Decision ID: 7d900e3b-fdba-4c89-89e3-e967ce1e9fe9
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 15./17. November 2014 wegen eines Bandscheibenleidens
bei der Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er sei seit _ 199_ als Eisenleger
angestellt (zu einem Bruttoeinkommen von derzeit monatlich Fr. 6'3_.--). - Dr. med.
B._, Facharzt FMH für Neurochirurgie, gab am 3. Dezember 2014 (IV-act. 10-1 f.)
bekannt, es liege beim Versicherten eine Diskushernie S1 rechts vor. Er sei seines
Wissens seit November 2014 arbeitsunfähig. Am _. Dezember 2014 sei eine Operation
vorgesehen. - Med. pract. C._, Praktischer Arzt, gab in einem IV-Arztbericht vom
26. März 2015 (IV-act. 17) diverse Phasen von Arbeitsunfähigkeit (100 % und 50 %)
des Versicherten ab 19. Dezember 2013 - mit Unterbruch vom 1. Februar 2014 bis
6. Juli 2014 - an, zuletzt eine solche von 50 % bis 17. Oktober 2014. Es bestünden eine
Lumboischialgie und ein zervikozephales Syndrom, daneben eine Prellung des linken
Handgelenks und ein Impingement-Syndrom der Schulter. Am _. Dezember 2014 habe
die mikrochirurgische Dekompression LWK5/SWK1 stattgefunden. Dr. B._ hatte dem
Arzt am 16. März 2015 (IV-act. 17-6) berichtet, der Versicherte sei bis zum 8. März
2015 voll arbeitsunfähig gewesen und sei seither und noch bis zum 9. April 2015 zu
50 % arbeitsunfähig. Danach dürfe er wieder voll arbeiten. Er habe keine
Rückenschmerzen mehr und kaum noch Beinschmerzen und nehme keine
Medikamente mehr ein.
A.a.
Am 22. Januar 2015 und 31. März 2015 übermittelte die
Krankentaggeldversicherung des Versicherten der IV-Stelle ihre Akten (vgl.
Fremdakten, Fremd-act. 1-1 und 2-1). Am 18. Dezember 2013 (Fremd-act. 1-8) war
eine Meldung über eine Arbeitsunfähigkeit des Versicherten ab 19. Dezember 2013
A.b.
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ergangen. Med. pract. C._ hatte am 11. Oktober 2014 (Fremd-act. 1-10 ff.) in der
Anamnese angegeben, am _. Oktober 2013 sei dem Versicherten beim Heben von ca.
20 kg Eisen ein Stich in den Rücken gefahren. Seither träten rezidivierend
Rückenbeschwerden auf. Bei einem Röntgenbild der LWS vom 23. November 2013
seien lumbal orthograde Wirbelkörper regelrecht zur Darstellung gekommen. Die
Intervertebralräume seien ausreichend weit, die Neuroforamina nicht eingeengt
gewesen, in den Facettengelenken LWK3-5 habe eine diskret erhöhte Absorption
bestanden. In einem MRT LWS vom 26. Juni 2014 seien eine Grössenzunahme der
Diskushernie LWK5/SWK1 und eine Nervenwurzelkompression S1 rechtsrecessal
sowie eine Diskusdehydratation LWK4/5, eine Protrusion ohne Wurzelkompression und
mässige Intervertebralarthrosen festgestellt worden. - Dr. med. D._, Spezialarzt FMH
für Innere Medizin, der mit einer spezialärztlichen Untersuchung beauftragt worden
war, hatte am 17. Oktober 2014 (Fremd-act. 1-15 ff.) berichtet, der Versicherte habe
seit bald einem Jahr persistierende chronische Lumbalgien mit Ausstrahlungen in beide
Oberschenkel. Er sei als Eisenleger zurzeit zu 50 % einsatzfähig, allerdings nur bei
leichten Arbeiten. - Von Seiten der Arbeitgeberin war am 31. Oktober 2014 (vgl. Fremd-
act. 1-3) erklärt worden, es sei schwierig, den Versicherten auf dem Bau einzusetzen;
er selber halte einen solchen Einsatz für unwahrscheinlich. Eine andere Möglichkeit
gebe es indessen bei ihr nicht. - In einem Assessmentbericht vom 25. März 2015
(Fremd-act. 2-8 ff.) hatte eine Case Management-Unternehmung angegeben, der
Versicherte habe mitgeteilt, Dr. B._ sei sich nicht sicher, ob eine Rückkehr in die
Arbeit als Eisenleger gut gehen werde.
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung hielt am 10. April
2015 (IV-act. 20) dafür, der postoperative Verlauf sei erfreulich. Ob dem Versicherten
seine rückenbelastende bisherige Tätigkeit auf Dauer zumutbar sei, sei kritisch zu
hinterfragen. - Nachdem der Versicherte wieder das volle Pensum aufgenommen hatte,
teilte ihm die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle am 20. April 2015 (IV-act. 23) mit, es
bestehe weder Anspruch auf berufliche Massnahmen - diese seien nicht nötig - noch
auf Rentenleistungen. Er könne seiner Tätigkeit wieder nachgehen.
A.c.
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B.
Am 19. April 2016 (IV-act. 28) ging eine neue Anmeldung bei der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle ein. Der Versicherte erklärte, er sei seit
18. Dezember 2015 voll arbeitsunfähig und nun zweimal operiert. Die Beeinträchtigung
bestehe seit Dezember 2011. - Dr. B._ hatte am 2. April 2016 (IV-act. 30) berichtet,
nach der Revision LW5/SW1 rechts am 23. Februar 2016 bestünden kaum noch
Beinschmerzen, lediglich noch etwas Rückenschmerzen beim Drehen. In der Tätigkeit
als Eisenleger werde der Versicherte dauerhaft nicht mehr arbeiten können. Ab dem
25. Mai 2016 werde für eine angepasste Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit erreicht
werden. - Die Arbeitgeberin gab am 3. Mai 2016 (IV-act. 38) an, der Versicherte sei als
Vorarbeiter tätig (letzter Arbeitstag 16. Dezember 2015).
B.a.
In einem bei den am 6. Mai 2016 (Fremd-act. 3-76) eingereichten weiteren Akten
der Krankentaggeldversicherung liegenden Schlussbericht des (von ihr beauftragten)
Case Managements vom 6. Juli 2015 (Fremd-act. 3-69 f.) war festgehalten worden, der
Versicherte habe seit dem 10. April 2015 ununterbrochen mit vollem Pensum
gearbeitet. Seit dem 11. März 2015 habe keine Arztkonsultation mehr stattfinden
müssen. - Am 25. Februar 2016 (Fremd-act. 3-71) hatte sich die
Krankentaggeldversicherung an den Case Manager gewandt und mitgeteilt, am
17. Dezember 2015 sei der Versicherte erneut voll arbeitsunfähig geworden. Schon im
vergangenen Jahr sei die Frage nach einer beruflichen Neuorientierung angesprochen
worden, doch sei der Versicherte damals dafür nicht offen gewesen. Voraussetzung
einer zugestandenen nochmaligen Unterstützung durch ein Case Management sei,
dass der Versicherte die Neuorientierung nun aktiv angehen wolle.
B.b.
Dr. B._ berichtete am 11. Mai 2016 (IV-act. 42-7), der Versicherte habe nun
unerträgliche Rückenschmerzen. Die Beinschmerzen seien nicht mehr vorhanden. Am
13. Juni 2016 (IV-act. 42-5) teilte er mit, es liege ein Facettensyndrom vor, das (sc. zum
zweiten Mal) infiltriert worden sei. - Am 24. Juni 2016 (IV-act. 48) gab die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle bekannt, berufliche Eingliederungsmassnahmen
seien zurzeit wegen des Gesundheitszustands des Versicherten nicht möglich. - Am
29. Juni 2016 (IV-act. 51) berichtete Dr. B._, dieser habe zurzeit einen sehr hohen
Leidensdruck, komme aber - ohne Belastung - mit nur zwei Dafalgan (für ihn das
B.c.
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Maximum) ganz gut durch. Ein minimales Diskushernien-Rezidiv sei nicht zu
bestätigen, doch habe der Versicherte einen Arthroseschmerz. Das Infiltrieren habe
nicht geholfen. Es sei nun eine Spondylodese vorgesehen, bei deren Erfolg in
rückenadaptierter Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von ca. 50 % bestehen sollte. Am
10. August 2016 (IV-act. 55) gab Dr. B._ bekannt, tags zuvor sei diese Operation mit
komplikationslosem postoperativem Verlauf erfolgt.
Am 18. August 2016 (IV-act. 53, Fremd-act. 4) teilte das von der
Krankentaggeldversicherung beauftragte Case Management mit, das Mandat werde
abgeschlossen. Im beigelegten Schlussbericht vom gleichen Tag (Fremd-act. 5) war
festgehalten worden, zurzeit gebe es keinen Bereich, in welchem auf die Reintegration
hingearbeitet werden könnte. Der Versicherte sei in Bezug auf die berufliche Zukunft
sehr unsicher. Er halte dafür, körperlich könne er nicht mehr arbeiten und mit seiner
Qualifikation könne er doch auch nicht im Büro arbeiten. Er wolle bei der Arbeitgeberin
im Magazin oder in einer anderen Funktion arbeiten.
B.d.
Am 16. November 2016 (IV-act. 67-2) erklärte Dr. B._, es gehe dem Versicherten
nicht wesentlich besser. MRI und Röntgenbild zeigten jedoch keine
Nervenwurzelkompressionen, keine Schraubenlockerung und ein blandes ISG. Der
Rückenschmerz sei zentral über der Narbe und sei immer derselbe gewesen. Er
(Dr. B._) wisse zurzeit nicht, woher die Beschwerden kämen. Am 22. Februar 2017
(IV-act. 75-8) teilte er mit, der Versicherte habe nachts und teilweise auch tagsüber
belastungsabhängige Rückenschmerzen VAS 8-10, höre jedoch mit der Novalgin-
(3 Tabletten pro Woche) und Tramal-Therapie (2 Tabletten) auf, weil sie ihm nicht gut
tue. Auch ohne neurologische Störungen bestehe keine Arbeitsfähigkeit. Er (der Arzt)
habe das Facettengelenk LW4/5 bds. nochmals infiltriert. Im IV-Arztbericht vom
22. Februar 2017 (IV-act. 75-6) hielt Dr. B._ weiter fest, der Versicherte könne wegen
der starken Rückenschmerzen auch in rückenadaptierter Tätigkeit nicht arbeiten. Nötig
sei eine Vorstellung in der Schmerzsprechstunde. - Med. pract. C._ hatte in einem
IV-Arztbericht vom 27. Januar 2017 (IV-act. 73) erklärt, die bisherige Tätigkeit sei dem
Versicherten nicht mehr zumutbar; es bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit. In
welchem Umfang eine behinderungsangepasste Tätigkeit möglich sei, sei nicht
bekannt und gegebenenfalls in einem Arbeits-Assessment zu prüfen.
