Decision ID: d51cdcad-d015-513c-b0a8-41235982569a
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
geboren 1969, gelernte Coiffeuse,
war zuletzt
im Gipserge
schäft ihres Ehemannes
Y._, wo sie
administrative und andere Arbeiten
ausführte, sowie bei der Z._ AG
als
Call Agent Outbound
im Stundenlohn tätig
(
Urk. 8
/11
; Urk. 8/59
). Am 20. März 2010 rutschte sie auf einer Treppe aus, verstauchte sich den linken Fuss und schlug das linke Knie an (
Schadenmeldung vom 23. März 2010,
Urk.
8
/26
/365
).
Am 7. Juni 2011 (Eingangsdatum) meldete sie sich bei der Sozialversicherungs-an
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 8/3). Die
IV-Stelle tätigte erwerbliche sowie medizinische Abklärungen, zog die Akten der zuständigen Unfallversicherung bei (Urk. 8/26) und holte den Untersu-chungsbericht von med. pract. A._, Fachärztin Orthopädische Chirurgie und Traumatologie FMH, des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 27. März 2013 (Urk. 8/39) ein. Nach Erlass des Vorbescheides vom 28. Mai 2014 (Urk. 8/71), mit welchem der Versicherten eine vom 1. April bis zum 31. Juli 2012 befristete ganze Invalidenrente in Aussicht gestellt wurde, und erfolgtem Einwand der Versicherten (Einwand vom 2. Juli 2014, Urk. 8/73; ergänzende Einwandbegründungen vom 15. und 16. September 2014, Urk. 8/79 und Urk. 8/81) holte die IV-Stelle den Arztbericht von Dr. med. B._, FMH Orthopädische Chirurgie, vom 5. Januar 2015 (Urk. 8/83) ein. Am 27. Februar 2015 erliess die IV-Stelle einen neuen Vorbescheid (Urk. 8/86), mit welchem sie die Abweisung des Leistungsbegehren in Aussicht stellte. Nach erfolgtem Einwand der Versicherten vom 23. März 2015 (Urk. 8/89) wies die
IV-Stelle mit Verfügung vom 24. April 2015 wie vorbeschieden das Leistungs-be
gehren ab (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 4. Mai 2015 Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, es sei ihr nach Ablauf des Wartejahres rückwirkend und in Zukunft eine volle IV-Rente zuzusprechen. Mit Beschwerdeantwort vom 5. Juni 2015 (Urk. 7 unter Beilage ihrer Akten, Urk. 8/1-93) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 8. Juni 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
3.
Die zuständige Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) erbrachte Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen. M
it Verfügung vom 3. Mai 2013
(Urk. 8/46) stellte die SUVA
diese
Leistungen für die Folgen des Unfalles vom 20. März 2010 betreffend linkes Sprunggelenk und linkes Knie per 21. Mai 2013 ein und verneinte auch den Anspruch auf weitere Geldleistungen in Form einer Invalidenrente und/oder
einer Integritätsentschädigung. Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 3. Januar 2014 fest
(Urk.
8/61
).
Die hiergegen erhobe
nen Beschwerden der Beschwerdeführerin vom 3. Februar 2014 und des zustän
digen Krankenversicherers vom 3. Juli 2014 wurden mit Urteil vom 20. Mai 2016 des hiesigen Gerichts (Verfahrens-Nr. UV.2014.00030) in dem Sinne gut
geheissen, dass der angefochtene Einspracheentscheid aufgehoben und zur weiteren Abklärung und anschliessenden neuen Entscheidung über den Leis
tungsanspruch nach dem 21. Mai 2013 an die SUVA zurückgewiesen wurde.
4.
A
uf die Ausführungen der Parteien sowie die eingelegten Akten wird, soweit erforderlich,
in den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung dafür, dass aus medizinischer Sicht zu keiner Zeit eine durch einen Gesundheitszustand verur
sachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit vorgelegen habe. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund des Unfalles lediglich während der Dauer der Operationen und der darauf folgenden Rehabilitations
zeit in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen. Diese hätten jeweils maxi
mal sechs Monate gedauert. Es lägen keine weiteren, objektiv begründbaren Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit vor. Es sei nicht mit dem Unfallversi
cherer zu koordinieren, da nicht rein unfallbedingte Beschwerden vorlägen (Urk. 2).
