Decision ID: c8b51ce5-5563-5bca-9c94-8f55320c5076
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein aserbaidschanischer Staatsangehöriger mit
letztem Wohnsitz in B._, verliess seinen Heimatstaat eigenen An-
gaben zufolge im Oktober 2017. Auf dem Luftweg sowie mit dem Auto
reiste er zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester über die
C._ und D._ nach Deutschland, wo die Familie um Asyl
nachsuchte. Da der Beschwerdeführer über ein von der Schweizer Bot-
schaft in Aserbaidschan ausgestelltes Schengen-Visum verfügte, wurde er
von den deutschen Behörden gestützt auf das Dublin-Übereinkommen am
25. April 2018 an die Schweiz überstellt. Gleichentags stellte er im Emp-
fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) E._ ein Asylgesuch. Am 11.
Mai 2018 wurde er im Rahmen einer Befragung zur Person (BzP) zu seinen
persönlichen Umständen, dem Reiseweg sowie summarisch zu seinen Ge-
suchsgründen befragt. Die einlässliche Anhörung zu den Asylgründen er-
folgte am 7. Januar 2020.
B.
B.a Dabei machte der Beschwerdeführer geltend, er stamme aus
B._, habe einen Universitätsabschluss in (...) und habe zuletzt für
ein staatliches (...) Unternehmen (...) gearbeitet. Im Rahmen seiner Ar-
beitstätigkeit habe er unter anderem erfahren, dass einer der (...) in
B._ – ein (...) Bauwerk – verrutscht sei und dass eine neu entdeckte
(...) in F._ vor der Öffentlichkeit geheim gehalten worden sei. Eines
Tages habe er mit einem Freund darüber geredet, wobei auch ein Freund
von diesem – der Journalist G._ – anwesend gewesen sei. Letzte-
rer habe diese Informationen auf seiner Website veröffentlicht und sei da-
nach festgenommen worden. Er selbst sei am (...) Juli 2017 von Mitarbei-
tern des Sicherheitsministeriums verhaftet und drei Tage lang festgehalten
worden. Dabei hätten sie ihn stundenlang befragt und ihm vorgeworfen,
geheime Informationen an die Medien weitergeleitet zu haben. Zudem hät-
ten sie ihn beschimpft und geschlagen. Bei seiner Entlassung habe er ein
Dokument unterschreiben müssen und ihm sei gesagt worden, er müsse
sich für weitere Befragungen zur Verfügung halten. In der Folge sei er zwei-
mal auf den Polizeiposten vorgeladen worden. Er habe jedoch nichts zu-
gegeben und sie hätten keine Beweise gegen ihn gehabt. Über einen Be-
kannten, der bei der Polizeiabteilung gearbeitet habe, habe er erfahren,
dass ihm dennoch eine Verhaftung drohe. Die Behörden in Aserbaidschan
würden – wenn sie keine richtigen Gründe für eine Festnahme hätten – die
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betroffene Person einfach wegen eines Drogendelikts, Diebstahls oder an-
deren Vorwürfen verhaften. Er habe sich daher entschieden, das Land zu
verlassen. Mithilfe eines Vermittlers habe er von der Schweizer Botschaft
ein Schengen-Visum erhalten und sei aus Aserbaidschan ausgereist.
Im Jahr 2019 habe eine Frau behauptet, er und seine Schwester hätten sie
um 20'000 Dollar betrogen. Sie habe deswegen Anzeige erstattet und es
laufe ein Strafverfahren gegen ihn. Zudem seien Medienberichte veröffent-
licht worden, in welchen er als Agent von H._ – dem ehemaligen
(...) – dargestellt worden sei. Bei einer Rückkehr würde er aufgrund dieser
konstruierten Vorwürfe umgehend verhaftet und ins Gefängnis gesteckt.
