Decision ID: 9c334914-c813-436e-8367-a29424f8df2f
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1985,
war seit
der Eintragung
im Handelsregister
am
5.
April 2013
einziger
Gesellschafter und Geschäftsführer
der
Y._
GmbH.
Die
Y._
GmbH
war der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als beitragspflichti
ge Arbeitgeberin angeschlossen.
Mit Urteil vom
3.
Mai 2016
eröffnete der Konkursrichter des Bezirksgerichts
Bülach
den Konkurs
über die
Y._
GmbH.
Das Konkursverfahren wurde mit
Urteil
des Konkursrichters
vom
2
3.
Mai 2016
ma
ngels Aktiven eingestellt
. Am
3
1.
August 2016
wurde die
Y._
GmbH
von Amtes wegen gelöscht (www.zefix.ch
).
1.2
Mit Verfügung vom
2
2.
Mai 2018
forderte die Ausgleichskasse von
X._
Schaden
ersatz für entgangene Sozialversicherungsbeiträge in der Höhe von
Fr.
24'672.50
(Urk.
5/64
). Die dagegen
von
X._
am 2
1.
Juni 2018
erho
bene Einsprache (Urk.
5/69
) wies
die
Au
s
gleichskasse
mit Entscheid vom
1
5.
August 2018 (
Urk.
2) ab.
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
4.
September 2018
Beschwerde und bean
tragte
sinngemäss
die ersatzlose Aufhebung des angefochtenen Entscheids
(Urk.
1
). Die Beschwerdegegnerin schloss mit
Beschwerdeantwort vom
1
1.
Oktober 2018
auf
Abweisung der Beschwerde (Urk.
4
), was dem Beschwerdeführer
am 1
8.
Oktober 2018
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
6
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid damit, dass
der Beschwerdeführer als
Organ
der
Y._
GmbH
der
gesetzli
chen Pflicht
zur
fristgerechte
n
Zahlung der Beiträge an
die
Beschwerdegegnerin nicht nachge
kommen sei. Dies, obschon er
als alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer der
Y._
GmbH für die Ausgestal
tung des Rechnungswesens, die Finanzkon
trolle und
-
planung verantwortlich gewesen sei. Dadurch sei der Beschwerdegeg
nerin ein
Schaden in
der Höhe von
Fr.
24'672.50
entstanden.
Der Besc
h
werde
führer habe sein
U
nternehmen trotz schwerwiegender
Finan
zprobleme weiterge
führt und
teilweise auf Kosten der Sozialversicherung finanziert. Folglich sei sein Verhalten adäquat kausal für den entstandenen Schaden.
Es liege eine grobfahr
lässige Missachtung von AHV-Vorschriften vor
. Ein Exkulpationsgrund sei nicht gegeben
(
Urk.
2).
1.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber gelten
d
, dass
er in den Jahren 2014 und 2015 versucht habe, seine Firma aufzubauen. Anfänglich habe er in Marke
tingmassnahmen investiert mit dem Ziel, gewinnbringende Aufträ
ge zu erhalten. Die Marketingkosten (hauptsächlich Personalkosten)
seien
aber
ungedeckt
geblieben
.
Er sei davon ausgegangen, dass es mit der Zeit besser werde.
Auch im weiteren Verlauf
sei
es ihm
jedoch
nich
t gelungen,
an
bessere Aufträge zu
kom
men
. Das Einkommen,
das
übrig geblieben sei, habe
nur für die
Nettolö
hne des Personals
gereicht
.
Der Beschwerdeführer selber habe trotz viel Einsatz
keinen
Lohn erhalten
und die Firma habe keinen
Gewinn
erzielt
.
Er habe versucht, mit der
Y._
GmbH erfolg
reich zu sein, was nicht geklappt habe.
Für die
sen Versuch sollte er nicht bestraft werden (
Urk.
1).
2.
2.1
Nach Art. 52 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenver
sicherung (
AHVG
)
hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grobfahrläs
sige Missachtung von Vorschriften der Versicherung einen Schaden zufügt, die
sen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäftsführung oder Liquidation befassten Personen.
2.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestim
mungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (Art. 66 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung), Erwerbsersatz- (Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutter
schaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge (Art. 6 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung) sowie auf jene an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bundesgesetz über die Familienzulagen (Art. 25
lit
. c).
3.
