Decision ID: fdd8184c-73f2-4f4f-b477-861bc21000b0
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der aus dem Kosovo stammende Beschwerdeführer (geb. [...]) trat wäh-
rend seiner Anwesenheit hierzulande wegen ausländerrechtlicher Ver-
stösse verschiedentlich negativ in Erscheinung. Ein erstes Mal wurde er
von der Staatsanwaltschaft des Bezirks La Côte (Kanton Waadt) mit Straf-
befehl vom 23. November 2016 wegen rechtswidriger Einreise, illegalen
Aufenthalts und Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung zu einer bedingten
Geldstrafe von 90 Tagessätzen à Fr. 40.– sowie einer Busse von Fr. 720.–
verurteilt. Die Delikte bezogen sich auf die Zeitspanne von Mitte Dezember
2015 bis Mitte August 2016 (vgl. Akten der Vorinstanz [SEM act.] 2).
B.
Am 13. Februar 2017 (eröffnet am 7. März 2017) verhängte die Vorinstanz
über den Beschwerdeführer deswegen ein bis zum 12. Februar 2020 be-
fristetes, dreijähriges Einreiseverbot (SEM act. 4 und 5). Auf eine dagegen
erhobene Beschwerde trat das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil
F-1715/2017 vom 12. Juni 2017 nicht ein.
C.
Ungeachtet dieser Fernhaltemassnahme reiste der Beschwerdeführer in
der Folge wieder in die Schweiz ein. Mit Strafbefehl vom 30. Januar 2018
verurteilte ihn die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt wegen illegalen Aufent-
halts zu einer unbedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 60.–.
Dieser Strafbefehl konnte dem Betroffenen nicht gesetzeskonform eröffnet
werden. Am 8. August 2018 sprach ihn die Staatsanwaltschaft des Kantons
Genf weiterer ausländerrechtlicher Zuwiderhandlungen schuldig, was eine
unbedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen à Fr. 30.– nach sich zog (SEM
act. 11).
D.
Nachdem der Beschwerdeführer zu einem unbestimmten Zeitpunkt, spä-
testens im August 2019, erneut in die Schweiz gelangt war, wurde er am
23. September 2019 anlässlich einer Polizeikontrolle im Kanton Genf als
Mitfahrer im Personenwagen seines damaligen Arbeitgebers angehalten
und wegen des Verdachts auf Verletzung ausländerrechtlicher Vorschriften
vorläufig festgenommen. Im Rahmen der von der Kantonspolizei Genf
durchgeführten Einvernahme gab er unter anderem an, seit anfangs Sep-
tember 2019 für den Lenker des Fahrzeuges erwerbstätig gewesen zu
sein, aber bereits seit vier bis fünf Jahren in der Schweiz zu leben. Lediglich
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zu Beginn des Jahres 2019 sei er für sieben Monate in den Kosovo zurück-
gekehrt (SEM act. 12, pag. 123-128).
Ebenfalls am 23. September 2019 wurde dem Beschwerdeführer durch die
kantonale Migrationsbehörde das rechtliche Gehör bezüglich einer allfälli-
gen Entfernungs- und Fernhaltemassnahme gewährt (SEM act. 12,
pag.116).
E.
Mit Strafbefehl vom 24. September 2019 verurteilte die Staatsanwaltschaft
des Kantons Genf den Beschwerdeführer wegen rechtswidriger Einreise,
illegalen Aufenthalts und Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung zu einer unbe-
dingten Geldstrafe von 70 Tagessätzen à Fr. 40.– (SEM act. 13).
Gleichentags ordnete die Migrationsbehörde des Kantons Genf gestützt
auf Art. 64d Abs. 2 Bst. a und b des Ausländer- und Integrationsgesetzes
(AIG, SR 142.20) die sofort vollziehbare Wegweisung des Beschwerdefüh-
rers aus der Schweiz an (SEM act. 14, pag. 170-172).
Am 26. September 2019 wurde der inzwischen in Ausschaffungshaft ge-
setzte Beschwerdeführer in sein Heimatland ausgeschafft.
F.
Aufgrund dieses Sachverhalts erliess das SEM gegenüber dem Beschwer-
deführer mit Verfügung vom 1. November 2019 ein vom 13. Februar 2020
bis 31. Oktober 2022 gültiges, zweites Einreiseverbot und entzog einer all-
fälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung. Gleichzeitig ordnete es
die Ausschreibung dieser Massnahme im Schengener Informationssystem
(SIS II) an (SEM act. 19).
Dieses Anschlusseinreiseverbot konnte dem Betroffenen erst am 14. April
2021 eröffnet werden.
G.
Mit Rechtsmitteleingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 13. Mai
2021 beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er unter anderem um
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde; eventu-
aliter sei das Einreiseverbot in teilweiser Gewährung der aufschiebenden
Wirkung bis zum rechtskräftigen Abschluss des vorliegenden Verfahrens
nicht im SIS einzutragen. Für den Fall, dass diesem Begehren nicht min-
destens teilweise stattgegeben werde, verlangte er die Sistierung dieses
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Verfahrens bis zum rechtskräftigen Abschluss der offenen Strafverfahren
sowie des wegen des ersten Einreiseverbots vor dem Bundesverwaltungs-
gericht anhängig gemachten Beschwerdeverfahrens. Ferner ersuchte er
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung.
