Decision ID: 7e3e4307-6ac0-437b-9c7b-e620d6000e27
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 2004 geborene
X._
ist bei der KPT Krankenkasse AG (nachfol
gend:
KPT) unter Einschluss der Unfalldeckung obligatorisch krankenpflegever
sichert (
Urk.
8/2). Mit Unfallmeldung vom
8.
September 2005 meldete ihre Mutter der
KPT, dass die
Versicherte am
5.
September 2005
vom Couchtisch auf den Parkett
boden
direkt aufs Gesicht
gefallen sei und sich dabei an der Ober
lippe, den bei
den
Schaufelzähnen und am Zahnfleisch oberhalb der Schaufeln verletzt habe
(
Urk.
8/4)
.
Der behandelnde Zahnarzt
Dr.
med.
dent
.
A._
stellte
gemäss Be
richt vom
6.
September 2005 eine Subluxation (leichte Beweg
lichkeit) der Zähne
51 und 61 fest und empfahl in therapeutischer Hinsicht die Schonung der Zähne
. Die KPT anerkannte ihre Leistungspflicht für die Folgen des Unfalls und über
nahm die Behandlungskosten (
Urk.
8/5).
1.2
Am 2
6.
Juli 2011 wurd
e der KPT eine Zahnarzt
r
echnung über
Fr.
89.90
für
eine
am 1
5.
Juli 2011 erfolgte Behandlung der Versicherten zugestellt (
Urk.
8/6). Ge
mäss Bericht von
Dr.
med.
dent
.
B._
vom 2
2.
August 2011
musste
der Zahn
61
extrahiert werden, weil der Zahn 11 als Folge des Unfalls vom
5.
September 2005 bukkal,
ektop
und retardiert
im Durchbruch
sei und durch diese Mass
nah
me
und wahrscheinlich weitere kieferorthopädische Massnahmen in den Zahnbogen eingegliedert werden müsse
(
Urk.
8/7).
Der
Vertrauenszahn
arzt
der KPT
Dr.
med.
dent
.
C._
gelangte in seiner Stellungnahme vom
2.
September 2011 nach Wür
digung der vorhandenen Unterlagen zum Schluss, dass die
Durchbruchs
störung
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom
5.
September 2005 zurückzuführen sei (
Urk.
8/8). Deshalb lehnte die KPT die Übernahme der Behandlungskosten mit Schreiben vom
5.
September 2011 ab (
Urk.
8/9).
Auch nachdem die Mutter der Versicherten
die KPT
in der Folgezeit
um
Wieder
erwägung
ihres Entscheids gebeten (
Urk.
8/8 S. 2) und
weitere zahnärztliche Stellungnahmen
des erstbehandelnden Zahnarztes
Dr.
A._
(
Urk.
8/10)
,
der
Kieferorthopädin
Dr.
med.
dent
.
D._
(
Urk.
8/11
)
sowie von
Dr.
med.
dent
.
E._
(
Urk.
8/12)
eingereicht hatte,
in
welche
n
ein
Zusammenhang
des
behandelten Zahnschadens
mit dem Unfall vom
5.
September 2005 bejaht wurde
,
hielt
der Vertrauenszahnarzt der KPT
in
s
einer weiteren Stell
ungnahme vom 2
3.
Mai 2012
an seiner Einschätzung fest
(
Urk.
8/13)
. Gestützt darauf lehnte die KPT mit Verfügung vom 2
3.
August 2012 die Übernahme der Kosten der zahn
ärztlichen Behandlung
der Durchbruchsstörung und allfälliger späterer Zahn- und
Kieferorthopädischer Massnahmen
mangels eines natürlichen Kau
salzu
sam
men
hangs zwischen dem Unfall vom
5.
September 2005
und dem
be
handelten
Zahn
schaden
ab (
Urk.
8/15
). Die von der Versicherten dagegen erho
bene Einsprache
(
Urk.
8/16)
wies die KPT mit
Einspracheentscheid
vom 3
0.
April 2013 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte, gesetzlich vertreten durch ihre Mutter und diese wiederum vertreten durch die AXA-ARAG Rechtsschutz AG,
lic
.
iur
.
Z._
,
mit Eingabe vom 2
9.
