Decision ID: d6982b69-b3c2-41e3-bef0-45242f6111b3
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ ist Eigentümer des Grundstücks Nr. 0001, E._strasse 10, B._, Eigentümerin des
nordöstlich gelegenen, in zwei Stockwerkeinheiten aufgeteilten Grundstücks Nr. 0002,
E._strasse 12/12a, beide Grundbuch D._. Zwischen den Grundstücken, die beide in
der Zone W2a und im Baumschutzgebiet liegen, verläuft in nordwestlicher Richtung die
als Gemeindestrasse 2. Klasse eingeteilte F._strasse, Grundstück Nr. 0003,
Grundbuch D._.
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B._ erhob nach gescheitertem Schlichtungsverfahren am 24. April 2015 beim
Kreisgericht St. Gallen Klage mit dem Begehren, A._ sei zu verpflichten, die im
Südosten seines Grundstücks stehende Stieleiche nach Vorliegen der erforderlichen
Bewilligung zu fällen. Im Entscheid vom 19. Dezember 2017 kam das Kreisgericht zum
Schluss, die Eiche halte den Mindestgrenzabstand von sechs Metern gemäss
kantonalem Privatrecht nicht ein, eine Dienstbarkeit zur Duldung der Unterschreitung
bestehe – auch wenn die Eiche über hundertjährig sei (act. 11/1, E. 6.1 des
Entscheides) – nicht und das Begehren widerspreche – auch wenn erst 32 Jahre nach
dem Erwerb der ersten Stockwerkeinheit durch die Klägerin erhoben (act. 11/1, E. 7.1
des Entscheides) – nicht Treu und Glauben. Ergänzend hielt das Gericht fest, die
Einwirkungen der Eiche auf das klägerische Grundstück seien bei objektiver
Betrachtung übermässig. Ein Zurückschneiden der Äste beispielsweise auf die Grenze
löse die Probleme namentlich des Licht-/Sonnenentzugs respektive des Schattenwurfs
nicht nachhaltig und vollständig. Die Beseitigung der Eiche sei angezeigt und
verhältnismässig. Dementsprechend verpflichtete das Gericht A._, die Eiche nach
Einholung der dazu erforderlichen Bewilligung bei der Gemeinde D._ zu fällen. Das
Kantonsgericht bestätigte den Entscheid am 10. Dezember 2019.
B.
In der Folge reichte A._ beim Amt für Baubewilligungen am 19. Februar 2020 ein
Gesuch um Erteilung einer Bewilligung zur Fällung der Stieleiche auf seinem
Grundstück ein. Er selbst beantragte die Abweisung seines Gesuchs unter Kostenfolge
zulasten der Nachbarin, soweit sie sich am Verfahren beteilige, mit der Begründung, sie
habe das öffentlich-rechtliche Verfahren auf dem Zivilweg erstritten. Das Gesuch lag
vom 17.-30. März 2020 öffentlich auf. C._, die Ehefrau des Gesuchstellers, und die
Stiftung WWF Schweiz erhoben Einsprache gegen das Gesuch. B._ beteiligte sich
ebenfalls am Verfahren und machte geltend, A._ verhalte sich rechtsmissbräuchlich,
wenn er zwar ein Gesuch einreiche, jedoch begründe, weshalb es abzuweisen sei. Die
Baubewilligungskommission der Politischen Gemeinde D._ führte am 11. August 2020
einen Augenschein durch. Der Stadtrat stellte die Stieleiche – nachdem sie im Jahr
2018 aus dem Schutzinventar entlassen worden war – am 3. November 2020 als
markanten Einzelbaum unter Schutz. Die Baubewilligungskommission wies das
Fällgesuch am 20. November 2020 ab, im Wesentlichen mit der Begründung,
Lichtentzug und Beschattung des Nachbargrundstückes durch den unter Schutz
gestellten Baum innerhalb der Bauzone sowie in einem Baumschutzgebiet seien
hinzunehmen. Auf die Einsprache der Stiftung WWF Schweiz trat sie mangels
Einspracheberechtigung nicht ein, jene von C._ hiess sie gut. Die Kosten des
Verfahrens von insgesamt CHF 1'880 auferlegte sie A._.
