Decision ID: b8965be3-3e9d-4551-9aeb-32881e6b4e5a
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
Die 1963
geborene
X._
war
seit
15. April 2014
als
Softwareentwicklerin bei der
Y._ AG
angestellt und damit bei der
Helvetia Schweizer
ische Versicherungsgesellschaft
AG
(
Rechtsnachfolgerin der Schweizerischen Nati
onal-Versicherungs-Gesellschaft
AG
, Basel
)
obligatorisch unfallversichert. Laut
Schadenmeldung vom 27
.
April 2015
(Urk. 7/
m
1) erlitt sie am
20. Juni 2014
beim Essen
von
Fischrisotto
in einem Restaurant in Italien
einen Zahnschaden. Mit Verfügung vom
15. Juli 2015
(Urk.
6/K8
) verneinte die
Helvetia Schweizer
ische Versicherungsgesellschaft
AG
ihre Lei
stungspflicht. Die dagegen am 13
.
Oktober 2015
erhobene Ein
sprache der Versiche
rten
(Urk. 6/
K
9)
wies
sie mit Entscheid vom 17. November 2015
(Urk. 2) ab.
2.
Hiergegen erhob
X._
am
17. Dezember 2015
Beschwerde
(Urk. 1)
und beantragte
sinngemäss
die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die Zusprache der gesetzlichen Leistungen. Die
Helvetia Schweizer
ische Versiche
rungsgesellschaft
AG
schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom
21.
Januar 2016
(Urk.
5
) auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
1. Februar 2016 (Urk. 9
) zur Kenntnis gebracht wurde.
Der Einzelrichter

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden
– soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1).
1.3
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Ein
wirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlich
keit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwer wiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Le
bensbereich Alltäg
lichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 mit Hinweis).
1.
5
Die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens sind von der versicherten Person glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser For
derung nicht nach, indem sie un
vollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubhaft erscheinen las
sen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Ist aufgrund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt – die blosse Möglichkeit genügt nicht –, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der versicherten Person aus
wirkt (BGE 116 V 136 E. 4b, 114 V 298 E. 5b, 111 V 201 E. 6b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50).
2.
2.1
Zu beurteilen ist, ob es sich beim Ereignis
vom
20. Juni 2014
um einen Unfall im Rechtssinne handelt. Streitig ist insbesondere, ob
ein
ungewöhnliche
r
äussere
r
Faktor gegeben beziehungsweise rechtsgenügend nachgewiesen ist.
2.2
In
der Formulars
chadenmeldung vom
27. April 2015
(
Urk.
7/m1)
gab die Be
schwerdeführer
in zum Ereignishergang
an
, b
eim Essen
von
Fischrisotto
sei sie
beim Kauen auf etwas Hartes gestossen und der Zahn sei unerwartet abgebro
chen.
Die Frage, ob sich etwas Besonderes ereignet habe, beantwortete sie,
es sei die harte Schuppe im Risotto (
Fischrisotto
) gewesen.
Auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin
präzisierte
die Beschwerdeführerin am
2.
Juni 2014
(
Urk.
6/K3) ihre Darstellung und führte aus,
mit harter Schuppe
sei
e
in Stück einer Hülle (Schale, P
a
n
zer) von
Meerstieren wie Krabbe gemeint
.
In der Einsprache vom 13. August 2015 (
Urk.
6/K9) wies die Beschwerdeführe
rin darauf hin, der Fremdkörper in der Speise
sei so klein gewesen
, dass
sie
diesen in der Kaum
asse nicht
habe
sicherstellen k
ö
nne
n
.
Beschwerdeweise fü
hrte sie aus
,
die Besc
hwerden (das Abbrechen des Zahn
e
s) hätten sich erst beim Verlassen des Restaurants bemerkbar gemacht
(
Urk.
1
S. 2).
Sie hielt fest, ü
b
er die Art des Gegenstandes h
abe
sie nur eine Vermutung
und bemerkte, für
sie
st
ehe
fest, dass etwas Hartes in der Speise
gewesen
sei
und d
ies könnte a
uch ein Steinchen gewesen sein
.
Sie wies darauf hin, der
Fremdkörper
sei so klein gewesen
, dass sie
ihn
in der Kaumasse nicht sofort
h
abe
sicherstellen können
und da sie den
Schaden erst später bemerkt
h
abe
,
sei es
schon zu spät
gewesen
,
um die
Kaumasse
zu
durchsuchen
und den
Gegen
stand für die
Versicherung
sicherzustellen
(
Urk.
1 S. 3).
2.3
Wie von der Beschwerdegegnerin zutreff
end dargelegt wurde (
Urk.
