Decision ID: cafd20e8-33e8-5108-bfb8-a6c81b772476
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin (Mutter), eine albanische Staatsangehörige von
der Ethnie der Roma, ersuchte mit ihrem ältesten Kind B._ erstmals
am 22. April 2015 in der Schweiz um Asyl. Die Asylgesuche der Beschwer-
deführerin und – nach der Geburt der Tochter C._ am [...] – ihrer
beiden älteren Kinder wurden durch das Staatssekretariat für Migration
(SEM) mit Verfügung vom 6. April 2017 abgelehnt, bei gleichzeitiger An-
ordnung der Wegweisung aus der Schweiz sowie des Vollzugs. Eine gegen
diese Verfügung erhobene Beschwerde wurde durch das Bundesverwal-
tungsgericht, soweit es auf sie eintrat, mit Urteil D-2656/2017 vom 22. Au-
gust 2017 abgewiesen.
B.
Am 4. Februar 2020 richtete die Beschwerdeführerin für sich und ihre nun-
mehr drei Kinder durch ihre Rechtsvertreterin eine als "neues Asylgesuch,
eventualiter Wiedererwägungsgesuch" bezeichnete Eingabe an das SEM.
Mit Eingaben vom 11. und vom 18. Februar 2020 wurden beim Staatssek-
retariat diesbezüglich verschiedene Beweismittel nachgereicht.
C.
Mit Verfügung vom 27. März 2020 (Datum der Eröffnung: 1. April 2020) trat
das SEM auf dieses Gesuch (behandelt als Mehrfachgesuch im Sinne von
Art. 111c Abs. 1 des Asylgesetzes [AsylG, SR 142.31]) nicht ein und ord-
nete die Wegweisung der Beschwerdeführenden aus der Schweiz sowie
den Vollzug an. Zudem erhob es eine Verfahrensgebühr von Fr. 600.–.
D.
Diese Verfügung fochten die Beschwerdeführenden mit Eingabe ihrer
Rechtsvertreterin vom 8. April 2020 (Datum des Poststempels: 9. April
2020) beim Bundesverwaltungsgericht an. Dabei beantragten sie die Auf-
hebung der Verfügungen vom 27. März 2020 wie auch vom 6. April 2017,
die Feststellung ihrer Flüchtlingseigenschaft, eventualiter die vorläufige
Aufnahme in der Schweiz wegen Undurchführbarkeit des Vollzugs der
Wegweisung, subeventualiter die Rückweisung der Sache an das SEM zur
vollständigen Abklärung des Sachverhalts. In prozessualer Hinsicht bean-
tragten sie die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss
Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im
Sinne von Art. 102m Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 65 Abs. 2 VwVG. Des Weite-
ren ersuchten sie darum, ihrer Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung
zu erteilen.
D-1957/2020
Seite 3

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge-
gen Verfügungen, die gestützt auf das AsylG durch das SEM erlassen wor-
den sind, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich (mit
Ausnahme von Verfahren betreffend Personen, gegen die ein Ausliefe-
rungsersuchen des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz suchen) end-
gültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen-
dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich
Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausländerrechts richtet sich
die Kognition des Gerichts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5).
2.
2.1 In verfahrensmässiger Hinsicht stellt sich zunächst die Frage, ob die
als "neues Asylgesuch, eventualiter Wiedererwägungsgesuch" bezeich-
nete Eingabe der Beschwerdeführenden vom 4. Februar 2020 – unter Ein-
schluss der nachfolgenden Beweismitteleingaben vom 11. und vom
18. Februar 2020 – durch das SEM zu Recht als Mehrfachgesuch im Sinne
von Art. 111c Abs. 1 AsylG behandelt worden ist, mit der Folge des Nicht-
eintretens auf dieses Gesuch.