B.e.
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Das Schmerzzentrum am Kantonsspital St. Gallen gab in einem
Erstkonsultationsbericht vom 28. April 2017 (IV-act. 97) bekannt, als Diagnose liege ein
chronifiziertes Schmerzsyndrom der LWS vor mit Ausstrahlung ins Steissbein Stadium I
nach Gerbershagen, gemischt nozizeptiv-neuropathisch und mit einem Failed back
surgery syndrome (synonym Postlaminektomie-Syndrom). Vor der Konsultation seien
zwei Tabletten Novalgin (550 mg) und eine Tablette Targin (Ret. 10 mg/5 mg) verordnet
gewesen. Der Versicherte nehme Targin wegen Nebenwirkungen tagsüber nicht ein. Er
erhalte nun Lyrica, bei guter Verträglichkeit sei der Aufbau eines Plasmaspiegels
vorgesehen (sowie ein Ausschleichen und Absetzen von Targin). Alternativ könnten
tagsüber auch Cymbalta oder Venlafaxin eingesetzt werden. - Dr. B._ erklärte am
10. September 2017 (IV-act. 102), der Versicherte habe plötzlich wieder starke
Rückenschmerzen im Zugangsbereich links bekommen (VAS 5) und habe ausserdem
Probleme mit der Invalidenversicherung. Er nehme Kytta-Salbe, Arnica, Jarsin, Melissa-
Tropfen und Solum-Öl; das helfe ihm leidlich. Er habe ihn für die Zeit vom 2. Juni bis
2. Dezember 2017 zu 80 % arbeitsunfähig geschrieben. - In einem radiologischen
Bericht vom 7. September 2017 (IV-act. 105-64) war im Vergleich zum 28. Februar
2017 keine wesentliche Veränderung gefunden worden (Granulationsgewebe
entsprechend mit Vorwölbung in den Spinalkanal, soweit sichtbar mit Einengung des
Spinalkanals und Beeinflussung S1 vor allem links). - In einem radiologischen Bericht
vom 7. November 2017 (IV-act. 105-66) wurde angegeben, es bestehe eine deutliche
multisegmentale Facettengelenksarthrose und Osteochondrose mit Nachweis einer
knöchern gedeckten links-mediolateralen Diskusprotrusion auf Höhe C6/7 links, die
das linksseitige Neuroforamen einenge und zu einer Reizung der Wurzel C7 führen
könne. - Dr. B._ hielt am 8. November 2017 (IV-act. 105-65) fest, er nehme an, der
Versicherte brauche eine PRT (periradikuläre Therapie) C7 links, und werde ihn hierfür
anmelden. - Der Versicherte hatte am 22. September 2017 (IV-act. 105-59) mitgeteilt,
das Arbeitsverhältnis sei auf den 28. Februar 2017 gekündigt worden (vgl. auch IV-
act. 116-2).
B.f.
Am 20. Dezember 2017 (IV-act. 105) erstattete das Swiss Medical Assessment-
und Business-Center SMAB im Auftrag der Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle ein
polydisziplinäres Gutachten. Es liege eine linksbetonte Lumbago nach Spondylodese
L5/S1 mit Neurolyse beider L5-Wurzeln am 9. August 2016 vor. Ohne Auswirkung auf
B.g.
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die Arbeitsfähigkeit seien eine Cervicobrachialgie links ohne radikuläre Reizung und ein
Senk-Spreiz-Platt-Knickfuss beidseits. In der bisherigen körperlich mittelschweren
Tätigkeit als Eisenleger sei der Versicherte voll arbeitsunfähig. In einer dem
Belastungsprofil entsprechenden Tätigkeit sei er jedoch voll arbeitsfähig. Wegen der
aktuell vorhandenen Cervicobrachialgie links ohne radikuläre Reizung sei eine ca. ein-
bis zweiwöchige Arbeitsunfähigkeit nachvollziehbar; eine generelle Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit ergebe sich daraus nicht, allenfalls eine qualitative Einschränkung des
Belastungsprofils (vgl. IV-act. 105-14). Retrospektiv sei nachvollziehbar, dass der
Versicherte in der bisherigen Tätigkeit als Eisenleger vom 12. November 2014 bis
31. März 2015 voll und anschliessend bis 30. April 2015 zu 50 % arbeitsunfähig
gewesen sei, und dass er (nach einer Phase voller Arbeitsfähigkeit) seit 3. Dezember
2015 hierfür anhaltend voll arbeitsunfähig sei. Für eine adaptierte Tätigkeit habe - seit
dem Beurteilungsbeginn vom 20. April 2015 - eine volle Arbeitsunfähigkeit für die Dauer
der stationären Aufenthalte bestanden. Nach der Revision am 23. Februar 2016 sei eine
volle Arbeitsunfähigkeit bis sechs Monate postoperativ nach der Spondylodese am
9. August 2016, d.h. bis etwa Anfang Februar 2017, nachvollziehbar. Seither sei der
Versicherte diesbezüglich voll arbeitsfähig (vgl. IV-act. 105-15, vgl. auch IV-
act. 105-31). - Der RAD schloss sich am 27. Dezember 2017 (IV-act. 106) dem
Gutachten an.
Am 9. Januar 2018 legte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle dar, es könne
angesichts des (ehemals) hohen Lohns des Versicherten bei Gewährung eines
Leidensabzugs von einem Umschulungsanspruch ausgegangen werden (IV-act. 107-6),
und sprach ihm Berufsberatung zu (IV-act. 108). Am 2. März 2018 (IV-act. 119) hielt der
Eingliederungsverantwortliche fest, es liege ein instabiler Gesundheitszustand vor und
der Versicherte habe weder in seinem Herkunftsland noch hierzulande eine Ausbildung
gemacht. Die Berufsberatung werde abgeschlossen. - Dr. B._ hatte am
18. Dezember 2017 (IV-act. 122-8) von einer regredienten Trizepsparese (derzeit 4+)
berichtet; die Hypästhesien hätten unter Physiotherapie und Chiropraxis deutlich
gebessert. Am 14. Februar 2018 (IV-act. 122-6) hatte er festgehalten, der Versicherte
sei zurzeit zu 20 % arbeitsfähig und sollte langfristig eine Arbeitsfähigkeit von 50 %
haben.
B.h.
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Am 3. März 2018 (IV-act. 122-4) berichtete Dr. B._, der Versicherte wolle operiert
werden, davon rate er ab. In einem IV-Arztbericht vom 25. April 2018 (IV-act. 122)
erklärte Dr. B._, es lägen eine Diskushernie HWK6/7 links (seit Ende Februar 2018),
eine Trizepsparese linksseitig und ein chronischer Rückenschmerz nach dreimaliger
Rückenoperation LW5/SW1 vor. Zurzeit sei der Versicherte zu 20 % arbeitsfähig,
langfristig zu maximal 40 %. In einer Stellungnahme zum Gutachten hielt Dr. B._
gleichentags (IV-act. 123) fest, mit einem FBA (Finger-Boden-Abstand) von 34 cm sei
die Beweglichkeit nicht lediglich gering, sondern massiv eingeschränkt. Der Umstand,
dass der Versicherte schmerzfrei sitzen könne, habe nichts damit zu tun, ob er im
Liegen einen Pseudo-Lasègue habe bzw. bei Belastung Rückenschmerzen. Nach
seiner Auffassung rufe auch nicht die postulierte Narbenbildung eine lokale Irritation
des Weichteilgewebes hervor. Orthopädisch sei der Versicherte wahrscheinlich nicht
messbar eingeschränkt. Es gehe um ein chronisches Schmerzproblem - und zwar
einzig die LWS betreffend, nicht die HWS -, nämlich ein gemischt nozizeptives
chronisches Schmerzsyndrom Gerbershagen II-III. Dieses habe keinen Zusammenhang
mehr mit den anatomischen Strukturen. Es habe sich längst verselbständigt. Er könne
nicht bestätigen, dass alle Waddell-Zeichen positiv seien. Die Beschwerden seien
nachvollziehbar, auch im Ausmass. Der Versicherte, ein ängstlicher, wahrscheinlich
auch depressiver Mann, sei zu maximal 40 % arbeitsfähig. - Am 21. Mai 2018 (IV-
act. 124) teilte Dr. B._ mit, die Nackenschmerzen (HWK6/7 links) seien nach
zweimaliger Infiltration nun deutlich besser. Dort bestehe nach seiner Auffassung kein
grosses Problem. Es bestünden nun Nackenschmerzen unterhalb von BWK2/3 links,
ohne dass die Trizepsparese noch nachweisbar wäre. Er werde dort nächste Woche
infiltrieren. Chirurgisch könne er nicht weiterhelfen.
B.i.
Am 11. Juli 2018 (IV-act. 133) teilte die damalige Rechtsvertreterin des Versicherten
mit, dessen Einsatzprogramm sei beendet. Er habe nur noch Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung für etwa 100 Tage und gerate ohne IV-Leistungen in
wirtschaftlich existenzielle Bedrängnis. In einem Bericht vom 10. Juli 2018 (IV-
act. 136-52 ff.) hatte der Leiter des Einsatzprogramms des Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrums (RAV; über das Programm vom 4. April bis 10. Juli 2018,
vgl. IV-act. 136-55) festgehalten, man habe den Versicherten als motivierten und
engagierten Mitarbeiter, in der Arbeitsweise überlegt sowie qualitäts- und
B.j.
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ordnungsbewusst, wahrgenommen. Es sei ihm zurzeit ein Arbeitspensum von maximal
20 % möglich. Bezüglich Körperhaltung und Belastung seien nur sehr spezifische
Arbeiten möglich, was ein zusätzliches Hindernis für eine Wiedereingliederung in den
ersten Arbeitsmarkt darstelle.
