Decision ID: 124652b8-e0d6-4d18-bc55-88d5ffd54149
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 19
64
, war seit 1999 als Geschäftsführer der Genossen
schaft
Y._
(ab 2000
Y._
AG) tätig. Anfangs 2006 wurde er Mit
glied der Geschäftsleitung des Mutterkonzernes
Z._
und wurde neu Präsident und Verwaltungsratsdelegierter der
Y._
AG. Im Herbst 2010 trat er als Präsident zurück
(
Urk.
2/3-4)
.
Durch seine Arbeitgeberin war er bei der
Concordia Versicherungen AG (vormals: Concordia Schweizeri
sche Unfallversicherung AG
,
Urk.
9/44-45
; nachfolgend: Concordia)
durch eine Kollektivversicherung nach dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG) gegen Erwerbsausfall bei Krankheit versichert (
Urk.
2/1-2
).
Am
4.
Januar 2011 kündigte die
Z._
das Arbeitsverhältnis per 3
1.
Oktober 2011, wobei der
Versicherte
per sofort freigestellt
und aufgefordert wurde
, seinen Arbeitsplatz per
5.
Januar 2011 zu räumen.
Am 2
3.
September 2011 diagnostizierte der Hausarzt des
Versicherten
,
Dr.
med.
A._
,
Facharzt für Allgemeinmedizin
, eine reaktive Depression mit Schlafstörungen, ausgeprägtem Morgentief und fehlender Eigeninitiative und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bis 3
0.
November 2011
(
Urk.
9/35,
Urk.
9/38-40)
.
Am 1
0.
November 2011 meldete die Arbeitgeberin der Concordia eine seit dem
1.
Oktober 2011 bestehende krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit des Versicherten (
Urk.
9/37).
Am
1.
Dezember 2011
überwies
Dr.
A._
den
Versicherten
zur weiteren Behandlung an
Dr.
med.
B._
,
Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie,
welcher
den Versicherten erstmals am 2
2.
Dezember 2011 behandelte
.
Dr.
B._
diagnostizierte
eine mittelgradige depressive Episode und
ging
vo
n einer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bis Ende März 2012 aus
(
Urk.
2/16)
. A
m
1
9.
Dezember 2011
ordnete die
Concordia
eine vertrauensärztliche Untersuchung
am 2
8.
Dezember 2011
bei
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
an
. Auf
Wunsch des
Versi
cherten
verschob sie diese
auf den
9.
Januar 2012
(
Urk.
9/30)
. Dabei wies sie darauf hin, dass die Feststellung einer allfälligen Arbeitsfähigkeit auf den ursprünglich vorgesehenen Untersuchungstermin zurückbezogen werden würde
(
Urk.
2/13
=
Urk.
9/29,
Urk.
9/33
). A
ufgrund
seiner Untersuchung
stellte
Dr.
C._
fest, d
ass
ab dem Zeitpunkt der Untersuchung, nach allem fachlichen Ermessen aber bereits Ende Dezember 2011,
eine volle Arbeitsfähigkeit
bestan
den habe
(
Urk.
2/15)
. Die
Concordia
verfügte
am
1
0.
Januar 2012
eine rückwir
kende Einstellung der Taggeldzahlungen per 2
8.
Dezember 2011
(
Urk.
2/14
=
Urk.
9/28
)
.
Mit Schreiben vom 1
6.
Februar 2012 teilte der
Versicherte
der
Concordia
mit, er sei mit der rückwirkenden Einstellung der Taggeldleistungen per 2
8.
Dezember
2011
nicht einverstanden (
Urk.
2/21). Mit Schreiben vom 2
5.
Juli 2012 forderte er die
Concordia
auf, die Taggeldleistungen für den Zeitraum
vom 2
9.
Dezember
2011 bis zum 3
1.
März 2012
vollständig
rückwirkend zu erbringen (
Urk.
2/22).
Mit Schreiben vom 2
8.
September 2013 erklärte die
Concordia
unpräjudiziell
und befristet bis zum 3
1.
Dezember 2013 einen Verjährungsverzicht (
Urk.
2/23)
.
2.
Am
6.
Dezember 2013 erhob
der Versicherte
Klage gegen die Concordia mit dem Rechtsbegehren, diese sei zur Zahlung von
Fr.
108‘461.85 nebst Verzugs
zins zu 5
%
seit 2
6.
