Decision ID: 903738b6-32ca-4d6d-b79a-beae44d1262d
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1959,
war zuletzt vom 1. November 1998 bis am 30. April 2005 im
Restaurant Y._
tätig, wobei sie vor Eintritt des Gesundheitsschadens zu 100
%
arbeitete (Urk. 10/10/1).
Am 6. Februar 2005 meldete sie sich unter Hinweis auf verschiedene Beschwerden bei der Eidgenös
sischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/2).
Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische sowie erwerbliche Abklärungen und sprach der Versicherten mit Verfügung vom
27. Juni 2006 mit Wirkung ab 1. Juli 2004 eine halbe sowie
mit Wirkung
ab 1. Dezember 2004 eine ganze Invalidenrente zu (Urk. 10/
24-
2
6
).
1.2
Am 17. Juli 2006, am 29. November 2007
sowie am 26. März 2010
teilte die IV-Stelle der Versicherten
jeweils
mit, sie habe bei einem unveränderten
Invalidi
tätsgrad
von 100
%
weiterhin Anspruch auf die bisherige
ganze
Invalidenrente (Urk. 10/30, Urk. 10/36
, Urk. 10/47
).
1.3
Anlässlich der im
März
2012 eingeleiteten Rentenrevision nahm die IV-Stelle den von der Versicherten ausgefüllten Fragebogen vom 15. Mai 2012 (Urk. 10/49) zu den Akten
, liess einen Auszug aus ihrem individuellen Konto erstellen (IK-Auszug, Urk. 10/51) und holte einen Bericht der behandelnden
Neurologin
ein (Urk. 10/52
).
Im weiteren Verlauf informierte sie die Versicherte über die IV-Revision 6a (Urk. 10/53),
teilte ihr indes später
telefonisch
mit, bei ihr werde keine
darauf beruhende
Rentenaufhebung erfolgen
(Urk. 10/56).
Es folgte
n
Kostengutsprache
n
für ein Arbeitstraining bei der
Firma Z._
ab dem 19. März 2013, welches per 16. August 2013 wieder beendet wurde
(Urk. 10/69, Urk. 10/72
, Urk. 10/75
).
Daraufhin holte die IV-Stelle bei den behandelnden Ärztinnen einen aktuellen Arztbericht ein (Urk. 10/79) und liess sie
am 11. März 2014
durch den Arzt
des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
med.
pract
.
A._
, Facharzt für Neurologie,
neurologisch (Urk. 10/
84) sowie am 15. April 2014 durch den RAD-Arzt
Dr.
med. B._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, psychiatrisch untersuchen (Urk. 10/85).
Mit Vorbescheid vom 1
2.
August 2014 stellte sie der Versicherten die Einstellung ihrer Invalidenrente auf den ersten Tag des zweiten Monats nach Zustellung der Verfügung hin in Aussicht (Urk. 10/91). Am 1
2.
September 2014 erhob die Versicherte hiergegen Einwand (Ur
k. 10/94). Mit Verfügung vom 7.
November 2014 hob die IV-Stelle die bisherige ganze Invalidenrente der Versicherten wie angekündigt auf (Urk. 10/96 = Urk. 2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am 25. November 2014 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sache sei zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Mit Eingabe vom 7. Januar 2015 (Urk. 5) reichte sie zudem den Bericht der behandelnden Psychiaterin
Dr.
med.
C._
,
Fach
ärztin
für
Psychiatrie und Psychotherapie
, vom 23. Dezember 2014 samt Beila
gen ein (Urk. 6 und Urk. 7/1-2).
In ihrer Beschwerdeantwort vom 12. Januar 2015
schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9).
Dies wurde der Beschwerdeführerin am 13. Januar 2015 mitgeteilt (Urk. 11).
Mit Eingabe vom 9. März 2015 ersuchte die Beschwerdeführerin um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung (
Urk.
12
)
.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt.
Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätig
keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beeinträchti
gung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprä
gung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche
Begleiterkrankun
gen
; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein ausgewiese
ner sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeu
tisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich miss
glückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krank
heitsgewinn
; „Flucht in die Krankheit"); ein
unbefriedigendes
Behandlungser
gebnis
trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung (kooperative Haltung) der versicherten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde dar
stellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumut
bare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3).
In BGE 139 V 547 hat das Bundesgericht an dieser Rechtsprechung unter Ausei
nandersetzung mit der daran geübten Kritik festgehalten und auf die besondere Bedeutung einer fachgerechten Abklärung hingewiesen
(E. 9.1.3, E. 9.2.1).
Die im Bereich der
somatoformen
Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze werden rechtsprechungsgemäss
analog auf andere nicht objekt
ivierbare
Beschwer
debilder
angewendet
.
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009
,
E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003
,
E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar.
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkom
mensvergleichs
(bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Recht
sprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 134 V 131 E. 3 und 133 V 108 E. 5.4 mit Hinweis). Nach der bundesgerichtlichen Rechtspre
chung ist eine Verfügung verzichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durch
geführten Revision keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (Art. 74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Invalidenversiche
rung; IVV
) und die bisherige Invalidenrente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (Art. 74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer (ordentlichen) rechts
kräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010
,
E. 2.2 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010
,
E. 2.2 mit Hin
weisen).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über
das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Verfahren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S. 69).
