Decision ID: 92dda9d0-f06a-4337-abf6-572c457f400d
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
betreffend Raufhandel etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 29. März 2021 (GB200091)
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Anklage:
Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 30. September 2020
(Urk. 19) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 36 S. 22 f.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB sowie
- der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1
in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à
Fr. 100.– – wovon 8 Tagessätze als durch Haft erstanden gelten – sowie mit einer
Busse von Fr. 1'000.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre fest-
gesetzt.
4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so
tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen.
5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 900.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten Kantonspolizei
Fr. 1'000.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. Auslagen Untersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Be-
schuldigten auferlegt.
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7. Der Antrag auf Zusprechung einer Entschädigung für die erbetene Verteidigung
wird abgewiesen.
8. (Mitteilungen)
9. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 7)
a) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 37, Urk. 49 S. 1 f.)
"1. Ziffer 1. des Urteils des ER am BG Zürich vom 29. März 2021 sei auf-
zuheben und der Beschuldigte sei stattdessen wegen Angriffs im Sinne
von Art. 134 StGB sowie der Übertretung des Betäubungsmittelgeset-
zes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 lit. d
BetmG schuldig zu sprechen."
b) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 53 S. 2)
"1. Es sei die Berufung der Berufungsklägerin vollumfänglich abzuweisen
soweit darauf eingetreten werden kann.
2. Alles unter Entschädigungs- und Kostenfolgen zu Lasten der Beru-
fungsklägerin"

Considerations:
Erwägungen:
I. Prozessgeschichte, Berufungsumfang, Prozessuales
1. Prozessgeschichte
1.1. Das vorstehend wiedergegebene Urteil vom 29. März 2021 wurde der
Staatsanwaltschaft am 6. April 2021 zugestellt (Urk. 30 f.). Die Staatsanwaltschaft
meldete mit Eingabe vom 8. April 2021 innert Frist Berufung an (Urk. 26).
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1.2. Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 35/1) reichte die Staatsan-
waltschaft mit Eingabe vom 10. August 2021 fristgerecht die Berufungserklärung
ein (Urk. 37). Mit Präsidialverfügung vom 18. August 2021 wurde die Berufungser-
klärung in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 und Art. 401 StPO dem Be-
schuldigten zugestellt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder
Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Gleichzeitig wurde den Parteien
Frist zur Stellungnahme bezüglich einer schriftlichen Durchführung des Beru-
fungsverfahrens angesetzt (Urk. 40). In Ihrer Eingabe vom 23. August 2021 er-
klärte sich die Staatsanwaltschaft mit der Durchführung eines schriftlichen Verfah-
rens einverstanden (Urk. 42). Der Beschuldigte verzichtete mit Schreiben vom 9.
September 2021 auf Anschlussberufung und erklärte sich ebenfalls mit der Durch-
führung eines schriftlichen Verfahrens einverstanden (Urk. 43).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 10. September 2021 wurde den Parteien mitge-
teilt, dass das Berufungsverfahren schriftlich durchgeführt werde. Gleichzeitig
wurde der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um die Berufungsanträge zu stellen
und zu begründen (Urk. 45). Mit Eingabe vom 8. November 2021 reichte die
Staatsanwaltschaft innert zweimal erstreckter Frist ihre Berufungsbegründung ins
Recht (Urk. 49). Mit Präsidialverfügung vom 16. November 2021 wurde dem Be-
schuldigten sowie der Vorinstanz die Berufungsbegründung zugestellt und dem
Beschuldigten Frist angesetzt, um die Berufungsantwort einzureichen. Gleichzei-
tig wurde der Vorinstanz Gelegenheit zur freigestellten Vernehmlassung gegeben
(Urk. 50), worauf diese verzichtete (Urk. 52). Die Berufungsantwort des Beschul-
digten ging am 10. Dezember 2021 ein (Urk. 53). Mit Präsidialverfügung vom 13.
Dezember 2021 wurde der Staatsanwaltschaft die Berufungsantwort unter
Fristansetzung zur freigestellten Stellungnahme zugestellt und das Beweisverfah-
ren als geschlossen erklärt (Urk. 56). Mit Eingabe vom 16. Dezember 2021 erklär-
te die Staatsanwaltschaft, auf eine Stellungnahme zur Berufungsantwort zu ver-
zichten (Urk. 58). Die Verzichtserklärung der Staatsanwaltschaft wurde dem Be-
schuldigten am 3. Januar 2022 zur Kenntnisnahme zugeschickt. Am 8. bzw. 9.
März 2022 bestätigten die Parteien ihren Entscheid bezüglich der schriftlichen
Durchführung des Berufungsverfahrens (Urk. 59).
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1.4. Das Verfahren erweist sich als spruchreif.
2. Umfang der Berufung
2.1. Gemäß Art. 399 StPO muss in der Berufungserklärung angegeben werden,
ob das Urteil als Ganzes oder nur in Bezug auf bestimmte Teile angefochten wird.