B.b Der Beschwerdeführer reichte seine Identitätskarte und seinen Führer-
schein im Original zu den Akten. Zudem gab er bei der Vorinstanz folgende
Unterlagen ab:
- Bericht der Zeitung (...) vom 22. Juni 2018
- Empfehlungsschreiben vom 18. Dezember 2019
- Vorladung vom (...) Oktober 2017 und vom (...) September 2017 (in
Kopie) mit Übersetzung
- Beschluss der Polizeibehörde der Stadt B._, Oktober 2017, mit
Übersetzung
- Internetartikel von (...) vom 21. Juni 2018 mit Übersetzung
- Strafanzeige vom (...) 2019 mit Übersetzung
- Vorladung durch die Polizei der Stadt B._ vom (...) 2019 mit
Übersetzung
- Beschluss betreffend zwangsweise Vorführung durch die Polizei der
Stadt B._ vom (...) 2019 mit Übersetzung
- Zusammenstellung der Rechtsvertreterin über Verfolgungsmassnah-
men in Aserbaidschan
- Schreiben eines Anwalts aus B._ vom 2. September 2019 mit
Übersetzung
- Schreiben der Staatsanwaltschaft der Stadt B._ vom 14. August
2019 mit Übersetzung
- Auszug eines Chatverlaufs zwischen den Polizeibehörden von
B._ und der Schwester des Beschwerdeführers mit Überset-
zung
- Schreiben der Polizei der Stadt B._ vom 18. Juli 2019
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C.
Mit Verfügung vom 30. April 2020 – eröffnet am 6. Mai 2020 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und
ordnete deren Vollzug an.
D.
Mit Eingabe vom 5. Juni 2020 erhob der Beschwerdeführer – handelnd
durch seine Rechtsvertreterin – beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde gegen diesen Entscheid und beantragte, die angefochtene Ver-
fügung sei aufzuheben und die Sache zur vollständigen Sachverhaltsab-
klärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei das Asylgesuch
zu prüfen und ihm Asyl zu gewähren. Zudem sei festzustellen, dass der
Vollzug der Wegweisung nach Aserbaidschan unzulässig und unzumutbar
sei, und es sei eine vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrecht-
licher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung, Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und Beiordnung
der unterzeichnenden Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. Als
Beschwerdebeilagen wurden – neben der angefochtenen Verfügung und
einer Vollmacht – ein Bericht von Amnesty International vom 23. Mai 2018,
ein Artikel der NZZ vom 13. Juni 2015, ein fremdsprachiger Bericht von
Meydan TV vom (...) 2015, der Ausdruck einer E-Mail-Anfrage der Rechts-
vertreterin an G._ und dessen Antwort, die Originale der Vorladun-
gen vom (...) Oktober 2017 und vom (...) September 2019 sowie eines
Schreiben der Polizeibehörde vom 2. Oktober 2017 und zwei Internetbe-
richte eingereicht.
E.
Am 8. Juni 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang
der Beschwerde.
F.
Mit Eingabe vom 18. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführer ein fremd-
sprachiges Schreiben von I._ zu den Akten. Bei diesem handle es
sich um einen regierungskritischen Journalisten und Filmemacher aus
Aserbaidschan, welcher als anerkannter Flüchtling in der Schweiz lebe. Er
äussere sich in diesem Schreiben zu den vom SEM im Rahmen eines Con-
sultings abgeklärten Fragen.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 24. Juni 2020 stellte die Instruktionsrichterin
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fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten. Gleichzeitig wies sie die Gesuche um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege, Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses und Beiordnung einer amtlichen Rechtsbeiständin ab und for-
derte den Beschwerdeführer auf, einen Kostenvorschuss zu leisten.
H.
Am 7. Juli 2020 wurde der Kostenvorschuss bezahlt.
I.
Mit Eingabe vom 22. Juli 2020 reichte der Beschwerdeführer durch seine
Rechtsvertreterin weitere Beweismittel zu den Akten. Dabei handelt es sich
um fünf aus dem Internet ausgedruckte Artikel, ein Diplom des Beschwer-
deführers (in Kopie) sowie verschiedene ausgedruckte Fotos.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
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AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Kostenvorschuss
wurde fristgerecht bezahlt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb das
Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2).
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5.
