Decision ID: c97ddfb3-2482-4589-b717-6824fd61f3a8
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 4./6. September 2017 (IV-act. 1) bei der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung (berufliche Integration/Rente) an. Sie sei seit Februar 2000 in
einem Pensum von 40 % in einer Unternehmung angestellt. Seit ca. fünfzehn Jahren
leide sie an diversen Schmerzen, einer Depression, Angst, Migräne und einem
Fibromyalgie-Syndrom. Seit Juni 2017 befinde sie sich in Scheidung. Dr. med. B._,
Facharzt FMH Allgemeine Innere Medizin, hatte ihr in einer Bestätigung vom 20. Juni
2017 (IV-act. 1-7) diverse Diagnosen bekanntgegeben, u.a. das erwähnte Fibromyalgie-
Syndrom, eine chronische Zervikalgie, Dorsalgie und Lumbalgie, eine geringe
unspezifische Enthesitis L2-L5, eine aktivierte Spondylarthrose L2 und S1, ein
sternokostales Schmerzsyndrom, eine Arthralgie in der Kniekehle rechts, ein schweres
obstruktives Schlafapnoe-Syndrom bei schwerer Adipositas, Lymphödeme an beiden
Unterschenkeln, eine Cholecystolithiasis, eine Periarthropathia coxae bds., eine
Arthralgie Schultern bds., ein HWS-Akzelerationstrauma am 11.07.2008, eine
Cervikobrachialgie rechts mit Epicondylitis humeri radialis, den Vd. a. Cluster
Headache, ein rezidivierendes Cervikalsyndrom und chronische Kopfschmerzen. - In
einem IV-Arztbericht vom 20. September 2017 (IV-act. 10-1 bis 5) gab Dr. B._ unter
Beilage zahlreicher Arztberichte als zusätzliche Diagnosen u.a. eine Arthralgie Knie
links, eine schwere bilaterale Pneumonie 03/16, eine Refluxsymptomatik, eine
moderate SIG-Arthrose bds., einen vestibulären Schwindel rechts, eine berufliche und
familiäre Überlastungssituation, ein Ganzkörper-Schmerzsyndrom noch unklarer
Ätiologie und einen V. auf eine Bicepssehnenlängsruptur rechts an. Zuletzt sei die
Versicherte vom 24. bis 28. Juli 2017 voll arbeitsunfähig gewesen. Seither sei keine
Arbeitsunfähigkeit mehr bescheinigt worden. Die Versicherte könnte noch an
4.5 Stunden pro Tag Tätigkeiten ausüben, die bisherige dies allerdings nur zu 50 %. -
Das Spital C._ (Dr. med. D._, Facharzt FMH Innere Medizin/Pneumologie) hatte in
einem beigelegten Bericht vom 19. Mai 2016 (vgl. IV-act. 10-10 f.) von einem formal
sehr schweren obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom und einer ausgeprägten
A.a.
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Rhonchopathie berichtet. Unter der ausgesprochen effizienten Therapie (sei die
Rhonchopathie vollständig und) seien die obstruktiven Ereignisse praktisch vollständig
eliminiert worden. Die Klinik für Innere Medizin am Spital C._ hatte am 11. März 2016
(vgl. IV-act. 10-14 ff.) auch von einer Besserung der schweren Pneumonie und
Entlassung in gutem Allgemeinzustand berichten können. Die Klinik für Rheumatologie
des Departements Innere Medizin am Kantonsspital St. Gallen hatte am 10. Juli 2014
(IV-act. 10-31 ff.) als Diagnosen u.a. ein Fibromyalgie-Syndrom und den V.a.
Depression benannt. Dr. med. E._, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie
FMH, hatte am 9. Februar 2012 (IV-act. 10-38 ff.) mitgeteilt, es lägen rezidivierend
depressive Episoden vor. Die Versicherte habe das Medikament Cipralex seit Juni 2011
selbständig sistiert. - Die Arbeitgeberin bestätigte am 28. September 2017 (IV-act. 6)
die Angaben der Versicherten zu Anstellungszeit und Pensum. - Die IV-
Sachbearbeiterin hielt am 28. November 2017 (IV-act. 11) fest, die Versicherte wolle
trotz Scheidung nicht in einem höheren Pensum erwerbstätig sein (nach der
morgendlichen Arbeit ruhe sie sich nachmittags aus). Sie sei daher vorwiegend
Hausfrau.
Mit Mitteilung vom 1. Dezember 2017 (IV-act. 13) lehnte die Sozialversicherungs
anstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen einen Anspruch auf berufliche Massnahmen
ab, weil die Versicherte ihr angestammtes Pensum beizubehalten vermöge und kein
höheres Pensum anstrebe.
A.b.
Dr. med. F._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, gab in ihrem
Arztbericht vom 5. Januar 2018 (IV-act. 14) an, als Diagnosen bestünden eine
rezidivierende depressive Störung, ggw. mittelgradige Episode mit somatischem
Syndrom, chronifiziert, therapieresistent, seit vielen Jahren bestehend, ein chronisches
generalisiertes Schmerzsyndrom (bei Fibromyalgie-Syndrom und diversen
bezeichneten orthopädischen Leiden und chronischen Kopfschmerzen) und ein
metabolisches Syndrom mit Adipositas, Diabetes mellitus und arterieller Hypertonie.
Sie behandle die Versicherte seit Oktober 2014. Eine Erhöhung des bisherigen
Pensums von 40 bis 50 %, das sie zu leisten vermöge, sei bisher aus gesundheitlichen
Gründen nicht zumutbar gewesen und sei es auch zurzeit nicht. Es bestünden u.a.
Einschränkungen im Bereich der Affektivität und des Antriebs, eine Schlafstörung und
Müdigkeit sowie eine Beeinträchtigung durch eine Schmerzsymptomatik.
A.c.
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Dr. B._ benannte in einem IV-Arztbericht vom 20. Februar 2018 (IV-act. 21, vgl.
IV-act. 21-22) und 21. Februar 2017 (gemeint wohl 2018, IV-act. 21-20) als weitere
Diagnosen eine unspezifische Kollagenose (vorher DD). Die bisherige Tätigkeit sei der
Versicherten noch zu 50 % zumutbar. Mit einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit könne
nicht gerechnet werden. Die Einschränkungen bestünden in Schmerzen und einer
reduzierten physischen Belastbarkeit infolge der erwähnten Diagnosen.
A.d.
In einem Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt
gab die Versicherte am 28. Februar 2018 (IV-act. 18) an, mehr als das Pensum von
40 % vermöge sie keinesfalls zu leisten. Im Haushalt helfe ihr ihre Tochter.
A.e.
