Decision ID: fd6a88cc-9be9-5d32-a5ae-35b5e2aba3e7
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964, war vom
1.
September
2014 bis 3
1.
Oktober 2015 beim regionalen Verkehrsbetrieb Y._
als Buschauffeur tätig und damit bei der Suva gegen Unfälle versichert, als er am 1
7.
Mai 2015 von einem ihm unbekannten Fahrgast mittels mehreren Faustschlägen und Fus
s
tritten traktiert wurde (
Urk.
7/1).
Nach getätigten Abklärungen stellte die Suva die bis dahin erbrachten Leistungen mit
Verfügung vom 1
4.
Dezember 2018 ein und verneinte dabei auch einen An
spruch auf eine Rente und eine Integritätsentschädigung (
Urk.
7/275). Die Helsan
a Versicherungen AG zog ihre am
1.
April 2019 erhobene Einsprache (
Urk.
7/293) mit Schreiben vom 1
0.
April 2019 (
Urk.
7/295) zurück. Die vom Versicherten am
7.
Januar 2019 erhobene Einsprache (
Urk.
7/279) wies die Suva mit
E
inspra
che
e
ntscheid
vom 1
7.
April 2019 ab (
Urk.
7/299 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
2
8.
April 2019 Beschwerde (
Urk.
1) gegen den
Ein
spracheentscheid
vom 1
7.
April 2019 (
Urk.
2) und beantragte, dieser sei aufzu
heben, es sei ihm ab
1.
Januar 2019 eine Invalidenrente auf der Grundlage eines Invaliditätsgrades von einhundert Prozent auszurichten, eventuell seien weitere tatsächliche und medizinische Abklärungen vorzunehmen
.
Ferner
sei ihm für das
Einspracheverfahren
die unentgeltliche
Rechtsvertretung
zu gewähren
und die Sache zur Festsetzung der Entschädigung an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen.
(S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
August 2019 (
Urk.
6) beantragte die Suva die Abweisung der Beschwerde, dies wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
0.
August 2019 (
Urk.
8) zur Kenntnis gebracht.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am
9. Novem
ber 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
set
zes
über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversi
che
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am 1
7.
Mai 2015 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall An
wendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natür
lichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adä
quate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.
4
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Ge
sund
heitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergangenen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versicherungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – aus
gehend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung vorgenom
men
wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle ander
seits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.
5
Bei der Einteilung der Unfälle mit psychischen Folgeschäden in leichte, mittel
schwere und schwere Unfälle ist nicht das Unfallerlebnis des Betroffenen mass
gebend, sondern das objektiv erfassbare Unfallereignis (vgl. BGE 120 V 352 E.
5b/
aa
, 115 V 133 E. 6; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237, 1995 Nr. U 215 S. 91).
1.
6
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Un
falles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte
beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamt
wür
digung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E.
6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S.
428, 1999 Nr. U 335 S.
207 ff.; 1999 Nr. U 330 S.
122 ff.; SVR 1996 UV Nr.
58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auf
fallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwie
rigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungs
weise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Krite
rien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zu
sammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen,
die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben
könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.
7
Nach der Rechtsprechung ist bei der Beurteilung der Adäquanz von psychischen Unfallfolgeschäden wie folgt zu differenzieren: Zunächst ist abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule, eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2) oder ein
Schädel
Hirntrauma erlitten hat. Ist dies der Fall, sind bei Unfällen aus dem mittleren Bereich die in BGE 117 V 359 E. 6a und 382 E. 4b umschriebenen Kriterien anzuwenden. Andernfalls erfolgt die Adäquanzbeurteilung in den dem mittleren Bereich zuzuordnenden Fällen nach den Kriterien gemäss BGE 115 V 133 E. 6c/
aa
(siehe zur Begründung der teilweise unterschiedlichen Kriterien: BGE 117 V 359 E. 6a, letzter Absatz).
Ergeben die Abklärungen, dass die versicherte Person ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule, eine diesem äquivalente Verletzung oder ein Schädel-Hirntrau
ma erlitten hat, ist zusätzlich zu beurteilen, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise vorlie
gen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Ist dies der Fall, sind für die Adäquanzbeurteilung bei Fällen aus dem mittleren Bereich die in BGE 115 V 133 E. 6c/
aa
für Unfälle mit psychischen Folgeschäden festgelegten Kriterien (und nicht jene für Fälle mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule, äquivalenter Verletzung oder Schädel-Hirntrauma gemäss BGE 117 V 359 E. 6a und 382 E. 4b) massgebend (BGE 127 V 102 E. 5b/
bb
, 123 V 98 E. 2a
1.
8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid davon aus (
Urk.
2),
dass das Ereignis mit den sich dabei entwickel
nd
en Kräften auf den Körper des
Beschwerdeführers
praxisgemäss in Analogie zu ähnlich gelagerten Fällen höchs
tens als mittelschweres Ereignis im engeren Sinne einzustufen sei. Der adäquate Kausalzusammenhang zwischen de
m
geklagten nicht objektivierbaren Leiden des Beschwerdeführers und dem Unfallereignis vom 1
7.
Mai 2015 sei aus
näher be
zeichneten
Gründen zu verneinen (S. 8 ff.). Auch nach der allgemeinen Adä
qu
anztheorie sei ein entsprechender Kausalzusammenhang nicht gegeben (S. 12 ff.). Schliesslich sei die Einsprache als aussichtslos zu werten, womit der Antrag auf unentgeltliche
Rechtsvertretung
ohne Prüfung der weiteren Voraussetzungen abzuweisen sei (S. 15 f.)
.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber beschwerdeweise auf den Stand
punkt (
Urk.
1), das Kriterium der dramatischen Begleitumstände respektive der besonderen Eindrücklichkeit liege eindeutig vor. Entgegen dem Dafürhalten der
Beschwerdegegnerin sei
dieses
Adäquanzkriteri
um
in besonders ausgeprägter W
eise erfüllt, mithin der rechtserhebliche Kausalzusammenhang gegeben (S. 4).
Inwiefern vorliegend der psychopathologische Zustand auf unfallfremde Faktoren zurückzuführen sei, sei indessen nicht ersichtlich. Vielmehr erscheine das frag
liche Ereignis nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens als geeignet, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen. Folglich bestehe Anlass für weitere Beweisvorkehren, eine antizipierte Beweis
würdigung sei mangels überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht statthaft (S.
5 oben). Nach dem Gesagten sei klarerweise vom Vorliegen eines adäquaten Kau
sal
zusammenhangs zwischen seinem psychischen Leiden und dem Ereignis vom 1
7.
Mai 2015 auszugehen. Aufgrund der nicht strittigen vollständigen Arbeitsun
fähigkeit in jeder Tätigkeit sei eine Invalidenrente auf der Grundlage einer hundert
prozentigen Invalidität auszurichten (S. 5 Mitte).
2
.3
Strittig und zu prüfen ist, ob im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids noch
vor
handene Beschwerden in rechtsgenüglichem Kausalzusammenhang zum erlitt
e
nen Unfall stehen, wovon abhängt, ob die Beschwerdegegnerin eine weitergeh
ende Leistungspflicht trifft.
3
.
3.1
Die Ärzte des Kantonsspitals
Z._
berichteten am 1
7.
Mai 2015 (
Urk.
7/7) über die
«
medizinische Abklärung nach Schlägerei
»
und führten aus, in der klinischen Untersuchung habe eine Fraktur oder eine Organläsion des Abdomens grobkur
sorisch ausgeschlossen werden können. Das EKG habe sich ebenfalls normal ge
zeigt.
Der Beschwerdeführer habe
eine
n
leicht reduzierten Allgemeinzustand
auf
gewiesen, er sei aber wach und 4-fach orientiert gewesen.
A
m Nasenrücken
seien eine
kleine Hautablederung,
jedoch
keine sichtbaren Verletzungen am linken Auge
und
kein sichtbare
s
Monokelhämatom
vorgelegen.
Am Thorax habe es zwei
kleine Schürfungen
gehabt
, ansonsten
ein
unauffälliges Integument
. Der
Body
check
sei unauffällig gewesen
und es hätten
keine
Druckdolenzen
am
Orbitarand
und im restlichen Gesicht, keine Stufenbildung und somit keine Hinweis für eine Gesichtsschädelfraktur,
eine
unauffällige Kopfhaut, keine Hämatome,
eine
leichte
Druckdolenz
über Weichteilen am Ansatz des
Occiput
linksseitig
vorgelegen.