Dem Rechtsmittel waren eine Reihe von Beweismitteln, hauptsächlich Un-
terlagen im Zusammenhang mit nachträglichen Einsprachen, welche der
Beschwerdeführer parallel dazu gegen die vier Strafurteile aus den Jahren
2016 bis 2019 erhoben hatte, beigelegt (BVGer act. 1).
H.
Mit verfahrensleitender Anordnung vom 10. Juni 2021 wurde dem Ersu-
chen vom 1. Juni 2021 um Sprachenwechsel stattgegeben und das Be-
schwerdeverfahren in deutscher Sprache fortgeführt. Zudem gewährte das
Bundesverwaltungsgericht dem Beschwerdeführer Akteneinsicht und er er-
hielt Gelegenheit, das eingereichte Rechtsmittel zu ergänzen (BVGer
act. 4).
I.
Am 9. Juli 2021 reichte der Beschwerdeführer eine Beschwerdeergänzung
ein, welcher eine Mitteilung der Staatsanwaltschaft des Bezirks La Côte
vom 9. Juni 2021 beigelegt war. Daraus ging hervor, dass das entspre-
chende Strafbefehlsverfahren wiedereröffnet worden war (BVGer act. 7).
J.
Mit Zwischenverfügung vom 30. Juli 2021 gab das Bundesverwaltungsge-
richt den Begehren um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der
Beschwerde und Sistierung des Verfahrens nicht statt. Das Gesuch um un-
entgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung hiess es gut und setzte Ad-
vokatin Angela Agostino als amtliche Anwältin ein (BVGer act. 8).
K.
In seiner Vernehmlassung vom 30. August 2021 sprach sich das SEM, un-
ter Erläuterung der bisher genannten Gründe sowie unter eingehender Be-
zugnahme auf die gerügten Gehörsverletzungen, für die Abweisung der
Beschwerde aus (BVGer act. 9).
L.
Replikweise liess der Beschwerdeführer am 26. Oktober 2021 am einge-
reichten Rechtsmittel, den Rechtsbegehren und deren Begründung fest-
halten (BVGer act. 13).
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Seite 5
M.
Mit verfahrensleitender Anordnung vom 14. März 2022 wurde dem Be-
schwerdeführer die Möglichkeit eingeräumt, den Sachverhalt zu aktualisie-
ren und abschliessende Bemerkungen anzubringen. Davon machte er in-
nert der bis zum 25. April 2022 angesetzten Frist keinen Gebrauch (BVGer
act. 14 und 16).
N.
Am 28. März 2022 übermittelte die Vorinstanz dem Bundesverwaltungsge-
richt ein vom 21. November 2021 datierendes Urteil des Strafgerichts Ba-
sel-Stadt. Daraus ging hervor, dass der Beschwerdeführer in Abänderung
des Strafbefehls vom 30. Januar 2018 wegen rechtwidriger Einreise zu ei-
ner bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 30.– verurteilt worden
war (BVGer act. 15).
O.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG, sofern keine
Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33
VGG genannten Behörden. Dazu gehört auch das SEM, das mit der An-
ordnung eines Einreiseverbotes bzw. Anschlusseinreiseverbots eine Ver-
fügung im erwähnten Sinne und daher ein zulässiges Anfechtungsobjekt
erlassen hat. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-
gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
1.4 Das vorliegende Anschlusseinreiseverbot vom 1. November 2019
konnte dem Beschwerdeführer erst am 14. April 2021 eröffnet werden
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(SEM act. 20, pag. 194-198). Dem Betroffenen ist daraus kein Nachteil er-
wachsen (vgl. Art. 38 VwVG), weshalb sich weitere Ausführungen hierzu
erübrigen.
1.5 Die angefochtene Verfügung erging in französischer Sprache, die
Rechtsmitteleingabe vom 13. Mai 2021 wurde hingegen auf Deutsch ver-
fasst. Gemäss Art. 33a Abs. 2 VwvG ist im Beschwerdeverfahren die Spra-
che des angefochtenen Entscheids massgebend. Verwenden die Parteien
eine andere Sprache, so kann das Verfahren in dieser Sprache geführt
werden (Art. 33a Abs. 2 Satz 2 VwVG). Aufgrund des entsprechenden Ver-
fahrensantrags vom 1. Juni 2021 (siehe BVGer act. 3) wird das Rechtsmit-
telverfahren in deutscher Sprache geführt.
1.6 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. c Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann vorliegend die
Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Miss-
brauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit gerügt wer-
den (vgl. Art. 49 VwVG). Das BVGer wendet das Bundesrecht von Amtes
wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der
Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den
geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgeblich ist
grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE
2014/1 E. 2 m.H.).
3.
In formeller Hinsicht rügt die Parteivertreterin, es sei unklar, ob das SEM
ihrem Mandanten das rechtliche Gehör zum zweiten Einreiseverbot über-
haupt korrekt gewährt habe. Ausserdem sei es seiner Begründungspflicht
nicht hinreichend nachgekommen.
