Decision ID: e36159ba-707d-49c6-a8d0-162c79fd52b3
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden 1-3 suchten am 7. Februar 2022 in der Schweiz
um Asyl nach (Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 1 ff.).
B.
Die Vorinstanz nahm am 11. Februar 2022 die Personalien der Beschwer-
deführenden 1-3 auf und am 22. Februar 2022 gewährte sie ihnen rechtli-
ches Gehör, unter anderem zur Zuständigkeit Portugals für die Durchfüh-
rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zum beabsichtigten Nichtein-
tretensentscheid, zur Wegweisung in diesen Dublin-Mitgliedstaat sowie zu
ihrem Gesundheitszustand. Anlässlich des persönlichen Dublin-Gesprächs
führten die Beschwerdeführenden 1 und 2 unter anderem aus, der Bruder
sowie ein Cousin des Beschwerdeführers 1 seien in der Schweiz wohnhaft
(vgl. SEM-act. 24 f. und 32 ff.).
C.
Am 18. März 2022 sowie am 20. April 2022 reichten die Beschwerdefüh-
renden 1-3 vom 16. März 2022, beziehungsweise vom 12. April 2022 da-
tierte Arztberichte ein, woraus unter anderem die Diagnose einer Schwan-
gerschaft der Beschwerdeführerin 2 hervorgeht (SEM-act. 42).
D.
Mit Verfügung vom 24. Mai 2022 – eröffnet am 25. Mai 2022 – trat die Vor-
instanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf
das Asylgesuch nicht ein, ordnete die Wegweisung nach Portugal an und
forderte die Beschwerdeführenden 1-3 auf, die Schweiz am Tag nach Ab-
lauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig wies die Vorinstanz auf
die einer allfälligen Beschwerde von Gesetzes wegen fehlende aufschie-
bende Wirkung hin und beauftragte den Kanton Solothurn mit dem Vollzug
der Wegweisung (vgl. SEM-act. 52).
E.
Gegen den vorinstanzlichen Entscheid erhoben die Beschwerdeführen-
den 1 und 2 für sich und für den Beschwerdeführer 3 am 1. Juni 2022 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragten, die Verfügung
vom 24. Mai 2022 sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf ihr
Asylgesuch einzutreten. Eventualiter sei die vorinstanzliche Verfügung zur
rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vor-
instanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten die
Beschwerdeführenden 1-3 darum, der Beschwerde die aufschiebende Wir-
kung zu erteilen und die Vollzugsbehörde unverzüglich anzuweisen, von
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ihrer Überstellung nach Portugal abzusehen, bis das Bundesverwaltungs-
gericht über die Erteilung der aufschiebenden Wirkung entschieden habe.
Ihnen sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und von der Er-
hebung eines Kostenvorschusses sei abzusehen (vgl. Akten des Bundes-
verwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1).
F.
Am 2. Juni 2022 lagen dem Bundesverwaltungsgericht die Akten in elekt-
ronischer Form vor und gleichentags setzte der Instruktionsrichter den Voll-
zug der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus
(vgl. BVGer-act. 2).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2. Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die Be-
schwerdeführenden 1-3 sind zur Einreichung der Beschwerde legitimiert
(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3
AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet.
2.
Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
Den Einträgen in der "Eurodac"-Datenbank zufolge ersuchten die Be-
schwerdeführenden 1-3 am 20. Dezember 2021 in Portugal um Asyl (vgl.
SEM-act. 16). Die portugiesischen Behörden stimmten dem Wiederaufnah-
megesuch am 24. Februar 2022 zu (SEM-act. 40). Zutreffend geht die Vor-
instanz daher vorliegend von der grundsätzlichen Wiederaufnahmezustän-
digkeit Portugals gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU)
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Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni
2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-
gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen
oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-
nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) aus.
4.
