Decision ID: 0b518da9-8a75-56b9-9608-d25f69786875
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am (...) in der Schweiz um Asyl nach.
Am 7. Dezember 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) statt und am
31. August 2018 wurde er vom SEM einlässlich zu seinen Asylgründen an-
gehört.
A.b Zur Begründung seines Gesuches führte der aus B._ im
C._-Distrikt (Nennung Provinz) stammende tamilische Beschwer-
deführer mit letztem Wohnsitz in D._ im E._-Distrikt aus,
seine Eltern seien im Jahr (...) nach F._ gezogen, weil seine Mutter
(Nennung Grund). Sie sei im (...) in F._ verstorben, worauf sein Va-
ter (Nennung Zeitpunkt) nach Sri Lanka zurückgekehrt sei und nun bei der
Familie seiner (Nennung Verwandte) lebe. Nach dem Wegzug seiner Eltern
habe er bei seiner (Nennung Verwandte) und deren Ehemann in
D._ gewohnt. Im Jahr (...) hätten alle dort wohnhaften Personen ein
Selbstschutztraining der G._ absolvieren müssen. Im (Nennung
Zeitpunkt) sei er gegen seinen Willen und denjenigen seiner (Nennung Ver-
wandte) von der (Nennung Gruppe) mitgenommen worden. Da es sich um
das letzte Gefecht gehandelt habe, hätten auch kleine Jungen mitmachen
müssen. Er habe kleinere Hilfeleistungen, wie Waffentransporte und Nah-
rungsmittellieferungen, getätigt. Im (...) sei ihm zusammen mit anderen
Jungen die Flucht gelungen und er habe in der Folge in H._ in ei-
nem Spital verletzte Zivilisten betreut. Im (...) habe er sich dann der sri-
lankischen Armee ergeben. In der Folge habe er sich bis (...) in I._
im Flüchtlingslager (...) aufgehalten, wo er sporadisch über seine Aufent-
haltsorte nach Kriegsende und seine Tätigkeiten für die G._ befragt
worden sei. Nach seiner Entlassung sei er zu seiner (Nennung Verwandte),
welche (Nennung Zeitpunkt) aus dem nämlichen Camp entlassen worden
sei, nach D._ zurückgekehrt. In der Folge habe er während etwas
mehr als einem Jahr respektive bis (Nennung Zeitpunkt) im Laden seines
(Nennung Verwandter) gearbeitet und sei anschliessend bisweilen als
(Nennung Tätigkeiten) tätig gewesen.
Im Vorfeld der Parlamentswahlen habe er von (...) bis (...) für zwei Kandi-
daten der J._ – K._ und L._ – Propaganda gemacht
und dabei unter anderem zusammen mit Freunden Plakate aufgehängt. Als
Anhänger der M._ ihre J._-Plakate mit den Plakaten eigener
Kandidaten überklebt hätten, sei es einmal zu einer Schlägerei gekommen.
Sie hätten gegenseitig mit allem Möglichen aufeinander eingeschlagen.
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Dies habe im (Nennung Zeitpunkt) zur Festnahme von ihm und den eben-
falls an der Schlägerei beteiligten Kollegen geführt. Er sei während (Nen-
nung Dauer) festgehalten und über N._ und dessen Freunde be-
fragt und auch geschlagen worden, da er während seiner Propagandazeit
mit den Freunden von N._ ins Gespräch gekommen sei. Aufgrund
einer Geldzahlung seines (Nennung Verwandter) sei er wieder freigekom-
men. Im (...) hätten ihn die Sicherheitskräfte erneut festgenommen. Er sei
wieder über N._ und auch O._ befragt worden und die Be-
amten hätten ihm vorgehalten, an der in Q._ wegen der Inhaftierung
von P._ abgehaltenen Protestkundgebung teilgenommen zu haben.
Da P._ damals N._ und weiteren Personen Unterschlupf ge-
währt habe, hätten die Behörden vermutet, dass er N._ und
O._ kenne respektive mit diesen zu tun gehabt habe. Nachdem er
den Beamten erklärt habe, dass er nicht an der Kundgebung teilgenommen
habe, sei er mit (Nennung Gegenstand) auf (Nennung Körperteil) geschla-
gen worden, was eine Platzwunde verursacht habe. Die Männer hätten ihn
mit Stockschlägen traktiert und auch auf sein Flehen nicht von ihm abge-
lassen. Zudem habe ihn einer der Männer mit einem (Nennung Gegen-
stand) erstechen wollen. Er habe den Stich jedoch von seiner Kehle ablen-
ken können, wobei er am (Nennung Körperteil) verletzt worden sei. Später
habe er seine Kleider ausziehen müssen und er sei weiter geschlagen wor-
den. In der Folge habe er das Bewusstsein verloren und sei in einem Spital
in E._ wieder zu sich gekommen. Dies sei am (...) Tag seiner Haft
geschehen. Nach einem (Nennung Dauer) Spitalaufenthalt habe er sich –
illegal – von seiner (Nennung Verwandte) abholen lassen und sei nach
Hause zurückgekehrt. Im (...) sei sein Kollege R._ festgenommen
worden. Dieser sei in der Haft über ihn und O._ befragt worden. Da
sein Kollege S._ ebenfalls inhaftiert gewesen und bis heute ver-
schwunden sei, im (Nennung Zeitpunkt) N._ und dessen Freunde
erschossen worden seien, habe er Angst bekommen und sich (Nennung
Dauer) bei seinem (Nennung Verwandter) aufgehalten. Danach sei er nach
Hause zurückgekehrt. Ein Armeeangehöriger habe seinen (Nennung Ver-
wandter) im (...) darüber orientiert, dass er vom U._ gesucht werde
und seine Familie ihn im Falle einer weiteren Festnahme nie mehr wieder-
sehe. Er habe sich deshalb ab (...) bei einer (Nennung Verwandte) in
V_ versteckt. Im (...) sowie im (...) sei er dann in der Tat bei seiner
(Nennung Verwandte) gesucht worden. (Nennung Zeitpunkt) habe er Sri
Lanka schliesslich verlassen. (Nennung Zeitpunkte) seien die Kinder sei-
ner (Nennung Verwandte) von Beamten auf der Strasse angesprochen
worden, welche nach ihm gefragt hätten. Weiter sei im (Nennung Zeit-
punkt) der (Nennung Verwandter) seiner (Nennung Verwandte) entführt
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worden. Sowohl die Polizei als auch die Armee habe nach diesem gesucht.
