Decision ID: 02b0f23c-f226-4627-a63b-cae52eb62c24
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Der 1958 geborene Beigeladene ist bei der Aargauischen Gebäudeversi-
cherung (nachfolgend Beschwerdegegnerin), deren Rechtsnachfolgerin
die Groupe Mutuel Assurances GMA AG, Martigny (nachfolgend ebenfalls
Beschwerdegegnerin), ist, obligatorisch gegen Unfallfolgen versichert. Mit
Unfallmeldung vom 12. August 2019 teilte er der Beschwerdegegnerin mit,
er habe am 28. Juni 2019 einen Zeckenbiss erlitten, und wies auf einen
Stich am Rücken links hin. In den von der Beschwerdegegnerin anschlies-
send eingeholten medizinischen Unterlagen wurde unter anderem eine
"Rötung am Rücken" dokumentiert und eine Neuroborreliose diagnostiziert.
Mit Verfügung vom 7. Februar 2020 verneinte die Beschwerdegegnerin
eine Leistungspflicht für das gemeldete Ereignis, da eine Neuroborreliose
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vorliege. Nachdem die Be-
schwerdeführerin, bei der der Beigeladene krankenversichert ist, dagegen
Einsprache erhoben hatte, holte die Beschwerdegegnerin bei Dr. med. B.,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, ein Aktengutachten ein, und wies
die Einsprache in der Folge mit Einspracheentscheid vom 14. Dezember
2020 ab.
2.
2.1.
Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 28. Januar 2021
fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Rechtsbegehren:
"1. Der Einspracheentscheid vom 14. Dezember 2020 betreffend die  vom 7. Februar 2020 der Aargauischen Gebäudeversicherung AGV sei aufzuheben.
2. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten für das Unfallereignis vom
28. Juni 2019 die angefallenen gesetzlichen Leistungen nach UVG zu erbringen.
- unter Kosten- und Entschädigungsfolge –"
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 31. März 2021 beantragte die Beschwerdegeg-
nerin die Abweisung der Beschwerde.
2.3.
Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 1. April 2021 wurde A. als ver-
sicherte Person im Verfahren beigeladen und ihm Gelegenheit zur Stel-
lungnahme eingeräumt, wovon dieser mit Eingabe vom 12. Juli 2021 Ge-
brauch machte und folgende Rechtsbegehren stellte:
- 3 -
"1. Der Einsprache-Entscheid vom 14.12.2020 sei aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen für die Folgen des Ereignisses vom 28.6.2019 zu erbringen;
2. Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei-
sen, damit sie ein Kausalitätsgutachten einhole und hernach über die Leistungspflicht neu entscheide;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der ."
2.4.
Am 28. Juli 2021 reichte die Beschwerdegegnerin eine weitere Stellung-
nahme ein.
2.5.
Mit Eingabe vom 30. Dezember 2021 zeigte Rechtsanwalt Prof. Dr. iur.
Jaun den ab 1. Januar 2022 wirksamen Parteiwechsel von der AGV zur
Groupe Mutuel Assurances GMA AG, Martigny, an.
2.6.
Mit Beschluss vom 21. März 2022 stellte das Versicherungsgericht
Dr. med. B. Rückfragen zu dessen Aktengutachten. Am 29. März 2022
nahm dieser hierzu Stellung.
2.7.
Der Beigeladene äusserte sich hierzu mit Schreiben vom 13. April 2022
und beantragte erneut die Einholung eines Gerichtsgutachtens respektive
die Gutheissung der in seiner Eingabe vom 12. Juli 2021 gestellten Rechts-
begehren.

Considerations:
Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht
für das vom Beigeladenen gemeldete Ereignis vom 28. Juni 2019 mit Ein-
spracheentscheid vom 14. Dezember 2020 (Vernehmlassungsbeilage [VB]
30) zu Recht verneint hat.
2.
2.1.
Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG werden die Versicherungsleistungen, soweit
das Gesetz nichts anderes bestimmt, bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfäl-
len sowie Berufskrankheiten gewährt. Nach der Rechtsprechung erfüllt ein
Zeckenbiss sämtliche Merkmale des Unfallbegriffs gemäss Art. 4 ATSG
(BGE 122 V 230; SVR 2008 UV Nr. 3 S. 11 E. 3, U 155/06).
- 4 -
2.2.
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst
voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden
(Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht.
Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um-
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge-
treten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit ein-
getreten gedacht werden kann (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinwei-
sen; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f. und 129 V 402 E. 4.3.1
S. 406).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen
Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage,
worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen
der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungs-
recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu be-
finden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die
Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1
S. 181 mit Hinweisen).
2.3.
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt neben dem natürlichen
Kausalzusammenhang voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem
eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht.
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache ei-
nes Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge
und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Er-
folg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfol-
ges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129
V 177 E. 3.2 S. 181; 129 V 402 E. 2.2 S. 405; 125 V 456 E. 5a S. 461 f.).
2.4.
Zwischen den Parteien ist unumstritten, dass der Beigeladene am 28. Juni
2019 von einer Zecke gestochen wurde. Umstritten ist hingegen, ob die in
der Folge aufgetretenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen hierzu mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem natürlichen Kausalzusammen-
hang stehen.
3.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Einspracheent-
scheid in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das Aktengutachten
von Dr. med. B. vom 9. Juli 2020. Dieser führte zusammengefasst aus, der
Beigeladene sei wahrscheinlich wegen einer "Kopfsymptomatik" in der Kli-
nik D., Q., hospitalisiert und abgeklärt worden. Eine Neuroborreliose liege
indes nicht vor. Bei der Abklärung betreffend Borrelia burgdorferi seien er-
- 5 -
höhte IgM- und IgG-Titer festgestellt worden. Im Liquor habe sich eine mo-
nonukleäre Pleozytose, aber keine autochthone Antikörperproduktion be-
züglich Borrelia burgdorferi gezeigt. Bei Letzterer handle es sich indes um
eine conditio sine qua non (für die Diagnose einer Neuroborreliose). Da die
Antikörperindices im Liquor normal ausgefallen seien, könne eine Neuro-
borreliose mit Eindeutigkeit ausgeschlossen werden. Die festgestellte Me-
ningoenzephalitis habe eine andere Ursache, die aber gemäss vorliegen-
der Dokumentation nicht weiter abgeklärt worden sei. Die vom Beigelade-
nen beklagten Beschwerden des zentralen Nervensystems stünden somit
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem Zusammenhang zum
Ereignis vom 28. Juni 2019. Das beschriebene Erythema migrans sei "nur
erwähnt, aber nicht detailliert beschrieben" worden. Dieser Befund könne
daher nicht nachvollzogen werden. Daher müsse das Vorliegen eines
Erythema migrans als möglich, aber nicht überwiegend wahrscheinlich ge-
wertet werden (VB 27).
4.
4.1.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-
ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-
zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet
und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V
231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
4.2.
Beim Aktengutachten von Dr. med. B. vom 9. Juli 2020 handelt es sich nicht
um eine nach Art. 44 ATSG eingeholte Expertise. Sie ist daher den Beur-
teilungen versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen gleichzuset-
zen. Diesen kommt praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem ge-
richtlichen oder einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versiche-
rungsträger in Auftrag gegebenen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S.
352 ff.; 122 V 157 E. 1c S. 160 ff.). Soll ein Versicherungsfall ohne Einho-
lung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Be-
weiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur ge-
ringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs-
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu-
nehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.; 122 V 157 E. 1d S. 162 f.).
5.
5.1.
