Decision ID: a9b24ba2-7c26-54fc-9039-0e17e99ba2de
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer gelangte eigenen Angaben zufolge am 25. Mai
2016 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 10. Juni
2016 fand die Befragung zur Person (BzP) statt und am 26. März 2018
wurde er vertieft zu seinen Asylgründen angehört.
Dabei machte er geltend, er stamme aus B._ und sei ethnischer
Oromo. Er habe die (...) Klasse abgeschlossen und danach als Händler
gearbeitet und auch von der Landwirtschaft gelebt. Zudem habe seine Fa-
milie einen (...) und Vieh besessen. Er habe, als er im Jahr (...) in der (...)
Klasse gewesen sei, (...) an Demonstrationen teilgenommen. Mitglied ei-
ner politischen Partei sei er nicht gewesen. An den Demonstrationen seien
die Agazis (Behördenmitglieder) oftmals auf die Demonstranten losgegan-
gen und hätten diese getötet. Eines nachts sei er zu Hause geweckt und
von den Behörden wegen der Demonstrationsteilnahmen mitgenommen
worden. Seinem (...) hätten die Behörden beim Aufbrechen der Türe einen
Zahn ausgeschlagen und ein Auge verletzt. Seine (...) sei auch geschlagen
worden. In jener Nacht sei sie weggerannt und er (Beschwerdeführer) habe
sie nicht mehr gesehen. Er denke, dass der (...), der gleichzeitig sein Nach-
bar sei, hierfür verantwortlich sei, da er ihn (Beschwerdeführer) und seine
Familie schon immer schikaniert habe. Man habe ihn in dieser Nacht ins
Gefängnis in B._ gebracht. Nach (...) Monaten sei er nach
C._ transferiert worden, wo er (...) Monate und (...) Tage in Haft
gewesen sei. Sein (...) habe für seine Freilassung bezahlt, so dass er ent-
lassen worden sei. Aufgrund der Schläge während der Haft und weil er auf
dem kalten Boden habe schlafen müssen, leide er heute noch unter
Rückenbeschwerden. Nach seiner Festnahme habe man sein Haus nie-
dergebrannt und seiner (...) etwas in ihr Essen gemischt, weswegen sie
nun verrückt sei. Seine (...) sei ebenfalls geflohen, sie befinde sich im
D._.
Er habe Äthiopien am (...) verlassen und sei über den D._,
E._ und F._ in die Schweiz gereist, wo er am 25. Mai 2016
angekommen sei. In der Schweiz habe er als Sympathisant der Oromo
Gemeinde an zwei Demonstrationen teilgenommen. Er sei kein Mitglied
eines Vereins.
B.
Das SEM stellte mit Verfügung vom 4. Februar 2019 fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte das Asylgesuch
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ab. Es verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug
der Wegweisung an.
C.
Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 11. März 2019 gegen die-
sen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er bean-
tragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, seine Flüchtlings-
eigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei er als
Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei er infolge Unzuläs-
sigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung
vorläufig aufzunehmen. Subsubeventualiter sei die Sache zur Neubeurtei-
lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte
er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Bestellung eines amtli-
chen Rechtsbeistands in der Person der rubrizierten Rechtsvertreterin.
D.
Die Instruktionsrichterin hiess mit Zwischenverfügung vom 15. März 2019
die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amt-
lichen Rechtsverbeiständung unter Vorbehalt des Nachreichens einer Für-
sorgebestätigung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses und ordnete die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbei-
ständin bei.
E.
Am 19. März 2019 wurde dem Gericht eine Fürsorgebestätigung zuge-
stellt.
F.
Die Vorinstanz liess sich am 26. März 2019 zur Beschwerde vernehmen.
Sie stellte fest, die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen
Tatsachen oder Beweismittel, welche eine Änderung ihres Standpunktes
rechtfertigen könnten, und verwies vollumfänglich auf die Erwägungen in
der angefochtenen Verfügung.
Diese Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 1. April 2019 zur
Kenntnis gebracht.
G.
