Decision ID: 63149eef-77f1-5200-b92e-beac94d29b99
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ist ein pakistanischer Staatsbürger aus B._
in der Provinz Belutschistan (Balochistan gemäss in Pakistan gebräuchli-
cher englischer Bezeichnung) und gehört der Volksgruppe der Belutschen
(Baloch) an. Nach eigenen Angaben verliess er seinen Heimatstaat Mitte
Juni 2011 in Richtung Afghanistan. Über den Iran gelangte er Ende Juni
2011 nach Dubai, wo er sich bis zum 19. September 2012 aufhielt. Am
25. September 2012 reiste er illegal in die Schweiz ein und stellte tags da-
rauf beim damaligen Empfangs- und Verfahrenszentrum Vallorbe ein Asyl-
gesuch. Am 9. Oktober 2012 wurde er durch das damalige Bundesamt für
Migration (BFM; nunmehr Staatssekretariat für Migration [SEM]) summa-
risch befragt und am 10. Juni 2013 eingehend zu den Gründen seines Asyl-
gesuchs angehört. Zwischenzeitlich wurde er für die Dauer des Asylverfah-
rens dem Kanton C._ zugewiesen.
B.
Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch im Rahmen der durch-
geführten Befragungen im Wesentlichen damit, er sei seit seiner Zeit als
Student der Jurisprudenz für eine Partei tätig, die sich für die Unabhängig-
keit Belutschistans einsetze. Diese Partei trage heute den Namen Baloch
Republican Party (BRP). Im Jahr 2004 sei er zum Distriktspräsidenten,
2007 zum Mitglied des Zentralkomitees und 2009 zum Vizepräsidenten der
BRP gewählt worden. Eine grosse Zahl von Politikern der BRP, darunter
sechs Mitglieder des Zentralkomitees, seien ermordet worden. Er selbst
werde wegen seines politischen Engagements durch den pakistanischen
Staat des Landesverrats beschuldigt, und man werfe ihm vor, für ein tödli-
ches Attentat gegen Angehörige der staatlichen Sicherheitskräfte verant-
wortlich zu sein. Seit dem Jahr 2010 hätten die pakistanischen Sicherheits-
behörden dreimal versucht, ihn festzunehmen, und er habe sich deswegen
versteckt gehalten. Weil er an Leib und Leben bedroht gewesen sei, habe
er sich schliesslich zur Ausreise aus Pakistan entschieden. Seit seiner Ein-
reise in die Schweiz betätige er sich weiterhin exilpolitisch für die Ziele der
BRP und sei in ständigem Kontakt mit dem Präsidenten der Partei, welcher
sich ebenfalls in der Schweiz befinde. Nachdem er im März 2013 vor dem
Sitz der Vereinten Nationen (UNO) in Genf eine Demonstration gegen die
pakistanische Regierung angeführt habe, sei sein ältester Sohn
D._ ‒ der ebenfalls für die BRP aktiv gewesen sei ‒ durch die pa-
kistanischen Sicherheitskräfte entführt worden. Nach einer weiteren Kund-
gebung beim Sitz der UNO in Genf am 2. Juni 2013 sei D._ tags
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darauf ermordet aufgefunden worden. Auch das Leben seiner weiteren
Kinder, die sich noch in Pakistan aufhalten würden, sei in Gefahr.
C.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 30. Mai 2016 erhob der Be-
schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde wegen
Rechtsverzögerung durch das SEM. Diese Beschwerde wurde durch das
Gericht mit Urteil E-3397/2016 vom 11. Juli 2016 gutgeheissen.
D.
Mit Schreiben vom 21. Juli 2016 ersuchte das SEM den Nachrichtendienst
des Bundes (NDB) um eine Stellungnahme zur Person des Beschwerde-
führers, insbesondere betreffend das Vorliegen allfälliger Gründe für einen
Ausschluss von der Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 1 F des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(Flüchtlingskonvention [FK], SR 0.142.30) beziehungsweise für einen Aus-
schluss vom Asyl gemäss Art. 53 des Asylgesetzes (AsylG, SR 142.31).
E.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 6. Oktober 2017 erhob der Be-
schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht erneut eine Beschwerde
wegen Rechtsverzögerung durch das SEM. Diese Beschwerde wurde
durch das Gericht mit Urteil D-5707/2017 vom 15. November 2017 gutge-
heissen.
F.
Am 9. Januar 2018 führte das SEM eine weitere Anhörung des Beschwer-
deführers zu dessen Asylgründen durch. Dabei gab der Beschwerdeführer
im Wesentlichen zu Protokoll, im Verlauf des Jahres 2017 hätten Angehö-
rige der pakistanischen Sicherheitskräfte sein Haus in Pakistan überfallen
und alle darin befindlichen Wertsachen mitgenommen. Auch habe ihn die
pakistanische Regierung bezüglich eines ihm gehörenden Grundstücks
enteignet. Seit ein bis zwei Jahren sei ausserdem seine Mutter durch die
Sicherheitskräfte belästigt und bedroht worden, weshalb sie psychisch er-
krankt sei, sich während sechs Monaten in Spitalbehandlung befunden
habe und am 4. Dezember 2017 verstorben sei. Im Jahr 2016 sei zudem
einmal seine Ehefrau durch Angehörige der Sicherheitskräfte geschlagen
worden. Nach der Ermordung seines Sohnes D._ sei ein anderer
Sohn namens E._ im Juli 2013 aus Sicherheitsgründen nach Dubai
ausgereist. Im Übrigen sei er bereits im August 2014 aufgrund von Mei-
nungsdifferenzen mit dem Parteipräsidenten über die politische Strategie
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der BRP aus der Partei ausgeschieden. Indessen engagiere er sich weiter-
hin politisch für die Belange Belutschistans. Ferner machte der Beschwer-
deführer geltend, auch sein jüngster Sohn F._, der mittlerweile vier-
zehn oder fünfzehn Jahre alt sei, habe nun ein Alter erreicht, in dem er
Probleme seitens der pakistanischen Sicherheitskräfte zu befürchten habe.
G.
Mit Schreiben vom 23. Januar 2018 ersuchte das SEM den NDB erneut
um eine Stellungnahme zur Person des Beschwerdeführers hinsichtlich all-
fälliger Gründe für einen Ausschluss von der Flüchtlingseigenschaft im
Sinne von Art. 1 F FK beziehungsweise für einen Ausschluss vom Asyl ge-
mäss Art. 53 AsylG.