E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begrün
det
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurückzuweisen, wenn lediglich eine Klarstel
lung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführun
gen erforderlich ist (B
GE 137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hinweisen; Urteil des Bun
desgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich seit der ursprünglichen
Rentenzusprache
verbessert. Namentlich hätten di
e
Kopfschmer
zen und Migräneattacken nachgelass
en, die behandelnde Neurologin attestiere
nun eine teilzeitliche
Arbeitsfähigkeit und die Beschwerdeführerin gehe wieder einer regelmässigen Tätigkeit nach. Anlässlich der RAD-Untersuchungen seien ein Mischkopfschmerz mit Kopfschmerz vom Spannungstyp und eine Migräne ohne organisches Korrelat, eine posttraumatische Belastungsstörung, eine gegenwärtig remittierte rezidivierende depressive Störung sowie ein schädlicher Gebrauch von Alkohol diagnostiziert worden. Die Kopfschmerzen und die post
traumatische Belastungsstörung seien rechtsprechungsgemäss mit zumutbarer Willensanstrengung überwindbar, wobei vorliegend die Foerster-Kriterien nicht erfüllt seien. Daher liege kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor, wes
halb die Rente aufzuheben sei
. Da heute aus medizinischer Sicht eine Arbeitsfä
higkeit von 40 bis 50
%
gegeben sei, liege ein Revisionsgrund vor, welcher sie dazu berechtige, den ganzen Sachverhalt neu zu beurteilen
(Urk. 2 S. 2-3).
2.2
Die Beschwerdeführerin stimmte der Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerde insoweit zu, als sie nicht mehr dauerhaft zu 100
%
erwerbsunfähig sei
(Urk. 1 S. 3). Sie wies jedoch darauf hin, dass sie gemäss der Einschätzung der behan
delnden Neurologin maximal zu 30 bis 40
%
, nach der Beurteilung des RAD-Neurologen aus rein neurologischer Sicht maximal zu 50
%
und gemäss den Angaben des RAD-Psychologen in einer angepassten Tätigkeit zu 40
%
arbeitsfähig sei (Urk. 1 S. 3-4).
Die Ärzte seien mit der rezidivierenden depressi
ven Störung und dem chronischen Schmerzsyndrom von zwei unabhängig von
einander bestehenden Diagnosen ausgegangen. Hinzu komme die posttrauma
tische Belastungsstörung, deren Relation zu den anderen Einschränkungen in keiner Weise abgeklärt worden sei (Urk. 1 S. 4-5).
Ferner sei vom
Leiter des
RAD das Vorliegen einer erheblichen psychiatrischen Komorbidität bestätigt worden, was sich nicht mit dem angefochtenen Entscheid vereinbaren lasse
. Auch die Äusserungen der Beschwerdegegnerin zu den übrigen Foerster-Krite
rien stellte sie in Frage
(Urk. 1 S. 5
-7
).
Im Übrigen stellte
sich die Beschwerde
führerin
auf den Standpunkt,
die Frage der Überwindbarkeit dürfe nicht erneut geprüft werden, nachdem sie bereits im Jahr 2012 geprüft und verneint worden sei. Demnach müsse nun auf die tatsächliche Arbeitsfähigkeit von 30 bis 40
%
abgestellt und entsprechend weiterhin eine Invalidenrente ausgerichtet werden (Urk. 1 S. 7-9).
3.
3.1
3.1.1
Im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung vom
27. Juni 2006
(Urk.
10
/24
-26
) präsentierte sich die medizinische Aktenlage im Wesentlichen wie folgt:
3.1.2
Im Bericht der Klinik
C._
, Zentrum
D._
, vom 17. September 2003 wurden eine Migräne mit Aura
, ein Analgetika-induziertes Kopfweh sowie eine reaktive depressive Verstimmung diagnostiziert. Der Beschwerdeführerin wurde eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert, jedoch wurde angefügt, nach der vorgesehenen stationären Behandlung werde sie voraussichtlich wieder voll arbeitsfähig sein (Urk. 10/9/1).
3.1.3
Die behandelnde
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Neurologie, verneinte in ihrem Bericht vom 24. Januar 2005 aufgrund der Kopfschmerzen aktuell eine Restarbeitsfähigkeit in jeglicher
Tätigkeit (Urk. 10/9/3). Laut ihr
em Bericht vom 23. Dezember 2004 l
itt
die Beschwerdeführerin praktisch täglich an Kopf
schmerzen. Diese bestünden seit circa 1992, als sie kopfvoran auf das Sprung
tuch
eines
Trampolins
gestürzt
und einige Sekunden bewusstlos gewesen sei (Urk. 10/9/5).
Am 15. April 2005 berichtete
Dr.
E._
über eine Besserung der Kopfschmerzen, attestierte der Beschwerdeführerin aber weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bei chronischen Kopfschmerzen mit Status nach Analgetika-Überkonsum, Migräne ohne Aura, erhöhter Tagesmüdigkeit/-schläfrigkeit und Depression (Urk. 10/11/3-4, Urk. 10/11/6).
