Decision ID: f8f7dd61-1606-457a-84b7-3e744e6aa1bf
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1970, ist
als Inhaber
eines Restaurants und
Selbststän
digerwerbende
r
bei der SWICA Versicherungen AG freiwillig unfallversi
chert. Am 2
2.
August 2016 prallte ein rückwärtsfahrender Personenwagen gegen die rechte vordere
Seite des von ihm gelenkten Autos
(
Urk.
9/4, 9/10).
In der Folge litt er an
Nacken
-,
Schulter
- und Kopf
schmerzen und verspürte ein Ohrenpfeifen
.
Ärzt
licherseits wurde er in unterschiedlichem Mass arbeitsunfähig geschrieben (
Urk.
9/4, 9/16, 9/18
, 9/25
).
Die SWICA kam für die Heilbe
handlung auf und richtete Taggelder aus (vgl.
Urk.
9/5).
Es folgten mehrere ärztliche Untersuchungen (
Urk.
9/12, 9/18, 9/29, 9/37,
9/58, 9/60, 9/61, 9/68
, 9/75). Die SWICA ordnete eine interdisziplinäre (neurologische, psychiatrische und
otorhinolaryngologische
) Begutachtung beim
Y._
an. Erstattet wurde das Gutachten am 2
8.
Juni 2017 (
Urk.
9
/90). Am 1
0.
Oktober 2017 erfolgte
eine Ergänzung des Gut
achtens in Beantwortung von Zusatzfragen (
Urk.
9/107: vgl. auch
Urk.
9/91, 9/100).
Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs (
Urk.
9/111, 9/122) stellte die SWICA mit Verfügung vom
5.
Februar 2018 die Versicherungsleistungen mangels Unfallkausalität der noch vorhandenen Beschwerden (rückwirkend) per
1.
Okto
ber 2016 ein. Dabei erklärte sie
den Verzicht auf eine Rückforderung der bereits erbrachten Leistungen
(
Urk.
9/127). Die dagegen erhobene Einsprache (
Urk.
9/129) wies sie mit Entscheid vom 3
1.
August 2018 ab (
Urk.
2).
2.
Mit Eingabe vom
3.
Oktober 2018 erhob der Versicherte Beschwerde und bean
tragte, der
Einspracheentscheid
vom 3
1.
August 2018 sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen über den
1.
Oktober 2016 hinaus zu gewähren (
Urk.
1 S. 2). Die SWICA schloss in der Beschwerdeantwort vom 2
8.
Januar 2019 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8 S. 2). Im Rahmen des zweiten Schriften
wechsels hielten die Parteien an ihren Anträgen fest (
Urk.
13, 16).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung setzt grundsätzlich einen Berufsunfall, einen Nichtberufsunfall oder eine Berufskrank
heit voraus (
Art.
6
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
UVG). Der Unfallversicherer haftet jedoch für einen Gesundheitsschaden nur insoweit, als dieser nicht nur in einem natürlichen, sondern auch in einem adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis
steht (BGE 142 V 435 E. 1, 129 V 177 E. 3
). Dabei spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversiche
rers im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität dec
kt (BGE 134 V 109 E. 2; 127 V 102 E. 5b/
bb
). Objektivierbar sind Untersuchungser
gebnisse, die reproduzierbar und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann somit erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt wurden und die hierbei angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sind (BGE 138 V 248 E. 5.1
, Bundesgerichtsu
rteil 8C_387/2018 vom 1
6.
November 2018 E. 3.3). Sind die geklagten Beschwerden natürlich unfallkausal, nicht aber in diesem Sinne objektiv ausgewiesen, so ist bei der Beurteilung der Adäquanz vom augenfälligen Geschehensablauf auszugehen, und es sind gegebenenfalls weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen
(BGE 134 V 109 E. 2.1
). Hat die versicherte Person einen Unfall erlitten, welcher die Anwendung der Schleuder
trauma-Rechtsprechung rechtfertigt, so sind hierbei die durc
h BGE 134 V 109
E. 10
präzisierten Kriterien massgebend. Ist diese Rechtsprechung nicht anwendbar, so sind grundsätzlich die Adäquanzkriterien, welche für psychische Fehlentwick
lungen nach einem Unfall entwickelt wurde
n (BGE 115 V 133
E. 6c/
aa
), heran
zuziehen
(BGE 134 V 109 E. 2.1
). Wird die Unfallkausalität bejaht, sind für die Beurteilung der invalidisierenden Wirkung einer spezifischen HWS-Verletzung ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle die in BGE 130 V 352, später in BGE 141 V 281 entwickelten Kriterien analog anzuwenden (vgl. BGE 141 V 574; unter der alten Rechtsprechung: BGE 136 V 279 E
. 3.2.3
in Verbin
dung mit 141 V 281 E. 4.2; Bundesgerichtsurteil 8C_261/2019 vom
8.
Juli 2019 E. 3
).
1.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
In der Verfügung vom
5.
