Decision ID: 22f4e61f-d854-5069-b802-8740ff8343c0
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ist iranischer Staatsangehöriger kurdischer Volks-
zugehörigkeit und Angehöriger der religiösen Gemeinschaft der Ahl-e
Haqq, auch Yaresan genannt. Nach eigenen Angaben verliess er seinen
Heimatstaat im Oktober 2015. Er gelangte am 5. November 2015 illegal in
die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. In der Folge wurde
er am 16. November 2015 im Rahmen der Befragung zur Person (BzP)
summarisch zu seinen Asylgründen angehört. Am 9. November 2016 fand
sodann eine ausführliche Anhörung statt.
Zur Begründung seines Asylgesuchs trug der Beschwerdeführer im We-
sentlichen das Folgende vor: Er stamme aus dem Dorf B._ in der
Provinz C._ und sei Anhänger des Yari-Glaubens. Diese Religion
sei von der iranischen Regierung nicht anerkannt. Angehörige dieser Reli-
gion würden im Iran systematisch unterdrückt und benachteiligt. Zudem sei
sein Vater Mitglied der Demokratischen Partei Kurdistans. Er selber sei
nicht politisch aktiv. Sein Vater sei «Seyyed» (der religiöse Lehrer/Führer)
seiner Familie gewesen. Als «Seyyed» habe man die Aufgabe, für andere
Personen zu beten und das Wissen über die Religion an seine Nachkom-
men weiterzugeben. In der Schule und später am Gymnasium sei er auf-
grund seiner Religionszugehörigkeit und der politischen Einstellung seines
Vaters diskriminiert und beleidigt worden. Beispielsweise sei er von den
Lehrpersonen aufgefordert worden, nach islamischen Brauch zu beten. Er
habe die staatlichen Repressionen aufgrund seiner religiösen Zugehörig-
keit nicht akzeptieren wollen und sich dagegen gewehrt. Aus diesem Grund
hätten ihm die Lehrer vorgeworfen, dass andere Mitschüler in ihm ein Vor-
bild sähen; sie hätten ihm gedroht, dass sie ihn den Sicherheitskräften mel-
den würden, wenn er so weitermache, damit diese ihn töten würden. Auch
Mitschüler und Personen aus dem Dorf, welche überwiegend Muslime
seien, hätten ihm damit gedroht. Er habe sodann erfahren, dass Anhänger
dieser religiösen Minderheit, die sich – wie er – gegen die Unterdrückung
gewehrt hätten, von der iranischen Regierung inhaftiert und auch hinge-
richtet worden seien. Zudem habe man versucht, ihn als Mitglied der ext-
remistischen Volksmiliz der «Basidji» beziehungsweise «Basij» zu gewin-
nen. Mit der Zeit sei der Druck unerträglich geworden, weshalb er die letz-
ten zwei Prüfungen seines Abiturs nicht mehr gemacht habe. Er habe die
Schule abgebrochen und sei für einige Monate nach Teheran gegangen,
weil er Angst um sein Leben gehabt habe. Doch auch dort habe er Schika-
nen und Diskriminierung erlebt. Ihm sei klargeworden, dass sie ihn früher
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oder später töten würden. Eine Fluchtalternative im Iran habe er nicht ge-
habt. In der Folge habe er sich zur Ausreise aus dem Iran entschlossen.
Etwa Anfang Oktober 2015 habe er sein Heimatdorf verlassen und sei ille-
gal via die Türkei nach Griechenland gereist. Er sei nicht eher auseist, da
die Umstände dies nicht erlaubt hätten. Er habe schliesslich jedoch gehört,
dass die Grenzen offen seien, und dies zum Anlass für seine Ausreise ge-
nommen. Zusammen mit seinem Onkel D._ (N [...]), seinem Cousin
E._ (N [...]) und zwei weit entfernten Verwandten sei er die Balkan-
route benutzend am 5. November 2015 – von Deutschland kommend –
illegal in die Schweiz eingereist. Im Anschluss an seine Ausreise sei sein
Haus von Sicherheitsbeamten kontrolliert worden. Seine Eltern hätten ihm
mitgeteilt, dass sie nach seinem Aufenthaltsort gefragt worden seien. Eine
Rückkehr in den Iran bedeute für ihn Inhaftierung oder sogar die Todes-
strafe.
Zum Beleg seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer seine Identi-
tätskarte und eine beglaubigte Kopie seiner Geburtsurkunde, seinen Füh-
rerschein, die Identitätskarte seines Vaters, zwei Totenscheine seiner Brü-
der, Dokumente betreffend die Todesumstände derselben sowie je ein Be-
stätigungsschreiben der kulturellen Vereinigung der Yaresan Gemeinde
und der «Yarsan Democratic Organization» zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 22. November 2018 stellte das SEM fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab und ordnete die Wegweisung und den Wegweisungsvollzug aus
der Schweiz an.
