Decision ID: f368033d-d90e-475b-a7d8-fe2e2f85d1ae
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1978, war seit September 2008 auf dem Bau im Bereich Brand
schutz tätig (Urk. 8/2 Ziff. 5.4), wobei er sich in den Jahren 2009 bis 2011 mehr
fach bei Arbeitsunfällen Verletzungen zuzog (vgl. Urk. 8/5/92,
Urk. 8/5/57, Urk. 8/
56 S. 2 lit. B-C). Am
16. Januar 2014
meldete er sich
unter Hinweis auf eine Diskushernie erstmals bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (Urk. 8/2 Ziff. 6.2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten des Unfallversi
cherers (Urk. 8/5, Urk. 8/16)
sowie der Krankentaggeldversiche
rung (Urk. 8/36, Urk. 8/44) bei
und holte bei
der
Y._
AG,
Z._
, ein polydisziplinäres Gutachten ein, welches am 16. August 2016 erstattet wurde (Urk. 8/100, vgl. auch Antwor
ten auf Rückfragen
in
Urk. 8/104
, Urk. 8/146
). Nach durchgeführtem Vorbe
scheidverfahren (Urk. 8/108, Urk. 8/113, Urk. 8/116
, Urk. 8/121, Urk. 8/139, Urk. 8/142, Urk. 8/158, Urk. 8/164
)
sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 29. Juli 2019 bei einem Invaliditätsgrad von 44 % eine Viertels
rente ab 1. Oktober 2014 zu (Urk. 8/165, Urk. 8/169 = Urk. 2)
.
2.
Der Versicherte erhob am 11. September 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 19. Juli 2019 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine ganze Rente zuzusprechen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 18. Oktober 2019 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was dem Beschwerdeführer am 23. Oktober 2019 mitgeteilt wurde (Urk. 9).
Mit Beschluss vom 23. Juni 2020 ordnete das Gericht eine psychiatrische Begut
achtung des Beschwerdeführers
durch
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsspital
B._
,
C._
,
an (Urk. 11)
. Nachdem keine der Parteien gegen die vorgesehene Gutach
terin Einwände erhoben hatte (Urk. 13-14), erteilte das Gericht mit Beschluss vom
14. September 2020
den definitiven Gutachtensauftrag
(Urk. 15)
, worauf
am 29. März 2021 das Gutachten erstattet wurde (Urk. 24). Am 10. Mai 2021 nahm der Beschwerdeführer Stellung zum Gutachten (Urk. 28), am 4. Juni 2021 ging die Stellu
ngnahme der Beschwerdegegnerin
ein (Urk. 30). Mit Beschluss vom 15. Juli 2021
wurden der Gutachterin Rückfragen gestellt (Urk. 33), welche mit Schreiben vom 7. Oktober 2021 beantwortet wurden (Urk. 38). Die Stellungnah
men des Beschwerdeführers vom 26. Oktober 2021 (Urk. 41) sowie der Beschwer
degegnerin
27. Oktober 2021
(Urk.
42) wurden den Parteien mit Verfügung vom 4. November 2021 je zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk.
44
).
Die BVG-Sammelstiftung Swiss Life, welche mit Gerichtsverfügung vom 22. November
2021 zum Prozess beigeladen wurde (Urk. 45), verzichtete mit Schreiben vom 15. Dezember 2021 auf eine Stellungnahme (Urk. 47).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E.
4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V
396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen
einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsl
eistung zu erbringen (BGE 145 V
215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b
/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E.
3a
mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Ausrichtung einer Viertelsrente in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) damit, dass gemäss Gutachten der
Y._
AG
die Ausübung des früheren Berufes als Montagemitarbeiter nicht mehr zumutbar sei. I
n angepassten Tätigkeiten
sei jedoch
ein reduziertes Leistungspen
sum
von 75 % möglich
, was
insgesamt
zu einem Invaliditätsgrad von 44 % führe (S.
3).
Am 4. Juni 2021 hielt die Beschwerdegegnerin zum Gerichtsgutachten fest (Urk. 30), dieses setze sich nicht nachvollziehbar und zu minim mit der Frage
auseinander, weshalb im Vergleich zum psychiatrischen Teilgutachten der
Y._
AG weder in der bisherigen noch in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeits
fähigkeit attestiert werden könne
(S. 1)
.
Die Beurteilung durch die Gutach
ter der
Y._
AG werde durch die
C._
-Gutachter zwar als kompetent begründet bezeichnet, jedoch
gelangten
sie zu einem anderen Schluss. Dies lasse darauf schliessen, dass es sich um eine andere Beurteilung desselben Sachverhal
tes handle. Eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes lasse sich dem aktuellen Gutachten nicht entnehmen, vielmehr werde bereits eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit ab Dezember 2013 angenommen. Es fehle zudem an einer Auseinan
dersetzung damit, wie sich die Erkrankung unter Optimierung der The
rapie (positiv) entwickeln und eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit eintreten könne. Es könne nicht ohne Weiteres auf das Gerichtsgutachten abgestellt wer
den, zumin
dest seien Rückfragen zu tätigen (S. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend (Urk. 1),
das
Gutachten der
Y._
AG leide insgesamt unter verschiedenen, grundlegenden methodi
schen und inhaltlichen Mängeln, so dass nicht darauf abgestellt werden könne (S. 19 Rz 50). I
m teilpsychiatrischen Gutachten
seien
die erheblichen psychischen Leiden nicht korrekt erfasst worden. Er sei in seiner Arbeitsfähigkeit vor allem aus psychischen Gründen eingeschränkt und habe schon mehrfach in psychiatri
schen Kliniken stationär behandelt werden müssen. Eine solche Behandlung erfolge offensicht
lich nicht aufgrund von «Befindlichkeitsstörungen» (S. 13 Rz 30).
