Decision ID: 0c4664fb-d7dd-47db-8772-ae178e97bcf3
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am 10. April 2022 im Bundesasylzentrum in
Zürich ein Asylgesuch ein. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der «Eu-
rodac»-Datenbank ergab, dass er am 14. Oktober 2021 illegal in Spanien
eingereist und daktyloskopisch erfasst worden war (vgl. Akten der Vor-
instanz [SEM act.]. 8).
B.
Am 22. Mai 2002 stürzte der Beschwerdeführer aus 30 Meter Höhe von
einer Brücke. Durch den Sturz erlitt er unter anderem ein schweres Schä-
del-Hirn-Trauma, ein Wirbelsäulentrauma, ein stumpfes Thoraxtrauma und
ein stumpfes Bauchtrauma, weshalb er bis zum 21. Juni 2022 im Spital
B._ stationär behandelt wurde. Anschliessend hielt er sich einen
Monat in der Rehabilitationsklinik in X._/ZH auf.
C.
Aufgrund des «Eurodac»-Treffers ersuchte das SEM die spanischen Be-
hörden am 4. Juli 2022 um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss
Art. 13 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-
ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und
Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines
von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-
staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol-
gend: Dublin-III-VO).
Die spanischen Behörden stimmten dem Übernahmeersuchen am 7. Juli
2022 gestützt auf diese Bestimmung zu (SEM act. 18).
D.
Ebenfalls am 4. Juli 2022 gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer
– gestützt auf einen Ausnahmetatbestand im Sinne von Art. 5 Abs. 2 Bst. b
Dublin-III-VO auf schriftlichem Weg – das rechtliche Gehör zur Zuständig-
keit Spaniens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens,
zu einer allfälligen Rückkehr dorthin sowie zum medizinischen Sachverhalt
(SEM act. 17).
E.
Die zugewiesene Rechtsvertretung machte vom Äusserungsrecht am
13. Juli 2022 Gebrauch. Hierbei führte sie aus, dass der Beschwerdeführer
aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Spanien zurückkehren könne.
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Die Schweiz habe den medizinischen Sachverhalt vielmehr sauber abzu-
klären und in dessen Würdigung gestützt auf Art. 17 Dublin-III-VO einen
Selbsteintritt vorzunehmen. Der Stellungnahme lag ein Kurz-Austrittsbe-
richt der Klinik Wald/ZH vom 13. Juli 2022 bei (SEM act. 20).
F.
Am 23. Juli 2022 wurde der Beschwerdeführer mit deutlich gebesserter
Mobilität und in gebessertem Allgemeinzustand aus der Rehabilitationskli-
nik X._/ZH entlassen (SEM act. 23), worauf er ins Bundesasylzent-
rum Embrach zurückkehrte.
G.
Aufgrund der ärztlichen Berichte wurde der Beschwerdeführer zwecks Ab-
klärung der Notwendigkeit einer Erwachsenenschutzmassnahme bei der
Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) B._ angemeldet.
Diese teilte dem SEM am 31. August 2022 mit, dass mit Entscheid vom
16. August 2022 auf die Errichtung von Erwachsenenschutzmassnahmen
verzichtet worden sei (SEM act. 29).
H.
Mit Verfügung vom 5. September 2022 (eröffnet am 7. September 2022)
trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR
142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte
seine Überstellung nach Spanien und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag
nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das
SEM den Kanton Zürich mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte ihm
die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und stellte fest,
dass einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid keine aufschie-
bende Wirkung zukomme (SEM act. 35).
Die zugewiesene Parteivertretung erklärte am 7. September 2022 das
Rechtsvertretungsverhältnis für beendet (SEM act. 36).
I.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 12. September 2022 beantragte der Be-
schwerdeführer, die angefochtene Verfügung sei an die Vorinstanz zurück-
zuweisen und von dieser neu zu beurteilen. Eventualiter sei die angefoch-
tene Verfügung aufzuheben und das SEM anzuweisen, ihre Pflicht oder ihr
Recht zum Selbsteintritt auszuüben und sich für das vorliegende Asylver-
fahren für zuständig zu erklären. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte
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er um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung, Erlass vorsorgli-
cher Massnahmen, Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
und Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung.