H.
Mit Schreiben an das SEM vom 22. Februar 2018 übermittelte der NDB
einen Amtsbericht in Bezug auf den Beschwerdeführer.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 2. März 2018 erteilte das SEM dem Beschwer-
deführer in Bezug auf den Amtsbericht des NDB das rechtliche Gehör.
J.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin an das SEM vom 3. April 2018 gab
der Beschwerdeführer eine entsprechende Stellungnahme ab. Zudem
teilte er mit, am 11. März 2018 hätten pakistanische Sicherheitskräfte sein
Haus in Pakistan überfallen und seine Ehefrau, Kinder, Eltern und Neffen
misshandelt. Ein Neffe, welcher die Anwaltskanzlei des Beschwerdefüh-
rers weiterbetrieben habe, sei entführt worden. Sämtliche Vermögensge-
genstände seien mitgenommen oder zerstört und alle Mobiltelephone der
Familienangehörigen konfisziert worden. Das Schicksal des jüngsten Soh-
nes F._, der in neunzehn Kilometern Entfernung eine Schule besu-
che, sei ungewiss. Zum Schutz der Familienangehörigen werde zu deren
Gunsten ein Antrag auf Ausstellung humanitärer Visa für die Einreise in die
Schweiz gestellt. Des Weiteren ersuchte der Beschwerdeführer darum,
seine Rechtsvertreterin sei ihm gestützt auf Art. 29 Abs. 3 BV und ange-
sichts des Umfangs des Verfahrens als amtliche Rechtsbeiständin beizu-
ordnen.
K.
Mit Verfügung vom 18. Juni 2018 (Datum der Eröffnung: 19. Juni 2018)
anerkannte das SEM den Beschwerdeführer gestützt auf Art. 3 AsylG als
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Flüchtling und ordnete dessen vorläufige Aufnahme in der Schweiz an. In-
dessen lehnte das Staatssekretariat das Asylgesuch des Beschwerdefüh-
rers in Anwendung von Art. 53 AsylG wegen Asylunwürdigkeit ab. Zudem
lehnte das SEM auch das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung ab.
L.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 18. Juli 2018 focht der Be-
schwerdeführer den Entscheid des SEM vom 18. Juni 2018 beim Bundes-
verwaltungsgericht an. Dabei beantragte er hauptsächlich die Aufhebung
der Dispositionsziffern 2 und 3 der genannten Verfügung und die Gewäh-
rung des Asyls. Zudem sei auch die Ziffer 7 des Dispositivs der angefoch-
tenen Verfügung aufzuheben, und es sei dem Gesuch um unentgeltliche
Verbeiständung im erstinstanzlichen Verfahren stattzugeben. Des Weite-
ren stellte er den Antrag, das Staatssekretariat sei anzuweisen, die bean-
tragten Verfahren zur Gewährung humanitärer Visa zugunsten seiner Fa-
milienangehörigen umgehend an die Hand zu nehmen.
M.
Mit Urteil D-4172/2018 vom 6. August 2018 hiess das Bundesverwaltungs-
gericht diese Beschwerde teilweise gut, soweit sie die Ablehnung des Asyl-
gesuchs wegen Asylunwürdigkeit betraf. In diesem hauptsächlichen Punkt
wurde die Sache zur erneuten Beurteilung an das SEM zurückgewiesen.
Auf den Antrag bezüglich des Verfahrens zur Gewährung humanitärer Visa
zugunsten der Familienangehörigen des Beschwerdeführers wurde nicht
eingetreten. Hinsichtlich der unentgeltlichen Verbeiständung im erstin-
stanzlichen Verfahren wurde die Beschwerde abgewiesen.
N.
Mit Verfügung vom 31. Oktober 2018 (Datum der Eröffnung: 2. November
2018) lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers erneut in
Anwendung von Art. 53 AsylG wegen Asylunwürdigkeit ab.
O.
Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner Rechts-
vertreterin vom 29. November 2018 beim Bundesverwaltungsgericht an.
Dabei beantragte er die Aufhebung der genannten Verfügung und die Ge-
währung des Asyls, eventualiter die Rückweisung der Sache an die Vor-
instanz zur erneuten Beurteilung. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG sowie um Bestellung einer amtlichen Rechtsbeiständin ge-
mäss aArt. 110a AsylG in der Person seiner bisherigen Rechtsvertreterin.
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Mit der Beschwerdeschrift wurden eine Fürsorgebestätigung sowie eine
Honorarabrechnung eingereicht. Auf die Begründung der Beschwerde
wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegan-
gen.
P.
Mit Zwischenverfügung der damals zuständigen Instruktionsrichterin vom
4. Dezember 2018 wurden die Gesuche um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung und um Bestellung einer amtlichen Rechtsbeistän-
din ‒ als welche die bisherige Rechtsvertreterin eingesetzt wurde ‒ gutge-
heissen.
Q.
Mit Vernehmlassung vom 19. Dezember 2018 hielt das SEM vollumfäng-
lich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be-
schwerde. Hiervon wurde dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom
20. Dezember 2018 Kenntnis gegeben.
R.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 29. August 2019 reichte der Be-
schwerdeführer unter anderem die Kopie eines Schreibens verschiedener
Mitglieder des Europäischen Parlaments in Bezug auf die Situation in der
pakistanischen Provinz Belutschistan ein.
S.
Mit Eingaben seiner Rechtsvertreterin vom 26. und 31. März 2020 reichte
der Beschwerdeführer verschiedene ärztliche Zeugnisse ein.
T.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 23. April 2021 teilte der Be-
schwerdeführer zum einen mit, das SEM habe ihm mit Verfügung vom
11. Februar 2021 seinen Reiseausweis für Flüchtlinge entzogen, und er
habe diesen Entscheid mit Beschwerdeschrift vom 22. März 2021 beim
Bundesverwaltungsgericht angefochten. Zum anderen teilte er im Wesent-
lichen mit, nachdem er im Jahr 2014 aus der BRP ausgeschieden sei, habe
er sich in der Folge dem Baloch National Movement (BNM) angeschlossen.
