Decision ID: 5062dda7-52d9-54be-b5bf-b8df044b6bee
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973,
ist gelernter Elektromonteur
.
Im März 1996 meldete er sich wegen Knie- und Rückenbeschwerden bei der
Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle)
an (
Urk.
5/2). Diese
leistete
im
Juni 1996
Kostengutsprache für eine
Umschulung
zum Technischen Kaufmann
mit Eidgenössische
m
Fähigkeitsausweis und
für
den
Erwerb des Schweizerischen Informatik Zertifikates (
Urk.
5/15
; Repe
ti
tion
infolge Operation
:
Urk.
5/19-20 und 19/22).
Während der Umschulung a
r
bei
tete
der Versicherte Teilzeit als
Verkäufe
r
in einem Lichtfachmarkt
und
bezog
ergänzend
Taggeld
er
der Invalidenversicherung
(
Urk.
5/16, 5/18
, 5/23-29
und 5/37
).
Die
Handelsschule
schloss er
am
1
5.
Juli 2000 mit
einem
inter
nen Diplom als technischer Kaufmann ab (
Urk.
5/30
), die eidgenössische Prüfung legte er nicht vollständig ab (
Urk.
5/31
,
5/35/3
und 5/48/2
).
1.2
Die neue Stelle a
ls
Telekommunikationsberater (
Urk.
5/34)
trat er im Dezember 2000 an und kündigte sie nach eigenen Angaben noch im gleichen Mo
nat infolge
einer
Kopfneuralgie
(
Urk.
5/35/40).
Ab
April 2002
arbeitete er für ein Auktionshaus.
Sein
Arbeitspensum und Aufgabenbereich wurden im Laufe der Jahre mehrmals
an seine
gesundheitlichen Beschwerden angepasst (
Urk.
5/39
,
5/48/2
und 5/70
).
In diesem Zusammenhang beantragte er der IV-
Stelle mehrfach eine A
rbeitsplatzerhaltung bzw. Stellenvermittlung
(
Urk
.
5/40
und
5/51
;
Urk.
5/53 und 5/62;
Urk.
5/79
).
Diese teilte ihm i
m De
zember 2007
aufgrund aktueller Arztberichte (
Urk.
5/58, 5/59,5/61, 5/68, 5/75 und 5/77)
sodann
mit,
nach Ablauf
des Wartejahres am 2
8.
Mai
2008
einen
Renten
anspruch
zu prüfen
(
Urk.
5/78).
Später
nahm
sie
weitere
Arzt
berichte
zu den Akten
(
Urk.
5/81 und 5/84)
und
holte
eine Stellungnahme des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD
) ein (
Urk.
5/85/5
). Gestützt
hierauf
verneinte
die IV-Stelle – nach durchgeführtem
Vorbescheidvefahren
(
Urk.
5/87 und 5/89)
–
mit Verfügung vom
7.
Oktober 2008 einen Renten
anspruch
des Versicherten
bei einem Invaliditätsgrad von 9
%
(
Urk.
5/94).
1.3
Mit Schreiben vom 3
0.
Januar 2015 meldete sich der Versicherte unter Bei
lage
neuer
Arztberichte
(
Urk.
5/97) erneut zum Rentenbezug an (
Urk.
5/98).
Die IV-Stelle holte einen Auszug aus dem Individuellen Konto (
Urk.
5/102) sowie eine Stellungnahme des RAD (
Urk.
5/103/3) ein.
Hernach
stellte sie dem Versicherten mit Vorbescheid vom 1
6.
April 2015 ein
en
Nichteintreten
s
entscheid
in Aussicht (
Urk.
5/104). Dagegen erhob dieser Einwand (
Urk.
5/107
und 5/111
) und reichte weitere Arztberichte ein (
Urk.
5/110).
Gestützt auf
eine
weitere Stellungnahme des RAD (
Urk.
5/112/2) trat die IV-Stelle schliess
lich mit Verfügung vom 1
8.
August 2015 nicht auf das L
eis
tungsbegehren ein (
Urk.
5/113 =
Urk.
2
).
2.
Gegen
diese Verfügung
erhob der Versicherte am 2
1.
September 2015 Be
schwerde mit dem Antrag,
d
en Rentenanspruch materiell zu prüfen und ihm
alsdann
eine Invalidenrente auszurichten (
Urk.
1). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 2
1.
Oktober 2015 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
4).
In der Replik vom 1
2.
Februar 2016 hielt der Versicherte an seinem Antrag fest (
Urk.
12). Die IV-Stelle verzichtete auf eine Duplik (
Urk.
14).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird eine
neue Anmeldung
nur geprüft, wenn damit glaubhaft gemacht wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat (
Art.
87
Abs.
3 in Verbindung mit
Abs.
2
der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]
). Die zeitliche Vergleichsbasis für die Frage, ob eine rentenrelevante Veränderung des Sachverhalts glaubhaft ist, bildet der Zeitpunkt der letzten umfassenden materiellen Prüfung. Der Vergleichszeitraum erstreckt sich grundsätzlich bis zur Prüfung und Beurtei
lung des Gesuchs, d.h. bis zum Erlass der Verfügung betreffend die Neuan
mel
dung.
Massgeblich f
ür die beschwerdeweise Überprüfung einer
Nichtein
tre
tens
verfügung
ist
somit der Sachverhalt, wie er sich der
Verwaltung bot,
res
pektive
die Aktenlage bei Erlass
derselben
(BGE 130 V 64 E. 5.2.5; Urteil 9C_683/2013 vom
2.
April 2014 E. 3.3.1).
1.2
Zweck der
Eintretensvoraussetzung
ist es
einzig
zu verhindern, dass
sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Leistungsverweigerung immer wieder mit
gleich lautenden
und nicht näher begründeten,
d.h.
keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesu
chen befassen mus
s (BGE 109 V 108 E. 2a
).
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind
daher
herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden; die Tatsachenän
derung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E.
5b S.
360) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend
ge
machten
rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhalts
punkte
bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung
nicht erstellen lassen (Urteile des Bundesgerichts
I 724/99 vom
5.
Oktober 2001 E. 1c/
aa
, nicht publiziert in BGE 127 V 294, aber in SVR 2002 IV Nr. 10; 8C_266/2015 vom
2
9.
Juni
2015 E. 2.2
; vgl. zum Ganzen Urteil des Bunde
gerichts 8C_183/2016 vom
9.
Mai 2016 E.
2.1-2
).
Entscheidend sein kann b
ei der Prüfung des Glaubhaftmachens der zeitliche Abstand zwischen Ableh
nungs
verfügung und Neuanmeld
ung
(Urteil des Bundesgerichts 8C_436/2008 vom 2
9.
April 2009
E. 4.2 mit Hinweisen), wobei nach der bundesgerichtli
chen Rechtsprechung bereits nach 15 Monaten keine allzu hohen Anforde
rungen an die Glaubhaftmachung mehr zu stellen sind (BGE 130 V 64 E. 6.2).
1.3
Verneint die Verwaltung die Glaubhaftmachung
einer entsprechenden
Tatsa
chenände
rung
,
so
erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichtein
treten
(ZAK 1966 S. 279, vgl. auch BGE 130 V 64 E
. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen).
Wird gegen einen solchen Entscheid Beschwerde erhoben, hat d
as Gericht
nur zu prüfen und darüber zu entscheiden, ob die Verwal
tung zu Recht nicht auf das Leistungsbegehren eingetreten ist. Der richter
liche Sachentscheid hat
folglich nur
den formellen Gesichtspunkt des Nicht
eintretens durch die untere Instanz zum Gegenstand.
Nicht zu befassen hat sich das
Gericht
hingegen
mit
allfälligen
materiellen
Anträgen
(BGE 121 V 157 E. 2b, 116 V 265 E. 2a, SVR 1997, UV Nr. 66 S. 225 E. 1a).
2.
Da
praxisgemäss selbst dann ein erneut ablehnender Sachenentscheid vor
liegen kann, wenn die Verwaltung ein Gesuch formell durch Nichteintreten er
ledigt hat, ist vorab der rechtliche Gehalt der angefochtenen Verfügung und somit der Prozessgegenstand festzustellen (vgl. dazu BGE 109 V 263 E.
2a, 117 V 8 E. 2b, 120 V 496 E. 1a).
