Decision ID: 4cef9c8f-45f8-4649-b9cf-f120e9877c1c
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg erliess gegen die
Beschuldigte am 12. Februar 2019 den folgenden Strafbefehl:
"Sachverhalt:
Mehrfacher Betrug Art. 146 Abs. 1 StGB
Die Beschuldigte hat in der Absicht, sich unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Unterdrücken von Tatsachen arglistig irrezuführen und so den Irrenden zu einem Verhalten zu bestimmen, wodurch dieser sich selbst am Vermögen schädigt.
Mehrfache Nötigung Art. 181 StGB
Die Beschuldigte hat jemanden durch Androhen ernstlicher Nachteile genötigt etwas zu tun.
Der Beschuldigte und die Privatklägerin haben sich am 31.01.2014 an einer Vereinsversammlung des E. kennen gelernt. Im Anschluss bat die Beschuldigte den Privatkläger um ein kleines Darlehen. Sie habe finanzielle Probleme wegen ihrer Scheidung/Wohnsituation. Der Privatkläger hat ihr am 04.03.2014 CHF 10'000.00 als Darlehen überwiesen. Innerhalb von wenigen Wochen ist es auf Bitten der Beschuldigten zu weiteren Darlehen zwischen CHF 3'000.00 und CHF 4'000.00 gekommen. Diese Beträge hat der Privatklägerin der Beschuldigten jeweils in bar übergeben. Die Beschuldigte hatte versichert, die Darlehen zurück zu zahlen, sobald ihre Scheidung beendet sei. Vom April 2014 bis Juni 2015 sind zahlreiche weitere Darlehen zwischen CHF 1'000.00 und CHF 6'000.00 erfolgt. Insgesamt hat die Beschuldigte CHF 75'000.00 als Darlehen vom Privatkläger erhalten. Die einzelnen Darlehensbeträge wurden an den jeweiligen Wohnadressen der Beschuldigten oder am Wohnort des Privatklägers der Beschuldigten übergeben.
Die Beschuldigte hat den Privatkläger zu den Darlehen genötigt, indem sie ihm ihr Leid geklagt hat und dass sie sich ohne die Unterstützung des Privatklägers schon längst etwas angetan hätte. Mehrfach hat sie dem Privatkläger gegenüber gedroht sich umzubringen bzw. sie werde zugrunde gehen, wenn er ihr kein weiteres Geld leihe. Der Privatkläger wollte am Tod der Beschuldigten nicht schuld sein und hat ihr weitere Darlehen gewährt. Dies war zum Zeitpunkt, als er ihr bereits ca. die Hälfte des gesamten Darlehens ausgerichtet hatte.
Der Privatkläger hat bereits nach der Gewährung von insgesamt CHF 17'000.00 die Beschuldigte um Rückzahlung des Darlehens ersucht. Diese wurde ihm zugesichert, da nach der Scheidung aus dem Verkauf der ehelichen Liegenschaft das Geld zur Verfügung stehen würde. Die Beschuldigte hat sich wiederholt und vehement geweigert, eine Schuldanerkennung z.G. des Privatklägers zu unterzeichnen. Ihr
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Anwalt habe ihr geraten, während der Scheidung nichts zu unterschreiben. Die Beschuldigte hat den Privatkläger auch unter Druck gesetzt, indem sie behauptete, Probleme mit ihrer Arbeitsstelle zu bekommen bzw. dass sie ihre Stelle verlieren könnte, falls sie das Darlehen zurückzahlen müsse. Die Beschuldigte sagte, dass es ihr psychisch sehr schlecht gehe und der Privatkläger solle doch an ihre Psyche denken.
Die Beschuldigte hatte den Privatkläger arglistig getäuscht indem sie ihm die Rückzahlung der Darlehen zusicherte obwohl sie weder in der Lage dazu war noch die Absicht hatte, die Darlehen je zurück zu bezahlen. Sie täuschte dem Privatkläger vor, in ihrer Wohnung gesundheitsgefährdeten Stoffen ausgesetzt zu sein und deshalb eine andere Wohnung zu benötigen. Ein anderes Mal gab sie vor, dass ihre Katze den Parkettboden in der Wohnung zerkratzt hätte und sie von der Vermieterschaft zur Instandstellung der Schäden aufgefordert worden ist und daher wieder Geld benötige.
Der Privatkläger hat der Beschuldigten folgende Darlehensbeträge ausgerichtet:
- 04.03.2014 CHF 10'000.00 - 21.03.2014 CHF 3'000.00 - 03.04.2014 CHF 4'000.00 - 11.04.2014 CHF 4'000.00 - 22.04.2014 CHF 4'000.00 - 26.06.2014 CHF 5'000.00 - 03.07.2014 CHF 6'000.00 - 18.07.2014 CHF 6'000.00 - 28.07.2014 CHF 3'000.00 - 11.08.2014 CHF 3'000.00 - 26.08.2014 CHF 3'000.00 - 04.09.2014 CHF 3'000.00 - 16.09.2014 CHF 3'000.00 - 25.09.2014 CHF 2'000.00 - 15.10.2014 CHF 4'000.00 - 17.10.2014 CHF 3'000.00 - 19.12.2014 CHF 3'000.00 - 29.12.2014 CHF 1'000.00 - 14.05.2015 CHF 3'000.00 - 12.06.2015 CHF 2'000.00 Total CHF 75'000.00
Ort: [...] V., [...] [...] W., [...] [...] X., [...] [...] T., [...] [...] R., [...] Zeit: 4. März 2014 bis 12. Juni 2015 Deliktsbetrag: CHF 75'000.00 Privatkläger. A., [...]
Dieses Verhalten ist strafbar gemäss:
den oben aufgeführten Gesetzesartikeln sowie aArt. 34 StGB, aArt. 42 Abs. 1 StGB, aArt. 42 Abs. 4 StGB i.V.m. Art. 106 StGB, Art. 44 StGB, Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB
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Die Beschuldigte wird verurteilt zu:
1. Einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je CHF 110.00, bedingt
aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren.
2. Einer Busse von CHF 2'400.00.
Bei schuldhafter Nichtbezahlung tritt an Stelle der Busse eine  von 22 Tagen.
3. Den Kosten
- Strafbefehlsgebühr CHF 1'300.00
Rechnungsbetrag CHF 3'700.00
Über Auslagen, die nach Erlass des vorliegenden Strafbefehls eingehen, wird separat verfügt.
4. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.
5. Die Zivilforderung von CHF 75'000.00 wird auf den Zivilweg verwiesen.
6. Das Urteil wird im Strafregister eingetragen."
1.2.
Gegen diesen Strafbefehl erhob die Beschuldigte am 15. Februar 2019
Einsprache. Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg hielt am
Strafbefehl fest und überwies die Akten mit Verfügung vom 16. Juli 2019
an das Bezirksgericht Rheinfelden zur Durchführung des Hauptverfahrens.
2.
2.1.
Am 28. August 2020 fand die Hauptverhandlung vor der Präsidentin des
Bezirksgerichts Rheinfelden mit Befragung des Privatklägers und der
Beschuldigten statt.
2.2.
Der Privatkläger stellte anlässlich der Hauptverhandlung folgende Anträge:
"1. Die Beschuldigte sei wegen mehrfachen Betrugs sowie mehrfacher Nötigung schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen.
2. Im Zivilpunkt sei die Beschuldigte adhäsionsweise zu verpflichten, dem Privatkläger CHF 75'000.00 zzgl. 5% Zins seit 15. Mai 2017 sowie die Betreibungskosten von CHF 103.30 zu bezahlen und es sei der Rechtsvorschlag gegen die Betreibung vom 16. August 2017 (Betreibungs-Nr. aaa) zu beseitigen.
3.
- 5 -
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. MwSt.) zu Lasten der Beschuldigten, wobei die Entschädigung des Privatklägers im Umfang der eingereichten Honorarnote festzusetzen sei."
2.3.
Die Beschuldigte stellte anlässlich der Hauptverhandlung folgende
Anträge:
"1. Die Angeklagte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Die Zivilforderung sei abzuweisen. Eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen."
Zusätzlich stellte sie folgenden Verfahrensantrag:
"Es sei die Einvernahme von Frau G. aus den Akten zu entfernen."
2.4.
Die Präsidentin des Bezirksgerichts Rheinfelden erkannte am 6. Oktober
2020:
"1. Die Beschuldigte wird vom Vorwurf der mehrfachen Nötigung gemäss Art. 181 StGB freigesprochen.
2. Die Beschuldigte ist schuldig des mehrfachen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB.
3. 3.1 Die Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 2 erwähnten Bestimmung und gestützt auf aArt. 34, Art. 47 und 49 Abs. 1 StGB zu 80 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt. Der Tagessatz wird auf Fr. 100.00 festgelegt. Die Geldstrafe beläuft sich auf Fr. 8'000.00.
3.2 Der Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Geldstrafe gemäss Ziff. 3.1. der bedingte Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 Abs. 1 StGB auf 2 Jahre festgesetzt.
Die Beschuldigte wird entsprechend der Vorschrift von Art. 44 Abs. 3 StGB über die Bedeutung und die Folgen der bedingten Strafe aufgeklärt: Wenn sie sich bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, d.h. keine Verbrechen oder Vergehen mehr begeht, wird gemäss Art. 45 StGB die aufgeschobene Strafe nicht mehr vollzogen. Begeht sie aber während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass sie weitere Straftaten verüben wird, so widerruft das Gericht die bedingte Strafe (Art. 46 Abs. 1 StGB).
- 6 -
4. In Gutheissung der Zivilklage des Privatklägers A. wird die Beschuldigte verpflichtet, ihm Schadenersatz von Fr. 75'000.00 zzgl. 5 % Zins seit 15. Mai 2017 sowie die Betreibungskosten von Fr. 103.30 zu bezahlen. Gleichzeitig wird der Rechtsvorschlag gegen die Betreibung vom 16. August 2017 (Betreibungs-Nr.: aaa) beseitigt.
5. Die Verfahrenskosten bestehen aus: a) der Entscheidgebühr von Fr. 1'200.00 b) der Anklagegebühr von Fr. 1'400.00 c) den Kosten für die unentgeltl. Verbeiständung von Fr. 0.00 d) den Kosten für Übersetzungen von Fr. 0.00 e) den Kosten für Gutachten von Fr. 0.00 f) den Kosten der Mitwirkung anderer Behörden von Fr. 0.00 g) den Spesen von Fr. 90.00 h) andere Auslagen Fr. 0.00 Total Fr. 2'690.00
Der Beschuldigten werden die Gebühren gemäss lit. a und b sowie die Kosten gemäss lit. g im Gesamtbetrag von Fr. 2'690.00 zu 70% und somit im Betrag von Fr. 1'883.00 auferlegt. Der Restbetrag von Fr. 807.00 geht zu Lasten der Staatskasse.
