Decision ID: 6823f298-af0d-502e-b7b7-d8a9b0298ede
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die 1965 geborene A._ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) meldete sich im Februar 2012 unter Hinweis auf Schmerzen in Schulter und Arm rechts bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (Akten der IV, Antwortbeilage [AB] 2). Die IV-Stelle Bern (IVB bzw. Beschwerdegegnerin) tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und sprach der Versicherten mit Verfügung vom 9. Juli 2014 (AB 84) eine von 1. August 2012 bis 31. Mai 2013 befristete ganze Invalidenrente zu, wobei sie den Invaliditätsgrad per 3. Februar 2013 auf 27 % festsetzte. Diese Verfügung blieb unangefochten.
Mit Anmeldung vom September 2016 ersuchte die Versicherte die IVB erneut um Zusprechung von Leistungen (AB 89), wobei sie angab, unter Rücken- und Beinbeschwerden sowie nicht auszuhaltenden Schmerzen zu leiden. Die IVB nahm medizinische und erwerbliche Abklärungen vor. Mit Verfügung vom 14. Dezember 2018 (AB 161) sprach sie der Versicherten eine vom 1. April bis 30. November 2017 befristete halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 50 % bzw. 6 % ab 15. August 2017 zu.
Im März 2019 (AB 162) meldete sich die Versicherte wiederum bei der IVB zum Leistungsbezug an. Diese klärte die medizinischen Verhältnisse ab, holte insbesondere die Akten der zuständigen Kollektiv-, B._ AG (B._), ein (AB 168.1 ff.), und stellte der Versicherten mit Vorbescheid vom 9. Mai 2019 (AB 175) die Verneinung eines Rentenanspruchs bei einem Invaliditätsgrad von 6 % in Aussicht. Am 19. Juni 2019 (AB 176) verfügte sie wie angekündigt.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Nov. 2019, IV/19/576, Seite 3
B.
Hiergegen erhob die Versicherte mit der IVB zugestellter Eingabe vom 7. Juli 2019 (Postaufgabe) Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und der Sachverhalt sei weiter abzuklären. Am 25. Juli 2019 stellte die IVB diese Eingabe zuständigkeitshalber dem Verwaltungsgericht zu.
Mit prozessleitender Verfügung vom 26. Juli 2019 setzte der Instruktionsrichter der Beschwerdeführerin Frist zur Einreichung der in der Beschwerde in Aussicht gestellten Arztberichte.
Mit Schreiben vom 19. August 2019 liess die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin diverse Arztberichte zukommen, wobei es Letztere unterliess, diese an das Verwaltungsgericht weiterzuleiten.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 2. September 2019 auf Abweisung der Beschwerde.
Von der mit prozessleitender Verfügung vom 6. September 2019 eingeräumten Möglichkeit, sich abschliessend zu äussern, machte die Beschwerdeführerin keinen Gebrauch.

Considerations:
Erwägungen:
1.
1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Nov. 2019, IV/19/576, Seite 4
vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 19. Juni 2019 (AB 176). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung.
1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). Sie beurteilen offensichtlich begründete oder offensichtlich unbegründete Fälle in Zweierbesetzung.
1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Arbeitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbereich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Erwerbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt in Frage
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kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähigkeit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).
2.2
2.2.1 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Befundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 141 V 281 E. 2.1 S. 285). Es ist dem klaren Willen des Gesetzgebers gemäss Art. 7 Abs. 2 ATSG Rechnung zu tragen, wonach im Zuge einer objektivierten Betrachtungsweise von der grundsätzlichen "Validität" der versicherten Person auszugehen ist (BGE 141 V 281 E. 3.7.2 S. 295).