Im letzteren Fall muss der Berufungskläger in seiner Berufungserklärung endgül-
tig angeben, auf welche Teilpunkte sich die Berufung bezieht. Art. 399 Abs. 4
StPO zählt in den Buchstaben a bis g die Teilpunkte des Urteils, die gesondert
angefochten werden können, abschliessend auf. Die Berufung kann sich somit
insbesondere auf den Schuldpunkt – gegebenenfalls in Bezug auf jede einzelne
Tat – beziehen. Innerhalb der in Abs. 4 aufgelisteten Teilpunkte können keine
einschränkenden Differenzierungen vorgenommen werden (Zürcher Kommentar
StPO-ZIMMERLIN, Art. 399 StPO N 17 m.w.H.).
2.2. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Berufung auf den Schuldpunkt betreffend
Raufhandel bzw. die entsprechende rechtliche Qualifikation beschränkt. Sie ficht
ausdrücklich Dispositivziffer 1, 1. Spiegelstrich, des vorinstanzlichen Entscheids
an (Urk. 37; Urk. 49 S. 1 f.). Ihren Ausführungen in der Berufungserklärung ist zu
entnehmen, dass sie den Vorfall vom 26. Oktober 2018 nicht nur rechtlich anders
würdigt, sondern auch die diesbezüglichen sachverhaltlichen Erwägungen der
Vorinstanz – welche insbesondere eine wechselseitige tätliche Auseinander-
setzung als erstellt erachtete (Urk. 36 S. 10 E. III.7.) – moniert (Urk. 37; vgl. auch
Urk. 47 S. 2 ff.). Damit gilt der Schuldpunkt betreffend den Vorfall vom 26. Okto-
ber 2018 (Dispositivziffer 1, 1. Spiegelstrich) als Ganzes als angefochten.
2.3. Wird die Berufung auf die Anfechtung des Schuldpunkts beschränkt, muss
eine Gutheissung automatisch dazu führen, dass die mit dem Schuldpunkt eng
verknüpften Teile des Urteils neu überprüft werden, selbst wenn diesbezüglich
keine ausdrücklichen Anträge vorliegen. Folglich ist bei einer Gutheissung einer
solchen Berufung insbesondere das Strafmass zu überprüfen. Wird der Beru-
fungsantrag im Schuldpunkt indessen abgewiesen, sind die weiteren nicht ange-
fochtenen Urteilspunkte bei einer Beschränkung der Berufung nicht zu überprüfen
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(Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019, E. 2.3.; ZIMMER-
LIN, a.a.O., Art. 399 StPO N 19 m.w.H.).
2.4. Vorliegend beschränkt sich die Berufung der Staatsanwaltschaft wie gese-
hen auf den Schuldpunkt betreffend den Vorfall vom 26. Oktober 20218. Den
Strafpunkt ficht sie nicht an. Ist der Berufung der Staatsanwaltschaft im Schuld-
punkt kein Erfolg beschieden, darf der Strafpunkt im vorliegenden Berufungsver-
fahren folglich nicht überprüft werden.
2.5. Unangefochten blieben bzw. nicht als mitangefochten gelten der Schuld-
punkt betreffend Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art.
19a Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG (Dispositivziffer 1, 2.
Spiegelstrich), das erstinstanzliche Kostendispositiv (Dispositivziffer 5 und 6) und
der Entschädigungspunkt (Dispositivziffer 7). In diesem Umfang ist der vorinstanz-
liche Entscheid in Rechtskraft erwachsen, was vorab vorzumerken ist (Art. 399
Abs. 3 in Verbindung mit Art. 437 StPO).
2.6. Im Übrigen steht der angefochtene Entscheid – mit dem erwähnten Vorbe-
halt (Ziff. I.2.4.) – zur Disposition.
3. Prozessuales (Verwertbarkeit der Beweismittel)
3.1. Die Vorinstanz qualifiziert sämtliche Beweismittel als uneingeschränkt ver-
wertbar (Urk. 36 S. 4 ff. E. II.). Diese Beurteilung wird im Berufungsverfahren von
keiner Partei in Abrede gestellt. Die Verwertbarkeit von Beweismitteln ist indes ei-
ne von Amtes wegen zu prüfende Frage. Das vorliegend zentrale Beweismittel ist
das Video des Hotels B._ (Urk. D1/2/6, Datei "Täter 8_Unbekannt"). Auf des-
sen Verwertbarkeit ist im Folgenden näher einzugehen.
3.2. Zunächst ist festzuhalten, dass es sich vorliegend nicht um eine amtliche
Überwachungsmassnahme im Sinne von Art. 196 StPO handelt, welche behörd-
lich zu bewilligen gewesen wäre. Da das in Frage stehende Video sodann vom öf-
fentlichen Raum aufgenommen wurde, scheidet auch ein Beweisverwertungsver-
bot gestützt auf einen unzulässigen Eingriff in die Privatsphäre der aufgezeichne-
ten Personen gemäss Art. 179quater StGB aus. Diese Strafbestimmung umfasst
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den allgemein öffentlich zugänglichen Raum nicht (Urteil des Bundesgerichts
6B_536/2009 vom 12. November 2009, E. 3.2).
