Decision ID: c751be68-301e-5181-896b-d47e084c293f
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1968, ausgebildete
Arztgehilfin
und heute
Mutter von 5 Kindern (geboren 1996, 1997, 2000, 2007 und 2008),
zog sich am 1
4.
Juni 1997 bei einem Sturz eine Knieverletzung zu und
meldete sich am 1
4.
Okto
ber 2001 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
(Rente)
an
(
Urk.
5/1/1-7
Ziff.
6.2, 7.1-3 und 7.8
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons
Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Verfügung vom 2
8.
August 2003 bei einem In
validitätsgrad von
81
%
eine ganze Rente ab Juni 2001 zu (Urk. 5/29)
.
Am
1
1.
August 2005
teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, der Rentenan
spruch
sei unverändert (
Urk.
5/56
).
1.2
Nach Eingang eines am
2
9.
September 2007
ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk.
5/74
/1-3
) holte die IV-Stelle unter anderem ein Gutachten ein, das am
2
8.
Juni 2010 e
rstattet wurde (
Urk.
5/100
). Nach durchgeführtem Vorbescheid
verfahren
(
Urk.
5/114
;
Urk.
5/122
)
hob die IV-Stelle die bisher ausgerichtete Rente
mit Verfügung vom 16. Sep
tem
ber 2013
auf (Urk.
5/126
= Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
1
5.
Oktober 2013
Beschwerde
gegen die Verfügung
vom
1
6.
September 2013
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihr weiterhin eine ganze, subeventuell eine halbe
,
Rente auszurichten; even
tuell sei die Sache zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuwei
sen
(Urk. 1
S. 2 oben
Ziff.
1-4
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
9.
November 2013
(
Urk.
4
)
, die
Beschwerde
sei abzuweisen und die Rentenaufhebung mit substitu
ierter
Begründung zu bestätigen, die vormalige Leistungszusprache sei zweifel
los unrichtig gewesen (S. 2 oben).
Dazu nahm die Beschwerdeführerin am 1
9.
Februar 2014 Stellung (
Urk.
9), wäh
rend die Beschwerdegegnerin am 3
1.
März 2014 auf Duplik verzichtete (
Urk.
12)
, was
der Beschwerdeführerin am
1.
April 2014
zur Kenntnis gebracht
wurde
(
Urk.
13
).
3.
Über die Beschwerde der (anders vertretenen) Beschwerdeführerin betreffend be
rufliche Massnahmen wurde im Verfahren Nr. IV.2014.00488 mit Urteil vom heu
tigen Tag entschieden.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen
Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruc
h zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer we
sent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn
sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesund
heits
zustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine
Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener
Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E.
2.2.3).
Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im
Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Ar
beits
fähig
keit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchs
erheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechts
kräftige Ver
fügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechts
konformer Sach
verhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesge
richts 9C_438/2009 vom
26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.2
Fehlen die in
Art.
17 ATSG genannten Voraussetzungen, so kann die Renten
ver
fügung lediglich nach den für die Wiedererwägung rechtskräftiger Verwal
tungsverfügungen geltenden Regeln abgeändert werden. Danach ist die Ver
wal
tung befugt, auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Ge
gen
stand
materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn sich diese als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von er
heblicher Be
deutung ist (
Art.
53
Abs.
2 ATSG).
1.3
Das Gericht kann eine zu Unrecht ergangene Revisionsverfügung gegebenen
falls
mit der substituierten Begründung schützen, dass die ursprüngliche Ren
tenver
fügung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erheblicher Be
deutung ist
(BGE 125 V 368 E.
2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 128 V 272 E. 5b/bb; Urteil des
Bundesgerichts 9C_562/2008 vom 3. November 2008 E. 2.2 mit Hinweis).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E.
1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging beim Erlass der hier strittigen Verfügung davon aus, gemäss dem 2010 erstatteten Gutachten habe sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin ab April 2010 wesentlich verbessert und der Invalidi
täts
grad betrage nur noch 21
%
(
Urk.
