Decision ID: f72eb0e9-192d-5445-9732-3cee6f6fa79a
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 30. April 2018 erstmals in der Schweiz
um Asyl nach.
B.
Mit Verfügung vom 6. Juni 2018 lehnte das SEM das Asylgesuch ab und
ordnete die Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an.
C.
Eine dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht
mit Urteil D-3944/2018 vom 12. September 2018 ab.
D.
Am 29. November 2018 reichte die Beschwerdeführerin beim SEM ein
neues Asylgesuch ein.
E.
Mit Verfügung vom 6. Dezember 2018 lehnte das SEM das Asylgesuch ab
und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an.
F.
Eine dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht
mit Urteil D-146/2019 vom 17. April 2019 ab.
G.
Am 28. Juni 2019 gelangte die Beschwerdeführerin mit einer als "neues
Asylgesuch" bezeichneten Eingabe an das SEM.
Darin führte sie aus, dass sie während des vorangehenden Asylverfahrens
gewisse Tatsachen verschwiegen habe. Am 30. November 2017 sei sie in
Sri Lanka von zwei ihr unbekannten in Zivil gekleideten Personen sexuell
missbraucht worden, nachdem sie nach dem Verbleib ihrer Familie gefragt
worden sei. Dabei sei sie mit einer brennenden Zigarette im Gesicht ver-
letzt worden, wovon sie eine Narbe davongetragen habe. Sie habe dieses
Ereignis bisher verschwiegen, weil sowohl in der Befragung als auch in der
Anhörung männliche Personen anwesend gewesen seien. Zudem habe sie
sich geschämt, vor der tamilischen Dolmetscherin darüber zu sprechen.
Auch sei sie aufgrund weiterer psychischer Schranken nicht in der Lage
gewesen, davon zu berichten. Ferner seien Ende 2018 wiederum unbe-
kannte Personen bei ihrem Elternhaus erschienen und hätten sich bei ihrer
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Mutter nach ihr erkundigt. Sie beantrage eine zusätzliche Anhörung zu den
neu vorgebrachten Asylgründen.
Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin einen ärztlichen Bericht
der Psychiatrischen Klinik des Kantonsspitals B._ vom 15. Mai
2019, eine Fotografie ihres Gesichts sowie eine Visitenkarte ihrer Psycho-
therapeutin zu den Akten.
H.
Mit Verfügung vom 4. Juli 2019 (eröffnet am 12. Juli 2019) nahm das SEM
die Eingabe als Revisionsgesuch entgegen und trat darauf mangels funk-
tioneller Zuständigkeit nicht ein. Dabei lehnte es den Antrag auf Ansetzung
einer Anhörung ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz und den
Vollzug an. Zudem erhob es eine Gebühr von Fr. 600.–.
I.
Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am 19. Juli 2019
durch ihren Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht.
Dabei beantragte sie, die Verfügung sei aufzuheben und die Sache sei zur
Behandlung als neues Asylgesuch an die Vorinstanz zurückzuweisen,
eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventualiter
sei die Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs festzustellen, und für den Fall, dass die vorliegende Eingabe
nicht zur materiellen Behandlung als Asylgesuch an die Vorinstanz zurück-
gewiesen werde, sei ihr eine angemessene Frist zur Einreichung eines Re-
visionsgesuchs anzusetzen.
Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin ein Urteil des Europäi-
schen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) sowie einen ärztlichen
Bericht des Kantonsspitals B._ vom 17. Juli 2019 zu den Akten.
J.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 23. Juli 2019 den Eingang
der Beschwerde.
K.
