Decision ID: 01c3eced-ce90-42cf-b278-bcd1aeb23c41
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1975 geborene
X._
, Mutter von zwei Kindern (Jahrgänge 1999 und 2004), war zuletzt
von
2007
bis 2015
als Pflegehelferin
Anästhesie
beim
S
pital
Z._
tätig (Urk. 11/
13
,
Urk.
11/3
8
). Am 2
6.
Februar 2014 meldete sie sich unter Hinweis auf «Kopf und Kiefer und Depression ganzer Körper» bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 11/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen
und
liess die Versicherte insbesondere polydis
ziplinär begutachten (Expertise vom
2
6.
Januar 2015
;
Urk.
11/28
/1-48
)
.
Mit Schreiben vom
19. August 2015 (Urk. 11/40
) hielt die IV-Stelle die Versicherte unter Hinweis auf ihre Mitwirkungspflicht an,
eine engmaschige psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung weiterzuführen.
Mit Vorbescheid vom
19.
August 2015
stellte die IV-Stelle in Aussicht,
das Leistungsbegehren abzu
weisen (Urk. 11/42). Dagegen erhob die Versicherte einen Einwand (Urk. 11/47).
In der Folge
veranlasste die IV-Stelle eine Abklärung hinsichtlich Hilflosigkeit
,
welche am 1
4.
Januar
2016 erhoben wurde
(Bericht vom
10.
März
2016;
Urk. 11
/75)
.
Mit Vorbescheid vom
2
0.
Januar 2016
stellte die IV-Stelle in Aus
sicht, die Ausrichtung einer
Hilflosenentschädigung
abzulehnen (
Urk.
11/73
). Ein Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
wurde mit Verfügung vom
10.
März 2016 verneint (Urk. 11/76
).
Am
3.
Mai 201
7
erfolgte erneut eine
Abklärung hinsicht
lich Hilflosigkeit
, über welche am
9.
Mai 2017 berichtet wurde (Urk. 11/104).
Mit Schreiben vom 2
8.
September 2017 (
Urk.
11/105) hielt die IV-Stelle die Versi
cherte unter
Hinweis auf
ihre
Mitwirkungspflicht
an, sich in einer Tagesklinik behandeln zu lassen und im Anschluss einmal wöchentlich eine ambulante Ver
haltens- und Gesprächstherapie durchzuführen
.
Sodann erliess die IV-Stelle einen neuen Vorbescheid (
Urk. 11/106
), wogegen die Versicherte Einwände erhob (
Urk. 11/110, Urk. 11/111, Urk. 11/120)
. Mit Verfügung vom 25. April 2018 (
Urk.
11/123 =
Urk.
2)
wies
die IV-Stelle
das Leistungsbegehren ab.
2.
Die Versicherte erhob am
2
4.
Mai 2018
Beschwerde gegen die Verfügung vom
25. April 2018 (
Urk.
2) und beantragte die
Zusprache
einer Rente.
Am
3.
Juli 2018
(Urk.
10
) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin
am
9.
Juli 2018
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
12
).
Mit Gerichtsverfügung vom
9.
September 2019
wurde die
BVG-
Sammelstiftung Swiss Life, Zürich, zum Prozess beigeladen (Urk.
13
)
. Am
8.
Oktober 2019 teilte sie mit, sie sehe im vorliegenden Fall keine Veranlassung sich vernehmen zu lassen und verzichte deshalb auf eine Stellungnahme (Urk. 15). Dies wurde den Parteien am 1
0.
Oktober 2019 zur Kenntnis gebracht (Urk. 16)
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Alters
jahres folgt (Abs. 1). Der Anspruch entsteht nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG beanspruchen kann (Abs. 2). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Abs. 3). Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als 50 %, so werden die entsprechenden Ren
ten nur an Versicherte ausbezahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhn
lichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben. Diese Voraussetzung ist auch von Angehörigen zu erfüllen, für die eine Leistung beansprucht wird (Abs. 4).
1.
4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.
5
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.
6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom
25. April 2018
(
Urk.
2) damit,
dass während den Klinikaufenthalten jeweils eine deutliche Verbesserung der gesundheitlichen Situation habe erzielt werden können (S. 1). So sei es
der Beschwerdeführerin
zum Beispiel gelungen, sich humorvoll in die Therapiegruppen zu integrieren und an den Wochenenden habe sie selbständig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren können. Es könne darau
s
geschlossen werden, dass die intensive Behandlung und Therapie durchaus Erfolg bringen würde. Eine Therapieresistenz könne verneint werden. Auch seien die Behandlungsmöglichkeiten weiterhin noch nicht ausge
schöpft.
Unter Berücksichtigung aller Berichte werde angenommen, dass weiter
hin keine
gesundheitliche Beeinträchtigung
vorliege, welche eine
erhebliche und langandauernde
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge habe (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
die Beschwerdegegnerin argumentiere mit einer überholten Rechtsprechung. Das Kriterium der Therapieresistenz sei nicht mehr alle
in massgebend (S. 3).
Es
könne ihr in keiner Weise unterstellt
werden, dass sie nicht alles Mögliche und
Z
umutbare unternehme, um ihren Krankheitsverlauf aktiv und in positiver Weise zu beeinflussen. Die Beurteilung durch die behandelnde Psychiaterin
Dr.
A._
sei nachvollziehbar und schlüssig
. Es sei auch auf den Abklärungsbericht be
treffend Hilflosigkeit verwiesen, wonach die einst berufstätige und vollständig unabhängige Beschwerdeführerin auf anhaltende Unterstützung Dritter angewie
sen sei
(S. 4).
2.3
Strittig und zu prüfen ist ein Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Die Ärzte des
Universitätsspital
s
B._
, Klinik für Neuroradiologie,
berichteten mit
Austrittsbericht vom
18.
Januar 2014
über
einen stationären Aufenthalt der
Beschwerdeführerin vom 1
4.
bis 18.
Januar 2014
(Urk. 11/16/14-15)
,
und nannten
als Diagnose eine
Arteriovenöse
Malformation (AVM) parietal rechts. Sie führten aus, im
Rahmen der Abklärung von seit zwei Monaten persistierenden Kopf
schmerzen sei mittels
Magnetresonanztomographie
(
MR
)
eine AVM parietal rechts
festgestellt worden.
Gleich
zeitig habe die MR-Untersuchung ein kleines inzidentelles
Meningeom
parietal rechts gezeigt.
Die Kontrollangiographie am Ende des Eingriffs habe die vollständige Obliteration der AVM gezeigt (S. 1).
3.2
Die Ärzte der
K
linik
C._
berichteten am 1
5.
Mai 2014 (Urk. 11/12 =
Urk.
11/28/61-66) über den stationären Aufenthalt der Beschwer
deführerin vom 2
3.
März bis 1
8.
April 2014
,
und nannten folgende, hier gekürzt aufgeführten Diagnosen (S. 1 f.):
-
p
sychophysische Erschöpfung und A
npassungsstörung (ICD-10 Z73.0)
-
Raumforderung auf Höhe des
Lobulus
parietalis
superior
rechts, Ers
t
diagnose September 2013 (MRI)
-
rechts frontale und rechts
parieto
-okzipitale Gefässmalformationen, Erst
diagnose September
2013 (MRI)
-
rezidivierende anfallsartige
epigastrische
Sensationen, zum Teil mit Be
wusst
seinsverlust
-
rechtsbetonte Kopf- und Gesichtsschmerzen seit März 2013
-
ausgeprägte
Tendomyopathie
der Kau-/ Schulter-/ Nackenmuskulatur beid
seits, besonders
Musculus
ste
rn
ocleidomastoideus
rechts stark ver
spannt
-
Fibroadenom
(anamnestisch)
-
Thalassämia
minor (anamnestisch)
Bei der Beschwerdeführerin bestünden chronische Halbseitenschmerzen, zusätz
lich hätten sich eine ausgeprägte psychophysische Erschöpfung und Anpas
sungs
störung entwickelt. Durch die psychosozial belastende Situation mit Status nach zahlreichen Operationen und ungewisser gesundheitlicher und beruflicher Zu
kunft bestünden Regressionstendenzen. Gleichzeitig zeigten sich auf der Sach
ebene gute kognitive Fähigkeiten (S. 4). Im Verlauf des Aufenthaltes sei es ins
gesamt zu einer zufriedenstellenden Stabilisierung der Beschwerdeführerin mit einer Teilremission der Symptomatik gekommen (S. 3). Eine weitere psycho
therapeutische Betreuung sei indiziert.
Bis
10.
Mai 2014
bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die weitere Arbeitsunfähigkeit sei durch den
behandelnden
Arzt
neu zu beurteilen. Es werde ein langsamer, gestufter Wiedereinstieg mit genau definierten Aufgaben empfohlen (S
. 4).
3.
3
Die
Ärzte
der p
sychiatrischen
K
linik
D._
,
berichteten am
4.