Die Instruktionsrichterin wies den Beschwerdeführer mit Zwischenverfü-
gung vom 5. Juni 2020 darauf hin, dass den vorinstanzlichen Akten ein von
ihm anhängig gemachtes Kindesanerkennungsverfahren zu entnehmen
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sei, und forderte ihn auf, den Sachverhalt in diesem Sinne zu ergänzen,
wobei bei ungenutzter Frist aufgrund der Akten entschieden werde.
H.
Mit Eingabe vom 22. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführer verschiedene
Korrespondenzen betreffend die Beurkundung seiner Personendaten im
Zusammenhang mit dem Verfahren um Anerkennung seiner Vaterschaft
gegenüber dem Kind G._, geboren (...), zu den Akten. Er teilte mit,
das Verfahren zur Erklärung nicht streitiger Angaben, welches für die Be-
urkundung seiner Personendaten und die damit verbundene Anerkennung
der Vaterschaft nötig sei, sei zurzeit noch hängig.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG [SR 142.31] vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Vorab sind die formellen Rügen zu behandeln, da sie allenfalls geeig-
net sein könnten, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewir-
ken.
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3.2
3.2.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Untersuchungs-
grundsatzes. Er macht geltend, seine Anhörung sei ausserordentlich kurz
gewesen.
3.2.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–h aufge-
listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an
der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG).
3.2.3 Für die Dauer der einzelnen Anhörung besteht keine für die Vorin-
stanz verbindliche Vorgabe. Die angemessene Dauer ist nicht anhand von
starren zeitlichen Kriterien, sondern im Rahmen einer individuellen Beur-
teilung der dafür benötigten Zeit zu beurteilen (vgl. Urteil des BVGer
D-5651/2017 vom 31. Oktober 2018). Vorliegend dauerte die Anhörung in-
klusive einstündiger Mittagspause und Rückübersetzung fünf Stunden und
fünfundzwanzig Minuten (vgl. SEM act. A16, S. 17). Das Protokoll umfasst
117 Fragen, wobei die Vorinstanz den Beschwerdeführer mit Widersprü-
chen konfrontierte respektive auf Missverständnisse hinwies. Sodann hat
auch die Hilfswerkvertretung keine Beobachtungen, Anmerkungen für wei-
tere Sachverhaltsabklärungen oder Einwände zum Protokoll angebracht.
Eine Verletzung der Untersuchungspflicht ist in diesem Zusammenhang
nicht zu erkennen.
3.3
3.3.1 Der Beschwerdeführer rügt sodann eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs. Er macht geltend, die Vorinstanz habe ihm sehr wenige vertie-
fende Fragen gestellt. Er sei daher nochmals anzuhören.
3.3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderer-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass
eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein-
greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Er-
lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise
beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan-
trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent-
weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch
auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse,
die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren
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Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1;
BVGE 2009/35 E. 6.4.1).
Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form- und fristgerechten
Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit-
frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so ab-
gefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachge-
recht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen nen-
nen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren
Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor-
bringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
3.3.3 Wie vorstehend dargelegt handelt es sich vorliegend betreffend
Dauer und Anzahl Fragen um eine mit anderen Fällen vergleichbare Anhö-
rung. Der Beschwerdeführer legt auch nicht substantiiert dar, welche wei-
teren vertiefenden Fragen ihm hätten gestellt werden müssen. In Anbe-
tracht der Sachlage ergeben sich hierfür aus den Akten auch keine Hin-
weise, weshalb die Vorinstanz das rechtliche Gehör des Beschwerdefüh-
rers nicht verletzt hat und der Sachverhalt als vollständig festgestellt zu
erachten ist. Der Antrag auf erneute Anhörung ist abzuweisen.
3.4 Die formellen Rügen erweisen sich damit als unbegründet. Es besteht
keine Veranlassung, die Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben
und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der Antrag ist abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur
Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht zum Zeitpunkt
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der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit
verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit
ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine
bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen
konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus
einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung
als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch
und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5; Ent-
scheide und Mitteilungen der [ehemaligen] Asylrekurskommission 2005
Nr. 21 E. 7).