Die Beschwerdegegnerin tätigte vor Erlass des angefochtenen
Nichteintre
tens
ent
scheids
keine eigenen Sachverhaltsab
klärungen, sondern holte einzig
zwei
Stellungnahme
n
des RAD
(
Urk.
5/103/3 und 5/112/2)
zu den neuen Arzt
berichten ein
(
Urk.
5/97 und 5/110)
. Sie liess sich also ledig
lich im Sinne von Art. 49 Abs. 3 IVV vom RAD beraten. Damit prüfte sie das Leistungs
begehren nur summarisch und beschränkte sich auf das für
die Be
urteilung der
Eintretens
voraussetzung
nach Art. 87 IVV Not
wendige. Dem
entsprechend zog sie in ihrem Entscheid auch nur in Erwägung, dass
nicht glaubhaft sei, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse verändert
hätten. Ins
besondere sei die
Hüftproblematik bereits seit mindestens dem
Jahr 2008 aktenkundig, wo
bei de
r
Beschwerdeführer in der Tätigkeit als
Technischer Kaufmann – wie bereits mit Verfügung vom
7.
Oktober 2008 festgestellt (
Urk.
5/94) – weiter
hin zu 100
%
arbeitsfähig sei
(Urk. 2).
Bei der angefochtenen Verfügung handelt es sich somit nicht um einen Sach
entscheid.
Es
gilt daher einzig
anhand der im Verwaltungsverfahren
einge
re
ichten medizinischen Unterlagen zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf die Neuanmeldung eintrat.
3.
3.1
Bei
der erstmaligen materiellen Rentenprüfung, die in einer Verneinung des Rentenanspruchs mit
Verfügung vom
7.
Oktober 2008
mündete (
Urk.
5/94),
stützte sich die Beschwerdegegnerin
für die
Beurteilung des
medizinischen Sachverhalts
und
die E
inschätzung der Arbeitsfähigkeit
vollumfänglich
auf die Stellungnahme der RAD-Ärzte
Dr.
med.
Y._
, Praktische Ärztin, und
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
,
vom 3
1.
März 2008
(
Urk.
5/85/5)
. Diese führten aus, anhand der medizinischen Aktenlage (Bericht der
A._
vom 1
8.
Februar 2008) könne man davon aus
gehen, dass ab April 2008 seitens der Wirbelsäule eine 100%ige Arbeitsfä
hig
keit für angepasste Tätigkeiten ausgewiesen sei. Der
Beschwerdeführer
sollte längerfristig das Heben von Gewichten über 15 kg, vermehrtes Bücken sowie repetitive Drehbewegungen mit Gewicht vermeiden. Da auch bei den Hüft
-
und Kniege
le
nken pathologische Befunde vorliegen würden, komme eine wechselbelastende Tätigkeit in Frage.
Die Tätigkeit als technischer Kaufmann dürfte weitgehend dem genannten Belastungs- und Ressourcen
profil entspre
chen.
3.2
Diese Beurteilung
entspricht
derjenigen
von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin,
im Bericht
der
A._
vom 1
8.
Februar 200
8.
Er stellte
folgende Diagnosen: Status nach (1) mikroskopischer
Sequesterektomie
L5/S1 rechts im
Oktober
2007, (2) thora
kalem Morbus Scheuermann, (3)
Valgisationsosteotomie
rechts
im Jahr 1998 bei
Ostechondrose
dissecans
und (4)
Valgis
ati
onsosteotomie
links im Jahr 2003 bei medialer Gonarthrose. Ferner wurden ein gemischtes
Hüftimpinge
ment
beidseits sowie bekannte
Neuralgien diagnostiziert. Gemäss
Dr.
B._
war
die Indikation zur
Sequesterektomie
gestellt worden, nachdem seit meh
rere
n
Monaten Ischialgien entsprechend S1 rechts bestanden hätten, die
zu
letzt nicht mehr auf eine konservative Behandlung angesprochen hätten (
Urk.
5/81).
Letzteres
wird
durch
d
en
chiropraktischen
Bericht
vom 8.
Mai 2007
(
Urk.
5/58/7)
bestätigt und wurde von
Dr.
B._
bereits in seinem Be
richt vom 2
1.
Juni 2007 ausführlich dargelegt. Damals hatte er
im Rahmen
einer
MRI-Untersuchung eine mittelgrosse dorsale Diskushernie L5/S1
medi
o
lateral
rechts
festgestellt
(
Urk.
