Decision ID: db2dae1d-bcf6-43af-a17a-6759f334d817
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1959, war seit dem 1
6.
April 1991 bei
der
Y._
in
Z._
als Mitarbeiterin Produktion (
Abpackerei
)
angestellt
(vgl.
Urk.
9/2
;
Urk.
9
/
17
).
Die Arbeitgeberin meldete die Versicherte
am
2
8.
Oktober
2008 mit dem Formular Früherfassung bei der Inv
alidenversicherung an (
Urk.
9/
2). Am
3.
Dezember 2008 meldete sich die
Versicherte
aufforderungsgemäss (vgl.
Urk.
9/7) bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
9/8). Die
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte
Auszüge
aus dem individuellen Konto (Urk.
9/1;
Urk.
9/
11
)
, einen medizinischen Bericht
(
Urk.
9/
13) sowie einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
9/17)
ein und
verneinte n
ach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(
Urk.
9/
21
) mit Verfügung vom
2
8.
Mai
2009 den Anspruch de
r
Versicherten auf
Leistungen der Invalidenversicherung
(
Urk.
9/
22
).
1.2
Die
Y._
kündigte das Arbeitsverhältnis mit der Versicherten auf den 3
1.
Januar 2011 (
Urk.
9/36/10), wobei die Kündigung aufgrund der Krankheit der Versicherten erst per 3
0.
April 2011 wirksam wurde (vgl.
Urk.
9/36/11).
Am 1
0.
Juni 2011 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
9/24). Die IV-Stelle holte
einen Auszug
aus dem individuellen Konto (
Urk.
9/30),
aktuelle medizinische Berichte (
Urk.
9/31-32) sowie einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
9/36) ein und zog Akten der zuständi
gen Krankentaggeldversicherung bei (
Urk.
9/34).
Nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(
Urk.
9/39-41) wies sie das erneute Leistungsbegehren mit Verfügung vom
2.
November 2011 ab (
Urk.
9/44).
1.3
Am 1
4.
März 2013 meldete sich die Versicherte wiederum
bei
der Invalidenver
sicherung an (
Urk.
9/58).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/60;
Urk.
9/64; Urk. 9/68-69) trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
8.
Oktober 2013 auf das erneute Leistungsbegehren nicht ein (
Urk. 9/74
=
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom
1
8.
Oktober 2013
(
Urk.
2) erhob die Versicherte am
1
8.
November 2013
Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, es sei auf das
Leis
tungs
begehren
einzutreten und ihr seien die gesetzlichen Leistungen
auszurich
ten
, nämlich eine Invalidenrente (
Dreiviertelsrente
, eventuell halbe Rente) zu
zusprechen und berufliche Eingliederungsmassnahmen zu gewähren (S. 2
Ziff.
1 und 2).
In prozessualer Hinsicht stellte sie ein Gesuch um unentgeltliche
Pro
zessführung
und unentgeltliche Rechtsvertretung
(S. 2 unten). Die
Beschwerde
gegnerin
ersuchte mit Vernehmlassung vom
7.
Januar 2014
um Abweisung der
Beschwerde (Urk. 8). Dies wurde der Beschwerdeführerin am 5. Februar 2014 zur Kennt
nis gebracht (Urk. 10).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung
(IVV) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
1.2
Mit
Art.
87
Abs.
3 in Verbindung mit
Abs.
2 IVV soll verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger
Leistungsver
weige
rung
immer wieder mit gleich lautenden und nicht näher begründeten, d. h. keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE 109 V 108 E. 2a, 264 E. 3). Hingegen kann diese
Eintretensvorschrift
nicht da
hingehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Änderung gerade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechtskräftigen Leistungsabweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Person zumindest die Änderung eines Sachverhalts aus dem gesamten für die Rentenberechtigung erheblichen Tatsachenspektrum glaubwürdig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher (wie selbstverständlich auch in rechtlicher) Hinsicht allseitig zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3a und 200 E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 ff. E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen).
