Decision ID: 85afc432-fdc1-44f3-8613-21597bdad011
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
I. Sachverhalt:
1. A._ (Jahrgang 1973) ist Mutter zweier Kinder (Jahrgänge 2000 und
2002) und wurde infolge einer im Jahr 2001 festgestellten
Schallleitungsstörung links, ab 2011 auch rechts, sowie nach mehreren
Operationen am Ohr von der Invalidenversicherung mit Hörgeräten
versorgt. Am 3. September 2013 meldete sie sich unter Hinweis auf
somatische und psychische Leiden bei der IV-Stelle des Kantons
Graubünden (nachfolgend IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Ihr Hausarzt
Dr. med. B._ diagnostizierte mit Bericht vom 23. September 2013 ein
chronisches Lendenwirbelsyndrom, chronische Hüftschmerzen, eine
Schallleitungsschwerhörigkeit beidseits sowie eine
Erschöpfungsdepression mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Er
erachtete sie in ihrer bisherigen Tätigkeit als Coiffeuse ab dem 14. August
2013 zu 100 % bzw. ab dem 9. September 2013 zu 50 % arbeitsunfähig.
Vom 21. Oktober 2013 bis zum 4. Dezember 2013 befand sich A._ in
stationärer Behandlung in der Klinik C._, wo eine Anpassungsstörung
(ICD-10 F43.2) ausgewiesen wurde. Ihr behandelnder Psychiater Dr. med.
D._ diagnostizierte mit Bericht vom 27. Februar 2014 eine
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) bzw. mit Bericht vom
13. August 2014 eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F31.3), und wies eine weiterhin
bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit aus. Aufgrund von latenten
Suizidgedanken befand sich A._ vom 1. September 2014 bis zum
17. Oktober 2014 erneut in stationärer Behandlung in der Klinik C._,
wobei beim Austritt noch eine leichte depressive Symptomatik vorlag.
Diagnostiziert wurde eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig leichte
oder mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F31.3). Im
interdisziplinären Abklärungsbericht vom 4. November 2014 stellten die
Dres. med. E._ und F._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst
Ostschweiz (RAD) namentlich eine rezidivierende depressive Störung,
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gegenwärtig remittiert, und ein lumbospondylogenes Syndrom links mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest. Aus psychiatrischer Sicht war der
Gesundheitszustand von A._ damals noch zu instabil, um die
Arbeitsfähigkeit abschliessend beurteilen zu können. Hingegen wurde ein
Arbeitstraining mit (relativ rascher) Steigerung des Arbeitspensums (in
einer rheumatologisch adaptierten) Tätigkeit als sinnvoll erachtet.
2. Mit Mitteilung vom 19. August 2015 erteilte die IV-Stelle A._ eine
Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining in der G._ in H._
vom 31. August 2015 bis zum 28. Februar 2016. Nachdem ihr die Tätigkeit
in der Küche nicht zugesagt und sie sich unkooperativ sowie wenig
motiviert gezeigt hatte, wurde die Massnahme per 16. September 2015
beendet. Als Anschlusslösung gewährte die IV-Stelle ihr ein
Arbeitstraining im Einsatzprogramm in I._ (Betrieb J._) vom
5. Oktober 2015 bis zum 1. April 2016, wobei ein Beschäftigungsgrad von
20 % vereinbart wurde. Nachdem sich der psychische
Gesundheitszustand unter anderem aufgrund von mehreren Abszessen in
der Brust, welche operativ behandelt werden mussten, verschlechtert
hatte, wurde die berufliche Massnahme nicht verlängert und mit Mitteilung
vom 31. März 2016 abgeschlossen.
3. Nach zwei weiteren stationären Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken
im Zeitraum vom 1. bis zum 3. März 2016 und vom 3. Mai bis zum 2. Juni
2016 fand am 11. Juli 2016 erneut eine psychiatrische RAD-Abklärung
durch Dr. med. E._ statt, über die er am 8. August 2016 berichtete.
Er diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0), sowie eine Agoraphobie
(ICD-10 F40.0) und erachtete A._ sowohl in der bisherigen als auch
einer adaptierten Tätigkeit ab dem Zeitpunkt der Abklärung zu 60 %
arbeitsfähig. Zudem wurde am 24. November 2016 eine Abklärung vor Ort
durchgeführt, anlässlich welcher A._ angab, ohne
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Gesundheitsschaden vor allem als Coiffeuse und Sigristin in einem 80 %-
Pensum erwerbstätig zu sein. Im Haushalt wurde eine Einschränkung von
insgesamt 7.1 % festgestellt.
4. Nachdem A._ in Anwendung der gemischten Methode bei einer
Gewichtung der Anteile Erwerb und Haushalt von 80 % zu 20 % eine
befristete ganze Invalidenrente in Aussicht gestellt und sie sich im
Einwand vom 15. Februar 2017 namentlich gegen eben diese
Methodenwahl gewandt hatte, verfügte die IV-Stelle am 29. Juni 2017 wie
vorbeschieden und sprach ihr vom 1. August 2014 bis zum 31. August
2015 sowie vom 1. April 2016 bis zum 30. September 2016 eine ganze
Invalidenrente zu. Für die Zeit danach resultierte bei einer angenommenen
Arbeitsfähigkeit von 60 % in einer adaptierten Tätigkeit ab Juli 2016 im
Erwerbsbereich und einer Einschränkung von 7.1 % im Haushalt kein
rentenbegründeter Invaliditätsgrad mehr. Die Frage, ob A._ – wie im
Einwand vorgebracht – ab dem 1. August 2018 (Zeitpunkt des
Abschlusses der obligatorischen Schulzeit ihres jüngsten Kindes) im
Gesundheitsfall zu 100 % erwerbstätig wäre, liess die IV-Stelle in ihrer
Stellungnahme zum Einwand offen, da der sich bis zum
Verfügungszeitpunkt verwirklichte Sachverhalt massgebend sei. Dieser
Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
5. Nachdem A._ mit Schreiben vom 15. Mai 2017 erneut Interesse an
beruflichen Massnahmen bzw. einer Umschulung angemeldet hatte,
reichte sie mit Schreiben vom 12. Oktober 2017 bei der IV-Stelle eine
Aufstellung ihrer Vorstellungen für die Umschulung bzw. ein
Motivationsschreiben dafür ein. Mit Bericht vom 15. November 2017
wiesen Dr. med. D._ und Psychologin K._ folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aus: bipolare affektive Störung,
gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F31.3), bestehend
seit 2013; psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder
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Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F13.2), bestehend seit Juni
2016; psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol,
Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F10.2), bestehend seit Juni 2016; sowie
psychische und Verhaltensstörung durch Cannabinoide,
Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F12.2), bestehend seit Juni 2016. Sie
erachteten die bisherige Tätigkeit als Coiffeuse für nicht mehr zumutbar,
hingegen einen Einstieg in eine leidensangepasste Tätigkeit im Frühjahr
2018 mit sukzessiver Steigerung bis zu 60 % für möglich. Mit Bericht vom
23. April 2018 bestätigten sie bei verbessertem Gesundheitszustand, dass
eine adaptierte Tätigkeit im unterstützenden oder beraterischen Bereich in
reizarmer Umgebung mit Pausen- und Rückzugsmöglichkeiten im Umfang
von fünf Stunden pro Tag zumutbar sei.
6. Mit Mitteilungen vom 7. September 2018 und 14. März 2019 sprach die IV-
Stelle A._ ein Aufbautraining beim Verein L._ in M._ vom
4. September 2018 bis zum 3. September 2019 an drei Halbtagen die
Woche zu, welches sie neben ihrer 20%igen Anstellung als Sigristin
absolvierte. Nachdem sie konstant gute Arbeitseinsätze gezeigt hatte,
wurde ihr mit Mitteilung vom 3. Januar 2019 zusätzlich ein
Bewerbungscoaching durch die N._ AG gewährt. Als im Frühling
2019 erneut Beschwerden an der Brust auftraten bzw. A._ sich am
4. September 2019 einer Brustoperation unterziehen musste und zugleich
keine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt gefunden werden konnte, wurden
die beruflichen Massnahmen per 3. September 2019 abgeschlossen.
7. Am 20. November 2019 berichteten Dr. med. D._ und Psychologin
K._, dass es bei A._ aufgrund der erneuten Brustoperation und
den damit einhergehenden einschneidenden körperlichen Veränderungen
zu einer Dekompensation der psychischen Symptomatik gekommen sei.
Derzeit sei sie jedoch wieder stabil. Zudem bestätigten sie abermals, dass
eine adaptierte Tätigkeit während fünf Stunden pro Tag zumutbar sei.
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Anlässlich der am 5. Februar 2020 durchgeführten Abklärung vor Ort gab
A._ erneut an, dass sie ohne Gesundheitsschaden zu 60 % als
Coiffeuse und zu 20 % als Sigristin tätig wäre. Für den Zeitraum bis zum
31. Dezember 2017 wurde insgesamt eine Einschränkung von 6 % im
Haushalt festgehalten, wohingegen ab dem 1. Januar 2018 keine solche
mehr festgestellt wurde.
8. In seiner Abschlussbeurteilung vom 10. Dezember 2019 wies RAD-Arzt
Dr. med. F._ gestützt auf die Einschätzungen des behandelnden
Psychiaters Dr. med. D._ eine seit Mai 2018 bestehende
Arbeitsfähigkeit von fünf Stunden pro Tag in adaptierter Tätigkeit (reizarme
Umgebung, mit Pausen und Rückzugsmöglichkeiten) aus, während er
hinsichtlich der bisherigen Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit
dem 8. November 2017 festhielt. Zudem hielt er in seinen Beurteilungen
vom 24. Februar und 10. März 2020 die Schlussfolgerungen des
Haushaltsabklärungsberichts aufgrund der Verbesserung der psychischen
Situation und der Brustproblematik nach der Operation im September
2019 für plausibel.
9. Mit Vorbescheid vom 10. März 2020 stellte die IV-Stelle A._ die
Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Bei einem gestützt auf
die bisherige Tätigkeit als Coiffeuse bzw. Sigristin ermittelten, auf ein
volles Pensum aufgerechneten Valideneinkommen von CHF 58'328.-- und
einem anhand einer weiterhin bestehenden Arbeitsfähigkeit von 60 % in
adaptierter Tätigkeit bemessenen Invalideneinkommen von CHF 33'369.--
auf Basis der Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik
für das Jahr 2016, Kompetenzniveau 1, Frauen, resultiere in Anwendung
der gemischten Methode bei einer Gewichtung des Erwerbbereichs von
80 % und einer fehlenden Einschränkung im zu 20 % veranschlagten
Haushaltsbereich aufgrund eines Invaliditätsgrades von 34.4 % kein
Rentenanspruch. Dagegen liess A._ am 24. April 2020 Einwand
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erheben, welchem eine Bestätigung von O._ von der psychiatrischen
Spitex vom 22. April 2020 beilag, worin Letztere bestätigte, dass A._
am 5. Februar 2020 gegenüber dem Abklärungsdienst mitgeteilt habe,
dass sie in einem 100 % Pensum arbeiten würde, wenn sie gesund wäre.
Mit Verfügung vom 15. Juni 2020 entschied die IV-Stelle wie
vorbeschieden und verneinte einen Anspruch auf eine Invalidenrente.
10. Mit dagegen beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
erhobener Beschwerde vom 29. Juli 2020 (Verfahren S 20 88) beantragte
A._ (nachfolgend Beschwerdeführerin) neben der Aufhebung der
Verfügung vom 15. Juni 2020, ihr sei bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 43 % eine Invalidenrente ab wann rechtens zuzusprechen. In
formeller Hinsicht beantragte sie, es sei eine mündliche Verhandlung
durchzuführen und O._ als Auskunftsperson bzw. Zeugin
einzuvernehmen. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, aus
ihrem Lebens- und Arbeitsverlauf sowie der Bestätigung von O._
ergebe sich glaubwürdig, dass sie bei vollständiger Gesundheit
spätestens ab dem 16. Altersjahr ihres jüngeren Kindes zu 100 %
erwerbstätig gewesen wäre. Zudem hinterlasse der Bericht zur Abklärung
vor Ort am 5. Februar 2020 den Eindruck einer lückenhaften,
widersprüchlichen und nicht nachvollziehbaren Abklärung, weshalb diese
zu wiederholen sei.
11. Nach Durchführung des Schriftenwechsels wies das Verwaltungsgericht
mit Urteil S 20 88 vom 15. Dezember 2020, mitgeteilt am 14. Juni 2021,
die Beschwerde kostenpflichtig ab. Den (Beweis-)Antrag auf eine
mündliche Verhandlung, anlässlich derer (in Anwendung von Art. 12
Abs. 1 lit. d des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG;
BR 370.100]) die Beschwerdeführerin als Partei (zum Beleg ihrer
Glaubwürdigkeit betreffend die hypothetische Erwerbstätigkeit im
Gesundheitsfall) und O._ als Auskunftsperson bzw. Zeugin zu
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befragen seien, wies das Verwaltungsgericht in antizipierter
Beweiswürdigung ab.
12. Dagegen erhob die Beschwerdeführerin am 5. August 2021 Beschwerde
in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht und
beantragt in Aufhebung des angefochtenen Urteils (S 20 88) vom
15. Dezember 2020 die Zusprache einer Invalidenrente bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 43 % ab wann rechtens. Eventualiter sei
die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie die mündliche
Gerichtsverhandlung sowie die beantragten Beweisvorkehrungen
(Befragung von O._ als Auskunftsperson bzw. Zeugin und
Parteibefragung) durchführe und über die Beschwerde gegen die
Verfügung vom 15. Juni 2020 neu entscheide.
13. Mit Urteil 8C_521/2021 vom 22. März 2022 hob das Bundesgericht in
teilweiser Gutheissung der Beschwerde das Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden S 20 88 vom 15.
Dezember 2020 auf und wies die Sache zur weiteren Abklärung des
Sachverhalts und zu neuem Entscheid – mit noch offenem Ausgang – an
das Verwaltungsgericht zurück. Es auferlegte dem kantonalen Gericht,
namentlich die Spitexkrankenschwester O._ unter Strafdrohung als
Zeugin einzuvernehmen und danach über die Beschwerde neu zu
entscheiden.
14. In der Folge hat das Verwaltungsgericht am 2. Juni 2022 zur Frage der
Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall bzw. zur
Haushaltsabklärung vom 5. Februar 2020 ein Beweisverfahren
durchgeführt und neben O._ auch die Abklärungspersonen P._
und Q._ als Zeuginnen einvernommen sowie die Beschwerdeführerin
als Beteiligte befragt. Zudem hat es gleichentags eine öffentliche
Gerichtsverhandlung durchgeführt, anlässlich welcher den Parteien die
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Gelegenheit gegeben wurde, zum Beweisergebnis Stellung zu nehmen
und ihre Parteivorträge zu halten. Dabei hielt die Beschwerdeführerin an
ihren Rechtsbegehren fest und liess insbesondere beantragen, ihr sei bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 43 % ab wann rechtens eine
Invalidenrente zuzusprechen. Ausserdem erklärte sie sich damit
einverstanden, den von ihr gestellten Antrag, eine erneute
Haushaltsabklärung durchzuführen, als Eventualbegehren um
Rückweisung der Angelegenheit, damit die IV-Stelle eine solche
durchführe, entgegenzunehmen, sollte auf die gemischte Methode zur
Invaliditätsbemessung erkannt werden. Des Weiteren reichte die
beschwerdeführerische Rechtsvertreterin zwei Honorarnoten sowie eine
Vollmacht mit Auftrag inkl. Honorarvereinbarung ein, wobei sie zu
erkennen gab, im Verfahren S 20 88 gemäss Urteil des Bundesgerichts
als vollständig obsiegende Partei zu gelten. Die Beschwerdegegnerin
schloss unverändert auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Für
das Verfahren S 20 88 beantragte sie, die Kosten seien teilweise dem
Verwaltungsgericht (bzw. dem Kanton Graubünden) aufzuerlegen, da es
gemäss bundesgerichtlichem Urteil ihm anzulasten sei, dass mit der
Zeugeneinvernahme ein erheblicher Beweisantrag nicht gehört worden
sei.