Dr. F._ erklärte im IV-Arztbericht vom 11. Juli 2018 (IV-act. 25), die Schlafstörung
mit resultierender Müdigkeit und Beeinträchtigung der Tagesbefindlichkeit und des
Gefühlslebens, die erhöhte Ängstlichkeit, die Selbstunsicherheit, die Schmerzen, die
Reduktion der Leistungsfähigkeit, der Konzentration und des Selbstvertrauens sowie
die Überforderungsgefühle ergäben ein klinisch signifikantes Leiden mit
Einschränkungen in beruflichen und sozialen Funktionsbereichen. Es bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 % für alle Tätigkeiten. Die bisherige, für die Versicherte
geeignete Tätigkeit könne sie während bis zu ca. vier Stunden pro Tag ausüben. Eine
Erhöhung des Pensums und ein Wechsel der Stelle mit Anpassungsanforderungen
dagegen seien nicht zumutbar. - In einem beigelegten Bericht vom 1. Juni 2018 (IV-
act. 26) hatte die Abteilung Muskelzentrum/ALS Clinic der Interdisziplinären
medizinischen Dienste am Kantonsspital St. Gallen (_ Dr. med. G._, Facharzt für
Neurologie) als bei der Versicherten erhobene Diagnosen angegeben eine Systemic
Exertion Intolerance Disease (SEID)/ein chronisches Fatigue Syndrom, eine Migräne
ohne Aura, ein Restless-legs-Syndrom, ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (mit
CPAP versorgt) und eine arterielle Hypertonie. Zwei der beeinträchtigenden Bereiche
seien einer konkreten therapeutischen Intervention gut zugänglich. Gegen das
Restless-legs-Syndrom und gegen die Kopfschmerzen seien (entsprechend)
Medikamente verschrieben worden. Beim chronifizierten, komplexen Schmerzsyndrom
handle es sich am ehesten um eine Neurotransmitterstörung; die Pathophysiologie sei
aber nicht geklärt. Zu empfehlen sei eine stationäre Rehabilitation mit multimodalem
Schmerzkonzept, wie es in der Rehaklinik H._ angeboten werde.
A.f.
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Auf Anfrage (IV-act. 27) hin erklärte die Versicherte am 23. September 2018 (IV-
act. 29), ohne gesundheitliche Einschränkungen würde sie einer vollzeitlichen
Erwerbstätigkeit nachgehen.
A.g.
Am 10. April 2019 erstattete das Swiss Medical Assessment- and Business-Center
(SMAB) das in Auftrag gegebene polydisziplinäre Gutachten (IV-act. 41;
Begutachtungen zwischen 11. Februar 2019 und 6. März 2019, vgl. IV-act. 41-3). Als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit für die letzte Tätigkeit wurden eine
rezidivierende depressive Störung, nicht näher bezeichnet, und psychologische
Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Krankheiten erhoben.
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien ein Hohlrundrücken mit
pseudoradikulärem Lumbalsyndrom beidseits, ein Hallux interphalangeus beidseits mit
beginnendem Digitus superductus D II auf I, eine Tendovaginitis stenosans D III und IV
der linken Hand, ein (sehr schweres, Ziff. 9) obstruktives Schlafapnoe-Syndrom unter
CPAP-Therapie, ein metabolisches Syndrom, eine Migräne ohne Aura, ein
Spannungskopfschmerz und ein Restless-legs-Syndrom. Es bestünden
Fähigkeitsstörungen in den Bereichen Durchhaltefähigkeit und
Selbstbehauptungsfähigkeit und die körperliche Leistungsfähigkeit sei eingeschränkt.
In der bisherigen Tätigkeit und in leidensangepassten Tätigkeiten sei die Versicherte
gleichermassen vollzeitlich (8.5 Stunden pro Tag) mit einer Leistungsminderung von
10 % arbeitsfähig. Relevant hierfür sei einzig das psychiatrische Fachgebiet. - Der
Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung (ein Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie) hielt am 10. Mai 2019 fest, dem Gutachten könne vollumfänglich
gefolgt werden, auch was den retrospektiven Verlauf betreffe. Daher sei von Oktober
bis Dezember 2014 von 50 %, von Januar 2015 bis Dezember 2017 von 80 % und ab
Januar 2018 von 90 % Arbeitsfähigkeit auszugehen.
A.h.
Mit Vorbescheid vom 23. September 2019 (IV-act. 47) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Versicherten eine Abweisung ihres
Leistungsgesuchs in Aussicht, da der Invaliditätsgrad bei 10 % liege.
A.i.
Die Versicherte liess am 24. Oktober 2019 (IV-act. 51) durch ihre Rechtsschutz
versicherung ihr zustehende IV-Leistungen geltend machen. Schon beim
gegenwärtigen Arbeitspensum von 40 % habe sie sehr starke Schmerzen von der
A.j.
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Hüfte an abwärts. Eine Erhöhung des Pensums sei ihr deshalb nicht möglich. Sie sei im
Juni 2019 wegen dieses Leidens im Zentrum für Neurochirurgie an der Klinik I._ in
Behandlung gewesen. Gemäss dem Bericht darüber von Dr. med. J._, Fachärztin für
Neurochirurgie, vom 18. Juni 2019 und einer Röntgenbeurteilung vom 1. Juli 2019
lägen Facettengelenksarthrosen L2/3 und L3/4, Bandscheibenprotrusionen L4/5 und
L5/S1 sowie eine Einengung des Spinalkanals vor. Da sich diese Einschränkungen dem
Gutachten nicht entnehmen lassen würden, sei dieses unvollständig. - Gemäss dem
erwähnten Bericht vom 18. Juni 2019 (IV-act. 51-3 ff.) waren bei der Versicherten
folgende Diagnosen gestellt worden: (zum einen) chronische gemischt nozizeptiv
neuropathische multilokuläre Schmerzen bei einem Chronifizierungsgrad nach
Gerbershagen III mit aktuell im Vordergrund stehender lumbosakraler
Schmerzsymptomatik mit Ausstrahlung in den lateralen linken Ober- und medialen
Unterschenkel bei bekannter Spondylarthrose L2 und S1 im MRI der LWS von Mai
2014, Schmerzen ausgehend von der rechten Schulter bis zum rechten Ellenbogen bei
bekannten cervikobrachialen Schmerzen mit Epicondylitis humeri radialis bei
chronischer Überlastung, (des Weiteren, verkürzt wiedergegeben) Arthralgien beider
Knie bei beginnender Gonarthrose, eine Migräne ohne Aura, ein Restless-legs-
Syndrom, eine SEID/ein chronisches Fatigue-Syndrom, ein obstruktives Schlafapnoe-
Syndrom, eine arterielle Hypertonie und ein symptomatischer Vitamin D3-Mangel. Die
Ärztin hatte zur Bestandesaufnahme und zum Ausschluss einer Spinalkanalstenose
oder von Facettengelenksarthrosen ein MRI der LWS mit Funktionsaufnahmen
befürwortet, da bereits im MRI der LWS von 2014 Spondylarthrosen gefunden worden
seien. Bei der folgenden entsprechenden Befunderhebung und Beurteilung hatten sich
gemäss dem radiologischen Bericht vom 1. Juli 2019 (IV-act. 51-6 f.) ein fetthaltiges
Hämangiom LWK 3, eine geringe Mehrverfettung an der ventralen Bodenplatte des L1,
eine leicht- bis mässiggradige hypertrophe Facettengelenksarthrose auf Höhe L2/3,
eine mässiggradige hypertrophe Facettengelenksarthrose, rechtsbetont, und etwas
Flüssigkeit im rechten Gelenk als Hinweis auf eine Aktivierung bei L3/4, eine leicht links
betonte, breitbasige flachbogige Bandscheibenprotrusion, eine fortgeschrittene
hypertrophe Facettengelenksarthrose, leicht rechtsbetont, und zentral eine geringe
Einengung des Spinalkanals ohne Einengung der Neuroforamina und ohne eindeutige
Nervenwurzelaffektion bei L4/5, und eine schmalbogige, in das linke Neuroforamen
hineinreichende Bandscheibenprotrusion und eine mässige hypertrophe
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Facettengelenksarthrose auf Höhe L5/S1 gezeigt. - Am 26. November 2019 (IV-act. 53)
wurde, den Einwand ergänzend, ausgeführt, die Feststellungen im Gutachten seien
nicht nachvollziehbar. Die Versicherte sei mit ihrem aktuellen Pensum kräftemässig am
äussersten Limit. Immer wieder geleistete Überstunden führten dazu, dass tagelang
starke Schmerzen aufträten und die Versicherte eben gerade keinen privaten
Aktivitäten oder sozialen Kontakten mehr nachgehen könne. Im Haushalt seien ein
erheblicher zeitlicher Mehraufwand und lange Pausen nötig. Den gegenwärtigen
Gesundheitszustand vermöge sie nur deshalb zu halten, weil sie ein Pensum von
lediglich 40 % ausübe und nicht täglich Überstunden nötig seien. Müsste sie ein volles
Pensum leisten, sähe das anders aus. Die orthopädische Untersuchung sei vom
Umfang und der Intensität her unzureichend gewesen. Bei der Arbeit sei die
Versicherte stets in Bewegung und habe kaum Ruhepausen, so dass die Schmerzen
mit jeder Arbeitsstunde ansteigen würden. Die Beanspruchung bei der Arbeit sei also
ungleich höher als bei einer medizinischen Untersuchung an einem freien Tag. Gemäss
einem Schreiben von Dr. J._ vom 7. November 2019 sei angesichts der verstärkten
Schmerzen eine Infiltration vorgesehen und werde die Versicherte als in ihrer
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt beurteilt. Eventuell seien weitere medizinische
Abklärungen vorzunehmen. - Dr. J._ hatte in dem Bericht unter anderem erklärt, eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung sei aus schmerztherapeutischer Sicht zwar nicht sinnvoll zu
stellen, doch bestehe sicherlich eine Einschränkung, da es immer wieder zu
Exazerbationen der Beschwerden komme, wenn die Versicherte mehr als 40 %
arbeiten müsse.
