Decision ID: e36539bd-5e39-485f-9d1e-080c8952cbc0
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._, geb. 1980, besitzt den Führerausweis der Kategorien B und BE sowie der
Unterkategorien A1, D1 und D1E seit 23. Oktober 2009. Im Informationssystem über
die Verkehrszulassung (IVZ) sind folgende ihm gegenüber verfügte
Administrativmassnahmen verzeichnet:
Datum des Vorfalls, Widerhandlung, Datum der Verfügung, Qualifikation,
Massnahme, Zeitpunkt des Vollzugs
25.09.2009, 50 km/h + 21 km/h, 19.02.2010, mittelschwer, 1 Monat Entzug, 20.02.2010
bis 19.03.2010
24.06.2013, 100 km/h + 28 km/h, 05.09.2013, leicht, Verwarnung, –
26.05.2014, Auffahrkollision, 15.12.2014, mittelschwer, 1.5 Monate Entzug, 20.01.2015
bis 06.03.2015
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11.10.2014, unsichere Ladung, 09.06.2016, mittelschwer, 1 Monat Entzug
als Zusatzmassnahme nur Kat. F, G und M, 09.12.2016 bis 08.01.2017
B.
Am 19. Oktober 2019 war A._ um ca. 15.30 Uhr mit seinem Traktor unterwegs.
Während der Fahrt löste sich das linke Hinterrad von der Achse und rollte auf der K._-
strasse in Richtung M._, anschliessend über eine Wiese und kam bei einem
Gartenzaun zum Stillstand. Das Statthalteramt des Bezirks P._ verurteilte A._ mit
rechtskräftigem Strafbefehl vom 25. März 2021 wegen Lenkens eines nicht
betriebssicheren Fahrzeugs und Nichtanbringens des vorgeschriebenen Kontrollschilds
zu einer Busse von CHF 550.
C.
Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen verbot A._ mit
Verfügung vom 13. April 2021 das Führen von Motorfahrzeugen aller Kategorien, Unter-
und Spezialkategorien vorsorglich ab sofort, dies im Hinblick auf die bevorstehende
Verfügung eines Führerausweisentzugs auf unbestimmte Zeit, mindestens für die Dauer
von zwei Jahren. Den dagegen erhobenen Rekurs hiess der Präsident der
Verwaltungsrekurskommission mit Entscheid vom 19. Mai 2021 gut.
D.
Mit Verfügung vom 2. Juni 2021 entzog das Strassenverkehrsamt A._ den
Führerausweis aller Kategorien, Unter- und Spezialkategorien wegen einer
mittelschweren Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften auf
unbestimmte Zeit, mindestens für die Dauer von zwei Jahren (Ziffer 1). Gleichzeitig
wurde A._ aufgefordert, den Führerausweis spätestens am zweiten Tag nach
Eröffnung der Verfügung abzugeben (Ziffer 2). Als Bedingung für die Wiedererteilung
des Führerausweises nach Ablauf von zwei Jahren wurde der Nachweis der
Fahreignung mittels verkehrspsychologischem Gutachten festgelegt (Ziffer 3). Einem
allfälligen Rekurs wurde die aufschiebende Wirkung entzogen (Ziffer 4). Die Kosten der
Verfügung wurden A._ auferlegt (Ziffer 5).
Dagegen liess A._ am 10. Juni 2021 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission
erheben mit dem Antrag um Aufhebung und Verfügung einer Verwarnung, eventualiter
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eines Führerausweisentzugs für die Dauer von einem Monat. Mit Zwischenverfügung
vom 11. Juni 2021 wurde dem Rekurs superprovisorisch die aufschiebende Wirkung
zuerkannt und die vorsorgliche Anordnung mit Verfügung vom 9. Juli 2021 bestätigt.
Mit Entscheid vom 24. Februar 2022 hiess die Verwaltungsrekurskommission den
Rekurs gut und hob die angefochtene Verfügung auf (Ziffer 1). Die Angelegenheit wurde
zu neuer Verfügung im Sinn der Erwägungen an das Strassenverkehrsamt
zurückgewiesen (Ziffer 2). Die amtlichen Kosten wurden dem Staat auferlegt, auf deren
Erhebung verzichtet (Ziffer 3) und A._ eine ausseramtliche Entschädigung zulasten des
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamts zugesprochen (Ziffer 4). Die Vorinstanz erwog,
ein Führerausweisentzug auf unbestimmte Zeit, mindestens für zwei Jahre, dürfe
vorliegend nicht verfügt werden, weil der Beschwerdeführer vorgängig nicht mehrere
Stufen des Kaskadensystems zu den Entzugsdauern durchlaufen habe.
