Decision ID: 2644056b-f82f-4815-89ce-374cda85b957
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1958,
erlitt am 2
9.
August 2004 einen Auffahrunfall (
Urk.
6/10/165
Ziff.
4-6) und
meldete sich am
5.
Oktober 2005 bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/4). Die Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Verfügungen vom 2
4.
Juni 2006 ab August 2005 eine halbe und sodann eine bis September 2006 befristete ganze Rente zu (
Urk.
6/52). Dies wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom
8.
März 2010 im Verfahren Nr. IV.2008.00846 bestätigt (
Urk.
6/70).
1.2
Am 2
6.
April 2013 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/77).
Die IV-Stelle holte unter anderem ein am 2
0.
September 2014 erstattetes rheumatologisches und ein am 1
0.
Oktober 2014 erstattetes psychi
atrisches Gutachten (
Urk.
6/108,
Urk.
6/110) ein.
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
6/112,
Urk.
6/115) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
2.
Januar 2015 einen Rentenanspruch (
Urk.
6/118 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 2
3.
Februar 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
2.
Januar 2015 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und die Sache sei für weitere Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
7.
April 2015 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 1
4.
April 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaub
haft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbe
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heits
zustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revi
sions
grund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, aus ärztlicher Sicht sei der Beschwerdeführerin eine - näher umschriebene - behinderungsangepasste wechselbelastende Tätigkeit zu 100
%
zumutbar, womit unter Verwendung statistischer Tabellenlöhne beim Validen- wie beim Invalideneinkommen ein Invaliditätsgrad von 0
%
resultiere (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), auf das rheumatologische Gutachten könne aus näher dargelegten Gründen nicht abgestellt werden (S. 3 f.
Ziff.
3), weshalb die Sache zur ergänzenden Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen sei (S. 4
Ziff.
4).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob auf die von der Beschwerdegegnerin eingeholten Gutachten abgestellt
werden kann, und bejahendenfalls, ob seit der letzten (gerichtlich bestätigten) Anspruchsprüfung im Juni 2008 eine revisionsrelevante Veränderung ausgewiesen ist.
3.
3.1
Der medizinische Sachverhalt, welcher der bis September 2006
befristete
n
Renten
zusprache
im Juni 2008
zugrunde lag, wurde im Urteil vom
8.
März 2010 wie folgt zusammengefasst (
Urk.
6/70 S. 6 ff.):
4.1
Aus den medizinischen Berichten ergibt sich eindeutig, was denn auch keinen Streitpunkt darstellt, dass die gesundheitlichen Beeinträchtigungen Folgen des im August 2004 erlittenen Auffahrunfalls darstellen.
4.2
In somatischer Hinsicht ist
(...)
erstellt, dass ab März 2006 eine Arbeitsfähig
keit von 50
%
und ab Oktober 2006 eine solche von 100
%
bestanden hat. Davon ist im Sinne einer Sachverhaltsfeststellung auszugehen.
...
4.6
Zusammenfassend steht der medizinische Sachverhalt bezüglich psychischer Beeinträchtigungen dahingehend fest, dass einzig der Hausarzt eine entspre
chende (Verdachts-) Diagnose gestellt hat und dass die von ihm geforderte
gutachterliche Abklärung ergeben hat, dass keine psychiatrische Diagnose zu stellen war.
3.2
Nicht abzustellen war aus im Urteil ausgeführten Gründen auf die Beurteilung, die der offenbar behandelnde
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, im August 2008 erstattet hatte (
Urk.
6/70 S. 8 E. 4.5).
4.
4.1
Dr.
Y._
(vorstehend E. 3.2)
nannte in seinem Bericht
vom 1
8.
Mai 2013 (
Urk.
6/831-4)
folgende Diagnosen (S. 4):
depressive Entwicklung nach Unfallgeschehen 2004 mit teilweiser
Konver
sionssymptomatik
chronifizierte
, rezidivierende leichte bis mittelgradige Depression mit Somatisierung- (Konversions-) Tendenz, zur Zeit mittelgradige Episode
Persönlichkeitsstörung vom emotional instabilen und ängstlich-vermeiden
den Typus (ICD-10 F60.3 und F60.6)
Er führte unter anderem aus, die Versicherte sei aufgrund ihres Leidens und ihrer seelischen Verletzlichkeit bei der Arbeit auf ein wohlwollendes und stress
freies Arbeitsklima, wie es in der jetzigen geschützten Situation vorhanden sei, angewiesen. Die Arbeitsunfähigkeit in der freien Wirtschaft betrage seit min
destens Ende 2010 aus ärztlich-psychiatrischer Sicht 80
%
(S. 4 unten).
