Decision ID: acef1ad1-b5a7-5055-b2fc-9541e041a8c3
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die am (...) März 1963 geborene, geschiedene und in Serbien wohnhafte
schweizerisch-serbische Doppelbürgerin A._ (im Folgenden: Versi-
cherte oder Beschwerdeführerin) war vom Oktober 1988 bis zu ihrem Weg-
zug nach Serbien per 5. Oktober 2017 obligatorisch bei der Alters-, Hinter-
lassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) versichert und hat dabei
entsprechende Beiträge an die obligatorische Versicherung geleistet. Nach
ihrem Wegzug nach Serbien schloss sich die Versicherte der freiwilligen
AHV-Versicherung an (vgl. Beitrittserklärung vom 16. Mai 2018 und Auf-
nahmebestätigung vom 5. Juni 2018 betreffend rückwirkende Aufnahme
per 1. November 2017; Akten der Vorinstanz betreffend die freiwillige Ver-
sicherung [im Folgenden: act.] 1-3 sowie Akten der Vorinstanz betreffend
die obligatorische Versicherung [im Folgenden: Dok.] 1 S. 1 f. und S. 7-12).
Die Versicherte war insgesamt zwei Mal verheiratet: vom (...) 1988 bis (...)
1995 mit B._ sel., bosnischer Staatsangehöriger, geboren (...)
1950, verstorben am (...) November 2006 (vgl. Dok. 1 S. 18-22, Dok. 1
S. 52-61, Dok. 1 S. 63-65, Dok. 1 S. 98 ff.) sowie vom (...) 1998 bis (...)
2003 mit C._, kroatischer Staatsangehöriger, geboren am (...) 1961
(vgl. Dok. 1 S. 14-17, Dok. 1 S. 67 f., Dok. 1 S. 82-86). Aus der ersten Ehe
der Versicherten mit B._ sel. ist ein Kind hervorgegangen:
D._, geboren am (...) Dezember 1991 (vgl. Dok. 1 S. 19 und
S. 60 f.).
B.
B.a Nach dem Tod ihres ersten Ex-Ehegatten B._ sel., der ebenfalls
in der Schweiz erwerbstätig war und dabei Beiträge an die schweizerische
AHV/IV entrichtet hat, reichte die Versicherte mit Eingabe vom 7. Februar
2007 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons E._ (im Fol-
genden: SVA E._) ein Gesuch um Ausrichtung von Hinterlassenen-
renten ein (vgl. Dok. 1 S. 52-61). Die SVA E._ leitete dieses Gesuch
am 20. Februar 2007 zuständigkeitshalber an die Ausgleichskasse
F._ (im Folgenden: AK F._) weiter (Dok. 1 S. 62). In der
Folge erliess die AK F._ am 5. April 2007 eine Verfügung, mit wel-
cher – jeweils mit Wirkung ab dem 1. Dezember 2006 – der Versicherten
eine Witwenrente und dem gemeinsamen Sohn eine Waisenrente zuge-
sprochen wurde (vgl. Dok. 1 S. 41-43).
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B.b Nachdem sich die Versicherte per 5. Oktober 2017 nach Serbien ab-
gemeldet hatte, überwies die AK F._ am 18. Oktober 2017 das Ver-
sichertendossier zuständigkeitshalber an die Schweizerische Ausgleichs-
kasse (SAK; im Folgenden auch: Vorinstanz; vgl. Dok. 1 S.1 f. und Dok. 2-
4; vgl. auch act. 1 S. 3 f.). Nach Erhalt des Versichertendossiers teilte die
Vorinstanz – nach vorgängiger telefonischer Rücksprache – der AK
F._ am 2. November 2017 schriftlich mit, dass sie nach Durchsicht
des Dossiers festgestellt habe, dass die Versicherte die Bedingungen für
eine Witwenrente nicht erfüllt habe, da sie zum Zeitpunkt des Ablebens des
ersten Ex-Ehegatten im November 2006 zwar geschieden gewesen sei,
jedoch von ihrem zweiten Ex-Ehegatten C._. Die SAK bat deshalb
die AK F._, die Akten zu prüfen und anschliessend einen schriftli-
chen Rückforderungsantrag samt Berechnung des rückforderbaren Be-
trags einzureichen (vgl. Dok. 7). Mit Schreiben vom 7. November 2017 in-
formierte die SAK auch die Versicherte über die zu Unrecht ausgerichtete
Witwenrente und teilte ihr mit, dass sie hierzu in den kommenden Wochen
eine anfechtbare Verfügung erhalten werde (Dok. 8).
B.c Nachdem die AK F._ der Vorinstanz mit Schreiben vom 3. No-
vember 2017 den berechneten Rückforderungsbetrag für die Zeit von No-
vember 2012 bis Oktober 2017 mitgeteilt sowie bestätigt hatte, dass der
Versicherten durch eine Fehlinterpretation der Rentenwegleitung zu Un-
recht eine Witwenrente ausgerichtet worden war, erliess die Vorinstanz am
21. November 2017 ankündigungsgemäss eine Verfügung, mit welcher sie
unter Hinweis auf zu Unrecht ausbezahlte Witwenrenten einen Betrag im
Umfang von Fr. 42'570.- zurückforderte. Gleichzeitig wies sie auf die Mög-
lichkeit eines ganzen oder teilweisen Erlasses der Rückerstattung hin, so-
fern innert 30 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft der Rückerstattungsver-
fügung ein schriftlich begründetes Gesuch eingereicht werde (vgl.
Dok. 10).
B.d Nachdem die am 23. November 2017 eingeschrieben versandte Ver-
fügung am 4. Dezember 2017 von der Post an die Vorinstanz retourniert
worden war (Eingang bei der Vorinstanz am 8. Dezember 2017 [vgl.
Dok. 15]), teilte die Versicherte der Vorinstanz am 11. Dezember 2017 per
E-Mail mit, dass sie aufgrund einer Auslandabwesenheit nicht in der Lage
gewesen sei, die Sendung abzuholen. Sie ersuchte die Vorinstanz um er-
neute Zustellung, jedoch an die Adresse ihres Sohnes in der Schweiz, da
sie vom 15. bis 19. November 2017 (recte: Dezember) bei ihm sein werde
(vgl. Dok. 16). In der Folge sandte die Vorinstanz die Verfügung, welche
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sie neu auf den 15. Dezember 2017 datierte, wunschgemäss an die Ad-
resse des Sohnes in der Schweiz (vgl. Dok.17). Nachdem die Versicherte
am 18. Dezember 2017 telefonisch mitgeteilt hatte, die Verfügung noch
nicht erhalten zu haben, übermittelte ihr die Vorinstanz wunschgemäss am
gleichen Tag eine Kopie sowohl per E-Mail als auch per Post an ihre Ad-
resse in Serbien (vgl. Dok. 19-21). Die Versicherte konnte das Original in-
des noch vor ihrer Rückreise in Empfang nehmen (vgl. Dok. 25).
B.e Am 4. Januar 2018 erhob die Versicherte gegen die Rückerstattungs-
verfügung Einsprache und beantragte deren Aufhebung sowie die Weiter-
ausrichtung der Witwenrente gemäss Verfügung vom 5. April 2007
(Dok. 27). Mit separater Eingabe vom gleichen Tag liess die Versicherte
unter Hinweis auf die gleichentags von ihr selbst versandte Einsprache mit-
teilen, dass sie von nun an von Rechtsanwalt Markus Leimbacher vertreten
werde, weshalb sämtliche Folgekorrespondenz an ihn zu richten sei.