4.1. Die Beschwerdeführenden 1-3 machen eine Zuständigkeit der
Schweiz für die Durchführung ihres Asylverfahrens geltend und fordern die
Anwendung der Ermessensklauseln von Art. 16 f. Dublin-III-VO respektive
der – das Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkretisierenden – Bestim-
mung von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999
(AsylV 1, SR 142.311). Sie berufen sich auf ein Abhängigkeitsverhältnis
zum Bruder sowie zu einem Cousin des Beschwerdeführers 1, die offenbar
beide in der Schweiz wohnhaft sind. Sie geben an, zum Bruder des Be-
schwerdeführers 1 bestehe ein enges Verhältnis. Sie könnten sich gegen-
seitig helfen. Die Beschwerdeführerin 2 befinde sich aktuell in der
17./18. Schwangerschaftswoche und habe erhebliche Beschwerden. Auf-
grund der allfälligen Wegweisung nach Portugal sei die Familie erheblich
psychisch angeschlagen. Es könne dem Beschwerdeführer 1 nicht zuge-
mutet werden, sich gleichzeitig um die Beschwerdeführerin 2 und den Be-
schwerdeführer 3 zu kümmern. Vielmehr benötige der Beschwerdeführer 1
selber seelische Unterstützung. Angesichts der derzeitigen Lage seien die
Nähe und die Unterstützung des Bruders und des Cousins elementar.
4.2. Gemäss Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO entscheidet ein Mitgliedstaat in
der Regel, die antragstellende Person nicht von ihren Kindern, Geschwis-
tern oder einem Elternteil zu trennen, wenn sie wegen Schwangerschaft,
eines neugeborenen Kindes, schwerer Krankheit, ernsthafter Behinderung
oder hohen Alters auf deren Unterstützung angewiesen ist und sich diese
rechtmässig in einem Mitgliedstaat aufhalten. Die familiäre Bindung muss
bereits im Herkunftsland bestanden haben und die Kinder, Geschwister
oder der Elternteil müssen in der Lage sein, die abhängige Person zu un-
terstützen. Die betroffenen Personen müssen ihren Zusammenführungs-
wunsch schriftlich kundgetan haben. Die Nichtanwendung der Zuständig-
keitsbestimmung von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO kann im Einzelfall men-
schenrechtswidrig sein und einen Ermessensmissbrauch darstellen. Sind
die Voraussetzungen von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO gegeben und halten
sich die betroffenen Personen in demselben Mitgliedstaat auf, hat sich die
entscheidende Behörde, ausserordentliche Umstände vorbehalten, für zu-
ständig zu erklären (BVGE 2017 VI/5 E. 8.3.3; vgl. statt vieler: Urteil des
BVGer F-2168/2022 vom 30. Mai 2022 E. 4.1).
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4.3.
4.3.1. Am 16. März 2022 begab sich die Beschwerdeführerin 2 in notfall-
mässiger Selbstzuweisung in das (...)spital. Diagnostiziert wurden dort un-
spezifische muskuloskelettale Schmerzen. Im Weiteren wurde im Notfall-
bericht vom 16. März 2022 aber festgehalten, dass in der klinischen Unter-
suchung keine Auffälligkeiten hätten festgestellt werden können (vgl. SEM-
act. 42). In der Folge litt die Beschwerdeführerin 2 noch an Schwanger-
schaftsbeschwerden, wie beispielsweise Übelkeit oder vaginaler Ausfluss
(vgl. Arztbericht vom 12. April 2022 [SEM-act. 44]). Dass die Beschwerde-
führerin 2 auf eine regelmässige und umfassende fremde Hilfe für die Be-
wältigung ihres Alltags mitsamt der Betreuung des Beschwerdeführers 3
angewiesen wäre, geht aus den medizinischen Akten jedoch nicht hervor.
4.3.2. Darüber hinaus ist nicht ersichtlich, inwiefern es dem Beschwerde-
führer 1 nicht zumutbar wäre, sich um seine Familie zu kümmern. Gesund-
heitliche Beeinträchtigungen, die zu einer Einschränkung seiner Fürsorge
für die Beschwerdeführenden 2 und 3 führen könnten, sind nicht aktenkun-
dig. Im Dublin-Gespräch vom 22. Februar 2022 gab der Beschwerdefüh-
rer 1 sodann an, ihm gehe es gesundheitlich gut (SEM-act. 32).
