Decision ID: 616848d3-a564-4533-bcec-59951dd4c311
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1973 geborene
X._
leidet an einer angeborenen Schwerhörigkeit sowie einer frühkindlichen Hirnentwicklungsstörung unklarer Ätiologie (Urk.
3/4 f.). Am
31. Juli 1994
schloss sie
ihre Lehre zur Bäckerin-Konditorin
ab (
Urk.
15/A4
a
). V
om 3. August 1995 bis 31. Januar 1
999
arbeitete sie
im
Y._
,
in der Patisserie
(
nachfolgend:
Y._
,
Urk.
15/A6).
Danach war sie an verschiedenen Stellen (Verkäuferin, Küchenhilfe, Mitarbeiterin Cafe
teria, Reinigung, Kinderbetreuerin/Haushaltshilfe, Hauswirtschaft/Wäscherei) tä
tig (
Urk.
3/3
)
.
Am 6. November 2007 (
Urk.
15/A3) erliess die Suva nach durchge
führter medizinischer Untersuchung
von
X._
mit dem Ergebnis
einer
starke
n
Sensibilisierung gegenüber
Bäckereihilfs
- und
–
zusatzstoffen
(
Urk.
15/M1
; nachfolgend: Berufskrankheit
)
eine Nichteignungsverfügung für die Tätig
keiten als Bäckerin/Konditorin.
1.2
Am 19. November 2015 meldete sich
X._
aufgrund ihrer Berufskrank
heit
bei der Axa
Versicherungen
Winterthur
AG
(nachfolgend:
Axa)
zum
Leis
tungs
,
insbesonde
re Rentenbezug
,
an (
Urk.
15/A1
-A6
).
Die Axa anerkannte da
raufhin ihre Zuständigkeit und gewährte der Versicherten
unter anderem
das rechtliche Gehör betreffend die Abweisung eines Rentenanspruchs (
Urk.
15/A12, 15/A17).
Mit Verfügung vom 3. November 2016 (
Urk.
15/A28) bejahte die Axa im Zusam
menhang mit der Berufskrankheit die Übernahme der Heilungskosten, verneinte dagegen den Anspruch auf eine Invalidenrente
bei einem Invaliditätsgrad von 3
%
.
Die hiergegen erhobene Einsprache (
Urk.
15/A32) wurde mit
Einspracheent
scheid
vom 3. August 2017 (
Urk.
2) abgewiesen.
2.
Mit Eingabe vom 14. September 2017 erhob die Versicherte gegen den
Ein
spracheentscheid
der Axa Beschwerde (
Urk.
1) und stellte folgende Anträge
(S. 2)
:
«
1.
Der
Einspracheentscheid
vom 3. August 2017 sei aufzuheben.
2.
Es sei der Beschwerdeführerin eine Rente der Unfallversicherung ab
November
2010 in der Höhe
von
12 % auszurichten.
3.
Der Beschwerdeführerin sei die unterzeichnende Anwältin als unent
geltliche Rechtsvertreterin zur Seite zu stellen.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerde
gegnerin.»
In ihrer Beschwerdeantwort vom 22. Januar 2018 (
Urk.
14)
beantragte die Be
schwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde.
Nach Eingang der Unterlagen für die Beurteilung der prozessualen Bedürftigkeit (
Urk.
5-9)
wies das Gericht das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung mit Verfügung vom 20. Februar 2018 (
Urk.
18) ab.
Mit Replik vom 13. März 2018 (
Urk.
20) hielt die Beschwerdeführerin vollum
fänglich an ihren Anträgen fest, was der Beschwerdegegnerin am 22. März 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
21).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. No
vember 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversiche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Die hier zu beurteilende Berufskrankheit ist vor dem 1. Januar 2017 ausgebro
chen, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vor
liegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden
.
1.2
Nach
Art.
9
Abs.
1 UVG gelten als Berufskrank
heiten Krankheiten (
Art.