5.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das SEM aus, öffentlich zu-
gänglichen Berichten lasse sich entnehmen, dass G._ im (...) 2017
nicht wegen der Veröffentlichung von vertraulichen Informationen verhaftet
worden sei, sondern weil er (...) haben soll. Im (...) 2017 sei er der (...)
schuldig gesprochen worden. Zudem weise die familiäre Herkunft von
G._ darauf hin, dass er zu Kreisen gehöre, welche loyal zur Regie-
rung seien. Die Medien, deren Chefredaktor er gewesen sei, seien nicht
als regierungskritisch bekannt. Vor diesem Hintergrund sei es wenig wahr-
scheinlich, dass er staatsschädigende Informationen auf seiner Webseite
verbreiten würde. Nachdem der Beschwerdeführer seine Verfolgung von
der Verhaftung G._ ableite, sei seinen Vorbringen folglich jegliche
Grundlage entzogen. Es könne nicht geglaubt werden, dass er aus den
von ihm genannten Gründen Probleme mit dem aserbaidschanischen
Staat gehabt habe und deshalb verhaftet worden sei. Es sei nicht Aufgabe
des SEM, sich in hypothetischer Weise zu allfälligen anderen Gründen für
seine Verhaftung, sofern eine solche überhaupt stattgefunden habe, zu
äussern. Diesbezüglich sei anzumerken, dass er anlässlich der BzP ange-
geben habe, er sei am (...) Juni 2017 verhaftet worden, während er bei der
Anhörung vom (...) Juli 2017 gesprochen habe. Ohnehin erstaune das Ver-
halten des Beschwerdeführers, welcher einem Journalisten, mit dem er
nichts zu tun gehabt habe und den er an jenem Tag zum ersten Mal gese-
hen habe, Einblick in interne Angelegenheiten seiner Firma gewährt haben
wolle.
Weiter mache der Beschwerdeführer geltend, ihm sei nach der Ausreise
unterstellt worden, er habe eine Frau um 20'000 Dollar betrogen und sei
ein Agent H._ gewesen. Da sich diese Vorbringen auf seine angeb-
liche Vorverfolgung beziehen würden, welche sich als unglaubhaft erwie-
sen habe, könne auch nicht geglaubt werden, dass er deswegen mit unzu-
treffenden Vorwürfen konfrontiert gewesen sei. Abgesehen davon seien
seine Ausführungen zu dem Betrugsfall auch für sich betrachtet nicht
glaubhaft und es frage sich, wie er überhaupt an die von ihm vorgelegten
Dokumente – ein Schreiben des Betrugsopfers an die Staatsanwaltschaft
sowie ein Schreiben der Staatsanwaltschaft an dieses – gekommen sei.
Sodann werde der Beschwerdeführer zwar in einem Zeitungsartikel als
Agent von H._ dargestellt. Da nicht glaubhaft sei, dass er aufgrund
der Weitergabe vertraulicher Informationen von den Behörden verfolgt und
mit falschen Anschuldigungen belastet worden sei, müsse die Nennung
seines Namens in diesem Artikel in einem anderen Zusammenhang ste-
hen. Allein der Umstand, dass er als Agent H._ bezeichnet werde,
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genüge nicht, um eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungssituation
herzuleiten. Falls er in dieser Hinsicht zu Unrecht beschuldigt werden
sollte, könne er sich mithilfe seines Anwalts in Aserbaidschan dagegen
wehren, zumal keine Gründe ersichtlich seien, welche die heimatlichen Be-
hörden veranlassen könnten, ihn mithilfe eines konstruierten Verfahrens zu
belangen.
