Decision ID: 46d1bda3-3adf-4dd3-ba95-55fb6b9dffe9
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 11. August 2016 in der Schweiz um
Asyl nach. Sie konnte sich am 16. August 2016 im Rahmen der Befragung
zur Person (BzP) insbesondere zu ihren familiären Verhältnissen, zum Rei-
seweg und summarisch zu ihren Asylgründen äussern (SEM-Akte A4/12).
Am 23. Juli 2018 fand die vertiefte Anhörung zu ihrem Asylgesuch statt
(SEM-Akte A14/23).
Zu ihrem persönlichen Hintergrund brachte sie im Wesentlichen vor, sie sei
iranische Staatsangehörige kurdischer Ethnie und in B._ (Irak) ge-
boren worden. Seit dem ersten Lebensjahr sei sie in C._ aufge-
wachsen und habe dort auf dem Gelände der Partei Hizb-i Demokrati Kur-
distan (Demokratische Partei Kurdistan, KDP-I) gelebt. Sie habe das Gym-
nasium in C._ abgeschlossen, danach an einem Bildungsinstitut in
D._ ein (...)studium besucht und dieses mit Diplom abgeschlossen.
Sie habe keine Arbeit finden können und zuletzt im Rahmen der Partei eh-
renamtlich bei der (...)abteilung gearbeitet.
Als Begründung ihres Asylgesuches machte sie zur Hauptsache geltend,
ihr Leben sei im Irak von den iranischen Behörden bedroht gewesen. Nach
Veröffentlichungen von Bombendrohungen habe sie jeweils ihr Haus ver-
lassen müssen. Sie sei Mitglied in der KDP-I gewesen und habe sich aktiv
für die Partei engagiert. Es habe immer wieder Drohungen gegen die Partei
gegeben und sie habe sich nie sicher gefühlt. Da sie unter anderem im
E._ gearbeitet habe, der als Hauptstimme der Partei gegolten habe,
sei sie von einer Person namens H. bedroht worden. Ihr Vater habe in der
Folge entschieden, dass sie das Land verlassen sollte. Anfangs des Mo-
nats Juli 2016 habe sie das irakische Kurdistan illegal Richtung Türkei ver-
lassen. Danach sei sie nach Griechenland gelangt und habe auf dem See-
weg Italien erreicht. Am 10. August 2016 sei sie schliesslich illegal in die
Schweiz eingereist.
Nach ihrer Ausreise aus dem Irak sei es zu Anschlägen auf das Hauptquar-
tier der KDP-I gekommen, wobei mehrere Personen getötet und mehrere
verletzt worden seien. In der Schweiz sei sie ebenfalls für die Partei aktiv.
Sie sei die Präsidentin der Jugendunion der Partei und nehme an Semina-
ren, Versammlungen und Protestaktionen teil. Zudem habe sie an einer
Sitzung bei der UNO teilgenommen.
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Zur Stützung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin dem SEM
verschiedene als Beweismittel bezeichnete Dokumente und Unterlagen
ein. Auf diese ist, soweit notwendig, in den nachstehenden Erwägungen
einzugehen.
B.
Mit Verfügung vom 2. März 2020 stellte das SEM fest, die Beschwerdefüh-
rerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab und
ordnete ihre Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an, wobei
der Vollzug der Wegweisung in den Iran nicht zumutbar sei.
Zur Begründung führte die Vorinstanz aus, da sich die Beschwerdeführerin
nie im Iran aufgehalten habe, könne das SEM keine Verfolgung im Iran
erkennen. Sie könne auch aus dem Umstand, dass ihre Eltern aufgrund
ihrer politischen Tätigkeiten den Iran hätten verlassen müssen, für sich
keine Asylrelevanz ableiten. Demzufolge sei es im Iran nicht zu staatlichen
oder nicht-staatlichen Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG
(SR 142.31) gegen die Beschwerdeführerin gekommen. Bei offensichtlich
fehlender Asylrelevanz könne darauf verzichtet werden, auf allfällige Un-
glaubhaftigkeitselemente in ihren Vorbringen einzugehen; hier sei anzu-
merken, dass es erstaune, wie wenig sie über die Tätigkeiten·ihrer Eltern
im Iran habe erzählen können beziehungsweise wisse.
Hinsichtlich des Vorbringens der Beschwerdeführerin, sie sei aufgrund ih-
rer Zugehörigkeit zur Partei KDP-I, aufgrund ihrer Tätigkeiten für die Partei
im Nordirak und ihrer Arbeit für den E._ bedroht worden, stellte das
SEM fest, dass daraus ebenfalls keine gegen ihre Person zielgerichtete
Bedrohung durch die iranischen Behörden festgestellt werden könne. In
der Erstbefragung habe sie angegeben, sie sei Mitglied der Partei und für
diese aktiv gewesen. Es sei immer wieder zu Drohungen gegen die Partei
gekommen. Sie habe sodann zu Protokoll gegeben, dass, wenn es irgend-
eine Gefahr für ihre Partei gegeben habe, habe diese Gefahr auch für sie
existiert. Die Frage, ob sie jemals persönlich konkret bedroht worden sei,
habe sie sodann in der Erstbefragung verneint. In der Anhörung habe sie
zunächst angegeben, sie sei von einer Person namens H. bedroht worden.
Alle Parteimitglieder seien von den iranischen Behörden unter Drohung ge-
standen. Für sie sei die Situation im Nordirak besonders gefährlich gewe-
sen, da sie für den E._ gearbeitet habe. Hinsichtlich ihrer Aussage,
sie sei besonders gefährdet gewesen, sei festzuhalten, dass es sich hier-
bei um eine blosse Vermutung ihrerseits handle. Sie habe sich sodann
auch in der Anhörung dahingehend geäussert, keine konkrete persönliche
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Bedrohung erfahren zu haben. Sie habe an verschiedenen Stellen ausge-
führt, die Partei als Gesamtes sei bedroht gewesen.
Sie habe somit geltend gemacht, im Nordirak exilpolitisch tätig gewesen zu
sein. Den Akten sei zwar zu entnehmen, dass sie für die Partei tätig gewe-
sen sei. Diese Tätigkeiten seien aber gemäss ihren Aussagen von einer
jeweils kurzen Dauer gewesen. Ohne ihr ihr politisches Interesse für die
KDP-I abzusprechen, weise ihr Aussageverhalten darauf hin, dass sie da-
mals mangels besserer Möglichkeiten für die KDP-I tätig gewesen sei, da
es keine Arbeit gegeben habe. Zu ihren Tätigkeiten für die Partei sei zudem
festzuhalten, dass diese nicht derart gewesen seien, um von einem gestei-
gerten lnteresse der iranischen Behörden·an ihrer Person auszugehen. Sie
habe für den E._ die Nachrichten vorbereitet, unter anderem um
dem Sprecher das Ablesen zu vereinfachen, und sie sei bei der Vorberei-
tung des Inhalts der Nachrichten behilflich gewesen. Da sie Fotografin ge-
wesen sei, habe sie auch auf diesem Gebiet tätig sein können. Sie habe
zudem für die (...) F._ gelegentlich als Dolmetscherin agiert. Sie
habe auch im Bereich der Organisation von Seminaren gearbeitet und
habe Aufgaben im Bereich "Tippen" übernommen. Das SEM bezweifle
nicht, dass sie als Kind von iranischen Parteimitgliedern aufgewachsen
und somit ein aktiver Teil der Partei gewesen sei. Jedoch könnten ihre zeit-
weiligen Tätigkeiten für die Partei weder als besonders qualifiziert bezeich-
net werden noch sei sie bei deren Ausübung in besonderem Ausmass ex-
poniert gewesen, sodass sie aus der Masse der regimekritischen irani-
schen Staatsangehörigen hervorgetreten wäre und sie dementsprechend
als ernsthafte Bedrohung für das iranische Regime wahrgenommen würde.
