Decision ID: a8ab6b6a-d45b-5d9c-89c2-f80a589759b3
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963, war von 1997 bis 2014 als Grup
penleiter bei der
Y._
in
Z._
tätig (Urk.
6
/1 Ziff. 2.1
f.
). Unter Hinweis auf einen Wirbelsäulenschaden mit starken schmerzhaften Rückenprob
lemen meldete er sich am 26. August 2013 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
6
/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der
damaligen
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA
, heute: Suva
) bei (Urk.
6
/6) und ver
anlasste ein polydisziplinäres Gutachten, welches am 2. Februar 2015 erstattet wurde (Urk.
6
/32).
Mit
Verfügung vom 19. Oktober 2015 (Urk.
6
/49)
verneinte
die IV-Stelle
einen Rentenanspruch.
Die dagegen erhobene Beschwerde vom
19.
November 2015 (Urk. 6/52/3-11)
hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom
31.
Oktober 2016
im Prozess
IV.2015.01199
in dem Sinne gut, als es die ange
fochtene Verfügung aufhob und die Sache zu ergänzenden Abklä
rungen an
die IV-Stelle zurückwies (Urk. 6/57
).
1.2
In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine
psychiatrische
Begutachtung des Ver
sicherten durch
Dr.
med.
A._
, leitender Arzt,
B._
,
dessen
Gutachten am
1
4.
Dezember 2017
erstatte
t wurde (Urk. 6/87/1-47
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk. 6/98, Urk. 6/101
)
sprach die IV-Stelle
dem Versicherten
mit
Verfügung vom 27.
Dezember 2018 (Urk. 6/107, Urk. 6/112)
bei einem Invaliditätsgrad von 45 % mit Wirkung ab 1. März 2018
eine
Viertelsrente
zu.
2.
Der Versicherte erhob am 3
1.
Januar 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom
2
7.
Dezember 2018
(
Urk.
2) und beantragte, es sei ihm ab
Januar 2017
eine
Drei
viertelsrente
zuzusprechen
(Urk. 1 S. 2)
. Am
7.
März 2019 (
Urk.
5
) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfü
gung vom 1
3.
März 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ein
ander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) aus näher dargelegten Gründen (vgl. S.
3
)
davon aus
, dass dem Beschwerdeführer die bis
herige Tätigkeit
als Produktionshelfer und Gruppenleiter seit dem 1
6.
März 2017 (Beginn Wartejahr) nicht mehr zumutbar sei. Eine angepasste Tätigkeit sei ihm in einer zeitlichen Arbeitsfähigkeit von 80 % mit einer Leistungsfähigkeit von 70 % zumutbar (S. 3). Ein Einkommensvergleich ergab einen Invaliditätsgrad von 45 %.
Ein zusätzlicher Leidensabzug sei nicht zu gewähren
(S. 4)
.
2.2
Demgegenüber vertra
t
der Beschwerdeführer au
s näher genannten Gründen (Urk.
1
Rz
9 ff.)
den Standpunkt, dass
bereits seit 2015 in der angestammten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit bestehe und deshalb das Wartejahr Anfang 2017 auf jeden Fall vollendet gewesen sei. Seit Januar 2017 bestehe ein Renten
an
spruch
(
Rz
18)
.
Unter Berücksichtigung eines Leidensabzuges von 15 % ergebe sich ein Invaliditätsgrad von über 60 %. Damit sei der Anspruch auf eine
Drei
viertelsrente
ausgewiesen
(
Rz
22)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers und dabei insbesondere
der Beginn der Arbeitsunfähigkeit und die Höhe des Invaliditäts
grades.
3.
3.
1
Dem Rückweisungsurteil vom
3
1.
Oktober 2016
(
Urk.
6/57
)
lagen folgende Arzt
berichte zugrunde:
Dr. med.
C._
, Facharzt für Neurochirurgie, und Dr. med.
D._
, Assistenzarzt,
E._
, führten in ihrem Bericht vom 18. September 2013 (Urk.
6
/8/5-6) aus, dass der Beschwerdeführer seit Oktober 2012 bei ihnen in Behandlung stehe
,
und nannten als Diagnose eine
Lumbo
ischialgie
beidseits mit Pseudo-Radikulopathie rechts bei bekannter
grössenre
gre
dienter
Diskushernie L4/5 mit Nervenwurzelkompression L5 rechts (MRI Septem
ber 2012 und Juli 2013; S.
1
). Es sei durch sie keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Der Beschwerdeführer sei aufgrund von starken Schmerzen im Alltag eingeschränkt. Sobald die Schmerzen
regredient
seien, könne mit ei
ner Wieder
aufnahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden (S.
2
).
3.2
Die Ärzte des
F._
,
G._
, führten im Bericht vom 6. November 2013 (Urk.
6
/14) aus, dass der Beschwerdeführer vom 10. Oktober bis 30. Oktober 2013 in der
G._
hospitalisiert gewese
n sei
,
und nannten die folgenden, hier gekürzt aufgeführten
Diagnosen:
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom linksbetont
-
somatoforme Schmerzstörung mit depressiver Entwicklung, ICD-10 F45.4
-
koronare 2-Gefässerkrankung
-
Vitamin D
-
Mangel (8
ug
/l)
Beim Beschwerdeführer habe im September 2012 ein akutes bis subakutes
lum
bo
radikuläres
Reizsyndrom L5 rechtsbetont beziehungsweise symptomati
sche Spinalstenose bei MR-graphischer Darstellung einer grossen, rechts para
me
dia
nen Diskushernie L4/5 mit subtotaler Spinalstenose auf dieser Höhe be
standen, mit Erstmanifestation nach einem „Fehltritt“ ähnlichen Ereignis, als der Sattel des Fahrradergometers eingesackt sei (S. 1 unten, S. 2 oben). Auf
grund des pro
tra
hierten Verlaufs sei eine psychiatrische Mitbeurteilung erfolgt, wo die Diag
nose einer somatoformen Schmerzverarbeitungsstörung mit depres
siver Ent
wick
lung diagnostiziert worden sei. Der Beschwerdeführer habe sich weiterhin als schuld
zuweisend/-suchend präsentiert und habe hohe Erwartun
gen an die durch das Spital durchgeführte Rehabilitation gehabt, welche nicht habe erfüllt werden können (S. 2 Mitte).
3.3
Dr. med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in sei
nem Bericht vom 25. November 2013 (Urk.
6
/13) aus, dass er den Beschwerde
führer von Juli 2012 bis März 2013 behandelt habe (Ziff. 1.2)
,
und nannte die folgende
, hier gekürzt aufgeführte
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit (Ziff. 1.1):
-
symptomatisches
lumboradikuläres
Schmerzsyndrom
Der Beschwerdeführer sei am 11. Juni 2012 kurz nach einer Ergometrie im
F._
vom Stuhl gefallen und habe daraufhin therapiere
sistente Schmerzen entwickelt. Weitere Fragen könnten nicht beantwortet wer
den, da er den Beschwerdeführer seit März 2013 nicht mehr behandle (S. 2 Ziff. 1.4).
3
.
4
Am 2. Februar 2015 erstatteten die Ärzte des
I._
im Auftrag der Beschwerdegegnerin ein Gutachten (Urk.
