Decision ID: b64e7d2e-785e-4210-aef3-507c96a7b321
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1969, absolvierte in der Schweiz die obligatorische Schul
zeit und schloss 1988 eine kaufmännische Lehre ab. Anschliessend bes
uchte sie ein Privatgymnasium i
m Ausland (
Y._
)
und studierte vo
n 1989 bis 1993 Germanistik an einer Universität in
Y._
, wo
sie zudem das Lehr
amt absolvierte. 1995 nahm die Versicherte ein Studium der Germanistik, Päda
gogik und Computerlinguistik an
einer schweizerischen Universität
auf (
Urk.
6/3
Ziff.
5.1-
2
). Nebenbei
üb
te sie diverse
Teilzeitjobs aus (vgl.
Urk.
6/2).
Ab
Sep
tember 2004
war
s
ie
als
D
olmetscherin
für die Gerichts- und Verwaltungsbe
hörden des
Kanton
s
Zürich und ab 2006 zusätzlich als Telefon-Dolmetscherin tätig
(
Urk.
6/3
Ziff.
5.5)
.
1.2
Am 1
9.
November 2009 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf ein seit Juli 2007 bestehendes psychisches Leiden zum Bezug von Leistungen der Inva
lidenversicherung (berufliche Massnahmen) an (
Urk.
6/3
Ziff.
6.1-4).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte Arztberichte (
Urk.
6/10,
Urk.
6/12,
Urk.
6/14-15) sowie einen Auszug aus dem individuellen Konto (
Urk.
6/7) ein
und
tätigte
beruflich
-erwer
bliche Abklärungen (
Urk.
6/8-9).
Zudem
v
eranlasste
sie
ein
psychiatrische
s Gutachten, welches am 2
3.
Dezember 2010 erstattet wurde (
Urk.
6/19).
Mit Vorbescheid vom
1.
Februar 2011 (
Urk.
6/23) stellte die IV-Stelle die Abwei
sung des Leistungsbegehrens in Aussicht
. Hierg
egen
erhob
die Versicherte am
1.
März 2011
einen Einwand
, welche
n
sie am 2
8.
April 2011 unter Beilage diverser Arztberichte (
Urk.
6/31,
Urk.
6/33-36), darunter ein psychiatrisches
Pri
vatgutachten
vom 2
6.
April 2011 (
Urk.
6/31)
,
begründete (
Urk.
6/37).
Die von der Versicherten
eingereichten Arztberichte unterbreitete
die IV-Stelle den von ihr beauftragten Gutachtern, welche sich am
6.
Juni 2011
dazu äusserten
(
Urk.
6/40
)
.
Am 2
9.
September 2011
(
Urk.
6/47)
reichte die Versicherte
zwei weitere
Arztbe
richte
(
Urk.
6/46)
ein
, namentlich eine Stellungnahme des Privatgutachters zur
Rückäusserung der IV-Gutachter vom
6.
Juni 2011
(
Urk.
6/46/9-11).
Am 1
4.
November 2011 (
Urk.
6/53) reichte die
Versicherte
ein weiteres psychiatri
sches Privatgutachten (
Urk.
6/52)
ein
.
Mit Verfügung vom 1
9.
Januar 2012 (
Urk.
6/58 =
Urk.
2) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten ab.
2.
2.1
Gegen die Verfügung vom 1
9.
Januar 2012 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am 2
0.
Februar 2012 Beschwerde und beantragte, es sei ihr rückwirkend und auch weiterhin eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventuell sei ein psychiatri
sches Obergutachten einzuholen.
Des
Weiteren
beantragte sie, es
seien ihr berufliche Massnahmen zu gewähren. Eventuell sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückzuweisen zweck
s weiterer
Abklärungen
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV
Stelle schloss mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
März 2012 (
Urk.
5) auf Abwei
sung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
2.
Mai 2012 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
2.2
Die weiteren Eingaben der Beschwerdeführerin v
om 1
0.
August 2012 (
Urk.
9),
1
8.
September 2012 (
Urk.
12),
6.
Februar 2013 (
Urk.
15) und
6.
März 2013 (
Urk.
17) wurden der Beschwerdegegnerin
am 1
6.
August 2012 (
Urk.
11
),
2
0.
September 2012 (
Urk.
14) und
2
6.
März 2013 (
Urk.
20) samt Beilagen (
Urk.
10/8-11,
Urk.
13,
Urk.
16/1,
Urk.
18/1-2) zugestellt.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Te
il
s des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
1.3
Der Rentenanspruch entsteht gemäss
Art.
29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29
Abs.
1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (
Abs.
1). Die Rente wird vom Beginn des Monats an aus
bezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (
Abs.
3).
1.
4
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist - auch bei psychischen Erkran
kungen - in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a S. 299; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
1.
5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen fest
zustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus,
dass bei der Beschwerdeführerin keine andauernde Arbeitsunfähigkeit von mehr als 20
%
bestand. Die gesundheitliche Einschränkung habe sich zeitlich auf Wochen bis wenige Monate beschränkt. Aus psychiatrischer Sicht sei aktuell höchstens eine 20%ige Einschränkung ausgewiesen. Unter adäquater psychiat
risch-psychotherapeutischer Behandlung sei mit einer weiteren Verminderung der Arbeitsunfähigkeit zu rechnen (S. 1 unten). Die Voraussetzungen für beruf
liche Massnahmen seien ebenfalls nicht erfüllt, da mit entsprechenden Mass
nahmen keine relevante Einkommensverbesserung zu erzielen sei. Durch die bereits abgeschlossene kaufmännische Ausbildung könne
die Beschwerdeführe
rin
ein rentenau
sschliessendes Einkommen erzielen
(S. 2 oben).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) demgegenüber
im Wesentlichen
geltend,
auf das von der Beschwerdegegnerin eingeholte Gutach
ten könne nicht abgestellt werden. Dieses sei - aus näher dargelegten Gründen (S. 7 ff.) - weder formell noch materiell vollständig, in grossen Teilen nicht nachvollziehbar und entweder gar nicht oder mangelhaft begründet worden, indem Fehldiagnosen gestellt worden seien auch in medikamentöser Hinsicht (S.
21
Ziff.
20). Die Einschätzung der IV-Gutachter stehe
namentlich
in sehr gros
sem Widerspruch zur Einschätzung
der Priva
t
gutachter sowie den Berichten
der behandelnden Ärzte, welche sie im Gegensatz zu den
von der
Beschwer
degeg
nerin
beauftragten
Gutachtern alle mehrmals gesehen hätten (S.
7 f.
Ziff.
8). Gestützt auf das vollständige und nachvollziehbare psychiatrische
Privat
gut
achten
vom 2
6.
April 2011 - welches auch durch weitere Arztberichte gestützt werde -
sei davon auszugehen, dass sie
seit 2007 an einer weitgehend ununter
brochenen schweren und invalidisierenden Depression leide und sowohl in der angestammten Tätigkeit als Dolmetscherin als auch in einer angepassten Tätig
keit zu 90
%
arbeitsunfähig sei (S. 5 f.
Ziff.
3-5).
Gemäss Einschätzung der
Pri
vatgutachter
und der behandelnden Ärztin bestehe
zur Zeit
keine verwertbare Re
starbeitsfähigkeit, weshalb sie
auch aufgrund der längeren Erwerbslosig
keit
zunächst beruflicher Massnahmen bedürfe (S. 25 f.
Ziff.
25). Im Vor
dergrund stünden Eingliederungsmassnahmen wie Berufsberatung, Coachings und Arbeitsvermittlung (S. 26 f.
Ziff.
27).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
, ob
bei der Beschwerdeführerin eine
versicherungsrele
vante
Gesundhe
its
be
einträchtigung besteht
und welche Leistungsansprüche sich darau
s
allenfalls ergeben
.
3.
3.1
Vom 2
2.
bis 2
6.
Juli 2007 war die Beschwerdeführerin im
Z._
der
A._
hospitalisiert, wo gemäss Bericht vom 2
6.
Juli 2007
(
Urk.
6/14)
die Diagnose einer depressiven Störung, gegenw
ärtig mittelgradig (ICD-10 F32.1
),
und als Differentialdiagnose eine Zwangsstörung, nicht näher bezeichnet (ICD
10 F42.9), gestellt wurden
(
Ziff.
1)
.
Die Ärzte
führten aus, die Beschwerdeführerin habe sich im
Z._
gemel
det, weil sie seit zwei Tagen verstärkt unter einem ihr seit eineinhalb Jahren bekannten Zwangsgedanken leide. Sie habe Angst, ihrer sechsjährigen Nichte etwas anzutun oder ihr zu schaden.
Es bestehe ein ausgeprägtes magisches Den
ken und damit verbunden ebenfalls auf ihre Nichte bezogene Zwangshandlun
gen.
Im Hintergrund bestehe eine zunehmende Verunsicherung und
Dünnhäu
tigkeit
, seit sie vor etwa drei Jahren angefangen habe, als Übersetzerin im strafrechtlichen Bereich zu arbeiten, und ihr bewusst
ge
worden sei, wie Men
schen plötzlich zu Tätern werden könnten (
Ziff.
2).
3.2
Am 2
6.
Februar 2008
ersuchte
n
Dr.
med.
B._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und
C._
, Psychotherapeut SPV,
D._
, Ambulatorium
,
die
Kranken
kasse der Beschwerdeführerin
um Ko
s
tengutsprache für eine Weiterführung der am 2
7.
Juli 2007 aufgenommenen psychotherapeutischen Einzeltherapie mit zwei Sitzungen wöchentlich
(
Urk.
3/6)
. Als Diagnosen nannten sie
Zwangsge
danken
und -handlungen, gemischt
(
ICD-10 F42.2
) sowie
eine mittelgradige depr
essive Episode,
ICD-10 F32.2 (
Ziff.
1)
.
Sie führten aus, die
Beschwerde
führerin habe
Phasen eines deutlich gebesserten Zustandes, dann wieder rück
fällige Tage. Der Gesamtzustand sei ohne Zweifel gebessert, jedoch immer noch gefährdet, labil. Eine reguläre Wiederaufnahme ihres Studiums sei noch nicht möglich, doch grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Zurzeit müsse von umfas
sender Arbeitsunfähigkeit gesprochen werden
(
Ziff.
4)
.
3.3
In einem weiteren
Kostengutsprachegesuch zu
Handen
der Krankenkasse vom 1
5.
Januar 2009
(
Urk.
6/36) nannten
Dr.
med
E._
, FMH Psychiatrie und P
sychotherapie, und
lic
. phil.
F._
, Psychologin FSP,
D._
,
die
gleichen Diagnosen, wie sie von
Dr.
B._
und
C._
im Bericht vom Februar 2008 gestellt wurden.
Sie
führten aus, die Zwangsgedanken und
handlungen
seien seit November 2008 weitgehend gebessert. Zurück bleibe ein blockierender
Perfek
tionszwa
ng
im
beruflichen und sozialen (Gebundenheit an die Eltern) Bereich als zwanghaftes Verschuldungsdenken. Seit einigen Monaten leide die Beschwerdeführerin unter weniger
Ängsten und
Tag- und Nachtrhythmus hät
ten sich wieder eingependelt.
Sie sei wieder motiviert nach v
orne zu schauen. Eine deutliche Zustandsverbesserung sei
sichtbar (
Ziff.
4).
3.4
Die Hausärztin der Beschwerdeführerin,
Dr.
med.
G._
,
Fachärz
tin
für Allgemeine Medizin FMH, nannte i
n ihrem Bericht vom 2
2.
Dezember 2009 (
Urk.
6/10)
gleichlautende Diagnosen wie die Ärzt
e
der
A._
im Juli 2007
(
Ziff.
1.1
). Anamnestisch berichtete sie
, die Beschwerdeführerin
stehe seit 1998 in ihrer Behandlung. Sie habe sie häufig auch als Begleiterin und Übersetzerin ihrer Mutter erlebt. Die Beschwerdeführerin lebe mit ihren Eltern in der gleichen Wohnung. 2005 habe eine andauernde psychosoziale Belastungssituation bestanden, da der Vater eine Bypass-Operation gehabt und die Beschwerdeführerin sehr viel Unterstützungsleistungen für ihre Eltern erbracht habe. Im Mai 2007 habe sie von den Ärzten des
H._
erfahren, dass die Beschwerdeführerin an einem ausgeprägten paro
xysmalen Lagerungsschwindel
leide. Im August 2007 habe sie sodann von der Krisenintervention im
Z._
erfahren. Danach habe bis am 2
0.
Mai 2009 ein Konsultationsunterbruch bestanden. Die Beschwerdeführerin habe sich wieder gemeldet, weil sie unter starker Müdigkeit gelitten, sehr viel geschlafen und in den vergangenen zwei Jahren 13
kg
an Gewicht zugenommen habe. Sie hab
e berichtet, seit zwei Jahren in der
D._
in Behandlung z
u sein
. Sie sei
damals
wahrscheinlich in einen depressiven Zustand geraten, weil sie beruflich und familiär gefordert gewesen sei
.
S
eit März 2009
habe sich die Beschwerdeführerin
deutlich stabiler gefühlt und gewünscht, ihr Studium und ihre Arbeit wieder aufzunehmen. A
nlässl
i
c
h der letzten Konsult
ation vom 2
8.
August 2009
habe sie
berichtet, dass sie zur
zeit keine psychologische Betreuung mehr habe, durch ihre Psychiaterin aber noch medikamentös b
ehandelt werde (
Ziff.
1.4)
. Anlässlich
dieser Konsultation
habe sich ihr eine 40-jährige, deprimiert wirkende, adipöse Beschwerdeführerin gezeigt, bei welcher eine ausgeprägte persistierende psychosoziale Belastungs
situation bestehe.
Sie habe ihr geraten, sich wieder in psychotherapeutische Behandlung zu b
egeben und sich betreffend ihre
sozialen Probleme Unter
stützung bei einer Sozialberatungsstelle zu holen.
Da sie in den psychothera
peutischen Prozess nicht involviert sei, könne sie pro
gnostisch keine A
ussage machen (
Ziff.
1.4 am Ende)
.
Seit Juli 2007 bis heute bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
1.6).
3.5
Am
1
9.
März 2010
berichtete
Dr.
B._
,
D._
(
Urk.
6/12). Sie führte aus, die Beschwerde
führerin vom
1.
April 2008 bis
2
1.
April 2009 behandelt
zu haben, die letzte Kontrolle habe am 2
1.
April 2009 stattgefunden
(
Ziff.
1.2).
Seit
2
7.
Juli 2007 best
ünden folgende
Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Ziff.
1.1)
:
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
Zwangsgedanken und -handlungen, gemischt (ICD-10 F42.2)
Sie führte aus, die
Beschwerdeführerin werde aktuell medikamentös behandelt (
Ziff.
1.5).
Als Studentin und Übersetzerin im strafrechtlichen Bereich sei
sie s
eit 2
1.
Juli 2007 bis auf w
eiteres zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6).
3.6
Am 1
3.
Oktober 2010
ersuchte
Dr.
B._
die
Krankenkasse der
Beschwerdeführerin
um eine weitere Kostengutsprache für psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung
(
Urk.
6/34). Als aktuellen psychopathologi
schen Befund nannte sie ein depressives Syndrom (ICD-10 F33.11) mit Bedrücktheit, depressiver Stimmung mit verminderter Schwingungsfähigkeit, Freudlosigkeit, Apathie, Verlust von Interesse und Zukunftsperspektive, Mutlo
sigkeit, starkem Antriebsmangel, starker Ermüdbarkeit, Morgentief, langem Schlaf tagsüber, Entscheidungsschwierigkeiten, sozialer Isolation, zeitweiliger Suizidalität, Konzentrationsstörung und Verlangsamung. Sie führt
e aus, nach einer Phase von eineinhalb
Jahren, in denen die Beschwerdeführerin nur alle zwei Monate in eine Sitzung habe kommen wollen, habe sie nun motiviert wer
den können, wieder regelmäs
sig Therapiesitzungen zu machen, wobei eine Sitzung pro Woche vorgesehen sei. Auch
gehe
sie
zu einer Ernährungsberatung. Sie werde derzeit mit Psychopharmaka versorgt. Sie habe sehr sorgfältig moti
viert werden müssen, die Pharmakotherapie überhaupt wieder aufzunehmen (
Ziff.
3-4). Es sei mit einem längeren Krankheitsverlauf zu rechnen, wobei durchaus noch Hoffnung auf einen günstigen Verlauf bestehe. Ziel sei vorläufig, eine vermehrte Selbständigkeit zu erreichen mit Ablösung vom Elternhaus. Dies sei bis anhin unter anderem auch an der finanziell prekären Situation der Fami
lie gescheitert (
Ziff.
5).
3.7
Am 2
3.
Dezember 2010
erstatteten
Dr.
med.
I._
und med.
pract
.
J._
, Fachärzt
e
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein Gutach
ten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6/19). Sie stützten sich auf die ihnen überlassenen Akten und ihre am
2
0.
Dezember 2010
erfolgte Untersu
chung
(vgl. S. 1).
Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig allenfalls leichte depressive Episode, ICD-10 F33.0 (S. 11
Ziff.
5.1). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie akzentuierte Persönlichkeitszüge mit abhängigen
histrionischen
(infantilen) Anteilen (ICD-10 Z73.1) sowie einen schädlichen Gebrauch vo
n
Methylphenidat
(ICD-10 F15.1).
Im Rahmen der Sozialanamnese führten die Gutachter unter anderem aus, die Beschwerdeführerin habe berichtet, bisher zwei Partnerschaften gehabt zu haben. Die erste s
ei 2003 gewesen und habe etwa zehn
Monate gedauert. D
er damalige Partner habe in Y._
gelebt, man habe sich nur selten gesehen. Deshalb sei diese Partnerschaft auch gescheitert. Die z
weite Partnerschaft sei nach zehn
Monaten im Sommer 2010 beendet worden. Der
sechs
Jahre jüngere Partner habe den Altersunterschied als problematisch angesehen
(S. 6 Mitte)
. Sie lebe in der Wohnung ihrer Eltern, hab
e sich bis dato nicht abgelöst.
Seit sie krank sei, verdiene sie kein Geld, sei vollständig von den Eltern abhängig. Sie habe viele soziale Kontakte: habe Freundinnen aus der Schulzeit, Bekannt
schaften der Eltern und auch Freunde aus der Studienzeit. Zudem sei sie Mit
glied in der
Studentengruppe
K._
an der
L._
. Wenn es ihr gut gehe, treffe sie sich regelmässig mit ihren Freunden. Sie habe noch keinen Führerschein. Im Mai 2009 habe sie die theoretische Fahrprüfung absolviert. Seither mache sie die Fahrstunden, inzwischen habe sie etwa
30
Fahrstunden gemacht. Für
Februar 2011 sei die praktische Fahrprüfung vorgesehen. Ihre Hobbies seien: Schwimmen, Lesen, ins Kino gehen, mit Freundinnen shoppen gehen (S. 6 unten, S. 7 oben).
Was das jetzige Leiden angehe, so habe die Beschwerdeführerin berichtet, ener
gielos, schwach und erschöpft zu sein.
Dieser Zustand daure schon lange und höre nicht auf.
Sie schlafe zu viel, leide unter einem Antriebsmangel. Es g
e
be
Tage
, an denen es ihr gut gehe, aber auch Tage, an denen sie nicht einmal all
tägliche Dinge erledigen könne. Auf Nachfragen hin habe die Beschwerdeführe
rin angegeben, nicht genau sagen zu können, wie lange es ihr gut oder schlecht gehe. Etwa 10 Tage gut und dann 10 Tage schlecht (S. 8
Ziff.
3.6).
Auf konkrete Fragen zur vegetativen Anamnese hin habe sie angegeben, ihr Appetit sei gut, sie habe noch nie Probleme damit gehabt. Von 2007 bis 2009 habe sie unter der medikamentösen Behandlung zugenommen, habe bei einer Körpergrösse von
155 cm 76 kg gewogen. Seit einem Jahr gehe sie monatlich zur
Ernährungsbe
ratung
, es sei ihr gelungen, das Körpergewicht auf 70 kg zu reduzieren
(S. 9 oben)
.
Der Schlaf sei bei ihr das Hauptproblem. Sie habe ein vermehrtes Schlaf
bedürfnis. Sie gehe abend
s gegen 21.00-22.00 Uhr zu Bette und
stehe am nächsten Tag gegen 11.00 Uhr auf. Am Anfang ihrer Depression sei es schlimm gewesen mit dem vielen Schlaf, dies habe sich inzwischen etwas gebessert. Auf Nachfragen hin habe die Beschwerdeführerin angegeben, dass sie sich trotz des vielen Schlafs nicht erholt fühle, zwei bis drei Stunden brauche, um morgens in die Gänge zu kommen (S. 9 Mitte).
Zum Tagesablauf habe die Beschwerdefüh
rerin angegeben, morgens meistens gegen 11.00 Uhr auf
zustehen
. Sie mache die Morgentoilette und frühstücke. Sie nehme auch ihre Medikamente ein. An guten Tagen gehe sie zur Uni. Sie habe aktuell eine Arbeit im Bereich „Spracherwerb“ angefangen. Sie komme nicht so gut weiter, habe so etwas wie eine
Schreibblo
ckade
. Sie versuche die „allgemeine Arbeit“ zu erledigen. Sie gehe zur Post, müsse die Einzahlungen erledigen, müsse auch ihre E-Mails erledigen. Grund
sätzlich versuche sie
, jeden Tag
auszugehen. Sie treffe sich dann mit ihren Freundinnen. Wenn es ihr schlecht gehe, bleibe sie zu Hause. Sie liege dann viel im Bett, schaue fern oder versuche, etwas zu lesen. An den schlechten Tagen müsse sie sich zu den genannten Tätigkeiten überwinden. Am Nachmittag gehe sie aus dem Haus an die frische Luft, sei in der Uni oder einfach in der Stadt mit Kolleginnen. Auf Nachfragen hin habe die Beschwerdeführerin angegeben, am PC zu arbeiten, manchmal nur eine Stunde, manchmal 3-4 Stunden, dies sei unterschiedlich. Gegen 17.00-18.00 Uhr kehr
e
sie nach Hause zurück und helfe der Mutter beim Zubereiten des Nachtessens. Danach höre sie Musik, lese Zeit
schriften. Gegen 21.30-22.00 Uhr gehe sie ins Bett
(S. 9 unten).
Von 2007 bis 2009 sei sie in ambulanter Psychotherapie bei der Psychologin Frau
F._
gewesen. Die Therapie habe ihr viel gebracht, die
Zwangsgedan
ken
seien nach einem Jahr „so gut wie weg“ gewesen. Nach einem Umzug der Therapeutin sei sie mit ihrem Nachfolger nicht klar gekommen und habe die Psychotherapie für etwa eineinhalb Jahre ausgesetzt. Im Oktober 2010 habe si
e
wieder eine Psychotherapie angefangen
(S. 9 unten).
In Bezug auf die eigenen Zukunftsvorstellungen bezüglich Arbeitsfähigkeit habe die Beschwerdeführerin angegeben, sie würde gerne arbeiten, habe doch nicht umsonst studiert. Im Moment könne sie aber nicht arbeiten. Ihr Zustand schwanke von einem Tag auf den nächsten. Zudem fehle ihr die Kraft, das Selbstbewusstsein, bereits kleine Sachen würden ihr eine grosse Mühe bereiten. „Natürlich kämen auch die Schlafprobleme dazu.“ Insgesamt fühle sie sich voll arbeitsunfähig. Spontan habe die Beschwerdeführerin sodann ergänzt, dass sie sich, so lange sie krank sei, eine Unterstützung der Invalidenversicherung
wünsche
. Sie könnte sich dann auf die Behandlung konzentrieren und ihr Stu
dium fortsetzen. Wenn sie dann gesund werden würde, bräuchte sie keine Inva
lidenrente (S. 10
Ziff.
3.7).
Zum erhobenen psychischen Befund führten die Gutachter aus, die Beschwerde
führerin habe sich freundlich und aufmerksam gezeigt und dabei kontrollierend gewirkt. Zum Krankheitsverlauf und zu ihren Beschwerden habe sie umfangrei
che Angaben gemacht, habe auch spontan detaillierte Ergänzungen abgegeben. Ihre Angaben zur sozialen Anamnese seien dagegen kurz gewesen. Ihre Stimme habe normal laut geklungen und sei gut moduliert gewesen. Sie habe lebendig gewirkt und die Exploration aktiv mitgestaltet. Hierbei habe sich eine deutliche Diskrepanz zwischen weitgehend unauffälligem Erscheinungsbild und ihren Angaben über Kraftlosigkeit und schnelle Erschöpfbarkeit ergeben. Ihre Anga
ben zum Krankheitsverlauf, zu ihren Beschwerden und dem Tagesablauf
seien zudem inkonsistent und zum Teil widersprüchlich gewesen. Insgesamt sei bei der Beschwerdeführerin der Eindruck einer Verdeutlichungstendenz ihrer Beschwerden, punktuell auch der Eindruck einer Aggravation entstanden. Ihre Grundstimmung sei insgesamt ausgeglichen gewesen, punktuell habe si
e
ein wenig besorgt, ebenfalls punktuell fröhlich, zufrieden und stolz gewirkt. Ihre emotionale Resonanzfähigkeit sei angepasst und adäquat gewesen. Der Antrieb sei unauffällig gewesen, bei der Schilderung der Krankheitsgeschichte und auch der Beschwerdeschilderung habe sie wiederholt Initiative ergriffen und ausführ
liche und umfangreiche Angaben gemacht. Dabei habe sie medizinische Fach
ausdrücke verwendet. Hinsichtlich der Psychomotorik sei sie unauffällig gewe
sen. Es habe kein Anhalt für Suizidalität oder Fremdgefährdung bestanden. Der formale Gedankengang sei regelrecht, geordnet, kohärent und nachvollziehbar gewesen. Die kognitiven Fähigkeiten
erschienen
eher überdurchschnittlich. Auffassungsvermögen, Aufmerksamkeit und Konzentrationsvermögen seien während der mehrstündigen Untersuchung gleichbleibend sehr gut gewesen. Die Gedächtnisleistung und Merkfähigkeit seien nicht eingeschränkt gewesen (S. 10
Ziff.
4.1). Im inhaltlichen Denken sei die Beschwerdeführerin soweit unauffällig gewesen. Ein überwertiges Denken, wie zum
Beispiel Zwangsgedanken, habe
nicht bestanden
(S. 11 oben).
Im Rahmen ihrer Gesamtbeurteilung
führten
die Gutachter
aus, bei
Würdigung der Aktenlage, der aktuellen Angaben der Beschwerdeführerin zu ihrer
Krank
heitsgeschichte
und ihren aktuellen Beschwerden sowie der in der gutachterli
chen Untersuchung festgestellten psychischen Symptome und Auffälligkeiten lasse sich bei der Beschwerdeführerin Folgendes festhalten: D
iagnostisch
sei
von einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig in Form einer allenfalls leichten depressiven Episode, auszugehen, die auf dem Boden akzen
tuierter Persönlichkeitszüge mit abhängigen und
histrionischen
Anteilen ent
standen sei. Im Juli 2007 sei bei der Beschwerdeführerin
erstmalig
eine mittel
gradige depressive Episode diagnostiziert worden. Im Rahmen einer psychiatrisch-psy
chotherapeutischen Behandlung s
e
i
es zu einer Remission der depressiven Beschwerden gekommen. So habe die Beschwerdeführerin die ambulante Psychotherapie 2008 erfolgreich beenden können. Nach ihren Anga
ben habe sie 2009 eine neue Partnerschaft beginnen und auch zukunftsgerichtet den Erwerb eines Führerscheins ins Auge fassen können. Sie habe dann die the
oretische Fahrprüfung absolviert.
Die Hausärztin habe festgehalten, dass es der Beschwerdeführerin seit März 2009 besser gegangen sei und sie sich „deutlich stabiler“ gefühlt habe.
Im März 2010 sei erneut eine depressive Episode beschrieben. Unter Berücksichtigung des Längsschnittverlaufes sei daher von einer rezidivierenden depressiven Störung auszugehen. Es sei anzunehmen, dass die depressiven Episoden im Rahmen der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung remittierten. Bei der aktuellen Untersuchung im Dezember 2010 habe bei der Beschwerdeführerin eine allenfalls leichte depressive Episode im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung gemäss den Kriterien des IC
D-10 festgestellt werden können
(S. 13 unten, S. 14 oben). Anhand der anamnestischen Daten (soziale Anamnese, berufliche Anamnese) und den aktu
ell festgestellten interaktionellen Auffälligkeiten hätten sich bei der Beschwer
deführerin akzentuierte Persönlichkeitszüge mit abhä
ngigen und
histrionischen
(infa
ntilen) Anteilen feststellen lassen. Es habe sich eruieren lassen, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer inneren Konflikte, d.h. widersprüchlichen Wünsche
n
(Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit versus Wunsch, das 1995 begonnene Studium zu beenden; Wunsch nach Autarkie und Ablösung vom Elternhaus versus Wunsch nach elterlicher Versorgung) in ihrer persönliche
n Entwic
klung stehen
ge
blieb
en sei
.
Unter diesen Umständen sei es bei ihr zur Entwicklung von psychischen und psychosomati
schen Beschwerden gekommen
. Als psychosoziale Belastungsfaktoren liessen sich Rollenkonflikte bei
Migra
tionshintergrund
(Eltern), eine nicht erfolgte Ablösung von den Eltern, zuneh
mende Krankheiten der Eltern sowie schwierige finanzielle Verhältnisse fest
stellen (S. 14 Mitte).
Zusammenfassend könne festgehalten werden, dass aus rein psychiatrischer Sicht allenfalls leichte Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit und Leistungsfä
higkeit bestünden. Diese seien auf eine leicht eingeschränkte Stress- und
Frust
rationstoleranz
zurückzuführen. Als Ressourcen seien gute intellektuelle Fähig
keiten einschliesslich einer guten Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit zu nennen (S. 14 Mitte).
In der angestammten Tätigkeit als Dolmetscherin und in der erlernten Tätigkeit als kaufmännische Angestellte sei aus psychiatrischer Sicht aktuell eine Arbeitsunfähigkeit von höchstens 20
%
ausgewiesen. Unter adäquater psy
chiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung sei mit einer weiteren Verminde
rung der Arbeitsunfähigkeit zu rechnen (S. 14
Ziff.
7.1). Retrospektiv sei anzu
nehmen, dass im Rahmen depressiver Episoden eine zeitlich auf Wochen bis wenige Monate begrenzte Arbeitsunfähigkeit von mehr als 20
%
bestanden habe. Aus psychiatrischer Sicht habe aber bisher noch nie eine andauernde Arbeitsunfähigkeit von mehr als 20
%
bestanden (S. 14
Ziff.
7.2). Auch in adaptierten Tätigkeiten sei aktuell aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfä
higkeit von höchstens 20
%
ausgewiesen. Unter adäquater psychiatrisch-psy
chotherapeutischer Behandlung sei mit einer weiteren Verminderung der Arbeitsunfähigkeit zu rechnen (S. 15
Ziff.
7.3). Als adaptierte Tätigkeiten seien Tätigkeiten in der freien Wirtschaft zu nennen, ohne erhöhte Anforderungen an die Stress- und Frustrationstoleranz. Die Tätigkeit als Dolmetscherin im straf
rechtlichen Bereich sei grundsätzlich möglich. Eine Tätigkeit in geschütztem Rahmen sei mi
t Sicherheit nicht erforderlich (S. 15
Ziff.
7.4).
Dass sich die Beschwerdeführerin als hochgradig arbeitsunfähig einschätze, sei aufgrund des vorliegenden
psychischen
Gesundheitszustands nicht nachvoll
ziehbar
. Die Selbsteinschätzung beeinflussende Faktoren seien
eine
Verdeutli
chungstendenz
, punktuell au
ch eine Aggravation sowie ein
sekundärer
Krank
heitsgewinn
(S. 15
Ziff.
8.4).
3.8
PD
Dr.
med.
M._
, Spezialarzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
erstattete am 2
6.
April 2011 ein
G
utachten zu
Handen
der Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin
(
Urk.
6/31)
.
Er stützte sich auf die ihm überlassenen Akten, darunter das Gutachten von
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
und die darin zitierten schriftlichen Unterlagen, sowie seine am 23., 2
4.
und 2
6.
April 2011 erfolgten Untersuchungen (vgl. S. 1 f.)
.
Anamnestisch führte der Gutachter unter anderem aus,
nach dem Aufenthalt im
Z._
im Jahr 2007
sei die Beschwerdeführerin an die
D._
verwiesen worden, wo eine Psychotherapie und eine Pharma
kotherapie durchgeführt worden seien. Immer sei auch eine intensive delegierte Psychotherapie erfolgt. Die Beschwerdeführerin sei vom 2
7.
Juli 2007 bis 1
7.
Oktober 2008 und vom 2
7.
Februar 2009 bis heute dort behandelt worden. Die Unterbrechung habe stattgefunden, weil sie sich
nach Weggang der bisheri
gen Therapeutin
mit dem
ihr
neu zugeteilten
Therapeuten
nicht verstanden habe. Die medikamentöse Behandlung sei fortgeführt worden. W
ie die Beschwerdeführerin selber angebe, sei sie in den Jahren 2008, 2009 und 2010 ununterbrochen psychisch krank
gewesen und habe weder Aufträge annehmen noch ihr Studium fortsetzen können
(S. 6 Mitte)
. Im Jahre 2010 habe sie eine belastende Trennung vom Partner erlebt. Im Jahre 2011 habe sie
wieder - mit grosser Anstrengung -
mit Übersetzungstätigkeit
begonnen, wobei sie bis Ende März 2011 vier Aufträge im Umfang von insgesamt 12 Stunden gehabt habe. Sie hätte weitere vier Aufträge annehmen können,
diese wegen ihrer schlechten Verfassung jedoch abweisen müssen. Studieren habe sie wegen ihrer Krankheit überhaupt nicht gekonnt (S. 6 unten)
.
In Bezug auf die
Befunde bemerkte
Dr.
M._
vorab, dass Beschwerden und Befunde
in der Psychiatrie
gemeinsam im psychopathologische
n Status darge
stellt würden. Aus seinem
Text
gehe
hervor, ob es sich um eine Beschwerde oder einen Befund handle (S. 7 unten). Er führte aus,
die Beschwerdeführerin erlebe den Weg in die Praxis jeweils als starke Anstrengung. Sie sei äusserlich ruhig. Bei der gesamten Untersuchung seien keine Hinweise auf Inkonsistenzen aufgetreten
(S. 8 oben)
. Die Beschwerdeführerin fühle sich konstant traurig und bedrückt. Eine Freudlosigkeit bestehe für alle Lebensbereiche. Ein
Energieman
gel
sei sehr ausgeprägt. Sie fühle sich weder für eine Arbeit noch das Studium noch die Aufgaben im Haushalt fähig. Sehr stark belaste sie eine ausgeprägte und konstante Müdigkeit, die sich nach Anstrengung auch nur mässiger Art nachhaltig verstärke. Sie gebe an, dass es ihr mit grosser Anstrengung für kurze Zeit gelinge, eine bessere Leistung zu erbringen. Dies sei der Grund, dass sie, wenn sie sich die Kräfte gut einteile, eine Fahrstunde nehmen könne. Auch ver
einzelt bessere sich die Stimmung auf positive Ereignisse
(S. 8 Mitte)
. Die Kon
zentrationsfähigkeit sei wesentlich eingeschränkt, wobei sich dies bei sehr star
ker Anstrengung bessere. Der Schlaf sei gestört. Vor allem sei die Schlafdauer zu lange.
Sie schlafe oft gegen 13 Stunden. Wenn es ihr nicht gut gehe, müsse sie sogar noch am Nachmittag ins Bett. Der Appetit sei normal.
Es bestehe ein Kreisen um negative Gedanken, wobei sie alles als unüberwindbar erlebe. Eine psychomotorische Verlangsamung sei im Gespräch deutlich sichtbar. Auch liege eine Wortkargheit vor
. Auch die Beschwerdeführerin selbst erlebe diese Ver
langsamung
(S. 8 unten).
Der Score im BDI (Depressions-Selbstbeurteilungsskala nach Beck) sei 32 (schwere Depression). Der Score der Montgomery
Asberg
Depression Rating
Scale
(MADRS) betrage 24
(mittelschwere bis schwere Depression), der des Quick
Inventory
of
Depressive
Symptomatology
(QIDS) 17, entsprechend einer schweren Depression (S. 9 oben).
Im Rahmen seiner Beurteilung führte
Dr.
M._
aus, die Beschwerdeführerin weise psychiatrisch eine therapieresistente Depression auf, mit ausgeprägten Symptomen wie düstere Stimmung, Freudlosigkeit, Energielosigkeit,
Konzentra
tionsstörungen
, psychomotorischer Verlangsamung und Schlafstörungen. Auch
bestünden Gedankenkreisen um negative Inhalte mit Einengung auf das depressive Geschehen, Gefühle der Wertlosigkeit und zeitweilig Lebensüber
druss. Diese Symptome erfüllten unzweifelhaft die Kriterien einer schweren Depression nach ICD-10 F32.
2.
Als besondere Symptomatik dieser Depression zeigten sich eine starke Müdigkeit und eine sehr wesentliche Verlängerung der Schlafdauer, also eine
Hypersomnie
. Diese Symptome entsprächen dem Bild der atypischen Depression, wie sie im DSM-IV als wichtiger Teil der psychiatrischen Kran
kheitslehre berücksichtigt sei
, im Gegensatz zu den Depressionen im All
gemeinen, bei denen Insomnie charakteristisch sei. Zu erwähnen sei, dass atypische Depressionen wegen der besonderen Symptomatik nicht selten über
sehen würden (S. 9 unten).
Als
weiteres bei atypischen Depressionen vorkom
m
endes Symptom sei
die sogenannte Reakt
ivität der Depression
zu erwähnen
. Dies bedeute, dass bei grosser Anstrengung, oder auch bei einem positiven Ereignis, sich die Verfassung vorübergehend für kurze Zeit, zum Beispiel ein bis zwei Stunden, bessern könne, dann aber wieder zusammenbreche. Auch diese kurze Besserungsmöglichkeit führe immer wieder zu Fehlbeurteilungen (S. 10 oben). Infolge der ausgeprägten Depressionssymptome wie Einengung auf das depressive Geschehen, Energiemangel, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und psychomotorische Verlangsamung sei es ausgeschlossen, dass die Beschwerde
führerin irgendeiner Arbeit oder einem Studium nachgehen könne, auch nicht teilzeitlich, abgesehen von einer Aktivität, die gegen zwei Stunden pro Woche betrage und in jedem Fall unter 10
%
Arbeit liege (S. 10 Mitte).
Alle B
ehandelnden und Gutachter hätten die Diagnose der atypischen Depres
sion übersehen und deswegen die Schwere der Depression nicht richtig gewür
digt (S. 11 Mitte). Die Beschwerdeführerin
sei konstant schwer krank. Die Phar
makotherapie sei zwar variiert worden, aber nicht genügend (S. 11 unten). Sie
leide seit 2007 ununterbrochen an einer schweren und invalidisierenden Depression. Beginnend vor 2007 sei sie an einer Zwangsstörung erkrankt, die heute abgeklungen sei (S. 12
Ziff.
1c). Seit 2007 bestehe in jeglicher Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 90
%
(S. 12
Ziff.
2a und
Ziff.
2b).
3.
9
In ihrer Stellungnahme vom
6.
Juni 2011 (
Urk.
6/40) führten
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
aus, die von
Dr.
M._
in seinem Gutachten vom 2
6.
April 2011 genannten Diagnosen einer schweren Depression (ICD-10 F32.2) stehe im Widerspruch zu der von ihm ebenfalls genannten Diagnose einer atypischen Depression (ICD-10 F32.8). Seine diagnostische Einschätzung sei aufgrund der sich gegenseitig ausschliessenden Diagnosen nicht nachvollziehbar (S. 1 unten).
Soweit er diese mitunter mit den Ergebnissen der Beschwerdeführerin in zwei Selbstbeurteilungsinstrumenten und einem Fremdbeurteilungsinstrument begründe, sei zu bemerken, dass es sich beim QIDS um eine sogenannte
„schnelle Einschätzung der depressiven Symptomatik“ handle.
Selbstbeurtei
lungsinstrumente
ergäben sodann definitionsgemäss einen Einblick in die Selbstbeurteilung eines Betroffenen hinsichtlich des subjektiven Schweregrades einer Depression. Bei einer Begutachtung gehe es aber darum, diese Selbstbeur
teilung, die verschiedenen Faktoren, speziell auch motivationalen Aspekten und gegebenenfalls auch Rentenwünschen unterliege, mittels eines in einer ausführ
lichen und gründlichen Exploration erhobenen psychopathologischen Befundes und unter Berücksichtigung der erhobenen Anamnese zu objektivieren (S. 1 unten, S. 2 oben).
In
der von
Dr.
M._
erhobenen Anamnese seien zahlreiche Aktivitäten erwähnt, welche für die gute Vitalität der Beschwerdeführer
in sprächen
, so
zum Beispiel
Besuche von Kleiderläden mit Anprobieren von Kleidern, eine Vielzahl von Vermeidungsstrategien, Besuch einer Fahrschule
(seit 2009)
und
die
Bee
n
digung einer Partnerschaft
. In seinem Befund vermische
Dr.
M._
subjektive Angaben
der
Beschwerdeführerin über ihre Beschwerden und durch ihn festge
stellte Symptome. Er nehme auch keine Stellung
zu den Widersprüchen zwi
schen den angegebenen subjektiven
Beschwerden und den berichteten vielfälti
gen Tätigkeiten der Beschwerdeführerin. Die in die Zukunft gerichteten Aktivi
täten der Beschwerdeführerin stünden dem massiven Vitalitätsverlust im Rahmen einer schweren Depression definiti
onsgemäss entgegen (S. 2 oben).
Bei den vielen Unklarheiten hinsichtlich des Befundes und der diagnostischen Einschätzung lasse sich die von
Dr.
M._
attestierte Arbeitsunfähigkeit von mehr als 90
%
seit 2007 nicht nachvollziehen. Es sei anzunehmen, dass er die von der Beschwerdeführerin beklagten subjektiven Beschwerden zu stark gewichtet und auch - von einem bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell ausge
hend - psychosoziale Belastungsfaktoren in seine Beurteilung der Arbeitsunfä
higkeit miteinbezogen habe (S. 2 Mitte).
3.
10
Am
2
6.
August 2011
berichtete
Dr.
B._
zu
Handen
der
Rechtsvertre
terin
der Beschwerdeführerin
(
Urk.
6/46/1-8
)
.
Sie führte aus,
ange
sichts des Langzeitverlaufes und gestützt auf die Befunde des Therapieverlaufs könne sie sich heute der diagnostischen Beurteilung durch
Dr.
M._
anschliessen, wonach di
e
Beschwerdeführerin nun an einer schweren rezidi
vierenden depressiven Störung (ICD-10 F32.2) leide und dies unter dem Bilde einer atypis
chen Depression, wie sie im DSM-
IV erfasst werde. D
ie atypische Depression
sei
bei der Beschwerdeführerin übersehen worden
(S. 3 Mitte).
Die Verfassung der Beschwerdeführerin sei immer stark wechselnd gewesen. Habe es Zeiten mit besserem Befinden gegeben, die ihr die Aufnah
me gewisser Aktivitäten erlaubt hätten
, so sei nach Tagen oder spätestens innert Wochen
unweigerlich wieder die erhebliche Zustandsverschlechterung erfolgt. So sei es ausgeschlossen gewesen, dass die Beschwerdeführerin irgendeiner regelmässi
gen Arbeit oder ihrem Studium habe nachgehen können, abgesehen von einer Aktivität, die gegen zwei Stunden pro Woche be
trage und jedenfalls unter 10
%
liege. Unter diesem Aspekt seien Auto-Fahrstunden und vereinzelte Stunden als Übersetzerin zu sehen, wobei die Beschwerdeführerin sehr häufig Anfragen für Übersetzungsdienste auch habe absagen müssen. Ebenso sei sie nicht in der Lage gewesen, während eines ganzen Semesters ihrem Studium nachzugehen oder eine Semesterarbeit zu schreiben (S. 3 unten).
Es
liege eine Arbeitsunfähigkeit von 90
%
vor, und zwar über die ganze Zeit der Erkrankung bis heute. Die Restarbeitsfähigkeit von 10
%
habe auch nur zeit
weilig verwertet werden können (S. 4 Mitte).
3.1
1
Am
9.
September 2011
nahm
Dr.
M._
Stellung zur Rückäusserung von
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
vom
6.
Juni 2011 (
Urk.
6/4
6/9-11)
.
Er führte aus, keine widersprüchlich
en Diagnosen gestellt
zu haben, da er zur ergänzen
den, nicht alternativen Charakterisierung der Depression klar Bezug auf das D
SM-
IV genommen habe, denn nur dort sei die Diagnose der atypischen Depression adäquat beschrieben
. Die Gutachter verschwiegen, dass das Konzept der a
typischen Depression gemäss DSM-
IV international anerkannt und gängig sei
(S. 1
f.
)
.
Die Angaben im Schreiben vom
6.
Juni 2011 seien gravierend unausgewogen und falsch. Aufgrund dieser eklatanten Mängel sei das Gutach
ten beziehungsweise das Schreiben von
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
gänzlich ungeeignet, zur Frage der Rentenberechtigung der Beschwerdeführerin Stellung zu nehmen. Die wichtigste Diagnose werde verpasst beziehungsweise nicht zur Kenntnis genommen und dementsprechend auch nicht die Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 3)
.
Seiner Stellungnahme legte
Dr.
M._
diverse
Auszüge aus der
psychiatrische
n
Literatur zur atypischen Depression
bei (
Urk.
6/46/12-37
).
3.1
2
Am
7.
November 2011 erstattete Prof.
Dr.
med.
N._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein Gutachten zu
Handen
der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin (
Urk.
6/52). Sie stützte sich auf die ihr überlassenen Akten sowie ihre am 1
5.
und 2
2.
September 2011
erfolgten Untersuchungen
(vgl. S. 1 Mitte).
Als Diagnose nannte Prof.
N._
eine schwere therapieresistente Depression
(
ICD-10 F32.2
)
. Sie führte aus, die Beschwerdeführerin sei ausgesprochen antriebsarm, schlafe pro Nacht etwa 13 Stunden und manchmal noch am Nachmittag
(bis zu drei Stunden). Der Sch
l
a
f erfrische nicht. Sie leide unter dem Gefühl der Nutzlosigkeit, Verlust des Selbstwertgefühls, ausgeprägtem anhal
tendem Gefühl der Gefühllosigkeit, schweren Konzentrationsstörungen,
Versa
gensängsten
un
d Vergesslichkeit (S. 2 Mitte).
Zwischen der Beurteilung von
Dr.
M._
und
Dr.
B._
auf der einen und
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
auf der anderen Seite bestünden tatsächlich erhebliche Diskrepanzen. Nach genauer Durchsicht der schriftlichen Unterlagen und der eingehenden Untersuchung der Beschwerdeführerin schliesse sie sich der Beurteilung von
Dr.
M._
an (S. 3
Ziff.
2
).
Zurzeit sei die Beschwerdeführerin weder im angestammten noch in einem angepassten beruf
lichen Bereich arbeitsfähig (S. 3
Ziff.
3a). In seinem Bericht vom 2
6.
April 2011 habe
Dr.
M._
der Beschwerdeführerin in jeglicher Tätigkeit eine Arbeitsunfä
higkeit von mehr als 90
%
attestiert. Dieser Meinung schliesse sie sich an. Das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit sei seit 2007 mehr oder weniger gleich geblieben (S. 4
Ziff.
3b).
3.13
Im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens reichte die Beschwerde
führe
rin einen weiteren Bericht von
Dr.
M._
vom 1
7.
Februar 2012 (
Urk.
3/2) ein.
Er berichtete von einem durchgehend schlechten Zustand der Be
schwerdeführerin seit seiner letzten Berichterstattung, mit Perioden minimaler Besserung (S. 1). Aufgrund der Symptomatik sei weiterhin eine schwere De
pression (ICD-10 F32.2) zu diagnostizieren. Weiterhin sei die schwere Verlänge
rung der Schlafdauer ein Aspekt der atypischen Depression nach DSM-IV. Besonders infolge der Symptome Energiemangel,
Konzentra
tionsstörungen
und Verlangsamung sei eine volle Arbeitsunfähigkeit zweifellos weiterhin gegeben (S. 2 unten).
Am 2
6.
März 2012 (
Urk.
10/10) berichtete
Dr.
M._
, die psychische Verfas
sung der Beschwerdeführerin habe sich in den letzten zwei bis drei Wochen ohne erkennbaren Grund noch weiter verschlechtert (S. 1). Die Situation werde durch ein erhebliches körperliches Leiden verkompliziert. Die Beschwerdeführe
rin leide seit Jahren an einer
adipositasbedingten
Fettleber (S. 2 oben). Zusam
mengefasst liege ein schwerwiegend krankhafter Zustand vor, vor allem psychi
atrisch, aber auch somatisch, aus dem ein Ausweg in den nächsten Monaten unmöglich erscheine (S. 2 unten).
3
.14
In einem weiteren Bericht
vom
7.
Januar 2013 (
Urk.
16/1)
hielt
Dr.
M._
an seiner diagnostischen Einschätzung fest (S. 4) und betonte erneut, die von der Beschwerdegegnerin beauftragten Gutachter hätten die Diagnose der atypischen Depression nicht gewürdigt und dadurch die Depressionsschwere falsch einge
sch
ätzt (S. 5).
4.
4.1
In Bezug auf einen allfälligen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin ist vorab festzuhalten, dass ein solcher - nachdem sich die Beschwerdeführerin im November 2009 unter Hinweis auf ein seit Juli 2007 bestehendes, ihre Arbeits
fähigkeit einschränkendes Leiden zum Leistungsbezug angemeldet hat -
gestützt auf die hier anwendbare (vgl. Urteil
des Bundesgerichts
9C_562/2012 vom 1
8.
Oktober 2012, E. 3.3.1 und E. 3.4) seit
1.
Januar 2008 in Kraft stehende Fassung von
Art.
29
Abs.
1 und
Abs.
3 in Verbindung mit
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG
frühestens am
1.
Mai 2010
entstehen konnte.
4.2
Aus den medizinischen Berichten ergibt sich, dass sich die Beschwerdeführerin im Sommer 2007 erstmals in psychiatrische Behandlung begab, dies im Rahmen einer Krisenintervention in der
A._
zufolge einer Verstärkung von
vorbeste
henden
Zwangsgedanken. Im Juli 2007 diagnostizierten die Ärzte der
A._
eine mittelgradige depressive Störung und differentialdiagnostisch eine nicht näher bezeichnete Zwangsstörung (vorstehend E. 3.1). Im Anschluss an den fünftägi
gen Aufenthalt in der
A._
begab sich die Beschwerdeführerin ab dem 2
7.
Juli 2007 in psychotherapeutische Behandlung in der
D._
, wo auch eine medikamentöse Therapie ein
geleitet wurde (vorstehend E. 3.2,
Urk.
3/6
Ziff.
5).
4.3
Im Februar 2008 nannten
Dr.
B._
und der damals behandelnde Psychotherapeut
C._
als Diagnose weiterhin eine mittelgradige depressive Episode sowie Zwangsgedanken und -handlun
gen gemischt, berich
teten indes
von Phasen eines
„
deutlich gebesserten Zustandes
“ (vorstehend E.
3.2)
. Den Gesamtzustand bezeichneten sie als „ohne Zweifel gebessert“. Im Januar 2009
berichteten
Dr.
E._
und die Psychologin
F._
wiede
rum von einer deutlichen Zustandsverbesserung (vorstehend E. 3.3). Sie hielten fest, die Zwangsgedanke
n
und -handlungen seien seit November 2008 weitge
hend gebessert und die Beschwerdeführerin sei wieder motiviert, nach vorne zu schauen. Aus den Berichten von
Dr.
B._
vom März und Oktober 2010 (vorstehen
d
E. 3.5-6) ergibt sich sodann, dass die Beschwerdeführerin
zwischen April 2009 und Oktober 2010 nur alle zwei Monate eine
Therapie
sitzung
durchführte
und es in dieser Zeit offenbar
auch zu einer Absetzung der
Pharmakotherapie kam. Ihrer Hausärz
t
in ge
ge
n
über gab die Beschwerdeführerin
entsprechend an
, sich
ab
März 2009 deutlich stabiler gefühlt zu haben (vorste
hend E. 3.4). Im August 2009 berichtete sie
der Hausärztin
gar
, zurz
eit keine psychologische Betreuung mehr zu haben.
Erst a
b Oktober 2010 begab sich die Beschwerdeführerin wieder
regelmässig in
psychotherapeutische Behandlung
in
der
D._
(vorstehend E.
3.6)
. Zum damaligen Zeitpunkt nannte
Dr.
B._
als Diagnose ein depressives
Syndrom
, welches sie mit ICD-10 F33.11 (rezidivierende depressive Störung mit somatischem Syndrom, gegenwärtig mittelgradige Episode) kodierte.
4.
4
Im Dezember 2010 diagnostizierten die Gutachter
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
eine allenfalls leichte depressive Episode im Rahmen einer rezidivieren
den depressiven Störung
(vorstehend E. 3.7)
und
gelangten zum Schluss, dass diese die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sowohl in der angestammten Tätigkeit als Dolmetscherin und in der erlernten Tätigkeit als kaufmännische Angestellte als auch in einer angepassten Tätigkeit, verstanden als Tätigkeit in der freien Wirtschaft ohne erhöhte Anforderungen an die Stress- und
Frustra
tionstoleranz
, höchstens zu 20
%
einschränke.
Die
gutachterliche Beurteilung
erweist sich als umfassend
und gut begründet
.
In Auseinandersetzung mit
den
Vorakten
,
de
r ausführlichen und sorgfältig erho
benen Anamnese, dem
Verhalten
der Beschwerdeführerin
a
nläss
lich der
einläss
lichen
Untersuchung sowie dem
detailliert
erhobenen
objektiven psychopatho
logischen
Befund legten die Gutachter
in nachvollziehbarer und schlüssiger Weise dar, weshalb im Untersuchungszeitpunkt eine lediglich
leichtgradige
, die Arbeitsfähigkeit höchstens in
geringem Ausmass be
e
inträchtigende
Depressivi
tät
vorlag
.
Das Gutachten erfüllt somit alle praxisge
mässen Kriterien (vorstehend E. 1.5
),
sodass grundsätzlich darauf abzustellen ist.
4.5
Dr.
M._
äusserte sich
i
m Rahmen seines Gutachtens vom April 2011
(vorste
hend E. 3.8)
erstmals kritisch zum Gutachten von
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
.
Im Gegensatz zu
diesen
gelangte er zum Schluss, dass die Beschwerde
führerin seit 2007 ununterbrochen an einer schweren invalidisierenden Depres
sion leide, welche seit 2007 zu einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als 90
%
in jeglicher Tätigkeit führe.
Festzuhalten ist
vorab, dass sich das Gutachten von
Dr.
M._
i
m Vergleich zum Gutachten von
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
als eher knapp erweist, was sich bereits
mit Blick auf die
Anamnese zeigt. Im Gegensatz zum Gutachten von
Dr.
M._
enthält das Gutachten von
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
insbesondere eine ausführliche Sozial-, Berufs- und Tätigkeitsanamnese sowie Angaben der Beschwerdeführerin zu ihrem Leiden und ihrem Tagesablauf, wel
che im Rahmen der Gesamtbeurteilung verarbeitet wurden und die gutachterli
chen Schlussfolgerungen untermauern. Die anamnestischen Angaben sind zudem so abgefasst, dass sie dem Leser einen Eindruck vom stattgehabten Gespräch vermitteln
.
So wird beispielsweise gekennzeichnet, wo die Gutachter nachfragen mussten, um Informationen von der Beschwerdeführerin zu erhal
ten, und
es
wurden gewisse Aussagen der Besch
werdeführerin wörtlich zitiert
,
was zur Nachvollziehbarkeit der
gutachterlichen Schlussfolgerungen
beiträgt.
4.6
Dr.
M._
bemängelte
zur Haup
t
sache
,
die IV-Gutachter
hätten
übersehen, dass die Beschwerdeführerin an einer atyp
ischen Depression gemäss DSM-
IV leide
und deswegen die Schwere der Depression nicht richtig
eingeschätzt
.
Gemäss
Dr.
M._
charakterisiert
die atypische
Depression gemäss DSM-IV die bei der Beschwerdeführerin vorliegende
schwere
Depression
nach ICD-10 F32.2 ergänzend
(vgl. vorstehend E. 3.11).
Dass
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
die
diagnostische Einschätzung von
Dr.
M._
offenbar verkannten, indem sie davon ausgingen,
Dr.
M._
habe sich
(alternativ)
auf die atypische Depression im Sinne von ICD-10 F32.8 berufen, ist
indes
aus den nachstehend dargelegten Gründen
für die vorliegend zu beurteilenden Fragen
letztlich nicht von Rele
vanz.
4.
7
Zentral erscheint, dass
Dr.
M._
- sozusagen als „Grunddiagnose“ - eine schwere Depression im Sinne von ICD-10 F32.23 nannte, was jedoch nicht
zu überzeugen vermag
.
So
wiesen
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
in ihrer Stel
lungnahme vom Juni 2011 (vorstehend E. 3.9)
darauf hin
, dass die in die Zukunft gerichteten Aktivitäten der Beschwerdeführerin dem massiven
Vitali
tätsverlust
im Rahmen einer schweren Depression de
fi
nitionsgemäss entgegen
stehe, was ohne w
eiteres
plausibel erscheint
.
Dr.
M._
äusserte sich denn auch nicht zur Vereinbarkeit der von ihm diagnostizierten schweren Depression mit
den
von der Beschwerdeführerin a
nlässlich der Begutachtung durch
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
geschilderten Aktivitäten (
Partnerschaft
vom Herbst 2009 bis Sommer 2010
,
Freun
de treffe
n
,
Absolvieren der theoretischen Fahr
prüfung
im Frühling 2009
, Fahrstunden
seit Frühling 2009
, shoppen gehen,
Ernährungsberatung mit erfolgreicher Gewichtsreduktion
seit 2009
, Besuch der Uni,
mehrstündiges
Arbeiten am PC, Hilfe bei der Zubereitung des Nachtessens, Musik hören, Zeitschriften lesen
etc.
)
, welche
sich
-
zumindest
teilweise
-
auch
seiner Anamnese
entnehmen lassen
.
Soweit
Dr.
M._
und später auch
Dr.
B._
(vorstehend
E. 3.10) die Aktivitäten der Beschwerdeführerin im Rahmen von kurzzeitigen
Besserungen im Rahmen einer atypischen Depression zu erklären suchten, erscheint dies wenig überzeugend, steht dem doch nicht zuletzt entgegen, dass es der Beschwerdeführer
in
im Sommer 2011 möglich war, für über einen Monat
nach
Y._
zu reisen
(vgl.
Urk.
6/42)
.
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
wiesen
in ihrer Stellungnahme
vom Juni 2011
im Weiteren
zutreffend darauf hin, dass aufgrund der von
Dr.
M._
ge
nannten
Befunde
der Eindruck entsteh
t
, dass er die von der Beschwerde
führerin
beklagten subjektiven Beschwerden im Rahmen seiner Beurteilung zu stark gewichtete. Dieser Schwachpunkt fällt umso mehr ins Gewicht, als
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
im Rahmen ihrer Beurteilung
in nachvoll
ziehbarer Weise
vom Eindruck einer
Verdeutlichungstendenz
und punktuell
einer Aggravation
berichteten,
welche - zusammen mit einem sekundären Krankheitsgewinn - auch die Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin be
e
in
flussten
. Auch mit diesen Feststellung
en
setzte sich
Dr.
M._
in seinem Gut
achten
nicht auseinander
.
Mit Blick darauf, dass nicht nur
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
sondern auch die Hausärztin
der Beschwerdeführerin
(vorstehend E 3.4)
von einer psychosozi
alen Belastung
der im Zeitpunkt des Verfügungserlasses 42-jährigen Beschwer
deführerin
aufgrund einer nicht erfolgten Ablösung von den Eltern und schwierigen finanziellen Verhältnissen berichteten und
Dr.
B._
die Ablösung vom Elternhaus
nicht zuletzt
als Therapieziel formulierte,
ist
schliess
lich
die nicht näher begründete Aussage von
Dr.
M._
, wonach
psychosoziale Faktoren
bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
keine
Rolle spielten (
Urk.
6/31/11 oben)
,
mit Zweifeln behaftet
. Es kann
jedenfalls
nicht ausgeschlossen werden, dass
diese
Belas
tungsfaktoren
- welche invalidenversicherungsrechtlich jedoch
unbeachtlich sind
(vorstehend E. 1.4
) -
in seine Beurteilung mitein
geflossen sind.
4.8
Soweit
Dr.
M._
in zeitlicher Hinsicht zum Schluss gelangte, die Beschwerde
führerin sei seit 2007 ununterbrochen schwer depressiv
und in jeglichen Tätig
keiten mehr als
zu
90
%
arbeitsunfähig
gewesen, ist
festzuhalten, dass
bereits
die echtzeitlichen
Berichte
dieser Beurteilung entgegenstehen
, belegen diese
doch
, dass
mittels der im Juli 2007 eingeleiteten Psychotherapie und Pharma
kotherapie eine relevante Zustandsverbesserung erreicht werden konnte, die Beschwerdeführerin ab Frühling 2009
nur noch wenige beziehungsweise gar keine psychotherapeutischen
Sitzungen
mehr
besuchte
und zeitweise auch d
i
e
medikamentöse
Behandlung eingestellt
wurde (vgl. vorstehend E. 4.2-3)
.
D
er
rund
eineinhalbjährige
Unterbruch
der
Psychotherapie
lässt sich jedenfalls nicht nur damit erklären, dass die Beschwerdeführerin mit dem ihr neu zugeteilten Therapeuten nicht zurecht gekommen ist, hätte sie doch einen anderen Thera
peuten aufsuchen können. Dass sie dies nicht tat,
deutet
vielmehr
darauf hin, dass sich die Symptomatik
dahingehend
verbessert hatte, dass eine weitere Behandlung nicht mehr notwendig war.
Für eine
relevante
Zustandsv
erbesse
rung
spr
echen sodann auch die im Gutachten von
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
dokumentierten
zukunftsgerichteten
Aktivitäten ab dem Jahr 200
9.
So absolvierte
die Beschwerdeführerin
im Frühling 2009 die theoretische Fahrprü
fung und
begann, Fahrstunden zu nehmen
,
ging sie
im Herbst 2009 eine
Beziehung ein
und begab sie
sich
ab Ende 2009 monatlich in die
Ernährungs
beratung
(vgl. vorstehend E. 3.7).
Insofern vermag die Beurteilung durch
Dr.
M._
, wonach die Beschwerdeführerin seit 2007 konstant schwer depressiv gewesen sein soll, nicht zu überzeugen.
Festzuhalten ist immerhin, dass
angesichts der dürftigen medizinischen Akten
lage für die Zeit von Juli 2007 bis
Anfang
2009 nicht auszuschliesse
n ist, dass bei der Beschwerdeführerin
- entgegen der retrospektiven Beurteilung durch
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
-
ab Sommer 2007 eine Phase
längerdauern
der
Arbeitsunfähigkeit bestand. Nachdem ein Rentenanspruch der Beschwerde
führerin jedoch frühestens im Mai 2010 entstehen konnte (vorstehen
d E. 4.1)
und
nach dem Gesagten je
denfalls zu diesem Zeitpunkt
nicht mehr von einem die Arbeitsfähigkeit in
re
levantem Ausmass einschränkenden
psychischen Lei
den auszugehen ist, sind diesbezüglich keine weitergehenden Erwägungen ange
zeigt.