Gleichzeitig liess sie auch um Akteneinsicht ersuchen (vgl. Dok. 28). Nach-
dem die Vorinstanz mit Eingabe vom 13. Februar 2018 an das am 4. Ja-
nuar 2018 gestellte Akteneinsichtsgesuch erinnert worden war, wurden die
Akten am 19. Februar 2018 an den Rechtsvertreter zur Einsicht übermittelt
(vgl. Dok. 29 f.). Nachdem die Vorinstanz mit Informationsschreiben vom
20. März 2018 erneut den Sachverhalt dargelegt und auf die Möglichkeit
eines Erlassgesuches hingewiesen sowie um Mitteilung ersucht hatte, ob
an der Einsprache festgehalten werde (vgl. Dok. 31), teilte ihr die Versi-
cherte mit Eingabe vom 10. April 2018 mit, dass sie die Einsprache auf-
rechterhalte (Dok. 36). Schliesslich wies die Vorinstanz mit Einspracheent-
scheid vom 25. Juni 2018 die Einsprache im Wesentlichen mit der Begrün-
dung ab, sie sei zwar zum Zeitpunkt des Todes ihres ersten Ex-Ehegatten
geschieden gewesen, jedoch nicht vom Verstorbenen, sondern von ihrem
zweiten Ex-Ehegatten. Deshalb seien der Versicherten zwischen 2006 und
2017 jeweils an die Teuerung angepasste Witwenrenten von insgesamt
Fr. 91'232.- zu Unrecht ausbezahlt worden. Von Gesetzes wegen müssten
nicht sämtliche unrechtmässig bezogenen Leistungen zurückerstattet wer-
den, sondern lediglich diejenigen der letzten fünf Jahre von insgesamt
Fr. 42'570.-. Ausserdem wies die Vorinstanz im Einspracheentscheid er-
neut auf die Möglichkeit eines schriftlich begründeten Erlassgesuches in-
nert 30 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft der verfügten Rückerstattung
hin (vgl. Dok. 38).
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C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Markus Leimbacher, am 26. Juli 2018 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die Rückerstat-
tungsverfügung vom 15. Dezember 2017 sowie der Einspracheentscheid
vom 25. Juni 2018 seien aufzuheben und es sei festzustellen, dass die
Ausgleichskasse verpflichtet sei, weiterhin die Witwenrente gemäss der
Verfügung vom 5. April 2007 auszubezahlen. Zur Begründung machte sie
einerseits ihr gegenüber getätigte amtliche Zusicherungen der damals zu-
ständigen Ausgleichskasse geltend, welche trotz Kenntnis der zweiten Ehe
die Rente zugesprochen und diese nach telefonischer Rückfrage seitens
der Versicherten bestätigt habe. Andererseits machte sie geltend, der
Rückforderungsanspruch sei infolge Ablaufs der relativen einjährigen Ver-
wirkungsfrist spätestens im Mai 2008 untergegangen, da die zuständige
Ausgleichskasse von Anfang an über die zweite Ehe im Bilde gewesen sei
(vgl. Akten im Beschwerdeverfahren [im Folgenden: BVGer-act.] 1).
C.b Mit Vernehmlassung vom 9. Oktober 2018 beantragte die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 25. Juni 2018. Zur Begründung führte die Vor-
instanz aus, sie habe die Rentenakte nach der zuständigkeitshalber erfolg-
ten Übernahme überprüft und dabei festgestellt, dass vorliegend ein An-
spruch auf eine Witwenrente geschiedener Ehegatten nie entstanden sei
und ihr zu Unrecht eine Rente zugesprochen worden sei. Die Zusprache
einer Witwenrente an eine geschiedene Ex-Ehefrau, welche wieder gehei-
ratet habe und danach ein zweites Mal geschieden worden sei, sei nicht
gesetzeskonform. Die SAK habe deshalb die Verfügung vom 5. April 2007
wegen zweifelloser Unrichtigkeit sowie erheblicher Bedeutung der Berich-
tigung in Wiedererwägung gezogen und dabei die Unrechtmässigkeit des
Leistungsbezugs festgestellt sowie keine Rentenzahlungen mehr vorge-
nommen. Die SAK habe dabei die einjährige relative Verwirkungsfrist ge-
wahrt und bei der Rückforderung die absolute Verwirkungsfrist von fünf
Jahren beachtet. Ausserdem entfalle bei einer Wiedererwägung die Beru-
fung auf den Vertrauensgrundsatz. Im Weiteren habe sie gemäss bundes-
gerichtlicher Rechtsprechung über die Unrechtmässigkeit des Leistungs-
bezugs und über die allfällige sich daraus ergebende Rückerstattungs-
pflicht in einer einzigen Verfügung entscheiden dürfen. Ausserdem habe
sie «implizit einer allfälligen Beschwerde gegen die Verfügung die auf-
schiebende Wirkung entzogen und zugleich die Rückerstattungspflicht ver-
fügt» (vgl. BVGer-act. 7).
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C.c Mit innert erstreckter Frist eingereichter Replik vom 4. Dezember 2018
hielt die Beschwerdeführerin an ihren Begehren und deren Begründung
fest. Zusätzlich beanstandete sie, dass sich die Vorinstanz nicht ansatz-
weise zu den detaillierten Darlegungen der Beschwerdeführerin bezüglich
der ihr gegenüber getätigten amtlichen Zusicherungen äussere. Zudem
verwies sie auf die der Replik beigelegten Handnotizen betreffend die bei
den Ausgleichskassen telefonisch eingeholten Auskünfte; aus diesen
ginge hervor, dass ihr ausdrücklich gesagt worden sei, die Rente werde
nach Serbien in Euro statt in Schweizer Franken ausbezahlt. Damit seien
die amtlichen Zusicherungen klar ausgewiesen. Im Weiteren bestreite sie
die vorinstanzliche Darstellung, die Rückforderung sei vor Ablauf der Ver-
wirkungsfrist geltend gemacht worden. Der AK F._ sei von Anfang
an die zweite Ehe der Beschwerdeführerin bekannt gewesen. Die einjäh-
rige Verwirkungsfrist sei daher spätestens im Mai 2008 abgelaufen (vgl.
BVGer-act. 10).
C.d Mit Duplik vom 17. Januar 2019 hielt die Vorinstanz ebenfalls an ihren
Begehren und deren Begründung fest. Ergänzend führte sie aus, aufgrund
der mit Replik eingereichten Handnotizen sei davon auszugehen, dass sich
die Beschwerdeführerin im Jahr 2016 aller Wahrscheinlichkeit nach da-
nach erkundigt habe, ob die damals ausbezahlte Rente nach Serbien aus-
gerichtet werde und in welcher Währung dies erfolgen würde. Ausserdem
habe sie sich nach den Modalitäten der freiwilligen AHV-Versicherung so-
wie nach der künftig zu erwartenden Altersrente erkundigt. Die Auskünfte
im Jahr 2016 seien von der SVA E._ sowie von der SAK erteilt wor-
den, die beide damals nicht für die Witwenrentenzahlung zuständig gewe-
sen seien. Das Dossier sei bei der damals zuständigen AK F._ ge-
legen; ohne dieses Dossier hätten die beiden vorgenannten Ausgleichs-
kassen lediglich von den Aussagen der Beschwerdeführerin ausgehen und
dabei nicht beurteilen können, ob die Rente zu Recht ausbezahlt worden
sei. Generelle Auskünfte würden von der SAK täglich erteilt. Wie bereits
mit Vernehmlassung ausgeführt, entfalle bei einer Wiedererwägung die Be-
rufung auf den Vertrauensgrundsatz. Entscheidend sei, dass fehlerhafte
Verfügungen von der Verwaltung korrigiert werden könnten. Selbst wenn
der gute Glaube und eine Vertrauensgrundlage zu bejahen wären sowie
die Auswanderung eine nicht mehr ohne Nachteile rückgängig machbare
Disposition wäre, was indes von der Beschwerdeführerin nachzuweisen
wäre, scheitere letztlich die Berufung auf den Vertrauensschutz am entge-
genstehenden überwiegenden öffentlichen Interesse an der richtigen
Rechtsanwendung. Dem geltend gemachten Erlöschen des Rückforde-
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rungsanspruchs halte sie erneut entgegen, dass die im Jahre 2007 zustän-
dige AK F._ zwar gewusst habe, dass die Beschwerdeführerin ein
zweites Mal verheiratet gewesen sei, jedoch die Rechtsregeln falsch ange-
wendet habe. Die irrtümliche Rechtsanwendung sei im November 2017
von der SAK entdeckt worden. Dabei sei die Entdeckung der fehlerhaften
Rechtsanwendung im November 2017 massgebend für den Fristenlauf
und nicht der ursprüngliche Irrtum der AK F._. Sowohl die einjährige
relative Frist wie auch die absolute fünfjährige Frist seien eingehalten wor-
den (vgl. BVGer-act. 12).