November 2014 (Urk. 11/52/16-23
= Urk. 11/79/34-40)
über einen stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 21. August bis 1. Oktober 2014
,
und nannten folgende Diagnosen:
-
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
-
Status nach
Mikroembolisation
einer AVM
im
Gyrus
frontalis
medius
dexter
,
Januar 2014
-
inzidentelles
Meningeom
rechts parietal (Erstdiagnose Januar 2014)
-
Arthrose des Kiefergelenks rechts
Der Eintritt sei freiwillig erfolgt vor dem Hintergrund einer schweren depressiven
Episode ohne psychotische Symptome. Psychopathologisch im Vordergrund hätten
initial affektive Niedergestimmtheit,
Anhedonie
, Antriebsmangel, Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit, Konzentrations- und Durchschlafstörungen sowie redu
zierter Appetit gestanden. Nach der
Eindosierung
von Lithium mit Erreichen des therapeutischen Bereiches habe eine erste Teilremission der angegebenen affektiven, psychomotorischen und vegetativen Symptome erzielt werden können (S. 6).
Aufgrund eines intermittierenden Schwindels sei eine ausführliche somatische Abklärung durchgeführt worden, dabei habe kein organisches Korrelat der Symp
tome eruiert werden können (S. 6).
3.
4
Die Gutachter des Zentrums
E._
erstatteten ihr polydisziplinäres G
u
tachten am
2
6.
Januar 2015
(
Urk.
11/28
/1-47
)
g
e
stützt auf die Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer
neu
rologischen,
internistischen
,
psychiatrischen,
und rheumatologischen
Untersu
chung. Sie nannten folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähig
keit (S.
12
):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode
(ICD-10 F33.2)
-
generalisiertes
myofasziales
Schmerzsyndrom
ohne neurologische Aus
fälle (Differentialdiagnose Fibromyalgie)
Als
Diagnosen
ohne
Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit
nannten sie
(S. 1
3
):
-
subjektive
Hemihypästhesie
rechts (organisch nicht objektivierbar)
-
Zu
stand nach
AVM
im
Gyrus
frontalis
medius
rechts (
Embolisat
ion
Januar
2014)
-
i
nzidentelles
Meningeom
rechts parietal
-
s
omatoforme Schmerzstörung (
ICD-10
F45.4)
Aus neurologischer Sicht wurde ausgeführt,
letztendlich dominier
t
en ein chro
nisches Schmerzsyndrom und eine ausgeprägte depressive Symptomatik das klinische Bild. Die in der Bildgebung beschriebene, mittlerweile operativ versorgte
AVM
im
Gyrus
frontalis
medius
rechts sowie das kleine inzidentelle
Meningeom
rechtsparietal
seien
klinisch ohne Relevanz. Zusammenfassend
sei
daher festzu
halten, dass auf neurologischem Fachgebiet trotz der im MRI nachgewiesenen zerebralen Veränderungen keine Erkrankung mit Relevanz für die Arbeits
fähig
keit vorlieg
e
. Demnach
sei
auf diesem Fachgebiet von einer 100%igen Arbeits
fähigkeit im erlernten Beruf als Pflegehelferin im OP eines
S
pitals sowie auch in einer Verweistätigkeit auszugehen
(S. 10 Ziff. 1).
Aus internistischer Sicht wurde zusammenfassend ausgeführt, d
ie
Beschwerde
führerin
stelle
im Rahmen der internistischen Untersuchung ihre rheumato
logi
schen, neurologischen und psychiatrischen Probleme in den Vordergrund. Diese w
ü
rden in den entsprechenden Fachgutachten ausführlich behandelt
werden
. Aus internistischer Sicht
seien
die Symptome der
Beschwerdeführerin
mit der diffusen Schmerzproblematik nicht einfach zu orten. Da andere konkrete internistische Krankheiten fehlen,
sei
die
Beschwerdeführerin
aus rein internistischer Sicht zu 100
% arbeitsfähig
(S. 10 Ziff. 2)
.
Aus psychiatrischer Sicht wurde festgehalten, f
ass
e
man die vorgetragene Krankengeschichte und aktuellen Untersuchungsergebnisse zusammen, so
sei
bei der
Beschwerdeführerin
mind
estens
seit August 2014 von einer schweren de
pressiven Episode ohne psychotische Symptome auszugehen.
Der Gutachter stimm
e
demnach mit der Diagnosestellung der
D._
überein, wobei er allerdings unter Ber
ü
cksichtigung einer früheren, deutlich leichteren depressiven Phase von einer rezidivierenden depressiven Störung ausgeh
e
. In diesem Kontext
sei
auch die Einstellung auf Lithium (
Quilonorm
) zu verstehen im Sinne einer Phasen
prophylaxe. Die
psychopathogenetischen
Grundkonstellationen der depressiven Symptomatik
seien
primär am ehesten im Rahmen einer endogenen Komponente einzuordnen, ausgelöst durch reaktive Anteile, vor allem durch die Diagnose
stellung der zerebralen Erkrankung, die sich letztendlich entgegen der primären Differenzialdiagnose (
Meningeom
,
Hämangioperizytom
) nach einer Kontroll
unter
suchung als weniger schwerwiegend bestätigt
habe
. Im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit
sei
abschliessend festzustellen,
dass die Beschwerdeführerin der
zeit nicht in der Lage sei, ihrer ursprünglichen Tätigkeit oder einer Verweis
tätigkeit nachzugehen.
Anamnestisch
werde
berichtet, dass vonseiten des behan
delnden Psychiaters bereits eine nochmalige stationäre Behandlung für Anfang 2015 geplant sei, eine Massnahme, die aus Sicht des Gutachters zu befürworten
sei
. Grundsätzlich
sei
von einer positiven Prognose auszuge
h
en, wenngleich bis
zu einer signifikanten Stabilisierung der emotionalen Belastbarkeit ein Zeitraum von sechs bis 12 Monaten vergehen
könne (S. 11 Ziff. 3).
Aus rheumatologischer Sicht wurde festgehalten,
s
inngemäss
könne
aus rheu
matologischer Sicht lediglich eine leichtgradige,
dekonditionierungsbedingte
Reduktion der allgemeinen Leistungsfähigkeit begründe
t werden
, dies sowohl für die bisherige Arbeitstätigkeit als Pflegehelferin im
S
pital
Z._
als auch f
ü
r eine dem Leiden bestens angepasste T
ätigkeit. Für eine leichte, den Rücken
und die peripheren Gelenke schonende Arbeitstätigkeit dürfte rheumato
l
ogisch eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 8.5 Stunden pro Tag vorliegen mit einer Leistungseinbusse von 20
%, dies infolge der anzunehmenden
Dekonditionie
rung
. Diese Einschätzung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit ha
be
Gültigkeit für eine dem Leiden angepassten Verweist
ä
tigkeit. Für die bisherige Tätigkeit als Pflegehelferin dürfte die Einschränkung der Leistungsfähigkeit bei 30
% liegen. Medizinisch-theoretisch
sei
diese Leistungsminde
ru
ng durch ein der
Beschwerde
führerin
zumutbares Training i
nnert sechs bis neun Monaten korri
gierbar. Sinn
voll
erweise, und wie schon von der psychiatrischen K
linik
D._
im Oktober 2014 festgehalten, sollte die
Beschwerdeführerin
ein kreislaufakti
vie
rendes Training und eine medizinische Trainingstherapie konsequent fortsetzen, einerseits zur Optimierung der kardiovaskulären Leistungsfähigkeit, andererseits zur längerfristigen positiven Schmerzmodulation. Betreffend die Fortsetzung der psychotherapeutischen Therapiemodalitäten
müsse
auf das psychiatrische Teil
gut
achten abgestützt werden
(S. 12 Ziff. 4)
.
Polydisziplinär und gesamthaft
sei
gleichwohl unter Berücksichtigung der depres
siven Symptomatik bei der
Beschwerdeführerin von einer 100%igen Arbeitsun
fähigkeit
in der letzten Tätigkeit und einer Verweistätigkeit auszuge
h
en, wobei die Prognose unter den laufenden therapeutischen Massnahmen eine Besserung binnen eines Zeitraums von einem Jahr erwarten
lasse
. In dieser Zeit sollte auch zumindest medizinisch-theoretisch die von rheumatologischer Seite beschriebene Leistungsminderung durch ein zumutbares kreislaufaktivierendes Training und eine medizinische Trainingstherapie korrigierbar sein
(S. 14)
.
Eine
Verlaufsbegutachtung
empfehle sich in
12 Monaten
(S. 14).
Bei der Beschwerdeführerin bestehe eine 100
%
ige Arbeitsunfähigkeit
angestammt und angepasst seit 9.
September 2013 (S. 14).
Die Prognose
sei
grundsätzlich positiv, da mit einer wesentlichen Besserung der depressiven Symptomatik und damit auch mit einer verbundenen Besserung des
myofaszialen
Schmerzsyn
droms binnen eines Zeitraums von 12 Monaten ausgegangen werden
könne (S. 15)
.
3.
5
Dr.
F._
, Facharzt für Neurologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (
RAD
), führte mit Stellungnahme vom
2
9.
Januar 2015 (Urk. 11/39/5)
aus, das
E._
-Gutachten gehe detailliert auf die Aktenlage ein und erhebe umfassend selbständig Befunde. Darauf könne abgestützt werden.
3.
6
Die Fachpersonen der
K
linik
G._
berichteten am
7.