Hierzu sei auch festzuhalten, dass ihre Schilderungen betreffend ihre kon-
kreten Aktivitäten für die KDP-I im Nordirak weitestgehend unsubstanziiert
gewesen seien. Sie sei kaum in der Lage gewesen, ein stimmiges Bild ihrer
Arbeitsfelder zu skizzieren. Diese ungenauen Angaben würden das·SEM
in den Erwägungen bestätigen, wonach sie sich nicht politisch exponiert
habe. Weiter sei auch festzuhalten, dass ihre Familienangehörigen nach
wie vor im Nordirak leben und ihre Geschwister zur Schule und zur Univer-
sität gehen würden. Zudem habe sie diverse Tanten und Onkel, die trotz
der politischen Tätigkeiten ihrer Familie unbeschwert im Iran leben könn-
ten. Gemäss ihren Aussagen sei ein Onkel auch problemlos in den Nord-
irak gekommen und habe sie besuchen können. Es sei vor diesem Hinter-
grund nicht erkennbar, dass sie in besonderem Masse politisch aktiv ge-
wesen sei beziehungsweise ihre Aktivitäten oder diejenigen ihrer Eltern
das Interesse der iranischen Behörden geweckt hätten. Daran vermöchten
die von ihr eingereichten Dokumente und Beweismittel nichts zu ändern,
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da ihr ihre Parteizugehörigkeit im Nordirak nicht abgesprochen werde. Ihre
exilpolitischen Aktivitäten im Nordirak seien folglich ungeeignet, um sub-
jektive Nachfluchtgründe zu begründen, da sie nicht über ein politisches
Profil verfüge, welches sie·bei einer Rückkehr in den Iran einer konkreten
Gefährdung nach Art. 3 AsylG aussetzen würde. Infolge fehlender Asylre-
levanz könne auf die Abhandlung allfälliger Unglaubhaftigkeitselemente
verzichtet werden.
In Bezug auf ihre politischen Tätigkeiten in der Schweiz sei analog zu ihren
Tätigkeiten für die KDP-I im Nordirak festzustellen, dass diese nicht derart
seien, um von einem politischen Profil ihrerseits auszugehen, welches sie
aus der Masse der regimekritischen iranischen Staatsangehörigen heraus-
treten lassen und als Gefahr für das politische System des Irans darstellen
würde. Ihre exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz seien folglich unge-
eignet, um subjektive Nachfluchtgründe zu begründen, da sie nicht über
ein politisches Profil verfüge, welches sie bei einer Rückkehr in den Iran
einer konkreten Gefährdung nach Art. 3 AsylG aussetzen würde. Bezüglich
der entsprechenden Argumentation im Einzelnen ist auf die angefochtene
Verfügung zu verweisen und, soweit notwendig, in den nachfolgenden Er-
wägungen einzugehen.
Das SEM führte sodann aus, aufgrund der Aktenlage sei die Wegweisung
(recte: der Wegweisungsvollzug) in den Iran als nicht zumutbar zu erach-
ten.
Demgegenüber sei der Wegweisungsvollzug in ihren Herkunftsstaat Nord-
irak zumutbar. Weder die in ihrem Herkunftsstaat herrschende politische
Situation noch andere Gründe sprächen gegen die Zumutbarkeit der Rück-
führung dorthin. Gemäss ihren Angaben habe sie ihr gesamtes Leben im
Nordirak verbracht. Sie sei zur Schule gegangen und habe nach ihrem
Schulabschluss weiterführende Ausbildungen verfolgt. Im Nordirak würden
nach wie vor ihre Eltern und Geschwister leben, mit denen sie häufig Kon-
takt habe. Da ihre Familie und sie mit der Partei KDP-I eng vernetzt seien,
sei davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr einerseits durch ihre
Familie und anderseits von der Partei Unterstützungsleistungen bei der so-
zialen und wirtschaftlichen Reintegration im Nordirak erhalten könne. Sie
habe zwar angegeben, die wirtschaftliche Situation der Familie sei im Mo-
ment schwierig und diese würde von der Partei und von einem im lran
wohnhaften Onkel unterstützt. Sie habe an einer anderen Stelle aber an-
gegeben, ihre Geschwister könnten die Schule beziehungsweise das Stu-
dium an der Universität verfolgen. Vor diesem Hintergrund sei nicht davon
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auszugehen, sie würde bei einer Rückkehr in den Nordirak keine Unter-
stützung erhalten und ihre materielle Existenz wäre bedroht. Zudem sei
auch festzuhalten, dass sie eine junge gesunde Frau sei und über einen
gewissen Bildungsstandard verfüge. Es sei dementsprechend davon aus-
zugehen, dass bei einer Rückkehr in den Nordirak einer beruflichen Tätig-
keit nichts im Wege stehe. Sie habe zwar angegeben, iranische Staatsan-
gehörige, zu sein, den Akten sei aber zu entnehmen, dass sie durch die
Partei über eine Aufenthaltsbewilligung verfügt habe. Sie habe die Schule
und einen höheren Schulabschluss absolvieren können. Diesbezüglich
habe sie sodann auch angegeben, es habe keine merkbaren Unterschiede
in der Behandlung von iranischen Flüchtlingen oder irakischen Staatsan-
gehörigen gegeben. Es sei daher davon auszugehen, dass sie bei einer
Rückkehr in den Nordirak die Aufenthaltsbewilligung erneut erlangen
könne, sofern sie diese nicht bereits dauerhaft erhalten habe.
Demzufolge sei der Vollzug ihrer Wegweisung in ihren Herkunftsstaat zu-
mutbar.
Ausserdem sei der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und prak-
tisch durchführbar.
C.
Mit Schreiben vom 18. März 2020 teilte der rubrizierte Rechtsvertreter dem
SEM mit, dass die Beschwerdeführerin ihn mit der Wahrung ihrer Interes-
sen beauftragt habe, reichte eine Vollmacht vom 17. März 2020 ein und
ersuchte um vollständige Einsicht in die gesamten Asylakten.
D.
Mit Schreiben vom 23. März 2020 gewährte das SEM der Beschwerdefüh-
rerin beziehungsweise ihrem Rechtsvertreter Akteneinsicht. Dabei hielt das
SEM fest, in die Aktenstücke A2, A3, A5, A7, A8, A11 und A23 könne keine
Einsicht gewährt werden, weil wesentliche öffentliche oder private Interessen
die Geheimhaltung erfordern (Art. 27 VwVG) oder es sich um interne Akten
handeln würde, die nach der bundesgerichtlichen Praxis dem Akteneinsichts-
recht nicht unterstehen würden (BGE 115 V 297 E. 2g und BVGE 2011/37
E. 5.4).
E.
Die Beschwerdeführerin gelangte durch ihren Rechtsvertreter mit Rechts-
mitteleingabe vom 2. April 2020 an das Bundesverwaltungsgericht und
liess die Verfügung des SEM vom 2. März 2020 vollumfänglich anfechten.
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Im Einzelnen wurde beantragt, es sei der Beschwerdeführerin vollumfäng-
lich Einsicht in die Akte A11/2 sowie in sämtliche Beweismittel inklusive ak-
tualisiertem Beweismittelverzeichnis zu gewähren. Eventualiter sei das
rechtliche Gehör zu den erwähnten Akten zu gewähren. Nach der Gewäh-
rung der Akteneinsicht und eventualiter des rechtlichen Gehörs sei ihr eine
angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzuset-
zen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung des SEM vom 2. März
2020 aufzuheben und die Sache dem SEM zur vollständigen und richtigen
Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur
Neubeurteilung zurückzuweisen. Eventualiter sei die Verfügung des SEM
vom 2. März 2020 aufzuheben und es sei die Flüchtlingseigenschaft der
Beschwerdeführerin festzustellen und ihr Asyl zu gewähren. Eventualiter
sei die Verfügung des SEM vom 2. März 2020 aufzuheben und es sei die
Beschwerdeführerin als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Eventualiter sei
die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs betreffend die Beschwerde-
führerin festzustellen und sie sei vorläufig aufzunehmen. Eventualiter sei
die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs betreffend die Beschwerde-
führerin festzustellen und sie sei vorläufig aufzunehmen. Eventualiter sei
die Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs betreffend die Beschwerde-
führerin festzustellen und sie sei vorläufig aufzunehmen.
In prozessrechtlicher Hinsicht wurde darum ersucht, es sei auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die Beschwerdeführerin
sei von der Bezahlung der Verfahrenskosten zu befreien. Eventualiter sei
eine angemessene Frist zur Einreichung der Sozialhilfebestätigung bezie-
hungsweise zur Bezahlung eines Gerichtskostenvorschusses anzusetzen.