5/68).
3.3
Weiter findet sich in den Akten der
Bericht
der
A._
vom 12.
Februar 2008
, erstellt
von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
. Diesem ist
zu entnehmen, das Rönt
genbild zeige ein
femoroacetabuläres
Impingment
vom gemischten
Kamm
p
inzer-Typ
beidseits mit deutlicher Verminderung des Kopfschenkelhals-Offsets, deutlichen
osteophytären
Anbauten im kranialen Pfannendachbe
reich und deutlicher
subchondraler
Sklerosierung
in der kran
ia
l
e
n
Tragzone
. Die vornehmlich belastungsabhängigen Beschwerden seien
wohl
bereits de
generativen Charakters. Zusätzlich gebe der Beschwerdeführer eine gewisse Wetterfühligkeit an
. Diagnostisch habe man eine
Arthro
-MR-Untersuchung beider Hüften empfohlen, was der Beschwerdeführer aber abgelehnt habe, da eine Intervention für ihn
derzeit
nicht in Frage komme
(
Urk.
5/84/7)
.
3.
4
Im Übrigen hatte der
Hausarzt
dem Beschwerdeführer
i
m B
ericht vom
3.
Juni 2007 ebenfalls ab sofort eine
100%-
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit attestiert (
Urk.
5/59/6). Als relevante Diagnosen nannte er ein
lum
b
ospondylogenes
, intermittierendes
lumboradikuläres
Syndrom S1 rechts
(seit
d
em Jahr 2006
)
, eine Gonarthrose beidseits
(
seit dem Jahr 1994
)
und den Verdacht auf eine durch längere Bildschirmarbeit ausgelöste
migrä
niforme
Neuralgie
(
seit dem Jahr 2001
; vgl.
Urk.
5/43
neurophtalmologische
Abklä
rung
)
.
Er wies
darauf hin, dass die lumbalen Schmerzen mit Ausstrah
lung ins rechte Bein in den letzten Monaten zugenommen hätten. Die Be
schwerden seien anfänglich vor allem beim längeren Sitzen und beim Heben von etwas schwereren Lasten, in den letzten Wochen
aber
praktisch konstant und selbst im Liegen aufgetreten (
Urk.
5/89/7-8).
Am 1
3.
Juni 2007 erklärte
er
gegen
über der Beschwerdegegnerin zudem mündlich,
dass
die immer wie
derkeh
ren
den Ereignisse von
lumboradikulären
Symptomen,
welche
Fehlzei
ten und einen Klinikaufenthalt notwendig gemacht hätten,
vermuten lassen würden, dass langfristig auch in angepassten Tätigkeiten nur noch eine Ar
beits
fähig
keit von 50
%
bestehen werde, insbesondere wenn bei einem vollen zeitli
che
n Pensum immer wieder längere, unterbrochene Phasen des Sitzens notwendig würden (
Urk.
5/61).
4.
4.1
Gemäss Bericht des Hausarztes vom 1
3.
November
2014 soll sich der Gesund
heitszustand des Beschwerdeführers seit dem Jahr 2008
sodann
mit Bezug auf folgende Diagnosen verschlechtert haben:
(1)
Coxarthrose
beidseits nach
Valgisationsosteotomien
der Knie beid
seits
(2)
chronisches
lumbspondylogenes
, intermittierend
lumboradikuläres
Syn
drom rechts mit/bei (a) einem Status nach
mikrosokopischer
Se
questerektomie
L5/S1 rechts (Oktober 2007), (b) einer Bandscheiben
degeneration L3/L4 und L4/L5 und ausgeprägt L5/S1 mit begleitender
Osteochondrose
sowie (c) einer zirkulären
Protrusion
mit Tangierung der Nervenwurzel S1 beidseits
rezessal
und
(3)
chronisch rezidivierende Neuralgie der sa
k
ralen Nervenwurzeln beid
seits
Als (
gemeint:
unverändert) vorbestehend nannte der Hausarzt weiter ein
e
Gonarthrose beidseits sowie eine axiale
Hiatushernie
. Dazu erläuterte er, dass neu eine
Coxarthrose
aufgetreten sei und die lumbalen Beschwerden wieder deutlich stärker geworden seien. Es seien wiederholt Infiltrationen durchge
führt worden,
was
jeweils kurzzeitig zu einer Linderung der Beschwerden geführt habe. Die Tätigkeit des Beschwerdeführers im Auktionshaus mit Chauffeurdiensten, Aufsicht während der Ausstellungen und Auktionen sowie Verpacken der Kunstgegenstände werde zunehmend schwieriger bis un
möglich. Anlässlich der letzten Auktion sei es zu einer immobilisierenden Situation wegen lumbaler Schme
r
zen gekommen. Stehen und Sitzen über mehr als zwei Stunden sei kaum mehr möglich. Arbeiten mit Heben von Lasten sei gar unmöglich geworden. Bezüglich eines erneuten operativen Vorgehens an der Wirbelsäule und an den Hüften sei dem Beschwerdeführer vom Facharzt für Orthopädische Chirurgie abgeraten worden. In der jetzigen Tätigkeit sei der Beschwerdeführer höchstens noch zu 50
%
arbeitsfähig (
Urk.
