Decision ID: 08026548-1afe-47ed-bc23-f149ab3f698c
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
I. Sachverhalt:
1. A._, Jahrgang X._, wohnhaft in E._, war als Hilfsarbeiter
bei "F._" in G._ angestellt und in dieser Eigenschaft bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von
Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Mit Schadenmeldung UVG
vom 19. Juni 2015 wurde der Suva mitgeteilt, dass A._ am 18. Juni
2015 während der Arbeit in H._ von der Leiter gestürzt sei. Dabei zog
er sich eine Mehrfachverletzung mit Extremitätenverletzungen
(Beckenringfraktur vom lateralen Kompressionstyp links [AO-B2],
radiocarpale Luxation mit Abrissfraktur des Processus styloideus radii
links, komplexe Ellenbogenluxationsfraktur links [Typ IV nach Mason/
Johnson], undislozierte Scaphoidfraktur rechts), Gesichtsverletzungen
(undislozierte Tripodfraktur links, undislozierte Orbitabodenfraktur links)
und eine Thoraxkontusion ventral links zu. In der Folge wurden diverse
operative Behandlungen durchgeführt, wobei die Beckenringfraktur nicht
operativ therapiert werden musste; sie wurde konservativ behandelt.
A._ wurde ab dem 18. Juni 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
attestiert. Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistungen
(Heilbehandlung und Taggeld).
2. Rund zwei Monate nach dem Unfallereignis, am 10. August 2015, führte
der Kreisarzt Dr. med. I._, Facharzt für orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, in seiner Beurteilung aus,
bezüglich des Beckens könne von einer folgenlosen Heilung ausgegangen
werden.
3. Im Juni 2016 attestierte das Kantonsspital J._ A._ aus
orthopädischer und handchirurgischer Sicht (ab August 2016) eine
100%ige Arbeitsfähigkeit.
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4. In seiner Kurzbeurteilung vom 4. August 2016 erachtete der Kreisarzt Dr.
med. I._ den medizinischen Endzustand als erreicht.
5. Mit Verfügung vom 5. September 2016 verneinte die Suva einen Anspruch
auf eine Integritätsentschädigung. Diese Verfügung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
6. Vom 13. Juni 2017 bis am 3. Juli 2017 wurde A._ eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert, ab dem 4. Juli 2017 bis am 31. Juli 2017 eine
solche von 50 % (ab 17. Juli 2017 aus psychiatrischen Gründen). Vom
2. August 2017 bis am 13. August 2017 wurde er zu 100 % aus
psychiatrischen Gründen arbeitsunfähig geschrieben.
7. Am 9. Februar 2018 verfügte die IV-Stelle des Kantons Graubünden den
Abschluss der beruflichen Massnahmen auf den 18. Dezember 2017.
8. Mit Verfügung vom 29. Mai 2018 verneinte die Suva einen
Rentenanspruch gemäss UVG. Diese Verfügung erwuchs ebenfalls
unangefochten in Rechtskraft.
9. Am 6. August 2019 erfolgte durch A._ eine telefonische
Rückfallmeldung zum Unfall vom 18. Juni 2015.
10. Dr. med. K._, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, attestierte
A._ vom 18. September 2019 bis am 31. Januar 2020 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit.
11. Am 14. Januar 2020 fand eine Untersuchung durch den Kreisarzt Dr. med.
L._, Facharzt für Chirurgie, speziell Allgemein-, Unfall- und
Handchirurgie, Mitglied FMH, statt. Dieser hielt in seiner dazugehörigen
Beurteilung fest, nebst Beschwerden im Ellenbogengelenk links seien
während der kreisärztlichen Untersuchung keine anderen physischen
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Beschwerden angegeben worden. Ausserdem führte A._ anlässlich
der kreisärztlichen Untersuchung aus, dass die Gehfähigkeit nicht
beeinträchtigt sei; er absolviere ca. jeden zweiten Tag eine längere
Gehstrecke von vier bis fünf Kilometern.
12. A._ wurde von Dr. med. K._ vom 1. Juni 2020 bis am 30. Juni
2020 zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben.
13. Im August 2020 wurde im Medizinischen Zentrum M._ eine
Laufanalyse durchgeführt. Im dazugehörigen Bericht stellte Dr. N._,
Sportwissenschaftlerin, betreffend die statische Körperhaltung einen
Beckenschiefstand nach rechts fest. Unter dem Titel "Folgerung" führte sie
aus, das unfunktionelle muskuläre Zusammenspiel im Rahmen der
Beinachsenstabilisation könne über eine Einlage im Schuh verbessert
werden, um so die Muskulatur und die Sehnen möglichst funktionell unter
Belastung zu bringen. Wichtig wäre hierbei, dass der Fuss auch im Bereich
des Vorfusses korrigiert werde, damit die Abrollbewegung bis in die Push-
off-Phase unterstützt werden könne und um auch einen Einfluss auf die
Beckenstellung zu nehmen.
