Decision ID: 7fdbf118-8cf0-4529-8355-e6831c4e6410
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
1.1.1
Die 1956 geborene
X._
war vom 1. Oktober 1987 bis 31. Januar 1990 und erneut vom 1. Juni 1995 bis 31. Oktober 1998 als Mitarbeiterin Produktion bei der
Z._
angestellt und bei der
Y._
-Personalvorsorge
berufsvorsorgeversichert (Beilagen 3-5 zu Urk. 2/2/1, Urk. 2/23 S. 2, Urk. 2/24/2 S. 1, Urk. 2/24/3). Vom 1. November 1998 bis 10. Januar 2000 bezog sie – auf einer Vermittelbarkeit von 100 % beruhende - Taggelder der Arbeitslosenversi
che
rung (Urk. 2/13/1) und war damit bei der
Stiftung Auffangeinrichtung BVG
berufsvorsorgeversichert (Urk. 2/12 S. 2).
1.1.2
Am 28. April 2000 meldete sich die Versicherte – unter Hinweis auf eine seit zwanzig Jahren bestehende und in den letzten Jahren zunehmende – psychische Krankheit zum Bezug von Leistungen (Berufsberatung, Rente) der Eidgenössi
schen Invalidenversicherung (IV) an (Beilage 8/1 zu Urk. 2/2/1). Die
Sozialversi
cherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Verfügung vom 3. April 2001 (Beilage 8/18 zu Urk. 2/2/1) mit Wirkung ab 1. Oktober 2000 eine auf einem Invaliditätsgrad von 55 % beruhende halbe Rente zu. Diese bestätigte sie in der Folge im Rahmen von Amtes wegen durchgeführter
Revisionsverfah
ren
mit Mitteilungen vom 14. Februar 2002 (Beilage 8/22 zu Urk. 2/2/1), vom 19. März 2004 (Beilage 8/27 zu Urk. 2/2/1) und vom 23. Juli 2009 (Beilage 8/38 zu Urk. 2/2/1). Mit Verfügung vom 24. Februar 2011 (Beilage 7 zu Urk. 2/2/1) sprach die IV-Stelle der Versicherten, deren Ehemann zwischenzeitlich verstor
ben war, gestützt auf Art. 43 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) – bei unverändertem Invaliditätsgrad – mit Wirkung ab 1. Dezember 2010 eine ganze Rente zu.
1.1.3
Zwischenzeitlich hatte
X._
die
Auffangeinrichtung BVG
um Ausrich
tung von Invalidenleistungen ersucht, was diese mit Schreiben vom 21. Juni 2011 (Beilage 1 zu Urk. 2/2/1) ablehnte, weil die invalidisierende Arbeitsunfähig
keit
erst nach dem Ende des Vorsorgeverhältnisses eingetreten sei. Auch die
Y._
-Personalvorsorge, an die die Versicherte daraufhin ge
langte, beur
teilte das Leistungsgesuch abschlägig (vgl. Schreiben vom 7. September 2011, Beilage 3 zu Urk. 2/2/1). Auf die gegen den ablehnenden Entscheid der Stiftung Auffangeinrichtung BVG (Beilage 1 zu Urk. 2/2/1) von der Versicherten am 29. September 2011 erhobene Beschwerde (Urk. 2/2/1) trat das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil C-5452/2011 vom 17. Januar 2012 (Urk. 2/2/9) mangels Zuständigkeit nicht ein und überwies die Sache dem hiesi
gen Gericht zur weiteren Behandlung (Urk. 2/1).
1.1.4
In ihrer – vom hiesigen Gericht im Prozess Nr. BV.2012.00041 als Klage gegen die Auffangeinrichtung BVG behandelten - Eingabe vom 29. September 2011 hatte
X._
folgendes Rechtsbegehren gestellt (Urk. 2/2/1 S. 2):
„1.
Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin die BVG-Renten nach Massgabe von Gesetz und Statuten im Umfang von 50 % ab Beginn der IV-Rente und zu 100 % ab 1. Dezember 2010 zu bezahlen.
