Decision ID: 915a7e36-59db-5651-ab20-fd18ee78430b
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin verliess den Iran eigenen Angaben zufolge Anfang
Januar 2018 und gelangte auf dem Flugweg nach (...) und von dort am
21. Februar 2018 in die Schweiz, wo sie gleichentags ein Asylgesuch
stellte. Am 5. März 2018 wurde sie summarisch befragt und am 1. Februar
2019 einlässlich angehört.
Zur Begründung ihres Asylgesuches gab sie im Wesentlichen an, sie habe
im Iran als (...) gearbeitet und an einer Universität (...) unterrichtet. Zuvor
habe sie für ein Unternehmen gearbeitet, das unter der Aufsicht der irani-
schen (...) gestanden und für den Bau von (...) zuständig gewesen sei. Sie
sei zum Christentum konvertiert und habe ab Mitte des Jahres 2017 fünf-
oder sechsmal Veranstaltungen von Hauskirchen besucht. Bei ihrem letz-
ten Besuch eines solchen Treffens Ende des Jahres 2017 sei sie vom ira-
nischen Nachrichtendienst (Ettelaat) verhaftet, fünf bis sechs Tage in einer
Einzelzelle festgehalten und in Haft mehrfach und zu beliebigen Zeiten zu
ihrer Konversion verhört worden. Ihre Wohnung sei während ihrer Haft
durchsucht und mehrere ihrer elektronischen Geräte sowie Ausweise seien
beschlagnahmt worden. Ihr sei der Abfall vom Islam vorgeworfen und sie
sei als Abtrünnige bezeichnet worden. Unter Androhung einer Strafanzeige
und Verurteilung in diesem Zusammenhang sei sie aufgefordert worden,
mit dem Nachrichtendienst zusammenzuarbeiten und an Konferenzen im
Ausland Kontakte zu knüpfen und Informationen über die Teilnehmenden
zu beschaffen. Aus Furcht vor einer Verurteilung habe sie akzeptiert. Man
habe sie daraufhin gezwungen nur einen Monat später an einer Konferenz
in (...) teilzunehmen. Von dort sei sie in die Schweiz geflüchtet.
B.
Am (...) kam die Tochter der Beschwerdeführerin zur Welt.
A.
Mit Verfügung vom 31. März 2020 – eröffnet am 6. April 2020 – stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft auf-
grund subjektiver Nachfluchtgründe und lehnte das Asylgesuch ab. Die
Tochter der Beschwerdeführerin wurde gemäss Artikel 51 Absatz 3 AsylG
in ihre Flüchtlingseigenschaft einbezogen. Die Wegweisung wurde ange-
ordnet und die Beschwerdeführerinnen wegen Unzulässigkeit des Weg-
weisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen.
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B.
Mit Eingabe vom 30. April 2020 erhoben die Beschwerdeführerinnen – han-
delnd durch ihren Rechtsvertreter – gegen diesen Entscheid beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde und beantragten die Aufhebung der ange-
fochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die
Asylgewährung. In formeller Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m.
aArt. 110a AsylG, (SR 142.31) und um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses.
C.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 1. Mai 2020 den Eingang der
Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
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und aArt. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Die Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensicht-
lich begründet. Über die Beschwerde ist daher in einzelrichterlicher Zustän-
digkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin
zu entscheiden (Art. 111 Bst. e AsylG). Gleichzeitig ist auf einen Schriften-
wechsel zu verzichten und der Entscheid nur summarisch zu begründen
(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen
aus, den Ausführungen der Beschwerdeführerin sei einerseits zu entneh-
men, dass die gegen sie ergriffenen staatlichen Massnahmen keine genü-
gend hohe Intensität aufweisen würden, um eine Asylrelevanz zu entfalten.