14. Der Hausarzt Dr. med. O._, Allgemeine Innere Medizin FMH,
Manuelle Medizin SAMM, Sportmedizin SGSM, Ultraschalldiagnostik
SGUM, attestierte A._ vom 14. August 2020 bis am 31. Oktober 2020
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Vom 8. Oktober 2020 bis am 30.
November 2020 wurde A._ von Dr. med. K._ zu 80 %
arbeitsunfähig geschrieben.
15. In seiner E-Mail vom 1. Dezember 2020 zuhanden der Suva hielt der
Hausarzt Dr. med. O._ fest, dass der wahrscheinlich erst durch das
Trauma aufgetretene oder symptomatisch gewordene Beckenschiefstand
mit den neuen Einlagen mit nun eindrücklichem Ansprechen korrigiert
werden könne.
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16. In seiner Kurzbeurteilung vom 3. Dezember 2020 führte der Kreisarzt Dr.
med. P._, Facharzt für Chirurgie, speziell Allgemeinchirurgie und
Traumatologie, aus, der Beckenschiefstand sei überwiegend
unwahrscheinlich unfallkausal.
17. Am 11./14. Dezember 2020 hielt der Kreisarzt Dr. med. P._ in seiner
Beurteilung erneut fest, da es durch das Trauma vom 18. Juni 2015 zu
keiner Beckenverletzung gekommen sei, die einen Beckenschiefstand
begründen würde, sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
anzunehmen, dass der Beckenschiefstand bereits vor dem Unfall
bestanden habe und somit als nicht unfallkausal angesehen werden
könne.
18. Mit Verfügung vom 15. Dezember 2020 verneinte die Suva die
Leistungspflicht hinsichtlich der geltend gemachten Beckenbeschwerden,
weil kein sicherer oder wahrscheinlicher Kausalzusammenhang zum
Unfallereignis vom 18. Juni 2015 vorliege.
19. Die dagegen von A._ am 4. Januar 2021 erhobene Einsprache,
welche am 16. Februar 2021 näher begründet wurde, wies die Suva mit
Einspracheentscheid vom 22. April 2021 ab.
20. Der Hausarzt Dr. med. O._ attestierte A._ ab 1. März 2021
voraussichtlich bis und mit 31. Mai 2021 eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit.
21. Gegen den Einspracheentscheid erhob A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführer) am 25. Mai 2021 Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Er beantragte, der
Einspracheentscheid vom 22. April 2021 sei aufzuheben und es seien ihm
die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen; eventualiter sei die Sache an
die Suva zwecks Einholung eines fachärztlichen (orthopädisch und
neurologisch) Gutachtens zurückzuweisen, damit sie hernach nochmals
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über seine gesetzlichen Ansprüche entscheide; unter
Entschädigungsfolgen zulasten der Suva. Begründend brachte der
Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, anlässlich des Unfallereignisses
vom 18. Juni 2015 habe er ein Polytrauma erlitten. Seit diesem Unfall
würden in den Arztberichten entgegen den kreisärztlichen Beurteilungen
immer wieder Beschwerden im Becken links vermerkt. Im Austrittsbericht
der Rehaklinik Q._ vom 9. Mai 2016 seien Tendomyosen am
Ursprung der Mm glutei maximus/medius dokumentiert. Aus den Akten
gehe das Ausmass der Beschwerden aber nicht hervor. Radiologische
Kontrollen seien nicht mehr erfolgt. Grundsätzlich bleibe die bestehende
Problematik unklar. Dr. med. R._ halte in ihrer Beurteilung Folgendes
fest: "Es ist aber nicht korrekt, mit Verfügung vom 15.12.2020 die
Beckenbeschwerden, welche der Beschwerdeführer als Rückfall gemeldet
hat, in dieser absolut unklaren Situation als unfallkausal abzulehnen.
Diese Beschwerden sind von orthopädischer Seite zu beurteilen, ggf.
ebenfalls von neurologischer Seite. Der Beschwerdeführer hat sich am
18.06.2015 eine acetabulumnahe obere Schambeinastfraktur zugezogen,
die Fraktur strahlt ins Pfannendach ein. Gegebenenfalls liegt zusätzlich
eine Nervenkompressionsproblematik vor; es braucht eine neue
Bildgebung. Eine Ganganalyse ist nicht geeignet, diese Fragen zu klären.
Der von Herrn Dr. O._ geltend gemachte Beckenhochstand wurde
von keinem weiteren Arzt bestätigt." Ein Beckenschiefstand sei gemäss
Verlaufsbericht vom 17. März 2021 ausgeschlossen. Weshalb die Suva
von einem Beckenschiefstand ausgehe, sei nicht nachvollziehbar. Die
kreisärztliche Beurteilung erweise sich nach dem Gesagten als nicht
schlüssig. Die medizinische Entscheidlage sei unzureichend. Eine
neurologische Abklärung sei nie erfolgt und es könnte eine
Nerveneinklemmung vorliegen. Auch dies sei nie abgeklärt worden. Eine
umfassende Schmerzanamnese seitens der Suva sei nicht erfolgt. Eine
Laufganganalyse sei für die Beurteilung der Unfallkausalität nicht
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geeignet. Nur eine gutachterliche Abklärung könne über die Ursache der
Beschwerden Auskunft geben.
