Decision ID: 51d4df5d-7250-5b17-b7b9-6acaf44b1aaf
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden – irakische Staatsangehörige kurdischer Ethnie
– ersuchten am 1. Dezember 2015 in der Schweiz um Asyl. Am 14. De-
zember 2015 wurden Frau B._ und Herr A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführerin 1 und Beschwerdeführer) sowie ihr Kind C._
(nachfolgend Beschwerdeführerin 2) im Rahmen der Befragung zur Person
(BzP) summarisch befragt. Am 4. März 2016 hörte das SEM alle drei ver-
tieft zu den Asylgründen an.
Der Beschwerdeführer brachte dabei vor, er sei in Kirkuk geboren, wo er
(...) Jahre lang die Primarschule besucht und später als (...) gearbeitet
habe. (...) sei er nach Sulaimaniyya gegangen, habe dort als (...) gearbei-
tet und drei Jahre später die Beschwerdeführerin 1 geheiratet. Im Jahr
1998 sei er von der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) für zehn Tage
inhaftiert worden, weil er Wachleute an einem Zollpunkt auf deren Wunsch
fotografiert habe. Danach sei er mit seiner Familie nach Kirkuk gezogen.
Im September 2002 habe er den Irak verlassen. Nach Aufenthalten im Iran
und in der Türkei sei er in die Schweiz gereist, wo er im Mai 2003 ein Asyl-
gesuch einreichte. Nach dessen Rückzug sei er Ende 2004 in den Irak zu-
rückgekehrt. Er habe angefangen, mit (...) zu handeln, und diese Tätigkeit
bis (...) 2015 in Kirkuk ausgeübt. Dort habe er mit seiner Familie im glei-
chen Haushalt wie seine Schwester gewohnt. Als deren Sohn habe heira-
ten wollen, habe es nicht mehr genug Platz für sie alle gegeben. Sie seien
daraufhin nach Tuz Khurmatu gezogen, auch weil dort (...) viel billiger und
die Miete sehr günstig gewesen sei. (...) 2015 sei er von Bewaffneten –
vermutlich Angehörigen der Miliz Hashd AI-Shaabi – entführt, zwei Tage
festgehalten und namentlich zu seiner Religion befragt worden. Da sie
Schiiten gewesen seien, habe er vorgegeben und sie überzeugen können,
ebenfalls diesem Glauben anzugehören. In der Folge hätten sie ihn aufge-
fordert, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Er habe dem zugestimmt, um frei-
zukommen. Die Entführer seien mit ihm bis zu seinem Haus gekommen,
um seinen Wohnort in Erfahrung zu bringen, und erst dann weggefahren.
Er habe sich mit seiner Familie von einem Cousin umgehend nach Kirkuk
fahren lassen. Wegen der früheren Probleme mit der PUK und der hohen
Lebenshaltungskosten hätten sie nicht nach Sulaimaniyya gehen können.
Im (...) 2015 seien sie illegal in die Türkei gereist. Ihr ältestes Kind
E._ (N [...]) sei dort von ihnen getrennt worden. Über verschiedene
europäische Länder seien sie schliesslich in die Schweiz gelangt.
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Die Beschwerdeführerin 1 gab an, sie sei in Sulaimaniyya geboren, habe
dort (...) Jahre lang die Schule besucht und 1994 den Beschwerdeführer
geheiratet. Sie habe den Irak ausschliesslich wegen des Problems ihres
Mannes verlassen.
Die Beschwerdeführerin 2 brachte vor, sie sei in Sulaimaniyya geboren.
Sie habe (...) Jahre lang in Kirkuk die Schule besucht und sei dann 2014
zum (...)-Studium nach Sulaimaniyya gegangen, weil dieses in Kirkuk nicht
möglich gewesen sei. Von da an habe sie bei ihrem Grossvater mütterli-
cherseits und dessen Frau gewohnt. Sie sei gemeinsam mit ihrer Familie
aufgrund der Probleme ihres Vaters ausgereist.
Mit ihrem Gesuch reichten die Beschwerdeführenden ihre Identitätskarten,
ihre Nationalitätenausweise (mit Ausnahme des jüngsten Kindes), die Hei-
ratsurkunde der Eheleute sowie den Wohnortausweis, einen Gefängnis-
ausweis und eine Gefängnisdossierkarte des Beschwerdeführers ein.
B.