Bei den Entführern könne es sich nur um Angehörige der M._ han-
deln, die sich mit dieser Tat an ihm hätten rächen wollen. Dem (Nennung
Verwandter) seiner (Nennung Verwandte) sei am Tag nach der Entführung
die Flucht gelungen. Im Falle einer Rückkehr in seine Heimat bekomme er
Probleme mit dem U._, da noch nicht alle Freunde von N._,
L._ und W._ hätten festgenommen werden können und die
Sicherheitskräfte die G._ gänzlich zu vernichten beabsichtigten.
Ausserdem würden ihm Angehörige der M._ nach seinem Leben
trachten.
Der Beschwerdeführer reichte (Nennung Beweismittel) zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 28. August 2019 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylge-
such ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz sowie
deren Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 3. Oktober 2019 erhob der Beschwerdeführer gegen die-
sen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er bean-
tragte, es sei die angefochtene Verfügung vom 28. August 2019 aufzuhe-
ben, seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm in der Schweiz
Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzulässigkeit und/oder die Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Auf-
nahme zu verfügen, subeventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zur
Neubeurteilung zurückzuweisen.
Der Beschwerde lagen (Aufzählung Beweismittel) bei.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 9. Oktober 2019 teilte die Instruktionsrichterin
dem Beschwerdeführer mit, dass er den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten dürfe und forderte ihn gleichzeitig auf, bis zum 24. Ok-
tober 2019 einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 750.– zu bezahlen,
unter Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall.
Der Beschwerdeführer leistete den Kostenvorschuss fristgerecht am
18. Oktober 2019.
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E.
Nach gewährter Fristerstreckung hielt die Vorinstanz in der Vernehmlas-
sung vom 2. Dezember 2019 nach einigen ergänzenden Bemerkungen
vollumfänglich an ihren Erwägungen fest.
F.
Der Beschwerdeführer replizierte – ebenfalls nach einmalig gewährter Fris-
terstreckung – mit Eingabe vom 9. Januar 2020. Darin stellte er den Antrag,
es sei die Vernehmlassung des SEM aus den Akten zu weisen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Der Beschwerdeführer beantragt in seiner Replik vom 9. Januar 2020 (vgl.
BS6, S. 1), es sei die Vernehmlassung des SEM aus den Akten zu weisen.
Die Vorinstanz habe die ihr vom Bundesverwaltungsgericht angesetzte
Frist zur Einreichung der Vernehmlassung vom 27. November 2019 unbe-
nutzt verstreichen lassen, zumal sie diese erst am 2. Dezember 2019 ein-
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gereicht habe. Die Vernehmlassung dürfe daher vorliegend nicht berück-
sichtigt werden. Diese Rüge erweist sich als unbegründet. Die Instruktions-
richterin verlängerte auf ein entsprechendes Fristerstreckungsgesuch des
SEM vom 26. November 2019 die Frist zur Einreichung der vorinstanzli-
chen Vernehmlassung antragsgemäss bis zum 11. Dezember 2019. Im Üb-
rigen werden in der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts auch verspätet
eingereichte Stellungnahmen im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes
im Fall von wesentlichen Vorbringen regelmässig berücksichtigt (vgl. Urteil
des BVGer A-770/2013 E. 2.2.3 und 2.2.4; FRANK SEETHALER/KASPAR
PLÜSS, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwal-
tungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, N 23 zu Art. 57 m.w.H.). Dem Antrag,
es sei die Vernehmlassung des SEM aus den Akten zu weisen, ist nicht
stattzugeben.
4.
4.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben. Sie
sind vorab zu beurteilen, da sie gegebenenfalls geeignet sind eine Kassa-
tion der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss
so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht.
Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un-
richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
Kölz/Häner/Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege
des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
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4.3 Der Beschwerdeführer bringt zur Begründung seiner formellen Rügen
insbesondere vor, das SEM habe den Anspruch auf rechtliches Gehör, die
Prüfungspflicht sowie die Begründungspflicht verletzt und den rechtserheb-
lichen Sachverhalt nicht korrekt festgestellt, indem es fälschlicherweise
von der Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen und dem Fehlen eines Ver-
folgungsinteresses der sri-lankischen Behörden ausgegangen sei, weder
die Risikofaktoren noch das Vorliegen von individuellen Wegweisungsvoll-
zugskriterien geprüft, und es überdies unterlassen habe, bestimmte ein-
schlägige, öffentlich zugängliche Quellen betreffend die allgemeine Lage
und der Verfolgungssituation in Sri Lanka beizuziehen. Diese Rügen sind
allesamt als unbegründet zu bezeichnen. Entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers hat das SEM in der angefochtenen Verfügung den
rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig festgestellt, und sich
in seinen Erwägungen mit allen relevanten Vorbringen des Beschwerde-
führers auseinandergesetzt. Ferner hat sich das SEM in seinen Erwägun-
gen ebenso zur Frage des Bestehens von Risikofaktoren gemäss der bun-
desverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung geäussert (vgl. angefoch-
tene Verfügung, S. 4 ff.) und ausgeführt, aus welchen Gründen der Vollzug
der Wegweisung (auch) in individueller Hinsicht zumutbar sei (vgl. Ziff. III.1,
S. 7). Der Beschwerdeführer vermengt sodann die Frage der Würdigung
des Sachverhalts mit der Sachverhaltserstellungs- und Begründungspflicht
der Vorinstanz. Die geäusserte Unzufriedenheit mit den Schlussfolgerun-
gen des SEM respektive der Umstand, dass das SEM seine Einschätzung
der allgemeinen Lage in Sri Lanka nicht auf die vom Beschwerdeführer als
opportun angesehenen Quellen stützte und die Asylvorbringen anders wür-
digte, als dies vom Beschwerdeführer als richtig erachtet wird, können nicht
unter die Tatbestände der ungenügenden Sachverhaltsfeststellung, fal-
schen oder gar willkürlichen Beweiswürdigung oder mangelhaften Begrün-
dung subsumiert werden, sondern stellen vielmehr eine Kritik in der Sache
selbst dar (vgl. dazu bereits das Urteil des BVGer E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 E. 3.2.3 [als Referenzurteil publiziert]). Sodann zeigt die aus-
führliche Beschwerdeeingabe deutlich auf, dass eine sachgerechte An-
fechtung ohne weiteres möglich war.
4.4 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-
begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen
Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzu-
weisen. Das diesbezügliche Rechtsbegehren (Nr. 3 der Beschwerdean-
träge) ist abzuweisen.
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5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen
Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier
verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2012/5 E. 2.2).
6.
6.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen
an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand.
Die Vorbringen betreffend die geltend gemachten Verfolgungsmassnah-
men des U._ seien bezüglich seiner Aussagen zu den angeblichen
Verfolgungsursachen als auch der angeblich erlittenen Verfolgung mit Wi-
dersprüchen und Ungereimtheiten behaftet. In der BzP habe er seine Pro-
pagandaaktivitäten für die J._ anders geschildert als in der späte-
ren Anhörung. In Letzterer habe er mit keinem Wort mehr erwähnt, dass er
auch Anlässe organisiert und damit eine weitaus wichtigere Rolle einge-
nommen habe. Diesen Widerspruch habe er auch auf entsprechenden Vor-
halt nicht aufzulösen vermocht. Weiter habe er in der BzP ausgeführt, da
N._ und X._ ebenfalls an den von ihm organisierten Partei-
meetings teilgenommen hätten, seien die U._-Beamten der Mei-
nung gewesen, er kenne deren Aufenthaltsorte, weshalb er verfolgt worden
sei. Demgegenüber habe er an der Anhörung ausgeführt, weder
N._ noch die Anderen je gesehen zu haben. Ferner ergäben sich
Widersprüche hinsichtlich der Dauer der jeweiligen Haft im (...) und im (...)
sowie der Umstände seiner jeweiligen Freilassung. Zudem habe er an der
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Anhörung neu geltend gemacht, anlässlich beider Inhaftierungen geschla-
gen und bei der zweiten Haft derart heftig misshandelt worden zu sein,
dass er das Bewusstsein verloren und dieses erst im Spital wiedererlangt
habe. Auch sei er in der Folge noch während (Nennung Dauer) hospitali-
siert gewesen. Demgegenüber habe er in der BzP auch nicht ansatzweise
die Anwendung von Gewalt erwähnt, was umso mehr erstaune, als die an-
geblichen Misshandlungen zweifelsohne als äusserst einschneidende Er-
lebnisse zu qualifizieren wären. So habe er beispielsweise angegeben, er
hätte sich ausziehen müssen und die Schläge nicht mehr ertragen; zudem
habe ihn einer der Beamten erstechen wollen, es sei ihm jedoch gelungen,
das an seine Kehle gehaltene (Nennung Gegenstand) mit dem Arm abzu-
wenden. Wohl komme den Aussagen einer asylsuchenden Person in der
BzP nur ein beschränkter Beweiswert zu. Dennoch teile eine tatsächlich
verfolgte Person den·Behörden, bei denen sie um Schutz ersuche, erfah-
rungsgemäss bereits anlässlich der ersten Befragung alle wichtigen
Gründe mit, die sie zum Verlassen ihres Heimatlandes bewogen haben.
Da der Beschwerdeführer die angeblichen massiven Misshandlungen erst
im späteren Verlauf des Asylverfahrens geltend gemacht habe, seien auch
Zweifel an den vorgebrachten Inhaftierungen in den Jahren (...) und (...)
anzubringen. Verstärkt würden diese Zweifel aufgrund widersprüchlicher
Aussagen zum Auslöser respektive Grund seiner jeweiligen Festnahmen.
Bezeichnenderweise bestünden auch in den Aussagen zur Suche des
U._ im Nachgang zur zweiten Festnahme Ungereimtheiten, so hin-
sichtlich des Zeitpunktes, wann er sich nach V_ begeben habe und
des Beweggrundes, warum er dies getan habe.
Ferner setze der Begriff der Flüchtlingseigenschaft einen in zeitlicher und
sachlicher Hinsicht genügend engen Kausalzusammenhang zwischen Ver-
folgung und Flucht voraus. Der Beschwerdeführer habe Sri Lanka erst
Jahre nach der geltend gemachten Zwangsrekrutierung durch die
G._ im Jahr (...) und dem anschliessenden Aufenthalt in einem
Flüchtlingslager bis im Jahr (...) verlassen. Diesbezüglich fehle es am er-
wähnten Kausalzusammenhang, weshalb diese Vorbringen nicht asylrele-
vant seien.
