Decision ID: 5f4abd88-59c4-4fd6-a924-11c1ee9f4f8d
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 196
3
, war seit
1.
März 2005 als Verkäuferin tätig, erlitt am 2
8.
August 2008 einen Unfall (vgl.
Urk.
5/10/117) und meldete sich am 1
0.
Juli 2009 bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbezug an (
Urk.
5/1). A
m
5.
August 2009 erlitt sie einen weiteren Unfall (vgl.
Urk.
5/27/55).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, stellte mit Verfü
gung vom 1
3.
November 2009 fest, dass keine beruflichen Eingliederungsmass
nahmen möglich seien, da sich die Versicherte nicht arbeitsfähig fühle (
Urk.
5/21). Am 2
3.
März 2012 teilte sie der Versicherten den Abschluss der Arbeitsvermittlung mit (
Urk.
5/44).
Mit Vorbescheid vom 2
3.
März 2012 stellte die IV-Stelle in Aussicht, einen Ren
tenanspruch zu verneinen (
Urk.
5/49)
, dies hauptsächlich gestützt auf ein von den
Y._
am
6.
Dezember 2011 erstattetes Gutachten (
Urk.
5/41/19-81)
. Dagegen erhob die Versicherte am
7.
Mai 2012 Einwände (
Urk.
5/52). Mit Verfügung vom 2
0.
Juli 2012 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch (
Urk.
5/55 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 2
0.
Juli 2012 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am 1
4.
September 2012 Beschwerde und beantragte die
Zusprache
einer ganzen Rente, mindestens aber einer
Dreiviertelsrente
(
Urk.
1 S. 2 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
8.
Oktober 2012 (
Urk.
4) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
8.
Februar 2012 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
6).
3.
Im unfallversicherungsrechtlichen Verfahren Nr. UV.2013.00157
der Beschwer
de
führerin
erging das Urteil am heutigen Tag.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung (IVG)
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Ein
gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbsein
kommen
ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüberge
stellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes ist ein theoretischer und abstrak
ter Begriff, welcher dazu dient, den Leistungsbereich der Invalidenversicherung von jenem der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Er umschliesst einerseits ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraus
setzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die invalide Person die Mög
lichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten, und ob sie ein
renten
ausschliessendes
Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE 110 V 273 E.
4b; ZAK 1991 S. 321 E. 3b und 1985 S. 462 E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 343 E. 3.2). An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und
Verdienstaus
sichten
sind praxisgemäss nicht übermässige Anforderungen zu stellen; diese hat viel
mehr nur
so weit
zu gehen, als im Einzelfall eine zuverlässige Ermittlung des Invaliditätsgrades gewährleistet ist. Für die
Invaliditäts
bemessung
ist nicht darauf abzustellen, ob eine invalide Person unter den konkreten
Arbeitsmarkt
verhältnissen
vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr ver
bliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nützen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften
entsprechen würden (AHI 1998 S. 290 f. E. 3b; Urteile des Bundesgerichts I 273/04 vom 29. März 2005, I 591/02 vom 5.
Mai 2004, I 285/99
vom
1
3.
März 2000 und U 176/98 vom 1
7.
April 2000).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus,
dass der Beschwerdeführerin gemäss der medizinischen Beurteilung eine behinderungsangepasste Tätigkeit zu 70
%
zumutbar wäre (S. 1 unten). Vom statistischen Tabellenlohn nahm sie einen Abzug von 10
%
vor und ermittelte einen Invaliditätsgrad von 35
%
(S. 2 oben).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf
den Standpunkt, sie
sei
nicht mehr arbeitsfähig, und in dieser Einschätzung werde sie von den behan
delnden Ärzten unterstützt (S. 4
Ziff.
15). Die Beurteilung im
Y._
-Gutachten, wonach sie für leidensangepasste Tätigkeiten zu 70
%
arbeitsfähig sei, sei nicht zutreffend und nicht nachvollziehbar begründet (S. 7
Ziff.