Mit dem
Beweismass
des Glaubhaftmachens
im Sinne des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV
sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die
Tatsa
chenänderung
muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E.
5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (BGE 130 V 64 ff. E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2 mit Hinweisen). Erheblich ist eine
Sachverhalts
änderung
, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als
richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3 mit Hinweisen auf 8C_1009/2010 vom
7.
April 2011 E. 2.2 und 9C_838/2011 vom 2
8.
Februar 2012 E. 3.3.2).
1.3
Die genannte Bestimmung - wonach die versicherte Person mit dem Revisions-gesuch oder der Neuanmeldung die massgebliche Tatsachenänderung glaubhaft machen muss - hat zur Folge, dass der versicherten Person ausnahmsweise eine Beweisführungslast zukommt. Nur wenn die Verwaltung auf das erneute
Leis
tungsbegehren
eintritt, hat sie ihrerseits gestützt auf den Untersuchungs-grundsatz von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 130 V 64 f. E. 5.2.5).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen
ist
,
ob die Voraussetzungen für das Eintreten auf die Neu
anmeldung vom
1
4.
respektive
1
8.
März 2013 (Eingang bei der
Beschwer
degegnerin
)
erfüllt sind
.
2.2
Die
Beschwerdegegnerin
führte in der ang
efochtenen Verfügung (
Urk.
2) aus, die Beschwerdeführer
in habe mit dem neuen Gesuch nicht glaubhaft dargelegt, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten Verfügung vom
2.
November 2011 wesentlich verändert hätten (S. 1 Mitte).
Im Arztbericht der
A._
, vom
4.
Juni 2013
sei
en keine neuen medizinischen Tatsachen geltend gemacht
worden
. Die mittelgradige depressive Episode bestehe seit 2008 in Kombination mit der anhaltenden
so
matoformen
Schmerzstörung. Sie sei nach wie vor durch Schmerzen und die anhaltende Arbeitslosigkeit bedingt und nicht als eigenständige psychische Er
krankung anzusehen. Im Vergleich zu früheren Arztberichten sei auch keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes ableitbar (S. 1 unten).
2.
3
Die Beschwerdeführerin stellte sich in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) auf den Stand
punkt, dass
sich die im Bericht der
A._
vom
4.
Juni 2013 – und auch im Bericht vom
8.
November 2013 – geschilderte Gesundheitssituation deutlich und wesentlich vom früheren Zustand abhebe (S. 3 f.). H
eute
liege
ein zur
Schmerz
problematik
hinzutretendes
komorbides
eigenständiges psychiatrisches
Zu
stands
bild
vor
, nämlich eine anhaltende mittelgradige Depression (S. 3 unten).
Die Fachärztin der
A._
habe dargelegt, dass und weshalb heute
von
eine
r
von den
initialen
psychosozialen Belastungen klar un
t
erscheidbare
n
, eigenstän
dige
n
Krankheit mit wesentlichem Einfluss auf die Arbeits- und Erwerbsfähig
keit
auszugehen sei
.
Wenn die Beschwerdegegnerin diese fachärztlichen Fest
stellungen nicht gelten lassen wolle, hätte sie auf das Gesuch eintreten und ein neutrales psychiatrisches Gutachten einholen müssen (S. 5 unten).
2.
4
Proze
ssthema bildet die Frage, ob die
Beschwerdeführer
in
im Sinne von
Art.
87
Abs.
2 IVV glaubhaft gemacht hat, dass sich
ihr
Gesundheitszustand seit der
letzten
anspruchsverneinenden Verfügung vom
2.
November 2011
(
Urk.
9/44
) in einer für den Anspruch erheblichen Weise verschlechtert hat. Dabei bildet das Datum der angefochtenen Verfügung vom
1
8.
Oktober 2013
die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (
BGE 131 V 9 E. 1, 130 V 445 E.
1.2, 122 V 77 E. 2b
), weshalb einzig die im Verfügungszeitpunkt vorliegenden medi
zinischen Berichte zu berücksichtigen sind.