Mit Eingabe vom 10. März 2020 machte die Beschwerdeführerin Ausfüh-
rungen zur politischen Situation in Sri Lanka und reichte einen durch ihren
Rechtsvertreter eigens erstellten Länderbericht mitsamt elektronisch abge-
speicherten Quellen zu den Akten. Dabei führte sie aus, dass sie aufgrund
der familiären Verbindungen zu den LTTE in Sri Lanka ohnehin bereits ge-
sucht werde und die bei ihr vorhandenen Risikofaktoren im Kontext der
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aktuellsten politischen Lage in Sri Lanka deshalb besonders schwer zu ge-
wichten seien. Die Rückkehr des Rajapaksa-Clans habe für sie zweifellos
eine Verfolgungsgefahr zur Folge. Des Weiteren führte sie aus, dass wäh-
rend der Entführung der Schweizerischen Botschaftsangestellten im No-
vember 2019 durch die sri-lankische Regierung vertrauliche Daten von ih-
rem, Mobiltelefon abgegriffen worden seien. Es müsse nun abgeklärt wer-
den, um was für Daten es sich handle und ob dies auch ihre eigenen Daten
betreffe. Diesfalls hätte sie auch deswegen eine Verfolgung zu befürchten.
L.
Mit Eingabe vom 24. März 2020 machte die Beschwerdeführerin weitere
Ausführungen zu ihren familiären LTTE-Verbindungen, dem neu geltend
gemachten sexuellen Missbrauch sowie der Rechtsprechung betreffend al-
leinstehende tamilische weibliche Opfer von sexueller Gewalt durch sri-
lankische Armeeangehörige.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde ist
frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Beschwerdeführerin hat am
Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene
Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an de-
ren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung
der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG [SR 142.31];
Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-
treten.
1.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
1.3 Über offensichtlich unbegründete beziehungsweise offensichtlich be-
gründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustim-
mung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin ent-
schieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es
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sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist
(Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet.
2.
Soweit sich die vorgebrachten Fluchtgründe der Beschwerdeführerin auf
ihre Gefährdung aufgrund von Verbindungen zu den LTTE innerhalb ihrer
Familie beziehen, ist darauf hinzuweisen, dass diese mit Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts D-3944/2018 vom 12. September 2018 als asyl-
rechtlich nicht relevant beziehungsweise unglaubhaft erachtet (vgl. a.a.O.
E. 8) und somit bereits rechtskräftig beurteilt wurden. Auf die entsprechen-
den Ausführungen der Beschwerdeführerin auf Beschwerdeebene ist dem-
nach im vorliegenden Verfahren nicht einzugehen.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin begründete ihre Eingabe an das SEM damit,
dass sie einen in Sri Lanka erlebten sexuellen Missbrauch in den vorange-
henden Asylverfahren gegenüber den Asylbehörden verschwiegen habe.
Zudem sei sie Ende 2018 von unbekannten Personen gesucht worden,
was sie bisher ebenfalls nicht offengelegt habe.
3.2 Von einem neuen Asylgesuch ist dann auszugehen, wenn die gesuch-
stellende Person geltend macht, sie erfülle aufgrund einer neuen, nach Ab-
schluss eines vorgängigen Asylverfahrens entstandenen Sachlage neu die
Flüchtlingseigenschaft.
Revisionsgründe hingegen können dann vorliegen, wenn nachträglich (das
heisst nach Rechtskraft eines vorangehenden Asylverfahrens) erfahrene
Tatsachen oder aufgefundene Beweismittel, welche sich bereits vor Ab-
schluss des Asylbeschwerdeverfahrens ereignet haben beziehungsweise
entstanden sind, vorgebracht werden (Art. 45 VGG i.V.m. Art. 123 Abs. 2
Bst. a BGG).
3.3 In der angefochtenen Verfügung führte das SEM zutreffend aus, dass
es sich beim neu geltend gemachten sexuellen Missbrauch und der angeb-
lichen Suche nach der Beschwerdeführerin durch unbekannte Personen
um vorbestehende Tatsachen handle, welche sich bereits vor Erlass des
letzten Urteils des Bundesverwaltungsgerichts D-146/2019 vom 17. Ap-
ril 2019 ereignet hätten. Auch bei der neu vorgebrachten Narbe handelt es
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sich nicht um eine seit dem 17. April 2019 veränderte Sachlage. Somit han-
delt es sich bei diesen Vorbringen um unechte Noven, welche ausschliess-
lich Gegenstand eines Revisionsverfahrens beim Bundesverwaltungsge-
richt bilden könnten und entgegen der Bezeichnung der Eingabe als
"neues Asylgesuch" und der Begründung des Gesuchs jedoch nicht geeig-
net sind, eine nachträglich entstandene Flüchtlingseigenschaft zu belegen.