Weiter seien den Akten auch keine Risikofaktoren zu entnehmen. Die Be-
fragung von Rückkehrern, die über keine gültigen Identitätsdokumente ver-
fügten, im Ausland ein Asylverfahren durchlaufen hätten oder behördlich
gesucht würden, und das allfällige Eröffnen eines Strafverfahrens wegen
illegaler Ausreise stellten keine asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen
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dar. Rückkehrer würden regelmässig auch am Herkunftsort zwecks Regist-
rierung, Erfassung der Identität, bis hin zur Überwachung der Aktivitäten
der Person befragt. Diese Kontrollmassnahmen am Herkunftsort würden
grundsätzlich kein asylrelevantes Ausmass annehmen. Der Beschwerde-
führer habe nicht glaubhaft machen können, vor seiner Ausreise asylrele-
vanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu sein oder solche
unmittelbar zu befürchten gehabt zu haben. Er sei bis (Nennung Zeitpunkt)
in Sri Lanka wohnhaft gewesen, weshalb er nach Kriegsende noch wäh-
rend (Nennung Dauer) in seiner Heimat gelebt habe. Allfällige, im Zeitpunkt
seiner Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich kein Verfol-
gungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden auszulösen vermocht.
Es sei aufgrund der Akten nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten und mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft in asylrelevanter
Weise verfolgt werden sollte. Somit seien die geltend gemachten Befürch-
tungen, seitens des U._ und der M._ verfolgt zu werden, als
unbegründet zu qualifizieren.
6.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in seiner Rechtsmittelschrift in ma-
terieller Hinsicht, seine Erzählungen enthielten unzählige Realkennzeichen
und die Vorfälle seien detailliert und emotional geschildert worden, was von
einer an den Ereignissen nicht beteiligten Person so nicht wiedergegeben
werden könnte. Zudem habe er von sich aus verschiedene, andere Perso-
nen betreffende Vorfälle angeführt, was für die Glaubhaftigkeit seiner Schil-
derungen spreche. Ferner seien seine Aussagen zum Engagement für die
J._ nicht widersprüchlich ausgefallen, da er seine Tätigkeiten ge-
nerell und zusammenfassend beschrieben habe. Weiter habe – wie das
SEM selber eingestehe – das Protokoll der BzP nur beschränkt Beweis-
charakter und es sei in seinem Fall auch nur eine verkürzte BzP durchge-
führt worden. Er sei zu Beginn derselben ausdrücklich darauf hingewiesen
worden, dass eine Vertiefung später geschehen könne, weshalb nachvoll-
ziehbar sei, dass er Details erst bei der späteren Anhörung habe erwähnen
wollen. Seine ausführlichen, mit Realkennzeichen versehenen Ausführun-
gen würden ohne Weiteres für die Glaubhaftigkeit der Verfolgungsge-
schichte sprechen. Das eingereichte (Nennung Beweismittel) und (Nen-
nung Beweismittel), auf welchem er ebenfalls zu sehen sei, stellten Belege
für die Wahrheit seiner Aussagen dar. Das SEM verkenne, dass er aus
mehreren Gründen zu den exponierten Personen gehöre. So habe er für
die G._ unter anderem Waffenlieferungen durchgeführt, sich der
J._ angeschlossen und sich gegen die M._ gestellt. Zudem
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werde er verdächtigt, Verbindungen zu N._ und dessen Umfeld ge-
habt zu haben. Bekanntlich seien N._ und dessen Freunde auf-
grund des Verdachts, die G._ wieder aufbauen zu wollen, von den
Sicherheitskräften erschossen worden. Weiter genüge angesichts der ak-
tuellen sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka bereits ein niederschwelli-
ges Engagement, um ins Visier des Staatsapparates zu gelangen. Auch
Personen mit einer geringen Verbindung zu den G._ und der
J._ seien bereits gefährdet. Ferner verkenne die Vorinstanz, dass
die Behörden über ihn an Informationen über die mit ihm befreundeten ehe-
maligen G._-Mitglieder hätten gelangen wollen. Zudem seien die
heimatlichen Behörden bekannt dafür, dass Personen, die bereits ein mi-
nimes Risiko für den Einheitsstaat darstellten, starker Repression ausge-
setzt und gar beseitigt würden. Es drohe ihm demnach – entgegen der vom
SEM vertretenen Ansicht – inskünftig eine staatliche Verfolgung, da er ei-
nige der in der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung definier-
ten Risikofaktoren erfülle (seine Person und seine Verbindungen zur
J._ und den G._ seien den Behörden bekannt). Im Weiteren
gehöre er zur bestimmten sozialen Gruppe der abgewiesenen tamilischen
Gesuchsteller, welchen bei einer Rückkehr aufgrund eines Generalver-
dachts der Unterstützung der G._ durch die sri-lankischen Behör-
den Haft und Folter drohe. Die Sicherheitslage und die Situation für Perso-
nen, die eine vermeintliche Gefahr für die nationale Sicherheit darstellten,
hätten sich als Folge der Bombenanschläge vom 21. April 2019 und des
daraufhin verhängten Notstands zudem verschlechtert.