C.
Handelnd durch den rubrizierten Rechtsvertreter focht der Beschwerdefüh-
rer die Verfügung des SEM mit Eingabe vom 24. Dezember 2018 beim
Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte in materieller Hinsicht, es sei
die vorinstanzliche Verfügung vollumfänglich aufzuheben, die Sache sei
zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung sowie zur neuen Entschei-
dung an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventualiter sei seine Flüchtlings-
eigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Subeventualiter sei
die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit des Vollzugs der
Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In
prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung, um Einsetzung seines Rechtsvertreters als amtlichen
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Rechtsbeistand sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 16. Januar 2019 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut, verzichtete auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses und ordnete dem Beschwerdeführer in
der Person von lic. iur. Urs Ebnöther einen amtlichen Rechtsbeistand bei.
Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.
E.
Das SEM liess sich mit Eingabe vom 7. Februar 2019 zur Beschwerde ver-
nehmen.
F.
Dazu nahm der Beschwerdeführer mit Replik vom 5. März 2019 Stellung
und gab eine Kostennote vom gleichen Tag zu den Akten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.2 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
1.4 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
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2.
2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 m. Verw.).
3.
3.1 Das SEM kam in seinem Entscheid zum Schluss, die Voraussetzungen
für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft lägen nicht vor, weshalb
das Asylgesuch abzulehnen sei. Die Angaben des Beschwerdeführers zu
den fluchtauslösenden Ereignissen seien unglaubhaft. Insbesondere habe
der Beschwerdeführer in der BzP und der Anhörung unterschiedliche An-
gaben betreffend seiner Fluchtgründe gemacht. In der BzP habe er erklärt,
er habe den Iran im Wesentlichen wegen der allgemein schwierigen Le-
bensumständen in seiner Herkunftsregion verlassen. Als Angehöriger der
Glaubensgemeinschaft Yaresan sei er schikaniert und benachteiligt wor-
den. Beispielsweise habe er Probleme in der Schule und im Erwerbsleben
gehabt. In der Schule sei er zum Gebet gezwungen worden. Als er sich
geweigert habe, nach islamischen Brauch zu beten, habe es Streit gege-
ben. Nach dem Schulabschluss habe er aus denselben Gründen keine Ar-
beitsstelle gefunden. Die Frage, ob er mit Drittpersonen im Iran Probleme
gehabt habe, habe er indes verneint. In der Anhörung habe er demgegen-
über berichtet, dass er in der Schule täglich ausgepeitscht und sowohl
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durch Lehrer, Mitschüler, als auch Stadtbewohner direkt mit dem Tod be-
droht worden sei. Aufgrund seines Widerstands habe man in ihm mit der
Zeit ein mögliches Vorbild für andere Yaresan gesehen. Seine Ausführun-
gen in der Anhörung seien vor diesem Hintergrund nachgeschoben. Auch
soweit er vorbringe, die iranischen Volksmiliz habe versucht, ihn zu rekru-
tieren, sei festzustellen, dass er dies anlässlich der BzP nicht erwähnt
habe. Dies wäre jedoch zu erwarten gewesen, da es sich bei den erwähn-
ten Vorfällen um Fluchtgründe mit weitaus grösserer Tragweite für seine
Person handle. Zu entsprechenden Vorhalten habe er denn auch nicht be-
friedigend Stellung zu nehmen vermocht. Ebenso seien seine Schilderun-
gen auffallend schemenhaft und unpersönlich ausgefallen. Letztlich seien
seine Darlegungen über die erlebte tägliche körperliche Gewalt und Todes-
drohungen auch nicht mit seinen übrigen Angaben zu vereinbaren, wonach
er das Abitur – mit Ausnahme zweier Prüfungen – abgelegt habe und nach
einem Abstecher nach Teheran in sein Heimatdorf zurückgekehrt sei. Zu-
dem habe er kein bestimmtes Ereignis (ausgenommen von der Öffnung
der Balkanroute) genannt, welches ihn konkret zur Flucht veranlasst habe.
