Decision ID: 1f060e64-9540-5031-af7a-0938db23334c
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Januar 2003 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, er habe keine Berufsausbildung
absolviert. Nach seiner Einreise in die Schweiz sei er zum Bauarbeiter angelernt
worden. Seither arbeite er auf dem Bau. Im März 1998 habe er einen Unfall erlitten. Die
Suva habe diesbezüglich Abklärungen getätigt. Der orthopädische Chirurg Dr. med.
B._ hatte in seinem Bericht über die kreisärztliche Abschlussuntersuchung vom 3.
Dezember 2002 festgehalten (IV-act. 12–20 ff.), der Versicherte sei im März 1998 auf
seine Knie gestürzt. Der Heilungsverlauf sei sehr protrahiert gewesen. Angesichts der
bei der Abschlussuntersuchung erhobenen Befunde sei eine leichte bis mässige medial
betonte Gonarthrose rechts zu diagnostizieren. Im Prinzip sei der Versicherte für
jegliche Tätigkeit arbeitsfähig. Einen einschränkenden Faktor stelle das subjektive
Instabilitätsgefühl dar. Aus medizinischer Sicht seien jedenfalls Arbeiten auf ebenem
Boden (einschliesslich Treppensteigen) uneingeschränkt zumutbar. Mit einer Verfügung
vom 1. Juli 2003 sprach die Suva dem Versicherten eine Invalidenrente bei einem
Invaliditätsgrad von 13 Prozent zu (IV-act. 16). Im September 2003 notierte Dr. med.
C._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), für die Invaliditätsbemessung
sei auf den Bericht des behandelnden Arztes Dr. med. D._ abzustellen, in dem eine
Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent für leidensadaptierte Tätigkeiten attestiert worden sei
(IV-act. 21; vgl. IV-act. 12–1 f.). Mit einer Verfügung vom 16. April 2004/7. Mai 2004
sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung ab dem 1. November 2002 eine
halbe und mit Wirkung ab dem 1. Januar 2004 (Inkrafttreten der vierten IVG-Revision)
eine Dreiviertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von 64 Prozent zu (IV-act. 31).
A.a.
Der Versicherte liess am 5. Mai 2004 eine Einsprache gegen diese Verfügung
erheben, zog diese aber am 25. Juni 2004 vorbehaltlos wieder zurück (IV-act. 39),
nachdem ihm offenbar eine reformatio in peius angedroht worden war (vgl. IV-act. 41).
A.b.
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Der zuständige Rechtsdienstmitarbeiter wies die Sachbearbeiterin der IV-Stelle in der
Folge darauf hin (IV-act. 41), dass die Verfügung vom 16. April 2004/7. Mai 2004
zweifellos unrichtig sei, da der Suva-Kreisarzt eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
attestiert habe. Die IV-Stelle tätigte daraufhin weitere Abklärungen. Mit einer Verfügung
vom 28. September 2004 hob sie die rentenzusprechende Verfügung vom 16. April
2004/7. Mai 2004 wiedererwägungsweise auf und sie stellte die Rentenleistungen ein
(IV-act. 51). Eine dagegen erhobene Einsprache wies sie mit einem Entscheid vom 26.
Oktober 2004 ab (IV-act. 57). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies
eine gegen den Einspracheentscheid vom 26. Oktober 2004 erhobene Beschwerde mit
einem Urteil vom 17. Oktober 2005 ab (IV 2004/116; vgl. IV-act. 71). Die dagegen
erhobene Beschwerde wurde vom Bundesgericht mit einem Urteil vom 19. Dezember
2006 abgewiesen (I 849/05; vgl. IV-act. 81).
Versehentlich forderte die IV-Stelle den Versicherten im März 2007 auf, einen
Fragebogen für die Revision der Invalidenrente auszufüllen (IV-act. 84). Dieser wies in
der Folge darauf hin, dass sich sein Gesundheitszustand verschlechtert habe. Die IV-
Stelle bemerkte das Versehen im April 2007; sie nahm den Hinweis des Versicherten
auf eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes als eine Wiederanmeldung
entgegen (IV-act. 87). Im Juni 2007 berichtete Dr. D._ (IV-act. 93), der medizinische
Zustand habe sich verschlechtert. Der bereits bekannte Diabetes mellitus und die
bereits bekannte Polyneuropathie hätten sich verschlimmert. Ein ebenfalls bekanntes
chronisches lumbo-spondylogenes Schmerzsyndrom sei unverändert geblieben. Im
Auftrag der IV-Stelle erstattete der Endokrinologe Dr. med. E._ am 16. April 2008 ein
fachärztliches Gutachten (IV-act. 100). Er hielt fest, der Diabetes mellitus schränke die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten nicht ein. Eine Polyneuropathie bestehe nicht. Der
Neurologe Dr. med. F._ habe bereits im Jahr 2002 festgehalten, dass keine
Polyneuropathie, sondern eine senso-motorische Nervus peronaeus communis-Parese
links mit einer Kompression wahrscheinlich auf der Höhe des Caput fibulae vorliege.
