Decision ID: 068c6218-c4f9-4818-8b62-ecc266a54b1c
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1977, absolvierte in
Y._
eine
Anlehre
als
Autola
ckierer
und war danach in der Schweiz im Gastgewerbe tätig,
zuletzt
als Ge
schäftsführer in der
Z._
, bis er am 14. Oktober 2003 während der Arbeit bei einem tätlichen Angriff Kopfverletzungen erlitt (
Urk.
8/10/2, Urk.
8/10/11,
Urk.
8/11/5
,
Urk.
8/15/9-11
). Unter Hinweis au
f
Kopf- und
Na
ckenschmerzen
, Schwindel und Nervosität meldete er sich bei anhaltender Ar
beitsunfähigkeit am 28. September 2004 zum Bezug von Leistungen der Invali
denversicherung an (
Urk.
8/4).
Der Unfallversicherer stellte am 29. Dezember 200
4
seine Leistungen ein (Urk. 8/19
; vgl. auch
Einspracheentscheid
vom 30. Januar 2006,
Urk.
8/98
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach
dem Versi
cherten
mit Verfügung
vom 10. November 2005
und diese bestätigendem
Ein
spracheentscheid
vom 24. März 2006
mit Wirkung ab Oktober 2004 eine auf ei
nem Invaliditätsgrad von 50
%
beruhende halbe Invalidenrente zuzüg
lich
Kin
derrenten
zu (
Urk.
8/48,
Urk.
8/57). Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 29. August 2007 in dem Sinne gut, als es den angefochtenen
Einspracheentscheid
aufhob und die Sache an die IV-Stelle zu
rückwies, damit sie die
erwerblichen
Abklärungen ergänze und hernach erneut über den Rentenanspruch des Versicherten verfüge (
Prozess IV.2006.00450,
Urk.
8/70).
1.2
Die IV-Stelle ermittelte daraufhin die Verg
leichseinkommen neu (
Urk.
8/84) und sprach dem Versicherten mit unangefochten in Rechtskraft erwachsener Verfü
gung vom 6. September 2010 nunmehr bei einem Invaliditätsgrad von 65 % mit Wirkung ab 1. Oktober 2004 eine
Dreiviertelsrente
samt
zwei
Kinderrenten zu (
Urk.
8/118).
1.3
Im Rahmen der Ende 2012 eingeleiteten amtlichen Revision (
Urk.
8/119) nahm die IV-Stelle Arztbericht
e
zu den Akten (
Urk.
8/124,
Urk.
8/138) und ordnete am 5. März 2013 eine polydisziplinäre Begut
achtung an (
Urk.
8/126). Am 27.
Dezember 2013 erstatteten die Gutachter der Medizinischen
Abklärungs
stelle
A._
(MEDAS
A._
) die entsprechende Expertise (
Urk.
8/141).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/144,
Urk.
8/147,
Urk. 8/153) stellte die IV-Stelle die Invalidenrente auf das Ende des der Zustel
lung des Entscheids folgenden Monat
s
hin ein mit der Begründung, der Ge
sundheitszustand de
s
Versicherten habe sich wesentlich verbessert (Urk. 8/154 =
Urk.
2/1).
2.
Hiegegen
erhob der Versicherte mit Eingabe vom 1. September 2014 Be
schwerde und beantragte die weitere Ausrichtung der Rentenleistungen (Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle schloss in der Vernehmlassung vom 8. Oktober 2014 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7) und reichte Observationsunterlagen zu den Akten (
Urk.
9). Davon wurde dem Beschwerdeführer am 10. Oktober 2014 Kennt
nis gegeben (
Urk.
10).

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt
also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung (Urk. 2
/1
) aus,
im Gutachten der MEDAS
A._
werde eine depressive Störung mit gegenwärtiger leichter Episode bestätigt. Die
da
durch
entstehenden gesund
heitlichen Einschränkungen seien überwindbar. Aus orthopädisch-chirurgischer Sicht werde keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert. Ein IV-rele
vanter Gesundheitsschaden sei somit nicht mehr ausgewiesen. Es könne nicht von einem unveränderten Gesundheitszustand ausgegangen werden, da gemäss Gutachten der MEDAS
A._
im Vergleich zum Gutachten von
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 15.