C.e Mit Instruktionsverfügung vom 22. Januar 2019 wurde der Beschwer-
deführerin ein Doppel der Duplik der Vorinstanz vom 17. Januar 2019 zur
Kenntnisnahme zugestellt und gleichzeitig – unter Vorbehalt weiterer In-
struktionsmassnahmen – der Schriftenwechsel geschlossen (vgl. BVGer-
act. 13).
C.f Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten
wird, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, im Rahmen der nachfol-
genden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 85bis
Abs. 1 AHVG (SR 831.10) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden von Personen im Ausland gegen Einspracheentscheide (Art. 5
Abs. 2 VwVG) der Schweizerischen Ausgleichskasse. Eine Ausnahme im
Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist
demnach für die Beurteilung der Beschwerde zuständig.
1.2 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt.
Das VwVG findet indes keine Anwendung in Sozialversicherungssachen,
soweit das ATSG (SR 830.1) anwendbar ist (Art. 3 Bst. dbis VwVG). Ge-
mäss Art. 1 Abs. 1 AHVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die im
ersten Teil geregelte Alters- und Hinterlassenenversicherung anwendbar,
soweit das AHVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht.
1.3 Die Beschwerdeführerin ist durch den vorliegend angefochtenen Ein-
spracheentscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen
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Aufhebung oder Änderung, so dass sie im Sinne von Art. 59 ATSG be-
schwerdelegitimiert ist.
1.4 Da die Beschwerde vom 26. Juli 2018 im Übrigen frist- und formgerecht
eingereicht wurde (Art. 60 ATSG i.V.m. Art. 38 Abs. 4 Bst. a ATSG; Art. 52
Abs. 1 VwVG), ist grundsätzlich darauf einzutreten (vgl. E. 3 ff. hiernach).
2.
Die Beschwerdeführerin ist schweizerisch-serbische Doppelbürgerin und
wohnt in Serbien. Das zwischen der Schweiz und der Republik Serbien
über soziale Sicherheit am 11. Oktober 2010 abgeschlossene Abkommen
(SR 0.831.109.682.1) ist am 1. Januar 2019 in Kraft getreten (AS 2019
135). Laut den massgeblichen Übergangsbestimmungen gilt das Abkom-
men auch für Versicherungsfälle, die – wie im vorliegenden Fall – vor sei-
nem Inkrafttreten eingetreten sind (Art. 37 Abs. 1), und vor dem Inkrafttre-
ten des Abkommens getroffene Entscheide stehen seiner Anwendung nicht
entgegen (Art. 37 Abs. 2). Mit dem Inkrafttreten dieses Abkommens tritt zu-
dem das bisherige Abkommen vom 8. Juni 1962 (AS 1964 161) ausser
Kraft (Art. 38). Nach Art. 2 Abs. 1 Ziff. 1 des Abkommens erstreckt sich der
sachliche Geltungsbereich unter anderem auch auf die Bundesgesetzge-
bung über die AHV. In persönlicher Hinsicht gilt es zudem insbesondere für
die Staatsangehörigen der Vertragsstaaten und ihre Familienangehörigen
und Hinterlassenen (Art. 3 Ziffer 1 des Abkommens). Die Staatsangehöri-
gen des einen Vertragsstaates sowie deren Familienangehörige und Hin-
terlassene sind in ihren Rechten und Pflichten aus den Rechtsvorschriften
des anderen Vertragsstaates den Staatsangehörigen dieses Vertragsstaa-
tes beziehungsweise deren Familienangehörigen und Hinterlassenen
gleichgestellt (Art. 4 des Abkommens; Gleichbehandlungsgrundsatz).
Staatsangehörige von Serbien und ihre Hinterlassenen haben grundsätz-
lich (vorbehältlich der vorliegend nicht einschlägigen Absätze 2-5 von
Art. 15) unter den gleichen Voraussetzungen wie schweizerische Staats-
angehörige und deren Hinterlassene Anspruch auf die ordentlichen Renten
und die Hilflosenentschädigungen der schweizerischen AHV (Art. 15 Abs.
1 des Abkommens). Die Prüfung der streitigen AHV-Leistungsansprüche
sowie die Ausgestaltung des Verfahrens bestimmen sich deshalb nach den
schweizerischen Rechtsvorschriften, insbesondere nach dem AHVG und
der AHVV (SR 831.101) sowie dem ATSG (vgl. E. 1.2).
3.
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts sind die formellen
Gültigkeitserfordernisse des Verfahrens, insbesondere auch die Frage, ob
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die Vorinstanz zu Recht auf die Einsprache eingetreten ist, von Amtes we-
gen zu prüfen. Hat die Vorinstanz übersehen, dass es an einer Prozessvo-
raussetzung fehlte, und hat sie materiell entschieden, ist dies im Rechts-
mittelverfahren von Amtes wegen zu berücksichtigen mit der Folge, dass
der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben ist (vgl. BGE 128 V 89
E. 2a mit Hinweisen; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesge-
richts] C 41/05 vom 6. März 2006 E. 1 mit Hinweis auf BGE 128 V 89
E. 2a).
3.1 Anfechtungsobjekt ist vorliegend einzig der angefochtene Einsprache-
entscheid vom 25. Juni 2018, mit welchem die Vorinstanz die Einsprache
der Beschwerdeführerin vom 4. Januar 2018 materiell beurteilt und
schliesslich abgewiesen hat. Der Einspracheentscheid ersetzt die ur-
sprüngliche Verfügung (vgl. Urteile des BGer 8C_121/2009 vom 26. Juni
2009 E. 3.5; 8C_592/2012 vom 23. November 2012 E. 3.2; 9C_777/2013
vom 13. Februar 2014 E. 5.2.1 mit Hinweisen; BGE 140 V 70 E. 4.2). So-
weit die Beschwerdeführerin die Aufhebung der ursprünglichen mit Ein-
sprache vom 4. Januar 2018 angefochtenen Rückerstattungsverfügung
beantragt, ist deshalb auf die Beschwerde nicht einzutreten.
3.2 In diesem Zusammenhang ist allerdings darauf hinzuweisen, dass so-
wohl in der Einsprache vom 4. Januar 2018 als auch im angefochtenen
Einspracheentscheid vom 25. Juni 2018 wie auch in den Eingaben im vor-
liegenden Beschwerdeverfahren jeweils auf die auf den 15. Dezember
2017 datierte Verfügung (Dok. 17) Bezug genommen wird. Aus den vor-
instanzlichen Akten ergibt sich jedoch, dass die Vorinstanz die Rückerstat-
tung der zu Unrecht ausbezahlten Witwenrenten bereits mit Verfügung vom
21. November 2017 (Dok. 10) angeordnet und diese am 23. November
2017 per Einschreiben mit Rückschein versendet hat. Diese wurde jedoch
in der Folge nicht abgeholt und am 4. Dezember 2017 an die Vorinstanz
zurückgesendet (vgl. Dok. 15). Der erneute Versand der Verfügung erfolgte
auf Ersuchen der Beschwerdeführerin per E-Mail vom 11. Dezember 2017,
da sie die erste Sendung aufgrund eines Auslandaufenthaltes nicht in Emp-
fang respektive nicht mehr bei der Post abholen konnte (vgl. 16). Dabei
wurde die Verfügung neu mit 15. Dezember 2017 datiert (Dok. 17).