Diese schränke die Arbeitsfähigkeit ebenfalls nicht ein. Im Auftrag der IV-Stelle
erstattete die medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz am 3. Oktober 2008
ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 106). Die Sachverständigen führten aus, der
Versicherte leide an einer massiven Rotationsinstabilität des rechten Knies, an
multifaktoriell bedingten schmerzhaften Dysästhesien im rechten Unterschenkel und
A.c.
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Fuss, an einem lumbo-spondylogenen Syndrom mit pseudo-radiculären
Ausstrahlungen rechts sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einem
Diabetes mellitus, an psychischen Faktoren, die bei einer anhaltenden
Schmerzproblematik körperliche Störungen bewirkten, an einem Status nach einer
Distorsion des rechten Mittelfingers im April 2008 und an einer Adipositas. Die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit sei ihm nicht mehr zumutbar. Für eine adaptierte Tätigkeit bestehe
dagegen eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Mit einer Verfügung vom 23. Februar
2009 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act. 114). Eine dagegen erhobene
Beschwerde wurde vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit einem Urteil
vom 28. Februar 2011 abgewiesen (IV 2009/110; vgl. IV-act. 134).
Im Februar 2013 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-
act. 136). In einem Behandlungsbericht vom 3. April 2012 hatte die Psychiaterin Dr.
med. G._ festgehalten (IV-act. 138–15 f.), der Versicherte leide an einer
mittelgradigen depressiven Episode mit einem somatischen Syndrom und an einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Er befinde sich seit November 2011 in
ihrer psychiatrischen Behandlung. Aus psychiatrischer Sicht sei er zu 80 Prozent
arbeitsunfähig. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die PMEDA AG am 7. November
2013 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 171). Die Sachverständigen führten aus,
der Versicherte leide an einem Diabetes mellitus mit einer Polyneuropathie, an einer
Adipositas, an einer Gonarthrose rechts, an residuellen Belastungsbeschwerden des
linken Kniegelenks, an einem degenerativen lumbalen Schmerzsyndrom und an einer
weitgehend remittierten Anpassungsstörung mit einer längeren depressiven Reaktion.
Leidensadaptierte Tätigkeiten seien ihm uneingeschränkt zumutbar. Die RAD-Ärztin Dr.
med. H._ qualifizierte das Gutachten als sehr umfassend, kohärent, in sich
widerspruchsfrei und medizinisch gut nachvollziehbar, weshalb sie empfahl, auf es
abzustellen (IV-act. 172). Mit einer Verfügung vom 3. März 2014 wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ab (IV-act.
181). Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen mit einem Urteil vom 13. Dezember 2016 abgewiesen (IV 2014/194;
vgl. IV-act. 192).
A.d.
Am 30. August 2017 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an
(IV-act. 195). Er machte geltend, sein psychischer Zustand habe sich verschlechtert;
A.e.
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die psychische Krankheit habe sich mittlerweile chronifiziert. Nachdem die RAD-Ärzte
Dr. med. I._ und Dr. med. J._ festgehalten hatten, mit den vom Versicherten
eingereichten aktuellen medizinischen Berichte sei keine relevante
Sachverhaltsveränderung glaubhaft gemacht (IV-act. 206; vgl. auch IV-act. 223), sah
die IV-Stelle zunächst vor, nicht auf das Leistungsbegehren einzutreten (IV-act. 208).
