Decision ID: 2e7b01c8-7779-4302-96dd-9c6ad624940e
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren
1965
,
Mutter
dreier Kinder (geboren 1985, 1999, 2001)
,
war
zuletzt
seit
April
2007
temporär
bei
Y._
,
als
Pflegefachfrau (
Urk.
6/3
Ziff.
5.4,
Urk.
6/12)
tätig.
A
m
3.
Februar
2008
erlitt sie
bei einem Treppensturz
an der rechten Hand
eine
Fraktur der Grundphalanx des Ringfingers
, welche am
6.
Februar 2008 operativ
mittels Osteosynthese
versorgt wurde (vgl.
Urk.
6/11/135).
M
it Verfügung vom
3.
Oktober 2011 (
Urk.
6/35)
sprach ihr
der Unfallversicherer
eine Rente von 20
%
sowie eine
Integritätsent
schädigung
basierend auf einer Integritätseinbusse von
20
%
zu (
Urk.
6/35).
Am 2
9.
Juli 20
10 meldete sich die Versicherte
bei der Invalidenversicherung zum Rentenbezug an
(
Urk.
6/3)
.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte in der Folge medizinische Berichte (
Urk.
6/26
,
Urk.
6/32,
Urk.
6/37
),
Berufsunterlagen (
Urk.
6/12), einen
Ausz
ug
aus dem individuellen Konto (IK-Auszug;
Urk.
6/10) und die Unterlagen des Unfallversicherers (Urk.
6/11
,
Urk.
6/20
,
Urk.
6/27
) ein.
Sodann veranlasste sie ein psychiatrisches Gutachten, welches am 2
0.
Januar 2012 erstattet wurde (
Urk.
6/42).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/47
,
Urk.
6/57,
Urk.
6/61) ver
neinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom
1
4.
Juni 2012 (
Urk.
6/64 =
Urk.
2)
den Anspruch der Versicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung
.
2.
Gegen die Verfügung vom 1
4.
Juni 2012 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am 1
6.
August 2012 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte
deren Aufhebung so
wie die Ausrichtung einer Rente
. Eventuell seien berufliche Massnahmen
zu gewähren
(S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
September 2012 (
Urk.
5) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 2
8.
September 2012 (
Urk.
7) wurde das Gesuch der Versicherten um unentgeltli
che Prozessführung und unentgeltliche Rechtsvertretung (
Urk.
1 S. 2) bewilligt.
Mit Replik vom
3.
Dezember 2012 (
Urk.
10) hielt die Versicherte an ihren gestell
ten Rechtsbegehren fest
,
beantragte die Durchführung eines unabhängi
gen polydisziplinären Gutachtens
und reichte einen medizinischen Bericht (
Urk.
11) ein
.
Am
4.
März 2013 (
Urk.
13) verzichtete die IV-Stelle auf die Dup
lik, was der Versicherten am
6.
März 2013 (
Urk.
14) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre leistungsverneinende Verfügung vom Juni 2012 (
Urk.
2) damit, dass ein ganzheitliches Krankheitsbild vorliege mit psychosozialen und soziokulturellen Faktoren. Versicherungsmedizinisch gehöre die Schmerzstörung zu den
ätiologisch-
pathogenetisch
unklaren
syndromalen
Zustandsbildern ohne na
chweisbare organische Grundlage.
Es lie
ge keine eigenständige psychiatrische
Komorbiditä
t
vor und
eine
Willensan
strengung
zur
Schmerzüberwindung sei zumutbar
(
Urk.
2 S. 1 f.)
.
Die Beschwerdeführerin leide an keinem invalidisierenden Gesundheitsschaden und somit sei ihr in sämtlichen Tätigkeiten eine vollständige Arbeitsfähigkeit zumutbar.
B
erufliche Massnahmen
seien weder
angezeigt noch durchzuführen. Im Übrigen sei diesbezüglich der notwendige subjektive Eingliederungswille wohl eher in Frage zu stellen (
Urk.
5 S. 2
Ziff.
4).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Beschwerde vom August 2012 (
Urk.
1) geltend, sie leide neben den somatischen Einschränkungen infolge des
Unfaller
eignis
ses
im Jahr 2008 seit Jahren an
psychischen Störungen. Der behandelnde Psychiater gehe von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit aus (S. 3 f.
Ziff.
6). Dem versicherungspsychiatrischen Gutachten könne gefolgt werden, wonach weder in der bisherigen Tätigkeit noch in e
iner
Verweistätig
keit
eine Arbeitsfähigkeit bestehe (S. 4 f.
Ziff.
7
, S. 7
Ziff.
12, S. 8 f.
Ziff.
15
)
. Die Beschwerdegegnerin habe überdies die Schmerzpraxis fehlerhaft angewen
det. So sei die psychische
Komorbidität
klar ausgewiesen
,
und es lägen auch organisch nachgewiesene Beeinträc
htigungen vor (S. 9 ff.
Ziff.
18
-20).
3.
3.1
Dr.
med.