Das SEM hat sich diesbezüglich zu Recht als nicht zuständig erachtet und
ist auf diesen Teil der Eingabe korrekterweise nicht eingetreten.
4.
4.1 Die Beschwerdeführerin reichte bei der Vorinstanz zusammen mit ihrer
als "neues Asylgesuch" betitelten Eingabe zudem einen ärztlichen Bericht
der Psychiatrischen Klinik des Kantonsspitals B._ vom 15. Mai
2019 ein.
4.2 Gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG kann in öffentlich-rechtlichen An-
gelegenheiten die Revision eines Urteils verlangt werden, wenn die ersu-
chende Partei nachträglich entscheidende Beweismittel auffindet, die sie
im früheren Verfahren nicht beibringen konnte, unter Ausschluss der Be-
weismittel, die erst nach dem Entscheid entstanden sind. Der Revisions-
grund des nachträglichen Auffindens von entscheidenden Beweismitteln
beinhaltet demnach zum einen, dass diese bereits vor Abschluss des Be-
schwerdeverfahrens entstanden sind; als Revisionsgrund sind somit ledig-
lich sogenannte unechte Nova zugelassen (vgl. auch BVGE 2013/22). Zum
andern verlangt Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG, dass die gesuchstellende Par-
tei die betreffenden Beweismittel während des vorangegangenen Verfah-
rens, das heisst bis das Urteil gefällt worden ist, nicht gekannt hat und des-
halb nicht hat beibringen können. Das Wiedererwägungsgesuch bezweckt
primär die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine
nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). So können beispielsweise nachträglich, das
heisst nach Eintreten der Rechtskraft des letzten Asylentscheides, entstan-
dene Vollzugshindernisse wiedererwägungsweise beim SEM geltend ge-
macht werden.
4.3 Der eingereichte ärztliche Bericht vom 15. Mai 2019 ist entgegen den
Ausführungen der Vorinstanz der Revision nicht zugänglich. Das Bundes-
verwaltungsgericht hielt im Grundsatzentscheid BVGE 2013/22 fest, dass
nach dem angefochtenen Entscheid entstandene Beweismittel, welche
sich auf vorbestandene Tatsachen beziehen, im Rahmen eines Wiederer-
wägungsverfahrens vor dem SEM zu prüfen wären (vgl. dort E. 12.3). Der
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eingereichte Arztbericht ist nach Erlass des Beschwerdeurteils D-146/2019
vom 17. April 2019 entstanden. Darin wird festgehalten, dass die Be-
schwerdeführerin an einer posttraumatischen Belastungsstörung leide und
aufgrund eines Suizidversuches in die psychiatrische Klinik B._ ein-
gewiesen worden sei, wo sie sich im Zeitpunkt der Erstellung des Arztbe-
richts bereits seit einem Monat in stationärer Behandlung befinde. Des
Weiteren hält der Bericht fest, dass die Traumatisierung der Beschwerde-
führerin auf einem sexuellen Missbrauch gründen könnte. Ob sich dieses
neue Beweismittel nun im Sinne der eben genannten Rechtsprechung aus-
drücklich auf die neu geltend gemachten Asylgründe bezieht oder nicht, ist
vorliegend nicht ausschlaggebend und kann somit offengelassen werden.
Denn auch wenn dies nicht der Fall sein sollte, handelt es sich beim mit
diesem Arztbericht geltend gemachten Gesundheitszustand und dem sta-
tionären Aufenthalt der Beschwerdeführerin in einer psychiatrischen Klinik
allenfalls um ein nachträglich entstandenes Vollzugshindernis, welches ge-
mäss Art. 111b AsylG wiederum vom SEM geprüft werden muss.
5.
5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderer-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass
eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein-
greift.
Die Begründungspflicht, welche sich ebenfalls aus dem Anspruch auf
rechtliches Gehör ergibt, verlangt, dass die Behörde ihren Entscheid so
begründet, dass Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht an-
fechten können und sich sowohl die Betroffenen als auch die Rechtsmitte-
linstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl.