4.2
Die leitende Oberärztin Rheumatologie der
Klinik Z._
führte in ihrem Bericht vom
27. April 2013 (Urk. 6/84)
unter anderem aus, die Beschwerdefüh
rerin werde dort seit dem 2
0.
November 2008 ambulant behandelt (
Ziff.
1.2); im Januar 2013 habe sie zur Implantation einer Hüftprothese stationär in der
Klinik Z._
geweilt (
Ziff.
1.3).
Die Ärztin nannte folgende, hier gekürzt angeführte Diagnosen (
Ziff.
1.1):
femoroacetabuläres
Impingement
links
chronische
Zervikobrachialgie
beidseits, rechtsbetont
Status nach
cervicocephalem
Beschleunigungstrauma 2004
...
Status nach zervikaler Mikrodiskektomie C5/6, Entfernung der
Osteo
phyten
und der Spondylose, Cage-
Spondylodese
C5/6 bei C6-Radi
kulpathie rechts 2
1.
August 2
009
...
chronische Kopfschmerzen, betont
okzipito
-parietal, Differentialdiagnose (DD) im Rahmen von
cervicospondylogener
Schmerzkomponente
...
aktuell gebessert unter Pharmakotherapie
chronische Bursitis
subacromialis
beidseits
Polyarthralgien
Status nach Hüft-TP links 1
6.
Januar 2013
Sie führte unter anderem aus, aufgrund der aktuellen Hüftgelenksproblematik sei für die zuletzt ausgeführte Arbeitstätigkeit als Bistroarbeiterin eine Arbeits
unfähigkeit von 100
%
vom 15. April bis 15. Mai 2013 attestiert worden. Es bestehe eine seit längerem ausgeübte 50%ige Arbeitstätigkeit in einem Projekt der Wohngemeinde mit hauptsächlich leichter wechselbelastender
Arbeitstätig
keit
(
Chauffeuse
; Mitarbeit in Küche und Büro, insbesondere organisatorischer und administrativer Art). Sie erachte aus näher dargelegten Gründen eine Stei
gerung der Arbeitstätigkeit in dieser Funktion als unrealistisch.
Die bereits aus
geübte Tätigkeit als Bistromitarbeiterin erachte sie als der Patientin zu 50
%
zumutbar, dies ohne längerdauernde Überkopfarbeiten, ohne Heben und Tragen von Lasten > 5 kg, ohne Zwangshaltungen des Nackens in
vornübergeneigter
Stellung (
Ziff.
1.6).
4.3
Die Oberärztin Neurologie der
Klinik Z._
nannte in ihrem Bericht vom
22. August 2013 (Urk. 6/89)
folgende, hier gekürzt angeführte
Diagnosen (S. 1):
Exazerbation eines chronischen
zervikozephalen
zervikobrachialen
Schmerzsyndroms
chronische
okzipito
parietale
Kopfschmerzen
Polyarthralgien
Weiter führte sie unter anderem aus, anamnestisch sei es bei dieser Patientin nach vermehrter körperlicher Tätigkeit seit einigen Wochen zu einer Exazerba
tion eines
zervikozephalen
,
zervikobrachialen
rechtsseitigen Schmerzsyndroms gekommen. Dieses sei sicherlich multifaktoriell bedingt. Therapeutisch habe sie mit der Beschwerdeführerin ein Aufgebot für eine Wurzelinfiltration C7 rechts und eine Facettengelenksinfiltration C6/7 vereinbart (S. 3 unten).
4.4
Am 2
8.
März 2014 wurde die Beschwerdeführerin in der
Klinik Z._
,
Wir
belsäulenchirurgie
und Neurochirurgie
, operiert. Im Operationsbericht vom 3
1.
März 2014 (
Urk.