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Andrerseits sei nicht wahrscheinlich, dass ihr weitere Verfolgungsmass-
nahmen gedroht hätten, falls sie der Forderung des Nachrichtendienstes
nachgekommen und in den Iran zurückgekehrt wäre. Dies gelte umso
mehr, als dass sie sich in der Ausübung ihres neuen Glaubens vor ihrer
Ausreise aus dem Iran in keiner Art und Weise exponiert habe. Vielmehr
bleibe fraglich, ob die Behörden alleine aufgrund ihrer Besuche von christ-
lichen Treffen überhaupt weitere Massnahmen getroffen hätten. Dass ihr
aufgrund dessen asylrelevante Nachteile entstanden wären, sei zu vernei-
nen. Nach Prüfung der vorliegenden Akten und im Sinne einer Gesamtwür-
digung aller wesentlichen Umstände werde ihr Profil jedoch aufgrund sub-
jektiver Nachfluchtgründe als geeignet erachtet, um die Aufmerksamkeit
der iranischen Behörden auf sie zu lenken. Damit bestehe begründeter An-
lass zur Annahme, dass sie bei einer allfälligen Rückkehr in den Iran mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3
AsylG zu gewärtigen habe. Die flüchtlingsrelevanten Elemente seien in-
dessen erst nach ihrer Ausreise aus dem Iran geschaffen worden und seien
als subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG zu qualifizie-
ren. Deshalb sei sie aus der Asylgewährung auszuschliessen.
5.2 Die Beschwerdeführerin hielt dem im Wesentlichen entgegen, das
SEM gebe in seiner zur Kernfrage knapp gehaltenen Begründung nicht an,
was die flüchtlingsrelevanten Elemente seien, die erst nach der Ausreise
entstanden sein sollten beziehungsweise worauf sich die subjektiven
Nachfluchtgründe beziehen würden. Eine konkrete Stellungnahme dazu
sei dadurch eigentlich nicht möglich. Auf die Frage, ob das SEM damit sei-
ner Begründungspflicht genügt habe, solle vorliegend jedoch nicht einge-
gangen werden, da der Sachverhalt unbestritten sei und lediglich die Wer-
tung der Elemente des Sachverhalts in Frage stünden. Mit der vorliegen-
den Beschwerde werde geltend gemacht, dass bereits Vorfluchtgründe
vorgelegen hätten und deshalb Asyl zu gewähren sei. Sie sei noch im Iran
festgenommen und anschliessend vom iranischen Geheimdienst mehrere
Tage lang festgehalten worden. Dabei sei ihr die Konversion zum Christen-
tum vorgeworfen und mit einem Urteil gedroht worden, sofern sie nicht
künftig als Kollaborateurin des Geheimdienstes tätig werde. Aus Angst vor
den angedrohten Konsequenzen habe sie allem zugestimmt, was von ihr
verlangt worden sei. Aufgrund ihrer beruflichen Vergangenheit weise sie
ein Profil auf, das für den iranischen Geheimdienst von grossem Wert sei.
Das geeignete Mittel, um eine solche umfassende Kollaboration zu erzwin-
gen, habe der Geheimdienst mit der aufgedeckten Konversion und damit
der Androhung schwerer Strafen in der Hand gehabt. Die angedrohte Ver-
urteilung sei gemäss allgemeinen Berichten als real zu bezeichnen. Der
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Geheimdienst hätte nicht nur aussergerichtlich selbst gegen sie vorgehen
können, sondern auch die Grundlagen dafür gehabt, eine solche Strafe auf
dem Rechtsweg zu erwirken. Es liege deshalb ein Asylgrund vor, welcher
zweifellos vor der Ausreise gesetzt worden sei.
6.
In Bezug auf die Begründungspflicht ist der Beschwerdeführerin insoweit
Recht zu geben, als sich aus der Verfügung nicht schlüssig ergibt, weshalb
die Beschwerdeführerin anders als im Zeitpunkt der Ausreise, im Zeitpunkt
der Entscheidfindung «im Sinne einer Gesamtwürdigung aller wesentli-
chen Umstände» ein Profil aufweise, das geeignet sei, die Aufmerksamkeit
der iranischen Behörden auf sich zu lenken. Diesbezüglich erübrigen sich
jedoch weitere Erwägungen, zumal die Beschwerde, wie nachfolgend dar-
gelegt, gutzuheissen ist.
7.
Das SEM hat die Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht in Zweifel ge-
zogen und das Gericht schliesst sich dieser Einschätzung vollumfänglich
an. Die Ausführungen der Beschwerdeführerin überzeugen durch ihre Kon-
sistenz sowie zahlreiche Realkennzeichen und Details. Die Beschwerde-
führerin war in der Lage, ihre Vorbringen substanziiert, realitätsnah und
ohne Übertreibungen zu schildern. Auch kann das von ihr Geschilderte und
Erlebte ohne weiteres in den länderspezifischen Kontext eingefügt werden.
8.
