Decision ID: 81e2263e-2f0f-4792-a336-bfbd0a4bc7ad
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1964 geborene
X._
, gelernte medizinische Praxisassisten
tin, arbeitete ab 2005 als Verwaltungssekretärin im
Y._
, seit November 2014
in einem von 80
%
auf 60
%
reduzierte
n
Pensum (
Urk.
10/1/6, 10/19
/1-2
, 10/19/10
). Am 3
0.
Mai 2016 meldete sie sich unter Angabe einer psychischen Erkrankung und einer Arthrose in der rechten Schulter sowie Problemen im Bereich Bewegungsapparat/Muskeln zum Leistungsbezug bei
der Invalidenversicherung an (
Urk.
10/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, gewährte der Versicherte
n
Frühinterventionsmass
nahmen in Form von Arbeitsplatzerhalt (Mitteilung vom 2
2.
August 2016,
Urk.
10/18).
Nach Kündigung der Arbeitsstelle durch
die
Arbeitgeberin teilte die IV-Stelle der Versicherten am
9.
Februar 2017 den Abschluss der beruflichen Ein
gliederung m
it, da
letzterer
die Eingliederung
zur Zeit
aus nachvollziehbaren Gründen
nicht möglich sei (
Urk.
10/26, 10/27/1).
Am 1
4.
M
ärz 2018 führte die IV-Stelle
im Rahmen der von Amtes wegen anhand genommenen Prüfung eines Anspruchs auf
Hilflosenentschädigung
(
Urk.
10/50) eine Abklärung vor Ort durch (Abklärungsbericht vom
9.
Februar 2021,
Urk.
10/96).
Nach Eingang
eines von
der IV-Stelle
veranlassten
bidisziplinären
Gutachtens vom 2
2.
Januar 2018 (psychiatrisch/rheumatologisch,
Urk.
10/44) forderte
die IV-Stelle
die Versicherte am 1
7.
Oktober 2018
unter Hinweis auf ihre
Mitwir
kungs
-/Schadenminderungspflicht
und die Folgen einer Verletzung derselben
auf, sich einer
näher konkretisierten
leitliniengerechten psychiatrischen Therapie zu unterziehen. Hiervon werde das Erreichen einer vollen Arbeitsfähigkeit erwar
tet.
Bis 1
2.
November 2018 habe sie mitzuteilen, bei wem die Massnahme durch
geführt werde (
Urk.
10/52/1-2). Mit Formular
vom
2
3.
Oktober 2018 teilte die
Versicherte mit, die Behandlung bei
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Zentrum für Psychosomatik, Sanatorium
A._
, durchzuführen (
Urk.
10/61). Innert verlängerter Frist (
Urk.
10/58-59) teilten
Dr.
Z._
und
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, mit Bericht vom 1
0.
Dezember 2018 mit, welche
bisherigen und zusätzlichen Abklärungen und Behand
lung
en anhand genommen worden seien
(
Urk.
10/64).
Nach weiteren Abklärungen (
Urk.
10/66, 10/67)
gab die IV-Stelle eine psychiatrische Verlaufs
begutachtung in Auftrag (
Urk.
10/74, Expertise
von
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
2.
Juli 2020,
Urk.
10/78)
.
N
ach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
10/81
, 10/98) verneinte
sie
mit Ver
fügung vom 1
4.
Juni 2021 einen Anspruch auf eine I
nvalidenrente
(
Urk.
2/2).
N
ach ebenfalls durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
10/82)
teilte
die IV
Stelle zudem mit
Verfügung
vom 1
5.
Juni 2021
mit, dass kein
Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
bestehe
(
Urk.
2/1)
.
2.
Gegen beide Verfügungen erhob
X._
mit Eingabe vom 1
6.
August 2021 Beschwerde und beantragte die Rückweisung der Sache zu weiteren Abklärungen unter Aufhebung der angefochtenen Entscheide (
Urk.
1 S.
2)
. Die beantragte Vereini
gung der Verfahren (
Urk.
1 S. 2
) erwies
sich
ange
sichts der Anlage der Beschwerde
(n)
im gleichen
Verfahren
als
obsolet
. Mit Beschwer
deantwort vom 2
7.
September 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf
Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
9), worüber die Beschwerdeführerin am 2
8.
September 2021 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
11).
Mit Verfügung vom 2
2.
April 2022 wurde die BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich zum Prozess beigeladen (
Urk.
12). Am
5.
Mai 2022 teilte diese ihren Verzicht auf eine Stellung
nahme mit (
Urk.
14).
Auf
die Vorbringen
der Parteien und die eing
ereichten Unterlagen wird, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich,
nachfolgend
eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
–
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
–
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Gemäss
Art.
42
Abs.
1 IVG haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13 ATSG) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheit
lichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38 IVV).
Ist lediglich die psychische Gesundheit beeinträchtigt, so muss für die Annahme einer Hilflosigkeit bei einem Bedarf an lebenspraktischer Begleitung gleichzeitig ein Anspruch auf mindestens eine
Vier
telsrente
bestehen (
Art.
38
Abs.
2 IVV).
Der Anspruch auf eine
Hilflosenentschä
digung
entsteht am ersten Tag des Monats, in dem sämtliche Anspru
chsvoraus
setzungen erfüllt sind (
Art.
35
Abs.
1 IVV).
1.5
1.5.1
E
ntzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren Behand
lung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht aus eigenem Antrieb
das
ihr Zumutbare dazu bei, so können ihr die Leis
tungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen. Behandlungs- oder Eingliederungs
massnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind nicht zumutbar (
Art.
21
Abs.
4 ATSG).
Diese Bestimmung ist auch auf die Inva
lidenversicherung anwendbar (
Art.
1 IVG), wird aber im IVG wie folgt ergänzt (zum Verhältnis der nachfolgenden Bestimmungen zu
Art.
21
Abs.
4 ATSG vgl. Urteil
des Bundesgerichts
8C_830/
2012
vom 1
3.
März 2013 E. 2.2
)
: Die versi
cherte Person muss alles ihr Zumutbare unternehmen, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit (
Art.
6 ATSG) zu verringern und den Eintritt einer Invalidität (
Art.
8 ATSG) zu verhin
dern (
Art.
7
Abs.
1 IVG). Sie muss an allen zumutbaren Massnahmen, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Eingliederung ins Erwerbs
leben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich (Aufgabenbereich) dienen, aktiv teilnehmen. Dies sind insbesondere medizinische Behandlungen nach
Art.
25
des Bundes
gesetzes über die Krankenversicherung (
KVG
,
Art.
7
Abs.
2
lit
.
d
IVG). Als zumutbar gilt jede Massnahme, die der Ein
gliederung der versicherten Person dient; ausgenommen sind Massnahmen, die ihrem Gesundheitszustand nicht angemessen sind (
Art.
7a IVG).
Beim Entscheid über die Kürzung oder Verweigerung von Leistungen sind alle Umstände des einzelnen Falles, insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person, zu berücksichtigen (
Art.
7b
Abs.
3 IVG).
1.5
.2
Der Tatbestand des Art. 21 Abs. 4 ATSG enthält verschiedene Elemente: Eine vorübergehende oder dauernde Kürzung oder Verweigerung der Leistung wegen Ver
letzung der Schadenminderungspflicht setzt einerseits die Zumutbarkeit der (unter
bliebenen) medizinischen Behandlung oder erwerblichen Eingliederung vor
aus. Zum andern muss diese Vorkehr, der sich die versicherte Person wider
setzt oder entzogen hat, geeignet sein, eine
(
wesentliche
)
Steigerung der Erwerbs
fähigkeit zu bewirken. Hierfür bedarf es keines strikten Beweises, sondern es genügt eine
–
je nach den Umständen zu konkretisierende
–
gewisse Wahr
schein
lichkeit, dass die Vorkehr erfolgreich gewesen wäre. Ist eine versicherte Person bezüglich einer psychischen Problematik nicht einsichtig und lehnt eine entspre
chende Therapie ab, gereicht ihr dies unter Umständen dann nicht zum Verschul
den, wenn die fehlende Krankheitseinsicht gerade Teil des Leidens selbst ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_82/2013 vom 20. März 2013 E. 3 mit Hin
weisen).
Nach dem Verhältnismässigkeitsprinzip müssen das Mass der Sanktion (Leis
tungs
kürzung oder -verweigerung) und der voraussichtliche Eingliederungserfolg (Verbesserung oder Erhaltung der Erwerbsfähigkeit) einander entsprechen. Die versicherte Person ist grundsätzlich so zu stellen, wie wenn sie ihre
r
Schaden
min
derungspflicht wahrgenommen hätte. Für die Frage nach dem mutmasslichen Eingliederungserfolg bedarf es keines strikten Beweises, sondern es genügt eine
–
je nach den
Umständen zu konkretisierende –
gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die Vorkehr, der sich die versicherte Person widersetzt oder entzogen hat, erfolg
reich gewesen wäre
(zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 9C_155/2019 vom 24. Juni 2019 E. 2.2.2 mit Hinweisen).
