Decision ID: e1c76855-6838-5c13-9455-031a1a00a0db
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 9. Februar 2015 in der Schweiz um Asyl
nach.
A.a Am 19. Februar 2015 wurde er vom SEM zu seiner Person, dem Rei-
seweg und summarisch zu den Fluchtgründen befragt (BzP). Er brachte im
Wesentlichen vor, er sei sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Eth-
nie und stamme aus B._ im Distrikt C._ (D._, Nord-
provinz). Im Jahr (...) habe er die (...) Schulklasse abgebrochen und sich
Mitte (...) den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) angeschlossen. Er
habe keine spezielle Funktion gehabt, sondern als einfacher Kämpfer am
Kampf um das E._ teilgenommen. Im Jahr (...) habe er die LTTE
verlassen und danach seinem Vater beim (...) geholfen. Als sein Vater (...)
sei, habe er das Geschäft übernommen. Von (...) bis (...) habe er im Vanni-
Gebiet gelebt, in F._ und G._. Er habe in F._ eine
(...) geführt. (...) sei ihm ein Reisepass ausgestellt worden und von (...) bis
(...) habe er in H._ gelebt. Er habe dort über ein Arbeitsvisum ver-
fügt und als (...) gearbeitet. Nach der Rückkehr nach Sri Lanka im Jahr (...)
sei er nach B._ zurück, wo er fortan gelebt und auf dem (...) und
als (...) gearbeitet habe. Im (...) habe er geheiratet. Die Ehe sei kinderlos
geblieben. Während der Friedenszeit nach dem Waffenstillstand von 2005
hätten die LTTE ihn gelegentlich zu ihren Camps mitgenommen und ihn
dort (...). Die sri-lankische Armee (SLA), die gegenüber von seinem Haus
in B._ ein Camp gehabt habe, habe dies beobachtet. Anfangs 2009
sei er von der SLA für eine Befragung mitgenommen und in das Camp des
Criminal Investigation Department (CID) in I._ geschickt worden.
Nach der Befragung hätte er sich während zehn Tagen zur Unterschrift in
dem Camp melden sollen. Ein Verwandter, der bei der Eelam People's De-
mocratic Party (EPDP) gewesen sei, habe daraufhin J._ kontaktiert,
und dieser habe bewirkt, dass die Meldepflicht nach drei Tagen beendet
gewesen sei. 2011 sei ihm vom CID vorgehalten worden, die (...) in
F._ mit Geldern der LTTE finanziert zu haben. Er habe aber Doku-
mente vorweisen können, die den Vorwurf widerlegt hätten. Sechs Monate
später sei das CID erneut zur (...) gekommen und habe seine Mitarbeiter
bedroht, worauf diese nicht mehr zur Arbeit hätten kommen wollen. Er habe
die (...) deshalb Ende 2011 geschlossen. Im März 2012 sei er von Armee-
angehörigen des Camps in B._ nach neuen Bewohnern gefragt und
bedrängt worden, LTTE-Angehörige zu verraten, ansonsten er erschossen
würde. Er habe zugesichert, Bescheid zu geben, wenn er ehemalige LTTE-
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Mitglieder sehen würde, und sei dann wieder nach Hause gegangen. Erst
etwa vier bis fünf Monate später sei er wieder befragt worden. Beziehungs-
weise er sei seit März 2012 täglich, immer, wenn er sein Haus verlassen
habe, von der Wache vor dem Camp befragt worden. Dies sei bis im Okto-
ber 2014 so gegangen. Respektive er sei am (...) 2014 letztmals von Ar-
meeangehörigen befragt worden. Da er Angst gehabt habe, dass ihm viel-
leicht einmal etwas passieren könnte, habe er sich zur Ausreise entschlos-
sen. Er sei Mitte Oktober 2014 legal mit dem ihm im Jahr (...) von den sri-
lankischen Behörden neu ausgestellten Reisepass und einem Touristenvi-
sum nach K._ geflogen. Nachdem das Visum abgelaufen sei, habe
der Schlepper ihn nach Sri Lanka zurückgeschickt. Er sei deshalb am (...)
2015 wieder mit seinem eigenen Pass nach Colombo zurückgeflogen.
Während seines Aufenthalts in K._ habe sich die SLA bei seiner
Frau nach ihm erkundigt. Nach einem fünftägigen Aufenthalt in Colombo
habe er Sri Lanka am (...) 2015 definitiv, wiederum legal mit seinem Pass
verlassen. Er sei mit einem neuen Touristenvisum nach K._ geflo-
gen. Bei der Ankunft in K._ habe der Schlepper ihm den Pass ab-
genommen. Von K._ aus sei er mit einem (...) Pass auf dem Luft-
weg via den L._ und M._ nach N._ gelangt und dann
mit dem Auto in die Schweiz weitergereist. Seine Frau lebe weiterhin mit
seinen Eltern in B._. Bei einer Rückkehr nach Sri Lanka wäre sein
Leben gefährdet, da die Armee werde wissen wollen, wo er gewesen sei
und was er gemacht habe. Er habe keine gesundheitlichen Probleme.
A.b Am 20. August 2015 hörte das SEM den Beschwerdeführer vertieft zu
seinen Asylgründen an. Er gab im Wesentlichen an, sein Vater sei vor Kur-
zem gestorben. Seiner Frau und seiner Mutter gehe es finanziell gut. Er sei
(...) zu den LTTE gegangen, weil das indische Militär damals die Tamilen
schikaniert habe. Er habe bei dem E._ Wache halten müssen. Als
sein Vater erkrankt sei, habe seine Mutter ihn (...) von dort weggeholt, da-
mit er für die Familie habe arbeiten können. Er sei danach mit der Arbeit
beschäftigt gewesen und habe keinen Kontakt zu den LTTE mehr gehabt.
Als er (...) aus H._ nach Sri Lanka zurückgekehrt sei, habe in seiner
Herkunftsregion Frieden geherrscht und seine Familie habe keine Prob-
leme gehabt. Da sie die einzigen (...) in der Region gewesen seien, seien
die LTTE zu ihnen gekommen und hätten sie zu ihren Trainingscamps mit-
genommen, um dort (...). Die SLA habe dies von dem ihrem Wohnhaus
gegenüberliegenden Camp aus beobachtet, damals aber nichts unternom-
men. Seit 2006 habe er keine LTTE-Angehörigen mehr getroffen. Als das
Friedensabkommen nicht mehr in Kraft gewesen sei, habe die SLA begon-
nen, ihn mitzunehmen und zu befragen. Anfangs 2009 sei er drei Mal vom
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CID zum Camp in O._ gebracht und dort zu seinen Verbindungen
zu den LTTE befragt worden. Er habe gesagt, dass er als Junge bei den
LTTE gewesen sei, seither aber nichts mehr mit diesen zu tun gehabt habe,
und dass die LTTE nur wegen seiner Arbeit als (...) zu ihm gekommen
seien. Nach der Befragung sei ihm eine zehntägige Meldepflicht auferlegt
worden. Da damals viele Leute entführt oder getötet worden seien, habe
er Angst gehabt. Er habe sich deshalb nach der dritten Unterschrift an ei-
nen Verwandten mit Beziehungen zur EPDP gewendet. Der Verwandte
habe dann mit J._ gesprochen und dieser habe bewirkt, dass er
keine weiteren Unterschriften mehr habe leisten müssen. Danach sei es
ruhig geblieben. Ende 2010 habe er auf dem Grundstück seiner (...) in
F._ eine (...) und drei Geschäfte gebaut. Ein Geschäft hätten sie
selber geführt, die beiden anderen vermietet. Sechs Monate später – etwa
im Juni 2011 – seien CID-Angehörige gekommen und hätten gefragt, wo-
her sie das Geld für die Bauten gehabt hätten. Nachdem sie die Herkunft
des Geldes hätten belegen können (Überweisungen aus dem Ausland,
Schmuckverkauf), seien die CID-Leute wieder gegangen. Sechs Monate
später seien sie aber wiedergekommen und hätten die Mitarbeiter einge-
schüchtert, worauf diese nicht mehr zur Arbeit erschienen seien. Ende
2011 hätten sie die (...) deshalb aufgeben müssen. Danach habe er keinen
Kontakt mit dem CID mehr gehabt. Im Jahr 2014, etwa im April, habe das
Militär drei Personen im Vanni-Gebiet getötet, die verdächtigt worden
seien, Verbindungen zu den LTTE gehabt zu haben. Danach habe das Mi-
litär begonnen, Leute zu befragen. Auch ihn hätten sie beobachtet und sich
bei Personen, mit denen er Kontakt gehabt habe, nach ihm erkundigt. Res-
pektive die SLA habe 2013 begonnen, ihn zu befragen. Das CID habe erst
nach der Tötung der besagten Personen im Vanni-Gebiet im April 2014 an-
gefangen, ihn zu verfolgen, indem es sich bei Leuten, mit denen er zusam-
mengearbeitet habe, nach ihm erkundigt habe. Von der SLA sei er am Ein-
gang des Militärcamps in B._ befragt worden. Danach habe er wie-
der gehen können. Am (...) 2014 sei er dann in das Camp hineingebracht
und dort befragt und aufgefordert worden, LTTE-Leute zu verraten. Dabei
sei er erstmals mit dem Tod bedroht worden. Da er Angst gehabt habe,
dass ihm etwas zustossen könnte, habe er sich daraufhin zur Ausreise ent-
schlossen. Am (...) 2014 sei er nach K._ geflogen, infolge Ablaufs
des Visums am (...) 2015 aber nochmals nach Sri Lanka zurückgekehrt,
und dann am (...) 2015 definitiv ausgereist. Er sei mit seinem eigenen Pass
gereist. Bei der Rückreise aus K._ sei er am Flughafen nicht befragt
worden. Als er das erste Mal in K._ gewesen sei, habe das Militär
bei ihm zuhause nach ihm gefragt. Seine Familie habe gesagt, dass er
nach K._ gegangen sei und dort eine Arbeit gefunden habe. Das
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Militär habe ihm ausrichten lassen, dass er sich bei einer Rückkehr melden
solle. Solange in seinem Dorf ein Militärcamp existiere, befürchte er Prob-
leme bei einer Rückkehr. Ausser ihm sei niemand von seiner Familie bei
den LTTE gewesen, und seit seiner Ausreise sei zuhause in B._
nichts mehr geschehen. Hierzulande betätige er sich nicht für die tamili-
sche Sache.