Das Rechtsmittel war mit Kopien des Austrittsberichts der Physiotherapie
der Rehabilitationsklinik X._/ZH vom 22. Juli 2022, des definitiven
Austrittsberichts derselben Klinik vom 23. Juli 2022 sowie eines Berichts
des Spitals Y._ vom 16. August 2022 über eine an jenem Datum
erfolgte notfallmässige ambulante Behandlung ergänzt (BVGer act. 1).
J.
Am 13. September 2022 setzte die Instruktionsrichterin gestützt auf Art. 56
VwVG den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus (BVGer
act. 2).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von
Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33
Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und
so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwür-
diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist da-
her zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105 AsylG und
Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch-
führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu
behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
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3.
3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die
unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, ein Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf ein Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1).
4.
Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht eine Verletzung der Be-
gründungspflicht, wirft der Vorinstanz in diesem Zusammenhang aber ein-
zig vor, den Sachverhalt unvollständig erhoben zu haben. Diese Frage bil-
det Gegenstand der nachfolgenden materiell-rechtlichen Prüfung.
5.
5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, in aller Regel auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5
E. 6.2).
5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung dieses
Staates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylan-
trag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines sogenannten
Aufnahmeverfahrens («take charge») sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dub-
lin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip
der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO)
anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem die betref-
fende Person erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat,
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auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rahmen eines Wiederaufnah-
meverfahrens («take back») findet demgegenüber grundsätzlich keine (er-
neute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE
2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.).
5.3 Wenn eine antragstellende Person, aus einem Drittstaat kommend, die
Land-, See- oder Luftgrenze eines Mitgliedstaates illegal überschritten hat,
ist dieser Mitgliedstaat gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO für die Prüfung
des Antrags auf internationalen Schutz zuständig. Die Zuständigkeit endet
gemäss dieser Norm zwölf Monate nach dem Tag des illegalen Grenzüber-
tritts.
6.
6.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Eu-
rodac»-Datenbank ergab, dass er am 14. Oktober 2021 in Spanien aufge-
griffen und danach daktyloskopisch erfasst worden war (SEM act. 8). Die
dortigen Behörden stimmten dem entsprechenden Übernahmeersuchen
am 7. Juli 2022 zu. Die Zustimmung stützte sich auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-
III-VO (SEM act. 18). Die grundsätzliche Zuständigkeit Spaniens ist somit
gegeben.
6.2 Nachfolgend ist demnach im Licht von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu
prüfen, ob es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren
und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Spanien würden sys-
temische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschli-
chen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-
Grundrechtecharta mit sich bringen würden und ob nach Art. 17 Abs. 1
Dublin-III-VO das Selbsteintrittsrecht auszuüben ist.
7.
7.1 Spanien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-
kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
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2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben.
7.2 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO nicht gerechtfertigt.
8.
8.1 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte Selbst-
eintrittsrecht wird durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. Au-
gust 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss dieser Bestimmung
kann das SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen auch dann be-
handeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig
wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vor, ist
der Selbsteintritt zwingend (BVGE 2015/9 E. 8.2.1).
8.2 Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar-
getan, die spanischen Behörden würden sich weigern, ihn aufzunehmen
und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln
der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Wie erwähnt, bestehen keine Hinweise
darauf, dass Spanien seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen aus der
EMRK, der FoK und der FK sowie dem Zusatzprotokoll der FK nicht nach-
kommt. Dem Beschwerdeführer steht es nach erfolgter Überstellung nach
Spanien offen, dort um Asyl nachzusuchen und damit Zugang zu den asyl-
rechtlichen Aufnahmestrukturen zu erhalten. Anzumerken gilt es an dieser
Stelle, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt,
den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45
E. 8.3). Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers hat das SEM
die Gründe, welche gegen eine Wegweisung nach Spanien sprechen
könnten, im Übrigen erfragt. Es genügt an dieser Stelle der Verweis auf die
am 4. Juli 2022 erfolgte Gewährung des rechtlichen Gehörs und die ent-
sprechende Stellungnahme der zugewiesenen Rechtsvertretung (SEM
act. 17 und 20).
