Decision ID: 423a4ceb-7f0d-4eeb-a161-aadc439cec54
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juni 2016 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, er habe keine Berufsausbildung
absolviert. Er sei nicht erwerbstätig. Im Juli 2016 teilte die ehemalige Arbeitgeberin, ein
Personalverleiher, der IV-Stelle mit, der Versicherte sei letztmals im November 2014 als
Produktionsmitarbeiter eingesetzt worden (IV-act. 9). Die psychiatrische Klinik B._
berichtete im August 2016 (IV-act. 15), der Versicherte leide an Störungen durch
Alkohol bei einem schädlichen Gebrauch sowie an sonstigen nichtorganischen
psychotischen Störungen mit isoliert akustischen Halluzinationen. Er habe sich vom 7.
Juni 2016 bis zum 26. Juli 2016 in stationärer psychiatrischer Behandlung befunden.
Die Zuweisung sei durch das Psychiatrie-Zentrum C._ erfolgt, das den Versicherten
in den beiden Wochen davor behandelt habe. Der Versicherte habe angegeben, dass
er schon seit 20 Jahren Stimmen höre, was ihn sehr belaste. Er fühle sich zudem von
seinem Bruder durch schwarze Magie kontrolliert. Seit längerem leide er unter
Schlafstörungen und Nervosität, weshalb er täglich eine Flasche Rotwein trinke. Die
Ehefrau habe berichtet, dass der Versicherte grosse Probleme mit der Impulskontrolle
habe. Er sei ihr gegenüber aggressiv. Das habe stark zugenommen, seit er keine feste
Arbeit mehr habe und regelmässig trinke, also seit dem Jahr 2009. Es komme
regelmässig zu Übergriffen. Nach einem Angriff mit einem Messer sei der Versicherte
offenbar einmal einen Tag inhaftiert gewesen. Es handle sich um kurze Ausraster, die er
jeweils im Nachhinein bereue. Das primäre Ziel der stationären Behandlung, der
Alkoholentzug, sei ohne eine Entzugssymptomatik und ohne Rückfälle erreicht worden.
Der medikamentöse Behandlungsversuch habe nicht zu einem Rückgang des
Stimmenhörens geführt. Beim fraglichen Verfolgungswahn handle es sich eher um ein
kulturell bedingtes als um ein wirklich wahnhaftes Erleben. Am 10. Januar 2017 erteilte
A.a.
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die IV-Stelle eine Kostengutsprache für eine dreimonatige berufliche Abklärung (IV-act.
32). Der Einsatzbetrieb berichtete am 30. März 2017 (IV-act. 36), der Versicherte habe
seine Arbeitsleistung auf 70 Prozent steigern können. Er habe Mühe mit der
Konzentration gezeigt und angegeben, das sei wegen der Stimmen, die er höre. Zudem
schlafe er unruhig und wenig. Wegen des hohen Blutdrucks und eines Diabetes müsse
er viele Medikamente einnehmen. Am 28. Juni 2017 sprach die IV-Stelle dem
Versicherten eine Arbeitsvermittlung zu (IV-act. 44). Das Psychiatrie-Zentrum C._
berichtete am 12. Oktober 2017 (IV-act. 50), der Versicherte sei in seiner Belastbarkeit
sehr stark eingeschränkt. Im geschützten Rahmen habe er wohl eine Präsenz von 70
Prozent eines Vollpensums zeigen können, aber die Arbeitsleistung sei trotz hoher
Motivation deutlich verlangsamt gewesen. Die Arbeitsleistung sei auf dem ersten
Arbeitsmarkt nicht verwertbar. Aufgrund der Komplexität des somatischen und
psychischen Krankheitsbildes sei die Prognose schlecht. Die beschriebene
Wahnsymptomatik könne gemäss den Aussagen des Dolmetschers nicht als ein
kulturelles Phänomen gewertet werden, da sie „nicht typisch“ sei. Eine Weiterführung
der beruflichen Eingliederung sei sinnlos; aus medizinischer Sicht sei dringend die
Zusprache einer Rente zu empfehlen. Das Zentrum für Schlafmedizin des
Kantonsspitals St. Gallen hatte am 12. Mai 2017 berichtet, der Versicherte leide an
einem mittelschweren obstruktiven Schlafapnoesyndrom sowie an einem schweren
restless legs-Syndrom (IV-act. 56). Die Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle
notierte im Januar 2018 (IV-act. 64), vorerst seien keine weiteren
Eingliederungsmassnahmen angezeigt, da gemäss einer Empfehlung des IV-internen
regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) zuerst der medizinische Sachverhalt mittels einer
Begutachtung weiter abgeklärt werden müsse.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die ZVMB GmbH am 18. Juli 2018 ein poly
disziplinäres Gutachten (IV-act. 75). Der neurologische Sachverständige hielt fest, die
Dolmetscherin habe ihm gegenüber ihr Erstaunen darüber geäussert, dass der
Versicherte weitaus konzentrierter als in früheren Untersuchungen gewirkt habe, bei
denen sie übersetzt habe. Damals habe er sich von Lärm ablenken lassen und geltend
gemacht, dieser sei sehr problematisch für ihn. Sie wundere sich darüber, dass er sich
diesbezüglich bei der aktuellen Untersuchung völlig anders verhalte. Objektiv habe sich
der Versicherte im Rahmen der neurologischen Untersuchung als ausgesprochen
A.b.