Mit der Beschwerde wird gerügt, das SEM habe den Anspruch auf Akten-
einsicht sowie den Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV)
schwerwiegend verletzt. Hierzu wird dem SEM vorgehalten, es habe in ver-
schiedener Hinsicht die korrekte Aktenführungspflicht verletzt, so etwa
durch mangelhafte Bezeichnung von Aktenstücken, durch nicht korrekte
und vollständige Nummerierung von Beweismitteln oder unkorrekte Pagi-
nierung von Akten. Der grosse Umfang von eingereichten Beweismitteln
entbinde das SEM nicht von der Pflicht der vollständigen Abklärung des
Sachverhalts, der vollständigen und korrekten Aktenführung sowie vom
entsprechenden Aufwand. Weiter habe das SEM das Akteneinsichtsrecht
verletzt, wobei insbesondere festzuhalten sei, dass die dem unterzeich-
nenden Rechtsanwalt zugestellten Aktenkopien – soweit erkennbar – die
Beweismittel 13 und 14 (Dokument E._ und Bericht KDP) gar nicht
enthalten würden.
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Weiter habe das SEM die Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung
des rechtserheblichen Sachverhalts verletzt. Hierzu wird eine Reihe von
Aspekten und insbesondere von Beweismittel angeführt, die das SEM gar
nicht oder falsch gewürdigt habe. Auch habe es das SEM versäumt, an-
lässlich der Anhörung die Beschwerdeführerin in verschiedenen Punkten
näher zu befragen, um den vollständigen rechtserheblichen Sachverhalt
erfassen zu können.
Zur Verletzung der Abklärungspflicht sei zudem auf das folgende Haupt-
thema zu verweisen: Das SEM behaupte in der angefochtenen Verfügung
im Rubrum, die Beschwerdeführerin besitze eine Alias-Identität mit der
Staatsangehörigkeit Irak. Diese Behauptung habe das SEM in den Erwä-
gungen der angefochtenen Verfügung mit keinem Wort genauer begründet.
Weiter werde die Verletzung insbesondere von Art. 3 und Art. 7 AsylG so-
wie von Art. 3 und 4 EMRK und Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) ge-
rügt.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, bereits auf den ersten
Blick sei offensichtlich, dass die Beschwerdeführerin über ein herausragen-
des Profil verfüge. Es sei schlicht nicht nachvollziehbar, wie das SEM zur
Behauptung gelangt sei, ihr drohe im Iran keine asylrelevante Verfolgung.
Es sei offensichtlich, dass sie über ein derart exponiertes Profil verfüge,
dass sie zwingend als Flüchtling anzuerkennen sei. Wie im Detail dargelegt
werde, habe es das SEM unterlassen, diese Ausgangslage zu würdigen.
Es sei schlicht absurd zu behaupten, dass eine nach aussen derart erkenn-
bare Vertreterin der KDP-I im Nordirak bei der erstmaligen Einreise in ihr
Heimatland im Iran nicht gezielt verfolgt würde. Es sei offensichtlich, dass
die angefochtene Verfügung zwingend aufgehoben und die Sache zur voll-
ständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts so-
wie zur Neubeurteilung an das SEM überwiesen werden müsse.
Es stehe (nach entsprechenden Ausführungen in der Beschwerde) somit
fest, dass vorliegend das ganze Prüfschema des SEM in der angefochte-
nen Verfügung versagt habe: Auf der Seite 4 habe das SEM unter Ziffer 1
bereits vorab behauptet, es könne keine Verfolgung der Beschwerdeführe-
rin im Iran erkennen, da diese sich nie im Iran aufgehalten habe. Diese
Formulierung des SEM illustriere, dass es die zentrale Ausgangslage vor-
liegend nicht verstanden habe. Während des ganzen Asylverfahrens habe
sich die Beschwerdeführerin aufwändig und mit zahlreichen Ausführungen
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und Unterlagen darum bemüht aufzuzeigen, dass sie eben im Iran verfolgt
werde, sobald sie dorthin zurückkehre.
Die gesamte Argumentation des SEM in der angefochtenen Verfügung er-
wecke den Eindruck, dass es sich nicht konkret mit der Frage der Rückkehr
der Beschwerdeführerin (in den Iran) und der damit einhergehenden Ge-
fährdung beschäftigt habe. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass
das SEM in der angefochtenen Verfügung unter Ziffer 5 den Vollzug der
Wegweisung in den Iran als unzumutbar bezeichnet habe. Offenbar habe
sich das SEM dadurch dazu verleiten lassen, die Frage der Gefährdung
der Beschwerdeführerin bei der Rückkehr in den Iran gar nicht konkret zu
würdigen. Vielmehr habe sich das SEM letztlich nur darauf beschränkt zu
prüfen, ob die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Ausreise aus dem Irak
gezielt asylrelevant verfolgt gewesen sei. Wie in der Beschwerde präzisiert
werde, sei auch dies der Fall. Zur konkreten Gefährdung der Beschwerde-
führerin im Zeitpunkt der Ausreise aus dem Irak wurde ausgeführt, sie habe
ihre Gefährdung sehr konkret und detailliert auf den Punkt gebracht: „Es
gab direkte Drohungen, dass unsere Unterkunft bombardiert wird. Ich hatte
Aktivitäten für meine Partei gemacht. Ich war Mitglied bei dieser Partei.
Wenn es irgendeine Gefahr für die Partei gab, dann existierte diese Gefahr
auch für mich." Wie aus den Akten unzweifelhaft hervorgehe, hätten die
iranischen Behörden – insbesondere die Revolutionsgarden – die Drohun-
gen wiederholt wahrgemacht und den Hauptsitz der KDP-I (im Irak) ange-
griffen. Es sei somit offensichtlich, dass die sich am Hauptsitz der KDP-I
befindenden Personen einer konkreten asylrelevanten Verfolgung ausge-
setzt gewesen seien und (nach wie vor) ausgesetzt seien. Dazu sei insbe-
sondere festzuhalten, dass sich diese Verfolgung gegen sämtliche Perso-
nen der KDP-I am Hauptsitz in G._ im Nordirak richten würde. Ganz
besonders richte sich diese Verfolgung jedoch gegen sämtliche sich be-
sonders politisch betätigenden Personen, wozu offensichtlich auch die Be-
schwerdeführerin gehört habe und gehöre.
Für den Fall, dass die Flüchtlingseigenschaft im Zeitpunkt der Flucht der
Beschwerdeführerin aus dem Nordirak verneint werden sollte, wäre zwin-
gend die Flüchtlingseigenschaft im heutigen Zeitpunkt festzustellen. Es sei
offensichtlich, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft
auch aufgrund ihrer exilpolitischen Tätigkeiten erfülle. Sie engagiere sich
in der Schweiz sehr intensiv und trete unter ihrem richtigen Namen promi-
nent in Erscheinung. Es sei offensichtlich, dass sie im Fall der Rückkehr in
den Iran zusätzlich zum Profil vor der Flucht aus dem Irak auch wegen
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ihren exilpolitischen Tätigkeiten als Flüchtling anzuerkennen und vorläufig
aufzunehmen wäre.
Für den Fall, dass die Flüchtlingseigenschaft nicht bejaht werden sollte,
wäre in schwieriger Abgrenzung die Unzulässigkeit des Wegweisungsvoll-
zugs wegen drohender Verletzung von Art. 3 EMRK wegen unmenschli-
cher Behandlung nach der Rückkehr der Beschwerdeführerin festzustel-
len. Sie wäre deshalb vorläufig aufzunehmen.
An dieser Stelle sei festzuhalten, dass die Wegweisung der Beschwerde-
führerin in den Irak ausgeschlossen sei, falls sie als Flüchtling anerkannt
würde. Ihr würde aus dem Irak eine Weiterabschiebung in den Iran drohen.
Sie wäre im Irak nicht in Sicherheit. Die Ausschaffung in den Irak würde
gegen das Rückschiebeverbot gemäss Art. 5 AsylG verstossen. Der Weg-
weisungsvollzug in den Irak wäre unzulässig, falls wider Erwarten von ei-
nem Aufenthaltstitel oder sogar von einer Staatsangehörigkeit im Irak aus-
gegangen werden sollte.