8.3 Der Beschwerdeführer beruft sich einzig auf seinen Gesundheitszu-
stand, der einer Überstellung nach Spanien entgegenstehe. Die spani-
schen Behörden seien diesbezüglich zu informieren und anzuweisen, ihn
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medizinisch zu behandeln. Zudem habe das SEM den medizinischen
Sachverhalt noch nicht abschliessend festgestellt. Auf den 19. September
2022 sei ein Termin zwecks Evaluation des psychiatrischen Handlungsbe-
darfs angesetzt. Das Bundesverwaltungsgericht werde gebeten, mit dem
Entscheid bis zum Vorliegen der psychiatrischen Evaluation zuzuwarten.
8.3.1 Was den medizinischen Sachverhalt angeht, so kann eine zwangs-
weise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur
ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Ein
solcher würde voraussetzen, dass eine bereits schwer kranke Person
durch die Abschiebung mit dem realen Risiko konfrontiert würde, einer
ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesund-
heitszustandes ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer
erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des
EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kam-
mer, 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
8.3.2 Eine solche Situation ist vorliegend nicht gegeben. Wie sich dem
Sachverhalt entnehmen lässt, hatte der Beschwerdeführer am 22. Mai
2022 einen schweren Unfall (Sturz von einer Brücke aus 30 Metern Höhe)
mit multiplen Verletzungen, welche mehrere Operationen nach sich zogen.
Diagnostiziert wurden insbesondere ein schweres Schädel-Hirn-Traum,
ein Wirbelsäulentrauma, ein stumpfes Thoraxtrauma und ein stumpfes Ab-
dominaltrauma. Vom 22. Mai 2022 bis 21. Juni 2022 befand er sich deshalb
im Spital B._ in stationärer Behandlung. Im Anschluss daran hielt
er sich bis zum 23. Juli 2002 in der Rehabilitationsklinik X._/ZH auf.
Es kann diesbezüglich auf den Austrittsbericht des Universitätsspitals
Q._ vom 13. Juni 2022 (SEM act. 22), den Kurz-Austrittsbericht der
Rehabilitationsklinik X._/ZH vom 13. Juli 2022 (SEM act. 20) sowie
die Berichte derselben Klinik vom 22. Juli 2022 (Austrittsbericht Physiothe-
rapie, SEM act. 24) und 23. Juli 2022 (definitiver Austrittsbericht, SEM
act. 23) verwiesen werden. Laut dem letztgenannten Austrittsbericht
konnte der Patient in deutlich gebesserter Mobilität und gebessertem All-
gemeinzustand in die Asylunterkunft entlassen werden. Ebenso sei das
beim Eintritt in die Rehabilitationsklinik festgelegte Partizipationsziel (zu
Hause alleine und ohne Unterstützung wohnen) vollumfänglich erreicht
worden. Beim Klinikaustritt erhielt er denn einzig ein Medikament zur Ver-
hütung von Thrombosen und zwei Reservemedikamente verschrieben. In-
soweit vermag sein Gesundheitszustand eine Unzulässigkeit der Überstel-
lung im Sinne der restriktiven Rechtsprechung nicht zu rechtfertigen.
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8.3.3 Nicht anders verhält es sich mit denjenigen Beeinträchtigungen, wel-
che für die Zeit nach der Entlassung aus der Rehabilitationsklinik akten-
kundig sind. Wohl sprach der Beschwerdeführer am 16. August 2022 selb-
ständig auf der Notfallstation des Spitals Y._ vor und beklagte zu-
nehmende Schmerzen als Folgen seines Sturzes. Gegen die hierbei diag-
nostizierte Schmerzexazerbation erhielt er eine angepasste Medikation,
ansonsten wurde er in die physiotherapeutische Betreuung verwiesen
(SEM act. 32). Den sich in den Akten befindlichen medizinischen Unterla-
gen kann sodann entnommen werden, dass beim Beschwerdeführer der
Verdacht auf eine psychiatrische Grunderkrankung bestehe (mögliche Su-
izidalität bei unbekannten Unfallumständen, Hautnarben bei möglicher
Selbstverletzung, fremdanamnestische Selbstverletzungen bei Trunken-
heit [SEM act. 23]). In der Rehabilitationsklinik fanden hierzu psychologi-
sche Gespräche statt, einen auf den 15. August 2022 angesetzten Termin
zur Evaluation seines psychischen Zustandes nahm der Beschwerdeführer
allerdings unentschuldigt nicht wahr (SEM act. 28). Aktuell geht er denn
lediglich in die Physiotherapie (SEM act. 30). Zudem nimmt er zwei
Schmerzmittel sowie ein Magenschutzmittel ein. Bereits früher festgestellt
worden war beim Beschwerdeführer überdies eine Medikamentensucht
(Abhängigkeit von Rivotril und Pregabalin [SEM act. 13]). Inzwischen hat
er sich beim Gesundheitspersonal des Bundesasylzentrums gemeldet.