Juli 2012 zu verpflichten (
Urk.
1 S. 2). Mit Klageantwort vom 2
1.
März 2014 beantragte die
Concordia
die
Abweisung der Klage (
Urk.
8 S. 2). Mit Replik vom 1
9.
Juni 2014 erhöhte der Kläger sein Rechtsbegehren auf Zahlung von
Fr.
109‘666.95 zuzüglich Verzugszins von 5
%
seit 2
6.
Juli 2012 (
Urk.
14 S. 1). Mit Duplik vom 1
9.
August 2014, welche dem Kläger am
2
2.
August 2014
zur Kenntnisnahme zugestellt wurde
(
Urk.
18)
, hielt die Beklagte am Antrag auf Klageabweisung fest (
Urk.
17).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach dem Bundesge
setz über die Krankenversicherung (KVG) unterstehen nach
Art.
12
Abs.
3 KVG dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG).
Die daraus herrühren
de
n
Streitigkeit
en sind
daher zivil- und vermögensrechtlich (BGE 124 III 46 E. 1 und 232 E. 2b).
Die Kantone können ein Gericht bezeichnen, welches als einzige kantonale Instanz für solche Streitigkeiten zuständig ist (
Art.
7 der Schweizerischen Zivil
prozessordnung
,
ZPO). Im Kanton Zürich liegt die Zuständigkeit beim Sozial
versicherungsgericht (
§
2
Abs.
2
lit
. b des Gesetzes über das
Sozialversiche
rungs
gericht
,
GSVGer
). Das Verfahren richtet sich nach
Art.
244 bis 247 ZPO (einfaches Verfahren;
Art.
243
Abs.
2
lit
. f ZPO). Die Klage wird direkt beim Gericht anhängig gemacht (BGE 138 III 558 E. 3.2 und 4.6).
Das
Gericht stellt den Sachverhalt
von Amtes wegen
fest (Art. 247 Abs. 2
lit
. a in Verbindung mit Art. 243 Abs. 1
lit
. f ZPO).
Die sachliche und örtliche Zuständigkeit des hiesigen Gerichts zur Beurteilung der eingereichten Klage ist unst
reiti
g gegeben
.
1.2
Die Klage zielt auf Taggelder im Gesamtbetrag von
Fr. 109‘666.95
(zuzüglich Zins) für die Zeit vom
2
2.
Dezember 2011 bis zum 3
1.
März 2012
(
Urk. 1).
Der
Streit
wert liegt damit über der für die einzelrichterliche Zuständigkeit relevan
ten Grenze von
Fr.
20‘000.-- (vgl.
§
11
Abs.
1
GSV
Ger
).
2.
2.1
Der Kläger machte in seiner Klage Taggeldansprüche in der Höhe von insgesamt
Fr.
109‘666.95 zuzüglich Zins zu 5
%
seit 2
6.
Juli 2012 geltend (
Urk.
14 S. 1), welche sich - ausgehend von einer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und einem zu 100
%
versicherten AHV-pflichtigen Jahreslohn bis Ende 2011 und einem zu 90
%
versicherten AHV-pflichtigen Jahreslohn ab
1.
Januar 2012 - wie folgt zusammensetzen (
Urk.
14
Ziff.
6.2 S. 7
f.):
2
2.
Dezember bis 3
1.
Dezember 2011:
Fr.
439‘873
.
x 10 Tage : 365 Tage =
Fr.
12‘051.30
1.
Januar bis 3
1.
März 2012:
Fr.
395‘885.70 x 90 Tage : 365 Tage =
Fr.
97‘615.65
Zur Substantiierung führte der Kläger aus, er sei im eingeklagten Zeitraum vom 2
2.
Dezember 2011 bis zum 3
1.
März 2012
zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen.
Z
ur Beurteilung sei ausschliesslich auf die Einschätzung seines behandelnden Hausarztes
Dr.
A._
, seines behandelnden Psychiaters
Dr.
B._
und die Beur
teilung von
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Chirurgie,
abzustellen, zumal das von
Dr.
C._
erstellte Gutachten unrichtig und mangelhaft sei und nicht darauf abgestellt werden könne
(
Urk.
1
S. 7 ff.
,
Urk.
14
S. 3 ff.
). Mit der Krank
schreibung durch
Dr.
A._
am 2
3.
September 2011 habe die Wartefrist von 90 Tagen zu laufen begonnen
und
habe am 2
1.