E.
Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt (Beschwerdeführer) erhob gegen den ihm
am 28. Februar 2022 zugegangenen Entscheid der Verwaltungsrekurskommission
(Vorinstanz) mit Eingabe vom 12. März 2022 und Ergänzung vom 2. Mai 2022
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge seien die Ziffern 1 und 2 des angefochtenen Entscheids
aufzuheben und ein Führerausweisentzug (Sicherungsentzug) im Sinn von Art. 16b
Abs. 2 lit. e SVG anzuordnen.
Mit Vernehmlassung vom 6. Mai 2022 beantragte die Vorinstanz die Abweisung der
Beschwerde. A._ (Beschwerdegegner) liess sich durch seinen Rechtsvertreter am
20. Juni 2022 vernehmen und beantragte, die Beschwerde sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge abzuweisen. Der Beschwerdeführer verzichtete auf eine weitere
Stellungnahme.
Auf die Erwägungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen
der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/16
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Considerations:
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Das Strassenverkehrs-
und Schifffahrtsamt ist als verfügende Behörde zur Erhebung der Beschwerde befugt
(Art. 24 Abs. 2 lit. a des Strassenverkehrsgesetzes; SR 741.01, SVG). Es ist davon
auszugehen, dass der unterzeichnende Abteilungsleiter die Beschwerde im
Einverständnis mit dem Amtsleiter erhoben hat (vgl. Art. 1 Abs. 1 der
Einführungsverordnung zum eidgenössischen Strassenverkehrsgesetz, sGS 711.1 und
Art. 26 Staatsverwaltungsgesetz, sGS 140.1, StVG; vgl. auch
Ermächtigungsverordnung; sGS 141.41, ErmV). Dass Gegenstand des
Beschwerdeverfahrens ein Rückweisungsentscheid ist, ändert insofern nichts daran,
als die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen würde
(vgl. Art. 111 Abs. 1 und Art. 93 Abs. 1 Ingress und lit. b des Bundesgesetzes über das
Bundesgericht; Bundesgerichtsgesetz, SR 173.110, BGG). Die Beschwerde gegen den
am 28. Februar 2022 beim Beschwerdeführer eingegangenen Entscheid wurde mit
Eingabe vom 12. März 2022 rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der
Ergänzung vom 2. Mai 2022 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRP und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten.
2.
Die Vorinstanz erwog, der Vorfall vom 19. Oktober 2021, bei welchem der vom
Beschwerdegegner gelenkte Traktor das linke Hinterrad verloren habe und dieses auf
die Gegenfahrbahn geraten, über ein Trottoir und eine Wiese gerollt und bei einem
Gartenzaun zum Stillstand gekommen sei, habe zu einer ernstlichen Gefahr für die
Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer geführt, womit unabhängig von der Grösse des
Verschuldens von einer mittelschweren Widerhandlung auszugehen sei. In der
Vergangenheit sei dem Beschwerdegegner der Führerausweis bereits dreimal wegen
einer mittelschweren Widerhandlung entzogen gewesen, wobei bei der letzten
Widerhandlung vom 11. Oktober 2014 eine Zusatzmassnahme verfügt worden sei, da
sie sich vor der vormaligen Entzugsverfügung vom 15. Dezember 2014 ereignet habe.