2 S. 2).
In der Beschwerdeantwort machte sie geltend, in einem 2002 erstatteten Gut
achten sei die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit mit 50
%
und in einem 2005 erstatteten Gutachten mit 100
%
veranschlagt worden; die Arbeitsfähig
keit in angepasster Tätigkeit sei bei der Erstzusprache im August 2003 und der 2004
(richtig: 2005)
durchgeführten Revision zu wenig abgeklärt worden, wes
halb die Rentenaufhebung mit der substituierten Begründung der Wiedererwä
gung zu bestätigen sei (
Urk.
4 S. 2 oben).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) auf den Standpunkt, eine erhebliche Verbesserung ihres Gesundheitszustandes sei
t
der ursprünglichen Rentenzusprache beziehungsweise der 2005 erfolgten Revision se
i
nicht ausgewiesen (S. 4 f.
Ziff.
3.3). Auf das 2010 erstattete Gut
achten könne nicht abgestellt werden, da seither mehr als drei Jahre vergangen seien (S.
5
Ziff.
4). Schliesslich äusserte sie sich zur Invaliditätsbemessung (S.
6 f.
Ziff.
5).
In ihrer Replik machte sie geltend, die revisionsweise Bestätigung des Rentenan
spruchs im Jahr 2005 sei - aus näher dargelegten Gründen - nicht zweifellos un
richtig gewesen (
Urk.
9 S. 2
Ziff.
3).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die erfolgte Rentenaufhebung
-
infolge zweifel
lo
ser Unrichtigkeit der vormaligen Zusprache oder infolge einer Verbesserung des Gesundheitszustands
-
rechtens ist.
Für einen allfälligen Vergleich massgebend ist dabei der Sachverhalt, welcher nach entsprechenden Abklärungen im Rahmen des ersten Revisionsverfahrens der
Mitteilung vom 1
1.
August 2005 zugrunde lag.
3.
3.1
Dr.
med.
Y._
, Spezialarzt FMH für Chirurgie, führte in seinem Be
richt vom 1
8.
Juli 2002 (
Urk.
5/5/1-4
) aus, er behandle die Beschwerdeführerin seit
dem 1
5.
Juni 1998 (lit. D.1) und nannte als Diagnose eine seit 1999 beste
hende Gonarthrose links (lit. A). In behinderungsangepasster Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin ganztags arbeitsfähig (S. 4).
Dr.
med.
Z._
, Orthopädische Chirurgie FMH, erstattete am 1
7.
Oktober 2002
ein Gutachten im Auftrag des Unfallversicherers (
Urk.
5/7). Als Diagnose nannte er eine anterolaterale Instabilität des linken Kniegelenkes und begin
nende sekundäre laterale Gonarthrose (S. 3
Ziff.
1.3). Zur Arbeitsfähigkeit führte er aus, für die Tätigkeit als Operations-Instruktorin betrage die Arbeitsunfähig
keit 100
%
(S. 5
Ziff.
3.1), eine rein administrative, weitgehend sitzende Tätig
keit könnte zu 50
%
ausgeübt werden, eventuell etwas höherprozentig, abhän
gig
von den speziellen Belastungen mit Umhergehen, gelegentlichem Tragen und selbstverständlich abhängig vom Arbeitsweg (S. 5
Ziff.
3.2)
3.2
Dr.
Y._
(vorstehend E. 3.1) führte in seinem Verlaufsbericht vom
2
8.
Mai
2004 (
Urk.
5/31) aus, der Gesundheitszustand sei stationär (
Ziff.
1) und nannte als unveränderte Diagnose eine posttraumatische instabile Valgusgon
arthrose links mit femoropatellärer Dysplasie bei Patella alta mit seit Ende 2000 unver
änderten Befunden (
Ziff.