Z._
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und für Psychotherapie,
nannte
in seinem Bericht vom 2
6.
November 2007 (
Urk.
6/11/45-46
=
Urk.
6/20/66-67
) als Diagnose eine
Anpassungsstörung
(
ICD-10 F43
)
mit Beein
trächtigung anderer Gefühle (Sorgen, Angstperspektive
,
Ärger durch das Mob
bing) und leichte
depressive Anteile, ICD 10 F43.23 (
Ziff.
4).
Laut Angaben sei
die Beschwerdeführerin am Arbeitsplatz gemobbt worden, wodurch ihre Ängste mit Panikattacken, ihre Depressionen und ihre Platzangst, welche bei ihr seit Jahren bekannt seien (zehn Jahre)
,
zugenommen hätten. Sie sei durch den Hausarzt seit dem
1.
September 2007 zu 100
%
krankgeschrieben (
Ziff.
1).
Die Beschwerdeführerin leide an Schlafstörungen, an innerer Unruhe und denke, dass alle Freunde und Kolleginnen gegen sie seien. Sie leide an Herz
klopfen und Kopfschmerzen
,
weswegen sie medikamentös behandelt werde (
Ziff.
2).
Sie
sei im Affekt leicht depressiv und
nachdenklich, im Antrieb leicht unruhig und psychomotorisch leicht gesteigert (
Ziff.
3).
Dr.
Z._
führte
aus
,
die Beschwerdeführerin vom 2
6.
September bis
1.
November 2007 sechsmal gese
hen zu haben. Da er sie seither nicht mehr gesehen habe, könne er nicht sagen, ob sich die Situation
stabilisiert habe oder nicht. Aus seiner Sicht sei sie ab dem 1
5.
November 2007 zu 50
%
und ab dem
3.
Dezember 2007 wieder zu 100
%
arbeitsfähig (
Ziff.
5-
6). Unter psychiatrischer Begleitung sei der Zustand ver
besserungsfähig und die Prognose gut.
Eine Tagesstruktur in der Privatwirt
schaft sei zu empfehlen, um eine Invalidisierung zu vermeiden (Ziff.
7).
3.2
Kreisarzt
Dr.
med.
A._
, Facharzt
FMH für orthopädische Chirurgie,
hielt in seinem Bericht vom 2
5.
Januar
2011 (
Urk.
6/20/4-10)
fest,
es werde stets von einem
Complex
Regional
Pain
Syndrome (
CRPS
)
gesprochen, aller
dings habe er keine Befunde, die klar dafür sprächen. Diese hätten schon im Dezember 2008 gefehlt. Um das Schmerzsyndrom besser aufzuschlüsseln
,
sei eine Skelettszintigraphie durchzuführen, sofern nicht schon eine durchgeführt worden sei. Das Verhalten der Beschwerdeführerin sei eigenartig. Sie sei apa
thisch, schone in der Untersuchung die Hand ausgeprägt, gebe aber doch an, sie einigermassen einsetzen zu können und fahre unter anderem noch Auto. Ein
drücklich sei der Stimmungsumschwung der Beschwerdeführeri
n am Ende der Untersuchung von a
pathisch zu aggressiv gewesen. Ihre aktuelle
Lebenssitua
tion
sei ungut, subj
ektiv sei die Ursache der ungün
stigen Entwicklung die
Fin
gerfraktur
und das CRPS, für welches sie die Ärzte verantwortlich
machen wolle. Aus den Akten gehe
jedoch schon im Jahre 2007 eine psychiatrische Störung hervor, und der Treppensturz sei von dramatischen Umständen beglei
tet oder gar ausgelöst worden, so dass in diesem Gesamtrahmen das Bild eini
germassen verständlich werde.
In ihrer aktuellen Situation sei die Beschwerdeführerin nicht arbeitsfähig. Es sei jedoch unklar, welche Elemente dafür verantwortlich seien (S. 7).
Dr
.
A._
hielt in seinem ergänzenden Bericht vom 2
5.
März 2011 (Urk.
6/27/2-3) fest, die am 1
4.
Februar 2011 durchgeführte
Dreiphasen-Ganz
körper-Szintigraphie
(vgl.
Urk.