Der RAD-Arzt hielt eine 100%ige Erwerbsunfähigkeit für plausibel (Urk. 10/14/2).
3.1.4
Nebst den Kopfschmerzen und der Migräne hatte die Beschwerdeführerin bei ihrer Anmeldung bei der Invalidenversicherung insbesondere Schwindel, Übel
keit, Schlaflosigkeit, Sehstörungen, stechende Schmerzen in der Augenhöhle, neuralgische Schmerzen im Gesicht und Kiefer, Druck und Geräusch
e
i
n den Ohren, Gefühlsstörungen im ganzen Gesichtsbereich, Gang- und Gleichge
wichtsstörungen, Ausstrahlungen und Gefühlsstörungen in Armen und Händen, Konzentrationsschwierigkeiten, Störungen des Kurzzeit
gedächtnisses sowie neurologische Ausfälle angegeben (Urk. 10/1/6).
Die Röntgenbefunde des Spitals
M._
vom Dezember 2004 zeigten eine unauffällige Computertomographie des Schädels, eine Streckhaltung der Halswirbelsäule ohne nachweisbare knöcherne Degeneration sowie einen insgesamt verminderten Bew
e
gungsumfang ohne Hinweise für disko-
ligament
ä
re
Instabilität (Urk. 10/9/7-8).
3.
2
3.2.1
Noch bevor sie über den Rentenanspruch verfügt hatte (Urk. 10/24-26), leitete die IV-Stelle das erste Revisionsverfahren ein (Urk. 10/21 ff.).
Am 23. Februar 2006 berichteten
lic
. phil.
F._
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, und Dipl.-Psych.
G._
, Leitende Psychologin der Universität
H._
,
Zentrum
für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde,
die Beschwerdeführerin befinde sich seit Mai 2005 in regelmässiger psychotherapeutischer Behandlung bei ihnen (Urk. 10/23/5).
Sie leide an einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: F43.1), einer Panikstörung mit Agoraphobie (ICD-10: F40.01) und an einer gegenwärtig remittierten rezidivierenden depressiven Erkrankung (ICD-10: F33.4) bei chronischen Kopf- und Gesichtsschmerzen. Infolge der Behand
lung bei
Dr.
E._
von Herbst 2004 bis Herbst 2005 hätten sich die Kopf
schmerzen deutlich gebessert. Sie habe zwar immer noch täglich Kopfschmer
zen, allerdings mit geringerer Intensität und neu komme es auch zu kurzen schmerzfreien Phasen. Migräneattacken seien seltener geworden (Urk. 10/23/5).
Beim Führen eines Schmerztagebuchs habe die Beschwerdeführerin bemerkt, dass ein deutlicher Zusammenhang zwischen Überforderungsgefühlen, Angst, Unsicherheit sowie Schuldgefühlen und einer Zunahme der Schmerzen bestehe (Urk. 10/23/7).
So habe die Einarbeitung in ein neues Arbeitsfeld zu vermehrten
Kopfschmerzattacken und Stimmungseinbrüchen geführt. Aufrechterhaltende Faktoren seien auch die post
-
traumatische Belastungsstörung und die
Panikstö
rung
, weshalb diese zu behandeln seien (Urk. 10/23/8).
3.
2.2
Am 23. Mai 2006
gab die Beschwerdeführerin an, ihr Gesundheitszustand habe sich langsam stetig verbessert, sie habe jedoch noch keine Arbeit aufgenommen (Urk. 10/21/1-2).
Auch
Dr.
E._
berichtete am 29. Mai 2006 über eine höhere Belastbarkeit. Die Beschwerdeführerin könne nun drei Stunden einer normalen alltäglichen Arbeit nachgehen (Urk. 10/22/5). Eine Erwerbstätigkeit sei aber zurzeit noch nicht möglich (Bericht vom 8. Juni 2006, Urk. 10/22/4).
3.
2.3
Der Hausarzt
Dr.
med.
I._
, Facharzt für
Allgemeinmedizin, hielt am 13.
Juni 2006 fest,
die im Umfang von einer bis anderthalb Stunden pro Woche begonnene selbständige Tätigkeit diene vorwiegend therapeutischen Zwecken wie dem Aufbau einer Tagesstruktur und der Reduktion des
Vermeidungsver
haltens
. Eine Erwerbstätigkeit in der freien Wirtschaft sei ihr noch nicht zumut
bar (Urk. 10/23/3-4).
Im Rahmen der im Jahr 2006 durchgeführten
Rentenrevi
sion
liess die Beschwerdegegnerin
zudem
einen IK-Auszug erstellen (Urk. 10/28).
Den Invaliditätsgrad sah sie weiterhin bei 100 % (Urk. 10/30
/1
).
3.
3
Bei der im Jahr 2007 durchgeführten Überprüfung holte sie nebst einem aktuel
len IK-Auszug (Urk. 10/32) den
Bericht von
Dr.
E._
vom 25.
September 2007
sowie den Bericht von
Dr.