3.1 Der Beschwerdeführer erhielt am 23. September 2019 im Anschluss an
seine Festnahme sehr wohl Gelegenheit, zum beabsichtigten Erlass einer
zweiten Fernhaltemassnahme vorgängig Stellung zu nehmen. Dies ge-
schah auf der Grundlage des Formulars «Mesures d’éloignement – droit
d’être entendu». Anlässlich besagter Einvernahme durch die Migrationsbe-
hörde des Kantons Genf, welche im Beisein eines albanisch-sprachigen
Dolmetschers durchgeführt wurde, erklärte er, in der Schweiz bleiben und
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nicht in den Kosovo zurückkehren zu wollen. Es gefalle ihm und er arbeite
hier (vgl. SEM act. 12, pag. 116). Dass das rechtliche Gehör nicht von der
Vorinstanz selbst, sondern durch die zuständige kantonale Migrationsbe-
hörde gewährt worden ist, entspricht gängiger Praxis und ist nicht zu be-
anstanden (vgl. etwa Urteile des BVGer F-1084/2019 vom 8. Juni 2020
E. 4.3 oder F-5736/2015 vom 6. Januar 2017 E. 3.3, ferner PATRICK SUT-
TER, in Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren
(VwVG), 2008, Rz. 6 zu Art. 30).
3.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst eine Anzahl verschiede-
ner verfassungsrechtlicher Garantien (vgl. etwa MICHELE ALBERTINI, Der
verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsver-
fahren des modernen Staates, 2000, S. 202 ff., MÜLLER/SCHEFER, Grund-
rechte in der Schweiz, 4. Aufl., 2008, 846 ff.). Eine davon ist die Begrün-
dungspflicht (Art. 35 VwVG), welche der rationalen und transparenten Ent-
scheidfindung der Behörden dient und die Betroffenen in die Lage verset-
zen soll, den Entscheid sachgerecht anzufechten. Die Behörde hat daher
kurz die wesentlichen Überlegungen zu nennen, von denen sie sich leiten
liess und auf die sie ihren Entscheid stützt. Dabei ist sie nicht gehalten, zu
jedem Argument der Partei explizit Stellung zu nehmen. Es genügt, wenn
aus der Gesamtheit der Begründung implizit hervorgeht, weshalb das Vor-
gebrachte als unrichtig oder unwesentlich übergangen wird (vgl. BGE 143
III 65 E. 5.2; BVGE 2012/24 E. 3.2).
3.3 Aus der angefochtenen Verfügung geht hervor, aus welchen Gründen
die Vorinstanz ein Anschlusseinreiseverbot erliess (Wiedereinreise in die
Schweiz mit Erwerbstätigkeit trotz bestehendem Einreiseverbot, Strafbe-
fehl der Staatsanwaltschaft Genf vom 24. September 2019, sofort vollzieh-
bare kantonale Wegweisung gleichen Datums, Anordnung der Ausschaf-
fungshaft). Die wichtigsten der zur Anwendung gelangenden Rechtsgrund-
lagen (Art. 67 Abs. 1 Bst. a und Art. 67 Abs. 2 Bst. a und c AIG) wurden
hierbei aufgeführt. Wohl beinhaltet die Begründung der angefochtenen
Verfügung namentlich mit Blick auf den Prozess der Interessenabwägung
auch implizite Aspekte, allerdings machte der Beschwerdeführer anlässlich
der Gewährung des rechtlichen Gehörs am 23. September 2019 noch gar
keine privaten Interessen geltend (siehe hierzu E. 3.1 weiter oben). Kommt
hinzu, dass das SEM in der Vernehmlassung eine Reihe weiterer Elemente
miteinbezog und diese eingehend erläuterte. Unter den dargelegten Um-
ständen war für den Beschwerdeführer erkennbar, von welchen Motiven
sich die Vorinstanz bei ihrem Entscheid leiten liess. Damit ist die Vorinstanz
ihrer Begründungspflicht in rechtsgenüglicher Weise nachgekommen.
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3.4 Die erhobenen formellen Rügen erweisen sich somit als unbegründet.
4.
4.1 Das SEM verfügt Einreiseverbote gegenüber weggewiesenen Auslän-
derinnen und Ausländern, wenn die Wegweisung nach Art. 64d Abs. 2
Bst. a – c AIG sofort vollstreckt wird (Art. 67 Abs. 1 Bst. a AIG) oder die
betroffene Person der Ausreiseverpflichtung nicht innert Frist nachgekom-
men ist (Art. 67 Abs. 1 Bst. b AIG). Es kann sodann nach Art. 67 Abs. 2 AIG
Einreiseverbote gegen ausländische Personen erlassen, die gegen die öf-
fentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstos-
sen haben oder diese gefährden (Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG). Das Einreise-
verbot wird für eine Dauer von höchstens fünf Jahren verhängt (Art. 67
Abs. 3 erster Satz AIG). Die Anordnung eines Einreiseverbots von mehr als
fünf Jahren ist zulässig, wenn von der ausländischen Person eine schwer-
wiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht
(Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz). Aus humanitären oder anderen wichtigen
Gründen kann die zuständige Behörde von der Verhängung eines Einrei-
severbots absehen oder ein Einreiseverbot vollständig oder vorüberge-
hend aufheben (Art. 67 Abs. 5 AIG).