6/26/5)
habe
keine Hinweise für ein CRPS erge
ben. Eine vermehrte Hyperaktivität im Grundglied IV rechts werde als
residuel
ler
Knochenumbau eingestuft
. Die eingeschränkte Funktion in Ellbogen und Schultergelenk lasse sich nicht in Zusammenhang mit der Handverletzung brin
gen, ebenso wenig die Migräneanfälle und auch nicht das Phänomen,
das
s
eine Berührung der rechten Hand zu Nausea und Miktionsdrang führe. Wegen der Funktionseinschränkung der
ulnaren
drei Langfinger bestehe eine verminderte Kraft in dies
er Hand. Es könnten nur Gegenstände mit einem Durchmesser von vier und mehr Zentimetern mit allen Fingern erfasst werden bei Kraftverlust. Auch die Streckung gelinge nicht voll, so dass nicht in engere Spalten gegriffen werden könne. Daumen und Zeigefinger funktionierten gut und leichte Sachen könnten so gehandhabt werden. Die Geschicklichkeit sei beeinträchtigt. Die
Gewichtslimite
liege bei vorsichtiger Schätzung bei einem Kilo. Die Belastbar
keit korrespondiere auch mit den Angaben über die Tätigkeit der Beschwerde
führerin, dass sie ihren Haushalt teilweise selber führe und ein Auto lenken könne. Die psychiatrische Dimension sei hier nicht angesprochen, dies liege nicht in seiner Kompetenz. Bei einer geeigneten Tätigkeit könne von einem ganztägigen Einsatz ausgegangen werden. Nur wegen der Handverletzung bestehe heute kein Behandlungsbedarf
m
ehr, wohl aus neurologische
r
und psy
chiatrischer Sicht (S. 1 f.).
3.
3
Dr.
med. B._
, Facharzt FMH für Chirurgie,
stellte in seinem Bericht vom
5.
September 2011 (
Urk.
6/32) folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
chronisches
Schmerzsyndrom der rechten Hand
mit fixierter
Krallenstel
lung
aller Finger, keine nachweisbare Läsion eines peripheren Nerven
Status nach Sturz auf die rechte Hand am
3.
Februar 2008 mit Fraktur des rechten Ringfingers
Dr.
B._
führte
aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem 2
6.
April 2011 bei ihm in Behandlung (
Ziff.
1.2).
In der angestammten Tätigkeit als Kranken
schwester sei die Beschwerdeführerin
zur Zeit
und bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig
(
Ziff.
1.6)
.
Es bestehe
eine
verminderte Belastbarkeit der re
chten
oberen
Extremität und des Achsenorgans. Für alle Tätigkeiten mit schwerem Heben oder Tragen von Lasten
sowie in wirbelsäulenbelastenden Tätigkeiten in Zwangshaltungen, für langan
dauerndes reines Stehen
,
insbesondere in
vornübergeneigter
Körperhaltung, für alle Tätigkeiten mit repetitiven Rumpf- oder Halswirbelsäulenrotierenden Stere
otypien sowie Arbeiten überwiegend im Überkopfbereich sei die Beschwerde
führerin aufgrund der medizinischen Diagnose nicht geeignet. Z
umutbar seien körperlich leichte Tätigkeiten in wirbelsäulenadaptierten Wechselpositionen, kein Heben schwerer Lasten,
nicht mehr als 5 kg kurzfristig und 2
k
g länger
fristig.
In einer solchen der Behinderung angepassten Tätigkeit sei die Beschwer
deführe
rin aus somatischer Sicht zu 50
%
arbeitsfähig. Die Arbeitsfä
higkeit aus psychiatrischer Sicht müsse durch einen Psychiater
beurteilt werden (
Ziff.
1.7).
3.
4
Der behandelnde Psychiater
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Psychi
atrie und Psychotherapie, stellte in seinem Bericht vom 2
0
.
September 2011 (
Urk.
6/37) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.2):
schwere depressive Episode (
ICD-10 F32.2
)
Agoraphobie
(
ICD-10 F40.
0
)
Klaustrophobie (ICD-10 F40.2)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er path
ologi
sches Stehlen (Kleptomanie;
ICD-10 F63.2
)
.
Die Beschwerdeführerin sei seit dem 1
0.
Januar 2011 bei ihm in Behandlung, wobei die letzte Konsultation am 2
0.
September 2011 stattgefunden habe (
Ziff.
1.3).
Die Konsultationen fänden in zwei- bis vierwöchigen Abständen statt. Die Beschwerdeführerin ne
hme die Termine zuverlässig wa
h
r (
Ziff.
1.6).
Dr.
C._
führte
aus, dass sich bei der Beschwerdeführerin in der Zeit nach dem Unfall zunehmend ein depressives Syndrom schleichend manifestiert habe, welches aktuell als schwere depressive Episode einzustufen sei. Zudem leide sie an einer Agoraphobie. Als problematisch träten auch die starken inneren Anspannungszustände mit Kleptomanie hervor. Weiter sei noch die
Schonhal
tung
vom rechten Arm und der Hand zu erwähnen, wobei die Beschwerde
führerin eine grosse Angst geschild
ert habe, dass ihr jemand recht
s die Hand geben oder berühren könnte und sie in jenem Fall mit Brechreiz und unwillkür
licher Blasenentleerung reagieren müsse. Die
s
lasse eine
Konversionssympto
matik
vermuten. Seit dem Unfall sei es krankheitsbedingt zu einem zunehmen
den Verlust der sozialen Integration der Beschwerdeführerin gekommen: Arbeitsplatzverlust, Ehescheidung, Verlust ihrer persönlichen Interessen und sozialer Rückzug. Unter den bisherigen Behandlungen habe bis heute keine Besserung des Gesundheitszustandes erreicht werden können. In den psychi
atrischen Konsultationen erscheine die Beschwerdeführerin wenig introspektiv und ausserdem sehr eingeschränkt schwingungsfähig. Das Leiden sei über einen psychotherapeutischen Zugang schwer beeinflussbar. Der jetzige psychische Gesundheitszustand müsse leider als
chronifiziert
betrachtet werden. Von einer zukünftigen ambulanten oder allfälligen stationären psychiatrischen Behand
lung sei eher keine nachhaltige Besserung bezüglich einer Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt zu erwarten (
Ziff.