September 2005 veränderte Diagnosen vorlägen.
2.2
Demgegenüber
brachte
der Beschwerdeführer vor,
das hiesige Gericht habe im Urteil vom 29. August 2007 auf das Gutachten von
Dr.
B._
abgestellt. Die Gutachter der MEDAS
A._
hätten denselben Sachverhalt anders gewürdigt. Das Gerichtsurteil stehe einem Zurückkommen im Sinne einer Wiedererwägung ent
gegen, so dass es bei den bisherigen Rentenleistungen bleiben müsse.
Dr.
B._
habe im Jahr 2005 die Störung jedenfalls als krankheitswertig und invalidisie
rend beurteilt, weshalb die Überprüfung des Rentenanspruchs nicht zulässig sei.
Zudem erscheine fraglich, ob die vorliegend zu beurteilenden Diagnosen zu den von der 6. IV-Revision erfassten Beschwerdebildern gehöre (
Urk.
1 S.
2 f.
).
2.3
Strittig ist, ob
der Beschwerdeführer über den 31. Juli
2014 hinaus Anspruch auf eine (
Dreiviertels
-
)
R
ente hat.
Dabei ist zu prüfen, ob
seit dem
Erlass de
s
- dem Urteil des hiesigen Gerichts vom 29. August 2007 zu Grunde gelegenen -
Einspracheentscheids
vom 24. März 2006
(
Urk.
8/57)
bis zum Erlass der
hier
angefochtenen
Verfügung
vom
27.
Juni
2014 (Urk. 2
/1
) eine für den Rentenanspruch wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen
in dem Sinne
eingetreten ist
,
dass si
ch d
er Ge
sundheitszustand des Beschwerdeführers entscheidend verbessert ha
t
.
3.
3.1
Das hiesige Gericht hat im Urteil vom 29. August 2007 (
Urk.
8/70) das von Dr.
B._
am 15. September 2005 verfasste psychiatrische Gutachten (Urk. 8/41) in Bezug auf
die
erhobenen Befunde (
Ängste, Schlafstörungen, sozi
ale
r
Rückzug, Reizbarkeit, verbale Aggressivität, Niedergeschlagenheit,
Freud
verminderung
, Appetitstörungen, Gewichtsabnahme und Schlafstörungen
), die gestellten Diagnosen (
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion
,
ICD
-
10 F43.21
;
gemischte Störung von Gefühlen und Sozialverhalten
,
ICD
-
10 F
43.25;
mittelgradige depressive Episode
,
ICD
-
10 F32.1)
und die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit (
Arbeitsfähigkeit von 50
%
in dem
Ausbildungsstand ent
sprechenden Tätigkeiten
)
ausführlich dargestellt (S. 4
-5
). Darauf wird verwiesen.
In Würdigung der medizinischen Akten
erwog das Gericht
weiter, dass der Be
schwerdeführer
in erster Linie
an
psychische
n
Beschwerden
leide
und dass
di
rekt damit zusammenhängende, in gewisser Hinsicht auch auf der somatischen Ebene in Erscheinung tretende Symptome vorhanden s
eien
und keine Anhalts
punkte dafür best
ünden
, dass namentlich den Kopfschmerzen organische Be
funde zugrunde l
ä
gen
,
weshalb
die abschliessende Beurteilung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit
in erster Linie
Sache des Psychiaters
sei.
Das Gericht schloss, dass a
uf
Dr.
B._
medizinisch-theoretische, die dem Beschwerdeführer zu
mutbare Willensanstrengung berücksichtigende Schätzung der Arbeitsfähigkeit a
bzustellen
sei und kein Grund für weitere (medizinische) Abklärungen bestehe
(S.
6 f.
).
3.2
Das Gericht
hat im Rückweisungsentscheid sowohl über die massgebenden medizi
nischen Verhältnisse als auch über die zumutbare Restarbeitsfähigkeit verbindlich entschieden. Die
Angelegenheit
wurde
allein für ergänzende er
werbliche Abklärungen
an die Beschwerdegegnerin zurück
gewiesen
(S. 7).
