Decision ID: 68f8c95f-4bbc-550e-b679-6cce8870f548
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführenden suchten am 15. Mai 2021 in der Schweiz
um Asyl nach. Am 19. Mai 2021 fand die Aufnahme der Personalien (PA)
des Beschwerdeführers 1 statt, und am 18. Mai 2021 beauftragte dieser
die Mitarbeitenden des Rechtsschutzes für Asylsuchende im Bundesasyl-
zentrum (BAZ) Region E._ mit der Rechtsvertretung im Asylverfah-
ren. Am 8. Juni 2021 führte das SEM mit dem Beschwerdeführer 1 eine
Befragung nach Art. 26 Abs. 3 AsylG (SR 142.31) durch, und am 28. Juli
2021 erfolgte die Anhörung zu den Asylgründen gemäss Art. 29 AsylG.
A.b Zur Begründung der Asylgesuche brachte der Beschwerdeführer 1 im
Wesentlichen vor, er sei ethnischer Roma christlichen Glaubens, geboren
und aufgewachsen in F._. Im Jahr (...) habe er seine erste Ehefrau
G._ geheiratet, er habe zwei Kinder aus dieser Beziehung (die Be-
schwerdeführer 2 und 3). Seit (...) sei er mit H._ (geb. [...], dieselbe
N-Nummer, vgl. D-3694/2021) liiert, welche er bei der Arbeit kennengelernt
habe. Als H._s gewalttätiger Ehemann I._ von ihrer Bezie-
hung erfahren habe, habe er ihn geschlagen und massiv bedroht. In der
Folge sei H._ schwanger geworden, und sie hätten befürchtet, dass
I._ das Kind umbringen würde. Deshalb seien sie am (...) nach (...)
gegangen und hätten dort um Asyl nachgesucht. Die gemeinsame Tochter
K._ sei im (...) in (...) geboren worden. Nachdem ihre Asylgesuche
abgewiesen worden seien, seien sie am (...) ins Heimatland zurückge-
kehrt. Aus Angst vor Übergriffen durch I._ seien sie nach L._
zu Verwandten gegangen, wo sie sich versteckt hätten. Dort hätten sie je-
doch nicht ewig bleiben können, weshalb sie am (...) erneut aus Nordma-
zedonien ausgereist seien. Der Beschwerdeführer machte ausserdem gel-
tend, seine kriminellen Cousins hätten während seines Aufenthalts in (...)
das Haus seiner Mutter verkauft und ihn unter Androhung von Gewalt ge-
zwungen, den Verkaufsvertrag zu unterzeichnen. Sie hätten auch seine
Kinder bedroht. Als er deswegen bei der Polizei Anzeige erstattet habe,
hätten sich die Beamten geweigert, ihm zu helfen, mutmasslich, weil er
Roma sei. Zudem sei er vom Ex-Mann seiner Schwester bedroht worden.
A.c Die Beschwerdeführenden reichten im Verlauf des vorinstanzlichen
Verfahrens ihre Reisepässe, die Geburtsurkunden, eine Heiratsurkunde,
einen Verkaufsvertrag betreffend das Elternhaus des Beschwerdefüh-
rers 1, eine Kopie der Identitätskarte der Mutter des Beschwerdeführers 1
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sowie eine Kopie der Einwilligungserklärung der Mutter der Beschwerde-
führenden 2 und 3 zu den Akten.
B.
Die Vorinstanz unterbreitete den Beschwerdeführenden am 6. August 2021
einen ablehnenden Entscheidentwurf zur Stellungnahme. Die Beschwer-
deführenden äusserten sich dazu mit Schreiben vom 9. August 2021.
C.
Mit Verfügung vom 10. August 2021– gleichentags eröffnet – verneinte das
SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden, lehnte die
Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete
den Vollzug an.
D.
Die vormalige Rechtsvertretung legte ihr Mandat am 10. August 2021 nie-
der.
E.
Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 17. August 2021 erho-
ben die Beschwerdeführenden durch den rubrizierten (am 12. August 2021
mandatierten) Rechtsvertreter Beschwerde gegen den Asylentscheid. Da-
bei wurde beantragt, die vorinstanzliche Verfügung sei (teilweise) aufzuhe-
ben, die Beschwerdeführenden seien infolge Unzulässigkeit des Wegwei-
sungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. Eventuell sei die angefochtene Ver-
fügung im Wegweisungsvollzugspunkt aufzuheben, und die Sache sei zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hin-
sicht wurde beantragt, es sei den Beschwerdeführenden die vollumfängli-
che unentgeltliche Rechtspflege (inklusive Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses) zu gewähren.
Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung (Kopie) sowie eine
Vollmacht vom 12. August 2021 bei.
F.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 19. August
2021 den Eingang der Beschwerde.
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Seite 4

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vor-
liegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl.
BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die Beschwerde richtet sich lediglich gegen den angeordneten Wegwei-
sungsvollzug (Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der vorinstanzlichen Verfü-
gung vom 25. März 2021). Demnach ist die vorinstanzliche Verfügung in
Rechtskraft erwachsen, soweit sie die Frage der Flüchtlingseigenschaft
und des Asyls betrifft, und auch die Wegweisung als solche (Dispositivzif-
fer 3) ist grundsätzlich nicht mehr zu überprüfen. Gegenstand des vorlie-
genden Beschwerdeverfahrens bildet demnach einzig die Frage, ob das
SEM den Wegweisungsvollzug zu Recht als durchführbar erachtet hat.
4.
4.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
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Seite 5
4.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
Aufgrund der Aktenlage werden die Beschwerdeverfahren D-3691/2021
(betreffend die Beschwerdeführenden) und D-3694/2021 (betreffend
H._) koordiniert geführt.
6.
6.1 Zur Begründung seines Entscheids führte das SEM den Wegweisungs-
vollzugspunkt betreffend im Wesentlichen aus, der Vollzug der Wegwei-
sung nach Nordmazedonien sei zulässig, da die Beschwerdeführenden die
Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllten und daher der Grundsatz der Nicht-
rückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht zur Anwendung komme.
Zudem drohe ihnen im Heimatland keine durch Art. 3 EMRK verbotene
Strafe oder Behandlung. Ferner sei der Vollzug der Wegweisung nach
Nordmazedonien vermutungsweise zumutbar, und es sei den Beschwer-
deführenden nicht gelungen, diese Vermutung zu widerlegen. Der Be-
schwerdeführer 1 verfüge über Berufserfahrung sowie über soziale An-
knüpfungspunkte im Heimatland. Zudem könnten die Beschwerdeführen-
den bei Bedarf staatliche Sozialhilfe beantragen. Die Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs sei auch unter Berücksichtigung des Kindeswohls
zu bejahen. Die Kinder seien noch sehr jung und würden sich erst seit kur-
zer Zeit in der Schweiz aufhalten. Der Bezug zum Beschwerdeführer 1 und
zu dessen Partnerin sowie zum angestammten Kulturkreis sei als gewich-
tiger zu erachten als der Bezug zur Schweiz. Schliesslich sei der Wegwei-
sungsvollzug auch als möglich zu erachten.
6.2 In der Beschwerde wird gerügt, das SEM habe dem Kindeswohl zu Un-
recht lediglich als Teil der Interessenabwägung im Rahmen der Prüfung der
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen; richtiger-
weise müsse überdies im Rahmen der Zulässigkeitsprüfung im Sinne von
Art. 83 Abs. 3 AIG (SR 142.20) geprüft werden, ob dem Vollzug der Weg-
weisung infolge der anwendbaren Bestimmungen des Übereinkommens
vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) völ-
kerrechtliche Verpflichtungen entgegenstünden. Art. 3 Abs. 1 KRK, welcher
die Berücksichtigung des Kindeswohls vorschreibe, sei gemäss Auffas-
sung des Committee on the Rights of the Children unmittelbar anwendbar
(«self-executing»), weshalb diese Bestimmung eine völkerrechtliche Ver-
pflichtung im Sinne von Art. 83 Abs. 3 AIG darstelle. Die bisherige Recht-
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Seite 6
sprechung, welche das Kindeswohl bloss im Rahmen einer Interessenab-
wägung bei der Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
prüfe, verkenne den materiell-rechtlichen Teilgehalt des Rechts auf Wah-
rung des Kindeswohls; dieser umfasse ein direkt anrufbares subjektives
Recht, welches die Vertragsstaaten verpflichte, das Kindeswohl «vorran-
gig» zu berücksichtigen; das Kindeswohl sei demnach höher zu gewichten
als andere Interessen. Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, dass
die Kinder von verschiedenen Seiten (vom Mann seiner Schwester, von
I._ sowie von seinen Cousins) bedroht worden seien. Diese mögli-
chen Verletzungen des Kindeswohls hätte das SEM im Rahmen der Zuläs-
sigkeitsprüfung berücksichtigen müssen. Das Gericht werde ersucht, in-
folge Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme
anzuordnen oder die Sache zur neuerlichen Beurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen.