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber im Wesentlichen vor (Urk. 1), die Einschätzung der Beschwerdegegnerin, es hätten lediglich maximal sechs
monatige Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit während der Operationen und einer darauf folgenden Rehabilitationszeit bestanden, widerspreche klar sämtlichen ärztlichen Beurteilungen, wie sie durch die umfangreichen Kranken
akten dokumentiert seien. Von der SUVA sei ihr lange ein volles Taggeld bezahlt worden - ihr nun für Jahre rückwirkend ein rentenausschliessendes Invalideneinkommen in einer Verweistätigkeit anzurechnen, sei nicht zulässig. Med. pract. A._ sei ohne MRIs und Röntgenbilder allein aufgrund der „Klinik“ zum Schluss gekommen, dass sie per sofort vollumfänglich arbeitsfähig sei. Zur früher bestehenden Arbeitsfähigkeit habe sie sich nicht geäussert. Die von med. pract. A._ vertretene Auffassung, es liege ein voll funktionsfä
higes Sprunggelenk vor, sei durch die spätere Untersuchung und Operation von Dr. B._ widerlegt worden. Eine objektive Auseinandersetzung mit den Feststellungen von Dr. B._ fehle in der Stellungnahme von med. pract. A._ vom 29. September 2014 völlig. Ein unabhängiges Gutachten könne die Unrichtigkeit zweifellos bestätigen. Im Übrigen sei die Revisionsoperation von Dr. B._ erfolgreich gewesen und sie könne den Fuss wieder teilweise belasten. Es sei ein aktueller Bericht von Dr. B._ einzuholen.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG.
2.3
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
beurteilen die RAD die medi
zinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmetho
den können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135
V
465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheidrelevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.4, publiziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S. 3)
.
3.
Die aktuelle medizinische Aktenlage präsentiert sich im Wesentlichen folgender
massen:
3.1
Med
. pract.
A._
untersuchte die
Beschwerdeführerin
am 26. Februar 2013 und hielt dabei fest, dass bei der klinischen Untersuchung kein verlässli
ches Korrelat für die geklagten Schmerzen im Bereich des Sprunggelen
kes habe ermittelt werden können. Es bestätige sich die Einschätzung des Behandlers Dr.
C._
vom 31. Januar 2013. Die beklagten Druck- und Berührungs
schmerzen seien nicht zuverlässig reproduzierbar, unter Ablenkung habe auch die Ferse kräftig betastet werden können. Dennoch hätten sich deut
liche Hin
weise auf eine dauerhafte Entlastung des Fersenbereiches mit voll
kommen feh
lender Beschwielung der Fusssohle in diesem Bereich gezeigt. Im Medikamen
tenspiegel
seien
die als regelmässig eingenommen angegebenen Substanzen nicht nachweisbar
gewesen. Aus medizinischer Sicht finde sich bei guter Band
stabilität keine Notwendigkeit, eine stabilisierende Unterschenkelorthese zu tra
gen. Die Möglichkeiten der Schmerztherapie seien nicht ausgeschöpft. Es sei aus medizinischer Sicht zumutbar, unter ausreichender Schmerztherapie ein Übungsprogramm zum Belastungsaufbau des Fusses zu absolvieren. Aufgrund der vorliegenden medizinischen Berichterstattung und der körperlichen Unter
suchung sei kein somatischer Gesundheitsschaden ausgewiesen, der die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige. Der Beschwerdeführerin sei die angestammte als auch jegliche andere Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vollzeitig zu
mutbar
(
Urk. 8/39/8 f.
).
3.2
Die behandelnden Ärzte der Orthopädie der D._ notierten in ihrem Bericht vom 2. April 2013 folgende Diagnose (Urk. 8/41):
Persistierende Schmerzen anterolaterales
oberes Sprunggelenk (
OSG
) sowie Planta pedis links mit/
bei
Status nach
a
natomischer laterale
r Bandrekonstruktion mittels All
o
graft-Sehnentransfer links am 04.01.2012 mit/bei:
p
ersistierender subjektiver OSG-Stabilität sowie Schmerzen anterolate
rales OSG links bei
Status nach
Entfernung Anker Fibula links sowie lateraler Band-Re-Rekonstruktion nach Brost
röm (transossär) links am 08.06.
2011 bei
Restbeschwerden OSG links nach lateraler Bandnaht nach Broström, modifiziert nach Gould mit intraoperativer Synovektomie und Notch-Plastik am 12.11.2010
Status nach
OSG-Distorsion am 20.03.2010 mit Ruptur
des lateralen Bandapparates und Restbeschwerden nach konservativer Therapie
Als Nebendiagnosen notierten sie 1) einen Status nach
Kniegelenksarthroskopie links mit medialer
Teilmeniskektomie und Entfernung einer Plica mediopatella
ris sowie Osteophyten am Patellaunterpol am 12.11.2010
und 2) einen Status nach Magenband 2000 und 2008.