2). In der medizinischen Beurteilung der Arbeits
be
lastbarkeit bezeichnete
er
das Hantieren mit Lasten von bis 9 kg
bis Lendenhöhe als oft
, Rotation und vorgeneigtes Sitzen als sehr oft, ebenso Sitzen und Gehen bis 50 m sowie Gehen über 50 m als oft zumutbar (S. 3).
3.3
Am 2
6.
November 2004 berichtete
Dr.
med.
A._
,
Oberarzt
,
Klinik
B._
über die Untersuchung der Beschwerdeführerin am 2
5.
November 2004 in der Rheumasprechstunde (
Urk.
5/50/1-2).
Er nannte folgende Diagnose (S. 1):
derzeit seronegative erosive rheumatoide Arthritis (Erstmanifestation Februar 2004) mit / bei:
anamnestisch wiederholte Gelenkschwellungen der MCP- und PIP-Gelenke sowie der Handgelenke beidseits
MRI beider Hände 2
8.
Oktober 2004: Usuren mehrerer Metacarpale-Köpfchen und fraglich des Os Capitatum rechts, Tendosynovitis so
wohl der Flexoren- als auch Extensoren-Loge beider Handgelenke
Dr.
A._
attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom
2
3.
August 2004 bis
3
1.
Januar 2005 (S. 2 oben).
3.4
Am 1
7.
Mai 2005 erstattete PD
Dr.
med.
C._
, Spezialarzt für Chirur
gie
FMH, ein Gutachten im Auftrag des Unfallversicherers (
Urk.
5/49/2-32). Er nannte
folgende - hier verkürzt angeführte - Diagnosen (S. 17
Ziff.
3):
Knietrauma links 1
4.
Juni 1997 - auf Kiesparkplatz gestürzt
femoropatellare Dysplasie mit Patella alta Wiberg II, Genu valgum und recurvatum beidseits, Status nach Roux-Patellazentrierungsoperation 1985
seronegative erosive rheumatoide Arthritis (Erstmanifestation Februar 2004)
Verspannungszustand, Patientin liege verspannt im Bett
Zur Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter aus, in Anbetracht der von der Patien
tin geäusserten belastungsabhängigen Kniebeschwerden links, die mit jedem Ein
griff zugenommen hätten, sei eine Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tä
tig
keit als Operationsinstruktorin nicht mehr gegeben (S. 25
Ziff.
3.1).
In einer angepassten Tätigkeit - körperlich leichte, wechselnd belastende, vor
wie
gend sitzende Arbeit - könne der Patientin ein volles Pensum zugemutet werden
. Vorbehalten bleibe eine Limitierung der Arbeitsfähigkeit im Rahmen der im Februar 2004 erstmals manifest gewordenen seronegativen rheumatoiden Arthritis (S. 25
Ziff.
3.2.3).
3.5
Dr.
A._
(vorstehend E.
3.3) nannte in seinem Bericht vom 2
9.
Juni 2005 (
Urk.
5/52
) als weitere Diagnosen eine konstitutionelle Hypermobilität und eine
posterolaterale Instabilität des linken Knies (lit. A). Betreffend Arbeitsunfähig
keit
führte er aus „bisher volle IV-Rente, anamnestisch aufgrund der Knieer
kran
kung“
(lit. B). Sodann führte er aus, aufgrund der seit dem letzten Bericht aufge
tre
te
nen und auf die gängige Basistherapie mit Metho
trex
at nur teilweise ansprech
en
den erosiven rheumatoiden Arthritis sei derzeit, auch für leichte ma
nuelle Ar
bei
ten keine Arbeitsfähigkeit gegeben; hier bleibe die Wirksamkeit der neu ein
geleiteten Therapie währen
d
der nächsten 9 bis 12 Monate abzuwarten. Aus rheu
matologischer Sicht sollte die bisherige Rente aufgrund der neuen Er
kran
kung beibehalten werden mit einer erneuten Rentenrevision in 12 Monaten, mit
hin im Juni 2006 (lit. D.7).
3.6
Gemäss Feststellungsblatt vom
4.
