Decision ID: ad957932-025b-4dec-92ad-0b3d1ac758d9
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1980 und Mutter dreier Kinder (
Jahrgang 2002, 2004 und 2009
),
war von Mai 2008 bis Februar 2010 be
i der A._
AG als
angelernte
Hauswartin
auf Stundenbasis
angestellt
(
Urk.
7/
2
/
7-
9).
Am
5.
April 2013 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf eine De
pression und Angstzustände zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/3). Die IV-Stelle klärte die erwerblichen und medizinischen Ver
hältnisse ab und holte Berichte der behandelnden Ärzte (Urk. 7/8,
Urk.
7/9,
Urk.
7/11,
Urk.
7/23,
Urk.
7/26 und
Urk.
7/39) sowie einen Auszug aus dem Individuellen Konto der Versicherten (IK-Auszug,
Urk.
7/6 und
Urk. 7/44
) ein. Überdies veranlasste die IV-Stelle eine psychiatrische Begutachtung bei
Dr.
B._
, Psychiatrie und Psychotherapie, über welche am 1
8.
Mai 2015 berichtet wurd
e (Urk. 7/52) und führte am 12.
September 2016 eine Haus
haltsabklärung durch (
Urk.
7/64). In der Folge
nahm
Dr.
C._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD),
am 2
7.
Mai 2015 Stellung (
Urk.
7/66). Mit Vorbescheid vom
1.
November 2016 stellte die IV-Stelle
eine Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht
(Urk. 7/67). Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom
8.
November 2016 sowie ergänzend am
1
1.
November und 5.
D
ezember 2016 Einwand (
Urk.
7/70,
Urk.
7/72
und Urk. 7/77). Nach weiteren Abklärungen und Einholung eines medi
zinischen Verlaufsberichts (
Urk.
7/81) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
2.
März 2017 wie vorbeschieden den Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 1
8.
April
2017 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung vom 2
2.
März 2017 aufzu
heben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr eine ange
messene Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben,
subeventualiter
sei die Angelegenheit zur umfassenden Abklä
rung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht bean
tragte sie, es sei ihr die unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsverbeiständung
zu gewähren.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 2
6.
Mai 2017 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 2
9.
Mai 2017 wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
8).
Am 5. März 2018 (Urk. 11) reichte die Beschwerdeführerin den Austrittsbericht des
Rehazentrum
D._
vom
21. Februar 2018 (Urk. 12) ein, was der Beschwer
de
gegnerin zur Kenntnis gelangte (Urk. 14).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
). Sie kann Folge von Geburtsge
bre
chen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
Bundesgesetz über die Invalidenver
sicherung (IVG)
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbs
un
fähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2,
141 V 281 E. 2.1
, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
di
ger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) vom
2
2.
März
2017 hielt d
ie Beschwer
degegnerin fest, der Einkommensvergleich habe eine Einschränkung von 33 % ergeben
, die Haushaltsabklärung eine Einschränkung im Haushaltsbereich von 12 %
.
Bei einer Qualifikation von 90 % Erwerbstätigkeit und 10 % Tätigkeit im Haushaltsbereich resultiere
ein Gesamtinvaliditätsgrad von 31 %. Da der ermit
telte Invaliditätsgrad unter 40 % liege, bestehe kein Anspruch auf eine Inva
lidenrente.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom
1
8.
April
2017 (
Urk.
1) zusammengefasst geltend,
auf das durch die Beschwerdegegnerin
veranlasste psychiatrische Gutachten könne nicht abgestellt werden. Die Beschwe
r
deführerin leide an einer rezidivierenden d
epressiven Störung, gegenwärtig
schwere Episode, sowie an einer Angststörung. Gestützt darauf sei von einer Arbeitsfähigkeit von maximal vier Stunden am Tag, was einer Arbeitsfähigkeit von 47 % entspreche, auszugehen. Diesbezüglich sei anzumerken, dass es sich hier
bei um ein Maximum an möglicher Arbeitsleistung handle. Vielmehr sei anzu
nehmen, dass die effektive über längere Zeit mögliche Arbeitsleistung bei ungefähr drei Stunden pro Tag liege. Dies entspreche auch der Einschätzung des behandelnden Psychiaters.
