Decision ID: e186bf0f-91ce-4ac2-bb14-281c33914881
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der
1951 geborene X._
war vom
1.
Januar 1975 bis 3
1.
Dezember 2016 der Ausgleichskasse Schreiner als
Selbständigerwerbender
angeschlossen.
Mit rechts
kräftiger Verfügung vom 2
7.
Juni 2019 legte
die Ausgleichskasse
die persön
lichen AHV/IV/EO-Beiträge des Versich
erten für das Jahr 2015 auf Fr.
49'218.-- zzgl. Verzugszinsen und Mahngebühren fest
(
Urk.
2 S. 2 und
Urk.
1 S. 3)
.
Mit Verfügung vom
1
9.
Juni 2020
(Urk. 8/
3
) wies die Ausgleichskasse das Ge
such des Versicherten vom
6.
Mai 2020
(Urk. 8/
1
) um Erlass der persön
lichen Beiträge für
das Jahr
2015 ab. Die von ihm gegen diesen Entscheid erhobene Einsprache vom
18.
August 2020
(Urk. 8/
4
)
, ergänzt am
1
9.
Oktober 2020 (
Urk.
8/11
)
,
wies die Ausgleichskasse mit
Ein
sprache
entscheid
vom
2.
November 2020 (
Urk.
8/13) ab. Am
5.
November 2020 ersuchte der Versicherte, den
Einspracheentscheid
in Wiedererwägung zu ziehen (Urk. 8/14). Mit Entscheid vom 2
6.
November 2020
(Urk. 2)
wies die Ausgleichskasse das Wiedererwägungsgesuch ab
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 1
2.
Januar 2021 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, der angefochtene
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und es seien ihm die persönlichen AHV/IV/EO-Beiträge für die Zeit vom
1.
Januar bis 31. Dezember 2015 im Umfang der Nachforderung von
Fr.
49'218.-- zuzüglich Verzugszinsen und Mahngebühren zu erlassen. Eventualiter seien sie auf
pau
schal
Fr.
5'000.-- herabzusetzen.
Subeventualiter
seien sie bis auf Weiteres zu stunden. Am
2.
Februar 2021
beantragte die Ausgleichskasse, die Beschwerde sei abzuweisen (Urk. 7), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
1
0.
Februar 2021
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ist einer obligatorisch versicherten Person die Bezahlung der Beiträge aus selb
ständiger Erwerbstätigkeit nicht zuzumuten, so können ihre Beiträge auf begrün
detes Gesuch hin für bestimmte oder unbestimmte Zeit angemessen herabgesetzt werden (Art. 11 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenen
versicherung
, AHVG). Die Voraussetzung der Unzumutbarkeit ist erfüllt, wenn die beitragspflichtige Person bei Bezahlung des vollen Beitrags ihren Notbedarf und denjenigen ihrer Familie nicht befriedigen könnte. Ob eine Notlage besteht,
ist aufgrund der gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse und nicht allein anhand des Erwerbseinkommens zu beurteilen (BGE 104 V 61 E. 1a mit Hinweisen). Unter Notbedarf ist das Existenzminimum im Sinne des SchKG zu verstehen (BGE 120 V 271 E. 5a mit Hinweis).
Im Kanton Zürich ist zur Berechnung des Existenzmi
nimums das Kreisschreiben der Verwaltungskommission des Obergerichts des Kantons Zürich, Richtlinien für die Berechnung des betreibungsrechtlichen Exis
tenzminimums vom 16. September 2009 (nachfolgend: Kreisschreiben Oberge
richt), heranzuziehen.
1.2
Die Herabsetzung der Beiträge ist eine ausserordentliche Massnahme, die eine aussergewöhnliche finanzielle Bedrängnis, eine wirkliche Notlage der versicher
ten Person voraussetzt. Eine solche kann insbesondere dann vorliegen, wenn sie schwere Schicksalsschläge erlitten hat oder wirtschaftlich ruiniert ist (Wegleitung über die Beiträge der
Selbständigerwerbenden
und Nichterwerbstätigen in der AHV, IV und EO [WSN], gültig ab
1.