1.5).
Sie
sei zu 100
%
arbeitsunfähig für jegliche Tätigkeit auf dem ersten Arbeits
markt seit mindestens Januar 2011, höchstwahrscheinlich auch schon früher (
Ziff.
1.7). Mit der Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit bzw. mit einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit könne nicht gerechnet werden (
Ziff.
1.10).
3.
5
Am 2
0.
Januar 2012 erstattete
Dr.
med.
D._
,
Facharzt FMH für Psychi
atrie und für Psychotherapie, das von der Beschwerdegegnerin veran
lasste psychiatrische Gutachten (
Urk.
6/42). Er stellte folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 27 Mitte)
:
ge
mischte Persönlichkeitsstörung (
ICD-10 F61
)
mit emotional-instabilen und
histrionischen
Zügen
Beginn nicht
explorierbar
bzw. erst ab 2007 dokumentiert
Exazerbation durch destabilisierende Veränderungen durch den Unfall vom
3.
Februar 2008
mit überintensiver in
nerer Spannung bei gleichzeitig
gestörter emotio
naler Regulation mit Hilfe von Kratzen
(
ICD-10 F63.8
)
und pathologischem Stehlen
(
ICD-10 F63
.2)
chronische Schmerzstörung mit somat
ischen und psychischen Faktoren
(
ICD-10 F45.41
)
Entwicklung in Folge des Unfalls vom
3.
Februar 2008
rez
idivierende depressive Störung (
ICD-10 F33.1
)
erste Phase 2007 reaktiv bei beruflicher Konfliktsituation
zweite Phase reaktiv in der Folge des Unfalls Februar 2008
Agoraphobie mit Panikstörung (
ICD-10 F40.01
)
seit 1997 bzw. 1992 (unterschiedliche Angaben)
Kontrolle der Ängste über pathologisches Stehlen
Dr.
D._
führte
aus, das erste Gespräch habe den Charakter einer dramati
schen In
s
zenierung, passend zu einer
histrionischen
bzw. emotional-instabilen Persönlichkeitsdynamik gehabt.
Vermutlich reguliere sie
ihre innere Spannung nicht nur über Kratzen und pathologisches Stehlen, sondern auch durch Streiten (S. 21
Ziff.
6 oben).
Insgesamt seien grob-klinisch leichte Störungen von Konze
ntration und Gedächt
nis fassbar und
mit den Grunddiagnosen vereinbar.
Die Beschwerde
führerin sei nervös, depressiv und
dysphorisch
sowie emotional instabil, rea
giere rasch gereizt und aggressiv und weine dann. Sie stehe immer wieder auf, nicht nur aufgrund der Schmerzen, sondern auch aus innerer Unruhe bzw. wenn das Gespräch emotional belastend werde. Sie sei von Anfang an müde gewesen, wobei sie einen gestörten Tag-Nacht-Rhythmus habe. Nach drei Stun
den Exploration sei sie so unruhig gewesen, dass das Gespräch auf den zweiten Termin vertagt worden sei (S. 22 oben).
Die Selbstpräse
ntation sei beim zweiten Ter
min deutlich weniger dramatisch
,
v
om Schmerzgebaren her sei sie
jedoch
ähnlich wie beim ersten Termin g
ewe
sen.
Dr.
D._
berichtete,
er
habe
die Beschwerdeführerin
auf die Angaben in den Akten, dass ihr Ehemann ihr die Finger zertrümmert hätte
,
angesprochen, worauf sie das Gespräch unterbrochen und das Zimmer verlassen habe. Die starke emotionale Belastung sei für ihn nur schwer nachvollziehbar. Sie
sei
ruhig zurück
gekommen
,
habe dann aber geweint
. Sie habe eingeräumt, dass ihr damaliger Ehemann durch das Zurückbiegen der Finger das Problem verstärkt habe. Warum sie damals gesagt habe, ihr Mann hätte ihr die Finger zertrüm
mert, könne sie nicht sicher sagen (S. 22 unten).
Dr.
D._
führte
aus, es lägen viele Widersprüche zwischen den Angaben der Beschwerdeführerin und früheren zitierten Angaben in den Akten vor, welche sich aus seiner Sicht weitestgehend im Zusammenhang mit der
histrionischen
und emotional-instabilen Persönlichkeit nachvollziehen liessen. Der
Leidens
druck
sei jedenfalls echt und es gebe keine Hinweise auf
Simulanz
oder Aggra
vation im eigentlichen Sinne. Fragezeichen blieben bezüglich der genauen Umstände des Sturzes vom
3.