Falls nicht die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festgestellt wer-
den sollte, müsste sie wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
vorläufig aufgenommen werden. Ihr drohe im Nordirak eine konkrete Ge-
fährdung an Leib und Leben, was sie offensichtlich daran hindern würde,
sich eine Existenz aufzubauen. Die Beschwerdeführerin habe jahrelang to-
leriert im Nordirak gelebt. Sie könne sich jedoch als Flüchtling aus dem Iran
keine Existenz aufbauen. Eine Rückkehr in den Hauptsitz der KDP-I sei
aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen. Der Wegweisungsvollzug in den
Irak würde sich somit als unzumutbar erweisen und sie müsste vorläufig
aufgenommen werden.
Die Behauptung des SEM betreffend die angebliche Möglichkeit der Be-
schwerdeführerin, im Nordirak eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten, sei
willkürlich und aktenwidrig. Eventualiter müsste die Unmöglichkeit des
Wegweisungsvollzugs der Beschwerdeführerin festgestellt werden. Das
SEM behaupte in aktenwidriger Weise, sie könne im Irak eine Aufenthalts-
bewilligung erlangen und dorthin ausgeschafft werden. Diese Behauptung
sei falsch. Der Wegweisungsvollzug der Beschwerdeführerin in den Irak
würde sich vielmehr als unmöglich erweisen. Sie müsste deshalb vorläufig
aufgenommen werden.
Mit der Rechtsmitteleingabe wurden verschiedene als Beweismittel be-
zeichnete Unterlagen zu den Akten gereicht.
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F.
Mit Zwischenverfügung vom 15. April 2020 wurde festgehalten, auf das
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung werde zu einem späteren Zeit-
punkt eingegangen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses aktuell
verzichtet.
Der Vorinstanz wurde die Gelegenheit gegeben, zu den durch die Be-
schwerde erhobenen Rügen Stellung zu nehmen und sich innert Frist zur
Sache vernehmen zu lassen.
G.
Mit Vernehmlassung vom 1. Mai 2020 führte die Vorinstanz an, die Be-
schwerdeführerin verweise in der Beschwerde mehrmals auf die ungenü-
gende Aktenführung und die Verletzung des rechtlichen Gehörs. Daraus
schliesse die Beschwerdeführerin zudem, das SEM habe die einzelnen Be-
weismittel nicht gewürdigt. Zur bemängelten Würdigung der Beweismittel
sei anzumerken, dass diese vom SEM durchaus berücksichtigt worden
seien. In der Verfügung des SEM seien die einzelnen Beweismittel mit Ver-
weis auf die paginierten Beweismittel unter Angabe der Seitenzahlen aus-
führlich aufgelistet und inhaltlich beschrieben. Zudem sei auf die Beweis-
mittel verwiesen worden, wo es angebracht gewesen sei. Viele der Beweis-
mittel würden sich auf das Verhältnis zwischen den iranischen Behörden
und dem Nordirak beziehungsweise auf die Spannungen zwischen den ira-
nischen Kurden im Nordirak und den iranischen Behörden beziehen. Aus
diesen zahlreichen Berichten gehe nicht hervor, inwiefern die Beschwerde-
führerin in einem besonderen Masse verfolgt gewesen sein solle bezie-
hungsweise inwiefern die eingereichten Berichte eine persönliche Verfol-
gung der Beschwerdeführerin belegen sollten. Dem SEM sei bekannt, dass
es zu diversen Angriffen auf Parteilager der KDP-I gekommen sei. Hier
könne jedoch nicht von einer gezielten persönlichen Verfolgung der Be-
schwerdeführerin gesprochen werden.
Die Beschwerdeführerin rüge zudem, die Anhörung habe übermässig
lange gedauert. Hierzu sei festzuhalten, dass das SEM während der Anhö-
rung kürzere Pausen sowie eine Mittagspause angeordnet habe. Es sei
zudem nicht ersichtlich, welche Benachteiligungen die Beschwerdeführerin
aufgrund der Anhörung gehabt haben solle, zumal die vollständige Sach-
verhaltsabklärung im Vordergrund gestanden habe. Dem Protokoll sei an
keiner Stelle zu entnehmen, dass es zu Konzentrationsschwierigkeiten
oder Fehlern bei der Übersetzung gekommen wäre. Die Anmerkungen der
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Beschwerdeführerin bei der Rückübersetzung würden sodann davon zeu-
gen, dass sie die Rückübersetzung konzentriert habe verfolgen und ge-
wisse Fragen habe vertiefen können.
In Bezug auf die Rüge, die Aktennotiz (Akte A11/2) sei ungenügend pagi-
niert und bei der Akteneinsicht nicht offengelegt worden, hielt das SEM fest,
dass Art. 29 Abs. 2 BV gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
keinen Anspruch auf Einsicht in verwaltungsinterne Akten vermittle. Als sol-
che würden Unterlagen gelten, denen für die Behandlung eines Falls kein
Beweischarakter zukomme und die ausschliesslich der verwaltungsinter-
nen Meinungsbildung dienen würden, wie etwa Entwürfe, Anträge, Notizen,
Mitberichte und Hilfsbelege. Mit dem Ausschluss des Einsichtsrechts in
diese Akten solle verhindert werden, dass die interne Meinungsbildung der
Verwaltung vollständig vor der Öffentlichkeit ausgebreitet werde. Folglich
könne gemäss Rechtsprechung die Einsicht in interne Akten dann verwei-
gert werden, wenn sie für die Entscheidfindung nicht relevant gewesen
seien. In der Verfügung vom 2. März 2020 habe das SEM für sämtliche
Akten, in welche die Einsicht verweigert worden sei, dargelegt, welcher In-
halt den als intern bezeichneten Akten zugrunde liege. Den Voraussetzun-
gen aus Art. 28 VwVG sei folglich genügend Rechnung getragen worden.
H.
Mit Instruktionsverfügung vom 5. Mai 2020 erhielt die Beschwerdeführerin
Gelegenheit, innert Frist eine Replik und entsprechende Beweismittel ein-
zureichen.
I.
Mit Replik vom 20. Mai 2020 liess die Beschwerdeführerin ausführen, ent-
gegen der Behauptung des SEM gehe aus den Akten eindeutig hervor,
dass schwerwiegende Mängel bei der Aktenführung und bei der Erfassung
und Würdigung der Beweismittel bestanden hätten und bestehen würden.
Diesbezüglich werde auf die Ausführungen in der Beschwerde verwiesen.
Insbesondere würden die Ausführungen des SEM in der Vernehmlassung
illustrieren, dass es sich nicht mit der zentralen Argumentation in der Be-
schwerde auseinandergesetzt habe. Das SEM unterlasse es weiterhin zu
prüfen, ob der Beschwerdeführerin heute bei der Rückkehr in den Iran eine
gezielte asylrelevante Verfolgung drohen würde. Es sei offensichtlich, dass
dies aufgrund des herausragenden Profils der Beschwerdeführerin zu be-
jahen sei. Vielmehr beschränke sich das SEM weiterhin ausschliesslich auf
die Fragestellung, ob die entsprechenden Unterlagen eine asylrelevante
Verfolgung im Zeitpunkt der Ausreise belegen würden. Zudem sei erneut
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festzuhalten, dass die Angriffe auf das Parteilager der KDP-I sehr wohl ge-
zielt gegen die entsprechenden KDP-I-Kader gerichtet gewesen seien, zu
welchem die Beschwerdeführerin und ihre Eltern gehört hätten. Wie er-
wähnt sei es reiner Zufall gewesen, dass der Angriff nicht dann erfolgt sei,
als sich die Beschwerdeführerin an einer der unzähligen Konferenzen und
Sitzungen befunden habe. Zur Anhörungsdauer sei Folgendes festzuhal-
ten: Die Vorgaben betreffend die Anhörungsdauer würden unabhängig da-
von gelten, ob das SEM in der Folge im Protokoll tatsächlich einen Vermerk
betreffend Konzentrationsschwierigkeiten angefügt habe. Insbesondere
behaupte das SEM aktenwidrig, es seien ausreichend Pausen durchge-
führt worden: Von 15.20 Uhr bis 18.10 Uhr sei während beinahe drei Stun-
den Rückübersetzung keine einzige Pause durchgeführt worden. Wie dar-
gelegt, verkenne das SEM in frappanter Weise die Belastung durch eine
derart lange Anhörung. Der Mitarbeiter des SEM sei ab 15.20 Uhr nicht
mehr unmittelbar von den Auswirkungen der langen Anhörungsdauer be-
troffen gewesen. Es stehe somit fest, dass das SEM diesbezüglich sehr
wohl die Abklärungspflicht verletzt habe.
