Decision ID: 51b4eaa1-06eb-4391-add0-738c096a515d
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 2006, wurde am 28. Januar 2008
(
Urk.
6/1)
wegen einer
Inguinalhernie
und einer
Hydrocele
testis
rechts (vgl. Urk. 6/6) bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet. Mit Kostengutsprachen vom 26. Februar 2008 (Urk. 6/7-8) übernahm die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, die Kosten für die Behandlung der Geburtsgebrechen
Ziff.
303 und
Ziff.
356
des Anhangs der Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
)
.
1.2
Am 8. April 2013 erfolgte eine weitere Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (Urk. 6/10): Nunmehr wurde das
Ge
bur
t
sgebrechen
Nr. 404
gemeldet
(Störungen des Verhaltens bei Kindern mit normaler Intelligenz, im Sinne krankhafter Beeinträchtigung der Affektivität oder Kontaktfähigkeit, bei Störungen des Antriebes, des Erfassens, der perzepti
ven Funktionen, der Wahrnehmung, der Konzentrationsfähigkeit sowie der Merkfähigkeit, sofern sie mit bereits gestellter Diagnose als solche vor der Voll
endung des 9. Altersjahres auch behandelt worden sind [Ziff. 404 des Anhangs
zur
GgV
]
).
Nach Abklärung der medizinischen
Verhältnisse
(vgl. Urk. 6/13) erteilte die IV-Stelle am 14. Januar 2014 Kostengutsprache für eine ambulante Ergotherapie nach ärztlicher Verordnung im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 404 ab 25. Oktober 2013 bis 31. Oktober 2015 (Urk. 6/17). Am 15. Januar 2014 folgte die Kostengutsprache für die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 404 ab 13. November 2012 bis 30. November 2017 (Urk. 6/18).
1.3
Am 20. April 2015 wurde
X._
bei der Eidgenössischen Invalidenver
sicherung zum Bezug einer
Hilflosenentschädigung
für Minderjäh
rige angemeldet (Urk. 6/20). Am 10. Juni 2015 erstellte die
Fachperson der
IV-Stelle einen entsprechenden Abklärungsbericht (Urk. 6/28).
Nach durchgeführ
tem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/26-27) verneinte die IV-Stelle m
it Verfügun
gen vom 27. August 2015 (Urk. 2/1-2 = Urk. 6/30-31) die Ansprüche auf eine
Hilflosenentschädigung
und einen Assistenzbeitrag. Zur Begründung führte die IV-Stelle aus, die Abklärungen hätten ergeben, dass
X._
lediglich bei der Körperpflege hilflos im Sinne der Invalidenversicherung sei. Deshalb beste
he kein Anspruch auf eine
Hilfl
osenentschädigung
(Urk. 6/31). Da die Vor
aussetzungen für eine
Hilflosenentschädigung
nicht gegeben seien, sei auch die Grundbedingung zum Bezug eines Assistenzbeitrags nicht erfüllt (Urk. 6/30).
2.
Gegen die beiden Verfügungen vom 27. August 2015 (Urk. 2/1 und 2/2) erhob
X._
, gesetzlich vertreten durch seine Eltern, am 6. September 2015 Beschwerde mit dem Antrag, es seien ihm eine
Hilflosenentschädigung
und (sinngemäss wohl auch) ein Assistenzbeitrag zuzusprechen. Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 15. Oktober 2015 (Urk. 5) auf Abweisung der Beschwerde, was den Eltern des Versicherten
am 16. Oktober 2015
mitgeteilt wurde (vgl. Urk. 7).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforder
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (Art. 13
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
) in der Schweiz, die hilflos (Art. 9 ATSG) sind, Anspruch auf eine
Hilf
losenentschädigung
. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Le
bensverrichtungen
dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwa
chung bedarf (Art. 9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (Art. 42
Abs.
3 Satz 1 IVG; Art. 38
der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]
). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
Ankleiden, Auskleiden;
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
Essen;
Körperpflege;
Verrichtung der Notdurft;
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.
2
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Ge
brechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewie
sen ist.
1.3
Bei Minderjährigen ist nur der Mehrbedarf an Hilfeleistung und persönlicher Überwachung im Vergleich zu nicht behinderten Minderjährigen gleichen Alters zu berücksichtigen (Art. 37 Abs. 4 IVV). Diese Sonderregelung trägt dem Um
stand Rechnung, dass bei Kleinkindern eine gewisse Hilfs- und
Überwachungs
bedürftigkeit
auch bei voller Gesundheit besteht.
