Decision ID: 9a5a8509-ddd7-48ed-8394-9722c68fc268
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, ge
boren 1972, war vom 1
8.
Mai
bis 2
8.
September 2015 bei der
Y._
im Rahmen einer
Ausbildung angestellt und dadurch bei der Militär
versicherung versichert (
Urk.
12/1
-2
). Bei erfolgreiche
m
Abschluss der Ausbil
dung wä
re eine
Weiterbeschäftigung
als
in Kosovo stationierter
Personalchef
der SWISSCOY
bis 2
1.
April 2016
vorgesehen gewesen (
Urk.
3/1
0
und
Urk.
1 S. 2
). Indessen
erlitt der Versicherte
am
7.
August 2015 als Mitfahrer in einem Armee
fahrzeug
bei einem Unfall
eine Verletzung der Wirbelsäule (traumatische Dis
kushernie mit
Plegie
links und S1-Parese rechts;
Urk.
12/7), was zum vorzeitigen Abbruch der Ausbildung per 1
8.
August 2015 führte (vgl.
Urk.
2
S. 1
).
1.2
Die Militärversicherung anerkannte ihre Leistungspflicht und erbrachte die
ge
-
setzlichen
Leistungen; insbesondere richte
te
sie Taggelder aus. Für die
ursprüng
-
liche
Anstellungsd
auer bis 2
8.
September 2015
und auch darüber hinaus erfolgte die Ausrichtung des Taggelds
auf
der Basis des bei der
Y._
erziel
ten Jahresverdienstes von
Fr.
119’820.-- (2015) beziehungsweise
von
Fr.
134'178.-- (2016; vgl.
Urk.
2 S. 2).
Mit S
chreiben vom 1
9.
Mai 2016 teilte
die Mi
litärversicherung dem Versicherten
mit, gemäss Auskunft der
Y._
wäre sein Vertrag
ab dem
2
2.
April 2016
nicht verlängert worden
. Ab diesem Zeitpunkt sei daher eine Anpassung des Jahresverdienst
e
s vorzunehmen.
Gleichzeitig hielt sie jedoch
fest, das Taggeld werde ab 2
2.
April 2016 auf der Basis des Jahresver
dienst
e
s des letzten Arbeitsverhältnisses bei
der
Y._
von
Fr.
134'178.--
entschädigt
(
Urk.
12/156). Dementsprechend erfolgte denn auch bis 3
1.
Dezember 2016 die Auszahlung des Taggelds (vgl.
Urk.
2 S. 2).
1.3
Hinsichtlich des Taggeldanspruchs
ab
1.
Januar 2017 ging die Militärversiche
rung von einer inzwi
schen eingetretenen Arbeitslosigkeit des Beschwerdeführers aus und entrichtete das Taggeld (bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers) ana
log der Arbeitslosenentschädigung
auf der Basis eines Jahresverdienst
e
s von
Fr.
93'782.-- (vgl.
Urk.
2 S.
4
).
1.4
Mit Verfügung vom 2
9.
Mai 2017 setzte die Militärversicherung
das Taggeld per
1.
Juli 201
7
auf der Basis eines Jahresverdienstes von
Fr.
8
5'000.--
neu
fest. Dabei liess sie sich von der Annahme leiten
, dass der Beschwerdeführer im Gesundheitsfall nun
mehr
im
Personalbereich tätig wäre
(
Urk.
12/223). Gegen dies
e Verfügung erhob der Versicherte
Einsprache und beantragte, das Taggeld sei über den
1.
Juli 2017 hinaus auf der Basis eines Jahresverdienstes von
Fr.
134'178.-- auszurichten (
Urk.
12/236). Mit Entscheid vom 1
6.
November 2018 wies die Militärversicherung die Einsprache ab und bestät
igte, dass die Taggelder
ab
1.
Juli 2017 auf einem hypothetischen Jahresverdienst von
Fr.
85'000.-- aus
gerichtet würden (
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einsprachee
ntscheid
vom 1
6.