Die Beschwerdeführerin bringt zusammengefasst vor, die behandelnde
Ärztin Prof. Dr. med. E. habe eine mononukleäre Meningitis bei früh disse-
minierter Neuroborreliose mit Erythema migrans diagnostiziert und diese
- 6 -
Diagnosen "mit Belegen und detaillierten Ausführungen "auf Nachfrage be-
legen" können. Die Argumentation, mit welcher die Beschwerdegegnerin
ihre Leistungspflicht abgelehnt habe, genüge dagegen nicht, um die von
der Fachärztin Prof. Dr. med. E. gestellte Diagnose umzustossen (Be-
schwerde S. 11). Die Beschwerdegegnerin habe ihre Untersuchungspflicht
verletzt, indem sie es unterlassen habe, abzuklären, ob die vorliegende
Symptomatik allenfalls auf eine andere Ursache (als den Zeckenstich) zu-
rückzuführen sei.
5.2.
5.2.1.
Der Beigeladene war vom 21. Juli bis zum 1. August 2019 in der D. Klinik,
Q., hospitalisiert. Im entsprechenden Austrittsbericht vom 31. Juli 2019
stellte Prof. Dr. med. E., Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin sowie für
Infektiologie, unter anderem folgende Diagnose (VB 7 S. 1):
"1. Frühe disseminierte Neuroboreliose mit Erythema chronica 
- 23.07.2019: Serum IgG und IgM für Borrelien burgdorferi positiv - 23.07.2019 Liquor: farblos, klar, Leukozyten 60/ul (88% Mononukle-
äre), Glucose im Normbereich, Protein erhöht 642 mg/l - 23.07.2019 keine intratekale Antikörper nachweisbar für Borrelien
burgdorferi (da wh. zu früh)
[...]"
Ferner führte sie zusammengefasst aus, der Beigeladene habe sich mit ei-
nem Erythema chronicum migrans nach einem Zeckenbiss stationär vor-
gestellt. Laborchemisch hätten sich stationäre Troponinwerte von
ca. 30 pg/ml bei einer bekannten Bradykardie gezeigt. Aufgrund der "klini-
schen Blickdiagnose", welche für eine Borrelien-Infektion gesprochen
habe, sei zunächst eine antibiotische Therapie mit Doxycylin erfolgt, welche
aufgrund des Liquorbefundes vom 23. Juli 2019 dann auf Rocephin umge-
stellt worden sei (VB 7 S. 2).
5.2.2.
Auf Anfrage der Beschwerdeführerin nahm Prof. Dr. med. E. mit Schreiben
vom 16. Dezember 2019 erneut Stellung. Darin stellte sie die Diagnose
"mononukleäre Meningitis bei früh disseminierter Borreliose". Sodann
führte sie aus, da sich der Beigeladene mit einem Erythema chronicum
migrans und auffälliger Bradykardie auf dem Notfall vorgestellt habe, habe
der Verdacht auf eine disseminierte Borreliose bestanden, weshalb eine
Lumbalpunktion durchgeführt worden sei. Diese habe eine mononukleäre
Meningitis gezeigt. Eine frühe disseminierte Borreliose müsse mit Ceftria-
xon intravenös behandelt werden. Die Diagnose sei aufgrund der Laborbe-
funde eindeutig und eine intravenöse Rocephin-Therapie über vier Wochen
sei korrekt. Auch die Borrelien-Serologie mit typischen hochpositiven IgG
und IgM, zusammen mit dem klinischen Bild und dem Liquorbefund, hätten
- 7 -
die Diagnose einer Borrelien-Infektion mit früher Dissemination erhärtet
(Beschwerdebeilage [BB] 11).
5.3.