Massgebend
für die Bemes
sung der Hilflosigkeit bei diesen Versicherten ist daher der Mehraufwand an Hilfeleistung und persönlicher Überwachung im Vergleich zu einem nicht inva
liden Minderjährigen gleichen Alters.
1.
4
Anspruch auf einen Assistenzbeitrag haben gemäss Art. 42
quater
Abs. 1 IVG Versi
cherte, denen einen
Hilflosenentschädigung
der IV nach Art. 42 Abs. 1-4 IVG ausgerichtet wird, die zu Hause leben und die volljährig sind. Der Bundes
rat legt die Voraussetzungen fest, unter denen Minderjährige Anspruch auf ei
nen Assistenzbeitrag haben (Art. 42
quater
Abs. 3 IVG). Von dieser
Verordnungs
kompetenz
hat er durch Erlass von Art. 39a IVV Gebrauch gemacht. Danach haben Minderjährige unter anderem dann Anspruch auf einen Assistenzbeitrag, wenn ihnen eine
Hilflosenentschädigung
ausgerichtet wird, sie zu Hause leben und wenn sie regelmässig die obligatorische Schule in einer Regelklasse besu
chen (Art. 39a
lit
. a IVV).
Die Ausrichtung einer
Hilflosenentschädigung
ist stets eine notwendige Vorausset
zung, damit ein Anspruch auf einen Assistenzbeitrag entstehen kann.
1.
5
Bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Bemessung der Hilflosigkeit ist eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen ärztlicher Fachperson und Verwaltung erforderlich. Erstere hat anzugeben, inwiefern die versicherte Per
son in ihren körperlichen beziehungsweise geistigen Funktionen durch das Lei
den eingeschränkt ist. Der Versicherungsträger kann an Ort und Stelle weitere Abklärungen vornehmen. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig (BGE 130 V 61 E. 6.1.1).
Ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit (Art. 9 ATSG) oder des Pflegebedarfs hat folgenden Anforderungen zu genügen: Als Berichterstat
terin wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumli
chen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und
Hilfsbedürftigkeiten
hat. Bei Unklar
heiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinun
gen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen
Lebensverrichtungen sowie den tatbestandsmässigen Erfordernissen der dauern
den Pflege und der persönlichen Überwachung (Art. 37 IVV) und der
lebens
praktischen
Begleitung (Art. 38 IVV) sein. Schliesslich hat er in Übereinstim
mung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das ge
bietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente
Abklärungsper
son
näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (BGE 140 V 543 E. 3.2, 133 V 450 E. 11.1.1, 130 V 61 E. 6.2, 128 V 93).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte in den angefochtenen Verfügungen vom 27. August 2015 (Urk. 2/1-2) den Anspruch des
Versicherten
auf eine
Hilflo
senentschädigung
mit der Begründung, dass er lediglich bei der Körperpflege hilflos im Sinne der Invalidenversicherung sei, was für sich allein zur
An
spruchsbegründung
nicht ausreiche. Da keine Hilflosigkeit im Sinne des Geset
zes bestehe, komme auch die Ausrichtung eines Assistenzbeitrages nicht in Be
tracht.
2.2
Demgegenüber machten die Eltern des
Versicherten
geltend, dass ihres Erach
tens eine Hilflosigkeit gegeben sei. Die Situation sei von der Abklärungsperson nicht richtig bewertet worden. Der
Versicherte
könne folgende alltägliche
Le
bensverrichtungen
nicht allein ausführen: Körperpflege, tägliche Medikamen
ten-Einnahme, tägliche Kontrolle des Urins mittels eines Teststreifens, der Um
gang mit Kleidung (Kauen an Sachen), die Fortbewegung mit Einschätzung der Situation (Überschätzung) sowie Verhalten und Kommunikation (Schlagen und Schreien).
Das Leben in einem sechsköpfigen
Haushalt sei herausfordern
d
ge
nug. Umso aufreibender sei der Tagesverlauf mit einem Kind, welches ADS habe und ständig der Überwachung in ganz banalen Situation
en
bedürfe (Urk. 1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Ansp
r
uch auf eine
Hilflo
senentschädigung
und auf einen Assistenzbeitrag hat.
3.
3.1
3.1.1
Dr.
med.