1.5.3
Ab welchem Zeitpunkt eine Widersetzlichkeit angenommen werden kann, hängt von der richtigen Durchführung des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
ab (Urteil des Bundesgerichts 8C_865/2017 vom 19. Oktober 2018 E. 3.3 mit Hinweisen).
Der versicherten Person ist im Rahmen desselben unter substantiierter Bezug
nahme auf das von ihr geforderte Verhalten schriftlich mitzuteilen, welche Folgen ihre Widersetzlichkeit nach sich ziehen kann, und sie ist aufzufordern, ihrer
Schadenminderungspflicht nachzukommen (
Kieser
, ATSG-Kommentar, 4. Auf
lag
e 2020, Art. 21 N 152).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abge
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gege
benen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Anspr
uch auf eine Invalidenrente in der
Verfügung vom 1
4.
Juni 2021 damit, dass die Beschwerdeführerin die ihr am 1
7.
Oktober 2018 auferlegte leitliniengerechte adäquate Therapie bisher nicht umgesetzt habe, es ihr jedoch möglich wäre, mit einer solchen eine 100%ige Arbeits
fähigkeit in ihrer angestammten Tätigkeit als Arztsekretärin zu erreichen. Die Massnahme werde weiterhin als zumutb
ar erachtet
und es werde auch wei
terhin davon ausgegangen, dass damit eine volle Arbeitsfähigkeit erreicht werden könne, womit ein Anspruch auf eine
Invalidenrente entfalle (
Urk.
2/
2).
Was den Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
anbelangt, sprach sich die Beschwer
degegnerin in der mitangefochtenen Verfügung vom 1
5.
Juni 2021
zwar dafür aus, dass die Beschwerdeführerin psychisch bedingt auf regelmässige lebenspraktische Begleitung angewiesen sei.
Damit dies einen Anspruch auf
Hilf
losenentschädigung
erwirke, müsse jedoch mindestens ein Anspruch auf eine
Vier
tels
invaliden
rente
gegeben
sein
, woran es vorliegend fehle (
Urk.
2/1).
2.2
Die Beschwerdeführerin lässt
d
agegen im Zusammenhang mit der Frage nach der Verletzung der Schadenminderungspflicht
den Standpunkt vertreten, an der auf
erlegten Schadenminderungspflicht respektive der Annahme der Nichterfüllung derselben könne
nicht
festgehalten werden.
Weder sei erstellt, dass die durchge
führten psychiatrischen Behandlungsmassnahmen nicht leitliniengerecht erfolgt seien, noch würden sämtliche Krankheitsbilder von den auferlegten schadenmin
dernden Massnahmen erfasst, beschlügen diese doch
einzig die rezidivierende depressive Erk
r
ankung und die ADHS
, nicht aber die unstrittig vorliegende Per
sönlichkeitsstörung und die somatoforme Schmerzstörung, deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit, selbst bei hypothetischer Stabilisierung der depressiven Krankheit und der ADHS
,
zu evaluieren wären. So lasse die Beschwerdegegnerin denn auch unberücksichtigt, dass gemäss Verlaufsgutachten von
Dr.
C._
in erster Linie aufgrund der Persönlichkeitsstörung in den nächsten drei bis fünf Jahren keine Herstellung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten sei und die somato
forme Schmerzstörung sich zusätzlich leistungsmindernd auswirke.
Sodann habe sich die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid mit ihren Einwänden nicht (
substanziiert
) auseinander
gesetzt
und verletze damit ihre Begründungs
pflicht (
Urk.
1 S. 8 ff.).
2.3
Im Streite steht der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente und eine
Hilflosenentschädigung
, wobei die Beschwerdegegnerin mit den angefoch
tenen Entscheiden nicht die materielle Begründetheit de
r Leistungsansprüche
in Frage stellte, sondern in sinngemässer Anwendung von
Art.
21
Abs.
4 ATSG einen Anspruch auf eine I
nvalidenrente und
gestützt auf
Art.
38
Abs.
2 IVV mangels Rentenanspruchs auch einen Anspruch
auf eine
Hilflosenentschädigung
ver
neinte.
3
.
Was zunächst den Vorwurf
der Gehörsverletzung
anbelangt,
muss die
Begrün
dung
einer Verfügung
so abgefasst sein, dass sich die betroffene Person über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigs
tens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich das Gericht respek
tive der Versicherungsträger hat leiten lassen und auf die sich sein Entscheid stützt (BGE 142 II 49 E. 9.2, 136 I 229 E. 5.2, je mit Hinweisen).
Nachdem aber selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Gehörs von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung abzusehen
ist
, wenn und soweit die Rückweisung
aufgrund der Gehörsverle
t
zung
zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde (BGE 142 II 218 E. 2.8.1, 137 I
195 E. 2.3.2, je mit Hinweisen), ist, was sich aus dem Folgenden ergibt, von einer Auf
hebung des angefochtenen Entscheids aus formellen Gründen
ohnehin
abzu
sehen
, weshalb sich Weiterungen hierzu erübrigen
.
4.
Nachdem eine Leistungsverweigerung oder -kürzung gestützt auf
Art.
21
Abs.
4 ATSG jedenfalls voraussetzt, dass eine rentenbegründende Invalidität vorliegt (Urteil des Bundesgerichts 8C_5/2017 vom 1
1.
April 2017 E. 5.3), gilt es vorweg die materielle Begründetheit eines Rentenanspruchs zu prüfen.
4.1
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Rheumatologie und Physikalische Medizin, bestätigte mit Schreiben vom 1
9.
September 2016, dass 2013 und am
8.
März 2016 wegen rezidivierenden Schulterschmerzen rechts und einer Daumengrund
gelenksarthrose
Konsultationen stattgefunden hätten
. Die im Vordergrund gestan
dene Schulterproblematik habe sich nach Injektionen und Physiotherapie teilgebessert. Die Wiederaufnahme der bisherigen Tätigkeit ohne Telefondienst sei aus physischer Sicht theoretisch möglich; es müsse aber ein Arbeitsversuch gemacht werden (
Urk.
10/23).
4.2
Dr.
Z._
und Dr.
med.
E._
, Fachärztin FMH für Neu
r
ologie, Psychi
atrie und Psychotherapie,
Sanatorium A._
, stellten
in
ihrem Bericht vom
2
1.
März 2017 folgende Diagnosen (
Urk.
10/29/1):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressiv
e
Episode (ICD-10 F33.1), bei einer persistierenden depressiven Störung (gemäss DSM IV: Doubledepression)
-
Dysthymie
(ICD-10 F34.0)
-
Saisonal bedingte Depression (ICD-10 F33.1)
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit passiv/aggressivem und zwang
haftem Verhalten (ICD-10 F61.0)
-
Diskrete und leichte Teilleistungsstörungen in den Bereichen der Auf
merk
samkeitsfunktionen und gewissen exekutiven Funktionen, bei einer gut
en
bis überdurchschnittlich
en
intellektuellen Leistungsfähigkeit (ICD-10 F07.8)
-
Verdacht auf Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität (ICD-10 F98.8), DD
Asperger
Syndrom (ICD-10 F84.5)
-
Impingement
Sy
n
drom Schulter rechts mit chronischer Bursitis
Subacro
mialis
und AC Gelenksarthrose.
Die Beschwerdeführerin stehe seit
1.
März 2016 in ihrer ambulanten Behandlung; vom 2
6.
April bis
8.
Juni 2016 und vom 1
1.
Juli bis
1.