August 2015 (Urk. 11/37)
über einen stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 20. Mai bis 2. Juli 2015 (Ziff. 1.3)
,
und nannten folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
-
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Pflegehelferin habe vom
2
0.
Mai bis
2.
Juli 2015
eine 100%ige Arbe
itsunfähigkeit bestanden (Ziff.
1.6). Die Beschwerde
füh
rerin leide an folgenden psychischen Einschränkungen: Konzentrations
stö
rung,
Vergesslichkeit, geringe Belastbarkeit, rasche Überforderung, unspezifische Ang
st
zustände, chronische Schmerzwahrnehmung, Durchschlafstörung, geringe Frust
ra
tionstoleranz, Kraftlosigkeit, Gereiztheit. Aufgrund dieser Beschwerden erschein
e eine volle Leistungsfähigkeit derzeit noch nicht gegeben. Die Beschwerdeführerin sei nicht in der Lage, ihren Alltag selbständig zu bewältigen (Ziff. 1.7).
Prog
nostisch ungünstig habe bei Klinikaustritt die
Chronifizierung
und die geringen therapeutischen Erfolge erschienen. Günstig erscheine die hohe Behandlungs
motivation und die leicht erzielte Besserung während des stationären Aufent
haltes. Es werde davon ausgegangen, dass unter der Bedingung einer erfolgrei
chen teilstationären und nachher ambulanten Nachbehandlung längerfristig ein beruflicher Wiedereinstieg möglich sei (Ziff. 1.4). Das Gelingen einer Wiederein
gliederungsmassnahme hänge entscheidend vom weiteren therapeutischen Verlauf
ab. Der Beschwerdeführerin sei eine teilstationäre Behandlung empfohlen worden (Ziff. 1.8).
3.
7
Dr.
H._
, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin,
führte mit Bericht vom
1
8.
September 2015 (Urk. 11/52/1-2)
aus, die Beschwerdeführerin
sei müde, kraftlos, könne am Tag überhaupt nichts anfangen. Sie freue sich auf nichts und habe immer wieder Suizidgedanken, jedoch keine suizidalen Pläne. Es bestehe eine massive Enttäuschung über die bisherigen misslungenen therapeutischen Massnahmen (S. 1). I
n den letzten drei Monaten
sei die Beschwerdeführerin
mehr
mals notfallmässig und zu regulären Terminen in die Praxis gekommen. Bisherige therapeutische Massnahmen inklusive intensive Physiotherapie
, Psychotherapie, stationäre Behandlungen in der psychiatrischen Klinik und auf der Rheuma
to
logie hätten überhaupt keine Besserung gebracht. Die Beschwerdeführerin sei
nach wie vor in einer schweren depressiven Episode. Die Arbeitsunfähigkeit
(richtig wohl: Arbeitsfähigkeit)
auf dem offenen Arbeitsmarkt betrage 0 % (S. 2).
3.
8
Dr.
I._
,
Facharzt für Radiologie,
Universitätsspital
B._
,
Klinik für Neuroradiologie
, führte mit Bericht vom
5.
Oktober 2015 (Urk. 11
/79/27)
aus, die
subtotal
embolisierte
rechtsseitige AVM des
Gyrus
frontalis
medius
sei unverändert geblieben mit einem sehr diskreten
residuellen
Teil. Das bekannte parietale
Mengingeom
und das in seiner Nähe liegende, sehr kleine zweite
Meningeom
seien in Form, Kontur und Grösse gegenüber der Voruntersuchung ebenfalls unverändert geblieben. Aufgrund dieser Befunde ergebe sich zum jetzi
gen Zeitpunkt kein Handlungsbedarf.
3.
9
Dr.
J._
, Facharzt für
Neurochirurgie
,
Universitätsspital
B._
, Klinik für Neurochirurgie,
führte mit Bericht vom
27.
Oktober
2015 (Urk. 11/79/25-26)
aus,
er könne sich dem von
Dr.
I._
gesagten nur anschliessen. Eine Kontrolle in der neurochirurgischen Sprechstunde sei in einem Jahr indiziert.
3.10
Die Ärzte der
D._
führten mit Bericht vom
4.
November 2015 (Urk. 11/63)
aus, die Beschwerdeführerin seit Oktober 2015 wöchentlich / alle zwei Wochen zu behandeln, und nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 2):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode
ohne psychotische Symptome
(ICD-10 F33.2)
-
chronische
Schmerzstörung
mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10 F45.4
1
)
-
Hemihypästhesie
rechts
-
inzidentelles
Meningeom
rechts parietal
-
Status nach
Mikroembolisation
einer
AVM
im
Gyrus
frontalis
medius
dexter
,
Januar 2014)
Seit mindestens dem 21.
Oktober 2015 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die bisherige Tätigkeit als Pflegehelferin (Ziff. 1.6). Die Beschwerdeführerin leide an Schmerzbeschwerden, Affektstörung, Antriebsstörung, Konzentrations
störungen, Schlafstörungen. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit mit zunächst ein bis zwei Stunden pro Tag, die auch die Schmerzsymptomatik berücksichtige, sei mittelfristig denkbar (Ziff. 1.7).
3.
11
Die
Ärzte
des
Universitätsspital
s
B._
, Klinik für Plastische Chi
rurgie und Handchirurgie, nannten mit Bericht vom 9.
De
zember 2015 (Urk. 11/79/13-16) unter anderem als
Diagnose
eine
Verbrühung Grad 2a Untersche
nkel und Fuss links (4 %) am 7.
Dezember 2015
.
Der Beschwerdeführerin sei beim Teeaufgiessen schwindlig geworden (vorbe
kannte Problematik) und daraufhin habe sie sich das Wasser unbeaufsichtigt auf den linken Unterschenkel und Fuss gegossen (S. 1).
S
ie sei am
8.
Dezember 2015 mit reizlosen Wundverhältnissen n
ach Hause entlassen worden (S. 3).
3.12
Dr.
I._
(vorstehend E. 3.8)
nannte mit Bericht vom 1
7.
Dezember 2015 (Urk. 11/68) folgende Diagnosen (Ziff. 1.2)
-
nicht
rupturierte
AVM im
Gyrus
frontalis
medius
rechts
-
kleines
Meningeom
rechts parietal
Die Arbeitsfähigkeit könne nicht beurteilt werde (Ziff. 4). Zur Prognose führte
Dr
.
I._
aus, hinsichtlich der AVM und des kleinen
Meningeomes
lägen stabile (AVM) beziehungsweise sehr diskret progrediente (
Meningeom
) Befunde vor, sodass die Prognose sich zu diesem Zeitpunkt als gut darstelle (Ziff. 3.3).
3.1
3
Die Beschwerdegegnerin führte am
14. Januar 2016
eine Abklärung vor Ort für eine
Hilflosenentschädigung
durch (
Urk.
11/
75
S. 1 oben). Die Abklärungsperson führte im Bericht vom
1
0.
März 2016 (
Urk.
11/75
) aus,
die Beschwerdeführerin habe sich mit heissem Wasser an den Beinen verbrannt. Die Verbrennungen seien so stark gewesen, dass am 2
2.
Dezember 2015 eine Hauttransplantation habe durch
geführt werden müssen (S. 1). Sie verlasse das Haus aus psychischen Grün
den ungern. Oft würde ihr aufgrund der Aufregung schwindelig werden. Zu Ter
mi
nen müsse sie daher vom Ehemann begleitet werden. Es sei ihr nicht möglich, öffentliche Verkehrsmittel zu benützen, da sie Panik bekomme. Sie habe einen Führerausweis, fahre jedoch seit 2013 aufgrund ihrer Ängste nicht mehr selber. Sie könne telefonieren, pflege allerdings nur wenige Kontakte innerhalb der Familie. Die Hilflosigkeit im Bereich Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kon
takte könne bejaht werden (S. 3).
3.
1
4
Die
Fachpersonen
der
Klinik
K._
berichteten am
2
8.
Juni 2016 (Urk. 11/84)
über eine
Hospitalisation
der Beschwerdeführerin vom 2
7.
April bis
3.
Mai 2016
,
und nannten
als Hauptdiagnose dissoziative Anfälle (ICD-10 F44.5, EM in Okto
ber 2013), im Sinne einer Konversionsreaktion, mittlerweile sich
chronif
izierend
(S. 1). Grund der
Hospitalisation
sei die differentialdiagnostische Abklärung anfallsartiger Störungen.
Es
bestünde nach wie vor kein Anhalt für eine Epilepsie (S. 3).
Die Arbeitsfähigkeit sei aus
epileptologischer
Sicht nicht eingeschränkt (S. 4).
3.
1
5
Die Ärzt
innen
der
D._
führten mit
Verlaufsbericht
vom
2
9.
Juli 2016 (Urk. 11/86)
aus, die Beschwerdeführerin sei vom
8.
bis 2
7.
April 2016 in stationärer Behand
lung gewesen und sei seit dem
6.
Juni 2016 erneut wieder in stationärer Be
handlung in der psychiatrischen K
linik in
D._
.
Der aktuelle
Verlauf könne aus ambulanter Sicht nicht beurteilt werden, da es am
1.