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freundlich, durchaus sehr humorvoll, gut schwingungsfähig, empathisch und in keiner
Weise angespannt oder nervös präsentiert. Abgesehen von Trommelschlegelfingern
und Trommelschlegelzehen hätten objektiv neurologisch keine Auffälligkeiten
festgestellt werden können. Auch neuropsychologisch hätten sich keine Auffälligkeiten
gezeigt. In einem Symptomvalidierungstest („Rey Memory Test“) habe ein nicht
authentisches Antwortverhalten festgestellt werden können. Die Angabe einer
„praktisch hochgradigen, fast kompletten Insomnie“ sei nicht nachvollziehbar. Im
Verlauf der Untersuchung hätten keine Ermüdungszeichen festgestellt werden können.
Die Laboranalyse habe gezeigt, dass der Versicherte die verordneten Medikamente
entgegen seiner ausdrücklichen Angaben nicht regelmässig einnehme. Ein knapp am
Übergang zur Grauzone liegender CDT-Wert lasse einen höheren fortgesetzten
Alkoholkonsum als nicht wahrscheinlich erscheinen. Die Ergebnisse der
Elektroneurographie seien unauffällig gewesen. Zusammenfassend seien aus
neurologischer Sicht keine Ursachen für eine Arbeitsunfähigkeit feststellbar gewesen.
Die psychiatrische Sachverständige führte aus, der Versicherte habe sehr ausführlich
erzählt, viele Fragen aber nur sehr unpräzise, weitschweifig und ausweichend
beantwortet. Die Schilderungen seien mehrheitlich vage gewesen. Der Versicherte
habe entspannt gewirkt. Die Kontaktaufnahme sei sofort und gut möglich gewesen.
Aufgefallen sei, dass der Versicherte ohne Überleitung auf die ihn störenden
„Ohrstimmen“ zu sprechen gekommen sei und andere (körperliche) Beeinträchtigungen
als nicht relevant respektive von untergeordneter Bedeutung erachtet habe. Es handle
sich nicht um kommentierende Stimmen; der Versicherte erhalte keine
Handlungsanweisungen. Der Wortlaut sei negativ besetzt und beziehe sich auf das
Verhalten des Versicherten. Es sei nicht der Eindruck entstanden, dass der Versicherte
dadurch wesentlich beeinträchtigt gewesen wäre. Die Aufmerksamkeit und die
Konzentration seien nicht reduziert gewesen. Hinweise auf eine Merkfähigkeits- oder
eine Gedächtnisstörung hätten nicht vorgelegen. Psychomotorisch habe der
Versicherte etwas unruhig gewirkt. Die affektive Stimmungslage sei erhalten gewesen.
Die emotionale Schwingungsfähigkeit sei nicht reduziert gewesen. Die
Persönlichkeitsstruktur sei unauffällig gewesen. Zwänge oder phobische Reaktionen
von Alltagsrelevanz hätten nicht festgestellt werden können. Die Willens- und
Antriebsbildung seien intakt gewesen. Der Realitätsorientierungssinn und der
Realitätsbezug seien erhalten gewesen. Der Versicherte habe angegeben, dass er sich
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eine leidensangepasste Tätigkeit im Umfang von etwa 70 Prozent zutraue. Aufgrund
der Untersuchungsbefunde und der Angaben in den Akten stehe fest, dass die
akustischen Halluzinationen die Konzentration und die Aufmerksamkeit des
Versicherten allenfalls geringfügig beeinträchtigten. Eine Rentenzusprache könnten sie
keineswegs begründen. Die Symptomatik bestehe unverändert seit 23 Jahren, habe
sich durch nichts beeinflussen lassen, habe aber den Versicherten in der Vergangenheit
nicht daran gehindert, regelmässig einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Eine
konsequente und kontinuierliche Behandlung sei nie erfolgt, sei möglicherweise auch
nicht erforderlich gewesen. Eventuell habe auch nie ein genügend hoher Leidensdruck
bestanden. Diagnostisch lägen eine nicht organische psychotische Störung mit
akustischen Halluzinationen, ein schädlicher Gebrauch von Alkohol bei einer
gegenwärtigen Abstinenz sowie eine angegebene nichtorganische Insomnie vor.