2.2 In Abgrenzung zum Wiedererwägungsgesuch (mit welchem aus-
schliesslich neue Wegweisungshindernisse vorgebracht werden) liegt ge-
mäss ständiger Rechtsprechung ein neues Asylgesuch vor, wenn die ge-
suchstellende Person geltend macht, sie erfülle aufgrund neuer Vorbringen
die Flüchtlingseigenschaft (vgl. zuletzt BVGE 2014/39 E. 4.5 f. m.w.N.). Die
Beschwerdeführenden haben mit ihrer Eingabe an das SEM vom 4. Feb-
ruar 2020 keinerlei Vorbringen geltend gemacht (dazu ausführlicher nach-
folgend, E. 6.4.1), welche in irgendeiner Weise geeignet sein könnten, ihre
Flüchtlingseigenschaft zu begründen. Vielmehr wurden ausschliesslich
Gründe vorgebracht, welche die Durchführbarkeit des Vollzugs der Weg-
weisung betreffen. Die Vorinstanz hätte die Eingabe vom 4. Februar 2020
folglich nicht als neues Asylgesuch beziehungsweise Mehrfachgesuch ge-
mäss Art. 111c Abs. 1 AsylG, sondern gestützt auf Art. 111b AsylG als Wie-
dererwägungsgesuch zu behandeln gehabt.
D-1957/2020
Seite 4
2.3 Daraus folgt, dass die angefochtene Verfügung eine fehlerhafte
Rechtsmittelbelehrung enthält, indem hinsichtlich der Beschwerdefrist auf
Art. 108 Abs. 3 AsylG verwiesen wird. Die Beschwerdefrist ergibt sich auf-
grund des soeben Gesagten richtigerweise aus Art. 108 Abs. 6 AsylG.
Nachdem die Beschwerde innerhalb der betreffenden Frist eingereicht
wurde, ist den Beschwerdeführenden aus der unrichtigen Rechtsmittelbe-
lehrung kein Nachteil erwachsen. Aus dem genannten Mangel ergibt sich
daher keine weitere Rechtsfolge.
3.
Die Beschwerdeführenden sind legitimiert; auf ihre nach dem Gesagten
frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist – mit nachfolgend er-
wähnter Einschränkung – einzutreten (Art. 105 und Art. 108 Abs. 6 AsylG;
Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
4.
4.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet über offensichtlich unbe-
gründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung
eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111
Bst. e AsylG). Wie nachfolgend aufgezeigt wird, handelt es sich vorliegend
um eine solche Beschwerde, weshalb das Urteil nur summarisch zu be-
gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
4.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Ungeachtet der Behauptung, es seien die Voraussetzungen für die
Durchführung eines neuen Asylverfahrens gegeben, wurden mit der Ein-
gabe der Beschwerdeführenden an das SEM vom 4. Februar 2020 einzig
Vorbringen geltend gemacht, welche sich auf die Zumutbarkeit des Voll-
zugs der Wegweisung beziehen und insofern auf eine Wiedererwägung
der Verfügung des Staatssekretariats vom 6. April 2017 hinzielen. Mithin
hatte die Vorinstanz einzig die Frage der Durchführbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs zu beurteilen, und auch im vorliegenden Verfahren ist der
Prüfungsgegenstand entsprechend beschränkt. Soweit mit der Be-
schwerde die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft beantragt wird, ist
auf diese daher nicht einzutreten. Ebenso nicht einzutreten ist auf den An-
trag, es sei die Verfügung vom 6. April 2017 aufzuheben, welche im vorlie-
genden Verfahren offensichtlich nicht Gegenstand der Anfechtung sein
kann.
D-1957/2020
Seite 5
5.2 Obwohl das SEM die Eingabe der Beschwerdeführenden vom 4. Feb-
ruar 2020 fälschlicherweise als Mehrfachgesuch behandelte und auf die-
ses nicht eintrat, hat es in der angefochtenen Verfügung die Frage des
Vollzugs der Wegweisung – und dies zu Recht – materiell geprüft. Ange-
sichts dessen und weil dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich die
volle Kognition zukommt, führt die fehlerhafte verfahrensmässige Behand-
lung des Wiedererwägungsgesuchs durch das SEM nicht dazu, dass die
Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids gerechtfertigt wäre.
6.
6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus-
länderinnen und Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesge-
setzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration
[AIG, SR 142.20]).
6.2 Durch die Beschwerdeführenden werden ausschliesslich Gründe vor-
gebracht, welche die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in Frage
stellen sollen. Die Beurteilung der Durchführbarkeit des Vollzugs be-
schränkt sich folglich im vorliegenden Fall auf diesen Aspekt.
6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren. Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug
Kinder betroffen, so ist im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung dem Kindes-
wohl Rechnung zu tragen. Dabei sind unter dem Aspekt des Kindeswohls
sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im Hinblick auf
eine Wegweisung wesentlich erscheinen (vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.2).