7.
Soweit in der Beschwerde eventualiter beantragt wird, die angefochtene
Verfügung sei zu kassieren (vgl. Ziff. 2 der Rechtsbegehren) ist Folgendes
festzustellen: Der Beschwerdebegründung ist zu entnehmen, dass die Be-
schwerdeführenden der Auffassung sind, das SEM habe den Aspekt des
Kindeswohls zu Unrecht lediglich im Rahmen der Prüfung der Zumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs geprüft, anstatt (auch) unter dem Aspekt
der Zulässigkeit. Damit rügen die Beschwerdeführenden nicht eine Verlet-
zung von Verfahrensvorschriften, sondern eine falsche Rechtsanwendung;
es handelt sich mithin um eine materielle Rüge. Da von den Beschwerde-
führenden keine Verletzung von Verfahrensvorschriften geltend gemacht
wird und auch von Amtes wegen keine entsprechenden Mängel ersichtlich
sind, besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung zu kassie-
ren. Das entsprechende Eventualbegehren ist daher abzuweisen.
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG,
Art. 83 Abs. 1 AIG).
In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen
gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweis-
standard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie
sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls we-
nigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
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8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
8.2.2 Das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot schützt nur Personen,
welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführen-
den nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung
nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG veran-
kerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine
Anwendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist demnach unter
dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
8.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdefüh-
renden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wären. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtsho-
fes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschus-
ses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk")
nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschie-
bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des
EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies ist ihnen indes nicht gelungen. Mit
Blick auf die von den Beschwerdeführenden geltend gemachte Gefähr-
dung – namentlich auch der Kinder – ist in diesem Zusammenhang insbe-
sondere festzustellen, dass bezüglich Nordmazedonien eine gesetzliche
Regelvermutung dahingehend besteht, dass in diesem Land (unter ande-
rem) der Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung gewährleistet ist (vgl.
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Seite 8
Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG). Diese Regelvermutung wird durch die Vorbrin-
gen der Beschwerdeführenden nicht widerlegt. Nordmazedonien hat in den
letzten Jahren grosse Anstrengungen unternommen, um seine Bürgerin-
nen und Bürger vor häuslicher Gewalt zu schützen, indem entsprechende
Gesetze erlassen, Strategien ausgearbeitet und Schutzeinrichtungen ge-
schaffen wurden. Der grundsätzliche Schutzwille und weitgehende Schutz-
fähigkeit des nordmazedonischen Staates in Bezug auf Personen, welche
von häuslicher Gewalt betroffen sind, ist zu bejahen, zumal zu berücksich-
tigen ist, dass es keinem Staat gelingen kann, die absolute Sicherheit sei-
ner Bürgerinnen und Bürger jederzeit und überall zu garantieren. Sollten
sich die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr nach Nordmazedonien
mit einer konkreten Gefährdung durch Drittpersonen konfrontiert sehen,
wäre es ihnen möglich und zumutbar, sich an die zuständigen heimatlichen
Behörden zu werden und um Schutz zu ersuchen respektive die vorhan-
denen – kostenlosen – Angebote von Beratungsstellen und Schutzeinrich-
tungen in Anspruch zu nehmen (vgl. dazu die Erwägungen unter Ziff. 8.2
des datumsgleichen Urteils D-3694/2021 betreffend Julijana SAHINI,
m.w.H.). Es ist daher davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden
im Heimatland ausreichenden Schutz vor einer allfälligen Verfolgung durch
Drittpersonen finden würden, weshalb das Vorliegen einer konkreten Ge-
fahr vor menschenrechtswidriger Behandlung zu verneinen ist. Ferner lässt
auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Nordmazedonien den
Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen.
