Decision ID: 122fad85-2945-51ad-820c-f6f11135d1d9
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein irakischer Staatsangehöriger – suchte am
14. Dezember 2020 in der Schweiz um Asyl nach. Ein Abgleich mit der
europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit-Eurodac) ergab,
dass er am 27. Oktober 2020 bereits in Rumänien ein Asylgesuch gestellt
hatte.
B.
Am 22. Dezember 2020 wurde der Beschwerdeführer durch das SEM be-
fragt und ihm wurde das rechtliche Gehör zur allfälligen Zuständigkeit Ru-
mäniens zur Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens und zu
einer Überstellung dorthin gewährt.
Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, er habe im Sep-
tember (...) den Irak verlassen und sei durch Griechenaland und Rumänien
gereist. In Rumänien sei er wegen illegaler Einreise festgenommen und
von den rumänischen Behörden unter Druck gesetzt worden, seine Finger-
abdrücke abzugeben. Er habe fünf beziehungsweise sechs Tage in einer
rumänischen Asylunterkunft verbringen müssen und sei schlecht behandelt
worden. Danach sei er mit Hilfe eines Schleppers mit einem Lastwagen
über ihm unbekannte Länder in die Schweiz gereist. Er leide wegen der
schlimmen Erfahrungen auf der Reise an Depressionen.
C.
Am 23. Dezember 2020 ersuchte das SEM die rumänischen Behörden um
Rückübernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b der
Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-
stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).
Die rumänischen Behörden hiessen das Ersuchen am 6. Januar 2021 gut.
D.
Mit Verfügung vom 12. Januar 2021 (Eröffnung am 13. Januar 2021) trat
das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf
das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete die Wegwei-
sung aus der Schweiz nach Rumänien an und forderte den Beschwerde-
führer auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerde-
frist zu verlassen. Gleichzeitig stellte es fest, einer allfälligen Beschwerde
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gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und ver-
fügte die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenver-
zeichnis an den Beschwerdeführer.
Zur Begründung führte das SEM im Wesentlichen aus, der Abgleich mit der
europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit-Eurodac) weise
nach, dass der Beschwerdeführer am 27. Oktober 2020 in Rumänien als
asylsuchende Person registriert worden sei. Die Zuständigkeit zur Durch-
führung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens liege daher bei Rumänien.
Die rumänischen Behörden hätten der Wiederaufnahme des Beschwerde-
führers denn auch ausdrücklich zugestimmt.
Rumänien sei Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die
Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und der EMRK und es
lägen keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich nicht an seine
völkerrechtlichen Verpflichtungen halten und das Asylverfahren des Be-
schwerdeführers nicht korrekt durchführen würde. Es seien keine Hinweise
auf systemische Schwachstellen vorhanden. Rumänien sei ein Rechts-
staat mit funktionierendem Justizsystem, und der Beschwerdeführer könne
sich mit einer Beschwerde an die zuständigen Stellen vor Ort wenden,
sollte er sich ungerecht oder rechtswidrig behandelt fühlen. Es sei somit
nicht davon auszugehen, dass er in Rumänien gravierenden Menschen-
rechtsverletzungen ausgesetzt würde, in eine existenzielle Notlage geraten
oder ohne Prüfung seines Asylgesuchs und unter Verletzung des Non-Re-
foulement-Gebots in seinen Heimatstaat überstellt würde. Gründe, welche
die Schweiz gemäss Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO zur Prüfung des Asylge-
suchs verpflichten würden, lägen nicht vor. Der Umstand, dass der Be-
schwerdeführer über eine Halbschwester in der Schweiz verfüge, ändere
nichts an der Zuständigkeit von Rumänien, da keine Hinweise auf ein be-
sonderes Abhängigkeitsverhältnis im Sinne von Art. 16 Dublin-III-VO zwi-
schen dem Beschwerdeführer und der in der Schweiz lebenden Halb-
schwester bestehe. Was die psychischen Schwierigkeiten des Beschwer-
deführers betreffe, sei davon auszugehen, dass Rumänien in der Lage sein
werde, eine allenfalls notwendige medizinische Versorgung zu gewährleis-
ten. Es sei im Dublin-System davon auszugehen, dass der zuständige
Dublin-Staat angemessene medizinische Dienstleistungen erbringen
könne und den Zugang dazu gewähre. Es lägen keine Hinweise vor, wo-
nach Rumänien dem Beschwerdeführer eine medizinische Behandlung
verweigert hätte oder künftig verweigern würde. Auch bezüglich des Ein-
wands des Beschwerdeführers, er sei in Rumänien schlecht behandelt
worden, sei auf die Aufnahmerichtlinie zu verweisen, welche zahlreiche
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Mindestnormen für die Aufnahme und Betreuung von Asylsuchenden bein-
halte. Der Beschwerdeführer könne sich an die zuständigen rumänischen
Behörden wenden, um die nötige Unterstützung zu erhalten.