6.4
6.4.1 Die Beschwerdeführenden begründeten ihr Wiedererwägungsge-
such vom 4. Februar 2020 im Wesentlichen folgendermassen: Um das Fa-
milienleben mit dem in der Schweiz wohnhaften Ehemann beziehungs-
weise Vater der Töchter C._ und D._ aufrecht zu erhalten,
hätten sie sich nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom
22. August 2017 jeweils mittels Touristenvisa während dreier Monate in der
D-1957/2020
Seite 6
Schweiz aufgehalten und seien anschliessend wieder nach Albanien zu-
rückgekehrt, bis sie erneut in die Schweiz hätten einreisen können. Der
Familiennachzug in die Schweiz sei bislang an ungenügenden finanziellen
Voraussetzungen gescheitert. Während ihrer Aufenthalte in Albanien hät-
ten sie jeweils bei den Eltern der Beschwerdeführerin in Tirana gelebt. Der
Wechsel des Wohnortes alle drei Monate sei für alle sehr anstrengend.
Namentlich stelle dies für den Sohn B._ – aus einer früheren Ehe
der Beschwerdeführerin – ein enormes Problem dar, sei doch dieser in der
Schweiz eingeschult worden. Am 7. Februar 2020 laufe die Gültigkeits-
dauer ihrer aktuellen Touristenvisa ab. Sie könnten nun aber nicht zu ihren
Eltern beziehungsweise Grosseltern in Albanien zurückkehren und hätten
dort auch keine anderen Familienangehörigen, bei denen sie unterkom-
men könnten. Durch das Erdbeben in Albanien vom 26. November 2019
sei das Haus der Eltern der Beschwerdeführerin in Tirana so stark beschä-
digt worden, dass es derzeit nicht bewohnbar sei. Die Eltern der Beschwer-
deführerin hätten aufgrund dieser Notlage in Deutschland um Asyl ersucht.
Somit hätten die Beschwerdeführenden derzeit in Albanien keine Unter-
kunft.
6.4.2 In der Beschwerdeschrift werden zum einen die bereits im vorinstanz-
lichen Verfahren gemachten Vorbringen wiederholt, wobei ausserdem auf
die Wohnsituation verschiedener Verwandter der Beschwerdeführenden in
Albanien hingewiesen wird. Zum anderen wird geltend gemacht, die Situa-
tion der Beschwerdeführenden habe sich aufgrund der Coronavirus-Pan-
demie (COVID-19) mittlerweile noch verschärft. Unter den aktuellen Um-
ständen der Pandemie könne nicht davon ausgegangen werden, dass die
albanischen Behörden die Zuteilung von Unterstützungsgeldern an Opfer
des Erdbebens vom 26. November 2019 zügig an die Hand nehmen wür-
den. Auch werde die Vornahme der Renovationsarbeiten am Haus warten
müssen, bis die entsprechenden Beschränkungen aufgehoben seien. Zu-
dem sei die Beschwerdeführerin nicht Wohnungseigentümerin, und ihre El-
tern befänden sich noch in Deutschland. Des Weiteren sei davon auszu-
gehen, dass die Beschwerdeführenden sich in Albanien in Quarantäne be-
geben müssten. Dabei sei aber unklar, wo sie überhaupt leben könnten.
Schliesslich sei dem Kindeswohl zwingend Rechnung zu tragen.
6.4.3 Die von den Beschwerdeführenden vorgebrachten Gründe sind of-
fensichtlich nicht geeignet, die Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung
nach Albanien in Frage zu stellen. Zunächst ist, wie das SEM in der ange-
fochtenen Verfügung zutreffend festgestellt hat, davon auszugehen, dass
D-1957/2020
Seite 7
die Beschwerdeführerin beziehungsweise deren Eltern bei der Wiederin-
standsetzung des vom Erdbeben in Mitleidenschaft gezogenen Hauses auf
staatliche Unterstützung zählen können. In diesem Zusammenhang ist
über die Feststellungen der Vorinstanz hinaus insbesondere festzuhalten,
dass weder im vorinstanzlichen Verfahren noch in der Beschwerdeschrift
irgendwelche Angaben dazu gemacht wurden, ob und inwiefern sich die
Beschwerdeführerin beziehungsweise deren Eltern um entsprechende Un-
terstützung seitens der zuständigen albanischen Behörden oder allenfalls
von privaten Hilfsorganisationen bemühten. Es ist auch nicht ersichtlich,
inwiefern in diesem Zusammenhang das Kindeswohl tangiert sein könnte.
