Decision ID: 354da807-addb-571e-9035-1cf52686123d
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden verliessen ihren Heimatstaat gemäss eigenen
Angaben am 24. Oktober 2015. Via Libanon, Türkei, Griechenland, Maze-
donien, Serbien und Kroatien gelangten sie nach Slowenien. Am 3. No-
vember 2015 stellten ihnen die slowenischen Behörden eine Aufenthalts-
bewilligung mit Gültigkeit bis am (...) 2016 aus.
B.
Am 8. November 2015 reisten die Beschwerdeführenden in die Schweiz
ein und suchten gleichentags um Asyl nach. Am 16. November 2015 fan-
den die Befragungen zur Person (BzP) statt.
B.a Dabei gab der Beschwerdeführer an, er sei in G._ geboren.
Seine Eltern stammten aus den H._. Zuletzt habe er in I._,
Provinz J._, gelebt. Seit dem Jahr (...) sei er mit der Beschwerde-
führerin verheiratet und habe mit ihr (...) Kinder. Er habe (...) Schwestern
und (...) Brüder. Sein Vater sei verstorben. Seine Mutter sei mit seiner Fa-
milie in die Schweiz gereist. Die Schule habe er während der (...) Klasse
abgebrochen. Danach habe er (...) Jahre lang als (...) in verschiedenen
(...) gearbeitet.
Zu seinen Asylgründen führte er aus, sein Haus sei durch eine Bombe zer-
stört worden. Sein (...) sei dabei ums Leben gekommen. Wegen der Kon-
trollposten habe er Angst gehabt, das Haus zu verlassen. Er habe jeweils
im (...) geschlafen und sei nur einmal pro Woche nach Hause gegangen.
B.b Die Beschwerdeführerin gab an, sie stamme aus I._, Provinz
J._. Ihre Eltern seien verstorben. Sie habe (...) Schwestern und (...)
Brüder. Die Schule habe sie mit der (...) Klasse abgeschlossen. Danach
habe sie als (...) und (...) gearbeitet.
Zu ihren Asylgründen führte sie aus, sie habe Syrien wegen des Krieges
verlassen.
C.
Die Vorinstanz ersuchte am 4. Dezember 2015 die slowenischen Behörden
um Übernahme der Beschwerdeführenden gestützt auf Art. 12 Abs. 2 der
Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-
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stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist.
D.
Am (...) kam das (...) Kind der Beschwerdeführenden zur Welt.
E.
Am 7. Januar 2016 und 11. Februar 2016 lehnten die slowenischen Behör-
den das Gesuch der Vorinstanz um Übernahme der Beschwerdeführenden
vom 4. Dezember 2015 ab.
F.
Die Vorinstanz ersuchte am 11. Februar 2016 die slowenischen Behörden
um Wiedererwägung der Entscheide vom 7. Januar 2016 und 11. Februar
2016. Am 8. März 2016 lehnten die slowenischen Behörden das Wiederer-
wägungsgesuch ab.
G.
Am 18. April 2016 beendete die Vorinstanz das Dublin-Verfahren und nahm
das nationale Verfahren auf.
H.
Die Vorinstanz hörte den Beschwerdeführer am 19. September 2017 ein-
lässlich zu seinen Asylgründen an.
Dabei machte er geltend, er sei von (...) bis (...) 2015 (...) im K._
gewesen, (...) in G._. Sein damaliger Wohnort, L._, (...).
Seit Mitte (...) 2012 sei er aufgrund der Strassenkontrollen nur noch (...)
Mal pro Woche nach Hause gegangen und habe jeweils im (...) übernach-
tet. Um allfällige Nachteile bei den Kontrollen und insbesondere eine un-
gerechtfertigte Verhaftung zu vermeiden, habe er sich im (...) eine neue
Identitätskarte mit einer Adresse in S._ausstellen lassen.
Am (...) 2012 hätten sich (...) hochrangige Regierungsmitglieder (...) aus
dem (...) K._ an den Hauptsitz der (...) liefern lassen. Es habe sich
dabei um N._, (...), O._, (...), P._, (...), Q._,
(...), und R._, (...), gehandelt. Nachdem das (...) geliefert worden
sei, habe sich eine Explosion ereignet. (...) seien dabei ums Leben gekom-
men. (...) habe als Einziger überlebt. In der Folge sei das (...) geschlossen
und alle (...) Angestellten sowie der Inhaber (...) seien festgenommen wor-
den. Nur Letzterer sei von den Behörden befragt worden. Am selben Tag
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sei er – der Beschwerdeführer – freigelassen worden. Verantwortlich für
die Explosion sei das Regime, welches diese (...) verdächtigt habe, (...).
