Decision ID: ce743306-bd9f-4475-abfc-dcf94ce8cf6e
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1963, Mutter zweier erwachsener Kinder (Urk. 7/2 Ziff. 3.1), ist gelernte Hotelfachassistentin und absolvierte zusätzlich eine Ausbildung als Haushaltleiterin (Urk. 7/2 Ziff. 5.2). Zuletzt war sie von Dezember 2007 bis Ende Dezember 2008 als Assistentin der Zentrumsleitung in einem Alters- und Pflegeheim tätig (Urk. 7/2 Ziff. 5.4) und meldete sich am 20. Mai 2009
unter Hinweis auf
sich wiederholende Nervenzusammen
brüche bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2 Ziff. 6.2 und 6.7). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, führte eine berufliche Abklärung durch (vgl. Mitteilung vom 9. September 2009, Urk. 7/23) und erteilte Kostengutsprache für den Vor
bereitungskurs sowie die Umschulung zur Technischen Kauffrau (Urk. 7/43, Urk. 7/51), wobei die Versicherte die Umschulung wegen Krankheit per 3. September 2010 abbrach (vgl. Urk. 7/61). Mit Mitteilung vom 14. Juli 2011 verneinte die IV-Stelle einen weiteren Anspruch auf berufliche Massnahmen (Urk. 7/77) und sprach der Versicherten mit Verfügung vom 18. April 2012 bei einem Invaliditätsgrad von 80 % eine ganze Invalidenrente ab 1. August 2010 zu (Urk. 7/96, vgl. auch Urk. 7/88).
1.2
Nach Eingang eines am 11. März 2013 ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk. 7/102) holte die IV-Stelle unter anderem bei Dr. A._ ein Gutachten ein, welches am 8. August 2014 erstattet wurde (Urk. 7/117). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren
(Urk.
7/119,
Urk.
7/122, Urk. 7/128, Urk. 7/132/1-4
)
, in dessen Rahmen die Versicherte ein psychiatrisches Gut
achten von Dr. B._, Psychiatrie C._, einreichte (Urk. 7/132/5-32), hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 11. Februar 2016 die bisher ausgerichtete Rente auf (Urk. 7/138 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
10. März 2016
Beschwerde
gegen die Verfügung vom 11. Februar 2016 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr weiterhin die bisherige Rente der Invalidenversicherung auszurichten (Urk. 1 S. 2). Sie beantragte ferner, es seien die Kosten für das eingeholte psychiatrische Gutachten von Dr. B._ im Betrag von Fr. 4'835.-- und die zu erwartenden Kosten für eine ergänzende Stellungnahme von Fr. 400.-- der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen und es sei diese zu verpflichten, ihr den bereits bezahlten Rechnungsbetrag zurückzuerstatten (Urk. 1 S. 2 Ziff. 4, vgl. auch Urk. 34 S. 2 f. Ziff. 4).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 21. April 2016 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Am 4. Mai 2016 reichte die Beschwerde
führerin eine ergänzende Stellungnahme von Dr. B._ nach (Urk. 8/1-2). Mit Verfügung vom 19. Mai 2016 wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zur Kenntnis gebracht und gleichzeitig der Beschwerde
gegnerin die Eingaben der Beschwerdeführerin zugestellt (Urk. 9).
Mit Beschluss vom 15. August 2017 ordnete das Gericht eine psychiatrische Begutachtung der Beschwerdeführerin an (Urk. 12) und beauftragte am 12. September 2017 das Universitätsspital
F._, mit der Durchführung der Begutachtung (Urk. 16). Nachdem keine der Parteien gegen die vorgese
hene Gutachterin Einwände erhoben hatte, erteilte das Gericht mit Beschluss vom 30. Januar 2017 den definitiven Gutachtensauftrag (Urk. 24), worauf am 7. August 2018 das Gutachten erstattet wurde (Urk. 31). Am 7. September 2018 nahm die Beschwerdeführerin Stellung zum Gutachten (Urk. 34), wohingegen die Beschwerdegegnerin auf das Einreichen einer Stellungnahme ausdrücklich verzichtete (Urk. 36). Dies wurde den Parteien am 13. Sep
tember 2018 mitgeteilt (Urk. 37).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin die Verletzung sowohl der Beweiswürdigungsregeln als auch der Begründungspflicht und damit die Ver
letzung des rechtlichen Gehörs. Weder Dr. A._ noch die Ärzte des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der Beschwerdegegnerin hätten sich inhaltlich mit dem Gutachten von Dr. B._ auseinandergesetzt. Sie habe sodann keine Gelegenheit erhalten, sich zur Stellungnahme von Dr. A._ zu äussern (Urk. 1 S. 5 ff. lit. II.1.b-c).
Nach der Rechtsprechung kann eine – nicht besonders schwerwiegende – Ver
letzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwer
deinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/aa). Von einer Rück
weisung der Sache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis).
Der Beschwerdeführerin ist darin beizupflichten, dass die Begründung der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung eher kurz ausgefallen ist. Es war der Beschwerdeführerin jedoch dennoch möglich, die Verfügung sachgerecht anzufechten. Bezüglich der Stellungnahme von Dr. A._ vom 10. August 2015 ist sodann anzumerken, dass die Beschwerdeführerin ihrerseits eine Stellungnahme von Dr. B._ nachreichen konnte (vgl. Urk. 8/1-2), so dass insgesamt eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt zu betrachten wäre.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objek
tiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Renten
bezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE
130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesund
heitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditäts
bemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
2.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkran
kungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittel
schwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Ände
rung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrecht
lich relevante psychische Gesundheitsschädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E.
2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamt
haft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die
funktionellen
Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardin
dikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
2.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «
funktioneller Schweregrad
»
(E. 4.3)
-
Komplex «
Gesundheitsschädigung
»
(E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «
Persönlichkeit
»
(Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «
Sozialer Kontext
»
(E. 4.3.3)
-
Kategorie «
Konsistenz
»
(Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Kon
sistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
2.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizi
nischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3.
3.1
Bei der erstmaligen Rentenzusprache ging die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung (Urk. 7/88) davon aus, dass die Beschwerdeführerin seit 1. April 2009 in ihrer Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt sei. Ohne Gesundheits
schaden würde sie einer Tätigkeit im kaufmännischen Bereich zu einem Pen
sum von 80 % nachgehen, die restlichen 20 % würden auf den Aufgabenbe
reich entfallen (S. 1). Seit dem Abbruch der beruflichen Massnahmen sei ihr keine Erwerbstätigkeit mehr zumutbar, so dass sich bereits aufgrund der Ein
schränkungen im Erwerbsbereich ein Anspruch auf eine ganze Rente ergebe (S. 2).