A.c Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten
des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Protokolle und die einge-
reichten Beweismittel (Identitätskarte, Heiratsurkunde, Geburtsurkunden
des Beschwerdeführers und der Ehefrau, Schreiben des Dorfvorstehers,
Kopie des alten Passes, den Vater betreffenden Totenschein und Sterbe-
registerauszug) verwiesen (vgl. vorinstanzliche Akten A4, A14, A15 und
A16).
B.
Mit Verfügung vom 14. Juli 2017 stellte das SEM fest, dass der Beschwer-
deführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Es lehnte das Asylgesuch
ab und ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz
sowie den Wegweisungsvollzug an.
C.
Mit Schreiben vom 28. Juli 2017 informierte das SEM den Beschwerdefüh-
rer unter Beilage des Originalentscheides, dass ihm am 14. Juli 2017 der
Asylentscheid zugesandt worden sei, er diesen aber nicht abgeholt habe.
Es teilte ihm mit, dass der Entscheid nach der Zustellung an die korrekte
Adresse am 25. Juli 2017 als eröffnet gelte, und dass ab diesem Datum die
Beschwerdefrist zu laufen beginne.
D.
Mit Eingabe vom 24. August 2017 erhob der Beschwerdeführer durch den
rubrizierten Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht,
worin um Feststellung der Nichtigkeit/Ungültigkeit der vorinstanzlichen Ver-
fügung wegen Verletzung des Anspruchs auf gleiche und gerechte Be-
handlung und um Anweisung an das SEM, das Asylverfahren weiterzufüh-
ren, eventualiter um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung wegen Ver-
letzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör und um Rückweisung der Sa-
che an das SEM, eventualiter um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfü-
gung und um Rückweisung der Sache an das SEM zwecks Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhalts und Neubeurteilung, eventualiter um
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Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und um Feststellung der Flücht-
lingseigenschaft sowie um Gewährung des Asyls, und eventualiter um Auf-
hebung der Dispositivziffern 4 und 5 der vorinstanzlichen Verfügung und
um Feststellung der Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs ersucht wurde. Zudem wurde um Anweisung an das SEM,
nicht öffentlich zugängliche Quellen des Lagebilds des SEM vom 16. Au-
gust 2016 zu Sri Lanka offenzulegen und um anschliessende Einräumung
einer Frist zur Beschwerdeergänzung ersucht. Überdies wurde in pro-
zessualer Hinsicht um Mitteilung des Spruchkörpers und um Bestätigung,
dass dieser zufällig ausgewählt worden sei, ersucht.
Mit der Beschwerde wurden folgende Dokumente eingereicht: Angefochte-
ner Entscheid vom 14. Juli 2017, Schreiben des SEM vom 28. Juli 2017,
Zwischenverfügung BVGer vom 30. September 2016 in einem anderen
Verfahren, Stellungnahme Advokaturbüro Püntener vom 30. Juli 2016 zum
Lagebild des SEM vom 5. Juli 2016, Stellungnahme Advokaturbüro Pünte-
ner vom 18. Oktober 2016 zum Lagebild des SEM vom 16. August 2016,
Internetartikel Tamil Guardian vom (...) 2017, Rechtsgutachten von Profes-
sor Kälin vom 23. Februar 2014, Medienmitteilung des SEM vom 26. Mai
2014, zwei Fotos von Narben am (...) des Beschwerdeführers, drei (unda-
tierte) Fotos des Beschwerdeführers an einer Demonstration (P._),
(undatiertes) Foto des Beschwerdeführers am Heldengedenktag
(Q._), Bericht des Rechtsvertreters zur allgemeinen Lage in Sri
Lanka (Stand 18. Juli 2017) inklusive einer CD mit Quellen, mehrere Pres-
seartikel und Berichte von internationalen Organisationen sowie die UNO-
Resolution 30/1 vom 1. Oktober 2015 zur Menschenrechtslage in Sri
Lanka, Formular Ersatzreisepapierbeschaffung sri-lankisches Generalkon-
sulat, NZZ am Sonntag-Artikel vom 27. November 2016 ("Ausgeschaffte
Tamilen geoutet"), zwei Ausdrucke aus Google Maps.
E.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 29. August 2017 den Ein-
gang der Beschwerde.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 4. September 2017 stellte die Instruktionsrich-
terin fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten dürfe. Sie gab die Zusammensetzung des Spruchgre-
miums bekannt, verbunden mit dem Vorbehalt, dass dieses nachträgliche
Änderungen erfahren könne, namentlich bei Abwesenheiten. In Bezug auf
die Frage der Zufälligkeit der Auswahl des Spruchgremiums hielt sie fest,
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dass diese Frage die Geschäftsverteilung und Verfahrensabwicklung am
Bundesverwaltungsgericht beschlage und diesbezüglich auf die betreffen-
den Bestimmungen des Geschäftsreglements vom 17. April 2008 für das
Bundesverwaltungsgericht (VGR, SR 173.320.1) zu verweisen sei, womit
dem entsprechenden Antrag rechtsgenüglich Folge geleistet sei. Des Wei-
teren forderte sie den Beschwerdeführer auf, bis zum 19. September 2017
einen Kostenvorschuss zu leisten, ansonsten auf die Beschwerde nicht
eingetreten werde.
G.
Mit Eingabe vom 19. September 2017 reichte der Beschwerdeführer eine
vom 14. September 2017 datierende Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung
ein und ersuchte um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um Erlass des Kostenvorschusses.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 5. Oktober 2017 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und
verzichtete wiedererwägungsweise auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses. Den Antrag um Anweisung an das SEM, nicht öffentlich zugäng-
liche Quellen seines Lagebilds zu Sri Lanka vom 16. August 2016 offenzu-
legen, und um anschliessende Einräumung einer Frist zur Beschwerdeer-
gänzung wies sie ab, nachdem sie festgestellt hatte, dass der besagte La-
gebericht öffentlich zugänglich sei und darin, neben nicht namentlich ge-
nannten Gesprächspartnern und anderen nicht offengelegten Referenzen,
überwiegend öffentlich zugängliche, verlässliche Quellen zitiert würden,
womit trotz der teilweise nicht im Einzelnen offengelegten Referenzen dem
Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör genüge getan sei.
Des Weiteren lud sie das SEM zur Vernehmlassung zur Beschwerde ein.
I.
Mit Eingabe vom 9. Oktober 2017 erneuerte der Beschwerdeführer den An-
trag um Anweisung an das SEM, nicht öffentlich zugängliche Quellen des
Lagebilds zu Sri Lanka vom 16. August 2016 offenzulegen, und um an-
schliessende Einräumung einer Frist zur Beschwerdeergänzung. Er reichte
eine Kopie des UNHCR-Berichts „Country of Origin Information: Towards
Enhanced International Cooperation" von Februar 2004 und einen Auszug
aus dem Handbuch Asyl und Rückkehr des SEM (Artikel C8 Länderinfor-
mationen und Lageanalysen) ein und machte geltend, die vorinstanzliche
Einschätzung der allgemeinen Lage in Sri Lanka sei nicht stichhaltig.
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J.
Mit der innert erstreckter Frist erfolgten Vernehmlassung vom 8. November
2017 beantragte das SEM die Abweisung der Beschwerde.
K.
Mit Zwischenverfügung vom 16. November 2017 wies die Instruktionsrich-
terin den erneuten Antrag des Beschwerdeführers vom 9. Oktober 2017
um Anweisung an das SEM, nicht öffentlich zugängliche Quellen des La-
gebilds zu Sri Lanka vom 16. August 2016 offenzulegen, und um anschlies-
sende Einräumung einer Frist zur Beschwerdeergänzung ab, nachdem sie
festgestellt hatte, dass die diesbezüglichen Erwägungen in der Zwischen-
verfügung vom 5. Oktober 2017 nach wie vor zutreffend erscheinen wür-
den, und die Vorbringen des Beschwerdeführers zur angeblich fehlenden
Stichhaltigkeit der vorinstanzlichen Einschätzung der allgemeinen Lage in
Sri Lanka die Frage der materiellen Würdigung der Sache durch das Ge-
richt beschlagen würden, die noch zu erfolgen habe. Gleichzeitig stellte sie
dem Beschwerdeführer die Vernehmlassung des SEM zu, und räumte ihm
die Gelegenheit ein, bis zum 1. Dezember 2017 eine Replik einzureichen.
L.
Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 1. Dezember 2017.
M.