Dezember 2011 geendet, weshalb ab dem 2
2.
Dezember 2011
ein Taggeldanspruch
bestehe (
Urk.
1
S. 15
Ziff.
2.1
,
Urk.
14
Ziff.
6.1-6.2 S. 7
).
2.2
Die Beklagte führte in ihrer Klageantwort demgegenüber aus, das Gutachten von
Dr.
C._
sei schlüssig und nachvollziehbar
,
und es bestehe keine Veran
lassung, daran zu zweifeln.
Aufgrund dessen sei von einer vollen Arbeitsfähig
keit des Klägers spätestens ab dem 2
8.
Dezember 2012 auszugehen. Die Beur
teilung des behandelnden Psychiaters
Dr.
B._
sei nicht nachvollziehbar, und den Einschätzungen von
Dr.
A._
und
Dr.
D._
sei unter anderem auch deswe
gen nicht zu folgen, weil es sich nicht um fachärztliche Beurteilungen handle (
Urk.
8 S.
4 ff.
,
Urk.
17 S. 2 f.
). Die von
Dr.
A._
attestierte
Arbeitsunfähigkeit
laufe vom 2
3.
September bis 3
0.
November 2011, und die von
Dr.
B._
rück
wirkend per
1.
Dezember 2011 attestierte Arbeitsunfähigkeit könne gestützt auf
Art.
28.2 AVB erst ab
dem
1
7.
Dezember 2012 für die Wartefrist berücksichtigt werden. Die Wartefrist sei damit unterbrochen worden
und ende erst am
7.
Januar 2012, sodass frühestens ab diesem Zeitpunkt
ein Taggeldanspruch e
ntstehen könne (
Urk.
8 S. 11). Zudem seien f
reiwillige Leistungen eines Arbeit
gebers über dem Betrag von
Fr.
126‘000.--
als Lohnfortzahlungen anzurechnen. Dem Kläger sei bei einer Abgangsentschädigung von
Fr.
439‘873.-- kein Scha
den entstanden, weshalb sie auch gestützt auf
Art.
8 AVB nicht
leistungspflich
tig
sei (
Urk.
8 S. 12 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Kläger gegenüber der Beklagten Anspruch auf Krankentaggelder für die Zeit vom 2
2.
Dezember 2011 bis 3
1.
März 2012 in der Höhe von
Fr.
109‘666.95 zuzüglich Zins zu 5
%
seit 2
6.
Juli 2012 hat.
3.
3.1
Grundlage für den geltend gemachten Taggeldanspruch ist primär der Kollektiv
versicherungsvertrag zwischen der
Z._
als frühere
Arbeitge
berin des Klägers und der Concordia.
Unstreitig sind
die massgebende
n
Versi
cherungspolice
n
diejenige vom
2
9.
Dezember 2010 und vom
4.
November 2011
(
Urk.
9/41-42
)
. Dem
zufolge
sind
die darin genannten „Allgemeinen
Versiche
rungsbedingungen
(AVB)“ der Ausgabe 20
06
(nachfolgend AVB
2006
) anwend
bar
(
Urk.
2/2 =
Urk.
9/43)
. Ausserdem sind die Bestimmungen des VVG massge
bend (vgl.
Art.
1.3
AVB).
3
.2
Gemäss der bis Ende 2011 gültigen Police vom 2
9.
Dezember 2010 (
Urk.
9/41) waren 100
%
der versicherten AHV-Jahreslohnsumme versichert, gemäss der ab
1.
Januar 2012 gültigen Police vom
4.
November 2011 (
Urk.
9/42) waren 90
%
versichert (ohne Treue-Prämien, Dienstaltersgeschenke, Überzeitentschädigung, Kinderzulagen).
3
.3
Gemäss
Art.
11 AVB gilt als Krankheit jede vom Willen des Versicherten unab
hängige, medizinisch wahrnehmbare körperliche oder geistige
Gesundheitsstö
rung
, die ärztliche Behandlung notwendig macht und nicht auf einen Unfall, eine unfallähnliche Körperschädigung oder eine Berufskrankheit entsprechend der Definition in der obligatorischen Unfallversicherung zurückzuführen ist.
Nach
Art.