Mai 2013 Beschwerde
mit dem Antrag, es sei die
KPT
zu verpflichten, die Kosten für die Behandlung der im Juli 2011 aufgetre
te
nen
Durchbruchsstörung inklusive der notwendigen zahn- und
kieferorthopä
di
schen
Massnahmen zu übernehmen (
Urk.
1 S.
2). In der Beschwerdeantwort vom
3.
Juli 2013 schloss
die KPT auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1 Nach
Art.
31
Abs.
2 in Verbindung mit
Art.
1a
Abs.
2
lit
. b des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) übernimmt die obligatorische
Kranken
pflegeversicherung
die Kosten der Behandlung von Schäden des Kausystems, di
e
durch einen Unfall verursacht worden sind, soweit dafür keine Unfallversi
che
run
g aufkommt.
1
.2
Wie die
KPT
im angefochtenen
Einspracheentscheid
zutreffend ausgeführt hat, setzt
die Leistungspflicht eines obligatorischen Krankenversicherers für Unfall
folgen voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und den
behandlungsbedürfti
gen
Beschwerden ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (vgl.
Urk.
2 S. 4).
Rückfälle und Spätfolgen schliessen sich begrifflich an ein bestehendes
Unfall
er
eignis
an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht der Krankenversi
che
rung nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwer
den
und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen
Gesundheitsschädi
gung
ei
n natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E.
2c in
fine
).
1.3
Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände,
ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht
als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit einge
treten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Be
jahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Un
fall
die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt
, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körper
liche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Un
fall mit andern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E.
3.1, 402 E.
4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E.
1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwal
tung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglich
keit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E.
3.1, 119 V 335 E.
1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allsei
tigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
men
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a,
122 V 157 E.
1c).
Auch dem reinen Aktengutachten kann voller Beweiswert zukommen, sofern ei
n lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Be
urteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (Urteil des
Bundesgerichts 8C_540/2007 vom 2
7.
März 2008, E.
3.2 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).
2.
2.1
Die
KPT
lehnt
die Übernahme der Kosten der
Extraktion des Zahnes 61 und
all
fälliger späterer
z
ahn- und
k
ieferorthopädischer Massnahmen
mit der Begrün
dung ab, ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom
5.
Septem
ber 2005
und
der Durchbruchs
s
törung
sei nach der ü
berzeugenden
Be
urteilung ihres Vertrauenszahnarztes
Dr.
C._
nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit erstellt
.
Dr.
C._
habe aufgezeigt, dass die betroffenen Zähne
51 und 61
als Folge des
Unfall
s
keinen bleibenden S
chaden
erlitten hät
ten
.
E
in Folgeschaden wie
eine Intrusion oder apikale Ostitis
sei nicht ausge
wiesen, da ein solcher
zweifellos Schmerzen verursacht
hätte
.
Sodann
müsse berücksichtigt werden, dass eine ganze Reihe anderer, unfallfremder Ursachen für die
Durch
bruch
s
störung
in Frage kämen
, und unfallfremde
Durchbruchsver
zögerungen
oder
retinierte
Milchzähne nichts
aussergewöhnliches
seien (
Urk.
2
,
Urk.
7
)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin lässt dagegen vorbringen,
die Durchbruchs
s
törung sei eine
Spätfolge des Unfallereignisses vom
5.
September 200
5.
Sie habe der KPT Be
richte mehrerer Zahnärzte eingereicht, welche alle
mit medizinisch fundierter Begründung
zum Schluss gelangt seien, dass zwischen der im Juli 2011 festge
stellten Durchbruchsstörung und dem Unfallereignis ein natürlicher Kausalzu
sammenhang bestehe
. Der Vertrauenszahnarzt der KPT
Dr
.
C._
,
welcher
an
de
rer Meinung
sei, habe sich nicht eingehend mit den ander
s
lautenden
zahn
ärzt
lichen
Einschätzungen auseinander gesetzt
. Zudem habe er selbst einge
räumt,
dass das Bestehen eines natürlichen Kausalzusammenhanges nicht aus
ge
schlossen
werden könne
, ein solcher aber nicht eindeutig nachweisbar sei. Das
Vorhandensein von Unfallspätfolgen müsse jedoch nicht eindeutig nachge
wie
sen
werden, sondern nur mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlich
keit. Fraglich sei deshalb auch, ob die KPT den Sachverhalt genügend abgeklärt habe.
