Decision ID: 1ad2c1fa-9ef8-4c61-b750-f9ee5e65f59d
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_006
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten:
A.
Der Beschwerdeführer heiratete am 11. November 2015 in der Türkei die
damals in der Schweiz niederlassungsberechtigte Landsfrau B. (heute C.;
geb. 1976; Akten des Amtes für Migration und Integration [MI-act.] 57, 81).
In der Folge reiste er am 2. September 2016 im Rahmen des
Familiennachzugs in die Schweiz ein und erhielt am 9. September 2016
eine Aufenthaltsbewilligung zwecks Verbleibs bei seiner Ehefrau, welche
nach mehrmaliger Verlängerung zuletzt bis zum 30. September 2020 gültig
war (MI-act. 189, 198, 244, 255).
Am 19. Juni 2019 wurde die Ehe zwischen dem Beschwerdeführer und C.
in der Türkei geschieden (MI-act. 267, 292; vgl. auch MI-act. 281 ff.).
Jedenfalls seit dem 15. August 2019 verfügt Letztere über das Schweizer
Bürgerrecht (MI-act. 342). Den Angaben von C. zufolge nahmen der
Beschwerdeführer und sie ihre Beziehung nach der Scheidung nochmals
auf. Am 20. Dezember 2019 habe sie ihn dann definitiv verlassen, wobei
sie sich zwischenzeitlich bei ihrer Mutter aufgehalten und ihm die
gemeinsame Wohnung überlassen habe (MI-act. 267). Am 2. Januar 2020
zog der Beschwerdeführer aus der gemeinsamen Wohnung aus (MI-
act. 269).
Am 26. Juni 2020 heiratete der Beschwerdeführer in der Türkei die in
Deutschland wohnhafte deutsche Staatsangehörige D. (heute E.; geb.
1985; MI-act. 291, 373, 375, 410).
Mit Schreiben vom 28. September 2020 gewährte das Amt für Migration
und Integration Kanton Aargau (MIKA) dem Beschwerdeführer das recht-
liche Gehör betreffend Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und
Wegweisung (MI-act. 297 ff.). Dieser nahm mit E-Mail vom 1. Oktober 2020
Stellung und bestätigte, dass er seit dem Vorjahr nicht mehr mit C.
zusammenlebe (MI-act. 300).
Am [***]. Oktober 2020 kam der gemeinsame Sohn F. des Beschwerde-
führers und der C. zur Welt, welcher wie seine Mutter Schweizer ist und
dessen Vaterschaft der Beschwerdeführer am 4. November 2020
anerkannt hat (MI-act. 312 f., 343).
Am [***]. November 2020 kam sodann der gemeinsame Sohn G. des Be-
schwerdeführers und der E. in Deutschland zur Welt (MI-act. 372).
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Am 7. Dezember 2020 verfügte das MIKA die Nichtverlängerung der am
30. September 2020 abgelaufenen Aufenthaltsbewilligung des Beschwer-
deführers und wies diesen unter Ansetzung einer 60-tägigen Ausreisefrist
aus der Schweiz weg (MI-act. 315 ff.).
B.
Gegen die Verfügung des MIKA vom 7. Dezember 2020 erhob der Be-
schwerdeführer mit Eingabe seiner damaligen Rechtsvertreterin vom 7. Ja-
nuar 2021 beim Rechtsdienst des MIKA (Vorinstanz) Einsprache (MI-
act. 328 ff.).
Mit E-Mail vom 20. April 2021 gab E. gegenüber dem MIKA an, der
Beschwerdeführer sei seit dem 1. Juli 2020 in Deutschland angemeldet und
habe dort gearbeitet; sie habe sich nun aber von ihm getrennt (MI-act. 371).
Mit E-Mail an das MIKA vom 21. April 2021 teilte sodann C. mit, der
Beschwerdeführer sei "seit Januar wieder in der Schweiz", "weil er sein[en]
Aufenthalt nicht verlieren" wolle (MI-act. 375).
Nach weiteren Sachverhaltsabklärungen (MI-act. 369 f., 378, 401), in
deren Zuge der Beschwerdeführer mit Eingabe seines aktuellen Rechts-
vertreters vom 25. Juni 2021 zur Sache Stellung nahm und aufforderungs-
gemäss diverse Unterlagen einreichte (MI-act. 409 ff.), erliess die Vor-
instanz am 17. August 2021 folgenden Einspracheentscheid (act. 1 ff.):
1. Die Einsprache wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gebühren erhoben.
3. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.
Auf die Begründung wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen
eingegangen.
C.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 17. September 2021 erhob der
Beschwerdeführer beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau (Verwal-
tungsgericht) Beschwerde und stellte folgende Anträge (act. 12 ff.):
Rechtsbegehren
1. Es sei Ziffer 1 des Einspracheentscheides des Beschwerdegegners vom 17. August 2021 aufzuheben und die Aufenthaltsbewilligung des  ordentlich zu verlängern und dementsprechend von einer Wegweisung abzusehen.
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2. Alles unter o/e Kostenfolge.
Verfahrensantrag
3. Es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, soweit diese nicht bereits von Gesetzes wegen eintritt.
Die Begründung ergibt sich, soweit erforderlich, aus den nachstehenden
Erwägungen.
Nach Eingang des Kostenvorschusses verzichtete die Vorinstanz auf eine
Beschwerdeantwort, beantragte die Abweisung der Beschwerde und
reichte aufforderungsgemäss die Akten ein (act. 40, 44).
Mit E-Mail vom 29. Oktober 2021 gab das Amt für Wirtschaft und Arbeit
Kanton Aargau (AWA) gegenüber dem MIKA an, seine Abklärungen hätten
ergeben, dass sich der Beschwerdeführer von Juli 2020 bis April 2021 in
Deutschland aufgehalten habe (act. 47). Mit Eingaben seines Rechts-
vertreters vom 17. Januar 2022 sowie vom 1. Februar 2022 reichte der Be-
schwerdeführer diverse weitere Unterlagen ein (act. 54 ff., 80 ff.); darunter
eine Stellungnahme vom 13. Dezember 2021 zuhanden des AWA, in der
er dessen Vorhaltungen bestreitet (act. 75 ff.), sowie der Entscheid des
AWA vom 31. Januar 2022, mit dem die Abklärungen einstweilen einge-
stellt wurden (act. 82).
Das Verwaltungsgericht hat den Fall am 28. März 2022 beraten und ent-
schieden.

Considerations:
Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung:
I.
1.
Einspracheentscheide des MIKA können innert 30 Tagen seit Zustellung
mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht weitergezogen werden (§ 9
Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Ausländerrecht vom 25. November
2008 [EGAR; SAR 122.600]). Beschwerden sind schriftlich einzureichen
und müssen einen Antrag sowie eine Begründung enthalten; der angefoch-
tene Entscheid ist anzugeben, allfällige Beweismittel sind zu bezeichnen
und soweit möglich beizufügen (§ 2 Abs. 1 EGAR i.V.m. § 43 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Dezember 2007 [Verwaltungs-
rechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200]).
Der Beschwerdeführer beantragt mit seiner Beschwerde unter anderem,
seine Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern. Das Verwaltungsgericht
- 5 -
kann jedoch keine Aufenthaltsbewilligungen erteilen oder verlängern. Der
Antrag ist daher so zu verstehen, dass das MIKA anzuweisen sei, die ab-
gelaufene Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers zu verlängern
bzw. ihm eine neue Aufenthaltsbewilligung zu erteilen.
Nachdem sich die Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der
Vorinstanz vom 17. September 2021 richtet, ist die Zuständigkeit des Ver-
waltungsgerichts gegeben und auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist, unter Beachtung der vorstehenden Präzisierung, einzutre-
ten.
2.
Unter Vorbehalt abweichender bundesrechtlicher Vorschriften oder Best-
immungen des EGAR können mit der Beschwerde an das Verwaltungsge-
richt einzig Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung oder Miss-
brauch des Ermessens, und unrichtige oder unvollständige Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhaltes gerügt werden. Die Ermessensüber-
prüfung steht dem Gericht jedoch grundsätzlich nicht zu (§ 9 Abs. 2 EGAR;
vgl. auch § 55 Abs. 1 VRPG). Schranke der Ermessensausübung bildet
das Verhältnismässigkeitsprinzip (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, in: MARTINA
CARONI/THOMAS GÄCHTER/DANIELA THURNHERR [Hrsg.], Stämpflis Hand-
kommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer
[AuG], Bern 2010, N. 7 zu Art. 96 mit Hinweisen). In diesem Zusammen-
hang hat das Verwaltungsgericht gemäss bundesgerichtlicher Recht-
sprechung insbesondere zu klären, ob die Vorinstanz die gemäss Art. 96
des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die
Integration vom 16. Dezember 2005 (Ausländer- und Integrationsgesetz,
AIG; SR 142.20) relevanten Kriterien (öffentliche Interessen, persönliche
Verhältnisse, Integration) berücksichtigt hat und ob diese rechtsfehlerfrei
gewichtet wurden (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, a.a.O., N. 9 zu Art. 96).
Schliesslich ist im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu entscheiden, ob
die getroffene Massnahme durch ein überwiegendes öffentliches Interesse
gerechtfertigt erscheint (sog. Verhältnismässigkeit im engeren Sinn).
II.
1.
1.1.
Die Vorinstanz hält im angefochtenen Entscheid im Wesentlichen fest, der
Beschwerdeführer und seine Schweizer Ehefrau hätten sich am 19. Juni
2019 scheiden lassen. Damit bestehe beim Beschwerdeführer kein An-
spruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 42
AIG. Da die eheliche Gemeinschaft weniger als drei Jahre gedauert habe,
könne der Beschwerdeführer auch aus Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG keinen An-
spruch auf Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung ableiten. Ein An-
spruch gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG sei ebenfalls zu verneinen.
Dazu führt die Vorinstanz im Wesentlichen aus, es liege insgesamt keine
- 6 -
derart enge Beziehung des Beschwerdeführers zu dessen Schweizer Sohn
vor, dass von einem wichtigen persönlichen Grund für den weiteren Ver-
bleib in der Schweiz ausgegangen werden könne. Auch ein schwerwiegen-
der persönlicher Härtefall im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG sei zu ver-
neinen. Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung sei zudem mit
Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101) sowie Art. 13 Abs. 1 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April
1999 (BV; SR 101) vereinbar.
1.2.
Der Beschwerdeführer stellt sich in seiner Beschwerde demgegenüber
sinngemäss auf den Standpunkt, er habe gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b
AIG sowie Art. 8 EMRK einen Anspruch auf Verlängerung seiner Aufent-
haltsbewilligung. Seine Wegweisung aus der Schweiz würde einen
äusserst einschneidenden Eingriff in die durch Art. 8 EMRK geschützte Be-
ziehung zu seinem Schweizer Sohn darstellen, welche seit dessen Geburt
intensiv gelebt werde und sowohl in affektiver als auch in wirtschaftlicher
Hinsicht eng sei. Insgesamt seien die privaten Interessen an seinem Ver-
bleib höher zu gewichten als die öffentlichen Interessen an der Beendigung
seines Aufenthalts, womit sich die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewil-
ligung und die Wegweisung aus der Schweiz als unverhältnismässig erwie-
sen und nicht vor Art. 8 Abs. 2 EMRK standhielten. Dies auch aufgrund der
Vorgaben von Art. 3 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes
vom 20. November 1989 (Kinderrechtskonvention, KRK; SR 0.107) sowie
von Art. 11 BV, welche zu berücksichtigen seien.
2.
2.1.
Aufenthaltsbewilligungen sind befristet und erlöschen mit Ablauf ihrer Gül-
tigkeitsdauer (Art. 33 Abs. 3 i.V.m. Art. 61 Abs. 1 lit. c AIG). Spricht jedoch
nichts gegen eine Bewilligungsverlängerung, wird diese praxisgemäss ver-
fügt.