Am 22. Januar 2016 reiste das volljährige Kind der Beschwerdeführenden,
E._ (N [...]), in die Schweiz ein und ersuchte um Asyl.
C.
Mit Verfügung vom 29. November 2018 – eröffnet am 30. November 2018
– verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführen-
den, lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete ihre Wegweisung aus der
Schweiz sowie deren Vollzug an. Mit gesonderter Verfügung vom selben
Tag wurde auch das Gesuch von E._ abgelehnt.
D.
Mit Eingabe des rubrizierten Rechtsvertreters datierend vom 28. Dezember
2018 (gemäss Sendungsinformation der Post aufgegeben am 31. Dezem-
ber 2018) erhoben die Beschwerdeführenden beim Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerde gegen diesen Entscheid und beantragten, die angefoch-
tene Verfügung sei aufzuheben und ihre Asylgesuche seien in Anerken-
nung der Flüchtlingseigenschaft gutzuheissen, eventualiter sei auf den
Vollzug der Wegweisung zu verzichten. In prozessualer Hinsicht ersuchten
sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und stellten die Nachreichung
einer Unterstützungsbestätigung in Aussicht.
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Mit der Beschwerdeschrift reichten sie – neben dem Entscheid in Kopie
und den Vollmachten der Beschwerdeführerin 1 sowie des Beschwerde-
führers für ihre Rechtsvertretung – zwei Online-Zeitungsberichte, einen
Länderbericht und Fotos von ihrem Cousin sowie von einem Autobomben-
anschlag ein.
E.
Ebenfalls am 28. Dezember 2018 liess das älteste Kind E._ durch
denselben Rechtsvertreter Beschwerde gegen seinen ablehnenden Ent-
scheid erheben (D-36/2019).
F.
Am 7. Januar 2019 bestätigte das Gericht den Beschwerdeführenden den
Eingang ihrer Beschwerde.
G.
Mit Schreiben vom 25. Januar 2019 reichte der Rechtsvertreter eine Un-
terstützungsbestätigung zu den Akten.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 7. Februar 2019 hielt die Instruktionsrichterin
fest, die Beschwerdeführenden dürften den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses. Zudem teilte sie mit, das vorliegende Beschwerdeverfahren
werde mit dem Verfahren von E._ (D-36/2019) koordiniert, und lud
die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.
I.
Mit Vernehmlassung vom 12. Februar 2019 nahm das SEM zur Be-
schwerde Stellung.
J.
Mit Schreiben vom 4. März 2019 reichten die Beschwerdeführenden eine
Replik ein.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für Beschwerden gegen
Verfügungen auf dem Gebiet des Asyls und entscheidet regelmässig – so
auch hier – endgültig (Art. 5 VwVG, Art. 31 ff. VGG, Art. 105 AsylG
[SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden und die
Beschwerdeführenden sind beschwerdelegitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Das vorliegende Verfahren wird koordiniert mit dem Beschwerdeverfahren
des volljährigen Kindes E._ (D-36/2019).
4.
In der Beschwerdeschrift wird moniert, das SEM habe während der Befra-
gungen die Zeit zwischen der Entführung und der Ausreise nicht vertieft
thematisiert, obschon es sich später in seiner Beurteilung darauf abgestützt
habe (dazu E. 5.1). Dass keine Hilfswerksvertretung anwesend gewesen
sei, welche diese Problematik hätte erkennen und ansprechen können,
dürfe den Beschwerdeführenden nicht zum Nachteil gereichen. Sinnge-
mäss erheben sie damit die Rüge der unvollständigen Sachverhaltsabklä-
rung. Diese ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls zur Kassation des ange-
fochtenen Entscheids führen kann (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2).
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4.1 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet ei-
nen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
4.2 Den Akten ist zu entnehmen, dass eine Hilfswerksvertretung zur Anhö-
rung erwartet wurde, diese jedoch trotz Einladung nicht eintraf. Wie das
SEM in seiner Vernehmlassung zu Recht hinwies, entfaltet eine Anhörung
in diesen Fällen gleichwohl volle Rechtswirkung (Art. 30 Abs. 3 AsylG).
