchtlinge anzuerkennen und
es sei ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter sie die Unzulässigkeit, allen-
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falls die Unzumutbarkeit der Wegweisung festzustellen und als Folge da-
von die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Prozessual sei auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses zu verzichten.
K.
Mit Zwischenverfügung vom 13. April 2018 verzichtete die Instruktionsrich-
terin auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und lud die Vorinstanz zur
Vernehmlassung ein.
L.
In der Vernehmlassung vom 30. April 2018 hielt die Vorinstanz an ihren
Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
M.
Am 2. Mai 2018 wurde die Vernehmlassung den Beschwerdeführenden zur
Kenntnis zugestellt.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren
gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-
derung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-
nung verwenden wird.
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-
führenden sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legiti-
miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
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3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Grün-
den ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2012/5 E. 2.2).
5.
5.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen der Beschwerdeführenden würden den Anforderungen an
das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten.
Zweifel an der von ihnen geltend gemachten Herkunft und Biographie seien
bereits deshalb aufgekommen, weil der Beschwerdeführer in Italien mit ei-
nem irakischen Pass – auf welchem als Geburtsort K._ eingetragen
sei – einen Visumantrag gestellt habe. Auf Vorhalt habe er dies in der BzP
bestritten und erklärt, nie im Besitz eines Passes gewesen zu sein. Auf
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Nachfrage habe er ausgeführt, gehört zu haben, dass in seiner Herkunfts-
region Araber gefälschte Pässe auf die Namen der Bewohner hätten aus-
stellen lassen. Weiter habe er ausgeführt, allenfalls habe jemand anders
einen Pass für ihn ausgestellt. Auch im späteren Verlauf des Verfahrens
habe er widersprüchliche Angaben zu seinen Identitätsdokumenten ge-
macht. Zur Ausstellung der ID habe er ausgeführt, dass es ihm durch Be-
ziehungen gelungen sei, den Registrierungsort von L._ nach
K._ zu verlegen. Nach dem Grund dieses Vorgehens gefragt, habe
er geantwortet, er habe dies nicht ganz freiwillig gemacht. Die Kurden seien
von Gesetzes wegen verpflichtet gewesen, die Identitätskarte durch die
kurdischen Behörden ausstellen zu lassen. Dann wiederum habe er erklärt,
er habe es für besser gehalten, wenn der Name K._ anstatt
L._ auf seinem Ausweis stehe. Insgesamt seien seine Angaben zu
den Identitätsdokumenten sehr vage und wenig schlüssig. Ausserdem er-
staune, dass die Bevölkerungsdienste des Kantons G._ dem SEM
im August 2017 sichergestellte Dokumente weitergeleitet hätten, habe er
doch geltend gemacht, sämtliche Originaldokumente verloren zu haben.
Die Angaben auf den Identitätskarten zum Registrierungsort würden so-
dann nicht mit denjenigen des Beschwerdeführers übereinstimmen. Diese
Widersprüche und Ungereimtheiten würden den Schluss nahelegen, dass
der Beschwerdeführer das SEM über seine wahre Identität und insbeson-
dere die Herkunft zu täuschen versuche.
Die Angaben der Beschwerdeführerin würden diesen Eindruck bestätigen.