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A._ erhob am 17. Dezember 2020 gegen den Kostenspruch der Verfügung Rekurs
beim Baudepartement (seit 1. Oktober 2021: Bau- und Umweltdepartement, nGS
2021-066). Das Bau- und Umweltdepartement wies den Rekurs (Verfahren Nr.
20-10049) am 30. Mai 2022 ab (Ziffer 1a des Dispositivs); die amtlichen Kosten des
Rekursverfahrens von CHF 700 auferlegte es A._ (Ziffer 2a des Dispositivs) und
verpflichtete ihn, B._, die sich im Verfahren berufsmässig hatte vertreten lassen,
ausseramtlich mit CHF 500 zu entschädigen (Ziffer 3a des Dispositivs). Im gleichen
Entscheid hiess es den Rekurs des WWF Schweiz (Verfahren Nr. 20-10053), der sich
gegen die Feststellung der fehlenden Einspracheberechtigung gewandt hatte, gut
(ebenso die Einsprache; Ziffer 1b des Dispositivs) und wies jenen von B._ (Verfahren
Nr. 20-10073), die sich gegen die Unterschutzstellung der Stieleiche und die
Abweisung des Fällgesuchs gewandt hatte, ab, soweit es auf ihn eintrat (Ziffer 1c des
Dispositivs). In den Rekursverfahren Nrn. 20-10053 und 20-10073 wies es die
Begehren von A._ um ausseramtliche Entschädigung, im Rekursverfahren
Nr. 20-10073 jenes von C._ – beide waren in den Rekursverfahren nicht berufsmässig
vertreten – ab (Ziffern 3b und c des Dispositivs).
C.
A._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den Entscheid des Bau- und
Umweltdepartements (Vorinstanz) vom 30. Mai 2022 mit Eingabe vom 13. Juni 2022
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der im Verfahren Nr. 20-10049
ergangene Rekursentscheid sei aufzuheben und die Kosten des Verfahrens vor der
Baubewilligungskommission seien B._ aufzuerlegen, eventualiter sei auf die Erhebung
zu verzichten. Innert angesetzter Frist ergänzte A._ die Beschwerde am 17. August
2022 dahingehend, die Beschwerde schliesse auch C._ ein und er sei für das
Verfahren vor der Baubewilligungskommission sowie für die Rekursverfahren
Nr. 20-10053 und Nr. 20-10073 ausseramtlich zu entschädigen. Dazu reichte er eine
Rechnung von Rechtsanwältin Dr. iur. Rebecca von Rappard über knapp CHF 18'000
für ihre Leistungen, die sie in der Zeit vom 17. Januar bis 9. Dezember 2020 im
Zusammenhang mit der "Fällbewilligung" erbracht hatte, ein. Zudem stellte er seine
Anträge unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zu diesen Ergänzungen teilte die
mittlerweile verfahrensleitende Abteilungspräsidentin dem Beschwerdeführer am
18. August 2022 mit, C._ könne nicht als Beschwerdeführerin akzeptiert werden, weil
deren Beschwerdeerklärung nach Ablauf der Beschwerdefrist abgegeben worden sei.
Die Vorinstanz verwies mit Vernehmlassung vom 30. August 2022 auf den
angefochtenen Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. B._
(Beschwerdegegnerin) beantragte mit Vernehmlassung ihres Rechtsvertreters vom
13. September 2022, es sei die Beschwerde, soweit auf sie eingetreten werden könne,
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unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer abzuweisen. Die
Politische Gemeinde D._ (Beschwerdebeteiligte) verzichtete am 13. September 2022
auf eine Vernehmlassung. Der Beschwerdeführer äusserte sich abschliessend am
29. September 2022.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers und der Beschwerdegegnerin zur Begründung ihrer Anträge wird,
soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). A._, dessen Begehren
mit dem angefochtenen Rekursentscheid von der Vorinstanz abgewiesen worden war,
ist zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP).