November 2018 erhob der Versicherte am 2
1.
Dezember 2018 Beschwerde und beantragte,
dieser
sei aufzuheben und das Taggeld sei ab
1.
Januar 2017 bis auf Weiteres weiterhin auf der Basis eines Jahresverdienstes von
Fr.
134'178.-- auszurichten. Eventualiter sei das Taggeld ab
1.
Januar 2017 bis auf Weiteres auf der Basis eines Jahresverdienstes
von
Fr.
156'000.-- respektive
Fr.
152'276.-- auszurichten (
Urk.
1 S. 2).
Die Militärver
sicherung schloss in der Beschwerdeantwort vom 2
8.
Februar 2019 auf Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
10). Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien an ihren Anträgen fest (
Urk.
14, 18).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann das verwaltungsgerichtliche Verfahren aus prozessökonomischen Gründen auf eine ausserhalb des Anfech
tungsgegenstandes, das heisst ausserhalb des durch die Verfügung beziehungs
weise durch den
Einspracheentscheid
bestimmten Rechtsverhältnisses liegende spruchreife Frage ausgedehnt werden, wenn diese mit dem bisherigen Streitge
genstand derart eng zusammenhängt, dass von einer Tatbestandsgesamtheit gesprochen werden kann, und wenn sich die Verwaltung zu dieser Streitfrage mindestens in Form einer Prozesserklärung geäussert hat (BGE 130 V 501, 122
V
34 E. 2a mit Hinweisen).
1.2
Mit
Verfüg
ung vom 2
9.
Mai 2017 und mit
Einspracheentscheid
vom 1
6.
Novem
ber 2018 entschied die Militärversicherung über den Taggeldanspruch ab
1.
Juli 2017 beziehungsweise über den
ihm zu Grunde liegenden Jahresve
rdienst (
Urk.
2,
12/223). In der Bes
chwerde wird die Festsetzung des versicherten Verdienstes für die
Taggelder bereits ab
1.
Januar 2017 beantragt (
Urk.
1 S. 2). Der Taggeldan
spruch vom
1.
Januar bis 3
0.
Juni 20
17 war nie Verfügungsgegenstand. Indessen äusserte sich die Militärversicherung sowohl im angefochtenen
E
inspracheent
scheid
als auch in der Beschwerdeantwort dazu (
Urk.
2 S. 4,
Urk.
10 S. 3).
I
n
masslicher
Hinsicht
war er zwischen den Parteien stets strittig
. Da
er in engem
Zusammenhang
mit dem
verfügten Taggeld ab
1.
Juli 2017
steht
und der Beschwerdeführer
kund tat
,
dass er damit nicht einverstanden ist,
rechtfertigt
es
sich
, das Verfahren auf den gesamten strittigen Zeitraum
auszudehnen. Zu prüfen ist vorliegend mithin,
welcher Jahresverdienst als Basis für die Berechnung des Taggelds
ab
1.
Januar 2017
gilt.
Anzumerken ist, dass die Militärversicherung zwischenzeitlich mit Verfügung vom 1
5.
Januar 2019 die Taggeldleistungen gestützt auf eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit per
1.
Oktober 2017 eingestellt hat (
Urk.
12/319). Die Rechtmässigkeit dieser Einstellung bilde
t
Gegenstand eines eigenständigen Verfahrens
(vgl.
Urk.
1 S. 4,
Urk.
2 S. 2).
2.
Ist der Versicherte infolge der Gesundheitsschädigung arbeitsunfähig, so hat er Anspruch auf ein Taggeld (
Art.
28
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Militärver
sicherung, MVG). Versichert ist der Verdienst, der während der Dauer der Arbeits
unfähigkeit ohne die versicherte Gesundheitsschädigung erzielt worden wäre (
Art.
28
Abs.
