Decision ID: cd6b0480-a7d2-562a-8138-c11a0c899230
Year: 2018
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am 7. Juni 2017 in der Schweiz ein Asylge-
such ein. Am 21. Juni 2017 wurde er zur Person befragt (BzP). Am 8. Au-
gust 2017 wurde das vorerst eingeleitete Dublin-Verfahren beendet und
das nationale Verfahren aufgenommen. Die Anhörung zu den Asylgründen
durch das SEM (Art. 29 Abs. 1 AsylG [SR 142.31]) folgte am 30. Oktober
2017.
B.
Zur Begründung des Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im We-
sentlichen geltend, er sei äthiopischer Staatsangehöriger der Ethnie der
Oromo aus B._. Er habe seit 2002 bei seinem Onkel in Addis Abeba
gelebt und dort die Schule besucht. Sein Vater sei festgenommen worden,
weil er in der Schule, in der er unterrichtet habe, über die Unterdrückung
der Oromo gesprochen habe. Während der Haft sei der Vater Anfang (...)
gestorben. Mit seinem Bruder habe er erfolglos versucht, die Untersuchung
der Todesumstände zu bewirken. Auch der Onkel sei verstorben und da-
raufhin habe er dessen Haus schliesslich verlassen müssen. Er sei zu sei-
nem Bruder in den Sudan gegangen. Nach sieben Monaten sei er nach
Äthiopien zurückgekehrt. Er sei in C._ anlässlich einer Razzia wäh-
rend Protestkundgebungen festgenommen und in der Haft geschlagen
worden. Nach ungefähr einem Monat Haft sei er mangels Tatverdachts und
weil er eine falsche Identität angegeben habe, wieder freigelassen worden.
Dann sei er zu seiner Mutter gegangen, die mittlerweile von zuhause ver-
trieben worden und nach D._ gezogen sei. Weil auch dort die Kund-
gebungen gegen das Regime von Addis Abeba zugenommen hätten und
er sich vor einer erneuten Verhaftung gefürchtet habe, sei er Ende 2015
erneut in den Sudan gereist und von dort aus weiter über Libyen bis nach
Europa gelangt.
C.
Mit Verfügung vom 28. November 2017 stellte das SEM fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug
an.
D.
Mit Eingabe vom 20. Dezember 2017 reichte der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein. Er beantragte, die Verfügung
des SEM sei aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen
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und Asyl zu gewähren, es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegwei-
sung unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei und die vorläufige Auf-
nahme sei anzuordnen. In prozessualer Hinsicht sei ihm die unentgeltliche
Prozessführung zu gewähren, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
zu verzichten und ein amtlicher Rechtsbeistand einzusetzen. Eventualiter
sei die aufschiebende Wirkung wiederherzustellen.
Mit der Beschwerde wurde eine Fürsorgebestätigung eingereicht.
E.
Am 22. Dezember 2017 wurde dem Beschwerdeführer der Eingang der
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht bestätigt.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der
Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung
eines Schriftenwechsels verzichtet.
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4.
Vorab ist festzustellen, dass der Beschwerde von Gesetzes wegen auf-
schiebende Wirkung zukommt (Art. 55 Abs. 1 VwVG) und die Vorinstanz
diese vorliegend nicht entzogen hat. Auf den entsprechenden Antrag auf
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung ist nicht einzutreten.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 sowie BVGE 2012/5 E. 2.2).
6.
6.1 Die Vorinstanz begründet ihre Verfügung im Wesentlichen damit, die
Vorbringen des Beschwerdeführers seien widersprüchlich und unglaubhaft
sowie nicht asylrelevant im Sinne von Art. 7 und Art. 3 AsylG.