Juli 2005 (
Urk.
5/54) hielt
Dr.
med.
D._
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD)
,
am
4.
Juli 2005 fest „100
%
AUF/EUF
aufgrund aller unfallbedingter und unfallfremder Faktoren“ (S. 8 Mitte), es wurde
die Weiterausrichtung der ganzen Rente bei einem unveränderten Invali
ditäts
grad von 81
%
vorgesehen und eine Revision für August 2007 in Aussicht ge
nommen (S. 8 unten).
4.
4.1
Im Revisionsfragebogen vom 2
9.
September 2007 (
Urk.
5/74) gab die Beschwer
deführerin an, ihr Gesundheitszustand habe sich seit Februar / März 2004 ver
schlimmert (
Ziff.
1.1).
Auf die Frage nach aktuellen Behandlungen oder Kontrollen nannte sie eine gynäkologische Konsultation am 2
6.
September 2007 (
Ziff.
1.4).
Anlässlich der Haushaltabklärung vom 1
8.
Januar 2008 gab die Beschwerde
füh
rerin laut Bericht vom 2
7.
Januar 2008 (
Urk.
5/93) an, bei
Dr.
Y._
(vor
stehend E. 3.1) finde derzeit keine Behandlung statt
und die letzte Konsul
tation bei
Dr.
E._
(nachstehend E. 4.2) habe am 1
5.
Januar 2007 stattge
funden; er
wähnt wurden die Geburt des vierten Kindes im Mai 2007 und ein weiterer bevorstehender Geburtstermin im April / Mai 2008 (S. 2 Mitte).
4.2
Dr.
med.
E._
führte in seinem Bericht vom 2
8.
März 2009 (
Urk.
5/87/2-5
) aus, er behandle die Beschwerdeführerin mit grösseren Unter
brüchen seit dem 2
0.
April 2004 (
Ziff.
1.2). Als Diagnosen nannte er eine seit
Februar 2004 bestehende seronegative erosive rheumatoide Arthritis, ein seit zirka 1998 bestehendes femoropatelläres Schmerzsyndrom links und eine Adi
po
sitas (
Ziff.
1.2).
Zur Arbeitsfähigkeit führte
Dr.
E._
aus, die Beurteilung sei immer sehr schwierig gewesen weil oft eine Kluft bestanden habe zwischen den
klinisch objektivierbaren Befunden und den Einschränkungen, doch dann hätte
n
sich bildgebend eindeutige Erosionen gezeigt. Die Beschwerdeführerin wiege
jetzt 111 kg bei einer Grösse von 174 cm; im Oktober 2006 habe sie 86 kg gewogen. Sie habe jetzt fünf Kinder zwischen 1 und 13 Jahren und dürfte so ziemlich ge
for
dert sein; vielleicht müsse man zuhause einmal abklären, wie sie das meis
tere,
um ihre Arbeitsfähigkeit einzuschätzen (
Ziff.
1.6).
4.3
4.3.1
Am 2
8.
Juni 2010 erstatteten
Dr.
med.
F._
, Oberarzt, und
Dr.
med.
G._
, Chefarzt, Rheumaklinik,
H._
, ein Gut
achten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
5/100). Sie stützten sich auf die
ihnen überlassenen Akten (S. 2 ff.), die Angaben der Beschwerdeführerin
(S.
10 ff.),
am 2
5.
Mai und
4.
Juni 2010 erhobene bildgebende Befunde und die am
9.
April 2010 erfolgte Untersuchung (
vgl.
S.
1).
4.3.2
Die Gutachter nannten folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (S. 24
Ziff.
1, S. 26
Ziff.
