Decision ID: 52eba5cf-eb74-4447-ab46-49050b3a0238
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1965 und
zuletzt
tätig als kaufmännische Angestellte bei der
Y._
, meldete sich erstmals
für Hilfsmittel
am 5.
November 2008 (Eingangsdatum)
unter Hinweis auf eine Brustamputation
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, an
. Mit Schreiben
vom 13. und 14. Januar 2009
teilte die IV-Stelle
der Versicherten mit, dass Koste
n
gutsprache für die Perücken sowie die Brustprothesen erteilt werde (Urk. 6/6-7). Am 1. Juli 2009
(Eingangsdatum)
stellte die Versicherte erneut ein Leist
ungsge
such
mit Hinweis auf Brustkrebs
(Urk. 6/10)
, woraufhin
die IV-Stelle
erwerbliche und medizinische Abklärungen
tätigte
und
mit
Verfügung vom 12. Mai 2010 einen Anspruch auf eine Invalidenrente
verneinte
(Urk. 6/25).
Mit Schreiben vom 18. Oktober 2018 (Eingangsdatum) meldete sich die Ver
si
cherte
unter Hinweis auf eine psychische
Erkrankung
erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 6/26). Mit Schreiben vom 25. Januar 2019 teilte die IV-Stelle mit, dass die Durchführung von
Eingliederungsm
assnahmen aktuell nicht möglich sei, so dass das Eingliederungsdossier geschlossen werde (Urk. 6/36).
Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und stellte mit Vor
bescheid vom 10. Mai 2019 die
Verneinung eines Rentenanspruchs
in Aussicht (Urk. 6/45). Die Versicherte erhob hiergegen am 6. Juni 2019 Einwand und bean
tragte
die
Ausrichtung
der «gesetzlichen»
Leistungen
und
die
«
Gewährung von beruflichen Massnahmen/Integrationsmassnahmen
»
(Urk. 6/52). Die IV-Stelle tätigte weitere Abklärungen und holte insbesondere den Bericht von Dr. med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 6. September 2019 ein (Urk. 6/66), woraufhin die Versicherte am 27. September 2019 erneut Stellung bezog (Urk. 6/68).
Mit Verfügung vom 18. Mai 2020 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 18. Juni 2020 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 19. August 2020 schloss die Beschwerde
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
5 unter Beilage ihrer Akten, Urk.
6/1-80), worüber die Beschwerdeführerin am 24. August 2020 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung dafür, dass die Beschwerdeführerin seit Juli 2018 in ihrer Tätigkeit als Sachbearbeiterin ein
geschränkt sei. Aus den Akten sei ersichtlich, dass die gesundheitlichen Be
schwerden stark auf die berufliche Situation zurückzuführen sei
en
. Gesundheit
liche Einschränkungen, welche auf psychosozialen Faktoren basierten, seien nicht bei der Invalidenversicherung versichert. Entsprechend bestehe kein Anspruch auf eine Rente. In den ergänzenden medizinischen Unterlagen sei darüber hinaus
eine Zustandsverbesserung festgehalten. Ein langanhaltender Gesundheitsschaden
sei nicht ausgewiesen, womit auch kein Anspruch auf berufliche Massnahmen entstanden sei (Urk. 2).
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber vor, dass
die Beschwerdegegnerin die Untersuchungsmaxime verletze, da sie den Sachverhalt nicht objektiv abge
klärt habe. Die psychiatrische Situation sei nicht hinreichend
geklärt
und die
Beschwerdegegnerin habe es versäumt, beim behandelnden Psychiater einen
aktu
ellen
Bericht einzuholen. Ohne Einholen eines Gutachtens
und
eines aktuellen
psychiatrischen
Berichtes - der letzte datiere von März 2019 - das Leistungs
begehren abzuweisen, verletze den Untersuchungsgrundsatz (Urk. 1).
2.
2.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der ver
sicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem
Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch
BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die fest
gestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidi
tät zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
2.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3
2.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3.2
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und
nachgewiesenermassen
die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psy
chosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Fak
toren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
scheidende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psycho
sozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invalidi
tätsbegründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer ver
sicherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vor
gaben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände aufzuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszu
klammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
2.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
3.