6
/32/1-19). Sie stützten sich dabei auf die ihnen überlassenen Akten (S. 3 ff.) und die am 12. Dezember 2014, 17. Dezember 2014 und 13. Januar 2015 erfolgten Untersuchungen, über welche in Teilgutachten psychiatrischer (Urk.
6
/32/30-37), orthopädischer (Urk.
6
/32/20-29) und internistischer (Urk.
6
/32/38-47) Richtung berichtet wurde.
Die Gutachter nannten keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (S. 13
lit
. F1). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit) nannten sie (S. 14
lit
. F2):
-
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom bei leicht- bis mittelgradiger Funktionseinschränkung ohne radikuläre Symptomatik
-
retropatellares Schmerzsyndrom beidseits bei freier Funktion
-
koronare Herzerkrankung mit Status nach anterolateralem Myokardinfarkt am 3. November 2008
-
zumindest akzentuierte Persönlichkeit mit vor allem abhängig ängstlichen und histrionischen Anteilen (ICD-10 F61)
-
chronifizierende Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Anteilen (ICD-10 F45.41)
Im orthopädisch-traumatologischen Gutachten wurde ausgeführt, dass die Arbeits
fähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Gruppenleiter in der Pro
duktion für mehr als acht Stunden pro Tag gegeben sei. Zu vermeiden sei jedoch eine Tätigkeit in ständiger Kälte, so dass der letzte Arbeitsplatz insofern als ungeeignet angesehen werden müsse (S. 11 Mitte).
Im psychiatrischen Gutachten wurde ausgeführt, dass sich bei der aktuellen Untersuchung ein persönlichkeitsauffälliger Versicherter mit histrionischen und ängstlich abhängigen Tendenzen gezeigt habe, während Hinweise auf eine ei
gentliche depressive Auslenkung nicht mehr vorhanden gewesen seien. In den Vordergrund der Beschwerdeproblematik werde vom Versicherten eine lumbale Schmerzproblematik mit Ausweitungscharakter gestellt, zudem die Entwicklung massiver Kopfschmerzen. Gleichzeitig seien im Gefolge der Schmerzproblematik ausgeprägte kognitive Beeinträchtigungen vorgebracht worden. Insgesamt werde aber eine Verbesserung der Schmerzproblematik seit Beginn um 50 % angege
ben, eine Überwindbarkeit scheine auch während der Exploration er
sichtlich. Auch wenn ein deutlicher Zusammenhang mit psychischer Belastung bestehe, eine gewisse Therapieresistenz bisher zu beobachten sei und ein ge
ringgradiger sozialer Rückzug auffalle, sei aufgrund des Fehlens eines primären Krank
heits
gewinns und einer doch anzunehmenden Überwindbarkeit ein Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit seitens der Schmerzproblematik nicht gegeben (S. 11 unten, S. 12 oben).
Im internistischen Gutachten wurde ausgeführt, dass aus internistischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für die angestammte Tätigkeit, welche er bis 2012 bei
J._
ausgeübt habe
,
oder für eine denkbare körperlich leichte bis mittelschwere Verweistätigkeit, bestehe (S. 12 unten).
Die Gutachter führten sodann zusammenfassend aus, aus orthopädisch-trauma
tologischer, internistischer und psychiatrischer Sicht best
ehe
eine Arbeits
fähig
keit von 100 % für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Produktionshelfer und Gruppenleiter. Eine Einschränkung in einer leidensadaptierten Tätigkeit be
st
ehe
ebenfalls nicht (S. 15 oben).
Das zusammenfassende Belastungs-/Ressourcenprofil im polydisziplinären Kon
sens wurde wie folgt umschrieben (S. 15):
„Orthopädisch ist der Versicherte in der Lage, körperlich leichte bis mittel
schwere Tätigkeiten mit Heben, Tragen von Lasten bis zu maximal 15 kg durch
zuführen. Tätigkeiten in ständiger Vorbeuge, in kniender und kauernder Stellung sollten vermieden werden. Darüber hinaus sollten auch Tätigkeiten bei Nässe, Kälte, Hitze und extremen Temperaturschwankungen vermieden werden. Der Ver
si
cherte ist in der Lage sich öfters zu drehen, zu winden und zu bücken.“
Internistisch bestünde ebenfalls eine Leistungsfähigkeit für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten. Aus psychiatrischer Optik sei das Belastungsprofil nicht eingeschränkt.
Der Versicherte sei in der Lage, die bisherige Tätigkeit 8.5 Stunden täglich ohne Leistungsminderung auszuüben. Die Arbeitsfähigkeit betrage 100 %. Diese Ein
schätzung gelte nur unter der Voraussetzung, dass die Tätigkeit nicht in einer Kühlkammer stattfände (S. 15 unten).
Für eine leidensadaptierte Tätigkeit bestehe ebenfalls eine Arbeitsfähigkeit in Höhe von 100 % (S. 15 unten).
Zum Verlauf wurde ausgeführt, der Versicherte sei aus rein orthopädischer Sicht spätestens seit Juli 2013 (MRI-Kontrolle der Lendenwirbelsäule) zu 100 % ar
beits
fähig. Aus rein psychiatrischer Sicht sei der Versicherte immer in der Lage gewe
sen, eine Tätigkeit vollumfänglich auszuüben. Aus internistischer Sicht sei die bisherige Tätigkeit nur kurzfristig für mehrere Wochen bis Monate im Zusammenhang mit dem Herzinfarkt am 3. November 2008 eingeschränkt gewe
sen (S. 16 oben).
3.5
Dr. med. K._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
lo
gie des Bewegungsapparates, Regionaler
Ä
rztlicher Dienst (RAD), hielt mit Stellung
nahme vom 9. Februar 2015 fest, auf das Gutachten sei abzu
stellen (Urk.
6
/39 S. 6 Mitte).
3.6
Dr. med.
L._
, Oberarzt
M._
,
N._
, führte mit Bericht vom 8. April 2015 (Urk.
6
/36) aus, dass der Beschwerdeführer seit Dezember 2013 in der
N._
in Behandlung sei
,
und nannte als Diagnosen nach ICD-10 eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1) und eine chronische Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41; S. 1). Durch die
N._
sei keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden, dies sei durch den Hausarzt Dr.
O._
erfolgt. Aus psychiatrischer Sicht habe eine Arbeitsunfähigkeit bestanden und bestehe aktuell eine solche.
3.7
Mit Stellungnahme vom 19. Juni 2015 (Urk.
6
/43) führten die Gutachter aus näher genannten Gründen (S. 2) aus, die vom behandelnden Psychiater be
schrie
bene mittelgradige depressive Episode könne nicht bestätigt werden, ins
be
son
dere auch eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei angesichts der beschrie
benen Symptome nicht zu erklären. Zudem nahmen die Gutachter Stellung zu den Ein
wänden des Beschwerdeführers zum orthopädischen Teilgut
achten vom 20. April 2015 (Urk.
6
/37).
3.8
Dr.
K._
führte mit Stellungnahme vom 16. Oktober 2015 aus, dass das Gutach
ten keine Mängel aufweise (Urk.
6
/48).
3.9
Dr.
P._
,
Q._
, führte mit Be
richt vom 19. Oktober 2015 (Urk. 6/53/1
) aus, der Beschwerdeführer leide an Depressionen.