5.2 In der Beschwerdeschrift wurde vorgebracht, der Beschwerdeführer
habe aufgrund seiner Arbeitstätigkeit Kenntnis von unlauteren Machen-
schaften der aserbaidschanischen Regierungsbehörden erlangt. Im Jahr
2017 habe er zufällig seinen Freund und den Journalisten G._ ge-
troffen. Sie hätten geredet und seien auf die Arbeit zu sprechen gekom-
men, wobei er von den Problemen, die er im Rahmen seiner Tätigkeit mit-
bekommen habe, erzählt habe. Er habe nicht geahnt, dass diese Informa-
tionen in der Folge veröffentlicht würden. Zahlreiche Medien hätten über
die Verhaftung von G._ im (...) 2017 berichtet, wobei auch ange-
deutet worden sei, dass der gegen ihn gerichtete Vorwurf – er habe (...) –
nicht richtig sein könnte. Das SEM stütze sich bei der Ablehnung des Asyl-
gesuchs auf ein Consulting, welches seinerseits allein auf im Internet ver-
öffentlichten Artikeln basiere. Nachvollziehbare Quellen, welche die Rich-
tigkeit der im Consulting dargelegten Informationen bestätigen könnten,
gebe es nicht. Es sei bekannt, dass in Aserbaidschan zahlreiche Journa-
listen aufgrund von Vorwürfen wie Bestechung, Geldwäscherei oder Er-
pressung verhaftet worden seien. Politisch aktive Personen würden oft we-
gen konstruierten Anschuldigungen in Haft genommen und angeklagt, um
den Anschein zu vermeiden, dass eine politische Verfolgung vorliege. Es
sei nicht ersichtlich, wie das SEM zum Schluss komme, dass es sich bei
G._ nicht um einen regimekritischen Journalisten handle. Viele sei-
ner Artikel seien im Internet nicht mehr abrufbar und in einem der wenigen,
die noch auffindbar seien, äussere er sich kritisch über die Regierenden.
Jedenfalls stehe fest, dass es in Aserbaidschan fast keine unabhängigen
Medien mehr gebe und auch keine Menschenrechtsorganisationen vor-
handen seien, welche objektiv Bericht erstatten würden. Es sei gut möglich,
dass die Behörden versucht hätten, G._ aufgrund der Veröffentli-
chung der Informationen des Beschwerdeführers mundtot zu machen.
Hinsichtlich der unterschiedlichen Angaben zum Verhaftungsdatum sei
nachvollziehbar, dass sich der Beschwerdeführer bei der Anhörung, mithin
zwei Jahre nach dem Ereignis, nicht mehr richtig daran erinnern könne.
Das Strafverfahren gegen ihn und seine Schwester wegen Betrugs sei of-
fensichtlich konstruiert, da die Wohnung, um die es dabei gehe, gar nicht
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ihnen gehöre und es dem Anwalt nicht gelungen sei, das angebliche Be-
trugsopfer ausfindig zu machen. Die eingereichten Dokumente habe der
Beschwerdeführer durch den Rechtsanwalt seiner Familie erhalten. Da es
sich um einen absurden Vorwurf handle, könne er zu diesem Verfahren
nicht mehr sagen. Das SEM habe die ganzen Umstände seiner Verfolgung
falsch verstanden und behaupte, es sei unglaubhaft, dass er aufgrund der
Weitergabe von Informationen falschen Anschuldigungen ausgesetzt ge-
wesen sei. Es könne jedoch nicht erklären, weshalb er in der Zeitung mit
Name und Foto als Gefolgsmann von H._ dargestellt werde, ob-
wohl er diesen weder kenne noch mit ihm zusammengearbeitet habe. Die
bekannten Verfolgungsmethoden der aserbaidschanischen Regierung –
mit konstruierten Strafverfahren unliebsame Personen auszuschalten –
würden von der Vorinstanz ignoriert und es werde offengelassen, was bei
einer Rückkehr mit ihm geschehen würde. Er könne sich gegen die Vor-
würfe aber nicht zur Wehr zu setzen, da er zu Unrecht beschuldigt werde
und es darum gehe, ihn zum Schweigen zu bringen sowie sich an ihm we-
gen der Weitergabe von Informationen zu rächen.
