Decision ID: b8595847-2037-4dbc-9684-919b075ceb1e
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ wurde im März 1992 unter Hinweis auf die Geburtsgebrechen Ziff. 390 und
404 Anh. GgV zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet (IV-
act. 3). Der Kinderarzt Dr. med. B._ berichtete im April 1992 (IV-act. 6), die
Versicherte leide an einem schweren frühinfantilen organischen Psychosyndrom, an
motorischen Störungen mit einer rechtsbetonten spastischen Tetraparese sowie an
einer Sprachstörung. Sie benötige – voraussichtlich bis zur Einschulung – eine
heilpädagogische Betreuung (vgl. auch IV-act. 8). Die Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen gewährte mit einer Verfügung vom 4. November 1992 eine entsprechende
Kostengutsprache (IV-act. 11 f.). Im Mai 1995 beantragte der Kinderarzt Dr. med. C._
unter Hinweis auf Schwierigkeiten beim Einsatz der Hände eine Ergotherapie (IV-act.
14). Diese wurde umgehend gewährt (IV-act. 15). Im August 2006 meldete sich die
Versicherte für berufliche Massnahmen an (IV-act. 24). Die Klinik für Neurologie des
Kantonsspitals St. Gallen berichtete im Februar 2007 (IV-act. 41), die Versicherte leide
an einer kombinierten Entwicklungsstörung. Sie werde nur mit grössten Anstrengungen
und ständiger Unterstützung in der Lage sein, den theoretischen Teil einer Ausbildung
auf dem Niveau einer einfachen Berufslehre zu absolvieren. Eine Anlehre werde sie
dagegen wohl gut meistern können, da sie in der Lage sei, einfache Informationen
inhaltlich und themenbezogen genügend aufzunehmen, zu verarbeiten und in
entsprechendes Wissen und Handlungen umzusetzen. Aufgrund der schwerwiegenden
Störungen im Bereich der visuell-räumlichen Wahrnehmung und der räumlich-
A.a.
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St.Galler Gerichte
konstruktiven Fähigkeiten sowie der reduzierten sensomotorischen
Koordinationsfähigkeiten werde die Versicherte handwerklich ausgerichtete Berufe auf
keinen Fall – auch nicht auf dem Niveau einer Anlehre – ausüben können. Im April 2007
notierte Dr. med. D._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), die
Versicherte werde für ihre erstmalige berufliche Ausbildung zumindest anfänglich eine
Betreuung in einem geschützten Rahmen benötigen (IV-act. 44). Mit einer Mitteilung
vom 12. Juli 2007 erteilte die IV-Stelle der Versicherten eine Kostengutsprache für die
Mehrkosten der beruflichen Ausbildung zur Hauspraktikerin in einem geschützten
Rahmen (IV-act. 53).
Nach einem anfänglich guten Verlauf der Ausbildung wurde im Mai 2008
beschlossen, in eine „Vollehre“ zur Fachfrau Betriebsunterhalt zu wechseln, die
weiterhin im geschützten Rahmen erfolgen sollte (IV-act. 62, 66 und 68). Im September
2010 berichtete der Ausbildungsbetrieb (IV-act. 81), die Pünktlichkeit habe
nachgelassen und es sei zu vermehrten Absenzen gekommen, die zum Abbruch eines
Praktikums geführt hätten. Der allgemeine Leistungsabfall sei auf eine nachlassende
Motivation, Zuverlässigkeit und Eigenengagement zurückzuführen. Die IV-Stelle
forderte die Versicherte auf, wieder ordentlich in die Ausbildung einzusteigen, das
heisst die Schule und auch die Ausbildung regelmässig zu besuchen (IV-act. 77). Am
23. September 2010 mahnte sie die Versicherte zur Erfüllung ihrer „Mitwirkungs- und
Schadenminderungspflicht“ (IV-act. 78). Im April 2011 verstiess die Versicherte gegen
die Auflagen, wodurch der erfolgreiche Ausbildungsabschluss gefährdet wurde (IV-act.
83). Am 12. April 2011 mahnte die IV-Stelle sie erneut zur Erfüllung ihrer „Mitwirkungs-
und Schadenminderungspflicht“ (IV-act. 84). Am 28. April 2011 teilte der
Ausbildungsbetrieb mit, dass die Versicherte seit dem 18. April 2011 nicht mehr im
Betrieb und in der Schule erschienen sei (IV-act. 85). Mit einer Verfügung vom 4. Mai
2011 brach die IV-Stelle die laufende berufliche Massnahme ab (IV-act. 87). Die Eltern
der Versicherten machten in einer Beschwerde gegen diese Verfügung geltend (IV-act.