Dies wurde von den Beschwerdeführenden im Rahmen der Replik auch
nicht bestritten. Im Übrigen trifft es zu, dass die Hilfswerksvertretung Fra-
gen zur Erhellung des Sachverhaltes stellen, weitere Abklärungen anregen
und Einwendungen zum Protokoll anbringen kann (Art. 30 Abs. 3 AsylG),
während dem SEM weiterhin die ausschliessliche Verantwortung für die
vollständige Sachverhaltsfeststellung obliegt. Insoweit kann dahingestellt
bleiben, ob die Hilfswerksvertretung überhaupt Fragen zur Zeit zwischen
Entführung und Ausreise gestellt hätte. Das SEM ist wohlgemerkt nicht ge-
halten, im Rahmen seiner Untersuchungspflicht alle möglichen Verfol-
gungsaspekte abzufragen, sofern die Angaben der Asylsuchenden keine
hinreichenden Anhaltspunkte dafür bieten. Unerheblich ist das angebliche
Unwissen der Beschwerdeführenden darüber, von sich aus weitere Anga-
ben zu tätigen. Immerhin erhielten sie im Rahmen der Anhörung die Mög-
lichkeit und hatten angesichts ihrer Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) auch
die Pflicht, sämtliche verfolgungsrelevanten Umstände darzutun. Dass sie
dem nicht in vollem Umfang nachkamen, stellt keine Verletzung des Unter-
suchungsgrundsatzes durch das SEM dar. Lediglich ergänzend sei ange-
merkt, dass auch den Ausführungen auf Beschwerdeebene nicht zu ent-
nehmen ist, es hätten sich im fraglichen Zeitraum Probleme ergeben.
4.3 Nach dem Gesagten erweist sich die Rüge als unbegründet. Eine
Rückweisung der Sache an das SEM fällt ausser Betracht. Das Gericht hat
in der Sache zu entscheiden (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an die Glaubhaftmachung von Vorbringen ge-
mäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Entscheiden dargelegt und präzisiert.
Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
6.
6.1 Das SEM begründete seinen ablehnenden Entscheid im Asylpunkt da-
mit, aus den Akten ergäben sich keine Hinweise, dass die Entführer des
Beschwerdeführers, welche vermutlich der Miliz Hashd Al-Shaabi angehör-
ten, ihn aus einem der in Art. 3 AsylG genannten Gründe zur Zusammen-
arbeit hätten zwingen wollen. Ebenso wenig sei ersichtlich, wie sie ihn in
Kirkuk hätten finden können und wie ihm demnach aus der Verweigerung
der Zusammenarbeit Nachteile hätten erwachsen können. Er habe denn
auch keine Probleme während seines Aufenthalts in Kirkuk bis zur Ausreise
geltend gemacht. Mithin bestehe kein begründeter Anlass zur Annahme,
dass er mit einer asylrelevanten Verfolgung hätte rechnen müssen. Auch
hinsichtlich der geltend gemachten Inhaftierung durch die PUK im Jahr
1998 sei gemäss Aktenlage nicht davon auszugehen, dass er heute noch
Probleme zu befürchten habe. Die Ausführungen der Beschwerdeführerin-
nen 1 und 2 enthielten keine zusätzlichen Angaben zu den erwähnten Vor-
bringen. Sie hätten zudem keine eigenen Asylvorbringen geltend gemacht.
6.2 Dem hielten die Beschwerdeführenden in ihrer Beschwerde entgegen,
ihre aktuelle Gefährdung sei religiös bedingt, wobei der politische Aspekt
eng damit verbunden sei. Als Schiit hätte der Beschwerdeführer seine Ent-
führer nicht anlügen und sich und seine Familie nicht der Gefahr einer Ver-
folgung aussetzen müssen. Das SEM übergehe in seiner Annahme, die
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Entführer hätten ihn in Kirkuk nicht finden können, dass sich die Beschwer-
deführenden dort bis zur Ausreise versteckt gehalten hätten, nie aus dem
Haus der Verwandten gegangen seien und Leute organisiert hätten, wel-
che Ausschau nach Regierungs- oder Milizangehörigen halten sollten. Al-
lein dadurch habe eine Verfolgung vermieden werden können. Die Region
werde mittlerweile wieder durch die Regierung kontrolliert, dies auch unter
Einsatz der Miliz Hashd Al-Shaabi, welche gewaltsam gegen Sunniten und
Kurden vorgehe. Sie gehöre faktisch zur Regierung. Der Beschwerdefüh-
rer habe sich mit der Lüge zur Unterstützung der Entführer den Anweisun-
gen der Regierung widersetzt, was einem Todesurteil für ihn und seine Fa-
milie gleichkomme. Völlig realitätsfern sei die Annahme, er könne aufgrund
seiner Flucht nicht mehr gefunden werden, zumal die Entführer seinen Na-
men hätten. Beim nächsten Behördenkontakt, bei welchem die Identitäts-
karte vorgezeigt werden müsse, würde er sofort identifiziert und die folgen-
den behördlichen Massnahmen nicht überleben. Seine Familie sei mitge-
fährdet; das Ausmass ihrer Gefährdung zeige sich bereits darin, dass so-
gar den Kindern die gefährliche Reise nach Europa zugemutet worden sei.
