Decision ID: 27077c5e-afcb-413e-99a0-9d818a2f4046
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1957 geborene X._ absolvierte eine Lehre als Detailmon
teur (Urk. 7/2) und arbeitete zuletzt bis 2004 als Logistiker bei der Y._ (Urk. 7/12 S. 2 und Urk. 7/40 S. 2). Am 9. August 2013 meldete er sich unter Hinweis auf somatische (chronische Hepatitis C, Thrombozytopenie, Hepatomegalie, hepatozelluläres Karzinom) und psychische Erkrankungen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/5). Die Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die erwerblichen und me
dizinischen Verhältnisse ab und veranlasste insbesondere eine bidisziplinäre Begutachtung (Innere Medizin und Psychiatrie) durch das Z._ (Expertise vom 17. November 2014, Urk. 7/28/1-10). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/31) wies die IV-Stelle unter Hinweis darauf, dass die Arbeitsunfähigkeit des Versicherten vorwiegend durch ein Abhängigkeits
verhalten begründet sei, das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 5. Juli 2016 (Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob der Versicherte unter Beilage einer E-Mail von Dr. med. A._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie und FMH Praktischer Arzt, vom 18. August 2016 (Urk. 3/4), sowie von Berichten des B._ vom 13. Juli 2016 (Urk. 3/6) und der Polikliniken C._ und D._ vom 26. August 2016 (Urk. 3/5) am 30. August 2016 Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, die Verfügung vom 5. Juli 2016 sei aufzuheben und es seien weitere Sachverhaltsabklärungen in Form eines polydisziplinären Gutachtens vorzu
nehmen. In formeller Hinsicht stellte er das Gesuch um unentgeltliche Prozess
führung (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 5. Oktober 2016 (Urk. 6) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdefüh
rer am 6. Oktober 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversiche
rung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gut
achten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre leistungsabweisende Verfügung (Urk. 2) damit, dass die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers vor allem durch das Suchtgeschehen begründet sei und deshalb keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliege. Aus somatischer Sicht bestehe aufgrund der Leberzirrhose eine Einschränkung von maximal 10-20 %, was indessen keinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung begründe (S. 1). Die Beschwerdegegnerin führte weiter aus, dass der Beschwerdeführer aufgrund IV-fremder Faktoren (plötzlicher Stellenverlust) keiner Arbeitstätigkeit mehr nachgehe. Eine Persön
lichkeitsstörung sei nicht ausgewiesen, nachdem er eine mehrjährige Ausbil
dung absolviert habe und danach über längere Zeit ohne Probleme beim selben Arbeitgeber tätig gewesen sei. Die gleichzeitig mit dem Stellenverlust aufgetre
tene remittierte depressive Störung führe sodann zu keinem langandauernden Gesundheitsschaden, welcher die Arbeitsfähigkeit längerfristig einschränke. Des Weiteren hätten die Ursachen der chronischen Diarrhoe nicht eruiert werden können, wobei auffallend sei, dass sich die diesbezüglichen Beschwerden bei den stationären Aufenthalten mit mehrheitlicher Abstinenz jeweils verbessert hätten. Schliesslich wies die Beschwerdegegnerin darauf hin, dass das Gutach
ten zwar anhand der rechtlichen Kriterien erstellt worden sei, die Invalidenver
sicherung allerdings ergänzend abkläre, weshalb eine versicherte Person an ei
ner Erkrankung leide; vorliegend sei klar ersichtlich, dass die Erkrankung auf
grund IV-fremder Faktoren entstanden sei (S. 2 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber in seiner Beschwerde (Urk. 1) auf den Standpunkt, dass neben der Anpassungsstörung durch die Tumordiag
nose sowie dem Cancer-related Chronic Fatigue Syndrome eine unbehandelte Hepatitis C mit extrahepatischen Symptomen, unter anderem auf die Psyche, vorliege, wobei diese Punkte im Rahmen der IV-Abklärung nicht besprochen worden seien. Des Weiteren bestehe eine Pankreasinsuffizienz mit wahrscheinli
cher Malabsorption, weshalb sich weitere Abklärungen, insbesondere ein poly
disziplinäres Gutachten mit der Disziplin Gastroenterologie, aufdrängten (S. 7 Ziff. 4). Dem bidisziplinären Gutachten des E._ sowie der Einschätzung der behandelnden Psychiaterin kämen sodann eine höhere Be
weiskraft als der internen Beurteilung der IV-Stelle zu, da sich in den IV-Akten auch keine Begründung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) und des Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin finde, weshalb das Gutachten nicht den rechtlichen Kriterien entsprechen soll. Die Gutachter sowie die behandelnden Ärzte seien zudem zum Schluss gekommen, dass ein sekundäres Suchtgesche
hen vorliege (S. 8 Ziff. 9 und Ziff. 12 f.). Im Weiteren sei die neue bundesge
richtliche Rechtsprechung zur Schmerzpraxis respektive der entsprechende Indi
katorenkatalog nicht anwendbar, da es sich vorliegend nicht um ein syndroma
les Beschwerdebild handle. Schliesslich seien für den Fall, dass das Suchtge
schehen verneint werde, die Voraussetzungen einer befristeten Rente gegeben (S. 9 Ziff. 15-17).
