Decision ID: 13c59c52-3572-482c-ad60-424f538a0b4a
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 18. Dezember 2018 zum Bezug
von Leistungen der Invalidenversicherung an, nachdem sie sich am 2. Juni 2018 bei
einem Sturz unter anderem eine Schulterverletzung zugezogen hatte (IV-act. 1).
A.a.
In der Folge tätigte die IV-Stelle diverse Abklärungen über den eingetretenen
Gesundheitsschaden und die zuletzt ausgeübte Tätigkeit der Versicherten und holte
insbesondere die Akten des Unfallversicherers ein (vgl. IV-act. 11 ff.).
A.b.
Am 27. Mai 2019 fand auf Veranlassung des Unfallversicherers (Suva-act. 91) eine
kreisärztliche Untersuchung durch die Kreisärztin Dr. med. B._, Fachärztin für
Chirurgie, statt (Suva-act. 94). Die Kreisärztin erachtete die Versicherte in einer
adaptierten Tätigkeit als ganztags arbeitsfähig. Da die Versicherte einen psychisch
vulnerablen Eindruck auf die Kreisärztin machte, sah sie eine psychiatrische Evaluation
als sinnvoll an (vgl. Suva-act. 94-6 f.).
A.c.
Mit Schreiben vom 16. August 2019 teilte der Unfallversicherer der Versicherten
mit, aufgrund der kreisärztlichen Beurteilung sei sie per sofort in einer angepassten
Tätigkeit voll arbeitsfähig. Per 31. Oktober 2019 stelle er deshalb seine
Taggeldleistungen ein (Suva-act. 121-1). Mit Verfügung vom 7. Oktober 2019 wies der
Unfallversicherer das Gesuch um Invalidenrente und Integritätsentschädigung ab
(Suva-act. 140).
A.d.
Auf Anraten des Hausarztes hin (IV-act. 39) begab die Versicherte sich ab dem
24. Juli 2019 zur Behandlung ihres depressiven Zustandsbilds in psychiatrische
Behandlung im Psychiatriezentrum C._ (vgl. Arztbericht vom 2. Oktober 2019, IV-
act. 46, und vom 5. März 2020, IV-act. 57). Mit Mitteilung vom 8. Oktober 2019 lehnte
A.e.
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die IV-Stelle das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen ab, weil die
Versicherte sich nicht in der Lage fühlte, an Eingliederungsmassnahmen mitzuwirken
(IV-act. 49). Zur Behandlung ihrer chronischen Schmerzen hielt sich die
Beschwerdeführerin vom 15. Oktober bis 12. November 2019 stationär in der
Rehaklinik D._ auf (IV-act. 54).
Am 28. April 2020 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie eine
orthopädisch-psychiatrische Untersuchung als notwendig erachte. Die Begutachtung
erfolge durch die Gutachter der IME – Interdisziplinäre medizinische Expertisen
(nachfolgend: IME), Prof. Dr. med. E._, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und
Psychotherapie, und Dr. med. G._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates (IV-act. 63).
A.f.
Mit Gutachten vom 21. Juli 2020 stellten die Gutachter folgende Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Belastungs- und Bewegungseinschränkung im
Bereich des rechten Schultergelenks nach einer am 2. Juni 2018 erlittenen Kontusion
bei vorbestehender Massenruptur der Rotatorenmanschette mit einer
Kontinuitätsunterbrechung der langen Bizepssehne, der Supra- und Infraspinatussehne
sowie einer Partialruptur Subscapularissehne (ICD-10 M75.2). In der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit als Reinigungskraft bestehe seit dem Unfallereignis vom 2. Juni 2018 keine
Arbeitsfähigkeit mehr. Für eine rechtsseitig schulteradaptierte Tätigkeit bestehe eine
quantitativ unlimitierte Arbeitsfähigkeit von 100 % (IV-act. 67-7 f. und 67-11). Auf
Nachfrage der IV-Stelle vom 6. August 2020 (IV-act. 69) teilte Dr. G._ am 18. August
2020 mit, dass bei der Versicherten ab spätestens Mitte September 2018 wieder eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit von 100 % vorgelegen habe (IV-act. 70).
A.g.
Mit Vorbescheid vom 14. September 2020 stellte die IV-Stelle der Versicherten
gestützt auf das IME-Gutachten die Ablehnung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht
(IV-act. 74). Gegen diesen Vorbescheid erhob die Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt Mark A. Glavas, am 12. Oktober 2020 Einwand (IV-act. 76). Zur
Begründung führte sie mit ergänzendem Schreiben vom 27. Oktober 2020 im
Wesentlichen aus, in der Zwischenzeit habe sie das Gutachten von Dr. med. F._,
Fachärztin für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 23. Juni
2020 (IV-act. 82-4 ff.; entspricht Suva-act. 179-3 ff.) erhalten, welche für die Z._
A.h.
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(Krankentaggeldversicherer) eine versicherungsmedizinische Beurteilung abgegeben
habe. Wie dieser Beurteilung zu entnehmen sei, bestehe aufgrund der erheblichen
Funktionseinschränkungen weder in der bisherigen noch in einer angepassten Tätigkeit
eine verwertbare Arbeitsfähigkeit. Erst nach der indizierten Operation
(Schulterprothese) könne allenfalls eine verwertbare Arbeitsfähigkeit wiedererlangt
werden. Aus den versicherungsmedizinischen Beurteilungen von Dr. F._ und
Dr. G._ würden sich frappante Unterschiede ergeben. Dr. G._ habe die Versicherte
bloss gesundgeschrieben (IV-act. 82-1 f.).
Mit Stellungnahme vom 4. Dezember 2020 führte der RAD aus, in gegenseitiger
Unkenntnis hätten fast zeitgleich orthopädische und psychiatrische Begutachtungen im
Auftrag der IV-Stelle und der Z._ stattgefunden. Unabhängig voneinander hätten
beide psychiatrischen Gutachter (Prof. E._ und Dr. med. J._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie; vgl. Suva-act. 180) ein nicht authentisches, teilweise
sehr theatralisches Beschwerdeverhalten beobachtet, welches sich auch im Rahmen
einer Beschwerdevalidierung bestätigt habe. Die durchgeführten Laboruntersuchungen
hätten keinen oder keinen wirksamen Nachweis der von der Versicherten angegebenen
Medikamente ergeben. Zu diversen Diskrepanzen (beispielsweise Fahrtätigkeit mit dem
eigenen Auto trotz der demonstrierten massiven Bewegungseinschränkungen; fehlende
Muskelatrophie; massive Schonhaltung in der Schultersprechstunde bei Dr. med.
H._, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Klinik I._, wobei der Oberarm gegen den Oberkörper gepresst
worden sei und der Unterarm flach auf dem Bauch gelegen habe und der Arm beim
Gehen durch die Gegenseite gestützt worden sei gegenüber dem freien Schwingen
beider Arme bei Dr. J._) nehme Dr. F._ keine Stellung. Im Gegensatz hierzu finde
sich im Gutachten Dr. G._s eine deutlich umfangreichere Dokumentation der
Krankengeschichte und des Untersuchungsbefundes, eine Indikatorenprüfung, eine
Stellungnahme zu abweichenden Vorbeurteilungen und die Beschreibung von
Inkonsistenzen bei Verdacht auf bewusstseinsnahe Verdeutlichungstendenzen. Die
Beurteilung Dr. F._s vermöge daher diejenige von Dr. G._ nicht in Frage zu stellen.
Neue medizinische Erkenntnisse würden nicht vorliegen. Auf das IME-Gutachten könne
somit nach wie vor abgestellt werden (IV-act. 83).
A.i.
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B.
Mit Verfügung vom 5. Januar 2021 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab.
Zur Begründung führte sie aus, die Beurteilung von Dr. F._ vermöge die
Begutachtung von Dr. G._ nicht in Frage zu stellen, sodass auf letztere abzustellen
sei (IV-act. 84).
A.j.
Gegen diese Verfügung erhebt die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerde
führerin), weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt Mark A. Glavas, am 4. Februar 2021
(Postaufgabe) Beschwerde. Sie beantragt, die angefochtene Verfügung vom 5. Januar
2021 sei aufzuheben und ihr sei eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter
sei eine orthopädische Oberexpertise in Auftrag zu geben. Unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zuzüglich 7.7 % Mehrwertsteuer zu Lasten der IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin). Sie bemängelt das orthopädisch-
traumatologische Gutachten von Dr. G._. Dieser habe unsorgfältig gearbeitet. Er
habe die Bilddokumentation nicht verlangt. Mit keinem Wort habe er die radiologisch
festgestellte Verschlechterung des Gesundheitszustands erwähnt, weshalb er auch
Inkonsistenzen behaupte. Zudem äussere er sich nicht zur Frage der
Operationsindikation. Die Dauer der Begutachtung bei Dr. F._ spiele gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung keine Rolle. Dr. F._ hätten sämtliche Akten zur
Verfügung gestanden. Weder eine interdisziplinäre Beurteilung noch eine
Indikatorenprüfung sei notwendig gewesen, zumal sich unbestrittenermassen bloss die
orthopädischen Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würden. Dr. F._,
welche aufgrund ihrer berüchtigten Härte nie von Seiten der Versicherten als
Gutachterin ausgewählt würde, habe nach der klinischen Untersuchung und dem
Studium der über 300 Seiten an medizinischen Akten keine Aggravation festgestellt,
sondern die Beschwerden schlüssig auf die somatische Diagnose zurückgeführt und
nachvollziehbar erklären können, dass keine Arbeitsfähigkeit bestehe. Vielmehr habe
sie erläutert, dass aufgrund der radiologischen Verschlechterung des
Gesundheitszustands eine Operation unerlässlich sei. Aus diesen Gründen sei auf die
Beurteilung von Dr. F._ abzustellen und es sei der Beschwerdeführerin eine ganze
Rente auszurichten. Andernfalls sei eine Oberexpertise in Auftrag zu geben (act. G1).
B.a.
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Mit Beschwerdeantwort vom 15. April 2021 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich auf den Standpunkt, das Gutachten
Dr. G._s sei überzeugend und beweiskräftig. Er sei zur selben Erkenntnis gekommen
wie die Kreisärztin in ihrem Untersuchungsbericht vom 28. Mai 2019 und habe ihre
Meinung betreffend Arbeitsfähigkeit geteilt. Bei der von der Beschwerdeführerin
angegebenen Schonung des rechten Arms hätte dieser atrophiert sein müssen, es
habe aber eine Umfangmehrung und damit eine objektivierbare Verbesserung des
Zustands des rechten Arms vorgelegen. Dr. F._ habe sich auf Dr. H._ gestützt,
obwohl diese sich nicht sicher gewesen sei, ob die Beschwerdeführerin von der
inversiven Schulterprothese profitieren würde. Dr. G._ hingegen sei zum Schluss
gekommen, dass die Beurteilung von Dr. H._ widersprüchlich sei. Darin, dass
Dr. G._ sich nicht ausdrücklich zur Frage der Operationsindikation geäussert habe,
könne kein Mangel am Gutachten erblickt werden. Aus versicherungsmedizinischer
Sicht sei eine Operation bei einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit
zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit nicht nötig. Dr. G._ schliesse zudem eine
Operationsindikation implizit aus, indem er in seinem Gutachten lediglich andere
Behandlungsempfehlungen mache. Dr. F._ habe weder eine Schmerzanamnese noch
eine detaillierte Medikamentenanamnese durchgeführt. Dr. G._ habe festgestellt,
dass die Beschwerdeführerin die Medikamente nicht regelmässig einnehme. Das
Gutachten von Dr. F._ sei damit nicht geeignet, konkrete Zweifel an der
Zuverlässigkeit des Gutachtens von Dr. G._ zu erwecken (act. G4).
B.b.
Mit Replik vom 19. Mai 2021 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen voll
umfänglich fest. Entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin habe Dr. G._
sich mit keinem Wort zu den radiologischen Bildern, insbesondere zum Verlaufs-CT
vom April 2019, geäussert. Vielmehr habe er bloss die gleich nach dem Unfall erfolgte
Bildgebung berücksichtigt, um zur Unfallkausalität Stellung zu nehmen. Dr. F._ habe
sich nicht bloss auf die Angaben von Dr. H._ verlassen, sondern die
Verschlechterung innerhalb eines Jahres mit der radiologischen Bildgebung begründet
(act. G6).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G8).B.d.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) versicherte Personen, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist
(Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der vorliegend anwendbaren, bis zum 31. Dezember
2021 gültigen Fassung; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022,
8C_455/2021, E. 2) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Der Rentenanspruch entsteht
frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung (vgl. Art. 29 Abs. 1
IVG).
1.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
1.3.
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auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit
Hinweisen).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung.
Demnach ist für den Beweiswert grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels
noch dessen Kennzeichnung massgebend. Der Verwaltungsträger hat sich aufgrund
des gesamten, verfahrensmässig korrekt erhobenen Beweisergebnisses eine
Auffassung darüber zu erarbeiten, ob die in Frage stehende Tatsache mit dem im
Sozialversicherungsrecht grundsätzlich erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist oder nicht. Dabei muss er sorgfältig, gewissenhaft
und unvoreingenommen vorgehen (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., 2020, Art.
43 N 61; vgl. zum Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit BGE 126 V 353
E. 5b mit Hinweisen).
1.4.
Das Bundesgericht sieht es gemäss seiner langjährigen, konstanten
Rechtsprechung als mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung vereinbar an,
medizinischen Berichten je nach Herkunft eine unterschiedliche Überzeugungskraft
zuzubilligen. Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG
eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten
externer Spezialärzte (sogenannte Administrativgutachten) darf voller Beweiswert
zuerkannt werden, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der
Expertise sprechen. Von versicherungsinternen Gutachten muss dagegen abgewichen
werden, sobald auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
bestehen (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts vom 11. Februar 2022, 9C_528/2021,
E. 4.2, mit Hinweis auf BGE 135 V 465 E. 4.4 und BGE 125 V 351 E. 3b; Kieser, a.a.O.,
Art. 43 N 64). Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts entspricht es einer
Erfahrungstatsache, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte mit Blick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten
aussagen. Dabei handelt es sich um eine Richtlinie, die als solche mit dem Grundsatz
der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) vereinbar ist (vgl. hierzu etwa BGE 125
V 351 E. 3b/cc oder BGE 135 V 465 E. 4.5).
1.5.
Das Gericht ordnet ein Gerichtsgutachten an, wenn die Verwaltung eine
Administrativexpertise berücksichtigt hat, die in einem rechtserheblichen Punkt die
durch die Rechtsprechung aufgestellten Anforderungen an den Beweiswert nicht erfüllt
und dieser Mangel nicht allein durch eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung
1.6.
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2.
des Gutachtens behoben werden kann, wenn die Verwaltung einen manifesten
Widerspruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig belegten ärztlichen
Auffassungen fortbestehen lässt, ohne diesen durch objektiv begründete Argumente
aufzulösen oder wenn die Verwaltung eine oder mehrere für die Würdigung der
medizinischen Situation notwendige Fragen offengelassen hat (vgl. BGE 137 V 210
E. 4; Urteil des Bundesgerichts vom 10. August 2017, 9C_348/2017, E. 2).
Während die Beschwerdeführerin auf das vom Krankentaggeldversicherer in
Auftrag gegebene Gutachten von Dr. F._ abstellen möchte, stützt sich die
Beschwerdegegnerin auf das von ihr in Auftrag gegebene IME-Gutachten. Daraus,
dass der Krankentaggeldversicherer gestützt auf das Gutachten von Dr. F._
Leistungen (Krankentaggelder) erbringt, wie die Beschwerdeführerin vorbringt (vgl.
act. G1, S. 4), kann sie für das vorliegende Verfahren nichts zu ihren Gunsten ableiten.
Die Beschwerdegegnerin ist nicht an den Entscheid des Krankentaggeldversicherers
gebunden.
2.1.
Die Beschwerdeführerin kritisiert, die Beschwerdegegnerin ziehe das IME-
Gutachten demjenigen von Dr. F._ in unzulässiger Weise vor. Deshalb ist an dieser
Stelle festzuhalten, dass es sich beim IME-Gutachten um ein im IV-Verfahren nach
Art. 44 ATSG erstelltes Administrativgutachten im Sinne der voranstehend dargelegten
Rechtsprechung handelt. Diesem Gutachten ist somit voller Beweiswert zuzuerkennen,
solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl.
E. 1.5 vorstehend). Es ist folglich nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin,
nachdem sie zum Schluss gelangt ist, dass das Gutachten Dr. F._s keine konkreten
Zweifel am IME-Gutachten wecke, auf letzteres abstellt.
2.2.
Streitig und nachfolgend zu prüfen ist, ob das Gutachten Dr. F._s konkrete
Indizien enthält, welche gegen die Zuverlässigkeit des IME-Gutachtens sprechen. Im
Beschwerdeverfahren von den Parteien thematisiert, aber nicht streitig und korrekt ist,
dass sowohl Dr. F._ als auch Dr. G._ grundsätzlich eine umfassende
Aktendokumentation zur Verfügung stand (vgl. IV-act. 67-46 ff. und IV-act. 82-4 ff.,
insbesondere IV-act. 82-5) und dass die genaue Dauer der persönlichen Untersuche
vorliegend nicht von erheblicher Bedeutung ist; massgebend ist vielmehr, ob die
Expertise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 19. Mai 2020, 8C_767/2019, E. 3.4).
2.3.
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3.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, Dr. G._ habe die Akten offensichtlich
nicht genau studiert und das Gutachten nicht sorgfältig erstellt. Soweit sie in diesem
Zusammenhang darauf hinweist, dass Dr. G._ von Herrn Dr. H._ statt von Frau
Dr. H._ spricht, ist mit der Beschwerdegegnerin festzuhalten, dass es sich hierbei
offenkundig um ein Versehen handelt. Aus diesem Versehen kann keine generell
fehlende Sorgfältigkeit beim Aktenstudium oder der Erstellung des Gutachtens
abgeleitet werden. Wichtig ist vielmehr, dass Dr. G._ die Einschätzung von Dr. H._
umfassend wiedergegeben und sich damit ausführlich auseinandergesetzt hat (vgl. IV-
act. 67-64 f. und IV-act. 67-135).
3.1.
Soweit die Beschwerdeführerin ausführt, Dr. G._ habe sich nicht mit den
klinischen und radiologischen Befunden auseinandergesetzt, kann ihr nicht gefolgt
werden (siehe nachfolgende E. 3.4 bis E. 3.6). Dr. G._ hat eine sorgfältige klinische
Untersuchung des gesamten Bewegungsapparates vorgenommen, die radiologische
Bildgebung gewürdigt (IV-act. 67-123, 67-119 und 67-135) und die Ergebnisse
ausführlich schriftlich festgehalten (vgl. IV-act. 67-95 bis IV-act. 67-113). Er empfahl der
Beschwerdeführerin sogar eine aktuelle radiologische Bildgebung des rechten
Schultergelenks, was diese jedoch ablehnte (IV-act. 67-114).
3.2.
Im Ergebnis hielt Dr. G._ fest, eine valide klinische Überprüfung der
Rotatorenmanschette sei nicht durchführbar gewesen. Schon bei einer vorsichtigen
Berührung durch ihn gebe die Beschwerdeführerin an, stärkste Schmerzen zu
verspüren. Sie spanne spontan deutlich dagegen. Eine klinisch verwertbare
Untersuchung der rechten Rotatorenmanschette sei daher nicht möglich (IV-
act. 67-101). Obschon die Beschwerdeführerin anlässlich der Befragung zu ihrem
Tagesablauf angegeben hatte, den rechten Arm komplett zu schonen (vgl. IV-
act. 67-85), stellte Dr. G._ fest, dass beide Arme der Beschwerdeführerin auf dem
Weg von der Wartezone zur Untersuchung während des Gehens frei im Schultergelenk
schwangen (IV-act. 67-92), sie bei der Entnahme der ID aus dem Portemonnaie eine
uneingeschränkte Mobilität und Feinmotorik demonstrierte (IV-act. 67-92) und die
Umfangmasse der oberen Extremitäten beidseits vergleichbar waren (vgl. IV-
act. 67-106). Dazu vermerkte er, die von der Beschwerdeführerin beklagten
Beschwerden im Bereich des rechten Schultergelenks könnten in der von ihr
wahrgenommenen Ausprägung und Intensität weder im Rahmen der dezidierten
klinischen noch anhand der vorliegenden radiologischen Bildgebung objektiviert
werden (IV-act. 67-123). Dr. G._ schilderte weiter, er habe das rechte Schultergelenk
sowie den rechten Oberarm mittels eines handelsüblichen roten Laserpointers
3.3.
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bestrahlt. Die Beschwerdeführerin habe hierbei angegeben, einen brennenden Schmerz
zu verspüren, ähnlich einem glühenden Nagel, der in ihre Haut eintrete, und daraufhin
gebeten, die Untersuchung zu beenden. Ausser dem Lichteffekt verursache die
punktuelle Bestrahlung eines Hautareals mittels eines handelsüblichen roten
Laserpointers keinerlei Schmerzen oder Temperatursensationen. Eine positive
Schmerzverstärkung, wie sie von der Beschwerdeführerin angegeben worden sei, sei
physiologisch nicht erklärbar und als eine Aggravationstendenz aufzufassen (IV-
act. 67-125). Die Beschwerdeführerin habe angegeben, seit dem Unfallereignis vom
2. Juni 2018 den rechten, dominanten Arm nahezu nicht mehr einsetzen zu können.
Überraschenderweise habe sich im Rahmen der Umfangmessung keine Atrophie der
rechten Ober- und Unterarmmuskulatur gezeigt, wie dies nach einer zweijährigen
Schonung zu erwarten wäre. Im Gegenteil habe der rechte Arm durchgehend eine
Umfangsmehrung von 0.5 bis 1.5 cm aufgewiesen (IV-act. 67-134).
Dr. G._ war die radiologische Bildgebung sowohl von Juni 2018 als auch von
April 2019 bekannt, wie sich aus entsprechenden Erwähnungen im Gutachten ergibt.
Dementsprechend wurde auch in der Aktenzusammenfassung die Befundbeurteilung
der CT-Arthro-Schulter rechts vom 15. April 2019 durch Dr. med. K._, Oberarzt mbF,
Klinik Y._, wiedergegeben (seit Juni 2018 leicht zunehmende fortgeschrittene
lipomatöse Degeneration und Volumenatrophie des M. supraspinatus, M. infraspinatus
und subscapularis. Bei vorbestehender transmuraler Ruptur der jeweiligen Sehne mit
unveränderter maximaler Sehnenretraktion bis auf Höhe des Glenoids. In liegender
Position zunehmend Humeruskopfhochstand. In Kontakt mit der progredienten
degenerativen veränderten Acromionunterfläche. Keine signifikanten degenerativen
Veränderungen glenohumeral. Moderate AC-Gelenksarthrose ohne Progredienz; vgl.
zum Ganzen IV-act. 67-47, 67-53 und 67-119; vgl. auch Suva-act. 129-7 f.). Von
Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass diese Befunde auch der Kreisärztin
bereits bekannt waren (vgl. Suva-act. 94-2) und die im Laufe von knapp einem Jahr
(zwischen Juni 2018 und April 2019) eingetretene Verschlechterung somit nicht nur von
Dr. G._, sondern auch von der Kreisärztin bei ihrer Einschätzung berücksichtigt
wurde.
3.4.
Zwar führte Dr. H._ aus, im Vergleich zum Vor-CT zeige das Arthro-CT vom
15. April 2019 eine massive Zunahme des Kopfhochstandes mit nun Acetabulisierung
am Akromion und Dezentrierung nach anterosuperior und eine Zunahme auch der
fettigen Degeneration im Infraspinatus und Supraspinatus sowie etwas auch im
Subscapularisbereich und mittlerweile ruptierte lange Bizepssehne (Suva-act. 157-2).
Dabei stützt sie sich jedoch auf die gleichen CTs wie die Dres. K._, G._ und die
3.5.
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4.
Kreisärztin. Die von ihr veranlassten Röntgenaufnahmen zeigten keine weitergehende
Pathologie, sondern lediglich Hinweise auf die bereits bekannte Acetabularisierung am
Akromion und im Gegensatz zum früheren CT sogar insofern eine Verbesserung, als
das Schultergelenk im Stehen zentriert war (vgl. Suva-act. 157-2). Bei der Beurteilung
von Dr. H._ handelt es sich somit lediglich um eine etwas andere Einschätzung
desselben medizinischen Sachverhalts gegenüber derjenigen der Dres. K._, G._
und der Kreisärztin.
In Dr. F._s Gutachten heisst es: "In einem Sprechstundenbericht vom
19.11.2019 wird bei Zunahme des Kopfhochstandes mit Acetabularisierung am
Acromion und Dezentrierung nach anterosuperior bei mittlerweile auch rupturierter
langen Bicepssehne und Zunahme der fettigen Degeneration festgehalten, dass sich
die [Beschwerdeführerin] jederzeit für die angebotene OP melden dürfe" (IV-act. 82-11).
Die Beschwerdeführerin scheint zu verkennen, dass Dr. F._ sich hierbei ebenfalls und
nur indirekt auf das CT vom 15. April 2019, und nicht etwa auf neuere Bildgebung
stützt. Denn wie erwähnt ergaben sich diese Befunde – mit Ausnahme von Hinweisen
der schon bekannten Acetabularisierung am Akromion – aus der Röntgenaufnahme
nicht. Bei den von Dr. F._ erwähnten Röntgenaufnahmen vom 15. November 2019
handelte es sich um Bildgebung zur HWS, aus welcher unstreitig keine
Arbeitsunfähigkeit resultiert. Im Ergebnis hielt Dr. F._ lediglich in Wiederholung von
Dr. H._ fest, die Situation habe sich radiologisch im Verlauf eines Jahres
verschlechtert (IV-act. 82-12), ohne indes den bereits in den Vorakten befindlichen
Ausführungen etwas hinzuzufügen. Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht,
Dr. F._ habe objektivierbare Verschlechterungen beschrieben, welche Dr. G._ nicht
einmal erwähnt habe, kann ihr somit nicht gefolgt werden.
3.6.
Die Beschwerdeführerin wirft Dr. G._ sodann vor, er habe sich nicht zur
Operationsindikation geäussert. Wie die Beschwerdegegnerin indes zutreffend
anmerkte, erachtete Dr. G._ die Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit als
vollumfänglich arbeitsfähig und konservative Behandlungsoptionen (fachgerechte
Medikation, Physiotherapie) als angebracht (vgl. IV-act. 67-128, IV-act. 67-124).
Äusserungen zu einer allfälligen Operationsindikation waren unter diesen Umständen
nicht erforderlich, da bei einer attestierten Arbeitsfähigkeit von 100 % eine allfällige
Operation im Sinne einer medizinischen Massnahme ohnehin nicht zu einer
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit geführt hätte und damit aus IV-rechtlicher Sicht auch
nicht notwendig war. Im Übrigen erwähnte Dr. H._, das Alter der Beschwerdeführerin
4.1.
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5.
würde gegen die Operation sprechen und sie sei nicht sicher, ob die
Beschwerdeführerin genügend profitieren würde (vgl. Suva-act. 157-2).
Auffallend ist in diesem Zusammenhang, dass Dr. F._ offensichtlich davon
ausging, die Beschwerdeführerin werde sich in absehbarer Zeit der – schon unmittelbar
nach dem Unfall von der Klinik I._ wie auch dem Spital L._ empfohlenen (vgl. IV-
act. 82-5) – Schulteroperation unterziehen, zumal sie anlässlich der Begutachtung bei
Dr. F._ angab, sie wolle sich nun vermehrt der Notwendigkeit ihrer Operation stellen
(IV-act. 82-11). Eine solche Operation erfolgte jedoch bis zur angefochtenen Verfügung
vom 5. Januar 2021 offenbar nicht. Insofern ging Dr. F._ von einem unzutreffenden
Sachverhalt aus.
4.2.
Die Beschwerdeführerin beruft sich darauf, Dr. F._ habe betont, dass ihr
aufgrund der erheblichen Funktionseinschränkungen der rechten Schulter in
Kombination mit den Schmerzen keine nennenswerten Tätigkeiten mehr zumutbar
seien. Auch Dr. H._ habe bei beginnender Cuff Arthropathie rechts festgehalten, sie
könne den rechten Arm selbst für leichte Arbeiten nicht mehr benutzen. Sie zeige zwar
ein massives Schonverhalten, aber auch eine strukturelle Schädigung mit deutlicher
Funktionseinschränkung.