2.2.2 Psychosoziale und soziokulturelle Faktoren lassen sich oft nicht klar vom medizinisch objektivierbaren Leiden trennen. Trotzdem können solche äusseren Umstände nicht als gesundheitliche Beeinträchtigungen im Sinne des Gesetzes verstanden werden, weil der gesetzliche Invaliditätsbegriff klar zwischen dem Gesundheitsschaden, an dem die versicherte Person leidet, und der durch ihn verursachten Erwerbsunfähigkeit unterscheidet. Infolgedessen können psychische Störungen, welche durch soziale Umstände verursacht werden und bei Wegfall der Belastung wieder verschwinden, nicht zur Invalidenrente berechtigen. Zwar kann einer fachgerecht diagnostizierten psychischen Krankheit der invalidisierende Charakter nicht mit dem blossen Hinweis auf eine bestehende psychosoziale Belastungssituation abgesprochen werden. Je stärker aber psychosoziale und soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein (BGE 127 V 294 E. 5a S. 299; SVR 2012 IV Nr. 52 S. 189 E. 3.2). Nur wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren einen derart verselbstständigten
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Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder seine – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (BGE 139 V 547 E. 3.2.2 S. 552; SVR 2010 IV Nr. 19 S. 59 E. 5.2). In diesem Sinn werden Wechselwirkungen zwischen sich körperlich und psychisch manifestierenden Störungen und der sozialen Umwelt berücksichtigt, wenn auch bedeutend weniger stark als nach dem in der Medizin verbreiteten bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell (SVR 2008 IV Nr. 62 S. 204 E. 4.2).
2.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätzlich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente.
2.4 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades Erwerbstätiger wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
2.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im
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Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1).
2.6 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352).
2.7 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).
2.8 Wird ein Gesuch um Revision eingereicht, so ist darin glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität oder der Hilflosigkeit oder die Höhe des invaliditätsbedingten Betreuungsaufwands oder Hilfebedarfs des Versicherten in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 2 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Wurde eine Rente, eine Hilflosenentschädigung oder ein Assistenzbeitrag wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades, wegen fehlender Hilflosigkeit oder weil aufgrund des zu geringen Hilfebedarfs kein Anspruch auf einen Assistenzbeitrag entsteht, verweigert, so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die
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Voraussetzung nach Abs. 2 erfüllt ist (Art. 87 Abs. 3 IVV, vgl. auch BGE 130 V 343 E. 3.5.3 S. 351). Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine Invalidenrente (oder deren Erhöhung) sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (SVR 2014 IV Nr. 33 S. 121 E. 2). Diese Eintretensvoraussetzung soll verhindern, dass sich die Verwaltung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher begründeten, d.h. keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 108 E. 5.3.1 S. 112).
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung oder das Revisionsgesuch ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist. Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine rentenbegründende (bzw. anspruchsrelevant höhere) Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a S. 198; SVR 2008 IV Nr. 35 S. 117 E. 2.1).
Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invaliditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im Neuanmeldungsverfahren – analog zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG – durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten materiellen Beurteilung und rechtskräftigen Ablehnung bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3 S. 112; 130 V 71 E. 3.2.3 S. 77; AHI 1999 S. 84 E. 1b).
Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlaggebenden Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invaliditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b S. 200; SVR 2018 UV Nr. 22 S. 79 E. 2.2.1).
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Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Nov. 2019, IV/19/576, Seite 9
3.
3.1 Fest steht, dass die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung vom März 2019 (AB 162) eingetreten ist und den Rentenanspruch in der angefochtenen Verfügung vom 19. Juni 2019 (AB 176) materiell geprüft hat. Die Eintretensfrage ist – da nicht streitig – vom Gericht nicht zu beurteilen (BGE 109 V 108 E. 2b S. 114). Indes ist zu prüfen, ob im massgebenden Vergleichszeitraum zwischen der Verfügung vom 14. Dezember 2018 (AB 161) und der Verfügung vom 19. Juni 2019 (AB 176) eine Veränderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise zu beeinflussen. Erst wenn dies zu bejahen ist, ist der Rentenanspruch frei zu prüfen.
3.2 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei Erlass der Verfügung vom 14. Dezember 2018 (AB 161) massgeblich auf das Gutachten der MEDAS C._ AG vom 23. Oktober 2017 (AB 152.2). Diesem sind die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen:
Chronisches Lumbovertebralsyndrom - Ausgeprägte Wirbelsäulenfehlform mit EST Skoliose sowie tiefe
Übergangskyphose - Diskopathie L2/3 und L4/5 mit wahrscheinlich segmentaler
Hypermobilität - Status nach radikulärem Reiz- und Ausfallsyndrom L3 links bei
Massenprolaps L2/3 - Status nach Diskushernien-Operation L2/3 8/2016 - Muskuläre Insuffizienz bei protrahiertem Schonverhalten und fehlendem
Aufbau.