Wenn diese Zusatzmassnahme für die Bestimmung der Entzugsdauer nach Art. 14b
Abs. 2 lit. e SVG als selbständiger Führerausweisentzug angesehen werde, ergebe sich
eine Benachteiligung gegenüber jenem Fahrzeuglenker, dessen Widerhandlungen im
2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 6/16
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Verfügungszeitpunkt alle bekannt seien und daher eine Gesamtmassnahme bestimmt
werden könne. Dass es sich folglich um eine in sinngemässer Anwendung von Art. 49
Abs. 2 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (SR 311.0, StGB) zu vermeidende
Schlechterstellung handle, sei trotz anderslautender bundesgerichtlicher
Rechtsprechung denkbar. Angesichts der Gutheissung des Rekurses aus anderen
Gründen sei auf diese Thematik aber nicht weiter einzugehen. Die Dauer der
vorangegangenen Sanktionen spiele in Art. 16b Abs. 2 SVG von Gesetzes wegen eine
Rolle. Die drei bisher gegen den Beschwerdegegner verfügten Warnungsentzüge
hätten sich jeweils auf Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG gestützt und damit jeweils die erste
von sechs Stufen des Kaskadensystems betroffen. Eine stufenweise Verlängerung der
Entzugsdauern, wie im Kaskadensystem vorgesehen, habe es beim
Beschwerdegegner nicht gegeben, weshalb die Massnahmen nicht zunehmend
abschreckend hätten wirken können. Während der Probezeiten nach den einzelnen
Entzügen habe der Beschwerdegegner sich jeweils klaglos verhalten, womit er in
Bezug auf die Kaskade regelmässig wieder zum "Ersttäter" geworden sei. Mit der
Annahme der Anwendbarkeit von Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG im Fall des
Beschwerdegegners werde verkannt, dass es sich um die zweithöchste Stufe im
Kaskadensystem handle. Dass ein Lenker, der nach drei begangenen mittelschweren
Widerhandlungen hinsichtlich der Mindestentzugsdauer jeweils als Ersttäter behandelt
worden sei, mit einer weiteren mittelschweren Widerhandlung direkt auf der
zweithöchsten Stufe einsteigen solle, widerspreche sowohl den Überlegungen des
Gesetzgebers, als auch der Gesetzessystematik und dem Sinn und Zweck der Norm.
Der Beschwerdegegner gehöre aufgrund der bisherigen Widerhandlungen nicht zu
derjenigen, in der Botschaft umschriebenen Minderheit von Personen, die vielleicht
nicht in absichtlicher, mindestens aber in unverantwortlich fahrlässiger Weise
regelmässig elementare Verkehrsregeln missachte und dadurch Personen töte oder
verletze oder Sachschaden verursache.
Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, unbestritten sei, dass es sich
beim Vorfall vom 19. Oktober 2019 um eine mittelschwere Widerhandlung handle und
dem Beschwerdegegner der Führerausweis in den letzten zehn Jahren dreimal wegen
einer mittelschweren Widerhandlung entzogen gewesen sei. Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung sei die Anzahl begangener Widerhandlungen
entscheidend und nicht, ob darunter auch Zusatzmassnahmen seien. Ebenso komme
es gemäss dem Gesetzeswortlaut von Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG nicht auf die
Gesamtdauer der vorangegangenen Entzüge und auch nicht darauf an, ob die früheren
Entzüge lediglich die erste Stufe des Kaskadensystems nach Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/16
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3.
betroffen hätten. Der Wortlaut der Norm sei klar und gebe den wahren Sinn wieder.
Dass für die Anordnung eines Sicherungsentzugs nach Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG vorab
die Stufen der Kaskade gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. a bis d zu durchlaufen seien, stelle
eine unzulässige Auslegung der Norm dar. Sodann treffe nicht zu, dass der
Beschwerdegegner nach Ablauf von zwei Jahren seit dem letzten Entzug jeweils wieder
zu einem Ersttäter geworden sei.
Der Beschwerdegegner bringt vor, die Vorinstanz habe zutreffend ausgeführt, dass für
die Anwendung des Sicherungsentzugs nach Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG nicht starr auf
den Wortlaut des Gesetzes abgestellt werden dürfe. Vielmehr sei eine einzelfallweise
Beurteilung vorzunehmen. Bei ihm hätten alle drei vorgelagerten Warnungsentzüge die
unterste Stufe des Kaskadensystems betroffen. Bei den einzelnen Vorfällen habe es
sich um Bagatellen gehandelt, die beim berufsmässigen Führen von Motorfahrzeugen
vorkommen könnten. Die Folgen wären für ihn als Landwirt fatal, da der
Sicherungsentzug einem Berufsverbot gleichkäme. Dieser Umstand sei unter dem
Aspekt der Verhältnismässigkeit in die Erwägungen miteinzubeziehen. Der
Zusatzmassnahme vom 9. Juni 2016 komme keine selbständige Bedeutung zu,
ansonsten das verfassungsmässig garantierte Gleichheitsgebot verletzt wäre.
2.3.
3.1.
Nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist,
wird gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG der Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen
leichten, mittelschweren und schweren Widerhandlungen (Art. 16a-c SVG). Eine
mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a
SVG). Nach einer mittelschweren Widerhandlung wird der Lernfahr- oder
Führerausweis entzogen für:
3.1.1.
mindestens einen Monat (Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG); –
mindestens vier Monate, wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis
einmal wegen einer schweren oder mittelschweren Widerhandlung entzogen war
(Art. 16b Abs. 2 lit. b SVG);
–
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Die Mindestentzugsdauern nach einer mittelschweren Widerhandlung verfolgen nicht
nur einen warnenden, sondern auch einen sichernden Zweck. Während die
Massnahmen nach Art. 16b Abs. 2 lit. a bis d SVG Warnungsentzüge darstellen, sehen
Art. 16b Abs. 2 lit. e und f SVG bei schwerer Rückfälligkeit Sicherungsentzüge, d.h.
Ausweisentzüge auf unbestimmte Zeit oder für immer, vor. Diese beruhen auf der
unwiderlegbaren gesetzlichen Vermutung der fehlenden Fahreignung, welche sich auf
die einschlägigen Vortaten des Lenkers stützt (BGE 141 II 220 E. 3.2 in Verbindung mit
E. 3.3.4). Der Hauptzweck der Massnahme besteht nicht mehr in der Warnung, sondern
im Fernhalten solcher Wiederholungstäter vom motorisierten Strassenverkehr, weil sie
eine öffentliche Gefahr darstellen (BGE 139 II 95 E. 3.4.2). Die für die Frage der
Rückfälligkeit massgebenden Bewährungsfristen beginnen mit dem Ablauf der Dauer
des vorangegangenen Entzugs. Bei der Festsetzung der Dauer des Entzugs sind
gemäss Art. 16 Abs. 3 Satz 1 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch (abgesehen von hier nicht interessierenden
Ausnahmen bei Auslandtaten, allenfalls langer Verfahrensdauer, schwerer Betroffenheit
mindestens neun Monate, wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis
zweimal wegen mindestens mittelschweren Widerhandlungen entzogen war
(Art. 16b Abs. 2 lit. c SVG);
–
mindestens 15 Monate, wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis
zweimal wegen schweren Widerhandlungen entzogen war (Art. 16b Abs. 2 lit. d
SVG);
–
unbestimmte Zeit, mindestens aber für zwei Jahre, wenn in den vorangegangenen
zehn Jahren der Ausweis dreimal wegen mindestens mittelschweren
Widerhandlungen entzogen war; auf diese Massnahme wird verzichtet, wenn die
betroffene Person während mindestens fünf Jahren nach Ablauf eines
Ausweisentzugs keine Widerhandlung, für die eine Administrativmassnahme
ausgesprochen wurde, begangen hat (Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG);
–
immer, wenn in den vorangegangenen fünf Jahren der Ausweis nach lit. e oder
Artikel 16c Abs. 2 lit. d entzogen war (Art. 16b Abs. 2 lit. f SVG).
–
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oder Vorfällen auf Dienstfahrten) nicht unterschritten werden (Art. 16 Abs. 3 Satz 2
SVG; B. Rütsche, in: Niggli/Probst/Waldmann [Hrsg.], Basler Kommentar SVG, Basel
2014, N 91 zu Art. 16 SVG und N 2 zu Art. 16b SVG). Mit den Mindestentzugsdauern
begrenzt der Gesetzgeber das Auswahlermessen der Entzugsbehörde nach unten.
Sofern seit dem letzten Ausweistag fünf Jahre ohne weitere Widerhandlung verstrichen
sind, gilt der betreffende Lenker wieder als Ersttäter (Ph. Weissenberger, Kommentar
zum SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, N 29 zu Art. 16b SVG).
3.1.2.
Bei der Verwirklichung mehrerer Entzugsgründe durch eine oder mehrere Handlungen
sind die Konkurrenzbestimmungen nach Art. 49 StGB sinngemäss anwendbar. Die
Dauer für die schwerste Administrativmassnahme ist angemessen zu erhöhen (BGE
122 II 180 E. 5b; vgl. auch BGE 146 II 300 E. 4.3). Dies gilt namentlich auch für die sog.
"retrospektive Konkurrenz" im Sinne von Art. 49 Abs. 2 StGB: Begeht ein
Fahrzeugführer noch vor der Verfügung über einen Warnungsentzug eine zweite
Widerhandlung, welche einen solchen Entzug zur Folge hat, so ist im zweiten
Administrativverfahren die Dauer des Warnungsentzuges im Sinne einer
Zusatzmassnahme so zu bemessen, dass der Fahrzeugführer nicht schwerer
sanktioniert wird, als wenn die beiden Widerhandlungen gleichzeitig beurteilt worden
wären.
