Decision ID: 373c46f9-9c14-45ce-8895-171e28047d79
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1994
, ist deutsche Staatsangehörige mit Wohnsitz in der Schweiz
(vgl. Urk. 6/4/1)
.
Sie
ersuchte am
17. April 2020
um Befreiung von der Kr
ankenversicherungspflicht (Urk. 6/2/1
). Mit Verfügung vom
4. Mai 2021 (Urk. 6/6/6)
wies die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich (nachfolgend: Gesundheitsdirektion) das Gesuch ab. Die dagegen am
25. Mai 2021 (Urk. 6/9
) erhobene Einsprache wies die Gesundheitsdirektion mit Entscheid vom
15. Februar 2022 ab (Urk. 6/15 = Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 15. Februar 2022 (Urk. 2) erhob
X._
am 8. März 2022 Beschwerde und beantragte die Befreiung von der Ver
sicherungspflicht in der Schweiz (Urk. 1).
Die Gesundheitsdirektion beantragte in der Beschwerdeantwort vom 21. April 2022 (Urk. 5) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 26. April 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdeführerin ist deutsche Staatsangehörige und lebt seit
Dezember
2019 als
Studentin in der Schweiz (Urk. 6/4/1
). Der vorliegende Streit betrifft eine sozialversicherungsrechtliche Frage. Zu prüfen ist deshalb zunächst, ob ein Sach
verhalt vorliegt, der vom Personenfreizügig
keitsabkommen (Abkommen vom 21.
Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Frei
zügigkeit [FZA; SR 0.142.112.681]) erfasst ist.
1.2
Nach
Art.
1
Abs.
1
des auf der Grundlage des Art.
8 des FZA ausgearbeiteten und Bestandtei
l des Abkommens bildenden (Art.
15 FZA) Anhangs II («Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit») des FZA in Verbindung mit Abschnitt A dieses Anhangs wenden die Vertragsparteien untereinander insbe
sondere die Ver
ordnung (EG) Nr.
883/2004 des Europäischen P
arlaments und des Rates vom 29.
April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (kurz: VO 883/2004; SR 0.831.109.268
.1) und die Verordnung (EG) Nr.
987/2009 (kurz: VO 987/2009; SR 0.831.109.268.11) des Europäischen Parlaments und des Rates vom
16.
September 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durchführung der VO 883/2004 oder gleichwertige Vorschriften an.
1.3
1.3.1
Die beiden genannten gemeinschaftsrechtlichen Verordnungen sind für die
Schweiz durch den Beschluss Nr.
1/2012 des Gemischten Ausschusses vom 31.
März 2012 zur Ersetzung des Anhangs II des Abkommens über die Koordinierung der Systeme
der sozialen Sicherheit per 1.
April 2012 in Kraft getreten (AS 2012 2345; vgl. Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_455/2011 vom 4. Mai 2012 E.
2.1) be
ziehungsweise mit Beschluss Nr.
1/2014 des Gemischten Aus
schusses zur Änderung von Anhang II dieses Abkommens über die Koordinierung der Systeme
der sozialen Sicherheit vom 28.
November 2014 (AS 2015 333 345) abgeändert worden und in zeitlicher Hinsicht auf den vorliegenden Fall anwend
bar (vgl. auch BGE 144 V 127 E.
4.1-4.2 mit weiteren Hinweisen).
1.3.2
In persönlicher Hinsicht sind das FZA beziehungsweise die
darin als anwendbar erklärte VO
883/2004 anwendbar, da die Beschwerdeführerin Staatsangehörige der B
undesrepublik Deutschland (Urk. 6/2/1; Urk. 6/4/1
) und damit Staats
an
gehörige eines Mitgliedstaates ist, für welche die Rechtsvorschriften eines oder mehrer
er Mitgliedstaaten gelten (Art. 1 FZA, Art. 2 Abs.
1 VO 883/2004, Stand
1.
Januar 2015).
1.3.3
In sachlicher Hinsicht sind das FZA und die VO 883/2004 ebenfalls anwendbar, da Leistungen
bei Krankheit im Sinne von Art. 3 Abs.
1
lit
. a der Verordnung VO 883/2004 zur Diskussion stehen.
2
.
2.1
Gestützt auf
das FZA beziehungsweise die VO
883/2004 ist das anwendbare Landesrecht festzulegen.