6.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM fest, die Ausführungen in der
Beschwerdeschrift sowie die dazu beigezogenen Berichte vermöchten an
seiner Einschätzung, wonach die vorgebrachte Verfolgung nicht glaubhaft
sei, der Beschwerdeführer keine begründete Furcht vor flüchtlingsrechtlich
relevanter Verfolgung habe und der Wegweisungsvollzug zulässig, zumut-
bar und möglich sei, nichts zu ändern. So ergebe sich aus diesen – soweit
darin die allgemeine Sicherheitslage und die politische Situation in Sri
Lanka der Jahre 2015 bis 2019 beschrieben werde – kein persönlicher Be-
zug zum Beschwerdeführer. Das (Nennung Beweismittel) gebe lediglich
die im erstinstanzlichen Verfahren als unglaubhaft beurteilten Vorbringen
beziehungsweise einen Teil davon wieder. Aus dem Schreiben gehe weder
hervor, wie und woher der Autor seine diesbezüglichen Informationen be-
zogen habe, noch ob er deren Wahrheitsgehalt überprüft habe. Auch wird
darin nicht dargelegt, was den Autor veranlasst habe, dieses Schreiben zu
verfassen. Es sei jedoch davon auszugehen, dass es auf Wunsch des Be-
schwerdeführers selbst oder seiner Angehörigen angefertigt worden sei,
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wobei dem Verfasser wohl auch der Inhalt des Schreibens vorgelegt wor-
den sei. Aufgrund dessen sei von einem Gefälligkeitsschreiben ohne mas-
sgeblichen Beweiswert auszugehen und es sei nicht geeignet, die Zweifel
an der Glaubhaftigkeit der Sachverhaltsschilderung zu beseitigen und eine
begründete Furcht glaubhaft zu machen. Ebenso entfalte das eingereichte
(Nennung Beweismittel) keine Beweiskraft, da nicht ersichtlich sei und
auch nicht näher dargetan werde, was es genau belegen solle. Die am
16. November 2019 durchgeführte Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum
Präsidenten vermöge die Einschätzung des SEM nicht umzustossen. Un-
ter seinem Bruder Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 Präsident
Sri Lankas gewesen sei, habe dieser das Amt des Sekretärs im Verteidi-
gungsministerium innegehabt und sei faktisch für die Kriegsführung im Bür-
gerkrieg gegen die G._ verantwortlich gewesen. Ihm würden
Kriegsverbrechen vorgeworfen. Mit der Wahl von Gotabaya Rajapaksa
zum Präsidenten seien Befürchtungen vermehrter Repression und Über-
wachung von Menschenrechtsaktivisten und Minderheiten einhergegan-
gen. Dennoch gebe es zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anlass zur Annahme,
dass ganze Volksgruppen unter Präsident Gotabaya Rajapaksa kollektiv
einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt seien.
6.4 In seiner Replik bestritt der Beschwerdeführer die vorinstanzlichen
Ausführungen und brachte vor, er habe in der Rechtsmitteleingabe aus-
führlich dargelegt, inwiefern er aufgrund seines Profils einer Verfolgung
durch den sri-lankischen Staat unterliege. Weiter habe er die persönliche
Verbindung zum (...) Y_ dargelegt, weshalb es nachvollziehbar sei,
dass dieser seine Vorgeschichte kenne und auch in der Lage sei, entspre-
chende Informationen zu geben. Es handle sich bei dessen Schreiben so-
mit nicht um eine Gefälligkeit. Sodann sei entgegen der vorinstanzlichen
Ansicht der Machtwechsel in Sri Lanka für seinen konkreten Fall relevant.
Angesichts des zusammengefasst dargestellten Inhalts verschiedener Me-
dienberichte über die massiv verschlechterte Sicherheitslage in Sri Lanka
sei die Überprüfung der Asylgesuche aller tamilischen Asylgesuchsteller –
und insbesondere auch seines eigenen – unter allen Umständen erforder-
lich. Gestützt auf sein den Behörden bekanntes Profil als Asylgesuchsteller
mit tamilischer Abstammung und G._-Tätigkeit sowie mehrjährigem
Auslandaufenthalt wäre er bei einer Rückkehr unmittelbar gefährdet.
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Abwägung der Argu-
mente, die für und gegen die Glaubhaftigkeit sprechen, zum Schluss, dass
die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt
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hat, da die Wahrscheinlichkeit, die zu beurteilende Verfolgungsgeschichte
entspreche in den wesentlichen Punkten – sofern überhaupt asylrelevant
– nicht den Tatsachen, als höher zu erachten ist. Zudem hielt das SEM zu
Recht fest, bei dieser Sachlage bestehe bei einer Rückkehr nach Sri Lanka
keine beachtliche Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen asylrelevanten
Massnahme. Der Beschwerdeführer vermag mit seinen Entgegnungen auf
Beschwerdestufe die vom SEM getroffene Einschätzung nicht umzustos-
sen.
7.1.1 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung unter Verweis auf die
jeweiligen Textstellen in den Protokollen mehrere zu Zweifeln Anlass ge-
bende Aussagen angeführt. Der Beschwerdeführer wendet auf die vom
SEM als widersprüchlich erachteten Aussagen bezüglich seiner Aktivitäten
für die J._ ein, dass das Engagement für politische Parteien in Sri
Lanka vielfältig sei und er seine Tätigkeiten generell und zusammenfas-
send geschildert habe. Dieser allgemein gehaltene Einwand ist als nicht
stichhaltig zu erachten. So wurde er sowohl anlässlich der BzP als auch in
der Anhörung explizit zu seiner Rolle innerhalb der für die J._ aus-
geübten Wahlpropaganda respektive seinen Tätigkeiten befragt (vgl. act.