10 AVB liegt eine Arbeitsunfähigkeit vor, wenn der Versicherte infolge einer versicherten Krankheit oder eines versicherten Unfalles ganz oder teilweise ausserstande ist, seinen derzeitigen Beruf oder eine andere zumutbare Erwerbstätigkeit auszuüben. Zumutbar ist eine andere Erwerbstätigkeit dann, wenn sie den Kenntnissen, Fähigkeiten und der bisherigen Lebensstellung ange
messen ist.
3.4
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachver
halts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der Richter und die Richterin haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von allen mög
lichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 126 V 353 E. 5b, 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen). Dieser im Sozialversicherungsprozess allgemein gültige Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit gelangt auch im Klageverfahren betreffend Leistungen aus der Zusatzversicherung zur Anwendung (Christine
Grünig
, Verfahrensfragen in der Krankenversicherung, in: Aktuelles im Sozialversicherungsrecht, Hrsg. Hans-Jakob
Mosimann
, Zürich 2001, S. 193 mit Hinweisen).
3.5
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beur
tei
lung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zu
ge
mu
tet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
4.
4
.1
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
diagnosti
zierte in seinem
Arztbericht vom 2
1.
Januar 2012
(
Urk.
2/15 =
Urk.
9/25)
eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21). Er hielt fest, dass das Krankheitsbild bereits fast vollständig rückläufig sei, und dass es keine Hinweise auf eine affektive Erkrankung mit episodenartigem Verlauf einer Depression beziehungsweise einer bipolaren Störung gebe (S. 3
Ziff.
4).
Als Befund hielt
Dr.
C._
fest, dass der psychopathologische Befund durch eine ausgeglichene Stimmungslage gekennzeichnet sei. Die affektive
Auslenk
barkeit
sei ebenfalls intakt gewesen. Allerdings habe der
Kläger
im Affekt nach wie vor besorgt hinsichtlich seiner beruflichen Zukunft gewirkt. Psychomoto
risch sei er wieder ausgeglichen gewesen. Die kognitiven Fähigkeiten seien im Rahmen der klinischen Prüfung intakt gewesen. Ein flüssiger Gesprächsverlauf sei
durchgehend möglich gewesen, und im äusseren Erscheinen habe der
Kläger
gepflegt gewirkt. Im formalen Denken sei er strukturiert und geordnet gewesen. Das inhaltliche Denken sei im Rahmen der Evaluation situationsentsprechend auf die Schilderung von Biographie und Krankheitsentwicklun
g gerichtet gewesen, und es habe eine erhebliche Beschäftigung mit der momentanen ungeklärten beruflichen Situation dominiert. Wahrnehmungsstörungen, Zwän
ge, Ich-Störungen oder psychotische Denkinhalte seien nicht
eruierbar
gewesen, und es hätten auch keine Hinweise auf
eine
aktuelle Eigen- oder
Fremd
gefährdung
vorgelegen.
Zusammengefasst sei dieser Befund mit einer reaktiven Depression vereinbar, die inzwischen bereits praktisch vollständig rückläufig sei. Die noch vorhandenen subjektiven Beschwerden seien überwie
gend als unspezifisch zu werten. Im Augenblick sei der
Kläger
vor allem noch besorgt hinsichtlich seiner weiteren beruflichen Situation (
Ziff.
3 S. 3).
Eine weitere psychiatrische Behandlung sei unter anderem im Hinblick auf die Wiederaufnahme der Berufstätigkeit zu empfehlen, bisher habe allerdings erst eine Sitzung stattgefunden.
Aufgrund fehlender fachärztlicher Vorberichte lasse sich die ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit von zuletzt 100
%
nicht beurteilen
. Nach der jetzigen Befundlage sei davon auszugehen, dass spätestens im Untersuchungszeitpunkt am
9.
Januar 2012 eine volle Arbeitsfähigkeit bestanden habe. Nach allem fachlichen Ermessen habe eine volle Arbeitsfähigkeit jedoch höchstwahrschein
lich bereits Ende Dezember 2011 vorgelegen, als die Untersuchung bei ihm zum ersten Mal geplant worden sei (
Ziff.
5 S. 3). Nach Kündigung des langjährigen Anstellungsverhältnisses sei die berufliche Situation sicherlich schwierig und nachvollziehbar belastend, doch sei die Erkrankung fast vollständig am Zurück
gehen
,
und der psychosozialen Belastung komme für sich genommen kein Krankheitswert zu (
Ziff.
6 S. 4).
4
.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
welcher den
Kläger
vom 2
2.