6.1.1 Bei der Anhörung habe der Beschwerdeführer angegeben, er sei vor
seiner ersten Ausreise in den Sudan in Addis Abeba ausspioniert und ge-
schlagen worden. Von diesen Problemen habe er an der BzP jedoch nichts
gesagt, obwohl er mehrmals gefragt worden sei, ob er in Addis Abeba Prob-
leme gehabt habe (A8 S. 7). Die Erklärung an der Anhörung, er habe nur
das Wichtigste bei der BzP wiedergegeben und deshalb nichts von davon
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erwähnt (A21 F103), könne daher nicht gehört werden. Zudem habe er an
der Anhörung angegeben, als er und sein Bruder die Untersuchung der
Todesumstände des Vaters verlangt hätten, sei dies vom Polizeichef abge-
lehnt und er sei dort geschlagen worden (A21 F56). Auch davon habe er
an der BzP nicht gesprochen. Vielmehr habe er dort erwähnt, er und sein
Bruder seien vom Polizeichef eingeschüchtert worden. Auf Nachfrage hin
habe er erklärt, er sei nur eingeschüchtert worden und habe danach den
Polizeiposten wieder verlassen (A8 S. 7). Dass er vom Polizeichef geschla-
gen worden sei, könne daher nicht geglaubt werden. Bei der Vertreibung
aus dem Haus des Onkels, in dem der Beschwerdeführer auch nach des-
sen Tod weiter gewohnt habe, könne nicht von einer Verfolgung gespro-
chen werden. Der Onkel habe zur Miete dort gelebt und es sei völlig nor-
mal, dass nach dem Ableben eines Mieters der Mietvertrag beendet werde
und der Beschwerdeführer daher habe ausziehen müssen. Weiter habe er
an der Anhörung Gewicht auf die Probleme vor dem Jahr (...) gelegt, was
im Widerspruch dazu stehe, dass er in der Folge aus dem Sudan zurück in
seine Heimat gekehrt sei. Jemand der geltend mache, im Heimatstaat mas-
siv bedroht worden zu sein, würde nicht einfach zurückgehen. Vielmehr
deute dies darauf hin, dass diese Vorfälle vor der ersten Ausreise in den
Sudan nicht im Besonderen relevant gewesen sein könnten.
Diese Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an
die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand.
6.1.2 Zur Asylrelevanz der Vorbringen des Beschwerdeführers führt die
Vorinstanz unter anderem aus, dieser mache geltend, er sei nach seiner
Rückkehr aus dem Sudan in C._ verhaftet worden. Gemäss seinen
Angaben an der Anhörung sei er während einer Protestkundgebung fest-
genommen worden, bei der alle anwesenden Personen verhaftet worden
seien. Somit sei er rein zufällig das Opfer einer Festnahme geworden, ohne
dass nach ihm gesucht worden wäre. Zudem sei er wieder freigelassen
worden, dies mangels Beteiligung an der Kundgebung und weil, da er eine
falsche Identität angegeben habe, die Behörden keine Rückschlüsse auf
seine Identität hätten vornehmen können. Diese Festnahme sei daher nicht
asylrelevant.
Zudem habe der Beschwerdeführer angegeben, er sei in seiner Heimat
gefährdet, weil sein Vater gegenüber der Zentralregierung in Addis Abeba
eine kritische Einstellung gehabt habe und weil er in der Schule, an der er
unterrichtet habe, für die Oromo eingetreten sei. Die Tatsache, dass er je-
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doch nach dem Tod des Vaters den Polizeichef aufgesucht und die Unter-
suchung der Todesumstände des Vaters verlangt habe, spreche gegen
eine solche Gefährdung. Auch dass er nach seinem Aufenthalt im Sudan
in seine Heimat zurückgekehrt sei, spreche gegen eine besondere Gefähr-
dung durch die äthiopischen Behörden. Es sei nicht davon auszugehen,
dass Befürchtungen vor künftiger asylrelevante staatlicher Verfolgung vor-
liegen würden.
Ferner seien auch die an der BzP erwähnten, intensiven und wiederholten
Kontrollen durch die Behörden keine asylbeachtlichen Nachteile, da diese
Vorfälle lange Zeit vor der ersten Ausreise in den Sudan geschehen seien
und nicht zur Flucht aus Äthiopien geführt hätten. Die Kontrollen seien an
der Anhörung nicht einmal mehr erwähnt worden, was auf die mangelnde
Intensität dieser Nachteile schliessen lasse.