89), ihre Tochter sei durch Vermittlung einer Mitarbeiterin des Ausbildungsbetriebes im
August 2010 gegen den Willen der Eltern in eine eigene Wohnung gezogen. Die bis
dahin vorhandenen psychischen Probleme hätten sich in der Folge verstärkt. Die
Verwahrlosung habe kritische Formen angenommen; eine erste psychische
Behandlung im Oktober sei erfolglos verlaufen. Im Januar 2011 habe sich die ganze
A.b.
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Situation nochmals verschärft. Die Versicherte habe damals sogar einen Suizidversuch
unternommen. Ihr Verhalten müsse vor dem Hintergrund ihrer psychischen Erkrankung
interpretiert werden. Es wäre unverantwortlich, die gute Massnahme nach fast vier
Jahren, kurz vor einem erfolgreichen Abschluss, abzubrechen. Der Ausbildungsbetrieb
berichtete am 17. Mai 2011 (IV-act. 94), die Leistung, die Qualität der Arbeit und die
sozialen Kompetenzen seien stark vom psychischen Befinden der Versicherten
abhängig gewesen. Habe diese in den ersten zwei Dritteln der Ausbildung noch ein
spürbares Interesse am erlernten Beruf gezeigt, hätten ihre Motivation und Freude an
der Arbeit im letzten Semester merkbar abgenommen. Als Folge davon sei sie
überhaupt nicht mehr am Arbeitsplatz und in der Berufsschule erschienen. Trotz
intensiver Bemühungen der IV-Stelle, der Berufsschule und des Ausbildungsbetriebes
habe sie nicht dazu bewogen werden können, ihre Mitwirkungspflicht wieder
wahrzunehmen. Während der letzten Monate vor der Lehrabschlussprüfung sei sie
täglich telefonisch geweckt und sogar in die Berufsschule chauffiert worden. Das sei
später leider nicht mehr möglich gewesen, weil die Versicherte das Telefon nicht mehr
abgenommen und die Telefonnummer gewechselt habe. Der Ausbildungsbetrieb habe
mehrfach die Polizei aufgeboten, weil man sich Sorgen gemacht und einen Suizid
befürchtet habe. Zuletzt habe sich die Versicherte auch immer mehr von Freunden und
der Familie zurückgezogen. Sie habe begonnen, ihre Körperhygiene und ihre Kleidung
zu vernachlässigen. Kürzlich habe sie ihre eigene Wohnung wieder aufgegeben; sie sei
zu ihren Eltern zurückgekehrt und werde sich nun für eine stationäre Behandlung in
eine psychiatrische Klinik begeben. Sollte sich ihre psychische Verfassung bessern,
werde es allenfalls möglich sein, das letzte Ausbildungsjahr zu repetieren und die
Berufslehre doch noch abzuschliessen. Die IV-Stelle wiederrief ihre Verfügung vom 4.
Mai 2011 betreffend den Abbruch der beruflichen Massnahmen am 24. Juni 2011 (IV-
act. 97). Das Beschwerdeverfahren wurde am 4. Juli 2011 abgeschrieben (IV 2011/182;
vgl. IV-act. 103).
Im Mai 2011 hatte sich die Versicherte für zwei Wochen in einer stationären
psychiatrischen Behandlung in der Klinik H._ befunden. Die Ärzte hatten eine
depressive Episode, eine mögliche emotional instabile Persönlichkeitsstörung sowie
Störungen durch einen multiplen Substanzgebrauch diagnostiziert, aber festgehalten,
mangels eines Überblicks über den Längsverlauf könnten sie die
A.c.