Dezember 2011 bis zum 1
4.
März 2012 ambulant behandelte, nannte in seinem
Arztbericht vom 1
1.
Juni 2012 (
Urk.
2/16 =
Urk.
9/16)
als Diagnose eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.10) nach als Krän
kung erlebter Kündigung in Führungsposition.
Im Befund hielt
Dr.
B._
fest, dass der
Kläger
gepflegt, differenziert, im forma
len Denken geordnet und eloquent sei. Es bestünden keine Anhaltspunkte für Wahn, Ich
-S
törungen oder Sinnestäuschungen. Der
Kläger
habe
Stimmungs
schwankungen
und Schlafstörungen jede Nacht mit Gedankenkreisen; tagsüber gelinge die Ablenkung in Teilen. Der
Kläger
leide immer w
ieder unter starker Übelkeit. Es
liege eine deutliche Verunsicherung vor, eine zeitweise Hoffnungs
losigkeit und
Z
ukunftsangst. Der
Kläger
habe zeitweise Suizidgedanken und breche auf die diesbezügliche Frage in Tränen aus. Der Test Hamilton Depres
sion
Scale
(HAMD) vom 1
6.
Februar 2012 habe 20 Punkte ergeben, was einer mittelschweren depressiven Symptomatik entspreche.
Insgesamt seien fünf Sitzungen durchgeführt worden. Der
Kläger
besuche
wei
ter
hin eine Atemtherapie und es seien Gespräche nach Bedarf vereinbart wor
den. Als Einschlafhilfe habe er dem
Kläger
niedrig dosierte
Surmontil
-Tropfen ver
schrieben; eine antidepressive
Medikation sei nicht zur Anwendung gekom
men.
Aufgrund der deutlichen depressiven Symptomatik (klinisch und im HAMD-Test) und der mit deutlicher Affektbeteiligung genannten wiederholten
Suizid
ge
danken
erachte er den
Kläger
im Zeitraum vom
1.
Januar bis zum 3
1.
März 2012 als zu 100
%
arbeitsunfähig.
4
.
3
Mit
Stellungnahme vom 1
1.
August 2012 (
Urk.
2/17 =
Urk.
9/14)
führte
Dr.
C._
aus, dass es sich beim anfangs Januar beim
Kläger
erhobenen psy
cho
pathologischen Status praktisch um einen Normalbefund handle und die damit vereinbare reaktive Depression damals bereits praktisch vollständig rückläufig gewesen sei. Von einer mittelgradigen depressiven Episode habe zum Untersuchungszeitpunkt nicht die Rede sein können. Zum Bericht von
Dr.
B._
hielt er fest, dass bei ernstzunehmenden Suizidgedanken unmittel
bare Massnahmen hätten eingeleitet werden und der
Kläger
zur stationären psy
chiatrischen
B
ehandlung in eine Klinik hätte eingewiesen werden müssen. Der Test gemäss HAMD sei nicht weiterführend, da er sich zur Verlaufsbeobachtung, jedoch nicht als Diagnoseinstrument eigne. N
icht nachvollziehbar sei sodann
, dass trotz gravierenden Symptomen die Behandlung bereits im März wieder beendet worden
sei
.
Bei einer schwerwiegenden depressiven Symptomatik sei
zudem
eine
antidepressive Medikation
zwingend, sodass der Verzicht darauf nicht verständlich sei.
4
.4
Mit Stellungnahme
vom 2
8.
September 2012 (
Urk.
2/18 =
Urk.
9/12)
führte
Dr.
B._
aus, dass die Symptome für die diagnostizierte mittelgradige depres
sive Episode keineswegs unspezifisch gewesen seien. Nicht jedes Vorhandensein suizidaler Gedanken müsse automatisch zu einer Klinikeinweisung führen, den
noch stellten diese wichtige Befunde dar. Der
Kläger
habe ausser den verordne
ten
Surmontiltropfen
zum Schlafen keine medikamentöse Behandlung ge
wünscht, und auf seinen Wunsch seien ab dem 1
4.
März 2012 auch keine weiteren Gesprächstermine vereinbart worden.
Rückblickend sei
seiner Ansicht nach
ungünstig, dass eine psychiatrische Behandlung viel zu spät, nämlich fast ein Jahr nach der Kündigung
und
Freistellung erfolgt sei.
4
.
5
Mit
Stellungnahme vom 1
9.