In dieser Gruppierung nehme er aktuell die Funktion eines "senior leader"
ein. Mit der Eingabe wurden eine Kopie der Beschwerde betreffend Entzie-
hung des Reiseausweises für Flüchtlinge, ein Medienartikel in Bezug auf
den Beitritt des Beschwerdeführers zum BNM, drei Beweismittel in Bezug
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auf die politische Rolle des BNM sowie eine aktualisierte Kostennote ein-
gereicht.
U.
Mit Eingabe der Rechtsvertreterin vom 27. April 2021 wurde ein Ausdruck
eines Artikels auf der Website des BNM übermittelt.
V.
Das vorliegende Beschwerdeverfahren wurde am 25. Mai 2021 dem nun-
mehr zuständigen Gremium zur Behandlung zugewiesen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge-
gen Verfügungen, die gestützt auf das AsylG durch das SEM erlassen wor-
den sind, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich (mit
Ausnahme von Verfahren betreffend Personen, gegen die ein Ausliefe-
rungsersuchen des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz suchen) end-
gültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Für das vorliegende Verfahren gilt nach der am 1. März 2019 in Kraft
getretenen Änderung des AsylG das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Über-
gangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.3 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen-
dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich
Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.
Der Beschwerdeführer ist legitimiert; auf seine frist- und formgerecht ein-
gereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG;
Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
3.1 Das mit Urteil vom 6. August 2018 (vgl. dortige E. 4.1) abgeschlossene
Beschwerdeverfahren D-4172/2018 richtete sich in materieller Hinsicht
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ausschliesslich gegen die Ablehnung des Asylgesuchs wegen Asylunwür-
digkeit. Die Frage der Flüchtlingseigenschaft bildete somit nicht Gegen-
stand des damaligen Beschwerdeverfahrens, und die Verfügung vom
18. Juni 2018 war diesbezüglich damals bereits zum Zeitpunkt der Be-
schwerdehängigkeit in Rechtskraft erwachsen.
3.2 Mit der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 31. Oktober 2018
lehnte das SEM nicht nur das Asylgesuch des Beschwerdeführers erneut
ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz an, sondern es ver-
fügte ausserdem die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers wegen
Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs und stellte fest, die vorläufige
Aufnahme beginne mit dem Datum dieser Verfügung (Dispositivziffern 3
und 4 der angefochtenen Verfügung). Diese Anordnungen des SEM in der
Verfügung vom 31. Oktober 2018 wurden angesichts der Rechtskraft der
Verfügung vom 18. Juni 2018 bezüglich der Flüchtlingseigenschaft und der
damit verbundenen weiteren Rechtsfolgen offensichtlich unbegründeter-
weise getroffen (vgl. auch anschliessend, E. 5.3).
3.3 Nach dem Gesagten ist auch im vorliegenden Beschwerdeverfahren
einzig zu beurteilen, ob das SEM zu Recht zum Schluss gelangt ist, der
Beschwerdeführer sei im Sinne von Art. 53 AsylG asylunwürdig, und des-
halb sein Asylgesuch abgelehnt hat.
3.4 Im Übrigen wird die Beschwerde gegen die Verfügung des SEM vom
11. Februar 2021 betreffend Entziehung des Reiseausweises für Flücht-
linge in einem gesonderten Verfahren durch die Abteilung VI des Bundes-
verwaltungsgerichts behandelt.
4.
4.1 Gemäss Art. 53 AsylG wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt, wenn sie
wegen verwerflicher Handlungen des Asyls unwürdig sind (Bst. a), sie die
innere oder die äussere Sicherheit der Schweiz verletzt haben oder gefähr-
den (Bst. b) oder gegen sie eine Landesverweisung nach Art. 66a oder
66abis des Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937
(StGB, SR 311.0) oder Art. 49a oder 49abis des Militärstrafgesetzes vom
13. Juni 1927 (MStG, SR 321.0) ausgesprochen wurde (Bst. c).
4.2 Nach der von der Asylrekurskommission (ARK) entwickelten und seit-
her bestätigten Praxis gelten als "verwerfliche Handlungen" im Sinne von
Art. 53 Bst. a AsylG (bzw. Art. 53 AsylG in dessen bis zum 30. September
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Seite 9
2016 gültigen Fassung) nicht nur Straftaten, welche Verbrechen und Hand-
lungen im Sinne von Art. 1 F FK darstellen, sondern all jene, die unter den
Verbrechensbegriff von Art. 9 Abs. 1 StGB in der bis zum 31. Dezember
2006 gültigen Fassung fallen. Nicht von Belang ist, ob die verwerfliche
Handlung einen ausschliesslich gemein-rechtlichen Charakter hat oder als
politisches Delikt aufzufassen ist (vgl. BVGE 2014/29 E. 5.3.1; 2012/20
E. 4.2; 2011/29 E. 9.2.2; 2010/44 E. 6.1; Entscheidungen und Mitteilungen
der ARK [EMARK] 2003 Nr. 11 E. 7; 2002 Nr. 9 E. 7b; 1993 Nr. 23 E. 6).
Als Verbrechen gemäss aArt. 9 Abs. 1 StGB wurde jede mit Zuchthaus
bedrohte Straftat definiert (Mindeststrafe von einem Jahr und Höchststrafe
von 20 Jahren, in besonderen Fällen lebenslänglich, vgl. aArt. 35 StGB).
Seit der Änderung des Strafgesetzbuches auf den 1. Januar 2007 werden
Straftaten als Verbrechen definiert, die mit mehr als drei Jahren Freiheits-
strafe bedroht sind (Art. 10 Abs. 2 StGB). Zudem wurde die Unterschei-
dung der Strafen in Zuchthaus und Gefängnis aufgegeben. Nach altem wie
nach neuem Recht wird für die Einstufung von Straftaten unabhängig von
der im Einzelfall verhängten Strafe die für die begangene Straftat vorgese-
hene Höchststrafe berücksichtigt. Das Bundesverwaltungsgericht schloss
daraus, dass die Änderung des Verbrechensbegriffs mehrheitlich keine
Auswirkungen auf die Beurteilung einer Straftat als verwerfliche Handlung
habe, vorausgesetzt das Höchststrafmass ändere sich nicht (vgl. BVGE
2012/20 E. 4.3).