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Gesundheitsbeeinträchtigung nicht definitiv einordnen (IV-act. 113). Das Psychiatrie-
Zentrum E._ berichtete im Oktober 2011 (IV-act. 115), die Versicherte leide an einer
leichten depressiven Episode mit somatischen Symptomen sowie anamnestisch an
einem ADHS. Zudem bestehe der Verdacht auf eine emotional instabile
Persönlichkeitsstörung vom Borderline Typ. Sie erscheine als hinreichend motiviert für
den Abschluss der beruflichen Ausbildung. Im Januar 2012 konnte die Versicherte im
früheren Ausbildungsbetrieb eine dreimonatige Abklärung als ersten Schritt im Hinblick
auf die Fortsetzung der Berufslehre antreten (vgl. IV-act. 122 f.). Der
Ausbildungsbetrieb hielt am 4. April 2012 gegenüber der IV-Stelle fest, die Versicherte
sei nicht auf Kurs; ihr Lehrplatz im Sommer sei gefährdet (IV-act. 132). Die berufliche
Eingliederung wurde trotzdem fortgesetzt (vgl. IV-act. 134). Die IV-Stelle mahnte die
Versicherte am 6. Juni 2012, nachdem sie von zahlreichen unentschuldigten Absenzen
erfahren hatte, zur Erfüllung ihrer Schadenminderungspflicht (IV-act. 142). Im Juli 2012
unterzeichneten die Versicherte, eine Berufsberaterin der IV-Stelle und der
Ausbildungsbetrieb eine Zielvereinbarung betreffend einen probeweisen Wiedereinstieg
in die Berufslehre (IV-act. 150). Im Juli 2013 berichtete der Ausbildungsbetrieb (IV-act.
179), die Versicherte habe im Wiederholungsjahr eine Arbeitsleistung gezeigt, die
qualitativ und quantitativ jener einer Fachfrau Betriebsunterhalt entsprochen habe. Sie
habe die theoretische Prüfung bestanden. Bei der praktischen Prüfung sei sie sehr
nervös gewesen. Schlechte Witterungsbedingungen hätten sie zusätzlich irritiert. Sie
habe nicht auf das vorhandene Wissen zurückgreifen können und die praktische
Prüfung deshalb nicht bestanden. Im März 2014 gewährte die IV-Stelle der
Versicherten ein „Coaching“ im Hinblick auf die Wiederholung der Abschlussprüfung
(IV-act. 198). Nachdem ein Praktikumsbetrieb gemeldet hatte, dass die Versicherte
qualitativ und quantitativ ungenügende Leistungen erbringe und in den ersten vier
Wochen bereits 28 Stunden gefehlt habe (IV-act. 200), mahnte die IV-Stelle die
Versicherte am 24. März 2014 zur Erfüllung ihrer Schadenminderungspflicht (IV-act.
201). Im Mai 2014 konnte die Versicherte die Ausbildung erfolgreich abschliessen (IV-
act. 222–5).
Die IV-Stelle gewährte der Versicherten ein „Job Coaching“ mit dem Ziel, eine
Anstellung in der freien Wirtschaft zu finden (IV-act. 223 und 229). Das Psychiatrie-
Zentrum E._ berichtete im Juli 2014, die Versicherte sei aktuell uneingeschränkt
A.d.
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St.Galler Gerichte
arbeitsfähig, aufgrund der bisherigen Erfahrungen sei aber von einem chronisch-
schwankenden Verlauf auszugehen (IV-act. 232). Ein über das Regionale
Arbeitsvermittlungszentrum vermitteltes Einsatzprogramm wurde vom Arbeitgeber
nach zwei Monaten wegen der Unzuverlässigkeit der Versicherten beendet (vgl. IV-act.
234). Mit einer Verfügung vom 1. Dezember 2014 brach die IV-Stelle das „Job
Coaching“ ab und sie verweigerte weitere berufliche Massnahmen (IV-act. 244). Diese
Verfügung erwuchs unangefochten in formelle Rechtskraft. Mit einer Mitteilung vom 13.
Februar 2015 wies die IV-Stelle auch das Rentenbegehren der Versicherten ab (IV-act.
247).
Im März 2018 beantragte die Versicherte die „Wiederaufnahme des IV-Verfahrens
und Rentenprüfung“ (IV-act. 249). Sie machte geltend, sie habe krankheitsbedingt nie
Fuss in der freien Wirtschaft fassen können. Leider sei ihr von der IV-Stelle keine
zusätzliche Hilfe geboten worden. Eine rekursfähige Verfügung beim „negativen
Abschluss“ ihres Falles habe sie nie erhalten. Die IV-Stelle forderte die Versicherte am
13. Juni 2018 auf, eine relevante Veränderung des massgebenden Sachverhaltes seit
dem 13. Februar 2015 glaubhaft zu machen (IV-act. 260). Im September 2018
berichtete Dr. med. F._ (IV-act. 272–1 ff.), die Versicherte sei von Oktober 2017 bis
Mitte März 2018 vollständig arbeitsunfähig gewesen. Für die zweite Märzhälfte sei ein
Arbeitsfähigkeitsgrad von 50 Prozent zu attestieren. Seit April 2018 könne der
Versicherte eine sitzende Tätigkeit ohne Einschränkungen zugemutet werden. Die
Versicherte leide an einer vorbekannten, im Jahr 2014 diagnostizierten Chrondropathia
patellae beidseits mit einem chronischen Verlauf. Im Februar 2015 habe sie sich eine
Seitenbandläsion zweiten bis dritten Grades links zugezogen. Sie leide zudem an
einem Status nach einer verheilten Weber B-Fraktur des oberen rechten
Sprunggelenks. Im Juli 2017 habe sie sich eine Ruptur des Ligamentum fibulotalare
anterius und des Ligamentum fibulocalneare rechts zugezogen. Im Oktober 2018
notierte der RAD-Arzt Dr. med. G._ (IV-act. 278), weder der Arztbericht von Dr. F._
noch die beigelegten Berichte enthielten einen Hinweis auf eine Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Die Versicherte sei uneingeschränkt arbeitsfähig.