LORENZ KNEUBÜHLER/RAMONA PEDRETTI, in: Kommentar zum Bundesge-
setz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2018, Art. 35 N. 7ff.;
BVGE 2007/30 E. 5.6). Dabei kann sich die verfügende Behörde auf die
wesentlichen Gesichtspunkte beschränken, hat jedoch wenigstens die
Überlegungen kurz anzuführen, von denen sie sich leiten liess und auf wel-
che sie ihren Entscheid stützt (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2; EMARK 2006 Nr.
24 E. 5.1).
5.2 In der angefochtenen Begründung prüfte das SEM ausschliesslich das
Vorbringen der Beschwerdeführerin, sie habe ein ihr im Heimatstaat wider-
fahrenes Ereignis, welches zur Flüchtlingseigenschaft führe, bisher ver-
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schwiegen. Den in diesem Zusammenhang eingereichten ärztlichen Be-
richt erwähnte es allerdings lediglich im Sachverhalt der Verfügung unter
dem Titel "ärztliche Zeugnisse". Hingegen fand das Dokument weder in
den Ausführungen des SEM, in welchem Verfahren die Eingabe zu behan-
deln sei (Erwägungen zur funktionellen Zuständigkeit; Verfügung Ziff. III)
noch in sonst einer Form und auch nicht im nachfolgend durchgeführten
Wegweisungsvollzugsprüfung Beachtung. Durch das vollständige Überge-
hen dieses zu den Akten gereichten Beweismittels hat die Vorinstanz ihre
Begründungspflicht und somit den Anspruch der Beschwerdeführerin auf
rechtliches Gehör verletzt.
5.3 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück.
Eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs
kann ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die
Möglichkeit erhält, sich vor einer Rechtsmittelinstanz zu äussern, die so-
wohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen kann. Unter
dieser Voraussetzung ist darüber hinaus – im Sinne einer Heilung des Man-
gels – selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ab-
zusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen
Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem
Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der
Sache nicht zu vereinbaren wären (vgl. dazu BGE 137 I 195 E. 2.3.2,
m.w.H.; vgl. auch BVGE 2008/47 E. 3.3.4 m.w.H.).
Im vorliegenden Fall kann jedoch offengelassen werden, ob es sich bei der
unzureichenden Begründung um einen schweren Mangel handelt, zumal
die Vorinstanz – nebst der Nichterwähnung des Arztberichtes in der Verfü-
gungsbegründung – gar nicht erst ein Wiedererwägungsverfahren eröffnet
hat und den Bericht materiell überhaupt nicht prüfte. Es ist somit auf diesen
Teil der Eingabe der Beschwerdeführerin zu Unrecht nicht eingetreten.
Eine Heilung der Begründungspflichtsverletzung ist folglich nicht in Be-
tracht zu ziehen. Durch eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz
bleibt der Instanzenzug gewahrt, was umso wichtiger erscheint, als das
Bundesverwaltungsgericht einzige Beschwerdeinstanz gegen Verfügun-
gen des SEM im Asylbereich ist. Eine Kassation erweist sich vorliegend als
angezeigt.
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6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache in Anwen-
dung von Art. 61 Abs. 1 VwVG an die Vorinstanz zurückzuweisen mit der
Anweisung, den eingereichten Arztbericht vom 15. Mai 2019 unter dem Ti-
tel der Wiedererwägung zu prüfen.
7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu
erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
7.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei ist eine Parteientschädi-
gung für die ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-
chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter der Beschwer-
deführerin reichte keine Kostennote ein. Auf die Nachforderung einer sol-
chen kann indessen verzichtet werden (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE), da im
vorliegenden Verfahren der Aufwand für die Beschwerdeführung zuverläs-
sig abgeschätzt werden kann. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden
Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) ist die Parteientschädigung auf-
grund der Akten pauschal auf Fr. 900.– festzusetzen. Dieser Betrag ist der
Beschwerdeführerin durch das SEM zu entrichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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