3.3. Allerdings sind im öffentlichen Raum auch private Aufzeichnungen von
Drittpersonen nur beschränkt zulässig. Zu beachten sind bei privaten Videoüber-
wachungsanlagen die Vorschriften des Datenschutzgesetzes (DSG, SR 235,1;
vgl. BGE 147 IV 9 E. 1.3.2., präzisierend BGE 147 IV 16 E. 3. und 5.). Ob ein
Verstoss gegen das DSG vorliegt, kann letztlich aber offenbleiben.
3.4. Die Verwertbarkeit von rechtswidrig erhobenen Beweismitteln richtet sich
nach Art. 140 f. StPO. Von Privaten rechtswidrig erlangte Beweismittel sind ver-
wertbar, wenn sie von den Strafverfolgungsbehörden rechtmässig hätten erlangt
werden können und kumulativ dazu eine Interessenabwägung für deren Verwer-
tung spricht. Bei der Interessenabwägung ist derselbe Massstab wie bei staatlich
erhobenen Beweisen anzuwenden. Die Verwertung ist damit nur zulässig, wenn
dies zur Aufklärung einer schweren Straftat unerlässlich ist (BGE 146 IV 226 E.
2). Entscheidend für die Verwertbarkeit eines rechtswidrig erlangten Beweises ist
die Schwere der konkreten Straftat. Dabei kann auf Kriterien wie das geschützte
Rechtsgut, das Ausmass dessen Gefährdung bzw. Verletzung, die Vorgehens-
weise und kriminelle Energie des Täters oder das Tatmotiv abgestellt werden
(BGE 147 IV 9 E. 1.4.2., bestätigt in BGE 147 IV 16, E. 6.).
3.5. Die abstrakten Voraussetzungen der Erreichbarkeit sind vorliegend erfüllt.
Es liegt keine verbotene Beweiserhebung gemäss Art. 140 StPO vor, und die
Voraussetzungen zur Durchführung einer Observation gemäss Art. 282 StPO sind
bei Vergehen als gegeben zu betrachten. Der Subsidiaritätsgrundsatz muss so-
dann nicht geprüft werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_786/2015 vom
8. Februar 2016, E. 1.3.1 m.w.H.). Weiter handelt es sich beim Tatort generell um
einen deliktsträchtigen Bereich in der Stadt Zürich, bei welchem mit erhöhter
Wahrscheinlichkeit mit Straftaten zu rechnen ist. Auch die Polizei selbst wäre be-
fugt, den öffentlichen Raum präventiv motiviert, d.h. zur Verhinderung und Erken-
nung von Verbrechen und Vergehen oder zur Gefahrenabwehr, zu überwachen
(vgl. § 32 ff. PolG ZH). Damit liegen insgesamt genügende gesetzliche Grundla-
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gen vor, aufgrund welcher die Strafbehörden die Videoaufnahme rechtmässig hät-
ten erlangen können.
3.6. Der Beschuldigte wirkte zusammen mit weiteren Zürcher Fans physisch
teils heftig auf mehrere Fans von Bayer Leverkusen ein. Letztere verhielten sich
dabei hauptsächlich abwehrend oder steckten schlicht ein. Erschwerend kommt
hinzu, dass die Zürcher Fans zahlenmässig klar überlegen waren. Die teils heftige
Gewalt manifestierte sich hauptsächlich in Faustschlägen und Fusstritten, woraus
als nennenswerte Verletzung eine Schädelprellung eines Leverkusener resultier-
te. Der Beschuldigte teilte immerhin zwei Schläge aus. Insgesamt ist die kriminel-
le Energie des Beschuldigten damit als hoch zu werten. Sein Tatmotiv ist in der
Zugehörigkeit zur Anhängerschaft eines anderen Fussballclubs zu sehen und
somit verwerflicher Natur. Die Verletzung bzw. Gefährdung der körperlichen Integ-
rität wiegt schwer. Der dem Beschuldigten vorgeworfene und - wie zu zeigen sein
wird - erstellte Sachverhalt erreicht unter den konkreten Umständen des vorlie-
genden Falles insgesamt die geforderte Schwere von Art. 141 Abs. 2 StPO. Das
öffentliche Interesse an der Aufklärung der vorliegenden Straftat ist hoch und
überwiegt dasjenige des Beschuldigten an der rechtskonformen Erhebung der
privaten Videoaufnahmen. Im Übrigen ist zu bemerken, dass nicht etwa der Ge-
heim- oder Privatbereich des Beschuldigten, sondern lediglich seine Teilnahme
an einer physischen Auseinandersetzung auf öffentlich zugänglichem Grund ge-
filmt wurde. Die Videoaufnahme stellt zudem in der Gesamtheit aller Beweisele-
mente ein unerlässliches Beweismittel dar. Insbesondere greift auch die Verteidi-
gung wiederholt in ihren Ausführungen auf Erkenntnisse der besagten Aufnahme
zurück.
3.7. Zusammenfassend ist die Videoaufnahme des Hotels B._ uneinge-
schränkt verwertbar. Entsprechendes gilt – unter Hinweis auf die diesbezüglichen
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 36 S. 4 ff. E. II.) – für die weiteren
Beweismittel.