3 des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
,
die bei der beruflichen Tätigkeit ausschliesslich oder vorwiegend durch schädi
gende Stoffe oder bestimmte Arbeiten verursacht worden sind. Der Bundesrat er
stellt die Liste dieser Stoffe und Arbeiten sowie der arbeitsbedingten Erkrankun
gen. Gestützt auf diese Delegationsnorm und Art. 14 UVV hat er in Anhang I zur UVV eine Liste der schädigenden Stoffe und der arbeitsbedingten Erkrankungen erstellt. Nach der Rechtsprechung ist eine «vorwiegende» Ver
ursachung von Krankheiten durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten nur dann gege
ben, wenn diese mehr wiegen als alle andern mitbeteiligten Ursachen, mithin im gesamten Ursachenspektrum mehr als 50 % ausmachen. «Ausschliessliche» Ver
ursachung hingegen meint praktisch 100 % des ursächlichen Anteils der schädi
genden Stoffe oder bestimm
ten Arbeiten an der Berufskrankheit (BGE 119 V 200 E. 2a mit Hinweis).
Gemäss
Anhang I Ziffer 2
lit
. b UVV gelten Erkrankungen der Atmungsorgane, die bei Arbeiten mit Getreide und Mehl von Weizen und Roggen
sowie
Enzymen entstehen, als arbeitsbedingte Erkrankung im Sinne von Art. 9 Abs. 1 UVG.
Soweit nichts
a
nderes bestimmt ist, sind gemäss
Art.
9
Abs.
3 UVG Berufskrank
heiten von ihrem Ausbruch an einem Berufsunfall gleichgestellt. Sie gelten als ausgebrochen, sobald die betroffene Person erstmals ärztlicher Behandlung be
darf oder arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) ist.
1.3
Bei Berufsunfällen erbringt derjenige Versicherer die Leistungen, bei dem die Ver
sicherung zur Zeit des Unfalles bestanden hat. Bei Berufskrankheiten ist der Ver
sicherer zu Leistungen verpflichtet, bei dem die Versicherung bestanden hat, als der Versicherte zuletzt durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten oder durch berufliche Tätigkeit gefährdet war (
Art.
77
Abs.
1 UVG). Bei Nichtberufs
unfällen erbringt derjenige Versicherer die Leistungen, bei dem der Verunfallte zuletzt auch gegen Berufsunfälle versichert war (
Art.
77
Abs.
2 UVG). Durch diese Vorschriften wird bestimmt, welcher Versicherer leistungspflichtig ist, wenn bei Eintritt des leistungsbegründenden Ereignisses und in der Folgezeit bei verschie
denen Versicherern eine Risikode
ckung bestand (BGE 127 V 458 E.
2b/
dd
, 116 V 51 E. 1a).
1.4
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10
%
invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des In
validitätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Ein
gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
vom 3. August 2017 (
Urk.
2) im Wesentlichen damit, dass
bei der Beschwerdeführerin unbestrit
tenermassen eine Berufskrankheit vorlie
ge. Den getätigten Abklärung
en zufolge liege die Zust
ändigkeit bei
ihr,
der Beschwerdegegnerin
,
da die Beschwerdefüh
rerin gemäss Lebenslauf das letzte Mal bei der
Y._
im Jahre 1999 der gefährdeten Arbeit ausgesetzt gewesen sei. Unbestrittenermassen bestehe vorliegend kein An
spruch auf ein Übergangstaggeld und eine Übergangsentschädigung, da die ge
forderten
B
edi
n
gungen nicht erfüllt seien
(S. 5)
.
Im Zusammenhang mit dem Rentenanspruch hielt die Beschwerdegegnerin fest, die Höhe des
Valideneinkommens
von Fr. 61'781.-- stehe unbestrittenermassen fest.
Für die Festlegung des Invalideneinkommens seien ebenfalls Tabellenlö
hne beizuziehen
(S. 6)
.
Die zur Verfügung stehenden Akten zeigten auf, dass die attestierte Berufskrankheit nicht als einzige Ursache der Einschränkungen gelten könne, sondern anderweitige Beschwerden massgeblich an der bestehenden Ge
sundheitsschädigung
mit
wirkten
;
aufgrund der Berufskrankheit
sei
der Beschwer
deführerin eine volle Tätigkeit in einem anderen Tätigkeitsbereich zumutbar. Die Beschwerdeführerin
sei
demnach in der Lage, jede andere qualifizierte berufliche
Tätigkeit
(gleichwertig mit dem Bäcker
in
-
/
Konditor
in
beruf
) auszuüben. Bei der Bemessung des Invalideneinkommens sei auf das Einkommen abzustellen, das die Beschwerdeführerin
ausschliesslich
wegen ihrer Berufskrankheit erzielen könn
t
e, berufskrankheitsfremde Gründe müssten ausser Acht gelassen werden, weshalb es sich rechtfertige, auf den Durchschnittslohn der
Schweizerischen Lohnstruk
turerhebung (LSE) 2010 TA1 Anforderungsniveau 3 a
bzustellen
(S. 7 f.)