Das AIG enthält keine Bestimmungen, welche die Kriterien für die Nicht-
verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung festlegen. Art. 33 Abs. 3 AIG
normiert lediglich, dass eine Aufenthaltsbewilligung verlängert werden
kann, wenn keine Widerrufsgründe nach Art. 62 Abs. 1 AIG vorliegen. Das
bedeutet weder, dass ein Widerrufsgrund vorliegen muss, damit die Nicht-
verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung verfügt werden kann, noch, dass
das Vorliegen eines Widerrufsgrundes automatisch die Nichtverlängerung
zur Folge hat (vgl. TAMARA NÜSSLE, in: CARONI/GÄCHTER/THURNHERR,
a.a.O., N. 33 zu Art. 33). Nehmen die Behörden indes andere Gründe als
die in Art. 62 Abs. 1 AIG normierten Widerrufsgründe zum Anlass, eine Auf-
enthaltsbewilligung nicht zu verlängern, ist dem verfassungsrechtlichen
- 7 -
Gebot der rechtsgleichen Behandlung (Art. 8 Abs. 1 BV) besonders Rech-
nung zu tragen. Die Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilligung auf-
grund einer Praxis der Migrationsbehörden ist nur dann zulässig, wenn alle
Betroffenen rechtsgleich behandelt werden. Selbstredend geht es überdies
nicht an, im Rahmen der durch das MIKA zu bildenden Praxis jeden belie-
bigen Grund als Nichtverlängerungsgrund anzurufen. Vielmehr hat dieser
im Vergleich zu den in Art. 62 Abs. 1 AIG normierten Widerrufsgründen von
einem gewissen Gewicht zu sein.
Nach dem Gesagten setzt die Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilli-
gung einen Nichtverlängerungsgrund voraus, wobei ein solcher entweder
in einem Widerrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1 AIG bestehen oder sich aus
einer ständigen, rechtsgleich gehandhabten Praxis des MIKA ergeben
kann.
2.2.
Wird die Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilligung damit begründet,
dass der Aufenthaltszweck dahingefallen sei, ist Folgendes anzumerken:
Gemäss Art. 33 Abs. 2 AIG wird eine Aufenthaltsbewilligung stets für einen
bestimmten Aufenthaltszweck erteilt. Dieser ergibt sich aus dem Zulas-
sungsgrund, welcher der Bewilligungserteilung zugrunde liegt. So werden
Aufenthaltsbewilligungen beispielsweise zwecks Erwerbstätigkeit, zwecks
Verbleibs als Rentner, zwecks Ausbildung, zwecks medizinischer Behand-
lung oder zwecks Verbleibs im Rahmen eines Härtefalls erteilt. Der mit dem
Zulassungsgrund verbundene Aufenthaltszweck stellt eine Bedingung im
Sinne des AIG dar. Dies folgt unter anderem aus Art. 33 Abs. 2 AIG, wo
vom Aufenthaltszweck und "weiteren Bedingungen" die Rede ist, sowie aus
Art. 54 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit
vom 24. Oktober 2007 [VZAE; SR 142.201], wonach es bei einer Änderung
des Aufenthaltszwecks einer neuen Bewilligung bedarf. Fällt der Zulas-
sungsgrund und damit der Aufenthaltszweck weg, hält die betroffene aus-
ländische Person die mit ihrer Aufenthaltsbewilligung verbundene Bedin-
gung nicht mehr ein. Damit erfüllt sie den Widerrufsgrund des Nichtein-
haltens einer Bedingung gemäss Art. 62 Abs. 1 lit. d AIG, welcher zugleich
einen Nichtverlängerungsgrund darstellt (vgl. zum Ganzen NÜSSLE, a.a.O.,
N. 11–13, 15 zu Art. 33; MARC SPESCHA/PETER BOLZLI/FANNY DE WECK/VA-
LERIO PRIULI, Handbuch zum Migrationsrecht, 4. Aufl., Zürich 2020,
Rz. 160 f.). So ist beispielsweise bei einer Person mit einer Aufenthalts-
bewilligung zu Ausbildungszwecken der Widerrufsgrund von Art. 62 Abs. 1
lit. d AIG erfüllt, wenn diese ihr Studium in der Schweiz abgeschlossen hat.
Seinen wichtigsten Anwendungsbereich hat Art. 62 Abs. 1 lit. d AIG derweil
bei Personen mit einer Aufenthaltsbewilligung zwecks Verbleibs beim Ehe-
gatten. Hier ist der Widerrufs- und Nichtverlängerungsgrund erfüllt, wenn
zwischen der betroffenen Person und ihrem ursprünglich anwesenheits-
berechtigten Ehegatten keine eheliche Gemeinschaft mehr besteht, oder
- 8 -
wenn dieser seinerseits die Schweiz dauerhaft verlässt oder sein Anwe-
senheitsrecht in der Schweiz verliert.
Geht es hingegen um eine Aufenthaltsbewilligung, deren Zweck im mass-
geblichen Zeitpunkt fortbesteht, kommt eine Nichtverlängerung nur dann in
Betracht, wenn ein anderer Nichtverlängerungsgrund vorliegt. Das heisst,
es bedarf eines Widerrufsgrundes nach Art. 62 Abs. 1 lit. a–c oder e–g AIG
oder eines Nichtverlängerungsgrundes gemäss ständiger, rechtsgleich
gehandhabter Praxis des MIKA.
2.3.
Mit dem Vorliegen eines Nichtverlängerungsgrundes erweist sich die Nicht-
verlängerung der Aufenthaltsbewilligung als begründet. Wie jede behörd-
liche Massnahme müssen indes auch die Nichtverlängerung einer Aufent-
haltsbewilligung und die gemäss Art. 64 Abs. 1 lit. c AIG damit verbundene
Wegweisung verhältnismässig sein (Art. 5 Abs. 2 BV und Art. 96 Abs. 1
AIG; vgl. BGE 135 II 377, Erw. 4.3) und verlangen folglich nach einer
Interessenabwägung unter den Gesichtspunkten von Art. 96 Abs. 1 AIG.
Konkret muss bei Gegenüberstellung aller öffentlichen und privaten
Interessen ein überwiegendes öffentliches Interesse an den aufenthalts-
beendenden Massnahmen resultieren; dies insbesondere unter Berück-
sichtigung der Integration. Das Vorliegen eines Nichtverlängerungsgrundes
weist dabei auf ein öffentliches Interesse an der Aufenthaltsbeendigung
hin. Wie stark dieses zu gewichten ist, hängt von der Art des Nichtver-
längerungsgrundes sowie dem konkret zugrundeliegenden Verhalten der
betroffenen Person ab.
2.4.
Abhängig von den Umständen des konkreten Einzelfalls kann sich die
Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilligung zwar als begründet erwei-
sen, die betroffene Person aber – namentlich aufgrund ihrer familiären
Situation – einen Rechtsanspruch auf Verlängerung der bisherigen Aufent-
haltsbewilligung oder Erteilung einer neuen Aufenthaltsbewilligung haben.
Steht ein solcher im Raum, ist die Prüfung der Verhältnismässigkeit der
Aufenthaltsbeendigung zunächst zurückzustellen und es ist vorab zu
klären, ob effektiv ein Bewilligungsanspruch besteht.
Besteht ein Bewilligungsanspruch, weil die Anspruchsvoraussetzungen er-
füllt sind und keine Erlöschensgründe gegeben sind, ist die entsprechende
Bewilligung zu erteilen bzw. zu verlängern. Unter diesen Umständen erfolgt
keine Wegweisung, womit sich eine Verhältnismässigkeitsprüfung erübrigt.
Liegt kein Bewilligungsanspruch vor, ist unter Umständen zu prüfen, ob
eine Gesetzes- oder Verordnungsbestimmung besteht, welche die ermes-
sensweise Verlängerung der bisherigen oder Erteilung einer neuen Aufent-
haltsbewilligung zur Folge haben könnte.
- 9 -
Liegt weder ein Bewilligungsanspruch noch eine konkrete Grundlage für
die Erteilung einer Ermessensbewilligung vor, bleibt zu prüfen, ob sich die
Nichtverlängerung der bisherigen Aufenthaltsbewilligung und die damit ver-
bundene Wegweisung aus der Schweiz als verhältnismässig erweisen.
3.
In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob ein Nichtverlängerungsgrund vor-
liegt (siehe vorne Erw. 2.1).
Der Beschwerdeführer verfügte aufgrund seines Aufenthalts als Ehegatte
einer Niederlassungsberechtigten ab September 2016 über eine abgelei-
tete Aufenthaltsbewilligung. Zulassungsgrund war die Eheschliessung und
das Zusammenleben in ehelicher Gemeinschaft war Aufenthaltszweck und
gleichsam Bedingung für die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Da
der Beschwerdeführer im Juni 2019 von seiner Ehefrau geschieden wurde
(MI-act. 281 f.), wird der Aufenthaltszweck bzw. die mit der Bewilligungs-
erteilung verbundene Bedingung nicht mehr eingehalten, womit der Wider-
rufsgrund von Art. 62 Abs. 1 lit. d AIG erfüllt ist. Nach dem Gesagten steht
fest, dass ein Nichtverlängerungsgrund vorliegt.
Vor der Prüfung der Verhältnismässigkeit der Nichtverlängerung der Auf-
enthaltsbewilligung ist zu klären, ob ein Rechtsanspruch auf Erteilung oder
Verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung besteht, oder ob die ermes-
sensweise Verlängerung der bisherigen oder Erteilung einer neuen Aufent-
haltsbewilligung zur Diskussion steht (siehe vorne Erw. 2.4).
4.
Die Ehe zwischen dem Beschwerdeführer und seiner früheren Ehefrau,
welche damals in der Schweiz niederlassungsberechtigt war und heute
über das Schweizer Bürgerrecht verfügt, wurde, wie bereits ausgeführt, am
19. Juni 2019 geschieden (MI-act. 281 f.). Seit diesem Zeitpunkt hat der
Beschwerdeführer keinen auf Art. 43 Abs. 1 AIG gestützten Anspruch mehr
auf Erteilung und Verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung. Ebenso
wenig hat er heute einen entsprechenden Anspruch gestützt auf Art. 42
Abs. 1 AIG.
5.
5.1.
5.1.1.
Verfügen Ehegatten gestützt auf Art. 42 oder 43 AIG über eine abgeleitete
Aufenthaltsbewilligung, haben sie gemäss Art. 50 Abs. 1 AIG nach Auflö-
sung der Ehegemeinschaft Anspruch auf Erteilung einer neuen Aufent-
haltsbewilligung und deren Verlängerung, wenn die Ehegemeinschaft
mindestens drei Jahre bestanden hat und die Integrationskriterien nach
- 10 -
Art. 58a AIG erfüllt sind (lit. a) oder wichtige persönliche Gründe einen
weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (lit. b).
5.1.2.
Die Erteilung einer originären (eigenständigen) Aufenthaltsbewilligung
gestützt auf Art. 50 AIG steht unter dem Vorbehalt, dass das Gesuch um
Erteilung einer neuen Aufenthaltsbewilligung nach Auflösung der Familien-
gemeinschaft in einem zeitlichen Zusammenhang zur aufgelösten Fami-
liengemeinschaft steht. Ist die gestützt auf Art. 42 oder 43 AIG erteilte Be-
willigung zwischenzeitlich erloschen, weil sich die betroffene ausländische
Person ins Ausland abgemeldet (Art. 61 Abs. 1 lit. a AIG) oder während
mehr als sechs Monaten im Ausland aufgehalten hat (Art. 61 Abs. 2 AIG),
steht die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 50 AIG
nicht mehr zur Diskussion. Dies gilt sowohl bezüglich Art. 50 Abs. 1 als
auch Abs. 2 AIG.
Im vorliegenden Fall bestehen zwar Anzeichen dafür, dass sich der Be-
schwerdeführer ab dem 1. Juli 2020 bei seiner deutschen Ehefrau in
Deutschland aufgehalten hatte und erst 2021 wieder in die Schweiz zurück-
gekehrt ist (MI-act. 371 und 375). Nachdem sich diese Anzeichen jedoch
nicht erhärtet haben und das AWA entsprechende Abklärungen eingestellt
hatte (act. 82), ist nicht erstellt, dass die Aufenthaltsbewilligung des Be-
schwerdeführers in Anwendung von Art. 61 Abs. 2 AIG erloschen ist. Wei-
tere Ausführungen hierzu erübrigen sich (siehe dazu hinten Erw. 5.3.5).
5.2.
5.2.1.