7.
7.1 Eine einlässliche Prüfung der Akten ergibt, dass die vorinstanzliche
Einschätzung zur fehlenden Asylrelevanz der Vorbringen der Beschwerde-
führenden zu bestätigen ist.
7.2 Das SEM hat die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers zu seiner zehntägigen Verhaftung durch die PUK im Jahr 1998 in Su-
laimaniyya sowie seine Entführung im (...) 2015 in Tuz Khurmatu durch
bewaffnete Personen nicht in Frage gestellt. Auch für das Gericht besteht
nach Durchsicht der Akten kein Anlass, diese anzuzweifeln, zumal seine
diesbezüglichen Schilderungen substantiiert, von Elementen tatsächlichen
Erlebens geprägt und plausibel ausfielen.
7.3
7.3.1 Die Vorinstanz hat im Weiteren mit überzeugender Begründung fest-
gestellt, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers zur Entführung nicht
asylrelevant sind. Dabei kann vorliegend dahinstehen, ob die Entführer aus
einem in Art. 3 AsylG festgehaltenen Grund handelten. Den Akten sind
keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer oder
seine Familie nach der Entführung und bis zur Ausreise behelligt wurden.
Auch aus den Ausführungen dazu in der Beschwerdeschrift ergibt sich le-
diglich, welche Vorsichtsmassnahmen die Familie zu ihrem Schutz traf,
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nicht aber, dass nach ihnen gesucht wurde oder gar Verfolgungsmassnah-
men gegen sie eingeleitet wurden. Ebenso wenig wurde vorgebracht, dass
es nach der Ausreise zu irgendwelchen Behelligungen der im Irak verblie-
benen Familienangehörigen gekommen sei. Insgesamt reiht sich die Ent-
führung damit in das Gesamtbild der allgemeinen Lage zum damaligen
Zeitpunkt im Irak und namentlich in der Gegend von Tuz Khurmatu ein,
gekennzeichnet etwa auch von Entführungen, Schiessereien und derglei-
chen, welchen die Bevölkerung generell ausgesetzt wurde, wie dies die
Beschwerdeführenden selbst vorgetragen haben.
7.3.2 Soweit in der Beschwerdeschrift weiter geltend gemacht wird, die Mi-
liz Hashd Al-Shaabi kontrolliere für die irakische Regierung die vom soge-
nannten Islamischen Staat (IS) zurückeroberten Gebiete und gehe dabei
gegen Sunniten und Kurden vor, weshalb der Beschwerdeführer und seine
Familie im Falle ihrer Rückkehr nur schon bei einer Kontaktaufnahme mit
den Behörden mit einer Identifizierung und Verfolgung rechnen müssten,
ist weiter einzuwenden, dass er sowie auch die Beschwerdeführerin 1 je-
weils nur von der Vermutung sprachen, es könne sich bei den Entführern
um Angehörige dieser Miliz gehandelt haben. Zwar ist nicht vollkommen
auszuschliessen, dass diese zutrifft, zumal die Hashd Al-Shaabi gemäss
einigen Quellen zur damaligen Zeit im Irak gegen den IS an der Seite der
Irakischen Sicherheitskräfte kämpften und sie mehrheitlich schiitische
Kräfte vereinigen (vgl. etwa auch den eingereichten Länderbericht Maxwell
B. Markusen, The Islamic State and the persistent threat of extremists in
Iraq, Center for Strategic and International Studies CSIS Briefs, November
2018). Vermutungen reichen jedoch nicht für die Annahme einer asylrele-
vanten Gefahr, welche sich bei einer Rückkehr verwirklichen könnte. Dar-
über hinaus spricht wenig dafür, dass seine damaligen Entführer nach über
fünf Jahren weiterhin in der Miliz aktiv sind, überhaupt mit den irakischen
Behörden kooperieren und noch dazu ihn und die Familie in Sulaimaniyya
als zumutbare innerstaatliche Aufenthaltsalternative aufspüren und behel-
ligen könnten (vgl. unten E. 9.3.2 und E. 9.4.3).