3.
3.1
3.1.1
In dem von der Beschwerdegegnerin veranlassten Gutachten des E._ vom 17. November 2014 (Urk. 7/28/1-10) stell
ten Dr. med. F._, Assistenzarzt, Dr. med. G._, FMH Innere Medizin und Oberärztin, sowie Prof. Dr. med. H._, FMH Innere Medizin und Klinikdi
rektor an der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin des E._, sowie Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, folgende Diagnosen (S. 7):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und emotional instabi
len Zügen (ICD-10 F61)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
-
Status nach Suizidversuch 10/1998
-
chronische Diarrhoe seit 2011
-
multifaktoriell bedingt: Aethylabusus, Pankreasinsuffizienz
-
belastungsabhängige Fussgelenksschmerzen bei möglicher Pseudogicht OSG rechts
-
hepatozelluläres Karzinom, ED 06/2013 bei chronischer Hepathitis C und Le
berzirrhose
-
Status nach Radiofrequenzablation der Neoplasie am 12.6.2013
-
schwere portalhypertensive Gastropathie bei Leberzirrhose Child A
-
Status nach Hepatitis B und A
-
aktuell: rezidivfrei
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Opiatabhängigkeit
-
gegenwärtig Teilnahme am ärztlich überwachten Substitutionspro
gramm (ICD-10 F11.22)
-
Alkoholabhängigkeit, aktiver Konsum (ICD-10 F10.25)
-
chronisch-venöse Insuffizienz
-
short-barret Ösophagus, ED 2013
-
letzte Gastroskopie 7/2014: keine Dysplasiezeichen
-
leichte Thrombopenie, differenzialdiagnostisch toxisch iR Aethylabusus
3.1.2
3.1.2.1
Die Gutachter führten aus, der Beschwerdeführer berichte über eine sehr ein
schränkende Diarrhoe mit 20 Toilettengängen pro Tag sowie Fussgelenksbe
schwerden rechts bei Belastung als Hauptursachen für seine Arbeitsunfähigkeit als Landschaftsgärtner. Sie hielten weiter fest, dass die Diarrhoe trotz mehrma
liger stationärer Aufenthalte im B._ nicht gänzlich geklärt sei. Der Beschwerdeführer habe während der zweistündigen Untersuchung nie auf die Toilette gehen müssen, so dass die angegebenen Beschwerden, objektiv ge
sehen, wahrscheinlich weniger stark ausgeprägt seien beziehungsweise stark fluktuierten. Bei bekanntem Aethylabusus sowie der Tatsache, dass die Diarrhoe nach Spitaleintritt oft spontan regredient gewesen sei, sei ein durch Alkohol versursachter Durchfall sehr wahrscheinlich. Als weitere mögliche Mitursache sei eine chronische Pankreatitis mit Pankreasinsuffizienz postuliert worden, wo
bei die Therapie mit Creon zu einer teilweisen Linderung der Beschwerden ge
führt habe. Daneben sei auch eine Malabsorptionsstörung bei anamnestischer Einnahme von lactosereicher Nahrung statuiert worden und es habe eine ent
sprechende Ernährungsberatung stattgefunden, mit vorübergehender Besserung der Beschwerden. Aktuell zeige sich bezüglich der Diarrhoe ein leicht erhöhtes Calprotectin, so dass eine entzündliche Ursache nicht ganz ausgeschlossen sei. Insgesamt wäre eine erneute gastroenterologische Standortbestimmung zur er
neuten Beurteilung der Ursache des Durchfalls, zur Objektivierung des Schwere
grads der Beschwerden sowie Optimierung der Therapie und zur genauen Ein
schätzung der Arbeitsunfähigkeit zu empfehlen. Da jedoch die Arbeitsfähigkeit vorwiegend aus psychiatrischer Sicht stark eingeschränkt sei, sei auf eine er
neute gastroenterologische Abklärung verzichtet worden (S. 8 f.).