September 2016 habe sie sich zudem einer teilstationären Behandlung unterzogen. Seit der Jugendzeit zeigten sich bei der Beschwerdeführerin wiederkehrende depressive Phasen, welche bereits in der Jugendzeit zu psychotherapeutischer Behandlung und seit
heriger me
dikamentöser Behandlung mit
Zol
oft
50 mg/d geführt hätten. Nach einer Umstrukturierung am Arbeitsplatz vor zwei Jahren habe sich
einhergehend
mit einer Mobbingsituation
eine Verschlimmerung der depressiven Symptomatik
gezeigt, sodass die Beschwerdeführerin seit Mitte Februar 2016 arbeitsunfähig sei. Bei Aufnahme
hätten sich
eine ausgeprägte Antriebslosigkeit, starke Bedrücktheit mit emotionaler Labilität, erhebliche Durchschlafstörungen, eine grosse innere Unruhe, starkes Grübeln und eine völlige Überforderung im Haushalt mit «
messie
haften
» Tendenzen gezeigt. Ausserdem habe
die Beschwerdeführerin
ein grosses Misstrauen gezeigt, welche
s
zusätzliche Unterstützungsmassnahmen wie Spitex oder ein stationäres Vorgehen erschwert hätten, weshalb ein teilstationärer Auf
enthalt organisiert worden sei. Medikamentös sei das
seit
Jahren eingenom
mene
Sertralin
von 50
mg/d auf 150 mg/d erhöht worden. Im Zusammenhang mit den Schlafstörungen sei zusätzlich
S
eroquel
2
5 mg/d verschrieben und erfolgreich eine Umstellung von
Lexotanil
auf
R
elaxane
durchgeführt worden. Seit Wieder
aufnahme des ambulanten Settings im September 2016 habe sich eine leicht vermehrte Aktivität mit verbesserter Selbstfürsorge und eine zunehmende Res
sour
cenaktivierung gezeigt, was nach langem Zögern und Misstrauen seitens der Beschwerdeführerin erlaubt habe, eine
Psychiatriespitex
und zusätzlich eine
Haus
haltsspitex
wöchentlich zu installieren. Neben der mittelgradigen depressi
ven Episode auf dem Boden einer chronischen Depression seien
aber
die inter
personellen Defizite mehr in den Vordergrund getreten, welche den Versuch, die Beschwerdeführerin rasch in den Arbeitsprozess zu integrieren
,
erschwert hätten. Der Verdacht auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit passiv-aggressiven und zwanghaften Zügen habe sich bestätigt, eine neuropsychologische Testung habe zudem Teilleistungsstörungen bestätigt. Sodann seien erste klinische Abklä
rungen
bezüglich der
Differentialdiagnosen (
Autismusspektrumstörung
, Auf
merk
samkeitsstörung) eingeleitet
worden
(
Urk.
10/29/2 f.).
Aktuell bestehe noch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, ab wann eine behinde
rungsangepasste Tätigkeit (mit Reduktion der Reizüberflutung und vor allem ver
minderter sozialer Kommunikation mit erhöhter Autonomie und einführen von Routine in den Arbeitsab
läufen sowie klar strukturierten
A
r
beitsabläufe
n
bei durchaus komplexer Arbeit, vgl. S. 4) möglich sei, sei aktuell nicht absehbar. Es gelte die neuropsychologische Testung sowie eine mögliche zusätzliche medika
mentöse Unterstützung durch
methylphenidatähnliche
Produkte abzuwarten (
S.
5
). Zur Prognose hielten die Fachärztinnen fest, die kombinierte Persön
lich
keits
störung schliesse eine schnelle Genesung weitgehend aus. Zusätzlich ver
stärkten die neuropsychologischen Defizite das Risiko der Rückfallgefahr in ausgeprägt depressive Zustände ebenso wie in die Double Depression. Bezüglich der Persön
lichkeitsstörun
g
sei eine langanhaltende Psychotherapie erforderlich, gehe diese Störung doch mit grossem Misstrauen und Rückzug auf der inter
personellen Ebene einher und unterhalte respektive
begünstige
sowohl die Double Depression als auch die Verwahrlosungstendenz (
S.
3
).
4.3
4.3.1
Die
bidisziplinäre
Begutachtung bei
Dr.
C._
und
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Innere Medizin, speziell Rheumatologie, führte in der zusammenführen
den Beurteilung vom 2
2.
Ja
nuar 2018 zu
folgenden Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
10/44/39):
-
Rezidivierende depressive Erkrankung, aktuell mittelgradig ohne somati
sches Syndrom (ICD-10 F33.10)
-
Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
-
Gemischte Persönlichkeitsstörung oder kombinierte und andere Persön
lichkeitsstörung (ICD-10 F61.0)
-
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4).
Keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit massen die Experten
den diagnos
tizierten, nicht näher spezifizierbaren Schulter- und Belastungsbeschwerden rechts und
den Beschwerden
im Bereich der Hand-/Fingergrundgelenke beidseits bei.
4.3.2
Anlässlich der rheumatologischen Abklärung klagte die Beschwerdeführerin über 2013 erstmals aufgetretene Missempfindungen und Schmerzen insbesondere im Bereich der rechten Schulter und Belastungsbeschwerden in den Hand- und Dau
mengrundgelenken (
Urk.
10/44/33).
Dr.
F._
schloss gestützt auf die bisherigen Akten, seine klinischen Abklärungen sowie
eine
aktuelle Bildgebung ein somati
sches sowie radiologisches Korrelat für die geklagten Schulterschmerzen aus. Auffällig sei ein schmerzfreies spontanes Bewegungsverhalten in alle Richtungen
ohne Einschränkung und ohne Schon- und Ausweichbewegungen. Dasselbe Phä
no
men bestehe an den Händen, würden diese doch beidseits symmetrisch bei allen Aktivitäten ohne Schonverhalten eingesetzt, auch beim Abstützen auf der Liege zwecks Positionswechsel, klinisch ohne pathologisch reproduzierbare Befunde. Die zeitweise auftretenden Kribbelparästhesien vor allem im Mittel- und R
ingfing
er an beiden H
änden seien
ohne neurologisches Korrelat. Er,
Dr.
F._
,
beurteile dieses Phänomen gesamthaft im Rahmen einer Somatisierung bei einer Fibromyalgie mit multiplen Tenderpoints. Die Schmerzintensität sei wie von der Beschwerdeführerin bestätigt begrenzt, die psychische Befindlichkeit stehe im Vor
dergrund. Der Weichteilrheumatismus sei gut kompensiert, die Alltagsaktivi
täten und die spontanen Bewegungsabläufe seien unauffällig und sprächen für eine normale Belastbarkeit. In einer feinmanuellen leichten Tätigkeit wie der angestammten
sei
die Arbeitsfähigkeit
aus rheumatologischer Sicht
nicht einge
schränkt (
Urk.
10/44/36-37).
4.3.3
Dr.
C._
erstellte sein Fachgutachten vom 2
2.
Januar 2018 (
Urk.
10/44/2-29) gestützt auf die bisherigen Akten, seine klinische Untersuchung vom 2
0.
Novem
ber 2017 mit nach AMDP erhobenem Befund und Laboruntersuchungen. Im Rahmen der Herleitung der D
iagnosen
(
Urk.
10/44/20-22)
schloss
Dr.
C._
in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
aufgrund der aktuellen Symptomatik auf das Vorliegen einer mittelgradigen depressiven Episode, erachtete die vor
diagnostizierte (E. 4.2)
Dysthymie
angesichts der wiederholten Zeiten von Arbeits
fähig
keit und von der Beschwerdeführerin angegebenen
besseren
Zeiten als nicht vorliegend und die diskutierten saisonalen Anteile der Depression als in der mittelgradigen depressiven Episode inkludiert. Zusätzlich fänden sich kogni
tive Einschränkungen, welche mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Erkrankung im Sinne einer Hyperaktivität des Erwachsenenalters vereinbar seien. Kardinalsymp
tome seien eine beeinträchtig
t
e Aufmerksamkeit und eine deutliche Überaktivitä
t.
Was die vordiagnostizierte kombinierte Persönlichkeitsstörung anbelange, zeig
ten sich gemäss
Dr.
C._
durch das gesamte Leben der Beschwerdefüh
rerin Auffälligkeiten bezüglich Bindungs- als auch sozialem Verhalte
n und an den Arbeits
plätzen. Dieses
Verhalten sei andauernd und nicht auf Episoden begrenzt. Es komme zu eigenartigen Vorstellungen sowohl in Bezug auf Affekti
vität als auch Antrieb und Wahrnehmen. Die Beschwerdeführerin empfinde bereits einfa
che Kritik als Mobbing. Es sei zu extrem häufigen Arbeitsplatzwech
seln aufgrund von interaktionellen Problemen gekommen. In der Nische, welche sie gefunden habe (gemeint wohl: bei der letzten Arbeitgeberin), sei es offensicht
lich zu geringen interaktionellen Problemen gekommen; hier habe sie jahrelang interagieren und funktionieren können. Nach der Umstellung sei es erneut zur Dekom
p
ensation und zu fehlendem Funktionieren im Alltag gekommen. Dieses Verhal
tens
muster sei in verschiedenen persönlichen und sozialen Situationen unpas
send
. Die Beschwerdeführerin leide gemäss eigenen Angaben denn auch unter ihrer Unfähigkeit, mit anderen Men
schen adäquat zu interagieren. Diese Unfä
higkeit habe
zu schweren beruflichen und
sozialen Einschränkungen geführt
, wobei dennoch zu berücksichtigen sei, dass sie bis 2015 einer Arbeits
tätigkeit zwischen 60 und 80 % habe nachgehen können. Charakteristisch und zentraler Punkt sei eine erhebliche Selbstentwertung, eine Selbstunsicherheit, die teilweise in eine Gereiztheit übergehe, aber auch eine abhängige Beziehung zu ihrem Lebenspartner. Sie gebe immer wieder an, das Haus nur mit ihm verlassen zu können. Im Rahmen einer DSM-basierten Diagnostik fänden sich Hinweise auf die sogenannte typische Cluster-C-P
ersönlichkeitsstörung.