6/99/3-4) wurden als Diagnosen eine
foraminale
Dis
kushernie
C6/7 rechts mit
Zervikobrachialgie
C7 rechts und ein Status nach ventraler Mikrodis
kektomie C5/6 2009 genannt. Es wurde
eine ventrale
Dis
kektomie
C6/7 und Entfernung der
foraminalen
Diskushernie rechts mit Cage-
Spondylodese
und ventraler Titanplatte C6/7
vorgenommen
(S. 1 Mitte). Gemäss Austrittsbericht vom
1.
April 2014 (
Urk.
6/99/1-2)
war der postoperative Verlauf aus neurochirurgischer Sicht unkompliziert; die Patientin habe ohne neue senso
motorische Defizite mobilisiert werden können (S. 1 unten). Die postope
rativen radiologischen Kontrollen hätten einen regelrechten Sitz der
Material
implantate
gezeigt (S. 1 f.). Es wurde eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bis zur ersten Nachkontrolle nach Wochen attestiert (S. 2 Mitte).
4.5
4.5.1
Dr.
med. und
Dr.
sc. nat. ETH
A._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin sowie für Rheumatologie, erstattete am
20. September 2014
ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin
(Urk. 6/108
/1-121
)
.
Sie stützte sich auf
die ihr überlassenen (S. 5 ff.) und von ihr
zusätzlich eingehol
te
n
(
Urk.
6/108/133-274)
Akten,
darunter Bildgebung unter anderem vom 2
1.
Februar 2014 (
Urk.
6/108/258), 2
1.
Mai 2014 (
Urk.
6/108/135), 1
8.
August 2014 (
Urk.
6/108/234-235 S. 2 Mitte) und 2
2.
August 2014 (
Urk.
6/108/261)
, die Angaben der Beschwerdeführerin (S. 103 ff.), die von ihr am 2
5.
August 2014 erhobenen Befunde (S. 106 ff.) sowie von ihr veranlasste Laboruntersuchungen (S. 111 f.)
,
darunter Bildgebung vom
3.
Dezember 2008 (
Urk.
6/108/259), 2
6.
September 2011 (
Urk.
6/108/257),
9.
August 2013 (
Urk.
6/108/260)
.
4.5.2
Zur Anamnese führte die Gutachterin unter anderem aus, sie entspreche den
(
auf Seite 5
bis
102
)
detailliert aufgeführten Berichten (S. 103
Ziff.
7.1).
Zum jetzigen Leiden führte die Gutachterin aus, die Explorandin sei mit dem Auto gekommen. Sie gebe an, sie habe heute wie meistens ein wenig Schmerzen im Nacken mit Ausstrahlung in beide Arme etwa bis zum Ellbogen. Meist spüre sie Schmerzen im Kopf und im Nacken, die in beide Arme bis zu den Händen ausstrahlten, rechts mehr als links. Oft fielen ihr wegen Schmerzen und Kraft
losigkeit Gegenstände aus den Händen. Im rechten Daumen und im rechten Oberarm sei das Gefühl vermindert. Dagegen habe sie nach der Hüftoperation kaum mehr Beschwerden im Bereich der linken Hüfte (S. 103
Ziff.
7.2).
Die Gutachterin führte ferner aus, die Beschwerdeführerin arbeite aktuell an drei Tagen pro Woche während jeweils vier Stunden in einem
Arbeitsintegrations
projekt
. Sie mache vor allem Fahrdienste; sie hole morgens das Brot für den
Znüni
und transportiere Personen und Gegenstände für das Projekt. Es stünden zwei Autos zur Verfügung; die Explorandin fahre beide bis zu einer halben Stunde lang (S. 104 oben).
Im Rahmen der Befunderhebung hielt die Gutachterin ihre Feststellung
en
betref
fend Gang, Form und Beweglichkeit der Wirbelsäule, Schulter- und Ellbo
gengelenk, Handgelenk, Daumen und Finger
,
weitere die Hände betreffenden Befunde
, Hüftgelenk, Knie, Füsse und Muskulatur
fest (S. 107 f
f.
Ziff.
8.2).