Betreffend die chronischen Schmerzen im rechten Sprunggelenk hielten die Gut
achter fest, dass Dr. med. J._ vom Institut für Rheumatologie des B._ in seinem Bericht vom 5. Februar 2014 (vgl. Urk. 7/28/35-36) eine gemischte Kristallarthropathie bei Pyrophosphatkristallen im Punktat sowie leicht erhöhtem Harnsäurespiegel im Blut postuliert habe. Ein aktuelles Röntgen des rechten OSG zeige Weichteilverkalkungen, jedoch keine Arthrose des Ge
lenks. Anhand der vorliegenden Befunde sei eine isolierte Pseudogicht als Grund für die Beschwerden am wahrscheinlichsten. Hinsichtlich einer leidens
angepassten Tätigkeit sollten die Fussgelenksschmerzen bei längerem Laufen auf unebenem Gelände berücksichtigt werden (S. 9).
Bezüglich der Hepatitis C mit Leberzirrhose und einem hepatozellulären Karzi
nom zeige der Beschwerdeführer nach einmaliger Radiofrequenzablation des Turmors einen guten Verlauf ohne Hinweise für ein Rezidiv. Die Langzeitprog
nose sei jedoch ohne die kurative Lebertransplantation ungewiss. Die Leberzir
rhose alleine führe aufgrund erhöhter Müdigkeit zu einer dauerhaften Leis
tungseinschränkung von 10-20 % (S. 9).
Zusammenfassend hielten die Gutachter fest, dass aus internistischer Sicht eine multifaktoriell bedingte Diarrhoe (Pankreasinsuffizienz, Aethylabusus, Ma
labsorption), eine belastungsabhängige Fussgelenkssymptomatik bei Pseudo
gicht und eine Leberzirrhose mit HCC in Remission als arbeitsfähigkeitsein
schränkende Erkrankungen bestünden. Die genaue Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit aus somatischer Sicht sei aufgrund der psychiatrischen Einschränkungen indessen nicht ausschlaggebend (S. 9).
3.1.2.2
Im Weiteren wurde ausgeführt, dass die aktuelle psychiatrische Abklärung die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und emotional instabilen Zügen in Kombination mit einer rezidivierenden depressiven Störung bestätige. Diese Störungen führten zu einer erheblich verminderten Stresstoleranz und emotionalen Belastbarkeit sowie zu kognitiven Defiziten und abweichendem so
zialem Verhalten, was aus rein psychiatrischer Sicht zu einer dauerhaften Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit von 100 % im regulären Arbeitsmarkt führe (S. 9).
Eine Integration in den regulären Arbeitsmarkt sei aufgrund der bestehenden psychiatrischen Einschränkungen nicht möglich und es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten. Die Arbeitsunfähigkeit könne an
hand der spärlichen Akten retrospektiv nicht sicher beurteilt werden. Im Bericht der C._ (vgl. Urk. 7/13) sei eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit seit 2011 attestiert worden. Seit dem Datum des Gutachtens bestehe eine Arbeits
unfähigkeit von 100 % (S. 9).