Es
sei zutref
fend, dass psychosoziale Stressoren
vorlägen
, jedoch im Sinne eines Verstärkers und nicht als ursächliche Bedingung. Die Arbeitsunfähigkeit müsse deutlich höher als im Gutachten eingeschätzt werden, die Einschränkung dürfte bei 70 % liegen (S. 13 Rz 31).
In seiner Stellungnahme zum Gerichtsgutachten von Dr.
A._
vom 10. Mai 2021 (Urk. 28) führte der Beschwerdeführer aus, diese
s
sei sorgfältig und ein
leuchtend erstellt worden und unterscheide sich dadurch deutlich vom psychiat
rischen Teil
gutachten des
Medas
-Gutachtens vom 16. August 201
6.
Die Gutach
ter
kämen
zum Schluss, dass er seit Dezember 2013 keine Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit mehr aufweise. Eine Arbeitsfähigkeit in einer angepass
ten Tätigkeit sei sodann nicht gegeben (S. 2). Bei den beschriebenen psychischen Störungen bestehe ein relevanter Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
und es sei davon auszugehen, dass die Indikatorenprüfung ebenfalls zum Schluss führe, das
s
er vollständig eingeschränkt und zu berenten sei (S. 3).
Am 26. Oktober 2021 wies der Beschwerdeführer sodann darauf hin,
dass die G
erichtsg
utachterin knapp aber einleuchtend dargelegt habe, weshalb sie zu einer gänzlich anderen Beurteilung komme als die Experten im Jahre 201
6.
Seither sei
gemäss ihren Ausführungen eine relevante Verschlechterung erfolgt. Es liege allerdings der Schluss nahe, dass sein Gesundheitszustand damals nicht wesent
lich besser gewesen sei als heute (Urk. 41 S. 1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers
.
3.
3.
1
Im Auftrag der Beschwerdegegnerin wurde der Beschwerdeführer am 5. sowie 11. Juli 2016 durch Ärzte der
Y._
AG internistisch, orthopädisch sowie psychi
atrisch begutachtet. In ihrem
G
utachten vom 16. August 2016 (Urk. 8/100) nann
ten die Gutachter folgende Hauptdiagnosen
mit Einschränkung der Arbeits
fähig
keit (S. 53 Ziff. 7.1.1):
-
zervikoradikuläres
Syndrom
C7
rechts bei degenerativen Veränderungen ossärer und
diskogener
Art bei Zustand nach zervikaler
Epiduralblockade
und CT-gesteuerter
PRT
C7 rechts
-
Impingement
der rechten Schulter bei
mässiggradiger
AC-Arthrose, Bur
sitis
subacromialis
/
subdeltoidea
und partieller Läsion der Supraspinatus
sehne
acromionseitig
-
dringender Verdacht auf Fibromyalgie
Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter sodann folgende (S. 53 f. Ziff. 7.1.2):
-
intermittierendes lumbovertebrales Syndrom
-
Knick-Senk-Spreizfussbildung beidseits
-
mikrozytäre
normochrome
Anämie
-
Verdacht auf
Thalassämie
minor
-
Hypercholesterinämie
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Ganser-Syndrom (ICD-10 F44.80)
-
sonstige abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle (ICD-10 F63.8)
-
DD: akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1)
-
DD: kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0)
-
soziokulturelle Entwurzelung (Z60.3)
Aus orthopädischer Sicht
werde auf das MRI der HWS im November 2015 hinge
wiesen, welches eine bereits vorgängig festgestellte
Diskusprotrusion
auf Höhe
C6
/
C7
mit rechtsbetonter
foraminaler
Einengung bei zusätzlich bedingter
Unkarthrose
bestätige. Dadurch würden die Beschwerden im Bereich des Nackens und der rechten oberen Extremität zu einem grossen Teil erklärt. Das zu jenem Zeitpunkt angefertigte MRI der LWS zeige altersentsprech
ende Veränderungen, sodass hier
durch die Beschwerden der unteren Extremität nicht objektivierbar seien. Das im Juli 2014 angefertigte MRI der rechten Schulter zeige neben einer mässigen AC-Arthrose eine durch Bursitis bedingte
subacromiale
Einengung und eine partielle,
acromionseitig
gelegene Läsion der Supraspinatussehne. Hierdurch würden die feststellbaren leichten Funktionseinschränkungen am rechten Schul
tergelenk erklärt (S. 55 f. Ziff. 7.2.3).
Aus internistischer Sicht würden von den Beschwerden unabhängige Befunde bestehen, die
jedoch
auf die Arbeitsfähigkeit keinen Einfluss hätten (S. 56 Mitte).
Aus psychiatrischer Sicht
imponiere das demonstrative Verhalten des Beschwer
deführers,
einerseits
stöhnend, auf Schmerzempfindung hinweisend, andererseits durch unstimmige und falsche Antworten auf einfache Fragen. Die Art und das Ausmass, wie die Schmerzen mit Ausweitungstendenz dargestellt würden bei vor
handener psychosozialer Belastungssituation
,
passten
zu
r
in den Akten gestellten Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Sein Verhalten beziehungsweise der aktuelle psychische Befund würde für ein sogenanntes Ganser-Syndrom sprechen, da die dargebotenen kognitiven Störungen nicht durch andere gesicherte psychiatrische oder neurologische Erkrankungen erklärt werden könnten.