Januar 2008,
Rz
3021).
Nicht entscheidend ist, in welchem Zeitraum
die beitragspflichtige Person
in der Lage ist, die Bei
trags
schuld mittels Ratenzahlungen zu bezah
len (SVR 2003 AHV Nr. 3).
1
.3
Zur Prüfung der Frage, ob sich eine Herabsetzung der Beiträge rechtfertigt, ist auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der beitragspflichtigen Person abzustellen, die im Zeitpunkt gegeben sind, in dem sie bezahlen sollte. Dies ist – unter Vorbehalt von Fällen missbräuchlicher Verzögerung - der Zeitpunkt, in welchem die Verfü
gung
beziehungsweise der
Einspracheentscheid
über das Herabsetzungsbegehren in Rechtskraft erwächst, und gegebenenfalls jener, in welchem die kantonale Beschwerdeinstanz oder das Bundesgericht über eine solche Herabsetzung entschei
det (
Urteil des
Bundesgerichts
H 372/01 vom 28. März 2002 E. 2c; vgl.
auch
Kieser
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zur Alters- und
Hinterlassenen
ver
sicherung
, 3. Aufl
. 2012
,
N
4 zu Art. 11 AHVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) damit, dass
die Herabsetzung der persönlichen Beiträge eine aussergewöhnliche finan
zielle Bedrängnis der versicherten Person voraussetze. Aus der Steuererklärung 2019 sei ersichtlich, dass der Beschwerdeführer Wertschriften im Wert von
Fr.
315'259.-- besitze. Die Beiträge von Personen, welche Vermögenswerte besit
zen würden, könnten mangels Unzumutbarkeit grundsätzlich nicht herabgesetzt werden, auch wenn sie über diese nicht verfügen könnten. Der Beschwerdeführer habe die persönlichen Beiträge
somit
zu entrichten.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
das aus AHV- und Rentenleistungen bestehende monatliche Einkommen von ihm und seiner Ehefrau belaufe sich auf
Fr.
3'555.--, ihr Notbedarf auf
Fr.
5'053.1
3.
Die Einkünfte würden die Ausgaben
damit
bei weitem nicht decken.
Per Ende Dezember 2020 hätten sie über ein liquides Vermögen von
Fr.
24'401.87 verfügt. Weiteres Vermögen sei auf absehbare Zeit nicht verfügbar (S. 4)
. Die vorhandenen flüssigen Mittel würden unmittelbar dazu dienen, den Bedarfsüberschuss zu decken. Ohne diese Mittel wären sofort Ergänzungsleistungen nötig, weshalb sie als zwingend erforderlicher Notbedarf zu taxieren seien. Es sei ihm nicht möglich, eine substantielle Zahlung zu leisten. Die Beiträge seien ihm deshalb zu erlassen, zumindest aber herabzusetzen
beziehungsweise zu stunden
. Er besitze keine Wertschriften über
Fr.
315'259.--. Die in der Steuererklärung aufgeführte Darle
hens
forderung gegenüber seinem Sohn sei nicht realisierbar und müsste eigent
lich grösstenteils abgeschrieben werden (S.
5-
6
).
3.
3.1
Für die Beurteilung des Herabsetzungsgesuches sind dem Existenzminimum die verfügbaren Mittel gegenüber zu stellen
. Der Beschwerdeführer und seine Ehefrau verfügen über ein monatliches Einkommen von
Fr.
3'555.-- (
Urk.
8/2
/7-8
).
Bei der Berechnung des Existenzminimums sind der Grundbetrag für
Ehepaare
von
Fr.
1'700.--, die Mietkosten von
Fr.
1'500.-- (
Urk.
8/2
/10-11
)
, die Prämien für die Hausrats- und Haftpflichtversicherung von
Fr.
34.45 (
Urk.