4.3.3. Eine Schwangerschaft gilt zwar als möglicher Unterstützungsgrund
im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO. Rechtsprechungsgemäss muss
die Abhängigkeit jedoch eine gewisse Intensität erreichen. Leidet die Be-
schwerdeführerin 2 nicht an gravierenden Schwangerschaftsbeschwerden
und ist eine hinreichende Unterstützung durch den Beschwerdeführer 1 im
Rahmen der Kernfamilie verfügbar, kann die Beihilfe durch den Bruder
nicht das zuständigkeitsrelevante Ausmass einer dauerhaften und wichti-
gen Unterstützung im Alltag gemäss Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO anneh-
men. Hinzu kommt, dass die zeitweilige Betreuung des Beschwerdefüh-
rers 3 vorliegend auch von Drittpersonen wahrgenommen werden könnte
(vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 8.3.5; Urteile des BVGer F-2168/2022 E. 5.2.2;
F-6463/2019 vom 7. September 2020 E. 6.6).
4.3.4. In Würdigung aller Umstände erscheint vorliegend eine Zusammen-
führung der Beschwerdeführenden 1-3 mit dem Bruder des Beschwerde-
führers 1 aufgrund der Schwangerschaft der Beschwerdeführerin 2 nicht
als humanitäre Pflicht gemäss Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO. Der Cousin
qualifiziert nicht als Unterstützungsperson im Sinne dieser Bestimmung.
Abgesehen von der Schwangerschaft der Beschwerdeführerin 2 tragen die
Beschwerdeführenden 1-3 keine anderen Gründe für eine besondere Ab-
hängigkeit vom Bruder oder vom Cousin vor. Aus einer lediglich morali-
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schen oder psychischen Unterstützung durch Verwandte können die Be-
schwerdeführenden 1-3 für ihr Zuständigkeitsverfahren nichts für sich ab-
leiten. Ihnen bleibt deshalb auch die Berufung auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK ver-
wehrt (vgl. BGE 144 II 1 E. 6.1; 135 I 143 E. 3.1; Urteile des BVGer
F-5508/2021 vom 2. Mai 2022 E. 10; F-1515/2022 vom 6. April 2022 E. 7.4;
F-177/2022 vom 3. Februar 2022 E. 6; F-3493/2021 vom 8. Dezember
2021 E. 7.2). Das Übereinkommen vom 20. November 1989 über die
Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) vermittelt keine über Art. 8 Ziff. 1
EMRK hinausgehende Ansprüche (vgl. BGE 143 I 21 E. 5.5.2).
4.4.
4.4.1. Was die monierte Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes anbe-
trifft, so zeigen die vertretenen Beschwerdeführenden 1-3 nicht auf, welche
für den Entscheid erheblichen Abklärungen die Vorinstanz unterlassen ha-
ben soll. Fehlen objektive Schriftstücke, obliegt es grundsätzlich ihnen, ihre
Hilfsbedürftigkeit durch glaubhafte Angaben darzulegen (vgl. Art. 11 Abs. 2
der Durchführungsverordnung [EU] Nr. 118/2014 der Kommission vom
30. Januar 2014 zur Änderung der Verordnung [EG] Nr. 1560/2003 mit
Durchführungsbestimmungen zur Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rats
zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitglied-
staats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in ei-
nem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist [nachfolgend: DVO];
BVGE 2017 VI/5 E. 8.3.4; Urteil des BVGer F-445/2019 vom 14. Februar
2019 E. 5.2). Im vorliegenden Fall konnte dies den Beschwerdeführenden
1-3 bereits deshalb nicht gelingen, weil dem Beschwerdeführer 1 eine Un-
terstützung der Familie zugemutet werden kann und sich die Beiträge des
Bruders oder des Cousins auf eine moralische Unterstützung der Be-
schwerdeführenden 1-3 beschränken würden (BVGE 2017 VI/5 E. 8.3.5).