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II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf und Allgemeines
Betreffend den dem Beschuldigten zur Last gelegten Anklagevorwurf kann auf
den beigehefteten Strafbefehl vom 30. September 2020 der Staatsanwaltschaft
(Urk. 19) verwiesen werden. Die Berufungsinstanz kann sich auf die für ihren
Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (vgl. BGE 141 IV 249 E. 1.3.1
S. 253; 141 III 28 E. 3.2.4 S. 41; je mit Hinweisen).
2. Standpunkte
2.1. Vorinstanz
Die Vorinstanz erachtete den angeklagten Sachverhalt zusammengefasst da-
hingehend als erstellt, dass der Beschuldigte zu einer wechselseitigen tätlichen
Auseinandersetzung zwischen Leverkusen-Fans und Zürchern hinzugekom-
men sei, wobei Personen auf Zürcher Seite die Leverkusener im Laufe der
wechselseitigen Auseinandersetzung mit Faustschlägen und Fusstritten trak-
tiert hätten und einer der Zürcher mit dem Fuss gegen den Kopf des Lever-
kusener C._ getreten habe, sodass dieser eine Schädelprellung erlitten
habe. Weiter sei auch erstellt, dass der Beschuldigte selber zwei Schläge aus-
geteilt habe, wovon einer gegen den Hinterkopf von C._ (Urk. 36 S. 10).
2.2. Staatsanwaltschaft
Die Staatsanwaltschaft stellt sich zusammengefasst auf den Standpunkt, die
Leverkusen-Fans hätten sich ihrer Unterkunft genähert, als sie ohne ersicht-
lichen Grund von den FCZ-Fans angegangen worden seien. Ein FCZ-Fan habe
einem Leverkusener den Fanschal weggenommen. Als der Leverkusener
C._ dagegen verbal aufbegehrt habe, sei er mit der offenen Hand ins
Gesicht geschlagen worden. Als er weiter versucht habe, den Schal zurück-
zuerobern und dazu den Schaldieb von sich gestossen habe, hätten auch die
übrigen Zürcher begonnen, auf die Leverkusener "einzuwirken" und das Ganze
habe damit geendet, das die Leverkusener von den Zürchern in Überzahl re-
gelrecht "verdroschen" worden seien. Selbst wenn in den tätlichen Abwehr-
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handlungen des Geschädigten C._ eine gewisse "Gegenseitigkeit" gese-
hen werden könne, fehle eine solche in Bezug auf den Geschädigten D._,
welcher selbständiges Ziel des Angriffs der gewaltbereiten FCZ-Fans gewesen
sei. Zu erwähnen sei sodann der Umstand, dass der Beschuldigte erst in einer
späten Phase der Auseinandersetzung eingegriffen habe. Von den anfängli-
chen Abwehrhandlungen des Geschädigten C._ habe er nichts mitbe-
kommen, in jenem Zeitpunkt habe er sich noch auf der anderen Strassenseite,
vor dem Restaurant E._ aufgehalten. Er könne somit keinesfalls davon
ausgegangen sein, es handle sich um eine wechselseitige Angelegenheit,
denn damals sei bereits "aus allen Rohren" auf den Geschädigten C._
eingedroschen worden, der sich nur noch habe "einigeln" können und auf die-
se Art und Weise die Wirkung der auf ihn einprasselnden Faustschläge und
Fusstritte zu mindern versuchen (Urk. 49).
2.3. Beschuldigter
Vom Beschuldigten wurde zusammengefasst ausgeführt, die Vorinstanz habe
festgestellt, dass es C._ gewesen sei, der zunächst auf den vermeintli-
chen Räuber losgegangen sei und diesem zudem einen halbvollen Bierbecher
angeworfen habe. Die Schlägerei sei damit klar als wechselseitig zu qualifizie-
ren. Die Beschuldigte habe gemäss Bezirksgericht just in jenem Moment von
der Auseinandersetzung Kenntnis erhalten, in welchem C._ und der mut-
massliche Räuber sich gegenseitig geschlagen hätten. Auf den Videoaufnah-
men sei sichtbar, dass der Beschuldigte zunächst mit dem Rücken zum Ge-
schehen gestanden sei, sich aber erstmals um 01:05:47 Uhr umgedreht und
die Schlägerei wahrgenommen habe. Sogleich habe er sich auf den Weg zur
Rangelei gemacht, um 01:05:53 Uhr, wobei der erste Schlag C._s um
01:05:58 Uhr erfolgt sei. Der Beschuldigte habe daher nichts anderes wahr-
nehmen können als eine Schlägerei, die klar wechselseitig verlaufen sei. Dies
sei indirekt auch durch die Staatsanwaltschaft anerkannt, indem diese argu-
mentiere, dass in den tätlichen Abwehrhandlungen des Geschädigten C._
eine gewisse Gegenseitigkeit gesehen werden könne. Auch gestehe die
Staatsanwaltschaft ein, dass vom vorherigen Geschehen der Beschuldigte
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nichts mitbekommen habe. Die Vorinstanz habe auch festgestellt, dass in dem
Zeitpunkt, als er sich dem Geschehen erstmals zugewandt habe, noch keine
der Seiten klar überlegen gewesen sei. Unerwähnt lasse die Vorinstanz im Ur-
teil, dass es unmittelbar im Anschluss an die erste heftige Aktion von C._
zu einer zunächst verbalen Auseinandersetzung zwischen den Fangruppen
kam, während der der Geschädigte C._ den Täter 2 von sich weggestos-
sen habe (01:05:53 Uhr). Als Folge dieses Stosses habe sich Täter 5 am Ge-
schehen beteiligt und dem Geschädigten D._ ins Gesicht geschlagen.