22. In der Beschwerdeantwort vom 7. Juli 2021 beantragte die Suva
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin), auf die Beschwerde sei nicht
einzutreten; eventualiter sei die Beschwerde abzuweisen und der
Einspracheentscheid vom 21. (recte: 22.) April 2021 zu bestätigen.
Begründend wurde im Wesentlichen festgehalten, der Beschwerdeführer
habe im Einspracheverfahren noch auf dem Vorliegen eines
Beckenschiefstands beharrt, welcher für seine Beckenbeschwerden
verantwortlich sei. Nun bestreite er im Beschwerdeverfahren, an einem
Beckenschiefstand zu leiden. Damit werde die Beschwerde
gegenstandslos. Der Standpunkt der Beschwerdegegnerin sei stets
gewesen, dass der ursprünglich geltend gemachte Beckenschiefstand
aufgrund des Unfallereignisses nicht als unfallkausal anzusehen sei.
Indem der Beschwerdeführer nun geltend mache, gar nicht an einem
Beckenschiefstand zu leiden, sei dieser ursprünglich strittige
Anfechtungsgegenstand nicht mehr strittig, womit es sogar an einem
Anfechtungswillen fehle. Zudem zeigten die neu eingereichten
Arztberichte gar keine behandlungsbedürftigen Beschwerden am Becken
auf, weshalb fraglich sei, wegen welchen Beschwerden der
Beschwerdeführer betreffend Becken einen Rückfall geltend machen
wolle. Es sei unklar, was denn abgeklärt werden solle, da ärztlicherseits
keine weiteren Behandlungen bzw. Abklärungsmassnahmen
vorgeschlagen worden seien und die anfänglich geltend gemachten
Beschwerden eines Beckenhochstands nun sogar vom Beschwerdeführer
selbst negiert würden.
23. Mit unaufgeforderter Eingabe vom 11. August 2022 reichte der
Beschwerdeführer ein Schreiben der S._ Klinik T._ vom 29. Juli
2022 bezüglich einer anstehenden ambulanten Untersuchung
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(Anfertigung von aktuellen Röntgenaufnahmen und Termin beim leitenden
Oberarzt Orthopädie) vom 30. September 2022 sowie Fotoaufnahmen ein.
Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften, den angefochtenen
Einspracheentscheid sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 22. April 2021. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) i.V.m.
Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann
gegen einen Einspracheentscheid innert 30 Tagen seit seiner Eröffnung
Beschwerde an das Versicherungsgericht desjenigen Kantons erhoben
werden, in welchem die versicherte Person im Zeitpunkt der
Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Der Beschwerdeführer wohnt
im Kanton Graubünden, womit die örtliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden gegeben ist. Dessen
sachliche Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2
lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100). Als formeller und materieller Adressat des angefochtenen
Einspracheentscheids ist der Beschwerdeführer davon überdies berührt
und er weist ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder
Änderung auf (vgl. Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist damit einzutreten (vgl. Art. 60
i.V.m. Art. 38 Abs. 3 ATSG, Art. 61 lit. b ATSG; vgl. auch Erwägung 2.3).
2.1. Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur
Rechtsverhältnisse zu überprüfen und zu beurteilen, zu denen die
zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer
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Verfügung – Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand.
Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer
Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung ergangen
ist (vgl. BGE 131 V 164 E.2.1, 125 V 413 E.1a mit weiteren Hinweisen).
Streitgegenstand im System der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege
ist das Rechtsverhältnis, welches – im Rahmen des durch die Verfügung
bestimmten Anfechtungsgegenstandes – den aufgrund der
Beschwerdebegehren effektiv angefochtenen Verfügungsgegenstand
bildet. Anfechtungs- und Streitgegenstand sind danach identisch, wenn
die Verwaltungsverfügung insgesamt angefochten wird; bezieht sich
demgegenüber die Beschwerde nur auf einzelne der durch die Verfügung
bestimmten Rechtsverhältnisse, gehören die nicht beanstandeten –
verfügungsweise festgelegten – Rechtsverhältnisse zwar wohl zum
Anfechtungs-, nicht aber zum Streitgegenstand (vgl. BGE 131 V 164 E.2.1,
125 V 413 E.1b i.V.m. E.2a; Urteil des Bundesgerichts 8C_52/2010 vom
2. Juli 2010 E.2.1).
2.2. Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet
der die Verfügung vom 15. Dezember 2020 bestätigende
Einspracheentscheid vom 22. April 2021. Darin befand die
Beschwerdegegnerin über ihre Leistungspflicht betreffend die geltend
gemachten Beckenbeschwerden und die damit zusammenhängende
Frage der Unfallkausalität dieser Beschwerden (vgl.
beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 2).