Das SMAB erklärte auf Vorlage der eingelegten Berichte (vgl. IV-act. 56; vorgelegt
wurden wohl die Berichte vom 18. Juni 2019 und vom 1. Juli 2019, vgl. IV-act. 54-2) am
2. März 2020 (IV-act. 57), der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich nicht in
für die Arbeitsfähigkeit relevanter Weise verändert.
A.k.
Nach einem zweiten Vorbescheid vom 23. März 2020 (IV-act. 59) wies die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen das Leistungsgesuch der
Versicherten mit Verfügung vom 25. Juni 2020 (IV-act. 62) ab. Bei einem vollen Pensum
würde sie Fr. 75'780.-- verdienen, mit einer Arbeitsfähigkeit von 90 % in der bisherigen
Tätigkeit entsprechend weniger. Der Invaliditätsgrad werde mittels Prozentvergleichs
berechnet und liege bei 10 %.
A.l.
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B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 19. August 2020 (act. G 1).
Die Beschwerdeführerin beantragt eine Überprüfung der angefochtenen Verfügung
(und sinngemäss Leistungen der Invalidenversicherung). Sie sei nicht mehr in der Lage,
zu 100 % zu arbeiten. Deshalb habe ihr Hausarzt ihr zu einer IV-Anmeldung geraten.
Sie habe verschiedene sehr starke chronische Schmerzen und ihr gesundheitlicher
Zustand habe sich im Lauf der Zeit nochmals massiv verschlechtert. Die Konsultation
in der Schmerzklinik an der Klinik I._ habe keinen Erfolg gebracht. Dr. med. K._,
Facharzt für Wirbelsäulen-Neurochirurgie, habe ferner eine äussert grosse Arthrose im
unteren Lendenwirbelbereich als Ursache bezeichnet und ihr am 7. Juli 2020 zwei
Kortison-Spritzen injiziert, worauf sie allergische Reaktionen, eine massive
Verschlechterung des Restless-legs-Syndroms und einen Nervenzusammenbruch
erlitten habe. Sie verspüre noch immer Nebenwirkungen und sei in einem Zustand der
Verzweiflung. Seit einer Woche verspüre sie wieder Schmerzen. Der nächste Schritt
werde dann wohl bald eine Operation sein. Wenn sie vier Tage hintereinander zu 40 %
arbeite, könne sie kaum mehr Kraft für die Arbeit aufbringen. Dass ihr die
Invalidenversicherung schreibe, sie sei zu 90 % arbeitsfähig, könne sie nicht verstehen.
Nach einer Tätigkeit von 40 % müsse sie am Nachmittag während dreier Stunden
liegen und sei nicht mehr fähig, etwas zu leisten. Auch eine andere Tätigkeit könne sie
nicht ausüben, denn es gehe ihr psychisch schlecht und sie habe Angst vor
Veränderungen und wenig Selbstvertrauen. In einer neuen Arbeitsumgebung könne sie
sich unmöglich zurechtfinden. Die schon so lange anhaltenden ständigen Schmerzen
würden sie auch psychisch enorm belasten, so dass sie keine Kraft mehr habe. Ihre
Arbeitgeberin bewerte ihre Leistungen als ungenügend, weil sie nicht mehr so schnell
sei. Sie setze sich auch selbst unter sehr grossen Druck; dann werde alles psychisch
und körperlich noch schlimmer. Sie ersuche um eine unentgeltliche Rechtshilfe. -
Beigelegt waren Berichte von Dr. K._ vom 15. Juni 2020 (act. G 1.1) und vom
23. Juni 2020 (act. G 1.2). Gemäss Letzterem hatte der Arzt auf der Grundlage eines
aktuellen CTs der LWS (ohne Nennung von Herkunft oder Datum) eine ausgeprägte
Spondylarthrose mit beginnender Spondylolyse LWK5/SWK1 rechtsbetont, eine kleine
intraforaminale Diskushernie LWK5/SWK1 links und eine beginnende Spondylarthrose
LWK3/4 rechtsbetont diagnostiziert. Die Versicherte habe über eine in den letzten
Tagen bemerkte subjektive Verschlechterung der Rückenschmerzen rechtsseitig
berichtet, ausserdem über intermittierende Lumboischialgien entsprechend dem
Dermatom L5 links ohne klares bildmorphologisches Korrelat. Es sei eine
Facettengelenksinfiltration auf der Ebene LWK5/SWK1 beidseits zu empfehlen.
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C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 23. September 2020 (act. G 5) beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie habe zu Recht auf das
Gutachten abgestellt. Die eingereichten Arztberichte hätten an der gutachterlichen
Einschätzung nichts zu ändern vermocht und die Gutachter hätten eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands verneint. Was die Vorbringen in der
Beschwerde betreffe, sei festzuhalten, dass vorliegend lediglich der Sachverhalt zu
beurteilen sei, wie er sich bis zum 25. Juni 2020 verwirklicht habe. Eine allfällige
spätere langandauernde und wesentliche Verschlechterung wäre im Rahmen einer
Wiederanmeldung zu prüfen, mit welcher eine solche Verschlechterung glaubhaft
gemacht werden müsste.
D.
Von der ihr mit Schreiben vom 25. September 2020 (act. G 7) eingeräumten
Möglichkeit, zur Beschwerdeantwort Stellung zu nehmen, hat die Beschwerdeführerin
keinen Gebrauch gemacht.
E.
Am 17. November 2020 ist dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) entsprochen worden (act. G 11).
F.
Mit Eingabe vom 10. März 2021 (act. G13) teilt die Beschwerdeführerin mit, sie habe
sich bei der Beschwerdegegnerin für eine berufliche Integration/Rente (sc. erneut)
anmelden müssen, weil sie seit dem 10. September 2020 arbeitsunfähig und zurzeit
stationär in der Klinik L._ sei.

Considerations:
Erwägungen
1.
