Decision ID: b62b3c75-4297-4724-b755-89e77548e953
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973, arbeitete seit dem 1. Dezember 2009 bei der
Z._
GmbH als Servicemitarbeiter und war in dieser Eigenschaft bei der
Vaudoise
Allgemeine, Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend:
Vaudoise
) gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 1. Mai 2010 beim Laufen aus
rut
schte und sich den kleinen Finger der rechten Hand brach. Die
Vaudoise
erbrachte bis 13. April 2011 Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen. Damit war der Ver
sicherte nicht einverstanden. Im nachfolgenden Rechtsstreit erkannte das Sozial
versicherungsgericht des Kantons Zürich letztlich mit rechtskräftigem Ur
teil
UV.2014.00269
vom 19. August 2016, dass der
Versicherte
bis 25. Februar 2013 Anspruch auf Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen sowie eine Integri
täts
ent
schädigung bei einer Integritätseinbusse von 15 % habe
(Urk.
8/199)
.
1.2
In der Folge zahlte die
Vaudoise
dem Versicherten am 23. Mai 201
7
rückwirkend für den Zeit
raum vom 1. November 2011 bis 25. Februar 2013 Taggelder im Betrag von Fr. 49'700.70 aus. Mit Verfügung vom 3. Januar 2018 forderte sie diese Taggeldleistungen wieder zurück. Zur Begrün
dung führte sie aus, dass der ehemaligen Arbeitgeberin
des
Versicherten im be
sagten Zeitraum bereits Tag
gelder in derselben
Höhe aus deren Kollektiv-Kran
kentaggeldversicherung bei
der
Vaudoise
ausgerichtet wor
den seien. Dagegen erhob der Versicherte am 30. Januar 2018 Ein
sprache,
welche er mit Eingabe vom 9. März 2018 ergänzend be
gründen liess
. Mit
Einspracheentscheid
vom 27. März 2018 hiess die
Vaudoise
die Einsprache in dem Sinne teilweise gut, als sie fest
stellte
, dass ihr der Ver
sicherte
die für den Zeitraum vom 15.
November 2011 bis 25.
Februar 2013 ausbezahlten
Taggelder im Betrag von
Fr.
48'260.10 zurückzuerstatten habe.
Die vom Versicherten dagegen erhobene Beschwerde wies das Sozialver
siche
rungs
gericht mit Urteil UV.2018.00096 vom 2
5.
Februar 2019 ab (
Urk.
8/295). Gegen dieses Urteil erhob der Versicherte am
3.
April 2019 Beschwerde beim Bundes
gericht. Das Bundesgericht wies die Beschwerde mit Urteil 8C_241/2019 vom
8.
Juli 2019 ab (
Urk.
8/297).
1.3
Daraufhin setzte die
Vaudoise
dem Versicherte
n
eine Frist bis Ende Juli 2019, um ihr den Betrag von Fr.
48'260.10
zu überweisen (
Urk.
8/298). Am 1
3.
August 2019 stellte der Versicherte ein Gesuch um Erlass der Rückforderung (
Urk.
8/303). Mit Verfügung vom 1
8.
Februar 2020 lehnte die
Vaudoise
das Erlassgesuch ab (
Urk.
8/315). Die vom Versicherten gegen diese Verfügung am 1
9.
März 2020 erhobene Einsprache (
Urk.
8/318) wies die
Vaudoise
mit
Einspracheentscheid
vom
8.
April 2020 (
Urk.
2) ab.
2.
Dage
gen
erhob
X._
am 18. Mai 2020
Beschwerde und beantragte
, in
Aufhebung
des
Einspracheentscheids
vom
8.
April 2020 sei sein Erlassgesuch zu bewilligen (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
26
.
Juni
20
20
beantragte die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (Urk.
7, unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
8/1-319
), was dem Beschwerdeführer am
8
.
Juli
20
20
mitgeteilt wurde (Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Unrechtmässige Leistungen sind zurückzuerstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt
(
Art.
25
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG; anwendbar im Bereich der Unfallversicherung gestützt auf
Art.
1
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung, UVG, und
Art.
2 ATSG)
.