Mit Eingabe vom 29. April 2020 reichte der Beschwerdeführer weitere Be-
weismittel zur allgemeinen Lage in Sri Lanka ein (vom Rechtsvertreter ver-
fasste Zusammenstellung von Länderinformationen zu Sri Lanka vom
23. Januar 2020, Beilagen zum Länderupdate vom 26. Februar 2020, Zu-
satzbericht mit Stand 10. April 2020 [CD-ROM mit Quellen]).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorliegend – end-
gültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Dem Antrag um Bekanntgabe des Spruchgremiums, das mit Hilfe eines
EDV-basierten Zuteilungssystems generiert wurde, wurde in der Zwischen-
verfügung vom 4. September 2017 entsprochen, verbunden mit dem Vor-
behalt, dass der Spruchkörper bei Abwesenheiten Änderungen erfahren
könne. Das aktuell mitwirkende Spruchgremium wurde infolge Pensionie-
rung beziehungsweise Abteilungswechsels wiederum ordentlich mittels
Spruchkörpergenerierungssystem eingesetzt. Aus organisatorischen
Gründen wurde ein Mitglied des Spruchkörpers ersetzt.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
4.1 Vorab sind die formellen Rügen des Beschwerdeführers betreffend Ver-
letzung der Rechtsgleichheit und des Anspruchs auf rechtliches Gehör so-
wie unvollständiger und unrichtiger Abklärung des rechtserheblichen Sach-
verhalts seitens der Vorinstanz zu prüfen.
4.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest. Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29
Abs. 2 BV, Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG), das alle Befugnisse umfasst,
die einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirksam zur
Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1).
Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich zur Sache zu
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äussern, erhebliche Beweismittel beizubringen und mit erheblichen Be-
weisanträgen gehört zu werden sowie Einsicht in die Akten zu nehmen. Mit
dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen
tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidung ange-
messen zu berücksichtigen. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung,
wenn nicht alle für den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände berück-
sichtigt wurden, unrichtig, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwid-
riger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wur-
den. Die Begründung der Verfügung muss so abgefasst sein, dass die be-
troffene Person den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten
kann (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b). Die Behörde muss die
wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sie sich hat leiten lassen
und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist hingegen, dass
sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander-
setzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich erwähnt oder widerlegt.
Somit darf sich die Vorinstanz bei der Begründung der Verfügung auf die
für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und ist nicht
gehalten, sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung ausei-
nanderzusetzen (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b).
4.3 Der Beschwerdeführer beantragt die Feststellung der Nichtigkeit der
vorinstanzlichen Verfügung, da der Anspruch auf Kenntnis aller am Ent-
scheid beteiligten Personen verletzt worden sei. Weder aus dem Kürzel
„(...)“ noch aus den Funktionsbezeichnungen „Fachspezialist“ sowie „Che-
fin Asylverfahren 1“ und den nicht lesbaren Unterschriften gehe hervor,
welche Personen an der Verfügung mitgewirkt hätten.
Eine Person in einem Verwaltungsverfahren hat Anspruch darauf, dass die
Behörden in einem sie betreffenden Verfahren ordnungsgemäss zusam-
mengesetzt sind und die Ausstands- und Ablehnungsgründe beachtet wer-
den. Dieses Recht umfasst den Anspruch auf Bekanntgabe der Behörden-
mitglieder, die beim Entscheid mitwirken, denn nur so können die Betroffe-
nen feststellen, ob ihr verfassungsmässiger Anspruch auf richtige Beset-
zung der Verwaltungsbehörde und eine unparteiische Beurteilung ihrer Sa-
che gewahrt ist. Die Namen der am Entscheid beteiligten Personen müs-
sen jedoch nicht in demselben ausdrücklich genannt werden. Nach bun-
desgerichtlicher Praxis genügt die Bekanntgabe in irgendeiner Form, bei-
spielsweise in einem besonderen Schreiben (vgl. dazu Urteil des BVGer
D-2335/2013 vom 8. April 2014 E. 3.4.1; HÄFELIN/HALLER/KELLER/THURN-
HERR, Allgemeines Verwaltungsrecht, 9. Aufl. 2016, N 979).
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Seite 11
Das SEM führte im Rahmen seiner Vernehmlassung vom 8. November
2017 aus, der Name der auf der Verfügung als „Chefin Asylverfahren 1“
vermerkten Person sei aus dem Staatskalender ersichtlich und damit be-
stimmbar. Dies blieb vom Beschwerdeführer im Grundsatz unbestritten
(vgl. Replik vom 1. Dezember 2017 S. 1 f.). Hinsichtlich des Kürzels „(...)“
erschliesst sich der Name nicht aus dem Staatskalender, sondern lediglich
aus amtsinternen Quellen. Eine teilweise blosse Bestimmbarkeit aufgrund
amtsinterner Quellen ermöglicht es dem Beschwerdeführer jedoch nicht,
die vollständige Zusammensetzung der verfügenden Behörde zu eruieren.
Der oben erwähnte, sich aus Art. 29 BV ergebende Anspruch auf Bekannt-
gabe der personellen Zusammensetzung der Behörde wurde somit durch
das Vorgehen der Vorinstanz verletzt (vgl. dazu BVGE 2019 VI/6 E. 8.2).
Jedoch ist diesbezüglich festzuhalten, dass der betreffende Fachspezialist
gemäss dem auf dem Protokoll befindlichen Kürzel auch die Anhörung des
Beschwerdeführers durchgeführt hat. Es handelt sich bei dem besagten
Mitarbeiter des SEM somit nicht um eine dem Beschwerdeführer gänzlich
unbekannte Person, womit sich der formelle Mangel der Verfügung relati-
viert. Es ist anzunehmen, dass sich Gründe für etwaige Einwände, insbe-
sondere für ein Ausstandsbegehren gegen die Involvierung dieser Person,
bereits aufgrund der persönlichen Begegnung bei der mehrstündigen An-
hörung ergeben hätten und somit hätten geltend gemacht werden können,
zumal die Anhörung am 20. August 2015 stattfand und seither mehrere
Jahre verstrichen sind, ohne dass sich der Beschwerdeführer veranlasst
gesehen hätte, substanziierte Einwände gegen die betreffende Person gel-
tend zu machen oder sich im Rahmen seines Akteneinsichtsgesuchs an
das SEM zu wenden, um die Offenlegung der Namen zu verlangen. Im
vorgenannten Teilurteil erwog das Gericht schliesslich, dass die abgehan-
delten formellen Mängel nicht als krass zu bezeichnen seien. Die Vor-
instanz wurde sodann darauf hingewiesen, dass ihre Praxis, die Namen
der Sachbearbeiter systematisch nicht offenzulegen, nicht rechtmässig
und daher anzupassen sei (vgl. BVGE 2019 VI/6 E. 8.4). Vor diesem Hin-
tergrund besteht vorliegend insgesamt keine Grundlage, den angefochte-
nen Entscheid als nichtig zu erklären und die Sache an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. Der Vollständigkeit halber bleibt sodann anzumerken, dass
dem Rechtsvertreter in einem ebenfalls von ihm für einen anderen Asylsu-
chenden geführten Verfahren bereits am 31. März 2017 der Name des
Fachspezialisten des SEM mit dem Kürzel "(...)" mitgeteilt worden war (vgl.
Urteil des BVGer D-187/2017 vom 12. August 2019 E. 3.1.3).
4.4 Der Antrag des Beschwerdeführers um Offenlegung aller nicht öffent-
lich zugänglichen Quellen des Lagebilds des SEM vom 16. August 2016
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Seite 12
und um anschliessende Einräumung einer Frist zur Einreichung einer Be-
schwerdeergänzung wurde bereits in der Zwischenverfügung vom 5. Ok-
tober 2017 behandelt. Es wurde festgestellt, dass die besagte Lageanalyse
öffentlich zugänglich ist, und der Offenlegungsantrag wurde abgewiesen.
Der gleichlautende Antrag vom 9. Oktober 2017 wurde sodann mit Verfü-
gung vom 16. November 2017 abgewiesen. Soweit der Beschwerdeführer
den besagten Antrag mit der Replik vom 1. Dezember 2017 nochmals er-
neuert, besteht unter Verweis auf die Ausführungen in den Zwischenverfü-
gungen vom 5. Oktober 2017 und 16. November 2017 keine Veranlassung,
diesem nunmehr stattzugeben (vgl. hierzu beispielsweise auch das Urteil
des BVGer E-5504/2019 vom 25. Februar 2021 E. 4.2.4).
4.5 Der Beschwerdeführer rügte weiter, dass das rechtliche Gehör verletzt
worden sei, weil das SEM es unterlassen habe, ihm vor Erlass des Asyl-
entscheids, der erst rund zwei Jahre nach der Anhörung erfolgt sei, noch
einmal die Möglichkeit zu geben, sich zu seinen Asylgründen zu äussern.