2
S.
6
Ziff.
8
,
Urk.
5
Ziff.
6
), hat das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung erkannt, dass die blosse Vermutung, ein Zahnschaden sei durch einen Fremdkörper verursacht worden, nicht genügt, um einen ungewöhnlichen äusseren
Faktor anzunehmen. Unter diesen
Umständen kann die Frage, ob ein Unfall im Rechtssinne vorliegt,
regelmässig
nicht beantwortet werden,
wenn
ungeklärt bleibt, um was für einen Gegenstand es sich gehandelt hat, und sich demnach auch nicht zuverlässig beurteilen lässt, ob dieser als ungewöhnlicher äusserer Faktor zu qualifizieren ist.
In solchen Fällen
liegt daher Beweislosigkeit vor, deren Folgen die versicherte Person zu tragen hat, welche aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ablei
ten
wollte
, und es besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers.
In diesem Sinne wurde insbesondere entschieden, wenn die versicherte Person lediglich angeben konnte, auf „etwas Hartes“ oder „einen Fremdkörper“ gebis
sen zu haben, den Gegenstand jedoch nicht genauer beschreiben konnte. Allein aus dem Umstand, dass überhaupt eine Schädigung eingetreten ist, kann nicht auf das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors geschlossen werden. Schliesslich vermögen auch medizinische Feststellungen den mangelnden Nachweis einer unfallbedingten Schädigung rechtsprechungsgemäss nicht zu ersetzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_1059/2008 vom 2
7.
Februar 2009 E. 3 mit Hinweisen und
9C_196/2008 vom
3.
Juni 2008).
Eine blosse Vermutung, dass der Schaden durch einen ungewöhnlichen äusse
ren Faktor eingetreten sei, liegt nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung auch dann vor, wenn der fragliche Gegenstand zwar benannt wurde („ein Stein“), der entsprechende Nachweis aber nicht erbracht werden konnte (Urteil
des
damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts
U 64/02 vom 2
6.
Februar 2004 E. 2.2.2 mit Hinweisen).
D
ie entsprechende Rechtsprechung bestätigte das Bundesgericht
auch
im
Urteil
8C_1034/2009 vom 2
8.
Juli 2010
,
wobei wie im vorliegenden Fall ein
Zahnschaden im Zusammenhang mit dem Verspeisen von Risotto
zu beurteilen war (vgl. insbesondere E 4.4 des Urteils).
2.4
Die
Beschwerdeführerin hat
wiederholt ausgeführt
,
auf etwas Hartes gebissen zu haben
,
wobei dies ein Stück einer Schale, eines Panzer
s
von Meerstieren, Krab
ben
oder
allenfalls auch ein
Steinchen
gewesen sein könnte.
Fest steht jed
en
falls
, dass es sich hierbei lediglich um eine Vermutung beziehungsweise eine Interpretation der Beschwerdeführerin handelt,
denn
wie sie im Rahmen des vorliegenden Verfahrens
ausdrücklich festhielt
(vgl. E.
2.2
hi
ervor), hatte sie
das mutmasslich schadensverursachende Objekt
im
Kaugut
gar nicht gesehen
. An
gesichts dessen kann nicht zuverlässig beurteilt werden (und auch die Be
schwerdeführerin nicht verlässlich wissen), ob es sich beim fraglichen Gegen
stand um einen Fremdkörper gehandelt hat, der als ungewöhnlicher äusser
er Faktor zu qualifizieren wäre
. Dementsprechend ist es bloss möglich, aber nicht überwiegend wahrscheinlich, dass ein ungewöhnlicher äusserer Faktor für die Zahnschädigung ursächlich war. Insofern liegt eine nicht zu behebe
nde
Be
weislosigkeit
(vgl. E. 1.
5
hiervor) vor, deren Folgen die Beschwerdeführerin zu tragen hat, welche aus dem unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten
wollte
.
2.5
Die
Beschwerdegegnerin hat ihre Leistungspflicht somit zu Recht verneint, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
3.
Das Verfahren ist kostenlos (
§
33
GSVGer
in Verbindung mit Art. 1 UVG und Art. 61
lit
. a ATSG)
.
Den Versicherungsträgern und Gemeinwesen steht der Anspruch auf Ersatz der Parteikosten in der Regel nicht zu (
§
34
Abs.
2
GSVGer
; vgl. auch BGE 112 V 356 E. 6). Vorliegend besteht kein Grund, von diesen Grundsätzen abzuweichen, weshalb der Beschwerdegegnerin keine Pro
zessentschädigung zuzusprechen ist.