In Nachachtung dieses Entscheids legte die Beschwerdegegnerin ohne Weiterungen in medizinischer Hinsicht der Verfügung vom 6. September 2010 die im an
schliessenden Verwaltungsverfahren
neu bestimmten
Vergleichseinkommen (vgl.
Urk.
8/74, Urk. 8/78-85,
Urk.
8/88,
Urk.
8/95-100)
zu Grunde. Der derge
stalt ermittelte Erwerbsausfall führte zu
r verfügungsweise zugesprochenen
Drei
viertelsrente
(
Urk.
8/118).
H
insichtlich der hier fraglichen gesundheitlichen Veränderungen
sind demnach
die gesundheitlichen Verhältnisse, wie sie anlässlich des Erlasses des
-
mit Urteil vom 29. August 2007 geprüften
-
Einspracheentscheids
am 24. März 2006
vor
lagen,
mit der
im aktuellen Revisionsverfahren erhobenen gesundheitlichen Si
tuation zu
vergleichen.
Zu bemerken bleibt
, dass die frühere gerichtliche Beurteilung einer
wiedererwä
gungsweisen
Anpassung des Rentenanspruches von vornherein entgegen steht, wie der Beschwerdeführer zu Recht festgehalten hat (
Urk.
1 S. 2 Mitte).
4.
4.1
Im Formular betreffend die Rentenrevision gab der behandelnde
Dr.
med.
C._
, FMH Psychiatrie & Psychotherapie
, am 6. November 2012
an, dass ihn der Be
schwerdeführer seit 2004 monatlich konsultiere
.
Dieser nehme Ergotherapie in Anspruch
,
und er
behandle ihn medikamentös und mit Psychoedukation res
pektive kognitiv-
behavioral
orientierter Therapie
.
Weiter gab er an,
dass
der Beschwerdeführer in der
Tagesklinik der
D._
behandelt
werde
.
In diagnostischer Hins
icht nannte er verschiedene ICD
10 Kodierungen aus dem psychiatrischen
Bereich
(Urk.
8/120/3).
4.2
Der Hausarzt des Beschwerdeführers,
Dr.
med.
E._
, Facharzt Allgemeinme
dizin, sprach im Bericht vom 17. Dezember 2012 (
Urk.
8/124) von einem stationären Gesundheitszustand und unveränderten Diagnosen. Er diag
nostizierte eine depressive Störung,
somatoforme
Beschwerden (
Verdachtsdiag
nose
: posttraumatische Belastungsstörung), Spannungskopfschmerz,
Nikotina
busus
und einen
Status nach
Appendizitis (Blinddarmentzündung).
4.
3
Gemäss
Austrittsb
ericht
der
D._
vom 15. März 2013 (
Urk.
8/138) war der Be
schwerdeführer
dort
wegen zunehmenden suizidalen Impulsen vom 14. März bis 5. Mai 2013 hospitalisiert (S. 1-2).
Es wurden
e
ine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
,
und eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1
) diagnosti
ziert (
S. 1). Unter
medikamentöser und multimodaler
Therapie sei es zu einer kontinuierlichen Stabilisierung der Stimmungslage gekommen (S. 3).
Der Be
schwerdeführer
wurde
zur Nachbehandlung in die Tagesklinik
F._
entlassen (S. 4).
Der offenbar dort verfasste Bericht ist nicht aktenkundig, aber im MEDAS-Gut
achten
dergestalt wiedergegeben (
Urk.
8/141/21):
E
s
werde erwähnt, dass zwei tagesklinische Vorbehandlungen vor etwa vier beziehungsweise zwei Jahren stattgefunden h
ätten, die d
er Versicherte positiv erlebt
habe
. Als Befunde wür
den eine initial ausgeprägte Nervosität (Wippen mit dem Bein), welche im
Ge
sprächsverlauf
deutlich nachgelassen habe, ein reduziertes
Konzentrationsver
mögen
und eine unspezifische Gedächtnisstörung, Ängste vor
Menschengrup
pen
b
eziehungsweise
möglichen aggressiven Reaktionen fremder Personen, Freudlosigkeit, erhöhte Ermüdbarkeit,
ein
vermindertes Selbstwertgefühl, Ge
fühle von Wertlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Perspektivlosigkeit sowie
selbstab
wertende
Kognitionen erwähnt (
Urk.