3.10
Zu dieser medizinischen Aktenlage hielt
das hiesige Gericht
im Wesentlichen
fest (Urk. 6/57
S. 12 ff.
):
5.4
Die Gutachter gingen unter anderem von einer chronifizierenden Schmerz
störung mit psychischen und somatischen Anteilen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aus. Der behandelnde Psychiater diagnostizierte ebenfalls eine chronische Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktoren, zusätz
lich noch eine rezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode und kam zum Schluss, dass der Beschwerdeführer deshalb ar
beitsunfähig sei.
Nach dem Gesagten (
...
) hat die Beurteilung, ob eine fachärzt
lich diagnostizierte psy
cho
somatische Erkrankung eine Invalidität begründet oder nicht, nicht mehr mittels der Regel/Ausnahme-Vorgaben beziehungsweise der Über
wind
bar
keits
ver
mutung zu erfolgen.
Vielmehr hat die Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Störungen stär
ker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichtigen, was sich bereits in den diagnostischen Anforderungen niederzuschlagen hat, in
dem dem diagnose-inhärenten Schweregrad der psychosomatischen Erkran
kung vermehrt Rechnung zu tragen ist. Sodann führt die auf die Begrifflichkeit des medizinischen Klassifikationssystems abstellende Diagnose der psychoso
mati
schen Erkrankung nur dann zur Feststellung einer invalidenversi
cherungs
recht
lich erheblichen Gesundheits
beeinträchtigung, wenn die Diagnose auch unter dem Gesichtspunkt der Aus
schluss
gründe (BGE 131 V 49 E. 1.2) standhält.
In
sinngemässer
Anwendung auf die nunmehr materiell-beweisrechtlich geänder
ten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen administrativen und/oder gerichtlichen Sachverständi
gengutachten - gegebe
nen
falls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten - eine schlüssige Beurteilung im Lichte der
massgeblichen
Indikatoren erlauben oder nicht.
Die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur somatoformen Schmerzstörung hat nach de
r Begutachtung durch die I._
geändert, weshalb die Prüfung, ob die diagnostizierte psychosomatische Erkrankung eine Invalidität begründet oder nicht, noch nach der Überwindbarkeitsvermutung erfolgte. So führten die Gutachter im Rahmen der Prüfung der sogenannten Foerster-Kriterien aus, dass auch wenn ein deutlicher Zusammenhang mit psychischer Belastung bestehe, eine gewisse Therapie
resistenz bisher zu beobachten sei und ein geringgradiger sozialer Rückzug auffalle, sei aufgrund des Fehlens eines primären Krankheits
gewinns und einer doch anzu
nehmenden Überwindbarkeit ein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seitens der Schmerzproblematik nicht gegeben. Nach dem Ge
sagten (
...
) kann auf das gemäss altem Verfahrensstand einge
holte Gutachten abgestellt werden, solange das Gutach
ten
eine schlüssige Beurteilung im Lichte der
massgeblichen
Indikatoren erlaubt. Dies ist jedoch vor
liegend nicht möglich. So ist zur Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde dem Gutachten einzig zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer aus
gesagt habe, dass sich die Schmerzen um die Hälfte reduziert hätten. Aus der Aussage, dass der Beschwerdeführer seit 1.5 Jahren in ambulanter psychia
trischer Be
handlung, seit einem Jahr bei seinem jetzigen Psychiater Dr.
L._
sei, kann der Indikator des Behandlungserfolgs/-resistenz unzureichend beurteilt werden. Ob eine Wechselwir
kung zwischen der Schmerzstörung und Depression vorliegt, kann ebenfalls nicht beurteilt werden. Zur Frage der Ressourcen lässt sich dem Gutachten einzig ent
nehmen, dass der Beschwerdeführer verheiratet ist und viele Freunde habe, wobei die Kontakte seit dem Unfall weniger ge
worden seien, aus Angst, dass seine Schmerzen nicht ernst genommen würden (
...
).
Dem Gutachten lassen sich somit nicht genügend Angaben entnehmen, um
die Zuverlässigkeit der von den Gutachtern attestierten Arbeitsunfähigkeit be
ziehungs
weise den Schwere
grad und die Konsistenz der funktionellen Aus
wir
kun
gen der psychischen Problematik aus rechtlicher Sicht beurteilen zu können. Auch den übrigen Akten lassen sich keine genügenden Informationen ent
nehmen, zumal sich bis auf den behandelnden Psychiater keiner der Ärzte zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers geäussert hat.
Unter diesen Umständen ist keine
verlässliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sowohl in einer leidensangepassten Tätigkeit als auch in der angestammten Tätigkeit möglich. Erforderlich ist somit eine Ergänzung durch den psychiatrischen Gutachter mit Blick auf die aktuelle Rechtsprechung zu psycho
soma
tischen Leiden. Erst wenn diese Ergänzung vorliegt, kann beur
teilt werden, ob die diagnostizierte
chronifizierende Schmerzstörung mit psy
chi
schen und soma
tischen Anteilen
eine Invalidität begründet oder nicht.
Im Übrigen erweisen sich die Einwände des Beschwerdeführers betreffend die depressive Episode (
..
.) als nicht stichhaltig, kamen die Gut
achter doch in der Stellung
nahme vom 19. Juni 2015 nachvollziehbar zum Schluss, dass keine mittelgradi
ge depressive Episode vorliegt.
5.5
Zum Einwand des Beschwerdeführers, dass die Ausführungen des orthopädi
schen Gutachters zu seiner Arbeitsfähigkeit in angestamm
ter Tätigkeit wider
sprüchlich seien (
...
), ist zu sagen, dass im Gutachten tat
sächlich teilweise von einer uneinge
schränkten Arbeitsfähig
keit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit die Rede ist (
...
). Gleichzeitig wird aber auch klar zum Ausdruck gebracht, dass eine Tätig
keit in stän
diger Kälte zu vermeiden sei und der letzte Arbeitsplatz in
sofern ungeeignet erscheine (
...
). Zudem er
stell
ten die Gutachter ein differenziertes Belastungs
profil, aus welchem her
vor
geht, dass eine Tätigkeit in ständiger Kälte zu vermeiden sei. Das Belas
tungs
profil wird denn auch vom Beschwerdeführer nicht bestritten und ist auch nicht zu beanstanden. Soweit der Beschwerdeführer demnach die Aus
führungen des orthopä
dischen Gutachters zur Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit in Frage stellt, ver
mögen seine Einwände das Gutachten nicht zu erschüttern.
In Bezug auf die vom Beschwerdeführer vorgebrachte Rüge, dass wiederholt von einer falschen Dauer der Arbeitsunfähigkeit ausgegangen worden sei (
...
), ist festzuhalten, dass selbst er bei der Anmeldung eine Arbeitsun
fähigkeit seit dem 9. Oktober 2012 angegeben hat (
...
). Es ist nicht ersichtlich, weshalb der polydisziplinäre Konsens deshalb nicht aussage
kräftig sein soll. Zudem wurde die Dauer der Arbeitsfähigkeit im ortho
pädischen Teilgutachten präzise dargelegt (
...
). Im Übrigen ist der genaue Zeitpunkt vorliegend nicht weiter relevant, entsteht doch der Renten
anspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendma
chung des Leistungs
anspruchs (
...
), vorliegend also frühes
tens ab Februar 2014.
D
er Beschwerdeführer bringt weiter vor, dass die Gutachter befangen seien (
...