Diesbezüglich ist auch in keiner Weise von Belang, ob das älteste Kind der
Beschwerdeführerin, wie behauptet, lediglich während der Aufenthalte in
der Schweiz, nicht aber in Albanien die Schule besuche. Es ist Sache der
Beschwerdeführerin, den Schulbesuch ihrer Kinder im Heimatstaat durch
entsprechende organisatorische Massnahmen in die Wege zu leiten. Auch
die sonstigen mit der Beschwerdeschrift vorgebrachten Argumente sind of-
fensichtlich untauglich, sich auf die Beurteilung der Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs auszuwirken. Schliesslich sind weder die im vorinstanz-
lichen Verfahren noch die mit der Beschwerdeschrift eingereichten Beweis-
mittel – die sich auf die Situation in Albanien unter den Aspekten des Erd-
bebens vom 26. November 2019 und angesichts der Coronavirus-Pande-
mie, auf die Beschädigung des Hauses der Eltern der Beschwerdeführerin,
die Schulpflicht der Kinder sowie die finanzielle Lage des Ehemannes der
Beschwerdeführerin beziehen – in irgendeiner Weise geeignet, die zu tref-
fende Einschätzung zu beeinflussen.
6.4.4 Des Weiteren ist auch die aktuelle Lage im Zusammenhang mit der
Coronavirus-Pandemie grundsätzlich nicht geeignet, die Durchführbarkeit
des Wegweisungsvollzugs in Frage zu stellen. Die Anordnung einer vor-
läufigen Aufnahme setzt voraus, dass ein Vollzugshindernis nicht nur vo-
rübergehender Natur ist, sondern voraussichtlich eine gewisse Dauer – in
der Regel mindestens zwölf Monate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der
Fall, so ist dem temporären Hindernis im Rahmen der Vollzugsmodalitäten
Rechnung zu tragen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize-
rischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d f.). Bei der
Coronavirus-Pandemie handelt es sich, soweit derzeit feststellbar, allen-
falls um ein temporäres Vollzugshindernis. Es obliegt somit den kantonalen
Behörden, der Entwicklung der Situation bei der Wahl des Zeitpunkts des
Vollzugs in angemessener Weise Rechnung zu tragen.
D-1957/2020
Seite 8
6.5 Des Weiteren können die Beschwerdeführenden im Rahmen eines
asylrechtlichen Verfahrens auch aus dem Umstand nichts für sich ableiten,
dass sie bislang gemäss eigenen Aussagen die gesetzlichen Vorausset-
zungen des ausländerrechtlichen Familiennachzuges nicht erfüllen. Viel-
mehr ist die Eingabe an das SEM vom 4. Februar 2020 als Versuch zu
bezeichnen, die betreffenden gesetzlichen Bestimmungen zu umgehen.
6.6 Schliesslich liegt auch keinerlei konkreter Anhaltspunkt dafür vor, die
Vorinstanz habe, wie in der Beschwerdeschrift ausserdem behauptet, den
Sachverhalt ungenügend abgeklärt oder ihre Begründungspflicht verletzt.
6.7 Aus dem Gesagten folgt, dass das SEM mit der Verfügung vom
27. März 2020 zu Recht zur Einschätzung gelangt ist, die von den Be-
schwerdeführenden vorgebrachten Gründe seien nicht geeignet, die Zu-
mutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung in Frage zu stellen.
7.
Somit ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht ver-
letzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt
und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist (Art. 106 AsylG;
Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist folglich abzuweisen, soweit auf sie ein-
zutreten ist.
8.
Angesichts dieses Verfahrensergebnisses erübrigt sich die Prüfung des mit
der Beschwerdeschrift gestellten Antrags, der Beschwerde sei die auf-
schiebende Wirkung zu erteilen.
9.
9.1 Aufgrund der angestellten Erwägungen hat sich die Beschwerde als
von vornherein aussichtslos erwiesen. Die mit der Beschwerdeschrift ge-
stellten Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
(Art. 65 Abs. 1 VwVG) und der amtlichen Rechtsverbeiständung (Art. 102m
Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 65 Abs. 2 VwVG) sind daher abzuweisen.
9.2 Als Folge der Abweisung der Beschwerde sind die Kosten des Verfah-
rens somit den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5
VwVG). Die Kosten sind auf Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] i.V.m. Art. 16
Abs. 1 Bst. a VGG).
D-1957/2020
Seite 9