Decision ID: 11ccda9e-90ad-41e6-b11b-ba4ca0d7b578
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1948, leidet seit 1991 an den Folgen einer
Hirn
schädigung
(
starke Sehbehinderung und motorische Defizite
,
Urk.
8/
154/2
)
, weswegen ihm seitens der Invalidenversicherung verschiedene Leistungen zuge
sprochen wurden. Unter anderem sprach ihm die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Verfügung vom
2.
Juni 1993 (
Urk.
8/24/1) mit Wirkung ab Mai 1992 eine Hilfslosenentschädigung
für eine leichte Hilflosigkeit
zu.
Daneben gewährte sie ihm ab Mai 1992 eine ganze Invalidenrente (Urk. 8/27-28).
1.2
Auf Begehren des Versicherten vom 2
0.
Dezember 2011 (
Urk.
8/131) leitete die IV-Stelle ein Revisionsverfahren ein.
Im Fragebogen Revision der
Hilflosenent
schädigung
gab der Versicherte am 14.
Januar 2012 an, sein Gesundheitszu
stand habe sich seit 2007 verschlechtert (
Urk.
8/133
Ziff.
1.1)
. Nach diversen Stürzen infolge seiner starken Seh- und Mobilitätsbehinderung sei ihm ein Auf
enthalt ausser Haus seit 2007 nur noch im Rollstuhl beziehungsweise in einzel
nen Fällen mit Rollator und nur in Begleitung der Ehefrau oder einer
Drittper
son
möglich (
Ziff.
1.2).
Er bedürfe Hilfe beim An- und Auskleiden,
beim Essen, teilweise in der Kö
rperpflege, in der Fortbewegung, bei der
Pflege gesellschaftli
cher Kontakte
und sei tagsüber auf andauernde Pflege angewiesen (
Ziff.
2.1 und 2.2). Aufgrund seiner gesundheitlichen Beeinträchtigung sei er dauernd und regelmässig auf eine lebenspraktische Begleitung angewiesen (
Ziff.
3).
1.3
Die IV-Stelle holte in der Folge
einen Arztbericht ein (
Urk.
8/136) und veran
lasste eine Abklärung beim Versicherten zu Hause, welche am 13. September 2012 durchgeführt wurde (Bericht vom 1
7.
Oktober 2012; Urk. 8/150). Am 1
7.
Oktober 2012 erliess die IV-Stelle einen Vorbescheid, gegen welchen der
Ver
si
cherte am 2
5.
Oktober
und 2
6.
November 2012
Einwände erhob
(
Urk.
8/151
und
Urk.
8/155
) und Arztberichte (
Urk.
8/154) ein
reichte
. Mit Ver
fügung vom
1
1.
Dezember 2012 (
Urk.
2)
verneinte die IV
Stelle
den Anspruch auf
eine Erhöhung der
Hilflosenentschädigung
.
2.
Gegen die Verfügung vom 1
1.
Dezember 2012 (
Urk.
2) erhob der Versicherte am 2
1.
Januar 2013 Beschwerde mit den Anträgen, diese sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zu gewähren, insbesondere sei die Beschwerdegegnerin unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu verpflichten, ihm eine
Hilfenlosenentschädigung
mittleren Grades ab Dezember 2011 auszu
richten.
Mit Beschwerdeantwort vom 2
2.
Februar 2013 (
Urk.
7) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 2
6.
Februar 2013 (
Urk.
9) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
haben Versicherte mit
Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch au
f eine
Hilflo
senentschädigung
.
Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gil
t eine Person, die wegen einer
Beeinträchtigung der Gesundheit für alltäglic
he Lebensverrichtungen dauernd
der Hilfe Dritter oder der persönlichen Übe
rwa
chung bedarf (
Art.
9 ATSG).
Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hin
we
isen) sind die folgenden sechs
alltäglichen Lebensverrichtungen massge
bend:
·
Ankleiden, Auskleiden;
·
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
·
Essen;
·
Körperpflege;
·
Verrichtung der Notdurft;
·
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme (BGE 127 V 94 E.
3c,
125 V 297 E. 4a)
.
Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche
zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf
lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV).
1.2
Gemäss
Art.
42
Abs.
2 IVG ist zwischen schwerer, mittelschwerer und leichter Hilflosigkeit zu unterscheiden.
Nach
Art.
37
Abs.
2
IVV
g
ilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die versi
cherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtun
gen regelmässig in erheblicher
Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; oder
c.
in mindestens zwei alltäglichen Lebe
nsverrichtungen regelmässig in
erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf
lebens
praktische
Begleitung im Sinne von Artikel 38 angewiesen ist.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades nach
Art.