6. 6.1 Die Kostennote des Verteidigers der Beschuldigten, lic. iur. Cornel Wehrli, Rechtsanwalt [...], wird im Umfang von Fr. 11'967.15 (inkl. Fr. 855.60 MwSt.) richterlich genehmigt.
6.2 Die Gerichtskasse Rheinfelden wird angewiesen, dem Verteidiger der Beschuldigten, lic. iur. Cornel Wehrli, Rechtsanwalt [...], den Betrag von Fr. 3'590.15 (30 % des Betrags gemäss Ziff. 6.1.) zu bezahlen. Im Übrigen trägt die Beschuldigte ihre Kosten selber.
6.3 Die Kostennote des Vertreters des Zivil- und Strafklägers, MLaw Michael Ritter, Rechtsanwalt [...], wird im Umfang von Fr. 13'129.90 (inkl. Fr. 938.70 MwSt.) richterlich genehmigt.
6.4 Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger dessen Parteikosten im Gesamtbetrag von Fr. 13'129.90 zu ersetzen."
2.5.
Das Urteilsdispositiv vom 6. Oktober 2020 wurde der Beschuldigten am
23. Oktober 2020 zugestellt. Mit Eingabe vom 30. Oktober 2020 meldete
sie Berufung an. Das begründete Urteil wurde ihr in der Folge am 15.
Februar 2021 zugestellt.
- 7 -
3.
3.1.
Mit Berufungserklärung vom 5. März 2021 beantragte die Beschuldigte, die
Ziffern 2 bis 6 des Urteils des Bezirksgerichts Rheinfelden vom 6. Oktober
2020 seien aufzuheben. Die Beschuldigte sei vom Vorwurf des mehrfachen
Betrugs gemäss Art. 146 StGB freizusprechen und die Zivilklage des
Privatklägers sei abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen.
Dies unter den üblichen Kosten- und Entschädigungsfolgen sowohl des
erst- als auch des zweitinstanzlichen Verfahrens.
3.2.
Mit Berufungsbegründung vom 29. April 2021 hielt die Beschuldigte an
ihren Berufungsanträgen fest.
3.3.
Die Staatsanwaltschaft beantragte mit Berufungsantwort vom 18. Mai 2021
die Abweisung der Berufung, unter Kostenfolge.
3.4.
Der Privatkläger beantragte mit Berufungsantwort vom 25. Mai 2021 die
Abweisung der Berufung, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
3.5.
Die Berufungsverhandlung fand am 16. Februar 2022 statt. Der
Privatkläger, die Zeugin G. und die Beschuldigte wurden befragt.

Considerations:
Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Die Beschuldigte hat das vorinstanzliche Urteil mit Ausnahme des
Freispruchs vom Vorwurf der Nötigung gemäss Art. 181 StGB
vollumfänglich angefochten. Das Urteil ist somit in diesem Umfang zu
überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO).
2.
2.1.
Die Vorinstanz hat die Beschuldigte des mehrfachen Betrugs gemäss
Art. 146 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. Sie hat es als erstellt erachtet,
dass die Beschuldigte den Privatkläger über ihren fehlenden Rück-
zahlungswillen getäuscht habe. Als Folge dieser Täuschung habe er ihr im
Zeitraum vom 4. März 2014 bis 12. Juni 2015 Darlehen über insgesamt
Fr. 75'000.00 ausgerichtet. Die Beschuldigte habe die Absicht gehabt, sich
unrechtmässig zu bereichern.
- 8 -
2.2.
Die Beschuldigte bestreitet mit Berufung, sich des mehrfachen Betrugs
gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB strafbar gemacht zu haben. Sie rügt die
vorinstanzliche Beweiswürdigung und bringt eventualiter vor, dass auch die
rechtlichen Voraussetzungen des Betrugs nicht erfüllt seien.
3.
3.1.
Die Beschuldigte macht vorab geltend, die Zeugenaussage von G. beruhe
auf einem Verstoss gegen Art. 179bis StGB (Abhören und Aufnehmen
fremder Gespräche) und sei somit entgegen der Auffassung der Vorinstanz
nicht verwertbar (vgl. Berufungsbegründung S. 5). Sie bezieht sich damit
auf die Aussagen der Zeugin G. anlässlich ihrer Einvernahme vom 22. Juni
2018 sowie anlässlich der Berufungsverhandlung vom 16. Februar 2022.
Dort hat sie angegeben, auf Bitten des Privatklägers ein zwischen ihm und
der Beschuldigten geführtes Telefonat über den Telefonlautsprecher
mitgehört zu haben (vgl. Untersuchungsakten [UA] act. 36 ff., Protokoll der
Berufungsverhandlung S. 11 ff.).
3.2.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann der Lautsprecher eines
Telefons zwar grundsätzlich als Abhörgerät i.S.v. Art. 179bis StGB
eingesetzt werden. Das tatbestandsmässige Verhalten setzt jedoch unter
anderem voraus, dass der Täter das Abhörgerät vorsätzlich in Betrieb setzt,
um das nichtöffentliche Gespräch mitzuhören (BGE 133 IV 249 E. 3.4 f.).
Der Privatkläger hat anlässlich der Einvernahme vom 26. März 2018
ausgesagt, er habe "damals das Telefon auf Lautsprecher gestellt", damit
die Zeugin G. habe mithören können (vgl. UA act. 32). Dies bestätigte er
anlässlich der Berufungsverhandlung vom 16. Februar 2022 (vgl. Protokoll
der Berufungsverhandlung S. 6). Die Zeugin G. hat anlässlich ihrer
Einvernahme vom 22. Juni 2018 sowie ihrer Befragung an der
Berufungsverhandlung vom 16. Februar 2022 zu Protokoll gegeben, das
Telefongespräch sei nicht geplant gewesen und sie wisse auch nicht mehr,
wie es zustande gekommen sei oder wer wen angerufen habe. Sie sei
damals zufällig beim Privatkläger gewesen, sie habe ein eigenes Zuhause
und sei nicht regelmässig bei ihm gewesen. Sie sei damals regelmässig
zwischen Y. und R. hin und hergereist. Der Privatkläger habe sein Telefon
erst nach etwa 2 Minuten auf Lautsprecher gestellt (vgl. UA act. 37, UA act.
39, Protokoll der Berufungsverhandlung S. 12). Aus den Aussagen geht
glaubhaft hervor, dass das Mithören des Gesprächs seitens der Zeugin G.
vorgängig nicht geplant war. So hat sie sich nur zufällig beim Privatkläger
befunden und hat das Gespräch auch nicht von Anfang an über den
Lautsprecher mitgehört. Ausserdem ist nicht erstellt, dass sie den
Lautsprecher des Telefons selbst in Betrieb genommen oder das Mithören
des Gesprächs in sonstiger Weise initiiert hätte. Da sie dem
Telefongespräch zwischen dem Privatkläger und der Beschuldigten nur
- 9 -
zufällig und auf Initiative des Privatklägers zugehört hat, hat sie sich nicht
strafbar gemacht. Wie von der Vorinstanz zutreffend festgestellt, ist ihre
Aussage somit verwertbar (vgl. Urteil E. 3.1).
4.
Vorliegend ist unbestritten, dass die Beschuldigte und der Privatkläger sich
am 31. Januar 2014 an einer Vereinsversammlung des E. kennengelernt
haben und der Privatkläger am 4. März 2014 Fr. 10'000.00 auf ihr
Privatkonto überwiesen hat (vgl. UA act. 30, UA act. 44, UA act. 153,
Gerichtsakten [GA] act. 25). Strittig und damit zu prüfen ist, ob es zu
weiteren Bargeldübergaben gekommen ist und ob die Beschuldigte dem
Privatkläger zugesichert hat, das Geld zurückzubezahlen.
5.
5.1.
5.1.1.
5.1.1.1.
Der Privatkläger macht geltend, er habe der Beschuldigten zwischen dem
4. März 2014 und dem 12. Juni 2015 insgesamt Fr. 75'000.00 ausbezahlt,
davon Fr. 10'000.00 als Überweisung und Fr. 65'000.00 in bar (vgl.
Fälligstellung der Darlehensforderung vom 27. März 2017, UA act. 160 f.;
Strafanzeige vom 10. November 2017, UA act. 138 ff.). Er hat sich sowohl
in der Strafanzeige vom 10. November 2017, der Einvernahme vom 26.
März 2018, der Befragung anlässlich der Hauptverhandlung vor der
Vorinstanz vom 28. August 2020, als auch der Berufungsverhandlung vom
16. Februar 2022 zu dieser Behauptung geäussert. So habe er ihr zuerst
die Fr. 10'000.00 gegeben. Danach seien aber laufend neue Forderungen
und damit auch Zahlungen gekommen. Die Beschuldigte sei verzweifelt
gewesen und habe ihm gesagt, sie wisse nicht weiter und er müsse ihr
mehr Geld geben, ansonsten sie sich das Leben nehme. Er habe Erbarmen
mit ihr gehabt und ihr immer wieder ein bisschen Geld zugeschoben. Sie
habe immer wieder wegen Geld gefragt, als sie essen gegangen seien.
Ausserdem habe er ihr auch einmal einen von einer Katze verunreinigten
Boden und einen Fernseher, den sie sich gewünscht habe, bezahlt. Nach
der Überweisung der Fr. 10'000.00 habe er ihr die weiteren Geldbeträge in
bar gegeben, "einmal Fr. 2'000.00, dann wieder Fr. 3'000.00". Er habe ihr
jeweils die Geldnoten in die Hand gegeben, meistens bei ihm zuhause,
aber auch mal unterwegs, wenn sie zusammen essen gegangen seien.
Andere Personen seien bei diesen Übergaben nie anwesend gewesen.
Das Geld, welches er ihr gegeben habe, habe er für sich notiert. Man könne
dies auf den Bankauszügen sehen. Immer, wenn er ihr Geld geliehen habe,
habe er einen Bargeldbezug getätigt. Wenn er ihr beispielsweise
Fr. 3'000.00 gegeben habe, habe er ca. Fr. 5'000.00 bezogen, natürlich
auch für sich selbst (vgl. UA act. 29 ff.; UA act. 138 ff., GA act. 23 ff.,
Protokoll Berufungsverhandlung S. 3 ff.).
- 10 -
5.1.1.2.
