Decision ID: fac544ff-9d18-5df5-803f-d6f402d3e52c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 6. Oktober 2015 erstmals in der
Schweiz um Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom
15. Oktober 2015 und der Anhörung vom 11. August 2017 machte er im
Wesentlichen geltend, er sei sri-lankischer Staatsangehöriger, tamilischer
Ethnie und stamme aus B._, Vanni-Gebiet. Seine Ehefrau, seine
Mutter und die Geschwister lebten in C._, B._. Einen Beruf
habe er nicht erlernt, aber von 2005 bis 2015 als (...) gearbeitet. Zu den
Asylgründen führte er aus, er sei im Jahr 2006 von den Liberation Tigers
of Tamil Eelam (LTTE) zwangsrekrutiert worden. Im Jahr 2007 sei er durch
Bombensplitter, wovon noch einige in seinem Körper seien, verletzt wor-
den. Im (...) 2009 habe er sich den sri-lankischen Behörden als LTTE-Mit-
glied offenbart. Danach sei er in Rehabilitationshaft gekommen und im (...)
2011 entlassen worden. Während der Rehabilitationshaft sei er Misshand-
lungen ausgesetzt gewesen. Nach der Entlassung sei er von Angehörigen
des Criminal Investigation Departments (CID) beschattet worden. Sie hät-
ten mehrfach bei ihm zu Hause nach ihm gesucht und ihn telefonisch kon-
taktiert. Zudem sei er mehrmals zu Befragungen vorgeladen worden. Er
habe jedoch nicht allen Vorladungen Folge geleistet. Wegen dieser Um-
stände und der Angst vor einer weiteren Verhaftung habe er im (...) 2014
(...) genommen, habe aber gerettet werden können. Ende 2014 habe er
seinen Wohnort und im (...) 2015 Sri Lanka über D._ verlassen.
Nach der Ausreise habe das CID mehrmals bei seiner Mutter zu Hause
nach ihm gesucht.
A.b Mit Verfügung vom 17. Mai 2017 befand die Vorinstanz die Vorbringen
betreffend die Rehabilitationshaft als nicht asylrelevant und jene betreffend
das CID als unglaubhaft, verneinte das Vorliegen der Flüchtlingseigen-
schaft, wies das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz
und ordnete den Vollzug an. Die Verfügung erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
B.
Am 20. Februar 2018 reichte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz eine
als «Neues Asylgesuch; Mitteilung an kantonale Behörde; sofortiger Voll-
zugsstopp» bezeichnete Eingabe ein. Zur Begründung führte er aus, er
leide an erheblichen gesundheitlichen Problemen. In Folge eines Bomben-
angriffes im Jahr 2007 habe er noch Granatsplitter in seinem Körper. Wäh-
rend der Rehabilitationshaft sei er für (...) missbraucht worden, indem ihm
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zweimal (...) worden seien. Er sei offensichtlich schwer traumatisiert und
dringend auf medizinische Hilfe angewiesen. Gestützt auf das Urteil des
High Courts in Vavuniya vom 25. Juli 2017 könne er aufzeigen, dass ihm
wegen seiner Vergangenheit und trotz seiner Rehabilitationshaft bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka erneute Verfolgung drohe. Die Vorinstanz habe
durch das Beantragen von Ersatzreisepapieren einen Backgroundcheck
mit der Konsultation aller möglichen Datensammlungen in Sri Lanka beim
CID und der Terrorist Investigation Division (TID) ausgelöst, weshalb bei
der Rückkehr nach Sri Lanka eine asylrelevante Verfolgung drohe. Zudem
diene ein Teil der Informationen, die übermittelt würden, nicht dem Zweck
der Identifizierung der rückzuführenden Personen, sondern der Verfolgung.
Weiter äusserte sich der Beschwerdeführer zur Entwicklung der Sicher-
heitslage in Sri Lanka in den Jahren 2017/18. Die Abklärungen der Vo-
rinstanz, wonach sich die Menschenrechtssituation in Sri Lanka seit der
Wahl des Präsidenten Sirisena grundsätzlich verbessert habe, sei nicht
korrekt. Es bestehe für abgewiesene Asylsuchende nun insbesondere auf-
grund des Ausgangs der Kommunalwahlen im Februar 2018 ein erhöhtes
Verfolgungsrisiko.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer Ein-
sicht in die Vollzugsakten sowie um Offenlegung sämtlicher Akten, welche
im Zusammenhang mit der Papierbeschaffung beim sri-lankischen Konsu-
lat vorhanden seien, andernfalls um eine Stellungnahme zum Vorgehen
und der Aktenführung im Zusammenhang mit der Papierbeschaffung und
um Erläuterungen betreffend die Rekonstruktion, welche Unterlagen und
Informationen im Einzelfall dem Konsulat übergeben worden seien. Ferner
sei offenzulegen, welche Unterlagen und Informationen an das respektive
vom Konsulat übermittelt worden seien. Im Weiteren hätten sich die
Schweizer Behörden bei den sri-lankischen Behörden zu erkundigen, in
welcher Weise die ihn betreffenden und übermittelten Daten verwendet
würden, welche Behörden Zugang zu diesen Informationen hätten und wel-
che Ergebnisse damit erzielt würden. Diese Informationen seien ihm offen-
zulegen. Sodann seien das Vorgehen und die Konsequenzen zu erläutern,
wenn er sich bei den sri-lankischen Behörden nach der Verwendung der
übermittelten Daten erkundigen wolle. Im Falle von Zweifeln am neu gel-
tend gemachten Sachverhalt oder an dessen Asylrelevanz sei er von der
Vorinstanz anzuhören. Schliesslich sei von Vollzugshandlungen abzuse-
hen.
Die Vorinstanz nahm die Eingabe als Mehrfachgesuch sowie als qualifizier-
tes Wiedererwägungsgesuch entgegen.
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Seite 4
C.
Mit Verfügung vom 21. September 2018 lehnte die Vorinstanz den Antrag
auf Fristansetzung zur Einreichung weiterer Beweismittel, den Antrag, die
sri-lankischen Behörden seien um Akteneinsicht zu ersuchen, den Antrag,
die sri-lankischen Behörden seien um Löschung von Personendaten zu er-
suchen, sowie den Antrag auf eine Anhörung ab, lehnte das Wiedererwä-
gungsgesuch ab, soweit sie darauf eintrat, verneinte das Vorliegen der
Flüchtlingseigenschaft, lehnte das Mehrfachgesuch ab, verfügte die Weg-
weisung aus der Schweiz, beauftragte den zuständigen Kanton mit dem
Vollzug der Wegweisung und erhob eine Gebühr in Höhe von Fr. 600.–.
Die Vorinstanz hielt in der Rechtsmittelbelehrung fest, eine Beschwerdeer-
hebung gegen den ablehnenden Asylentscheid sei möglich innert 30 Ta-
gen, gegen den Nichteintretensentscheid innert fünf Arbeitstagen.
D.
D.a Mit Eingabe vom 8. Oktober 2018 reichte der Beschwerdeführer Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein, soweit die Vorinstanz auf
das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten ist (Beschwerde 1). Er be-
antragt Folgendes: Die vorinstanzliche Verfügung sei wegen Befangen-
heit/Voreingenommenheit des für den Entscheid verantwortlichen (...) Asyl
E._ aufzuheben und die Sache sei zur korrekten Behandlung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Das Bundesverwaltungsgericht habe nach
dem Eingang der vorliegenden Verwaltungsbeschwerde unverzüglich dar-
zulegen, welche Gerichtspersonen mit der Behandlung der vorliegenden
Sache betraut worden seien. Gleichzeitig habe das Gericht bekannt zu ge-
ben, ob diese Gerichtspersonen zufällig ausgewählt worden seien und an-
dernfalls die objektiven Kriterien bekannt zu geben, nach denen diese Ge-
richtspersonen ausgewählt worden seien. Die vorinstanzliche Verfügung
sei wegen der Verletzung von Art. 45 VVG (recte: VGG) in Verbindung mit
Art. 121 ff. BGG (recte: Art. 111b AsylG und Art. 66 VwVG) und der allge-
meinen Regeln über die Behandlung von neuen Asylgesuchen aufzuheben
und die Vorinstanz anzuweisen, das Gesuch vom 20. Februar 2018 voll-
umfänglich als neues Asylgesuch zu behandeln. Eventuell sei die ange-
fochtene Verfügung wegen der Verletzung des Willkürverbotes aufzuheben
und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Vorinstanz sei anzu-
weisen, vollständig auf das Gesuch vom 20. Februar 2018 einzutreten. Das
Gericht habe dazu weiter festzustellen, dass die Splittung des Rechtsmit-
telweges gemäss Verfügung unzulässig respektive unsinnig sei. Eventuell
sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei die Flüchtlingsei-
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genschaft festzustellen. Es sei ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. Even-
tuell sei die angefochtene Verfügung betreffend die Ziffern 8 und 9 (recte:
9 und 10) aufzuheben und es sei die Unzulässigkeit oder zumindest die
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges festzustellen.