30). Auch finde sich mit den gemachten Einschränkungen (kein Tragen von Lasten über 5 kg, keine Überkopfarbeiten, keine Zwangshaltungen, kein zu grosser Zeit- und Leistungs
druck) im heutigen arbeitsrechtlichen Umfeld keine Arbeit, jedenfalls nicht zum von der Beschwerdegegnerin eingesetzten Lohn (S. 7 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit der Beschwer
deführerin in leidensangepasster Tätigkeit verhält. Unbestritten und aufgrund der Akten
(vgl.
Urk.
5/12
Ziff.
2.10,
Urk.
5/46
) nicht
zu
beanstanden ist das mit
Fr.
50‘700.-- bezifferte
Valideneinkommen
.
3.
3.1
Die Ärzte der Rheumaklinik des
Z._
führten in ihrem Bericht vom 2
9.
Juli 2009 (
Urk.
5/8/6-
9) aus, die Beschwerdeführerin sei bei ihnen vom
5.
bis 1
1.
März 2009 ambulant und vom 1
6.
bis 2
7.
März 2009 stationär behandelt worden (
Ziff.
1.2 und 1.3).
Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie ein
cerviko
bra
chiales
und
thorakovertebrales
Syndrom rechts, dies unter anderem bei / nach Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) bei Autounfall am 2
8.
August 2008 (
Ziff.
1.1). Sie attestierten eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom 1
6.
bis 3
1.
März 2009 und eine solche von 50
%
vom
1.
bis 1
4.
April 2009 sowie anschliessend eine schrittweise Reduktion der Arbeitsunfähigkeit gemäss ärztli
chen Nachkontrollen (
Ziff.
1.6).
3.2
Med.
pract
.
A._
, Allgemeine Innere Medizin FMH, berichtete am 2
7.
Septem
ber 2009 (
Urk.
5/16/1-5), dass
er die Beschwerdeführerin seit 1999 behandle (
Ziff.
1.2), nannte als Diagnose (
Ziff.
1.1) ein posttraumatisches Schmerzsyndrom bei Verdacht auf
Plexusläsion
und auf
Thoracic
Outlet Syn
drome (TOS) und attestierte eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(
Ziff.
1.7).
Dr.
med.
B._
, Neurologie FMH, nannte in seinem Bericht vom 1
5.
Oktober 2009 (
Urk.
5/27/57-60) als Diagnose einen Schulter-/Armschmerz rechts nach Schulterkontusion am 2
8.
August 2008 mit SC-Luxation, aktuell keine Hinweise auf Schädigung des rechten Plexus
brachialis
oder anderweitige neurogene Schmerzursache (S. 1 Mitte).
3.3
Im Bericht der Ärzte der Rehaklinik
C._
vom 1
9.
November 2009 (
Urk.
5/23/2-10 =
Urk.
5/25/3-11) über ein
ambulantes
Arbeitsassessment
wurde eine stationäre Rehabilitation empfohlen (S. 3 unten).
Vom
3.
Dezember 2009 bis 1
3.
Januar 2010 weilte die Beschwerdeführerin statio
när in der Rehaklinik
C._
, worüber am 2
6.
Januar 2010 berichtet wurde (
Urk.
5/27/21-28
=
Urk.
5/28/5-12
). Die (bisherige) berufliche Tätigkeit als Verkäuferin, ohne Heben und Tragen von Lasten von mehr als 15 kg, wurde als ganztags zumutbar erachtet (S. 2 unten). Leichte bis mittelschwere Arbeit, wechselbelastend und ohne wiederholte Arbeiten über Kopf, wurde als ganztags zumutbar erachtet (S. 2 f.).
3.4
Vom 2
6.
Juni bis
2.
Juli 2010 weilte die Beschwerdeführerin stationär in der
D._
, worüber am
7.
Juli 2010 berichtet wurde (
Urk.
5/30/29-31). Dabei wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1):
HWS-Distorsionstrauma am
5.