Er hat die Beschwerde gegen den Rekursentscheid vom 30. Mai 2022 mit Eingabe vom
13. Juni 2022 rechtzeitig eingereicht. Demgegenüber hat C._ die Beschwerde erst am
17. August 2022 und damit – unbestrittenermassen – nach Ablauf der Beschwerdefrist
erhoben. Auch wenn ein Rechtsmittel nach den Regeln der st. gallischen
Verwaltungsrechtspflege nach Ablauf der Rechtsmittelfrist einer Ergänzung hinsichtlich
Anträgen, Darstellung des Sachverhalts und Begründung zugänglich ist (vgl. Art. 48
Abs. 1 VRP), muss doch zumindest der Wille, das Rechtsmittel zu ergreifen, innerhalb
der gesetzlichen und damit nicht erstreckbaren Rechtsmittelfrist erklärt werden (vgl.
Art. 47 Abs. 1 VRP; Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen,
2. Aufl. 2003, Rz. 911). Eine solche Willenserklärung hat C._ innerhalb der
Beschwerdefrist nicht abgegeben. Die Mitteilung der Abteilungspräsidentin, dass sie
nicht als Beschwerdeführerin akzeptiert werden könne (act. 9), hat sie stillschweigend
akzeptiert, denn die abschliessende Eingabe vom 29. September 2022 (act. 17) hat der
Beschwerdeführer einzig noch in seinem Namen verfasst und keine
Beschwerdelegitimation seiner Ehefrau mehr behauptet. Folglich erübrigt sich
diesbezüglich ein förmliches Nichteintreten. Die Beschwerde von A._ vom 13. Juni
2022 erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 17. August 2022 in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (vgl. Art. 64 in Verbindung mit
Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf seine Beschwerde ist einzutreten.
bis
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2. Amtliche Kosten des Bewilligungsverfahrens
Der Streit dreht sich vorab um die Frage, ob die Baubewilligungskommission D._ dem
Beschwerdeführer zu Recht die amtlichen Kosten – in der unbestrittenen Höhe von
CHF 1'880 – für die Behandlung seines Gesuchs um Erteilung einer Bewilligung zum
Fällen der Stieleiche auf seinem Grundstück Nr. 0001, D._, auferlegt hat.
Die Baubewilligungskommission der Beschwerdebeteiligten hat dem
Beschwerdeführer im erstinstanzlichen Verfahren die Kosten gestützt auf Art. 94 Abs. 1
VRP auferlegt. Die Vorinstanz hat diese Sicht geteilt mit der Begründung, die Gebühr
habe dem Beschwerdeführer als Zustandsverursacher – er sei Eigentümer der
Stieleiche, welche unbestrittenermassen den gesetzlichen Grenzabstand verletze, und
als solcher rechtskräftig zivilrechtlich zur Fällung nach Einholung der entsprechenden
öffentlich-rechtlichen Bewilligung verpflichtet – auferlegt werden dürfen.
Der Beschwerdeführer hält dem entgegen, die Baubewilligungskommission hätte die
Kosten nicht nach dem Verursacherprinzip (Art. 94 Abs. 1 VRP), sondern nach dem
Erfolgsprinzip (Art. 95 Abs. 1 VRP) verlegen müssen. Sein Fällgesuch sei, wie er es
beantragt habe, abgewiesen worden. Unterlegen sei vielmehr die Beschwerdegegnerin,
welche die Fällung der Stieleiche ursprünglich vor den Zivilgerichten verlangt habe. Sei
allerdings das Verursacherprinzip einschlägig, weise er darauf hin, dass er das
Verfahren augenscheinlich nicht zum eigenen Vorteil angestrebt habe. Zwar sei es
durch sein "Verhalten", aber gegen seinen Willen aufgrund des Verhaltens der
Beschwerdegegnerin veranlasst worden. Die Kosten hätten ihr als einziger an der
Fällung der Eiche interessierter Verfahrenspartei und "Zweckveranlasserin" auferlegt
werden müssen.
