Decision ID: 44e03fa6-9e7e-5bb3-9809-a067a14d655b
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 5. Oktober 2016 im Empfangs-und
Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl nach. Am 12. Oktober 2016
wurde er zu seiner Person, zum Reiseweg und summarisch zu den Asyl-
gründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). Am 21. Oktober 2016
wurde das zuvor eingeleitete Dublin-Verfahrens beendigt und am 3. Okto-
ber 2018 fand die einlässliche Anhörung zu den Asylgründen statt.
A.b Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er sei sri-lankischer Staats-
angehöriger tamilischer Ethnie und islamischen Glaubens. Er stamme aus
B._ und sei dort auch wohnhaft gewesen. Seit einiger Zeit sei er
Präsident beziehungsweise stellvertretender Leiter der (...) von
B._. Am 15. Juni 2014 habe die sri-lankische Regierung einen Auf-
stand gegen die Muslime gemacht und mit Hilfe der Organisation Bodu
Bala Sena (BBS) die Muslime aus ihren Häusern vertrieben. Deshalb habe
er am (...) 2014 eine Protestaktion gegen die sri-lankische Regierung or-
ganisiert. Die Polizei habe die Kundgebung aufgelöst und ihn zusammen
mit (...) jungen Mitstreitern in einem Jeep weggebracht. Nach kurzer Fahrt
hätten sie in einen weissen Van umsteigen müssen, in welchem sich (...)
Personen befunden hätten. In deren Gewahrsam sei er befragt worden.
Dabei sei er mit einer (...) beziehungsweise einem (...) geschlagen worden
und habe einen (...)bruch erlitten. Nach einem (...)tritt gegen seine (...) sei
er ohnmächtig geworden und erst in einem Spital wieder aufgewacht. Im
Oktober 2014 sei er Mitglied der Partei (...) geworden. Er habe Bildungs-
informationsveranstaltungen durchgeführt und die ethnischen und religiö-
sen Probleme bekämpfen wollen. Er sei dazumal in Kontakt mit dem Sozi-
alarbeiter C._ gekommen und habe zusammen mit diesem gegen
die Vertreibung der Muslime in Jaffna protestiert. Da C._ ein Sym-
pathisant der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen sei, wo-
rüber er anfänglich keine Kenntnis gehabt habe, sei er von der (...) raus-
geworfen worden. Im (...) 2015 habe C._ ihn gebeten, (...) Perso-
nen, welche versucht hätten, die LTTE wiederzubeleben, eine Nacht lang
zu beherbergen. (...) bis (...) Wochen später sei die Polizei zu ihm nach
Hause gekommen und habe ihn festgenommen. Am nächsten Tag sei er
vor Gericht gestellt worden. Er sei verdächtigt worden, die LTTE wiederbe-
leben zu wollen und zu seinem Kontakt zu C._ befragt worden.
Nachdem sein Vater für ihn eine Bürgschaft hinterlegt habe, sei er nach der
Gerichtsverhandlung auf freien Fuss gesetzt worden. Als C._ im
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Mai 2015 durch die Regierung erschossen worden sei, habe er eine Pro-
testaktion organisiert. Einige Personen seien danach festgenommen wor-
den und hätten ihn verraten. Im Juni oder Juli 2015 habe ihn das Criminal
lnvestigation Department (CID) immer wieder zuhause gesucht. Sein Vater
habe ihn zu seiner (...) nach D._ geschickt. Im Dezember 2015 sei
er wieder nach Hause zurückgekehrt. Im (...) 2016 habe er sich einen Pass
ausstellen lassen, da er vorgehabt habe, nach E._ zu reisen, um zu
arbeiten. Einige Tage danach habe ihn das CID zuhause verhaften wollen.
Man habe ihm vorgeworfen, dass er zusammen mit C._ versucht
hätte, die LTTE wiederzubeleben. Er habe aus dem Haus flüchten können
und sei im (...) 2016 mit einem (...) illegal nach F._ gelangt Nach
einem (...)monatigen Aufenthalt in G._ sei er mit einem (...) Pass
in die H._ gereist. Von dort sei er über I._ und weitere, ihm
unbekannte Länder in die Schweiz gelangt. Sein Vater habe ihm in zwei
Briefen mitgeteilt, dass das CID zuhause nach ihm gesucht habe. Die Mus-
lime könnten in Sri Lanka nicht leben. Es fänden immer noch Unruhen statt.
A.c Der Beschwerdeführer reichte seine sri-lankische Identitätskarte zu
den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 12. Oktober 2018 – eröffnet am 16. Oktober 2018 –
stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete gleichzeitig die Weg-
weisung aus der Schweiz und den Vollzug an.
C.
Mit Beschwerde vom 10. November 2018 (Poststempel: 12. November
2018) an das Bundesverwaltungsgericht beantragte der Beschwerdeführer
die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Anerkennung der
Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl sowie eventualiter die
Feststellung der Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung und die
Anordnung der vorläufigen Aufnahme. In verfahrensrechtlicher Hinsicht be-
antragte er die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive
des Verzichts auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und die Beiord-
nung eines amtlichen Rechtsbeistands.
D.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte den Eingang der Beschwerde
mit Schreiben vom 14. November 2018.
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Seite 4
E.