). Dies leitet er aus dem Umstand ab, dass die Beschwerdegeg
nerin den Beginn der Arbeits
unfähigkeit wiederholt falsch angegeben habe und hierfür keine Erklärung geliefert habe. Dem kann aus den zuvor genannten Gründen (
...
) nicht gefolgt werden. Weiter kann aus dem Umstand, dass die Gutachter sich auf die mittlerweile nicht mehr gel
tenden Foerster-Krite
rien gestützt haben, keine Befangenheit abgeleitet werden, wurde der die alte Rechtsprechung ablösende Bundesgerichtsentscheid doch nach der Begutach
tung und nur zwei Tage vor der ergänzenden Stellungnahme gefällt und erst später publi
ziert.
Die Würdigung des gesamten Gutachtens ergibt, dass die orthopädischen und inter
nistischen Teilgutachten die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden in ange
messener Weise berücksichtigt haben, in Kenntnis der und in Auseinan
dersetzung mit den
Vorakten
erstattet wurden und der konkreten medizinischen Situation Rechnung tragen. Die Beurteilung leuchtet in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge ein und die vorgenommenen Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeits
fähigkeit werden ausführlich begründet. Die Beurteilung durch die orthopädischen und internistischen Gutachter ist nach dem Gesagten umfassend, sodass für die Ent
scheidfindung auf diese Teilgut
achten abgestellt werden kann.
5.6
Zusammenfassend erweist sich die vorliegende Aktenlage für eine abschlies
sende Beurteilung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den medizinischen Sach
ver
halt als unvollständig (
...
).
Die Beschwerde ist dementsprechend in dem Sinne
gut
zuheissen
, als die ange
fochtene Verfügung vom 19. Oktober 2015 auf
zuheben und die Sache zur ergänzenden psychiatrischen Abklärung an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen ist.
4.
4
.1
Seither präsentierte sich die relevante medizinische Aktenlage wie folgt: Die Ärzte des
F._
berichteten am
3.
März 2017
(Urk. 6/69/1-3)
über eine kardiologische Sprechstunde und nannten folgende
, hier gekürzt aufge
führte
n
Diagnosen (S.1):
-
koronare 2-Gefässerkrankung
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom linksbetont
-
somatoforme Schmerzstörung mit depressiver Entwicklung
-
Vitamin D-
Mangel
Zusammenfassend werde von einem erfreulicherweise kardial stabilen Verlauf ausgegangen. Die aktuelle Medikation sei unverändert belassen worden
. Dem Beschwerdeführer sei ein regelmässiges körperliches, aerobes Training (min
destens 3 Mal 30 Minuten wöchentlich) empfohlen worden. Die nächste kardio
logische Kontrolle werde erneut in einem Jahr empfohlen
(S. 3).
4
.2
Die Ärzte
der
N._
,
R._
,
berichteten am 28. April 2017 (Urk. 6/71/1-4) über eine erste Hospitalisatio
n des Beschwerdeführers vom 16.
März bis zum 28.
April 2017 und nannten folgende ps
y
chiatrische Diagnosen (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode (ICD-10 F33.1)
-
a
nhaltende somatoforme
Schmerzstörung mit
lumbosakralen Schmerzen
(ICD-10 F45.40)
Der Beschwerdeführer sei am 1
6.
März
2
017 aufgrund eines mittelgradig depressiven Zustandsbilds in die
N._
eingetreten. Psy
chopathologisch habe er sich mit einem depressiven Affekt mit Konzentrations
störungen und erhöhter Vergesslichkeit, reduziertem Antrieb, Minderwertigkeits
gefühlen, sozialem Rückzug sowie Ein- und Durchschlafstörungen präsentiert. Zusätzlich bestehe eine somatoforme Schmerzstörung mit lumbosakralen Schmerzen. Der Beschwerdeführer
berichte
über grosse Paarkonflikte und daraus, wie auch aus der fortbestehenden Arbeitslosigkeit, resultierende finanzielle Probleme (S. 3 Mitte).
Mehr
ere Belastungsurlaube seien problemlos verlaufen, so habe der Beschwerde
führer am 2
8.
April 2017 nach Hause entlassen werden können S. 3 unten).
4
.3
Dr.
L._
(vgl. vorstehend E.
3.
6
)
nannte
mit Bericht vom
2
9.
Mai 2017 (Urk. 5/75/
2
-8)
folgende ps
y
chiatrische Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
(S. 1):
-
rez
idivierende depressive Störung
(ICD-10 F33)
-
a
nhaltende somatoforme Schmerzstörung mit lumbosakralen Schmerzen (ICD-10 F45.40)
Dem Beschwerdeführer sei durch die Klinik keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden (Ziff. 1.6). Wegen möglicher ängstlicher und vermeidender Persönlich
keitsanteile scheine es dem Beschwerdeführer schwer zu fallen, unangenehm wahrgenommene
n
Situationen nicht auszuweichen (Ziff. 1.7).
4
.4
Dr.
A._
,
B._
, erstattete am
1
4.
Dezember 2017
ein psychiatrisches Gutachten
(Urk. 6/87/1-47
) und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 35):
-
rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradig (ICD-10 F32.1) mit neuropsychologisch objektivierter mittelschwerer kognitiver Störung
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
Beim Beschwerdeführer liege ein
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom mit über
la
gernder psychischer Komponente vor. Ein somatoformes Schmerzsyndrom gemäss ICD-10
habe
nicht bestätigt werden
können, da
keine Verlagerung eines innerpsychischen Geschehens auf den Körper
stattgefunden habe
, sondern sich die
lumbovertebralen
Schmerzen in Folge eines organischen Geschehens (Diskus
hernie,
Osteochondrose
)
ausgebildet hätten (S. 36 f.)
.
Diese Symptome
würden
aktuell von den depressiven Symptomen des
Beschwer
de
führer
überlagert
werden
, wobei sich das Erstauftreten der Depression teilweise auf die erlittenen Kränkungen des
Beschwerdeführer
s
zurückführen
lasse
: die Kinderlosigkeit, das Scheitern der Ehe, die schlechte finanzielle Situation, der Ausfall als Ernährer und die Entt
äuschung über die behandelnden Ä
rzte am
F._
hätten
seit 2013/14 zu einer schrittweisen Verschlechterung des psychis
c
hen Gesundheitszustands des
Beschwerdeführer
s geführt
. Somit
sei
die Depression erst einige Zeit nach dem Unfall
entstanden (S. 37)
.
Das
lumbovertebrale
Schmerzsyndrom des
Beschwerdeführer
s
interagier
e
mit den depressiven Symptomen und
trage
zur Aufrechterhaltung und Verstärkung der Schmerzen bei. In der Gesamtkonste
l
lation wirk
t
en sich die mittelgradige Depression und
das
lumbovertebrale
Schmerzsyndrom deutlich auf die Arbeits
fähigkeit aus und schränk
ten die Allt
agsbewältigung des
Beschwerdeführer
s
in zahlreichen Lebensbereichen ein, wobei es sich, wie bereits beschr
i
eben, bei dem Schmerzsyndrom um kein rein psychiatrisches Krankheitsbild
handle (S. 37)
.