A3, S. 8; A11, F127). Am Schluss der jeweiligen Befragung bestätigte er
die Korrektheit und Wahrheit seiner Aussagen unterschriftlich, weshalb er
sich bei diesen Aussagen behaften lassen muss. Soweit er die vom SEM
aufgelisteten widersprüchlichen Aussagen zu seinen Festnahmen, Inhaf-
tierungen und der Umstände der nachfolgenden Suche durch den
U._ mit dem unterschiedlichen Beweischarakter der BzP und der
dortigen Aufforderung, sich kurz zu fassen, zu erklären versucht, vermag
er nicht zu überzeugen. Es ist trotz des summarischen Charakters der BzP
gemäss ständiger Rechtsprechung zulässig, Widersprüche für die Beurtei-
lung der Glaubhaftigkeit heranzuziehen, wenn klare Aussagen in der BzP
in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen
in der Anhörung diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse o-
der Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt wer-
den, nicht bereits im Empfangszentrum respektive in der BzP zumindest
ansatzweise erwähnt werden (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-
3114/2018 vom 28. Juni 2019 E. 5.1 m.w.H; Entscheidungen und Mitteilun-
gen der ARK [EMARK] 1993 Nr. 3). In der angefochtenen Verfügung hat
sich das SEM nicht in unzulässiger Weise auf das Protokoll der BzP abge-
stützt und zu Recht angeführt, dass der Beschwerdeführer – im Gegensatz
zur späteren Anhörung – die Bedeutung seiner Rolle im Rahmen der Pro-
pagandaktivitäten sowie die Gründe und Umstände seiner Festnahmen
und jeweiligen Haftdauer und der anschliessenden Suche durch den
D-5197/2019
Seite 14
U._ in wesentlichen Punkten anders geschildert und sich daher wi-
dersprochen hat. Entgegen der in der Rechtsmitteleingabe vertretenen An-
sicht vermag der Hinweis auf den bei der BzP herrschenden Zeitdruck und
die Aussicht, die Details des Sachverhaltsvortrags erst im Rahmen der An-
hörung anzuführen, das Nichterwähnen von Einzelheiten seiner Festnah-
men und der Folter nicht zu erklären. So hatte gerade er auch in der BzP
durchaus Gelegenheit, seine wesentlichen Asylgründe zunächst in freier
Erzählform zu schildern, welche in der Folge durch einige Nachfragen ver-
tieft wurden (vgl. act. A3, S. 7 f.). Der Beschwerdeführer konnte somit
schon im Rahmen der BzP die Gründe seines Gesuchs ausführlich darle-
gen, weshalb es ihm zumutbar und möglich gewesen wäre, bereits zu die-
sem Zeitpunkt die erst in der Anhörung geltend gemachten Misshandlun-
gen zumindest ansatzweise zu erwähnen. Die festgestellten Ungereimthei-
ten in der Schilderung der Asylgründe lassen sich ferner auch nicht mit dem
Hinweis auf eine – seinen Angaben zufolge – ausführliche, mit Realkenn-
zeichen gespickte Darstellung der Vorfälle auflösen. Zudem ist diesbezüg-
lich anzuführen, dass die Schilderungen des Beschwerdeführers wohl ei-
nige Details enthalten, dann aber wieder bezüglich einiger Themenkreise
stereotyp und von einer derartigen Schlichtheit sind, dass sie auch von ei-
ner am Ereignis gänzlich unbeteiligten Drittperson problemlos nacherzählt
werden könnten. In diesem Zusammenhang sind beispielsweise die Um-
stände des erst bei der Anhörung erwähnten Spitalaufenthalts oder die
Schilderung der Schlägerei, die zur ersten Festnahme geführt haben soll,
zu erwähnen (vgl. act. A11, F77-83 und F85-87). Ausserdem erstaunt, dass
sich der Beschwerdeführer – obwohl in behördlichem Gewahrsam – eige-
nen Angaben zufolge offenbar selber und unbemerkt aus dem Spital hat
entlassen können und auch keinerlei Angaben darüber geben konnte, wie
er überhaupt dorthin gelangt sein soll (vgl. act. A11, F78 f.).
7.1.2 Im Weiteren hat die Vorinstanz zu Recht festgehalten, dass die vom
Beschwerdeführer eingereichten Belege (Nennung Beweismittel) keine
Beweiskraft für den Nachweis der vorgebrachten Verfolgungssituation zu
entfalten vermögen. Einerseits lässt sich der Inhalt des Schreibens – so-
weit dies angesichts des äusserst allgemein und oberflächlich gehaltenen
sowie kaum Datumsangaben enthaltenden Ausführungen überhaupt mög-
lich ist – über weite Teile nicht mit den Angaben des Beschwerdeführers in
Übereinstimmung bringen. Insbesondere widerspricht auch die Wieder-
gabe der angeblichen Entführung des (Nennung Verwandter) seiner (Nen-
nung Verwandte), welche gemäss Bestätigung (Nennung Zeitpunkt) durch
Angehörige des U._ verübt worden sein soll, den Angaben des Be-
D-5197/2019
Seite 15
schwerdeführers in der Anhörung. Laut diesen sei sein (Nennung Verwand-
ter) im (Nennung Zeitpunkt) durch Leute der M._ entführt worden,
wobei die Polizei sowie die Armee den besagten (Nennung Verwandter) in
der Folge gemeinsam gesucht hätten (vgl. act. A11, F103). Ferner ist nicht
ersichtlich, wann, wo und in welchem Zusammenhang das eingereichte
(Nennung Beweismittel) gemacht wurde, weshalb aus diesem kein Hinweis
auf die Fluchtgründe des Beschwerdeführers hergeleitet werden kann be-
ziehungsweise zu ersehen ist.