Der Gutachter Dr. I._ hielt in seinem psychiatrischen Fachgutachten vom 2. Oktober 2014 (Urk. 7/28/14-21) fest, die Überlegungen im Bericht der C._ (vgl. Urk. 7/13), wonach der Beschwerdeführer die Suchtformen se
kundär zu einer Persönlichkeitsstörung und einer affektiven Störung entwickelt habe, seien insofern nachzuvollziehen, als dass die erheblich von der Norm ab
weichende Persönlichkeitsstruktur es dem Beschwerdeführer zwar ermöglicht habe, sich an einem vermeintlich sehr sicheren Arbeitsplatz regel- und norm
konform zu verhalten, er nach dem Stellenverlust jedoch rasch dekompensiert sei, so dass er nicht mehr zurück ins produktive Leben gefunden habe. Die Anamnese des Beschwerdeführers, der nach initialem Kontakt zu stark suchter
zeugenden Substanzen einer Entgiftungsbehandlung zugeführt worden sei, da
nach während vieler Jahre ein geregeltes Leben geführt habe, dann erneut den Drogen verfallen sei und nun seit acht Jahren in einem strikt reglementierten Heroinsubstitutionsprogramm stehe, sei eher atypisch. Dies verwundere indes
sen nicht, da die bestehende psychische Komorbidität den Beschwerdeführer im Coping-Verhalten erheblich limitiere (S. 7).
Im Weiteren führte Dr. I._ aus, dass sich der Beschwerdeführer als Kind italienischer Einwanderer mit einigen Schwierigkeiten in der Schweiz soziali
siert und, allerdings nur auf Druck des Vaters, den Beruf eines Mechanikers er
lernt habe. Infolge des Verlusts des Arbeitsplatzes sei es zu erheblichen psy
chosozialen Belastungen gekommen, welche zu einer massiven Reaktivierung der vorbestehenden Suchterkrankung und der Dekompensation der Persönlich
keitsstörung geführt hätten. Der Beschwerdeführer habe schnell eine störungs
spezifische Hilfe zu suchen gewusst und sei nach einer kurzen Methadon-Sub
stitution einer Behandlung im Heroinsubstitutionsprogramm zugeführt worden. Die Versorgung mit Substitutionsmitteln habe sich, wohl aufgrund des starken Cravings und des hohen Bedarfs, problematisch gestaltet, wobei die jetzige Versorgung aus einer Kombination von Morphium, Diaphin und Oxazepam, gemessen am fehlenden Beikonsum, optimal ausfalle. Der Beschwerdeführer be
richte von einer strikten Tagesstruktur aufgrund der Termine an der C._-Klinik und bewerte dies als einen eindeutigen Zuwachs an Lebensqualität und blicke zuversichtlich in die Zukunft. Die bisherige Behandlung sei deshalb ein
deutig als Erfolg zu bewerten, so dass es, bei entsprechender Anpassung der eventuellen Tätigkeit an körperliche Einschränkungen, durchaus angebracht sei, den Beschwerdeführer an Reintegrationsmassnahmen heranzuführen. Der Ver
lauf der Substitutionsbehandlung deute darauf hin, dass der Beschwerdeführer bei entsprechender Führung, wenngleich nur im vordefinierten Rahmen einer geschützten Arbeitsstelle, durchaus in der Lage sein könne, entsprechend auf
gestellten Regeln und Normen konform zu wirken. Dem aktuell bestehenden fragilen Gleichgewicht müsse dabei Rechnung getragen werden (S. 7).
Der Gutachter wies schliesslich darauf hin, dass die Einschätzung der C._-Klinik, wonach der Beschwerdeführer eine behinderungsangepasste Tätigkeit im Umfang von maximal 3-4 Stunden pro Tag bei kognitiv und körperlich wenig anspruchsvoller Arbeit ohne Kundenkontakt und Teamarbeit ausüben könne, geteilt werde. Diese Einschränkung sei insbesondere durch eine erheblich ver
minderte Stresstoleranz und emotionale Belastbarkeit sowie durch kognitive Defizite und abweichendes soziales Verhalten bedingt. Empfehlenswert sei die Fortsetzung der ambulanten DOT-Behandlung, wobei der Beschwerdeführer kaum Aussichten auf eine Besserung der Arbeitsfähigkeit habe und das aktuelle Leistungsniveau lediglich aufrechterhalten werden könne (S. 8).