2.1.
2.2.
Nach Art. 94 Abs. 1 Satz 1 VRP hat die vorgeschriebene Gebühr zunächst zu
entrichten, wer eine Amtshandlung zum eigenen Vorteil veranlasst. Unter
Amtshandlungen, die zum eigenen Vorteil veranlasst werden, sind vornehmlich
Gesuchsverfahren zu verstehen, bei denen Private mit dem Ersuchen um Erlass einer
Verfügung oder Vornahme einer anderen Amtshandlung an die entsprechende Behörde
gelangen (R. von Rappard-Hirt, in: Rizvi/ Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, St. Gallen 2020, N 5 zu Art. 94 VRP). Ob
das nicht gilt, wenn ein Betroffener – wie der Beschwerdeführer – ein Gesuch entgegen
2.2.1.
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seinem Willen stellen muss, kann offenbleiben. Immerhin ist aber anzumerken, dass im
konkreten Fall der Beschwerdeführer unabhängig vom Ausgang des Verfahrens einen
Vorteil erlangt: Bei Gutheissung des Gesuchs wird der von ihm verursachte
privatrechtswidrige Zustand beseitigt, bei einer Ablehnung bleibt die Stieleiche auf
seinem Grundstück seinem Willen entsprechend erhalten.
Sodann hat nach Art. 94 Abs. 1 Satz 1 VRP die vorgeschriebene Gebühr zu entrichten,
wer eine Amtshandlung durch sein Verhalten veranlasst. Kostenpflichtig ist somit der
Verhaltensverursacher. Als solcher gilt analog dem Verhaltensstörer, wer unmittelbar
beziehungsweise adäquat kausal durch sein eigenes Verhalten oder Verhalten von
Dritten, für die er verantwortlich ist, eine Amtshandlung veranlasst. Die Kostenpflicht
des Verhaltensverursachers knüpft an ein Handeln oder Unterlassen an, wobei im
letzteren Fall eine besondere Rechtspflicht zu einem Tun bestehen muss. Ein
Verschulden des Verhaltensverursachers ist nicht erforderlich. Sodann können gestützt
auf Art. 94 Abs. 1 Satz 1 VRP auch dem sogenannten Zustandsverursacher Gebühren
auferlegt werden, obwohl nur von einem "Verhalten" die Rede ist (vgl. von Rappard-
Hirt, a.a.O., N 5 zu Art. 94 VRP). Der Beschwerdeführer selbst machte im Rekurs
(act. 11/1, B2) geltend, dem Verursacherprinzip in Art. 94 Abs. 1 VRP sei kein
Unmittelbarkeitserfordernis inhärent, vielmehr sei es ohne Weiteres zulässig, auf in der
Kausalkette weiter hinten anzutreffende (mittelbare) Verhaltensverursacher
zurückzugreifen, wenn es sich bei diesen um die effektiven Verursacher der
Amtshandlung handle.
Der Beschwerdeführer ist Eigentümer des Grundstücks Nr. 0001, D._. Das Eigentum
an Grund und Boden umfasst gemäss Art. 667 Abs. 2 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB) auch alle Pflanzen. Wer Eigentümer einer Sache ist,
kann gemäss Art. 641 ZGB in den Schranken der Rechtsordnung über sie nach seinem
Belieben verfügen (Abs. 1) und hat insbesondere das Recht, jede ungerechtfertigte
Einwirkung abzuwehren (Abs. 2). Die Kantone sind befugt, für Anpflanzungen je nach
der Art des Grundstückes und der Pflanzen bestimmte Abstände vom nachbarlichen
Grundstück vorzuschreiben (vgl. Art. 688 ZGB). Nach Art. 684 ZGB ist jedermann
verpflichtet, sich bei der Ausübung seines Eigentums aller übermässiger Einwirkung auf
das Eigentum des Nachbarn zu enthalten (Abs. 1), wobei insbesondere alle schädlichen
und nach Lage und Beschaffenheit der Grundstücke oder nach Ortsgebrauch nicht
gerechtfertigten Einwirkungen, unter anderem durch Entzug von Besonnung oder
Tageslicht, verboten sind (Abs. 2).