Weitere medizinische Abklärungen seien nicht erforderlich. Mit einem Vorbescheid vom
6. November 2018 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die Abweisung des
Leistungsbegehrens um berufliche Massnahmen und Rentenleistungen vorsehe (IV-act.
A.e.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/14
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St.Galler Gerichte
281). Dagegen wandte die Versicherte am 14. November 2018 ein, der Sachverhalt sei
gar nicht ermittelt worden (IV-act. 282).
Die IV-Stelle beauftragte am 26. Januar 2021 die Begaz GmbH mit der Erstellung
eines polydisziplinären Gutachtens (IV-act. 299). Das Gutachten wurde am 25. Mai
2021 erstellt (IV-act. 316). Die Sachverständigen hielten fest, die Versicherte leide an
einer leichten Gangataxie mit einer Unsicherheit im Strichgang unklarer Ätiologie sowie
– ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einer Adipositas, an einem Status nach
einer Tonsillektomie, an einer emotional instabilen Persönlichkeitsakzentuierung, an
einem Status nach einer remittierten depressiven Episode, an einer Migräne ohne Aura,
an einem lumbospondylogenen Schmerzsyndrom, an einer beginnenden Gonarthrose
links und an einem Status nach einer Weber B-Fraktur. Aufgrund der emotionalen
Instabilität benötige die Versicherte ein verständnisvolles Arbeitsumfeld, wobei sie aus
rein psychiatrischer Sicht durchaus in der Lage sei, eine volle Leistung in der erlernten
und in jeglicher alternativen Tätigkeit zu erbringen. Die Arbeit müsse aber klar
vorgegeben sein. Aufgrund der diskreten Gangataxie sollten Arbeiten auf Leitern und
Gerüsten respektive Arbeiten mit einer Absturzgefahr vermieden werden. Der
internistische Sachverständige hatte angesichts der von ihm erhobenen unauffälligen
klinischen Befunde keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (IV-
act. 317). Der orthopädische Sachverständige hatte festgehalten (IV-act. 318), der – im
Gutachten ausführlich beschriebene – objektive klinische Befund sei weitestgehend
unauffällig gewesen. Nur die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule sei schmerzbedingt
etwas eingeschränkt gewesen. Bildgebend hätten lediglich minime bis allenfalls
moderate degenerative Veränderungen an der Lendenwirbelsäule sowie degenerative
Knorpelveränderungen an den Knien festgestellt werden können. Konservative
Massnahmen hätten sowohl bezüglich der Rücken- als auch bezüglich der
Kniebeschwerden keine Wirkung gezeigt. Bemerkenswert sei, dass eine
Kniegelenksinfiltration links zu keinerlei Beschwerdereduktion geführt habe, was
allerdings mit den aktuellen klinischen Befunden in Übereinstimmung stehe und
unterstreiche, dass es sich klinisch um eine Periathropathia mit einer diffusen
Druckdolenz handle. Aus orthopädischer Sicht könne zusammenfassend keine
Diagnose mit einer funktionellen Auswirkung gestellt werden. Der neurologische
Sachverständige hatte ausgeführt (IV-act. 319), der – im Gutachten detailliert
A.f.
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wiedergegebene – objektive klinische Befund sei abgesehen von einer leichten
Unsicherheit mit kleinen Ausfallschritten nach rechts und links im Strichgang unauffällig
gewesen. Aufgrund dieser diskreten Gangataxie bestehe eine qualitative
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die Versicherte sollte nämlich Arbeiten auf Leitern
und Gerüsten respektive Arbeiten mit einer Absturzgefahr vermeiden. Während den
Migräneattacken bestehe kurzfristig eine Arbeitsunfähigkeit. Ansonsten sei die
Versicherte uneingeschränkt arbeitsfähig. Der psychiatrische Sachverständige hatte
festgehalten (IV-act. 320), die Versicherte sei bewusstseinsklar und allseits orientiert
gewesen. Eine Störung der kognitiven Funktionen habe nicht festgestellt werden
können. Die Versicherte habe mit klarer und gut verständlicher, modulierter Stimme
gesprochen. Die Antworten seien rasch, ohne langes Überlegen, gegeben worden.