Im Streit liegt die Verfügung vom 25. Juni 2020, mit welcher die Beschwerdegegnerin
das Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin vom 4./6. September 2017 um eine
Rente abgewiesen hat. Berufliche Massnahmen anzuordnen, hatte sie bereits am
1. Dezember 2017 abgelehnt. Das hatte sie damit begründet, dass der
Beschwerdeführerin das bisherige Pensum noch möglich sei und sie nicht in einem
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höheren Ausmass arbeiten wolle. Sollte sich zeigen, dass ohne
Eingliederungsmassnahmen ein Rentenanspruch in Frage kommt, so gehörte zum
Streitgegenstand notwendigerweise auch die Frage, ob die Beschwerdegegnerin den
Grundsatz "Eingliederung vor Rente" beachtet und eine allfällige Pflicht der
Beschwerdeführerin zu Massnahmen ausreichend in Anspruch genommen habe.
2.
Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
3.
Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und ihre Arbeitsfähigkeit sind
polydisziplinär untersucht worden. Das SMAB-Gutachten vom 10. April 2019 wurde
unter Federführung des Gutachters der Psychiatrie (und unter Supervision eines
Facharztes für Allgemeine Innere Medizin) erstellt. Konsiliarisch wirkten eine
Gutachterin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
ein Gutachter der Allgemeinen Inneren Medizin und eine Gutachterin der Neurologie mit
(vgl. IV-act. 41-15). Auch eine Gutachterin der Pneumologie und Inneren Medizin wurde
beigezogen und erklärte sich mit den Schlussfolgerungen einverstanden (IV-
act. 41-16). Am 3. April 2019 wurde der Konsens gefunden (vgl. IV-act. 41-14).
3.1.
Im Einzelnen gab die Beschwerdeführerin der Gutachterin der Neurologie bekannt,
am betreffenden Tag besonders heftige Schmerzen zu haben. Seit einem Monat
beträfen immer gleich vorhandene Schmerzen den Bereich der Oberarme beidseits.
Seit zwei bis drei Jahren bestünden auch zeitweise Schmerzen im Bereich beider
Beine, insbesondere an den Oberschenkelaussenseiten. Immer vorhanden seien
Kopfschmerzen. Einen Migräneanfall habe sie jedoch zuletzt vor mehr als einem halben
Jahr gehabt. Die Krankheitsgeschichte habe 2012 begonnen. Jetzt sei sie nicht mehr
schmerzfrei. Sie arbeite wegen der Schmerzen langsamer, was sie belaste, weil ihr
Vorgesetzter nicht zufrieden sei. Die Arbeitsmenge sei nicht immer gleich; in Phasen
mit einem Arbeitspensum von mehr als 40 % sei sie anschliessend sehr erschöpft. -
Die Gutachterin hielt fest, der Neurostatus sei regelrecht. Eine neurologische Erklärung
für die geklagten Schmerzen im Bereich der Arme und Beine beidseits habe sich nicht
finden lassen, insbesondere hätten keine Hinweise für eine Radikulopathie,
3.2.
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Plexusläsion oder andersartige Nervenschädigung bestanden. Da die
Beschwerdeführerin täglich ein oder zwei Schmerzmittel einnehme, sei von einem
medikamenteninduzierten Kopfschmerz auszugehen. Dieser sei ohne Auswirkungen
auf die Alltagstätigkeit und auf die Arbeitsfähigkeit (vgl. IV-act. 41-82). Die Schilderung
der Kopfschmerzen sei gut nachvollziehbar, die Kriterien einer Migräne seien erfüllt (bei
jedoch sehr seltener Anfallsfrequenz; vgl. IV-act. 41-83). Vom behandelten Restless-
legs-Syndrom bestehe lediglich eine Restsymptomatik, die ebenfalls nicht von Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit sei (vgl. IV-act. 41-82). Es sei keine Diagnose mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit zu stellen (vgl. IV-act. 41-84).
Der Gutachterin der Pneumologie berichtete die Beschwerdeführerin, sie sei
pulmonal gesehen beschwerdefrei, bekomme aber beim Aufwärtsgehen etwas
Atemnot. Unter der CPAP-Therapie gehe es ihr gut, doch sei sie trotzdem tagsüber
noch müde (vgl. IV-act. 41-90). Das Arbeitspensum von 40 % vermöge sie zu
bewältigen, es wäre jedoch körperlich betrachtet besser, wenn sie nicht mehr (sc.
wohl: zu Fuss) gehen müsste (vgl. IV-act. 41-91). - Die Gutachterin hielt fest, das sehr
schwere obstruktive Schlafapnoe-Syndrom werde erfolgreich behandelt; es bestehe
diesbezüglich eine sehr gute Compliance. Die Schmerzen und die Erschöpfbarkeit
seien nicht pulmonal bedingt. Lungenfunktionell hätten sich absolut normale Werte
finden lassen. Die beschriebene Anstrengungsdispnoe sei sicherlich auch durch eine
erhebliche Dekonditionierung bei Adipositas bedingt. Das Restless-legs-Syndrom
werde medikamentös behandelt, sei aber nicht komplett kontrolliert. Es habe aber
keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (vgl. IV-act. 41-93). Aus rein pulmonaler
Sicht bestehe seitens der Lunge und der Schlafapnoe keine Arbeitsunfähigkeit. Die
Beschwerdeführerin könne leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten
grundsätzlich zu 100 % ausüben (vgl. IV-act. 41-94).
3.3.
Bei der allgemein-internistischen Begutachtung beklagte die Beschwerdeführerin
Kopfweh und eine damit oft verbundene Schwindelsymptomatik, ausserdem
Schmerzen wechselnd in beiden Kniegelenken, in der LWS und im rechten Arm sowie
in der rechten Leiste. - Der Gutachter der Allgemeinen Inneren Medizin erklärte, das
chronische Schlafapnoe-Syndrom sei sehr gut und der arterielle Blutdruck sei ebenso
optimal eingestellt, die diabetische Stoffwechsellage ausreichend. Es sollten unbedingt
eine Reduktion des Körpergewichts und eine medikamentöse Therapie der
Hyperlipidämie erfolgen. Die Arbeitsfähigkeit werde durch die internistischen Aspekte
nicht beeinflusst.
3.4.
Anlässlich der psychiatrischen Begutachtung teilte die Beschwerdeführerin mit, sie
sei an keinem Tag schmerzfrei. Die Schmerzen seien überall, aber nicht immer gleich
3.5.
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stark. - Der Gutachter der Psychiatrie erklärte, bei der Beschwerdeführerin habe sich
wahrscheinlich bereits 2004 eine depressive Episode entwickelt, worauf ein
Antidepressivum eingesetzt worden sei. Darunter habe sich die Symptomatik
verbessert. In den folgenden Jahren sei es nach Angaben der Beschwerdeführerin
fluktuierend zu depressiven Verstimmungen gekommen und sie habe das Arzneimittel
mit Unterbrüchen und zum Teil reduzierter Dosis weiter eingenommen. Im Jahr 201_,
nach der Trennung vom Ehemann, sei sie dann in eine stärker ausgeprägte Depression
im Sinn einer mittelgradigen depressiven Episode geraten und habe erstmals
ambulante psychiatrische Behandlung in Anspruch genommen. Unter Erhöhung der
erwähnten Medikation habe sich die Symptomatik allmählich wieder gebessert. Im Lauf
des Jahres 2018 sei die Dosis von ehemals 20 auf die aktuellen 10 mg täglich reduziert
worden. Als gutachterliche Diagnosen wurden die rezidivierende depressive Störung
und die psychologischen und Verhaltens-Faktoren bei andernorts klassifizierten
Krankheiten bezeichnet. Die Beschwerdeführerin sei durch familiäre Umstände
belastet, habe aber ausserfamiliär viele gute soziale Kontakte, ausserdem eine
langjährige berufliche Erfahrung und ein stabiles Beschäftigungsverhältnis. Sie sei in
den Bereichen Durchhaltefähigkeit und Selbstbehauptungsfähigkeit eingeschränkt.