7.2 Sodann sind die vom Beschwerdeführer angeführten, zwangsweise
ausgeübten Hilfsdienste zugunsten der G._ im Jahr (...) sowie der
Aufenthalt in einem Flüchtlingslager im Jahr (...), wo er sporadisch über
seine Aufenthaltsorte nach Kriegsende und seine Tätigkeiten für die
G._ befragt worden sei, in Ermangelung eines adäquaten Kausal-
zusammenhangs zwischen diesen Vorfällen und seiner Ausreise (Nennung
Zeitpunkt) als asylirrelevant zu qualifizieren. So lassen die Schilderungen
des Beschwerdeführers zu seinen Hilfsdiensten im Jahr (...) sowie die im
Camp vereinzelt durchgeführten Befragungen zu Tätigkeiten für die
G._ und seinen Stationen nach Ende des Bürgerkrieges keinen Zu-
sammenhang mit seinen ursprünglichen Ausreisegründen im (Nennung
Zeitpunkt) erkennen.
8.
Der Beschwerdeführer macht darüber hinaus geltend, mehrere Risikofak-
toren zu erfüllen. Es bleibt demnach zu prüfen, ob er deswegen bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte
Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat, weshalb seine
Flüchtlingseigenschaft festzustellen wäre.
8.1 Im Referenzurteil E-1866/2015 hat das Bundesverwaltungsgericht eine
aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorge-
nommen und festgestellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurück-
kehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden
Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien (vgl. E-1866/2015
E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos von
Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Fol-
ter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es sich um
das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintlichen, aktuellen oder
vergangenen Verbindung zu den G._, um Teilnahme an exilpoliti-
schen regimekritischen Handlungen und um Vorliegen früherer Verhaftun-
gen durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang
D-5197/2019
Seite 16
mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den G._
(sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. E-1866/2015 E. 8.4.1 – 8.4.3).
Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unter-
liegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere
nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurück-
geführt werden oder die über die Internationale Organisation für Migration
(IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren
Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. E-1866/2015
E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaub-
haft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der
betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbeson-
dere jene Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen
im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behör-
den zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den tamilischen Separa-
tismus wiederaufleben zu lassen (vgl. E-1866/2015 E. 8.5.1). Diese Recht-
sprechung ist auch in Anbetracht der aktuellen Ereignisse in Sri Lanka wei-
terhin ausschlaggebend.
8.1.1 Vorliegend erwog die Vorinstanz zu Recht, es bestehe aufgrund der
Angaben des Beschwerdeführers kein begründeter Anlass zur Annahme,
dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit oder in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnah-
men ausgesetzt sein werde. Der Beschwerdeführer weist keine Risikofak-
toren im Sinne des Referenzurteils E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 auf,
aufgrund derer davon auszugehen wäre, dass ihm bei einer Rückkehr mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen
drohten. Nach Ansicht des Gerichts hat der Beschwerdeführer vorliegend
keine Massnahmen zu befürchten, die über einen sogenannten Back-
ground Check (Befragungen, Überprüfung von Auslandsaufenthalten und
Tätigkeiten in Sri Lanka und im Ausland) hinausgehen. Es bestehen keine
Anhaltspunkte, dass er wegen Verbindungen zu den G._ ins Visier
der heimatlichen Behörden geraten ist. Der Beschwerdeführer hat gemäss
eigenen Angaben seine Hilfstätigkeiten für die G._ gegenüber den
sri-lankischen Behörden offengelegt (vgl. A11 F147), ohne dass dies für ihn
asylrelevante Folgen gehabt hätte. Es ergibt sich demnach keinerlei
(glaubhafte) relevante Verbindung des Beschwerdeführers zu den
G._ respektive der J._. Er hat sich auch nicht exilpolitisch
betätigt. Wie vorstehend dargelegt, hat er nicht glaubhaft dargelegt, im
Zeitpunkt der Ausreise flüchtlingsrechtlich relevant gefährdet gewesen zu
sein. Er lebte nach Kriegsende noch (Nennung Dauer) in Sri Lanka und
sein Wohnort war den sri-lankischen Behörden ohne Weiteres bekannt
D-5197/2019
Seite 17
(vgl. act. A3, Ziff. 2.01), weshalb Letztere bei einem allfälligen Verfolgungs-
interesse ausreichend Zeit gehabt hätten, um seiner habhaft zu werden.
Würden die sri-lankischen Behörden dem Beschwerdeführer tatsächlich
ein Interesse am Wiederaufflammen des tamilischen Separatismus unter-
stellen, hätten sie ihn nicht ohne Weiteres nach den vereinzelten Befragun-
gen im Jahr (...) im Flüchtlingscamp wieder entlassen. Dieser Umstand
zeigt vielmehr auf, dass die Behörden den Beschwerdeführer nicht ernst-
haft verdächtigten, in massgeblicher Weise für die G._ aktiv gewe-
sen zu sein oder Kontakt zu Kaderleuten der Organisation gehabt zu ha-
ben, zumal auch nicht aktenkundig ist, dass ihm entsprechende Beschul-
digungen vorgehalten wurden. Alleine aus der Zugehörigkeit zur tamili-
schen Ethnie, der über (...)jährigen Landesabwesenheit, dem (...) Glauben
und seiner Herkunft aus der (Nennung Provinz) kann er keine Gefährdung
ableiten. Auch eine zwangsweise respektive durch die IOM begleitete
Rückführung nach Sri Lanka ist ein schwach risikobegründender Faktor,
der nicht zur Annahme geeignet ist, dass er bei einer Rückkehr von den
sri-lankischen Behörden als Bedrohung wahrgenommen würde und ihm
ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen könnten. Weiter sind
Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht
generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter aus-
gesetzt (vgl. E-1866/2015 E. 8.3). Die Ausführungen, dass der Beschwer-
deführer als Mitglied einer bestimmten sozialen Gruppe verfolgt würde,
geht daher fehl. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass die Erfüllung von Ri-
sikofaktoren nicht per se ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zur
Folge haben (vgl. E-1866/2015 E. 8.5.1 Satz 1).