4.3 Aus der Anbindung des Asylausschlussgrundes der "verwerflichen
Handlungen" im Sinne von Art. 53 Bst. a AsylG an den Verbrechensbegriff
des StGB ergibt sich, dass in Bezug auf die in Frage stehenden Handlun-
gen der betreffenden Person eine strafrechtliche Verantwortlichkeit gege-
ben sein muss. Dies setzt bei im Ausland begangenen Handlungen zwar
keinen strikten Nachweis voraus. Erforderlich sind im konkreten Fall aber
jedenfalls schwerwiegende Gründe für die gerechtfertigte Annahme, dass
sich die betreffende Person einer Straftat im Sinn der genannten Bestim-
mungen schuldig gemacht hat (vgl. Botschaft zur Totalrevision des Asylge-
setzes sowie zur Änderung des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Nie-
derlassung der Ausländer vom 4. Dezember 1995, BBl 1996 II 73). Ein ent-
sprechender Tatbeitrag, der zum Ausschluss von der Asylgewährung führt,
kann zum einen in unmittelbarer Täterschaft erfolgt sein. Zum anderen ist
auch nach einer Tatbeteiligung und einer mittelbaren Täterschaft zu fragen,
die sich aus einer Verantwortung für Handlungen Dritter aufgrund einer ent-
sprechenden Befehlsgewalt ergeben kann (vgl. diesbezüglich das Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts D-1071/2015 vom 19. April 2016 E. 5.4.4
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Seite 10
ff.). Über die genannten Anwendungskriterien von Art. 53 Bst. a AsylG hin-
aus ist ferner festzuhalten, dass gemäss Praxis die alleinige Tatsache einer
Mitgliedschaft bei einer als extremistisch einzustufenden Organisation
nicht zur Folgerung der Asylunwürdigkeit zu führen vermag (vgl. BVGE
2011/10 E. 6.1, 2011/29 E. 9.2.4, 2018 VI/5 E. 4.6; EMARK 2002 Nr. 9
E. 7c). Vielmehr ist im Einzelfall zu prüfen, welchen eigenen Tatbeitrag die
betreffende Person selbst geleistet hat.
4.4 Bei der Beantwortung der Frage, ob aufgrund von im Ausland began-
genen Straftaten die Voraussetzungen der Asylunwürdigkeit im Sinne von
Art. 53 Bst. a AsylG gegeben sind, ist nach geltender Praxis der gleiche
Beweismassstab anzulegen wie bei der Beurteilung, ob Gründe für den
Ausschluss von der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 1 F FK vorliegen (vgl.
BVGE 2011/10 E. 6, 2011/29 E. 9.2.3; vgl. dazu die Botschaft zur Totalre-
vision des Asylgesetzes sowie zur Änderung des Bundesgesetzes über
Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer vom 4. Dezember 1995, BBl
1996 II 73, wo das Beweismass für Art. 53 AsylG und Art. 1 F FK überein-
stimmend umschrieben wurde). Demnach setzen weder die Anwendung
von Art. 53 Bst. a AsylG noch von Art. 1 F FK für im Ausland begangene
Straftaten einen strikten Nachweis voraus. Es genügt die aus schwerwie-
genden Gründen gerechtfertigte Annahme, das heisst die überwiegende
Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Person einer Straftat im Sinne der ge-
nannten Bestimmungen schuldig gemacht hat (vgl. zu den Anforderungen
an das Beweismass in Bezug auf Art. 1 F Bst. a FK auch EMARK 1999
Nr. 12 E. 5b, 2006 Nr. 29 E. 4.4).
4.5 Zu berücksichtigen ist ausserdem, dass – wenn von verwerflichen
Handlungen im Sinne von Art. 53 Bst. a AsylG auszugehen ist – in einem
weiteren Schritt zu prüfen ist, ob die Rechtsfolge des Asylausschlusses
auch eine verhältnismässige Massnahme darstellt. In Betracht zu ziehen
sind dabei gemäss Praxis unter anderem das Alter des Beschwerdeführers
im Zeitpunkt der Tatbegehung, allfällige Veränderungen der Lebensverhält-
nisse nach der Tat, die Wahrscheinlichkeit der erneuten Begehung von
Straftaten sowie die Frage, wie lange die Tat bereits zurückliegt, wobei die
strafrechtlichen Verjährungsbestimmungen zu berücksichtigen sind (vgl.
bspw. Urteile des BVGer D-4291/2012 vom 26. Juli 2013 E. 5.5, D-
4698/2013 vom 23. Juli 2014 E. 6.3, D-1071/2015 vom 19. April 2016
E. 5.5, D-164/2018 vom 9. August 2019 E. 4.4; ausserdem EMARK 1996
Nr. 40, 2002 Nr. 9 E. 7d).
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Seite 11
5.
5.1 Im vorliegenden Fall besteht Anlass, zunächst zu rekapitulieren, aus
welchen Gründen das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 6. August
2018 die damalige Beschwerde teilweise, soweit die Ablehnung des Asyl-
gesuchs wegen Asylunwürdigkeit betreffend, guthiess und die Sache dies-
bezüglich zur erneuten Beurteilung an das SEM zurückwies.
Wie im genannten Urteil festgestellt wurde, gelangte das Staatssekretariat
mit der Verfügung vom 18. Juni 2018 in einem ersten Schritt im Zusam-
menhang mit der Prüfung eines Ausschlusses von der Flüchtlingseigen-
schaft zum Ergebnis, es bestünden ernsthafte Gründe dafür, dass dem Be-
schwerdeführer die Verantwortung für schwere Verbrechen des gemeinen
Rechts im Sinne von Art. 1 F Bst. b FK anzulasten sei. Darauf sei zu
schliessen, weil der Beschwerdeführer in der Vergangenheit nicht nur bei
der Baloch Republican Party (BRP), sondern auch bei der Baloch Republi-
can Army (BRA) eine Führungsfunktion innegehabt habe. Dabei sei die
BRA in der pakistanischen Provinz Belutschistan für die Tötung zahlreicher
Politiker und Zivilpersonen sowie für viele weitere schwere Straftaten des
gemeinen Rechts verantwortlich. Allerdings kam das SEM damals ausser-
dem zum Schluss, angesichts verschiedener Umstände – namentlich des
im Jahr 2014 erfolgten Austritts des Beschwerdeführers aus der BRP, sei-
ner Loslösung vom betreffenden persönlichen Umfeld und einer damit ver-
bundenen kritischen Auseinandersetzung mit den Handlungen der BRP
wie auch der BRA ‒ sowie unter Berücksichtigung dessen, dass das Leben
des Beschwerdeführers von tragischen familiären Schicksalsschlägen und
zahlreichen Entbehrungen geprägt sei, erweise sich eine Anwendung von
Art. 1 F Bst. b FK als nicht verhältnismässig. Die kumulativen Vorausset-
zungen für die Anwendung der Ausschlussklausel von Art. 1 F Bst. b FK
seien somit nicht gegeben.