Dr.
C._
habe sich sodann in Widersprüche verwickelt: Einer
seits habe er darauf verwiesen, dass nach dem Unfall keine Verschiebung der Zähne fest
ge
stellt worden sei, andererseits habe er gestützt auf das
Zahnscha
denformular
eine leichte Subluxation der Zähne 51 und 61 anerkannt. Bei einer
Zahnsub
luxa
tion
handle es sich aber gerade um eine Stellungsänderung des Zahns
. Schliess
lich müsse berücksichtigt werde, dass weder belegt noch wider
legt werden könne
, ob die Beschwerdeführerin in den Jahren nach dem Unfall im relevanten Be
reich Schmerzen verspürt habe. Ein 2-jähriges Kind könne sei
nen Eltern näm
lich
nicht genau mitteilen, ob und bejahendenfalls an welchem Zahn es Schmerzen habe (
Urk.
1).
3.
3.1
Der die Beschwerdeführerin nach dem Unfall vom
5.
September 2005 behan
deln
de Zahnarzt
Dr.
A._
stellte gemäss
am
6.
September 2005
ausgefülltem Formular „Zahnschäden gemäss KVG“
eine Subluxation (
Lockerung bzw.
leichte
Beweglichkeit) der Zähne 51 und 61 fest
.
I
n therapeutischer Hinsicht
empfahl er
die
Schonung der Zähne
und
wies darauf hin, dass der weitere Verlauf beo
bach
tet werden müsse
(
Urk.
8/5).
Am 1
5.
Juli 2011 extrahierte die Zahnärztin
Dr.
B._
der Beschwerdeführerin
den Zahn 61
und begründete dies auf Anfrage der KPT (
Urk.
8/6) damit, der Zahn
11
(richtig wohl: 21; vgl.
Urk.
1 S. 2,
Urk.
2 S. 6 ff.,
Urk.
8/10-11,
Urk.
8/13 S. 1)
sei als Folge des im Jahr 2005 erlittenen Unfalls bukkal
(
ba
ckenseitig
)
,
ektop
(ana
tomisch am falschen Ort gelegen)
und retardiert im Durchbruch. Die Extrak
tion sei zwecks Eingliederung des Zahns in den
Zahnbo
gen
erfolgt
(
Urk.
8/7).
Aufgrund des Studiums der ihm vorgelegten Akten verneinte
Dr.
C._
in seiner zu
Handen
der KPT abgegebenen vertrauensärztlichen Stellungnahme vom
2.
September 2011 das Bestehen eines Kausalzusammenhangs zwischen der Be
handlung von
Dr.
B._
(Extraktion des Zahnes 61) und dem Unfallereignis vom
5.
September 200
5.
Zur Begründung gab er an, es sei nicht überwiegend wahr
schein
lich, dass ein Unfall im Alter von 1,5 Jahren sechs Jahre später eine
Durch
bruchsstörung
bewirke (
Urk.
8/8).
3.2
D
er erstbehandelnde
Zahnarzt
Dr.
A._
bestätigte zu Gunsten der Beschwer
deführerin mit Stellungnahme vom 3
0.
September 2011, dass ein kausaler Zu
sammenhang zwischen dem Unfall vom
5.
September 2005 und der
Durch
bruchsstörung
des Zahnes 21 bestehe
. Beim Sturz auf den Boden im Jahr 2005
seien beide Milchfrontzähne 51 und 61 betroffen gewesen. Die damit zusam
men
hängende apikale Ostitis beim Zahn 61
habe in der Folge zu einer nicht voll
ständigen Auflösung der Milchzahnwurzel und zu einem bukkalen Durch
bruch
des Zahns 21 geführt.
Dr.
A._
legte
zur Untermauerung
seiner Stel
lung
nahme
ein Röntgenbild der betroffenen Zähne vom
9.
August 2010 bei (
Urk.
8/10).
Die behandelnde Kieferorthopädin
Dr.
D._
hielt in ihrer Stellung
nahme vom 2
1.