2.3. Soweit die Beschwerdegegnerin vorbringt, der Beschwerdeführer mache
nun – im Gegensatz zum Einspracheverfahren – geltend, gar nicht an
einem Beckenschiefstand zu leiden, womit dieser ursprünglich strittige
Anfechtungsgegenstand nicht mehr strittig sei und es damit an einem
Anfechtungswillen fehle, kann ihr nicht gefolgt werden. Die im
vorliegenden Beschwerdeverfahren gestellten Rechtsbegehren zielen klar
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darauf ab, den angefochtenen Einspracheentscheid vom 22. April 2021
aufzuheben und dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen
zuzusprechen bzw. eventualiter die Sache an die Beschwerdegegnerin zu
weiteren Abklärungen und neuem Entscheid zurückzuweisen. Damit geht
der Anfechtungswille klar aus der Eingabe hervor und es liegt eine
rechtsgenügliche Beschwerde vor.
2.4. Zudem macht die Beschwerdegegnerin geltend, habe der
Beschwerdeführer im Einspracheverfahren noch auf dem Vorliegen eines
Beckenschiefstands beharrt, welcher für seine Beckenbeschwerden
verantwortlich sei, bestreite er nun im Beschwerdeverfahren, an einem
Beckenschiefstand zu leiden. Dazu habe er neue Arztberichte eingereicht.
Gemäss Verlaufsbericht einer Arztpraxis in E._ vom 17. März 2021
hätten objektiv ein normales Gangbild und eine sehr gute Muskulatur im
Bereich beider Beine festgestellt werden können. Grob geprüft gäbe es
keine Anzeichen eines Beckenschiefstands. Damit werde die Beschwerde
gegenstandslos. Nach der Auffassung des angerufenen Gerichts ist die
Beschwerde nicht gegenstandslos geworden, weil der Beschwerdeführer
anders als im Einspracheverfahren neu im Beschwerdeverfahren das
Vorliegen eines Beckenschiefstands verneint. Denn der
Beschwerdeführer tut Beckenbeschwerden dar und verlangt im
vorliegenden Beschwerdeverfahren die Zusprache der gesetzlichen
Leistungen bzw. eventualiter weitere medizinische Abklärungen und
hernach einen neuen Entscheid durch die Beschwerdegegnerin, so dass
die Beschwerde materiell zu behandeln ist. In sachverhaltlicher Hinsicht
sind die Verhältnisse bis zum Zeitpunkt des Erlasses des strittigen
Einspracheentscheids am 22. April 2021 zu berücksichtigen (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 8C_382/2021 vom 19. Oktober 2021 E.4.1 mit
weiteren Hinweisen), weshalb in casu der Verlaufsbericht des Center
U._ E._ SA, Arztpraxis, vom 17. März 2021 (vgl. Bf-act. 4) in die
Entscheiderwägungen miteinzubeziehen ist (vgl. Erwägung 5.3).
- 11 -
3. In materieller Hinsicht ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf
gesetzliche Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) aufgrund von
Beckenbeschwerden umstritten.
4.1. Versicherungsleistungen nach dem UVG werden – soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt – bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und
Berufskrankheiten gewährt (Art. 6 Abs. 1 UVG). Art. 10 Abs. 1 UVG
gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige
Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist die versicherte Person
infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG), so hat
sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG).
4.2.1. Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst
voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen
Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen
Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein
der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen
Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann.
Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige
oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt,
dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die
körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt
hat, der Unfall mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne
dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (vgl. BGE 147
V 161 E.3.1 und E.3.2, 129 V 177 E.3.1, je mit weiteren Hinweisen). Ob
zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen
Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage,
worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen
der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
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Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines
Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs
nicht (vgl. BGE 142 V 435 E.1, 129 V 177 E.3.1, 119 V 335 E.1; Urteil des
Bundesgerichts 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E.3.2.1).
4.2.2. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass
zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein
adäquater Kausalzusammenhang besteht (vgl. BGE 147 V 161 E.3.1).
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache
eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge
und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen
Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses
Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (vgl.
BGE 129 V 177 E.3.2; Urteile des Bundesgerichts 8C_596/2021 vom 12.
Juli 2022 E.3, 8C_123/2018 vom 18. September 2018 E.3.2). Der
Voraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhangs kommt die
Funktion einer Haftungsbegrenzung zu (vgl. BGE 129 V 177 E.3.3). Sie
hat bei allen Gesundheitsschädigungen, die aus ärztlicher Sicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit als natürliche Unfallfolgen gelten, Platz
zu greifen. Die Frage der Adäquanz ist eine Rechtsfrage, sie ist nicht von
medizinischen Sachverständigen, sondern vom Richter zu beurteilen (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 8C_15/2021 vom 12. Mai 2021 E.7.3,
8C_833/2016 vom 14. Juni 2017 E.5.2).