8/141/21).
4.4
Die MEDAS-Gutachter nannten in der Expertise vom 27. Dezember 2013 (Urk.
8/141) aufgrund der
Vorakten
(S. 4-12)
sowie
der chirurgischen, internis
tischen, psychiatrischen und neurologischen Untersuchungen folgende Diagno
sen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Geschäftsführer einer Bar
:
depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode
(ICD-10
F32.0
; S. 27).
Die diskrete Spreizfussbildung mit Senkfusstendenz, die
ischiokrurale
muskuläre Verkürzung,
den
Status nach Operation bei
Inguinal
hernien
,
die
Nephrolithiasis
,
die
Dyspepsie,
den
Nikotinabusus
und anamnes
tisch einen chronische
n
Spannungskopfschmerz hielten sie als
Diagnosen ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit
fest
. Zudem erhoben
die Gutachter
starke Hinweise für Aggravation und nicht authentische Symptom-Präsentation
sowie für
negative Antwortverzerrung (S. 28).
Die
MEDAS-Experten
attestierten eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
sowohl in der angestammten Tätigkeit (Leiter einer Bar) als auch in einer Verweistätigkeit. Sie hielten den Beschwerdeführer unter
der
Voraussetzung einer entsprechenden Motivation in der Lage, sich an Regeln und Routinen anzupassen,
Arbeitsab
läufe
zu planen und zu strukturieren und Arbeiten durchzuhalten. Er sei ausrei
chend flexibel und umstellungsfähig und fachlich kompetent,
selbstbehaup
tungs
- und kontaktfähig zu Dritten sowie in Gruppen integrierbar
(S. 28)
.
Aus somatischer Sicht
machten
die Gutachter
keine Einschränkungen
aus
.
Psy
chiatrischerseits
stuften
sie
die bestehenden therapeutischen Massnahmen ent
sprechend dem
Ausprägungsgrad der psychischen Beeinträchtigungen als aus
reichend ein. Die eingeschränkte
Wirksamkeit der Therapiemassnahmen
sei
am ehesten der Motivation des Versicherten
und seiner Interessenlage
ge
schulde
t
. Prinzipiell best
ünden
keine medizinischen Gründe gegen
Massnahmen der In
tegration
(S.
28).
Zur Frage, ob sich der Gesundheitszustand verbessert oder verschlechtert habe, führten die Gutachter aus, im Wesentlichen bestehe ein unveränderter Gesund
heitszustand und die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien unverändert. Die aktuell höher eingeschätzte Arbeitsfähigkeit beruhe auf einer anderen Be
urteilung des gleichen Sachverhaltes. Dabei wiesen sie auf die frühere Beurtei
lung durch den Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der
Beschwerde
gegnerin
hin
, der auch nicht von einer Störung erheblichen Schweregrades ge
schrieben und wohl vermutet habe, es könnte eventuell eine höher anzuset
zende Arbeitsfähigkeit bestanden haben
(vgl. dazu wohl Urk. 8/59/1-2)
. Dies
untermauere die Einschätzung derart, dass der Gesundheitszustand
des Be
schwerdeführers
als
stationär einzuschätzen sei (S.
29).
Die Gutachter legten zudem dar,
dass sich selbst bei wohlwollender Bewertung der vom Beschwerdeführer beschriebenen Symptomausprägungen keine Erklä
rung für die von ihm empfundene Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergebe. Es liege ein Überwiegen psychosozialer Faktoren nahe. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei auch durch eine eher als zurückhaltend zu beurteilende Motivationslage zumindest teilweise miterklärbar. Eine genaue Differenzierung zwischen psychopathologisch bedingten Einflussfaktoren und
Motivationsfak
toren
könne aber nicht vorgenommen werden, sodass die attestierte Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit vor dem Hintergrund einer wohlwollenden
Einschät
zungsvariante
zugunsten des Beschwerdeführers zu sehen sei (S. 29 und S. 30).
5.
