Decision ID: d30c10a7-2eeb-5356-8f07-8e620cc40f15
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Am 2. August 2010 beantragte
X._
, geboren 1968, bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, die Rückerstattung / Kostenübernahme der von ihm bezahlten Einfuhrabgabe für einen Mini Coo
per S im Betrag von Fr. 1'500.-- (Urk. 11/384/2).
Mit Vorbescheid vom 27. August 2010 (Urk. 11/390) und Verfügung vom 7. Oktober 2010 (Urk. 11/398 = Urk. 2) lehnte die IV-Stelle die beantragte Kostenüber
nahme ab.
2.
Gegen die Verfügung vom 7. Oktober 2010 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 28. Oktober 2010 Beschwerde und beantragte sinngemäss, die IV-Stelle habe den genannten Betrag zu bezahlen (Urk. 1).
Am 19. November 2010 überwies der Beschwerdeführer die ihm (wegen unbe
zahlt gebliebener Gerichtskosten; vgl. Urk. 4) auferlegte Kaution von Fr. 1'000.-- (Urk. 7/1), und mit Eingabe vom 23. November 2010 stellte er sinngemäss ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 6).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 18. Januar 2011 (Urk. 10) die Abweisung der Beschwerde.
Der Beschwerdeführer reichte am 13. Februar 2011 (Urk. 12-13) und am 21. Mai 2011 (Urk. 15) weitere Unterlagen ein.
Der Einzelrichter

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfah
ren sind grund
sätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen bzw. zu beur
teilen, zu denen die zuständige Verwaltungs
behörde vorgän
gig verbindlich
in Form einer Verfügung bzw. ei
nes
Einspracheentscheids
Stellung genom
men hat. Insoweit bestimmt die Verfügung bzw. der
Einspracheentscheid
den beschwerdewei
se weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand
(BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a S. 414).
1.3
Gemäss Art. 27 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) hat die versicherte Person Anspruch auf grundsätzlich unentgeltliche Beratung über ihre Rechte und Pflichten. Dafür zuständig sind die Versicherungsträger, denen gegenüber die Rechte geltend zu machen oder die Pflichten zu erfüllen sind.
Stellt ein Versicherungsträger fest, dass eine versicherte Person Leistungen ande
rer Sozialversicherungen beanspruchen kann, so gibt er ihr unverzüglich davon Kenntnis (Art. 27 Abs. 3 ATSG).
Die Beratungspflicht greift insbesondere dann, wenn Ansprüche der versicher
ten Person gegenüber einem Sozialversicherungsträger gefährdet erscheinen. Solange der Versicherungsträger bei einem durchschnittlichen Mass an Auf
merksamkeit nicht erkennen kann, dass die Situation einer versicherten Person den Leistungsanspruch zu gefährden vermag, trifft ihn keine Beratungspflicht (vgl. BGE 133 V 249
Erw
. 7.2 S. 255 f.).
2.
2.1
Der Beschwerdeführer leidet seit Geburt insbesondere an einer rechtsseitigen spastischen Hemiparese (Urk. 11/214 S. 14 f. Ziff. 5.1 und 6.1).
Mit Gerichtsurteil vom 22. März 2007 (Urk. 11/215) wurden ihm Kostenbeiträge an invaliditätsbedingte Abänderungen des von ihm 2005 erworbenen Perso
nenwagens Mini Cooper S (S. 13
Erw
. 7.2) und Amortisationsbeiträge ab 3. Februar 2004 (S. 20 Ziff. 1) zugesprochen. Mit Verfügung vom 21. Dezember 2009 sprach ihm die Beschwerdegegnerin sodann einen Teil der von ihm bean
tragten Kostenbeiträge an invaliditätsbedingte Abänderungen eines VW Golf zu (Urk. 11/352).
2.2
Am 20. Juli 2010 teilte die Eidgenössische Zollverwaltung dem Beschwerdefüh
rer (bezugnehmend auf dessen Gesuch vom 8. Juni 2010) mit, dass ihm die Einfuhrabgaben für den Personenwagen VW Golf im Betrag von Fr. 1'773.15 zurückerstattet würden. Die Einfuhrabgaben des Personenwagens Mini Cooper S könnten hingegen nicht zurückerstattet werden, da er bei der Ingebrauchnahme kein Gesuch gestellt habe und das Fahrzeug nicht mehr durch ihn verwendet werde (Urk. 11/384/3 = Urk. 3/1).
2.3
Der genannte Entscheid der Zollverwaltung veranlasste den Beschwerdeführer, von der Beschwerdegegnerin den Betrag von Fr. 1'500.-- einzufordern (Urk. 11/384/2), was diese mit der vorliegend angefochtenen Verfügung (Urk. 2) ablehnte.
3.