Dementsprechend seien die Ereignisse, welche sich nach seiner Ausreise
ereignet haben sollten, ebenfalls als unglaubhaft zu qualifizieren. Zwar ver-
kenne das SEM nicht, dass dem Beschwerdeführer als Angehörigen der
Glaubensgemeinschaft der Yaresan einige Chancen und Möglichkeiten im
Leben allenfalls verwehrt geblieben seien und eventuell auch künftig ver-
wehrt blieben. Dennoch seien die von ihm genannten Schwierigkeiten nicht
asylrelevant. Auch das Bundesverwaltungsgericht habe die Lage der
Yaresan schon als problematisch beurteilt. Eine Kollektivverfolgung habe
es aber bislang nicht bejaht beziehungsweise habe es diese Frage offen-
gelassen. Alleine aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit drohe dem Be-
schwerdeführer somit keine asylrelevante Verfolgung. Ebenso wenig wür-
den allfällige gesellschaftliche Nachteile eine asylbeachtliche Intensität er-
reichen. So sei es seiner Familie immerhin möglich gewesen, ein normales
Leben zu führen und ein Einkommen zu generieren, habe er ihre wirtschaft-
liche Situation doch als recht gut und problemlos beschrieben. Ferner habe
sich der Beschwerdeführer nicht politisch betätigt und sich weder als Kurde
noch als Angehöriger der Yaresan in irgendeinem Masse engagiert oder
exponiert. Daran würde auch der Umstand nichts ändern, dass sein Vater
Mitglied der Demokratischen Partei Kurdistans sei. Auch den beiden als
Beweismittel eingereichten Bestätigungsschreiben könne keine weitere
Aussagekraft beigemessen werden. Insgesamt sei es somit nicht davon
auszugehen, dass er wegen seiner blossen Zugehörigkeit zur kurdischen
Ethnie und zur religiösen Minderheit der Yaresan Nachteilen im Sinne von
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Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen sei oder solche bei einer Rückkehr zu
gewärtigen hätte.
3.2 In der Beschwerde wird im Wesentlichen geltend gemacht, die Vo-
rinstanz habe das Beweismass für das Glaubhaftmachen im konkreten Fall
zu hoch angesetzt. Hinsichtlich der dem Beschwerdeführer vorgehaltenen
nachgeschobenen Asylvorbringen habe die Vorinstanz dem Umstand zu
wenig Rechnung getragen, dass der Beschwerdeführer jung und traumati-
siert sei. Auch sei in der BzP nicht darauf hingewiesen worden, dass er im
späteren Verfahren die vorgetragenen Ereignisse nur noch konkretisieren,
aber keine neuen Ereignisse vorbringen dürfe. Insbesondere sei er dazu
angehalten worden, sich kurz zu fassen. Es könne eindeutig nicht mehr
erwartet werden, als eine ansatzweise Andeutung der Asylgründe. Sodann
werde dem Beschwerdeführer zwar vorgehalten, seine Aussagen seien
stereotyp. Der Sachbearbeiter habe sich anlässlich der Anhörung aber
kaum bemüht, den Sachverhalt vollständig abzuklären. Es seien keine
Nachfragen gestellt worden, auch wenn dies offensichtlich angezeigt ge-
wesen wäre. Aufgrund dieser mangelhaften Sachverhaltsabklärung werde
beantragt, die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. Wenn auch nicht von einer Kollektivverfolgung der Yaresan gespro-
chen werden könne, habe der Beschwerdeführer ernsthafte Verfolgungs-
handlungen erlebt, welche eine asylrelevante Intensität im Lichte von
Art. 3 AsylG erreichten. Er sei aufgrund seiner Religionszugehörigkeit und
der politischen Aktivitäten seines Vaters verfolgt worden. Aufgrund der
zahlreichen Vorfälle, wie Auspeitschungen, Todesdrohungen, dem Weiter-
leiten von Informationen über den Beschwerdeführer an die Polizei durch
die Lehrer sowie den Besuchen der Polizei in seinem Elternhaus (nach
seiner Flucht) sei davon auszugehen, dass sein Name den Behörden und
dem Geheimdienst bekannt sei. Überdies habe es für den Beschwerdefüh-
rer auch keine innerstaatliche Fluchtalternative gegeben. Ferner sei von
einer drohenden Reflexverfolgung auszugehen, die einerseits darin be-
gründet liege, dass er Nachteile erlitten habe, welche durch die politischen
Aktivitäten des Vaters und die Religionszugehörigkeit seiner Eltern ausge-
löst worden seien. Anderseits sei dem Onkel des Beschwerdeführers, der
mit ihm in die Schweiz eingereist sei und mit dem er noch heute in engem
Kontakt stehe, mit Entscheid vom 28. November 2017 Asyl gewährt wor-
den. Im Falle einer Rückkehr in den Iran könnten die iranischen Behörden,
die seit seiner Ausreise bereits nach dem Beschwerdeführer gesucht und
gefragt hätten, allenfalls geneigt sein, über ihn Informationen zum Onkel
zu erhalten.
