Decision ID: 2c72b645-e449-591f-a637-26e225b5a0b6
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die A._ AG ist seit dem 1. Juli 2008 in dem von der Eidgenössi-
schen Steuerverwaltung (ESTV) geführten Register der Mehrwertsteuer-
pflichtigen eingetragen.
B.
Ende Januar/Anfang Februar 2012 führte die ESTV bei der A._
AG eine Mehrwertsteuerkontrolle durch. Im Anschluss daran belastete sie
dieser – insbesondere aufgrund festgestellter "Umsatzdifferenzen" im
Vergleich zur (revidierten) Jahresrechnung 2009 (umfassend den Zeit-
raum vom 21. April 2008 bis 31. Dezember 2009) – mit "Einschätzungs-
mitteilung [EM] Nr. ... / Verfügung" vom 22. Februar 2012 betreffend die
Steuerperioden vom 3. Quartal 2008 bis 4. Quartal 2009 (Zeitraum vom
1. Juli 2008 bis 31. Dezember 2009) insgesamt Fr. 43'491.-- Mehr-
wertsteuer zuzüglich Verzugszins ab dem 15. Juli 2009 nach.
C.
Mit als "Einsprache" bezeichneter Eingabe vom 29. Februar 2012 (Be-
gründung ergänzt mit Eingabe vom 29. März 2012) focht die A._
AG diese EM bei der ESTV an und beantragte sinngemäss eine Redukti-
on der betreffenden Nachbelastung. Zur Begründung führte sie aus, be-
stimmte gestützt auf ihre Jahresrechnung 2009 nachbesteuerte Umsätze
seien ebenso in der Buchhaltung der B._ SA (vormals und nach-
folgend: C._ AG) erfasst und von dieser bereits ordnungsgemäss
deklariert und versteuert worden.
D.
Mit "Einspracheentscheid" vom 14. Januar 2013 wies die ESTV (nachfol-
gend: Vorinstanz) die "Einsprache" ab (Ziff. 2) und erkannte im Wesentli-
chen, die erwähnte EM sei im Umfang von Fr. 13'114.40 zuzüglich Ver-
zugszins ab dem 15. Juli 2009 in Rechtskraft erwachsen (Ziff. 1). Die
A._ AG schulde für die Steuerperioden 3. Quartal 2008 bis
4. Quartal 2009 über die für diese Perioden bereits deklarierten Beträge
sowie über den in Rechtskraft erwachsenen Betrag der fraglichen EM
hinaus Fr. 30'376.60 Mehrwertsteuer zuzüglich Verzugszins ab dem
15. Juli 2009 (Ziff. 3). Zur Begründung führte die Vorinstanz insbesondere
aus, die A._ AG sei rechtsprechungsgemäss auf die Angaben in
der revidierten Jahresrechnung 2009 zu behaften.
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E.
Dagegen erhob die A._ AG (nachfolgend: Beschwerdeführerin) mit
Eingabe vom 8. Februar 2013 (Postaufgabe am 11. Februar 2013) Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt (sinngemäss)
insoweit die Aufhebung des angefochtenen "Einspracheentscheids", als
darin die Mehrwertsteuer auf Umsätzen, die bereits die C._ AG
verbucht und versteuert habe, nachbelastet werde. Es könne nicht sein,
dass auf demselben Umsatz die Mehrwertsteuer zwei Mal entrichtet wer-
den müsse. Entweder sei daher (sinngemäss) von der Nachbelastung der
entsprechenden Mehrwertsteuer bei der Beschwerdeführerin abzusehen
(bzw. ihr die fragliche Mehrwertsteuer "zuzüglich Zins seit 01.01.2009
gutzuschreiben") oder der betreffende Betrag sei der C._ AG zu-
rück zu überweisen.
F.
In ihrer Vernehmlassung vom 25. März 2013 beantragt die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu
Lasten der Beschwerdeführerin. Zur Begründung verweist sie im Wesent-
lichen auf die Ausführungen im angefochtenen "Einspracheentscheid".
G.
Auf die Eingaben der Parteien wird – soweit entscheidwesentlich – in den
nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das
Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesver-
waltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bun-
desgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren
(VwVG, SR 172.021). Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor.
Die Vorinstanz ist zudem eine Behörde im Sinn von Art. 33 VGG. Das
Bundesverwaltungsgericht ist demnach für die Beurteilung der vorliegen-
den Beschwerde sachlich zuständig.
