Decision ID: 4c2e59d8-2a13-5ecc-b26f-6dad1c36dbb9
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1991 geborene X._
wurde erstmals a
m 7. Oktober 1997 – unter Hin
weis auf eine Sprachstörung – zum Bezug von IV-Leistungen für Minder
jährige bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, an
ge
meldet
(
Urk.
10/2). Die IV-Stelle sprach der Versicherten in der Folge mehrere
Massnahmen zu, insbesondere Sonderschulmassnahmen ab dem Schul
jahr
1997/
1998 bis Ende Schuljahr 2001/2002 (Verfügun
gen vom 16.
Dezember
1997 [
Urk.
10/7], vom
8.
Juli 1998 [Urk. 10/13], vom 3
0.
Juni 1999 [
Urk. 10/18], vom 21. Juni 2001 [Urk.
10/20])
und eine
psychomotorische Therapie zur Unter
stützung der Sonderschulmassnahmen für die Schuljahre 1997/1998 und 1998/
1999 (Verfügungen vom 2
8.
April 1998 [
Urk.
10/11] und vom 1
7.
August 1998 [Urk. 10/15]).
1.2
Nachdem
X._
im Juli 2008 die Sekundarschule, Stufe C, abge
schlossen
und
keine Lehrstelle gefunden
hatte und in der Folge
ein Motiva
tionssemester der RAV besucht
hatte, welches
vorzeitig beendet
worden war,
war sie in der Psychotherapiestation
O._, Psychiatrie Z._,
in stationärer
Behandlung (Urk. 10/30/10-11). A
m 1
1.
Mai
2009 (Ein
gangs
datum)
meldete sie sich
erneut – unter Hinweis auf eine Essstörung – bei der IV-Stelle zum Bezug von berufliche
n
Eingliederung
smassnahmen
an (
Urk.
10/22). Mit Verfügung vom 2
6.
November 2009 verneinte die IV-Stelle
einen Anspruch auf berufliche Massnahmen mit der Begründung, es seien berufliche
Massnahmen nicht angezeigt bzw.
notwendig, da sich der Gesund
heitszustand der Versicherten verbessert habe und sie ohne Unterstützung durch die IV eine Lehrstelle suchen möchte (
Urk.
10/41).
1.3
Am
1.
März 2012 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle an (
Urk.
10/4
3
). Die IV-Stelle zog zur Klärung der medizinischen und erwerblichen Verhältnisse einen Auszug aus dem individuellen Konto (
Urk.
10/48) bei und holte einen Bericht des behandelnden Arztes (
Urk.
10/49) und einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
10/52) ein und liess die Versicherte
am 28. Juni 2012
beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) psy
chiatrisch untersuchen (Untersuchungsbericht von med. pract.
A._
, FMH
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Jugendtherapie, vom 17. Dezember 2012 [
Urk.
10/55]).
Nach erneuter Berufsberatung (Verlaufsprotokoll vom 20. März 2013, Urk. 10/66) teilte die IV-Stelle X._ am 20. März 2013 mit,
dass aufgrund
ihres Gesundheitszustands
zurzeit keine beruflichen
Massnahmen möglich seien (Urk.
10/65). In der Folge holte die IV-Stelle weitere Berichte der behandelnden Ärzte (
Urk.
10/69,
Urk.
10/76) ein
und prüfte Eingliede
rungs
massnahmen (Urk. 10/113)
. Mit Mitteilung vom
9.
Juli 2014 erteilte die IV-Stelle der Versicherten sodann Kostengutsprache für ein Aufbautraining vom 2
8.
Juli 2014 bis 2
7.
Januar 2015 (Urk. 10/80) und vom 2
9.
Januar 2015 bis am 3
1.
Juli 2015 (
Urk.
10/91) bei der
Durchführungsstelle B._
. Die IV-Stelle erteilte ferner Kostengutsprache für eine erstmalige berufliche Ausbildung vom
1.
August 2015 bis
4.
Dezember 2015 (Praktikum mit Job-Coaching durch
B._
;
Urk.
10/102). Am 1
1.
Januar 2016 hielt die IV-Stelle fest, dass die beruflichen Massnahmen erfolgreich abgeschlossen worden seien (
Urk.
10/112). Im Rahmen der weiteren Abklärungen liess die IV-Stelle die Versicherte erneut beim RAD psychiatrisch untersuchen (Untersuchungsbericht vom
6.
Juli 2016;
Urk. 10/121). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 6. Juli
2016 [
Urk.
10/122], Einwand vom 1
3.
Juli
2016 [
Urk.
10/123], begrün
de
ter Einwand vom 1
4. September 2016 [Urk. 10/129] und
E
rgänz
ung
vom 1
1.
Okto
ber 2016 [
Urk.
10/130] durch die Rechtsvertretung der Versicherten
bzw.
Einwand vom
3.
August 2016 [
Urk.
10/126] und begründeter Einwand vom 3
1.
Oktober 2016 durch die behandelnden
Personen
de
r Z._ [Urk.
10/131]) verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch mit der Begründung, es liege kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor (
Verfügung vom 1.
Dezember 2016 Urk.
10/133 [=
Urk.
2]).
2.
Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte mit Eingabe vom
3.
Januar 2017 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr eine Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen; eventuell sei
sie
neu
ropsychologisch und psychiatrisch begutachten zu lassen. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1 S. 2). Mit Eingabe vom 2
7.
Januar 2017 substantiierte die Beschwerdeführerin ihre Bedürftigkeit (
Urk.
6) und reichte
verschiedene
Unterlagen
zu den Akten
(
Urk.
7-8
). Mit Beschwerdeantwort vom 7.
Februar 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9), was der Beschwerdeführerin am 1
6.
Februar 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
-
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
-
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
-
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezem
ber 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. Novem
ber 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
Eine durch geringe Intelligenz verursachte Erwerbsunfähigkeit gilt in der Regel nur dann als gesundheitlich verursacht, wenn die Intelligenz im medizinischen Sinne vermindert ist, mithin der Intelligenzquotient (IQ) weniger als 70 beträgt. Nicht als gesundheitliche Beeinträchtigung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 ATSG gilt demgegenüber in der Regel eine Intelligenz im unteren Normalbereich (IQ 70 bis 84 - vgl. Ur
teil 8C_119/2008 vom 22. Septem
ber 2008 E.