V
orab
ist
festzuhalten, dass die letztmalige Anmeldung aufgrund einer Brust
krebserkrankung erfolgte (vgl. Feststellungsblatt vom 17. März 2010, Urk. 6/22). Aktuell steht eine psychiatrische Gesundheitseinschränkung zur Diskussion, womit eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes erstellt ist und eine umfassende Neuprüfung eines allfälligen Rentenanspruches
zu erfolgen hat (vgl. E. 2.1), was auch seitens der Parteien unbestritten blieb
.
Die aktuelle
medizinische Aktenlage präsentiert sich folgendermassen:
3.1
Die Ärzte und Therapeuten des S
anatorium
s
A._
hielten in ihrem Aus
trittsbericht
vom 19.
November
2018 über
den
stationären Aufenthalt vom 17.
August bis zum 19. Oktober 2018 als Hauptdiagnose eine rezidivierende de
pres
sive Störung, aktuell schwere Episode ohne psychotische Symptome, bei Aus
tritt teilremittiert
,
fest (Urk. 6/66/10
; vgl. auch Bericht des S
anatorium
s
A._
vom 17. Oktober 2018, Urk. 6/31/5 ff.
). Als Nebendiagnosen notierten sie (1) eine chronisch rezidivierende Zystitis und (2) einen Status nach Mamma-
Carcinom
rechts mit OP und Chemotherapie, seitdem
Iskador
-Therapie.
Die
Beschwerdeführerin sei am 17. August 2
018 als Notfalleintritt auf die Akut
station eingetreten. Der Grund
sei
ein schwerer psychophysischer Erschöpfungs
zust
and mit starken Schlafstörungen,
depressiver Symptomatik und
akuter Sui
zi
dalität
nach vorgängigem Aufenthalt in der
Klinik
B._
gewesen.
Die Beschwerdeführerin beschreibe
, sie sei eine sehr leistungsorientierte Frau und würde sich immer um andere kümmern, aber wenig um sich selber. Sie kenne dieses Muster von sich und sei deswegen auch schon in Behandlung gewesen. Sie könne es nicht gut aushalten, wenn sie keine Anerkennung am Arbeitsplatz und keine Bestätigung von ihrem Umfeld bekomme. Deswegen hätten die mehrfachen
Zy
stitis-Erkrankunge
n ei
ne starke Belastung für sie dar
gestellt. Sie habe sich trotz Krankheit nicht geschont und sei arbeiten gegangen. Seit Anfang Jahr habe es zusätzlich eine Aufgabenumverteilung im Betrieb gegeben, was zu noch mehr Arbeitspensum geführt habe. Sie habe immer noch mehr Arbeit angenommen, obwohl sie bereits Ein- und Durchschlafstörungen sowie Erschöp
fung und An
triebslosigkeit tags
über verspürt habe. Sie habe sich dann
aufgrund einer erneu
ten
Zystitis so erschöpft gefühlt,
dass sie nicht mehr zur Arbeit habe gehen können
un
d sich in stationäre Behandlung
in die Klinik
B._
begeben habe. Das sei sehr schwierig
gewesen, da sie nichts habe ma
chen dürfen, nur gelegen sei und nicht habe schlafen können. Sie sei immer un
ruhiger ge
worden, habe starkes Gedankenkreisen entwickelt und Angst bekommen, dass sie nicht wieder
gesund
werde
. Diesbezüglich
sei sie sehr hilflos und verzwei
felt gew
esen
, so dass
in dieser Situation auch sui
zidale Gedank
en aufgetreten seien.
Sie sei 2008
erstmals psychiatrisch
dekompensiert
bei Ma
mma-
Ca
rcinom
, damals sei sie in ambulanter Be
handlung gewesen, seit Anfang August 20
18
sei sie
wieder in Therapie.