Diese Rüge vermag nicht zu greifen. Der Beschwerdeführer konnte seine
Asylgründe im Rahmen der BzP vom 19. Februar 2015 und der Anhörung
vom 20. August 2015 umfassend darlegen. Er bestätigte, dass er alles
habe sagen können und es keine weiteren Gründe gebe, die gegen seine
Rückkehr in den Heimatstaat sprechen würden (vgl. A4 S. 16, A14 S. 15
F138 und S. 16 F141). Bei beiden Befragungen wurde ihm seine Pflicht zur
Mitwirkung bei der Erhebung des Sachverhalts erörtert (vgl. A4 S. 2 und
A14 S. 2) und er wurde anlässlich der Anhörung vom 20. August 2015 ex-
plizit darauf hingewiesen, dass er verpflichtet sei, das SEM auch nach der
Anhörung während des gesamten weiteren Verfahrens über allfällige Er-
eignisse, wie beispielsweise ihn betreffende Vorkommnisse in Sri Lanka
oder exilpolitische Tätigkeiten, zu informieren (vgl. A14 S. 2). Abgesehen
von der nach der Anhörung erfolgten Beibringung von Beweismitteln (Iden-
titätskarte sowie den Vater betreffende Dokumente [Totenschein, Sterbe-
registerauszug]), welche das SEM entgegengenommen (vgl. A16) und in
seinem Entscheid aufgeführt hat (vgl. vorinstanzliche Verfügung vom
14. Juli 2017 S. 2), hat sich der Beschwerdeführer nach der Anhörung vom
20. August 2015 nicht mit Weiterungen zu seinen Asylgründen an das SEM
gewendet. Die gesuchstellende Person trägt in Bezug auf ihre Asylgründe
die Substanziierungslast (Art. 7 AsylG) und das SEM war, entgegen der
Auffassung des Beschwerdeführers, nicht verpflichtet, nach Ergehen des
Referenzurteils des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 eine weitere Anhörung durchzuführen. Dass das SEM den Sachver-
halt im Zeitpunkt des Asylentscheids als erstellt erachtet hat, ist nicht zu
beanstanden. Eine Gehörsverletzung seitens der Vorinstanz liegt damit
D-4794/2017
Seite 13
nicht vor. Das SEM hat auch die im Zeitpunkt des Entscheids herrschende
allgemeine Lage im Heimatstaat des Beschwerdeführers in seiner Verfü-
gung berücksichtigt. Ob die entsprechende Beurteilung des SEM der Über-
prüfung – unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Lage in Sri
Lanka – standhält, wird sich im Folgenden zeigen.
4.6 Des Weiteren monierte der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit
seinen individuellen Asylvorbringen (LTTE-Verbindungen, mehrjähriger
Aufenthalt im Vanni-Gebiet, Reichtum, Narben, exilpolitisches Engage-
ment) sowie im Zusammenhang mit der Einschätzung der länderspezifi-
schen Lage in Sri Lanka und der Quellenverwendung durch das SEM eine
unvollständige und unrichtige Feststellung des Sachverhalts. Zudem habe
das SEM es unterlassen, die zu erwartende Vorsprache auf dem sri-lanki-
schen Generalkonsulat zwecks Ersatzreisepapierbeschaffung und die Er-
eignisse bei den Rückschaffungen vom 16. November 2016 sowie im Jahr
2017 korrekt und vollständig abzuklären.
Eine Prüfung der Akten ergibt, dass das SEM die individuellen Asylgründe
des Beschwerdeführers genügend abgeklärt hat. Wie zuvor festgestellt,
konnte der Beschwerdeführer, der die Substanziierungslast trägt, seine
Asylgründe im Rahmen der Befragungen im vorinstanzlichen Verfahren
umfassend darlegen. Aus der angefochtenen Verfügung vom 14. Juli 2017
geht hervor, dass der Beschwerdeführer mehrere Jahre im Vanni-Gebiet
gelebt habe, sich (...) den LTTE angeschlossen, als Wächter am Kampf
um das E._ teilgenommen und die LTTE (...) wieder verlassen
habe, später in Friedenszeiten gelegentlich (...) in LTTE-Camps errichtet
und seit 2006 keinen Kontakt zu LTTE-Angehörigen mehr gehabt habe. Es
ergibt sich aus der vorinstanzlichen Verfügung auch, dass der Beschwer-
deführer und seine Familie es mit dem (...) und dem Betreiben/Vermieten
von (...) zu einem gewissen Wohlstand gebracht hätten, und dass sie vom
CID aufgefordert worden seien, die Herkunft der finanziellen Mittel zur Er-
richtung der (...) offenzulegen. Die Angabe des Beschwerdeführers bei der
Anhörung, dass eine andere (...), deren Inhaber der (...) gewesen sei, da-
mals ([...]) mit dem (...) in der Nähe in Konkurrenz zu ihnen getreten sei
(vgl. A14 S. 14 F120), wurde in der Verfügung zwar nicht explizit erwähnt.
Das SEM musste sich aber auch nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständli-
chen Behauptung auseinandersetzen, sondern durfte sich auf die wesent-
lichen Gesichtspunkte beschränken. Die Entscheidbegründung muss so
ausgestaltet sein, dass dem Betroffenen ermöglicht wird, den Entscheid
sachgerecht anzufechten (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 2008/47
D-4794/2017
Seite 14
E. 3.2). Diese Anforderungen sind vorliegend erfüllt. Das SEM hat nach-
vollziehbar und hinreichend differenziert aufgezeigt, von welchen Überle-
gungen es sich leiten liess, und es hat sich mit den zentralen Vorbringen
des Beschwerdeführers auseinandergesetzt. Es setzte sich mit den vom
Beschwerdeführer vorgebrachten Ausreisegründen, wonach er vom CID
und der SLA zur Denunzierung von Personen mit LTTE-Verbindungen auf-
gefordert und bedroht worden sei, auseinander. Exilpolitische Aktivitäten
hat der Beschwerdeführer im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens
nicht vorgebracht. Auf explizite Nachfrage hin hat er zu Protokoll gegeben,
dass er sich hierzulande nicht für die tamilische Sache engagiere und keine
Kontakte mit Personen aus LTTE-nahen Organisationen oder mit LTTE-
Führungspersonen habe (vgl. A14 S. 16 F139/140). Erst auf Beschwerde-
ebene machte er geltend, exilpolitisch aktiv zu sein. In diesem Zusammen-
hang liegt somit ebenfalls keine ungenügende Sachverhaltsabklärung sei-
tens des SEM vor. Das Gleiche gilt für die auf Beschwerdeebene darge-
legten Narben am (...) des Beschwerdeführers, die von (...) stammen wür-
den. Der Beschwerdeführer wurde im Rahmen des vorinstanzlichen Ver-
fahrens nach dem Hergang seines Einsatzes für die LTTE im Jahr (...) ge-
fragt und er hat dabei nicht erwähnt, dass er eine Verletzung erlitten habe.
Es bestand somit auch in dieser Hinsicht für das SEM keine Veranlassung
zu weiteren Abklärungen.
Die Vorinstanz setzte sich in ihrem Entscheid auch mit der aktuellen Lage
in Sri Lanka auseinander. Allein der Umstand, dass sie in ihrer Länderpra-
xis zu Sri Lanka einer anderen als vom Beschwerdeführer vertretenen Linie
folgt, und sie aus sachlichen Gründen zu einer anderen Würdigung der
Vorbringen sowie einem anderen Ergebnis bei der Risikoanalyse gelangte
als vom Beschwerdeführer verlangt, stellt keine ungenügende Sachver-
haltsfeststellung dar. Hinsichtlich der Vorsprache auf dem Generalkonsulat
ist zudem auf BVGE 2017 VI/6 (E. 4.3.3) zu verweisen.
Hinsichtlich des Vorbringens, das Lagebild des SEM vom 16. August 2016
erweise sich als unrichtig, indem es sich in wesentlichen Teilen auf nicht-
existierende oder nicht offengelegte Quellen stütze, kann der Argumenta-
tion des Beschwerdeführers nicht gefolgt werden. Es wurde bereits in meh-
reren vom rubrizierten Rechtsvertreter geführten Verfahren (vgl. etwa Ur-
teile des BVGer E-5504/2019 vom 25. Februar 2021 E. 4.2.4, D-7345/2017
vom 14. Dezember 2020 E. 4.3, D-6394/2017 vom 27. November 2017
E. 4.1) festgestellt, dass diese länderspezifische Lageanalyse des SEM öf-
fentlich zugänglich ist. Darin werden neben nicht namentlich genannten
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Seite 15
Gesprächspartnern und anderen nicht offengelegten Referenzen überwie-
gend sonstige öffentlich zugängliche Quellen zitiert. Damit ist trotz der teil-
weise nicht im Einzelnen offengelegten Referenzen dem Anspruch des Be-
schwerdeführers auf rechtliches Gehör ausreichend Genüge getan (vgl.
zum Ganzen auch bereits E. 4.4 vorstehend). Die Frage, inwiefern sich ein
Bericht auf verlässliche und überzeugende Quellen abstützt, ist wiederum
keine formelle Frage, sondern gegebenenfalls im Rahmen der materiellen
Würdigung der Argumente der Parteien durch das Gericht zu berücksichti-
gen.
4.7 Aufgrund des Gesagten erweisen sich die formellen Rügen als nicht
begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfü-
gung als nichtig zu erklären respektive aus formellen Gründen aufzuheben
und die Sache an das SEM zurückzuweisen. Die diesbezüglichen Rechts-
begehren sind abzuweisen.
5.
Für den Fall einer materiellen Beurteilung der Beschwerde durch das Bun-
desverwaltungsgericht beantragt der Beschwerdeführer in seiner Rechts-
mitteleingabe vom 24. August 2017, es sei ihm eine angemessene Frist
zur Beibringung weiterer Beweismittel zu seinem exilpolitischen Engage-
ment und seinen Narben anzusetzen. Diesem Antrag ist nicht stattzuge-
ben. Der Beschwerdeführer, der die Substanziierungslast für seine Vorbrin-
gen trägt, hatte auf Beschwerdeebene wiederholt Gelegenheit, seine Asyl-
vorbringen und Beweisanerbieten einzubringen (Beschwerde vom 24. Au-
gust 2017, Beweismitteleingabe vom 9. Oktober 2017, Replik vom 1. De-
zember 2017, Beweismitteleingabe vom 29. April 2020). In der Eingabe
vom 29. April 2020 verweist der Beschwerdeführer in Bezug auf sein exil-
politisches Engagement und die Narben auf die bereits mit der Beschwerde
vom 24. August 2017 eingereichten Beweismittel. Es besteht daher dies-
bezüglich keine Notwendigkeit zur Einräumung einer Frist zur Einreichung
weiterer Beweismittel. Gleiches gilt für den in der Replik vom 1. Dezember
2017 gestellten Antrag um Einräumung einer Frist zur Beibringung weiterer
Beweismittel zur allgemeinen Situation von Rückkehrern nach Sri Lanka
(vgl. Beweismitteleingabe vom 29. April 2020).