Emotional belastende Tätigkeiten sollten vermieden werden. Ansonsten unterliege das
Belastungsprofil keinen Einschränkungen (vgl. IV-act. 41-36 ff.). Die derzeitige Tätigkeit
sei adaptiert. Die Beschwerdeführerin könnte sie an 8.5 Stunden pro Tag verrichten.
Auch wenn keine schwerwiegende depressive Symptomatik oder schwerwiegende
Schmerzsymptomatik vorlägen, sei doch anzunehmen, dass das Arbeitstempo (bzw.
das Rendement) wegen der depressiven Symptomatik und der psychogenen Schmerz
überlagerung leicht reduziert sei, und zwar im Bereich von 10 %. Insgesamt werde die
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und in einer leidensadaptierten Tätigkeit auf 90 %
geschätzt (vgl. IV-act. 41-38 f.).
Bei der orthopädischen Begutachtung gab die Beschwerdeführerin an, seit vier bis
fünf Jahren Schmerzen im Gesäss beidseits bei Belastung und in Ruhe beim Liegen auf
der Seite zu haben. Ihre Beschwerden würden wandern, einmal seien sie im Knie, dann
im Fuss, im Ellenbogen, im Handgelenk, im Finger, in der Schulter. Es handle sich um
einen schnappenden Mittel- und Ringfinger links, einen Fersensporn beidseits und um
Beschwerden in beiden Handgelenken, beiden Ellenbogengelenken (früher links, jetzt
rechts), beiden Schultern, im D II des rechten Fusses und in beiden Kniegelenken, um
häufige Schmerzen an der rechten Oberarm-Vorderseite und um ein morgendliches
Gefühl geschwollener Finger. Die Physiotherapie bringe jeweils eine Linderung für
maximal sechs Monate. Auch gegen die Kopfschmerzen habe sie schon oft
Physiotherapie bekommen; diese träten aber immer wieder auf (vgl. IV-act. 41-46). -
3.6.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/22
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Die Gutachterin der Orthopädie erhob den klinischen Befund. Sie beschrieb, dabei
seien bei der Seitneigung des Kopfes nach rechts Schmerzen im linken Schultergürtel
angegeben worden, beim Abspreizen und bei der Aussen- und Innenrotation des
rechten Armes Schmerzen im rechten Oberarm, bei der Rückwärtsbewegung beider
Arme im Schultergürtelbereich beidseits, bei der Seitneigung des Oberkörpers nach
rechts in der linken Taille, bei der Untersuchung des rechten Kniegelenks in der
Lendenwirbelsäule, bei der Beugung der Kniegelenke in diesen Gelenken. Ein
Druckschmerz sei über dem Ringband A1 D III und IV der linken Hand, über dem
Gelenkspalt des rechten Ellenbogengelenks und (samt dort Klopfschmerz) über den
Dornfortsätzen von LWK5 und SWK1, über beiden Iliosakralgelenken und über dem
medialen Gelenkspalt des linken Kniegelenks bezeichnet worden. Es hätten eine
vermehrte Kyphose der Brust- und eine vermehrte Lordose der Lendenwirbelsäule
bestanden, ausserdem ein Hallux interphalangeus beidseits mit beginnendem Digitus
superductus D II auf I (vgl. IV-act. 41-49 f.). Die Gutachterin hielt fest, die
Lendenwirbelsäule sei mit Ausnahme einer geringen Einschränkung der Rotation des
Oberkörpers nach links frei beweglich gewesen. Hinweise auf eine akute Reizung
lumbaler Nervenwurzeln hätten bei fehlender Schon- und Fehlhaltung, fehlendem
paravertebralem Muskelhartspann, seitengleich demonstriertem Zehenspitzengang und
ebensolcher Hocke sowie beidseits negativen Zeichen nach Lasègue und Bragard
nicht bestanden. In der Röntgenaufnahme des Beckens vom 14. Februar 2019 hätten
sich die im MRI vom 5. Mai 2014 und im Röntgenbild vom 9. Mai 2017 vorgefundenen
degenerativen Veränderungen (in der dortigen Beschreibung erwähnt u.a. moderate
ISG-Arthrose beidseits, Spondylosis deformans mit Osteochondrosis L3/4 und
begleitender Arthrose der Facettengelenke) dargestellt. Belastungsabhängige
pseudoradikuläre Schmerzen in beiden Gesässhälften seien aufgrund des
radiologischen Befundes nachvollziehbar. Im MRI des rechten Knies vom 4. April 2016
hätten sich deutliche myxoide Degenerationen des Aussenmeniskusvorderhorns und
mässige Degenerationen des Innenmeniskushinterhorns, ein 1.3 cm grosses Ganglion
im Hoffa-Fettkörper und ein diskreter Kniegelenkserguss dargestellt. Das MRI des
linken Knies vom 3. Juli 2017 habe ebenfalls mukoide Degenerationen des
Innenmeniskushinterhorns und des vorderen Kreuzbandes sowie eine geringe medial
betonte Chondropathie Grad II am Femurkondylus gezeigt (ausserdem ein präpatellar
lateral betontes subkutanes Hämatom nach Sturz). Es handle sich um
altersentsprechende degenerative Veränderungen ohne wesentliche Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit. Die Fussstatik sei trotz erheblicher Überbelastung aufgrund des
massiven Übergewichts unauffällig gewesen. Hinweise auf das Vorliegen einer Fasziitis
plantaris hätten beidseits nicht bestanden, auch wenn schon im Röntgenbild des linken
Calcaneus vom 7. März 2006 ein plantarer Fersensporn beschrieben worden sei. Im
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Arthro-MR der rechten Schulter vom 23. Juli 2010 hätten sich diverse Schädigungen
gezeigt, u.a. leichte degenerative Veränderungen im intraartikulären Verlauf mit einer
Partialruptur der Supraspinatussehne und einer moderaten chronischen Tendinopathie
der langen Bizepssehne. Aktuell hätten keine Hinweise für eine relevante
Rotatorenmanschettenläsion oder für ein Impingementsyndrom bestanden. Es handle
sich um einen altersentsprechenden Untersuchungsbefund. Mit Ausnahme einer
Druckschmerzangabe über dem Gelenkspalt des rechten Ellenbogengelenks sei der
Untersuchungsbefund diesbezüglich beidseits völlig unauffällig gewesen; auch
Hinweise auf eine Epicondylitis hätten nicht bestanden. Die Handgelenke seien
ebenfalls beide reizlos und frei beweglich gewesen. Während für die Ellenbogen- und
Handgelenkbeschwerden keine objektivierbaren Korrelate bestünden, sei das
Schnappen des linken Mittel- und Ringfingers möglich. Es bedinge jedoch keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. - Bei der Auseinandersetzung mit den Vorakten
begründete die Gutachterin, weshalb zurzeit (entgegen der Diagnose der Klinik für
Rheumatologie des Departements Innere Medizin am Kantonsspital St. Gallen vom
10. Juli 2014) von einer Fibromyalgie nicht auszugehen sei. Ein Anhaltspunkt für eine
rheumatisch-entzündliche Erkrankung bestehe - dies übereinstimmend mit der
rheumatologischen Einschätzung - nicht. Die degenerativen Veränderungen in beiden
Kniegelenken seien altersentsprechend (vgl. IV-act. 41-55). Die Gutachterin hielt fest,
die Beschwerdeführerin habe sich während der Untersuchung ganz unbehindert
bewegt und verhalten (vgl. IV-act. 41-55 und -48). Sie schloss, nur geringe
Einschränkungen der Aktivitätenniveaus in vergleichbaren Lebensbereichen seien
nachvollziehbar (vgl. IV-act. 41-55). Mit dem Befund stimme auch der nur geringe
Schmerzmittelbedarf überein (vgl. IV-act. 41-55; unter dem therapeutischen
Referenzbereich liegendes Paracetamol, vgl. IV-act. 41-51; vgl. Angaben der
Beschwerdeführerin IV-act. 41-105). Ihre Belastbarkeit sei aus orthopädisch-
traumatologischer Sicht nicht eingeschränkt. Es seien ihr sämtliche ihrem Alter und
Kenntnisstand entsprechenden Tätigkeiten zumutbar. Die Arbeitsfähigkeit in der
bisherigen und in einer anderen Tätigkeit betrage 100 %. Empfohlen würden
wechselbelastende Tätigkeiten ohne Zwangshaltungen der Lendenwirbelsäule (vgl. IV-
act. 41-56 f.). Die retrospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erfolge ab September
2016 (vgl. IV-act. 41-56 f.). - Auch die Gutachterin der Orthopädie hat ihre Beurteilung
demnach in Kenntnis der Vorakten und der geklagten Beschwerden sowie nach einer
klinischen Untersuchung abgegeben.