Februar 2008 (S. 23 oben).
Auf entsprechende Anfrage hin habe der behandelnde
Psychiater
Dr.
C._
die
Auffassung betreffend das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung in allen Punkten geteilt (S. 23 f. unten).
Objektiv habe die Beschwerdeführerin durchaus Energie, klinisch dominier
t
e
n
die gereizte Stimmung und die interpersonelle Sensitivität. Auch wenn das eher auf eine atypische Depression hinweise, lasse sich insgesamt unter Würdigung der Befunde der
Vorbehandler
, eine aktuell mittelschwere Depression diagnosti
zieren, die sich in der Folge des Unfalls 2008 und den damit verbundenen Ver
lusten an Perspektiven und Lebensqualität entwickelt habe. Unter der Annahme früherer depressiver Phasen, insbesondere 2007, müsse man von einer rezidi
vierenden depressiven Störung ausgehen.
Die beschriebenen agoraphobischen Symptome, welche nur während der kleptoma
n
ischen
Erregung in den Hinter
grund trät
en und die aufkommende
n
Panikattacken, die
sie über ihr
kleptoma
n
isches Verhalten reguliere, entsprächen einer Agoraphobie mit Panikstörung.
Hinzu komme eine Angst vor Enge (Liftangst, Flugangst) und Höhenangst
(S.
24)
.
Die Beschwerdeführerin beschreibe eine erhöhte innere Spannung, mit täglich mehrfach ansteigenden Ängsten. Diese reguliere sie, indem sie rasch einen Laden aufs
uche und
dort etwas steh
le
. Dabei beschreibe sie die maximale Span
nung vor dem konkreten Diebstahl und ein Nachlassen
der Spannung mit emo
tionaler Stabilisierung danach (S. 24 f.
unten
). Daneben reguliere die Beschwer
deführerin ihre innere Spannung über exzessives Kratzen im Ausmass von selbstschädigendem Verhalten. Insgesamt liege eine Störung der emotionalen Regulation und der Impulskontrolle vor (S. 25 oben). Zu den
histrionischen
Zügen
passe
auch die äussere Ersch
einung, die unkonkrete Sprache und
die dramatische Selbstinszenierung mit Begleitperson etc. Das Ausmass einer
Per
sönl
ichkeitsstörung
werde
erreicht
.
Verhalten, Wahrnehmung, Kognition und emotionale Reaktion wichen insgesamt deutlich von der Norm ab und seien mit erheblichem Leiden verbunden.
D
as Gesamtbild
entspreche
einer gemischten Persönlichkeitsstörung. Aus seiner Sicht liege eher eine vor dem Unfall
vorbe
stehende
Persönlichkeitsproblematik vor, welche durch den Unfall und seine unverarbeiteten Auswirkungen
exazerbiert
worden sei
(S. 25 Mitte).
Die Schmer
zen in der Hand seien nicht
linderbar
und würden unter Belastung auf den Abend hin zunehmen. Insgesamt müsse man aufgrund der Anamnese und dem klinischen Bild von einer chronischen S
chmerzstörung
mit somatischen und psychischen Faktoren nach ICD-10 F45.41
ausgehen
(S. 26 oben).
Trotz der Versorgung der Fingerfraktur sei es nach dem Unfall und den damit einhergehenden Schmerzen und praktischen Einschränkungen zu einem Verlust der Arbeitsfähigkeit und der Arbeitsstelle, der Lebensfreude, der Libido und letztlich
zu einem Verlust
der Möglichkeit, die bisherigen Rollen (attraktive Ehefrau, leistungsfähige Krankenschwester, etc.) und das bisherige Selbstbild (stark, hilfreich, unabhängig) aufrechtzuerhalten
,
gekommen
. Die Beschwerde
führerin habe wieder depressive Symptome, eine zusätzliche schmerztypische Gereiztheit und eine Verstärkung der vorbestehenden Angststörungen wie auch der dysfunktional emotionalen Spannungsregulation (stehlen, kratzen) entwi
ckelt. Durch die psychiatrische
Komorbidität
habe sie eine
Chronifizierung
und Ausweitung der unfallbedingten Schmerzen im Sinne einer Störung nach ICD F45.41 mit zentraler und peripherer
Schmerzsensibilisierung
ausgebildet
. Es sei der Beschwerdeführerin in den folgenden Jahren nicht gelungen, die durch den Unfall bedingten Wesens- und Lebensveränderungen zu akzeptieren und sic
h darauf adaptiv einzustellen. Diese a
ggressiv-gereizte Nicht-Akzeptanz sei ein wesentlicher verstärkender pathogener Faktor und habe wohl auch zu der von
der Beschwerdeführerin initiierten Trennung vom Ehemann
geführt
(S. 27 oben).
Dr
.