Der Beschwerdeführer habe unter Impuls
kontrollstörungen und geminderter Frustrationstoleranz gelitten, die zu kurzen Aufenthalten in psychiatrischen Institutionen geführt hätten, was zur Diagnose von «sonstigen abnormen Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle» passe. Dies sei nicht die Folge eines erkennbaren psychiatrischen Syndroms. Dif
ferenzialdiagnostisch würden
histrionische
sowie emotional instabile Persönlich
keitszüge in Frage kommen, wie dies auch in den Akten mehrmals aufgeführt worden sei. Der Verdacht auf eine post
traumatische Belastungsstörung, wie vom behandelnden Psychiater erwähnt, sei aufgrund der Begründung hypothetisch. So gehöre es auch zum Krankheitsbild einer chronischen Schmerzstörung, das
s
depressive Verstimmungen auftreten könnten. Offenbar habe der Beschwerdefüh
rer diese Episoden durchgemacht, denn derzeit sei er nicht depressiv. Es bestün
den multiple psychosoziale Belastungsfaktoren. Er sei ungenügend integriert, es mangle an Sprachkenntnissen und an einer beruflichen Ausbildung.
Die Inkon
sistenz seiner Angaben und seines Verhaltens würden zu Diskrepanzen bei der Diagnosestellung unterschiedlicher Fachleute führen, was zum Wesen seiner psy
chiatrischen Diagnosen gehöre. Es liege aber keine psychiatrische Diagnose vor, welche mit einer Beeinträchtigung der Willensanstrengung einhergehen würde.
Eine krankheitsbedingte Unfähigkeit zur Therapieadhärenz liege nicht vor.
Ins
gesamt bestünde psychiatrisch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(S. 56 oben)
.
Der Beschwerdeführer habe ein tiefes Selbsteinschätzungspotenzial erreicht, in dem er sich in keiner vollschichtigen, auch vorwiegend im Sitzen ausgeübten und körperlich leichten Tätigkeit fähig sehe. Dies widerspreche seinem Wunsch, einer Arbeit nachzugehen. Er gebe zwar an, einer Arbeit nachgehen zu müssen, weil ihm ansonsten die Decke auf den Kopf fallen würde, was aber inkonsistent zu seinen Beschwerden sei. Die Ressourcen seien gering. Es bestehe keine namhafte Ausbildung, er sei in zweiter Ehe verheiratet und Vater zweier Töchter, wobei die Familie eher belastet zu sein scheine. Zu seinen Geschwistern habe er lediglich telefonischen Kontakt. Eigentliche Ressourcen seien beim Beschwerdeführer nicht auszumachen (S. 56 Ziff. 7.2.4).
Zur Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, d
ie zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Montagemitarbeiter müsse als leichte bis mittelschwere Tätigkeit betrachtet wer
den. Allerdings beinhalte diese Tätigkeit das Einnehmen von Zwangspositionen der Wirbelsäule und der oberen Extremitäten. Aufgrund der orthopädischen Beurteilung sei diese Tätigkeit nicht mehr zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht bestünden keine
mittel- oder langfristigen
Einschränkungen
der
Leistungsfähig
keit
, der Beschwerdeführer sei vollständig arbeitsfähig.
Auch aus internistischer Sicht
betrage die Arbeitsfähigkeit 100 %
.
Aus polydisziplinärer Sicht bestehe in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit eine mittel- bis langfristige Leistungsminderung von 100 % (S. 57 Ziff. 8.1.1). Diese Arbeitsunfähigkeit beginne aufgrund der Dokumentation der damalig behandelnden Ärzte Ende des Jahres 2013 (S. 57 Ziff. 8.1.2). In
einer
adaptierte
n
Tätigkeit bestehe aufgrund der orthopädischen Beurteilung eine 75%ige Arbeitsfähigkeit, dies beinhalte eine tägliche Arbeitszeit von sieben Stunden (S. 57 Ziff. 8.2.1). Aus internistischer und orthopädischer Sicht seien keine spezifischen Therapieempfehlungen notwendig beziehungsweise es werde von
interventionellen
oder gar operativen Massnahmen abgeraten. Aus psychiatrischer Sicht werde eine stationäre Behandlung empfohlen (S. 58 Ziff. 8.3). Aufgrund der psychiatrischen Diagnose sei die Prognose schwer abzu
schätzen. Sofern eine Verhaltensänderung des Beschwerdeführer
s
erreicht werden könne, sei diese gut (S. 58 Ziff. 8.4).
3.
2
Auf entsprechende Nachfrage der Beschwerdegegnerin führten die Gutachter der
Y._
AG
am 6. September 2016 aus (Urk. 8/104), einerseits bestehe eine Schmerzverarbeitungsstörung, andererseits akzentuierte Persönlichkeitszüge wie auch abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle im sozialen
V
erhalten, welche zwar nicht invalidisierend seien, aber zu einer Befindlichkeits
störung des Beschwerdeführers führ
t
en. Auch seine Umgebung, insbesondere seine Familie, dürfte darunter leiden. Es sei daher eine längere psychotherapeuti
sche Behandlung im stationären Rahmen empfohlen worden, damit der Beschwerdeführer die Möglichkeit bekomme,
sich
in psychosozialer und emotio
naler Hinsicht zu stabilisieren. Eine längere psychotherapeutische Behandlung sei ihm zumutbar. Fraglich sei allerdings, ob er dafür genug Motivation aufbringe (S. 3).
3.
3
Auf weitere Rückfragen der Beschwerdegegnerin antwortete
der psychiatrische Teilgutachter der
Y._
AG
Dr.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera
pie,
am 27. März 2018
(Urk. 8/146)
,
als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit sei eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren aufgeführt
und begründet
worden. Unter Ziff. 5.4.4 werde festgehalten, dass in den zu beurteilenden Fähigkeiten gemäss Mini-ICF aus psy
chiatrischer Sicht keine anhaltende Beeinträchtigung bestätigt werden könne. Die funktionel
len Einschränkungen würden aus orthopädischer Sicht ausführlich gewürdigt. Wie polydisziplinär besprochen, seien für die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit die orthopädischen Diagnosen massgebend (S. 1 Ziff. 1).