Hinweise auf formale Denkstörungen hätten nicht gefunden werden können. Die
Versicherte habe eher etwas einfach strukturiert, aber durchaus auch selbstkritisch
gewirkt, wobei die Introspektionsfähigkeit eher gering ausgeprägt gewesen sei.
Hinweise auf Befürchtungen, Zwänge, einen Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-
Störungen hätten nicht vorgelegen. Der Affekt sei euthym und freundlich gewesen; die
Versicherte habe auch gelacht und einmal – bei der Schilderung des Todes einer
Kollegin – geweint. Sie habe angegeben, dass sie sich nicht dauerhaft verstimmt fühle,
dass sie nicht an diffusen Ängsten leide und dass sie sich nicht deprimiert fühle. In
bestimmten Situationen habe sie ihre Emotionen nicht im Griff, sie könne mit Wut
reagieren, sie sei dann unkontrolliert und sie könne sich nicht bremsen. Das Ganze
könne durchaus 15 Minuten andauern. Die Versicherte habe ihre Ausführungen mit
einer adäquaten Gestik und Mimik begleitet, sie habe Blickkontakt aufgenommen und
sie sei psychomotorisch unauffällig gewesen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit liege eine
ADHS-Problematik seit der Kindheit vor. Die Versicherte habe schulische
Schwierigkeiten gehabt, was auf mögliche geringe geistige Ressourcen hinweisen,
möglicherweise aber auch im Zusammenhang mit der ADHS-Problematik stehen
könnte. Der Versicherten sei es schwer gefallen, die Berufslehre abzuschliessen. Einen
ersten Versuch habe sie abgebrochen; sie sei psychisch dekompensiert und depressiv
geworden. Im zweiten Anlauf habe sie die Ausbildung im Jahr 2014 erfolgreich
abgeschlossen. Sie sei als durchaus leistungsfähig, teamfähig und in einem gewissen
Rahmen selbständig bezeichnet worden. Nach dem Abschluss der beruflichen
Massnahmen habe sie keine psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung
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St.Galler Gerichte
B.
mehr in Anspruch genommen. Aus psychiatrischer Sicht könne angesichts der
Angaben in den Akten und des völlig unauffälligen Untersuchungsbefundes keine
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Der RAD-Arzt Dr.
G._ qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 321).
Mit einem Vorbescheid vom 1. Juni 2021 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie die Abweisung des Begehrens um berufliche Massnahmen vorsehe, da keine
Gesundheitsbeeinträchtigung bestehe, die die Arbeitsfähigkeit langandauernd ein
schränken würde (IV-act. 323). Dagegen liess die Versicherte am 2. Juli 2021
einwenden (IV-act. 326), das Gutachten der Begaz GmbH sei unsorgfältig erstellt
worden. Die Sachverständigen hätten sie nur je ca. 40 Minuten lang untersucht. Die
Kindheits- und Ausbildungsproblematik sowie das Geburtsgebrechen seien in
sämtlichen Teilgutachten ausnahmslos übergangen worden. Die Versicherte habe ihre
Berufslehre in einem geschützten Rahmen absolvieren müssen. Sie habe nach dem
Abschluss der Ausbildung nie in der freien Wirtschaft Fuss fassen können. Mit einer
Verfügung vom 20. August 2021 wies die IV-Stelle das Begehren um berufliche
Massnahmen ab (IV-act. 328).
A.g.
Am 21. September 2021 liess die Versicherte (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 20. August 2021
erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die vollumfängliche Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen
sowie eventualiter die Einholung eines neuen neutralen polydisziplinären Gutachtens.
Zur Begründung führte er aus, weder die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) noch die Sachverständigen der Begaz GmbH hätten den in den
Akten dokumentierten, seit Kindheit respektive Geburt bestehenden
Gesundheitsbeeinträchtigungen Rechnung getragen. Schon im geschützten Rahmen
sei die Beschwerdeführerin nur zu 50 Prozent arbeitsfähig gewesen. Sie habe nie in der
freien Wirtschaft Fuss fassen können.