Wegen der leichten Einschränkungen der Flexibilität, der Umstellungsfähigkeit, der
Durchhaltefähigkeit, der Konzentrationsfähigkeit und der Gruppenfähigkeit sei eine
Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit von 20 Prozent zu attestieren. Der Versicherte
sei also zu 80 Prozent arbeitsfähig. Der allgemein-internistische Sachverständige hielt
fest, der Versicherte leide an einem Diabetes mellitus, an einer Hypertonie, an einem
Nikotinabusus, an einem Status nach einem chronischen Alkoholabusus sowie an einer
Dyslipidämie. Keine dieser Diagnosen wirke sich auf die Arbeitsfähigkeit aus. Der
pneumologische Sachverständige führte aus, der Versicherte leide an einem
mittelgradigen obstruktiven Schlafapnoesyndrom sowie an einem fortgesetzten
Nikotinabusus. Zudem bestehe der Verdacht auf eine COPD. Aus pneumologischer
Sicht sei er uneingeschränkt arbeitsfähig. Nach der Konsensbesprechung hielten die
Sachverständigen fest, auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten wirke sich nur die
nicht organische Störung mit akustischen Halluzinationen aus. Diese schränke die
Arbeitsleistung um maximal 20 Prozent ein. Das gelte sowohl für die angestammte als
auch für eine leidensadaptierte Tätigkeit. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung gelte
retrospektiv ab dem Austritt aus der stationären psychiatrischen Behandlung im Juli
2016. Der RAD-Arzt Dr. med. D._ qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-
act. 76).
Mit einer Mitteilung vom 28. August 2018 wies die IV-Stelle das Begehren um be
rufliche Massnahmen ab (IV-act. 79). Mit einem Vorbescheid vom 28. September 2018
A.c.
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teilte sie dem Versicherten mit, dass sie vorsehe, sein Rentenbegehren mangels eines
rentenbegründenden Invaliditätsgrades abzuweisen (IV-act. 84). Dagegen liess der nun
anwaltlich vertretene Versicherte am 23. November 2018 einwenden (IV-act. 91), das
Psychiatrie-Zentrum C._ und der Hausarzt hätten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
attestiert. Die Sachverständigen der ZVMB GmbH hätten sich offenkundig davon
täuschen lassen, dass der Versicherte seine tiefgreifenden Probleme mit Humor
geschildert habe. Ihm sei aber die Angelegenheit ausserordentlich peinlich gewesen
und er habe krankheitsimmanent eine eigentliche Auseinandersetzung mit der
Problematik nie angehen können. Der RAD-Arzt Dr. D._ empfahl am 14. Dezember
2018, die Sachverständigen um eine ergänzende Stellungnahme zu den Einwänden
des Versicherten zu ersuchen (IV-act. 92). Die IV-Stelle bot dem Versicherten die
Möglichkeit, Ergänzungsfragen zu stellen (IV-act. 93), wovon dieser am 8. Januar 2019
Gebrauch machte, allerdings mit dem Hinweis, die Beantwortung der Zusatzfragen
werde an der mangelnden Qualität des Gutachtens nichts ändern (IV-act. 95). In ihrer
ergänzenden Stellungnahme vom 26. März 2019 hielten die Sachverständigen der
ZVMB GmbH fest (IV-act. 103), sie hätten sich nochmals intensiv mit den Akten
befasst. Bezüglich des Berichtes des Psychiatrie-Zentrums vom 12. Oktober 2017 sei
darauf hinzuweisen, dass die darin erwähnte Medikation zur Behandlung einer echten
psychotischen Symptomatik nicht lege artis gewesen wäre. Erstaunlich sei auch die
Diskrepanz bezüglich des psychischen Befundes im Vergleich zu den nur wenige
Monate davor verfassten psychiatrischen Berichten. Auch hinsichtlich der
diagnostischen Einschätzung, der Prognose und der Arbeitsfähigkeitsschätzung stehe
der Bericht in einem diametralen Gegensatz zu den übrigen Akten. Überblicksmässig
wiesen die verschiedenen medizinischen Berichte teilweise erhebliche Unterschiede
bezüglich der Qualität und der Aussagekraft auf. Verschiedentlich sei weder eine
Konsistenzprüfung noch eine Absicherung gegenüber negativen Antwortverzerrungen
vorgenommen worden, was insbesondere deshalb zu bemängeln sei, weil der
Versicherte im Rahmen der Begutachtung zahlreiche Inkonsistenzen mit zum Teil nicht
authentischen Beschwerdeschilderungen und eingeschränkter Kooperation präsentiert
habe. In versicherungsmedizinischer Hinsicht seien die Arbeitsfähigkeitsschätzungen
teilweise nicht nachvollziehbar, da sie nicht mit hinreichend plausiblen und
versicherungsrechtlich adäquaten Begründungen versehen worden seien. Das
Gutachten sei nochmals einer eingehenden kritischen Würdigung unterzogen worden.
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Relevante Mängel hätten dabei nicht festgestellt werden können. Das Psychiatrie-
Zentrum C._ berichtete am 22. Mai 2019 (IV-act. 106–2 ff.), der Versicherte sei
durchgehend für jede Tätigkeit als vollständig arbeitsunfähig zu qualifizieren. Vom 24.