Weil er angab, wegen der fortdauernden Schmerzen eine medikamentöse
Einstellung mit Pregabalin zu wünschen und psychisch belastet zu sein,
wurde für den 19. September 2022 in der Praxis Medbase ein neuer Termin
zur Evaluation allfälligen psychischen Handlungsbedarfs vereinbart (SEM
act. 33). Aufgrund dessen ergibt sich, dass sich der Betroffene nicht zwin-
gend in der Schweiz aufhalten muss, sondern eine adäquate Behandlung
der Leiden in Spanien ebenfalls möglich ist. Dementsprechend gelingt es
ihm nicht, nachzuweisen, dass er nicht reisefähig sei oder einer Überstel-
lung nach Spanien ihn gesundheitlich ernsthaft gefährden würde.
8.3.4 Der Beschwerdeführer wurde, wie dargetan, in der Schweiz medizi-
nisch betreut und er unterzog sich wegen des Sturzes hier mehreren Ope-
rationen. Mittlerweile hat er sich aber so gut erholt, dass er im Stande ist,
den Alltag grundsätzlich alleine zu bewältigen. Dem SEM waren seine ge-
sundheitlichen Probleme bekannt. In Bezug auf das Vorliegen einer
schwerwiegenden Erkrankung wären von zusätzlichen medizinischen Ab-
klärungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten gewesen (zur antizipier-
ten Beweiswürdigung vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3 oder BGE 136 I 229 E. 5.3).
Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz diesbezüglich
keine weiteren Vorkehren getroffen hat. Ebenso wenig abzuwarten sind
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aufgrund des Gesagten die Ergebnisse der geplanten Evaluation seines
psychischen Zustandes. Die auf Beschwerdeebene erhobene Rüge der
unvollständigen Feststellung des medizinischen Sachverhalts erweist sich
mithin als nicht stichhaltig.
8.4 Ferner gilt es darauf hinzuweisen, dass Spanien über eine ausrei-
chende medizinische Infrastruktur verfügt. Die Mitgliedstaaten sind ver-
pflichtet, den antragstellenden Personen die erforderliche medizinische
Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforder-
liche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen
umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); den
antragstellenden Personen mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderli-
che medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer ge-
eigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Auf-
nahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise vor, wonach Spanien dem Be-
schwerdeführer eine adäquate medizinische Behandlung verweigern wür-
de. Im Übrigen trägt die Vorinstanz dem aktuellen Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers bei der Organisation der Überstellung Rechnung, in-
dem sie die dortigen Behörden vor der Überstellung über seinen Zustand
und eine allfällig notwendige medizinische Behandlung informiert. Dies ist
vorliegend in der ausführlichen Beschreibung der Überstellungsmodalitä-
ten geschehen (Sturz aus 30 Metern mit dessen Folgen, Abhängigkeit von
Rivotril und Pregabalin, Verdacht auf psychiatrische Grunderkrankung,
mögliche Suizidalität bei unbekannten Unfallumständen [SEM act. 34]). Zu-
sätzlicher Vorkehren bedarf es daher nicht.
9.
Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei der
Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum
(vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem
Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hin-
weise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Unter-
schreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb
in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen.
10.
Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Ermes-
sensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Somit bleibt Spanien der für die
Behandlung des Asylgesuches des Beschwerdeführers zuständige Mit-
gliedstaat gemäss Dublin-III-VO.
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11.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da er
nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung
ist, wurde die Überstellung nach Spanien in Anwendung von Art. 44 AsylG
ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1).
12.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen.
13.
Der am 13. September 2022 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegen-
dem Urteil dahin.
14.
Das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehen-
den Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind. Somit sind
die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt; die Verfahrens-
kosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG)
und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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