Die Aussagen des Privatklägers, wonach er der Beschuldigten neben der
unstrittigen Überweisung von Fr. 10'000.00 noch weiteres Geld gegeben
habe, werden im Wesentlichen von der Zeugin G. gestützt. Die Zeugin will
ein Telefongespräch zwischen dem Privatkläger und der Beschuldigten
mitgehört haben, in welchem die Beschuldigte dies bestätigt habe. Die
Zeugin G. hat sich diesbezüglich erstmals anlässlich ihrer Einvernahme
vom 22. Juni 2018 geäussert. Dort hat sie ausgesagt, der Privatkläger habe
ihr schon vor dem Telefonat von der Beschuldigten und was da gelaufen
sei erzählt. Sie hätten vorgängig darüber gesprochen und das Ganze kurz
angeschaut. Ein anderes Gespräch zwischen dem Privatkläger und der
Beschuldigten habe sie nie mitbekommen. Im besagten Telefonat sei es
um das Geld gegangen, welches der Privatkläger von ihr zurückfordern
wollte. Die Beschuldigte habe bestätigt, den Geldbetrag von Fr. 75'000.00
von ihm erhalten zu haben. Sie habe auch einen Betrag von Fr. 30'000.00
erwähnt, allerdings wisse sie nicht mehr, worum es dabei gegangen sei.
Sie glaube, die Beschuldigte habe erwähnt, dass sie ihm Fr. 75'000.00
zurückbezahlen werde, wenn die Scheidung durch sei (vgl. UA act. 35 ff.).
Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 16. Februar 2022 wurde die
Zeugin G. erneut dazu befragt. Sie gab an, ein starkes Medikament
einnehmen zu müssen, weshalb ihre Gedächtnisleistung eingeschränkt
sei. Sie wisse deshalb nicht mehr alle Einzelheiten (vgl. Berufungsprotokoll
S. 11 f.). Die damalige Aussage vor der Polizei, dass die Beschuldigte den
Erhalt von Fr. 75'000.00 bejaht und ihre Rückzahlungspflicht bekundet
habe, könne sie jedoch heute noch bestätigen. Es seien verschiedene
Beträge genannt worden; sie habe, so glaube sie, von Fr. 30'000.00 gehört,
es sei aber auch mal die Rede von Fr. 35'000.00 oder Fr. 40'000.00
gewesen. Sie wisse es nicht mehr genau (vgl. Protokoll
Berufungsverhandlung S. 12). Darüber hinaus bestätigte die Zeugin G.,
dass der Privatkläger ihr bereits 2015 davon berichtet habe, einer Frau
Fr. 75'000.00 in Raten gegeben zu haben und dass er das Geld wieder
zurückwolle. Dies habe ihn sehr bedrückt (vgl. Protokoll
Berufungsverhandlung S. 11). Weiter habe er eine handschriftliche Liste
mit den Beträgen gemacht, welche sie einmal gesehen habe (vgl. Protokoll
Berufungsverhandlung S. 12).
5.1.1.3.
Die Beschuldigte hat sich anlässlich ihrer Einvernahme vom 23. August
2018 zur Behauptung des Privatklägers, sie habe Fr. 75'000.00 von ihm
erhalten, geäussert (vgl. UA act. 42 ff.). Bei der Befragung an der
Hauptverhandlung vor der Vorinstanz am 28. August 2020 hat sie in Bezug
auf die Anklagevorwürfe von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch
gemacht (vgl. GA act. 29). Selbiges gilt für die Befragung anlässlich der
Berufungsverhandlung vom 16. Februar 2022 (vgl. Protokoll der Berufungs-
verhandlung S. 14). Die Beschuldigte bestreitet konsequent, Fr. 75'000.00
vom Privatkläger erhalten zu haben. So hat sie ausgesagt, sie wisse nichts
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von den Fr. 75'000.00, aufgrund welcher der Privatkläger Anzeige gegen
sie erstattet habe. Entgegen seinen Behauptungen habe sie ihm nie über
Probleme geklagt und habe ihn auch nie um Geld gebeten. Sie habe nur
die Fr. 10'000.00 am 4. März 2014 vom Privatkläger überwiesen erhalten.
Sie könne die Aussage des Privatklägers, dass es sich total um einen
Betrag von Fr. 75'000.00 handle, nicht bestätigen. Sie wisse auch nichts
von einem Telefonat mit dem Privatkläger, in welchem sie bestätigt haben
soll, insgesamt Fr. 75'000.00 von ihm erhalten zu haben. Es stimme nicht,
dass sie ihn immer wieder nach Geld gefragt habe und ihn stark unter Druck
gesetzt habe, als er nichts mehr habe geben wollen. Er habe ihr
Fr. 10'000.00 überwiesen und sonst wisse sie von nichts (vgl. UA act. 43
ff.).
5.1.2.
5.1.2.1.
Der Privatkläger hat eine persönliche Notiz der einzelnen Beträge und der
dazugehörigen Übergabedaten erstellt. Die entsprechende Aufstellung ist
in seiner "Fälligstellung" der Darlehensforderungen vom 27. März 2017
zuhanden der Beschuldigten ersichtlich und wird in seiner Strafanzeige
vom 10. November 2017 entsprechend aufgeführt (vgl. UA act. 161, UA
act. 138 ff.). Dass er die Beträge jeweils für sich notiert habe, sagte der
Beschuldigte bereits anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 26.
März 2018 aus (vgl. UA act. 32). Dies bestätigte er zudem anlässlich der
Berufungsverhandlung vom 16. Februar 2022. Er habe die Beträge jedes
Mal zuhause notiert; er habe doch wissen wollen, wieviel Geld er der
Beschuldigten "ausgebe" (vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 9 f.).
Die Aussagen des Privatklägers in Bezug auf den von ihm ausgezahlten
Gesamtbetrag sind somit vor dem Hintergrund dieser Aufstellung sowie
den Bankauszügen des Privatklägers (vgl. UA act. 153 ff.) zu würdigen.
Dabei ergeben sich gewisse Unstimmigkeiten: Bis auf vier Daten stimmen
die getätigten Bargeldbezüge in ihrer Höhe nicht mit den behaupteten
Bargeldübergaben an die Beschuldigte überein (3. April 2014, 26. August
2014, 4. September 2014, 12. Juni 2015; vgl. UA act. 153 ff.; vgl. Beilagen
des Vertreters zur Hauptverhandlung vom 28. August 2020). Der
Privatkläger hat im Zeitraum zwischen dem 21. März 2014 und dem 12.
Juni 2015 insgesamt mehr Geld bezogen, als er an die Beschuldigte
übergeben haben will. Er machte Barbezüge über insgesamt Fr. 81'500.00
und hätte unter Berücksichtigung der Fr. 65'000.00, welche er an die
Beschuldigte übergeben haben will, einen Überschuss von Fr. 16'500.00
an abgehobenem Bargeld gehabt (vgl. UA act. 153 ff., Beilagen des
Vertreters zur Hauptverhandlung vom 28. August 2020). Dazu hat der
Privatkläger sowohl anlässlich seiner Einvernahme als auch anlässlich der
Berufungsverhandlung angegeben, er habe natürlich auch für sich und
seine laufenden Kosten Geld gebraucht. Wenn er ihr z.B. Fr. 3'000.00
gegeben habe, habe er vorgängig ca. Fr. 5'000.00 bezogen, auch für sich
(vgl. UA act. 32, Protokoll Berufungsverhandlung S. 4). Dies erscheint
- 12 -
glaubhaft, zumal in den Kontoauszügen des Privatklägers zwar
regelmässig Vergütungsaufträge erscheinen, jedoch keine Transaktionen
für Lebensmittelkäufe oder ähnlichem mit einer Maestrokarte ersichtlich
sind (vgl. UA act. 153 ff.). Der Privatkläger verfügte gemäss eigener
Aussage über keine anderen Bankkonten und hatte auch keine Barmittel
oder sonstiges Vermögen, welches er hätte heranziehen können. Er habe
lediglich eine Wohnung, welche ihm gehöre (vgl. Protokoll Berufungs-
verhandlung S. 6). Es ist davon auszugehen, dass er den Überschuss von
Fr. 16'500 während der relevanten Periode von März 2014 bis Juni 2015
für den täglichen Bedarf (Lebensmittel, etc.) ausgab, was nachvollziehbar
erscheint. Eine weitere Unstimmigkeit ergibt sich indessen in Bezug auf
den Zeitpunkt der Bargeldbezüge: Anlässlich seiner polizeilichen
Einvernahme gab der Privatkläger an, er habe jeweils vor der Bargeld-
übergabe an die Beschuldigte Bargeldbezüge von seinem Konto getätigt
(vgl. UA act. 32). Diese Aussage steht im Widerspruch zu den vom
Privatkläger eingereichten Kontoauszügen (vgl. UA act. 153 ff.). Aus den
insgesamt 19 Daten lassen sich deren drei ausmachen, an welchen der
Privatkläger Geld an die Beschuldigte übergeben haben will, jedoch
vorgängig keine Bargeldbezüge getätigt hat (26. Juni 2014, 17. Oktober
2014, 14. Mai 2015). Wie bereits die Vorinstanz feststellte, lassen sich die
behaupteten Zahlungen an die Beschuldigte jedoch aus dem Restsaldo
vorheriger Bargeldbezüge erklären (vgl. Urteil E. 5.3.3). Ausserdem bezog
der Privatkläger auch an Daten Bargeld, an welchen er gar keine
Zahlungen an die Beschuldigte geltend macht (21. August 2014, 27.
Oktober 2014, 23. April 2015; vgl. UA act. 153 ff.). Nach dem Gesagten ist
festzuhalten, dass die festgestellten Unstimmigkeiten nicht gegen die
Glaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers sprechen.
5.1.2.2.
Der Privatkläger stützt sich auf die Aussagen der Zeugin G. anlässlich ihrer
Einvernahme vom 22. Juni 2018, gemäss welchen sie gehört haben will,
dass die Beschuldigte den Betrag von Fr. 75'000.00 gegenüber dem
Privatkläger in einem Telefonat bestätigt habe (vgl. UA act. 36 ff.). Dazu ist
festzuhalten, dass sie anlässlich der Berufungsverhandlung vom 16.
Februar 2022 und unter Strafandrohung von Art. 307 StGB erneut
aussagte, dem Telefonat beigewohnt zu haben und gehört zu haben, dass
die Beschuldigte ihre Geldschuld gegenüber dem Privatkläger bestätigt
habe (vgl. Protokoll Berufungsverhandlung S. 12). Dass sich die Zeugin G.
im Zeitpunkt der Berufungsverhandlung an gewisse Einzelheiten des
Telefongesprächs nicht mehr erinnern konnte, ist einerseits darauf
zurückzuführen, dass dieses bereits mehrere Jahre zurücklag und sie
anlässlich der Berufungsverhandlung gemäss eigener Aussage unter
Einfluss eines starken, sedativ wirkenden Medikaments gestanden habe.