Oktober 2018 bis zum 14. November 2018 habe er sich für eine stationäre
psychiatrische Behandlung in der Psychiatrischen Klinik B._ befunden. Davor sei es
nach einer Tätlichkeit gegenüber der Ehefrau zu einer zehntägigen Wegweisung
gekommen. Der Bekannte, bei dem der Versicherte diese Zeit habe verbringen können,
habe die starke Unruhe des Versicherten bestätigt. Die ZVMB GmbH nahm auf
Ersuchen der IV-Stelle hin am 29. Oktober 2019 Stellung zum Bericht des Psychiatrie-
Zentrums C._ (IV-act. 118). Die Sachverständigen hielten fest, der Bericht enthalte
eine einfach verständliche, jedoch wenig differenzierte Aussage zur Diagnose einer
paranoiden Schizophrenie ohne jede differentialdiagnostische Diskussion.
Offensichtlich sei dem Verfasser die Stellungnahme der ZVMB GmbH vom 26. März
2019 nicht bekannt gewesen. Auffallend sei auch, dass im Bericht vornehmlich die
subjektiven Angaben des Versicherten wiedergegeben würden. Angesichts des
komplexen und problematischen medizinischen Sachverhaltes biete die ZVMB GmbH
eine Aktualisierung und Validierung des Gutachtens vom März 2018 mittels einer
erneuten Evaluation an. Der RAD-Arzt Dr. D._ empfahl am 8. November 2019 eine
entsprechende Verlaufsbegutachtung (IV-act. 121).
Am 2. November 2020 erstattete die ZVMB GmbH das von der IV-Stelle in Auftrag
gegebene polydisziplinäre Verlaufsgutachten (IV-act. 138). Die Sachverständigen
hielten fest, in neurologischer Hinsicht hätten sich objektiv keinerlei Hinweise für
relevante kognitive Beeinträchtigungen gezeigt. Die Auffassungsgabe und das
Antwortverhalten seien intakt gewesen, die Konzentration und die Merkfähigkeit seien
nicht erkennbar reduziert gewesen, es hätten auch keinerlei Zeichen einer Müdigkeit,
keine erhöhte Ermüdbarkeit und keine pathologische Tagesschläfrigkeit festgestellt
werden können. Die Prosodie, die Stimmkraft, das Sprachtempo und die
Sprachmodulation seien durchgängig kräftig, dynamisch und unbeeinträchtigt
gewesen. Die Gestik und die Mimik seien durchgängig gleichbleibend normal gewesen.
Andere neurologische arbeitsrelevante Störungen seien weiterhin nicht nachweisbar
gewesen. Der klinisch-neurologische Befund sei in jeder Hinsicht völlig unauffällig
gewesen. Auch aus pneumologischer Sicht hätten sich keine zusätzlichen Aspekte
A.d.
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ergeben, die die Arbeitsfähigkeit signifikant einschränken würden. Im Rahmen der
Spiroergometrie habe eine sehr gute Spitzenbelastbarkeit bei einer reduzierten
Ausdauerleistungsfähigkeit im Sinne einer Dekonditionierung festgestellt werden
können. Bezüglich des fortgesetzten Nikotinabusus sei jedoch eine COPD
objektivierbar, weshalb ein Stopp des Inhalationsrauchens dringend zu empfehlen sei.
Aus allgemein-internistischer Sicht hätten sich keine neuen Aspekte ergeben. Aufgrund
des Diabetes mellitus seien allenfalls Nachtschichtarbeiten ungünstig.
Zusammenfassend sei der somatische Gesundheitszustand seit der ersten
Begutachtung im Jahr 2018 unverändert geblieben. Bei der neuropsychologischen
Testung und bei der psychiatrischen Exploration hätten sich erneut deutliche Hinweise
für eine negative Antwortverzerrung gezeigt. Der Versicherte habe kognitive
Minderleistungen unklaren Ausmasses in mehreren Bereichen bei einem suboptimalen
Leistungsverhalten und diversen Inkonsistenzen gezeigt. Die Performanzvalidierung
habe mehrfach auffällige Resultate geliefert. Zudem hätten sich Diskrepanzen zwischen
den subjektiven Angaben und den Testergebnissen gezeigt. Beispielsweise habe der
Versicherte angegeben, dass er sich nicht genügend konzentrieren könne, um eine
Stunde fern zu sehen. In der zweistündigen Testung hätten sich jedoch keine
Konzentrationsprobleme gezeigt. Die Aufmerksamkeit sei stabil geblieben. In einem
einfachen Test habe der Versicherte mehrere Fehler gemacht, die komplexere Version
habe er fehlerfrei gelöst. Die nonverbalen Abrufleistungen seien schwer defizitär, die
verbalen dagegen unauffällig gewesen. Der klinische Eindruck sei insgesamt unauffällig
gewesen. Ähnlich diskrepant hätten sich die Angaben des Versicherten auch in der
psychiatrischen Exploration gezeigt. Der Versicherte habe geltend gemacht, er sei
aufgrund seiner depressiven Stimmung nicht arbeitsfähig. In der
Selbstbeurteilungsskala (Beck’sches Depressionsinventar) habe er Symptome
angegeben, die einer schweren depressiven Störung entsprechen würden. Im