I._
vom
6. November 2007
ein.
D
e
m
Bericht von
Dr.
E._
ist zu entnehmen, die Beschwerdeführerin sei seit circa einem halben Jahr in einer behinderungsangepassten Tätigkeit maximal 15 Stunden pro Woche arbeitsfähig (Urk. 10/33/11).
Sie könne in diesem Um
fang zuhause arbe
iten respektive sich fortbilden;
hingegen sei eine Erwerbstä
tigkeit unter normalen Bedingungen nach wie vor nicht denkbar (Urk. 10/33/8).
Dr.
I._
gab an, die Kopfschmerzen seien bei möglicher Schonung etwas besser geworden und die Beschwerdeführerin arbeite etwa 15 Stunden pro Woche und sei in einer behinderungsangepassten Tätigkeit in diesem Umfang arbeitsfähig. Zur Objektivierung dieser Angaben und für ein detailliertes Zumutbarkeitsprofil sei eine Abklärung in einem spezialisierten Arbeitszentrum erforderlich (Urk. 10/34/9-10).
3.
4
Im Rahmen de
s
Ende 2009 eingeleiteten
R
evision
sverfahrens
holt
e
die
Beschwer
degegnerin
bei der Beschwerdeführerin Auskünfte ein
(Urk. 10/37
, Urk. 10/42) und nahm
Berichte der behandelnden Ärzte (Urk. 10/39/7-8
, Urk. 10/41
, Urk. 10/45) sowie
einen IK-Auszug (Urk. 10/40
) zu den Akten.
Die Beschwerdeführerin gab an, ihr Gesundheitszustand habe sich verbessert und
berichtete, sie arbeite seit Oktober 2009 versuchsweise während einer bis zwei Stunden pro Tag
für die
Firma J._
(Urk. 10/37/5-6).
Dr.
I._
empfahl am
28. Januar 2010
in erster Linie, einen Bericht von Dr.
E._
einzuholen
(Urk. 10/39/7-8)
. Diese
hielt in ihrem Bericht vom 4.
Februar 2010
fest, die Kopfschmerzen hätten sich deutlich gebessert, träten allerdings bei
Erschöpfungszuständen
nach wie vor auf. In der angestammten Tätigkeit sei sie nach wie vor voll arbeitsunfähig. Als
Verteilerin
von Baby-Koffern arbeite sie circa sieben Stunden pro Woche für die
Firma J._
. In einer optimal angepassten Tätigkeit mit der Möglichkeit
zum
Einlegen von Pausen sei sie schätzungsweise maximal zwei mal zwei Stunden pro Tag arbeitsfähig
(Urk. 10/41
).
Das
Köfferli
-Verteilen erachtete die
Beschwerdegeg
nerin
als Beschäftigungstherapie und ging
daher weiterhin
von einem
Invaliden
ein
kommen
von 0 Fr.
und einem Invaliditätsgrad von 100
%
aus (Urk. 10/46/2).
3.
5
3.
5
.1
Anlässlich des aktuellen Revisionsverfahrens
holte
die Beschwerdegegnerin zunächst den „Fragebogen: Revision der Invalidenrente“
vom 15. Mai 2012
ein (Urk.
10/49/2-5
).
Weiter liess sie den IK-Auszug vom 5. Juli 2012 erstellen,
aus
welchem ein im Jahr 2010 erzieltes Einkommen von Fr. 9‘646.-- und ein im Jahr 2011 erzieltes Einkommen von Fr. 15‘923.--
hervorgeht
(Urk. 10/51).
3.
5
.2
Dr.
E._
gab in ihrem Bericht vom 27. Juni 2012 an, das zumutbare Arbeitsprofil sei unverändert. Die Beschwerdeführerin könne nun zum Teil ganze Tage arbeiten, brauche danach aber längere Erholungszeiten, da die Migräne sofort wieder auftrete. Ein regelmässiger Einsatz sei allenfalls bei einem stark reduzierten Tagespensum von schätzungsweise vier Stunden pro Tag möglich (Urk. 10/52/3).
3.
5
.3
Am 19. März 2013 nahm die Beschwerdeführerin ein Arbeitstraining bei der
Firma Z._
auf. Dem Zwischenbericht vom 25. Juni 2013 ist zu entnehmen, es könne noch nicht von einer Vermittelbarkeit ausgegangen werden. Die Beschwerdeführerin sei motiviert, aber ihre Leistungsfähigkeit sei noch nicht stabil und ihre Belastbarkeit sei gering (Urk. 10/73).
Im weiteren Verlauf des Arbeitstrainings
sei
es dann zu einer zunehmende
n
Erschöpfung und verstärk
ten Schmerzen
gekommen
(Urk. 10/76/7).
Bei der gesundheitlichen Verschlech
terung wurde die Weiterführung des Trainings
als
unzumutbar eingestuft
und festgehalten, dass keine Vermittelbarkeit erreicht worden sei
(Urk. 10/
77/3).
Daher wurde das Arbeitstraining trotz guter Kooperation und offensichtliche
m
Leistungswillen beendet (Urk. 10/75).
3.
5
.4
Dr.
E._
und die behandelnde Psychologin
lic
. phil.
K._
hielten am 30. September 2013 ebenfalls fest, das Arbeitstraining und die gleichzeitige Weiterführung ihres Teilzeitjobs hätten die Beschwerdeführerin an den Rand ihrer Belastbarkeit gebracht. Es sei zu physischen und psychischen Ausnahme
zuständen mit tätlichen Übergriffen gegenüber Dritten gekommen. Ihre Arbeitsfähigkeit betrage weiterhin schätzungsweise 30 bis 40
%
, wobei auf ihre Tagesform Rücksicht genommen werden müsse, sodass eine geregelte
Arbeits
tätigkeit
praktisch nicht denkbar sei (Urk. 10/79/1).
3.
5
.5
Am 11. März 2014 erfolgte die neurologische RAD-Untersuchung durch med.
pract
.
A._
. Die Beschwerdeführerin berichtete ihm, sie erleide nur noch zwei- bis dreimal pro Jahr Migräneattacken. Des Weiteren habe sie Gefühlsstö
rungen an den Füssen. Unter Medikation seien die Schmerzen - vor allem Kopf- und Nackenschmerzen - einigermassen erträglich, unter psychischem Druck würden sie aber wieder stärker (Urk. 10/84/3). Med.
pract
.
A._
bemerkte während der Untersuchung keine Hinweise für Aggravation. Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte er einen Mischkopfschmerz mit Kopf
schmerz vom Spannungstyp und Migräne (Urk. 10/84/4).
In seiner Beurteilung führte
er
aus, anhand der aktuellen neurologischen Untersuchung sei festzu
stellen, dass die Beschwerdeführerin weiterhin unter einem chronischen Schmerzsyndrom leide, das unter der aktuellen Medikation in einem einiger
massen stabilen Zustand gehalten werden könne, unter Zunahme der psycho
physischen Belastung aber
exazerbiere
.
Ohne
Medikation benötige die Beschwerdeführerin erheblich umfangreichere Regenerationsphasen als andere Menschen. Soweit erkennbar sei die Schmerzstörung ohne organisches Korrelat. Die Beschwerdeführerin weise jedoch keine Charakteristika einer
somatoformen
Schmerzstörung auf. Der Wiedereingliederungsversuch über die
Firma Z._
habe gezeigt, dass eine zusätzliche berufliche Belastung mit einer Verschlech
terung des Gesundheits
zustands einhergehe. Medizinisch-theoretisch sei dies nachvollziehbar. Die Verschlechterung beruhe soweit beurteilbar auf einer Zunahme des
Schmerz
erlebens
. Gesamthaft sei die Beschwerdeführerin aus rein neurologischer Sicht zu maximal 50
%
arbeitsfähig. Dabei sei auch die ange
stammte Tätigkeit als Schuhverkäuferin möglich, falls sie nicht mit einer erheb
lichen körperlichen Belastung einhergehe. Zu einer Verbesserung des Gesund
heitszustands und der Arbeitsfähigkeit könne es
durch eine
Krankengymnastik
behandlung
komme
n
. Diese könne eine Korrektur der Beinlängendifferenz und somit der die Nackenschmerzen ungünstig beeinflussenden muskulären
Dysba
lancen
bewirken. Mithin stünden weiterhin therapeutische Möglichkeiten offen (Urk. 10/84/5).
3.
5
.6
Dem RAD-Bericht vom 2
2.
April 2014 über die psychiatrische Untersuchung
durch
Dr.
B._
ist zu entnehmen,
testpsychologisch (Mini-ICF-P
*
) habe sich gezeigt, dass
die Beschwerdeführerin in der Flexibilität,
der
Umstellungs- und Durchhaltefähigkeit mittelgradig beeinträch
tigt sowie in der Kontaktfähigkeit zu Dritten,
der
Selbstbehauptungsfähigkeit,
der
Fähigkeit zu ausserberuflichen Aktivitäten und
der
Wegefähigkeit
leicht
gradig
beeinträchtigt
sei
. Es bestünden weder Hinweise auf
eine
Aggravation noch auf
eine
Selbstlimitierung oder -überschätzung. Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe eine posttrau
matische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1). Die Arbeitsfähigkeit sei seit
dem Jahr
2010 unverändert. In der bisherigen Tätigkeit sei
die Beschwerdeführerin
zu 100
%
und in einer angepassten Tätigkeit zu 40
%
arbeitsfähig (Urk. 10/85/7-9).
In ihrer gemeinsamen Stellungnahme hielten
Dr.
B._
und med.
pract
.
A._
fest, die 50%ige Arbeitsfähigkeit aus neurologischer Sicht bestehe seit dem 1. September 2004 und die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht sei unverändert (Urk. 10/90/7).
4.
4.1
Aus dem
geschilderten
Verlauf ist ersichtlich, dass sich die Migräne- und
Kopf
schmerzproblematik
seit der ursprünglichen
Rentenzusprache
, welche bei jeweils nicht wesentlich veränderter Erwerbsfähigkeit mehrmals bestätigt wurde,
verbessert hat.