5/97).
4.2
Zum Nachweis der Befunde sowie der Infiltrationen legte der Hausarzt einen Bericht von
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Anästhesiologie und
Interventio
nelle
Schmerztherapie, bei. Dieser berichtete am 2
7.
August 2014 einerseits über die
MRI-
Befunde zur Lendenwirbelsäule (vgl. E.
4.1) und dem
Iliosakral
gelenk
(ISG-Arthrose
n
anteroinferior
beidseits aktiviert, rechtsbetont) vom 1
7.
Juli 201
4.
Andererseits machte er
detaillierte
Angaben zu den zwi
schen September 2008 und März 2014 – ausser im Jahr 2013 – regelmässig
durch
geführten
Infiltrationen in Kniegelenke, Nervenwurzeln
und Hüftge
lenke (
Urk.
5/97/3).
Dazu führte er aus, a
ktuell würden wieder sakrale Beschwerden mit Aus
strahlung in beide Gesässbacken auftreten. Die Schmerzqualität sei brennend,
der Schmerz sei permanent vorhanden und verstärke sich beim Sitzen. Ge
schlechtsverkehr sei aufgrund der Schmerzen nicht mehr möglich
. Weiter leide der Beschwerdeführer seit Jahren an Gonarthrosen beidseits mit rezidi
vierenden Schmerzen. Ausserdem habe er wieder verstärkt Schmerzen im Hüftgelenksbereich vor allem beim Velofahren, Stehen und Gehen, vereinzelt aber auch nachts, wenn er im Schlaf eine ungünstige Position einnehme. Im Juni habe er eine Blockierung lumbal erlitten, welche zur Regungslosigkeit geführt habe. Bilder hätten wegen der Unmöglichkeit, das Knie zu beugen, nicht mehr eingepackt werden können. Der Beschwerdeführer neh
me nach Bedarf
Lexotanil
(1.5 mg) und
Xefo
(8 mg) ein.
Die sakrale
n
Wurzelinfiltra
tionen hätten bisher gut gewirkt und dem Beschwerdeführer für längere Zeit eine Erleichterung verschafft. Es persistierten jedoch Schmerzen beim Ge
schlechtsverkehr sowie ein
Aufblähgefühl
unter Stress, welches aber nach sakraler Infiltration weniger geworden sei. Die verschiedenen Interventionen an diversen Lokalisationen hätten gesamthaft zu einer Stabilisierung der ursprünglich schweren Schmerzproblematik geführt
(
Urk.
5/97
/4-5
).
4.3
Einige Monate später reichte der Beschwerdeführer
—
entsprechend den Bean
standungen des RAD (vgl.
Urk.
5/103/3)
—
zwei fachärztliche Bericht
e
nach.
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie,
hielt
im
Bericht vom 2
0.
Mai 2015
fest, bei den lumbalen Beschwerden handle es sich am ehesten um ein
Fazettensyndrom
L5/S
1.
Bei Ansprechen auf eine gezielte Infiltration mit
Korti
s
ondepot
sei eine solche auch für das Hüftgelenk zu erwägen. Sollten die Beschwerden schlussendlich therapieresistenten, invali
di
sierenden Charakter bekommen, sei vermutlich eine
Spondylodese
L5/S1 in Betracht zu ziehen.