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3.3 In seiner Vernehmlassung vom 7. Februar 2019 hielt das SEM fest, der
Beschwerdeführer habe sein Asylgesuch am 5. November 2015 zusam-
men mit mehreren Verwandten, darunter seinem Onkel D._ einge-
reicht habe. Das Asylgesuch von D._ sei vom SEM mit Entscheid
vom 28. November 2017 positiv entschieden worden. Soweit in der Be-
schwerdeschrift dargelegt werde, dass die iranischen Behörden im Falle
seiner Rückkehr geneigt sein könnten, durch ihn Informationen über
D._ zu erhalten, sei diese Mutmassung nicht begründet worden.
Insbesondere habe er es unterlassen zu präzisieren, inwiefern dies asylre-
levante Nachteile für ihn nach sich ziehen würde. Daher falle es dem SEM
in diesem Punkt schwer, Stellung zu beziehen. Hinsichtlich D._
könne jedoch grundsätzlich Folgendes festgehalten werden: Der Be-
schwerdeführer habe keinen Bezug zwischen seinen Vorbringen und den
Asylgründen von D._ hergestellt. Diese seien somit – abgesehen
von den Ausführungen über die allgemeine Lage der Yaresan – getrennt
voneinander zu würdigen. Im internen Antrag des SEM vom 24. November
2017 für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft von D._ sei
ausdrücklich festgehalten worden, dass trotz der Verwandtschaft und der
gemeinsamen Herkunft von D._ und dessen Verwandten die asyl-
rechtliche Würdigung dieser Asylgesuche durchaus unterschiedlich ausfal-
len könne. Vorliegend seien die Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur
Yaresan-Gemeinschaft sowie seine Herkunft nicht in Frage gestellt, die da-
raus resultierenden Nachteile jedoch als asylunbeachtlich eingestuft wor-
den. Was die als unglaubhaft taxierten, nachgeschobenen, Vorbringen des
Beschwerdeführers anbelange, bestehe kein Zusammenhang zwischen
diesen und den Asylgründen von D._, und ein solcher Zusammen-
hang werde vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht.
3.4 In der Replik führte der Beschwerdeführer aus, auch wenn er in der
Vergangenheit noch keine konkrete Reflexverfolgung aufgrund der Tätig-
keit von D._ zu gewärtigen gehabt habe, leite sich die Gefahr künf-
tiger Verfolgung aus der Tatsache der verwandtschaftlichen Nähe, der ge-
meinsamen Ausreise und des gemeinsamen Aufenthaltsortes in der
Schweiz ab.
4.
Mit Blick auf die Beschwerdeausführungen ist zunächst festzustellen, dass
eine Verletzung von Verfahrensrechten durch die Vorinstanz, nicht ersicht-
lich ist. Die in der Beschwerde erhobene Rüge, dass die Vorinstanz den
Sachverhalt nicht genügend abgeklärt habe, namentlich auch der Befrager
Nachfragen hätte stellen müssen (Beschwerde, Ziff. 3.1, S. 5 ff. sowie
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Ziff. 4.1, S. 9), wurde weder konkretisiert noch ist eine unvollständige
Sachverhaltsfeststellung im gerügten Sinne im vorinstanzlichen Verfahren
ersichtlich. Die unter dem Aspekt der Verfahrensrüge gemachten Ausfüh-
rungen betreffen vielmehr die materielle Würdigung der Asylvorbringen, die
Gegenstand der nachfolgenden Erwägungen bildet. Eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) oder anderer Verfahrensrechte ist
nicht erkennbar. Eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neu-
beurteilung rechtfertigt sich deshalb nicht. Das entsprechende Rechtsbe-
gehren ist unbegründet und abzuweisen.
5.
5.1 Was die Würdigung der Asylvorbringen des Beschwerdeführers anbe-
langt, kommt das Bundesverwaltungsgericht in Übereinstimmung mit dem
SEM zum Schluss, dass die Anforderungen an das Glaubhaftmachen einer
asylrelevanten Verfolgung vorliegend nicht erfüllt sind. Es kann zur Vermei-
dung von Wiederholungen im Wesentlichen auf die zutreffenden Erwägun-
gen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. oben, E. 3.1).
