Decision ID: 06c50346-9161-4b62-bd20-d9aa756b6b04
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1978 geborene
X._
meldete sich
am
1.
Juli 20
20
beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlung an (
Urk.
8
/34) und beantragte Arbeitslosenentschädi
gung ab dem
1.
Juli 2020 (
Urk.
8
/32). Mit Verfügung vom 1
7.
Juli 2020 teilte die
Unia
Arbeitslosenkasse dem Versicherten mit, sein Gesuch um Arbeitslosenentschädigung werde infolge arbeitgeberähnli
cher Stellung abgewiesen (
Urk.
8
/9). Dagegen erhob der Versicherte am
3.
August 2020 Einsprache (
Urk.
8
/8), welche die
Unia
Arbeitslosenkasse
mit Entscheid vom 1
2.
August 2020 abwies (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
1.
September 2020 Beschwerde
beim hiesigen Sozialversicherungsgericht
und beantragte
, der
Einspracheentscheid
vom 1
2.
Au
gust 2020 sei aufzuheben und es seien ihm
Arbeitslosentaggelder ab 1. Juli 2020
zuzusprechen (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 2
9.
September 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), worüber der Beschwerdeführer mit Verfügung vom
2.
Oktober 2020 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
10).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Versicherte hat gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatori
sche Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, wenn er, ganz oder teilweise arbeitslos ist (
lit
. a), einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (
lit
. b), in der Schweiz wohnt (
lit
. c), die obligatorische Schulzeit zurückgelegt und weder das Rentenalter der AHV erreicht hat noch eine Altersrente der AHV bezieht (
lit
. d), die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (
lit
. e), vermittlungs
fähig ist (
lit
. f) und die Kontrollvorschriften erfüllt (
lit
. g).
1.2
Gemäss Art. 31 Abs. 3
lit
. c AVIG haben Personen, die in ihrer Eigenschaft als Gesellschafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als Mitglieder eines obers
ten betrieblichen Entscheidungsgremiums die Entscheidungen des Arbeitgebers bestimmen oder massgeblich beeinflussen können, sowie ihre mitarbeitenden Ehegatten keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. Hinsichtlich des Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung findet sich zwar in Art. 8 ff. AVIG keine Regelung, die dieser Norm zur Kurzarbeit entsprechen würde. Nach der
Rechtsprechung gilt diese Regelung jedoch grundsätzlich auch für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (BGE 123 V 234 E. 7b/
bb
).
Die Frage, ob eine
arbeitnehmende
Person einem obersten betrieblichen Entschei
dungsgremium angehört und ob sie in dieser Eigenschaft massgeblich Einfluss auf die Unternehmensentscheidungen nehmen kann, ist aufgrund der internen betrieblichen Struktur zu beantworten. Keine Prüfung des Einzelfalles ist erfor
derlich, wenn sich die massgebliche Entscheidungsbefugnis bereits aus dem Gesetz selbst (zwingend) ergibt (BGE 123 V 234 E. 7a).
Damit eine versicherte Person in arbeitgeberähnlicher Stellung oder deren mitar
beitender Ehegatte Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat, muss sie mit dem Ausscheiden aus dem Betrieb definitiv auch die arbeitgeberähnliche Stellung verlieren. Behält sie nach der Entlassung ihre arbeitgeberähnliche Stellung im Betrieb bei und kann sie dadurch die Entscheidungen des Arbeitgebers weiterhin bestimmen oder massgeblich beeinflussen, verfügt sie nach wie vor über die unternehmerische Dispositionsfreiheit, den Betrieb jederzeit zu reaktivieren und sich bei Bedarf erneut als Arbeitnehmer einzustellen. Ein solches Vorgehen läuft auf eine rechtsmissbräuchliche Umgehung der Regelung des
Art.
31
Abs.
3
lit
. c AVIG hinaus, welche ihrem Sinn nach der Missbrauchsverhütung dient und in diesem Rahmen insbesondere dem Umstand Rechnung tragen will, dass der Arbeitsausfall von arbeitgeberähnlichen Personen praktisch unkontrollierbar ist, weil sie ihn aufgrund ihrer Stellung bestimmen oder massgeblich beeinflussen können. Diese Rechtsprechung will nicht bloss dem ausgewiesenen Missbrauch an sich begegnen, sondern bereits dem Risiko eines solchen, welches der Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung an arbeitgeberähnliche Personen inhä
rent ist (Urteile des Bundesgerichts C 255/05 vom 2
5.