1.1):
symptomatische Gonarthrose links, leicht bis moderat ausgeprägt
Status nach Distorsion 1997
Status nach Kniearthroskopien 1997, 1998 mit Hinterhornresektion la
teral am Meniskus
Status nach Patellazentrierungsoperation August 2000 mit lateraler Re
tinakulumspaltung und Medialisierung der Tuberositas tibiae
Status nach Refixation des proximalen Tuberositastibia-Fragmentes Oktober 2000
ungünstige Statik: femoropatellare Dysplasie Wiberg II, Genu valga linksbetont sowie bei nachfolgend genannten Diagnosen 1, 3 und 4
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (S. 24
Ziff.
1-5
, S. 25 Mitte
):
seronegative rheumatoide Arthritis (Erstmanifestation 2004, Erstdiag
nose November 2004)
diskret erosiv, vereinzelte MCP (MRI März 2009)
mehrjährige Basistherapie mit Methotrexat
Basistherapie mit Methotrexat und TNF-Alpha-Inhibitor (Enbrel)
klinisch und radiologisch in Remission
aktuell: szintigrafisch minimalste Entzündungsaktivität
Laborwerte ohne Entzündungszeichen
Carpaltunnel-
Syndrom rechtsbetont
anamnestisch elektrophysiologisch abgeklärt Juni 2009
rechtsdominant, Operation vorgesehen
benignes Hypermobilitätssyndrom (Hyperlaxizität)
Adipositas WHO II (BMI 37.4 kg/m
2
)
unspezifische thorako-lumbale Schmerzen
myofaszial, Segmentpathologien Th6/7 und Th12/L1
4.3.3
In ihrer Beurteilung führten die Gutachter unter anderem aus, sie gingen davon aus, dass das beidseitige Carpaltunnel-Syndrom mittelfristig nicht mehr krank
heitsrelevant und somit nicht arbeitsrelevant sein werde, da es dauerhaft, ein
fach und mit wenig Risiko operativ sanierbar sei (S. 23 oben).
Die seronegative rheumatoide Arthritis sei aktuell sowohl klinisch als auch la
bo
r
mässig wie auch bildgebend weitestgehend entzündungsinaktiv, ruhig, opti
mal behandelt. Im Vergleich zu den Voraufnahmen (MRI der Hände 2004 und 2005)
seien keine zusätzlichen Erosionen aufgetreten und die alten Erosionen seien in
den Veränderungen stationär, was ebenfalls für eine sehr erfreulich nachhaltig ent
zündungssupprimierte Situation der rheumatoiden Arthritis spre
che. Von dieser
Seite sei unter Therapie somit von einem prognostisch günsti
gen Verlauf auszugehen; daraus könne man eine volle Arbeitsfähigkeit für jeg
liche leichte bis mittelschwere Tätigkeit ableiten (S. 23 Mitte).
Am linken Knie liege zweifelsohne eine Gonarthrose vor. Klinisch sei das Aus
mass der degenerativen Veränderungen als leicht einzustufen; radiologisch sei
die Gonarthrose als leicht bis moderat einzustufen (S. 23 unten). Ausgehend von
diesen milden objektiven Befunden und im Quervergleich mit gleichartigen
Fällen sei gemäss der Erfahrung der Gutachter nicht nachvollziehbar, weshalb die
Versicherte nicht eine auf dem freien Arbeitsmarkt verwertbare Restarbeits
fähig
keit aufweisen sollte; bereits
Dr.
Y._
(2002) und PD
Dr.
C._
(2005)
seien zum Schluss gekommen, dass eine volle Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tä
tigkeit bestehe und zumutbar sei (S. 23 f.).
Zusammenfassend führten sie aus, das aktuell die Arbeitsfähigkeit bestimmende Problem zeige sich in der Form einer leichten bis moderaten Gonarthrose links. Dabei sei es unerheblich, wie viele Eingriffe die Versicherte schon am linken Knie gehabt habe und wie gross ihr Leidensdruck beziehungsweise das Ausmass der als subjektiv zu wertenden Schmerzempfindung seitens des Kniegelenkes sei (S.
24 unten). Es seien ausschliesslich die angeführten objektiven Befunde für die Festlegung
der Arbeitsfähigkeit beziehungsweise der Zumutbarkeit massge
bend (S.