4.
9
Zusammengefasst ergibt sich, dass das Gutachten von
Dr.
M._
die Schlüssig
keit des Gutachtens von
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
ni
cht in Zweifel zu ziehen vermag. Dies gilt
auch für die weiteren von
Dr.
M._
erstatteten Berichte (vorstehend E. 3.13 und E. 3.15), nachdem sich aus diesen inhaltlich nichts N
eues ergibt
.
Soweit
Dr.
M._
im Bericht vom März 2012 (vorstehend E. 3.13) eine
adipositas
bedingte
Fettleber erwähnte, ist festzuhalten, dass
Dr.
med.
O._
, Oberärztin FMH für Allgemeinmedizin,
A._
, von körperlicher Seite von einer vollen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ausging (Schreiben vom 1
0.
Mai 2012 an die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin,
Urk.
10/11).
4.
10
Schliesslich vermögen auch d
ie
Bericht
e
von
Dr.
B._
vom August 2011 (vorstehend E. 3.10)
und
das Gutachten von Prof.
N._
(vorstehend E.
3.12)
die Beweiswertigkeit des
Gutachten
s
von
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
nicht in Frage zu stellen.
Auch wenn es aus medizinisch-diagnostischer Hinsicht zu
zu
treffen mag, dass das depressive Leiden der Beschwerdeführerin als atypisch im Sinne von DSM-IV zu charakterisieren ist, so ist jedenfalls die nunmehr auch von
Dr.
B._
vertretene Auffassung, wonach die Beschwerdeführerin an einer schweren depressiven Störung im Sinne von ICD-10 F32.2 leide, nicht nachvoll
ziehbar, nachdem - wie dargelegt
(vorstehend
E. 4.7
)
- verschie
denste Fa
ktoren
da
gegen
sprechen, dass im vorliegend relevanten Zeitraum (Mai 2010 bis Januar 2012)
ein schwer
ausgeprägtes, die Arbeitsfähigkeit in relevantem Aus
mass einschränkendes
depressives Leiden bestand.
Soweit
Dr.
B._
in ihrem Bericht vom
März 2010 (vorstehend E. 3.5)
als Diagnose eine schwere depressive
Episode ohne psychotische Symptome
nannte
, ist festzuhalten, dass dieser
Bericht
zu einem Zeitpunkt erstattet wurde, als sie die Beschwerdeführe
rin nicht behandelte, fand die letzte Kontrolle ihren Angaben in diesem Bericht zufolge doch am 2
1.
April 2009 statt.
Prof.
N._
schloss sich in ihrem Gutachten der Beurteilung durch
Dr.
M._
an, ohne dies nachvollziehbar zu begründen
, womit
auch ihre Beurteilung einem Abstellen auf das Gutachten von
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
nicht entgegensteht.
4.11
Somit ist der medizinische Sachverhalt als dahingehend erstellt zu erachten, dass bei der Beschwerdeführerin
im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung ein maximal
leichtgradig
ausgeprägtes depressives Leiden bestand, welches
ihre Arbeitsfähigkeit
sowohl in der angestammten Tätigkeit als Dolmetscherin und der erlernten Tätigkeit als kaufmännische Angestellte als auch in jeder
leidens
angepassten
Tätigkeit
ohne erhöhte Anforderungen an die Stress- und
Frustra
tionstoleranz
maximal im Umfang von 20
%
einschränkte, und jedenfalls auch im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns im Mai 2010 kein schweres, die Arbeitsfähigkeit in höherem Ausmass einschränkendes depressives Leiden
vorlag
.
Nachdem die vorliegenden Akten diesbezüglich eine hinreichende
Entscheid
grundlage
bilden, kann v
on der eventualiter beantragten Anordnung eines
Ober
gutachtens
abgesehen werden.
5.
Bei der attestierten Arbeitsfähigkeit
von 80
%
im erlernten Beruf als kauf
männi
sche Angestellte als auch in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Dol
metscherin
sowie in jeder angepassten Täti
gk
eit
kann die Beschwerdeführe
rin
ohne Weiteres ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen erziele
n, so
dass sich weitergehende Ausführungen zu den erwerblichen Auswirkungen erübri
gen.
6
.
6.1
Im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens reichte die Beschwerde
führe
rin einen Bericht der Ärzte der
A._
vom
1.
Juni 2012 (
Urk.
10/8) ein, aus welchem hervorgeht, dass sie dort vom 2
7.
März bis 2
5.
Mai 2012 hospi
talisiert war. Die Ärzte nannten folgende Diagnosen (S. 1 Mitte):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), Differentialdiagnose: Angst und Depression, gemischt
Lowdose-Benzodiazepinabhängigkeit
(ICD-10 F13.2)
anamnestisch Verdacht auf Zwangsgedanken und -handlungen, ge
mischt (ICD-10 F42.2)
Zur Zuweisungssituation führten die Ärzte aus, die Beschwerdeführer
in
habe die
A._
freiwillig aufgesucht. Die depressive Symptomatik habe in den letzten zwei Wochen deutlich zugenommen. Früher hätten auch Zwangsgedanken sowie
handlungen
bestanden, die aber zurzeit nicht stark ausgeprägt seien (S. 1 unten).
Im Rahmen ihrer Beurteilung führten die Ärzte aus, bei der Beschwerdeführerin bestehe seit 2007 eine rezidivierende depressive Symptomatik mit zusätzlichen Angstkomponenten, die den Alltag der Beschwerdeführerin inklusive die Leis
tungsfähigkeit schwer beeinträchtige. Bei Austritt habe bei der Beschwerde
führerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bezogen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt bestanden (S. 3 unten). Die Ärzte empfahlen unter anderem eine Nachbehandlung durch
Dr.
M._
sowie eine teilstationäre Behandlung sowie eine behinderungsangepasste Tätigkeit von 50
%
.
In einer Ergänzung zum Austrittsbericht vom 2
7.
Juli 2012 zu
Handen
der
Rechts
vertreterin
der Beschwerdeführerin (
Urk.
10/9) empfahlen die Ärzte der
A._
einen geschützten Arbeitsplatz oder eine berufliche
Wiedereingliederungs
massnahme
durch die Beschwerdegegnerin (S. 2 unten).
6.2
Diese
Bericht
e lassen
es nicht als ausgeschlossen erscheinen, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
seit Verfügungserlass
verschlech
tert hat und nunmehr ein psychisches Leiden vorliegt, welches sich in
invali
denversicherungsrechtlich
relevantem Ausmass auf ihre Arbeitsfähig
keit
aus
wirkt.
Diese allfällige Verschlechterung des Gesundheitszustands und gegebenenfalls deren erwerbliche Auswirkungen sind von der Beschwerdegegnerin zu prüfen. Zu diesem Zweck sind ihr nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Ent
scheids die Akten zu überweisen.
7.
7.1
Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich berufliche Massnahmen beantragte ist vorab festzuhalten, dass bereits ihre subjektive Eingliederungsfähigkeit frag
lich erscheint, nachdem sich insbesondere aus dem Gutachten von
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
(vorstehend E. 3.7) ergibt, dass sie sich selbst als arbeits
unfähig einschätzt.
7.2
Für eine Umschulung
ist
nach Lage der Akten keine Notwendigkeit ersichtlich, hält der ausgeglichene Arbeitsmarkt
in den der Beschwerdeführerin im Umfang von mindestens 80
%
als zumutbar erachteten Tätigkeiten
(vgl. vorstehend E.
4.11)
doch ein breites Feld an Einsatzmöglichkeiten bereit. Die B
eschwerde
führerin
berief sich denn auch nicht auf einen Umschulungsanspruch, sondern
machte
zur Hauptsache
einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen in Form von Berufsberatung und Arbeitsvermittlung geltend
(
Urk.
1 S. 26 f.
Ziff.
27)
.
Nachdem gestützt auf die im Rahmen des Beschwerdeverfahrens ein
gegangenen Berichte der Ärzte der
A._
indes nicht auszuschliessen ist, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit Verfügungserlass ver
schlechtert hat,
und die Sache
diesbezüglich a
n die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist
(vgl. vorstehend E.
6.1-2)
,
erweisen
sich unter Umständen auch die beantragten Eingliederungsmassnahmen
als hinfällig, weshalb sich
eine weitergehende Prüfung
im Rahmen des vorliegenden Verfahrens
als nicht sinnvoll erweist. D
er Besc
hwerdeführerin
ist es indes
unbenommen, sich
jeder
zeit
bei der Beschwerdeführerin zur
Prüfung
entsprechender Massnahmen
anz
umelden.
8.
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin in der angefochte
nen Verfügung einen Leistungsanspruch der Beschwerde
führerin zu Recht ver
neint hat. Die dagegen erhobene Beschwerde erweist sich daher als unbegrün
det, was zu ihrer Abweisung führt
.
9
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von
Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG),
auf
Fr.
900.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.