Die Beschwerdeführerin präsentiere
sich erneut in der Fuss
sprechstunde. Zwi
schenzeitlich sei ein Remifentaniltest im E._ erfolgt
, eine Opioid-Therapie
habe
sich als nicht indiziert
gezeigt. Zudem leide
sie
nun ver
mehrt an Rückenschmerzen nach Anpassung der Orthese, nachdem die Gegen
seite nicht mittels Schuhausgleich versorgt
worden sei
. Intensivste Ergotherapie und Patientenschulung w
erde
durchgeführt. Ein
e psychologische Betreuung lehne
sie
weiterhin
ab. Sie halte
weite
r daran fest, dass etwas im Fuss kaputt sein mü
ss
e, das
man operativ flicken müsse, um ihre Gehfähigkeit wiederher
zustellen.
Es bestehe ein w
eiterhin frustraner Verlauf bei fehlendem morphologischem Korrelat für die von der
Beschwerdeführerin
beschriebenen Beschwerden.
Sie wü
rden nun versu
chen, mittels AlterG im F._
die Belastung des linken Beines bis auf
Vollbelastung steigern zu können. Diesbezüglich
bäten sie das
F._
um ein Aufgebot der
Beschwerdeführerin
.
Ihrerseits sei
eine Verlaufs
kontrolle in drei Monaten geplant.
3.3
Am 29. April 2013 fand die kreisärztliche Untersuchung durch Dr. med.
G._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, statt (
Urk. 8/47
). Nach Darlegung des aktenmässigen Verlaufs (S. 1-6), der Angaben der Beschwerdeführerin 1 (S. 6-7) und Darlegu
ng seiner Befunde (S. 8-10) ein
schliesslich der Beurteilung der Röntgendiagnostik (S. 10) führte Dr.
G._
in seiner Beurteilung aus, es bestehe ein mit Unfallfolgen nicht erklärbares Beschwerdebild linke untere Extremität nach OSG-Distorsion am 20. März 2010. Die Frage sei, inwiefern der Bandapparat initial tatsächlich operations
würdig von Unfallfolgen betroffen gewesen sei. Alle durchgeführten Operatio
nen hätten keine Verbesserungen erbracht, die Beschwerden am linken Fuss würden kontinuierlich zunehmen, unabhängig davon, welche Therapien man durchführe. Die
Beschwerdeführerin
belaste die linke untere Extremität nur noch minimal über die Zehen und über den Vorfuss, selbst dies könne nur noch mittels eines grossen Entlastungsapparates für den linken Fuss und Benutzung von Unterarmgehstöcken durchgeführt werden. Sie entwickle zudem eine Spitzfussstellung. Die ganze Fersenregion sei extrem schmerzhaft; dies bei im MRI nur nachgewiesener leichter Plantarfasziitis. Das Beschwerdebild sei auch entsprechend der Befunde im aktuellen MRI vom 26. März 2013 nicht mit orga
nisch strukturellen Veränderungen, seien diese unfallbedingt oder nicht, erklär
bar. Es bestehe ein intakter rekonstruierter lateraler Bandapparat am OSG. Die Sprunggelenke seien unauffällig. Eine leichte Plantarfasziitis sei sicherlich unfallfremd, da nicht erklärbar, wie eine Veränderung im lateralen Bandapparat eine Veränderung im Bereich der Plantarfaszie verursachen könne. Andererseits könne diese leichte Plantarfasziitis die ausgeprägten Beschwerden und die Unfähigkeit, normal zu gehen, nicht erklären. Es werde hier kontinuierlich eine absolute Übertherapie betrieben, welche bezüglich Funktion, Belastbarkeit und Schmerzen keinerlei Verbesserung erbringen würde, weshalb er dazu rate, die Therapien auf ein absolutes Mindestmass zu reduzieren bzw. einzustellen. Nach einem gut wiederhergestellten lateralen Bandapparat nach der OSG-Distorsion seien für die Bes
chwerdeführerin
unfallbedingt keine Einschränkungen bezüg
lich der Tätigkeit als Reinigerin begründbar, auch Tätigkeiten im Bereich des allgemeinen Arbeitsmar
ktes seien nicht eingeschränkt.
3
.4
In der chirurgischen Beurteilung vom 20. Dezember 2013 (
Urk. 8/
60
/2 ff.
) führt
e
Dr. med.