Jedoch, so das SEM in der Verfügung vom 18. Juni 2018 weiter, sei aus-
serdem die Anwendung von Art. 53 AsylG betreffend den Ausschluss vom
Asyl zu prüfen. Diesbezüglich führte das Staatssekretariat damals aus, es
sei bereits dargelegt worden, weshalb hinsichtlich des Tatbestands und
des individuellen Tatbeitrags die Voraussetzungen für die Anwendung von
Art. 1 F Bst. b FK als erfüllt zu erachten seien. Es sei auf die entspre-
chende ausführliche Argumentation zu verweisen. Auch hinsichtlich der
Verhältnismässigkeit seien die für die Prüfung relevanten Aspekte bereits
beleuchtet worden. Es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
als früherer Vizepräsident der BRP beziehungsweise der BRA eine Orga-
nisation, die zu gewalttätigen Mitteln greife und für zahlreiche schwere
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Seite 12
Straftaten verantwortlich sei, massgeblich unterstützt und mit überwiegen-
der Wahrscheinlichkeit mitgestaltet habe. Angesichts dessen sei zuguns-
ten des Beschwerdeführers zwar von der Anwendung von Art. 1 F Bst. b
FK abzusehen, nicht jedoch von der Anwendung von Art. 53 AsylG. In An-
betracht dessen, dass der Beschwerdeführer trotz Ausschlusses vom Asyl
als Flüchtling in der Schweiz Schutz geniessen werde, erweise sich die
Anwendung von Art. 53 AsylG als verhältnismässig.
Das Bundesverwaltungsgericht führte im genannten Urteil aus, mit dieser
Argumentation in Bezug auf die Frage, ob der Beschwerdeführer in Anwen-
dung von Art. 53 AsylG als asylunwürdig zu erachten sei, habe das SEM
seine Begründungspflicht in offensichtlicher Weise verletzt. Zum einen sei
der Verfügung vom 18. Juni 2018 nicht zu entnehmen, auf welchen der drei
gesetzlichen Tatbestände von Art. 53 AsylG die Vorinstanz ihre Einschät-
zung, der Beschwerdeführer sei asylunwürdig, überhaupt stütze und wes-
halb dieser gegebenenfalls erfüllt sein solle. Zum anderen sei auch keine
Prüfung der Verhältnismässigkeit der Rechtsfolge eines Asylausschlusses
vorgenommen worden, welche den praxisgemässen Vorgaben gerecht
werde. Dabei sei mit Blick auf den letztgenannten Gesichtspunkt insbeson-
dere festzuhalten, dass das SEM unter dem Aspekt der Anwendung von
Art. 53 AsylG darauf verwiesen habe, die Frage der Verhältnismässigkeit
sei bereits im Zusammenhang mit der Prüfung der Anwendung von Art. 1 F
Bst. b FK "beleuchtet" worden. Jedoch sei das Staatssekretariat diesbe-
züglich zum Schluss gekommen, die Verhältnismässigkeit sei gerade nicht
gegeben. Weshalb im Gegensatz dazu die Verhältnismässigkeit der An-
wendung von Art. 53 AsylG gegeben sein solle, erschliesse sich aus der
Begründung der Verfügung vom 18. Juni 2018 in keiner Weise. Der blosse
Hinweis auf den Umstand, dass der Beschwerdeführer trotz Ausschluss
vom Asyl als Flüchtling in der Schweiz Schutz geniesse, sei als Begrün-
dung offensichtlich untauglich.
Aufgrund dieser Erwägungen kam das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Verfügung vom 18. Juni 2018 hinsichtlich des Ausschlus-
ses vom Asyl in Verletzung des rechtlichen Gehörs des Beschwerdeführers
ergangen sei. Das SEM sei folglich aufzufordern, im erwähnten Punkt eine
erneute Beurteilung vorzunehmen und dabei alle wesentlichen Prüfungs-
kriterien zu berücksichtigen.
5.2 Im vorliegenden Fall wird mit der Beschwerdeschrift im Wesentlichen
Folgendes geltend gemacht. In der Verfügung vom 18. Juni 2018 habe das
SEM umfangreich die Anwendbarkeit von Art. 1 F Bst. b FK geprüft, bezüg-
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Seite 13
lich Art. 53 AsylG indessen nur summarisch dargelegt, inwiefern der Be-
schwerdeführer konkret die Voraussetzungen dieser Norm erfülle. Nach
der Kassation jener Verfügung habe das Staatssekretariat nun mit dem
vorliegend angefochtenen Entscheid eine identische umfangreiche Prü-
fung der Anwendbarkeit von Art. 1 F Bst. b FK vorgenommen und mit einer
knappen Prüfung der Voraussetzungen und der Verhältnismässigkeit des
Art. 53 AsylG ergänzt.
Wie bereits in der Verfügung vom 18. Juni 2018 habe das SEM auch im
neuen Entscheid den weitaus grössten Teil – nämlich vierzehn Seiten –
darauf verwendet, sich zur Anwendung von Art. 1 F FK zu äussern, um
diese Norm schliesslich aber mangels Verhältnismässigkeit als nicht an-
wendbar zu erklären. Die betreffenden Erwägungen seien bis auf zwei
kurze Ausnahmen identisch.
