Decision ID: 204cc899-946c-514f-ac55-849281b20970
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 24. November 2015 zusammen mit seiner
Mutter B._ und seiner Schwester C._ (beide N [...]) in der
Schweiz um Asyl nachsuchte,
dass das SEM mit Verfügung vom 15. März 2015 auf sein Asylgesuch nicht
eintrat und sie in den zuständigen Dublin-Mitgliedstaat (Kroatien) wegwies,
dass eine gegen diesen Entscheid am 4. April 2016 erhobene Beschwerde
mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 11. Juli 2017 (D-2041/2016)
abgewiesen wurde,
dass er – zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester – am 13. Juli
2018 ein Wiedererwägungsgesuch einreichte und geltend machte, die
Schweiz im August 2017 verlassen und sich illegal in der Türkei aufgehal-
ten zu haben,
dass dieses Gesuch am 8. Oktober 2018 vom SEM abgewiesen und gegen
diesen Entscheid am 12. November 2018 Beschwerde beim Bundesver-
waltungsgericht eingereicht wurde,
dass das Bundesverwaltungsgericht die Sache mit Urteil D-6396/2018 vom
20. November 2019 zur Neubeurteilung an das SEM zurückwies und das
SEM in der Folge das nationale Asylverfahren durchführte,
dass der Beschwerdeführer anlässlich der Kurzbefragung vom 27. Novem-
ber 2015 sowie der Anhörung zu den Asylgründen vom 5. März 2020 zur
Begründung des Asylgesuchs im Wesentlichen geltend machte, er sei eth-
nischer Kurde und syrischer Staatsangehöriger und sei in D._ ge-
boren und aufgewachsen, jedoch als Kind nach E._ gezogen,
dass er sich nie aktiv politisch betätigt habe, das Leben in Syrien für ihn
nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2014 jedoch nur noch beängstigend
gewesen sei,
dass er gehört habe, dass Nachbarskinder teilweise unter Zwang in die
YPG (kurdische Volksverteidigungseinheiten) eingezogen worden seien,
weshalb er grosse Angst habe, ihm und seiner Schwester könnte das glei-
che wiederfahren,
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dass ein Verwandter seiner Mutter geholfen habe, ihre Ausreise zu organi-
sieren, um in die Schweiz zu gelangen, wo sich seine ältesten zwei Brüder
seit einigen Jahren aufhalten würden,
dass das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit Verfügung vom
25. Mai 2020 – eröffnet am 27. Mai 2020 – ablehnte sowie die Wegweisung
aus der Schweiz anordnete, gleichzeitig aber den Vollzug aufgrund Unzu-
mutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufschob,
dass das SEM zur Begründung im Wesentlichen anführte, im Rahmen von
Krieg oder Situationen allgemeiner Gewalt erlittene Nachteile würden keine
Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes darstellen, soweit sie nicht auf der
Absicht beruhen würden, einen Menschen aus einem der in Art. 3 AsylG
(SR 142.31) erwähnten Gründen zu treffen,
dass der Beschwerdeführer geltend gemacht habe, sich sicher zu sein,
dass auch er früher oder später verschleppt worden wäre, und er keinen
anderen Ausweg gesehen habe, als sein Heimatland zu verlassen,
dass diese Befürchtungen auf viele Bürger Syriens in ähnlicher Weise zu-
treffen würden und damit keine gezielte Verfolgung im Sinne von Art. 3
AsylG ersichtlich sei,
dass der Vollständigkeit halber festzuhalten sei, dass eine geltend ge-
machte Rekrutierungsbemühung der YPG die Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG ohnehin nicht zu erfüllen
vermögen würden,
dass gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts die Rekru-
tierungsbemühungen durch die PYD (Partei der demokratischen Union)
und die YPG mangels eines Verfolgungsmotivs im Sinne von Art. 3 AsylG
und mangels hinreichender Intensität keine Asylrelevanz zu entfalten ver-
mögen würden und nicht davon auszugehen sei, dass eine Weigerung
asylrelevante Sanktionen nach sich ziehe,
dass ihre Vorbringen somit den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-
schaft nicht standhalten würden,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 24. Juni 2020 gegen diesen
Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und dabei
beantragte, ihm sei Asyl zu gewähren, eventualiter sei ihm die Flüchtlings-
eigenschaft zuzuerkennen,
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dass er in prozessualer Hinsicht beantragte, es sei auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltliche Prozessführung
zu gewähren,
dass die Beschwerde im Wesentlichen damit begründet wurde, die Argu-
mentation der Vorinstanz sei nicht stichhaltig, da sie der Realität im Her-
kunftsland des Beschwerdeführers nicht entsprechen würde,
dass bekannt sei, wie die kurdischen Behörden mit grosser Brutalität und
erschreckender Gewalt gegen Personen und ihre Familienangehörigen
vorgehen würden, die sich weigerten, Militärdienst zu leisten und ins Aus-
land fliehen würden,
dass die kurdischen Behörden grosses Interesse an der Rekrutierung einer
Schwester des Beschwerdeführers gezeigt hätten (N [...]) und ein Bruder
in der Schweiz Asyl erhalten habe (N [...]), weshalb der Beschwerdeführer
der Reflexverfolgung ausgesetzt sei,
dass nach Veröffentlichung von Berichten nicht mehr bestritten oder ange-
zweifelt werden könne, dass keine Zwangsrekrutierungen durch die YPG
stattfinden würden, solche würden bis heute stattfinden, weshalb dieses
Vorbringen durchaus asylrechtlich relevant sei,
dass somit feststehe, dass der Beschwerdeführer in Syrien grossen Ge-
fahren ausgesetzt gewesen und an Leib und Leben gefährdet gewesen sei,
weshalb ihm Asyl zu gewähren sei,
dass betreffend seine Schwester C._ und seine Mutter B._
ebenfalls Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht hängig sind, diese
mit jenem des Beschwerdeführers koordiniert behandelt wurden und deren