1.2 Auf die funktionelle Zuständigkeit ist im Folgenden einzugehen, wobei
zunächst das anwendbare Recht festzustellen ist:
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1.2.1 Am 1. Januar 2010 ist das Bundesgesetz vom 12. Juni 2009 über
die Mehrwertsteuer (MWSTG, SR 641.20) in Kraft getreten. Gemäss des-
sen Art. 112 Abs. 1 sind die bisherigen gesetzlichen Bestimmungen sowie
die darauf gestützt erlassenen Vorschriften – von hier nicht interessieren-
den Ausnahmen abgesehen – weiterhin auf alle während ihrer Geltungs-
dauer eingetretenen Tatsachen und entstandenen Rechtsverhältnisse
anwendbar. Im Streit liegen Steuernachforderungen, welche Steuerperio-
den nach dem 1. Januar 2001 aber vor dem 1. Januar 2010 betreffen. Die
materielle Beurteilung des vorliegenden Sachverhalts richtet sich daher
nach dem Bundesgesetz vom 2. September 1999 über die Mehr-
wertsteuer (aMWSTG, AS 2000 1300), das vom 1. Januar 2001 bis zum
31. Dezember 2009 in Kraft stand. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist
hingegen das neue Recht anwendbar (Art. 113 Abs. 3 MWSTG).
1.2.2 Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens kann nur sein, was
bereits im vorinstanzlichen Verfahren strittig war. Rechtspositionen, über
welche die Vorinstanz nicht entschieden hat und über die sie nach richti-
ger Gesetzesauslegung auch nicht hätte entscheiden müssen, sind aus
Gründen der funktionellen Zuständigkeit durch die zweite Instanz nicht zu
beurteilen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_687/2007 vom 8. April
2008 E. 1.2.1, 2C_572/2007 vom 23. Januar 2008 E. 1.3, 2A.706/2006
vom 1. März 2007 E. 1.3). Das durch die Verfügung geregelte Rechtsver-
hältnis (sog. Anfechtungsobjekt) bildet insofern den Rahmen innerhalb
dessen sich der Streitgegenstand durch die Parteianträge definiert.
Für den Fall, dass das Bundesverwaltungsgericht im vorliegenden Ver-
fahren zum Schluss kommen sollte, dass die Nachbelastung im ange-
fochtenen "Einspracheentscheid" zu Recht erfolgt ist, beantragt die Be-
schwerdeführerin – sinngemäss eventualiter –, dass der entsprechende
Mehrwertsteuerbetrag der C._ AG, welche diesen angeblich
schon bezahlt habe, zurückzuerstatten sei. Die Beschwerdeführerin ver-
kennt dabei, dass vorliegend einzig Steuernachforderungen strittig sind,
die sie betreffen. Allein ihr gegenüber hat die Vorinstanz im angefochte-
nen "Einspracheentscheid" auf eine Nachbelastung erkannt. Die (eventu-
aliter) beantragte Steuerrückerstattung betrifft dagegen die mehrwert-
steuerlichen Verhältnisse der C._ AG. Diesbezüglich liegt mit dem
angefochtenen "Einspracheentscheid" nun aber kein taugliches Anfech-
tungsobjekt vor, weshalb auf den erwähnten Eventualantrag nicht einzu-
treten ist. Es würde der C._ AG obliegen, im Rahmen der rechtli-
chen Möglichkeiten die Richtigkeit der – behaupteten zweifachen –
Mehrwertsteuerbelastung mit der ESTV zu überprüfen.
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Seite 5
1.2.3
1.2.3.1 Die Einsprache ist das vom Gesetz besonders vorgesehene förm-
liche Rechtsmittel, mit dem eine Verfügung bei der verfügenden Verwal-
tungsbehörde zwecks Neuüberprüfung angefochten wird. Die Einsprache
ist kein devolutives Rechtsmittel, welches die Entscheidungszuständigkeit
an eine Rechtsmittelinstanz übergehen lässt (vgl. BGE 132 V 368 E. 6.1
und BGE 131 V 407 E. 2.1.2.1; ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX
UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010,
N 1815). Das Einspracheverfahren ermöglicht eine Abklärung komplexer
tatsächlicher oder rechtlicher Verhältnisse und eine umfassende Abwä-
gung der verschiedenen von einer Verfügung berührten Interessen (HÄ-
FELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., N 1816).