Zur Verletzung der Einsicht in die Akte A11/2 sei zudem festzuhalten, dass
sich das SEM offenbar weiterhin hartnäckig weigere, diese Akten korrekt
zu bezeichnen und mindestens mitzuteilen, worum es in dieser Akte ge-
gangen sei. Zudem sei beispielsweise auf die jüngste Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts zu verweisen. Dieses habe im Dossier Ge-
schäftsnummer E-1352/2020 am 6. April 2020 Folgendes festgehalten:
«[ ... ] dass das SEM darauf hinzuweisen ist, dass aus der Paginierung
einer Aktennotiz immerhin deren Gegenstand hervorzugehen hat.» Es
wiege schwer, dass das SEM trotz dieser langjährigen – und jüngst bestä-
tigten – Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts hartnäckig wei-
terhin der Pflicht zur vollständigen Paginierung und Aktenführung nicht
nachkomme.
Weiter verweise der Rechtsvertreter auf folgende Unterlagen betreffend die
politischen Aktivitäten (HDK [Kurdistan Democratic Party], Komitee
Schweiz) der Beschwerdeführerin: Beweismittel: Internetausdruck
www.kpdmedia.org betreffend den Gedenktag vom (...) inklusive Markie-
rung der Beschwerdeführerin (als Beilage 24); Internetartikel auf www.kur-
distanukurd.com betreffend den Peshmerga-Tag, ein Gedenktag der HDK,
welche den Peshmergas gewidmet sei, mit Foto der Beschwerdeführerin
(als Beilage 25); Internetartikel auf www.kdpmedia.org betreffend eine Ver-
anstaltung mit der SP mit Foto der Beschwerdeführerin (als Beilage 26);
E-1885/2020
Seite 14
Internetausdruck der Facebook-Seite betreffend die Teilnahme der Be-
schwerdeführerin bei der Konferenz der Frauenorganisation in der
Schweiz, inklusive Foto der Beschwerdeführerin (als Beilage 27). Die Be-
schwerdeführerin sei weiterhin Mitglied dieser Organisation, für welche sie
bereits im Irak als Beraterin gearbeitet habe. Beweismittel: Weitere Fotos
der Beschwerdeführerin bei zahlreichen Veranstaltungen (als Beilage 28).
Daraus gehe hervor, dass die Beschwerdeführerin auch weiterhin in der
Schweiz politisch sehr aktiv sei. Beweismittel: Internetartikel auf (...) be-
treffend die Hinrichtung des kurdischen Gefangenen Mustafa Selimi,
11. April 2020 (als Beilage 29). Dieser Beleg zeige, wie aktive kurdische
Politiker ermordet würden. Beweismittel: Linksammlung betreffend das
Profil und die Aktivitäten der Beschwerdeführerin sowie betreffend ihre Fa-
milie (als Beilage 30). Im Folgenden würden einige Ausdrucke der Links
auf der Beilage 30 ausgedruckt. Die entsprechende Beilagen-Nummer sei
jeweils auf die Beilage 30 geschrieben worden. Verschiedene als Beweis-
mittel bezeichnete Unterlagen, so etwa Ausdrucke Webseiten, Ausdrucke
Facebook, Ausdruck aus Magazin und Internetartikel (Beilagen 31 bis
60). Zudem verweise der Rechtsvertreter auf folgendes Beweismittel: Ak-
tueller Ausdruck des Facebookprofils der Beschwerdeführerin (als Beilage
61).
J.
Mit Eingabe vom 21. Juli 2020 liess die Beschwerdeführerin folgende In-
formationen und Unterlagen zukommen: Sie sei weiterhin politisch aktiv,
habe beispielsweise an diversen Webinaren teilgenommen und sei weiter-
hin für die HDK-I tätig. Beweismittel: Internetausdruck www.kdpmedia.org
betreffend das Webinar organisiert durch H._ (als Beilage 62). Die-
ses Webinar sei von ihr für H._ organisiert worden und sie sei im
entsprechenden Bericht namentlich erwähnt. Weiter werde auf folgende
Unterlagen verwiesen: Beweismittel: Screenshots betreffend weitere We-
binare mit Standbild der Beschwerdeführerin (als Beilage 63) und aktueller
Ausdruck des Facebook-Profils der Beschwerdeführerin (als Beilage 64).
K.
Mit Eingabe vom 20. Oktober 2020 reichte die Beschwerdeführerin weitere
als Beweismittel bezeichnete Dokumentationen zu den Akten, so einen
Ausdruck betreffend ein Video auf Facebook, das von der Beschwerdefüh-
rerin produziert worden sei (als Beilage 65) sowie Screenshots des aktuel-
len Facebook-Profils der Beschwerdeführerin (als Beilage 66). Im Video
werde I._, Mitglied der KDP-I, interviewt. Das Video sei im
E-1885/2020
Seite 15
E._ veröffentlicht worden. I._ habe Soheila Qaderi und Nas-
rin Haddad im Gedenken an den 8. September 2018 gemalt.
L.
Mit Eingabe vom 30. März 2021 liess die Beschwerdeführerin folgende
weiteren Informationen und Unterlagen zukommen: Beweismittel: Aus-
druck betreffend das Twitter-Profil des iranischen oppositionellen Journa-
listen J._ ([...]) sowie Ausdrucke des Telegram-Profils von
J._ (als Beilage 67). Gemäss diesen Nachrichten sei eine Terroris-
tengruppe von rund 15 Personen verhaftet worden. Diese hätten geplant,
den E._ zu bombardieren. Es handle sich um den (...), für welchen
die Beschwerdeführerin gearbeitet habe. Beweismittel: Aktueller Ausdruck
des Facebook-Profils der Beschwerdeführerin (als Beilage 68).
M.
Mit Eingabe vom 11. August 2021 liess der Rechtsvertreter dem Gericht
weitere Unterlagen und Informationen zukommen und führte dazu aus, am
31. Juli 2021 habe vor dem Bundeshaus in Bern eine Protestkundgebung
von iranischen Oppositionellen gegen die islamische Regierung stattgefun-
den. Über diese Demonstration, an welcher der Beschwerdeführer (recte:
die Beschwerdeführerin) prominent teilgenommen habe, sei in zahlreichen
Medien berichtet worden. Hierzu wurden zahlreiche Beweismittel zu den
Akten gereicht.
N.
Mit Eingabe vom 18. August 2021 liess der Rechtsvertreter dem Gericht
wiederum weitere Unterlagen und Informationen zukommen.
Zum eingereichten Beweismittel "Bestätigungsschreiben der Menschen-
rechtsorganisation K._, 15. August 2021" führte er aus, daraus
gehe hervor, dass die Beschwerdeführerin seit zwei Jahren für diese Men-
schenrechtsorganisation arbeite und sehr aktiv sei. Diese Organisation sei
offiziell in L._ registriert. In den vergangenen Jahren seien immer
wieder Mitglieder dieser Organisation im Ausland durch iranische Geheim-
dienste bedroht worden.
Weiter wurden ein "Internetartikel betreffend die Verfolgung von Mitgliedern
der K._ Menschenrechtsorganisation, 8. August 2021", ein "Aus-
druck Instagram betreffend die Ermordung von M._", ein "Ausdruck
diverse Webseiten betreffend die Ermordung von M._" und zwei
E-1885/2020
Seite 16
Fotos von M._ zu den Akten gereicht und vorgetragen, am 5. Au-
gust 2021 sei in der nordirakischen Stadt Hewlêr (Erbil) ein Mitglied des
Zentralkomitees der PDK-Iran durch Geheimdienstleute des Irans ermor-
det worden. Die Geheimdienste der iranischen islamischen Republik hät-
ten in den letzten Jahren viele Oppositionelle im Ausland ermordet, wie
beispielsweise das Mitglied der PDKI, M._. Diese Ereignisse wür-
den die schwerwiegende Verfolgung illustrieren, die PDKI-Mitgliedern so-
gar ausserhalb des Irans drohen würde.