Hier
sei
aus versicherungsmedizinischer Sicht anzumerken, dass sowohl psycho
soziale wie auch soziokulturelle Faktoren eine wesentliche Bedeutung
hätten
. Die Kränkung aufgrund der subjektiven Gefühle von Nicht-wahrgenommen-Sein, nicht respektvoll genug behandelt worden zu sein, wie auch der Verlust des früher gelingenden Lebens, die Missachtung durch die Ehefrau etc. stell
t
en erhebliche Faktoren für die Depression dar, welche als primär reaktiv zu bezeichnen
sei
. Diese Ansicht
teile
übrigens auch der
Beschwerdeführer
, wel
c
her mehrfach erwähnt
habe
, dass er sich
ohne diese Faktoren
in einem besseren Gesund
heits
zustand befinden würde. Dieselbe Beobachtung
werde
auch von der
N._
in ihrem letzten Bericht aus dem April 2017 gemacht. Dort
heisse
es, die Depression sei verursacht durch Schmerzen sowie finanzielle und partner
schaftliche Probleme
(S. 37).
Es
sei
aber nicht zulässig, das gesamte depressive Symptombild als reaktiv zu betrachten. Einerseits finde sich nun eine eigene Entität, welche dadurch gekenn
zeichnet
sei
, dass die Schmerzen die Depression verstärk
t
en und die Depres
sion wiederum die Schmerzen auf
rechterhalte. Dieser
circulus
vitiosus
sei
als eigen
ständiges
inneres Geschehen zu betrachten.
Andrerseits
habe
sich eine neuro
psy
chologisch objektivierbare kognitive Störung entwickelt. Dies
sei
Beweis dafür, dass eine Verselbstständigung des psychischen Leidens stattgefunden
habe
. Somit
könne
nicht mehr angenommen werden, dass sich das aktuelle Funktions
niveau bei Wegfall der versicherungsfremden Faktoren verbessern würde
(S. 37)
.
Die bisherige Therapie
sei
grundsätzlich lege artis sowohl vom Aufbau, Art und Umfang sowie der Intensität und Dosierung
.
Die S3-Leitlinie der AWMF (
Arbeits
gemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
)
empfehle jedoch beim Vorliegen psychosozialer Faktoren eine höherfrequente Therapie.
Der
Beschwerdeführer
besuch
e zirka
ein Mal
pro Monat
eine
Therapie. Die Bearbeitung der psychosozialen Faktoren (insbesondere Kränkung und Beziehungsproblematik) erschein
e
wichtig, da sie eine relevante krankheits
erhal
tende Funktion
hätten
.
Es werde
eine Therapie mindestens 2-wöchentlich mit Bearbeitung der psychosozialen Aspekte
als
erforderlich
erachtet
(S. 38)
.
Die zur Verfügung stehenden Informationen aus den Berichten der psychiatrisch-psychologischen
Vorbehandler
zeig
t
en, dass der
Beschwerdeführer
bei der bishe
rigen Ther
apie gut ko
operierte. Sowohl stationär wie auch ambulant f
ä
nden si
ch keine Hinweise auf
Malcompli
ance
(S. 38)
.
Sowohl das
lumbovertrebrale
Schmerzsyndrom als auch die mittelgradige depressive Erkrankung
seien
grundsätzlich noch behandelbar. Sowohl medika
mentös als auch psychotherapeutisch
sei
das vollständige Spektrum der mögli
chen Therapieoptionen noch nicht vollständig ausgeschöpft
worden
. Auf
grund der wesentlichen Beteiligung psychosozialer Faktoren erschein
e
eine Inten
si
vierung der ambu
l
anten Therapiefrequenz indiziert
(S. 38)
.
Der Beschwerdeführer befinde sich zweifelsfrei in einer psychisch und auch körperlich
äusserst schwierigen Gesamtsituation. Der Beschwerdeführer selbst
sei
der Ansicht, dass er bei Wegfall der psychosozialen Faktoren eine deutliche Ver
besserung seines Gesundheitszustandes und in der Folge auf seine Lebens
situation erwarte
(S. 40)
.
Insgesamt bezeichne er sich als arbeitsunfähig. Zudem schilder
e
er einen ausge
prägten sozialen Rückzug sowie grosse Schwierigkeiten bei der Haushaltführung. Freizeitaktivitäten übe er nur noch
limitiert aus
(S. 40).
Allerdings
sei
zu konstatieren, dass der
Beschwerdeführer
durchaus in der Lage schein
e
,
sein Leben
beziehungsweise
seinen Tagesablauf zu planen und zu orga
nisieren. Vor allem
sei
er in der Lage
gewesen
zu reisen. Auch jetzt plan
e
er einen halbjährigen Auslandsaufenthalt in Sri Lanka von Oktober 2017 bis April 2018 zwecks des Verkaufs einer dortigen Immobilie. Somit
ergebe
sich ein differentes Niveau zwischen subjektiver Arbeitsfähigkeit und gezeigter Aktivität. Deshalb
sei
nicht von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen
(S. 40)
.
Der
Beschwerdeführer
leide psychopathologisch an einer deutlichen Reduktion von Konzentration und Gedächtnis, sowie einer leichten Verminderung des Antriebs und Verlangsamung der Psychomotorik, sowie
schneller
Ermüdbarkeit. Neuropsychologisch objektiviert besteh
e
eine mittelgradige kognitive Störung. Ausserdem schränk
t
en die
lumbovertebralen
Schmerzen, die es dem
Beschwerde
führer
unmöglich mach
t
en längere Zeit zu stehen oder zu sitzen, sein Funktions-Niveau erheblich ein. Insgesamt wirk
t
en sich die Funktionsdefizite so stark auf das Funktions-Niveau des
Beschwerdeführers
aus, dass eine Rückkehr in die bis
herige Tätigkeit als vorgesetzter Lagerist nicht möglich
sei (S. 42)
.
In der bisherigen Tätigkeit bestehe keine Arbeitsfähigkeit (S. 42).
In der Folge seines Myokardinfarkt 2008
sei
bei dem
Beschwerdeführer
zunächst keine längere Arbeitsunfähigkeit gegeben
gewesen
.
Er sei e
rst Monate, im Oktober 2012, nach dem Bagatelltrauma im
F._
(Juni 2012) arbeitsunfähig,
geworden
,
obwohl die Schmerzen in der Lendenwirbelsäule bedingt durch die Bandscheibenprotrusion in L4/5 unmittelbar nach dem Trauma
aufgetreten seien
. Der
Beschwerdeführer
habe angegeben
, zunächst die Schmerzen ignoriert und überwunden zu haben, bis er dies aus eigener Kraftanstrengung nicht mehr geschafft habe. Die Rückkehr an den Arbeitsplatz im März 2013
sei gescheitert
, auf Grund der fortbestehenden Schmerzen, obwohl
der
radiologische Befund eine Rückbildung der Protrusion erkennen
gelassen habe.
Anfangs des Jahres 2014
sei
die Kündigung
erfolgt
. In dieser Zeit
seien
die Schmerzen des Klienten bedingt durch die bereits beschriebenen erlittenen Kränkungen zunehmend durch die depressive Symptomatik überlagert
worden
, einer Symptomatik, die in dieser Form bis heute (Oktober 2017)
anhalte
. Retrospektiv
sei
der Schweregrad der Depression nicht präzise zu bestimmen.