A._
, Fachärztin FMH für Kinder- und
Ju
gendmedizin
, speziell Entwicklungspädiatrie, stellte in ihrem Bericht vom 25. Juni 2013 (Urk. 6
/19
/11-14
)
folgende Diagnosen:
1.
Altersentsprechende kognitive Entwicklung im unteren
Normbe
reich
2.
Seriale
Merkfähigkeitsschwäche
3.
Bekannte Spracherwerbsstörung
4.
Motorische Ungeschicklichkeit, ausgeprägt in Grobmotorik und
Visuomotorik
, leichte neurologische Auffälligkeit bei muskulärer Dystonie
5.
Deutliche Schwierigkeiten in der
Figurhintergrund
-Differenzie
rung
6.
ADHS (Attention
Deficit
Hyperactivity
Disease
) gemäss GGV 404 der IV
3.1.2
In ihrem Bericht vom 10. Oktober 2013 (Urk. 6/13/6-8) äusserte sich
Dr.
A._
dahingehend, dass der Beschwerdeführer eine ausgeprägte emoti
onale Störung zeige. Er sei ablehnend, verweigere, habe Wutausbrüche und sei aggressiv. Dies zeige sich sowohl zu Hause als auch im Kindergarten. Er habe eine ausgeprägte motorische Hyperaktivität. Er könne kaum ruhig sitzen. Es fehle ihm aber andererseits an Ausdauer. Serielle Handlungen seien problema
tisch. Es liege eine ausgeprägte
seriale
Merkfähigkeitsschwäche vor. Zusätzlich seien Sprachverständigungsprobleme und eine
visuomotorische
Teilleistungs
schwäche
sowie deutliche Schwierigkeiten in der Figur-Hintergrund-Differen
zierung vorhanden. Die Konzentrationsspanne sei kurz; er werde rasch abge
lenkt. Er sei vergesslich und verliere häufig Gegenstände.
3.2
Im Bericht vom 10. Juni 2015 (Urk. 6/28) hielt die Abklärungsperson fest, dass der
Versicherte
zusammen mit drei jüngeren Geschwistern aufwachse. Er sei ein aufmerksamer und bereitwilliger Gesprächspartner. Manchmal falle es etwas schwer, ihn zu verstehen.
Nachfragen habe er ruhig angenommen und das Ge
sagte deutlicher wiederholt. Seine Angaben zu den vorhandenen Fähigkeiten seien später, was die funktionelle Seite des Alltags angehe, von den Eltern be
stätigt worden (S. 1). Klärende und ergänzende Angaben seien von den Eltern gemacht worden, als der
Versicherte
wieder in die Schule zurückgekehrt sei: Er benötige sehr straffe Strukturen. Man müsse ihm immer wieder Grenzen und Konsequenzen aufzeigen, damit er sich an die Alltagsregeln halte. So halte sich die ganze Familie an gewisse Zeiten im Tagesablauf (etwa Mittagsruhe, Zeit ins Bett zu gehen). Diese Zeiten würden mit einem gespeicherten Erinnerungston
angekündigt. Diesem Rhythmus könne auch der
Versicherte
folgen. Abmachun
gen bestünden auch bei den gemeinsamen Essen.
In Bezug auf die
einzelnen Lebensverrichtungen
kam die Abklärungsperson zu folgenden Ergebnissen:
-
Ankleiden / Auskleiden (S. 2 f.):
Dass ein Junge dieses Alters am liebsten ständig seine bevorzugten Kleidungs
stücke trage, komme häufig vor und könne nicht als Hilflosigkeit im Sinne des Gesetzes gewertet werden. Der Beschwerdeführer könne sich an vorgegebene Strukturen halten. Mit einem entsprechenden Trainingsplan könnte er lernen, dass der Wäschewechsel täglich zu erfolgen habe. Dabei handle es sich um eine erzieherisch-pädagogische Massnahme, die nicht un
ter den Leistungskatalog der IV
falle
. Der Beschwerdeführer sei im
altersge
mässen
Ausmass fähig, für witterungsgerechte Kleidung zu sorgen. Im Be
reich „Ankleiden / Auskleiden“ bestehe keine Hilflosigkeit.
-
Aufstehen / Absitzen / Abliegen (S. 3):
Der Beschwerdeführer sei ein bewegungsfreudiges Kind. Er könne alle notwen
digen Positionswechsel problemlos vornehmen. Im Bereich „Aufste
hen / Absitzen / Abliegen“ bestehe Selbständigkeit.