Weiter drohe Iran ausdrücklich zu Präventionslagen in der kurdischen Re-
gion im Irak, falls die entsprechenden Organisationen nicht beseitigt wür-
den (Beweismittel: Internetartikel auf www.rudaw.net „Iran warns of pre-
emptive strikes if opposition groups in Kurdistan Region are not removed“,
vom 10. August 2021).
Die Beschwerdeführerin und M._ seien Kollegen bei E._ ge-
wesen (Beweismittel: Foto des Teams E._, mit M._ und der
Beschwerdeführerin).
Es sei offensichtlich, dass auch der Beschwerdeführerin im Fall der Rück-
kehr in den Irak oder Iran die Ermordung drohe.
O.
Mit Eingabe vom 7. September 2020 liess der Rechtsvertreter dem Gericht
wiederum weitere Unterlagen und Informationen zukommen.
Zum eingereichten Internetartikel auf www.rudaw.net, „Iran threatens
cross-border assault on opposition parties in Kurdistan Region“, 6. Sep-
tember 2021, führte er aus, aus diesem gehe hervor, dass ein Komman-
dant der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) gestern Montag die iraki-
schen und kurdischen Behörden gewarnt habe, dass sie einen Angriff auf
Oppositionsgruppen in der kurdischen Region im Irak starten könnten. Da-
raus gehe hervor, dass die Beschwerdeführerin auch im Irak asylrelevanter
Verfolgung ausgesetzt wäre.
P.
Mit Eingabe vom 8. Oktober 2021 liess der Rechtsvertreter dem Gericht
abermals weitere Unterlagen und Informationen zukommen und führte
dazu aus, das iranische Regime habe in den letzten Wochen iranisch-kur-
dische Dissidenten in Irakisch-Kurdistan bedroht. Daraufhin habe
H._, eine Aussage veröffentlicht, welche die Beschwerdeführerin
anlässlich einer Demonstration vom (...) verlesen habe.
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Seite 17
Die Demonstration vom (...) betreffend wurden ein "Internetartikel auf
kdpmedia.org betreffend die erwähnte Demonstration mit Fotos der Be-
schwerdeführerin", ein "Ausdruck des Statements H._ betreffend
die Drohung durch IRGC", "Screenshot betreffend den Artikel auf kdpme-
dia.org mit namentlicher Erwähnung der Beschwerdeführerin", "Screens-
hots betreffend den Bericht der erwähnten Demonstration auf Telegram,
N._ ", dieser Bericht sei über 70'000 Mal angeschaut worden, ein
"Bericht auf (...)tv betreffend die entsprechende Demonstration", welcher
über 4'000 Mal angeschaut worden sei, ein "Ausdruck der Facebook Seite
PDKI Suisse/Schweiz, TISHK-TV" (aus dem Bericht gehe sodann hervor,
dass mit Originalbildern über die Demonstration berichtet worden sei) so-
wie ein "Ausdruck Twitter-Profil N._ betreffend die erwähnte De-
monstration" zu den Akten gereicht.
Q.
Mit Zwischenverfügung vom 9. Februar 2022 wurde die Vorinstanz betref-
fend Wegweisungsvollzug der Beschwerdeführerin erneut zur Vernehmlas-
sung eingeladen.
R.
Am 24. Februar 2022 reichte die Vorinstanz ihre Vernehmlassung ein und
führte dabei aus, die Beschwerdeführerin habe ihr ganzes Leben im Nord-
irak verbracht, sei dort aufgewachsen, habe die Schule besucht und stu-
diert. Sie habe an der Anhörung auf Nachfrage hin zu Protokoll gegeben,
dass sie als kurdische Iranerin ziemlich gleich behandelt worden sei wie
die irakischen Staatsangehörigen. Ihre Eltern und Geschwister würden
auch heute noch im Nordirak leben und sie stehe in regelmässigen Kontakt
mit ihnen. Somit gehe das SEM davon aus, sie könne auch als iranische
Staatsangehörige in den Nordirak zurückkehren und sich dort um ein Blei-
berecht bemühen. Zu den vorgebrachten exilpolitischen Tätigkeiten sei
festzuhalten, diese hätten sich seit dem ablehnenden Asylentscheid stark
intensiviert. Die Auftritte der Beschwerdeführerin in der Öffentlichkeit und
den sozialen Medien würden nicht ein derartiges Mass annehmen, dass
sie ins Visier der iranischen Regierung oder deren Behörden geraten
würde. Betreffend die Fotos und Aufnahmen der Beschwerdeführerin an
Kundgebungen sei festzuhalten, dass sie lediglich teilweise und wenn
dann immer gemeinsam mit anderen Demonstranten zu sehen sei. Es
gehe daraus jedenfalls nicht hervor, dass sie bei diesen Kundgebungen
eine besondere Rolle übernommen hätte. Sie scheine vielmehr eine Mit-
läuferin ohne spezielle Funktion zu sein.
E-1885/2020
Seite 18
S.
Am 28. Februar 2022 stellte das Bundesverwaltungsgericht der Beschwer-
deführerin die Vernehmlassung des SEM zur Kenntnisnahme zu.
T.
Mit Eingabe vom 16. März 2022 gelangte der Rechtsvertreter mit weiteren
Ausführungen ans Gericht und hielt dabei fest, die Vorinstanz habe sich bei
ihrer Vernehmlassung vom 24. Februar 2022 nicht zur Frage der Staatsan-
gehörigkeit der Beschwerdeführerin und ihrem allfälligen Aufenthaltsstatus
im Irak geäussert, womit der Sachverhalt nach wie vor unvollständig erstellt
sei.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel, so auch vorliegend, endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
2.
Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
E-1885/2020
Seite 19
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Mit der Beschwerde wird in mehrfacher Hinsicht eine Verletzung des recht-
lichen Gehörs gerügt. Namentlich wird dem SEM entgegengehalten, es
habe die korrekte Aktenführungspflicht, das Recht auf Akteneinsicht, die
korrekte und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhal-
tes und somit des Untersuchungsgrundsatzes sowie die behördliche Be-
gründungspflicht in schwerwiegender und nicht durch das Beschwerdever-
fahren heilbarer Weise verletzt. Diesbezüglich ist vorab festzuhalten, dass
mit der Beschwerde die entsprechenden Teilgehalte des übergeordneten
Anspruchs auf rechtliches Gehör in den Rügevorbringen teilweise nicht klar
auseinandergehalten, sondern vermengt werden. Zudem wird auch die Ab-
grenzung des Gehalts der formellen Rügen zur Frage der materiellen Wür-
digung des erhobenen Sachverhalts teilweise verkannt.
Diese formellen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie, sollten sie sich als
begründet erweisen, zu einer Kassation der angefochtenen Verfügung füh-
ren könnten.
4.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass
eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein-
greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Er-
lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise
beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan-
trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent-
weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch
auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse,
die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren
Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1,
BVGE 2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen).
4.2 Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vor-
bringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfin-
http://links.weblaw.ch/BGE-135-II-286 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
E-1885/2020
Seite 20
dung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form- und fristge-
rechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkre-
ten Streitfrage geeignet und erforderlich erscheinen. Dazu gehört eine ord-
nungsgemässe Aktenführung insoweit, als die form- und fristgerechten
Äusserungen, Eingaben (hierbei namentlich auch Beweismittel) und An-
träge vollständig Eingang in die Akten finden und in der Form nachgeführt
werden, als sich daraus keine schwerwiegende Verletzung und somit eine
Vereitelung der Gewährleistung und der Wahrnehmung des Anspruchs auf
das rechtliche Gehör ergeben darf. Dabei ist der Schweregrad einer nicht
ordnungsgemässen Aktenführung in jedem Einzelfall und in Berücksichti-
gung der konkreten Gegebenheiten zu gewichten. Selbstredend vermag
nicht jede nicht vorgenommene allenfalls wünschbar "bessere" Aktendar-
stellung einen derart gewichtigen Mangel zu begründen, der zu einer
schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs führen müsste.
4.3 Mit der Beschwerde wird gerügt, das SEM habe bereits durch seine
Aktenführung das rechtliche Gehör in derart schwerwiegender Weise ver-
letzt, dass die angefochtene Verfügung aufgehoben werden müsse. Das
Gericht kann dieser Sichtweise nur teilweise folgen, wie die nachfolgenden
Erwägungen zeigen.