2.
Ebenso sei die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerde
führerin die Prämienbefreiung nach Massgabe der 50%igen und ab 1. Dezember 2010 der 100%igen Arbeitsunfähigkeit zu gewähren.
3.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der
Beschwerdegeg
nerin
.“
Die Stiftung Auffangeinrichtung BVG, die sich im Rahmen des Verfahrens vor Bundesverwaltungsgericht am 2. Dezember 2011 einzig zu dessen Zuständigkeit geäussert hatte (Urk. 2/2/2/5), schloss am 14. September 2012 auf Abweisung der Klage (vgl. Klageantwort im Prozess Nr. BV.2012.00041, Urk. 2/12).
Repli
cando
hielt die Klägerin an ihrem Rechtsbegehren fest (Urk. 2/2/16); die Be
klagte verzichtete – implizit – auf eine Duplik (Urk.
2
/17-20). Die mit Verfü
gung vom 11. Februar 2013 (Urk. 2/21) zum Prozess beigeladene
Y._-
Personalvorsorge beantragte am 14. März 2013, die Klage sei abzuweisen; eventualiter sei sie insofern gutzuheissen, als die Beklagte zu verurteilen sei, der Klägerin eine Invalidenrente aus BVG auszurichten sowie ihr die
Beitragsbefrei
ung
zu gewähren (Urk. 2/23 S. 2). In ihren Stellungnahmen zur Eingabe der Beigeladenen (Urk. 2/23) hielten sowohl die Klägerin (Urk. 2/31) als auch die Beklagte (Urk. 2/30) an ihren Rechtsbegehren fest.
1.
2
1.2.1
Das hiesige Gericht wies die Klage mit der Begründung, dass das
Rentenstamm
recht
der Klägerin noch vor der erstmaligen gerichtlichen Geltendmachung des Anspruchs auf Invalidenrente verjährt sei, mit Urteil vom 30. September 2013
im Prozess Nr. BV.2012.00041
(Urk.
2/34
) ab.
Das Bundesgericht hiess die von
X._
gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde mit
(zur Publikation vorgesehenem)
Urteil
9
C_799/2013
vom 17. April 2014 (Urk. 1) in dem Sinne teilweise gut, dass es das Urteil des hiesigen Gerichts vom 30. September 2013 aufhob und die Sache zur neuen Entscheidung an dieses zurückwies.
1.2.2
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch auf Invalidenleistungen haben gemäss Art. 23 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) in der bis 31. Dezember 2004 in Kraft gestandenen Fassung Personen, die im Sinne der IV zu mindestens 50 % invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Nach dem seit 1. Januar 2005 gültigen Art. 23 Abs. 1
lit
. a BVG haben Anspruch auf
Invali
denleistungen
Personen, die im Sinne der IV zu mindestens 40 % invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren.
Nach Art. 23 BVG versichertes Ereignis ist einzig der Ein
tritt der relevanten Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeit
punkt und in welchem Masse daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen ent
steht. Die Versicherteneigenschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit Sinn und Zweck der Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitneh
merinnen und Arbeitnehmern Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, wel
che nach einer längeren Krankheit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später invalid werden. Für eine einmal aus
während der
Versicherungs
dauer
aufgetretene
Arbeitsunfähigkeit geschuldete Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrichtung somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach Beendigung
des Vorsorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft kein Erlöschungsgrund (Art. 26
Abs.
3 BVG e
contrario
; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E. 5).
1.2
Art. 23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer
Vorsorgeeinrich
tungen
gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Ar
beitsfähigkeit bereits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der In
validenversicherung zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach Art. 23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen
Vorsorge
einrichtung
, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitneh
mer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzu
kommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Inva
lidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130
V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invalidität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder ar
beitsfähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krankheit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten. Demnach darf nicht bereits eine Unterbre
chung des zeitlichen Zusammenhangs angenommen werden, wenn die Person bloss für kurze Zeit wieder an die Arbeit zurückgekehrt ist. Ebenso wenig darf die Frage des zeitlichen Zusammenhangs zwischen Arbeitsunfähigkeit und In
validität in schematischer (analoger) Anwendung der Regeln von Art. 88a
Abs.