5.1
Den Ausführungen im psychiatrischen Teilgutachten der MEDAS ist zu entneh
men, dass
die
psychiatrischen Beeinträchtigungen etwa im Frühjahr
2004
be
gonnen und
sich
in den folgenden Jahren mit unterschiedlicher Ausprägung
aufrecht
erhalten haben dürften. Unter Würdigung der Aggravations- und
Ver
deutlichungstendenzen
sowie der Gegenübertragung, Diskrepanzen und der ak
tuellen objektiven Untersuchungsbefunde erhob der
begutachtende
Psychiater
eine Symptomausprägung unterhalb einer lei
chten depressiven Episode (Urk.
8/141 S. 23).
Die interdisziplinäre Beurteilung führte
in Bezug auf das hier interessierende Beweisthema
die Gutachter
zum Schluss, der Gesundhei
tszustand
des Beschwer
deführers
sei unverändert (E. 4.4
hievor
). Damit stellt sich die Frage, wie damit umzugehen ist, dass
Dr.
B._
einen erheblichen psychischen
Gesundheits
schaden
angenommen hat, während die MEDAS-Gutachter das Leiden und die damit einhergehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als geringer eingestuft haben.
5.2
Je mehr medizinisches Ermessen bei der Stellung einer Diagnose und der ärztli
chen Einschätzung der Funktionseinschränkungen im Spiel ist, desto wichtiger ist es
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
, den gutachtlichen Befund einer Veränderung möglichst solide auf klinische Feststellungen, gutachterliche Verhaltensbeobachtungen und anamnestische Daten zu stützen und diese Ele
mente in Beziehung zu den medizinischen
Vorakten
und den dort gesetzten
An
knüpfungstatsachen
zu bringen. Nur so kann dem Gutachten hinreichend zu
verlässig entnommen werden, dass die in den Schlussfolgerungen beschriebene
Differenz nicht wesentlich einer unterschiedlichen Wertung zuzuschreiben ist. Auf der anderen Seite darf die Notwendigkeit, eine bloss andere Beurteilung nicht als Anlass einer materiellen Revision gelten zu lassen, nicht dazu führen, dass die Anforderungen an den Nachweis einer Veränderung so hoch angesetzt werden, dass die ursprüngliche Festlegung praktisch perpetuiert wird. Dies gilt insbesondere für psychiatrische Beurteilungen, bei denen praktisch immer ein Spielraum besteht, innerhalb dessen verschiedene medizinische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Exp
erte lege
artis
vorge
gangen ist
. Hier können die Beurteilungen nicht immer lückenlos mit
Tatsa
chenschilderungen
unterlegt werden. Bei einer stark ermessensgeprägten Ein
schätzung, die weniger auf Messung und anderweitig normierter Feststellung als auf interpretationsbedürftigen Befundtatsachen beruht, kann etwa eine Aus
einandersetzung mit der Genese des Gesundheitsschadens, den das
Krankheits
geschehen
unterhaltenden Faktoren, für den Nachweis einer tatsächlichen Ver
änderung besondere Bedeutung erlangen
(Urteil
e
des Bundesgerichts 9C_418/2010 vom 20. August 2011 E. 4.4
und
8C_839/2013 vom 13. März 2014 E. 4.2.2.1 mit Hinweisen
).
5.3
Entgegen dem Standpunkt der Beschwerdegegnerin
kann
allein im Umstand, dass die MEDAS-Gutachter
- anders als
Dr.
B._
, der unter anderem von einer Anpassungsstörung und
einer
mittelgradige
n
Depression sprach (E. 3
.1
hievor
) -
nurmehr
eine depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode
,
diagnostizierten,
nicht ohne Weiteres ein
Revisionsgrund erblick
t werden, wenn in der aktuellen Expertise
- in Übereinstimmung mit der Einschätzung des Hausarztes (E. 4.2
hievor
)
ausdrücklich festgehalten wird, der Gesundheitszustand sei unverändert
.
Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund, dass hier allein psychische Leiden zu beurteilen sind, welche nach dem vorstehend Gesagten
zuweilen
verschiedene
medizinisch-psychi
atrische Interpretationen zulassen
.
Zudem hielten die
MEDAS-Gutachter die damalige
n
diagnostischen Schlussfolgerungen für nach
vollziehbar (
Urk.