Als Beweismittel lagen Asylentscheide der Vorinstanz vom 24. August
2018 in den Verfahren N (...), N (...), N (...), N (...), eine Verfügung der
Vorinstanz vom 21. September 2018 im Verfahren N (...), Asylentscheide
der Vorinstanz vom 21. September 2018 in den Verfahren N (...), N (...)
(vorliegender Beschwerdeführer) und N (...) sowie das Urteil des Europäi-
schen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR), X gegen die Schweiz
vom 26. Januar 2017, 16744/14, bei.
D.b Mit Eingabe vom 31. Oktober 2018 erhob der Beschwerdeführer Be-
schwerde gegen die Abweisung des Mehrfachgesuchs beziehungsweise
Wiedererwägungsgesuchs. Nebst den bereits in der Eingabe vom 8. Okto-
ber 2019 gestellten Anträge beantragt er, angesichts der sich seit dem
26. Oktober 2018 entscheidend veränderten Lage in Sri Lanka infolge der
verfassungswidrigen Ernennung des ehemaligen Präsidenten und Extre-
misten Rajapaksas zum neuen Premierminister sei die vorinstanzliche Ver-
fügung aufzuheben und an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzu-
weisen. Das vorliegende Verfahren sei in Bezug auf die Beurteilung der
Flüchtlingseigenschaft/Asyl/Wegweisung zu sistieren, bis über die sich
stellenden datenschutzrechtlichen Fragen vorab entschieden worden sei.
Die vorinstanzliche Verfügung sei wegen der Verletzung von Art. 45 VwVG
i.V.m. Art. 121 ff. BGG und der allgemeinen Regeln über die Behandlung
von neuen Asylgesuchen aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen,
das Gesuch vom 20. Februar 2018 vollumfänglich als neues Asylgesuch
zu behandeln. Es sei ihm vollständige Einsicht in die gesamten Akten der
Vorinstanz zu gewähren. Insbesondere sei ihm Einsicht in die gesamten
Akten der sri-lankischen Behörden im Zusammenhang mit der Ersatzreise-
papierbeschaffung zu gewähren. Diese Akten seien ihm als Übersetzung
in einer schweizerischen Landessprache zuzustellen. Nach Gewährung
der vollständigen Akteneinsicht sei ihm eine angemessene Frist zur Einrei-
chung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen. Es sei gestützt auf Art. 6,
Art. 8 und Art. 25 Abs. 1 Bst. c DSG (SR 235.1) die Widerrechtlichkeit der
Übermittlung seiner Personendaten an die sri-lankischen Behörden festzu-
stellen. Das Bundesverwaltungsgericht habe festzustellen, dass sich das
Lagebild der Vorinstanz vom 16. August 2016 zu Sri Lanka auf nicht exis-
tierende und nicht bewiesene Quellen stütze. Die angefochtene Verfügung
sei aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen.
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Eventuell sei die vorinstanzliche Verfügung wegen der Verletzung des An-
spruchs auf rechtliches Gehör aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Eventuell sei die vorinstanzliche Verfügung wegen der
Verletzung der Begründungspflicht aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Eventuell sei die vorinstanzliche Verfügung auf-
zuheben und die Sache zur Feststellung des vollständigen und richtigen
rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen.
Auf einer Compact Disc (CD) sind nebst den mit der Beschwerde 1 einge-
reichten folgende Beweismittel enthalten: zahlreiche Berichte/Zeitungsarti-
kel zur allgemeinen Lage in Sri Lanka, das Lagebild der Vorinstanz vom
16. August 2016 mit durch den Rechtsvertreter geschwärzten Stellen, eine
vom Rechtsvertreter zusammengestellte Sammlung von Länderinformati-
onen zu Sri Lanka (Stand 22. Oktober 2018) mit 339 Beilagen, das Formu-
lar Ersatzreisepapierbeschaffung des sri-lankischen Generalkonsulats, die
Vernehmlassung der Vorinstanz im Beschwerdeverfahren D-4794/2017
vom 8. November 2017 sowie das Urteil des EGMR X gegen die Schweiz
vom 26. Januar 2017, 16744/14.
E.
E.a Mit Zwischenverfügung vom 16. November 2018 forderte die Instrukti-
onsrichterin den Beschwerdeführer auf, die Rechtzeitigkeit der Beschwer-
deeingabe zu belegen. Mit Eingabe vom 30. November 2018 reichte der
Beschwerdeführer eine Stellungnahme ein.
E.b Am 6. Dezember 2018 ersuchte die Instruktionsrichterin die Vor-
instanz, sich zur Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 30. Novem-
ber 2018 zu äussern. Mit Vernehmlassung vom 21. Dezember 2018 kam
die Vorinstanz dem Ersuchen nach.
E.c Mit Eingabe vom 27. Dezember 2018 ersuchte der Beschwerdeführer
um Einsicht in sämtliche Akten seit Beschwerdeerhebung sowie in das Ak-
tenverzeichnis.
E.d Mit Zwischenverfügung vom 15. Januar 2019 gab die Instruktionsrich-
terin dem Beschwerdeführer unter Beilage der vorinstanzlichen Vernehm-
lassung Gelegenheit zur Einreichung einer Replik, hiess den Antrag auf
Einsicht in das Aktenverzeichnis gut und stellte ihm eine Kopie desselben
zu. Gleichzeitig führte sie aus, mit der Zustellung der Vernehmlassung
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seien ihm sämtliche im vorliegenden Beschwerdeverfahren angelegten Ak-
ten bekannt und, sollte er weiter am Gesuch um Akteneinsicht festhalten,
habe er dem Gericht die Aktenstücke zu bezeichnen, in welche er um Ein-
sicht verlange.
E.e Mit Eingabe vom 21. Januar 2019 ersuchte der Beschwerdeführer um
Einsicht in das Aktenstück A2, die dazugehörende Korrespondenz sowie
allfällige Aktennotizen. Dieses Gesuch wies die Instruktionsrichterin mit
Zwischenverfügung vom 25. Januar 2019 ab. Zur Begründung führte sie
aus, das Aktenstück A2 bestehe lediglich aus einer Seite und diese sei ihm
bereits mit Zwischenverfügung vom 16. November 2018 zugestellt worden.
E.f Mit Eingabe vom 30. Januar 2019 reichte der Beschwerdeführer eine
Replik im Zusammenhang mit der Rechtzeitigkeit der Beschwerdeerhe-
bung ein. Darin hält er am Akteneinsichtsgesuch vom 21. Januar 2019 fest.
Weiter verlangt er um Auskunft, wer die handschriftlichen Notizen mit Da-
tum vom 17. Dezember 2018 auf den Beilagen zur Sendungsverfolgung
verfasst habe und ersucht darum, dass ihm in allen sechs in der vorinstanz-
lichen Vernehmlassung erwähnten Fällen mitzuteilen sei, wer zu welchem
Zeitpunkt von Seiten der Vorinstanz mit welcher Person am Gericht Kontakt
aufgenommen habe und was Gegenstand der Besprechung gewesen sei.
Weiter seien ihm die ausgetauschte Korrespondenz sowie allfällige Ge-
sprächsnotizen zwischen der Vorinstanz und dem Gericht offenzulegen.
Nach Gewährung der Akteneinsicht sei ihm Frist zur erneuten Stellung-
nahme anzusetzen. Schliesslich sei die Vorinstanz aufzufordern, ihm be-
ziehungsweise dem Gericht aktuelle Verzeichnisse in den sechs erwähn-
ten Fällen zuzustellen, und es seien ihm alle Aktenstücke offenzulegen,
welche nach dem Verfassen der Entscheide der Vorinstanz angelegt wor-
den seien.
E.g Mit Zwischenverfügung vom 13. Februar 2019 trat die Instruktionsrich-
terin auf das Gesuch um Erteilung von Auskünften zu administrativen Ab-
läufen des Bundesverwaltungsgerichts und der Vorinstanz im Zusammen-
hang mit der Frage der Rechtzeitigkeit der Beschwerdeeinreichung nicht
ein, wies das Gesuch um Einsicht in die Akten des Beschwerdeverfahrens
ab, soweit darauf eingetreten wurde, und überwies der Vorinstanz das Ge-
such um Einsicht in deren Akten.
E.h Mit Eingabe vom 14. Februar 2019 hielt der Beschwerdeführer an den
in der Replik vom 30. Januar 2019 gestellten Anträgen fest.
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Seite 8
E.i Am 28. Februar 2019 stellte der Beschwerdeführer dem Gericht die im
Beschwerdeverfahren D-5772/2018 eingereichte Replik zur Orientierung
zu.
F.