37
Abs.
2
lit
. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen
Lebens
verrichtungen
voraus (BGE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E. 2).
1.3
Nach
Art.
38
Abs.
1 IVV liegt ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sinne von
Art.
42
Abs.
3 IVG vor, wenn eine volljährige, versicherte Person aus
serhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit:
a.
ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen kann;
b.
für Verrichtungen und Kontakte ausserh
alb der Wohnung auf Begleitung
einer Drittperson angewiesen ist; oder
c.
ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.
Ist lediglich die psychische Gesundheit beeinträchtigt, so muss für die Annahme einer Hilflosigkeit gleichzeitig ein Anspruch auf mindestens eine
Viertelsrente
bestehen (
Art.
38
Abs.
2 IVV).
Zu berücksichtigen ist nur diejenige lebenspraktische Begleitung, die regelmäs
sig und im Zusammenhang mit den in Absatz 1 erwähnten Situationen erfor
derlich ist. Nicht darunter fallen insbesondere Vertretungs- und
Verwaltungstä
tigkeiten
im Rahmen
vormundschaftlicher Massnahmen nach Art.
398-419 des Zivilgesetzbuches
(
Art.
38
Abs.
3 IVV).
1.4
Gemäss
Rz
8040 des
Kreisschreiben
s
des Bundesamtes für Sozialversicherung
en
über Invalidität und Hilflosigkeit (KSIH) ist es das Ziel der lebenspraktischen Begleitung, zu verhindern, dass Personen schwer verwahrlosen und/oder in ein Heim oder eine K
linik eingewiesen werden müssen
.
Der Anspruch auf Berücksichtigung des Bedarfs an lebenspraktischer Begleitung ist nicht auf Menschen mit Beeinträchtigung der psychischen oder geistigen Gesundheit beschränkt. Es ist durchaus möglich, dass auch andere Behinderte einen Bedarf an lebenspraktischer Begleitung geltend machen können. Zu den
ken ist insbesondere an hirnverletzte Menschen (BGE 133 V 450 E. 2.2.3).
Unerheblich ist, in welcher Umgebung sich die versicherte Person - abgesehen davon, dass sie ausserhalb des Heims wohnen muss - aufhält und ob sie auf die Hilfe des Ehegatten, der Kinder oder der Eltern zählen kann (BGE 133 V 450 E.
2.2.3 und 5).
Als regelmässig im Sinne von
Art.
38
Abs.
3 Satz 1 IVV gilt die
lebensprak
tische
Begleitung, wenn sie über eine Periode von drei Monaten gerechnet im
Durchschnitt mindestens 2 Stunden pro Woche benötigt wird (BGE 133 V 450 E. 6.2).
Die lebenspraktische Begleitung beinhaltet weder die (direkte oder indirekte) Dritthilfe bei den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen noch die Pflege noch die Überwachung. Sie stellt vielmehr ein zusätzliches und eigenständiges Insti
tut der Hilfe dar (BGE 133 V 450 E. 9).
Das Gesetz macht den Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
nicht davon abhän
gig, ob die lebenspraktische Begleitung kostenlos erfolgt oder nicht (BGE 133 V 472 E. 5.3.2).
1.
5
Die
Notwendigkeit
lebenspraktische
r
Begleitung
ist unter anderem dann gege
ben, wenn sie das
selbständige Wohnen (
Art.
38
Abs.
1
lit
. a IVV)
insoweit ermöglicht
, damit der Alltag selbständig bewältigt werden kann. Sie liegt vor, wenn die betroffene Person auf Hilfe bei mindestens einer der folgenden Tätig
keiten angewiesen ist: Hilfe bei der Tagesstrukturierung, Unterstützung bei der Bewältigung von Alltagssituationen (zum Beispiel nachbarschaftliche Probleme, Fragen der Gesundheit, Ernährung und Hygiene, einfache administrative Tätig
keiten etc.) oder Hil
fe bei der Anleitung zur Erledi
gung des Haushalts sowie Überwachung/Kontrolle (
[KSIH]
Rz
8050
).
Im Rahmen der lebenspraktischen Begleitung nach
Art.
38
Abs.
1
lit
. a IVV ist neben der indirekten auch die direkte Dritthilfe zu berücksichtigen. Demnach kann die Begleitperson die notwendigerweise anfallenden Tätigkeiten auch sel
ber ausführen, wenn die versicherte Person dazu gesundheitsbedingt trotz Anleitung oder Überwachung/Kontrolle nicht in der Lage ist (BGE 133 V 450 E.