Überdies sei zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin
,
neben den psychischen Beschwerden
,
auch an Rückenschmerzen leide
und diese in einer körperlichen Tätigkeit gewisse
Einschränkungen mit sich bringen würden.
Ferner sei im Rahmen des Einkommensvergleichs das
Validen
ein
kommen
gestützt auf den Arbeitsvertrag als Hauswartin - unter Berück
sich
tigung der Teuerung - zu berechnen, womit ein rentenrelevanter Invaliditätsgrad zwischen 40 und 51 % resultieren würde
(je nach Einschätzung der Arbeits
fähig
keit zwischen
vier und fünf Stunden pro Tag)
. Eventualiter sei bei bleibenden Unsicherheiten die Arbeitsfähigkeit
betreffend ein Gerichtsgutachten einzuholen oder die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen.
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort
vom
2
6.
Mai 2017
(
Urk.
6) vertrat die Beschwer
de
-
gegnerin die Auffassung, auf das Einkommen der zuletzt ausgeübten Tätigkeit könne nicht abgestellt werden, da dieses Arbeitsverhältnis explizit aus wirtschaft
lichen Gründen aufgelöst worden sei.
2.4
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin ab
Oktober 2013
Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
3.
3.1
In medizinischer Hinsicht lagen
der Rentenverfügung vom
2
2.
März
2017 im Wesentlichen das durch die
Beschwerdegegnerin
eingeholte
psychiatrische
Gut
achten
von
Dr.
B._
vom 1
8.
Mai 2015 (
Urk.
7/52)
sowie die Berichte der
die Beschwerdeführerin behandelnden Ärzte (Urk. 7/8,
Urk.
7/9,
Urk.
7/11,
Urk.
7
/23,
Urk.
7/26,
Urk.
7/39 und
Urk.
7/81
) zu Grunde.
3.2
Nach Angaben ihres Hausarztes
Dr.
E._
, Allgemeine Medizin FMH, leidet die
Beschwerdeführerin bereits seit 1995 an Depressionen, wobei sich die depressive Symptomatik nach der Geburt des dritten Kindes im Jahr 2009 vor dem Hintergrund einer Überbelastungssituation verstärkt habe
. Im Haushalt herrsche Chaos und im Umgang mit den Kindern habe sie Probleme und sei über
fordert
(vgl. Bericht vom 2
1.
April 2013;
Urk.
7/8).
Seit
September
2011 sei die Beschwerdeführerin in ambulanter psychotherapeutischer Behandlung bei
F._
, Psychotherapeutin FSP (
vgl.
Urk.
7/11
).
Vom
4.
April bis 2
8.
Mai 2013
wurde d
ie Beschwerdeführerin
stationär
in der Klinik
H._
behandelt
, wo folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt wurden
(vgl. Beric
ht vom 20.
Juni 2013;
Urk.
7/9):
-
Generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10: F33.2)
-
Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F90.0); erstmalig diagnostiziert Mai 2013, bestehend seit der Kindheit
-
Probleme bei sexuellem Missbrauch in der Kindheit durch eine Person innerhalb der engeren Familie (ICD-10: Z61.4)
G._
, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie in der Klinik
H._
, hielt fest, die Beschwerdeführerin wirke affektiv niedergeschlagen. Sie habe ein reduziertes Selbstwertgefühl und Schuldgefühle
ihren
Kindern gegen
über. Ihr Antrieb sei gehemmt
. Ausserdem habe d
ie Beschwerdeführerin Ein- und Durchschlafstörungen (circa drei Stunden N
achtschlaf) und Appetitverlust sowie wiederholte
Lebensüberdrussgedanken
, wobei sie sich glaubhaft von akuter Sui
zida
lität distanziere. Im Denken sei sie leicht verlangsamt. Hinweise auf eine Störung der Aufmerksamkeit und des Gedächtnisses gebe es keine
(
Urk.
7/9
S. 3)
.