H._
, Facharzt für Chirurgie, Kompetenzzentrum Versi
cherungsmedizin SUVA, an, dass als bildgebend objektivierbare Unfallfolge am linken Sprunggelenk eine intakte und funktionstüchtige Bandplastik am Aus
senbandapparat vorliege und die von der
Beschwerdeführerin
geklagten Beschwerden durch die zahllosen klinischen fachorthopädischen, rheumatolo
gischen, neurologischen Untersuchungen, durch Magnetresonanztomographie, SPECT-CT, Computertomographie und Neurographie erhobenen und objekti
vierbaren Befunde nicht zu erklären seien. Bohrkanäle in Knochen seien integ
raler Bestandteil der hier lege artis durchgeführten Operationen und nicht die Ursache von Schmerzen und der Grund für eine Belastungsunfähigkeit.
3.5
Am 2. September 2014 unterzog sich die Beschwerdeführerin einer Revision des OSG und des unteren Sprunggelenks (
USG
)
von lateral links mit Lösen der zahlreichen Narben vor allem im OSG, Lösen des völlig straffen subtalaren Gel
enkes und einer subtalaren Arth
rodese mit Remodelling der Fibulaspitze und
Abtragen des anterioren Osteo
phyten im Bereich der Tibiavorderkante lin
ks, durchgeführt durch Dr. B._
(
Urk. 8/78
). In ihrem Austrittsbericht vom 8. September 2014 (
Urk. 8/78/4 f.
) nannte Dr.
B._ die Diagnosen: (1) Invalidi
sierende Restbeschwerden Rückfuss links bei OSG-Distorsion am 20. März 2014 (richtig: 2010) mit Zerrung des lateralen Bandappartes; (2)
Adi
positas per
magna; (3) Status nach Magenbanding 01/1998 mit einer Implanta
tion 11/2007; (4) Status nach laporoskopischer Adhäsiolyse und Entfernung des Magenbandes sowie Gastric Sleeve Resection am 26. Oktober 2012; (5) Revision und Hämatom-Evakuation am 29. Oktober 2012.
3.6
Im von der Beschwerdegegnerin eingeholten Arztbericht vom 5. Januar 2015 (Urk. 8/83) hielt Dr. B._ fest, dass zur Zeit eine intensive Physiotherpie zur Rekonditionierung sowie Resensiblilisierung mit Gehschule ohne Orthese durch
geführt werde. Die Beschwerdeführerin sei in der angestammten Tätigkeit als Reinigungsfachfrau vom 2. September 2014 bis zum 31. Januar 2015 vollum
fänglich arbeitsunfähig, danach sei eine Zunahme zu erwarten. Sofern die Beschwerdeführerin weiterhin Fortschritte mache, sei ab Februar 2015 mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit im Umfang von 25 % zu rechnen. Die physiotherapeutische Behandlung werde entscheidend sein, ob die bisherige Tätigkeit wieder zumutbar werde. Ziel sei es, diese 3 bis 4 Stunden pro Tag aus
üben zu können. Die Beschwerdeführerin sei physiotherapeutisch noch nicht voll rehabilitiert, ein definitiver Entscheid sei ein Jahr nach der letzten Opera
tion möglich.
Der Beschwerdeführerin seien rein sitzende Tätigkeiten während 5 Stunden zumutbar, wechselbelastende Tätigkeiten seien ab Februar zwei bis drei Stunden zumutbar. Rein stehende sowie vorwiegend gehende Tätigkeiten und Tätigkeiten mit Bücken, Kauern, Knien, Heben/Tragen, auf Leitern und Gerüste sowie Trep
pen steigen seien nicht zumutbar (Urk. 8/83/5).
4.
Gestützt auf die medizinische Aktenlage lässt sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin gerade auch im zeitlichen Verlauf nicht abschliessend beurteilen:
4.1
4.1.1
Sowohl RAD-Ärztin med. pract. A._ (E. 3.1) als auch die behandelnden Ärzte der D._ (E. 3.2) sowie Dr. G._ (E. 3.3) und Dr. H._ (E. 3.4) hielten dafür, dass keine ausreichenden, objektiv organischen Befunde vorlägen, welche die geklagten Schmerzen erklären würden. Allerdings fand Dr. B._ klar übermässiges Narbengewebe, übermässig straffe Verhältnisse im Ligamentum fibulocalcaneare und fibulotalare, eine Veränderung im sub
talaren Gelenk infolge Straffheit und eine Erosion an der Spitze der Fibula infolge von Bohrkanälen (Urk. 8/78/1; vgl. E. 3.4). Auch hielt Dr. H._ fest, dass am 10. Oktober 2013 ein CT des linken Sprunggelenks durchgeführt worden sei anlässlich dessen eine beginnende Arthrose des oberen Sprunggelenkes festge
halten wurde (Urk. 8/60/4).