8/2
/16
)
sowie
die
Prämien für die
obligatorische
Krankenversicherung (KVG) in Höhe von
Fr.
930.90
(Fr.
482.05
+ Fr.
448.85,
Urk.
8/2
/13 und
Urk.
8/2/15
)
zu berücksich
tigen
(vgl. zu Letzterem BGE 134 III 323 E. 3)
. Die Prämien für die Rechtsschutz
versicherung sind hingegen aus dem Grundbetrag zu begleichen. Das
selbe gilt für die Prämien der Krankenz
usatzversicherung, nachdem die geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden unbelegt sind (
Urk.
1 S. 4) und nicht einzusehen ist, weshalb diese einen Aufenthalt in den Privaten Abteilungen der Schweizer Spitäler und eine entsprechende Zusatzversicherung erforderlich machen sollten.
Rechnet man zu erwartende Kosten für Steuern von
Fr.
190.-- hinzu (Basis: Ein
kommen
Fr.
42'660.--, Vermögen
Fr.
260'000.--
; vgl. Steuerrechner des Kantons Zürich
), ergibt sich ein
Existenzminimum
von
Fr.
4'
355
.35, womit ein monat
liches Manko von
Fr.
800
.35 verbleibt.
3.2
Der
Beschwerdeführer und seine Ehefrau verfügten per Ende 2020 über liquide
Mittel
von rund
Fr.
24'000.-- (vgl.
Urk.
3/3-9).
Den Unterlagen ist jedoch zu entnehmen, dass ihr
lediger
Sohn bei ihnen
eine Darlehensschuld von
Fr.
260'000.-
hat (vgl. etwa
Urk.
8/2/27). Das Darlehen belief sich ursprünglich auf
Fr.
346'268.-- und setzte sich aus zwischen dem 2
1.
Oktober 2014 und 2
0.
Dezember 2016 an
ihn
geleistete
n
Unterstützungsbeiträge
n
während
seiner
Arbeitslosigkeit und Ausbildungszeit zusammen (
Urk.
8/2/2
8
-29). Der Darlehens
nehmer trat
aber
am
1.
Juli 2017 eine
gut bezahlte
Stelle als Berater bei der Swiss Re an
, bei welcher er im Jahr 2019 ein Nettoeinkommen von
Fr.
148’270.-- erzielte (
Urk.
8/6
in
fine
).
Im Jahr 2018
vermochte er denn auch
schon
Fr.
36'268.-- und im Jahr 2019
Fr.
50'000.--
seiner Darlehensschuld zurückzu
bezahlen (
vgl.
Urk.
8/2/27-28 sowie die von ihm in den Steuererklärungen 2017 bis
2019 deklarierten Schulden Urk.
8/6 und
Urk.
8/15).
Die Behauptung des Beschwerdeführers, die in der Steuererklärung aufgeführte Darlehensforderung gegenüber seinem
Sohn sei nicht realisierbar und müsste eigentlich grösstenteils abgeschrieben werden, ist in Anbetracht von dessen Einkommensverh
ältnissen nicht nachvollziehbar.
Auch ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerde
führer und seine Frau freiwillig
Fr.
260'000.-- versteuern würden, wenn sie das Geld als nicht mehr einbringlich erachten würden.
Der Beschwerdeführer vereinbarte mit seinem Sohn, dass die Laufzeit des Darle
hens unbeschränkt sei. Im Darlehensvertrag wird auf
Art.
318 des
Bundesgesetz
es
betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht, OR)
verwiesen, gemäss welchem e
in Darlehen, für dessen Rückzahlung weder ein bestimmter Termin noch eine Kündigungsfrist noch der Verfall auf beliebige Aufforderung hin vereinbart wurde, innerhalb sechs Wochen von der ersten Aufforderung an zurückzubezahlen
ist.
Dem Beschwerdeführer ist es entsprechend
gestützt auf
Art.