Entsprechend ist nicht zu erwarten, dass weitere Abklärungen der Bezie-
hungen der Beschwerdeführenden 1-3 zum Bruder oder zum Cousin des
Beschwerdeführers 1 am Ausgang des vorliegenden Verfahrens etwas än-
dern könnten (BGE 141 I 60 E. 3.3; 136 I 229 E. 5.3). Ein Anhörungsrecht
des Beschwerdeführers 3 gestützt auf Art. 12 KRK entfällt, weil er im Asyl-
verfahren durch seine Eltern vertreten war und seine gleichläufigen Inte-
ressen hinreichend in das Verfahren eingebracht werden konnten
(BGE 147 I 149 E. 3.2). Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes
liegt somit nicht vor. Der Sachverhalt erweist sich als hinreichend abgeklärt.
Von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ist abzusehen.
4.4.2. Aus denselben Gründen zielt auch die Rüge der Verletzung der Be-
gründungspflicht ins Leere. Ein entscheiderheblicher, tatsächlicher Unter-
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stützungsbedarf der Beschwerdeführenden 1-3 durch Personen aus-
serhalb der Kernfamilie kann nicht eruiert werden. Die Vorinstanz hat des-
halb im angefochtenen Entscheid alle wesentlichen Punkte gewürdigt (vgl.
BGE 148 III 30 E. 3.1; 142 II 49 E. 9.2).
4.5. Asylverfahren und Aufnahmebedingungen in Portugal weisen keine
systemischen Schwachstellen auf, die eine Gefahr einer unmenschlichen
oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der EU-Grund-
rechtecharta und Art. 3 EMRK mit sich bringen würden (vgl. statt vieler:
Urteile des BVGer F-1019/2022 vom 9. März 2022 E. 6.1; F-465/2022 vom
4. Februar 2022 E. 7 m.w.H.). Die allgemein gehaltenen und pauschalen
Hinweise der Beschwerdeführenden 1-3 genügen vorliegend nicht, um die
grundsätzliche Vermutung umzustossen, wonach Portugal seinen völker-
rechtlichen Verpflichtungen nachkommt. Ein konkretes und ernsthaftes Ri-
siko, die portugiesischen Behörden könnten sich weigern, ihnen nach der
Rücküberstellung Zugang zum Asylverfahren zu gewähren oder ihren An-
trag unter Einhaltung der Verfahrensrichtlinie zu prüfen, ist nicht ersichtlich.
Es bestehen auch keine konkreten Hinweise darauf, Portugal könnte den
Beschwerdeführenden 1-3 dauerhaft die ihnen zustehenden minimalen Le-
bensbedingungen vorenthalten. Immerhin wurde der Beschwerdeführe-
rin 2 gemäss ihren eigenen Angaben in Portugal bereits nach kurzer Zeit
eine sechsmonatige Arbeitserlaubnis ausgestellt (vgl. SEM-act. 34).
4.6. Zu Recht hat die Vorinstanz daher Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO
nicht angewendet und von den Ermessensklauseln gemäss Art. 16 f.
Dublin-III-VO keinen Gebrauch gemacht.
5.
Schliesslich rügen die Beschwerdeführenden 1-3 eine Verletzung der In-
formationspflicht und monieren die Nichtigkeit des Wiederaufnahmege-
suchs vom 24. Februar 2022, weil die Vorinstanz damit den portugiesi-
schen Behörden das Bestehen eines Verwandtschafts- sowie eines gegen-
seitigen Unterstützungsverhältnisses in der Schweiz nicht mitgeteilt und
die portugiesischen Behörden auch nach Bekanntwerden der Schwanger-
schaft der Beschwerdeführerin 2 Mitte März 2022 darüber nicht informiert
habe.
