Decision ID: 699b0580-9495-4e09-8380-0a346440c017
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1983
,
arbeitete seit 24. März 2003 in einem Pensum von 100 % als
Flachdachisoleur
(Urk. 8/3 Ziff. 3)
, als am
7. Oktober 2009
die Meldung zur Früherfassung bei der Invalidenversicherung erfolgte (Urk.
8/3
). Nach entspre
chende
n
Abklärung
en
durch die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, (Urk. 8/4, Urk. 8/8) teilte diese dem Versicherten am 5. November 2009 mit, eine Anmeldung sei zu empfehlen, wenn Anfang des Jahres 2010 noch immer keine Rückkehr an den Arbeitsplatz absehbar sei (Urk. 8/9). Am 29. März 2010
meldete sich
der
Versicherte
schliesslich
zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/10)
.
Die IV-Stelle
tätigte
in der Folge
erwerbliche (Urk. 8/15-16) und medizinische Abklärungen
(Urk. 8/23
, Urk. 8/42, Urk. 8/46-48
, Urk. 8/53
)
,
führte mit dem Versicherten ver
schiedentlich Gespräche zur Abklärung der beruflichen Situation (Urk. 8/24, Urk. 8/27-28, Urk. 8/30, Urk. 8/34
)
und zog die Akten des zuständigen
Kranken
tag
geld
versicherers
bei (Urk. 8/20
, Urk. 8/3
5
)
.
Mit Mitteilung vom 28. September 2010 gewährte die IV-Stelle Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (Urk. 8/36)
und schloss am 30. Juni 2011
die Arbeitsvermittlung
ab (Urk. 8/44).
Am 12. Januar 2012 gab
sie sodann
ein
bidisziplinäres
Gutachten in Auftrag (Urk. 8/55), welches am
19. September 2012 erstattet wurde (Urk. 8/66-67). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 8/70-72
, Urk. 8/77, Urk. 8/81), in des
sen Rahmen weitere Arztberichte eingereicht wurden (Urk. 8/82), verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 23. August 2013 einen Rentenanspruch des Versicherten (Urk. 8/88 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 23. August 2013 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 20. September 2013 Beschwerde und beantragte
die
Zusprache
mindestens einer halben Rente ab spätestens Juni 2010, eventualiter die Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung (Urk. 1 S. 2 Ziff. I.1-2). Mit Beschwerdeantwort vom 24. Oktober 2013 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 11. Februar 2014 mitgeteilt wurde. Gleichzeitig wurde
n
antragsgemäss
(Urk.1 S. 2 Mitte
Ziff.
1)
die unent
geltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt (Urk. 12).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung (IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglie
derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Ar
beitsmarktlage
erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor
den wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung vom 23. August 2013 aus, der Beschwerdeführer sei seit Juni 2009 in seiner ange
stammten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig. Eine der Behinderung angepasste Tätigkeit sei ihm jedoch zu 100 % zumutbar (Urk. 2 S. 1). Das
bidisziplinäre
Gutachten se
i schlüssig und nachvollziehbar und auch aus juristischer Sicht spreche nichts gegen die Verwertbarkeit des Gutachtens, es könne somit darauf abgestellt werden.
Insgesamt ergebe sich ein rentenausschliessender
Invalidi
tätsgrad
von 15 % (S. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, er halte das Vorgehen zur Wahl der Gutachter nach wie vor für nicht zulässig. Aus dem entsprechenden Bundesgerichtsurteil gehe nicht schlüssig hervor, dass bei bivalenten Gutachten das Zufallsprinzip keine Anwendung finden solle. Es heisse dort einzig, dass das Zufallsprinzip nur für polyvalente Gutachten geeignet erscheine. Unabhängig davon sei in letzter Zeit zunehmend festzustellen, dass mehrheitlich bivalente
Gutachten in Auftrag gegeben würden, um den Wortlaut von Art. 72
bis
der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) zu unterlaufen
. Gerade hier sei es offensichtlich, dass insbesondere auch ein Neurologe hätte beigezogen werden müssen, allenfalls sogar ein Orthopäde
(Urk. 1 S. 3 f. Ziff. 3).
Das Gutachten sei auch inhaltlich nicht verwertbar. Die Ausführungen beruhten auf nicht weiter detaillierten und nachvollziehbaren Kriterien.
Immerhin hätten die Gutachter beeinträchtigende lumbale Rückenschmerzen und eine vollstän
dige Arbeitsunfähigkeit seit August 2009 anerkannt, was selbstredend bereits nach einer Rente von Juni 2010 bis drei Monate nach dem Gutachten, also bis Ende 2012, rufe (S. 4 f. Ziff. 4). Im Auftrag der Krankentaggeldversicherung sei er bereits im September 2010 beurteilt worden. Dr.
Y._
habe dabei festgehal
ten, es handle sich um eine primär organische Schmerzgenese und es sei nicht der Eindruck einer bewusstseinsnahen Aggravation entstanden (S. 5 Ziff. 5). Da
mals hätten die Schmerzen jedoch noch nicht ins Bein ausgestrahlt (S. 5 Ziff. 6).