In der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) führte die Beschwerdegegnerin gestützt auf das psychiatrische Gutachten von Dr. A._ aus, der Gesund
heitszustand der Beschwerdeführerin habe sich deutlich verbessert und aus medizinischer Sicht lägen ab spätestens 7. August 2014 keine arbeitsrelevan
ten Einschränkungen mehr vor. Es werde kein medizinischer Sachverhalt mehr beschrieben, welcher in Art und Schwere die Voraussetzung eines inva
lidisierenden Gesundheitsschadens erfülle. Es bestehe kein Anspruch mehr auf eine Invalidenrente. In den von der Beschwerdeführerin eingereichten Unterlagen würden keine neuen, unberücksichtigten medizinischen Tatsa
chen oder Fakten vorgebracht, die formal nach ICD-10 geeignet seien, die arbeitsmedizinischen Schlussfolgerungen zu widerlegen. Im vom der Beschwerdeführerin in Auftrag gegebenen Gutachten lasse sich lediglich eine anders gewichtete Darstellung finden (S. 2).
3.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend (Urk. 1), der Umstand alleine, dass eine ärztliche Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht werde, rechtfertige nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts nicht Zweifel an ihrem Beweiswert (S. 7 lit. c). Bei der Fach
stelle für psychiatrische Gutachten der C._ handle es sich um eine Gutach
tensstelle, die den Ruf einer unabhängigen Gutachterstelle habe und des Öfteren auch von der Beschwerdegegnerin und von Versicherungen beauf
tragt werde (S. 7 lit. d). Die medizinische Situation im Verfügungszeitpunkt im Februar 2016 dürfe bereits mangels Aktualität nicht gestützt auf das Gut
achten von Dr. A._ vom August 2014 beurteilt werden. Das Gutachten von Dr. B._ sei eineinhalb Jahre später verfasst worden und entsprechend erheblich aktueller (S. 8 Ziff. 3). Dr. A._ beschreibe nicht in erster Linie eine Verbesserung der Beschwerden, sondern bereits eine andere Beurteilung der Situation im Zeitpunkt der Renten
zusprache (S. 9 lit. b). Die Beurteilung durch Dr.
?
._, wonach sich der Gesundheitszustand gebessert habe, enthalte keinerlei Hinweise darauf, seit wann und inwiefern sich der Gesund
heitszustand im Vergleich mit der letzten Beurteilung verbessert haben solle (S. 9 lit. c). Dr. B._ sei zwar zu einer anderen Diagnose - nicht jedoch zu einer anderen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit - gelangt als die behandeln
de Ärztin Dr. D._, habe seine abweichende Diagnose jedoch nachvollziehbar begründet (S. 10 lit. c). Weiter habe Dr. B._ auch inhaltlich ausführlich zum Gutachten von Dr. A._ Stellung genommen (S. 11 f. lit. d). Das Gutachten von Dr. A._ vermöge auch inhaltlich nicht zu überzeugen. Die unverändert schlechte gesundheitliche Situation werde von der Gutachte
rin nach einer einzigen persönlichen Befragung zu Unrecht und in nicht nachvollziehbarer Weise viel zu positiv beurteilt, so dass nicht darauf abge
stellt werden könne. Es handle sich bei ihrer Beurteilung um eine ärztliche Schlussfolgerung, die von den früheren Beurteilungen abweiche, obwohl sich der beurteilte Gesundheitszustand effektiv nicht verändert habe (S. 12 Ziff. 4.a). Die Gutachterin gehe fälschlicherweise davon aus, dass die gesund
heitlichen Beschwerden auf einen Arbeitsplatzkonflikt im Jahre 2007 zurückgehen würden und unterdessen remittiert seien. Die Ursachen und der Beginn der psychischen Beschwerden würden jedoch viel weiter zurückliegen (S. 12 lit. b). Auch die beurteilenden Psychiater und Psychologen der Abklä
rungsstelle E._ seien zum Schluss gekommen, dass die psychische Problematik in erster Linie aus lebensgeschichtlich geprägten, überdauernden und gestörten Erlebens- und Verhaltensmustern bestehe (S. 13).
In ihrer Stellungnahme zum Gerichtsgutachten der F._ (Urk. 34) hielt die Beschwerdeführerin sodann fest, dieses bestätige die Beurteilung durch Dr. B._. Auch die F._-Gutachter würden davon ausgehen, dass eine über 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit selbst mittel
fristig nicht erreicht werden könne, und erachteten allein eine geschützte Tätigkeit als angepasst (S. 1 Ziff. 2). Gemäss den Gutachtern sei es gut denk
bar, dass aufgrund einer «Momentaufnahme» zum Zeitpunkt der Exploration bei der Vorgutachterin Dr. A._ die damalige Arbeitsfähigkeit optimisti
scher eingeschätzt worden sei. Die F._-Gutachter seien zum Schluss gekommen, dass die Auswirkungen der Persönlichkeitsstörung gravierend seien. Entsprechend sei eine Verbesserung des Gesundheitszustandes nicht ausgewiesen (S. 2 Ziff. 3).
3.3
Strittig und zu prüfen ist demnach, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der erstmaligen Rentenzusprache im April 2012 ver
bessert hat und die Beschwerdegegnerin die bestehende Rente dementspre
chend zu Recht aufgehoben hat.
4.
4.1
Die behandelnde Psychiaterin Dr. D._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte in ihrem Bericht vom 21. Juli 2009 folgende Diagnosen (Urk. 7/16 Ziff. 1.1):
-
Zustand nach früh(st)kindlicher und kindlicher Traumatisierung, nach ICD-10 nicht als solche codierbar, sich zeigend in den typischen Stö
rungen der posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
leichte bis mittelschwere Depression mit somatischen Symptomen und zeitweise Suizidalität (ICD-10 F32.01/F32.11)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
somatoforme autonome Funktionsstörung (ICD-10 F45.3)
Die Beschwerdeführerin besuche seit August 2007 ein- bis zweimal wöchent
lich eine spezielle Traumatherapie entsprechend der Diagnose (Ziff. 1.5). Seit Januar 2009 sei sie vollständig arbeitsunfähig (Ziff. 1.6). Ab zirka Herbst 2009 sei ihr die bisherige Tätigkeit unter der Voraussetzung eines Job-Coaching in einem Pensum von 40-50 % zumutbar, in diesem Rahmen sei eine volle Leistungsfähigkeit zu erwarten (Ziff. 1.7). Bei Weiterführung der Traumatherapie und Begleitung in der Wiederaufnahme des Arbeitsprozesses sei die Prognose gut (Ziff. 1.4).