Bei der Prüfung der Anwendbarkeit von Art. 53 AsylG komme die Vor-
instanz hinsichtlich des Kriteriums des individuellen Tatbeitrags zum
Schluss, es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer massgeb-
lichen Einfluss auf die strategische und politische Zielsetzung der Organi-
sationen BRP beziehungsweise BRA habe nehmen können. Belege für
diese Annahme habe das SEM jedoch nicht geliefert, womit es sich auf
reine Mutmassungen stütze, welche dem Beweismasskriterium der
"schwerwiegenden Gründe" keinesfalls gerecht würden. Weder in den drei
Anhörungsprotokollen noch im Amtsbericht des NDB vom 22. Februar
2018 zum Asylgesuch des Beschwerdeführers fänden sich konkrete Hin-
weise auf eine Kaderposition mit Führungsmacht des Beschwerdeführers
innerhalb der BRA. Gestützt auf diese Mutmassungen und die ihrerseits
nicht belegten, pauschalen Verdachtsmomente des NDB gegen den Be-
schwerdeführer sei das SEM zum Schluss gelangt, dass die Anwendung
von Art. 53 AsylG verhältnismässig sei. Es habe es allerdings unterlassen,
die freiwillige Distanzierung des Beschwerdeführers im Jahr 2014 von der
BRP bei der Verhältnismässigkeitsprüfung der Anwendung von Art. 53
AsylG zu berücksichtigen und habe diesbezüglich pauschal auf die voran-
gehenden Ausführungen zur Anwendung von Art. 1 F FK verwiesen. Dies
komme erneut einer Verletzung der Begründungspflicht sowie des Verhält-
nismässigkeitsprinzips gleich. Das SEM habe zudem auch im vorliegenden
Fall nicht erläutert, welchem der alternativen Tatbestände von Art. 53 AsylG
das Verhalten des Beschwerdeführers zugeordnet werde.
5.3 Mit Blick auf den Inhalt der angefochtenen Verfügung ist zunächst fest-
zustellen, dass – wie bereits ausgeführt (E. 3) – die Verfügung vom 18. Juni
2018 unter anderem bezüglich der Flüchtlingseigenschaft bereits mangels
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Anfechtung (vgl. Urteil vom 6. August 2018) in Rechtskraft erwachsen war.
Dieser Umstand wird in der vorliegend angefochtenen Verfügung (S. 5)
auch ausdrücklich erwähnt. Es ist angesichts dessen in keiner Weise nach-
vollziehbar, weshalb die Vorinstanz erneut und in ausführlicher Weise auch
in diesem neuen Entscheid (S. 6–19) eine Prüfung des Ausschlusses von
der Flüchtlingseigenschaft vorgenommen hat. Soweit in der angefochtenen
Verfügung bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit des Asylausschlusses
auf die Ausführungen zur Verhältnismässigkeit des Ausschlusses von der
Flüchtlingseigenschaft verwiesen wird, ist dieses Vorgehen schon aus dem
soeben erwähnten Grund als offensichtlich untauglich zu bezeichnen.
5.4 Soweit allgemein die Prüfung der Anwendbarkeit von Art. 53 AsylG in
der angefochtenen Verfügung betreffend, ist zunächst ebenfalls ein offen-
kundiger Mangel festzustellen, der bereits mit dem Urteil vom 6. August
2018 in Bezug auf den ersten Entscheid des SEM gerügt wurde. Dies, in-
dem erneut nicht ausdrücklich festgehalten wird, auf welchen der drei ge-
setzlichen Tatbestände von Art. 53 AsylG die Vorinstanz ihre Einschätzung,
der Beschwerdeführer sei asylunwürdig, stützt. Zwar ergibt sich diesmal
aus dem Zusammenhang der vorgebrachten Argumente, dass die Vor-
instanz ihren Entscheid tatsächlich auf Art. 53 Bst. a AsylG abzustützen ge-
denkt. Es ist von einer rechtsanwendenden Behörde jedoch zu verlangen,
dass sie die rechtlichen Grundlagen ihres Entscheids in ausdrücklicher und
eindeutiger Weise benennt.
5.5 Ungeachtet der Frage, ob die angefochtene Verfügung in sonstiger
Hinsicht rechtskonform ist, ist festzustellen, dass der Entscheid des SEM
jedenfalls unter dem Gesichtspunkt der Prüfung der Verhältnismässigkeit
des Asylausschlusses den rechtlichen Anforderungen erneut nicht genügt.
5.5.1 Diesbezüglich wird in der angefochtenen Verfügung (S. 21) zwar zu-
nächst – unter Zitierung der diesbezüglichen Rechtsprechung – ausge-
führt, unter dem Aspekt der Verhältnismässigkeit sei zu beachten, wie
lange die Tat zurückliege, das Alter des Flüchtlings im Zeitpunkt der Tatbe-
gehung sowie allfällige Veränderungen der Lebensverhältnisse nach der
Tat. Bei der weiteren Argumentation wird jedoch von den angeführten Kri-
terien lediglich auf die Frage der Verjährung eingegangen, wobei in allge-
meiner Weise auf gewaltsame Anschläge hingewiesen wird, die in Pakistan
durch die BRA im Zeitraum zwischen den Jahren 2006 und 2015 verübt
worden seien. Dabei wird über die allgemein gehaltene Behauptung hin-
aus, die fraglichen strafrechtlich relevanten Sachverhalte seien noch nicht
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verjährt, weder ausgeführt, welche konkreten Taten dem Beschwerdefüh-
rer im Sinne einer mittelbaren strafrechtlichen Verantwortlichkeit (vgl. zu-
vor, E. 4.3) zugerechnet werden sollen, noch um welche strafrechtlichen
Tatbestände es sich dabei im Einzelnen überhaupt handeln soll. Im Übri-
gen wird in der angefochtenen Verfügung auf keine der weiteren praxisge-
mässen Kriterien der Verhältnismässigkeitsprüfung bezüglich eines Asyl-
ausschlusses (Alter des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der Tatbege-
hung, allfällige Veränderungen der Lebensverhältnisse nach der Tat, Wahr-
scheinlichkeit der erneuten Begehung von Straftaten, verstrichener Zeit-
raum seit der Tat; vgl. zuvor, E. 4.5) eingegangen. Demgegenüber wird un-
ter dem Titel "Verhältnismässigkeit" vom SEM hervorgehoben, es erachte
die individuelle Verantwortung des Beschwerdeführers für einen Teil der
von der BRA begangenen Taten als gegeben. Dies bildet jedoch gerade
nicht einen bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit des Asylausschlusses
zu beurteilenden Aspekt.