-
Essen (normal zubereitete Mahlzeiten [S. 3 f.]):
Der Beschwerdeführer benötige weder eine besondere Ernährung, noch müsse das Essen speziell zubereitet werden. Der Beschwerdeführer benötige keine Direkthilfe. Indirekte Hilfe im Kinderalter könne dann gegeben sein, wenn Erstickungsgefahr bestehe. Das sei nicht der Fall. Im Bereich „Essen“ liege keine Hilflosigkeit vor.
-
Körperpflege (S. 4 f.):
Bei der Körperpflege benötige der Beschwerdeführer direkte und indirekte Hilfe bei der Dusche und bei der Zahnpflege (Anleitung und Kontrolle). Die benötigte Hilfe bei der Dusche sei nicht mehr altersüblich. Die Hilflosigkeit im Bereich „Körperpflege“ könne bejaht werden. Der zeitliche Mehraufwand betrage insgesamt 15 Minuten pro Tag.
-
Reinigung nach Verrichtung der Notdurft (S. 5):
Nach Angaben des Beschwerdeführers und dessen Eltern sei er diesbezüglich selbständig beziehungsweise (abgesehen von vereinzelten Vorkommnissen) weitgehend selbständig.
-
Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte (S. 5 f.):
Der Beschwerdeführer könne sich frei bewegen und orientieren. Er sei im
alters
gemässen
Ausmass selbständig unterwegs. Der Beschwerdeführer sei allseits orientiert. Es bestehe Selbständigkeit in diesem Bereich.
-
Dauernde medizinisch-pflegerische Hilfe (S. 6):
Die medikamentöse Behandlung sei im Laufe des letzten Jahres abgesetzt wor
den; Medikamente würden nur noch im Notfall eingenommen. 2009 sei ein idiopathisches
nephrotisches
Syndrom diagnostiziert worden. Seither müsse der Urin täglich mit einem Stick geprüft werden (anrechenbarer zeitli
cher Aufwand: 5 Minuten pro Tag). Bisher sei immer alles unauffällig geblie
ben. Der Beschwerdeführer werde nicht überwacht im Sinne des Gesetzes. Er bewege sich immer wieder unbeaufsichtigt innerhalb des Dorfes, spiele etwa allein Fussball. Zu Arzt- und Therapiebesuchen müsse er begleitet werden. Angesichts der geringen Zahl der Konsultationen erg
ebe
sich jedoch auf den Tag umgerechnet nur eine unerhebliche Belastung (0,6 Minuten pro Tag).
Zusammenfassend hielt die Abklärungsperson fest (S. 7), dass der
Versicherte
eine enge Struktur zur Alltagsbewältigung benötige. Dies könne im Erwachse
nenalter wegen lebenspraktischer Begleitung eine
Hilflosenentschädigung
leichten Grades auslösen. Bei Minderjährigen
existiere keine derartige Leistung. Alle Kinder und Jugendlichen müssten mehr oder weniger engmaschig begleitet und methodisch-pädagogisch angeleitet und geführt werden. Der Beschwerde
führer sei vor diesem Hintergrund selbständig in allen Bereichen ausser bei der Körperpflege. Dort zeige sich ein deutliches Defizit gegenüber normal entwi
ckelten Kindern gleichen Alters. Da die Hilflosigkeit lediglich in einem Bereich bejaht werden könne, entfalle ein Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
.
4.
4.1
Vorweg ist festzuhalten, dass der Abklärungsbericht vom 10. Juni 2015 (Urk. 6/28) sämtliche in E. 1.
5
genannten Anforderungen erfüllt. Es kommt ihm somit volle Beweiskraft zu. Der Abklärungsbericht ist insbesondere hinsichtlich der gezogenen Schlussfolgerungen einleuchtend und nachvollziehbar. In beson
derem Masse ist dies der Fall, wenn die Abklärungsperson Vergleiche zwischen der Situation des Beschwerdeführers und derjenigen von normal entwickelten Kindern gleichen Alters anstellte (vgl. Urk. 6/28, insbesondere S. 7). Aus den von der Abklärungsperson geschilderten Alltagssituationen zog sie in überzeu
gender Weise die
angezeigten
Schlüsse und kam zu nachvollziehbaren Wertun
gen. Sie gelangte so zum Ergebnis, dass der Beschwerdeführer lediglich bei der
Körperpflege ein deutliches Defizit gegenüber normal entwickelten Kindern gleichen Alters aufweist.