Gleichwohl wies sie darauf hin, dass sie die Aussagen, die sie
diesbezüglich vor der Polizei im Juni 2018 gemacht habe, auch heute noch
so bestätigen könne (vgl. Protokoll Berufungsverhandlung S. 11 f.). Damals
- 13 -
hatte sie ausgesagt, es sei von den Fr. 75'000.00 die Rede gewesen,
welche die Beschuldigte dem Privatkläger schulde. Die Beschuldigte habe
den Erhalt von Fr. 75'000.00 bestätigt (vgl. UA act. 37). Im Übrigen
stimmten ihre Aussagen weitgehend mit jenen der Einvernahme vom 22.
Juni 2018 und den Aussagen des Privatklägers überein. Insbesondere
führte sie anlässlich der Berufungsverhandlung aussagekräftig aus, dass
der Privatkläger bereits im Jahre 2015 darüber geklagt habe, dass er der
Beschuldigten immer wieder Geld gegeben habe und ihn die Situation sehr
belastet habe. Ebenfalls bestätigte sie, dass sie eine handschriftliche
Auflistung der verschiedenen ausgehändigten Beträge gesehen hatte,
welche der Privatkläger erstellt habe (vgl. Protokoll Berufungsverhandlung
S. 12 f.). Nach dem Gesagten sind neben den Aussagen des Privatklägers
auch jene der Zeugin G. als glaubhaft zu beurteilen.
5.1.2.3.
Die Beschuldigte bestreitet ihrerseits konsequent, dass nach der
Überweisung von Fr. 10'000.00 vom 4. März 2014 weiteres Geld an sie
geflossen sei. So habe sie weder wiederholt über finanzielle und
persönliche Schwierigkeiten geklagt noch weitere Fr. 65'000.00 vom
Privatkläger erhalten. Zwar hat die Beschuldigte anlässlich ihrer
Einvernahme vom 23. August 2018 zweimal verneint, überhaupt jemals
Geld vom Beschuldigten erhalten zu haben und dies erst dann zugegeben,
als sie explizit auf die in ihrem Kontoauszug ausgewiesene Überweisung
von Fr. 10'000.00 hingewiesen worden ist (vgl. UA act. 43 f.). Allerdings hat
sie am Ende der Einvernahme angefügt, sie sei bei der Frage davon
ausgegangen, dass die Fr. 10'000.00 bereits ausgewiesen seien und sie
sonst kein Geld erhalten habe (vgl. UA act. 51). Zu beachten ist, dass die
Beschuldigte im vorliegenden Verfahren, wie auch im Hinblick auf die
Zivilforderung des Privatklägers, selbstverständlich ein Interesse daran hat,
die Vorwürfe von sich zu weisen. Da sich die Aussagen der Beschuldigten
anlässlich ihrer Einvernahme vom 23. August 2018 weitestgehend auf
Abstreitungen beschränken und sie anlässlich der Befragungen vor der
Vorinstanz und der Berufungsinstanz ihre Aussage verweigerte (vgl. GA
act. 29, Protokoll der Berufungsverhandlung S. 14), sind ihre Äusserungen
zu den Vorwürfen jedoch keiner Aussagewürdigung im eigentlichen Sinne
zugänglich.
5.1.3.
Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass der Privatkläger von Anfang an
konstant und übereinstimmend geschildert hat, er habe der Beschuldigten
nach der Überweisung vom 4. März 2014 weitere Bargeldbeträge im
Umfang von Fr. 65'000.00 übergeben. Seine diesbezüglichen Aussagen –
auch in Bezug auf die wiederholten Klagen der Beschuldigten über
finanzielle Probleme, welche die Zahlungen zur Folge hatten – sind über
die Zeitachse hinweg weitestgehend deckungsgleich geblieben. Der
Privatkläger hat wiederholt glaubhaft ausgeführt, er habe jeweils mehr Geld
- 14 -
bezogen, als er ihr gegeben habe, da er auch Geld für seinen eigenen
Lebensbedarf benötigt habe. Dies lässt sich, wie bereits ausgeführt (vgl.
Ziff. 5.1.2.1), anhand der eingereichten Bankauszüge nachvollziehen (vgl.
UA act. 153 ff.). Dass er die ausgehändigten Beträge jeweils für sich notiert
habe, sagte der Privatkläger sowohl anlässlich seiner ersten Einvernahme
vom 26. März 2018 als auch an der Berufungsverhandlung vom 16.
Februar 2022 aus. Dies wurde zudem von der Zeugin G. anlässlich der
Berufungsverhandlung bestätigt (vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung
S. 12 f.). Auch die sonstigen Aussagen der Zeugin G. stützen jene des
Privatklägers (vgl. Ziff. 5.1.2.2). Bei diesem Beweisergebnis ist davon
auszugehen, dass der Privatkläger der Beschuldigten nach der
unbestrittenen Überweisung vom 4. März 2014 bis zum 12. Juni 2015
insgesamt weitere Fr. 65'000.00 in bar übergeben hat.
5.2.
5.2.1.
5.2.1.1.
Der Privatkläger hat sich anlässlich seiner Einvernahme vom 26. März
2018, seiner Befragung an der Hauptverhandlung vom 28. August 2020
sowie der Befragung an der Berufungsverhandlung vom 16. Februar 2022
zu den Umständen der Überweisung vom 4. März 2014 und den
nachfolgenden Geldübergaben bis zum 12. Juni 2015 geäussert (vgl. UA
28 ff.; GA act. 23 ff., Protokoll der Berufungsverhandlung S. 3 ff.). So habe
die Beschuldigte ihm am Abend des 31. Januar 2014, nachdem sie sich an
der Generalversammlung des E. kennengelernt hätten, ihr Leid geklagt,
wonach sie wegen Lärmbelästigung sofort aus der Wohnung in V.
ausziehen müsse und deshalb Geld benötige. Sie halte es nicht mehr aus
und müsse so schnell wie möglich ausziehen, noch bevor der Mietvertrag
auslaufe. Er habe dem Darlehen sofort zugestimmt, er habe dieser Frau
einfach helfen wollen. Er habe ihr gesagt, dass er ihr Fr. 10'000.00 geben
könne, aber über die Bank. Auch habe er ihr gesagt, dass er eine
Bestätigung wolle, dass er ihr das Geld geliehen habe. Erstmals auf die
Rückzahlung angesprochen habe er sie eigentlich in diesem Moment, als
er ihr das Geld überwiesen habe. Sie habe aber nichts unterschreiben
wollen, solange die Scheidung nicht durch gewesen sei. Das sei auch bei
den nachfolgenden Geldübergaben so gewesen, als er sie jeweils um eine
Schuldanerkennung gebeten habe. Es sei der Beschuldigten von Anfang
an klar gewesen, dass es sich um ein Darlehen handle, welches sie
zurückzahlen müsse. So habe sie immer gesagt, er müsse keine Angst um
das Geld haben, er bekomme es sicher wieder zurück. Sie könne den
Geldbetrag jedoch erst zurückzahlen, wenn ihre Scheidung vorbei sei. Sie
habe ihm dies mehrfach versichert und er habe darauf vertraut. Als er ihr
eine Schuldanerkennung zur Unterschrift vorgelegt habe, habe sie das
Blatt zerrissen. Er habe immer wieder eine schriftliche Bestätigung
verlangt, doch sie sei jedes Mal wütend geworden und habe sogar gedroht,
sie würde zugrunde gehen oder sich das Leben nehmen, sofern er ihr kein
- 15 -
Geld mehr gebe. Er habe gedacht, wenn die Scheidung durch sei,
bekomme er das Geld. Sie habe die Schuldanerkennung nie
unterschrieben. Sie habe immer gesagt, er solle aufhören danach zu fragen
und ihr vertrauen. Der Anwalt habe ihr gesagt, während der Scheidung
nichts zu unterschreiben. Sie habe nach der Scheidung eine Wohnung zu
verkaufen und er müsse keine Angst haben, da gebe es schon Geld. Das
Geld sei von seiner Seite nicht als Geschenk gedacht gewesen. Er sei
grosszügig und gebe Geld, aber das müsse man wiedergeben (vgl. UA act.
30 ff., GA act. 23 ff., Protokoll der Berufungsverhandlung S. 3 ff.). Weiter
sei es undenkbar, dass die Beschuldigte davon ausgegangen sei, es
handle sich bei den Geldern um ein Geschenk. Sie habe dies erst vor
Gericht so gesagt (vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 3).
5.2.1.2.
Die Zeugin G. hat in ihrer Einvernahme vom 22. Juni 2018 sowie anlässlich
der Berufungsverhandlung vom 16. Februar 2022 ausgesagt, dass die
Beschuldigte ihre Rückzahlungspflicht im Telefonat mit dem Privatkläger
(vgl. Ziff. 5.1.1.2) erwähnt habe. Sie habe bestätigt, dass es sich beim Geld
um ein Darlehen handle, welches sie zurückbezahlen müsse. Sie habe
gewusst, dass sie das Geld nicht behalten dürfe (vgl. UA act. 37 f., Protokoll
der Berufungsverhandlung S. 12). In ihrer Einvernahme, an welcher sie
anlässlich der Berufungsverhandlung festhielt (vgl. Protokoll der
Berufungsverhandlung S. 12), sagte sie weiter aus, die Beschuldigte habe
dem Privatkläger gesagt, sie habe im Moment finanzielle Schwierigkeiten
und könne nichts zurückzahlen. Sie habe dem Privatkläger auch gesagt,
dass es ihr psychisch schlecht gehen würde, wenn sie von ihm betrieben
werden würde. Sie würde dann Probleme bei der Arbeitsstelle bekommen
und ihre Arbeit allenfalls sogar verlieren. Der Privatkläger müsse an ihre
Psyche denken. Sie habe sich während dem Telefonat nicht bereit erklärt,
eine Schuldanerkennung zu unterschreiben. Sie habe gesagt, er solle ihr
vertrauen. Sie sei eher empört gewesen und habe gesagt, er verlange
etwas von ihr, was gar nicht nötig sei. Er solle ihr einfach glauben, ihr
vertrauen. Sie sei sehr erbost und verärgert gewesen und habe auch sehr
genervt gewirkt (vgl. UA act. 37 ff.).
5.2.1.3.