Februar 2018
respektive im
Einspracheentscheid
vom 3
1.
August 2018
führte die SWICA aus, im
Y._
-Gutachten werde einzig die Anpassungsstörung (ICD-10 F43.21) auf den Unfall vom 2
2.
August 20
16
zurück
geführt.
Aufgetreten sei diese einige Wochen nach dem Unfallereignis. Im Gutachten werde als Zeitpunkt der
1.
Oktober 2016 genannt.
Die weiteren
diagnostizierten Beschwerden
seien laut Einschätzung der Gutachter nicht unfallkau
sal.
Auf diese
Beurteilung sei abzustellen.
Hinsichtlich der Anpassungsstörung ergebe die Adäquanzprüfung, welche nach der Recht
sprechung zu den psychischen Unfallfolgen vorzunehmen sei, dass
ein Kausal
-
zusammenhang
zu verneinen sei. Dementsprechend seien die Leistungen per
1.
Oktober 2016 einzu
stellen (
Urk.
2, 9/127).
2.2
Der Beschwerdeführer
moniert in der Beschwerde
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Zu keinem Zeitpunkt sei die SWICA auf die von ihm vorgetragene Kritik am
Y._
-Gutachten eingegangen. Damit habe sie ihre Begründungspflicht ver
letzt (
Urk.
1 S. 8 ff.).
Inhaltlich
bringt der Beschwerdeführer
vor, dass dem
Y._
-Gutachten kein Beweiswert zukomme. Darin werde ausgeführt, die Diagnose einer Verletzung der Halswirbelsäule, wie sie in einigen Vorakten erscheine, sei
nicht zutreffend
. Im Gutachten bleibe diese Einschätzung indessen unbegründet. Sie sei denn auch nicht nachvollziehbar
. Zudem fehle es an einem
biomechanischen Gutachten
(
Urk.
1 S. 4). Dem
otorhinolaryngologische
n
Teilgutachten sei zu ent
nehmen, dass die Schwindelbeschwerden und der Tinnitus zumindest teilkausal auf den Unfall vom 2
2.
August 2016 zurückzuführen seien. Entsprechendes ergebe sich auch aus den Vorakten.
Davon sei mithin auszugehen (
Urk.
1 S.
5
ff.). Weiter äussere sich das Gutachten nicht zu den We
chselwirkungen der soma
tischen und psychischen
Beschwerden
, auch deshalb sei das Gutachten nicht beweisbildend
(
Urk.
1 S. 7). Im neurologischen Teilgutachten werde sodann ausgeführt, dass spätestens nach drei Monaten nach dem Unfall wieder eine volle Arbeitsunfähigkeit
bestanden habe. Eine
medizinische Begründung für diese Annahme
könne dem Gutachten aber nicht entnommen werden
(
Urk.
1 S. 7 f.).
Gleichzeitig gehe aus dem Gutachten hervor, dass von weiteren Heilbehandlun
gen eine Verbesserung des Gesundheitszustandes zu erwarten sei. Damit sei dargetan, dass die Adäquanz
prüfung verfrüht erfolgt sei (
Urk.
1 S. 9
f.). In der Replik ergänzte der Beschwerdeführer, dass
eine etwaige Adäquanzprüfung in
Anwendung der Schleudertr
auma-Rechtsprechung zu erfolgen habe (
Urk.
13 S. 2 ff.). Abgesehen davon sei die Richtigkeit der im Gutachten gestellten Diagnose einer Anpassungsstörung fraglich (
Urk.
13 S. 5).
3.
Es liegt keine Verletzung des Anspr
uchs auf rechtliches Gehör respektive
der Begründungspflicht vor, wenn eine sachgerechte Anfechtung des vorinstanz
lichen Entscheids möglich war (vgl. BGE 142 III 4
33 E. 4.3.2
). Das trifft hier zu.
4.
4.1
Streitig und prüfen ist, ob
die
Leistungse
instellung per
1.
Oktober 2016 beziehungsweise
(
wegen des Verzichts auf allfällige Rückforder
ungen
auf
den Zeitpunkt
der effektive
n Leistungseinstellung
)
per Ende
Oktober 2017 (
Urk.
9/122/5, 9/12
9
/6)
zufolge fehlenden Kausalzusammenhangs zwischen de
m Autounfall vom 2
2.
August 2016
u
nd den verbliebenen Beschwerden zu Recht erfolgt ist.
4.2
Der erstbehandelnde Arzt,
Dr.
med.
Z._
,
Facharzt für Innere Medizin,
den der Bes
chwerdeführer am 2
4.
August 2016
aufgesucht hatte, diagnostizierte eine Distorsion der Halswirbelsäule und hielt
als Folge des Unfalls Kopf-, Schulter- und
Nackenschmerzen, Schwindel sowie Hörstörungen in Form eines Tinnitus fest (
Urk.
9/1, 9/16
, vgl. auch
Urk.