August 2009 (Verkehrsunfall) mit / bei
im Vordergrund persistierenden Kopf-, Nacken/Schulterschmerzen rechts mit Ausstrahlung in den rechten Arm,
Konzentrations
störun
gen
Schädel- und Schulterkontusion rechts am 2
8.
August 2008 (Verkehrs
un
fall) mit / bei
Subluxation des
Sternoklavikulargelenkes
rechts
myofaszialem
Schmerzsyndrom Nacken und Schulter rechts
mediane Diskushernie Halswirbelkörper (HWK) 5/6 mit fraglichem Kon
takt / diskreter Kompression der
anterioren
Myelonkontur
(MRI
März
be
ziehungs
weise September 2009)
Bei grundsätzlich motivierter Teilnahme an den Therapien sei es vereinzelt und besonders bei erhöhter Belastung zum Abbruch gekommen (S. 2 oben). Leider habe die Beschwerdeführerin nach gut einwöchigem Aufenthalt de
n Wunsch geäussert, die stationäre Therapie vorzeitig abzubrechen; als Grund habe sie das Patienten-Umfeld angegeben (S. 2 unten).
3.5
Am
6.
Dezember 2011 erstatteten die Ärzte des
Y._
im Auftrag der Schweizeri
schen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) ein Gutachten (
Urk.
5/41/19-81 =
Urk.
5/56/30-92). Sie stützten sich dabei auf die ihnen überlassenen Akten (S. 3 ff.), die Angaben der Beschwerdeführerin (S. 14
ff.), internistische, orthopädi
sche, neurologische, psychiatrische und neuropsychologische Untersuchungen (S. 3 oben) und die am
9.
September 2011 erfolgte Konsensbesprechung (S. 44 oben).
Die Gutachter stellten folgende Diagnosen (S. 44
Ziff.
5):
chronisches
cervicovertebrales
und -
cephales
Schmerzsyndrom
degenerative HWS-Veränderungen mit medianen Diskushernien C4/5 und C5/6 (MRI)
Status nach Unfall mit Schulterkontusion und
sternoclaviculärer
Sublu
xation
rechts, Kopfkontusion und möglichem
HWS-Distor
sionstrauma
am 2
8.
August 2008
Status nach Autounfall (Heckkollision) mit HWS-Distorsionstrauma am
5.
August 2009
Lumbovertebralsyndrom
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
akzentuierte neurotisch-narzisstische Persönlichkeitszüge
anamnestisch Opiatabhängigkeit 1983 bis 1993
chronischer
Nikotinabusus
(30
packyears
)
Zusammenfassend führten die Gutachter aus, sie fänden einen objektivierbaren Befund im Bereich der rechten Schulter im Sinne einer Subluxation des
Sterno
clavicular-Gelenks
. Im Bereich des Nackens fänden sich kernspintomographisch fassbare Veränderungen, wobei rein klinisch abgesehen von
den
angegebenen
Druckdolenzen
keine relevante Auffälligkeit objektivierbar sei. Lumbal finde sich ein Hartspann der Muskulatur, wobei die aktuellen Röntgenbilder leichte degenerative Veränderungen zeigten; der Befund sei vereinbar mit einem
Lum
bovertebralsyndrom
(S. 46 Mitte). Die geklagten Kopfschmerzen seien im Rahmen des Schmerzsyndroms zu subsumieren. Die erhobenen neuropsycholo
gischen Defizite seien als wahrscheinlich schmerzbedingt zu beurteilen (S. 46).
Es bestehe eine klare Diskrepanz zwischen den angegebenen Beschwerden und deren Auswirkungen im Alltag und bei der Arbeit
,
und den eigentlich diskreten objektivierbaren Befunden (S. 46 unten). Auffallend sei auch der Verlauf nach den beiden Unfällen; der Verlauf ohne jegliche Besserung mit anhaltend 100%iger Arbeitsunfähigkeit auch zwei Jahre nach dem zweiten Unfall könne organisch nicht erklärt werden, wobei sich keine Hinweise auf eine bewusste Aggravation fänden (S. 46 f.).