.
Unter Beachtung der Nichteignungsverfügung sei für eine akustisch nicht qualifizierte Tätigkeit eine volle
Arbeitsfähigkeit attestiert worden.
Die berufskrankheits
fremde Schwerhörigkeit beidseits und das intellektuelle Entwicklungsdefizit seien von der Berufskrankheit klar trennbar und bei der Leistungsbeurteilung nicht zu berücksichtigen.
Bei
der Beschwerdeführerin würden
unstreitbar
qualifizierte Fachkenntnisse vorliegen, welche das Abstellen auf das Anforderungsniveau 3 rechtfertigten.
Eine Einstufung im Anforderungsniveau 3 rechtfertige sich sodann erst recht, weil es der Beschwerdeführerin bei rechtzeitiger Leistungsanmeldung möglich gewesen wäre, im Rahmen einer Umschulung in eine
n
gleichwertigen Beruf wie dem als Bäckerin-Konditorin eingegliedert zu werden
(S. 10)
.
Hinsichtlich der Gewährung eines leidensbedingten Abzuges führte die Beschwer
degegnerin aus, fraglich sei einzig, ob aufgrund der Einschränkungen durch die Nichteignungsverfügung lohmässig eine Benachteiligung bestehe, was mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit verneint werden müsse, da in einer gleichwertigen Tätigkeit nach Ausbildung mit demselben Lohn gerechnet werden könne
(S. 10)
.
U
nter Berücksichtigung eines
– nicht gerechtfertigten -
leidensbedingten Abzuges von 20 % resultiere
bei einem Invaliditätsgrad von höchstens 9 %
kein Anspruch auf eine Invalidenrente (S.
11
).
2.2
In ihrer Beschwerdeschrift vom 14. September 2017 (
Urk.
1) brachte die Be
schwerdeführerin dagegen im Wesentlichen vor, ihr intellektuelles Entwicklungs
defizit müsse bei der Leistungsbeurteilung mitberücksichtigt werden. Es mute seltsam an, die Frage, ob es ihr möglich gewesen wäre, eine weitere Lehre zu absolvieren, unabhängig von ihrem unterdurchschnittlichen IQ zu beantworten
(S. 6)
.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung rechtfertige es sich bei Perso
nen, die nach Eintritt der Invalidität nicht auf einen angestammten Beruf zurück
greifen könnten, die
A
nwendung von Anforderungsniveau 3 (Total) nur dann, wenn sie über besondere Fertigkeiten und Kenntnisse verfügten. Ansonsten ziehe das Bundesgericht den Durchschnittslohn von Anforderungsniveau 4 (Total) heran.
Unbestrittenermassen habe
sie
sich verspätet bei der Beschwerdegegnerin angemeldet.
Aufgrund der
im November 2015
erfolgten Anmeldung
habe sie
ab November 2010
Anspruch auf eine Rente der Unfallversicherung. Für den Ein
kommensvergleich sei daher das Jahr 2010 massgebend
(S. 9)
.
Unbestritten sei ebenfalls, dass beim
Valideneinkommen
der Tabellenlohn gemäss LSE 2010
TA1
, Herstellung von Nahrungs- und Futtermittel
n
, Anforderungsniveau 3, Frauen, zur Anwendung gelange. Aufgerechnet auf eine Wochenarbeitszeit von 42.2 Stunden ergebe dies ein
Valideneinkommen
von Fr. 60'248.9
5.
Vergleiche man dieses
Va
lideneinkommen
mit dem Invalideneinkommen gestützt auf LSE 2010 TA1
,
Total, Anforderungsniveau 4, Frauen, aufgerechnet auf die wöchentliche Arbeitszeit von 41.6 Stunden,
von Fr. 52'728.--
resultiere ein Invaliditätsgrad von 12 %.
Die
ser Schluss
erscheine
auch m
it Blick auf die Berechnung der Eidgenössischen Invalidenversicherung
stimmig
(S.
10
).
2.3
Mit Beschwerdeantwort vom 22. Januar 2018 (
Urk.