1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) beurteilt werden, wonach eine anspruchsbeeinflussende Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in je
dem Fall zu berücksichtigen ist, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich andauern wird. Zu berücksichtigen sind vielmehr die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognostische ärztliche Beurteilung und die Beweggründe, die die versicherte Person zur Wiederaufnahme der Ar
beit veranlasst haben (BGE 123 V 262 E.
lc
, 120 V 112 f. E. 2c/
aa
und;
bb
mit Hinweisen).
1.3
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invalidenversi
cherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der berufli
chen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (Art. 6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund ei
ner gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurtei
lungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die
Vorsorgeein
richtung
beziehungsweise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bun
desgerichts 9C_49/2010 vom 23. Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(
aArt
. 73bis IVV; seit 1. Juli 2006: Art. 73ter IVV) einbezogen und ihr die Rentenverfügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts 9C_81/2010 vom 16. Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-rechtliche Festsetzung des Invaliditätsgrades (grundsätzlich,
masslich
und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrach
tungsweise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, soweit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entschei
dend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfah
ren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die
Invali
ditätsbemessung
der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1).
2.
2.1
Die Klägerin führte zur Klagebegründung im Wesentlichen aus, gemäss dem – beweiskräftigen - Gutachten von Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 3. August 2000 (Beilage 8/11 zu Urk. 2/1) sei die in
validisierende Arbeitsunfähigkeit im November 1998 eingetreten (Urk. 2/1 S. 5, Urk. 16 S. 2). Da sie zu diesem Zeitpunkt – und noch bis 31. Oktober 2000 – Taggelder der Arbeitslosenversicherung bezogen habe, habe sie gegenüber der Beklagten Anspruch auf eine halbe beziehungsweise – ab 1. Dezember 2010 – auf eine ganze Rente (Urk. 2/2/1 S. 5).
2.2
Die Beklagte stellte sich demgegenüber im Wesentlichen auf den Standpunkt, der Versicherungsfall sei
im Oktober 2000
, mithin erst nach dem Ende des
Vorsorgeverhältnis
ses
am 11. Januar 2000
,
eingetreten (Urk. 2/12 S. 2).
2.3
Die Beigeladene schliesslich führte aus, aus den Akten gehe – sowohl betreffend die konkrete Natur der psychischen Störung als auch bezüglich des Zeitpunkts des Eintritts der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit – Divergierendes hervor (Urk. 2/23 S. 2 f.). Aufgrund der echtzeitlichen Arztberichte und der weiteren Ge
gebenheiten sei indes davon auszugehen, dass die IV-Stelle den Beginn der Wartefrist zu Recht auf Oktober 1999 festgesetzt habe. Da die Klägerin sie - die Beigeladene, die nicht deren letzte Vorsorgeeinrichtung gewesen sei - lange vor Eintritt des Vorsorgefalls verlassen habe, falle ein Leistungsanspruch ihr gegen
über ausser Betracht (Urk. 2/23 S. 7 f.).
3.
Das Bundesgericht begründete sein Urteil 9C_799/2013 vom 17. April 2014 in Sachen der Parteien (Urk. 1) im Wesentlichen damit, dass unter Versicherungs
fall im Sinne des Nachsatzes in Art. 41 Abs. 1 BVG in der seit Januar 2005 gül
tigen Fassung in Bezug auf Invalidenleistungen – in Abweichung vom sonst üblichen Begriffsverständnis – nicht der Eintritt der Invalidität, sondern der Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (Art. 23 BVG), gemeint sei.
Das Rentenstammrecht der Klägerin sei daher im Zeitpunkt der gerichtlichen Gel
t
endmachung ihres Anspruchs auf Invalidenrente am 29. September 2011 nicht verjährt gewesen. Das hiesige Gericht habe daher über ihren Anspruch auf Invaliditätsleistungen nach Massgabe des
BVG-Obli
gatoriums
(Art. 60 Abs. 2
lit
. e BVG) neu zu entscheiden (Urk. 1 E. 4.4 –E. 5).