Die Diagnose von sons
tigen abnormen Gewohnheiten und Störungen der Impulskon
trolle sei gestellt worden, weil sonst die Kriterien für eine spezifische Persönlich
keitsstörung nicht erfüllt seien. Es bestünden einzelne Symptome wie Neigung zu Ausbrüchen von Wut und dramatische Selbstdarstellung, welche sich mit der Diagnose von
histri
onischen
und emotional instabilen Persönlichkeitszügen überlappten, und letz
tere als Differenzialdiagnose rechtfertigten. Auch differen
zialdiagnostisch sei eine kombinierte Persönlichkeitsstörung aufgeführt worden, insbesondere, weil diese durch den behandelnden Psychiater als Diagnose aufge
führt werde, wobei dafür nur einzelne Symptome vorhanden seien. Die Kriterien zur Diagnose einer Per
sönlichkeitsstörung würden nicht voll erfüllt (S. 1 Ziff. 2). Sowohl anamnestisch als auch durch das Verhalten des Beschwerdeführers wäh
rend der Untersuchung sei zu entnehmen, dass er nebst Schmerzen auch Stress für seine Befindlichkeit geltend mache. Der Beschwerdeführer sei offensichtlich unzufrieden mit seinen Lebensumständen, fühle sich den psychosozialen Anfor
derungen nicht gewach
sen und definiere diese durch Stress. Es liege
aber
keine psychiatrische Diagnose vor, welche mit einer Beeinträchtigung der Willensan
strengung einhergehen würde, wie dies bereits im Gutachten festgehalten worden sei. Aus den Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit würden keine funk
tionellen Einschränkun
gen abgeleitet (S. 2 Ziff. 3).
3.4
Dr. med.
A._
sowie Prof. Dr. med.
E._
, Fach
ä
rzt
e
für Neuro
logie
sowie
für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitäre Psychiatrische Kli
niken
B._
,
C._
, erstatteten am 29. März 2021 ein Gutachten im Auftrag des Gerichts (Urk. 24). Sie stützten sich dabei auf die ihnen überlassenen Akten (S. 30 ff.) sowie die von Dr.
A._
anlässlich der Exploration vom 3. Februar 2021 erhobe
nen Befunde und durchgeführten testpsychologischen Zusatzunter
suchungen (S. 2 f.).
Die Gutachter diagnostizierten eine
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren mit ausgeprägten Schmerzen, Angstsyndrom und depressivem Syndrom (ICD-10
F45.41
; S. 13 Ziff. 6.1)
und nannten weiter fol
gende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
3
Ziff. 6.2):
-
anamnestisch Ganser-Syndrom (ICD-10 F44.8)
-
anamnestisch rezidivierende depressive Störung mit schweren Episoden mit psychotischen Symptomen (
ICD-
10 F33)
-
anamnestisch Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
anamnestisch kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabi
len und narzisstischen Zügen sowie mit Impulskontrollverlusten (
ICD-
10 F61.0)
Es liege ein schweres psychiatrisches Krankheitsbild vor. Im Vordergrund stehe eine ausgeprägte Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, diese seien als führend zu betrachten. Im Rahmen dieser Störung finde sich eine ausgeprägte Angstsymptomatik mit hypochondrischen Ängsten sowie eine rele
vante Depressivität. Darüber
hinaus
sei eine posttraumatische Belastungsstörung nicht auszuschliessen. Allerdings bleibe unklar, auf welches traumatisierende Ereignis die erlebten Flashbacks zurückzuführen seien. Somit könne aus gut
achterlicher Sicht eine posttraumatische Belastungsstörung nicht diagnostiziert werden, obwohl sie aus klinisch-psychiatrischer Sicht möglich erscheine.
Das auf
fällige Verhalten des Beschwerdeführers mit Vorbeireden und Angabe
n von Erinnerungsproblemen könn
e für ein Ganser-Syndrom sprechen. Da die Sympto
matik jedoch nicht isoliert auftrete und der Beschwerdeführer zwischendurch auch adäquate Antworten gebe, werde das Syndrom nicht unter den Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt. Bei bekannter rezidivierender depressiver Störung fänden sich aktuell Hinweise für eine relevante Depressivität. Diese sei jedoch aufgrund von Diskrepanzen nicht weiter
d
ifferenzierbar, so dass derzeit von einer Depressivität im Rahmen der Schmerzstörung auszugehen sei.
Die Schmerzen stünden im Vordergrund des Erlebens, er sei gedanklich auf die Schmerzen eingeengt und richte seinen Alltag lau
t
eigen- und fremdanamnesti
schen Angaben nach den Schmerzen aus. Seit Jahren nehme er mehrere somati
sche und psychiatrische Behandlungen war. Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule seien beschrieben worden, erklärten jedoch die ausgeprägte Schmerzsymptomatik nicht. Die Kriterien einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren seien erfüllt.