Nebst den als normal konstatierten Befunden hielt sie zur Wirbelsäulen-Form ein
e
Hypokyphose fest, zur HWS-Beweglichkeit, dass sie sich bei Ablenkung deutlich
verbessere (Diskrepanz), sowie, dass der Kinn-Sternum-Abstand nicht prüfbar sei (S. 107). Ferner betrug die Handkraft rechts nur rund 77
%
des
Normalbe
fundes
, diejenige links rund 103
%
(S. 108).
4.5.3
Die Gutachterin nannte die folgenden
, hier leicht gekürzt angeführten
rheuma
tologischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 113
Ziff.
9.1):
v
erminderte Belastbarkeit und Beschwerden der
Halswirbelsäule (
HWS
)
mit
Status nach zwei HWS-Operationen wegen einem
cervicoradikulären
Syndrom C6 rechts bei degenerativen Veränderungen mit
Osteo
chondrose
und
Foramenstenose
C5/6 beidseits mit
2
1.
August 2009: Mikrodiskektomie C5/6 mit Cage-
Spondylodese
und
2
8.
März 2014: Mikrodiskektomie C6/7 mit Cage-
Spondylodese
C6/7
mit guter Lage der Implantate ohne Lockerungszeichen, Röntgen Juni 2014 bei
Foraminalstenosen
vor allem C4/5 rechts mehr als links, MRI August 2014
unklare Polyarthralgien seit Jahren
DD: Hypothyreose mit stark erhöhten TSH-Werten seit Februar 2011 bisher ohne Substitution
DD: fragliche atypische milde nicht-
erosive
rheumatoide Arthritis (
Erst
diagnose
April 2012)
bisher ohne Nachweis von
Synovitiden
bisher ohne Nachweis erhöhter ANA,
Anticitrullin
-Antikörper oder Rheumafaktor mit
Einsatz verschiedener Basismittel mit jeweils nur geringer Wirkung (
Methotrexat
2011-2013,
Leflunomid
2013,
Salazopyrin
bezie
hungsweise
Plaquenil
2014)
aktuell ohne Basistherapie mit
chronischer lateraler
Epicondylopathie
rechts (MRI August 2014)
verminderte Belastbarkeit und Beschwerden des linken Hüftgelenks bei
Coxarthrose
und
Status nach Implantation einer Hüft-Totalprothese links am 1
6.
Januar
2013 mit
gutem Sitz der Implantate (Röntgen Februar 2013)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte die Gutachte
rin (S. 113
Ziff.
9.2)
Nikotin-Abusus
Cannabis-Konsum
Hypercholesterinämie
diskrete Anämie
kleine Partialruptur im Sehnenintervall der
Subscapularis
/
Supraspinatus
-Sehne rechts mit sonst unauffälliger
Rotatorenmanschette
und unauffäl
ligem AC-Gelenk ohne Bursitis (Sonographie Mai 2014)
Status nach HWS-Distorsion am 2
9.
August 2004
4.
5.4
In ihrer Beurteilung führte die Gutachterin unter anderem aus, bei der Beschwer
deführerin bestünden strukturelle Veränderungen im Bereich der HWS und des linken Hüftgelenks sowie Polyarthralgien, die ihre Leistungsfähigkeit einschränkten. Sie könne jedoch eine angepasste Tätigkeit zu 100 % ausüben, bezogen auf ein Pensum von 100 % (S. 115 Mitte).
Wegen der
handbetonten Polyarthralgien könne die Beschwerdeführerin nur Lasten bis 10 kg hantieren (leichtes Belastungsniveau). Ungünstig seien für sie Tätigkeiten, welche die Hände stark repetitiv belasteten. Sie könne eine diesem Profil entsprechende Tätigkeit zu 100
%
bezogen auf ein Pensum von 100
%
ausüben. Die angestammte Tätigkeit als Medikamentenlieferantin für Ärzte sei angepasst, da diese Medikamentenlieferungen leicht seien und in kleinen Kisten abgepackt würden. Auch die Tätigkeiten als Sekretärin / Assistentin einer
Medi
enforschungsfirma
beziehungsweise als Verkäuferin von Kosmetika oder als
Nailstylistin
seien geeignet; sie könne diese Tätigkeiten zu 100
%
bezogen auf ein Pensum von 100
%
ausüben (S. 118).