In einem bidisziplinären Verlaufsgutachten vom 19. Oktober 2018 (IV-act. 136)
benannte das SMAB als Diagnose eine belastungsabhängige Lumbago bei nicht-
knöchern konsolidierter Spondylodese L5/S1 mit Neurolyse beider L5-Wurzeln am
09.08.2016. Daneben bestünden - ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit - eine
geringe Schwäche des M. trizeps und der Fingerbeuger links bei Wurzel-Reizung C7
links und der Senk-Spreiz-Platt-Knickfuss beidseits. In der bisherigen Tätigkeit sei der
Versicherte zu 100 % arbeitsunfähig, in einer angepassten Tätigkeit aber voll
arbeitsfähig (vgl. IV-act. 136-7). Retrospektiv sei der Versicherte in der bisherigen
Tätigkeit seit dem 18. Dezember 2015 arbeitsunfähig. In einer adaptierten Tätigkeit sei
er von etwa zu Beginn des Monats Februar 2017 bis zum 6. November 2017 voll
arbeitsfähig gewesen, danach bis zum 18. Dezember 2017 vorübergehend nicht
arbeitsfähig (vgl. IV-act. 136-8). Die analgetische Therapie mit Opiaten (Targin) sei nicht
indiziert und sollte abgesetzt werden. Diese Medikamente würden aufgrund des
Nebenwirkungsspektrums und des Herabsetzens der Schmerzschwelle dafür sorgen,
dass der Versicherte sich nicht arbeitsfähig fühle (vgl. IV-act. 136-8). - In einem Bericht
über ein CT der LWS vom 30. August 2018 (IV-act. 136-59 f.) war u.a. auf Höhe LWK5/
SWK1 ein im Vergleich zur Aufnahme vom 7. September 2017 unverändert
bestehendes kleines knöchernes Fragment im Neuroforamen rechtsseitig erwähnt
worden. - Am 24. Oktober 2018 (IV-act. 137) gab der RAD seine Stellungnahme zum
Verlaufsgutachten ab.
B.k.
In einem Schreiben vom 3. Dezember 2018 (IV-act. 157) legte Dr. B._ dar, die
gutachterliche orthopädische Einschätzung sei in keiner Weise nachvollziehbar. Sie sei
eindimensional und lasse die Gesamtsituation des Versicherten, der früher jahrelang
fleissig gearbeitet habe, völlig ausser Acht. Es bestehe ein chronisches, deutlich
verschlechtertes Schmerzbild, auch wenn das im MRT nicht nachweisbar sei. Die
Gutachterin meine, den Versicherten nur aufgrund der Bein- und
Rückenschmerzsymptomatik beurteilen zu müssen, was am Ziel vorbeigehe. Er habe
nunmehr auch eine "CDA", die sein Schmerzbild nochmals negativ beeinflusse. Die
B.l.
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festgestellte Diskrepanz zwischen der eigentlichen und der dargestellten Beweglichkeit
sei auf die etwas ängstliche Grundpersönlichkeit des Versicherten zurückzuführen.
Dass ein Schmerzbild simuliert werde, sei völlig ausgeschlossen. Es liege beim
Versicherten - auch nach Auffassung der ihn behandelnden Dr. med. E._, Fachärztin
für Neurochirurgie und _ Schmerzspezialistin - glaubhaft eine Schmerzstörung vor,
welche die Beschwerden erkläre. Das Targin abzusetzen, sei komplett unsinnig. Der
Versicherte habe wahrscheinlich eine somatoforme Schmerzstörung; das müsste
psychiatrisch geklärt werden. - Dr. E._ erklärte in einem Schreiben vom
17. Dezember 2018 (IV-act. 158), der Versicherte befinde sich seit dem 2. Juli 2018 bei
ihr in Behandlung. Er leide unter multilokulären, chronischen gemischt nozizeptiv
neuropathischen Schmerzen mit einem Chronifizierungsgrad nach Gerbershagen III.
Chronische Schmerzen seien eine eigenständige Erkrankung. Sie seien nicht mehr mit
den Mitteln der Akutschmerzbehandlung therapierbar und auch nicht mit den
Konzepten der Akutmedizin beurteilbar. Die Schmerzsituation des Versicherten habe in
der Behandlung zusammen mit Dr. B._ stabilisiert werden können. Sie rate davon ab,
das Targin zu stoppen und ein Schmerztagebuch zu führen. Das sei nur bei einer
Einstellung der Analgetika sinnvoll und fokussiere ansonsten den Patienten auf den
Schmerz. Die Dosis liege mit einer Morphinäquivalenz von 40 mg/Tag im Rahmen und
es würden auch Co-Analgetika eingesetzt. Der Versicherte sei zu maximal 40 %
arbeitsfähig. - Der RAD hielt am 16. Januar 2019 (IV-act. 160) dafür, der Einwand sei
der Begutachtungsstelle vorzulegen.
Das SMAB nahm am 5. Februar 2019 (IV-act. 171) Stellung. Eine
versicherungsmedizinische orthopädisch-traumatologische Beurteilung erfolge
aufgrund der subjektiven Beschwerdeangaben einer versicherten Person im Kontext
mit den erhobenen objektivierbaren klinischen und radiologischen
Untersuchungsbefunden. Bei der Begutachtung sei von psychiatrischer Seite geprüft
worden, ob beim Versicherten eine somatoforme Störung vorliege. Es habe aber darauf
bzw. auf eine psychogene Mitverursachung der Schmerzen keine Hinweise gegeben.
Wie eine ängstliche Persönlichkeit für die gezeigten Verdeutlichungstendenzen und die
zwei positiven Waddell-Zeichen verantwortlich sein sollte, sei nicht nachvollziehbar. Es
finde sich auch keine nachvollziehbare Begründung für die Auffassung, dass der
Versicherte zweifellos ein chronischer Schmerzpatient sei. Wenn Dr. B._ darauf
B.m.
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hinweise, dass dieser vorher jahrelang fleissig gearbeitet habe und sicherlich motiviert
sei, auch weitere Arbeiten durchzuführen, so gebe er dessen subjektive Angaben
wieder. Auch dem Schreiben von Dr. E._ seien keine schwerwiegenden
objektivierbaren Befunde zu entnehmen, die eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in
einer leidensadaptierten Tätigkeit begründen würden. - Der RAD folgte dieser
Auffassung am 11. Februar 2019 (IV-act. 176).
Inzwischen war dem Versicherten und seiner damaligen Rechtsvertreterin am
3. Dezember 2018 (IV-act. 192) bei einem Gespräch von der IV-
Eingliederungsverantwortlichen erklärt worden, dass von einer Arbeitsfähigkeit von
100 % ausgegangen werde. Der Versicherte hatte erklärt, er könne es im Rahmen von
50 % versuchen. Die IV-Eingliederungsverantwortliche hatte angegeben, der
Versicherte habe seine Situation glaubhaft geschildert. Er habe keine Vorstellung, was
er arbeiten könnte. Es werde eine berufliche Abklärung vorbereitet. - Nach einem
Wechsel in der Rechtsvertretung Ende Dezember 2018/Januar 2019 (IV-act. 150 und
152 f.) hatte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle am 7. Februar 2019 (IV-act. 175)
für die Zeit vom _. Februar bis _. März 2019 eine berufliche Abklärung in der BEFAS
F._ - mit grossem Taggeld (vgl. IV-act. 180 f.) - angeordnet (vgl. auch IV-act. 162,
168, 172).
B.n.
In ihrem Schlussbericht vom 26. März 2019 (IV-act. 184) hielt die BEFAS fest, der
Versicherte habe während den Arbeitszeiten eine gute Leistung - von 80 % - erbracht.
Er sei als freundlich, geduldig und fleissig beschrieben worden, seine Arbeiten seien
von guter Qualität gewesen und sein Arbeitsplatz sei immer sauber gewesen. Er könne
adaptierte Tätigkeiten ganztags ausführen, aber nicht durchgängig. Vielmehr habe er
morgens und nachmittags behinderungsbedingte Pausen von je rund einer bis zwei
Stunden einzulegen gehabt. Da solches in der Regel von einem Arbeitgeber nicht
toleriert werde, kämen für ihn nur als Nischenarbeitsplätze zu bezeichnende Stellen in
Frage, und zwar etwa in den Bereichen körperlich leichter Montagen, End-/
Qualitätskontrollen, leichter Verpackungsarbeiten und von Vergleichbarem. Bei der
täglichen Arbeitszeit von durchschnittlich etwa fünf Stunden habe der Versicherte
somit eine 50 % entsprechende Gesamtleistungsfähigkeit erzielen können. An seiner
Eingliederungswilligkeit hätten keine Zweifel bestanden. Limitierend seien die knappen
B.o.
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C.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng für den
Betroffenen am 11. November 2019 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers beantragt, die angefochtene Verfügung aufzuheben. Dem
Beschwerdeführer sei ab wann rechtens, spätestens ab Dezember 2014, eine ganze
Invalidenrente zuzusprechen, eventualiter sei die Sache zuvor zur Vornahme weiterer
Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Ausserdem sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Prozessführung zu bewilligen. Was eine allfällige Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers in einer adaptierten Tätigkeit anbelange, würden sich die
Auffassungen der Gutachter des SMAB einerseits und der behandelnden Ärzteschaft
sowie der Fachleute der BEFAS anderseits diametral voneinander unterscheiden. Mit
ihrer retrospektiven Arbeitsfähigkeitsschätzung würden die Gutachter zumindest
sinngemäss die Mitteilung der Beschwerdegegnerin vom 20. April 2015 als
Deutsch- und sehr knappen Schulkenntnisse sowie der Migrationshintergrund. Es sei
fraglich, ob die Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt verwertbar sei.
Der RAD hielt am 5. April 2019 (IV-act. 186) dafür, das Gutachten besitze eine weit
höhere Beweisdichte als der BEFAS-Bericht. Daher bleibe es bei der bisherigen
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (vgl. dazu IV-act. 106 vom 27. Dezember 2017, IV-
act. 137 vom 24. Oktober 2018, IV-act. 160 vom 16. Januar 2019 und IV-act. 176 vom
11. Februar 2019).
B.p.
Mit Mitteilung vom 6. Juni 2019 (IV-act. 195) wies die Sozialversicherungsanstalt/
IV-Stelle einen Anspruch auf berufliche Massnahmen ab, da sich der Versicherte
aufgrund seiner gesundheitlichen Situation nicht in der Lage fühle, einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen.
B.q.