10.2).
1.
6
Bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Bemessung der Hilflosigkeit ist eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen ärztlicher Fachperson und Verwaltung erforderlich. Erstere hat anzugeben, inwiefern die versicherte Per
son in ihren körperlichen bzw. geistigen Funktionen durch das Leiden einge
schränkt ist. Der Versicherungsträger kann an Ort und Stelle weitere Abklärun
gen vornehmen. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rück
fragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwen
dig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie den tatbestandsmässigen Erfordernissen der dauernden persönlichen Überwachung und der Pflege (
Art.
37 IVV) gemäss sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an
Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am kon
kreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (BGE 130 V 61 ff. E. 6.1.1 und 6.2; AHI 2000 S. 319 f. E. 2b).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Hilflo
sen
entschädigung
mittleren Grades hat.
2.2
Die Beschwerdegegnerin ging in ihrer Verfügung vom 11. Dezember 2012 (Urk. 2) davon aus, dass der Beschwerdeführer in drei Lebensverrichtungen (An
/Auskleiden, Essen und Fortbewegung) regelmässig und erheblich
auf Hilfe angewiesen
sei
, hingegen weder im Bereich „Körperpflege“ regelmässig
e
r
und erheblich
er
Unterstützung
bedürfe
noch
lebenspraktische Begleitung
benötige
. Damit
bestehe
weiterhin ein Anspruch auf eine
Hilflosenen
t
schädigung
für leichte
Hilflosigkeit
. Dabei stützte sie sich im Wesentlichen auf ihre eigenen Abklärungen vom 1
3.
September 20
1
2 (
Urk.
8/150).
2.3
Der Beschwerdeführer wandte in seiner Beschwerde vom 2
1.
Januar 2013 (Urk. 1) ein, dass er aufgrund der massiven Verschlechterung seiner gesundheit
lichen Situation in den
vergangenen
Jahren
nunmehr
in den meisten
Lebens
verrichtungen
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen sei
(S. 5).
Er sei in den Bereichen „Fortbewegung“, „Pflege gesellschaftlicher Kontakte“, „Essen“ und „An-/Auskleiden“ und nunmehr auch im Bereich „Kör
perpflege“ hilf
e
bedürftig
(S. 9). Überdies
benötige
er lebenspraktische Beglei
tung
.
Somit habe er einen
Anspruch auf eine Hilfslos
en
entschädigung mittleren Grades
(S. 11).
3.
3.1
U
nbestritten ist, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit 1992 verändert
hat
, was von der Beschwerdegegnerin auch nicht in Abrede gestellt
wurde
.
Dass sich die gesundheitliche Situation verschlechterte
,
geht
aus den medizinischen Akten zweifelsfrei
hervor
. So
etwa
aus
dem Bericht von
Dr.
med.
Y._
, Chefarzt Physikalische Medizin und Rheumatologie der
Z._
, vom 1
6.
November 2012 (Urk. 8/154/2)
,
wonach sich der Zustand des Beschwerdeführers seit 2007 progredient verschlechtert habe (S. 2)
.
Weiter ist a
ufgrund der Abklärungsergebnisse
der Beschwerdegegnerin vom 13. September 2012
unbestritten, dass
beim Beschwerdeführer
eine leichte Hilflosigkeit besteht
und er
bei den alltäglichen Lebensverrichtungen „Anklei
den
/
Auskleiden“, „
Essen“, „Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher
Kontakt
e“
auf fremde Hilfe angewiesen ist und zudem dauernder medizinisch-pflegerischer Hilfe bedarf (Abklärungsbericht vom
1
7.
Oktober 2012, Urk. 8/150/6
).
3.2
Hingegen ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer auch im Bereich „Körper
pflege“ hilfsbedürftig ist beziehungsweise
ob
er dauernd und regelmässig
einer lebenspraktischen Begleitung bedarf.
4.
4.1
Dr. med.
A._
, FMH Innere Medizin, nannte in seinem Bericht vom 20. Januar 2012 (
Urk.
8/136) folgende Diagnosen:
Lendenwirbelkörper (LWK) 2 Fraktur
Status nach
Spondylodese
L3-5 nach LWK 4 Fraktur
Femurkopfnekrose
rechts
nach
Acetabulumfraktur
und unterer
Scham
bein
ast
fraktur
Spa
s
tische
Tetraparese
mit Ataxie und zentraler Sehstörung nach Status
asthmaticus
mit Reanimation
Osteoporose, eventuell Hypertonie (
Ziff.