Wegen der
Gonalgie
- und
Co
x
arthrose
-Beschwerden rechts bei Verdacht auf Überkorrektur werde sich der Beschwerdeführer bei
Dr.
F._
melden (
Urk.
5/110/1).
Dr.
F._
, Fach
a
rzt für Orthopä
d
ische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
berichtete am
5.
Juni 2015,
i
n der Ganzbeinaufnahme zeige sich eine deutliche Offset-Störung
der Hüften
beidseits. Eine Abnüt
zung bestehe insbesondere auch kaudal. Zudem liege eine Gelenksspalt
ver
schmälerung bzw. eine Einengung des Gelenkspaltes
,
dorsal mehr als ventral
, vor
.
Der Beschwerdeführer habe lumbale Restbeschwerden. Zurzeit seien aber die Hüftschmerzen eindeutig im Vordergrund, rechts mehr als links, bei deut
li
cher
Impingement
-Symptomatik und
Coxarthrose
. Die Lösung hier sei die Hüft-
Arthroplastik
.
Er
empfehle aber, vorgängig eine Infiltration mit
Car
bo
stensin
und
Kenacort
.
Offenbar hätten entsprechende Infiltrationen mit
Ostenil
und
Kenacort
im Zentrum
G._
jeweils gut gewirkt, allerdings
zeitlimiert
.
Er
sei der
Ansicht, aufgrund der kombinierten Lendenwirbel
säulen-, Hüft
-
und Kniebeschwerden habe der Beschwerdeführer Anrecht auf eine halbe Invalidenrente (
Urk.
5/110/3-4).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin stützt sich im angefochtenen Entscheid – wie schon bei der ursprünglichen ablehnenden Verfügung – vollumfänglich auf die Stellungnahmen des RAD-Arztes
Dr.
Z._
. Er
kam
am
1
6.
April
2015
in
Würdigung der in E. 4.1-2 zusammengefassten Berichte
zum Schluss, verglichen mit der zurückliegenden ärztlichen Berichtslage werde jetzt zusätz
lich von
arthrotischen
Hüftveränderungen bei ursprünglichem
femoro
aceta
bulärem
Impingement
berichtet, allerdings ohne notwendige orthopä
dische Facharztberichte und ausgewiesen
e
Indikation zur Operation. Demzu
folge sei davon auszugehen, dass die vorgetragenen vermehrten subjektiven Be
schwerden ohne wesentlich neues organisches Korrelat zu verstehen seien. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als technischer Kaufmann (wechselbe
las
tend, körperlich leicht, ohne wesentliche körperliche Zwangshaltungen) sollte des
wegen weiterhin eine 100%-Arbeitsfähigkeit möglich sein (
Urk.
5/103/3).
Nach Eingang der letzten Arztberichte ergänzte er a
m
1
4.
August 2015, die vordergründige Hüftproblematik sei spätestens seit dem Bericht der
A._
vom 1
2.
Februar 2008 bekannt.
D
er jetzige Schmerzzustand
habe
offenbar kurativen Behandlungsbedarf. Es handle sich aber nicht um neue, unberücksichtigte medizinische Fakten, welche eine Ergänzung seiner letzte
n
Stellungnahme erfordern würde
. Eine berufliche Belastbarkeit (kör
perlich
leic
ht,
wechselbelastend, ohne Zwangshaltungen) sollte immer noch gleicher
massen umsetzbar sein (
Urk.
5/112/2).
5.2
Der Beschwerdeführer hielt dem entgegen, bei den gestellten Diagnosen ge
höre eine laufende Verschlechterung des Zustandes
respektive
Zunahme der Beschwerden zum gewöhnlichen Verlauf
. Es sei deshalb
falsch anzunehmen,
es habe sich nichts verändert, nur weil
alle Beschwerden bereits im Jahr 2008 vorgelegen hätten. Neu seien
die
Diagnosen
chronische
Gonalgie
beidseits, chronische
Coxalgie
beidseits, Bandscheibendegeneration L3/L4 und L4/L5 mit beginnender
Osteochondrose
,
Iliosakralgelenks
-Arthrose beidseits und
Fazettensyndrom
. Die Hüftbeschwerden hätten
folglich
eine klare organische Verschlechterung erfahren
, wobei der
kurative Behandlungsbedarf einen invalidisierenden Gesundheitsschaden nicht aus
schliesse. Dabei würden sich Hüft- und Rückenbeschwerden gegenseitig verstärken und zu einem perma
nenten, ins Gesäss ausstrahlenden, stechenden Schmerz führen, der
beim Sitzen zunehme. Seine Beschwerdeklage sei zuverlässig,
da
sie mit der Heil
be
handlung korreliere und er bisher alles unternommen
habe
, um seine Rest
ar
beitsfähigkeit zu verwerten (
Urk.