3.2.
3.2.1.
Der Beschwerdeführer geht unter Verweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung
davon aus, dass die Voraussetzung von drei mittelschweren Widerhandlungen
innerhalb der letzten zehn Jahre beim Beschwerdegegner erfüllt sei, unabhängig
davon, dass die mittelschwere Widerhandlung vom 11. Oktober 2014 mit einer
Zusatzmassnahme sanktioniert wurde. Dem fraglichen Bundesgerichtsentscheid BGer
1C_248/2020 vom 14. Dezember 2020 lag folgender Sachverhalt zugrunde:
Vorfall Verfügung Massnahme Qualifikation
29.03.2008 14.07.2008 5 Monate Entzug schwere Widerhandlung
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-II-180%3Ade&number_of_ranks=0#page180 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-II-180%3Ade&number_of_ranks=0#page180 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F146-II-300%3Ade&number_of_ranks=0#page300
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06.01.2013 26.06.2014 2 Monate Entzug mittelschwere Widerhandlung
27.10.2013 11.01.2016 8 Monate Entzug zwei schwere Widerhandlungen
Das Bundesgericht führte in jenem Entscheid aus, das Gesetz knüpfe beim
Kaskadensystem mit den sich steigernden Entzugsdauern in Art. 16b Abs. 2 SVG an
die Zahl der vorangegangenen Entzüge und nicht etwa an die Gesamtdauer der
vorangegangenen Entzüge an. Das Gesetz erhoffe sich die kathartische Wirkung in
erster Linie aus der im Entzugsverfahren zum Ausdruck kommenden Missbilligung und
weniger aus der Dauer der Entzüge. Damit sei nicht entscheidend, ob es sich beim
Entzug vom 11. Januar 2016 um eine Zusatzmassnahme zum Entzug vom 26. Juni
2014 gehandelt habe oder nicht. Unabhängig davon stehe fest, dass der fragliche
Lenker in den vorangegangenen zehn Jahren dreimal (am 14. Juli 2008, 26. Juni 2014
und 11. Januar 2016) verwarnt und darauf aufmerksam gemacht worden sei, dass sein
Verhalten im Strassenverkehr missbilligt werde und zu einem Führerausweisentzug
führen könne. Damit habe er dreimal ein Entzugsverfahren durchlaufen und hätte
dreimal die Chance gehabt, inskünftig ein sorgfältigeres Fahrverhalten zu zeigen. Es sei
daher nicht zu beanstanden, dass die drei Warnungsentzüge als drei Entzüge im Sinne
von Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG gewertet worden seien (BGer 1C_248/2020 vom
14. Dezember 2020 E. 4.3).
3.2.2.
Sowohl der fragliche Lenker gemäss erwähntem Bundesgerichtsentscheid wie auch
der Beschwerdegegner haben in den vergangenen zehn Jahren dreimal ein
Entzugsverfahren durchlaufen, in welchen jeweils mindestens mittelschwere
Widerhandlungen sanktioniert wurden. Da jedoch in beiden Fällen die
Administrativmassnahme für eine frühere Widerhandlung erst verfügt wurde, nachdem
bereits die nächste Widerhandlung begangen worden war, trifft nicht zu, dass die
Lenker dreimal die Chance hatten, künftig ein sorgfältigeres Verhalten zu zeigen, und
diese Chance bisher dreimal nicht nutzten. Zwischen der zweiten und dritten
Massnahmeverfügung (zwischen 26. Juni 2014 und 11. Januar 2016 gemäss
Bundesgerichtsentscheid bzw. zwischen 15. Dezember 2014 und 9. Juni 2016 beim
Beschwerdegegner) begingen beide Lenker keine neue Widerhandlung, womit eine
Chance – wenn man die Verfügungen als je separaten Entzug betrachtet – genutzt
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wurde. Für die Legalprognose ist von erheblicher Bedeutung, ob und inwiefern eine
vollzogene Massnahme in der Vergangenheit erzieherisch gewirkt hat. Die gesetzliche
Schlussfolgerung der fehlenden (charakterlichen) Fahreignung nach Art. 16b Abs. 2 lit.
e SVG beruht auf der Annahme, dass ein Fahrzeugführer dreimal mit einem
Führerausweisentzug für eine (mindestens) mittelschwere Widerhandlung belegt wurde,
die erzieherische Wirkung der Sanktion indes dreimal versagte. In diesem Sinn stuft
das Gesetz bei einem solchen Lenker die Aussicht, er werde sich durch einen weiteren
Warnungsentzug belehren lassen und künftig wohlverhalten, nicht mehr als realistisch
ein und betrachtet ihn als (charakterlich) nicht mehr fahrgeeignet.