1.2.3.2 Im Bereich der Mehrwertsteuer ist das Einspracheverfahren in
Art. 83 MWSTG gesetzlich vorgesehen. Eine Ausnahme hierzu bildet die
sog. Sprungbeschwerde: Richtet sich die Einsprache gegen eine einläss-
lich begründete Verfügung der ESTV, so ist sie auf Antrag oder mit Zu-
stimmung des Einsprechers oder der Einsprecherin als Beschwerde an
das Bundesverwaltungsgericht weiterzuleiten (Art. 83 Abs. 4 MWSTG;
vgl. zur Sprungbeschwerde: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
A-6606/2012 vom 30. Januar 2013 E. 2 ff.).
1.2.3.3 Der Erlass eines Einspracheentscheids setzt ausführungsgemäss
voraus, dass vorgängig eine Verfügung ergangen ist, welche überhaupt
Gegenstand eines Einspracheverfahrens bilden kann. Die Vorinstanz
sieht diese Verfügung in der als "Verfügung" bezeichneten Einschät-
zungsmitteilung Nr. ... vom 22. Februar 2012. Indessen ist es nach neue-
rer Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts grundsätzlich nicht
zulässig, eine Einschätzungsmitteilung direkt als Verfügung im Sinn von
Art. 5 VwVG auszugestalten (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
A-707/2013 vom 25. Juli 2013 E. 4.2 f. mit Hinweisen).
Vorliegend stellt aber jedenfalls der als "Einspracheentscheid" bezeichne-
te Entscheid der ESTV vom 14. Januar 2013 eine Verfügung gemäss
Art. 5 VwVG dar. Indem die Beschwerdeführerin dagegen beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde erhob, hat sie einen allfälligen Verlust
des Einspracheverfahrens (E. 1.2.2.1) zumindest in Kauf genommen. Ihre
vorbehaltlose Beschwerdeführung direkt beim Bundesverwaltungsgericht
ist unter diesen Umständen – in analoger Anwendung von Art. 83 Abs. 4
MWSTG – als "Zustimmung" zur Durchführung des Verfahrens der
Sprungbeschwerde (E. 1.2.2.2) zu werten, zumal der "Einspracheent-
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Seite 6
scheid" vom 14. Januar 2013 einlässlich begründet ist (vgl. Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts A-6198/2012 vom 3. September 2013
E. 1.2.3 mit Hinweis).
1.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht ist demnach – vorbehältlich der Ein-
schränkung unter E. 1.2.2 – für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde auch funktional zuständig.
1.3 Im Übrigen ist die Beschwerdeführerin zur Erhebung der vorliegenden
Beschwerde berechtigt (Art. 48 Abs. 1 VwVG), hat diese frist- und form-
gerecht eingereicht (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) und den
einverlangten Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet (vgl. Art. 21 Abs. 3
VwVG).
Auf die vorliegende Beschwerde ist – vorbehältlich der Einschränkung un-
ter E. 1.2.2 – einzutreten.
1.4 Im Steuerrecht gilt grundsätzlich, dass die Steuerbehörde die Beweis-
last für die steuerbegründenden und -erhöhenden Tatsachen trägt, wäh-
rend die steuerpflichtige Person für die steueraufhebenden und
-mindernden Tatsachen beweisbelastet ist (statt vieler: Urteil des Bun-
desgerichts 2C_232/2012 vom 23. Juli 2012 E. 3.5, veröffentlicht in: Ar-
chiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 81 S. 422; Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts A-4206/2012 vom 13. März 2013 E. 2.2.1 mit
Hinweisen; ERNST BLUMENSTEIN/PETER LOCHER, System des schweizeri-
schen Steuerrechts, 6. Aufl., Zürich 2002, S. 454).
2.
2.1 Der Mehrwertsteuer unterliegen die im Inland gegen Entgelt erbrach-
ten Lieferungen von Gegenständen und Dienstleistungen (Art. 5 Bst. a
und b aMWSTG). Als Dienstleistung gilt jede Leistung, die keine Liefe-
rung eines Gegenstandes ist (Art. 7 Abs. 1 aMWSTG).
2.2 Wer mehrwertsteuerlich als Leistungserbringer zu gelten hat, be-
stimmt sich nach konstanter Rechtsprechung nach dem Aussenauftritt.
Das mehrwertsteuerlich relevante Handeln wird demnach demjenigen
zugeordnet, der gegenüber Dritten im eigenen Namen auftritt (vgl. statt
vieler: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-4786/2012 vom 12. Sep-
tember 2013 E. 2.2.3; vgl. auch Urteile des Bundesverwaltungsgerichts
A-1382/2006 und A-1383/2006 vom 19. Juli 2007 E. 2.2, bestätigt mit Ur-
teilen des Bundesgerichts 2C_518/2007 und 2C_519/2007 vom 11. März
2008).