E.
Mit Eingabe vom 19. Januar 2021 seines Rechtsvertreters erhob der Be-
schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean-
tragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 12. Januar 2021
sowie die Prüfung seines Asylgesuchs in der Schweiz. Es sei festzustellen,
dass der Wegweisungsvollzug unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei
und es sei ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrechtli-
cher Hinsicht wurde um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Be-
schwerde und um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie um
Rechtsverbeiständung ersucht.
In der Beschwerde wurde unter Hinweis auf Entscheidungen des Europäi-
schen Gerichtshofs für Menschenrechte sowie auf Länderberichte von
«humanrights.ch» im Wesentlichen geltend gemacht, bei einer Rücküber-
stellung des Beschwerdeführers nach Rumänien drohten ihm körperliche
und psychische Misshandlungen und Behördenwillkür. Im Weiteren müsse
davon ausgegangen werden, dass dem Beschwerdeführer bei einer allfäl-
ligen Ausschaffung nach Rumänien eine Inhaftierung und eine Kettenab-
schiebung in den Irak drohe.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
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2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
2.3 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wie der vorliegenden
wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters entschieden (vgl. Art. 111 Bst. e AsylG). Der Beschwerdeent-
scheid ist nur summarisch zu begründen (Art. 111a Abs. 2 AsylG) und auf
einen Schriftenwechsel wurde in Anwendung von Art. 111a Abs. 1 AsylG
verzichtet.
3.
3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind
die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort
aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien;
vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation
im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-
gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-
men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demge-
genüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel
III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).
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Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän-
digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An-
nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An-
tragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen,
die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung
im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union
(2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist
zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zu-
ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zustän-
dig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat
zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
3.3 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an-
deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet
eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe
der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b
Dublin-III-VO).
Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-
schliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staaten-
losen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er
nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung
zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht).
Sowohl der Mitgliedstaat, in dem ein Antrag auf internationalen Schutz ge-
stellt worden ist und der das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen
Mitgliedstaates durchführt, als auch der zuständige Mitgliedstaat kann vor
der Erstentscheidung in der Sache jederzeit einen anderen Mitgliedstaat
ersuchen, den Antragsteller aus humanitären Gründen oder zum Zweck
der Zusammenführung verwandter Personen aufzunehmen, wobei die be-
troffenen Personen diesem Vorgehen schriftlich zustimmen müssen
(Art. 17 Abs. 2 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. humanitäre Klausel).
4.
4.1 Vorliegend ist den Akten zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
am 27. Oktober 2020 in Rumänien als Asylsuchender registriert wurde. Das
SEM ersuchte deshalb die rumänischen Behörden am 23. Dezember 2020
um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1
Bst. b Dublin-III-VO. Die rumänischen Behörden stimmten dem Gesuch um
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Übernahme gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-III-VO am 6. Januar
2021 zu.
Der Einwand des Beschwerdeführers, er habe in Rumänien keine Asylge-
suche stellen wollen ist bezüglich der Zuständigkeitsfrage unbehelflich, da
bereits die vom Beschwerdeführer nicht bestrittene Einreise in das Hoheits-
gebiet der Dublin-Staaten die Zuständigkeit Rumäniens für die Durchfüh-
rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens begründet (Art. 18 Abs. 1
Bst. a Dublin-III-VO). Mit dem Hinweis auf die in der Schweiz angeblich
wohnhafte, nicht zur Kernfamilie gehörende Verwandte ([...] des volljähri-
gen Beschwerdeführers) vermag der Beschwerdeführer keine Ansprüche
aus Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO darzulegen.
4.2 Die grundsätzliche Zuständigkeit Rumäniens für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens des Beschwerdeführers ist somit gege-
ben. Der Wunsch des Beschwerdeführers um Verbleib in der Schweiz ver-
mag daran nichts zu ändern, zumal die Dublin-III-VO den Schutzsuchen-
den kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszu-
wählen (vgl. auch BVGE 2010/40 E. 8.3).
5.
5.1 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist sodann zu prüfen, ob es
wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-
nahmebedingungen für Asylsuchende in Rumänien würden systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-
rechtecharta mit sich bringen würden.
5.2 Rumänien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der FK
sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301)
und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen
nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus der Richtlinie des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie der Aufnahme-
richtlinie ergeben (vgl. Urteil des BVGer F-2060/2019 vom 10. Mai 2019
m.w.H.; bestätigt in den Urteilen des BVGer D-6557/2020 vom 7. Januar
2021 E. 9.3; F-6222/2020 vom 16. Dezember 2020 E. 7.3; F-5474/2020
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vom 13. November 2020 E. 4.1; F-4980/2020 vom 14. Oktober 2020
E. 5.2).
5.3 Es liegen somit keine wesentlichen Gründe für die Annahme vor, das
Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in Rumä-
nien würden systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer
unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4
der EU-Grundrechtecharte mit sich bringen. Unter diesen Umständen ist
die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer fordert im Weiteren sinngemäss die Anwendung
der Ermessensklauseln von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO und von Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311),
gemäss welcher das SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen auch
dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat
zuständig wäre.