3.2.1 Nach Art. 38 Abs. 2bis ATSG gilt eine Mitteilung, die nur gegen Unter-
schrift des Adressaten beziehungsweise der Adressatin oder einer anderen
berechtigten Person überbracht wird, spätestens am siebenten Tag nach
dem ersten erfolglosen Zustellungsversuch als erfolgt (vgl. auch BGE 134
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V 49 E. 2; vgl. im Weiteren den inhaltlich gleichlautenden Art. 20 Abs. 2bis
VwVG). Gemäss Rechtsprechung wird die Zustellfiktion bei eingeschriebe-
nen Sendungen dann ausgelöst, wenn die Abholeinladung in den Briefkas-
ten des Empfängers gelegt wurde und dieser (kumulativ) eine solche Zu-
stellung (mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit) erwarten musste, was
stets zutrifft, wenn er Verfahrenspartei ist (vgl. BGE 138 III 225 E. 3.1, unter
Hinweis auf Art. 138 Abs. 3 Bst. a der Schweizerischen Zivilprozessord-
nung vom 19. Dezember 2008 [ZPO, SR 272]: "... sofern die Person mit
einer Zustellung rechnen musste.", 134 V 49 E. 4 mit Hinweisen; Urteile
des BVGer A-648/2014 vom 16. Januar 2015 E. 2.2.1 m.w.H., B-4294/2014
vom 28. Juli 2015 E. 1.4 m.w.H.; ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ
KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl.,
Basel 2013, N. 2.115 f. m.H.). Diese Rechtsfolge gilt mangels anderslau-
tender gesetzlicher Regelung in den vorliegend anwendbaren Schweizer
Rechtsvorschriften (vgl. E. 2 hiervor) auch bei Sendungen, welche ins Aus-
land erfolgen (vgl. z.B. BGer 1C_236/2016 vom 15. November 2016).
3.2.2 In casu musste die Beschwerdeführerin mit einer anfechtbaren Ver-
fügung rechnen, hat doch die Vorinstanz kurz zuvor mit eingeschrieben
versandter Mitteilung vom 7. November 2017 die Beschwerdeführerin dar-
über in Kenntnis gesetzt, dass sie ihr in den «kommenden Wochen» eine
anfechtbare Verfügung mit dem Antrag auf Rückerstattung des zu Unrecht
erhaltenen Betrages zukommen lassen werde (vgl. Dok. 8). Diese Mittei-
lung hat die Beschwerdeführerin erhalten, was sich zweifelsfrei ihrer E-
Mail-Nachricht vom 11. Dezember 2017 entnehmen lässt. Ebenso lässt
sich derselben Nachricht entnehmen, dass ihr ordnungsgemäss eine ent-
sprechende Abholungseinladung in den Briefkasten gelegt wurde, führt sie
doch aus, dass sie die Verfügung der Vorinstanz aufgrund einer Auslands-
abwesenheit nicht habe bei der Post abholen können (vgl. Dok. 16). Auf-
grund des Dargelegten gilt die am 23. November 2017 eingeschrieben ver-
sandte erste Verfügung vom 21. November 2017 (vgl. Dok. 15) spätestens
am siebten Tag nach dem ersten Zustellversuch als zugestellt und somit
eröffnet; ein allfälliger zweiter Versand und die spätere Entgegennahme
der Sendung ist gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung grundsätzlich
nicht erheblich (BGE 111 V 99 E. 2b S. 101; BGE 118 V 190 E. 3a S. 190;
119 V 89 E. 4b/aa S. 94; Urteil 2C_1038/2017 vom 18. Juli 2018 E. 5.3.2).
Denn Sinn und Zweck der Zustellfiktion gemäss Art. 38 Abs. 2bis ATSG liegt
darin, dass nicht mehrere Versuche notwendig sind, um einen eingeschrie-
benen Brief als rechtlich zugestellt gelten zu lassen, sondern dass diese
Fiktion bereits am siebenten Tag nach dem ersten erfolglosen Zustellungs-
versuch eintritt (8C_394/2018 vom 11. März 2019 E. 4.2.2).
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Seite 11
3.2.3 Ein zweiter Versand der Verfügung inklusive (vorbehaltloser) Rechts-
mittelbelehrung kann höchsten Auswirkungen auf die Rechtsmittelfrist zei-
tigen. In BGE 115 Ia 20 hat das Bundesgericht hierzu einschränkend aus-
geführt, dass sich die Rechtsmittelfrist gestützt auf den verfassungsmässi-
gen Anspruch auf Vertrauensschutz dann verlängern kann, wenn noch vor
ihrem Ende eine entsprechende vertrauensbegründende Auskunft erteilt
wird. Eine solche Auskunft kann darin bestehen, dass der mit Rechtsmit-
telbelehrung versehene Entscheid dem Betroffenen noch vor Ablauf der
Frist erneut zugestellt wird (vgl. BGE 115 Ia 12 E. 5c; vgl. auch 118 V 190
E. 3a; 117 Ia 421 E. 2a S. 422; Urteile 2C_1038/2017 vom 18. Juli 2018
E. 5.3.2; 6B_701/2016 vom 23. Mai 2017 E. 3.3; 8C_184/2010 vom 27. Ap-
ril 2010 E. 3.2). In casu hatte der zweite Versand der nun mit Datum vom
15. Dezember 2017 versehenen Verfügung indessen keinen Nachteil für
die Beschwerdeführerin bezüglich der Rechtsmittelfrist bewirkt. Zwar ist
aufgrund der Akten nicht ersichtlich, an welchem Tag der erste erfolglose
Zustellversuch der Verfügung vom 21. November 2017 erfolgt ist. Dies ist
vorliegend jedoch unerheblich. Denn selbst wenn die am 23. November
2017 versandte Verfügung vom 21. November 2017 (vgl. Dok. 15) bereits
am folgenden Tag (Freitag, der 24. November 2017) der Beschwerdefüh-
rerin zugestellt worden wäre, wäre mit der Eingabe vom 4. Januar 2018
unter Berücksichtigung des vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar
geltenden Fristenstillstands (vgl. Art. 38 Abs. 1 ATSG) die 30-tägige Frist
gemäss Art. 52 Abs. 1 ATSG jedenfalls gewahrt gewesen.
3.2.4 Im Lichte des soeben Dargelegten ist die Vorinstanz zu Recht auf die
Einsprache vom 4. Januar 2018 eingetreten und hat diese zu Recht mate-
riell beurteilt.
3.3 Nach der Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei der
Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des
streitigen Entscheides eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 129 V 1 E. 1.2
mit Hinweis). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben,
sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein
(BGE 121 V 362 E. 1b).
3.4 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen materiellen Rechts-
sätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden
Tatbestandes Geltung hatten (BGE 130 V 329 E. 2.3).
3.5 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdever-
fahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs
C-4339/2018
Seite 12
oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie Unangemes-
senheit des Entscheids rügen (Art. 49 VwVG).
4.
Zu prüfen ist, ob die Vorinstanz zu Recht einen Anspruch auf eine Witwen-
rente verneint und gestützt auf diese Feststellung die Rückerstattung eines
Betrags von insgesamt Fr. 42'570.- verfügt hat. Die Beschwerdeführerin
bestreitet dabei nicht, dass die Voraussetzungen für eine Witwenrente für
geschiedene Personen bei ihr nie erfüllt gewesen seien. Sie macht aller-
dings im Zusammenhang mit der Rückforderung geltend, dass der Rück-
forderungsanspruch der Vorinstanz infolge Verwirkung untergegangen sei.
Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus, die AK F._ habe
bereits von Beginn an aufgrund der eingereichten Unterlagen gewusst,
dass die Beschwerdeführerin zwei Mal verheiratet gewesen sei. Somit sei
die einjährige relative Frist gemäss Art. 25 Abs. 1 ATSG nicht eingehalten
worden und der Rückerstattungsanspruch sei spätestens im Mai 2008 er-
loschen.
4.1 Gemäss Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene
Leistungen zurückzuerstatten. Gemäss Art. 25 Abs. 2 ATSG (in der vorlie-
gend anwendbaren, vom 1. Januar 2003 bis 31. Dezember 2020 in Kraft
gestandenen Fassung [AS 2002 3376]; vgl. E. 3.4 hiervor) erlischt der
Rückforderungsanspruch mit Ablauf eines Jahres, nachdem die Versiche-
rungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat (gemäss der seit 1. Januar
2021 geltenden Fassung vom 21. Juni 2019 [AS 2020 5137] beträgt die
relative Verjährungsfrist drei Jahre), spätestens aber fünf Jahre nach der
Auszahlung der Leistung; wird der Rückerstattungsanspruch aus einer
strafbaren Handlung hergeleitet, für welche das Strafrecht eine längere
Verjährungsfrist vorsieht, so ist diese Frist massgebend. Es handelt sich
dabei um von Amtes wegen zu berücksichtigende Verwirkungsfristen (BGE
140 V 521 E. 2.1, 138 V 74 E. 4.1 je mit Hinweisen; Urteil des BGer
8C_843/2018 vom 22. Januar 2018 E. 3.2 mit Hinweisen).