Die Beschuldigte bestreitet, vom Privatkläger Fr. 65'000.00 in bar erhalten
zu haben und ihm diese zu schulden. Sie anerkennt lediglich den Erhalt der
Überweisung vom 4. März 2014 über Fr. 10'000.00 (vgl. Ziff. 5.1.2.3). Dabei
habe es sich jedoch um ein Geschenk gehandelt. Von einer Rückzahlung
sei nie die Rede gewesen; der Privatkläger habe auch nie eine
Schuldanerkennung von ihr verlangt. Sie habe das Geld gebraucht, um
Rechnungen zu bezahlen. Sie habe erst gar nicht damit gerechnet, dass
dieser Mann ihr dieses Geld schenke. Aus ihrer Sicht sei es nicht als
Darlehen gedacht gewesen, wie der Privatkläger dies behaupte. Darüber
sei nicht geredet worden. Das Geld sei von seiner Seite aus gekommen,
- 16 -
sie habe ihm keinen Grund genannt, weshalb sie Geld benötige. Sie seien
zusammen Abendessen gegangen und im Gespräch hätten sie über
private Sachen geredet. Am Schluss habe er ihr gesagt, dass er sie mit
etwas überraschen wolle. Sie habe nicht gewusst, womit. Sie sei dann auch
sehr überrascht über die Höhe des Geldbetrags gewesen. Bezüglich
Rückzahlung des Geldbetrags sei nichts vereinbart worden. Es stimme
nicht, dass er eine schriftliche Bestätigung gewollt habe und sie nichts habe
unterschreiben wollen. Er habe sie nie gebeten, etwas zurückzuzahlen. Auf
die Frage hin, weshalb der Privatkläger Darlehen erfinden sollte, hat die
Beschuldigte zu Protokoll gegeben, er habe ihr Avancen gemacht und
versucht, sie zu küssen und anzufassen, was sie habe verweigern müssen.
Sie habe auch seine Nummer sperren lassen müssen, weil er sie nachts
telefonisch belästigt habe. Er habe diese Sache erfunden, weil sie seine
Zuneigung nicht erwidert habe. Ausserdem glaube sie, es gäbe einen
Zusammenhang mit seiner neuen Freundin, der Zeugin G. (vgl. UA act. 43
ff., UA act. 49 f.).
5.2.2.
5.2.2.1.
Gemäss erstelltem Sachverhalt hat die Beschuldigte vom Privatkläger nach
der unbestrittenen Überweisung vom 4. März 2014 über Fr. 10'000.00
zwischen dem 21. März 2014 und dem 12. Juni 2015 weitere Fr. 65'000.00
in bar erhalten (vgl. Ziff. 5.1.3). Der Privatkläger hat die Umstände dieser
Überweisung und der Bargeldübergaben im gesamten Verfahren
kongruent und detailreich geschildert. So hat er von Anfang an glaubhaft
dargelegt, dass die Beschuldigte ihm bereits anlässlich ihres Kennen-
lernens vom 31. Januar 2014 über finanzielle Schwierigkeiten und
Wohnungsprobleme geklagt habe und er deshalb zugestimmt habe, ihr
finanziell auszuhelfen. Ebenfalls legte er in sämtlichen Befragungen
glaubhaft dar, dass es in der Folge immer wieder zu Klagen über finanzielle
Probleme durch die Beschuldigte gekommen sei und er sich deshalb immer
wieder bereit erklärt habe, Geld zu geben (vgl. UA act. 31 ff., GA act. 23 ff.,
Protokoll Berufungsverhandlung S. 3 ff.). Dass gewisse Aussagen des
Privatklägers dazu nicht vollumfänglich deckungsgleich sind, schadet ihrer
Glaubhaftigkeit schliesslich nicht. Der Privatkläger ist zum Zeitpunkt der
Geldüberweisung und der weiteren Geldübergaben bereits 76 bzw. 77
Jahre alt gewesen. Die Strafanzeige hat er am 10. November 2017 und
damit über 3,5 Jahre später eingereicht. Bei der Einvernahme am 26. März
2018, der Hauptverhandlung vor der Vorinstanz am 28. August 2020 sowie
der Berufungsverhandlung vom 16. Februar 2022 ist der Privatkläger
bereits 80 bzw. 83 und 85 Jahre alt gewesen. Gewisse Schwierigkeiten der
zeitlichen Einordnung von Geschehnissen sind aufgrund des fortge-
schrittenen Alters des Privatklägers und der langen Zeitspanne des
Verfahrens zu erwarten. So spricht der Umstand, dass er anlässlich der
Strafanzeige angegeben hat, dem Darlehen vom 4. März 2014 über
Fr. 10'000.00 "nach mehrmaliger Bitte" (vgl. UA act. 138 ff.), gemäss seiner
- 17 -
Einvernahme jedoch "sofort" (vgl. UA act. 28 ff.) zugestimmt zu haben, nicht
gegen seine sonst kongruente Darstellung der Geschehnisse. Der
Privatkläger hat überdies konstant ausgesagt, er habe wiederholt versucht,
von der Beschuldigten eine Schuldanerkennung zu bekommen, wobei er
jedoch immer gescheitert sei. Insbesondere hat er aussagekräftig
beschrieben, wie erbost die Beschuldigte jeweils über die entsprechende
Bitte gewesen sei und dass sie einmal eine vorgelegte Schuldanerkennung
vor seinen Augen zerrissen habe. Ebenfalls habe sie ihm mehrmals gesagt,
sie werde sich das Leben nehmen oder das Ganze seinen Kindern
erzählen, obwohl er die Sache habe geheim halten wollen (vgl. UA act. 31,
GA act. 24, GA act. 26, Protokoll der Berufungsverhandlung S. 5). Der
Privatkläger konnte sich trotz der längeren Zeitspanne an viele Details
seiner Interaktionen mit der Beschuldigten erinnern und gab diese an
sämtlichen Befragungen übereinstimmend wieder. Auch diesbezüglich
erscheinen seine Aussagen als glaubhaft. Es ergeben sich keine Hinweise
darauf, dass der Privatkläger die Darlehen bzw. die Rückzahlungspflicht
der Beschuldigten aufgrund abgewiesener Zuneigung oder aus sonstigen
Gründen erfunden haben sollte. Wenn es auch wahrscheinlich ist, dass ein
gewisses Interesse an der Beschuldigten bestanden hat, ist aus den Akten
nicht ersichtlich, dass dies für die Vorwürfe des Privatklägers bzw. das
vorliegende Verfahren von Relevanz ist.
5.2.2.2.
Die glaubhaften Aussagen des Privatklägers werden durch die Zeugin G.
gestützt. Diese hat in ihrer Einvernahme mehrmals und in eigenen Worten
beschrieben, dass die Beschuldigte um ihre Rückzahlungspflicht gewusst
und dem Privatkläger die Rückzahlung auch bestätigt habe. So habe die
Beschuldigte begriffen, dass sie "das Geld nicht behalten dürfe" (vgl. UA
act. 38). Insbesondere hat sie auch detailreich ausgeführt, dass die
Beschuldigte darüber gesprochen habe, dass sie das Geld momentan aus
finanziellen Gründen nicht zurückzahlen könne und eine Betreibung des
Privatklägers sie auch im Zusammenhang mit ihrer Psyche und ihrem
Arbeitgeber in eine missliche Lage bringen könnte. Ebenfalls habe sie
erbost und genervt gewirkt, als der Privatkläger sie auf die Unterzeichnung
einer Schuldanerkennung angesprochen habe (vgl. UA act. 38). Diese
Aussagen zum Verhalten der Beschuldigten, deren Ausflüchte im
Zusammenhang mit der Rückzahlung und die negative Reaktion auf die
Frage einer Schuldanerkennung erscheinen glaubhaft. Zudem bestätigte
sie ihre Aussagen der Einvernahme vom 22. Juni 2018 anlässlich der
Berufungsverhandlung vom 16. Februar 2022 (vgl. Protokoll
Berufungsverhandlung S. 12). Ihre Aussagen zu der Rückzahlungspflicht
und Verweigerung einer Schuldanerkennung seitens der Beschuldigten
sind somit als glaubhaft zu erachten.
- 18 -
5.2.2.3.
Entgegen den Vorbringen des Privatklägers behauptet die Beschuldigte,
der Privatkläger habe ein persönliches Interesse an ihr gehabt und habe
ihr deshalb ein Überraschungsgeschenk von Fr. 10'000.00 gemacht. Sie
habe nicht gewusst, worum es sich bei dem Geschenk gehandelt habe und
sei dann auch sehr überrascht über die Höhe des Geldbetrags gewesen.
Bezüglich einer Rückzahlung sei nichts vereinbart worden (vgl. UA act. 44).
Anlässlich ihrer Einvernahme vom 23. August 2018 hat sie ausgesagt, sie
sei mit dem Privatkläger zum Abendessen gegangen. Im Gespräch hätten
sie über private Sachen geredet und am Schluss habe er ihr gesagt, dass
er sie mit etwas überraschen wolle. Sie habe nicht gewusst, womit (vgl. UA
act. 44). Es ist unbestritten, dass der Privatkläger ihr das Geld am 4. März
2014 überwiesen und nicht bei einem Abendessen in bar übergeben hat.
Wie der Privatkläger – wenn es stimmen sollte, dass die Beschuldigte ihn
nie um Geld gebeten habe – vorgängig die Kontoinformationen der
Beschuldigten erhalten haben soll, ist weder aus den Akten noch den
Aussagen der Beschuldigten ersichtlich. Des Weiteren hat der Privatkläger
in der Strafanzeige vom 10. November 2017 sowie an der Berufungs-
verhandlung vom 16. Februar 2022 angegeben, der Beschuldigten einen
Ring und einen neuen Fernseher geschenkt zu haben. Ebenfalls habe er
sie wiederholt zum Abendessen eingeladen und ihr bei Wohnungs-
wechseln und anderen Belangen geholfen (vgl. UA act. 146, Protokoll der
Berufungsverhandlung S. 5). Die beiden Parteien haben offensichtlich eine
freundschaftliche Beziehung miteinander gepflegt, während welcher der
Privatkläger der Beschuldigten auch hin und wieder Zuwendungen
gemacht hat. Dies ist soweit nachvollziehbar und wurde vom Privatkläger
von Anfang an nicht bestritten. Es ist deshalb, wie bereits dargelegt (vgl.
Ziff. 5.2.2.1), auch nicht auszuschliessen, dass ein gewisses Interesse an
der Beschuldigten vorhanden war, wie die Beschuldigte dies vorbringt.
Trotzdem erscheint es unter den konkreten Umständen und insbesondere
den wirtschaftlichen Verhältnissen des Privatklägers (pensionierter
Landwirt ohne Pensionskasse, vgl. GA act. 22, GA act. 27, Protokoll der
Berufungsverhandlung S. 7 f.) lebensfremd, dass er der Beschuldigten
nach der damals erst kurzen Bekanntschaft von rund einem Monat ein
Geschenk in der Höhe von Fr. 10'000.00 gemacht haben soll. Implizit
bestätigt dies im Übrigen auch die Beschuldigte, die angesichts der Höhe
des Betrags angegeben hat, "überrascht" gewesen zu sein (vgl. UA act.