15. Den Verfahrensbeteiligten wurden am 13. Juni 2022 die Abschriften der
Einvernahmen und der Befragung sowie das Protokoll der öffentlichen
Gerichtsverhandlung zugestellt.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften, die
angefochtene Verfügung vom 15. Juni 2020 sowie die weiteren Akten
wird, sofern erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
II. Das Gericht zieht in Erwägung:
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1. Heisst das Bundesgericht eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten ganz oder teilweise gut, kann es reformatorisch
entscheiden, also in der Sache selbst Anordnungen treffen, oder aber
kassatorisch, also den angefochtenen Entscheid bloss aufheben oder die
Angelegenheit an die Vorinstanz bzw. an die erstinstanzlich verfügende
Behörde zur Neubeurteilung zurückweisen (Art. 107 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110]; vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013,
Rz. 1640; m.w.H. DORMANN, in: Niggli/Uebersax/ Wiprächtiger/Kneubühler
[Hrsg.], Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl., Basel
2018, Art. 107 Rz. 12 ff.). Bei einer Rückweisung sind die Vorgaben,
insbesondere die entscheidwesentlichen Erwägungen, des
Bundesgerichts für die Vorinstanz verbindlich bzw. die mit der
Neubeurteilung befasste (kantonale) Instanz hat die rechtliche
Beurteilung, mit der die Zurückweisung begründet wird, ihrer
Entscheidung zugrunde zu legen (siehe KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O.,
Rz. 1643; DORMANN, in: Niggli/Uebersax/Wiprächtiger/Kneubühler, a.a.O.,
Art. 107 Rz. 18; vgl. auch BGE 143 IV 214 E.5.3.3 m.H.a. 135 III 334 E.2.1;
Urteile des Bundesgerichts 4A_197/2020 vom 10. Dezember 2020 E.3.2.1
f., 2C_389/2013 vom 26. Oktober 2013 E.2.2.1, 2C_304/2013,
2C_305/2013 vom 22. Oktober 2013 E.2.1 und 2C_1071/2012 vom 7. Mai
2013 E.2). Durch die Rückweisung wird der Prozess in die Lage
zurückversetzt, in welcher er sich vor Erlass des aufgehobenen Urteils
befunden hat. Das Verfahren, welches von da an wieder einzuschlagen
ist, richtet sich nach dem massgebenden Prozessrecht. Das gilt – im
Rahmen des der Rückweisung unterliegenden Streitpunktes –
insbesondere auch für die Zulassung neuer Tatsachen und neuer
Beweismittel und es können – bei fehlenden verbindlichen
Sachverhaltsfeststellungen bzw. Überprüfungen seitens des
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Bundesgerichts (vgl. dazu BGE 143 IV 214 E.5.3.2 f.) – bereits im ersten
Beschwerdeverfahren vorhandene Beweise neu gewürdigt werden und im
Vergleich zum Vorurteil abweichende Sachverhaltsfeststellungen
getroffen werden (siehe BGE 143 IV 214 E.5.3.1 ff. sowie Urteil des
Bundesgerichts 4A_197/2020 vom 10. Dezember 2020 E.3.2.2 m.H.a.
BGE 61 II 358).
2. Das Bundesgericht erwog im Urteil 8C_521/2021 vom 22. März 2022 im
Wesentlichen, die Vorinstanz habe hauptsächlich auf die
Haushaltsabklärung vom 5. Februar 2020, namentlich auf die gemachten
Angaben sowie auf das von der Beschwerdeführerin und der
Spitexkrankenschwester unterzeichnete Formular "Bestätigung der
Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" abgestellt. Demgemäss wäre die
Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden zu 60 % als Coiffeuse und
zu 20 % als Sigristin tätig. In diametralen Widerspruch dazu stehe die
schriftliche Bestätigung der Spitexkrankenschwester vom 22. April 2020,
wonach die Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung vom
5. Februar 2020 mitgeteilt habe, sie würde 100 % arbeiten, wenn sie
gesund wäre. Zudem mache die Beschwerdeführerin – wie bereits im
bisherigen Verfahren – geltend, es liege bezüglich ihrer Angabe einer
teilzeitlichen Erwerbstätigkeit ein Missverständnis vor. Indem das
kantonale Gericht unter den gegebenen Umständen in antizipierter
Beweiswürdigung auf ergänzende Beweismassnahmen, insbesondere auf
die beantragte Einvernahme der Spitexkrankenschwester als Zeugin
verzichtet habe, habe es den Gehörsanspruch der Beschwerdeführerin
und den Untersuchungsgrundsatz verletzt. Bei der dargelegten
widersprüchlichen Ausgangslage sei keine sachlich nachvollziehbare
Begründung dafür ersichtlich, weshalb diesem Beweismittel zum
vornherein jede Erheblichkeit abzusprechen wäre. Vielmehr habe die
Vorinstanz selber eingeräumt, die bisherige Erwerbskarriere als
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alleinerziehende Mutter spräche grundsätzlich für die Ausübung einer
"hochprozentigen" Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall und es erschiene
nicht abwegig, wenn die Beschwerdeführerin bei Beendigung der
obligatorischen Schulzeit ihres jüngsten Kindes bzw. mit Vollendung
dessen 16. Lebensjahres ab August 2018 eine Steigerung auf ein
Vollzeitpensum vorgenommen hätte. Sie habe sich über die Angaben der
Beschwerdeführerin erstaunt gezeigt und habe die Ausübung einer
vollzeitlichen Erwerbstätigkeit durchaus als realistische Option gesehen.
Soweit das kantonale Gericht dann aber erwogen habe, die
Beschwerdeführerin habe die als Schutzbehauptung qualifizierte
Geltendmachung eines Missverständnisses im Wesentlichen erst im
verwaltungsrechtlichen (wohl recte: verwaltungsgerichtlichen) Verfahren
eingebracht, sei dem entgegenzuhalten, dass dies bereits im Einwand
vom 24. April 2020 geschehen und gleichzeitig insbesondere auch die
Bestätigung der Spitexkrankenschwester vom 22. April 2020 eingereicht
worden sei. Bevor die Beschwerdeführerin den Vorbescheid vom 10. März
2020 mit der Eröffnung, von welchem Status die IV-Stelle ausgegangen
sei, erhalten gehabt habe, habe dazu auch kein Anlass bestanden. Die
schriftliche Bestätigung vom 22. April 2020 könne schliesslich nicht
einfach als nachgeschobene Falschaussage abgetan werden, sondern
hätte in Anbetracht der unauflösbaren Widersprüchlichkeit der Aktenlage
in der entscheidwesentlichen Frage weitere Abklärungen erfordert. Ohne
solche habe die Vorinstanz nicht willkürfrei vom Bestehen hinreichender
Klarheit der für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen
Tatsachen ausgehen dürfen (siehe dortige E.5.2 f.).
3.1. Wie bereits im Verfahren S 20 88 bildet nach wie vor Streitgegenstand, ob
die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente verneint hat. Uneinigkeit
zwischen den Parteien besteht insbesondere hinsichtlich der
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anwendbaren Methode zur Bemessung des Invaliditätsgrades. Daneben
ist die vorhandene Einschränkung im Haushalt streitig. Unbestritten sind
demgegenüber die von der Beschwerdegegnerin angenommenen
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit von 40 % in einer adaptierten
Tätigkeit (Arbeiten in einer reizfreien Umgebung mit Pausen- und
Rückzugsmöglichkeiten) bzw. im Erwerbsbereich sowie die der
Invaliditätsbemessung zugrunde gelegten Validen- und
Invalideneinkommen.
3.2. Das Bundesgericht hat im Urteil 8C_521/2021 vom 22. März 2022
festgehalten, dass sich die vorliegende Streitsache nach den
Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) und derjenigen der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in der bis zum 31. Dezember
2021 gültig gewesenen Fassung beurteilt (vgl. dortige E.2.2). Dem ist
nichts hinzuzufügen.
4. In materieller Hinsicht steht die sogenannte Statusfrage im Zentrum, das
heisst die Frage, ob die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall ganz oder
teilzeitlich erwerbstätig oder nichterwerbstätig wäre. Während die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 15. Juni 2020
in Anwendung der gemischten Methode mit einer Gewichtung der Anteile
Erwerb und Haushalt von 80 % zu 20 % von einer teilzeitlichen
Erwerbstätigkeit ausging, wendet die Beschwerdeführerin ein, sie wäre bei
voller Gesundheit zu 100 % erwerbstätig, weshalb der Invaliditätsgrad
anhand der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs zu
bemessen sei.
4.1. Die Methode der Invaliditätsbemessung im (hypothetischen)
Gesundheitsfall richtet sich praxisgemäss danach, welche Tätigkeit die
versicherte Person im Zeitpunkt der massgebenden Rentenverfügung
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ausüben würde, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Die für die
Methodenwahl entscheidende Statusfrage (vollzeitliche, teilzeitliche
Erwerbstätigkeit oder Nichterwerbstätigkeit bzw. Tätigkeit in anerkanntem
Aufgabenbereich) beurteilt sich danach, was die versicherte Person bei im
Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitlichen
Beeinträchtigungen bestünden. Entscheidend ist also nicht, welches
Ausmass an Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall zumutbar wäre, sondern
in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Insbesondere bei
im Haushalt tätigen Versicherten sind die persönlichen, familiären,
sozialen und erwerblichen Verhältnisse sowie allfällige Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen
Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und
Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse wie
sie sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung entwickelt haben,
und die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten
(Teil-)Erwerbstätigkeit hat überwiegend wahrscheinlich zu sein. Die
zwangsläufig hypothetischen Beurteilungen (des Geschehensablaufes),
die auch hypothetische Willensentscheidungen der versicherten Person
berücksichtigen, sind wesensgemäss keiner direkten Beweisführung
zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien sowie
allenfalls Schlussfolgerungen auf Basis der allgemeinen Lebenserfahrung
abgeleitet werden. Dabei kann auch auf die Beweisregel hingewiesen
werden, wonach Aussagen der ersten Stunde in der Regel
beweistauglicher sind als spätere Aussagen, welche von nachträglichen
Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein
können (vgl. zum Ganzen BGE 144 I 28 E.2.3 f., 141 V 15 E.3.1 f. und 137
V 334 E.3.2; Urteile des Bundesgerichts 8C_540/2021 vom 7. Februar
2022 E.2.1 f., 8C_178/2021 vom 11. Mai 2021 E.3.1 f., 8C_29/2020 vom
19. Februar 2020 E.5.3.2, 9C_161/2019 vom 28. Juni 2019 E.5.2 f. und
5.4.3, 8C_145/2018 vom 8. August 2018 E.5.1, 9C_671/2017 vom 12. Juli
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2018 E.3.3.1 f. und 9C_92/2018 vom 12. April 2018 E.2.1 m.H.a. BGE 133
V 504 E.3.3). Mithin sind für die Beantwortung der Statusfrage im
Gesundheitsfall verschiedene Aspekte zu berücksichtigen, wozu neben
dem Vorgenannten und der finanziellen Notwendigkeit namentlich auch
die Erwerbskarriere zu zählen ist. Die in jedem Fall hypothetische Frage
nach dem (Erwerbs-)Status einer versicherten Person – unter
Berücksichtigung der sich bis zum Verfügungserlass verwirklichten
Gegebenheiten – ist also aufgrund einer umfassenden Betrachtungsweise
zu beurteilen (vgl. Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubündens [VGU] S 20 98 vom 22. Dezember 2020 E.6.2, S 19 105
vom 6. August 2020 E.4.1 und S 19 63 vom 14. Juli 2020 E.3.1 und 3.4).
4.2. Im vorliegenden Fall würdigte das streitberufene Gericht bereits im
(bundesgerichtlich aufgehobenen) Urteil S 20 88 zu Gunsten der
Beschwerdeführerin, dass sie in gesundheitlich stabilen Phasen vor ihrer
Erkrankung im Sommer 2013 durchaus in der Lage war, als
alleinerziehende Mutter in einem hohen Pensum erwerbstätig zu sein (vgl.
hierzu auch der psychiatrische RAD-Abklärungsbericht vom 8. August
2016 von Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
sowie zertifizierter medizinischer Gutachter SIM [Akten der
Beschwerdegegnerin im Verfahren S 20 88 {IV-act.} 131 S. 9 f.]). So ist
aktenkundig, dass sie neben ihrer seit dem 1. Mai 2008 ausgeübten
Tätigkeit als Sigristin im Umfang von 20 % (vgl. hierzu Anmeldung zum
Leistungsbezug vom 3. September 2013 [IV-act. 15], Fragebogen für
Arbeitgebende vom 26. September 2013 [IV-act. 30 S. 2], psychiatrische
RAD-Abklärung vom 21. Oktober 2014 von Dr. med. E._ [IV-act. 77
S. 3], IK-Auszug vom 13. Dezember 2016 [IV-act. 141 S. 2]) ab dem
1. Mai 2009 zusätzlich als Coiffeuse gearbeitet hat, zunächst in einem
Pensum von 50 % (vgl. Arbeitsvertrag vom 1. Juli 2009 [IV-act. 35 S. 9])
und ab dem 1. Januar 2013 in einem solchen von rund 60 % (vgl.
- 16 -
Fragebogen für Arbeitgebende vom 25. September 2013 [IV-act. 35 S. 2]),
bevor ihr per Ende September 2013 aus wirtschaftlichen Gründen
gekündigt worden war (vgl. Kündigungsschreiben vom 30. Juli 2013 [IV-
act. 32]). Ihre beiden Kinder (geboren am 27. Oktober 2000 und 30. Juli
2002 [vgl. IV-act. 29]) waren damals, als sie ab dem 1. Mai 2009 zu
insgesamt 70 % erwerbstätig war, erst gut acht bzw. knapp sieben Jahre
alt; Anfang 2013, als sie gesamthaft in einem Pensum von 80 % arbeitete,
knapp zehneinhalb Jahre bzw. etwas über zwölf Jahre alt. Anlässlich ihrer
Tätigkeit als Coiffeuse leistete sie zudem sehr viele Überstunden (vgl.
Aktennotiz vom 5. September 2013 [IV-act. 19], Verlaufsprotokoll
Eingliederung, Eintrag vom 9. Oktober 2013 [IV-act. 44 S. 2]), was denn
letztlich auch zu einer Überforderung führte und zur erlittenen
Erschöpfungsdepression beitrug (vgl. Bericht von Dr. med. B._ vom
23. September 2013 [IV-act. 27 S. 2], Evaluationsgespräch Eingliederung
vom 24. September 2013 [IV-act. 33 S. 1], psychiatrische RAD-Abklärung
vom 21. Oktober 2014 von Dr. med. E._ [IV-act. 77 S. 3 f. und 5]).
Ferner ist aktenmässig erstellt, dass sie sich nach der Geburt ihrer Kinder
zunächst ganz aus dem Erwerbsleben zurückzog (vgl. Anmeldung zum
Leistungsbezug vom 23. Dezember 2007 [IV-act. 1 S. 6],
Evaluationsgespräch Eingliederung vom 24. September 2013 [IV-act. 33
S. 2], rheumatologische RAD-Abklärung vom 21. Oktober 2014 von
Dr. med. F._, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin,
Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie zertifizierter medizinischer
Gutachter SIM [IV-act. 77 S. 9], IK-Auszug vom 13. Dezember 2016 [IV-
act. 141]), bevor sie nach der Trennung von ihrem damaligen Ehemann
beruflich wieder einstieg, aufgrund ihrer Betreuungs- und
Unterstützungspflichten gegenüber ihren Kindern jedoch keine
vollzeitliche Anstellung annehmen konnte (vgl. Aktennotiz vom
5. September 2013 [IV-act. 19], psychiatrischer RAD-Abklärungsbericht
vom 8. August 2016 von Dr. med. E._ [IV-act. 131 S. 5]). Das
- 17 -
streitberufene Gericht schloss daraus im Verfahren S 20 88, dass die
bisherige Erwerbskarriere der Beschwerdeführerin als alleinerziehende
Mutter grundsätzlich für die Ausübung einer hochprozentigen
Erwerbstätigkeit im hypothetischen Gesundheitsfall spräche, wobei es
nicht abwegig erschiene, wenn sie bei guter Gesundheit bei Beendigung
der obligatorischen Schulzeit ihres jüngsten Kindes bzw. mit Vollendung
dessen 16. Lebensjahres (d.h. am 30. Juli 2018) ab August 2018 eine
Steigerung auf ein Vollzeitpensum unternommen hätte. Dies habe sie
denn auch bereits so in ihrem Einwand vom 15. Februar 2017 vorgebracht
(siehe IV-act. 147 S. 2 ff.). Das streitberufene Gericht zeigte sich daher
erstaunt darüber, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Abklärung
vor Ort am 5. Februar 2020 – als ihr jüngeres Kind gar schon gut
siebzehneinhalb Jahre alt war – wie bereits im Rahmen der
Haushaltsabklärung vom 24. November 2016 (vgl. IV-act. 137 und IV-
act. 138 S. 3 und 8) erneut angab, sie wäre ohne Gesundheitsschaden zu
60 % als Coiffeuse und zu 20 % als Sigristin tätig (vgl. Formular
"Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" vom 5. Februar 2020
[IV-act. 229] und Abklärungsbericht Haushalt vom 12./19. Februar 2020
[IV-act. 230 S. 2, 4 und 12]). Denn damit widersprach sie ihrer zuvor
vertretenen Ansicht, wonach sie bei voller Gesundheit nach Vollendung
des 16. Altersjahres ihres jüngsten Kindes (ab August 2018) zu 100 %
erwerbstätig wäre, weshalb das streitberufene Gericht diese auch in der
Beschwerde vertretene Auffassung relativierte (vgl. VGU S 20 88 vom
15. Dezember 2020 E.6.3.1).
4.3. In Nachachtung des Rückweisungsentscheids des Bundesgerichts führte
das Verwaltungsgericht am 2. Juni 2022 zur Frage der Erwerbstätigkeit
der Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall bzw. zur Haushaltsabklärung
vom 5. Februar 2020 ein Beweisverfahren durch, wobei neben O._
auch die Abklärungspersonen P._ und Q._ als Zeuginnen
- 18 -
einvernommen sowie die Beschwerdeführerin als Beteiligte befragt
wurden. Denn der als Vorinstanz des Bundesgerichts tätigen
Rechtsmittelinstanz ist es – namentlich in Nachachtung des
Untersuchungsgrundsatzes – bei einem Rückweisungsentscheid, welcher
den Sachverhalt nicht verbindlich festgelegt hat, unbenommen, im
Rahmen des anwendbaren Prozessrechts auch zusätzliche Beweise
abzunehmen, welche bereits in einem früheren Verfahrensstadium hätten
erhoben werden können, soweit es nach deren Ansicht der
Wahrheitsfindung dient (vgl. BGE 143 IV 214 E.5.4 sowie Art. 61 lit. c
Bundesgesetzes über den Allgemeinen des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1] und Art. 11 f. VRG).