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
D-4794/2017
Seite 16
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie-
hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss
entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht, vielmehr müssen
konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch
und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). Mass-
geblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im
Zeitpunkt des Asylentscheids. Die Gewährung des Asyls kann nicht dazu
dienen, einen Ausgleich für vergangenes Unrecht zu schaffen, sondern be-
zweckt, Schutz vor künftiger Verfolgung zu gewähren (vgl. BVGE 2008/4
E. 5.4). Veränderungen der objektiven Situation im Heimat- oder Her-
kunftsstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zugunsten und zu-
lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57
E. 2.6, 2008/34 E. 7.1 und 2008/12 E. 5.2.).
Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus
dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst geschaf-
fen worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne
von Art. 54 AsylG geltend. Solche begründen zwar die Flüchtlingseigen-
schaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum
Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht
missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, die subjek-
tive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als
Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Entscheidend ist, ob eine
Gesamtwürdigung der Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die Rich-
D-4794/2017
Seite 17
tigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Gesuchstellenden sprechen, bei ei-
ner objektivierten Sichtweise überwiegen oder nicht (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1, 2012/5 E. 2.2).
7.
7.1 Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
dass die Vorbringen des Beschwerdeführers weder den Anforderungen an
die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch jenen an die Flüchtlingsei-
genschaft gemäss Art. 3 AsylG standhalten würden.
Die Ausführungen des Beschwerdeführers zu den fluchtauslösenden
Schwierigkeiten mit dem CID und der SLA, wonach er befragt, zur Denun-
ziation von Personen mit Verbindungen zu den LTTE aufgefordert und
schliesslich mit dem Tod bedroht worden sei, könnten angesichts von Wi-
dersprüchen und Ungereimtheiten nicht geglaubt werden. Zudem erstaune
es, dass er als angeblich gesuchte Person Sri Lanka legal mit dem eigenen
Reisepass verlassen habe und danach wieder nach Sri Lanka zurückge-
kehrt sei, ohne Schwierigkeiten zu gewärtigen. Wenn etwas gegen ihn vor-
gelegen hätte, wäre davon auszugehen, dass er bei den Einreisekontrollen
im (...) 2015 hängen geblieben und befragt worden wäre. Es sei daher
auszuschliessen, dass er auf einer sogenannten Stop-List aufgeführt sei.
Vor diesem Hintergrund könnten auch die geltend gemachten Ereignisse
vom (...) 2014 und die Suche der Armee nach ihm während seines Aufent-
halts in K._ nicht geglaubt werden. Die eingereichten Beweismittel
vermöchten an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Diese Dokumente
seien nicht geeignet, die Vorbringen des Beschwerdeführers zu belegen.
Das Schreiben des Dorfvorstehers vom (...) 2015 bestätige lediglich die
Herkunft des Beschwerdeführers und den Umstand, dass sein Haus in
B._ gegenüber von einem Armee-Camp gelegen sei, weshalb es
zu Unannehmlichkeiten, Furcht und Bedrohungen komme. Es enthalte dar-
über hinaus aber keine Angaben zu konkreten Vorkommnissen und sei da-
her nicht geeignet, die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Ereig-
nisse zu belegen. Weiter sei zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im Falle
der Rückkehr nach Sri Lanka trotz unglaubhafter Vorverfolgung begrün-
dete Furcht vor künftigen Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3
AsylG habe. Diese Prüfung sei anhand sogenannter Risikofaktoren vorzu-
nehmen (Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016). Rückkehrer, die
illegal ausgereist seien, über keine gültigen Identitätsdokumente verfügen
würden, im Ausland ein Asylverfahren durchlaufen hätten oder behördlich
gesucht würden, würden am Flughafen zu ihrem Hintergrund befragt.
Diese Befragung allein und das allfällige Eröffnen eines Strafverfahrens
D-4794/2017
Seite 18
wegen illegaler Ausreise würden keine asylrelevanten Verfolgungsmass-
nahmen darstellen. Regelmässig würden Rückkehrer auch am Herkunfts-
ort zwecks Registrierung, Erfassung der Identität, bis hin zur Überwachung
der Aktivitäten der Person befragt. Auch diese Kontrollmassnahmen am
Herkunftsort würden grundsätzlich kein asylrelevantes Ausmass anneh-
men. Der Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft gemacht, vor der Aus-
reise asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu
sein. Vielmehr sei er bis Ende (...) 2015 in Sri Lanka wohnhaft gewesen,
habe also nach Kriegsende noch knapp sechs Jahre in seinem Heimatstaat
gelebt. Allfällige, im Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren hät-
ten folglich kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden
auszulösen vermocht. Es sei aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich, wes-
halb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Be-
hörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte. Es be-
stehe daher auch kein begründeter Anlass zur Annahme, dass der Be-
schwerdeführer nunmehr bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfol-
gungsmassnahmen ausgesetzt sein würde. Der Wegweisungsvollzug sei
zulässig, zumutbar und möglich. Weder aus den Aussagen des Beschwer-
deführers noch aus den Akten würden sich Anhaltspunkte dafür ergeben,
dass ihm im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behand-
lung drohe. Der Beschwerdeführer stamme aus B._ in der Nordpro-
vinz, wo er auch zuletzt gelebt habe. Die Ehefrau, die Mutter und ein Bruder
des Beschwerdeführers würden in B._ leben. Er und seine Ange-
hörigen würden dort über eigene Häuser verfügen und sie seien (...). Der
Beschwerdeführer könne seine frühere Tätigkeit wiederaufnehmen und
den Lebensunterhalt für sich und seine Familie weiterhin sichern. Aus den
Akten würden sich auch keine Hinweise auf gesundheitliche Beeinträchti-
gungen ergeben.
7.2 Der Beschwerdeführer brachte in seiner Beschwerde vom 24. August
2017 in materieller Hinsicht im Wesentlichen vor, dass es noch heute von
Interesse für die sri-lankischen Behörden sei, dass er den LTTE Mitte (...)
beigetreten und als einfacher Soldat an der Einnahme des E._ im
Jahr (...) beteiligt gewesen sei, zumal er während dieser Zeit Kontakt zu
Personen gehabt habe, die später zu hochrangigen LTTE-Mitgliedern auf-
gestiegen seien. Nachdem er die LTTE (...) verlassen habe, habe er wie-
derholt verletzte LTTE-Kämpfer gewaschen und gepflegt, als er von (...)
bis (...) im Vanni-Gebiet gelebt habe. Nach der Rückkehr aus H._
D-4794/2017
Seite 19
im Jahr (...) sei er gelegentlich von LTTE-Mitgliedern mitgenommen wor-
den, um (...) in deren Camps zu errichten. Da sich sein Haus in B._
gegenüber von einem Militärcamp befunden habe, sei dies von der SLA
beobachtet worden. Seit 2006 habe er mit den LTTE keinen Kontakt mehr
gehabt und er sei erst nach dem Ende des Waffenstillstandsabkommens
2009 ins Visier der sri-lankischen Behörden geraten. Er sei im Januar 2009
von Mitgliedern der sri-lankischen Sicherheitsbehörden ins Camp nach
O._ gebracht und zu seinen LTTE-Verbindungen befragt worden.
Mithilfe eines Verwandten habe er bewirkt, dass er danach nur während
drei statt zehn Tagen im besagten Camp zur Unterschriftleistung habe er-
scheinen müssen. Im Juni 2011 sei ihm vom CID vorgehalten worden, die
Errichtung der Geschäfte in F._ mit Geld der LTTE finanziert zu ha-
ben. Er habe die Anschuldigung widerlegen können. Dennoch hätten er
und seine Familie auch aufgrund der guten Erträge als verdächtig gegolten
und seien vom CID beobachtet worden. Sechs Monate später seien seine
Angestellten eingeschüchtert worden und er habe den Betrieb einstellen
müssen. Es sei bekannt, dass reiche Personen von Neidern bei den sri-
lankischen Sicherheitsbehörden erpresst und verfolgt würden. Bei ehema-
ligen LTTE-Mitgliedern könne dies schnell in eine staatliche Verfolgung we-
gen des Verdachts der Unterstützung der LTTE umschlagen. Er habe bei
der Anhörung gesagt, dass das CID sein Geschäft habe kaputt machen
wollen, und dass dies insbesondere auf Veranlassung einer (...), deren In-
haber der (...) gewesen sei, erfolgt sei. Nachdem im Vanni-Gebiet drei Ju-
gendliche vom Militär umgebracht worden seien, sei er am (...) 2014 ins
Militärcamp in B._ gebracht und aufgefordert worden, LTTE-Perso-
nen zu denunzieren. Dabei sei er mit dem Tod bedroht worden. Weshalb
er im damaligen Zeitpunkt ins Visier der Behörden geraten sei, wisse er
nicht; vermutlich sei er durch einen ehemaligen LTTE-Mitstreiter verraten
worden.