9/25
). Er
veranlasste ein MRI der Halswirbel
säule und des Schädels. Diese zeigten keine Hinweise auf
Traumafolgen
(MRI
-Bericht
vom 2
3.
September 2016,
Urk.
9/12).
Am
4.
Oktober 2016 untersuchte
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, den Beschwerdeführer. Er hielt fest, es bestehe ein posttraumatisch akzentuierter Tinnitus mit knapper psychischer Kompensation, ein Schultergürtel-
und Nackensyndrom, eine Hochtonperzeptionsstörung beid
seits sowie ein m
ögliches Schlafapnoesyndrom
.
Letzeres
könne die nächtliche
Tinnitussymptomatik
ungünstig beeinflussen (
Urk.
9/18).
4.3
Dr.
Z._
führte
im Bericht vom 2
6.
November 2016
aus, es bestehe ein Status nach Distorsionstraum
a
der Halswirbelsäule mit einem
zervikozephalen
und
zervikospondylogenen
Schmerzsyndro
m
, Kopfschmerzen und einem Tinnitus. Gleichzeitig vermerkte er, dass d
ie Beschwerden generell
zurückgegangen seien. Vordergründig bestünden noch K
opfschmerzen und der Tinnitus (
Urk.
9/25). Gegenüber der SWICA erklärte der Besch
werdeführer am 2
9.
November 2016
, dass er keine Schmerzen mehr habe. Das
einzige
Problem sei der Tinnitus. Er könne deswegen nur noch drei bis vier Stunden schlafen (
Urk.
9/27).
4.4
Die Ärzte des
B._
hielten
im Bericht vom
5.
Dezember 2016
fest
, das Hauptproblem stelle zur Zeit der posttraumatisch aufgetretene Tinnitus dar, welcher den Beschwerdeführer massiv belaste und zu Schlafstörun
gen führe. Der Tinnitus sei wohl aber nur eine Teilursache der Schlafstörung.
Gemäss
Ehefrau träten auch nächtliche Atempausen auf. Es müsse daher ein Schlafapnoe-Syndrom vermutet werden. Dazu passe auch die Adipositas, die sich seit dem Unfall noch verstärkt habe (
Urk.
9/29). Das von den Klinikärzten veran
lasste MRI des Schädels ergab keinen Nachweis einer
duralen
AV-Fistel oder einer anderweitigen Pathologie (
MRI vom 1
9.
Dezember 2016,
Urk.
9/37). Im Rahmen
der
Verlaufskontrolle vom 2
5.
Januar 2017 hielten die Ärzte fest, der Beschwer
deführer berichte von Drehschwindel, Tinnitus, Hörminderung und Kopfschmer
zen (
Urk.
9/52). Das von ihnen in Auftrag gegebene CT der Schädelbasis zeigte keine auffälligen Darstellungen (CT vom 3
1.
Januar 2017,
Urk.
9/58).
4.5
Dr.
med.
C._
, Facharzt für
Allgemeine ORL
,
Hals- und Gesichtschirurgie, Rhinologie und Schnarchen, hielt im Bericht vom
8.
Februar 2017 fest, der Beschwerdeführer leide unter Schlafstörungen und einem Tinnitus links. Dreh
schwindelbeschwerden würden negiert. Ohrmikroskopisch bestünden keine Auffälligkeiten. Weder klinisch noch aus dem CT vom 3
1.
Januar 2017 ergäben sich Zeichen einer
Perilymphfistel
oder eines
Barotraumas
(
Urk.
9/60).
4.6
Die Ärzte des
D._
diagnostizierten im Bericht vom
2
2.
Februar 2017 ein obstruktives Schafapnoe-Syndrom schweren Grades.
Die
o
bstruktive
n
Atemstörungen führten zu
Sauerstoff
ent
sät
t
igungen
und zu einer Fragmentierung des Schlafes (
Urk.
9/68, vgl. auch
Urk.
9/61).
Die Ärzte des
B._
erklärten im Bericht vom 1
4.
März 2017, die
Kopfschmerzen stünden einerseits
im Zusammenhang
mit dem Schla
fapnoe-Syndrom und ander
seits mit
den Beschwer
den der Halswirbelsäule
(
Urk.
9/75).
4.7
Im
Y._
-Gutachten vom 2
8.
Juni 2017 wurde
als unfallkausale Diagnose eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.21) gestel
lt. Das Nacken-, Schulter-, Armsyn
drom
links
, das obstruktive
Schlafapno
e-Syndrom bei Adipositas, die
sensori
neurale
Schwerhörigkeit beidseits leic
hten bis mittleren Grades, der subakute bis chronische
Tinnitus links sowie
das
Kopfweh vom Spannungstyp mit unsystema
tischem Schwindel (nicht peripher-vestibulär) wurden als unfallfremd beurteilt
(
Urk.
9/90/9).
Dazu führten
die Gutachter aus, das Unfallereignis vom 2
2.