Hinsichtlich der depressiven Symptomatik sei von einer vollen Remission innerhalb der nächsten Wochen oder Monate auszugehen. In Anbetracht der bestehen
den generalisierten Angststörung sowie des vorliegenden Aufmerksamkeits-Defi
zit-Syndroms müsse hingegen mit weiteren Beeinträchtigungen gerechnet werden
. Die Beschwerdeführerin leide aufgrund ihrer Angststörung unter exzessiven Sorgen, welche sich primär auf die Sicherheit und Gesundheit ihrer Kinder beziehe. Somit stelle die Kindererziehung eine erhöhte Belastung
für
sie dar
(
Urk.
7/9
S. 1)
.
Durch die erhöhte Ermüdbarkeit sei
von
einer verminderten Leistungsfähigkeit im Umfang von 50 %
auszugehen
(
Urk. 7/9
S. 5)
.
3.
3
Die behandelnde
Psychotherapeutin
,
F._
,
bestätigte in ihrem Bericht vom 30.
September 2013 (
Urk.
7/11) zu Händen der IV-Stelle
die in der Klinik
H._
gestellten D
iagnosen (vgl. vorstehend E. 3.2
).
Im Rahmen der Befunderhebung hielt sie ebenfalls fest, dass der Antrieb der Beschwerdeführerin redu
ziert und ihre Stimmung gereizt sei.
Ihr Gedächtnis und ihre Aufmerksamkeit seien kursorisch unauffällig. Die
Psychotherapeutin
gab weiter an, dass die Beschwerdeführerin auf die Absicht und Durchführung der Trennung vom Ehe
mann fixiert sei. Dabei
habe
sie Mühe
,
die Prioritäten zu setzen
,
und
zeige
eine Tendenz
,
ihre eigenen Ressourcen zu überschätzen.
Aktuell seien keine Ängste und Schuldgefühle
eruierbar
und ihre subjektive Zukunftsperspektive sei optimis
tisch.
In Bezug auf die gegenwärtige Behandlung führte sie aus, die Beschwer
deführerin komme im 14-Tage-Rhythmus zum Psychotherapiegespräch und nehm
e auch an einer Gruppentherapie in der Klinik
H._
teil sowie die psychia
trische Spitex in Anspruch. Bei der Familienbegleitung sei die Beschwerde
führerin angemeldet.
Hinsichtlich der Prognose äusserte die behandelnde
Psycho
login
schliesslich
, a
ngesichts der Schwere des Krankheitsbildes (siehe Bericht der Klinik, E. 3.
2
) einerseits und der beträchtlichen Zustandsbesserung unter stati
onären Bedingungen andererseits
bestehe
die Möglichkeit
,
den Gesundheitszu
stand mittelfristig zu stabilisieren.
Unter Begleitung und zusätzlichen Hilfen sei der Beschwerdeführerin ihre bisherige Tätigkeit auch wieder zumutbar (Stand Juli 2013).
3.4
Seit Juli 2013 war die Beschwerdeführerin bei
Dr. I._
, Facharzt
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, in
psychiatrischer-psychothera
peu
tischer
Behandlung
(
14-Tage-Rhythmus;
Urk.
7/23)
.
Dieser
bescheinigte
am
7.
April 2014
ebenfalls
die in der Klinik
H._
gestellten Diagnosen (vgl. vorstehend E. 3.2) und b
erichtete,
affektiv gebe sich die Beschwerdeführerin ausgeglichen und hoff
nungsfroh. Das formale Denken sei ungestört. Inhaltlich dominiere die Beschrei
bung der jetzigen Aufbruchs- und Trennungssituation
, wobei ihr die gerichtlich ausstehende Beurteilung ihrer Fähigkeit
,
ihre Kinder zu betreuen
,
Unsicherheit und Sorge bereite. Ausserdem klage die Beschwerdeführerin über Energiemangel,
fehlende Ausdauer, Vergesslichkeit und Schlafschwierigkeiten.
Dr.
I._
äusserte
, aufgrund der aktuell angestrebten und zum grossen Teil verwirklichten Ablösung vom Ehemann und der begonnenen Selbständigkeitsentwicklung sei mit einem positiven Verlauf zu rechnen, auch wenn die generalisierte Angststörung eher als veränderungsresistent bekannt sei.