14) änderte die Beschwerde
gegner
in ihre Begründung. Sie führte aus, es stehe fest, dass die
Beschwerdefüh
rerin
bereits vor
Eintritt des l
eistungsauslösenden Gesundh
ei
tsschadens im Ver
gleich zu nicht beeinträchtigten Personen eine signifikant verminderte Arbeits
leistung erbracht habe, weniger lernfähig und belastbar gewesen sei und nicht über die erforderlichen Ressourcen und Fähigkeiten verfügt habe, um die erhöh
ten Anforderungen im Berufsalltag zu bewältigen.
Ge
stützt auf Art. 28 Abs. 3 UVV
seien
die sich invalidisierend auswirkenden Vorerkrankungen im Rahmen der Invaliditätsbemessung
zureichend
zu berücksichtigen. Aufgrund der medizi
nisch und praktisch ausgewiesenen, frühkindlichen kognitiven Minderleistung, der geringfügigen Minderintelligenz respektive Lernschwäche und der erhebli
chen Schwerhörigkeit könne es nicht angehen, das
Valideneinkommen
nach einer Tätigkeit mit Anforderungsniveau 3 zu bestimmen, während das Invalidenein
kommen nach dem Tabellenlohn einer
T
ätigkeit mit Anforderungsniveau 4 be
stimmt werde
(S. 7)
.
Sie, die
Beschwerdegegnerin
,
habe im angefochtenen
Ein
spracheentscheid
darauf hingewiesen, dass bei der Festlegung des
Invalidenein
kommens auf eine Tätigkeit mit Anforderungsniveau 4 abgestellt werden könne, was aber zwingend zur Folge hätte, dass auch das
Valideneinkommen
nach dem Tabellenwert im
N
iveau 4 anzusetzen wäre
(S. 8)
.
Für das Jahr 1999 sei ein
mo
natliches Einkommen von Fr. 3'400.-- (x 13) ausgewiesen, was ein Jahreseink
om
men vor Eintritt des Gesundhei
tsschadens von Fr. 44'330.-
ergebe. Indexiert auf das Jahr 2010 resultiere ein
Valideneinkommen
von Fr. 53'027.50
(S. 10)
.
Als Invalideneinkommen resultiere bereinigt ein Jahreseinkommen von Fr. 53’25
2
.1
5.
Veranlassung fü
r die Gewährung eines leidensbe
d
i
ngten Abzuges bestehe nicht. Bei der Gegenüberstellung der beiden Einkommen bleibe kein Raum für die Ausrichtung einer Invalidenrente.
Die Invaliditätsbemessung der Invalidenversicherung tue vorliegend nichts zur Sache
(S. 11)
.
2.4
Mit Replik vom 13. März 2018 (
Urk.
20) brachte die Beschwerdeführerin vor,
es
sei überwiegend wahrscheinlich, dass sie ohne Mehlstauballergie wieder als Bä
ckerin-Konditorin tätig gewesen wäre. Im Übrigen
sei
ihre
Leistungsfähigkeit
vor Eintritt der Berufskrankheit im Jahre 1999 nicht
im Sinne von Art. 28 Abs. 3 UVV
dauernd
herabgesetzt gewesen
(S. 2)
.
Es sei nicht einzusehen, weshalb beim
Va
lideneinkommen
auf das konkret erzielte Einkommen (bei der
Y._
) abzustellen sei
(S. 3)
.
3.
3.1
Vorweg ist festzuhalten, dass
die grundsätzliche Leistungspflicht der Beschwer
degegnerin unbestritten ist
. Dies zur Recht, war die Beschwerdeführerin doch zu
letzt bei der
Y._
durch die schädigenden Stoffe gefährdet und damit bei der Be
schwerdegegnerin für die Folgen von Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten versichert
(E. 1.3)
. E
in potenzieller Rentenanspruch
besteht
mit Blick auf die
Verwirku
ngsfristen
von Art. 24 Abs. 1 ATSG
sodann
ab
1. Novem
ber 2010, da die Beschwerdeführerin ihren Leistungsanspruch am 1
9
. November 2015 g
eltend
gemacht hat
(
Urk.
15/A1
).
Ebenfalls
zu Recht
nicht
(mehr)
strittig ist, dass das Invalideneinkommen der Be
schwerdeführerin vorliegend auf der Grundlage der LSE-Tabelle TA1, Total, Frauen im Anforderungsniveau 4 aus dem Jahre 2010 zu
ermitteln
ist
,
da die Beschwerdeführerin
mit ihrem
Abschluss als Bäckerin
-
Konditorin
nicht über be
sondere Fähigkeiten und Kenntnisse verfügt, auf welche sie in einer angepassten Tätigkeit zurückgreifen könnte
(
vgl. dazu
das
Urteil des Bundesgerichts
8C_457/2017 vom 1
1.