8.2.4 Die Beschwerdeführenden machen geltend, Art. 3 Abs. 1 KRK stelle
eine völkerrechtliche Verpflichtung dar, weshalb die Frage des Kindes-
wohls, namentlich auch die geltend gemachte Gefährdung der Kinder
durch Drittpersonen, unter dem Aspekt der Zulässigkeit des Wegweisungs-
vollzugs geprüft werden müsse. Dieser Auffassung kann jedoch nicht ge-
folgt werden. Art. 3 Abs. 1 KRK statuiert die vorrangige Berücksichtigung
des Kindeswohls bei allen staatlichen Massnahmen. Dabei handelt es sich
um einen Leitgedanken, eine Interpretationsmaxime, die bei Erlass und
Auslegung der Gesetze zu beachten ist (vgl. BGE 136 I 297 E. 8.2 m.W.H.).
Gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ha-
ben die Asylbehörden die Auswirkung von Art. 3 Abs. 1 KRK auf den Weg-
weisungsvollzug im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung zu berücksichtigen
(vgl. dazu beispielsweise BVGE 2009/28 E. 9.3.2, m.w.H.). Es ist demnach
nicht zu beanstanden, dass das SEM die Frage des Kindeswohls (lediglich)
unter dem Aspekt der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs geprüft hat.
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Seite 9
8.2.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung als zulässig zu
erachten.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.1 Der Bundesrat hat Nordmazedonien als Heimat- oder Herkunftsstaat
bezeichnet, in welchen der Vollzug der Wegweisung in der Regel zumutbar
ist, da dort politische Stabilität herrscht und die medizinische Grundversor-
gung gewährleistet ist (vgl. Art. 83 Abs. 5 AIG [SR 142.20] i.V.m. Art. 18 der
Verordnung vom 11. August 1999 über den Vollzug der Weg- und Auswei-
sung sowie der Landesverweisung von ausländischen Personen [VVWAL,
SR 142.281] sowie deren Anhang 2). Auch diese Regelvermutung kann
durch konkrete und substanziierte gegenteilige Hinweise widerlegt werden.
8.3.2 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung erwogen, der Vollzug
der Wegweisung nach Nordmazedonien sei gemäss Art. 83 Abs. 5 AIG
i.V.m. Art. 18 der Verordnung vom 11. August 1999 über den Vollzug der
Weg- und Ausweisung sowie der Landesverweisung von ausländischen
Personen (VVWAL, SR 142.281) vermutungsweise zumutbar, und es sei
den Beschwerdeführenden nicht gelungen, diese Vermutung zu widerle-
gen. Der Beschwerdeführer 1 verfüge über Berufserfahrung sowie soziale
Anknüpfungspunkte, und auch die Berücksichtigung des Kindeswohl lasse
den Vollzug der Wegweisung nicht als unzumutbar erscheinen. Insgesamt
sei der Vollzug der Wegweisung daher als zumutbar zu erachten. Das Ge-
richt schliesst sich dieser Einschätzung an, zumal in der Beschwerde keine
konkreten Einwände gegen die erwähnten vorinstanzlichen Erwägungen
vorgebracht werden und nicht geltend gemacht wird, der Vollzug der Weg-
weisung sei unzumutbar. Demnach ist der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar zu erachten.
8.4 Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich auch als möglich zu be-
zeichnen (Art. 83 Abs. 2 AuG), da die Beschwerdeführenden über gültige
Reisepässe verfügen (vgl. A20 Ziff. 4).
Die aktuelle Corona-Pandemie steht dem Wegweisungsvollzug ebenfalls
nicht entgegen; denn es handelt sich dabei – wenn überhaupt – um ein
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Seite 10
bloss temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im Rahmen der Voll-
zugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist.
8.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei-
sungsvollzug nach Nordmazedonien zu Recht als zulässig, zumutbar und
möglich bezeichnet hat. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt da-
mit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
10.
10.1 Das Beschwerdeverfahren ist mit dem vorliegenden, direkten Ent-
scheid in der Hauptsache abgeschlossen, weshalb der Antrag, es sei auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, gegenstandslos ge-
worden ist.
10.2 Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
unentgeltliche Rechtsverbeiständung sind ungeachtet der geltend ge-
machten – allerdings bis heute nicht belegten – prozessualen Bedürftigkeit
abzuweisen, da sich die Beschwerdebegehren entsprechend den vorste-
henden Erwägungen von Vornherein als aussichtslos erwiesen haben.
10.3 Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– den
Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1‒3 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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