5.3 In der Eingabe vom 22. Juli 2020 wurde bekräftigt, dass der Beschwer-
deführer mit dem Journalisten G._ über Machenschaften der Re-
gierung gesprochen habe und Letzterer mit grosser Wahrscheinlichkeit
durch ein konstruiertes Strafverfahren mundtot gemacht werde. Sodann
sei es nicht möglich, weitere Abklärungen in Bezug auf die Verfahren in
Aserbaidschan zu tätigen. Sogar sein Anwalt habe sich geweigert, im Zu-
sammenhang mit dem Fall von H._ als Vertreter zu arbeiten, da er
Angst um sein Anwaltspatent habe. Das SEM gehe zu Unrecht davon aus,
dass er in Aserbaidschan ein faires Strafverfahren erhalten würde. Es be-
stehe die Gefahr, dass er bei einer Rückkehr festgenommen werde, wobei
ihm eine jahrelange Gefängnisstrafe und Folter drohe. Das SEM habe den
Sachverhalt diesbezüglich nicht genügend abgeklärt.
6.
6.1 Nach eingehender Prüfung der Akten gelangt das Gericht zum Schluss,
dass die Auffassung der Vorinstanz, es gelinge dem Beschwerdeführer
nicht, eine Verfolgung durch die aserbaidschanischen Behörden aufgrund
der Weitergabe von internen Informationen glaubhaft zu machen, zu be-
stätigen ist.
6.1.1 So weisen die Ausführungen des Beschwerdeführers zu den Ereig-
nissen vor seiner Ausreise verschiedene Widersprüche auf. Bei der BzP
erklärte er, dass er Informationen über (...) an die Presse weitergeleitet
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habe, wobei er nicht gewusst habe, dass dies verboten gewesen sei. Zu-
dem habe er die Presse darüber informiert, dass die (...) in B._ ver-
rutscht seien (vgl. A6, Ziff. 7.01). Dies würde darauf schliessen lassen,
dass der Beschwerdeführer bewusst Informationen an die Medien weiter-
gegeben hat, im Unwissen über mögliche Konsequenzen dieses Handelns.
Demgegenüber machte er anlässlich der Anhörung geltend, er habe wäh-
rend eines Gesprächs über die Arbeit einem Freund erzählt, dass es in
seiner Firma Veruntreuungen und Verbrechen gebe; der ebenfalls anwe-
sende Journalist habe dies in der Folge einfach veröffentlicht (vgl. A24,
F100). Er selbst habe gar nicht gewollt, dass diese Informationen veröffent-
licht werden, da er gewusst habe, dass er in diesem Fall "drankommen"
und verhaftet werden würde (vgl. A24, F102). Gemäss dieser Darstellung
der Ereignisse hätte der Beschwerdeführer somit unwissentlich Informati-
onen an die Presse gegeben, da er sich darüber im Klaren war, dass dies
für ihn schwerwiegende Konsequenzen haben könnte.
6.1.2 Weiter gab der Beschwerdeführer bei der BzP an, dass die Weiter-
gabe der Informationen an die Presse im Jahr 2016 stattgefunden habe.
Nach deren Veröffentlichung sei der Journalist verhaftet worden und des-
sen Anwalt habe sich an ihn gewandt, um ihn zu warnen (vgl. A6, Ziff.
7.01 f.). Die Verhaftung G._ fand jedoch erst im Juni 2017 statt, mit-
hin mehrere Monate nach der angeblichen Weitergabe der Informationen.
Zudem führte der Beschwerdeführer bei der Anhörung aus, dass der An-
walt von G._ nicht ihn, sondern seinen Freund kontaktiert habe, da
er selbst mit diesem Journalisten nichts zu tun gehabt habe (vgl. A24,
F105).
6.1.3 Des Weiteren war der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge
bei der (...) als Einkäufer für Spezialmaterial tätig (vgl. A24, F65). Seine
Aufgaben in dieser Funktion sollen die Verwaltung von Dokumenten des
Labors, die Verarbeitung von Informationen über Forschungen nach wert-
vollen Mineralien, den Transport von Proben der Grabungen nach (...) so-
wie die Auszahlung von Löhnen an die Mitarbeiter der (...) umfasst haben
(vgl. A24, F85 und F128). Selbst wenn der Beschwerdeführer ein sehr brei-
tes Aufgabengebiet hatte und über eine Ausbildung im wirtschaftlichen Be-
reich verfügt (vgl. A24, F71), erscheint dieses Tätigkeitsprofil für einen Ein-
käufer von Spezialmaterial äusserst unüblich. Es entsteht der Eindruck, der
Beschwerdeführer versuche durch den Beschrieb seiner angeblichen Auf-
gaben zu rechtfertigen, wie er im Rahmen seiner Arbeitstätigkeit an Infor-
mationen gelangt ist, deren Veröffentlichung die Regierung möglicherweise
hätte verhindern wollen.