Oktober 2017 E. 6.3
mit Hinweisen
)
.
Damit ist von einem Invalideneinkommen
von Fr.
52'728.--
(Fr
. 4'225.-- x 12 x
41.6/40 [
Bundesamt für Statistik {BFS},
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, in Stunden pro Woche, 2010, Total]) auszugehen.
Dass ein leidensbedingter Abzug geschuldet wäre, wird weder geltend gemacht, noch ist dies
ersichtlich.
3.2
Zu prüfen bleibt
die Berechnung des
Valideneinkommens
. Die Beschwerdegegne
rin stützt sich hierzu auf das bei der
Y._
erzielte Einkommen (E. 2.3).
3.2.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1;
134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen LSE berechnet werden, wobei die für die Entlöh
nung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Fak
toren zu berücksichtigen
sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2;
128 V 29 E. 4e; Urteil des Bundesgerichts 9C_887/2015 vom 12. April 2016 E. 4.2).
3.2.2
Vorliegend kann
mit Blick auf die Aktenlage
nicht darauf geschlossen werden,
dass die Beschwerdeführerin ohne
Eintritt ihrer Berufskrankheit weiterhin bei der
Y._
tätig gewesen wäre
, da die
Y._
im Zeitpunkt des möglichen Rentenbeginns auch nicht mehr existierte
.
Ein Abstellen auf den bei der
Y._
tatsächlich erzielten Lohn für die Ermittlung des
Valideneinkommens
kommt
daher
- entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin (E. 2.3) -
nicht in Frage.
Daran vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass
sich die Berufskrankheit
bereits
während der Dauer der Anstellung bei der
Y._
bemerkbar
machte
(vgl.
Urk.
15/M1 S. 1)
und es
der Beschwerdeführerin
aufgrund
ihrer
Berufskrankheit grundsätzlich nicht mehr möglich ist, weiterhin
in
der
angestammten Tätigkeit
zu arbeiten
.
Auch das
Valideneinkommen
ist
somit gestützt auf die
LSE-Tabellenwerte zu ermitteln.
Unbestritten ist, dass
der Beschwerdeführerin
d
ie Ausübung der
angestammten
Tätigkeit als Bäckerin-Konditorin aufgrund ihrer Berufskrankheit nicht mehr möglich
ist
.
Hinweise darauf, dass sie auch ohne Berufskrankheit nicht mehr in ihrem angestammten Beruf
arbeiten würde
, sind den Akten keine zu entnehmen
.
Aus dem Umstand, dass sie nach ihrer Tätigkeit bei der
Y._
verschieden
e
andere Arbeiten ausführte (
Urk.
3/3)
,
kann nichts
anderes
abgeleitet werden, bestand ihre Berufskrankheit doch in diesem Zeitpunkt überwiegend wahrscheinlich bereits (
Urk.
15/M1 S. 1).
Es ist daher davon auszugehen, dass
die Beschwerdeführerin
ohne den Eintritt ihrer Berufskrankheit
- zwar nicht bei der
Y._
,
aber dennoch
-
weiterhin als Bäckerin-Konditorin
tätig gewesen wäre. Zur Ermittlung des
Vali
deneinkomme
ns
ist somit
auf
den Tabellenwert von
LSE TA1, Position 10
(
Her
stellung von Nahrungs- und Futtermittel
n)
, Frauen, a
us dem Jahre 2010 abzu
stellen.
Im Zusammenhang mit dem infrage stehenden Anforderungsniveau ist sodann entscheidend, dass die Beschwerdeführ
er
in über eine abgeschlossene Ausbildung als Bäckerin-Konditorin verfügt (
Urk.
15/A4
a
; vgl. auch
Urk.
15/A5 S. 3
und
Urk. 15/A6
).
Aus diesem Grund
rechtfertigt es sich
,
ihr das Anforderungsniveau 3 anzurechnen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_173/2016 vom 1
7.
Mai 2016 E. 4.1)
. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin
(E. 2.3)
ist Art. 28 Abs. 3 UVV
(herabgesetzte Leistungsfähigkeit aufgrund nicht versicherter Gesundheitsschädi
gung)
vorliegend nicht anwendbar.