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 8. Dezember 2021 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie an, das Gutachten der Begaz GmbH
sei in jeder Hinsicht überzeugend. Da die Beschwerdeführerin für die angestammte und
B.b.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/14
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St.Galler Gerichte

Considerations:
Erwägungen
1.
Da sich der Zweck dieses Beschwerdeverfahrens in der Überprüfung der
angefochtenen Verfügung auf deren Rechtmässigkeit erschöpft, muss sein Gegenstand
jenem des vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen. Dieses hat sich auf
die Frage nach einem Anspruch der Beschwerdeführerin auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen beschränkt, wobei allerdings weder aus den Akten noch
aus der Verfügung hervorgeht, dass sich das Verwaltungsverfahren nur auf spezifische
Massnahmen beschränkt hätte. Grundsätzlich könnte sich das Verwaltungsverfahren
folglich auf alle gesetzlich vorgesehenen beruflichen Eingliederungsmassnahmen
bezogen haben. Die angefochtene Verfügung kann aber nicht derart umfassend
interpretiert werden, denn der Beschwerdegegnerin kann nicht unterstellt werden, dass
sie auch offenkundig nicht in Frage kommende Eingliederungsmassnahmen geprüft
habe. Nicht zum Gegenstand des Verwaltungsverfahrens können eine erstmalige
berufliche Ausbildung (die bereits abgeschlossen worden war), eine Kapitalhilfe (die
augenscheinlich nicht zur Diskussion hat stehen können) oder ein
Einarbeitungszuschuss respektive eine Entschädigung für Beitragserhöhungen (die
einen vorgängigen erfolgreichen Abschluss einer Arbeitsvermittlung vorausgesetzt
hätten) gehört haben. Das Verwaltungsverfahren hat sich also auf eine
Integrationsmassnahme (Art. 14a IVG), auf die Berufsberatung (Art. 15 IVG), auf die
Umschulung (Art. 17 IVG) und auf die Arbeitsvermittlung (Art. 18 IVG) beschränkt. Das
Beschwerdebegehren hat sich nicht auf bestimmte Eingliederungsmassnahmen
bezogen, weshalb der Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens ebenso weit wie
jener des Verwaltungsverfahrens sein muss. Obwohl das Verwaltungsverfahren durch
eine sogenannte Neu- oder Wiederanmeldung angestossen worden ist und obwohl die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin zunächst ein Nichteintreten für den Fall
für fast jede andere Tätigkeit uneingeschränkt arbeitsfähig sei, sei sie weder invalid
noch von einer Invalidität bedroht, weshalb die Grundvoraussetzung für berufliche
Eingliederungsmassnahmen nicht erfüllt sei.
Am 14. Dezember 2021 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt (act. G 6).
B.c.
Die Beschwerdeführerin liess am 10. März 2022 an ihren Anträgen festhalten (act.
G 12). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 14).
B.d.
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angedroht hat, dass keine relevante Sachverhaltsveränderung seit dem Abschluss des
ersten Verwaltungsverfahrens glaubhaft gemacht würde (vgl. Art. 87 Abs. 3 IVV), hat
sich die Beschwerdegegnerin in der Folge nicht weiter mit der Frage befasst, ob die
Eintretenshürde des Art. 87 Abs. 3 IVV gemeistert worden sei. Dieses Vorgehen ist
rechtmässig gewesen, denn nach dem klaren, eindeutigen und offenkundig dem Sinn
und Zweck der Norm entsprechenden Wortlaut des Art. 87 Abs. 3 IVV muss die
Eintretenshürde nur für ein Begehren um eine Rente, eine Hilflosenentschädigung oder
einen Assistenzbeitrag, nicht aber für ein Begehren um berufliche Massnahmen
gemeistert werden (vgl. etwa den Entscheid IV 2018/77 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 18. Dezember 2018). Die Beschwerdegegnerin ist zu
Recht auf die Neuanmeldung eingetreten.
2.
Der Anspruch auf eine Berufsberatung (Art. 15 IVG) setzt ebenso wie der Anspruch
auf eine Umschulung (Art. 17 IVG) voraus, dass die Arbeitsfähigkeit im erlernten Beruf
mehr als in einem anderen Beruf eingeschränkt ist. Auch der Anspruch auf eine
Integrationsmassnahme (Art. 14a IVG) und der Anspruch auf eine Arbeitsvermittlung
(Art. 18 IVG) hängen von einer Arbeitsunfähigkeit im erlernten Beruf respektive in der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit ab. Folglich ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin im
erlernten Beruf als Fachfrau Betriebsunterhalt arbeitsunfähig gewesen ist.
2.1.