C._ habe darauf mit weiteren Schlägen und Tritten gegen den Täter 2 re-
agiert, woraufhin die wechselseitige Auseinandersetzung zwischen C._
und mehreren mutmasslichen Zürich Fans ihren Fortgang genommen habe (ab
01:05:55 Uhr). Dies bestätige allerdings nur die ohnehin bereits klare vo-
rinstanzliche Feststellung der Wechselseitigkeit (Urk. 53).
3. Unbestrittener Sachverhalt
3.1. Im Berufungsverfahren unbestritten ist, dass es sich beim Beschuldigten um
die Person mit dem Bart und der braunen Lederjacke handelt, welche in der rele-
vanten Videoaufnahme (Datei "Täter 8_Unbekannt"; Urk. D1/2/6) eingekreist ist.
3.2. Ebenfalls unbestritten sind folgende vorinstanzlichen – bereits oben wieder-
gegebenen – Erwägungen: Der Beschuldigte kam zu einer tätlichen Auseinander-
setzung zwischen Leverkusen-Fans und Zürchern hinzu, wobei Personen auf
Zürcher Seite die Leverkusener mit Faustschlägen und Fusstritten traktiert haben
und einer der Zürcher mit dem Fuss gegen den Kopf des Leverkusener C._
getreten hat, sodass dieser eine Schädelprellung erlitt. Der Beschuldigte selber
hat zwei Schläge ausgeteilt, wovon einer gegen den Hinterkopf von C._. Mit
Blick auf die Aufnahme der Überwachungskamera des Hotels B._ (Datei "Tä-
ter 8_Unbekannt"; Urk. D1/2/6) sind diese Erwägungen zutreffend.
4. Bestrittener bzw. zu erstellender Sachverhalt
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4.1. Strittig und daher nachfolgend zu erstellen ist, ob es sich um eine wechsel-
seitige Auseinandersetzung handelte und zu welchem Zeitpunkt der Beschuldigte
zum Geschehen hinzukam bzw. wie sich das Geschehen für ihn präsentierte, als
er hinzukam.
4.2. Von der Staatsanwaltschaft wurde nicht in Abrede gestellt, dass der Lever-
kusener C._ zu Beginn des Streits um den Schal eines anderen Leverkuse-
ner den mutmasslichen Schalräuber von sich weggestossen hat (vgl. Datei "Täter
8_Unbekannt"; Urk. D1/2/6 ab 01:05:47 Uhr). Bereits diese unbestrittene Hand-
lung C._s begründet eine gewisse Wechselseitigkeit der Auseinander-
setzung, was auch von der Staatsanwaltschaft grundsätzlich anerkannt wird.
4.3. Die Vorinstanz erwog, auf dem Video sei ab dem Zeitpunkt 01:05:17 Uhr zu
sehen, dass vier Personen – offensichtlich Fans von Bayer Leverkusen – von der
F._-strasse her zum Hoteleingang gehen würden. Drei Personen, welche
sich zunächst beim E._ befinden würden, würden gleichzeitig die Strassen-
seite wechseln und zu den Leverkusen-Fans hingehen, wobei eine dieser drei
Personen mit den Leverkusen-Fans spreche, eine zweite den Schal eines Lever-
kusen-Fans – wohl G._ – behändige und die dritte Person eher im Hinter-
grund bleibe (Urk. D1/2/6 01:05:40 Uhr). Als die offensichtlich körperlich robustes-
te Person auf Leverkusener Seite – wohl C._ – den mutmasslichen Raub des
Schals – wie dieser rechtlich zu würdigen sei, sei vorliegend irrelevant und könne
somit offen gelassen werden – bemerke, komme er dem mutmasslich Beraubten
zu Hilfe. Der mutmassliche Räuber gebe in der Folge C._ einen Klaps an die
Ohren, woraufhin C._ auf den mutmasslichen Räuber losgehe und diesem
überdies einen halbvollen Bierbecher anwerfe (Urk. D1/2/6 01:05:44 Uhr). Aus
dieser Situation heraus entstehe eine Rangelei, welche zunächst noch – wohl
auch dank dem zunächst noch ausgeglichenen Stärkeverhältnis, seien die Zür-
cher doch zwar zahlenmässig überlegen, C._ aber ganz offensichtlich die mit
Abstand kampfstärkste Person – vergleichsweise harmlos verlaufe. Auf Zürcher
Seite seien dabei inzwischen sechs Personen anwesend, wobei sich von den drei
zusätzlichen Personen eine bereits vor Beginn der tätlichen Auseinandersetzung
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und die beiden anderen unmittelbar danach vom E._ aus auf den Weg zur
Rangelei gemacht hätten (Urk. 36 S. 7).