November 2011 fest, aufgrund ihres kieferorthopädischen
Bil
dungshintergrunds
, ihrer Erfahrung und ihrer Literaturkenntnisse könne sie be
stätigen, dass eine
traumabedingte
Zahnkeimverlagerung mit nachfolgender
Fehl
stellung
der durchgebrochenen bleibenden Zähne möglich sei.
Verlagerun
gen von
Zahnkeimen
(Entwicklungsstadium mit bereits vorhandener Zahnkrone aber noch
nicht ausgebildeter Zahnwurzel)
hätten verschiedene, nie gegenei
nander eindeu
tig abgrenzbare Ursachen: Platzmangel, Platzüberschuss, Trau
mata, raum
grei
fen
de Entzündungen, angeborene Fisteln und Spalten sowie idi
opathische Ur
sachen. Bei den
traumabedingten
Ursachen stünden Unfälle im Kleinkindalter
,
wo Stürze ausser
ordentlich häufig seien,
im Vordergrund; in späteren Jahren sei
ein Auss
ch
lagen der Milchzähne wahrscheinlicher als die Übertragung der Kraft auf die darunterlieg
enden Keime
. Die Richtung
des Auf
pralls sei für die Ver
lagerung nicht unbedingt ausschlaggebend. Ein
e Intrusion beziehungsweise ein
Einschlagen im Wortsinn, wodurch der Milchzahn zurück
in den K
nochen ge
trieben werde, verletz
e mit grosser Wahrscheinlichkeit die
s
chmelzbildenden Zellen
des Keims, worauf beim Durchbruch des bleibenden Zahns Farbflecken oder Grübchen sichtbar würden.
Anlässlich
des
Unfall
s
sei die Beschwerde
füh
rerin 1,5 Jahre alt gewesen.
Die Dentitionsentwicklung und
das abgelaufene
Zeit
intervall
sprächen mit hoher Wa
h
rscheinlichkeit für einen ursächlichen Zusam
menhang zwischen dem Unfall und dem kürzlich diagnosti
zierten Fehlstand der
oberen Frontzähne hin. Gleiches ergebe sich aus dem Un
fallhergang, der zu einem kräftigen Schlag in einem Kraftvektor von unten vorne geführt habe und
des
halb eine Ablenkung der Keime als wahrscheinlich erscheinen lasse (
Urk.
8/11).
Dr.
E._
,
beratender Arzt der AXA-ARAG Rechtsschutz AG, nahm im Auf
trag
der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin am
2.
Mai 2012 zur Kausali
tät der Durchbruchsstörung Stellung und
hielt fest, nach Unfallereignissen wie demje
ni
gen vom
5.
September 2005 könne es zu Durchbruchsstörungen und Beschädi
gungen des Zahnkeimes des bleibenden Zahnes kommen. Als andere,
unfall
fremde
Ursache könne ein entzündlicher Prozess nach einer Gangrän des Milch
zahnes ebenfalls zur Durchbruchsstörung geführt haben, diese Möglichkeit
und andere unfallfremde Ursachen
sei
en
aber weniger wahrscheinlich als die Verur
sachung durch den Unfall vom
5.
September 200
5.
Nach Rücksprache mit zwei Kieferorthopäden handle es sich seines Erachtens um einen typischen Be
fund nach Intrusion
(Einschlagen in den Knochen)
eines
Milchinzisiven
, welcher oft mit einer Fistelbildung einhergehe. Deshalb sei die zur Diskussion stehende
Fol
gebehandlung
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom
5.
September 2005 zurückzuführen. Auch der Symmetrievergleich zum Durch
bruch des Zahnes 11 stütze diese Beurteilung. Da die eine derartige Kau
salität der
Durchbruchsstörung verneinende Stellungnahme von
Dr.
C._
vom
2.
Septem
ber
2011 keine Begründung enthalte, und mithin keinen eigentlichen medizi
nischen Bericht bilde, könne er dazu nicht Stellung nehmen (
Urk.
8/12
S. 1-2
).
3.3
A
uf Anfrage der KPT
(
Urk.
8/12 S.
3)
nahm der Vertrauenszahnarzt
Dr.
C._
nach
nochmaliger Würdigung der vorhandenen Akten (vgl.
Urk.