April 2016 einen Therapeutenwechsel gegeben habe (Ziff. 3.1).
3
.1
6
Die Ärzte der
D._
berichteten
mit
Austrittsbericht
vom
13.
Oktober 2016 (Urk. 11/95)
über die stationäre Behandlung der Beschwerdeführerin vom
6.
Juni bis
8.
September 2016 sowie vom
8.
bis 2
7.
April 2016 (S. 1)
,
und nannten folgende
, hier gekürzt aufgeführte psychiatrische
Diagnosen
(S. 1)
:
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere depressive Epi
sode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3)
-
Verdacht auf dissoziative Anfälle (ICD-10 F44.5)
-
chronische
s
myofasciales
Schmerzsyndrom mit somatischen und psy
chischen Faktoren bei leichter Kiefergelenksarthrose rechts und Bruxis
mus (Erstdiagnose März 2013), Differentialdiagnose Fibromyalgie (ICD-10 F45.41)
Der Eintritt
sei
freiwillig bei progredienter depressiver Zustandsverschlechterung über die letzten
vier
Wochen
erfolgt
, vor allem mit Zunahme visueller und akustischer Halluzinationen. Zudem
habe
die
Beschwerdeführerin
eine erneute Abklärung der körperlichen Beschwerden
gewünscht (S. 5)
.
Die depressive Symptomatik
sei
nach Fremdbeurteilung deutlich rückläufig
ge
wesen
. Die
Beschwerdeführerin
habe
sich affektiv aufgehellt
gezeigt
,
habe
spon
tan keine Beschwerden
berichtet
,
sei
im Kontakt mit Mitpatienten und Personal humorvoll und psychomotorisch in Mimik und Gestik gelockert
gewesen
. Der Antrieb
sei
soweit normalisiert
gewesen
, dass die Beschwerdeführerin selbst
ständig
habe
mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren und Wochenendurlaube wahrnehmen
können
. Diese Selbstbeurteilung der Sympto
matik
weiche hiervon jedoch stark ab. D
ie Beschwerdeführerin
habe sich selber kränker als j
e zuvor
gesehen
. Dabei
habe
sie auf Nachfrage insbesondere über die neu aufgetretenen mnestischen Störungen
geklagt (S. 5)
.
Ungünstig für den Krankheitsverlauf sei der völlige Verlust sowohl der Rolle als Mutter und Hausfrau in Verdrängung durch die Schwiegermutter als auch die fehlende Tagesstruktur nach Aufgabe der Arbeit im Spital. Weiterhin als un
günstig werde nach Wegfall der Unterstützung durch die SUVA finanzielle Belas
tungen der Familie, welche auch die Beziehung zum Ehemann zusätzlich belaste, gesehen. Vorschläge tagesklinischer Betreuung oder Möglichkeiten, beispiels
weise als Sitzwache wieder Kontakt zum alten Berufsumfeld aufzunehmen, habe die Beschwerdeführerin jedoch abgelehnt.
Problematisch erschein
e
die beinahe überwertige Vorstellung einer bisher nicht gefundenen, alles erklärenden soma
tischen Ursache
,
verbunden mit der Hoffnung der Heilung gleichsam über Nacht
(S. 6).
Bei fehlendem Anhalt für Selbst- oder Fremdgefährdung
sei
die
Beschwer
de
führerin
in
fremdbeurteilt teilremittierten Zustand in die alten Verhältnisse
entlassen worden
(S. 6)
.
3.
1
7
Die Ärzte der
D._
führten mit
Bericht
vom
7.
November 2016
(Urk.
11/94
)
zu
handen der Beschwerdegegnerin
aus,
vor dem Hintergrund der vorbekannten rezidivierenden depressiven Störung habe bei Eintritt eine schwere depressive Episode mit schwerer
Anhedonie
, Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit imp
o
niert, im Weiteren schwerer sozialen Rückzug, Insuffi
zi
enzgedanken und Schuldgefühle, Appetitlosigkeit, Ein- und Durchschlafstörung sowie Störung der Konzentration und Aufmerksamkeit.
Die Aggravation der rechtsseitigen
Hemi
algie
hinsichtlich Intensität und Ausdehnung der Schmerzareale bei vorbe
kanntem
myofaszialem
Schmerzsyndrom und Verdacht auf eine Fibromyalgie
lasse
sich als Symptom der akuten depressiven Exazerbation subsumieren. Die visuellen un
d
akustischen Halluzinationen
würden
nach Ausschluss
epilepto
gener
Ursachen durch die Klinik
K._
als psychotische Begleitsymptomatik der aktuell schweren depressiven Episode
subsumiert werden
. Trotz des von den Neurologen beschriebenen Missverhältnisses zwischen der Lokalisat
i
on des
Meningeoms
rechts und der
dazu nicht stimmigen Schmerzloka
lisation und Kraftminderung ebenfalls auf der rechten Seite
könne
nicht davon ausgegangen werden, dass es sich um eine bewusstseinsnahe oder simulierte Schmerzsympto
matik
handle
. Vielmehr
sei
diese als chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren zu erklären, welche im Rahmen der s
chweren de
pressiven Episode ver
stärkt
werde
(S. 5)
.
Trotz de
r
objektiv unter der Elektrokonvulsionstherapie (EKT) während der aktu
ellen
Hospitalisation
einsetzenden Teilremission, welche die
Beschwerdeführerin
selbst nicht
habe
wahrnehmen
können
, verbleib
e
die Beurteilung des weiteren Krankheitsverlaufes aufgrund des
i
nzwischen fast
drei
Jahre bestehenden Be
schwerdebildes aus somatischen und psychischen Symptomen mit vor der
Hospi
talisation
geringen Verbesserungsmöglichkeiten und teilweise imponierenden Progredienz der depressiven Symptomatik kritisch zu beurteilen
(S. 5)
.
Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Pflegehelferin im
S
pital
Z._
bestehe seit dem
8.
April 2016
bis mindestens wahrscheinlich Ende 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(S. 8 Ziff. 1.6).
Die
Beschwerdeführerin
imponier
e
rasch überfordert, leide unter Reizüberflutung mit Stimmungseinbrüche
n
, Schwindel und Kopfschmerzen.
Sie
zieh
e
sich dann unmittelbar zurück, so dass sie während der
Hospitalisation
auch vor dem Hintergrund der Antriebsstörung zunächst kaum an den Therapien regelmässig
habe
teilnehmen
können
, im späteren Verlauf während der
Therapien die Mög
lichkeit
gebraucht habe
, sich aus der Gruppe und vom Arbeitstisch in eine Ruhenische für Minuten zurückziehen zu können.
Zusammen mit der Antriebs
störung und der krankheitsimmanenten Ü
berzeugung kompletter Arbeitsu
nfähig
keit
sei die Beschwerdeführerin nicht in der Lage, die verbleibenden kognitiven und körperlichen Ressourcen im Sinne einer regelmässigen Tätigkeit konti
nu
ierlich abzurufen und
sich
trotz grundsätzlicher Therapie- und Arbeitsmotivation für eine konkrete Aufgabe zu motivieren und
sich darauf
zu konzentrieren.
Die
Beschwerdeführerin
könne
die Bereitschaft für einen prozesshaften Beginn in kleinen Schritten stufenweiser Veran
twor
tungsübernahme nur mit Mühen mobi
li
sieren, reagier
e
stattdessen mit Verzweiflung und Zukunftsängsten.
Längere Gehstrecken
seien
aufgrund der subjektiven muskulären Schwäche oder das Tragen und Heben von Lasten nicht möglich. Die Gefahr erneuter dissoziativer Anfälle mit Sturzgefahr oder anderer Selbstverletzung
würden
Tätigkeiten au
s
s
chliessen
, welche ein besonderes Mass an dauerhafter Konzentration
, Übersicht und Sicherheit bei d
er Arbeitsdurchführung bis zum Ende, Zuverlässigkeit und Regelmässigkeit erforder
te
n. Arbeiten mit gefährlichen Substanzen (Verbrühung mit kochendem Wasser) oder das Führen von Maschinen
würden ausscheiden (S. 8 f. Ziff. 1.7).
Es werde davon ausgegangen
, dass eine berufliche Integration auch in geringem Umfang von wenigen Stunden in der Woche, beispielsweise auf dem geschützten Arbeitsmarkt
,
den Krankheitsverlauf trotz weiterhin bestehender Einschränkung positiv beeinflussen
könne (S. 11 Ziff. 1.9).
Seit dem 2
1.
August
2014
sei
die Beschwerdeführerin aufgrund der beschriebenen psychi
sch
en und geistigen Einschränkungen zu 100
% arbeitsunfähig. Aufgrund der Verbrühungen infolge Sturzgeschehen im Rahmen eines dissoziativen Anfalls
im
Dezember 2013 mit notwendiger chirurgischer Folgebehandlungen
sei
die Arbeitsfähigkeit auch aufgrund körperlicher Einschränkungen gemindert
ge
wesen (S. 11 Ziff. 1.8)
.
3.
18
Dr.
F._
,
RAD
(vgl. vorstehend E. 3.5),
führte mit Stellungnahme vom 9.