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2.3 Die Veranlagung und Entrichtung der Mehrwertsteuer erfolgt nach
dem Selbstveranlagungsprinzip (Art. 46 f. aMWSTG; vgl. Urteil des Bun-
desgerichts 2C_356/2008 vom 21. November 2008 E. 3.2; Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts A-825/2013 vom 16. Oktober 2013 E. 2.3).
Der Steuerpflichtige hat selbst und unaufgefordert über seine Umsätze
und Vorsteuern abzurechnen und innerhalb von 60 Tagen nach Ablauf der
Abrechnungsperiode den geschuldeten Mehrwertsteuerbetrag an die
ESTV abzuliefern. Das Selbstveranlagungsprinzip bedeutet auch, dass
der Leistungserbringer für die Feststellung der Mehrwertsteuerpflicht bzw.
-forderung selbst verantwortlich ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts
2C_356/2008 vom 21. November 2008 E. 3.2 und 2A.109/2005 vom
10. März 2006 E. 2.1; vgl. ferner Urteile des Bundesverwaltungsgerichts
A-1344/2011 und A-3285/2011 vom 26. September 2011 E. 3.1 sowie
A-5460/2008 vom 12. Mai 2010 E. 2.5.1).
2.4
2.4.1 Das Prinzip der Massgeblichkeit der Handelsbilanz gilt im Bereich
der Mehrwertsteuer grundsätzlich ebenso wie direktsteuerlich (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 2C_650/2011 vom 16. Februar 2012 E. 2.5.1). Da-
nach ist die (formell und materiell) ordnungsgemässe handelsrechtliche
Bilanz auch steuerlich massgebend, insoweit keine steuerlichen Korrek-
turvorschriften zu beachten sind (Art. 957 ff. des Bundesgesetzes vom
30. März 2011 betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilge-
setzbuches [OR, SR 220]; vgl. BLUMENSTEIN/LOCHER, a.a.O., S. 269; RO-
LAND BURKHALTER, Massgeblichkeitsgrundsatz, Bern/Stuttgart/Wien 2003,
S. 63 ff.). Für die Zwecke der Mehrwertsteuer präzisiert Art. 58 aMWSTG,
dass die steuerpflichtige Person ihre Geschäftsbücher ordnungsgemäss
zu führen und so einzurichten hat, dass sich aus ihnen die für die Fest-
stellung der Steuerpflicht sowie für die Berechnung der Mehrwertsteuer
und der abziehbaren Vorsteuern massgebenden Tatsachen leicht und zu-
verlässig ermitteln lassen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_650/2011
vom 16. Februar 2012 E. 2.5.1, 2A.693/2006 vom 26. Juli 2007 E. 3).
2.4.2 Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung ist eine formell korrek-
te Buchhaltung vermutungsweise auch materiell richtig (vgl. BGE 134 II
207 E. 3.3, BGE 106 Ib 311 E. 3c und 3d; Urteile des Bundesgerichts
2C_206/2012 vom 6. September 2012 E. 2.3, 2C_592/2007 vom
22. Januar 2008 E. 2.3). Fehlt es an einer formell ordnungsgemässen
Buchführung oder bestehen Anhaltspunkte, welche auf die (materielle)
Unrichtigkeit der Geschäftsbücher schliessen lassen, entfällt auch die na-
türliche Vermutung der materiellen Richtigkeit (vgl. Urteile des Bundesge-
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richts 2C_1173/2012 vom 28. Juni 2013 E. 3.1 mit Hinweis, 2C_512/2007
vom 24. Januar 2008 E. 3.3, 2A.426/2004 vom 23. November 2004
E. 2.3).
2.4.3 Im Bereich der Mehrwertsteuer ist nach konstanter Rechtsprechung
nicht in erster Linie die Sichtweise der Buchführung, sondern die wirt-
schaftliche und tatsächliche Betrachtungsweise massgebend. Das Mass-
geblichkeitsprinzip steht daher dem Nachweis, dass die buchhalterische
Erfassung von Leistungen nicht der wirtschaftlichen Realität entspricht,
nicht entgegen (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-6182/2012
vom 27. August 2013 E. 3.5, A-3579/2008 vom 17. Juli 2010 E. 3.3,
A-1601/2006 vom 4. März 2010 E. 3.2.2; Entscheide der Eidgenössi-
schen Steuerrekurskommission [SRK] vom 13. Dezember 2004 [SRK
2003-098] E. 4b, bestätigt durch das Urteil des Bundesgerichts
2A.65/2005 vom 17. Oktober 2005, sowie vom 24. September 2003 [SRK
2003-021] E. 4c, bestätigt durch das Urteil des Bundesgerichts
2A.520/2003 vom 29. Juni 2004).