Auf einen Vorbescheid vom 21. August 2019 (IV-act. 198) hin, wonach ein
Invaliditätsgrad von 19 % (Valideneinkommen Fr. 83'070.--, Invalideneinkommen
Fr. 67'186.--) vorliege, liess der Versicherte am 24. September 2019 (IV-act. 201) durch
seinen Rechtsvertreter einwenden, es sei spätestens ab Dezember 2014 eine ganze
Rente zu entrichten. - Mit Verfügung vom 14. Oktober 2019 (IV-act. 202) lehnte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle den Rentenanspruch ab. Die Einschätzung der
funktionellen Leistungsfähigkeit sei in erster Linie Sache des begutachtenden Arztes.
B.r.
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offensichtlich unzutreffend erachten. Weshalb sie sich dennoch erst ab dem 20. April
2015 zu einer allfälligen Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierten Tätigkeiten äusserten,
leuchte nicht ein. Auch sonst sei ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht nachvollziehbar.
Danach sei nach der Revision LW5/SW1 rechts am 23. Februar 2016 eine volle
Arbeitsunfähigkeit bis sechs Monate, nach Spondylodese am 9. August 2016, das
heisse bis etwa Anfang Februar 2017, nachvollziehbar und bestehe in der Folge eine
volle Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit. Das (Letzteres) sei nicht begründet
worden. Dr. B._, Dr. E._ und med. pract. C._ würden den Beschwerdeführer und
seine gesundheitlichen Störungen gut kennen und könnten sich davon und von den
erwerblichen Auswirkungen ein zuverlässiges Bild machen. Die Gutachterin dagegen
habe den Beschwerdeführer nur zweimal kurz (einmal zwei Stunden, einmal eineinhalb
Stunden lang) gesehen. Nach dem Einsatzprogramm von mehr als drei Monaten Dauer
sei er bezüglich Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Sorgfalt usw. durchgehend als den
Anforderungen vollumfänglich entsprechend beschrieben worden. Ein Pensum von
20 % sei machbar gewesen, der Beschwerdeführer sei aber klar an die Grenzen
gekommen. Bei der von der Beschwerdegegnerin beauftragten BEFAS-Abklärung sei
eine Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit festgestellt worden. Am
Eingliederungswillen hätten keine Zweifel bestanden, was mit der Einschätzung von
Dr. B._ korrespondiere, wonach der Beschwerdeführer kein Beschwerdebild
simuliere. Die beiden an der Abklärung beteiligten Fachpersonen, eine diplomierte
Berufs- und Laufbahnberaterin mit Lizentiat in Psychologie sowie ein Arzt und
zertifizierter Arbeitsfähigkeitsassessor SIM, seien bestens in der Lage, im Rahmen
standardisierter Abklärungs- und Beurteilungsprozesse Beurteilungen abzugeben. Sie
hätten das mit der nötigen Qualität und lege artis getan. Wie der RAD darauf komme,
dass sehr stark auf das subjektive Verhalten und das subjektiv vorgetragene
Beschwerdebild abgestützt worden sei, sei nicht begründet und nicht nachvollziehbar.
Der Beschwerdeführer könne aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkungen kein
Einkommen erzielen, und wenn doch, dann allenfalls ein sehr geringes Einkommen an
einem Nischenarbeitsplatz. Er habe Anspruch auf eine ganze Rente. Bei Zweifeln daran
sei ein Obergutachten zu erstellen. Der Rentenanspruch bestehe ab Dezember 2014,
da der Beschwerdeführer damals ein Jahr lang durchschnittlich zu 40 % arbeitsunfähig
gewesen sei. Die langandauernde Krankheit habe gemäss dem Bericht von med. pract.
C._ vom 26. März 2015 am 19. Dezember 2013 begonnen. Die offensichtlich
unzutreffende formell rechtskräftige Mitteilung vom 20. April 2015 stehe dem nicht
entgegen. - Am 11. November 2019 (IV-act. 203) hat der Rechtsvertreter für den
Beschwerdeführer für den Fall einer nicht vollumfänglichen Gutheissung der
Beschwerde ein neues Gesuch bzw. allenfalls ein Revisionsgesuch gestellt.
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D.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 24. Dezember 2019 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Weder den BEFAS-Abklärungen
noch den Ausführungen von Schmerztherapeuten könne hier ein Beweiswert zuerkannt
werden. Bei BEFAS-Abklärungen sei meist gerade die subjektive Seite einer
versicherten Person entscheidend, dienten sie doch dazu herauszufinden, was aus
deren Sicht noch möglich sei, in wie weit sie persönliches Potential habe und welche
beruflichen Eingliederungsmassnahmen zu ihr passen würden. Die Massnahmen
müssten auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten werden, damit eine Arbeitssuche oder
Integration gelingen könne. Im Rahmen der Überprüfung der Arbeitsfähigkeit aber habe
eine BEFAS-Abklärung keine Bedeutung. Die Arbeitsfähigkeit sei ausschliesslich
medizinisch-theoretisch zu bestimmen. Die an einem Arbeitsplatz gezeigte Leistung sei
hierfür nach der Rechtsprechung (gemäss Bundesgerichtsurteil vom 28. Mai 2009,
9C_332/2009) nicht relevant. Denn es sei nicht möglich, den Anteil allfälliger
Motivationsmängel von einem willentlich nicht steuerbaren Unvermögen, eine volle
Leistung zu erbringen, auszuscheiden. Ähnliches gelte mit Bezug auf die Ausführungen
von Schmerztherapeuten, deren Fokus auf die Behandlung von subjektiv geltend
gemachten Schmerzen gerichtet sei und wo per se eine Befangenheitssituation
bestehe. Vorliegend werde das dadurch verstärkt, dass eindeutige
Verdeutlichungstendenzen und eine Krankheitsüberzeugung mit Tendenz zur
Selbstlimitierung festgestellt worden seien. Ein organischer Ursprung der Schmerzen
habe nicht nachvollzogen werden können und auch psychiatrisch hätten diese nicht
begründet werden können. Ernsthafte Zweifel am Gutachten habe der
Beschwerdeführer nicht darlegen können. Schliesslich sei zu Recht auf die Mitteilung
(sc. vom 20. April 2015) abgestellt worden, denn bleibe eine Mitteilung unangefochten,
entfalte sie die gleiche Rechtswirkung wie eine Verfügung. Damals sei letztmals
abschliessend über den Gesundheitszustand befunden worden.
E.
Am 14. Januar 2020 ist dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege
(Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) entsprochen worden.
F.
Mit Replik vom 18. März 2020 bringt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vor,
das Gutachten mit den Einschätzungen, die sich ganz wesentlich von denjenigen der
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langjährig behandelnden Ärzte und Ärztinnen unterschieden, genüge als
Entscheidgrundlage nicht. Auch die BEFAS-Abklärungen hätten den Nachweis
erbracht, dass es nicht zutreffe. Die Beschwerdegegnerin mache nicht geltend, dass
eine der Voraussetzungen für den ehemaligen Verfahrensabschluss durch Mitteilung
(Leistungen, Forderungen oder Anordnungen, die nicht erheblich oder mit denen die
versicherte Person einverstanden sei) erfüllt gewesen sei.
G.
In ihrer Duplik vom 7. April 2020 legt die Beschwerdegegnerin dar, den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, die
aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die
Akten Bericht erstatteten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen
Ergebnissen gelangten, sei nach der Rechtsprechung (BGE 137 V 210 E. 1.3.4 m.H.) im
Sinn einer Richtlinie volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprächen. Den Berichten behandelnder Ärzte,
handle es sich um Hausärzte oder um spezialärztlich behandelnde Ärzte, komme
geringere Beweiskraft zu. Denn es sei eine Erfahrungstatsache, dass sie im Hinblick auf
ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zugunsten
ihrer Patienten aussagten. Ausserdem hätten ihre Berichte nicht den Zweck einer
objektiven Beurteilung des Gesundheitszustands, die den abschliessenden Entscheid
über Versicherungsansprüche erlaube, und erfüllten deshalb kaum je die materiellen
Anforderungen an ein Gutachten.

Considerations:
Erwägungen
1.
Im Streit liegt die Verfügung vom 14. Oktober 2019. Die Beschwerdegegnerin hat darin
dargelegt, sie weise damit das Leistungsgesuch des Beschwerdeführers vom 19. April
2016 ab. Ein Rentenanspruch bestehe nicht. - Ein erstes Verfahren betreffend ein
Gesuch vom 15./17. November 2014 hatte mit der (blossen) Mitteilung vom 20. April
2015 geendet, dass jenes Gesuch - hinsichtlich beruflicher Massnahmen und einer
Rente - abgewiesen werde. Gemäss Art. 51 Abs. 1 i.V.m. Art. 49 Abs. 1 ATSG hätte
indessen wegen der Erheblichkeit des Gegenstands eine Verfügung ergehen müssen
(vgl. auch Art. 58 IVG und Art. 74 IVV). Der Mangel macht die Anordnung allerdings
nicht nichtig, sondern diese kann dennoch Rechtswirksamkeit erlangen. Die
Rechtsprechung (die für solche gesetzlich nicht ausdrücklich geregelten Sachlagen
eine Analogie zu Art. 51 Abs. 2 ATSG zieht, vgl. BGE 134 V 145 E. 5.1) erwartet von
ter
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einer betroffenen Person im Regelfall, dass sie ein Nichteinverständnis innerhalb eines
Jahres erklärt (eine längere Frist kommt allenfalls in Frage, wenn die Person in guten
Treuen annehmen durfte, der Versicherer habe noch keinen abschliessenden Entscheid
fällen wollen und sei mit weiteren Abklärungen befasst, vgl. BGE 134 V 145 E. 5.3.2).
Die vorliegend ergangene Mitteilung enthielt den Hinweis auf die Möglichkeit, eine
beschwerdefähige Verfügung zu verlangen (vgl. Art. 51 Abs. 2 ATSG, Art. 74
Abs. 1 IVV). Dem (damals noch nicht anwaltlich vertretenen) Beschwerdeführer war
gleichzeitig (IV-act. 22) ausserdem telefonisch die Möglichkeit einer Wiederanmeldung
erklärt worden, falls es zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands oder einer
anderen Veränderung komme. Eine anfechtbare Verfügung hat er nicht angefordert. Es
ist nach der Aktenlage denn auch vielmehr von seinem damaligen Einverständnis mit
der Erledigung auszugehen. Der Entscheid der Beschwerdegegnerin ist daher formell
rechtskräftig geworden. Der Beschwerdeführer arbeitete in der Folge bis zum
16. Dezember 2015 wieder bei vollem Pensum an seinem Arbeitsplatz (vgl. IV-act. 38;
auch bei der Neuanmeldung vom 19. April 2016 brachte er keine rückwirkende
Beanstandung an). Die Beschwerdegegnerin hat demnach zu Recht das Gesuch vom
19. April 2016 beurteilt. - Berufliche Massnahmen beantragt der Beschwerdeführer im
vorliegenden Verfahren nicht.