Die in Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG über eine Dauer von drei Jahren geforderte
Ehegemeinschaft besteht nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung grundsätzlich solange, als die Eheleute in der Schweiz in ehelicher
Gemeinschaft zusammenleben (BGE 136 II 113, Erw. 3.3; 140 II 289,
Erw. 3.5.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_436/2020 vom 2. Juli 2020,
Erw. 3.2; vgl. MARC SPESCHA, in: MARC SPESCHA/ANDREAS ZÜND/PETER
BOLZLI/CONSTANTIN HRUSCHKA/FANNY DE WECK [Hrsg.], Kommentar Migra-
tionsrecht, 5. Aufl., Zürich 2019, N. 4 zu Art. 50 AIG). Hinsichtlich der
Voraussetzung des Zusammenlebens bleibt Art. 49 AIG zu beachten, der
den Eheleuten gestattet, bei Fortdauern der gelebten Ehegemeinschaft aus
wichtigen Gründen getrennt zu leben (vgl. Urteil des Bundesgerichts
2C_544/2010 vom 23. Dezember 2010, Erw. 2.3.1; vgl. auch Art. 76
VZAE).
Klarzustellen ist, dass mit Blick auf einen nachehelichen Bewilligungs-
anspruch gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG nur die Zeit angerechnet wird,
welche die Eheleute als solche – das heisst, bei bestehender formaler Ehe
– in der Schweiz zusammengelebt haben. Ein Zusammenleben im Konku-
binat ist hingegen nicht anrechenbar (BGE 140 II 345, Erw. 4.1; eingehend
- 11 -
BGE 144 I 266, Erw. 2). Lebt ein Paar also bereits vor der Eheschliessung,
ohne Eheschliessung oder – wie im Fall des Beschwerdeführers – nach
rechtskräftiger Scheidung nochmals im Konkubinat zusammen, ist die ent-
sprechende Zeit nicht an die nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG erforderliche drei-
jährige Ehedauer anzurechnen.
5.2.2.
Vorliegend haben die früheren Eheleute von der Einreise des Beschwerde-
führers in die Schweiz am 2. September 2016 bis längstens zu ihrer Schei-
dung am 19. Juni 2019 – mithin während maximal zwei Jahren und knapp
zehn Monaten – in der Schweiz in anrechenbarer ehelicher Gemeinschaft
zusammengelebt. Ihr nochmaliges Zusammenleben im Konkubinat bis
Ende 2019 (siehe zum Ganzen vorne lit. A) ist unter Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG
nicht zu berücksichtigen.
5.2.3.
Damit ist beim Beschwerdeführer die Anspruchsvoraussetzung der dreijäh-
rigen Ehegemeinschaft gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG nicht erfüllt. Ein
Anspruch auf Erteilung einer neuen Aufenthaltsbewilligung und deren Ver-
längerung gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG kommt folglich nicht in Be-
tracht.
5.3.
5.3.1.
Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführer gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b
i.V.m. Abs. 2 AIG einen Anspruch auf Verbleib in der Schweiz hat, weil
wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz er-
forderlich machen.
5.3.2.
5.3.2.1.
Das Bundesgericht hat seine Rechtsprechung diesbezüglich wie folgt zu-
sammengefasst (Urteil des Bundesgerichts 2C_830/2010 vom 10. Juni
2011, Erw. 3.1), wobei die zitierten Bestimmungen des Bundesgesetzes
über die Ausländerinnen und Ausländer vom 16. Dezember 2005 (AuG;
SR 142.20) – soweit relevant – mit den entsprechenden Bestimmungen
des AIG in der hier anwendbaren Fassung übereinstimmen:
3.1.1 Neben Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG (Ehedauer und erfolgreiche ) hat der Gesetzgeber als nachehelichen ausländerrechtlichen  einen Rechtsanspruch auf Erteilung und Verlängerung der  für den Fall vorgesehen (Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG), dass " persönliche Gründe" einen "weiteren Aufenthalt in der Schweiz  machen". Dabei geht es darum, Härtefälle bei der  nach der Auflösung der ehelichen Gemeinschaft zu vermeiden (vgl. BGE 136 II 1 E. 5.3 S. 4). Der nacheheliche Härtefall knüpft an den abgeleiteten Anwesenheitsanspruch nach Art. 42 Abs. 1 bzw. Art. 43 Abs. 1 AuG an; bei der Beurteilung der "wichtigen persönlichen Gründe"
- 12 -
sind in der Folge aber sämtliche Umstände des Einzelfalles . Im Gegensatz zur Ermessensbewilligung nach Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG, wonach die kantonale Bewilligungsbehörde unter Zustimmung des Bundesamts von den Zulassungsvoraussetzungen (Art. 18 - 29 AuG) abweichen kann, um "schwerwiegenden persönlichen Härtefällen oder wichtigen öffentlichen Interessen Rechnung zu tragen" (allgemeiner  Härtefall), ist hier nicht von Bedeutung, wie stark der  Kanton das öffentliche Interesse an einer restriktiven  gewichtet, sondern allein, wie sich die Pflicht des Ausländers, die Schweiz verlassen zu müssen, nach der gescheiterten Ehe auf seine persönliche Situation auswirkt. Während Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG in  von Art. 13 lit. f BVO als Ermessensbewilligung für sämtliche ausländerrechtliche Härtefälle gilt, hat der Gesetzgeber in Art. 50 AuG den nachehelichen Härtefall als Anspruchsbewilligung geregelt, wobei sich die jeweils zu berücksichtigenden Interessen oder wichtigen Gründe mit den anderen Härtefallregeln überschneiden können (Dauer der Anwesenheit, Integration, Zumutbarkeit der Rückkehr usw.).
3.1.2 Der Härtefall nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG ist für Situationen , in denen die Voraussetzungen der Litera a nicht erfüllt sind, sei es, dass der Aufenthalt während der Ehe von kürzerer Dauer war oder dass die Integration nicht fortgeschritten ist oder es an beidem fehlt (BGE 137 II 1 ff.), aber - aufgrund sämtlicher weiterer Umstände - eine  vorliegt, welche früher im Rahmen von Art. 13 lit. f BVO hätte  werden können. Der Gesetzgeber wollte mit Art. 50 AuG die diesbezüglich unterschiedlichen kantonalen Praxen vereinheitlichen ( AuG, BBl 2002 3709 Ziff. 1.3.7.6 S. 3754). Der ursprünglich vom schweizerischen bzw. niedergelassenen Ehepartner abgeleitete  soll in Ausnahmesituationen unter einheitlichen  Kriterien verselbständigt weiter bestehen, wobei für den  Erwerb der Niederlassungsberechtigung die allgemeinen Regeln (Art. 50 Abs. 2 i.V.m. Art. 34 AuG) und nicht mehr die speziellen  von Art. 42 Abs. 3 bzw. Art. 43 Abs. 2 AuG gelten.
3.1.3 Die "wichtigen persönlichen Gründe" nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG müssen den weiteren Aufenthalt erforderlich machen. Nach Art. 50 Abs. 2 AuG und der bundesgerichtlichen Rechtsprechung dazu (BGE 136 II 1 E. 5 S. 3 ff.) kann dies namentlich der Fall sein, wenn die ausländische Person mit abgeleitetem Aufenthaltsrecht Opfer ehelicher Gewalt  ist oder wenn ihre soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint. Der Verbleib in der Schweiz kann sich zudem dann als "erforderlich" erweisen, wenn der Ehegatte, von dem sich die  ableitet, verstirbt (vgl. BGE 137 II 1 E. 3 u. 4). Im Rahmen von Art. 50 AuG ist auch den Interessen gemeinsamer Kinder Rechnung zu tragen, soweit eine enge Beziehung zu ihnen besteht und sie in der Schweiz ihrerseits gut integriert erscheinen (so ausdrücklich die Botschaft zum AuG, BBl 2002 3709 Ziff. 1.3.7.6 S. 3754). Bei der  von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG ist entscheidend, ob die persönliche, berufliche und familiäre Wiedereingliederung der betroffenen  Person bei einer Rückkehr in ihre Heimat als stark gefährdet zu  hat und nicht, ob ein Leben in der Schweiz einfacher wäre und  würde (Urteil 2C_216/2009 vom 20. August 2009 E. 3). Ein , nachehelicher Härtefall setzt aufgrund der gesamten Umstände des Einzelfalls eine erhebliche Intensität der Konsequenzen für das Privat- und Familienleben voraus, die mit der Lebenssituation nach dem Dahinfallen der gestützt auf Art. 42 Abs. 1 bzw. Art. 43 Abs. 1 AuG abgeleiteten  verbunden sind (vgl. das Urteil 2C_781/2010 vom
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16. Februar 2011 E. 2.2). Hat der Aufenthalt nur kürzere Zeit gedauert und wurden keine engen Beziehungen zur Schweiz geknüpft, lässt sich ein  auf weiteren Verbleib nicht begründen, wenn die erneute  im Herkunftsland keine besonderen Probleme stellt (Botschaft AuG, BBl 2002 3709 Ziff. 1.3.7.6 S. 3754).
5.3.2.2.
Bei der Beurteilung, ob wichtige Gründe im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b
AIG vorliegen, sind insbesondere die Konkretisierungen in Art. 31 VZAE zu
beachten. Diese Bestimmung umschreibt in allgemeiner Form, dass bei
Vorliegen eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls eine Aufent-
haltsbewilligung erteilt werden kann. Sie bezieht sich gemäss Klammer-
verweis im Titel sowohl auf Art. 14 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998
(AsylG; SR 142.31) als auch auf den Anwendungsbereich des AIG (Art. 30
Abs. 1 lit. b, Art. 50 Abs. 1 lit. b und Art. 84 Abs. 5 AIG). In Art. 31 Abs. 1
VZAE werden folgende zu berücksichtigende Kriterien aufgelistet:
- die Integration anhand der Kriterien von Art. 58a Abs. 1 AIG (Beach-
tung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, Respektierung der Werte
der Bundesverfassung, Sprachkompetenzen und Teilnahme am Wirt-
schaftsleben oder am Erwerb von Bildung; Art. 31 Abs. 1 lit. a VZAE),
- die familiären Verhältnisse unter besonderer Beachtung des Zeitpunkts
der Einschulung und der Dauer des Schulbesuchs der Kinder (lit. c),
- die finanziellen Verhältnisse (lit. d),
- die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz (lit. e),
- der Gesundheitszustand (lit. f) und
- die Möglichkeiten der Wiedereingliederung im Herkunftsstaat (lit. g).
Die Kriterien gemäss Art. 31 Abs. 1 VZAE beziehen sich einerseits auf
härtefallbegründende Umstände und andererseits auf Aspekte des öffent-
lichen Interesses, die der Erteilung einer Härtefallbewilligung entgegen-
stehen können. Mit Blick auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG sind nur die härtefall-
begründenden bzw. privaten Interessen massgebend, da es lediglich um
die Frage geht, ob wichtige persönliche Gründe vorliegen, die einen weite-
ren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen und somit einen An-
spruch auf Erteilung einer neuen Aufenthaltsbewilligung und deren Ver-
längerung begründen. Besteht ein Anspruch im Sinne von Art. 50 Abs. 1
lit. b AIG und liegen keine Erlöschensgründe im Sinne von Art. 51 Abs. 2
AIG vor, ist die Aufenthaltsbewilligung grundsätzlich zu erteilen bzw. zu
verlängern (Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2016.545 vom 8. Mai
2018, Erw. II/3.1.2).
Im Hinblick auf die in Art. 31 Abs. 1 VZAE aufgeführten härtefallbegründen-
den Kriterien kann an die vom Bundesgericht massgebend mitgeprägte
Praxis zum schwerwiegenden persönlichen Härtefall gemäss Art. 13 lit. f
der Verordnung über die Begrenzung der Zahl der Ausländer vom 6. Okto-
ber 1986 (BVO; aufgehoben am 1. Januar 2008) angeknüpft werden, wobei
- 14 -
den Aspekten der Integration unter dem geltenden Recht verstärktes Ge-
wicht beizumessen ist (Botschaft vom 8. März 2002 zum Bundesgesetz
über die Ausländerinnen und Ausländer [Botschaft AuG], Bundesblatt
[BBl] 2002 3709 ff., 3786; vgl. zum Ganzen PETER UEBERSAX, Einreise und
Aufenthalt, in: PETER UEBERSAX/BEAT RUDIN/THOMAS HUGI YAR/THOMAS
GEISER [Hrsg.], Handbücher für die Anwaltspraxis, Band VIII, Ausländer-
recht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 7.191 ff.; vgl. auch Art. 3 Abs. 1 sowie
Art. 96 Abs. 1 AIG).