Am (...) 2013 sei das (...) seiner Familie von einer (...) getroffen worden.
Ein paar Tage später sei sein (...) im Spital seinen Verletzungen erlegen.
In der Folge habe er mit seiner Familie die Stadt verlassen und sei nach
I._ gezogen, wo seine Ehefrau früher gelebt habe.
Mitte (...) 2014 habe er durch Vermittlung (...) namens S._ eine (...)
erhalten, mit welcher er die Checkpoints zwischen I._ und
G._ problemlos habe passieren können. S._ habe seinen
Vorgesetzen kennenlernen wollen, was dieser indes abgelehnt habe. In der
Folge habe S._ von ihm – dem Beschwerdeführer – (...) verlangt.
Als Gegenleistung habe er (...) und (...) erhalten. Er hätte sich den Anord-
nungen von S._ nicht widersetzen können, ansonsten er verhaftet
worden wäre.
Im (...) 2014 sei er von der Freien Syrischen Armee (FSA) (...) Mal ange-
halten worden. Sie hätten ihn verdächtigt, den nationalen Sicherheitskräf-
ten anzugehören. Nach einer Kontrolle und einem Anruf bei seinem (...)
habe er seinen Weg beide Male fortsetzen können.
I.
Am 7. November 2017 hörte die Vorinstanz die Beschwerdeführerin und
den ältesten Sohn der Beschwerdeführenden einlässlich zu ihren Asylgrün-
den an.
Dabei gaben beide an, sie hätten Syrien aufgrund der Probleme des Ehe-
mannes respektive des Vaters verlassen.
Als Beweismittel gaben die Beschwerdeführenden ein Gerichtsurteil den
(...) des Beschwerdeführers betreffend, die Identitätskarte des Beschwer-
deführers, ein Militärbüchlein, eine Bestätigung für intern Vertriebene, ein
Familienbüchlein, eine (...) – alles jeweils im Original –, eine Kopie des
Führerausweises des Beschwerdeführers und diverse Fotos zu den Akten.
J.
Mit Verfügung vom 31. Mai 2018 verneinte die Vorinstanz die Flüchtlings-
eigenschaft der Beschwerdeführenden, lehnte die Asylgesuche ab und ver-
fügte die Wegweisung aus der Schweiz. Den Vollzug der Wegweisung
schob sie infolge Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme
auf und beauftragte den zuständigen Kanton mit deren Umsetzung.
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K.
Mit Schreiben vom 4. Juni 2018 ersuchten die Beschwerdeführenden die
Vorinstanz um Akteneinsicht. Am 5. Juni 2018 stellte die Vorinstanz den
Beschwerdeführenden die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenver-
zeichnis zu.
L.
Mit Eingabe vom 2. Juli 2018 erhoben die Beschwerdeführenden beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragen, die angefoch-
tene Verfügung sei aufzuheben und die Sache sei zur vollständigen und
richtigen Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
und zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Eventualiter sei die angefochtene
Verfügung aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und
ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und
sie seien als Flüchtlinge anzuerkennen.
In prozessualer Hinsicht beantragen sie, es sei ihnen Einsicht in die Akten
A6/1, A7/2, A19/1, A20/2 und A42 zu gewähren. Eventualiter sei das recht-
liche Gehör zu den Akten A6/1, A7/2, A19/1, A20/2 und A42 zu gewähren.
Nach Gewährung der Akteneinsicht und eventualiter des rechtlichen Ge-
hörs, sei ihnen eine angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwer-
deergänzung anzusetzen. Weiter sei auf einen Kostenvorschuss zu ver-
zichten und sie seien von der Bezahlung der Verfahrenskosten zu befreien.
Als Beweismittel gaben sie einen Artikel des Tagesspiegels vom 18. Juli
2012, einen Artikel von Wikipedia zum Attentat vom 18. Juli 2012 und eine
Fürsorgebestätigung zu den Akten.