2.
quater
Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.1.
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine
Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG, vgl. auch BGE 102 V 165).
2.2.
Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen,
erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen
sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG)
sind (lit. c). Ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsfähigkeit im Sinn von Art. 28 Abs. 1
lit. b IVG liegt vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 17/30
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3.
Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29 IVV; Bundesgerichtsurteile vom 16. Februar 2018,
8C_633/2017 E. 3.4, und vom 10. August 2016, 9C_289/2016 E. 3.2). Nach Art. 29
Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten
nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG. Die
Schaffung dieser Bestimmung hat keine Veränderung des (nämlich in Art. 4 IVG und
Art. 28 IVG geregelten) Zeitpunkts des Eintritts des Versicherungsfalls mit sich gebracht
(vgl. Bundesgerichtsurteil vom 14. Dezember 2015, 9C_655/2015 E. 4; Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 2. Mai 2016, IV 2013/641 E. 1.1).
ter
Was zunächst den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers betrifft, sind sie im Oktober/November 2017 (letzte Untersuchung
am 9. November 2017) polydisziplinär und später im August/September 2018 noch
bidisziplinär begutachtet worden.
3.1.
Das Gutachten vom 20. Dezember 2017 erging in Kenntnis der Vorakten und
weiterer (bei IV-act. 105-10 f. erwähnter) Berichte. Es wurden in den Teil-Gutachten je
die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers, namentlich zum bestehenden
Leiden, und zu den verschiedenen Aspekten der Anamnese erhoben (mit
übersetzenden Personen) und spezialärztliche Untersuchungen durchgeführt.
3.2.
Was im Einzelnen die internistische Begutachtung betrifft, hielt der Gutachter fest,
der Beschwerdeführer habe erklärt, sich zurzeit eine berufliche Tätigkeit nicht vorstellen
zu können, da er nicht lange sitzen, liegen oder gehen könne. Aufgrund der
entsprechenden Exploration gab der Gutachter an, keine Erkrankung des
Beschwerdeführers erhoben zu haben, weshalb die Arbeitsfähigkeit internistisch nicht
als eingeschränkt betrachtet wurde (vgl. IV-act. 105-40).
3.3.
Bei der neurologischen Begutachtung wurde ebenfalls kein zu diagnostizierendes
Leiden vorgefunden. Der Beschwerdeführer habe massive Nackenschmerzen beklagt
und den linken Arm bei der Untersuchung steif an den Körper angelegt (vgl. IV-
act. 105-45). Die HWS sei passiv frei beweglich gewesen. Die angegebene
Schmerzausstrahlung über die Oberarmaussenseite bis zum Ellenbogen links
entspreche nicht dem Verlauf eines Dermatoms. Sie passe weder zu einer C6- noch zu
einer C7-Läsion. Gegen eine Wurzelschädigung spreche auch, dass die Reflexe
seitengleich gewesen seien. Es handle sich um pseudoradikuläre Beschwerden. Es
hätten sich bei der neurologischen Untersuchung keine Hinweise auf eine
Radikulopathie, auf eine Plexusläsion oder auf eine andersartige Nervenschädigung
ergeben. Im aktuellen CT der LWS (vom 7. September 2017) zeige sich eine Einengung
3.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/30
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des Spinalkanals und Beeinflussung der S1, vor allem links. Klinisch neurologisch
fänden sich keine Hinweise auf eine S1-Symptomatik links; es bestünden keine
Ausstrahlungen ins linke Bein. Der gesamte Neurostatus sei unauffällig (vgl. IV-
act. 105-46 f.). Die Gutachterin der Neurologie schloss, seit dem Abklingen der
Beinschmerzen gebe es keine Hinweise auf eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf
neurologischem Gebiet (vgl. IV-act. 105-47).
Bei der (federführenden) orthopädisch-traumatologischen Begutachtung wurde
festgehalten, der Beschwerdeführer habe im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule
linksbetonte Schmerzen im Schraubenbereich beklagt. Die Rückenschmerzen seien
nur im Liegen erträglich (vgl. IV-act. 105-24). Er könne sich zurzeit keine (berufliche)
Tätigkeit vorstellen, da er nicht einmal staubsaugen, Wasser aus dem Keller holen oder
anderes im Haushalt helfen könne (vgl. IV-act. 105-26). Die Gutachterin der Orthopädie
legte dar, das Implantationsmaterial sei intakt und die Stellung der Spondylodese sei
nicht verändert gewesen. Es habe lediglich eine lokale Irritation des umgebenden
Weichteilgewebes vorgelegen. Aufgrund des erhobenen klinischen und des
radiologischen Untersuchungsbefundes würden die Beschwerden des
Beschwerdeführers auf diese durch die Spondylodese-Implantate und die
Narbenbildung verursachte Irritation zurückgeführt. Sie seien teilweise nachvollziehbar,
allerdings nicht im geschilderten Ausmass. Dafür spreche auch die nur bedarfsweise
gering dosierte Einnahme von Novalgin. Ausserdem seien sämtliche (fünf genannten)
Waddell-Zeichen als Hinweis auf eine nichtorganische Pathologie positiv gewesen (vgl.
IV-act. 105-29 f.). Aufgrund der Lumbago wurden eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
für die angestammte, körperlich mittelschwere Tätigkeit als Eisenleger und eine
Arbeitsfähigkeit von 100 % für eine dem Belastungsprofil entsprechende Tätigkeit
festgelegt. Aufgrund der im MRI der HWS vom 7. November 2017 abgebildeten
Schädigungen wurde des Weiteren eine Arbeitsunfähigkeit für die Dauer von einer bis
zwei Wochen attestiert, ausserdem allenfalls eine diesbezügliche zusätzliche qualitative
Einschränkung des Belastungsprofils insofern, als Überkopf-Arbeiten oder andere
Tätigkeiten mit Zwangshaltungen der Halswirbelsäule nicht geeignet seien (vgl. IV-
act. 105-30). Damit wurde der röntgenologisch nachgewiesenen HWS-
Diskusprotrusion und den entsprechenden Beschwerden Rechnung getragen
(neurologisch war diesbezüglich kein Bedarf gefunden worden).
3.5.
Anlässlich der psychiatrischen Begutachtung wurde festgehalten, der
Beschwerdeführer habe angegeben, aktuell (und seit 14 Tagen) sei ihm wegen der
starken Nackenschmerzen keine berufliche Tätigkeit möglich. Davor hätte er sich
zugetraut, wieder in seiner bisherigen Tätigkeit zu arbeiten, doch hätten ihm die
3.6.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 19/30
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4.
Chirurgen davon dringend abgeraten. Eine leichte Arbeit traue er sich, wenn die
Nackenschmerzen wieder abklängen, zu. In welchem Umfang dies der Fall sei, könne
er schlecht einschätzen (vgl. IV-act. 105-52). Der Gutachter der Psychiatrie berichtete,
der Beschwerdeführer habe sich themenbezogen (Schmerzen; sich daraus ergebende
berufliche Schwierigkeiten) bedrückt gezeigt. Dabei handle es sich um eine im
normalpsychologischen Spektrum liegende emotionale Reaktion auf eine körperliche
Erkrankung. Eine komorbide Depressionserkrankung habe sich nicht entwickelt.
Hinweise auf eine Persönlichkeitsakzentuierung hätten nicht bestanden. Eine
psychiatrische Diagnose sei nicht zu stellen. Der Beschwerdeführer sei durch die
unsichere berufliche und finanzielle Zukunft belastet. Ressource sei ihm der stabile
familiäre Hintergrund. Abgesehen von der derzeitigen Akutsituation sehe er sich
durchaus als beruflich leistungsfähig, weshalb insofern keine Diskrepanz zwischen den
nichtberuflichen Aktivitätenniveaus und dem beruflichen Bereich bestehe. Die
Arbeitsfähigkeit sei psychiatrisch betrachtet nicht vermindert (vgl. IV-act. 105-54 f.).
Polydisziplinär wurde festgehalten, körperlich anhaltend mittelschwere Tätigkeiten
mit Zwangshaltungen der Wirbelsäule sollten vermieden werden, um den
Gesundheitszustand nicht zu gefährden (vgl. IV-act. 105-15).
3.7.
Die Begutachtung erscheint zunächst insoweit als vollständig.3.8.
Das am 19. Oktober 2018 erstattete bidisziplinäre Verlaufsgutachten basierte
wiederum auf einer Aktenkenntnis und ausserdem auf Untersuchungen vom 28. August
und 10. September 2018.
4.1.
Anlässlich der orthopädisch-traumatologischen Verlaufsbegutachtung erklärte der
Beschwerdeführer, nun im Schraubenbereich beidseits Schmerzen zu haben, da er im
Auftrag des RAV drei Monate lang arbeiten gegangen sei. Die meisten Schmerzen habe
er im unteren LWS-Bereich beim Treppensteigen und bei jeder Drehung, inzwischen
mehr rechts. Seit dem Vorfall C7 spüre er ein Kribbeln in sämtlichen Fingerkuppen der
linken Hand. Zunächst habe er links nicht einmal mehr ein Kilogramm heben können.
Inzwischen sei es besser, doch der linke M. trizeps sei immer noch schwächer als der
rechte (vgl. IV-act. 136-19). Er habe versucht, zu 20 % zu arbeiten, und habe gesehen,
dass das nicht möglich sei. Er könne sich eine Tätigkeit ohne Rückenbelastung zu
maximal 40 % vorstellen (vgl. IV-act. 136-21 f.). Die Gutachterin konnte bildgebende
Befunde vom 30. August 2018 mitbeurteilen (vgl. IV-act. 136-24 f.). Sie gab an, es habe
sich dort ein unveränderter postoperativer Status L5/S1 ohne knöcherne Durchbauung,
aber mit intaktem Spondylodese-Material und mit möglicher rezessaler Affektion der
4.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 20/30
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5.