Mit Eingabe vom 19. März 2020 äusserte sich der Beschwerdeführer unter
Beilage einer von seinem Rechtsvertreter zusammengestellten Sammlung
von Länderinformationen (Stand. 23. Januar 2020) zur aktuellen Lageent-
wicklung in Sri Lanka und beantragt, es sei abzuklären, ob sein Name auf
dem Mobiltelefon der Schweizerischen Botschaftsangestellten zu finden
sei und welche Daten auf ihrem Mobiltelefon von den sri-lankischen Behör-
den abgegriffen worden seien. Zudem reichte er eine Bestätigung eines
Operationstermins am (...) 2018 ein.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren
gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-
derung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden.
2.
2.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
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Seite 9
2.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.3 Die Beschwerden sind frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerden legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerden ist – unter Vorbehalt nachfolgender Erwägungen – einzutreten.
3.
3.1 Nachdem die Beschwerden als rechtzeitig eingereicht gelten, erübrigt
sich ein Eingehen auf den in diesem Zusammenhang durchgeführten
Schriftenwechsel (vgl. auch Zwischenverfügung vom 13. Februar 2019).
3.2 Soweit der Beschwerdeführer in der Eingabe vom 14. Februar 2019 an
den in der Replik vom 30. Januar 2019 gestellten Anträgen festhält, ist auf
die Zwischenverfügung vom 13. Februar 2019 zu verweisen.
3.3 Auf den Antrag auf Mitteilung betreffend die Bildung des Spruchkörpers
ist nicht einzutreten (vgl. BVGE 2019 VI/6).
3.4 Der Beschwerdeführer beantragt die Sistierung des Verfahrens in Be-
zug auf die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft, des Asylpunkts sowie
der Wegweisung. Das vorliegende Verfahren betreffe nicht nur asylrechtli-
che, sondern auch datenschutzrechtliche Fragen. Diese seien vorab zu be-
urteilen. Sodann werden in der Beschwerdeeingabe verschiedene Rügen
im Zusammenhang mit der Reisepapierbeschaffung auf Grundlage
des Migrationsabkommens zwischen der Schweiz und Sri Lanka
(SR 0.142.117.121) und damit zusammenhängenden Datenschutzbestim-
mungen erhoben.
Wie die Vorinstanz bereits in der angefochtenen Verfügung korrekt ausge-
führt hat, wurden bisher noch keine Vollzugsakten angelegt. Auf die in die-
sem Zusammenhang gestellten Anträge ist daher mangels Rechtsschutz-
interesse nicht einzutreten (siehe auch Ziff. 5 Beschwerde 2).
3.5 Soweit der Beschwerdeführer eine Rückweisung der Sache wegen
Verletzung von Art. 45 VGG in Verbindung mit Art. 121 ff. BGG beantragt,
ist darauf mangels schutzwürdigem Interesse nicht einzutreten. Entgegen
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Seite 10
den Ausführungen in der Beschwerde 2 sind in der angefochtenen Verfü-
gung keine Erwägungen zur Zuständigkeit des Gerichts für ein allfälliges
Revisionsverfahren enthalten. Ausserdem hatte der Beschwerdeführer bis-
her im Zusammenhang mit seinem Asylgesuch noch kein Verfahren am
Bundesverwaltungsgericht hängig, weshalb ein Revisionsverfahren ohne-
hin ausgeschlossen ist.
4.
Der Antrag auf Mitteilung des Spruchkörpers wird mit vorliegendem Urteil
gegenstandslos.
5.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
6.
In den Beschwerden werden verschiedene formelle Rügen erhoben, die
vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation
der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
7.
7.1 Der Beschwerdeführer bringt zunächst vor, die angefochtene Verfü-
gung sei wegen der Befangenheit des an der Verfügung mitwirkenden (...)
E._ aufzuheben und die Sache zur korrekten Behandlung an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
7.2 Der Anspruch auf unbefangene Entscheidträger der Verwaltung ergibt
sich aus Art. 29 Abs. 1 BV (vgl. Urteile des BVGer D-35/2019 vom 11. März
2019 E. 8.2 und D-5754/2018 vom 29. November 2018 E. 4.2, je m.w.H.).
Demnach hat jede Person in Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungs-
instanzen Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung sowie auf Beur-
teilung innert angemessener Frist. Art. 29 Abs. 1 BV wird durch Art. 10
Abs. 1 VwVG konkretisiert, welcher die Gründe für den Ausstand von Per-
sonen benennt, die eine Verfügung zu treffen oder vorzubereiten haben
(vgl. STEPHAN BREITENMOSER/MARION SPORI FEDAIL in: Bernhard Wald-
mann/Philippe Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl.
2016, Art. 10, N 17), wobei vorliegend Art. 10 Abs. 1 Bst. d VwVG in Frage
kommen könnte.
7.3 Mit den Ausstandsregeln soll die objektive Beurteilung durch eine un-
parteiische und unvoreingenommene Behörde gewährleistet werden. Die
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Seite 11
Ausstandsvorschriften sind sowohl auf Personen anwendbar, welche einen
Entscheid alleine oder zusammen mit anderen zu fällen haben, als auch
auf Personen, welche an einem Entscheid in irgendeiner Form mitwirken
und auf den Ausgang des Verfahrens Einfluss nehmen können, sei es be-
ratend oder instruierend (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, Die Befangenheit der
Verwaltung, 2002, S. 74; RETO FELLER/PANDORA KUNZ-NOTTER, in:
Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das
Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, N. 5 zu Art. 10 VwVG). Für
die Annahme von Zweifeln an der Unparteilichkeit genügen nach gefestig-
ter bundesgerichtlicher Rechtsprechung Umstände, welche objektiv geeig-
net sind, den Anschein einer Voreingenommenheit oder einer Gefährdung
der Unparteilichkeit aufkommen zu lassen. Das Misstrauen in die Unpar-
teilichkeit muss objektiv und durch vernünftige Gründe gerechtfertigt sein
(vgl. BGE 127 I 196 E. 2b, BGE 119 V 456 E. 5b; SCHINDLER, a.a.O., S.
91 f.). Eine tatsächliche Befangenheit wird laut bundesgerichtlicher Recht-
sprechung für den Ausstand nicht verlangt. Es genügt, wenn Umstände
vorliegen, die bei objektiver Betrachtung den Anschein der Befangenheit
zu begründen vermögen (vgl. Urteil des BGer 1B_234/2007 vom 31. Ja-
nuar 2008 E. 4.3, m.w.H.; Urteil des BVGer B-4632/2010 vom 21. April
2011 E. 3.2).
7.4 Der Beschwerdeführer macht geltend, der verantwortliche (...) der Vo-
rinstanz, E._, sei beim Erlass der angefochtenen Verfügung befan-
gen gewesen. Am 24. August 2018 habe E._ vier Asylentscheide
erlassen, drei davon mit einem gesplitteten Rechtsmittelweg. Am 24. Sep-
tember 2018 habe E._ seinem Rechtsvertreter eine weitere Verfü-
gung zugestellt und für die Einreichung einer Stellungnahme Frist bis zum
1. Oktober 2018 angesetzt, weil E._ aufgrund der Rückscheine der
vier Asylentscheide gewusst habe, dass in diesen Verfahren die Rechts-
mittelfrist am 1. Oktober 2018 ablaufe. Bereits am 21. September 2018
habe der (...) in drei weiteren Verfahren (eines davon das vorliegende) ne-
gative Asylentscheide mit einem gesplitteten Rechtsmittelweg erlassen, mit
einer ersten Beschwerdefrist von fünf Arbeitstagen. Auch damit habe
E._ darauf abgezielt, dass drei weitere Fristen am 1. Oktober 2018
ablaufen würden. Die beschriebene Vorgehensweise sei planmässig und
habe zum Ziel, seinen Rechtsvertreter zu schikanieren. E._ habe
jegliche Objektivität verloren und sei für die Ausübung seiner Arbeit unge-
eignet. Die Verfügungen wiesen wenig Fallbezug auf, seien oberflächlich
verfasst worden und enthielten persönliche Angriffe.
E-5788/2018
Seite 12
7.5 Das in der Rechtsmitteleingabe beschriebene Vorgehen, die Behand-
lung der vom Rechtsvertreter genannten Geschäfte zeitlich und personell
zu koordinieren, erscheint angesichts der inhaltlich weitgehend deckungs-
gleichen Eingaben nachvollziehbar und prozessökonomisch insoweit auch
geboten. Ein bewusst schikanöses Vorgehen E._ gegenüber dem
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ist darin nicht zu erkennen. Das
geäusserte Misstrauen in die Unparteilichkeit von E._ ist nicht ge-
rechtfertigt. Für das Gericht besteht kein Anschein der Befangenheit von
(...) E._, weshalb die diesbezüglichen Anträge abzuweisen sind.
8.
Beim Antrag auf Feststellung der Fehlerhaftigkeit des vorinstanzlichen La-
gebildes vom 16. August 2016 handelt es sich sinngemäss um den vom
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in anderen Verfahren wiederholt
gestellten und vom Gericht abgewiesenen Antrag auf Offenlegung aller
nicht öffentlich zugänglichen Quellen des besagten Lagebilds. Der Antrag
ist abzuweisen (vgl. u.a. Urteil des BVGer D-5483/2018 vom 14. August
2019 E. 5.2).
9.