2)
Im
Beiblatt zu
m
Arztbericht
führte
er
am
1.
Februar 2012 (
Urk.
8/139) aus, dass sein Patient seit September 2007 in der Körperpflege (Waschen, Kämmen, Rasieren, Baden/Duschen) der regelmässigen und erheblichen Hilfe bed
ü
rf
e
(
Ziff.
4).
Ebenfalls seit September 2007 bedürfe er Hilfe, die das selbständige Wohnen ermögliche, eine Begleitung bei Erledigungen und Kontakten aus
serhalb der Wohnung sowie die regelmässige Anwesenheit einer Drittperson zur Verhinderung einer dauernden Isolation von der Aussenwelt (
Ziff.
9).
4.2
Im Abklärungsbericht vom 1
7.
Oktober 2012 (
Urk.
8/150) wurde hinsichtlich der strittigen Punkte
, namentlich
Körperpflege und lebenspraktische Begleitung
,
F
olgendes ausgeführt:
Der Bereich
„
Körperpflege
“
sei nicht anzurechnen, da de
r Beschwerdeführer selb
ständig in die
Badewanne
ein- und aussteigen
sowie
sich selber duschen
könne
(einseifen, abspülen, Haare waschen).
Zwar richte ihm s
eine Frau zuvor die Dusche entsprechend her (Duschbrett, Duschmatte und Duschbrause) und lege Badetücher bereit
,
doch sei
ihr
dies
zuzumuten
und
daher
nicht erheblich. Dass ihm jeweils eine Drittperson die Füsse
trockne,
da
er das Gleichgewicht verlieren könnte, sei ebenfalls
unerheblich
, da er sich mit einem Hilfsmittel sel
ber behelfen könn
t
e. Das Zähneputzen könne er
mit
einer elektrischen Zahn
bürste selber erledigen. Alle drei Woche
n
gehe
er
für die Bartpflege zum Coif
feur, obschon ihm das
R
asieren mit einem elektrischen Rasiere
r
zumut
bar
sei
.
Die
Notwendigkeit
für einen
Coiffeurbesuch
sei
daher nicht
zwingend
. Alle sechs Woche besorge eine Pedicure die Nagelpflege
und di
e Fingernägel würden alle vier Woche
n
von der Kosmetiker
in oder der Ehefrau geschnitten
.
Die Fuss- und Nagelpflege sei aber nicht erheblich und regelmässig (S. 3 f.).
Überdies sei der
Beschwerdeführer aufgrund seiner gesundheitlichen Beein
trächti
gung nicht dauernd und regelmässig auf eine lebenspraktische Begleitung angewiesen, da er kognitiv keine Einschränkungen aufweise und in der Lage wäre, die Hausarbeiten zu planen und zu organisieren (S. 5).
4.3
Dr.
Y._
nannte
im Bericht vom 1
6.
November 2012 (
Urk.
8/154/1-2) zuhan
den des Beschwerdeführers folgende Diagnosen:
Chronisches
lumboradikuläres
Reizsyndrom L2 rechts
Status nach LWK 2-Fraktur 17.12.201
1
, konservativ behandelt
Status nach
Spondylodese
L3-5
posterolateral
bei L4 Fraktur 03.2011
aktuell:
Foramendekompression
L2/3 von rechts,
Luxatentfernung
,
Dis
kotomie
von rechts am 08.10.12 (
fecit
Dr.
B._
)
Status nach Implantation Hüft-TP rechts und Mobilisation des dorsalen G
l
u
t
aeus-
medius
-Anteil
s
, Resektion abgerissene
Trochanterspitze
und
transossäre
Refixation
am 21.06.12 (
fecit
Dr.
