Decision ID: 607b5067-ac30-58f5-b7b9-e46a138e06b6
Year: 2016
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
I
A.
Der Ehemann respektive Vater der Beschwerdeführenden (E._,
ebenfalls Verfahren N [...]) verliess eigenen Angaben zufolge seinen Hei-
matstaat Syrien im April 2012 und gelangte am 30. April 2012 in die
Schweiz, wo er gleichentags ein Asylgesuch stellte. Er wurde in der Folge
am 8. Mai 2012 summarisch und am 9. Juli 2013 einlässlich zu seinen
Asylgründen befragt.
B.
Mit Verfügung vom 16. Juli 2014 stellte das BFM fest, dass der Ehemann
und Vater der Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht er-
fülle. Sein Asylgesuch wurde abgewiesen und die Wegweisung aus der
Schweiz angeordnet. Der Vollzug der Wegweisung wurde wegen Unzumut-
barkeit aufgeschoben und eine vorläufige Aufnahme von E._ in der
Schweiz angeordnet.
C.
Am 11. August 2014 erhob E._ beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde gegen den BFM-Entscheid vom 16. Juli 2014.
D.
Nachdem die Beschwerdeführenden (Ehefrau und Kinder von E._)
ihrem Ehemann und Vater am 30. Januar 2015 in die Schweiz nachreisten
und ein Asylgesuch stellten (vgl. Sachverhalt unten, Bst. F), sistierte das
Bundesverwaltungsgericht mit Instruktionsverfügung vom 10. März 2015
das hängige Asylbeschwerdeverfahren von E._ (E-4764/2014), bis
das SEM über die Asylgesuche der Beschwerdeführenden (Ehefrau und
Kinder) befunden hat.
E.
Mit Verfügung vom 23. September 2015 hob das Bundesverwaltungsge-
richt die am 10. März 2015 verfügte Sistierung des Beschwerdeverfahrens
von E._ wieder auf, nachdem das SEM die Asylgesuche der Be-
schwerdeführenden mit Verfügung vom 27. August 2015 abgelehnt und die
Beschwerdeführenden in der Folge beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde erhoben hatten (vgl. Sachverhalt unten, Bst. H und I). Gleichzei-
tig koordinierte das Gericht aufgrund des engen, persönlichen und sachli-
chen Zusammenhanges das Beschwerdeverfahren von E._ und
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das ebenfalls hängige Beschwerdeverfahren der Ehefrau und Kinder (E-
5837/2015) insoweit, als beide Beschwerdeverfahren – soweit möglich –
parallel geführt und beide Verfahren gleichzeitig entschieden werden sol-
len.
II
F.
Die Beschwerdeführenden (A._ und die drei minderjährigen Kinder:
D._, C._ und B._ [Jahrgänge (...), (...) und (...)]),
alle syrische Staatsangehörige, reisten ihrem Ehemann respektive Vater
am 30. Januar 2015 in die Schweiz nach. Am 4. Februar 2015 ersuchten
sie um Asyl. Am 10. Februar 2015 fand eine Befragung der Beschwerde-
führerin A._ zur Person (BzP) im Empfangs- und Verfahrenszent-
rum Basel statt.
Dabei führte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, sie sei ethni-
sche Araberin, in Aleppo geboren und habe bis zu ihrer Ausreise aus Syrien
dort gelebt. Bis vor rund 10 Monaten sei die Familie im Quartier (...) in Al-
eppo registriert gewesen. Ihre noch lebenden Verwandten (Mutter und zwei
Geschwister) lebten in Aleppo, zwei Brüder seien als Flüchtlinge in Bei-
rut/Libanon. Sie sei seit 13 Jahren mit E._, ebenfalls Syrer, verhei-
ratet.
Die Beschwerdeführenden hätten Syrien in Februar 2014 verlassen und
seien in die Türkei gereist, wo sie sich bis zum 30. Januar 2015 aufgehalten
hätten. Am 30. Januar 2015 seien sie auf dem Luftweg in die Schweiz ge-
langt, wo sie am 4. Februar 2015 ein Asylgesuch stellten. Sie hätten Syrien
wegen des Bürgerkriegs verlassen. Die Beschwerdeführerin selbst sei po-
litisch nicht aktiv gewesen und habe mit den heimatlichen Behörden oder
Gruppierungen keine Probleme gehabt. Sie habe im Jahr 2012 bis 2014 in
Aleppo persönlich miterlebt, wie Kampfflugzeuge der syrischen Regierung
zivile Wohnhäuser bombardiert hätten, in welchen sich Menschen aufge-
halten hätten. Viele Verwandte von ihr (beispielsweise mehrere Cousins
und ein Neffe) seien bei diesen Bombardierungen ums Leben gekommen
oder schwer verletzt worden. Der jüngste Sohn D._ sei von Bom-
bensplittern getroffen worden und sehe seither schlecht. Er habe in Syrien
nicht ärztlich versorgt werden können, weil dort keine Ärzte mehr vorhan-
den seien.