8/141 S. 20 Mitte), auch wenn sie selbst
ihre
Befunde anderen Diagnosen zuordneten.
Die MEDAS-Gutachter bezogen in ihre Beurteilung massgeblich die von ihnen anhand von Symptomvalidierungstests (
Urk.
8/141 S. 23 oben) erhobene Ag
gravation mit ein, während weder
Dr.
B._
(noch) die anderen befassten Ärzte entsprechende Feststellungen trafen.
Wohl nicht
zuletzt unter
diesem Eindruck erachteten die MEDAS-Gutachter
eine
höhere
Arbeitsfähigkeit für
zumutbar, wobei allein
wegen des Auftreten
s
einer
Aggravation
noch nicht auf eine mass
gebliche Veränderung zu schliessen ist.
Die Befundlage wurde von
Dr.
B._
und den MEDAS-Gutachtern im Wesentli
chen übereinstimmend geschildert. So beschrieb
Dr.
B._
Ängste, Schlafstö
rungen, soziale
n
Rückzug, Reizbarkeit, verbale Aggressivität, Niedergeschlagen
heit, Freu
dverminderung, Appetitstörungen und
Gewichtsabnahme
(
Urk.
8
/41
S. 8)
.
Demgegenüber
machte
der Psychiater der MEDAS (
Urk.
8/141) keinen signi
fikanten sozialen Rückzug mehr
aus
, erhob aber seinerseits Traurigkeit, Lust-, Interesselosigkeit und eine Minderung des gerichteten Antriebs bei gleichzeiti
ger Unruhe und
ungerichteter
Antriebssteigerung. Er schilderte eine
Primärper
sönlichkeit
mit diskret ängstlich vermeidenden und narzisstischen Anteilen
(S. 17)
sowie Schlafstörungen (S. 18).
In Anbetracht dieser praktisch gleichlauten
den Befunde
erscheint die
Schlussfolgerung der MEDAS-Gutachter,
es liege ein unveränderter Gesundheitszustand vor,
nachvollziehbar
.
Ins Gewicht fällt jedoch, dass der Beschwerdeführer wenigstens seit der
Renten
zusprache
regelmässig
vom Psychiater
Dr.
C._
psychotherapeutisch behandelt und medikamentös versorgt wurde
(E. 4.1). Aus den Akten erhellt im Weiteren
, dass er vier respektive zwei Jahre vor dem stationären Aufenthalt in der
D._
Anfang 2013
jeweils
tagesklinische Behandlungen in Anspruch genommen hat (Urk.
8/141/21), was
auf
eine
Therapieresistenz des Leidens (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 9C_418/2010 vom 20. August 2011 E. 5.3.4) sowie auf e
inen er
heblichen Leidensdruck schliessen
lässt
. Die
ständige fachärztliche Versorgung wie auch die
wiederholte
klinische
Behandlungsbedürftigkeit bestätig
en
die
Feststellung
der MEDAS-Gutachter, dass
eine
anspruchserhebliche Verbesserung des Gesundheitszustandes
nicht ausgewiesen ist
.
Soweit ersichtlich
er
geben auch die aufgelegten Observationsunterlagen (
Urk.
9) keine Anhaltspunkte, die einen anderen Schluss nahe legen würde
n
, was die Beschwerdegegnerin denn auch nicht geltend machte.
Nach dem Gesagten ist
nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit erstellt, dass sich
der Gesundheitszustand des Beschwerde
führers in revisionsrechtlich relevanter Weise verbessert hat
.
Fehlt es an einer Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse seit der
ursprünglichen
Rentenzu
sprache
,
entbehrt die
verfügte
Rentenherabsetzung einer rechtlichen Grundlage
, weshalb sie aufzuheben ist
.
Der Beschwerdeführer hat demzufolge weiterhin Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
.
Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde
.
6.
6.1
Gemäss Art. 69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgelegt. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind die Gerichtskosten in Höhe von
Fr.
800.-- der
Be
schwerdegegnerin
aufzuerlegen.
6.2
Ausgangsgemäss ist de
m
anwaltlich vertretenen
Beschwerdeführer
gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) eine Prozessentschädigung zuzusprechen. Diese ist auf
Fr.
1‘900
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzuset
zen.