klinischen Eindruck habe jedoch keine depressive oder affektive Störung festgestellt
werden können. Der Versicherte sei freundlich, euthym, sehr gut schwingungsfähig und
durchaus humorvoll gewesen. Er habe mehrfach laut gelacht und er sei stets
zugewandt und unauffällig in der interpersonellen Interaktion gewesen. In der
Gesamtschau hätten sich sowohl im Längs- als auch im Querschnitt durchgängig
deutliche Hinweise auf Inkonsistenzen mit einer negativen Antwort- und
Leistungsverzerrung gezeigt. Aus psychiatrischer Sicht müsse die medizinische
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Beurteilung im Vorgutachten angesichts der Ergebnisse der erneuten intensiven
psychiatrischen Exploration in Kenntnis des nun erweiterten Längsschnittverlaufs mit
vielfachen Inkonsistenzen revidiert werden. Die Diagnosen „nicht organische
psychotische Störung mit akustischen Halluzinationen“ und „schädlicher Gebrauch von
Alkohol“ in der Zeit nach der Eheschliessung des Versicherten liessen sich nicht länger
aufrecht erhalten. Die bei der Untersuchung anwesende Ehefrau des Versicherten habe
angegeben, dass sie während der Ehe nie einen Konsum von Alkohol in grösseren
Mengen bemerkt habe. Sie könne sich auch nicht erinnern, dass der Versicherte jeden
Abend Wein getrunken hätte, solange er noch gearbeitet habe. Auch später habe sie
dies nicht beobachtet. Nach dem Verlust der langjährigen Arbeitsstelle im Jahr 2009 sei
das Verhältnis zum Versicherten schwierig geworden. Er schimpfe regelmässig vor sich
hin. Den Haushalt besorge er nicht richtig. Sie müsse ihm alles sagen und immer
wieder alles erklären. Er schlafe schlecht, bewege sich wenig, gehe wenig nach
draussen und rauche viel. Er trinke den ganzen Tag Kaffee. Manchmal sei er aggressiv.
Der psychiatrische Sachverständige der ZVMB GmbH hielt fest, die Diagnose eines
schädlichen Gebrauchs von Alkohol lasse sich angesichts dieser fremdanamnestischen
Angaben nicht rechtfertigen. Bezüglich der psychotischen Störung mit akustischen
Halluzinationen sei auf die zahlreichen Inkonsistenzen in der aktuellen Begutachtung
sowie auch bei der ersten Begutachtung im Jahr 2018 hinzuweisen. In keinem der
früheren Berichte finde sich ein Hinweis auf ein Symptom einer psychotischen Störung.
Auch aktuell seien keine psychotischen Symptome objektivierbar gewesen. Die Angabe
eines Stimmenhörens rechtfertige für sich allein nicht die Diagnose einer schizophrenen
Psychose. Das Verhalten des Versicherten sei – abgesehen von seinem
„patriarchalischen und zum Teil auch gereizt-aggressiv anmutenden Gehabe“ – weder
absonderlich noch kulturfremd. Die Affektlage sei nicht abgestumpft, abgeflacht oder
inadäquat. Eine Vernachlässigung der körperlichen Hygiene sei nicht auszumachen.
Die Angaben zum angeblichen Stimmenhören seien in sich widersprüchlich und
widersprächen den aus der wissenschaftlichen Forschung gewonnenen Erkenntnissen.
Die Schizophrenie gehöre zu den schwersten psychischen Störungen überhaupt. Die
Entstehung sei multikausal determiniert. Die Symptome seien sehr vielfältig, was auf
massive Veränderungen der weissen Substanz im gesamten Gehirn zurückzuführen
sei. Besonders spezifisch für eine Schizophrenie seien Störungen des eigenen Ich-
Gefühls im Sinne einer Fremdsteuerung. Der Versicherte weise keines dieser
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B.
Symptome auf. Der objektive klinische Befund sei völlig unauffällig gewesen. Eine
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit könne nicht gestellt werden. Der
Versicherte leide an einer Persönlichkeitsakzentuierung mit narzisstischen und
emotional instabilen Anteilen sowie an Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung,
was seine Arbeitsfähigkeit aber nicht beeinträchtige. Aus psychiatrischer und auch aus
polydisziplinärer Sicht sei ihm die angestammte und auch jede andere körperlich
leichte bis mittelschwere Tätigkeit seit jeher uneingeschränkt zumutbar. Der RAD-Arzt
Dr. D._ qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 139).
Mit einem Vorbescheid vom 17. November 2020 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass sie (nach wie vor) die Abweisung des Rentenbegehrens mangels
eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 142). Der Versicherte
liess am 26. Februar 2021 die Zusprache einer ganzen Rente beantragen (IV-act. 151).
Mit einer Verfügung vom 12. April 2021 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des
Versicherten ab (IV-act. 152).
A.e.