Die Einwände in der Beschwerde vermögen zu keiner anderen Gesamt-
einschätzung zu führen. Im Einzelnen erweisen sich die Einwendungen
des Beschwerdeführers aus nachfolgenden Überlegungen als unbegrün-
det:
5.2 Alle Vorbringen des Beschwerdeführers knüpfen an seine Zugehörig-
keit zur Religionsgemeinschaft der Yaresan an. Zurecht bezweifelt die Vo-
rinstanz weder die Herkunft noch die Zugehörigkeit des Beschwerdefüh-
rers zur Religionsgemeinschaft Ahl-e Haqq. Allerdings wurden die persön-
liche Verfolgung wegen des Glaubens und die geltend gemachten Schwie-
rigkeiten, welche schliesslich zur Ausreise geführt haben sollen, als un-
glaubhaft eingestuft. Gegen diese Würdigung wendet der Beschwerdefüh-
rer zunächst ein, das SEM habe eine stark verkürzte BzP durchgeführt und
ihm später zu Unrecht vorgehalten, gewisse asylrelevante Ausführungen
erst in der Anhörung vorgebracht zu haben; der Vorwurf, dass zentrale
Asylvorbringen nachgeschoben seien, sei damit unhaltbar (vgl. Be-
schwerde, Ziff. 3.1, S. 5 ff.). Dieser Auffassung kann sich das Bundesver-
waltungsgericht nicht anschliessen. Bei der BzP handelt es sich um eine
summarische Kurzbefragung zur Identität, dem Reiseweg und zu den Ge-
suchsgründen der asylsuchenden Personen. Dem Beschwerdeführer
wurde anlässlich dieser Befragung, welche 30 Minuten gedauert hat, ins-
besondere auch die Möglichkeit gegeben, sich in einem freien Bericht zu
seinen Gesuchsgründen zu äussern (vgl. act. A3/11, Ziff. 7.01, S. 6). Spä-
testens zu diesem Zeitpunkt hätte er also die Möglichkeit gehabt, seine
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wesentlichen asylrelevanten Vorbringen summarisch vorzutragen. Der
pauschale Hinweis in der Beschwerdeschrift, dass es ihm in einem solchen
Setting schwergefallen sei, über die traumatischen Erlebnisse zu spre-
chen, überzeugt nicht (vgl. Beschwerde, Ziff. 3.1, S. 5). Soweit in der Be-
schwerde vorgebracht wird, es seien in der BzP zu wenig Rückfragen in
Bezug auf die Hintergründe Probleme und zur konkreten Bedrohungslage
gestellt worden (vgl. Beschwerde, Ziff. 3.1, S. 7), kann dieser Ansicht nicht
gefolgt werden. Der Beschwerdeführer wurde zweimal nach Problemen mit
den iranischen Behörden und einmal nach Problemen mit Drittpersonen
gefragt (vgl. act. A3/11, Ziff. 7.01, S. 6 f.). Er hatte mithin genügend Mög-
lichkeiten, sich zu seinen massgeblichen Ausreisegründen und den wich-
tigsten Vorkommnissen zu äussern. Wie die Vorinstanz zutreffend festge-
stellt hat, erwähnte der Beschwerdeführer in der BzP indessen trotz dieser
Möglichkeiten mit keinem Wort, dass er täglich von den Lehrern an seiner
Schule mit der Peitsche geschlagen beziehungsweise mit dem Tod bedroht
worden sei. Vielmehr berichtete er lediglich von Streit, weil er sich gewehrt
habe, nach islamischem Brauch zu beten. Auch verneinte er die Frage, ob
er mit Drittpersonen sonst irgendwelche Probleme gehabt habe (vgl. act.
A3/11, 7.02). Ebenso wenig erwähnte er die versuchte Rekrutierung durch
die iranische Volksmiliz. Es ist nicht nachvollziehbar, dass der Beschwer-
deführer von diesen schwerwiegenden Vorkommnissen nicht bereits in der
BzP berichtet hat. Der Beschwerdeführer hat in der BzP unmissverständli-
che Aussagen gemacht, die für die Beurteilung der Frage der Glaubhaft-
machung relevant sind. Während der Anhörung wurde er zudem auf diese
Diskrepanzen hingewiesen; er vermochte sie jedoch nicht plausibel aufzu-
klären (vgl. act. A17/17, F111-112).
5.3 Gegen die Würdigung des SEM, seinen Schilderungen über die erlebte
tägliche körperliche Gewalt, Todesdrohungen sowie die Rekrutierung,
mangle es an persönlichen Aspekten, bringt der Beschwerdeführer vor, der
Sachbearbeiter habe sich anlässlich der Anhörung kaum bemüht, den
Sachverhalt vollständig abzuklären. Wichtige Aspekte, beispielweise zu
den konkreten Umständen, namentlich den Ablauf, den erlittenen Verlet-
zungen oder der ausführenden Person seien nicht erfragt worden. Das-
selbe sei auch hinsichtlich die geltend gemachte Rekrutierung anzumer-
ken. Der Beschwerdeführer habe lediglich in einem Satz davon berichtet,
und ihm seien keine Nachfragen gestellt worden.
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Den Beschwerdeausführungen kann auch in dieser Hinsicht nicht gefolgt
werden. Aus dem Protokoll der Anhörung ergibt sich, dass diese einlässli-
chen Charakter hatte, und die anhörende Person verschiedentlich konkre-
tisierende Fragen stellte.