D._
führte
aus, die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin werde durch eine emotional-instabile und
histrionisch
gefärbte Persönlichkeitsstörung ein
geschränkt. Hinzu kämen depressive Beschwerden, eine Agoraphobie mit
Panik
störung
und Kleptomanie und eine chronische Schmerzstörung. Die depressiven Beschwerden
schwächten
den Antrieb und führten zu vorzeitiger Ermüdung. Sie beeinträchtigten die Konzentration und die Motivation. Depres
sive Menschen unterschätzten ihr Leistungsvermögen und würden sich selber als ungenügend und unfähig
erleben und limitierten sich dadurch selber in ihrer Leistung (S. 36
Ziff.
9.4.1). Seit dem Unfall
vo
m
3.
Februar 2008 bestehe bis heute keine Arbeitsfähigkeit mehr sowohl in angestammter wie auch in ange
passter Tätig
keit. Die Arbeitsunfähigkeit s
ei
auf ein psychisches Leiden mit Krankheitswert zurückzuführen
(S. 37
Ziff.
9.4.2-3). Im geschützten Rahmen sei eine tägliche Präsenz von vier Stunden mit regelmässigen Pausen zumutbar (S. 37
Ziff.
9.4.5). Indiziert sei
en
eine Intensivierung der ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung mit Fokus auf die Spannungsregulation und Verarbeitung/Akzeptanz sowie Optimierung der Medikation, dazu
tagesstruktu
rierende
Angebote sowie das Durchlaufen eines stationären DBT-Programms
von etwa drei
Monaten Dauer. Das sei aus psychiatrischer Sicht notwendig und zumutbar und insofern auch im Sinne einer Schadenminderungspflicht
aufer
legbar
. Die Arbeitsfähigkeit würde danach, d.h. in einem Zeitraum von 6
Monaten
,
etwa 50
%
in somatisch optimal angepassten Tätigkeiten betragen (S. 37
Ziff.
9.5).
Im Anschluss seien berufliche Massnahmen sinnvoll, um die Beschwer
deführerin in der Realisation ihrer potentiellen Arbeitsfähigkeit zu unterstützen (S. 37
Ziff.
9.6). Ohne die Umsetzung dieser Massnahmen sei die Prognose ungünstig (S. 38
Ziff.
9.9).
Substanziell abweichende psychiatrische Beurteilungen lägen aus Sicht
von
Dr.
D._
nicht vor. Die Angaben von
Dr.
Z._
lägen
weit zurück und der aktuell behandelnde Psychiater stimme weitgehend mit seiner Meinung
überein
. Die
Einschätzu
ng
, w
onach ein
e
posttraumatische Belastungsstörung
vorliegen solle
(vgl.
Urk.
6/11/60-61)
, sei nicht nachvollziehbar (S. 38
Ziff.
9.8).
In Bezug auf die
somatoforme
Schmerzstörung sei
en
sowohl
die Kriterien
der schwer
wiegenden psychischen Störung als auch ein
weitestgehender
sozialer Rückzug erfüllt (S. 39
Ziff.
10 unten). Die Hauptprobleme seien die emotionale Dysregu
lation und Reizbarkeit, welche mit erheblichen interperson
ellen Schwierigkeiten einhergingen
und auch die Verarbeitung des Unfalls und der Schmerzen bzw. die willentliche Überwindbarkeit d
er Schmerzen insgesamt erschwerten
. Dazu kämen Ängste und Depressivität (S. 40 oben).
3.
6
Dr.
med
.
E._
,
Fachärztin
FMH
für
Arbeitsmedizin und
Allge
meine Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in ihrer Stellung
nahme vom
1
3.
Februar 2012 (
Urk.
6/45/7) aus, in der ärztlichen Darlegung gelange ein ganzheitliches
Krankheitsbild
zum Ausdruck
, wie es der herrschen
den medizinischen Auffassung entspreche. Es beziehe - mit therapeutischer Zielsetzung - auch psychosoziale und soziokulturelle Faktoren mit ein und nehme den Patienten in seiner Subjektivität ernst. Davon abzugrenzen sei die rechtlich zu beantwortende Frage, welche Beeinträchtigungen in der Invaliden
versicherung versich
ert seien.
Versicherungsmedizinisch gehöre die vorliegende Diagnose „Schmerzstörung“ zu den ätiologisch-
pathogenetisch
unklaren
syndromalen
Zustandsbildern ohne nachweisbare organische Grundlage. Den vorliegenden Akten seien keine objektivierbaren anatomischen Befunde zu entnehmen, welche aus
versiche
rungsmedizinischer
Sicht eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit begründen könn
ten. Es lägen keine Anhaltpunkte für eine losgelöste, eigenständige, erhebliche psychiatrische
Komorbidität
oder sonstige Funktionseinschränkung vor. Eine Willensanstrengung zur Schmerzüberwindung
beziehungsweise
zur Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei zumutbar.
In ihrer Stellungnahme
vom 1
0.
Mai
2012 (
Urk.
6/63/2-3)
führte
Dr.
E._
aus, im Gutachten von
Dr.