Interdisziplinär wurde eine Arbeitsfähigkeitsschätzung von 90 % bei vollzeitlichem
Arbeitspensum abgegeben. Zu vermeiden seien emotional belastende Tätigkeiten.
Nebst den Fähigkeitsstörungen betreffend die Durchhalte- und die
3.7.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 15/22
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4.
Selbstbehauptungsfähigkeit sei auch die körperliche Leistungsfähigkeit einschränkt. In
somatischer Hinsicht seien körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ohne
Zwangshaltungen der Lendenwirbelsäule geeignet (vgl. IV-act. 41-12 f.).
Was die orthopädisch-traumatologische Begutachtung anbelangt, ist zunächst
darauf hinzuweisen, dass die Gutachterin namentlich die im radiologischen Bericht
vom 9. Mai 2017 (IV-act. 41-111) erhobenen Beeinträchtigungen (ausgeprägte
Insertionstendinopathie am Ansatz des Trochanter major, rechts stärker als links,
Osteochondrosis symphysis und degenerative Veränderung der Iliosakralgelenke;
Spondylosis deformans lumbalis mit Osteochondrosis L3/4 und begleitender Arthrose
der Facettengelenke) mitbeurteilt hat. Die eigene bildgebende Befunderhebung
erscheint jedoch als lediglich - aber immerhin - knapp ausreichend. Denn obwohl die
Beschwerdeführerin diverse orthopädische Beeinträchtigungen beklagte, beschränkte
sich die Gutachterin auf die Beurteilung eines einzigen aktuellen Röntgenbildes,
nämlich einer Beckenübersicht ap im Stehen vom 14. Februar (recte:) 2019 (IV-
act. 41-50). Im Übrigen bezog sie sich (nebst einer Schulteraufnahme von 2010) auf
Bilder aus den Jahren 2014 (MRI LWS und MRI beider ISG) und - wie erwähnt - 2017
(Röntgen LWS). Im Gegenzug ist festzuhalten, dass ihre klinische Befunderhebung
vollständig erscheint und für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit als bedeutender und
vorliegend schliesslich als aussagekräftig zu betrachten ist.
4.1.
Die Beschwerdeführerin ihrerseits wendet die orthopädische Begutachtung
betreffend ein, in der Klinik I._ seien im Gutachten nicht erwähnte Einschränkungen
festgestellt worden. Zum nach der Begutachtung erstellten Bericht der betreffenden
Neurochirurgin Dr. J._ vom 18. Juni 2019 (IV-act. 51-3 ff.) und zum radiologischen
Befund vom 1. Juli 2019 (IV-act. 51-6 f.), worin u.a. von hypertrophen
Facettengelenksarthrosen auf Höhe L2/3, L3/4 (dort mit Hinweis auf eine Aktivierung),
L4/5 und L5/S1 (dort fortgeschrittene Arthrose), einer Bandscheibenprotrusion und
zentral einer geringen Einengung des Spinalkanals L4/5, sowie von einer
Bandscheibenprotrusion L5/S1 berichtet worden ist, hat das Begutachtungsinstitut
SMAB am 2. März 2020 (IV-act. 57) Stellung genommen. Die Gutachterin der
Orthopädischen Chirurgie und Traumatologie gab darin bekannt, eine lumbale
Instabilität sei im MRI der LWS ausgeschlossen worden. Es hätten sich die bekannten,
leicht- bis mässiggradigen hypertrophen Facettengelenksarthrosen von LWK3 bis
SWK1 ohne Kompression von Nervenwurzeln dargestellt. Neue medizinische Befunde
ergäben sich insgesamt nicht. Belastungsabhängige pseudoradikuläre Schmerzen in
beide Gesässhälften seien aufgrund der radiologischen Befunde - wie im Gutachten
4.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 16/22
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5.
dargestellt - nachvollziehbar. Eine Änderung der Beurteilung des Gesundheitszustands
und der Arbeitsfähigkeit ergebe sich deswegen in orthopädisch-traumatologischer
Hinsicht nicht. - Als gutachterlicher Einschätzung der röntgenologischen Befunde kann
dieser Beurteilung gefolgt werden (auch wenn anzumerken ist, dass auf einer Etage
auch fortgeschrittene Arthrosen festgestellt worden waren). Wie dem Bericht von
Dr. J._ vom 18. Juni 2019 zu entnehmen ist, hatte die Beschwerdeführerin denn auch
davon berichtet, dass die seit ca. 20 Jahren bestehenden Schmerzen zuletzt im Herbst
2018 (also noch vor der Begutachtung) wieder exazerbiert seien.
Zur psychiatrischen Begutachtung lässt sich des Weiteren festhalten, dass, wie es
unter dem Gesichtspunkt der Standardindikatoren erforderlich ist, namentlich die
Belastungen und Ressourcen der Beschwerdeführerin berücksichtigt und die
Fähigkeitsstörungen beschrieben worden sind (vgl. IV-act. 41-38). Es erfolgte auch ein
Vergleich mit dem Aktivitätsniveau der Beschwerdeführerin in den Bereichen Freizeit
und Haushalt (vgl. IV-act. 41-37; Beschreibung des Tagesablaufs bei IV-act. 41-32; vgl.
auch IV-act. 41-47).
4.3.
Da in allen relevanten Fachbereichen umfassende Begutachtungen einschliesslich
einer Auseinandersetzung mit den Vorberichten und den entsprechenden Diagnosen
erfolgt sind und die Ergebnisse nachvollziehbar begründet sind, kann
zusammenfassend für den Begutachtungszeitraum auf das Gutachten abgestellt
werden.
4.4.
Demnach ist ab Januar 2018 von einer (hauptsächlich psychiatrisch bedingten)
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit und in
leidensangepassten Tätigkeiten von 10 % (bei Fähigkeit zu vollzeitlicher Beschäftigung)
auszugehen, retrospektiv aber von einer solchen von 50 % für die Zeit von Oktober bis
längstens Dezember 2014 sowie von 20 % anschliessend bis maximal Ende 2017 (vgl.
IV-act. 41-13).
4.5.
Die medizinischen Berichte vom 18. Juni 2019 und vom 1. Juli 2019 gaben - wie
erwähnt - nicht Anlass zu einer rückblickend anderen Beurteilung der orthopädischen
Verhältnisse zur Begutachtungszeit, sie sind aber auch nicht Grund zur Annahme einer
späteren relevanten Veränderung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin
(vgl. IV-act. 57).