6.2 Unter dem Blickwinkel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob
im konkreten Fall bei einer Überstellung eine Verletzung der EMRK oder
anderer internationaler Verträge drohenden würde, welche die Schweiz zur
Anwendung der Souveränitätsklausel und zur Prüfung des Asylgesuchs
des Beschwerdeführers verpflichten würde (vgl. BVGE 2010/40 E. 5 und
7.2). Zwar gilt im Rahmen des Dublin-Systems die Vermutung, dass alle
Mitgliedstaaten des Dublin-Raums ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen
nachkommen. Diese Vermutung kann jedoch durch ernsthafte Hinweise
darauf, dass die Behörden des zuständigen Staats im konkreten Fall das
internationale Recht nicht respektieren, umgestossen werden (vgl. BVGE
2010/40 E. 7.4 f.).
6.3 Vorliegend vermag der Beschwerdeführer kein konkretes und ernsthaf-
tes Risiko darzutun, die rumänischen Behörden, die seiner Wiederauf-
nahme am 6. Januar 2021 ausdrücklich zugestimmt haben, würden sich
weigern, ihn wieder aufzunehmen und seinen Antrag auf internationalen
Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den
Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Ru-
mänien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement miss-
achten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein
Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG ge-
fährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches
Land gezwungen zu werden. Ausserdem vermag der Beschwerdeführer
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mit seiner pauschalen Behauptung, Rumänien kümmere sich nicht gebüh-
rend um Asylsuchende, nicht darzulegen, Rumänien würde ihm dauerhaft
die Rechte, die ihm aus den Verfahrens- und Aufnahmerichtlinien zu-
stehen, vorenthalten. Aufgrund der Aktenlage besteht mithin kein Grund
zur Annahme, der Beschwerdeführer würde in Rumänien wegen fehlenden
Zugangs zum Asylverfahren oder ungenügenden Aufenthaltsbedingungen
in eine existenzielle Not geraten.
6.4 Was die geltend gemachten psychischen Schwierigkeiten des Be-
schwerdeführers betrifft, ist mit dem SEM davon auszugehen, dass Rumä-
nien in der Lage sein wird, eine allenfalls notwendige medizinische Versor-
gung zu gewährleisten. Es liegen keine Hinweise vor, wonach Rumänien
dem Beschwerdeführer eine medizinische Behandlung verweigert hätte
oder künftig verweigern würde, zumal der Beschwerdeführer auch keine
entsprechenden medizinischen Unterlagen einreichte. Auch bezüglich der
nicht näher konkretisierten Vorbringen, er sei in Rumänien schlecht behan-
delt worden, ist auf die Aufnahmerichtlinie zu verweisen, welche zahlreiche
Mindestnormen für die Aufnahme und Betreuung von Asylsuchenden bein-
haltet. Der Beschwerdeführer ist an die zuständigen rumänischen Behör-
den zu verweisen, um die nötige Unterstützung einzufordern.
6.5 Die Einwände des Beschwerdeführers vermögen auch unter dem Blick-
winkel humanitärer Gründe keine Zuständigkeit der Schweiz zu begrün-
den.
Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei der
Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen
Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Seit der Kognitionsbe-
schränkung durch die Asylgesetzrevision vom 1. Februar 2014 (Streichung
der Angemessenheitskontrolle des Bundesverwaltungsgerichts gemäss
aArt. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG) überprüft das Gericht den vorinstanzlichen
Verzicht der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht mehr auf Ange-
messenheit hin; das Gericht beschränkt seine Beurteilung nunmehr im We-
sentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbezüglich korrekt und
vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen Rechnung getragen
und seinen Ermessensspielraum genutzt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a
und b AsylG).
Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu bean-
standen; insbesondere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermes-
sensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens
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zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang
weiterer Äusserungen.
6.6 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er-
messenklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Der Vollständigkeit halber ist
nochmals festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein
Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen
(vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3).
7.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da
der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Nie-
derlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Rumänien in An-
wendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a
AsylV 1).
Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG
(SR 142.20) unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE
2015/18 E. 5.2 m.w.H.).
8.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen.
9.
Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, wes-
halb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als ge-
genstandslos erweist.
10.
Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden
Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als von vornherein aus-
sichtslos zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Vo-
raussetzungen nicht gegeben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist.
Aus demselben Grund kann auch dem Gesuch um unentgeltliche Rechts-
verbeiständung nicht stattgegeben werden. Bei diesem Ausgang des Ver-
fahrens sind die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1–3 des Reglements vom
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21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) somit dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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