Er habe seine Fluchtvorbringen glaubhaft dargelegt. Zwar habe er hinsicht-
lich der Meldeauflage unterschiedliche Camps (I._ respektive
O._) genannt. Es handle sich dabei aber um das gleiche geografi-
sche Gebiet; I._ sei ein Ort innerhalb der Ortschaft O._. Die
auf den ersten Blick widersprüchlichen Angaben seien somit lediglich un-
terschiedliche geografische Bezeichnungen für die Lage des betreffenden
Camps. Bei seinen Ausführungen bei der BzP sei er chronologisch immer
wieder hin und her gesprungen. Die damals erwähnten Übergriffe von März
2012 hätten sich auf die Schliessung der (...) bezogen und er habe diese
von ihrer Intensität her nicht als wesentlich eingestuft. Er habe aber bei
beiden Befragungen übereinstimmend angegeben, dass er aufgrund der
D-4794/2017
Seite 20
Eröffnung der (...) im Jahr 2011 ins Visier der sri-lankischen Behörden ge-
raten sei. Die täglichen Belästigungen durch die SLA hätten nur eine ge-
ringe Intensität aufgewiesen und seien insoweit nicht asylrelevant. Bei der
Anhörung habe er sich auf die wesentlichen Elemente fokussiert, die tägli-
chen Belästigungen seien demgegenüber in den Hintergrund getreten. Von
der SLA sei er aufgrund der Eröffnung der (...) erstmals im Jahr 2013 be-
fragt und erst am (...) 2014 mit dem Tod bedroht worden. Zwar habe er Sri
Lanka mit seinem eigenen Pass verlassen und bei der Wiedereinreise
keine Probleme gehabt, er habe aber die Hilfe eines Schleppers in An-
spruch genommen, der, wie bei Schleppern üblich, dafür gesorgt haben
dürfte, dass er nicht kontrolliert respektive sein Pass nicht richtig überprüft
worden sei. Es könne daher nicht wirklich von einer legalen Ausreise ge-
sprochen und auch nicht davon ausgegangen werden, dass er auf keiner
Liste vermerkt sei und in Sri Lanka nicht gesucht werde.
Aber selbst wenn seine Belangung im Jahr 2014 als unglaubhaft erachtet
würde, sei aufgrund seines Profils von einer Verfolgung seiner Person aus-
zugehen. Bei ihm liege eine Kumulation von Verdachtsmomenten vor: Er
sei nur schon aufgrund seiner Mitgliedschaft bei den LTTE (...), der Teil-
nahme an einer (...) und der Kontakte zu Personen, die später zu hochran-
gigen LTTE-Mitgliedern geworden seien, für die sri-lankischen Behörden
von grossem Interesse. Vor dem Hintergrund, dass er mehrere Jahre im
Vanni-Gebiet gelebt, dort verletzte LTTE-Kämpfer versorgt und später für
die LTTE (...) habe, über erhebliche finanzielle Mittel verfügt und eine luk-
rative (...) betrieben habe, die vermeintlich mit LTTE-Geldern finanziert
worden sei, und Narben von (...) im (...) aufweise, gelte er in den Augen
der sri-lankischen Behörden als Unterstützer der LTTE respektive des ta-
milischen Separatismus. Darüber hinaus engagiere er sich hierzulande
exilpolitisch, wie die Fotos seiner Teilnahme an Demonstrationen in
P._ und an Heldengedenkfeierlichkeiten in Q._ zeigen wür-
den. Das SEM schätze die aktuelle Lage in Sri Lanka falsch ein. Dessen
Lagebild vom 16. August 2016, wonach sich die Menschenrechtssituation
seit der Wahl des Präsidenten Sirisena verbessert habe, sei fehlerhaft. Er
verweise hierzu auf die der Beschwerde beigelegten Dokumente zur aktu-
ellen Lage in Sri Lanka.
Er erfülle zahlreiche der im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016
definierten Risikofaktoren, die zur Annahme einer begründeten Furcht bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka führen müssten: LTTE-Verbindung (vorma-
lige Mitgliedschaft, Unterstützung), Wahrscheinlichkeit der Registrierung
auf einer Stop-List, langjähriger Aufenthalt in der Schweiz, Narben, Fehlen
D-4794/2017
Seite 21
von gültigen Einreisepapieren. Sollte die Flüchtlingseigenschaft dennoch
verneint werden, sei zumindest der Wegweisungsvollzug als unzulässig zu
erachten, zumal angesichts dokumentierter Ereignisse bei der Rückschaf-
fung von tamilischen Asylsuchenden davon auszugehen sei, dass jeder
nach Sri Lanka zurückgeschaffte tamilische Asylsuchende jederzeit Opfer
von Verhaftung und Verhören unter Anwendung von Folter werden könne.
Zudem sei der Wegweisungsvollzug auch unzumutbar. Auch nach einer
Einreise bestehe in Sri Lanka die Gefahr von Behelligung, Belästigung und
Misshandlung durch Behörden oder paramilitärische Gruppierungen. Er
verfüge in Sri Lanka zudem über kein tragfähiges soziales Netz und keine
relevante Berufserfahrung. Das (...) werde in seiner Familie nicht mehr
weitergeführt und die Familie leide deshalb unter finanziellen Problemen.
Aufgrund der harten Konkurrenzsituation könnte er seine Tätigkeit auch
nicht wiederaufnehmen, ansonsten die Gefahr drohe, wieder ins Visier der
Behörden zu geraten.
7.3 In seiner Vernehmlassung vom 8. November 2017 führte das SEM hin-
sichtlich der auf Beschwerdeebene geltend gemachten exilpolitischen Tä-
tigkeiten des Beschwerdeführers aus, dass Mitläufertätigkeiten von unter-
geordneter Bedeutung wie etwa das Mitführen von Flaggen bei Demonst-
rationen, wie sie auf einem der Fotos zu sehen sei, für die Zuerkennung
der Flüchtlingseigenschaft nicht ausreichen würden, da diese Tätigkeiten
das Verfolgungsinteresse des tamilischen Staats nicht auszulösen ver-
möchten. Hingegen sei nicht auszuschliessen, dass der Beschwerdeführer
bei der Wiedereinreise in Sri Lanka am Flughafen überprüft würde. Dabei
handle es sich um ein standardisiertes Verfahren, das nicht asylrelevant
sei. In Fällen, in denen eine Person gegen Ausreisebestimmungen oder
andere Strafbestimmungen verstossen habe, werde sie dem CID überge-
ben. Würden Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund bestehen oder
befinde sich jemand auf der Liste von gesuchten Personen, erfolge die wei-
tere Sachverhaltsabklärung durch das Terrorist lnvestigation Department
(TID). Wenn die vertieften Abklärungen zur Verhaftung führen würden,
werde die Person dem zuständigen Gericht zugeführt. Bei einem Verstoss
gegen die Ausreisebestimmungen werde die betroffene Person dem Ge-
richt in Negombo vorgeführt, welches in der Regel eine Geldstrafe wegen
illegaler Ausreise verhänge. Rückkehrer, die mit einem Temporary Travel
Document (TTD) eingereist seien, würden häufig kurz nach ihrer Ankunft
am Wohnort durch Sicherheitskräfte zu Hause aufgesucht und befragt.
Zwar mögen diese Visiten verunsichernd für die Betroffenen sein, bei die-
sem Vorgehen handle es sich jedoch um ein standardisiertes Verfahren,
das grundsätzlich keine Asylrelevanz entfalte.
D-4794/2017
Seite 22
7.4 Der Beschwerdeführer reichte mit seiner Replik vom 1. Dezember
2017 ein von seinem Rechtsvertreter teilweise geschwärztes Exemplar des
Lagebilds des SEM vom 16. August 2016 ein und er führte in materieller
Hinsicht im Wesentlichen erneut aus, dass das besagte Lagebild fehlerhaft
sei. Bei der in der Vernehmlassung vertretenen Auffassung, dass das Pro-
zedere bei der Einreise abgewiesener tamilischer Asylsuchender in Sri
Lanka ein standardisiertes Verfahren sei, das keine Asylrelevanz entfalte,
handle es sich um eine nicht belegte Behauptung des SEM, der nicht ge-
folgt werden könne.
7.5 Mit Eingabe vom 29. April 2020, mit welcher der Beschwerdeführer
weitere Beweismittel einreichte (eine von seinem Rechtsvertreter verfasste
Zusammenstellung von Länderinformationen zu Sri Lanka vom 23. Januar
2020 inklusive Anlage, Beilagen zum Länderupdate vom 26. Februar 2020
und einen Zusatzbericht mit Stand 10. April 2020 [CD-ROM mit Quellen]),
machte der Beschwerdeführer geltend, dass sich die Sicherheitslage in Sri
Lanka zwischenzeitlich noch deutlich verschlechtert habe und deshalb von
einer noch verstärkten Verfolgung von Personen mit seinem Profil auszu-
gehen sei. Mit der Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum neuen Staatschef
habe sich die Gefährdungslage in Sri Lanka insbesondere für Angehörige
der tamilischen und muslimischen Minderheiten, die aus dem Ausland und
insbesondere aus der Schweiz zurückkehren würden, nochmals zuge-
spitzt, da diese unter Terrorverdacht stehen würden.
8.
8.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten in
Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass der Beschwerde-
führer die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht zu begründen
vermag.