Damit fällt der Bericht der
A._
, vom
8.
November 2013 (Urk. 3) für die Beurteilung
der
Eintretensfrage
ausser
Betracht.
Nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist der allfällige
A
nspruch
auf eine Invalidenrente respektive
berufliche Massnahmen
als solcher; insoweit ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
3.
3.1
Im Zeitpunkt der Verfügung vom
2.
November 2011
(
Urk.
9/44
)
stellte sich der Sachverhalt in medizinischer Hinsich
t im Wesentlichen wie folgt dar.
3.2
Dr.
med.
B._
, Allgemeine Innere Medizin FMH,
nannte im
Bericht
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(undatiert, einge
gangen am 2
3.
Januar 2009,
Urk.
9/13/1-4
) folgende
Diagnosen mit Auswir
kung auf die
Arbeitsfähigkeit
(
Ziff.
1.1):
chronisches
Panvertebralsyndrom
Fussschmerzen
bei Kn
ick-
Senkfuss
beidseits
leichte depressive Episode
Dr.
B._
hielt fest, dass
aus internistischer Sicht
keine Arbeitsunfähigkeit bestehe
(
Ziff.
1.11)
und verwies auf ein im Juni 2008 erfolgtes
Arbeitsassess
ment
am
C._
(
Ziff.
1.4 und
Ziff.
1.7; vgl. Bericht über das entsprechende Assessment in
Urk.
9/13/5-20).
3.
3
Dem
Bericht
der
Fachpersonen
der
D._
, vom 2
5.
November 2010 (Urk.
9/29) sind folgende
Diagnosen
zu entnehmen (S. 2
Ziff.
5)
:
m
ittelgradige depressive Episode
Verdacht auf
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
Die
Fachpersonen
de
s
D._
führten aus,
die Beschwerde
führerin habe seit etwa zwei Jahren zunehmend Schmerzen entwickelt, welche sich vor einem Jahr
verstärkt hätten. Am 2
6.
Oktober 2010 habe sie die Kündi
gung erhalten, was ein Schock für sie gewesen sei. Ihr Mann habe sich Sorgen um sie gemacht und sie auf den Notfall gebracht, wo sie
Temesta
erhalten habe (S. 1
Ziff.
2).
Weiter wurde
fest
gehalten
, dass bei
der Beschwerdeführerin ein
deutliches depressives Zustandsbild
bestehe
, welches bei bereits
bestehenden Belastungsfaktoren durch den Verlust des Arbeitsplatzes und die damit verbun
denen psychosozial
en Veränderungen ausgelöst worden sei. Zur weiteren Stabi
lisierung und Beobachtung der Suizidalität seien vorerst engmaschige Termine geplant
(S. 2
Ziff.
6)
.
3.
4
Im Dezember 2010 erfolgte zuhanden der Krankentaggeldversicherung eine
bidis
ziplinäre
Begutachtung der
Beschwerdeführerin in der
E._
in
F._
.
Im
neurologischen
Gutachten
vom
6.
Januar 2011
(Urk. 9/34/22-35
) wurde
zu den Diagnosen ausgeführt, dass
kein ausreichender Anhalt für eine behindernde Läsion am zentralen oder peripheren Nervensystem, der Wirbelsäule sowie
der paravertebralen Strukturen bestehe. Es liege ein Karpaltunnel
syndrom rechts
vor sowie ein
mögliches
Rotatorenmans
chettensyndrom
rechts (
S. 11
Ziff.
4).
Beide genannten Auffälligkeiten seien klinisch gering ausgeprägt und konstitu
ierten keine Behinderung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 12
Ziff.
5).
Zusammenfassend bestünden keine ausreichenden medizinischen
Störungsbe
funde
, die eine Minderung der Arbeitsfähigkeit,
zumindest in Tätigkeiten mit leichter bis mittelschwerer körperlicher Belastung
, begründen könnten
(S. 13 oben).
Im
psychiatrischen
Gutachten
vom selben Datum (Urk. 9/34/36-49)
konnte
keine Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit
gestell
t
werden (Ziff. 4)
.