5.3.3.
Nach dem Gesagten ist zunächst zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer auf-
grund der gesamten Umstände des Einzelfalls ein Anspruch auf Erteilung
einer neuen Aufenthaltsbewilligung und deren Verlängerung zukommt, weil
wichtige persönliche Gründe im Sinne der vorgenannten Bestimmungen
vorliegen, die seinen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich
machen, bzw. ob ihm durch seine Ausreiseverpflichtung eine besondere
Härte widerfährt. Die zu berücksichtigenden wichtigen Gründe müssen
einen Bezug zur gescheiterten Ehe aufweisen.
5.3.4.
Vorab ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass keine Anhaltspunkte dafür
vorliegen, dass der Beschwerdeführer die Ehe nicht aus freiem Willen ge-
schlossen hätte oder Opfer ehelicher Gewalt geworden wäre (act. 5).
Solches wird in der Beschwerde auch nicht geltend gemacht, weshalb sich
weitere Ausführungen hierzu erübrigen.
5.3.5.
Wie die Vorinstanz ebenfalls richtig ausgeführt hat, ist sodann auch ein
nachehelicher Härtefall aufgrund einer fortgeschrittenen Integration des
Beschwerdeführers in der Schweiz oder aufgrund einer starken Gefähr-
dung seiner sozialen Wiedereingliederung in der Türkei zu verneinen
(act. 5 f.).
Der Beschwerdeführer hält sich mittlerweile seit gut fünf Jahren in der
Schweiz auf (siehe vorne lit. A). Gemäss E-Mail des AWA zuhanden des
MIKA vom 29. Oktober 2021 soll er zwischenzeitlich, von Juli 2020 bis Ja-
nuar oder April 2021, seinen Wohnsitz in Deutschland gehabt haben. In
diesem Sinne äusserten sich auch seine aktuelle Ehefrau, E., sowie seine
frühere Schweizer Ehefrau, C., jeweils per E-Mail gegenüber dem MIKA
(siehe zum Ganzen vorne lit. B f.). Indessen bestreitet der Beschwerde-
führer in seiner Beschwerde (act. 16 f.) und insbesondere auch gegenüber
dem AWA (act. 75 f.) substanziiert, in Deutschland gelebt und gearbeitet
zu haben, worauf denn auch das AWA mit Entscheid vom 31. Januar 2022
die Abklärungen vorläufig einstellte und dazu festhielt, aufgrund der
vorliegenden Abklärungsdokumente könne keine unrechtmässige Hand-
lung des Beschwerdeführers gegenüber der Arbeitslosenversicherung
- 15 -
nachgewiesen werden (act. 82). Dementsprechend ist aufgrund der
Aktenlage tatsächlich von einem gut fünfjährigen Aufenthalt des
Beschwerdeführers in der Schweiz auszugehen. In den Jahren 2017 bis
2020 besuchte der Beschwerdeführer sodann mehrere Deutschkurse (MI-
act. 301 ff.). Zu Beginn des letzten Kurses, der wegen der Covid-19-
Pandemie vorzeitig beendet werden musste, verfügte er gemäss Ein-
schätzung der Kursleitung über mündliche Sprachkompetenzen auf Refe-
renzniveau A2 und schriftliche Sprachkompetenzen auf Referenz-
niveau A1 (MI-act. 303). Der Gemeinderat X. attestierte dem Beschwerde-
führer in seinem Protokoll vom 22. März 2021 im Zusammenhang mit der
Gewährung von Sozialhilfe "ungenügende Deutschkenntnisse" (MI-
act. 366). Seine frühere Rechtsvertreterin legte ihr Mandat am 7. Mai 2021
"aufgrund unüberbrückbarer sprachlicher Probleme" nieder (MI-act. 380).
Weiter war der Beschwerdeführer nach seiner Einreise in die Schweiz
offenbar zunächst arbeitslos (MI-act. 192) und verfügte dann ab März 2018
über eine Temporärstelle als Reinigungsmitarbeiter (MI-act. 199, 222, 243,
245, 261). Eine anschliessende Stelle als Gerüstbauer scheint er im April
2019 verloren zu haben, worauf er bis Dezember 2020 Arbeitslosentag-
gelder bezog (MI-act. 365; vgl. MI-act. 267, 300, 330, 371). Von März bis
und mit Mai 2021 bezog er Sozialhilfe im Umfang von insgesamt von
Fr. 4'572.00 (MI-act. 367, 398). Ab Ende März oder Anfang April 2021 war
der Beschwerdeführer wieder als Gerüstbauer tätig (MI-act. 428 ff.), ab
11. August 2021 verfügte er über eine unbefristete Vollzeitstelle als
Chauffeur (act. 30 ff.). Seit 1. Dezember 2021 ist er bei einer anderen Ar-
beitgeberin wiederum vollzeitlich als Chauffeur tätig (act. 67 f.). Per 27. Mai
2021 waren, soweit aus den Akten ersichtlich, zwei Verlustscheine über
zusammengezählt Fr. 8'374.35 gegen ihn registriert (MI-act. 432; vgl. auch
MI-act. 254). Über die familiäre Beziehung zu seinem Schweizer Sohn
(siehe nachfolgend Erw. 5.3.6) hinaus sind schliesslich keine konkreten An-
haltspunkte für besonders enge soziale Beziehungen des Beschwerde-
führers zu Personen in der Schweiz ersichtlich oder werden in der Be-
schwerde vorgebracht – insbesondere auch nicht zum heute elfjährigen
Sohn seiner früheren Schweizer Ehefrau aus deren früherer Partnerschaft,
H., zu welchem er während der Beziehung mit der Kindsmutter ebenfalls
eine enge Beziehung pflegte (MI-act. 157 f., 162 f., 166 f.). Die
vorinstanzliche Feststellung, dass zwischen dem Beschwerdeführer und H.
keine schützenswerte Beziehung mehr bestehe (act. 8), wird in der
Beschwerde nicht substanziiert bestritten. Auch eine besondere kulturelle
Einbindung in der Schweiz ist nicht erkennbar. Nach dem Gesagten ist
nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Dauer
seines Aufenthalts in der Schweiz und der dabei erfolgten Integration derart
stark in der Schweiz verwurzelt wäre, dass infolgedessen ein weiterer
Verbleib angezeigt erschiene.
Ebenso wenig ist davon auszugehen, dass die soziale Wiedereingliede-
rung des Beschwerdeführers – der nach nicht substanziiert bestrittener
- 16 -
Feststellung der Vorinstanz gesund ist (act. 6) und, soweit aus den Akten
ersichtlich, in der Türkei aufwuchs und sozialisiert wurde – bei einer Rück-
kehr in sein Herkunftsland ernsthaft gefährdet wäre. Er bringt in seiner Be-
schwerde denn auch nichts Derartiges vor.
5.3.6.
5.3.6.1.
Der Beschwerdeführer macht mit seiner Beschwerde sinngemäss geltend,
die familiäre Beziehung zu seinem Schweizer Sohn F. bilde einen wichtigen
persönlichen Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG, der seinen
weiteren Verbleib in der Schweiz erforderlich mache (siehe vorne Erw. 1.2).
5.3.6.2.
Ist aus einer inzwischen aufgelösten ehelichen Gemeinschaft ein gemein-
sames Kind hervorgegangen, kann die Beziehung zum in der Schweiz an-
wesenheitsberechtigten Kind einen wichtigen persönlichen Grund im Sinne
von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG darstellen, welcher den weiteren Aufenthalt des
ausländischen Elternteils in der Schweiz erforderlich macht (Urteil des Bun-
desgerichts 2C_163/2021 vom 2. Juni 2021, Erw. 5.2; vgl. Art. 31 Abs. 1
lit. c VZAE).
Ein faktisch nicht obhutsinhabender Elternteil kann die familiäre Beziehung
zu seinem Kind von vornherein nur im beschränkten Rahmen des ihm ge-
richtlich eingeräumten oder zwischen den Eltern vereinbarten Besuchs-
rechts pflegen. Zu dessen Wahrnehmung ist gemäss ständiger Recht-
sprechung des Bundesgerichts, welche im Rahmen von Art. 8 EMRK mit
Blick auf die dabei vorzunehmende Interessenabwägung entwickelt wurde,
ein dauerhafter Aufenthalt in der Schweiz in der Regel nicht erforderlich.
Vielmehr ist grundsätzlich ausreichend, wenn das Besuchsrecht – unter
entsprechender Ausgestaltung der Modalitäten – im Rahmen von Kurz-
aufenthalten sowie mit Hilfe moderner Kommunikationsmittel vom Ausland
her ausgeübt werden kann. Daran ändert auch nichts, wenn der faktisch
nicht obhutsinhabende Elternteil über das (gemeinsame) Sorgerecht ver-
fügt, was seit dem 1. Juli 2014 gemäss Art. 296 Abs. 2 des Schweize-
rischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 210) den
gesetzlichen Regelfall darstellt. Ob mit Blick auf Art. 50 Abs. 1 lit. b und
Abs. 2 AIG gleichwohl von einer härtefallbegründenden Elter-Kind-Bezieh-
ung auszugehen ist, muss im Rahmen einer Gesamtbetrachtung beurteilt
werden. Dabei ist das Gesetzesrecht möglichst verfassungs- und völker-
rechtskonform auszulegen (zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts
2C_582/2020 vom 20. Dezember 2020, Erw. 4.3.1 f.; betr. gemeinsames
Sorgerecht Urteil des Bundesgerichts 2C_165/2021 vom 27. Juli 2021,
Erw. 3.1 am Schluss).
Konkret hält das Bundesgericht dazu in Anlehnung an seine Recht-
sprechung zum umgekehrten Familiennachzug gestützt auf Art. 8 EMRK
- 17 -
fest, dass das private Interesse eines ausländischen Elternteils am Verbleib
in der Schweiz nach Auflösung der Ehegemeinschaft zwecks Wahrneh-
mung des Besuchsrechts mit dem anwesenheitsberechtigen gemeinsamen
Kind das öffentliche Interesse an einer restriktiven Migrationspolitik regel-
mässig dann zu überwiegen vermag, wenn zwischen dem betroffenen
Elternteil und dem Kind eine (a) in affektiver und (b) in wirtschaftlicher Hin-
sicht enge Beziehung besteht, (c) die Beziehung wegen der Distanz
zwischen der Schweiz und dem Staat, in welchen der betroffene Elternteil
ausreisen müsste, praktisch nicht mehr aufrechterhalten werden könnte
und (d) sich der betroffene Elternteil in der Schweiz tadellos verhalten hat
(Urteile des Bundesgerichts 2C_582/2020 vom 20. Dezember 2020,
Erw. 4.3.3, und 2C_163/2021 vom 2. Juni 2021, Erw. 5.2; BGE 144 I 91,
Erw. 5.2).
Bei genauer Betrachtung hält das Bundesgericht damit einzig fest, dass
dem betroffenen Elternteil gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG der weitere
Aufenthalt auf jeden Fall zu gestatten ist, wenn die Kriterien a–d allesamt
erfüllt sind. Dies ist soweit unproblematisch. Den Umkehrschluss zu ziehen
und den weiteren Aufenthalt zu verweigern, wenn eine der Voraus-
setzungen nicht erfüllt ist, geht jedoch nicht an. Vielmehr ist in diesen Fällen
in einem ersten Schritt zu klären, wie der unbestimmte Rechtsbegriff "wich-
tige persönliche Gründe [, die] einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz
erforderlich machen" mit Blick auf die Beziehung zwischen einem aus-
reisepflichtigen Elternteil und in der Schweiz verbleibenden Kindern aus-
zulegen ist, da die Pflege der Elter-Kind-Beziehung nur noch vom Ausland
her erfolgen kann. Liegt ein wichtiger persönlicher Grund vor, ist in einem
zweiten Schritt festzustellen, ob sich die betroffene Person tadellos verhal-
ten hat. Bei nicht tadellosem Verhalten ist im Rahmen einer Verhältnis-
mässigkeitsprüfung sodann zu klären, ob ein überwiegendes öffentliches
Interesse daran besteht, den weiteren Aufenthalt in der Schweiz trotz wich-
tigem persönlichen Grund zu verweigern.