8.2 Das SEM erachtete die fluchtauslösenden Vorbringen des Beschwer-
deführers, wonach er vom CID respektive der SLA zu seinen Verbindungen
zu den LTTE befragt, zur Denunziation von Personen mit Verbindungen zu
den LTTE aufgefordert und schliesslich mit dem Tod bedroht worden sei,
als den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht
genügend. In der Tat vermögen die diesbezüglichen Ausführungen des Be-
schwerdeführers nicht in einem für die Glaubhaftigkeit genügenden Mass
zu überzeugen. Die vom SEM geäusserten Zweifel an den betreffenden
Schilderungen des Beschwerdeführers sind berechtigt. Der Beschwerde-
führer vermag mit seinen Vorbringen und den eingereichten Beweismitteln
nicht nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen, dass er von den
D-4794/2017
Seite 23
heimatlichen Behörden wegen des Verdachts der Unterstützung der LTTE
respektive als (potenziell wichtiger) Informant in Bezug auf Personen mit
LTTE-Verbindungen in asylrechtlich relevantem Mass verfolgt worden sei
beziehungsweise deswegen im Zeitpunkt seiner Ausreise im (...) 2015
asylrechtlich relevante Verfolgungsmassnahmen zu befürchten gehabt
hätte. Gemäss seinen Angaben ist er im Jahr (...) mit einem ihm von den
sri-lankischen Behörden (...) ausgestellten Pass nach H._ gereist
und von dort aus im Jahr (...) nach Sri Lanka zurückgekehrt, ohne bei der
Aus- und Wiedereinreise Probleme zu gewärtigen. Dass die sri-lankischen
Behörden nach einer Befragung des Beschwerdeführers anfangs 2009, bei
der er seine kurzzeitige, damals bereits rund zwanzig Jahre zurückliegende
Mitgliedschaft bei den LTTE als minderjähriger Jugendlicher offengelegt
habe, und auch die gelegentliche Tätigkeit als (...) für die LTTE im Jahr
2005 den Behörden bekannt gewesen sei, ein Verfolgungsinteresse ge-
habt hätten, ist nicht zu erkennen, ansonsten dem Beschwerdeführer wohl
kaum wie von ihm angegeben im Jahr (...) von den heimatlichen Behörden
ein neuer Reisepass ausgestellt worden wäre. Nach der besagten Befra-
gung im Jahr 2009 ist der Beschwerdeführer noch rund sechs Jahre in Sri
Lanka geblieben und auch wenn es durchaus denkbar ist, dass es in die-
sen Jahren aufgrund der Wohnlage gegenüber von einem Armee-Camp
und der zeitweiligen Führung einer gut laufenden (...) zu Belästigungen
gekommen ist, vermag der Beschwerdeführer mit seinen Ausführungen
nicht darzulegen, dass er asylrechtlich relevante Verfolgungsmassnahmen
seitens der SLA oder des CID zu gewärtigen gehabt hätte. Seine diesbe-
züglichen Angaben vermitteln kein stimmiges Bild, sondern weisen nicht
nur in chronologischer, sondern auch inhaltlicher Hinsicht erhebliche Wi-
dersprüche auf, machte er doch nicht nur zum Zeitpunkt und der Häufigkeit
der Befragungen durch die SLA und das CID stark voneinander abwei-
chende Angaben, sondern auch zur Intensität der Bedrohung, indem er bei
der BzP ausführte, die SLA habe ihm über Jahre hinweg gedroht, ihn zu
erschiessen, sollte er sich weigern, LTTE-Mitglieder zu verraten (vgl. A4
S. 15), wohingegen er bei der Anhörung aussagte, dass er am (...) 2014
erstmals mit dem Tod bedroht worden sei, und dass diese Drohung der
Auslöser für seine Flucht aus Sri Lanka gewesen sei (vgl. A14 S. 7 f. F47-
51). Die Angabe des Beschwerdeführers, er sei von März 2012 bis Sep-
tember 2014 unzählige Male, ja praktisch täglich von der SLA zu Bewoh-
nern des Orts befragt worden, ohne dass sie von ihm Informationen erhal-
ten hätten, vermag nicht zu überzeugen. Hätten die sri-lankischen Behör-
den den Beschwerdeführer tatsächlich als potenziell wichtigen Informanten
erachtet und sich von ihm substanzielle Angaben zu (ehemaligen) LTTE-
Anhängern oder gar -Kadern erhofft, wäre zu erwarten gewesen, dass es
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in all diesen Jahren zu weitergehenden Massnahmen, wie beispielsweise
einer Mitnahme des Beschwerdeführers, gekommen wäre. Dass ihm im
(...) 2014 plötzlich flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsmassnahmen
seitens der sri-lankischen Behörden gedroht hätten, vermag er nicht glaub-
haft zu machen. Er hat Sri Lanka eigenen Angaben zufolge legal mit sei-
nem eigenen Reisepass via den streng kontrollierten Flughafen Colombo
verlassen, was gegen ein staatliches Verfolgungsinteresse an seiner Per-
son spricht. Mit den Ausführungen auf Beschwerdeebene zum angeblich
üblichen Ablauf von durch Schlepper organisierten Ausreisen aus Sri
Lanka vermag der Beschwerdeführer nicht darzulegen, dass er das Land
nicht auf legale Weise verlassen habe respektive von den sri-lankischen
Behörden gesucht werde. Seinen Angaben zufolge ist er in der Zeit von
Mitte (...) 2014 (BzP) beziehungsweise (...) 2014 (Anhörung) bis Ende (...)
2015 nicht nur einmal, sondern drei Mal mit seinem eigenen Reisepass am
Flughafen Colombo ein- und ausgereist, ohne jemals Probleme zu gewär-
tigen, was schlicht dagegenspricht, dass gegen ihn im damaligen Zeitpunkt
etwas vorgelegen respektive er behördlich gesucht worden wäre. Konkrete
Hinweise, dass der Beschwerdeführer wegen der kurzzeitigen LTTE-Mit-
gliedschaft als Jugendlicher vor nunmehr rund drei Jahrzehnten heute im
Visier der sri-lankischen Behörden stehen und von diesen als potenziell
wichtiger Informant hinsichtlich ehemaliger LTTE-Anhänger betrachtet
würde, lassen sich den Akten ebenfalls nicht entnehmen. Der Verweis in
der Beschwerde auf zwei Personen, mit denen er als Jugendlicher bei den
LTTE Kontakt gehabt habe und die später bei den LTTE höhere Funktionen
innegehabt hätten, vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern, zu-
mal diese Personen schon vor vielen Jahren verstorben respektive im Aus-
land gefasst worden seien (vgl. Beschwerde vom 24. August 2017 S. 17).
Laut den Angaben des Beschwerdeführers ist seit seiner Ausreise in Sri
Lanka nichts vorgefallen und weder aus dem Schreiben vom (...) 2015, mit
welchem der Dorfvorsteher lediglich bestätigt, dass das Wohnhaus des Be-
schwerdeführers gegenüber von einem Armee-Camp gelegen sei, noch
aus den auf Beschwerdeebene neu vorgelegten Beweismitteln ergeben
sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass ihm im Zeitpunkt seiner Ausreise
aus Sri Lanka im Jahr 2015 flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungs-
massnahmen gedroht hätten.
8.3 Es bleibt zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer trotz fehlender Vorver-
folgung bei einer Rückkehr nach Sri Lanka wegen des Bestehens eines
Risikoprofils aus anderen Gründen ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3
AsylG drohen würden.
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8.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Ge-
fahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Zur Be-
urteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in
Form von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risiko-
faktoren identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder
vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der "Stop List" und die
Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als
stark risikobegründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid
dargelegten Umständen bereits für sich allein genommen zur Bejahung ei-
ner begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Fehlen
ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und
eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach risiko-
begründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weitrei-
chenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene Gruppe tatsächlich
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von
Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen Behörden
bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen und
so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die dargelegten
Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren Na-
men in der am Flughafen in Colombo abrufbaren Stop-List vermerkt seien
und der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungsweise einen
Strafregistereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder ver-
muteten Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte für sri-
lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch betätigt
hätten (vgl. a.a.O. E. 8).
An dieser Einschätzung vermag auch die aktuelle – zwar als volatil zu be-
zeichnende – Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Am 16. November 2019
wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsidenten Sri Lankas gewählt.
Kurz nach der Wahl ernannte dieser seinen Bruder Mahinda zum Premier-
minister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regie-
rung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Rajapaksa kon-
trollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche Regierungs-
abteilungen oder -institutionen, und Beobachter und ethnische oder religi-
öse Minderheiten befürchten insbesondere mehr Repression und die ver-
mehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten,
Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen
Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel
weckt Ängste bei Minderheiten, 21. November 2019). Am 5. August 2020
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fanden Parlamentswahlen statt mit dem Resultat, dass der Rajapaksa-
Clan seine Macht in Sri Lanka ausweiten konnte (vgl. Sri Lanka: Rajapa-
ksa-Clan weitet seine Macht weiter aus [nzz.ch] vom 7. August 2020). Das
Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka be-
wusst, beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese
bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-
gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind
beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren. Dennoch gibt es zum
heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwech-
sel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungs-
gefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prü-
fen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsident-
schaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht.
8.3.2 Der Beschwerdeführer konnte nicht glaubhaft darlegen, als ehemali-
ges LTTE-Mitglied respektive potenzieller Informant in Sri Lanka ernsthaf-
ten Nachteilen seitens der heimatlichen Behörden ausgesetzt gewesen zu
sein (vgl. E. 8.2). Er hat sich nach Kriegsende im Mai 2009 noch mehrere
Jahre im Heimatland aufgehalten. Die vermeintlichen Probleme mit den
heimatlichen Behörden vor der anfangs 2015 erfolgten Ausreise wegen
des Verdachts der Unterstützung der LTTE vermochte er, wie gesagt, nicht
glaubhaft zu machen. Verwandtschaftliche Bande mit LTTE-Angehörigen
liegen seinen Angaben zufolge nicht vor. Allein seine kurzzeitige Mitglied-
schaft bei den LTTE als minderjähriger Jugendlicher ohne spezielle Funk-
tion in der Bewegung lässt nicht auf ein Profil schliessen, das ihn ange-
sichts der heutigen Situation in Sri Lanka als in asylrechtlich relevanter
Weise gefährdete Person erscheinen lassen würde. Ein konkretes Verfol-
gungsinteresse im Falle der Wiedereinreise lässt sich daraus nicht ablei-
ten. Es bestehen keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme, dass
der Beschwerdeführer von den heimatlichen Behörden gesucht würde.