5.1.
Am 7. November 2019 (IV-act. 53-4) berichtete jedoch Dr. J._ in der Folge von
einer wesentlichen Verstärkung der Schmerzen der Beschwerdeführerin - nach einer
5.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 17/22
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allerdings vorhergehenden deutlichen Besserung im Anschluss an die Konsultation
vom Juni 2019. - Dr. K._ hielt in seinem Bericht vom 15. Juni 2020 fest, die
Beschwerdeführerin habe über chronische, intermittierend starke Kreuzschmerzen mit
einer Ausstrahlung in das linke Bein, insbesondere morgens und bei Belastung,
berichtet. Eine Facettengelenksinfiltration vom April 2020 habe keine durchgreifende
Linderung der Beschwerden erbracht. Der Neurochirurg erklärte, klinisch bestünden
eine Lumbago mit paravertebralem Muskelhartspann und Lumboischialgien
entsprechend dem Dermatom L5 links, aber keine Paresen und kein sensibles Defizit.
Er wies auf die im MRI vom Juli 2019 beschriebenen Befunde hin und erklärte, er habe
zur Diagnosesicherung ein CT der LWS veranlasst. Daraufhin erwähnte er im Bericht
vom 23. Juni 2020 unter Hinweis auf ein vorgelegtes entsprechendes CT diagnostisch
im Vergleich zu seinem vorangehenden Bericht einerseits eine neu lediglich
"beginnende" Spondylarthrose LWK3/4 rechtsbetont, anderseits eine neu
"ausgeprägte" Spondylarthrose mit neu "beginnender Spondylolyse LWK5/SWK1"
rechtsbetont. Die Beschwerdeführerin habe berichtet, in den letzten Tagen eine
subjektive Verschlechterung der Rückenschmerzen rechtsseitig bemerkt zu haben. Des
Weiteren leide sie an intermittierenden Lumboischialgien entsprechend dem Dermatom
L5 links ohne klares bildmorphologisches Korrelat. Der Arzt erwähnte zwar eine
"subjektive" Verschlechterung und die Abwesenheit eines klaren Korrelats für die
erwähnten intermittierenden Lumboischialgien, was gegen objektivierbare
Beschwerden spricht. Er empfahl aber immerhin eine Facettengelenkinfiltration auf
Ebene LWK5/SWK1 beidseits. Eine ausreichende Beantwortung der Frage nach einer
allfälligen Verschlechterung des Gesundheitszustands seit der Begutachtung bzw. seit
dem 1. Juli 2019 kann aus dem kurzen Bericht nicht gelesen werden. Nach der
Aktenlage ist das - im Übrigen zudem nicht aktenkundige - CT bis anhin auch nicht
anderweitig in seiner diesbezüglichen medizinischen Aussage bewertet worden; weder
RAD noch Gutachter haben eine Beurteilung abgegeben. Da es sich aber um
Bildmaterial handelt, das noch vor Erlass der angefochtenen Verfügung erstellt wurde,
wird darin ein vorliegend noch relevanter Sachverhalt erfasst. Was eine allfällige
Veränderung nach dem 1. Juli 2019, an welchem ein röntgenologischer Befund
erhoben wurde, der noch durch die Begutachtungsstelle beurteilt worden ist, betrifft,
erweist sich der Sachverhalt demnach als ergänzend abklärungsbedürftig.
Diesbezüglich ist die Sache entsprechend an die Beschwerdegegnerin - welche nach
der Aktenlage im Übrigen bereits mit einer neuen Anmeldung befasst ist - zurück
zuweisen.
Die allfälligen Folgen der Infiltration vom 7. Juli 2020, welche die
Beschwerdeführerin in der Beschwerde beschreibt (allergische Reaktionen, massive
5.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/22
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6.
Verschlechterung des Restless-legs-Syndroms, Nervenzusammenbruch, Verzweiflung)
dagegen sind im vorliegenden Verfahren nicht mehr zu beurteilen. Denn es handelt sich
nach der Beschreibung um plötzliche akute Reaktionen (auf die Infiltration), die erst
nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 25. Juni 2020 aufgetreten sind, und
nicht etwa darum, dass damit Schädigungen entdeckt worden wären, von denen
anzunehmen wäre, sie seien schon im Verfügungszeitpunkt vorhanden gewesen. Für
die (richterliche) Beurteilung sind aber grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse
massgebend, wie sie sich bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verwaltungsverfügung
entwickelt haben (BGE 121 V 362 E. 1b, BGE 125 V 150 E. 2c). Nach dem Zeitpunkt
des Erlasses der angefochtenen Verfügung (vom 25. Juni 2020) erhobene Befunde sind
dagegen rechtsprechungsgemäss lediglich noch insofern von Bedeutung, als sie einen
vorbestehenden Zustand beschreiben bzw. als sie mit dem Streitgegenstand in engem
Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Verfügungserlasses zu beeinflussen (zu Letzterem vgl. Bundesgerichtsurteil vom 7.
Oktober 2016, 8C_357/2016 E. 3.2; vgl. BGE 99 V 102). Letzteres ist vorliegend
hinsichtlich der erwähnten Folgen nicht anzunehmen.
Für den Zeitraum, in welchem eine Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von
90 % anzunehmen ist - somit bis zum 1. Juli 2019 -, ergibt sich unter erwerblichem
Aspekt Folgendes:
6.1.
Nach Art. 16 ATSG (vgl. Art. 28a Abs. 1 IVG) wird für die Bestimmung des
Invaliditätsgrads das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der
Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
6.2.
Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist rechtsprechungsgemäss
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen
Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als
Gesunde tatsächlich verdienen würde (vgl. BGE 129 V 222; vgl. etwa auch
Bundesgerichtsurteil vom 7. Dezember 2015, 9C_422/2015).
6.3.
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär
von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person
konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der -
6.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 19/22
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St.Galler Gerichte
kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist,
dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und
erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als
Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein
solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, können die Tabellenlöhne
(gemäss der Lohnstrukturerhebung LSE des Bundesamtes für Statistik) herangezogen
werden (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 22. November 2019, 8C_590/2019 E. 5.1, und
vom 22. Februar 2019, 9C_479/2018 E. 2.2; BGE 143 V 295 E. 2.2).
Die Beschwerdeführerin hat nach der Aktenlage das Arbeitsverhältnis beibehalten,
in welchem sie bereits seit dem Jahr 2000 stand. Daher kann von stabilen
Arbeitsverhältnissen ausgegangen werden. Was das Arbeitspensum betrifft, hat die
Beschwerdeführerin es im bisherigen Ausmass von 40 % weitergeführt, das
gleichzeitig auch der nach ihrer Auffassung krankheitsbedingt maximalen
Leistungsfähigkeit entspricht. Gemäss der Begutachtung ist indessen von einer
erheblich höheren - nahezu vollen - medizinisch zumutbaren Arbeitsfähigkeit
auszugehen, nämlich einer solchen von 90 % bei vollzeitlicher Beschäftigung. Die
Differenz zum faktisch wahrgenommenen Pensum ist so weitreichend, dass mit einem
Pensum von 40 % keine volle Ausschöpfung am tatsächlichen Arbeitsplatz mehr
angenommen werden und der dabei erzielte Verdienst somit nicht als
Invalideneinkommen gelten kann.
6.5.