4.2.3. Dabei spielt im Sozialversicherungsrecht die Adäquanz als rechtliche
Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang
ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv
ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die
adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (vgl. BGE 140
V 356 E.3.2, 138 V 248 E.4, 127 V 102 E.5b/bb).
- 13 -
4.3. Gemäss Art. 11 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR
832.202) werden die Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und
Spätfolgen gewährt. Rückfälle und Spätfolgen stellen besondere
revisionsrechtliche Tatbestände dar (vgl. BGE 144 V 245 E.6.2, 127 V 456
E.4b, 118 V 293 E.2d; SVR 2003 UV Nr. 14 S. 43 E.4.2). Bei einem
Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich
geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise
sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man,
wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische
oder psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten
Krankheitsbild führen können. Rückfälle und Spätfolgen schliessen somit
begrifflich an ein bestehendes Unfallereignis an. Entsprechend können sie
eine Leistungspflicht des (damaligen) Unfallversicherers nur auslösen,
wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der
seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein
natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (vgl. BGE 144
V 245 E.6.1, 118 V 293 E.2c; Urteile des Bundesgerichts 8C_382/2018
vom 6. November 2018 E.2.2, 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018
E.3.1.1, 8C_934/2014 vom 8. Januar 2016 E.3.2).
4.4. Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz
beherrscht. Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das
Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie
von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das
Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes
vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu
fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den
Beweisanforderungen nicht. Die Richterin und der Richter haben vielmehr
jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von allen möglichen
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Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (vgl. BGE 144 V
427 E.3.2, 138 V 218 E.6 mit weiteren Hinweisen). Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der
Beweisführungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des
Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügenden Verwaltungsstelle) ist,
für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine
Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Nach der höchstrichterlichen
Rechtsprechung liegt die Beweislast demzufolge bei
anspruchsbegründenden Tatfragen – wie einer Rückfallkausalität – bei der
Partei, welche den Anspruch geltend macht. Bei anspruchsaufhebenden
Tatfragen liegt sie bei der Partei, welche sich auf das Dahinfallen des
Anspruchs beruft. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es
sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes
auf Grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der
zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (vgl. BGE 144 V 427 E.3.2, 138 V 218 E.6; 117 V 261 E.3b
mit weiteren Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_831/2019 vom 13.
Februar 2020 E.3.2.2; Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVGE] U 209/04 vom 25. November 2004 E.1.1).
4.5. Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den
Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien
Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel
– frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das
Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen
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Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische
These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend
ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten
begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a, 122 V 157
E.1c). Gemäss Rechtsprechung ist auch ein reines Aktengutachten
beweiskräftig, wenn die Akten ein vollständiges Bild über Anamnese,
Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten
sind; der Untersuchungsbefund muss lückenlos vorliegen, damit der
Berichterstatter imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen
ein vollständiges Bild zu verschaffen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_397/2019 vom 6. August 2019 E.4.3 mit weiteren Hinweisen). Dabei geht es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an
sich feststehenden medizinischen Sachverhalts, mithin rückt die direkte
ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 8C_322/2020 vom 9. Juli 2020 E.3,
8C_780/2016 vom 24. März 2017 E.6.1, je mit weiteren Hinweisen). Den
Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte
kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Bestehen auch nur geringe
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE 145 V 97 E.8.5, 142 V 58 E.5.1, 139
- 16 -
V 225 E.5.2, 135 V 465 E.4.4 und E.4.6 f., 125 V 351 E.3b/ee). In Bezug
auf behandelnde Ärztinnen und Ärzte, insbesondere Hausärzte, ist zu
beachten, dass sie in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur
versicherten Person stehen. Da sie sich zudem in erster Linie auf die
Behandlung zu konzentrieren haben, verfolgen deren Berichte nicht den
Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die
Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des
Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die materiellen
Anforderungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E.3a. Aus
diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungstatsache, dass behandelnde
Ärztinnen und Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten
aussagen, wird im Streitfall eine direkte Leistungszusprache einzig
gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte kaum je
in Frage kommen. Diese Erfahrungstatsache befreit das Gericht indessen
nicht von seiner Pflicht zu einer korrekten Beweiswürdigung, bei der auch
die von der versicherten Person aufgelegten Berichte
mitzuberücksichtigen sind. Diese sind daraufhin zu prüfen, ob sie auch nur
geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
Feststellungen versicherungsberatenden Ärztinnen und Ärzte wecken
(vgl. BGE 135 V 465 E.4.5 f.; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_160/2012
vom 13. Juni 2012 E.3.1.2, 8C_245/2011 vom 25. August 2011 E.5.3,
8C_907/2009 vom 12. Februar 2010 E.1.1).
5.1. Der Beschwerdeführer bringt vor, seit dem Unfall vom 18. Juni 2015
würden in den Arztberichten immer wieder Beschwerden im Becken links
vermerkt.