Gemäss Art. 61 lit. c in fine ATSG würdigt das streitberufene Gericht die
Beweise frei (siehe dazu BGE 132 V 393 und 125 V 351 E.3a sowie
KIESER, Kommentar zum Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts ATSG, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020,
Art. 43 Rz. 61 ff. und Art. 61 Rz. 130 ff.). Die Bewertung von
Zeugenaussagen, welche grundsätzlich Aussagen über unmittelbar
Wahrgenommenes betreffen (vgl. dazu Art. 169 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 12 Abs. 3 VRG), kann nach
verschiedenen Kriterien erfolgen. Zum einen geht es um die
Glaubwürdigkeit der Aussage, wobei namentlich Detaillierung,
Individualität, Verflechtung und Konstanz im Kerngeschehen relevant sind.
Sind etwa Auskünfte stimmig, erhöht dies die Glaubwürdigkeit, wogegen
Widersprüche und Unsicherheiten sie grundsätzlich vermindern. Immerhin
müssen Lücken in der Aussage nicht zwingend den Beweiswert
reduzieren. Weiter können Wahrnehmungs- und Erinnerungsfehler (siehe
dazu auch KAUFMANN, Beweisführung und Beweiswürdigung,
Zürich/St. Gallen 2009, S. 75 ff. und 200) den Beweiswert einer Aussage
beeinträchtigten, insbesondere, wenn zeitlich weit zurückliegende
- 19 -
Geschehnisse Gegenstand des Zeugnisses bilden. Sodann darf die
Interessen- und Motivationslage der Zeugin oder des Zeugen
berücksichtigt werden. Etwa Interessen- und Loyalitätskonflikte zu einer
Partei oder auch ein Interesse der befragten Person am Ausgang des
Prozesses können den Beweiswert – unabhängig von der Strafandrohung
gemäss Art. 307 StGB – herabsetzen. Weiter ist auch das
Aussageverhalten der Zeugin oder des Zeugen zu berücksichtigen. So
können stereotype oder gehemmte Aussagen darauf hindeuten, dass die
befragte Person unter Druck gesetzt wurde, was sich nachteilig auf den
Beweiswert auswirken kann. Andererseits kann das Aussageverhalten
auch ehrlich sein, wenn mit Nichtwissen geantwortet wird. Gesamthaft
betrachtet ist zur berücksichtigen, dass Zeuginnen oder Zeugen wegen
der zahlreichen Umstände, welche ihre Aussagen beeinflussen können,
nicht zu den zuverlässigsten Beweismitteln zu zählen sind (siehe zum
Ganzen: HASENBÖHLER, Das Beweisrecht der ZPO, Band 1,
Zürich/Basel/Genf 2015, S. 179 ff. Rz. 5.21 ff. und KAUFMANN, a.a.O.,
S. 200 ff.). Parteibefragungen unterliegen (ebenfalls) der freien
Beweiswürdigung (siehe HASENBÖHLER, a.a.O., S. 191 Rz. 5.55).
4.3.1. Im Rahmen des Beweisverfahrens konnte hinsichtlich der Frage, ob die
Abklärungspersonen der Beschwerdeführerin anlässlich der
Unterzeichnung des Formulars "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei
Gesundheit" am 5. Februar 2020 (siehe IV-act. 229) zugesichert haben
sollen, dass dieses nur für die Akten wäre und keine Rollen spielen würde,
Klarheit geschaffen werden. Hierzu erwog das streitberufene Gericht
bereits in seinem Urteil S 20 88 vom 15. Dezember 2020 was folgt (vgl.
dortige E.6.3.2):
"Die Beschwerdeführerin kann auch nichts daraus ableiten, als sie vorbringt, ihr sei bei der Unterzeichnung des Formulars "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" zugesichert worden, dass dies nur für die Akten wäre und keine Rolle spielen würde, weshalb sie der Unterzeichnung keine Bedeutung
- 20 -
zugemessen habe, nachdem sie klar kommuniziert haben will, dass sie bei voller Gesundheit zu 100 % arbeiten würde, was auch die Spitexkrankenschwester, O._, (in ihrem Schreiben vom 22. April 2020) unterschriftlich bestätigt habe. Vielmehr ist der Beschwerdegegnerin darin beizupflichten, dass es der allgemeinen Lebenserfahrung entspricht, dass unterschriebene Dokumente im Rechtsverkehr gegenüber Behörden bedeutsam sind, und die Unterschrift insofern bezeugt, dass der Inhalt des betreffenden Dokuments dem Willen der Unterzeichnenden entspricht. Daher mutet es sehr sonderbar an, wenn die Beschwerdeführerin behauptet, ihr sei von den Abklärungspersonen zugesichert worden, dass die Unterzeichnung des Formulars "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" keine Bedeutung hätte, kommt diesem Dokument in der Praxis doch gerade bei Haushaltsabklärungen in beweisrechtlicher Hinsicht eine wichtige Funktion zu. Zudem erscheint es wenig glaubwürdig, dass die Beschwerdeführerin in einem handschriftlich auszufüllenden Formular unterschriftlich bestätigt hätte, dass sie im hypothetischen Gesundheitsfall zu 60 % als Coiffeuse und zu 20 % als Sigristin tätig wäre, wenn sie zuvor noch klar die Auffassung kommuniziert haben sollte, bei guter Gesundheit zu 100 % zu arbeiten. Hinzu kommt, dass dieses Vorbringen erstmals im vorliegenden Verfahren geltend gemacht worden ist und im Rahmen des Einwandes vom 24. April 2020 noch nicht thematisiert worden war, obwohl auch schon damals die Anwendung der gemischten Methode bzw. die Erwerbstätigkeit von (nur) 80 % im Gesundheitsfall gestützt auf das am 5. Februar 2020 anlässlich der Abklärung vor Ort ausgefüllten Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" bzw. den Abklärungsbericht vom 12./19. Februar 2020 seitens der Beschwerdeführerin ausführlich kritisiert und ein Missverständnis geltend gemacht worden war (siehe IV-act. 229 f., 234 S. 2 und IV-act. 237 S. 2 ff.). Erst als die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 15. Juni 2020 betreffend die im Einwand vom 24. April 2020 angeführte Begründung für das Missverständnis (neben dem 20 %-Pensum als Sigristin hätte die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall eine Pensumsergänzung von 80 % in einem anderen Bereich gesucht) darauf hingewiesen hatte, dass im Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" neben einem 20 %-Pensum als Sigristin explizit ein seitens der Beschwerdeführerin (und der ebenfalls anwesenden Spitexkrankenschwester) unterschriftlich bestätigtes Pensum von 60 % als Coiffeuse angegeben worden sei (siehe IV-act. 229 und 240 S. 3 f.), wurde im vorliegenden Verfahren noch die vorstehend erwähnte Zusicherung seitens der Abklärungspersonen angeführt. Warum die erst vorliegend erhobene Rüge nicht bereits im Einwandverfahren vorgebracht wurde, ist für das streitberufene Gericht unter diesen Umständen nicht nachvollziehbar und somit viel eher als Schutzbehauptung aufzufassen, weshalb auch die ins Recht gelegte Stellungnahme der Spitexkrankenschwester vom 22. April 2020, worin diese bestätigte, dass die Beschwerdeführerin am 5. Februar 2020 gegenüber dem Abklärungsdienst mitgeteilt habe, dass sie im
- 21 -
Gesundheitsfall zu 100 % arbeiten würde (siehe IV-act. 237 S. 6), nichts zu ändern vermag."
Aus diesen Ausführungen erhellt klar, dass das streitberufene Gericht das
aktenkundigerweise erst im verwaltungsgerichtlichen Verfahren S 20 88
geltend gemachte Vorbringen, wonach der Beschwerdeführerin von
Seiten der Abklärungspersonen zugesichert worden sein soll, dass das
auszufüllende Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit"
nur für die Akten wäre und keine Rolle spielen würde (siehe dazu die
Beschwerde vom 29. Juli 2020, S. 8, zweiter Absatz, zweiter Satz), unter
den gegebenen Umständen als nicht nachvollziehbar und eher als
Schutzbehauptung einstufte. Daher überzeugt es nicht, wenn die
Beschwerdeführerin im Rahmen der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten vom 5. August 2021 an das Bundesgericht dem
streitberufenen Gericht vorwarf, aktenwidrig und zulasten der Versicherten
angenommen zu haben, dass sie (gemeint die Beschwerdeführerin) erst
im verwaltungsgerichtlichen Verfahren die Schutzbehauptung eines
Missverständnisses vorgebracht habe, wenn sie dieses bereits im
Einwand vom 24. April 2020 aufgeführt habe (S. 10 f. der Beschwerde in
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten vom 5. August 2021). Vielmehr
bezog sich – wie dargelegt – das vom Verwaltungsgericht eher als
Schutzbehauptung qualifizierte Vorbringen der Beschwerdeführerin auf
die vorstehend erwähnte angebliche Zusicherung der
Abklärungspersonen, die dazu geführt haben soll, dass die
Beschwerdeführerin der Unterzeichnung des besagten Formulars keine
Bedeutung beigemessen habe, während das streitberufene Gericht sehr
wohl erkannt hatte, dass im Einwand vom 24. April 2020 (siehe IV-
act. 237) ein Missverständnis geltend gemacht worden war (vgl. VGU S 20
88 vom 15. Dezember 2020 E.4.1 und E.6.3.2). Die von der
Beschwerdeführerin gemachte, irrige Verknüpfung der Schutzbehauptung
mit einem Missverständnis in der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
- 22 -
Angelegenheiten vom 5. August 2021 verleitete sodann wohl auch das
Bundesgericht letztlich zu der unzutreffenden Annahme, dass das
kantonale Gericht erwogen habe, die Beschwerdeführerin habe die als
Schutzbehauptung qualifizierte Geltendmachung eines
Missverständnisses im Wesentlichen erst im verwaltungsrechtlichen
(recte: verwaltungsgerichtlichen) Verfahren eingebracht, dem es
entgegenhielt, dass dies bereits im Einwand vom 24. April 2020 gesehen
sei (siehe Urteil des Bundesgerichts 8C_521/2021 vom 22. März 2022
E.5.3). Soweit diese Erwägung (irrtümlicherweise) mitunter ein Grund
dafür darstellte, die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an das
Verwaltungsgericht zurückzuweisen, brachten die durchgeführten
Einvernahmen der Zeuginnen insoweit Klarheit, als dass der
Beschwerdeführerin von Seiten der Abklärungspersonen anlässlich der
Unterzeichnung des Formulars "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei
Gesundheit" im Rahmen der Haushaltsabklärung am 5. Februar 2020
keine solche Zusicherung abgegeben worden ist. So verneinte die Zeugin
P._ die seitens des Gerichts gestellte Frage, ob sie oder (die andere
Abklärungsperson) Q._ der Beschwerdeführerin gesagt hätten, dass
dieses Formular nur für die Akten sei und die dadurch vorgenommene
Bestätigung des Erwerbpensums im Gesundheitsfall keine Rolle spielen
würde, ausdrücklich (siehe Protokoll zur Zeugeneinvernahme von 2. Juni
2022 von P._ [nachfolgend EV-Prot. P._] S. 5). Auch die Zeugin
Q._ führte aus, dass sie sich angesichts der Wichtigkeit dieses
Dokuments nicht vorstellen könnte, so etwas gesagt zu haben oder einer
solchen Aussage von P._ nicht widersprochen zu haben (siehe
Protokoll zur Zeugeneinvernahme von 2. Juni 2022 von Q._
[nachfolgend EV-Prot. Q._] S. 6). Die Zeugin O._ konnte sich
nicht mehr daran erinnern, ob Derartiges seitens der Abklärungspersonen
gesagt worden sei (siehe Protokoll zur Zeugeneinvernahme vom 2. Juni
2022 von O._ [nachfolgend EV-Prot. O._] S. 7). Insofern
- 23 -
verbleibt einzig die Beschwerdeführerin, welche ausgesagt hat, es soll
gesagt worden sein, dass dem Formular kein Gewicht beigemessen
werde, ihr nun aber die schriftliche Angabe (auf dem Formular
"Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit") zum Nachteil gereiche.
Angesichts des Umstandes, dass es – infolge der notorischen Relevanz
der Angaben in diesem (grundsätzlich) durch die versicherte Person selbst
auszufüllenden Abklärungsformular – nach wie vor nicht nachvollziehbar
ist, weshalb die Abklärungspersonen eine solche Zusicherung hätten
geben sollen, dies von ihnen anlässlich der Einvernahme am 2. Juni 2022
denn auch ausdrücklich verneint wurde und zudem die Aussagen der
Beschwerdeführerin dazu wage bleiben (siehe Protokoll zur Befragung
vom 2. Juni 2022 der Beschwerdeführerin [nachfolgend Prot. Bf.] S. 7), ist
im Rahmen der freien Beweiswürdigung (vgl. dazu BGE 132 V 396 E.2.1
und 125 V 351 E.3a sowie KIESER, a.a.O., Art. 43 Rz. 61 ff. und Art. 61
Rz. 130 ff.) die behauptete Zusicherung der Unerheblichkeit dieses
Formular als nicht erstellt zu betrachten.
4.3.2. Aus den durchgeführten Einvernahmen ergab sich zudem, dass die
Beschwerdeführerin das Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei
Gesundheit" eher gegen Ende der Haushaltsabklärung vom 5. Februar
2020 eigenhändig ausgefüllt und unterzeichnet hatte. Grund dafür war,
dass die Beschwerdeführerin ziemlich aufgeregt und nach deren eigenen
Angaben aufgebracht gewesen sein soll, weshalb das Ausfüllen des
Formulars auf einen späteren Zeitpunkt im Verlauf des
Haushaltsabklärungsgesprächs vorschoben worden sei (siehe EV-Prot.
P._ S. 3, 4 und 5, EV-Prot. Q._ S. 4, 6 und 9 f. und Prot. Bf. S. 6).
Die Abklärungsperson und Zeugin P._ sagte dabei aus, der
Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung vom 5. Februar
2020 das Formular erklärt und erwähnt zu haben, sie müsse sich
vorstellen, wie viel sie arbeiten würde, wenn sie gesund wäre (siehe EV-
- 24 -
Prot. P._ S. 3). Eine konkrete Einflussnahme seitens des
Abklärungsdienstes auf den Inhalt des auszufüllenden Dokuments wurde
verneint (siehe EV-Prot. P._ S. 7). Inwiefern das klar aufgebaute
Formular mit dem Titel "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit",
worin namentlich erfragt wird, zu wie vielen Prozenten die versicherte
Person ohne den Gesundheitsschaden erwerbstätig wäre, für eine
Durchschnittsperson keine genügend klare Fragestellung enthalten soll,
vermag nicht einzuleuchten.