24 f.). Es sei argumentativ nicht plausibel, wie die Versicherte mit ih
rem sieben Personen zählenden Haushalt mit insbesondere aufwendiger Betreu
ung zweier Kleinkinder zurechtkomme, sich aber in Diskrepanz dazu nicht in der Lage sehe, zumindest partiell, einer Erwerbsarbeit ausser Haus nachzugehen (S. 25 oben).
4.3.4
Die Gutachter führten ferner aus, aus rheumatologischer Sicht sei der Versicher
ten für die ehemalige letzte Tätigkeit als Operationsinstruktorin eine Arbeitsfä
higkeit von 40
%
zuzumuten. Für den erlernten Beruf als medizinische Praxi
sassistentin (MPA) sähen sie eine Zumutbarkeit von 50
%
, als Allrounderin in einer kleinen Praxis; unter bestimmten Umständen auch eine solche von 75
%
. Für jegliche vorwiegend sitzende Tätigkeit mit maximal zu hantierenden Lasten von 5 kg, mit der Möglichkeit einer intermittierenden Wechselbelastung, sei der Versicherten eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
zumutbar (S. 25).
Die genannten Einschätzungen gälten ab sofort (S.
27
Ziff.
4); aus heutiger Sicht
lasse
sich gemäss objektiven Befunden wie auch im Quervergleich zu ver
gleich
baren Patienten die ehemals postulierte volle Arbeitsunfähigkeit nicht aufrech
t
erhalten (S. 27
Ziff.
7).
4.4
Dr.
med.
I._
, Rheumatologie und Innere Medizin FMH, führte in seinem Bericht vom 2
7.
November 2012 (
Urk.
5/104) unter anderem aus, als Praxisnachfolger von
Dr.
E._
(vorstehend E. 4.2) betreue er die Patientin seit dem 2
4.
August 2011 (S. 1 unten). Diese fühle sich aktuell schlechter (S. 2 oben).
Auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin führte
Dr.
I._
am 2
0.
Juni 201
3 (
Urk.
5/111) aus, beklagt würden gegenüber 2010 unverändert betont Knie- und
Fingerschmerzen. Gegenüber der Begutachtung durch
Dr.
G._
ergä
ben sich seines Erachtens keine Änderungen. Seitens
des
Knie
s
könne eine leichte Tätigkeit zugemutet werden, seitens der rheumatoiden Arthritis (RA) ergebe sich für eine Arztgehilfin / Operationsinstruktorin aufgrund des Fingerbefalls eine Einschrän
kung von zirka 50
%
.
5.
5.1
Das
H._
-Gutachten erfüllt alle praxisgemässen Kriterien (vorstehend E.
1.4) vollumfänglich. Auch dass es bereits 2010 erstattet wurde, steht seiner Verwert
barkeit nicht entgegen, hat doch der Hausarzt der Beschwerdeführerin im Juni 2013 ausdrücklich festgehalten, seines Erachtens ergäben sich gegenüber dem Gutachten keine Änderungen (vorstehend E. 4.4).
Somit ist grundsätzlich auf das genannte Gutachten abzustellen.
5.2
In einem Punkt enthält das Gutachten allerdings eine Unschärfe, nämlich mit der Feststellung, schon PD
Dr.
C._
habe 2005 eine volle Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit bescheinigt.
Die entsprechende Feststellung von PD
Dr.
C._
war nämlich - darin ist der Beschwerdeführerin zuzustimmen (vgl.
Urk.
9 S.
2
Ziff.
3) - mit dem Vorbe
halt einer allfälligen Limitierung durch die rheumatoide Arthritis verbunden (vor
stehend E. 3.4).
Eben dieser Vorbehalt ist zentral für das Verständnis der im Jahr 2005 erfolgten Anspruchsprüfung mit anschliessender Bestätigung der bisherigen Rentenzu
sprache. Aus dem Zusammenhang ergibt sich nämlich eindeutig, dass
für
RA
D-Arzt
Dr.