2.5 Auf Verlangen des steuerpflichtigen Empfängers hat die steuerpflich-
tige Person über ihre Lieferung oder Dienstleistung eine Rechnung mit
den gesetzlich definierten Angaben auszustellen (Art. 37 Abs. 1
aMWSTG). Gutschriften und andere Dokumente, welche im Geschäfts-
verkehr Rechnungen ersetzen, sind solchen Rechnungen gleichgestellt,
wenn sie die Angaben nach Art. 37 Abs. 1 aMWSTG enthalten (Art. 37
Abs. 3 aMWSTG). Im Mehrwertsteuerrecht wird der Rechnung zentrale
Bedeutung beigemessen. Sie ist nicht ein reiner Buchungsbeleg, sondern
stellt ein wichtiges Indiz dafür dar, dass der Aussteller auch Leistungserb-
ringer ist und die mehrwertsteuerlich relevante Handlung tatsächlich er-
bracht hat. Gleichzeitig erklärt der Rechnungssteller dem -empfänger,
dass er die ausgewiesene Mehrwertsteuer der ESTV abgeliefert hat oder
noch abliefern wird. So bildet die Rechnung dem Empfänger Ausweis da-
für, auf der Leistung laste die angegebene Steuer und berechtige ihn di-
rekt zum entsprechenden Vorsteuerabzug (BGE 131 II 185 E. 5; Urteil
des Bundesgerichts 2C_285/2008 vom 29. August 2008 E. 3.2; Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts A-5274/2011 vom 19. März 2013 E. 3.3).
3.
Im vorliegenden Fall macht die Beschwerdeführerin sinngemäss geltend,
es seien steuerbare Umsätze, welche die C._ AG erzielt, verbucht
und bereits ordnungsgemäss deklariert und versteuert habe, versehent-
lich auch in ihrer Buchhaltung (Jahresrechnung 2009) erfasst worden. Da
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es nicht zulässig sei, denselben Umsatz zwei Mal zu besteuern, sei die
Nachbelastung im angefochtenen "Einspracheentscheid" insoweit zu re-
duzieren, als der Beschwerdeführerin darin die Mehrwertsteuer auf den
fraglichen (angeblich doppelt verbuchten) Umsätzen nachbelastet werde.
3.1 Die Beschwerdeführerin hat als Aktiengesellschaft und Steuerpflichti-
ge ihre Bücher nach Handelsrecht sowie nach Art. 58 Abs. 1 aMWSTG
ordnungsgemäss zu führen. Gemäss dem Prinzip der Massgeblichkeit
der Handelsbilanz, das grundsätzlich auch im Bereich der Mehrwertsteu-
er gilt, ist die (formell und materiell) ordnungsgemässe handelsrechtliche
Buchführung auch steuerlich massgebend (E. 2.4.1). Mit Blick darauf
stützte sich die ESTV bei der Ermittlung der strittigen Nachbelastung auf
die (unbestrittenermassen) revidierte und (offenbar) von der zuständigen
Generalversammlung genehmigte Jahresrechnung 2009 (Bilanz und Er-
folgsrechnung, umfassend den Zeitraum vom 21. April 2008 bis
31. Dezember 2009) der Beschwerdeführerin. Der ebenfalls herangezo-
gene "Bericht der Revisionsstelle [der Beschwerdeführerin] zur Einge-
schränkten Revision der Jahresrechnung 2009" vom 29. September 2010
hält fest, dass bei der betreffenden Revision keine Sachverhalte festge-
stellt worden seien, aus denen hätte geschlossen werden müssen, dass
die fragliche Jahresrechnung Gesetz oder Statuten widerspräche.