Dagegen seien die angestammten Tätigkeiten im Gastronomiebereich, als
Lager
mitarbeiterin
oder als
Coiffeuse
nicht geeignet, weil sie hauptsächlich stehend / gehend stattfänden, zu hohe Lasten erforderten oder eine zu hohe
Handbelas
tung
aufwiesen (S. 118 unten).
Nic
ht angepasste Tätigkeiten habe d
ie
Beschwerdeführerin
ab August 2009 nicht mehr ausüben können (erste HWS-Operation am 2
1.
August 2009). In einer angepassten Tätigkeit habe nie eine lang andauernde Arbeitsunfähigkeit bestanden. Nach der zweiten HWS-Operation am 28. März 2014 habe die Explorandin eine angepasste Tätigkeit ab
7.
August 2014 wieder zu 30 % auf
nehmen können, mit Steigerung auf 100 % spätestens innert dreier Monate (S.
119
Ziff.
11.2).
4.5.5
In therapeutischer Hinsicht führte die Gutachterin aus, wie die Blutunter
suchung gezeigt habe, habe die Explorandin bei der Untersuchung keine Schmerzmittel verwendet; ihre medikamentöse Schmerztherapie habe daher ein grosses Optimierungspotential. Die Hypothyreose sollte mit einer
Hormonthera
pie
behandelt werden. Rauchen schade ihrer Gesundheit (S. 120
Ziff.
12.1).
Die berufliche Eingliederung könne ab sofort auf übliche Art erfolgen (S.
120
Ziff.
12.2
).
Zur Prognose führte sie aus, es sei zu erwarten, dass die Einschränkungen durch die strukturellen Veränderungen im Bereich der HWS und dem linken Hüftge
lenk unverändert blieben. Dagegen sei zu erwarten, dass die adäquate Behand
lung der Hypothyreose die Beschwerden deutlich bessern werde, insbesondere die Polyarthralgien und die Müdigkeit. Dadurch könne die Explorandin mög
licherweise in einigen Monaten auch Tätigkeiten ausüben, die aktuell noch nicht angepasst seien (S.
120
Ziff.
12.3
).
4.6
Dr.
med.
B._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 1
0.
Oktober 2014 ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6/110
/1-11
). Er stützte sich auf die ihm überlassenen Akten (S. 2 ff.) und die anlässlich der Untersuchung vom 2
5.
September 2014 von der Beschwerde
führerin gemachten Angaben (
S. 4 ff.) und von ihm erhobenen Befunde (S. 7 f.).
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er keine (S. 8
Ziff.
5.1). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er (S.
8
Ziff.
5.2):
Anpassungsstörung mit Sorgen, Anspannungen, Zukunftsängsten und Stimmungseinbrüchen (ICD-10 F43.23)
schädlicher Cannabisgebrauch (ICD-10 F12.1)
schädlicher Nikotingebrauch (ICD-10 F17.1)
Zustand nach Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21)
In seiner Beurteilung führte der Gutachter unter anderem aus, die Explorandin habe während der Untersuchung ganz unauffällige Gedächtnisfunktionen, Merkfähigkeit, Auffassungsvermögen, Konzentrationsfähigkeit, Antrieb und Psychomotorik aufgewiesen, womit ihr trotz der gestellten Diagnose einer Anpassungsstörung keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatri
scher Sicht attestiert werden könne (S. 9 f.). Gegen die Einschränkung sprächen auch die regelmässige Tätigkeit im Gemeindeprogramm, die erhaltenen sozialen Kontakte und unter anderem auch die Fahrtauglichkeit. Die im Mini-ICF-APP festgestellte leichte bis mittelschwere Beeinträchtigung der Flexibilität und Durchhaltefähigkeit aufgrund der anamnestischen Angaben seien damit nicht auf psychische Probleme mit Krankheitswert zurückzuführen (S. 10 oben).
4.7
Dr.
A._
und
Dr.
B._
führten in ihrer interdisziplinären Zusammenfas
sung und Beurteilung (
Urk.
6/110/11-14) die bereits genannten Diagnosen an, ebenso die Angaben zur Arbeitsfähigkeit
, Therapie, beruflicher Eingliederung und Prognose
.