Auch sie habe widersprüchliche Aussagen zum Verbleib der Identitätsdo-
kumente gemacht beziehungsweise dazu, welche sie überhaupt besessen
habe. Zudem habe sie sehr vage und teilweise widersprüchliche Angaben
bezüglich einer angeblichen Verlegung des Registrierungsortes von
L._ nach K._ gemacht. So habe sie zunächst erklärt, dies
betreffe nur ihren Pass. Sie habe diesen in K._ ausstellen lassen,
nachdem sie bereits aus E._ geflohen seien. Im späteren Verlauf
der Anhörung habe sie ausgeführt, ihre Schriften seien bereits nach der
Heirat nach K._ transferiert worden. Die Tatsache, dass bei der
amtsinternen Überprüfung der sichergestellten Identitätskarten keine Fäl-
schungsmerkmale festgestellt worden seien, ändere an der Einschätzung
nichts. Es sei bekannt, dass im Irak gegen Bezahlung ganze Sets von auf-
einander abgestimmten Identitätsausweisen erhältlich seien, welche keine
Fälschungsmerkmale aufweisen würden. Ausserdem falle auf, dass sie
nicht in der Lage gewesen sei, Fragen zur Biographie und den Lebensum-
ständen in der Heimat substantiiert und lebensnah zu beantworten. Auf
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Einkaufsmöglichkeiten im Dorf angesprochen, habe sie zu Protokoll gege-
ben, der Markt sei weit weg von ihrem Dorf gewesen. Im Dorf selbst habe
es jedoch viele kleine Läden gehabt. Nach dem nächstgelegenen Markt
gefragt, habe sie erklärt, dass sie jeweils nach L._ oder in andere
Ortschaften habe fahren müssen. Aufgefordert, den Weg nach L._
zu beschreiben, habe sie erklärt, es sei weit weg gewesen und sie habe
jeweils mit dem Auto 20 Minuten oder vielleicht auch weniger lang fahren
müssen. Sie könne sich nicht mehr richtig erinnern. Sodann führte sie aus,
sie sei nie aus dem Haus gegangen, habe die Schule nicht besucht und
keine Leute in der Umgebung gekannt.
Der Beschwerdeführer habe ebenfalls nur sehr vage Angaben zu den ört-
lichen Gegebenheiten im Dorf machen können. Er sei nicht in der Lage
gewesen, den Weg von seiner Wohnung zum Elternhaus zu beschreiben.
Sein Elternhaus sei nicht sehr weit entfernt gewesen, aber auch nicht wirk-
lich in der Nähe. Auf Nachfrage antwortete er, er würde sich gar nicht mehr
richtig erinnern und habe begonnen, allgemeingültige Aussagen zu ma-
chen. Ähnlich vage und substanzlos seien seine Aussagen zum Weg von
seinem Dorf nach M._. Die Dörfer würden nahe bei einander liegen
und die Leute würden oft vom einen Dorf ins andere gehen. Ferner seien
auch seine Angaben zum Arbeitsalltag als (...) äusserst vage und ober-
flächlich.
Die Angaben der Beschwerdeführenden zum angeblich nicht vorhandenen
Beziehungsnetz würden ebenso die Vermutung nahelegen, dass sie die
tatsächlichen Umstände vor Ort zu verschleiern versuchen. Fragen nach
dem Verbleib ihrer Familienangehörigen seien sie systematisch ausgewi-
chen. Die Ausführungen zur geltend gemachten Flucht vor dem soge-
nannte IS erschöpften sich ebenfalls in schemenhaften und stereotypen
Schilderungen.
Zusammenfassend müsse davon ausgegangen werden, dass es sich bei
der dargestellten Biographie um ein Konstrukt handle und die Beschwer-
deführenden das SEM über ihre Biographie und die tatsächlichen Lebens-
umstände in der Heimat zu täuschen versuchen würden.
5.2 In der Rechtsmitteleingabe rügen die Beschwerdeführenden eine Ver-
letzung von Art. 7 und Art. 3 AsylG. Sie hätten übereinstimmend zu Proto-
koll gegeben, dass der Vater des Beschwerdeführers ihre Identitätsdoku-
mente über einen Mittelsmann in N._ habe ausstellen lassen. Es
sei nicht nachvollziehbar, weshalb das SEM die diesbezüglichen Angaben
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als widersprüchlich und unglaubhaft bezeichne. Auch die Fragen zur Bio-
graphie und den Lebensumständen in der Heimat hätten sie übereinstim-
mend zu Protokoll gegeben. Sie hätten ihre Ehe in der Gemeinde
L._ registrieren lassen, was zeige, dass sie aus der Provinz
F._ stammen würden. Es könne von ihnen nicht verlangt werden,
dass sie mit ihren Verwandten in Kontakt bleiben. Erschwerend komme
hinzu, dass sie keine Schule besucht hätten. Folglich sei der Umgang mit
dem Internet für sie sehr schwierig.
6.
6.1 Vorab ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die Beschwerdeführen-
den zum Verbleib und der Ausstellung ihrer Identitätskarten und Pässe wi-
dersprüchliche Aussagen gemacht haben.