Februar 2017 (Urk. 11/117/5-6)
bezugnehmend auf den Bericht der Ärzte der
D._
vom
7.
November 2016
(vgl. vorstehend 3.
17
)
und den Bericht der Klinik
K._
von Juni 2016 (vorstehend E. 3.14)
aus
,
im Vergleich zum interdis
zipli
nä
ren Gutachten vom 2
6.
Januar 2015 könne der Gesundheitszustand (trotz ge
wissen Erfolgen durch die EKT) bisher nicht als eindeutig gebessert beurteilt werden.
Die Ergebnisse des Gutachtens seien weiter nachvollziehbar (S. 2).
3.
19
Die Fachexpertin
der Beschwerdegegnerin
L._
nahm am
1
7.
Februar 2017 (Urk. 11/117/6-8)
unter dem Titel
«
Ressourcenprüfung
(nach
Standardindi
kato
ren)
»
Stellung und
hielt
unter anderem
fest, die therapeutischen Optionen seien noch nicht ausgeschöpft. Deutliche Verbesserungen des Gesundheitszustandes hätten im Verlauf beobachtet werden können. Eine Therapieresistenz sei daher zu verneinen. Psychosoziale Belastungsfaktoren wie auch eine verzerrte Wahrneh
mung der Beschwerdeführerin
ihrer
Beeinträchtigungen
lägen
vor
(S. 3)
.
3.
20
Die Beschwerdegegnerin führte am
3.
Mai 2015
(richtig: 2017)
eine Abklärung vor Ort für eine
Hilflosenentschädigung
durch (Urk.
11/104
S. 1 oben). Die Abklä
rungsperson
führte
im Bericht vom
9.
Mai 2017
(
Urk.
11/104
)
aus, die Abklä
rungen vor Ort hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin bei den üblichen Lebensverrichtungen wie zum Beispiel Aufstehen, Ankleiden, Körperpflege, Not
durft etc. selbständig sei. Der Bedarf einer lebenspraktischen Begleitung könne hingegen bejaht werden. Die Voraussetzungen der Regelmässigkeit an Unter
stützung und Begleitung im Alltag könn
ten
wegen der psychischen Verfassung als ausgewiesen erachtet werden (S. 6).
Die Beschwerdeführerin könne sich
mangels Antrieb und Körperkraft
nicht an den Hausarbeiten beteiligen, sie sei vollständig auf die Übernahme der anfallenden Hausarbeiten durch die Schwie
germutter angewiesen. Die Administration erledige der Ehemann.
Auf sämtlichen Wegstrecken ausserhalb der Wohnung werde die Beschwerdeführerin begleitet und sie müsse motiviert werden. Termine könne sie nicht selbständig abmachen und einhalten. Es sei ihr nicht möglich, Einkäufe zu tätigen. In die Kauf
ent
scheidungen sei sie nicht involviert. Sie habe auch keine Lust zu telefonischen Kontakten mit ihren Eltern in Serbien, ihr Ehemann müsse ihnen über ihren Gesundheitszustand Auskunft geben
(S. 5)
.
3.
21
Die Fachexpertin
L._
führte am 2
1.
Juli 2017 betreffend Standard
indi
katoren aus, nach einer Gesamtwürdigung aller Einschränkungen und
Ressourcen sei es der Beschwerdeführerin trotz ihrer Beschwerden zumutbar, einer Erwerbs
tätigkeit nachzugehen. Es liege kein invalidenversicherungs-relevantes psychi
sches Leiden vor, da keine Therapieresistenz ausgewiesen sei. Gesondert sei der
Beschwerdeführerin eine Schadenminderungspflicht aufzuerlegen
(Urk. 11/117
/10)
.
3.
22
Die Ärztinnen der
D._
nannten mit Bericht vom 1
7.
Oktober 2017
(
Urk. 11/110
)
folgende Diagnosen (S. 2):
-
andauernde Persönlichkeitsveränderung nach psychischer Krankheit (ICD-10 F62.1)
-
schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F32.3)
-
dissoziative
Fugue
(ICD-10 F44.1)
Trotz Ausschöpfung aller evidenzbasierter Massnahmen zur Behandlung der schweren depressiven Symptomatik inklusive Lithiumtherapie und
EKT’s
habe sich der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zunehmend verschlechtert. Zudem hätten die dissoziativen Zustände an Intensivität und Häufigkeit zugenommen. Die Beschwerdeführerin berichte, das sie sich an ört
liche und zeitliche Abläufe während eines solchen Zustandes nicht mehr erinnere. So sei sie beispielsweise alleine am Rande der Limmat gestanden und sei von einem Nachbarn angehalten worden. An die Situation wie sie das Haus verlassen habe, habe sie keine Erinnerungen mehr. Zu Beginn des Jahres sei sie, vermutlich ebenfalls in einem dissoziativen Zustand, nach Zürich gefahren und habe dabei in einem Geschäft einen Gegenstand eingepackt und habe aufgrund dessen eine Anzeige wegen Diebstahl erhalten. An dieses Ereignis könne sie sich ebenfalls kaum erinnern. Im Anschluss habe sie sich in stationäre Behandlung des
Zentrums
M._
begeben. Eine Besserung der Symp
tomatik habe nicht erreicht werden können (S. 1 f.).
Seit mind
estens zwei
Jahren besteh
e
eine erhebliche Veränderung in der Wahr
nehmung (optische und akustis
c
he Hallu
zinationen), in der Beziehung («
alle meid
en sie, niemand nimmt sie ernst»
) und im Denken (sie w
e
rd
e
von massiven Schuld- und Schamgefühlen geplagt). Zudem ziehe sie sich seit Jahren voll
ständig zurück, an einem Familienalltag nehme sie seit Jahren nicht mehr teil und verbringe die meiste Zeit im Bett. Freizeitaktivität
en
gehe sie ebenfalls nicht nach. Aufgrund der immer wiederkehrenden Schmerzen
begebe
sie sich mehrfach im Monat in haus
ärztlic
he
Behandlung. Auch ihr
Umfeld
sei
durch die Erkran
kungen der
Beschwerdeführerin stark belastet und massl
os überfordert. Aus psy
chiatrischer Sicht verschlechter
te
n die oben aufgeführten Diagnosen die Prognose deutlich und
seien
nicht überwindbar. Aktuell
sei
die
Beschwerdeführerin
auf
grund des niedrigen Funktionsniveaus ebenfalls nicht in der Lage an einem tages
klinischen Programm teilzunehmen. Perspektivisch
könne
dadurch
gegebenen
falls
nur die Lebensqualität verbessert werden. Wie bereits im Austrittsbericht vom Sommer 2016 beschrieben
,
könne
die
Beschwerdeführerin
weder die Rolle als Mutter noch als Hausfrau erfüllen. Sie
sei
auf jegliche Hilfe aus ihrem Umfeld angewiesen
(S. 2)
.
3.
23
Dr.
A._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie
,
D._
,
führte mit Bericht vom
1
6.
Mai 2018 (Urk. 3)
nach Verfügungserlass
aus, die Beschwerdeführerin zeige in den Gesprächen, die alle zwei Wochen stattfänden, grosse Konzentrationsdefizite. In der Regel müsse das Gespräch aus diesen Gründen nach zwanzig Minuten abgebrochen werden. Schnell komme es zu einer kognitiven und emotionalen Überforderung, so dass sie das Behandlungszimmer abrupt verlassen müsse.
Ein tagesklinisches Setting sei nicht zumutbar.
Seit dem letzten stationären Klinikaufenthalt
über mehrere Monate im Jahr
2016 habe sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin deutlich verschlech
tert. Trotz leitliniengerechter multimodaler Behandlung inklusive EKT und Lithi
umtherapie einer Depression habe keine Besserung erzielt werden können. Es deute also eher darauf hin, dass es sich um eine andauernde Persönlich
keitsveränderung handle
(S. 2)
.
Die passive, kraftlose, immer wieder mit Schmerzen und Schwindel geplagte Be
schwerdeführerin werde auch nicht durch eine intensive Behandlung den Zustand
erreichen, wieder arbeiten zu gehen. Bestenfalls könne nur noch die basale Leben
s
qualität durch eine Therapie im häuslichen Umfeld verbessert werden (S. 2).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte das Vorliegen eines invalidisierenden Gesund
heitsschadens unter Hinweis darauf,
dass keine gesundheitliche Beeinträchtigung vorliege, welche eine erhebliche und langandauernde Einschränkung der Arbeits
fähigkeit zur Folge habe
. W
ährend den Klinikaufenthalten habe jeweils eine deutliche Verbesserung der gesundheitlichen Situation erzielt werden können und
es
könne darauf geschlossen werden, dass die intensive Behandlung und Therapie durchaus Erfolg bringen würde (vorstehend E. 2.1)
.
Dabei stützte sie sich auf die Beurteilung der Fachexpertin vom
1
7.
Februar 2017
(vorstehend E. 3.
19
) und vom
2
1.
Juli 2017 (vorstehend E.
3.
21
).
4.
2
Das
E._
-
Gutachten vom
2
6.