Es werde
zur Beantwortung dieser Frage auf das Vorgutachten aus dem Jahr 2015
gestützt
. In jenem
werde
festgehalten, dass die angestammte Tätigkeit „keine
geeignete Stelle"
sei
(Aktenauszug S
.
9 unten)
.
Aus diesem Grund
werde
von einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit
für diese Stelle mindestens seit dem
Gutachten vom Januar 2015
aus
gegangen
(S. 43)
.
Der Beschwerdeführer könne
,
unter gewissen Voraussetzungen, andere seinem Funktions-Niveau angepasste Tätigkeiten ausüben. Ob die chronischen Schmer
zen, welche auf Grund ihre
r
ursprünglich organischen Ursache kein rein psychiatri
sches Krankheitsbild darstell
t
en, überwunden werden könn
t
en,
könne
aus psychiatrischer
Sicht nicht beantwortet werden.
Die Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit (welche den Rückenschmerzen Rechnung tragen
müsse
)
sei
vor
allem
durch die depressive Symptomatik bedingt. Das neuropsychologisch beschriebene
Kognitionsdefizit bedinge eine Einschränkung des Arbeitstempos. Die depressive Symptomatik mit rascher Erschöpfbarkeit schränke die zeitliche Belastbarkeit ein (S. 43 f.).
Beim
Beschwerdeführer
seien
aus psychiatrischer Sicht geregelte Arbeitszeiten sowie ausreichende Ruhepausen zu beachten. Es
sei
ein wohlwollendes Umfeld seitens der Vorgesetzten wie auch der Mitarbeiter notwendig. Die Tätigkeit
dürfe
nicht kognitiv anspruchsvoll sein.
Weiter
sei
der
Beschwerdeführer
wegen seiner Schmerzen nicht in der Lage
,
länger in sitzender und stehender Position zu ver
harren oder längere Stre
cken zu gehen.
A
us psychiatrischer Sicht könne
jedoch das somatische Profil nicht präzisie
rt werden (S. 44)
.
Aus psychiatrischer Sicht
sei
aufgrund der Depression mit rascher Erschöpfbarkeit und vermehrtem Pausenbedarf ein Pensum von max
imal sechs Stunden am
Tag möglich (Pensum 80
%). Bei dieser Einschätzung
sei
der Einfluss der psycho
so
zialen Belastungsf
aktoren ausgeklammert.
Die Einschränkung
sei
vollständig durch die mittelgradige Depression mit kognitiver Störung bedingt
(S. 44)
.
Die neuropsychologisch festgehaltene kognitive Störung führ
e
zu einer Leistungs
minderung aufgrund langsamerer Informationsverarbeitung, deutlich verlangsamtem Arbeitstempo und unterdurchschnittlicher Gedächtnisleistungen. Bei einer kognitiv wenig anspruchsvollen Tätigkeit (Hilfsarbeiterniveau) schein
e
eine Einschränkung von 30
% plausibel
(S. 44)
.
Die Gesamtarbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführer
s
in adaptierter Tätigkeit berechne sich bei einer zeitlichen A
rbeitsfähigkeit
von 80
% und einer Leistungs
fähigkeit
von zirka 70 % auf 56
%
(Arbeitsunfähigkeit 44
%; S. 44).
Seit
dem Vorgutachten
habe sich
eine wesentliche Verschlechterung des Gesund
heitszu
s
tandes ergeben.
Es werde die
Auffassung
vertreten
, dass bereits vor der erwähnten Begutachtung depressive Episoden aufgetreten
seien
. Der Natur der Sache folgend
sei
es nicht auszuschliessen, dass anlässlich der Begutachtung eine Remission vorgelegen
habe
. Jetzt
sei
diese vorhanden. Ihre Konsequenzen
seien
neuropsychologisch objektiviert
.
Der zeitliche Ablauf
sei
ex
post
schwierig fest
zuhalten. Im Bericht der
S._
werde
bereits im November 2013 eine chronische Schmerzstörung mit psychischen Anteilen beschrieben. Es
sei
damals eine Therapie mit
Trittico eingeleitet
worden
. In den
Akten
werde
eine depressive Symptomatik in unterschiedlicher Ausprägung seit dem Jahr 2013 erwähnt. Die quantitative Bestimmung des Schweregrads über den gesamten Ver
lauf
sei
nicht möglich. Im psychiatrischen Teilgutachten vom Dezember 2014
werde
ke
ine Depression diagnostiziert.
Während der letzten Hospitalisation in der
N._
im April 2017
sei
klar eine mittelgradige Ausprägung beschrieben. In der Folge
sei
eine neuropsychologische Abklärung durchgeführt
worden
, welche oben diskutierte kognitive Einschränkungen
ergeben habe
. Unter Berücksichtigung der Aussage der Ehefrau, welche in der neuropsychologischen Untersuchung berich
tet
habe
, dass die Kognition sich schleichend verschlechtert habe und deutlich
schlechter geworden sei nach einer Hospitalisation anfangs 2017,
werde davon ausgegangen, dass seit
mindestens Beginn 2017
ei
ne mittelschwere Aus
prägung der Depression mit oben diskutierter Auswirkung
auf die Arbeits
fähigkeit bestehe (S. 45 f.).
4
.5
Dr.
K._
(vgl. vorstehend E. 3.
5) und
Dr.
med.
T._
,
Fach
ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
, RAD, führten mit Stellungnahme vom 2
7.
Dezember 2017 (Urk. 6/96/8) aus, aus versicherungsmedizinisch-ortho
pädi
scher wie auch -psychiatrischer Sicht könne auf dieses Gutachten abgestellt wer
den (S. 8).
5
.
5
.1
Die
I._
-Gutachter nannten in ihrem Gutachten von 2015 keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Sie attestierten eine 100%ige Arbeitsfähig
keit, unter der Voraussetzung, dass die Tätigkeit nicht in einer Kühlkammer statt
fände (vorstehend E. 3.4). Das hiesige Gericht kam mit Urteil vom 3
1.
Oktober 2016 zum Schluss, dass
das orthopädische und internistische Teilgutachten des
I._
umfassend sei und für die Entscheidfindung darauf abgestellt werden könne.
Auf das psychiatrische Teilgutachten des
I._
konnte hingegen nicht abgestellt werden, da es noch vor der geänderten bundes
gerichtlichen Rechtspre
chung zur somatoformen Schmerzstörung
eingeholt wurde und es keine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Aus
prägung erlaubte (vorste
hend E. 3.10).
Gestützt auf das Rückweisungsurteil des hiesigen Gerichts veran
lasste die Beschwerdegegnerin
ein psychiatrisches Gut
achten.
Dr.
A._
ging im psychiatrischen Gutachten von einer wesentlichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes aus. Er attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen und eine Arbeitsfähigkeit von 56 % in einer angepassten Tätigkeit
(vorstehend E.
4
.4)
.
Die gutachterliche Beurteilung umfasste das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch posit
iven Anteilen (vgl. S. 28 ff. des Gutachtens
) und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde. Der psychiatrische Gutachter ist bei der Beantwortung der Frage, wie er das Leistungsvermögen einschätzte, den einschlägigen Indikatoren gefolgt, er hat ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesund
heitlichen Beeinträchtigung sind, und seine versicherungsmedizinische Zumut
barkeitsbeurteilung ist auf objektivierter Grundlage erfolgt. Die von der Rechts
anwendung zu prüfende Frage, ob er sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist klar zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Standardindika
toren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nach
weisen, weshalb auf das Gutachten abzustellen ist.