August 2016 habe keine milden traumatischen Hirnverletzungen zur Folge gehabt. Die bildgebenden Verfahren hätten keine Hinweise auf strukturelle Verletzungen ergeben. Auch liege kein
typischer Verletzungsmechanismus der Halswirbelsäule vor. Die Diag
nose einer Distorsion der Halswirbelsäule, wie sie in einigen Akten aufgeführt würde, sei
nicht zutreffend
. Seit dem Unfall bestünden permanent verschiedene Beschwerden: Schlafstörungen, welche zum Teil auf das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom bei Adipositas zurückzuführen seien, dauerndes diffuses Kopfweh,
unangenehme Ohrgeräusche,
Schwindel,
Schulterbeschwerden und Kopf- und Nackenschmerzen. Letztere Schmerzen würden von den Ärzten des
B._
als posttraumatisch bezeichnet
. Dies beziehe sich gemäss Klassifika
tion aber einzig auf das zeitliche Auftret
en und nicht auf die Kausalität
(
Urk.
9/90/9-10).
Zum Schwindel führten die Ärzte
aus, w
eder eine periphere noch eine zentrale Ursache der Schwindelgefühle habe nachgewiesen werden können
. U
nsystematische
Schwindelzustände seien typischerweise assoziiert mit Kopfweh vom Spannungstyp (
Urk.
9/90/10).
Im Rahmen der neurologischen Beurteilung wurde festgehalten,
die Beschwerden des Beschwerdeführers
seien
nicht objektivierbar.
Ein Schädelhirntrauma habe nicht stattgefunden.
Das Belastungsprofil und damit die Arbeitsfähigkeit sei auf der neurologischen Ebene nicht reduziert
. Retrospektiv sei die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen T
ätigkeit spätestens drei Monate
nach dem Ereignis, also ab Ende Dezember 2016, wieder voll gegeben gewesen
(
Urk.
9/90/20
-21
).
In psychiatrischer Hinsicht
wurde ausgeführt
,
der Beschwerdeführer
habe bei völliger Gesundheit einen Verkehrsunfall erlitten, welchen er neurotisch verar
beitet habe. In diesem Zusammenhang sei
es
zu einer depressiven Reaktion g
ekommen, was sich als Anpassungsstörung zeige und bis heute anhalte (
Urk.
9/90/29). Diese Störung führe dazu, dass aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von
30
%
in der bisherigen sowie in Verweistätigkeiten bestehe (
Urk.
9/90/31
-32
)
. D
ie Symptomatik
der Anpassungs
störung
dürfte
wenige Wochen nach de
m Unfallereignis aufgetreten
sein, als
die akute Belastung abgeklungen sei. Aus pragmatischen Gründen sei
der
1.
Oktober 2016 zu nennen (
Urk.
9/90/32
, vgl. auch
Urk.
9/107/1
).
Es sei davon auszugehen, dass die Anpassungsstörung bei einer angemessenen Behandlung innert einem Jahr abklinge (
Urk.
9/90/32).
Die
otorhinolaryngologische
Beurteilung erging im Rahmen eines eigenständigen Teilgutachtens. Darin führte
Dr.
med.
E._
, Facharzt für
Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten und
Hals- und Gesichtschirurgie,
zum Tinnitus und zur Schwer
hörigkeit aus, aktuell finde sich ein
unauffällig
er ohrmikroskopischer Befund. Der
weitgehen
d symmetrische Hochtonabfall sei
mit einer (frühzeitig)
beginnenden
Presbyakusis
vereinbar
. Hinweise für eine traumat
ische Genese der Hörstörung lä
gen keine vor. Bei einer
Contusio
labyrinthi
oder einem Knalltrauma wäre kein
symmetrischer Hochtonabfall
zu erwarten, sondern vielmehr eine asymmetrische, einseitige Hochtonsenke mit
maximalem Hörverlust bei vier bis sechs
kHz. Eine
ohrn
ahe
Schädelbasisfraktur
oder eine
Labyrinthfistel
habe
im Schädel-CT vom 3
1.
Januar
2017
ausgeschlossen werden
können. Die Kausalität des Tinnitus sei nicht eindeutig beurteilbar. Einerseits sei
der
Tinnitus
erst nach dem
Kopftrauma vom 2
2.
August 2016 aufgetreten. Andererseits fänden
sich
, wie erwähnt,
im Tonaudiogramm keine objektivierbaren Hinweise für ein rele
vantes Ohrtrauma. Insgesamt könne also
eine traumatische Genese nicht ausgeschlossen werden
beziehungsweise erscheine als möglich (
Urk.
9/90/36
-37
). Zu den Schwindel
beschwerden erklärte
Dr.
E._
, dass diese nicht
auf eine periphere vestibuläre Pathologie zurückzuführen
seien
. Di
e
neurootologischen
Befunde seien normal. Insbesondere könne
ein benigne
r
paroxysmaler La
gerungsschwindel ausge
schlossen
werde
n. Differenzialdiagnostisch sei
an
orthostatische
Schwindel
beschwerden zu denken, da der Schwindel mehrheitlich beim Aufstehen
und beim Bücken auftrete
.