5.
5.1 Die Vorinstanz lehnte das Asylgesuch mit der Begründung ab, die Vor-
bringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen an die
Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch jenen an die Flüchtlingseigen-
schaft gemäss Art. 3 AsylG stand. Wegen seiner äusserst pauschalen Aus-
führungen in Bezug auf die Demonstrationsteilnahmen bestünden Zweifel
an diesen Vorbringen. Seine Angaben hinsichtlich des Zeitpunktes der In-
haftierung seien widersprüchlich, die Beschreibungen zur Verhaftung äus-
serst unsubstanziiert und die Ausführungen zum Aufenthalt im Gefängnis
oberflächlich und äusserst unpräzise gewesen. Er habe deshalb nicht ver-
mocht, die Festnahme und den Gefängnisaufenthalt glaubhaft zu machen.
Zudem habe er gesagt, er sei Mitte (...) und ungefähr (...) nach seiner Ent-
lassung aus dem Gefängnis in den D._ ausgereist, wogegen er in
der Anhörung erklärt habe, direkt nach der Entlassung in den D._
ausgereist zu sein. Seine Verfolgung sei damit nicht glaubhaft, weshalb
auch nicht davon auszugehen sei, dass seine Familienmitglieder verletzt
worden seien oder sein Haus niedergebrannt worden sei.
Der Beschwerdeführer habe keine politisch motivierte Verfolgung durch die
äthiopischen Behörden glaubhaft machen können. Die blosse Teilnahme
an zwei Kundgebungen in der Schweiz führe zu keiner Verfolgung durch
die äthiopischen Behörden. Er habe sich zwar wie viele seiner Landsleute
in geringem Mass exilpolitisch betätigt. Zusammenfassend sei aber festzu-
stellen, dass die vorgebrachten subjektiven Nachfluchtgründe den Anfor-
derungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand-
hielten.
5.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Beschwerdeschrift, dass er
die Demonstrationen sehr wohl zu schildern vermocht habe. Er habe einige
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Details, wenn auch nicht alle, genannt. Wenn die Vorinstanz bei der Anhö-
rung der Ansicht gewesen wäre, dass an seiner Demonstrationsteilnahme
noch Zweifel bestünden, wäre es an ihr gelegen, nachzufragen und dies
zu klären. Er habe auch in Bezug auf seine Inhaftierung sehr detailliert und
glaubhaft ausgesagt. Es sei der angefochtenen Verfügung nicht zu entneh-
men, worauf sich die Vorinstanz stütze, wenn sie nur von oberflächlichen
Beschreibungen des Gefängnisses berichte. Er sei nach einer einzigen
Frage zum Gefängnis nicht mehr darum gebeten worden, dieses zu be-
schreiben. Der Vorhalt der Vorinstanz sei daher in keiner Weise nachvoll-
ziehbar. Weiter gehe aus dem Protokoll der BzP nicht hervor, nach wel-
chem Kalender er das Datum der Inhaftierung angegeben habe bezie-
hungsweise ob das Datum umgerechnet worden sei oder nicht. Als er in
der Anhörung auf den Widerspruch angesprochen worden sei, habe er sich
an den Dolmetscher gerichtet und ihn gebeten, das Datum in den äthiopi-
schen Kalender umzurechnen. Er (Beschwerdeführer) habe in der freien
Erzählung sehr viele und auch unerwartete Details über die Zeit in der Haft
genannt, welche nicht als Gemeinplätze gälten. Die Zusammenfassung
seiner Aussagen, welche die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung
vorgenommen habe, um die Unsubstantiiertheit zu begründen, entspräche
nicht den von ihm gemachten Aussagen in der Anhörung. Auch der Vorhalt
der Vorinstanz, er habe die Unterschiede der beiden Gefängnisse nicht zu
beschreiben vermocht, treffe ins Leere, da er nur gefragt worden sei, wie
sich die Haftbedingungen der beiden Gefängnisse unterschieden hätten,
worauf er geantwortet habe, diese seien gleich gewesen. Dies gehe auch
aus seinen Schilderungen hervor und sei auch durchaus nachvollziehbar.