Die Beschwerdeführerin gebe zusätzlich eine sexuelle Missbrauchserfahrung im neunten Lebensjahr an, zeige aktuell aber keine Symptomatik für eine
Trauma
folgestörung
.
Im Weiteren
sei angesichts der geklagten andauernden Schmerzen, welche nicht ausreichend durch einen physiologischen Prozess erklärt werden könnten, und schwerwiegender emotionaler Konflikte mit ausreichender Sicher
heit auf die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung zu schliessen (
Urk.
10/44/22).
Was die bisherige Behandlung anbelange,
erweise sich diese nicht
als
lege
artis
. So wäre
nach jahrelanger Psychopharmakotherapie mit demselben Wirkstoff eine Überprüfung des Serumspiegels
angezeigt gewesen
. Da es trotz der Dosiserhö
hung zu keiner Veränderung des depressiven Zustandsbildes gekommen sei, hätte spätestens nach vier Wochen ein Wechsel des Antidepressivums erfolgen müssen
. Dies sei nicht erfolgt und die Kombination mit dem atypischen Neuroleptikum sei mit 25 mg/d nicht in ausreichendem Masse erfolgt. Auch sei bis anhin kein Medi
kament zur Behandlung der Aufmerksamkeitsstörung verschrieben und keine spezifische Therapie durchgeführt worden, was aber indiziert sei. Zur Behandlung der Persönlichkeitsstörung sei eine psychotherapeutische zentral. Die Beschwer
de
führerin habe eine gute Bindung zur behandelnden Fachärztin entwi
ckelt. Basierend auf dieser Beziehung sei eine langfristige Behandlung mittels Psycho
therapie im ambulanten Setting und möglicherweise Psychopharmako
therapie, je nach Symptomen, indiziert.
Zusammenfassend
sollte
zur weiteren Behandlung der depressiven Erkrankung ein Serumspiegel durch
geführt
und ein alternatives Medikament einer anderen Wirkmodalität und dann eine Augmentation installiert werden. Zusätzlich sollte eine weitere psychotherapeutische Betreuung mindestens wöchentlich durchge
führt werden. Bei fehlender Verbesserung innerhalb von sechs bis neun Monaten sei eine stationäre Therapie indiziert. Bezüglich der Therapie der Hyperaktivität sei das
Eindosieren
eines zugelassenen Amphetaminderivates durchzuführen, bei fehlender Verbesserung ein alternatives Präparat. Parallel sei eine spezifische Psychotherapie bezüglich ADHS-Symptomatik indiziert (
Urk.
10/44/24).
Zur Arbeitsfähigkeit führte
Dr.
C._
aus, es liege eine komplexe Struktur verschiedener psychiatrischer Erkr
ankungen vor, die im Jahr 2017
ausreichend dokumentiert
dekompensiert
sei
en
.
Zusätzlich hätten die Teilleistungsschwächen nicht mehr kompensiert werden können, was insgesamt zu einer
schwergradigen
Ausprägung der Arbeitsunfähigkeit geführt habe. Die bereits langfristig beste
hende Persönlichkeitsstörung sei durch das Auftreten der depressiven Störung massiv verschlechtert worden, die Kompensationsmechanismen hätten es der Beschwer
deführerin nicht mehr erlaubt, die Teilleistungsschwächen und die Inter
aktion bezüglich der Persönlichkeitsstörung zu kompensieren. Es sei zu erheb
lichen Einschränkungen in der Gruppenfähigkeit und
bei
formellen Sozial
kontak
ten, der Entscheidungsfähigkeit, Urteilsbildung und der Flexibilitäts- und Umstell
fäh
i
gkeit gekommen. Entsprechend sei ab März 2017 in der angestamm
ten Tätigkeit als Verwaltungsangestellte eine 80%i
g
e Arbeitsunfähigkeit zu doku
mentieren.
In einer angepassten Tätigkeit ohne Schichtarbeit, in einem kleinen Team mit unmittelbaren, direkten Vorgesetzten und klaren Teamstrukturen, klar struktu
rierten gleichartigen Abläufen mit ausreichender Zeit und ausreichenden Pausen
liege ab dem aktuellen Zeitpunkt eine 50%ige Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt vor (
Urk.
10/44/28). Dieser Einschätzung folgten die Experten im
Rahmen der Gesamtbeurteilung (
Urk.
10/44/43 f.).
Auf Rückfrage der Beschwerdegegnerin (
Urk.
10/66/1) führte
Dr.
C._
am 1
9.
März 2019 ergänzend aus,
mit
einer leitliniengerechten psychiatrischen Behand
lung sei im Verlauf von zwei Jahren von einer deutlichen Besserung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten wie auch der angepassten Tätigkeit auszu
gehen. Bei deutlichem Rückgang der ADHS-Problematik könnten sich die kogni
tiven Fähigkeiten wie auch Konzentration und Aufmerksamkeit deutlich verbes
sern. Bei einer Verbesserung der depressiven Symptomatik, die in mehr als 60
%
der Fälle bei adäquater Psychopharmakotherapie zu erwarten sei, könne eine deutliche Verbesserung bezüglich Affekt, Antrieb und Freudfähigkeit erwartet werden. In der Gesamtschau sei in angepasster Tätigkeit eine 80%ige und in ange
stammter Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit innert 24 Monaten möglich (
Urk.
10/67).
4.4
Mit Bericht
vom
1
0.
Dezember 2018
(
Urk.
10/64/1-2)
teilten
Dr.
Z._
und
Dr.
B._
zur
am 1
7.
Oktober 2018 auferlegten Schadenminderung
mit, nach einer eingehend
en
klinischen ADS-Abklärung
(vgl. dazu:
Urk.
10/65/7-10)
sei seit Februar 2018 eine leitliniengerechte adäquate Einstellung der Beschw
erde
führerin auf
Lisdexamphetamin
-Dimesylat
(
Elvanse
) durchgeführt worden, dies nach einer vorangegangenen ungenügend wirksamen
Methylphenidat
-Behand
lung. Ebenso sei eine Überprüfung der antidepressiven Therapie mit Abnahme eines
Sertralin
-Serum-Spiegels durchgeführt worden, welche einen adäquaten
Sertralinspiegel
mit 43
ug
/l gemäss
Konsensusleitlinie
sichtbar gemacht habe. Zusätzlich sei nochmals eine ausführliche Anamnese bezüglich der bisherigen Medikamenten-Therapie durchgeführt worden, wobei gemäss dem Hausarzt der Beschwerdeführerin im Jahr 2003 ein Versuch mit
Venlafaxin
durchgeführt, bei Nebenwirkungen aber eine Rückumstellung auf
Sertralin
indiziert gewesen sei. Entsprechend seien leitlinienkonform zwei medikamentöse antidepressive Versu
che mit unterschiedlichem Wirkspektrum erfolgt. Nichtdestotrotz sei
entspre
chend der Empfehlung der Beschwerdegegnerin
auf Wunsch der Beschwerdefüh
rerin mit einer antidepressiven Kombinationstherapie (
Sertralin
150 mg/d und
Valdoxan
25 mg/d) begonnen worden. Der zusätzlich geforderten mindestens wöchent
lichen Psychotherapie komme die Beschwerdeführerin seit Anbeginn nach
.
Angesichts der komplexen diagnostischen Situation und des bisherigen Therapie
verlaufs sei aus ihrer Sicht eine Überlegenheit
eines stationären
gegenüber dem installierten ambulanten Setting mit zusätzlich installierter Strukturierung durch eine
Psychiatriespitex
, welche sich aufgrund der Persönlichkeitsstörung erst nach eineinhalb Jahren habe etablieren lassen, doch sehr zu bezweifeln. Die komplexe Wechselwirkung der Störungen stehe einem raschen und therapeutisch tragbaren Beziehungsaufbau, welcher auch in einem stationären Setting nötig wäre, leider im Wege. Entsprechend werde darum gebeten, die von der Beschwerdegegnerin in den Raum gestellten Massnahmen, insbesondere eine allfällige stationäre The
rapie, nochmals zu überprüfen, da angesichts des bisherigen Verlaufs und der kom
plexen Komorbidität aus ihrer Sicht das Ziel einer bedeutsamen oder gar vollständigen Arbeitsfähigkeit auch mit diesen Massnahmen überwiegend wahr
scheinlich nicht
erreichbar
wäre
(
Urk.