Es fänden sich also keine klaren objekt
i
vierbaren Hinweise für eine traumatische Genese der Schwindelbeschwerden. Dennoc
h sei ein Zusam
menhang mit dem
Distorsionstrauma der Halswir
belsäule nicht ausschliessbar; eine
zumindest partielle
traumatische Ursache des Schwindels bleibe also möglich
(
Urk.
9/90/
36-
37). Aus HNO-Sicht werde die Arbeitsfähigkeit weder aufgrund der Schwerhörigkeit noch der Schwindelbeschwerden beeinträchtigt. Grundsätzlich beeinflusse auch der
Tinnitus
die Arbeitsfähigkei
t nicht. In Anbetracht der multi
faktoriell bedingt stark beeinträchtigten Schlafqualität empfehle sich eine
Reduktion der Arbeitsfähigkeit auf
50
%
für drei Monate. Nach Durchführung von Therapien sei die Situation neu zu beurteilen beziehungsweise die Arbeits
fähigkeit auf 100
%
zu steigern (
Urk.
9/90/37).
4.8
Im Rahmen der ergänzenden Stellungnahme vom
7.
September 2017
erklärte
Dr.
E._
, dass ein Tinnitus als Folge eines Traumas nur ausreichend wahr
scheinlich
gemacht
werden könne, wenn gl
eichzeitig andere pathologische
Befunde aufgetreten seien. So
lches sei vorliegend
nicht der Fall. Der bestehende beidseitige symmetrische Hochtonabfall sei nicht typisch für eine traumatische Schwerhörigkeit, sondern entspreche einer altersbedingten Gehörsabnutzung. Die typische traumatische Gehörseinschränkung zeige eine V- oder U-förmige
Senke bei 4000 bis 6000 Hz mit Erholung der Hörschwelle bei 8000 Hz. Eine solche Veränderung bestehe beim Beschwerdeführer nicht (
Urk.
9/107/4).
Auf diese Ausführungen verwiesen
die
Y._
-Gutachter
in ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 1
0.
Oktober 201
7.
Ansonsten wiesen sie darauf hin, dass es sich bei einer Anpassungsstörung definitionsgemäss um eine leichte depressive Störu
ng handle. Z
ur Frage, weshalb der Unfallmechanismus aus medizinischer Sicht nicht zu einer Distorsion der Halswirbelsäule passe
(vgl.
Urk.
9/101)
,
erklär
ten sie,
dass eine solche typischerweise im Rahmen einer Heckauffahrkollision oder allenfalls bei einer Frontalkollision
auftrete. Bei einer Seitenkollision gält
en andere physikalische Gesetz
mässigkeiten. Auf die weitere Frage, weshalb aus neurologischer Sicht nach spätestens drei Monaten nach dem Unfall wieder eine volle Arbeitsfähigkeit bestanden habe
(
Urk.
9/101), antworteten
sie, dass Kontu
sionen ohne Nachweis struktureller Verletzungen nach sechs Wochen al
s
abge
heilt gälten. Im Einzelfall könne die Beschwerdedauer auch bis zu drei Monaten betragen. Eine längere Arbeitsunfähigkeit lasse sich medizinisch nicht begründen (
Urk.
9/107/2).
5.
5.1
Beim Unfall vom 2
2.
August 2016 handelte es sich aufgrund des Hergangs nicht um ein
eigentliches Schleudertrauma (Peitschenhi
eb-Verletzung,
Whiplash-injury
; vgl.
Urteil des
Eidg
. Versicherungsgerichts U 197/04 vom 2
9.
März 2006 E. 2.1, ferner:
Debrunner
/
Ramseier
, Die Begutachtung von Rückenschäden, Bern 1990, S. 52 ff
.)
. Offensichtlich darauf bezogen sich die
Y._
-Gutachter, als sie ausführten, der Unfallmechanismus passe nicht zu einer Distorsion der Halswir
belsäule, d
a eine solche im Rahmen einer Heckfahr- respektive einer Front
al
kollision auftrete (
Urk.
9/90/9, 9/107/2
). Wie es sich damit genau verhält, kann indessen
offen bleiben
, weil davon
auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer im Rahmen der Seitenkollision zumindest
eine
schleudertraumaähnliche
Verletzung
erlitt
und die für die Unfallkausali
tät von Schleudertraumata
der Hal
s
wirbelsäule
geltende Rechtsprechung auch auf solche Verletzungen anwendbar ist (
BGE 134 V 109 E. 2.1).
5.
2
Was die Frage nach der natürlichen Kausalität anbelangt, kann auf das
Y._
-Gutachten, welches die
rechtsprechungsgemäss erforderlichen Voraussetzungen für eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage
erfüllt
(E. 1.2 hier
vor
), abgestellt werden. Dabei ist zu beachten, dass den Beschwerden des Beschwerdeführers, was soweit unbestritten ist, kein organisches Korrelat zu Grund
e
liegt
(
Urk.