Ein Mitarbeiter des Rechtsdienstes notierte dann allerdings im März 2018 (IV-act. 224),
da seit der Abweisung des letzten Rentenbegehrens bereits vier Jahre vergangen
seien, dürfe bei der Prüfung, ob eine relevante Sachverhaltsveränderung eingetreten
sei, kein allzu strenger Massstab angelegt werden. Der Versicherte habe auf eine neu
aufgetretene Augenproblematik hingewiesen, womit ohne Weiteres eine relevante
Sachverhaltsveränderung glaubhaft gemacht worden sei, weshalb auf die
Neuanmeldung eingetreten werden müsse. Nachdem sie aktuelle medizinische
Berichte zu den Akten genommen hatte, wies die IV-Stelle das Rentenbegehren mit
einer Verfügung vom 24. Mai 2018 ab (IV-act. 228). Nachdem der Versicherte eine
Beschwerde gegen diese Verfügung erhoben hatte, widerrief die IV-Stelle die
Verfügung vom 24. Mai 2018, um weitere Abklärungen zu tätigen (IV-act. 235). Im
Auftrag der IV-Stelle erstattete die Ärztliches Begutachtungsinstitut (ABI) GmbH am 3.
Juni 2019 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 271). Der fallführende internistische
Sachverständige hielt fest, der Versicherte leide an einem metabolischen Syndrom mit
einem medikamentös ungenügend eingestellten Diabetes mellitus, einer Dyslipidämie
und einem Übergewicht. Diese Diagnose wirke sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus.
Der orthopädische Sachverständige führte aus, der Versicherte leide an einer
mässiggradigen medial betonten Gonarthrose rechts, an einem chronisch
rezidivierenden lumbo-vertebralen Schmerzsyndrom, an einem chronisch
rezidivierenden cervico-vertebralen Schmerzsyndrom und an beginnenden
degenerativen Veränderungen im linken Knie. Der klinische Befund sei weitgehend
unauffällig gewesen. Objektiv hätten nur eine verminderte Belastbarkeit des rechten
Knies und eine leicht verminderte Belastbarkeit der Hals- und Lendenwirbelsäule sowie
des linken Knies festgestellt werden können. Aufgrund der Beschwerden im rechten
Knie sei dem Versicherten die angestammte Tätigkeit nicht mehr zumutbar. Eine
leidensadaptierte Tätigkeit könne dagegen uneingeschränkt zugemutet werden. Der
neurologische Sachverständige hielt fest, der Versicherte leide an einer distal-
symmetrischen senso-motorischen Polyneuropathie an den Beinen, an einem
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chronischen lumbo-vertebralen Syndrom sowie – ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit – an Dysästhesien im lateralen Knie- und Unterschenkelbereich rechts,
vereinbar mit einer Irritation des Nervus peronaeus superficialis. Eine leidensadaptierte
Tätigkeit sei dem Versicherten uneingeschränkt zumutbar. Der psychiatrische
Sachverständige führte aus, der Versicherte leide an einer leichten depressiven
Episode, die sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Der klinische Befund sei
abgesehen von einer depressiven Stimmung mit verminderter Freude bei allerdings
durchaus erhaltenen Interessen unauffällig gewesen. Aus psychiatrischer Sicht sei der
Versicherte uneingeschränkt arbeitsfähig. Der ophthalmologische Sachverständige hielt
fest, der Versicherte leide an einer diabetischen Makulopathie sowie – ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einer anlagebedingten Fehlsichtigkeit, an einer
Alterssichtigkeit, an einer geringen, nicht proliferativen diabetischen Retinopathie, an
einer Cataracta incipiens, an einem Pterygium im rechten Auge, an einer chronischen
Benetzungsstörung und an einem latenten Aussenschielen. Diese Diagnosen wirkten
sich im Alltag im Wesentlichen nur durch eine geringe Reduktion der Sehschärfe aus.
Der Versicherte benötige deshalb eine etwas vermehrte Anstrengung zur
Kompensation der geringen Sehdefizite und deshalb auch etwas vermehrte Pausen bei
Tätigkeiten, die durchschnittliche Anforderungen an die Sehfähigkeit stellten. Die
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit betrage zehn Prozent. Nach der
Konsensbesprechung attestierten die Sachverständigen aus polydisziplinärer Sicht
eine Arbeitsfähigkeit von 90 Prozent für leidensadaptierte Tätigkeiten. Mit Blick auf die
früheren Gutachten sei von einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes
auszugehen, die sich schleichend eingestellt habe. Die Auswirkung der Diabetes-
Folgeerkrankungen auf die Arbeitsfähigkeit sei ab Januar 2018 ausgewiesen, da der
behandelnde Arzt dann erstmals auf diese Folgeerkrankungen hingewiesen habe. Der
RAD-Arzt Dr. med. I._ qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 272).
Mit einem Vorbescheid vom 21. August 2019 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit (IV-act. 275), dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens mangels eines renten
begründenden Invaliditätsgrades vorsehe. Dagegen liess der Versicherte am 24.