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Seite 4
Der Ehemann und Vater E._ habe mit den syrischen Behörden
Probleme gehabt und sei deshalb bereits früher und alleine aus Syrien aus-
gereist.
Die Reisepässe der Beschwerdeführenden habe E._ bei ihrer Ein-
reise am Flughafen zerrissen, weil er nichts mehr mit Syrien zu tun haben
wolle. Die Identitätskarte der Beschwerdeführerin sowie das Familienbüch-
lein seien zerstört worden, als ihr Haus in Syrien im Jahr 2012 in die Luft
gesprengt worden sei.
Zur Stützung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden einen
Bericht des (...)spitals (...) betreffend den Sohn C._ (geboren am
[...]) zu den Akten. Aus diesem geht hervor, dass beim Jungen ein Zahn-
abszess respektive eine Zahnabszessabspaltung diagnostiziert wurde,
welche durch einen chirurgischen Eingriff sowie medikamentös behandelt
worden sei.
G.
Am 6. Juli 2015 wurde die Beschwerdeführerin vom SEM einlässlich zu
ihren Asylgründen angehört.
Dabei gab sie im Wesentlichen zu Protokoll, sie habe für sich und die drei
Kinder beim Amt für Sicherheit in Fateh Al Kair in Istanbul je Ausweise für
ausländische Personen ("Foreigners Identification Card: Yabanci Tanitma
Belgesi") ausstellen lassen. Zu ihren in Aleppo verbliebenen Verwandten
(Mutter und zwei Geschwister) könne sie keinen Kontakt mehr aufnehmen,
da das ganze Kommunikationsnetz in Aleppo seit Herbst 2015 nicht mehr
funktioniere. Aleppo sei eine geteilte Stadt. In einem Teil herrsche das sy-
rische Regime, im anderen die "Al Hurr"-Armee, die gegen die Regierung
positioniert sei und von der türkischen Regierung mit Waffen unterstützt
werde. Die Bevölkerung von Aleppo habe die aus Homs flüchtenden Men-
schen unterstützt. Auch die Familie der Beschwerdeführenden habe sol-
chen aus Homs flüchtenden Menschen Unterschlupf gewährt.
Die Beschwerdeführenden hätten Syrien verlassen wegen des syrischen
Bürgerkrieges, unter dessen Folgen sie persönlich gelitten hätten. Zwei
Söhne hätten gesundheitliche Probleme erlitten (Augenleiden respektive
psychische Probleme). Die Beschwerdeführerin leide zudem an einer
Schwindelkrankheit namens "Shakika" sowie an Rückenproblemen, weil
sie ihre Kinder nach den Detonationen in ihrer Wohngegend habe tragen
und Wasser für die Familie nach Hause habe schleppen müssen. Weil sie
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die Flüchtlinge aus Homs unterstützt hätten, seien sie seitens des Regimes
bedroht worden. Der Bruder der Beschwerdeführerin sei in diesem Zusam-
menhang beim Militär-Sicherheitsdienst einen Monat lang inhaftiert und da-
bei gequält worden. Während des Krieges seien die Ersparnisse der Fami-
lie aufgebraucht worden. Im August 2013 seien ihr Haus, welches an der
Kampfgrenze zwischen dem Gebiet des Regimes und der Al-Hurr-Armee
gelegen habe, sowie die Geschäftsgebäude des Ehemannes und Vaters
zerstört worden. Verwandte ihrer Mutter seien Kaufleute gewesen und hät-
ten im Jahr 2011 den Flüchtlingen aus Homs im Geheimen finanzielle Un-
terstützung zukommen lassen. Die Beschwerdeführerin habe persönlich
mitgeholfen, die Kontakte zwischen den Flüchtlingen aus Homs und den
unterstützenden Verwandten herzustellen. Die syrische Regierung habe
2012 hievon Kenntnisse erhalten und das Hab und Gut (Häuser, Fabriken,
Fahrzeuge) dieser Kaufleute konfisziert. Anschliessend seien die Kaufleute
in die Türkei respektive nach Beirut geflohen. Im Weiteren sei ihr Sohn auf
dem Weg zur Schule entführt worden, bevor ihr Ehemann Syrien verlassen
habe und in die Schweiz gereist sei. Sie hätten nicht gewusst, wer ihren
Sohn entführt habe; die Entführer hätten mit dem Vater ihres Ehemannes
(Grossvater des entführten Kindes) Verhandlungen geführt. Der Grossva-
ter habe auch das Lösegeld bezahlt. Die Entführung habe stattgefunden,
weil das syrische Regime ihren Ehemann habe fassen wollen. Ihr Ehe-
mann sei im Weiteren von einem gewissen F._ bedroht worden,
welcher beim syrischen Geheimdienst gewesen sei. Nach der Flucht ihres
Ehemannes habe dieser F._ einen Chauffeur zu ihnen nach Hause
geschickt, um den Ehemann lebendig oder tot zu fassen. Hierauf habe die
Beschwerdeführerin das Haus verlassen und sei in die Schweiz gereist.
