Decision ID: 50320d2d-6264-4cee-9ff1-7e0cb0b0b9a4
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Mit Verfügung vom 2
9.
Oktober 2019 stellte die
Syna
Arbeitslosenkasse
X._
ab dem
1.
Oktober 2019 wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für die Dauer von 36 Tagen in der A
nspruchsberechtigung ein (
Urk.
3/4
).
Mit Schreiben vom 2
6.
Mai 2020 mit der Überschrift «Gesuch um Neubeurteilung wegen neuer Beweismittel und Aufhebung der 36 Einstelltage» gelangte
X._
an die Arbeitslosenkasse (
Urk.
3/5) und berief sich
dabei
auf ein Protokoll der Staatsanwaltschaft Zürich über eine Zeugeneinvernahme vom
5.
Dezember 2019 (
Urk.
3/7).
Mit Entscheid vom 2
9.
Mai 2020 eröffnete die Arbeitslosenkasse dem Versicherten, dass sie sein Schreiben vom 2
6.
Mai 2020 als Einsprache
betreffend die Verfügung vom 2
9.
Oktober 2019
werte
, wegen Verspätung jedoch nicht darauf eintrete (
Urk.
2).
2.
X._
erhob gegen den Einspracheentscheid vom 2
9.
Mai 2020 mit Eingabe vom
6.
Juni 2020 Beschwerde mit dem Antrag, die Einsprache vom 2
6.
Mai 2020 sei zuzulassen, ungeachtet dessen, dass die
Einsprachefrist
von 30 Tagen abgelaufen sei (
Urk.
1/1 und
Urk.
1/2).
Die Einzelrichterin

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Gegenstand des Streites sind 36 Taggelder. Der Streitwert übersteigt somi
t die Streitwertgrenze von
Fr.
3
0'000.-- nicht, weshalb
die Behandlung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [GSVGer]
in der
ab dem
1.
Juni 2020 geltenden Fassung
)
.
2.
2.1
Nach
Art.
52
Abs.
1 Satz 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
kann g
egen Verfügungen innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle
Einsprache erhoben werden.
Eine gesetzliche Frist
-
wie diejenige nach
Art.
52
Abs.
1 Satz 1 ATSG
-
kann gemäss
Art.
40
Abs.
1 ATSG nicht erstreckt werden
.
Ist die gesuchstellende Person oder ihre Vertretung
jedoch
unverschuldeterweise abgehalten worden, binnen
Frist zu handeln,
so wird die Frist
gestützt auf
Art.
41
ATSG
wieder hergestellt
, sofern die Person
unter Angabe des Grundes innert 30 Tagen nach Wegfall des Hindernisses darum ersucht und die versäumte Rechtshandlung nachholt.
2.2
Unangefochten gebliebene und somit in formelle Rechtskraft erwachsene Verfügungen und Einspracheentscheide
müssen
sodann nach
Art.
53
Abs.
1 ATSG
in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglic
h war
(sogenannte prozessuale Revision im Gegensatz zur Revision aufgrund veränderter Verhältnisse). Fe
r
ner
kann der Versicherungsträger nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG auf formell rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zw
eifellos unrichtig sind und
ihre Berichtigun
g von erheblicher Bedeutung ist
(sogenannte Wiedererwägung).
Auf die Wiederwägung eines
zweifellos unrichtigen Entscheids
besteht
rechtsprechungsgemäss kein
durchsetzbarer Anspruch
, so
dass die Verwaltung auf ein Wiedererwägungsgesuch nicht einzutreten braucht und entsprechende
Nichteintretensentscheide
nicht mit Beschwerde anfechtbar sind
(vgl. BGE
133
V
50 E. 4 mit Hinweisen).
Demgegenüber besteht dort, wo die betroffene Person einen Revisionsgrund geltend macht oder wo dem Versicherungsträger ein Revision
s
grund anderweitig bekannt wird, eine Pflicht zur Revision beziehungsweise zur Prüfung, ob die Voraussetzung für
die prozessu
ale Revision erfüllt sind (vgl.
Kieser
, ATSG-Kommentar,
4.
Auflage, Zürich 2020,
Art.
53 ATSG N 36)
.