2.2
Der Titel II der VO
883/2004 umfasst unter der Überschrift «Bestimmung der an
zuwendend
en Rechtsvorschriften» die Art. 11-1
6.
Gemäss Art. 11 Abs.
1 VO
883/2004 unterliegen Personen, für die diese Verordnung gilt, den Rechts
vorschriften nur eines Mitgliedstaats
. Vorbehaltlich der in den Art.
12-16
VO
883/2004 geregelten Konstellationen, welche auf die Beschwerdeführerin nicht zutreffen, bestimmt sich
das anwendbare Recht nach Art. 11 Abs. 3
lit
. a-e VO
883/200
4.
Art. 11 Abs. 3
lit
. a VO
883/2004
sieht vor, dass eine
Person den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaates unterliegt, in welchem sie eine Erwerbs
tätigkeit ausübt. Für Personen, die nicht unter Buchstaben a bis d fallen, ko
mmt die Auffangregelung in Art.
11 Abs.
3
lit
. e zur Anwendung; danach unterliegen
diese Personen den Rechtsvorschriften des Wohnmitgliedstaates.
In Art. 1
lit
.
j der VO 883/2004 wird der Begriff des Wohnortes als Ort des gewöhnlichen Auf
enthaltes einer Pers
on definiert,
wobei
nach Art. 1
lit
.
k VO 883/2004 unter dem Begriff des Aufenthaltes der vorübergehende Aufenthalt zu verstehen ist.
Die Beschwerdeführerin ist gestützt auf ihre Aufenthaltsbewilligung B ermächtigt, bis
zu
15 Stunden wöchentlich einer Erwerbstätigkeit in der Schweiz nachzugehen (Urk. 6/2/1). Ob sie von dieser Ermächtigung tatsächlich Gebrauch macht,
kann offenbleiben, da der Wohnort der
Beschwerdeführerin im Sinne von VO 883/2004
in der Schweiz liegt
: Die Beschwerdeführerin ist am
1
5.
Dezember 2019 aus Y._ nach Z._
zugezogen (
Urk.
4/1), um hier an
der Hochschule
A
._
ein Studium zu absolvieren (
Urk.
1
S. 1
). Ihr gewöhnlicher Aufenthalt und damit ihr Wohnort
waren
entsprechend
ab diesem Zeitpunkt
in Z._
und damit in der Schweiz. Entsprechend
gelten
für die Beschwerdeführerin
gemäss
Art.
1
lit
. e
VO 883/2004 die Rechtsvorschriften der Schweiz betreffend soziale Sicherheit
.
2.3
Damit steht fest, dass sic
h ihr Wohnort im Sinne von Art. 1
lit
.
j VO 883/2004 in der Schweiz befindet, und auch aufgr
und der Regelung in Art. 11 Abs. 3
lit
.
e VO 883/2004 die Rechtsvorschriften der Schweiz auf die strittige Frage anzuwenden sind.
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin
nach den schweizerischen Rechtsvorschriften
dem schweizerischen
Krankenversicherungsobligatorium
untersteht.
3.2
Art. 3 Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) schreibt vor, dass sich jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz innert drei Monaten nach der
Wohnsitznahme
oder der Geburt in der Schweiz für Krankenpflege versichern oder von ihrem gesetzlichen Vertreter beziehungsweise ihrer gesetzlichen Ver
treterin versichern lassen muss. Ebenso besteht eine Versicherungspflicht für Per
sonen mit einer Kurzaufenthalts- oder einer Aufenthaltsbewilligung nach dem Freizügigkeitsabkommen oder dem EFTA-Abkommen, die mindeste
ns drei Monate gültig ist (Art. 1 Abs. 2
lit
.
f der Verordnung über die Kranken
versicherung, KVV).
Dem G
rundsatz nach gehört die Versicherte
als Inhaberin einer Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA
daher zu den in der
s
chweizerischen Krankenversicherung versicherungspflichtigen Personenkategorien.
Strittig
ist die Frage
, ob ein Befreiungstat
bestand gegeben ist.
3.3
Art.
3
Abs.
2 KVG ermächtigt den Bundesrat, Ausnahmen von der Versicher
ungs
pflicht vorzusehen. In Art. 2 Abs. 1 KVV und in Art. 6 Abs.