2.2.2.
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Mit der rechtskräftigen kantonsgerichtlichen Abweisung der vom Beschwerdeführer
gegen den Entscheid des Kreisgerichtes St. Gallen vom 19. Dezember 2017 erhobenen
Berufung am 10. Dezember 2019 steht fest, dass die Stieleiche auf dem Grundstück
Nr. 0001, Grundbuch D._, den geltenden privaten nachbarrechtlichen Regeln
hinsichtlich der Einhaltung des minimalen Grenzabstandes und des Verbots der
übermässigen Einwirkung auf das Nachbargrundstück Nr. 0002, Grundbuch D._, nicht
entspricht. Verursacher des Verfahrens war mithin nicht die Beschwerdegegnerin,
welche das Verfahren vor den Zivilgerichten mit Blick auf die privaten Regeln des
Nachbarrechts zu Recht geführt hat, sondern der Beschwerdeführer als Eigentümer der
mit dem privaten Nachbarrecht nicht vereinbaren Stieleiche. Der Beschwerdeführer
wurde deshalb zivilrechtlich zu Recht verpflichtet, das für die Beseitigung des Baumes
erforderliche öffentlich-rechtliche Bewilligungsverfahren in die Wege zu leiten. Insoweit
traf ihn eine besondere Rechtspflicht zur Einleitung des Verfahrens.
Nach dem polizeirechtlichen Störerprinzip gilt – neben dem Verhaltens- und dem
Zustandsstörer – der Zweckveranlasser als Störer, der durch sein Tun oder Unterlassen
bewirkt oder bewusst in Kauf nimmt, dass ein anderer die Polizeigüter stört oder
gefährdet. Er darf nur dann in Anspruch genommen werden, wenn der polizeiliche
Eingriff geeignet und erforderlich ist, um die Störung zu beheben, und ihm der Eingriff
zugemutet werden kann (vgl. BGE 143 I 147 E. 5.1). Der Begriff des Zweckveranlassers
ist ein spezifisch polizeirechtlicher und dient dazu, zur Wahrung der öffentlichen
Sicherheit und Ordnung ausnahmsweise Personen ins Recht zu fassen, welche nicht
unmittelbar Polizeigüter stören oder gefährden, sondern bewirken oder in Kauf
nehmen, dass dies Dritte tun könnten. In der vorliegenden Situation hat der
Beschwerdeführer – wie dargelegt – als Veranlasser des öffentlich-rechtlichen
Verfahrens die amtlichen Kosten zu tragen. Die Beschwerdegegnerin als
"Zweckveranlasserin" ins Recht zu fassen und mit den amtlichen Kosten des
Verfahrens zu belegen, ist deshalb nicht erforderlich.
Dass sich die Beschwerdegegnerin im öffentlich-rechtlichen Verfahren zugunsten der
Erteilung der Fällbewilligung eingesetzt hat und ihren Standpunkt nicht durchzusetzen
vermochte, führt nicht dazu, dass ihr die Kosten nach dem Erfolgsprinzip gestützt auf
Art. 95 Abs. 1 VRP auferlegt werden könnten. Wie dargelegt tragen im
Gesuchsverfahren vor der verfügenden Behörde grundsätzlich die Gesuchsteller die
Kosten. Das Einspracheverfahren, welches der institutionalisierten Ausübung des
2.2.3.