8/12
S.
3,
Urk.
8/14)
am
2
3.
Mai 2012
erneut zur Kausalität der behandelten
Durchbruchs
stö
rung
des Zahns 21 Stellung.
Hinsichtlich des Sachverhalts ging er davon aus, dass die Beschwerdeführerin anlässlich des Sturzes 18 Monate alt gewesen sei und aufgrund der Angaben auf dem Zahnschadenformular keine Verschiebung der Zähne erlitten habe; die Zähne 51 und 61 seien nach dem Unfall lediglich leicht erhöht bewegli
ch gewesen
. Weiter wies er darauf hin, in den folgenden Jahren sei keine Pathologie wie etwa eine Grauverfärbung, Fistelbildung oder Ankylose
gemeldet worden.
Dr.
C._
schloss daraus, dass die Zähne durch den Unfall keinen Schaden davongetragen hätten
.
Angesichts der Krafteinwirkung von bukkal auf den Mund wäre zu erwarten gewesen, dass der bleibende Zahn mehr
palatinal
und nicht bukkal durchgebrochen wäre, hätte der Schlag tat
sächlich zu einer Durchbruchsstörung oder Schädigung des definitiven Zahnes geführt. Durchbruchsverzögerungen
oder
retinierte
Milchzähne seien auch ohne
ein auslösendes Unfallgeschehen nichts
aussergewöhnliches
.
Es könne zwar nicht
ausgeschlossen werden, dass der Zahnschaden Folge des erlittenen Unfalls sei,
auf Grund der Sachlage
sei ein natürlicher Kausalzusammenhang aber nicht ein
deutig nachweisbar. Au
s kulanzgründen und zur Vermeid
ung weiterer admi
ni
stra
tiver Kosten empfehle er, die Kosten der Extraktion des Zahns 61
(von
Fr.
89.90
zu übernehmen (
Urk.
8/13).
4.
4.1
Au
s
den wiedergegebenen zahnärztlichen und kieferorthopädischen Stellung
nahmen
ergibt sich, dass verschiedene Ursachen für die
am
1
5.
Juli 2011
be
handelte Durchbruchsstörung des Zahns 21
in Frage kommen: Platzmangel,
Platz
überschuss
, Traumata, raumgreifende Entzündungen
(
wie die von
Dr.
A._
angeführte apikal
e
Ostitis oder die von
Dr.
E._
erwähnte Gan
grän
)
, ange
borene Fisteln und Spalten sowie idiopathische Ursachen
.
4.2
I
m Zahnschadenformular vom
6.
September
2005 wurde
lediglich eine
Subluxa
tion
(Lockerung)
der Zähne 51 und 61 vermerkt
, wobei der erstbehandelnde Zahn
arzt
Dr.
A._
auf dem Formular präzisierte, die Zähne seien leicht be
weglich
und müssten deshalb geschont werden
(
Urk.
8/5 S. 1 und 2).
Hierbei handelt es sich
entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht um eine Stellungsänderung der betroffenen Zähne
(vorstehend E. 2.2)
; eine solche hätte unter Punkt 3.2 des Zahnschadenformulars als Luxation (Verschie
bung/
Ver
la
gerung) eingeordnet werden müssen (
Urk.
8/5 S. 1 und 2).
Für das Zeitintervall zwischen der Berichterstattung im Zahnschadenformular vom
6.
September 2005 (
Urk.
8/5) und der Erstellung des Röntgenbefunds vom
9.
August 2010 (
Urk.
8/10) fehlen
echtzeitliche
zahnmedizinische
Befundbe
r
ichte
über
Brücken
symptome
, welche als Indizien für
das Bestehen eines
Kau
salzusammenhang
es zwischen dem Unfall und der im Jahr 2011 festgestellten Durchbruchsstörung
gewertet werden könnten
. Von den Parteien wird auch nicht geltend gemacht, dass solche Dokumente noch erhältlich gemacht werden könnten.
Die
Rechts
vertreterin
der Beschwer
deführerin räumt selbst ein,
sie
könne nicht nachwei
sen
,
dass die Beschwerdeführerin in zeitlicher Nähe zum Unfallereignis
in der von
Dr.
A._
im Zahnschadenformular erwähnten
Be
obachtungsphase
(
Urk.