4.3.3. Soweit die Beschwerdeführerin ferner implizieren sollte, die
Abklärungspersonen würden durch die Kenntnisnahme des Akteninhalts,
namentlich des Case Reports, oder von
invaliditätsgradberechnungsrelevanten Faktoren im Rahmen der
Auftragserteilung im Hinblick auf die Erfragung des Erwerbspensums im
Gesundheitsfall anlässlich der Abklärung vor Ort ihren Fokus darauf legen,
Leistungen verweigern zu können, kann ihr nicht gefolgt werden (vgl. EV-
Prot. Q._ S. 6 ff.; Verhandlungsprotokoll vom 2. Juni 2022 S. 4; vgl.
auch schriftlicher Parteivortrag der Beschwerdeführerin vom 2. Juni 2022
S. 4). Denn vorab ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass
für die Beweiskraft eines solchen Haushaltsabklärungsberichts
vorausgesetzt ist, dass er durch fachkundige Abklärungspersonen in
Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie namentlich der
sich aus den ärztlichen Diagnosen ergebenden Einschränkungen und
Beeinträchtigungen abgegeben wird (siehe LEUZINGER-NAEF, Beweismittel
und Beweiswürdigung, in: Riemer-Kafka (Hrsg.), Beweisfragen in
sozialversicherungsrechtlichen Verfahren, Zürich/Basel/Genf 2013, S. 67;
vgl. auch Urteile des Bundesgerichts 8C_690/2020 vom 23. März 2021
E.1 und 2.2, 8C_490/2020 vom 25. September 2020 E.7.1 ff.,
9C_157/2020 vom 18. Juni 2020 E.5.2.1 und 8C_748/2019 vom 7. Januar
2020 E.5.2, je m.H.a. BGE 140 V 543 E.3.2.1). Insofern ist eine
- 25 -
entsprechende Aktenkenntnis durch die Abklärungspersonen
unabdingbar, was auch für allfällige frühere Erwerbstätigkeiten und
Statusfestlegungen der versicherten Person zutrifft, da diese im Hinblick
auf die Plausibilisierung der Angaben der Versicherten anlässlich der
Abklärung vor Ort erforderlich sein können. Diesen Anforderungen
entsprechend wurde vorliegend im Haushaltsabklärungsbericht vom
12./19. Februar 2020 die für den Leistungsanspruch relevanten
Eckpunkte, namentlich jene zu den gesundheitlichen Einschränkungen
der Beschwerdeführerin, festgehalten (siehe IV-act. 230 S. 1 f.). Im
Auftrag zur Haushaltsabklärung vom 12. Dezember 2019 wurde
ausserdem die voraussichtliche Invaliditätsgradbemessungsmethode
sowie die voraussichtliche Aufteilung des Erwerbs- und Haushaltsanteils
gestützt auf die vormalige Haushaltsabklärung festgehalten (siehe IV-
act. 227). Die Zeugin Q._ verneinte dabei, dass sie sich die
(eigentliche) Invaliditätsgradbemessung, – wenn diese im Zeitpunkt des
Abklärungsauftrages des Teams Koordination/Rente an den
Abklärungsdienst überhaupt schon aktenkundig sei –, jeweils ansehe. Für
sie sei es wesentlich, dass sie ihre Aufgabe erfülle und dies sei (unter
anderem) die Erwerbstätigkeit bei Gesundheit möglichst exakt abzuklären.
Auch vorliegend datiert die Invaliditätsgradsbemessung vom 10. März
2020 und wurde somit erst nach der Haushaltsabklärung am 5. Februar
2020 bzw. der Berichterstattung dazu ermittelt (siehe IV-act. 241 S. 16 und
IV-act. 230). Weiter hielt die Zeugin Q._ ausdrücklich und
glaubwürdig fest, dass sie sich trotz der im Auftrag enthaltenden Angabe
zum voraussichtlichen Erwerbspensum bei Gesundheit, welches
vorliegend bei der Beschwerdeführerin 80 % betragen habe, frei fühle, von
diesem abzuweichen. Es komme mitunter vor, dass der vom Team
Koordination/Rente angegebene Wert nicht mit dem übereinstimme, was
von der versicherten Person auf dem Formular "Bestätigung der
Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" festgehalten werde. Letztenendes fülle
- 26 -
dieses Formular die versicherte Person aus (siehe EV-Prot. Q._
S. 8). Inwiefern die Abklärungspersonen nur aufgrund ihres
Anstellungsverhältnisses zur Beschwerdegegnerin ein gewichtiges
Interesse am Verfahrensausgang bzw. an einer (Nicht-)Zusprechung von
Leistungen haben sollen, ist im Allgemeinen und auch im vorliegenden Fall
nicht ersichtlich. Denn abgesehen davon, dass bei den
Abklärungspersonen nicht alleine aufgrund ihres Anstellungsverhältnisses
zum Versicherungsträger auf eine mangelnde Objektivität und
Befangenheit geschlossen werden kann (vgl. zur grundsätzlichen
Beweiseignung von versicherungsinternen Arztberichten und Gutachten:
BGE 137 V 210 E.1.4 und 125 V 351 E.3b/ee sowie Urteile des
Bundesgerichts 8C_446/2021 vom 25. Januar 2022 E.2.3 und
8C_875/2017 vom 5. Juli 2018 E.3.2), erschöpft sich ihr Auftrag in der
Abklärung der Verhältnisse vor Ort (siehe EV-Prot. Q._ S. 7 f.).
Schliesslich haben sich entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
anlässlich der Einvernahmen keine Hinweise darauf ergeben, dass die
Frage nach der Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall absichtlich so gestellt
worden wäre, damit die Versicherte sich in Widersprüche verwickle.
Insofern ist kein Verstoss gegen den Grundsatz von Treu und Glauben
oder den Untersuchungsgrundsatz (vgl. Art. 43 ATSG) seitens der
Beschwerdegegnerin auszumachen.
4.3.4. Die Beschwerdeführerin gab im besagten Formular an, ohne den
Gesundheitsschaden zu 60 % als Coiffeuse und zu 20 % als Sigristin tätig
zu sein. Dies bestätigte sie genauso wie O._ am 5. Februar 2020
unterschriftlich (siehe IV-act. 229). Letztere gab anlässlich der
Einvernahme dazu zu Protokoll, mit ihrer Unterschrift bestätigt zu haben,
dass sie während der Haushaltsabklärung anwesend gewesen sei und
bemerkt bzw. zugestimmt zu haben, was protokolliert worden sei (siehe
EV-Prot. O._ S. 6 und 7). Dabei ging sie jedoch von der irrigen
- 27 -
Annahme aus, dass die Abklärungspersonen – und nicht die
Beschwerdeführerin selbst – das Formular ausgefüllt hätten (EV-Prot.
O._ S. 6). Auch kann der Beschwerdeführerin nicht gefolgt werden,
wenn sie die "unbedarfte Unterzeichnung" des Formulars auf ihre
krankheitsbedingte Konzentrationsschwäche und die
Medikamenteneinwirkung zurückführte. Vielmehr stellte RAD-Arzt
Dr. med. E._ in seiner ausführlichen Abklärung vom 11. Juli 2016
trotz der relativ langen Liste der eingenommenen Medikamente (siehe
dazu IV-act. 131 S. 6) aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin und
den ermittelten Testergebnissen nachvollziehbar lediglich eine
leichtgradig ausgeprägte Konzentrationsstörung fest (vgl. IV-act. 131 S. 4
und 8; siehe ferner den Arztbericht von Oberärztin R._ und
Psychologin S._ vom 10. November 2014 betreffend die zweite
Hospitalisation in der Klinik C._ [IV-act. 76 S. 5]). Auch im Rahmen
der zuletzt durchgeführten Eingliederungsmassnahme wies die
Beschwerdeführerin grundsätzlich eine gute Konzentrationsfähigkeit auf
(vgl. etwa Verlaufsprotokoll Berufsberatung, Einträge vom 12. September
2018 [IV-act. 193 S. 1 f.], 24. Oktober 2018 [IV-act. 193 S. 3],
19. Dezember 2018 [IV-act. 193 S. 4], 30. Januar 2019 [IV-act. 199 S. 1 f.]
und 14. März 2019 [IV-act. 206 S. 11]). Zudem vermerkten die
Abklärungspersonen anlässlich der Haushaltsabklärung vom 5. Februar
2020, dass sie zwar den Eindruck hätten, die Wirkung der Medikamente
wahrzunehmen, die Beschwerdeführerin aber dennoch aufmerksam
gewesen sei und in adäquatem Zeitrahmen auf die Fragen reagiert habe
(siehe IV-act. 230 S. 12). Dies bestätigte sich auch während der
Befragung der Beschwerdeführerin am 2. Juni 2022: Dabei war sie in der
Lage, auch nach mehreren Zeugeneinvernahmen, denen sie beigewohnt
hatte, den Fragen des Gerichts zu folgen und diese zu beantworten, wobei
kein Aufmerksamkeits- oder Konzentrationsverlust zu beobachten war.
Was den Medikamenteneinfluss anbelangt, gab sie an, immer
- 28 -
Medikamente einnehmen zu müssen und unter deren Einfluss zu stehen
(siehe Prot. Bf. S. 8 und 10). Demnach ist anzunehmen, dass sich dieser
auf die anlässlich der Haushaltabklärung vom 5. Februar 2020
abgegebene mündliche Aussage zur Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall
gleichermassen ausgewirkt hatte wie auf die schriftliche Bestätigung
davon auf dem entsprechenden Formular. Angesichts der aktenkundigen
Hörgeräteversorgung der Beschwerdeführerin (siehe dazu etwa IV-
act. 54 f. und 243) ist zudem noch festzuhalten, dass ihrerseits weder
akustische Verständnisschwierigkeiten geltend gemachten worden waren,
noch solche anlässlich ihrer Befragung am 2. Juni 2022 aufgefallen wären.
4.3.5. Für die Abklärungspersonen bestand in Anbetracht der Angaben auf dem
erwähnten Formular vom 5. Februar 2020 kein Anlass, genauer
nachzufragen, stimmte doch das von der Beschwerdeführerin
angegebene Erwerbspensum im Gesundheitsfall mit den Angaben im
Auftrag an den Abklärungsdienst vom 12. Dezember 2019 (siehe IV-
act. 227) – unter Verweis auf den Haushaltsabklärungsbericht vom
28. November/1. Dezember 2016 (IV-act. 138) – über die
"voraussichtliche Bemessungsmethode" und die "voraussichtliche
Qualifikation (gemäss letzter AD-Abklärung)" von 80 % Erwerb und 20 %
Haushalt genauso überein wie mit der letzten, rechtskräftigen
Statusfestsetzung (siehe IV-act. 144 S. 3, 157 S. 17 ff. und IV-act. 241
S. 2 f. sowie EV-Prot. Q._ S. 7 f.). Diese erfolgte gestützt auf die
damaligen echtzeitlichen Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der
Haushaltsabklärung vom 24. November 2016, worin ein Erwerbspensum
im Gesundheitsfall von insgesamt 80 % (60 % Coiffeuse und 20 %
Sigristin) angegeben worden war (siehe IV-act. 137 und IV-act. 138 S. 3
und 8). Dabei hatte die Beschwerdeführerin anlässlich der psychiatrischen
RAD-Abklärung am 11. Juli 2016 – nur gerade fünf Monate früher – auf
die Frage, ob sie (weiterhin) zu 80 % arbeiten würde, wenn sie gesund
- 29 -
wäre, noch verneinend geantwortet, dass ihr das zu viel wäre, da ihr Sohn
ja auch noch Unterstützung brauche (siehe IV-act. 131 S. 5). Anlässlich
der Haushaltsabklärung vom 24. November 2016 bestritt die
Beschwerdeführerin und ihr Lebenspartner wiederum nachträglich, eine
solche Aussage anlässlich der RAD-Abklärung vom 11. Juli 2016 gemacht
zu haben (siehe IV-act. 138 S. 8). Im Einwand vom 15. Februar 2017
(siehe IV-act. 147) machte die (nunmehr anwaltlich vertretene)
Beschwerdeführerin sodann geltend, dass sie im Gesundheitsfall
vollerwerbstätig wäre. Zur Begründung liess sie anführen, sie hätte ab
dem 30. Juli bzw. 1. August 2018, wenn ihr jüngstes Kind 16 Jahre alt
würde und die obligatorische Schulzeit ende, aufgrund ihrer Lebens- und
Erwerbsbiografie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine 100%ige
Erwerbstätigkeit aufgenommen. Dies solle sich auch aus der Ziffer 2b des
Haushaltsabklärungsberichts vom 28. November/1. Dezember 2016
ergeben. Eine Gewichtung von 80 % Erwerb und 20 % Haushalt sei
mindestens ab dem 1. August 2018 nicht mehr gerechtfertigt. Entgegen
der Darstellung der Beschwerdeführerin ergibt sich aus Ziffer 2b aber
gerade keine Angabe, welche klar auf ein Vollzeiterwerbspensum im
Gesundheitsfall schliessen liesse. Vielmehr wird darin im Wesentlichen
erwähnt, die Beschwerdeführerin würde aktuell ohne Behinderung zu
20 % als Sigristin und zu 60 % als Coiffeuse erwerbstätig sein und könnte
– unter Berücksichtigung der erhaltenen Unterhaltsbeträge – ihren
Lebensunterhalt und derjenige ihrer Kinder gut finanzieren (siehe IV-
act. 138 S. 3). Zudem hielt die Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom
29. Juni 2017 (siehe dazu IV-act. 241 S. 2) bereits fest, dass trotz diesem
Einwand, der sich betreffend die Statusfrage auf eine Erwerbssituation in
einem Zeitpunkt nach Erlass der Verfügung beziehe, es auch zukünftig –
bei fortgeschrittenem Alter der Kinder – aufgrund der lebensecht
erscheinenden Aussagen der Beschwerdeführerin anlässlich der
Haushaltsabklärung vom 24. November 2016 durchaus möglich wäre, im
- 30 -
August 2018 festzustellen, dass der Darstellung der Beschwerdeführerin
in ihrem Einwand vom 15. Februar 2017 nicht gefolgt werden könne (siehe
IV-act. 155 S. 3 f.). Dabei erwähnte die Beschwerdegegnerin bereits die
Beweiswürdigungsrichtlinie der "Aussage der ersten Stunde", welche
hinsichtlich einer allfälligen Beeinflussung versicherungsrechtlicher oder
anderer Art als unbefangener und zuverlässiger gelte. Schlussendlich
konnte aber seitens der Beschwerdegegnerin eine detailliertere
Auseinandersetzung mit den im Einwand vorgebrachten Umständen
unterbleiben, da sich die geltend gemachten Veränderungen auf die
Zukunft bezogen. Nur weil die Beschwerdeführerin bereits früher mit
diesen, für den damaligen Entscheid nicht relevanten
Sachverhaltsänderungen gegen die Qualifikation als Teilerwerbstätige
opponiert hatte, bestand für die Abklärungspersonen anlässlich der
Haushaltsabklärung vom 5. Februar 2020 – entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin – kein hinreichender Grund, die Angaben der
Beschwerdeführerin gemäss Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit
bei Gesundheit" vertieft zu hinterfragen (siehe auch bereits die
vorstehende Erwägung 4.3.3). Soweit die Beschwerdeführerin geltend
macht, sie habe die Frage nach ihrem Status nicht verstanden, ist darauf
hinzuweisen, dass die Zeugin P._ hinsichtlich der Angabe der
Beschwerdeführerin zu ihrer Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall auf dem
Formular vom 5. Februar 2020 keine Hinweise für ein Missverständnis
erkennen konnte. Zudem habe sie der Beschwerdeführerin erläutert, dass
sie sich beim Ausfüllen des Formulars vorstellen müsse, was sie arbeiten
würde, wenn sie gesund wäre (siehe EV-Prot. P._ S. 3 f.). Hinweise
auf ein wesentliches Missverständnis in diesem Punkt waren auch der
Zeugin O._ nicht bewusst (siehe EV- Prot. O._ S. 4). Ebenso
wenig konnte sich die Zeugin Q._ vorstellen, dass sich ein
Missverständnis ergeben habe (siehe EV-Prot. S. 5). Einzig die
Beschwerdeführerin bejaht ein Missverständnis (siehe Prot. Bf. S. 5). Wie
- 31 -
in den nachstehenden Erwägungen 4.4.3 f. noch dargelegt wird,
überzeugen ihre Erklärungen dafür (siehe Prot. Bf. S. 5 ff.) aber nicht.