November 2012 (
Urk.
2/19 =
Urk.
9/10)
hielt
Dr.
C._
an seiner bisherigen Einschätzung fest. Die Diagnose einer mittel
schweren Depression zweieinhalb Wochen vor seiner eigenen Untersuchung des
Kläger
s sei nicht nachvollziehbar. Insbesondere leuchte nicht ein, dass
d
er
Kläger
bei dieser Diagnose kurz danach, Mitte März, die Behandlung nicht mehr gewünscht habe
(S. 2).
Dr.
C._
fügte an,
dass
er, wäre der
Kläger
im
Untersu
chungszeitpunkt
depressiv gewesen, auf eine antidepressive Medikation gedrängt
hätte
.
Weiter habe der
Kläger
um die Verschiebung des ursprünglichen Untersuchungstermins Ende Dezember gebeten, da er sich zu einem
Feriena
uf
enthalt in den Bergen befunden habe, was
bei einer mittelschweren Depression
ungewöhnlich
gewesen
wäre
(S. 3)
.
4
.
6
Mit
Beurteilung vom 2
3.
Mai 2013 (
Urk.
2/20 =
Urk.
9/8)
führte
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Chirurgie, aus, dass
Dr.
C._
vor allem damit argumentiere, dass der
Kläger
um eine Terminverschiebung gebeten habe, weil er
sich
„wohl über die Festtage“ zu einem Ferienaufenthalt in den Bergen befunden hätte, was bei einer mittelschweren Depression ungewöhnlich sei. Laut
Kläger
treffe diese Annahme jedoch in keiner Weise zu, und sie se
i auch nicht in den Akten beleg
t. Vielmehr habe er um die Verschiebung gebeten, weil er wegen eines vor langer Zeit geplanten Anlasses an diesem Termin verhindert gewesen sei.
Damit beruhe die Einschätzung von
Dr.
C._
, wonach keine mittelschwere Depression vor
läge, auf einem tatsächlich nicht korrekten Sachverhalt.
Dr.
B._
habe demge
genüber gestützt auf die HAMD-Skala eindeutig eine mittelschwere Depression diagnostiziert.
4
.
7
Mit
Stellungnahme vom 2
4.
Juni 2013 (
Urk.
9/6)
erläuterte
Dr.
C._
, dass der subjektive Leidensdruck solcher Zustandsbilder unzweifelhaft hoch, der objek
tive Krankheitswert allerdings zumeist nur gering sei, weshalb man in aller Regel diagnostisch von einer Anpassungsstörung spreche. Zu
r
HAMD
-Skala
sei anzufügen, dass
sie
, auch wenn es sich um eine
Fremdbeurteilungskala
handle, nur zum Teil objektiv sei, denn
sie
berücksichtige grösstenteils subjektive Angaben (S. 2).
Im Übrigen habe er seine diagnostische Schlussfolgerung nicht vom Ferienaufenthalt beziehungsweise einem geplanten Anlass des Klägers gegen Jahresende 2011, sondern
vom psychopathologischen Untersuchungsbe
fund hergeleitet (S. 3).
4.8
Mit Schreiben vom 2
8.
Oktober 2013 hielt
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, fest, dass er den
K
läger am 2
3.
September, am 2
6.
Oktober und am 2
3.
November 2011 in seiner Sprechstunde gesehen und am
1.
Dezember 2011 telefonisch beim Psychiater
Dr.
B._
angemeldet habe. Er bestätige, dass der Kläger vom 2
3.
September bis zum 3
0.
November 2011 zu
100
%
arbeitsunfähig gewesen sei. Danach sei der Kläger psychiatrisch-psy
cho
therapeutisch betreut worden, weshalb die weitere Einschätzung der Arbeits
unfähigkeit nicht in seiner Hand liege
(
Urk.
2/8)
.
4.9
Aus den ärztlichen Zeugnissen und der Arbeitsunfähigkeits-Karte geht eine
durch
Dr.
A._
attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom 2
3.
September bis 3
0.
November 2011
hervor (
Urk.
2/6 =
Urk.
9/38,
Urk.
2/5 =
Urk.
9/39,
Urk.
9/40).
Weiter ist ihnen
eine durch
Dr.
B._
attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom
1.
Januar bis zum 3
1.
März 2012 (
Urk.
2/9 =
Urk.
9/31,
Urk.
2/10,
Urk.
2/11 =
Urk.