4.3.1 Es wird geltend gemacht, die Bezeichnung der Akte A11/2 als „Akten-
notiz" sei mangelhaft und das SEM hätte im Rahmen der Pflicht zur voll-
ständigen und richten Aktenführung zwingend den „Betreff" der entspre-
chenden Notiz erfassen müssen. Der Beschwerdeführerin ist zuzustim-
men, dass ohne nähere Bezeichnung nicht ersichtlich ist, was Gegenstand
dieser Notiz ist oder Anlass dazu war. In der Aktennotiz wird festgehalten
(was aus Datenschutzgründen in der zu veröffentlichenden Version des Ur-
teils nicht offenzulegen sein wird), (...). Dieser Umstand hätte der Be-
schwerdeführerin zumindest zusammenfassend zur Kenntnis gebracht
werden müssen, kommt der Akte vorliegend doch Beweischarakter zur. Da
die Mitgliedschaft der Beschwerdeführerin bei der KDP-I jedoch vorliegend
von keiner Seite je bestritten worden ist und die Offenlegung des Inhalts
keinen weiteren Schriftenwechsel erfordert, kann dieser Mangel damit als
geheilt betrachtet werden.
Entgegen der angestellten Vermutung in der Beschwerde enthält die Akte
A11/2 somit keine Unterlagen oder Informationen bezüglich einer (angeb-
lichen) irakischen Staatsangehörigkeit der Beschwerdeführerin.
E-1885/2020
Seite 21
4.3.2 Im Weiteren ist entgegen der Rüge in der Beschwerde nicht ersicht-
lich, inwiefern das SEM die Pflicht zur vollständigen und richtigen Akten-
führung schwerwiegend verletzt haben soll, indem anlässlich der Anhörung
die von der Beschwerdeführerin abgegebenen Dokumente und Unterlagen
bis auf deren Anzahl von 40 Blättern durchnummeriert wurden und als Ak-
tenpaket im "Plastikmäppchen" ins "Beweismittel-/Dokumentencouvert"
A15 unter Nr. 7 aufgenommen wurden. Hierzu wurde der Beschwerdefüh-
rerin im Rahmen der Anhörung ausdrücklich das rechtliche Gehör gewährt
(A14/23 F11 und F12). In der Beschwerde wird denn auch ausgeführt, of-
fenbar betreffe dieses „Bündel" diejenigen Dokumente, welche die Be-
schwerdeführerin bei der Frage 11 der Akte A14 als Beweismittel in einem
Plastikmäppchen abgegeben habe. Es verschliesst sich dem Gericht, was
damit zu rügen beabsichtigt werden soll. Zudem ist anzumerken, dass der
Beschwerdeführerin anlässlich der Anhörung Gelegenheit gegeben wurde,
sich zu den von ihr eingereichten Unterlagen zu äussern und diese, soweit
angezeigt, einzeln zu erläutern (vgl. A14/23 F4 bis F30).
Auch wird aus dem "Beweismittel-/Dokumentencouvert" A15 hinreichend
verständlich, welche als Beweismittel bezeichneten eingereichten Doku-
mente in diesem Couvert als Akten aufgenommen worden sind.
4.3.3 In der Beschwerde wird zudem moniert, der Beweismittelumschlag
enthalte beispielsweise ein Beweismittel 5, welches mit „Bestätigung" be-
zeichnet worden sei, und dasselbe gelte für das Beweismittel 6. Es sei of-
fensichtlich, dass diese Bezeichnung schlicht mangelhaft sei. Das SEM
müsste zwingend erfassen, um wessen Bestätigungen worüber es sich von
wann handeln würde. Es dürfte jedoch der Beschwerdeführerin bezie-
hungsweise ihrem Rechtsvertreter nicht verborgen geblieben sein, dass in
der angefochtenen Verfügung die Beweismittel 5 und 6 mit BM5 und BM6
explizit benannt und hinreichend klar bezeichnet wurden (a.a.O. S. 3 unter
Ziffer 4., vgl. auch A14/23 F7 und F8, wo die Bestätigungen zur Sprache
kamen). Zudem wurden in der angefochtenen Verfügung unter derselben
Ziffer 4. die wesentlichen von der Beschwerdeführerin eingereichten Doku-
mente und Unterlagen einzeln namentlich aufgeführt. Der in der Be-
schwerde vertretenen Ansicht, es sei offensichtlich, dass das SEM jedes
einzelne Beweismittel im Plastikmäppchen separat hätte bezeichnen und
erfassen müssen, kann unter dem Aspekt eines schwerwiegenden kassa-
tionswürdigen Mangels nicht gefolgt werden.
4.3.4 Schliesslich wird mit der Beschwerde gerügt, die Erfassung der Fotos
sortiert nach der Grösse sei willkürlich. Es ergebe schlicht keinen Sinn,
E-1885/2020
Seite 22
dass das SEM grossformatige Fotos als Beweismittel 8 und kleinformatige
Fotos als Beweismittel 9 erfasst habe. Weiter sei insbesondere ersichtlich,
dass die Fotos nicht nummeriert worden seien beziehungsweise diese
Nummerierung bei der Gewährung der Akteneinsicht nicht ersichtlich sei.
Weiter enthalte das Beweismittel 10 offenbar „2 Farbkopien", wobei auch
diesbezüglich nicht nachvollziehbar sei, worum es sich dabei handeln
solle.
Auch wenn für die Akteneinreihung von Fotografien verschiedenen For-
mats unter getrennter Ablage-Nummer kein sachlicher Grund gegeben
sein mag, kann von einem willkürlichen Vorgehen nicht gesprochen wer-
den. Zudem ergibt sich vorliegend aus dem Umstand, dass die Fotografien
nicht einzeln nummeriert wurden, keine schwerwiegende Verletzung der
Aktenführung. Hierzu ist festzuhalten, dass im Rahmen der Anhörung die
einzelnen Fotos erläutert wurden (A14/23 F17 bis F20). Im Weiteren ist
nicht verständlich, weshalb es der Beschwerdeführerin schlicht nicht nach-
vollziehbar sei, worum es sich bei den zwei Farbkopien unter der Beweis-
mittel-Nummer 10 handle, hat sie doch anlässlich der Anhörung selbst ex-
plizit genannt, bei welchem Anlass die Fotos entstanden seien (A14/23
F21).
4.3.5 Es sind demnach keine Gründe gegeben, dass die Aktenführung des
SEM Mängel aufzeigen würde, die den Anspruch auf rechtliches Gehör in
derart schwerwiegender Wiese verletzt hätten, die eine Aufhebung der an-
gefochtenen Verfügung rechtfertigen würden.
4.4 Die Beschwerdeführerin lässt eine Verletzung des Rechts auf Akten-
einsicht rügen.
4.4.1 Gemäss Art. 26 VwVG hat die Partei oder ihr Vertreter – unter Vorbe-
halt der Ausnahmen gemäss Art. 27 Abs. 1 VwVG – grundsätzlich An-
spruch darauf, sämtliche Aktenstücke einzusehen, welche geeignet sind,
in einem konkreten Verfahren als Beweismittel zu dienen.
4.4.2 Im Zusammenhang mit der Rüge auf Verletzung der ordnungsge-
mässen Aktenführung macht die Beschwerdeführerin zumindest auch sinn-
gemäss geltend, es sei zu Unrecht keine Einsicht in die Akte A11/2 gewährt
worden. Wie bereits ausgeführt, handelt es sich dabei um einen Mangel,
welcher durch die Offenlegung im vorliegenden Urteil als geheilt betrachtet
werden kann (vgl. E. 4.3.1).
E-1885/2020
Seite 23
4.4.3 Weiter sei insbesondere festzuhalten, dass die dem unterzeichnen-
den Rechtsanwalt zugestellten Aktenkopien – soweit erkennbar – die Be-
weismittel 13 und 14 (Dokument "E._" und "Bericht KDP") gar nicht
enthalten würden. Dabei mag erstaunen, dass eine Unsicherheit zum Aus-
druck gebracht wird, ob die Beweismittel 13 und 14 nun wirklich ediert wur-
den oder nicht. Die Beweismittel müssten der Beschwerdeführerin bekannt
sein, sodass sie auch hätte erkennen können, ob die von ihr eingereichten
Aktenstücke nun tatsächlich Bestandteile der Gewährung der Aktenein-
sicht durch das SEM gewesen sind. Jedenfalls gilt festzuhalten, dass das
SEM diese Beweismittel nicht von der Akteneinsicht ausschloss. Sollten
sie im Rahmen der Edition aus Versehen nicht zugestellt worden sein, hätte
die Beschwerdeführerin beziehungsweise ihr Rechtsvertreter ohne Weite-
res das SEM darauf aufmerksam machen und dieses um Nachsendung
der Aktenstücke ersuchen können. Dies ist offenbar nicht erfolgt. Dem SEM
kann keine Verletzung des Akteneinsichtsrechts und damit des Anspruchs
auf rechtliches Gehör entgegengehalten werden.