Insofern ist nicht ersichtlich, weshalb die Abklärungspersonen anlässlich
der Haushaltsabklärung vom 5. Februar 2020 zu vertieften Rückfragen bei
der Beschwerdeführerin betreffend ihre Angaben zur Statusfrage gehalten
gewesen wären.
4.3.6. Das Bundesgericht hielt im Urteil 8C_521/2021 vom 22. März 2022 dafür,
dass die schriftliche Bestätigung der Spitexkrankenschwester vom
22. April 2020 in diametralem Widerspruch zur Angabe auf dem Formular
"Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" vom 5. Februar 2020
stehe (vgl. dortige E.5.2). In diesem, dem Einwand der
Beschwerdeführerin vom 24. April 2020 beigelegten Schreiben vom
22. April 2020 wurde im Namen von O._ bestätigt, dass die
Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung vom 5. Februar
2020 gegenüber der Sozialversicherungsanstalt Graubünden mitgeteilt
habe, dass sie zu 100 % arbeiten würde, wenn sie gesund wäre (siehe IV-
act. 237 S. 6). Die Einvernahme von O._ als Zeugin ergab dazu, dass
sie sich nicht mehr sicher war, ob sie diese Bestätigung von der
Beschwerdegegnerin oder der Beschwerdeführerin zur Unterschrift
erhalten habe (siehe EV-Prot. O._ S. 5). Jedenfalls konnte sie sich
daran erinnern, diese Bestätigung vom 22. April 2020 nicht selbst verfasst
zu haben (siehe EV-Prot. O._ S. 5). Zudem merkte sie auf die Frage,
was sie zu der dort in ihrem Namen festgehaltenen Aussage meine, an,
dass das – wenn es da so stehe und sie es in jenem Zeitraum bestätigt
habe – dann so stimme (siehe EV-Prot. O._ S. 6). Gleichzeitig gab
die Beschwerdeführerin anlässlich ihrer Befragung am 2. Juni 2022 zu
Protokoll, die Bestätigung vom 22. April 2020 zum ersten Mal zu sehen
(siehe Prot. Bf. S. 5). Dies mutet aufgrund des Umstands, dass die
Bestätigung mit dem beschwerdeführerischen Einwand vom 24. April
- 32 -
2020 ins Recht gelegt worden war, sonderbar an. Zudem kann aufgrund
der Beibringung der Bestätigung mit dem Einwand ausgeschlossen
werden, dass sie von der Beschwerdegegnerin verfasst worden ist.
Vielmehr liegt angesichts der konkreten Gegebenheiten nahe, dass die
Bestätigung vom 22. April 2020 von der Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin aufgelegt und O._ zur Unterschrift vorgelegt
worden ist. Da aufgrund dessen nicht auszuschliessen ist, dass die
Bestätigung vom 22. April 2020 von versicherungsrechtlichen
Überlegungen geprägt ist, nachdem bereits mit dem Vorbescheid vom
10. März 2020 die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
Bemessung des Invaliditätsgrads gestützt auf die gemischte Methode bei
einer Gewichtung des Erwerbbereichs von 80 % bekannt gewesen war
(siehe IV-act. IV-act. 234), und die Zeugin O._ zudem Unsicherheiten
hinsichtlich des Zustandekommens bekundete sowie auch den Inhalt nicht
zweifelsfrei bestätigen konnte (vgl. auch nachstehende Erwägung 4.5.4),
schmälert dies im Rahmen der Beweiswürdigung die Aussagekraft der
besagten Bestätigung erheblich.
4.4. Die Beschwerdeführerin machte hinsichtlich des von ihr am 5. Februar
2020 ausgefüllten Formulars "Bestätigung der Erwerbstätig bei
Gesundheit", in welchem (für den Gesundheitsfall) eine Erwerbstätigkeit
im Umfang von insgesamt 80 % (= Summe aus 60 % Coiffeuse und 20 %
Sigristin) festgehalten worden war, verschiedene Missverständnisse
geltend.
4.4.1. Soweit sie dabei bereits im Einwand vom 24. April 2020 bemängelte, ihr
Status als Teilerwerbstätige mit einer Erwerbstätigkeit von 80 % und
einem Haushaltsbereich von 20 % sei aus früheren Unterlagen unkritisch
übernommen worden (siehe IV-act. 237 S. 4), übersieht sie, dass die
Beschwerdegegnerin bereits in der angefochtenen Verfügung in ihrer
Stellungnahme zum Einwand darauf hingewiesen hatte, dass die
- 33 -
Beschwerdeführerin im Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei
Gesundheit" vom 5. Februar 2020 genauso wie die
Spitexkrankenschwester O._ unterschriftlich bescheinigt habe, ohne
Gesundheitsschaden zu 60 % als Coiffeuse und zu 20 % als Sigristin zu
arbeiten (siehe IV-act. 240 S. 3 und 229). Insoweit kann nicht von einer
unkritischen Übernahme des Status als Teilerwerbstätige aus früheren
Dokumenten gesprochen werden, handelt es sich beim besagten
Formular doch um eine echtzeitliche Bestätigung der Beschwerdeführerin,
welche anlässlich der Haushaltsabklärung vom 5. Februar 2020 im
Rahmen des zur Prüfung eines Leistungsanspruches neu eingeleiteten
Abklärungsverfahren abgegeben worden war.
4.4.2. Dass es anlässlich der Haushaltabklärung am 5. Februar 2020 insoweit zu
einem Missverständnis gekommen wäre, als die Beschwerdeführerin
gesagt haben solle, sie hätte neben ihrer Sigristinnen-Stelle in einem
20 %-Pensum, – die sie auf keinen Fall verlieren wollte –, immer nur eine
Anstellung zu 80 % in einem anderen Bereich gesucht (vgl. Einwand vom
24. April 2020 [IV-act. 237 S. 4]), war den vom Gericht einvernommenen
Zeuginnen nicht mehr erinnerlich (siehe EV-Prot. O._ S. 4, EV-Prot.
P._ S. 4 und EV-Prot. Q._ S. 4 f.). Soweit sie sich noch besinnen
vermochten, verneinten sie jedoch, dass es zwischen der
Beschwerdeführerin und den Abklärungspersonen anlässlich der
Haushaltsabklärung hinsichtlich der Frage der Erwerbstätigkeit im
Gesundheitsfall zu einem Missverständnis gekommen sei (siehe EV-Prot.
O._ S. 4, EV-Prot. P._ S. 4 und EV-Prot. Q._ S. 5).
4.4.3. Soweit die Beschwerdeführerin anlässlich ihrer Befragung durch das
Gericht beteuerte, immer gesagt zu haben, dass sie zu 100 % arbeiten
würde, wenn sie gesund wäre (siehe Prot. Bf. S. 5), verwickelte sie sich in
einen Widerspruch. Denn anlässlich derselben Befragung gab sie auf
Nachfrage des Gerichts zugleich an, auf die Frage der Erwerbstätigkeit im
- 34 -
Gesundheitsfall anlässlich der Haushaltsabklärung mit 20 % Sigristin und
60 % Coiffeuse geantwortet zu haben (siehe Prot. Bf. S. 4). Nicht
einzuleuchten vermag des Weiteren, wenn die Beschwerdeführerin zu
Protokoll gab, sie hätte das Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei
Gesundheit" so ausgefüllt, wie sie früher gearbeitet habe, als ihre Kinder
noch klein gewesen seien (siehe Prot. Bf. S. 7 und 9). Denn neben der
Fragestellung auf dem Formular hat die Abklärungsperson P._
ausweislich ihrer Zeugenaussage der Beschwerdeführerin anlässlich der
Haushaltsabklärung am 5. Februar 2020 auch mündlich erklärt, dass sie
sich beim Ausfüllen des besagten Formulars vorstellen müsse, wie viel sie
arbeiten würde, wenn sie gesund wäre (siehe EV-Prot. P._ S. 3).
Hinzu kommt, dass die Kinder der Beschwerdeführerin anlässlich der
Abklärung vor Ort am 5. Februar 2020 schon gut 17 1⁄2 und 19 Jahre alt
gewesen waren. Ebenso wenig vermag es zu überzeugen, wenn die
Beschwerdeführerin anlässlich ihrer Befragung durch das Gericht angab,
das Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" so
ausgefüllt zu haben, wie wenn sie krank sei, d.h. mit Gesundheitsschaden,
was sie bereits in der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten an das Bundesgericht vom 5. August 2021 vorgebracht
hatte (siehe dort S. 11, Unterziffer 2c). Denn ausweislich der Akten war
die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Abklärung vor Ort am 5. Februar
2020 neben ihrer Tätigkeit als Sigristin mit einem Beschäftigungsgrad von
20 % im Umfang eines einer 40 %-Anstellung entsprechenden Pensums
als Coiffeuse tätig (vgl. Abklärungsbericht Haushalt vom 12./19. Februar
2020 [IV-act. 230 S. 2 und 4]; ferner Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten vom 5. August 2021, S. 5), was auch noch aktuell der
Fall ist (siehe Prot. Bf. S. 11). Wenn die Beschwerdeführerin also auf dem
besagten Formular beabsichtigte, das Erwerbspensum mit
Gesundheitsschaden anzugeben, hätte sie folgerichtig angeben müssen,
zu 20 % als Sigristin und zu 40 % als Coiffeuse zu arbeiten, was jedoch
- 35 -
nicht ihren am 5. Februar 2020 gemachten Angaben auf dem Formular
entspricht (siehe IV-act. 229).
4.4.4. Die Beschwerdeführerin erachtet es zudem als lebensfremd bzw.
unrealistisch, wenn darauf verwiesen wird, dass sie bereits einmal am
24. November 2016 an einer Haushaltsabklärung teilgenommen hat und
ihr deshalb die Handhabung und Bedeutung des dabei auszufüllenden
Formulars "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" bekannt sein
müssen (siehe Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten vom
5. August 2021 S. 11 f.). Daraus scheint sie eine weitergehende
Aufklärungspflicht seitens der Abklärungspersonen ableiten zu wollen
bzw. dies als Erklärung verstanden wissen, weshalb ihr beim Ausfüllen
des Formulars nicht bewusst gewesen sein will, dass sich die zu
machenden Angaben auf ihre Situation ohne Gesundheitsschaden
beziehen würden. Entgegen der beschwerdeführerischen Ansicht hat es
nichts Lebens- bzw. Realitätsfremdes an sich, wenn gewisse Prozesse
und ihre Bedeutung als bekannt vorausgesetzt werden, wenn sie bereits
einmal absolviert und erlebt worden sind. Vielmehr entspricht dies der
allgemeinen Lebenserfahrung. Die Beschwerdeführerin hat an der
Haushaltsabklärung vom 24. November 2016 selbst teilgenommen (siehe
IV-act. 137 f.) und im Einwand vom 15. Februar 2017 (siehe IV-act. 147)
die damals echtzeitliche Angabe auf dem Formular vom 24. November
2016 in Frage stellen lassen, weshalb anzunehmen ist, dass eine vertiefte
Befassung mit dem Inhalt und Relevanz dieses Formulars stattgefunden
haben muss. Anlässlich der Haushaltsabklärung vom 24. November 2016
schien der Beschwerdeführerin sodann bewusst gewesen zu sein, dass
sich diese Bestätigung auf den hypothetischen Gesundheitsfall bezog;
jedenfalls machte sich nichts Gegenteiliges im Rahmen des Einwandes
vom 15. Februar 2017 geltend.
- 36 -
4.5. Angesichts dieser Sachlage verbleibt im Hinblick auf die Äusserungen der
Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung vom 5. Februar
2020 zu ihrem Erwerbspensum im Gesundheitsfall im Wesentlichen die
Aussage der Zeugin O._ anlässlich deren Einvernahme vom 2. Juni
2022, wonach die Beschwerdeführerin damals angegeben haben soll, sie
würde zu 100 % arbeiten, wenn sie gesund wäre (siehe EV-Prot. O._
S. 3 f.). Im Vorfeld der Zeugeneinvernahme wurde O._ namentlich
hinsichtlich der ihr obliegenden Wahrheitspflicht und der unter
Strafandrohung gemäss Art. 307 des Schweizerischen Strafgesetzbuches
(StGB; SR 311.0) zu machenden Aussagen aufgeklärt. Anlässlich der
Haushaltsabklärung war O._ als zuständige
Psychiatriepflegefachperson der Spitex anwesend, wobei sie die
Beschwerdeführerin betreut(e) (siehe IV-act. 230 S. 12; siehe auch
Einwand vom 24. April 2020 [IV-act. S. 4], verwaltungsgerichtliche
Beschwerde vom 29. Juli 2020 S. 5 und 8, Beschwerde in öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten vom 5. August 2021, S. 7 und 14). Aufgrund
dieses Behandlungsverhältnisses ist durchaus auf ein gewisses Nähe-
und Vertrauensverhältnis zwischen O._ und der Beschwerdeführerin
zu schliessen (vgl. dazu auch die entsprechende Rechtsprechung für
Berichte von behandelnden Ärzten: BGE 135 V 465 E.4.5 und 125 V 351
E.3b/cc). Darauf deutet auch hin, dass die Beschwerdeführerin anlässlich
ihrer Befragung am 2. Juni 2022 O._ mehrfach mit deren Vornamen
benannte (siehe Prot. Bf. S. 3 und 6). Dieses Nähe- und
Vertrauensverhältnis schmälert im Rahmen der Beweiswürdigung die
Aussagekraft der Aussage von O._, wonach die Beschwerdeführerin
anlässlich der Haushaltsabklärung gesagt habe, zu 100 % zu arbeiten,
wenn sie gesund wäre, da sie nicht unabhängig von jeglichen
motivationalen Faktoren und einer gewissen Loyalität gegenüber der
Beschwerdeführerin gemacht worden ist (siehe dazu auch die
vorstehende Erwägung 4.3).
- 37 -
4.5.1. Des Weiteren antwortete die Zeugin O._ zwar auf die Frage des
Gerichts, an welche Aussagen der Beschwerdeführerin anlässlich der
Haushaltsabklärung vom 5. Februar 2020 sie sich im Zusammenhang mit
deren Erwerbspensum im Gesundheitsfall erinnern könne, was folgt: "Also
sie (Anmerkung des Gerichts: die Beschwerdeführerin) sagte, wenn sie
gesund wäre, würde sie zu 100 % arbeiten gehen. Das ist mir noch
eigentlich ganz bewusst so." Auf Nachfrage des Gerichts bestätigte sie
zudem, dass die von ihr wiedergegebene Aussage in etwa dem genauen
Wortlaut der Aussage der Beschwerdeführerin entspreche (siehe dazu
EV-Prot. O._ S. 3 f.). Andererseits gab O._ jedoch zu dem auch
von ihr unterzeichneten Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei
Gesundheit" vom 5. Februar 2020 (siehe IV-act. 229 und EV-Prot.
O._ S. 6 und 9) an, dass sie mit der Unterzeichnung dieses
Dokumentes neben ihrer Anwesenheit auch die ordentliche
Protokollierung/Dokumentierung seitens der beiden Abklärungspersonen
bestätigen wollte (EV-Prot. O._ S. 6 f.). Sowohl in dem genannten
Formular als auch im Haushaltsabklärungsbericht vom 12./19. Februar
2020 wird nun aber bestätigt, dass die Beschwerdeführerin im
Gesundheitsfall ein Erwerbspensum von insgesamt 80 % (60 %-Pensum
als Coiffeuse und 20 %-Pensum als Sigristin) ausgeübt hätte (siehe IV-
act. 229 und IV-act. 230 S. 2, 4 und 12, wobei dieser Bericht gestützt auf
entsprechende Handnotizen der Abklärungsperson P._ erstellt wurde
[siehe EV-Prot. P._ S. 6]). Soweit die Zeugin O._ in einem
späteren Zeitpunkt ihrer Befragung noch aussagte, sie habe das Formular
vor der (seitens der Abklärungspersonen erbetenen) Unterschrift nicht
durchlesen können und sich nichts dabei gedacht (siehe EV-Prot. O._
S. 8), konfligiert dies mit der Aussage der Zeugin P._. Denn diese
gab anlässlich ihrer Einvernahme zu Protokoll, dass die
Beschwerdeführerin und O._ ihrer Erinnerung nach Zeit gehabt
hätten, das (nicht sehr umfangreiche) Formular vor der Unterzeichnung
- 38 -
durchzulesen (siehe EV-Prot. P._ S. 6). Weiter nahm O._
anlässlich der Befragung Bezug auf die zu Anfang der Einvernahme
angegebene Kontaktaufnahme mit der Beschwerdegegnerin sowie der
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, um das "Schreiben von der
letzten Neubeurteilung von der SVA Graubünden" erhältlich zu machen
(siehe EV-Prot. O._ S. 2 und 8), so dass sie sich vor der Befragung
noch einmal einlesen könne, was dort besprochen worden sei. Es ist somit
davon auszugehen, dass O._ im Vorfeld ihrer Zeugenaussage
(zumindest) im Besitz des Formulars "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei
Gesundheit" vom 5. Februar 2020 (siehe IV-act. 229) gewesen ist,
welches sie von der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin erhalten
hat. Obwohl sie somit bereits vor ihrer Einvernahme durch das Gericht
Kenntnis vom Inhalt dieses Formulars hatte, sagte sie anlässlich dieser
aus, mit ihrer Unterschrift die ordnungsgemässe
Protokollierung/Dokumentierung der Haushaltsabklärung bestätigt haben
zu wollen (siehe EV-Prot. O._ S. 6 f.). Da darauf – wie bereits
mehrfach ausgeführt – ein Erwerbspensum im Gesundheitsfall von
insgesamt 80 % festgehalten worden ist, steht dies im Widerspruch zu
ihrer Aussage zu Beginn der Einvernahme, wonach die
Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung ausgesagt habe,
sie würde 100 % arbeiten, wenn sie gesund wäre (vgl. auch die
nachstehende Erwägung 4.5.3). Ihr Erklärungsversuch für diese
Diskrepanz, wonach sie das Formular unterschrieben habe, ohne es
durchgelesen zu haben, vermag nicht zu überzeugen (vgl. auch die
nachstehende Erwägung 4.5.2). Ohne dessen Inhalt zu kennen, hätte sie
auch nicht die ordnungsgemässe Protokollierung und Dokumentierung der
Haushaltsabklärung bestätigen können.