4.2
Vom 16. November bis 15. Dezember 2009 absolvierte die Beschwerde
führerin eine Abklärung in der Abklärungsstelle E._ (Urk. 7/40 S. 1). Im Schlussbericht vom 7. Januar 2010 hielten die verantwortlichen Sachverständigen fest, die psychischen Probleme der Beschwerdeführerin bestünden in erster Linie aus lebensgeschichtlich gepräg
ten, überdauernden und gestörten Erlebens- und Verhaltensmustern (S. 9 Ziff. 3.1), welche sich als Persönlichkeit mit ängstlich-vermeidenden, histrio
nischen und narzisstischen Zügen fassen liessen (ICD-10 Z73.1, S. 12 oben). Bei E._-Start sei der Beschwerdeführerin von Seiten der Beschwerdegeg
nerin ein 50%iges Abklärungs-Pensum zugesprochen worden, welches diese kurzzeitig bis auf 70 % gesteigert habe. Bei einer forcierten Steigerung wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit eine psychische Dekompen
sation mit Abbruch der Abklärung zu erwarten gewesen. Die Arbeitsfähigkeit betrage demnach medizinisch-theoretisch derzeit 50-70 % im angestammten Beruf respektive in angepasster Tätigkeit bei ausbildungs
fremder Tätigkeit. Eine Steigerung dieser Arbeitsfähigkeit auf 100 % sei innert einem Jahr denkbar (S. 13 oben). Die Beschwerdeführerin habe sich vor dem Hintergrund einer eher einfachen Ausbildung als Hotelfach
assistentin zur Assistentin der Geschäftsleitung entwickelt, ohne von der Aus
bildung her eine genügend tragfähige Basis für ihre Tätigkeit zu haben. Mit dieser Ausgangslage sei das Risiko, in eine Über
forderungssituation zu geraten, auch ohne auffällige Persönlichkeitsstruktur sehr gross (S. 14 Ziff. 3.3). Aus psychiatrischer Sicht wäre eine Ausbildung als technische Kauffrau zu unterstützen, um sich die Basis für die bereits mehrfach ausgeübten Tätigkeiten zu erwerben (S. 13).
4.3
Am 23. September 2011 führte Dr. D._ bei unveränderten Diagnosen (Urk. 7/81 Ziff. 1.1) aus, die Beschwerdeführerin habe nach der E._-Abklärung die dreimonatige Einführung zur Ausbildung zur Technischen Kauffrau erfolgreich abgeschlossen. Die einjährige Vollzeitausbildung habe sie jedoch trotz Bestnoten wegen eines psychischen Zusammenbruchs abge
brochen. Gespräche betreffend berufliche Massnahmen hätten wiederum zu einem psychischen Zusammenbruch geführt. Insgesamt sei der Verlauf kri
sen- und wechselhaft gewesen, bis im Juli 2011 die beruflichen Massnahmen abgebrochen worden seien. Seither habe sich die psychische Situation etwas beruhigt. Bei fortgeführter Traumatherapie sei die Prognose gut (Ziff. 1.4). Für die bisherige Tätigkeit bestehe seit Januar 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %, wobei die Beschwerdeführerin bis Ende August 2010 schulfähig gewesen sei (Ziff. 1.6). Eine Arbeit sei in diesem psychischen Zustand nicht möglich (Ziff. 1.7). Längerfristig sei mit einer Stabilisierung zu rechnen, dann werde sich die Arbeitsfähigkeit erholen (Ziff. 1.8). Es wäre sinnvoll, in einem bis zwei Jahren erneut berufliche Massnahmen zu prüfen. Die Beschwerde
führerin sei sehr kooperativ und wolle arbeiten (Ziff. 1.11).
4.4
Am 8. November 2011 wies Dr. G._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), darauf hin, dass im Bericht von Dr. D._ nicht von einer berufsbezogenen Rehabili
tation in der Psychotherapie die Rede sei. Es werde eine Traumatherapie fort
geführt und das therapeutische Ziel sei eine Stabilisierung. Offenbar solle diese ohne berufliche Massnahmen erreicht werden. Diese Zielsetzung werde jedoch erfahrungsgemäss bei einer noch nicht 50jährigen Frau, wie sie beschrieben worden sei, kaum erreichbar sein. Denn ohne berufliche Anerkennung werde sich die Psyche dieser Versicherten kaum stabilisieren können. Aus dem aktuellen Arztbericht würden sich keine neuen Befunde ergeben, welche eine dauerhafte langjährige Einschränkung der Arbeitsfähig
keit begründen könne. Es sei davon auszugehen, dass bei den im Vorder
grund stehenden krankheits
wertigen Angststörungen (ICD-10 F41.1) und der Beschreibung nach auch einer generalisierten Angststörung (ICD-10 F41.1) mit Hinweisen auf dissoziative Störungen aus dem Formenkreis der Konver
sionsstörungen (ICD
10 F44) nach Abbruch der beruflichen Massnahmen am 3. September 2010 eine vorübergehende vollständige Arbeitsunfähigkeit ein
getreten sei und bis heute anhalte. Damit könne aber keine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit in der freien Marktwirtschaft begründet werden. Nach einer schrittweisen beruflichen Belastung, beginnend im geschützten Rahmen zu 100 % bei gegenwärtiger vollständiger Arbeitsunfähigkeit in der freien Marktwirtschaft und bei fortgesetzter psychiatrischer Behandlung könne zumindest in einem Jahr von einer medizinisch-theoretischen Arbeitsfähig
keit von zumindest 60 % in jeglicher beruflichen Tätigkeit ausgegangen wer
den. Eine Ein
schränkung im Haushalt lasse sich bei diesen psychiatrischen Befunden nicht plausibel begründen. Eine Revision sei spätestens in einem Jahr anzusetzen (Urk. 7/83 S. 5).
5.
5.1
Auf dem Revisionsfragebogen hielt Dr. D._ am 17. März 2013 fest, die Beschwerdeführerin besuche nach wie vor eine spezielle Traumatherapie im Umfang von eineinhalb Stunden wöchentlich (Urk. 7/102 Ziff. 5.2). Eine Tätigkeit sei leider noch nicht möglich, auch nicht eine der Behinderung angepasste Tätigkeit (Ziff. 5.5).
Dieselben Angaben machte Dr. D._ in ihrem Bericht vom 20. Juli 2013 (Urk. 7/105).