Beschwerden mit Urteilen gleichen Datums abgeschlossen werden (D-
3234/2020 und D-3235/2020),
dass die Instruktionsrichterin mit Zwischenverfügung vom 17. Juli 2020 das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung abwies und
ihr Frist zur Bezahlung eines Kostenvorschusses ansetzte,
dass der einverlangte Kostenvorschuss am 30. Juli 2020 fristgerecht ge-
leistet wurde,
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und erwägt,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM entschei-
det, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor
welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG
i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht
vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet,
dass am 1. März 2019 eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten ist
(AS 2016 3101) und für das vorliegende Verfahren das bisherige Recht gilt
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015),
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb das Urteil
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
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dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl gewährt (Art. 2 Abs. 1
AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG),
dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft
gemacht werden muss (Art. 7 AsylG),
dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde
ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält,
dass Vorbringen insbesondere dann unglaubhaft sind, wenn sie in wesent-
lichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den
Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abgestützt werden,
dass das SEM die Praxis des Gerichts zur Wehrdienstverweigerung im Zu-
sammenhang mit der PYD/YPG korrekt wiedergegeben hat,
dass die PYD zwar im Jahr 2014 in den kurdischen Gebieten Syriens eine
Dienstpflicht für alle (männlichen) Bürger zwischen 18 und 30 Jahren ein-
geführt habe, gemäss den vorliegenden Berichten jedoch Personen, wel-
che sich dieser Verpflichtung entziehen wollen, keine asylrelevanten Nach-
teile zu gewärtigen haben (vgl. zum Ganzen das Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts D-5329/2014 vom 23. Juni 2015 E. 5.3, als Referenzurteil
publiziert),
dass eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion zudem für sich allein
die Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen vermag (vgl. auch Art. 3 Abs.
3 AsylG),
dass diese erst dann anzuerkennen ist, wenn die Behandlung wegen
Wehrdienstverweigerung oder Desertion zu einer Verfolgung im Sinne von
Art. 3 Abs. 1 AsylG führt und hierfür die betroffene Person aus den in dieser
Norm genannten Gründen (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu
einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) wegen
ihrer Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewär-
tigen hat, die ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleich-
kommt,
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dass die Militärdienstpflicht als solche gerade nicht an eine der in Art. 3
AsylG aufgeführten Eigenschaften anknüpft, sondern an den Wohnort, das
Alter und das Geschlecht,
dass die Wehrpflicht respektive eine im Falle einer Rückker nach Syrien zu
befürchtende Zwangsrekrutierung durch die PYD/YPG auch aus diesem
Grund grundsätzlich nicht als asylrelevant zu qualifizieren ist (vgl. dazu
etwa die Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D-7292/2014 vom
22. Mai 2015 E. 4.4.2, E-1063/2018 vom 14. März 2018 E. 7.1 oder E-
1251/2017 vom 4. Dezember 2018 E. 5.4),
dass für den in der Schweiz vorläufig aufgenommenen Beschwerdeführer
nach dem Gesagten zusammenfassend festzuhalten ist, dass er in der Ver-
gangenheit keine flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteile erlitten und sol-
che auch bei einer (hypothetischen) Rückkehr nach Syrien nicht mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft zu gewärtigen
hätte,
dass es ihm somit nicht gelingt, die Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen
oder zumindest glaubhaft zu machen, weshalb das Staatssekretariat das
Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat,
dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat
(Art. 44 AsylG), vorliegend insbesondere der Kanton keine Aufenthaltsbe-
willigung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen
besteht (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.), weshalb die
verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen
steht und demnach vom Staatssekretariat ebenfalls zu Recht angeordnet
wurde,
dass das SEM in seiner Verfügung vom 25. Mai 2020 angesichts der Lage
in Syrien die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festgestellt und
die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers angeordnet hat,
dass sich deshalb praxisgemäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit
und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs erübrigen,
dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechts-
erheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1
AsylG) und – soweit überprüfbar – angemessen ist, weshalb die Be-
schwerde abzuweisen ist,
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dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten (Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG),
dass aufgrund der koordinierten Verfahrensführung mit den Verfahren D-
3235/2020 und D-3234/2020 praxisgemäss eine Reduktion der Kosten von
Fr. 750.– auf Fr. 500.– erfolgt und ihm die Differenz zum geleisteten Kos-
tenvorschuss zurückzuerstatten ist.
(Dispositiv nächste Seite)
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Considerations: