Decision ID: eb6b2bdf-925e-46d4-9f81-c0164015e73a
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_006
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten:
A.
Mit Verfügung vom 24. Januar 2020 lehnte das Amt für Migration und
Integration Kanton Aargau (MIKA) das Familiennachzugsgesuch des Be-
schwerdeführers 1 für den Beschwerdeführer 2 ab und verweigerte diesem
die Einreise in die Schweiz. Die dagegen erhobene Einsprache wurde mit
Einspracheentscheid des Rechtsdienstes des MIKA (Vorinstanz) vom
19. Juni 2020 abgewiesen, worauf der Beschwerdeführer 1 beim Verwal-
tungsgericht Beschwerde erhob. Nachdem der Beschwerdeführer 1 die
Verwaltungsgerichtsbeschwerde am 5. August 2020 wieder zurück-
gezogen hatte, verfügte der Instruktionsrichter tags darauf unter der Ge-
schäfts-Nr. WBE.2020.266 die Abschreibung des Verfahrens zufolge Ge-
genstandslosigkeit (Akten des Amtes für Migration und Integration [MI-act.]
160 ff., 170 ff., 219 ff. und 230 ff.). Dieser Entscheid erwuchs am 15. Sep-
tember 2020 in Rechtskraft (MI-act. 348).
Bereits am 9. September 2020 ersuchten die Beschwerdeführer das MIKA
wiedererwägungsweise um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im
Rahmen des Familiennachzugs (MI-act. 283 ff.), wobei der Beschwerde-
führer 1 den Beschwerdeführer 2 noch während des hängigen Verfahrens
am 7. November 2020 zu sich in die Schweiz holte (MI-act. 396). Das MIKA
trat auf dieses Gesuch mit Schreiben vom 10. November 2020 nicht ein, da
sich die Sachlage seit Eintritt der Rechtskraft der Verfügung vom 24. Ja-
nuar 2020 nicht entscheidrelevant geändert habe (MI-act. 392 ff.).
B.
Gegen dieses Schreiben erhoben die Beschwerdeführer bei der Vorinstanz
Einsprache (MI-act. 419 ff.), welche die Einsprache mit Entscheid vom
1. März 2021 abwies (act. 1 ff.).
C.
Mit Eingabe vom 30. März 2021 erhoben die Beschwerdeführer gegen den
Einspracheentscheid vom 1. März 2021 beim Verwaltungsgericht Be-
schwerde und stellten folgende Anträge (act. 7 ff.):
1. Der Entscheid der Vorinstanz vom 01.03.2021 sei aufzuheben.
2. Es sei festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin auf das Gesuch vom 09.09.2020 zu Unrecht nicht eingetreten ist. Die Beschwerdegegnerin ist anzuweisen, das Wiedererwägungsgesuch vom 09.09.2020 an die Hand zu nehmen und materiell zu prüfen.
- 3 -
3. Dem Beschwerdeführer 2 sei der prozedurale Aufenthalt i. S. v. Art. 17 Abs. 2 AlG und damit der Verbleib beim Vater zu gewähren.
Nach Eingang des Kostenvorschusses reichte die Vorinstanz aufforde-
rungsgemäss die Akten ein und beantragte die Abweisung der Beschwerde
(act. 29, 32A).
Mit Eingabe vom 31. August 2021 reichten die Beschwerdeführer ergän-
zend mehrere Arztberichte betreffend den Vater des Beschwerdeführers 1
sowie eine Schulbestätigung der D. Schule X. betreffend den Be-
schwerdeführer 2 zu den Akten (act. 33 ff.). Die Vorinstanz verzichtete auf
eine diesbezügliche Stellungnahme (act. 52).
Schliesslich reichten die Beschwerdeführer mit Eingabe vom 4. März 2022
weitere Unterlagen ein und baten um einen baldigen Entscheid (act. 55 ff.).
Hierzu liess sich die Vorinstanz am 15. März 2022 vernehmen, wobei sie
die erwähnte Eingabe samt Beilagen als nicht einschlägig erklärte. Diese
Stellungnahme wurde den Beschwerdeführern zur Kenntnis gebracht
(act. 66 f.). Weitere Eingaben erfolgten nicht.
Das Verwaltungsgericht hat den Fall auf dem Zirkularweg entschieden (vgl.
§ 7 des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 6. Dezember 2011 [GOG;
SAR 155.200]).

Considerations:
Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Einspracheentscheide des MIKA können innert 30 Tagen seit Zustellung
mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht weitergezogen werden (§ 9
Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Ausländerrecht vom 25. November
2008 [EGAR; SAR 122.600]). Beschwerden sind schriftlich einzureichen
und müssen einen Antrag sowie eine Begründung enthalten; der angefoch-
tene Entscheid ist anzugeben, allfällige Beweismittel sind zu bezeichnen
und soweit möglich beizufügen (§ 2 Abs. 1 EGAR i.V.m. § 43 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Dezember 2007 [Verwaltungs-
rechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200]).
Nachdem sich die vorliegende Beschwerde gegen den Einspracheent-
scheid der Vorinstanz vom 1. März 2021 richtet, ist die Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts gegeben und auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist einzutreten.
- 4 -
Mit dem vorliegenden Entscheid erübrigt sich ein Entscheid über den pro-
zeduralen Aufenthalt des Beschwerdeführers 2 während der Dauer des
verwaltungsgerichtlichen Verfahrens.
2.
Unter Vorbehalt abweichender bundesrechtlicher Vorschriften oder Best-
immungen des EGAR können mit der Beschwerde an das Verwaltungsge-
richt einzig Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung oder Miss-
brauch des Ermessens, und unrichtige oder unvollständige Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhaltes gerügt werden. Die Ermessensüber-
prüfung steht dem Gericht jedoch grundsätzlich nicht zu (§ 9 Abs. 2 EGAR;
vgl. auch § 55 Abs. 1 VRPG).
Richtet sich die Beschwerde gegen einen Nichteintretensentscheid des
MIKA und wies die Vorinstanz eine dagegen erhobene Einsprache ab, ist
durch das Verwaltungsgericht auf Beschwerde hin lediglich zu prüfen, ob
das Nichteintreten durch das MIKA und die hierauf erfolgte Abweisung der
Einsprache korrekt waren, oder ob das MIKA auf das Wiedererwägungs-
gesuch hätte eintreten müssen. Wird die Beschwerde gutgeheissen, ist der
vorinstanzliche Einspracheentscheid aufzuheben und die Angelegenheit
zur materiellen Neubeurteilung der Bewilligungsfrage an das MIKA zurück-
zuweisen.
II.
1.
1.1.
Die Vorinstanz geht davon aus, dass die erstinstanzlich zuständige Sektion
des MIKA zu Recht auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten sei.
Nachdem das Verwaltungsgericht das Verfahren zufolge Rückzugs als ge-
genstandslos geworden abgeschrieben habe, liege mit dem Einsprache-
entscheid vom 19. Juni 2020 eine rechtskräftige Abweisung des Familien-
nachzugsgesuchs vor. Eine Wiedererwägung eines Rechtsmittelent-
scheids sei nur zulässig, wenn sich der dem rechtskräftigen Entscheid zu-
grundeliegende Sachverhalt oder die Rechtslage erheblich oder entscheid-
relevant geändert habe (§ 39 Abs. 2 VRPG). Wohl habe der Beschwerde-
führer 1 neue Unterlagen eingereicht. Diese seien jedoch nicht geeignet,
einen seit dem 19. Juni 2020 veränderten Sachverhalt zu belegen. Ent-
gegen der Behauptung des Beschwerdeführers 1 sei nichts Neues vorge-
bracht worden, was den ersten rechtskräftigen Entscheid in Frage stellen
könne. Bei dieser Ausgangslage sei es nicht zu beanstanden, dass die
Sektion einen Anspruch auf materielle Prüfung des Wiedererwägungsge-
suchs verneint habe und auf das Gesuch nicht eingetreten sei.
1.2.