In der Exploration hätten sich zwar Hinweise auf eine Verdeutlichung in der Schmerzdarstellung gefunden, jedoch keine Hinweise auf eine bewusstseinsnahe Aggravation oder Simulation. Bei diesem komplexen Krankheitsbild mit zahlreichen Symptomen einer fluktu
ierenden Störung des Erlebens und des Verhaltens
im Verlauf würden diagnosti
sche Unsicherheiten bestehen bleiben, jedoch erscheine ein schwerer zugrunde
liegender neurotischer Prozess als überwiegend wahrscheinlich und werde gestützt durch die vorliegenden Behandlungsdokumente. Bei diesem
chronifizier
ten
Krankheitsbild, welches sich trotz mehrfach durchgeführten somatischen und psychiatrischen Behandlungen (auch psychopharmakologisch) therapieresistent zeige, bestehe ein dringender Handlungsbedarf mit Erarbeitung eines tragfähigen, dem Bildungsniveau des Beschwerdeführers angepassten Krankheitskonzepts und Ausarbeitung von Coping-Strategien im Umgang mit Schmerzen, soweit der Beschwerdeführer es zulasse. Aus klinisch-gutachterlicher Sicht scheine eine The
rapiemotivation mit Wunsch nach Schmerzreduktion vorzuliegen, jedoch bestehe eine reduzierte Introspektionsfähigkeit bei einfacher Persönlichkeitsstruktur und sehr wahrscheinlich einem geringen Bildungsgrad. Nichtsdestotrotz sollte eine multimodale Schmerztherapie, vorzugsweise in der Muttersprache, durchgeführt werden. Die medikamentöse Therapie könnte aus psychiatrischer Sicht ausgebaut beziehungsweise intensiviert werden. Die Medikamentenspiegel seien mit einer unregelmässigen Einnahme von Psychopharmaka vereinbar, eine medikamentöse Non-Compliance werde vom behandelnden Psychiater vorbeschrieben
(S. 14 f. Ziff. 7.1)
.
Seit zirka dem Jahre 2009 zeige sich ein Krankheitsbild mit Suizidalität, Fremdag
gressivität, Persönlichkeitsproblematik, Depressionen, psychotischen Episoden, Orientierungsstörungen, dissoziativen Symptomen und chronischen Schmerzen. Die Symptomatik fluktuiere, ebenso der psychopathologische Befund und das Verhalten, wobei das Schmerzerleben im Längsschnitt führend erscheine. Eine Besserung der Symptomatik im Verlauf sei nicht ersichtlich, eigenanamnestisch werde eine Zunahme der Symptomatik im Verlauf trotz zahlreichen stationären Aufenthalten berichtet. Im Umgang mit Schmerzen bestehe eine Hilflosigkeit
beziehungsweise ein dysfunktionales Verhalten. Der Verlauf sei trotz durchge
führter Therapien unbefriedigend. Das Krankheitsbild zeige sich therapieresistent (S. 22 f.)
.
Zwischen den subjektiven Beschwerdeschilderungen des Beschwerdeführers und seinem Verhalten in der Untersuchungssituation bestünden keine Diskrepanzen. Er schildere starke Schmerzen, die im Fokus seiner Kognitionen stünden. Dem
entsprechend zeige sich in der Exploration auch ein schmerzmodulierendes Ver
halten. Aus klinischer Sicht sei die gezeigte Schmerzzunahme bei unveränderter Körperposition sowie eine Zunahme der Schmerzen zum Ende der dreistündigen Exploration nachvollziehbar. Die Angaben des Beschwerdeführers bezüglich Schmerzen und ihren Auswirkungen auf den Alltag stimmten mit den Angaben der Ehefrau überein.
Warum der Beschwerdeführer Gedächtnisstörungen angebe, lasse sich nicht klären. Das Ausmass der geschilderten Beschwerden beziehungs
weise des Leidensdrucks stehe in Übereinstimmung mit der Inanspruchnahme therapeutischer Hilfe, der Medikamentenspiegel sei zumindest teilweise nach
weisbar. Das Vorbringen der Klagen wirke etwas verdeutlichend, jedoch nicht vorgetäuscht. Der Wechsel von unterschiedlichen Formen beziehungsweise klini
schen Bildern der Erkrankung im Verlauf sei nicht ganz klar. Zum Beispiel blieben die Gründe für die Entwicklung der psychotischen Symptome in der Vergangen
heit unklar. Auch nicht klar sei, ob der Beschwerdeführer eine Traumatisierung erlebt habe. Das auffällige Verhalten mit Vorbeireden, Gegenfragen und Hilflo
sigkeit könne aus psychiatrischer Sicht nicht erklärt werden. Möglicherweise handle es sich um eine dissoziative Symptomatik. Feste Hinweise dafür, dass der Beschwerdeführer bewusst die Mitarbeit verweigere, fänden sich nicht. Er habe sich Mühe gegeben, durchzuhalten und die Tests mitzumachen. Die aktenanam
nestisch gestellte Diagnose einer Schmerzstörung ziehe sich durch den ganzen Längsverlauf und könne bestätigt werden. Bezüglich anderer aktenanamnestisch gestellter Diagnosen bestünden Diskrepanzen (S. 23 Ziff. 7.3).