7.4 Hinsichtlich der Verhaftung des Beschwerdeführers im Jahr 1998 auf-
grund der Fotografie von Wachleuten vor einem Zollpunkt finden sich eben-
falls keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine asylrelevante Verfolgung.
Dabei ist bereits festzuhalten, dass die Ereignisse offensichtlich schon
nicht kausal für die Ausreise im Jahr 2015 waren, weshalb es bereits am
erforderlichen Zusammenhang zwischen Verfolgung und Flucht fehlen
dürfte. Fraglich ist zudem, ob es sich überhaupt um asylrelevante Nachteile
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handelt, welche der Beschwerdeführer zu erleiden hatte, und nicht viel-
mehr um eine legitime Massnahme der Strafverfolgung. Des Weiteren
legte er zu keinem Zeitpunkt dar, im Nachgang ernsthaften Nachteilen im
Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen zu sein. Überdies hielten sich
gemäss Aktenlage die Familie oder Teile davon gemäss Akten immer wie-
der, auch über längere Zeiträume in Sulaimaniyya auf (alle Kinder wurden
dort geboren, das älteste Kind E._ arbeitete immer wieder dort, die
Beschwerdeführerin 2 studierte vor Ort und wohnte bei ihrem Grossvater),
ohne dass es zu Behelligungen kam. Mithin spricht auch nichts dafür, dass
dies bei einer Rückkehr nun der Fall sein würde und der Beschwerdeführer
mit seiner Familie in asylrelevanter Weise gefährdet würde.
7.5 Schliesslich hat das SEM zutreffend festgestellt, dass die Beschwerde-
führerinnen 1 und 2 selbst keine Probleme im Heimatland geltend gemacht
haben und ihren Angaben auch keine Hinweise entnommen werden kön-
nen, welche für die Asylrelevanz der Vorbringen des Beschwerdeführers
sprechen könnten.
7.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass es den Beschwerdeführenden
nicht gelungen ist, eine im Zeitpunkt der Ausreise aus dem Irak bezie-
hungsweise heute bestehende oder unmittelbar drohende asylrelevante
Verfolgungsgefahr nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen.
Die Vorinstanz hat ihre Asylgesuche demnach zu Recht abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
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Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2
9.2.1 Die Vorinstanz führte zum Wegweisungsvollzug aus, mangels Erfül-
lung der Flüchtlingseigenschaft könne der Grundsatz der Nichtrückschie-
bung keine Anwendung finden. Es drohe den Beschwerdeführenden auch
keine nach Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung. Wie im Asyl-
punkt aufgezeigt, sei nicht davon auszugehen, dass die Entführer des Be-
schwerdeführers ihm nach seinem Weggang aus Tuz Khurmatu noch Prob-
leme hätten machen können. Eine Rückkehr in die Autonome Region Kur-
distan (ARK) sei zumutbar. Es gebe keine Hinweise, dass die Hashd Al-
Shaabi oder allfällige andere im Bereich von Tuz Khurmatu tätige Milizen
im Gebiet der ARK Leute behelligen könnten. Es sei auch nicht damit zu
rechnen, dass der Beschwerdeführer wegen der Haft im Jahr 1998 in der
ARK heute noch Probleme bekäme. Unter Berücksichtigung der aktuellen
Sicherheits- und Menschenrechtslage in der ARK, namentlich nach den
grossen Flüchtlingsbewegungen 2014 durch die Einnahme diverser Ort-
schaften im Zentralirak durch den IS und dem 2017 von der irakischen Re-
gierung als beendet erklärten Krieg gegen den IS, sei nicht von einer Situ-
ation allgemeiner Gewalt dort auszugehen. Vorliegend sprächen auch
keine individuellen Gründe gegen die Zumutbarkeit. Die Beschwerdeführe-
rin 1 stamme aus Sulaimaniyya, der Beschwerdeführer habe dort mehrere
Jahre lang gelebt. Zwar hätten sie seit 1998 in Kirkuk gelebt, doch wohnten
gemäss eigenen Angaben zahlreiche Verwandte in Sulaimaniyya (Vater,
Bruder und Schwester der Beschwerdeführerin 1, Bruder und Schwester
des Beschwerdeführers). Die Beschwerdeführerin 2 habe vor der Ausreise
in Sulaimaniyya studiert und bei ihren Grosseltern gelebt. Es sei mithin von
einem breiten familiären Netz auszugehen, das sie bei der Reintegration
unterstützen und ihnen zumindest vorübergehend eine Unterkunft bieten
könnte. Der Beschwerdeführer habe zudem viele weitere Geschwister in
Kirkuk, die Beschwerdeführerin 2 im europäischen Ausland; diese könnten
sie allenfalls finanziell unterstützen. Der Beschwerdeführer habe sodann
als (...), (...) und (...) gearbeitet; auch habe er mit einem Bruder ein (...)