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3. Verzicht auf die Erhebung der amtlichen Kosten im Bewilligungsverfahren
Erstmals im Beschwerdeverfahren bringt der Beschwerdeführer vor, die
Baubewilligungsbehörde der Beschwerdegegnerin hätte gestützt auf Art. 97 VRP auf
die Erhebung der Kosten verzichten müssen. Grundsätzlich ist es Sache des
Betroffenen, Beweismittel beizubringen, welche die geforderten besonderen Umstände
belegen, welche den Verzicht auf den Bezug der gesprochenen Kosten rechtfertigen.
Die Behörde kann zwar einen Kostenerlass auch von Amtes wegen gewähren. Eine
Pflicht der Behörde zur Kostenbefreiung gilt gemäss Art. 97 VRP indessen nicht (vgl.
von Rappard-Hirt, a.a.O., N 3 zu Art. 97 VRP). Im Bewilligungsverfahren hat der
Beschwerdeführer beantragt, die Kosten seien der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Einen Antrag, es sei auf die Erhebung zu verzichten, soweit ihm die Kosten auferlegt
werden, stellte er weder zusammen mit dem Gesuch noch später im Lauf des
Bewilligungsverfahrens (act. 11/1, insbesondere Ziffer 3.13). Die Bewilligungsbehörde
hatte insbesondere mit Blick darauf, dass die Voraussetzungen für die Verlegung der
Kosten zulasten des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 94 Abs. 1 VRP offensichtlich
erfüllt waren, insbesondere keinen Anlass von Amtes zu prüfen, ob auf deren Erhebung
wegen Unbilligkeit zu verzichten ist. Dem Beschwerdeführer bleibt es unbenommen,
bei der Baubewilligungsbehörde der Beschwerdebeteiligten ein Gesuch um Erlass der
amtlichen Kosten zu stellen.
Anspruchs auf rechtliches Gehör dient, ist frei von Kostenrisiken zu garantieren (vgl.
BGE 143 II 467 E. 2.5, VerwGE B 2018/219 vom 28. Februar 2019 E. 3, BDE 2019
Nr. 65).
Im vorliegenden Bewilligungsverfahren ist die Beschwerdegegnerin nicht als
Einsprecherin aufgetreten, sondern hat das vom Beschwerdeführer eingereichte
Fällgesuch im Rahmen der Wahrung ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör, auf den sie
sich als betroffene Nachbarin berufen konnte, in der Sache unterstützt. Sie hat sich –
weil der Beschwerdeführer selbst die Abweisung seines Gesuchs beantragt und die
entsprechenden Gründe dafür vorgetragen hat – veranlasst gesehen, die Argumente für
die Gutheissung des Gesuchs vorzubringen. Den Standpunkt, den sie im Verhältnis
zum Gesuch einnahm, war dementsprechend nicht streitig im Sinn von Art. 95 Abs. 1
VRP.
Dass die Baubewilligungskommission D._ die Kosten des öffentlich-rechtlichen
Verfahrens dem Beschwerdeführer auferlegte und die Vorinstanz dessen dagegen
erhobenen Rekurs abwies, erweist sich deshalb nicht als rechtswidrig.
2.3.
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4. Ausseramtliche Kosten im Bewilligungsverfahren
Der Beschwerdeführer beantragt im Beschwerdeverfahren, er sei für das Verfahren vor
der Baubewilligungsbehörde der Beschwerdebeteiligten ausseramtlich zu
entschädigen. Dem Einwand der Beschwerdegegnerin, auf den Antrag könne nicht
eingetreten werden, weil er ihn erstmals im Beschwerdeverfahren stelle, hält der
Beschwerdeführer entgegen, er habe die Abweisung des Rekurses der
Beschwerdegegnerin gegen den Unterschutzstellungsbeschluss des Stadtrates der
Beschwerdebeteiligten vom 3. November 2020 unter Kosten- und Entschädigungsfolge
beantragt. Dieser Entschädigungsantrag bezieht sich auf das Rekursverfahren. Aus den
Akten und den Vorbringen des Beschwerdeführers ist nicht ersichtlich, dass er im
Verfahren vor der Baubewilligungsbehörde, das von jenem der Unterschutzstellung
durch den Stadtrat zu unterscheiden ist, einen Entschädigungsantrag gestellt hätte
(act. 11/1, insbesondere Ziffern 3, 7.2 und 8.2 des Beschlusses vom 20. November
2020). Der Beschwerdeführer hat den Antrag auf Entschädigung ausseramtlicher
Kosten im Bewilligungsverfahren erst nach dessen Abschluss und damit verspätet
gestellt (vgl. VerwGE B 2013/97 vom 23. Januar 2015 E. 3). Im Beschwerdeverfahren
kann deshalb auf dieses Begehren nicht mehr eingetreten werden.