4.2 Das Einreiseverbot ist keine Sanktion für vergangenes Fehlverhalten,
sondern eine Massnahme zur Abwendung einer künftigen Störung der öf-
fentlichen Sicherheit und Ordnung (siehe Botschaft zum Bundesgesetz
über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002 [im Folgenden:
Botschaft] BBl 2002 3813, welche in Bezug auf die Regelungen zum Ein-
reiseverbot weiterhin massgeblich ist). Die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG bildet den Oberbegriff für die
Gesamtheit der polizeilichen Schutzgüter. Sie umfasst unter anderem die
Unverletzlichkeit der objektiven Rechtsordnung und der Rechtsgüter Ein-
zelner (vgl. Botschaft, a.a.O. S. 3809). In diesem Sinne liegt ein Verstoss
gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung unter anderem dann vor,
wenn gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügungen missachtet
werden (Art. 77a Abs. 1 Bst. a VZAE). Widerhandlungen gegen Normen
des Ausländerrechts fallen ohne weiteres unter diese Begriffsbestimmung
und können ein Einreiseverbot nach sich ziehen (vgl. Botschaft, a.a.O.,
S. 3813). Dabei genügt es, wenn der ausländischen Person eine Sorgfalts-
pflichtverletzung zugerechnet werden kann (vgl. anstelle vieler: Urteil des
BVGer F-3163/2017 vom 12. März 2019 E. 6.2).
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Seite 9
4.3 Wird gegen eine Person, die nicht die Staatsangehörigkeit eines Mit-
gliedstaats der Europäischen Union oder der Europäischen Freihandelsas-
soziation besitzt, ein Einreiseverbot verhängt, so wird sie nach Massgabe
der Bedeutung des Falles im Schengener Informationssystem (SIS) zur
Einreiseverweigerung ausgeschrieben (vgl. Art. 21 und 24 der Verordnung
[EG] Nr. 1987/2006 vom 20. Dezember 2006 über die Einrichtung, den Be-
trieb und die Nutzung des Schengener Informationssystems der zweiten
Generation [SIS-II], Abl. L 381/4 vom 28.12.2006 [nachfolgend: SIS-II-VO];
Art. 21 der N-SIS-Verordnung vom 8. März 2013 [SR 362.0]).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründete die angefochtene Verfügung, wie angetönt,
mit der Missachtung des ersten Einreiseverbots, dem Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Genf vom 24. September 2019, der sofort vollziehba-
ren Wegweisung gleichen Datums sowie der dem Beschwerdeführer ge-
genüber angeordneten Ausschaffungshaft (siehe E. 3.3 hiervor). Aufgrund
dessen erweise sich die verhängte Fernhaltemassnahme als vollauf ge-
rechtfertigt. Die Erklärungen der betreffenden Person im Rahmen der Ge-
hörsgewährung änderten daran nichts. In der Vernehmlassung ging das
SEM auf einzelne Vorwürfe und die SIS-Ausschreibung näher ein.
5.2 Der Beschwerdeführer hielt in der Rechtsmitteleingabe vom 13. Mai
2021 hauptsächlich dagegen, die angefochtene Verfügung stütze sich auf
nicht rechtskräftige Strafbefehle und ein nicht rechtskräftiges erstes Einrei-
severbot. Der rechtserhebliche Sachverhalt sei insofern unrichtig respek-
tive unvollständig festgestellt worden. Des Weiteren erweise sich die Dauer
des jetzigen Einreiseverbots als übermässig lang. Insgesamt belaufe sich
dessen Dauer nun auf fünf Jahre (recte: fünfzweidrittel Jahre), was nur zu-
lässig wäre, wenn der Betroffene eine schwerwiegende Gefahr für die öf-
fentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 3 AIG darstellte.
Der Beschwerdeführer sei jedoch einzig aufgrund der Verletzung aufent-
haltsrechtlicher Bestimmungen und deswegen erlassener, nicht rechtskräf-
tiger Strafbefehle vorbestraft. Darin habe man ihn lediglich zu Geld- und
nicht auch zu Freiheitsstrafen verurteilt, was beweise, dass sein Verschul-
den als gering eingestuft und ihm eine gute Legalprognose bescheinigt
worden sei. Somit bestehe in seinem Fall kein Risiko einer künftigen Ge-
fährdung. Zudem habe er in gutem Glauben in der Schweiz verweilt und
hier gearbeitet. Dafür sprächen die Anstellung durch verschiedene Schwei-
zer Firmen, die Anmeldung bei den Sozialversicherungen und die Baustel-
lenkontrollen. Mit Blick auf andere Fälle aus der Rechtsprechung verstosse
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die angefochtene Verfügung ausserdem gegen das Rechtsgleichheitsge-
bot und das Verhältnismässigkeitsprinzip. Schliesslich habe er mehrere
nahe Verwandte in der Schweiz und eine Verlobte in Frankreich. Ein Ein-
reiseverbot, das sich auf den gesamten Schengenraum auswirke, würde
die Heirat und anschliessende Familienzusammenführung erheblich er-
schweren und verzögern. Die ihm vorgeworfenen Straftaten von unterge-
ordneter Bedeutung vermöchten eine Ausschreibung im SIS ohnehin nicht
zu rechtfertigen.
6.