Bei der Beurteilung, ob einem Elternteil aufgrund der Beziehung zum an-
wesenheitsberechtigen Kind der weitere Aufenthalt gestützt auf Art. 50
Abs. 1 lit. b AIG zu gestatten ist, ist dem Kindswohl Rechnung zu tragen
und namentlich das grundlegende Interesse des Kindes zu berücksich-
tigen, in möglichst engem Kontakt mit beiden Elternteilen aufzuwachsen
(Art. 3 KRK; Urteil des Bundesgerichts 2C_163/2021 vom 2. Juni 2021,
Erw. 5.2; BGE 144 I 91, Erw. 5.2; vgl. Urteil des Europäischen Gerichtshofs
für Menschenrechte [EGMR] Nr. 56971/10 in Sachen El Ghatet gegen die
Schweiz vom 8. November 2016, §§ 27 f. und 46 f.).
In Bezug auf die genannten Kriterien a–d ist im Einzelnen Folgendes fest-
zuhalten:
- 18 -
a) Das Erfordernis der engen affektiven Beziehung ist im Anwendungs-
bereich von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG mit Blick auf die Elter-Kind-
Beziehung das zentrale Element bei der Beurteilung, ob ein wichtiger
persönlicher Grund den weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich
macht. Besteht keine enge affektive Beziehung, liegt mit Blick auf die
Elter-Kind-Beziehung auch kein wichtiger persönlicher Grund vor. Eine
enge affektive Beziehung ist grundsätzlich als gegeben zu betrachten,
wenn der persönliche Kontakt im Rahmen eines nach heutigem Mass-
stab üblichen Besuchsrechts ausgeübt wird (Urteil des Bundesgerichts
2C_582/2020 vom 20. Dezember 2020, Erw. 4.4.1). Die migrations-
rechtliche Rechtsprechung des Bundesgerichts beziffert ein übliches
Besuchsrecht – für die Westschweiz – auf "jedes zweite Wochenende
und zwei Wochen während der Hälfte der Ferien" (BGE 144 I 91,
Erw. 5.2.1). In einem Deutschschweizer (Aargauer) Fall, in welchem
der wegzuweisende Beschwerdeführer die Beziehung zu seinem drei-
jährigen, in der Schweiz anwesenheitsberechtigten Kind geltend
machte, bezifferte das Gericht ein übliches Besuchsrecht sodann auf
"mindestens jedes zweite Wochenende" (Urteil des Bundesgerichts
2C_934/2021 vom 15. Februar 2022, Erw. 4.4; vgl. auch Urteil des
Bundesgerichts 2C_582/2020 vom 20. Dezember 2020, Erw. 4.4.1).
Die zivilgerichtliche Praxis in der deutschsprachigen Schweiz tendiert
in diesbezüglich strittigen Fällen zu einem Besuchsrecht von zwei
Wochenenden pro Monat sowie zwei bis drei Ferienwochen bei Schul-
kindern bzw. zu einem Besuchsrecht von zwei halben Tagen pro Mo-
nat bei Kleinkindern (INGEBORG SCHWENZER/MICHELLE COTTIER, in:
THOMAS GEISER/CHRISTIANA FOUNTOULAKIS [Hrsg.], Basler Kommentar
Zivilgesetzbuch I, 6. Aufl., Basel 2018, N. 15 zu Art. 273 mit Hinwei-
sen). Aus migrationsrechtlicher Sicht massgebend ist jeweils das tat-
sächlich ausgeübte Besuchsrecht und nicht allein die formelle Trag-
weite der gerichtlichen Anordnungen bzw. der Abmachungen der
Eltern hinsichtlich Obhut und Besuchsrecht oder gar die elterliche
Sorge, welche heute regelhaft beiden Elternteilen gemeinsam zugeteilt
wird (BGE 144 I 91, Erw. 5.2.1; Urteil des Bundesgerichts
2C_423/2018 vom 18. Oktober 2018, Erw. 2.1). Das heisst, der tat-
sächliche Kontakt muss hinsichtlich seines Umfangs einem üblichen
Besuchsrecht entsprechen. Weiter ist von Bedeutung, dass das
Besuchsrecht kontinuierlich und reibungslos ausgeübt wird
(BGE 139 I 315, Erw. 2.5).
b) Eine in wirtschaftlicher Hinsicht enge Elter-Kind-Beziehung liegt jeden-
falls dann vor, wenn die gerichtlich angeordneten Unterhaltszahlungen
im Rahmen des jeweils Möglichen und Zumutbaren entrichtet werden.
Dabei können neben den Geld- auch tatsächlich erbrachte Natural-
leistungen (insbesondere Betreuungsleistungen) eine wesentliche
Rolle spielen (BGE 144 I 91, Erw. 5.2.2 mit Hinweisen; Urteil des Bun-
desgerichts 2C_423/2018 vom 18. Oktober 2018, Erw. 2.1). Kommt
- 19 -
ein Elternteil seinen finanziellen Verpflichtungen gegenüber seinem
Kind in vorwerfbarer Weise nicht nach, ist ihm eine enge Elter-Kind-
Beziehung in der Regel abzusprechen und besteht mit Blick auf die
Elter-Kind-Beziehung regelmässig auch kein wichtiger persönlicher
Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG.
c) Die Möglichkeit der Ausübung des Besuchsrechts vom Heimatland aus
muss konkret geprüft werden, namentlich unter Berücksichtigung des
Alters der involvierten Personen, der zur Verfügung stehenden finan-
ziellen Mittel, Kommunikations- und Verkehrsmittel sowie der geo-
graphischen Distanz. Es darf sich nicht um eine lediglich theoretische
Möglichkeit handeln (BGE 144 I 91, Erw. 5.2.3). Besteht keine hinrei-
chend enge affektive Beziehung zwischen dem Elternteil und dem
Kind, liegt unabhängig von der Distanz zwischen dem Heimatland des
Elternteils und der Schweiz auch kein wichtiger persönlicher Grund
vor, der den weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen
würde. Besteht aber eine hinreichend enge affektive und wirtschaft-
liche Beziehung zwischen dem Elternteil und dem Kind, ist demgegen-
über in der Regel unabhängig von der Distanz zwischen dem Heimat-
land des Elternteils und der Schweiz von einem wichtigen persönlichen
Grund auszugehen, der den weiteren Aufenthalt erforderlich macht, da
nur so dem Kindswohl gebührend Rechnung getragen wird. Als nicht
notwendig kann sich der weitere Aufenthalt in der Schweiz allenfalls
dann erweisen, wenn die Elter-Kind-Beziehung problemlos vom nahen
Ausland aus weitergeführt werden kann. Mit Blick auf die Distanz ist
von einem wichtigen persönlichen Grund, der den weiteren Aufenthalt
erforderlich macht, zudem dann auszugehen, wenn einzig in affektiver
Hinsicht eine hinreichend enge Beziehung zwischen dem Elternteil und
dem Kind besteht, diese aber unter Berücksichtigung des Alters der
involvierten Personen, der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel,
Kommunikations- und Verkehrsmittel sowie der geographischen
Distanz nicht mehr gepflegt werden könnte.
d) Ein tadelloses Verhalten ist dem ausländischen Elternteil mit Blick auf
die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu attestieren, wenn dieser
während seines Aufenthalts in der Schweiz die öffentliche Sicherheit
und Ordnung nicht beeinträchtigt hat (BGE 144 I 91, Erw. 5.2.4).
Allerdings ist das Kriterium des tadellosen Verhaltens von der Frage,
ob ein wichtiger persönlicher Grund den weiteren Aufenthalt in der
Schweiz erforderlich macht und damit ein nachehelicher Härtefall im
Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG (oder auch Art. 77 Abs. 1 lit. b VZAE)
vorliegt, zu trennen. Ist – z.B. aufgrund der Beziehung zum gemein-
samen Kind – ein nachehelicher Härtefall zu bejahen, vermag daran
auch eine allfällige Beeinträchtigung der öffentlichen Sicherheit oder
Ordnung durch die betroffene ausländische Person nichts zu ändern.
- 20 -
Eine solche kommt vielmehr erst zum Tragen, wenn es darum geht, ob
dem Ausländer oder der Ausländerin aufgrund des festgestellten
Härtefalls eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen bzw. zu verlängern
ist (vgl. vorne Erw. 5.3.2.2 betr. die Härtefallkriterien von Art. 31 Abs. 1
VZAE).
Tadelloses Verhalten stellt sodann keine unabdingbare Voraussetzung
für die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im Rahmen eines nach-
ehelichen Härtefalls dar. Liegt ein wichtiger persönlicher Grund vor und
hat sich die betroffene Person zudem weitgehend tadellos verhalten,
ist die Aufenthaltsbewilligung regelmässig zu erteilen. Hat sich die be-
troffene Person demgegenüber nicht tadellos verhalten, ist zu prüfen,
ob trotz Vorliegens eines Härtefalls der weitere Aufenthalt aufgrund
des nicht tadellosen Verhaltens verwehrt werden darf: Bestehen beim
Ehegatten einer Schweizerin oder eines Schweizers oder einer Person
mit Niederlassungsbewilligung (vgl. Art. 42 bzw. 43 AIG) nach Auflö-
sung der Ehegemeinschaft wichtige persönliche Gründe, die den wei-
teren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen, hat der Ehegatte
einen Anspruch auf Erteilung einer neuen (eigenständigen) Aufent-
haltsbewilligung und deren Verlängerung (Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG).
Eine Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung ist in diesen Fällen nur
dann zulässig, wenn der Anspruch gemäss Art. 51 Abs. 2 AIG
erloschen ist. Im Zusammenhang mit nicht tadellosem Verhalten steht
dabei Art. 51 Abs. 2 lit. b AIG im Vordergrund, wonach der Anspruch
bei Vorliegen von Widerrufsgründen nach Art. 62 oder Art. 63 Abs. 2
AIG erlischt. Ein allfällig nicht tadelloses Verhalten im Sinne der bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung kann demzufolge lediglich im Rah-
men von (Art. 51 Abs. 2 lit. b i.V.m.) Art. 62 und Art. 63 Abs. 2 AIG be-
rücksichtigt werden, wobei die Verweigerung des weiteren Aufenthalts
selbst bei Vorliegen eines Widerrufsgrundes nur dann zulässig ist,
wenn sie sich insgesamt als verhältnismässig erweist, mithin ein über-
wiegendes öffentliches Interesse an einer Aufenthaltsbeendigung be-
steht. Demgegenüber hat der Ehegatte einer in der Schweiz nur auf-
enthaltsberechtigten Person (vgl. Art. 44 AIG) nach Auflösung der Ehe-
gemeinschaft selbst bei Bestehen wichtiger persönlicher Gründe, die
den weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen, keinen
Anspruch auf Erteilung und Verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung
nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG. Vielmehr kommt bei dieser Konstellation
bloss die Erteilung einer Ermessensbewilligung nach Art. 77 Abs. 1
lit. b VZAE in Betracht. Für eine Bewilligungsverweigerung muss folg-
lich kein Widerrufsgrund vorliegen, sondern ist lediglich zu prüfen, ob
sich die Verweigerung des weiteren Aufenthalts insgesamt als verhält-
nismässig erweist.
- 21 -
5.3.6.3.
5.3.6.3.1.