M.
Mit Zwischenverfügung vom 17. Juli 2018 wies die Instruktionsrichterin das
Gesuch um Einsicht in die Akten A6/1, A7/2 und A42/1 ab, jenes betreffend
die Akten A19/1 und A20/2 gut und stellte den Beschwerdeführenden die
entsprechenden Akten in Kopie zu. Den Antrag auf Ansetzung einer Frist
zur Beschwerdeergänzung wies sie ab. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, verzichtete auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses und lud die Vorinstanz zur Vernehm-
lassung ein.
N.
In der Vernehmlassung vom 23. Juli 2018 hielt die Vorinstanz an ihren Er-
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wägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die Ver-
nehmlassung wurde den Beschwerdeführenden am 26. Juli 2018 zur
Kenntnisnahme zugestellt.
O.
Am 8. Januar 2019 reichten die Beschwerdeführenden eine weitere Ein-
gabe ein.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren
gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-
derung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden.
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-
führenden sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legiti-
miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
3.
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Flüchtlingseigen-
schaft, der Asylpunkt sowie die verfügte Wegweisung. Der Wegweisungs-
vollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz die Beschwerde-
führenden vorläufig aufgenommen hat.
4.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
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5.
In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, die
vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation
der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Die Beschwerdeführenden rü-
gen eine Verletzung des rechtlichen Gehörs in Form einer Verletzung der
Aktenführungspflicht und des Akteneinsichtsrechts sowie eine unvollstän-
dige und unrichtige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts.
5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; 135 II 286
E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert
die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu
prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen.
Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 2; 136 I 184 E. 2.2.1).
5.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet ei-
nen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
5.3 Die Beschwerdeführenden rügen zunächst eine Verletzung der Akten-
führungspflicht, indem die Vorinstanz die Akte A19/1 (Zivilstandsanfrage)
fälschlicherweise als «Akte anderer Behörden» mit «C» bezeichnet habe.
Bezüglich der Akte A42/1, welche als «prise de position SRC» bezeichnet
worden sei, sei nicht klar, welche Behörde Stellung genommen habe. Al-
lenfalls handle es sich um eine Stellungnahme des Schweizerischen Roten
Kreuzes.
Die Vorinstanz hat die Akte A19/1 (Zivilstandsanfrage) in das Aktenver-
zeichnis aufgenommen, womit sie integraler Bestandteil der vorinstanzli-
chen Akten geworden ist. Den Beschwerdeführenden ist demnach beizu-
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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pflichten, dass die Vorinstanz die Akte 19/1 fälschlicherweise als «Akte an-
derer Behörden» mit «C» bezeichnet hat. Bei der «prise de position SRC»
handelt es sich um eine Stellungnahme des Nachrichtendienstes des Bun-
des (NDB) als Antwort auf die Anfrage der Vorinstanz vom 17. November
2015, welche mit «Fax an NDB und BKP» bezeichnet wurde. Aufgrund des
Wechsels der Verfahrenssprache mag diese Bezeichnung allenfalls unklar
sein, im Gesamtzusammenhang indes ohne weiteres verständlich. Die un-
korrekte Klassifizierung der Akte A19/1 und damit die Verletzung der Ak-
tenführungspflicht ist als geringfügig zu bezeichnen, zumal den Beschwer-
deführenden daraus kein Rechtsnachteil erwachsen ist.
5.4 Die Beschwerdeführenden machen weiter geltend, die Vorinstanz habe
den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, da sie ihnen die Akten A6/1,
A7/2, A19/1, A20/2 und A42/1 nicht zur Einsicht zugestellt habe.