Die Beschwerdeführer stellen sich demgegenüber im Wesentlichen auf den
Standpunkt, dass sich der Sachverhalt seit der Verfügung vom 24. Januar
- 5 -
2020 entscheidrelevant verändert habe. So hätten sich die psychische Er-
krankung der Grossmutter, der schlechte Gesundheitszustand des Gross-
vaters und die unhaltbare häusliche Situation im Heimatland derart erheb-
lich verschärft, dass bei einer Rückkehr des Beschwerdeführers 2 nach
Nordmazedonien von einer Kindeswohlgefährdung ausgegangen werden
müsse (act. 16 f.). Die Feststellung der Vorinstanz, wonach der Grossvater
für die Erziehung und Betreuung des Beschwerdeführers 2 aufkommen
könne, sei klar aktenwidrig. Es sei augenscheinlich, dass der Grossvater
die Betreuungsaufgaben gegenüber dem Beschwerdeführer 2 nicht länger
wahrnehmen könne. So werde diese Tatsache in mehreren unabhängigen
Arztberichten widerspruchsfrei attestiert, welche allesamt zum Verfügungs-
zeitpunkt am 24. Januar 2020 nicht bekannt gewesen seien. Demnach
erweise sich der Umstand, dass weder die Grossmutter noch der Gross-
vater gesundheitlich in der Lage seien, für den Beschwerdeführer 2 zu
sorgen, als echtes Novum. Unter Bezugnahme auf einen ärztlichen Kurz-
bericht vom 4. März 2021 bringen die Beschwerdeführer schliesslich vor,
dass sich eine Rückkehr des Beschwerdeführers 2 zu dessen Grosseltern
nach Nordmazedonien auch aus psychologisch-psychiatrischer Sicht als
unzumutbar und kontraproduktiv erweisen würde (act. 14 f.). Die Be-
schwerdeführer sind vor diesem Hintergrund der Ansicht, sie hätten An-
spruch darauf, dass auf ihr Gesuch um Wiedererwägung eingetreten und
dieses materiell behandelt werde.
2.
2.1.
Gemäss § 39 Abs. 2 VRPG können Entscheide in Wiedererwägung gezo-
gen werden, wenn sich der dem rechtskräftigen Entscheid zugrunde lie-
gende Sachverhalt oder die Rechtslage erheblich und entscheidrelevant
geändert hat. Die Wiedererwägung steht dann zur Diskussion, wenn Um-
stände vorliegen, die sich erst nach Erlass der in Rechtskraft erwachsenen
Verfügung ergaben (sog. echte Noven) und die geltend gemachten Um-
stände entscheidwesentlich sind, d.h. grundsätzlich zu einem anderen Re-
sultat führen können als das Resultat des in Wiedererwägung zu ziehenden
Entscheids (vgl. Aargauische Gerichts- und Verwaltungsentscheide
[AGVE] 2016, S. 147, Erw. 2; BGE 136 II 177, Erw. 2.1 sowie Erw. 2.2.1
mit Hinweisen).
2.2.
Ein Anspruch auf eine Neubeurteilung besteht allerdings nicht bereits dann,
wenn ein Wiedererwägungsgrund nur behauptet wird. Die betroffene
Person hat vielmehr glaubhaft zu machen und mit geeigneten Beweis-
mitteln zu belegen, welche tatsächlichen Verhältnisse sich seit dem ersten
Entscheid derart verändert haben, dass es sich rechtfertigt, die Situation
erneut zu überprüfen (Urteil des Bundesgerichts 2C_678/2021 vom 6. De-
zember 2021, Erw. 4.2 mit Hinweisen).
- 6 -
2.3.
Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist im Folgenden zu prüfen, ob
den Beschwerdeführern ein Anspruch auf eine neue Beurteilung ihrer An-
gelegenheit nach § 39 Abs. 2 VRPG zukommt oder ob die Vorinstanz den
Nichteintretensentscheid der Sektion vom 10. November 2020 zu Recht
bestätigt hat. Massgebend ist dabei, ob sich der Sachverhalt oder die
Rechtslage seit Erlass des in Rechtskraft erwachsenen Einspracheent-
scheides vom 19. Juni 2020 in einer Weise geändert haben, die eine
materielle Beurteilung des hier zur Diskussion stehenden Gesuchs erfor-
dert hätte. Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, sind für die Be-
urteilung, ob Wiedererwägungsgründe vorliegen, die rechtskräftig mit Ein-
spracheentscheid vom 19. Juni 2020 festgestellten Umstände mass-
gebend, wonach der Anspruch auf Familiennachzug entfallen ist, weil das
Nachzugsgesuch zu spät eingereicht wurde und keine wichtigen Gründe
für einen nachträglichen Familiennachzug vorliegen.