Beim Beschwerdeführer hat sich die Hoffnung, er werde sich künftig an die
Verkehrsregeln halten, vorgängig zur aktuell zu ahnenden Widerhandlung vom
19. Oktober 2019 nicht drei-, sondern lediglich zweimal zerschlagen. Der am
15. Dezember 2014 verfügte eineinhalbmonatige Ausweisentzug – vollzogen vom 20.
Januar bis 6. März 2015 – konnte hinsichtlich der Widerhandlung vom 11. Oktober
2014 keine erzieherische Wirkung entfalten, da jene sich bereits zuvor ereignet hatte.
Folgerichtig wurde deshalb am 9. Juni 2016 eine Zusatzmassnahme von einem Monat
zu jener vom 15. Dezember 2014 verfügt; es lag indes kein Rückfall nach Art. 16b Abs.
2 lit. b SVG vor. Entgegen den – im Übrigen wenig Detaillierten – Erwägungen des
Bundesgerichts im erwähnten Entscheid kann somit nicht gesagt werden, dass der
Beschwerdeführer nach jeweils vorgelagerter Sanktion dreimal die Chance hatte, sich
künftig wohl zu verhalten, und diese Chance dreimal nicht nutzte. Wenn man sich den
Sinn und Zweck von Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG vor Augen hält – namentlich die
Fernhaltung unverbesserlicher Fahrzeuglenker vom Strassenverkehr –, ist es daher
sehr wohl von Belang, dass es sich bei der letzten Verfügung vom 9. Juni 2016 um eine
Zusatzmassnahme zur Verfügung vom 15. Dezember 2014 und nicht um eine
eigenständige, nach Ablauf des letzten Entzugs ergangene Verfügung aufgrund eines
neuerlichen Verstosses im Strassenverkehr handelte. Hinzu kommt, dass in jenem Fall,
wo mehrere mittelschwere Widerhandlungen in einem
Administrativmassnahmeverfahren mit einer Verfügung sanktioniert werden, diese für
die Festlegung der Entzugsdauer innerhalb des Kaskadensystems lediglich als ein
früherer Entzug gelten (vgl. zum Ganzen auch C. Mizel, Droit et pratique illustrée du
retrait du permis de conduire, Bern 2015, S. 603 f.). Wäre folglich die vom
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Beschwerdegegner am 11. Oktober 2014 begangene Verkehrsregelverletzung
zusammen mit jener vom 26. Mai 2014 beurteilt worden, lägen innerhalb von zehn
Jahren unbestrittenermassen "erst" zwei frühere Entzüge wegen mittelschweren
Widerhandlungen vor. Auch vor dem Hintergrund des Gleichbehandlungsgebots
erscheinen daher die bundesgerichtlichen Überlegungen als problematisch.
3.2.3.
Sowohl dem Sinn und Zweck von Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG entsprechend als auch aus
Gründen der Rechtsgleichheit sind die Verfügungen vom 15. Dezember 2014 und
9. Juni 2016 mit je einer mittelschweren Widerhandlung demzufolge innerhalb des
Kaskadensystems als Einheit bzw. als ein Entzug zu betrachten. Die für einen
Sicherungsentzug gestützt auf Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG erforderliche Voraussetzung
von drei Ausweisentzügen innerhalb der vergangenen zehn Jahre wegen mindestens
mittelschweren Widerhandlungen ist beim Beschwerdegegner somit offensichtlich
nicht erfüllt.
3.3.
Die Vorinstanz hat den Rekurs ihrerseits jedoch mit einer anderen Begründung
gutgeheissen. Durch Auslegung von Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG kam sie zum Schluss,
dass diese Bestimmung auf den vorliegenden Fall auch bei Vorliegen von drei
Ausweisentzügen wegen mittelschweren Widerhandlungen innerhalb der vergangenen
zehn Jahre nicht angewendet werden dürfe. Der Vollständigkeit halber ist darauf im
Folgenden einzugehen.
3.3.1.
Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet der Wortlaut der Bestimmung. Ist der Text nicht
ganz klar und sind verschiedene Auslegungen möglich, so muss nach seiner wahren
Tragweite gesucht werden unter Berücksichtigung aller Auslegungselemente,
namentlich von Sinn und Zweck sowie der dem Text zugrundeliegenden Wertung.
Wichtig ist ebenfalls der Sinn, der einer Norm im Kontext zukommt. Vom klaren, d.h.
eindeutigen und unmissverständlichen Wortlaut darf nur ausnahmsweise abgewichen
werden, wenn triftige Gründe dafür vorliegen, dass der Wortlaut nicht den wahren Sinn
der Bestimmung wiedergibt. Solche Gründe können sich aus der
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Entstehungsgeschichte der Bestimmung, aus ihrem Sinn und Zweck oder aus dem
Zusammenhang mit andern Vorschriften ergeben (BGE 140 II 129 E. 3.2).
3.3.2.
Der Gesetzestext von Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG ist klar formuliert. Nach einer
mittelschweren Widerhandlung wird der Führer- oder Lernfahrausweis auf unbestimmte
Zeit, mindestens aber für zwei Jahre, entzogen, wenn in den vorangegangenen zehn
Jahren der Ausweis dreimal wegen mindestens mittelschweren Widerhandlungen
entzogen war; auf diese Massnahme wird verzichtet, wenn die betroffene Person
während mindestens fünf Jahren nach Ablauf eines Ausweisentzugs keine
Widerhandlung, für die eine Administrativmassnahme ausgesprochen wurde, begangen
hat. Abgestellt wird allein auf drei frühere Entzüge wegen mittelschweren
Widerhandlungen, wobei nicht vorausgesetzt ist, dass mehrere Kaskadenstufen
vorgängig durchlaufen wurden bzw. es im Vorfeld zu mehrmonatigen Entzügen
gekommen war, bevor die Massnahme des Sicherungsentzugs greift. Vielmehr ist es
aufgrund der insgesamt zu berücksichtigen Rückfallfrist von zehn Jahren und der
Bewährungsfrist von jeweils zwei Jahren, nach denen im Fall einer weiteren
mittelschweren Widerhandlung erneut wieder ein einmonatiger Entzug gemäss Art. 16b
Abs. 2 lit. a SVG ausgesprochen werden kann, ohne Weiteres möglich, dass drei mit
jeweils einem Monat sanktionierte mittelschwere Widerhandlungen innerhalb von zehn
Jahren bei einer vierten mittelschweren Widerhandlung zu einem Entzug auf
unbestimmte Zeit mit einer nicht zu unterschreitenden Mindestdauer von zwei Jahren
führen. Hätte der Gesetzgeber dies ausschliessen wollen, hätte er den Verzicht auf
diese Massnahme bereits bei einer Bewährungsfrist von zwei anstatt fünf Jahren
ansetzen müssen. In diesem Sinn kann auch nicht gesagt werden, dass ein fehlbarer
Lenker nach Ablauf der Frist von zwei Jahren nach einem mittelschweren Entzug
wieder als Ersttäter zu betrachten ist. Mit Blick auf Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG ist dies
erst nach fünf Jahren der Fall; zuvor gilt als Wiederholungstäter, auch wenn sich ein
Vorfall oder mehrere Vorfälle mehr als zwei Jahre nach einem letzten Entzug ereignet
haben. Das Gesetz knüpft an die Zahl der vorangegangenen Entzüge wegen
mittelschweren Widerhandlungen und nicht an deren (Gesamt)Dauer an (vgl. BGer
1C_248/2020 vom 14. Dezember 2020 E. 4.3). Auf die mangelnde charakterliche
Fahreignung wird aus der Tatsache geschlossen, dass drei Entzüge wegen mindestens
mittelschweren Widerhandlungen innerhalb von zehn Jahren und ohne Unterbruch von
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fünf Jahren eine vierte mittelschwere Widerhandlung nicht zu verhindern vermochten
(Weissenberger, a.a.O., N 4 zu den Vorbemerkungen zu Art. 16 ff. SVG). Die
Massnahme bezweckt nicht mehr die Warnung bzw. Besserung des fehlbaren Lenkers,
sondern die Fernhaltung des Wiederholungstäters vom motorisierten Strassenverkehr
aus Sicherheitsgründen (Dähler/Schaffhauser, Handbuch Strassenverkehrsrecht, Basel
2018, S. 270).