8/5 S.
2)
unter
Schmerzen
gelitten
hätte
(vorstehend E. 2.2)
, welche auf
einen nicht direkt sichtbaren
Folgeschaden
im relevanten Be
reich
hinweisen könnten.
Die von
Dr.
A._
in seiner späteren Stellungnahme vom
3
0.
September 2011 an
geführte apikale Ostitis, welche mit dem
Unfaller
eignis
zusammen hänge und zur Durchbruchsstörung geführt habe (
Urk.
8/10),
wird von
den
anderen
be
rich
tenden
Zahn
medizinern, denen die Röntgenbilder vom
9.
August 2010 ebenfalls
vor
lagen, nicht erwähnt.
Selbst wenn
auf
den
Röntgenbildern eine solche Patho
logie sichtbar wäre, wäre damit im Übrigen noch nicht gesagt, dass die apikale
Ostitis in einem natürlichen Kausalzusam
menhang mit dem Unfallereignis stünde
,
da zwischen dem Unfalldatum und der Erstellung der Röntgenbilder ein Zeit
raum
von rund fünf Jahren liegt
.
Wie
Dr.
D._
aufgezeigt hat, können ent
zünd
liche Veränderungen
und damit auch eine apikale Ostitis
auch ohne Trauma
auftreten
(vgl. auch
Wikipe
dia, Die freie
Enzyklopedie
, http://de.wikipedia.org/
wiki/
Apikale_Parodontitis)
.
Dass
Dr.
C._
unter diesen Umständen davon aus
ging
,
der Unfall vom
6.
September 2005
habe
die betreffenden Zähne 61 und 21
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
nicht
bleibend
ge
schädigt
, ist nachvoll
ziehbar
.
4.3
Bei den Stellungnahmen von
Dr.
C._
handelt es sich zwar nur um
Aktengut
achten
, sie ergingen aber gestützt auf sämtliche damals bekannten, von den be
handelnden Ärzten erhobenen Befunde.
Dr.
D._
wies in ihrer Stel
lung
nahme vom 2
1.
November 2011 sodann ausdrücklich darauf hin, dass eine weitere bildgebende Abklärung nicht sinnvoll sei (
Urk.
8/11). Ferner leuchtet die Stellungnahme von
Dr
.
C._
vom 2
3.
Mai 2012 in der Darlegung der medizi
ni
schen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein.
Was die Beschwerdeführerin dagegen vorbringen lässt, überzeugt nicht.
Die Be
haup
tung,
Dr.
C._
habe sich nicht eingehend mit den ander
s
lautenden zahn
ärzt
lichen Einschätzungen auseinandergesetzt, trifft nicht zu,
wurden ihm doch
am 1
4.
Mai 2012 nochmals
sämtliche
Akten zur Beurteilung zugestellt (
Urk.
8/12
S.
3,
Urk.
8/14 S.
1). Zwar wählte
Dr.
C._
in seiner Stellungnahme vom 2
3.
Mai
2012 tatsächlich die Formulierung, eine natürliche Unfallkausalität sei nicht
„eindeutig“ na
chweisbar. Seine anschliessende
Empfehlung
,
„aus
Ku
lanzgrün
den
“
und zur Vermeidung weiterer administrativer Kosten die bis anhin geringen Be
handlungskosten zu übernehmen
, deuten aber klar darauf hin, dass
die
Unfall
kausalität
aus seiner Sicht nicht mit genügender Wahrscheinlichkeit ausge
wie
sen war (
Urk.
8/13)
, zumal er in seinem ersten Bericht vom
2.
September 2011 ausdrücklich von der fehlenden überwiegenden Wahrschein
lichkeit eines Ka
u
sal
zusammenhangs sprach (
Urk.
8/8).
Die Stellungnahme von
Dr
.
C._
ist
nach dem Gesagten
grundsätzlich
voll be
weiskräftig.
4.4
Zwar
widerspricht
die Beurteilung von
Dr.
C._
derjenigen mehrerer anderer
Zahn
med
iziner
. Dabei handelt
es sich aber ausnahmslos um behandelnde Ärzte (
Dr.
B._
,
Dr.
A._
,
Dr.