Am 14. Mai 2021 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 12. April 2021 erheben (act. G 1 und G 6). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die
Zusprache einer ganzen Rente ab Mai 2017 und eventualiter die Rückweisung der
Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zur erneuten
Begutachtung. Zur Begründung führte er aus, der behandelnde Psychiater habe in
seiner Stellungnahme vom 12. Mai 2021 (vgl. act. G 1.3) das Gutachten der ZVMB
GmbH kritisiert. Er habe darauf hingewiesen, dass einzelne Inkonsistenzen keine
Rechtfertigung dafür seien, das gesamte Krankheitsbild als nicht authentisch abzutun.
Der Beschwerdeführer zeige in den Konsultationen durchwegs einen flachen Affekt, der
bei der Schilderung von zuletzt seltener gewordenen aggressiven Durchbrüchen
teilweise auch inadäquat wirke. Die Ehefrau habe angegeben, dass der
Beschwerdeführer häufig durch das Stimmenhören eingenommen sei, angefangene
Zigaretten liegen lasse, eine gefährliche Unachtsamkeit beim Gehen durch die Strassen
zeige etc. Bezüglich des realen Erlebens der akustischen Halluzinationen bestehe aus
Sicht der Behandler kein Zweifel. Die dadurch bedingten Verhaltensauffälligkeiten
B.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Da dieses Beschwerdeverfahren die Überprüfung der angefochtenen Verfügung auf
deren Rechtmässigkeit bezweckt, muss sein Gegenstand jenem des vorangegangenen
Verwaltungsverfahrens entsprechen. Dieses hat sich nach dem Abschluss der
beruflichen Eingliederungsmassnahmen am 28. August 2018 auf die Prüfung des
Rentenbegehrens vom Juni 2016 beschränkt. Folglich ist auch in diesem
Beschwerdeverfahren ausschliesslich zu prüfen, ob der Beschwerdeführer ab Juni
2016 respektive – unter Berücksichtigung des Art. 29 Abs. 1 IVG – ab dem 1.
Dezember 2016 einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung gehabt hat.
2.
hätten zum wiederholten Verlust von Arbeitsstellen und auch zu einem langjährigen
Alkoholmissbrauch geführt. Sogar die Verheiratung sei auf Druck der Familie als ein
Heilungsversuch erfolgt. Die Ehefrau habe keine auffallende Charakteränderung
beschrieben, aber auffallend seien die Gleichförmigkeit der Interaktionen und der
allgemeine Interessemangel.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 23. August 2021 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 8). Zur Begründung führte sie an, das Gutachten der ZVMB GmbH
sei in jeder Hinsicht überzeugend. Der RAD-Arzt Dr. D._ habe die Stellungnahme des
behandelnden Psychiaters vom 12. Mai 2021 als nicht nachvollziehbar qualifiziert (vgl.
IV-act. 161).
B.b.
Der Beschwerdeführer liess am 8. November 2021 an seinen Anträgen festhalten
(act. G 15). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 17).
B.c.
Gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person, die ihre
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen,
erhalten oder verbessern kann, die während eines Jahres ohne einen wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die
nach dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, einen Anspruch
auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität wird nach
Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
2.1.
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Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre.
Der Beschwerdeführer hat keine Berufsausbildung absolviert. Nach seiner Einreise
in die Schweiz hat er verschiedene Hilfsarbeiten verrichtet. Seine Validenkarriere
entspricht damit jener eines typischen Hilfsarbeiters, weshalb das Valideneinkommen
dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne entsprechen muss.
2.2.
Gestützt auf die beiden Gutachten der ZVMB GmbH steht mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer im
hier massgebenden Zeitraum ab dem 1. Dezember 2016 nicht an einer somatischen
Gesundheitsbeeinträchtigung gelitten hat, die seine Arbeitsfähigkeit wesentlich
beeinträchtigt hätte. Die entsprechenden Schlussfolgerungen in den internistischen,
pneumologischen und neurologischen Teilgutachten beruhen auf einer eingehenden
Aktenwürdigung und einer umfassenden Untersuchung des Beschwerdeführers und sie
sind überzeugend anhand der objektiven klinischen Befunde begründet worden.
2.3.
Der Beschwerdeführer hat keine konkreten Anhaltspunkte genannt, die gegen die
Überzeugungskraft des somatischen Teils der beiden Gutachten der ZVMB GmbH
sprechen würden. Er hat nur die psychiatrischen Teilgutachten kritisiert (auf die in der
nachfolgenden Erwägung eingegangen wird) und in einer generellen Weise geltend
gemacht, die Sachverständigen der ZVMB GmbH seien vorbefasst und damit befangen
gewesen. Sie hätten ja nach der ersten Begutachtung nicht einmal die
Ergänzungsfragen beantwortet. Zudem sei zu erwarten gewesen, dass sie bei der
zweiten Begutachtung lediglich ihre Schlussfolgerungen im ersten Gutachten
verteidigen würden. Tatsächlich haben die Sachverständigen der ZVMB GmbH aber
nach der ersten Begutachtung zweimal ausführlich Stellung zu den Ergänzungsfragen
der Beschwerdegegnerin und des Beschwerdeführers sowie zum Verlaufsbericht des
behandelnden Psychiaters vom 22. Mai 2019 genommen. Dabei haben sie die
medizinischen Akten nochmals eingehend gewürdigt. Sie haben sich intensiv mit den
gestellten Fragen befasst und detailliert aufgezeigt, weshalb sie nach wie vor von der
Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen im ersten Gutachten überzeugt gewesen sind. In
den beiden Stellungnahmen vom 26. März 2019 und vom 29. Oktober 2019 deutet
nichts darauf hin, dass die Sachverständigen lediglich ihre Schlussfolgerungen gegen
die Kritik des Beschwerdeführers und des behandelnden Psychiaters hätten
verteidigen wollen. Die Sachverständigen haben die Ergänzungsfragen der Parteien
und den Bericht des behandelnden Psychiaters vielmehr zum Anlass genommen, ihre
2.4.