Insgesamt sei festzustellen, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers
den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG
nicht standhielten.
6.2 Der Beschwerdeführer rügt in seiner Beschwerde sinngemäss, die Vor-
instanz habe seine Vorbringen zu Unrecht als unglaubhaft sowie nicht asyl-
relevant bezeichnet und damit Bundesrecht verletzt.
Dazu bringt er vor, sein Vater sei aus politischen Gründen getötet worden,
die Polizei habe sich nicht darum gekümmert und er sei geschlagen wor-
den. Auch seine Mutter sei verfolgt worden, sie habe keine eigene Adresse
mehr. Er habe die Wahrheit gesagt und keine Widersprüche gemacht. Viel-
leicht sei es ein Übersetzungsproblem gewesen, dass das SEM Widersprü-
che gefunden habe. Nach seiner Rückkehr nach Äthiopien sei er nur frei-
gelassen worden, weil er nicht seinen richtigen Namen gesagt habe. Aus
diesen Gründen sei ihm Asyl zu gewähren.
7.
Auch das Gericht ist nach Durchsicht der Akten der Auffassung, dass die
fluchtauslösenden Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen
an Art. 3 und Art. 7 AsylG nicht zu genügen vermögen. Die ausführlichen
Erwägungen der Vorinstanz erweisen sich als zutreffend (vgl. oben E. 6.1)
und die Ausführungen in der Beschwerde sind offensichtlich nicht geeignet,
daran etwas zu ändern.
So werden in der Beschwerde im Wesentlichen lediglich die bereits ge-
machten Angaben wiederholt. Insbesondere bringt der Beschwerdeführer
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nichts Konkretes zur Klärung der in der Verfügung erwähnten Widersprü-
che – zum Beispiel dazu, das ihn der Polizeichef anlässlich der Untersu-
chung der Todesumstände seines Vaters angeblich geschlagen habe – vor.
Der Hinweis auf Widersprüche durch Übersetzungsprobleme ist nicht zu
hören, zumal ihm die Protokolle vorgelesen, rückübersetzt und von ihm als
seinen Aussagen entsprechend unterzeichnet wurden (SEM-Akte A8 S. 9
und A21 S. 15). Die geltend gemachte Verfolgung der Mutter wird sodann
nicht substantiiert dargelegt und vermag darüber hinaus vorliegend nichts
zu ändern.
Abschliessend ist zum Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei Oromo,
festzuhalten, dass allein aufgrund der Zugehörigkeit zu einer ethnischen
Minderheit in Äthiopien nicht auf eine begründete Furcht vor Verfolgung im
Sinne des Asylgesetzes geschlossen werden kann (vgl. Urteil des BVGer
E-2272/2015 vom 13. April 2017 E. 4.2.2). Er konnte denn auch keine per-
sönliche Gefährdungssituation dartun, der er aufgrund seiner Zugehörig-
keit zur Volksgruppe der Oromo in seinem Heimatland ausgesetzt gewe-
sen wäre.
Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass keine asylrechtlich relevanten Ver-
folgungsgründe ersichtlich sind, weshalb die Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt wor-
den sind.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]).
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Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AuG). Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre, sind nicht ersichtlich. Auch die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Äthiopien lässt den Wegweisungsvollzug zum heu-
tigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Der Vollzug der Wegwei-
sung ist somit sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen
Bestimmungen zulässig.