Die genannte Diskrepanz sei im Rahmen einer Schmerzfehlverarbeitung zu erklä
ren. Bei der Explorandin seien akzentuierte neurotisch-narzisstische
Per
sönlichkeitszüge
vorbestehend, welche die Entstehung einer Fehlverarbeitung erheblich gefördert haben dürften. Initial hätten organisch erklärbare Beschwer
den bestanden, mit der Zeit hätten diese aber in Form einer anhaltenden
soma
toformen
Schmerzstörung
chronifiziert
(S. 47 Mitte).
Die zuletzt geleistete Arbeit der Versicherten habe häufiges Heben schwerer Lasten beinhaltet. Für diese Tätigkeit bestehe wegen der
sternoclaviculären
Subluxation eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
bei dabei vollem Rendement (S. 54
Ziff.
7.9.1).
Eine
den unfallbedingten organisch nachweisbaren Beschwerden
angepasste Tätigkeit
sei zu 100
%
zumutbar; sie
sollte kein Tragen von Lasten über 5 kg, keine Überkopfarbeiten und keine Zwangshaltungen be
inhalten. Zudem müsste die Gelegenheit bestehen, gelegentlich die Körperposition zu wechseln (S. 54 f.
Ziff.
7.10.1). Unter Berücksichtigung auch der psychischen Einschränkungen betrage die Arbeitsfähigkeit 70
%
; die Arbeit sollte dabei zusätzlich den genannten körperlichen Einschränkungen auch keinen zu grossen Zeit- und Leistungsdruck beinhalten (S. 55
Ziff.
7.10.2).
Schliesslich führten die Gutachter aus, der behandelnde Hausarzt beurteile die Explorandin als 100
%
arbeitsunfähig; diese Einschätzung sei unter Berücksich
tigung des Beschwerdebildes nachvollziehbar. Somatisch befundorientiert und unter Berücksichtigung auch der psychiatrischen Seite kämen sie aber zu ande
ren Schlussfolgerungen. Derartige Diskrepanzen seien nicht ungewöhnlich, da der Hausarzt - im Gegensatz zu den Gutachtern - mit dem Patienten in einem Auftrags- und Vertrauensverhältnis stehe; zudem habe der Gutachter
Querver
gleiche
mit ähnlich gelagerten Fällen anzustellen (S. 60 f.
Ziff.
9.8)
Auf entsprechende Nachfrage korrigierten die
Y._
-Gutachter am
1
0.
Mai 2012
das Zumutbarkeitsprofil dahingehend, dass (entsprechend der
fachorthopädi
schen
Beurteilung)
angepasste Tätigkeiten kein Heben von mehr
als
10 kg bein
halten
sollten
(
Urk.
5/56/13-14
S. 2 oben).
4.
4.1
Die
Y._
-Gutachter attestierten im Dezember 2011 für die angestammte Tätig
keit eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(vorstehend E. 3.5). Dies ist gut vereinbar mit der Angabe des Hausarztes, der im September 2009 (also nach dem zweiten, im August 2009 erlittenen, Unfall) ebenfalls eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
attestiert hatte (vorstehend E. 3.2). Dies
e
übereinstimmenden Beurteilungen sind zurückhaltender als die nach dem Aufenthalt in der Rehaklinik
C._
abge
gebene, wo im Januar 20
10
auch in angestammter Tätigkeit eine volle Arbeits
fähigkeit angenommen wurde (vorstehend E. 3.3).
Eine vergleichbare Parallele besteht darin, dass in
C._
eine volle Arbeits
fähig
keit für leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten (ohne wiederholte Überkopfarbeiten) attestiert wurde (vorstehend E. 3.3), während die
Y._
-Gutachter
für wechselbelastende Tätigkeiten ohne Tragen von Lasten über 10 kg, Überkopfarbeiten, Zwangshaltungen oder all
zu grossen Zeit- und Leistungsdruck
eine Arbeitsfähigkeit von lediglich 70
%
attestierten
(vorstehend E. 3.5).