Der
Visus
und
die
Augenmotilität
seien
unauffällig,
die
Pupillenreaktion normal,
die
Herz-, Lungen- und
Abdomenauskultation
unauffällig
gewesen.
Es hätten
keine
Schmerzen über dem Thorax
bestanden
,
und
wenig
Druckdolenz
epigastrisch
, ansonsten
sei d
as
Abdomen palpatorisch unauffällig
gewesen.
3.2
A._
, Fachärztin für Arbeitsmedizin, Institut
B._
, führte im Bericht vom
6.
Juli 2015 (
Urk.
7/221) unter anderem aus, d
ie Befragung und körperliche Untersuchung
des Beschwerdeführers habe sich
auf
grund der vom Beschwerdeführer
geschilderten Symptome als äusserst schwie
rig
gestaltet
. So
habe
er ausgeprägte Schmerzen
geschildert
, die eine Untersuchung nur schwer möglich
gemacht h
ätten
, da man ihn kaum
habe
be
rühren
können
, ohne Beschwerden hervorzurufen. Zudem
s
ei
die Kommuni
kation aufgrund von angegebenen posttraumatischen Erinnerungslücken und fraglichen Sprachproblemen nicht einfach
gewesen
.
Der Beschwerdeführer sei
aufgrund seiner Schmerzen und des Unvermögens, alleine gehen zu können, gestützt von seiner Ehefrau
gekommen
. Die Befragung und Untersuchung
hätten
jedoch nicht in ihrer Anwesenheit statt
gefunden
. Es
sei
immer schwierig, das Krankheitsbild in einem solchen Fall objektiv zu bewerten. Jedoch
sei
der Beschwerdeführer
beobachtet
worden
, wie er unmittelbar nach Verlassen des Instituts für
Arbeits
medizin eine aufrechte
Körperhaltung
eingenommen habe
und mit seiner Frau ganz normal die Strasse entlanggegangen
sei
, offensichtlich ohne in seinen moto
rischen Abl
ä
ufen eingeschränkt zu sein. Aufgrund des Untersuchungsergebnisses und beschriebener Beobachtung
lasse sich eine 100
%
ige
Arbeitsunfähigkeit nicht zwingend verifizieren
(S. 2 oben)
.
Weiter führte sie aus,
dass aus dem Vorfall keine ernsthaften körperlichen Ver
letzungen hervorgegangen
seien (S. 2 Mitte)
.
Der Beschwerdeführer
berichte im Gespräch ausf
ührlich vom Tathergang und führe
das entsprechende Video auf seinem Smartphone vor. Die objektive medizinische Untersuchun
g mit der an
schliessenden Verhal
tensänderung nach Verlassen unseres Hauses
würden
nicht konform mit den von ihm beschriebenen dauerhaften Beschwerden
gehen
, die nach seinen Angaben über den gesamten Tag in gleicher Intensivität fortbestehen würden
(S. 2 unten).
3.3
Die Ärzte des Spitals
C._
nannten im Bericht vom 2
8.
August
2015 (
Urk.
7/16/4-5) als Diagnosen einen Verdacht auf eine posttraumatische Belas
tungs
störung sowie ein occipitales Schmerzsyndrom (S. 1). Dazu führten sie aus,
im EKG hätten keine
ischämieverdächtigen
Veränderungen gesehen werden können
, laborchemisch sei eine kardiale Genese der Thoraxschmerzen ausge
schlossen worden. Es sei vielmehr von einer Panikstörung auszugehen. In Anbe
tracht des anamnestisch äusserst traumatisierenden Überfalls mit gewalttätigem Niederschlagen inklusive Bewusstlosigkeit sei der
Verdacht auf eine posttrau
matische Belastungsstörung zu stellen und zu einer psychiatrischen Behandlung zu raten. Es bestehe allerdings eine
Diskrepanz von der Erzählung der subjektiv schweren Verletzungen zum Bericht des Spitals
Z._
. Die occipital betonten Kopfschmerzen, welche auf kleinste Berührungen ausgelöst werden könn
t
en, seien am ehesten der Anspannung geschuldet. Bei Persistenz nach ausreichender psychiatrischer Behandlung könnte an eine
Okzipital
i
sneuralgie
gedacht werden. Die psychiatrischen Beschwerden
stünden
aber klar im Vordergrund.
3.
4
Die Ärzte des Zentrums
D._
nannten im Bericht vom
1.
Dezember 2015 (
Urk.
7/48) als Diagnosen eine posttraumatische Belas
tungs
störung (ICD-10 F43.1) sowie eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1). Dazu führten sie aus,
die Störung habe Krankheitswert
(S. 2)
.
Eine Reha
bilitationsbedürftigkeit sei deutlich und eine Rehabilitationsfähigkeit sei gegeben, wobei die Prognose ungewiss sei. Der Beschwerdeführer werde ab 1
9.
November
2015 zu einzeltherapeutischen Psychotherapiesitzungen sowie ins interdiszipli
näre
Schmerzprogramm kommen (S. 3).
3.
5
Dr.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Konsiliarpsychiater
Suva, führte in der psychiatrischen Beurteilung vom 1
2.
Janu
ar 2016 (
Bericht vom 1
9.
Januar 2016,
Urk.
7/51) aus, die
Beschwerden
seien
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit mindestens in einem teilkausalen Zu
sammenhang stehend mit dem Unfallereignis. Unklar
sei
der Einfluss der ange
deuteten Traumatisierung während des Balkankrieges im Jahre 199
9.
Von weite
ren Behandlungsmassnahmen
könne
mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden.
Aktuell ist eine volle Arbeitsunfähigkeit aus medizinischer Sicht nachvollziehbar
.
Aufgrund des noch relativ kurzen Krankheitsverlaufes
sei
eine vollständige Erholung bezüglich beruflicher Leistungsfähigkeit zu erwarten.
Auffällig
sei
, dass der
Beschwerde
führer
mit einer relativ hohe
n
B
enzodiazepin-Dosis mit
Xanax
me
dikamentös behandelt
werde
. Diese sollte psychiatrisch-psychotherapeutisch prioritär redu
ziert werden. Der Zeitverlauf der
Xanax
-Behandlung
sei
nicht klar. Es
bestehe
jedoch die Gefahr, dass eine körperliche Abhängigkeit durch die ärztlich verord
nete Behandlung mit Benzodiazepinen entstehen könnte, die für den weiteren Heilverlauf kontraproduktiv sein könnte.
Es könnten andere sedierende Behand
lungen wie der Einsatz von dämpfenden Neuroleptika (Quetiapin oder Olanzapin als Beispiele) diskutiert werden
(S. 3). Weiter wäre es sinnvoll, mit dem Beschwer
deführer und dem Behandelnden tagesstrukturierende Massnahmen zu besprechen
, damit auch die Möglichkeit von einer Rehabilitation in Verweistätigkeiten nicht
ausser Acht
gelassen werden (S. 4 oben).
3.
6
Dr.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Konsiliar
psychiater
der
Suva, nannte in der psychiatrischen Beurteilung vom
6.
Oktober 2016 (
Urk.
7/104) als Diagnosen eine schwere depressive Episode ohne psycho
ti
sche Symptome (ICD-10 F32.2)
bestehend seit Mai 2015
, bisher weitgehend the
rapieresistenter Verlauf
, eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS; ICD-10 F43.1)
, recht schwere Ausprägung,
bestehend seit Mai 2015, bisher weitgehend therapieresistenter Verlauf,
sowie einen Status nach Anpassungsstörung
1999
(ICD-10 F43.2). Weiter nannte er Schmerzen und multiple psychosomatische und vegetative Beschwerden im Rahmen der Depression und PTBS (S. 18).
Zur Kausalität hielt
Dr.
F._
fest, abgesehen von vorübergehenden psychi
schen Beschwerden wegen der quälenden, dreimonatigen Ungewissheit betreff
en
d das Schicksal seiner Herkunftsfamilie im Balkan-Krieg habe der
Beschwerdeführer
bis zum zu beurteilenden Ereignis nie unter aussergewöhnlichen psychischen Beein
trächtigungen gelitten, und bis dahin habe er sich nie in psychiatrischer Behand
lung oder in Psychotherapie befunden. Die 1999 wahrscheinlich vorliegende An
passungsstörung habe überwiegend wahrscheinlich keinen Einfluss auf die aktu
elle Krankheitsentwicklung.