9.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3;
BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die
Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prü-
fen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht
erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten ein-
lässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi-
derlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
9.2 Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein fal-
scher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise
falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den
Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
9.3 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, da
die Vorinstanz nicht auf den im Gesuch vom 20. Februar 2018 gestellten
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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Beweisantrag betreffend das Einholen von Informationen im Zusammen-
hang mit an die sri-lankischen Behörden übermittelten Daten eingegangen
sei respektive diesen mit unzureichender Begründung abgewiesen habe.
Entgegen dieser Ansicht ist festzustellen, dass die Vorinstanz auf Seite 12
der angefochtenen Verfügung auf diesen Antrag eingegangen ist und zu-
treffend festgehalten hat, eine Berufung auf Art. 16 Bst. g Migrationsab-
kommen sei nicht möglich. Weitergehende Ausführen waren nicht erforder-
lich In diesem Zusammenhang kann auf zahlreiche andere von seinem
Rechtsvertreter geführte Verfahren verwiesen werden, in welchen dieser
Hinweis ebenfalls erfolgt ist (vgl. u.a. Urteile des BVGer D-5586/2018 vom
24. Oktober 2018 E. 9.5 und E-2050/2018 vom 10. Juli 2018 E. 6.1.5). Die
Rüge erweist sich insoweit als unbegründet.
9.4 Der Beschwerdeführer sieht seinen Anspruch auf rechtliches Gehör
auch deshalb als verletzt an, weil die Vorinstanz ihn trotz Antrag nicht er-
neut zu seinen Asylgründen angehört habe. Dem ist entgegenzuhalten,
dass die Vorinstanz nicht verpflichtet war, den Beschwerdeführer nochmals
anzuhören. Das zweite Asylgesuch wurde neun Monate nach Ergehen des
unangefochten in Rechtskraft erwachsenen ersten negativen Asylent-
scheids eingereicht. Bei dieser Konstellation ist eine Anhörung gemäss
Art. 29 AsylG grundsätzlich nicht vorgesehen (vgl. auch BVGE 2014/39
E. 4.3). Aufgrund der dem Beschwerdeführer obliegenden Mitwirkungs-
pflicht (vgl. Art. 8 AsylG) war es an ihm, seine (neuen) Asylgründe bei der
Einreichung des Gesuches substantiiert darzutun und mit entsprechenden
Beweismitteln zu belegen. Dies hat der anwaltlich vertretene Beschwerde-
führer in seiner Eingabe auf 34 Seiten getan. Im Übrigen handelt es sich
beim Rechtsvertreter des Beschwerdeführers um einen patentierten
Rechtsanwalt mit langjähriger Erfahrung auf dem Gebiet des Asylrechts,
mithin ist ihm bewusst und wurde ihm vom Gericht bereits in vielen von ihm
geführten Verfahren dargelegt, dass grundsätzlich kein Anspruch auf eine
nochmalige Anhörung besteht. Die Rüge erweist sich ebenfalls als unbe-
gründet.
9.5 Eine weitere Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt nach Ansicht des
Beschwerdeführers darin, dass zwischen der Anhörung vom 11. April 2017
und dem Erlass des Asylentscheides am 21. September 2018 rund einein-
halb Jahre vergangen sind. Trotz dieser langen Zeitspanne habe die Vor-
instanz keine erneute Befragung durchgeführt oder seinen Gesundheitszu-
stand abklären lassen.
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Seite 14
Der Beschwerdeführer verkennt indes, dass die genannte Anhörung im
Rahmen des ersten Asylverfahrens stattgefunden hat, welches mit Verfü-
gung der Vorinstanz vom 17. Mai 2017 rechtskräftig abgeschlossen wurde.
Die vorliegend angefochtene Verfügung und die genannte Anhörung bezie-
hen sich demnach auf unterschiedliche Verfahren. Auf das Vorbringen ist
demnach nicht einzugehen. Soweit eine erneute Anhörung beantragt wird,
kann auf die Erwägung 9.4 verwiesen werden.
9.6 Weiter bringt der Beschwerdeführer vor, eine Verletzung des An-
spruchs auf rechtliches Gehör liege deshalb vor, weil unterschiedliche Per-
sonen für die Anhörung und den Entscheid verantwortlich gewesen seien.
Dadurch habe die Vorinstanz das Gutachten von Prof. Dr. Walter Kälin so-
wie die Medienmitteilung der Vorinstanz vom 26. Mai 2014 missachtet.
Wie bereits unter Erwägung 9.5 dargelegt, bezieht sich der Beschwerde-
führer damit auf sein erstes Asylverfahren, welches im Mai 2017 unange-
fochten in Rechtskraft erwachsen ist. Auch auf diese Rüge ist nicht weiter
einzugehen.
9.7 Unter Verweis auf das Handbuch «Asyl und Rückkehr» der Vorinstanz
erblickt der Beschwerdeführer in der verwendeten Sprache in der ange-
fochtenen Verfügung ebenfalls eine Gehörsverletzung.
Hinsichtlich des erneuten Vorbringens der Befangenheit von (...)
E._ ist auf Erwägung 7 und betreffend die persönlichen Angriffe auf
Erwägung 20 zu verweisen. Darüber hinaus ist festzuhalten, dass die in
der angefochtenen Verfügung verwendete Sprache als angemessen und
insbesondere weder als angsteinflössend noch zynisch zu erachten ist. Die
Rüge geht fehl.
9.8 Der Beschwerdeführer rügt weiter eine Verletzung der Begründungs-
pflicht. Die Vorinstanz habe seinen Gesundheitszustand, die Risikofakto-
ren gemäss Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 sowie die Datenverwendung durch die sri-lankischen
Behörden in ungenügender Weise erwähnt.
Der Beschwerdeführer vermischt die Begründungspflicht mit der materiel-
len Würdigung der Vorbringen. Die Vorinstanz hat sich in der angefochte-
nen Verfügung mit den wesentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers
auseinandergesetzt und die Überlegungen dargelegt, von denen sie sich
hat leiten lassen. Nicht zutreffend ist sodann der Einwand, wonach aus
E-5788/2018
Seite 15
dem letzten Abschnitt auf Seite 13 der angefochtenen Verfügung hervor-
gehe, im Falle einer Rückkehr in den Heimatsaat drohe dem Beschwerde-
führer mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbo-
tene Strafe oder Behandlung. Ein solcher Satz lässt sich der angefochte-
nen Verfügung nicht entnehmen. Eine Verletzung der Begründungspflicht
liegt nicht vor.
9.9 Schliesslich macht der Beschwerdeführer geltend, der rechtserhebli-
che Sachverhalt sei in Bezug auf seine gesundheitlichen Probleme, die
dringende operative Entfernung der Granatsplitter, eine psychiatrische Be-
handlung sowie die Behandlung einer möglichen (...) während der Reha-
bilitationshaft nicht vollständig und richtig festgestellt worden. Darüber hin-
aus habe die Vorinstanz die aktuelle Situation in Sri Lanka unvollständig
und nicht korrekt abgeklärt. Das von ihr erstellte Lagebild vom 16. August
2016 genüge den Anforderungen an korrekt erhobene Länderinformatio-
nen nicht. Die Sachverhaltsabklärungen betreffend die allgemeine Verbes-
serung der Menschenrechtslage in Sri Lanka durch die Vorinstanz seien
ebenfalls falsch. Ferner werden in der Beschwerdeschrift die zu erwar-
tende Papierbeschaffung beim sri-lankischen Generalkonsulat in Genf so-
wie der standardmässige behördliche «Backgroundcheck» hervorgeho-
ben.
Auch in diesem Punkt vermengt der Beschwerdeführer die Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhalts mit der materiellen Würdigung. Die
Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung alle wesentlichen Sach-
verhaltselemente fest und würdigte die Ausführungen des Beschwerdefüh-
rers vor dem Hintergrund der aktuellen Lage in Sri Lanka. Alleine der Um-
stand, dass die Vorinstanz zum einen in seiner Länderpraxis zu Sri Lanka
einer anderen Linie folgt, als vom Beschwerdeführer vertreten, und es zum
anderen aus sachlichen Gründen auch zu einer anderen Würdigung der
Vorbringen gelangt, als vom Beschwerdeführer verlangt, spricht nicht für
eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung, sondern stellt eine inhaltliche
Kritik an der materiellen Würdigung der Vorinstanz dar. Was den Gesund-
heitszustand betrifft, so hat der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
19. März 2020 ein Dokument betreffend eine Terminbestätigung einer Ope-
ration am (...) 2018 eingereicht. Weitere Angaben oder einen Arztbericht
zum erfolgten Eingriff hat der Beschwerdeführer trotz der ihm bekannten
obliegenden Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG nicht eingereicht. Das
Gesuch vom 20. Februar 2018 wurde zudem von einem auf dem Gebiet
des Asylrechts erfahrenen Rechtsanwalt verfasst, dem die Mitwirkungs-
pflicht aufgrund der zahlreichen von ihm geführten Verfahren bekannt ist.