September 2019 einwenden (IV-act. 278), die Akten wiesen eindeutig eine
Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes aus, weshalb nicht
nachvollziehbar sei, dass in psychiatrischer Hinsicht von einer uneingeschränkten
A.f.
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B.
Arbeitsfähigkeit ausgegangen werde. Die behandelnde Psychiaterin Dr. G._ habe
überzeugend aufgezeigt, dass der Versicherte nur zu 30 Prozent arbeitsfähig sei.
Folglich müsse bei der Bemessung der Invalidität von einem Arbeitsunfähigkeitsgrad
von 70 Prozent ausgegangen werden. Mit einer Verfügung vom 5. November 2019 wies
die IV-Stelle das Rentenbegehren des Versicherten ab (IV-act. 279).
Am 6. Dezember 2019 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 5. November 2019 erheben (act. G 1). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die
Zusprache einer Invalidenrente und eventualiter die Rückweisung der Sache an die IV-
Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zur weiteren Abklärung. Zur Begründung
führte er aus, das Gutachten der ABI GmbH überzeuge nicht. Die behandelnde
Psychiaterin Dr. G._ habe aufgezeigt, dass der Beschwerdeführer nur noch zu 30
Prozent arbeitsfähig sei. Der psychiatrische Sachverständige der ABI GmbH habe sich
nicht eingehend damit auseinander gesetzt. Das Gutachten leide an verschiedenen
Widersprüchlichkeiten.
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 4. Februar 2020 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie an, das Gutachten der ABI GmbH
erweise sich als in jeder Hinsicht überzeugend. Der Beschwerdeführer leide an
geringfügigen Unfallfolgen, an einer seit Januar 2018 bestehenden, geringfügig
ausgeprägten Augenerkrankung und an geringfügigen Altersbeschwerden. Ein
Rentenanspruch lasse sich daraus nicht ableiten.
B.b.
Der Beschwerdeführer liess am 10. März 2020 an seinen Anträgen festhalten und
geltend machen (act. G 8), mit dem Gutachten verhalte es sich wie mit einem Hemd,
bei dem der oberste Knopf falsch zugeknöpft worden sei: Der Fehler ziehe sich immer
weiter; das Hemd werde anschliessend weiter falsch zugeknöpft. So ziehe sich die
Widersprüchlichkeit durch das ganze Gutachten hindurch.
B.c.
Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Duplik vom 26. März 2020 fest (act. G 10),
die vom Beschwerdeführer behauptete Widersprüchlichkeit lasse sich bei einer
sorgfältigen Prüfung des Gutachtens nicht feststellen. Der Beschwerdeführer sei nicht
B.d.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung
auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand zwingend jenem des
vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Den Inhalt des
Verwaltungsverfahrens hat die Frage gebildet, ob der Beschwerdeführer für die Zeit ab
dem 1. Februar 2018 – sechs Monate nach der Anmeldung (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) –
einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung gehabt hat. Als eine
verfahrensrechtliche Besonderheit ist zu beachten gewesen, dass es sich um eine
sogenannte Neuanmeldung (Wiederanmeldung) nach einer Abweisung von mehreren
früheren Rentenbegehren gehandelt hat. Dieser Umstand hat zur Folge gehabt, dass
der Beschwerdeführer die Eintretenshürde des Art. 87 Abs. 3 IVV hat meistern, das
heisst eine relevante Veränderung des Sachverhaltes seit der Abweisung des letzten
Rentenbegehrens hat glaubhaft machen müssen. Diese Hürde hat der
Beschwerdeführer spätestens mit dem Nachweis eines neu aufgetretenen
Augenleidens gemeistert, weshalb sich das Eintreten auf seine Neuanmeldung als
rechtmässig erweist.
2.
in einem rentenbegründenden Ausmass invalid, weshalb die Beschwerde abzuweisen
sei.
Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität
wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre.
2.1.
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Der Beschwerdeführer hat keine Berufsausbildung absolviert. Er ist nach seiner
Einreise in die Schweiz als Bauhilfsarbeiter tätig gewesen. Seine Erwerbsmöglichkeiten
vor dem im Jahr 1998 erlittenen Unfall haben folglich jenen eines typischen
Hilfsarbeiters entsprochen, was bedeutet, dass die Erwerbsfähigkeit – die
Erwerbsmöglichkeiten auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. Art.
7 Abs. 1 ATSG) – anhand des statistischen Zentralwertes der Hilfsarbeiterlöhne zu
bemessen ist.
2.2.