Die Beschwerdeführerin ist im Auftrag der Beschwerdegegnerin medizinisch
begutachtet worden. Die Sachverständigen der Begaz GmbH haben sie umfassend
persönlich untersucht und sie haben die medizinischen Akten eingehend gewürdigt. Sie
haben also über eine profunde Kenntnis des für ihre Beurteilung massgebenden
medizinischen Sachverhaltes verfügt. Entgegen der unbegründeten Behauptung des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin haben sie sich auch mit dem
Geburtsgebrechen und den Schwierigkeiten der Beschwerdeführerin in der schulischen
und beruflichen Ausbildung befasst, wie sich den entsprechenden detaillierten
Ausführungen insbesondere im psychiatrischen Teilgutachten entnehmen lässt. Der
Vergleich mit den übrigen Akten ergibt keinen Hinweis darauf, dass die
Sachverständigen eine relevante Tatsache übersehen hätten. Die im Gutachten
ausführlich wiedergegebenen subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin zeigen,
dass die Sachverständigen nicht nur den für ihre Beurteilung massgebenden objektiven
klinischen Befund, sondern auch die Anamnese sorgfältig erhoben haben. Nichts
deutet darauf hin, dass ihre Beurteilung auf einer unvollständigen Sachverhaltskenntnis
beruht hätte. In somatischer Hinsicht hat sich der massgebende objektive – klinische
und bildgebende – Befund als weitestgehend unauffällig erwiesen. Die von der
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/14
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Beschwerdeführerin geklagten Schmerzen in den Knien und im Rücken haben weder
orthopädisch noch neurologisch objektiviert werden können. Bei lediglich minimalen,
nur bildgebend nachgewiesenen, im klinischen Befund dagegen irrelevanten
degenerativen Veränderungen hat der orthopädische Sachverständige überzeugend
eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert. Die wohl als Residuum des
Geburtsgebrechens verbliebene leichte Gangataxie hat gemäss den ebenso
überzeugenden Ausführungen des neurologischen Sachverständigen die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nur qualitativ eingeschränkt, denn sie gebietet
lediglich die Vermeidung von Arbeiten mit einer Absturzgefahr, was für die allermeisten
Tätigkeiten einer Fachfrau Betriebsunterhalt, wie sie in den Akten der
Beschwerdegegnerin beschrieben werden, irrelevant ist. Zusammenfassend liegt aus
somatischer Sicht für den erlernten Beruf keine höhere Arbeitsunfähigkeit als für eine
andere Tätigkeit vor. Die nachfolgend zu prüfende geltend gemachte psychische
Beeinträchtigung würde sich auf alle beruflichen Tätigkeiten gleichermassen auswirken,
weshalb die Beschwerdeführerin unabhängig von den Auswirkungen der geltend
gemachten psychischen Problematik im erlernten Beruf nicht höhergradig als in einer
anderen Tätigkeit arbeitsunfähig und damit nicht umschulungsspezifisch invalid sein
kann. Sie hat also weder einen Anspruch auf eine Berufsberatung noch auf eine
Umschulung.
Dem psychiatrischen Sachverständigen ist aufgrund der eingehenden
Aktenwürdigung bekannt gewesen, dass die Beschwerdeführerin in der Kindheit und
Jugend an psychisch bedingten Schwierigkeiten gelitten hatte, die die schulische und
die berufliche Ausbildung erschwert hatten. Diese Tatsachen hat er in seine sorgfältige
Würdigung einfliessen lassen. In seiner klinischen Untersuchung der
Beschwerdeführerin hat er allerdings keinen Hinweis auf eine nach wie vor vorhandene
psychische Gesundheitsbeeinträchtigung feststellen können. Der von ihm erhobene
objektive klinische Befund ist völlig unauffällig gewesen. Die aus dem früheren
Verwaltungsverfahren stammenden Akten belegen denn auch, dass die
Beschwerdeführerin schon während der Ausbildung durchaus in der Lage gewesen ist,
eine qualitativ und quantitativ gute Leistung zu erbringen. Ihr Rechtsvertreter dürfte
wohl übersehen haben, dass die zahlreichen Praktika, die die Beschwerdeführerin
während der Ausbildung absolviert hat, nicht in einem geschützten Rahmen, sondern in
der freien Wirtschaft durchgeführt worden sind und dass die Beschwerdeführerin sich
damit wiederholt in der freien Wirtschaft bewährt hat. Die Schwierigkeiten während der
Ausbildung haben zuletzt rein motivationale Ursachen gehabt. Das belegen
beispielsweise die Zwischenberichte des Praktikumsbetriebes, bei dem die
Beschwerdeführerin das letzte Ausbildungsjahr wiederholt hat, sehr eindrücklich: Am
2.3.