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Schlussfolgerungen nochmals eingehend und kritisch auf deren Überzeugungskraft zu
überprüfen (wobei der Umfang und die Qualität der Ergänzungen im Vergleich zum
„üblichen Standard“ als überdurchschnittlich hoch qualifiziert werden müssen). Zudem
ist die psychiatrische Verlaufsbegutachtung von einem anderen Sachverständigen als
die psychiatrische Erstbegutachtung durchgeführt worden. Dieser Sachverständige
kann nicht als vorbefasst qualifiziert werden, da er ja an der ersten Begutachtung nicht
beteiligt gewesen ist. Das psychiatrische Verlaufsgutachten ist auch keine blosse
„Verteidigungsschrift“ für das erste psychiatrische Gutachten gewesen, was sich
insbesondere darin zeigt, dass der psychiatrische Sachverständige jenes als nicht
überzeugend bezüglich der Diagnosestellung und der Arbeitsfähigkeitsschätzung
qualifiziert hat. Zusammenfassend überzeugen die Vorbringen des Beschwerdeführers
bezüglich einer angeblichen Befangenheit der Sachverständigen der ZVMB GmbH
nicht.
In psychiatrischer Hinsicht besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen den
beiden Gutachten der ZVMB GmbH und den Berichten der behandelnden Psychiater.
Bei genauer Betrachtung erweisen sich die Berichte der behandelnden Psychiater
allerdings als wenig überzeugend. Nachdem der Beschwerdeführer in den Monaten
Januar bis und mit April 2017 bei einer beruflichen Abklärung in einem geschützten
Rahmen ein Vollpensum geleistet und dabei eine Arbeitsleistung erbracht hatte, die 70
Prozent einer normalen Arbeitsleistung im ersten Arbeitsmarkt entsprochen hatte,
behauptete das Psychiatrie-Zentrum C._ im Oktober 2017, der Beschwerdeführer sei
kaum leistungsfähig, habe bei der beruflichen Abklärung nur ein Pensum von 70
Prozent in einem geschützten Rahmen geleistet und dabei eine Arbeitsleistung gezeigt,
die in der freien Wirtschaft praktisch wertlos sei. Augenscheinlich haben sich die
behandelnden Ärzte nicht die Mühe gemacht, den (nur wenige Seiten umfassenden)
Bericht des Einsatzbetriebes genau durchzulesen. Sie dürften zudem massgeblich von
den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers, die sie offenbar völlig unkritisch für
bare Münze genommen haben, beeinflusst gewesen sein. Obwohl sie in ihrem Bericht
keine objektiven klinischen Befunde angeführt haben, die die Diagnosestellung oder die
Arbeitsfähigkeitsschätzung hätten begründen können, haben sie „dringend“ die
Zusprache einer Rente empfohlen, was den bereits aufgrund des
Behandlungsauftrages bestehenden Verdacht auf eine Befangenheit erhärtet. Wie die
Sachverständigen der ZVMB GmbH überzeugend aufgezeigt haben, haben die
nachfolgenden Berichte des Psychiatrie-Zentrums C._ keine relevanten neuen
Informationen enthalten. Die Stellungnahme des Psychiatrie-Zentrums C._ vom 12.
Mai 2021 zum Verlaufsgutachten der ZVMB GmbH überzeugt ebenfalls nicht. Der
behandelnde Psychiater hat zwar eingeräumt, dass Inkonsistenzen zu beobachten
2.5.
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seien, aber er hat das Ausmass dieser Inkonsistenzen heruntergespielt, obwohl sich
den beiden Gutachten der ZVMB GmbH entnehmen lässt, dass die zahlreichen
Inkonsistenzen das Beschwerdebild eindeutig dominiert haben. Wie der RAD-Arzt Dr.