Im Auftrag der Beschwerdegegnerin haben die Sachverständigen der ABI GmbH
den Beschwerdeführer internistisch, orthopädisch, neurologisch, psychiatrisch und
ophthalmologisch untersucht. Sie haben die medizinischen Vorakten eingehend
gewürdigt, sie haben die von ihnen während ihrer Untersuchung erhobenen objektiven
klinischen Befunde detailliert festgehalten und sie haben die subjektiven Klagen des
Beschwerdeführers umfassend wiedergegeben. Es besteht kein Grund zur Annahme,
dass sie eine wesentliche medizinische Tatsache übersehen oder versehentlich
ignoriert hätten. Der für ihre Beurteilung massgebende medizinische Sachverhalt ist
ihnen also vollumfänglich bekannt gewesen. Der objektive klinische Befund ist in allen
Untersuchungen weitestgehend unauffällig gewesen. Die Sachverständigen haben
lediglich Einschränkungen bezüglich der Beweglichkeit und Belastbarkeit des rechten
Knies, leichte Beeinträchtigungen im Bereich des linken Knies und des Rückens, eine
geringfügige Sehbeeinträchtigung und eine depressive Verstimmung feststellen
können. Für die vom Beschwerdeführer geklagten schweren
Gesundheitsbeeinträchtigungen hat also kein objektives Korrelat gefunden werden
können, wobei die Sachverständigen der ABI GmbH darauf hingewiesen haben, dass
der Beschwerdeführer gemäss seinen eigenen Angaben ein relativ aktives, kaum
beeinträchtigtes Alltagsleben führe, was ebenfalls gegen die geltend gemachten
Einschränkungen – zumindest in der angegebenen Intensität – spricht. Bei dieser
objektiven Befundlage überzeugt das Attest einer praktisch uneingeschränkten
Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten ohne Weiteres. Der
ophthalmologische Sachverständige, der als einziger eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit selbst für leidensadaptierte Tätigkeiten attestiert hat, hat diese
Einschränkung überzeugend begründet. Entgegen der Ansicht des Rechtsvertreters
des Beschwerdeführers sind im Gutachten der ABI GmbH keine Widersprüchlichkeiten
auszumachen. Zudem besteht eine weitgehende Übereinstimmung bezüglich der
Diagnosestellung und der Arbeitsfähigkeitsschätzung mit den früheren Gutachten. Der
behandelnde Hausarzt Dr. D._ und die behandelnde Psychiaterin Dr. G._ haben
zwar die Ansicht vertreten, der Beschwerdeführer sei schwergradig beeinträchtigt und
weitgehend arbeitsunfähig, aber sie haben diese Angabe nicht mit objektiven klinischen
2.3.
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Befunden belegen können. Vielmehr dürften sie unkritisch auf die subjektiven Angaben
des Beschwerdeführers abgestellt haben, was den angesichts des
Behandlungsauftrages bestehenden Anschein einer objektiven Befangenheit verstärkt
und den Berichten der behandelnden Ärzte die Überzeugungskraft nimmt.
Zusammenfassend ist kein Grund für einen wesentlichen Zweifel am Beweiswert des
Gutachtens der ABI GmbH ersichtlich, weshalb gestützt auf jenes Gutachten mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, dass der
Beschwerdeführer – nach einer Verschlechterung seines Gesundheitszustandes infolge
einer Augenerkrankung – für leidensadaptierte Tätigkeiten zu 90 Prozent arbeitsfähig
gewesen ist.