3.
3.1.
Nicht zu beanstanden ist zunächst der Schluss der Vorinstanz, wonach das
Gutachten des Ministeriums für Arbeit und Sozialpolitik vom 10. Juli 2020
(MI-act. 438 f.) keine Veränderung der Sachlage zu begründen vermag
(act. 4). Die Vorinstanz hat diesbezüglich zutreffend ausgeführt, dass darin
lediglich erwähnt werde, weshalb der Beschwerdeführer 1 den Beschwer-
deführer 2 nicht bereits früher in die Schweiz nachgezogen habe, was kein
Novum darstelle und deshalb im vorliegenden Kontext nicht relevant sei.
Weiter hat die Vorinstanz korrekt festgestellt, dass die Tatsache, dass der
Beschwerdeführer 2 regelmässig den Beschwerdeführer 1 in der Schweiz
besucht und auch bereits Deutsch gelernt habe, nicht neu sei. Was die Be-
schwerdeführer in diesem Zusammenhang vorbrachten, genügt folglich
nicht, um eine Wiedererwägung zu rechtfertigen.
3.2.
Ebenfalls nicht zu beanstanden ist, dass der medizinische Bericht betref-
fend die Grossmutter vom 18. August 2020 (MI-act. 442) nicht als neues
Sachverhaltselement, welches Anspruch auf materielle Beurteilung einräu-
men würde, qualifiziert wurde. Die Vorinstanz erwog auch diesbezüglich
zutreffend, mit Eispracheentscheid vom 19. Juni 2020 sei bereits festge-
stellt worden, dass auch eine gänzliche Unfähigkeit der Grossmutter, sich
um den Beschwerdeführer 2 zu kümmern, nichts an der Situation ändern
würde, da der Grossvater im gleichen Haushalt mit dem Beschwerdefüh-
rer 2 lebe und dessen Betreuung alleine fortsetzen könne. Entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführer bewirkt damit der neue Arztbericht vom
18. August 2020 keine wesentliche Änderung der Verhältnisse seit der
letzten materiellen Beurteilung.
- 7 -
3.3.
Dasselbe gilt für die "Psychologische Abschätzung" von Dr. C. vom
11. September 2020 (MI-act. 445). Die Vorinstanz weist zu Recht darauf
hin, dass sich der Bericht einzig auf eine Betreuung des Be-
schwerdeführers 2 durch die Grossmutter fokussiere und die Möglichkeit
der Betreuung durch den Grossvater völlig ausser Acht gelassen werde.
Hinzu kommt, dass die schlechte Gesundheitssituation der Grossmutter
bereits im früheren Verfahren thematisiert worden war und allein schon
deshalb kein entscheidwesentliches Novum darstellen kann (MI-act. 164).
Darüber hinaus stellt die "Psychologische Abschätzung" ein Privatgutach-
ten dar, welches klare Anzeichen eines Gefälligkeitsgutachtens aufweist.
So stützt sich die Begutachtung ausschliesslich auf die Sachverhaltsdar-
stellung des Beschwerdeführers 2 und die von ihm in diesem Zusammen-
hang geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden der Grossmutter.