C._
) bei beginnender
Femurkopfnekrose
rechts und Status nach Trochanter
major
Abrissfrak
tur
vom 06.03.2008
Status nach
Acetabulumfraktur
und unterer Schambeinastfraktur rechts 2009, konservativ behandelt
Chronische intermittierende
Hypo
n
atriämie
DD
diuretikainduziert
Linksbetonte spastische
Tetraparese
mit Ataxie und zentraler sensori
scher Sehstörung
Status nach Kammerflimmern, zweimaliger Reanimation und konse
ku
ti
ver
hypoxämische
r
Hirnschädigung 1991
Manifeste Osteoporose
Risikofaktoren: Langzeit-Steroidtherapie, Vitamin D-Mangel,
mono
klo
nale
Gammopathie
unklarer Signifikanz
Osteoporosetherapie
: 06/2009 bis 11/2010
Fosamax
, 1/2011 bis 3/2011
Bonviva
150 mg 1x monatlich,
Forsteo
ab dem 17.4.2012
DXA 12.06.2009: T-Score Lendenwirbelsäule (LWS) -2.7 SD
Asthma bronchiale
Arterielle Hypertonie
m
edikamentös behandelt
Schwere Acetylsalicylsäure-Intoleranz
Er führte aus, dass
der Beschwerdeführer
aufgrund zunehmender
Gangunsicher
heit
und der bestehenden starken Sehbehinderung mehrmals gestü
r
zt sei
und
sich dabei teilweise erhebliche Verletzung
en
zugezogen habe
. Letztere
hätten
zu einer weiteren Verschlechterung der Mobilität geführt. Im Verlauf der
Rehabili
tationsphasen
seien rezidivierende heftigste Schmerzepisoden aufgetreten, wel
che auf die vorbestehende Rücken
-
und die Hüftproblematik zurückzuführen seien. Insbesondere im Jahr 2012 seien die beschwerdearmen Intervalle immer kürzer geworden und es seien nebst
Hospitalisationen
auch Operationen nötig
geworden
.
Im
Rahmen der Sehbehinderung, de
r
neurologischen Ausfälle und de
r
diversen orthopädisch-rheumatologischen Leiden
sei
der Beschwerdeführer
in seiner Alltagsaktivität stark eingeschränkt
, wobei sich insb
esondere
seine
Mobilität in den letzten eineinhalb Jahren deutlich verschlechtert
habe
.
Er
sei
im Alltag auf ununterbrochene Hilfe von Dritten angewiesen.
4.4
Dr.
A._
führte im Bericht vom 1
5.
November 2012 (
Urk.
8/154/4-5) aus, dass der
Beschwerdeführer
bis zum Ereignis im Jahr 2007 trotz Rindenblindheit gut mobil gewesen sei. Sehbehinderung, muskuläre Schwächen und
Koordinati
onsprobleme
hätten das
Problem der selbständigen Mobilität
verstärkt
, sodass er dauernd auf Unterstützung angewiesen sei. Früher seien Tätigkeiten im Haus
halt
noch
möglich gewesen. Heute sei dies nicht mehr der Fall
.
Der Beschwer
deführer
sei
stets
auf die Unterstützung und Begleitung seine
r
Ehefrau ange
wiesen, sei
dies auch bloss
für kleine Strecken.
5.
5.1
Hinsichtlich des Bereichs „Körperpflege“ macht
e
der Beschwerdeführer geltend,
dass
ihm
das Duschen nur unter erheblicher Mithilfe seiner Ehefrau möglich sei.
So
müsse
sie
im Vorfeld
das Duschbrett und die Rutschmatte bereitmachen, die Duschbrause richten
und die Badetücher bereit legen.
Auch könne er den
Bart
nicht selber pflegen, da die motorischen Defizite und die Sehschwäche eine ruhige Hand verhindern würden.
Eine solche brauche es
namentlich
auch
bei einem elektrischen Rasierer (
Urk.
1 S. 7 f.).
Vorliegend ist zunächst festzuhalten
, dass d
er Beschwerdeführer
beim Duschen sowie beim Ein- und Aussteigen aus der Badewanne keine Dritthilfe braucht
und er in diesen Belangen selbständig ist
.
Damit
ist er im Hauptkern des Bereichs „Körperpflege“ nicht hilfsbedürftig.
Obschon die Vorbereitungshand
lungen der Ehefrau im Sinne einer funktional
gesamtheitlichen
Betrachtungs
weise zum Duschvorgang
gezählt werden können, machen diese
jedoch
einen
bloss geringen
Teil aus
. Der Beschwerdegegnerin ist beizupflichten, wenn sie ausführte, dass es der Ehefrau zuzumuten sei
,
das Duschbrett zu installieren, die Duschmatte in die Wanne zu legen, die Brause zu richten sowie das Badetuch bereitzulegen.
Hinsichtlich des Rasierens bleibt
schliesslich zu erwähnen
, dass es dem Beschwerdeführer durchaus zumutbar ist, sich den Bart mit einem
Bart
schneider
mit Längeneinstellungen
trotz Sehschwäche
selber
zu trimmen.
Hier
für
ist
keine ruhige Hand
erforderlich
.