Der Beschwerdeführer hat mit seiner ehemaligen Schweizer Ehefrau den
gemeinsamen Sohn F. Dieser ist knapp eineinhalb Jahre alt (geb. 2020)
und wie seine Mutter Schweizer (siehe vorne lit. A). Die Eltern sind
gemeinsam sorgeberechtigt, der Sohn lebt seit seiner Geburt bei seiner
Mutter (MI-act. 313, 330). Soweit aus den Akten ersichtlich, besteht seit
dem 21. Januar 2022 eine Vereinbarung zwischen den Eltern, wonach der
Beschwerdeführer seinen Sohn jeden Samstag von 10.30 Uhr bis
16.30 Uhr besucht (act. 81; siehe im Übrigen hinten Erw. 5.3.6.3.2).
Zu prüfen ist nach dem Gesagten, ob die Beziehung des faktisch nicht
obhutsinhabenden Beschwerdeführers zu seinem Sohn – namentlich mit
Blick auf ihre Intensität in affektiver und in wirtschaftlicher Hinsicht – einen
wichtigen persönlichen Grund darstellt, der seinen weiteren Aufenthalt in
der Schweiz erforderlich macht. Sollte dies zu bejahen sein, hätte der Be-
schwerdeführer – vorbehaltlich allfälliger Erlöschensgründe – einen An-
spruch auf Erteilung einer neuen Aufenthaltsbewilligung und deren Ver-
längerung im Rahmen eines nachehelichen Härtefalls (Art. 50 Abs. 1 lit. b
AIG).
5.3.6.3.2.
Was die affektive Beziehung des Beschwerdeführers zu seinem Sohn an-
geht, ist primär auf dessen Angaben im Verlauf des vorliegenden Verfah-
rens mitsamt den dazu eingereichten Belegen und auf die Angaben der
Kindsmutter (seiner früheren Ehefrau) abzustellen.
Im Rahmen seiner Einsprache vom 7. Januar 2021 führte der Beschwer-
deführer aus, es sei noch nicht zu einer festen Betreuungsregelung gekom-
men, er besuche seinen Sohn jedoch regelmässig vier- bis sechsmal pro
Woche. Beide Eltern würden das Kind in Zukunft regelmässig und zu fixen
Zeiten betreuen. Da es sich um einen dreimonatigen Säugling handle und
die Situation aufgrund der Corona-Pandemie aussergewöhnlich sei, sei
noch unklar, ob die Betreuung durch ihn als Vater Schritt um Schritt im
Sinne einer alternierenden Obhut ausgebaut werde oder ob er der be-
suchsberechtigte Elternteil sein werde (MI-act. 330 f.). In der Beilage zur
Einsprache reichte der Beschwerdeführer ein von ihm und seiner früheren
Ehefrau gemeinsam unterzeichnetes, auf den 4. Januar 2021 datiertes Be-
stätigungsschreiben zuhanden der Vorinstanz ein. Darin geben die Eltern
an, dass der Beschwerdeführer seinen Sohn seit dessen Geburt drei- bis
fünfmal pro Woche für einige Stunden besuche und betreue. Den Kindes-
unterhalt würden sie "schriftlich regeln und von der zuständigen KESB ge-
nehmigen lassen" (MI-act. 348).
Nachdem die Vorinstanz den Beschwerdeführer aufgefordert hatte, unter
anderem eine schriftliche Bestätigung seiner früheren Ehefrau betreffend
- 22 -
seine affektive und finanzielle Beziehung zum gemeinsamen Sohn einzu-
reichen, wandte sich seine frühere Ehefrau mit E-Mail vom 21. April 2021
unaufgefordert ans MIKA und hielt Folgendes fest (MI-act. 375):
[...] Herr A. ist seit Januar wieder in der Schweiz wohnt in X., weil er sein Aufenthalt nicht verlieren will. Wir haben gemeinsame Kind er will das ich ihn belege schreibe wie das er würde sein Kind unterstützen würde aber er macht das sowieso nicht, und er hat immer noch mit deutschland Kontakt mit sein Ehefrau... Er ist einfach ein Betrüger. Ich will das sie es Kenntniss nehmen... Ich habe manchmal erlaubt das er sein sohn sehen kann aber ich habe gemerkt das er es nur für Seine Aufenthalt macht weil er sich manchmal gegen mir anders reagiert mich einfach beschimpft für meine Privatleben einmischt, und das ist für mich nicht normal... Wenn sie wollen kann ich auch bei ihnen persönlich kommen und erklären ich will nicht das er Aufenthalt bekommt in schweiz, wenn er auch schon verheiratet ist mit E. in Deutschland soll er auch dort leben mit seine Frau und Kind G. [...]
Unmittelbar zuvor, mit E-Mail vom 20. April 2021, hatte sich bereits die
aktuelle Ehefrau des Beschwerdeführers unaufgefordert ans MIKA
gewandt und festgehalten, dieser sei seit dem 1. Juli 2020 in Deutschland
angemeldet. Er habe dort gearbeitet und gleichzeitig in der Schweiz
Arbeitslosengeld bekommen. Sie habe sich jetzt von ihm getrennt, weil sie
erfahren habe, dass er in der Schweiz ein Kind habe, das gleich alt wie ihr
gemeinsames Kind sei (MI-act. 375).
Mit Stellungnahme vom 25. Juni 2021 führte der Beschwerdeführer gegen-
über der Vorinstanz aus, die Umstände hätten sich seit seiner Einsprache
geändert: Seit seine frühere Ehefrau erfahren habe, dass er auch mit seiner
neuen Ehefrau ein Kind gezeugt habe, lasse sie nur noch wenige Besuche
von ihm bei F. zu. Zweimal in der Woche für ein bis zwei Stunden könne er
seinen Sohn aktuell sehen, mehr lasse die Mutter nicht zu (MI-act. 410). In
der Beilage zu seiner Stellungnahme reichte er sein Schreiben an das
Familiengericht Y. vom 2. Juni 2021 ein, mit welchem er um Regelung des
Besuchsrechts sowie des Kindesunterhalts ersucht hatte (MI-act. 423).
Zudem legte er die daraufhin ergangene Verfügung des Familiengerichts
vom 21. Juni 2021 ins Recht, mit welcher er und seine frühere Ehefrau
zwecks vertraglicher Regelung des Besuchsrechts und Kindesunterhalts
an die Jugend-, Ehe und Familienberatung (JEFB) Bezirk Y. verwiesen
worden waren (MI-act. 424 f.).
In seiner Beschwerde vom 17. September 2021 führt der Beschwerde-
führer aus, unter Mitwirkung JEFB sei eine schriftliche Vereinbarung über
seinen Kontakt mit F. vorbereitet und diese der Kindsmutter zugestellt
worden, deren Zustimmung noch ausstehe. Die der Beschwerde bei-
liegende Vereinbarung datiert ebenfalls vom 17. September 2021 und hält
fest, dass der Beschwerdeführer seinen Sohn mittwochs von 17.00 Uhr bis
20.00 Uhr und sonntags von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr allein sehe, wobei er
die Kindsmutter jeweils informiere, wohin er mit ihm gehe (act. 25, vgl. auch
- 23 -
act. 26 f.). Soweit ersichtlich, haben die Eltern diese Vereinbarung in der
Folge nicht unterzeichnet. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 2. Feb-
ruar 2022 reichte der Beschwerdeführer sodann aber eine angepasste, auf
den 21. Januar 2022 datierte und nunmehr von beiden Elternteilen unter-
zeichnete Vereinbarung ein, die festlegt, dass der Beschwerdeführer
seinen Sohn samstags von 10.30 bis 16.30 Uhr sehe. Der im Verein-
barungsentwurf vom 17. September 2021 enthaltene Passus, wonach der
Beschwerdeführer die Kindsmutter zu informieren habe, wohin er mit
seinem Sohn gehe, wurde gestrichen (act. 81).
Weiter bestreitet der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde ausdrück-
lich, in Deutschland bei seiner neuen Ehefrau gewohnt zu haben. Er habe
diese nach dem Kennenlernen und der Heirat am 26. Juni 2020 zuweilen
an den Wochenenden in Deutschland besucht, dort jedoch weder gelebt
noch gearbeitet. Da seine neue Ehefrau entgegen ihrer vorgängigen Ab-
machung nicht mit ihm in der Schweiz habe leben wollen, habe er sich von
ihr getrennt und wolle sich scheiden lassen (act. 16 f.). Wie bereits festge-
halten (siehe vorne Erw. 5.3.5) ist aufgrund der Akten davon auszugehen,
dass sich der Beschwerdeführer tatsächlich seit gut fünf Jahren in der
Schweiz aufhält und seinen Wohnsitz nicht zwischenzeitlich nach Deutsch-
land verlegt hat (vgl. act. 75 ff., 82).
Der Beschwerdeführer hat zudem auf einem USB-Stick diverse Fotos
(Screenshots von einem Mobiltelefon) sowie zwei Videos ins Recht gelegt,
die seine Kontakte zum Sohn dokumentieren (Beschwerdebeilage 6).
Demzufolge war er bei der Geburt des Sohnes am [***]. Oktober 2020
anwesend. Sodann enthält die Dokumentation Aufnahmen des Sohnes, die
gemäss Datierung auf dem Mobiltelefon von zehn verschiedenen Tagen im
Oktober 2020 stammen, auf denen der Beschwerdeführer jedoch jeweils
nicht zu sehen ist. Ein weiteres derartiges Bild datiert vom 17. Dezember
2020. Auf einem Foto vom 4. Januar 2021 sind wiederum Vater und Sohn
gemeinsam zu sehen, während drei weitere Bilder aus dem Januar und
Februar 2021 nur den Sohn zeigen. Anschliessend folgt eine Pause bis
8. Mai 2021. Ab diesem Tag bis zum 20. August 2021 liegen sodann Auf-
nahmen von insgesamt 16 verschiedenen Tagen vor, die grösstenteils den
Beschwerdeführer zusammen mit seinem Sohn zeigen. Hinzu kommen die
erwähnten zwei Videos, die keine Datumsangabe enthalten, jedoch ge-
mäss Angaben des Beschwerdeführers vom 3. oder 4. Juli 2021 stammen,
als er zusammen mit seinem Sohn im Spital übernachtet habe (act. 17).
Jedenfalls aus dem ersten der beiden Videos (IMG_3989) ist ersichtlich,
dass das Kind den Beschwerdeführer kennt, ihm vertraut und seine Nähe
sucht. Gleiches gilt für einen Teil der Fotos. Der Beschwerdeführer hält zur
eingereichten Dokumentation generell fest, er habe nicht von jedem Be-
suchstag Fotos gemacht (act. 17). Im Übrigen hatte er bereits mit seiner
Stellungnahme vom 25. Juni 2021 neun – undatierte – Bilder eingereicht,
die ihn zusammen mit seinem Sohn zeigen (MI-act. 414 ff.).
- 24 -
Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
seinen Schweizer Sohn im heutigen Zeitpunkt, entsprechend der Verein-
barung vom 21. Januar 2022, einmal pro Woche für sechs Stunden sieht.
Für die Zeit vor dem Abschluss der Vereinbarung lässt die Aktenlage
immerhin darauf schliessen, dass – wie in der Beschwerde behauptet – ca.
zweimal pro Woche für eine bis zwei Stunden besuchsweiser Kontakt
zwischen Vater und Sohn bestand. Damit entspricht der tatsächliche Kon-
takt zwischen dem Beschwerdeführer und seinem knapp eineinhalb-
jährigen Sohn umfangmässig auf jeden Fall der Ausübung eines Besuchs-
rechts, wie es die zivilgerichtliche Praxis in der Deutschschweiz bei Klein-
kindern in diesbezüglich strittigen Verhältnissen üblicherweise festlegt
(zwei halbe Tage pro Monat; siehe vorne Erw. 5.3.6.2).
Insgesamt ist dem Beschwerdeführer eine hinreichend enge affektive Be-
ziehung zu seinem einjährigen Sohn zuzugestehen. Dies zumal der anzu-
nehmende tatsächliche Kontakt zum Sohn dem Umfang eines bei Klein-
kindern üblichen Besuchsrechts übersteigt. Weiter deuten auch die ein-
gereichten Fotos und Videos auf eine in affektiver Hinsicht enge Vater-
Sohn-Beziehung hin.
5.3.6.3.3.
Was sodann die wirtschaftliche Beziehung zu seinem Sohn (geb.