Die Lebensvollzüge hätten sich sowohl in fami
liärer als auch in beruflicher Hinsicht auf einem recht hohen Niveau bewegt (S.
18 unten).
D
ie Attacke am 1
7.
Mai 2015 sei verständlicherweise als massive, akute Bedroh
ung erlebt worden. Aus psychiatrischer Sicht sei es nachvollziehbar, dass dieses Ereignis zur Entwicklung einer recht schweren PTBS geführt habe, welche hier zugleich mit einer schweren depressiven Symptomatik einhergehe. Ohne das Ereignis am 1
7.
Mai 2015 wäre es nicht in dieser Zeit und in dieser Weise zur Entwicklung der vorliegenden psychiatrischen Störung gekommen. Aus diesen Gründen sei aus psychiatrischer Sicht ein natürlicher, teilkausaler Zusammen
hang zwischen dem Ereignis am 1
7.
Mai 2015 und den aktuell vorliegenden,
psychischen Beschwerden und Beeinträchtigungen mit überwiegender Wahr
schei
n
lich
keit zu bejahen (S. 19 oben). Die ambulanten Massnahmen seien mit ins
gesamt sechs Konsultationen pro Monat recht intensiv, wobei die antide
pressive Medikation im Vergleich zur Schwere der depressiven Symptome relativ wenig ausgebaut sei. Allerding sei davon auszugehen, dass die medikamentöse Beeinflussbarkeit aufgrund der schweren psychiatrischen Komorbidität grund
sätzlich vermindert sei. Alprazolam (Benzodiazepin) sei vom Behandler verordnet worden und
werde
vom Beschwerdeführer vor allem in Momenten intensiver see
li
scher Not eingesetzt. Nach Möglichkeit nehme er
Chlorprothixen
statt
Alprazo
lem
ein, dessen angstlösende Wirkung jedoch geringer sei. Von einem Missbrauch im eigentlichen Sinn könne nicht ausgegangen werden. Grundsätzlich sei in Anbe
tracht des Langzeitverlaufs trotz gesamthaft recht intensiver ambulanter Therapie eine
stationäre therapeutische Massnahme dringend empfohlen und sinnvoll. Es sei zu erwarten, dass im Rahmen einer stationären psychiatrischen Behandlung auch die Medikation optimiert werde, und dass ein Ausschleichen von Alprazolam in diesem Rahmen besser möglich sein werde (S. 19).
Zurzeit und bis auf weiteres bestünden erhebliche funktionelle Einschränkungen, vor allem Antriebsverminderung, erhöhte Erschöpfbarkeit mit rasch nachlassen
der Konzentrations- und Merkfähigkeit, erhebliche Beeinträchtigungen der psy
chischen und emotionalen Belastbarkeit und Anpassungsfähigkeit, Neigung zu Panikzuständen und (anamnestisch) zu Reizbarkeit. Aus diesen Gründen sei dem Beschwerdeführer bis auf weiteres keine Erwerbstätigkeit im ersten Arbeitsmarkt zumutbar (S. 20 oben). Insgesamt sei die Prognose im Hinblick auf eine mittel- bis langfristige Verbesserung des psychischen Zustandes und somit der beruf
lichen Zumutbarkeit aktuell als vorsichtig günstig zu beurteilen (S. 20 Mitte). Eine stationäre Behandlung in einer psychiatrischen Klinik sei dringend indiziert. Gemäss den Angaben des Beschwerdeführers sei er bereits für eine stationäre,
traumaspezifische
psychiatrische Therapie angemeldet worden. Davon sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine namhafte Verbesserung der psychischen Beschwerden und Beeinträchtigungen zu erwarten (S. 21 oben).
Schliesslich führte
Dr.
F._
aus, die adäquate Kausalität sei durch die Admini
stration zu beurteilen, und nicht von medizinischer Seite. Ein natürlich
er
, teilkau
saler Zusammenhang zwischen dem Ereignis am 1
7.
Mai 2015 und den aktuellen, psychischen Beschwerden und Beeinträchtigungen sei aus psychiatrischer Sicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu bejahen.
Es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Unfall vom 1
7.
Mai 2015 in Bezug auf die Beschwerden noch immer eine Rolle spiele
(S. 20 unten)
.
3.
7
Die Ärzte des
Universitätsspitals
G._
führten im Sprechstundenbericht für posttraumatische Belastungsstörungen vom 1
6.
November
2016 (
Urk.
7/128/2-5) aus, aufgrund von Wiedererleben, Vermeidungsverhalten, nega
ti
ver Veränderungen in Kognitionen und Stimmung und Übererregung seien die Kriterien für eine posttraumatische Belastungsstörung erfüllt. Ausserdem bestehe
mit gedrückter Stimmung, Freudlosigkeit, vermindertem Antrieb, Konzentra
tions
störungen, vermindertem Selbstvertrauen, pessimistischen Zukunftsaussichten und
Suizidgedanken sowie Schlafstörungen eine mittelgradige depressive Epi
sode. Prog
nostisch ungünstig dürften sich die vor allem körperlich präsentierte
Symp
tomatik mit
Somatisierungstendenzen
und
das
ausgeprägte Vermeidungs
ver
halten in
Zusammenhang mit einem als problematisch zu beurteilenden
Ben
zodia
ze
pinkonsum
aus
wirken. Aufgrund dieser dysfunktionalen Bewältigungs
stra
te
gien scheine ein
traumaspezifisches
Verfahren aktuell nicht erfolgver
spre
chend (S. 1).
3.
8
Dr.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Neurologie, nannte im psychiatrischen Gutachten vom 1
2.
Februar 2017
zu
Handen
der Invalidenversicherung
(
Urk.
7/130
) als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 37
Ziff.
5.1):
-
Verdacht auf eine organische (sekundäre) depressive Störung aufgrund einer iatrogen induzierten Benzodiazepin-Abhängigkeit (ICD-10 F06.32), soweit die Angaben der Wahrheit entsprächen
-
anamnestisch psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen im Sinne von psychischen und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika, iatrogene Benzodiazepin-Abhängigkeit (ICD-10 F13.24) gemäss Angaben mit sechs Tabletten Alprazolam und Zopiclon zur Nacht
-
psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen im Sinne von psychischen und Verhaltensstörungen durch Opioide, schädli
cher Gebrauch (ICD-10 F11.10).
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte der Gutachter (S. 37
Ziff.
5.2):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängigkeits
syn
dr
om, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10 F17.24)
Dazu führte er aus, der Beschwerdeführer sei am
1
7.
Mai
2015 im Rahmen seiner Tätigkeit als Buschauffeur durch einen ihm Unbekannten grundlos angegriffen und geschlagen
worden
. Seitdem stünden gemäss der Versicherungsakte erheb
liche psychische Beeinträchtigungen im Vordergrund. Die Behandler
würden
weite
rhin aufgrund einer erheblichen, in schwe
rer Ausprägung bestehenden post
trau
matischen Belastungsstörung (PTBS) (ICD-10 F43.1), bestehend seit Mai 2015, mit bisher weitgehend therapieresistentem Verlauf, sowie im Rahmen der Depres
sion und PTBS bestehenden Schmerzen, begleitet von multiplen psychoso
mati
schen und vegetativen Beschwerden eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt
attestieren
. Unter Würdigung der Ver
sicherungsakte sowie der aktuellen Exploration und der psychiatrischen Unter
suchung
sei beim Beschwerdeführer
diagnostisch gemäss den ICD-10-Kriterien,
dem Diagnostikmanual der WHO, von einer organischen (sekundären) depressi
ven
Störung (ICD-10
F06.32) aufgrund einer schweren, iatr
ogen induzierten Ben
zo
diazepin-
Abhängigkeit (Alprazolam und Zopiclon) auszugehen, soweit die Anga
ben
des Versicherten der Wahrheit entsprechen
würden
(siehe Medikamen
ten
spiegel). Weiterhin
seien
gemäss den Angaben des Versicherten psychische
und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen im Sinne von psychi
sche
n
und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika, iatrogene Ben
zodia
zepin
-Abhängigkeit (ICD-10
F13.24) sowie psychische und Verhaltensstö
rungen durch psychotrope Substanzen im Sinne von psychischen und Verhal
tensstö
rung
en durch Opioid
e, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F11.10) zu kodieren (S. 52 Mitte).