besessen und dieses für mehrere tausend Dollars für die Reise in die
Schweiz verkaufen können. Es sei anzunehmen, dass er rasch wieder eine
Arbeit finden und finanzielle Unabhängigkeit erlangen könne. Zudem wür-
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den sie mit dem volljährigen Sohn E._ zurückkehren, welcher eben-
falls bereits Berufserfahrung vorweisen und die Familie unterstützen
könne. Vor diesem Hintergrund überzeuge nicht, dass sie sich die hohen
Mieten in Sulaimaniyya nicht leisten könnten, zumal ihnen eine bezahlbare
Wohnung auch mit Abstrichen in den Ansprüchen zuzumuten sei. Im Übri-
gen hätten sie die Beschwerdeführerin 2 ursprünglich beim Grossvater in
Sulaimaniyya zurücklassen wollen, was ebenfalls auf eine zumutbare
Rückkehr dorthin deute. Nicht zuletzt existiere ein Rückkehrhilfeangebot.
Der Wegweisungsvollzug sei schliesslich auch technisch möglich und prak-
tisch durchführbar.
9.2.2 Dem entgegneten die Beschwerdeführenden in ihrer Beschwerde-
schrift, das SEM gehe implizit davon aus, dass sie nicht nach Tuz Khur-
matu zurückgehen könnten; dies müsse auch für Kirkuk gelten. Hinzu
komme, dass die Attacken des IS in der Region einen Höchststand erreicht
hätten. Die Einschätzung in Bezug auf die ARK sei unzutreffend. Nicht die
hohen Mieten, sondern die Sicherheit der Familie wegen der Angelegen-
heit im Jahr 1991 (recte wohl: 1998) verhinderten eine Rückkehr dorthin.
Der Beschwerdeführer stünde auf einer schwarzen Liste. Zudem könnten
er und die übrigen Familienmitglieder sich aufgrund der in Kirkuk ausge-
stellten Identitätskarten nur an die dortigen Behörden wenden. Sodann sei
ein Cousin nach seiner Rückkehr aus F._ im Sommer 2017 in Su-
laimaniyya von Regierungsbeauftragten auf offener Strasse erschossen
worden. Eine weitere Verwandte und ihr Mann seien 2018 in einem südli-
cheren Gebiet durch eine Autobombe getötet worden; ein Kind habe über-
lebt, sei aber seither blind. Bei der Beschwerdeführerin 2 seien sie ur-
sprünglich davon ausgegangen, sie wäre beim Grossvater sicher, solange
sie nicht mit ihnen in Verbindung gebracht würde. Der Grossvater sei aber
zwischenzeitlich verstorben. Einige Geschwister lebten in Kirkuk; aufgrund
des Vorfalls mit der Hashd Al-Shaabi könnten sie dorthin aber nicht zurück.
Schliesslich bestehe nicht mehr zu allen Geschwistern ein Kontakt.
9.3
9.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der
Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AlG).
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9.3.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender
Begründung erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
Anwendung findet – was sich auf die Entführung 2015 in Tuz Khurmatu wie
die Verhaftung in Sulaimaniyya im Jahr 1998 gleichermassen bezieht – und
keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshindernisse erkennbar sind.
Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Irak lässt den Wegwei-
sungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Urteil des BVGer
E-3737/2015 vom 14. Dezember 2015 E. 6.3.2 [als Referenzurteil publi-
ziert] m.w.H.). Soweit der Beschwerdeführer in Tuz Khurmatu durch be-
waffnete Personen behelligt wurde und überhaupt mit weiteren Übergriffen
zu rechnen hätte (vgl. E. 7.3.2), können er und seine Familie bei einer
Rückkehr auf eine innerstaatliche Schutzalternative in Sulaimaniyya ver-
wiesen werden (dazu sogleich E. 9.4.3). Der Hinweis in der Beschwerde
auf die Zunahme von Attacken «in der Region» vermag daran nichts zu
ändern. Dies gilt ebenso für die dargelegten Tötungen von Verwandten –
deren Glaubhaftigkeit unterstellt – in der ARK. Der Vollzug der Wegweisung
ist vorliegend sowohl im Sinne der flüchtlingsrechtlichen als auch der men-
schenrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.4
9.4.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.4.2 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts herrscht
in den vier kurdischen Provinzen des Iraks, Dohuk, Erbil, Sulaimaniyya und
Halabja keine Situation allgemeiner Gewalt und die politische Lage ist nicht
dermassen angespannt, dass eine Rückführung dorthin als generell unzu-
mutbar betrachtet werden müsste. Die Anordnung des Wegweisungsvoll-
zugs in diese Region setzt jedoch voraus, dass die betroffene Person ur-
sprünglich aus der Region stammt oder eine längere Zeit dort gelebt hat
und über ein soziales Netz (Familie, Verwandtschaft oder Bekanntenkreis)
oder über Beziehungen zu den herrschenden Parteien verfügt. Anderen-
falls dürfte eine soziale und wirtschaftliche Integration in die kurdische Ge-
sellschaft nicht gelingen, da der Erhalt einer Arbeitsstelle oder von Wohn-
raum weitgehend von gesellschaftlichen und politischen Beziehungen ab-
hängt. Fraglich ist zudem der Wegweisungsvollzug in die ARK-Region im
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Falle von Kurden, die aus kurdisch dominiertem Gebiet ausserhalb der drei
Provinzen Dohuk, Erbil und Sulaimanniyya – namentlich aus Mossul und
Kirkuk – stammen. Die kurdischen Behörden könnten ihnen aus der demo-
grafischen Überlegung heraus, in den von ihnen dominierten Gebieten eine
kurdische Bevölkerungsmehrheit aufrecht erhalten zu wollen, das Bleibe-
recht in den drei Provinzen verweigern. Die Zumutbarkeit des Vollzugs
bleibt demnach im Einzelfall zu prüfen, wobei angesichts der Belastung der
behördlichen Infrastrukturen durch intern vertriebene Personen vor allem
dem Bestehen eines tragfähigen familiären Beziehungsnetzes besonderes
Gewicht beizumessen ist (BVGE 2008/5 E. 7.5.8; bestätigt im Urteil des
BVGer E-3737/2015 vom 14. Dezember 2015 E. 7.4.5 [als Referenzurteil
publiziert]; vgl. auch Urteil des BVGer E-5412/2017 vom 30. April 2020
E. 7.3.2 m.w.H.).
Betreffend den Zentralirak hat das Bundesverwaltungsgericht in seinem
Grundsatzurteil BVGE 2008/12 festgestellt, dass diese Region als Gegend
mit sehr grosser Gewaltdichte und gezielten Gewalttaten gegen Zivilisten
gilt und (Suizid-)Anschläge, Attentate, Entführungen sowie andere krimi-
nelle Handlungen den Alltag der Bevölkerung prägen. Diese Rechtspre-
chung wurde in später ergangenen Urteilen bestätigt (vgl. Urteile des
BVGerE-5782/2017 vom 6. November 2018 E. 8.1.2, E-5271/2014 sowie
E-5732/2014 vom 15. April 2015 E. 5.2, vgl. auch BVGE 2013/1 betreffend
Mossul).
9.4.3 Der Beschwerdeführer stammt aus Kirkuk und hat mehrere Jahre in
Sulaimaniyya gewohnt. Die Beschwerdeführerin 1 stammt aus Sulai-
manyyia, ihre Kinder sind alle dort zur Welt gekommen. Zusammen haben
sie längere Zeit in Kirkuk und zuletzt kurzzeitig Tuz Khurmatu gelebt. Die
Beschwerdeführerin 2 hat bis kurz vor der Ausreise in Sulaimaniyya stu-
diert und bei ihrem Grossvater und dessen Frau gewohnt.