9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.1 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung zu Recht aus,
dass in Äthiopien weder Krieg noch Bürgerkrieg noch eine Situation der
allgemeinen Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG herrscht. Nach kon-
stanter Praxis ist ein Wegweisungsvollzug in alle Regionen Äthiopiens
grundsätzlich zumutbar (vgl. BVGE 2011/25 E. 8.3). Dennoch gilt es zu be-
rücksichtigen, dass sich die allgemeine Lage innerhalb Äthiopiens in jüngs-
ter Zeit negativ entwickelt hat. So verhängte die äthiopische Regierung im
Herbst 2016 nach Unruhen und Protesten, welche sich vor allem auf den
Oromia Regional State konzentrierten, einen sechsmonatigen Ausnahme-
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zustand über das ganze Land. Im Laufe dieses Ausnahmezustands wur-
den gemäss Regierungsangaben mindestens 24‘000 Personen verhaftet;
Oppositionskreise gehen indes von weit höheren Zahlen aus. Inzwischen
wurden Tausende aus der Haft entlassen, nachdem sie Umerziehungspro-
gramme absolviert hatten (vgl. Urteil des BVGer D-5569/2014 vom
19. April 2017 E. 9.3.1 m.w.H.). Ende März 2017 entschied das äthiopische
Parlament, den Ausnahmezustand landesweit um vier Monate zu verlän-
gern (Fana Broadcasting Corporate [FBC]: Ethiopia extends State of
Emergency for additional four months, 30.03.2017 <http://www.fa-
nabc.com/english/index.php/news/item/8527-ethiopia-extends-state-of-
emergency-for-additional-four-months>, abgerufen am 11.01.2018). Die
Lage zeigt sich zudem auch in gewissen Grenzregionen angespannt. Trotz
des Waffenstillstandsabkommens mit Eritrea aus dem Jahr 2000 kommt es
auch heute noch immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen.
Obwohl eine Lösung der Grenzproblematik und eine Normalisierung zwi-
schen den beiden Staaten nach wie vor nicht in Sicht ist, gibt es jedoch
keinen offenen Konflikt (vgl. BVGE 2011/25 E. 8.3 m.w.H.; Neue Zürcher
Zeitung [NZZ]: Die Streithähne am Horn von Afrika, 14.06.2016, <https://
www.nzz.ch/international/nahost-und-afrika/eritrea-ld.88768>, abgerufen
am 11.01.2018). Dementsprechend ist die vorherrschende Situation weder
durch Bürgerkrieg noch allgemeine Gewalt gekennzeichnet, so dass der
Vollzug der Wegweisung dorthin grundsätzlich weiterhin zumutbar er-
scheint. Gemäss Praxis sind zur Erlangung einer sicheren Existenzgrund-
lage jedoch genügend finanzielle Mittel, berufliche Fähigkeiten sowie ein
intaktes Beziehungsnetz erforderlich (BVGE 2011/25 E. 8.4; vgl. Urteil des
BVGer E-623/2016 vom 28. Dezember 2017 E. 7.4.1).
9.3.2 Aus den Akten ergeben sich sodann keine individuellen Gründe, wel-
che den Wegweisungsvollzug nach Äthiopien als unzumutbar erscheinen
lassen würden. Der junge und gesunde Beschwerdeführer hat die Schule
bis zur zehnten Klasse besucht und anschliessend als (...) gearbeitet. Er
verfügt somit über eine Ausbildung und Berufserfahrung, was ihm eine
Reintegration in den äthiopischen Arbeitsmarkt erleichtern wird. Auch ver-
fügt er mit seiner Mutter und der Familie seines Onkels über ein familiäres
Beziehungsnetz in seinem Heimatstaat. Zudem leben sein Bruder und
seine Schwester in Saudi Arabien, die ihn gegebenenfalls finanziell unter-
stützen könnten. Ferner besteht noch ein Haus seiner Familie in
B._. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit als zumutbar.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/25
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9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch möglich ist
(Art. 83 Abs. 2 AuG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG, Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Angesichts des Umstands, dass sich die Rechtsbegehren als aus-
sichtslos erwiesen haben, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und Art. 110a Abs. 1
Bst. a AsylG abzuweisen. Die Frage der wirtschaftlichen Bedürftigkeit des
Beschwerdeführers kann demnach offen bleiben. Das Gesuch um Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit dem vorliegenden Ur-
teil gegenstandslos.
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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