Gravierend sei auch, dass die Gutachter über die Hospitalisierung im
Z._
im März 2011 hinweggegangen seien (S. 5 f. Ziff. 8). Der Befund des MRI vom 13. Dezember 2010 sei zudem falsch zitiert worden (S. 6 Ziff. 9). Es sei daher ein neues Gutachten in Auftrag zu geben, welches auch mit den üblichen Mit
teln arbeite zur Objektivierung der organisch nachweisbaren Schädigungen. Dazu gehöre eine FMRI der LWS, sodass sich auch die Wurzelkompression veri
fizieren lasse
(S. 7 Ziff. 11). Das Gutachten sei nicht umfassend und die
umfas
senden Voruntersuchungen seien nicht berücksichtigt worden. Im Gegenteil habe sich das Gutachten nicht mit den Vorberichten auseinandergesetzt (S. 7 Ziff. 12).
Seit dem 22. Mai 2013 arbeite er im Umfang von etwa 20 % in einem Alters- und Pflegeheim im Service. Da es sich um leichte Arbeit handle, hoffe er, sich wenigstens in diesem Umfang bewähren zu können. Allerdings fehle ihm die Ausbildung für eine Servicetätigkeit in einem Restaurant. Das Gleiche gelte auch für
die
andere
n
in der angefochtenen Verfügung genannten
leidensadap
tierten
Tätigkeiten. Die Beschreibung der adaptierten Tätigkeiten sei zudem mangelhaft und wenig detailliert (S. 7 f. Ziff. 13).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach die Arbeitsfähigkeit und damit der
Invalidi
tätsgrad
des Beschwerdeführers.
3.
3.
1
Nach einer
Hospitalisation
vom 21. September bis 7. Oktober 2009 nannten die Ärzte des
Spitals Z._
, Klinik für Rheumatologie und Rehabilitation, in ihrem
B
ericht vom
9
. Oktober 2009 folgende Diagnosen
(Urk. 8/20/29)
:
subakutes
Lumbovertebralsyndrom
segmentale Bewegungsschmerzen und -störungen tieflumbal
Fehlhaltung/
Fehlform
(tiefgezogene BWS-Kyphose, diskrete
linkskon
vexe
Skoliose der LWS), leichte degenerative Veränderungen
diskrete Diskushernie L4/5 median links mit Tangierung L5 links, kleine Diskushernie L5/S1
intraforaminal
links mit Tangierung der Nervenwurzel L5 links im
Foramen
Status nach
laparaskopischer
Appendektomie bei
Appendicitus
acuta
16. August 2009
In der klinischen Untersuchung finde sich eine diskrete linkskonvexe Skoliose mit deutlichen Hinweisen für eine
Fazettengelenksüberlastung
, eine
Ausstrah
lungs
symptomatik
in die Beine fände sich nicht. (Urk. 8/20/29). Der Beschwer
deführer sei eine Woche vollständig arbeitsunfähig, danach werde ein Arbeits
versuch halbtags über vier Wochen empfohlen (Urk. 8/20/30).
Am 15. Oktober 2009 führten die Ärzte
des
Spitals Z._
ergänzend aus, der Beschwerdeführer habe seit Juni 2009 an Schmerzen tieflumbal gelitten und sei deswegen vom 17. Juni bis 9. Juli 2009 100 % arbeitsunfähig gewesen. Da
nach habe der Beschwerdeführer wieder gearbeitet. Nach einem
Verhebetrauma
am 12. August 2009 sei es zu einer erneuten Exazerbation mit immobilisieren
den Schmerzen und deswegen einer stationären
Hospitalisation
vom 1
3.
bis 20. August 2009 gekommen. Die Prognose sei günstig (Urk. 8/20/31 ad. 3 und 4). Vom 12. August bis 18. September 2009 habe eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit bestanden (Urk. 8/20/31 ad. 6).
3.
2
Der Hausarzt
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, nannte in seinem Bericht vom 4. Mai 2010 folgende Diagnosen (Urk. 8/23 Ziff. 1.1):
r
ezidivierendes
lumbospondylogenes
Syndrom bei
Fehlhaltung/-form der BWS-LWS, diskreten degenerativen Verände
rungen und diskreter Diskushernie L4/5 links ohne
Wurzelkompres
sion
Trotz Medikamenten und adäquater Therapie seien drei Arbeitsversuche als
Dach
spengler
wegen den rezidivierenden Rücken-/Beinschmerzen gescheitert. Als
Dachspengler
bestehe deswegen eine 100%ige definitive Arbeitsunfähigkeit seit dem 26. Januar 201
0.
Bei einer schweren körperlichen Arbeit seien Rück
fälle bezüglich der Rückenbeschwerden jederzeit möglich, bei einer leichten bis mittelschweren Arbeit bestehe eine normale Arbeitsprognose (Ziff. 1.4). Bei leichten Arbeiten könne eine berufliche Tätigkeit sofort wiederaufgenommen werden, bei mittelschweren Tätigkeiten
könne die Arbeit im Umfang von 50 % sofort aufgenommen werden, mit der Zeit könne das Pensum auch auf 100 % erhöht werden (Ziff. 1.9).