Während der gesamten Untersuchung und Exploration
seien
erhebliche Inkonsi
stenzen und Diskrepanzen auf
ge
fallen
. Es
fänden
sich auch erhebliche Diskre
panzen im Vergleich mit den Angaben in der Versicherungsakte. Die gutach
ter
liche Konsistenzprüfung habe Hinweise auf erhebliche nicht im geklagten Um
fan
g vorhandene Funkti
onsbeeinträchtigungen im Sinne einer
Aggravation
erge
ben.
Die verordneten Medikamente
würden
offensichtlich nicht ein
genommen. Gleich
zeitig behaupte
der
Beschwerdeführer
, bis zu sechs Tabletten Alpra
zolam am Tag zu nehmen
,
und
er
fahre
regelmässig Auto. Aufgrund der Diskrepanzen
sei
eine plausible Herleitung und Darstellung von möglichen Funktions- und Fähigkeits
störungen sowie der vorhandenen Ressourcen nur eingeschränkt möglich. Es könne
auch nicht auf die Selbsteinschätzung der
Arbeitsfähigkeit des Versicher
ten abgestützt werden. Aufgrund der attestierten Schwere und Dauer der Erkrankung müss
t
en alle bis dato durchgeführten Behandlungen als nicht angemessen beur
teilt werden
.
Medizinische Massnahmen
seien
somit nicht ausgeschöpft. Es
werde
dringend eine Behandlung im stationären Rahmen mit Entgiftung von Benzo
dia
zepinen empfohlen
(S. 52 unten f.).
Der Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode
könne
in Anbetracht des Ausmasses der Benzodiazepin-Abhängigkeit
und der
sowohl beim Referenten als auch in der Versicherungsakte bereits in der Vergangenheit beschriebenen fluk
tuierenden psychopathologischen Auffälligkeiten, die auf den Substanzmiss
brauc
h zurückzuführen
seien
, nicht gefolgt werden. Es
handle
sich gemäss den ICD-10 Kriterien unter Beachtung der Differenzialdiagnosen einer depressiven Episode um eine sekundär (organisch) induzierte affektive Störung. In seiner psychia
tri
schen Beurteilung
habe
auch der Psychiater
Dr.
F._
auf schwankende kogni
tive Defizite (Aufmerksamkeit und Konzentration) nach Einnahme von Alpra
zolam während seiner Untersuchung hin
gewiesen
. Die damalige psychiatrische Beurteilung
müsse
aus versicherungsmedizinischer Sicht infrage gestellt werden, während der Exploration
sei
kein professioneller Dolmetscher anwesend
gewesen
, die Exploration
sei
teilweise durch den im Rahmen der Untersuchung anwesenden Sohn übersetzt
worden
. Auch während der aktuellen Exploration
sei
auffallend
gewesen
, dass der
Beschwerdeführer
insbesondere die Fragen im Rahmen eines direkten
Interviews nur unter Zuhilfenahme des professionellen Dolmetschers
habe
beantworten
können (S. 54 Mitte)
.
Ebenfalls k
önne
der Diagnose einer
PTBS
nicht gefolgt werden
und aufgrund der aktuellen Untersuchung nicht bestätigt werden (S. 54 ff.). Beim Beschwerdeführer würden zudem multiple nicht-versicherungsmedizinische relevante psychosoziale
Belastungsfaktoren vorliegen wie Migrationshintergrund, mangelnde Sprach
kenn
t
nisse, Alter, Verlust des Arbeitsplatzes sowie finanzielle Probleme (S.
57 oben).
In der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit als Buschauffeur
sei
bei
m
Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen
(S. 57 unten). Aufgrund des erheb
lichen iatrogen induzierten
Benzodiazepin
k
onsums
sei gegenwärtig bis zum Ab
schluss einer stationären Entgiftungs- und Entwöhnungsbehandlung von psy
cho
tropen Substanzen ebenfalls in einer Verweistätigkeit eine 100%ige Arbeits
un
fähigkeit ausgewiesen. Diese Massnahme sei dem Beschwerdeführer im Sinne einer Schadenminderungspflicht zuzumuten. Überwiegend wahrscheinlich sei durch diese Massnahme von einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit spätestens in sechs Monaten, zumindest in einer angepassten Tätigkeit, auszugehen (S. 58 oben). Das aktuell ermittelte Belastbarkeitsprofil gelte seit dem Beginn der Erkran
kung 201
5.
Aus psychiatrischer Sicht werde dringend die Anpassung der therapeutischen Massnahmen, insbesondere ein strikter Verzicht auf den weiteren Konsum von psychotropen Substanzen, im Sinne einer Entgiftungs- und Ent
wöhnungsbehandlung im stationären Rahmen empfohlen. Darüber hinaus werde die Anpassung der medikamentösen antidepressiven Behandlung unter Kontrolle der Medikamentenspiegel aufgrund der mangelnden Compliance empfohlen (S.
58 Mitte).
3.
9
Dr.
I._
, Facharzt für Neurologie, nannte im Bericht vom 1
7.
Febru
ar 2017 (
Urk.
7/131) als Diagnosen posttraumatische Spannungskopf
schmerzen und einen Verdacht auf neuropsychologische Defizite, bei Status nach schwerer Commotio cerebri am 1
7.
Mai 201
5.
Dazu führte er aus, im Rahmen des tätlichen Angriffs vom 1
7.
Mai 2015 habe der Beschwerdeführer eine schwere Commotio cerebri mit mindestens mehrstündiger Bewusstlosigkeit erlitten. Ge
blie
ben seien in erster Linie Kopfschmerzen im Sinne posttraumatisch bedingter Spannungskopfschmerzen. Die Schwindel hätten teilweise Merkmale einer peripheren Vestibulopathie, vor allem die Drehschwindel und die wellenförmigen Auf- und
Abbewegungen
, unspezifisch seien dagegen die Schwankschwindel, diese seien entweder vegetativ oder zervikal bedingt, als Folge einer Traumati
sierung der Nacken- und Schultermuskulatur und der HWS.
Des Weiteren seien neuropsychologische Defizite zu vermuten. Insgesamt bestehe ein enormer Lei
dens
druck, welcher unmittelbar mit den Schmerzen in
Zusammenhang stehe,
und
der Beschwerdeführer
habe
grosse Zukunftsängste geäussert (S. 3 oben).
3.
10
Dr.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte im E
-M
ail
vom 1
7.
März 2017 (
Urk.
7/137) aus, der Beschwerdeführer sollte von der Inva
li
denversicherung aus zwecks Entgiftung stationär behandelt werden. Die familiäre Situation sei schwierig, die Ehefrau drohe mit Suizid und wolle nicht alleine ge
lassen werden. Eine Hospitalisierung sei zurzeit nicht sinnvoll. Hinge
gen scheine eine halbstationäre Entgiftung erfolgsversprechend. I
n
Zusammen
arbeit mit dem
D._
werde dieses Prozedere, das Einverständnis der Invaliden
ver
sicherung vor
aus
gesetzt, angewendet. In den ersten drei Monaten würden wöch
entlich Blut
kon
trollen durchgeführt, um den Benzo-Spiegel zu bestimmen. Bei
positivem
Ver
lauf, zweiwöchentlich, bis die vorgeschriebene Frist von sechs Monaten erreicht worden sei.
3.
11
Die Ärzte der
i
ntegrierten Psychiatrie
K._
be
richteten am 2
7.
April 2017 (
Urk.
7/152
) über eine stationäre (Entzugs-)Be
hand
lung vom
6.
bis 2
7.
April 2017 und nannten als Diagnosen eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) sowie psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypno
tika: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F13.2).
Dazu führten die Ärzte aus, am
Eintrittstag
habe sich der Beschwerdeführer
in
einem deutlich depressiven Zustandsbild mit Traurigkeit, Verzweiflung, Hoffnung
s
l
osigkeit, depressiver Stimmungsl
age und Antriebsmangel
präsentiert.
