Decision ID: d9f347fc-378a-55ed-8960-e79e8c24172c
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 18. September 2012 in der Schweiz
um Asyl. Mit Verfügung vom 29. November 2013 trat die Vorinstanz auf
sein Asylgesuch nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz
sowie den Wegweisungsvollzug an. Dagegen erhob der Beschwerdeführer
mit Eingabe vom 9. Dezember 2013 Beschwerde beim Bundesverwal-
tungsgericht. Am 3. Januar 2014 wurde die Vorinstanz zur Vernehmlas-
sung eingeladen. Sie hob am 20. Januar 2014 ihre Verfügung auf und
führte das erstinstanzliche Asylverfahren weiter. Das Bundesverwaltungs-
gericht schrieb das Verfahren in der Folge mit Urteil E-6928/2013 vom
24. Januar 2014 als gegenstandslos geworden ab.
Nebst einer ergänzenden Anhörung vom 19. Oktober 2015 holte die
Vorinstanz am 5. August 2016 eine Stellungnahme des Nachrichtendiens-
tes des Bundes (NDB) zur Person des Beschwerdeführers ein und er-
suchte den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 21. Juni 2017 um Beant-
wortung weiterer Fragen zu seinem politischen Engagement. Mit Eingabe
vom 6. Juli 2017 beantwortete der Beschwerdeführer die von der Vor-
instanz gestellten Fragen und nahm mit Schreiben vom 8. Mai 2018 das
gewährte rechtliche Gehör zum Amtsbericht des NDB vom 21. März 2018
wahr.
B.
Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 29. September 2012, den
Anhörungen vom 13. Juni 2013 und 19. Oktober 2015 sowie der Fragebe-
antwortung vom 6. Juli 2017 führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen
aus, pakistanischer Staatsangehöriger und ethnischer Belutsche zu sein.
Er stamme aus B._, Belutschistan, und gehöre dem Stamm der
C._ an. In B._ habe es wiederholt Angriffe von der pakista-
nischen Regierung auf die belutschische Bevölkerung gegeben. Bei einem
Angriff am (...) 2005 seien 70 Einwohner getötet worden, weshalb er mit
seiner Familie nach D._, einem Dorf nahe B._, gezogen sei.
Die pakistanische Regierung habe zusammen mit chinesischen Investoren
eine Gaspipeline im Bezirk B._ bauen wollen, weshalb die Bevöl-
kerung aufgefordert worden sei, ihre Heimat zu verlassen. Dieser Auffor-
derung sei seine Familie nicht nachgekommen. Am (...) 2009 habe ein
Cousin mütterlicherseits geheiratet und die Frontier Corps seien zum Haus
der Familie in D._ gekommen und hätten neun Familienmitglieder,
darunter seinen Onkel und mehrere Cousins, getötet. Gleichzeitig sei sein
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Vater von den Sicherheitskräften festgenommen worden. Während fünf-
zehn Tagen sei er festgehalten und gefoltert worden, bevor er freigelassen
worden sei. Zwei Tage nach der Festnahme seines Vaters habe er sich aus
Angst vor den Sicherheitskräften nach E._ begeben. Nach der Frei-
lassung des Vaters sei die ganze Familie nach F._, Afghanistan,
ausgereist. Zwei Jahre habe er in F._ und G._ gelebt und in
einer Ziegelei gearbeitet. Der pakistanische Geheimdienst sei auch in Af-
ghanistan gegen Angehörige des Stammes der C._ vorgegangen
und er habe Angst vor den Taliban gehabt, weshalb er im August 2012 von
Kabul in die Türkei und von dort über den Landweg bis in die Schweiz ge-
reist sei. In Pakistan und Afghanistan sei er nie politisch tätig gewesen.
Sein
C.
Vater sei Clan-Chef einer Untergruppierung des C._-Stammes ge-
wesen, weshalb dieser bei Problemen mit dem Oberhaupt des C._-
Stammes Kontakt aufgenommen habe. Nach seiner Ankunft in der
Schweiz sei er der Baloch Republican Party (BRP), deren Ziel die Unab-
hängigkeit Belutschistans sei, beigetreten. Diese Partei werde von
H._ geführt. Von 2012 bis 2014 habe er das Amt des Präsidenten
der BRP Schweiz innegehabt und dieses Amt dann einem Freund weiter-
gegeben. Seit 2014 sei er auch Mitglied des Zentralkomitees der BRP und
tausche sich in dieser Funktion mit weiteren Niederlassungen der BRP in
verschiedenen Ländern aus. Er sei zudem Mitglied des "Swiss Chapters"
der BRP und gehöre dort zum "Human Rights Wing". Formell sei er auch
noch Mitglied im internationalen Zentralkomitee der Partei, dort aber nicht
mehr aktiv. Als Vertreter der BRP nehme er dreimal jährlich an den Sitzun-
gen des UNO-Menschenrechtsrates und an Demonstrationen teil. Auf-
grund seiner Nähe zu H._ sei er überdurchschnittlich exponiert.
D.
Mit Verfügung vom 6. Juli 2018 (eröffnet am 9. Juli 2018) bejahte die
Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein
Asylgesuch jedoch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Zu-
folge der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs ordnete sie die vorläu-
fige Aufnahme an.
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Seite 4
E.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
8. August 2018 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean-
tragte die Aufhebung der Dispositivziffern 2 und 3 der vorinstanzlichen Ver-
fügung unter Gewährung von Asyl.