Anlässlich der Rentenbestätigung vom 26. März 2010 übte die Beschwerdeführerin zwar in geringem Ausmass eine Tätigkeit aus, jedoch
erst
im Sinne eines Arbeitsversuchs (Urk. 10/37/5)
, sodass diese Tätigkeit noch als
Beschäftigungstherapie
gewertet wurde
(Urk. 10/46/2)
. Einige Monate später, im Juli 2010, nahm die Beschwerdeführerin hingegen eine zusätzliche Erwerbstä
tigkeit auf und erzielte so im Jahr 2010 ein
Einkommen von Fr. 9‘646.-- und im Jahr 2011 eines von Fr. 15‘923.-- (Urk. 10/51/2).
Mit Blick auf dieses effektiv erzielte Einkommen ist die von
Dr.
E._
und
lic
. phil.
K._
am
30. September 2013
festgehaltene
Arbeitsfähigkeit
von
schätzungsweise 30 bis 40
%
nun als verwertbare Restarbeitsfähigkeit zu betrachten
(Urk. 10/79/1)
. Mithin liegt eine relevante Verbesserung der Erwerbsfähigkeit der Beschwerde
führerin vor.
4.2
Gemäss ständiger Praxis des Bundesgerichts prüft die Verwaltung - wenn ein Revisionsgrund gegeben ist - den Rentenanspruch in tatsächlicher und rechtli
cher Hinsicht umfassend ("allseitig"), wobei keine Bindung an
frühere Beurtei
lungen besteht
(Urteil des Bundesgerichts 9C_378/2014 vom 21. Oktober 2014, E. 4.2).
Somit hatte die Beschwerdegegnerin bei der neuen Beurteilung auch die Überwindbarkeits-Rechtsprechung zu berücksichtigen beziehungsweise die
Überwindbarkeit erneut zu prüfen. Der Einwand des Beschwerdeführers, dies sei unzulässig
(Urk. 1 S. 7-9)
, ist
dementsprechend
nicht zu hören.
4.3
Die untersuchenden RAD-Ärzte hielten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
einen Mischkopfschmerz mit Kopfschmerz vom Spannungstyp und Migräne (Urk. 10/84/4) sowie eine posttraumatische Belastungsstörung (Urk. 10/85/9) fest.
Dabei hatte der Neurologe für die Schmerzstörung kein organisches Korrelat gefunden (Urk. 10/
84/5).
Sowohl bei Leiden, deren Ursache bekannt oder (bildgeben
d
) zu objektivieren ist, als auch bei Beschwerden mit unklarer Ätiologie und Kausalität vermögen die subjektiven Angaben der versicherten Person eine
invalidenversicherungs
rechtlich
relevante Arbeitsunfähigkeit jedenfalls nicht ohne Weiteres
rechts
genüglich
nachzuweisen, sondern es hat stets eine sorgfältige
Plausibilitäts
prü
fung
der geltend gemachten
Funktions
einschränkungen
zu erfolgen (BGE 140 V 290 E. 3.3.1).
Die Folgen der Beweislosigkeit treffen die vers
icherte Person
, wenn die Auswirkung des Leidens auf die Arbeitsfähigkeit trotz in Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes sorgfältig durchgeführter Abklärungen vage und unbestimmt bleiben (BGE 140 V 290 E. 4
.1
).
D
abei kommt d
en medizinischen Experten
e
ine entscheidende Rolle zu. Diese haben im Einzelnen zu begründen und mittels ihrer Feststellungen und Einschätzungen zu Leidensdruck, psychi
schen Ressourcen oder funktionellen Defiziten darzulegen, in welchem Ausmass die Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist oder aber festzuhalten, dass die Beant
wortung dieser Frage - trotz Ausschöpfung aller Möglichkeiten fachgerechter Exploration - nicht oder
nicht sicher genug möglich ist (
BGE 140 V 290
E. 4.2).
4.4
4.4.1
Der Neurologe
des RAD
fand es medizinisch-theoretisch nachvollziehbar, dass die zusätzliche berufliche Belastung während des Arbeitstrainings mit einer Schmerzzunahme und somit einer Verschlechterung des Gesundheitszustands einherging. Entsprechend befand er in seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung eine Arbeitstätigkeit nur im Umfang von 50
%
für zumutbar (Urk. 10/84/5).
Hinweise für
eine
Aggravation
fand er keine
(Urk. 10/84/4).
Ebenso wenig fand
Dr.
B._
bei seiner Untersuchung Hinweise für Aggrava
tion, Bagatellisierung, Selbstlimitierung oder -überschätzung (Urk. 10/85/8).
4.4.2
Dem Abschlussbericht
vom 28. August 2013
über die Massnahmen bei der Institu
tion
Z._
ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin über eine sehr grosse Motivation und ein ebensolches Verantwortungsbewusstsein verfügte. Die Erschöpfung und Belastung habe man ihr ansehen können und sie sei stets
müde und niedergeschlagen gewesen, habe sich jedoch immer Mühe gegeben, alles richtig zu machen (Urk. 10/77/1)
.