5.5.2 Schliesslich ist festzustellen, dass in der angefochtenen Verfügung
unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit des Ausschlusses vom
Asyl erneut, wie bereits im Entscheid vom 18. Juni 2018, ohne weitere Prä-
zisierung auf die Prüfung der Verhältnismässigkeit des Ausschlusses von
der Flüchtlingseigenschaft verwiesen wird. Konkret wird in diesem Zusam-
menhang von der Vorinstanz einzig angemerkt, dem Umstand, dass sich
der Beschwerdeführer bereits im Jahr 2014 von der BRP losgelöst habe,
sei bereits bei der Verhältnismässigkeitsprüfung in Bezug auf die Anwen-
dung von Art. 1 F Bst. b FK Rechnung getragen worden.
5.5.3 Unter dem betreffenden Aspekt der Verhältnismässigkeit des Aus-
schlusses von der Flüchtlingseigenschaft wird in der angefochtenen Verfü-
gung (S. 18 f.) im Wesentlichen Folgendes ausgeführt: Bei der Beurteilung
sei zu berücksichtigen, dass sich die aktuellen von den früheren politischen
Aktivitäten des Beschwerdeführers unterscheiden würden. Das SEM er-
achte seine frühere Verbindung zur BRA und seine Rolle als deren Kader-
mitglied als überwiegend wahrscheinlich, was er weiterhin bestreite. Einer
langjährigen politischen Karriere mit einflussreichen Positionen unter an-
deren bei der BRP beziehungsweise der BRA stehe gegenüber, dass er
sich im Jahr 2014 aus diesem Umfeld gelöst habe. In der Schweiz enga-
giere er sich seither politisch ohne Mitgliedschaft in einer Partei. Auf seinem
"Facebook"-Profil schreibe er über die Situation in Belutschistan oder tau-
sche sich bei sporadischen Treffen mit gleichgesinnten Personen aus. Da-
bei setze er sich für die Unabhängigkeit Belutschistans beziehungsweise
für eine friedliche Lösung des dortigen Konflikts ein. Gemäss dem NDB
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erachte er jedoch den Einsatz von terroristischen Mitteln zur Erreichung
eines politischen Ziels als legitim und notwendig. Das SEM vertrete keine
derart dezidierte Meinung betreffend die Befürwortung eines bewaffneten
Kampfes seitens des Beschwerdeführers. Immerhin sei dem NDB dahin-
gehend zuzustimmen, dass der Beschwerdeführer den Einsatz von Gewalt
für die Erreichung eines Ziels als unter Umständen notwendig erachte. Hin-
gegen sei es nicht angemessen, dem Beschwerdeführer eine komplett feh-
lende Distanzierung vom gewaltsamen Kampf zu unterstellen. Allerdings
sei dieser Aspekt für die Prüfung der Verhältnismässigkeit des Ausschlus-
ses von der Flüchtlingseigenschaft auch nicht ausschlaggebend. Die Er-
eignisse in der Schweiz, namentlich der Parteiaustritt und die diesem vo-
rangegangenen Meinungsverschiedenheiten mit dem Parteipräsidenten,
würden von eigener Reflexion und kritischer Auseinandersetzung des Be-
schwerdeführers mit der Handlungsweise der BRP und damit auch der
BRA zeugen. Des Weiteren sei aus den Akten ersichtlich, dass das Leben
des Beschwerdeführers, mitunter auch aufgrund seiner politischen Stel-
lung, von tragischen familiären Schicksalsschlägen und zahlreichen Ent-
behrungen geprägt sei. In Gesamtwürdigung aller Umstände erachte das
SEM eine Anwendung von Art. 1 F Bst. b FK somit als nicht verhältnismäs-
sig.
5.5.4 Wie bereits mit dem Urteil vom 6. August 2018 (dortige E. 5.4.3) in
Bezug auf den Entscheid des SEM vom 18. Juni 2018 festgehalten wurde,
erschliesst sich in keiner Weise, weshalb die Verhältnismässigkeit der An-
wendung von Art. 53 AsylG gegeben sein soll, nachdem das Staatssekre-
tariat umgekehrt zum Schluss gekommen ist, die Verhältnismässigkeit der
Anwendung von Art. 1 F Bst. b FK sei gerade nicht gegeben. Es ist als of-
fensichtlich zu bezeichnen, dass konkrete und nachvollziehbare Gründe
vorliegen müssten, um nach der negativen Prüfung der Verhältnismässig-
keit des Ausschlusses von der Flüchtlingseigenschaft zu einer abweichen-
den, nämlich positiven Prüfung der Verhältnismässigkeit des Ausschlusses
vom Asyl zu gelangen. Solche werden durch das SEM in der vorliegend
angefochtenen Verfügung jedoch nicht vorgebracht (vgl. zuvor, E. 5.5.1).
Die Tatsache, dass das SEM die gleiche Argumentation auch in der vorlie-
gend angefochtenen Verfügung wiederholt, ist nicht nachvollziehbar und
wirft die Frage auf, ob die im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom
6. August 2018 angestellten Erwägungen überhaupt zur Kenntnis genom-
men worden sind.
Zu erwähnen ist schliesslich, dass einleitend zur Prüfung der Verhältnis-
mässigkeit des Asylausschlusses in der angefochtenen Verfügung (S. 19,
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Ziff. 3) ausgeführt wird, nachdem sich ein Ausschluss von der Flüchtlings-
eigenschaft als nicht verhältnismässig erwiesen habe, sei die Prüfung nach
Art. 53 AsylG vorzunehmen. Die Anforderungen an die einzelnen Voraus-
setzungen bei der Anwendung von Art. 1 F Bst. b FK würden höher liegen,
weshalb "diese in der Konsequenz bei ihrer Bejahung auch bei der Anwen-
dung von Art. 53 AsylG als gegeben zu erachten" seien. Dieser Stand-
punkt, der vom SEM nicht weiter erläutert und begründet wird, ist weder
rechtlich nachvollziehbar, noch wäre er als tauglich zu erachten, den Ver-
zicht auf eine eingehende Prüfung der Kriterien der Verhältnismässigkeit
eines Asylausschlusses zu rechtfertigen.
5.6 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass auch die vorliegend angefochtene
Verfügung erneut unter Verletzung der Begründungspflicht ergangen ist.