Mit der Beschwerde reichte er folgende Beweismittel ein: vier Auszüge von
Berichten von Yunas Samad (Understanding the insurgency in Balochis-
tan, 2015, S. 124), Frederic Grare (Balochistan – The State Versus the
Nation, 2013, S. 6), Christophe Jaffrelot (The Pakistan Paradox, 2014) und
Khaled Ahmed (Sleepwalking to Surrender, 2016), einen Artikel der Zeitung
Nation vom 26.08.2015, zwei Artikel der Zeitung DAWN vom 16.11.2015
und 28.08.2016, einen Artikel von swissinfo.ch vom 01.03.2017, einen Ar-
tikel von Pakistantoday.com vom 10.12.2017 sowie eine Kopie eines Ur-
teils der "Immigration and Asylum Chamber" (GB) in Sachen I._
vom 22.10.2015.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 30. August 2018 forderte das Bundesverwal-
tungsgericht den Beschwerdeführer auf, innert Frist einen Kostenvor-
schuss zu leisten, andernfalls auf die Beschwerde nicht eingetreten werde.
Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht bezahlt.
G.
Am 20. September 2018 lud das Bundesverwaltungsgericht die Vorinstanz
zur Einreichung einer Vernehmlassung ein, welche am 5. Oktober 2018
erfolgte. Darin hielt die Vorinstanz an ihren Ausführungen in der angefoch-
tenen Verfügung fest.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 8. Oktober 2018 stellte das Bundesverwal-
tungsgericht ein Doppel der Vernehmlassung dem Beschwerdeführer zu
und gab ihm Gelegenheit zur Einreichung einer Replik. Eine solche ging
innert Frist beim Gericht nicht ein, womit Verzicht anzunehmen ist.
I.
Die Gerichtsbesetzung nahm am 26. August 2020 Einsicht in die Akten des
NDB, auf welchen der Amtsbericht vom 21. März 2018 basiert.
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Seite 5

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Be-
schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legiti-
miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Nachdem die Vorinstanz den Beschwerdeführer gestützt auf Art. 3 AsylG
als Flüchtling anerkannt und die vorläufige Aufnahme in der Schweiz an-
geordnet hat, ist nachfolgend einzig zu beurteilen, ob die Vorinstanz zu
Recht zum Schluss gelangt ist, der Beschwerdeführer sei im Sinne von
Art. 53 oder 54 AsylG asylunwürdig und sein Asylgesuch sei deshalb ab-
zulehnen.
4.
4.1 Gemäss Art. 53 AsylG wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt, wenn sie
wegen verwerflicher Handlungen des Asyls unwürdig sind (Bst. a), sie die
innere oder die äussere Sicherheit der Schweiz verletzt haben oder gefähr-
den (Bst. b) oder gegen sie eine Landesverweisung nach Art. 66a oder
66abis des Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937
(StGB, SR 311.0) oder Art. 49a oder 49abis des Militärstrafgesetzes vom
13. Juni 1927 (MStG, SR 321.0) ausgesprochen wurde (Bst. c). Hat sich
ergeben, dass vom Vorliegen eines dieser drei Tatbestände auszugehen
ist, ist gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
in einem weiteren Schritt ausserdem die Verhältnismässigkeit der Rechts-
folge eines Asylausschlusses zu prüfen. In Betracht zu ziehen sind dabei
gemäss entsprechender Praxis unter anderem das Alter der betreffenden
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Seite 6
Person im Zeitpunkt der Tatbegehung, allfällige Veränderungen der Le-
bensverhältnisse nach der Tat, die Wahrscheinlichkeit der erneuten Bege-
hung von Straftaten sowie die Frage, wie lange die Tat bereits zurückliegt,
wobei die strafrechtlichen Verjährungsbestimmungen zu berücksichtigen
sind (vgl. BVGE 2011/10 E. 6, BVGE 2011/29 E. 9.2.4; bspw. auch Urteile
des Bundesverwaltungsgerichts D-4291/2012 vom 26. Juli 2013 E. 5.5,
D-4698/2013 vom 23. Juli 2014 E. 6.3, D-1071/2015 vom 19. April 2016
E. 5.5.1; vgl. ausserdem Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize-
rischen Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 40, 2002 Nr. 9 E. 7d).
4.2 Unter den Begriff der "verwerflichen Handlungen" gemäss Art. 53 Bst. a
AsylG fallen grundsätzlich Delikte, die mit einer Freiheitsstrafe von mehr
als drei Jahren bedroht sind und somit dem abstrakten Verbrechensbegriff
von Art. 10 Abs. 2 StGB entsprechen (vgl. BVGE 2012/20 E. 4; Urteil des
BVGer D-1762/2019 vom 20. Mai 2019 E. 7.1.1). Gemäss asylrechtlicher
Rechtsprechung ist es irrelevant, ob die verwerfliche Handlung einen aus-
schliesslich gemeinrechtlichen Charakter hat oder als politisches Delikt
aufzufassen ist (vgl. BVGE 2011/29 E. 9.2.2; EMARK 2002 Nr. 9 E. 7b).