Mit Zwischenverfügung vom 20. November 2018 teilte ihm die Instruktions-
richterin mit, er dürfe den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der
Schweiz abwarten, hiess das das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses und forderte den Beschwerdeführer auf, bis zum 5. Dezember
2018 den Namen des von ihm bestimmten Rechtsbeistands oder der
Rechtsbeiständin mitzuteilen und eine entsprechende Vollmacht einzu-
reichen, wobei bei ungenutzter Frist von einem Rückzug des Gesuchs um
amtliche Rechtsverbeiständung ausgegangen werde. Den Entscheid über
das Gesuch um Beiordnung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung ver-
schob sie auf einen Zeitpunkt nach Ablauf der erwähnten Frist.
F.
Mit Eingabe vom 30. November 2018 reichte der Beschwerdeführer Fotos
von exilpolitischen Tätigkeiten (Teilnahme an einer Demonstration vom [...]
2018 in der Schweiz) zu den Akten.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 2. Dezember 2018 schrieb die Instruktions-
richterin das Gesuch um Beiordnung einer unentgeltlichen Rechtsvertre-
tung als gegenstandslos geworden ab und lud die Vorinstanz unter Anset-
zung einer Frist zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.
H.
In seiner Eingabe vom 19. Dezember listete der Beschwerdeführer Vi-
deosequenzen von seinen exilpolitischen Tätigkeiten auf und verwies dies-
bezüglich auf einen USB-Stick in der Beilage. Bei einer Demonstration
habe er unter anderem mit einem (...) zu den anderen Demonstrationsteil-
nehmenden gesprochen und Protestschilder hochgehalten.
I.
Mit Zwischenverfügung 9. Januar 2019 wurde der Beschwerdeführer da-
rauf hingewiesen, dass seinem Schreiben vom 19. Dezember 2018 weder
ein USB-Stick noch sonst ein Datenträger beilag. Gleichzeitig wurde er un-
ter Ansetzung einer Frist aufgefordert, den USB-Stick sowie allfällige wei-
tere Beweismittel nachzureichen, ansonsten das Verfahren aufgrund der
Akten weitergeführt werde.
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Seite 5
Die Postsendung gelangte am 27. Dezember 2018, versehen mit dem pos-
talischen Vermerk "Zurück/Annahme verweigert" an das Bundesverwal-
tungsgericht zurück.
J.
Innert erstreckter Frist äusserte sich die Vorinstanz in ihrer Vernehmlas-
sung vom 14. Januar 2019 zu den in der Beschwerde geltend gemachten
exilpolitischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers und hielt vollumfänglich
an ihrer Verfügung fest.
K.
Am 29. Januar 2019 gab die Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer
Gelegenheit, bis zum 13. Februar 2019 eine Replik und entsprechende Be-
weismittel einzureichen.
L.
Mit Eingabe vom 1. Februar 2019 reichte der Beschwerdeführer ein Schrei-
ben von Rev. J._ zu den Akten, welches ihm aus Sri Lanka in die
Schweiz nachgesendet worden sei.
M.
Mit Eingabe vom 4. September 2019 reichte der Beschwerdeführer Fotos
von einer Demonstration in K._ vom (...) 2019, einen diesbezügli-
chen Medienbericht von www.(...) vom 28. Mai 2019, ein Schreiben seines
Vaters vom 1. Juli 2019 und einen weiteren digitalen Medienbericht von
https://(...) vom 27. Juni 2019 betreffend Diskriminierung und Verfolgung
von Muslimen in Sri Lanka zu den Akten.
N.
Mit Eingabe vom 25. Februar 2021 reichte der Beschwerdeführer je einen
Brief seiner Mutter, seiner Verlobten und seines Freundes L._
(nachstehend: M._) sowie eine Bestätigung eines öffentlichen Be-
amten (N._ [nachstehend: O._]), auf welche der Freund Be-
zug nimmt, samt Übersetzungen zu den Akten.
O.
Am 4. Juni 2021 lud die Instruktionsrichterin die Vorinstanz im Zusammen-
hang mit den Eingaben gemäss Bstn. L., M. und N. zu einer ergänzenden
Vernehmlassung ein.
http://www.(...) https://(...)
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Seite 6
P.
Innert erstreckter Frist hielt äusserte sich die Vorinstanz in ihrer Vernehm-
lassung vom 24. Juni 2021 zu den zwischenzeitlich eingereichten Beweis-
mitteln, den diesbezüglichen Vorbringen und hielt vollumfänglich an ihrer
Verfügung fest.
Q.
Am 29. Juni 2021 gab die Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer Ge-
legenheit, bis zum 14. Juli 2021 eine Replik und entsprechende Beweis-
mittel einzureichen.
R.
Mit am 14. und 15. Juli 2021 doppelt eingereichter Replik vom 14. Juli 2021
nahm der Beschwerdeführer Stellung zur Vernehmlassung des SEM vom
24. Juni 2021.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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Seite 7
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
3.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m. Verw.).
4.
4.1 Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die
Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG und denjenigen an die Flüchtlingsei-
genschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand.
Die angebliche Verfolgung durch das CID sei nicht glaubhaft. So habe er
die Inhaftierung und Gerichtsverhandlung, welche (...) bis (...) Wochen
nach der Beherbergung der (...) Personen für C._ im (...) 2015 er-
folgt sei, anlässlich der BzP mit keinem Wort erwähnt. Deshalb müsse die-
ses Vorbringen als nachgeschoben gewertet werden. Zudem wiesen seine
Angaben bei der Anhörung bezüglich der angeblichen Suche nach ihm be-
ziehungsweise Behelligungen durch das CID nach der Protestaktion nach
der Erschiessung von C._ und der Umstände der Flucht vor den
Angehörigen des CID gegenüber seiner Schilderung anlässlich der BzP
Widersprüche auf, welche er nicht plausibel zu erklären vermocht habe.