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6.1.4 Sodann führte der Beschwerdeführer anlässlich der BzP aus, er sei
ab dem (...) Juni 2017 für drei Tage in Haft gewesen (vgl. A6, Ziff. 7.02).
Bei der Anhörung antwortete er auf die Frage hin, wann er in Haft gewesen
sei, mit "Juli...wie gesagt, ich kann die Daten nicht so gut. Am (...) Juli
2017" (vgl. A24, F88). Beide Male gab er präzise Daten an, die sich aber
wesentlich voneinander unterscheiden. Die Festnahme dürfte für den Be-
schwerdeführer – der eigenen Angaben zufolge vorher nie Probleme mit
der Polizei gehabt habe (vgl. A24, F131) – ein äusserst einschneidendes
Erlebnis gewesen sein, zumal er dabei nicht nur über mehrere Stunden
befragt, sondern auch geschlagen und eingeschüchtert worden sein soll
(vgl. A24, F86). Daher erstaunen die unterschiedlichen Angaben zum Ver-
haftungszeitpunkt, auch wenn dieser bei den Befragungen bereits mehr als
zwei Jahre zurücklag. Weiter soll der Beschwerdeführer nach der Entlas-
sung noch zweimal für Befragungen auf den Polizeiposten vorgeladen wor-
den sein. Bei der BzP gab er an, er könne sich an deren genauen Zeitpunkt
zwar nicht erinnern; sie hätten aber etwa innerhalb eines Monats nach der
Freilassung stattgefunden (vgl. A6, Ziff. 7.02). Die eingereichten Vorladun-
gen, welche diese Befragungen betreffen, datieren jedoch vom (...) Sep-
tember respektive (...) Oktober 2017 (vgl. A24, F95 sowie A7, Beweismittel
5) und ergingen damit offensichtlich nicht innerhalb eines Monats nach der
Festnahme.
6.1.5 Schliesslich ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer gemäss
dem zentralen Visa-Informationssystem (CS-VIS) bereits am (...) Juli 2017
um ein Visum für die Schweiz ersucht hatte, welches jedoch nicht bewilligt
worden war (vgl. A5). Diesbezüglich merkte er bei der BzP an, er habe das
Visum über einen Vermittler beantragt, wobei das erste Gesuch im Juli
2017 abgelehnt worden sei (vgl. A6, Ziff. 2.05). Ausgehend von der Ver-
misstmeldung seines Vaters, welche als Beweismittel für die Festnahme
vorgelegt wurde, fand die Verhaftung des Beschwerdeführers am (...) Juli
2017 statt (vgl. A7, Beweismittel 5). Das erste Visumsgesuch wurde somit
bereits vor der geltend gemachten Verhaftung durch die Polizei gestellt,
mithin bevor der Beschwerdeführer überhaupt Probleme mit den Behörden
erhalten haben will. Dies deutet ebenfalls darauf hin, dass er nicht aus den
von ihm dargelegten Gründen aus Aserbaidschan ausgereist ist.
6.1.6 Insgesamt erscheint es angesichts der verschiedenen Widersprüche
und Ungereimtheiten in den Ausführungen des Beschwerdeführers nicht
glaubhaft, dass er aufgrund der Weitergabe von internen Informationen aus
seiner Arbeitstätigkeit von den aserbaidschanischen Behörden verfolgt
worden ist. Entsprechend sind auch keine Gründe ersichtlich, welche die
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Seite 12
heimatlichen Behörden veranlassen könnten, dem Beschwerdeführer De-
likte unterzuschieben und ihn mit konstruierten Vorwürfen zu konfrontieren.