3.2
3.2.1
Die behandelnde Psychiaterin des Beschwerdeführers, Dr. med. K._, Oberärz
tin Psychiatrie an den Polikliniken C._ und D._, stellte in ihrem Be
richt vom 26. August 2016 (Urk. 3/5) folgende Diagnosen (S. 1 f.):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0)
-
mit dissozialen und emotional instabilen Zügen
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
-
bei Status nach Suizidversuch 10/98
-
hepatozelluläres Karzinom seit 06/13 mit/bei
-
Cancer-related Chronic Fatigue
-
chronischer Hepatitis C, Genotyp 4, ED 12/98
-
Lebersegment VII, direkt angrenzend Lebersegmentvene (VII/VIII)
-
Status nach Radiofrequenzablation 12.06.13: Bezirk von 4 cm
-
portalhypertensive Gastropathie (Gastro 28.05.13)
-
Leberzirrhose CHILD B (Diagnose 04/16, vorher CHILD A)
-
chronische Diarrhoe seit 2011
-
Hospitalisation im B._ 01/14
-
differenzialdiagnostisch bei exokriner Pankreasinsuffizienz, Malabsorp
tion
-
Status nach Colitis (Colon descendends) unklarer Genese (01/14)
-
Verdacht auf Short-barret Ösophagus
-
chronische venöse Insuffizienz
-
Kristallarthropathie OSG rechts
3.2.2
Dr. K._ führte aus, dass die Ultraschalluntersuchung des Bauches am 13. Juli 2016 eine Verschlechterung, neu mit Aszites (Wassereinlagerung) und Spleno
megalie (Milzvergrösserung), sowie eine Verschlechterung des Zirrhosestadiums der Leber zeige. Die erhöhten Leberwerte zeigten eine Verschlechterung der Le
berfunktion seit einigen Monaten. In psychischer Hinsicht stehe seit 2013 eine chronische Müdigkeit mit Verminderung des Antriebs im Vordergrund. Die Be
schwerden seien im Zusammenhang mit der Lebererkrankung erklärbar und be
dingten eine deutliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Es bestehe eine dau
ernde Müdigkeit und Erschöpfung trotz Remission der Depression respektive ausgeglichener Stimmungslage (S. 2). Der Befund der fortschreitenden Leber
zirrhose erkläre die zunehmenden und die Leistungsfähigkeit einschränkenden körperlichen Symptome (Schwitzen, wechselnde Oberbauchbeschwerden, Juck
reiz, Beinödeme, Lidödeme). Bezüglich Opiatabhängigkeit sei der Beschwerde
führer seit Jahren stabil substituiert und habe keinen Nebenkonsum (S. 3).
3.2.3
Betreffend Einschätzung des RAD wies Dr. K._ darauf hin, dass die Tatsache, dass der Beschwerdeführer eine mehrjährige Ausbildung habe absolvieren kön
nen, nicht gegen die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung spreche. Es sei häu
fig, dass gerade eine langjährige stabile Arbeitssituation einem Menschen mit Persönlichkeitsstörung ermögliche, stabil zu bleiben. Das Auftreten verschiede
ner Belastungen führe dann dazu, dass die für solche Menschen typische Ein
schränkung der Bewältigungsstrategien sichtbar werde. Der Stellenverlust habe somit nicht zur psychischen Erkrankung geführt, sondern es habe sich das Voll
bild der bereits vorbestehenden Persönlichkeitsstörung nach Wegfallen der sta
bilisierenden Arbeitsstelle mit haltgebender Tagesstruktur gezeigt. Dem Be
schwerdeführer sei es nach dem Stellenverlust aufgrund seiner durch die Per
sönlichkeitsstörung bedingten Einschränkungen nicht mehr möglich gewesen, eine Arbeitstätigkeit aufzunehmen. Die Symptomatik, welche mit der Diagnose der Persönlichkeitsstörung einhergehe, begründe eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Ferner zeige auch die Entwicklung einer Cancer-related Chronic Fatigue nach der Diagnose Leberkrebs die deutlich eingeschränkten Bewältigungsstrategien und erhärte die Diagnose der Persönlichkeitsstörung (S. 3).