Er habe die chronologische Reihenfolge der Ereignisse widerspruchsfrei
geschildert. So habe er in der BzP auch nicht davon gesprochen, dass er
erst (...) nach seiner Entlassung ausgereist sei, er habe diese Daten in
unterschiedlichem Zusammenhang an verschiedener Stelle in der BzP ge-
nannt.
Aufgrund der allgemein bekannten, massiven Verschärfung des staatsin-
ternen Vorgehens gegen Oromo, die zwischen Ende 2015 und Frühjahr
2018 stattgefunden habe, sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass die äthiopischen Behörden ihre internationale Überwa-
chungstätigkeit während jener Zeitspanne nochmals zusätzlich intensiviert
hätten. Folglich sei davon auszugehen, dass in der Schweiz – im spezifi-
schen Kontext der Oromo – bereits politisch aktive Oromo mit geringerem
politischen Profil von den äthiopischen Behörden registriert worden seien.
Auch wenn allgemein von einer Verbesserung der politischen Lage in Äthi-
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opien auszugehen sei, sei zum heutigen Zeitpunkt noch zu wenig abseh-
bar, was mit den gesammelten Daten exilpolitischer Aktivisten geschehe
beziehungsweise wie diese Daten vom Sicherheitsapparat verwendet wür-
den. Die von Abiy Ahmed erzielten politischen Erfolge seien noch nicht
nachhaltig. Das politische System in Äthiopien bleibe fragil und der Sicher-
heitsapparat weiterhin unberechenbar. Vor diesem Hintergrund müssten
exilpolitisch aktive Personen im Rahmen der Einreise nach Äthiopien wei-
terhin mit erheblichen Nachteilen (Befragung, Inhaftierung, Folter) rech-
nen. Beim ihm sei zudem davon auszugehen, dass er der äthiopischen
Regierung aufgrund seiner Inhaftierung bereits bekannt sei, was sein Ge-
fährdungsprofil zusätzlich erhöhe.
6.
6.1 Glaubhaftmachen im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-
gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der
gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die
Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen,
überwiegen oder nicht. Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit geht es um
eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des
wesentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Anga-
ben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen die gesuchstel-
lende Person sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn
die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es
demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber
in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Um-
stände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1).
6.2 Vorliegend sprechen gewisse Elemente für die Glaubhaftigkeit der Aus-
sagen des Beschwerdeführers und andere dagegen. Die Frage der Glaub-
haftigkeit kann aber letztendlich ohnehin offengelassen werden, da die Vor-
bringen des Beschwerdeführers – wie nachfolgend dargelegt – den Anfor-
derungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht zu genügen vermögen.
7.
7.1 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen-
schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person
ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungs-
weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher
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Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-
teile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen
oder zugefügt worden sein. Die betroffene Person muss zudem einer lan-
desweiten Verfolgung ausgesetzt sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung
der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine
Verfolgung oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand. Die
Verfolgungsfurcht muss im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein,
ausser es bestehen triftige Gründe (vgl. BVGE 2011/50 E. 3.1.2.2). Verän-
derungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen dem Ausreise-
zeitpunkt und dem Zeitpunkt des Asylentscheids sind deshalb zugunsten
und zulasten der Asylsuchenden zu berücksichtigen (vgl. dazu BVGE
2013/11 E. 5.1; BVGE 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5 je m.w.H.).
