Decision ID: 82f185e2-5531-58b8-9826-83d895382f69
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die
X._
AG
meldete
sich
am
2
0.
April
2020 (Eingangsdatum) bei der Ausgleichskasse
MOBIL
zum Bezug einer Erwerbsaus
fall
entschädigung gestützt auf die Verordnung über Massnahmen bei Erwerbs
aus
fall im Zusammenhang mit dem
Coronavirus
(Covid-19-Verordnung Erwerbs
ausfall) an (
Urk.
3/4
). Mit Verfügung vom
1
4.
Juli
2020 verneinte die Ausgleichs
kasse einen Anspruch auf eine Corona-Erwerbsausfallentschädigung (
Urk.
9/1
). Die dagegen
von der
X._
AG
am
1
5.
Sep
tem
ber
2020 erhobene Einsprache (
Urk.
9/8
) wies die Aus
gleichs
kasse mit Ent
scheid vom
2
5.
Februar 2021
(
Urk.
2) ab.
2.
Dagegen erhob
die
X._
AG
mit Eingabe vom
12. April 2021
Beschwerde und beantragte die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die
Zusprache
einer Corona-Erwerbsausfallentschädigung
infolge Quarantäne für ihren Mitarbeiter
Z._
(
Urk.
1).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
3.
Juni 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
8.
Juni 2021 zur Kennt
nis gebracht wurde (
Urk.
10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
der
lich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
185
Abs.
3 der Bundesverfassung (BV) kann der Bundesrat Ver
ord
nun
gen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar drohen
den schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusse
ren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen (und zwar auf maximal sechs Monate; vgl.
Art.
7d
Abs.
2
lit
. a des Regierungs- und Ver
wal
tungsorganisationsgesetzes, RVOG).
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat - nebst anderen Verordnungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, die sich teilweise auch auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (
Epidemiengesetz
,
EpG
) stützen - am 2
0.
März 2020 die Covid-19-Ver
ordnung Erwerbsausfall. Die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall wurde rück
wirkend per 1
7.
März 2020 in Kraft gesetzt und der Geltungszeitraum bis zum
1
6.
September 2020 befristet (
Art.
11
Abs.
2). Seit Inkrafttreten hat die Verord
nung mehrfach Änderungen erfahren und
gilt nun
mehr bis zum 3
1.
Dezem
ber 2021
(Art.
11
Abs.
5). Mit dem Covid-19-Gesetz vom 2
5.
Septem
ber 2020 wurde rück
wirkend per 1
7.
September 2020 eine gesetzliche Grundlage für die Covid-19-Ver
ordnung geschaffen (
Art.
15 in Verbindung mit
Art.
21
Abs.
3 Covid-19-Gesetz).
1.2
Gemäss
Art.
2
Abs.
1
bis
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
in der von 1
7.
März bis 1
6.
September 2020
gültig gewesenen Fassung
sind Personen anspruchs
berechtigt, sofern sie die folgenden Voraus
setzun
gen erfüllen:
a.
Sie müssen aufgrund von behördlichen Massnahmen gemäss den Artikeln 35 und 40
EpG
im Zusammenhang mit der
Coronaepidemie
(Covid-19) die Erwerbstätigkeit unterbrechen:
1.
infolge Ausfalls der Fremdbetreuung ihrer Kinder; oder
2.
infolge Quarantäne.
b.
Im Zeitpunkt der Unterbrechung der Erwerbstätigkeit sind sie:
1.
Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer im Sinne von Artikel 10 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
siche
rungs
rechts (ATSG); oder
2.
Selbständigerwerbende
im Sinne von Artikel 12 ATSG.
c.
Sie sind im Sinne des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinter
lassen
en
versicherung
(AHVG) obligatorisch versichert.
1.3
Gemäss
Rz
. 1035 des Kreisschreibens über die Entschädigung bei Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
- Corona-Erwerbsersatz
(in der vom 1
7.
März bis 1
6.
April 2020 gültig gewesenen Version)
richtet sich die Entschädigung für Arbeitnehmer in Quarantäne an Perso
nen, die nicht selber am Virus erkrankt sind, aber aufgrund von Kontakt mit einer positiv getesteten Person respektive einem Verdachtsfall in Quarantäne sind
.
Die Quarantäne muss ärztlich oder behördlich angeordnet sein. Eine Selbst-Isolation genügt für den Anspruch nicht (
Rz
. 1036).
1.4
Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entschei
dung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall ange
passte und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestim
mungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Ver
waltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der recht
lichen Vorgaben darstel
len. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 133 V 587 E. 6.1; 133 V 257 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. BGE 133 II 305 E. 8.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Anspruch auf Corona-Erwerbsaus
fall
ent
schädigung mit der Begründung, dass
nur im Falle einer ärztlich oder be
hörd
lich angeordneten Quarantäne ein Anspruch auf eine Corona-Erwerbser
satz
ent
schädigung bestehe.
Eine Selbstisolation genüge nicht. Aus den vorliegenden ärztlichen Zeugnissen ergebe sich nicht, dass die Quarantäne aufgrund eines Kontakts mit einer Person mit Corona-Verdacht notwendig gewesen sei
, was eine Grundvoraussetzung für eine Entschädigung darstelle
(
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend,
Dr.
med.
A._
habe mit Zeugnis vom
7.
Juli 2020 bescheinigt, dass sich
Z._
in Quaran
täne befunden habe, weil er Kontakt mit einer positiv auf Corona getesteten Person gehabt habe.
Z._
selbst sei nicht an Corona erkrankt. Hätte das
Arztzeugnis von
Dr.
