Decision ID: 62d35427-bb59-4873-8912-285b9f3696f0
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Am 16. Februar 2017 richtete die zuständige österreichische Steuer-
behörde, das Central Liaison Office for International Cooperation, Bundes-
ministerium für Finanzen, Brehmstrasse 14, 1110 Wien (nachfolgend: CLO
oder ersuchende Behörde), gestützt auf Art. 26 des Abkommens vom
30. Januar 1974 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und
der Republik Österreich zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem
Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen
(SR 0.672.916.31, nachfolgend: DBA CH-AT) ein Amtshilfeersuchen an die
Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV; nachfolgend auch: Vorinstanz).
Als vom Ersuchen betroffene Personen nannte das CLO mutmasslich in
Österreich steuerpflichtige Personen, die anhand von Kundenstammnum-
mern gemäss einer dem Ersuchen beigelegten Liste identifizierbar seien.
Als Informationsinhaberin in der Schweiz wurde die C._ [...] ge-
nannt. Die Informationen würden für die Erhebung der Einkommenssteuer,
die Kapitalertragssteuer und die Körperschaftssteuer für die Steuerjahre
2012 bis 2015 benötigt.
A.b Gemäss der ersuchenden Behörde basiert das Ersuchen auf einer
Auflistung von Bankverbindungen mit Vermögensdaten, die anlässlich ei-
ner Hausdurchsuchung bei einer deutschen Niederlassung der C._
sichergestellt und den österreichischen Behörden von Deutschland ge-
stützt auf die europäische Richtlinie 2011/2016/EU als Spontaninformation
zur Verfügung gestellt worden sei. Die deutschen Behörden hätten dabei
einer Weiterverwendung der betroffenen Informationen gegenüber der
Schweiz zugestimmt. Aus der (elektronisch verfügbaren) Aufstellung gehe
hervor, dass diese Bankverbindungen und Vermögensdaten Personen zu-
zuordnen seien, welche einen steuerlichen Bezug zu Österreich hätten
(Domizilcode 12400 -12409). Die Aufstellung enthalte das Vermögen im
Jahr 2006 und 2008 sowie [mehrere tausend] eindeutig zuordenbare Kun-
dennummern, jedoch keine Namen oder sonstigen Daten der betroffenen
Personen. Damit sei eine weitere Ermittlungstätigkeit gegenüber den be-
troffenen Personen ohne Mithilfe der Schweiz nicht möglich.
Durch das Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Schwei-
zerischen Eidgenossenschaft über die Zusammenarbeit in den Bereichen
Steuern und Finanzmarkt sollte die (Nach-)versteuerung von Kontobezie-
hungen für in Österreich ansässige Personen garantiert werden. Bekannt-
lich seien jedoch insbesondere im Jahr 2012 etliche Bankbeziehungen in
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der Schweiz vor Inkrafttreten des Abkommens beendet worden. Auch
könne es andere Gründe geben, warum das Abkommen für bestimmte
Konten nicht greife. Bei solchen Kontobeziehungen bestehe ein verstärkter
begründeter Verdacht, dass diese Bankbeziehungen der Abgabenhinter-
ziehung dienen könnten. Im Zuge der Kontrolltätigkeit der österreichischen
Finanzverwaltung sei es daher unbedingt notwendig, die Inhaber gerade
solcher Konten bzw. die Deklaration von im Zusammenhang mit diesen
Konten entstandenen steuerpflichtigen Erträgen überprüfen zu können.
Aus oben genannten Gründen seien die angefragten Informationen zu
Konten, welche nicht unter obgenanntes Abkommen fallen, voraussichtlich
erheblich für die Einkommens-, Körperschaft- und Kapitalertragsbesteue-
rung in Österreich.
Die Guthaben, welche auf dieser Liste verzeichnet seien, würden sich auf
[mehrere] Milliarden Schweizer Franken belaufen, was möglicherweise ei-
nen Ausfall an Steuergeldern bis zu [...] Milliarden Euro für den österreichi-
schen Fiskus bedeuten könnte.
Ein Abgleich der auf der Liste enthaltenen Kundenstammnummern auf Ba-
sis des Abkommens zwischen der Republik Österreich und der Schweize-
rischen Eidgenossenschaft über die Zusammenarbeit in den Bereichen
Steuern und Finanzmarkt sowie des EU-Zinsbesteuerungsabkommens
habe zur Zuordnung und Aussonderung von [mehreren hundert] Konten
geführt.
A.c Konkret ersucht das CLO die ESTV für jedes im Anhang des Ersu-
chens aufgeführte Bankkonto um die Übermittlung der folgenden Informa-
tionen für den Zeitraum vom 1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2015:
a) Name(n)/Vorname(n), Geburtsdaten und letzte bekannte Domi-
ziladresse gemäss den Bankunterlagen der Kontoinhaber und der wirt-
schaftlich berechtigten Personen bzw. von deren Rechtsnachfolgern.
b) Die Kontosalden jeweils per 1. Januar der Jahre 2012 bis 2015 und per
31. Dezember 2015.
c) Davon ausgenommen sind Bankkonten, die gemäss entsprechenden
Abkommen der Abgeltungssteuer unterlagen bzw. als «technische
Konten» gelten.
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B.
B.a Mit Editionsverfügung vom 28. April 2017 forderte die Vorinstanz die
C._ auf, die ersuchten Informationen einzureichen. Zudem bat sie,
die betroffenen bzw. beschwerdeberechtigten Personen mit noch aktiven
Geschäftsbeziehungen über das Amtshilfeverfahren zu informieren.
B.b Darüber hinaus informierte die ESTV die betroffenen/beschwerdebe-
rechtigten Personen mittels Publikation im Bundesblatt vom 13. Juni 2017
(BBl 2017 3964) über das laufende Amtshilfeverfahren und forderte diese
auf, in der Schweiz ein Zustelldomizil zu bezeichnen. Gleichzeitig wies sie
auf die Möglichkeit der Teilnahme im sog. vereinfachten Verfahren hin, an-
sonsten das Verfahren mittels Schlussverfügung abgeschlossen werde.
B.c Mit Schreiben vom 28. Juni 2017 präzisierte die ESTV die Editionsver-
fügung gegenüber der C._ dahingehend, dass vor dem Hintergrund
des im Amtshilfeverfahren geltenden Subsidiaritätsprinzips diejenigen Kon-
tonummern zu kennzeichnen seien, bei denen eine Meldung gegenüber
Österreich bereits im Rahmen des (ehemaligen) EU-Zinsbesteuerungsab-
kommens (heute: Abkommen über den automatischen Informationsaus-
tausch über Finanzkonten zur Förderung der Steuerehrlichkeit bei interna-
tionalen Sachverhalten [AIA, SR 0.641.926.81]) erfolgt sei.
B.d Am 28. Juli 2017 gab die C._ die von ihr einverlangten Daten
fristgerecht an die ESTV heraus.
C.