7.2 Die Lage in Äthiopien hat sich seit dem Frühling 2018 grundlegend ver-
ändert. Im April 2018 wurde Abiy Ahmed als erster Oromo in der Geschichte
des Landes zum Premierminister gewählt. Im Juni 2018 wurde der seit
Februar 2018 geltende Ausnahmezustand aufgehoben. Im gleichen Monat
gab die äthiopische Regierung bekannt, das Friedensabkommen mit Erit-
rea aus dem Jahr 2000 und die darin vereinbarte Grenzziehung zu akzep-
tieren und umzusetzen. Der Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea gilt damit
als beendet. Im Juni 2018 wurden 264 zuvor von der Regierung blockierte
Webseiten wieder zugelassen. Zudem wurde der Leiter des National Intel-
ligence and Security Service (NISS) abgesetzt und Haftbefehle gegen
36 Sicherheitsleute, darunter Mitarbeitende des NISS, ausgestellt. Die Ver-
einigungen Oromo Liberation Front (OLF), Ogaden National Liberation
Front (ONLF) und Ginbot 7, die sich für die Anliegen der Oromo einsetzten,
wurden sodann im Juli 2018 von der Liste der terroristischen Gruppierun-
gen gestrichen. Die Regierung rief die Oppositionellen im Exil zur Rückkehr
und zur Teilnahme am politischen Prozess in Äthiopien auf. Alle Gruppie-
rungen sollten friedlich an den für das Jahr 2020 geplanten Wahlen teil-
nehmen können. Politische Dissidenten, ehemalige Rebellen, Abspal-
tungsanführer und Journalisten sind seit der Ernennung von Abiy Ahmed
zum Premierminister nach Äthiopien zurückgekehrt. Tausende von politi-
schen Gefangenen wurden seit April 2018 begnadigt und freigelassen. Das
Gefängnis Makelawi, das für Folter und unmenschliche Behandlung der
Häftlinge bekannt war, wurde geschlossen. Trotz der weiterhin herrschen-
den ethnischen Spannungen und Protestbewegungen in Äthiopien ist die
Situation seit Amtsantritt von Premierminister Abiy Ahmed stabiler (vgl. Re-
ferenzurteil des BVGer D-6630/2018 vom 6. Mai 2019 E. 7).
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7.3 Vor diesem Hintergrund, insbesondere angesichts der Streichung der
ONLF von der Liste der terroristischen Gruppierungen und der zwischen-
zeitlichen Reintegrierung zahlreicher ehemaliger ONLF-Rebellen, ist nicht
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer als Oromo mit bescheide-
nem politischen Profil – angebliche Teilnahme an zwei Demonstrationen in
Äthiopien- und wegen seiner darauffolgenden Inhaftierungen asylrechtlich
relevanter Verfolgung ausgesetzt wäre. Aus heutiger Sicht bestehen keine
Anzeichen dafür, dass er sich bei einer Rückkehr nach Äthiopien vor einer
entsprechenden Verfolgung fürchten müsste. Die Vorbringen des Be-
schwerdeführers im vorinstanzlichen Verfahren und die Ausführungen in
der Rechtsmitteleingabe vom 11. März 2019 vermögen an dieser Einschät-
zung nichts zu ändern. Insbesondere ist nicht von "zwingenden Gründen"
im Sinne der Ausnahmebestimmung des Abkommens vom 28. Juli 1951
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) auszugehen
(vgl. BVGE 2007/31 E. 5.4 m.w.H.).
7.4 Nach dem Gesagten ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwer-
deführer im heutigen Zeitpunkt wegen seiner Inhaftierungen als Unterstüt-
zer der Sache der Oromo seitens der heimatlichen Behörden asylrechtlich
relevanter Verfolgung ausgesetzt wäre. Der vom Beschwerdeführer zitierte
Bericht zur Lage in Äthiopien vermag an dieser Einschätzung nichts zu än-
dern, zumal sich dem Bericht keine konkrete Verfolgung der Oromo durch
die Regierung entnehmen lässt.
7.5 Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer aufgrund der geltend ge-
machten exilpolitischen Aktivitäten bei einer Rückkehr nach Äthiopien be-
gründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat.
Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus
dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst geschaf-
fen worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne
von Art. 54 AsylG geltend. Solche begründen zwar die Flüchtlingseigen-
schaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum
Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht
missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, die subjek-
tive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als
Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
Der Beschwerdeführer hat zweimal in der Schweiz, einmal in H._
und einmal in I._, an einer Demonstration für die Rechte der Oromo
teilgenommen. Die diesbezüglich eingereichten Fotos lassen nicht auf ein
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exponierendes exilpolitisches Engagement schliessen, das ihn als ernst-
haften Regimekritiker erkennen lassen würde. Es erscheint denn auch mit
Blick auf die aktuelle politische Lage nach der Wahl von Abiy Ahmed, selbst
Oromo, zum Premierminister (vgl. Referenzurteil D-6630/2018 E. 8) nicht
wahrscheinlich, dass seitens der äthiopischen Behörden ein besonderes
Interesse an der Person des Beschwerdeführers besteht und ihm als
Oromo bei einer Rückkehr eine asylrechtlich relevante Verfolgung drohen
würde. Die Ausführungen des Beschwerdeführers in den Rechtsmittelein-
gaben vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Die Befürch-
tung, im Fall einer Rückkehr nach Äthiopien wegen exilpolitischer Tätigkeit
flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteilen ausgesetzt zu sein, erscheint un-
begründet.
7.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine konkreten Anhalts-
punkte für eine im heutigen Zeitpunkt objektiv begründete Furcht des Be-
schwerdeführers vor einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG durch die
äthiopischen Behörden vorliegen. Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigen-
schaft zu Recht verneint und das Asylgesuch des Beschwerdeführers fol-
gerichtig abgelehnt.
8.
8.1
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
8.2 Den Akten zufolge ist ein Verfahren betreffend Anerkennung der Vater-
schaft des Beschwerdeführers zum Kind G._ hängig. Dem Schrei-
ben des Zivilstandsamtes J._ vom 22. Juni 2020 ist zu entnehmen,
dass der angebliche Sohn des Beschwerdeführers seinen Wohnsitz in
K._ hat (vgl. Beilage zur Eingabe des Beschwerdeführers vom
22. Juni 2020). Demnach ist festzustellen, dass das Kind G._ nicht
über einen festen Aufenthaltsanspruch in der Schweiz verfügt – solches
wurde im Übrigen auch nicht geltend gemacht. Folglich kann der Be-
schwerdeführer aus einem allfälligen Kindsverhältnis für das vorliegende
Verfahren keine Rechte aus Art. 8 EMRK ableiten.
8.3 Nach dem Gesagten verfügt der Beschwerdeführer weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
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Seite 13
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht-
liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder
des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-
stehen. Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlingseigen-
schaft zu. Daher ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von
Art. 33 Abs. 1 FK und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des
Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und
völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Überein-
kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame,
unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK,
SR 0.105]; Art. 3 und Art. 4 EMRK).
Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der
Beschwerdeführer für den Fall einer Rückkehr nach Äthiopien dort mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK ver-
botenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des
Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des
UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete
Gefahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall
einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohe.
Schliesslich lässt auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Äthio-
pien den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen.
Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der
asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
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9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Aus-
länderinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).
9.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Praxis von der
grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in alle Regionen
Äthiopiens aus (vgl. Referenzurteil des BVGer D-6630/2018 vom 6. Mai
2019 E. 12.2 und BVGE 2011/25 E. 8.3). Im Frühjahr 2018 änderte sich die
zuvor angespannte politische Lage in Äthiopien mit der Wahl von Abiy Ah-
med, einem Oromo, zum neuen Premierminister. Dieser leitete tiefgrei-
fende Reformen in die Wege, namentlich auch was den Umgang mit regie-
rungskritischen Personen betrifft, gegen die das herrschende Regime bis-
her mit grosser Härte vorgegangen ist. Insbesondere in den ländlichen Ge-
bieten gibt es aber nach wie vor ungelöste ethnische Konflikte, welche teil-
weise zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Vertreibungen führen
(vgl. Urteil des BVGer D-7203/2017 vom 1. März 2019 E. 7.4.2 m.w.H.). Es
kann jedoch nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt gesprochen wer-
den, aufgrund derer auf eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83
Abs. 4 AIG geschlossen werden müsste. Die Sicherheitslage im Heimat-
staat des Beschwerdeführers spricht somit nicht gegen die Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs (vgl. dazu ausführlich Urteil D-7203/2017,
a.a.O., E. 7.4.2 m.w.H.). Weiter ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer
gleichwohl aus persönlichen Gründen konkret gefährdet sein könnte.