Zur Stützung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden vier Aus-
weise für ausländische Personen in der Türkei ("Foreigners Identification
Card: Yabanci Tanitma Belgesi") als Farbkopien zu den Akten.
H.
Mit Verfügung vom 27. August 2015 – der Beschwerdeführerin am 31. Au-
gust 2015 eröffnet – stellte das SEM fest, dass die Beschwerdeführenden
die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen würden. Ihre Asylgesuche wurden
abgewiesen und die Wegweisung aus der Schweiz angeordnet. Der Voll-
zug der Wegweisung wurde wegen Unzumutbarkeit aufgeschoben und
eine vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführerin und ihrer drei Kinder in
der Schweiz angeordnet.
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Zur Begründung führte das Staatssekretariat im Wesentlichen aus, die Vor-
bringen der Beschwerdeführerin vermöchten den Anforderungen an die
Asylrelevanz im Sinne von Art. 3 AsylG nicht zu genügen. So seien die
geltend gemachten Benachteiligungen und die tragischen Ereignisse im
Rahmen des syrischen Bürgerkriegs (Kriegssituation, Bombardierung der
Zivilhäuser, Zerstörung des Familienhauses, Entführung des Sohnes wäh-
rend dreier Tage; Tod von Verwandten, Erkrankung der Kinder) nicht asyl-
relevant, weil diese nicht auf der Absicht beruhten, die Beschwerdeführen-
den aus einem der in Art. 3 AsylG erwähnten Gründen zu treffen.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend gemacht habe, im Jahr 2011
Flüchtlinge aus Homs unterstützt zu haben, sei festzuhalten, dass dieser
Darstellung vom genannten Zeitpunkt bis zur Ausreise aus Syrien rund drei
Jahre später jegliche Anhaltspunkte dafür fehlen würden, dass die Be-
schwerdeführenden in diesem Zusammenhang ins Visier der syrischen Be-
hörden gelangt wären. Vielmehr habe die Beschwerdeführerin ausdrück-
lich verneint, jemals einen Nachteil seitens des syrischen Regimes erlitten
zu haben, welcher sie persönlich getroffen hätte. Zudem habe sie verneint,
jemals konkrete Probleme mit den syrischen Behörden gehabt zu haben
respektive politisch aktiv gewesen zu sein. Es bestehe keinerlei Anlass zu
Befürchtungen, dass die Beschwerdeführenden im vorgebrachten Zusam-
menhang künftig staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt werden
sollten.
I.
Mit Eingabe vom 18. September 2015 (Poststempel) richtete sich die Be-
schwerdeführerin an das Bundesverwaltungsgericht und erhob für sich und
im Namen ihrer Kinder Beschwerde gegen die SEM-Verfügung vom
27. August 2015. Sinngemäss brachte die Beschwerdeführerin zur Be-
gründung vor, sie wolle wegen des Krieges in Syrien und dessen Folgen
nicht ins Heimatland zurückkehren.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 23. September 2015 wurde die Eingabe der
Beschwerdeführenden vom 18. September 2015 als frist- und formge-
rechte Beschwerde gegen die SEM-Verfügung vom 27. August 2015 ent-
gegengenommen. Ferner wurde den Beschwerdeführenden Gelegenheit
eingeräumt, ihre Rechtsmitteleingabe zu ergänzen und insbesondere ge-
nauer zu konkretisieren, weshalb sie mit dem SEM-Entscheid vom 27. Au-
gust 2015 nicht einverstanden seien. Weiter wurde festgehalten, die Be-
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schwerde müsse als offensichtlich unbegründet beurteilt werden, wenn in-
nerhalb der angesetzten Frist nicht eine zusätzliche Begründung der Be-
schwerde nachgeliefert werde. Zudem wurden die Beschwerdeführenden
darauf hingewiesen, dass es ihnen frei stehe, die unentgeltliche Rechts-
pflege (gegebenenfalls mit unentgeltlicher Rechtsverbeiständung) zu be-
antragen, sofern sie bedürftig seien und ihre Beschwerdebegehren nicht
aussichtslos seien.