6.1 Aus den Akten geht hervor, dass die Vorinstanz über den Beschwerde-
führer am 13. Februar 2017 wegen ausländerrechtlicher Zuwiderhandlun-
gen ein erstes, bis zum 12. Februar 2020 befristetes, dreijähriges Einreise-
verbot verhängt hat (SEM act. 4). Dieses wurde ihm am 7. März 2017 er-
öffnet (SEM act. 5). Was gegen die Rechtskraft jener Fernhaltemass-
nahme vorgebracht wird, entbehrt jeglicher Grundlage. Wohl hat der Be-
troffene dagegen ein Rechtsmittel eingelegt, darüber wurde im betreffen-
den, unter der Geschäftsnummer F-1751/2017 geführten Verfahren indes
rechtskräftig befunden. Sowohl die Zwischenverfügung vom 13. April 2017
als auch der vom 12. Juni 2017 datierende Nichteintretensentscheid we-
gen des nicht geleisteten Kostenvorschusses erfolgten an die vom Be-
schwerdeführer angegebene Adresse und wurden am Schalter abgeholt.
Somit wusste er, dass er bis Februar 2020 mit einem Einreiseverbot belegt
war und während dieser Zeit nicht in die Schweiz einreisen und sich dort
aufhalten und arbeiten durfte. Dies hat er anlässlich der polizeilichen Ein-
vernahme vom 23. September 2019 bestätigt (siehe SEM act. 12,
pag. 123-128). Damit erscheint ein Grossteil der Ausführungen des Be-
schwerdeführers zum Vornherein in einem anderen Licht.
6.2 Was die nachträglichen Einsprachen gegen die vier Strafbefehle anbe-
langt, welche der Beschwerdeführer wegen behaupteter Eröffnungs- bzw.
Verfahrensmängel inzwischen erhoben hat, gilt es darauf hinzuweisen,
dass ein Einreiseverbot gemäss ständiger Rechtsprechung auch dann er-
gehen kann, wenn ein rechtskräftiges Strafurteil fehlt, sei es, weil ein Straf-
verfahren nicht eröffnet wurde, noch hängig ist oder eingestellt wurde (vgl.
etwa Urteile des BVGer F-5111/2109 vom 18. Januar 2021 E. 4.2,
F-2781/2019 vom 19. November 2020 E. 6.4.2 oder F-6906/2018 vom
10. Dezember 2019 E. 4.3 m.H.). Als präventivpolizeiliche Massnahme
knüpft das Einreiseverbot direkt an die Störung der öffentlichen Sicherheit
und Ordnung an und nicht an die Ahndung derselben. Ob eine solche Stö-
rung besteht und wie diese zu gewichten ist, hat die Verwaltungsbehörde
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in eigener Kompetenz unter Zugrundelegung ausländerrechtlicher Kriterien
zu beurteilen. Es genügt, wenn mit anderen Worten Verdachtsmomente
vorliegen, die von der Behörde als hinreichend konkret erachtet werden
(vgl. Urteil des BVGer F-7649/2016 vom 13. März 2018 E. 3.3). Eine solche
Situation liegt hier nur schon deshalb vor, weil der Beschwerdeführer ge-
mäss seinen Aussagen in der fraglichen polizeilichen Einvernahme vom
23. September 2019 nicht nur einräumte, in Kenntnis des ersten Einreise-
verbots weiterhin hier verweilt zu haben, sondern zusätzlich präzisierte,
sich seit vier bis fünf Jahren in der Schweiz aufgehalten zu haben und einer
Erwerbstätigkeit nachgegangen zu sein. Einzig anfangs 2019 habe er sich
für rund sieben Monate in sein Heimatland zurückbegeben (siehe wiede-
rum SEM act. 12, pag. 123-128). Hinzuzufügen ist, dass er den Erhalt des
Strafbefehls der Staatsanwaltschaft des Kantons Genf vom 24. September
2019, worin er wegen rechtswidriger Einreise, illegalen Aufenthalts und Er-
werbstätigkeit ohne Bewilligung strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen
worden war, gleichentags unterschriftlich bestätigte (SEM act. 13,
pag. 135-139). Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom
30. Januar 2018 wiederum wurde zwar inzwischen aufgehoben, stattdes-
sen verurteilte das Strafgericht des Kantons Basel-Stadt den Beschwerde-
führer mit Urteil vom 26. November 2021 wegen rechtswidriger Einreise
nun zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 30.–. Dieses
Einzelrichterurteil ist rechtskräftig (BVGer act. 15). Bezüglich der Un-
schuldsvermutung wäre zu ergänzen, dass sie im Administrativverfahren
grundsätzlich keine Geltung beanspruchen kann (vgl. Urteil des BVGer
F-5111/2019 vom 18. Januar 2021 E. 4.2 m.H.). Aufgrund dessen besteht
kein Anlass, nicht auf die den fraglichen Strafbefehlen zu Grunde liegenden
Zuwiderhandlungen abzustellen.