4.1.1 Die Festlegung einer (allfälligen) Rückerstattung von Leistungen er-
folgt demzufolge in einem mehrstufigen Verfahren: In einem ersten Ent-
scheid ist über die Frage der Unrechtmässigkeit des Bezuges der Leistung
zu befinden (in der Regel mittels Wiedererwägung oder Revision, vgl. Art.
53 ATSG bzw. Art. 17 ATSG). Daran schliesst sich zweitens der Entscheid
über die Rückerstattung an, in dem zu beantworten ist, ob – bei der fest-
gestellten Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs – eine rückwirkende
C-4339/2018
Seite 13
Korrektur gemäss Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG erfolgt. Die Rechtsprechung
lässt es allerdings zu, dass über die Unrechtmässigkeit des Leistungsbe-
zuges und über die allfällige sich daraus ergebende Rückerstattungspflicht
gemeinsam entschieden wird (vgl. Urteil des BGer 9C_564/2009 vom
22. Januar 2010 E. 6.4; UELI KIESER, Rückforderung unrechtmässig bezo-
gener Leistungen von Dritten, in: Sozialversicherungsrechtstagung 2010,
2011, S. 224). Schliesslich ist drittens, auf entsprechendes Gesuch hin,
über den Erlass der zurückzuerstattenden Leistung gemäss Art. 25 Abs. 1
Satz 2 ATSG zu entscheiden (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl.
2020, Art. 25 Rz. 21), dies jedoch erst, wenn die Rechtsbeständigkeit der
Rückerstattungsforderung feststeht (Urteil BGer 9C_466/2014 vom 2. Juli
2015 E. 3.1 mit Hinweis; vgl. auch Art. 4 Abs. 4 ATSV [SR 830.11]).
4.1.2 Aufgrund des soeben Ausgeführten ist daher weder zu beanstanden,
dass die Vorinstanz in einem Entscheid sowohl über die Frage der Unrecht-
mässigkeit des Leistungsbezugs als auch über die sich daraus ergebende
Rückerstattungspflicht und deren Umfang befunden hat, noch, dass die
Vorinstanz die Erlassfrage, auf deren Möglichkeit sie die Beschwerdefüh-
rerin bereits mehrfach hingewiesen hat (vgl. Dok. 17, Dok. 31 und Dok. 38)
noch gar nicht geprüft hat. Da die Rechtsbeständigkeit der Rückerstat-
tungsforderung noch nicht feststeht, bildet diese doch gerade den Gegen-
stand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens, konnte über die Erlass-
frage noch gar nicht verfügt werden.
4.2 Vorliegend bestreitet die Beschwerdeführerin aus nachfolgenden Grün-
den zu Recht nicht, dass die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung
nach Art. 53 Abs. 2 ATSG erfüllt sind:
4.2.1 Voraussetzung einer Wiedererwägung nach Art. 53 Abs. 2 ATSG ist
– nebst der erheblichen Bedeutung der Berichtigung, welche ohne Weite-
res zu bejahen ist, wenn es sich wie im vorliegenden Fall um periodische
Dauerleistungen handelt –, dass kein vernünftiger Zweifel an der Unrich-
tigkeit der Verfügung (resp. des allfälligen Einspracheentscheids oder der
formlosen Leistungszusprache [vgl. Art. 58 IVG i.V.m. Art. 74ter IVV; SVR
2020 UV Nr. 11 S. 39, 8C_383/2019 E. 4.3.1]) besteht, also nur dieser ein-
zige Schluss denkbar ist. Dieses Erfordernis ist in der Regel erfüllt, wenn
eine Leistungszusprache aufgrund falscher Rechtsregeln erfolgt ist oder
wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wur-
den. Ob dies zutrifft, beurteilt sich nach der bei Erlass der Verfügung be-
C-4339/2018
Seite 14
standenen Sach- und Rechtslage, einschliesslich der damaligen Rechts-
praxis (vgl. BGE 141 V 405 E. 5.2; 140 V 77 E. 3.1; 138 V 324 E. 3.3; Urteil
des BGer 9C_415/2020 vom 17. Mai 2021 E. 4.1).
4.2.2 Somit gilt zunächst darzulegen, unter welchen Voraussetzungen ge-
schiedene Ehegatten einer verwitweten Person gleichgestellt sind.
4.2.2.1 Gemäss Art. 23 Abs. 1 AHVG haben Witwen oder Witwer Anspruch
auf eine Witwen- bzw. Witwerrente, sofern sie im Zeitpunkt der Verwitwung
Kinder haben. Der Anspruch entsteht am ersten Tag des dem Tod des Ehe-
mannes oder der Ehefrau folgenden Monats und erlischt mit der Wieder-
verheiratung oder dem Tode der Witwe oder des Witwers (vgl. Art. 23 Abs.
3 und 4 AHVG). Der Anspruch auf eine Witwen- oder Witwerrente, der mit
der Wiederverheiratung der Witwe oder des Witwers erloschen ist, lebt am
ersten Tag des der Auflösung der Ehe folgenden Monats wieder auf, wenn
die Ehe nach weniger als zehnjähriger Dauer geschieden oder als ungültig
erklärt wird (Art. 23 Abs. 5 AHVG i.V.m. Art. 46 Abs. 3 AHVV).
4.2.2.2 Art. 24a Abs. 1 AHVG sieht vor, dass eine geschiedene Person ei-
ner verwitweten gleichgestellt ist, wenn sie eines oder mehrere Kinder hat
und die geschiedene Ehe mindestens zehn Jahre gedauert hat (Bst. a), die
geschiedene Ehe mindestens zehn Jahre gedauert hat und die Scheidung
nach Vollendung des 45. Altersjahres erfolgte (Bst. b) oder wenn das
jüngste Kind sein 18. Altersjahr vollendet hat, nachdem die geschiedene
Person ihr 45. Altersjahr zurückgelegt hat (Bst. c).
4.2.3
4.2.3.1 Die Beschwerdeführerin anerkennt implizit zu Recht, dass die ge-
setzlichen Voraussetzungen für eine Witwenrente für geschiedene Ehegat-
ten nach Art. 24a AHVG nicht erfüllt sind. Zwar hat in casu der am (...) De-
zember 1991 geborene gemeinsame Sohn der Beschwerdeführerin und
des verstorbenen Ex-Ehegatten das 18. Altersjahr erst erreicht ([...] De-
zember 2009), nachdem die am (...) März 1963 geborene Versicherte das
45. Lebensjahr zurückgelegt hatte ([...] März 2008), weshalb zumindest die
kumulativ zu erfüllende Alternativvoraussetzung gemäss Bst. c des ersten
Absatzes von Art. 24a AHVG erfüllt war. Allerdings galt die Beschwerde-
führerin im Zeitpunkt des Todes des ersten Ex-Ehegatten nicht als «ge-
schiedene Person» im Sinne dieser Rechtsnorm.