10/64/2).
4.5
Am 2
2.
August 2019 berichtete
Dr.
Z._
über eine Verbesserung im Tag-Nacht-Rhythmus sowie eine zunehmende leichte Stabilisierung des affekti
ven Zustandes unter der Kombinationstherapie mit
Sertralin
150 mg/d und
Valdoxan
25 mg/d. Leider sei aber aufgrund
komplexe
r
Wechselwirkungen der
Diag
nosen weiterhin nicht von einer schnellen Genesung auszugehen und die beschrie
benen Beeinträchtigungen würden sich, wenn überhaupt, nur sehr lang
sam bessern. Nach der heutigen Einschätzung sei das Arbeiten im angestammten Beruf nicht mehr möglich, da jeglicher Arbeitsdruck sie wieder psychisch
dekom
pensieren
liesse. Realistisch betrachtet sei auch längerfristig nur vom Erreichen einer Teilarbeitsfäh
igkeit im zweiten Arbeitsmarkt
auszugehen (
Urk.
10/70/1-5).
4.6
Anlässlich der Verlaufsuntersuchung bei
Dr.
C._
am 1
9.
Juni 2020 (
Exper
tise vom
2.
Juli 2020,
Urk.
10/78
) fing die Beschwerdeführerin gemäss den gut
achterlichen Angaben von Anfang an zu weinen, teilweise zu schreien, es sei ihr alles zu viel, sie würde schlecht behandelt und die IV habe ihr alles kaputtgemacht (
Urk.
10/78/15). Im Rahmen der Anamnese gab sie an, das Medikament
Sequase
selbständig abgesetzt zu haben. An Medikamenten nehme sie weiterhin
Elvanse
60 mg/d,
Sertralin
150 mg/d und
Valdoxan
25 mg/d. Ausserdem gehe sie einmal wöchentlich in die Psychotherapie.
Beim Thema teilstationäre Betreuung habe die B
eschwerdeführerin angefang
en laut zu schrei
en und zu weinen. Erst nach gewis
ser Zeit habe die Situation deeskaliert werden
können. Sie habe laut geschri
en, sie habe Angst und die Beschwerdegegnerin würde sie schlecht behan
deln, man würde sie demütigen und erniedrigen. Sie würde sowieso nichts bekommen. Sie wolle nicht in eine stationäre Therapie, ob man das endlich begreifen würde (
Urk.
10/78/17 f.). Entgegen ihrer anfänglichen Angabe habe die Beschwerde
führerin nach Bekanntgabe, dass ein Serumspiegel und zusätzlich ein Drogen
s
c
reening durchgeführt
würden
, sodann eingestanden, dass sie am Morgen der Begutachtung das Benzodiazepin
Lexotanil
eingenommen habe. Dabei sei sie erneut aggressiv geworden (
Urk.
10/78/19). Im Rahmen der Sozialanamnese sei die zentrale Problematik der Untersuchung immer wieder, dass eine Verdeutli
chung bis hin zur
Katastrophisierung
ihrer Zustände angegeben werde
;
die Beschwerdeführerin
behaupte
, das Haus kaum verlassen zu können, andererseits
gebe sie
aber an, sie würde Schmetterlingsbörsen besuchen und R
aupen kaufen. Zusätzlich habe sie einmal pro Woche Psychotherapie, Physiotherapie oder andere Therapieformen. Darüber hinaus fahre sie selbständig Auto, pro Woche zirka 100-200 km. Auch fliege man jedes Jahr nach Ägypten in die Tauchferien. Die Beschwerdeführerin sehe hierin keinen Widerspruch zur 100%igen Arbeits
unfähigkeit und der Angabe, dass sie das Haus nicht verlassen könne (
Urk.
10/78/21 ff.). In diesem Zusammenhang habe die Beschwerdeführerin wie
derum angefangen, laut zu schreien und zu weinen; eine weitere Abklärung der Inkonsistenzen sei aufgrund der
histrionisch
aggressiven Art der Beschwerdefüh
rerin abgebrochen worden (
Urk.
10/78/24).
Gemäss
Dr.
C._
habe sich bereits im November 2017 eine komplexe psychi
atrische Situation gezeigt. Die spezifischen Behandlungsvorschläge seien dann aber nicht umgesetzt worden; es sei weder zu einer leitliniengerechten noch zu einer stationären Therapie gekommen. Nunmehr sei es
deshalb
zu einer deutli
chen Verschlechterung der gesamten Situation gekommen. Innerhalb der Unter
suchung habe
die Beschwerdeführerin
eine
schwergradige
passiv aggressive Interaktion mit einer Mischung aus Gehemmtheit, Selbstentwertung und Erreg
barkeit sowie Aggressivität gezeigt (
Urk.
10/78/30).
E
s sei zu einer schweren depressiven Erkrankung mit Veränderung der Persönlichkeitssymptomatik zum
histrionisch
aggressiven Pol
hin gekommen
.
Es f
i
nde sich nunmehr eine
schwer
gradige
Einschränkung. Zum aktuellen Zeitpunkt sei nicht von einer verwert
baren Arbeitsfähigkeit auszugehen (
Urk.
10/78/35). Zusätzlich zur kognitiven und der affektiven Einschränkung finde sich eine
schwergradige
in
t
eraktionelle und soziale Inkompetenz. Innerhalb einer normalen Struktur sei es weder Kolle
gen noch Vorgesetzten zumutbar, mit der Beschwerdeführerin zu interagieren. Auch sei zum aktuellen Zeitpunkt nicht mehr von Massnahmen auszugehen, die
eine Arbeitsfähigkeit erhöhen könnten. Die depressive Symptomatik sei als
chronifiziert
anzusehen, die Persönlichkeitsstörung so ausgeprägt, dass aktuell keine Massnahmen formuliert werden könnten, welche in einer absehbaren Zeit von drei bis fünf Jahren eine Ar
beitsfähigkeit wieder
herstellen könnten (
Urk.
10/78/
37 f.).
4.7
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärzt
licher Dienst (RAD), empfahl am 1
3.
Oktober 2020 aufgrund
der
unklaren Situa
tion bei Inkonsistenzen und der Diagnose einer ADHS im Verlaufsgutachten, welche aber gutachterlich nicht beurteilt habe werden können, eine Ressourcen
prüfung (
Urk.
10/79/16). Gestützt auf dieselbe (
Urk.
10/78/80/1-3) kam die Beschwer
degegnerin zum Schluss, die Beschwerdeführerin verfüge über zahlrei
che Ressourcen und es sei ihr weiterhin zumutbar, die Schadenminderungspflicht vom 1
7.
O
ktober 2018 umzusetzen, wozu sie
jedoch nicht bereit sie. Da sich die Beschwerdeführerin bei der Verlaufsbegutachtung im Juni 2020 derart aggressiv verhalten habe, dass es dem Gutachter nicht möglich gewesen sei, die zahlreichen Inkonsistenzen zu klären, komme dem Gutachten keinerlei Beweiswert zu (
Urk.
10/80/3).
5.
5.1
Was zunächst den Beweiswert des
bidisziplinären
Gutachtens von
Dr.
C._
und
Dr.
F._
vom 2
2.
Januar 2018 (E. 4.3) als auch das Verlaufsgutachten von
Dr.
C._
vom
2.
Juli 2020 (E. 4.6) anbelangt, ist
festzuhalten, dass
den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anfor
derungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezialärzte (sogenannte Administrativgutachten) Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
Im Lichte dieser Beweismaxime sowie der höchstrichterlichen Anforderungen an den Beweiswert eines Arztberichts (E. 1.7) erweisen sich beide Gutachten als für die streitigen Belange umfassende Beurteilungen, welche die geklagten Beschwer
den berücksichtigen, in umfassender Aktenkenntnis abgegeben worden sind und in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge
im Ergebnis
, wie nachfol
gend dargelegt, einleuchten:
5.2
So drängen sich angesichts des unauffälligen Bewegungsverhaltens ohne Schon- und Ausweichbewegungen und der fehlenden bildgebenden Korrelate keine Zwei
fel an der
rheumatologische
n
Beurteilung von
Dr.
F._
und der von ihm postulierten uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht auf (E. 4.3.2), wogegen die Beschwerdeführerin denn auch keine substantiierten Ein
wände erhob.
5.3
5.3.1
Die psychiatrische Beurteilung von
Dr.