Es sei ein
psychischer Normalbefund
festgestellt worden. Die im Bericht des
D._
beschriebene deutliche Antriebsminderung, der deprimierte, hoffnungslose, gereizte, innerlich unruhige Affekt, Grübeln und gedankliche Einengungen hätten nicht (mehr) festgestellt werden können. Auch hätten sich keine Anhaltspunkte für eine Suizidalität gefunden (S. 11 f.
Ziff.
5).
A
ls Diagnose
n
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
wurden depressive Re
aktionen (im Zusammenhang mit der Kündigung) genannt
(
Ziff.
4)
.
A
us psychi
atrischer Sicht
bestehe keine Arbeitsunfähigkeit
(
Ziff.
6.1)
.
3.
5
Dr.
B._
nannte im
Bericht vom 1
2.
Juli 2011
zuhanden der
Beschwerde
gegnerin
(
Urk.
9/31/1-4
)
zusätzlich zu den Diagnosen
gemäss
Bericht der Ärzte
des
D._
ein
Panvertebralsyndrom
,
zervikothorakal
und
lumb
osakral
akzentuiert (
Ziff.
1.1). Sie attestierte der Beschwerdeführerin
in der bisherigen Tätigkeit seit
dem
2
7.
Oktober 2010
durchgehend
100%ige und 50%ige
Arbeitsunfähigkeit
en
;
seit dem
1.
März 2011
bestehe eine
Arbeitsun
fähigkeit
von 50 % (
Ziff.
1.6).
Als Einschränkungen nannte sie
chronisch
e Schmerzen am Bewegungsapparat. Geistige
Einschränkungen
bestünden keine
,
jedoch eine
verminderte Belastbarkeit aufgr
und der depressiven Symptomatik.
Eine längerdauernde stehende Tätigkeit mit
grosser
körperlicher Beanspruchung sei nicht möglich.
E
ine
behinderungsangepasste
Tätigkeit
sei aus internistischer Sicht
ab sofort
im Bereich von
vier bis sechs Stunden
täglich
zumutbar (
Ziff.
1.7)
.
3.
6
Dem
Bericht
der
Fachpersonen
der
D._
, vom
9.
August 2011
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(Urk. 9/32) sind folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit
zu entnehmen
(
Ziff.
1.1):
Verdacht auf anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
bei
Panvertebralsyndrom
Status nach mittelgradiger depressiver
Episode, aktuell teilremittiert
Die
Fachpersonen
des
D._
attestierten der Beschwer
defüh
rerin
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit vom 2
6.
Oktob
er 2010 bis 3
1.
Januar 2011
eine
100
%
ige
sowie ab
1.
F
ebruar 2011 bis auf
weiteres
eine
50
%
ige Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
1.6).
Sie führten aus, dass
die depressive Symptomatik
aktuell
weitestgehend remittiert
sei; es liege
noch ein leichter Antriebsmangel
vor
,
eine
leichte affektive Verstimmung und Gereiztheit. Es be
stünden vermutlich
somatoforme
Schmerzen, welche trotz intrapsychischer und familiärer Ressourcen sowie Compliance gegenüber der Therapie bisher nicht hätten verbessert werden können. Aufgrund des bisherigen Verlaufs sei
gemäss
aktueller Beurteilung nicht mit einer weiteren Verbesserung der
Schmerzprob
lematik
und der Arbeitsfähigkeit zu rechnen. Somit bestehe mittel- und vermut
lich auch längerfristig eine 50%ige Arbeitsunfähigkei
t (S. 3 Ziff.
1.4).
Eine
Wie
deraufnahme der beruflichen Tätigkeit
wäre
aus psychiatrischer Sicht in einem 50%-Pensum (halbtags) möglich
; allerdings sei keine Stelle mehr vorhanden (
Ziff.
1.9). Eine
behinderungsangepasste Tätigkeit
sei
im Umfang von
maximal
4.5 Stunden pro Tag möglich (
Ziff.