Damit
ist
die Beurteilung der verwertbaren Arbeitsfähigkeit durch die
Y._
-Gut
achter vergleichsweise zurückhaltender als andere, was
im Ergebnis einen Vor
teil für die Beschwerdeführerin bedeutet und
im vorliegenden Zusammenhang
dafür spricht, darauf abzustellen.
4.2
Die Erläuterung der gestellten Diagnosen und die Beurteilung sowohl des Gesund
heitszustands wie der Arbeitsfähigkeit durch die
Y._
-Gutachter
sind
sorgfältig und schlüssig und dementsprechend nachvollziehbar erfolgt, so dass das
Y._
-Gutachten alle praxisgemässen Kriterien (vorstehend E. 1.4) vollum
fänglich erfüllt.
Schliesslich bleibt
der unterschiedlichen Natur von Behandlungsauftrag des täti
gen (Fach-) Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des fachmedizinischen Experten anderseits (
vgl.
BGE 124 I 170 E. 4 S. 175; Urteile des Bundesgerichts I 783/05 vom 1
8.
April 2006 und I 506/00 vom 1
3.
Juni 2001)
Rechnung zu tra
gen: Eine allfällig anderslautende Einschätzung durch den Hausarzt vermöchte für sich alleine
das eingeholte
Gutachten noch nicht
in Frage zu stellen und zu
weitere
n
Abklärungen zu
veranlassen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_925/2008 vom 3
0.
Juli 2009).
Deshalb - und in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 124 V 90 E. 4b; 122 V 157 E. 1d) - besteht kein Bedarf nach weiteren Berichten von behandeln
der Seit
e
, so dass dem entsprechenden Antrag der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S.
2
Ziff.
2) nicht gefolgt werden kann.
4.3
Zusammenfassend ist der medizinische Sachverhalt als dahingehend erstellt festzuhalten, dass
für wechselbelastende Tätigkeiten ohne Tragen von Lasten über 10 kg, Überkopfarbeiten, Zwangshaltungen oder allzu grossen Zeit- und Leistungsdruck eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
besteht.
4.4
Die Beschwerdeführerin stellte sich auf den Standpunkt, es finde sich im heuti
gen arbeitsrechtlichen Umfeld keine dem genannten Profil entsprechende Arbeit, jedenfalls nicht zum von der Beschwerdegegnerin eingesetzten Lohn (vorstehend E. 2.2).
Dieser Einwand ist nicht stichhaltig, weil er dem in
Art.
16 ATSG zum Massstab erhobenen Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarkts (vorstehend E. 1.3) keine Rechnung trägt. Massgebend ist gerade nicht ein aktuelles arbeitsrechtliches Umfeld, sondern vielmehr
ein
(fiktiver)
Arbeitsmarkt
mit einem
bestimmte
n
Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach Stellen
, der
von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes.
Vor diesem Hintergrund erweist sich das
Vorgehen der Beschwerdegegnerin, das Invalideneinkommen gestützt auf die Lohnstatistik (für Hilfsarbeiten in allen Wirtschaftszweigen) und unter Vornahme eines Abzugs von 10
%
zu bestim
men, als zutreffend, denn
es
ist
davon auszugehen
, dass auf dem ausgegliche
nen Arbeitsmarkt genügend Stellen angeboten würden, welche dem formu
lierten Anforderungsprofil entsprechen.
4.5
Somit ist einerseits von der gutachterlich attestierten Arbeitsfähigkeit auszuge
hen (vorstehend E. 4.3) und andererseits das von der Beschwerdegegnerin ange
nommene Invalideneinkommen nicht zu beanstanden (vorstehend E. 4.4). Damit erweisen sich auch der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
Einkom
mensvergleich
und die darauf basierende
Invalidititätsbemessung
(vgl.
Urk.
5/36) als zutreffend.
Mithin besteht ein Invaliditätsgrad von 35
%
und die Beschwerdeführerin hat keinen Rentenanspruch.
Die angefochtene Verfügung erweist sich somit als rechtens, und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerle
gen.