4.2.3.2 Das Bundesgericht hat in ständiger Rechtsprechung erkannt, dass
ein Witwenrentenanspruch nur anerkannt werden kann, wenn ein solcher
C-4339/2018
Seite 15
Anspruch bereits vor der zweiten Eheschliessung entstanden ist. Geschie-
dene, die sich zu Lebzeiten des früheren Ehepartners wieder verheiratet
haben, haben nach dessen Tod keinen Anspruch auf Witwen- bzw. Witwer-
rente, wenn dieser frühere Ehepartner später stirbt; dies auch dann nicht,
wenn die spätere Ehe zwischenzeitlich ebenfalls geschieden wurde (BGE
127 V 78 E. 3c; BGE 116 V 69 E. 2; Urteil des EVG H 237/01 vom 6. De-
zember 2001 E. 2b; vgl. auch UELI KIESER, Rechtsprechung des Bundes-
gerichts zum Sozialversicherungsrecht, Alters- und Hinterlassenenversi-
cherung, 4. Aufl. 2020, Art. 23 Rz. 10 und Art. 24a Rz. 3). In dieser Kons-
tellation kann die vom zweiten Ehemann geschiedene Frau somit nicht die
geschiedene Witwe des ersten Ehemannes sein bzw. die Wiederverheira-
tung vor dem Tod des früheren Ehemannes schliesst eine aus dem späte-
ren Todesfall abgeleitete Hinterlasseneneigenschaft als Witwe aus und ein
Geschiedenenwitwenanspruch kann nur nach dem Tod des zweiten Ehe-
mannes entstehen, sofern die Voraussetzungen von Art. 24a AHVG erfüllt
sind (vgl. BAUMANN/LAUTERBURG, Scheidung, Getrenntleben und
AHV/IV - Tipps für PraktikerInnen, in: FamPra.ch 2006, S. 611-637, S. 624;
MARC HÜRZELER, System und Dogmatik der Hinterlassenensicherung im
Sozialversicherungs- und Haftpflichtrecht, Bern 2014, S. 398 f.). Mit ande-
ren Worten ist im Falle der Wiederverheiratung die «geschiedene Person»,
welche gemäss Art. 24a AHVG einer Witwe oder einem Witwer gleichge-
stellt werden kann, nur diejenige, deren Ex-Ehemann oder Ex-Ehefrau, mit
welchem/r sie zuletzt verheiratet war, es ist, der/die verstirbt (vgl. BGE 127
V 75 E. 3b und 3d; BGE 116 V 67 2b).
4.2.3.3 Vorliegend ist unbestritten und aktenkundig, dass die Beschwerde-
führerin, nachdem sie sich (...) 1995 von B._ sel. hatte scheiden
lassen, sich am (...) 1998 und damit noch zu Lebzeiten von B._ sel.
(verstorben am [...] November 2006) mit C._ wieder verheiratet hat
(vgl. Sachverhalt Bst. A. hiervor). Gemäss dargestellter Rechtslage ist so-
mit – wie von der Vorinstanz zutreffend festgestellt und von der Beschwer-
deführerin zu Recht nicht in Abrede gestellt – kein Anspruch der Beschwer-
deführerin auf eine Witwenrente für geschiedene Ehegatten infolge des To-
des von B._ sel. entstanden. Die mit Verfügung vom 5. April 2007
mit Wirkung ab 1. Dezember 2006 zugesprochene Witwenrente erweist
sich somit als zweifellos unrichtig und, da es sich bei der Witwenrente um
eine periodische Dauerleistung handelt, auch ohne Weiteres als erheblich.
Da die Vorinstanz zudem die AK F._ am 2. November 2017 vorgän-
gig um Prüfung der Akte sowie um Berechnung des rückforderbaren Be-
trags ersucht (vgl. hierzu BGE 122 V 169 E. 4b) und letztere mit Stellung-
nahme vom 3. November 2017 der vorinstanzlichen Ansicht beigepflichtet
C-4339/2018
Seite 16
hat, dass die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Witwenrente
habe und diese ihr aufgrund einer Fehlinterpretation der Rentenwegleitun-
gen zugesprochen worden sei (vgl. Dok. 6 f. und Dok. 9), erweist sich die
angefochtene Verfügung bezüglich der Wiedererwägung nach Art. 53
Abs. 2 ATSG als korrekt.
4.3 Folglich ist im Weiteren zu prüfen, ob die Vorinstanz ihren Rückforde-
rungsanspruch rechtzeitig geltend gemacht hat. In diesem Zusammenhang
wird von der Beschwerdeführerin insbesondere die Einhaltung der einjäh-
rigen relativen Verwirkungsfrist bestritten.
4.3.1 Laut bereits angeführtem Art. 25 Abs. 2 erster Satz ATSG verwirkt der
Rückforderungsanspruch mit dem Ablauf eines Jahres, «nachdem die Ver-
sicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat». Unter dieser Wen-
dung ist der Zeitpunkt zu verstehen, in welchem die Verwaltung bei Beach-
tung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit hätte erkennen müssen, dass die
Voraussetzungen für eine Rückerstattung bestehen, oder mit andern Wor-
ten, in welchem sich der Versicherungsträger hätte Rechenschaft geben
müssen über Grundsatz, Ausmass und Adressat des Rückforderungsan-
spruchs. Ist für die Leistungsfestsetzung (oder die Rückforderung) das Zu-
sammenwirken mehrerer mit der Durchführung der Versicherung betrauten
Behörden notwendig, genügt es für den Beginn des Fristenlaufs, dass die
nach der Rechtsprechung erforderliche Kenntnis bei einer der zuständigen
Verwaltungsstellen vorhanden ist (BGE 140 V 521 E. 2.1, 139 V 6 E. 4.1,
124 V 380 E. 1, BGE 122 V 270 E. 5a, BGE 119 V 431 E. 4a; Urteil des
BGer 9C_454/2012 vom 18. März 2013 E. 4, nicht publ. in: BGE 139 V 106,
aber in: SVR 2013 IV Nr. 24 S. 66; ULRICH MEYER, Die Rückerstattung von
Sozialversicherungsleistungen, in: Ausgewählte Schriften, Thomas Gäch-
ter [Hrsg.], 2013, S. 141 ff., 147 f.).
4.3.2 Geht die unrechtmässige Leistungsausrichtung auf einen Fehler des
Versicherungsträgers zurück, beginnt die einjährige Frist nicht mit der Leis-
tungsausrichtung zu laufen; massgebend ist vielmehr der (spätere) Zeit-
punkt, in welchem der Versicherungsträger anlässlich einer Kontrolle zu-
mutbarerweise den Fehler hätte entdecken können bzw. entdeckt hat (vgl.
BGE 146 V 217 Regeste und E. 2.2; BGE 139 V 570 E. 3.1; BGE 124 V
380; BGE 122 V 270 E. 5b/aa; Bestätigung der Rechtsprechung in SVR
2008 AHV Nr. 17, H 168/06, E. 5.1). Würde man nämlich bezüglich des
Zeitpunkts der Kenntnis des Schadens auf den Zeitpunkt der zu Unrecht
geleisteten Zahlung legen, so wäre es für eine Verwaltung im Falle eines
Verschuldens ihrerseits oft illusorisch, die zu Unrecht gezahlten Leistungen
C-4339/2018
Seite 17
zurückzufordern (vgl. BGE 110 V 304 E. 2b in fine). Gemäss ständiger
höchstrichterlicher Rechtsprechung beginnt die Frist erst ab dem Zeitpunkt
zu laufen, an dem die Verwaltung zu einem späteren Zeitpunkt (z. B. bei
einer Rechnungsprüfung) zumutbarer Weise ihren Fehler hätte erkennen
müssen. Somit ist also nicht der ursprüngliche Irrtum oder Fehler der Ver-
waltung, sondern erst ein zweiter Anlass (d.h., die zumutbare Kenntnis
über den ursprünglichen Irrtum/Fehler) massgebend. Selbst wenn der Ver-
sicherungsträger zum Zeitpunkt der erstmaligen Leistungszusprache ge-
nügende Hinweise auf die Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs gehabt