Es bestehe ein Status
nach Anorexia
nervosa
in der Kindheit. Die Mutter
habe sich
suizidiert
und
eine To
chter se
i in Therapie mit der Diagnose b
ipolare
Störung.
In der ersten Phase der Behandlung
sei es
zu häufigen
Krisensi
tuationen in der Nacht mit Insuffizienzerleben und ausgeprägter Ängstlichkeit und starker Unruhe
gekommen
, die ein
supportives
und vornehmlich auf Entlastung und Ressourcen
aktivierung zielendes Vorgehen erforderlich
gemacht hätten.
Die im Vordergrund stehende Schlafstörung
sei u.a. mit einer medikamentö
sen Neueinstellung behan
delt
worden
. In der akuten Phase
sei
Stilnox
sowie
Seroquel
eingesetzt
worden
und schliesslich
sei
Remeron
aufdosiert
worden
. Bei gutem Ansprechen von
Remeron
hätten
Stilnox
und
Seroquel
wieder abgesetzt werden
können
.
Nach vier Wochen Behandl
ungszeit
sei sie
in leicht gebessertem Zustandsbi
ld auf die Station für stress
bedingte Erkrankungen übergetreten
.
Die
stationäre Behand
lung
umfasse
ein integrati
ves Behandlungsprogramm aus Einzel-
und Gruppen
therapien auf
kog
nitiv-verhaltenstherapeutischer Basis m
it täglichen Therapie
einheiten und werde durch
Kunst-, Ergo-, Musik- und Bewegungstherapie sowie achtsamkeitsbasiertes Angebot ergänzt. Die psychotherapeut
ischen Einzelthera
piegespräc
he auf k
ognitiv-verhaltenstherapeutisch
er Grundlage
hätten zweimal wöchentlich während min
destens 45 Minuten Behandlungsdauer statt
gefunden
.
Die folgende Phase der Therapie
habe
auf eine Klärung der aktuellen
Lebens
situation der
Beschwerdeführerin gezielt
. Dabei
habe
sich
gezeigt
, dass
sie
ein stark
es Aufopferungsverhalten im privaten Umfeld sowie auch im Beruf zeige.
Sie habe
zu Beginn den Wunsch
formuliert
, an diesem Verhalten zu arbeiten
,
weil es eine grosse Belastung darstelle. Nach einer biografischen Klärung
seien
Mass
nahmen bereits selbständig initiiert und angewendet
worden
.
Sie habe
sofort alternative Verhaltensweisen auf Station und auch im Alltag umsetzen können, was auf eine sehr
gute Handlungskompetenz hinweise. Im Paar
gespräch
sei
mit dem Partner zusammen dieses Schema der Hilfsbereitschaft reflek
ti
ert und die Seiten der Ressourcen und Kosten aufgezeigt
worden
.
Als therapierel
evante Ressourcen erwiesen sich Offenheit, Motivation und Veränderungs
berei
tschaft, Intelligenz und Motivation zur persönlichen Weiterentwicklung. Im Arbeitgeber
gespräch
habe eine Objektivieru
ng des Arb
eitsverhalten und der betriebli
chen Rahmenbedingungen erreicht werden
können. Auf
dieser Basis
hätten schli
esslich betrieb
liche und persönliche Massnahmen besprochen und die schrittweise
beruf
liche Wiederein
gliederung geplant
werden können.
Der berufliche
Wiedereinstieg
sei bei
20
% Ar
beitsfähigkeit (80% Arbeitsun
fä
higkeit) im angestammten Beruf
geplant am 29. Oktober 2018
. Ein entspre
chendes Arbeitsunfähigkeitszeugnis
sei
a
usgestellt
worden
.
Bei der
Beschwerdeführerin habe
initial eine
schwergradige
depressive Sympto
matik mit Suizidalit
ä
t
bestanden
, die durch den stationären Aufenthalt
habe gebessert werden können
. Die affektive Stabilität
für eine ambulante Weiterbe
handl
ung und für eine
n beruflichen Wiedereinstieg seien
bei Austritt gegeben
gewesen
.