1 KVV hat er gestützt darauf die Personenkategorien aufgezählt, die von vornherein vom
Ver
sicherungsobligatorium
ausgenommen sind. Es handelt sich um die aktiven und pensionierten Bundesbediensteten, die der Militärvers
icherung unterstellt sind (Art. 2 Abs.
1
lit
.
a KVV), um Personen, die sich ausschliesslich zur ärztlichen Behandlung oder zur Kur
in der Schweiz aufhalten (Art.
2
Abs. 1
lit
.
b KVV) und um gewisse Personen mit Vorrechten nach internationalem Recht (Art.
6 Abs. 1 KVV). Ausserdem sind in Art. 2 Abs. 1
lit
.
c-g KVV insbesondere diejenigen Personenkategorien aufgezählt, die aufgrund der oben zitierten Kollisionsnormen des Freizügigkeitsabkommens gar nicht den schweizerischen Rechtsvorschriften
unterstehen. Sodann ist in Art. 2 Abs.
2-8 KVV die Möglichkeit für verschiedene Personenkategorien geregelt, auf Gesuch hin vom
Versicherungsobligatorium
be
freit zu werden. So kön
nen nach Art. 2 Abs.
4 KVV diejenigen Personen ein Gesuch um Befreiung von der Versicherungspflicht stellen, die sich im Rahmen einer Aus- oder Weiterbildung in der Schweiz aufhalten, wie namentlich Studierende, Schüler und Schülerinnen, Praktikanten und Praktikantinnen sowie
Stagiaires
, sofern sie während der gesamten Geltungsdauer der Befreiung für Behandlungen in der Schweiz über einen gleichwertigen Versicherungsschutz verfügen.
4.
4.1
Zu beurteilen ist die Frage
, ob
die bestehende Versicherung
der Beschwerde
führerin in Deutschland als gleichwertige
r
Schutz im Sinne von
Art.
2
Abs.
4 KVV (E. 3.3) zu gelten hat
(Urk. 1, Urk.
2).
4.2
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren E
ntscheid (Urk. 2),
die Beschwerde
führerin nicht vom
Krankenversicherungsobligatorium
auszunehmen, damit, dass sie als Studierende zwar gemäss Art. 2 Abs. 4 KVV von der Versicherungspflicht befreit werden könnte, wenn sie für Behandlungen in der Schweiz über einen der Grundversicherung nach KVG gleichwertigen Versicherungsschutz verfüge. Die Beschwerdeführerin habe aber den Nachweis dafür, dass der bestehende Ver
sicherungsschutz gleichwertig sei, nicht erbracht.
Das Bestätigungsformular A sei nicht eingereicht worden und auch ein Bestätigungsschreiben der ausländisc
hen Krankenversicherung vom 18.
Mai 2020
habe
Abweichungen vo
m Versicherungsumfang nach Art.
25 ff. KVG vermerkt
(S
. 2).
4.3
Dem
hielt die Beschwerdeführerin entgegen (Urk. 1), ihre in Deutschland ab
geschlossene
Krankheitsvollkostenversicherung gelte auch für Ausland
aufenthalte. Sämtliche bisher in der Schweiz angefallene Behandlungskosten seien von ihrer Versicherung getragen worden. Zudem habe ihr Vater
bestätigt, für alle Kosten
während ihres Studienaufenthalts aufzukommen (S. 1). Eine zu
sätzliche Krankenversicherung sei für sie als Studentin auch aus finanziellen Gründen nicht tragbar (S. 2).
5.
5.
1
Im Rahmen der obligatorischen Krankenpf
legeversicherung (Art. 1 Abs.
1 KVG) haben die
anerkannten Krankenkassen (Art.
12 KVG) und die zugelassenen privaten V
ersicherungseinrichtungen (Art.
13 KVG) als obligatorische
Kranken
pflegeversicherer (Art.
11 KVG) unter anderem im Falle der Krankheit (Ar
t. 1 Abs. 2
lit
.
a KVG) die Kosten für
die Leistungen gemäss den Art.
25 - 31 KVG n
ach Massgabe der in den Art.
32-
34 KVG festgelegten Vora
ussetzungen zu über
nehmen (Art.
24 KVG).
Die Übernahmepflicht des Kran
kenversicherers wird durch Art.