hätte, beginnt die relative Verwirkungsfrist zur Rückforderung trotzdem erst
ab dem Zeitpunkt, in welchem der Versicherungsträger bei einer Kontrolle
den Fehler zumutbarer Weise hätte entdecken können (vgl. Urteile BGer
8C_90/2018 vom 13. August 2018 E. 4.5; 8C_777/2011 vom 1. Mai 2012
E. 5.3; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, a.a.O., Art.25 Rz. 85).
4.3.3 Aufgrund des soeben Dargelegten hat die relative Verwirkungsfrist
nicht bereits mit der Rentenzusprache vom 5. April 2007 zu laufen begon-
nen und ist deshalb auch nicht spätestens im Mai 2008 abgelaufen. Daran
ändert nach der klaren höchstrichterlichen Rechtsprechung nichts, dass
die damals zuständige AK F._ über die zweite Ehe der Beschwer-
deführerin im Zeitpunkt der Rentenzusprache im Bilde war. Die Rentenzu-
sprache gründete denn auch auf einen durch eine Fehlinterpretation der
Rentenwegleitung (vgl. die Rz. 3415 ff. der Wegleitung über die Renten
[RWL] in der Eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen-und Invalidenversi-
cherung Rentenwegleitungen) bedingten Rechtsirrtum; dies hat die Ver-
bands-Ausgleichskasse im Schreiben an die Vorinstanz vom 3. November
2017 klar festgehalten (Dok. 9). Folgte man der von der Beschwerdeführe-
rin vertretenen Ansicht, wonach die Frist bereits mit dem Verfügungserlass
vom 5. April 2007 beginnen würde, wäre eine Rückforderung von zu Un-
recht ausgerichteten Leistungen, welche Folge einer falschen Rechtsan-
wendung sind, oft illusorisch (E. 4.3.2 hiervor). Aufgrund der Akten ist klar
erstellt, dass der ursprüngliche Fehler erst im Rahmen der Kontrolle durch
die SAK entdeckt wurde, mithin als die AK F._ am 18. respektive
am 19. Oktober 2017 das Dossier infolge des Wegzugs der Beschwerde-
führerin nach Serbien an die Vorinstanz abgetreten hat (vgl. Dok. 2-4). Die
Vorinstanz hat die unrechtmässige Rentenzusprache anfangs November
2017 entdeckt und dies der AK F._ sogleich am 2. November 2017
sowohl telefonisch als auch schriftlich mitgeteilt (vgl. Dok. 6 f.). Ebenso hat
sie die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 7. November 2017 über die
zu Unrecht erhaltene Witwenrente informiert. Schliesslich hat sie nach Er-
C-4339/2018
Seite 18
halt der Stellungnahme der AK F._ vom 3. November 2017 (Ein-
gang bei der Vorinstanz am 8. November 2017; vgl. Dok. 9) mit Verfügung
vom 21. November 2017 den unrechtmässigen Witwenrentenbezug fest-
gestellt und die Rückerstattung der zu Unrecht ausbezahlten Renten ver-
fügt (Dok. 10 und 15). Damit hat sie die einjährige relative Verwirkungsfrist
klar gewahrt. Ebenso hat sie die absolute Frist von fünf Jahren, welche mit
dem Bezug der einzelnen Leistung einsetzt, korrekt angewandt und somit
zu Recht die Rentenbetreffnisse im Zeitraum von November 2012 bis Ok-
tober 2017 zurückgefordert. Schliesslich wird der berechnete Rückforde-
rungsbetrag von insgesamt Fr. 42'570.- von der Beschwerdeführerin nicht
bestritten und aus den Akten ergeben sich auch keine Anhaltspunkte, dass
dieser falsch wäre.
5.
Allerdings macht die Beschwerdeführerin vorliegend ihr gegenüber getä-
tigte amtliche Zusicherungen geltend. Die Ausgleichskasse AK F._
habe einen Anspruch auf eine Witwenrente trotz Kenntnis der zweiten Hei-
rat bestätigt. Ebenso hätten die Vorinstanz und die SVA E._ ausge-
führt, dass die Witwenrente nach Serbien ausbezahlt werde. Damit beruft
sich die Beschwerdeführerin auf den Grundsatz von Treu und Glauben.
5.1
5.1.1 Der in Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 der Bundesverfassung der Schweizeri-
schen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) verankerte
Grundsatz von Treu und Glauben schützt den Bürger in seinem berechtig-
ten Vertrauen auf behördliches Verhalten und bedeutet u. a., dass falsche
Auskünfte von Verwaltungsbehörden unter bestimmten (kumulativen) Vo-
raussetzungen eine vom materiellen Recht abweichende Behandlung des
Rechtsuchenden gebieten. Konkret sind falsche behördliche Auskünfte
bindend 1) wenn die Behörde in einer konkreten Situation mit Bezug auf
bestimmte Personen gehandelt hat; 2) wenn sie für die Erteilung der be-
treffenden Auskunft zuständig war oder wenn der Bürger resp. die Bürgerin
die Behörde aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte; 3)
wenn der Bürger oder die Bürgerin die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne
weiteres erkennen konnte; 4) wenn im Vertrauen auf die Richtigkeit der
Auskunft Dispositionen getroffen wurden, die nicht ohne Nachteil rückgän-
gig gemacht werden können; 5) wenn die gesetzliche Ordnung seit der
Auskunftserteilung keine Änderung erfahren hat und 6) wenn das Interesse
an der richtigen Durchsetzung des objektiven Rechts dasjenige am Ver-
trauensschutz nicht überwiegt (BGE 131 V 472 E. 5; BGE 127 I 31 E. 3a;
zu Art. 4 aBV ergangene, immer noch geltende Rechtsprechung: BGE 121
C-4339/2018
Seite 19
V 65 E. 2a mit Hinweisen; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwal-
tungsrecht, 8. Aufl. 2020, S. 153 ff. Rz. 667 ff.). Vertrauensschutz setzt
nicht zwingend eine unrichtige Auskunft oder Verfügung voraus; er lässt
sich auch aus einer blossen behördlichen Zusicherung und sonstigem, be-
stimmte Erwartungen begründendem Verhalten der Behörden herleiten
(BGE 143 V 95 E. 3.6.2 mit Hinweisen).
5.1.2 Praxisgemäss kann jede Form behördlichen Fehlverhaltens den öf-
fentlichrechtlichen Vertrauensschutz auslösen, wenn und soweit es bei den
betroffenen Personen eine entsprechende Vertrauenssituation schafft
(BGE 111 Ib 116 E. 4). Dazu gehört auch der Umstand, dass die Behörde
eine unrichtige Verfügung erlassen hat (BGE 113 V 66 E. 2; SVR 1998 AHV
Nr. 30 E. 8a). Denn mit dem Erlass einer konkreten Verfügung wird in der
Regel eine noch viel eindeutigere Vertrauensbasis geschaffen als mit einer
blossen Auskunft (ARV 1999 S. 237 E. 3a).
5.2
5.2.1
5.2.1.1 Die Beschwerdeführerin macht zum einen geltend, nach Erhalt der
Verfügung vom 5. April 2007 habe sie sich gleichentags telefonisch mit der
damals zuständigen Sachbearbeiterin in Verbindung gesetzt, um sich nach
der Richtigkeit der Witwenrentenzusprache zu erkundigen. Dabei habe ihr
die Sachbearbeiterin zugesichert, sie habe Anspruch auf eine Witwen-
rente, weil sie im Zeitpunkt, in dem ihr Sohn volljährig werde, 45 Jahre alt
sein werde; diesen Anspruch habe sie, bis sie ein drittes Mal heirate. Sie
habe somit in guten Treuen der Ansicht sein können, dass diese Verfügung
rechtmässig sei, zumal sie die Auskunft von der für den Verfügungserlass
zuständigen Person erhalten habe. Zum anderen macht sie geltend, dass
sie ihre Anstellung in der Schweiz gekündigt habe und danach nach Ser-
bien ausgewandert sei, weil ihr sowohl in G._ als auch in Genf im
Rahmen ihrer telefonischen Anfragen ausdrücklich zugesichert worden sei,
die Rente werde auch in Serbien im bisherigen Umfang ausbezahlt wer-
den. Die Behörden hätten von ihr im Oktober 2017 ausdrücklich die Angabe
eines Euro-Kontos verlangt, damit diese Rente auch in Serbien weiter aus-
bezahlt werden könne. Nur aufgrund dieser ausdrücklichen Zusicherungen
sei sie schliesslich ausgewandert.