Mit Schreiben vom 27. September 2017 teilte die ESTV dem CLO mit, wel-
che der im Ersuchen erwähnten Kontobeziehungen bei der C._ per
1. Januar 2012 bereits saldiert waren.
D.
Nachdem die A._ Anstalt (nachfolgend: betroffene Person 1), ver-
treten durch die im Rubrum genannte Rechtsvertreterin, am 20. Juni 2017
als vom Amtshilfeersuchen betroffene um Gewährung des rechtlichen Ge-
hörs ersucht hatte, gewährte die ESTV ihr mit Schreiben vom 3. Oktober
2017 antragsgemäss Akteneinsicht. Weiter wies die ESTV darauf hin, dass
sie über den weiteren Verlauf des Verfahrens zu gegebener Zeit informie-
ren werde und – sollte sie zum Schluss kommen, dass Amtshilfe zu leisten
sei – Gelegenheit zur Stellungnahme einräumen werde.
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Seite 5
E.
Am 7. November 2017 leistete die ESTV für einen Teil der Fälle, bei denen
eine Zustimmung zur Informationsübermittlung erfolgt war, Amtshilfe im
vereinfachten Verfahren.
F.
Mit drei separaten Schreiben vom 16. März 2018 bezeichnete die ESTV
gegenüber dem CLO jene Konten, für die infolge bereits erfolgter Offenle-
gung im Rahmen des (ehemaligen) EU-Zinsbesteuerungsabkommens und
des (ehemaligen) Quellensteuerabkommens mit Österreich (beide heute:
AIA) bzw. wegen einer bereits erhobenen Abgeltungssteuer keine Amts-
hilfe geleistet werden könne.
G.
In Erwartung eines Grundsatzurteils des Bundesgerichts bezüglich eines
ähnlichen Amtshilfeersuchens der französischen Behörden, welches auf
Daten derselben Quelle basierte, setzte die ESTV die Bearbeitung der auf
dem Amtshilfeersuchen des CLO vom 16. Februar 2017 basierenden Ver-
fahren vorübergehend aus.
H.
Mit Urteil vom 26. Juli 2019 erkannte das Bundesgericht im Amtshilfever-
fahren betreffend das französische Ersuchen, dass Amtshilfe zu leisten sei
(Urteil des BGer 2C_653/2018 vom 26. Juli 2019 [teilweise publiziert in:
BGE 146 II 150]). Die schriftliche Urteilsbegründung wurde im Dezember
2019 veröffentlicht.
I.
Mit Schreiben vom 16. Januar 2020 informierte die ESTV die ersuchende
Behörde über die neusten Entwicklungen in der Rechtsprechung und über
ihre Auffassung, wonach der vom CLO zum Ausdruck gebrachte Verdacht,
dass die Mehrheit der vom Gesuch betroffenen Konten den österreichi-
schen Behörden nicht gemeldet worden seien (Globalverdacht der Steuer-
hinterziehung) nach der neusten Rechtsprechung eine «fishing expedition»
ausschliesse. Schliesslich wies sie darauf hin, dass allfällige bereits im
Rahmen des AIA übermittelten Daten vom vorliegenden Austausch ausge-
schlossen seien, und bat um Klärung der in Österreich geltenden Verjäh-
rungsfristen.
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Seite 6
J.
Mit Schreiben vom 24. Januar 2020 bestätigte das CLO das Vorliegen des
Globalverdachts der Steuerhinterziehung und wies auf die innerstaatliche
Verjährungsfrist von 10 Jahren für die Abgabefestsetzung hin. Allerdings
sei eine Verlängerung dieser Festsetzungsverjährung gewährleistet, wenn
die Abgabefestsetzung von der Erledigung einer Beschwerde abhänge.
K.
Mit Schreiben vom 15. September 2020 gewährte die Vorinstanz der be-
troffenen Person 1 erneut Akteneinsicht und informierte über die zur Über-
mittlung beabsichtigten Informationen.
L.
Am 24. September 2020 teilte die betroffene Person 1 der ESTV mit, dass
der wirtschaftlich Berechtigte an den von ihr gehaltenen Konten bereits im
Jahr 2013 verstorben sei. Zudem habe er in der Periode 2012 bis 2015 zu
keiner Zeit Wohnsitz in Österreich gehabt.
M.
Am 22. Oktober 2020 und 8. März 2021 nahm die betroffene Person 1 Stel-
lung zu den ihr mit Schreiben der Vorinstanz vom 15. September 2020 zu-
gestellten Akten.
N.
Die ESTV fragte am 12. März 2021 bei der C._ nach, ob der an den
hier betroffenen Konten wirtschaftlich Berechtigte verstorben sei bzw. ge-
wechselt habe, was die C._ am 17. Februar 2021 telefonisch und
am 24. Februar 2021 schriftlich bestätigte.
O.
Am 15. März 2021 informierte die ESTV die Rechtsnachfolgerin des wirt-
schaftlich Berechtigten (diese wird nachfolgend als betroffene Person 3 be-
zeichnet; die Vorinstanz hatte den ursprünglichen wirtschaftlich Berechtig-
ten als betroffene Person 2 bezeichnet) über das Amtshilfeverfahren.
P.
Am 25. März 2021 teilte die Rechtsanwältin der betroffenen Person 1 der
ESTV mit, dass sie auch die betroffene Person 3 vertrete.
Q.
Mit Schreiben vom 15. April 2021 gewährte die ESTV den betroffenen Per-
sonen 1 und 3 je Akteneinsicht.
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Seite 7
R.
Am 10. Mai 2021 nahmen die betroffenen Personen 1 und 3 je Stellung.
S.
Mit Schlussverfügungen vom 26. Mai 2021 qualifizierte die ESTV das
Amtshilfeersuchen Österreichs als zulässig und ordnete die Amtshilfeleis-
tung in Bezug auf die vom CLO erfragten und von der C._ edierten
Bankkundeninformationen betreffend die betroffenen Personen an.
T.
Gegen diese Schlussverfügungen liessen die betroffenen Personen 1
(nachfolgend: Beschwerdeführerin 1) und 3 (nachfolgend: Beschwerdefüh-
rerin 2; zusammen: Beschwerdeführerinnen) am 23. Juni 2021 beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde erheben. Sie lassen beantragen, die
Schlussverfügungen der ESTV (nachfolgend: Vorinstanz) vom 26. Mai
2021 seien aufzuheben und die ersuchte Amtshilfe vollumfänglich zu ver-
weigern. Eventualiter sei lediglich mitzuteilen, dass in Bezug auf sie (die
Beschwerdeführerinnen) keine voraussichtlich erheblichen Informationen
übermittelt werden könnten und ihre Steuerpflicht im ersuchenden Staat
vollständig ausgeschlossen werden könne; alles unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen zulasten der Staatskasse.
U.
Mit Vernehmlassung vom 31. März 2022 schliesst die Vorinstanz auf kos-
tenpflichtige Abweisung der Beschwerde.