4
.
Wie bereits in E. 3 des Urteils des hiesigen Gerichts vom 30. September 2013 im Prozess Nr. BV.2012.00041 in Sachen der Parteien (Urk. 2/34) dargelegt, hat d
ie
IV-Stelle
es unterlassen,
die
Rentenverfügung vom 3. April 2001 (Bei
lage 8/18 zu Urk. 2/2/1) der Beklagten zuzustellen. Da sich diese jedoch auf den fragli
chen Entscheid beruft, indem sie den Eintritt des Versicherungsfalls
(im eigent
lichen Rechtssinn; vgl. E.
3)
im Oktober 2000 und damit (implizit) den Beginn der invalidisierenden Arbeitsun
fähigkeit am 5. Oktober 1999 - dem von der IV
Stelle festgesetzten Beginn der einjährigen Wartezeit (Urk. 2/13/3) - be
hauptet (Urk. 2/12 S. 2), kommt dem
Ren
tenentscheid der IV-Stelle vom 3. April 2001 (Beilage 8/18 zu Urk. 2/2/1) vorliegend - zumindest hinsichtlich des Be
ginns des Wartejahres - bindende Wirkung zu, sofern die entsprechende Fest
stellung der IV-Stelle nicht offensichtlich unhaltbar war (vgl. E. 1.3 in
fine
).
5
.
5
.1
Aus den medizinischen Akten geht betreffend die Auswirkungen der
Gesundheits
störung
auf die Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen Folgendes hervor:
Dr. med.
B._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, seit 1992 Hausarzt der Klägerin (vgl. Beilage 8/36 S. 7 zu Urk. 2/2/1), diagnostizierte am 23. Mai 2000 eine paranoide Schizophrenie (ICD-10 F20.0) und attestierte der – wegen dieses Leidens seit September 1999 bei ihm in Behandlung stehenden – Klägerin ab September 1999 und bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Bei
lage
8/2 S. 2 zu Urk. 2/2/1). Es sei nur noch eine Tätigkeit in geschütztem Rah
men zumutbar
(Beilage
8/2 S. 3 zu Urk. 2/2/1).
5
.2
Die – vom 5. Oktober 1999 bis 29. Februar 2000 behandelnden (
Beilage
8/3 S. 3 zu Urk. 2/2/1) - Ärzte des
C._
bescheinigten der Klägerin am 15. Oktober 1999 ab dem 5. Oktober 1999 und bis auf
Weiteres
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Beilage
8/5 S. 3 zu Urk. 2/2/1).
5
.3
Die Ärzte des
C._
stellten am 3. Februar 2000 die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie (ICD-10 F20.0;
Beilage
8/2 S. 4 zu Urk. 2/2/1) und hielten am 5. Juni 2000 fest, etwa seit der Kündigung des letz
ten Arbeitsverhältnisses im November 1998 sei es zu einer zunehmenden para
noiden Entwicklung mit Streitigkeiten und Schuldzuweisungen gekommen (
Beilage
8/3 S. 3 zu Urk. 2/2/1). Seit November 1998 sei die Klägerin – sowohl in der bisherigen als auch in einer leidensangepassten Tätigkeit – zu 100 % ar
beits
unfähig (
Beilage
8/3 S. 4 zu Urk. 2/2/1).
5
.4
Am 12. September 1999 bescheinigte Dr.
B._
der Klägerin vom 31. Juli bis 30. September 1999 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Beilage
8/5 S. 4 zu Urk. 2/2/1).
5
.5
Der Psychiater Dr.