1 S. 4;
Urk.
12 S. 8-10).
Im Übrigen habe die Arbeit als technischer Kaufmann
am Bildschirm wegen bestehender Neu
ralgien zu starken Kopfschmerzen mit Augenflimmern geführt (
Urk.
1 S. 3;
Urk.
3 12 S. 3).
5.3
Bei der Beantwortung der Frage, ob ein Revisionsgrund
im Sinne einer Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes im
Besonderen
vorliegt
,
kommt es einzig darauf an, ob sich das Beschwerdebild oder dessen erwerbliche
n
Aus
wirkungen geändert haben (Urteil
des Bundes
gerichts
9C_894/2015 vom 2
5.
April 2016 E. 5.2). In Betracht fällt somit auch, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ver
ändert hat (Urteil des Bun
desgerichts I 212/03 vom 2
8.
August 2003 E. 2.2.3),
wie etwa bei der
Chro
nifizierung
psychischer Störungen (BGE 130 V 64 E. 6.2
; Urteil des Bundes
gerichts I 345/88 vom 2
7.
Dezember 1988, in: ZAK 1989 S.
265), bzw. wenn der Schweregrad oder die Ausprägung der gleichlau
tenden Diagnosen und Befunde sich geändert haben (Urteil
9C_286/2009 vom 2
8.
Mai
2009 E.
3.2.2
; vgl. zum Ganzen Urteil des Bun
desgerichts 9C_367/2016 vom 10.
August 2016 E.
2.1
).
Auch im Zusammenhang mit einer Neuanmeldung einzig mass
gebend ist
also
, ob und in welchem Aus
mass den medizinischen Akten eine Beeinträchtigung der Arbeits- bzw. der Erwerbsfähigkeit entnommen werden kann – und zwar unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbese
hen der Ätiologie (Urteil des Bundesge
richts 9C_226/2016 vom 31. August 2016 E. 4.3.2).
5.4
Es bedarf keiner
eingehenden
Erläuterung,
dass
aufgrund der durch bildge
bende Verfahren nachgewiesenen aktuellen
Wirbelsäulen-
Befunde
und
Hüft
-
Diagnosen in den neuen medizinischen Unterlagen e
ine Zunahme der
vor
bestehenden
Beschwerde
n
glaubhaft
ist
.
Für eine Verschlechterung sprechen denn auch die zahlreichen Infiltrationen, die seit dem Frühling 2009 durch
geführt wurden, die neu diskutierte Indikation zu weiteren Operationen (
Hüftarthroplastik
, Versteifung der Wirbelsäule)
und die Einnahme
eines
Beruhigungs- und Schmerzmittel
s
(vgl. Einträge z
u
Xefo
und
Lexotanil
unter www.
compendium.ch). In diesem Sinne stellte
selbst
der RAD
letztlich
fest, dass nunmehr ein kurativer Behandlungsbedarf bestehe. Es kommt hinzu, dass der Beschwerdeführer
– nach der vorerst erfolgreichen Ope
ration im Oktober 2007
und neuer
Protrusion
mit Tangierung der Nervenwurzel
– soweit nachvollziehbar über
wieder
aufgetretene
Beinschmerzen
klagt, die permanent
bestünden, sich im Sitzen verstärkten und auch mit einer vor
überge
henden Blockierung verbunden gewesen seien
.
Schliesslich dürfen b
ei
dege
nerativen Erkrankungen von den Knien, über die Hüften bis hin zur Lenden
wirbelsäule
und
einem zeitlichen Abstand
von
rund sieben
Jahren
zur
letzten ablehnenden Rentenverfügung
per se
k
eine hohen Anforderungen an das Glaubhaftmachen
einer Tatsachenänderung
gestellt werden.