5.4 Soweit der Beschwerdeführer erstmals an der Anhörung geltend
machte, er sei täglich mit dem Tode bedroht worden und habe Angst um
sein Leben gehabt, ist zu bemerken, dass diese Schilderungen über weite
Teile unsubstanziiert und ausweichend ausgefallen sind (vgl. act. A17/17,
F68 ff.). Dies zeigt sich beispielhaft daran, dass er stets von «den Lehrern,
Mitschülern oder Personen aus dem Dorf» sprach, ohne einen spezifischen
Täter zu nennen (vgl. act. A17/17, F73 ff., F80). Hinzu kommt, dass er die
angeblichen Todesdrohungen nicht erwähnt hat, als er nach seinen Asyl-
gründen gefragt wurde, sondern lediglich in genereller Weise von dem
Druck, der Schikane und der Erniedrigung sprach, welche er als Angehöri-
ger der Yaresan erlebt habe (vgl. act. A17/17, F69ff.). Erst auf wiederholtes
Nachfragen hin schilderte er, dass er täglich mit dem Tod bedroht worden
sei, wobei diese Angaben oberflächlich und detailarm ausgefallen sind (vgl.
act. A17/17, F84). Der Einwand in der Beschwerde, dass diesbezüglich bei
der Durchsicht der Protokolle sofort die klaren, ausführlichen, schlüssigen
und detaillierten Antworten des Beschwerdeführers ins Auge fallen würden
(vgl. Beschwerde Ziff. 3.1, S. 6), geht fehl. Der Beschwerdeführer hat näm-
lich keinen einzigen Vorfall detailliert beschrieben. In diesem Zusammen-
hang ist überdies zu bemerken, dass das Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers in Bezug auf seinen Schulabschluss beziehungsweise Schulabbruch
nicht stimmig ist. In der Anhörung brachte er vor, die Schule in der
12. Klasse abgebrochen zu haben, weil er von Lehrern, Mitschüler und
Dorfbewohner schikaniert und bedroht worden sei (vgl. act. A17/17, F24,
F27 f., F70 ff.). In der BzP trug er demgegenüber vor, dass er die
12. Klasse mit Matura abgeschlossen habe (vgl. act. A3/11 F1.17.04,
F7.02). Es ist im Weiteren nicht plausibel, wenn der Beschwerdeführer vor-
bringt, er sei «Seyyed», wie sein Vater, aber er wisse aufgrund seines Al-
ters nicht wirklich viel über die Religion, und sein Vater habe ihm noch nicht
viel mit auf den Weg geben können (vgl. act. A17/17, F60 ff.), weil er im
Iran seine Religionszugehörigkeit und Ausübung habe verheimlichen müs-
sen (vgl. act. A17/17, F67); wenig glaubhaft sind diese Schilderungen auch
deshalb, weil der Beschwerdeführer weiter aussagt, dass er trotzdem auf-
grund seiner Abstammung als Vorbild für andere Yaresan gegolten haben
soll (vgl. act. A17/17, F74), weil er die staatlichen Repressionen aufgrund
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Seite 12
seiner religiösen Zugehörigkeit nicht habe akzeptieren wollen und sich da-
gegen gewehrt habe. Insgesamt entsteht kein klares Bild seiner Erlebnisse
und der angeblichen Bedrohungssituation.
5.5 Die weiteren vom Beschwerdeführer vorgebrachten Fluchtgründe hat
die Vorinstanz zu Recht und mit zutreffender Begründung als asylirrelevant
eingestuft. Diesbezüglich ist auf diese Erwägungen zu verweisen. Die Zu-
gehörigkeit zur Religionsgemeinschaft der Ahl-e Haqq vermag für sich ge-
nommen keine Verfolgungssituation im Sinne einer Kollektivverfolgung von
Art. 3 Abs. 1 AsylG zu begründen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3.2., Urteile des
BVGer, E-4156/2017 vom 1. September 2017, E. 5.3; Urteil des BVGer,
E-5028/2014 vom 22. August 2016, E. 6.3). Mangels behördlichem Verfol-
gungsinteresse und allein aufgrund seiner Religionszugehörigkeit kann
mithin nicht von einer asylrechtlich relevanten Verfolgung ausgegangen
werden.
5.6 Bei dieser Sachlage ist insgesamt davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise nicht im Fokus der iranischen
Behörden stand. Das Vorliegen von Vorfluchtgründen ist daher zu vernei-
nen, weshalb der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft im Zeit-
punkt seiner Ausreise nicht erfüllte.