Dass auch nur ansatzweise der Versuch einer umfassenden Anamnese
gemacht worden wäre, geht aus dem Bericht nicht hervor. Aufgrund ihrer
Einseitigkeit bestehen deshalb erhebliche Zweifel an der Objektivität der
entsprechenden Feststellungen. So gelangt der Arzt – soweit verständlich
und ohne dies näher zu begründen – zum Schluss, dass der Beschwerde-
führer 2 zwingend der Betreuung durch seine Eltern bedürfe und alles
andere seinen Zustand erschweren und langfristige (negative) Folgen für
seine psychische Entwicklung haben könne. Die Glaubwürdigkeit des
Psychologen und die Glaubhaftigkeit seiner Ausführungen sind damit ernst-
haft in Frage gestellt. Vielmehr erweckt das offenkundig für das ausländer-
rechtliche Verfahren in der Schweiz erstellte Schreiben insgesamt den An-
schein, es sei gefälligkeitshalber verfasst worden, um den Beschwerdefüh-
rern gegenüber den Behörden zu helfen. Des Weiteren beschreibt der aus-
stellende Arzt darin lediglich gestützt auf Angaben des Beschwerdefüh-
rers 2 beruhende Symptome der Grossmutter, ohne diese selbst je unter-
sucht zu haben, womit darauf ohnehin nicht abgestellt werden kann. Nach
dem Gesagten ist die "Psychologische Abschätzung" nicht geeignet, eine
drohende psychopathologische Erkrankung des Beschwerdeführers 2 und
damit eine relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu belegen.
Einen Anspruch auf Wiedererwägung vermag diese keinesfalls zu begrün-
den.
3.4.
Ebenso wenig vermag der Kurzbericht der psychiatrischen Dienste Aargau
AG (PDAG) vom 4. März 2021 (act. 19 ff.) das Vorliegen einer wiedererwä-
gungsrechtlich relevanten Veränderung der Aktenlage zu belegen. So
ergibt sich aus dem Kurzbericht zwar, dass der Beschwerdeführer 2 drei
Gesprächssitzungen besuchte, dabei von Konzentrationsschwierigkeiten,
Schlafschwierigkeiten mit nächtlichem Aufwachen, Schweissausbrüchen
und gelegentlichem Weinen berichtete, und der behandelnde Arzt eine
- 8 -
Rückkehr ins Heimatland aus psychologisch-psychiatrischer Sicht als un-
zumutbar bezeichnete. Hinsichtlich der dabei diagnostizierten posttrauma-
tischen Belastungsstörung des Beschwerdeführers 2 (ICD-10 F.43.1) ist
allerdings zu berücksichtigen, dass der Befund ausschliesslich auf den
anamnestischen Angaben bzw. Schilderungen der Beschwerdeführer
beruht, ohne dass diese einer Überprüfung unterzogen worden wären. Auf-
grund dessen kommt auch dem Kurzbericht der PDAG vom 4. März 2021
von vornherein ein äusserst geringer Beweiswert zu. Damit gelingt es den
Beschwerdeführern auch mit diesem Dokument nicht, einen Wiedererwä-
gungsgrund glaubhaft zu machen.
3.5.
Des Weiteren machen die Beschwerdeführer nunmehr erstmals vor Ver-
waltungsgericht ergänzend geltend, dass sich der Gesundheitszustand des
Grossvaters verschlechtert habe und dieser nicht mehr in der Lage sei, sich
um den Beschwerdeführer 2 zu kümmern.
Aus den im Beschwerdeverfahren vorgelegten nordmazedonischen
Attesten geht hervor, dass beim 63-jährigen Vater des Beschwerdefüh-
rers 1 namentlich eine depressive Symptomatologie, eine Bewegungs-
störung vom Typ der Ataxie, eine Abnahme intellektueller Fähigkeiten,
Schwindel mit Brechreiz, mehrere kleinere Mikroinfarkte, ein vermindertes
Hörvermögen im rechten Ohr sowie eine Angina pectoris diagnostiziert
wurden und er aufgrund einer Tumorbildung am vorderen Teil des Steiss-
beins operiert werden musste (vgl. act. 24, 26, 36, 38, 40, 43, 45 und 47).
Die Erkrankungen des Grossvaters würden die von den Beschwerdefüh-
rern angestrebte materielle Neubeurteilung nur dann rechtfertigen, wenn
sich dessen Gesundheitszustand seit dem rechtskräftigen Entscheid des
MIKA massgeblich verschlechtert hätte. Solches ist jedoch nicht dargetan.