Wie stark die
Rezidivneigung
der depressiven Erkrankung sei und ob sie therapeutisch verhindert werden könne, sei momentan schwer einzuschätzen.
Aufgrund des Energiemangels, der erhöhten Ermüdbarkeit,
der Verunsicherung und Konzentrationsschwierigkeiten
attestierte
er
der Be
schwer
deführerin ab Oktober 2013 eine Arbeitsunfä
higkeit von maximal 30 bis 40 %. Die bisherige Tätigkeit könne in einem 60%-Pensum ausgeführt werden, wobei
eine verminderte Leistungsfähigkeit und die Gefahr der Überforderung
möglich seien
.
Zusammenfassend lasse sich festhalten, s
eit der Entlassung aus der Psychiatrischen Klinik
H._
sei
eine Zunahme der Arbeitsfähigkeit zu beobachten, wobei auf längere Sicht wieder mit einer uneingeschränkten Arbeits
fähigkeit gerechnet werden könne.
In seinem Verlaufsbericht vom 31. Dezember 2014 (
Urk.
7/39) revidierte er die Diagnose der rezidivierenden depressiven Stö
rung insofern, als es sich gegenwärtig um eine abklingende schwere Episode handle. Die Einschätzung betreffend die Arbeitsfähigkeit passte
Dr.
I._
dahingehend an, dass mit einer möglichen Steigerung der Arbeitsfähigkeit frühestens nach Abschluss der Scheidung und Beilegung des Sorgerechtsstreites zu rechnen sei.
Die mangelnde Konflikt- und Abgrenzungsfähigkeit erschwere den Aufbau eines gesunden Selbstvertrauens und
damit eine grundsätzliche Verbesserung des
Gesundheitszustandes.
Die Beschwerdeführerin sei von einem andauernden Stress
zustand betroffen, der ihre Ängste und Sorgen verstärke, teilweise zu depressiven
Verstimmungen mit Verzweiflung, Schlafschwierigkeiten und Energiemangel führe
. Ausserdem würde die Daueranspannung zunehmend auch körperliche Beschwerden
in For
m von Rücken- und Kopfschmerzen,
Parästhesien in den Armen
sowie Schwindelgefühlen
auslösen.
Er attestierte ihr ab
April 2014 eine
durchschnittliche
Arbeits
un
fähigkeit von 50 %.
Ferner würden die Insuffizienzgefühle,
rasche Erschöpfbarkeit, Verunsicherung, Konzentrationsschwierigkeiten und kör
per
lichen Beschwerden zu einer verminderten Leistungsfähigkeit im Umfang von etwa 50 % führen.
3.5
Im Auftrag der Beschwerdegegnerin führte
Dr.
B._
am 1
2.
Mai 2015 eine psychiatrische Begutachtung durch, über welche er am 1
8.
Mai 2015 berichtete (
Urk.
7/52).
Der begutachtende Psychiater stellte folgende Diagnosen (
Urk.
7/52 S. 15
f.
):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode
0
(ICD-10: F33.0)
-
Borderline
-Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.31)
-
Probleme bei sexuellem Missbrauch in der Kindheit durch eine Person innerhalb der engeren Familie (ICD-10: Z61.4)
Hinsichtlich der rezidivierenden depressiven Störung hielt der Gutachter fest, es bestehe ein deprimierter, hoffnungsloser, gereizter Affekt, Verzweiflung, Lust
losig
keit, Ängstlichkeit, Überforderung, Insuffizienzgefühle, Freudlosigkeit, Inte
resse
verlust, negativ pessimistische Zukunftsgedanken, Antriebsarmut, Antriebs
hemmung, Müdigkeit und Kraftlosigkeit.
Betreffend die
Borderline
-Persönlichkeitsstörung führte
Dr.