Auf die detaillierten Vorbringen in den Eingaben der Parteien wird – sofern
sie entscheidwesentlich sind – im Rahmen der Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegt ein Amtshilfeersuchen des österrei-
chischen CLO gestützt auf Art. 26 des DBA CH-AT zugrunde. Die Durch-
führung dieser Abkommensbestimmung richtet sich – unter Vorbehalt ab-
weichender Regelungen im DBA CH-AT – nach dem Steueramtshilfege-
setz vom 28. September 2012 (StAhiG, SR 651.1; vgl. Art. 1 StAhiG).
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Seite 8
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung von Beschwerden
gegen Schlussverfügungen der ESTV betreffend die internationale Amts-
hilfe in Steuersachen zuständig (vgl. Art. 19 Abs. 5 StAhiG i.V.m. Art. 31 ff.
des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]).
Das Verfahren vor diesem Gericht richtet sich nach dem Verwaltungsver-
fahrensgesetz vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), soweit das
VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Der Beschwerdeführer hat
am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen und ist als Adressat der an-
gefochtenen Schlussverfügung und Person, die vom Amtshilfeersuchen
betroffen ist bzw. über welche Daten übermittelt werden sollen, zur Be-
schwerdeführung legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 19 Abs. 2 StA-
hiG). Auf die frist- und formgerecht (vgl. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1
VwVG) eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Der Beschwerdeführer kann neben der Verlet-
zung von Bundesrecht und der unrichtigen oder unvollständigen Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts auch die Unangemessenheit rü-
gen (Art. 49 Bst. a bis c VwVG).
2.
2.1 Die Amtshilfeklausel von Art. 26 DBA CH-AT entspricht in ihrem heute
geltenden Wortlaut weitgehend demjenigen von Art. 26 des Musterabkom-
mens der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwick-
lung (nachfolgend: OECD-MA; siehe Fassung gemäss Art. II des Protokolls
vom 3. September 2009 zur Abänderung des DBA CH-AT, in Kraft getreten
am 1. März 2011 [AS 2011 823, nachfolgend: Änderungsprotokoll] und Bot-
schaft vom 20. Januar 2010 zur Genehmigung eines Protokolls zur Ände-
rung des DBA CH-AT [BBl 2010 1303, 1307]). Diese (revidierte) Bestim-
mung zum Informationsaustausch findet Anwendung auf Veranlagungs-
jahre, die ab dem 1. Januar 2012 beginnen (vgl. Art. IV Ziff. 2 des Ände-
rungsprotokolls [AS 2011 823]).
2.2
2.2.1 Gemäss Art. 26 Abs. 1 DBA CH-AT tauschen die zuständigen Behör-
den der Vertragsstaaten unter sich diejenigen Informationen aus, «die zur
Durchführung dieses Abkommens oder zur Anwendung oder Durchset-
zung des innerstaatlichen Rechts betreffend die unter das Abkommen fal-
lenden Steuern voraussichtlich erheblich sind, soweit die diesem Recht
entsprechende Besteuerung nicht dem Abkommen widerspricht». Dabei ist
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der Informationsaustausch nicht durch Art. 1 DBA CH-AT (persönlicher An-
wendungsbereich), wonach das Abkommen (nur) für in einem Vertrags-
staat oder in beiden Vertragsstaaten ansässige Personen gilt, beschränkt.
Zu den unter das Abkommen fallenden Steuern zählt namentlich die Ein-
kommenssteuer (einschliesslich der Steuern vom Gewinn aus der Ver-
äusserung beweglichen oder unbeweglichen Vermögens) und die Körper-
schaftssteuer in Österreich (vgl. Art. 2 DBA CH-AT, insbesondere Abs. 3
Ziff. 1 Bst. a und b sowie Abs. 2).
2.2.2 Art. 26 Abs. 2 DBA CH-AT enthält das sog. Spezialitätsprinzip, wo-
nach die im Rahmen des Informationsaustauschs erhaltenen Daten im
Grundsatz ebenso geheim zu halten sind wie die aufgrund des innerstaat-
lichen Rechts beschafften Informationen und regelt unter welchen Voraus-
setzungen diese Daten dennoch zugänglich gemacht und weiterverwendet
werden dürfen.
2.2.3 Nach Art. 26 Abs. 3 DBA CH-AT sind die Absätze 1 und 2 nicht so
auszulegen, als verpflichteten sie einen Vertragsstaat, von den Gesetzen
oder der Verwaltungspraxis des einen oder des anderen Vertragsstaates
abzuweichen (Bst. a), oder Informationen zu erteilen, welche nach den Ge-
setzen oder im üblichen Verwaltungsverfahren eines der beiden Vertrags-
staaten nicht beschafft werden können (Bst. b). Schliesslich besteht auch
keine Verpflichtung zur Erteilung von Informationen, die ein Handels-, Ge-
schäfts-, Industrie-, Gewerbe- oder Berufsgeheimnis oder ein Geschäfts-
verfahren preisgeben würden oder deren Erteilung dem Ordre Public wi-
derspräche (Bst. c).
2.2.4 Art. 26 Abs. 5 DBA CH-AT enthält insofern eine Gegenausnahme, als
er bestimmt, dass Absatz 3 nicht so auszulegen sei, als könne ein Vertrags-
staat die Erteilung von Informationen nur deshalb ablehnen, weil sich die
Informationen bei einer Bank, einem sonstigen Finanzinstitut, einem Be-
vollmächtigten, Beauftragten oder Treuhänder befinden oder weil sie sich
auf das Eigentum einer Person beziehen. Ungeachtet des Abs. 3 oder ent-
gegenstehender Bestimmungen des innerstaatlichen Rechts verfügen die
Steuerbehörden des ersuchten Vertragsstaats über die Befugnis, die Of-
fenlegung der in diesem Absatz genannten Informationen durchzusetzen.
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Seite 10
2.3 Im Zusammenhang mit Art. 26 DBA CH-AT ist weiter das zugehörige
Schlussprotokoll (eingefügt durch Art. VIII des Protokolls vom 21. März
2006 zur Abänderung des DBA CH-AT [AS 2007 1253], von der Bundes-
versammlung genehmigt am 6. Oktober 2006 [AS 2007 1251]; ebenfalls
unter SR 0.672.916.31) zu beachten.
2.3.1 Gemäss Ziff. 2 Bst. a des Schlussprotokolls zum DBA CH-AT besteht
zwischen den Vertragsparteien Einigkeit darüber, dass der ersuchende
Vertragsstaat ein Begehren um Austausch von Informationen erst dann
stellt, wenn er alle in seinem innerstaatlichen Steuerverfahren vorgesehe-
nen üblichen Mittel zur Beschaffung der Informationen ausgeschöpft hat
(sog. Subsidiaritätsprinzip).