5.2
Am 7. August 2014 wurde die Beschwerdeführerin im Auftrag der Beschwer
degegnerin durch Dr. A._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachtet. In ihrem Gutachten vom 8. August 2014, für welches sie sich auf die vorhandenen Akten, einen Lebenslauf der Beschwer
deführerin sowie eigene Untersuchungen und Beobachtungen stützte (Urk. 7/117 S. 1 f.), nannte Dr. A._ folgende Diagnosen (S. 34):
-
Status nach zweimaliger ängstlich-depressiver Anpassungsstörung, zwischenzeitlich leicht- bis mittelgradig, gegenwärtig remittiert (ICD
10 F33.4), jeweils bei Problemen in Verbindung mit Berufs
tätigkeit (ICD-10 Z56)
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1)
-
anamnestisch psychosomatische Reaktionsbereitschaft beziehungs
weise somatoforme autonome Funktionsstörung
-
Herz- und Kreislaufsystem (ICD-10 F45.30)
-
oberes Verdauungssystem (ICD-10 F45.31)
-
Hyperventilation (ICD-10 F45.33)
Der Kontakt mit der Beschwerdeführerin und der affektive Rapport seien gut herstellbar, die Versicherte sei korrekt, kooperativ und freundlich zugewandt. Die Interaktion sei auch dann, wenn recht konfrontative Fragen gestellt wür
den, normvariant, sie gehe auch mit Fragen nach dem Selbstwerterleben reif und differenziert um, eine etwaige pathologische/narzisstische Kränkbarkeit sei nicht feststellbar. Auch schwierige Fragen würden mit prinzipieller Offen
heit angegangen. Die Beschwerdeführerin sei bewusstseinsklar, allseits orien
tiert, es gebe keine Intoxikationszeichen. Das formale Denken sei geordnet, die Fragen würden detailliert, aber durchaus gut fokussiert und gut selbst
strukturiert beantwortet. Inhaltlich sei das Denken auf das Verknüpfen von Alltagsempfindungen mit Kindheits
erinnerungen fixiert und darauf auch entsprechend eingeengt. Im gutachter
lichen Gespräch sei die Beschwerde
führerin aber durchaus fähig, sich den anderen gebotenen Themenbereichen zu widmen. Zentral würden lange zurück
liegende Kränkungen und Frustra
tionen in der Interaktion mit den Eltern thematisiert und es werde noch heute hiervon vor allem Wut, Bitterkeit und Empörung, seltener Traurigkeit, berichtet. Eigentlicher Selbsthass oder pathologischer Narzissmus seien aber nicht feststellbar. Es bestünden auch keine krankheitswerten Schuld-, Scham- und Insuffizienz
gefühle. Es gebe keine Anhaltspunkte für Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen. Die sehr zentrale Stellung der Kind
heitserinnerungen werde durch die ausschliessliche Beschäftigung hiermit, als einzige aktuell sinnvoll erlebte Beschäftigung und Ersatz-Struktur, auf
rechterhalten. Die Woche diene der Vorbereitung der nächsten therapeuti
schen Doppelstunde, entsprechend würden Erinnerungen und Empfindungen aufgelauert, dokumentiert, aufgeschrieben und zelebriert (S. 27 f.).
Sowohl die Testergebnisse auf der Hamilton Depressionsskala (HDRS) als auch auf der Montgomery Asberg Depressionsskala (MADRS) würden keine klinische Depression ausweisen (S. 28 f.).
Im anlässlich der Begutachtung erhobenen Psychostatus sei zusammenfas
send keinerlei relevante Psychopathologie mehr objektivierbar. Der Hauptbe
fund sei die Feststellung einer zentralen, durch die Psychotherapie unterhal
tene Fixation auf Kindheitserlebnisse, deren Analyse zum quasi wichtigsten aktuellen Lebensinhalt mutiert sei, und die die Beschwerdeführerin in ihrer Überzeugung einer schweren psychischen Erkrankung und Arbeitsunfähig
keit zementiere (S. 32 f.). Zu der von der behandelnden Psychiaterin ange
nommenen posttraumatischen Belastungs
störung sei heute eindeutig festzu
halten, dass keine der hierfür notwendigen gültigen ICD-10 Kriterien erfüllt seien. Es könne anlässlich der gutachterlichen Exploration keinerlei aktuelle relevante beziehungsweise krankheitswerte Symptomatik objektiviert werden, die eine weiterhin anhaltend verminderte Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin in der freien Wirtschaft begründen könne (S. 33).
Die Beschwerdeführerin sei in ihrem letzten Tätigkeitsbereich als Assistentin der Leitung Hotellerie aufgrund der Anpassungsstörung mit auch psychoso
matischer Reaktionsbereitschaft im Zeitraum Juli 2007 bis Dezember 2008 vorwiegend zu 50 % arbeitsunfähig, streckenweise auch zu 100 % krankge
schrieben gewesen, wobei genaue Abgrenzungen so viele Jahre retrospektiv nicht gemacht werden könnten. Ab Januar 2009 sei von einer graduellen Besserung auszugehen, mit zwischen 50%- und 70%iger Arbeitsfähigkeit, die auch während der Umschulung bis September 2010 vorgelegen habe. Bei Abbruch der Umschulung sei von einer akuten vorübergehenden Zustands
verschlechterung bei Reaktivierung von Versagensängsten und psychosoma
tischer Angstäquivalenten auszugehen. Diese Zustandsverschlechterung habe sich im Verlauf wieder gelegt, aktuell sei keinerlei relevante beziehungsweise krankheitswerte Symptomatik mehr festzustellen. Auch die bei einer somato
formen autonomen Funktionsstörung zu prüfenden Kriterien seien nicht erfüllt. Es sei damit spätestens seit der Begutachtung am 7. August 2014 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit zu attestieren. Die Beschwerdeführerin sei in ihrer Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen sowie zur Planung und Strukturierung von Aufgaben nicht eingeschränkt. Belastungsfähigkeit und Durchhaltevermögen seien subjektiv vermindert, eine Überwindung der sub
jektiven Befindlichkeits
störung erscheine der Beschwerdeführerin mit Willensanstrengung aber absolut zumutbar. In der Anwendung ihrer fachli
chen Kompetenzen sei sie nicht eingeschränkt, die Urteils- und Entschei
dungsfähigkeit sei intakt. In ihrer Kontaktfähigkeit und Kontaktqualität zu Dritten sei sie nicht beein
trächtigt, ihre Gruppen- beziehungsweise Teamfä
higkeit sei intakt, sie sei hoch
gradig sozial kompetent, auch wenn sie dies als Nachteil abtue, und ihre allzu hohe Empathiefähigkeit als hindernd erlebe (S. 35 f. Ziff. 3).
5.3
In ihrem Bericht vom 29. Oktober 2014 nannte Dr. D._ folgende Diagnosen (Urk. 7/125 Ziff. 2)
-
Zustand nach früh(st)kindlicher Traumatisierung (nach ICD-10 nicht als solcher codierbar) mit verschiedenen Ängsten, depressiven Zuständen, somatoformen Störungen, zwanghaften Zügen, Panik
störung
Der krankhafte Zwang der Beschwerdeführerin, einen weit über das Übliche hinausgehenden Einsatz zu leisten, entspreche keiner Arbeitsfähigkeit (Ziff. 4). Aktuell sei keine Arbeitsfähigkeit gegeben, auch keine angepasste (Ziff. 5). Prognostisch erscheine eine Tätigkeit ohne Vorgesetztenstellung und ohne direkten Kontakt zu Mitarbeitern denkbar, beispielsweise in einer Text
verarbeitung oder einer telefonischen Rezeption. Voraussetzung für eine mit
telfristig zu prüfende Widereingliederung sei jedoch eine enge Begleitung in einem geschützten Umfeld, um Überreaktionen abzufangen und andere Umgangsweisen zu üben (Ziff. 6).