4.4. Weiter erwog die Vorinstanz, der Beschuldigte selber sei bis zu diesem Zeit-
punkt nicht vor Ort, sondern noch auf der anderen Strassenseite beim E._.
Auf den Bildern sei auch zu sehen, dass der Beschuldigte den Beginn der Ausei-
nandersetzung – insbesondere auch den mutmasslichen Raub des Schals – gar
nicht mitbekomme, stehe er doch zu jenem Zeitpunkt noch mit dem Rücken zum
Geschehen. Das erste Mal drehe er sich um 01:05:47 Uhr um, als C._ und
der mutmassliche Räuber sich gegenseitig prügelten, wobei zu diesem Zeitpunkt
– wie bereits dargelegt – noch keine der Seiten klar überlegen sei. Kurz nachdem
der Beschuldigte das Geschehen bemerkt habe, mache er sich auf den Weg zur
Rangelei (ab 01:05:53 Uhr), wobei vor ihm noch weitere drei Personen – wovon
eine (jene mit der schwarzen Kappe) allerdings klarerweise nur schlichtend tätig
gewesen sei, eine andere (jene mit der weissen Dächlikappe) dafür umso heftige-
re Gewalt ausgeübt habe – beim Geschehen eintreffen und nach ihm noch weite-
re sechs Personen hinzukämen. In der Folge komme es zwischen 01:05:55 und
01:06:27 Uhr zu einer halbminütigen Schlägerei. Dabei teile C._ zu Beginn
auch aus (vgl. 01:05:58 Uhr) – weshalb die Schlägerei zumindest zu Beginn
wechselseitig sei –, doch habe er in der Folge gegen die zahlenmässige Über-
macht der Zürcher keine Chance und werde mehrfach geschlagen (vgl. insbeson-
dere 01:06:14-19 Uhr). Dabei werde C._ von der offensichtlich rücksichtslo-
sesten Person auf Zürcher Seite – jener mit der weissen Dächlikappe – auch ge-
gen den Kopf getreten (Urk. D1/2/6 01:06:21 Uhr), sodass C._ eine Schädel-
prellung erleide (vgl. Urk. D1/13/3; Urk. 36 S. 8).
4.5. Schliesslich erwog die Vorinstanz, der Beschuldigte sei zunächst bis
01:06:04 Uhr sichtbar – wobei aber keine konkreten Gewalttaten des Beschuldig-
ten selber ersichtlich seien –, und dann wieder ab 01:06:09 Uhr, wobei er um
01:06:12 Uhr allem Anschein nach einen Leverkusener Fan ein Mal schlage. Da-
nach seien keine Schläge des Beschuldigten selber mehr ersichtlich, wobei er
aber – ohne zu intervenieren – zuschaue, wie eine andere Person der Zürcher
Gruppe einen Leverkusener mehrere Sekunden lang mehrmals relativ heftig
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schlage. Als sich die Szene um ca. 01:06:26 Uhr auflöse, gehe der Beschuldigte
nochmals zu C._ hin und spreche zunächst auf diesen ein – wobei er ihm der
Gestik zufolge wohl bedeute, nun ins Hotel zu gehen – und anschliessend –
nachdem sich dieser umgedreht gehabt habe, um ins Hotel zu gehen – verpasse
er C._ noch einen Faustschlag an den Hinterkopf (Urk. D1/2/6 01:06:37 Uhr;
Urk. 36 S. 8).
4.6. Diese zutreffenden Erwägungen können übernommen werden. Teilweise
rekapitulierend und ergänzend ist festzuhalten, dass die Zürcher Fans die
physische Auseinandersetzung zweifellos streitsuchend provozierten und teils
heftige Gewalt gegen die Personen auf der Leverkusen-Seite ausübten. Zumin-
dest zu Beginn war die Schlägerei noch wechselseitig. Hierfür genügt, dass auf
Seiten der Leverkusener C._ gegen die Zürcher tätlich in Erscheinung trat,
auch wenn es sich dabei in erster Linie um Abwehrhandlungen handelte. Zu den
konkreten Handlungen C._s ist – mit dem Beschuldigten – festzuhalten, dass
er während der Schlägerei mit mehreren Schlägen und Tritten gegen den
mutmasslichen Schalräuber reagiert hat (Datei "Täter 8_Unbekannt"; Urk. D1/2/6
ab 01:05:55 Uhr). Zudem ging er – mit der Vorinstanz (Urk. 36 S. 11) – zu Be-
ginn des Streits zwecks Rückeroberung des Fanschals auf den mutmasslichen
Räuber los, nachdem dieser ihm provozierend einen Schlag von eher geringer
Intensität gegen die Ohren erteilt hatte und stiess ihn etwas später von sich
weg, als sich dieser ebenfalls provozierend vor ihm aufstellte, woraufhin es zur
Schlägerei kam (Datei "Täter 8_Unbekannt"; Urk. D1/2/6 ab 01:05:44). Der Be-
schuldigte hat den mutmasslichen Schalraub nicht mitbekommen, weil er mit
dem Rücken zum Geschehen auf der anderen Strassenseite vor dem E._
stand. Als er sich umdrehte und das Geschehen bemerkte, nahm er die Ran-
gelei zwischen C._ und dem mutmasslichen Schalräuber wahr. Den Blick
auf das Geschehen gerichtet, machte er sich auf den Weg dorthin, wobei die-
ses nun in eine Schlägerei mündete und C._ wie gesehen zu Beginn
Schläge und Tritte gegen den mutmasslichen Schalräuber austeilte. Der Be-
schuldigte beteiligte sich selber mit einem Schlag gegen C._ und einem
zweiten gegen einen anderen Leverkusener an der Schlägerei (a.a.O. ab
01:05:47). Auch aus der Perspektive des Beschuldigten beteiligte er sich folg-
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lich an einer wechselseitigen physischen Auseinandersetzung. Daran ändert
nichts, dass sich ein Schlag gegen einen – soweit ersichtlich – selber nicht tät-
lich aktiven Leverkusener richtete, zumal aufgrund der unmittelbaren Abfolge
der Ereignisse und der Dynamik der Auseinandersetzung das Tatgeschehen
sachlich, räumlich und zeitlich als Einheit zu betrachten ist. In subjektiver Hin-
sicht bleibt Folgendes festzuhalten. Es ist nicht zweifelhaft, dass sich der Be-
schuldigte wissentlich und willentlich an der Schlägerei beteiligt hat. Dies war sein
eigentliches Handlungsziel.