Die angestammte Tätigkeit als selbstständige ... sei auf fünf bis sechs Stunden Stehen bzw. Gehen beschränkt, ausserdem könnten lediglich leichte bis knapp mittelschwere Lasten selten hantiert werden. Entsprechend sei zum Zeitpunkt der Untersuchung eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % in dieser Tätigkeit ausgewiesen. In prognostischer Hinsicht sei nach einem dreimonatigen Aufbautraining mit einer Arbeitsfähigkeit von 75
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Nov. 2019, IV/19/576, Seite 10
% zu rechnen. Unter normalem Verlauf sei nach sechs Monaten, d.h. ab 1. März 2018 mit einer vollständigen Arbeitsfähigkeit zu rechnen. Eine leichte bis knapp mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit im Sinne von Wechsel zwischen Gehen, Stehen und Sitzen und der Möglichkeit, sich frei zu bewegen, wäre theoretisch ganztags zumutbar. Es sei auch davon auszugehen, dass die Tätigkeit im ... oder in der ..., welche die Versicherte im Winter ausgeführt habe, nicht einer angepassten Tätigkeit entspreche, sondern der angestammten.
3.3 Hinsichtlich der Entwicklung des Gesundheitszustandes seit Erlass der Verfügung vom 14. Dezember 2018 (AB 161) ergibt sich aus den Akten das Folgende:
3.3.1 Im Bericht vom 4. Dezember 2018 (AB 168.2 S. 5) diagnostizierte Dr. med. D._, Fachärztin für Anästhesiologie, eine reaktive Depression nach Tod des Lebenspartners am 23. September 2018. Ab dem 8. Oktober 2018 (Behandlungsbeginn [vgl. AB 168.2 S. 7]) bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Die Prognose sei günstig, mit Beginn des Jahres 2019 könne mit einer teilweisen oder vollständigen Wiederaufnahme der Arbeit gerechnet werden.
3.3.2 Der Vertrauensarzt der B._, Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erachtete im Bericht „Arbeitsprognostische Standortbestimmung“ vom 28. Februar 2019 (AB 168.2 S. 1 ff.) die Diagnose einer reaktiven Depression als plausibel und nachvollziehbar. Aus therapeutisch-rehabilitativen Gründen sei die Arbeitsfähigkeit im Verlauf der nächsten vier bis sechs Wochen um 10 bis 20 % zu steigern. Anschliessend sei eine Reevaluation vorzunehmen.
3.3.3 Dr. med. D._ diagnostizierte im Bericht vom 24. April 2019 (AB 173 S. 3 ff.) eine Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2). Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit über mehr als 50 % sei unrealistisch und führe zu einer Zunahme der chronischen Schmerzen. Eine leidensangepasste Tätigkeit sei maximal vier Stunden pro Tag zumutbar. Bei einem solchen Pensum sei die Prognose für die Wiedereingliederung gut.
3.4 Gestützt auf die der Beschwerdegegnerin zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 19. Juni 2019 (AB 176) zur Verfügung stehenden
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Nov. 2019, IV/19/576, Seite 11
und hiervor wiedergegebenen ärztlichen Berichte ist erstellt, dass im massgebenden Vergleichszeitraum (vgl. E. 3.1 hiervor) keine Veränderung des Gesundheitszustandes in somatischer Hinsicht eingetreten ist. Soweit die Hausärztin Dr. med. D._ im Bericht vom 24. April 2019 (AB 173 S. 3 ff.) auf eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit aufgrund der durch die Rückenproblematik verursachten chronischen Schmerzen verweist, stimmt dieser Bericht mit demjenigen vom 25. September 2017 (AB 149) überein. Dass diesbezüglich in der Zwischenzeit eine Verschlechterung eingetreten wäre, lässt sich dem neueren Bericht der Hausärztin nicht entnehmen; vielmehr weist Dr. med. D._ auf eine seit sechs Monaten – und damit bereits vor Erlass der Verfügung vom 14. Dezember 2018 (AB 161) – bestehende stabile Situation bezüglich der Schmerzsymptomatik hin (AB 173 S. 4 Ziff. 2.2).