4.2
Der
Beschwerdeführer
bemängelte die Ausführungen der Abklärungsperson denn auch nicht konkret, sondern wies – neben dem unbestrittenen Bereich der Körperpflege – auf verschiedene weitere Handlungen hin, bei (oder wegen) wel
chen er der Unterstützung bedürfe (tägliche Medikamenteneinnahme, tägliche Kontrolle des Urins mittels Teststreifens, Umgang mit Kleidung [kauen an Sa
chen], Fortbewegung mit Einschätzen von Situationen [Überschätzung], Ver
halten und Kommunikation [schlagen und schreien],
Urk.
1).
Bei den ersten beiden Problemfeldern handelt es sich nicht um solche, welche den
praxisgemässen
Lebensverrichtungen zugeordnet werden könnten. Viel
mehr geht es dabei um den Themenkomplex der ständigen und besonders auf
wendigen Pflege
gemäss
Art.
37
Abs.
3
lit
. c IVV. Angesichts der geschilderten Tätigkeiten und den zeitlichen Verhältnissen kann nicht von der Notwendigkeit einer ständigen und besonders aufwendigen Pflege gesprochen werden. Eine solche setzt einen Mehraufwand von jedenfalls zwei Stunden voraus (
Kreis
schreiben
über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH]
Rz
8058), was vorliegend nicht der Fall ist.
Beim Kauen an den Kleidern geht es ebenfalls nicht um eine Lebensverrichtung, bei welcher der
Beschwerdeführer
Unterstützung bedürfte. Denn An- und Ab
ziehen kann er sich selber. Eine gewisse Führung in der Kleiderauswahl ist
in
seinem Alter üblich. Das vorliegend thematisierte Kauen beschlägt sodann nicht die Frage des An- und Auskleidens, sondern des generellen Verhaltens des
Be
schwerdeführer
s. Gleiches gilt für das Einschätzen von Situationen und das sonstige Verhalten. Auch hierbei bedarf er keiner Hilfe, um die
Lebensverrich
tungen
tätigen zu können, sondern lediglich, um korrekt zu (
inter
)agieren.
Die vorgebrachten Schwierigkeiten betreffen nach dem Gesagten nicht eine der praxisgemässen Lebensverrichtungen, sondern vielmehr die Kontrolle, Führung und Erziehung des
Beschwerdeführer
s im Sinne einer Begleitung. Diese sprengt vorliegend indes nicht den Rahmen des Üblichen, auch wenn die Betreuung anspruchsvoller sein mag. Jedenfalls ist nach der Aktenlage keine dauernde persönliche Überwachung
im Sinne von
Art.
37
Abs.
3
lit
. b IVV
notwendig.
Damit verbleibt eine anrechenbare Hilfsbedürftigkeit einzig bei der Lebens
-
verrich
tung
„Körperpflege“.
4.3
Wie in E. 1.
2
dargelegt wurde, entsteht ein Anspruch auf eine Hilflosen
-
entschädi
gung
für eine Hilflosigkeit leichten Grades erst, wenn die versicherte Person in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regel
mässig in
erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3
lit
. a IVV). Im vorliegenden Fall besteht - wie ausgeführt - eine Hilfsbedürftig
keit nur in einer Lebensverrichtung (Körperpflege). Da der Beschwerdeführer minder
jährig ist, kann
der Anspruch auf eine
Hilfl
osenentschädigung
auch nicht mit der
Notwendigkeit einer lebenspraktischen Begl
eitung begründet werden
(Art. 42
bis
Abs. 5 IVG
)
.
Damit ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin den Anspruch des
Versicherten
auf eine
Hilflosenentschädigung
zu Recht verneint hat.
4.4
Als Konsequenz aus der Verneinung des Anspruchs auf eine
Hilflosenentschädi
gung
folgt ohne
Weiteres
auch die Verneinung des Anspruchs auf einen
Assis
tenzbeitrag
. Die Ausrichtung einer
Hilflosenentschädigung
ist nämlich - wie in E. 1.
4
a.E
. ausgeführt - eine unabdingbare Voraussetzung für die Zusprechung eines Assistenzbeitrages.
4.5
Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerde abzuweisen ist.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
4
00.
festzulegen und ausgangsgemäss vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).