Zwar lassen die eingereichten ärztlichen Unterlagen gewisse Krankheits-
bilder erkennen. Dies alleine führt jedoch noch nicht zwingend zu einer
materiellen Prüfung des Gesuchs um Wiedererwägung, zumal die Behand-
lung der Leiden des Grossvaters in der Heimat ohne weiteres möglich ist
und auch nachweislich erfolgt.
Vorliegend ist insbesondere nicht von zentraler Bedeutung, an welcher
Krankheit bzw. an welchen Krankheiten genau der Grossvater leidet. Viel-
mehr ist deren konkrete Auswirkung ausschlaggebend. Den Attesten ist
jedoch nicht zu entnehmen, dass bzw. inwiefern der Grossvater aufgrund
seines Gesundheitszustandes nicht mehr in der Lage wäre, sich alters-
gerecht um den Beschwerdeführer 2 zu kümmern. Zwar bringen die Be-
schwerdeführer im Zusammenhang mit dem operativ entfernten Tumor vor,
es sei davon auszugehen, dass eine mehrmonatige, körperlich äusserst
belastende Chemotherapie durchgeführt werden müsse, damit der
Knochenkrebs nicht metastasiere (vgl. act. 15). In den Akten finden sich
- 9 -
jedoch keine Hinweise auf eine bevorstehende bzw. kürzlich erfolgte
Chemotherapie des Grossvaters. Im Gegenteil geht aus einem Bericht der
Fachärztin für Kardiologie sogar hervor, dass der Grossvater ohne
Beschwerden in gutem Allgemeinzustand entlassen werden konnte (vgl.
Übersetzung vom 18. August 2021, act. 45). Dass der Grossvater aufgrund
seiner gesundheitlichen Beschwerden nicht mehr in der Lage wäre, sich
um den Beschwerdeführer 2 zu kümmern, ist demnach nicht belegt. Es
hätte an den mitwirkungspflichtigen Beschwerdeführern gelegen, die allge-
mein gehaltenen Vorbringen mit entsprechenden Unterlagen zu unter-
mauern. So wird insbesondere auch behauptet, der Grossvater könne sich
nicht mehr um die Grossmutter kümmern. Nachweise dafür, dass die
Grossmutter zwischenzeitlich in einem Heim oder einer ähnlichen Institu-
tion hatte untergebracht werden müssen, werden jedoch nicht beigebracht.
Auch wenn mit den Beschwerdeführern davon auszugehen wäre, dass der
Grossvater aufgrund der eingereichten Atteste nur noch eingeschränkt zur
Betreuung anderer Personen in der Lage wäre, ist in Bezug auf den Be-
schwerdeführer 2 festzuhalten, dass dieser angesichts des Umstandes,
dass er im Oktober 2022 volljährig wird, ohnehin keiner intensiven Betreu-
ung mehr bedarf und dies durch den Grossvater im benötigten Umfang
sichergestellt werden kann. Dies umso mehr, als die Grosseltern aktenkun-
dig von einer Haushaltshilfe unterstützt werden (vgl. MI-act. 338). Zusam-
mengefasst ist nach dem Gesagten davon auszugehen, dass der Gesund-
heitszustand des Grossvaters keine relevante Veränderung des Sachver-
halts darstellt, welche eine Wiedererwägung des hier zur Diskussion
stehenden Entscheids rechtfertigen würde.
3.6.
Mit Eingabe vom 4. März 2022 bringen die Beschwerdeführer schliesslich
vor, aus dem Semesterzeugnis vom 21. Januar 2022 gehe hervor, dass
sich der Beschwerdeführer 2 innert kürzester Zeit und trotz der
psychischen Erkrankung sowohl beruflich als auch sprachlich bestens
integriert habe. Auch vor diesem Hintergrund sei die ersuchte Aufenthalts-
bewilligung zu erteilen (act. 55). Soweit die Beschwerdeführer in den bis-
herigen Integrationsleistungen des Beschwerdeführers 2 eine neue we-
sentliche Tatsache sehen, die eine materielle Neubeurteilung von dessen
Aufenthaltsrecht rechtfertige, ist ihnen nicht zu folgen.