5.7 Aus den Akten ergeben sich ausserdem keine Anhaltspunkte, wonach
der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr mit Reflexverfolgung aufgrund
seiner Verwandten, welche in der Schweiz Asyl erhalten haben, zu befürch-
ten hätte. Soweit einem Onkel und einem Cousin Asyl gewährt wurde, ver-
mag der Beschwerdeführer hieraus nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.
In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
anlässlich seiner Anhörung seinen Onkel beziehungsweise seinen Cousin
an keiner Stelle erwähnte (abgesehen von der unbestrittenen gemeinsa-
men Ausreise). Im Übrigen sind auch den konsultierten Akten keine Hin-
weise zu entnehmen, die in Bezug auf die Glaubhaftigkeit der Vorbringen
des Beschwerdeführers zu seiner eigenen Bedrohungslage im Zeitpunkt
der Ausreise zu einer anderen als der dargelegten Einschätzung führen
würden. Auch auf Beschwerdeebene macht er nichts geltend, was zu einer
anderen Einschätzung führen könnte. Vielmehr wird in der Replik ausge-
führt, der Beschwerdeführer habe in der Vergangenheit keine konkrete Re-
flexverfolgung aufgrund der Tätigkeit des Onkels zu gewärtigen gehabt.
Eine Gefahr künftiger Reflexverfolgung lässt sich allein aus dem Umstand
der verwandtschaftlichen Nähe, der gemeinsamen Ausreise und des ge-
meinsamen Aufenthaltsorts in der Schweiz nicht abzuleiten, zumal auch
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nicht glaubhaft geltend gemacht wird, dass die im Heimatstaat verbliebene
Familie, namentlich auch der Vater des Beschwerdeführers, Behelligungen
im Sinne von Reflexverfolgungshandlungen zu gewärtigen hat.
5.8 Nach dem Gesagten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nach-
weisen oder glaubhaft machen konnte. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch
zu Recht abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
7.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
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AsylG; ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die
Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement le-
diglich Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es
dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich relevante Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nicht-Rückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Iran ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
7.2.3 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu
Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-
gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte für die Annahme, der Be-
schwerdeführer müsste bei einer Rückkehr in den Heimatstaat dort mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK ver-
botene Strafe oder Behandlung befürchten. Gemäss Praxis des Europäi-
schen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) müsste der Beschwer-
deführer mit Blick auf Art. 3 EMRK das ernsthafte Risiko („real risk") glaub-
haft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmensch-
liche Behandlung droht (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien,
Urteil vom 28. Februar 2008, Nr. 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Nachdem
eine Verfolgung im Heimatstaat nicht glaubhaft gemacht werden konnte,
lässt die allgemeine Menschenrechtssituation in Iran für sich alleine den
Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erschei-
nen.
7.2.4 Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers erweist sich zu-
sammenfassend – sowohl im Sinn der asyl- als auch der völkerrechtlichen
Bestimmungen – als zulässig.
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7.3
7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.2 Die Vorinstanz hielt in Bezug auf die Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzuges fest, der junge Beschwerdeführer sei gesund und arbeitsfähig.
Obschon er keinen Berufsabschluss vorweisen könne, verfüge er über ei-
nen hohen Bildungsgrad. Auch sei es ihm – trotz der von ihm geltend ge-
machten Benachteiligungen – möglich gewesen, in Teheran für eine kurze
Zeit einer Beschäftigung nachzugehen. Zudem lebten seine Eltern und
sein jüngerer Bruder nach wie vor in seinem Heimatdorf. Schliesslich sei
der Vater des Beschwerdeführers berufstätig und der Beschwerdeführer
habe angegeben, dass es der Familie wirtschaftlich relativ gut gehe. Die
Wohnsituation des Beschwerdeführers im Iran sei mithin gesichert. Auch
verfüge er in der Schweiz über einen Onkel, der ihn bei Bedarf finanziell
unterstützen könne.
7.3.3 In der Beschwerde wird dem entgegnet, es könne dem Beschwerde-
führer nicht zugemutet werden, in sein Heimatland zurückzukehren. Die
Vorinstanz verkenne, dass nicht einfach pauschal davon ausgegangen
werden könne, sein Onkel in der Schweiz könne ihn bei einer Rückreise
finanziell unterstützen könne. Dieser leiste zwar Sozialarbeit, aber lebe von
der Sozialhilfe und habe selbst eine Frau und zwei kleine Kinder, um die er
sich kümmern müsse. Weiter sei darauf hinzuweisen, dass sich die Situa-
tion der Eltern des Beschwerdeführers seit der Anhörung am 9. November
2016 dramatisch verändert habe. Der Vater des Beschwerdeführers leide
an starken Rückenproblemen und könne deshalb seiner Tätigkeit als
Chauffeur seit über einem Jahr nicht mehr nachgehen. Die Familie lebe
von ihren Ersparnissen. Der einzige Vermögenswert, den die Familie be-
sessen habe, sei das Haus gewesen, in dem sie gewohnt hätten. Dieses
sei im Zuge des starken Erdbebens am 17. November 2017 jedoch stark
beschädigt worden, so dass es unbewohnbar geworden sei.