Gemäss den zuständigen Personen der
Firma Z._
hat die Beschwerdeführerin
ein realistisches Selbstbild
und kann ihre Fähigkeiten und Kenntnisse realistisch einschätzen.
Sie habe
ein sehr hohes Verantwortungs- und Pflichtgefühl
gezeigt
und ihre Arbeiten nach bestem Wissen und Gewissen
erledigt
. Es
sei
zu spüren
gewesen
, dass sie sich Mühe g
egeben habe
. Ihre Motivation
sei
stets hoch ausgeprägt
gewesen
.
Stark einge
schränkt
seien indes
ihre Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit
gewesen
.
Sie schlossen, die instabile gesundheitliche Befindlichkeit habe eine Integration im ersten Arbeitsmarkt verunmöglicht. Vor der Aufnahme des Trainings bei der
Firma Z._
habe sie allerdings die Präsenzzeit von circa 30 bis 40
%
bei der
Firma L._
einigermassen gut organisieren können
(Urk. 10/77/
2-
3).
4.4.3
Nach dem Gesagten zeigte sich die Beschwerdeführerin sehr motiviert, bemühte sich,
aggravierte
nicht und schätzte ihre Möglichkeiten realistisch ein. Dennoch gelang ihr
das Absolvieren des Arbeitstrainings nebst ihrer 30-40%igen Anstellung nicht.
Anhand dieser Fakten erscheint die Beurteilung des RAD-Neurologen, wonach die Beschwerdeführerin umfangreichere
Regenerations
phasen
als andere Menschen benötige und daher nur teilzeitlich arbeitsfähig sei (vgl. Urk. 10/84/5),
grundsätzlich
plausibel
.
4.4.4
Steht eine medizinische Einschätzung der Leistungsfähigkeit in offensichtlicher und erheblicher Diskrepanz zu einer Leistung, wie sie während einer ausführli
chen beruflichen Abklärung bei einwandfreiem Arbeitsverhalten/-einsatz des Versicherten effektiv realisiert und gemäss Einschätzung der Berufsfachleute objektiv realisierbar ist, vermag dies ernsthafte Zweifel an den ärztlichen Annah
men zu begründen (Urteil des Bundesgerichts 9C_833/20
07 vom 4. Juli 2008, E.
3.3.2).
Umso grösser sind die Zweifel an der von der IV-Stelle angenom
menen vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit im vorliegenden Fall, wo selbst die untersuchenden RAD-Ärzte
korrelierend mit
dem Resultat des
Ar
beitstrainings
nur von einer teilweisen Arbeitsfähigkeit ausgingen.
4.5
4.5.1
Für die Frage, ob die aus neurologischer Sicht
attestierte und medizinisch nach
vollziehbare
50%ige Arbeitsunfähigkeit
auch aus juristischer Sicht zu berück
sichtigen ist, kommt es entscheidend darauf an, über welche Ressourcen zur Schmerzüberwindung die Beschwerdeführerin verfügt. Der Schilderung ihres Tagesablaufes ist zu entnehmen, dass sie zu einigen Aktivitäten in der Lage ist. So
steht sie auch an Tagen, an welchen sie nicht arbeitet, zwischen 7.30 und 8 Uhr auf, geht mit ihrem Hund nach draussen, spricht mit ihrem Partner, erledigt Haushaltsarbeiten, kümmert sich teilweise um die Mutter ihres Partners, kocht, räumt die Küche auf und geht einkaufen (Urk. 10/85/4). Als Freizeitbeschäfti
gungen gab sie zudem nebst ihrem Hund den Garten sowie Lesen an (Urk. 10/85/1).
Daraus
kann jedoch
nicht geschlossen werden, dass sie
-
entge
gen jeder ärztlichen
inklusive versicherungsmedizinischer
Beurteilung
-
mit zumutbarer Willensanstrengung gar nicht in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträch
tigt
ist
. Denn
bei einer stärkeren physischen und psychischen Belastung
nehmen
auch die Schmerzen zu (Urk. 10/84/5, Urk.
10/23/7
), sodass im Falle einer
voll
zeitlichen
Erwerbstätigkeit wesentlich stärkere Schmerzen überwunden werden müssten.
4.5.2
Relevant sind ferner die Ressourcen der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht.
Dazu nahm der beurteilende RAD-Psychiater
Dr.
B._
nicht
direkt
Stel
lung. Die posttraumatische Belastungsstörung
beeinflusst nach seine
r
Einschät
zung
die Arbeitsfähigkeit (Urk. 10/85/9)
.
Er
ermittelte konkrete Einschränkun
gen in der Flexibilität, der Umstellungs- und Durchhaltefähigkeit, in der Kon
taktfähigkeit
gegenüber
Dritten, der Selbstbehauptungsfähigkeit, der Fähigkeit zu ausserberuflichen Aktivitäten und der Wegefähigkeit (Urk. 10/85/7-8).
Gemäss
Vorakten
wirkt sich auch
die posttraumatische Belastungsstörung
nega
tiv auf die Überwindbarkeit der Schmerzstörung
respektive auf die Mög
lich
keiten zum Umgang mit den Schmerzen
aus, denn gemäss
einer früheren psychologischen Beurteilung trägt die posttraumatische Belastungsstörung we
sentlich zur Aufrechterhaltung der Schmerzen bei
(Urk. 10/23/8).