4 MVG). Im Gegensatz zur obligatorischen Unfallversicherung stellt das MVG nicht auf den vor Eintritt der Gesundheitsschädigung mutmasslich erzielten Verdienst ab. Dies bedeutet u.a., dass bei länger dauernder Arbeitsunfä
higkeit eine Anpassung des Taggelds zufolge Änderung des hypothetischen Ver
dienstes ohne Gesundheitsschädigung erfolgen kann (
Maeschi
, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung [MVG
], Bern 2000, N 22 zu
Art.
28).
Bei Arbeitslosen entspricht
das Taggeld der Entschädigung der Arbeitslosenver
sicherung (
Art.
28
Abs.
6 MVG).
3.
3.1
Im angefochtenen
Einspracheentscheid
führte die Militärversicherung aus, das Engagement des Beschwerdeführers bei der
Y._
sei von vornherein auf zehn Monate befristet gewesen. Eine Verlängerung über den 2
1.
April
2016 hin
aus wäre laut Auskunft der
Y._
nicht möglich gewesen. Mithin sei zu klä
ren, welchen Verdienst der Beschwerdeführer ab 2
2.
April 2016 ohne versicherte
Gesundheitsschädigung mutmasslich erzielt hätte. Im Anschluss an die Anstel
lung bei
Y._
hätte man in einer ersten Phase durchaus auch von einer Arbeitslosigkeit ausgehen können, womit de
r Berechnung des Taggelds ab
2
2.
April 2016 die Entschädigung der Arbeitslosenversicherung zu Grunde zu legen gewesen wäre. Erst als schliesslich die Arbeitsunfähigkeit über Monate
angedauert habe, sei ab
1.
J
a
nuar
2017
tatsächlich die Entschädigung der Arbeitslosenversicherung als Berechnungsgrundlage für das weitere Taggeld her
angezogen worden (
Urk.
2 S. 2, vgl. auch
Urk.
12/223 S. 1). Aufgrund der vorlie
genden Unterlagen sei davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer nach der Anstellung bei der
Y._
beruflich im Bereich Human Resources / Perso
nalwesen entwickelt hätte. Für die Bestimmung des mutmasslichen Einkommens
ab
1.
Juli 2017
sei von den Lohnangaben, wie sie dem
Lohnbuch
2016 und der LSE
2014 zu entnehmen seien
,
auszugehen.
Gemäss
Lohnbuch
2016 bewege sich der Jahresverdienst im Bereich Personalwesen zwischen
Fr.
65'000.-- und
Fr.
104'000.--. In Anwendung der LSE ergebe sich
ein Jahresverdienst von
Fr.
77'400.-- beziehungsweise
Fr.
93'000.--. Ausgehend vom Durchschnitt sei somit der hypothetische Jahresverdienst auf
Fr.
85'000.-- festzusetzen. Der vom Beschwerdeführer geltend gemachte Verdienst von
Fr.
130'000.-- bis
Fr.
170'000.-- auf der Grundlage einer Tätigkeit als Personalleiter in einer inter
nationalen Firma erscheine mangels konkreter Anhaltspunkte nicht als überwie
gend wahrscheinlich und könne daher nicht als Basis herangezogen werden (
Urk.
2 S. 4 ff.).
3.2
Der Beschw
erdeführer macht
e
in der Beschwerde
geltend, gemäss
Art.
28
Abs.
4 MVG sei lediglich eine Erhöhung, nicht jedoch eine Reduzierung des einmal fest
gelegten Taggelds zulässig. Schon bereits deshalb seien ihm die Taggelder wei
terhin auf dem von der Militärversicherung ursprünglich festgesetzten Jahresver
dienst von
Fr.
134'178.
-- auszurichten
(
Urk.
1 S. 4 f.). Soweit sich die Militärver
sicherung auf den Standpunkt s
telle, er
wäre zwischenzeitlich arbeitslos, könne dies höchstens unter dem Aspekt bejaht werden, dass die Arbeitslosigkeit militär
dienstbedingt eingetreten sei. Ohne den folgenschweren Militärunfall hätte er sich bei internationalen Unternehmen bewerben können. Für die Berechnung des Tag
geldes sei folglich vom let
zten
, den bei der
Z._
AG
erzielten Lohn auszugehen. Dieser habe hochgerechnet auf 100
%
Fr.