32 Abs.
1 KVG begrenzt. Danach sind nur jene Leistungen zu vergüten, welche wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sind (sogenannte WZW-Kriterien), wobei die Wirksamkeit nach wissenschaftlichen Methoden nach
gewiesen sein muss.
Eine Leistung ist wirksam, wenn sie geeignet ist, das angestrebte diagnostische oder therapeutische Ziel
zu erreichen (BGE 137 V 295 E.
6.1). Die Zweckmässig
keit fragt nach dem diagnostischen oder therapeutischen Nutzen der Anwendung im Einzelfall unter Berücksichtigung der damit verbundenen Risiken, gemessen am angestrebten Heilerfolg der möglichst vollständigen Beseitigung der körper
lichen oder psychischen Beeinträchtigung sowie allenfalls an der Missbrauchs
gefahr (BGE 137 V 295 E. 6.2). Das Wirtschaftlichkeitserfordernis bezieht sich auf die Wahl unter mehreren zweckmässigen Diagnose- oder Behandlungs
alternativen. Bei vergleichbarem medizinischem Nutzen ist die kostengünstigste Variante beziehungsweise diejenige mit dem besten Kosten/Nutzen-Verhältnis zu wählen. Wo es nur eine Diagnose- oder Behandlungsmöglichkeit gibt, ist nach dem allgemeinen Grundsatz der Verhältnismässigkeit (Art.
5 Abs.
2 der Bundes
verfassung, BV) die Leistung zu verweigern, wenn zwischen Aufwand und Heil
erfolg ein grobes Missverhä
ltnis besteht (BGE 136 V 395 E.
7.4; vgl.
Eugster
, Krankenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsre
cht, SBVR,
3.
Auflage, 2016, S.
507 ff.).
Für die Vergütung von Leistungen, die der Diagnose oder Behandlung einer Krankheit und ihrer Folgen dienen und von Ärzten oder
Chiropraktoren
erbracht
werden, gilt somit gemäss Art. 25 Abs.
1 KVG eine Pflichtleistungsvermutung. Demnach wird vermutet, das
s diese Leistungen den in Art. 2 Abs.
1 KVG fest
geschriebenen allgemeinen Vergütungskriterien der Wirksamkeit, Zweckmässig
keit und Wirtschaftlichkeit genügen. Die Pflichtleistungsvermutung kann im Ein
zelfall durch die jeweilige Krankenversicherung mittels Ve
rfügung sowie gestützt auf Art. 33 Abs.
1 KVG durch den Verordnungsgeber in Form einer abschliessen
den Negativliste umgestossen werden. Der Bunde
srat hat in Art. 33
lit
.
a
KVV
das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) ermächtigt, Ausnahmen von der Pflichtleistungsvermutung vorzusehen. Das EDI hat solche Ausnahmen in An
hang 1 zur Verordnung des EDI über Leistungen in der obligatorischen Kranken
pflegeversicherung (KLV) festgelegt. Für eine Reihe von Leistungsarten hat der Gesetzgeber demgegenüber das Listenprinzip verankert. Dies gilt namentlich für die nicht von Ärzten oder Ärztinnen und
Chiropraktoren
oder
Chiropraktorinnen
erbrachten Leistungen, für Leistungen der medizinischen Prävention, gewisse Leistungen bei Mutterschaft, zahnärztliche Behandlungen sowie neue oder um
strittene Leistungen, deren Wirksamkeit, Zweckmässigkeit oder Wirtschaftlichkeit sich noch i
n Abklärung befindet (vgl. Art. 33 Abs.
2 und 3 KVG). In diesen Bereichen sind die Kosten vom Krankenversicherer grundsätzlich nur dann zu übernehmen, wenn die fragliche Leistung vom Verordnungsgeber auf einer Liste positiv aufgeführt ist (Positivlisten), wobei der Bundesrat das EDI zum Erlass der Pos
itivlisten ermächtigt hat (Art. 33
lit
.
b–d KVV)
.
5.
2
Im Schreiben vom 18. Mai 2020 (Urk. 6/13/
1
) führte der Debeka Kranken
versicherungsverein a.G. (nachfolgend: Debeka) auf, in welchen Punkten
seine
Leistungen von den Art. 25-31 KVG
ab
weichen
. Namentlich bestehe
zwar
ein Leistungsanspruch
für medizinisch notwendige ambulante Heilbehandlung durch Ärzte und Angehörige medizinischer Hilfsberufe wie zum Beispiel Physio
therapeuten und Hebammen, eine pauschale Zusage
sei indes
nicht möglich. Gleiches gelte auch für notwendige Heilbehandlung durch
Chiropraktoren
sowie von diesen verordneten Arzneimittel
n
(
vgl.