Ferner führten sie aus, die Explorandin fühle sich ausschliesslich wegen ihrer Schmerzen arbeitsunfähig. Objektiv könne ihr gegenwärtig aus rheumatologi
scher Sicht eine 30%ige Arbeitsfähigkeit mit Ausbau auf 100
%
innerhalb von drei Monaten für den körperlichen Leiden adaptierte Tätigkeiten
attestiert wer
den. Aus psychiatrischer Sicht könne der Explorandin objektiv keine Einschrän
kung attest
iert werden (S. 14
Ziff.
9.5).
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin erhob gegenüber dem Gutachten von
Dr.
A._
ver
schiedene Einwände, aus denen sie schloss, dass Gutachten erfülle die
praxis
mässen
Kriterien (vorstehend E. 1.4) nicht (
Urk.
1 S. 3 f.
Ziff.
3.1-3.7).
Verlangt wird unter anderem, dass ein Gutachten „
in Kenntnis der Vorakten (Anam
nese)
“ abgegeben wurde. Dies ist beim vorliegenden Gutachten ange
sichts der annähernd 100 Seiten umfassenden Wiedergabe der Vorakten offen
sich
tlich der Fall; dass die Krankengeschichte nicht auch noch als Schilderung der Beschwerdeführerin wiedergegeben wurde, stellt vor diesem Hintergrund
- entgegen dem Kritikpunkt in der Beschwerde (
Ziff.
3.1) - keinen Mangel dar.
Zur Erhebung des Tagesablaufs bezog sich die Gutachterin auf die vier der Begut
achtung vorangegangenen Tage, was als „zweifellos nicht repräsentativ“ gerügt wurde (
Ziff.
3.2). Dem kann insofern nicht gefolgt werden, als
Anhalts
punkte dafür, dass die getroffenen Feststellungen unzutreffend oder unvollstän
dig sein sollten, weder
bestehen noch insbesondere geltend gemacht wurden.
An der rheumatologischen Befunderhebung wurde bemängelt, dass
bei der
Beweg
lichkeitsprüfung
quantitative Angaben und solche zur „Qualität der Bewegung und ihres Stopps“ fehlten (
Ziff.
3.3). Nachdem die meisten erhobenen Befunde den zugehörigen - und angegebenen - Normalbefunden entsprachen, ist nicht einsichtig, welcher zusätzlicher Angaben es hier bedurft hätte. Ob Angaben zu einer allfälligen Schmerzhaftigkeit und zur Sensibilität „in der Dis
kussion über ein
zervikoradikuläres
Syndrom ... unabdingbar“ (
Ziff.
3.3) seien, ist vorab eine medizinische Frag
e
, die zu entscheiden in die Fachkompetenz der gutachtenden Person fällt.
Vergleichbares gilt für das angebliche Fehlen von Aussagen über die Beschaffen
heit und
Schmerzhaftigkeit der
myofaszialen
Strukturen und beo
bachtete funktionelle Einschränkungen (
Ziff.
3.4). Wie die Beschwerde
führerin selber einräumt, wurden beobachtbare Einschränkungen sehr wohl im Gutach
ten erwähnt
(vorstehend E. 4.5
.2).
Die Rüge, es sei keine aktuelle Bildgebung durchgeführt worden (
Ziff.
3.5)
,
geht am Umstand vorbei, dass der Gutachterin durchaus aktuelle bildgebende Befunde vorlagen (vorstehend E. 4.3.1), darunter ein wenige Tage vor der Begutachtung erstelltes MRI
der Halswirbelsäule (
Urk.
6/108/261).
Sodann
wurde gerügt, im Gutachten werde nicht detailliert darauf eingegangen, inwieweit strukturelle Veränderungen insbesondere der HWS und der linken Hüfte „prognostische Aussagen“ enthielten (
Ziff.
3.6). Diesem Einwand ist, soweit er sich nachvollziehen lässt, entgegenzuhalten, dass
in der Beurteilung nicht nur ausgeführt wurde, welche Einschränkungen sich aus den
Polyarthral
gien
ergeben, sondern auch, welche Tätigkeiten aus Gründen, die der HWS- und Hüftproblematik zuzuordnen sind, nicht geeignet sind (vorstehend E.
