Decision ID: 0ab73978-1bab-52f7-85f3-954ce53e48ac
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
I.
A.
A.a Der Beschwerdeführer – ein Tamile aus dem Distrikt B._ –
stellte am 12. Oktober 2015 in der Schweiz ein Asylgesuch.
A.b Zur Begründung seines Gesuchs brachte der Beschwerdeführer vor,
seine Schwester sei im Jahr (...) ums Leben gekommen, wobei die
Familie eine Mitverantwortung der staatlichen Behörden aus politischen
Gründen vermutet habe. In der Folge seien die Familienangehörigen von
Unbekannten eingeschüchtert und aufgefordert worden, von einem Suizid
der Schwester aus persönlichen Gründen auszugehen. Eine Kontaktauf-
nahme mit der Menschenrechtsorganisation, deren Mitglied sein Vater und
er gewesen seien, habe in dieser Sache nichts bewirkt. Später seien die
Unbekannten beim elterlichen Haus erschienen – er sei zu diesem Zeit-
punkt abwesend gewesen – und hätten gegenüber den Eltern mit seiner
Tötung gedroht, sollte er die Selbsttötung der Schwester weiterhin in Frage
stellen. Er sei Ende des Jahres (...) von der Polizei unter dem Vorwurf fest-
genommen worden, er habe zur Zeit des Waffenstillstands an Märtyrerfei-
erlichkeiten teilgenommen beziehungsweise die LTTE (Liberation Tigers of
Tamil Eelam) unterstützt. Während der kurzen Haft habe ihn ein Polizeichef
besucht und ihm nahegelegt, den Tod seiner Schwester nicht weiter zu un-
tersuchen. Später habe er (Beschwerdeführer) einer Vorladung des Be-
zirksgerichts keine Folge geleistet, worauf ein Haftbefehl gegen ihn ausge-
stellt worden sei. Vor diesem Hintergrund habe er das Elternhaus verlas-
sen und sich bei einem Freund versteckt. Unbekannte und Polizisten hät-
ten ihn daraufhin mehrmals zu Hause gesucht. Er habe das Heimatland
daraufhin aus Furcht vor Verfolgung verlassen.
A.c Der Beschwerdeführer reichte mehrere Unterlagen als Beweismittel zu
den erstinstanzlichen Akten.
B.
Das SEM stellte in seiner Verfügung vom 11. September 2019 in erster In-
stanz im Wesentlichen fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers genüg-
ten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht, und es qualifizierte die
eingereichten Beweismittel als nicht authentisch. Das SEM lehnte das
Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der
Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an.
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C.
Mit Urteil E-5347/2019 vom 30. Oktober 2019 bestätigte das Bundesver-
waltungsgericht den Entscheid des SEM vom 11. September 2019 und es
wies die Beschwerde im vereinfachten Verfahren als offensichtlich unbe-
gründet ab. Zur Begründung schloss sich das Gericht der Unglaubhaftig-
keitsargumentation der Vorinstanz an.
II.
D.
Am 17. Dezember 2019 reichte der Beschwerdeführer, handelnd durch sei-
nen neu bevollmächtigten Rechtsvertreter, beim SEM ein "Asylgesuch
resp. Mehrfachgesuch, eventualiter qualifiziertes Wiedererwägungsge-
such, subeventualiter einfaches Wiedererwägungsgesuch" ein.
Er beantragte unter dem Rechtstitel des Mehrfachgesuchs die Feststellung
der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, eventualiter sei
die Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzu-
stellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Der drohende Wegwei-
sungsvollzug sei im Rahmen einer vorsorglichen Massnahme zu sistieren.
Soweit das qualifizierte Wiedererwägungsgesuch betreffend, wurde die
Aufhebung der Verfügung des SEM vom 11. September 2019 und die
Wiederaufnahme des Gesuchsverfahrens beantragt; es sei die Flüchtlings-
eigenschaft festzustellen und Asyl zu gewähren, eventualiter sei in Fest-
stellung der Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegwei-
sung die vorläufige Aufnahme anzuordnen; der Wegweisungsvollzug sei
im Rahmen einer vorsorglichen Massnahme zu sistieren.