Der Beschwerdeführer 2 ist Anfang November 2020 ohne behördliche Er-
laubnis in die Schweiz eingereist (MI-act. 396). Das Familiennachzugs-
gesuch ist bereits vor seiner Einreise rechtskräftig abgewiesen worden (vgl.
MI-act. 348). Die Beschwerdeführer können aus dem Umstand, dass der
Beschwerdeführer 2 seit November 2020 – ohne gültigen Aufenthaltstitel –
beim Beschwerdeführer 1 in der Schweiz lebt, sich mittlerweile eingelebt
und eine gewisse Integration stattgefunden hat, nichts zu ihren Gunsten
ableiten. Die aktuelle Situation ist einzig darauf zurückzuführen, dass der
- 10 -
Beschwerdeführer 2 beim Beschwerdeführer 1 in der Schweiz Wohnsitz
genommen und dadurch vollendete Tatsachen im Sinne eines "fait
accompli" geschaffen hat. Dies ist jedoch, wie die Vorinstanz zu Recht aus-
führt, bei der rechtlichen Beurteilung des Aufenthaltsanspruchs nicht zu be-
rücksichtigen (vgl. act. 64). Wichtige persönliche Gründe für einen nach-
träglichen Familiennachzug können gemäss bundesgerichtlicher Recht-
sprechung nicht durch Sachumstände begründet werden, welche allein
Folge einer vorweggenommenen, eigenmächtigen Verlagerung des
Lebensmittelpunktes in die Schweiz sind. Die Erforderlichkeit des Nach-
zugs hat sich vielmehr in der Situation zu offenbaren, wie sie sich ohne
Übersiedlung der nachzuziehenden Person in die Schweiz präsentieren
würde. Ansonsten würden die Behörden vor vollendete Tatsachen gestellt
und der sich rechtskonform verhaltende Betroffene, welcher ordnungs-
gemäss ein Nachzugsgesuch stellt und sich dabei an die Auflagen der Be-
hörden hält, würde benachteiligt (vgl. BGE 129 II 249, Erw. 2.; BGE 133 II
6, Erw. 6.3.2; Urteile des Bundesgerichts 2C_781/2015 vom 1. April 2016,
Erw. 4.3, 2C_634/2017 vom 14. August 2018, Erw. 3.8, 2C_591/2017 vom
16. April 2018, Erw. 2.6, 2C_131/2016 vom 10. November 2016, Erw. 4.5,
2C_181/2014 vom 21. Februar 2014, Erw. 3.2).
3.7.
Weitere Aspekte, die eine Veränderung des Sachverhalts zu begründen
vermögen, sind weder den Akten noch den Vorbringen der Beschwerde-
führer zu entnehmen. Es ist folglich mit der Vorinstanz davon auszugehen,
dass die Betreuungssituation im Heimatland weiterhin gewährleistet ist. Im
Ergebnis liegen derzeit keine neuen erheblichen Umstände vor, die es
rechtfertigen würden, auf das Familiennachzugsgesuch der Beschwerde-
führer vom 9. September 2020 einzutreten.
3.8.
Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen von § 39 Abs. 2 VRPG
nicht erfüllt, womit auch kein Anspruch auf Wiedererwägung des rechts-
kräftigen Entscheids besteht. Es ist damit nicht zu beanstanden, dass das
MIKA auf das Wiedererwägungsgesuch der Beschwerdeführer nicht einge-
treten ist und die Vorinstanz die gegen diesen Entscheid gerichtete Ein-
sprache abgewiesen hat.
4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das MIKA auf das Widererwä-
gungsgesuch der Beschwerdeführer zu Recht nicht eingetreten ist. Der Ein-
spracheentscheid ist damit nicht zu beanstanden, die Beschwerde ist ab-
zuweisen und es ist ergänzend auf den Einspracheentscheid zu verweisen.
III.
Im Beschwerdeverfahren werden die Verfahrenskosten nach Massgabe
des Unterliegens und Obsiegens auf die Parteien verlegt (§ 31 Abs. 2
- 11 -
VRPG). Nachdem die Beschwerdeführer unterliegen, gehen die Kosten
des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens zu ihren Lasten. Ein Parteikosten-
ersatz fällt ausser Betracht (§ 32 Abs. 2 VRPG).