S1-Nervenwurzeln dargestellt. Hinweise auf eine Reizung hätten sich bei fehlender
Schon- und Fehlhaltung, fehlendem paravertebralem Muskelhartspann, seitengleich
vorführbaren Gangvarianten und tiefer Hocke, negativen Zeichen nach Lasègue und
Bragard sowie seitengleich auslösbaren Patellar- und Achillessehnenreflexen nicht
ergeben. Der Untersuchungsbefund der Lendenwirbelsäule sei nahezu identisch
gewesen mit jenem vom Oktober 2017 (vgl. IV-act. 136-25), derjenige der frei
beweglichen Halswirbelsäule sei regelrecht gewesen. Eine Schmerzausstrahlung in den
linken Arm sei nicht beschrieben worden. Die angegebene Hypästhesie sämtlicher
Fingerkuppen habe nicht dem Dermatom C7 entsprochen (vgl. IV-act. 136-26). Seit der
letzten Begutachtung habe im November 2017 (gemäss IV-act. 124-1 am
14. November 2017) eine PRT C7 links stattgefunden, am 15. Februar 2018 eine
Infiltration der HWS im Niveau C6/7 links und Ende Mai 2018 eine Infiltration von
BWK2/3 links. Sie hätten Linderung gebracht (vgl. IV-act. 136-27). Dr. B._ habe
schon im Dezember 2017 eine Regredienz der Trizepsparese und der C7-Klinik links
beschrieben (vgl. IV-act. 136-26) und am 21. Mai 2018 berichtet, bei HWK 6/7 bestehe
kein grosses Problem (vgl. IV-act. 136-27). Es hätten erneut Verdeutlichungstendenzen
bestanden (angesichts der - nunmehr - zwei von fünf Waddell-Zeichen). Es scheine
eine ausgeprägte subjektive Krankheitsüberzeugung mit einer Tendenz zur
Selbstlimitierung zu bestehen (vgl. IV-act. 136-28).
Bei der psychiatrischen Begutachtung wurde festgehalten, der Beschwerdeführer
habe angegeben, wenn er sich nicht körperlich belaste, insbesondere nicht zu lange
stehe (Stehen sei bis zu zwei Stunden möglich) und auch nicht zu lange sitze (Sitzen sei
bis zu einer halben Stunde möglich), habe er nicht so starke Schmerzen. Halte er diese
Belastungsgrenzen nicht ein, nähmen die Schmerzen deutlich zu. Psychisch sei er
traurig und frustriert darüber, dass es mit den Schmerzen nicht besser werde. Er habe
immer sehr gerne gearbeitet. Ohne die Schmerzen würde er das sofort wieder tun.
Dass das nicht möglich sei, belaste ihn sehr, ebenso wie die Sorgen über die weitere
soziale und finanzielle Zukunft (vgl. IV-act. 136-40). Er halte eine körperlich sehr leichte
Arbeit für sich für möglich (vgl. IV-act. 136-42). Der Gutachter der Psychiatrie erklärte,
eine psychiatrische Diagnose sei nicht zu stellen (vgl. IV-act. 136-45).
4.3.
Auch das Ergebnis der Verlaufsbegutachtung erscheint insoweit zunächst
plausibel.
4.4.
Der Beschwerdeführer hält das seine Arbeitsfähigkeit für eine adaptierte Tätigkeit
betreffende Ergebnis der beiden SMAB-Begutachtungen (von 100 %) jedoch für
5.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 21/30
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unzutreffend, weil die behandelnde Ärzteschaft und die zu einer entsprechenden
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung ebenfalls befähigten Fachpersonen der BEFAS zu ganz
anderen Schlüssen gelangt seien und auch gemäss dem Bericht über das RAV-
Einsatzprogramm lediglich ein Pensum von 20 % machbar gewesen sei.
Der ihn behandelnde Neurochirurg Dr. B._ hat dem Beschwerdeführer denn
auch (betreffend eine wie erwähnt hier relevante angepasste Tätigkeit) wiederholt
Phasen voller Arbeitsunfähigkeit und von Arbeitsfähigkeit von 20 % attestiert und
rechnete langfristig mit einer Arbeitsfähigkeit von 50 % bzw. von maximal 40 %.
Dr. E._ ist ebenfalls von der letztgenannten Annahme (maximal 40 % Arbeitsfähigkeit)
ausgegangen. Med. pract. C._ hat die betreffende Arbeitsfähigkeit nicht festgelegt.
Die BEFAS (unter Mitwirkung eines Arztes) hat festgehalten, der Beschwerdeführer
habe eine Gesamtleistungsfähigkeit von 50 % erzielen können. Im Bericht über das
RAV-Einsatzprogramm schliesslich ist wie vorgebracht berichtet worden, es sei ein
Pensum von 20 % möglich gewesen. - Das Zusammentreffen mehrerer vom Gutachten
stark abweichender Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen fällt entsprechend ins Gewicht.
5.2.
Es trifft des Weiteren zu, dass namentlich die Einschätzung von Dr. B._ auf einer
Beobachtung des Beschwerdeführers und seines Leidens während eines langen
Zeitraums der Behandlung beruht, was einen Überblick ermöglichte, während
medizinische Begutachtungen in einem viel kürzeren zeitlichen Rahmen erfolgen
müssen (Letztere stützen sich dafür auf eine umfassende Aktenkenntnis). Eine
langjährige Betreuung bzw. die Möglichkeit zu einer längeren Beobachtungszeit kann
den behandelnden Ärzten einen Vorteil bringen (vgl. dazu Bundesgerichtsurteile vom
9. September 2009, 9C_468/2009 E. 3.3.1, und vom 21. Dezember 2005, 4P.254/2005
E. 4.2, je m.H. auf den Entscheid vom 11. Juni 1997, I 255/96 E. 3a; und
Bundesgerichtsurteil vom 17. Dezember 2014, 4A_526/2014 E. 2.4; zur
diesbezüglichen Beweiswürdigung allgemein auch Bundesgerichtsurteil vom 23. März
2017, 4A_571/2016 E. 4.2). Allerdings kann auch nicht ausser Acht gelassen werden,
dass ihr Fokus (im Unterschied zu Gutachtern) in erster Linie nicht auf eine möglichst
objektive Zumutbarkeitsbeurteilung der Arbeitsfähigkeit, sondern auf den
therapeutischen Aspekt, den Behandlungsauftrag, gerichtet ist (vgl. dazu
Bundesgerichtsurteil vom 29. März 2018 8C_733/2017 E. 4.3.3; vgl. auch
Bundesgerichtsurteile vom 22. April 2014, 9C_184/2014, und vom 25. Mai 2007,
I 514/2006). Sie befinden sich zudem in einer Vertrauensstellung zu ihren Patienten (vgl.
Bundesgerichtsurteil vom 27. August 2008, 8C_588/2007; BGE 125 V 351 E. 3b/cc). -
Diese Aspekte sind bei einer Würdigung ihrer Beurteilungen zu berücksichtigen.
5.3.
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6.
Massgebend ist insgesamt, dass die fundierte Kenntnis der behandelnden
Ärzteschaft vom Sachverhalt bei der Begutachtung nicht unberücksichtigt bleibt (vgl.
Bundesgerichtsurteile vom 25. April 2019, 9C_34/2019 E. 4.1, und 9C_468/2009
E. 3.3.1). Ergeben sich aus ihren Berichten objektive Anhaltspunkte, die Zweifel am
Ergebnis eines Gutachtens erwecken, ist ihnen nachzugehen.
5.4.
Im Einzelnen kann aufgrund der Aktenlage davon ausgegangen werden, dass auch
von Seiten der behandelnden Ärzteschaft rein somatisch gesehen (abgesehen von
intermittierenden Phasen) keine besonders schwerwiegenden Befunde angenommen
werden, hat doch der chirurgisch behandelnde Arzt dafürgehalten, der
Beschwerdeführer sei orthopädisch betrachtet wahrscheinlich nicht messbar
eingeschränkt. Die Ursache der Arbeitsunfähigkeit liege nicht in seinem
diesbezüglichen Zustand, auch nicht betreffend die HWS. Auf Entsprechendes deutet
auch der Befund hin, den das Schmerzzentrum am Kantonsspital St. Gallen am
28. April 2017 (IV-act. 97) beschrieben hat. Es legte beim Befund dar, der Zehen- und
der Fersenstand seien unsicher und mit einer Asymmetrie zu Ungunsten der rechten
Seite erfolgt und das Lasègue-Zeichen sei rechts positiv gewesen, das Gangbild aber
regelrecht. Es habe kein motorisches Defizit bestanden und auch die Sensorik sei
unauffällig gewesen. Die Schmerzen seien nicht opiatsensibel. In dieselbe Richtung
deuten auch die mehrfachen aktenkundigen Hinweise darauf, dass der
Beschwerdeführer wenig Schmerzmittel ein- oder sie auch teilweise abgesetzt habe.
Dr. E._ schliesslich hat multilokuläre, chronische gemischt nozizeptiv neuropathische
Schmerzen als eigenständige Erkrankung des Beschwerdeführers beschrieben.
6.1.
In Bezug auf die Schmerzsituation des Beschwerdeführers weist Dr. B._ zu
Recht darauf hin, dass für eine stichhaltige Arbeitsfähigkeitsschätzung eine
medizinische Gesamtbetrachtung einer versicherten Person und ihrer Beschwerden
erforderlich ist. Es ginge denn auch nicht an, einzelne ihrer Leiden zu separieren und je
für sich allein als die Arbeitsfähigkeit nicht tangierend zu bezeichnen, wenn sie dies in
ihrer Gesamtheit tun. Auch Schmerzleiden (Dr. B._ nimmt eine somatoforme
Schmerzstörung an, vgl. unten E. 7) gehören in die Beurteilung. Der für die Belange der
Rechtsanwendung massgebende invalidenversicherungsrechtliche Begriff der
gesundheitlichen Beeinträchtigung ist allerdings enger gefasst als das in der Medizin
verbreitete bio-psycho-soziale Krankheitsmodell. Eine Abweichung von
Arbeitsunfähigkeitsschätzungen kann also auch in der Verwendung unterschiedlicher
krankheitsbegrifflicher Prämissen begründet sein (vgl. dazu Bundesgerichtsurteile vom
28. Mai 2009, 9C_332/2009 E. 3.3, und vom 15. Januar 2019, 9C_292/2018 E. 5.2.3.2).
6.2.
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7.
Vorliegend kann festgestellt werden, dass weder bei der ersten noch bei der
Verlaufsbegutachtung unterlassen worden ist, auch den psychischen
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zu explorieren.
7.1.