318 OR
möglich,
das Darlehen umgehend zu künden, womit er sechs Wochen später über
ausreichend liquide Mittel
verfügt
, um die ausstehenden Beiträge zuzüglich Verzugszinsen und Mahngebühren zu bezahlen. Mit den
per Ende 2020 vorhandenen
Konti
gut
haben
von
Fr.
24'000.-- und de
m ausstehenden Darlehen von Fr.
260'000.-- verbleiben dem Beschwerdeführer
und seiner Ehefrau
auch nach Begleichung der Beitragsschuld genügend finanzielle Mittel, um das monatliche Manko von Fr.
800
.35 während
knapp
30 Jahren zu decken.
Entgegen seinen Ausführungen
(
Urk.
1 S. 5-6)
trifft es also nicht zu, dass er und seine Ehefrau bei Abweisung der
vorliegenden Beschwerde
unmittelbar
Ergänzungsleistungen in Anspruch nehmen müssten
beziehungsweise diese gar eine sofortige Insolvenz und Sozial
hilfeabhängigkeit herbeiführen würde.
Es ist damit
nicht einzusehen, weshalb es ihm nicht zumutbar sein sollte, sein Vermögen anzutasten, um die Schulden bei der Beschwerdegegnerin zu begleichen.
3.3
Es bleibt darauf hinzuweisen, dass
eine finanzielle Not, aufgrund welcher es dem Beschwerdeführer nicht möglich gewesen wäre, die
Akontobeiträge
für das Jahr 2015 im selben Jahr zu
bezahlen
, nicht
auszumachen
ist. So verfügte er in den Jahren 2015 und 2016 über ausreichend Mittel, um seinem Sohn ein Darlehen von
über
Fr.
300'000.--
zu gewähren (Urk. 8/2/29), Beträge mit welchen er
statt
dessen
ohne Weiteres die ausstehenden
Beiträge
hätte begleichen können.
4
.
Nach dem Gesagten si
nd
weder
die Voraussetzungen für eine
n Erlass noch für eine
Herabsetzung
der persönlichen Beiträge
erfüllt.
Anzufügen bleibt, dass der auf Abweisung lautende
Einspracheentscheid
vom
2.
November 2020 (
Urk.
8/13) bereits vor Beschwerdeerhebung gegen den inhalt
lich
gleich lautenden
Einspracheentscheid
vom 2
6.
November 2020 (
Urk.
2) in Rechtskraft erwachsen
war
. Der Entscheid wurde zwar zu Unrecht nur dem Beschwerdeführer und nicht dessen Rechtsvertreter zugestellt, dieser erhielt aber spätestens am
5.
November 2020 (
Urk.
8/14) Kenntnis davon (vgl. zur Thematik der Zustellung von Entscheiden an den Versicherten statt an den Rechtsvertreter: Urteile des Bundesgerichts 9C_791/2010 vom 1
0.
November 2010 E. 4.2 und 9C_266/2020 vom 2
4.
November 2020 E. 2.3) und stellte bei der Beschwerde
gegnerin
gleichentags
ein Wiedererwägungsgesuch. Die Beschwerdefrist lief dem
gemäss
spätestens
am
7.
Dezember 2020 ab. Bis zu jenem Zeitpunkt ging beim hiesigen Gericht keine Beschwerde ein. Damit k
ann
sich die neuerliche Prüfung einzig auf die Thematik der Wiedererwägung beziehen.
Von einer zweifellosen Unrichtigkeit des entsprechenden Entscheides der Beschwer
degegnerin kann bei klarer Rechtslage nicht gesprochen werden.
Die Beschwerde
erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen.
Ein allfälliger Zahlungsaufschub währen
d
der Kündigungsfrist des Darlehens
hätte der Beschwerdeführer
bei der Beschwerdegegnerin zu beantragen (vgl.
Art.
34b
der
Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
,
AHVV
).
Ein diesbezüglicher anfechtbarer Entscheid liegt nicht vor, weshalb auf den Antrag nicht einzutreten ist.