Mit Beschluss vom 21. März 2022 stellte das Versicherungsgericht
Dr. med. B. Rückfragen zu dessen Aktengutachten vom 9. Juli 2020. Am
29. März 2022 nahm dieser hierzu Stellung. Zusammengefasst führte er
dabei aus, beim Beigeladenen sei im Liquor eine deutlich erhöhte Zellzahl
als Ausdruck einer floriden Meningoenzephalitis festgestellt worden. Es sei
bekannt, dass bei einer beginnenden Meningoenzephalitis auch die Zell-
zahl noch normal sein könne, wenn die Liquoruntersuchung "zu früh"
durchgeführt worden sei. In solchen Fällen werde die Lumbalpunktion nach
einigen Tagen wiederholt, was hier aber nicht notwendig gewesen sei. Der
Liquor sei im vorliegenden Fall also nicht zu früh entnommen worden, weil
die Meningoenzephalitis mit dem Nachweis der erhöhten Zellzahl nicht be-
ginnend, sondern im vollen Gange gewesen sei. Gleich verhalte es sich mit
dem Nachweis von autochthonen Antikörpern, hier gegen Borrelia burg-
dorferi, dem Erreger der Lyme-Borreliose, welcher auch eine Meningoen-
zephalitis bewirken könne. Bei einer durch Borrelia burgdorferi verursach-
ten Meningoenzephalitis, die im vollen Gange sei, seien auch entspre-
chende autochthon gebildete Antikörper vorhanden und die entsprechen-
den Indices würden erhöht ausfallen. Es wäre ein "krasser Widerspruch",
anzunehmen, dass "für die erhöhte Zellzahl der Liquor zwar zeitgerecht
entnommen wurde, für den Nachweis der autochthonen Antikörperproduk-
tion aber «zu früh»". Das Vorhandensein von autochthonen Antikörpern bei erhöhter Zellzahl im Liquor sei für die Diagnose einer durch Borrelia
burgdorferi verursachten Meningoenzephalitis weltweit conditio sine qua
non. Liege keine autochthone Antikörperproduktion bezüglich Borrelia
burgdorferi vor, könne die Diagnose einer durch Borrelien verursachten
Meningoenzephalitis nicht gestellt werden. Die Annahme einer Meningoen-
zephalitis durch Borrelia burgdorferi sei in dieser Situation reine Spekula-
tion. Die "Beweiskraft" der überwiegenden Wahrscheinlichkeit könne damit
nicht angenommen werden. Leider sei es bei der Abklärung von Prof.
Dr. med. E. versäumt worden, andere Ursachen der Meningoenzephalitis
(insbesondere "andere[] Viren") abzuklären. Von diesen Untersuchungen
wären weitere Erkenntnisse zu erwarten gewesen.
5.4.
Dr. med. B. stellte das Vorliegen einer Meningoenzephalitis in seinen Be-
urteilungen nicht in Abrede. Mit der Begründung, die Antikörperindices im
Liquor, mit welchen eine autochthone Antikörperproduktion bezüglich Bor-
relien burgdorferi nachgewiesen werden könne, seien normal ausgefallen,
schloss er die Diagnose einer Neuroborreliose indes aus. Dementspre-
chend gelangte er zum Schluss, die festgestellte Meningoenzephalitis habe
eine andere Ursache, die gemäss vorliegender Dokumentation nicht weiter
abgeklärt worden sei. Diese Beurteilung ist schlüssig und nachvollziehbar.
- 8 -
Prof. Dr. med. E. führte in ihrem Schreiben vom 16. Dezember 2019 zu-
handen der Beschwerdeführerin zwar aus, die Diagnose einer Neuroborre-
liose sei korrekt. Dies begründete sie aber im Wesentlichen damit, dass die
Borrelien-Serologie mit typischen hochpositiven IgG und IgM zusammen
mit dem klinischen Bild und dem Liquorbefund die Diagnose einer Borreli-
eninfektion mit früher Dissemination erhärten würde (vgl. BB 11). Hinsicht-
lich des Fehlens einer autochthonen Antikörperproduktion äusserte sie sich
indes nicht. Die Beschwerdeführerin bestreitet denn auch nicht, dass keine
intrathekale Synthese borrelienspezifischer Antikörper im Liquor habe
nachgewiesen werden können. Dies führte sie darauf zurück, dass die
Lumbalpunktion gemäss Austrittsbericht der D. Klinik zu früh erfolgt sei (vgl.