3.
3
Am 29. und 30. Juli 2010 wurde eine Evaluation der funktionellen Leistungs
fähigkeit (EFL)
durchgeführt. In ihrem Bericht vom 3. September 2010 führten
B._
, Betriebsphysiotherapeut/
Ergonom
, und
Dr.
med.
Y._
, Fach
arzt für Rheumatologie und Innere Medizin, aus, der Beschwerdeführer habe sowohl beim Testen der Beweglichkeit als auch bei den Krafttests aufgrund von Kreuzschmerzen nicht plausible starke Einschränkungen demonstriert. Die auffälligen Befunde in der Sensibilitätstestung könnten in
radikulärer
Hinsicht nicht einem Segment zugeordnet werden. Wegen des vorzeitigen Abbruchs könne über die Kondition des Beschwerdeführers keine Aussagen gemacht wer
den
. Im Vordergrund stehe der erhebliche Verdacht, dass das Leiden nicht nur organisch bedingt sei. Aufgrund der mehr als zwei positiven
Waddell
-Zeichen, der hohen Schmerzangaben und des positiven Stufen- und Hanteltests werde das berufliche Rehabilitationspotential als niedrig eingeschätzt
(Urk. 8/35/15).
Für die Beurteilungen der Zumutbarkeit und Empfehlungen aus medizinisch-theoretischer Sicht wurde auf den separaten medizinischen Bericht verwiesen (Urk. 8/35/16).
3.
4
Am 19. August 2010 wurde der Beschwerdeführer im Auftrag des zuständigen Krankentaggeldversicherers durch Dr.
Y._
(vorstehend E. 3.3
)
vertrauensärzt
lich untersucht. Dieser nannte in seinem Bericht vom 15. September 2010 fol
gende Diagnosen (Urk. 8/35/7-8 Ziff. 4):
chronisches
lumbovertebrales
Syndrom
Ausweichskoliose der LWS nach rechts
anamnestisch diskrete Diskushernie L4/5 median links betont mit Tan
gierung der Nervenwurzel L5 und dorsale
Diskusprotrusion
L5/S1 und kleine Diskushernie
intraforaminal
links mit Tangierung der
Ner
venwurzel
L5 im
Foramen
(MRI 16. August 2009)
beginnende Symptomausweitung
Status nach
laparaskopischer
Appendektomie 16. August 2009
Der Beschwerdeführer schätze seine unglückliche Situation, die neben den
belas
tungsabhängigen
Rückenschmerzen durch ungünstige soziale und
arbeits
marktliche
Kontextfaktoren gekennzeichnet sei, realistisch ein. Die Zeichen der beginnenden Symptomausweitung sei
en
in diesem Zusammenhang nachvoll
ziehbar und nicht Ausdruck einer nicht zuverlässigen Leistungsbereitschaft. Für die körperlich schwere Arbeit als
Dachisoleur
erachte er den Beschwerdeführer
aufgrund der dokumentierten Befunde seit Mitte Juni 2009 als arbeitsunfähig. Eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit sei medizinisch theoretisch zumutbar. Zur Angewöhnung und
Rekonditionierung
sei während drei Monaten von einer 50%igen Tätigkeit, entsprechend ganztags mit vermehrten Pausen, auszugehen. Die bisherige Entwicklung mit zunehmend regressiver
Schmerzver
arbeitung
bei fehlender Perspektive sei aber prognostisch leider ungünstig (Urk. 8/35/8-9 Ziff. 4.1).
3.
5
Anlässlich eines MRI am 13. Dezember 2010 stellte
Dr.
med.
C._
, Leitende Ärztin,
Spital Z._
, Institut für Radiologie,
in ihrem Bericht vom 14. Dezember 2010
im Vergleich zur Voruntersuchung
vom 14. August 2009
unveränderte Befunde fest. Bei L4/5 bestehe eine geringe
Chondrose
, eine dis
kre
te flachbogige Diskushernie median links betont mit Tangierung der
Nerven
wurzel
L5
links beim Austritt aus dem Duralsack sowie eine leichte
Spondyl
arth
rose
. Bei L5/S1 sodann sei eine leichte
Chondrose
, kleinste
intraforaminal
links gelegene Diskushernie mit Tangierung der Nervenwurzel L5 links
intrafo
raminal
sowie eine leichte
Spondylarthrose
festgestellt worden (Urk. 8/42/
1-
2).
3.
6
Am 25. März 2011 hielten die Ärzte des
Spitals Z._
, Institut für Radio
logie, einen im Vergleich zu den Voraufnahmen vom 13. Dezember 2010 wei
testgehend stationären Befund mit leicht dehydrierten Bandscheibenfächern LWK4/5 und LEK5/SWK1 fest. Es gebe keinen Nachweis einer signifikanten
Stenosierung
foraminal
oder einer Spinalkanalstenose (Urk. 8/82/5).