3.2.4
Dr. K._ hielt weiter fest, dass die Diarrhoe von den Gastroenterologen des B._ als multifaktoriell beschrieben worden sei. Aus einer erfolglosen Ursachensuche könne sodann nicht darauf geschlossen werden, dass der Be
schwerdeführer nicht unter der Symptomatik leide oder die Erkrankung nicht bestehe. Der Hinweis, dass sich die Symptome während des Spitalaufenthalts verbessert hätten, könne zudem auf Zusammenhänge mit der Ernährung hin
deuten. Des Weiteren liefere der Umstand, dass der Beschwerdeführer während der gutachterlichen Untersuchung nicht zur Toilette habe gehen müssen, keinen verwertbaren Hinweis. Die Diarrhoe trete vor allem morgens auf und die Un
tersuchung stelle eine Ausnahmesituation dar, welche den Toilettengang durch
aus beeinflussen könne (S. 4).
Im Weiteren führte Dr. K._ aus, dass aufgrund der langjährigen Behandlung und des täglichen Umgangs mit dem Beschwerdeführer die Diagnose der Per
sönlichkeitsstörung als primäre Erkrankung beurteilt werde, wobei diese Auf
fassung vom Gutachter Dr. I._ geteilt werde (S. 4).
Betreffend das E._-Gutachten wies Dr. K._ schliesslich darauf hin, dass die
ses eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der freien Marktwirtschaft für sämtliche Tätigkeiten belege. Des Weiteren werde im Gutachten bezüglich der Leberzir
rhose eine dauerhafte Leistungseinschränkung von 20 % angegeben. Ferner werde eine Einschränkung aufgrund der Diarrhoe attestiert, aber nicht quantifi
ziert. Da sich die medizinischen Befunde der Leberzirrhose verschlechtert hätten und die Diarrhoe eine deutliche Einschränkung darstelle, sei von einer erhebli
chen Limitierung der Arbeitsfähigkeit auch im Zusammenhang mit den inter
nistischen Diagnosen auszugehen (S. 4).
4.
4.1
Nach Lage der Akten sind Ursache, Ausmass und namentlich Bedeutung der Diarrhoe für das Leistungsvermögen des Beschwerdeführers nach wie vor unklar. Angesichts des leicht erhöhten Calprotecin konnte nebst dem diskutierten Zusammenhang mit dem Aethylabusus und der Pankreas- insuffizienz eine entzündliche Ursache nicht ganz ausgeschlossen werden, sodass die Ärzte des E._ im November 2014 an sich eine – auch aus heutiger Sicht angezeigte – erneute Beurteilung mit Objektivierung des Schweregrades und genauer Angabe der damit verbundenen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit empfahlen. Auf eine entsprechende Abklärung wurde nur deswegen verzichtet, weil die E._-Gutachter die Arbeitsfähigkeit vorwiegend als aus psychischen Gründen eingeschränkt sahen (Urk. 7/28/1-10 S. 8 f.).
Sodann wies die behandelnde Psychiaterin Dr. K._ im kurz nach Erlass der angefochtenen Verfügung ergangenen Bericht vom 26. August 2016 auf eine zwischenzeitlich (im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung von Mitte Juli 2016) festgestellte, die Leistungsfähigkeit weiter einschränkende Verschlechte
rung des Zirrhosestadiums der Leber mit Aszites und Spenomegalie hin (Urk. 3/5 S. 1 und S. 2), was nicht von vornherein und ohne nähere Abklärung unbeachtlich bleiben kann, auch wenn Dr. K._ nicht auf solche Leiden spezi
alisiert ist. Ähnliches gilt für deren Hinweis auf einen Cancer-related Fatigue (vgl. zum Ganzen BGE 139 V 346).
4.2
Weiterer Klärungsbedarf besteht hinsichtlich der vom zuständigen E._-Gutach
ter Dr. I._ und der Psychiaterin Dr. K._ diagnostizierten kombinierten Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0) mit dissozialen und emotional instabilen Zügen.