6.1.1 Der Beschwerdeführer führte anlässlich der BzP aus, er habe nie ei-
nen Pass beantragt und seine Identitätskarte befinde sich im Irak. Auf die
Frage, was er bisher bezüglich Beschaffung von Ausweisen unternommen
habe, antwortet er, er habe nichts, vielleicht könne er in Zukunft etwas brin-
gen (vgl. SEM-Akten A5/11 S 5 f.). Im Rahmen der Anhörung führte er aus,
es sei sehr schwierig, seine Identitätskarte zu beschaffen, er werde es je-
doch versuchen. Das SEM könne auch im System nachschauen, dass er
Iraker sei (vgl. SEM-Akten A50/24 F3 ff.). Um die Dokumente ausstellen zu
lassen, müsste er wieder in den Irak reisen (a.a.O. F164). Er habe seine
Identitätskarte, seinen Pass und seinen irakischen Nationalitätenausweis
– alles im Original – auf der Flucht verloren. Seine Identitätskarte habe er
sich in L._ ausstellen lassen. Sie hätten jedoch gewollt, dass auf
ihren Identitätskarten als Ausstellungsort K._ aufgeführt sei, was
sie durch Beziehungen auch geschafft hätten (a.a.O. F7 ff.). Auf Nachfrage
erklärte der Beschwerdeführer, sie hätten das nicht ganz freiwillig gemacht.
Die kurdischen Behörden hätten dies verlangt (SEM-Akten A50/24 F8 ff.).
An anderer Stelle führte der Beschwerdeführer aus, sie hätten ihre ID-Kar-
ten in K._ ausstellen lassen, da sie offiziell zur kurdischen Seite
gehörten, wo sein Vater lebe (a.a.o. F14). Auch bezüglich seines Passes
hat sich der Beschwerdeführer unvereinbar geäussert. Anlässlich der BzP
verneinte er, einen Pass besessen zu haben. Auf Vorhalt, wonach er in
Italien mit seinem Pass ein Visum beantragt habe, bestritt er dies. Anläss-
lich der Anhörung führte er aus, er habe seinen Pass im N._ aus-
stellen lassen (SEM Akten a.a.O. F10 f.).
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6.1.2 Die Beschwerdeführerin gab in der BzP an, einen Pass habe sie nie
beantragt und die ID-Karte sei zu Hause im Irak. Auf die Frage, ob sie Aus-
weise beschaffen könne, antwortete sie, sie habe keine Ahnung. Ihre Fa-
milie sei auch geflohen (vgl. SEM-Akten A6/11 S. 6). Anlässlich der Anhö-
rung führte sie aus, sie hätten auf der Flucht ihre Pässe und Identitätskar-
ten verloren. Ihre Identitätskarte habe sie sich in L._ und ihren Pass
auf der Flucht respektive nach ihrer Heirat in K._ ausstellen lassen
(vgl. SEM-Akten A51/21 F17 ff. und F133). Aufgrund dieser zahlreichen wi-
dersprüchlichen Aussagen der Beschwerdeführenden zu ihren Dokumen-
ten ist ihre persönliche Glaubwürdigkeit ernsthaft in Frage gestellt.
6.1.3 Weiter ist festzustellen, dass die Beschwerdeführenden versucht ha-
ben, ihre Identitätskarten den Asylbehörden vorzuenthalten. Das Migrati-
onsamt G._ leitete dem SEM am 3. August 2017 die Identitätskar-
ten der Beschwerdeführenden im Original weiter. Diese reichten die Be-
schwerdeführenden im Zusammenhang mit der Registrierung der Geburt
ihrer Zwillinge ein. Gegenüber den Asylbehörden führten sie aus, sämtliche
Originaldokumente unterwegs verloren respektive zu Hause im Irak gelas-
sen zu haben. Auch bezüglich des Ausstellungsortes ihrer Identitätskarten
haben sich die Beschwerdeführenden im Verlaufe des Verfahrens unver-
einbar geäussert. Auf den eingereichten Identitätskarten ist sodann als
Ausstellungsort M._ aufgeführt, was wiederum nicht mit den Anga-
ben der Beschwerdeführenden übereinstimmt (vgl. SEM-Akten A51/21 An-
merkungen zur Rückübersetzung zu F14). Weiter bleibt unklar, wie der Be-
schwerdeführer am 14. Mai 2017 seine Identitätskarte ausstellen lassen
konnte, zumal er geltend machte, dafür müsste er wieder in den Irak reisen
(vgl. SEM-Akten A50/24 F164). Ebenso unklar ist, wer den Beschwerde-
führenden die Identitätskarten in die Schweiz geschickt hat, zumal sie an-
gaben, mit niemanden im Irak Kontakt zu haben (vgl. SEM-Akten A51/21
F153).