Gleichzeitig wurde das vorliegende Beschwerdeverfahren E-5837/2015 mit
dem Verfahren des Ehemannes und Vaters E._ insofern koordiniert,
als beide Verfahren – soweit möglich – parallel geführt und beide Verfahren
gleichzeitig entschieden werden sollen (vgl. Sachverhalt oben, Bst. E).
K.
Mit Postsendung vom 7. Oktober 2015 (Poststempel) reichten die Be-
schwerdeführerin und ihr Ehemann E._ ein eigenhändig verfasstes
und unterzeichnetes, fremdsprachiges Schreiben nach.
Dieses Dokument wurde im vorliegenden Verfahren und im koordinierten
Beschwerdeverfahren des Ehemannes zu den Akten genommen.
Das Gericht liess das Dokument amtlich (gerichtsintern) übersetzen. Ge-
mäss dieser Übersetzung führte die Beschwerdeführerin respektive ihr
Ehemann E._ aus, es sei nicht möglich gewesen, einen Übersetzer
zu finden oder einen Anwalt zu konsultieren. Die Situation im Heimatland
Syrien sei bekannt; es herrsche nur noch Krieg, Zerstörung und Schutzlo-
sigkeit. Das gesamte Hab und Gut der Familie sei durch eine Explosion in
ihrem Wohnviertel zerstört worden. Zunächst sei der Beschwerdeführer
aus Syrien geflohen, nachdem der Sohn B._ entführt worden sei.
F._ habe den Beschwerdeführer mit dem Tod bedroht, nachdem er
die Flüchtlinge, die aus Homs geflohen seien, in Aleppo unterstützt habe.
Nachdem die Familie in der Schweiz eine Aufenthaltserlaubnis erhalten
habe, fühlten sich die Familienmitglieder wie Staatsgefangene und sie hät-
ten keine Rechte mehr. Deshalb würden sie um nochmalige Prüfung ihrer
Asylgesuche ersuchen.
L.
Mit Instruktionsverfügung vom 4. November 2015 wurde die gerichtsin-
terne Übersetzung des am 7. Oktober 2015 fremdsprachigen Dokumentes
den Beschwerdeführenden zur Kenntnis gebracht. Gleichzeitig wurde
ihnen letztmals Gelegenheit eingeräumt, ihre Beschwerdeeingabe vom
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18. September 2015 zu ergänzen. Es wurde dabei nochmals festgehalten,
dass die Beschwerdeeingabe als offensichtlich unbegründet zu beurteilen
sei, wenn die Beschwerdeführenden nicht eine zusätzliche Begründung ih-
rer Beschwerde nachliefern würden.
Die Beschwerdeführenden haben auf eine weitere Stellungnahme respek-
tive Beschwerdebegründung verzichtet.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM respektive
SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vo-
rinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende
Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal-
tungsgericht ist daher für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zu-
ständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch
vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die
Beschwerde ist somit einzutreten.
1.4 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh-
rung eines Schriftenwechsels verzichtet.
1.5 Das Bundesverwaltungsgericht hat mit Instruktionsverfügung vom
23. September 2015 das vorliegende Beschwerdeverfahren mit dem eben-
falls am Gericht hängigen Beschwerdeverfahren des Ehemannes und Va-
ters E._ (E-4764/2014) koordiniert (vgl. Sachverhalt, oben Bst. E).
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Daher ergeht das vorliegende Urteil gleichzeitig mit dem Urteil im Verfahren
E-4764/2014.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-
lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land,
in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zu-
gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-
schen Anschauung ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-
dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernst-
hafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens
oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychi-
schen Druck bewirken.
4.