Vor der Fertigstellung des Berichts
ha
be
sie
sich erneut gemeldet auf
grund einer psychophysischen Dekompensation bei Wiedereinstieg.
Sie hätten
eine erneute st
ationäre Behandlung eingeleitet.
3.2
Vom 6. bis zum 28. November 2018 befand sich di
e Beschwerdeführerin erneut im S
anatorium
A._
in stationärer Behandlung.
Im Austrittsbericht vom 23. November 2018 wurde festgehalten (Urk. 6/39/11 ff.; Urk. 6/66/22 ff.), dass d
ie
Beschwerdeführerin
seit dem Austritt einen schweren Rückfall in eine depressive
Stimmungslage, mit i
m Vordergrund stehender in
nerer Unruhe, Rastlosi
gkeit, Nervosität und Ängstlichkeit
beschreibe
. Sie habe sich im Rahmen des beruflichen Wiedereinstiegs überfordert. Sie habe sich nicht bereit gefühlt dafür. Der Arbei
t
s
versuch sei gescheitert. Sie sei sehr
nervös gewesen und nach zwei
Stunden Arbeit erschöpft und
überfordert. Sie habe den Bild
schirm verschwommen gesehen und sich schlecht und unfähig gefühlt. Sie habe starke
Durchschlafprobl
eme und am Tage auch
Lebensüberdrus
sgedanken
. Vom Hausarzt habe sie
Temesta
zum Schlafen erhalten.
Mit der Beschwerdeführerin sei
die Situation um
den gescheiterten beruflichen Wiedereinstieg re
flektiert und nach Ursachen gesucht
worden
. Es
habe
sich
ge
zeigt, dass Massnahmen
,
die nach
dem letzten Arbeitgeber
gespräch eingeleitet worden seien
, bei
ihr einen grossen Erwartungsdruck ausgelöst hätten
, sodass d
ie Massnahmen nicht als Hilfe, sondern a
ls
Druck und Belastung erlebt wo
rden
seien. Auf
Basis
dieser Erkenntnis habe
sie für sich entschieden, sich für den beruflichen Wiedereinstieg mehr Zeit für die Rekonvaleszenz zu geben, auch über den stationären Aufenthalt hinaus.
Zusammenfassend habe bei der Beschwerdeführerin initial eine
schwergradige
depressive Symptomatik mit Suizidalität bestanden, die durch den stationären Aufenthalt habe gebessert werden können. Nach erstmaligem Austritt aus dem stationären Setting sei sie mit dem beruflichen Wiedereinstieg überfordert ge
we
sen und sei ängstlich
dekompensiert
. Zum Zeitpunkt des zweiten Austritts schätz
ten sie die Beschwerdeführerin als affektiv stabil ein für die ambulante Weiter
behandlung. Der berufliche Wiedereinstieg sei noch offen.
3.3
Dr. med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
hielt in seinem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Bericht vom 18. Februar 2019 fest, dass er die Beschwerdeführerin seit August 2018 nicht mehr gesehen habe. Sie sei bei
ihm in Behandlung zur Nachbehandlung eines Mamma-
Carcinoms
und wegen
rezivierender
Cystitiden
. Sie habe ein hohes Verantwortungsbewusstsein und sei psychisch wenig belastbar. Die objekt
iv
en Befunde sowie die Arbeitsfähigkeit und die Prognose müssten vom Psychiater beurteilt werden (Urk. 6/39/7 ff.).
3.4
Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seinem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Bericht vom 6. März 2019 aus (Urk. 6/42), dass die Beschwerdeführerin seit November 2018 wöchentlich zu ihm in die Therapie komme. Er diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwer (remittierend, ICD-10 F33.2). Die Beschwerdeführerin sei seit dem 31. Juli 2018 vollumfänglich arbeitsunfähig.