6.3.1 und
Meyer/Reichmuth Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG
,
3. Aufl. 2014
Rz 83 zu Art. 4
; vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_108/2014 vom 24. Septem
ber 2014 E. 2.2).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Wei
teren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5
1.5.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor-akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5.2
D
ie regionalen ärztlichen Dienste
stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätig
keit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizi
nischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigne
ten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz
und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs.
1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist m
it jenem externen medizinischen
Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Quali
fi
ka
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehö
ren
– nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog
in der angefochtenen Verfügung
, die psychia
trische Untersuchung habe ergeben, dass die Beschwerdeführerin mit ihren Ängsten gut umgehen könne.
S
ie besitze viele
Leistungsressourcen
,
sodass
sie in der Lage sei, die Anstrengungen und Verpflichtungen des beruflichen Alltages zu bewältigen. Es hätten sich während der Untersuchung beim
RAD
keine Symp
tome
der von den Behandlern festgestellten
Persönlichkeitsstörung
en
ge
zeigt. Dies wiederspiegle
sich auch im
Verlauf der Arbeitsversuche. Es lägen keine Einschränkungen vor, welche die Beschwerdeführerin in ihrer Arbeits
fähigkeit behindern würden (
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte in ihrer Beschwerde hingegen im Wesentlichen vor,
es
bestehe
eine Minderintelligenz. Sodann bestünden seit jeher Konzen
trationsstörungen. Allein gestützt darauf sei
ihr
schon eine Invalidenrente zuzusprechen. Vorliegend dürfe nicht auf den Untersuchungsbericht von
RAD-Arzt
G._
abgestellt werden, da grosse Zweifel an dessen Zuverlässig
-
und Schlüssigkeit bestünden. Im Rahmen verschiede
n
e
r
Arbeitstrainings habe sich gezeigt, dass bei der Beschwerdeführerin, trotz guter Motivation in Bezug auf eine Wiedereingliederung, zu keinem Zeitpunkt eine Arbeitsfähigkeit in ange
stammter oder angepasster Tätigkeit stabil und längerfristig
–
auch nicht niederprozentig
–
bestanden habe. Laut den Ausführungen der behandelnden Ärzte des
Z._
würde aufgrund des frühen Störungsbeginns und der heute chro
nifizierten und auch multimodalen Krankheitsausprägung auch auf längere Sich
t
keine solche bestehen. Empfohlen worden sei eine Tätigkeit im geschüt
zten Rahmen mit einem Pensumseinstieg von 30
%
. Der RAD-Unter
suchungsbericht stehe in krassem Gegensatz zu den in der Praxis gemachten Erfahrungen und den Aussagen der behandelnden Psychiaterin. Deshalb müsse entweder der Beschwerde
führ
erin eine Rente zugesprochen oder
zumindest
ein bidisziplinäres neuropsychologisch-psychiatris
ches Gutachten eingeholt werden
(
Urk.
1)
3.
3.1
Dem Bericht von Dr. med. C._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Oberarzt am Z._, vom 19. Juni 2009 zu Händen der Beschwerdegegnerin (Urk. 10/27) ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin erstmals im März in fachärztliche Behandlung kam. Zum Zeitpunkt des Eintritts in den stationären Aufenthalt (25. März 2009) diagnostizierte Dr. C._ eine mittelgradige schwere depressive Episode, die im Austrittszeitpunkt (25. Mai 2009) remittiert war. Er diagnostizierte ausserdem - nebst der atypischen Anorexia, ohne Stö
rung des Körperschemas (ICD-10: F50.1), und zuvor Verdacht auf Binge-Eating Desorder mit Adipositas 2. Grades (ICD-10: F50.8) - verdachtsweise eine Per
sönlichkeitsstörung mit emotionaler Instabilität auf Borderlineniveau (ICD-10: F60.31). Die Auswirkungen schilderte er als Einschränkung kognitiver Fähig
keiten und Defizite in der Entwicklung der im Alltag notwendigen Kultur
tech
niken aufgrund defizitärer Entwicklungsbedingungen und daraus resultierende Entwicklungsrückstände im Vergleich zu Gleichaltrigen, die eine Integration in einer Schule oder an einem Arbeitsplatz erschweren könnten. Mit Besserung der depressiven Symptomatik hätten sich Defizite in der Selbstwahrnehmung (so
wohl auf körperlicher wie auch psychischer Ebene), der Selbstregulation (Um
gang mit inneren Spannungen und intensiven Emotionen) und der Beziehungs
regulation gezeigt. Das Ausmass dieser Störung verweise auf die mögliche Entwicklung einer Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen Zügen. Die Beschwerdeführerin habe die Therapie (Fortsetzung in ambulantem Rahmen) vorzeitig abgebrochen. Die Prognose sei sicher in besonderer Weise von einer weiteren therapeutischen und sozial-psychiatrischen oder sozial-pädagogischen Begleitung abhängig. Ergänzend hierzu führte Dr. C._ mit Eingabe vom 13. Juli 2009 aus, die Beschwerdeführerin habe eine geringe Frustrations
to
le
ranz und meide Anstrengungen und Verpflichtungen. Sie zeige Verhaltens
weisen, die einem deutlich jüngeren Entwicklungsstand entsprächen (Urk. 10/32/1).
3.2
Dem zu Händen der Beschwerdegegnerin ergangenen Bericht von Dr. med. D._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Oberärztin an der Z._, vom 14. Januar 2014 (Urk. 10/76) sind folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (Urk. 10/76/1):
-
Agoraphobie ohne Panikstörung (ICD-10 F40.0)
-
akzentuierte Persönlichkeit mit emotional instabilen Zügen (ICD-10 Z73.1)
-
Verdacht auf somatische autonome Funktionsstörung des oberen Ver-dau
ungssystems (ICD-10 F45.3)
Die Prognose in Bezug auf eine Lehre auf dem ersten Arbeitsmarkt werde als wenig realistisch angesehen, da eine konstante und verbindliche Leistungs
erbringung ohne störungsangepassten Rahmen und fachliche Unterstützung derzeit eine Überforderung für die Beschwerdeführerin darstellen würde.
Bei
vor
gängiger
Leistungsabklärung und Belastungsaufbau stehe
Dr. D._
einer mittel- bis längerfristigen Arbeitsintegration durchaus positiv gegenüber, was sich auch positiv auf die Dynamik des Störungsverlaufs auswirken könnte (
Urk.
10/76/3).