156'000.-- betragen (
Urk.
1 S. 6).
Jedenfalls sei davon auszu
gehen, dass er
im Gesundheits
fall ein Einkommen von
Fr.
134'178.-- erzielt hätte. In einem mittleren und vor allem auch grossen, internationalen Unternehmen sei der Lohn gar noch um einiges höher und damit mindestens auf der Basis des versicherten Höchstbetrags von
Fr.
152'276.
-- anzusetzen (
Urk.
1 S. 8 ff.)
.
In der
Replik stellte sich der Beschwerdeführer darüber hinaus auf den Standpunkt, dem Schreiben vom 1
9.
Mai 2016, mit welchem der
Jahresverdienst auf
Fr.
134'178.
-- festgesetzt worden sei
, komme Verfügungscharakter zu. Darauf könne die Militärversiche
rung nur zurückkommen, sofern die Voraussetzungen für
eine Wiedererwägung, eine prozessuale Revision oder einer Anpassung an veränderte Verhältnisse
gegeben seien, was
vorliegend nicht der Fall sei (
Urk.
14 S. 2 ff.).
4.
4.1
Gemäss
Art.
49
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) hat der Versicherungsträger über Leistungen, Forde
rungen und Androhungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Partei nicht einverstanden ist, schriftlich Verfügung zu erlassen.
Art.
51
Abs.
1 ATSG sieht vor, dass Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die nicht unter
Art.
49
Abs.
1 fallen, in einem formlosen Verfahren behandelt werden.
Die betroffene
Person kann den Erlass einer Verfügung verlangen.
4.
2
Fälle von geringerer Bedeutung können also formlos erledig
t werden. Dies
fällt insbesondere bei Taggeldern in Betracht (
Maeschi
, a.a.O., N 6 zu
Art.
96). So wurde auch mit Schreiben vom 2
6.
Mai 2016 verfahren (
Urk.
12/156).
Die Form der Erledigung ist vorliegend indessen nicht entscheidend
. Bei Taggeldern handelt es sich nicht um Dauerleistungen
(BGE 135 V 287 E. 4.2
). Der Versicherungsträger kann deshalb die Taggeldleistungen ohne Berufung auf einen Wiedererwägungs- oder Revisionsgrund "ex
nunc
und pro
futuro
" einstellen (BGE 130 V 380 E. 2.3.1
).
Eine solche Einstellung kann auch rückwirkend erfolgen; etwas
anderes
gilt lediglich in jenen Fällen, in denen der Versicherungsträger die zu Unrecht ausbezahlten Leistungen zurückfordert
(vgl. BGE 133 V 57 E. 6.8, Bundesgerichts
urteil 8C_987/2010 vom 2
4.
August 2011 E. 3.3.1).
Obschon
die Militärversiche
rung mit Schreiben vom 2
6.
Mai 2016 mitteilte, sie würde das Taggeld ab 2
2.
April 2016 auf der Basis eines Jahresverdienstes von
Fr.
134'178.-- festlegen, war es ihr somit nicht verwehrt, für den Zeitraum ab
1.
Januar 2017 darauf zurückzukommen.
5.
5.
1
Ausgangspunkt der Gesetzesauslegung ist der Wortlaut der Bestimmung (gram
matikalisches Element). Ist er klar, d.h. eindeutig und unmissverständlich, darf vom Wortlaut nur abgewichen werden, wenn ein triftiger Grund für die Annahme besteht, der Wortlaut ziele am "wahren Sinn", d.h. am Rechtssinn der Regelung vorbei. Anlass für eine solche Annahme können die Entstehungsgeschichte der Bestimmung (historisch), ihr Zweck (teleologisch) oder der Zusammenhang mit
andern Vorschriften (systematisch) geben, so namentlich, wenn die grammatika
lische Auslegung zu einem Ergebnis führt,
das
der Gesetzgebe
r nicht gewollt haben kann (BGE 142 V 402 E. 4.1).