5.4
Am 28. November sowie 2., 9. und 18. Dezember 2014 wurde die Beschwer
de
führerin durch Dr. B._, Ärztlicher Co-Direktor, Psychiatrie C._, psychiatrisch begutachtet. In seinem Gutachten vom 6. Februar 2015 (Urk. 7/132/5-32) nannte Dr. B._ fol
gende Diagno
sen (S. 23):
-
ausgeprägte und chronifizierte Persönlichkeitsstörung mit selbstun
sicher-ängstlichen, stark ausgeprägten zwanghaften und schizoiden Zügen
-
rezidivierende psychosomatische Funktionsstörungen des Herz-Kreislauf-Systems (ICD-10 F45.30)
-
psychogene Hyperventilation (ICD-10 F45.33)
Die Symptome und Vorläufer dieser zur Invalidität führenden psychischen Störung seien in vielen Lebensphasen zu finden. Als Säugling sei sie drei Tage nach der Geburt infolge einer unklaren schweren Erkrankung von ihrer Mutter getrennt worden. Seit dem Kleinkindalter seien immer wieder Haut
ausschläge unklarer Genese aufgetreten und später Allergien auf verschiede
ne Esswaren und Bienenstiche festgestellt worden. 18-jährig sei sie erstmals wegen psychosomatischer Probleme behandelt worden, solche psychosomati
schen Probleme würden sich nun durch das ganze Leben ziehen. Später habe sie verschiedene Psychotherapien gemacht und auch Medikamente erhalten. Nach Hyperventilation und Angstattacken sowie Erschöpfung sei 35-jährig eine Hospitalisation in der Klinik H._ erfolgt. Wegen massiver psychischer Belastung und Überforderung sei im Jahre 2007 die Krankschrei
bung und Zusprache einer Invalidität von 80 % erfolgt (S. 21).
Heute habe die Beschwerdeführerin eine Persönlichkeit mit selbstunsicher-ängstlichen, stark zwanghaften und schizoiden Zügen. Sie sei in ihrer Fähig
keit, neue und unbekannte Situationen und Stresssituationen zu meistern, stark eingeschränkt und erlebe so in beinahe allen Lebensbereichen immer wieder Gefühle von Überforderung. Ihre starke seelische Verunsicherung ver
suche sie durch rigide Kontrolle aller Lebensabläufe und eine Absicherung gegen alle Unwägbarkeiten des Alltags zu überwinden. Durch den sozialen Rückzug, die zurückgezogene Lebensführung und die in dieser Lebensnische gut zu meisternden Alltagssituationen habe sich die Beschwerdeführerin soweit stabilisiert, dass die unter stark emotionaler Belastung und Überforde
rung beobachteten Symptome in den Hintergrund getreten seien. Gefühle von Angst, Überforderung und Verzweiflung flammten jedoch rasch wieder auf, wenn sie sich Herausforderungen stellen müsse oder mit dem Leiden anderer Menschen konfrontiert werde (S. 21).
Sowohl im E._-Gutachten als auch in demjenigen von Dr. A._ sei eine akzentuierte Persönlichkeit mit ängstlich-vermeidenden, histrionischen und narzisstischen Zügen festgestellt worden. Die entsprechenden Symptome seien in seiner Untersuchung durch eine deutlich stärkere Ausprägung gekennzeichnet und in ihrem Bild vielfältiger (S. 22). Psychiatrisch diagnostisch könne bei der Beschwerdeführerin von einer ausgeprägten und chronifizierten Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicher-ängstlichen, stark ausgeprägten zwanghaften und schizoiden Zügen gesprochen werden. Ob diese nun unter der Bezeichnung ICD-10 F60.8 im Sinne einer spezifischen Persönlichkeitsstörung oder ICD-10 F62.8 im Sinne einer sonstigen andau
ern
den Persönlichkeitsänderung klassifiziert werde, sei für die Beant
wortung der Frage zur Arbeitsfähigkeit und zu weiteren therapeutischen Intervention unwichtig. Die Zwangssymptome, die Gefühle der Verzweiflung und die krampfhafte Abwehr von Wutgefühlen und -gedanken sowie die starken inneren Spannungen könnten als Symptome der Persönlichkeits
störung beurteilt werden (S. 23).
Diese ausgeprägte Persönlichkeitsstörung habe Auswirkungen auf die Lebens- und Alltagsgestaltung. Die Beschwerdeführerin sei in ihrer Fähigkeit, innere Spannungen zu neutralisieren, mit Ängsten konstruktiv umzugehen, sich von anderen Menschen und Aufgaben abzugrenzen, flexibel mit Heraus
forderungen umzugehen oder soziale Kontakte adäquat zu pflegen, stark ein
geschränkt. Auftretende Belastungen oder Herausforderungen im Alltag würden als Stressoren erlebt, denen sie nichts entgegensetzen könne. Dabei verliere sie die Fähigkeit, strukturiert und überlegt zu denken oder aufgrund dieser Denkprozesse zu handeln. Sie werde von Ängsten überschwemmt oder reagiere mit psychosomatischen Beschwerden. An der letzten Arbeitsstelle zwischen dem Jahre 2007 und 2009 habe sich dies sehr deutlich und ausge
prägt gezeigt. In der jetzt gewählten Lebensnische mit einer sehr zurückgezo
genen Lebensweise, kaum Kontakten zur Mitwelt, mehreren verschiedenen, gleichzeitig durchgeführten Therapien und der Unterstützung durch ihren Ehemann könne die Beschwerdeführerin mit ihren Beschwerden leben. Dieser Zustand habe sich in den letzten Jahren chronifiziert und es sei nicht zu erwarten, dass sie in den nächsten zwei Jahren hier Fortschritte machen könne, die es ihr ermöglichten, symptomfrei zu leben und Spannungen aus
zuhalten, wie sie in einem üblichen Arbeitsprozess zu verarbeiten seien. Die Beschwerdeführerin sei deshalb zum jetzigen Zeitpunkt und bis auf weiteres zu mindestens 80 % arbeitsunfähig und nicht fähig, in ihrem bisherigen Beruf oder anderen Tätigkeiten in der freien Wirtschaft beschäftigt zu wer
den. Eine allfällige spätere Hinführung in den Arbeitsprozess sei erst nach weiterer psychischer Stabilisierung möglich und müsste dannzumal sehr sorgfältig vorgenommen werden. Wichtig werde sein, dass sie eine Arbeit in einem Umfeld erbringen könne, in welchem wenig andere Menschen tätig seien. Damit könne ihre Tendenz, sich mit den Problemen anderer zu identi
fizieren, verhindert werden (S. 24).
Dr. B._ befand das Gutachten von Dr. A._ als ausführlich, differen
ziert und vollständig. Formal gebe es daran nichts auszusetzen. Aus inhaltli
cher Sicht stelle sich jedoch die Frage, ob in einem einmaligen Gespräch alle relevanten Aspekte erfasst werden könnten, um eine differenzierte Beurtei
lung abgeben zu können (S. 26).
5.5
Am 10. August 2015 hielt Dr. A._ fest, das Gutachten von Dr. B._ enthalte keine neuen medizinischen Fakten oder Tatsachen, welche formal nach ICD-10 geeignet seien, die von ihr gestellten Diagnosen und arbeitsme
dizinischen Schlussfolgerungen zu widerlegen, oder welche nicht auch schon aus den - in den IV-Akten vorhandenen und in ihrem Gutachten explizit gewürdigten - Berichten ersichtlich seien. Sie sehe daher keinen Anlass, ihre gutachterlichen Schlussfolgerungen betreffend Diagnosen und arbeitsmedizi
nischer Einschätzung zu revidieren (Urk. 7/134).