B._
aus, das zen
trale Symptom sei die ausgeprägte affektive Instabilität. Die Beschwerde
führerin habe die Neigung zu intensiven und konfliktreichen Beziehungen. Sie sei in Scheidung, habe seit einem Jahr einen neuen Freund, wobei auch diese neue Beziehung kompliziert sei. Es seien wiederholt emotionale Krisen festzu
stellen. Sie habe die Tendenz zu affektiver Impulshaftigkeit, welche sich vor allem in den Auseinandersetzungen in ihrer Familie zeige. Mit ihrem Vater habe sie jeden Kontakt seit Jahren abgebrochen.
Eine
deutliche Unausgeglichenheit
sei insbesondere im Verhalten, in der Affektivität, im Antrieb und der Impuls
kon
trolle, im Wahrnehmen und Denken sowie in den Beziehungen zu anderen fest
zu
stellen. Das auffällige Verhaltensmuster sei andauernd und gleichförmig, tief
grei
fend und in vielen persönlichen und sozialen Situationen
eindeutig unpassend. Die Störung habe in der Kindheit begonnen, in der die Beschwerdeführerin schon sehr auffällig war, so dass sie bereits in der Primarschule zur Aussenseiterin geworden sei. Die Störung persistiere bis ins Erwachsenenalter, führe zu deutlichem subjektiven Leiden, sei mit deutlichen Einschränkungen vor allem der beruf
lichen, aber auch der sozialen Leistungsfähigk
eit (speziell innerfamiliär) ver
bunden. Mit ihrer Familie sei sie völlig überfordert, was im Übrigen bereits
Dr.
E._
in seinem Bericht im Jahr 2013 erwähnt habe (vgl.
E. 3.2
).
Was die
bisher
diagnostizierte generalisierte Angststörung betreffe, könne eine solche während der Begutachtung nicht festgestellt werden.
Die in der Untersu
chung ausgemachten Ängste seien der
Borderline
-Persönlichkeitsstörung zuzu
ord
nen. Die Beschwerdeführerin sei wohl seit ihrer Kindheit immer ängstlich ge
we
sen
. Dies zeige sich im Zusammenhang mit der Scheidung der Eltern (Objekt
ver
lust
angst), in der Position als Aussenseiterin in der Schule (Angst vor Liebes
verlust), im Brückensymptom des
Fingernägelbeissens
(Angst vor der eigenen abgewehr
ten Aggression) und Daumenlutschen
s
(Angst vor Objektverlust).
In Bezug auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht kon
statierte
Dr.
B._
, aufgrund der Beschwerden von Seiten der
Borderline
-Per
sönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.31) und der rezidivierenden depressiven Stö
rung, gegenwärtig leichtgradige Episode (ICD-10: F33.0), sowie insbesondere der subjektiv geklagten Überforderung, Instabilität und Konzentrationseinbusse, lasse sich, unter Berücksichtigung der aktuellen Untersuchungsbefunde, aus psychia
trischer Sicht für eine Tätigkeit als Hauswartin eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit von 40 % begründen. Eine zusätzliche Verminderung der Leistungsfähig
keit bestehe nicht. Die Coping-Strategien seien als hinreichend gut zu beur
teilen. Die Beschwerdeführerin strebe nach Normalisierung des Alltags und danach
,
ihre Konflikte mit den Kindern in den Griff zu bekommen sowie die Scheidung durchzuführen
(
Urk.
7/52 S. 16f.)
.
Dass
Dr.
I._
ab April 2014 eine Arbeitsfähigkeit von 50 % attestiert
habe
(vgl.
E. 3.
4
)
,
widerspreche den Angaben der Beschwerdeführerin, wonach sich deren psychischer Zustand seit November 2013 kontinuierlich verbessert habe
(
Urk.
7/52 S. 17)
.
Die Beschwerdeführerin fühle sich subjektiv ruhiger
,
weniger panisch
sowie
präsenter in der Aussen- und auch der Innenwahrnehmung (den eigenen Körper spüren). Auch die kognitiven Leistungen (Konzentration und Gedächtnis) hätten sich offensichtlich seither verbessert. Insbesondere fühle sie sich vitaler
(
Urk.
7/52 S. 14)
.