Dies entspricht auch dem Willen des Gesetzgebers, wie aus den Erläuterungen zu Art.
16b Abs. 2 lit. e SVG in der Botschaft zur Änderung des Strassenverkehrsgesetzes vom
31. März 1999 hervorgeht (BBl 1999 4488 f.): "Wer trotz drei Warnungsentzügen innert
zehn Jahren wegen mindestens mittelschweren Widerhandlungen seine Fahrweise
nicht anpasst und eine weitere derartige Widerhandlung begeht, soll – auch nach
Ansicht der meisten Vernehmlassungsteilnehmer – den Führerausweis auf unbestimmte
Zeit, mindestens aber für zwei Jahre verlieren. Auf diese als Sicherungsentzug
ausgestaltete Massnahme wird nur verzichtet, wenn die betroffene Person in diesen
zehn Jahren während mindestens fünf aufeinander folgenden Jahren nach Ablauf eines
Entzugs keine verkehrsgefährdende Widerhandlung begangen und damit bewiesen hat,
während längerer Zeit klaglos fahren zu können. Der Entzug auf unbestimmte Zeit
bedeutet, dass der betroffenen Person die Eignung als Motorfahrzeugführer oder -
führerin gesetzlich abgesprochen wird. Die Wiedererteilung des Führerausweises hängt
deshalb gemäss der neuen Fassung von Artikel 17 Absatz 3 SVG vom Nachweis der
Behebung des Eignungsmangels ab." Die von der Vorinstanz zitierten Ausführungen
gemäss Botschaft beziehen sich nicht auf den Sicherungsentzug nach Art. 16b Abs. 2
lit. e SVG, sondern auf die Mindestdauern der Warnungsentzüge gemäss den
Rückfallbestimmungen von Art. 16b Abs. 2 lit. b bis d SVG (BBl 1999 4488).
3.3.3.
Triftige Gründe, dass der klare Gesetzeswortlaut nicht den wahren Rechtssinn der
Bestimmung wiedergibt, bestehen daher nicht, weshalb es nicht zulässig erscheint,
dass Behörden und/oder Gerichte von ihm abzuweichen. Eine entsprechende
Änderung ist, sofern erwünscht, dem Gesetzgeber vorbehalten (Art. 190 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101, BV).
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3.4.
Zusammenfassend erweist sich der vorinstanzliche Entscheid vom 24. Februar 2022,
wonach kein Anwendungsfall von Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG vorliegt und der
Führerausweis dem Beschwerdeführer gestützt auf Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG zu
entziehen ist, wobei die Angelegenheit zur Verfügung des Warnungsentzugs an den
Beschwerdeführer zurückzuweisen ist, trotz abweichender Begründung im Ergebnis als
rechtmässig. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
4.
4.1.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Angemessen erscheint eine
Entscheidgebühr von CHF 1'500 (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12). Auf die Erhebung der Kosten ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
4.2.
Der unterliegende Beschwerdeführer hat den Beschwerdegegner für das
Beschwerdeverfahren antragsgemäss ausseramtlich zu entschädigen (Art. 98
Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 98 VRP). Der Rechtsvertreter des
Beschwerdegegners hat keine Kostennote eingereicht, weshalb die Entschädigung
nach Ermessen festzulegen ist (vgl. Art. 30 Ingress und lit. b Ziff. 1 sowie Art. 31 Abs. 1
und 2 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70, AnwG, Art. 6 und Art. 19 der
Honorarordnung, sGS 963.75, HonO). Nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO beträgt das
Honorar vor Verwaltungsgericht pauschal CHF 1'500 bis CHF 15'000. Angesichts der
konkreten Verhältnisse erscheint eine Entschädigung von CHF 2'000 für das
Beschwerdeverfahren angemessen. Der Beschwerdeführer hat somit den
Beschwerdegegner mit CHF 2'000 zuzüglich CHF 80 Barauslagen (vier Prozent von
CHF 2‘000, Art. 28 Abs. 1 HonO). Mangels Antrags ist keine Mehrwertsteuer zu
entschädigen (Art. 29 HonO). Die Vorinstanz hat keinen Anspruch auf ausseramtliche
Entschädigung (statt vieler: VerwGE B 2019/35 vom 29. August 2019 E. 3.6, R. Hirt, Die
Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen
2004, S. 175 ff.); sie hat auch keinen Antrag gestellt.
bis
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