Die Beschwerdeführerin bringt im eigenen und im Namen ihrer Kinder zur
Begründung ihres Asylgesuches im Wesentlichen vor, sie habe Syrien auf-
grund der dort herrschenden Bürgerkriegssituation verlassen. In diesem
Bürgerkrieg seien ihr Wohnhaus und die Geschäftshäuser ihres Eheman-
nes in Aleppo zerstört worden. Zudem seien mehrere Verwandte durch
Bombardements ums Leben gekommen. Ihr Sohn B._ sei zudem
entführt worden und ihre Familie habe Lösegeldzahlungen für dessen Frei-
lassung leisten müssen.
4.1 Für das Bundesverwaltungsgericht steht ausser Frage, dass die Ereig-
nisse, welche die Beschwerdeführerin und ihre Kinder im Zuge des syri-
schen Bürgerkrieges persönlich miterleben mussten – namentlich die Bom-
bardierungen ihrer Heimatstadt Aleppo, wo sie ihr ganzes Leben von Ge-
burt bis zur Ausreise aus Syrien Februar 2014 verbracht haben; vgl. Akte
B4, S. 4, Frage 2.01) – schrecklich und traumatisierend waren und in Al-
eppo im Zeitpunkt ihrer Ausreise eine Situation verbreiteter Gewalt, Zerstö-
rung und Elend vorherrschte. Es kann hierzu auf die Erwägung 5.5 im Be-
schwerdeurteil E-4764/2014 ihres Ehemannes verwiesen werden, in wel-
cher näher auf die im Zeitpunkt der Ausreise des Ehemannes im Jahr 2012
in Aleppo herrschende Bürgerkriegssituation und die heutige, aktuelle Lage
eingegangen wird.
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Seite 10
4.2 Selbst wenn ein weiterer Verbleib der Beschwerdeführenden in Aleppo
nach dem Gesagten unzumutbar war, fehlt es den von ihnen vorgetrage-
nen Ereignissen an der für die Bejahung der Flüchtlingseigenschaft gefor-
derten Gezieltheit der Verfolgung. Von Gezieltheit in diesem Sinne ist dann
auszugehen, wenn eine Person nicht lediglich den gleichen Risiken und
Einschränkungen wie die gesamte Bevölkerung ihres Heimatstaates res-
pektive ihrer Heimatregion ausgesetzt ist, und somit von den Ereignissen
nicht nur "reflexartig" im Sinne ungezielter Nebenfolgen des Krieges oder
Bürgerkrieges, sondern als individuelle Person in der Regel aufgrund einer
asylrelevanten Verfolgungsmotivation betroffen ist (vgl. WALTER STÖCKLI,
Asyl, in: Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, S. 530 Rz. 11.16; vgl. auch Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1993 Nr. 37 E. 7 c). Bei den von der Beschwerdeführerin geschil-
derten Ereignissen (Zerstörung des Wohnhauses der Familie und der Plün-
derung der Geschäftslokalitäten des Ehemannes respektive Vaters der Be-
schwerdeführenden) handelt es sich zweifelsohne um schreckliche Erleb-
nisse, sie stellen jedoch primär ungezielte Nebenfolgen des Krieges dar,
von denen der Grossteil der Bevölkerung in Aleppo – unabhängig von de-
ren ethnischer Zugehörigkeit – betroffen war. Dasselbe gilt grundsätzlich
auch für die Bombardierungen der Stadt, welche zu zahlreichen Todesop-
fern auch unter der Zivilbevölkerung – auch innerhalb der Familie der Be-
schwerdeführenden – führten.
Überdies scheinen die Zerstörungen der Häuser und Geschäftslokalitäten
der Beschwerdeführerin, ihres Ehegatten und ihrer Verwandten nicht von
einer asylrelevanten Verfolgungsmotivation getragen zu sein. Die Be-
schwerdeführerin selbst hat diese Ereignisse nicht auf einen entsprechen-
den asylbeachtlichen Hintergrund zurückgeführt.
4.3 Soweit die Beschwerdeführerin die Entführungen ihres Sohnes
B._ vorträgt, ist festzustellen, dass die Urheberschaft dieser Ent-
führungen im Dunkeln bleibt, nachdem die Beschwerdeführerin im Rah-
men ihrer Anhörungen selbst zu Protokoll gegeben hat, sie (die Familie)
hätten selbst nicht gewusst, wer für die Entführung des Sohnes verantwort-
lich gewesen sei (vgl. Akte B15, S. 17, Frage 168). In der am 7. Oktober
2015 nachgereichten fremdsprachigen Eingabe führen die Beschwerde-
führerin und ihr Ehemann die Entführungen des Sohnes B._ zwar
auf einen F._ zurück. Diese Vermutungen wurden jedoch im Ver-
laufe des weiteren Beschwerdeverfahrens nicht mit entsprechenden Be-
weismitteln untermauert oder gar belegt, obwohl der Beschwerdeführerin
E-5837/2015
Seite 11
hinreichend Gelegenheit eingeräumt worden ist, ihre Asylvorbringen ergän-
zend zu begründen.