So
ist nicht ersichtlich,
dass
die Leistungsfä
higkeit der Beschwerdeführerin vor dem Eintritt der Berufskrankheit
aus unfall
fremden Gründen
dauernd herabgesetzt
war
.
D
em Arbeitszeugnis der
Y._
(Urk.
15/A6)
ist in diesem Zusammenhang
vielmehr
zu entnehmen
,
dass die Be
schwerdeführerin selbständig in der Patisserie des
Y._
s
gearbeitet h
at
.
Sie sei zuständig gewesen für die Herstellung abwechslungsreicher Patisserie und diverser Backwaren, die Bestellungen der benöti
gten Waren und Produkte, das K
l
e
inhalten der Waren
l
ager
und die gute Umsetzung der Waren s
owie das Einhalten der Hygienevorschriften und die Pflege der Maschinen und Werkzeuge.
Neben dieser Aufgabe sei sie - wenn es die Zeit erlaubt habe - im ganzen restli
chen Betrieb eingesprungen. Ebenfalls habe sie
selbständig
und gewissenhaft die monatliche Inventur des gesamten Restaurants durchgeführt. Sie habe die ihr an
vertrauten Aufgaben stets zur vollsten Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten ausge
führt.
Aufgrund dieser Angaben kann
nicht
darauf geschlossen werden, dass die unbestrittenermassen vorbestehende Schwerhörigkeit der Beschwerdeführerin so
wie ihre frühkindliche Entwicklungsstörung (vgl.
Urk.
3/4 f.
) sich einschränkend auf
ihre
Leistungsfähigkeit
bei der
Y._
ausgewirkt hatten. Dass es
diesbezüglich
im Verlauf
zu relevanten Veränderungen gekommen
ist
, ist nicht ersichtlich.
An
lässlich der Abklärung bei der
Berufl
ichen Abklärungsstelle Z._
(BEFAS)
vom 17. November 2008 bis 12. Dezember 2008 (
Urk.
3/6)
zeigte sich insbeson
dere, dass sich die Schwerhörigkeit der Beschwerdeführerin nach einer Eingewöh
nungszeit nicht erheblich auf die Arbeitsfähigkei
t
auswirkte. Die geistige
U
nfle
xibilität
und verlängerte Instruktionszeit beeinflussten ihre Leistungsfähigkei
t
so
dann wenig.
Im Abklärungsbericht
wurde festgehalten, bei verminderter Belast
barkeit würden sich eine gute Struktur und Führung am Arbeitsplatz leistungs
förd
ernd auswirken (S. 7).
In Anwendung der LSE-Tabelle TA1, Position 10
(Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln)
, Frauen, 2010 Anforderungsniveau 3
,
resultiert ein
Validenein
kommen
von Fr. 60'248.95 (Fr. 4'759.-- x 12 x 42.2/40 [BFS, Betriebsübliche
Ar
beitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, in Stunden pro Woche, 2010, Position 10-12
]).
3.3
Bei einer Gegenüberstellung von Validen- und
Invalideneinkommen resultiert eine
Einkommenseinbusse von Fr.
7'520.95 (
Fr. 60'248.95 -
Fr. 52'728.--
).
Dies entspricht einem Invaliditätsgrad von rund
12
% (
Fr. 7'520.95/
Fr.
60'248.95,
ge
rundet gemäss BGE
130 V 121), was zur Gutheissung der Beschwerde führt.
3.4
Am ermittelten Invaliditätsgrad und am grundsätzlichen Leistungsanspruch ab 1. November 2010 (vorstehend E. 3.1) ändert der Einwand der Beschwerdegegne
rin nichts, die Beschwerdeführerin habe sich nicht rechtzeitig zum Leistungsbe
zug angemeldet und damit eine Umschulung in einen gleichwertigen Beruf ver
eitelt (vorstehend E. 2.1). Eine versäumte Unfallmeldung steht einem Anspruch nicht entgegen, sondern könnte allenfalls zu einer Sanktion im Sinne von
Art.
46 UVG führen.
Allerdings sind im
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zustän
dige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung be
ziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat.
Der ange
fochtene Entscheid beschlägt die Frage einer allfälligen Sanktion nicht, weshalb sie vorliegend nicht zu prüfen ist.
4.
Nach
§
34
Abs.
1
des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
In Anwendung dieser Grundsätze rechtfertigt sich
vorliegend
die Zusprechung einer Prozessentschädigung von Fr. 2'
3
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
).