A._
nicht ausgereicht, hätte die Beschwerdegeg
nerin den rechtserheblichen Sachverhalt vor Verfügungserlass abklären müssen
(
Urk.
1)
.
3.
Ausweislich der Akten wurde
Z._
von
Dr.
A._
für die Dauer vom 22. März bis
5.
April 2020 wegen Krankheit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (vgl. Arztzeugnis zuhanden der Arbeitgeberin vom 2
4.
M
ärz 2020,
Urk.
9/4
).
Im
Arzt
zeugnis vom
7.
Juli 2020
präzisierte
Dr.
A._
, dass
Z._
wegen
Coronaverdachts
in Qua
ran
täne
gewesen sei
(
Urk.
9/5
).
Nebst
Z._
befand
sich auch ein
weitere
r
Mitarbeiter der Beschwerdeführerin
,
B._
,
in Quarantäne. Die Beschwerdeführerin erklärte dazu in der Einsprache vom 1
5.
September 2020, dass zwar keine
Covid
-Tests gemacht worden seien, es sich jedoch bei
beiden Fällen um klare Corona-V
erdachtsfälle gehandelt habe, weshalb ihre Hausärzte eine Q
uarantäne angeordnet hätten
(
Urk.
3/10). Hinsichtlich des Mitarbeiters
B._
geht aus dem Zeugnis seines Hausarztes
Dr.
med.
C._
hervor, dass
die Quaran
täne aufgrund des Vorliegens von Symptomen, die auf eine Corona-Infektion hinwiesen, angeordnet wurde
(
Urk.
3/13). Da laut
Aussagen der
Beschwerde
führerin die beiden Fälle gleichge
lagert waren, ist daraus sowie
den Arztzeug
nissen von
Dr.
A._
zu
schliessen
, dass im Falle von
Z._
eine Quaran
täne
nicht
bloss
aufgrund eines Kontakts mit einer auf C
orona positiv getesteten Person
angeordnet
wurde,
sondern
weil er Symptome einer Corona-Erkrankung aufwies.
Personen, die positiv auf eine Infektion mit dem
Coronavirus
getestet werden od
er Symptome aufweisen, müssen
in
Isolation. Muss jemand in die Isolation, besteht kein Anspruch auf den Corona-Erwerbsersatz. Diese Situation wird wie
ein Krankheitsfall betrachtet
.
Zwar ergibt sich aus dem Verordnungstext nicht explizit, dass nur Personen in Quarantäne einen Anspruch auf Entschädigung haben, die nicht selber am V
irus erkrankt sind.
Angesichts dessen, dass
bei Krank
heit jedoch die Lohnfortzahlungspflicht gilt und
die Erwerbsersatzordnung
nur Verhältnisse regelt, in denen grundsätzlich arbeitsfähige
Arbeitnehmende
auf
grund behörd
licher Anordnungen ihrer Arbeit nicht nachgehen dürfen, entspricht die Verwal
tungs
weisung der korrekten Auslegung des gesetzlichen Wortlautes (vgl. E. 1.4).
Entsprechend
handelt es sich vorliegend nicht um einen Qua
ran
täne-Fall im Sinne der eingangs erläuterten Rechtslage
(vgl. E. 1.2
f.)
.
Ein
allfälliger Anspruch der Beschwerde
führerin auf eine Corona-Erwerbsaus
fall
entschädigung für
Z._
ist
gestützt auf
Art.
2
Abs.
1
bis
lit
. a
Ziff.
2 der Covid-19-Verord
nung Erwerbsausfall
entsprechend
zu verneinen.
Soweit
die
Be
schwer
de
führer
in
in diesem Zusammenhang
eine Verletzung der Abklärungs
pflicht der Beschwer
degegnerin
geltend macht (vgl.
Urk.
1
Ziff.
15
), kann ih
r
nicht gefolgt werden, lagen der Beschwerdegegnerin die notwendigen Arztzeugnisse doch vor. Ausser
dem vermochte die Beschwerdeführerin
den Entscheid sach
gerecht anzu
fechten und
ihr
Anliegen vor einer Beschwerde
instanz, die sowohl den Sach
verhalt als auch die Rechtslage frei überprüft, vor
zu
tra
gen (vgl. BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
).
Störend ist
zwar, dass die Beschwerdegegnerin
sich
im Verwaltungsverfahren auf den Standpunkt stellte,
die Beschwerd
eführerin
habe ein ärztliches Zeugnis ein
zureichen, in dem erwähnt sei, dass die Quarantäne aufgrund eines Corona-Ver
dachts notwendig gewesen sei
(
Urk.
9/6,
Urk.
9/7
). Für die Anspruchsberech
tigung für den Bezug einer Corona-Erwerbsau
sfallentschädigung wäre jedoch
ein Nachweis erforderlich gewesen, aus dem sich ergeben hätte, dass die ärztlich angeordnete Quarantäne aufgrund eines (blossen) Kontakts mit
einer auf Corona positiv getesteten Person respektive einem Verdachtsfall erfolgt war.
Jedoch hatte sich der massgebliche
Sachverhalt zum Zeitpunkt der Schreiben der Beschwerde
gegnerin
bereits verwirklicht. Unter dem Titel des Vertrauensschutzes (vgl. dazu BGE 143 V 96 E. 3.6) vermag die Beschwerdeführerin deshalb nichts zu ihren Gunsten abzuleiten.
Nach dem Gesagten hat die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung zu Recht verneint und ist die Beschwerde abzu
weisen.