5. Ergebnis
Zusammenfassend ist der Anklagesachverhalt im Sinne der Erwägungen der
Vorinstanz erstellt (vgl. Ziff. II.2.1.).
III. Rechtliche Würdigung
1.
1.1. Die Staatsanwaltschaft wendet in rechtlicher Hinsicht ein, der Vorfall sei als
Angriff im Sinne von Art. 134 StGB und nicht als Raufhandel im Sinne von Art.
133 StGB zu qualifizieren. Der einzige und wesentliche Unterschied zwischen ei-
nem Angriff und einem Raufhandel bestehe darin, dass die körperlichen Einwir-
kungen beim Raufhandel wechselseitig erfolgen müssten, während beim Angriff
lediglich von einer Seite aus auf die andere losgegangen werde und diese höchs-
tens abwehren dürfe. Eine solche Abwehr sei vorliegend gegeben. C._ habe
versucht, den Angriff des Schalräubers – ein Schlag an den Kopf – abzuwehren,
wobei seine entsprechende Handlung nicht über die Intensität einer Abwehrhand-
lung hinausgegangen sei. Es habe sich keineswegs um eine tätliche Auseinan-
dersetzung zwischen Leverkusen-Fans und Zürchern gehandelt, da auf Seiten
der Leverkusener lediglich der Geschädigte C._ sich gegen den Angriff kör-
perlich gewehrt habe. Es habe somit keinerlei Anlass dafür bestanden, dass der
Beschuldigte habe davon ausgehen können, dass er sich an einem Raufhandel
beteiligen würde. Sein Vorsatz habe sich auf einen reinen Angriff bezogen. Es
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komme nur die Verurteilung wegen der Teilnahme an einem Angriff in Frage
(Urk. 49).
1.2. Der Beschuldigte führt zusammengefasst aus, damit es sich um einen
wechselseitigen Streit handle, genügten einzelne Schläge, Stösse etc. unabhän-
gig davon, ob die Schläge zur Verteidigung oder zum Angriff ausgeteilt würden.
Gemäss Art. 133 Abs. 2 StGB handle jedoch straflos, wer als Beteiligter gelte,
dies aber ausschliesslich tue, indem er abwehre oder schlichte. Die ratio legis des
Raufhandels bestehe darin, dass der Beteiligte, der mit seinem Verhalten nicht
zur abstrakten Gefahr beitrage, da er die Auseinandersetzung weder weiter pro-
voziere noch versuche, diese in Gang zu halten, straflos bleiben solle. Vorliegend
habe C._ nicht nur Abwehrhandlungen vorgenommen. Es habe sich um eine
wechselseitige Auseinandersetzung gehandelt. Darauf habe sich auch der Vor-
satz des Beschuldigen bezogen. Schliesslich verkenne die Staatsanwaltschaft,
dass zur Erfüllung des Tatbestandes des Raufhandels nicht nötig sei, dass die
sich schlagenden Parteien aus mehreren Personen bestehen (Urk. 53).
2.
2.1. Die Vorinstanz hat sich in ihrer rechtlichen Würdigung sehr sorgfältig mit
den Straftatbeständen des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB und des Raufhan-
dels im Sinne von Art. 133 StGB auseinandergesetzt und das Handeln des Be-
schuldigten schliesslich zutreffend als Raufhandel im Sinne von Art. 133 Abs. 1
StGB qualifiziert (Urk. 36 S. 11 ff.). Diese zutreffenden Erwägungen können über-
nommen werden.
2.2. Rekapitulierend und teilweise ergänzend ist Folgendes (nochmals) festzu-
halten: Wer sich an einem Raufhandel beteiligt, der den Tod oder die Körperver-
letzung eines Menschen zur Folge hat, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren
oder Geldstrafe bestraft (Art. 133 Abs. 1 StGB). Nicht strafbar ist, wer aus-
schliesslich abwehrt oder die Streitenden scheidet (Art. 133 Abs. 2 StGB). Rauf-
handel ist die tätliche, wechselseitige Auseinandersetzung zwischen mindestens
drei Personen. Die Beteiligung muss eine aktive sein; das passive Einstecken von
Schlägen genügt nicht. Wenn mindestens zwei Personen auf eine dritte Person
https://bger.li/StGB_133 https://bger.li/StGB_133
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einschlagen, die passiv die Schläge einsteckt, ohne sich aktiv tätlich zu wehren,
kann neben allfälligen Körperverletzungsdelikten nicht Raufhandel, sondern allen-
falls Angriff vorliegen. Wer aber tätlich ausschliesslich abwehrt oder die Streiten-
den scheidet, beteiligt sich an einem Raufhandel, weil er tätlich ist, doch ist er
gemäss Art. 133 Abs. 2 StGB nicht strafbar, da er ausschliesslich abwehrt oder
die Streitenden scheidet. Das tätliche Verhalten kann nicht nur in Schlägen be-
stehen, sondern beispielsweise auch in Würgen, Stossen, Ringen, Messerste-
chen, Bewerfen mit Gegenständen oder gar Schiessen (Urteil des Bundesgerichts
6B_1056/2015 vom 4. Dezember 2015, E. 4.1. m.w.H.).
2.3. Die Zürcher Fans zettelten in deutlicher zahlenmässiger Übermacht die
physische Auseinandersetzung an. Nachdem einem Leverkusener der Fanschal
entwendet worden war, wurde dem Leverkusener C._ ein Schlag gegen die
Ohren gegeben, als er den Fanschal zurückerobern wollte. Mit der Vorinstanz
können die anschliessenden Handlungen C._s in erster Linie zunächst wohl
als Notwehrhilfe und später als Abwehrhandlungen im Sinne von Art. 133 Abs. 2
StGB gewürdigt werden (vgl. Urk. 36 S. 11 f.). C._ stiess den mutmasslichen
Schalräuber von sich weg und teilte gegen diesen wie gesehen mehrere Schläge
und Fusstritte aus, womit er sich während der Auseinandersetzung zweifellos ak-
tiv tätlich verhielt. Ein Angriff im Sinne von Art. 134 StGB seitens der Zürcher bzw.
des Beschuldigten scheidet daher im Lichte der zitierten bundesgerichtlichen
Rechtsprechung aus. Der objektive Tatbestand von Art. 133 StGB ist demgegen-
über erfüllt, wenn sich wie vorliegend mindestens drei Personen an einer tätlichen
Auseinandersetzung beteiligen und wechselseitig gegeneinander vorgehen.
Entsprechend kann eine Partei auch aus nur einer Person bestehen. Dass auf
Seiten der Leverkusener einzig C._ gegen die Zürcher tätlich wurde, steht
der Anwendung des Straftatbestandes des Raufhandels im Sinne von Art. 133
StGB folglich nicht entgegen. Gemäss erstelltem subjektiven Sachverhalt handel-
te der Beschuldigte bewusst, rational und ihm war klar, dass er an einer Schläge-
rei teilnahm. Damit nahm er direktvorsätzlich an einem Raufhandel teil. Die objek-
tive Strafbarkeitsbedingung ist mit der Schädelprellung von C._ zweifellos er-
füllt.
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2.4. Der Beschuldigte ist demnach zudem schuldig zu sprechen des Raufhan-
dels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB.
IV. Strafzumessung
Weil der Berufung der Staatsanwaltschaft im Schuldpunkt kein Erfolg beschieden
ist, darf der Strafpunkt wie gesehen im vorliegenden Berufungsverfahren nicht
überprüft werden (Ziff. I.2.4.). Der Beschuldigte ist folglich in Bestätigung des
vorinstanzlichen Urteils mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à Fr. 100.–,
wovon 8 Tagessätze als durch Haft erstanden gelten, sowie mit einer Busse von
Fr. 1'000.– zu bestrafen. Der Vollzug der Geldstrafe ist aufzuschieben und die
Probezeit auf 2 Jahre festzusetzen.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1.1. Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei im
Rechtsmittelverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon ab, in
welchem Ausmass ihre vor Beschwerdeinstanz bzw. Berufungsgericht gestellten
Anträge gutgeheissen wurden (THOMAS DOMEISEN, in: Basler Kommentar, Schwei-
zerische Strafprozessordnung, Bd. II, 2. Aufl. 2014, N. 6 zu Art. 428 StPO).
1.2. Die Staatsanwaltschaft strebte mit ihrer Berufung eine Verurteilung des
Beschuldigten wegen Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB an und unterliegt im
Berufungsverfahren mit ihren Anträgen vollumfänglich. Ausgangsgemäss fällt die
zweitinstanzliche Gerichtsgebühr ausser Ansatz und die Kosten des Berufungs-
verfahrens sind auf die Gerichtskasse zu nehmen.
1.3. Dem Beschuldigten ist für das Berufungsverfahren für anwaltliche Vertre-
tung antragsgemäss eine Entschädigung von Fr. 2'449.65 aus der Gerichtskasse
auszurichten (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO; Urk. 55).
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