Sämtliche psychischen Erkrankungen sind nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1 f.) grundsätzlich (bei Ausnahmen nach dem
jeweiligen Beweisbedarf) einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu
unterziehen. Die danach in der Regel massgeblichen Standardindikatoren werden in
zwei Kategorien systematisiert, nämlich einerseits in der Kategorie des funktionellen
Schweregrads und anderseits in jener der Konsistenz. Soziale Belastungen etwa, die
direkt negative funktionelle Folgen zeitigen, wären danach bei der Beurteilung der
Gesundheitsbeeinträchtigung auszuklammern (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 7. Mai
2019, 9C_740/2018 E. 5.2.1), und es ist eine Abgrenzung zu reaktivem,
invaliditätsfremdem Geschehen aufgrund von psychosozialen Belastungen erforderlich
(vgl. dazu bezüglich depressiver Leiden BGE 143 V 409 E. 4.5.2).
7.2.
Bei den Begutachtungen wurde jeweils wie erwähnt keine psychiatrische
Gesundheitsschädigung festgestellt. Der Gutachter der Psychiatrie hat sich anlässlich
der Verlaufsbegutachtung, da die Schmerzsymptomatik des Beschwerdeführers
organmedizinisch nicht ausreichend erklärbar sei, damit befasst, ob diagnostisch eine
somatoforme Schmerzstörung oder etwa psychologische Faktoren und
Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Krankheiten vorlägen. Er legte dar, bei
einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung trete der Schmerz in Verbindung mit
emotionalen Konflikten oder psychosozialen Problemen auf. Für die Diagnose müssten
diese schwerwiegend genug sein, um als entscheidende ursächliche Einflüsse zu
gelten. Gravierende emotionale Konflikte oder psychosoziale Faktoren, die von
entscheidender Bedeutung für die Entstehung der Schmerzen sein könnten, seien beim
Beschwerdeführer nicht ansatzweise zu erkennen. Die andere Kategorie
(psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren) sei zu verwenden, um psychische
Verhaltenseinflüsse zu erfassen, die wahrscheinlich eine wesentliche Rolle in der
Manifestation körperlicher Erkrankungen hätten, wie etwa Sorgen, emotionale Konflikte
und Erwartungsangst. Auch solche Faktoren lägen nicht vor. Der Gutachter schloss, für
eine psychogene Verursachung oder zumindest Mitverursachung gebe es beim
Beschwerdeführer keine hinreichenden Hinweise (vgl. IV-act. 136-45). - Nicht ausser
Acht gelassen werden kann bei der Würdigung dieser Ausführungen, dass der
Beschwerdeführer mit dem Rückenleiden und dem Umstand, dass er seit Ende 2015
nicht mehr in seiner angestammten, seit 17 Jahren ausgeübten, körperlich oft Heben
7.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 24/30
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von Gewichten bis 25 kg umfassenden (vgl. IV-act. 38-3) Arbeit, die er immer sehr gern
ausgeübt habe, beruflich tätig sein konnte, für ihn Einschneidendes erlebt hat. Der
Gutachter der Psychiatrie hat diesen Aspekt und die finanziellen Sorgen allerdings
ebenso aufgenommen wie die Ressourcen des Beschwerdeführers (vgl. IV-act. 136-42
und 136-46). Für eine ausreichende Verlässlichkeit seiner Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit (die ausschlaggebender ist als die diagnostische Einordnung) spricht
ausserdem insbesondere der erhobene und beschriebene Befund, bei welchem keine
psychiatrisch bedingten Fähigkeits- und Funktionsstörungen zu verzeichnen waren
(vgl. IV-act. 136-43 f. und 136-46).
Zu den Standardindikatoren ist zu beachten, dass anlässlich der polydisziplinären
(ersten) Begutachtung festgehalten wurde, die Lumbago des Beschwerdeführers sei
gering bis mässiggradig ausgeprägt (vgl. IV-act. 105-15). Es hätten
Verdeutlichungstendenzen bestanden (vgl. IV-act. 105-16). Das Aktivitätenniveau
scheine gering vermindert zu sein; zur eigenen Arbeitsfähigkeitsvorstellung habe der
Beschwerdeführer aber verschiedene Angaben gemacht (vgl. IV-act. 105-20). Auch bei
der Verlaufsbegutachtung wurde darauf hingewiesen, dass Art und Ausmass der
angegebenen Beschwerden durch die Untersuchungsergebnisse nur teilweise
nachvollziehbar gewesen seien, und dass wiederum Verdeutlichungstendenzen
bestanden hätten. Es scheine eine ausgeprägte subjektive Krankheitsüberzeugung mit
Tendenz zur Selbstlimitierung zu bestehen (vgl. IV-act. 136-8). Der Gutachter der
Psychiatrie hielt bei der Verlaufsbegutachtung auch dafür, die Selbsteinschätzung der
Arbeitsfähigkeit (von bei ihm angegebenen lediglich 20 %) scheine zu den
Aktivitätenniveaus des Beschwerdeführers in Freizeit und Haushalt diskrepant zu sein
(vgl. IV-act. 136-46). Polydisziplinär wurde darauf hingewiesen, dass sich der
Beschwerdeführer zu maximal 40 % arbeitsfähig sehe und sich diesbezüglich direkt auf
die Beurteilung seines behandelnden Neurochirurgen beziehe (vgl. IV-act. 136-8 oben,
vgl. IV-act. 136-21 f.). Die Selbsteinschätzung lag damit zwar weit von der gutachterlich
als zumutbar betrachteten Leistungsfähigkeit (von 100 %) entfernt, sie lag aber
teilweise - zumindest was die Angabe einer Arbeitsfähigkeit von 40 % betrifft - bei den
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der behandelnden Ärzte. Einer tiefen Selbsteinschätzung
der körperlichen Leistungsfähigkeit entsprach allerdings auch das Ergebnis des (später
bei der BEFAS vorgenommenen) PACT-Tests (vgl. unten E. 8.2, zu den
Standardindikatoren ergänzend auch E. 8.4).
7.4.
Die gutachterlichen Annahmen halten den diesbezüglichen Einwänden demnach
stand; das Ergebnis erscheint nachvollziehbar begründet. Die beiden SMAB-
Begutachtungen sind in Kenntnis der genannten Einschätzungen der behandelnden
7.5.
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8.
Ärzteschaft und deren Grundlagen (sowie des Berichts über das RAV-
Einsatzprogramm) ergangen. Es ist nicht ersichtlich, dass in den Gutachten etwas aus
den erwähnten ärztlichen Berichten übersehen worden wäre. Das gibt dem Gutachten
einen vergleichsweise besonderen, hohen Beweiswert (hieran ändert auch der BEFAS-
Abklärungsbericht nichts, der damals noch nicht vorlag, vgl. dazu unten E. 8).
Für seinen Standpunkt beruft sich der Beschwerdeführer des Weiteren wie
erwähnt auch auf die (zeitlich nach den medizinischen Begutachtungen ergangene)
Beurteilung durch die BEFAS-Abklärungsstelle. Bei der Abklärung hat ein Arzt
mitgewirkt. Ihr Ergebnis fusst im Weiteren auf einer Basisabklärung mit Tests und
Übungen zur Beurteilung schulisch-intellektueller Fähigkeiten, ersten manuellen
Arbeitsproben aus unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern und Aufgaben zur
Selbsteinschätzung in der ersten Woche sowie auf anschliessenden Einsätzen bei
verschiedenartigen handwerklich-praktisch orientierten Arbeiten in den restlichen drei
Wochen (Dauer insgesamt 20 Arbeitstage). Es wurde dargelegt, während den
Präsenzzeiten von 07.30 bis 11.30 und von 13.00 bis 16.30 Uhr habe der
Beschwerdeführer immer wieder schmerzbedingt längere Liegepausen eingeschaltet,
in der Regel jeweils vor- und nachmittags je rund eine Stunde. Eine Pause sei auch
gemacht worden, nachdem die Arbeitszeit probeweise vorübergehend auf ein
Halbtagespensum reduziert worden sei (vgl. IV-act. 184-4).
8.1.
Einerseits wurde im BEFAS-Bericht festgehalten, der Beschwerdeführer sei
sichtlich an seine Grenzen gegangen (er habe wiederholt erschöpft gewirkt und sei
dabei teilweise schweissüberströmt gewesen) und aus allen Abteilungen sei gemeldet
worden, er gebe sein Bestes. Anderseits sei auch darauf hingewiesen worden, dass
seine Schmerzklagen und Hinweise auf Medikamenteneinnahmen erheblich und
vergleichsweise betont gewesen seien (vgl. IV-act. 184-5). Der Beschwerdeführer habe
in den Pausen regelmässig Analgetika in grösseren Mengen konsumiert und dann über
Schwindel geklagt. Die Blutdruckwerte hätten jedoch immer im Normbereich gelegen.
Im PACT-Test habe er lediglich 26 bzw. 31 Punkte erreicht, was nicht einmal einer
leichten, sitzenden Tätigkeit entspreche (vgl. IV-act. 184-10).
8.2.
Wenn dennoch der (volle) tatsächlich in Anspruch genommene Pausenbedarf ohne
nähere Begründung mit objektivierenden Aspekten in der Beurteilung anerkannt wurde,
stellt das einen Hinweis auf einen massgeblichen Einfluss der subjektiven Darstellung
des Beschwerdeführers dar. Die Ergebnisse einer konkreten leistungsorientierten
beruflichen Abklärung können zwar rechtsprechungsgemäss durchaus bedeutsam sein
8.3.
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(vgl. Bundesgerichtsurteile vom 28. Mai 2009, 9C_332/2009 E. 3.4, und vom
14. November 2018, 8C_563/2018 E. 6.1.1). Die Frage nach den noch zumutbaren
Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren
Gesundheitsschädigung ist jedoch in erster Linie durch die Ärzte, und nicht durch die
Eingliederungsfachleute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven
Arbeitsleistung, zu beantworten (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 18. Januar 2019,
8C_334/2018 E. 4.2.1, und vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018). Vorliegend bestehen
bezüglich der Arbeitsfähigkeitsschätzung durch die BEFAS (auf 50 %) gewisse Zweifel
an einer ausreichenden Objektivierung. Beim ärztlich erhobenen Befund bei Eintritt (IV-
act. 184-15) war zwar im BEFAS-Bericht im Unterschied zu den Begutachtungen etwa
dargelegt worden, die HWS-Beweglichkeit sei allseits eingeschränkt und die
Muskulatur verspannt, der Lasègue beidseits positiv (bei 40°) und der Einbeinstand
unsicher gewesen, der Zehen- und Fersengang war aber ohne Befund, die Kraft mit
Ausnahme der diskret eingeschränkten Extension des linken Arms symmetrisch und
die Reflexe waren ebenfalls symmetrisch gewesen (PSR links nicht sicher auslösbar;
ehemals Achillessehnenreflex bei Gegenspannen nicht). Da auch keine
Verschlechterung des Gesundheitszustands im relevanten Zeitablauf geltend gemacht
wurde, kann insgesamt überwiegend wahrscheinlich davon ausgegangen werden, dass
auch bei der BEFAS-Abklärung keine relevanten medizinischen Gesichtspunkte erkannt
wurden, welche die Zuverlässigkeit der Begutachtungsergebnisse in Frage stellen
würden.