Schliesslich wurde subeventualiter beantragt, die Verfügung des SEM vom
11. September 2019 sei in Wiedererwägung zu ziehen, im wieder auf-
genommenen Gesuchsverfahren sei die Unzulässigkeit oder Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und der Beschwerdeführer ge-
stützt auf Art. 111b AsylG (SR 142.31) vorläufig aufzunehmen. Der dro-
hende Wegweisungsvollzug sei im Rahmen einer vorsorglichen Mass-
nahme zu sistieren.
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E.
Das SEM nahm das Gesuch als Mehrfachgesuch gemäss Art. 111c AsylG
entgegen. Mit Verfügung vom 27. Dezember 2019 trat die Vorinstanz unter
Auflage der Kosten auf das Gesuch nicht ein, da die Vorbringen im neuen
Asylgesuch den Anforderungen an eine gehörige Begründung im Sinn von
Art. 111c AsylG in Verbindung mit Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht genügen wür-
den. Der Vollzug der Wegweisung gelte weiterhin als zulässig, zumutbar
und möglich. Allfällige Revisionsgründe seien vom Beschwerdeführer im
Rahmen eines Revisionsverfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht
vorzutragen.
F.
Am 6. Januar 2020 liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechts-
vertreter beim Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde gegen die
Verfügung des SEM vom 27. Dezember 2019 einreichen. Es wurde die
Aufhebung der Verfügung beantragt. Die Sache sei zur Neubeurteilung und
mit der Anweisung, auf das Gesuch einzutreten und es materiell zu behan-
deln, an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die Verfügung
aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustel-
len und ihm Asyl zu gewähren, subeventualiter sei die vorinstanzliche Ver-
fügung aufzuheben und in Feststellung der Unzulässigkeit oder Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen.
Die kantonale Migrationsbehörde sei anzuweisen, den Vollzug der Weg-
weisung auszusetzen.
G.
Mit Verfügung vom 7. Januar 2020 stellte der Instruktionsrichter fest, der
Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz ab-
warten. Gleichzeitig forderte er den Beschwerdeführer zur Leistung eines
Kostenvorschusses oder zur Einreichung eines begründeten Gesuchs um
Erlass der Verfahrenskosten innert Frist und unter Androhen des Nicht-
eintretens infolge ungenutzter Frist auf.
H.
Mit Verfügung vom 20. Januar 2020 teilte der Instruktionsrichter dem
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit, gemäss einer Mitteilung der
zuständigen kantonalen Behörde sei sein Mandant offenbar seit Anfang
Dezember 2019 unbekannten Aufenthalts. Er forderte den Rechtsvertreter
auf, innert Frist den Aufenthaltsort des Beschwerdeführers sowie eine ak-
tuelle, von diesem unterzeichnete Erklärung einzureichen, aus der das
Fortbestehen des Rechtsschutzinteresses am Verfahren hervorgehe.
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I.
Der am 7. Januar 2020 eingeforderte Kostenvorschuss wurde am 20. Ja-
nuar 2020 fristgereicht geleistet.
J. Am 28. Januar 2020 wurde dem Gericht die aktuelle Wohnadresse mit-
geteilt und das Fortbestehen des Rechtsschutzinteresses dokumentiert.
K.
Am 31. Januar 2020 übermittelte der Instruktionsrichter das Doppel der Be-
schwerdeschrift der Vorinstanz und lud diese ein, eine Vernehmlassung
einzureichen.
Die Vorinstanz reichte am 14. Februar 2020 ihre Stellungnahme zu den
Beschwerdeakten. Diese wurde dem Beschwerdeführer am 19. Februar
2020 zur Kenntnis gebracht.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Prüfungsgegenstand im vorliegenden Verfahren ist die Frage, ob die
Vorinstanz zu Recht gestützt auf Art. 111c Abs. 1 AsylG auf das neue Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist. Die Beschwerde-
instanz enthält sich im Kontext, sofern sie den Nichteintretensentscheid als
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unrechtmässig erachtet, einer selbstständigen materiellen Prüfung und
hebt diesfalls die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu
neuer Entscheidfindung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1
m.w.H.). Die Frage der Wegweisung und deren Vollzugs wird hingegen
einer materiell-rechtlichen Prüfung unterzogen.
4.
In der Beschwerdeschrift werden formelle Rügen angebracht. So wird eine
unvollständige und unrichtige Abklärung des rechtserheblichen Sachver-
halts und die Verletzung des rechtlichen Gehörs von Art. 12 VwVG gerügt.