9/12, 9/37, 9/58
)
.
Gemäss gutachterlicher Einschätzung stand
von den bei der Leistungseinstellung bestehenden Beschwerden einzig die Anpassun
gsstörung in einem (natürlichen)
Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 2
2.
August 201
6.
Hinsichtlich der weiteren Diagnosen wird im Gutachten nachvollziehbar dargelegt, weshalb dies nicht der Fall ist.
So kann ein Tinnitus
laut den fachärztlichen Ausführungen
bloss dann auf ein Trauma zurückgeführt werden, wenn gleichzeitig andere objektivierbare pathologische Befunde aufgetreten sind.
Solches ist beim Beschwerdeführer nicht der Fall. Insbesondere spricht der bestehende symmet
rische Hochtonabfall nicht für eine traumatische Genese, sondern entspricht einer altersbedingten Gehörsabnutzung
(
Urk.
9/90/37, 9/107).
Auch hinsichtlich des Schwindels wird im Gutachten nachvollziehbar dargelegt, dass es
an
einer peripheren oder vestibulären Pathologie
fehlt und sich
keine objektivierbaren Hinweise für eine traumatische Genese
finden (
Urk.
9/90/36, 9/107)
. Der Vorwurf des Beschwerdeführers, die Gutachter würden ihre Einschätzung
nicht
lege arti
s herleiten (
Urk.
1 S. 5), ist unbegründet.
Weiter
trifft
es
zwar
zu, dass
Dr.
E._
in seinem Teilgutachten den Unfall vom 2
2.
August 2016 als partielle Ursache des Tinnitus und der Schwindelbeschwerden nicht gänzlich ausschloss. E
ine über
wiegende Wahrscheinlichkeit
verneinte er jedoch stets. Den Verkehrsunfall als mögliche Ursache begründete er einzig damit, dass die Beschwerden danach aufgetreten seien (
Urk.
9/90/36
).
Dies liefe auf
aber
einen unzulässigen "
post
hoc ergo
propter
hoc" Schluss (
zu deutsch
: danach, also deswegen) hinaus
(BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
).
Auf einen überwiegend wahrscheinlichen Kausalzusammenhang zwischen
dem
Unfall und dem Tinni
tus beziehungsweise
den
Schwindel
beschwerden lassen übrigens auch nicht die Berichte
der Ohrenärzte
Dr.
A._
und
Dr.
Hermann
schliessen (
Urk.
9/1
8, 9/60
).
5.3
W
egen den Kopfschmerzen wurde ein
CT des Schädels durchgeführt, welches ein normales Ergebnis zeigte (
Urk.
9/58,
9/90/20). Die
Y._
-Gutachter
erklärten,
unsystematische Schwindelzustände seien typischerweise
mit Kopfweh vom Spannungstyp assoziiert (
Urk.
9/90/10
). Dementsprechend qualifizierten sie sie als unfallfremd. Laut
den Ärzten des
B._
stehen die Kopfschmerzen
einerseits
mit dem Schlafapnoe-Syndrom und anderseits mit den Beschwerden der Halswirbelsäule
im Zusammenhang
(
Urk.
9/75).
Das Schlaf
apnoe-Syndrom, begünstigt durch die Adipositas, wird in keinem der Arzt
berichte mit dem Unfall
in Verbindung gebracht.
Die Beschwerden der Halswirbelsäule spielten ab Ende November 2016,
wenn überhaupt, nur noch eine untergeordnete Rolle. Dem Bericht von
Dr.
Z._
vom 2
6.
November 2016
ist zu entnehmen, dass die Nacken- und Schulterschmerzen zurückgegangen seien (
Urk.
9/25). Gegenüber der SWICA bestätigte der Beschwerdeführer denn auch drei Tage später, dass er diesbezüglich keine Schmerzen mehr habe (
Urk.
9/27).
Angesichts dieses Verlaufs ist auch die vom neurologischen (Teil-)Gutachter geäusserte Einschätzung
, wonach
spätestens nach drei Monaten keine Einschrän
kung der Arb
eitsfähigkeit mehr bestanden hab
e
(
Urk.
9/90/21, 9/107/2)
,
nicht zu beanstanden.
5.4
Anzufügen ist, dass der Beschwerdeführer mit
der
Einsprache einen Bericht von
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Orthopädie, vom 2
6.
April 2018
(
Urk.
9/132)
einreichte. Diesem ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer mittlerweile an einer Arthrose im unteren Sprunggelenk leidet.
Er gab
Dr.
F._
gegenüber an
, dass die Sprunggelenksbeschwerden Folge des Unfalls seien
.