Da sich die medizinische Arbeitsfähigkeitsschätzung allerdings auch auf die
angestammte Tätigkeit bezieht, ist grundsätzlich zu erwarten, dass die
Beschwerdeführerin invalidenversicherungsrechtlich betrachtet auch ein
entsprechendes Einkommen zu erzielen in der Lage wäre. Ob ihre Arbeitgeberin ihr
einen (demgemäss erforderlichen) Pensenausbau tatsächlich zugestehen könnte und
würde, ist nicht abgeklärt worden, erscheint aber zumindest durchaus möglich, wird
die Beschwerdeführerin doch nach ihren Angaben auch gelegentlich zu mehr als 40 %
eines Vollpensums eingesetzt (vgl. IV-act. 41-79).
6.6.
Da die weitreichende Arbeitsfähigkeit mit dem Gutachten vom April 2019
festgestellt wurde, als die Beschwerdeführerin rund 60-jährig war, ist davon
auszugehen, dass ihr zum massgeblichen Zeitpunkt (vgl. BGE 138 V 457 E. 3.3) noch
vier Jahre üblicher Erwerbsaktivitätszeit bevorstanden. Die Beschwerdeführerin befand
sich zwar damals bereits seit 19 Jahren im gleichen Anstellungsverhältnis (was
medizinisch als Ressource gewürdigt wurde), in welchem sie auch ein
überdurchschnittlich hohes Einkommensniveau erreicht hat. Sie hatte jedoch davor
auch schon Beschäftigungen bei anderen Arbeitgebern gehabt. Zudem ist zu
6.7.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 20/22
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berücksichtigen, dass sie gemäss gutachterlicher Beurteilung einzig in den Fähigkeiten
zum Durchhalten und zur Selbstbehauptung eingeschränkt ist (vgl. IV-act. 41-38),
weshalb ihr insgesamt grundsätzlich auch ein Wechsel auf den allgemeinen
Arbeitsmarkt zugemutet werden kann.
Ob die Beschwerdeführerin tatsächlich die bisherige Anstellung - allenfalls selbst
mit reduziertem Pensum - beibehält, um dem Risiko einer allfälligen Arbeitslosigkeit
vorzubeugen, kann für die vorliegende Beurteilung nicht ausschlaggebend sein. Denn
für einen Einkommensvergleich in der Invalidenversicherung ist das zumutbare
Invalideneinkommen massgebend, als welches ihr tatsächliches Einkommen bei einem
Pensum von 40 % - wie erwähnt - nicht taugt. Bei der Invaliditätsbemessung wird
zudem, wie in Art. 16 ATSG angeordnet, eine ausgeglichene Arbeitsmarktlage
angenommen. Es kommt demnach nicht darauf an, ob eine invalide Person unter den
konkreten Arbeitsmarktverhältnissen tatsächlich an eine Stelle vermittelt werden kann,
sondern einzig darauf, ob und in welchem Rahmen sie die ihr verbliebene Arbeitskraft
noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot
an Arbeitskräften entsprächen (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 4. Mai 2018,
9C_294/2017 E. 5.4.2.; AHI 1998 S. 287 E. 3b). Der massgebliche theoretische und ab
strakte ausgeglichene Markt (vgl. BGE 134 V 64, BGE 129 V 480 E. 4.2.2) hat nämlich
rein hypothetischen Charakter und dient ausserdem dazu, die Risiken von
Arbeitslosigkeit und Invalidität voneinander abzugrenzen (vgl. Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [seit 1. Januar 2007: Schweizerisches
Bundesgericht] vom 10. Juli 2006, I 186/05 E. 2.3; Bundesgerichtsurteil vom
23. September 2014, 9C_192/2014 E. 3.1; BGE 110 V 276 E. 4b, vgl. auch BGE 134 V
64, BGE 129 V 480 E. 4.2.2). Für die Annahme einer Unverwertbarkeit der Restarbeits
fähigkeit älterer versicherter Personen hat die Rechtsprechung schliesslich relativ hohe
Hürden aufgestellt (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 18. Dezember 2019, 9C_693/2019
E. 3), welche vorliegend nicht als überschritten zu betrachten sind.
6.8.
Für den Fall, dass ein Ausbau des Pensums bei der Arbeitgeberin nicht möglich
sein sollte, sind demnach die Durchschnittseinkommen gemäss den Tabellenlöhnen
des Bundesamtes für Statistik beizuziehen (vgl. Anhang 2 der Textausgabe
Invalidenversicherung, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Gesetze und
Verordnungen, 2019, herausgegeben von der Informationsstelle AHV/IV, S. 228). Für
das Jahr 2016 beträgt das durchschnittliche Jahreseinkommen von Frauen für
Tätigkeiten des (untersten) Kompetenzniveaus 1 (einfache Tätigkeiten körperlicher oder
handwerklicher Art) Fr. 54'581.--. Mit Anwendung des Durchschnittseinkommens für
Hilfstätigkeiten bleiben die anzunehmenden, in den diversen Tätigkeiten (vgl. IV-
6.9.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 21/22
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act. 41-79) erworbenen erwerblichen Fähigkeiten der Beschwerdeführerin
unberücksichtigt. Selbst wenn dennoch auf diesen Betrag abgestellt wird, ergibt sich
nach Berücksichtigung der ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeit von 10 % ein
Invalideneinkommen von Fr. 49'123.--.
Bestehen im Einzelfall Anhaltspunkte dafür, dass die versicherte Person ihre
gesundheitlich zumutbare verbleibende (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann, ist
ein Abzug (von den Tabellenlöhnen) zu machen. Bei der Bestimmung der Höhe des
Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das
Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu
schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl.
BGE 134 V 322 E. 5.2 und BGE 126 V 75). Die medizinisch begründete
Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin, welche in einer
leichten Reduktion des Arbeitstempos bzw. Rendements liegt (IV-act. 41-39), hat in der
medizinisch begründeten Arbeitsunfähigkeitsschätzung ihren Ausdruck gefunden und
bietet keinen Grund für einen Abzug, auch wenn nicht ausser Acht gelassen werden
kann, dass die Beschwerdeführerin nebst der depressiven Störung von somatischen
Beschwerden diverser Lokalität betroffen ist (wie Rücken, grosse Zehe beidseits, linke
Hand, Schlafapnoe-, metabolisches und Restless-legs-Syndrom, Migräne und
Kopfschmerz, degenerative Veränderungen an Knien und Schultern). Die
Beschwerdeführerin kann ihre Leistung - wie erwähnt - vollschichtig erbringen (a.a.O.),
so dass auch ein Teilzeitabzug entfällt (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 12. November
2019, 9C_542/2019 E. 3.1, vom 16. Mai 2019, 8C_705/2018 E. 4.3, vom 13. Februar
2017, 9C_762/2016 E. 5, und vom 8. Mai 2018, 8C_211/2018 E. 4.4). Unter diesen
Umständen erscheint es nicht gerechtfertigt, einen Abzug vom oben genannten
Tabellenlohn anzubringen.
6.10.
Das Valideneinkommen 2016 beträgt nach der Aktenlage rund Fr. 75'780.--. Denn
mit einem Pensum von 40 % erzielte die Beschwerdeführerin damals gemäss der
Arbeitgeberbescheinigung (IV-act. 6-5 und 6-3) ein Einkommen von Fr. 30'312.--
(angesichts der Pensenschwankungen [vgl. IV-act. 41-79] eignet sich das IK-
Einkommen von 2016 von Fr. 33'441.-- [IV-act. 5-1] für die Umrechnung auf ein
Vollpensum nicht). Bei voller Beschäftigung resultiert der oben genannte Betrag
(Fr. 30'312.--/0.4).
6.11.
Aus dem Vergleich dieses Valideneinkommens von Fr. 75'780.-- mit einem
Invalideneinkommen von Fr. 49'123.-- ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 35 %. Selbst
wenn nicht damit gerechnet werden könnte, dass in der bisherigen Anstellung eine
6.12.
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7.