A._
stellte in seinem Gutachten vom 3. August 2000 fol
gende Diagnosen (Beilage
8/11 S. 4 zu Urk. 2/2/1):
Mehrheitlich reaktive, überforderungsbedingte
Dysthymie
, ICD-F34.1, bei einer bildungsschwachen (ICD-10 F70), an ausgeprägtem klimakte
rischem Psychosyndrom (ICD-10 N95.1) leidenden Frau
Somatoforme
Schmerzstörung, ICD-10 F45.4
Eine Schizophrenie liege klarerweise nicht vor. Seit November 1998 bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Der Gesundheitszustand sei besserungsfähig
(
Beilage
8/11 S. 4 zu Urk. 2/2/1). Die Klägerin sei ohne Weiteres in der Lage, eine ihren Möglichkeiten angepasste Tätigkeit zu bewältigen und das
An
fangspensum
von 50 % im Laufe der Zeit sukzessive zu steigern (
Beilage
8/11 S. 5 zu Urk. 2/2/1).
5
.6
Dr.
B._
gab im Rahmen des 2009 durchgeführten
Rentenrevisionsverfah
rens
an, die Klägerin leide nach wie vor an einer paranoiden Schizophrenie und sei in der angestammten Tätigkeit unverändert zu 55 % arbeitsunfähig (Beilage 8/36 S. 7 f. zu Urk. 2
/2
/1).
6
.
6
.1
Wie schon in E. 5.1
des Urteils des hiesigen Gerichts vom 30. September 2013 im Prozess Nr. BV.2012.00041 in Sachen der Parteien (Urk. 2/34) ausgeführt, ging die
Klägerin
nach Lage der Akten
bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses mit ihrer letzten Arbeitgeberin am 31. Oktober 1998
vollzeitlich ihrer Arbeit nach (Urk.
2/
24/2 S. 2)
. Ab dem 1. November 1998 bezog sie (noch bis
10. Januar
2000
bei einer Rahmenfrist bis 31. Oktober 2000
)
-
aufgrund einer Vermittelbarkeit von 100 %
-
Taggelder der Arbeitslosenversicherung
(Beilage 8/5 S
.
1 zu Urk.
2/
2/1). Erst
über zehn Monate nach dem Stellenverlust begab sie sich
im September 1999
wegen psychischer Beschwerden
zu Dr.
B._
in hausärztliche Behandlung (Beilage 8/2 S. 3 zu Urk.
2/
2/1). Echtzeitlich wurde ihr daraufhin erstmals von den ab dem 5. Oktober 1
999 konsultierten Ärzten des
C._
– ab diesem Datum – eine Arbeitsunfä
higkeit attestiert (Beilage 8/5 S. 3 zu Urk.
2/
2/1). Der Gutachter Dr.
A._
ging am 3. August 2000 zwar davon aus, dass die Klägerin ihre Stelle wegen – ge
sund
heitlich bedingter – ungenügender Arbeitsleistung verloren
habe
und be
reits seit November 1998 zu 50 % arbeitsunfähig sei (Beilage 8/11 zu Urk. 2
/2
/1).
Seine
Beurteilung lässt die
Eröffnung des Wartejahrs per Oktober 1999 indes insofern nicht als unhaltbar erscheinen, als
der genannte Gutachter
in seiner Expertise nicht schlüssig
darlegte, weshalb die Klägerin aufgrund der von ihm festge
stellten, mit den Diagnosen der weiteren Ärzte nicht zu verein
barenden Gesundheitsstörungen in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt sei. Anzumerken ist, dass die diagnostizierte
Dysthymie
an sich noch keine
invali
denversicherungsrechtlich
relevante Arbeitsunfähigkeit zu begründen vermag und dass Dr.