C._
vom 2
2.
Januar 2018 (E. 4.3.3) deckt sich sodann weitgehend mit derjenigen der behandelnden psychiatrischen Fachpersonen des Sanatoriums
A._
vo
m 2
1.
März 2017 (
Urk.
10/29/1) und wird durch die leichten diagnostischen Abweichungen in Bezug auf die affektiven Störungen nicht
in
Frage gestellt, zumal es invalidenversicherungsrechtlich letzt
lich
nicht auf die Diagnose, sondern einzig darauf ankommt, welche Auswir
kungen eine Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit hat (BGE 136 V 279 E. 3.2.1
).
Wie die Fachärzte des Sanatoriums
A._
ging auch
Dr.
C._
nachvoll
ziehbar von einer vorbestehenden komplexen
Struktur
mit Wechselwirkungen zwischen den
verschiedenen
Krankheitsbildern
und einer Dekompensation im Jahr 2017 (recte: 2016)
aufgrund von
Änderungen im Berufsumfeld aus, nach welcher
im Zusammenhang mit dem Auftreten
der mittelschweren depressiven Episode die Kompensationsmechanismen bezüglich Teilleistungsstörungen und Per
sönlichkeitsstörung nicht mehr
griffen
. Was die
Herleitung der diagnostizier
ten Persönlichkeitsstörung
durch
Dr.
C._
anbelangt
, wurde diese wie auch die übrige Diagnostik vom RAD am 2
6.
Januar 2018 zu Recht als schlüssig und nachvollziehbar b
eur
teilt (
Urk.
10/79/6;
vgl. dagegen die davon abweichende, nicht überzeugende Beurteilung von
Dr.
med.
H._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, in:
Urk.
10/56/16).
Wie die Fachärztinnen des Sanatoriums
A._
(E. 3.2) erachtete
auch
Dr.
C._
die Arbeitsfähigkeit der Beschwer
deführerin in der angestammten Tätigkeit nachvollziehbar als wei
test
ge
hend (zu 80
%
) eingeschränkt
, wobei der Beginn von
Dr.
C._
wohl irrtüm
lich als ab März 2017 genügend dokumentiert bezeichnet wurde, nahm er damit doch offensichtlich Bezug
auf den
Behandlungsbeginn bei
Dr.
Z._
im März 2016 (vgl.
Urk.
10/29/2)
.
Die Beschwerdegegnerin ging denn auch
einhergehend damit
in der angefochtenen Verfügung von einer vollständi
gen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit seit März 2016 aus (
Urk.
2
/2
S. 1).
Abweichend
von
den behandelnden Fachpersonen
beurteilte
Dr.
C._
die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
als
zu 50
%
geg
eben (E. 4.3.3)
. Angesichts der zu diesem Zeitpunkt noch nicht im späteren Ausmass
dekompen
sierten
Persönlichkeitsstörung und des von
Dr.
C._
formulierten Zumutbar
keitsprofils, welches der Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin ebenso Rechnung trägt wie ihren kognitiven und affektiven Einschränkungen, drängen sich auch an seiner diesbezüglichen Beurteilung keine grundsätzlichen Zweifel auf
, zumal sich
Dr.
Z._
am
8.
November 2016 telefonisch ebenfalls für eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
ab Januar 2017 ausgesprochen hatte (
Urk.
1
0/27/7)
.
Angesichts
des im Bericht des Sanatoriums
A._
vom 2
1.
März 2017
geschilderten Verlaufs mit leichter Stabilisierung
im Anschluss an die tagesklinische Behandlung im September 2016 (E. 4.2) ohne Hinweise auf eine massgebliche Veränderung
bis zur Erstbegutachtung durch
Dr.
C._
recht
fertigt es sich
,
jedenfalls ab dem Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns nach Ablauf des Wartejahres am
1.
März 2017 (vgl. E. 7.1)
von einer medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit von 50
%
in angepasster Tätigkeit auszugehen.
5.3.2
Die
Indikatorenprüfung
(
BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281
) ergibt in diesem
Z
usammenhang in Bezug auf die Nachvollziehbarkeit der attestierten 50%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster T
ätigkeit, dass die
damalige
Ausprägung der nach AMDP erhobenen diagnoserelevanten Befunde
insgesamt im mittleren B
ereich anzu
siedeln ist
. So zeigte
n
sich eine nur
geringgradig
ausgeprägte relevante Störung von Konzentration, Gedächtnis und Aufmerksamkeit, eine reduzierte emo
tionale Schwingungsfähigkeit mit Vermeidungsverhalten und ein erheblich redu
zierter Antrieb, jedoch noch eine adäquate Wahrnehmung der sozialen Situ
ation und eine reaktive Verarbeitung derselben. Formal
e Denkstörungen wurden ver
neint, jedoch ergaben Auftritt und Gestaltung des Untersuchungsgesprächs bereits deutliche Hinweise auf teils fehlendes Verständnis für die gesamte soziale Interaktion und soziale
n
Anforderungen
(
Urk.
10/44/10)
. Die Beschwerdeführerin unterz
og
sich seit März 2016 einer ambulanten und zwischenzeitlich teilstatio
nären Behandlung mit Psychopharmakotherapie, welche bis anhin keinen Eingliederungserfolg brachte. Die Wechselwirkungen zwischen den verschie
denen psychischen Krankheitsbildern
wirken nachvollziehbar
deutlich
ressour
cenhem
mend. Im Bereich sozialer Kontext kann die Beschwerdeführerin zwar auf
eine stabile, wenn auch problembehaftete
Partnerbeziehung zurückgreifen (
Urk.
10/44/13), jedoch
habe ansonsten seit 2015 ein erheblicher sozialer Rückzug stattgefunden (
Urk.
10/44/11) und fänden sich neben der zusätzlich stabilisieren
den Beziehung zur behandelnden Therapeutin keine Ressourcen (
Urk.
10/44/13). Was die gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen anbelangt, ergeben sich zwar mit Blick auf von der Beschwerdeführerin angegebenen Tauchferien
in Ägypten Ungereimtheiten (
Urk.
10/44/17), jedoch fand diese Aktivität wie im Wesentlichen jegliche andere ausserhäusliche Aktivität abgesehen von den Therapie- und Arztbesuchen in Beglei
tung ihres Lebenspartner
s
statt
, zu welchem sie gemäss
Dr.
C._
in
krankheitswertig
abhängiger Beziehung steht (
Urk.
10/44/22). Was den
behand
lungs
- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdruck anbelangt,
lässt der blosse Umstand, dass sich die B
eschwerdeführerin
keinem stationären Aufenthalt unterzog
en hat
, angesichts der seit März 2016 ununterbrochen auf
gesuchten ambulanten respektive teilstationären T
herapie
mit relativ hoch dosierter
antidepressiver Medikation (150 mg/d
Sertralin
)
und zusätzlicher Medi
kation mit
Seroquel
25 mg/d nicht auf einen fehlenden Leidensdruck schliessen
. Dies gilt umso mehr, als die behandelnden Fachärztinnen das grosse Misstrauen der Beschwerdeführerin gegenüber zusätzlichen Unterstützungsmassnahmen, so auch einer stationären Therapie, ihrer Persönlichkeitsstr
uktur zuordneten (
Urk.
10/29/2), dieses mithin als krankheitswertig beurteilten.
Angesichts dieser Umstände erweist sich der Schluss von
Dr.
C._
auf
dann
zumal
mobilisierbare Ressourcen im Bereich einer angepassten Tätigkeit im Umfang von 50
%
als nachvollzie
hbar.
5.4
Was den Verlauf der Arbeitsfähigkeit anbelangt, berichtete
Dr.
Z._
am 2
2.
August 2019 zwar über eine leichte Verbesserung des affektiven Zustan
des, sprach sich aufgrund der komplexen Wechselwirkungen
der unverändert
diagnostizierten Krankheitsbilder
jedoch weiterhin
und prognostisch
auch für die
Zukunft
für eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
auf dem ersten Arbeitsmarkt
aus (E. 4.5)
.
5.5
Die von
Dr.
Z._
dokumentierte leichte Verbesserung im affektiven Bereich findet sodann im Verlaufsgutachten von
Dr.
C._
vom
2.
Juli 2020 (E. 4.6) keinen Niederschlag mehr. Vielmehr schloss der Experte auf eine zwi
schenzeitlich eingetretene
signifikante Verschlechterung des psychischen Zustan
des sowohl im affektiven als auch insbesondere im Bereich der Persönlichkeits
störung, aufgrund welcher keine verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr gegeben sei. Soweit
sich
die Beschwerdegegnerin im Nachgang zu ihrer Ressourcenprüfung auf den Standpunkt stellte, dem Verlaufsgutachten von
Dr.