8.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-
chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile
von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr
gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei-
matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie-
hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. dazu BVGE 2013/11 E. 5.1;
BVGE 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5 je m.w.H.). Begründet ist die Furcht
vor Verfolgung, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere
hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich –
auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehba-
rer Zukunft verwirklichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für
eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in ver-
gleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur
Flucht hervorrufen würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund
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einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfolgen und ist andererseits
durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um
Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatli-
chen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für
eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.1 und
2010/57 E. 2). Gemäss Art. 54 AsylG wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt,
wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat
oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von
Art. 3 AsylG wurden (sog. subjektive Nachfluchtgründe).
8.2 In seiner Verfügung vertritt das SEM die Auffassung, die Beschwerde-
führerin verfüge über ein Profil das geeignet sei, die Aufmerksamkeit der
iranischen Behörden auf sie zu lenken. Damit meint das SEM wohl die be-
rufliche Qualifikation und den Werdegang der Beschwerdeführerin in Kom-
bination mit ihrem Glaubenswechsel. Das SEM stellt sich aber implizit auf
den Standpunkt, die Verfolgungssituation sei erst dadurch entstanden,
dass die Beschwerdeführerin nach der Konferenz, zu deren Teilnahme sie
durch den Geheimdienst gezwungen worden war, nicht in ihr Heimatland
zurückgekehrt ist. Dieser Einschätzung vermag sich das Gericht nicht an-
zuschliessen. Die Beschwerdeführerin wurde im Iran im Zusammenhang
mit ihrem Glaubenswechsel festgenommen, mehrere Tage inhaftiert und
verhört. Unter Androhung einer Verurteilung wegen Apostasie wurde sie
dazu gezwungen, mit dem Geheimdienst zu kollaborieren. Angesichts des
länderspezifischen Kontextes, welcher in der Beschwerde ausführlich dar-
gelegt wird, war ihre subjektive Furcht vor einer solchen Verurteilung ob-
jektiv begründet, zumal davon auszugehen ist, dass der Geheimdienst
über Mittel und Wege verfügt hätte, eine solche durchzusetzen. Die mit
Verhören verbundene Haft von mehreren Tagen und eine drohende Verur-
teilung wegen Apostasie muss denn auch zweifellos als genügend intensiv
im Sinne von Art. 3 AsylG qualifiziert werden. Die flüchtlingsrelevanten Ele-
mente beziehungsweise der Asylgrund ist mit der Festnahme und der Be-
drohung, wie in der Beschwerde richtig festgehalten, damit vor der Aus-
reise gesetzt worden. Dass die Beschwerdeführerin dank des Verspre-
chens der Kollaboration und Spionagetätigkeit aus der Haft entlassen
wurde und ein Strafverfahren vorerst abwenden konnte, vermag daran
nichts zu ändern, da die Bedrohung einer Verurteilung weiterbestand und
davon abhing, ob sie die Bedingungen der Behörden einhielt. Auch ist da-
von auszugehen, dass die Beschwerdeführerin fortan unter enger Überwa-
chung gestanden hätte und damit ihrer neugewählten Religion nicht mehr
hätte nachgehen können. Da sie jedoch offensichtlich nicht gewillt war, mit
dem Geheimdienst zusammenzuarbeiten, und auch nicht bereit war, sich
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von ihrem neuen Glauben abzuwenden, hätten ihr mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit und in absehbarer Zeit weitere ernsthafte Nachteile gedroht.
Die Beschwerdeführerin erfüllte damit die Flüchtlingseigenschaft bereits im
Zeitpunkt der Ausreise. Dass ein überzogener, unbewilligter Ausland-
aufenthalt ihr zu weiteren Nachteilen und Vorwürfen gereichen könnte, ver-
mag daran nichts zu ändern.
8.3 Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen. Die angefoch-
tene Verfügung ist aufzuheben und das SEM anzuweisen, der
Beschwerdeführerin Asyl zu gewähren, zumal sich aus den Akten auch
keine anderen Gründe für einen Asylausschluss ergeben. Ihre Tochter ist
gemäss Art. 51 Abs. 3 ASylG in das Asyl einzubeziehen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63
Abs. 1 und 2 VwVG).
10.
Den vertretenen Beschwerdeführerinnen ist angesichts ihres Obsiegens in
Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die
ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.
Es wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb die notwendigen Partei-
kosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine
VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren
(Art. 9–13 VGKE) ist den Beschwerdeführerinnen zulasten der Vorinstanz
eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 2’000.– zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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