9/23,
Urk.
2/12 =
Urk.
9/20
)
zu entnehmen
.
5.
Die
Würdigung
der medizinischen Akten ergibt, dass das psychiatrische Gutach
ten von
Dr.
C._
vom 2
1.
Januar 2012 (
E. 4.1
)
auf einer persönlichen Untersu
chung des Klägers beruht
, eine Anamnese enthält und die subjektiven Beschwerden berücksichtigt
(
Ziff.
1 S. 1 f.,
Ziff.
2 S. 2 f.)
.
Dr.
C._
setzte sich
in
se
i
n
en
fo
lgenden
Stellungnahmen
(
E. 4.3, E. 4.5, E. 4.7
)
auch
mit den von seiner
Einschätzung
abweichenden Arztberichten
von
Dr.
B._
und
Dr.
D._
auseinander. So nahm er
bereits im Gutachten
Stellung
zum Schweregrad der depressiven Störung aufgrund der erhobenen Befunde und leitete gestützt darauf das Ausmass der depressiven Störung ausführlich und schlüssig
her
(Ziff.
3-4 S. 3)
. Insbesondere legte er dar,
dass die erhobenen Befunde nach einer als Kränkung empfundenen Entlassung für den Kläger zwar
in
nachvoll
ziehbar
er Weise
eine
schmerzhafte Erfahrung darstellten, angesichts der Umstände aber einem Normalbefund entsprächen, welchem kein selbstständiger Krankheitswert zukomme. Zudem prüfte
Dr.
C._
auch eine bipolare Störung und eine affektive Erkrankung mit
episodeartigem
Verlauf einer Depression
und verneinte diese
mangels
entsprechender
Anhaltspunkte
ausdrücklich
(
Ziff.
4 S.
3).
Daraus ergibt sich auch, dass
Dr.
C._
seine diagnostischen Schlussfol
gerungen - entgegen der Auffassung von
Dr.
D._
- keineswegs auf die ver
meint
liche Ferienabwesenheit des Klägers, sondern auf den gesamten psycho
pathologischen Untersuchungsbefund stützte.
Wie
sodann
auch
Dr.
C._
festhielt, sprechen sowohl die niedrige
Sitzungs
frequenz
, die kurze Behandlungsdauer, das gänzliche Fehlen sowohl einer
anti
depressiven
Medikation wie auch einer stationären Therapie trotz geäusserter suizidaler Gedanken gegen den Schweregrad der von
Dr.
B._
diagn
ostizierten depressiven Episode
.
Anzumerken ist
,
dass
sich
der Kläger
am 1
2.
März 2012 bei
m
Regionalen
Ar
beits
vermittlung
szentrum
E._
zur
Arbeitsvermittlung
als zu 100
%
ver
mit
tel
bar
anmeldete
(
Urk.
9/18). Aktenkundig sind sodann auch
Stelleninse
rate
des Klägers
im Tagesanzeiger ab dem 2
1.
Februar 2012 (
Urk.
9/17)
.
Diese
Um
st
ä
n
d
e
leg
en
den Schluss nahe
, dass
sich
jedenfalls zu diesem Zeitpunkt
–
ent
gegen der von
Dr.
B._
bis Ende März 2012 attestierten vollen Arbeitsfä
higkeit -
die Diagnose einer Depression mittleren Grades mit einer daraus resultierenden vollen Arbeitsunfähigkeit
nicht mehr bestätigen liess
.
Was die vom Kläger offerierten Zeugenbeweise angeht, so ist auf deren
Erhe
bung in antizipierter Beweiswürdigung zu verzichten. Die an der Einschätzung des medizinischen Gesundheitszustands des Klägers beteiligten Fachärzte
Dr.
C._
und
Dr.
B._
haben sich schriftlich bereits ausführlich geäussert,
und der ebenfalls als Zeuge angerufene Atemtherapeut vermag zur Frage der
psy
chi
a
trischen
Diagnose und der daraus resultierenden Einschätzung der Arbeits
un
fähigkeit keine beweisrelevanten Aussagen zu machen.
Von
einer
Zeu
gen
ein
ver
nahme
sind daher keine
entscheidrelevante
Erkenntnisse zu erwar
ten.
Gestützt auf das Gutachten von
Dr.
C._
vom 2
1.
Januar 2012 (vgl. E. 4.1) sowie seine weiteren Stellungnahmen vom 1
1.