6.3 Mit Blick auf den Vorwurf der übermässigen Dauer verweist die Partei-
vertreterin sodann auf Art. 67 Abs. 3 AIG, laut dessen zweitem Satz ein
Einreiseverbot von mehr als fünf Jahren nur bei Vorliegen einer schwer-
wiegenden Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgespro-
chen werden darf. Wie sich dem Sachverhalt entnehmen lässt, wird der
Beschwerdeführer vorliegend de facto während rund fünf Jahren und acht
Monaten – vom 13. Februar 2017 bis 31. Oktober 2022 – von der Schweiz
ferngehalten. Einreiseverbot und Anschlusseinreiseverbot sind als zwei
verschiedene Verfügungen ausgestaltet, wobei Letzteres das vorange-
hende, in aller Regel bereits rechtskräftige Einreiseverbot nicht in Frage
stellt, sondern ergänzt. Dementsprechend sind sie voneinander unabhän-
gig und beruhen auf unterschiedlichen Sachverhalten (BVGE 2021 VII/4
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E. 7.2.3). Dies ist auch vorliegend der Fall. Die Sachverhaltselemente, wel-
che dem jetzigen Einreiseverbot zu Grunde liegen (insbes. Missachtung
des ersten Einreiseverbots, Strafbefehl vom 24. September 2019, sofort
vollziehbare Wegweisung gleichen Datums) haben sich nachweislich erst
nach Erlass des ersten Einreiseverbots verwirklicht. In solchen Fällen dür-
fen ein vorgängiges und ein nachfolgendes Einreiseverbot die Höchst-
dauer überschreiten; dies ist selbst bei einem nahtlosen Anschlusseinrei-
severbot zulässig (vgl. hierzu bspw. BVGE 2021 VII/4 E. 7.2.3 oder Urteil
des BVGer F-1156/2021 vom 11. April 2022 E. 5.3). Das vorinstanzliche
Vorgehen erweist sich auch insoweit als rechtmässig.
6.4 Der Beschwerdeführer hat zugegeben, sich während vier oder fünf
Jahren, zum Teil während der Gültigkeit des ersten Einreiseverbots, hier-
zulande aufgehalten zu haben und erwerbstätig gewesen zu sein. Recht-
widrige Einreise, illegaler Aufenthalt und Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung
stellen gemäss ständiger Rechtsprechung schwere Zuwiderhandlungen
gegen ausländerrechtliche Bestimmungen dar und werden regelmässig mit
Fernhaltemassnahmen geahndet (vgl. bspw. Urteile des BVGer
F-4165/2019 vom 16. Juli 2021 E. 6.3, F-4299/2020 vom 15. Juni 2021
E. 3.4 oder F-4022/2020 vom 4. Mai 2021 E. 3.4). Dass er nur zu Geldstra-
fen verurteilt wurde und er nie Gewalttaten verübt hat, ändert in diesem
Zusammenhang nichts. Ebenso wenig kann in seinem Fall von Gutgläu-
bigkeit oder Fahrlässigkeit ausgegangen werden. Dass ihm das erste Ein-
reiseverbot bekannt war, wurde unter E. 6.1 dargelegt. Seine Äusserungen
anlässlich der Einvernahme vom 23. September 2019 erwecken überdies
den Eindruck, dass er sich um die geltenden ausländerrechtlichen Vor-
schriften nicht kümmert. Seine Antwort auf die Frage, weshalb er sich trotz
Fernhaltemassnahme hierzulande aufhalte («Je me suis habitué à ce
mode de vie, je ne dérange personne ici. Je suis là pour travailler.»), spricht
für sich. Damit ist seinen Hinweisen auf die verschiedenen Anstellungen,
seine Anmeldungen bei den Sozialversicherungen und die behaupteten Ar-
beitsstellenkontrollen die Grundlage entzogen. Soweit die Parteivertreterin
schliesslich argumentiert, ihrem Mandanten sei eine gute Legalprognose
zu bescheinigen, gilt es der Vollständigkeit halber anzumerken, dass bei
der Prognosestellung in erster Linie auf das vergangene Verhalten der be-
troffenen Person abzustellen ist (vgl. etwa Urteil des BVGer F-6709/2018
vom 26. März 2020 E. 6.6 m.H.) und das Risiko einer künftigen Gefährdung
der öffentlichen Sicherheit und Ordnung von Gesetzes wegen vermutet
wird (siehe Botschaft, a.a.O., S. 3760). Die Voraussetzungen für den Erlass
eines Anschlusseinreiseverbots nach Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG sind somit
erfüllt.
F-2273/2021
Seite 13
6.5 Die Migrationsbehörde des Kantons Genf hat am 24. September 2019
gestützt auf Art. 64d Abs. 2 Bst. a AIG ausserdem eine sofort vollstreckbare
Wegweisung angeordnet (SEM act. 14, pag. 170-172). Diese Verfügung
blieb, soweit ersichtlich, unangefochten. Wird die Wegweisung nach
Art. 64d Abs. 2 AIG sofort vollzogen, so ist gemäss Art. 67 Abs. 1 Bst. a
AIG grundsätzlich ein Einreiseverbot zu erlassen. Der Vorinstanz kommt
dabei lediglich ein stark eingeschränktes Entschliessungsermessen zu
(vgl. BBl 2009 8896 ad Art. 67 Abs. 1). Vor diesem Hintergrund hat das
SEM gegen den Beschwerdeführer zu Recht auch ein Einreiseverbot ge-
stützt auf Art. 67 Abs. 1 Bst. a AIG verhängt. Schliesslich wurde er, wenn
auch nur kurze Zeit (etwas mehr als eine Nacht), in Ausschaffungshaft ge-
nommen (SEM act. 14, pag. 181 und act. 17, pag. 185-189). Zu den in der
angefochtenen Verfügung zusätzlich genannten Fernhaltegründen von
Art. 67 Abs. 1 Bst. a und Art. 67 Abs. 2 Bst. c AIG äusserte sich der Be-
troffene auf Beschwerdeebene nicht.
6.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass mehrere Gründe vorliegen,
welche die Verhängung eines Anschlusseinreiseverbots rechtfertigen.