Parallel
habe beim Beschwerdeführer
eine beeinträchtigte Schlafqualit
ät in Form von Ein-
und Durchschl
afstörungen mit
Hype
rvigilanz
bei vordiagnostizierter post
traumati
scher Belastungsstörung eruiert werden können
. Aufgrund der de
pressiven Symptomatik
sei
eine antidepressive Behandlung mittels Venlafaxin etabliert
worden
, initial mit der Tagesdosis von 75 mg einmal täglich, welche im weiteren Verlauf kontinuierlich bis Erreichen der Tagesdosis von 225 mg
i
nten
siviert
worden sei
. Unter der neu begonnenen Therapie
sei
es zur psychischen Stabilisierung
gekommen
. Die bisherige Therapie mit Fluoxetin
sei
eingestellt
worden
. Im stationären Setting
hätten
keine wesentliche
n
Nebenwirkungen eru
ieren
werden können
. Zugleich
seien
zur Verbesserung der Durchschlafqualität Quetiapin 50 mg als retardiertes Präparat und für das Einsch
l
afen Quetiapin 25 mg in nicht
retadierter
Form als Festmedikation angeordnet
worden
, hierunter
hätte
eine ausgeprägte Besserung des Schlafes fest
gestellt werden können
. Auf
grund der vorbekannte
n
Benzodiazepin- Abhängigkeit
sei
ein fraktionierte
r
Ent
zug durch
geführt worden,
der komplikationslos
verlaufen sei
. Das
d
urchgeführte 12 Kanal-EKG
habe
keine
relevanten pathologischen Veränderungen
gezeigt
. Laborchemisch
hätten
sich keine pathologischen Parameter konstatieren
lassen
. Bei fehlenden Hinweisen auf eine unmittelbare Selbst- oder Fremdgefährdung
habe der psychisch kompensierte Beschwerdeführer
am 2
7.
April 2017 entlassen werden können (S. 2).
3.1
2
Dr.
J._
(vorstehend E. 3.
10
) nannte im Bericht vom 1
8.
Januar 2018 (
Urk.
7/207) als Diagnosen eine chronifizierte posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), eine depressive Episode mittleren, intermittierend auch schweren Grades (ICD-10 F32.1/32.2) sowie ein Abhängigkeitssyndrom von Analgetika und Tran
quilizer (ICD-10 F13.2). Dazu führte er aus, seit dem Überfall 2015 habe sich das klinische Bild stufenweise verschlechtert. Die PTSD typischen Symptome wie Teilamnesie bezüglich des Überfalls,
Hyperarousal
im Sinne von Insomnie, Alb
träume
n
, Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit und Wutausbrüchen seien die ganze Zeit über nachweisbar. Ferner
berichte
der Beschwerdeführer über szenische Intru
sionen. Die depressive Symptomatik sei von Anfang an präsent gewesen. Die Affektlabilität werde durch die Suchtproblematik noch weiter akzentuiert. Nach dem stationären Entzug sei er nur kurzfristig «clean» gewesen, es sei zu einem Rückfall gekommen, insbesondere zu einer Wiederaufnahme des
Xanax
-Kon
sums. Es würden bei ihm zwei- bis dreiwöchentliche Sitzungen stattfinden (S. 3).
3.13
Dr.
J._
(vorstehend E. 3.10) führte im Bericht vom 2
7.
Oktober 2018 (
Urk.
7/259) zuhanden der Suva im Wesentlichen aus, der Verlauf sei ungünstig und es sei eine Invalidisierung eingetreten. Das psychopathologische Bild habe sich in der Zwischenzeit nicht wesentlich verändert. Alle Symptome, die auf eine posttrau
matische Belastungsstörung hinweisen würden, seien weiterhin nachweisbar. Dasselbe gelte für die mittlere, intermittierend auch schwere depressive Episode, immer wieder
berichte
der Beschwerdeführer von suizidalen Ideationen. Die Therapie gehe weiter. Allerdings stünden die Chancen für eine kurative Behand
lung durchaus schlecht. Er habe weiterhin folgende Einschränkungen: Einerseits die persönlichen Störungen (Depression, Angst) die im Rahmen der erwähnten Diagnosen da seien. Andererseits sei sein soziales Funktionsniveau nach wie vor sehr tief. Er sei ausser Stande
,
irgendwelche Handlungen im Sinne des täglichen Lebensvollzugs zu erledigen. Es bestehe weiterhin eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit. Auf dem primären Arbeitsmarkt sowieso, aber auch im geschützten Rahmen müsse man seine Arbeitsfähigkeit hinterfragen, da er wegen der Symp
tomatik nicht gruppenfähig sei (S. 2). Insgesamt habe sich das klinische Bild leider nicht gebessert. Die Möglichkeiten einer ambulanten, intensiven Psychotherapie sei
en
langsam ausgereizt. Es handle sich um einen invalidisierenden Verlauf. Die Therapie ziele darauf ab, akute Verschlechterungen wie Suizidalität zu verhin
dern, sei also als palliative, sozialpsychiatrische Betreuung zu betrachten. Es sei ein
Endzustand erreicht, mit weiterer Besserung sei nicht zu rechnen. Ob er von einer längerfristigen psychiatrischen Behandlung profitieren würde, bleibe dahin
gestellt, dies nicht zuletzt wegen der dürftigen intellektuellen Ressourcen, aber auch wegen der Sprachbarriere (S. 3).
3.14
Dr.
F._
(vorstehend E.
3.6) führte in der psychiatrischen Beurteilung vom 2
1.
November 2018 (
Urk.
7/269) aus, der Beschwerdeführer sei am
5.
Oktober
2016 durch den Unterzeichnenden untersucht
und am
6.
Oktober
2016 ausführ
lich beurteilt
worden
. Die damaligen Schlussfolgerungen
hätten
sinngemäss un
verändert Gültigkeit
.
Obwohl die IV
-Stelle
auf
das psychiatrische
Gutachten
von
Dr.
H._
abgestellt habe
, änder
e
sich durch dieses nichts an
seiner
Beurteilung. Das Gutachten von
Dr.
H._
enthalte
mehrere relevante, offensichtliche Fehler, und die medizinischen Schlussfolgerungen
seien
nicht nachvollziehbar.
Der Spiegel von Fluoxetin
sei
laut Gutachten nur knapp unterhalb des therapeu
tischen Bereichs
gelegen
; das Antidepressivum Fluoxetin
werde
sicher einge
nommen. Dasselbe
gelte
für Zopiclon. Dieses
werde
nur zum Einschlafen einge
nommen und
habe
eine kurze Halbwertszeit, womit erklärbar
sei
, dass der Spiegel zum Zeitpunkt der Blutentnahme unterhalb des therapeutischen Bereichs
gelegen habe
. Auch das schlafanstossende Trazodon
sei
nachweisbar
gewesen
. Diesbezüg
lich
sei
zu berücksichtigen, dass auch Trazodon eine ausgesprochen kurze Halb
wertszeit
habe
. Deshalb
würden
auch Retard-Tabletten hergestellt (wobei der Versicherte die nicht retardierten Präparate
einnehme
). Aus diesen Gründen
seien
mehrere Aussagen von
Dr.
H._
betreffend die Medikamenteneinnahme schlicht
weg falsch
.
Sehr bedauerlich
sei
, dass der Spiegel des Opioids Tramadol nicht bestimmt
worden sei
. In Anbetracht des Umfangs des Gutachtens von
Dr.
H._
und von dessen Auswirkungen sowie insbesondere der Tatsache, dass
Dr.
H._
das Vorliegen eines Opioid-Missbrauchs postuliert
habe
, wäre dies zu erwarten
gewesen
. Zudem führ
e
der Gutachter die auch von ihm beschriebenen depressiven Symptome auf eine Abhängigkeit von Alprazolam zurück. Allerdings
sei
dieses das einzige geprüfte Medikament, welches gar nicht nachweisbar
gewesen sei
.
Viele Anmerkungen im Gutachten
würden tendenziös wirken,
unter anderem auch durch die angewendete Formatierung und das häufige "Cave". Posttrau
ma
tische psychische Symptome
seien
offenbar nicht gezielt exploriert
worden
,
ob
wohl
Dr.
H._
die Beurteilung des Unterzeichnenden
vorgelegen habe
. Insge
samt
werde
das Gutachten von
Dr.
H._
dem psychischen Zustandsbild des Versicher
ten nicht gerecht. Der Einfluss von Benzodiazepinen
werde
stark überbewertet - siehe dazu auch die früheren Anmer
kungen im eigenen Gutachten am
6.