7.3.4 In der Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, dass das Ereignis
des Erdbebens vom 17. November 2017 zwar bedauerlich sei. Die Eltern
des Beschwerdeführers lebten allerdings nach wie vor am selben Ort und
verfügten somit mutmasslich auch über eine Existenzgrundlage, zumal
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sich das Erdbeben vor bereits mehr als einem Jahr zugetragen habe. An
dieser Feststellung könnten auch die eingereichten Fotos nichts ändern,
da diese keine konkreten Rückschlüsse auf die konkreten Lebensbedin-
gungen der Familie zuliessen. Dazu habe der Beschwerdeführer auch
keine näheren Angaben gemacht, sondern lediglich erklärt, dass seine Fa-
milie von ihren Ersparnissen lebe. Weiter sei das Argument des Beschwer-
deführers, wonach seine Rückkehr in den Iran aufgrund des Aufenthalts
seines Onkels D._ in der Schweiz unzumutbar sei, nicht haltbar. So
könne dieser – trotz der Tatsache, dass er hier von der Sozialhilfe lebe –
seinen Neffen und weitere Verwandte im Bedarfsfall von der Schweiz aus
finanziell unterstützen. Überdies habe auch das Bundesverwaltungsgericht
festgehalten, dass blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten keine
existenzbedrohende Situation darstellten, die gegen die Zumutbarkeit des
Vollzugs sprächen.
7.4 Die allgemeine Situation im Heimatstaat des Beschwerdeführers ist
nicht von einer landesweiten Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allge-
meiner Gewalt geprägt. Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, erscheint
auch in individueller Hinsicht eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Iran zumutbar. In Bezug auf das Vorliegen individueller Zumutbarkeitskri-
terien kann mit Verweis auf die Akten festgehalten werden, dass es sich
beim Beschwerdeführer um einen (...)-jährigen Mann mit einem tragfähi-
gen familiären und sozialen Beziehungsnetz im Heimatstaat handelt. Seine
Eltern und sein jüngerer Bruder leben nach wie vor am selben Ort (vgl.
A3/11, F8.02). Der Beschwerdeführer hat das Gymnasium bis zur
12. Klasse besucht.
7.5 Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die wirtschaftliche Rein-
tegration des Beschwerdeführers sich angesichts einer möglicherweise er-
schwerten beruflichen Ausgangslage herausfordernd gestalten wird. Er be-
findet sich allerdings in einem arbeitsfähigen Alter und es ist ihm zuzumu-
ten, sich bei einer Rückkehr eine Arbeit zu suchen und selbständig für sei-
nen Lebensunterhalt aufzukommen. Seinem Vater war es bis anhin eben-
falls möglich zu arbeiten, obschon er gemäss dem Beschwerdeführer der
religiöse Führer der Familie gewesen sei. Wenngleich seine Familie im Iran
mit gewissen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, ist nicht davon auszugehen,
er würde bei einer Rückkehr in eine existenzielle Notlage geraten.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
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7.6 Dass der Wegweisungsvollzug unmöglich sein könnte, wird in der Be-
schwerde nicht geltend gemacht und ist auch nicht ersichtlich. Es obliegt
dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimat-
staates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen
(vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der
Vollzug der Wegweisung grundsätzlich auch als möglich zu bezeichnen ist
(Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich zusammengefasst, dass
die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserhebli-
chen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG)
und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwer-
de ist abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Instrukti-
onsverfügung vom 16. Januar 2019 sein Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen
wurde und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich seine finanzielle
Lage seither entscheidrelevant verändert hätte, ist von der Auflage von
Verfahrenskosten abzusehen.
9.2 Dem vom Gericht bestellten unentgeltlichen Rechtsbeistand der Be-
schwerdeführenden ist eine Entschädigung zu Lasten des Gerichts auszu-
richten (Art. 65 Abs. 5 VwVG und Art. 12 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2] i.V.m. Art. 8 ff VGKE). Der Rechtsvertreter
reichte am 5. März 2019 eine Kostennote ein, in welcher ein Aufwand von
8,35 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 300.– geltend gemacht
wird, zuzüglich Auslagen in der Höhe von Fr. 35.10 und Mehrwertsteuer.
Der Stundensatz wird gemäss Art. 12 i.V.m. Art. 10 VGKE auf Fr. 220.−
gekürzt. Das amtliche Honorar ist somit auf Fr. 2'016.− (inkl. Auslagen und
MWSt.) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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