Wie in der Zwischenverfügung vom 17. Juli 2018 festgestellt, stehen der
Offenlegung der Akten A6/1 (Fax an NDB und BKP), A7/2 (Antwort BKP)
und A42/1 (Stellungnahme NDB) überwiegende Geheimhaltungsinteres-
sen (Art. 27 VwVG) entgegen. Eine Gehörsverletzung durch die verwei-
gerte Einsicht ist zu verneinen (Art. 28 VwVG), zumal sich die Vorinstanz
bei der Entscheidfindung nicht zulasten der Beschwerdeführenden auf
diese Akten abgestützt hat und den Akten auch nichts zu entnehmen ist,
was für das Asylverfahren relevant sein könnte. Die Einsicht in die Akten
A19/1 (Zivilstandsanfrage) und A20/2 (Antwort auf Zivilstandsanfrage) wur-
den den Beschwerdeführenden zu Unrecht verweigert und deshalb mit der
Zwischenverfügung vom 17. Juli 2018 in Kopie zugestellt. Da es sich hier-
bei lediglich um eine Anfrage des Zivilstandsamts im Zusammenhang mit
der Registrierung der (...) der Beschwerdeführenden und der Antwort der
Vorinstanz handelt, wurde der Antrag auf Gewährung einer Frist zur Be-
schwerdeergänzung abgewiesen. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
ist zu verneinen, da diese Akten für die Entscheidfindung der Vorinstanz
ebenfalls nicht relevant waren.
5.5 Die Beschwerdeführenden machen weiter geltend, die Vorinstanz habe
weder die eingereichten Beweismittel übersetzt noch ihnen hierfür eine
Frist angesetzt. Weiter habe sie es unterlassen, die Beweismittel zu würdi-
gen, womit sie das rechtliche Gehör verletze.
Anlässlich seiner Anhörung äusserte sich der Beschwerdeführer zum Inhalt
der Beweismittel (vgl. SEM-Akten A36/25 F3 ff.). Der Dolmetscher hat zu-
dem einige Beweismittel übersetzt, namentlich die Identitätskarte, den
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Führerausweis und den (...) des Beschwerdeführers, eine Seite des Pas-
ses des Beschwerdeführers sowie das Familienbüchlein (a.a.O. F16, F28
und F59). Ferner befinden sich in den Akten eine teilweise Übersetzung
des Militärbüchleins, eine Übersetzung der Karte für intern Vertriebene so-
wie eine des Gerichtsurteils, welches den (...) des Beschwerdeführers be-
trifft (vgl. SEM-Akten A37). Für die Vorinstanz bestand bei dieser Sachlage
keine Veranlassung, die Beweismittel weitergehend zu übersetzen bezie-
hungsweise dem Beschwerdeführer hierfür Frist anzusetzen. Soweit die
Beschwerdeführenden vorbringen, die Vorinstanz habe die Beweismittel
nicht gewürdigt, ist festzuhalten, dass diese im Sachverhalt der angefoch-
tenen Verfügung aufgeführt wurden und Tatsachen betreffen, welche von
der Vorinstanz nicht bestritten wurden oder die Beschwerdeführenden
nicht betreffen. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt auch in dieser
Hinsicht nicht vor.
5.6 Ferner bringen die Beschwerdeführenden vor, die Vorinstanz habe
zwei Jahre zwischen der Einreichung der Asylgesuche und den Anhörun-
gen verstreichen lassen und damit das Verfahren verschleppt. Zudem habe
die Anhörung des Beschwerdeführers mit über acht Stunden zu lange ge-
dauert und die Vorinstanz habe zwei Stunden für Fragen aufgewendet, wel-
che für die Asylgründe nicht relevant seien.
Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör ergeben sich keine zeitlichen Vor-
gaben für die Vorinstanz hinsichtlich des Zeitpunkts der Durchführung der
Anhörungen. Grundsätzlich ist es wünschenswert, dass zwischen der Ein-
reichung des Asylgesuchs und der Anhörung nicht zu viel Zeit liegt. Vorlie-
gend legen die Beschwerdeführenden indes nicht dar, inwiefern ihnen aus
den dargelegten zeitlichen Verhältnissen Nachteile entstanden sein sollen.
Im Übrigen hätte es ihnen offen gestanden, eine Rechtsverzögerungsbe-
schwerde einzureichen. Die Dauer der Anhörung erscheint mit über acht
Stunden zwar lang. Sie wurde aber durch drei Pausen von je 15 Minuten
und einer Mittagspause von 45 Minuten unterbrochen. Zudem beinhaltete
die Anhörung auch die Rückübersetzung des Protokolls. Sodann ergeben
sich aus dem Protokoll keine Anhaltspunkte, wonach der Beschwerdefüh-
rer nicht in der Lage gewesen wäre, der Anhörung zu folgen. Auch die zur
Durchführung eines korrekten Verfahrens anwesende Hilfswerksvertretung
hat nichts Entsprechendes festgehalten. Unter diesen Umständen er-
scheint die Anhörungsdauer nicht unzumutbar und ist im Hinblick auf den
Grundsatz der Verfahrensfairness nicht zu beanstanden (vgl. etwa Urteil
des BVGer D-5809/2019 vom 1. Dezember 2020 E. 4.7). Der nicht weiter
substantiierte Vorwurf des Stellens von nicht relevanten Fragen zu Beginn
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der Anhörung erweist sich sodann als unbegründet. Eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs ist zu verneinen.