Im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens machte der Beschwerdefüh-
rer keine exilpolitischen Tätigkeiten geltend, sondern gab auf entspre-
chende Nachfrage an, sich hierzulande nicht exilpolitisch zu engagieren
(vgl. A14 S. 16 F139-140). Soweit er nun auf Beschwerdeebene in wenig
substanziierter Weise erstmals exilpolitische Aktivitäten vorbringt (vgl. Be-
schwerde vom 24. August 2017 S. 24 [Beweismittel: 4 Fotos] und Eingabe
vom 29. April 2020 S. 2), vermögen diese ebenfalls keine Risikofaktoren
zu begründen. Aus der Teilnahme an einer Demonstration und einer Feier-
lichkeit zu einem Heldengedenktag ist jedenfalls nicht auf ein exponiertes,
D-4794/2017
Seite 27
anhaltendes exilpolitisches Engagement zu schliessen, zumal der Be-
schwerdeführer seit der Beschwerdeerhebung am 24. August 2017 keiner-
lei weitere exilpolitische Aktivitäten vorbrachte (vgl. Eingabe vom 29. April
2020: Verweis auf die bereits mit der Beschwerde vom 24. August 2017
eingereichten Fotos zu den beiden Veranstaltungen). Bei den fotografisch
dokumentierten, vom Beschwerdeführer zeitlich nicht näher datierten Teil-
nahmen an Veranstaltungen vor der Beschwerdeerhebung im Jahr 2017
handelt es sich lediglich um ein niederschwelliges Engagement und es ist
nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer deswegen in den Fo-
kus der heimatlichen Behörden geraten würde.
Es liegen auch keine anderweitigen konkreten Hinweise für ein aktuell be-
stehendes Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden vor.
Auch aus der tamilischen Ethnie, der mehrjährigen Landesabwesenheit,
der Asylgesuchstellung in der Schweiz, des Fehlens ordentlicher Reisepa-
piere, der vormalig guten finanziellen Situation des Beschwerdeführers und
des Bestehens einer Narbe im (...) kann keine flüchtlingsrechtlich relevante
Gefährdung des Beschwerdeführers abgeleitet werden (vgl. Referenzurteil
des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.5.2). Weiter sind Angehö-
rige der tamilischen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht gene-
rell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt
(vgl. a.a.O. E. 8.3). Dass der Beschwerdeführer in einer Stop List aufge-
führt sein soll, erscheint aufgrund des Gesagten höchst unwahrscheinlich.
Unter Würdigung aller Umstände ist nicht mit hinreichender Wahrschein-
lichkeit anzunehmen, dass er von der sri-lankischen Regierung verdächtigt
wird, bestrebt zu sein, den tamilischen Separatismus wieder aufleben zu
lassen, und so eine Gefahr für den sri-lankischen Einheitsstaat darzustel-
len. Die Ausführungen, dass der Beschwerdeführer als Angehöriger der Ri-
sikogruppe von Personen, die aus der Schweiz – einem tamilischen
Diasporazentrum – nach längerer Zeit zurückkehrten, verfolgt würde, geht
daher fehl.
Dies gilt auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Lage in Sri
Lanka. Mangels persönlichen Bezugs ist auch aufgrund der vom Be-
schwerdeführer angeführten politischen Ereignisse in Sri Lanka im Herbst
2018 sowie der Präsidentschaftswahl im November 2019 und des Aus-
gangs der Parlamentswahlen im August 2020 keine begründete Furcht vor
zukünftiger Verfolgung des Beschwerdeführers und eine etwaige Verschär-
fung der Gefährdungssituation zu bejahen. Eine auf seine Person bezo-
gene konkrete Gefährdung vermag der Beschwerdeführer mit seinen Aus-
D-4794/2017
Seite 28
führungen zur allgemeinen Situation in Sri Lanka und den dazu eingereich-
ten Dokumenten, Länderinformationen und Quellenverweisen nicht darzu-
legen. Es besteht kein konkreter Grund zur Annahme, die politischen Ent-
wicklungen in Sri Lanka könnten sich zum heutigen Zeitpunkt auf den Be-
schwerdeführer auswirken. Objektive Nachfluchtgründe, bei denen eine
Gefährdung entstanden ist aufgrund von äusseren, nach der Ausreise ein-
getretenen Umständen, auf die der Betreffende keinen Einfluss nehmen
konnte (vgl. BVGE 2010/44 E. 3.5 m.w.H.), liegen vorliegend nicht vor.
Schliesslich lässt sich auch aus dem allfälligen Einsatz temporärer Reise-
papiere keine relevante Gefährdung ableiten. Selbst wenn der Beschwer-
deführer ohne Reisepass respektive mit temporären Reisedokumenten
nach Sri Lanka zurückkehren müsste, würde dies zwar allenfalls bei der
Wiedereinreise zu einem "Background-Check" führen. Es muss damit ge-
rechnet werden, dass er nach dem Verbleib seiner Reisepapiere und zum
Grund seiner Ausreise befragt und überprüft wird. Dabei kann nicht ausge-
schlossen werden, dass er wegen des fehlenden Reisepasses gebüsst
wird, wobei ein entsprechendes Vorgehen der sri-lankischen Behörden
aber keine flüchtlingsrechtliche Relevanz entfaltet (vgl. Referenzurteil
E-1866/2015 vom 25. Juli 2016 E. 8.4.4).
8.4 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Das SEM hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
9.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
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Seite 29
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
10.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
10.2.2 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement schützt nur
Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
10.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
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Seite 30
127 m.w.H.). Dies ist dem Beschwerdeführer nicht gelungen. Auch die all-
gemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungs-
vollzug nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil des BVGer
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 sowie statt vieler Urteile des BVGer
D- 6855/2019 vom 20. Mai 2021 E. 8.3, D-5671/2018 vom 4. Dezember
2020 E. 7.2.3, D-4591/2017 vom 5. November 2020 E. 7.2.3, D-2130/2017
vom 14. Oktober 2020 E. 9.2.3 und E-6769/2019 vom 1. Oktober 2020
E. 8.3). Es ergeben sich aus den Akten auch keine konkreten Hinweise
darauf, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die
über einen sogenannten "Background Check" (Befragung und Überprü-
fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass
er persönlich gefährdet wäre. Daran vermögen der Regierungswechsel im
November 2019 und die seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts zu än-
dern.
10.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
10.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Das Bundesverwal-
tungsgericht geht weiterhin davon aus, dass der Wegweisungsvollzug in
die Nord- und Ostprovinz zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuel-
len Zumutbarkeitskriterien bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil
E-1866/2015 E. 13.2). Auch der Wegweisungsvollzug ins "Vanni-Gebiet"
gilt als zumutbar (vgl. Urteil des BVGer D-3619/2016 vom 16. Oktober
2017 E. 9.5). Diese Einschätzung bleibt auch nach den aktuellen Entwick-
lungen in Sri Lanka (vgl. dazu im Einzelnen etwa Urteil des BVGer
D-7353/2017 vom 24. Juni 2020 E. 11.3.1) und insbesondere auch nach
den Parlamentswahlen vom 5. August 2020 weiterhin zutreffend (vgl. statt
vieler Urteil des BVGer D-5671/2018 vom 4. Dezember 2020 E. 7.3.1).
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Seite 31
10.3.2 Vorliegend sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Der Beschwerdeführer stammt sei-
nen Angaben zufolge aus der Nordprovinz Sri Lankas. Er habe von 2005
bis zu seiner Ausreise im Jahr 2015 in einem eigenen Haus in B._
gelebt. Es bestehen dort (Ehefrau, Mutter, Bruder) sowie in F._ (ver-
heiratete Schwester) verwandtschaftliche Kontakte. Es sind keine gesund-
heitlichen Beschwerden aktenkundig und seinen Angaben zufolge verfügt
er über eine (...) Schulbildung und im In- und Ausland erworbene Arbeits-
erfahrung in verschiedenen Bereichen ([...]). Selbst wenn seine Familie
das (...) zwischenzeitlich nicht mehr betreiben sollte, kann von ihm erwartet
werden, dass er sich in wirtschaftlicher Hinsicht wieder wird eingliedern
können. Es liegen damit keine Gründe für die Annahme vor, der Beschwer-
deführer würde bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in eine existenzielle Not-
lage geraten, die als konkrete Gefährdung zu werten wäre.
10.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
10.4 Des Weiteren obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). Schliesslich steht auch die Corona-
Pandemie dem Vollzug nicht entgegen. Es handelt sich dabei, wenn über-
haupt, um ein temporäres Vollzugshindernis, dem im Rahmen der Voll-
zugsmodalitäten Rechnung zu tragen ist.
10.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem ihm
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aber die unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ge-
währt wurde, ist von der Kostenerhebung abzusehen, zumal nicht ersicht-
lich ist, dass der Beschwerdeführer nicht mehr bedürftig wäre.
(Dispositiv nächste Seite)
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