4.5.4); ebenso äusserte sich die Gutachterin diesbezüglich zur Prognose (vorstehend E.
4.5.5).
Schliesslich wurde bemängelt, es fehlten Angaben zur Frage nach konkreten beruflichen Massnahmen und rehabilitativen Massnahmen (
Ziff.
3.7).
E
inerseits
ist dies
unzutreffend, indem sehr wohl Aussagen zu Therapie und Eingliederung gemacht wurden (vorstehend E. 4.5.5), andererseits ist die Frage, welche berufli
chen Massnahmen im Hinblick auf das erarbeitete Belastungsprofil angezeigt sein könnten, nicht im medizinischen Gutachten zu beantworten.
5
.2
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die beschwerdeweise gegenüber dem Gutachten von
Dr.
A._
erhobenen Einwände nicht stichhaltig sind. Dies führt, nachdem auch keine anderen Mängel ersichtlich sind, zum Schluss, dass das Gutachten die entsprechenden Kriterien erfüllt und dass somit darauf abzu
stellen ist.
5
.3
Gegenüber dem psychiatrischen Gutachten wurden keine Einwände erhoben. Nachdem auch diesbezüglich keine Mängel ersichtlich sind, ist auch darauf abzustellen.
Dagegen vermag die Beurteilung durch
Dr.
Y._
- wie schon im Urteil von 2010 (vorstehend E. 3.2) - nicht aufzukommen, attestierte er doch eine Arbeitsfähigkeit von lediglich 20
%
(vorstehend E. 4.1), was angesichts der rund 30
%
entsprechenden im Integrationsprojekt effektiv geleisteten 12
Wochen
stunden (vorstehend E. 4.5.2) nicht überzeugt.
5
.4
Gemäss den genannten Gutachten ist die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführe
rin aus psychiatrischer Sicht nicht relevant eingeschränkt
(vorstehend E. 4.6)
; in somatischer Hinsicht besteht eine
in einem Zeithorizont von drei Monaten rea
lisierbare volle Arbeitsfähigkeit für Tätigkeiten, die dem gutachterlichen
Anfor
derungsprofil
entsprechen (vorstehend E. 4.7).
5.5
Im Vergleich zum Gesundheitszustand, welcher der Befristung der früheren
Ren
tenzusprache
bis September 2006 zugrunde lag, ist es klinisch und diagnos
tisch zu Veränderungen gekommen. Im damaligen Zeitpunkt waren einzig Folgen des 2004 erlittenen Auffahrunfalls
festzustellen; seither wurden zwei HWS-Operationen (2009 und 2014) und eine Hüftprothesenoperation (2013) durch
geführt sowie 2011 eine Hypothyreose und 2012 eine fragliche Arthritis diag
nostiziert und von 2011 bis 2014 behandelt (vorstehend E. 4.5.3).
Grundsätzlich ist somit ein Revisionsgrund (vorstehend E. 1.3) gegeben und die erfolgte erneute Anspruchsprüfung gerechtfertigt.
5.6
Letztlich massgebend ist jedoch, wie sich die festgestellten gesundheitlichen Einschränkungen auf die Erwerbsfähigkeit auswirken (vorstehend E. 1.1). Im Vergleichszeitpunkt (Verfügung vom Juni 2008 mit Befristung bis September 2006) bestand für adaptierte Tätigkeiten in somatischer wie in psychiatrischer Hinsicht eine volle Arbeitsfähigkeit (vorstehend E. 3.1). Im aktuellen
Verfü
gungszeitpunkt
war ebenfalls von einer vollen Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit aus rheumatologischer wie psychiatrischer Hinsicht auszugehen (vor
stehend E. 5.4).
Damit verhält es sich mit der Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit im Zeit
punkt der hier zu beurteilenden Verfügung gleich wie im Zeitpunkt der Verfü
gung vom Juni 200
8.
Bei gleich zu bemessener Arbeitsfähigkeit resultiert der gleiche Invaliditätsgrad, womit unverändert kein Rentenanspruch besteht.
5.7
Somit erweist sich, zusammenfassend, die angefochtene Verfügung als rechtens, und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.