6.2 Auf Beschwerdeebene wird unter Verweis auf allgemeine Berichte zur
Lage in Aserbaidschan geltend gemacht, dass es sich bei konstruierten
Strafverfahren um eine gängige Methode der aserbaidschanischen Behör-
den handle, gegen kritische Medienschaffende oder politische Gegner vor-
zugehen. Der Beschwerdeführer verfügt jedoch nicht über ein politisches
Profil, da er lediglich Mitglied einer Partei war, ohne sich aktiv für diese zu
engagieren (vgl. A6, Ziff. 7.02). Ebenso wenig war er bei den Medien tätig
oder äusserte sich kritisch gegen die Regierung. Nachdem seine Vorflucht-
gründe nicht glaubhaft sind, ist nicht ersichtlich, weshalb die Behörden ihn
mit einem fingierten Prozess belangen sollten. Weder die als Beweismittel
vorgelegten Berichte zu Verfolgungsmassnahmen in Aserbaidschan noch
die Medienberichterstattung zu G._ und H._ weisen – mit
Ausnahme desjenigen Artikels, in welchem er als Agent des Letzteren dar-
gestellt wird – einen Bezug zum Beschwerdeführer auf. Nachdem es ihm
nicht gelungen ist, glaubhaft zu machen, dass er ins Visier der heimatlichen
Behörden geraten ist, ist nicht davon auszugehen, dass ihm eine unrecht-
mässige Strafverfolgung droht. Sein Profil entspricht gerade nicht demjeni-
gen eines Regierungsgegners oder kritischen Medienschaffenden. An die-
ser Einschätzung vermag auch das Schreiben von I._ nichts zu än-
dern, zumal weder geltend gemacht wird noch ersichtlich ist, inwiefern sich
damit ein Interesse der aserbaidschanischen Behörden an einer Verfol-
gung des Beschwerdeführers belegen lassen könnte.
6.3 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführers nichts vorgebracht, das
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Sollte er bei einer Rückkehr tatsächlich mit einem
Strafverfahren gegen seine Person konfrontiert sein, ist davon auszuge-
hen, dass er die Möglichkeit hat, sich mit rechtlichen Mitteln dagegen zu
wehren. Vor diesem Hintergrund bestand für die Vorinstanz keine Veran-
lassung, weitergehende Sachverhaltsabklärungen zu treffen. Das SEM hat
daher zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint
und sein Asylgesuch abgelehnt.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
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Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegwei-
sung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet.
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungs-
vollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts
der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigen-
schaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich
ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24
E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
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Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht
als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg-
weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim-
mungen zulässig.
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.2 In Aserbaidschan herrscht weder Krieg noch Bürgerkrieg noch eine
Situation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG. Ein Wegwei-
sungsvollzug in den Heimatstaat des Beschwerdeführers ist demnach
grundsätzlich als zumutbar zu qualifizieren.
8.3.3 Ferner führte das SEM in der angefochtenen Verfügung aus, es seien
vorliegend weder individuelle Gründe noch besondere Umstände ersicht-
lich, welche den Wegweisungsvollzug unzumutbar erscheinen liessen. Der
Beschwerdeführer sei Hochschulabgänger und habe verschiedene Berufs-
erfahrungen gesammelt. Zudem sei er jung, habe keine aktenkundigen ge-
sundheitlichen Probleme und verfüge im Heimatstaat sowohl über ein fa-
miliäres als auch ein soziales Beziehungsnetz.
Diesen Erwägungen werden auf Beschwerdeebene keine wesentlichen
Einwände entgegengehalten. Der Beschwerdeführer gab ausdrücklich an,
es sei ihm in der Heimat finanziell gut gegangen und er sowie sein Vater
hätten über eigene Häuser und ein Stück Land verfügt (vgl. A6, Ziff. 7.02
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und A24, F49). Es ist daher nicht davon auszugehen, dass er bei einer
Rückkehr einer Existenzbedrohung ausgesetzt werden könnte. Der Vollzug
der Wegweisung ist als zumutbar zu qualifizieren.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-
zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur Be-
zahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
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