Zu einer wichtigen Ressource des Beschwerdeführers gehöre die familiäre Unter
stützung. Im Rahmen der psychischen Störung bestünden relevante Defizite in Bezug auf Funktionalität. In der Fähigkeit, sich an Regeln zu halten, Termine verabredungsgemäss wahrzunehmen und sich in Organisationsabläufe einzufü
gen, bestünden Defizite aufgrund der chronischen Schmerzen. Es sei zu erwarten, dass es bei Überlastungen zu impulsivem Verhalten komme, dieses werde in den Akten beschrieben, obwohl es bei der aktuellen Exploration nicht beobachtbar gewesen sei. In der Fähigkeit, die Aufgaben zu planen und zu strukturieren, bestünden Störungen aufgrund der kognitiven Einengung auf das Schmerzerle
ben. Im Bereich der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit fänden sich deutliche
Defizite durch die chronischen Schmerzen. Ebenso seien im Bereich der Anwen
dung fachlicher Kompetenzen schmerzbedingte Defizite zu erwarten. Das Entscheidungs- und Urteilsvermögen könne durch die aktenanamnestisch beschrie
bene Impulsivität beeinträchtigt sein. In der Durchhaltefähigkeit bestünden erhebliche Defizite durch das Schmerzerleben. Der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage, in einer Körperposition längere Zeit zu verbringen und müsse ständig seine Körperlage wechseln. Es bestehe eine deutlich reduzierte Schmerztoleranz und eine reduzierte emotionale Belastbarkeit. Sowohl in der Fähigkeit, informelle soziale Kontakte mit anderen Menschen aufzunehmen, als auch in der Gruppen
fähigkeit bestünden Defizite durch sozialen Rückzug und Einengung auf die Schmerzen. In seinem aktuellen Zustand sei der Beschwerdeführer nicht in der Lage, auf andere Menschen einzugehen. Es sei anzunehmen, dass die Fähigkeit, enge Beziehungen zu anvertrauten Menschen oder in der Familie aufzunehmen und aufrechtzuerhalten, zumindest defizitär erhalten sei. In der Fähigkeit, Spon
tanaktivitäten zu initiieren und in den Alltag zu integrieren, bestünden deutliche Einschränkungen. Der Beschwerdeführer sei den ganzen Tag mit seinen Schmer
zen beschäftigt. Im Bereich der Selbstpflege seien keine Einschränkungen fest
stellbar. In der Fähigkeit, öffentliche Verkehrsmittel nutzen zu können, bestünden Einschränkung
en aufgrund des Schmerzerlebens (S. 24 Ziff. 7.4).
In der angestammten Tätigkeit als angelernter Bauarbeiter bestehe spätestens seit Dezember 2013 keine Arbeitsfähigkeit mehr. Aufgrund der gestörten Konzentra
tion, der Ablenkung durch die Schmerzen, der psychomotorischen Verlangsa
mung und des nicht auszuschliessenden dissoziativen Erlebens sei der Beschwer
deführer bei der Arbeit an einer Baustelle gefährdet und gefährde andere (S. 24 Ziff. 8.1). Im aktuellen Zustand sei der Beschwerdeführer weiterhin dringend behandlungsbedürftig. Aufgrund der Ausprägung der Schmerzen bestehe derzeit keine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt sowie keine Beschäftigungs
fähigkeit auf dem zweiten Arbeitsmarkt. Die Einschätzung der aufgehobenen Arbeitsfähigkeit gelte überwiegend wahrscheinlich auch in angepasster Tätigkeit seit Dezember 2013 (S. 25 Ziff. 8.2). Es werde dringend eine multimodale Schmerztherapie unter Medikamentenspiegelkontrolle im Rahmen eines stationä
ren Aufenthaltes mit anschliessender tagesklinischer Behandlung empfohlen (S. 25 Ziff. 8.3).
Die Beurteilung durch Dr.
F._
im Jahre 2014 sei aus heutiger Sicht nachvoll
ziehbar. Das Krankheitsbild sei noch nicht stark chronifiziert gewesen, jedoch habe sich bereits damals eine dissoziative S
ymptomatik gezeigt, sodass von einer
beginnenden bedeutsamen psychischen Störung bereits im Jahre 2014 auszuge
hen sei (S. 26). Im Zeitpunkt der Begutachtung durch die
Y._
AG im Jahre 2016 habe das Krankheitsbild überwiegend Aggravationssymptome gezeigt. Aus die
sem Grund erscheine die damalige psychiatrische Einschätzung des Querschnitt
bildes isoliert gesehen als nachvollziehbar, jedoch sei das Krank
heitsbild im Längsschnitt nicht ausreichend gewürdigt worden. Das beschrieben
e
demonstra
tive Verhalten schliesse streng genommen einen Krankheitskern nicht aus und könne sogar ein Teil dessen sein, eine diesbezügliche Auseinanderset
zung mit der Behandlungsdokumentation fehle. Unter Berücksichtigung des Längsverlaufs, der Aktenlage, der Eigen- und Fremdanamnese sei davon auszu
gehen, dass auch zum Zeitpunkt dieser Begutachtung ein relevantes Krankheits
bild mit aufgehobener Arbeitsfähigkeit vorgelegen habe (S. 27).
Bis auf die familiäre Unterstützung seien derzeit keine Ressourcen erkennbar (S. 28 Ziff. 6).
Insgesamt handle es sich um eine psychische Störung mittleren bis schweren Gra
des, die sich seit dem Jahre 2009 chronifiziert und verschlechtert habe. Das Glei
che gelte für die Zeitperiode ab 2014 bis zum Gutachtenszeitpunkt. Im Verlauf hätten sich unterschiedliche Symptome gezeigt, auch depressive und psychoti
sche, sowie Störungen der Persönlichkeit. Im Vordergrund habe jedoch die Schmerzstörung gestanden, diese stehe auch aktuell im Vordergrund des klini
schen Bildes (S. 28 Ziff. 8). Aufgrund der bislang suboptimalen medikamentösen Compliance beurteilten sie die Möglichkeiten einer medikamentösen schmerzmo
dulierenden Therapie als noch nicht ausgeschöpft (S. 28 Ziff. 9). Eine stationäre multimodale Schmerztherapie mit Medikamentenspiegelkontrollen sei dringend erforderlich (S. 28 Ziff. 10).
3.
5
Auf entsprechende Rückfrage führten Dr.
A._
und Prof. Dr.