A._
(auch) keinerlei Ausführungen zur von ihm attestierten Leistungseinbusse aufgrund der im Weiteren diagnostizierten
somatoformen
Schmerzstörung machte. Zudem muss nach der
Rechtsprechung
zur
Bejahung einer relevanten Arbeitsunfähigkeit
arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass d
ie versi
cherte Person
an Leistungsvermögen
eingebüsst
hat, so etwa durch ei
nen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte, aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Mit anderen Worten
muss di
e
Leistungseinbusse
dem seinerzei
tigen Arbeitgeber in aller Regel aufgefallen sein. Eine erst nach Jahren rückwir
kend festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit genügt nicht. Um
gekehrt ist eine in der beruflichen Tätigkeit im Vergleich zu einer ge
sunden Person tatsächlich nur reduziert erbrachte Leistung für sich allein gese
hen in aller Regel ebenso wenig ausreichend für die Bejahung einer Arbeitsun
fähigkeit im Sinne des Gesetzes. Vielmehr bedarf es dazu
regelmässig
zusätzlich einer (überzeugenden) medizinischen Einschätzung, die
ordentlicherweise
echt
zeitlicher
Natur ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nach
trägli
che erwerbliche oder medizinische Annahmen und spekulative Überlegun
gen ersetzt werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_108/2013 vom 24. Juli 2013 E. 4.2 mit Hinweis).
Insofern erscheint jedenfalls nicht als zweifellos unrichtig, dass die IV-Stelle den Beginn der Wartezeit in Übereinstimmung mit den
echt
zeitlichen
Arbeitsunfähigkeitsattesten auf den 5. Oktober 1999 festsetzte. Die Klägerin, die in diesem Verfahren den Eintritt der invalidisierenden Arbeits
un
fähigkeit bereits im November 1998 behauptet, machte denn auch im
Vorbe
scheidverfahren
keinen früheren Rentenbeginn geltend und liess die
Renten
verfügung
vom 3. April 2001 (Beilage 8/17 f. zur Urk.
2/
2/1) unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
6.2
Dass die
IV-Stelle – ausgehend von einer (weiterhin) vollzeitlichen Erwerbstätig
keit im
Gesundheitsf
all und einer 50%igen Restarbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit –
einen
Invaliditätsgrad von 55 %
er
mittelte
(vgl. Rentenverfügung vom 3. April 2001; Beilagen 8/18 und 8/17 zu Urk. 2/2/1)
, ist in Anbetracht der
medizinischen Berichte (vgl. insbesondere Gutachten Dr.
A._
vom 3. August 2000; Beilage 8/11 S. 4 zu Urk. 2/2/1) und der weiteren Akten (vgl. insbesondere Beilage
n
8/
5, 8/
7
und 8/13
zu Urk. 2/2/1
)
nicht zu beanstanden
.
Die Klägerin
, die
im Zeitpunkt des Eintritts der invalidi
sierenden Arbeitsunfähigkeit am 5. Oktober 1999 bei der Beklagten vorsorge
versichert war,
hat demnach dieser gegenüber
grundsätzlich
ab 1. Oktober 2000 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente (
Art. 24 Abs.
1
in Verbindun
g
mit Art. 26
Abs. 1
BVG in der bis E
nde 2004 gültigen Fassung
)
sowie auf
Prämien
befreiung
i
n entsprechendem
Umfang
(vgl. Art. 14 in Verbindung mit Art. 15 der Verordnung über die Berufliche Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenvor
sorge
[BVV2] in der bis 31. Dezember 2004 in Kraft gestandenen Fassung)
.
Die von der IV-Stelle
a
m 24. Februar 2011
per 1. Dezember 2010
verfügte Erhö
hung der
halben
auf eine auf
ganze Rente
(Beilage 7 zur Urk. 2/2/1)
ist
berufs
vorsorgerechtli
ch
nicht von Belang
(Urk. 2/2/1 S. 2
)
. Grund für die
Rentenerhö
hung
war nämlich nicht etwa eine
(
anspruchsrelevante
)
Veränderung des
Inva
liditätsgrades
, sondern das Versterben des Ehegatten der Klägerin, aufgrund dessen sie seither Anspruch nicht nur auf
eine Invalidenrente der IV,
sondern auch auf
Hinterlassenenleistungen
der Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHV)
hat.
Infolge
des Zusammenfallens des Anspruchs
auf eine halbe Invali
denrente mit demjenigen
auf eine Witwenrente
richtet die IV-Stelle der Klägerin se
it 1. Dezember 2010
gestützt auf Art. 43 Abs. 1 IVG – bei unverändertem
In
validitätsgrad
von 55 % - eine ganze Invalidenrente aus.