1.2
Nach der Rechtsprechung entfällt der gute Glaube als Erlassvoraussetzung von vornherein, wenn der Rückerstattungstatbestand (Melde- oder Auskunfts
pflicht
verletzung) durch ein arglistiges oder grobfahrlässiges Verhalten herbeigeführt worden ist. Andererseits kann sich die versicherte Person auf den guten Glauben berufen, wenn ihre fehlerhafte Handlung oder Unterlassung nur eine leichte Verletzung der Melde- oder Auskunftspflicht darstellt (BGE 112 V 97 E. 2 c mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2013 E.
2
).
2.
2
.1
Nach Lage der Akten wandte sich der Beschwerdeführer mit E-Mail vom 1
6.
Mai 2017 an die Beschwerdegegnerin und erkundigte sich bei dieser unter Hinweis auf das Urteil des Sozialversicherungsgerichts
UV.2014.00269
vom 19. August 2016
(Urk.
8/199)
,
warum
er
bezüglich der ihm mit diesem Urteil zugesprochenen
Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen sowie Integri
täts
ent
schädigung
von der
Beschwerdegegnerin noch keine Zahlung erhalten habe.
Betreffend
Taggelder
fragte
die Sachbearbeiterin der Beschwerde
gegnerin
den Beschwerdeführer am selben Tag -
ebenfalls per E-Mail
-
auf welches Konto die Auszahlung
erfolgen solle.
Dazu
teilte s
ie dem Beschwerdeführer mit, dass die Taggelder bis zum 3
0.
Oktober 2011 seiner ehemaligen Arbeitgeberin ausbezahlt worden sei
en
. Sie ersuchte den Beschwerde
führer
zudem darum
, ihr mitzuteilen, wann der Arbeits
vertrag mit seiner früheren Arbeitgeberin aufgelöst worden sei (
Urk.
8/22
7). In seinem nächsten E-Mail, welches ebenfalls noch am 1
6.
Mai 2017 versandt wurde, teilte der Beschwerdeführer der Sach
bearbeiterin der Beschwerdegegnerin seine Kontoangaben mit. Dazu führte er aus, dass sein Arbeitsvertrag per Ende September 2013 aufgelöst worden sei. Darauf
hin bestätigte die Sachbearbeiterin des Beschwerdeführers
am 1
8.
Mai 2017 um 10.16 Uhr
das die Inte
gritäts
entschä
digung auf das angegebene Konto überwiesen worden sei.
Bezüg
lich der Tag
gelder für die Zeitperiode vom 1.
November 2011 bis 2
5.
Februar 2013 fragte sie beim Beschwerdeführer nach, ob die Taggelder «wie üblich» auf das Konto seiner ehemaligen Arbeitgeberin ausbezahlt werden solle
n
. Um 10.24 Uhr schrieb sie dem Beschwerdeführer erneut. Sie bestätigte dem Beschwerdeführer, dass die Taggelder «gemäss Telefonat» auf sein Konto
überwiesen
worden seien. Um 10.46 Uhr schrieb der Beschwerdeführer, dass die Taggelder auf das gleiche Konto (wie die Integritätsentschä
digung) ausbezahlt werden sollen
und führte noch einmal seine Kontoangaben auf (
Urk.
8/229). In der Folge erhielt der Beschwerdeführer zusätzlich noch eine
Bestätigung der Taggeldleistungen per Post (
Urk.
8/230).
2
.2
Der Beschwerdeführer lässt
diesbezüglich
vorbringen, dass er sich bei der Beschwerdegegnerin erkundigt habe, wie es (bezüglich der Taggelder) weitergehe. Er habe sich darauf verlassen, dass diese die Akten kenne, den Sachverhalt richtig abkläre und ihn korrekt informiere. Er sei gutgläubig
gewesen
. Er habe nicht mehr tun können, als sich beim zuständigen Versicherer nach den ihm zustehenden Leistungen zu erkundigen, die ihm durch das Sozialversicherungs
gericht zu
ge
sprochen worden seien
(
Urk.
1 S. 5 f.
)
. Da die Beschwerdegegnerin über
umfang
reiche Akten, Informationen aus dem Krankentaggeldfall sowie Fachwissen eines obligatorischen Unfallversicherers verfüge, habe er sich auf die Antwort der Beschwerdegegnerin verlassen dürfen (
Urk.