3.6
Im Rahmen des
Einwandverfahrens
holte die
Beschwerdegegnerin
einen weiteren Verlaufsbericht bei
Dr.
E._
ein (vgl. Bericht vom
9.
Januar 2017;
Urk.
7/81).
Dieser
diagnostizierte zur rezidivierenden depressiven Störung und generali
sierten Angststörung sowie zur einfachen Aktivitäts- und Aufmerksam
k
eits
störung (ADHS) hinzukommend
ein
thoracolumbovertebrales
und
myofasciales
Syndrom bei Haltungsinsuffizienz sowie ein
en
Verdacht auf
ein
Thoracic
-
outlet
-
Syndrom.
Das
thoracolumbale
Schmerzsyndrom sei stark abhängig vom jewei
ligen psychischen Befinden. Die stundenweise Arbeit im Verkauf und
im Rahmen von Umgebungsarbeiten sei
aktuell
nicht möglich. Aufgrund der geringen psy
chischen Belastbarkeit sowie der geringen Belastbarkeit des Rückens sei es auch schwierig
,
eine angepasste Arbeit zu find
en.
Die Beschwerdeführerin könne aktu
ell maximal zwei Stunden pro Tag arbeiten.
3.
7
RAD-Arzt
Dr.
C._
nahm am
2
7.
Mai 2015 sowie am
1.
Februar 2017
zu den gesamten
Vorakten
Stellung (
Urk.
7/66
und
Urk.
7/86
) und hielt fest,
das
thora
columbale
Schmerzsyndrom sei stark abhängig vom psychischen Zustand. Ursäch
lich für die reduzierte Arbeitsfähigkeit sei entsprechend der psychiatrische Ge
sundheitszustand
(
Urk.
7/86 S. 4)
. Diesbezüglich
bestehe mit
de
n
Diagnose
n
einer
Borderline
-Persönlichkeitsstörung sowie einer rezidivierenden depressiven Störung
ein Gesundheits
schaden
, der die Arbeitsfähigkeit mittel- und längerfristig beein
trächtige.
Ab Begutachtungszeitpunkt bestehe eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit sowohl in der bish
erigen Tätigkeit als Hauswartin
als
auch in einer angepassten Tätigkeit.
Durch eine Weiterführung der Gesprächstherapie bei
Dr.
I._
sowie der medikamentösen Behandlung könne der Gesundheitszustand stabilisiert wer
den und möglicherweise mittelfristig eine höhere Arbeitsfähigkeit erreicht werden (
Urk.
7/66 S. 7).
3.8
Vom
2.
bis 2
7.
Januar 2018 war die Beschwerdeführerin im
Rehazentrum
D._
hospitalisiert, wo eine interdisziplinäre Therapie, vertreten durch Medizin, Pflege, Psychologie, Physiotherapie, Sporttherapie, Ergotherapie sowie Atemthe
rapie und/oder
Psychomotoriktherapie
, durchgeführt worden sei.
Im
mit Eingabe vom
6.
März 2018 (
Urk.
11) nachgereichten Arztbericht des
Rehazentrum
s
D._
vom 2
1.
Februar 2018 (
Urk.
12)
stellten die Ärzte
die Diagnosen einer Fibromy
algie, eines chronischen zervikal und thorakal betonten panvertebralen Schmerz
syndroms, einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode, eines Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätssyndroms
sowie
einer
essen
zielle
n
Hypertonie
und
Asthma bronchiale.
Nach Abschluss der psychoso
matischen Rehabilitation
empfahlen die Ärzte EKG-Kontrollen im Verlauf und Vorsicht bei der Verordnung QT-Zeit-verlängernder Medikamente. Bezüglich der
Desaturationen
in der nächtlichen
Pulsoxymetrie
sei eine schlafmedizinische Abklärung im ambulanten Rahmen zu
erwägen und hinsichtlich der Schmerz
medikation werde einen behutsamen Abbau der Opiate empfohlen. Des Weiteren empfehle man die Fortführung der Ergotherapie und der Physiotherapie im ambu
lanten Rahmen.