Aktenkundig klagte er aber erst im August 2017
über diese Beschwerden (S. 2
). Da
weder der Unfall
hergang geeignet
war
, Sprunggelenksbeschwerden z
u verursachen, noch sich
aus den initialen A
rztberichten Anhaltspunkte auf irgendwelche Fussprobleme erge
ben, erübrigen sich Weiterungen dazu.
In der Beschwerde wird denn auch zu Recht keine Unfallkausalität behauptet (vgl.
Urk.
1, 13).
6.
6.1
Bei der Beurteilung der Adäquanz von organisch nicht (hinreichend) nachweis
baren Unfallfolgeschäden ist wie folgt zu differenzieren: Es ist zunächst abzuklä
ren, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma der Hals-wirbel
säule, eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2) oder ein Schädel-Hirntrauma erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die Rechtsprechung
gemäss BGE 115 V 140 E. 6c/
aa
zur Anwendung. Ergeben die Abklärungen indessen, dass die versicherte Person eine der soeben erwähnten Verletzungen erlitten hat, muss beurteilt werden, ob die zum typischen Beschwer
debild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen (vgl. dazu: BGE 119 V 337 E. 1, 117 V 360 E. 4b) zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE 115 V 140 E. 6c/
aa
für Unfälle mit psychischen Folgeschäden aufgestellten Grundsätze massgebend; andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz gemäss den in BGE 134 V 126 E. 10 fest
gelegten Kriterien (BGE 127 V 103 E. 5b/
bb
mit Hinweisen). Dieselbe Ausnahme von der Regel der Anwendung der besonderen Kriterien für Schleudertraumen und äquivalente Verletzungen der Halswirbelsäule gilt, wenn es sich bei der nach einem Unfall aufgetretenen, psychischen Fehlentwicklung nicht um eine mit dem organisch-psychischen Beschwerdebild nach Schleuder-trauma oder
schleuder
traumaähnlicher
Verletzung eng verflochtene Entwicklung handelt, sondern um einen selbständigen (sekundären) psychischen Gesundheitsschaden. Für diese Abgrenzung sind insbesondere Art und Pathogenese der Störung, das Vorliegen konkreter unfallfremder Faktoren und der Zeitablauf von Bedeutung (vgl. RKUV 2001 Nr. U 412 S. 80 f.; Urteile des
Eidg
. Versicherungsgerichtes U 377/01 vom
7.
November 2002 E. 4.3, U 313/01 vom
7.
August 2002 E. 2.2 und U 409/00 vom 2
6.
November 2001 E. 2).
6.2
Gestützt auf das
Y._
-Gutachten bestand im Zeitpunkt der Leistungseinstellung einzig die Anpassungsstörung noch in einem
natürlichen Kausalzusammenhang
mit dem Unfall. Vor diesem Hintergrund schadet auch nicht weiter, dass sich die Gutachter nicht explizit
zu den Wechselwirkungen der somatischen und psychi
schen Beschwerden äusserten. Immerhin ist darauf hinzuweisen, dass sie aus somatischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit attestierten und somit von dieser Seite her ein
e
relevante Einschränkung verneinten (
Urk.
9/90/13)
.
6.3
D
ie Anpassungsstörung
setzte
bald nach dem Unfall
ein (
Urk.
9/90/29-30)
. Sie ist
Ausdruck ein
er neurotischen Verarbeitung
, was
für
einen
eigenständigen psychi
schen Gesundheitsschaden spricht
. Auf der anderen Seite
trat die depressive Reaktion - die gemäss Ausführungen der Gutachter Merkmal der Anpassungs
störung bildet (vgl. dazu auch
Horst
Dilling
/
Werner
Mombour
/Martin H. Schmidt [Hrsg.],
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10, Kapitel V (F), 1
0.
Auflage 2015, F43.2
1 S. 210)
-
reaktiv auf den Unfall auf. Depressionen bilden sodann Teil der typischen Symptomatik nach Schleudertr
auma und äquivalente
n
Verletzungen (vgl. BGE 117 V
360 E. 4b).
Indessen
spielte
n
die wei
teren typischen Symptome schon b
ald ein
e untergeordnete Rolle. B
ereits Ende November 2016 hatten sich die Nacken- und Rückenschmerzen zurückgebil
det. Die übrigen
(somatischen)
Beschwerden si
nd als unfallfremd einzustufen. I
nsge
samt betrachtet
ist
davon auszuge
hen, dass von den Beschwerden
,
die auf den Unfall vom 2
2.
August 2016 zurückzuführen sind
, die psychische Problematik
über den gesamten Krankheitsverlauf
gesehen eindeutige Dominanz aufgewiesen hat.
Die Adäquanz des Kausalzusammenhang
s
ist dah
er
nach den in BGE 115 V 133 für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall auf
gestellten Kriterien zu prüfen.
Soweit der Beschwerdeführer die Diagnose der Anpassungsstörung anzweifelt (
Urk.
13 S. 5), ist er darauf hinzuweisen, dass der psychiatrische Teil
gutachter eine eingeschränkte affektiv
e Schwingungsfähigkeit beobachtete
(
Urk.