5.
2
Versichert ist der Verdienst, der während der Dauer der Arbeitsunfähigkeit ohne die versicherte Gesundheitsschädigung erzielt worden wäre (
Art.
28
Abs.
4 MVG).
Der Taggeldberechnung ist also der hypothetische Verdienst zu Grunde zu legen, den die versicherte Person während der Dauer der Arbeitsunfähigkeit ohne Gesundheitsschädigung erzielt hätte. Aus dem klaren Wortlaut folgt, dass künf
tige Lohnveränderungen berücksichtigt werden. Damit kann es sich selbst
redend sowohl um Lohnerhöhungen
als auch Lohneinb
ussen handel
n
. Es geht darum,
wie sich bereits aus der Botschaft des Bundesrates vom 2
6.
März 1963
zu
Art.
20
Abs.
2 aMVG1949
(
BBL 1963 I 857
) ergibt,
das Taggeld nach dem tatsächlichen Verdienstausfall festzusetzen. Dem Beschwerdeführer kann da
her nicht gefolgt werden, wenn
er geltend macht, die Bestimmung von
Art.
28
Abs.
4 MVG dürfe nur bei Lohnerhöhungen berücksichtigt werden. Sein Verweis auf
Art.
23
Abs.
7 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) verfängt nicht (
Urk.
1 S. 4 f.). Jene Bestimmung setzt bereits im Wortlaut eine Lohn
erhöhung voraus und regelt
einen anderen Sachverhalt. Eine Analogie zu
Art.
28
Abs.
4 MVG besteht nicht.
6.
6.1
Zur Bestimmung des hypothetischen Verdienst
e
s ohne Gesundheitsschädigung im Sinne von
Art.
28
Abs.
4 MVG rechtfertigt es sich, die Rechtsprechung zur Bestimmung des
Valideneinkommens
heranzuziehen.
Grundsätzl
ich bleibt
somit
beim hypothetischen Verdienst ohne Gesundheitsschädigung
der zuletzt erzielte Verdienst als Bezugsgrösse bestehen, ausser es finden sich ausreichend konkrete Anhaltspunkte für eine berufliche Weiterentwicklung.
Dazu ist
erforderlich, dass konkrete Anhalt
spunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person
einen beruf
lichen Aufstieg und ein entsprechend höheres Einkommen tatsächlich realisiert hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Absichtserklärungen genügen dazu nicht; vielmehr muss die Absicht, beruflich weiterzukommen, bereits durch kon
krete Schritte wie Kursbesuch, Aufnahme eines Studiums usw. kundgetan worden sein. Die Anforderungen an den massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dürfen dabei nicht überspannt werden. Gleichwohl muss der hypothetische berufliche Werdegang dem Gericht wahrscheinlicher erscheinen als die Weitera
usübung der angestammten Arbeit
(Bundesgerichtsurteil 9C_615/2010 vom 3
0.
September 2010 E. 1.1, Urteil des
Eidg
. Versicherungsgerichts U 340/04
vom
9.
März 2005
E. 2.2).
6.2
Der Beschwerdeführer absolvierte von 1988 bis 1991 bei der
A._
eine Lehre zum Bankkaufmann. Danach arbeitete er bei einer Organisation im Sportbereich. 1996 legte er in Prag die tschechische
Staatsmatur
a
ab
(
Urk.
3/4
,
11/6). Nach weiteren Tätigkeiten und zwischenzeitlichen Arbeitslosigkeiten arbeitete er ab
1.
Juni 2010 als Versicherungsberater
im Aussendienst
bei der
B._
AG
. Diese Stelle wurde ihm per 2
8.
Februar 2013
gesundheitsbedingt
gekündigt. Er litt an
einem
Synovialsarkum
im rechten Knie. Häufiges Autofahren und knie
belastende Tätigkeiten waren ihm deshalb nicht mehr möglich (
Urk.