[***]. Oktober 2020) betrifft, hielt der Beschwerdeführer im Rahmen seiner
Einsprache vom 7. Januar 2021 fest, er sei im Moment auf Arbeitssuche
und habe gute Aussichten, demnächst wieder Arbeit als Gerüstbauer zu
finden. Bereits jetzt bezahle er monatlich Fr. 200.00 an den Unterhalt
seines Sohnes. Diesen Betrag werde er in Zukunft seinem Einkommen
anpassen (MI-act. 330). Mit der Einsprache legte er eine schriftliche
Erklärung vom 6. Januar 2021 ins Recht, mit welcher er diese Angaben
unterschriftlich bestätigte (MI-act. 347). Weiter führte er in der Einsprache
aus, er und die Kindsmutter seien noch damit beschäftigt, genaue
Abmachungen betreffend Unterhalt des Kindes zu treffen. Sie hätten sich
aber bereits insoweit geeinigt, dass er regelmässig Betreuungsleistungen
erbringe und erbringen werde und seinen Teil an den Barunterhalt des
Kindes beisteuere (MI-act. 332). In diesem Zusammenhang reichte er auch
die bereits erwähnte, von beiden Elternteilen unterzeichnete Bestätigung
vom 4. Januar 2021 ein (siehe vorne Erw. 5.3.6.3.2), wonach sie den
Kindesunterhalt schriftlich regeln und von der zuständigen Kindes- und
Erwachsenenschutzbehörde (KESB) genehmigen lassen würden (MI-
act. 348). Bankauszüge, Posteinzahlungsbelege oder dergleichen über
bereits geleistete Unterhaltszahlungen reichte er damals nicht ein.
In ihrer E-Mail an das MIKA vom 21. April 2021 führte die Kindsmutter unter
anderem aus, der Beschwerdeführer wolle, dass sie schreibe, er würde
sein Kind unterstützen. Das tue er aber nicht (MI-act. 375; siehe vorne
- 25 -
Erw. 5.3.6.3.2). In seiner Stellungnahme vom 25. Juni 2021 hielt der Be-
schwerdeführer daraufhin fest, er habe für den Zeitraum Januar bis April
2021 einen Unterhaltsbeitrag in Gesamthöhe von Fr. 800.00 bezahlt (MI-
act. 411). Aus dem mit der Stellungnahme eingereichten Posteinzahlungs-
beleg geht hervor, dass der gesamte Beitrag einmalig (erst) am 6. Mai 2021
ausgerichtet wurde (MI-act. 426). Belege für Unterhaltszahlungen für
die Monate Oktober bis Dezember 2021 reichte der Beschwerdeführer trotz
der ausdrücklichen Aufforderung der Vorinstanz (MI-act. 369) nicht ein.
Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass er – wie im April 2021
durch die Kindsmutter zum Ausdruck gebracht und entgegen seinen
eigenen Angaben in der Einsprache sowie der schriftlichen Bestätigung
vom 6. Januar 2021 – mit der Zahlung im Mai 2021 erstmals an den Unter-
halt seines Anfang Oktober 2020 geborenen Sohnes beitrug.
Weiter führte der Beschwerdeführer in der Stellungnahme vom 25. Juni
2021 aus, er überweise seit Mai 2021 einen Unterhaltsbeitrag in Höhe von
jeweils Fr. 300.00 und habe einen Dauerauftrag bei der Bank errichtet. Wie
hoch der künftige Unterhaltsbeitrag sein werde, werde noch durch die
KESB zu entscheiden sein (MI-act. 411). Der Stellungnahme wurde die
Kopie eines E-Banking-Dauerauftrages an die Kindsmutter über Fr. 300.00
beigelegt (MI-act. 427). Im Rahmen der Beschwerde räumt der Beschwer-
deführer ein, er habe seiner Verpflichtung zur Bezahlung von Unterhalts-
beiträgen "nicht immer pünktlich" nachkommen können, da er 2020 und
2021 teilweise arbeitslos gewesen und zeitweise auch von der Sozialhilfe
unterstützt worden sei (act. 18). Aus den mit der Beschwerde eingereichten
Bankbelegen geht denn auch hervor, dass er, nach einer Zahlung über
Fr. 300.00 am 4. Juni 2021 betreffend Alimente für den Monat Juni 2021
(act. 29), erst am 15. September 2021 – zwei Tage vor Einreichung der Be-
schwerde – drei weitere Zahlungen über je Fr. 300.00 betreffend Alimente
für die Monate Juli bis September 2021 leistete (act. 33 ff.). Der Beschwer-
deführer begründet die Zahlungstermine damit, dass seine Anstellung als
Gerüstbauer ab März 2021 eine Temporärstelle gewesen sei und er dort
ab Juli 2021 keine Arbeit mehr angeboten erhalten habe. Nach Erhalt
seines ersten Lohnes in seiner neuen Festanstellung als Chauffeur habe
er jedoch die Unterhaltsbeiträge für die Monate Juli bis September 2021 in
Höhe von je Fr. 300.00 bezahlt (act. 19). Nach dem Gesagten hat der
Beschwerdeführer den Kindesunterhalt für die Monate Juli bis September
2021 wiederum erst verspätet geleistet. Zudem hat er – entgegen seinen
Angaben in der Stellungnahme vom 25. Juni 2021 – für den Monat Mai
2021 keinen Unterhaltsbeitrag bezahlt.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 17. Januar 2022 reichte der
Beschwerdeführer weitere Bankbelege ein, aus denen hervorgeht, dass er
auch betreffend Alimente für die Monate Oktober 2021 bis Januar 2022
jeweils Fr. 300.00 an seine frühere Ehefrau überwies, und zwar stets am
dritten oder vierten Tag des jeweiligen Monats (act. 61 ff.).
- 26 -
Was die weiterhin ausstehende gerichtliche oder behördliche Regelung des
Kindesunterhalts betrifft, richtete der Beschwerdeführer – wie bereits fest-
gehalten – am 2. Juni 2021 ein entsprechendes Ersuchen an das Fami-
liengericht Y., welches die Kindsmutter und ihn zwecks vertraglicher
Regelung von Besuchsrecht und Kindesunterhalt an die JEFB verwies. Die
später mit der Beschwerde eingereichte, offenbar unter Mitwirkung der
JEFB ausgearbeitete Vereinbarung vom 17. September 2021 – welche die
Eltern, soweit ersichtlich, ohnehin nie unterzeichnet haben – enthält indes
keine Regelung zum Kindesunterhalt, sondern betrifft lediglich das Be-
suchsrecht (MI-act. 423 ff., act. 25 ff.; siehe zum Ganzen vorne
Erw. 5.3.6.3.2). Gleiches gilt für die von beiden Elternteilen unterzeichnete
Vereinbarung vom 21. Januar 2022 (act. 81). Der Beschwerdeführer hält in
der Beschwerde fest, er habe im Hinblick auf die Regelung des Kindes-
unterhalts seine Einkommens- und Bedarfsunterlagen bei der JEFB einge-
reicht (act. 19). Er vermag dies jedoch nicht annähernd rechtsgenügend zu
belegen, indem er lediglich eine E-Mail einer Mitarbeiterin der JEFB an eine
nicht näher bezeichnete Drittperson vom 13. August 2021 ins Recht legt,
welche lautet: "Vielen Dank für Ihren Anruf von vorhin und die Informa-
tionen. Nebst dem Arbeitsvertrag bitte ich Sie uns ebenfalls den neuen
Mietvertrag von Herr A. zuzustellen" (act. 36). Da sich die Einreichung der
zur Unterhaltsberechnung erforderlichen Unterlagen bei der JEFB ohne
Weiteres müsste belegen lassen, ist aufgrund des ungenügenden Belegs
davon auszugehen, dass die entsprechende Behauptung des Beschwer-
deführers in seiner Beschwerde nicht zutrifft.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer, soweit aus den
gemäss ausdrücklicher Aufforderung der Vorinstanz eingereichten Belegen
ersichtlich, erstmals im Mai 2021 eine Unterhaltszahlung für seinen
sieben Monate zuvor am [***]. Oktober 2020 geborenen Sohn F. entrichtete
(Fr. 800.00 nachträglich für die Monate Januar bis April 2021). Für
den Monat Mai 2021 entrichtete er sodann keinen Barunterhaltsbeitrag,
während er im Juni 2021 Fr. 300.00 an die Kindsmutter überwies. Für
die Monate Juli bis September 2021 entrichtete er ebenfalls je Fr. 300.00,
jedoch wiederum erst nachträglich am 15. September 2021 (zwei Tage vor
Einreichung der Beschwerde). Seit Oktober 2021 überweist er der Kinds-
mutter regelmässig kurz nach Monatsbeginn jeweils Fr. 300.00.
Im Ergebnis ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer zumindest mit zu
verantworten hat, dass seine Kindesunterhaltspflicht gegenüber seinem
Sohn F. bis heute nicht gerichtlich oder behördlich geregelt ist. Effektiv
finanziell an den Unterhalt seines Sohnes beigetragen hat er ausweislich
der Akten zunächst überhaupt nicht, dann nur unregelmässig und häufig
erst nachträglich. Seit Einreichung der Beschwerde entrichtet er nun
allmonatlich einen Unterhaltsbeitrag von Fr. 300.00. Zuzustimmen ist dem
- 27 -
Beschwerdeführer darin, dass die Anerkennung einer engen wirtschaft-
lichen Beziehung nicht per se eine bestimmte Höhe der Unterhalts-
zahlungen voraussetzt, sondern die Anforderungen hieran im Rahmen des
Möglichen und Zumutbaren zu verbleiben haben (BGE 144 I 91, Erw. 5.2.2
mit Hinweisen). In diesem Sinne lassen sich die ausgebliebenen bzw. ver-
späteten Zahlungen während des ersten Lebensjahres seines Sohnes teil-
weise mit der temporären Arbeitslosigkeit und Sozialhilfeabhängigkeit des
Beschwerdeführers entschuldigen. Dies umso mehr, als er während dieser
Zeit – jedenfalls gemäss eigenen Angaben – Betreuungsleistungen über-
nommen oder zumindest angeboten hat (siehe vorne Erw. 5.3.6.3.2). Aller-
dings ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer auch im heutigen Zeit-
punkt Unterhaltszahlungen im Umfang von lediglich Fr. 300.00 pro Monat
leistet. Ein solcher Beitrag genügt den Anforderungen von Art. 276 i.V.m.
Art. 285 ZGB klar nicht: Der Unterhaltsbeitrag soll den Bedürfnissen des
Kindes sowie der Lebensstellung und Leistungsfähigkeit der Eltern ent-
sprechen (Art. 285 Abs. 1 ZGB). Die Zürcher Kinderkosten-Tabelle vom
1. Januar 2022 (https://www.zh.ch/content/dam/zhweb/bilder-dokumente/
themen/familie/sorgerecht-unterhalt/kinderkosten_2022.pdf) geht bei
einem Kind bis vier Jahre von einem Barunterhaltsbedarf von mindestens
Fr. 935.00 monatlich aus. Der Beschwerdeführer deckt mit seinem Beitrag
mithin weitaus weniger als die Hälfte des mutmasslichen Barbedarfs seines
Sohnes. Selbst wenn zu seinen Gunsten angenommen würde, dass die
Kindsmutter wirtschaftlich wesentlich leistungsfähiger sei als er – worauf
den Akten indes keinerlei Hinweise zu entnehmen sind –, ist festzuhalten,
dass sich der oben genannte Bedarfsbetrag lediglich auf den Bar-, nicht
aber auf den Betreuungsunterhalt (vgl. Art. 285 Abs. 2 ZGB) bezieht, der
wiederum in natura bereits zum grössten Teil durch die Kindsmutter oder
durch Dritte übernommen wird (Betreuung durch den Beschwerdeführer
nur samstags für jeweils sechs Stunden). Anzufügen ist, dass der
Beschwerdeführer in seiner heutigen Anstellung monatlich Fr. 4'176.15
netto verdient (act. 69). Auch gemessen an diesem Einkommen erscheint
sein Unterhaltsbeitrag als klar ungenügend (ca. 7 %; "Prozentregeln" aus
der zivilgerichtlichen Praxis gehen je nach den Umständen von einem
Unterhaltsbedarf des Kindes von 11–17 % des elterlichen Einkommens
aus, wobei auch hier nur der Bar- und nicht der Betreuungsunterhalt
gemeint ist; vgl. CHRISTIANA FOUNTOULAKIS, in: GEISER/FOUNTOULAKIS,
a.a.O., N. 10 f. zu Art. 285 mit Hinweisen).