E._
mit Schrei
ben vom 7. Oktober 2021
(Urk. 38)
aus, im Gutachten der
Y._
AG vom 16. August 2016 seien die gestellten Diagnosen als reine Befindlichkeitsstörung respektive als ohne anhaltende funktionelle Beeinträchtigung
beurteilt
worden. Aktuell sei die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychi
schen Faktoren mit ausgeprägten Schmerzen, Angstsyndrom und depres
sivem Syndrom mit erheblichen Auswirkungen der Schmerzen sowie der Angst
sympto
matik und der relevanten Depressivität in allen Lebensbereichen zu stellen (S. 1). Die leidensbedingten funktionellen Auswirkungen seien aktuell von einem Aus
mass, welches eine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt ausschliesse. Damit liege eine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes beziehungs
weise der Arbeitsfähigkeit im Vergleich mit der Situation im Jahre 2016 vor. Bei der Erkrankung des Beschwerdeführers handle es sich um eine Krankheit mit
einem langen, therapieresistenten Verlauf trotz mehrerer Behandlungsansätze. Bei diesem Verlauf sei eine vollständige Rückbildung der Erkrankung äusserst unwahrscheinlich. Durch die empfohlene Therapie in Form einer multimodalen Schmerztherapie unter Medikamentenspiegelkontrolle im Rahmen eines stationä
ren Aufenthaltes mit anschliessender tagesklinischer Behandlung könnte eine Stabilisierung mit Schmerzreduktion versucht werden. Die Chancen einer solchen Therapie, den Verlauf zu beeinflussen, seien jedoch äusserst gering. Eine Steige
rung der Arbeitsfähigkeit sei unwahrscheinlich. Denn
och seien sie der Meinung,
dass unter Berücksichtigung des Leidensdrucks des Beschwerdeführers ein erneu
ter Behandlungsversuch mit Erarbeitung eines tragfähigen Krankheitskonzeptes und Ausarbeitung von Coping-Strategien erfolgen sollte. Eine Diskrepanz bestehe hier aus gutachterlicher Sicht nicht. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Erarbei
tung eines dem Bildungsniveau des Beschwerdeführers angepassten Krankheits
konzepts zur besseren Bewältigung des Krankheitsbildes führen könnte (S. 2).
4.
4.1
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist
oder
wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 143 V 269 E. 6.2.3.2, 125 V 351 E.
3b
/
aa
).
4
.2
Vorliegend besteht kein Grund, von der Beurteilung im Gerichtsgutachten abzu
weichen. Das Gutachten der
C._
B._
vom 29. März 2021
erfüllt die praxisge
mässen Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise (E.
1.6
) vollumfäng
lich, und es stellt eine Einschätzung
des Leistungsvermögens dar, welche auf dem Vergleich zwischen leistungshindernden Belastungsfaktoren und Kompensations
potentialen (Ressourcen) beruht (E.
1.4
). Im Gutachten werden die rechtspre
chungsgemäss relevanten Standardindikatoren (E.
1.5
) vollständig thematisiert und einlässlich gewürdigt. Die von der Rechtsprechung zu prüfende Frage, ob
sich die Gutachter an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehal
ten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikato
ren eingeschätzt
haben
(BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist demnach klar zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlagen lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen (E.
1.4
).
4.3
Somit ist hinsichtlich der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeits
fähigkeit auf die Angaben im Gerichtsgutachten abzustellen und der medizinische Sachverhalt ist als dahingehend erstellt zu betrachten,
dass der Beschwerdeführer aufgrund der bestehenden chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren mit ausgeprägten Schmerzen, Angstsyndrom und depres
sivem Syndrom seit spätestens Dezember 2013
in der angestammten Tätigkeit als angelernter Bauarbeiter nicht mehr arbeitsfähig ist. Auch in jeder anderen Tätig
keit auf dem ersten Arbeitsmarkt wie auch in einer Beschäftigungstätigkeit auf dem zweiten Arbeitsmarkt besteht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seit Dezember 2013 keine Arbeitsfähigkeit mehr. Gemäss den Ausführungen der Gerichtsgutachter handelt es sich um eine Krankheit mit einem langen, therapie
resistenten Verlauf trotz mehrerer Behandlungsansätze. Bei diesem Verlauf
ist
eine vollständige Rückbildung der Erkrankung äusserst unwahrscheinlich.
In der empfohlenen Therapie in Form einer multimodalen Schmerztherapie unter Medi
kamentenspiegelkontrolle im Rahmen eines stationären Aufenthaltes mit anschliessender tagesklinischer Behandlung sahen die Gerichtsgutachter den Ver
such einer Stabilisierung mit Schmerzreduktion. Die Chancen einer solchen Therapie, den Verlauf zu beeinflussen, stuften sie jedoch als äusserst gering ein, eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei unwahrscheinlich (E. 3.4-5).
4.4
Die Gerichtsgutachter nahmen auch zum Gutachten der
Y._
AG vom 16. August 2016 Stellung. In diesem war eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit attestiert worden, eine leidensangepasste Tätigkeit jedoch war in einem Pensum von 75 % als zumutbar erachtet worden (E. 3.1).
Die Beschwerdegegnerin hatte denn auch moniert, beim Gerichtsgutachten handle es sich lediglich um eine andere Beurteilung desselben Sachverhaltes, eine Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes lasse sich dem Gerichtsgutachten nicht entnehmen. Zudem fehle es an einer Auseinandersetzung damit, wie sich die Erkrankung unter Optimierung der Therapie entwickeln und eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit eintreten könne (E. 2.1).