D._
)
oder indirekt im Auftrag der Be
schwerdeführerin berichtende Sachverständige (
Dr.
E._
).
Diesbezüglich darf die Erfahrungstatsache mitberücksichtigt werden, dass behandelnde Ärzte mit
unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (Urteil des Bundes
gerichts 8C_303/2013 vom 1
2.
Dezember 2013 mit Hinweis).
Ferner kann die abweichende Beurteilung der behandelnden Zahnmediziner
(ins
besondere von
Dr.
B._
und
Dr.
D._
)
zumindest teilweise damit er
klärt werden, dass diese aus dem Auftreten der Durchbruchsstörung des Zahns 2
1
nach dem Unfallereignis vom
5.
September 2005 auf einen Kausalzusam
men
hang
mit diesem schlossen, was aber auf die praxisgemäss zur Begründu
ng einer Kau
salität ungeeignete
Formel „
post
hoc ergo
propter
hoc“ (BGE 119 V 335) hin
aus
läuft.
Wie bereits dargelegt,
ist hinsichtlich der von
Dr.
A._
in seiner späteren St
ellungnahme vom 3
0.
September 2011 angeführten apikalen
Ostitis
als Ursa
che
der Durchbruchsstörung ein natürlicher Kausalzusammenhang mit dem Unfall
vom
5.
September 2005 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausge
wiesen
.
Dr.
D._
begründete die
Unfallkausalität
einerseits
mit dem zwischen dem Unfall und dem Auftreten der Durchbruchsstörung abgelaufenen
Zeitinter
vall
, was
für sich allein im Wesentlichen
auf einen unzulässigen „
post
hoc ergo
propter
hoc“-Schluss hinausläuft. Zum andern
schloss sie aus dem bekannten Unfallhergang,
dass
die Beschwerdeführerin einen kräftigen Schlag in einem Kraftvektor von unten vorne erlitten habe, der
den fraglichen Zahnkeim abge
lenkt habe. W
ie bereits dargelegt,
ist eine derartige Verletzung
aufgrund der ehe
r harmlosen Befunde nach dem Unfall und des Fehlens von späteren
Brü
cken
symptomen
nicht
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit ausgewiesen.
Die Argumentation von
Dr.
E._
,
es handle sich um einen typischen Befund
nach Intrusion (Einschlagen in den Knochen) eines Milchzahns
,
überzeugt schliess
lich
ebenfalls nicht, weil nach dem Unfall lediglich eine leichte Beweg
lichkeit des Zahns 61 festgestellt worden war, nicht aber eine eigentliche Intru
sion.
Soweit
Dr.
E._
auf den Symmetrievergleich mit dem Durchbruch des
Zahns 11 verweist, welcher
für einen ursächlichen Zusammenhang mit dem Un
fall
spreche,
ist
mit Blick auf
die
von den Zahnärzten b
eurteilten Röntgenbil
der
vom
9.
August 2010 (
Urk.
8/10) davon auszugehen, dass er auf die
asym
me
tri
sch
e
Entwicklung der beiden Zähne aufmerksam machen wollte
.
Da beim Unfall beide Milchzähne 51 und 61
gleichermassen
betroffen waren,
liesse sich die spätere asymmetrische
Entwicklung
aber auch als Argument
für
eine
un
fall
fremde
Ursache der
Durchbruchsstörung des Zahns 21
anführen
. Deshalb ist die Stellungnahme von
Dr.
E._
ebenfalls nicht geeignet,
wesentliche Zwei
fel an der Beurteilung von
Dr.
C._
zu wecken.
4.5
Gesamthaft betrachtet steht aufgrund der Akten fest, dass ein natürlicher
Z
u
sammenhang zwischen dem Unfall vom
5.
September 2005 und der am 1
5.
Juli 2011 behandelten Durchbruchsstörung des Zahns 21 zwar möglicher
weise be
steht,
ein solcher Kausalzusammenhang aber nicht mit dem erforderli
chen
B
e
weis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen ist.
Ebenso wahr
scheinlich ist eine Verursachung der Durchbruchsstörung durch ein
unfall
fremdes
Geschehen
.
Von weiteren Abklärungen sind keine relevanten Er
kenntnisse zu erwarten. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.