Zusammenfassend ist daher festzustellen, dass es den Beschwerdefüh-
renden nicht gelungen ist, die Hintergründe der beiden Entführungen auf
eine konkrete und detaillierte Weise zu schildern. Es kann daher nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass
diese Entführungen einen gezielten und auf einem flüchtlingsbeachtlichen
Verfolgungsmotiv beruhenden Hintergrund gehabt haben, weshalb deren
Asylrelevanz abgesprochen werden muss.
4.4 Die Beschwerdeführerin verneinte in der Summarbefragung vom
10. Februar 2015 explizit, konkrete Probleme mit den heimatlichen Behör-
den, mit der oppositionellen kurdischen Partei in Syrien (PYD; Partiya Ye-
kitîya Demokrat, Partei der Demokratischen Union), den Rebellen, der
Freien Syrischen Armee (FSA) oder anderen Gruppierungen gehabt zu ha-
ben. Zudem gab sie an, politisch nicht aktiv und niemals in Haft oder vor
Gericht gewesen zu sein. Sie sagte zudem aus, nicht in irgendeiner Weise
vom syrischen Bürgerkrieg direkt betroffen worden zu sein (vgl. Akte B4,
S. 9 und 10, Frage 7.02,).
Im Rahmen der einlässlichen Anhörung vom 6. Juli 2015 trug sie zwar vor,
sie fürchte sich vor dem syrischen Regime, weil sie respektive verwandte
Kaufleute Flüchtlingen aus Homs Unterstützung hätten zukommen lassen
(vgl. Akte B15, Antworten 64 und 66). Als sie zu ihrer eigenen Beteiligung
an dieser Unterstützung gefragt wurde, gab sie zu Protokoll, sie habe per-
sönlich nichts weiter getan, als dem Chauffeur den Aufenthaltsort der
Flüchtlinge zu zeigen (Antwort 91). Im weiteren Verlauf derselben Befra-
gung gab sie zu Protokoll, sie habe keine Nachteile seitens des syrischen
Regimes erlebt, die sie persönlich getroffen hätten (Antwort 130). Sie habe
Syrien aus Angst vor dem Krieg, wegen der Kinder und weil sie wieder mit
ihrem Ehemann habe zusammenkommen wollen, verlassen (Antwort 187).
Bei dieser Sachlage ist nicht davon auszugehen, dass ein behördlicher
Verdacht der Entfaltung politisch missliebiger Aktivitäten gegen die Be-
schwerdeführerin oder ihre Kinder besteht oder diese aus einem derartigen
Grund ins Visier der syrischen Sicherheitskräfte geraten sein könnten.
4.5 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden
im Zeitpunkt ihrer Ausreise keiner asylbeachtlichen Verfolgungssituation
ausgesetzt waren und keine begründete Furcht vor Nachteilen im Sinne
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von Art. 3 Abs. 2 AsylG gehabt haben. Die Vorinstanz hat die Asylgesuche
zu Recht abgelehnt.
4.6 Nachdem mit heutigem Urteilsdatum auch das Beschwerdeverfahren
des Ehemannes und Vaters der Beschwerdeführenden abgewiesen und
die vorinstanzliche Verfügung betreffend Nichterfüllung der Flüchtlingsei-
genschaft und Verweigerung des Asyls bestätigt wird, liegt auch kein Sach-
verhalt vor, welcher eine Prüfung des Einbezugs in die Flüchtlingseigen-
schaft von E._ im Sinne von Art. 51 AsylG nach sich ziehen würde.
5.
Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG).
5.1 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
5.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung vom 27. August
2015 die Beschwerdeführenden wegen Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzuges vorläufig aufgenommen. Praxisgemäss stellen sich in
diesem Zusammenhang keine weiteren Fragen mehr, zumal die
Wegweisungsvollzugshindernisse alternativer Natur sind und bei Vorliegen
eines dieser Hindernisse der Vollzug als nicht durchführbar gilt.
6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens, und nachdem nicht um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung ersucht worden ist, sind die Verfah-
renskosten in der Höhe von Fr. 600.- den Beschwerdeführenden aufzuer-
legen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
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