11/2-5, 11/7). In der Folge absolvierte
er
von September 2013 bis Oktober 2014
einen MBA in Human
Ressources
Management
in Prag
, im November 2014 legte er die Prüfung zum Versicherungsvermittler ab und im Januar 2015 erlangte er den Ausweis zum Berufsbildner
(
Urk.
3/3, 3/5, 3/7
). Im Mai 2015 begann er schliess
lich die Ausbildung bei der
Y._
(
Urk.
3/3
, 12/1
).
In der Beschwerde macht er geltend, dass er darüber hinaus vom
1.
Januar 2007 bis April 2015 bei der
Z._
AG tätig gewesen sei (
Urk.
1 S. 8).
Ein entsprechendes Arbeitszeugnis liegt vor. Darin wird ausgeführt, dass der Beschwerdeführer am
1.
Januar 2007 als HR-Generalist Personalent
wicklung in das Unternehmen eingetreten sei. Vom
1.
August 2007 bis 3
1.
Dezember 2009 sei er als Human
Ressources
Manager für den Hauptsitz in der Schweiz sowie mehrere Niederlassungen in Polen, der Tschechischen Republik sowie der gesamten DACH-Region tätig gewesen. Per
1.
Januar 2010 sei er dann zum Head
of
Human
Ressources
ernannt worden (
Urk.
3/8). Dazu ist inde
ssen zu bemerken, dass bloss für die Monate Januar bis April 2015 Lohnzahlungen
der
Z._
AG ausgewiesen sind
(vgl. dazu IK-Auszug,
Urk.
11/1).
6.3
Die Militärversicherung geht davon aus, dass der Beschwerdeführer vom
1.
Januar bis 3
0.
J
uni
2017 arbeitslos gew
esen wäre. Dementsprechend reduzierte sie das Taggeld in Anwendung von
Art.
28
Abs.
6 MVG (vgl.
Urk.
2 S. 4). Diese Regelung findet jedoch keine Anwendung, wenn die Arbeitslosigkeit wegen der versicherten Gesundheitsschädigung und ihrer Folgen eingetreten ist (
Maeschi
,
a.a.aO
., N 39
Art.
28).
Zur Begründung ihrer Annahme einer Arbeitslosigkeit führte die Militärversiche
rung
aus, der Beschwerdeführer hab
e gemäss eigenen Angaben
keine Pläne für die Zeit nach der Anstellung bei der
Y._
gehabt (
Urk.
10 S. 6).
In der Tat trat der Beschwerdeführer n
ach dem Abbruch der Au
sbildung per 1
8.
August 2015
keine neue Anstellung
an. Es ist ihm jedoch beizupflichten
, dass die Arbeitslosigkeit militär
dienst
bedingt eintrat
(
Urk.
1 S. 6)
. Anlässlich des Unfalls vom
7.
August 2015 erlitt er einen erheblichen Gesundheitsschaden, der einen operativen
Eingriff und einen langwierigen Heilungsprozess mit sich brachte (vgl.
Urk.
12/283). Der Um
stand, dass er
gegenüber der Militärversicherung keine kon
krete Stelle für die Dauer nach dem Einsatz bei der SWISSCOY benennen konnte
(
Urk.
12/27)
, ist vor diesem Hintergrund
zu sehen.
Sein stetes Bemühen um ein berufliches Fortkommen ist ausgewiesen.
Es ist davon auszugehen
, dass er sich im Gesundheitsfall frühzeitig auf Stellen beworben hätte
. Ein
Grund zur Annahme, dass er dabei nicht erfolgreich
und deshalb arbeitslos
gewesen wäre, besteht nicht.
6.4
Der Beschwerdeführer postuliert, dass für die Bestimmung des Taggelds auf den Jahresverdienst von
Fr.
134'178.-- abzustellen sei, eventualiter auf den Jahres
verdienst von
Fr.
156'000.-- respektive
Fr.
152'276.-- als Höchstbetrag des ver
sicherten Jahresverdienstes gemäss
Art.
15
Abs.