1.7)
.
3.
7
Vor diesem Hintergrund
hielt
die Beschwerdegegnerin mit
Verfügung vom
2.
November 2011 (
Urk.
9/44)
fest
, dass aus psychiatrischer Sicht von einer Anpassungsstörung bei multiplen psychosozialen Belastungen ausgegangen werden könne, deren vorwiegend depressive und zeitweilig auch angstgetönte Symptomatik unter der ambulanten Behandlung im
D._
rasch remittiert sei
. Entsprechend könne
von einer vollständigen
vorübergehen
de
n
Arbeitsunfähigkeit
vom 2
7.
Oktober 2010 bis zum 2
3.
Januar 2011 ausge
gangen werden
.
Danach werde von
den Ärzten eine seit 2008 diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung mit einer
Arbeitsunfähigkeit
von
50 % genannt. A
llerdings sei
dadurch
vor Oktober 2010 keine relevante
Arbeitsunfähigkeit
ausgewiesen worden
und die Beschwerdeführerin habe durchgehend in einem Vollzeitpensum arbeiten können
. Hinweise auf
somati
sch
e
oder psychische, zur anhaltenden
somatoformen
Schmerzsymptomatik hinzutretende
Begleiterkrankunge
n seien derzeit nicht bekannt. E
in sozialer Rückzug
sei nicht erkennbar. Gesamthaft gesehen sei n
ach Abklingen der akuten Belastungsreaktion ein anhaltender Gesundheitsschaden nicht ausge
wiesen und auch die 50%ige
Arbeitsunfähigkeit
nicht plausibel nachvollziehbar (S. 1; vgl. auch Feststellungsblatt,
Urk.
9/38).
4.
Im Zusammenhang mit der Neuanmeldung vom
März 2013
reichte die Beschwer
deführerin
einen
Bericht
der
A._
, vom
4.
Juni 2013
zuhanden
ihr
es Rechtsvertreters (
Urk.
9/68)
ein
. Darin wurden folgende
Diagnosen
genannt (S. 1 oben)
:
Depression mittelgradiger
Schwere mit somatischem Syndrom
anhalte
nde
somatoforme
Schmerzstörung
Status nach Autounfall im Jahr 2008 mit HWS-Distorsionstrauma und MTBI
Die Oberärztin des
A._
führte aus
,
dass es
Anfang
des Jahres
2011
zu einer
kurzzeitige
n
Verbesserung
der depressiven Stimmungslage gekommen sei. A
ufgrund
bestehender
Belastungssituation durch erfolglose Stellensuche sei im Verlauf wieder
eine
Verschlechterung des Gesundheitszu
standes
erfolgt
, welcher bis heute auf gleichbleibendem Niveau stagniere (S. 1 Mitte).
Im
M
oment
sei eine A
rbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit (wech
selnde Arbeitspositionen, gutes Arbeitsklima,
regelmässige
Arbeitszeiten mit
re
gelmässigen
Pausen, kein Schichtdienst, ruhige Arbeitsumgebung) von
ungefähr
drei Stunden p
ro Tag vorstellbar (S. 1 unten).
Trotz Fortsetzen der integrierten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung, der
psychopharmakologi
schen
Medikation, der Vorstellung der Beschwerdeführerin in der interdiszipli
nären Schmerzsprechstunde des
G._
sowie
der
regelmässigen
Physiotherapie sei von einer
anhaltende
n
und
deutliche
n
Verschlecht
erung des Gesundheitszustandes
auszugehen
. Dies betreffe vor allem die depressive
Symptomatik
mit
deutlich eingeschränkte
r
Affektlage, verminderte
m
Antrieb, Lust- und Interesselosigkeit, Schlaf- un
d Konzentrationsschwierigkeiten und auch
intermittierend vorhandene
n Suizidgedanken sowie der
Zunahme der Schmerzsymptomatik
mit sozialem Rückzug (S. 1 f.). A
us psychiatrischer Sicht werde
gemäss
aktueller Beurteilung
mittel- und vermutlich auch längerfristig eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit
bestehen bleiben (S. 2)
.