2.3.2 Nach Ziff. 2 Bst. b des Schlussprotokolls zum DBA CH-AT besteht
der Zweck der Verweisung auf Informationen, die voraussichtlich erheblich
sind, darin, einen möglichst weitgehenden Informationsaustausch in Steu-
erbelangen zu gewährleisten, ohne den Vertragsstaaten zu erlauben,
«fishing expeditions» zu betreiben oder um Informationen zu ersuchen, de-
ren Erheblichkeit hinsichtlich der Steuerbelange einer bestimmten steuer-
pflichtigen Person unwahrscheinlich ist. Die im Amtshilfeersuchen zu lie-
fernden Angaben sind gemäss dieser Bestimmung zwar wichtige verfah-
renstechnische Voraussetzungen für die Vermeidung von «fishing expedi-
tions»; sie sind jedoch nicht so auszulegen, dass sie einen wirksamen In-
formationsaustausch behindern würden.
2.3.2.1 Als zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts
voraussichtlich erheblich gelten Informationen, die für den ersuchenden
Staat notwendig sind, um eine in diesem Staat steuerpflichtige Person dort
korrekt zu besteuern (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.1, 141 II 436 E. 4.4.3). Die
Voraussetzung der voraussichtlichen Erheblichkeit ist erfüllt, wenn im Zeit-
punkt der Einreichung des Amtshilfeersuchens eine vernünftige Möglich-
keit besteht, dass sich die verlangten Informationen als erheblich erweisen
werden (BGE 143 II 185 E. 3.3.2). Keine Rolle spielt, ob sich diese Infor-
mationen nach deren Übermittlung für die ersuchende Behörde als nicht
erheblich herausstellen. Ob eine Information erheblich ist, kann in der Re-
gel nur der ersuchende Staat abschliessend feststellen (BGE 145 II 112
E. 2.2.1, 142 II 161 E. 2.1.1).
2.3.2.1.1 Um bei Amtshilfeersuchen, welche die betroffenen Personen
nicht namentlich identifizieren, unzulässige Beweisausforschungen, d.h.
«fishing expeditions», auszuschliessen, ist nach der bundesgerichtlichen
A-2914/2021
Seite 11
Rechtsprechung verlangt (BGE 143 II 136 E. 6.1.2), dass die ersuchende
Behörde in ihrem Ersuchen
(i) eine detaillierte Beschreibung der Gruppe geben, welche die spezifischen
Tatsachen und Umstände beschreibt, die zum Ersuchen geführt haben;
(ii) das anwendbare (Steuer-)Recht erläutern und aufzeigen, weshalb Gründe
vorliegen, welche annehmen lassen, die Steuerpflichtigen in der Gruppe hät-
ten ihre Verpflichtungen nicht erfüllt, d.h. das Steuerrecht verletzt; und
(iii) aufzeigen, dass die eingeforderten Informationen zur Erfüllung der Ver-
pflichtungen der Steuerpflichtigen der Gruppe führen können.
Diese Kriterien gelten aus Kohärenzgründen nicht nur für die ursprünglich
ins Auge gefassten Gruppenersuchen nach Art. 3 Bst. c StAhiG, sondern
finden nach der Rechtsprechung ebenfalls auf sog. Listenersuchen Anwen-
dung (vgl. BGE 146 II 150 E. 6.1.3, 143 II 628 E. 5.1).
2.3.3 Gemäss Ziff. 2 Bst. c des Schlussprotokolls zum DBA CH-AT (in der
am 14. November 2012 in Kraft getretenen Fassung; vgl. AS 2012 6941)
besteht zwischen den Vertragsparteien sodann Einigkeit darüber, dass die
Steuerbehörden des ersuchenden Staates bei der Stellung eines Amtshil-
febegehrens nach Art. 26 des Abkommens den Steuerbehörden des er-
suchten Staates die nachstehenden Angaben zu liefern haben:
i) die Identifikation der steuerpflichtigen Person, wobei diese Identifikation
auch auf andere Weise als durch Angabe des Namens und der Adresse
erfolgen kann;
ii) die Zeitperiode, für welche die Informationen verlangt werden;
iii) eine Beschreibung der verlangten Informationen sowie Angaben hinsicht-
lich der Form, in der der ersuchende Staat diese Informationen vom er-
suchten Staat zu erhalten wünscht;
iv) den Steuerzweck, für den die Informationen verlangt werden;
v) den Namen und die Adresse des mutmasslichen Informationsinhabers,
soweit sie bekannt sind.
2.4
2.4.1 Auf ein Ersuchen ist nach Art. 7 Bst. c StAhiG nicht einzutreten, wenn
es den Grundsatz von Treu und Glauben verletzt, «insbesondere wenn es
auf Informationen beruht, die durch nach schweizerischem Recht strafbare
Handlungen erlangt worden sind». Letzteres bedeutet, dass die objektiven
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Seite 12
Tatbestandsmerkmale eines Straftatbestandes des Schweizerischen Straf-
gesetzbuches vom 21. Dezember 1937 (StGB, SR 311.0) erfüllt sein müs-
sen und die Delikte unter die schweizerische Straf- bzw. Gerichtshoheit ge-
mäss Art. 3 bis 8 StGB fallen (BGE 143 II 202 E. 8.5.6).
2.4.2 Sofern eine Partei behauptet, ein Amtshilfeersuchen beruhe auf straf-
baren Handlungen, ist jeweils zu prüfen, ob das Ersuchen dem im interna-
tionalen öffentlichen Recht geltenden Grundsatz von Treu und Glauben
entspricht. Gegen diesen Grundsatz wird etwa verstossen, wenn der ersu-
chende Staat versichert hatte, dass keine auf schweizerischem Territorium
geheimen Bankdaten für ein Amtshilfeersuchen verwendet werden, und er
dennoch ein Ersuchen stellt, das direkt oder indirekt kausal mit solchen
geheimen Daten zusammenhängt (vgl. BGE 143 II 224 E. 6.4; statt vieler:
Urteil des BVGer A-1534/2018 vom 3. August 2020 E. 6.2). Ein treuwidri-
ges Verhalten ist in der Regel auch ohne vorgängige ausdrückliche Zusi-
cherung anzunehmen, wenn der ersuchende Staat illegal erworbene Daten
kauft und ein darauf abgestütztes Amtshilfeersuchen stellt (vgl. Urteil des
BGer 2C_648/2017 vom 17. Juli 2018 E. 2.3.4). Das blosse Verwenden
illegal erworbener Daten durch den ersuchenden Staat, welche dieser im
Rahmen der (spontanen) Amtshilfe durch einen anderen Staat erhalten
hat, stellt rechtssprechungsgemäss jedoch noch kein treuwidriges Verhal-
ten dar (Urteil des BGer 2C_619/2018 vom 21. Dezember 2018 E. 2.3.5
mit Hinweisen; Urteile des BVGer A-3186/2019 vom 20. August 2020
E. 2.8.3, A-1534/2018 vom 3. August 2020 E. 6.2).
2.5 Ein wichtiges Element der internationalen Behördenzusammenarbeit
bildet der Grundsatz, wonach – ausser bei offenbarem Rechtsmissbrauch
oder bei berechtigten Fragen im Zusammenhang mit dem Schutz des
schweizerischen oder internationalen Ordre public (vgl. Art. 7 StAhiG) –
prinzipiell kein Anlass besteht, an Sachverhaltsdarstellungen und Erklärun-
gen anderer Staaten zu zweifeln (sog. völkerrechtliches Vertrauensprinzip;
BGE 144 II 206 E. 4.4, 142 II 218 E. 3.3). Auf diesem Vertrauen gründet
letztlich das ganze Amtshilfeverfahren. Dementsprechend ist die ESTV an
die Darstellung des Sachverhalts im Ersuchen insoweit gebunden, als
diese nicht wegen offensichtlicher Fehler, Lücken oder Widersprüche so-
fort entkräftet werden kann (BGE 142 II 161 E. 2.1.1 und 2.1.3, 139 II 451
E. 2.2.1; statt vieler: Urteil des BVGer A-2258/2020 vom 19. Februar 2021
E. 2.2).
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Seite 13
3.
Das vorliegende Verfahren hat – worauf die Vorinstanz in ihrer Vernehm-
lassung sinngemäss hinweist – einen engen inhaltlichen Bezug zum
rechtskräftigen Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021,
welchem dasselbe Amtshilfeersuchen des CLO wie in casu zu Grunde lag.
Dem Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 kommt somit
für das vorliegende Verfahren Grundsatzcharakter zu (nachfolgend auch:
Referenzurteil). Das Bundesverwaltungsgericht kam in diesem Urteil zum
Schluss, dass hinreichend konkrete Anhaltspunkte für ein steuerrechtswid-
riges Verhalten der vom österreichischen Ersuchen betroffenen Personen
gegeben seien und eine verbotene «fishing expedition» daher nicht vor-
liege (E. 4.4.3 f.). Im Folgenden sind die wesentlichen konkreten Rügen
der Beschwerdeführerinnen im Lichte des Urteils des BVGer A-6532/2020
vom 21. Dezember 2021 zu beurteilen.
Vorliegend machen die Beschwerdeführerinnen vorab geltend, die Be-
schwerdeführerin 1 weise keine Anknüpfungspunkte zu Österreich auf. Die
an ihr ursprünglich wirtschaftlich berechtigte Person sei im Jahr 2013 ver-
storben. Gegenüber Verstorbenen habe aber insbesondere im Zeitpunkt,
in dem das Amtshilfeersuchen gestellt wurde, keine Amtshilfe geleistet wer-
den dürfen. Art. 18a StAhiG, der dies geändert habe, sei nämlich erst am
1. November 2019 in Kraft getreten. Ohnehin habe die damals wirtschaft-
lich berechtigte Person aber keinen Wohnsitz in Österreich gehabt. Das sei
auch von der C._ bestätigt worden. Die Beschwerdeführerin 2, die
dann wirtschaftlich Berechtigte geworden sei, weise ebenfalls keine An-
knüpfungspunkte zu Österreich auf. Sie habe während der Jahre 2013 bis
2015 ihren Wohnsitz in D._ und der Schweiz gehabt. Es liege auch
kein Wohnsitzkonflikt vor, der im ersuchenden Staat zu klären sei, sondern
die Wohnsitze sowohl der ursprünglich wirtschaftlich berechtigten Person
als auch jener der Beschwerdeführerin 2 seien nachgewiesen. Die Konten
bestünden im konkreten Fall bis heute. Soweit der Verdacht auf Verletzung
von steuerlichen Pflichten damit begründet werde, dass viele Konten im
Jahr 2012 geschlossen worden seien, treffe dies für den vorliegenden Fall
nicht zu. Ohnehin liege eine «fishing expedition» vor, da der entsprechende
Verdacht nicht ausreichend begründet worden sei. Die Gefahr eines Steu-
erausfalls rechtfertige keine «fishing expedition». Auch sei es willkürlich,
wenn Listen aus früheren Jahren verwendet würden.
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3.1 Zunächst ist auf die Frage der Rechtmässigkeit der Amtshilfeleistung
einzugehen, wobei die Beschwerdeführerinnen die grundsätzliche Zuläs-
sigkeit von Listenersuchen zu Recht anerkennen, und in diesem Zusam-
menhang insbesondere darauf, ob das vorliegende Listenersuchen den er-
höhten Anforderungen genügt, um eine verbotene Beweisausforschung
(sog. «fishing expedition») auszuschliessen. Das Bundesverwaltungsge-
richt hat diese Fragen im Referenzurteil ausführlich geprüft und dabei in
seinem Urteil A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 Folgendes erwogen:
3.1.1 Zur Frage, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Amtshilfeersuchen des
CLO vom 16. Februar 2017 eingetreten ist, hielt das Bundesverwaltungs-
gericht dafür, das vorliegend zu beurteilende Amtshilfeersuchen stütze sich
auf eine Liste mit ursprünglich [mehreren tausend] eindeutig zuordenbaren
Kundenstammnummern, mithilfe derer die ESTV und die zur Edition auf-
geforderte Bank die betroffenen Personen in der Folge identifizieren und
die ersuchten Informationen hätten zusammenstellen können. Nebst den
erwähnten Banknummern enthalte das Ersuchen weder Namen noch Ad-
ressen der betroffenen Personen. Ein solches «Listenersuchen» stelle
nach der gefestigten Rechtsprechung eine nach innerstaatlichem Recht
grundsätzlich zulässige Sammlung von Einzelersuchen dar, welche nicht
mit einem Gruppenersuchen im Sinn von Art. 3 Bst. c StAhiG zu verwech-
seln sei (Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.2.1).
Des Weiteren enthalte das Amtshilfeersuchen auch die weiteren erforder-
lichen Angaben gemäss Ziff. 2 Bst. c des Schlussprotokolls zum DBA CH-
AT (Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.2.3).
3.1.2 Zur Frage, ob das vorliegende Listenersuchen, den erhöhten Anfor-
derungen genügt, um eine verbotene Beweisausforschung (sog. «fishing
expedition») auszuschliessen, äusserte sich das Bundesverwaltungsge-
richt im Referenzurteil wie folgt:
3.1.2.1 Erforderlich sei erstens, dass das Ersuchen eine detaillierte Be-
schreibung der Gruppe enthalte, welche die Tatsachen und speziellen Um-
stände nennt, die zum Ersuchen geführt hätten. Das vorliegende Ersuchen
[des CLO] identifiziere die betroffenen Personen mittels eindeutig zuorden-
baren Kundenstammnummern. Eine hinreichend detaillierte Beschreibung
der Gruppe sei damit vorliegend zu bejahen (Urteil des BVGer
A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.4.1).
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3.1.2.2 Gemäss der dritten Voraussetzung habe die ersuchende Behörde
aufzuzeigen, dass die verlangten Informationen geeignet seien, für die Er-
füllung der steuerlichen Verpflichtungen der Steuerpflichtigen zu sorgen.