3.9
Gestützt auf die Erhebungen vor Ort, ging die Beschwerdegegnerin davon aus, dass die Beschwerdeführerin zu 50 % erwerbstätig wäre und 50 % auf den Auf
gabenbereich Haushalt und Kinderbetreuung entfielen. Die Einschränkung in diesem Bereich bemass sie mit 12,8 %, wobei hier vor allem die Einschränkung im Bereich «Betreuung von Kindern» (die Beschwerdeführerin wird durch eine Familienbegleitung wöchentlich unterstützt) ins Gewicht fiel. Hieraus ergab sich eine Teilinvalidität von gewichtet 6,4 % (vgl. Urk. 7/64).
4.
4.1
Umstritten ist zunächst der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
. Diesbezüglich
ist den vorliegen
den medizinischen Akten zu entnehmen, dass
der behandelnde Psychiater
Dr.
I._
aufgrund der diagnostizierten generalisierten Angststörung (ICD-10: F41.1), der rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F33.2) sowie der einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F90.0)
von einer durch
schnittlich 50%igen Arbeitsunfähigkeit bei einer 50%igen Reduktion der Leis
tungs
fähigkeit ausgeht
(vgl. E. 3.4). Auf der anderen Seite ist
der begutachtende Psychiater
Dr.
B._
der Meinung, dass die Beschwerdeführerin an einer rezidivierenden leichtgradigen depressiven Störung (ICD-10:
F33.0) sowie an einer
Borderline
-Persönlichkeitsstörung (ICD-10:
F60.31) leidet und aufgrund dessen zu 40 % arbeitsunfähig
ist
(vgl. E. 3.5).
4.2
Das psychiatrische Gutachten von
Dr.
B._
vermag nicht zu überzeugen, ergeben sich doch
daraus
nur
wenig
e
Angaben zu den objektiven Befunden
.
Ausserdem fehlt
es an einer
inhaltliche
n
Auseinandersetzung mit den
von den behandelnden Ärzten gestellten
psychiatrischen
Diagnosen
einer
generalisierten Angststörung und
einer
Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
.
Letztere liess der begutachtende Psychiater ganz ausser Acht
. B
ezüglich der generalisierten Angststörung
wird
da
s Vorliegen einer
solchen
Störung
mit dem
einzigen Satz (
Urk.
7/52 S. 16)
,
dass eine Angststörung
während der Exploration nicht habe festgestellt werden können
, verneint
. Eine
Auseinandersetzung mit den
Vorakten
fehlt
.
Zwar erkannte Dr.
B._
tatsächliche Ängste
während der Unter
such
ung
,
ordnete diese
jedoch einer
Borderline
-Persönlichkeitsstörung zu
.
Die Diag
nose der
Borderline
-Persönlichkeitsstörung stellte
er aufgrund einer
ausgeprägte
n
affektive
n
Instabilität sowie
einer
Neigung zu intensiven
und konfliktreichen Beziehungen, wobei er diesbezüglich in erster Linie auf die Schilderungen und
anam
nestischen Ausführungen der Beschwerdeführerin abstellte, ohne sich jed
och
eingehender
damit auseinanderzusetzen oder
allenfalls
Fremdauskünfte einzu
holen
, zumal
die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben bereits als Kind und Jugendliche in psychiatrischer Behandlung
gewesen sei (
Urk.
7/52 S. 7)
.
Die als zentrales Symptom dieser Persönlichkeitsstörung dargelegte affektive Instabilität und Neigung zu intensiven und konfliktreichen Beziehungen, er
schliesst sich nicht aus den Schilderungen der Beschwerdeführerin oder der nicht darüber hinausgehenden Zusammenfassung des Gutachters (Urk. 7/52 S.11f.), weshalb die Begründung zu dieser Diagnose, die Beschwerdeführerin neige zu intensiven und konfliktreichen Beziehungen und habe eine Tendenz zu affektiver Impulshaftig
keit (Urk. 7/52 S. 15), nicht nachvollziehbar ist. Hierbei ist darauf hinzuweisen, dass zwei ihrer drei Kinder offenbar Verhaltensauffälligkeiten zeigen, eines davon in Form einer ADHS-Erkrankung. Die wenig begründete, aber im Widerspruch zu den Feststellungen der behandelnden Ärzte stehende Diag
nostik vermag daher nicht zu überzeugen.