3.7
Anlässlich einer konsiliarischen Beurteilung wies
lic
. phil.
D._
,
Spital Z._
, am
1.
April 2011 auf eine unverändert passiv-hilflose
Schmerz
verarbeitung
mit ausgeprägtem Vermeidungsverhalten hin. Inzwischen verfüge der Beschwerdeführer über bessere Deutschkenntnisse, welche für ein interdis
ziplinäres Schmerzprogramm knapp ausreichend seien (Urk. 8/48/3).
3.
8
Nach einem stationären Aufenthalt des Beschwerdeführers vom 21. März bis 1. April 2011 nannten die verantwortlichen Ärzte der Klinik für Rheumatologie und Rehabilitation,
Spital Z._
, i
n ihrem Bericht vom 26. Juli 2001 (richtig vermutlich 2011) folgende Diagnosen (Urk. 8/46 Ziff. 1.1):
akut
exazerbiertes
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom links am 18. März 2011
Verdacht auf intermittierendes
radikuläres
Reizsyndrom L5 links
MRI LWS und Becken 25. März 2011: L4/5 diskrete
breitbasige
Dis
kusprotrusion
,
mit Kontakt zur Nervenwurzel L5, L5/S1 diskrete
in
traforaminale
Hernie links
Zum Zeitpunkt der Exazerbation mit wahrscheinlicher
lumboradikulärer
Symp
tomatik im März 2011 könne aufgrund der vorhandenen Befunde eine vermin
derte Belastbarkeit bzw. eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20 % für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Flachdachisoleur
begründet werden (Ziff. 1.6). Insbesondere wegen der anamnestisch chronisch bestehenden
Schmerzproble
matik
sei die Prognose ungewiss (Ziff. 1.8).
3.
9
V
om 19. September bis 17. Oktober 2011 weilte der Beschwerdeführer zur sta
tio
nären Rehabilitation in der
Klinik E._
. In ihrem Austrittsbericht vom 31. Oktober 2011 nannten die verantwortlichen Ärzte folgende Diagnosen (Urk. 8/53/6):
s
chmerzbedingte
muskulokoordinative
Dekonditionierung
bei Instabilität der Körperachse durch muskuläre
Dysbalance
mit
lumbovertebral
be
ton
tem
Panvertebralsyndrom
c
hronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom links
Verdacht auf intermittierendes
radikuläres
Reizsyndrom L5 links
MRI LWS und Becken 25. März 2011:
L4/5 diskrete
breitbasige
Dis
kusprotrusion
mit Kontakt zur Nervenwurzel L5, L5/S1 diskrete
intrafo
raminale
Hernie links
Der Beschwerdeführer habe am spezifischen vierwöchigen, ganzheitlich orien
tierten, interdisziplinären Behandlungsprogramm für Patienten mit chronischen Schmerzen teilgenommen. Im Verlauf sei keine wesentliche Besserung des Schmerzzustandes und der Belastbarkeit erreicht worden. Der Beschwerdeführer habe anlässlich des Austrittsgesprächs angegeben, die Schmerzen seien weiter
hin unverändert und wechselhaft vorhanden und in der letzten Woche des Aufenthalts sogar stärker geworden (Urk. 8/53/7).
Während der Dauer des Aufent
haltes habe keine Arbeitsfähigkeit bestanden, aufgrund des laufenden
invali
denversicherungsrechtlichen
Verfahrens werde keine weitere Bewertung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen (Urk. 8/53/8).
3.
10
Am 21. Dezember 2011 nannte Dr.
A._
(vorstehend E.3.2)
folgende Diagnosen (Urk. 8/53
/1
Ziff. 1.1):
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom links
intermittierendes
radikuläres
Reizsyndrom L5 links (im LWS-MRI vom 25. März 2011 diskrete
breitbasige
Diskusprotrusion
L4/5 mit Kontakt zur Nervenwurzel L5
)
Verdacht auf abhängige Persönlichkeitsstörung
Eine stationäre Behandlung vom 19. September bis 17. Oktober 2011 in der
Klinik E._
habe keine wesentliche Besserung gebracht (Ziff. 1.4). Als
Bauisoleur
sei der Beschwerdeführer definitiv zu 100 % arbeitsunfähig. Für eine angepasste leichte körperliche Arbeit in geschütztem Rahmen bestehe am An
fang eine Arbeitsfähigkeit von 50 % mit eventuell sukzessiver Steigerung zu 100 % (Urk. 8/53/5).
3.
1
1
Im Auftrag der Beschwerdegegne
rin wurde der Beschwerdeführer
am
4. April 2012 rheumatologisch sowie am 21. August 2012 psychiatrisch begutachtet. Gestützt auf die vorhandenen Akten sowie die eigenen fachärztlichen Untersu
chungen nannten
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Rheumatologie, in ihrem
bidiszip
linären
Gutachten
vom 19. September 2012 folgende Diagnosen
ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 8/66 S.