5.6
Dr. B._ wies am 15. April 2016 darauf hin, es sei unzutreffend, dass es keine neuen unberücksichtigten Fakten und Tatsachen gebe. In seinem Gut
achten werde eine ausgeprägte und chronifizierte Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren ängstlichen und stark ausgeprägten zwanghaften und schizoiden Zügen diagnostiziert. Es sei klar und deutlich, dass im Vergleich zum Vorgutachten zusätzliche bisher nicht berücksichtigte Befunde und Beurteilungskriterien in die gutachterliche Beurteilung eingeflossen seien (Urk. 8/2 S. 2).
5.7
Dr. I._, Fachärztin für Neurologie und für Psychiatrie und Psychotherapie, Oberärztin, sowie Dr. J._, Facharzt für Neurologie und für Psychiatrie und Psychotherapie, Leitender Arzt, F._, erstatteten am 7. August 2018 ein Gutachten im Auftrag des Gerichts (Urk. 31). Sie stützten sich dabei auf die ihnen überlassenen Akten (S. 28 ff.) sowie die von Dr. I._ anlässlich der Explorationen vom 14. März und 25. April 2018 erhobenen Befunde und durchgeführten testpsychologischen Zusatzuntersuchungen (S. 2 f.).
Die Gutachter diagnostizierten eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD
10 F61; S. 17 Ziff. 6.1) und nannten weiter folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 18 Ziff. 6.2):
-
anamnestisch rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
-
anamnestisch Panikstörung (ICD-10 F41)
-
anamnestisch somatoforme autonome Funktionsstörung (ICD-10 F45.3)
Es finde sich ein komplexes Störungsbild. Einerseits verfüge die Beschwerde
führerin über zahlreiche Ressourcen, andererseits zeige sich ein rigides, sich über alle Lebensbereiche ausbreitendes dysfunktionales Muster im Umgang mit Aufgaben, Belastungen, Beschäftigungen und in der Handhabung der Beziehungen. Der Ursprung dieser Störung liege, wie bereits in mehreren Arztberichten und Gutachten beschrieben, in ungünstigen Entwicklungsbe
dingungen in der Ursprungsfamilie, möglicherweise bestehe auch eine gene
tische Vulnerabilität. Es liege eine gestörte Fähigkeit vor, die Grenzen eigener Verantwortung/Zuständigkeit unter Belastbarkeit wahrzunehmen, dabei manifestiere sich diese Störung bereits bei geringen Belastungen. Die Beschwerdeführerin sei sehr eingeschränkt in der Wahrnehmung eigener Gefühle. Es bestünden deutliche Abweichungen im Bereich der Kognition, der Affektivität, der Impulskontrolle und der Bedürfnisbefriedigung sowie der Art des Umgangs mit anderen Menschen. Das Krankheitsbild erfülle die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung, am ehesten kombinierter Natur. Auf kognitiver Ebene bestehe eine rigide Fixierung auf die intrapsychischen Pro
zesse, die jahrelangen Psychotherapien hätten bis jetzt noch nicht zu einer signifikanten Verbesserung der adaptiven Fähigkeiten geführt. Die Störung zeige sich im Längsschnitt konsistent und andauernd und sei auch während der beiden Querschnittsuntersuchungen in der Begutachtung zum Vorschein gekommen. Im Längsschnitt sei lediglich eine leichte Besserung im Bereich der Selbstwahrnehmung zu verzeichnen sowie eine leichte Rückbildung der vegetativen Symptomatik und der Angststörung. Die in der Krankheits
geschichte beschriebenen Depressionen, Angststörungen und psychoso
matischen Beschwerden seien als Epiphänomene der Persönlichkeits
proble
matik zu sehen, die sich bei der Auseinandersetzung mit dem Alltag und insbe
sondere mit der beruflichen Welt manifestierten. Es sei zu erwarten, dass die Beschwerdeführerin in jeder Tätigkeit durch ihre eigene Dynamik an die Grenze ihrer Belastbarkeit komme, mit rezidivierenden Anspannungs- und Erschöpfungszuständen sei zu rechnen. Ihre Durchhaltefähigkeit sei in jeder Tätigkeit als deutlich reduziert zu betrachten. (S. 18 f. Ziff. 7.1).
Mit einer Rückbildung der Persönlichkeitsstörung sei nicht zu rechnen. Eventuell könne im Laufe der Zeit eine geringfügig bessere Anpassungs
fähigkeit in einzelnen Lebensbereichen erreicht werden. Aus therapeutischer Sicht bedürfe es einer weiteren, lösungsorientierten therapeutischen Beglei
tung, insbesondere bei Änderung der sozialen Situation. Als ein erschweren
der Faktor erscheine eine starke Fokussierung der Beschwerde
führerin auf intrapsychische Prozesse, die überwiegend durch die Natur der Erkrankung aufrechterhalten werde. Diese Fokussierung werde soweit beur
teil
bar thera
peutisch und im Sinne der Psychoedukation genutzt. Wichtig wäre eine behutsame Verlegung vom Aufmerksamkeitsfokus nach aussen und Über
gang zu mehr lösungsorientierten Strategien. Soweit den Berichten der Beschwerdeführerin entnommen werden könne, sei dieser Prozess bereits begonnen worden. Da hier ein krankheitsbedingter innerer Widerstand zu erwarten sei, sei nicht mit einer schnellen Veränderung hinsichtlich besserer Belastbarkeit zu rechnen (S. 19 f. Ziff. 7.2).
Zwischen den Beschwerdeschilderungen und dem Verhalten in der Untersu
chungssituation bestehe keine Diskrepanz. Das Krankheitsbild stelle sich im Längs- und Querschnitt konsistent dar. Auch bei der zweiten Exploration finde sich ein konsistentes Krankheitsbild (S. 20 Ziff. 7.3). Die Fähigkeit, sich an Regeln und Routinen anzupassen, sei bei der Beschwerdeführerin deutlich gestört, aus diesem Grund sei auch die Fähigkeit, Aufgaben zu planen und zu strukturieren, deutlich gestört. Ebenso sei die Beschwerdeführerin in ihrer Flexibilität und Umstellungsfähigkeit deutlich gestört. Das längerfristig selbst
schädigende Muster im Arbeitsverhalten zeige sich im Längsschnitt an verschiedenen Arbeitsstellen konstant und habe bis jetzt trotz zahlreicher stationärer und psychiatrischer Therapien nicht geändert werden können. Die Anwendung fachlicher Kompetenzen sei bei gutem kognitiven Niveau mög
lich. Die Durchhaltefähigkeit sei durch regelmässige Überlastungen deutlich gestört, darüber hinaus werde sie negativ durch rezidivierende Anspan
nungszustände beeinflusst. Die Gruppenfähigkeit sei aufgrund der Fehlein
schätzung der Interaktionen mit regelmässiger Entwicklung von Anspan
nungszuständen deutlich gestört. Gute Ressourcen würden im Bereich der kognitiven Fähigkeiten und im Bereich der familiären Beziehungen bestehen. Im Bereich der Initiierung von Spontanaktivitäten in der Freizeit könnten keine relevanten Defizite erkannt werden. Im Bereich der Selbstpflege wür
den keine wesentlichen Störungen bestehen. Die Fähigkeit, öffentliche Ver
kehrsmittel zu benutzen, sei eingeschränkt erhalten (S. 20 f. Ziff. 7.4).