Angesichts dieser medizinischen Befunde und Beurteilungen kann eine zumin
dest teilweise Organizität der Beschwerden nicht ausgeschlossen werden. Ent
sprechend bestehen insbesondere Zweifel am Untersuchungsbericht von med. pract. A._ (E. 3.1) und auch die Berichte der behandelnden Ärzte der D._ (E. 3.2) sowie von Dr. G._ (E. 3.3) und Dr. H._ (E. 3.4) können nicht zur abschliessenden Beurteilung der Arbeitsfähigkeit herangezo
gen werden.
4.1.2
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung in medizi
nischer Hinsicht auf die Stellungnahme von med. pract. A._ vom 13. Januar 2015, in welcher sie festhielt, dass der Beschwerdeführerin rein sit
zende Tätigkeiten zumutbar seien, ab Februar 2015 könnten zunehmend auch wechselbelastende Tätigkeiten zugemutet werden. Aus medizinischer Sicht sei mit einer vollen Arbeitsfähigkeit für angepasste (=überwiegend sitzende) Tätig
keiten spätestens ab März 2015 (3 Monate nach der Operation) zu rechnen. Damit könne weiterhin auf die RAD-Stellungnahmen vom 28. März und 10. (richtig: 20.) Mai 2013 sowie vom 29. September 2014 abgestellt werden (Urk. 8/85/3). In der Stellungnahme vom 28. März 2013 hatte med. pract. A._ festgehalten, dass sich keine Hinweise auf einen objektivierbaren Gesundheitsschaden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit für jedwede Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt finden lasse (Urk. 8/69/5). Ebenso hatte sie auch in der Stellungnahme vom 20. Mai 2013 festgehalten, dass keine orga
nische Ursache habe festgestellt werden können und für die angestammte Tätig
keit als Reinigungskraft von einer vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit ab der RAD-Untersuchung auszugehen sei (Urk. 8/69/7).
In der Stellungnahme vom 20. Mai 2014 hatte med. pract. A._ unter Berücksichtigung des Berichtes von Dr. B._ vom 7. April 2014 ausgeführt, dass aus medizinischer Sicht unklar bleibe, ob ein objektives Korrelat (und wenn ja, welches) für die geklagten Beschwerden des Sprunggelenkes vorhan
den seien. Es sei wenig wahrscheinlich, dass durch weitere Operationen eine Besserung zu erreichen sei (Urk. 8/69/9).
Damit stützt sich med. pract. A._ gemäss ihrer Stellungnahme vom 13. Januar 2015 für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bis zur Operation durch Dr. B._ insbesondere auf ihre Einschätzungen vom 28. März und 20. Mai 2013, in welchen sie fälschlicherweise noch davon ausgegangen war, dass kein organisches Korrelat vorhanden sei.
Damit bestehen erhebliche Zweifel an der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im zeitlichen Verlauf durch med. pract. A._, so dass nicht auf die Stellung
nahmen vom 28. März und 20. Mai 2013 sowie vom 13. Januar 2015 abgestellt werden kann.
4.2
Der Bericht von Dr. B._ vom 5. Januar 2015 (Urk. 8/83) lässt ebenfalls keine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu: Sie behandelt die Beschwerdeführerin erst seit Februar 2014, womit die Arbeitsfähigkeit im zeitli
chen Verlauf unklar bleibt (Urk. 8/83/3).
4.3
Weitere aktuelle Arztberichte, welche zur Arbeitsfähigkeit Stellung nehmen, liegen nicht vor.
Zusammenfassend erweist sich die Aktenlage für eine abschliessende Beurtei
lung des Leistungsanspruchs
als unzulänglich. Die ange
fochtene Verfügung ist entsprechend aufzuheben und die Sache ist an die
IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähig
keit, insbesondere im zeitlichen Verlauf, in geeigneter Weise
und unter Einho
lung der vollständigen SUVA-Akten
korrekt abkläre und anschliessend über den Leistungsanspruch neu verfüge.
In diesem Sinne ist
die Beschwerde gutzuheis
sen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) unter Berücksichti
gung der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und mit Blick auf die Honorarnote vom
5.
September 2016 (
Urk.
10)
sowie den
gerichts
übli
chen Stundenansatz
von
Fr.
220.-- auf
Fr.
1‘
220.40
(inklusive Mehrwert
steuer und Barauslagen) festzusetzen.