Zuständig für die Prüfung der Revisionsvoraussetzungen und zum allfälligen Erlass eines neuen materiellen Entscheids ist diejenige Instanz, deren Entscheid im Revisionsverfahren zu überprüfen ist. Sie hat
in Form einer
Verfügung zu entscheiden,
sowohl
im Fall, dass sie wegen Verneinung der R
evisionsvoraussetzungen auf ein
Revisionsgesuch nicht eintritt, als auch im Fall eines materiellen Revisionse
ntscheids (
Kieser
, a.a.O., Art.
53 ATSG N 37).
3.
3.1
Inhaltlich handelt es sich beim angefochtenen Einspracheentscheid vom 2
9.
Mai 2020
(
Urk.
2)
um einen
Nichteintretensentscheid
wegen verspäteter Einsprache
gegen die Verfügung vom 2
9.
Oktober 201
9.
Die Beschwerdegegnerin
sprach zwar im
Entsch
eid-Dispositiv die Abweisung der Einsprache vom 2
6.
Mai 2020 und die Bestätigung der Verfügung vom 2
9.
Oktober 2019 aus (
Urk.
2 S. 1). Sie ging jedoch in den Erwägungen nicht auf d
en Inhalt der Verfügung vom 29.
Oktober 2019 ein, sondern
wies nur darauf hin, dass die
Einsprachefrist
zur Zeit der Erhebung der Einsprache bereits abgelaufen sei und deshalb auf die Einsprache nicht eingetreten werde (
Urk.
2 S. 1). Der tatsächliche Gehalt des angefochtenen Einspracheentscheids ist somit dieses Nichteintreten und nicht eine Abweisung im Sinne des abweichend formulierten Entscheid-Dispositivs.
3.2
Der Beschwerdeführer bestritt weder im Schreiben vom 2
6.
Mai 2020 (
Urk.
3/5) noch in der Beschwerdeschrift (
Urk.
1), dass die 30-tägige Frist zur Erhebung einer Einsprache gegen die Verfügung vom 2
9.
Oktober 2019 bereits abgelaufen war, als er mit dem Schreiben vom 2
6.
Mai 2020 an die Beschwerdegegnerin gelangte. Seinem Antrag, die Einsprache sei dennoch zuzulassen (
Urk.
1 S. 1), kann daher nicht entsprochen werden
, denn es ist nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer im Sinne der
Voraussetzungen in
Art.
41
ATSG
für eine Wiederherstellung der
Einsprachefrist
an der rechtzeitigen
Einspracheerhebung
gehindert worden wäre.
Die
Beschwerde ist somit abzuweisen
.
Der Entscheid
ist gestützt auf
§
19
Abs.
2 GSVGer ohne Anhörung
der Gegenpartei zu treffen, da die Beschwerde hinsichtlich der Verspätung der Einsprache offensichtlich
aussichtslos
ist.
3.3
Es ist allerdings fraglich, ob das Schreiben des Besc
hwerdeführers vom 2
6.
Mai 2020
(
Urk.
3/5) überhaupt als Einsprache gegen die Verfügung vom 2
9.
Oktober 2019 (
Urk.
3/4) zu interpretieren war, wie dies die Beschwerdegegnerin mit dem Erlass des angefochtenen Einspracheentscheids tat. Der Beschwerdeführer bezeichnete dieses Schreiben nämlich nicht als Einsprache, sondern vielmehr als Gesuch um Neubeurteilung wegen neuer Beweismittel und nannte als entsprechendes neues Beweismittel das beigelegte Protokoll der Staatsanwal
tschaft Zürich
vom
5.
Dezember 2019
(
Urk.
3/7).
Das Schreiben hat daher
zumindest neben dem Charakt
er einer Einsprache
im Sinne von
Art.
52
Abs.
1 ATSG
auch
den Charakter eines Gesuchs um prozessuale Revision
der Verfügung vom 2
9.
Oktober 2019
im Sinne von Art.
53
Abs.
1 ATSG.
Da die Beschwerdegegnerin nach dem vorstehend Ausgeführten verpflichtet ist, ein solches Gesuch zu behandeln,
ist die Sache a
n
d
i
e
Beschwerdegegnerin zu überweisen, damit sie das Schreiben des Beschwerdeführers vom 2
6.
Mai 2020 als Gesuch um prozessuale Revision der Verfügung vom 2
9.
Oktober 2019 entgegennehme und behandle.