D._
nicht die allfällige Einschränkung - oder aber Arbeitsfähig
keit in adaptierter Tätigkeit - aufgrund des Knieleidens massgebend waren. Viel
mehr hat er im Anschluss an die Ausführungen im Gutachten am
1.
Juni
2005
ein
en
Bericht der Klinik
B._
ein
holen lassen
(vgl.
Urk.
5/54 S. 7 Mitte). Da
rin legte der zuständige Oberarzt dar, dass die bisherige Therapie der rheu
matoiden Arthritis nicht erfolgreich gewesen sei, und empfahl für die Dauer der Folgetherapie (
bis
Juni 2006) die bisherige Rentenzusprache fortzuführen (vor
stehend E.
3.5). Dieser Empfehlung folgte
Dr.
D._
ganz offensichtlich, in
dem er ohne nähere Prüfung oder Begründung eine vollumfängliche Arbeits
un
fähigkeit postulierte; sozusagen im Gegenzug wurde eine baldige Revision vor
ge
sehen (vorstehend E. 3.6).
Die genannte Revision erfolgte sodann (nicht wie
im
B._
-Bericht empfohlen im Juni 2006, sondern) im September 2007 (vorstehend E.
4.1) und führte zur Ein
holung des 2010 erstatteten
H._
-Gutachtens.
5.3
Verglichen mit dem Sachverhalt, der 2005 für die Weiterführung der bisher aus
gerichteten Rente massgebend war, ergab das
H._
-Gutachten erhebliche Ver
änderungen. Wie dargelegt, wurde 2005 die Rentenzusprache - vermeintlich vor
übergehend - verlängert, weil die Erfolgsaussichten der damals begonnenen The
ra
pie der rheumatoiden Arthritis unklar waren, und es wurde die wegen dieses Leidens von behandelnder Seite attestierte vollständige Arbeitsunfähig
keit über
nommen.
Diesbezüglich
hat das
H._
-Gutachten die erforderliche Klarstellung gebracht: Das genannte Leiden figuriert nicht mehr unter den Diagnosen mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit
(vorstehend E.
4.3.2); die rheumatoide Arthritis ist gemäss den
Feststellungen der Gutachter weitestgehend entzündungsinaktiv, ruhig und optimal behandelt (vorstehend E. 4.3.3). Daran ändert der Umstand, dass der Hausarzt in diesem Zusammenhang eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
postu
lierte (vorstehend E. 4.4), deshalb nichts, weil er sich dabei auf die angestammte Tätigkeit und nicht
auf
eine leidensangepasste bezogen hat.
Damit ist bezogen auf eben jenes Sachverhaltselement, welches für die weitere Leistungszusprache 2005 ausschlaggebend gewesen ist, eine klare Veränderung ausgewiesen.
5.4
Somit ist zusammenfassend festzustellen, dass ein Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17 ATSG (vorstehend E. 1.1) ausgewiesen ist.
Ebenso ist der medizinische Sachverhalt dahingehend erstellt, dass für vorwie
gend sitzende Tätigkeit
en
mit maximal zu hantierenden Lasten von 5 kg, mit der
Möglichkeit einer intermittierenden Wechselbelastung, eine volle Arbeitsfähig
keit besteht.
6.
6.1
In der Anmeldung zum Leistungsbezug nannte die Beschwerdeführerin als Aus
bildung diejenige zur Arztgehilfin
(heute wohl: MP
A)
von 1985 bis 1987 (
Urk.
5/1
Ziff.
6.2). Im Arbeitgeberbericht vom 1
1.
November 2002 (
Urk.
5/10)
wurde ihre Tätigkeit von 1992 bis 1997 mit „OP-Assistentin“
umschrieben (
Ziff.