9.3.2 Die individuellen Umstände lassen vorliegend nicht auf eine konkrete
Gefährdung des Beschwerdeführers im Falle seiner Rückkehr schliessen.
Er ist jung und verfügt über eine verhältnismässig lange Schulbildung. Es
ist ihm demnach zuzumuten, nach der Rückkehr einer beruflichen Erwerbs-
tätigkeit nachzugehen und damit für sich sorgen zu können. Ausserdem
verfügt er in Äthiopien über ein Beziehungsnetz mit seinen Eltern und ei-
nem Bruder. Auch der Umstand, dass seine (...) gegen Ende (...) in den
D._ geflohen sei, spricht selbst bei Wahrunterstellung nicht gegen
die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs des Beschwerdeführers in
sein Heimatland.
Der Beschwerdeführer brachte in gesundheitlicher Hinsicht an der Anhö-
rung vor, Rückenschmerzen zu haben und dafür seit seiner Ankunft in der
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Schweiz (...) Monate in Behandlung gewesen zu sein. Er wisse nicht, ob
er von den Rückenschmerzen Lungenprobleme bekommen habe (vgl.
SEM act. A16 F105). Praxisgemäss ist bei einer Rückweisung von Perso-
nen mit gesundheitlichen Problemen nur dann von einer medizinisch be-
dingten Unzumutbarkeit auszugehen, wenn die ungenügende Möglichkeit
einer Weiterbehandlung eine drastische und lebensbedrohliche Ver-
schlechterung des Gesundheitszustands nach sich zöge (vgl. BVGE
2011/50 E. 8.3). Diese Schwelle ist hier – abgesehen davon, dass der Be-
schwerdeführer die dargelegten gesundheitlichen Beschwerden nicht
durch einen ärztlichen Bericht belegt hat und diese in seiner Beschwerde-
schrift gänzlich unerwähnt geblieben sind – nicht erreicht. Die vorgebrach-
ten gesundheitlichen Beschwerden stellen demnach kein Wegweisungs-
hindernis dar.
9.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung so-
wohl allgemein als auch in individueller Hinsicht als zumutbar.
9.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen,
weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich bei der zuständigen Vertretung
seines Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente
zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm jedoch mit
Instruktionsverfügung vom 15. März 2019 die unentgeltliche Prozessfüh-
rung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und keine massgeben-
den Veränderungen der finanziellen Verhältnisse ersichtlich sind, sind
keine Verfahrenskosten zu erheben.
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11.2 Mit derselben Verfügung hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch
um amtliche Rechtsverbeiständung gestützt auf aArt. 110a Abs. 1 AsylG
gut und ordnete dem Beschwerdeführer die rubrizierte Rechtsvertreterin
als amtliche Rechtsbeiständin bei. Demnach ist dieser ein Honorar für ihre
notwendigen Ausgaben im Beschwerdeverfahren auszurichten. Die
Rechtsvertreterin reichte keine Kostennote zu den Akten. Auf entspre-
chende Nachforderung kann verzichtet werden, da sich die Vertretungs-
kosten aufgrund der Akten abschätzen lassen (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Bei
amtlicher Vertretung wird in der Regel von einem Stundenansatz von
Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltliche Rechtsvertreter und Rechtsver-
treterinnen ausgegangen (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE, Zwi-
schenverfügung vom 15. März 2019).
Der amtlichen Vertreterin ist durch das Bundesverwaltungsgericht ein Ho-
norar gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren
(Art. 9–13 VGKE) und unter Berücksichtigung der Entschädigungspraxis in
vergleichbaren Fällen in der Höhe von Fr. 1'050.– (inkl. Auslagen) auszu-
richten.
(Dispositiv nächste Seite)
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