3.1
Die Ausführungen des Beschwerdeführers (dazu auch nachstehend
Erw
. 3.3) sind dahingehend zu verstehen, dass die Beschwerdegegnerin seines Erachtens verpflichtet gewesen wäre, ihn darauf hinzuweisen, dass bezahlte Einfuhrabga
ben unter Umständen von der Zollverwaltung zurückerstattet werden.
Ob dies zutrifft, ist vorliegend zu prüfen.
3.2
Weitere Vorbringen des Beschwerdeführers (Korrespondenz mit Kantonspolizei und Staatsanwaltschaften; Korrespondenz mit dem Strassenverkehrsamt) betreffen Punkte, über die in der angefochtenen und vorliegend zu beurteilen
den Verfügung nicht entschieden wurde oder für die es keine Rechtsgrundlage gibt; sie gehören nicht zum Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens, wes
halb auf die Beschwerde diesbezüglich nicht eingetreten werden kann (vgl. vor
stehend
Erw
. 1.2).
3.3
Der Beschwerdeführer führte unter anderem aus, die Beschwerdegegnerin werde mit einer Busse von 1'500.-- bestraft und es werde eine zusätzliche Disziplinar
busse von Fr. 5'000.-- verhängt (Urk. 1 S. 2 Mitte).
Dies ist nicht angängig.
Bussen können nur von Behörden ausgesprochen werden. Privatpersonen fehlt die erforderliche - staatliche - Befugnis sowohl gegenüber anderen Privaten wie auch gegenüber Behörden; sie können keine Bussen verhängen.
Wäre anzunehmen, der Beschwerdeführer wolle sich mit der von ihm gewählten Formulierung Amtsbefugnisse anmassen, über die er nicht verfügt, wäre die Beschwerdeschrift infolge Ungebührlichkeit zu verbessern gewesen. Darauf wird jedoch dieses eine Mal in der Annahme, der Beschwerdeführer habe es nicht besser gewusst, verzichtet.
4.
Nach dem klaren Wortlaut von Art. 27 ATSG und nach der entsprechenden Ge
richtspraxis (vorstehend
Erw
. 1.3) bezieht sich die Beratungspflicht des Versi
cherungsträgers in erster Linie auf Umstände, welche den Leistungsanspruch der versicherten Person gegenüber der Versicherung gefährden, dessen Träger sie beraten soll. In zweiter Linie vermögen allfällige Ansprüche gegenüber anderen Sozialversicherungen eine Beratungspflicht auszulösen.
Vorliegend geht es um einen Rückerstattungsanspruch des Beschwerdeführers gegenüber der Zollverwaltung, den diese teilweise bejaht, teilweise verneint hat.
Die Zollverwaltung ist klarerweise nicht Teil der Sozialversicherung, und bei der Rückerstattung von Einfuhrabgaben geht es ebenso klarerweise nicht um An
sprüche des Beschwerdeführers gegenüber der Beschwerdegegnerin oder eine andere Sozialversicherung.
Unter diesen Umständen bestand für die Beschwerdegegnerin hinsichtlich allfälli
ger Ansprüche des Beschwerdeführers gegenüber der Zollverwaltung keine Beratungspflicht im Sinne von Art. 27 ATSG.
Dementsprechend ist die angefochtene Verfügung zu bestätigen und die dage
gen erhobene Beschwerde abzuweisen, soweit auf sie eingetreten wird.
5.
5.1
Der Beschwerdeführer hat beantragt, es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen (Urk. 6).
5.2
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozess
führung erfüllt, wenn der Prozess nicht aus
sichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 47, 100 V 62, 98 V 117).
Die unentgeltliche Rechtspflege kann somit nur gewährt werden, wenn unter anderem die Rechtsvorkehr nicht aussichtslos ist. Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaus
sich
ten (ex ante betrachtet) beträchtlich geringer sind als die Ver
lustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Ge
winnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massge
bend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (BGE 133 III 614 E. 5 S. 616 mit Hinweisen).
5.3
Vorliegend ist die Rechtslage derart eindeutig und der Standpunkt des Beschwer
deführers derart weit hergeholt, dass auszuschliessen ist, dass eine Partei bei vernünftiger Überlegung den Prozess auf eigene Rechnung angeho
ben hätte.
Die erhobene Beschwerde muss deshalb als aussichtslos bezeichnet werden, was zur Abweisung des Begehrens um unentgeltliche Prozessführung führt.
5.4
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG (mindestens Fr. 200.-- und höchstens Fr. 1'000.--) sind ermessensweise auf Fr. 400.-- festzusetzen und aus
gangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
5.5
Die Verfahrenskosten von Fr. 400.-- sind mit der geleisteten Kaution von Fr. 1'000.-- zu verrechnen. Die verbleibenden Fr. 600.-- sind als Teilzahlung der aus dem Verfahren Nr. IV.2007.01417 unbezahlt gebliebenen Verfahrenskosten zu buchen.