Januar 2006 und C
92/02 vom 14. April 2003; vgl. Barbara Kupfer Bucher, Rechtsprechung des Bun
des
ge
richts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die obliga
torische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung, 5. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2019, S. 18 ff. mit Hinweisen zur Rechtsprechung).
Der Eintrag im Handelsregister wird von der Rechtsprechung als wichtiges und einfach zu handhabendes Kriterium berücksichtigt, um eine arbeitgeberähnliche Stellung zu beurteilen. Grundsätzlich wird erst mit der Löschung des Eintrags der arbeitgeberähnlichen Person im Handelsregister (SHAB-Publikation) für Dritte in verlässlicher Weise kundgetan, dass die Person definitiv aus der Firma ausgetre
ten ist bzw. die arbeitgeberähnliche Stellung endgültig aufgegeben hat (AVIG-Praxis
Rz
. B28).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin wies den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung unter Hinweis auf eine
vom Beschwerdeführer ausgeübte
arbeitgeberähnliche Stellung
ab. So sei der Beschwerdeführer nach wie vor
als
Gesellschafter und Geschäfts
führer der
Y._
GmbH
eingetragen
und habe diese nicht - wie von ihm
behauptet
(
Urk.
1) - verkauft.
Damit könne er
von
Gesetzes
wegen
massge
benden Einf
l
uss auf die Unternehmensentscheidungen
der
Y._
GmbH
nehmen
.
Dass diese Gesellschaft - wie der Beschwerdeführer behaupte -
stillgelegt
worden
sei und er
von dieser
keinen Lohn mehr beziehe, ändere nichts an seiner arbeitgeberähnlichen Stellung
(
Urk.
2).
Nachdem der
Beschwerdeführer im September 2020 Änderungen an der
Y._
GmbH
(Sitzverle
gung, Firmen- und Zweckänderung)
veranlasst habe, sei
zudem
davon auszuge
hen, dass er diese
behalten und weiterhin für sie tätig
sein wolle
(
Urk.
7).
2.2
Der Beschwerdeführer macht
geltend, die
Y._
GmbH am
3.
April 2020 verkauft und seine Tätigkeit in der
«
Werkstatt
»
am 3
0.
Juni 2020 beendet zu haben.
Die
«
Werkstatt könne er ihm Handelsregister jedoch nicht löschen
», da er bei der
B
ank einen ausstehenden Kredit habe, den er - da der Käufer den Kauf
preis nicht beglichen habe - nicht zurückzahlen könne
(
Urk.
1).
3.
Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
vom
1.
April 2017 bis zum 3
0.
Juni 2019
für die
Z._
GmbH (
Urk.
8
/18) und vom
1.
Juli 2019 bis zum 3
0.
Juni 2020
für die
Y._
GmbH
(
Urk.
8
/19
)
gearbeitet hat
.
Ferner geht
daraus
hervor, dass der Beschwerdeführer vom
1
5.
März 2017
bis zum
2
0.
April 2020 einzelzeichnungsberechtigter Gesellschafter und Geschäfts
führer der
Z._
GmbH
war
(
Handelsregister Kanton Zürich und Aargau, vgl.
auch Handelsregisterauszug vom 2
8.
September 2020
[
Urk.
8/2
]
). Se
it dem
1
5.
Juli 2019
ist
der Beschwerdeführer
einzelzeichnungsberechtigter Gesellschaf
ter
, Alleininhaber
und Geschäftsführer der
Y._
GmbH
,
welche
am
2
8.
September 2020
den Sitz von
A._
nach
B._
verlegte und den Firmennamen zu
C._
GmbH
änderte
(
Urk.
8/23, Handelsregister Kanton Zürich und Aargau, vgl.
auch Handelsregisterauszug vom 2
8.
September 2020 [
Urk.
8/1]).
4.
Strittig und zu prüfen ist
im Folgenden
, ob der Beschwerdeführer ab
dem
1.
Juli 2020
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat
, welche er in Zusammenhang mit se
inem letzten Arbeitsverhältnis
mit der
Y._
GmbH (neu:
C._
GmbH) geltend macht (
Urk.