Januar 2015
erfüllt die formalen Beweiswert-Anforderungen (vorstehend E. 1.6) ohne weiteres, ist es doch für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt auch die geklagten Beschwerden und wurde in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben.
Darüber hinaus leuchtet es auch in der Darlegung der medizinischen Zusammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nach
vollziehbar begründete Schlussfolgerungen, so dass darauf abgestellt werden kann.
4.3
A
ufgrund
der medizinischen Akten steht vorliegend ein psychisches Leiden der Beschwerdeführerin im Vordergrund
. So
erachteten
d
ie Gutachter der
E._
in ihrem
polydisziplinäre
n
Gutachten
vom
2
6.
Januar 2015 (
Urk.
11/28)
a
us neurologischer Sicht die
im Januar 2014
operativ versorgte
arteriovenöse
Malformation im
Gyrus
frontalis
medius
rechts sowie das kleine inzidentelle
Meningeom
rechtsparietal klinisch
als
ohne Relevanz.
Im Rahmen der internistischen Untersuchung stellte die Beschwe
r
deführerin ihre rheumatologischen, neurologischen und psychiatrischen Prob
leme in den Vordergrund.
Aus rheumatologischer Sicht
wurde mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
ein g
eneralisiertes
myofasziales
Schmerzsyndrom ohne neurologische Ausfälle (Differentialdiagnose Fibromyalgie
) diagnostiziert. Es
konnte
lediglich eine leichtgradige,
dekonditionierungsbedingte
Reduktion der allgemeinen Leistungsfähigkeit begründet werden
.
Aufgrund dessen wurde
a
us rheumatologischer Sicht
f
ür die bisherige Tätigkeit als Pflegehelferin
eine 70%ige und für eine näher umschriebene angepasste Tätigkeit eine 80%ige Arbeits
fähigkeit attestiert
.
Die Verlaufskontrollen h
insichtlich der AVM und des kleinen
Meningeomes
im Oktober 2015 und Dezember 2015 waren unauffällig (vor
stehend E. 3.8 f., E. 3.12).
Im Juni 2016 wurden
erstmals
dissoziative Anfälle diagnostiziert. Die Arbeitsfähigkeit wurde aus
epileptologischer
Sicht als nicht eingeschränkt beurteilt (vorstehend E. 3.14).
Im
E._
-Gutachten wurde in psychischer Hinsicht
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
eine r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10 F33.2)
diagnostiziert
.
Einer somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) massen
d
ie
Gutachter
keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu.
Sie beurteilten die Beschwerdeführerin in der angestammten als auch in einer
angepassten Tätigkeit als vollständig arbeitsunfähig, dies
seit 9. September 20
1
3.
Zudem hielten sie fest, d
ie Prognose sei grundsätzlich positiv, da mit einer wesentlichen Besserung der depressiven Symptomatik und damit auch mit einer verbundenen Besserung des
myofaszialen
Schmerzsyndroms binnen eines Zeit
raums von 12 Monaten ausgegangen werden könne.
RAD-Arzt
Dr.
F._
empfahl im Januar 2015, auf das Gutachten abzustellen (vgl. vorstehend E. 3.5) und hielt im Februar 2017 fest, die Ergebnisse des Gut
achtens seien weiterhin nachvollziehbar (vorstehend E. 3.18). Somit
ging
er
ebenfalls von einer vollständigen Arbeitsunfähigk
eit der Beschwerdeführerin aus.
4.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
lidi
tätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
4.5
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderung eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im konkreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten – allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung anhand der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 5.2.2 und 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
4.
6
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
4
.
7
Das Gutachten datiert vom
2
6.
Januar 2015
und damit aus der Zeit, bevor mit BGE 141 V 281 das strukturierte Beweisverfahren eingeführt wurde. Es ist nicht umfassend und detailliert auf die massgeblichen normativen Vorgaben ausge
richtet. Deshalb kommt die spezifische übergangsrechtliche Rechtsprechung zum Tragen, wonach das kantonale Gericht zu prüfen hat, ob die vorhandenen Akten eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgebenden Indikatoren erlauben (vgl. vorstehend E. 4.
5
; Urteil des Bundesgerichts 8C_154/2018 vom 1
3.
Dezem
ber 2018).
4.
8
4.
8
.1
Zum ersten Indikator («Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symp
tome») des Komplexes der «Gesundheitsschädigung» ist festzuhalten, dass im
psychiatrischen Teilgutachten
eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig
schwere Episode (ICD-10 F33.2) und eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
diagnostiziert wurden
.
In dem im
Rahmen der psychiatrischen Exploration
erhobenen
psychopa
tholo
gischen Befund dominiert
e
eine schwere depressive Symptomatik. Die Stimmung
war
durchgehend depressiv, die emotionale Auslenkbarkeit aufgehoben, Antrieb und Psychomotorik
waren
in hohem Masse gestört. Inhaltliche oder formale Denkstörungen
kamen
dabei nicht zur Darstellung, gedanklich fixiert
war
die
Beschwerdeführerin
unter anderem auch auf ihre chronischen therapieresistenten Schmerzen des Bewegungsapparats. Subjektiv
hat
sie keine wesentlichen Fort
schritte durch die letzte stationäre Behandlung zu berichten
vermögen
, auch fremdanamnestisch
wurde
vom Ehemann keine tragfähige Besserung der emo
tionalen Be
l
astbarkeit geschildert
(vgl. Urk. 11/28/1-48 S. 39)
.
Die Fachpersonen der K
linik
G._
führten über einen stationären Auf
enthalt der Beschw
erdeführerin vom 20. Mai bis 2.
Juli 2015 aus, dass die Be
schwerdeführerin an folgenden psychischen Einschränkungen
leide: Konzen
tra
tionsstörung, Vergesslichkeit, geringe Belastbarkeit, rasche Überforderung, un
spe
zifische Angstzustände, chronische Schmerzwahrnehmung, Durchschlaf
stö
rung, geringe Frustrationstoleranz, Kraftlosigkeit, Gereiztheit. Die Beschwerde
führerin sei nicht in der Lage, ihren Alltag selbständig zu bewältigen (vorstehend E. 3.6).
Im September 2015 hielt der Hausarzt der Beschwerdeführerin fest,
die Be
schwerdeführerin sei müde, kraftlos, könne am Tag überhaupt nichts anfangen. Sie freue sich auf nichts und habe immer wieder Suizidgedanken, jedoch keine suizidalen Pläne. Es bestehe eine massive Enttäuschung über die bisherigen miss
lungenen th
erapeutischen Massnahmen (vorstehend E. 3.7).
Im November 2015 wurde weiterhin eine
rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig schwere Episode
ohne psychotische Symptome
(ICD-10 F33.2) und eine
chronische
Schmerzstörung
mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10 F45.4
1
)
diagnostiziert.
Die Beschwerdeführerin leide an Schmerzbe
schwerden, Affektstörung, Antriebsstörung, Konzentra
tionsstörungen, Schlafstö
rungen (vorstehend E. 3.10).
Im Oktober 2016 berichteten die Ärzte der
D._
über eine progrediente depr
essive Zustandsverschlechterung
über die letzten vier Wochen, vor allem mit Zunahme visueller und akustischer Halluzinationen.
Sie diagnostizierten nunmehr
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3), einen Verdacht auf dissoziative An
fälle (ICD-10 F44.5) sowie ein chronisches
myofasciales
Schmerzsyndrom mit somatischen und psychischen Faktoren bei leichter Kiefergelenksarthrose rechts und Bruxismus (Erstdiagnose März 2013), Differentialdiagnose Fibromyalgie (ICD-10 F45.41). Während des stationären Aufenthaltes sei die depressive Symp
tomatik nach Fremdbeurteilung deutlich rückläufig gewesen (vorstehend E. 3.16).
Die Ärzte der
D._
hielten aber gleichzeitig fest, die Beurteilung des weiteren Krankheitsverlaufes verbleibe kritisch zu beurteilen (vorstehend E. 3.17).
Im Mai 2017 bejahte die Beschwerdegegnerin im Rahmen einer Abklärung vor Ort für eine
Hilflosenentschädigung
den Bedarf einer lebenspraktischen Beglei
tung. Die Voraussetzungen der Regelmässigkeit an Unterstützung und Begleitung im Alltag konnten wegen der psychischen Verfassung als ausgewiesen erachtet werden (vorstehend E. 3.20).
Im Oktober 2017 diagnostizierten die Ärztinnen der
D._
nebst einer schwere
n
depressive
n
Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F32.3) neu eine an
dauernde Persönlichkeitsveränderung nach psychischer Krankheit (ICD-10 F62.1) und eine dissoziative
Fugue
(ICD-10 F44.1). Trotz Ausschöpfung aller evidenz
basierter Massnahmen zur Behandlung der schweren depressiven Symptomatik inklusive Lithiumtherapie und
EKT’s
habe sich der psychische Gesundheits
zu
stand der Beschwerdeführerin zunehmend verschlechtert. Zudem hätten die disso
ziativen Zustände an Intensivität und Häufigkeit zugenommen. Seit min
destens zwei Jahren bestehe eine erhebliche Veränderung in der Wahrnehmung (optische und akustische Halluzinationen), in der Beziehung («alle meiden sie, niemand nimmt sie ernst») und im Denken (sie w
e
rd
e
von massiven Schuld- und Schamgefühlen geplagt). Zudem ziehe sie sich seit Jahren vollständig zurück, an einem Familienalltag nehme sie seit Jahren nicht mehr teil und verbringe die meiste Zeit im Bett. Freizeitaktivität
en
gehe sie ebenfalls nicht nach (vorstehend E. 3.22).