Dr. D._ führte aus, die Einschränkungen der Beschwerde
führerin (mittelgradige Beeinträchtigung in den Bereichen Anpassung an Regeln und Routinen, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Durchhaltefähigkeit mit Ein- und Durchschlafstörungen, in familiären und intimen Beziehungen, in der Verkehrsfähigkeit [agoraphobische Ängste] und in der Gruppenfähigkeit) liessen sich durch Stabilisierung und Umgang mit Ängsten und Überforderungssitua
tionen sowie Reflexion der sozialen Interaktion in der Psychotherapie ver
min
dern. Dadurch könnten die Belastbarkeit und das Durchhaltevermögen gestei
gert und die Reizschwelle erhöht werden. Zurzeit sei keine Tätigkeit zumutbar, jedoch sei ein Belastungsaufbau im Rahmen von 2-4 Stunden täglich möglich (Urk. 10/76/4).
Bezugnehmend auf die Leistungsabklärung durch lic. phil. Y._ kann dem Bericht entnommen werden, die Intelligenz der Beschwerdeführerin sei unterdurchschnittlich und liege im Wertebereich 77-87.
Das vorliegende Leistungsprofil liege insgesamt im unterdurchschnittlichen Bereich, wobei im Sprachverständnis signifikant tiefere Leistungen erzielt würden als in den übri
gen geprüften Funktionen, welche im mittleren bis unteren Normbereich lägen. Die Werte liessen auf eine Lernbehinderung im sprachlichen Bereich schliessen und seien vereinbar mit dem
schulischen Bildungsgang (Urk.
10/76/5).
3.3
Dem Bericht von Dr. med. univ. E._, Oberarzt, und der Psychologin
lic. phil. F._
, Therapeutin der Berschwerdeführerin an der
Z._
, vom 20. April
2016 zu Händen der Beschwerdegegnerin (Urk. 10/117) können folgende Diag
nosen entnommen werden (Urk. 10/117/2):
-
ängstlich (vermeidende) Persönlichkeitsstörung (ED: 06.2014, BSJ,
Z._
; ICD-10 F60.6)
-
abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung (ED: 06.2014, BSJ,
Z._
; ICD-10 F60.7)
-
Agoraphobie ohne Panikstörung (ED: 01.2014, GEZW
TK,
Z._
; ICD-10 F40.00)
-
somatoforme autonome Funktionsstörung, oberes Verdauungssystem (10.
2013, BSJ, Z._; ICD-10 F45.31)
-
Alkoholmissbrauch in der Familienanamnese (10.2013, BSJ
Z._
; ICD-10 Z81.1)
-
unterdurchschnittliche Intelligenz (IQ Wertebereich 77-87) mit einer Lernbehinderung im sprachlichen Bereich (testpsychologisch ermittelt am 12.10.2013,
Z._
Winterthur, lic. phil.
N. Y._
)
-
anamnestisch Anorexia nervosa bekannt mit heute noch fluktuierender Dynamik bei jedoch norma
lem BMI (ED: 10.2013, BSJ,
Z._
)
Die Berichtertstattenden
führte
n
aus, das instabile Familiensystem, die mang
elnden kognitiven Fähigkeiten und das Mobbingerleben während der gesamten Schulzeit hätten dazu geführt, dass die Beschwerdeführer
in
die für eine Arbeits
fähigkeit notwendige, stabile Persönlichkeitsstruktur, mit Fähigkeiten im Regu
lieren von sozialen Kontakten (z.B. Abgrenzung, Umgang mit Konflikten)
,
nie habe aufbauen können. Dies begründe die seit der Schulzeit bestehenden häufi
gen Absenzzeiten, Abbrüche, bis hin zu komplettem Rückzug über alle Ein
gliederungsve
rsuche hinweg (Urk. 10/117/2). E
ine Arbeitsfähigkeit sei zu keiner Zeit stabil und längerfristig, auch nicht niederprozentig gegeben
gewesen
und werde aufgrund des frühen Störungsbeginns und der heute chronifizierten und auch multimodalen Krankheitsausprägung aus
ihrer
Sicht auch auf längere Zeit nicht geben sein
(Urk.
10/117/2). Die Beschwerdeführerin sei seit dem 2
5.
März
2014 am
Z._
in ambulanter Behandlung, letztmals am 23. Februar 2016
.
Vorher habe keine konstante ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Vorbe
hand
lung stattgefunden. In stationärer Behandlung sei die Beschwerdeführerin vom 2
4.
Juli 2013 bis am 2
5.
Oktober 2013 in der Tagesklinik des Gemein
de
-
psychiatrischen Zentrums Winterthur gewesen
. Vom 2
5.
März 2009 bis am 2
5.
Mai 2009 sei sie in der Psychotherapiestation
O._
des
Z._
stationär behandelt worden (
Urk.
10/117/3).
Zum Psychostatus hielt
en
Dr. E._ und F._
folgendes fest: Die Be
-
schwerdeführerin sei wach, bewusstseinsklar und allseits orientiert. Das Sprachverständnis sei leicht eingeschränkt. Im formalen Denken sei sie leicht verlangsamt und grübelnd mit negativem Gedankenkreisen. Sie habe vermehrt Ängste bezüglich ansteckender Krankheiten. Es liege ein sozialer Rückzug vor. Sie habe vermehrte körperliche Beschwerden in Form von Übelkeit und Kopf
schmerzen. Sie zeige ein Vermeidungsverhalten sowie Angst vor Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Es lägen keine Hinweise auf inhaltliche Denk
störungen vor. Vom Affekt her sei sie leicht deprimiert, gereizt und ängstlich. Sie habe Zukunftsängste sowie Ein- und Durchschlafstörungen. Es bestehe kein Hinweis auf Selbstverletzungen sowie Selbst- oder Fremdgefährdung. Aufgrund der deutlichen Manifestation der Störung auf der Persönlichkeitsebene und der Multimodalität der Symptomatik sei die langfristige Prognose in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit als eher ungünstig zu erachten. Auch die Lernbehinderung im sprachlichen Bereich erschwere einen positiven Verlauf im Bereich der Arbeits
fähigkeit (
Urk.
10/1
17/3). Seit Beginn der Therapie im März 2014
erfolge
eine regelmässige und konstante psychiatrisch-psychotherapeutische Einzeltherapie im ein- bis vier
wöchentlichen Rhythmus
. Aktuell zeige die Beschwerdeführerin aufgrund der Zunahme der Symptomatik, vor allem im psychosomatischen und ängstlich-agoraphobischen Bereich seit Februar 2016
,
Schwierigkeiten beim Ein
halten der Termine (
Urk.