Als Zwischenergebnis ist daher festzu
halten, dass
der
Beschwerdeführer
im
Bereich „
Körperpflege
“
im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom
1
1.
Dezember
20
12
(
Urk.
2) nicht
in erheblicher Weise auf Hilfe angewiesen ist
.
5.2
D
ie Abklärungsperson
verneinte
, dass der Beschwerdeführer
dauernd und regel
mässig einer lebenspraktischen Begleitung
bedürfe
und begründete dies mit ihrer eigenen Beurteilung der gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers
(
Urk.
8/150 S. 5).
Der Beschwerdeführer brachte
demgegenüber
vor, er könne übliche Haushaltstätigkeiten, mithin Verrichtungen wie Kochen, Einkaufen, Wäsche waschen und Wohnungspflege, nicht mehr selber ausüben. Er könne sich lediglich mit dem Rollator in der Wohnung fortbewegen, was das Ausüben vorgenannter Arbeiten verunmögliche (
Urk.
1 S. 10).
D
ie
Dres
.
Y._
und
A._
führten
übereinstimmend aus, dass der Beschwerdeführer
seit einer gewissen Zeit
aufgrund seiner Behinderungen zunehmend schlechter mobil
s
ei.
Auch sei
er
wegen zunehmender
Gangunsi
cherheit
mehrmals
gestürzt
.
Dadurch
sei
er
stark in seiner Alltagsaktivität ein
geschränkt und bedürfe ununterbrochen Hilfe
von
Dritte
n
.
Vorliegend ist nicht auf den Abklärungsbericht der Beschwerdegegnerin abzustellen, da die
Abklä
rungsperson
mangels medizinischer Fachkenntnisse nicht in der Lage ist, die gesundheitliche Situation
fachlich
einzuschätzen und daraus die
entsprechenden
Schlüsse zu ziehen.
In Würdigung der
schlüssigen und überzeugenden
Arztbe
richte
ist es dem Beschwerdeführer daher nicht mehr zuzumuten, die üblichen Haushaltstätigkeiten selber zu verrichten.
Obschon
wie die
Beschwerdegegne
rin
geltend macht
-
beim Beschwerdeführer keine kognitiven Einschränkungen bestehen, die ein Planen und Organisieren der Hausarbeiten grundsätzlich ver
hindern würden, ist er
nicht zuletzt angesichts der Rindenblindheit
selber nicht mehr in Lage
,
Tätigkeiten wie Kochen, Einkaufen, Wäschewaschen und Abstau
ben
auszuüben. Aufgrund
seiner Behinderungen
sowie
der zunehmenden
Gang
unsicherheit
ist er ständig, mithin auch in der Wohnung auf
den Rollator ange
wiesen
. Dieser Umstand ist in der
Tat
für die
Ausübung
vorgenannter
Haus
haltstätigkeiten
hinderlich
. Das Risiko
,
bei den Hausarbeiten
zu stürzen
und sich dabei zu verletzen
,
ist ihm
nicht
zuzumuten. Gleich verhält es sich bei Erledi
gungen und Kontakten ausserhalb der Wohnung. Ohne die Mitwirkung und Begleitung seiner Ehefrau
ist anzunehmen, dass er
praktisch nicht mehr
nach draussen
ginge
, was eine Isolation von der Aussenwelt zur Folge hätte. S
omit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
dauernd und regelmässig einer lebenspraktischen Begleitung
bedarf.
5.3
Zusammenfassend ergibt sich, dass eine erhebliche
Hilfbedürftigkeit
des Beschwer
deführers in den alltäglichen Lebensverrichtungen
„Anklei
den
/
Aus
kleiden“, „
Essen“, „Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher
Kontakt
e“
gegeben
und
ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung ausgewiesen ist. Es besteht folg
lich e
ine mittelschwere Hilflosigkeit
.
Der Beschwerdeführer hat
ab
1.
Dezember 2011
(Revisionsbegehren,
Urk.
8/131,
Art.
88
bis
Abs.
1
lit
. a IVV)
Anspruch auf eine Entschädigung wegen mittelschwerer Hilflosigkeit bei Auf
enthalt zu Hause. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitw
ert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und
ermessensweise
auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Diese hat de
m
Beschwerdeführer zudem eine Prozessentschädigung auszurichten, wel
che
–
gemäss
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungs
-
gericht und nach Einsicht in die
Kostennote der Rechtsvertreterin
(
Urk.
12)
–
auf
Fr.
2
’
144
.
3
5
(inklusive Barauslagen und
MWSt
) festzulegen ist.