Dem Austrittsbericht der Rehaklinik Q._ vom 9. Mai 2016 ist
betreffend die diagnostische Beurteilung insbesondere zu entnehmen,
dass im CT vom 18. Juni 2015 eine gering dislozierte, Acetabulum-nahe
Fraktur des oberen Schambeinastes links sichtbar sei. Am rechten
- 17 -
Hüftgelenk sei der Acetabulumrand im kranialsten Bereich separiert vom
Rest des Beckenknochens, dies könnte eine kleine knöcherne
Absprengung des Acetabulumrandes oder aber eine vorbestehende
Anomalie sein. Im Hüftbereich rechts habe der Beschwerdeführer keinerlei
Beschwerden. Links bestünden ventral, im Bereich der Schambeine,
ebenfalls keine Beschwerden. Dorsal hingegen seien
Ursprungstendomyosen der Mm. glutei medius und minimus vorhanden,
die zu lokalen belastungsabhängigen Schmerzen führten. Die
Hüftgelenksbeweglichkeit sei beidseits frei (vgl. beschwerdegegnerische
Akten [Bg-act.] 134 S. 5). Zudem ergibt sich aus dem besagten
Austrittsbericht folgendes Zumutbarkeitsprofil bezüglich des Beckens
links: "Wechselbelastende, nicht rein im Stehen/Gehen auszuführende
Tätigkeit" (vgl. Bg-act. 134 S. 4). Anlässlich der Situationsanalyse vom
7. August 2015 berichtete der Beschwerdeführer von Beckenschmerzen
insbesondere beim Sitzen (vgl. Bg-act. 23 S. 2). Etwa zum gleichen
Zeitpunkt, am 10. August 2015, hielt der Kreisarzt Dr. med. I._ in
seiner Beurteilung fest, bezüglich des Beckens könne von einer
folgenlosen Heilung ausgegangen werden (vgl. Bg-act. 27 S. 2). Das
ärztliche Triagekonsilium der Rehaklinik Q._ zur Beurteilung der
Indikation für eine arbeitsorientierte Rehabilitation vom 21./22. Januar
2016 ergab sodann ein unauffälliges freies Gangbild (vgl. Bg-act. 81 S. 6).
Dem Austrittsbericht der Rehaklinik Q._ vom 9. Mai 2016 ist ferner
unter dem Titel "Befunde bei Eintritt, Wirbelsäule/Thorax" was folgt zu
entnehmen: "Beckentiefstand rechts, ausgleichbar mit 1.5 cm" (vgl. Bg-
act. 134 S. 11 f.). Bei Austritt des Beschwerdeführers wurde dies nicht
mehr als relevanter Befund erwähnt (vgl. Bg-act. 134 S. 13). Schliesslich
wurde im Verlaufsbericht des Kantonsspitals Graubünden, Klinik für
Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 2. Juni
2016 unter dem Titel "Anamnese" festgehalten, der Beschwerdeführer
klage noch etwas über geringgradige Restbeschwerden im Bereich des
Beckens (vgl. Bg-act. 145 S. 2 f.).
- 18 -
5.2. In seiner Kurzbeurteilung rund ein Jahr nach dem Unfallereignis, am
4. August 2016, hielt der Kreisarzt Dr. med. I._ fest, dass der
medizinische Endzustand erreicht sei (vgl. Bg-act. 181). Im weiteren
Behandlungsverlauf wurden von Seiten des Beschwerdeführers keine
Beckenbeschwerden thematisiert. Am 14. Januar 2020 erfolgte eine
kreisärztliche Untersuchung durch Dr. med. L._, wobei der
Beschwerdeführer ausführte, die Gehfähigkeit sei nicht beeinträchtigt; er
absolviere ca. jeden zweiten Tag eine längere Gehstrecke von vier bis fünf
Kilometern. Der Kreisarzt Dr. med. L._ hielt in seiner Beurteilung
ausserdem fest, dass während der Untersuchung nebst Beschwerden im
Ellenbogengelenk links keine anderen physischen Beschwerden
angegeben worden seien (vgl. Bg-act. 366 S. 4 und S. 6 f.).
5.3. Mit E-Mail an die Beschwerdegegnerin vom 19. August 2020 machte der
Beschwerdeführer gestützt auf eine am 12. August 2020 im Medizinischen
Zentrum M._ durchgeführte Laufanalyse einen Beckenschiefstand
geltend (vgl. Bg-act. 460 und 524 S. 2 ff.). Im gleichentags verfassten
Bericht zur erwähnten Laufanalyse hielt Dr. N._ fest, dass die
Beckenringfraktur konservativ behandelt worden sei und ein
Beckenschiefstand nach rechts vorliege (vgl. Bg-act. 524 S. 2). Über die
Kausalität hiervon zum Unfallereignis vom 18. Juni 2015 kann den Akten
keine fachärztliche Beurteilung entnommen werden. Der Hausarzt Dr.
med. O._ führte in seiner E-Mail an die Beschwerdegegnerin vom 1.