1 S. 1-2). Dies gelte umso mehr, als die Beschwerdegegnerin vo
n
ihm verschiedene Informationen verlangt habe. Er habe davon ausgehen dürfen, dass die Beschwerdegegnerin alles abkläre, bevor sie fast
Fr.
50'000.-- ausbezahle, schliesslich treffe die Beschwerdegegnerin eine Beratungspflicht. Ab
ge
leitet aus dem Grundsatz von Treu und Glauben sei er in seinem berechtigten Vertrauen zu schützen (
Urk.
1 S.
6
).
2
.3
Es ist zwar
nicht aktenkundig, was der Beschwerdeführer und die Sach
bear
bei
terin der Beschwerdegegnerin am 1
8.
Mai 2017 miteinander besprochen haben.
Aus der unmittelbar davor geführten E-Mail-Korrespondenz
ist aber ersichtlich,
dass
die Sach
bearbeiterin der Beschwerde
füh
rerin die Taggelder eigentlich «wie üb
lich» an seine Arbeitgeberin auszahlen wollte (Urk. 8/229).
Beim nach
folgen
den Telefongespräch
hat sie sich dann aber
vom Beschwerde
führer davon über
zeugen lassen, dass die Taggelder
auf sein Konto auszubezahlen seien.
Die Sach
bearbeiterin muss sich vorhalten lassen, dass sie die Angaben des Beschwerde
führers ungeprüft übernommen hat, obwohl sie Zweifel an der Recht
mässigkeit der
direkten Auszahlung
an
B
eschwerdeführer hatte. Es kann aber keine Rede davon sein, dass sie ihrer Beratungspflicht (
Art.
27 ATSG) nicht nachge
kommen sein soll. Zudem ist
hier
nicht ihr Verhalten, sondern dasjenige des Beschwerde
führers zu beurteilen. Diesbezüglich besteht aufgrund
der wieder
gegebenen E-Mail-Kor
respondenz kein Zweifel daran, dass er die Auszah
lung der Taggeld
er
auf sein Konto wollte und dies auch bewusst so veranlasste.
Insbesondere hatte er
offensichtlich
kein Interesse d
aran, dass die Taggelder für die
Zeitperiode vom
1.
November 2011 bis 2
5.
Februar 2013 «wie üblich» an seine ehem
alige Arbeit
geberin ausbezahlt werden
. Sodann
hätte er noch wissen müssen
,
das
s
er im frag
lichen Zeitraum von seiner ehemaligen Arbeitgeberin
bereits
Taggelder erhalten hat. Bei den vom Beschwerdeführer im Ver
fahren Nr. UV.2018.00096 einge
reichten Unterlagen finden sich Auszüge aus
seinem
Lohnkonto sowie unter anderem der
an den Beschwerdeführer adressierte
Lohnausweis 2013,
die
dies belegen
(
Urk.
10/294).
Diesen Unterlagen ist zu entnehmen, dass er im besagten Zeitraum
erhebliche Taggeldz
ahlungen seiner ehemaligen Arbeitgeberin erhalten hat.
Mit diesem Wissen konnte der Beschwerdeführer nicht in guten Treuen davon ausgehen, dass er für denselben Zeitraum noch einmal Anspruch auf Taggelder hat.
Auch einem juristischen Laien
sollte klar sein
, dass Taggelder ni
cht doppelt ausbezahlt werden
,
beziehungsw
eise
dass Taggeldzahlungen durch Sozialver
sicherungen nicht zu einer massiven finanziellen Besserstellung führen können.
Das Verhalten des Beschwerdeführers war
somit zumindest grobfahrlässig
, wenn nicht gar arglistig.
Deshalb ist die Erlassvoraussetzung
d
es guten Glaubens (
Art.
25
Abs.
1 Satz 2 ATSG) nicht erfüllt.
2.4
Die Voraussetzungen des guten Glaubens und der grossen Härte müssen kumu
la
tiv
gegeben
sein. Die Voraussetzung des guten Glaubens
ist
vorliegend
zu ver
neinen
, weshalb es sich erübrigt
,
die Voraussetzung der grossen Härte zu prüfen.
3.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.