Hinzu kommt, dass im erstinstanzlichen Verfahren und in Einspracheverfahren gemäss
Art. 98 Abs. 3 Ingress und lit. b VRP in der Regel keine ausseramtlichen Kosten
zugesprochen werden. Als Einspracheverfahren im Sinn dieser Bestimmung gelten
auch Verfahren, in welchen in schutzwürdigen Interessen Betroffene sich – wie im
Baubewilligungsverfahren oder im vorliegenden Verfahren betreffend ein Gesuch um
Erteilung einer Fällbewilligung – sich am Gesuchsverfahren beteiligen und Anträge
stellen dürfen (vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen SZ/St. Gallen, S. 155 f.).
5. Ausseramtliche Kosten in den Rekursverfahren
Der Beschwerdeführer hat seinen Antrag im Rekurs gegen den Kostenentscheid der
Baubewilligungsbehörde (Verfahren Nr. 20-10049) unter Kosten- und
Entschädigungsfolge gestellt (act. 2, angefochtener Entscheid Sachverhalt Ca). In
diesem Rekursverfahren ist er mit seinen Anträgen unterlegen. Die Vorinstanz hat ihm
deshalb zu Recht die amtlichen Kosten des Rekursverfahrens auferlegt (Art. 95 Abs. 1
VRP). Entsprechend kann er in diesem Verfahren auch nicht mit Erfolg einen Anspruch
auf ausseramtliche Entschädigung stellen (vgl. Art. 98 VRP).
In den Rekursverfahren Nr. 20/10053 (Stiftung WWF Schweiz betreffend seine
Einspracheberechtigung) und Nr. 20/10073 (Beschwerdegegnerin betreffend
Unterschutzstellung und Abweisung des Fällgesuchs) ist der Beschwerdeführer mit
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seinen Begehren durchgedrungen. Seine Begehren um Entschädigung ausseramtlicher
Kosten indessen hat die Vorinstanz mangels anwaltlicher Vertretung und
nachgewiesenen erheblichen Aufwands abgewiesen (act. 2, Ziffern 3b und 3c des
Dispositivs). Als nicht berufsmässig vertretene Partei hat der obsiegende
Beschwerdeführer lediglich Anspruch auf den Ersatz notwendiger Auslagen und in
begründeten Fällen auf eine angemessene Umtriebsentschädigung (Art. 98 VRP in
Verbindung mit Art. 95 Abs. 3 Ingress und lit. a, b und c der Schweizerischen
Zivilprozessordnung; SR 272, ZPO). Auslagen im Sinn von Art. 95 Abs. 3 Ingress und
lit. a ZPO sind dann zu ersetzen, wenn sie prozessual notwendig waren, wie dies
beispielsweise bei Reisespesen, Versandkosten und Kopierkosten der Fall ist. Bei
Auslagen für die Beschaffung von entscheidendem Beweismaterial oder im
Zusammenhang mit spezialisierten Beratungen beispielsweise durch Patentanwälte ist
deren Notwendigkeit, Zweckdienlichkeit und Angemessenheit besonders zu überprüfen
(vgl. Rüegg/Rüegg, in: Basler Kommentar ZPO, 3. Aufl. 2017, N 17 zu Art. 95 ZPO). Mit
der Umtriebsentschädigung soll ein Ausgleich für den Verdienst- oder Zeitausfall der
prozessierenden Person erreicht werden (vgl. Rüegg/Rüegg, a.a.O., N 21 zu Art. 95
ZPO). Der Beschwerdeführer hat im vorinstanzlichen Verfahren keine besonderen
Auslagen oder Verdienstausfälle nachgewiesen. Die im Beschwerdeverfahren
eingereichte Kostennote seiner Rechtsanwältin vom 9. Dezember 2020 betrifft die Zeit
vom 17. Januar bis 9. Dezember 2020 (act. 7.2). Die Rekursverfahren wurden am 17.