Die Gerichtsgutachter hielten hierzu
überzeugend
fest, die damalige psychiatrische Einschätzung des Querschnittbildes erscheine isoliert gesehen als nachvollziehbar, nachdem das Krankheitsbild damals überwiegend Aggravationssymptome gezeigt habe. Das Krankheitsbild sei
jedoch im Längsschnitt nicht ausreichend gewürdigt worden. Das damals beschriebene demonstrative Verhalten schliesse streng genommen einen Krank
heitskern nicht aus und könne sogar
ein Teil dessen sein. Eine diesbezügliche Auseinandersetzung mit der Behandlungsdokumentation fehle jedoch im Gutach
ten der
Y._
AG. Unter Berücksichtigung des Längsverlaufs, der Aktenlage, der Eigen- und Fremdanamnese sei davon auszugehen, dass auch zum Zeitpunkt dieser Begutachtung bereits ein relevantes Krankheitsbild mit aufgehobener Arbeitsfähigkeit vorgelegen habe (E. 3.4). Dies vermag
in allen Teilen
zu über
zeugen.
4.5
Insgesamt wurde im Gerichtsgutachten vom 29. März 2021 sowie in der ergän
zenden Stellungnahme vom 7. Oktober 2021 nachvollziehbar und überzeugend dargelegt, dass aufgrund des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers seit Dezember 2013 keine auf dem ersten Arbeitsmarkt verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr vorliegt.
Dr.
A._
sowie Prof. Dr.
E._
setzten sich sodann
eingehend mit den Stan
dard
indikatoren (E.
1.5
) auseinander (
vgl. E. 3.4
). Ihre Beurteilung umfasst das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so ver
fasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde.
Die Gerichtsgutachter sind
bei der Beantwortung der Frage, wie sie das Leistungsvermögen einschätzte
n
, den einschlägigen Indikatoren gefolgt, sie
haben
ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind, und ihre versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung ist auf objektivierter Grundlage erfolgt. Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob sich
die Gutachter
an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist klar zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Stan
dardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrschein
lichkeit nachweisen, weshalb auf das Gutachten abzustellen ist.
5.
Was den Rentenbeginn betrifft, entsteht der Rentenanspruch gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungs
anspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG. Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtspre
chung stellt diese Frist von sechs Monaten eine
verfahrensmässige
Anspruchsvo
raussetzung dar, indem sie an die Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach
Art. 29 Abs. 1 ATSG anknüpft. Diese Bestimmung sieht vor, dass die Person, die eine Versicherungsleistung beansprucht, sich beim zuständigen Versicherungs
träger in der für die jeweilige Sozialversicherung gültigen Form anzumelden hat (BGE 142 V 547 E. 3.2).
Gestützt auf das Gerichtsgutachten ist davon auszugehen, dass der Beschwerde
führer seit Dezember 2013 sowohl
in der angestammten Tätigkeit als angelernter Bauarbeiter als auch in jeder anderen Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig ist.
Nachdem sich der Beschwerdeführer erst am 16. Januar 2014 bei der Beschwer
degegnerin zum Leistungsbezug angemeldet hat (vgl. Urk. 8/2), liegt eine verspä
tete Anmeldung vor. Der Rentenanspruch entsteht vorliegend in Beachtung von Art. 29 Abs. 1 IVG erst ab 1. Juli 2014.
6
.
6
.1
Es bleibt die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen der bestehenden Einschrän
kungen.
6
.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Pro
zentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbs
einkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkom
men auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs. 2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (Urteil des Bundes
gerichts 9C_492/2018 vom 24. Januar 2019 E. 4.3.2 mit Hinweis auf Urteil 8C_333/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichti
gung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentver
gleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundesge
richts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1
.
6
.3
Der Beschwerdeführer ist seit Dezember 2013 sowohl in der angestammten Tätigkeit als angelernter Bauarbeiter als auch in jeder anderen Tätigkeit vollstän
dig arbeitsunfähig. Auf einen Einkommensvergleich mittels Tabellenlöhnen kann daher verzichtet werden. Bei einer vollständigen Erwerbsunfähigkeit resultiert ein Invaliditätsgrad von 100 %. Der Beschwerdeführer hat damit
ab Juli 2014 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
7
.
7
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 1’000.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7
.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (§ 34 Abs. 3 GSVGer). Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von Fr. 3’600.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) als angemessen.
7
.3
In Bezug auf die Frage nach der Kostentragung des Gerichtsgutachtens des
C._
ist
festzuhalten, dass die Kosten eines
Gerichtsgutachtens der Verwaltung aufer
legt werden können, wenn ein Zusammenhang zwischen dem Untersuchungs
mangel seitens der Verwaltung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen, besteht
(BGE 139 V 496 E. 4.4)
. Dies ist unter anderem der Fall, wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder auf eine Expertise abgestellt hat, welche die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht e
rfüllt (BGE
140 V 70 E. 6.1 mit Hinweisen). Das hiesige Gericht gelangte mit Beschluss vom 23. Juni 2020 zum Schluss, aufgrund der bis dahin vorhandenen Akten lasse sich ein allfälliger Rentenanspruch des Beschwerdeführers nicht feststellen (Urk. 11) und stellte letztendlich auf das Gerichtsgutachten ab. Die Gutachter des
C._
gelangten denn auch zum Schluss, dass das Gutachten der
Y._
AG
unter isolierter Berücksichtigung des Querschnittbildes zwar nachvollziehbar erscheine, das Krankheitsbild im Längsschnitt jedoch nicht ausreichend gewürdigt worden sei (E. 3.4). Selbst die Beschwerdegegnerin war offensichtlich vom Gutachten der
Y._
AG nicht vollständig überzeugt, stellte sie doch zweimal Rückfragen zum besseren Verständnis (E. 3.2-3).
Damit
sind die
rechtsprechungsgemässen
Anfor
derungen erfüllt, welche es rechtfertigen
,
der Beschwerdegegnerin
die Kos
ten für das
Gerichtsgutachten
sowie die Beantwortung der Rückfragen in der Höhe von insgesamt Fr. 7‘890.35 (Urk. 27, Urk. 48)
zu überbinden.