44). Umso weniger nachvollziehbar erscheint vor diesem Hintergrund, dass
der Privatkläger ihr die beweismässig erstellten Fr. 65'000.00 in bar (vgl.
Ziff. 5.1.3) geschenkt haben sollte. Im Gegensatz zur Darstellung der
Beschuldigten erscheint vielmehr glaubhaft, dass der Privatkläger ihr die
besagten Geldsummen auf ihre wiederholte Bitte geliehen und überwiesen
bzw. übergeben hat. Im Übrigen liegen, wie bereits dargelegt, keine
Hinweise in den Akten vor, welche die Behauptungen der Beschuldigten im
Zusammenhang mit enttäuschten Erwartungen des Privatklägers oder
einem Motiv der Falschbezichtigung seitens der Zeugin G. belegen könnten
- 19 -
(vgl. Ziff. 5.2.2.1 bzw. 5.2.2.2). Die Aussagen der Beschuldigten im
Zusammenhang mit der Überweisung vom 4. März 2014 und den weiteren
Bargeldübergaben in der Höhe von Fr. 65'000.00 sind somit als reine
Schutzbehauptungen zu erachten.
5.2.3.
Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass der Privatkläger glaubhaft
dargelegt hat, dass es sich bei der Überweisung vom 4. März 2014 und den
darauffolgenden Bargeldübergaben zwischen dem 21. März 2014 und dem
12. Juni 2015 um rückzahlungspflichtige Darlehen und nicht um ein
Geschenk gehandelt hat, dass sich die Beschuldigte dessen auch bewusst
gewesen ist und ihm die Rückzahlung mehrmals versichert hat. Ebenfalls
hat er glaubhaft dargelegt, dass die Beschuldigte mehrmals eine
Schuldanerkennung verweigert hat (vgl. Ziff. 5.2.2.1). Selbiges hat die
Zeugin G. in ihren ebenfalls glaubhaften Aussagen bestätigt (vgl. Ziff.
5.2.2.2). Die Aussagen der Beschuldigten, wonach sie die Überweisung als
Überraschungsgeschenk erhalten habe und deshalb keine
Rückzahlungspflicht ihrerseits bestehe, erweisen sich demgegenüber als
unglaubhaft. Selbiges gilt für die implizit bestrittene Rückzahlungspflicht in
Bezug auf die Fr. 65'000.00 in Bargeld, deren Erhalt durch die Beschuldigte
als beweismässig erstellt zu erachten ist (vgl. Ziff. 5.1.3, Ziff. 5.2.2.3).
6.
Nach obigem Beweisergebnis ist von folgendem Sachverhalt auszugehen:
Die Beschuldigte hat vom Privatkläger am 4. März 2014 auf ihre Bitte hin
ein Darlehen von Fr. 10'000.00 auf ihr Konto überwiesen erhalten,
nachdem sie ihm über finanzielle Probleme geklagt hat. Zwischen dem 21.
März 2014 und dem 12. Juni 2015 richtete der Privatkläger der
Beschuldigten, ebenfalls auf Bitten und Klagen ihrerseits hin, weitere
Fr. 65'000.00 in bar aus, dies jeweils an 19 verschiedenen Daten (vgl. UA
act. 161, UA act. 138 ff.). Der Beschuldigten ist dabei von Anfang an
bewusst gewesen, dass sie das Geld zurückzahlen muss. Den
wiederholten Aufforderungen des Privatklägers, das Geld
zurückzubezahlen oder ihre Schuld mindestens schriftlich festzuhalten, ist
sie nicht nachgekommen.
7.
7.1.
Gemäss Anklage soll die Beschuldigte den Privatkläger mit ihrem Verhalten
über ihren Rückzahlungswillen arglistig getäuscht und sich dadurch
bereichert haben. Damit habe sie sich des Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1
StGB schuldig gemacht. Die Beschuldigte bestreitet mit Berufung den
Erhalt des Darlehens und sinngemäss eine Rückzahlungspflicht ihrerseits.
Eventualiter bringt sie vor, dass eine Opfermitverantwortung des Privat-
klägers vorliege, wodurch eine Strafbarkeit im Zusammenhang mit dem
- 20 -
Vorwurf des Betrugs aufgrund fehlender Arglist ohnehin entfalle (vgl.
Berufungsbegründung S. 2 ff.).
7.2.
Des Betruges gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich schuldig, wer
jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen
arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so den
Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder
einen anderen am Vermögen schädigt.
7.3.
7.3.1.
Als Täuschung gilt jedes Verhalten, welches darauf abzielt, bei einem
anderen eine von der Wirklichkeit abweichende Vorstellung über objektiv
feststehende Tatsachen der Vergangenheit oder Gegenwart hervorzu-
rufen. Auch gegenwärtige innere Tatsachen, welche sich auf künftige
Vorgänge beziehen, können täuschungsrelevant sein. Im Zusammenhang
mit Betrugskonstellationen betrifft dies insbesondere die innere Tatsache
des (Rück-)Zahlungswillens. Wer einen Darlehensvertrag abschliesst und
bereits im Zeitpunkt des Vertragsschlusses nicht gewillt ist, seiner
Rückzahlungspflicht nachzukommen, täuscht nicht über das künftige
Zahlungsereignis, sondern über seinen gegenwärtigen Leistungswillen
(vgl. BGE 135 IV 76 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen; MAEDER/NIGGLI, in:
Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N. 41 ff. zu Art. 146 StGB).
7.3.2.
Die Beschuldigte hat am 4. März 2014 ein Darlehen über Fr. 10'000.00 vom
Privatkläger überwiesen bekommen. In der Folge bezog sie von ihm
zwischen dem 21. März 2014 und dem 12. Juni 2015 weitere 19
Bargelddarlehen in der Höhe von Fr. 65'000.00. Dabei hat sie ihm stets
versichert, diese Darlehen von gesamthaft Fr. 75'000.00 nach der
Scheidung zurückzuzahlen. Trotz dieses Versprechens hat sie sich
fortwährend geweigert, ihre Schuld schriftlich zu bestätigen (vgl. Ziff. 6).
Stattdessen hat sie den Privatkläger wiederholt damit vertröstet, er werde
das Geld schon zurückbekommen und müsse ihr einfach glauben und
vertrauen (vgl. Ziff. 5.2.1.1). Trotz ihres Rückzahlungsversprechens ist die
Beschuldigte offensichtlich von vornherein weder gewillt gewesen, ihre
Geldschuld schriftlich festzuhalten noch sie überhaupt zu begleichen,
zumal der Privatkläger sein Geld auch nach der Scheidung der
Beschuldigten und bis heute nicht zurückerhalten hat. Daran vermögen
auch die wiederholten Appelle an das Vertrauen und den Glauben des
Privatklägers nichts zu ändern, bestätigen diese doch vielmehr, dass die
Beschuldigte den Privatkläger in seiner Überzeugung, sie werde ihr
Rückzahlungsversprechen schon halten, noch hat bestärken wollen. Die
Beschuldigte hat den Privatkläger damit über ihren tatsächlich nicht
- 21 -
vorhandenen Rückzahlungswillen getäuscht, wodurch eine relevante
Täuschungshandlung ohne Weiteres zu bejahen ist.
7.3.3.
Das Gesetz verlangt, dass die Täuschung arglistig sein muss. Nach
ständiger Praxis des Bundesgerichts definiert sich Arglist dadurch, dass der
Täter ein ganzes Lügengebäude errichtet oder sich besonderer Machen-
schaften oder Kniffe bedient. Arglist kann auch bei einfachen Lügen
vorliegen, deren Überprüfung nicht bzw. nur mit besonderer Mühe möglich
oder gar unzumutbar ist (vgl. BGE 142 IV 153 E. 2.2.2 mit weiteren
Hinweisen). Die Vorspiegelung eines tatsächlich nicht bestehenden
Rückzahlungswillens ist grundsätzlich arglistig, da sich diese auf eine
innere Tatsache bezieht, welche vom Vertragspartner nicht überprüft
werden kann.
7.3.4.
Die Beschuldigte ist bei ihrer Täuschung gezielt vorgegangen. Sie hat die
Gutgläubig- und Gutmütigkeit des Privatklägers durch eine Kombination
von Klagen, Vorwänden und leeren Versprechungen ausgenutzt. Beim
Rückzahlungswillen handelt es sich um eine innere, dem objektiven Beweis
nicht zugängliche Tatsache. Dem Privatkläger war es somit von vornherein
nicht möglich, den Rückzahlungswillen zu überprüfen. Nach dem Gesagten
ist das Vorliegen des objektiven Tatbestandsmerkmals der Arglist zu
bejahen.
7.4.
7.4.1.
Entgegen der Auffassung der Beschuldigten liegt auch keine Opfermit-
verantwortung des Beschuldigten vor, die die Arglist ausschliessen würde.
Die wäre nur dann der Fall, wenn der Getäuschte seinen Irrtum mit einem
Mindestmass an Aufmerksamkeit hätte vermeiden können. Dabei ist nicht
darauf abzustellen, wie ein durchschnittlich vorsichtiger und erfahrener
Dritter auf die Täuschung reagiert hätte. Entscheidend ist vielmehr die
jeweilige Lage und Schutzbedürftigkeit des Betroffenen im Einzelfall. Der
strafrechtliche Schutz fällt nicht bei jeder Fahrlässigkeit des Getäuschten
dahin, sondern lediglich bei einem Mass an Leichtfertigkeit, welches das
betrügerische Verhalten des Täters in den Hintergrund treten lässt.
Insbesondere bei besonders schutzbedürftigen Personen sind keine hohen
Anforderungen an die Opfermitverantwortung zu stellen. Dazu gehören
unter anderem unerfahrene und aufgrund ihres Alters beeinträchtigte
Personen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_518/2012 vom 5. Februar
2013 E. 3.4.1, BGE 135 IV 76 E. 5.2 f., je mit Hinweisen; Urteil des
Bundesgerichts 6B_609/2011 vom 23. Februar 2012 E. 4.3.3).
- 22 -
7.4.2.