6
)
. Im
H._
-Gutachten wurde berufsanamnestisch festgehalten
, sie habe in dieser Zeit als Operationsinstruktorin gearbeitet, nämlich Orthopäden und Chi
rurgen in Praxen und Spitälern vor Ort im Operationssaal Instruktionen zu den verschiedenen Implantaten gegeben (
Urk.
5/100 S. 11
Ziff.
1.5).
Die Beschwerdegegnerin hat gemäss Feststellungblatt vom
9.
Juli 2013
(
Urk.
5/112
)
das hypothetische Valideneinkommen im Jahr 2012 so bemessen, dass sie den Lohn zugrunde legte, den laut Auskunft des
J._
eine gelernte
Operations-Assistentin (mit Diplom TAO) mit mehr als 3-jähriger Be
rufserfahrung erzielte, nämlich
Fr.
7‘038.-
-
im Monat, entsprechend
Fr.
91‘494
.--
im Jahr (S. 7 Mitte).
Die Beschwerdeführerin hat zwar Praxiserfahrung, aber gemäss ihren eigenen Angaben kein
Diplom TAO. Dass die Beschwerdegegnerin das hypothetische Valideneinkommen auf dieser Höhe festgesetzt hat, erweist sich vor diesem Hintergrund als bemerkenswert grosszügige Handhabung ihres Ermessens.
6.2
Zur Bestimmung des Invalideneinkommens hat die Beschwerdegegnerin die Werte der Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamts für Statistik herangezo
gen, und zwar das mittlere von Frauen mit Berufs- und Fachkenntnissen (Ni
veau 3) im Durchschnitt aller Wirtschaftszweige im Jahr 2010 erzielte Einkom
men von
Fr.
5‘202.--, wobei sie im Text (den unzutreffenden) Ausdruck „Hilfs
arbeiten“ verwendete (
Urk.
5/124).
6.3
Das Abstellen auf Niveau 3 ist - entgegen der Beschwerdeführerin (vgl.
Urk.
1 S.
6
) - nicht grundsätzlich zu beanstanden. Allerdings erscheint es logischer, da
bei auf die Löhne in jenem Wirtschaftszweig abzustellen, in welchem die Beschwer
deführerin effektiv über Berufs- und Fachkenntnisse verfügt, nämlich im Ge
sundheitswesen. Hier betrug das mittlere Einkommen von Frauen auf Niveau 3 im Jahr 2010
Fr.
5‘782.-- (LSE 2010 S. 26 f. Tab. TA1
Ziff.
86).
6.4
Andererseits kann der Beschwerdegegnerin darin nicht gefolgt werden, dass keine invaliditätsbedingten Abzüge vorzunehmen seien, „da
diese bereits im Belastungsprofil berücksichtigt“ worden seien. Gerade weil das Belastungsprofil gewisse Restriktionen vorsieht, ist es angezeigt, vom Tabellenlohn einen Abzug vorzunehmen, da dieser das Lohngefüge abbildet, das überwiegend für Beschäf
tigte gilt, die keinem (einschränkenden) Belastungsprofil unterliegen.
Trägt man den lohnmindernden Auswirkungen des Belastungsprofils vorliegend mit einem Abzug von 10
%
Rechnung, so ergibt sich ein Tabellenlohn von rund
Fr.
5‘204.-- (
Fr.
5‘782.-- x 0.9).
6.5
Es resultiert mit anderen Worten mit
Fr.
5‘204.-- bis auf eine vernachlässigbare
Differenz von 2 Franken der gleiche Betrag wie der von der Beschwerdegegne
ri
n eingesetzte (
Fr.
5‘202.--).
Somit erweist sich die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Invaliditäts
bemessung mit einem resultierenden Invaliditätsgrad von rund 28
%
im Ergeb
nis als richtig.
Dieser Invaliditätsgrad ist nicht mehr rentenbegründend. Damit erweist sich die
mit der angefochtenen Verfügung erfolgte Aufhebung der bisher gewährten Rente
als rechtens, womit die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
7.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die In
va
lidenversicherung (IV
G) sind ermessensweise auf
Fr.
8
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.