In der letzten Tätigkeit in Alterszentren bestehe seit dem Jahre 2008 keine Arbeitsfähigkeit mehr, da diese Tätigkeit anspruchsvolle Interaktionen im Team beinhalte (S. 21 Ziff. 8.1). Bei einer angepassten Tätigkeit sollte es sich um eine klar strukturierte Tätigkeit im geschützten Bereich handeln, die zunächst keine Anforderungen bezüglich Entwicklung eigener Lösungsstra
tegien mit sich bringe. Ideal wäre eine Tätigkeit ohne Team und ohne Zeit
druck, wobei es sich um eine eher einfache Tätigkeit im Bürobereich handeln sollte. Es sei zu erwarten, dass sich die Beschwerdeführerin durch eine Tätig
keit solcher Art unterfordert fühle, jedoch wäre derzeit bei jeder Tätigkeit, die formal ihrem kognitiven Niveau entspreche, das Risiko einer Überforderung wesentlich höher. Auch bei einer einfachen Tätigkeit sei mit dysfunktionalen Verhaltensmustern und deren Folgen zu rechnen. Der Pausenbedarf sei hoch, die Pausen sollten festgelegt und zwingend eingehalten werden. Die Beschwerdeführerin sei nicht in der Lage, flexibel mit ihrer Pausengestaltung umzugehen. In einer derartigen Tätigkeit bestehe eine Ausbildungs- und Arbeitsfähigkeit von zirka 50 %. Am ehesten bestehe diese Arbeitsfähigkeit seit dem Jahre 2008, spätestens seit dem 29. Oktober 2014. Phasen mit einer höheren Arbeitsfähigkeit seien seit 2008 retrospektiv gesehen nicht erkenn
bar (S. 21 f. Ziff. 8.2). Es werde die Fortführung einer psychiatri
schen/psycho
therapeutischen Behandlung empfohlen. Mit einer weiteren leichten Stabilisierung im Verlauf sei zu rechnen, allerdings werde ihres Erachtens eine über 50%ige Arbeitsfähigkeit in der angepassten Tätigkeit auf dem geschützten Arbeitsmarkt mittelfristig nicht erreicht werden können (S. 22 Ziff. 8.3).
Das Gutachten von Dr. A._ sei ausführlich und sorgfältig erstellt (S. 22 Ziff. 8.4.5). Der Zustand der Beschwerdeführerin am heutigen Tag sei jedoch weniger stabil. Es sei gut denkbar, dass aufgrund einer Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Exploration bei Dr. A._ die damalige Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin von ihr optimistischer eingeschätzt worden sei, retrospektiv betrachtet sei davon auszugehen, dass es wahrscheinlich eine Fehleinschätzung gewesen sei (S. 23 Mitte). Die komplexe Problematik der Beschwerdeführerin habe bei der 2.25 Stunden dauernden Begutachtung durch Dr. A._ nicht in all ihren Facetten und in ausreichender Tiefe erfasst werden können (S. 24 oben). Es würden sich keine Hinweise dafür finden, dass 2014 bis 2018 eine tragfähige Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt habe erreicht werden können (S. 23 Mitte). Demgegenüber habe Dr. B._ nach vier Untersuchungsgesprächen den psychopathologischen Befund und das Verhalten der Beschwerdeführerin identisch zu den von ihnen erhobenen Befunden beschrieben (S. 23 unten) und die komplexe Problematik treffend erfasst. Dementsprechend habe er eine stark reduzierte Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt attestiert. Aufgrund der ausge
prägten Dysfunktionalität der kognitiven, emotionalen, Verhaltens- und Reaktionsmuster beurteilten sie die Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeits
markt als aufgehoben (S. 24 oben).
Die psychische Beeinträchtigung seit Abbruch der Umschulung im Jahre 2010 zeige sich im Verlauf im Wesentlichen unverändert, es bestehe eine minimale Verbesserung hinsichtlich Eigenwahrnehmung und eine Rückbil
dungs
tendenz bezüglich autonomen Symptomen und Angstsympto
men (S. 24 Ziff. 8). Es sei davon auszugehen, dass trotz der leichten Besse
rung gegenüber dem Zustand von 2010 noch keine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehe. Es sei von einer zirka 50%igen Arbeitsfähigkeit auf dem geschützten Arbeitsmarkt etwa seit dem 29. Oktober 2014 auszu
gehen (S. 25 unten).
6.
6.1
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwin
gende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise wider
sprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in über
zeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Abweichende Beur
teilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusse
rungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa).
6.2
Vorliegend besteht kein Abweichungsgrund. Das Gerichtsgutachten der F._ vom 7. August 2018 erfüllt die praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise (vorstehend 2.3) vollumfänglich, und es stellt eine Einschätzung des Leistungsvermögens dar, welche auf dem Vergleich zwi
schen leistungshindernden Belastungsfaktoren und Kompensations
potentialen (Ressourcen) beruht (vorstehend E. 2.3). Im Gutachten werden die rechtsprechungsgemäss relevanten Standardindika
toren (vorstehend E. 2.4) vollständig thematisiert und einlässlich gewürdigt. Die von der Rechtsan
wendung zu prüfende Frage, ob sich die Gutachter an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist demnach klar zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen (vorstehend E. 2.3).
6.3
Somit ist hinsichtlich der Beurteilung des Gesundheitszustandes, der Arbeits
fähigkeit und der Frage nach einer relevanten Veränderung des Gesundheits
zustands auf die Angaben im Gerichtsgutachten abzustellen und der medizinische Sachverhalt ist als dahingehend erstellt zu betrachten, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der bestehenden kombinierten Persönlich
keitsstörung seit dem Jahre 2008 in der angestammten Tätigkeit in einem Alterszentrum nicht mehr arbeitsfähig ist. In einer leidensangepassten Tätig
keit im geschützten Bereich, welche einfach und klar strukturiert sein sollte, besteht eine Ausbildungs- und Arbeitsfähigkeit von 50 %, wobei Phasen mit einer höheren Arbeitsfähigkeit seit 2008 retrospektiv nicht erkenn
bar waren. Die F._-Gutachter hielten sodann ausdrücklich fest, dass im Längsschnitt lediglich eine leichte Besserung im Bereich der Selbstwahr
nehmung sowie eine leichte Rückbildung der vegetativen Symptomatik und der Angststörung zu verzeichnen sei. Das längerfristig selbstschädigende Muster im Arbeits
verhalten habe bis jetzt trotz zahlreicher stationärer und psychiatrischer Therapie nicht geändert werden können. Auch im weiteren Verlauf sei zwar mit einer weiteren leichten Stabilisierung im Verlauf zu rechnen, allerdings werde eine über 50%ige Arbeitsfähigkeit auf dem geschützten Arbeitsmarkt mittelfristig wohl nicht erreicht werden können. Es gebe auch keine Hinweise dafür, dass in den Jahren 2014 bis 2018 eine tragfähige Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt habe erreicht werden können (E. 5.7).