Allerdings besteht kein Anlass für eine erneute Kassation der angefochte-
nen Verfügung mit Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. Eine erneute
Rückweisung erscheint prozessökonomisch nicht als sinnvoll. Zu diesem
Schluss führt auch der Umstand, dass das SEM im Rahmen der Vernehm-
lassung die Gelegenheit gehabt hätte, sich mit den begründeten Ausfüh-
rungen in der Beschwerdeschrift auseinanderzusetzen, sich dazu jedoch
mit keinem Wort geäussert hat.
5.7 Wie bereits erwähnt wurde (vgl. E. 5.5.3), ist die Vorinstanz im Wesent-
lichen mit dem Argument zur Einschätzung der nicht gegebenen Verhält-
nismässigkeit des Ausschlusses des Beschwerdeführers von der Flücht-
lingseigenschaft gelangt, seine Ablösung von der BRP, damit auch von der
BRA und dem betreffenden politischen Umfeld, seine damit verbundene
Reflexion und kritische Auseinandersetzung mit der Handlungsweise die-
ser Organisationen sowie sein von tragischen familiären Schicksalsschlä-
gen und zahlreichen Entbehrungen geprägtes Leben seien stärker zu ge-
wichten als seine früheren politischen Standpunkte und Funktionen. Diese
Gesichtspunkte sind selbstverständlich auch bei der Prüfung der Verhält-
nismässigkeit des Ausschlusses vom Asyl im Sinne der Praxis zu Art. 53
AsylG (vgl. zuvor, E. 4.5) zu berücksichtigen. Konkrete Argumente, die bei
der Verhältnismässigkeitsprüfung gemäss Art. 53 AsylG dem Beschwerde-
führer in negativer Weise entgegengehalten werden müssten, werden
durch das SEM weder benannt, noch ergeben sich solche aus den vorlie-
genden Akten. Zu seinen Gunsten ist demgegenüber zu berücksichtigen,
dass er im Juni 2011 und mithin bereits vor zehn Jahren aus Pakistan aus-
gereist ist und sich – was durch das SEM im asylrechtlichen Verfahren nicht
bezweifelt wird – im Jahr 2014 und mithin vor sieben Jahren aus dem poli-
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tischen Umfeld der Partei BRP gelöst hat. Es sind auch unter Berücksich-
tigung des Amtsberichts des NDB vom 22. Februar 2018 keine Hinweise
vorhanden, der Beschwerdeführer könnte seither in sonstiger Weise ver-
werfliche Handlungen im Sinne von Art. 53 Bst. a AsylG begangen haben.
Es liegt weiter auch kein konkreter Anlass für die Annahme vor, nach der
Loslösung vom ehemaligen politischen Umfeld sei von der Wahrscheinlich-
keit einer erneuten – vom Beschwerdeführer hinsichtlich der Vergangen-
heit allerdings bestrittenen – Begehung von Straftaten auszugehen. Mit
Blick auf die Lebensverhältnisse des Beschwerdeführers ist schliesslich
auf dessen gesundheitliche Situation einzugehen, die in einem unmittelba-
ren Zusammenhang mit den bereits von der Vorinstanz erwähnten Schick-
salsschlägen steht. Aus einem im vorliegenden Verfahren eingereichten
medizinischen Bericht des Zentrums für Psychotraumatologie G._
vom 21. Februar 2020 geht hervor, dass beim Beschwerdeführer eine
schwere depressive Episode und Symptome einer posttraumatischen Be-
lastungsstörung diagnostiziert wurden, welche unter anderem auf das
mehrfache Erleben von Bedrohungen des eigenen Lebens, die Zerstörung
des eigenen Hausstandes, die Bedrohung und Misshandlung der Ehefrau
und der Mutter, den daraus folgenden Tod der Mutter und die schwerwie-
gende Erkrankung der Ehefrau, die Tötung eines Sohnes im Alter von
sechzehn Jahren sowie weitere Gewalterlebnisse in Pakistan zurückzufüh-
ren seien. Unter Berücksichtigung aller wesentlichen Gesichtspunkte ergibt
sich somit ungeachtet der nicht rechtsgenüglichen Verfahrensführung der
Vorinstanz, dass ein Ausschluss des Beschwerdeführers vom Asyl als un-
verhältnismässig zu erachten ist.
5.8 Wie ebenfalls bereits ausgeführt wurde (vgl. E. 4.5), ist auch dann,
wenn tatsächlich von verwerflichen Handlungen des Beschwerdeführers
im Sinne von Art. 53 Bst. a AsylG auszugehen wäre, zusätzlich zu prüfen,
ob die Rechtsfolge des Asylausschlusses auch eine verhältnismässige
Massnahme darstellt. Nachdem die Verhältnismässigkeit des Ausschlus-
ses vom Asyl im Falle des Beschwerdeführers zu verneinen ist, erübrigt
sich die Beantwortung der Frage, ob ihm eine Verantwortung für verwerfli-
che Handlungen gemäss Art. 53 Bst. a AsylG vorgehalten werden kann.
6.
Nach dem Gesagten ist die – auf den Punkt des Ausschlusses vom Asyl
und die damit verbundenen Rechtsfolgen beschränkte – Beschwerde gut-
zuheissen, die angefochtene Verfügung ist aufzuheben und das SEM ist
anzuweisen, dem Beschwerdeführer in der Schweiz Asyl zu gewähren.
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7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
7.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG kann die Beschwerdeinstanz der ganz
oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren
eine Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnis-
mässig hohen Kosten zusprechen (vgl. für die Grundsätze der Bemessung
der Parteientschädigung ausserdem Art. 7 ff. des Reglements über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom
21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Gestützt auf die in Betracht zu
ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9‒13 VGKE) und die als angemes-
sen erscheinende Kostennote der Rechtsvertreterin vom 23. April 2021
(14,5 Stunden zu Fr. 200.‒, zzgl. Auslagen von Fr. 25.–) sind dem Be-
schwerdeführer insgesamt Fr. 2'925.‒ zuzusprechen. Dieser Betrag ist
dem Beschwerdeführer durch das SEM zu entrichten.
7.3 Der Anspruch auf amtliches Honorar der als amtliche Rechtsbeiständin
im Sinne von aArt. 110a AsylG eingesetzten Rechtsvertreterin wird damit
gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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