Oktober
2016; diese
seien
im weiteren Verlauf bestätigt
worden
und
würden
auch in Anbetracht der Beurteilung durch
Dr.
H._
in unveränderter Weise gelten (S. 29).
Am 2
0.
Juni
2017
sei der Beschwerdeführer
ausführlich durch das Zentrum
D._
beurteilt
worden
, wo eine interdisziplinäre Schmerz
behandlung durchgeführt
worden sei.
Anlässlich von Reduktionen des Benzodiazepins Alprazolam seien im ambulanten Setting jeweils Entzugssymp
tome aufgetreten. Leider
sei
dabei nicht in differenzierter Weise auf den Verlauf bezüglich Benzodiazepinen während und nach dem erfolgten stationären Entzug eingegangen
worden
.
Der Beschwerdeführer
habe weiterhin Angst davor, dass der Täter nach
Hause komme und die Familie ge
fährde, womit dieser gedroht habe. Dies führe jeweils zu zwei bis
drei Minuten dauernden Panikat
tacken, mit Herz
rasen, Kribbeln am ganzen Körper, Hyperventilation und Todesangst. Die Ehefrau
habe berichtet
, dass ihr Mann im Haushalt nichts machen könne. In der Nacht sei er sehr unruhig. Seit dem Überfall sei er wie verändert (trauriger, nervöser und ängstlicher). Autofahren könne er nur kurze Strecken. Nicht korrekt in dem Bericht
sei
die Angabe
gewesen
, dass bis anhin keine Gutachten erstellt worden seien. Aus neuropsychologischer Sicht
seien
erhebliche Einschränkungen be
schrie
ben
worden
, wobei diese nicht in differenzierter Weise quantifiziert
worden seien. Psychiater
Dr.
L._
habe berichtet
, dass die Einzeltherapie bisher ohne genügenden Erfolg geblieben sei. Weiterhin
habe
er posttraumatische Belastungssymptome (aufdrängende Bilder, Vermeidungsverhalten, Schwitzen in der Nacht, Albträume, Zähneknirschen)
beschrieben
. Im Langzeitverlauf hätten Schmerzen, Depression und Ängste zugenommen. Es
würde
eine volle Arbeits
unfähigkeit im allgemeinen Arbeitsmarkt
bestehen
, bei fehlendem Rehabili
ta
tions
potenzial. In Übereinstimmung mit dem Unterzeichnenden
habe
Dr.
L._
fest
gehalten
, dass keine Hinweise auf Agg
ravation oder Simulation vorlie
gen würden
(S. 30 unten)
.
Zur Frage, wie lange die psychischen Beschwerden noch als angemessene und typische Reaktion auf den Unfall vom 1
7.
Mai 2015 bezeichnet werden könn
t
e
n
, führte
Dr.
F._
aus, dies
sei
überwiegend wahrscheinlich weiterhin und wahr
scheinlich auch auf lange Zeit hinaus der Fall. Die Begriffe "angemessen" und "typisch"
seien
aus psychiatrischer Sicht allerdings recht problematisch. In psy
chischer Hinsicht
sei
jeder Mensch einzigartig. Bei Unfallereignissen wie dem hier vorliegenden
seien
"weiche" Aspekte psychisch oft wesentlich bedeutsamer als "harte Facts"; das Erleben aller mit dem Unfall verbundenen Aspekte durch den Versicherten
sei
in Bezug auf die Entwicklung und den Verlauf allfälliger psy
chischer Störungen im Zusammenhang mit dem Unfall von sehr grosser Bedeu
tung. Zudem
würden
individuelle Faktoren (Was ist das für ein Mensch? Was hat diesen bis zum Unfall geprägt? Persönliche Ressourcen und Defizite? In psy
chosozialer Hinsicht stützende und belastende Faktoren?) eine sehr grosse Rolle
spielen
.
Wie bereits früher dargelegt,
sei
das relevante Unfallereignis aus psychia
trischer Sicht
schwerwiegend
gewesen
- daran änder
e
sich nichts durch die Tat
sache, dass es dabei zu keinen anhaltenden, strukturellen Unfallfolgen
gekommen sei
.
Der Beschwerdeführer sei
durch einen unter Drogen stehenden und in seiner
Freizeit Kampfsport treibenden Mann grundlos und unvermittelt attackiert worden
, und dieser
habe
später
berichtet
, dass es sein Ziel gewesen sei, möglichst oft und möglichst hart zuzuschlagen. Zudem
habe
dieser damit gedroht, den Versicherten zuhause aufzusuchen, um ihm und seiner Familie Gewalt anzutun.
Deshalb
sei
es aus versicherungspsychiatrischer Sicht nachvollziehbar, dass
der Beschwerde
füh
rer
in der Folge insgesamt schwere und weiterhin bestehende psychische Be
schwerden und
Beeinträchtigungen entwickelt habe (S. 33 oben).
Ohne das Scha
den
ereignis am 1
7.
Mai
2015 hätten sich die multiplen, chronischen psychischen Beschwerden und Beeinträchtigungen nicht in dieser Zeit und in dieser Weise entwickelt. Es
bestünden
keine Hinweise auf relevante unfallfremde Aspekte. Zur Rolle der Benzodiazepine
sei
bereits mehrfach Stellung genommen
worden
. Dies
bezüglich
sei
festzuhalten, dass diese allesamt durch
Ä
rzte verordnet und/oder abgegeben
worden seien
. Ohne den Vorfall am 1
7.
Mai
2015 hätte sich über
wiegend wahrscheinlich auch keine Benzodiazepin-Einnahme entwickelt
(S. 33 Mitte)
.
Aufgrund der erfolgten Chronifizierung (trotz regelmässiger
ambulanter und einmaliger stationärer Therapie)
sei
davon auszuge
h
en, dass noch über Jahre hinweg eine Behandlung notwendig sein
werde
- insbesondere unter Anbetracht der wie
derholten Suizid-Gedanken und -Ä
usserungen, welche auch für die Fami
lie eine sehr hohe Belastung darstellen
würden (S. 33 unten)
.
4.
4.1
Die Parteien sind sich - soweit ersichtlich - insofern einig, als dass im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids
(trotz
erfolgter
zahlreicher somatischer Abklä
rungen; vgl.
Urk.
7/
46,
Urk.
7/
173,
Urk.
7/176
,
Urk.
7/193-194
)
keine objektivier
baren somatischen Beeinträchtigungen (mehr) vorlagen (
Urk.
1 S. 3,
Urk.
2 S. 5 oben).
Dies ist angesichts der beim Unfall erlittenen
leichten
somatischen
Verletz
ungen (vorstehend E. 3.1-3)
ohne Weiteres nachvollziehbar, so dass sich hierzu Weiterungen erübrigen.
Beim Unfall ist es
sodann
nicht zu einer Distorsions
ver
letzung der Halswirbelsäule (HWS), einer dieser äquivalenten Verletzung oder einem Schädel-Hirntrauma gekommen
(vgl. E.
1.8)
. Zudem wurde bereits im
August 2015
über
einen Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung
und eine Panikstörung
berichtet (vorstehend E.
3.3
) und die psychiatrisch-psy
cho
therapeutische Behandlung setzte Mitte November
2015
,
mithin knapp 6
Monate nach dem Unfall, ein (vgl. vorstehend E.
3.4).
Für die Adäquanzbeurteilung massgebend ist somit die auf BGE 115 V 133 fuss
ende Praxis (vorstehend
E. 1.7
).
4.2
Tätlichkeiten ordnet die Rechtsprechung zumeist im Bereich der mittelschweren Unfallereignisse ein (Urteile des Bundesgerichts 8C_893/2012 vom 1
4.
März 2013 E. 4.1 und 8C_681/2010 vom
3.
November 2010 E. 6.2). Dies gilt etwa für fol
gende Urteile: 8C_595/2015 vom 2
3.
August 2016, 8C_681/2010 vom
3.
Novem
ber 2010 E. 6.2, 8C_281/2010 vom 2
8.
September 2010 E. 4.1, 8C_476/2010 vom
7.
September
2010 E.
4, 8C_1062/2009 vom 3
1.
August
2010 E.
4.2.1, 8C_1032/2009 vom 1
1.
Mai 2010 E. 4, U 98/06 = SVR 2007 UV Nr. 29 E. 3.2, U 105/05 vom 1
4.
Juni 2005 E. 2.3, U 37/94 vom 2
1.