6.2 Mit der Vorinstanz ist weiter festzustellen, dass die Aussagen der Be-
schwerdeführenden zu ihrem Dorf und ihren Lebensumständen ausge-
sprochen unsubstantiiert ausgefallen sind. So konnte der Beschwerdefüh-
rer nicht angeben, wie weit ihre Wohnung von seinem Elternhaus entfernt
gewesen sei (vgl. SEM-Akten A50/24 F22 f.). Auch seine Aussagen zum
Weg von E._ nach M._ blieben substanzlos (vgl. a.a.O.
F29). Weiter gab er an, nie zur Schule gegangen zu sein. Seine jüngeren
Geschwister hätten im Dorf die Schule besucht. Auf Nachfrage antwortete
er, er glaube, die Primarschule habe sechs Stufen bei ihnen in Kurdistan
(vgl. a.a.O. F75 ff.) Im Rahmen des Dublin-Verfahrens gab er anlässlich
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Seite 11
der Gewährung des rechtlichen Gehörs zum Einreiseverbot für die Schweiz
zu Protokoll, er wäre froh, wenn man sie in den Irak, nach O._, zu-
rückschicken könnte (vgl. SEM-Akten A19/2). Sodann führte er aus, sein
Vater lebe auf der «kurdischen Seite» (vgl. SEM-Akten A50/24 F14). Die
Aussagen der Beschwerdeführerin blieben ebenfalls völlig substanzlos. So
gab sie an, sie habe die Schule nicht besucht und das Haus nie verlassen
(vgl. SEM-Akten A51/21 F33). Um Wiederholungen zu vermeiden, kann
diesbezüglich auf die weiteren Ausführungen in der angefochtenen Verfü-
gung verwiesen werden.
6.3 Ebenso kann den Beschwerdeführenden nicht geglaubt werden, dass
sie im Heimatstaat über kein soziales Netz verfügen. So wichen sie Fragen
zu ihrer Familie offensichtlich wiederholt aus und gaben an, nicht zu wis-
sen, wo sich ihre Verwandten im Heimatsstaat aufhalten würden (vgl. SEM-
Akten A51/21 F90 ff.; F153 und A50/24 F89 ff.). Seit sie in der Schweiz
seien, hätten sie gar nicht erst versucht, Kontakt aufzunehmen. Die Tele-
fonnummern würden sowieso nicht mehr funktionieren (vgl. SEM-Akten
A50/24 F108 ff.) Vom Tod der Mutter der Beschwerdeführerin hätten sie
per Facebook erfahren, weil sie dort ein Bild von ihr gesehen hätten (vgl.
SEM-Akten A51/21 F99 ff.). Ebenso wenig nachvollziehbar erscheint, dass
Leute auf der Flucht die Beschwerdeführenden über den Tod des Onkels
der Beschwerdeführerin informiert hätten (vgl. a.a.O F98). Es ist demnach
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden weiterhin über Bezie-
hungen in ihrem Heimatstaat verfügen, ansonsten sie nicht ihre Identitäts-
karten hätten erhältlich machen können.
6.4 Mit der Vorinstanz ist somit davon auszugehen, dass die Beschwerde-
führenden mit dem Vorenthalten von Informationen und unglaubhaften
Aussagen versuchen, die Asylbehörden zu täuschen. Die Ausführungen in
der Beschwerde sind nicht geeignet, an dieser Schlussfolgerung etwas zu
ändern, zumal die Beschwerdeführenden lediglich an der Glaubhaftigkeit
ihrer Aussagen festhalten. Es ist ihnen demnach nicht gelungen, ihre Her-
kunft aus der Provinz F._ glaubhaft zu machen.