Dezember 2020 aus, dass der wahrscheinlich erst durch das Trauma
aufgetretene oder symptomatisch gewordene Beckenschiefstand mit den
neuen Einlagen mit nun eindrücklichem Ansprechen korrigiert werden
könne (vgl. Bg-act. 524 S. 1). Er beschrieb jedoch im Rahmen der
Krankengeschichte-Auszüge ab Behandlungsbeginn bei ihm am 2. März
2020 keine Bein- und Beckenprobleme, sondern hielt fest, dass ein
Beckenhochstand links vorliege, die Einlagen (Simka) vier Jahre alt seien
und nicht mehr getragen würden und dass das Gangbild symmetrisch sei
- 19 -
(vgl. Bg-act. 453 S. 2 f.). Zur Kausalität machte der Hausarzt Dr. med.
O._ keine Aussage, ebensowenig nannte er behandlungsbedürftige
Beckenbeschwerden.
Der Kreisarzt Dr. med. P._ hielt in seiner Kurzbeurteilung vom 3.
Dezember 2020 denn auch fest, dass der Beckenschiefstand überwiegend
unwahrscheinlich unfallkausal sei, zumal die Beckenkompressionsfraktur
zu einer Läsion des oberen Schambeinastes links geführt habe, welche
aber auf den Folgeaufnahmen, insbesondere vom 21. Dezember 2015,
nicht mehr zu erkennen gewesen sei (vgl. Bg-act. 525 S. 1). Zu demselben
Ergebnis gelangte der besagte Kreisarzt im Rahmen seiner
Aktenbeurteilung vom 11./14. Dezember 2020 (vgl. Bg-act. 531 S. 2 f.).
Darin wies der Kreisarzt Dr. med. P._ auf die Bildgebung vom 18.
Juni 2015 (Becken liegend ap tief zentriert, Computertomogramm
Polytrauma), 26. Juni 2015 (Beckenübersichtsaufnahme liegend) und 21.
Dezember 2015 (Beckenübersicht tief zentriert liegend) hin, wobei
unmittelbar nach dem Unfallereignis (18. Juni 2015, 26. Juni 2015) eine
obere Schambeinastkompressionsfraktur links ohne Dislokation, ein
unauffälliger Symphysen- und ISG-Bereich und keine weitere Verletzung
des Beckenrings beschrieben sowie rund sechs Monate später (21.
Dezember 2015) ein unauffälliger Beckenring und eine konsolidierte, nicht
mehr sichtbare Schambeinastfraktur links festgestellt wurden (vgl. Bg-act.
531 S. 2). Die entsprechende kreisärztliche Beurteilung lautete wie folgt:
"Anlässlich des Polytraumas vom 18.06.2015 erlitt der Versicherte unter
anderem eine Beckenringfraktur vom lateralen Kompressionstyp links Typ
AOB2. Diese war ersichtlich an einer oberen
Schambeinkompressionsfraktur links, die am 21.12.2015 als abgeheilt
angesehen werden konnte (Röntgenbild vom gleichen Datum). Die
Beckenverletzung führte zu keiner Veränderung der Statik, insbesondere
nicht in craniocaudaler Richtung. Im kreisärztlichen Untersuchungsbericht
vom 14.01.2020 ist zu lesen, dass die Gehfähigkeit nicht beeinträchtigt ist
- 20 -
und circa alle zwei Tage eine Gehstrecke von 4 bis 5 km bewältigt wird.
[...] Die Inzidenz eines Beckenschiefstandes ist hoch, etwa zwei Drittel
aller Menschen weltweit weisen eine Beinlängendifferenz von circa 1 cm
oder mehr und damit einen Beckenschiefstand auf. Da es durch das
Trauma vom 18.06.2015 zu keiner Beckenverletzung kam, die einen
Beckenschiefstand begründen würde, ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass der Beckenschiefstand bereits vor
dem Unfall bestand und somit als nicht unfallkausal angesehen werden
kann" (vgl. Bg-act. 531 S. 2 f.).
Dieser kreisärztlichen Beurteilung folgte auch die vom Beschwerdeführer
beigezogene Dr. med. R._, Fachärztin für Chirurgie FMH, MAS
Versicherungsmedizin, Vertrauensärztin SGV, in ihrer Aktenbeurteilung
vom 22. Mai 2021, wonach die kreisärztliche Argumentation, dass eine
obere Schambeinastfraktur links kaum zu einem Beckenhochstand links
führe, korrekt sei (vgl. Bf-act. 3 S. 8). Die Beurteilung von Dr. med.
R._ stellt ein Aktengutachten dar, welches im Auftrag des
Beschwerdeführers erstellt wurde, und vermag keine Zweifel an den
versicherungsmedizinischen Einschätzungen der Kreisärzte Dres. med.