Die Beschwerdeführerin gebe an, dass ihre Stimmung seit mehreren Monaten gedrückt sei. Es werde eine Tendenz zur Perspektivlosigkeit erkennbar. Die Zu
kunf
t
und Möglichkeiten der Verbesserungen würden gar nicht oder als wenig positiv beschrieben. Weiterhin beschreibe sie eine emotionale Gleichgültigkeit. Augenscheinlich hätten früher ausgeübte Freizeitaktivitäten und Interessen heute nicht mehr den gleichen Stellenwert oder würden gänzlich vermieden. Der An
trieb werde subjektiv als deutlich vermindert beschrieben. Sie fühle sich schnell erschöpft, ausgelaugt, demotiviert und leer. Im Zuge der bestehenden Sympto
matik gebe sie soziales Rüc
kzugsverhalten an, welches zum e
inen als Vermei
dungsstrategie
zu werten sei und zum a
nderen als inadäquate Abgrenzungs
stra
tegie. Eine ausgeprägte Selbstwertproblematik lasse Abwertungstendenzen und dysfunktionale Selbstbeurteilungen entstehen.
Die aktuelle Medikat
i
on sei
Venlaflaxin
37.5 mg,
Remeron
25 mg und
Quetiapin
25 mg.
3.5
Dr. med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, diag
nos
tizierte in seinem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Bericht vom 6.
Septem
ber 2019 eine rezidivierende
depressive Störung (ICD-10 F
33.2) mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkungen auf die Arbeits
fähig
keit beurteilte er chronisch rezidivierende Harnwegsinfekte.
Es bestehe eine psychis
che Einschränkung, welche
beim Psychiater nachgefragt werden solle. Die bisherige Tätigkeit könne nicht mehr bewältigt werden. In ange
passter Tätigkeit s
ei ein normales Pensum möglich (Urk. 6/66).
Dr.
Z._
legte auch den Verlauf vom 23. Oktober 2018 bis zum 2. Juli 2019 be
i. Daraus geht hervor, dass die Beschwerdeführerin
regelmässig
bei ihm aufgrund der rezi
di
vi
erenden Harnwegsinfekte als auch infolge der psychischen Beschwerden in Behandlung war. Er notierte am 7. Mai 2019, dass sie psychisch stabiler sei
und ohne
Venlafaxin
und
Remeron
auskomme. Sie sei aber weiterhin unter Spannung und in psychologischer Therapie.
Am
31. Mai 2019 vermerkte er, dass es ohne
Quet
i
apin
nicht gegangen sei, sie hätten einen Absetzversuch gemacht, woraufhin es ihr psychisch schlechter gegangen sei (Urk. 6/66/7 ff.).
3.6
Dr. med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, des Regio
nalen Ärztlichen Dienstes
(RAD)
, nahm am 14. Januar 2020 Stellung. Sie führte aus, dass aufgrund der medizinischen Unterlagen eine zu Beginn mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) nachvollziehbar sei, am ehesten ausgelöst durch mehrere Zystitis-Rezidive seit Beginn 2018. Im Verlauf sei es zu einer Zustandsverbesserung gekommen, so dass die Beschwerdeführerin seit spätestens Mai 2019 offenbar auch keine Psychopharmaka mehr benötige. Insgesamt sei aktuell kein langanhaltender Gesundheitsschaden ausgewiesen. Akzentuierte Persönlichkeitszüge seien nicht arbeitsrelevant und seien in späteren Berichten auch nicht mehr aufgeführt (Urk. 6/74/4).
4.
4.1
Die Berichte über die stationäre
n Aufenthalte im S
anatorium
A._
äussern sich lediglich zum Gesundheitszustand während der stationären Aufenthalte
bzw. bei Eintritt
. Prognostisch äusserten sich die Behandler nach dem zweiten Auf
enthalt lediglich dahingehend, dass sie die Beschwerdeführerin als affektiv stabil für die ambulante Weiterbehandlung einschätzten und
der berufliche Wieder
einstieg zum Zeitpunkt des Austritts noch offen sei (vgl. Urk. 6/39/13; E.
3.2
). Hinzu kommt, dass im Austrittsbericht vom 23. November 2018 lediglich der psychopathologische Befund bei Eintritt, nicht aber bei Austritt festgehalten wurde, womit dieser nicht beurteilt werden kann (Urk. 6/39/12
, vgl. E. 3.2
).