D._ überzeugend aufgezeigt hat, hat der behandelnde Psychiater in seiner
Stellungnahme vom 12. Mai 2021 – wenn auch „verschlüsselt“ – einräumen müssen,
dass die Kriterien für die Diagnose einer psychotischen oder schizophrenen Störung
nicht vollumfänglich erfüllt seien. Trotzdem hatte er in den vorangegangenen Berichten
entsprechende Diagnosen gestellt. Objektive klinische Befunde, die die von ihm
postulierte vollständige Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers hätten begründen
können, sind von ihm nicht genannt worden. Er hat lediglich auf eigen- und
fremdanamnestische Angaben zu einem angeblichen „Eingenommensein“ des
Beschwerdeführers und auf eine Affektverflachung hingewiesen. Den detaillierten
Schilderungen der Sachverständigen der ZVMB GmbH lässt sich allerdings
entnehmen, dass der Beschwerdeführer bei beiden Begutachtungen in den Jahren
2018 und 2020 nicht „affektverflacht“ gewesen ist. Damit ist also nur eine weitere
Inkonsistenz belegt. Bezüglich des „Eingenommenseins“ ist darauf hinzuweisen, dass
der Beschwerdeführer immer wieder angegeben hat, er leide seit über 20 Jahren unter
dem „Stimmenhören“, das sich in der ganzen Zeit nie in irgendeiner Weise verändert
habe. Der Beschwerdeführer müsste also schon vor über 20 Jahren massiv davon
eingenommen gewesen sein. Er ist in dieser Zeit aber fähig gewesen, jahrelang zur
Zufriedenheit seines Arbeitgebers zu arbeiten und auch bei der dreimonatigen
beruflichen Abklärung eine hohe Arbeitsleistung bei einem weitgehend unauffälligen
Verhalten zu erbringen. Zusammenfassend weicht die Sachverhaltsdarstellung der
behandelnden Ärzte also erheblich von den in den übrigen Akten geschilderten
Tatsachen ab, was wohl mit einer Befangenheit im Zusammenhang mit dem
Behandlungsauftrag erklärt werden muss. Die beiden Sachverständigen der ZVMB
GmbH und die Neuropsychologin der ZVMB GmbH haben den Beschwerdeführer und
auch dessen Ehefrau eingehend befragt. Sie haben die subjektiven Angaben und die
von ihnen erhobenen objektiven klinischen Befunde ausführlich wiedergegeben und sie
haben sich eingehend mit den Vorakten befasst. Aus den beiden Gutachten der ZVMB
GmbH (und aus den entsprechenden Hinweisen in den somatischen Teilgutachten)
geht hervor, dass der objektive klinische psychische Befund des Beschwerdeführers
unauffällig gewesen ist. Die vielfältigen, detailliert beschriebenen Inkonsistenzen haben
denn auch mehrheitlich aus der Diskrepanz zwischen diesem unauffälligen objektiven
Befund und der Behauptung des Beschwerdeführers hergerührt, an massiven
Beschwerden zu leiden. Im Rahmen der Verlaufsbegutachtung hat der psychiatrische
Sachverständige der ZVMB GmbH überzeugend aufgezeigt, dass bei der ersten
Begutachtung dem geltend gemachten Stimmenhören zu viel Gewicht beigemessen
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3.
Die angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzu
setzenden Gerichtskosten wären an sich dem unterliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege ist er aber von
der Pflicht, die Gerichtskosten zu bezahlen, befreit. Da ihm auch die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung bewilligt worden ist, hat der Staat seinem Rechtsvertreter eine
Entschädigung auszurichten, die 80 Prozent des erforderlichen Vertretungsaufwandes
abdeckt (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Dieser ist als insgesamt deutlich unterdurchschnittlich
zu qualifizieren, weil der massgebende Sachverhalt dem Rechtsvertreter aus dem
Verwaltungsverfahren bereits bestens bekannt gewesen ist. Die Entschädigung ist
deshalb auf 80 Prozent von 3’000 Franken, also auf 2’400 Franken, festzusetzen.
Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird der
Beschwerdeführer zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der
Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können
(Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).
worden sei, was umso schwerer wiege, weil der Untersuchungsbefund bereits damals
von vielen Inkonsistenzen geprägt gewesen sei. Er hat auch für medizinische Laien
verständlich und überzeugend dargelegt, dass keine Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit hat gestellt werden können und dass deshalb auch keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit hat attestiert werden können. Widersprüche oder
Ungereimtheiten sind nicht auszumachen. Die Begründung ist ausführlich,
nachvollziehbar und überzeugend. Die Akten enthalten keine Hinweise, die ernsthafte
Zweifel an diesen Schlussfolgerungen wecken würden. Folglich steht gestützt auf das
in jeder Hinsicht überzeugende Verlaufsgutachten der ZVMB GmbH mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der
Beschwerdeführer im gesamten hier massgebenden Zeitraum ab dem 1. Dezember
2016 nicht in seiner Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt gewesen ist.
Bei einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für zumindest leichte bis
mittelschwere Hilfsarbeiten ist der Beschwerdeführer in der Lage, ein dem statistischen
Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne und damit auch dem Valideneinkommen
entsprechendes Invalideneinkommen zu erzielen. Das bedeutet, dass er nicht
rentenspezifisch invalid ist (Invaliditätsgrad von null Prozent). Die angefochtene
Verfügung erweist sich damit als rechtmässig, weshalb die Beschwerde abzuweisen
ist.
2.6.
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