5.5
Massgebend ist
allerdings
nicht jede Verschlechterung des Gesundheitszu
stan
des, sondern nur eine erheblich
e
.
Es wird verlangt, dass die gesund
heit
liche Verschlechterung Auswirkungen auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit ha
t
und
so
den Invaliditätsgrad beeinflussen könnte.
Im hausärztlichen Bericht findet sich diesbezüglich der Hinweis, dass mehr als zwei Stunden sitzen kaum mehr möglich sei
. Ebenfalls wird ausgeführt, d
ie jetzige Tätigkeit
sei nur noch zu 50
%
möglich
(vgl. E.
4.1)
.
Ähnlich äusserte sich auch
Dr.
F._
,
der
eine halbe Invalidenrente befürwortete
(
vgl. E.
4.3)
.
Obschon
nicht restlos geklärt ist,
inwiefern die Tätigkeit im Aukti
onshaus
gestützt auf das
in der
Verfügung vom
7.
Oktober 2008
angegebene Belastungsprofil als
angepasst anzusehen ist
(z.B. Gewichtung der Aufgaben unklar, Zwangs
haltung beim
Chauffieren
unangepasst, Gewicht der zu ver
packenden Gegen
stän
de unbekannt, Aufsicht eher angepasst,
unklar ob noch weitere Tätig
keiten wie in
Urk.
5/63
und 5/39
beschrieben
)
, indizieren
die neuen Arzt
berichte
somit
eine
gegenüber dem Jahr 2008 zusätzlich einge
schränkte
Arbeits
fähigkeit
.
6.
Zusammenfassend ist eine
allen
falls beachtliche Verminderung der Erwerbs
fä
higkeit infolge Verschlechterung des Gesundheitszustandes
sieben
Jahre nach
der letzten Rentenprüfung genügend glaubhaft gemacht.
Die Be
schwerde ist deshalb gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 18. August 2015 aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen mit der Anweisung, auf die Neuanmeldung einzutreten, die Sa
che materiell zu prüfen und anschliessend neu zu verfügen.
Aufgrund der neuen Befunde
und
Beschwerden
stellt sich
dabei vorab
die Frage nach einer Anpassung des bisher
igen
Belastungsprofils
und der Be
rücksichtigung eines zusätzlichen, schmerzbedingten
Erholungsbedarf
s
. Dies gilt
mitunter
auch
für die
fast ausschliesslich sitzende
Tätigkeit als techni
scher Kaufmann, welche vom RAD dereinst als „weitgehend“ dem genannten Belastungs- und Ressourcenprofil entsprechend beurteilt wurde (vgl. E. 3.1).
Teil der materiellen Prüfung ist es
zudem
zu klären
, inwiefern
durch zumut
bare Behandlungen (insbesondere eine Operation) die Arbeitsfähigkeit ver
bessert werden kann.
Soweit schliesslich eine erneute allseitige Rentenprü
fung
angezeigt sein sollte
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_436
/2011 vom 1
0.
Mai 2012 E. 4), gilt es zu bedenken, dass
für
eine
Tätigkeit mit Schwer
punkt „Arbeiten am Computer“ seit längerer Zeit der
Verdacht auf eine
migräniforme
Neuralgie
im Raum steht
–
erstmals g
eäussert
v
on
Dr.
med.
H._
, Facharzt für
Ophtalmologie
und
Ophtalmochirurgie
,
im
Bericht vom 1
8.
März 2003 (
Urk.
5/43/7)
und
hernach
vom Hausarzt übernommen (vgl. E.
3.4 und
4.1)
.
7
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.
--
bis Fr. 1‘000.
--
festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Sie sind vorliegend auf Fr. 600.
--
anzusetzen und
der unterliegenden Beschwerdegegnerin
aufzuerle
gen.
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Be
deutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Unter Berücksichtigung der vor
stehenden Grundsätze und in Anwendung des gerichtsüblichen Stundenan
satzes von
Fr.
220.--
ist
dem
anwaltlich vertretenen
Beschwerdeführer
eine Prozessentschädigung von gerundet
Fr.
2‘400
.--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) zuzusprechen.