5
.2
Aufgrund der Akten ausgewiesen und unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer
spätestens
seit der Hospitalisation in der
N._
vom 1
6.
März bis 2
8.
April 2017 zu 44 %
in einer behinderungsangepassten Tätigkeit
arbeitsunfähig ist. Die Beschwerdegegnerin stellte sich auf den
Standpunkt
, dass
das Wartejahr zum Zeitpunkt des
Aufenthaltes in der
N._
begonnen habe
,
und sprach
dem Beschwerdeführer ab
1.
März 2018 eine Rente zu
(vorstehend E. 2.1, Urk. 2)
.
Der Beschwerdeführer
macht hingegen geltend, dass das Wartejahr Anfang 2017 bereits vollendet gewesen sei und folglich
ein Rentenanspruch
seit Januar 2017 bestehe
(vorstehend E. 2.2)
.
Im orthopädisch-traumatologischen Teilgutachten werde der Beschwerdeführer in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als uneingeschränkt arbeitsfähig erachtet. Gleichzeitig werde eine Tätigkeit in stän
diger Kälte als nicht zumutbar erachtet und der letzte Arbeitsplatz werde als ungeeignet angesehen.
Dr.
A._
gehe angesichts der Tatsache, dass die
ange
stammte Tätigkeit im Vorgutachten als keine geeignete Stelle qualifiziert worden sei
, mindestens seit Januar 2015 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit aus (Zeitpunkt der Erstbegutachtung; Urk. 1
Rz
9
f.).
5
.
3
Die Wartezeit im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit einge
treten ist. Als erheblich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (AHI 1998 S. 124 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts I 10/05 vom 14. Juni 2005 E. 2.1.1 in
fine
mit Hinweisen). Unter relevanter Arbeitsunfähigkeit im Sinne dieser Bestimmung ist eine Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen. Das heisst, es muss arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person an Leistungs
vermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entspre
chender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitsgebers oder durch gehäufte, aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Mit anderen Worten: Die Leistungseinbusse muss in aller Regel dem seinerzeitigen Arbeitgeber aufgefallen sein. Eine erst nach Jahren rückwirkend festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit genügt nicht. Umgekehrt ist eine in der berufli
chen Tätigkeit im Vergleich zu einer gesunden Person tatsächlich nur reduziert erbrachte Leistung für sich allein gesehen in aller Regel ebenso wenig ausreichend für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes. Vielmehr bedarf es dazu regelmässig zusätzlich einer (überzeugenden) medizinischen Ein
schätzung, die ordentlicherweise echtzeitlicher Natur ist. Der Zeitpunkt des Ein
tritts der Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche erwerbliche oder medizinische Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des Bundesge
richts 8C_204/2012 vom 19. Juli 2012 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
Die orthopädische Beurteilung im
I._
-Gutachten ist tatsächlich nicht ganz widerspruchsfrei, wenn auf der einen Seite ausgeführt wird, dass die Arbeitsfä
higkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Gruppenleiter in der Produktion gegeben sei, auf der anderen Seite aber festgehalten wird, dass eine Tätigkeit in ständige Kälte zu vermeiden sei, so dass der letzte Arbeitsplatz insofern als ungeeignet angesehen werden müsse
(vgl. vorstehend E.
3.4)
. Doch
fehlt es vor
liegend an echtzeitlichen
medizinischen Berichte
n, welche eine
Arbeits
un
fähig
keit
des Beschwerdeführers
vor 2017
statuieren.
So wurden in den
Berichte
n
, welche vor dem
I._
-
Gutachten ergangen sind
,
keine
Arbeits
un
fähigkeit
en
des Beschwerdeführers
angegeben (vgl. vorstehend E. 3.1 ff.)
.
Dr.
L._
,
N._
,
statuierte
im April 2015
zwar eine Arbeitsunfähigkeit (vgl. vorste
hend E. 3.6), dessen Beurteilung kann jedoch mit Verweis auf die Stellungnahme der
I._
-Gutachter (vgl. vorstehend E. 3.7) nicht gefolgt werden.
Die von
Dr.
A._
,
B._
,
rückwirkend festgelegte
medizinisch-theoretische Arbeitsunfä
higkeit
seit 2015 g
enügt nicht, um d
ie Wartezeit im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
.
b IVG
zu eröffnen.
Vielmehr ist mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass das Wartejahr mit Beginn des stationären Aufenthalts in der
N._
am
1
6.
März 2017 begonnen hat, ging der psychiatrische Gutachter
Dr.
A._
,
B._
, doch davon aus, dass die Kognition nach der Hospitalisation deutlich schlechter geworden sei
. Dass
Dr.
A._
den Eintritt der Arbeitsunfähigkeit auf Beginn 2017 festlegt, kann nur daran liegen, dass er eine Hospitalisation anfangs 2017 erwähnt, aber damit nur den stationären Aufenthalt in der
N._
vom 1
6.
März 2017 meinen kann.
5
.4
Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer seit dem 1
6.
März 2017 in seiner bisherigen Tätigkeit vollständig und in einer angepassten Tätigkeit zu 44 % arbeitsunfähig ist.
Ein Rentenanspruch entsteht somit frühes
tens ab
1.
März 2018
.
5
.5
Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen dieser Ein
schrän
kungen vorzunehmen.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Ein
kommens
ent
wicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1; 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Der Beschwerdeführer war von 1997 bis 2014 bei der
Y._
angestellt Sein letzter effektiver Arbeitstag war am
5.
Oktober 201
2.
Es ist davon auszu
ge
hen, dass
er
bei guter Gesundheit weiterhin dort gearbeitet hätte.
Es ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin für die Bestimmung des
Valideneinkommens
die letzten drei Jahre vor Eintritt des Gesund
heits
scha
dens herangezogen und dabei aufgrund der Gleichstellung der invaliden
versiche
rungsrechtlich massgebenden hypothetischen Vergleichsein
kommen mit den nach AHV-Recht beitragspflichtigen Erwerbseinkommen auf die Angaben des IK-Auszuges abgestellt hat (vgl.
Art.
25
Abs.
1 der Verordnung über die Invaliden
versicherung, IVV; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_8/2
012 vom 1
2.
März 2012 E. 2.1.2), zu
mal dies zu seinen Gunsten ist (2010 und 2011 verdiente er mehr als 2012
; vgl. Urk. 6/9/1
).
Gemäss Arbeitsgeberbericht
aus dem Jahr 2013
hätte
der Beschwerdeführer
ohne Gesundheitsschaden Fr. 5'250.-- pro Monat ver
dient (vgl. Urk. 6/1). Das gemäss IK-Auszug erzielte Einkommen
entspricht
mehr als 12 Mal den Monatslohn von Fr. 5'250.--, was bedeutet, dass die vom Beschwerdeführer beanspruchten weiteren Beträge
(vgl. Urk. 1
Rz
21)
durchaus berücksichtigt wurden.
U
nter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung (T39 Entwicklung der Nominallöhne
2010-2018
, Mä
nner)
resultieren die folgenden Einkommen
:
Jahr
Einkommen in Fr.
Index alt
Betrag 20
1
8
(Index:
22
60
) in Fr.