August und 1
9.
November 2012 so
wie vom 2
4.
Juni 2013 (vgl. E. 4.3, E. 4.5, E. 4.7) ist damit von einer vollen Arbeitsfähigkeit ab 2
8.
Dezember 2011 auszugehen.
Ob für die Zeit davor gestützt auf die
ärztlichen Zeugnisse
von
Dr.
A._
eine Arbeitsunfähigkeit vor
lag, kann vorliegend offenbleiben, weil jedenfalls die Wartefrist nicht erfüllt
ist
(vgl. E. 6)
.
6.
6.1
Die Leistungspflicht des Versicherers setzt nach
Art.
28.2 Satz 1 AVB voraus, dass die versicherte Person nach ärztlicher Feststellung ganz oder teilweise arbeitsunfähig ist und die Arbeitsunfähigkeit länger bestanden hat als die ver
traglich festgelegte Wartefrist. Nach
Art.
30.1 AVB beginnt die Wartefrist am ersten Tag der ärztlich bescheinigten Arbeitsunfähigkeit, frühestens aber fünf Tage vor der ersten Behandlung.
Art.
30.2 AVB sieht vor, dass für die Berech
nung der Wartefrist Tage mit teilweiser Arbeitsunfähigkeit als Tage mit voller Arbeitsunfähigkeit mitgezählt werden.
6.2
Vorliegend
war
die Wartefrist von 90 Tagen nicht erfüllt:
Selbst wenn - obschon dazu keine den Beweisanforderungen genügenden
Arzt
berichte
vorliegen - auf die von
Dr.
A._
für die Zeit vom
2
3.
September 2011 bis Ende November 2011
attestierte volle Arbeitsunfähigkeit abgestellt würde, so beschlägt dieser Zeitraum lediglich 69 Tage
.
Hinzu zu zählen ist die
danach von
Dr.
B._
bescheinigte
Arbeitsunfähigkeit
. Deren Beginn
legte er
auf den
1.
Januar 2012
fest
(vgl. E.
4.2, E.
4.9)
.
Auch
die
Annahme, dass es sich dabei um ein Versehen handelte, und der Beginn der Arbeitsunfähigkeit
richtigerweise auf den
Behandlungsbeginn am 2
2.
Dezember 2011 oder rückwirkend a
uf den
Überweisung
szeitpunkt
am
1.
Dezember 2011 hätte gelten sollen,
würde
am Leistungsanspruch
nichts ändern
. Denn nach
Art.
30.1 AVB lässt sich der Beginn der Wartefrist längstens auf fünf Tage vor Behandlungsbeginn, demnach auf den 1
7.
Dezember 2011
,
zurück
beziehen.
Demnach ist von einem Unterbruch der Wartefrist auszugehen. Damit war die Wartefrist von 90 Tagen
am 2
8.
Dezember 2011
-
als gestützt auf das Gutach
ten von
Dr.
C._
spätestens wieder von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszuge
hen war
-
jedenfalls
noch nicht erfüllt.
7.
Zusammenfa
ssend ist festzuhalten, dass spätestens ab dem 2
8.
Dezember 2011
keine eine Arbeits
unfähigkeit verursachende Krankheit mehr festzustellen
und dass vor diesem Zeitpunkt jedenfalls die Wartefrist von 90 Tagen als Vorausset
zung des Leistungsanspruchs nicht erfüllt
war. Der Kläger hat
damit keine
Ansprüche aus der Kollektivtaggeldversicherung der Beklagten.
Demnach ist die Klage abzuweisen.
8.
8.1
Gemäss
Art.
114
lit
. e ZPO ist das Verfahren kostenlos.
8.2
Nach der zu
alt
Art
.
47
Abs.
3 des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) ergan
genen, weiterhin gültigen höchstrichterlichen Rechtsprechung hat der ob
sie
gende Versicherungsträger Anspruch auf eine Parteientschädigung, falls er durch einen externen Anwalt vertreten ist (Urteil des Bundesgerichtes 4A_194/2010 vom 1
7.
November 2010, E. 2.2.1, nicht publiziert in: BGE 137 III 47; Urteil des Bundesgerichts 5C.244/2000 vom
9.
Januar 2001, E. 5 mit Hin
weisen).
Nachdem die obsiegende Beklagte nicht durch einen externen Anwalt vertreten ist, steht ihr keine Parteientschädigung zu.