4.5.2. Angesprochen auf die inhaltliche Diskrepanz zwischen den Angaben der
Beschwerdeführerin auf dem – auch von der Zeugin O._
- 39 -
unterzeichneten – Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei
Gesundheit" vom 5. Februar 2020 (siehe IV-act. 229) sowie der Aussage
der in ihrem Namen verfassten Bestätigung vom 22. April 2020 (siehe IV-
act. 237 S. 6) bzw. der im Wesentlichen gleichlautenden Aussage zu
Beginn der Zeugeneinvernahme (siehe EV-Prot. O._ S. 3 f.), meinte
O._: "Ja, weil sie dort eben erkrankt ist und sagt, ich kann nur diese
80 % in dem Fall und eigentlich sagt, wenn ich gesund wäre, könnte ich
100 % arbeiten; kann ich aber nicht[,] weil ich krank bin, kann ich nur die
80 % schaffen. So erklär ich mir das." Auf Nachfrage des Gerichts
bestätigte O._, dass die Beschwerdeführerin auf dem Formular vom
5. Februar 2020 (siehe IV-act. 229) das Erwerbspensum im Krankheitsfall
angegeben habe und die Bestätigung vom 22. April 2020 die Aussage der
Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung vom 5. Februar
2020 wiedergebe, wenn diese gesund wäre (siehe EV-Prot. O._
S. 7). Wie in der vorstehenden Erwägungen 4.4.3 f. aber bereits dargelegt,
vermag diese Erklärung angesichts der tatsächlich mit
Gesundheitsschaden ausgeübten Erwerbspensen nicht zu überzeugen.
Damit kann – genauso wie die Beschwerdeführerin – auch die Zeugin
O._ die Diskrepanz zwischen der von ihr bestätigen Aussage der
Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung vom 5. Februar
2020, wonach die Beschwerdeführerin angegeben haben soll, zu 100 %
zu arbeiten, wenn sie gesund wäre, und den Angaben im Formular
"Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" vom 5. Februar 2020
nicht nachvollziehbar erklären, was der Konsistenz und Glaubwürdigkeit
ihrer Aussage abträglich ist.
4.5.3. Ferner konnte sich die Zeugin O._ auf Nachfrage des Gerichts im
Nachgang zu der vorstehend erwähnten, anlässlich der
Haushaltsabklärung vom 5. Februar 2020 gemachten Aussage (100%ige
Erwerbstätigkeit ohne Gesundheitsschaden) nicht mehr daran erinnern,
- 40 -
inwiefern die Beschwerdeführerin den Umfang ihrer Erwerbstätigkeit als
Coiffeuse im Gesundheitsfall thematisiert hat. Es könne 60 % gewesen
sein. Ausserdem denke sie, dass es wahrscheinlich in den Akten stehen
werde (siehe EV-Prot. O._ S. 4). Aus den Akten ergibt sich, dass im
Gesundheitsfall ein Erwerbspensum als Coiffeuse von 60 % und
(unbestrittenermassen) ein solches von 20 % als Sigristin angegeben
wurde (siehe IV-act. 229 und IV-act. 230 S. 2, 4 und 12). Diese Antwort
(das Erwerbspensum ohne gesundheitliche Beeinträchtigung als
Coiffeuse könne 60 % gewesen sein, genauer wisse sie es aber nicht
mehr) auf eine offen gestellte Frage steht aber in Widerspruch zu ihrer
absoluten Äusserung, wonach die Beschwerdeführerin anlässlich der
Haushaltsabklärung vom 5. Februar 2020 gesagt haben soll, dass diese
ein Erwerbspensum von 100 % ausüben würde, wenn sie gesund wäre
(siehe dazu auch die von der Zeugin O._ unterzeichnete Bestätigung
vom 22. April 2020 [IV-act. 237 S. 6]). Eine Erklärung für diese Diskrepanz
konnte die Zeugin O._ nicht liefern. Auch konnte sie sich namentlich
nicht mehr daran erinnern, ob die Beschwerdeführerin angegeben hat,
zusätzlich zum 20 %-Pensum als Sigristin eine Anstellung von 80 % in
einem anderen Bereich gesucht zu haben (siehe EV-Prot. O._ S. 4).
Hier wäre zumindest eine gewisse Bezugnahme auf die von ihr zu Beginn
(aus ihrer eigenen Erinnerung) gemachten Aussage, wonach die
Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung vom 5. Februar
2020 gesagt habe, im Gesundheitsfall zu 100 % erwerbstätig zu sein, zu
erwarten gewesen. Entsprechend wäre bei einem konsistenten
Aussageverhalten nahe gelegen, dass sie etwa geantwortet hätte, dass
sie ja bereits zu Anfang der Einvernahme ausgesagt habe, dass die
Beschwerdeführerin gegenüber den Abklärungspersonen im
Gesundheitsfall ein Erwerbspensum von 100 % angegeben habe. Dies
war jedoch nicht der Fall. Dabei war der Zeugin O._ auch bekannt,
dass die Beschwerdeführerin ein (für diese wichtiges) 20 % Pensum als
- 41 -
Sigristin thematisiert hatte und somit die Angabe für ein ergänzendes
Pensum (als Coiffeuse) rein rechnerisch 80 % hätte betragen müssen.
Letzteres war O._ aber nicht mehr präsent, obwohl dies
Voraussetzung für ein gesamthaftes Erwerbspensum von 100 % neben
einem Pensum von 20 % als Sigristin gewesen wäre (vgl. EV-Prot.
O._ S. 4).
4.5.4. Hinzu kommt, dass die im Namen der Zeugin O._ verfassten
Bestätigung vom 22. April 2020, welche dieser anlässlich der
Einvernahme vorgelegte wurde, im Ergebnis dieselbe Aussage enthält,
wie sie sie zu Beginn der Einvernahme aus eigener Erinnerung angab
(siehe EV-Prot. O._ S. 3 f.). Auf die Frage, was sie zu dieser
schriftlich (zu Handen der Beschwerdegegnerin für das
sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren) festgehaltenen
Aussage meine, äusserte sie nur, "(...) wenn es da so steht und ich es dort
bestätigt habe in diesem Zeitraum, dann stimmt das so; sonst hätte ich es
sicher nicht unterschrieben, (...)" (siehe EV-Prot. O._ S. 5 f.). Dies
spricht nicht für ein kongruentes Aussageverhalten, wenn sie zu Beginn
der Einvernahme auf die Frage, ob sie sich an die Aussagen der
Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung erinnern könne,
noch im Wesentlichen das gleiche aussagte und auch weitgehend
dieselben Worte verwendete (siehe EV-Prot. O._ S. 3 f.) wie es auf
dieser Bestätigung vom 22. April 2020 schriftlich festgehalten ist. Sind die
Worte in der Bestätigung vom 22. April 2020 und die Angabe von O._
anlässlich der Einvernahme vom 2. Juni 2022 weitgehend gleich, wäre
auch hier eine Bezugnahme auf die erste, aus eigener Erinnerung
getätigte Aussage zu erwarten gewesen und nicht eine sich auf die
Vergangenheit beziehende Aussage, dass dies dazumal so gestimmt
habe, wenn es da so stehe und sie es unterschrieben habe. Als
kongruente Aussage wäre etwa zu werten gewesen, wenn sie ausgesagt
- 42 -
hätte, dass dieses Schreiben dasselbe sage, was sie bereits vorher schon
ausgesagt habe und ihr so eigentlich auch noch ganz bewusst sei,
weshalb die Bestätigung der von der Beschwerdeführerin getätigten
Aussage anlässlich der Haushaltsabklärung weiterhin zutreffe. Dabei ist
auch darauf hinzuweisen, dass die Zeugin angehalten worden war zu
unterscheiden, was ihr aus eigener Wahrnehmung erinnerlich sei und
offenzulegen, wenn Kenntnisse aus anderer Quelle stammten (siehe dazu
EV-Prot. O._ S. 2). Auch insofern bestehen in den Aussagen der
Zeugin O._ massgebliche Unstimmigkeiten im Aussageverhalten.
4.5.5. Zu den Aussagen der Zeugin O._ betreffend die Haushaltsabklärung
vom 5. Februar 2020 ist somit festzuhalten, dass diese betreffend das
Kerngeschehen zur Frage der Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin im
Gesundheitsfall erhebliche Diskrepanzen aufweisen, wofür keine
nachvollziehbaren Erklärungen von ihr angeführt worden sind. Dies
mindert deren Beweiswert erheblich.
4.6. Damit ist festzuhalten, dass sich Beschwerdeführerin mit Blick auf die
Statusfrage wiederholt mit neuen Erklärungsvarianten und
Argumentationslinien gegen die als überwiegend wahrscheinlich
angesehenen Teilerwerbstätigkeit, wie sie im Formular "Bestätigung der
Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" vom 5. Februar 2020 unterschriftlich
bestätigt worden ist, gewandt hat. Im Rahmen des Einwandes vom
24. April 2020 wurde zunächst geltend gemacht, die Beschwerdegegnerin
habe den Status der Erwerbstätigkeit aus früheren Unterlagen unkritisch
übernommen (siehe IV-act. 237 S. 4). Dies findet – wie in der
vorstehenden Erwägung 4.4.1 dargelegt – keine Stütze in den Akten,
diente hierfür doch die echtzeitlich abgegebene Bestätigung der
Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung vom 5. Februar
2020 als Grundlage. Weiter wurde behauptet, dass die
Beschwerdeführerin bereits anlässlich der Haushaltsabklärung vom
- 43 -
5. Februar 2020 angegeben habe, 100 % zu arbeiten, wenn sie gesund
wäre. Dabei machte die Beschwerdeführerin im Einwand vom 24. April
2020 insoweit ein Missverständnis anlässlich der Haushaltsabklärung
betreffend das Erwerbspensum im Gesundheitsfall geltend, als sie
vorbrachte gesagt zu haben, dass sie ihre Arbeit im Pensum von 20 % als
Sigristin auf keinen Fall verlieren wolle, da ihr dies allergrösste Freude
mache. Darum habe sie immer nur nach Anstellungen im Umfang von
80 % in anderen Bereichen gesucht. Es sei daher zu vermuten, dass diese
Aussage falsch aufgenommen worden sei (siehe IV-act. 237 S. 4).
Anlässlich der Befragung vom 2. Juni 2022 ergänzte sie, dass sie
anlässlich der Abklärung gesagt haben will, dass ihr die Stelle als Sigristin
in einem 20 %-Pensum sehr wichtig sei, weil viel daran hänge. So müsste
sie aus der Wohnung ausziehen, wenn sie diese Stelle aufgeben würde
(siehe Prot. Bf. S. 4). Wie in der vorstehendenden Erwägung 4.4.2 bereits
festgehalten, konnte indes von keiner der Zeuginnen bestätigt werden,
dass die Beschwerdeführerin gesagt hätte, sie wäre zusätzlich zum 20 %-
Pensum als Sigristin zu 80 % erwerbstätig. Auf die an die
Beschwerdeführerin gerichtete Frage, inwiefern sie anlässlich der
fraglichen Haushaltsabklärung die im Gesundheitsfall auszuübende
Erwerbstätigkeit thematisiert und welches Arbeitspensum sie hierfür
angegeben habe, antwortete die Beschwerdeführerin zunächst, dass sie
im Stundenlohn angestellt sei und keinen Fixlohn erhalte. Im Jahr 2000
(wohl gemeint im Zeitpunkt der Haushaltsabklärung am 5. Februar 2020
[vgl. Anmeldung zum Leistungsbezug vom 23. Dezember 2007 [IV-act. 1
S. 6], Evaluationsgespräch Eingliederung vom 24. September 2013 [IV-
act. 33 S. 2], rheumatologische RAD-Abklärung vom 21. Oktober 2014
von Dr. med. F._ [IV-act. 77 S. 9], IK-Auszug vom 13. Dezember
2016 [IV-act. 141]) habe sie ungefähr 40 % gearbeitet. Auf Nachfrage hin
antwortete die Beschwerdeführerin, dass sie – übereinstimmend mit dem
Formular "Bestätigung der Erwerbeistätigkeit bei Gesundheit" vom
- 44 -
5. Februar 2020 (siehe IV-act. 229) – 60 % als Coiffeuse und 20 % als
Sigristin angegeben habe (siehe Prot. Bf. S. 4). Sodann widersprach sie
sich jedoch im weiteren Verlauf der Befragung und meinte abweichend
davon, sie würde 100 % arbeiten, wenn sie gesund wäre (siehe Prot. Bf.
S. 4 f.).
Weiter wurde im Rahmen der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde vom
29. Juli 2020 zur Entkräftung der Angaben im genannten Formular vom
5. Februar 2020 betreffend das Erwerbspensum im Gesundheitsfall neu
geltend gemacht, dass die Abklärungsperson anlässlich der
Haushaltsabklärung vom 5. Februar 2020 ihr zugesichert hätten, dass die
Unterzeichnung (dieses Formulars) nur für die Akten sei und keine Rolle
spielen würde (siehe Beschwerde vom 29. Juli 2020 S. 8). Wie in der
vorstehenden Erwägung 4.3.1 jedoch bereits ausführlich dargelegt wurde,
bewahrheitete sich dies anlässlich der Einvernahmen nicht, sondern
wurde vielmehr ausdrücklich von den Abklärungspersonen verneint.
Im Rahmen der Einvernahme und der öffentlichen Verhandlung vom
2. Juni 2022 kristallisierte sich sodann eine weitere Begründunglinie
heraus, weshalb die Beschwerdeführerin das fragliche Formular
"Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" am 5. Februar 2020
irrtümlicherweise mit den Angaben "60 % Coiffeusin + 20 % Sigristin"
ausgefüllt haben will. Die Beschwerdeführerin brachte dabei insbesondere
vor, das Formular nicht verstanden zu haben (siehe etwa Prot. Bf. S. 9 und
11 und Verhandlungsprotokoll vom 2. Juni 2022 S. 3, 4 und 5). Dabei
erblickte sie ein Missverständnis insbesondere darin, dass sie das
Formular so ausgefüllt haben will, wie wenn sie krank sei, d.h. mit
Gesundheitsschaden (siehe Prot. Bf. S. 11 und bereits Beschwerde in
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten vom 5. August 2021 S. 11,
Unterziffer 2c). Dies vermag aber angesichts der tatsächlich mit
gesundheitlichen Einschränkungen ausgeübten Erwerbspensen – wie in
- 45 -
der vorstehenden Erwägungen 4.4.3 f. aufgezeigt – ebenfalls nicht zu
überzeugen. Dasselbe gilt hinsichtlich des Erklärungsversuchs, das
besagte Formular abhängig vom Alter ihrer Kinder ausgefüllt zu haben,
waren diese anlässlich der Abklärung vor Ort am 5. Februar 2020 doch
schon 17 1⁄2 und 19 Jahre alt gewesen.