12 Ziff. 7.A1-2):
chronisch persistierendes
lumbospondylogenes
Syndrom beidseits mit Symptomausweitung und Selbstlimitierung, ohne organisches struktu
relles Korrelat
erschwerte Schmerzbeschwerde-Verarbeitung mit Symptomausweitung und passiv-fordernder Fehlentwicklung mit ausgeprägtem dysfunktio
nalem Vermeidungsverhalten bei:
chronisch persistierendem
lumbospondylogenem
Syndrom
Sowohl aus
fachärztlich psychiatrischer als auch aus rheumatologischer Sicht könne aufgrund der objektivierbaren Befunde keine Arbeitsunfähigkeit unter versicherungsmedizinischen Kriterien begründet werden. Zwar sei dem Explo
randen seine angestammte, als schwer bis sehr schwer einzustufende Tätigkeit vor allem aufgrund seines dafür nicht geeigneten Körperbaus und auch der chronischen Rückenschmerzen gemäss rheumatologischem Gutachter nicht zu
mutbar, jedoch lasse sich aus rheumatologischer Sicht für eine leichte oder auch mittelschwere Tätigkeit aus den strukturellen Befunden medizinisch-theoretisch keine Arbeitsunfähigkeit ableiten, weder in qualitativer noch in quantitativer Hinsicht (S. 13
lit
. B).
Integrativ bewertet müsse die Prognose bezüglich der Schmerzerkrankung und der Wiedereingliederung in einen Arbeitsprozess als schlecht beurteilt werden. Es sei mit einer Persistenz beziehungsweise weiteren Ausdehnung der fixierten Schmerzproblematik im Rahmen der dysfunktional-selbstlimitierenden Fehlentwicklung mit Symptomausweitung und eingenom
mener passiv-fordernder Haltung des über weite Strecken mit seiner Situation überforderten Exploranden zu rechnen (S. 13
lit
. C).
4.
4.1
Soweit der Beschwerdeführer
gegen das
bidisziplinäre
Gutachten von
med.
pract
.
F._
und Dr.
G._
aus formeller Sicht
geltend macht, es wäre ein polydisziplinäres Gutachten unter Einbezug eines neurologischen sowie allen
falls auch eines orthopädischen Facharztes anzuordnen gewesen
, kann dieser Argumentation nicht gefolgt werden.
Der Beschwerdeführer leidet
seit dem Jahre 2009 an Rückenschmerzen, welche bereits mehrfach zu stationären Klinikaufenthalten geführt haben (vgl. vorstehend E. 3.1, E. 3.8).
Der Entscheid der Beschwerdegegnerin, den Beschwerdeführer rheumatologisch und psychiat
risch begutachten zu lassen, ist damit nachvollziehbar und plausibel.
Aus der Krankengeschichte
ergibt sich nichts, was eine zusätzliche neurologi
sche oder orthopädische Begutachtung
als zwingend notwendig erscheinen lässt.
Zu diesem Schluss gelangten offensichtlich auch die beiden Gutachter, deren
Schweigen darauf schliessen lässt, dass auch sie die relevanten Fragen mit der rheumatologischen und psychiatrischen Begutachtung als ausreichend beantwortet erachteten.
Denn gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wäre es an den beauftragten Gutachtern gewesen, die von der
Be
schwer
de
geg
ne
rin
bezeichneten Disziplinen bzw. eine allenfalls notwendige Ausweitung der Begutachtung auf weitere Fachdisziplinen zur Diskussion zu stellen (BGE 139 V
349 E. 3.3).
Ebenfalls
unbehelflich
ist der Einwand des Beschwerdeführers, die
Beschwerde
gegnerin
gebe in letzter Zeit mehrheitlich bivalente Gutachten in Auftrag, um den Wortlaut von Art. 72
bis
IVV zu unterlaufen
. Aus dem entsprechenden Bun
desgerichtsurteil gehe zudem nicht schlüssig hervor, dass bei bivalenten Gut
achten das Zufallsprinzip keine Anwendung finden solle
. Dass im vorliegenden Fall die Beschwerdegegnerin eine
bidisziplinäre
Begutachtung
einzig aus dem Grunde anordnete, um der Zufallsvergabe zu entgehen
, kann ausgeschlossen werden, nachdem dem Beschwerdeführer die Notwendigkeit einer medizinischen Abklärung die Vergabe am 12. Januar 2012
mitgeteilt worden war (Urk. 8/55)
und damit vor dem Inkrafttreten von Art. 72
bis
IVV am
1. März 201
2.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist
das Zufallsprinzip auf
bidisziplinäre
Gut
achten
sodann
nicht anwendbar
. Das Bundesgericht hielt ausdrücklich fest, die Anforderungen an die medizinische Begutachtung, wie sie in BGE 137 V 210 für polydisziplinäre MEDAS-Begutachtungen umschrieben worden seien, seien grundsätzlich auf mono- und
bidisziplinäre
Expertisierungen
anwendbar. Dies gelte sowohl für die justiziablen Garantien als auch für die
appellativen
Teil
gehalte. Eine Ausnahme für Begutachtungen mit weniger als drei
Fachdiszipli
nen
sei hinsichtlich des Zufallsprinzips hinzunehmen (BGE 139 V 349 E. 5.4).
Gegen das Gutachten vom 19. September 2012 wendet der Beschwerdeführer weiter ein, die Gutachter seien über die
Hospitalisation
im
Spital Z._
im März 2011
hinweggegangen
.
Dabei übersieht er jedoch, dass
die
Hospitalisation
im März 2011
sowohl im Gutachten vom 19. September 2012 als auch
im rheumatologischen Teilgutachten vom 3. Juni 2012, auf welches im
bidiszipli
nären
Gutachten ausdrücklich verwiesen wird (vgl. Urk. 8/66 S. 1), mehrfach erwähnt wird (Urk. 8/66 S. 6, Urk. 8/67 S. 5, S. 7 Ziff. 2.1).
Zutreffend ist zwar, dass die Gutachter das MRI vom
13. Dezember 2010
insofern falsch zitierten, als entgegen der Feststellung im Bericht vom 14. Dezember 2010 eine Tangie
rung der Nervenwurzel verneint wurde (vgl. E. 3.5). Nachdem die Gut
achter jedoch dennoch weitestgehend zu derselben Einschätzung gelangten wie der Hausarzt Dr.
A._
sowie Dr.
Y._
, vermag dies an der Verwertbarkeit des Gutachtens nichts zu ändern.
Ebenfalls
unbehelflich
ist sodann die Argumentation des Beschwerdeführers, die Gutachter hätten eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit August 2009 aner
kannt, was
selbstredend zu e
iner Rente
führen müsse (E. 2.2). Zwar hielt Dr.
G._
tatsächlich fest, der Beschwerdeführer sei seit August 2009 zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 8/67 S. 11 Ziff. 6), doch bezieht sich diese Aussage unzweifelhaft auf die angestammte, körperlich schwere bis sehr schwere Tätig
keit (vgl. Urk. 8/67 S. 13 Ziff. 7), was für sich alleine noch keinen Rentenan
spruch begründet.
Insgesamt ist damit die Einschätzung durch
F._
und Dr.
G._
nachvollziehbar und plausibel begründet und das Gutachten erfüllt die praxisgemässen Kriterien (E. 1.4) vollumfänglich, so dass darauf abgestellt wer
den kann. Der medizinische Sachverhalt ist damit als dahingehend erstellt zu betrachten, dass der Beschwerdeführer zwar in seiner bisherigen, körperlich schweren bis sehr schweren Tätigkeit als
Bauisoleur
vollständig arbeitsunfähig ist, ihm eine körperlich leichte
oder auch mittelschwere Tätigkeit jedoch
seit spätestens September 2012
vollumfänglich zugemutet werden kann (vgl. vor
stehend E. 3.11).
4.2
Dieser Beurteilung stehen auch die übrigen bei den Akten liegenden
Arzt
be
richte
nicht entgegen.
Dr.
Y._
, welcher den Beschwerdeführer im Auftrag des zuständigen Krankenversicherers untersuchte, hielt eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit ebenfalls für zumutbar, zur Angewöhnung und
Rekon
ditionierung
empfahl er jedoch während drei Monaten ein reduziertes Pensum von 50 % (E. 3.4). Zu derselben Einschätzung gelangte sodann auch der Haus
arzt Dr.
A._
(E. 3.2 und 3.10).
5.
5.1
Es bleibt die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen der bestehenden Ein
schränkungen mittels Einkommensvergleich.
5.
2
Für die Ermittlung des ohne invalidisierenden Gesundheitsschaden erzielbaren Einkommens (
Valideneinkommen
) ist entscheidend, was die versicherte Person aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit ohne den Gesundheitsschaden, aber sonst bei unveränderten Verhältnissen verdienen würde (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 E. 3b mit Hinweis), wobei für die Vornahme des Einkommensvergleiches
grund
sätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt der mutmasslichen
Renten
auf
he
bung
, mithin auf das Jahr 2012, abzustellen ist (BGE 128 V 174, BGE 129 V 222).
Im vorliegenden Fall ist vom letzten Verdienst des Beschwerdeführers als
Flach
dachisoleur
auszugehen (Urk. 8/10 Ziff. 5.4). Dabei erzielte er gemäss den Angaben im Arbeitgeberbericht im Jahre 2009 ein Einkommen in der Höhe von Fr. 52‘325.-- (Urk. 8/16 Ziff. 2.10). Unter Berücksichtigung der
Nominallohner
höhung
(Schweizerischer Lohnindex insgesamt [1939 = 100], Frauen, Stand 2009: 2552, Stand 2012: 2630
;
www.bfs.admin.ch
, Arbeit und
Erwerb, Löhne/Erwerbseinkommen, detaillierte Daten, Lohnentwicklung) ergibt dies für das Jahr 2012 ein Jahreseinkommen von rund Fr. 53‘924.-- (Fr. 52‘325.
-- :
2552 x 2630).
Im Baugewerbe betrug das Durchschnittseinkommen für Männer ohne Berufs- und Fachkenntnisse im Jahre 2010 Fr. 5‘420.-- (
Lohnstrukturerhe
bungen
(LSE) 2010, Bundesamt für Statistik, Neuenburg 2012, TA1, Ziff. 41), was unter Berücksichtigung einer Nominallohnerhöhung von 1.0 % für das Jahr 2011 sowie 0.7 % für das Jahr 2012 (
Die Volkswirtschaft, 12-2014, Tab. 10.2, Sektor 2) sowie einer wöchentlichen Arbeitszeit von 41.5 Stunden (Die Volks
wirtschaft, 12-2014, Tab. 9.2,
lit
. F Baugewerbe/Bau) ein Jahreseinkommen von rund Fr. 68‘631.-- (Fr. 5‘420.-- x 12 x 1.01 x
1.007 :
40 x 41.5) ergibt. Das vom Beschwerdeführer tatsächlich erzielte Jahreseinkommen von rund Fr. 53‘924.--
lag somit Fr. 14‘707.-- bzw. rund 21 % unter dem branchenüblichen Durch
schnittseinkommen.
Bezog eine versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. geringe Schulbildung, fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutschkenntnisse, beschränkte Anstellungsmöglichkeiten wegen
Saisonnierstatus
) ein deutlich unterdurchschnittliches Einkommen, ist diesem Umstand bei der
Invaliditätsbe
messung
nach
Art.
16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem bescheideneren
Ein
kommensniveau
begnügen wollte. Nur dadurch ist der Grundsatz gewahrt, dass die auf invaliditätsfremde Gesichtspunkte zurückzuführenden Lohneinbussen entweder überhaupt nicht oder aber bei beiden Vergleichseinkommen gleich
mässig zu berücksichtigen sind. Diese Parallelisierung der Einkommen kann praxisgemäss entweder auf Seiten des
Valideneinkommens
durch eine entspre
chende Heraufsetzung des effektiv erzielten Einkommens oder aber auf Seiten des Invalideneinkommens durch eine entsprechende Herabsetzung des statisti
schen Wertes erfolgen (BGE 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen). Eine Parallelisierung ist indessen nur vorzunehmen, wenn die Differenz zum massgebenden Durchschnitt deutlich ist.
D
eutlich unterdurchschnittlich im Sinne von
BGE 134 V 322
E. 4
ist
der tatsächlich erzielte Verdienst
, wenn er
mindestens 5
%
vom branchenüblichen
LSE-
Tabellenlohn ab
w
eicht (
vgl.
BGE 135 V 297
E. 6.1.2).
Die Parallelisierung der Einkommen trägt somit dem Umstand Rechnung, dass die versicherte Person
als Invalide
realistischerweise
nicht den Tabellenlohn erzielen kann, weshalb ein entsprechend tieferes
Invalideneinkommen
anzu
nehmen ist (BGE 135 V 58 E. 3.4.3, Urteil des Bundesgerichts 9C_488/2008 vom
5.
September 2008 E. 6.4, zusammengefasst in: SZS 2008 S. 570; Urteile des Bundesgerichts I 428/04 vom
7.
Juni 2006 E. 7.2.2; I 630/02 vom 5. Dezember 2003 E. 2.2.2). Kann tatsächlich oder
zumutbarerweise
ein durchschnittliches
In
va
lideneinkommen
erzielt werden, dann besteht kein Grund, ein aus wirt
schaftlichen Gründen unterdurchschnittliches
Valideneinkommen
auf ein durch
schnittliches hochzurechnen. Denn mit einer solchen Vorgehensweise würden in gesetzwidriger Weise Einkommenseinbussen berücksichtigt, die nicht gesundheitlich bedingt sind. Entsprechend der gesetzlichen Regelung ist somit das (zumutbare) Invalideneinkommen nicht demjenigen Einkommen gegenüber
zustellen, das ohne Gesundheitsbeeinträchtigung bei vollständiger Ausschöp
fung des wirtschaftlichen Potenzials
zumutbarerweise
hätte erzielt werden kön
nen, sondern demjenigen, das konkret erzielt worden wäre (BGE 135 V 58 E.
3.4.3 in
fine
).
Sind die Voraussetzungen der
Einkommensparallelisierung
erfüllt, weil die ver
si
cherte Person aus invaliditätsfremden Gründen infolge
fehlender Berufsausbil
dung und mangelhafter Sprachkenntnisse ein unterdurchschnittliches
Validen
ein
kommen
erzielt hatte, welches um mindestens 5
%
unter dem branchenübli
chen
LSE-Tabellenlohn liegt, so vermögen dieselben Faktoren
praxisgemäss
nicht zu
sätzlich auch noch einen Leidensabzug zu begründen
(vgl. BGE 135 V 297 E.
6.2)
.