Die Beschwerdeführerin macht weder geltend noch ergibt sich aus den
vorliegenden Akten, dass sie die ESTV anlässlich der fraglichen Kontrolle
oder zumindest vor Erlass der strittigen Nachbelastung auf die angeblich
falsch bzw. doppelt verbuchten Umsätze in der fraglichen Buchhaltung
aufmerksam gemacht hätte. Auch sonst lassen sich den vorliegenden Ak-
ten keine Anhaltspunkte entnehmen, wonach die ESTV im Zeitpunkt der
strittigen Nachbelastung nicht hätte von einer ordnungsgemässen Buch-
führung ausgehen bzw. die materielle Richtigkeit der entsprechenden Un-
terlagen nicht hätte vermuten dürfen (vgl. E. 2.4.2). Die ESTV war dem-
nach berechtigt, für die Ermittlung der steuerbaren Umsätze anlässlich
der Kontrolle auf die Angaben der Beschwerdeführerin in der (genehmig-
ten und revidierten) Jahresrechnung 2009 abzustellen bzw. davon auszu-
gehen, dass die fraglichen Umsätze bzw. die entsprechenden Leistungen
mehrwertsteuerlich der Beschwerdeführerin als Leistungserbringerin zu-
zuordnen und demnach von dieser zu versteuern sind (E. 2.4.1). Dies gilt
umso mehr, als die Mehrwertsteuer als Selbstveranlagungssteuer aus-
gestaltet ist (E. 2.3), was grundsätzlich eine möglichst einfache Kontrolle
durch die ESTV bedingt (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts
2C_561/2009 vom 25. März 2011 E. 4.2). Ausserdem ist mit Blick auf die
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handels- und mehrwertsteuerrechtlichen Anforderungen an die ordnungs-
gemässe Buchführung grundsätzlich davon auszugehen, dass jedem
verbuchten Ertrag ein Rechnungsbeleg zugeordnet werden kann und
damit ein gewichtiges Indiz für einen diesbezüglichen mehrwertsteuerli-
chen Leistungsauftritt gegeben ist (E. 2.5).
3.2 Die Beschwerdeführerin macht nun geltend, die buchhalterische Er-
fassung der fraglichen Leistungen in der Jahresrechnung 2009 entspre-
che nicht der wirtschaftlichen Realität (vgl. E. 2.4.3). Die betreffenden
Umsätze bzw. die entsprechenden Leistungen seien – entgegen der
grundsätzlich gerechtfertigten Annahme der ESTV (E. 2.4.2 und 3.1) –
mehrwertsteuerlich nicht ihr zuzuordnen, sondern der C._ AG,
welche diese Umsätze bereits ordnungsgemäss versteuert (d.h. deklariert
und die entsprechende Mehrwertsteuer der ESTV abgeliefert) habe.
Bei diesem Vorbringen handelt es sich um eine steuermindernde Tatsa-
che, für welche die Beschwerdeführerin die Beweislast trägt (E. 1.4). In
den vorliegenden Akten finden sich nun aber keinerlei Belege dafür, dass
die fraglichen Umsätze tatsächlich bereits von der C._ AG dekla-
riert und ordnungsgemäss versteuert worden sind. Ebenso wenig finden
sich Anhaltspunkte – beispielsweise entsprechende Rechnungen der
C._ AG (E. 2.5) –, die darauf schliessen liessen, dass diese und
nicht die Beschwerdeführerin bei der Erzielung der betreffenden Umsätze
nach aussen in eigenem Namen aufgetreten ist und somit als Leistungs-
erbringerin zu gelten hat (E. 2.2). Der Beschwerdeführerin misslingt somit
der Nachweis, dass vorliegend ein Abrücken im beantragten Sinn von ih-
ren Angaben in der Jahresrechnung 2009 gerechtfertigt wäre. Sie ist un-
ter den gegebenen Umständen auf die entsprechende Buchhaltung zu
behaften (E. 2.4.1), womit die strittige Nachbelastung geschuldet bleibt.
Der Vollständigkeit halber bleibt zu erwähnen, dass sich die Beschwerde-
führerin diese aus ihrer Sicht negative mehrwertsteuerliche Folge selbst
anzulasten hat. Es wäre – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aus dem
Selbstveranlagungsprinzip fliessenden Pflichten der steuerpflichtigen
Person (E. 2.3) – ihre Aufgabe gewesen, bei der Verbuchung ihrer Ge-
schäftsvorfälle die notwendige Sorgfalt walten zu lassen und damit eine
Steuerkorrektur von vornherein auszuschliessen.
4.
Den vorstehenden Erwägungen zufolge ist die Beschwerde abzuweisen,
soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem Ausgang sind die Verfahrens-
kosten, die auf Fr. 3'100.-- festzusetzen sind, der unterliegenden Be-
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Seite 11
schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 4 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Sie sind mit
dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. Eine
Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e
contrario; Art. 7 Abs. 3 VGKE).