4.3 Gemäss Art. 53 Bst. b AsylG bezieht sich die "innere Sicherheit" auf die
Förderung des friedlichen Zusammenlebens im nationalen, die "äussere"
auf die Förderung des friedlichen Zusammenlebens im internationalen
Rahmen. Massnahmen zur Wahrung der inneren und äusseren Sicherheit
als Instrumente des Staats haben eine präventive Wirkung, weshalb keine
strafbare Handlung vorliegen muss. Um eine Gefährdung der Sicherheit
der Schweiz anzunehmen genügt es, wenn auf der Basis konkreter Indizien
ernsthafte Gründe vorliegen, welche die Annahme einer solchen Bedro-
hung rechtfertigen. Das Vorliegen eines oder mehrerer konkreter Kontakte,
die eine hinreichende Nähe zu einer radikalen Organisation aufzeigen, wel-
che terroristische oder gewaltextremistische Handlungen unterstützt oder
sich daran beteiligt, begründet die Vermutung einer unrechtmässigen Tä-
tigkeit, die geeignet ist, die Sicherheit der Schweiz zu gefährden. Diese
Vermutung kann durch eine hinreichende, erkennbare und glaubhafte Dis-
tanzierung von der Ideologie, den Zielen und den Mitteln der betreffenden
radikalen Organisation widerlegt werden (vgl. BVGE 2018 VI/5 E. 3.1–
3.11).
Das Vorliegen einer möglichen Gefährdung der inneren oder äusseren Si-
cherheit der Schweiz setzt eine vorgängige Absprache mit dem NDB vo-
raus (im gleichen Sinne BVGE 2013/34, Ziff. 6.1). Wenn es die Wahrung
der inneren oder äusseren Sicherheit erfordert, ist der NDB verpflichtet,
http://links.weblaw.ch/BVGE-2012/20 http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/5
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dem SEM zur Beurteilung von Asylgesuchen Personendaten zu übermit-
teln.
5.
5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte die Vorinstanz
aus, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft, er sei jedoch
gestützt auf Art. 53 AsylG asylunwürdig. In einem ersten Teil legte sie dar,
wie sie die im Amtsbericht des NDB aufgeführten Quellen auf Zuverlässig-
keit der Quelle und Glaubwürdigkeit der Information geprüft hat. Die Ein-
schätzung sei dem Beschwerdeführer im Rahmen des rechtlichen Gehörs
zugestellt worden und er habe dazu Stellung genommen. Durch die Ein-
sichtnahme in die vertraulichen Akten des NDB habe sich die Vorinstanz
selbst ein Bild der Glaubwürdigkeit der Quellen des NDB machen können.
Die Fussnoten des Amtsberichts des NDB würden zu über einem Drittel
auf als vertraulich klassifizierte Quellen, die als vertrauenswürdig oder eher
vertrauenswürdig zu erachten seien, beruhen. Diese würden sich auf den
Führungsstab der Baloch Republican Army (BRA) sowie die Organisation
selbst beziehen. Die Präzisierungen des NDB zu den Aussagen des Be-
schwerdeführers würden auf die Wichtigkeit des Beschwerdeführers im
Umfeld des tribalen Oberbefehlshabers und demnach bei der BRA schlies-
sen. Die öffentlichen Quellen seien hingegen nicht geeignet, zuverlässige
Belege für seine Rolle bei der BRA zu liefern. Dennoch würden die öffent-
lichen Quellen, insbesondere die zahlreichen eigenen Meldungen der BRA
und ihr nahestehenden Plattformen, einen Eindruck der Handlungen der
BRA liefern. In einer Gesamtwürdigung aller Quellen und der Informationen
des NDB erachte die Vorinstanz die Verbindung des Beschwerdeführers
zur BRA und seine Rolle als Kadermitglied als überwiegend wahrschein-
lich.
In seiner Stellungnahme vom 8. Mai 2018 habe der Beschwerdeführer jeg-
liche Beteiligung seinerseits und der BRP an militanten Aktivitäten in Belut-
schistan und die Verbindung zur BRA bestritten.
Die Erkenntnisse des NDB betreffend die Verbindung der BRP zur BRA
und die Handlungen letzterer fänden sich ebenfalls in anderen öffentlichen
Quellen. Bei der Prüfung allfälliger Asylausschlussgründe sei auch das
Verhalten der belutschischen Gruppierungen, die sich für mehr Autonomie
bis zur vollständigen Abspaltung der Provinz mit bewaffneten Mitteln ein-
setzen würden, einzubeziehen. Die Provinz Belutschistan und ihre Bewoh-
ner seien einem hohen Mass an Gewalt und Benachteiligung ausgesetzt.
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Dabei würden militante belutschische Gruppierungen auf pakistanische Si-
cherheitskräfte mit ihren jeweiligen Partikularinteressen treffen. Dies führe
auf beiden Seiten zu massiven Verletzungen von Menschenrechten.
Gemäss Amtsbericht des NDB habe die Präsenz des tribalen Oberhauptes
der BRA, seines BRA-Führungsstabes und des Gesuchstellers in der
Schweiz sowie ihre von der Schweiz ausgehenden Aktivitäten die innere
und äussere Sicherheit der Eidgenossenschaft bereits konkret gefährdet
und gefährde diese auch weiterhin. Im Nachgang zur Plakate-Kampagne
"Free Balochistan" in Genf seien in Pakistan nicht nur Schweizer Flaggen
angezündet, sondern auch die Ausweisung des Schweizer Botschafters in
Islamabad sei gefordert worden. Aufgrund der Anwesenheit der belutschi-
schen Gruppe rund um H._ dürften sich auch die nachrichten-
dienstlichen Tätigkeiten durch pakistanische Dienste in der Schweiz ver-
stärkt haben. Im November 2017 habe das Bundesamt für Polizei (fedpol)
gegen J._, (...) von H._, ein zehnjähriges Einreiseverbot in
die Schweiz verfügt, da dieser eine Gefahr für die internationalen Bezie-
hungen darstelle. Die individuelle Verantwortlichkeit des Beschwerdefüh-
rers sei ebenfalls erfüllt, da eine individuelle Einschätzung des NDB zu sei-
ner Person vorliege. Es gebe keinen Grund, die Einschätzungen des NDB
und des fedpol anzuzweifeln. In der Stellungnahme habe der Beschwerde-
führer keine Anhaltspunkte geboten, die gegen eine Verbindung der BRP
zur BRA sprächen. Ein legales politisches Engagement für die BRP
schliesse sodann Aktivitäten für die BRA nicht aus. Das gleiche gelte auch
für ein allfälliges Anstellungsverhältnis in der Schweiz. Es werde nicht die
Existenz der BRP angezweifelt, sondern deren aktuelle politische Bedeu-
tung. Die geltend gemachte pakistanische Einflussnahme auf NDB und
SEM zufolge der Twitter-Nachricht nach der Plakat-Aktion sei unzutreffend.
Das EDA und das SEM hätten verschiedene Aufgabenbereiche und Kom-
petenzen und es finde keine gegenseitige Einflussnahme statt. Hinter der
Plakat-Aktion habe laut öffentlichen Medien sodann der Think Tank "Ba-
lochistan House" gestanden und nicht die BRP. Zu Asylverfahren in ande-
ren Ländern könne sich das SEM nicht äussern. Der Beschwerdeführer
verneine seine Mitgliedschaft bei der BRA, weshalb sich ein Nachweis als
schwierig erweise. Eine Distanzierung des Beschwerdeführers vom Ein-
satz von gewaltsamen Mitteln zur Erreichung bestimmter Ziele könne des-
halb nicht geprüft werden. Seiner Biografie sei zu entnehmen, dass er und
seine Familie sich bereits in Pakistan im Umfeld belutschischer Führer auf-
gehalten hätten, und er dürfte deshalb bereits damals mit deren Ideologien
konfrontiert gewesen sein. Zudem seien gemäss seinen Angaben alle
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BRP-Mitglieder in der Schweiz Freunde, die sich bereits seit ihrem Aufent-
halt in Afghanistan kennen würden. Zu H._ habe er nach eigenen
Aussagen eine enge Verbindung, weshalb er überdurchschnittlich expo-
niert sei und aufgrund seiner engen Zusammenarbeit mit dem Führer ge-
sucht werde. Aufgrund dieser engen Verbindung zu H._ sei davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer weitaus involvierter sei, als er zu-
gebe. Es sei unglaubhaft, dass er keine Kenntnisse von den Aktivitäten der
BRA gehabt habe. Nach dem Gesagten werde die Verbindung des Be-
schwerdeführers zur BRA und seine dortige Führungsfunktion als überwie-
gend belegt erachtet. Damit würden ernsthafte Gründe für die Annahme
vorliegen, dass er die innere und äussere Sicherheit der Schweiz gefährde.
Den Akten seien keine Hinweise für eine verminderte Zurechnungs- und
Schuldfähigkeit zu entnehmen, weshalb auch keine Schuldminderung ab-
geleitet werden könne. Aufgrund der nationalen respektive internationalen
Dimension sei auch auf die Haltung der Schweizer Behörden gegenüber
Terrorismus hinzuweisen (kein Export und keine Unterstützung von Terro-
rismus vom Schweizer Territorium aus). Aufgrund der Tragweite des Tatbe-
stands der Gefährdung der inneren und äusseren Sicherheit der Schweiz
würden die öffentlichen Interessen höher wiegen als das private Interesse
des Beschwerdeführers. Die Anwendung von Art. 53 AsylG erweise sich
als verhältnismässig. Der Vollständigkeit halber sei anzumerken, dass
auch Art. 54 AsylG erfüllt sein dürfte.
5.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde geltend, die Vor-
instanz sei fälschlicherweise davon ausgegangen, die BRP und die BRA
würden unter der gleichen operativen Leitung stehen und die BRP stelle
lediglich den politischen Arm der BRA dar. Gemäss Amtsbericht des NDB
sei die BRP eine "weitgehend fiktive Frontorganisation der BRA", die in der
pakistanischen Provinz Belutschistan "politisch belanglos" sei. Als politi-
sche Organisation sei die BRP "so gut wie inexistent und Mitgliedschaften
in dieser Hinsicht deshalb bedeutungslos". Diese Verbindung zwischen der
BRP und der BRA sei die Grundlage der Vorinstanz für die Verweigerung
des Asyls gewesen. Lasse sich diese Verbindung jedoch nicht belegen,
fehle es am entscheidenden Fundament für die Verweigerung. Im NDB-
Bericht gebe es keinerlei Begründung und auch keine einzige Fussnote,
die näher substanzieren oder belegen würde, dass es sich bei der BRP um
eine bloss fiktive Frontorganisation der BRA handle. Im Bericht werde ein-
fach vorausgesetzt, dass es sich beim Stammesführer und Parteivorsitzen-
den H._ um den Führer der BRA handle, ohne dies zu begründen
oder mit einer Referenz zu untermauern. Die Relevanz der BRP in Pakistan
sei bereits mit der Stellungnahme vom 8. Mai 2018 dargelegt worden und
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werde durch die nun eingereichten Zeitungsberichte weiter untermauert.
Der NDB habe die BRP apodiktisch und kategorisch als politisch belang-
lose Fiktion und als inexistente politische Organisation bezeichnet, was da-
rauf hindeute, dass der NDB in wenig reflektierter Weise die Sichtweise
des pakistanischen Staatsapparates übernommen habe. Die von der Vo-
rinstanz angeführten öffentlichen Quellen würden eine Verbindung zwi-
schen der BRP und der BRA nicht belegen. Darin würde lediglich vermutet,
dass H._ Vorsitzender der BRA sei. Anders als in den Quellen auf-
geführt, halte sich H._ erst seit 2010 in der Schweiz auf und nicht
bereits seit 2006. Die BRP setze sich nicht für ein Gross-Belutschistan ein,
sondern lediglich für eine Unabhängigkeit der pakistanischen Provinz Be-
lutschistan. H._ verweigere sodann nicht jeden Dialog und er führe
die BRA auch nicht an. Dies sei eine falsche Anschuldigung der pakistani-
schen Behörden. Pakistan habe einen Antrag um Ausstellung eines inter-
nationalen Haftbefehls gegen den BRP-Vorsitzenden gestellt, welcher von
INTERPOL jedoch als politisch motiviert abgelehnt worden sei. In Gross-
britannien, Deutschland, Frankreich und Schweden seien BRP-Aktivisten
als politische Flüchtlinge anerkannt worden und hätten Asyl erhalten. Dies
sei für die Schweiz formell zwar nicht bindend, stelle aber die Einschätzung
des NDB und der Vorinstanz in Frage, wonach die BRP mit der BRA gleich-
zusetzen sei. Auf Twitter habe ein pakistanischer Vertreter der Regierung
auf eine von der BRP mitorganisierte Plakat-Aktion in Genf aufmerksam
gemacht und die angesprochene Schweizer Regierungsstelle habe darauf
geantwortet. Auch wenn diese dem EDA unterstellt sei, erscheine es plau-
sibel und naheliegend, dass dieser Kontakt die Einschätzung des NDB, der
dem VBS unterstellt sei, beeinflusst habe und der NDB die pakistanische
Sichtweise zur BRP übernommen habe. Der Beschwerdeführer habe ge-
genüber der Vorinstanz ausführlich seine politischen Aktivitäten für die BRP
dargelegt und sich dabei von jeglicher Form von Gewaltanwendung distan-
ziert. Es würden keine substanziell ausreichend verdichteten Verdachts-
momente vorliegen, dass die BRP faktisch mit der BRA gleichzusetzen sei.
Damit bestehe kein ausreichender Grund, ihm aufgrund einer Gefährdung
der inneren und äusseren Sicherheit gestützt auf Art. 53 AsylG das Asyl zu
verweigern. Die BRP werde von der allgemeinen Schweizer Öffentlichkeit
denn auch kaum wahrgenommen. Sie sei in der Schweiz vor allem beim
UNO-Menschenrechtsrat in Genf aktiv und führe vor der UNO oder in der
Genfer Innenstadt anlässlich von Sitzungen des UNO-Menschenrechtsrats
auch immer wieder Demonstrationen durch. Im Jahr 2017 sei zudem eine
Plakat-Aktion durchgeführt worden. Es gehe darum, auf die Menschen-
rechtsverletzungen der pakistanischen Sicherheitsbehörden in der Provinz
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Seite 11
Belutschistan hinzuweisen und das Anliegen eines unabhängigen Belut-
schistan zu proklamieren. Vollständigkeitshalber sei darauf hinzuweisen,
dass der Beschwerdeführer nicht erst durch sein politisches Engagement
in der Schweiz zum Flüchtling geworden sei. Nach dem Überfall der pakis-
tanischen Polizeikräfte auf seine Familie sei er wegen seiner Zugehörigkeit
zu dieser Familie, die zur Ethnie der Belutschen gehöre, ebenfalls der Ge-
fahr einer staatlichen Verfolgung ausgesetzt. Damit bestehe auch kein
Asylverweigerungsgrund gemäss Art. 54 AsylG.
5.3 In der Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, bei den auf Beschwer-
deebene eingereichten Beweismitteln handle es sich überwiegend um Zei-
tungsartikel pakistanischer Medien, welche gemäss dem im Asylentscheid
angewendeten Bewertungsschlüssel als eher unzuverlässig einzustufen
seien. Weshalb im britischen Urteil die BRA nicht erwähnt werde, sei auf-
grund der vom SEM getätigten Abklärungen nicht nachvollziehbar. Jedoch
könne über die Arbeitsweise anderer Staaten und Abklärungstiefe während
Asylverfahren keine Äusserungen gemacht werden. Bei den öffentlichen
Quellen handle es sich um Berichte von Autoren, die über lange Erfahrung
und Wissen der besagten Region verfügen würden. Gleich verhalte es sich
mit dem NDB, der seine Feststellungen auf zahlreiche Quellen stütze. Nicht
erwähnt werde in der Beschwerde, dass sich auch das fedpol mit Personen
aus dem Umfeld des Beschwerdeführers befasse und eine entsprechende
Einreisesperre verfügt habe. Damit seien diverse Schweizerische Bundes-
stellen mit ihren jeweiligen Kompetenzen und Wissen involviert.
6.
6.1 Die Islamische Republik Pakistan besteht aus den vier Provinzen Be-
lutschistan, Khyber Pakhtunkhwa, Punjab und Sindh, dem Sonderterrito-
rium der Stammesgebiete unter Bundesverwaltung (Federally Administred
Tribal Areas; FATA) und dem Haupstadtterritorium Islamabad. Daneben
bestehen mit Aasad Kaschmir ein teilautonomes Gebiet sowie mit Gilgit-
Baltistan ein Sonderterritorium in der zwischen der Volksrepublik China,
Indien und Pakistan umstrittenen Region Kaschmir (vgl. EASO, Country of
Origin Information Report, Pakistan, Country Overview, August 2015,
E. 1.1.3). Belutschistan ist die flächenmässig grösste und am dünnsten be-
siedelte Provinz Pakistans. Sie grenzt an Iran und Afghanistan an. Die Pro-
vinzhauptstadt ist Quetta. Trotz ihres immensen Reichtums an Boden-
schätzen gehört sie nach wie vor zu den ärmsten Regionen Pakistans. Seit
Pakistan im Jahr 1947 die Unabhängigkeit von Grossbritannien erlangte,
hat Belutschistan mehrere Phasen von Konflikten von belutschischen Na-
tionalisten mit der Zentralregierung durchlebt (vgl. < http://hrcp-
http://hrcp-web.org/hrcpweb/wp-content/uploads/2019/10/Balochistan_Neglected-Still_HRCP-fact-finding-report-2019-WEBSITE.pdf
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Seite 12
web.org/hrcpweb/wp-content/uploads/2019/10/Balochistan_Neglected-
Still_HRCP-fact-finding-report-2019-WEBSITE.pdf >, S. 2, abgerufen am
25.01.2021).
6.2 K._, verstorbener Stammesführer der C._ und belut-
schischer Nationalist, stand mit der Zentralregierung in Konflikt wegen sei-
nes Anspruchs auf Mitbestimmung der in Belutschistan vorkommenden
Erdgasfelder. In den 1960er Jahren wurde er deshalb verhaftet. In den
1970er Jahren arrangierte er sich mit der Zentralregierung und wurde (...)
von Belutschistan. Unter dem Militärdiktator L._ flammte der Kon-
flikt jedoch wieder auf und K._ wurde im Jahr 2006 während einer
Militäroperation, anlässlich welcher 84'000 Personen aus B._ ver-
trieben wurden, getötet (vgl. Siddiqi, Farhan Hanif, Politic of Ethnicity in
Pakistan – The Baloch, Sindhi and Mohajir ethnic movements, 2012, S. 64
und S. 115; Haris Gazdar, Sobia Ahmad Kaker, Irfan Khan / Crisis States
Working Paper [London School of Economics], Buffer Zone, Colonial En-
clave or Urban Hub? Quetta: Between Four Regions and Two Wars,
02.2010, S. 4). K._ war zu Lebzeiten auch Anführer der politischen
Partei "Jamhoori Watan Party" (JWP). Nach seinem Tod entbrannte zwi-
schen seinen Nachfolgern ein Machtkampf, welcher zu einer Spaltung der
JWP führte. Entstanden sind die JWP-T (Fraktion um M._, [...] von
K._), die JWP-A (Fraktion um N._, [...] von K._) und
die Baloch Republican Party BRP (Partei um H._, [...] von
K._; vgl DAWN, Analysis: JWP future in question, 30.04.2015).
6.3 H._ gründete die BRP im Asyl in Afghanistan (vgl. Office Fran-
çais de Protection des Réfugiés et Apatrides [OFPRA], Le Parti Répulicain
Baloutche et la traque de ses militants, 12.06.2015). Pakistan qualifiziert
H._ auch als Anführer der Baloch Republican Army (BRA, eine von
mehreren Rebellengruppen) und deshalb als Terroristen, weswegen von
Afghanistan seine Auslieferung verlangt wurde (vgl. The New York Times,
Pakistan's Bitter, Little-Known Ethnic Rebellion, 23.08.2011). H._
selbst dementiert, Verbindungen zur BRA zu haben. Zwar hätten BRA und
BRP dieselben Ziele – ein unabhängiges Belutschistan – würden aber an-
dere Strategien verfolgen (vgl. Tagesanzeiger, [...]). Im Oktober 2010 ge-
langte H._ nach einem Attentatsversuch in Kabul in die Schweiz
und ersuchte um Asyl. Sein Asylgesuch wurde im November 2017 abge-
wiesen (vgl. Swissinfo, [...]). Am (...) 2015 erliess der Bundesrat gegen
H._ ein Tätigkeitsverbot (vgl. Tagesanzeiger, [...]). Geführt wird die
BRP nach wie vor von H._. Aus Medienberichten und Beiträgen in
Sozialen Medien lässt sich auf eine Unterteilung der BRP in verschiedene
http://hrcp-web.org/hrcpweb/wp-content/uploads/2019/10/Balochistan_Neglected-Still_HRCP-fact-finding-report-2019-WEBSITE.pdf http://hrcp-web.org/hrcpweb/wp-content/uploads/2019/10/Balochistan_Neglected-Still_HRCP-fact-finding-report-2019-WEBSITE.pdf
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Zonen, welche in europäischen Ländern vertreten sind, schliessen. In der
Schweiz für die BRP zuständig ist O._ (vgl. Baloch Warna, BRP
organised a protest demonstration to end its week-long awareness cam-
paign, 27.01.2019).
6.4 Die Baloch Republican Army bezeichnet sich auf ihrer eigenen Web-
seite als bewaffnete sezessionistische Organisation, welche im Jahr 2006
gegründet wurde. Sie macht keine Angaben darüber, wer Anführer der
Gruppe ist (< htttp://balochrepublicanarmy.com/baloch-republican-army/ >,
abgerufen am 25.01.2021). Gemäss dem pakistanischen Innenministerium
ist die BRA seit dem 8. September 2010 in Pakistan verboten (vgl. National
Crisis Management Cell, List of Terrorist Organizations). Die BRA verübt
seit 2006 in Belutschistan regelmässig Anschläge auf Infrastruktur,
Wahleinrichtungen, Sicherheitsapparat sowie Bevölkerung und bekennt
sich auch dazu. Die Bekennungsmeldungen der BRA decken sich dabei
mit den Mitteilungen der pakistanischen Presse.