C._
komme keinerlei Beweiswert zu, habe er doch die zahlreichen Inkonsistenzen aufgrund der aggressiven Art der Beschwerdeführerin nicht klären können (
Urk.
10/80/3), verkennt sie, dass
Dr.
C._
die sich aus den Akten ergebenden Inkonsisten
zen im Rahmen seiner Ressourcenprüfung (
Urk.
10/78/32 ff.)
durchaus
berück
sichtigte. Dass er im Rahmen derselben
das
deutlich gesteigerte
histrionisch
aggressive Verhalten der Beschwe
rdeführerin als
schwer beeinträchtigend
beur
teilt
e
, wobei er unter anderem auf eine
schwergradige
Einschränkung der sozialen Kompetenzen bei inadäquat aggressivem Verhalten schloss (
Urk.
10/78/34), welche für
sich
alleine eine A
rbeitstätigkeit verunmögliche
,
da es weder Vorge
setzten noch Kollegen zumutbar sei, innerhalb einer normalen Struktur mit der Bes
chwerdeführerin zu interagieren (
Urk.
10/78/37), erweist sich auch im Lichte der normativen Vorgaben als nachvollziehbar und begr
ündet (BGE 145 V 361 E.
4.2.2). Inwiefern daneben die Diagnosen der einfachen Aktivitäts- und Aufmerk
samkeitsstörung und der anhaltend
en
somatoformen Schmerzstörung (
Urk.
10/78/26) weiterhin begründet sind und welche Auswirkungen auf die Leis
tungsfähigkeit dieselben zeigen, kann dabei offenbleiben.
Entsprechend ist ab dem Zeitpunkt der Verlaufsuntersuchung vom 1
9.
Juni 2020 vom Vorliegen einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in jeder Tätigkeit auszugehen.
6
.
6.1
Angesichts der Anmeldung der Beschwerdeführerin bei der Invalidenversiche
rung
datierend
vom 3
0.
Mai 2016
und des Beginns des Wartejahres (
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG) am
1.
März 2016 (Behandlungsbeginn)
stehen Rentenleistungen ab
1.
März 2017
im Raum
.
Gestützt auf die Abklärung der Qualifikation vor Ort vom 1
4.
März 2018 (
Urk.
10/51) ging die Beschwerdegegnerin
unbestritten zu Recht
von einer 100%igen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall aus (
Urk.
10/79/7)
.
6.2
Nachdem die Beschwerdeführerin ihre letzte Arbeitsstelle aufgrund des nunmehr invalidisierenden Gesundheitsschadens verloren hat, ist das
Valideneinkommen
gestützt auf den zuletzt
erzielten
Verdienst zu bemessen (vgl. BGE 145 V 141 E. 5.2.1, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Dieser belief sich im Jahr 2015 für ein 60
%-Pensum gemäss IK-Auszug auf
Fr.
50’875.-- (
Urk.
10/30/3, vgl. auch:
Urk.
10/19/9). Hochgerechnet auf ein 100
%-Pensum und angepasst an die Nominallohnentwicklung bei Frauen bis ins Jahr 2017
im Sektor Gesundheitswesen (Bundesamt für Statistik, Nominallohnindex, Frauen 2016-2019, Tabelle T1.2.15,
Q
86-88)
resultiert ein hypothetischer
Validenlohn
von
Fr.
85'55
6
.
45
(
Fr.
50'876.
-- :
6
0
x 1
00
x 1.009).
6.3
Da der Beschwerdeführerin die bisherige Tätigkeit als Verwaltungssekretärin im Spitalbereich wie auch ihre gelernte Tätigkeit als medizinische Praxisassistentin angesichts des Zumutbarkeitsprofils mit der Forderung nach klar st
r
ukturierten gleichartigen Abläufen mit ausreichender Zeit und ausreichen
den
Pausen
nicht mehr zumutbar sind, sind zur Bemessung des Invalideneinkommens die Tabel
lenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 201
6
beizuziehen, wobei p
raxisgemäss von der Tabellengruppe A (standardisierte Bruttolöhne) auszugehen
ist
(
BGE 124 V 321
E. 3b/
aa
). Üblich ist die Tabelle TA1 (
BGE 126 V 75
E. 7a; SVR 2003 IV Nr. 1 S. 1).
Angesichts der von der Beschwerdeführerin absolvierten Ausbildung zur medizinischen Praxisassistentin und ihrer langjährigen Berufs
erfahrung als Verwaltungssekretärin im
Y._
rechtfertigt sich dabei der
Beizug
des standardisierten Lohnes «Total» für Frauen im Kompeten
z
niveau 2, welches unter anderem praktische Tätigkeiten wie Datenverarbeitung und Administration beinhaltet
, welche der Beschwerdeführerin
weiterhin
zurechenbar und in ver
schiedenen Branchen möglich sind
. Das monatliche Einkommen von F
r.
4'8
32
.--
führt unter
Berücksichtigung der durchschnittlichen Arbeitszeit im Jahr 2017 von 41.7 Stunden (Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirt
schaftsabteilungen, in Stunden pro Woche, 2004-2020, TOTAL) und der Nomi
nallohnentwicklung bei Frauen (von
100.7
[201
6
] auf
100.9
[2017], Nominal
lohnindex, Frauen, a.a.O.
, Q 86-88
] für ein zumutbares Arbeitspensum von 50
%
zu
ein
em
Invaliden
einkommen
für das Jahr 2017
von F
r.
30'
284.20
(
Fr.
4
'
8
32.--
x 12
: 40 x 41.7 : 10
0.7
x 10
0.9
x 0.5
).
Nachdem eine psychisch bedingt
e
verstärkte Rücksichtnahme seitens Vorgesetz
ter und Arbeitskollegen nach der Gerichtspraxis in der Regel nicht als eigenstän
diger Grund für einen Abzug vom Tabellenlohn gemäss BGE 126 V 75 anerkannt werden kann, ebenso wenig etwa ein grösserer Betreuungsaufwand oder weniger Flexibilität, was das Leisten von Überstunden etwa bei Verhinderung eines Mit
arbeiters anbetrifft (Urteil des Bundesgerichts 9C_266/2017 vom 29. Mai 2018 E. 3.4.2; vgl. auch Urteil 9C_233/2018 vom 11. April
2019 E. 3.2 mit Hinweisen), sich ein Beschäftigungsgrad von 50-74
%
bei Frauen ohne Kaderfunktion
mit Blick auf die aktuellen Werte der LSE
2016 und 2018, Tabellen
T
18 (Monatlicher Bruttolohn nach Beschäftigungsrad, beruflicher Stellung und Geschlecht)
,
im Vergleich zu einem hochprozentigen Pensum gar lohnerhöhend auswirkt, die ver
mehrten Pausen bei einem Pensum von nur 50
%
miterfasst scheinen und keine weiteren Abzugsgründe ersichtlich sind, hat es mit dem errechneten Invaliden
einkommen sein Bewenden.
6.4
Die aus dem Einkommensvergleich resultierende Erwerbseinbusse beträgt dem
nach
Fr.
55'272.25
(
Fr.
85'556.
45
.
/.
Fr.
30'284.20
), was zu einem Invaliditätsgrad von knapp 65
%
und entsprechend zum Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
ab
1.
März 2017 führt. Die Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit der ab Juni 2020 einhergehenden gänzlichen Arbeitsunfähigkeit
führt
in Anwendung von
Art.
88
Abs.
2 IVV ab September 2020 zum Anspruch auf eine ganze Rente.
7.
7.1
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin trotz materiell begründeten Renten
anspruchs der Beschwerdeführerin in Anwendung von
Art.
21
Abs.
4 ATSG basierend auf einem vollständig und erfolglos durchgeführten Mahn- und
Bedenk
zeitverfahren
zur Leistungsverweigerung berechtigt war.
7.2
Dabei ist unbestritten, dass die Beschwerdegegnerin das Mahn- und
Bedenkzeit
verfahren
mit dem Schreiben vom 1
7.
Okt
ober 2018
formal
ordentlich einleitete.
In demselben stellte sie fest, dass im Hinblick auf eine die Arbeitsfähigkeit wie
derherstellende leitliniengerechte Therapie
zunächst der Serumspiegel zu über
prüfen
sei
, sodann sollte ein alternatives antidepressives Medikament mit anderer Wirksamkeit eingesetzt werden und falls nötig eine Augmentation. Zusätzlich sollte eine psychotherapeutische Betreuung mindestens wöchentlich durchgeführt werden, wobei bei fehlender Verbesserung innerhalb von sechs Monaten eine st
ationäre Therapie indiziert sei (
Urk.
