Decision ID: 03fdf9ad-95dd-4a43-9dc8-4969bc9d4280
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die A._ AG mit Sitz in B._, Kanton (...), bezweckt insbeson-
dere die Fabrikation, den Export/Import, den Handel und den Vertrieb von
Lebensmitteln aller Art sowie von Wein, Bier, Obstwein, Schaumwein, Spi-
rituosen und gebrannten Wassern. Sie wurde am 27. Juli (...) im Handels-
register eingetragen (CHE-[...]). Sie verfügt über eine Vertriebsstelle in
C._, Kanton (...).
B.
Am 24. Januar 2017 wurde das von D._ gefahrene Fahrzeug nach
dem Grenzübertritt in Ligornetto von der Grenzwache angehalten und einer
Zollkontrolle unterzogen. D._, begleitet von seiner Frau, war von
der Grenzwache schon früher mit einem anderen Fahrzeug bei der Grenze
in Novazzano bemerkt worden. Bei der Kontrolle wurden 507.8 kg aus Ita-
lien importierte und nicht zur schweizerischen Zollbehandlung angemel-
dete Lebensmittelprodukte (z.B. Fleisch und Käse) entdeckt.
D._ war Geschäftsinhaber der Einzelfirma « E._ » (nachfol-
gend: Einzelfirma) mit Sitz in (...), die im Handelsregister des Kantons (...)
zwischen dem 22. September (...) und dem 22. Oktober (...) (Löschung)
registriert war (CHE-[...]). Sie bezweckte unter anderem den Handel und
den Vertrieb von Lebensmitteln und Konsumgütern.
C.
Eine Zollstrafuntersuchung wurde von der (damaligen) Eidgenössische
Zollverwaltung EZV (seit dem 1. Januar 2022, Bundesamt für Zoll und
Grenzsicherheit [BAZG]), Zollkreisdirektion Lugano, Sektion Zollfahndung
(seit dem 1. Januar 2020 Direktionsbereich Strafverfolgung des BAZG,
Zollfahndung Süd), eingeleitet. Die Untersuchung führte zur Feststellung,
dass D._ und seine Frau zwischen dem 1. Januar 2016 und dem
24. Januar 2017 (Zeitpunkt der Zollkontrolle) 30'905.10 kg Käse und Metz-
gerei- Fleischwaren ohne Zollanmeldung und ohne Einfuhrsteuer
(Fr. 262'084.80 Zoll und Fr. 18'737.- Mehrwertsteuer [MWST]) aus Italien
in die Schweiz importiert hatten.
Diese in Italien gekauften italienischen Spezialitäten wurden hauptsächlich
importiert, um Schweizer Kunden zu beliefern, die entweder direkt bei der
Einzelfirma in (...) oder über einen ihrer drei Vertreter, die jeweils eine
Sprachregion abdeckten, bestellt wurden. Die A._ AG in B._
und ihre Vertriebsstelle in C._ betätigten ihre Bestellung separat bei
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der F._ Sàrl mit Sitz in (...), Kanton (...) (seit dem 13. April 2021,
früher Sitz in [...]). Die F._ Sàrl (CHE-[...]) leitete dann die Bestel-
lungen an die Einzelfirma weiter. Die Lebensmittel wurden jeweils direkt
nach B._ und C._ geliefert. Die von der Einzelfirma ausge-
stellten Rechnungen wurden jeweils separat von der A._ AG, der
Vertriebsstelle und der F._ Sàrl beglichen.
D.
Aus der Prüfung der Buchhaltung der Einzelfirma, insbesondere der Rech-
nungen, die an die A._ AG adressiert worden waren, ergab sich,
dass die A._ AG im fraglichen Zeitraum Waren aus Italien bestellt,
bezahlt und geliefert bekommen hatte, die zu keinem Zeitpunkt der gesetz-
lich vorgeschriebenen Zollbehandlung unterzogen worden waren.
Die EZV (BAZG) stütze sich auf vier Rechnungen betreffend den Sitz der
A._ AG in B._ (...): Nr. [...] vom 16. Februar 2016, Nr. [...]
vom 28. Juni 2016, Nr. [...] vom 15. September 2016 und Nr. [...] vom
7. November 2016. Diese Rechnungen betrafen 1'329.45 kg italienische
Fleischprodukte (u.a. Rohschinken) für einen Wert von Fr. 22'334.68.
E.
Mit Schreiben vom 15. Dezember 2020 gewährte die EZV (BAZG) der
A._ AG die Gelegenheit ihr rechtliches Gehör innerhalb von 20 Ta-
gen wahrzunehmen, welches diese am 29. Dezember 2020 ausgeübt hat.
F.
Mit Verfügung vom 19. März 2021 verpflichtete die EZV (BAZG; nachfol-
gend: die Vorinstanz) die A._ AG zur Bezahlung von Fr. 14'978.35
(bestehend aus Fr. 12’430.35 Zoll, Fr. 869.90 Mehrwertsteuer [Einfuhr-
steuer 2.5%] sowie Fr. 1'678.10 Verzugszinsen).
G. Gegen diese Nachforderungsverfügung erhob die A._ AG (nach-
folgend: Beschwerdeführerin) am 22. April 2021 Beschwerde beim Bun-
desverwaltungsgericht. Sie beantragt die Aufhebung der angefochtenen
Nachforderungsverfügung unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zu-
sammengefasst begründet die Beschwerdeführerin die Beschwerde damit,
dass die Identität zwischen nicht verzollter und an sie gelieferter Ware nicht
erstellt sei. Zudem kämen die Zollbestimmungen betreffend den Zoll-
schuldner nicht zur Anwendung, da sie die Waren bei einer schweizeri-
schen Firma (Einzelfirma) bestellt habe, weshalb der Grenzübertritt bzw.
die Einfuhr nicht auf ihre Rechnung erfolgt sei.
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H.
In ihrer Vernehmlassung vom 25. Juni 2021 beantragt die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde und Auferlegung der Kosten an die Beschwer-
deführerin. In ihrer Begründung führt sie unter anderem aus, dass die Be-
schwerdeführerin als Auftraggeberin im Sinne des Zollrechts zu betrachten
sei.
I.
Mit Eingabe vom 27. April 2022 teilt die Beschwerdeführerin dem Bundes-
verwaltungsgericht mit, dass die Beschwerde nicht zurückgezogen werde.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten
wird – soweit dies für den Entscheid wesentlich ist – in den folgenden Er-
wägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfü-
gungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über
das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme
nach Art. 32 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesver-
waltungsgericht (VGG, SR 173.32) gegeben ist (Art. 31 VGG). Eine solche
Ausnahme liegt hier nicht vor. Der angefochtene Entscheid ist eine Verfü-
gung im Sinne von Art. 5 VwVG. Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicher-
heit ist zudem eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts (Art. 33
VGG). Dieses ist daher für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde
zuständig (vgl. auch Art. 116 Abs. 4 des Zollgesetzes vom 18. März 2005
[ZG, SR 631.0]). Das Verfahren richtet sich – soweit das VGG nichts ande-
res bestimmt – nach den Vorschriften des VwVG (Art. 37 VGG).
1.2 Die Beschwerdeführerin ist Adressatin des angefochtenen Entscheids
und schon deshalb zur Beschwerdeerhebung legitimiert
(vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen form- und fristgerecht ein-
gereichte Beschwerde (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist daher
einzutreten.
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Seite 5
2.
Gemäss Art. 33a Abs. 1 VwVG wird das Verfahren in einer der vier Amts-
sprachen geführt, in der Regel in der Sprache, in der die Parteien ihre Be-
gehren gestellt haben oder stellen würden. Im Beschwerdeverfahren ist je-
doch grundsätzlich die Sprache des angefochtenen Entscheids massge-
bend, wobei dieses in einer anderen Amtssprache geführt werden kann,
wenn die Parteien eine solche verwenden (Art. 33a Abs. 2 VwVG). Vorlie-
gend wurden der angefochtene Entscheid und die Vernehmlassung auf
Deutsch verfasst und die Beschwerde auf Deutsch eingereicht. Dieses Ver-
fahren ist Teil eines grösseren Verfahren betreffend die Einzelfirma und
viele Parteien aus den verschiedenen Sprachregionen der Schweiz. Da die
Beschwerdeführerin ihren Sitz im Kanton (...) hat und durch einen deutsch-
sprachigen Anwalt vertreten ist, wird das vorliegende Verfahren in deut-
scher Sprache geführt.
3.
3.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Ent-
scheid grundsätzlich in vollem Umfang. Die Beschwerdeführerin kann mit
der Beschwerde neben der Verletzung von Bundesrecht auch die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes
sowie Unangemessenheit rügen (Art. 49 VwVG).
3.2
3.2.1 Das Verfahren vor der Vorinstanz wie auch jenes vor dem Bundes-
verwaltungsgericht wird von der Untersuchungsmaxime beherrscht. Da-
nach muss die entscheidende Behörde den rechtlich relevanten Sachver-
halt von sich aus abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen
(vgl. BGE 147 II 209 E. 5.1.3, 144 II 359 E. 4.5.1; Urteile des BVGer
A-4408/2021 vom 6. Juli 2022 E. 1.4.1, A-3346/2020 vom 27. April 2022
E. 1.7, A-746/2021 vom 14. April 2022 E. 2.2, A-2599/2020 vom 8. Dezem-
ber 2021 E. 2.2).
3.2.2 Der Untersuchungsgrundsatz wird allerdings modifiziert durch die im
Abgaberecht regelmässig gesetzlich vorgesehene Mitwirkungspflicht des
Abgabepflichtigen (vgl. auch unten E. 4.2 ff.).
3.2.3 Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung bildet sich die Be-
hörde unvoreingenommen, gewissenhaft und sorgfältig ihre Meinung da-
rüber, ob der Sachverhalt als rechtsgenügend erstellt zu gelten hat. Sie ist
dabei nicht an bestimmte förmliche Beweisregeln gebunden, die genau
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Seite 6
vorschreiben, wie ein gültiger Beweis zustande kommt und welchen Be-
weiswert die einzelnen Beweismittel im Verhältnis zueinander haben
(ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER/MARTIN KAYSER,
Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 3. Aufl. 2022,
Rz. 3.140).
3.2.4 Die Beweiswürdigung endet mit dem Entscheid darüber, ob eine
rechtserhebliche Tatsache als erwiesen zu gelten hat oder nicht. Der Be-
weis ist geleistet, wenn die Behörde gestützt auf die freie Beweiswürdigung
zur Überzeugung gelangt ist, dass sich der rechtserhebliche Sachumstand
verwirklicht hat (BGE 140 III 610 E. 4.1; Urteile des BVGer A-4408/2021
vom 6. Juli 2022 E. 1.4.4, A-1450/2021 vom 3. Mai 2022 E. 1.4).
3.2.5 Gelangt das Gericht trotz genügender Abklärung des Sachverhalts
unter Respektierung des Untersuchungsgrundsatzes und aufgrund der
(freien) Beweiswürdigung (vgl. E. 3.2.3) nicht zur Überzeugung, eine
rechtserhebliche Tatsache habe sich verwirklicht, so stellt sich die Frage,
wer die Folgen der Beweislosigkeit trägt (Art. 8 des Schweizerischen Zivil-
gesetzbuches vom 10. Dezember 1907 [ZGB, SR 210]; BGE 142 V 389
E. 2.2). Im Abgaberecht gilt grundsätzlich, dass die Abgabebehörde die
(objektive) Beweislast für Tatsachen trägt, welche die Abgabepflicht als sol-
che begründen oder die Abgabeforderung erhöhen (steuer- bzw. abgabe-
begründende und -erhöhende Tatsachen). Demgegenüber ist die steuer-
pflichtige Person für die steuer- bzw. abgabeaufhebenden und -mindern-
den Tatsachen beweisbelastet, das heisst für solche Tatsachen, welche
eine Abgabenbefreiung oder -begünstigung bewirken (BGE 147 II 338
E. 3.2, 140 II 248 E. 3.5; Urteile des BVGer A-4408/2021 vom 6. Juli 2022
E. 1.4.5, A-4848/2021 vom 1. April 2022 E. 2.3, A-1335/2014 vom 14. De-
zember 2015 E. 2.3).
3.2.6 Selbstveranlagungsprinzip und Mitwirkungspflicht (dazu E. 4.2 ff.)
ändern grundsätzlich nichts an der Beweislastverteilung. Jedoch kann eine
Verletzung der Mitwirkungspflicht mit der Folge einer Beweisnot der Steu-
erbehörde gegebenenfalls zu einer Umkehr der Beweislast führen (aus-
führlich dazu: Urteile des BVGer A-4408/2021 vom 6. Juli 2022 E. 1.4.6,
A-4447/2019 vom 20. Januar 2022 E. 2.3.2, A-629/2010 vom 29. April
2011 E. 3.4 [nicht publiziert in: BVGE 2011/45]).
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Seite 7
4.
4.1 Waren, die ins schweizerische Zollgebiet verbracht werden, sind grund-
sätzlich zollpflichtig und nach dem Zollgesetz sowie nach dem Zolltarifge-
setz zu veranlagen (Art. 7 ZG). Solche Waren unterliegen zudem grund-
sätzlich der Einfuhrsteuer (Art. 50 ff. des Bundesgesetzes vom 12. Juni
2009 über die Mehrwertsteuer [Mehrwertsteuergesetz, MWSTG,
SR 641.20]). Vorbehalten bleiben Zoll- und Steuerbefreiungen, die sich aus
besonderen Bestimmungen von Gesetzen und Verordnungen oder Staats-
verträgen ergeben (Art. 2 Abs. 1 und Art. 8 ff. ZG, Art. 1 Abs. 2 des Zollta-
rifgesetzes vom 9. Oktober 1986 [ZTG, SR 632.10], Art. 53 MWSTG).
4.2 Zur Gewährleistung der allgemeinen Zollpflicht muss, wer eine Ware
ins Zollgebiet verbringt, verbringen lässt oder sie danach übernimmt, sie
unverzüglich und unverändert der nächstgelegenen Zollstelle zuführen
oder zuführen lassen (Art. 21 Abs. 1 ZG). Zum so umrissenen Kreis der
zuführungspflichtigen Personen gehören gemäss der präzisierenden Fest-
legung der Zollverordnung insbesondere der Warenführer, die mit der Zu-
führung beauftragte Person, der Importeur, der Empfänger, der Versender
und der Auftraggeber (Art. 75 der Zollverordnung vom 1. November 2006
(ZV, SR 631.01). Die Zuführungs- respektive die Zollmeldepflicht besteht
unabhängig von der wirtschaftlichen oder privatrechtlichen Berechtigung
an der Ware (vgl. zum Ganzen: Urteil des BVGer A-3680/2012 vom
21. März 2013 E. 2.1.1 m.w.H.).
4.3 Die zuführungspflichtigen Personen sind gleichzeitig – neben den mit
der Zollanmeldung beauftragten Personen – auch anmeldepflichtige Per-
sonen (Art. 26 ZG; vgl. Urteil des BVGer A-5407/2020, A-5409/2020,
A-5410/2020 vom 28. September 2021 E. 2.3.1 m.w.H.). Sie müssen die
der Zollstelle zugeführten Waren gestellen und summarisch anmelden
(Art. 24 Abs. 1 ZG). Sodann muss die anmeldepflichtige Person die zuge-
führten, gestellten und summarisch angemeldeten Waren innerhalb der
von der Zollverwaltung bestimmten Frist zur Veranlagung anmelden und
die Begleitdokumente einreichen (Art. 25 Abs. 1 ZG). In der Zollanmeldung
ist die zollrechtliche Bestimmung der Waren festzulegen (Art. 25
Abs. 2 ZG). Waren, die in ein Zollverfahren überführt werden sollen, sind
zum betreffenden Verfahren anzumelden (Art. 47 Abs. 1 ZG).
4.4 Die Zollanmeldung basiert auf dem Selbstdeklarationsprinzip, wonach
von der anmeldepflichtigen Person eine vollständige und richtige Deklara-
tion der Ware verlangt wird. Hinsichtlich der diesbezüglichen Sorgfalts-
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pflicht werden an die anmeldepflichtige Person hohe Anforderungen ge-
stellt (BARBARA SCHMID, in: Kocher/Clavadetscher [Hrsg.], Handkommen-
tar zum Zollgesetz, 2009 [nachfolgend: Zollkommentar], Art. 18 N. 3 f.; Bot-
schaft vom 15. Dezember 2003 über ein neues Zollgesetz, BBl 2004 567,
601). Die Zollpflichtigen müssen sich vorweg über die Zollpflicht sowie die
jeweiligen Abfertigungsverfahren informieren und die Waren entsprechend
zur Veranlagung anmelden. Unterlassen sie dies, haben sie dafür prinzipi-
ell selber die Verantwortung zu tragen. Die Mitwirkungs- und Sorgfalts-
pflichten des Zollverfahrens gelten auch für die Erhebung der Einfuhrsteuer
(vgl. Art. 50 MWSTG; Urteile des BVGer A-4077/2021 vom 11. Mai 2021
E. 2.2, A-6635/2018 vom 7. Januar 2020 E. 3.3, A-2764/2018 vom 23. Mai
2019 E. 2.3.2). Nicht angemeldete Waren werden von Amtes wegen ver-
anlagt (Art. 18 Abs. 3 ZG).
4.5 Mit der Annahme der Zollanmeldung oder (unter anderen) im Falle der
unterlassenen Anmeldung im Zeitpunkt der Verbringung der Ware über die
Zollgrenze, entsteht die Zollschuld (Art. 69 ZG). Die Zollzahlungspflicht ob-
liegt der Zollschuldnerin bzw. dem Zollschuldner (Art. 70 Abs. 1 ZG). Zum
entsprechenden Kreis gehören die Person, die Waren über die Zollgrenze
bringt oder bringen lässt (Art. 70 Abs. 2 Bst. a ZG), die zur Zollanmeldung
verpflichtet oder damit beauftragt ist (Art. 70 Abs. 2 Bst. b ZG) oder auf
deren Rechnung die Waren ein- oder ausgeführt werden (Art. 70 Abs. 2
Bst. c ZG). Der Gesetzgeber hat den Kreis der Zollschuldner in Art. 70
Abs. 2 ZG bewusst weit gezogen. Der Zweck dieser weit gefassten Rege-
lung über die Zollzahlungspflicht liegt im öffentlichen Interesse, die Ein-
bringlichkeit der Zollabgaben zu garantieren, für welche die Zollschuldne-
rinnen und Zollschuldner denn auch solidarisch haften. Sie ist aber auch
Ausdruck des im Zollrecht geltenden und streng verstandenen Selbstde-
klarationsprinzips (MICHAEL BEUSCH, Zollkommentar, Art. 70 ZG N. 4; Ur-
teile des BVGer A-714/2018 vom 23. Januar 2019 E. 7.2, A-3680/2012 vom
21. März 2013 E. 2.1.1 f, je m.w.H.). Die Zollzahlungspflicht besteht im Üb-
rigen sowohl für natürliche wie auch für juristische Personen. Das Verbrin-
gen der Ware als Realakt ist jedoch nur durch eine natürliche Person mög-
lich. Abgesehen davon stehen aber natürliche und juristische Personen
zoll- und abgaberechtlich in den gleichen Rechten und Pflichten. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind natürliche Personen selbst dann
Zollschuldner, wenn diese als Organ einer juristischen Person gehandelt
haben (Urteil des BGer 2C_747/2009 vom 8. April 2010 E. 5.3, mit Hinweis
auf die Urteile des BGer 2A.585/1998 und 2A.586/1998, beide vom 7. Juli
1999; eingehend: Urteil des BVGer A-714/2018 vom 23. Januar 2019
E. 7.2 m.w.H.).
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Seite 9
4.6
4.6.1 Steuerobjekt der Einfuhrsteuer ist die Einfuhr von Gegenständen,
einschliesslich der darin enthaltenen Dienstleistungen ins (Zoll-)Inland
(Art. 52 Abs. 1 Bst. a MWSTG).
4.6.2 Die Steuer auf der Einfuhr wird im Normalfall auf dem von den Par-
teien vereinbarten und vom Importeur zu entrichtenden Entgelt erhoben
(Art. 54 Abs. 1 Bst. a – f MWSTG). Kann nicht auf das Entgelt abgestellt
werden, wird die Steuer auf dem Marktwert berechnet. Als Marktwert gilt,
was der Importeur oder die Importeurin auf der Stufe, auf der die Einfuhr
bewirkt wird, an einen selbständigen Lieferanten oder eine selbständige
Lieferantin im Herkunftsland der Gegenstände zum Zeitpunkt der Entste-
hung der Einfuhrsteuerschuld unter den Bedingungen des freien Wettbe-
werbs zahlen müsste, um die gleichen Gegenstände zu erhalten (Art. 54
Abs. 1 Bst. g MWSTG). In die Bemessungsgrundlage sind zudem unter
anderem die ausserhalb des Inlandes sowie der Einfuhr geschuldeten
Steuern, Zölle und sonstigen Abgaben, mit Ausnahme der zu erhebenden
Mehrwertsteuer, einzubeziehen, soweit sie noch nicht darin enthalten sind
(Art. 54 Abs. 3 Bst. a MWSTG).
4.6.3 Der Zollschuldner nach Art. 70 ZG ist auch für die Einfuhrsteuer steu-
erpflichtig (Art. 51 Abs. 1 MWSTG; vgl. Urteile des BVGer A-4510/2018
vom 20. Mai 2019 E. 2.2, A-3322/2018 vom 11. Dezember 2018 E. 3.2, je
mit weiteren Hinweisen).
4.6.4 Der Steuersatz für die Einfuhr von Fleisch und Käse zu Lebensmit-
telzwecken beträgt 2.5 % für die betroffene Steuerperiode (Art. 55 Abs. 2
i.V.m. Art. 25 Abs. 2 Bst. a Ziff. 2 MWSTG).
4.7
4.7.1 Wer sich oder einem anderen einen unrechtmässigen Zoll- oder
Steuervorteil verschafft, insbesondere indem er vorsätzlich oder fahrlässig
Waren bei der Einfuhr nicht oder unrichtig anmeldet, begeht eine Wider-
handlung gegen die Zoll- bzw. Mehrwertsteuergesetzgebung
(vgl. Art. 118 ZG und Art. 96 MWSTG). Sowohl die Zoll- als auch die Mehr-
wertsteuergesetzgebung gehören zur Verwaltungsgesetzgebung des Bun-
des. Entsprechend findet bei Widerhandlungen in den jeweiligen Bereichen
grundsätzlich das Bundesgesetz vom 22. März 1974 über das Verwal-
tungsstrafrecht (VStrR, SR 313.0) Anwendung (Urteile des BVGer
A-4408/2021 vom 6. Juli 2022 E. 2.5.1, A-4077/2021 vom 11. Mai 2021
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E. 2.8.1, A-1552/2021 vom 21. Dezember 2021 E. 4.2.4, A-4966/2018 vom
26. Oktober 2020 E. 3.5, A-5576/2018 vom 5. Dezember 2019 E. 4.9).
4.7.2 Gemäss Art. 12 Abs. 1 Bst. a VStrR sind Abgaben nachzuentrichten,
wenn sie infolge einer Widerhandlung gegen die Verwaltungsgesetzge-
bung des Bundes zu Unrecht nicht erhoben worden sind. Dies gilt «ohne
Rücksicht auf die Strafbarkeit einer bestimmten Person» (Art. 12
Abs. 1 VStrR). Die Leistungspflicht im Sinne von Art. 12 VStrR hängt weder
von einer strafrechtlichen Verantwortlichkeit noch von einem Verschulden
oder gar der Einleitung eines Strafverfahrens ab. Vielmehr genügt es, dass
der durch die Nichterhebung der entsprechenden Abgabe entstandene un-
rechtmässige Vorteil auf einer objektiven Widerhandlung gegen die Ver-
waltungsgesetzgebung des Bundes gründet (BGE 141 II 447 E. 8.4, 129 II
160 E. 3.2, 106 Ib 218 E. 2c, 104 Ib 280 E. 6; Urteile des BGer
2C_822/2021 vom 26. Januar 2022 E. 5.1.1, 2C_867/2018 vom 6. Novem-
ber 2019 E. 6.2, 2C_382/2017 vom 13. Dezember 2018 E. 2.2; Urteile des
BVGer A-4408/2021 vom 6. Juli 2022 E. 2.5.2, A-4077/2021 vom 11. Mai
2021 E. 2.8.2; STEFAN OESTERHELT/LAETITIA FRACHEBOUD, in: Frank/Ei-
cker/Markwalder/Achermann [Hrsg.], Basler Kommentar, Verwaltungs-
strafrecht, 2020 [nachfolgend: BSK VStrR], Art. 12 N. 5).
4.7.3 Zu den gestützt auf Art. 12 Abs. 2 VStrR Nachleistungspflichtigen ge-
hört nach dem Gesetzeswortlaut «insbesondere der zur Zahlung der Ab-
gabe Verpflichtete», das heisst für die Zollabgaben jene Personen, welche
dem Kreis der Zollschuldnerinnen und Zollschuldner gemäss Art. 51
Abs. 1 MWSTG i.V.m Art. 70 ZG entsprechen. Sie gelten ipso facto als
durch die Nichtbezahlung der Abgabe bevorteilt. Sie bleiben selbst dann
leistungspflichtig, wenn sie nichts von der falschen bzw. fehlenden Dekla-
ration gewusst haben (BGE 107 Ib 198 E. 6c und d) und wenn sie selber
aus der Widerhandlung keinen persönlichen Nutzen gezogen haben (Ur-
teile des BGer 2C_420/2013 vom 4. Juli 2014 E. 3.3, 2A.242/2006 vom
2. Februar 2007 E. 2.2; BEUSCH, Zollkommentar, Art. 70 N. 12). Sie gelten
als direkt unrechtmässig bevorteilt, weil sie die geschuldeten Abgaben in-
folge der Widerhandlung nicht entrichten mussten. Der Genuss dieses Vor-
teils soll den Leistungspflichtigen mit dem Institut der Nachleistungspflicht
entzogen werden. Diese Personen – für welche die gesetzliche Vermutung
eines unrechtmässigen Vermögensvorteils gilt – haften solidarisch für den
gesamten nicht erhobenen Abgabebetrag. Der Rückgriff unter ihnen richtet
sich nach dem Obligationenrecht (Art. 70 Abs. 3 ZG; Urteile des BVGer
A-4408/2021 vom 6. Juli 2022 E. 2.5.3, A-4077/2021 vom 11. Mai 2021
E. 2.8.3, A-1497/2019 vom 7. Oktober 2020 E. 2.3.2).
A-1876/2021
Seite 11
4.8 Werden Zollschuld und Einfuhrsteuerschuld nicht fristgerecht bezahlt,
ist ab ihrer Fälligkeit ein Verzugszins geschuldet (Art. 74 Abs. 1 ZG, Art. 57
Abs. 1 MWSTG). Die Höhe der Zinsen wird vom Eidgenössischen Finanz-
departement (EFD) festgelegt (Art. 74 Abs. 4 ZG, Art. 108 Bst. a MWSTG).
Die Zollschuld wird mit ihrer Entstehung fällig (Art. 72 Abs. 1 ZG). Sie ent-
steht, soweit vorliegend relevant, im Zeitpunkt, in dem die Zollstelle die
Zollanmeldung annimmt (Art. 69 Bst. a ZG) bzw., falls die Zollstelle die Zoll-
anmeldung vor dem Verbringen der Waren angenommen hat, im Zeitpunkt,
in dem die Waren über die Zollgrenze verbracht werden (Art. 69 Bst. b ZG).
Gleiches gilt für die Einfuhrsteuerschuld (Art. 57 Abs. 2 Bst. d i.V.m. Art. 56
Abs. 1 MWSTG i.V.m. Art. 69 Bst. a und b ZG). Der Verzugszins beträgt
4 % bis zum 31. Dezember 2021 (Art. 1 Abs. 2 Bst. a i.V.m. Art. 1 Abs. 1
Bst. a und b der Verordnung des EFD vom 11. Dezember 2009 über die
Verzugs- und die Vergütungszinssätze [SR 641.207.1], ab dem 1. Januar
2022, durch die Verordnung des EFD vom 25. Juni 2021 über die Verzugs-
und die Vergütungszinssätze auf Abgaben und Steuern [SR 631.014, Zins-
sattzverordnung EFD] aufgehoben). Für die Zeit vom 20. März 2020 bis
zum 31. Dezember 2020 ist kein Verzugszins geschuldet (Art. 2 Verord-
nung vom 20. März 2020 über den befristeten Verzicht auf Verzugszinsen
bei verspäteter Zahlung von Steuern, Lenkungsabgaben und Zollabgaben
sowie Verzicht auf die Darlehensrückerstattung durch die Schweizerische
Gesellschaft für Hotelkredit; SR 641.207.2, AS 2020 861).
5.
Das vorliegende Verfahren betrifft die Lieferungen an die Beschwerdefüh-
rerin in B._ (...).
5.1 Die Beschwerdeführerin lässt zuerst vorbringen, dass die Identität zwi-
schen den importierten Waren und den an sie gelieferten Waren nicht be-
legt sei. Dasselbe soll für das zeitliche Nacheinander von Bestellung und
Einfuhr der betroffenen Ware gelten. Zudem hätte die Vorinstanz selbst
ausgeführt, dass die Ware für die Einzelfirma eingeführt worden sei.
Die Beschwerdeführerin lässt weiter vorbringen, dass die Verordnung vom
12. Oktober 2011 über die Statistik des Aussenhandels (SR 632.14) keine
Bedeutung für die Auslegung von Art. 70 ZG habe. Wäre eine Einfuhrzoll-
anmeldung erfolgt, wäre der Inhaber der Einzelfirma als Empfänger der
Ware zu qualifizieren. Zudem käme Art. 70 Abs. 2 Bst. a–c ZG nicht zur
Anwendung, weil sie nach eigenen Angaben mit dem physischen Grenz-
übergang und mit der Zollanmeldung nichts zu tun hatte und sie keine Be-
schaffung von Waren im Ausland mit Überführung in die Schweiz in Auftrag
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gegeben hatte. Im Übrigen sei die Beschwerdeführerin nicht zuführungs-
pflichtig gemäss Art. 21 i.V.m 26 ZG, da sie die Ware weder über die
Grenze gebracht noch die Ware nach dem Grenzübertritt übernommen
habe. Aus diesen Gründen, insbesondere angesichts der Nichtanwendbar-
keit des Art. 70 ZG, sei sie nicht in den Genuss eines Vorteiles im Sinne
von Art. 12 Abs. 2 VStrR gekommen.
5.2 Zunächst anerkennt die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung zurecht,
dass die Frage der Anwendung von Art. 6 Abs. 1 der Verordnung vom
12. Oktober 2011 über die Statistik des Aussenhandels letztlich irrelevant
ist. Jedenfalls hat die Vorinstanz die einschlägigen Normen in ihrer Verfü-
gung erwähnt, sodass die wenigen Ausführungen zur besagten Bestim-
mung keinen Einfluss auf das Ergebnis ihres Entscheids hatten, weshalb
auf die dazu vorgebrachte Rüge nicht weiter einzugehen ist.
5.3 Im Weiteren kann das Bundesverwaltungsgericht sich den Rügen der
Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der Auslegung der Art. 70
Abs. 2 ZG (i.V.m Art. 51 Abs. 1 MWSTG) und 12 Abs. 2 VStrR aus den
folgenden Gründen nicht anschliessen.
5.3.1 Die Beschwerdeführerin schreibt « Die Ware selbst auf jeden Fall er-
hält beim Grenzübertritt keinen Stempel, welcher auf die Verzollung oder
eben auf die fehlende Verzollung hinweist» (vgl. Beschwerde, Seite 5
Ziff. 24). Dies würde bedeuten, dass sämtliche unverzollten Waren nie Ge-
genstand eines Nachforderungsverfahrens sein könnten, es sei denn diese
Ware wurde direkt bei der Grenzkontrolle entdeckt. Dass diese Auffassung
der Beschwerdeführerin offensichtlich nicht dem Gesetz entspricht, bedarf
keiner weiteren Ausführungen.
Vorliegend ergibt sich aus den Akten – worauf die Vorinstanz zurecht hin-
weist (vgl. Sachverhalt, Bst. B) –, dass die Einzelfirma bzw. D._
Produkte aus Italien importiert und über die Grenze geführt hat, ohne sie
zu deklarieren. Dies, um sie danach an schweizerische Kunden weiter zu
liefern, die diese Waren – wie die Beschwerdeführerin – direkt oder indirekt
bei ihm bestellt hatten. Weiter ist nicht umstritten, dass die Waren von der
Einzelfirma geliefert und verkauft worden sind, da die Beschwerdeführerin
in ihrer Beschwerde selbst ausführt « Die Beschwerdeführerin als in der
Schweiz tätiges und domiziliertes Unternehmen hat einzig Waren von ei-
nem in der Schweiz tätigen und domizilierten Unternehmen (Firma [...])
gekauft » (vgl. Beschwerde, Seite 6 Ziff. 35; unten E. 5.3.4). Zudem wurde
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die Ware – wie das Bundesverwaltungsgericht bereits in einem vorange-
gangenen Parallelverfahren festgestellt hat – nicht im Tessin hergestellt
(vgl. Sachverhalt Bst. C; Urteil des BVGer A-1552/2021 vom 21. Dezember
2021 Sachverhalt Bst. C; Vernehmlassung, Seite 3, Ziff. 8).
5.3.2 Weiter ist das Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht zutreffend,
wenn sie behauptet, es existiere keine Identität zwischen den gelieferten
und den nicht verzollten Waren. Im Gegenteil: D._ hatte teilweise
importierte Waren verzollt, und die Vorinstanz hatte diese explizit aus dem
Verfahren ausgeschlossen (vgl. Vernehmlassung, Seite 4, Ziff. 15). Für den
Nachweis der Identität der importieren und gelieferten Waren, hat sich die
Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung insbesondere auf vier Rech-
nungen (vgl. Sachverhalt, Bst. D und Vernehmlassung, Seite 3 und 4,
Ziff. 11), die zwischen dem 16. Februar und 7. November 2016 an die Be-
schwerdeführerin adressiert waren, sowie Produkte, die – selbst bei Be-
stellungen über F._ Sàrl – von der Einzelfirma geliefert wurden, ge-
stützt. Dass diese Fleischprodukte vorgängig von der Einzelfirma bzw. von
D._ über die Grenze gebracht worden sind, ist vorliegend erstellt
und lässt sich nicht bestreiten (vgl. Urteil des BVGer A-1552/2021 vom 21.
Dezember 2021 Sachverhalt Bst. C). Die Identität der Ware ist somit gege-
ben.
Die von der Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde wiedergegebene
Ausführung der Vorinstanz, « dass Herr [...] die Produkte für die Einzel-
firma [...] einführte », woraus die Beschwerdeführerin ableitet, dass zum
Zeitpunkt der Einfuhr die Ware zur Lieferung an die Einzelfirma bestimmt
gewesen sei (vgl. Beschwerde, Seite 5 Ziff. 24), ist unvollständig und trifft
so nicht zu. Diese Ausführung der Vorinstanz betrifft nämlich ausschliess-
lich Waren, die deklariert worden sind (vgl. Verfügung vom 19. März 2021,
Seite 3). Jedenfalls wurden diese Waren nicht für den Eigenverbrauch der
Einzelfirma importiert, sondern um sie an die schweizerischen Kunden wei-
ter zu liefern.
5.3.3 Die Leistungspflicht der Beschwerdeführerin hängt weder von einer
strafrechtlichen Verantwortlichkeit noch von einem Verschulden oder gar
der Einleitung eines Strafverfahrens ab, sondern einzig von einer objekti-
ven Widerhandlung gegen die Verwaltungsgesetzgebung des Bundes
(vgl. E. 4.7.2).
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Vorliegend wurde festgestellt, dass für die 1'329.45 kg erhaltenen Lebens-
mittel keine Abgaben erhoben wurden, womit die Beschwerdeführerin im-
portierte und nicht verzollte Waren angenommen hat. Dass die Beschwer-
deführerin vom Umstand, dass die Waren nicht verzollt waren, nichts ge-
wusst haben will, ist unerheblich. Auch wenn sie die Ware nicht direkt bei
der Einzelfirma bestellet hat, sondern über die F._ Sàrl, liegt eine
objektive Widerhandlung gegen die Bundesverwaltungsgesetzgebung vor.
5.3.4 Aus diesem Grund ist die Beschwerdeführerin, entgegen ihrer Auf-
fassung, in den weiten Kreis der Zollschuldner einzubeziehen, und zwar
als (juristische) Person, welche die Einfuhr der Ware wie beschrieben mit
veranlasst hat (Auftraggeberin). Wenn die Ware im Zeitpunkt der Bestel-
lung bereits in der Schweiz ist, wird durch die generelle Bereitschaft der
betreffenden Person, diese Ware abzunehmen, deren Einfuhr durch sie
mitveranlasst (vgl. Urteile des BGer 2A.242/2004 vom 15. November 2004
E. 3.1.2, 2A.602/2003 vom 10. Mai 2004 E. 4.3.2, betreffend einen Fall mit
eingekauften Fleischwaren im Umfang von über 2'800 kg; vgl. Urteil des
BVGer A-820/2014 vom 21. Oktober 2014 E. 3.2.2 mit Hinweisen und Bei-
spielen). Diese weit gefasste Regelung über die Zollzahlungspflicht liegt im
öffentlichen Interesse, die Einbringlichkeit der geschuldeten Zollabgaben
zu garantieren (vgl. E. 4.5). Die Beschwerdeführerin gehört daher zum
Kreis der Zollschuldner im Sinne von Art. 51 Abs. 1 MWSTG i.V.m Art. 70
Abs. 2 Bst. a oder c ZG und haftet solidarisch mit D._ für den Betrag
von Fr. 13'300.25 zzgl. Verzugszins (bestehend aus Fr. 12'430.35 Zoll,
Fr. 869.90 Mehrwertsteuer [Einfuhrsteuer 2.5%]). Der Rückgriff unter den
Solidarschuldnern richtet sich nach dem Zivilrecht (E. 4.7.3).
5.4 In rechnerischer Hinsicht und bezüglich der mit der angefochtenen Ver-
fügung festgesetzten Verzugszinsfolgen wird die Nachforderung nicht be-
stritten. Es ergeben sich auch aus den Akten keine Anhaltspunkte, die an
der vorinstanzlichen Berechnung oder den Verzugszinsfolgen Zweifel auf-
kommen lassen. Für die Zeit vom 20. März 2020 bis zum 31. Dezember
2020 ist kein Verzugszins geschuldet.
5.5 Damit ist die Beschwerdeführerin Nachleistungspflichtige im Sinne von
Art. 12 Abs. 2 VStrR, zumal sie als Zollschuldnerin ipso facto als durch die
Nichtbezahlung der Abgabe bevorteilt gilt. Entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin genügt es, dass die Ware nicht verzollt wurde, um zu
vermuten, dass sie einen unrechtmässigen Vermögensvorteil erlangt hat.
Dies selbst dann, wenn sie gutgläubig gehandelt haben sollte, was vorlie-
gend nicht umstritten ist.
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5.6 Nach der Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts können, wie
oben erwähnt, die weiteren Rügen der Beschwerdeführerin unbeurteilt blei-
ben. Insbesondere ist vorliegend irrelevant, ob die Beschwerdeführerin zu-
führungspflichtig im Sinne von Art. 21 i.V.m Art. 26 ZG war oder nicht
(vgl. E. 5.1), da sie zu den Zollschuldnern im Sinne von Art. 70 Abs. 2 ZG
gehört.
6.
Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist
abzuweisen.
7.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Be-
schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese werden in
Anwendung der massgeblichen Grundsätze (Art. 1 ff. des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) auf Fr. 2’000.- festgesetzt und
dem in derselben Höhe geleisteten Kostenvorschuss entnommen. Eine
Parteientschädigung steht der unterliegenden Beschwerdeführerin nicht zu
(Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).
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