5.1. Fest steht, dass die Vorinstanz die portugiesischen Behörden weder
mit dem Wiederaufnahmegesuch, noch nach Bekanntwerden der Schwan-
gerschaft der Beschwerdeführerin 2 über die Anwesenheit des Bruders so-
wie eines Cousins des Beschwerdeführers 1 informiert hat. Die Rüge der
Verletzung der Informationspflicht gemäss Art. 23 Abs. 4 Dublin-III-VO ist
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indes unbegründet. Hinweise auf einen relevanten Unterstützungsbedarf
im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO oder Art. 8 Ziff. 1 EMRK sind vor-
liegend nämlich nicht erkennbar. Eine Abhängigkeit, beziehungsweise eine
Hilfsbedürftigkeit von in der Schweiz wohnhaften Drittpersonen haben die
Beschwerdeführenden 1-3 nicht glaubhaft dargelegt. Bei dieser Ausgangs-
lage handelt es sich beim Aufenthalt eines Bruders oder eines Cousins in
der Schweiz nicht um sachdienliche Angaben, welche für die Prüfung der
Wiederaufnahmezuständigkeit durch die portugiesischen Behörden von
Relevanz gewesen wären (vgl. Urteile des BVGer F-839/2021 vom 4. März
2021 E. 4.2; F-4557/2019 vom 4. Dezember 2019 E. 3.4.6; F-1525/2019
und F-2719/2019 vom 19. Juli 2019 E. 7.4). Dem Transparenzgebot wurde
vorliegend hinreichend Rechnung getragen. Die Vorinstanz war nicht ver-
pflichtet, mit dem Wiederaufnahmegesuch oder in dessen Nachgang die
portugiesischen Behörden über den Aufenthalt des Bruders und des Cous-
ins des Beschwerdeführers 1 in der Schweiz zu informieren.
5.2. Ähnlich verhält es sich betreffend Informationen zum Gesundheitszu-
stand. Sie sind unter den Mitgliedstaaten erst im Vollzugsstadium auszu-
tauschen (Urteile des BVGer F-4557/2019 E. 3.4.6; E-3833/2019 vom
7. Oktober 2019 E. 5.3 m.w.H.). Dies gilt auch hinsichtlich der Schwanger-
schaft der Beschwerdeführerin 2. Das Wiederaufnahmegesuch vom
24. Februar 2022 ist dementsprechend nicht nichtig.
6.
Portugal bleibt somit für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsver-
fahrens der Beschwerdeführenden 1-3 zuständig. Der angefochtene Ent-
scheid verletzt keine die Schweiz bindende völkerrechtliche Bestimmung.
Das ihr im Übrigen bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Ver-
bindung mit Art. 17 Dublin-III-VO zustehende Ermessen hat die Vorinstanz
gesetzeskonform ausgeübt (vgl. BVGE 2015/9 E. 8). Es ist nicht zu bean-
standen, dass sie das Vorliegen humanitärer Gründe verneint und vom
Selbsteintrittsrecht keinen Gebrauch gemacht hat. Zu Recht ist sie auf die
Asylgesuche nicht eingetreten und hat die Überstellung der Beschwerde-
führenden 1-3 nach Portugal verfügt. Eine Schwangerschaft stellt gegebe-
nenfalls lediglich ein temporäres Vollzugshindernis dar. Ihr werden die
schweizerischen Behörden bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten
der Überstellung Rechnung tragen und die portugiesischen Behörden vor-
gängig in geeigneter Weise über die spezifischen medizinischen Umstände
informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO). Die Beschwerde ist abzuweisen.
Das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung ist mit Ausfäl-
lung des vorliegenden Endentscheids gegenstandslos geworden.
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7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den
Beschwerdeführenden 1-3 aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Sie ersu-
chen jedoch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (vgl.
Art. 65 Abs. 1 VwVG). Das entsprechende Gesuch ist gutzuheissen, da
aufgrund der Aktenlage von der Bedürftigkeit der Beschwerdeführenden 1-
3 auszugehen ist und die gestellten Begehren überdies nicht als aussichts-
los anzusehen waren (BGE 142 III 138 E. 5.1; 138 III 217 E. 2.2.4). Somit
sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
8.
Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
(Dispositiv nächste Seite)
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