I._, L._ und P._ zu begründen. Letztere kamen in ihren
Aktenbeurteilungen (Dres. med. I._ und P._) bzw. aufgrund
einer klinischen Untersuchung (Dr. med. L._) in schlüssiger,
nachvollziehbarer Weise übereinstimmend zum Schluss, dass die geltend
gemachten Beckenbeschwerden nicht überwiegend wahrscheinlich
unfallkausal sind. Dr. med. R._ regte zwar eine orthopädische,
gegebenenfalls eine neurologische Abklärung mit neuer Bildgebung an,
ohne jedoch eine eigene fachärztliche Diagnose zu stellen bzw. einen
Befund abzugeben (vgl. Bf-act. 3). Der Beschwerdeführer selbst reichte
mit E-Mail an die Beschwerdegegnerin vom 4. Mai 2021 ein Foto zu den
Akten, welches die Einlagen vor und nach dem Unfall zeigt (vgl. Bg-act.
597 S. 1 f.). Auch daraus kann geschlossen werden, dass der
- 21 -
Beckenschiefstand – sollte denn ein solcher vorgelegen haben – bereits
vor dem Unfall vom 18. Juni 2015 vorhanden war und damit nicht
unfallkausal ist. Während der Beschwerdeführer seine Beschwerden im
Rahmen des Einspracheverfahrens noch auf einen Beckenschiefstand
zurückführte (vgl. Bg-act. 548 S. 3 und 564 S. 3 f.), verneinte er im
vorliegenden Beschwerdeverfahren einen solchen rundweg und verwies
diesbezüglich auf den Verlaufsbericht des Center U._ E._ SA,
Arztpraxis, vom 17. März 2021 (vgl. Beschwerdeschrift vom 25. Mai 2021
Rz. 12; Bf-act. 4, mutmassliche Untersuchung durch "ZEL", Prof. Dr. med.
V._, Facharzt für Unfallchirurgie und allgemeine Innere Medizin,
W._, zuletzt besucht am 13. Dezember 2022). Dieser Bericht fand im
angefochtenen Einspracheentscheid keine Erwähnung, weil er der
Beschwerdegegnerin zum Zeitpunkt des Erlasses dieses Entscheids
(noch) nicht vorlag. In sachverhaltlicher Hinsicht sind die Verhältnisse bis
zum Zeitpunkt des Erlasses des streitigen Einspracheentscheids (22. April
2021) zu berücksichtigen (vgl. Erwägung 2.4), so dass der besagte
Verlaufsbericht vom 17. März 2021 in die Entscheiderwägungen
miteinzubeziehen ist. Daraus lassen sich in objektiver Hinsicht unter
anderem ein normales Gangbild und eine sehr gute Muskulatur im Bereich
beider Beine entnehmen. Zudem konnte im Rahmen einer groben Prüfung
kein Beckenschiefstand festgestellt werden. Sodann ergab die
Beckenübersichtsaufnahme vom 17. März 2021 keine offensichtliche
Asymmetrie; es wurden lediglich diskrete degenerative Veränderungen im
Bereich beider Acetabuli, rechts lateral etwas mehr, festgestellt. Unter
dem Titel "Beurteilung" wurde schliesslich ausgeführt, dass das klinische
Bild am ehesten für eine Inguinalzerrung (Anmerkung des Gerichts:
Leistenzerrung) spreche (vgl. Bf-act. 4). Somit sind auch dem
Verlaufsbericht des Center U._ E._ SA, Arztpraxis, vom 17.
März 2021 keine behandlungsbedürftigen Beckenbeschwerden zu
entnehmen. Damit vermag dieser Arztbericht ebenfalls keine auch nur
geringen Zweifel an den kreisärztlichen Beurteilungen zu erwecken. Die
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Unfallkausalität der geltend gemachten Beckenbeschwerden – wie sie im
Falle eines Rückfalls vom Beschwerdeführer zu beweisen wäre (vgl.
Erwägung 4.4) – ist nicht überwiegend wahrscheinlich erstellt. Die
Beschwerdegegnerin ist ihrer Abklärungspflicht nach Art. 43 ATSG
rechtsgenüglich nachgekommen und es bedarf keiner weiteren
medizinischen Abklärungen.
6. Im Ergebnis erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid der
Beschwerdegegnerin vom 22. April 2021 als rechtens, womit die dagegen
vom Beschwerdeführer erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
7. Gemäss Art. 61 lit. fbis ATSG sind Verfahren vor dem kantonalen
Versicherungsgericht bei Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig,
wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Die
Sonderbestimmungen zur Rechtspflege gemäss Art. 105 ff. UVG sehen
keine generelle Kostenpflicht vor. Damit sind
unfallversicherungsrechtliche Beschwerdeverfahren über Leistungen in
der Regel kostenlos. Vorbehalten bleibt die Kostenauflage infolge – in
casu nicht vorliegenden – mutwilligen oder leichtsinnigen Verhaltens
(Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis in fine ATSG). Für das vorliegende
Beschwerdeverfahren sind daher keine Kosten zu erheben. Ein
Parteikostenersatz steht der obsiegenden Beschwerdegegnerin gemäss
Art. 61 lit. g ATSG nicht zu.