Die Erwerbsmöglichkeiten des Beschwerdeführers auf dem allgemeinen und
ausgeglichenen Arbeitsmarkt haben wegen der Gesundheitsbeeinträchtigung nicht
mehr jenen eines typischen Hilfsarbeiters entsprochen, weil das Spektrum der in Frage
kommenden Tätigkeiten leicht eingeschränkt gewesen ist. Da kein statistischer
Nachweis dafür existiert, dass körperlich leichtere Hilfsarbeiten deutlich schlechter
entlöhnt würden als körperlich anstrengendere Hilfsarbeiten oder dass Arbeiten, deren
Anforderungen an die Sehkraft des Beschwerdeführers gerecht werden, deutlich
schlechter entlöhnt würden als Arbeiten, die hohe Anforderungen an die Sehfähigkeit
stellen, hätte der Beschwerdeführer mit seinen verbliebenen Erwerbsmöglichkeiten
doch noch ein – dem Arbeitsfähigkeitsgrad entsprechendes – durchschnittliches
Hilfsarbeitereinkommen erzielen können, was bedeutet, dass der Ausgangswert des
zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens dem Valideneinkommen entspricht,
weshalb der Betrag mathematisch keine Rolle spielt. Der Invaliditätsgrad ist also
anhand eines sogenannten Prozentvergleichs zu ermitteln, das heisst er entspricht dem
Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls korrigiert um einen dem sogenannten
Tabellenlohnabzug analogen zusätzlichen Lohnabzug. Ein solcher Abzug wird
vorgenommen, wenn der von einer versicherten Person mit einer
Gesundheitsbeeinträchtigung für einen potentiellen Arbeitgeber produzierte
ökonomische Mehrwert der Arbeitsleistung – die Differenz zwischen dem
ökonomischen Wert der Arbeitsleistung und den direkten und indirekten
Arbeitsplatzkosten – tiefer als jener eines gesunden Arbeitnehmers ist, der im selben
Pensum tätig ist. Das ist beispielsweise der Fall, wenn aufgrund der
Gesundheitsbeeinträchtigung mit dem Risiko von überdurchschnittlich vielen oder
überdurchschnittlich langen krankheitsbedingten Absenzen oder mit dem Risiko einer
überdurchschnittlich stark schwankenden Arbeitsleistung gerechnet werden muss, weil
diese Risiken aus der Sicht eines strikt ökonomisch-betriebswirtschaftlich denkenden
Arbeitgebers die Gefahr von überdurchschnittlich hohen indirekten Lohnnebenkosten
2.4.
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3.
Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. Die angesichts des durchschnittlichen
Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten wären an sich
dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge der Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung ist dieser allerdings von dieser Pflicht befreit. Da ihm
auch die unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt worden ist, hat der Staat
seinem Rechtsvertreter eine Entschädigung auszurichten, die 80 Prozent des
erforderlichen Vertretungsaufwandes abdeckt (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Der erforderliche
Vertretungsaufwand ist als durchschnittlich zu qualifizieren, weshalb die Entschädigung
gemäss der bisherigen Praxis des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen auf
80 Prozent von 3’500 Franken, also auf 2’800 Franken, festzusetzen wäre. In einer
Plenarsitzung vom 25. Mai 2021 hat die Mehrheit der Versicherungsrichterinnen und
Versicherungsrichter beschlossen, die durchschnittlichen Ansätze für die
Parteientschädigungen um 500 Franken zu erhöhen. Aus Praktikabilitätsgründen soll
diese Praxisänderung sofort auf alle hängigen Fälle Anwendung finden. Diese
Übergangslösung hätte, wenn der Beschwerdeführer obsiegt hätte, zu einem Nachteil
für die Beschwerdegegnerin geführt, denn diese hätte allein deshalb eine um 500
Franken höhere Parteientschädigung ausrichten müssen, weil die Beurteilung dieser
Beschwerde „zufällig“ erst nach dem Plenumsbeschluss vom 25. Mai 2021 erfolgt ist.
Dies soll gemäss dem Plenumsbeschluss allerdings aus Praktikabilitätsgründen
bergen, nämlich beispielsweise die Notwendigkeit, kurzfristig (teurere)
Ersatzarbeitskräfte besorgen zu müssen, oder ein Produktivitätsdefizit wegen durch
eine schwankende Arbeitsleistung gestörter Betriebsabläufe. Würden solche Umstände
bei der Invaliditätsbemessung ignoriert, müsste das Invalideneinkommen eine
Soziallohnkomponente beinhalten, was bedeuten würde, dass der Invaliditätsgrad nicht
strikt ökonomisch bemessen und damit gesetzwidrig festgesetzt würde. Bei der nur
geringfügig eingeschränkten Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers wegen einem
leicht vermehrten Pausenbedarf rechtfertigt sich kein solcher Abzug. Das
Invalideneinkommen beträgt folglich 90 Prozent des Valideneinkommens, was
bedeutet, dass der Invaliditätsgrad nur zehn Prozent beträgt. Da erst bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent ein Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung besteht, erweist sich die angefochtene Verfügung, mit der die
Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren des Beschwerdeführers abgewiesen hat, als
rechtmässig.
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bewusst in Kauf genommen werden. Für den vorliegenden Fall ist die Entschädigung
für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung deshalb auf 80 Prozent von 4’000
Franken, also auf 3’200 Franken, festzusetzen. Sollten es seine wirtschaftlichen
Verhältnisse dereinst gestatten, wird der Beschwerdeführer zur Nachzahlung der
Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Entschädigung für die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123
ZPO).