10/52). Der Aufforderung der Beschwerde
gegnerin, bis 1
2.
November 2018 bekannt zu geben, bei welchem Arzt oder welcher Ärztin sie die oben erwähnte Massnahme durchführen werde, damit sie – die Beschwerdegegnerin – dort nach Behandlungsbeginn einen Behandlungs
plan einholen könne, kam die Beschwerdeführerin innert Frist nach (
Urk.
10/61). Ebenfalls innert Frist
(vgl. 10/58-59)
teilten sodann die behandelnden Fachper
sonen des Sanatoriums
A._
mit
(E. 4.4)
, welche Abklärungen durchgeführt worden seien, so unter anderem die
verlangte
Überprüfung des Serumspiegels, wobei ein adäquater
Sertralin
-Serumspiegel von 43
ug
/l gemäss
Konsensusleit
lin
i
e
festgestellt worden sei
und
d
ass in Nachachtung der Empfehlung der Beschwerdegegnerin und auf Wunsch der Beschwerdeführerin dennoch mit einer antidepressiven Kombinationstherapie mit zusätzlich 25 mg
Valdoxan
begonnen worden sei. Weiter sei
en
– wie im G
utachten empfohlen, aber nicht als schaden
mindernde Massnahme auferlegt (vgl.
Urk.
10/52)
–
eine klinische ADS-Abklä
rung sowie eine adäquate Einstell
ung auf
Elvanse
erfolgt. Der
wöchent
lichen ambulanten Behandlung komme die Beschwerdeführerin seit Behand
lungsbeginn nach. Mit nachvollziehbarer Begründung sprachen sich
Dr.
Z._
und
Dr.
B._
angesichts der komplexen Komorbidität und des bisheri
gen Therapie
verlaufs sodann im konkreten Fall gegen eine Überlegenheit einer stationären gegenüber der ambulanten Therapie mit dem zusätzlichen Setting (
Psychiatrie
spitex
) aus und baten um neuerliche Überprüfung dieser Auflage.
7.3
Die Beschwerdegegnerin holte in der Folge eine Stellungnahme von
Dr.
G._
des RAD vom 1
8.
Februar 2019 ein, gemäss welchem in Anbetracht der im Gut
achten dokumentierten Haltung der Beschwerdeführerin (Erwartungshaltung an die Auszahlung einer IV-Rente) und der Beurteilung der Behandler eine Verbes
serung des Gesundheitszustandes durch einen stationären Aufenthalt überwie
gend wahrscheinlich nicht zu erwarten sei. Er empfahl, die Arbeitsfähigkeit medizinisch-theoretisch festzulegen, unabhängig davon, ob ein stationärer Auf
enthalt stattgefunden habe (
Urk.
10/79/11). Keine Stellungnahme findet sich in den Ausführungen von
Dr.
G._
zur fortgeführten antidepressiven Medika
tion mit
Sertralin
150 mg/d in Kombination mit dem zusätzlich installierten
Vald
oxan
25 mg/d, ein Antidepressivum
anderer Wirkstoffgruppe
(vgl. unter: www.compendium.ch)
.
Die Beschwerdegegnerin sah in der Folge
sowohl
von einer Abmahnung
der Beschwerdeführerin
in Bezug auf den von
Dr.
G._
ohnehin als nicht ein
gliederungswirk
s
am beurteilten stationären Aufenthalt ab,
als
auch von einer Abmahnung hinsichtlich
eines Wechsels der
antidepressiven Medikation. Auch nach Eingang des Verlaufsberichts von
Dr.
Z._
vom 2
2.
August 2019 (E. 4.5), in welchem sich die
Behandlerin
zwar für eine leichte Verbesserung der affektiven Störung ausgesprochen, hingegen unverändert eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit attestiert hatte, forderte die Beschwerdegegnerin die Beschwerdefüh
rerin weder zu einem Wechsel in der Medikation noch zu einem stationären Auf
enthalt auf, sondern führte das Abklärungsverfahren weiter (vgl.
Urk.
10/79/14)
. Anlässlich einer B
esprechung des Rechtsdienstes mit
Dr.
G._
und der zustän
digen Kundenberaterin wurde eine stationäre Therapie sodann als nicht zwingend beurteilt und eine teilstationäre Therapie als Option bezeichnet (
Urk.
10/79/17)
.
7.4
Indem die Beschwerdegegnerin nach Eingang des sorgfältig begründeten Behand
lungsplans des Sanatoriums
A._
darauf verzichtete,
zu diesem
Stellung zu
nehmen
,
und
d
er
Beschwerdeführerin
, welche mit den zusätzlichen Abklärungs- und Behandlungsmassnahmen durchaus eine Einglied
erungs
bereitschaft demons
triert hatte
,
selbst nach Eingang des Verlaufsberichts von
Dr.
Z._
vom 2
2.
August 2019 (E. 4.5) nicht unter
substanziierter
Bezugnahme auf das von ihr zusätzlich geforderte Verhalten
mitteilte
, dass die bis anhin anhand genommenen Behandlungen
nicht genüg
en
würden
und sie
auch nicht
unter Fristansetzung
und konkreter Auflage
ab
mahnte
,
stand
die
(formale)
Ver
bindl
ichkeit
der Auflage
erst
ab Einleitung des
Vorbescheidverfah
rens
fest. Nach
dem das Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
aber, abgesehen von den hier nicht einschlägigen Konstellationen gemäss
Art.
7b
Abs.
2 IVG
,
zwingend durchzufüh
ren ist (SVR 2008 UV Nr. 17, BGE 134 V 189 E. 2 f.) und das
Vorbe
scheidverfah
ren
ein ordentliches Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
nicht ersetzt (Urteil des Bundesgerichts 9C_742/2018 vom 1
8.
Dezember 2018 E. 6.3 mit Hinweisen)
, erweist sich die Leistungsverweigerung der Beschwerdegegnerin mangels eines vollständig durchgeführten Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
bis zum Erlass de
s
hier angefochtenen Entscheids
unabhängig von der Frage nach Eingliederungs
wirksamkeit und Zumutbarkeit der auferlegten Massnahmen
nicht als rechtens.
Nachdem
Dr.
C._
in seinem
Verlaufsgutachten vom
2.
Juli 2020 unmissver
ständlich darlegte, dass beim aktuellen Gesundheitszustand keine Behandlungs
massnahmen mehr formuliert werden könnten, welche innert absehbarer Zeit zu einer Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit führen würden (
Urk.
10/78/37), steht sodann der Schluss der Beschwerdegegnerin, wonach mit der auferlegten Mass
nahme weiterhin eine volle Arbeitsfähigkeit erreicht werden könne (
Urk.
2/2 S.
2), mit der
schlüssigen
Expertise von
Dr.
C._
im Widerspruch, weshalb von einer Rückweisung der Sache zur korrekten Durchführung des Mahn- und
Bedenk
zeitverfahrens
abzusehen ist. Damit hat es mit dem unter E. 6.4 festge
stellten Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
Dreiviertelsrente
ab März 2017 und dem Anspruch auf eine ganze Rente ab September 2020 sein Bewenden. Die Beschwerde
ist
bezüglich der Rentenverfügung vom 1
4.
Juni 2021 (
Urk.
2/2) mit dieser Feststellung unter Aufhebung des angefochtenen Entscheids gutzuheissen.
8.
Anlässlich der Abklärung für
Hilflosenentschädigung
für Erwachsene vom 1
4.
März 2018 stellte die Beschwerdegegnerin fest, dass die Beschwerdeführerin seit September 2016 aus psychischen Gründen auf regelmässige
lebens
praktische Begleitung von mehr als zwei Stunden wöchentlich angewiesen ist (
Urk.
10/96). Nachdem die materielle Begründetheit des Anspruchs auf eine
Hilflosenentschä
digung
für eine leichte Hilflosigkeit abgesehen von der Anspruchsvoraussetzung mindestens einer
Viertelsinvalidenrente
(E. 1.4) zwischen den Parteien nicht im Streite steht und sich aufgrund der Akten keine W
eiterung
en
hierzu aufdrängen, ist, nachdem die Beschwerdeführerin ab März 2017 Anspruch auf eine Invaliden
rente hat,
die Beschwerde
auch bezüglich der Verfügung vom 1
5.
Juni 2021
(
Urk.
2/1)
gutzuheissen und unter Aufhebung derselben festzustellen, dass die Beschwerdeführerin ab März 2017 Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
leichten Grades hat.
9.
9.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr 1‘000.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
9.2
Entsprechend hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Parteientschä
digung. Diese ist nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen. In Anwendung dieser Grundsätze rechtfertigt sich die Zusprechung einer Prozessentschädigung von
Fr.
2’600.-- (inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer).