Decision ID: fe38e21a-3aba-5853-837e-3a450e70db31
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Am 25. November 2015 stellte der Beschwerdeführer ein erstes Asylge-
such.
Zu seinem persönlichen Hintergrund brachte er vor, er sei sri-lankischer
Staatsangehöriger tamilischer Ethnie und in B._ geboren, in
C._ (beides Nordprovinz, Bezirk Jaffna) aufgewachsen und habe
dort elf Jahre die Schule besucht. Nach der zehnten Klasse habe er das
O-Level absolviert und später längere Zeit als (...) und im Bereich (...) ge-
arbeitet. Seine Eltern, Geschwister und weitere Verwandte lebten weiterhin
im Bezirk Jaffna und seien mehrheitlich erwerbstätig.
Zur Begründung seines Gesuchs machte er im Wesentlichen geltend, er
sei im Jahr 2014 zwei- oder dreimal vom Criminal Investigation Department
(CID) in einem Van mitgenommen, für unbestimmte Zeit, jeweils einen Tag
oder insgesamt drei Monate inhaftiert, gefoltert und dazu befragt worden,
wer er sei, was er mache sowie mit wem er Kontakt habe. Die Gründe für
seine Mitnahme seien ihm nicht bekannt. Aus Angst sei er nach seiner ers-
ten oder dritten Inhaftierung untergetaucht und habe sich fortan bei Freun-
den, Bekannten und Verwandten versteckt. Sein Vater habe sich über meh-
rere Monate Geld geliehen und seine Ausreise vorbereitet. Am 23. Oktober
2015 sei er von Colombo über Katar in den Iran geflogen und von dort über
die Türkei sowie diverse unbekannte Länder in die Schweiz gereist.
B.
Mit Verfügung vom 19. Mai 2017 lehnte die Vorinstanz das Asylgesuch des
Beschwerdeführers aufgrund unkonkreter und substanzarmer Ausführun-
gen zu seiner Verfolgungs- und Fluchtgeschichte, diverser Widersprüche
in seinen Vorbringen und mangels hinreichenden Risikoprofils ab und ord-
nete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an.
C.
Auf die dagegen erhobene Beschwerde vom 31. Mai 2017 trat das Bun-
desverwaltungsgericht mit Urteil D-3126/2017 vom 29. Juni 2017 nicht ein
und erwog dabei, das Rechtsmittel erweise sich mangels Beschwerdever-
besserung innert angesetzter Frist als offensichtlich unzulässig.
D.
Am 14. November 2017 reichte der Beschwerdeführer durch seine neue
Rechtsvertretung ein Folgeasylgesuch bei der Vorinstanz ein.
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Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, er habe während seines
ersten Asylverfahrens verschwiegen, dass ein älterer Cousin für die Libe-
ration Tigers of Tamil Eelam (LTTE) (...)arbeiten verrichtet sowie Personal-
transporte und Essenslieferungen ausgeführt habe. Er habe bei dem
Cousin seinen (...)beruf erlernt und dabei einiges über dessen LTTE-Akti-
vitäten mitbekommen. Es sei zu vermuten, dass der Cousin auch ein mili-
tärisches Training bei den LTTE absolviert habe. Aufgrund dieser Tätigkei-
ten sei der Cousin am 6. Juli 2008 – noch während seiner (des Beschwer-
deführers) Lehrzeit – von Unbekannten erschossen worden. Im selben
Jahr 2008 sei er dann von unbekannten Personen mitgenommen und zu
seinem Cousin sowie seinen Verbindungen zu diesem befragt worden. Mit
der Auflage, sich zur Verfügung zu halten, sei er freigelassen und in der
Folge nicht mehr behelligt worden. Seine Mutter habe ihm unter Androhung
familiärer Probleme verboten, über den Cousin zu sprechen, nach dem ne-
gativen Asylentscheid aber ebenso erkannt, dass er den nun vorgebrach-
ten Verfolgungsgrund darlegen müsse. Er nehme an, dass im Zuge von
Verhören früherer LTTE-Mitglieder im Jahr 2014 sein Cousin wieder Thema
geworden und deshalb auch er erneut in den Fokus der Behörden geraten
sei. Weiter hätten sich zwei Onkel, von denen er nicht viel wisse, intensiv
für die LTTE eingesetzt und seien 1989 verstorben. Durch die Beantragung
von Ersatzreisepapieren habe das SEM in Sri Lanka einen umfassenden
Background Check ausgelöst. Allein schon deswegen sei er aufgrund sei-
ner Vorgeschichte, seines langen Aufenthalts in der Schweiz und des Feh-
lens von Ausweispapieren bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einer asylre-
levanten Verfolgung ausgesetzt. Darüber hinaus habe das SEM einschlä-
gige Datenschutzbestimmungen verletzt und müsse dagegen Massnah-
men ergreifen.
Weiter ersuchte er um Einsicht in die vorinstanzlichen Vollzugsakten und –
verbunden mit einem Informationsgesuch – in diejenigen der sri-lankischen
Behörden. Zudem beantragte er, die übermittelten Personendaten seien
durch die sri-lankischen Behörden zu löschen. Mit dem Gesuch reichte er
24 Beweismittel ein (vgl. vorinstanzliche Akte B1, Aufzählung S. 26 f.).
E.
Mit separater Verfügung vom 15. Januar 2018 gewährte die Vorinstanz
dem Beschwerdeführer Einsicht in die Vollzugsakten, wobei es jene in das
Aktenstück V5/3 mit Verweis auf entgegenstehende wesentliche private
und öffentliche Interessen gemäss Art. 27 VwVG einschränkte.
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Seite 4
F.
Mit Verfügung vom 9. Februar 2018 – eröffnet am 16. Februar 2018 – wies
das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 14. November 2017
ab und ordnete die Wegweisung sowie den Vollzug an. Zugleich lehnte es
die Anträge, die sri-lankischen Behörden um Akteneinsicht sowie um Lö-
schung von Personendaten zu ersuchen, ab.
G.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 19. März 2018 erhob der Be-
schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen beide
Verfügungen und beantragte zur Hauptsache, die Verfügung vom 9. Feb-
ruar 2018 sei aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen, dies wegen Verletzung des Willkürverbots (Antrag 6), eventualiter we-
gen Verletzung der Begründungspflicht (Antrag 7), eventualiter wegen un-
vollständiger und unrichtiger Sachverhaltsabklärung (Antrag 8). Weiter
eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzu-
stellen und ihm sei Asyl zu gewähren (Antrag 9), sub-eventualiter sei die
angefochtene Verfügung vom 9. Februar 2018 in den Dispositivziffern 4
sowie 5 aufzuheben und die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumut-
barkeit des Vollzugs festzustellen (Antrag 10).
In prozessualer Hinsicht ersuchte er vorab um Bekanntgabe des zuständi-
gen Spruchkörpers und um Bestätigung, dass dieser zufällig ausgewählt
worden sei (Antrag 3). Weiter beantragte er, das Gericht habe das vorlie-
gende mit weiteren Verfahren zu koordinieren, in welchen Akteneinsichts-
gesuche im Zusammenhang mit dem Migrationsabkommen zwischen der
Schweiz und Sri Lanka gestellt worden seien (Antrag 1). Das vorliegende
Verfahren sei bis zur Klärung der sich stellenden datenschutzrechtlichen
Fragen zu sistieren (Antrag 2). Ihm sei vollständige Einsicht in die gesam-
ten Akten des SEM und insbesondere in die gesamten Akten der sri-lanki-
schen Behörden im Zusammenhang mit der Ersatzreisepapierbeschaffung
zu gewähren; die sri-lankischen Akten seien in eine Amtssprache übersetzt
zuzustellen, verbunden mit der Ansetzung einer angemessenen Frist zur
Einreichung einer Beschwerdeergänzung (Antrag 4). Den Antrag auf voll-
ständige Einsicht in die Akten der Ersatzreisepapierbeschaffung stellte der
Rechtsvertreter auch für den Fall eines nicht kassatorischen Entscheids
(Beschwerde S. 51, Beweisantrag 1). Gestützt auf die relevanten Bestim-
mungen des Datenschutzgesetzes sei weiter die Widerrechtlichkeit der
Übermittlung der Personendaten des Beschwerdeführers an die sri-lanki-
schen Behörden festzustellen (Antrag 5). Das SEM habe ausserdem dar-
zulegen, inwiefern die sri-lankische Gesetzgebung im Bereich Datenschutz
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Seite 5
dem Schweizer Schutzniveau entspreche, und ob eine entsprechende Be-
handlung tatsächlich erfolge (Beschwerde S. 51, Beweisantrag 2). Es habe
detailliert anzugeben, wie der Beschwerdeführer gegenüber den sri-lanki-
schen Behörden vorzugehen habe, um Auskunft über die ihn betreffenden
Daten zu erhalten; auch sei ihm bekannt zu geben, welche Konsequenzen
eine solche Erkundigung durch einen abgewiesenen tamilischen Asylsu-
chenden bei den sri-lankischen Terrorbekämpfungsbehörden nach sich
ziehe (Beschwerde S. 12 und 51, Beweisantrag 3). Die Schweiz habe ge-
stützt auf Art. 16 Bst. c des Migrationsabkommens von den sri-lankischen
Behörden die Löschung übermittelter Informationen zu verlangen, welche
nicht ausschliesslich der Identifikation der Person dienten, und jede weitere
Übermittlung nicht relevanter Informationen beziehungsweise der Verfol-
gung dienender Informationen zu sperren (Beschwerde S. 10). Schliesslich
sei das SEM anzuweisen, die bisher nicht öffentlich gemachten Quellen im
Lagebild des SEM vom 16. August 2016 offenzulegen (Beschwerde S. 31).
Dem Gericht wurden mit der Eingabe die Beilagen 1 bis 55 gemäss Auflis-
tung übermittelt (vgl. Beschwerde S. 56-58). Auf diese wird – soweit für den
vorliegenden Entscheid wesentlich – in den Erwägungen eingegangen.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 26. März 2018 stellte die damals zuständige
Instruktionsrichterin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des
Verfahrens in der Schweiz abwarten, verzichtete auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses, wies den Antrag auf Sistierung des Beschwerdever-
fahrens sowie das Gesuch um Offenlegung sämtlicher nicht öffentlicher
Quellen zur SEM-Publikation vom 5. Juli 2016 (Stand vom 16. August
2016) ab und gab dem Beschwerdeführer bekannt, dass sich der Spruch-
körper – vorbehältlich allfälliger Wechsel bei Abwesenheiten – aus Richte-
rin Nina Spälti Giannakitsas (Instruktion und Vorsitz), Richterin Regula
Schenker Senn, Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger sowie Gerichts-
schreiber Patrick Weber zusammensetze. Im Hinblick auf den Antrag auf
Bestätigung der zufälligen Spruchkörperzusammensetzung wies sie auf
Art. 31 f. des Geschäftsreglements vom 17. April 2008 für das Bundesver-
waltungsgericht (VGR) hin. Zudem lud sie das SEM zur Vernehmlassung
ein.
I.
Mit Vernehmlassung vom 4. April 2018 äusserte sich das SEM zur Be-
schwerdeschrift.
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Seite 6
J.
Mit Schreiben vom 9. April 2018 monierte der Rechtsvertreter des Be-
schwerdeführers, dass in der Zwischenverfügung vom 26. März 2018 der
Antrag auf Bestätigung der zufälligen Spruchkörperzusammensetzung
nicht beantwortet worden sei.
K.
Mit Eingabe vom 2. Mai 2018 replizierte der Beschwerdeführer durch sei-
nen Rechtsvertreter auf die vorinstanzliche Vernehmlassung.
L.
Mit Schreiben vom 19. Mai 2020 reichte der Rechtsvertreter einen von ihm
erstellten Länderbericht vom 23. Januar 2020 und ein Update der Länder-
informationen vom 26. Februar 2020 in elektronischer Form ein, ergänzt
um einen ausgedruckten Zusatzbericht zur Lage in Sri Lanka vom 10. April
2020 inklusive Beilagen in elektronischer Form.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das
bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015).
1.4 Der Beschwerdeführer ist legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Seine Be-
schwerde erfolgte frist- und formgerecht (aArt. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 52
Abs. 1 VwVG), womit auf sie – vorbehältlich nachstehender Erwägungen
(vgl. E. 2 und 3) – einzutreten ist.
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Seite 7
1.5 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.
Mit Zwischenverfügung vom 26. März 2018 wurde dem Beschwerdeführer
der Spruchkörper mitgeteilt (vgl. Antrag 3), dies unter dem Vorbehalt allfäl-
liger Wechsel bei Abwesenheiten. Mit vorliegendem Urteil ist ihm der
Spruchkörper in seiner aktuellen Zusammensetzung bekannt gemacht.
Auf den – mit Schreiben vom 9. April 2018 wiederholt angebrachten – An-
trag 3 auf Bestätigung, dass die Gerichtspersonen des Spruchkörpers zu-
fällig ausgewählt worden seien, ist unter Verweis auf die einschlägige
Rechtsprechung nicht einzutreten (vgl. Teilurteil des BVGer D-1549/2017
vom 2. Mai 2018 E. 4; Urteil des BVGer D-1388/2018 vom 20. Juni 2019
E. 2.2).
3.
Dem Gesuch um Koordination seines Verfahrens mit weiteren beim Bun-
desverwaltungsgericht hängigen Beschwerdeverfahren (Antrag 1) wurde
mit Zwischenverfügung vom 26. März 2018 insofern entsprochen, als – so-
weit überhaupt angebracht – eine vereinheitlichte Sichtweise anzustreben
sei. Präzisierend hält das Gericht fest, dass die Koordination der Recht-
sprechung unter den Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts – soweit
diese vorliegend überhaupt noch aktuell ist – gemäss Art. 17 i.V.m. Art. 25
Abs. 2 VGG gesetzlich und reglementarisch geregelt ist (Reglement über
die Zusammenarbeit der Abteilungen IV und V des Bundesverwaltungsge-
richts [ZASAR]). Sie obliegt dem Gericht und kann nicht von Aussenste-
henden beantragt werden. Auf den Antrag ist somit nicht einzutreten (vgl.
statt vieler Urteile des BVGer D-6892/2017 vom 7. März 2018 E. 4 und
E-6030/2017 vom 8. Januar 2018 E. 1.4).
4.
Soweit der Beschwerdeführer um Offenlegung der Quellen des Lagebe-
richts des SEM «Focus Sri Lanka, Lagebild, Version 16. August 2016» er-
suchte (vgl. Beschwerde S. 31), ist ebenfalls auf die Zwischenverfügung
vom 26. März 2018 zu verweisen. Darin wurde entsprechend der Gerichts-
praxis (vgl. statt vieler Urteil des BVGer D-1510/2018 vom 14. Juni 2018
E. 6.3 m.w.H.) der erwähnte Antrag abgewiesen. Angesichts der unverän-
derten Sach- und Rechtslage betreffend diesen Antrag ist vorliegend nicht
mehr weiter darauf einzugehen.
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Seite 8
5.
5.1 Das Rechtsbegehren des Beschwerdeführers, das vorliegende Verfah-
rens bis zur Klärung der sich stellenden datenschutzrechtlichen Fragen zu
sistieren (Antrag 2), wurde – ebenfalls im Einklang mit der gängigen Ge-
richtspraxis (vgl. statt vieler Urteil des BVGer D-1510/2018 vom 14. Juni
2018 E. 3) – bereits mit Zwischenverfügung vom 26. März 2018 abgewie-
sen. Auf die dortigen Erwägungen sei hier verwiesen.
5.2 Die Anträge 4 und 5 sowie die Beweisanträge 1, 2, und 3 (vgl. Be-
schwerde S. 51) im Zusammenhang mit Art. 16 Bst. c des Migrationsab-
kommen, Art. 97 Abs. 3 AsylG und Art. 6, 8 und 25 DSG (SR 235.1; vgl.
Beschwerde S. 8-12) hat das Bundesverwaltungsgericht in seiner Recht-
sprechung, gerade auch in Verfahren mit demselben Rechtsvertreter wie
im vorliegenden, ebenso bereits mehrfach als unbegründet beurteilt (vgl.
BVGE 2017 VI/6 E. 2.5; statt vieler Urteile des BVGer D-1388/2018 vom
20. Juni 2019 E. 4.2 und D-1510/2018 vom 14. Juni 2018 E. 6.5 und E. 8).
Eine rechtswidrige Übermittlung von Daten durch das SEM an das Gene-
ralkonsulat Sri Lankas lässt sich im vorliegenden Verfahren ebenso wenig
feststellen wie eine damit einhergehende Verletzung der Begründungs-
pflicht durch die Vorinstanz. Daran ändert auch der Hinweis auf die Ver-
nehmlassung des SEM vom 8. November 2017 im Beschwerdeverfahren
D-4794/2017 nichts (vgl. Beilage 5 der Beschwerde). Die Anträge 4 und 5
sowie die Beweisanträge 1, 2, und 3 (vgl. Beschwerde S. 51) sind daher
abzuweisen.
5.3 Nachdem keine widerrechtliche Übermittlung von Personendaten vor-
liegt, sind auch die Anträge auf Löschung übermittelter Informationen durch
die sri-lankischen Behörden, welche nicht ausschliesslich der Identifikation
der Person dienten, sowie auf Sperrung jeder weiteren Übermittlung nicht
relevanter Informationen beziehungsweise der Verfolgung dienender Infor-
mationen (Beschwerde S. 10) abzuweisen (vgl. Urteil des BVGer
D-1042/2016 vom 23. April 2018 E. 7.2 und Referenzen unter E. 5.2).
6.
Die prozessualen Rügen des Beschwerdeführers sind vorab zu prüfen, da
sie allenfalls zur Kassation der angefochtenen Verfügung führen könnten.
6.1 Die Rüge, das SEM habe willkürlich gehandelt, indem es das Urteil des
High Court Vavuniya vom 25. Juli 2017 vorliegend als unerheblich erach-
tete, geht fehl. Willkür liegt nicht schon dann vor, wenn eine andere Lösung
in Betracht zu ziehen oder sogar vorzuziehen wäre, sondern nur, wenn ein
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Seite 9
Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in kla-
rem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechts-
grundsatz klar verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsge-
danken zuwiderläuft (vgl. HÄFELIN/HALLER/KELLER/THURNHERR, Schweize-
risches Bundesstaatsrecht, 9. Aufl., 2016, N 811 f.; BGE 133 I 149 E. 3.1,
m.w.H.). Das SEM hat sich mit den Vorbringen und Beweismitteln ausei-
nandergesetzt und diese in rechtsgenüglicher Weise beurteilt. Dass es da-
bei eine andere Würdigung des Sachverhalts vornahm, als vom Beschwer-
deführer gewünscht, bedeutet noch keine Willkür.
6.2 Aus der Begründungspflicht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs
ergibt sich, dass die Abfassung der Begründung dem Betroffenen ermögli-
chen soll, den Entscheid sachgerecht anzufechten, was nur der Fall ist,
wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die
Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. Die Begründungs-
dichte richtet sich dabei nach dem Verfügungsgegenstand, den Verfah-
rensumständen und den Interessen des Betroffenen, wobei bei schwerwie-
genden Eingriffen in die rechtlich geschützten Interessen des Betroffenen
– und um solche geht es bei Verfahren betreffend Asyl und Wegweisung –
eine sorgfältige Begründung verlangt wird (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1;
BVGE 2008/47 E. 3.2).
In der angefochtenen Verfügung hat das SEM nachvollziehbar und hinrei-
chend differenziert aufgezeigt, von welchen Überlegungen es sich leiten
liess. Es hat sich mit sämtlichen wesentlichen Vorbringen des Beschwer-
deführers auseinandergesetzt. So hat es in der angefochtenen Verfügung
auch zum Prozedere der Papierbeschaffung im Rahmen des standardisier-
ten Verfahrens gemäss dem Migrationsabkommen zwischen der Schweiz
und Sri Lanka im Allgemeinen und in Bezug auf den konkreten Fall des
Beschwerdeführers und die damit einhergehenden Rügen im neuen Asyl-
gesuch eingehend Stellung genommen. Dass es dabei zu einer anderen
Einschätzung als der Beschwerdeführer gelangt, bewirkt noch keine Ver-
letzung der Begründungspflicht. Das Gleiche gilt, wenn das SEM gestützt
auf seine Quellen und die vorliegende Aktenlage die Asylvorbringen anders
würdigt als der Beschwerdeführer. Schliesslich versetzte die Begründung
der Vorinstanz den Beschwerdeführer auch in die Lage, diese in seiner
umfassenden Beschwerde sachgerecht anzufechten. Die in der Be-
schwerde unter dem Titel «Verletzung der Begründungspflicht» sowie den
Untertiteln «Datenverwendung durch Sri Lanka», «Einreisepapierbeschaf-
fung; Backgroundcheck des Beschwerdeführers», «LTTE-Aktivitäten des
Cousins und Reflexverfolgung des Beschwerdeführers» und «veränderte
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Verfolgungsstruktur in Sri Lanka» (vgl. Beschwerde S. 18-24) erhobenen
Rügen der Verletzung der Begründungspflicht erweisen sich demnach als
unbegründet.
6.3 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-
listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an
der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG).
Der relevante Sachverhalt ist vorliegend als hinreichend erstellt zu erach-
ten. Dass der Beschwerdeführer daraus andere Schlüsse als das SEM
zieht, beschlägt nicht die Erstellung des Sachverhalts, sondern ist eine
Frage der materiell-rechtlichen Würdigung der Sache, welche die materi-
elle Entscheidung über die vorgebrachten Asylgründe betrifft. Das SEM
musste sich danach entgegen der entsprechenden Rüge des Beschwer-
deführers (vgl. Beschwerde S. 24-25) nicht gehalten sehen, über die ein-
gereichten Beweismittel hinaus weitere (Botschafts-)Abklärungen im Hin-
blick auf die LTTE-Aktivitäten des Cousins und eine daraus angeblich re-
sultierende Reflexverfolgung vorzunehmen. Dies umso mehr, als es im
Rahmen eines Mehrfachgesuchs der gesuchstellenden Person obliegt, ihr
Gesuch hinreichend schriftlich zu begründen und entsprechende Beweis-
mittel vorzulegen (vgl. Art. 111c AsylG).
Ob die vom Beschwerdeführer als falsch, manipuliert und veraltet gerügte
Lageeinschätzung des SEM in Bezug auf Sri Lanka zutreffend ist (vgl. Be-
schwerde S. 25-38), beschlägt ebenso wenig die Erstellung des Sachver-
halts, sondern die rechtliche Würdigung der Sache. Im Übrigen ist darauf
zu verweisen, dass das Gericht seinem Entscheid von Amtes wegen die
jeweils aktuelle Sach- und Rechtslage zugrunde legt.
6.4 Da sich die prozessualen Rügen des Beschwerdeführers auch unter
keinem anderen Aspekt als stichhaltig erweisen, fällt die beantragte Rück-
weisung der Sache an das SEM ausser Betracht, womit das Gericht in der
Sache zu entscheiden hat (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
7.
7.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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Seite 11
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
7.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
7.3 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-
gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des
Beschwerdeführers. Für die Glaubhaftmachung reicht es nicht aus, wenn
der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesam-
ten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorge-
brachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. dazu ausführlich BVGE
2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
8.
8.1 Das SEM begründete seine Verfügung im Asylpunkt damit, aus der Ein-
gabe gehe an keiner Stelle hervor, weshalb die Vorbringen des Beschwer-
deführers im ersten Asylverfahren entgegen der ausführlichen Einschät-
zung des SEM in der Verfügung vom 19. Mai 2017 glaubhaft sein sollten.
Dort habe er zudem trotz mehrmaliger Hinweise auf seine Wahrheits- und
Mitwirkungspflicht im ersten Verfahren jedwede familiäre LTTE-Verbindung
explizit verneint. Dass er seine nun geltend gemachte LTTE-Verbindung zu
seinem Cousin damals verschwiegen haben solle, verkläre diese Tatsache.
Es sei zudem in keiner Weise nachvollziehbar, dass er als erwachsener
Mann mit abgeschlossener Schulbildung und Arbeitserfahrung aufgrund
des Verbots seiner Mutter, über seinen Cousin zu sprechen, gegenüber
einer ausländischen Behörde im Rahmen seines eigenständigen Schutzer-
suchens nicht den tatsächlichen Grund für seine angebliche, im Übrigen
auch nicht glaubhaft gemachte Verfolgung hätte verschweigen oder gar
aktiv verneinen sollen. Insofern könne auch keine Rede davon sein, er
habe bislang keine Möglichkeit gehabt, sich zu diesem Sachverhalt zu äus-
sern. Die eingereichten Dokumente (Kopie der Todesurkunde des Cousins
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Seite 12
und Zeitungsartikel) vermöchten nichts an der Einschätzung zu ändern. Es
sei weiter nicht ersichtlich, inwieweit die beiden Onkel in irgendeinem Zu-
sammenhang mit seiner Verfolgung stehen sollten. Antizipatorisch sei auf
eine Fristansetzung zur Nachreichung weiterer Informationen zu ihnen zu
verzichten. Seine Vorbringen seien als nachgeschoben zu erachten. Mehr-
fachgesuche dienten nicht dazu, verpasste Beschwerdefristen wiederher-
zustellen.
Der Internetbeitrag zum Urteil des High Court Vavuniya vom 25. Juli 2017
(vgl. Beweismittel 24) sei unerheblich. Der Umstand, dass dort ein ehema-
liges LTTE-Mitglied in Sri Lanka wegen Rekrutierung von Kindersoldaten
zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden sei, sei nicht als In-
diz für ein Verfolgungsinteresse der sri-lankischen Behörden am Be-
schwerdeführer aufzufassen, zumal den Akten keine Anhaltspunkte für ei-
nen Zusammenhang zwischen der Situation des besagten LTTE-Mitglieds
und dem vorliegenden Sachverhalt entnommen werden könnten. Die wei-
teren eingereichten Beweismittel bezögen sich auf die allgemeine Lage in
Sri Lanka und stünden ebenso wenig im Zusammenhang mit dem Fall des
Beschwerdeführers. Bei der Beschaffung von Ersatzreisepapieren handle
es sich um ein standardisiertes Verfahren, bei welchem dem sri-lankischen
Generalkonsulat Personendaten ausschliesslich zu diesem Zweck bekannt
gegeben und die einschlägigen Datenschutzbestimmungen vollumfänglich
eingehalten würden. Neue Gefährdungselemente seien damit nicht ge-
schaffen worden. Auf die geforderte Fristansetzung zur Einreichung einer
Falldokumentation anderer abgewiesener Asylsuchender sei zu verzich-
ten.
8.2 In seiner Beschwerdeschrift wiederholte der Beschwerdeführer im We-
sentlichen seine Asylvorbringen. Den Zweifeln der Vorinstanz an der
Glaubhaftigkeit seiner Angaben zu den verschwiegenen Tatsachen entgeg-
nete er, sie verkenne die archaische Struktur der sri-lankischen Gesell-
schaft und die tamilische Kultur, in der die Mütter eine dominantere Rolle
einnähmen, sowie die Frage der Selbständigkeit selbst erwachsener und
gebildeter Söhne in diesem Kontext. Nach allgemeiner Lebenserfahrung
sei ein irrationales Verhalten wie sein Festhalten am Verbot der Mutter,
über den Cousin zu sprechen, danach nicht als unglaubhaft zu bezeichnen.
Der Mutter sei bewusst gewesen, welche Schwierigkeiten die Offenlegung
des Wissens um die LTTE-Aktivitäten des Cousins und seine Mitarbeit im
Rahmen seiner (...)ausbildung für ihn bedeuten könnten. Es sei vor diesem
Hintergrund von einem zwingenden Grund auszugehen, weshalb er erst so
spät in der Lage gewesen sei, den entscheidenden Sachverhalt überhaupt
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Seite 13
vorzutragen. Die bei der Vorinstanz eingereichten Beweismittel (Sterbeur-
kunde samt englischer Übersetzung und Zeitungsartikel, Beweismittel 1 bis
3, vgl. B3/26) belegten hinreichend die extralegale Tötung seines Cousins.
Ihm drohe eine Reflexverfolgung aufgrund dessen LTTE-Aktivitäten und
seiner eigenen Mitwisserschaft, aber auch eine eigenständige Verfolgung
durch die sri-lankischen Sicherheitskräfte. Dabei sei zu beachten, dass
sich die Situation in Sri Lanka – entgegen der Einschätzung der Vorinstanz
im Lagebild vom August 2016 und im angefochtenen Entscheid – seit der
letzten Beurteilung seines Asylgesuchs verschlechtert habe. Den diversen
eingereichten Berichten und Artikeln zur Lage in Sri Lanka sei zu entneh-
men, dass nicht nur Personen mit einem hohen LTTE-Profil verfolgt wür-
den. Auch bereits rehabilitierte Personen seien gefährdet, was sich aus ei-
nem Urteil des High Court Vavuniya ergebe. LTTE-Aktivitäten seien unver-
jährbar und würden noch Jahre später wieder verfolgt; darauf weise auch
ein wiederaufgenommenes Verfahren vor dem Magistrate Court in Co-
lombo hin. Über den Einzelfall hinaus sei eine veränderte Verfolgungs-
struktur namentlich gegen Tamilen mit tatsächlichen oder vermeintlichen
LTTE-Verbindungen zu erblicken. Auch noch nicht oder ungenügend be-
langte LTTE-Unterstützer wie er seien gefährdet. Erst recht sei davon seit
den Kommunalwahlen im Frühjahr 2018 auszugehen, welche den früheren
Präsidenten Rajapaksa, der unter anderem für seine harte Linie gegen die
Gewährung von mehr Rechten für Tamilen bekannt sei, und sein Umfeld
gestärkt hätten. Bei einer Rückkehr müsste insbesondere die Gruppe der
abgewiesenen tamilischen Asylsuchenden, welche im Ausland gelebt ha-
ben, mit noch weitaus stärkeren systematischen Verfolgungshandlungen
rechnen.
8.3 In ihrer Vernehmlassung äusserte sich die Vorinstanz lediglich zu dem
formellen Begehren, es seien Handlungsanweisungen für die Stellung ei-
nes Akteneinsichtsgesuchs bei den sri-lankischen Behörden zu geben,
dies unter Zitierung eines einschlägigen Urteils des Bundesverwaltungsge-
richts. Zur Hauptsache verwies sie auf ihre Erwägungen im angefochtenen
Entscheid.
8.4 In seiner Replik kritisierte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
die vorinstanzliche Vernehmlassung im Hinblick auf ihren Rechtspre-
chungsverweis sowie generell die Instruktionsweise des Gerichts in ande-
ren, vom selben Rechtsvertreter geführten Beschwerdeverfahren.
8.5 Im Schreiben vom 19. Mai 2020 und unter Verweis auf die eingereich-
ten Länderberichte und weitere Beilagen äusserte sich der Rechtsvertreter
D-1701/2018
Seite 14
zur allgemeinen politischen und menschenrechtlichen Lage in Sri Lanka
namentlich seit der Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum sri-lankischen Prä-
sidenten am 16. November 2019, dem diplomatischen Vorfall zwischen Sri
Lanka und der Schweiz Ende 2019 sowie der Corona-Krise. Die Verfol-
gungsintensität der sri-lankischen Regierung und vor allem die Gefähr-
dungslage für abgewiesene muslimische und tamilische Asylsuchende aus
der Schweiz habe sich danach erheblich verschärft. Die Rückkehr aus der
Schweiz als einem Hort des tamilischen Separatismus müsse als Hochri-
sikofaktor angesehen werden. Im konkreten Fall wäre der Beschwerdefüh-
rer danach und aufgrund seiner weiteren Risikofaktoren (LTTE-Verbindun-
gen, seit viereinhalb Jahren Aufenthalt in der Schweiz, keine gültigen Rei-
sepapiere) bei einer Rückkehr einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt.
Angesichts der verlorenen, angeblich guten Kontakte der Schweiz zum Si-
cherheitsapparat, welche bisher einen gewissen Schutz vor Übergriffen bei
Ankunft am Flughafen bieten sollten, und einem Personalwechsel beim
CID könnte es bei einer Befragung zur Folterung seiner Person kommen.
9.
9.1 Eine einlässliche Prüfung der Akten ergibt, dass die Vorbringen des
Beschwerdeführers nicht geeignet sind, eine asylrelevante Verfolgung
nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen.
9.2 Der Beschwerdeführer macht zur Hauptsache eine eigenständige so-
wie eine Reflexverfolgung aufgrund der LTTE-Aktivitäten seines Cousins
und seiner eigenen Mitwisserschaft, aufgrund der LTTE-Zugehörigkeit sei-
ner verstorbenen Onkel und aufgrund seiner Vorbringen im ersten Verfah-
ren geltend. Erstere habe er im vorherigen Verfahren aufgrund des Rede-
verbots seiner Mutter verschwiegen.
9.2.1 Die Vorinstanz hat diese Vorbringen im Rahmen eines Mehrfachge-
suchs geprüft. Praxisgemäss ist von einem neuen Asylgesuch bei Geltend-
machung der Flüchtlingseigenschaft aufgrund einer neuen, nach Ab-
schluss eines vorgängigen Asylverfahrens entstandenen Sachlage auszu-
gehen. Auch wenn diese Voraussetzung für das vom Beschwerdeführer
behauptete Verschweigen von eigenen LTTE-Verbindungen beziehungs-
weise solcher von Familienangehörigen im Rahmen des ersten Verfahrens
nicht erfüllt ist, ist festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer aus der Ent-
gegennahme und materiellen Behandlung seiner Eingabe als Mehrfachge-
such durch die Vorinstanz keine Nachteile entstanden sind. Es ist deshalb
auf die – im Übrigen unbestritten gebliebene – rechtliche Qualifizierung der
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Seite 15
Eingabe nicht weiter einzugehen; dies auch mit Blick auf nachfolgende Er-
wägungen.
9.2.2 Die vorinstanzliche Einschätzung betreffend die Vorbringen zum
Cousin ist dabei vollumfänglich zu stützen. Diese hätten bei Beachtung der
pflichtgemässen Sorgfalt offensichtlich bereits im Rahmen des ordentli-
chen Verfahrens vorgebracht werden müssen, wurde dieser doch nach An-
gaben des Beschwerdeführers bereits 2008 getötet, während sein Asylver-
fahren von 2015 bis 2017 lief, mithin über sieben Jahre nach den behaup-
teten Ereignissen. Zudem wurde der Beschwerdeführer im ersten Verfah-
ren wiederholt auf seine Wahrheits- und Mitwirkungspflicht hingewiesen,
wobei er jegliche LTTE-Verbindungen explizit verneinte. Dass er diese aus
Angst vor möglichen negativen Auswirkungen – ob nun veranlasst durch
seine Mutter oder aus eigenem Antrieb – verschwieg, erscheint unter Be-
rücksichtigung seiner bisherigen Aussagen und der als unglaubhaft erach-
teten Vorverfolgung jedoch als blosse Schutzbehauptung. Insgesamt kann
man sich nicht des Eindrucks verwehren, der Beschwerdeführer versuche
mit seinen Vorbringen allein, einen bereits beurteilten Sachverhalt einer er-
neuten Prüfung zu unterziehen, was keinen Rechtsschutz verdient.
Die bei der Vorinstanz zur Untermauerung eingereichten Dokumente (To-
desurkunde des Cousins in Kopie und Zeitungsartikel) sind – abgesehen
davon, dass sie ebenso als nachgeschoben zu erachten sind – auch nicht
geeignet, die Einschätzung der im ersten Verfahren festgehaltenen fehlen-
den Glaubhaftmachung einer asylrelevanten Verfolgung umzustossen, zu-
mal sie lediglich den Tod des Cousins, jedoch nicht dessen behauptete
LTTE-Verbindungen oder gar eine solche des Beschwerdeführers bestäti-
gen. Insoweit erübrigt es sich auch auf die Frage der Kausalität zwischen
der geltend gemachten LTTE-Verbindung und der Ausreise des Beschwer-
deführers im Jahr 2015 näher einzugehen.
9.2.3 Sodann hat die Vorinstanz in ihrem Entscheid zutreffend festgehal-
ten, dass aus den LTTE-Aktivitäten der beiden Onkel nicht auf eine asylre-
levante Verfolgung des Beschwerdeführers geschlossen werden kann.
Diesbezüglich machte er anlässlich der Befragung und der Anhörung im
ersten Asylverfahren keine Behelligungen geltend. Zudem lassen die Akten
nicht darauf schliessen, dass seine Ausreise im kausalen Zusammenhang
mit den Angaben betreffend seine Onkel erfolgte.
9.2.4 Im Weiteren geht auch aus den Beschwerdevorbringen nicht hervor,
weshalb die Vorbringen des Beschwerdeführers im ersten Asylverfahren
D-1701/2018
Seite 16
entgegen der ausführlichen Einschätzung des SEM in der Verfügung vom
19. Mai 2017 nunmehr glaubhaft sein sollten.
9.3 Nachdem der Beschwerdeführer keine Vorfluchtgründe nachweisen
oder glaubhaft machen konnte und er weder aufgrund eigener politischer
Betätigung noch aufgrund familiärer Verbindungen zu den LTTE ein rele-
vantes politisches Profil aufweist, erfüllt er auch keine der im Referenzurteil
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 dargelegten stark risikobegründenden Fak-
toren. Alleine aus seiner tamilischen Ethnie, seiner über vierjährigen Lan-
desabwesenheit und infolge fehlender Reisepapiere kann er ebenso wenig
eine Gefährdung flüchtlingsrechtlich beachtlichen Ausmasses im Sinne
des Referenzurteils ableiten.
9.4 Hinsichtlich der Vorsprache auf dem sri-lankischen Generalkonsulat
(vgl. Beschwerde, insbesondere Ziff. 7.3.2 b, S. 39 ff.) ist sodann auf das
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts BVGE 2017 VI/6 E. 4.3.3 zu verwei-
sen, wonach es sich bei der Ersatzreisepapierbeschaffung um ein standar-
disiertes, erprobtes und gesetzlich geregeltes Verfahren handelt. Nur auf-
grund der Datenübermittlung der schweizerischen Behörden an die sri-lan-
kischen Behörden und der Nennung des Ausreisegrundes anlässlich einer
Vorsprache auf dem sri-lankischen Generalkonsulat ist bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka nicht mit einer asylrelevanten Verfolgung zu rechnen.
9.5 An dieser Einschätzung vermögen die auf Beschwerdeebene einge-
reichten (Gerichts-)Dokumente, Berichte und Länderinformationen, die im
Wesentlichen die allgemeine politische Lage oder spezifische Gerichtsver-
fahren in Sri Lanka betreffen, nichts zu ändern, zumal sie allesamt weder
einen persönlichen Bezug zum Beschwerdeführer aufweisen, noch ein sol-
cher hinreichend dargelegt wurde. Insoweit sei zur Vermeidung von Wie-
derholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen.
9.6 Schliesslich kann diese Einschätzung auch nicht durch die jüngsten Er-
eignisse in Sri Lanka, namentlich der Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum
Präsidenten wie auch der vorübergehenden diplomatischen Krise zwi-
schen Sri Lanka und der Schweiz sowie der Corona-Krise, erschüttert wer-
den. Aus den Akten und insbesondere den neu eingereichten Länderbe-
richten ergeben sich jedenfalls keine Hinweise, dass speziell der Be-
schwerdeführer nunmehr einer erhöhten Gefahr asylrelevanter Verfolgung
ausgesetzt wäre, zumal sich Letztere auf die allgemeine Lage in Sri Lanka
beziehen und keinen konkreten Bezug zum Beschwerdeführer aufweisen.
D-1701/2018
Seite 17
Insoweit ist auch nicht davon auszugehen, dass er als Rückkehrer aus ei-
nem tamilischen Diaspora-Zentrum einer besonders erhöhten Gefahr im
Sinne eines Hochrisikofaktors ausgesetzt wäre. Schliesslich ist festzuhal-
ten, dass allfällige Befragungen am Flughafen – zumal bei Fehlen hinrei-
chender individueller Anhaltspunkte – nicht als asylrelevant zu erachten
sind, dies auch unter Berücksichtigung möglicher personeller Veränderun-
gen im Sicherheitsapparat und der zwischenzeitlichen diplomatischen Aus-
einandersetzung zwischen Sri Lanka und der Schweiz.
10.
Das Bundesverwaltungsgericht stellt zusammenfassend fest, dass der Be-
schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft gemäss den Voraussetzungen
von Art. 3 und 7 AsylG aus den soeben erwähnten Gründen nicht erfüllt,
weshalb das SEM das Asylgesuch zu Recht ablehnte.
11.
11.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
11.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
12.
12.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Bei der Geltendmachung von Wegwei-
sungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsge-
richts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingsei-
genschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis mög-
lich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE
2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
12.2
12.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
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AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
12.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr nach Sri Lanka ist demnach unter
dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
12.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
muss der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr („real risk“) nachweisen
oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder
unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.). Der EGMR hat zudem wiederholt festgestellt, dass nicht generell
davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri Lanka eine unmenschli-
che Behandlung. Vielmehr müsse eine Risikoeinschätzung im Einzelfall
vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom
19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Die Einzelfallprüfung fällt mangels
hinreichender – glaubhafter – Anhaltspunkte vorliegend negativ aus (vgl.
E. 9). Zudem lässt die allgemeine Menschenrechtssituation – auch unter
Beachtung der jüngsten Ereignisse in Sri Lanka (vgl. dazu E. 9.6) – den
Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (vgl. BVGE 2011/24
E. 10.4).
D-1701/2018
Seite 19
12.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
12.3
12.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
12.3.2 Im vorerwähnten Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016
nahm das Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Lagebeurteilung mit Be-
zug auf die Zumutbarkeit des Vollzugs von Wegweisungen nach Sri Lanka
vor (vgl. a.a.O. E. 13.2 – 13.4). Den Wegweisungsvollzug in die Nordpro-
vinz (Distrikte Jaffna, Kilinochchi, Mullaitivu, Mannar und Vavuniya; im
Sinne der Definition in BVGE 2011/24 E. 13.2.2.1) erachtete das Bundes-
verwaltungsgericht als zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zu-
mutbarkeitskriterien (insbesondere die Existenz eines tragfähigen familiä-
ren oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte
Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden könne (vgl. a.a.O.
E. 13.3.3).
12.3.3 Der Beschwerdeführer stammt aus der Nordprovinz, Bezirk Jaffna,
womit vorstehende Rechtsprechung auf ihn anwendbar ist. Wie die Vor-
instanz im ersten Asylverfahren sowie im angefochtenen Entscheid zutref-
fend ausführte, ist er jung und gesund, verfügt über eine 11-jährige Schul-
bildung und einen O-Level-Abschluss. Zudem hat er längere Zeit als (...)
und im Bereich (...) gearbeitet. Seine Eltern, Geschwister und weitere Ver-
wandte leben weiterhin im Bezirk Jaffna; seine Familie kann im Eigenheim
der Schwester wohnen. Sein Vater sowie mehrere Onkel und Tanten sind
erwerbstätig. Es ist demnach davon auszugehen, dass er sowohl auf ei-
gene Ressourcen als auch ein familiäres und wirtschaftliches Beziehungs-
netz zurückgreifen kann, welches ihm bei einer Rückkehr ermöglichen
wird, für seinen Lebensunterhalt aufzukommen und sich im Heimatstaat zu
reintegrieren. Aus dem Gesuch vom 14. November 2017 und der Be-
schwerde vom 19. März 2018 ergeben sich keine Gründe, welche zu einer
anderen Beurteilung führen könnten.
12.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
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12.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
12.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
13.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten ist.
14.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und angesichts der
umfangreichen Beschwerde auf insgesamt Fr. 1'500.– festzusetzen
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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