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3.
Damit erweist sich die angefochtene Verfügung im Ergebnis als rechtmässig, weshalb
die Beschwerde abzuweisen ist. Die Gerichtskosten von 600 Franken wären an sich
der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Zufolge der Bewilligung der
24. März 2014 hat der Vorgesetzte zahlreiche Absenzen, ein unzuverlässiges Verhalten
sowie eine qualitativ und quantitativ völlig ungenügende Leistung beklagt (IV-act. 200).
Das geschilderte Verhalten hat jenem entsprochen, das bei anderen Einsätzen bereits
früher aufgefallen war. Am 24. April 2014 hat sich der Vorgesetzte dann über ein
erfreuliches und tadelloses Verhalten mit einer qualitativ und quantitativ sehr guten
Arbeitsleistung geäussert, das die Beschwerdeführerin – umgehend – an den Tag
gelegt hatte, nachdem er sie „überaus heftig in die Mangel genommen“ hatte (IV-act.
214). Auch die wiederholt notwendigen, mit der Androhung einer Leistungseinstellung
verbundenen Mahnungen der Beschwerdegegnerin haben jeweils (zumindest für eine
gewisse Zeit) eine Verbesserung der Zuverlässigkeit und der Arbeitsleistung zur Folge
gehabt, was ebenfalls für eine motivationale und nicht für eine krankheitsbedingte
Ursache der Schwierigkeiten spricht. Entgegen der Behauptung der
Beschwerdeführerin hat die Beschwerdegegnerin sie nach dem erfolgreichen
Abschluss der Ausbildung weiter mit beruflichen Eingliederungsmassnahmen
unterstützt. Tatsächlich hat die Beschwerdeführerin dank der Bemühungen der
Beschwerdegegnerin bald darauf ein Praktikum mit der Aussicht auf eine
Festanstellung antreten können, das dann jedoch vorzeitig vom Arbeitgeber beendet
worden ist, weil die Beschwerdeführerin wieder das alte unzuverlässige Verhalten an
den Tag gelegt hatte. Das ist schliesslich auch der Grund dafür gewesen, dass der
„Job Coach“ sein Mandat niedergelegt hat (vgl. IV-act. 236) und dass die
Beschwerdeführerin in der freien Wirtschaft „nie hat Fuss fassen“ können. Der
psychiatrische Sachverständige der Begaz GmbH hat detailliert und überzeugend
aufgezeigt, dass diese Motivationsschwierigkeiten keine krankheitsbedingte Ursache
gehabt haben. Weitere relevante psychische Gesundheitsbeeinträchtigungen hat er
ausschliessen können. Die Beschwerdeführerin ist folglich überwiegend wahrscheinlich
aus psychiatrischer Sicht uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen. Das bedeutet, dass
sie keinen Anspruch auf eine Integrationsmassnahme gehabt hat, da diese eine
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent voraussetzt (Art. 14a Abs. 1 lit. a IVG).
Ein Anspruch auf eine Arbeitsvermittlung besteht, wenn eine versicherte Person
arbeitsunfähig ist (Art. 18 IVG) respektive wenn sie ihren letzten Arbeitsplatz
krankheitsbedingt verloren hat (vgl. BBl 2005 4524). Diese Voraussetzungen treffen auf
die Beschwerdeführerin nicht zu, weshalb auch kein Anspruch auf eine
Arbeitsvermittlung besteht.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte
unentgeltlichen Prozessführung ist sie von der Pflicht, die Gerichtskosten zu bezahlen,
befreit. Da ihr auch die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt worden ist, hat
der Staat ihrem Rechtsvertreter eine Entschädigung auszurichten, die 80 Prozent des
erforderlichen Vertretungsaufwandes abdeckt (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Der
Rechtsvertreter hat am 3. Mai 2022 eine Kostennote eingereicht (act. G 16), die sich auf
3’293.05 Franken bei einem üblichen Stundenansatz von 250 Franken beläuft (act. G
16.1). Das geltend gemachte Honorar ist als angemessen zu qualifizieren, weshalb die
Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung auf 3’293.05 Franken × 80
Prozent = 2’634.45 Franken festzusetzen ist. Sollten es ihre wirtschaftlichen
Verhältnisse dereinst gestatten, wird die Beschwerdeführerin zur Nachzahlung der
Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Entschädigung für die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123
ZPO).