1 der Verordnung über die
Mili
tärv
ersicherung (MVV). Für letztere Annahme
orientiert er sich am Lohn, den er bei
Z._
AG
erzielte
sowie am Loh
n eines Personal
leiters in einem
grossen, internationalen Unternehmen (
Urk.
1 S. 9 f.).
Bei der
Z._
AG
war
der Beschwerdeführer in einem 40
%
-Pensum angestellt. Vereinbart war ein Monatslohn von
Fr.
4'800.--
(
Urk.
12/124). Für die Zeit von Januar 2015 bis
April
2015 erhielt er
inklusive Anteil 1
3.
Monatslohn
brutto
Fr.
20'800.--
(vgl. IK-Auszug,
Urk.
11/1). Hochge
rechnet auf das Jahr ergibt dies
Fr.
156'000.-- (vgl. auch
Urk.
1 S. 9).
Da ihm
indessen
nur vier Monatslöhne ausbezahlt wurden
, ist ein längeres Arbeitsver
hältnis, zumindest zu diesen Konditionen, nicht ausgewiesen.
Offenbar war die Tätigkeit bei der
Z._
AG
denn auch nur zur Über
brückung bis zur Anstellung bei der
Y._
gedacht (
Urk.
10 S. 4). Selbst im Rahmen dieser kurzen Zeit betrug der Anstellungsgrad bloss 40
%
.
Die Hochrech
nung auf 100
%
ist bloss theoretischer Natur.
Effektiv vermochte der Beschwer
deführer zu keinem Zeitpun
kt ein Jahreseinkommen von
Fr.
156'000.-- zu erzie
len.
Es rechtfertigt sich
daher auch nicht, ihm ein solches
anzurechnen.
Es ist nicht erstellt, dass er nach seinem Einsatz für die
Y._
an die Stelle bei der
Z._
AG hätte zurückkehren und gleichzeitig sein Pensum auf 100
%
erhöhen können.
Soweit
der Beschwerdeführer
den Lohn eines Personalleiters in einer grossen, internationalen Unternehmung zum Massstab nimmt (
Urk.
1 S. 10), ist festzuhalten, dass es an Anhaltspunkte
n
für eine solche Anstellung fehlt. Weder die Ausbildung noch der bisherige berufliche Werdegang des Beschwerdeführers sprechen für einen derartigen beruflichen A
uf
stieg, wobei
in diesem Zusammenhang
zu berücksichtigen ist, dass der
in Tschechien erwor
bene MBA
in der Schweiz nicht
generell
anerkannt
wird
(vgl.
Urk.
1 S.
10
,
Urk.
12/198
).
6.5
Bei der
B._
AG verdiente der Beschwerdeführer im Jahr 2011
Fr.
90'178.--. Im Jahr 2012 war das Salär mit
Fr.
51'509.-- tiefer, jedoch bestand ab Juni 2012 eine
Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
11/1, 11/3).
Welcher Periode die im April 2015 (
Urk.
15) bestätigte Provision in der Höhe von
Fr.
35'255.30 zuzurech
nen ist, kann
offen bleiben
. Der Betrag war bereits zu einem früheren Zeitpunkt vorbezogen worden.
Bei der
Y._
bet
rug der Jahresverdienst im
Jahr
2015
Fr.
119'
082
.-- und im
Jahr
2016
Fr.
134'178.-- (
Urk.
12/1,
Urk.
2 S. 2).
Der Beschwerdeführer war bei der SWISSCOY für die Funktion als Personalchef vorgesehen. Die Anforderungen gemäss Stellenbeschrieb waren hoch: Verlangt wurde unter anderem eine abge
schlossene Berufsausbildung oder ein Studium, ein einwandfreie
r
Leumund, Berufserfahrung im Personalbereich, gute Englischkenntnisse sowie physische und ps
ychische Belastbarkeit (
Urk.
3/9
). Die Bewerber hatten ein zweitägiges Selektionsverfahren zu durchlaufen, welches der Beschwerdeführer erfolgreich bestand (
Urk.
3/10).