Damit lassen
die Berichte der Behandler des S
anatorium
s
A._
keine ab
schlies
sende Beurteilung zu (vgl. E. 3.1, E. 3.2
sowie Ur
k. 6/31/5 ff.).
4.2
Dr.
D._
attestiert der Beschwerdeführerin eine seit dem 31. Juli 2018 durch
gehende volle Arbeitsunfähigkeit (vgl. E.
3.4
) In der Anamnese schildert Dr.
D._
den Einfluss der Überlastung der Beschwerdeführerin durch ein hohes Arbeitspensum mit Überstunden und mehreren Infektionen - allerdings geht aus diesem Bericht nicht hervor, inwieweit die psychosozialen Faktoren
–
insbe
son
dere die als sehr belastend beschriebene Situation am Arbeitsplatz -
das Krank
heitsgeschehen mit
bestimmen. Darüber hinaus ist auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass
behandelnde Ärzte sowie Therapeuten
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E.
3b/cc).
Damit lässt sich der Gesundheitszustand anhand des Berichtes von Dr.
D._
nicht abschliessend beurteilen.
4.3
In Bezug auf den Bericht von Dr.
C._
ist festzuhalten, dass er auf die Beur
teilung durch den Psychiater verweist.
Er selbst äussert sich weder zu den Diag
nosen mit Auswirkungen auf d
ie Arbeitsfähigkeit noch zur Arbeitsfähigkeit
selbst
(vgl.
E. 3.3;
Urk. 6/39/7 ff.).
Dr.
Z._
konstatierte im Bericht vom 6. September 2019, dass keine somatischen Einschränkungen vorlägen, psychische Einschränkungen seien beim Psychiater anzufragen (
E. 3.5;
Urk. 6/66/4). Auch
aus seinem Verlaufsbericht, welcher den Zeitraum vom 23. Oktober 2018 bis zum 2. Juli 2019 umfasst, gehen weder eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit noch allfällige funktionelle Ein
schränkungen hervor (Urk. 6/66/7 ff.).
Entsprechend lassen auch die Berichte von Dr.
C._
und Dr.
Z._
keine abschliessende Beurteilung zu.
4.4
Dr.
E._
vom
RAD führte aus
, dass
im Verlauf eine Zustandsverbesserung vor
liege, so dass auch keine Psychopharmaka mehr benötigt würden
(E. 3.6)
. Richtig ist, dass Dr.
Z._
am 7. Mai 2019 notierte, dass die Beschwerdeführerin psychisch stabiler sei und ohne
Venlafaxin
oder
Remeron
auskomme. Allerdings hielt er am 31. Mai 2019 fest, dass ein Absetzungsversuch des
Quetiapin
erfolglos gewesen sei
(
E. 3.5)
. Demnach bestehen Zweifel an der Einschätzung durch RAD-Ärztin Dr.
E._
, womit nicht darauf abgestellt werden kann.
Der Vollständigkeit halber ist zu bemerken, dass zwar Hinweise auf psychosoziale Belastungsfaktoren - insbesondere eine belastende Arbei
t
splatzsituation
–
vorlie
gen, allerdi
ngs von den Behandlern im S
anatorium
A._
und Dr.
D._
auch Befunde erhoben wurden, welche eine
von der psychosozialen Belastungs
situation zu unterscheidende und in diesem Sinne verse
lbständigte psychische Störung durchaus möglich erscheinen lassen
(E. 3.1-2; E. 3.4; vgl. auch E. 2.3.2)
.
4.5
Zusammenfassend lässt sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin bzw. allfällige funktionelle Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit anhand der vorliegenden Berichte nicht
abschliessend
beurteilen.
Die Sache ist demnach an die Beschwerd
egegnerin zurückzuweisen (E. 2.5
), damit sie den Gesundheits
zu
stand der Beschwerdeführerin in geeigneter Form abklärt. Hernach hat die Be
schwerdegegnerin neu über einen allfälligen Leistungsanspruch zu entscheiden. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) unter Berücksich
ti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr.
1’5
00
.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.