7.
7.1 Zu prüfen bleibt, ob die Fernhaltemassnahme in richtiger Ausübung
des Ermessens ergangen und angemessen ist. Den Entscheid darüber, ob
ein Einreiseverbot bzw. ein Anschlusseinreiseverbot anzuordnen und wie
es innerhalb des zulässigen zeitlichen Rahmens zu befristen ist, legt Art. 67
Abs. 2 AIG in das pflichtgemässe Ermessen der Behörde (BGE 139 II 121
E. 6.5.1; 108 Ib 196 E. 4a). Zentrale Bedeutung kommt dabei dem Grund-
satz der Verhältnismässigkeit zu, der eine wertende Abwägung zwischen
den berührten privaten und öffentlichen Interessen verlangt. Ausgangs-
punkt der Überlegungen bilden die Stellung der verletzten oder gefährde-
ten Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und
die persönlichen Verhältnisse der betroffenen ausländischen Person
(Art. 96 AIG; ferner statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, Rz. 555 ff.).
7.2 Mit seinem Verhalten hat der Beschwerdeführer nach dem bisher Ge-
sagten wiederholt gegen ausländerrechtliche Bestimmungen verstossen.
Dabei gilt zu berücksichtigen, dass insbesondere der Einhaltung auslän-
derrechtlicher Normen eine zentrale Bedeutung zukommt, geht es doch für
die zuständigen Behörden darum, eine funktionierende Rechtsordnung ge-
währleisten zu können (vgl. etwa Urteile des BVGer F-2152/2021 vom
15. Dezember 2021 E. 6.2, F-4299/2020 E. 5.3.4, F-4022/2020 E. 3.4 oder
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F-5785/2019 vom 30. April 2020 E. 7.2). Vorliegend besteht daher bereits
aus generalpräventiven Gründen ein gewichtiges Interesse an einer weite-
ren Fernhaltung. Die Verhängung einer solchen Massnahme ist aber auch
aus spezialpräventiven Gründen gerechtfertigt. So scheint der Beschwer-
deführer, wie dargetan, offensichtlich nicht gewillt, sich an die geltenden
ausländerrechtlichen Vorschriften bzw. verfügten Einreiseverbote zu hal-
ten. Obwohl er sich bewusst war, das seine Aufenthalte und Tätigkeiten
hierzulande in verschiedener Hinsicht nicht vorschriftskonform waren,
setzte er sich immer wieder darüber hinweg. Dies führte u.a. zur Einleitung
mehrerer Strafverfahren und Verurteilungen sowie zu einer sofort vollzieh-
baren Wegweisung. Damit besteht ein gewichtiges öffentliches Interesse
an seiner befristeten Fernhaltung.
7.3 Den öffentlichen Interessen sind die privaten Interessen des Beschwer-
deführers gegenüberzustellen. Diese bestehen in der Aufrechterhaltung
der Beziehungen zu seiner Schwester, einem Onkel sowie weiteren, nicht
namentlich genannten nahen Verwandten in der Schweiz. Bei der Beurtei-
lung der Eingriffsschwere ins Familienleben gilt es allerdings zu berück-
sichtigen, dass ein Aufenthaltsrecht in der Schweiz nicht Gegenstand die-
ses Verfahrens bildet, womit regelmässige persönliche Kontakte zu hierzu-
lande ansässigen Personen bereits am fehlenden Anwesenheitsrecht
scheitern (zum Ganzen vgl. BVGE 2014/20 E. 8.3.4). Die vorübergehende
Einschränkung in der Pflege solcher Beziehungen hat er von daher selbst
zu verantworten und für eine limitierte Zeit grundsätzlich in Kauf zu neh-
men. Die sonst geltend gemachten Beeinträchtigungen betreffen die straf-
rechtlich motivierte Haft im Frühjahr 2021. Sie sind nicht in diesem Verfah-
ren zu würdigen. Gemäss dem Urteil des Strafgerichts Basel-Stad vom
26. November 2021 erhielt er dafür inzwischen eine Genugtuung zuge-
sprochen (siehe BVGer act. 15). Den beiden zitierten Vergleichsfällen
C-3401/2021 und C-2397/2014 wiederum liegen andere Delikte und be-
sondere Konstellationen (das Bundesverwaltungsgericht erachtete jene
beiden von der Vorinstanz verhängten Fernhaltemassnahmen zwar als un-
angemessen kurz, sah die Voraussetzungen für eine reformatio in peius
indes nicht als erfüllt) zu Grunde, welche sich hier nicht heranziehen las-
sen. Das verhängte, etwas mehr als zweieinhalbjährige Anschlusseinreise-
verbot entspricht, in Berücksichtigung aller relevanten Faktoren, der Praxis
des Bundesverwaltungsgerichts in vergleichbaren Fällen.
7.4 Eine wertende Gewichtung der sich gegenüberstehenden Interessen
führt das Bundesverwaltungsgericht zum Ergebnis, dass das bis zum
31. Oktober 2022 befristete Anschlusseinreiseverbot dem Grundsatz nach
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und in Bezug auf seine Dauer eine verhältnismassige und angemessene
Massnahme zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung darstellt.
8.
8.1 Zu prüfen bleibt die von der Vorinstanz angeordnete Ausschreibung
des Anschlusseinreiseverbots im SIS II. Der Beschwerdeführer macht dies-
bezüglich geltend, in Frankreich eine Verlobte zu haben, welche er dem-
nächst heiraten möchte.