August 1997 E. 5a und RKUV 1996 Nr. U 256 S. 215, U 215/94 E. 6b/
bb
.
4.3
Vereinzelt wurde ein entsprechendes Ereignis als mittelschwer an der Grenze zu einem schweren eingeordnet, so namentlich bei
-
einem Versicherten, dem im Verlauf einer tätlichen Auseinandersetzung ein grosses Fleischmesser (23 cm lange und 4.2 cm breite Klinge) in den Magen gestochen wurde (8C_519/2008 vom 28. Januar 2009 E. 5.2.2)
-
einem Versicherten, der nachts von zwei vermummten Einbrechern in der eigenen Wohnung mit Eisenstangen auf den Kopf geschlagen wurde (U 382/06 vom 6. Mai 2008 E. 4.2 und 4.3)
-
einem Versicherten, der von drei Unbekannten zu Boden geworfen und mit Stockschlägen traktiert wurde, dies nach vorangegangenen Erpres
sungs
versuchen und Drohungen (U 36/07 vom 8. Mai 2007 (E. 6.1),
-
einer Versicherten, die - mit einem Mann und dessen Sohn zusam
men
lebend - ohne ersichtlichen Anlass und ohne Vorwarnung vom Sohn ge
packt, auf den Boden geworfen, mehrmals mit dem Kopf auf den Boden geschlagen, mit Kniestössen traktiert und mit dem Tod bedroht wurde, wo
bei das Bundesgericht unterstrich, dass die Drohungen des Angreifers geeignet gewesen seien, die Versicherte in Bezug auf dessen Absichten ernsthaft zu beunruhigen, dass dieser ausserdem zu ihrem Familienkreis gehörte und dass ein Ungleichgewicht der Kräfte (Alter, Geschlecht) be
stand (U 9/00 = RKUV 2001 Nr. U 440 S. 350 vom 28. August 2001 E. 6a)
-
einer Versicherten, die beim Spazieren auf der Strasse von einem Unbe
kannten angefallen, geschlagen, zu Boden geworfen und mit Tötungsab
sicht gewürgt wurde, bevor der Angreifer durch Passanten überwältigt werden konnte (U 215/94 vom 21. Juni 2006 = RKUV 1996 Nr. U 256 S. 215 E. 6)
Im Fall
eines
Versicherten, dem ein Bierglas, das dabei zersplitterte, ins Gesicht geschlagen wurde, wobei er entstellende Verletzungen erlitt, erachtete das Bun
des
gericht die Einordnung durch die Vorinstanz als mittleres, an der oberen Grenze
liegendes Ereignis, als - wenn auch als Grenzfall - vertretbar (8C_96/2017 vom 2
4.
Januar 2018 E. 4.3).
4.4
Der Beschwerdeführer wurde in seiner Tätigkeit als Buschauffeur von einem Unbekannten angegriffen und
mehrmals geschlagen, wobei sich der Beschwerde
führer
zunächst
wehrte und auch von einem Arbeitskollegen Hilfe erhielt. Nach einem erneuten Angriff verlor der Beschwerdeführer kurz das Bewusstsein (zum Tatablauf, vgl.
Urk.
7/9 S. 8 f.). Der Beschwerdeführer erlitt dabei eine kleine Ablederung am Nasenrücken und zwei kleine oberflächliche Schürfungen am Brustkorb. Am linken Auge konnte keine sichtbare Verletzung und kein Hämatom festgestellt werden. Die übrigen ärztlichen Untersuchungen zeigten unauffällige Verhältnisse (vorstehend E. 3.1, vgl. auch
Urk.
7/7).
Vergleicht man diesen Ereignishergang mit den wenigen Fällen, in denen das Bundegericht das Unfallereignis an der Grenze zu einem schweren eingeordnet hat (vorstehend E. 4.
3
), so fallen systematische Unterschiede auf, indem in jedem der genannten Fälle gegenüber dem vorliegenden ein zusätzliches qualifizie
ren
des Merkmal (oder mehrere davon) zu konstatieren ist, sei es eine Mehrzahl von (in einem Fall zudem vermummten) Angreifern, der Einsatz eines Gegenstandes (zumeist als Schlagwaffe), ein besonderes - im einen Fall bedrohliches, im ande
ren Fall familiäres - Umfeld, ein zusätzliches mit Tötungsabsicht verbundenes Würgen.
Vor diesem Hintergrund entspricht die Zuordnung des Unfalles zu einem mittle
ren Ereignis im engeren Sinn durch die Beschwerdegegnerin der massgebenden Rechtsprechung (vorstehend E. 4.
2
) und der Ereignishergang weist keines der
zusätzlichen qualifizierenden Merkmale auf, welche eine Zuordnung an der Grenze
zu einem schweren Ereignis zu rechtfertigen vermöchte.
Somit handelt es sich um ein Unfallereignis mittlerer Schwere, so dass drei der massgebenden Kriterien (vorstehend E. 1.
6
) - oder eines in auffallender oder besonders ausgeprägter Weise - erfüllt sein müssen, damit die Adäquanz bejaht
werden kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_897/2009 vom 2
9.
Januar 2010 E. 4.5).
4.5
Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalles vorliegen, beurteilt sich objektiv und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens beziehungsweise Angstgefühls der versicherten Person. Zu beachten ist, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann. Es wird nur das Unfallgeschehen an sich und nicht die dabei erlittene Ver
letzung betrachtet. Auch wird der nachfolgende Heilungsprozess bei diesem Kri
te
rium nicht einbezogen (Urteile des Bundesgerichts 8C_372/2013 vom 2
8.
Okto
ber 2013 E. 7, SVR 2013 UV Nr. 3 E. 6.1, Urteil 8C_15/2013 vom 2
4.
Mai 2013 E. 7.1).
Vor diesem Hintergrund kann das Kriterium vorliegend - auch wenn dem Vorfall eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abzusprechen
ist
- nicht als erfüllt erachtet werden.
Die
Beschwerdegegnerin hielt hierzu zu Recht fest, dass die Aus
einandersetzung
nicht besonders schwerwiegend verlief, was sich auch aus dem Bericht der Kantonspolizei Aargau
vom 2
2.
Juni 2015
ergibt. Aus dem Bericht geht
unter anderem
hervor,
dass sich der Beschwerdeführer nach der ersten Attacke mit mehrfachen Schlägen zunächst selber wehrte und dann von einem Arbeitskollegen sowie einen Fahrgast Hilfe bekam. Der Arbeitskollege (sowie auch der Fahrgast) versuchte den Angreifer zu beruhigen und drängte
n diesen
in den hinteren Teil des Busses, worauf dieser erneut zweimal
den Beschwerdeführer
angriff
und diesen sodann bedrohte (
vgl.
Urk.
7/9).
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers sind vorliegend im Vergleich zu ähnlich gelagerten Fällen weder besonders dramatische Begleitumstände noch eine besondere Eindrücklich
keit ersichtlich.
Mit der Beschwerdegegnerin ist davon auszugehen, dass selbst wenn dieses Adäquanzkriterium zu bejahen wäre, dieses sicherlich nicht in be
son
ders ausgeprägter Weise vorliegt (vgl. Urteil des Bundesgericht 8C_893/2012 vom 1
4.
März 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
Zur Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihrer erfahrungsgemässen Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, ergibt sich, dass die erlittenen Verletzungen -
kleine Ablederung am Nasenrücken und zwei kleine oberflächliche Schürfungen am Brustkorb bei sonst unauffälligen Ver
hältnissen (vgl. vorstehend E.
3.1-3
sowie
Urk.
7/7
)
-
we
der erheblich, noch als besonders geartet oder ausgesprochen schwer zu taxieren sind, weshalb dieses Kriterium nicht erfüll
t
ist.
Eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung ist gegeben, wenn es sich um eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesse
rung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung handelt, während blosse ärztliche Verlaufskontrollen und Abklärungsmassnahmen sowie medika
men
töse Behandlungen das Kriterium nicht zu erfüllen vermögen (Urteil des Bundesgerichts 8C_62/2013 vom 1
1.
September 2013 E. 8.3). So verhält es sich vorliegend, denn abgesehen von der im November
2015
aufgenommenen psycho
therapeutischen Behandlung (vorstehend E. 3.