Die Anstellung
bei der
Y._
stellte für den Beschwerdeführer zweifellos einen K
arrieresprung dar, was sich entsprechend
im Lohn niederschlug.
Bei der
Z._
AG
, mittlerweile unter
C._
Aktiengesellschaft firmierend, verfügt der Beschwerdeführer nach wie vor über eine Einzelprokura (
HR-Auszug,
Urk.
20).
Dies wirft die Frage auf, ob der Beschwerdeführer allenfalls in einer (an sich nicht negativ zu wertenden) persön
lichen Nähe zu ihr steht (vgl. dazu
auch
den HR-Auszug,
Urk.
20).
Ein solcher Konnex ist in Bezug auf die
Y._
auszuschliessen.
Ganz offensicht
lich bracht
e der Beschwerdeführer
die
für
eine Anstellung
notwendigen Vorausset
zungen mit
(vgl. auch
Urk.
3/10)
.
Geholfen
haben
dürften ihm auch seine breiten Sprachkenntnisse sowie seine überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft, die sich
in diversen Weiterbildungen, u.a.
in der Absolvierung des
tschechischen
MBA
,
manifestiert.
Es besteht kein Grund zur Annahme, dass der Beschwerde
führer im Gesundheitsfall einen Karriererückschlag hätte hinnehmen müssen
.
6.6
Zur Ermittlung des hypothetischen Lohnes des Beschwerdeführers ist davon aus
zugehen, dass er den eingeschlagenen Weg fortgesetzt und im Bereich Personal
management/Human
Ressources
in einer Kaderposition tätig gewesen wäre. Rechtsprechungsgemäss können es die konkreten Umstände
des Einzelfalls erlau
ben, auf eine andere Tabelle
als die praxisgemäss anzuwendende TA1
abzustellen (
Bundesgerichtsurteil 9C_422/2017 vom 18. Mai 2018 E. 4.2). Für die Bestim
mung des Lohnes für Tätigkeiten im Bereich Human
Ressources
kommt ein Abstellen auf die Tabelle TA7,
Ziff.
21: Rechnungs- und Personalwesen,
gemäss LSE 2010
in Frage (v
gl.
Bundesgerichtsurteil 9C_394/2015 vom 2
7.
Oktober 2015 E. 3.4.1-3.4.3
). Diese Tabelle wurde ab der LSE 2012 durch die T17 ersetzt. Für das (aktuellste) Jahr 2016 ergibt sich für Führungskräfte im kaufmännischen Bereich, wozu die hypothetische Tätigkeit des Beschwerdeführers zu zählen ist,
für Männer im Alter des Beschwerdeführers (30-49 Jahre) ein Wert von Fr. 10'655.--. Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung (Index 104.1 auf 104.6, Nominallohnindex Männer, T1.1.10) und der betriebsüblichen Wochenarbeitszeit von 41,7 Stunden im Jahr 2017 (betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit; Tabelle T
03.02.03.01.04.01
) resultiert ein Jahresverdienst von Fr. 133’934.--.
Die Hochrechnung des zuletzt für das Jahr 2010 publizierten Wertes der TA7 (Zentralschweiz, Ziff. 21,
Rechnungs
und Personalwesen, Anforderungsniveau 1+2, Fr. 10'115.--) ergäbe einen vergleichbaren Verdienst von Fr. 132’359.-- (Nominallohnentwicklung von Index 100 auf Index 104.6).
6.7
Damit ergibt sich,
dass das Taggeld ab
1.
Januar 2017 auf der Basis eines Jahres
verdienstes von
Fr.
1
33’934
.-- auszurichten ist. Dies führt zur
teilweisen
Gutheis
sung der Beschwerde.
7.
Dem Beschwerdeführer steht eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festge
setzt wird (
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgeric
ht,
GSVGer
). In Anwendung dieser Grundsätze
ist ihm eine Pr
ozessentschädigung von
Fr.
2’400
.-- (inkl. Bara
uslagen und
MWSt
) zuzusprechen.