Es ist unbestritten, dass sich die Beschuldigte und der Privatkläger am
31. Januar 2014 im Rahmen einer Veranstaltung des E. kennengelernt
haben und in der Folge eine freundschaftliche Beziehung gepflegt haben,
während welcher sie sich ab und zu getroffen haben (vgl. UA act. 30 ff., UA
act. 44, GA act. 24). Es ist davon auszugehen, dass sich in der Zeit von
etwas über einem Monat, bevor es zur Überweisung vom 4. März 2014
gekommen ist, ein gewisses Vertrauensverhältnis zwischen den Beiden
entwickelt hat, welches sich in der nachfolgenden Periode bis zum Juni
2015 weiter vertieft haben dürfte. Es ist deshalb nachvollziehbar, dass der
Privatkläger grundsätzlich darauf vertraut hat, dass die Beschuldigte ihm
die Wahrheit sagt und sich an ihre Versprechen hält, zumal er in diesem
Zeitpunkt keinen Anlass für Zweifel gehabt hat. Die Beschuldigte hat den
Privatkläger wiederholt damit vertröstet, dass er das Geld nach der
abgeschlossenen Scheidung wiederbekomme, worauf der Privatkläger
gemäss eigener Aussage gewartet hatte (vgl. Protokoll der Berufungs-
verhandlung S. 5). Es erschien ihm offenbar schlüssig, dass die
Beschuldigte auf Anraten ihres Anwalts keine Schuldanerkennungen
unterzeichnen sollte, solange die güterrechtliche Auseinandersetzung
anlässlich ihrer Scheidung nicht abgeschlossen sei (vgl. UA act. 33, GA
act. 24, Protokoll der Berufungsverhandlung S. 3 ff.). Als nach der
Scheidung in 2017 jedoch keine Rückzahlung erfolgte, leitete der
Privatkläger die Betreibung ein und machte später Strafanzeige (vgl. UA
act. 163, UA act. 138). Die Beschuldigte hat dem Privatkläger immer wieder
eine tatsächlich nicht bestehende Notlage vorgegaukelt und seine
Gutmütigkeit ausgenutzt. Eine Rückzahlung verweigerte sie wiederholt
unter glaubhaft erscheinenden Vorwänden. Von Leichtfertigkeit des
Privatklägers kann unter diesen Umständen keine Rede sein. Eine
Opfermitverantwortung liegt nicht vor.
7.5.
7.5.1.
Die arglistige Täuschung muss bei dem Getäuschten eine Vorstellung
hervorrufen, welche von der Wirklichkeit abweicht. Der Getäuschte muss
sodann gestützt auf diese irrtümliche Vorstellung eine rechtliche oder
tatsächliche Vermögensdisposition treffen, welche freiwillig zu erfolgen hat.
Mit Eintritt des Vermögensschadens ist das Betrugsdelikt vollendet.
Gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts entspricht der
Schaden der ungewollten Vermögensminderung des Geschädigten, das
heisst der Differenz zwischen dem gegenwärtigen Vermögensstand und
dem Stand, den das Vermögen ohne das schädigende Ereignis, in diesem
Falle ohne die arglistige Täuschung, hätte (vgl. BGE 147 IV 73 E. 6.1).
Zwischen arglistiger Täuschung und Irrtum sowie zwischen Irrtum und
Vermögensdisposition muss ein Motivationszusammenhang vorliegen,
zwischen der Vermögensdisposition und dem Schaden ein Kausalzusam-
menhang (MAEDER/NIGGLI, a.a.O., N. 40 zu Art. 146 StGB).
- 23 -
7.5.2.
Der Privatkläger hat der Beschuldigten freiwillig, aber im Vertrauen darauf,
dass er das Geld wieder zurückerhalten werde, ein Darlehen über
insgesamt Fr. 75'000.00 (Überweisung von Fr. 10'000.00 vom 4. März
2014 und Bargeld über insgesamt Fr. 65'000.00 zwischen 21. März 2014
und 12. Juni 2015) ausgerichtet. Hätte er den in Wahrheit fehlenden Rück-
zahlungswillen der Beschuldigten gekannt, hätte er das Darlehen nicht
gewährt und sein Vermögen hätte sich nicht entsprechend vermindert. Die
arglistige Täuschung der Beschuldigten über ihren Rückzahlungswillen ist
somit direkt kausal für den eingetretenen Schaden. Der hypothetische
Vermögensstand des Privatklägers wäre ohne die Täuschung im Umfang
des Darlehenswertes höher als er dies effektiv ist. Somit beläuft sich der
ihm entstandene Schaden auf Fr. 75'000.00.
7.6.
7.6.1.
In subjektiver Hinsicht muss der Betrug, das heisst die Abfolge von der
Täuschung über die Vermögensdisposition bis zum Schaden, vom Täter
zumindest gewollt und somit vom Vorsatz erfasst sein. Es genügt
Eventualvorsatz. Darüber hinaus muss der Täter in der Absicht, sich
unrechtmässig zu bereichern, handeln (MAEDER/NIGGLI, a.a.O., N. 269 ff.
und 273 zu Art. 146 StGB).
7.6.2.
Die Beschuldigte hat den Privatkläger durch wiederholte Vorspiegelung
eines Rückzahlungswillens arglistig getäuscht und damit bewirkt, dass er
ihr am 4. März 2014 Fr. 10'000.00 als Darlehen überwiesen und zwischen
dem 21. März 2014 und dem 12. Juni 2015 insgesamt weitere Fr. 65'000.00
in bar als Darlehen ausbezahlt hat. Die Beschuldigte hat sich durch dieses
vom Privatkläger erhaltene Geld bereichern wollen. Sie hat damit
direktvorsätzlich gehandelt, nicht nur in Bezug auf die arglistige Täuschung,
sondern auch hinsichtlich des Eintritts eines Vermögensschadens beim
Privatkläger und die bei ihr eingetretene Bereicherung. Der Betrugstat-
bestand ist somit auch in subjektiver Hinsicht erfüllt.
7.7.
Es sind weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe ersichtlich.
Die Beschuldigte hat sich im Zusammenhang mit der Überweisung vom
4. März 2014 über Fr. 10'000.00 sowie den Bargeldzahlungen zwischen
dem 21. März 2014 und dem 12. Juni 2015 von insgesamt Fr. 65'000.00
des mehrfachen Betruges gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB strafbar gemacht.
- 24 -
8.
8.1.
Der vorinstanzliche Schuldspruch gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB wird
vorliegend bestätigt. Selbiges gilt, wie im Folgenden zu zeigen ist, für die
vorinstanzliche Strafzumessung. Im Zusammenhang mit dem anwend-
baren Strafrahmen und der Anwendung des neuen Sanktionenrechts kann
vorab auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden
(vgl. Urteil E. 6.1.2 f.).
8.2.
Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach
Art. 47 ff. StGB wiederholt dargelegt (BGE 141 IV 61 E. 6.1.1;
BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. S. 59 ff. mit Hinweisen). Darauf kann verwiesen
werden.
8.3.
Die Beschuldigte hat mit der arglistigen Täuschung des Privatklägers einen
Deliktbetrag von Fr. 75'000.00 umgesetzt, wodurch dem Privatkläger ein
erheblicher finanzieller Schaden entstanden ist. Die Beschuldigte ist dabei
gezielt vorgegangen und hat seine Gutmütigkeit schamlos ausgenutzt. Das
Verhalten der Beschuldigten, insbesondere der Umstand, dass sie sich
eine betagte Person als Opfer für ihre Täuschung ausgesucht hat, zeugt
von einem Mass an Rücksichtslosigkeit und krimineller Energie, welches
nicht mehr als nur geringfügig einzuschätzen ist. Wie bereits die Vorinstanz
zutreffend festgestellt hat, muss zudem davon ausgegangen werden, dass
die Beschuldigte das vom Privatkläger erhaltene Geld zudem für
luxuriösere Ausgaben – etwa ihre Leasinggeschäfte von rund Fr. 900.00
pro Monat für einen Porsche, einen Smart und eine Harley Davidson – und
nicht etwa zur Deckung des Grundbedarfs benötigt hat (vgl. Urteil E. 6.2.2;
UA act. 10).
Das Tatverschulden kann unter diesen Umständen nicht mehr als leicht
erachtet werden. Bei einem folglich mittelschweren Verschulden erscheint
die von der Vorinstanz als angemessen erachtete Geldstrafe von 90
Tagessätzen als zu mild. Sie kann aber aufgrund des Verschlechterungs-
verbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) nicht erhöht werden. Eine Senkung kommt
indessen ebenfalls nicht in Frage.
8.4.
Die Täterkomponente wirkt sich neutral aus. Die Beschuldigte hat keine
Vorstrafen, ist berufstätig (vgl. Lohnabrechnung Januar 2022, Beilagen der
Verteidigung zur Berufungsverhandlung) und lebt in normalen finanziellen
Verhältnissen und ohne Schulden (vgl. UA act. 47).
- 25 -
8.5.
Zusammenfassend bleibt es – wie erwähnt – bei der von der Vorinstanz
festgelegten Geldstrafe von 90 Tagessätzen.
8.6.
Wie die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, ist die Verfahrensdauer von
über 4 Jahren seit Beginn der Strafuntersuchung vorliegend strafmildernd
zu berücksichtigen, da keine besondere Komplexität des Falles oder
sonstige Umstände vorliegen, welche eine längere Verfahrensdauer zu
rechtfertigen vermögen (vgl. Urteil E. 6.2.3). Eine Reduktion um 10
Tagessätze erscheint angemessen, wodurch die Beschuldigte zu einer
Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu verurteilen ist.
8.7.
Die Beschuldigte bezieht ein monatliches Nettoeinkommen von
Fr. 3'348.25 (vgl. Lohnabrechnung per Januar 2022, Beilagen der
Verteidigung zur Berufungsverhandlung). Unter Berücksichtigung des
13. Monatslohns und eines Pauschalabzugs von 20% ergibt sich eine
Tagessatzhöhe von Fr. 100.00. Es bleibt somit bei der von der Vorinstanz
ausgefällten Geldstrafe von Fr. 8'000.00 (Fr. 100.00 x 80; vgl. E. 6.3).
Ausserdem hat die Vorinstanz zutreffend festgestellt, dass der
Beschuldigten – insbesondere aufgrund ihrer Vorstrafenlosigkeit – keine
ungünstige Prognose gestellt werden kann. Es ist diesbezüglich auf die
korrekten Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen (vgl. Urteil E. 6.4). In
Anwendung von Art. 42 Abs. 1 StGB ist somit der bedingte Vollzug der
Geldstrafe zu gewähren. Mit der Vorinstanz ist die Probezeit gemäss Art.
44 Abs. 1 StGB auf 2 Jahre anzusetzen (vgl. Urteil E. 6.4.2).
9.
9.1.