D._
sei
gesamthaft keine erhebliche, vom Schmerzerleben losgelöste, eigenständige
psychische Erk
r
ankung dargelegt. Ein sozialer Rückzug fehle (sie pflege Sozialkontakte und lasse sich chauffieren). Der Tagesablauf sei wenig pathologisch und eine Agora- und Klaustrophobie stehe im Widerspruch zu den täglichen Ladenbesuchen und Autofahrten. Die Kleptomanie sei invaliditätsfremd und die Hyperventilations-Att
acken seien psychosomatischen Ursprungs und gehörten somit in den Rahmen
des
somato
formen
Geschehens. Den Befunden und Funktionsbeschreibungen von
Dr.
D._
könne keine erhebliche, vom Schmerzerleben losgelöste, eigenstän
dige
psychische
Komorbidität
entnommen werden
(S. 2)
.
3.
7
Nach Beschwerdeerhebung führte
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Neurologie und Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, auf Anfrage der Beschwerdegegneri
n in seiner Stellungnahme von 1
2.
September 2012 (Urk.
6/0) aus, aus versicherungsmedizinischer Sicht könne auf das Gutachten vo
n
Dr.
D._
(vorstehend E. 3.5
) nicht ohne weiteres abgestellt werden.
Die
Diagnose e
iner chronischen Schmerzstörung mit somatischen
und psychi
schen
Faktoren
(ICD-10
F45.41
) gehöre
zu den ätiologisch-
pathogenetisch
unklaren
syndromalen
Zustands
bildern ohne nachweisbare organische
Grund
lage
.
D
en vorliegenden Akten seien keine objektivierbaren anatomischen
Befunde zu entnehmen, welche aus versicherungsmedizinischer Sicht eine dau
erhafte Arbeitsunfähigkeit begründen
könnten. Somit sei die Diagnose
analog der heutigen Rechtsprechung als ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu bezeichnen. Dies im Gegensatz zu der Annahme des Gutachters, welcher die Diagnose als mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bezeichnet habe (S. 1
Ziff.
1
).
Weiter hielt
Dr
.
F._
fest,
bei der depressiven Störung handle es si
ch aufgrund der dargelegten objektiven
Befunde am ehesten um eine Anpassungsstörung, die ke
ine relevante längerfristige Arbeitsunfähigkeit
begründe.
Unter Berück
sichtigung der aktuellen Rechtsanwendung sei der Beschwerdeführerin eine Willensanstrengung zur Überwindung der im Subjektiven verbleiben
den Defi
zite zumutbar (S. 2
Ziff.
2
). Ein sozialer Rückzug fehle und der Tagesablauf weise auf kein hochgradig eingeschränktes Aktivitätsniveau hin. Es bestünden multiple nicht IV-relevante psychosoziale Belastungsfaktoren
(S. 2
Ziff.
3-4)
und
erhebliche Widersprüche und Inkonsistenzen
zwischen den Angaben der Beschwerdeführerin und früher zitierten Angaben in den Akten.
In Anbetracht der unauffälligen früheren Entwicklung, einer abgeschlos
senen Ausbildung und der familiären Entwicklung
erscheine die Annahme einer
Per
sönlichkeitsst
örung
, die eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
nach sich ziehe, als nicht plausibel
(S. 2
Ziff.
5)
. Eine Agoraphobie mit Panikstörung
(ICD-10 F40.01)
bestehe
aktenkundig bereits
seit 1997 und habe bis zum Unfall keine Auswirkung
auf
die Arbeitsfähigkeit gehabt. Im Übrigen sei auf die Stellung
nahme von
Dr.
E._
zu verweisen (S. 2
Ziff.
6).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin vertrat in
der angefochtenen
Verfügung
vom Juni 2012 (
Urk.
2)
gestützt auf die Beurteilung der RAD-
Ärztin
Dr.
E._
(vor
stehend E. 3.6) und des RAD-Arztes
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.7) den Stand
punkt, es läge ein ätiologisch-
pathogenetisch
unklares
syndromales
Zustands
bild
vor, und verwies auf die diesbezügliche Praxis (vorstehend E. 2.1,
Urk.
5). Dies steht im Gegensatz zu der Einschätzung des die Beschwerdeführerin behandelnden Psychiaters
Dr.
C._
(vorstehend E. 3.4) und auch
zur Beur
teilung durch
Dr.
D._
in seinem im Januar 2012 erstatteten Gutachten (vor
stehend E. 3.5).
4.2
Das
ausführliche
psychiatr
ische Gutachten von
Dr.
D._
berücksichtigt die von der
Beschwerdeführer
in
geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen umfassend auseinander. Es wurde sodann in Ken
ntnis der wesentlichen
Vorak
ten
abgegeben, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Situation ein, und
die Schlussfolgerung ist in nachvollziehbarer Weise begründet. Es erfüllt daher die Anforderungen an eine beweiskräftige Expertise (vorstehend E. 1.4).
So wurden die subjektiven Beschwerden einerseits offen erfragt, andererseits auch systematisch exploriert.
Weder die
Stellungnahme
n
der fachfremden
RAD-Ärztin
Dr.