Anzumerken ist, dass e
in Anspruch auf
Hinterlassenenleistungen
auch gegenüber der Beklagten schon deshalb von vornherein ausser Betracht
fällt
, weil
Hinterlassenenleistungen
nach Art. 18 ff. BVG nur beim Tod der versicherten Person selbst (
an deren Hinterbliebene
) ausgerichtet werden.
6.3
Nach dem Gesagten hat die Klägerin
grundsätzlich
ab
1. Oktober 200
0
An
spruch auf eine halbe Rente der Beklagten sowie
auf
Beitragsbefreiung i
m ent
sprechenden
Ausmass
.
Zu prüfen bleibt die Verjährung der
Leistungsbetreffnisse
(vgl. Verjährungseinrede
,
Urk.
12 S. 2 f.
).
6.4
Nach Art. 41 Abs. 1 BVG in der bis Ende 2004 in Kraft gestandenen
und nach Art. 41 Abs. 2 BVG in der seit 1. Januar 2005 gültigen
Fassung verjähren
For
derungen auf periodische Beiträge und Le
istungen nach fünf Jahren. Art.
129 bis 142
des Obligationenrechts (OR)
sind anwendbar. Die Verjährungsfrist für eine Forderung beginnt gemäss
Art. 130 Abs. 1 OR
mit der Fälligkeit der For
derung zu laufen. Nach
Art. 38 BVG
werden die Renten in der Regel monatlich
ausgerichtet. Die Verjährung wird unter anderem durch Klage vor einem staatli
chen Gericht unterbrochen (
Art. 135 Ziff. 2 OR)
.
Vorliegend ging die Klageschrift
vom
29. September 2011 (Urk. 2/1)
am
3. Oktober 2011
beim
Bundesverwaltungsg
ericht ein. Demzufolge sind die
Ren
tenbetreffnis
s
e
bis und mit
30. September 2006 verjährt. Die Beklagte ist dem
nach in teilweiser Gutheissung der Klage z
u verpflichten, der Klägerin mit Wir
kung ab
1. Oktober 2006 eine halbe
Invalidenrente auszurichten
und ihr ab diesem Zeitpunkt im entsprechenden Umfang die Beitragsbefreiung zu gewäh
ren.
6.5
Für die
vom 1. Oktober 2006
bis zum Zeitpunkt der Eröffnung d
ieses Urteils fällig gewordenen
Rentenbetreffnisse
ist ab 3. Oktober 2011 (Einreichung der Klage) Verzugszins in Höhe von 5 % geschuldet
(vgl. BGE 119 V 131
E. 4c).
7.
7.1
Für den Prozess Nr. BV.2012.00041 und - a
ngesichts
ihres
teilweisen Obsiegens
– für dieses
Verfahren ist de
r
anwaltlich vertretenen Kläger
in
gestützt auf § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) eine Prozessentschädigung zuzusprechen
. Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich fest
zusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierig
keit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 der seit
1.
Juli 2011 in Kraft stehenden Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird namentlich für unnöti
gen Aufwand kein Ersatz gewährt.
7.2
D
er am
28. April 2014 (Urk. 3) vo
m
Rechtsvertreter der Klägerin
– teilweise auch im Zusammenhang mit de
m
von ih
m
fälschlicherweise am Bundesver
waltungsgericht anhängig gemach
t
e
n
Verfahren -
geltend gemachte
Honorar
anspruch
von Fr. 4‘406.20 -
ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwie
rigkeit des Prozesses nicht angemessen.
Angesichts der Anzahl der zu
stu
-
dieren
den
Aktenstücke, der etwa sechs- und fünfseitigen Rechtsschriften und der in ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträge
sowie des lediglich teilweisen Obsiegens in diesem Verfahren
erscheint eine Prozessentschädigung von
insge
samt
Fr.
3‘300.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
als angemessen
.