2010
66'682.--
2151
70’061
.--
2011
66'987.--
2171
69'
733
.--
2012
65'512.--
2188
67'
668
.--
Das durchschnittliche der Nominallohnentwicklung
bis 201
8
angepasste Ein
kommen
2010 bis 2012 beträgt rund
Fr.
69’154
.-- (
Fr.
20
7’462
.-- : 3).
5
.
6
Für die Bemessung des Invalideneinkommens stellte die Beschwerdegegnerin auf Tabellenlöhne ab (
Urk. 2
S.
3
,
Urk.
6/95
)
,
was nicht zu beanstanden ist und vom Beschwerdeführer einzig hinsichtlich des
nicht
vorgenommenen Abzugs bestritten wurde.
Die Beschwerdegegnerin errechnete ein Inv
alideneinkommen von
Fr.
37'850.35
für das Jahr 2018
(
Urk.
2 S.
3
)
.
5
.
7
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäf
ti
gungs
grad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
bb
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesund
heitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidens
beding
ten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichts
punkts führen dürfen (Urteil 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 mit Hin
weisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE
126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abwei
chende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichtes
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2 und
8C_808/2013 vom 14. Februa
r 2014 E. 7.1.1 mit Hinweisen).
Mit Bezug auf den behinderungs- beziehungsweise leidensbedingten Abzug ist zu beachten, dass das medizinische Anforderungs- und Belastungsprofil eine zum zeitlich zumutbaren Arbeitspensum tretende qualitative oder quantitative Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit darstellt, wodurch in erster Linie das Spektrum der erwerblichen Tätigkeiten (weiter) eingegrenzt wird, welche unter Berück
sich
tigung der Fähigkeiten, Ausbildung und Berufserfahrung der ver
sicherten Person realistischerweise noch in Frage kommen. Davon zu unter
scheiden ist die Frage, ob mit Bezug auf eine konkret in Betracht fallende Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage verglichen mit einem gesunden Mitbewerber nur bei Inkauf
nahme einer Lohneinbusse reale Chancen für eine Anstellung bestehen (Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E.
3.1.1 mit Hin
weisen).
Ist von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungs
tätigkeiten auszugehen, können unter dem Titel leidensbedingter Abzug grund
sätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeits
markt (Art. 16 ATSG) als ausserordentlich zu bezeichnen sind (
Urteil des Bundes
gerichts 9C_366/2015 vom 22. September 2015 E. 4.3.1 mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_826/2015 vom 13. April 2016 E. 3.2.1).
Eine psychisch bedingt verstärkte Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter und Arbeitskollegen kann nach der Gerichtspraxis in der Regel nicht als eigen
ständi
ger Abzugsgrund anerkannt werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_366/2015 E. 4.3.1 mit Hinweisen), ebenso wenig etwa das Risiko von vermehrten gesund
heitlichen Absenzen, ein grösserer Betreuungsaufwand oder weniger Flexibilität, was das Leisten von Überstunden etwa bei Verhinderung eines Mitarbeiters anbetrifft (Urteile des Bundesgerichts 9C_437/2015 vom 30. November 2015 E. 2.4; 8C_712/2012 vom 30. November 2012 E. 4.2.1 und 9C_708/2009 vom 19. November 2009 E. 2.3.2; vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_146/2017 vom 7. Juli 2017 E. 5.2.2
).
Ob das Merkmal «Alter» einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigt, ist jeweils unter Berücksichtigung aller konkreter Umstände des Einzelfalls zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 9C_366/2015 vom 22. September 2015 E. 4.3.2 unter Hinweis auf 9C_455/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.2). Dies gilt insbesondere im Bereich der Hilfsarbeiten auf dem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG), wo sich ein fortgeschrittenes Alter nicht zwingend lohnsenkend auswir
ken muss. Hilfsarbeiten werden auf dem massgebenden ausgeglichenen Stellen
markt altersunabhängig nachgefragt (Urteile des Bundesgerichts 8C_403/2017 vom 25. August 2017 E. 4.4.1 und 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.4.3).
Laut der gestützt auf die LSE 2012 erstellten Tabelle zu den nach Beschäftigungs
grad, Geschlecht und beruflicher Stellung differenzierten monatlichen Durch
schnittsbruttolöhnen rechtfertigt ein Beschäftigungsgrad von 50-74 % bei Männern auf der untersten Stufe der beruflichen Stellung (ohne Kaderfunktion) keinen zusätzlichen Tabellenlohnabzug (Bundesamt für Sozialversicherungen, IV-Rundschreiben Nr. 328 vom 22. Oktober 2014, Anhang; vgl. dazu
BGE 142 V 178
E. 2.5.1 mit Hinweis). Denn auf dieser Ebene besteht bei Männern zwischen dem Durchschnittslohn bei einem Teilzeitpensum von 50-74 % proportional bezogen auf ein 100 %-Pensum (Fr. 6'080.--) und dem Durchschnittslohn bei einem Vollzeitpensum (Fr. 6'085.--) eine vernachlässigbare Differenz (von Fr. 5.
) und somit kein wesentlicher Unterschied. Bei Berücksichtigung der für das Jahr 2014 aktualisierten Tabelle besteht zwar bei den angegebenen Werten (Fr. 5‘714.
- [Teilzeitpensum] und Fr. 6‘069.--[Vollzeitpensum]) eine Differenz von Fr. 355.-- oder 5.85 %. Daraus ergibt sich jedoch keine überproportionale Lohneinbusse (Urteile des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.2 und 8C_12/2017 vom 28. Februar 2017
E. 5.5.2 mit Hinweisen).
5.8
Nach dem Gesagten
ist
weder aufgrund des Alters des Beschwerdeführers
(56
Jahre)
, den geltend gemachten schlechten Sprachkenntnissen noch
aufgrund dessen, dass ein wohlwollendes Umfeld von seitens der Vorgesetzten wie auch der Mitarbeiter notwendig ist, ein Leidensabzug zu berücksichtigen
. Zudem ist
bei einem Beschäftigungsgrad von
56
%
auf der untersten Stufe der beruflichen Stellung nicht zwingend ein Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen. Vorliegend
wurde dem Beschwerdeführer
aufgrund der Depression mit rascher Erschöpfbar
keit und vermehrtem Pausenbedarf eine 80%ige Arbeitsfähigkeit attestiert. Der festgestellten Leistungsminderung wurde mit einer um 30 % eingeschränkten Leistungsfähigkeit Rechnung getragen.
Insgesamt bestehen keine Anhaltspunkte, dass der Beschwerdeführer wegen eines oder mehrerer der relevanten Merkmale seine gesundheitlich bedingte Rest
ar
beitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurch
schnittli
chem erwerblichen Erfolg verwerten könnte. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin keinen Abzug vom Tabellenlohn gewährte.
5.9
Bei einem
Valideneinkommen
von
Fr.
69’154.--
und einem Invalideneinkommen von
rund
Fr.
37’850
.--
beträgt die Einkommenseinbusse
Fr.
31'304
.--
, was einem Invaliditätsgrad von
rund 45
%
entspricht. Damit hat der Beschwerdeführer
mit Wirkung
ab
1.
März 2018
Anspruch auf eine
Viertelsrente
.
Damit erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
6
.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise au
f Fr.
900.-- festzusetzen und ausgangsgemäss d
em Beschwerdeführer
aufzuerlegen.