7.
7.1 Vom Beschwerdeführer wird nicht bestritten, dass es sich bei der BRA
um eine terroristische Organisation handelt, deren Zugehörigkeit zur
Asylunwürdigkeit führen würde. Er macht jedoch geltend, er sei lediglich
Mitglied der BRP, die nicht im Zusammenhang mit der BRA stehe. Nach-
folgend ist deshalb zu prüfen, ob eine Verbindung zwischen der BRP und
der BRA vorliegt oder nicht.
7.2 Verlässliche und neutrale Informationen zum Belutschistan-Konflikt zu
erhalten, ist eine quellentechnische Herausforderung. Dies ist einerseits
der beinahe totalen Abschottung der Provinz Belutschistan für internatio-
nale und nationale Medien sowie der starken Selbstzensur, andererseits
aber auch dem Umstand geschuldet, dass die pakistanische Regierung
und das pakistanische Militär die Berichterstattung zum belutschischen
Konflikt zu beeinflussen und das Narrativ zur Lage zu kontrollieren versu-
chen. Auch wenn die pakistanische Regierung durch Social-Media-Kam-
pagnen ein positives Bild der Region vermittelt, bleibt der Konflikt in Belut-
schistan ungelöst und die Berichterstattung dazu stark eingeschränkt.
7.3 Das SEM hat die im Amtsbericht genannten Quellen eingesehen und
bewertet. Nach der Akteneinsicht der Gerichtsbesetzung ist an der Bewer-
tung der Quellen vom SEM festzuhalten. Für die nachfolgende Beurteilung
werden jedoch nur Quellen herangezogen, die das SEM als zuverlässig
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und glaubhaft (A2) qualifiziert hat (keine Quelle wurde als zuverlässig und
unzweifelhaft zutreffend [A1] befunden).
7.4 Der Beschwerdeführer moniert, im Amtsbericht des NDB werde festge-
halten, bei der BRP handle es sich um eine weitgehend fiktive Frontorga-
nisation der BRA, die in der pakistanischen Provinz Belutschistan politisch
belanglos sei. Diese Aussage werde jedoch nicht mit Quellen belegt. Bei
der vom Beschwerdeführer erwähnten Passage handelt es sich um das
vorweggenommene Resultat der darauffolgenden Ausführungen im Amts-
bericht, weshalb diese Passage nicht mit einer Quellenangabe versehen
ist. Der NDB führt im Amtsbericht aus, wie er zu diesem Ergebnis kommt.
Das Swiss Chapter der BRP bestehe gemäss Aussagen des Beschwerde-
führers und anderen Mitgliedern nur aus fünf bis sechs Personen, inklusive
Präsident und Vizepräsident. Damit liegt gemäss dem NDB keine funktio-
nelle und realitätstaugliche politische Organisation vor. Der Parteikader
wechsle je nach Stand der jeweiligen Asylverfahren der Mitglieder der BRP.
Der Beschwerdeführer habe seinen Titel "Präsident des Swiss Chapter
BRP" deshalb an den gegenwärtigen Präsidenten abgegeben. Weiter
seien die Mitglieder der BRP familiär verbandelt. Der NDB stützt diese Aus-
sagen insbesondere auf zuverlässiges nachrichtendienstliches Aufkom-
men. Die Gerichtsbesetzung konnte sich anlässlich der Akteneinsicht ein
eigenes Bild zu den im Amtsbericht genannten Quellen machen. Die von
der Vorinstanz vorgenommene Würdigung der einzelnen Quellen trifft zu
und der Amtsbericht ist insgesamt ausgewogen.
7.5 Weiter zweifelt der Beschwerdeführer die öffentlichen Quellen an, die
die Vorinstanz aufführt, um eine Verbindung zwischen der BRP und der
BRA zu belegen. Zutreffend ist, dass die Autoren Yunas Samad und Fre-
deric Grare nur Vermutungen wiedergeben, beim Vorsitzenden der BRP
handle es sich auch um den Anführer der BRA. Zu Christophe Jaffrelot führt
der Beschwerdeführer aus, dieser habe wahrscheinlich die Namen BRA
mit BRP verwechselt. Damit äussert er jedoch selbst lediglich eine Vermu-
tung, ohne sie zu belegen. Gemäss dem Beschwerdeführer gehe Khaled
Ahmed sodann fälschlicherweise davon aus, H._ verweigere jeden
Dialog und setze sich für ein unabhängiges Grossbelutschistan ein; entge-
gen dieser Ansicht gehe es ihm (H._) aber lediglich um die Unab-
hängigkeit der pakistanischen Provinz Belutschistan. Dabei übersieht der
Beschwerdeführer, dass H._ in früheren Interviews selbst erklärt
hat, er führe keinen Dialog mit der pakistanischen Regierung. Mittlerweile
mag er seine Meinung diesbezüglich geändert haben. Dass INTERPOL die
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Ausstellung eines internationalen Haftbefehls verweigert hat, belegt ledig-
lich, dass H._ in Pakistan verfolgt wird. Die Anerkennung als Flücht-
linge und die Gewährung von Asyl von anderen Mitgliedern der BRP in an-
deren Ländern ist für die Schweiz unbeachtlich. Seine Vermutung, der NDB
sei vom EDA beeinflusst, belegt der Beschwerdeführer nicht. Festzuhalten
ist, dass nicht nur der NDB und das SEM, sondern auch das EDA und fed-
pol zum Schluss kommen, dass die BRP und die BRA eine Verbindung
aufweisen. Der Zusammenhang zwischen der BRP und der BRA lässt sich
zufolge der dünnen und schwierigen Quellenlage nicht zweifellos bewei-
sen. In einer Gesamtwürdigung der vorliegenden Indizien ist jedoch davon
auszugehen, dass ein solcher besteht und dass H._ sowohl Vorsit-
zender der BRP als auch Anführer der BRA ist.
8.
8.1 Ausgehend von der Verbindung der BRP mit der BRA ist nachfolgend
zu prüfen, welche Rolle der Beschwerdeführer innehat und ob er zufolge
dieser Verbindung asylunwürdig ist.
8.2 Der Beschwerdeführer wurde weder in der Schweiz noch, soweit ak-
tenkundig, in Pakistan wegen einer Handlung verurteilt, die nach Schwei-
zer Recht als Verbrechen zu qualifizieren ist. Auch sind keine hängigen
Strafverfahren bekannt. Es liegen damit keine verwerflichen Handlungen
gemäss Art. 53 Bst. a AsylG vor.
8.3 Der Beschwerdeführer trat gemäss eigenen Aussagen im Jahr 2012 in
der Schweiz der BRP bei und wurde sogleich zum Präsidenten gewählt.
Dieses Amt hatte er bis 2014 inne, bevor er es einem Parteikollegen wei-
tergab (vgl. SEM-Akten act. A44 F20 f.). Die Partei in der Schweiz bestehe
aus elf Personen (vgl. act. A44 F88). Er selbst sei danach von H._
als eines von zwei Mitgliedern in das Zentralkomitee gewählt worden (vgl.
act. A44 F56). In dieser Stellung sei er entgegen der Funktion des Präsi-
denten in der Schweiz nicht nur für die eigene Zone zuständig, sondern er
habe Macht in Europa und in Belutschistan (act. A44 F43). Das Zentralko-
mitee nehme Kontakt zu den Leuten in Belutschistan und zur führenden
Person des Parteikabinetts auf. Alle sechs Monate gebe es eine Versamm-
lung und der Rapport davon werde an das Parteikabinett geschickt (vgl.
act. A44 F44). Der Generalsekretär der jeweiligen Zone sende Rapporte
an die Mitglieder des Zentralkomitees und diese würden die Rapporte an
das Kabinett weiterleiten (vgl. act. A44 F59). Die Sitzungen hätten stets mit
H._ stattgefunden. Dem Zentralkomitee übergeordnet sei das Ka-
binett mit dem Präsidenten H._ und dem Sprecher O._. Vier
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weitere Mitglieder des Kabinetts würden sich immer noch in Belutschistan
befinden und seien verschollen (vgl. act. A44 F61 ff.). Aus diesem Grund
habe auch keine Sitzung mit dem Zentralkomitee mehr stattfinden können
(vgl. act. A44 F65). Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, er arbeite
mit H._ zusammen und sei deshalb eine politische Person (vgl. act.
A44 F105). Der Beschwerdeführer, der in Pakistan keinen Kontakt zur BRP
hatte (vgl. act. A44 F12), wurde bei der Gründung des Parteiablegers in
der Schweiz direkt zum Präsidenten gewählt. Es ist damit davon auszuge-
hen, dass er nicht nur ein einfaches Parteimitglied der BRP ist, sondern
zum Führungszirkel dieser Partei gehört. Aufgrund der engen persönlichen
Beziehung zu H._, der sowohl Anführer der BRP als auch der BRA
ist, und seiner Funktion im Führungszirkel ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer über die Entscheidungen von H._ und damit
über die Aktionen der BRA informiert ist. Der konkrete und enge Kontakt zu
H._ zeigt somit eine hinreichende Nähe zu einer radikalen Organi-
sation auf, welche terroristische und gewaltextremistische Handlungen vor-
nimmt. Dies begründet die Vermutung einer unrechtmässigen Tätigkeit, die
geeignet ist, die Sicherheit der Schweiz zu gefährden. In seiner Stellung-
nahme vom 8. Mai 2018 bestreitet der Beschwerdeführer zwar, jemals in
irgendeiner Weise an militanten oder terroristischen Aktivitäten in Belut-
schistan beteiligt gewesen zu sein. Er trete als Mitglied der BRP für ein
unabhängiges Belutschistan ein und befürworte diesen Kampf aus-
schliesslich mit politischen Mitteln (vgl. act. A59). Von H._ selbst
und somit vom Anführer der BRA grenzt er sich jedoch in keiner Weise ab.
Der Beschwerdeführer hat sich damit insgesamt nicht hinreichend erkenn-
bar und glaubhaft von der BRA und deren Ideologie, Zielen und Mitteln
distanziert, weshalb diese Vermutung nicht widerlegt ist. Damit ist der Be-
schwerdeführer asylunwürdig im Sinne von Art. 53 Bst. b AsylG. Die Vo-
rinstanz hat das Asylgesuch somit zu Recht abgelehnt.
9.
Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeord-
net (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-
zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Sie sind durch den geleisteten Kostenvorschuss in gleicher
Höhe gedeckt.
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