3.1
Voraussetzung für eine Haftung nach Art. 52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschuldeter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahngebühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die Arbeitgeberbeiträge zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
3.2
Der Schaden gilt als eingetreten, sobald anzunehmen ist, dass die geschuldeten Beiträge aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht mehr erhoben werden können (BGE 126 V 443 E. 3a, 121 III 382 E. 3bb, 388 E. 3a, je mit Hinweisen). Dies trifft dann zu, wenn die Beiträge im Sinne von Art. 16 Abs. 1 AHVG ver
wirkt sind (vgl. beispielsweise BGE 112 V 156, 98 V 26) oder wenn ihre Entrich
tung wegen Zahlungsunfähigkeit des beitrags
pflichtigen Arbeitgebers nicht mehr möglich ist (vgl. beispielsweise BGE 121 V 234, 240). Im ersten Fall gilt der Scha
den als eingetreten, sobald die Beiträge verwirkt sind (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 112 V 156 E. 2, 108 V 189 E. 2d, je mit Hinweisen). Im zweiten Fall gilt der Scha
denseintritt als erfolgt, sobald die Beiträge wegen der Zahlungsunfähig
keit des Arbeitgebers nicht mehr im ordent
lichen Verfahren nach Art. 14 ff. AHVG erhoben werden kön
nen (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 121 III 382 E. 3bb, 113 V 256, 112 V 156 E. 2).
Bei Einstellung des Konkursverfahrens mangels Aktiven gilt der Schaden als mit dem entsprechenden Beschluss eingetreten, der den Konkurs amtlich für fruchtlos erklärt, woraus der Verlust der Beitragsforderung der Ausgleichskasse resultiert. Die Frist von zwei Jahren für die Geltendmachung der Schadenersatzforderung seit Kenntnis des Schadens beginnt demnach vom Zeitpunkt der Fruchtloserklä
rung beziehungsweise von deren Veröffentlichung im Schweizerischen Handels
amtsblatt (SHAB) an zu laufen (BGE 129 V 193 E. 2.3, 128 V 10 E. 5a, 126 V 443 E. 3c).
3.3
Gemäss Angaben der Beschwerdegegnerin setzt sich die Schadenersatzforderung von
Fr.
24'672.50 wie folgt zusammen (
Urk.
5/64
/5
):
AHV-Lohnbeiträge 2014
Fr.
11'213.40
ALV-Lohnbeiträge
Fr.
2'395.10
FAK-Lohnbeiträge
Fr.
1'306.40
Verwaltungskosten Lohn
Fr.
308.35
AHV-Lohnbeiträge 2015
Fr.
6’290.10
ALV-Lohnbeiträge
Fr.
1'343.50
FAK-Lohnbeiträge
Fr.
671.75
Verwaltungskosten Lohn
Fr.
220.15
Mahngebühren
Fr.
180.--
Verzugs- und Vergütungszinsen
Fr.
1'280.45
Betreibungskosten
Fr.
103.30
-
FAK-Zulagen
(Verrechnung)
Fr.
600.
--
-
Zahlungen
Fr.
40.--
Saldo
Fr.
24'672.50
Dieser von der
Beschwerdegegnerin
ge
ltend gemachte Schaden
für die unbezahlt gebliebenen Beiträge und Nebenkosten wird vom Beschwerdeführer in
masslicher
Hinsicht nicht bestritten
(
Urk.
1)
. Er ist anhand der
Kassenakten
hinreichend sub
stantiiert dargelegt.
Hinsichtlich der Beiträge des Jahres 2014 ist dabei darauf hinzuweisen, dass diese
von der
Beschwerdegegnerin
aufgrund fehlender Lohn
deklaration
des Beschwerdeführers
zunächst
mit Veranlagungsverfügung
vom 2
2.
Januar 2016
ermessensweise basierend auf einer Lohnsumme von
Fr.
120‘000.
--
f
estgesetzt
wurden
(
Urk.
5/
28 und
Urk.
5/
31
).
Am 1
9.
April 2016 (Eingangsdatum) reichte der
Beschwerdeführer
die Lohnde
klaration von 2014
nach (
Urk.
5/36)
.
D
araufhin
korrigierte die Beschwerdegegnerin ihre
Berechnung
und setzte
die Beiträge für das Jahr 2014
basierend auf den tatsächlichen
Löhnen
in der Höhe von
Fr.
108‘868.-- fest
(
Urk.
5/46).
Im
Weiteren ist
zu bemerken
, dass die Beschwerdegegnerin mit Erlass der Scha
denersatzverfügung vom 2
2.
Mai 2018 (
Urk.