8.2 Der Beschwerdeführer kann als Drittstaatsangehöriger grundsätzlich
zur Einreise- bzw. Aufenthaltsverweigerung im SIS II ausgeschrieben wer-
den. Die Ausschreibung kann u.a. eingegeben werden, wenn die Entschei-
dung auf einem Einreiseverbot beruht, das wegen Nichtbeachtung der na-
tionalen Vorschriften über die Einreise und den Aufenthalt erlassen wurde
(vgl. Art. 21 i.V.m. Art. 24 Ziff. 3 SIS-II-Verordnung). Eine solche Konstella-
tion liegt hier vor, geht es vorliegend doch um zentrale Bestimmungen der
migrationsrechtlichen Ordnung (vgl. bspw. Urteile des BVGer F-5665/2019
vom 21. Juli 2021 E. 7 oder F-3451/2018 vom 22. Januar 2020 E. 8). Die
Schweiz ist als Folge des Grundsatzes der loyalen Zusammenarbeit bei
der Administration des gemeinsamen Raums der Freiheit, der Sicherheit
und des Rechts, auf dem das Schengen-System beruht, sodann zur ge-
treuen Wahrung der Interessen der Gesamtheit der Schengen-Staaten ver-
pflichtet (BVGE 2011/48 E. 6.1). Hinzu tritt, dass wegen des Wegfalls sys-
tematischer Personenkontrollen an den Schengen-Innengrenzen Einreise-
verbote und ähnliche Massnahmen ihre volle Wirksamkeit nur entfalten
können, wenn sich ihre Geltung und ihre Durchsetzbarkeit nicht auf ein-
zelne Schengen-Mitgliedstaaten beschränken. Die Ausschreibung des Be-
schwerdeführers zur Einreisebeschränkung liegt daher im gemeinsamen
Interesse der Schengen-Staaten (vgl. Urteil des BVGer F-1395/2019 vom
24. Oktober 2019 E. 6.4).
8.3 Die Ausschreibung im SIS II hindert die Schengen-Staaten nicht daran,
dem Beschwerdeführer aus humanitären Gründen oder Gründen des nati-
onalen Interesses oder aufgrund internationaler Verpflichtungen die Ein-
reise in das eigene Hoheitsgebiet zu gestatten (vgl. Art. 14 Abs. 1 i.V.m.
Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK) beziehungsweise ihr ein Schengen-Visum mit
räumlich beschränkter Gültigkeit auszustellen (vgl. Art. 25 Abs. 1 Bst. a der
Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [Visakodex,
Abl. L 243/1 vom 15.09.2009]). Sie können ihm ferner nach Konsultation
des ausschreibenden Staates aus wichtigen Gründen, insbesondere aus
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humanitären Gründen oder aufgrund internationaler Verpflichtungen, eine
Aufenthaltsbewilligung erteilen, worauf die Ausschreibung zurückgenom-
men wird (Art. 25 Abs. 1 des Übereinkommens vom 19. Juni 1990 zur
Durchführung des Übereinkommens betreffend den schrittweisen Abbau
der Kontrollen an den gemeinsamen Grenzen [Schengener Durchfüh-
rungsübereinkommen, SDÜ, Abl. L 239/19 vom 22.09.2000]). Sobald der
Beschwerdeführer im Besitze einer Aufenthaltsbewilligung für Frankreich
ist, wird das SEM gegebenenfalls eine Revokation der SIS-Ausschreibung
vornehmen. Es kann ergänzend auf die entsprechenden Ausführungen in
der Vernehmlassung verwiesen werden. Die mit der Ausschreibung der
Fernhaltemassnahme einhergehende zusätzliche Beeinträchtigung seiner
Bewegungsfreiheit hat der Beschwerdeführer in Kauf zu nehmen. Damit
erweist sich auch die angeordnete SIS-Ausschreibung als verhältnismäs-
sig.
9.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Be-
schwerde ist demzufolge abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens würde der Beschwerdeführer
grundsätzlich kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Zwischenverfü-
gung vom 30. Juli 2021 hat das Bundesverwaltungsgericht dem Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung im Sinne von Art. 65
Abs. 1 und 2 VwVG stattgegeben (BVGer act. 8). Demzufolge ist er von
der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit.
10.2 Das Gericht setzt die Entschädigung für die amtlich bestellten Anwäl-
tinnen und Anwälte aufgrund der Kostennote fest. Wird – wie vorliegend –
keine Kostennote eingereicht, so setzt das Gericht die Entschädigung auf-
grund der Akten fest (Art. 14 Abs. 2 VGKE). In Berücksichtigung der Not-
wendigkeit der Eingaben, der Schwierigkeit der Streitsache in rechtlicher
und tatsächlicher Hinsicht sowie der Bandbreite ausgerichteter Entschädi-
gungen in vergleichbaren Fällen ist das Honorar nach Massgabe der ein-
schlägigen Bestimmungen auf Fr. 2'000.– (inkl. Auslagen und Mehrwert-
steuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzusetzen. Ge-
langt der Beschwerdeführer später zu hinreichenden Mitteln, so hat er dem
Gericht das amtliche Honorar zu vergüten (Art. 65 Abs. 4 VwVG).
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