E-5788/2018
Seite 16
Insgesamt hätte der Beschwerdeführer, der sich seit Oktober 2015 in der
Schweiz befindet, ausreichend Zeit gehabt, Berichte zum Gesundheitszu-
stand einzureichen. Seitens des Gerichts besteht somit keine Veranlas-
sung, den Gesundheitszustand von Amtes wegen abklären zu lassen. Der
Antrag ist abzuweisen.
Soweit der Beschwerdeführer schliesslich ergangene Urteile der Vo-
rinstanz sowie des Bundesverwaltungsgerichts kritisiert, ist darauf nicht nä-
her einzugehen.
10.
10.1 Der Beschwerdeführer rügt weiter eine Verletzung von Art. 111b
Abs. 1 AsylG und Art. 66 Abs. 1 Bst. a VwVG (identische Ausführungen in
Beschwerde 1, Ziff. 4.1, und Beschwerde 2, Ziff. 7.3) sowie eine Verletzung
des Willkürverbots gemäss Art. 9 BV aufgrund einer unterlassenen Ge-
samtwürdigung des asylrelevanten Risikoprofils. Die vom SEM im Rahmen
des qualifizierten Wiedererwägungsgesuchs geprüften Sachverhalte und
Beweismittel seien nach dem Asylentscheid vom 3. Mai 2017 entstanden.
Es handle sich um Unterlagen zur aktuellen Lageentwicklung in Sri Lanka.
Die dokumentierten Sachverhalte hätten nicht Gegenstand des vorherigen
Verfahrens sein können. Eine Behandlung als Wiedererwägungsgesuch
falle damit weg. Insofern sei auch der diesbezügliche Nichteintretensent-
scheid zu Unrecht erfolgt, da die Frist von 30 Tagen für das Einreichen des
Gesuchs nicht zur Diskussion stehen könne. Es erstaune, dass die Vor-
instanz zu den Ausführungen betreffend Nichteintreten trotzdem eine ma-
terielle Würdigung vorgenommen habe. Dies könne dahingehend ausge-
legt werden, als ob der Verfasser der Ausführungen sich nicht sicher dar-
über gewesen sei, ob die entsprechende Argumentation einer rechtlichen
Überprüfung standhielte. Zudem nehme die Vorinstanz keine Gesamtwür-
digung der verschiedenen Risikofaktoren vor und klammere verschiedene
Sachverhaltselemente aus formellen Gründen von der Beurteilung aus.
Auch der gesplittete Rechtsweg sei widerrechtlich und unsinnig.
10.2 Die Vorinstanz prüfte in der angefochtenen Verfügung zunächst fol-
gende Vorbringen im Rahmen eines qualifizierten Wiedererwägungsver-
fahrens: die aktuellen Entwicklungen in Sri Lanka betreffend Risikoprofil
des Beschwerdeführers mit dem vom Rechtsvertreter verfassten Länder-
bericht, die Entwicklung der Sicherheitslage in Sri Lanka in den Jahren
2017 und 2018 mit Hinweis auf die Beilagen 2 bis 26, das Urteil des High
Courts in Vavuniya vom 25. Juli 2017 sowie die politischen Interessen der
Schweiz, die einer objektiven und neutralen Betrachtung der Lage in Sri
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Seite 17
Lanka entgegenstünden. Dabei handle es sich einerseits um neue Tatsa-
chen, die vorbestehende, zu seinem Nachteil unbewiesen gebliebene Tat-
sachen betreffen würden, und andererseits um nachträglich entstandene
Beweismittel, welche vorbestehende Tatsachen belegen sollen. Die weite-
ren Ausführungen und Beweismittel der Eingabe vom 20. Februar 2018
nahm die Vorinstanz als Mehrfachgesuch entgegen.
10.3 Die Vorinstanz qualifizierte die Vorbringen des Beschwerdeführers
und seine neu eingereichten Beweismittel in Anwendung der massgeben-
den Gesetzesbestimmungen über ausserordentliche Rechtsmittel und
Mehrfachgesuche (vgl. Art. 111b und 111c AsylG, Art. 66 VwVG, Art. 45
VGG i.V.m. Art. 121 BGG, Art. 45 VGG i.V.m. Art. 121 ff. BGG; BVGE
2013/22) zu Recht differenziert als Mehrfachgesuch und (qualifiziertes)
Wiedererwägungsgesuch. Erhöhte Formerfordernisse sind im Rahmen
von ausserordentlichen Rechtmitteln zulässig respektive vom Gesetzgeber
ausdrücklich so gewollt (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5). Im Gesuch vom
20. Februar 2018 hält der Beschwerdeführer im Wesentlichen sinngemäss
fest, die Lageeinschätzung der Vorinstanz zu Sri Lanka sei falsch und
durch das Urteil des High Courts von Vavuniya werde aufgezeigt, dass er
aufgrund seiner Vergangenheit trotz Rehabilitation einer Verfolgungsgefahr
ausgesetzt sei. Insoweit hat die Vorinstanz besagtes Gesuch zu Recht als
qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch beurteilt. Bei einer in jeder Hinsicht
korrekten Rechtsanwendung ist eine Verletzung des Willkürverbots ausge-
schlossen. Auch der Einwand hinsichtlich der fehlenden Gesamtwürdigung
geht fehl; so ist spätestens bei einer drohenden Verletzung der völkerrecht-
lichen Verpflichtungen der Schweiz insbesondere nach Art. 3 EMRK, des
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK,
SR 0.105) und/oder des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) eine Gesamtwürdigung des ge-
samten Sachverhalts vorzunehmen. Das SEM hat dies in der angefochte-
nen Verfügung in expliziter Weise getan, was insbesondere im Hinblick auf
die vorliegend geringe Erheblichkeit der neu eingereichten Beweismittel
und Sachverhaltsvorbringen genügt. Schliesslich erscheint die Rechtsmit-
telbelehrung mit zwei unterschiedlichen Fristen im vorliegenden Fall nicht
willkürlich oder widerrechtlich, zumal dem Beschwerdeführer daraus kein
Nachteil erwachsen ist (vgl. Urteil des BVGer E-5637/2018 vom 13. De-
zember 2018 E. 9.2).
E-5788/2018
Seite 18
11.
Die formellen Rügen erweisen sich als unbegründet, weshalb keine Veran-
lassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben und an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbezüglichen Rechtsbegehren sind so-
mit abzuweisen.
12.
12.1 Der Beschwerdeführer stellt für den Fall einer materiellen Beurteilung
der Beschwerde durch das Bundesverwaltungsgericht mehrere Beweisan-
träge.
12.2 Sein Gesundheitszustand sei unter Beizug eines Spezialarztes von
Amtes wegen abzuklären (Beweisantrag 1).
Das Gericht sieht sich nicht veranlasst, von Amtes wegen einen Bericht
zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers einzuholen. Dem an-
waltlich vertretenen Beschwerdeführer, der sich seit Oktober 2015 in der
Schweiz aufhält und dem die Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG be-
kannt ist, hätte es freigestanden, sich in ärztliche Behandlung zu begeben
sowie entsprechende Berichte beizubringen. Wie vorstehend ausgeführt,
hat er sich offenbar am (...) 2018 einer Operation unterzogen. Weitere kon-
krete Angaben dazu hat er nicht gemacht, obwohl ihm dazu offensichtlich
ausreichend Zeit zur Verfügung gestanden hat. Der Antrag ist abzuweisen.
12.3 Er sei erneut ausführlich anzuhören, dies insbesondere zu seinen neu
vorgebrachten Asylgründen und durch eine Person, welche über ausrei-
chend Länderhintergrundinformationen zu Sri Lanka verfüge.
Eine erneute Anhörung des Beschwerdeführers erübrigt sich, ist doch der
Sachverhalt, wie aus der Erwägung 9.9 hervorgeht, hinreichend erstellt.
Wie ebenfalls bereits unter Erwägung 9.4 erwähnt, besteht kein Anspruch
auf eine erneute Anhörung (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.3). Um Wiederholun-
gen zu vermeiden, kann auf die entsprechenden Ausführungen verwiesen
werden. Auch dieser Beweisantrag ist abzuweisen.
12.4 Es sei ihm vollständige Einsicht in die Vollzugsakten der Vorinstanz
zu gewähren. Insbesondere sei ihm Einsicht in diejenigen Akten zu gewäh-
ren, welche von den Schweizer und den sri-lankischen Behörden im Zu-
sammenhang mit seiner Ersatzreisepapierbeschaffung auf dem sri-lanki-
schen Generalkonsulat angelegt worden seien. Die Vorinstanz sei anzu-
weisen, darzulegen, inwiefern die sri-lankische Gesetzgebung im Bereich
Datenschutzgesetz dem Schweizer Schutzniveau entspreche und ob in
E-5788/2018
Seite 19
diesem Zusammenhang die ihn betreffenden und an die sri-lankischen Be-
hörden überwiesenen Daten im Sinne des Schweizer Datenschutzrechts
beziehungsweise dem Schweizer Datenschutzrecht entsprechenden
Schutzniveau behandelt würden. Die Vorinstanz sei anzuweisen, im vorlie-
genden Verfahren detailliert zu erläutern, wie er gegenüber den sri-lanki-
schen Behörden vorzugehen habe, um Auskunft über die ihn betreffenden
Daten zu erhalten. Auch habe die Vorinstanz zu erläutern, welche Konse-
quenzen eine Erkundigung durch einen abgewiesenen tamilischen Asylsu-
chenden bei den sri-lankischen Terrorbekämpfungsbehörden nach dem
Vorhandensein ihn betreffender Daten nach sich ziehen würde.
Bisher wurden keine Vollzugsakten erstellt. Diesbezüglich ist auf Erwägung
3.4 zu verweisen.
13.
13.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift-
lich und begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfahren
nach den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG
(Art. 111b Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.).
13.2 Verspätete Vorbringen können indes in einem qualifizierten Wiederer-
wägungsverfahren ungeachtet zur Revision eines rechtskräftigen Ent-
scheids führen, wenn aufgrund dieser Vorbringen offensichtlich wird, dass
dem Beschwerdeführer Verfolgung oder menschenrechtswidrige Behand-
lung droht und damit ein völkerrechtliches Wegweisungshindernis besteht
(vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs-
kommission [EMARK] 1995 Nr. 9 E. 7). Dabei muss die beachtliche Wahr-
scheinlichkeit einer aktuellen, ernsthaften Gefahr schlüssig nachgewiesen
werden, selbst wenn dabei ein herabgesetzter Beweismassstab des
Glaubhaftmachens genügt.
13.3 Wie vorstehend erwähnt, prüfte die Vorinstanz in der angefochtenen
Verfügung folgende Vorbringen im Rahmen eines qualifizierten Wiederer-
wägungsverfahrens: die aktuellen Entwicklungen in Sri Lanka betreffend
Risikoprofil des Beschwerdeführers mit dem vom Rechtsvertreter verfass-
ten Länderbericht, die Entwicklung der Sicherheitslage in Sri Lanka in den
Jahren 2017 und 2018 mit Hinweis auf die Beilagen 2 bis 26, das Urteil des
High Courts in Vavuniya vom 25. Juli 2017 sowie die politischen Interessen
der Schweiz, die einer objektiven und neutralen Betrachtung der Lage in
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Sri Lanka entgegenstünden. Der eingereichte Länderbericht beinhalte
Quellen datierend von 2012 bis Oktober 2017, die Beilagen 2 bis 10 und
12 bis 26 zur Entwicklung der Sicherheitslage datierten von 2015 bis No-
vember 2017. Die Gerichtsverfahren in Vavuniya seien im Jahr 2017 abge-
schlossen worden. Die Fotos von einem Treffen zwischen der Vorinstanz
und der ILO der Schweizer Botschaft in Colombo stammten schliesslich
vom September 2017. Diese Beweismittel seien mithin nach Ablauf der 30-
tägigen Frist nach deren Entstehen beziehungsweise Kenntnisnahme ein-
gereicht worden, weshalb insofern auf das Gesuch nicht einzutreten sei.
Diese Beweismittel und Sachverhalte seien auch nicht geeignet, eine Ver-
letzung von Art. 33 FK oder Art. 3 EMRK bei einem Wegweisungsvollzug
darzutun. Die Beilage 11 vom 29. Januar 2018 zur Entwicklung der Sicher-
heitslage in Sri Lanka sei materiell zu behandeln. Allerdings fehle es die-
sem Beweismittel an einem persönlichen Bezug zum Beschwerdeführer. In
dieser Hinsicht sei das qualifizierte Wiedererwägungsgesuch abzuweisen.
13.4
13.4.1 Was das teilweise Nichteintreten auf das qualifizierte Wiedererwä-
gungsgesuch betrifft, ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass die vorste-
hend aufgeführten Beweismittel, datierend zwischen 2012 und 12. Novem-
ber 2017, und die in diesem Zusammenhang aufgeführten Vorbringen mit
dem Gesuch vom 20. Februar 2018 verspätet vorgebracht wurden. Dem
Beschwerdeführer gelingt es in der Beschwerde 1 nicht darzulegen, inwie-
fern die Vorinstanz zu Unrecht auf das Wiedererwägungsgesuch teilweise
nicht eingetreten ist. Dem Argument, mit dem eingereichten Dokument be-
treffend den Operationstermin könne belegt werden, dass die Vorinstanz
zu Unrecht teilweise nicht auf das Gesuch eingetreten sei, kann nicht ge-
folgt werden. Die Vorinstanz hat die vorgebrachten gesundheitlichen Be-
einträchtigungen im Rahmen der materiellen Würdigung des Mehrfachge-
suches berücksichtigt (siehe nachstehend E. 14).
Die entsprechenden Tatsachen und Beweismittel sind darüber hinaus auch
nicht als erheblich zu qualifizieren und vermögen – unabhängig von der
Rechtzeitigkeit der Einreichung – nicht zu einer Änderung der bisherigen
Einschätzung zu führen. Es ist keine drohende Verfolgung oder menschen-
rechtswidrige Behandlung ersichtlich, zumal ein individueller Bezug, wel-
cher eine Gefährdung des Beschwerdeführers aufzeigen würde, zu vernei-
nen ist.
E-5788/2018
Seite 21
13.4.2 Hinsichtlich der materiellen Abweisung des qualifizierten Wiederer-
wägungsgesuches kann auf die Ausführungen in der angefochtenen Ver-
fügung verwiesen werden. Sowohl den Akten als auch der Beschwerde-
schrift lässt sich nicht entnehmen, weshalb die Verfügung der Vorinstanz
vom 17. Mai 2017 aufgrund der mit dem Folgegesuch eingereichten Bei-
lage 11 in Wiedererwägung zu ziehen wäre. Eine Bundesrechtsverletzung
liegt diesbezüglich nicht vor und wird in den Beschwerden auch nicht dar-
gelegt. Soweit der Beschwerdeführer schliesslich vorbringt, die Vorinstanz
habe aus formellen Gründen keine Gesamtwürdigung der Vorbringen vor-
genommen, kann auf Erwägung 10.3 verwiesen werden.
14.
14.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
14.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
15.
15.1 Was die Vorbringen betreffend das Mehrfachgesuch anbelangt, er-
achtet die Vorinstanz diese als nicht asylrelevant. Bisher seien keine Hand-
lungen zur Ersatzreisepapierbeschaffung vorgenommen worden. Im Hin-
blick auf allfällige spätere Handlungen in diesem Zusammenhang sei fest-
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zuhalten, dass dem sri-lankischen Generalkonsulat gemäss dem Migrati-
onsabkommen nur Personendaten bekannt gegeben würden, die dem
Zweck der Ersatzreisepapierbeschaffung dienten. Die Datenschutzbestim-
mungen würden dabei vollumfänglich eingehalten und keine neuen Ge-
fährdungselemente geschaffen. Das Vorliegen einer begründeten Furcht
vor Verfolgungsmassnahmen wegen der Ersatzreisepapierbeschaffung sei
somit zu verneinen. Aus den Morddrohungen und Einschüchterungsversu-
chen des sri-lankischen Verteidigungsattachés in London am 4. Februar
2018 gegen friedlich demonstrierende Tamilen liesse sich keine Furcht für
den Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ableiten,
zumal er an dieser Demonstration nicht teilgenommen und auch sonst
keine direkte Verbindung zu diesem Ereignis habe. Gemäss Rechtspre-
chung des Bundesverwaltungsgerichts ändere der Ausgang der Kommu-
nalwahlen vom 10. Februar 2018 nichts an der Einschätzung betreffend die
Verfolgungssituation von nach Sri Lanka zurückkehrenden Tamilen. Die
Verschlechterung des Gesundheitszustandes sei nicht belegt und daher
nicht glaubhaft. Weitere Faktoren bezüglich seiner Rückkehrgefährdung,
die im vorliegenden Mehrfachgesuch zu berücksichtigen wären und nicht
schon im vorhergehenden Verfahren vor dem SEM behandelt worden
seien, lägen nicht vor.
15.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, die Vorinstanz habe seine gesund-
heitlichen Probleme zu Unrecht als unglaubhaft beurteilt, mithin Art. 7
AsylG verletzt. Folteropfer hätten Hemmungen, Befragern gegenüber
heikle und intime Details offenzulegen. Die Tendenz, der bewussten Aus-
einandersetzung mit traumatischen Erlebnissen auszuweichen, gehöre zu
den typischen Merkmalen einer Posttraumatischen Belastungsstörung
(PTBS). In solchen Fällen fehle es regelmässig an einem Verschulden,
weshalb die Mitwirkungspflicht nach Art. 8 AsylG nicht verletzt werden
könne. Diese Merkmale weise auch er auf und die Gründe, weshalb er bis-
her keinen Arzt aufgesucht habe, entsprächen ebenfalls diesem Muster.
Hinzu komme, dass er immer noch Granatsplitter (...) habe. Die Ärzte in
Sri Lanka hätten ihm erklärt, diese könnten nicht entfernt werden, da er bei
einer solchen Operation sterben könnte. Deshalb habe er Angst vor einer
Behandlung. Zudem habe er aufgrund des während der Rehabilitationshaft
Erlebten wie eine grosse Anzahl von Folter- und Kriegsopfern Angst vor
ärztlicher Behandlung. Es sei unabdingbar, von Amtes wegen eine medizi-
nische Begutachtung zu veranlassen. In diesem Zusammenhang sei auch
auf das Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts D-4543/2013 vom
22. November 2017 hinzuweisen. Er selbst sei schwer traumatisiert und
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Seite 23
benötige dringend medizinische Hilfe. Wie sich aus dem Anhörungsproto-
koll ergebe, wiesen seine Ausführungen etliche Realkennzeichen auf, was
die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen stütze.
15.3 Zunächst ist in Bezug auf die gesundheitlichen Probleme des Be-
schwerdeführers festzuhalten, dass er dem Gericht mit Eingabe vom
19. März 2020 eine Terminbestätigung einer Operation am (...) 2018 zu-
kommen liess. Nähere Informationen zum Eingriff lassen sich diesem Do-
kument allerdings nicht entnehmen. Er selbst machte ebenfalls keine wei-
teren Angaben dazu und reichte auch keine weiteren ärztlichen Unterlagen
hierzu ein. Somit ist insbesondere der Grund für die Operation unbekannt.
In Anbetracht dieser Operation ist aber dem vorstehenden Erklärungsver-
such betreffend Angst vor ärztlicher Behandlung jegliche Grundlage entzo-
gen. Im Übrigen ist erneut unter Hinweis auf seine Mitwirkungspflicht (Art.
8 AsylG) festzuhalten, dass er seit der Ankunft in der Schweiz im Oktober
2015 und insbesondere seit Einreichung des Folgegesuches im Februar
2018 ausreichend Zeit gehabt hätte, ärztliche Untersuchungen zu veran-
lassen und entsprechende Berichte einzureichen. Dies hat er nicht getan.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist vorliegender Sachverhalt
nicht vergleichbar mit demjenigen im Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts D-4543/2013 vom 22. November 2017. Es soll nicht in Abrede ge-
stellt werden, dass der Beschwerdeführer während der Rehabilitationshaft
Misshandlungen ausgesetzt war (dies wurde bereits im Rahmen des ers-
ten rechtskräftig abgeschlossenen Verfahrens beurteilt). Insoweit ist seine
subjektive Furcht nachvollziehbar, erneut vergleichbaren Übergriffen aus-
gesetzt zu werden, sie vermag angesichts der gesamten Umstände aber
die Anforderungen an eine auch objektiv begründete Furcht vor künftiger
Verfolgung nicht in einem Masse zu relativieren, als dass der Beschwerde-
führer die Flüchtlingseigenschaft erfüllen würde. Soweit der Beschwerde-
führer schliesslich ausführt, die Aussagen anlässlich der Anhörung im Rah-
men des ersten Verfahrens seien glaubhaft ausgefallen, ist darauf nicht
einzugehen, ist dies doch nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens.
15.4 Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, er erfülle mehrere Risikofak-
toren. Er sei von der LTTE zwangsrekrutiert worden, sei Mitglied der LTTE
gewesen, halte sich seit mehreren Jahren in einem tamilischen Diaspora-
zentrum auf und würde bei einer Rückkehr mit temporären Reisedokumen-
ten ausgestattet werden. Zudem seien die politische Krise in Folge der ver-
fassungswidrigen Ernennung Rajapaksas zum Premierminister sowie der
Ausgang der Kommunalwahlen im Februar 2018 als weitere Gefährdungs-
elemente zu berücksichtigen. In der Eingabe vom 19. März 2020 ergänzt
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der Beschwerdeführer, seit den Präsidentschaftswahlen im November
2019 seien zwei weitere Risikofaktoren hinzugetreten. Einerseits stünden
unter der Rückkehr des Rajapaksa-Clans Angehörige der tamilischen und
muslimischen Minderheiten unter Terrorverdacht. Andererseits stelle spe-
ziell die Rückkehr aus der Schweiz eine zusätzliche Gefährdung dar. Die
erfolgte Behandlung im (...) 2018 stelle ein Teilbeleg für mehrere Risiko-
faktoren, namentlich LTTE-Aktivitäten und Narben, dar.
15.5 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 (als Referenzurteil publiziert) festgehalten, bestimmte Risiko-
faktoren (Eintrag in die Stop-List, Verbindung zu den LTTE und exilpoliti-
sche Aktivitäten) seien als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie
unter den im Entscheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine ge-
nommen zur Bejahung einer begründeten Furcht führen könnten. Demge-
genüber würden das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine
zwangsweise respektive durch die Internationale Organisation für Migra-
tion (IOM) begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Narben schwach ri-
sikobegründende Faktoren darstellen. Dies bedeute, dass diese in der Re-
gel für sich alleine genommen keine relevante Furcht vor ernsthaften Nach-
teilen zu begründen vermöchten. Jegliche glaubhaft gemachten Risikofak-
toren seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wechselwirkung sowie unter
Berücksichtigung der konkreten Umstände in einer Einzelfallprüfung zu be-
rücksichtigen, mit dem Ziel zu erwägen, ob mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bejaht werden müsse
(vgl. a.a.O. E. 8.5.5).
Nach Auffassung des Gerichts bestehen nach wie vor keine stichhaltigen
Gründe zur Annahme, dass der Beschwerdeführer einer der im zitierten
Referenzurteil genannten Risikogruppen zuzurechnen ist. Insbesondere
ging die Vorinstanz bereits im ersten rechtskräftig abgeschlossenen Ver-
fahren auf die Rehabilitationshaft ein und kam zum Schluss, dieser Faktor
stelle bei einer Rückkehr keine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG für
den Beschwerdeführer dar. Weitere Faktoren sind seit Abschluss des ers-
ten Verfahrens im Mai 2017 nicht hinzugekommen. Insbesondere ist nicht
belegt, dass der Beschwerdeführer aufgrund des Eingriffs im (...) 2018
bleibende Narben hat, da – wie bereits erwähnt – sowohl nähere Angaben
als auch ärztliche Berichte hierzu fehlen. Aus der mehrjährigen Landesab-
wesenheit und temporären Reisepapieren kann der Beschwerdeführer
keine Gefährdung ableiten. Insgesamt ist aufgrund der Aktenlage auch im
Rahmen des vorliegenden Mehrfachgesuches nicht anzunehmen, dass
E-5788/2018
Seite 25
dem Beschwerdeführer persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka
ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden.
15.6 Seit Einreichung des Asylgesuchs durch den Beschwerdeführer war
die Lage in Sri Lanka verschiedenen Veränderungen unterworfen, wobei
namentlich politische Spannungen, die verheerenden Terroranschläge an
Ostern 2019 sowie zuletzt die Wahl von Gotabaya Rajapaksa am 16. No-
vember 2019 zum Präsidenten von Sri Lanka zu erwähnen sind (vgl. Neue
Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapaksa-Clan an die Macht
zurück, 17.11.2019; The Guardian, Gotabaya Rajapaksa elected president
of Sri Lanka, 17.11.2019, https://www.theguardian.com/world/2019/nov/1
7/sri-lanka-presidential-candidate-rajapaksa-premadas-count-continues,
abgerufen am 10.11.2020). Gotabaya Rajapaksa war unter seinem älteren
Bruder, dem ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005
bis 2015 an der Macht war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt,
zahlreiche Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie Akti-
visten begangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschen-
rechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er be-
streitet die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch [HRW]: World Re-
port 2020 – Sri Lanka, 14.01.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue
Präsident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen
weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder
Gotabaya, Mahinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regie-
rungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institu-
tionen (vgl. ANI, Sri Lanka: 35 including President's brother Chamal
Rajapksa sworn in as ministers of state, 27.11.2019, https://www.ani-
news.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-cha-
mal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state20191127174753/, abgerufen
am 10.11.2020). Beobachter und ethnische/religiöse Minderheiten befürch-
ten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Überwachung von
Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journa-
listen, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweize-
rische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minder-
heiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapaksa das Par-
lament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Prä-
sident löst das Parlament auf, 03.03.2020).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
sie bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
E-5788/2018
Seite 26
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-
gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind
beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des
Bundesverwaltungsgerichts E 1866/2015 vom 15. Juli 2016; Human Rights
Watch, Sri Lanka: Families of «Disappeared» Threatened, 16.02.2020). Es
gibt aber zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit
dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv ei-
ner Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im
Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Perso-
nen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren
Folgen besteht. Ein solcher Bezug ist vor dem Hintergrund vorstehender
Erwägungen nicht ersichtlich.
Im Zusammenhang mit der Entführung der Botschaftsmitarbeiterin sind ge-
mäss Auskunft der Schweizerischen Botschaft keine Informationen an die
sri-lankischen Behörden gelangt, so dass keine Anhaltspunkte auf eine er-
höhte Gefährdungssituation hinweisen. Der entsprechende Antrag, der im
Übrigen keine Verbindung zur Botschaftsmitarbeiterin substantiiert darlegt,
ist abzuweisen (vgl. dazu u.a. Urteile des BVGer E-5781/2019 vom
23. September 2020 E. 3.4.2 sowie E-1960/2020 vom 17. Juli 2020 E. 5.3).
15.7 Die im Beschwerdeverfahren eingereichten Beweismittel, sofern sie
überhaupt rechtserheblich sind, vermögen an dieser Einschätzung nichts
zu ändern. Dabei handelt es sich grossmehrheitlich um Dokumente, wel-
che die allgemeine Lage und die politische Situation in Sri Lanka beschrei-
ben. Der Beschwerdeführer kann daraus keine individuelle Verfolgung ab-
leiten. Das vorgebrachte Urteil des High Court Vavuniya (Verurteilung eines
rehabilitierten LTTE-Mitglieds zu lebenslanger Haft wegen Zwangsrekrutie-
rung einer jungen Frau für die LTTE) und die Verfahren vor dem High Court
Colombo (Finanzierung der LTTE) sind nicht ansatzweise mit der Situation
des Beschwerdeführers vergleichbar und weisen keinen Bezug zu ihm auf;
er vermag auch daraus nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Es kann zu-
dem der vorinstanzlichen Schlussfolgerung, wonach keine weiteren Fakto-
ren bezüglich einer Rückkehrgefährdung vorliegen würden, die im vorlie-
genden Mehrfachgesuch zu berücksichtigen wären und nicht schon in den
vorherigen Verfahren bei der Vorinstanz, gefolgt werden.
15.8 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht,
was geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zu-
mindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat das Mehrfachgesuch zu
Recht abgelehnt.
E-5788/2018
Seite 27
15.9 Nach dem Gesagten ist auch der Antrag abzuweisen, angesichts der
seit dem 26. Oktober 2018 entscheidend veränderten politischen Lage in
Sri Lanka sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur
erneuten Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eine Rückwei-
sung drängt sich auch unter Berücksichtigung der aktuellsten Entwicklun-
gen seit den Präsidentschaftswahlen im Herbst 2019 nicht auf.
16.
16.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
16.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
17.
17.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
17.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3
FoK und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder un-
menschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen
werden.
E-5788/2018
Seite 28
17.3 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri
Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka
lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts nicht als un-
zulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 E. 12.2 sowie statt vieler Urteil BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020
E. 9.2). Es ergeben sich aus den Akten auch keine konkreten Hinweise
darauf, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die
über einen so genannten «Background Check» (Befragung und Überprü-
fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass
er persönlich gefährdet wäre. Daran vermögen der Regierungswechsel
vom November 2019 sowie die seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts
zu ändern. Der Wegweisungsvollzug erweist sich somit als zulässig.
17.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
17.4.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg
E-5788/2018
Seite 29
noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Ge-
mäss Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts D-3619/2016 vom
16. Oktober 2017 ist der Vollzug der Wegweisung ins «Vanni-Gebiet»
grundsätzlich zumutbar (vgl. a.a.O. E. 9.5). An der generellen Einschät-
zung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vermögen die gewalttä-
tigen Angriffe auf Kirchen und Hotels vom Ostersonntag 2019 und der da-
raufhin verhängte Ausnahmezustand nichts zu ändern. Auch die verschärf-
ten ethnischen und religiösen Spannungen während des jüngsten Wahl-
kampfes und der Regierungswechsel vom November 2019 sowie die aktu-
elle Situation in Sri Lanka ändern nichts an dieser Beurteilung.
17.4.2 Der Beschwerdeführer stammt aus B._, Vanni-Gebiet. Zu-
letzt hat er in C._, B._, gelebt. Der Vollzug ins Vanni-Gebiet
ist im Lichte der vorgenannten Rechtsprechung grundsätzlich zumutbar.
Andere individuellen Gründe, die gegen den Vollzug der Wegweisung spre-
chen, liegen nicht vor. Der Beschwerdeführer hat in Sri Lanka ein tragfähi-
ges Beziehungsnetz. Seine Ehefrau, seine Mutter und die Geschwister le-
ben gemäss seinen Angaben dort. Zudem hat er mehrere Jahre Berufser-
fahrung als (...). Mit der Eingabe vom 19. März 2020 hat er zwar eine Be-
stätigung eines Operationstermins am (...) 2018 eingereicht. Nähere An-
gaben zum erfolgten Eingriff, zum Heilungsverlauf sowie allfällige weitere
medizinische Behandlungen hat er nicht gemacht. Insofern ist nicht davon
auszugehen, gesundheitliche Probleme stünden dem Vollzug der Wegwei-
sung entgegen. Insbesondere hat er – wie bereits erwähnt – keine ärztli-
chen Berichte eingereicht. Insgesamt ist nicht davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in eine existentielle
Notlage geraten wird. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der
Wegweisung auch als zumutbar.
17.5 Ferner obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen
Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-
dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
17.6 Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvoll-
zug nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt – um ein
temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitä-
ten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa
der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation in Sri Lanka angepasst wird (vgl.
E-5788/2018
Seite 30
EMARK 1995 Nr. 14 E. 8d und e sowie das Urteil des BVGer D-4796/2019
vom 27. April 2020 E. 8.9 m.w.H.).
17.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
18.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten ist.
19.
19.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und zufolge seiner sehr um-
fangreichen Beschwerde mit zahlreichen Beilagen ohne individuellen Be-
zug zu ihm auf insgesamt Fr. 1ꞌ500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
19.2 Aufgrund des Unterliegens des Beschwerdeführers besteht kein An-
spruch auf Ausrichtung einer Parteientschädigung (vgl. Art. 7 Abs. 1 VGKE
sowie Eingabe vom 27. Dezember 2018).
20.
20.1 In der Beschwerde führt der Rechtsvertreter aus, (...) E._ sei
entweder der deutschen Sprache nicht mächtig oder verharmlose
Morddrohungen gegen Minderheiten und bagatellisiere diese auf verach-
tenswerte Art und Weise als unbedachte Gesten. Zudem versuche er in
mütterlicher Manier, eine schützende Hand über einen Kriegsverbrecher
zu halten (siehe S. 37 Beschwerde 2).
Gemäss Art. 60 Abs. 1 VwVG kann die Beschwerdeinstanz Parteien oder
deren Vertreter, die den Anstand verletzen oder den Geschäftsgang stören,
mit Verweis oder mit Ordnungsbusse bis zu Fr. 500.– bestrafen. Als Diszip-
linarfehler gilt jedes Verhalten, das geeignet ist, die Würde von Menschen
zu verletzen sowie das Ansehen oder die Vertrauenswürdigkeit der staatli-
chen Tätigkeit zu beeinträchtigen. Ausführungen sind einerseits ungebühr-
lich, wenn sie die Würde und die Autorität der Behörden missachten, an-
derseits aber auch, wenn sie persönliche, verleumderische, beleidigende
E-5788/2018
Seite 31
oder ehrverletzende Verunglimpfungen oder Schmähungen einer Gegen-
partei oder von Behörden und einzelnen Behördenmitgliedern enthalten.
Vorliegend ergibt sich der Disziplinarfehler aus dem aktenkundigen Verhal-
ten des Rechtsvertreters selbst, weshalb es sich unter verfassungsrechtli-
chen Gesichtspunkten erübrigt, diesem vor Erlass des Disziplinarent-
scheids das rechtliche Gehör zu gewähren (vgl. BGE 111 Ia 273 E. 2c
S. 275 sowie RES NYFFENEGGER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kom-
mentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG],
2. Aufl. 2019, N4 und N12 zu Art. 60 VwVG). Die Formulierungen des
Rechtsvertreters in der Beschwerde in Bezug auf E._ der Vo-
rinstanz sind als beleidigend einzustufen und können nicht mehr als sach-
bezogen betrachtet werden, womit eine Verletzung des gebührenden An-
stands im Sinne von Art. 60 Abs. 1 VwVG vorliegt. Dem Rechtsvertreter ist
deshalb eine Ordnungsbusse in der Höhe von Fr. 200.– aufzuerlegen (vgl.
u.a. Urteile E-1039/2018 vom 13. August 2018 und E-150/2017 vom 2. April
2019).
(Dispositiv nächste Seite)
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