5.2.1.2 Die Ausführungen der Beschwerdeführerin werden von der Vor-
instanz nicht bestritten. Allerdings weist die Vorinstanz darauf hin, dass so-
wohl die SAK als auch die SVA E._ nur von den Aussagen der Be-
schwerdeführerin hätten ausgehen können, wonach ihr von der AK
C-4339/2018
Seite 20
F._ eine Witwenrente ausbezahlt werde. Generelle Auskünfte, wie
die von der Beschwerdeführerin angeführten, würden von der SAK täglich
erteilt. Dabei werde in der Regel bei Versicherten, deren Dossier nicht bei
der Vorinstanz geführt würden, keine Aktennotiz erstellt. Solche Auskünfte
bezögen sich in genereller Weise auf die Auszahlungsmodalitäten einer
Rente nach Serbien oder auf die freiwillige AHV-Versicherung. Am Telefon
sei wohl kaum über die Rechtmässigkeit der Witwenrente gesprochen wor-
den; dies werde auch durch keine Notizen belegt (vgl. Duplik vom 17. Ja-
nuar 2019 [BVGer-act. 13]).
5.2.2 Soweit die Beschwerdeführerin gestützt auf den Vertrauensschutz
die Weiterausrichtung der Witwenrente beantragt, ist sie darauf hinzuwie-
sen, dass das Interesse an der richtigen Durchsetzung des objektiven
Rechts vorliegend eindeutig überwiegt. Die Vorinstanz weist in diesem Zu-
sammenhang zutreffend darauf hin, dass bezüglich der Weiterausrichtung
der Rente aufgrund der wiedererwägungsweisen Aufhebung die Berufung
auf den Vertrauensgrundsatz entfällt (vgl. SVR 2004 IV Nr. 23, Urteil I
453/02 E. 4.2). Zudem sind Gerichte und Behörden – worauf die Vorinstanz
zutreffend hinweist – aufgrund von Art. 190 BV an die Bundesgesetzge-
bung gebunden.
5.2.3 Hingegen kann der Vertrauensschutz – sofern dessen Voraussetzun-
gen erfüllt sind – einer Rückforderung bereits erbrachter gesetzeswidriger
Leistungen entgegenstehen (vgl. BGE 143 V 95 E. 3.6.2 und E. 3.7). Dies
ist im Folgenden zu prüfen.
5.2.3.1 Zwar ist die Renten zusprechende Verfügung vom 5. April 2007
praxisgemäss geeignet, ein entsprechendes Vertrauen zu begründen,
weshalb sich die Beschwerdeführerin zu Recht darauf berufen kann. Ent-
sprechend kann offenbleiben, ob das behauptete Telefongespräch mit der
AK F._ tatsächlich stattgefunden hat. Denn in den vorliegenden Ak-
ten finden sich keinerlei Akten- respektive Telefonnotizen zu den (behaup-
teten) Telefongesprächen mit der AK F._ im Jahr 2007. Somit lässt
sich mit Blick auf die seither verstrichene Zeit und unter Berücksichtigung
der vorliegenden Akten der Vorinstanz und der AK F._ (als Dok. 1
in den vorinstanzlichen Akten abgelegt) nicht mehr feststellen, ob ihre dies-
bezüglichen Behauptungen überhaupt zutreffen. Allerdings ist zu beach-
ten, dass die damalige Rentenzusprache für sich allein nicht dazu geführt
hat, dass die Beschwerdeführerin irgendwelche Dispositionen getroffen
hat, die sie nicht mehr ohne Nachteil rückgängig machen kann. Erst die
C-4339/2018
Seite 21
weiteren bei der Vorinstanz und der SVA E._ getätigten Abklärun-
gen scheinen die Beschwerdeführerin dazu veranlasst zu haben, ihren Be-
schluss, nach Serbien zurückzukehren, auch umzusetzen (vgl. nachfol-
gend).
5.2.4 Indessen finden sich auch zu diesen telefonisch eingeholten Aus-
künften keine Aktennotizen. Zwar hat die Beschwerdeführerin diesbezüg-
lich immerhin mit Replik vom 4. Dezember 2018 von ihr erstellte Handno-
tizen aus dem Jahr 2016 eingereicht. Allerdings lassen sich diesen Hand-
notizen keine substanziierten Details zum Inhalt und exakten Wortlaut des
Telefongesprächs entnehmen. Aus den Notizen lässt sich höchstens
schliessen, dass Fragen im Zusammenhang mit dem Rentenexport nach
Serbien und der entsprechenden Auszahlungswährung sowie im Zusam-
menhang mit der freiwilligen AHV-Versicherung betreffend Vermeidung von
Beitragslücken, betreffend Beitrittsgesuchs-Modalitäten sowie betreffend
Beitragssatz der freiwilligen AHV-Versicherung thematisiert wurden. Eine
vorbehaltlose Zusicherung lässt sich diesen Notizen folglich nicht entneh-
men.
5.2.5 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann eine vom Gesetz
abweichende Behandlung eines Rechtsuchenden als Folge des Vertrau-
ensschutzes nur in Betracht fallen, wenn die Voraussetzungen des Vertrau-
ensschutzes klar und eindeutig erfüllt sind. In Bezug auf mündliche und
namentlich telefonische Zusicherungen und Auskünfte hat die Rechtspre-
chung erkannt, dass die blosse, unbelegte Behauptung einer telefonischen
Auskunft oder Zusage nicht genügt, um einen Anspruch aus dem Grund-
satz des Vertrauensschutzes zu begründen. Praxisgemäss ist eine nicht
schriftlich belegte telefonische Auskunft zum Beweis von vornherein kaum
geeignet (BGE 143 V 341 E. 5.3.1; Urteile des BGer 8F_6/2013 vom
25. Juni 2013 E. 2 mit Hinweisen; Urteile des BVGer C-537/2019 vom 25.
Juli 2019 E. 2.5.2 mit Hinweis auf A-5832/2016 vom 18. April 2017 E. 3.1.2;
C-1147/2014 vom 21. Dezember 2016 E. 6.2).
5.2.6 Die vorliegend geltend gemachte Behauptung der Beschwerdeführe-
rin betreffend die telefonisch erteilte falsche Auskunft seitens der SAK so-
wie seitens der SVA E._ genügt folglich den Beweisanforderungen
gemäss Rechtsprechung nicht. Bei Beweislosigkeit ist zu Ungunsten der-
jenigen Person zu entscheiden, welche die Beweislast trägt (vgl. Urteile
des BVGer A-1746/2016 vom 17. Januar 2017 E. 1.5.2 und A-3119/2014
vom 27. Oktober 2014 E. 2.5; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O.,
C-4339/2018
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Rz. 3.149 ff.). Somit kann sich die Beschwerdeführerin in casu nicht auf
den Grundsatz des Vertrauensschutzes berufen.
5.2.7 Von den beantragten ergänzenden Beweiserhebungen im Sinne der
mit Replik vom 4. Dezember 2018 beantragten Zeugenbefragungen sind
auch aufgrund des zeitlichen Abstands zu den damals geführten Telefon-
gesprächen keine wesentlichen neuen Erkenntnisse zu erwarten, so dass
in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. dazu BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236;
134 I 140 E. 5.3 S. 148; 131 I 153 E. 3 S. 157; Urteile des BGer
9C_847/2017 vom 31. Mai 2018 E. 5.1; 2C_408/2017 vom 12. Februar
2018 E. 3.2) davon abzusehen ist.
6.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die Witwenrente
der Beschwerdeführerin zu Recht wiedererwägungsweise aufgehoben und
gleichzeitig für den Zeitraum von November 2012 bis Oktober 2017 einen
Betrag von insgesamt Fr. 42'570.- zurückgefordert hat.
7.
Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin bei
der Vorinstanz ein schriftlich begründetes Erlassgesuch betreffend die zu-
rückzuerstattenden Leistungen einreichen kann, sobald die Rechtsbestän-
digkeit der Rückerstattungsforderung feststeht (vgl. E. 4.1.1 in fine hiervor;
vgl. auch die Hinweise im angefochtenen Einspracheentscheid der Vor-
instanz vom 25. Juni 2018 [Dok. 38]).
8.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
8.1 Das Beschwerdeverfahren ist für die Parteien kostenlos (Art. 85bis
Abs. 2 AHVG), sodass keine Verfahrenskosten zu erheben sind.
8.2 Weder die in der Sache unterliegende Beschwerdeführerin noch die
obsiegende Vorinstanz haben einen Anspruch auf eine Parteientschädi-
gung (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
C-4339/2018
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