Das SEM hat sich in der Tat nicht beziehungsweise nicht explizit zur Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in die danach ebenfalls in Frage
kommenden Städte Kirkuk und Tuz Khurmatu geäussert. Unter Berück-
sichtigung der erwähnten Rechtsprechungspraxis ist der Wegweisungs-
vollzug in diese beiden Städte generell als unzumutbar zu erachten. Es
kann im Weiteren festgehalten werden, dass das SEM berechtigterweise
nur die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Sulaimaniyya ge-
prüft und vorliegend bejaht hat. Es sei daran erinnert, dass nach obigen
Erwägungen (vgl. E. 7.4) nicht von einer Gefährdung der Sicherheit des
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-5271/2014 http://links.weblaw.ch/BVGer-E-5732/2014
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Beschwerdeführers vor Ort auszugehen ist; auf die diesbezüglichen Be-
schwerdevorbringen ist im Rahmen der Prüfung der Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs nicht weiter einzugehen. Der Einwand, er stehe auf
einer schwarzen Liste, ist zudem als unbewiesene Schutzbehauptung zu-
rückzuweisen. Darüber hinaus kann auf die zutreffenden Erwägungen des
SEM zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs verwiesen werden (vgl.
E. 9.2.1), denen die Beschwerdeführenden auf Beschwerdeebene nichts
Substanzielles entgegenzusetzen vermögen. Selbst wenn der Grossvater,
bei welchem die Beschwerdeführerin 2 in Sulaimaniyya wohnte, mittler-
weile verstorben sein sollte, hat das SEM zutreffend festgehalten, dass die
Familie weiterhin über ein familiäres Netz in Sulaimaniyya verfügt, auf das
sie bei einer Rückkehr zurückgreifen und welches sie bei der Reintegration
unterstützen könnte. Nicht zu überzeugen vermag dabei der Einwand, die
Beschwerdeführenden hätten nicht mehr zu allen Kontakt; eine erneute
Kontaktaufnahme ist ihnen zuzumuten. Weiter verfügen der Beschwerde-
führer und sein ältestes, volljähriges Kind E._ über diverse Berufs-
erfahrung; Letzterer würde mit der Familie in den Irak zurückkehren (vgl.
D-36/2019) und könnte ebenso wie der Beschwerdeführer rasch zur Siche-
rung des Lebensunterhalts der Familie beitragen. Es sei weiter angemerkt,
dass das älteste Kind E._ vor der Ausreise regelmässig in Sulaima-
niyaa gearbeitet und vor Ort übernachtet hat, was auch bei einer Rückkehr
möglich sein sollte. Nicht ausgeschlossen ist, dass die Situation in der ARK
aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen angespannt ist. Vor dem Hinter-
grund vorstehender Ausführungen vermag gleichwohl nicht zu überzeu-
gen, dass die Familie sich die Miete in Sulaimaniyya nicht leisten könnte,
sofern sie nicht bereits bei Verwandten zumindest vorübergehend Unter-
kunft finden könnte. Ebenso wenig ist aufgrund der Ausstellung der Identi-
tätskarten in Kirkuk davon auszugehen, dass sich die Beschwerdeführen-
den nicht an die Behörden in Sulaimaniyya wenden könnten. Immerhin
kann die Beschwerdeführerin 1 für sich und ihre Familie gegenüber den
Behörden beanspruchen, von dort zu stammen und ein Rückkehrrecht ein-
zufordern. Allfällige administrative Bemühungen dazu sind ihr durchaus zu-
zumuten. Schliesslich sind den Akten keine Hinweise darauf zu entneh-
men, dass das Kindeswohl nach Art. 3 des Übereinkommens vom 20. No-
vember 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) dem Wegwei-
sungsvollzug des jüngsten, noch minderjährigen Kindes dem Wegwei-
sungsvollzug entgegenstehen würde. Es hat zwar mittlerweile etwa fünf
Jahre in der Schweiz gelebt, würde aber mit seiner gesamten Familie in
den Irak zurückkehren, wo es den überwiegenden Teil seines Lebens ver-
bracht hat und dessen Landessprache es auch spricht. Mit Unterstützung
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der Familienangehörigen ist es ihm zuzumuten, sich wieder in die Lebens-
verhältnisse vor Ort zu reintegrieren. Nach dem Gesagten erweist sich der
Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar.
9.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da aber ihr Antrag auf un-
entgeltliche Prozessführung mit Verfügung vom 7. Februar 2019 gutge-
heissen wurde und seither keine Veränderungen in den finanziellen Ver-
hältnissen ersichtlich sind, haben sie keine Verfahrenskosten zu tragen.
(Dispositiv nächste Seite)
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