Auch dieses Kriterium sei vorliegend erfüllt. Mit der Aufdeckung eines bis-
her im Rahmen der Steuererklärung nicht deklarierten Kontos – sofern ein
solches bestehe – erhalte der ersuchende Staat die Möglichkeit, allfällige
von Steuerpflichtigen zu Unrecht nicht entrichtete Steuern nachzufordern
(Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.4.2).
3.1.3 Was die verbleibende zweite Voraussetzung betreffe, so müsse das
Amtshilfeersuchen das anwendbare Steuerrecht und die Motive darlegen,
die es erlauben würden, davon auszugehen, dass die vom Ersuchen be-
troffenen Steuerpflichtigen ihre steuerlichen Verpflichtungen nicht erfüllt
hätten. Das hier streitbetroffene Amtshilfeersuchen Österreichs bezeichne
unbestrittenermassen das anwendbare Steuerrecht. Fraglich und zu prü-
fen bleibe, ob auch hinreichende Motive für die Annahme von Steuerpflicht-
verletzungen genannt werden (Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. De-
zember 2021 E. 4.4.3).
Die einschlägige bundesgerichtliche Rechtsprechung hat das Bundesver-
waltungsgericht im Referenzurteil wie folgt dargelegt:
3.1.3.1 Gemäss der Rechtsprechung müssten für die Annahme einer Miss-
achtung steuerrechtlicher Verpflichtungen konkrete Anhaltspunkte bzw.
Verdachtsmomente vorliegen, wobei sich diese nicht auf die einzelnen In-
dividuen bezögen, wohl aber in allgemeiner Weise auf die Personen in die-
ser Gruppe. Je nach den Umständen könne auch die Art und Weise, wie
der ersuchende Staat Kenntnis von der Liste erlangt habe, ein Indiz dafür
sein, dass die Kontoinhaber ihre steuerrechtlichen Verpflichtungen nicht
eingehalten hätten (Urteil des BGer 2C_695/2017 vom 29. Oktober 2018
E. 5.2; Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.4.3.1).
Solche hinreichenden Anhaltspunkte habe das Bundesgericht namentlich
in folgenden zwei Fallkonstellationen bejaht:
Im einen Fall habe das Amtshilfeverfahren auf einem Listenersuchen
Frankreichs basiert. Dabei seien die dem Ersuchen zugrundeliegenden
Daten (im Urteil bezeichnet als Listen A, B und C) anlässlich einer von der
Staatsanwaltschaft Bochum durchgeführten Hausdurchsuchung bei einer
deutschen Gruppengesellschaft der C._ im Mai 2012 und im Juli
2013 gefunden worden. Das Bundesgericht habe erwogen, dass erste
Überprüfungen der ersuchenden Behörde hinsichtlich der Liste A, welche
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die Namen von 1'130 Personen auswies, gezeigt hätten, dass die betroffe-
nen Steuerpflichtigen ihr Konto entweder nicht deklariert oder bereits zu
einem früheren Zeitpunkt regularisiert gehabt hätten. Es habe eine Verbin-
dung zwischen der Liste A und den Listen B (betreffend Jahr 2006) und C
(betreffend Jahr 2008) als gegeben erachtet, wobei die Listen B und C zwar
keine Namen enthalten hätten aber einen Domizilcode, der auf eine Ansäs-
sigkeit in Frankreich hingedeutet habe. Das Gericht habe hervorgehoben,
dass gegen die Bank ein Strafverfahren in Frankreich eingeleitet worden
sei und ihr der Aufbau eines Steuerfluchtsystems zur Last gelegt werde. Es
sei zum Schluss gekommen, dass diese Anhaltspunkte zusammen be-
trachtet einen hinreichenden Verdacht auf steuerrechtswidriges Verhalten
der mittels Banknummern identifizierten Personen der Listen B und C be-
gründet hätten. Weiter habe es den Umstand, dass die Listen B und C bei
einer Hausdurchsuchung im Rahmen einer Steuerstrafuntersuchung in
Deutschland gefunden worden seien, als zusätzliches Indiz für ein steuer-
rechtswidriges Verhalten gewertet (vgl. BGE 146 II 150 E. 6.2.5 f.; zum
Ganzen: Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021
E. 4.4.3.2).
Im anderen Fall habe dem Verfahren ein Amtshilfeersuchen aus Deutsch-
land zugrunde gelegen, welches die betroffene Person mittels einer Kon-
tonummer identifiziert habe. Das Bundesgericht habe die Tatsache, dass
die ersuchende Behörde die Kontonummer kenne und wisse, dass darauf
ein hoher Geldbetrag liegt, für sich allein genommen noch nicht als Indiz
dafür gewertet, dass dieser Geldbetrag nicht oder nicht ordnungsgemäss
versteuert worden sei. Als ausschlaggebend habe es vielmehr erachtet,
dass gemäss der Schilderung der ersuchenden Behörde durch einen Zu-
fallsfund (anlässlich einer Durchsuchung der Geschäftsräume einer Bank
mit Sitz in Frankfurt) Listen mit Kundendaten in Form von Kundenstamm-
nummern, Alter, Domizil und Einlagehöhe in einer verborgenen Datei auf
dem Personal Computer einer Mitarbeiterin habe gesichert werden kön-
nen. Der Umstand, dass diese Daten nicht regulär im Systembackup der
Bank vorhanden gewesen seien, habe es als Indiz dafür gewertet, dass die
betreffenden Konten möglicherweise verdeckt hätten geführt werden sollen
und allenfalls nicht gesetzeskonform deklariert worden seien. Dieses Indiz
in Kombination mit den übrigen Umständen (Ermittlungsverfahren bei der
Bank mit anschliessender Beschlagnahmung der Daten sowie hohe
Summe auf dem betreffenden Konto) stelle gemäss Bundesgericht einen
konkreten Hinweis auf Unregelmässigkeiten dar. Das Bundesgericht habe
im Ergebnis eine unzulässige Beweisausforschung verneint (Urteil des
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BGer 2C_695/2017 vom 29. Oktober 2018 E. 5, insbes. E. 5.3.1; zum Gan-
zen: Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.4.3.2).
3.1.3.2 Wie im oben erwähnten, bereits gerichtlich beurteilten Listenersu-
chen Frankreichs stütze sich auch das vorliegende Amtshilfeersuchen auf
(von den deutschen Behörden zur Verfügung gestellte) Listen mit Bank-
nummern und Vermögensdaten der Jahre 2006 und 2008, die anlässlich
einer Hausdurchsuchung der deutschen Strafverfolgungsbehörden bei ei-
ner Niederlassung der C._ in Frankfurt aufgefunden worden seien.