Ob dies auch aktuell der Fall ist, ist ungeklärt.
Im Übrigen ist auch
Dr.
B._
s Schlussfolgerung bezüglich der Arbeitsfähigkeit
(100%ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und 40%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit; Urk. 10/85/9)
nicht schlüssig.
Dass die Beschwer
deführerin in einer ihrem Leiden optimal angepassten Tätigkeit in einem gerin
geren Umfang arbeitsfähig ist als in ihrer bisherigen Tätigkeit
,
ist nicht
anzu
nehmen
. Denn wäre sie in ihrer bisherigen Tätigkeit tatsächlich zu 100
%
arbeitsfähig, wäre dies
auch
eine angepasste Tätigkeit und dann wäre sie auch
in einer solchen zu 100
%
arbeitsfähig. Möglicherweise hat
Dr.
B._
die Arbeitsunfähigkeit anstelle der Arbeitsfähigkeit angegeben. In diesem Fall wäre die Beschwerdeführerin aus seiner Sicht noch stärker eingeschränkt als
gemäss
med.
pract
.
A._
s Beurteilung
. Ebenso falls er mit der bisherigen Tätigkeit die aktuelle 30-40%ige Tätigkeit bei der
Firma L._
gemeint hat. Auch
der Hinweis, die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht sei seit dem
Jahr 2010 unverändert (Urk. 10/85/8), hilft nicht weiter, denn damals wurde die Arbeitsfä
higkeit aus psychiatrischer Sicht nicht abgeklärt.
4.6
D
ie behandelnde Psychiaterin
Dr.
C._
wies
in ihrem Bericht vom 23. Dezember 2014 darauf hin, die chronischen Schmerzen könnten mit der rezidivierenden depressiven Störung in Verbindung gebracht werden. Denn die Kopfschmerzen hätten einzig auf das Antidepressivum
Saroten
retard
angespro
chen und würden durch psychischen Stress verstärkt. Auch die exzessive Tagesmüdigkeit sei im Rahmen der Depression und Angststörung zu interpre
tieren (Urk. 6 S. 3). Insgesamt liege ein äusserst komplexes Krankheitsbild vor. Insbesondere die psychische Komorbidität
bedürfe weiterer Abklärungen
(Urk. 6 S. 4). Diese
fachärztlichen
Ausführungen lassen es
bei der gegebenen Aktenlage zusätzlich
als angezeigt erscheinen, den psychischen Gesundheits
zustand der Beschwerdeführerin
und
dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
(alleine sowie in Zusammenwirkung mit den Schmerzen)
noch
ergänzend
abzuklären.
Mit Blick auf die Überwindbarkeits-Rechtsprechung
mit den Foerster-Kriterien
, welche auch auf posttraumatische Belastungsstörungen anwendbar ist (
Urteil des Bundesgerichts 8C_483/2012, E. 4.2 mit Hinweisen
), kann auch massgebend sein, ob die
vorhandenen
psychischen Einschränkungen wirklich nur von der posttraumatische
n
Belastungsstörung herrühren oder ob daneben
wie von Dr.
C._
diagnostiziert (Urk. 6 S. 1) weitere relevante psychische Störungen vorhanden sind.
4.7
Nach dem Gesagten ist
die
Frage, ob die aus medizinischer Sicht attestierte teil
weise Arbeitsunfähigkeit trotz
- soweit erkennbar -
fehlenden organischen Korrelats
plausibel ist,
nicht beurteilbar, sondern es sind weitere Angaben aus
medizinisch
er Sicht erforderlich. So ist unter anderem abzuklären, ob es der Explorandin aus gutachterlicher Sicht möglich ist, ihre Beschwerden willentlich zu überwinden und dadurch eine höhere Arbeitsfähigkeit zu erzielen, wenn nein, warum nicht und wenn ja, weshalb (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_513/2009 vom
2.
September 2009, E. 4.3).
Ferner sind die allfälligen Ein
schränkungen aus psychiatrischer Sicht nachvollziehbar darzulegen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen
und die Sache zur Ergänzung und Klar
stellung an die IV-Stelle zurückzuweisen
.
5.
5.1
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von
L
eistungen
der Invalidenversicherung
. Das Verfahren ist daher kosten
pflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
8
00.
--
anzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten
der
Beschwer
degegnerin
aufzuerlegen.
5.2
Da dem Beschwerdeantrag vollumfänglich zu entsprechen ist, liegt Obsie
gen der Beschwerdeführerin vor. Aber auch sonst gilt nach
ständiger Rechtspre
chung die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2)
.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechts
pflege
vom
9.
März 2015 (Urk.
12) als gegenstandslos.
Die Prozessentschädigung
ist
gemäss Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Pro
zesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen zu bemessen und unter Berück
sichtigung dieser Grundsätze auf
Fr.
2‘000
.-- (inkl. Mehrwertsteue
r und
Bar
auslagen
) festzusetzen
.