Art. 25 Abs. 2
lit
. a und b
KVG
).
Für ärztlich angeordnete Badekuren nach Art. 25 Abs. 2
lit
. c KVG bestehe kein Leistungsanspruch. Hinsichtlich der
ärztlich durchgeführten oder angeordneten Massnahmen der medizini
schen Rehabilitation (Art. 25 Abs. 2
lit
. d KVG) bestehe ein Leistungsanspruch nur für die ambulante medizinische Rehabilitation. Stationäre Behandlungen zur medizinischen Rehabilitation würden im tariflichen Rahmen erstattet.
Bereits aus
diesen Erklärungen
beziehungsweise Auflistung der
jenigen Positionen
,
welche von Art.
25 bis 31 KVG abweichen
,
ergibt sich
ohne Weiteres, dass die Beschwerdeführerin n
icht über einen gleichwertigen Ver
sicherungsschutz bei der Debeka verfügt.
Da die Beschwerdeführerin darauf verzichtete, die gültigen Versicherungs
bedingungen ihrer privaten Krankenversicherung einzureichen, zieht das Gericht dennoch die Allgemeinen Versicherungsbedingungen für die Krankheitskosten- und Krankenhaustagegeldversicherung (MB/KK 2009) inklusive Teil II «Tarif HS-
Comfort
» mit Tarifbedingungen (nachfolgend: AVB HS-
Comfort
), welche auf der Internetseite des Versicherers der Beschwerdeführerin zu finden sind (
www.de
beka.de/service/bedingungen/Krankenversicherung/index.html
), bei.
Anders als in § 5 Abs. 1
lit
. c MB/KK 2009
sind die Bestimmungen des KVG so konzipiert, dass die Leistungspflicht der Krankenversicherer nicht im Ermessen der Kranken
versicherer liegt, sondern auf bundesrechtlicher Gesetzes- und allenfalls Ver
ordnungsebene geregelt ist
(vgl. vorstehend E. 5.1
)
.
Durch die Möglichkeit gemäss § 5 Abs. 1
lit
. c
AVB können die Krankenversicherer ihre Leistungspflicht da
gegen einseitig einschränken, w
omit die Leistungen gemäss Art. 25 bis Art.
31 KVG nicht ausdrücklich und uneingeschränkt anerkannt sind.
Auch
fällt ins
besondere ins Gewicht, dass die Leistungen der
Debeka
bei stationären Behandlungen zur medizinischen Rehabilitation nur im tariflichen Rahmen erstattet werden (vgl. Urk. 6/13/1)
.
Ausserdem ist nicht ersichtlich, wie es sich mit Pflegekosten verhält, denn nach Art. 25a KVG leistet die obligatorische Kranken
pflegeversicherung auch einen Beitrag an die Pflegeleistungen, welche aufgrund einer ärztlichen Anordnung und eines ausgewiesenen Pflegebedarfs ambulant, in Tages- und Nachtstrukturen oder im Pflegheim erbracht werden. Begrenzt sind dabei nicht die Leistungen an sich, sondern lediglich
die entsprechenden Kosten
beteiligungen der schweizerischen
Krankenversicherung (vgl. Art.
7a KLV). Die weiteren Pflegekosten dürfen nur i
m limitierenden Rahmen von Art. 25a Abs.
5 KVG auf die Versicherten überwälzt werden.
Hierzu ist aktenkundig nichts ver
merkt beziehungsweise wurde von der Beschwerdeführerin nicht
s
ausgeführt. Mit Blick auf die auf der
Website der
Debeka
aufgeführte Pflegeversicherung
ist ersichtlich, dass die Leistungen der Debeka im Pflegefall
in Abhäng
igkeit der Pflegestufen 1-5
bei häuslicher Pflege
bis maximal 9
01 Euro im Monat
für selbst
beschaffte Pflegehilfen beziehungsweise 2095 Euro bei Pflegehilfe durch Pflege
dienste
betragen (
vgl. «Im Pflegefall
r
echtzeitig informiert», Informationen zur privaten Pflegepflichtversicherung; www.debeka.de)
wodurch die im schweizerischen
Obligatorium
vorgesehenen Pflegeleistungen
(Art.
7 KLV), wel
che nicht nur Leistungen der Akut- und Übergangspflege sondern auch solche der Langzeitpflege umfassen, nicht annähernd gedeckt
werden (vgl. zu den Kosten Art. 25a Abs. 5 KVG und Art.
7a KLV; Urteile des Bundesgerichts
9C_8/2017 vom 2
0.
Juni 2017 E. 4.3 und 9C_447/2017 vom 20. September 2017 E.
4.3).
Angesichts dieser erheblichen Leistungsausschlüsse kann offenbleiben, ob der Deckungsausschluss für auf Vorsatz beruhende Krankheiten (
§ 5
lit
. b AVB
) als von untergeordneter
Natur zu betrachten wäre (vgl.
Eugster
,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum KVG, Zürich 2018
,
Art. 3
Ziff.
21). Jedenfalls liessen sich auch
diesfalls
die genannten Defizite durch höhere Leistungen der
Debeka
in an
deren Positionen (beispielsweise zahnärztliche Behandlungen, vgl.
Lit
. B
AVB HS-
Comfort
) nicht ausgleichen.
5.
3
Zusammenfassend ergibt sich, dass der Versicherungsschutz, welcher die
Debeka
der Beschwerdeführerin während ihres Aufenthalts in der Schweiz bietet,
mit
demjenigen des KVG und der KVV nicht gleichwertig ist, weshalb e
ine Befreiung gestützt auf Art.
2 Abs.
4 KVV nicht in Betracht kommt.
Nichts zu ändern vermag hieran das
nicht aktenkundige
Schreiben
des Vaters
der Beschwerdeführerin
vom 28. April 2020
an das Migrationsamt
, wonach diese
r
für sämtliche Kosten
aufkomme (vgl. Urk. 1 S. 1
)
. Zum einen vermag nur ein gleich
wertiger Versicherungsschutz den gesetzlichen Anforderungen zu genügen, zum andern besteht wie dargelegt insbesondere bezüglich der Pflegeleistungen eine gewichtige Deckungslücke. Folglich würden der Beschwerdeführerin - auch wegen des feh
lenden Tarifschutzes (vgl. Art.
44 KVG) - bei Behandlungen, die über die
Debeka
abgerechnet würden, erheblich höhere Restkosten verbleiben, als wenn sie in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung nach KVG versichert wäre.
Schliesslich vermag auch das Argument der Doppelversicherung mit
einher
gehender untragbarer
Prämienlast (Urk. 1 S. 2 oben) nicht zu verfangen, bietet die Deb
e
ka
doch
die Möglichkeit, während der Abwesenheit im Ausland die Krankheitsvollkostenversicherung ruhen zu lassen (vgl.
Merkblatt
über das Ruhen der Krankheitskostenvoll- und Krankentaggeldversicherung bei gesetz
licher/
staatlicher Krankenversicherung im Ausland;
www.debeka.de/
service/
bedingungen
/Krankenversicherung/index.html
). Zudem besteht die Möglichkeit, eine von der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich als gleich
wertig aner
kannte
kostengünstige
Studentenversicherung abzuschliessen (vgl.
Merkblatt mit aktueller Übersicht anerkannter Studentenversicherungen;
www.
https://www.zh.ch/content/dam/zhweb/
bilder
dokumente/themen/gesund
-
heit/krankenversicherung/merkblatt_uebersicht_der_anerkannten%20_studentenversicherungen.pdf
).
Eine Grundlage für die Befreiung von der Versicherungspflicht besteht nach dem Gesagten nicht.
Das Einfordern des
fehlende
n
Nachweis
es
der Ausbildungsstätte (vgl. Urk. 5 S. 2 f. Ziff. 5 ff.)
erübrigt sich bei diesem Verfahrensausgang
.
6.
Demzufolge hat d
ie Beschwerdegegnerin zu Recht die Voraussetzungen für eine Befreiung von der Versicherungspf
licht gestützt auf Art. 2 Abs.
4
KVV verneint und deswegen das Gesuch de
r Beschwerdeführerin
abgewiesen. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.