8/32)
.
Der Beschwerdeführer behauptet, er habe die
Y._
GmbH am
3.
April 2020 verkauft (
Urk.
1, 5).
Hierfür
lässt sich in den Akten jedoch keine Stütze finden
. Vielmehr trifft die Darstellung eines Verkaufs
(
von Stammanteilen
)
auf die
Z._
GmbH zu,
hat er diese
am
3.
April 2020
offensichtlich
veräussert (
vgl.
Urk.
3/3)
und wurde
er am
2
0.
April 2020 im Handelsr
egister des Kantons Aargau sowo
hl als Gesellschafter und Geschäftsführer gelöscht (
Urk.
8/2)
.
D
ie
Y._
GmbH
(neu:
C._
GmbH)
dagegen hat er nicht veräussert
,
ist er
doch immer noch
als
deren einzelzeichnungsberechtigter Gesellschafter
und Geschäftsführer eingetragen,
und
hat
im September 2020,
mithin
Monate, nach
dem er
die
Y._
GmbH (neu:
C._
GmbH)
angeblich
verkauft haben soll,
noch
Änderungen an dieser
veranlasst
(
Änderung der Firma, des Domizils und des Zwecks, vgl.
Urk.
8/1
).
In Zusammenhang
mit dem hier zu prüfenden Anspruch auf Arbeitslosenentschä
digung
ist
somit
festzuhalten, dass
dem Beschwerdeführer
a
ls einzelzeichnungs
berechtigtem
Gesellschafter und Geschäftsführer der
Y._
GmbH
(
neu:
C._
GmbH
)
von Gesetzes wegen massgebliche Entscheidungsbefug
nis (
Art.
804 ff. des Obligationenrechts) zu
kommt
. Mithin
hat
er eine arbeitge
berähnliche Stellung inne mit der Folge, dass er vom Anspruch auf Arbeitslo
senentschädigung ausgeschlossen ist (E. 1.2; vgl. auch BGE 145 V 200 E. 4.1-
4.5).
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht
, d
ie Gesellschaft sei stillgelegt
worden
,
dass
s
ein
Arbeitsverhältnis
zu ihr
nicht mehr
bestehe und
er
von ihr
keinen Lohn
mehr
beziehe
,
vermag dies nicht zu einem anderen Ergebnis zu füh
ren. So
ist
eine Reaktivierung der GmbH und eine Wiedereinstellung des Beschwerdeführers weiterhin nicht ausgeschlossen (
vgl.
Urteile des Bundesge
richts C 12/07 vom 2
8.
September 2007 E. 3.2 mit Hinweis und 8C_988/2012 vom 2
4.
Januar 2013 E. 3.1
, vgl. auch E. 1.2
). Nicht entscheide
nd ist
dabei
, ob der Beschwerdeführer
dies tatsächlich beabsichtigt
, genügt
es
doch
nach bundesge
richtlicher Rechtsprechung
, dass die Möglichkeit einer Gesetzesumgehung bezie
hungsweise ein M
issbrauchsrisiko besteht (E. 1.2
).
Zudem
sprechen
die vom Beschwerdeführer
nach Erlass des angefochtenen Entscheids
veranlassten Ände
rungen
an der
Y._
GmbH
(neu:
C._
GmbH)
im September 2020 gerade gegen ein
endgültig
es
-
durch Löschung des Eintrags im Handelsre
gister erkennbares
-
Ausscheiden
aus
der Gesellschaft
(vgl. Urteil des Bundesge
richts 8C_821/2013 vom 3
1.
Januar 2014 E. 3.2 f.)
.
Im Lichte dessen erweist sich denn auch der Einwand
des Beschwerdeführers
, er
könne «die Werkstatt im Han
delsregister nicht löschen», da ihm die Mittel für die Rückzahlung eines Kredits fehlten
(
Urk.
1),
als
unbehelflich
, zumal er es unterliess, diese
Behauptung
nach
vollziehbar
zu substantiieren und
zu plausibilisieren
.
5.
Nach dem Gesagten erweist sich d
er angefochtene
Einspracheentscheid
vom
1
2.
August
2020 (
Urk.
2)
somit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.