6.5 Zu den Asylvorbringen ist festzustellen, dass selbst bei Wahrunterstel-
lung deren flüchtlingsrechtliche Relevanz zu verneinen ist. Die von den Be-
schwerdeführenden vorgebrachten Nachteile und Ängste im Zusammen-
hang mit dem IS sind auf die bürgerkriegsbedingte Situation in ihrer angeb-
lichen Herkunftsregion zurückzuführen. Allgemeine, im Rahmen eines
Krieges oder Bürgerkrieges erlittene Nachteile stellen jedoch keine Verfol-
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Seite 12
gung im Sinne des Asylgesetzes dar, da es an der Gezieltheit der Verfol-
gung fehlt. Auf die weiteren diesbezüglichen Ausführungen in der Be-
schwerde ist deshalb nicht weiter einzugehen.
6.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der
Beschwerdeführenden zu Recht verneint und die Asylgesuche abgelehnt.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet
(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
8.2 Bei der Geltendmachung von Hindernissen, die dem Wegweisungsvoll-
zug entgegenstehen, gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts
der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigen-
schaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich
ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24
E. 10.2 m.w.H.). Vollzugshindernisse sind grundsätzlich von Amtes wegen
zu prüfen. Diese Untersuchungspflicht findet jedoch nach Treu und Glau-
ben ihre Grenzen in der Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführenden
(Art. 8 AsylG), die im Übrigen auch die Substanziierungslast tragen (Art. 7
AsylG). Es kann daher nicht Sache der Asylbehörden sein, nach allfälligen
Vollzugshindernissen zu forschen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 ff.; Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 2005 Nr. 1 E. 3.2.2 S. 4 f.).
8.3 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83
Abs. 3 AIG).
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Seite 13
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.4 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den
Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden
in den Irak ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Irak dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müssten
die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen
oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Irak lässt
den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig er-
scheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.5 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
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festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.6 Weil die Beschwerdeführenden keine glaubhaften Angaben zu ihrer
Herkunft und familiären Situation gemacht haben, ist es dem Gericht nicht
möglich, sich in voller Kenntnis der tatsächlichen persönlichen und familiä-
ren Verhältnisse der Beschwerdeführenden zur Zumutbarkeit des Vollzugs
der Wegweisung zu äussern. Bei den Beschwerdeführenden handelt es
sich um einen (...)-jährigen Mann und eine (...)-jährige Frau kurdischer
Ethnie. Der Beschwerdeführer ist gesund und verfügt über Arbeitserfah-
rung in der (...). Da die Beschwerdeführenden durch unglaubhafte Anga-
ben ihre Wahrheits- und Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG verletzt
haben, haben sie die daraus resultierenden negativen Folgen praxisge-
mäss selbst zu tragen. Mithin darf davon ausgegangen werden, dass sie
im Heimatstaat über ein soziales Netz verfügen, welches sie bei ihrer Rück-
kehr sowohl bezüglich Unterkunft als auch finanziell unterstützen kann.
Bezüglich der gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin lässt
sich den Akten entnehmen, dass sie am (...) 2015 nach dem Erfahren des
Todes ihrer Mutter in die Notfallstation des Kantonsspitals P._ ein-
gewiesen wurde. Gleichentags ordnete die KESB Q._ eine vorsorg-
liche fürsorgerische Unterbringung (FU) befristet bis zum 4. August 2015
in der Universitären Psychiatrischen Klinik H._ an. Am 28. Juli 2015
wurde die FU von der KESB G._ um zwei Monate verlängert. Ge-
mäss dem Arztbericht der (...) H._ vom 7. September 2015 leidet
die Beschwerdeführerin an (...) (ICD: [...]) und einer (...) (ICD: [...] Sie
zeige eine gedankliche Einengung auf ihre traumatischen Erlebnisse, ins-
besondere den Verlust einer sehr nahestehenden Person, sowie die aktuell
aufgrund psychosozialer Faktoren durch eine grosse Verzweiflung sowie
Hoffnungslosigkeit geprägte Situation. Die eingereichten Arztberichte da-
tieren allesamt aus dem Jahr 2015. Bis zum heutigen Zeitpunkt haben die
anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerenden im Rahmen ihrer Mitwir-
kungspflicht (Art. 8 Asyl) keine weiteren ärztlichen Dokumente mehr einge-
reicht. Demnach ist davon auszugehen, dass der psychische Gesundheits-
zustand der Beschwerdeführerin dem Vollzug der Wegweisung nicht ent-
gegensteht. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich als zumutbar.
8.7 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
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BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Besch-
werdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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