E._
(vorste
hend E. 3.6)
noch
die nachträgliche Einschätzung
durch den
RAD-Arzt
Dr.
F._
vom
September 2012
(vorstehend E. 3.7)
vermögen
demgegenüber
zu überzeu
gen
und das psychiatrische Gutachten ernsthaft in Zweifel zu ziehen
.
Wie die beiden RAD-Ärzte
ohne persönliche Untersuchung der Beschwerdeführerin angesichts der
durch den behandelnden Psychiater Dr.
C._
(vorstehend E.
3.4) und
der
durch
den Gutachter
Dr.
D._
gestellten Diagnosen einfach darauf
schliessen konnten
, dass keine psychische
Komorbidität
vorliege
,
ist nicht nachvollziehbar.
Dr.
D._
hielt
ausdrücklich fest, dass
er die Haupteinschränkung in der diagno
stizierten Persönlichkeitsstörung sehe, welcher Einschätzung sich sodann auch der behandelnde Psychiater
Dr.
C._
auf entsprechende Nachfrage hin anschloss.
Die übrigen genannten psychischen Beschwerden
kämen zu der
di
agnostizierten
emotional-instabile
n
und
histrionisch
gefärbte
n
Persönlichkeits
störung
lediglich hinzu.
Weshalb die depressive Störung gemäss RAD-Arzt
Dr.
F._
lediglich eine Anpassungsstörung sein soll, ist nicht nachvollziehbar.
So hat er die Beschwerdeführerin
- wie erwähnt -
nicht einmal persönlich untersucht.
Eine
Anpassungsstörung
wurde
im Übrigen
bereits durch
Dr.
Z._
(vor
stehend E.
3.1) im November 2007 diagnostiziert und dauert recht
sprechungsgemäss kaum länger als zwei Jahre
.
Die durch
Dr.
D._
angesichts der jahrelang bestehenden depressiven Symptomatik gestellte Diagnose einer
chronifizierten
rezidivierenden depressi
ven
Störung ist demgegenüber ein
leuchtend.
Nicht
nachvollziehbar ist
hingegen
, wie
die beiden RAD-Ärzte
bei ausgewiese
ner Handproblematik
(vgl. vorstehend E. 3.2-3)
, für welche
der Beschwerde
führerin
vom Unfallversicherer eine Teilrente und eine Integritätsentschädigung ausgerichtet wurde (vgl.
Urk.
6/35)
,
von einem ätiologisch-
pathogenetisch
unklaren
syndromalen
Zustandsbild ohne organische Grundlage
sprechen kön
nen
.
Zutreffend ist lediglich, dass der soziale Rückzug nicht vollständig ist. Auf diesen Punkt ist hier aber nicht weiter einzugehen, da die
diesbezügliche Rechtsprechung
ohnehin nicht zur Anwendung kommt
, da
die
psych
ische
Komorbidität
gemäss
Dr.
D._
zu bejahen ist
.
4.3
Aufgrund des Gesagten ist dem psychiatrischen Gutachten von
Dr.
D._
fol
gend davon auszugehen, dass seit dem Unfallereignis im Februar 2008 weder in
der angestammten Tätigkeit als Krankenpflegerin noch in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit besteht.
Damit hat die Beschwerdeführerin
(vorerst)
Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung.
Die Beschwerdegegnerin wird die Auferlegung einer Schadenminderungspflicht im Sinne der Beurteilung durch
Dr
.
D._
(vgl.
Urk.
6/42 S. 37
Ziff.
9.5) und hernach eine allfällige Neubeurteilung des Rentenanspruchs zu prüfen haben.
5.
G
emäss
Art.
29
Abs.
1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach
Art.
29
Abs.
1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18.
Altersjahres folgt.
Vorliegend meldete s
ich die Beschwerdeführerin am 2
9.
Juli 2010
zum
Leistungs
bezug
bei der I
nvalidenversicherung an (
Urk.
6/3
), weshalb sie unter Berücksichtigung von
Art.
29
Abs.
3 IVG, wonach die Rente vom Beginn des Monats an ausbezahlt wird, in dem der Rentenanspruch entsteht, ab
1.
Januar
2011
Anspruch auf eine
ganze
Rente hat.
6
.
In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 1
4.
Juni 2012 (
Urk.
2) daher aufzuheben mit der Feststellung, dass ab dem
1.
Januar
2011
ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
ganze
Rente der Invaliden
versicherung besteht.
7.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Ver
fahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Mit Kostennote vom 1
4.
Oktober 2013 (
Urk.
16) machte der unentgeltliche Rech
ts
vertreter der Beschwerdeführerin
einen Aufwand von insgesamt 14.5 Stunden geltend, was als angemessen erscheint (
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Die Prozessentschädigung ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Pro
zesses und beim massgebenden Stundenansatz von
Fr.
200.-- (zuzüglich Mehr
wertsteuer) auf
Fr.
3‘200.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzu
legen.
Ausgangsgemäss ist
der unentgeltliche Rechtsvertreter
in diesem Umfang von der Beschwerdegegnerin zu entschädigen.