5.7 Die Beschwerdeführenden rügen schliesslich eine unrichtige und un-
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts. Die Vor-
instanz habe die Herkunft des Beschwerdeführers aus dem von T._
besetzten Gebiet der H._ weder erwähnt noch gewürdigt. Zudem
verkenne sie, dass es sich beim Anschlag vom (...) 2012 um einen (...)
gehandelt habe. Bei S._ handle es sich sodann nicht um (...) von
U._. Ferner sei er gezielt von der FSA gesucht worden. Schliesslich
habe sich die Vorinstanz nicht mit sämtlichen Asylgründen auseinanderge-
setzt.
Die Vorinstanz ist nicht verpflichtet, sich einlässlich mit sämtlichen vom Be-
schwerdeführer erwähnten Sachverhaltselementen auseinanderzusetzen.
Vielmehr kann sie sich auf die wesentlichen Punkte beschränken. Ein Zu-
sammenhang zwischen der Herkunft des Beschwerdeführers aus dem Ge-
biet der H._ und seinen Asylgründen ist nicht ersichtlich und wurde
von ihm auch nicht geltend gemacht. Auch in der Beschwerde wird nicht
dargelegt, inwiefern seine Herkunft aus diesem Gebiet für das vorliegende
Verfahren relevant sein könnte. Ferner hat die Vorinstanz im Sachverhalt
erwähnt, dass sich der Anschlag vom (...) 2012 gegen (...) gerichtet habe,
welche im (...), (...) bestellt hätten. Ebenso hat die Vorinstanz den geltend
gemachten Druck eines (...) auf den Beschwerdeführer sowie die Kontrol-
len durch die FSA erwähnt und gewürdigt. Der blosse Umstand, dass die
Beschwerdeführenden die Auffassung der Vorinstanz nicht teilen, betrifft
nicht die Abklärung des Sachverhalts, sondern die materielle Würdigung.
5.8 Die formellen Rügen erweisen sich somit als unbegründet, weshalb
keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben
und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbezüglichen Anträge sind
abzuweisen.
6.
Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-
lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land,
in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zu-
gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-
schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-
dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1
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AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-
bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-
lichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen
ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
7.
7.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen der Beschwerdeführenden hielten den Anforderungen an
die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG nicht stand.
Die Festnahme des Beschwerdeführers im (...) 2012 infolge eines Atten-
tats auf (...) sei einerseits nicht aus einem Motiv nach
Art. 3 AsylG erfolgt. Andererseits sei der Beschwerdeführer am selben Tag
wieder freigelassen worden, womit er nicht einem unerträglichen psychi-
schen Druck ausgesetzt gewesen sei. In der Folge habe er drei Jahre in
Syrien gelebt, ohne dass er aufgrund dieses Ereignisses weitere Nachteile
erlitten habe. Bezüglich des Druckes, den ein (...), indem er gezwungen
worden sei, (...), sei festzuhalten, dass es sich dabei nicht um eine asylre-
levante Massnahme handle. Der Beschwerdeführer habe als Gegenleis-
tung (...) und eine (...) erhalten, die es ihm ermöglicht habe, die Check-
points problemlos zu passieren.
Schliesslich seien die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Kontrol-
len sowohl durch das Regime als auch durch die FSA und die Einschrän-
kungen der Bewegungsfreiheit auf die allgemein schwierige Lage in Syrien
zurückzuführen. Auch die Zerstörung des (...) durch eine (...) und der da-
mit zusammenhängende Tod des (...) des Beschwerdeführers – so tra-
gisch dieses Ereignis auch sei – sei auf die Kriegssituation in Syrien zu-
rückzuführen.