4.4.4 Eine Verletzung des Anspruchs auf Akteneinsicht und mithin auf
rechtliches Gehör ist somit – mit Ausnahme des geheilten Mangels – nicht
ersichtlich.
4.4.5 Zudem hat sich das SEM in der Vernehmlassung zur Rüge der
schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs in nicht zu beanstan-
dender Weise geäussert, wozu die Beschwerdeführerin mit der Replik wie-
derum hat Stellung beziehen können. Insbesondere hat das SEM in der
Vernehmlassung zu Recht ausgeführt, dass das rechtliche Gehör zu den
entscheidwesentlichen Aspekten und Beweismitteln gewährt wurde. Die
Ausführungen in der Replik vermögen daran in entscheidrelevanter Hin-
sicht nichts zu ändern.
4.4.6 Der Eventualantrag, es sei das rechtliche Gehör zu den erwähnten
Akten zu gewähren und nach der Gewährung der Akteneinsicht und even-
tualiter des rechtlichen Gehörs eine angemessene Frist zur Einreichung
einer Beschwerdeergänzung anzusetzen, ist als gegenstandslos gewor-
den betreffend Akte 11/2 und im Übrigen als unbegründet abzuweisen.
4.5 Mit der Beschwerde wird das Eventualbegehren gestellt, es sei die an-
gefochtene Verfügung des SEM vom 2. März 2020 aufzuheben und die
Sache dem SEM zur vollständigen und richtigen Abklärung und Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung zurück-
zuweisen.
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Seite 24
4.5.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter dieser Norm aufgeliste-
ten Beweismittel. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der Untersuchungspflicht bil-
det einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
4.5.2 Die Parteien haben ein aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör
fliessendes Recht, an der Erstellung des Sachverhaltes mitzuwirken
(Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 26 ff. VwVG). Aus dem Anspruch auf rechtliches
Gehör ergibt sich als Ausfluss von dessen Teilgehalt, mit eigenen Begeh-
ren gehört zu werden, ein Anspruch der Parteien darauf, dass ihren Anträ-
gen auf Abnahme von tauglichen und sachdienlichen Beweisen stattgege-
ben wird. Die Behörde muss jedoch nur diejenigen Beweise erheben, die
sie für die Feststellung des Sachverhaltes als tauglich erachtet (Art. 33
Abs. 1 VwVG).
4.5.3 Das Bundesverwaltungsgericht ist nicht an die Begründung der Be-
gehren gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG) und kann eine Beschwerde auch
aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder den an-
gefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen, die
von jener der Vorinstanz abweicht (FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechts-
pflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 212; THOMAS HÄBERLI, in: Waldmann/Weis-
senberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, N 48 zu Art. 62).
4.5.4 Die Beschwerdeführerin führte auf dem selbstständig ausgefüllten
Personalienblatt auf, sie sei irakische Staatsangehörige (Akte A1/2). An-
lässlich der BzP gab sie dann zwar an, im Irak geboren und aufgewachsen
zu sein, aber die iranische Staatsangehörigkeit zu besitzen (Akte A4/12
S. 3). In der Folge führte die Vorinstanz die Beschwerdeführerin primär un-
ter iranischer Staatsangehörigkeit, behielt die irakische Staatsangehörig-
keit jedoch als Alias-Identität bei. Festzuhalten ist, dass die Beschwerde-
führerin bis anhin keine Identitätspapiere zu den Akten reichte, welche ihre
iranische Staatsangehörigkeit zweifelsfrei belegen würden. Die Vorinstanz
gelangte dennoch zur Überzeugung, dass der Iran der Heimatstaat der Be-
E-1885/2020
Seite 25
schwerdeführerin sei, was von ihr nicht bestritten wird, womit allfällige Voll-
zugshindernisse grundsätzlich mit Blick auf den Vollzug in den Iran zu prü-
fen seien. Die Vorinstanz erachtete den Vollzug in den Iran gemäss Dispo-
sitivziffer 5 der angefochtenen Verfügung vom 2. März 2020 als unzumut-
bar und verfügte in der Folge den Wegweisungsvollzug in den Herkunfts-
staat (Irak) mithin einen Drittstaat.
Zum verfügten und angefochtenen Wegweisungsvollzug in den Drittstaat
Irak ist folgendes festzuhalten: Aufgrund der Akten und der Aussagen der
Beschwerdeführerin kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie einen le-
galisierten Aufenthaltsstatus im Irak innehatte, ist sie doch im Irak zur Welt
gekommen und hat ihr ganzes Leben dort verbracht (A14/23 F60, F66).
Die Beschwerdeführerin hat angegeben, über keine iranischen Papiere,
sondern lediglich über von der KDP-I ausgestellte Papiere zu verfügen
(A4/12 S. 3). Andere Identitätsdokumente habe sie nicht besessen (A14/23
F87). Das SEM führte in seinem Entscheid aus, die Beschwerdeführerin
habe durch die KDP-I über eine Aufenthaltsbewilligung verfügt, weshalb es
ihr bei einer Rückkehr möglich sei, wiederum eine Aufenthaltsbewilligung
für den Nordirak zu erhalten. Diese Annahme geht fehl. Die Vorinstanz
hätte vielmehr abklären müssen, ob es der Beschwerdeführerin mit ihren
Papieren überhaupt möglich ist, legal in den Drittstaat Irak wiedereinzurei-
sen und dort eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten. Die Frage der Mög-
lichkeit, in den Irak zurückzukehren, stellt sich indes nicht allein unter dem
Blickwinkel des Wegweisungsvollzugs, sondern auch unter demjenigen
der Bestimmung von Art. 31a Abs. 1 Bst. c und e AsylG, zumal das Gericht
die Erwägungen des SEM, dass die Beschwerdeführerin im Iran keine Ver-
folgung drohen würde, nicht zu teilen vermag. Aufgrund ihrer exilpolitischen
Aktivitäten im Irak sowie der Schweiz dürfte sie sehr wohl im Fokus der
iranischen Behörden stehen. Das SEM hat es unterlassen, eine derartige
Prüfung vorzunehmen. Insofern ist die Vorinstanz ihrer Pflicht zur vollstän-
digen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts im Sinne von Art. 12
VwVG nicht nachgekommen.
4.5.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Sachverhalt im Hinblick
auf einen allfälligen Nichteintretensentscheid und auf die Möglichkeit des
Wegweisungsvollzugs in den Irak nicht rechtsgenüglich abgeklärt.
5.
Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht
in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung
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ans SEM ist insbesondere und wie vorliegend angezeigt, wenn weitere Tat-
sachen festgestellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren
durchzuführen ist.
6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insofern gutzuheissen, als mit ihr
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung beantragt worden ist. Die
Verfügung des SEM vom 2. März 2020 ist aufzuheben und die Sache ist in
Anwendung von Art. 61 Abs. 1 VwVG zur vollständigen Sachverhaltsermitt-
lung und Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen.
7.
Bei dieser Verfahrenskonstellation ist nicht auf die weiteren Beschwerde-
vorbringen einzugehen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten
ist damit gegenstandslos geworden.
9.
Der Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in Anwendung von
Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
(VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr notwendigerweise
erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wurde keine Kostennote zu
den Akten gereicht, weshalb die notwendigen Parteikosten aufgrund der
Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Die von der Vor-
instanz auszurichtende Parteientschädigung wird in Anwendung der ge-
nannten Bestimmungen und unter Berücksichtigung der massgeblichen
Bemessungsfaktoren von Amtes wegen auf insgesamt Fr. 2'600.– (inkl.
Mehrwertsteueranteil und Auslagen) festgelegt.
(Dispositiv nächste Seite)
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