Die Beschuldigte wird vorliegend des mehrfachen Betrugs gemäss Art. 146
Abs. 1 StGB schuldig gesprochen, weshalb das Gericht gestützt auf
Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO über die anhängig gemachte Zivilklage zu
entscheiden hat. Hinsichtlich der allgemeinen Voraussetzungen der
Adhäsionsklage und der Aktivlegitimation des Privatklägers kann auf die
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urteil E. 7
f.).
9.2.
Der Privatkläger beantragt, die Beschuldigte habe ihm im Zusammenhang
mit den von ihm ausgerichteten Darlehen die Rückzahlung von gesamthaft
Fr. 75'000.00 zuzüglich 5% Zins zu leisten. Zusätzlich seien dem
Beschuldigten die Betreibungskosten von Fr. 103.30 zu bezahlen und der
Rechtsvorschlag der Betreibung (Betreibungsnummer aaa; UA act. 163)
vom 16. August 2017 zu beseitigen. Die Vorinstanz hat die Zivilforderung
- 26 -
des Privatklägers über Fr. 75'000.00 zuzüglich 5% Zins gutgeheissen, die
Beschuldigte zur Zahlung der Betreibungskosten verpflichtet und den
Rechtsvorschlag beseitigt (Urteil E. 7.3 ff.). Die Beschuldigte verlangt mit
Berufung, die Zivilforderung des Privatklägers sei abzuweisen.
9.3.
9.3.1.
Durch den Darlehensvertrag verpflichtet sich der Darleiher zur Übertragung
des Eigentums an einer Summe Geldes oder an andern vertretbaren
Sachen, der Borger dagegen zur Rückerstattung von Sachen der
nämlichen Art in gleicher Menge und Güte (Art. 312 OR).
Der Privatkläger bringt vor, er habe der Beschuldigten Darlehen von
insgesamt Fr. 75'000.00 gewährt, welche sie ihm zurückzuzahlen habe.
Wie bereits dargelegt, sind sowohl die Überweisung über Fr. 10'000.00
vom 4. März 2014 als auch die Bargeldzahlungen über Fr. 65'000.00
zwischen dem 21. März 2014 und dem 12. Juni 2015 beweismässig erstellt.
Somit bezieht sich die zu beurteilende Rückzahlungspflicht der
Beschuldigten vorliegend auf Darlehen über insgesamt Fr. 75'000.00 (vgl.
Ziff. 6).
9.3.2.
Wurde für ein Darlehen weder ein Rückzahlungstermin noch eine
Kündigungsfrist vereinbart, ist das Darlehen innerhalb von sechs Wochen
ab der ersten Aufforderung zurückzuerstatten (Art. 318 OR). Nach dieser
Bestimmung wird das Darlehen durch Aufforderung des Darleihers innert
sechs Wochen zur Rückzahlung fällig. Mit Ablauf der sechswöchigen Frist
endet der Vertrag und der Borger kommt ohne Weiteres in Verzug (Art. 102
Abs. 2 OR; vgl. MAUENBRECHER/SCHÄRER in: Basler Kommentar,
Obligationenrecht I, 7. Auflage 2020, N. 7 zu Art. 318). Befindet sich der
Schuldner mit der Zahlung einer Verbindlichkeit im Verzug, hat er einen
Verzugszins von 5% für das Jahr zu zahlen (Art. 104 Abs. 1 OR).
Der Privatkläger hat der Beschuldigten das Darlehen über Fr. 10'000.00 am
4. März 2014 sowie weitere Bardarlehen über Fr. 65'000.00 zwischen dem
21. März 2014 und 12. Juni 2015 ausbezahlt. Es ist nicht ersichtlich, dass
die Parteien jeweils einen konkreten Verfallstag oder Rückzahlungstermin
vereinbart hätten. Allerdings hat der Privatkläger der Beschuldigten die
Darlehen mit Schreiben vom 27. März 2017 auf den 15. Mai 2017 gekündigt
(vgl. UA act. 160). Aus einem Schreiben vom 3. April 2017 des damaligen
Vertreters des Privatklägers geht hervor, dass er an diesem Tag ein
Telefonat mit der Beschuldigten zu besagtem Kündigungsschreiben vom
27. März 2017 geführt hat (vgl. UA act. 162). Das Schreiben wurde ihr somit
spätestens am 3. April 2017 zugestellt, womit die Kündigungsfrist von
sechs Wochen in jedem Fall gewahrt worden ist. Die Rückzahlung der
Darlehen über Fr. 75'000.00 ist somit am 15. Mai 2017 fällig geworden. Die
- 27 -
Beschuldigte befindet sich seither im Verzug und hat ab diesem Datum
einen Verzugszins in der Höhe von 5% zu bezahlen.
9.4.
Der Privatkläger beantragt weiter, die Beschuldigte sei zu verpflichten, ihm
die Betreibungskosten von Fr. 103.30 zu bezahlen. Ausserdem sei der
Rechtsvorschlag in der Betreibung vom 16. August 2017 zu beseitigen.
Was die Betreibungskosten von Fr. 103.30 betrifft, ist darauf hinzuweisen,
dass diese nicht adhäsionsweise im Strafverfahren geltend gemacht
werden können, da es sich nicht um Kosten handelt, welche unmittelbar
aus der Straftat herrühren (vgl. Art. 122 Abs. 1 StPO). Für die Beseitigung
des Rechtsvorschlags in der Betreibung vom 16. August 2017 gibt es
zudem in der Strafprozessordnung keine gesetzliche Grundlage, weshalb
der Privatkläger diesbezüglich an den ordentlichen Rechtsöffnungsrichter
zu verweisen ist. Die diesbezüglichen Anträge des Privatklägers sind
entsprechend abzuweisen.
10.
Die Zivilforderung des Privatklägers wird im Umfang von Fr. 75'000.00
zuzüglich 5% Zins seit dem 15. Mai 2017 gutgeheissen.
11.
11.1.
Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei
als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon ab, in welchem Ausmass
ihre vor Berufungsgericht gestellten Anträge gutgeheissen wurden (Urteil
des Bundesgerichts 6B_176/2019 vom 13. September 2019 E. 2.2).
Die Berufung der Beschuldigten wird vorliegend abgewiesen. Ausgangs-
gemäss sind ihr die Kosten des Berufungsverfahrens von gesamthaft
Fr. 2'170.00, bestehend aus der Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.00 und den
Auslagen von Fr. 170.00, vollumfänglich aufzuerlegen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschuldigte keinen Anspruch
auf Entschädigung und trägt ihre Parteikosten im Berufungsverfahren
selber (Art. 436 StPO i.V.m. Art. 429 Abs. 1 e contrario).
11.2.
Der Privatkläger hat gegenüber der Beschuldigten Anspruch auf
angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im
Berufungsverfahren, wenn er obsiegt (Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 433
Abs. 1 lit. a StPO). Der Privatkläger hat die Entschädigungsforderung bei
der Strafbehörde zu beantragen und zu beziffern (Art. 433 Abs. 2 StPO).
- 28 -
Vorliegend obsiegt der Privatkläger mit seinem Antrag auf Abweisung der
Berufung grossmehrheitlich. Demnach ist er für seine notwendigen
Aufwendungen im Berufungsverfahren zu entschädigen. Nach § 9 Abs. 1
i.V.m. § 9 Abs. 3 des Dekrets über die Entschädigung der Anwälte
(Anwaltstarif, AnwT, SAR 291.150) bemisst sich die Entschädigung des
Vertreters der Privatklägerschaft nach dem angemessenen Zeitaufwand,
wobei der Stundenansatz in der Regel Fr. 220.00 beträgt. Auslagen und
Mehrwertsteuer werden separat entschädigt (§ 9 Abs. 2bis AnwT).
Mit Kostennote vom 16. Februar 2022 hat der Vertreter des Privatklägers,
Michael Ritter, Rechtsanwalt [...], Kosten von gesamthaft Fr. 3'252.55
(13.3 Std. à Fr. 220.00 sowie Auslagen von Fr. 50.00, inkl. 7.7% MwSt.)
geltend gemacht. Dieser Aufwand erweist sich dem Umfang und der
Bedeutung der vorliegenden Strafsache nach als angemessen und ist
entsprechend gutzuheissen. Der Privatkläger ist somit von der
Beschuldigten im Umfang von Fr. 3'252.55 zu entschädigen.
12.
12.1.
Fällt das Obergericht einen neuen Entscheid, befindet es darin auch über
die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO).
Die vorinstanzliche Kostenregelung erweist sich als korrekt und bedarf
keiner Änderung. Unter Berücksichtigung des vorliegend unangefochten
gebliebenen Freispruchs vom Vorwurf der Nötigung gemäss Art. 181 StGB
sind der Beschuldigten die vorinstanzlichen Verfahrenskosten von
gesamthaft Fr. 2'690.00 zu 70% und somit im Betrag von Fr. 1'883.00
aufzuerlegen. Der Restbetrag von Fr. 807.00 geht zu Lasten der
Staatskasse.
12.2.
Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen, hat sie
Anspruch auf Entschädigung (Art. 429 Abs. 1 StPO).
Die Vorinstanz hat die Kostennote des frei gewählten Verteidigers der
Beschuldigten vom 28. August 2020 im Umfang von Fr. 11'967.15
genehmigt (vgl. Urteil E. 8.2).
Die Beschuldigte wird im vorinstanzlichen Verfahren teilweise freige-
sprochen. Sie ist im Umfang ihres Freispruchs, somit im Umfang von 30%,
zu entschädigen. Im Hinblick auf ihre vorinstanzlichen Parteikosten von
Fr. 11'967.15 ergibt sich eine Entschädigung von Fr. 3'590.15. Im
Zusammenhang mit dem Zivilpunkt sind ihr keine nennenswerten
Aufwendungen entstanden, wodurch eine Entschädigung durch den
Privatkläger entfällt (vgl. Art. 432 Abs. 1 StPO). Die Entschädigung von
Fr. 3'590.15 geht vollumfänglich zu Lasten der Staatskasse. Im Übrigen
- 29 -
trägt die Beschuldigte ihre Parteikosten im Rahmen des vorinstanzlichen
Verfahrens selber.
12.3.
Der Privatkläger hat gegenüber der Beschuldigten Anspruch auf
angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren,
wenn er obsiegt (Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO).
Die Kostennote des Vertreters des Privatklägers vom 28. August 2020
wurde von der Vorinstanz im Umfang von Fr. 13'129.90 gutgeheissen (vgl.
Urteil E. 8.3).
Der Privatkläger dringt mit seinem Antrag auf Gutheissung der
Zivilforderung grossmehrheitlich durch. Nach diesem Verfahrensausgang
ist er von der Beschuldigten vollumfänglich, d.h. im Umfang von
Fr. 13'129.90, zu entschädigen.
13.
Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es
ein neues Urteil, welches das vorinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO,
Art. 81 StPO).