7.2 In der Rechtsmitteleingabe machen die Beschwerdeführenden geltend,
ihre Vorbringen seien flüchtlingsrechtlich relevant im Sinne von
Art. 3 AsylG. Bezüglich des Anschlags vom (...) 2012 verkenne die Vor-
instanz, dass es sich dabei um einen (...) Anschlag (...) gehandelt habe.
Sodann sei der Beschwerdeführer gezielt im Visier der FSA gestanden und
von dieser mehrmals verhaftet worden. Das tägliche Passieren der Check-
points habe das Misstrauen der FSA erweckt, welche ihn verdächtigt habe,
für den Geheimdienst zu arbeiten. S._ habe ihn aus politischen
Gründen unter Druck gesetzt und erpresst, nachdem er ihm die (...) be-
schafft habe. Er sei in einem verhängnisvollen Abhängigkeitsverhältnis ge-
standen, aus welchem er sich nicht mehr habe lösen können.
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8.
8.1 Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zutreffend aus-
führte, ist die Festnahme des Beschwerdeführers infolge des Anschlags
auf (...) am (...) 2012 nicht aus einem Motiv gemäss Art. 3 AsylG – Rasse,
Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
oder politische Anschauung – erfolgt. Gemäss seinen Angaben wurden
sämtliche Mitarbeiter inklusive des Inhabers des (...) festgenommen, wo-
mit es sich um eine strafrechtliche Massnahme handelte, welche der Auf-
klärung eines Verbrechens diente. Am selben Tag wurde der Beschwerde-
führer sodann wieder freigelassen. Ferner lebte er (...) weitere Jahre in
Syrien ohne dass er weitere Nachteile aufgrund dieses Anschlags erlitten
hat. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, er sei im Visier der FSA
gestanden, ist festzustellen, dass er anlässlich der Anhörung angab, er sei
zwei Mal von der FSA angehalten und kontrolliert worden. Nach einem An-
ruf habe er seinen Weg fortsetzen können (vgl. SEM-Akten A36/25 F60
und F101 ff.). Damit ist diesem Vorbringen die für die Gewährung von Asyl
erforderliche Intensität abzusprechen. Zudem bestätigte der Beschwerde-
führer selber, dass er abgesehen von diesen beiden Vorfällen, keine wei-
teren Probleme mit der FSA gehabt habe (vgl. a.a.O. F107).
Betreffend S._ gab der Beschwerdeführer an, er habe mit dessen
Unterstützung eine (...) erhalten, mit welcher er die Checkpoints problem-
los habe passieren können. Zudem habe er von ihm (...) und (...) erhalten.
Als Gegenleistung hätte er ihm Kontakte zu seinem Vorgesetzten ermögli-
chen sollen und (...) (vgl. a.a.O. F60). Wie die Vorinstanz zutreffend aus-
führte, sind die angeblichen Druckversuche von S._ – entgegen
den Ausführungen auf Beschwerdeebene – nicht aus einem Motiv nach Art.
3 AsylG erfolgt und demnach nicht asylrelevant. Sodann war der Be-
schwerdeführer in Syrien weder politisch aktiv noch machte er geltend, aus
einem entsprechenden familiären Umfeld zu stammen. Die Beschwerde-
führerin und der älteste Sohn machten ferner keine eigenen Asylgründe
geltend. Schliesslich handelt es sich bei der Zerstörung des (...) durch eine
(...) und dem damit zusammenhängenden Tod des (...) des Beschwerde-
führers – so tragisch diese Ereignisse sind – um Vorfälle im Kontext der
bewaffneten Auseinandersetzungen in Syrien, aus welchen die Beschwer-
deführenden keine gegen sie gerichteten Nachteile im Sinne von Art. 3
AsylG ableiten können. Den Bürgerkriegsumständen wurde durch die An-
ordnung der vorläufigen Aufnahme Rechnung getragen.
8.2 Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der
Beschwerdeführenden zu Recht verneint und die Asylgesuche abgelehnt.
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Seite 13
9.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE
2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihnen mit Zwischenver-
fügung vom 17. Juli 2018 die unentgeltliche Prozessführung gewährt wur-
den und keine Änderung der finanziellen Verhältnisse vorliegt, sind keine
Verfahrenskosten zu erheben.
(Dispositiv nächste Seite)
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