Mit anderen Worten würde das vorliegende Listenersuchen Österreichs
und das erwähnte Listenersuchen Frankreichs auf Daten derselben Quelle
basieren. Es sei zwischenzeitlich gerichtsnotorisch, dass sich diese «Lis-
ten» – wie betreffend das oben zitierte Urteil 2C_695/2017 vom 29. Okto-
ber 2018 ausgeführt – mutmasslich auf einer verborgenen Datei auf dem
PC einer Bankmitarbeiterin befunden hätten (siehe Urteil des BVGer
A-1534/2018 vom 3. August 2020 E. 3.6; Beschlüsse des Bundesstrafge-
richts BB.2019.61 und BB.2019.63 vom 20. November 2019). Weiter habe
die spontane Übermittlung der erwähnten «Listen» von Deutschland nach
Österreich – wie sich aus dem Ersuchen ergebe – gestützt auf die europä-
ische Richtlinie 2011/16 vom 15. Februar 2011 über die Zusammenarbeit
der Verwaltungsbehörden im Bereich der Besteuerung und zur Aufhebung
der Richtlinie 77/799/EWG (ABl. L 64/1 vom 11. März 2011) stattgefunden.
Ein solch spontaner Informationsaustausch sei u. a. vorgesehen, wenn die
zuständige Behörde eines Mitgliedstaats Gründe für die Vermutung einer
Steuerverkürzung im anderen Mitgliedstaat hat (s. Abschn. II Art. 9 Abs. 1
Bst. a der Richtlinie 2011/16; zum Ganzen: Urteil des BVGer A-6532/2020
vom 21. Dezember 2021 E. 4.4.3.2).
Der Bezug zu Österreich werde vorliegend über die in der Liste erwähnten
Domizilcodes hergestellt. Gemäss Amtshilfeersuchen habe sodann ein Ab-
gleich der auf der Liste enthaltenen Kundenstammnummern auf Basis von
zwei Abkommen mit der Schweiz (Sachverhalt Bst. A.b in fine) zur Zuord-
nung und Aussonderung von [mehreren hundert] Konten geführt. Dies
zeige, dass sich zumindest in diesen Fällen der Domizilcode als korrekt
erwiesen habe. Sodann sei der Domizilcode auch bereits beim französi-
schen Listenersuchen, das auf Daten derselben Quelle beruht habe, als
genügend erachtet worden (vgl. BGE 146 II 150 E. 6.2.6 f.; Urteil des
BVGer A-1562/2018 vom 3. August 2020 E. 4.2). Gemäss Angaben der
ersuchenden Behörde würden sich die in der «Liste» ausgewiesenen Ver-
mögenswerte auf [mehrere] Milliarden Schweizer Franken belaufen und
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damit eine erhebliche Summe darstellen (Urteil des BVGer A-6532/2020
vom 21. Dezember 2021 E. 4.4.3.2).
Wie bereits erwähnt, genüge es nach der höchstrichterlichen Rechtspre-
chung für die Vermutung von Steuerpflichtverletzungen, dass die dem
Amtshilfeersuchen zugrundeliegenden Daten nicht regulär im Systemback-
up der Bank vorhanden gewesen seien, ein Ermittlungsverfahren bei der
Bank mit anschliessender Beschlagnahmung der Daten sowie eine hohe
Summe von Vermögenswerten betroffen seien. Dies decke sich mit der
Ausgangslage im Referenzurteil und es komme hinzu, dass die das Refe-
renzurteil betreffenden Daten aus derselben Quelle stammen würden, die
auch dem vom Bundesgericht als zulässig qualifizierten Listenersuchen
Frankreichs zugrunde gelegen habe. Vor diesem Hintergrund sei hinsicht-
lich des Referenzurteils das Vorliegen hinreichend konkreter Anhaltspunkte
für ein steuerrechtswidriges Verhalten der betroffenen Personen – und da-
mit der (dortigen) Beschwerdeführenden – im dort streitbetroffenen Amts-
hilfeersuchen des CLO zu bejahen. Eine verbotene «fishing expedition»,
welche ein Nichteintreten auf das Amtshilfeersuchen nach sich ziehen
müsste, liege daher nicht vor (Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. De-
zember 2021 E. 4.4.3.2).
3.2 An diesen Erwägungen ist für den vorliegenden Fall vollumfänglich
festzuhalten. Die Vorbringen der Beschwerdeführerinnen vermögen an die-
ser Rechtsprechung nichts zu ändern. Insbesondere können die Be-
schwerdeführerinnen aus dem Umstand, dass die streitbetroffenen Konten
nicht im Jahr 2012 geschlossen wurden, sondern weiterhin bestehen,
nichts zu ihren Gunsten ableiten. Der Verdacht bezieht sich auf die
Gruppe/Liste als Gesamtheit, nicht die einzelnen Personen auf der Liste
(E. 3.1.3.1).
3.3
3.3.1 Des Weiteren enthält das Amtshilfeersuchen auch die weiteren erfor-
derlichen Angaben gemäss Ziff. 2 Bst. c des Schlussprotokolls zum DBA
CH-AT (Sachverhalt, Bst. A.b und A.c; E. 2.3.3 und 3.1.1.1). Auch vorlie-
gend ist mangels gegenteiliger, konkreter Anhaltspunkte von der Einhal-
tung des Subsidiaritätsprinzips (E. 2.3.1) auszugehen.
3.3.2 Die Beschwerdeführerinnen bestreiten weiter, dass die ursprünglich
an den streitbetroffenen Konten wirtschaftlich berechtigte Person sowie die
Beschwerdeführerin 2 jemals in Österreich steuerpflichtig gewesen seien.
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Der Domizilcode sei irrtümlich zugewiesen worden. Die ursprünglich wirt-
schaftlich berechtigte Person, welche im Jahr 2013 verstorben sei, habe
ihren Wohnsitz insbesondere ab der Steuerperioden 2012 in D._
gehabt, was die C._ auch bestätigt habe. Die Beschwerdeführerin-
nen legen unter anderem zahlreiche Nebenkostenabrechnungen ins
Recht.
Die Beschwerdeführerin 2 habe zum Beginn des Jahres 2013 ihren Wohn-
sitz in D._ und danach in der Schweiz gehabt. Zum Beweis wird die
schweizerische Wohnsitzbescheinigung ins Recht gelegt.
Die Beschwerdeführerinnen halten dafür, das DBA CH-AT sei auf sie damit
gar nicht anwendbar und verweisen auf Art. 1 DBA CH-AT.