9/90/28). Seine Ausführungen als Laie sind jedenfalls nicht geeignet, die fachärztliche Beurteilung in Zweifel zu ziehen.
7.
7.1
Psychische Beeinträchtigungen gelten nach der höchstrichterlichen Rechtspre
chung nur bei schweren Unfällen in der Regel als deren adäquate Folge. Banale Unfälle (z.B. geringfügiges Anschlagen des Kopfes oder Übertreten des Fusses) oder leichte Unfälle (z.B. gewöhnlicher Sturz oder Aus
rutschen) sind hingegen in der Regel nicht geeignet, einen invalidisierenden psychischen Gesundheits
scha
den zu verursachen.
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammen
hang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auffallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwie
rigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungs
weise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusam
men mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adä
quanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
;
RKUV
2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
7.2
In diesem Zusammenhang ist vorweg festzuhalten, dass die SWICA keine verfrühte Adäquanzprüfung vorgenommen hat.
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzu
schliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet wer
den kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1,
Art. 24 Abs. 2 UVG; B
undesgerichts
urteil
8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3). In diesem Zeitpunkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäqu
anzfrage zu prüfen (B
undesgerichts
urteil
8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begriffes «namhaft» in
Art.
19
Abs.
1 UV
G verdeutlicht demnach, dass sie
durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung ins Gewicht fallen muss.
Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht (BGE 134 V 109 E. 4.3).
Im Falle des Beschwerdeführers ist die Arbeitsfähigkeit als Folge des Unfall
s
einzig aus psychischen Gründen eingeschränkt (
Urk.
9/
90/13
)
. Die hier bei der Adäquanzprüfung einzig zu berücksichtigenden physischen Komponenten bewirkten zum Zeitpunkt der Leistungseinstellu
ng keine Arbeitsunfähigkeit
.
7.3
Nach der Rechtsprechung werden einfache Auffahrunfälle in der Regel als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qual
i
fiziert (R
K
UV 2005 Nr. U 649 S. 237 mit Hinweisen). Davon ist auch vorliegend auszugehen. Daran
ändert nichts, dass beim Unfall vom 2
2.
August 2016 kein eigentlicher Auffahr
unfall, sondern eine
seitlich-frontale Kollision
stattfand (vgl. Bundesgerichtsurteil 8C_682/2013 vom 1
4.
Februar 2014 E. 10). Ebenfalls führt der Umstand, dass die Auffahrgeschwindigkeit rund 40 km/h betrug
(vgl.
Urk.
9/10/1)
, zu keiner ande
ren Beurteilung (Urteil des
Eidg
. Versicherungsgerichts U 21/01 vom 1
6.
August 2001 E. 3). Beim Unfall erlitt der Beschwerdeführer einen Kopfanprall, was aber für die
Qualifikation des Unfallereignisses als leicht, mittelschwer oder schwer
keine Rolle spielt
, sondern allenfalls für die Beurteilung des Kriteriums der besonderen Art der Verletzung relevant i
st (vgl. RKUV 1998 Nr. U 297 E
. 3c S. 245
).
7.4
Der Unfall vom 2
2.
August 2016 ereignete sich weder unter besonders drama
tischen Begleitumständen, noch war er - objektiv betrachtet (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209)
-
von besonderer Eindrücklichkeit. Auch hat der Beschwerdeführer keine schweren Verletzungen erlitten oder Verletzungen erlitten, die erfahrungs
gemäss geeignet sind, psychische Fehlentwicklungen auszulösen. Zwar
schlug er beim Unfall das linke Ohr und den Kopf
an (
Urk.
9/10/3
), jedoch erlitt er dabei keine schwerwiegenden Verletzungen. Die bildgebenden Abklärungen des Schädels blieben
allesamt unauffällig (
Urk.
9/12, 9/37, 9/58
). Eine ärztliche Fehl
behandlung liegt nicht vor.
Ebensowenig
kann von einem schwierigen Heilungs
verlauf
respektiv
e
von einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behand
lung
gesprochen werden:
Die Nacken- und Schulterschmerzen besserten bald. In der Folge prägten der Tinnitus und das Kopfweh das Beschwerdebild, die aber unfallfremd sind. Körperliche
(unfallkausale) Dauerschmerzen bestanden nicht. Was den Grad und die Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit anbe
langt, ist davon auszugehen, dass bereits nach drei Monaten wieder eine volle Arbeitsfähigkeit bestand. Für die weitere Arbeitsunfähigkeit waren schon bald psychische beziehungsweise unfallfremde Gründe verantwortlich.
Nach dem Gesagten ist keines der für die Adäqu
a
nzbeurteilung massgebenden Kriterien gegeben, um eine über
den
1.
Oktober 2016 beziehungsweise über
Ende Oktober 2017 hinaus bestehende Leistungspflicht der SWICA zu begründen. Die
Beschwerde ist somit abzuweisen.