Die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde erweist sich
nach dem Gesagten
als erheblich
.
4.8
.2
Zum zweiten Indikator («Behandlungserfolg oder -resistenz
»)
ist festzuhalten
, dass
die
E._
-Gutachter die Fortsetzung der engmaschigen psychiatrisch-psy
cho
therapeutischen Behandlung
empfahlen
und auch eine nochmalige stationäre Behandlung für überlegenswert hielt
en (
Urk. 11/28/1-48 S. 17
). Nach der Begut
achtung liess sich die Beschwerdeführerin ambulant in der
D._
behandeln (vgl.
E. 3.10, E. 3.15, E. 3.23). Zudem nahm sie mehrere stationäre Behandlungen wahr
:
von
Mai bis Juli 2015 in der K
linik
G._
(vorstehend E. 3.6), im April 2016 und von Juni bis September 2016 in der
D._
(vorstehend E. 3.15 f.). Vor der Begutachtung war sie bereits zwei Mal stationär
in Behandlung
, so von März bis April 2014 in der
K
linik
C._
(vorstehend E. 3.2) und von August bis Oktober 2014 in der
D._
(vorstehend E. 3.3). Aus den Akten ist ersichtlich, dass
die Beschwerdeführerin auch eine Elektrokonvulsionstherapie wahrnahm (E. 3.17) und die Dosierung der Medikation dauernd angepasst wurde.
Die Beschwerdegegnerin hat es entgegen der Empfehlung im
E._
-Gutachten (
vorstehend E. 3.4
) unterlassen, ein Verlaufsgutachten nach 12 Monaten einzu
holen. Aus
den
Beurteilungen
der behandelnden Fachärzte
geht hervor, dass sich trotz allen Bemühungen der
psychische Gesundheitszustand de
r
Beschwerde
führer
in nicht langandauernd verbessern liess.
Im Gegenteil, legten die Ärztinnen der
D._
dar, dass sich trotz Ausschöpfung aller evidenzbasierter Massnahmen
zur Behandlung der schweren depressiven
Symptomatik
inklusive Lithium
thera
pie und
EKT’s
der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zuneh
mend verschlechtert hat (vgl. vorstehend E. 3.22).
Während den stationären Aufenthalten konnte zwar jeweils e
in gewisser Erfolg beobachtet werden
(vgl. vorstehend E. 3.2, E. 3.3, E. 3.6, E. 3.16 f.)
, indes hielt
dieser nie längerfristig an. Die Prognose der
E._
-Gutachter
(vgl. vorstehend E. 4.3)
hat sich trotz Ausschöpfung der angezeigten Therapien nicht bewahrheitet.
Die Beschwerdegegnerin
hielt die
Beschwerdeführerin
unter Hinweis auf ihre Mit
wirkungspflicht an, sich in einer Tagesklinik behandeln zu lassen
(Urk. 11/105).
Die behandelnde Psychiaterin legte nachvollziehbar dar, weshalb ein tages
klinisches Setting nicht sinnvoll
sei
(vgl. vorstehend E.
3.23
).
4.
8
.
3
In Bezug auf den Indikator «Komorbiditäten» ist anzumerken, dass
im
E._
-Gutachten
aus
rheumatologischer
und neurologischer Sicht verschiedene Beein
trächtigungen diagnostiziert wurden.
Einzig dem
generalisierte
n
myofasziale
n
Schmerzsyndrom ohne neurologische Ausfälle (Differentialdiagnose Fibromyal
gie
) wurde
e
in Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zugesprochen.
Aufgrund eine
r
leichtgradige
n
,
dekonditionierungsbedingte
n
Reduktion der allgemeinen Leis
tungs
fähigkeit wurde für die bisherige Tätigkeit als Pflegehelferin eine 70%ige und für eine näher umschriebene angepasste Tätigkeit eine 80%ige Arbeits
fähig
keit attestiert.
4.
8
.4
Hinsichtlich des Komplexes «Persönl
ichkeit» ist festzuhalten, dass p
ersönliche Ressourcen im Zeitpun
kt der
E._
-Begutachtung gering
waren
.
Die Beschwer
de
führerin
lebt
zusammen mit ihrem Ehemann und e
inem Sohn und einer Tochter.
Der Ehemann arbeite
t
zu
100 % im Detailhandel (Urk. 11/104/2).
Die Beschwerdeführerin war von 2007 bis 2013
(vgl. Urk. 11/13)
als Pflegehelferin Anästhesie beim
S
pital
Z._
tätig (Kündigung im Jahr 2015, vgl. Urk. 11/38).
Sie berichtete zum Tagesablauf, sie habe grosse Schwierigkeiten auf
zu
stehen und müsse sich bald wieder hinlegen. Oftmals falle die Körperhygiene morgens aus. Wie sie sich etwas besser fühle, könne sie sich anziehen. Am frühen Morgen komme bereits die Schwiegermutter vorbei, welche sich um die beiden Kinder kümmere. Sie sei überhaupt nicht in der Lage, irgendetwas im Haushalt zu erledigen. Sämtliche Tätigkeiten würden von der Schwiegermutter über
nommen. Manchmal lese sie kurz die Zeitung, schaue auch mal TV, könne sich aber dabei kaum konzentrieren. Oftmals habe sie sogar Schwierigkeiten, mit der Familie gemeinsam zu essen, vor allem wenn die Schmerzen ausgeprägt seien, müsse sie sich zurückziehen (Urk. 11/28/1-48 S. 34).
Im Januar 2016 gab sie an
, z
u Terminen müsse sie vom Ehemann begleitet werden
, da ihr
aufgrund der Auf
regung
o
ft schwindelig werden
würde.
Es sei ihr nicht möglich, öffentliche Ver
kehrs
mittel zu benützen, da sie Panik bekomme. Sie habe einen Führerausweis, fahre jedoch seit 2013 aufgrund ihrer Ängste nicht mehr selber. Sie könne tele
fonieren, pflege allerdings nur wenige Kontakte innerhalb der Familie
(vor
stehend E. 3.13)
.
Im Mai 2017 hielt die Beschwerdegegnerin im Rahmen einer Abklärung vor Ort für eine
Hilflosenentschädigung
fest, dass die Beschwerde
führerin bei den üblichen Lebensverrichtungen wie zum Beispiel Aufstehen, Ankleiden, Körperpflege, Notdurft etc. selbständig sei. Der Bedarf einer lebens
praktischen Begleitung
bejahte sie hingegen
. Die Voraussetzungen der Regel
mässigkeit an Unterstützung und Begleitung im Alltag
erachtete sie
wegen der psychischen Verfassung als ausgewiesen (vorstehend E. 3.20).
Im Oktober 2017 wurde ausgeführt, die Beschwerdeführerin
ziehe sie sich seit Jahren vollständig zurück, an einem Familienalltag nehme sie seit Jahren nicht mehr teil und verbringe die meiste Zeit im Bett. Freizeitaktivität
en
gehe sie ebenfalls nicht nach. Aufgrund der immer wiederkehrenden Schmerzen begebe sie sich mehrfach im Monat in hausärztliche Behandlung. Auch ihr Umfeld sei durch die Erkrankungen der Beschwerdeführerin stark belastet und masslos überfordert
(vorstehend E. 3.22)
.
Die Beschwerdeführerin nimmt die Unterstützung durch eine psychia
trische Spitex-Begleitung in Anspruch (vgl. Urk. 11/104/2).
Im sozialen Kontext bestehen einige Belastungen: Genannt wurden der Tod des
Grossvaters
im Jahr 201
3
,
die fehlende Tagesstruktur nach Verlust der Arbeits
stelle im Spital, finanzielle Belastungen, welche auch die Beziehung zum Ehe
mann zusätzlich belaste und der völlige Verlust der Rolle als Mu
tt
er und Hausfrau in Verdrängung
durch die
Schwiegermutter
(vorstehend E. 3.16)
.
4.
8
.5
Zu prüfen ist weiter die – beweisrechtlich entscheidende - Kategorie der «Konsi
stenz». Hinsichtlich des Gesichtspunkts der gleichmässigen Einschränkungen des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen ist festzuhalten, dass
die Beschwerdeführerin ihre berufliche Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, sie nicht mehr in der Lage ist den Haushalt zu führen und ihre Rolle als Mutter wahrzunehmen und Freizeitaktivitäten bzw. die Pflege von Hobbies nicht statt
finden
. Soziale Kontakte werden ausserhalb der Familie keine gepflegt. Daraus ergibt sich eine gleichmässige Einschränkung des
Aktivitä
ten
niveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen.