Bei der Durchführung der Parallelisierung ist mit Blick auf eine dem Grundsatz der Rechtsgleichheit genügende Invaliditätsgradermittlung zu vermeiden, dass diese - bei einer kontinuierlich ansteigenden Differenz zwischen tatsächlich erzieltem Lohn und branchenüblichem Durchschnittseinkommen - ab Erreichen des
Erheblichkeitsgrenzwertes
von mindestens 5
%
gegebenenfalls eine sprung
hafte Erhöhung des Invaliditätsgrades zur Folge hat. Es ist daher nur in dem Umfang zu parallelisieren, in welchem die prozentuale Abweichung den
Erheb
lichkeitsgrenzwert
von 5
%
übersteigt, bezweckt doch die Parallelisierung
pra
xis
gemäss
nur die Ausgleichung einer deutlichen - also nicht jeder kleinsten - Abweichung des tatsächlich erzielten Verdienstes vom tabellarisch bestimmten branchenüblichen Referenzeinkommen (
vgl.
BGE 135 V 297 E. 6.1.3).
Dementsprechend ist für den Einkommensvergleich das vom Beschwerdeführer tatsächlich erzielte und
deutlich unterdurchschnittliche
Einkommen insofern zu parallelisieren, als von einem Einkommen ausgegangen wird, welches
16
%
(21 % -5 %)
unter dem branchenüblichen Durchschnittseinkommen liegt. Damit ist
das
Vali
deneinkommen
auf
Fr. 5
7
‘
650
.
--
festzusetzen
(Fr. 68‘631.-- x 0.84
).
5.
3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebun
gen
(LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E.
4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zu
grun
de liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
Der Beschwerdeführer arbeitet zwar seit dem 13. Mai 2013 im Umfang von etwa 20 % in einem Alters- und Pflegeheim im Service (E. 2.2), doch schöpft er dabei die ihm gemäss dem Gutachten vom 19. September 2012 zumutbare Arbeitsfä
higkeit von 100 % nicht aus. Das Invalideneinkommen ist daher gestützt auf
die Tabellenlöhne zu bestimmen und es ist vom mittleren Lohn für Männer, die einfache und repetit
i
ve Arbeiten ausführen, auszugehen. Dieser belief sich im Jahre 2010 auf monatlich Fr. 4‘901.-- (LSE 2010, Bundesamt für Statistik, Neu
en
burg 2012, TA1, Total, Niveau 4), mithin Fr. 58‘812.-- im Jahr (Fr. 4‘901.-- x 12)
. Unter Berücksichtigung der Nominallohnerhöhung von 1.0 % für das Jahr 2011 und einer solchen von 0.8 % für das Jahr 2012 (Die Volkswirtschaft, 12-2014, Tab. 10.2, Total) sowie einer wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden (Die Volkswirtschaft, 12-2014, Tab. 9.2, Total) ergibt dies ein Jahreseinkommen von
rund
Fr. 62‘420.-- (Fr. 58‘812.-- x 1.01 x 1.008 : 40 x 41.7).
5.
4
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kür
zen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ur
sprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest
)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der
Vergleichsein
kommen
mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
Die Beschwerdegegnerin nahm einen Abzug von 15 % vor und begründete dies damit, dass dem Beschwerdeführer nur noch leichte bis mittelschwere Tätigkei
ten in Wechselbelastung ohne dauerhaftes Heben, Tragen und Bewegen von Lasten über 10 kg und ohne Arbeiten mit Verharren in Zwangshaltungen ver
richtet werden könnten (Urk. 8/68 S. 2). Dieser Abzug von 15 % trägt den Gege
benheiten des vorliegenden Falles angemessen Rechnung.
5.5
Unter Berücksichtigung eines Abzuges von 15 %
und der Parallelisierung von 16 %
beträgt das Invalideneinkommen (vorstehend E. 5.3) somit Fr.
44
‘5
68
.-- (Fr. 62‘420.-- x 0.85
x 0.84
). Bei einem
Valideneinkommen
in der Höhe von Fr.
57
‘
650.--
(vorstehend E. 5.2) ergibt sich eine Einkommenseinbusse von Fr. 1
3
‘
082
.
--
, was einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von
rund
23
% entspricht.
Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als rechtens, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind
sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Ge
richtskasse zu nehmen. Der Beschwerdeführer ist auf
§ 16 Ab. 4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hinzuweisen.
6.2
Für das Beschwerdeverfahren wurde das Gesuch des Beschwerdeführers um Bewil
ligung der unentgeltlichen Rechtsvertretung mit Verfügung vom 11. Februar 2014
gutgeheissen
(Urk. 12). Mit Honorarnote vom 6. Januar 2015 machte Rechtsanwalt Daniel Ehrenzeller, Teufen, Aufwendungen von insgesamt 5.5 Stunden sowie Auslagen von Fr. 41.70 geltend (Urk. 13), was angemessen erscheint. Unter Berücksichtigung
des gerichtsüblichen
Stundenansatzes von Fr.
200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
für bis Ende 2014 getätigte Bemühungen
ist eine Entschädigung von Fr.
1‘229.70
zu bezahlen.