4.1 Vorweg ist festzuhalten, dass in der Beschwerdeschrift an verschiede-
nen Stellen die sich (aus dem Untersuchungsgrundsatz ergebende) Frage
der Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts mit derjenigen der
rechtlichen Würdigung dieses Sachverhalts vermengt wird. Nach Prüfung
der Akten und der angefochtenen Verfügung qualifiziert das Bundesverwal-
tungsgericht weder die Rügen der Verletzung der Begründungspflicht (vgl.
BVGE 2016/9 E. 5.1) noch der unrichtigen oder unvollständigen Sachver-
haltsfeststellung (vgl. BVGE 2016/2 E. 4.3) als begründet. Die Vorinstanz
hat in ihrer Verfügung rechtsgenüglich und nachvollziehbar dargelegt,
wieso sie das Mehrfachgesuch für unzureichend begründet (im Sinn von
Art. 111c AsylG) beurteilt. Die Verfügung vom 27. Dezember 2019 enthält
eine – im Rahmen der Begründung eines Nichteintretensentscheids – an-
gemessene und hinreichende Darstellung des massgeblichen Sach-
verhalts, die es erlaubt, die Erwägungen des SEM, namentlich weshalb es
die Vorbringen im Rahmen des Mehrfachgesuchs mit Bezug auf den Be-
schwerdeführer nicht als genügend individualisiert erachtet, nachzuvollzie-
hen.
4.2 Da sich, wie soeben ausgeführt, die vorgebrachten formellen Rügen
als nicht begründet erweisen, liegt in der Konsequenz auch keine Verlet-
zung des rechtlichen Gehörs vor. Für eine Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz besteht keine Veranlassung.
5.
5.1 Das SEM führte zur Begründung seines Nichteintretensentscheids
massgeblich aus, das Asylgesuch des Beschwerdeführers sei mit Verfü-
gung vom 11. September 2019 zufolge Unglaubhaftigkeit der geltend ge-
machten Verfolgung abgelehnt worden. Das Bundesverwaltungsgericht
habe die dagegen erhobene Beschwerde mit Urteil vom 30. Oktober 2019
abgewiesen und dabei die Vorbringen ebenfalls als unglaubhaft im Sinn
von Art. 7 AsylG beurteilt.
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Die Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 mit dem Sieg von
Gotabaya Rajapaksa und die Einsetzung dessen Bruders Bahinda Raja-
paksa als Premierminister, die allfälligen Folgen daraus und die Ereignisse
im Zusammenhang mit der Schweizer Botschaft würden zu keiner anderen
Beurteilung führen, zumal das pauschale Hinweisen auf diese Vorkomm-
nisse und die damit verbundenen jüngsten politischen Entwicklungen so-
wie das Aufzeigen möglicher Zukunftsszenarien nicht genügen würden.
Der Beschwerdeführer haben keinen direkten persönlichen Bezug zu die-
sen allgemeinen Entwicklungen in Sri Lanka darlegen können.
Die Asylgründe des Beschwerdeführers seien im ordentlichen Asylverfah-
ren als unglaubhaft beurteilt worden. Die neu eingereichten Berichte und
Ausführungen zum Machtwechsel würden daran nichts ändern. Er bringe
weder neue Gründe noch Beweismittel vor, die einer materiellen Prüfung
bedürfen würden.
5.2 In der Beschwerdeschrift wird vorab die im Mehrfachgesuch vom
18. Dezember 2019 angeführte Begründung wiederholt und gerügt, das
SEM habe sich in diesem Zusammenhang nicht mit allen Vorbringen des
Beschwerdeführers auseinandergesetzt und seine persönliche Gefähr-
dungslage hinsichtlich der Machtübernahme des Rajapaksa-Clans nicht
berücksichtigt.
Das SEM verkenne, dass für den im Ausland lebenden Beschwerdeführer,
der ein Asylverfahren durchlaufen und den Heimatstaat aufgrund politi-
scher Verfolgung verlassen habe, die individuelle Gefährdungslage bereits
ausführlich und mit zahlreichen Berichten dargelegt und subsumiert wor-
den sei. Der Beschwerdeführer sei aufgrund des Machtwechsels in Sri
Lanka stark gefährdet und würde bei einer Rückkehr verfolgt, zumal ge-
richtsnotorisch sei, dass zurückkehrende tamilische Asylsuchende, die be-
reits vor der Ausreise vom Staatsapparat registriert worden seien, bei einer
Rückkehr erneut behelligt würden. Diese Behelligungen würden dabei in-
tensiviert werden, was sich schon bei der Ankunft am Flughafen auswirken
würde.