In psychiatrischer Hinsicht wurden seitens der Hausärztin zunächst eine depressive Reaktion (AB 168.2 S. 5) und sodann eine Anpassungsstörung (AB 173 S. 5) als Folge des plötzlichen Todes des Lebenspartners im September 2018 diagnostiziert. Damit übereinstimmend diagnostizierte der Vertrauensarzt der B._, Dr. med. E._, in seiner Aktenbeurteilung vom 28. Februar 2019 eine reaktive Depression (AB 168 S. 1). Beide Ärzte erachteten indes die Prognose als günstig und gingen von einer baldigen Steigerung der Arbeitsfähigkeit aus. Dementsprechend hat die B._ denn auch ihre Taggeldleistungen per Ende Mai 2019 eingestellt. Da die Symptome einer Anpassungsstörung meist nicht länger als sechs Monate andauern (vgl. DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Aufl. 2015, S. 209), ist die Beschwerdegegnerin damit zu Recht nicht von einem revisionsrechtlich relevanten länger dauernden psychischen Gesundheitsschaden ausgegangen.
3.5 An diesem Ergebnis vermögen die nach Verfügungserlass erstellten und von der Beschwerdeführerin am 19. August 2019 bei der Beschwerdegegnerin eingereichten medizinischen Berichte nichts zu ändern, wobei offen gelassen werden kann, ob sie im vorliegenden
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Nov. 2019, IV/19/576, Seite 12
Verfahren überhaupt zu berücksichtigen wären (BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243; SVR 2008 IV Nr. 8 S. 25 E. 3.4).
3.5.1 Im Sprechstundenbericht vom 30. Juli 2019 (AB 182 S. 13) hielt Dr. med. F._, Facharzt für Anästhesiologie, fest, der im MRI der Wirbelsäule vom 27. Juni 2019 zur Darstellung gelangende Befund einer Rezidiv-Diskushernie L2/3 links medio-lateral sei vor dem Hintergrund der rechtsseitigen sacroglutealen Schmerzen irrelevant. Letztere Beschwerden, welche der Arzt mit einem Iliosakralgelenk-Reizsyndrom in Zusammenhang bringt, fanden bereits in früheren Berichten Erwähnung (vgl. AB 133.2 S. 5, 123 S. 2), womit diesbezüglich keine relevante Verschlechterung eingetreten ist.
3.5.2 Dr. med. G._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte im Bericht vom 12. August 2019 (AB 182 S. 11 f.) eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1) sowie eine akzentuierte, äusserst pflichtbewusste Persönlichkeit (ICD-10: Z73). Er hielt fest, die aktuelle depressive Verstimmung habe wahrscheinlich schon über Jahre geschwelt und sei nun nach dem Tod des Lebenspartners manifest geworden. Eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung sei eben erst aufgenommen worden. Dr. med. G._ beschreibt damit ein Beschwerdebild, welches in den psychosozialen Belastungsfaktoren seine hinreichende Erklärung findet (vgl. E. 2.2.2). Dass die Beschwerdeführerin aufgrund des plötzlichen Todes ihres Lebenspartners Reaktionen zeigt, ist denn auch keineswegs Zeichen einer psychischen Erkrankung, sondern zutiefst menschlich. Ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden liegt damit nicht vor.
3.5.3 Im Schreiben vom 18. August 2019 (AB 182 S. 10) äussert die Hausärztin Dr. med. D._ ihr Unverständnis für die Einschätzung der Beschwerdegegnerin, wonach eine vollständige Arbeitsfähigkeit gegeben sei. Sie führt aus, ein Arbeitspensum von ca. drei Stunden täglich an drei Tagen pro Woche (...) könne ihre Patientin nur unter starken Schmerzmedikamenten unter Zunahme ihrer chronischen Schmerzen leisten. Dabei übersieht die Hausärztin einerseits, dass die Beschwerdegegnerin im Rahmen der Invaliditätsbemessung von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer der Rückenproblematik angepassten
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Nov. 2019, IV/19/576, Seite 13
Tätigkeit und nicht in der bisherigen Tätigkeit als ... ausgeht (vgl. AB 156 S. 3 f., 176 S. 1); andererseits vermag sie damit offensichtlich keine revisionsrechtlich relevante Tatsachenänderung zu begründen.
3.6 Aufgrund des Dargelegten ist erstellt, dass im massgebenden Vergleichszeitraum (vgl. E. 3.1 hiervor) keine für den Rentenanspruch wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, womit die Beschwerdegegnerin das Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin zu Recht abgewiesen hat. Die zusätzliche Durchführung eines Einkommensvergleichs (AB 176 S. 2) war unter diesen Umständen entbehrlich. Die gegen die Verfügung vom 19. Juni 2019 (AB 176) erhobene Beschwerde ist offensichtlich unbegründet und folglich abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzulegen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die unterliegende Beschwerdeführerin die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe entnommen.
4.2 Es besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]).