10/117/3). Es bestünden Beeinträchtigungen i
n
fast allen wichtigen Bereichen wie der sozialen Kompetenz, im Sprachverständnis, im Einschätzen von sozialen Situationen, im Handlungsspielraum, im Benutzen der öffentlichen Verkehrsmittel, in der Einstell- und Umstellfähigkeit, in der Belastbarkeit sowie der Konstanz. Die Beschwerdeführerin versuche jeweils, sich in vorgegebene Strukturen zu integrieren, dabei zeige sie bis zu einem be
stimmten Grad eine durchwegs akzeptable Leistung, überfordere sich damit jedoch, so dass es mittelfristig zu einem Abbruch der Strukturen komme. Die Schwierigkeit liege im sozialen Bereich, einerseits aufgrund der früh begonne
n
en
sozialen Ängstlichkeit und der mangelnden Fähigkeit im Bereich der sozialen Kompetenzen. Andererseits komme hier erschwerend die Lernbehin
derung im sprachlichen Bereich dazu, welche die sozialen Beeinträchtigungen und Unsicherheit noch erhärte. Die Beschwerdeführerin zeige einerseits Schwierig
keiten, eigene Emotionen und Stimmungslagen überhaupt zu erkennen, ande
rer
seits traue sie sich kaum, Dinge anzusprechen, so dass es mittelfristig zu einer Überforderung und einer ängstlich-psychosomatische
n
Dekompensation mit Vermeidung und Rückzug komme. Auf dem primären Arbeitsmarkt bestehe keine B
elastbarkeit
. Im geschützten Arbeitsbereich werde eine maximale Ein
stiegs
belastung von 30
%
empfohlen (
Urk.
10/117/4)
.
3.4
Am
5
. Ju
l
i 2015 fand ein Untersuch beim RAD statt. Med. pract. Horst
G._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, hielt im Untersuchungsbericht vom 6. Juli 2016 (Urk. 10/121
)
folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit fest (Urk. 10/121/5):
-
Agoraphobie (ICD-10 F40.0)
-
a
kzentuierte Persönlichkeitszüge (vermeidend; ICD-10 Z73.0)
-
Zustand nach atypischer Anorexie ohne Körperschemastörung
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit nannte RAD-Arzt G._ keine (Urk.
10/121/5).
Sodann
führte
RAD-Arzt
G._
in seiner versicherungspsychiatrischen Beur
teilung aus, es zeige sich ein abhängi
g
e
r
und konfliktvermeidender Lebensstil. Bereits als 18-Jährige habe die Beschwerdeführerin gezeigt, dass sie Anstren
gungen und Verpflichtungen gemieden habe. Derartige Faktoren seien IV-fremd.
Die Agoraphobie könne Einschränkungen auf dem Arbeitsweg (Bus) ergeben, allerdings könne die Beschwerdeführerin in der
1.
Klasse Zug fahren. Das positive Leistungsbild umfasse eine nun fünfjährige Partnerschaft, regelmässige
Kontakte mit Kollegen und ihrem
Göttibub, Schwimmbadbesuche und – geplant – Ferien in Italien. Hier zeige sie auch ein gutes Durchhaltevermögen. Beim negativen Leistungsbild sei besonderes auf den unterdurchschnittlichen IQ hin
zuweisen. Die Abwägung des positiven und negativen Leistungsbildes ergebe, dass
d
ie
Beschwerdeführerin
grundsätzlich in der Lage wäre, auch die Anstren
gungen und Verpflichtungen des berufstätigen Erwachsenenlebens zu bewäl
tigen. Prognostisch bleibe offen, ob sie gewillt sei, den dependenten Lebensstil im Elternhaus zu verlassen und sich den Beschwernissen und Konflikten des selbständigen Erwerbslebens zu stellen. Eine Berentung würde die Reifung der Persönlichkeit behindern (
Urk.
10/121/7-8).
Zur Arbeitsfähigkeit führte RAD-Arzt
G._
aus, die Beschwerdeführerin sei in der bisherigen Tätigkeit ohne Berufsausbildung sowie auch in einer angepassten Tätigkeit
10
0 % arbeitsfähig. Einschränkungen bestünden dahingehend, dass keine Tätigkeiten mit hohen Intelligenzanforderungen, insbesondere im sprach
li
chen Bereich, zumutbar seien. Eine Nachreifung und Verselbständigung sei möglich (
Urk.
10/121/8).
Zum Psychostatus führte med. pract.
G._
aus, die Beschwerdeführerin habe einen flüssigen und zusammenhängenden Gedankengang, gebe prompte Ant
worten und mache viele eigeninitiative Darstellungen, es bestehe kein Anhalt für Sinnestäuschungen und Ich-Störungen oder inhaltliche Denkstörungen. Sie sei affektiv schwingungsfähig, unauffällig in der Mimik und Gestik sowie im Antrieb, es bestehe kein Anhalt für Ängstlichkeit. Sie sei aufmerksam und über die gesamte einstündige Untersuchung
konzentriert. Es bestehe kein Anhalt für eine Störung der Merkfähigkeit und des Gedächtnisses (
Urk.
10/121/3).
Zu den gestellten Diagnosen ist dem Bericht zu entnehmen, bei der Unter
suchung seien keine ICD-Symptome einer ängstlich-vermeidenden Persönlich
keits
störung zu beobachten gewesen. Es habe sich kein andauerndes Gefühl von Anspannung und Beso
r
gtheit gefunden. Die Beschwerdeführerin habe keine Über
zeugung geäussert, sozial unbeholfen und minderwertig zu sein. Sie habe keinerlei Sorgen gezeigt, kritisiert oder abgelehnt zu werden
,
und habe sich gut auf den Kontakt einlassen können. Sie habe ihren eingeschränkten Lebensstil mit finanzieller Enge begründet. Läge eine ängstlich (vermeidende) Persönlich
keitsstörung vor, müssten sich gravierende ängstliche Symptome in vielerlei Situationen zeigen. Das positive Funktionsbild und der Befund bei der RAD-Untersuchung hätten aber jenseits des Busfahrens (Agoraphobie) kaum ängst
liche Einschränkungen gezeigt. Auch wenn die Beschwerdeführerin es anfangs habe vermeiden wollen, alleine das Untersuchungsgespräch zu bewältigen, so habe sie dann doch zügig auf die Begleitung durch
ihren
Bruder verzichten können, ohne dass Angstsymptome erkennbar gewesen seien. Es hätten sich auch weder in der RAD-Untersuchung noch in der Biografie ausreichende Belege für eine abhängige Persönlichkeitsstörung gefunden. Weder überlasse sie ihre Entscheidungen anderen Personen, noch ordne sie ihre Bedürfnisse unter die Wünsche anderer unter. Gastrointestinale Symp
tome (z.B.
der von ihr ange
geben
e
Brechreiz) würden zum Symptomenspektrum bei Angst gehören und
sollten daher nicht separat als «somatoforme autonome Funktionsstörung» erfasst
werden. Die ICD-Kriterien einer somatoformen Störung würden sowieso nicht erfüllt (
Urk.