4.7. Nach dem Gesagten ergibt sich entgegen der im Rahmen des Plädoyers
vom 2. Juni 2020 geäusserten Ansicht der Beschwerdeführerin, dass es
weder die unbestätigt gebliebenen und/oder widersprüchlichen Aussagen
der Beschwerdeführerin (siehe vorstehende Erwägungen 4.4.2 ff.) noch
die in erheblichem Ausmass diskrepanten Aussagen der Zeugin O._
(siehe vorstehende Erwägungen 4.5 ff.) als überwiegend wahrscheinlich
erscheinen lassen, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der
Haushaltsabklärung gegenüber den Abklärungspersonen mitgeteilt hätte,
sie würde im Gesundheitsfall einem Vollerwerbspensum nachgehen, und
demensprechend die echtzeitigen Feststellungen des
Haushaltsabklärungsbericht vom 12./19. Februar 2020 betreffend das von
der Beschwerdeführerin angegebene Erwerbspensum im Gesundheitsfall
unzutreffend wären (siehe IV-act. 230 S. 2, 4 und 12). Am vorstehend
Gesagten ändert nichts, dass die Kinder der Beschwerdeführerin seit dem
letzten Rentenentscheid im Jahr 2017 nun älter sind und das jüngere Kind
bereits im Jahr 2018 16 Jahre alt geworden ist. Denn auch wenn – wie in
den nachstehenden Erwägungen 5.1 ff. noch dargelegt – ein
hochprozentiges Arbeitspensum (wie insbesondere 80 % Erwerb und
20 % Haushalt bzw. anerkannter Aufgabenbereich) der
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall aufgrund ihrer Erwerbsbiografie
und der finanziellen Situation durchaus nachvollziehbar ist, bedeutet dies
im Umkehrschluss aufgrund der vorliegenden, konkret zu würdigenden
Sachumstände eben noch nicht automatisch, dass auch eine
Vollerwerbstätigkeit im Gesundheitsfall überwiegend wahrscheinlich ist
- 46 -
(vgl. zum erforderlichen Beweismass: BGE 144 I 28 E.2.3, 141 V 15 E.3.1
und 137 V 334 E.3; siehe auch Urteile des Bundesgerichts 8C_804/2021
vom 1. Juni 2022 E.2.3 und 8C_669/2021 vom 15. März 2022 E.3.2.1).
Soweit die Beschwerdeführerin sich anlässlich ihres Plädoyers am 2. Juni
2022 zudem auf den Standpunkt stellte, ihr hätte die Möglichkeit zur
Nachreichung des Formulars "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei
Gesundheit" bzw. eine Bedenkfrist zugestanden werden müssen, weil sie
das Formular nicht habe ausfüllen wollen, handelt es sich wiederum um
ein neues Vorbringen. Weder in den Akten noch anlässlich der
durchgeführten Einvernahmen und Befragungen wurde geltend gemacht,
dass der Beschwerdeführerin zu wenig Zeit zum Ausfüllen des Formulars
eingeräumt oder dass sie zu den gemachten Angaben gedrängt worden
wäre (vgl. dazu die Äusserungen der Abklärungspersonen Q._ zur
generellen Vorgehensweise [EV-Prot. Q._ S. 9 f.], die Angaben von
P._ [EV-Prot. P._ S. 7], diejenigen von O._ [EV-
Prot. O._ S. 6 und 8] und die Schilderungen der Beschwerdeführerin
[Prot. Bf. S. 6 ff.]). Betreffend die Äusserungen der Beschwerdeführerin
anlässlich ihrer Befragung vom 2. Juni 2022, wonach sie das fragliche
Formular nicht habe ausfüllen und unterschreiben wollen und sie einfach
genug gehabt habe, die Abklärungspersonen sogar der Wohnung
verweisen wollte (siehe Prot. Bf. S. 8 f.), ist zudem darauf hinzuweisen,
dass sie bei der Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zur
Mitwirkung verpflichtet ist (vgl. Art. 28 und Art. 43 Abs. 2 ATSG). Wird
seitens einer versicherten bzw. leistungsbeanspruchenden Person die ihr
obliegende Auskunfts- und Mitwirkungspflicht in unentschuldbarer Weise
verletzt, kann der Versicherungsträger nach vorgängiger Information
darüber gestützt auf die dazumal vorliegenden Akten entscheiden (siehe
zum Ganzen: KIESER, a.a.O., Art. 28 Rz. 12 ff. und Art. 43 Rz. 89 ff.).
Schliesslich wird seitens der Zeugin P._ in Abrede gestellt, dass die
Beschwerdeführerin – soweit erinnerlich – kundgetan habe, dass sie mit
- 47 -
den Angaben in dem von ihr selbst ausgefüllten Formular vom 5. Februar
2020 nicht einverstanden gewesen sei (siehe EV-Prot. P._ S. 7). Der
Einvernahme der Zeugin O._ lässt sich zur Frage, wie das Ausfüllen
dieses Formulars zugetragen habe, jedenfalls nichts Gegenteiliges
entnehmen (siehe EV-Prot. O._ S. 6). Ausgewiesen ist, dass
letztendlich das Formular echtzeitlich so ausgefüllt und unterzeichnet
worden ist, wie es in den Akten liegt (siehe IV-act. 229), und die Zeugin
O._ dazu unter anderem angab, mit ihrer Unterschrift neben ihrer
Anwesenheit auch die ordentliche Protokollierung bzw. Dokumentierung
der Abklärung zu bestätigen (siehe EV-Prot. O._ S. 6 f.; siehe auch
bereits die vorstehende Erwägungen 4.3.2 und 4.5.1).
4.8. Insofern ist mit der Beschwerdegegnerin darauf zu schliessen, dass die
durchgeführten Zeugeneinvernahmen und Befragungen zu dem
anlässlich der Haushaltsabklärung vom 5. Februar 2020 von der
Beschwerdeführerin zum Erwerbspensum im Gesundheitsfall
nachweislich bereits Angegebenen bzw. zur Statusfrage keine weitere
Klärung zu Gunsten der Position der Beschwerdeführerin brachten.
Während sich die Abklärungspersonen an die konkreten Aussagen dazu
nicht mehr erinnern konnten, bestätigte die Zeugin O._ mit ihrer
Angabe, wonach die Beschwerdeführerin gesagt habe, sie würde 100 %
arbeiten, wenn sie gesund wäre, nur bereits Bekanntes. Denn diese
Aussage, an welcher bereits aus den vorgenannten Gründen zu zweifeln
ist, entspricht dem in ihrem Namen bereits am 22. April 2020 Verfassten
und unterschriftlich zu Handen der Beschwerdegegnerin Bestätigten.
Dabei kann gemäss der vorstehenden Erwägung 4.3.6 allerdings nicht
ausgeschlossen werden, dass dabei Überlegungen
versicherungsrechtlicher oder anderer Art eine gewichtige Rolle gespielt
haben. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin ist es aufgrund der
vorstehenden Erwägungen somit gerade nicht so, dass die Aussagen der
- 48 -
Beschwerdeführerin und von O._ unmissverständlich und in allen
Teilen glaubwürdig sind, während die Aussagen der Abklärungspersonen
dem nichts Konkretes entgegenzusetzen vermöchten. Denn die nach
Ansicht des streitberufenen Gerichts verlässlichen, aktenkundigen
Angaben betreffend die Angabe der Beschwerdeführerin zu ihrem
Erwerbspensum im Gesundheitsfall belaufen sich auf ein solchen von
insgesamt 80 % (siehe IV-act. 229 f.).
5. Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, dass bei einer
Gesamtwürdigung der Lebensumstände klar sei, dass sie sicher seit
August 2018 mit dem Erreichen des 16. Altersjahrs ihres jüngsten Kindes
bzw. dem Wegfall des nachehelichen Unterhalts im Gesundheitsfall einer
vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachgegangen wäre.
5.1. Betreffend die bisherige Erwerbskarriere der Beschwerdeführerin, welche
im Rahmen der umfassenden Beurteilung der Statusfrage (siehe dazu die
vorstehende Erwägung 4.1) ein Element darstellt, ist im Wesentlichen auf
die Ausführungen in der Erwägung 6.3.1 des Urteils S 20 88 vom
15. Dezember 2020 zu verweisen. Zusammengefasst geht daraus hervor,
dass die unter anderem über eine Ausbildung als Coiffeuse verfügende
Beschwerdeführerin, welche bereits früher verschiedene andere
Tätigkeiten ausgeübt hatte, und die sich im Nachgang zur Geburt ihrer
Kinder (geboren am 27. Oktober 2000 und 30. Juli 2002 [vgl. IV-act. 29])
aus dem Erwerbsleben zurückgezogen hatte (siehe dazu IV-act. 1 S. 6,
IV-act. 33 S. 2, 77 S. 3 und 9 sowie IV-act. 196 S. 3), bevor sie erst nach
der Trennung von ihrem Ehemann Ende 2003/Anfang 2004 beruflich
wieder eingestiegen war (siehe IV-act. 77 S. 3 und 5 sowie IV-act. 141
S. 1), teilerwerbstätig war. Aufgrund ihrer Betreuungs- und
Unterstützungspflichten gegenüber ihren Kindern konnte sie
aktenkundigerweise keine vollzeitliche Anstellung annehmen (vgl.
Aktennotiz vom 5. September 2013 [IV-act. 19], psychiatrischer RAD-
- 49 -
Abklärungsbericht vom 8. August 2016 von Dr. med. E._ [IV-act. 131
S. 5]). Dabei ist zu ihren Gunsten zu würdigen, dass sie in gesundheitlich
stabilen Phasen vor ihrer Erkrankung im Sommer 2013 durchaus in der
Lage war, als alleinerziehende Mutter in einem hohen Pensum
erwerbstätig zu sein (vgl. hierzu auch der psychiatrische RAD-
Abklärungsbericht vom 8. August 2016 von Dr. med. E._ [IV-act. 131
S. 9 f.]). Nachdem die Beschwerdeführerin ab 1. Mai 2008 in einem
Pensum von 20 % als Sigristin (vgl. hierzu Anmeldung zum
Leistungsbezug vom 3. September 2013 [IV-act. 15], Fragebogen für
Arbeitgebende vom 26. September 2013 [IV-act. 30 S. 2], psychiatrische
RAD-Abklärung vom 21. Oktober 2014 von Dr. med. E._ [IV-act. 77
S. 3], IK-Auszug vom 13. Dezember 2016 [IV-act. 141 S. 2]) tätig war,
nahm sie ab dem 1. Mai 2009 zusätzlich eine Erwerbstätigkeit als
Coiffeuse, zunächst in einem Pensum von 50 % und ab dem 1. Januar
2013 in einem von 60 %, auf (vgl. Arbeitsvertrag vom 1. Juli 2009 [IV-
act. 35 S. 9] und Fragebogen für Arbeitgebende vom 25. September 2013
[IV-act. 35 S. 2], bevor ihr per Ende September 2013 aus wirtschaftlichen
Gründen gekündigt wurde (vgl. Kündigungsschreiben vom 30. Juli 2013
[IV-act. 32]). Ihre beiden Kinder (geboren am 27. Oktober 2000 und
30. Juli 2002 [vgl. IV-act. 29]) waren damals, als sie ab dem 1. Mai 2009
zu insgesamt 70 % erwerbstätig war, erst gut acht bzw. knapp sieben
Jahre alt; anfangs 2013, als sie gesamthaft in einem Pensum von 80 %
arbeitete, waren sie knapp zehneinhalb Jahre bzw. etwas über zwölf Jahre
alt. Anlässlich ihrer Tätigkeit als Coiffeuse leistete sie zudem sehr viele
Überstunden (vgl. Aktennotiz vom 5. September 2013 [IV-act. 19],
Verlaufsprotokoll Eingliederung, Eintrag vom 9. Oktober 2013 [IV-act. 44
S. 2]), was denn letztlich auch zu einer Überforderung führte und zur
erlittenen Erschöpfungsdepression beitrug (vgl. Bericht von Dr. med.
B._ vom 23. September 2013 [IV-act. 27 S. 2], Evaluationsgespräch
Eingliederung vom 24. September 2013 [IV-act. 33 S. 1], psychiatrische
- 50 -
RAD-Abklärung vom 21. Oktober 2014 von Dr. med. E._ [IV-act. 77
S. 3 f. und 5]). Insofern erscheint zwar unter dem Aspekt der bisherigen
Erwerbskarriere für den hypothetischen Gesundheitsfall ein
hochprozentiges Teilerwerbspensum als durchaus realistisch (siehe auch
bereits die vorstehende Erwägung 4.2). Entgegen der anlässlich ihres
Plädoyers vom 2. Juni 2022 geäusserten Ansicht der Beschwerdeführerin
lässt sich daraus aber nicht einzig der Schluss ziehen, sie wäre bei
Gesundheit vollzeitlich erwerbstätig; denn hiergegen sprechen die
nachträglich von versicherungsrechtlichen Überlegungen oder anderen
sachfremden Gründen beeinflussten Angaben zu ihrem geltend
gemachten (inneren) Willen hinsichtlich des Erwerbspensums im
Gesundheitsfall (vgl. Erwägungen 4.3.2 ff. hiervor).
5.2. Wenn die Beschwerdeführerin sich auf ihre knappen finanziellen
Verhältnis beruft, spricht dies vorliegend ebenfalls nicht ausschlaggebend
und überwiegend wahrscheinlich für eine vollzeitliche Erwerbstätigkeit im
Gesundheitsfall. Dies wurde bereits in der Erwägung 6.3.4 des Urteils
S 20 88 vom 15. Dezember 2020 dargelegt, worauf grundsätzlich
wiederum verwiesen werden kann. Zu ergänzen ist, dass die finanziellen
Verhältnisse einer versicherten Person ebenfalls nur ein im Rahmen der
umfassenden Betrachtungsweise bei der Statusfrage zu würdigendes
Element darstellt und für sich alleine nicht in erster Linie entscheidend ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_669/2021 vom 15. März 2022 E.5.3.2
m.H.a. 9C_374/2017 vom 17. August 2017 E.2.1.2). Die
Beschwerdeführerin begründete die finanzielle Notwendigkeit
insbesondere mit dem Wegfall der nachehelichen Unterhaltsbeiträge mit
der Vollendung des 16. Altersjahrs des jüngsten Kindes im Jahr 2018,
weshalb sie nur noch über ein monatliches Nettoeinkommen aus ihren
Tätigkeiten als Coiffeuse und Sigristin in der Höhe von CHF 1'500.--
verfüge. Diesem Vorbringen hielt die Beschwerdegegnerin in der Duplik
- 51 -
vom 18. September 2020 unter Hinweis auf die von der
Beschwerdeführerin selbst beigebrachte Veranlagungsverfügung für das
Jahr 2019 gemäss den vorliegenden Akten zu Recht entgegen, dass sie
weiterhin Unterhaltsbeiträge für minderjährige Kinder im Betrag von
jährlich CHF 14'400.-- erhalten hat (vgl. Akten der Beschwerdeführerin im
Verfahren S 20 88 [Bf-act.] 4). Dies entspricht denn auch den Angaben,
welche die Beschwerdeführerin bereits anlässlich der Abklärung vor Ort
am 5. Februar 2020 gemacht hat. So wurde im
Haushaltsabklärungsbericht vom 12./19. Februar 2020 aufgeführt, dass
die Beschwerdeführerin CHF 1'200.-- (Kinder-)Unterhalt erhalte (siehe IV-
act. 230 S. 4), was aufgerechnet auf das Jahr exakt einen Betrag von
CHF 14'400.-- ergibt. Auch wenn es sich dabei um Unterhaltsbeiträge
handelt, die unter anderem dem zu deckenden Bedarf des Kindes dienen
und somit grundsätzlich zweckgebunden sind (vgl. FOUNTOULAKIS, in:
Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, Art. 1 -
456 ZGB, 6. Aufl., Basel 2018, Art. 276 Rz. 17, Art. 285 Rz. 2 ff.und
Art. 289 Rz. 4), dürfen diese bei der Beurteilung der Statusfrage
berücksichtigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_586/2014 vom
22. Dezember 2014 E.5.2.1 f.). Ferner geht aus dem Abklärungsbericht
hervor, dass sie neben ihrer 20%igen Tätigkeit als Sigristin seit Januar
2020 wieder zu 40 % als Coiffeuse auf Stundenlohnbasis arbeitete (siehe
IV-act. 230 S. 2 und 4), wobei sie dabei ein Einkommen von CHF 1'500.--
(als Sigristin) und CHF 1'000.-- (als Coiffeuse, inkl. Kinderzulage)
verdiente (siehe IV-act. 230 S. 2 und 4). Wird zudem berücksichtigt, dass
der Monatslohn als Coiffeuse in einem 60 % noch etwas höher ausfallen
würde, der Sohn der Beschwerdeführerin ihr monatlich CHF 200.-- vom
Lehrlingslohn abgibt, wovon namentlich seine Handyrechnung bezahlt
werden soll, und der Partner der Beschwerdeführerin die Miete
grösstenteils bezahlt sowie für die Lebensmittel und die Reparaturkosten
für das Fahrzeug der Beschwerdeführerin aufkommt, ist mit der
- 52 -
Beschwerdegegnerin nicht ersichtlich, dass sich im Gesundheitsfalle eine
100%ige Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin (im Vergleich zu der
von der Beschwerdegegnerin angenommenen hohen Teilerwerbspensum
von 80 %) im Rahmen der vorzunehmenden Gesamtbetrachtung
überwiegend wahrscheinlich aufdrängen würde. Wenn die
Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten vom 5. August 2021 geltend machte, dass das
streitberufene Gericht für die Annahme eines höheren Erwerbspensum
nicht von einer zwingenden finanziellen Notsituation hätte ausgehen
dürfen und somit bei der Abklärung der Statusfrage von falschen
Voraussetzungen ausgegangen sei, ist ihr entgegenzuhalten, dass das
streitberufene Gericht die geltend gemachte Steigerung des
Erwerbspensum als Coiffeuse um (zusätzliche) 20 % nicht alleine von
einer zwingenden finanziellen Notsituation abhängig gemacht hat.