8.1.2 Dies gilt auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Lage
in Sri Lanka. Die Präsidentschaftswahlen von November 2019 und daran
anknüpfende Ereignisse vermögen diese Einschätzung nicht in Frage zu
stellen (vgl. dazu im Einzelnen: Urteil des BVGer E-1156/2020 vom
20. März 2020 E. 6.2). Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der politi-
schen Veränderungen in der Heimat des Beschwerdeführers bewusst. Es
beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei
seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durch-
aus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszugehen,
der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind bezie-
hungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. E-1866/2015; Human
Rights Watch [HRW], Sri Lanka: Families of "Disappeard" Threatened,
16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur
Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungs-
gruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen
D-5197/2019
Seite 18
Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asyl-
suchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019
respektive deren Folgen besteht. Für den Beschwerdeführer ist das nicht
der Fall.
8.1.3 An der Lageeinschätzung des erwähnten Referenzurteils ist weiter-
hin festzuhalten. Mit den angeführten Quellenverweisen und den einge-
reichten Medienberichten sowie Zeitungsartikeln zur allgemeinen Situation
in Sri Lanka vermag der Beschwerdeführer keine auf seine Person bezo-
gene konkrete Gefährdung darzulegen. Objektive Nachfluchtgründe, bei
denen eine Gefährdung entstanden ist aufgrund von äusseren, nach der
Ausreise eingetretenen Umständen, auf die der Betreffende keinen Ein-
fluss nehmen konnte (vgl. BVGE 2010/44 E. 3.5 m.w.H.), liegen vorliegend
nicht vor. Es sind auch sonst keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass der Be-
schwerdeführer im aktuellen politischen Kontext in Sri Lanka in den Fokus
der sri-lankischen Behörden geraten ist und mit asylrelevanter Verfolgung
zu rechnen hat, weshalb er keine Verfolgung oder begründete Furcht vor
zukünftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder
glaubhaft zu machen vermag.
8.2 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die
Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Die Vor-
instanz hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
9.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
D-5197/2019
Seite 19
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
10.3 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri
Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
D-5197/2019
Seite 20
§§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka
lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts nicht als un-
zulässig erscheinen (vgl. E-1866/2015 E. 12.2 sowie statt vieler: Urteil
BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.2). Es ergeben sich aus den
Akten auch keine konkreten Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer
bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genannten "Back-
ground Check" (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und
Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre.
Daran vermögen der Regierungswechsel vom November 2019 sowie die
seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts zu ändern.
Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der
asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
10.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.4.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den G._ ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder
Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24
E. 13.2.1). Gemäss Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts D-
3619/2016 vom 16. Oktober 2017 ist der Vollzug der Wegweisung ins
"Vanni-Gebiet" grundsätzlich zumutbar (vgl. a.a.O. E. 9.5). An der generel-
len Einschätzung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vermögen
die gewalttätigen Angriffe auf Kirchen und Hotels vom Ostersonntag 2019
und der daraufhin verhängte Ausnahmezustand nichts zu ändern. Auch die
verschärften ethnischen und religiösen Spannungen während des jüngsten
Wahlkampfes und der Regierungswechsel vom November 2019 sowie die
aktuelle Situation in Sri Lanka ändern nichts an dieser Beurteilung.
10.4.2 Der Beschwerdeführer lebte die letzten Jahre vor seiner Ausreise in
D._ bei seiner (Nennung Verwandte) und seinem (Nennung Ver-
wandter), welche noch immer dort wohnhaft sind. (Nennung Zeitpunkt)
kehrte der Vater des Beschwerdeführers aus F._ nach Sri Lanka
zurück und lebt seither ebenfalls in D._ bei der erwähnten (Nen-
nung Verwandte) (vgl. act. A3, S. 4; A11, F4). Es kann somit ohne weiteres
D-5197/2019
Seite 21
von einem nach wie vor bestehenden gefestigten Beziehungsnetz in seiner
Heimat und einer gesicherten Wohnsituation ausgegangen werden, das
ihm bei einer Rückkehr Unterstützung bieten kann, insbesondere auch in
wirtschaftlicher Hinsicht. Sodann arbeitete er (Nennung Dauer) als (Nen-
nung Funktion) und anschliessend als (Nennung Tätigkeiten) (vgl. act. A3,
S. 4; A11, F11-15). Zudem verfügt der Beschwerdeführer über (Nennung
schulische Ausbildung) (vgl. act. A3, S. 3). Im Lichte obiger Ausführungen
ist dem Beschwerdeführer demnach die wirtschaftliche Reintegration und
der Aufbau einer neuen Existenz zuzumuten.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
10.5 Ferner obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen
Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-
dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.6 Schliesslich steht auch die Coronavirus-Pandemie dem Wegwei-
sungsvollzug nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt
– um ein temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugs-
modalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem
etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation in Sri Lanka angepasst wird
(vgl. EMARK 1995 Nr. 14 E. 8d und e, Urteil des BVGer D-4796/2019 vom
27. April 2020 E. 8.9 m.w.H.).
10.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und praxisgemäss auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
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Seite 22
[VGKE, SR 173.320.2]). Der am 18. Oktober 2019 in der gleichen Höhe
geleistete Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu ver-
wenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 23