5/64) die
zweijährige Verjährungs
frist seit der Einstellung des Konkursverfahrens
der
Y._
GmbH
mangels Akti
ven am 2
3.
Mai 2016 respektive seit der betreffenden Veröffentlichung im SHAB am 3
0.
Mai 2016 eingehalten hat
(www.zefix.ch)
.
Die streitgegenständliche
For
derung ist
demnach nicht verjährt.
4
.
4
.1
Art. 14 Abs. 1 AHVG und die Art. 34 ff.
der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenverordnung
(
AHVV
)
schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entspre
chenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die
Bei
tragszahlungs
- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vor
geschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffentlich
rechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118
V
193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
4.2
Nach Art. 34 Abs. 1
lit
. a AHVV haben die Arbeitgeber der Ausgleichskasse die Beiträge monatlich oder, bei jährlichen Lohnsummen unter 200‘000 Franken, vierteljährlich zu bezahlen. Die für die Zahlungsperiode geschuldeten Beiträge sind innert zehn Tagen nach deren Ablauf zu bezahlen (Art. 34 Abs. 3 AHVV).
Gemäss
Art. 35 Abs. 1 AHVV haben die Arbeitgeber im laufenden Jahr periodisch
Akontobeiträge
zu entrichten. Diese werden von der Ausgleichskasse auf Grund der voraussichtlichen Lohnsumme des Beitragsjahres festgesetzt.
Gemäss
Art. 36 Abs. 4 AHVV nimmt die Ausgleichskasse den Ausgleich zwischen den geleisteten
Akontobeiträgen
und den tatsächlich geschuldeten Beiträgen aufgrund der Abrechnung der Arbeitgeber vor. Ausstehende Beiträge sind innert 30 Tagen ab Rechnungsstellung zu bezahlen. Überschüssige Beiträge werden von der Aus
gleichskasse zurückerstattet oder verrechnet. Die Abrechnungsperiode umfasst das Kalenderjahr
(Art. 36 Abs. 3 Satz 1 AHVV)
.
4.3
Die
Y._
GmbH
richtete in den Jahren
2014 und 2015
Lohnzahlungen von ins
gesamt
Fr.
169‘937.--
(
Fr.
108‘868.-- und
Fr.
61‘069.--;
Urk.
5/36-37) aus, blieb
der Beschwerdegegnerin
mit Ausnahme
einer Zahlung von
Fr.
40.--
die Sozial
versicherungsbeiträge
trotz
erfolgter
Mahnungen
(Urk. 5/12, Urk. 5/24, Urk. 5/32, Urk. 5/34)
jedoch
schuldig
.
Die
Y._
GmbH ist
ihren Zahlungs- und
Arbeit
geb
erpflichten
somit nicht nachgekommen
.
Zu
prüfen
bleibt
, inwieweit diese Missachtung
öf
fentlichrechtlicher
Arbeitgeber
pflichten auf grobfahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten des Beschwerdefüh
rers zurückzuführen ist.
5.
5.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem Wortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder grob
fahrlässig Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Scha
den verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vor
satz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, wel
che das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen las
sen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit aus
schliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätz
licher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn besondere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
5
.2
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langen
den Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorg
faltspflicht, die in den kauf
männischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss (BGE 112 V 156 E. 4 mit Hinweisen; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
5
.3
Nicht jedes einer Firma als solcher anzulastende Ver
schulden muss auch ein solches ihrer sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und inwieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der Ver
antwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person über
tragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b).
Bei einfachen Verhältnissen muss vom einzigen Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft, der als solcher die Verwaltung der Gesellschaft als einzige Person in Organstellung zu besorgen hat, in der Regel der Überblick über alle wesentlichen Belange der Firma verlangt werden, und dies selbst dann, wenn er seine Befugnisse weitge
hend an einen Geschäftsführer delegiert hat. Er kann mit der Delegation der Geschäftsführung nicht zugleich auch seine Verantwortung als einziges Verwal
tungsorgan an den Ge
schäftsführer delegieren (BGE 108 V 199 E. 3b).
5
.4
Formell eingesetzte Geschäftsführer einer GmbH wie auch Personen, die faktisch die Funktion eines Geschäftsführers ausüben, haften für den der Ausgleichskasse zufolge nicht bezahlter Bundessozialversicherungsbeiträge entstandenen Scha
den nach den gleichen Grundsätzen wie Organe einer Aktiengesellschaft. Dage
gen besteht für den blossen Gesellschafter einer GmbH vorbehältlich einer abweichenden statutarischen Regelung keine Pflicht zur Kontrolle oder Überwa
chung der Geschäftsführung, weshalb ihm das Fehlverhalten der Gesellschaft auch nicht angerechnet werden darf (BGE 126 V 237 ff.).