5.
5.1
Soweit die Beschwerdegegnerin geltend machte, dass im Vergleich
zu früheren Arztberichten
keine Verschlechterung des Gesundheitsschadens ableitbar sei, vermag dies nicht zu überzeugen.
Aus
dem Bericht de
s
D._
vom
9.
August 2011 (
Urk.
9/32)
ergibt sich
, dass ab Februar 2011 eine progrediente Verbesserung erfolgte
(Ziff.
1.4). Anlässlich der Kontrolle im
D._
vom
5.
Juli 2011 (vgl.
Ziff.
1.2) war
die depressive
Symptomatik
weitestgehend remittiert
; so war nur noch von einem leichten Antriebsmangel und einer leichten affekti
ven Verstimmung die Rede
(vgl. E. 3.6).
Die letzte anspruchsverneinende
Verfü
gung vom
2.
November 2011
(
Urk.
9/44
)
stützte sich massgeblich auf diesen Bericht
respektive die weitestgehend zurückgebildete depressive Symptomatik
.
Deme
ntsprechend erfolgte die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
lediglich
vor dem Hintergrund der Diagnose
einer anhaltenden
somatoforme
n
Schmerzstö
rung
(vgl. E. 3.7 und Feststellungsblatt,
Urk.
9/38
S. 3 ff.
)
, wobei im damaligen Zeitpunkt seitens der Ärzte erst der Verdacht auf eine solche Störung geäussert worden war
.
Die Beschwerdegegnerin hielt in der
Verfügung vom
2.
November 2011
fest, dass keine Hinweise auf somatische oder psychische
, zur
somatofor
men
Schmerzsymptomatik hinzutretende
Begleiterkrankungen bestünden. Auch sei ein sozialer Rückzug nicht erkennbar (vgl. E. 3.7).
D
em Bericht
des
A._
vom
4.
Juni 2013
ist – n
eben
der erwähnten
Verbesserung der depressiven Symptomatik ab Anfang 2011
–
im Verlauf eine anhaltende und deutliche Verschlechterung
des Gesundheitszu
standes der Beschwerdeführerin
zu entnehmen
.
Neu wurde eine
Depression mittelgradiger Schwere mit somatischem Syndrom
diagnostiziert
.
Des Weiteren finden sich
H
inweise auf Suizidalität und sozialen Rückzug
.
Falls nun tatsäch
lich eine mittelgradige Depression als eigenständige Erkrankung besteht,
welche sich wesentlich auf die Arbeits
fähigkeit
auswirkt
, ist dies
durchaus relevant
für einen allfälligen
A
nspruch
auf eine Invalidenrente respektive berufliche Mass
nahmen
.
Aufgrund des Berichts
des
A._
vom
4.
Juni 2013
bestehen somit
genügend Anhaltspunkte für
eine rechtserhebliche
Sach
verhaltsänderung
.
D
emnach hat d
ie Beschwerdeführerin
eine erhebliche Änderung des
Invalidi
tätsgrades
im Sinne von
Art.
87
Abs.
3 in Verbindung mit
Abs.
2 IVV
g
laubhaft
gemacht (vgl. E. 1.1 und E. 1.2).
Folglich ist die
Beschwerdegegnerin zu Unrecht nicht
auf die Neuanmeldung
eingetreten, weshalb die Beschwerde gutzuheissen und die Sache zur materiellen Beurteilung an die Verwaltung zurückzuweisen ist.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG).
Ermessensweise
sind
diese auf
Fr.
600
.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung (
Urk.
1 S. 2 unten) als gegenstandslos.
6.2
Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin gestützt auf § 34 Abs. 1 und 3 des Ge
setzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsa
che und der Schwierigkeit des Prozesses
und beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
auf Fr.
1
‘
60
0
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen. Angesichts dieses
Verfahrens
ausgangs
erweist sich das
Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtsvertretung
(
Urk.
1 S. 2 unten)
als gegenstandslos.