5.3
5.3.1 Das zentrale Beschwerdevorbringen, wonach ein persönlicher Fall-
bezug zur aktuellen Lage im Heimatstaat des Beschwerdeführers durch-
aus vorhanden und im Mehrfachgesuch hinreichend dargelegt worden sei,
erweist sich als nicht stichhaltig. So werden in der Beschwerdebegründung
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– in zusammengefasster Form – lediglich die bereits bekannten Sachver-
haltselemente erneut vorgetragen und daraus ohne weitere konkrete Sub-
sumption der Schluss gezogen, der Beschwerdeführer sei aufgrund seines
Profils durch die in Sri Lanka geänderte Politlandschaft gefährdet. Die vom
Beschwerdeführer im Rahmen seines Asylverfahrens vorgebrachten
Gründe für das Verlassen der Heimat wurden im rechtskräftigen Urteil
BVGer E-5347/2019 vom 30. Oktober 2019 als unglaubhaft qualifiziert.
Demnach hat die Vorinstanz zutreffend und rechtskonform das Erfordernis
einer ausreichenden Begründung im Sinn von Art. 111c Abs. 1 AsylG als
nicht erfüllt bezeichnet und ist zu Recht in Anwendung von Art. 13 Abs. 2
VwVG auf das Gesuch nicht eingetreten (vgl. BVGE 2014/39 E. 7 sowie
etwa die kürzlich in vergleichbaren Konstellationen ergangenen Urteile
BVGer E-987/2020 vom 27. Februar 2020 E. 3 f. oder E-657/2020 vom
13. Februar 2020 E. 7).
5.3.2 Die mit dem Mehrfachgesuch eingereichten Unterlagen beziehen
sich namentlich auf den in den Medien abgehandelten Machtwechsel in Sri
Lanka sowie auf die Ereignisse im Zusammenhang mit der Schweizer Bot-
schaft. Aus diesen allgemeinen Publikationen kann ebenfalls kein konkre-
ter und individualisierter Zusammenhang zum Beschwerdeführer herge-
stellt werden. Die diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz sind damit
zu bestätigen.
5.4 Zusammenfassend ist die Vorinstanz vor diesem Hintergrund zu Recht
und mit zutreffender Begründung auf das Mehrfachgesuch in Anwendung
von Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht eingetreten.
6.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
7.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer – wie mehrfach rechtskräftig festgestellt – nicht gelun-
gen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder
glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden.
Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach
unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
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7.2.3 Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Ak-
ten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaf-
fung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.).
7.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zur Einschätzung, dass sich
die jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka nicht in relevanter
Weise auf den Beschwerdeführer auswirken dürften. Die allgemeine
Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum
heutigen Zeitpunkt weiterhin nicht als unzulässig erscheinen.
7.2.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.1 Im Kontext der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs kann mit der
Vorinstanz auf die Ausführungen im Urteil E-5347/2019 vom 30. Oktober
2019 verwiesen werden. Darin hat sich das Bundesverwaltungsgericht
bereits ausführlich mit der Frage auseinandergesetzt, ob mit Bezug auf den
Beschwerdeführer der Vollzug der Wegweisung als zumutbar zu erachten
sei. Das Gericht kam dabei zum Schluss, dass der Vollzug der Wegwei-
sung in den Heimatstaat zumutbar sei.
7.3.2 Die Vorinstanz hat zutreffend festgehalten, die diesbezüglichen Vor-
bringen im Mehrfachgesuch vermöchten diese Einschätzung im Urteil
E-5347/2019 nicht zu revidieren. Zudem wurden diesbezüglich weder im
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Rahmen des Mehrfachgesuchs noch auf Beschwerdeebene weitere, kon-
kretisierende Unterlagen beigebracht, die eine nunmehr andere Schluss-
folgerung herbeiführen könnten.
7.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
weiterhin als zumutbar.
7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der am 7. Januar 2020 in gleicher Höhe bezahlten Kos-
tenvorschuss ist zur Bezahlung dieser Kosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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