Nach dem Gesagten steht fest, dass der Beschwerdeführer seinen
finanziellen Verpflichtungen gegenüber seinem Sohn nicht nachkam und
insbesondere im heutigen Zeitpunkt in vorwerfbarer Weise nicht nach-
kommt, obschon ihm dies aufgrund seiner Einkommenssituation problem-
los möglich wäre. Der Beschwerdeführer kann sich auch nicht damit recht-
fertigen, der Unterhaltsbeitrag sei noch nicht behördlich festgelegt worden.
Für eine hinreichend enge wirtschaftliche Beziehung ist nicht nur entschei-
- 28 -
dend, dass ein Elternteil im Rahmen des Zumutbaren die behördlich fest-
gelegten Unterhaltszahlungen leistet, sondern dass er aus eigenem Antrieb
dafür besorgt ist, seinen Unterhaltsverpflichtungen gegenüber seinem Kind
nachzukommen und so seine enge wirtschaftliche Beziehung zu seinem
Kind manifestiert, solange die Unterhaltsbeiträge noch nicht festgelegt wur-
den. Gegebenenfalls hat sich der betroffene Elternteil selbst darum zu be-
mühen, die Höhe der üblichen Unterhaltsverpflichtungen zu ermitteln und
seine Unterhaltszahlungen darauf auszurichten. Aufgrund der mangel-
haften finanziellen Unterstützungsleistungen des Beschwerdeführers ist
ihm in wirtschaftlicher Hinsicht eine enge Elter-Kind-Beziehung zu seinem
Sohn abzusprechen, weshalb trotz hinreichend enger affektiver Beziehung
insgesamt mit Blick auf die Elter-Kind-Beziehung nicht von einem wichtigen
persönlichen Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG auszugehen ist,
welcher seinen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich macht.
5.3.6.3.4.
Da insgesamt nur eine hinreichend enge affektive Beziehung zwischen
dem Beschwerdeführer und seinem Sohn besteht, ist zu prüfen, ob diese
aufgrund der Distanz zwischen dem Heimatland des Beschwerdeführers
und der Schweiz unter Berücksichtigung des Alters der involvierten Per-
sonen, der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel, Kommunikations-
und Verkehrsmittel sowie der geographischen Distanz nicht mehr gepflegt
werden kann. Dies ist nicht der Fall. Gemäss Praxis des Bundesgerichts ist
es einem Elternteil, wie dem Beschwerdeführer möglich und zumutbar,
unter Anpassung des Besuchsrechts die Beziehung zu seinem Sohn von
der Türkei her aufrecht zu erhalten (vgl. Urteil des Bundesgerichts
2C_417/2018 vom 19. November 2018, Erw. 7.1). Gleichwohl ist zu
berücksichtigen, dass eine Besuchsrechtsausübung aus der Türkei den
Beschwerdeführer vor erhebliche Schwierigkeiten stellen dürfte. Dies auch
aufgrund seines offensichtlich schlechten Verhältnisses zur Kindsmutter
und, mit Blick auf das Alter seines Sohnes, insbesondere in den ersten
Jahren. Mit zunehmendem Alter des Sohnes dürfte sich der besuchsweise
Kontakt vereinfachen und dürften zudem auch vermehrt Kontakte über die
modernen Kommunikationsmittel möglich sein.
5.3.6.3.5.
Gesamthaft betrachtet besteht nach dem Gesagten mit Blick auf seinen
Sohn kein wichtiger persönlicher Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b
AIG, der den weiteren Aufenthalt des Beschwerdeführers erforderlich
macht, da er seinen Unterhaltspflichten gegenüber seinem Sohn in vorwerf-
barer Weise nicht nachkommt und auch mit Blick auf die Distanz zwischen
dem Heimatland und der Schweiz kein wichtiger persönlicher Grund vor-
liegt.
Anzumerken bleibt, dass weder die gebotene Berücksichtigung des Kinds-
wohls und insbesondere der vom Beschwerdeführer angerufene Art. 11 BV
- 29 -
noch der Umstand, dass der Beschwerdeführer zu seinem Sohn eine hin-
reichend enge affektive Beziehung hat, an dieser Beurteilung etwas zu
ändern vermögen.
5.3.7.
Weitere Anhaltspunkte, welche für die Annahme wichtiger persönlicher
Gründe im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AIG i.V.m. Art. 31
Abs. 1 VZAE sprechen könnten, sind nicht ersichtlich und werden auch
nicht geltend gemacht.
5.3.8.
Damit steht fest, dass beim Beschwerdeführer keine wichtigen persön-
lichen Gründe im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AIG vorliegen,
die einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen würden.
Folglich hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf Erteilung einer
neuen Aufenthaltsbewilligung und deren Verlängerung gestützt auf Art. 50
Abs. 1 lit. b AIG.
6.
Unter den dargelegten Umständen ist sodann nicht zu beanstanden, wenn
die Vorinstanz die Erteilung einer Härtefallbewilligung im Sinne von Art. 30
Abs. 1 lit. b AIG verneint (act. 9). Liegen keine wichtigen persönlichen
Gründe nach Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 AIG vor und werden bei der
Prüfung dieser Frage die Kriterien gemäss Art. 31 VZAE berücksichtigt,
liegt regelmässig auch kein schwerwiegender persönlicher Härtefall im
Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG vor. Es sind denn auch keine Umstände
ersichtlich oder werden vorgebracht, die unabhängig von der Ehe bzw. dem
daraus hervorgegangenen Kind auf das Bestehen einer solchen Härtefall-
situation hindeuten würden.
7.
Im Sinne eines Zwischenfazits ist festzuhalten, dass sich die Nichtver-
längerung der abgelaufenen Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdefüh-
rers als begründet erweist, dieser keinen Rechtsanspruch auf Verlän-
gerung seiner bisherigen oder Erteilung einer neuen Aufenthaltsbewilligung
hat und auch keine konkrete Grundlage für eine ermessensweise Bewilli-
gungserteilung vorliegt. Demnach bleibt zu prüfen, ob sich die Nichtver-
längerung der bisherigen sowie die Verweigerung einer neuen Aufenthalts-
bewilligung und die damit verbundene Wegweisung des Beschwerde-
führers aus der Schweiz als verhältnismässig erweisen (vgl. zum Ganzen
vorne Erw. 2.4).
8.
Erweist sich unter Berücksichtigung der Kriterien von Art. 31 VZAE, dass
bei einer ausländischen Person nach Wegfall ihres abgeleiteten Bewilli-
gungsanspruchs zwecks Verbleibs beim (früheren) Ehegatten weder ein
- 30 -
nachehelicher Härtefall im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG noch ein
schwerwiegender persönlicher Härtefall im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b
AIG vorliegt, ist damit gleichsam erstellt, dass das private Interesse der be-
troffenen Person an einem weiteren Verbleib in der Schweiz das öffentliche
Interesse an der Beendigung ihres Aufenthalts nach Auflösung der anwe-
senheitsberechtigenden Ehegemeinschaft nicht aufzuwiegen vermag. Dies
gilt auch in jenen Fällen, in denen sich das öffentliche Interesse in migra-
tionsregulatorischen Überlegungen erschöpft (vgl. zum Ganzen Art. 31
Abs. 1 VZAE mit Art. 96 Abs. 1 AIG; Entscheid des Verwaltungsgerichts
WBE.2021.84 vom 12. August 2021, Erw. II/5).
Im Rahmen der vorstehenden Erwägungen wurde unter Berücksichtigung
der Kriterien von Art. 31 VZAE festgestellt, dass beim Beschwerdeführer,
der seinen abgeleiteten Bewilligungsanspruch zwecks Verbleibs bei seiner
früheren Ehefrau verloren hat (siehe vorne Erw. 4), weder ein nachehe-
licher Härtefall (Erw. 5) noch ein schwerwiegender persönlicher Härtefall
vorliegt (Erw. 6). Damit steht nach dem Gesagten fest, dass die Nichtver-
längerung der bisherigen sowie die Verweigerung einer neuen Aufenthalts-
bewilligung und die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz
auch vor dem Gebot der Verhältnismässigkeit standhalten. Auf eine
erneute Darlegung und detaillierte Bemessung der zu berücksichtigenden
Interessen kann unter diesen Umständen verzichtet werden.
9.
Zu prüfen ist weiter, ob die Verweigerung des weiteren Aufenthalts des
Beschwerdeführers in der Schweiz und die damit verbundene Wegweisung
vor Art. 8 EMRK standhalten.
Art. 8 Ziff. 1 EMRK und der – soweit hier von Interesse – inhaltlich im We-
sentlichen übereinstimmende Art. 13 Abs. 1 BV gewährleisten das Recht
auf Achtung des Familien- und Privatlebens. Diese Garantien können
namentlich dann verletzt sein, wenn einer ausländischen Person, deren
Familienangehörige in der Schweiz leben, die (weitere) Anwesenheit unter-
sagt und dadurch das gemeinsame Familienleben vereitelt wird, bzw. wenn
eine ausländische Person die Schweiz verlassen muss, nachdem sie sich
lange hier aufgehalten und entsprechend integriert hat.
Angesichts der familiären Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer und
seinem in der Schweiz lebenden Sohn führen die gegen den Beschwerde-
führer verfügten aufenthaltsbeendenden Massnahmen zu einem Eingriff in
das durch Art. 8 Ziff. 1 EMRK geschützte Familienleben des Beschwerde-
führers und seines Sohnes. Der Eingriff ist vorliegend jedoch – entgegen
der Auffassung des Beschwerdeführers (act. 22) – durch ein überwiegen-
des öffentliches Interesse gerechtfertigt (Art. 8 Ziff. 2 EMRK; siehe vorne
Erw. 8).
- 31 -
Sodann hält sich der Beschwerdeführer mittlerweile seit gut fünf Jahren in
der Schweiz auf. Seine währenddessen erfolgte Integration ist insgesamt
als eher mangelhaft zu qualifizieren (siehe zum Ganzen vorne Erw. 5.3.5).
Der Vorinstanz ist daher zuzustimmen, dass die aufenthaltsbeendenden
Massnahmen keinen Eingriff in sein Privatleben im Sinne von Art. 8 Ziff. 1
EMRK darstellen (act. 9). Läge entgegen dem Gesagten ein Eingriff vor,
wäre dieser wiederum durch ein überwiegendes öffentliches Interesse ge-
rechtfertigt (Art. 8 Ziff. 2 EMRK; siehe oben).
Ein Verstoss gegen Art. 8 EMRK liegt damit weder hinsichtlich des ge-
schützten Familienlebens noch hinsichtlich des geschützten Privatlebens
des Beschwerdeführers vor. Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die
Nichtverlängerung der bisherigen sowie die Verweigerung einer neuen Auf-
enthaltsbewilligung und die Wegweisung des Beschwerdeführers dem
nationalen Recht entsprechen und auch vor Art. 8 EMRK standhalten.
10.
Schliesslich ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass keine Hinweise er-
sichtlich sind, wonach der Vollzug der Wegweisung im Sinne von Art. 83
AIG unzulässig, unmöglich oder unzumutbar sein könnte (act. 10). Der Be-
schwerdeführer macht in seiner Beschwerde denn auch keine Vollzugshin-
dernisse geltend.
11.
Zusammenfassend steht fest, dass die Nichtverlängerung der bisherigen
sowie die Verweigerung einer neuen Aufenthaltsbewilligung und die Weg-
weisung des Beschwerdeführers gemäss nationalem Recht nicht zu bean-
standen sind und vor Art. 8 EMRK standhalten. Nachdem auch dem Voll-
zug der Wegweisung keine Hindernisse entgegenstehen, ist der Entscheid
der Vorinstanz nicht zu beanstanden und die Beschwerde ist abzuweisen.
III.
Im Beschwerdeverfahren werden die Verfahrenskosten nach Massgabe
des Obsiegens und Unterliegens auf die Parteien verlegt (§ 31 Abs. 2
VRPG). Nachdem der Beschwerdeführer unterliegt, gehen die Kosten des
verwaltungsgerichtlichen Verfahrens zu seinen Lasten. Ein Parteikostener-
satz fällt ausser Betracht (§ 32 Abs. 2 VRPG).