Dem ist entgegenzuhalten, dass Amtshilfe gestützt auf das DBA CH-AT un-
abhängig davon zu leisten ist, ob die davon betroffene Person Sitz oder
Wohnsitz in einem der Vertragsstaaten hat (Art. 26 Abs. 1 DBA CH-AT;
E. 2.2.1). Gemäss Referenzurteil wird der relevante Bezug zu Österreich
über die in der Liste erwähnten Domizilcodes hergestellt. Damit seien hin-
reichende (statistische) Hinweise auf eine Steuerunehrlichkeit der vom
Amtshilfeersuchen betroffenen Personen gegeben, zumal für die Zulässig-
keit eines Listenersuchens ein globaler Verdacht für eine Steuerhinterzie-
hung ausreichend sei. Sodann sei der Domizilcode auch bereits beim fran-
zösischen Listenersuchen, das auf Daten derselben Quelle beruht habe,
als genügend erachtet worden. Gemäss Angaben der ersuchenden Be-
hörde belaufen sich die in der «Liste» ausgewiesenen Vermögenswerte auf
[mehrere] Milliarden Schweizer Franken, mithin auf eine erhebliche
Summe (E. 3.1.3.2). Daran ist festzuhalten. Der Domizilcode genügt als
Anknüpfungspunkt für eine mögliche Steuerpflicht in Österreich (Urteile
des BVGer A-274/2021 vom 7. Juli 2022 E. 3.4.2 [das BGer ist mit Urteil
2C_622/2022 vom 29. Juli 2022 nicht auf eine Beschwerde gegen dieses
Urteil eingetreten], A-5662/2020 vom 10. Mai 2021 E. 5.1.3 [das BGer ist
mit Urteil 2C_435/2021 vom 2. Juni 2021 nicht auf eine Beschwerde gegen
dieses Urteil eingetreten], A-1562/2018 vom 3. August 2020 E. 4.2
m.w.H.).
Dem Vorbringen der Beschwerdeführerinnen, es liege kein Ansässigkeits-
konflikt vor, der im ersuchenden Staat zu klären wäre, ist entgegenzuhal-
ten, dass der Domizilcode, auch wenn er aus einem früheren Jahr stammt,
den Anknüpfungspunkt zu Österreich herstellt, weshalb bereits ein allfälli-
ger Ansässigkeitskonflikt vorliegen könnte, der vom ersuchenden Staat zu
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klären ist (zur Zugrundelegung von Informationen aus früheren Jahren vgl.
Urteil des BGer 2C_1162/2016 vom 4. Oktober 2017 E. 6.4 f., allerdings in
Bezug auf die voraussichtliche Erheblichkeit; vgl. Urteil des BVGer
A-5378/2020 vom 2. Juni 2022 E. 5.3.3). Dies gilt umso mehr, wenn – wie
betreffend die ursprünglich wirtschaftlich berechtigte Person – die Ansäs-
sigkeit in einem Drittstaat, also weder der Schweiz noch dem ersuchenden
Staat, geltend gemacht wird (vgl. Urteil des BGer 2C_953/2020 vom
24. November 2021 E. 3.5).
Im Referenzurteil hat das Bundesverwaltungsgericht überdies festgehal-
ten, dass es nicht im Rahmen des Amtshilfeverfahrens zu klären sei, wo
letztendlich der Steuerwohnsitz liege, und es sei in diesem Verfahren auch
nicht Aufgabe der Schweizer Behörden zu prüfen, ob nach österreichi-
schem Recht ein Steuerwohnsitz in Österreich bestehe (dortige E. 5.2
m.w.H.). Die genannten Umstände möchten im Rahmen des Ansässig-
keitsstreits wesentlich sein, der jedoch in einem anderen Verfahren durch-
zuführen sei. Damit ist – wie bereits im Referenzurteil (E. 5.2) – von der
voraussichtlichen Erheblichkeit der vorliegend zur Übermittlung vorgese-
henen Informationen betreffend die Beschwerdeführerinnen 1 und 2 aus-
zugehen. Diese sind für den Nachweis ihres steuerrechtlichen Wohnsitzes
in einem Drittstaat vorab auf das innerstaatliche, österreichische Steuer-
verfahren zu verweisen (Urteil des BVGer A-274/2021 vom 7. Juli 2022
E. 3.4.2 [das BGer ist mit Urteil 2C_622/2022 vom 29. Juli 2022 nicht auf
eine Beschwerde gegen dieses Urteil eingetreten]).
Auf die von den Beschwerdeführerinnen beigebrachten Beweismittel zum
Wohnsitz des ursprünglich wirtschaftlich Berechtigten ist nach dem Gesag-
ten nicht einzugehen.
3.3.3 Dass die ursprünglich an den Bankkonten wirtschaftlich berechtigte
Person mittlerweile verstorben ist, führt nicht dazu, dass sie betreffend
keine Amtshilfe zu leisten wäre. Zwar trat Art. 18a StAhiG erst am 1. No-
vember 2019 in Kraft. Es handelt sich dabei aber um eine verfahrensrecht-
liche Bestimmung, die sofort Anwendung auf alle Verfahren findet (Urteil
des BVGer A-6409/2020 vom 11. Januar 2022 E. 3.5).
3.3.4 Zu klären bleibt in diesem Zusammenhang noch die Frage, ob auch
Informationen betreffend die Beschwerdeführerin 2 zu übermitteln sind.
Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass im Amtshilfeersuchen aus-
drücklich nach den Rechtsnachfolgern der Kontoinhaber und der wirt-
schaftlich berechtigten Personen gefragt wird (Sachverhalt Bst. A.c). Der
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ersuchte Staat erachtet diese Information damit als voraussichtlich erheb-
lich, wobei es nicht Sache des ersuchten Staates ist, diese Einschätzung
des ersuchenden Staates in Frage zu stellen (vgl. Urteil des BVGer
A-5378/2020 vom 2. Juni 2022 E. 5.3.3 m.H.; vgl. auch Urteil des BVGer
F-5677/2020 vom 2. Mai 2022 E. 7.2.5). Dass die Beschwerdeführerin 2
geltend macht, ihren Wohnsitz nicht in Österreich zu haben, ändert daran
nichts. Der Bezug der Beschwerdeführerin 2 zu Österreich, die in der
Schweiz ihren Wohnsitz hat, wird hier über ihre Stellung als Rechtsnach-
folgerin einer Person, bei der ein Bezug zu Österreich nicht ausgeschlos-
sen werden kann (E. 3.3.2), hergestellt.
4.
Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen für die in den Schlussver-
fügungen vorgesehene Amtshilfeleistung erfüllt. Die Vorbringen der Be-
schwerdeführerinnen, insbesondere zum fehlenden Wohnsitz der betroffe-
nen Personen, vermögen daran nichts zu ändern. Die Beschwerde erweist
sich als unbegründet und ist vollumfänglich abzuweisen.
5.
5.1 Ausgangsgemäss haben die Beschwerdeführerinnen die auf
Fr. 5'000.-- festzusetzenden Verfahrenskosten zu tragen (vgl. Art. 63
Abs. 1 VwVG und Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kosten-
vorschuss in gleicher Höhe ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu ver-
wenden.
5.2 Den unterliegenden Beschwerdeführerinnen ist keine Parteientschädi-
gung zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1
VGKE e contrario).
6.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h des Bundesgerichtsgesetzes vom
17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) innerhalb von 10 Tagen nur dann mit
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesge-
richt weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzli-
cher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen
besonders bedeutenden Fall im Sinn von Art. 84 Abs. 2 BGG handelt
(Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist, entscheidet
das Bundesgericht.
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