In Bezug auf den geltend gemachten Eingliederungswillen (bzw. den Aspekt eines
ausgewiesenen "eingliederungsanamnestischen Leidensdrucks") des
Beschwerdeführers lässt sich auf der einen Seite dem Bericht über das RAV-
Einsatzprogramm entnehmen, dass dieser als motivierter Mitarbeiter wahrgenommen
worden sei, und gemäss dem BEFAS-Bericht bestand kein Zweifel an seiner
Eingliederungswilligkeit. Er verfügt demnach zudem über verschiedene gute
persönliche Eigenschaften und Fähigkeiten wie namentlich über ein gutes Qualitäts-
und Ordnungsbewusstsein (vgl. hierzu auch das Arbeitszeugnis IV-act. 116-2). Zu
berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang ferner wie erwähnt die Belastung,
welcher er infolge des durch das Rückenleiden verursachten Arbeitsplatzverlusts
sicherlich ausgesetzt ist. Auf der anderen Seite ist den Akten aber auch zu entnehmen,
dass die Krankentaggeldversicherung ihm bereits im Rahmen des ersten Case
Managements einen Tätigkeitswechsel empfohlen hat, während der Beschwerdeführer
diesbezüglich - nach der Aktenlage zu schliessen - keine entsprechenden
Anstrengungen unternahm. Wenn sein Interesse, bei der bisherigen Arbeitgeberin zu
verbleiben, dabei auch grundsätzlich verständlich erscheint, wäre dennoch mit der Zeit
8.4.
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9.
10.
eine entsprechende Mitwirkung seinerseits in diese Richtung - wenn auch bei nach
seiner Auffassung eingeschränkter Arbeitsfähigkeit - zu erwarten gewesen, zumal eine
krankheitsbedingte (psychiatrische) Einschränkung der Fähigkeit zur Motivation oder
zur Umstellung nicht vorliegt.
Zusammenfassend ist, was die dem Beschwerdeführer medizinisch zumutbare
Arbeitsleistung betrifft, zunächst für die Zeit der jeweiligen Abklärungen - wenn auch
nicht mit Sicherheit, so doch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit - auf die
Ergebnisse der medizinischen Gutachten abzustellen, der Beschwerdeführer also für
adaptierte Tätigkeiten als voll arbeitsfähig zu betrachten.
9.1.
Diese Arbeitsfähigkeit von 100 % kann als auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
verwertbar betrachtet werden, sind dem Beschwerdeführer doch körperlich leichte bis
selten leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten ohne Zwangshaltungen
der Lendenwirbelsäule, ohne häufiges Bücken und ohne Überkopf-Arbeiten zumutbar
(vgl. IV-act. 136-7). Der hohe Pausenbedarf, den die BEFAS angenommen hat und der
nach ihrer Auffassung (welcher jedoch nicht ohne weiteres gefolgt werden kann) gegen
eine Verwertbarkeit spricht, ist gemäss den medizinisch gutachterlichen Feststellungen
nicht erforderlich. Damit entfällt ein rentenbegründender Invaliditätsgrad für die Zeit der
anzunehmenden vollen Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten. Das gilt - bei einem
Invalideneinkommen von Fr. 66'803.-- gemäss dem statistischen
Durchschnittseinkommen im Jahr 2016 - selbst bei dem vom Beschwerdeführer vor
Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielten hohen (aber gemäss IK-Auszug, IV-
act. 37, erheblich schwankenden) Einkommen (Maximum bei Fr. 92'710.-- im Jahr
2011; Valideneinkommen gemäss Arbeitgeberbescheinigung vom Jahr 2016 und
gemäss angefochtener Verfügung für 2015 Fr. 83'070.--, vgl. IV-act. 196).
9.2.
Im Hinblick auf einen allfälligen zurückliegenden (vorübergehenden)
Rentenanspruch ist indessen auch der Sachverhalt in der Zeit vor und zwischen den
Begutachtungen zu beachten, wobei allerdings zugleich die formelle Rechtskraft der
Mitteilung vom 20. April 2015 zu respektieren ist, die einen Rentenanspruch bis dahin
von vornherein ausschliesst. Angemerkt werden kann diesbezüglich Folgendes: Dem
Bericht von med. pract. C._ vom 26. März 2015 lässt sich zum früheren Sachverhalt
entnehmen, dass eine Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers in der angestammten
Tätigkeit ab 19. Dezember 2013 eintrat. Während der Zeit vom 1. Februar bis 6. Juli
2014, somit während länger als einem Monat, war der Beschwerdeführer demnach
10.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 28/30
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wieder arbeitsfähig (bzw. Arbeitsfähigkeit bis 22. Juni 2014, vgl. Fremd-act. 2-14,
Fremd-act. 1-35 und Fremd-act. 1-33), weshalb im Hinblick auf die Erfüllung einer
allfälligen Wartezeit von einem Unterbruch (vgl. Art. 29 IVV) auszugehen ist. Am 7. Juli
2014 begann eine mögliche weitere einjährige Wartezeit, die ebenfalls nicht erfüllt
wurde, weil der Beschwerdeführer ab 10. April 2015 selbst in seiner bisherigen
Tätigkeit erneut voll arbeitsfähig war. - Inwiefern die Gutachter mit ihrer retrospektiven
Arbeitsfähigkeitsschätzung zumindest sinngemäss die Mitteilung der
Beschwerdegegnerin vom 20. April 2015 als offensichtlich unzutreffend erachtet haben
sollten, ist nicht ersichtlich.
ter
Eine nächste Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit - dieses Mal
anhaltend - trat in der Folge am 17. Dezember 2015 auf. In Bezug auf eine adaptierte
Tätigkeit wurde gutachterlich erklärt, für die Zeit nach der (operativen) Revision am
23. Februar 2016 (Tag der Revisionsoperation) sei eine volle Arbeitsunfähigkeit bis
sechs Monate postoperativ nach der Spondylodese am 9. August 2016, d.h. bis etwa
Anfang Februar 2017, nachvollziehbar. Indessen ist diesbezüglich darauf hinzuweisen,
dass Dr. B._ echtzeitlich bereits am 2. April 2016 feststellen konnte, es bestünden
kaum noch Beinbeschwerden, und dass er deshalb für die Zeit ab 25. Mai 2016 mit
dem Wiedererreichen einer vollen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer
adaptierten Tätigkeit rechnete. Am 11. Mai 2016 berichtete der Arzt zwar dann von
unerträglichen Rückenschmerzen des Beschwerdeführers, hielt aber fest,
Beinschmerzen seien nicht mehr vorhanden. Am 29. Juni 2016 gab der Arzt an, der
Beschwerdeführer komme mit wenig Arzneimitteln zurecht. Am 9. August 2016 nahm
er jedoch die Spondylodese vor. Am 16. November 2016 erklärte er schliesslich, es
gehe dem Beschwerdeführer nicht wesentlich besser. Beinschmerzen - nach deren
Abklingen gemäss dem neurologischen Gutachten retrospektiv kein Hinweis mehr auf
eine Einschränkung der diesbezüglichen Arbeitsfähigkeit bestehe (vgl. IV-act. 105-47) -
erwähnte er indessen nicht. Vielmehr hielt er fest, die Ursache der Beschwerden sei
zurzeit nicht ersichtlich. MRI und Röntgenbild zeigten keine
Nervenwurzelkompressionen, keine Schraubenlockerung und ein blandes ISG. Zudem
gab er bekannt, der Rückenschmerz des Beschwerdeführers sei immer derselbe
gewesen. Das deutet auf einen objektiv damals bereits (und nicht erst ab den Berichten
vom 22. Februar 2017) erheblich verbesserten Zustand hin. Schon bei
frühestmöglichem Ablauf dieser Wartezeit im Dezember 2016 ist demnach mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht mehr von einer Arbeitsunfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit auszugehen. Dass der Beschwerdeführer bis Ende Februar 2017
tatsächlich noch angestellt war, vermag an der Massgeblichkeit der Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit (für die Bemessung der Invalidität) zu jenem Zeitpunkt nichts
10.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 29/30
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11.
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtmässig. - Ob der
Beschwerdeführer angesichts der hohen, in der Berufstätigkeit erreichten Qualifikation
allenfalls einen Anspruch auf Unterstützung durch berufliche
Eingliederungsmassnahmen geltend machen könnte, ist vorliegend offen zu lassen.
12.
zu ändern, da eine berufliche Neuorientierung aus gesundheitlichen Gründen zu jener
Zeit wie erwähnt schon seit längerem (seit 2015, Fremd-act. 3-71) von ihm erwartet
worden war (vgl. auch Bundesgerichtsurteil vom 7. April 2016, 9C_783/2015; BGE 139
V 592 E. 2.3). - Im Verlaufsgutachten wurde ferner (nach einer Phase voller
Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten bis zum 6. November 2017) vom
7. November 2017 bis 18. Dezember 2017 nochmals eine vorübergehende volle
Arbeitsunfähigkeit (wegen der HWS-Schädigung) attestiert. Seither sei der
Beschwerdeführer in einer leidensadaptierten Tätigkeit wieder voll arbeitsfähig (vgl. IV-
act. 136-8 f., 136-30, 136-32). - Damit ist in Anbetracht der gesamten Aktenlage nicht
von erfüllten Voraussetzungen für einen vorübergehenden Rentenanspruch
auszugehen.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.12.1.
Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Der
Beschwerdeführer ist im Verfahren unterlegen, weshalb ihm die Gerichtskosten in der
Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen sind. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen
Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) am 14. Januar 2020 ist er jedoch von deren Bezahlung zu
befreien.
12.2. bis
Der Staat ist aufgrund der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu verpflichten,
für die Kosten seiner Rechtsvertretung aufzukommen. Der Bedeutung der Streitsache
und dem Aufwand angemessen erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 4'000.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer). Diese ist in Anwendung von Art. 31
Abs. 3 des st. gallischen Anwaltsgesetzes (sGS 963.70) um einen Fünftel auf
Fr. 3'200.-- zu reduzieren.
12.3.
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