Persönlichkeitsstörungen im Sinne von
ICD-10 F60-62 umfassen tief verwur
zelte, anhaltende Verhaltensmuster, die sich in starren Reaktionen auf unter
schiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeigen. Dabei findet man bei Personen mit Persönlichkeitsstörungen gegenüber der Mehrheit der betreffenden Bevölkerung deutliche Abweichungen im Wahrnehmen, Denken, Fühlen und in Beziehungen zu anderen. Solche Verhaltensmuster sind meistens stabil und be
ziehen sich auf vielfältige Bereiche von Verhalten und psychischen Funktionen. Häufig gehen sie mit persönlichem Leiden und gestörter sozialer Funktions- und Leistungsfähigkeit einher. Persönlichkeitsstörungen unterscheiden sich von Persönlichkeitsänderungen durch den Zeitpunkt und die Art und Weise ihres Auftretens. Sie beginnen in der Kindheit oder Adoleszenz und dauern bis ins Erwachsenenalter an. Persönlichkeitsänderungen dagegen werden im Erwachse
nenalter erworben
. Bei der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung sollte der Kli
niker alle Aspekte des individuellen Lebens und der persönlichen Funktionen berücksichtigen
(
Dilling H./Mombour W./Schmidt M.H. (Hrsg.),
Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F],
10. überarbeitete Auflage 2015, S. 274 f.
F60-62).
Dr. I._ wies auf eine „erheblich von der Norm abweichende Persönlich
keitsstruktur“ des Beschwerdeführers hin (Urk. 7/28/14-21 S. 7), machte indes
sen keine Angaben darüber, inwiefern sich dessen Persönlichkeitsstruktur kon
kret von der Norm unterscheidet. Vielmehr beliess er es beim pauschalen Hin
weis auf eine erheblich verminderte Stresstoleranz und emotionale Belastbar
keit, auf kognitive Beeinträchtigungen und auf ein abweichendes soziales Ver
halten (S. 9), ohne darzutun, wie sich dies im Einzelnen zeigt und wie sich diese Defizite konkret auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Im Weiteren äusserte sich der Gutachter nicht zum Auslöser respektive Beginn der Persönlichkeitsstörung, sondern beschränkte sich bezüglich der Kindheit und Adoleszenz auf den Hin
weis, dass sich der Beschwerdeführer als Kind italienischer Einwanderer mit ei
nigen Schwierigkeiten in der Schweiz habe sozialisieren können, einen Realab
schluss erreicht und auf Druck des Vaters den Beruf eines Mechanikers erlernt habe (Urk. 7/28/14-21 S. 7).
Im Übrigen machte auch die behandelnde Psychiaterin Dr. K._ in ihrem Be
richt vom 26. August 2016 keine näheren Angaben betreffend den Beginn der Persönlichkeitsstörung. Sie beschränkte sich im Wesentlichen auf den Hinweis, dass sich durch den Stellenverlust das Vollbild der bereits vorbestehenden Per
sönlichkeitsstörung gezeigt habe und es dem Beschwerdeführer danach auf
grund seiner durch die Persönlichkeitsstörung bedingten Einschränkungen nicht mehr möglich gewesen sei, wieder eine Arbeitstätigkeit aufzunehmen. Wie die
ses „Vollbild“ aussieht, worin die Einschränkungen bestehen beziehungsweise wie sie sich konkret auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirken, ist dem Bericht von Dr. K._ nicht zu entnehmen (S. 3).
4.3
Nach dem Gesagten ist der medizinische Sachverhalt (Gesundheitszustand und Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit) in wesentlichen Teilen ungeklärt, wes
halb es weiterer Abklärungen bedarf. Entsprechend ist die Verfügung vom 5. Juli 2016 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache zu diesem Zweck (sowie zur allfälligen Prüfung von Integrationsmassnahmen) an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Hernach wird sie über den Leistungsanspruch des Beschwer
deführers neu verfügen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Damit ist der Antrag des Beschwerde
führers auf Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 2) ge
genstandslos.