10/121/5).
RAD-Arzt
G._
führte ferner aus, im Überblick falle auf, dass jenseits der Agoraphobie (Busfahren) keine gravierenden Ängste am Arbeitsplatz dargestellt w
ü
rden. Konflikte
n
am Arbeitsplatz gehe die Beschwerdeführerin aus dem Weg, indem sie nicht mehr erscheine. Erst im Jahr 2016 erscheine in der
Z._
die Diagnose einer ängstlich vermeidenden Persönlichkeitsstörung. Diese Diagnose werde nicht näher begründet, insbesondere würden die ICD-Kriterien einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung nicht erörtert. Es werde eben
falls nicht dargelegt, warum man von der akzentuierten Persönlichkeit (2014) auf eine Persönlichkeitsstörung wechsle. Eine solche müsste sich definitions
gemäss in vielerlei Lebensbereichen zeigen.
Es falle auf, dass sich
zwar beim Busfahren eine Angst zeige, nicht jedoch im häuslichen, familiären und partnerschaftlichen Bereich. Auch
betreffend die
Arbeitsplätze w
erde nicht von
Angstsymptome
n
berichtet, sondern nur
von einem
Vermeiden von Konflikten durch Abwesenheit. Dies
e Beobachtungen würden zur Anmerk
ung der
Z._
aus dem Jahr 2009 passen, wonach die Beschwerdeführerin Anstrengungen und Verpflichtungen vermeide und sie einem jüngeren Entwicklungsstand
ent
spreche
. Läge eine nennenswerte ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung vor, müssten auch ängstliche Symptome mit Blick auf den baldigen Italien-Urlaub zu sehen sein. Ebenso passe der Wechsel in ein Au-Pair-Jahr nicht zu einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung. Das Verharren in einem jüngeren Entwicklungsstand zeige sich auch darin, dass die Beschwerdeführerin als 25-Jährige weiterhin gratis im Elternhaus lebe und sich nicht bemühe, mit den geringen finanziellen Mitteln des Sozialamtes eine eigene kleine Wohnung zu finden. Hier zeige sich ein abhängiger Lebensstil, der die Anstrengungen und Konflikte eines s
elbständigen Lebens meide (Urk.
10/121/7).
3.
5
Im Bericht von
Dr. E._ und F._
vom 3
1.
Oktober 2016 zu Händen der Beschwerdegegnerin (
Urk.
10/131) werden dieselben Diagnosen wie bereits im Bericht vom
20. April 2016
genannt (
Urk.
10/131/1). Sodann führte
Dr. E._
aus, die Beschwerdegegnerin wirke im ersten Gespräch häufig sehr kompetent und man überschätze sie dadurch. Dass die Faktoren der spez
i
fischen Persön
lichkeitsstörung im Rahmen der einmaligen Untersuchung beim RAD nicht offenkundig gewesen seien, scheine in diesem Zusammenhang zu stehen (
Urk.
10/131/1). Aus der Sicht des
Z._
bestehe eine schwere psychiatrische Erkrankung, die sich aufgrund ihrer Komplexität und multimodalen Ausprä
gung in mehreren Diagnosen ausdrücke und die, mittelfristig gesehen, eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit nach sich ziehe (
Urk.
10/131/2).
Wenn man den schulischen wie auch den beruflichen Werdegang bis heute
betrachte, werde deutlich, dass die Ausbildungs- und auch Arbeitsfähigkeit selbst im geschützten Rahmen während der Integrationsmassnahme in der
B._
nie konstant und nie zu mehr als 50
%
gegeben gewesen sei. Eine Erhöhung des Pensums habe während der gesamten Massnahme nie etabliert werden können. Schon bei 60
%
sei es zu verstärkte
m
Stresserleben und im Folgenden zu Absenzen gekommen. Eine allfällige Stabilität habe sie auch bei 50
%
nur während drei Monaten in der Wäscherei
H._
zeigen können. Nach diesen drei Monaten habe die Beschwerdeführerin jedoch nach einem Konflikt am Arbeitsplatz eine eindrückliche ps
ychische Dekompensation gezeigt
und habe das Arbeitsver
hältnis abgebrochen. Ihre dysfunktionalen Schemata, die den Persönlichkeits
störung
e
n zugrund
e
lägen, führten bei erhöhtem Stress und Misserfolgser
leb
nissen zu einer psychischen Dekompensation, in der sich dann auch die Sy
m
ptome der anderen Diagnosen – der Agoraphobie, der somatoformen Schmerz
störung und der Essstörung – akzentuiert manifestierten. Vor allem bei zwischenmenschlichen Konflikten, die die Beschwerdeführerin bis heute kaum aushalten könn
e
und zu deren Lösung ihr die erforderlichen Fertigkeiten fehlen würden, komme es jeweils zu starker innerer Anspannung, die die Beschwerde
führerin nicht regulieren könne und die zu einer Zunahme der psychoso
ma
tischen Beschwerden (Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Arztbesuche) und in der Folge zu Absenzen am Arbeitsplatz führen könne. Sodann komme es in solchen Situationen auch zu einer Gewichtsabnahme, zu sozialem Rückzug und zu einer allgemeinen Zunahme der Angstsymptomatik. Die Beschwerdeführerin komme mittlerweile seit dreieinhalb Jahren in die ambulante Psychotherapie de
r
Z._
. Bereits im Bericht von
Dr. C._
vom 1
9.
Juni 2009 habe dieser den dringenden Verdacht auf die Entwicklung einer emotional-instabilen Persön
lich
keitsstörung vom Bo
r
derline-Typ geäussert.
Auslösend für diese
Beurtei
lungen seien
,
neben der Symptomatik und den Verhaltensweisen der Beschwer
deführerin und ihren Eltern
,
auch Schilderungen des familiären Umfeldes der Beschwerdeführerin gewesen, welche zu der Vermutung geführt hätten, dass sie unter invalidisierenden Entwicklung
s
bedingungen aufgewachsen sei. Bei beiden Eltern
werde
eine erhebliche psychische
Störung vermutet. Verstärkt worden sei
das invalidisierende familiäre Entwicklungsum
f
eld durch massive Mobbinger
fah
rungen in der Oberstufenschulzeit. Bis heute bestünden bei der Beschwer
de
führerin
weiterhin impulsive und emotional instabile Verhaltensmuster, wenn auch nicht in einem, alle Kriterien für die Diagnose einer spezifischen Persön
lichkeitsstörung erfüllendem Masse (
Urk.
10/131/2). Die frühen Bedingungen und Erfahrungen der Beschwerdeführerin hätten zu einem dependenten Persön
lichkeitsstil geführt, der sich heute im Sinne der Persönlichkeitsst
ö
rung zeige. Er führe immer wieder zu einer deutlichen Überforderung und Stressbildung und verunmögliche, dass die Beschwerdeführerin weitere Entwicklungsschritte gehen könne, da sie gelernt habe, eigene Bedürfnisse hinten anzustellen. Immer wieder werde sie in Beziehungen ausgenutzt, da sie die eigenen Bedürfnisse nicht äussere oder keine angemessenen Ansprüche einbringe. Bezüglich der ängstlich vermeidenden Persönlichkeitsstörung weise die Beschwerdeführerin klar eine ausgeprägte Sorge auf, in sozialen Situationen kritisiert oder abgelehnt zu werden
. S
ie zeige einen eingeschränkten Lebensstil wegen des Bedürfnisses nach körperlicher Sicherheit, sie zeige eine Abneigung, sich auf persönliche Kontakte einzulassen, ausser sie sei sicher, gemocht zu werden
,
und vermeide soziale und berufliche Aktivitäten, die zwischenmenschliche Kontakte voraus
setzten, aus Furcht vor Kritik und Missbilligung oder Ablehnung. Dies alles zeige sich in einem durchgehenden Schema, das bei genauer Kenntnis der Beschwerdeführerin und ihres Lebens in vielerlei Hinsicht deutlich werde. Dieses komplexe Störungsbild stelle eine derartige Beeinträchtigung der Beschwerde
führerin dar, dass sie trotz ihren durchaus vorhandenen Ressourcen (positives Leis
tungsbild) aktuell und bis auf weiteres
den Anforderungen des ersten Arbeits
marktes nicht gewachsen sei. Eine Berentung sei die einzige Möglichkeit, ein Umfeld zu schaffen, in welchem sie die dringend notwendigen Entwick
lungs
schritte gehen könne (Urk.
10/131/3).
4.
4.1
4.1.1
Der
– bei erstmaliger Rentenprüfung von der versicherten Person zu erbringende (BGE 139 V 547 E. 8.1) -
Nachweis einer Invalidität setzt nach der
Rechtsprechung eine gesundheit
lich bedingte, erhebliche und evidente, dauer
hafte und objektivierbare Beein
trächtigung voraus. Dieser Massstab gilt für sämtliche Leiden gleichermassen (BGE 139 V 547 E. 9.4).
4.1.2
Auf eigenen Untersuchungen beruhende RAD-Berichte können nach Art. 49 Abs. 2 IVV beweiskräftig sein und es kann darauf abgestellt werden (BGE 135 V 254 E. 3.3.2). In solchen Fällen sind zwar an die Beweiswürdigung strenge An
for
derungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (BGE 139 V 225 E 5.2). Die Tatsache allein, dass eine abweichende (selbst fach-)ärztliche Meinung besteht, genügt jedoch nicht, um im dargelegten Sinne die Aussagekraft und damit den Beweiswert eines solchen medizinischen Berichts in Frage zu stellen (Urteil des Bundes
gerichts 9C_415/2017 vom 21. September 2017 E. 3.2 mit Hinweisen). Dies gilt jedenfalls dann, wenn der RAD-Arzt sich mit der abweichenden Meinung auseinandersetzt, was hier in Bezug auf die Berichte des Z._ (Berichte vom 20. April 2016 (E. 3.3), 14. Januar 2014 (E. 3.2) sowie 19. März 2013, 13. Juli 2009 und 19. Juni 2009 (E. 3.1) zutrifft (Urteil des Bundesgerichts 9C_566/2017 vom 20. November 2017 E. 2.2).
4.2
4.2.1
Die Einschätzung des RAD-Arztes G._, welcher als Fach
arzt der Psych
iatrie und Psychotherapie offensichtlich über die erfor
derlichen per
sön
lichen und fachlichen Qualifikationen verfügt, beruht auf einer persönli
chen psych
iatri
schen Untersuchung vom 5. Juli 2016 und entspricht den allgemeinen beweis
rechtlichen Anforderungen an ärztliche Berichte.
4.2.2
Hinsichtlich des Psychostatus stehen die Feststellungen von RAD-Arzt G._ denjenigen der Therapeuten des Z._, nicht entgegen. Während Dr. E._ und
F._
jedoch das Vorliegen zweier Persönlichkeitsstörungen postulieren, dia
g
nostizierte RAD-Arzt
G._
lediglich akzentuierte Persönlichkeitszüge. Die Fach
personen des Z._ begründeten ihre Diagnostik damit, dass den Persön
lich
keits
störungen dysfunktionale Schemata zugrunde lägen, welche in der Biografie der Beschwerdeführerin stets zu einem Scheitern geführt hätten
(Urk. 10/131/3). Das instabile Familiensystem, die mangelnden kognitiven Fähig
keiten und das Mobbing
erleben während der gesamten Schulzeit hätten dazu geführt, dass sie die für eine Arbeitsfähigkeit notwendige und stabile Persön
lich
keitsstruktur, mit Fähigkeiten im Regulieren von sozialen Kontakten, nie habe aufbauen können (Urk. 10/117/2).
Vorliegend erscheinen die Diagnosen ängstliche (vermeidende) Persönlichkeits
störung (ICD-10 F60.6) und abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7) in Anbetracht der Diagnosekriterien, welche für die beiden Diag
nosen vorliegen müssen, (Dilling/Mombour/Schmidt [Hrsg.], Internationale Klas
si
fi
kation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Aufl. 2015, S. 282-283) auch mit Blick auf die Eingliederungs
be
richte nicht schlüssig begründet.
Für eine ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung ist gemäss den diagnos
tischen Leitlinien vorausgesetzt: ein andauerndes und umfassendes Gefühl von Anspannung und Besorgtheit, die Überzeugung, selbst sozial unbeholfen, unat
traktiv und minderwertig im Vergleich zu anderen zu sein, eine ausgeprägte Sorge, in sozialen Situationen kritisiert oder abgelehnt zu werden, ein ein
ge
schränkter Lebensstil wegen des Bedürfnisses nach körperlicher Sicherheit und eine Vermeidung sozialer und beruflicher Aktivitäten, die zwischenmenschliche Kontakte voraussetzen, aus Furcht vor Kritik, Missbilligung oder Ablehnung.
Für eine abhängige asthenische Persönlichkeitsstörung hingegen ist das Folgen
de erforderlich: die Appellation an die Hilfe anderer bei den meisten Lebens
ent
scheidungen oder das Überlassen von Entscheidungen an andere, die Unterord
nung eigener Bedürfnisse unter diejenigen anderer Personen, zu welchen eine Abhängigkeit besteht und eine unverhältnismässige Nachgiebigkeit gegenüber Wünschen anderer, eine mangelnde Bereitschaft zur Äusserung angemessener Ansprüche gegenüber Personen, zu denen eine Abhängigkeit besteht, ein unbe
hagliches Gefühl beim Alleinsein aus übertriebener Angst, nicht für sich allein sorgen zu können, die häufige Angst, von einer Person verlassen zu werden, zu der eine enge Beziehung besteht, die häufige Angst, auf sich selber angewiesen zu sein und eine eingeschränkte Fähigkeit, Alltagsentscheidungen zu treffen ohne ein hohes Mass an Ratschlägen und Bestätigung von anderen.
Diesbezüglich hat med. pract. G._ schlüssig dargelegt, dass die erforderlichen Symptome für eine Persönlichkeitsstörung – wie sie die behandelnde Psycho
login bzw. Dr. E._ diagnostiziert hat – nicht vorhanden sind und dass, im Falle des Vorliegens einer Persönlichkeitsstörung, sich diese in vielerlei Situa
tionen manifestieren müsste und nicht nur hinsichtlich des Busfahrens. Es zeigt sich gemäss den Feststellungen von med. pract. G._ keine Angst im häus
lichen, familiären und partnerschaftlichen Bereich und auch nicht am Arbeits
platz. Dies wiederspiegelt sich auch in den verschiedenen Berichten über das Aufbautraining (28. Juli 2014 bis 27. Januar 2015, Urk. 10/89) das Arbeits
trai
ning (29. Januar bis 30. April 2015, Urk. 10/100) sowie an ihrer Arbeitsstelle als Au-pair (März 2010 bis April 2011; vgl. Arbeitgeberbericht vom 20. März 2012,
Urk. 10/52), wo Ängstlichkeit kein Thema war. Zur Diagnose Agoraphobie führte
med. pract. G._ denn auch überzeugend aus, dass die Beschwerdeführerin jenseits des Busfahrens keine gravierenden Ängste am Arbeitsplatz dargestellt hat und sie diesen vielmehr durch Nichterscheinen am Arbeitsplatz aus dem Weg geht (vgl. auch Urk. 10/109/2). Von einem solchen Vermeidungsverhalten berichtete im Übrigen auch Dr. C._ im Bericht vom 13. Juli 2009 zu Händen der Beschwerdegegnerin (E. 3.1). Weder gab die Beschwerdeführerin an, ein andauerndes Gefühl von Anspannung und Besorgtheit zu empfinden, sie äusserte keine Überzeugung sozial unbeholfen und minderwertig zu sein, noch war sie besorgt, kritisiert oder abgelehnt zu werden, und konnte sich gut auf den Kontakt einlassen. Im Rahmen des Aufbautrainings (28. Juli 2014 bis 27. Januar 2015, Urk. 10/86) fiel sie durchwegs durch bemerkenswertes Pflicht
bewusstsein und hohe Zuverlässigkeit auf, welche konstant blieben, (vgl. Urk. 10/1/4) und es liessen sich die anfangs sehr tiefe Frustrationstoleranz bei der Bearbeitung einer Aufgabe und das damit in Zusammenhang stehende ge
ringe Durchhaltevermögen merkbar steigern. Wohl berichteten die Eingliede
rungsfachpersonen über eine anfänglich schwierige Integration in die Arbeits
gruppe (Urk. 10/86/4, Urk. 10/89/2), in den anschliessenden Schnupperwochen wurde die Beschwerdeführerin indes als teamfähig und kontaktfreudig wahrge
nommen. An den Trainingsarbeitsplätzen berichteten die Fachmitarbeiter davon,
dass die Beschwerdeführerin sich gut auf andere Mitarbeiter einlassen könne, jedoch mit ihrer direkten Art teilweise auf Unverständnis anderer stosse. Erst bei der Arbeit im Pflegezentrum traten Konflikte auf, worauf die Beschwerde
füh
rerin vorerst krankgeschrieben wurde und anschliessend das Praktikum abbrach (Urk 10/109).
Bezugnehmend auf die abhängig-asthenische Persönlichkeitsstörung hielt med. pract. G._ fest, dass die Beschwerdeführerin ihre Entscheidungen nicht ande
ren Personen überlässt und auch ihre Bedürfnisse nicht unter die Wünsche ande
rer unterordnet (Urk. 10/121/5).
Auch diesbezüglich ist auf die verschiedenen Eingliederungsberichte zu verwei
sen, worin die Beschwerdeführerin selbständig ihre Berufswünsche und ihr Ge
fallen bzw. Missfallen zu einzelnen Tätigkeiten bzw. Arbeitsstellen oder Arbeits
zeiten begründet äusserte und sich aktiv und initiativ verhielt (vgl. Urk. 10/37/3
,
Urk.
10/55/2, Urk.
10/66/3, Urk.
10/86/4, Urk.
10/89/3, Urk.
10/100/3
f., Urk.
10/109/2).
Bezüglich der vom Z._ gestellten Diagnose einer somatoformen autonomen Funk
tionsstörung des oberen Verdauungssystems (ICD-10 F45.31) führte med. pract. G._ aus, dass gastrointestinale Symptome zum Symptomenspektrum bei Angst gehörten und deshalb in casu keine separate Diagnose erfasst wurde. Die ICD-Kriterien für eine somatoforme Störung waren laut RAD-Arzt G._ ohnehin nicht gegeben und wurden auch von Dr. E._ und F._ nicht im Detail erörtert (Urk. 10/121/5). Die vom Z._ gestellten Diagnosen zweier Persönlichkeitsstörungen sind nur schon deswegen nicht nachvollziehbar, als – wie RAD-Arzt G._ zutreffend anmerkt – nicht begründet wurde, weshalb von den noch im Jahr 2014 festgestellten akzentuierten Persönlichkeitszügen abge
wichen wird und neu Persönlichkeitsstörungen zu diagnostizieren sind. Daran ändert auch der aktuellste Bericht vom 31. Oktober 2017 nichts. Dazu gaben Dr. E._ und
F._ an, dass zwar impulsive und emotional instabile Verhaltensmuster vorhanden sind, wenn auch nicht in einem, alle Kriterien für die Diagnose dieser spezifischen Persönlichkeitsstörung erfüllenden Masse (Urk. 10/131/2). Damit setzen sie sich lediglich mit der ursprünglich von Dr. C._ geäusserten Verdachtsdiagnose einer Borderlinestörung auseinander (vgl. E. 3.1), vermögen aber das Vorliegen einer wesentlichen Persönlich
keits
störung per se nicht im Einklang mit der übrigen Aktenlage schlüssig darzu
legen. Die Beurteilung von med. pract. G._ ist demgegenüber als schlüssig zu bewerten und somit ist weder vom Vorliegen einer ängstlich-vermeidenden noch einer abhängig-asthenischen Persönlichkeitsstörung auszugehen. Es wurde ebenfalls nachvollziehbar begründet, dass die Agoraphobie nicht als invalidi
sierend zu erachten ist, worauf abgestellt wird.
4.2.3
Ausserdem ist darauf hinzuweisen, dass selbst eine fachärztlich schlüssig fest
gestellte psychische Krankheit nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität ist. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbe
sehen der Ätiologie ausgewiesen und in ih
rem Ausmass bestimmt sein (vgl.
BGE 136 V 279 E. 3.2.1). Auch die Diagnose ein
er Persönlichkeitsstörung weist, wie die meisten Diagnosen, keine
direkte Korrelation zu einer Arbeitsunfähigkeit auf (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.1). Diesbezüglich gilt, dass ein psychischer Gesund
heits
schaden nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit führt (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei der ver
sicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar. Dabei kommt der Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeu
tischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig erwartet werden kann, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.
Inwiefern sich die von den Behandlern diagnostizierte Persönlichkeitsstörung au
f die Arbeitsfähigkeit auswirken soll, wurde
auch angesichts der effektiv gezeig
ten Leistungen während des Arbeitstrainings (Urk. 10/100)
nicht plausibel dar
gelegt. Vorliegend
ist
unter Berücksichtigung dessen, dass die Beschwerdefüh
rerin laut den Feststellungen in den medizinischen Akten eine fünfjährige Partnerschaft führt, regelmässige Kontakte zu
r Familie, zu
Freunden
und ihrem Göttibub hat, das Schwimmbad besucht
, Ausflüge in die Berge unternimmt
und zum Zeitpunkt der Abklärungen durch die Beschwerdegegnerin Ferien in Italien geplant hatte,
jedenfalls keine
relevante Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen (vgl. Urk. 10/121/1)
.
4.2.4
Auch die Ausgestaltung der derzeitigen Therapie der Beschwerdeführerin – seit 25. März 2014 psychotherapeutische Einzeltherapie bei S. F._ im ein- bis vier
wöchigen Rhythmus, bei aktuellen Schwierigkeiten der Beschwerdeführerin im Einhalten der Termine zufolge Zunahme der Symptome (Urk. 10/117/2-3) – deutet darauf hin, dass die Therapiemöglichkeiten nicht ausgeschöpft sind und bei der Beschwerdeführerin kein ausgeprägter Leidensdruck vorliegt. Dr. D._ wies auf die gute Behandelbarkeit der Angstsymptomatik hin. Die Dres. D._ und E._ empfahlen denn auch die Weiterführung der begonnenen Therapie (E. 3.2, E. 3.5). Auch RAD-Arzt G._ ging von einer Nachreifungs- und Verselbständigungsmöglichkeit der Beschwerdeführerin aus (E. 3.4). Nach dem Gesagten erweist sich jedenfalls die Angstsymptomatik der Beschwerdeführerin weder als ausgeprägt noch als austherapiert.
4.
2.5
Der Vollständigkeit halber ist anzuführe
n
, dass der in den Berichte
n
der
Z._
angeführte Intelligenzmangel - für sich betrachtet - nach der eingangs aufge
führten Rechtsprechung des Bundesgerichtes angesichts des vom
Z._
ermittel
ten Intelligenzquotienten (IQ) von 77-87
(vgl. E. 3.2)
grundsätzlich nicht als gesundheitliche Beeinträchtigung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 ATSG aufzufassen ist (vgl. E. 1.2).
4.2.6
Im Hinblick auf die ärztlichen Beurteilungen des psychischen Gesundheits
zu
standes gilt es im Übrigen zu berücksichtigen, dass die behandelnden Ärztinnen und Ärzte in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versicherten Person stehen und sich zudem in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren haben. Ihre Berichte verfolgen daher nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die materiellen Anfor
de
rungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E. 3a. Aus diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte – beziehungsweise regel
mässig behandelnde Spezialärzte (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 551/06 vom 2. April
2007 E.
4.2) – mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver
trauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, kommt im Streitfall ein direktes Abstellen einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte nur selten in Frage (vgl. Urteil
des Bundes
gerichts 8C_1055/2010 vom 17. Februar 2011 E. 4.1).
4.
3
Zusammenfassend fehlt es aus rechtlicher Sicht an
am erforderlichen Nachweis eines
invalidisierenden Gesundheitsschaden
s
. Die von RAD-Arzt
G._
diag
nos
tizierte Agoraphobie bei akzentuierten Persönlichkeitszügen (vermeidend)
vermag
keine invalidenversicherungsrechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit zu begründen.
Selbst bei Vorliegen der vom
Z._
aufgeführten Persönlichkeits
störung
en
, deren kriteriengerechte Diagnos
estellung
sehr fraglich erscheint, wäre nicht von einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten Arbeitsun
fähig
keit auszugehen. Es ist demnach nicht zu beanstanden, dass die Beschwer
degegnerin
vom Fehlen eines invalidisierenden Leidens ausgegangen
ist.
5.
Der angefochtene Entscheid erweist sich als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuer
legen.
6.2
Mit ihrer Beschwerde vom
3.
Januar 2017 ersuchte die Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1). Vorliegend sind die Voraussetzungen zur Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss § 16 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) erfüllt (vgl. Urk. 8/5-6), weshalb dem Gesuch der Beschwerdeführerin zu entsprechen ist. Die Beschwerdeführerin ist auf § 16 Abs. 4 GSVGer hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der ihr erlassenen Gerichtskosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.