4
), die hier gerade nicht berücksich
tigt werden kann, sind nur noch Abklärungen
in verschiedener Richtung
(vgl.
vorstehend E. 4.1
) dokumentiert. Somit ist das Kriterium nicht erfüllt.
Bezüglich des Kriteriums der körperlichen Dauerschmerzen ist massgebend, ob über den gesamten Zeitraum andauernde Beschwerden vorlagen (Urteil des Bun
des
gerichts 8C_123/2018 vom 1
8.
September 2018 E. 5.2.2.1). Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die zwar körperlich imponierenden, organisch objektiv jedoch
nicht hinreichend nachweisbaren Beschwerden des Beschwerdeführers ausser Acht
zu bleiben haben (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_123/2018 vom 1
8.
Septem
ber
2018 E. 5.2.2.1, 8C_236/2016 vom 1
1.
August 2016 E. 6.2.4 und 8C_825
/2008 vom
9.
April 2009 E. 4.6), womit dieses Kriterium ebenfalls nicht erfüllt ist.
F
ür eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich ver
schlim
mert hätte, sowie für einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Kompli
kationen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_682/2013 vom 1
4.
Februar 2014 E.
11.3 und 8C_29/2010 vom 2
7.
Mai 2010 E. 5.3) bestehen keine Anhaltspunkte. Beide Kriterien sind nicht erfüllt.
Bei der Adäquanzprüfung nach BGE 115 V 133
sind
beim Kriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit nur jene Zeiten zu berücksichtigen, welche die versicherte Person aufgrund einer rein physischen Betrachtungsweise arbeits
unfähig war.
Anhaltspunkte für eine physisch bedingte Arbeitsunfähigkeit be
steh
en vorliegend keine, womit dieses Kriterium ebenfalls nicht erfüllt ist
.
4.6
Insgesamt ergibt sich somit, dass
allenfalls eines
der massgeblichen Kriterien erfüllt ist, so dass es den anhaltenden Beeinträchtigungen ohne organisches Sub
strat im Sinne struktureller Verän
derungen an der Adäquanz fehlt.
4.7
Bei "gemischten" Vorfällen, in welchen die Elemente eines Schreckereignisses (Über
fall, Bedrohung) und einer ihrerseits den Unfallbegriff erfüllenden physi
schen Einwirkung (Schläge, Zufügen von Verletzungen) kombiniert vorkommen, ist die Adäquanzprüfung unter beiden Aspekten vorzunehmen
(vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_1062/2009 vom 3
1.
August 2010 E. 2.2.1)
, wobei
a
n den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen Schreckereignissen und nachfolgen
den psychischen Beschwerden hohe Anforderungen gestellt
werden
. Andererseits ist der Versicherungsschutz einer weiten Bandbreite von Versicherten zu ge
währen (BGE 129 V 177 E. 3.3 S. 18 mit Hinweis auf 115 V 133 E. 4b S. 135, 125 V 456 E. 5c S. 462). Damit sind die strengen Anforderungen insbesondere an den Beweis der Tatsachen, die das Schreckereignis ausgelöst haben, und an die Ausser
gewöhnlichkeit dieses Ereignisses sowie den entsprechenden psychischen Schock zu stellen.
Beurteilt nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebens
erfahru
ng, ist festzustellen, dass der tätliche Angriff vom 1
7.
Mai 2015
- unter Berücksichtigung der weiten Bandbreite der Versicherten - nicht geeignet war, eine
lan
g
jährige
psychische Störung mit vollständiger Erwerbsunfähigkeit herbei
zuführen.
Wie die Beschwerdegegnerin richtigerweise vorbrachte, erlitt vorlie
gend
weder der Beschwerdeführer noch eine Drittperson einen erheblichen Körper
schaden und das Ereignis dauerte relativ kurze Zeit.
Ein solches Ereignis ist
recht
sprechungsgemäss
nicht geeignet, einen dauernden, erheblichen psychi
schen Schaden mit anhaltender Erwerbsunfähigkeit zu verursachen
(vgl.
BGE 129 V 177 E.
4.3 sowie Urteile des
Bundesgerichts
U 390/04 vom 1
4.
April 2005 E. 2.1,
U 593/06 vom 1
4.
April
20
08 E. 4, 8C_720/2007 vom
3.
September
2008 E. 6.3 und 8C_170/2014 vom
4.
Juli
2014 E. 8.2
)
. Die übliche und einigermassen typische Reaktion auf einen solchen
Angriff
dürfte
rechtsprechungsgemäss
darin bestehen, dass zwar eine Traumatisierung stattfindet, diese aber vom Opfer in aller Regel innert einiger Woc
hen oder Monate überwunden wird
(vgl.
BGE 129 V 177, SVR 2008 UV Nr. 7 S. 22 E. 2.5, je mit Hinweisen
)
. Die psychische Störung und die lang andauernde Erwerbsunfähigkeit können daher nicht mehr in einem weiten Sinne als angemessene und einigermassen typische Reaktion auf das Schreck
ereignis bezeichnet werden (
vgl. BGE 115 V 141 E
. 7 mit Hinweis
en
).
4.8
Nach dem Gesagten entfällt auch unter dem Gesichtspunkt
der allgemeinen Adä
quanztheorie
eine
weitergehende Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin.
Die
Ablehnung einer weitergehenden Leistungspflicht im angefochtenen
Entscheid
vom 1
7.
April 2019
erw
eist sich demnach als rechtens.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt der Anspruch des Beschwerdeführers auf Bestellung eines unent
geltlichen Rechtsvertreters sowohl im Einsprache- als auch im Beschwerde
ver
fahren.
5.2
Die unentgeltliche Rechtspflege kann nur gewährt werden, wenn die Rechts
vor
kehr nicht aussichtslos ist. Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten (ex ante betrachtet) beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Ge
winnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb an
strengen können, weil er sie nichts kostet (BGE 133 III 614 E. 5 mit Hinweisen).
5.3
Weder
einsprache
- noch beschwerdeweise wurden Argumente vorgebracht, welche
den abschlägigen Entscheid der Beschwerdegegnerin in Zweifel zu ziehen ver
möchten.
Zur Begründung der Beschwerdegegnerin führte der Beschwerdeführer einzig aus, dass diese angesichts eines möglichen Rentenanspruchs und der disputablen Fragen im Zusammenhang mit der Adäquanz nicht überzeugend sei (vgl.
Urk.
1 S. 5).
Diesbezüglich
ist
auf die vorstehenden Erwägungen
zu verwei
sen
,
woraus hervorgeht, dass der Beschwerdeführer nicht ernsthaft damit rechnen konnte, dass die Beschwerdegegnerin im
Einspracheverfahren
respektive das Ge
richt im Beschwerdeverfahren die Sach- und Rechtslage anders beurteilen würde. In diesem Zusammenhang
ist mit der Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
2 S. 15 f.)
insbesondere a
uf die
marginalen somatischen Verletzungen sowie die
konstante und juristisch allgemein bekannte höchstrichterliche Praxis
zur allgemeinen Adä
quanztheorie und zur sog. Psycho-Praxis hinzuweisen. Die Beschwerdegegnerin hielt zu Recht fest, dass angesichts der Sach- und Rechtslage einer rechtskundigen Fachanwältin bzw. einem rechtskundigen Fachanwalt bereits beim Studium der Akten
hätte
bewusst gewesen sein
müssen
, dass die Gewinnaussichten in einem anzustrengenden Einsprache- respektive Beschwerdeverfahren beträchtlich ge
rin
ger als die Verlustgefahren einzuschätzen
sind
.
Es ist daher davon auszugehen, dass eine Person, welche für die Kosten ihres Rechtsvertreters selbst aufkommen könnte, sich nicht zu dieser Beschwerde entschlossen hätte.
Somit muss von Aus
sichtslosigkeit ausgegangen werden
, weshalb weder im Einsprache- noch im Be
schwerdeverfahren ein Anspruch auf Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbei
standes besteht.
6.
Nach dem Gesagten ist der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 1
7.
April 2019, mit welchem die Beschwerdegegnerin ihre
weitergehende Leistungspflicht
verneinte und das Gesuch um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes für das
Einspracheverfahren
abgewiesen hat, nicht zu beanstanden, was zur Ab
weisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt. Im Weiteren ist auch im Beschwerdeverfahren das Gesuch um unentgeltliche Rechtsver
tret
ung infolge Aussichtslosigkeit abzulehnen.