6.4
Diese Beurteilung stimmt denn auch weitgehend mit derjenigen durch Dr. B._ überein, welcher eine ausgeprägte Persönlichkeitsstörung diagno
stiziert hatte und davon ausgegangen war, dass die Beschwerde
führerin zu mindestens 80 % arbeitsunfähig und nicht fähig sei, in ihrem bisherigen Beruf oder anderen Tätigkeiten in der freien Wirtschaft beschäftigt zu werden (E. 5.4).
Die F._-Gutachter nahmen auch zum Gutachten von Dr. A._ Stellung und führten unter anderem aus, dieses sei ausführlich und sorgfältig erstellt. Der Zustand der Beschwerdeführerin sei im aktuellen Begutachtungs
zeitpunkt jedoch weniger stabil. Es sei gut denkbar, dass aufgrund einer Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Exploration bei Dr. A._ die damalige Arbeitsfähigkeit optimistischer eingeschätzt worden sei. Retro
spektiv betrachtet sei jedoch davon auszugehen, dass dies wahrscheinlich eine Fehleinschätzung gewesen sei und die komplexe Problematik bei der 2.25 Stunden dauernden Begutachtung nicht in all ihren Facetten und in aus
reichender Tiefe habe erfasst werden können (E. 5.7). Dies vermag zu überzeugen. Im Übrigen brachte auch die IV-Stelle nichts gegen das F._
Gut
achten vor (vgl. Urk. 36).
6.5
Insgesamt wurde im Gutachten vom 7. August 2018 nachvollziehbar und über
zeugend dargelegt, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin seit dem Jahre 2008 beziehungsweise seit der Rentenzusprache im April 2012 nicht verändert hat und insbesondere keine auf dem freien Arbeits
markt verwertbare Arbeitsfähigkeit vorliegt. Eine Prüfung der Standard
indikatoren (vgl. vorstehend E. 2.4) entfällt, da eine Änderung der Rechtsprechung für sich allein keinen Revisionsgrund darstellt (BGE 135 V 201).
Die Beschwerdeführerin hat dementsprechend weiterhin Anspruch auf die bisherige ganze Rente, was zur Gutheissung der Beschwerde führt.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 1’000.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer).
Mit Honorarnoten vom 14. Juni 2017 (Fr. 2‘997.90), 6. Juli 2018 (Fr. 630.50) und 7. September 2018 (Fr. 427.10) machte Rechtsanwältin Stephanie Schwarz, Winterthur, Aufwen
dungen von insgesamt 16 Stunden und 35 Minuten sowie Auslagen von Fr. 109.45 geltend (Urk. 29, Urk. 30/1-2, Urk. 35), was angemessen erscheint. Unter Berücksichtigung eines Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist eine Entschädigung von Fr. 4‘055.50 zu bezahlen.
7.3
Die Beschwerdeführerin machte geltend, die Kosten für das Gutachten von Dr. B._ vom 6. Februar 2015 im Betrag von Fr. 4'835.-- und dessen ergänzende Stellungnahme vom 15. April 2016 von Fr. 400.-- seien der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen, da die medizinischen Abklärungen der Beschwerdegegnerin nicht genügt hätten, das Gericht auch aufgrund dessen Gutachten ein Gerichtsgutachten angeordnet habe und das F._-Gutachten letztlich das Gutachten von Dr. B._ stütze (Urk. 1 S. 2 Ziff. 4, Urk. 8/1-2, Urk. 34 S. 2 f. Ziff. 4).
Die
Kosten privat eingeholter Gutachten
sind
nur dann zu vergüten, wenn die Parteiexpertise für die Entscheidfindung unerlässlich war (BGE 115 V 62 E. 5c).
Unter anderem aufgrund der von Dr. A._ abweichenden Schluss
folgerungen im Gutachten von Dr. B._ hat das Gericht beim F._ ein Gerichtsgutachten eingeholt, das die Einschätzung von Dr. B._ im Resul
tat stützt.
Das
Einholen des Gutachtens von Dr. B._, welches
sac
hdienli
che medizinische Angaben
enthält, drängte
sich
damit
im Hinblick auf die Interessenwahrung der Beschwerdeführerin auf. Bei den Kosten für das private
G
utachten
von Dr. B._ vom 6. Februar 2015 sowie dessen Ergän
zung
vom
15. April 2016
handelt es sich somit um notwendige Kosten. Auch in masslicher Hinsicht lässt sich das in Rechnung gestellte Honorar von
Fr. 5‘235
.-- nicht beanstanden, zumal nur relevante Fragen behandelt und auch keine unnötigen Untersuchungen durchgeführt wurden.
Damit hat die IV-Stelle der Beschwerdeführerin die Kosten für das Privatgut
achten von Fr. 5'235.— zu ersetzen.
7.4
In Bezug auf die Frage nach der Kostentragung des Gerichtsgutachtens des F._ ist festzuhalten, dass
die Kosten eines Gerichtsgutachtens der Verwal
tung auferlegt werden
können, wenn
ein Zusammenhang zwischen dem Untersuchungsmangel seitens der Verwaltung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen
besteht
. Dies ist unter anderem der Fall, wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder auf eine Expertise abgestellt hat, welche die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfüllt (BGE 140 V 70 E. 6.1 mit Hinweisen). Das hiesige Gericht gelangte
zwar
mit Beschluss vom 15. August 2017 zum Schluss, aufgrund der bis dahin vor
handenen Akten lasse sich nicht feststellen, ob die Rente der Beschwerde
führerin zu Recht aufgehoben worden sei (Urk. 12)
und stellte letztendlich auf das Gerichtsgutachten ab
.
Sowohl Dr. B._ als auch die F._-Gut
achter hielten jedoch das Gutachten von Dr. A._ für „ausführlich, differenziert, vollständig und formal korrekt“ beziehungsweise „ausführlich und sorgfältig“ (vgl. vorstehend E. 5.4 und 5.7).
Damit
kann der Beschwerde
gegnerin kein offensichtlicher Untersuchungsmangel in Form des Abstellens auf eine medizinische Beurteilungsgrundlage, welche die rechtsprechungs
gemässen Anforderungen nicht erfüllt, angelastet werden, welcher es recht
fertigen würde, der Beschwerdegegnerin die
Kosten für das Gerichtsgutachten zu überbinden.