Vielmehr wurde im Rahmen einer umfassenden Betrachtungsweise einzig
festgehalten, dass sich aus finanzieller Sicht und angesichts der
gegebenen Einkommenssituation nicht zwingend ein Vollerwerbspensum
aufdrängen würde (siehe VGU S 20 88 vom 15. Dezember 2020 E.6.3.4
in fine, vgl. auch Urteil des Bundesgerichts I 200/05 vom 13. Juni 2005
E.2.1). Soweit die Beschwerdeführerin bemängelte, von ihrem Freund
könne ohne rechtliche Verpflichtung nicht erwartet werden, dass er einen
Beitrag an den gemeinsamen Haushalt leiste, kann namentlich auf die
Rechtsprechung zu gefestigten Lebensgemeinschaften (mit geistig-
seelischer und auch wirtschaftlicher Komponente) hingewiesen werden
und dass Lebensgemeinschaften an sich Einsparungen in den
Lebenshaltungskosten mit sich bringen (vgl. BGE 138 III 97 E. 2.3.2 f. und
141 I 153; siehe auch VGU S 18 10 vom 22. Januar 2019 E.3.2).
Ausgewiesen ist dabei im vorliegenden Fall etwa, dass die
Beschwerdeführerin im Herbst 2014 mit ihrem Lebenspartner und den
Kindern einen gemeinsamen Haushalt führte (siehe Arztbericht von
- 53 -
Oberärztin R._ und Psychologin S._ vom 10. November 2014
betreffend die zweite Hospitalisation in der Klinik C._ [IV-act. 76 S. 4]
und psychiatrische RAD-Abklärung vom 21. Oktober 2014 von Dr. med.
E._ [IV-act. 77 S. 4]). Dem psychiatrischen RAD-Abklärungsbericht
vom 8. August 2016 von Dr. med. E._ (IV-act. 131 S. 5) und dem
Haushaltsabklärungsbericht vom 28. November/1. Dezember 2016 (siehe
IV-act. 138 S. 2 und 5) lässt sich entnehmen, dass der gemeinsame
Haushalt zwar zwischenzeitlich aufgelöst worden war, die Beziehung aber
aufrechterhalten wurde und sich der Lebenspartner trotz eigener
Wohnung auch am Wohnort der Beschwerdeführerin aufhielt. Im
Haushaltsabklärungsbericht vom 12./19. Februar 2020 wurde sodann
wiederum ein gemeinsamer Haushalt beschrieben. Warum die
Feststellung im Urteil S 20 88 vom 15. Dezember 2020 nicht korrekt sein
soll, wonach der Lebenspartner der Beschwerdeführerin die Miete
grösstenteils bezahle, wenn er diese gemäss Angaben anlässlich der
Haushaltsabklärung vom 5. Februar 2020 zu zweit Dritteln übernimmt
(siehe IV-act. 230 S. 4), ist nicht nachvollziehbar und erscheint bei
unterschiedlichen Erwerbseinkommen der Partner im Rahmen einer
Lebensgemeinschaft durchaus als übliche Kostenaufteilung. In diesem
Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass gemäss Bundesgericht im
Zusammenhang mit der Statusfrage einer versicherten Person eine
leistungsrelevante tatsächliche Veränderung (bzw. ein Revisionsgrund im
Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG) etwa darin liegen kann, wenn sich die
finanziellen Verhältnisse des Lebenspartners einer als teilerwerbstätig
eingestuften Versicherten verschlechtert haben (siehe dazu Urteile des
Bundesgerichts 9C_410/2015 vom 13. November 2015 E.2 und
9C_193/015 vom 7. August 2015 E.2.1). Daraus lässt sich ableiten, dass
die im Rahmen einer (gefestigten) Lebensgemeinschaft geleistete,
gegenseitige finanzielle Unterstützung bei der Beurteilung des
Leistungsanspruches mitzuberücksichtigen ist. Hinsichtlich des Beitrags in
- 54 -
der Höhe von CHF 200.-- seitens des sich in einer Lehre befindlichen
Sohnes (siehe IV-act. 230 S. 2 und 4) bemängelt die Beschwerdeführerin
dessen Berücksichtigung, weil damit ihrerseits die Mobiltelefonrechnung
des Sohnes bezahlt werde. Auch wenn diese unbelegte Behauptung
zutreffen sollte, würde die Beschwerdeführerin mit diesem (eher hoch
erscheinenden) Betrag für eine Mobiltelefonrechnung insoweit einen Anteil
an die bei ihr anfallenden Lebenshaltungskosten inkl. Aufwendung für
ihren im gleichen Haushalt wohnenden, noch in Ausbildungen stehenden
Sohn bzw. dessen Grundbedarf leisten. Insoweit spricht nichts dagegen,
diese Verminderung (vgl. Art. 276 Abs. 3 und Art. 323 Abs. 2 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB; SR 210]) der durch die Eltern
zu tragenden Kindesunterhaltskosten zu berücksichtigen. Entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführerin reicht es bei einer umfassenden
Betrachtungsweise für die weitere Steigerung eines bereits hohen
Teilerwerbspensums auf ein Vollerwerbspensum daher nicht aus zu
betonen, dass sie als alleinerziehende Mutter, welche Unterhaltsbeiträge
aber keinen nachehelichen Unterhalt erhalte, selbst in einer
Wohngemeinschaft mit einem (Lebens-)Partner sich in knappen
finanziellen Verhältnissen befinde.
5.3. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen gelangt das streitberufene
Gericht somit zur Überzeugung, dass die Beschwerdeführerin das im
Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" vom
5. Februar 2020 angegebene Erwerbspensum von insgesamt 80 % für
den Gesundheitsfall in voller Kenntnis dessen Bedeutung abgeben hat
(vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 9C_157/2020 vom 18. Juni 2020
E.4.3.2). Dabei handelt es sich um eine von allfälligen
versicherungsrechtlichen oder anderen Umständen unbeeinflusste
Kundgabe der (inneren und hypothetischen) Absicht der Erwerbstätigkeit
im Gesundheitsfall, welche so auch anlässlich ihrer Einvernahme vom
- 55 -
2. Juni 2022 mitunter auf Nachfrage hin bestätigt wurde. Ein solches
Erwerbspensum bei guter Gesundheit erscheint – wie vorstehend
dargelegt – auch im Gesamtkontext plausibel (vgl. zu dieser Begrifflichkeit:
Urteil des Bundesgerichts 9C_261/2021 vom 8. Juli 2021 E.3.2.3).
Insofern ist bei der hier vorzunehmenden, umfassenden
Betrachtungsweise in Würdigung allfälliger Betreuungsaufgaben, der
persönlichen, familiären, sozialen, erwerblichen und finanziellen
Verhältnisse (weiterhin) überwiegend wahrscheinlich, dass bei der
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall auf ein hochgradiges
Teilarbeitspensum von insgesamt 80 % zu erkennen ist. Somit ist nicht zu
beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin den Invaliditätsgrad der
Beschwerdeführerin in Anwendung der gemischten Methode bei einer
Gewichtung des Anteils Erwerb mit 80 % und des Anteils Haushalt mit
20 % vorgenommen hat (vgl. IV-act. 240 S. 2 ff.).
6. Soweit die Beschwerdeführerin ausserdem in ihrer Beschwerde vom
29. Juli 2020 sowie der Replik vom 14. September 2020 – worauf sie
anlässlich ihres Plädoyers vom 2. Juni 2022 verwies (siehe dazu
Verhandlungsprotokoll vom 2. Juni 2022 S. 5) – Kritik am
Haushaltsabklärungsbericht vom 12./19. Februar 2020 und an den darin
festgehaltenen Einschränkungen im anerkannten Aufgaben- bzw.
Haushaltsbereich übt, kann ebenfalls auf das bereits im VGU S 20 88 vom
15. Dezember 2020 Ausgeführte und die dortige Erwägung 7 verwiesen
werden. Das streitberufene Gericht folgerte dabei in einlässlichen
Erwägungen im Wesentlichen, auch wenn im Vergleich zur Abklärung vor
Ort am 24. November 2016 in gewissen Bereichen nach wie vor
Einschränkungen in der Haushaltsführung bestünden, hätten sich in
anderen Aufgabenbereichen in tatsächlicher Hinsicht Veränderungen
eingestellt, welche den Beeinträchtigungsgrad gesamthaft betrachtet zu
vermindern vermöchten. Selbst wenn jedoch insgesamt wie im
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Haushaltsabklärungsbericht vom 28. November/1. Dezember 2016 –
welcher von RAD-Arzt Dr. med. E._ am 5. Januar 2017 plausibilisiert
worden ist (siehe IV-act. 157 S. 9) – weiterhin von einer Einschränkung im
Haushalt von 7.1 % bzw. wie im Haushaltsabklärungsbericht vom
12./19. Februar 2020 für die Phase bis 31. Dezember 2017 von 6 %
ausgegangen würde, resultierte – wie nachfolgend dargelegt – immer
noch kein rentenbegründender Invaliditätsgrad. Anhaltspunkte dafür, dass
die Einschränkung im Haushaltsbereich – wie von der Beschwerdeführerin
behauptet – (entsprechend der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit) rund
40 % betragen würden, fänden sich keine. So mache denn auch die
Beschwerdeführerin nicht konkret geltend, in welchen Aufgabenbereichen
der Haushaltsführung und aus welchen Gründen eine derart höhere
Einschränkung hätte festgehalten werden müssen. Vielmehr habe sie sich
damit begnügt, pauschal eine Beeinträchtigung von 40 % im anerkannten
Aufgabenbereich geltend zu machen, ohne diese rechtsgenüglich zu
substantiieren. Dabei sei darauf hinzuweisen, dass die Einschränkung im
Haushalt bzw. im anerkannten Aufgabenbereich grundsätzlich nicht
einfach mit der medizinisch-theoretischen, zumutbaren Arbeitsfähigkeit
gleichzusetzen sei, so wie dies die Beschwerdeführerin anzunehmen
scheine (siehe dazu auch bereits die dortige Erwägung 7.1). Diese
Ausführungen beanspruchen nach wie vor Gültigkeit. Insofern ist weder
ersichtlich noch wird von der Beschwerdeführerin in begründeter Weise
dargelegt, dass die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen wäre, damit diese erneut eine Haushaltsabklärung
durchführe. Das im vorliegenden Verfahren gestellte Eventualbegehren
der Beschwerdeführerin ist daher abzuweisen.
7. Bei einem unbestritten gebliebenen Valideneinkommen von (gerundet)
CHF 58'328.-- und einem korrekterweise auf Basis der
Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik 2018
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ermittelten Invalideneinkommen von CHF 33'137.65 (vgl. zur
Anwendbarkeit der LSE 2018 anstelle der LSE 2016 wie sie der
angefochtenen Verfügung zu Grunde lag [siehe dazu IV-act. 240 S. 239
und 240 S. 2]: BGE 143 V 295 E.2.3 und Urteile des Bundesgerichts
8C_202/2021 vom 17. Dezember 2021 E.6.2.2, 9C_15/2018 vom 2. Juli
2018 E.4.2 f. und 9C_414/2017 vom 21. September 2017 E.4.2;
LSE 2018, Tabelle TA 1, Kompetenzniveau 1, Frauen, Zeile "Total",
umgerechnet auf die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7
Stunden, Arbeitsfähigkeit von 60 %, aufindexiert bis ins Jahr 2020 [jeweils
0.5 % für das 2019 und 2020, vgl. dazu IV-act. 239] = CHF 4'371.-- x 12 :
40 x 41.7 x 1.005 x 1.005 x 0.60) resultiert bei einem Erwerbsanteil von
80 % ein gewichteter Teilinvaliditätsgrad von 34.55 % (= 80 % x 0.4319
[d.h. Einschränkung von 43.19 %]), welcher zusammen mit jenem im
Bereich Haushalt von (maximal) 1.42 % bzw. 1.2 % (= 20 % x 0.071 bzw.
0.06 [d.h. maximale Einschränkung im Haushalt von 7.1 % bzw. 6 %])
einen rentenausschliessenden Gesamtinvaliditätsgrad von gerundet
höchstens 36 % ergibt. Damit besteht – wie die Beschwerdegegnerin in
der Verfügung vom 15. Juni 2020 zu Recht festgehalten hat – kein
Anspruch auf eine Invalidenrente (siehe Art. 28 Abs. 2 IVG in der bis am
31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung bzw. Art. 28b Abs. 4 IVG,
in Kraft seit 1. Januar 2022).
8. Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt.
8.1. Die Beschwerdeführerin liess anlässlich der öffentlichen
Gerichtsverhandlung vorbringen, sie sei gemäss dem bundesgerichtlichen
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Urteil 8C_521/2021 vom 22. März 2022 für das Verfahren S 20 88 als
vollständig obsiegende Partei zu betrachten, weshalb die in jenem
Verfahren entstandenen Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin zu
überbinden seien und sie von dieser im Umfang ihrer Honorarnote vom
2. Oktober 2020 mit CHF 3'752.10 zu entschädigen sei. Dabei verkennt
sie jedoch, dass das Bundesgericht im Urteil 8C_521/2021 vom 22. März
2022 in E.7 genauso wie in den Dispositiv-Ziffern 2 und 3 des
Urteilsspruchs lediglich die Kosten- und Entschädigungsfolgen für das
bundesgerichtliche Verfahren festgelegt und keine verbindliche
Feststellung hinsichtlich des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens S 20 88
getroffen hat. Vielmehr hat es die Angelegenheit in Aufhebung des
verwaltungsgerichtlichen Urteils S 20 88 vom 15. Dezember 2020 zu
weiteren Abklärungen und zu neuer Entscheidung mit noch offenem
Ausgang an das Verwaltungsgericht zurückgewiesen (siehe Urteil des
Bundesgerichts 8C_521/2021 vom 22. März 2022 E.7 und Dispositiv-Ziffer
1). Die Beschwerdeführerin gilt demnach für das Verfahren S 20 88 nicht
als obsiegende Partei. Vielmehr bildet nach wie vor die Verfügung vom
15. Juni 2020 das Anfechtungsobjekt; seit deren Erlass ist von einem
einzigen kantonalen Gerichtsverfahren auszugehen.
8.2. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein hoher Aufwand entstanden
ist, setzt das Gericht die Kosten in Berücksichtigung des
bundesrechtlichen Kostenrahmens grundsätzlich auf CHF 1'000.-- fest.
Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass das Verfahren S 22 34
betreffend Neubeurteilung gemäss bundesgerichtlichem Urteil
8C_521/2021 vom 22. März 2022 darauf zurückzuführen ist, dass das
streitberufene Gericht die rechtserheblichen Tatsachen in Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes sowie des Gehörsanspruchs unvollständig
festgestellt bzw. einen erheblichen Beweisantrag nicht gehört hat. Daher
rechtfertigt es sich unter den konkreten Umständen des Einzelfalls, die
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Gerichtskosten mit CHF 700.-- zu veranschlagen. Infolge des Ausgangs
des Beschwerdeverfahrens sind diese der Beschwerdeführerin zu
überbinden (vgl. Art. 61 Ingress ATSG i.V.m. Art. 73 Abs. 1 VRG). Der
obsiegenden Beschwerdegegnerin steht kein Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG e contrario).
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