5.5
Der
Beschwerdeführer war se
it der Gründung der
Y._
GmbH am
5.
April 2013
einziger Ges
ellschafter und Geschäftsführer dieser Firma.
Ihm kam somit formelle Organeigenschaft zu.
Bei der
Y._
GmbH
handelte es sich
– auch mit Blick auf d
ie ausgerichtete
n
Lohnsumme
n
– um ein kleines
Unternehmen mit einfacher Verwaltungsstruktur. Die Verhältnisse, namentlich auch hinsichtlich der beitragsrechtlichen Situation, waren einfach und leicht überschaubar
. Bei derartigen
Verhältnissen wird vom einzigen Geschäftsführer einer
GmbH
praxisgemäss
verlangt, dass er den Über
blick über alle wesentlichen Belange des
Unternehmens hat.
Dass dies vorliegend der Fall war, wird vom
Beschwerdeführer denn auch nic
ht bestritten (
Urk.
1).
Nach der Rechtsprechung zu Art. 52 AHVG ist es – allenfalls abgesehen
von kurzfristigen Ausständen –
grobfahrlässig, Löhne zu bezahlen, wenn die darauf geschuldeten AHV-Beiträge nicht gedeckt sind.
Ein solches
Verhalten ist den ver
antwortlichen Organen grundsätzlich als qualifiziertes Verschulden zuzurechnen, was die volle Schadenersatzpflicht nach sich zieht, sofern die übrigen Haftungs
voraussetzungen ebenfalls erfüllt sind. Der Grund liegt in der besonderen Natur der AHV-Beträge, hinsichtlich welcher der Arbeitgeber die Funktion eines Voll
zugsorgans ausübt (Art. 51 AHVG). Daraus resultiert eine besondere Pflicht, für die
ordnungsgemässe
Bezahlung der Beiträge zu sorgen (
vgl.
Urteil des Bundes
gerichts 9C_311/2015 vom 9. Juli 2015 E. 4.2.2). Falls daher die Liquiditätssitu
ation die Begleichung der vollen Bruttolöhne zuzüglich des Beitragsanteils des Arbeitgebers nicht zulässt, sind die Lohnzahlungen auf ein
Mass
zu reduzieren, welches die Entrichtung der darauf anfallenden Sozialversicherungsbeiträge erlaubt (vgl.
Urteil des Bundesgerichts
9C_328/2012 vom 11. Dezember 2012 E. 5.1 mit Hinweis auf Reichmuth, Die Haftung des Arbeitgebers und seiner Organe nach Art. 52 AHVG,
Diss
.
2008,
Rz
673 und 952 mit
weiteren Hinweisen). Dieser Verpflichtung
ist der Beschwerdeführer
nicht
nachgekommen. Er räumte
d
en Netto-Lohnzahlungen in den
Jahr
en
2014 und 2015
vielmehr
Priorität vor der
Beitragsentrichtung
ein
(
Urk.
1)
.
Nach dem Gesagten steht fest, dass dem Beschwerdeführer die Nichtbegleichung von Sozialversicherungsbeiträgen
zumindest
als
grobfahrlässige Unterlassung anzurechnen ist.
Dass er trotz viel Einsatz selber keinen Lohn erhalt
en
und die Firma keinen Gewinn erzielt habe
n soll
(
Urk.
1), vermag daran nichts zu ändern.
Exkulpationsgründe sind nicht ersichtlich.
6
.
6.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52 Abs. 1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässigen Missach
tung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzu
sammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4).
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des ein
getretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allge
mein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119 Ib 334 E. 3c).
6.2
Hätte die
Y._
GmbH nur soweit Löhne ausbezahlt
, als sie die
darauf geschul
det
en Beiträge
bei Fälligkeit ebenfalls hätte
begleichen können
, wäre der Schaden
der Beschwerdegegnerin
nicht eingetreten.
Zwischen dem widerrechtlichen Ver
halten des Beschwerdeführers und dem eingetretenen Schaden ist ein adäquater Kausalzusammenhang
demnach
zu bejahen.
7.
Nach dem Dargelegten wurde der Beschwerdeführer
zu Recht verpflichtet, für den eingetretenen Schaden im Umfang von
Fr.
24‘672.50
Ersatz zu leisten. Dies füh
rt zur Abweisung der Beschwerde.