Hinsichtlich des Gesichtspunkts des behandlungs- und eingliederungsanam
nes
tisch ausgewiesenen Leidensdrucks ist schliesslich festzuhalten, dass sich
die
Beschwerdeführer
in
seit
Dezember 2013 (vgl. Urk. 11/28/60)
mit einigen Unter
brü
chen in ambulanter psychotherapeutischer Behandlung befindet und eine
Psy
cho
pharmakotherapie
erhält. Zudem wurde
sie
wiederholt
stationär behandelt
(vorstehend E. 4.
8
.2). Demnach ist von einem grossen Leidensdruck der Be
schwer
de
führerin
auszugehen.
4.
9
Zusammenfassend
erlauben
das
E._
-Gutachten
und
die vorhandenen Akten eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgebenden Indikatoren
. D
ie Prüfung der einzelnen Indikatoren
führt
zum Schluss,
dass
die diagnostizierten Leiden eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit und in einer ange
passten Tätigkeit bewirken
.
Es steht somit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass
die
Beschwerdeführer
in
die angestammte Tätigkeit als
Pflegehelferin
sowie eine angepasste Tätigkeit seit
September 2013
nicht mehr a
usüben kann (vgl. vorstehend E. 3.4
).
Nach dem Gesagten erweist sich der Standpunkt der Beschwerdegegnerin, wo
na
ch während den Klinikaufenthalten jeweils eine deutliche Verbesserung der ge
sund
heitlichen Situation habe erzielt werden können und
darau
s
geschlossen werden könne, dass die intensive Behandlung und Therapie durchaus Erfolg bringen würde (vorstehend E. 2.1), der sich auf die von der als solche bezeichnete
n
Fach
expertin abgegebenen nichtfachärztlichen Beurteilung
(vgl. vorstehend E. 3.19, E. 3.21)
stützt, als nicht nachvollziehbar. Die von der Beschwerdegegnerin ange
führten Gründe, einen Rentenanspruch zu verneinen, erweisen sich somit als nich
t stichhaltig.
4.
10
Der
medizinische Sachverhalt
ist
dahingehend als erstellt zu betrachten, dass
der
Beschwerdeführer
in
seit September 201
3
weder die angestammte noch eine ange
passte Tätigkeit zumutbar ist.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin war vor ihrer Erkrankung bei einem Beschäftigungsgrad von 100
%
am
S
pital
Z._
als Pflegehelferin tätig.
Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen
der gesundheitlichen
Einschränkungen vorzunehmen.
5
.
2
Ein Rentenanspruch entsteht gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG unter anderem erst bei einer während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch bestehenden Arbeitsunfähigkeit von durchschnittlich mindestens 40
%
(vgl. vorstehend E. 1.2), frühestens jedoch sechs Monate nach Geltendmachung des Anspruchs (
Art.
29
Abs.
1 IVG; vgl. vorstehend E. 1.3).
Die
Beschwerdeführer
in
ist seit September 201
3
nicht mehr arbeitsfähig
(vorstehend E. 4.9
), weshalb die einjährige Warte
frist per dann zu laufen begann und Ende August 201
4
endete. Nachdem sich
die
Beschwerdeführer
in
am
2
6.
Februar 2014 (
Urk.
11/1)
bei der Beschwerdegegnerin zum L
eistungsbezug angemeldet hatte (Eingang bei der Beschwerdegegnerin am
3.
März 2014, vgl. Aktenverzeichnis zu Urk. 11/1)
, ist der frühestmögliche Ren
ten
beginn im
September
201
4
.
Somit hat
die
Beschwerdeführer
in
ab dem
1.
September
201
4
Anspruch auf eine ganze Rente
der Invalidenversicherung
.
6.
6.1
Art. 37
der
Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV)
sieht drei Hilflosig
keitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
e.
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV ange
wiesen ist.
6.2
Nach
Art.
38
Abs.
1 IVV liegt ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sinne von
Art.
42
Abs.
3 IVG vor, wenn eine volljährige versicherte Person ausser
halb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit:
a.
ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen kann;
b.
für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist; oder
c.
ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.
Ist lediglich die psychische Gesundheit beeinträchtigt, so muss für die Annahme einer Hilflosigkeit gleichzeitig ein Anspruch auf mindestens eine
Viertelsrente
bestehen (
Art.
38
Abs.
2 IVV).
Zu berücksichtigen ist nur diejenige lebenspraktische Begleitung, die regelmässig und im Zusammenhang mit den in Absatz 1 erwähnten Situationen erforderlich
ist. Nicht darunter fallen insbesondere Vertretungs- und Verwaltungstätigkeiten im
Rahmen von Massnahmen des Erwachsenenschutzes nach den Artikeln 390-398 des Zivilgesetzbuches (
Art.
38
Abs.
3 IVV).
Der Anspruch auf Berücksichtigung des Bedarfs an lebenspraktischer Begleitung ist nicht auf Menschen mit Beeinträchtigung der psychischen oder geistigen Gesundheit beschränkt. Es ist durchaus möglich, dass auch andere Behinderte einen Bedarf an lebenspraktischer Begleitung geltend machen können. Zu denken ist insbesondere an hirnverletzte Menschen (BGE 133 V 450 E. 2.2.3).
Unerheblich ist, in welcher Umgebung sich die versicherte Person – abgesehen davon, dass sie ausserhalb des Heims wohnen muss – aufhält und ob sie auf die Hilfe des Ehegatten, der Kinder oder der Eltern zählen kann (BGE 133 V 450 E.
2.2.3 und 5).
Als regelmässig im Sinne von
Art.
38
Abs.
3 Satz 1 IVV gilt die lebenspraktische Begleitung, wenn sie über eine Periode von drei Monaten gerechnet im Durch
schnitt mindestens 2 Stunden pro Woche benötigt wird (BGE 133 V 450 E. 6.2).
Die lebenspraktische Begleitung beinhaltet weder die (direkte oder indirekte) Dritthilfe bei den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen noch die Pflege noch die Überwachung. Sie stellt vielmehr ein zusätzliches und eigenständiges Institut der Hilfe dar (BGE 133 V 450 E. 9).
Das Gesetz macht den Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
nicht davon abhän
gig, ob die lebenspraktische Begleitung kostenlos erfolgt oder nicht (BGE 133 V 472 E. 5.3.2).
6.3
Gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines Leistungs
an
spruchs unter anderem Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen (vgl. auch
Rz
8131 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der IV, KSIH, gültig ab 1. Januar 2015). Nach der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit (Art. 9 ATSG) oder des Pflegebedarfs folgen
den Anforderungen zu genügen: Als Berichterstatterin oder Berichterstatter wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhält
nisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich erge
ben
den Beeinträchtigungen und
Hilfsbedürftigkeiten
hat. Bei Unklarheiten über phy
sische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie der tatbestandsmässigen Erfordernisse der dauernden Pflege und der persönlichen Überwachung und der lebenspraktischen Begleitung sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im
eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigen
den Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungs
person näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (
BGE 133 V 450 E. 11.1.1, 130 V 61 E. 6.1 f.
). Diese Grundsätze gelten entsprechend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem Gesichtspunkt der lebenspraktischen Begleitung (BGE 133 V 450 E. 11.1.1; vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_464/2015 vom 14. September 2015 E. 4) sowie unter dem Aspekt des Intensivpflegezuschlags (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_573/2018 vom 8. Januar 2019 E. 3.2).
6.4
Es liegt ein umfassender Abklärungsbericht betreffend
Hilflosenentschädigung
vom
9.
Mai 2017 bei den Akten (E. 3.20)
, der eine zuverlässige
Entscheid
grund
lage
betreffend den Anspruch der Beschwerdeführerin
auf
Hilflosenentschädi
gung
bietet (E. 6.4). Gemäss diesem Bericht ist die Beschwerdeführerin auf lebens
praktische Begleitung angewiesen, während sie bei den alltäglichen Lebensver
rich
tungen selbständig ist
.
Seit 2013 besteht ein wöchentlicher Aufwand von mehr als zwei Stunden. Ohne die regelmässige Unterstützung der psychiatrischen Spitex-Hilfe, der Schwiegermutter und des Ehemannes wäre die Beschwerde
führerin nicht in der Lage, selbständig zu wohnen. Termine und ausserhäusliche Kontakte müssen für sie organisiert werden und sie bedarf der Begleitung beim Verlassen der Wohnung (E. 3.20).
Da nur die psychische Gesundheit der Be
schwerdeführerin beeinträchtigt ist,
muss für die Annahme einer Hilflosigkeit gleichzeitig Anspruch auf mindestens eine
Viertelsrente
bestehen (
Art.
38
Abs.
2 IVV, E. 6.2).
Nachdem die Beschwerdeführerin ab
1.
September
2014 Anspruch auf eine ganze Rente
der Invalidenversicherung hat
(E. 5.2)
, ist ihr
ab diesem Datum auch eine Entschädigung für eine Hilflosigkeit leichten Grades zuzu
sprechen.
7
.
7
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf
Fr.
1’000
.-- festzusetzen und der unterliegenden
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessfüh
rung
ist damit gegenstandslos geworden.
7
.2
Nach
§
34
Abs.
1
Gesetz über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
)
und sind beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
145.-- (ohne
MWSt
) auf
Fr.
1'600.-- (inkl.
MWSt
und Auslagenersatz) festzu
setzen.