Dezember 2020 (vom Beschwerdeführer Verfahren Nr. 20-10049) beziehungsweise am
18. Dezember 2020 (von der Stiftung WWF Schweiz Verfahren Nr. 20-10053 und von
der Beschwerdegegnerin Verfahren Nr. 20-10073) angehoben. Damit deckt sich der
Zeitraum, in welchem die Leistungen erbracht wurden, nicht mit jenem des
Rekursverfahrens. Im Übrigen richtete sich der Rekurs lediglich gegen den
Kostenspruch, war also bezogen auf den Streitgegenstand sachverhaltlich sehr
überschaubar und rechtlich nicht komplex; entsprechend beschränkte der
Beschwerdeführer die Rekursschrift denn auch auf knapp drei Seiten.
6. Zusammenfassung
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Baubewilligungsbehörde die für die
Behandlung des Fällgesuchs des Beschwerdeführers angefallenen, detailliert
aufgegliederten und in der Höhe unbestrittenen Kosten von CHF 1'880 zu Recht
gestützt auf Art. 94 Abs. 1 VRP dem Beschwerdeführer auferlegt und nicht – jedenfalls
nicht ausdrücklich – geprüft hat, ob auf die Erhebung gestützt auf Art. 97 VRP zu
verzichten sei. Die Vorinstanz hat den Rekurs des Beschwerdeführers deshalb zu Recht
abgewiesen. Das Begehren um Ersatz ausseramtlicher Kosten im
Bewilligungsverfahren vor der Baubewilligungsbehörde hat der Beschwerdeführer
erstmals im Beschwerdeverfahren, mithin nach Abschluss des Bewilligungsverfahrens
ter
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und damit verspätet, gestellt. Darauf kann im Beschwerdeverfahren nicht eingetreten
werden. Die Begehren des Beschwerdeführers, es seien ihm in den Rekursverfahren
entstandene ausseramtliche Kosten zu entschädigen, erweisen sich als unbegründet.
Die Beschwerde ist deshalb, soweit auf sie einzutreten ist, abzuweisen.
7. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens von CHF 2'000 dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95
Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 2'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Sie ist mit dem vom Beschwerdeführer in der
gleichen Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt.
Im Verfahren vor Verwaltungsgericht besteht ein Anspruch auf Ersatz der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 Abs. 1 VRP). Die ausseramtliche Entschädigung wird
den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt (Art. 98 VRP).
Der – im Übrigen nicht berufsmässig vertretene – Beschwerdeführer unterliegt. Die
obsiegende und berufsmässig vertretene Beschwerdegegnerin hat ihre Anträge unter
Kosten- und Entschädigungsfolge gestellt. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote
eingereicht. Ein Pauschalhonorar von CHF 2'000 ist angemessen (Art. 19 und Art. 22
Abs. 1 Ingress und lit. b der Honorarordnung, sGS 963.75, HonO). Hinzu kommen
Barauslagen von CHF 80 (vier Prozent von CHF 2'000; Art. 28 HonO) und die
Mehrwertsteuer (Art. 29 HonO). Entschädigungspflichtig ist der unterliegende
Beschwerdeführer.