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Seite 8
Die vorgebrachten Übergriffe im Zusammenhang mit den ethnischen Un-
ruhen im Jahr 2014 seien zwar bedauerlich, stellten jedoch keine ausrei-
chend intensive Verfolgungsmassnahme dar. Die erlittenen Misshandlun-
gen seien zudem als einmalige und abgeschlossene Verfolgungsmass-
nahme zu werten und stünden weder in zeitlicher noch in sachlicher Hin-
sicht in kausalem Zusammenhang mit seiner Ausreise im (...) 2016.
Allfällige zum Zeitpunkt seiner Ausreise bestehende Risikofaktoren ver-
möchten kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden
auszulösen. Aufgrund der Aktenlage sei nicht ersichtlich, weshalb er bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden gera-
ten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte. Im Zusammenhang
mit den sporadischen Gewaltausbrüchen gegen die muslimische Minder-
heit hielt das SEM fest, dass er allein aufgrund seines Glaubens keiner
besonderen Risikogruppe angehöre.
4.2 Der Beschwerdeführer hielt in seiner Rechtsmitteleingabe an der
Glaubhaftigkeit und asylrechtlichen Relevanz seiner Sachverhaltsvorbrin-
gen fest. Er nahm insbesondere zu den ihm vorgeworfenen Widersprüchen
in seinen Aussagen Stellung. Zudem brachte er exilpolitische Aktivitäten
vor, derentwegen er in seinem Heimatstaat nach ihm gesucht werde.
5.
5.1
5.1.1 Bezüglich der Frage der Glaubhaftigkeit der Vorbringen wird in der
Rechtsmitteleingabe vorab ausgeführt, der Beschwerdeführer sei nach sei-
ner schwierigen und anstrengenden Flucht in die Schweiz bei der BzP ge-
stresst und müde gewesen. Der Fokus der BzP sei auf dem Reiseweg ge-
legen, so dass er – der Beschwerdeführer – bei der Befragung zu den Asyl-
gründen bereits sehr erschöpft gewesen sei. Ihm sei auch gesagt worden,
dass er nur kurz erzählen solle. Deshalb habe er sich nicht mehr richtig
konzentrieren können (vgl. Beschwerde S. 5 f.). Daraus vermag er aber
nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Aus dem Protokoll der BzP ergibt sich
zwar, dass dem Beschwerdeführer im Zusammenhang mit dem Reiseweg
mehrere Ergänzungsfragen gestellt wurden. Im Anschluss daran äusserte
er sich aber auf einer halben Seite in freier Rede zu den Gesuchsgründen
und ergänzte diese, als nach deren Vollständigkeit gefragt wurde. Darauf-
hin wurden ihm dazu mehrere Einzelfragen gestellt (vgl. SEM-Akte A7/11
Punkte 5 und 7). Dem lässt sich nicht entnehmen, dass das Schwergewicht
der BzP auf dem Reiseweg gelegen wäre. Zudem bestätigte er nach der
Rückübersetzung, dass das Protokoll seinen Aussagen und der Wahrheit
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Seite 9
entspreche. Somit muss er sich auf diesen behaften lassen. Sodann ver-
mag er auch aus seinem weiteren Einwand, die Frage, ob er je in Haft oder
vor Gericht gewesen sei, sei ihm nicht direkt im Zusammenhang mit der
Beherbergung von (...) Personen (angeblichen LTTE-Mitgliedern) für
C._ gestellt worden, nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Handelte
es sich doch bei der Frage, ob er je in Haft oder vor Gericht gewesen sei,
um eine klare und einfach zu verstehende Frage. Als unbehilflich erweist
sich sodann sein Einwand im Zusammenhang mit den geltend gemachten
Behelligungen nach der Protestaktion wegen der Erschiessung von
C._: Er habe diese Vorfälle zwar nicht exakt gleich erzählt, daraus
ergäbe sich aber bei genauer Betrachtungsweise kein Widerspruch. Indes-
sen gab er dazu bei der BzP lediglich an, er sei im Jahr 2015, nachdem ein
Ereignis passiert sei, untergetaucht. Das CID sei zu ihm nach Hause ge-
kommen und habe ihn befragt. Er sei gefragt worden, ob er noch zur
Schule gehe. Sein Vater habe ihn dann aus Angst nach D._ ge-
schickt. Es sei aufgeflogen, dass C._ ihm (...) Personen anvertraut
habe. Nach dessen Erschiessung am (...) 2015 sei er beschuldigt worden,
die LTTE wieder aufbauen zu wollen (vgl. a.a.O., Punkt 7.01). Er habe erst
nachträglich erfahren, dass er vom CID wegen des Passantrags gesucht
worden sei. Dieses habe sich bei ihm zu Hause lediglich erkundigt, ob er
arbeiten oder noch lernen würde. Sein Vater habe ihn dann nach
D._ geschickt (vgl. a.a.O., Punkt 7.02). Demgegenüber gab er bei
der Anhörung zu Protokoll, er habe zwei oder drei Tage nach dem Tod von
C._ eine Protestaktion organisiert. Daraufhin sei er vom CID im (...)
oder (...) (2015) immer wieder zuhause gesucht worden, nachdem bei die-
ser Aktion festgenommene Personen verraten hätten, dass er deren Urhe-
ber gewesen sei. Es seien massive Warnungen gegen ihn und seinen Vater
ausgesprochen worden, woraufhin ihn sein Vater zu einer (...) nach
D._ geschickt habe. (...) Tage vor Weihnachten (2015) sei er nach
Hause zurückgegangen. Er habe einen (...) in E._. Er habe Doku-
mente vorbereitet, um dort arbeiten zu gehen. Im (...) 2016 sei er vorerst
nach P._ gegangen, um einen Reisepass zu beantragen. Nach des-
sen Erhalt sei das CID zu ihm nach Hause gekommen und habe ihm ge-
sagt, man habe vor, ihn festzunehmen, weil C._ versucht habe, die
LTTE wiederzubeleben (vgl. SEM-Akte A20/17 F16). Abgesehen von den
unterschiedlichen Angaben zu den Gründen und der Zahl der angeblichen
Behelligungen durch das CID im Jahr 2015 sowie dessen Vorgehensweise,
widersprechen sich beiden Schilderungen des Beschwerdeführers auch in
zeitlicher Hinsicht, zumal dieser erst im (...) 2016 einen Reisepass bean-
tragt haben will. Sodann ist nicht nachvollziehbar, weshalb er anlässlich
der BzP die Protestaktion zugunsten von C._, welche er angeblich
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Seite 10
selbst organisiert haben will, mit keinem Wort erwähnte, sondern nur un-
bestimmt von einem "Ereignis" im Jahr 2015 sprach, dessentwegen er un-
tergetaucht sei, umso weniger, als es sich dabei um ein wesentliches Asyl-
motiv handeln würde. Ebenso wenig vermag er seine widersprüchlichen
Schilderungen bezüglich der Umstände der Flucht von zuhause im (...) be-
ziehungsweise (...) 2016 weder mit den oben erwähnten Einwänden zur
BzP noch mit seinen Ausführungen in der Beschwerde, wonach er nach
der versuchten Entführung später nicht nach Hause zurückgekehrt sei, um
seinen Reisepass zu holen und noch (...) Wochen dort geblieben sei (vgl.
SEM-Akte A7/11 Punkt 7.01), sondern direkt mit diesem geflohen sei, plau-
sibel zu erklären. Nach dem Gesagten erweist sich schliesslich der Vorwurf
des Beschwerdeführers, die von der Vorinstanz vorgenommene Gewich-
tung der widersprüchlichen Aussagen zwischen der BzP und der Anhörung
sei mit den Grundsätzen der Beweiswürdigung im Asylverfahren nicht ver-
einbar, als unbegründet. Diesbezüglich ist im Übrigen auf die entspre-
chende langjährige Rechtsprechung zu verweisen (vgl. bereits Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [E-
MARK] 1993 Nr. 3). Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen, die geltend gemachte Verfolgung durch das CID glaubhaft
zu machen.
5.1.2 Soweit in der Rechtsmitteleingabe daran festgehalten wird, dem Be-
schwerdeführer sei von seiner Familie in zwei Briefen mitgeteilt worden,
dass er auch nach seiner Ausreise zuhause noch vom CID gesucht worden
sei, sind auch diese Verfolgungsvorbringen als unglaubhaft zu qualifizie-
ren. In einem undatierten Schreiben des Vaters des Beschwerdeführers
wird ausgeführt, am (...) 2017 hätten (...) maskierte und am (...) 2017 (...)
"normalgekleidete" Personen nach dem Beschwerdeführer gefragt. Laut
einem zweiten Schreiben des Vaters vom (...) 2018 sei dieser am Folgetag
eines Protestes und einer Demonstration von Muslimen in B._ vom
(...) 2018 zuhause von der Kriminalpolizei in der Meinung, dass der Be-
schwerdeführer den Protest organisiert habe, befragt worden. Er habe ihr
gesagt, dass sein Sohn in der Schweiz sei. Dazu führte die Vorinstanz in
ihrer Vernehmlassung vom 14. Januar 2019 zutreffend aus, der Beschwer-
deführer habe in der Anhörung weder ein exilpolitisches Engagement er-
wähnt, noch dass das CID seinen Vater zu seinem Aufenthalt in der
Schweiz befragt habe. Zudem sei seine Demonstrationsteilnahme (vom
[...] 2018) als niederschwellig zu qualifizieren, woran auch die Übertragung
der Demonstration auf einer Facebook-Seite nichts ändere, da angesichts
des gut aufgestellten Nachrichtendienstes Sri Lankas davon auszugehen
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Seite 11
sei, dass die sri-lankischen Behörden blosse "Mitläufer" von Massenveran-
staltungen als solche identifizieren könnten und diese in Sri Lanka mithin
nicht als Gefahr wahrgenommen würden. Somit sei nicht davon auszuge-
hen, dass die sri-lankischen Behörden den Beschwerdeführer verdächtig-
ten, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. Ver-
nehmlassung vom 14. Januar 2019). Zum undatierten Schreiben ist ergän-
zend festzuhalten, dass dieses ohnehin als Gefälligkeitsschreiben ohne re-
levanten Beweiswert zu qualifizieren ist, da sich die angebliche Verfolgung
des Beschwerdeführers durch das CID als unglaubhaft erwiesen hat. Im
Zusammenhang mit den beiden Schreiben des Vaters führte die Vorinstanz
in ihrer Vernehmlassung vom 24. Juni 2021 weiter zutreffend aus, der Be-
schwerdeführer habe in seiner Anhörung erwähnt, diese Schriftstücke vor
wenigen Monaten erhalten zu haben. Er habe sie aber nicht zur Anhörung
mitgebracht und auf Nachfrage nicht gewusst, wann und wie oft das CID
ihn zuhause gesucht habe (vgl. SEM-Akte A20/17 F6–F15). In der Anhö-
rung erklärte er auch, dass ihm sein Vater dazu am Telefon keine Auskunft
geben könne, weil dieses abgehört werde. Deshalb sei er von ihm schrift-
lich über den Besuch des CID informiert worden (vgl. a.a.O.). Im Gegen-
satz dazu will er gemäss den Ausführungen in der Beschwerde von seinem
Vater telefonisch erfahren haben, dass das CID nach seiner Demonstrati-
onsteilnahme vom (...) 2018 in der Schweiz zu diesem nach Hause ge-
kommen sei und ihn hierzu befragt habe. Mit der Vorinstanz wäre zu er-
warten gewesen, dass der Beschwerdeführer bereits in seiner Anhörung
seine Demonstrationsteilnahme in der Schweiz und die angebliche diesbe-
zügliche Befragung seines Vaters durch das CID erwähnt hätte, zumal es
sich dabei um ein flüchtlingsrechtlich wesentliches Vorbringen handelt. Zu-
dem ist keineswegs plausibel, dass der Beschwerdeführer nach mehr als
zwei Jahren nach seiner Ausreise verdächtigt worden sein soll, einen Pro-
test an seinem Heimatort organisiert zu haben (vgl. Vernehmlassung vom
24. Juni 2021). Die Erwiderungen des Beschwerdeführers in der Replik
vom 14. Juli 2021, wonach er die Aufsuchung durch das CID nicht selbst
erlebt habe, die beiden Briefe bei der Anhörung nicht dabeigehabt habe
und es sich beim telefonischen Bericht seines Vaters um eine Ausnahme
gehandelt habe, sind nicht geeignet, die Einschätzung durch die Vorinstanz
in Zweifel zu ziehen. Dies umso weniger, als sein Einwand, die Behörden
hätten erst durch eine Zeitschrift von seiner Demonstrationsteilnahme vom
(...) 2018 in der Schweiz erfahren, lediglich pauschal erhoben wird – der
am 4. September 2019 zu den Akten gereichte Artikel bezieht sich auf eine
Demonstration vom (...) in K._ – und auch in Widerspruch zu den
Ausführungen in seiner Eingabe vom 30. November 2018 steht, wonach
das CID nach seiner Demonstrationsteilnahme vom (...) 2018 zu seinem
D-6417/2018
Seite 12
Vater gegangen sei und ihn gefragt hätten, was sein Sohn in der Schweiz
machen würde, es habe gesehen, dass dieser dort an einer Demonstration
teilgenommen habe (vgl. Eingaben vom 30. November 2018 und 4. Sep-
tember 2019, Medienbericht von www.[...]). Soweit in der Eingabe vom
1. Februar 2019 unter Bezugnahme auf das gleichzeitig zu den Akten ge-
reichte Schreiben von Rev. J._ vom (...) 2018 ausgeführt wird, die-
ser bestätige, dass die Familie des Beschwerdeführers in Sri Lanka nach
einer Demonstrationsteilnahme des Sohnes in der Schweiz mehrfach von
unbekannten Personen aufgesucht und bedroht worden sei, und in der Ein-
gabe darauf hingewiesen wird, dass dies nach der Demonstrationsteil-
nahme vom (...) 2018 passiert sei, hielt die Vorinstanz in ihrer Vernehm-
lassung vom 24. Juni 2021 zu Recht fest, dass das Schreiben auf Wunsch
der Mutter des Beschwerdeführers verfasst worden sei, welche dem Ver-
fasser den Inhalt geschildert habe, die darin gemachten Angaben sich le-
diglich auf eine pauschale Behauptung der Mutter stützten und keine Rück-
schlusse auf den Wahrheitsgehalt zuliessen, weshalb das Schreiben kei-
nen Beweiswert entfalte.
5.1.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen ist, die von ihm geltend gemachte Verfolgung durch das CID
glaubhaft zu machen.
5.2 Die asylrechtlich relevante Intensität der vorgebrachten Übergriffe im
Zusammenhang mit den ethnischen Unruhen im Jahr 2014 sowie der zeit-
liche und sachliche Kausalzusammenhang mit der ein Jahr und acht Mo-
nate später erfolgten Ausreise des Beschwerdeführers aus Sri Lanka im
(...) 2016 wurden von der Vorinstanz zu Recht verneint. So gab dieser zu
Protokoll, er sei nach seiner Entlassung aus einer (...) Klink im (...) 2014
nach Hause zurückgekehrt, dann habe im (...) 2014 das
A-Level-Examen stattgefunden, worauf er ganz normal weitergelebt habe
(vgl. SEM-Akte A20/17 F16). Kurz vor Weihnachten 2015 habe er Doku-
mente vorbereitet, um nach E._, wo er einen (...) habe, arbeiten zu
gehen, und im (...) 2016 einen Reisepass beantragt. Auch nach seiner an-
geblichen Festnahme mit anschliessendem Gerichtstermin und Freilas-
sung gegen eine (...) seines Vaters nach der Beherbergung der (...) Per-
sonen für C._ vom (...) 2015 habe er normal weitergelebt (vgl.
a.a.O.). Demnach fasste er den Entschluss, Sri Lanka zu verlassen, erst
im (...) 2015, und lag der Grund dafür nicht in den erlittenen Übergriffen
und den geltend gemachten behördlichen Behelligungen beziehungsweise
durch das CID.
http://www.[...]/
D-6417/2018
Seite 13
5.3 Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde haben sich die Über-
griffe nicht gezielt gegen den Beschwerdeführer gerichtet. So erklärte er,
dass sehr viele Leute, vielleicht (...) Personen, an der Protestaktion vom
(...) 2014 teilgenommen hätten. Er sei festgenommen worden, weil er ganz
(...) gestanden sei. Diejenigen Personen, die dort gestanden seien, seien
gepackt und in einen Jeep geworfen worden. Die Polizei habe bis zu seiner
Festnahme nicht gewusst, dass er diese Protestaktion organisiert habe
(vgl. a.a.O., F76–F82). Demnach wurde der Beschwerdeführer nicht ge-
zielt festgenommen, sondern weil er sich zusammen mit anderen Perso-
nen bei der Aktion (...) aufgehalten habe. Es handelt sich somit bei ihm aus
der Sicht der Behörden um ein Zufallsopfer. Nur der Vollständigkeit halber
ist an dieser Stelle anzumerken, dass er selbst die Protestaktion vom (...)
2014 mithilfe der (...) organisiert haben will (vgl. a.a.O., A20/17 F71, F75,
und SEM-Akte A7/11 Punkt 7.01). Laut seinen Angaben bei der BzP war er
im Jahr 2014 (...) der (...) in B._ (vgl. vgl. a.a.O.), wogegen er bei
seiner Anhörung erklärte, er sei dieser Organisation im Jahr 2015 beige-
treten und ab diesem Zeitpunkt dort deren (...) gewesen (vgl. SEM-Akte
A20/17 F63 f.).
5.4 Das Gericht erachtet nach dem Gesagten die geltend gemachten Über-
griffe auf den Beschwerdeführer im Rahmen einer muslimischen Protest-
veranstaltung im (...) 2014 als asylrechtlich nicht relevant. Zudem erachtet
es nicht als glaubhaft, dass der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit
angeblichen LTTE-Verbindungen, namentlich mit dem (...) C._, und
einer Demonstrationsteilnahme vom (...) 2018 in K._ in der von ihm
dargelegten Weise verfolgt beziehungsweise behördlich gesucht wurde. In
Würdigung sämtlicher Umstände vermag der Beschwerdeführer den ent-
sprechenden Sachverhaltsvortrag im geltend gemachten Kontext nicht
glaubhaft zu machen.
5.5 Sodann vermag der Beschwerdeführer auch aus seinem Vorbringen,
er werde verfolgt, weil er sich aktiv für die muslimische Minderheit einsetze,
nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. So wurde er im Zusammenhang mit
seiner Teilnahme an der Protestaktion vom (...) 2014 nicht gezielt festge-
nommen und sind seine Angaben zu seinen Aktivitäten für die (...) wider-
sprüchlich ausgefallen (vgl. E. 5.3).
5.6 Im Weiteren hat die Vorinstanz zu Recht erwogen, es bestehe aufgrund
der Angaben des Beschwerdeführers kein begründeter Anlass zur An-
D-6417/2018
Seite 14
nahme, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit oder in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungs-
massnahmen ausgesetzt sein werde.
5.6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden
nach Sri Lanka vorgenommen (vgl. dort E. 8) und festgestellt, dass aus
Europa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende
nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter
ausgesetzt seien (vgl. a.a.O., E.8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Be-
urteilung des Risikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form
von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren.
Dabei handelt es sich insbesondere um das Vorhandensein einer tatsäch-
lichen oder vermeintlichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den
LTTE, um Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen, und
um Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üb-
licherweise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten
Verbindung zu den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl.
a.a.O., E. 8.4.1–8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und
überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erfor-
derlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangs-
weise nach Sri Lanka zurückgeführt werden oder die über die Internatio-
nale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie
Personen mit gut sichtbaren Narben (sog. schwach risikobegründende
Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall
ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich
relevante Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in
Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrer eine begründete Furcht vor
ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der
sri-lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt sind, den
tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1).
5.6.2 Die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Verfolgung im Zusam-
menhang mit LTTE-Verbindungen, namentlich im Zusammenhang mit dem
(...) C._, hat sich als nicht glaubhaft erwiesen (vgl. E. 5.1.1). Es
ergibt sich demnach keinerlei relevante Verbindung des Beschwerdefüh-
rers zu den LTTE. Ebenso wenig ist es ihm gelungen, Verfolgungsmass-
nahmen im Zusammenhang mit seiner Demonstrationsteilnahme vom (...)
2018 in K._ glaubhaft zu machen (vgl. E. 5.1.2). Dasselbe gilt be-
züglich der Demonstrationsteilnahme vom (...) 2019. Dazu führte er in sei-
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Seite 15
ner Eingabe vom 4. September 2019 unter Bezugnahme auf die gleichzei-
tig eingereichten Beweismittel aus, man habe in K._ gegen die Un-
terdrückung der Muslime in Sri Lanka beziehungsweise die an ihnen aus-
geübte Gewalt protestiert, wobei er an vorderster Front gewesen sei und
sich damit erheblich exponiert habe. Auch in den sri-lankischen Medien sei
darüber berichtet worden, wobei er auf den Bericht www.(...) verwies, in
dem er mit einem (...) in der Hand zu sehen sei. Im Schreiben seines Va-
ters vom 1. Juli 2019 berichte dieser unter anderem, dass er – der Be-
schwerdeführer – nach wie vor durch das CID gesucht werde und wie er,
der Vater, zuletzt zum Aufenthalt des Sohnes und zu dessen Aktivitäten
befragt worden sei (vgl. Eingabe vom 4. September 2019). Dazu führte die
Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 24. Juni 2021 zutreffend aus,
dass der Beschwerdeführer mit einem (...) in der Hand zu sehen sei, ge-
nüge nicht, um sein exilpolitisches Engagement als besonders exponiert
oder erheblich zu bezeichnen. Bei einer derartigen Veranstaltungsteil-
nahme könne auch nicht von einer qualifizierten exilpolitischen Tätigkeit
gesprochen werden. Zwar sei der Beschwerdeführer auf den eingereichten
Fotos zu erkennen, es gehe aber nirgends hervor, dass auch sein Name
genannt worden sei. Deshalb sei nicht davon auszugehen, dass er auf-
grund seiner Teilnahme an zwei Demonstrationen seitens des sri-lanki-
schen Regimes terroristischer Aktivitäten oder Verbindungen verdächtigt
werde. Vor diesem Hintergrund wirke auch die Darlegung im Schreiben
seines Vaters, dass das CID den Beschwerdeführer im Elternhaus gesucht
und nach dessen allfälliger Verbindung zum Terroristen Q._ befragt
habe, konstruiert und nicht plausibel (vgl. Vernehmlassung vom 24. Juni
2021). In seiner Replik hielt der Beschwerdeführer an seiner besonderen
Exponiertheit wegen des in einem sri-lankischen Medium veröffentlichten
Fotos von ihm mit einem (...) in der Hand an einer Demonstration fest. Der
sri-lankische Geheimdienst analysiere solche Demonstrationen äusserst
genau, um Gegner der Regierung zu identifizieren. Die Identität von be-
sonders deutlich erkennbaren Personen, könne von den Behörden ohne
Probleme mittels digitalen Abgleichs überprüft werden. Es sei davon aus-
zugehen, dass sie sein Foto mit ihrer Datenbank abgeglichen hätten. Des-
halb sei wahrscheinlich, dass der Geheimdienst seinen Namen herausge-
funden habe und seine Identität kenne. Somit müsse von einer qualifizier-
ten exilpolitischen Tätigkeit gesprochen werden (vgl. Replik vom 14. Juli
2021). Mit diesen Einwänden gelingt es dem Beschwerdeführer indessen
nicht, die gegenteilige Einschätzung der Vorinstanz in Zweifel zu ziehen,
zumal er damit nicht überzeugend zu erklären vermag, dass er allein durch
das Halten eines Megafons als exponierter Exilaktivist erscheinen würde.
http://www.(...)
D-6417/2018
Seite 16
5.6.3 Auch mit den Ausführungen in seiner Eingabe vom 25. Juli 2021 und
den damit eingereichten Beweismitteln vermag der Beschwerdeführer
nicht glaubhaft darzutun, dass er in seinem Heimatstaat aktuell behördlich
gesucht wird. Darin brachte er vor, dass am (...) 2020 unbekannte Perso-
nen sowohl bei seiner Mutter als auch bei seiner (...) nach ihm gefragt und
dabei deren Häuser durchsucht hätten. Sie hätten die (...) auch bedrängt,
weil sie (...). Im Brief seines Freundes M._ schreibe dieser, dass
das CID den öffentlichen Beamten O._ im (...) 2020 über den Be-
schwerdeführer befragt habe (vgl. Eingabe vom 25. Juli 2021). In Einklang
mit der Vorinstanz vermag die geltend gemachte wiederholte Suche nach
dem Beschwerdeführer nicht zu überzeugen. Insbesondere ist davon aus-
zugehen, dass die angeblichen Verfolger mit Sicherheit schon längst in Er-
fahrung gebracht hätten, dass der Beschwerdeführer Sri Lanka bereits vor
Jahren verlassen habe. Weder die diesbezüglich zu den Akten gereichten
Briefe noch das undatierte Schreiben des öffentlichen Beamten O._
sind beweistauglich und geeignet, die geltend gemachte Verfolgung glaub-
haft zu machen, wobei den Schreiben angesichts ihres Gefälligkeitscha-
rakters ohnehin nur ein geringer Beweiswert zukommt (vgl. Vernehmlas-
sung vom 24. Juni 2021). Der in der Replik erhobene Einwand, den Behör-
den sei durchaus bewusst, dass der Beschwerdeführer in die Schweiz ge-
flüchtet sei, die Befragung seiner Familienmitglieder und Bekannten ziele
aber darauf ab herauszufinden, wo genau er sich aufhalte und wann er
zurückkehre, um seine allfällige Rückkehr nicht zu verpassen, vermag an
dieser Einschätzung nichts zu ändern.
5.6.4 Zusammenfassend ist nicht davon auszugehen, dass es sich beim
Beschwerdeführer aufgrund der von ihm bis zu seiner Ausreise geltend ge-
machten Verfolgung oder im Zusammenhang mit der angeblichen behörd-
lichen Suche nach ihm insbesondere wegen exilpolitischen Aktivitäten um
eine den sri-lankischen Behörden bekannte und deshalb exponierte Per-
son handelt, welche bei einer Rückkehr in den Heimatstaat mit einer asyl-
beziehungsweise flüchtlingsrechtlich relevanten zu rechnen hat.
5.6.5 Was die vom Beschwerdeführer unter Bezugnahme auf den zu den
Akten gereichten Medienbericht von https:(...) geltend gemachte Diskrimi-
nierung und Verfolgung von Muslimen in Sri Lanka anbelangt, führte die
Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 24. Juni 2021 zutreffend aus,
dass sich daraus kein konkreter Bezug zum Beschwerdeführer herstellen
lasse. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist nicht auszuschliessen,
dass namentlich Muslime nach den Osteranschlägen vom Frühjahr 2019
https://medium.com/
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Seite 17
stärker unter Beobachtung und Kontrolle stehen, wobei sich die Ermitt-
lungs- und Kontrollmassnahmen der Behörden nicht in gezielter Art und
Weise gegen die muslimische Bevölkerung insgesamt richten, keine be-
sondere Intensität aufweisen oder über das hinausgehen, was andere Teile
der Bevölkerung an Nachteilen und Übergriffen hinzunehmen haben. Zu-
dem gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit
dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv ei-
ner Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären (vgl. Urteil des BVGer
D-170/2020 vom 22. Juli 2021 E. 7.4). Gegenteiliges vermag der Be-
schwerdeführer aus dem Verweis in seiner Replik auf den Bericht "Notiz
Sri Lanka – Lagefortschreibung" des SEM vom 7. Februar 2020 nicht ab-
zuleiten. Insgesamt ist somit nicht davon auszugehen, dass dem Be-
schwerdeführer aufgrund der aktuellen Lage in Sri Lanka bei einer Rück-
kehr asylrelevante Nachteile drohen würden. Somit ist auch das Vorliegen
eines objektiven Nachfluchtgrundes zu verneinen (vgl. Urteil des BVGer
E-557/2017 vom 17. Juli 2019).
5.6.6 Nach dem Gesagten erfüllt der Beschwerdeführer keinen der oben
erwähnten stark risikobegründenden Faktoren. Alleine aus der Zugehörig-
keit zur tamilischen Ethnie und muslimischen Minderheit sowie der fünfein-
halbjährigen Landesabwesenheit kann er keine Gefährdung ableiten. Auch
eine zwangsweise respektive durch die IOM begleitete Rückführung nach
Sri Lanka ist ein schwach risikobegründender Faktor, der nicht zur An-
nahme geeignet ist, dass er bei einer Rückkehr von den sri-lankischen Be-
hörden als Bedrohung wahrgenommen würde und ihm ernsthafte Nach-
teile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen könnten.
5.7 Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände und Vorbringen folgt,
dass das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers
verneint und sein Asylgesuch abgelehnt hat.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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Seite 18
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.3 Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich er-
hebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der
in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen-
den Verfahren keine Anwendung finden.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 25 Abs. 3 BV, nach Art. 3 FoK oder nach Art. 3 EMRK verbotenen
Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäi-
schen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-
D-6417/2018
Seite 19
Anti-Folterausschusses müsste er eine konkrete Gefahr („real risk“) nach-
weisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Fol-
ter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Der EGMR hat sich wiederholt mit der Gefährdungs-
situation von sri-lankischen Staatsangehörigen tamilischer Ethnie befasst
und festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkehren-
den Tamilen und Tamilinnen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Be-
handlung. Es müsse jedoch im Einzelfall anhand verschiedener Aspekte
eine Risikoeinschätzung vorgenommen werden (vgl. dazu das Urteil des
EGMR, R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11, § 37
m.w.H.). Personen, die einer bestimmten Gruppe angehören, welche sys-
tematisch einer unmenschlichen Behandlung ausgesetzt sind, könnten
sich ohne Darlegung weiterer besonderer herausgehobener Merkmale auf
Art. 3 EMRK berufen (Urteil des EGMR, X. gegen die Schweiz vom 26. Ja-
nuar 2017, 16744/14, § 61 m.w.H.). Auch lässt die allgemeine Menschen-
rechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeit-
punkt und unter Berücksichtigung der Veränderung der politischen Verhält-
nisse nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug
der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen
Bestimmungen zulässig.
7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.5 Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allgemei-
ner Gewalt. Der Wegweisungsvollzug in die Nord- und Ostprovinz Sri Lan-
kas ist zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskrite-
rien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Be-
ziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und
Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil E-1866/2015
E. 13.2). An dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichtigung der aktu-
ellen Entwicklungen in Sri Lanka festzuhalten.
Das Gericht erachtet den Vollzug vorliegend als zumutbar. Der bald 26-
jährige Beschwerdeführer wurde in B._ (Distrikt R._,
D-6417/2018
Seite 20
[...]provinz) geboren, wo er, abgesehen von einem mehrmonatigen Kurz-
aufenthalt in D._ im Jahr 2015, bis zu seiner Ausreise bei seinen
Eltern lebte. Er ist gemäss Aktenlage – abgesehen von Schmerzen im
rechten (...), welche er seit seiner Ankunft in der Schweiz habe (vgl. SEM-
Akte A7/11 Punkt 8.02) – gesund. Er hat das College bis zum A-Level be-
sucht. Bis zu seiner Ausreise war er nicht erwerbstätig. Sein Vater kam für
seinen Lebensunterhalt auf. Seine Eltern und Geschwister leben weiterhin
in B._, ebenso wie seine (...). Er verfügt somit über ein tragfähiges
Beziehungsnetz und eine gesicherte Wohnsituation in der Ostprovinz. Un-
ter diesen Umständen ist ihm die wirtschaftliche Reintegration und der Auf-
bau einer Existenz zuzumuten.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
7.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Zwischen-
verfügung vom 20. November 2018 das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung gutgeheissen wurde, ist auf die Auferlegung
von Verfahrenskosten zu verzichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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