Beschwerde S. 8). Diesbezüglich nahm Dr. med. B. in seinem Antwort-
schreiben vom 29. März 2022 ausführlich Stellung. Er begründete insbe-
sondere nachvollziehbar, dass bei einer beginnenden Meningoenzephalitis
auch die Zellzahl noch normal sein könne, wenn die Liquoruntersuchung
zu früh durchgeführt werde. In solchen Fällen werde die Lumbalpunktion
nach einigen Tagen wiederholt. Im vorliegenden Fall sei dies aber nicht
notwendig gewesen, denn die Meningoenzephalitis sei im Zeitpunkt der
Untersuchung (nicht beginnend, sondern) bereits "im vollen Gange" gewe-
sen. Wäre die Meningoenzephalitis durch Borrelia burgdorferia verursacht
worden, so wären gemäss Dr. med. B. gleichzeitig auch entsprechende In-
dices für autochthon gebildete Antikörper erhöht ausgefallen, was aber
nicht der Fall gewesen sei. Es sind keine Anhaltspunkte vorhanden, welche
gegen diese nachvollziehbaren und schlüssigen Einschätzungen sprechen
würden. Entgegen dem Vorbringen des Beigeladenen in seiner Eingabe
vom 13. April 2022 ändert an der Beweiskraft dieser Beurteilung nichts,
dass Dr. med. B. in seiner Stellungnahme vom 29. März 2022 festhielt, es
wäre reine Spekulation, im vorliegenden Fall eine durch Borrelien burg-
dorferi verursachte Meningoenzephalitis anzunehmen, ̈ [m]an müsste dann
annehmen, dass es sich um eine jener seltensten Ausnahmen handelt",
ohne eine "Spezifikation dieser Ausnahmefälle" vorzunehmen. Die blosse
Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt dem im Sozialversi-
cherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich-
keit nämlich nicht (BGE 138 V 218 E. 6 S. 221). Gesamthaft liegen daher
keine zumindest geringen Zweifel an den nachvollziehbaren und schlüssi-
gen Beurteilungen von Dr. med. B. vor. Die Beschwerden, derentwegen
sich der Beigeladene am 21. Juli 2019 in ärztliche Behandlung begab, ste-
hen somit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem Kausalzu-
sammenhang zum als Unfall gemeldeten Zeckenstich vom 28. Juni 2019.
Dass die Beschwerdegegnerin keine weiteren Abklärungen bezüglich der
Ursache der Meningoenzephalitis getätigt hat, stellt vor diesem Hintergrund
und schon deshalb, weil der Unfallversicherer nicht den Beweis für unfall-
fremde Ursachen eines Gesundheitsschadens zu erbringen hat (vgl. etwa
Urteil des Bundesgerichts 8C_80/2021 vom 7. Juli 2021 E. 2.2 mit Hin-
weis), keine Verletzung des Untersuchungsgrunds dar. Von einer Edition
der vollständigen Akten der Klinik D., wie der Beigeladene dies beantragt
- 9 -
(vgl. dessen Eingabe vom 12. Juli 2021, S. 9 Rz. 26), ist in antizipierter Be-
weiswürdigung (vgl. BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368 f.) abzusehen.
6.
6.1.
Nach dem Dargelegten hat die Beschwerdegegnerin eine Leistungspflicht
für das gemeldete Ereignis vom 28. Juni 2019 mit Einspracheentscheid
vom 14. Dezember 2020 zu Recht verneint. Die dagegen erhobene Be-
schwerde ist daher abzuweisen.
6.2.
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG).
6.3.
Der Beschwerdeführerin und dem Beigeladenen stehen nach dem Aus-
gang des Verfahrens (Art. 61 lit. g ATSG) bzw. der Beschwerdegegnerin
aufgrund ihrer Stellung als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143
E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf Parteientschädigung zu.