Des Weiteren setzte sich
Dr.
B._
aus psychiatrischer Sicht
nicht mit den
von
Dr.
I._
festgestellten
zunehmenden körperlichen Beschwerden in Form von
Rücken- und Kopfschmerzen, Parästhesien in den Armen sowie Schwindel
ge
fühlen
(vgl. E. 3.4)
auseinander.
Die Beschwerdegegnerin
verzichtete auf weitere somatische Abklärungen, obwohl auch Dr.
E._
in seinem Verlaufsbericht ein
thoracolumbovertebrales
und
myofasciales
Syndrom sowie einen Verdacht auf ein
Thoracic
-outlet-Syndrom feststellte
und damit vor Verfügungserlass aufgetre
tene somatische Beschwerden oder zumindest ein Ausweiten der psychischen Beschwerden auf körperliche Symptome bestätigte, was mindestens eine psychia
trische Beurteilung erfordert hätte. Ferner ist eine somatische Erklärung der Beschwerden nicht ausgeschlossen, wie sich aus dem nachgereichten Arztbericht des
Rehazentrums
D._
ergibt (Urk. 12). Eine zusätzliche Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit aufgrund dieser Beschwerden, welche vor Ver
fü
gungserlass auftraten und aktenkundig waren, kann ohne medizinische Beurtei
lung nicht einzig mit dem Hinweis auf einen Zusammenhang mit der psychi
schen Erkrankung verneint werden.
Es ist somit festzuhalten, dass eine zuverlässige Beurteilung des Gesundheits
zustands der Beschwerdeführerin und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit aufgrund der vorliegenden Akten nicht möglich ist und sich der medizinische Sachverhalt als ergänzungsbedürftig erweist.
Solange Anhaltspunkte für körper
liche und psychische
Ein
schränkungen vorliegen und weitere Sachverhaltsab
klärungen möglich sind, darf im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 61
lit
. c ATSG) die Folge der Beweislosigkeit für einen invalidenversiche
rungsrecht
lich relevanten Gesund
heitsschaden nicht greifen (vgl. BGE 138 V 218 E. 6 S.
221; 117 V 261 E. 3b S. 264 mit Hinweis). Zur abschliessenden Klärung sind weitere medizinische Anga
ben notwendig. Die Sache ist daher unter Aufhebung der an
-
ge
fochtenen Verfü
gung vom 22. März 2017 an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen, damit sie weitere medizinische (somatische und psychiatrische) Abklä
rungen einhole. Gestützt auf diese Abklärungen wird sie in Berücksichtigung des gesundheitlichen Verlaufs
und allenfalls einer erneuten
Haushaltsabklärung
erneut über die Sache zu entscheiden haben.
In diesem Zusammenhang ist auf die seit 1. Januar 2018 anwendbare Invaliditätsbemessungsmethode bei Teilerwerbstätigen mit Aufgabenbereich (Art. 27
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV) sowie die Übergangsbe
stimmungen zur Änderung vom 1. Dezember 2017 hinzuweisen.
In dem Sinne ist die Beschwerde gutzu
heissen.
5.
5.1
Das vorliegende Verfahren geht um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen, es ist daher kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind dabei nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Damit erweist sich das Gesuch um unent
geltliche Prozessführung als gegenstandslos.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG in Ver
bin
dung mit
§
34
Abs.
1 und 3
GSVGer
unter Berücksichtigung der Bedeutung der
Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses – und nach Einsicht in die
Hono
rarnoten von Rechtsanwältin
lic
.
iur
. Mirjam
Stanek
Brändle vom
6.
Juni 20
17
und
6.
März
2018
(
Urk.
10 und
Urk.
13
) - auf
Fr.
2'620.45
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen. Das Gesuch der Beschwerdeführerin um Bestellung einer un
entgeltlichen Rechtsvertretung (
Urk.
1 S. 2) ist deshalb ebenfalls gegenstandslos.