5.1.
Die klinische Untersuchung bei diesen beiden Fachärztinnen verlief ähnlich wie
jene bei der Kreisärztin und Dr. G._. So hielt Dr. H._ fest, die passive Beweglichkeit
sei massiv schmerzhaft und werde von der Beschwerdeführerin kaum zugelassen,
funktionelle Tests seien nicht durchführbar und auch nicht beurteilbar (Suva-act. 157).
Dr. F._ beschrieb, die passive Überprüfung der Funktionen der rechten Schulter
werde abgewehrt (IV-act. 82-10). Somit waren die klinischen Ergebnisse der
Untersuchungen bei diesen beiden Fachärztinnen ebenso unverwertbar wie jene von
Dr. G._ (vgl. IV-act. 67-101; E. 3.3 vorstehend).
5.2.
Wie voranstehend dargelegt, lag Dr. H._ und Dr. F._ im Wesentlichen dieselbe
Bildgebung vor wie der Kreisärztin und Dr. G._. Anders als letztere stützte Dr. F._ –
wie zuvor schon Dr. H._ – sich bei ihrer Einschätzung der Arbeitsfähigkeit wesentlich
auf die Angaben der Beschwerdeführerin betreffend Schmerzerleben und
Schonverhalten. Sie hielt denn auch fest, die Einschränkungen der Beschwerdeführerin
seien erheblich bei myofascialen Schmerzen sowie Aufhebung der Funktion der
rechten Schulter bei Schmerzen durch Humeruskopfhochstand und beginnender Cuff
Arthropathie. Aufgrund der erheblichen Funktionseinschränkungen der rechten Schulter
in Kombination mit Schmerzen könne die Beschwerdeführerin als Rechtshänderin
5.3.
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weder im Alltag noch im Beruf nennenswerte Tätigkeiten verrichten (IV-act. 82-13 f.;
vgl. auch Suva-act. 157). Die Kreisärztin und Dr. G._ hinterfragten hingegen die
präsentierten Schmerzen. Sogar Dr. H._ hielt fest, sie habe an der
Schmerzbewältigung der Beschwerdeführerin immer noch ihre Zweifel und die
Schmerzen würden sich mit einer Cuff Arthropathie alleine schwer erklären lassen. Sie
sei sich deshalb nicht ganz sicher, ob die Patientin von einer Operation profitieren
würde (Suva-act. 157).
Wird die Schmerzschilderung der Beschwerdeführerin in Frage gestellt, so
verbleiben zwar, wie auch Dr. G._ und die Kreisärztin festgestellt haben, funktionelle
Einschränkungen der Schulter. Diesen kann aber mittels Adaptionskriterien Rechnung
getragen werden, wie Dr. G._ und auch die Kreisärztin (Suva-act. 94-7) es getan
haben. Dr. G._ stellte fest, seine Einschätzung beruhe einzig auf medizinisch-
theoretisch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu erwartenden Auswirkungen der
nachweisbaren somatischen Pathologie auf die Arbeitsfähigkeit und legte ein
ausführliches Leistungsprofil fest (vgl. IV-act. 67-127 f.).
5.4.
Die Beschwerdeführerin macht zwar geltend, Dr. F._ habe ausgeführt, ihre
Beschwerden könnten schlüssig auf somatische Diagnosen zurückgeführt werden und
diese habe keine Aggravation feststellen können. Dr. F._ nahm zu dieser Thematik
jedoch nicht ausführlich Stellung, sondern beantwortete die Frage, ob sich während
der Untersuchung Hinweise auf Inkonsistenzen, Verdeutlichung oder Aggravation
ergeben hätten, mit einem schlichten "Nein" (IV-act. 82-14). Sie setzte sich namentlich
nicht mit den Bedenken Dr. H._s auseinander, welche das Schmerzerleben der
Beschwerdeführerin nicht vollumfänglich auf die Befunde zurückführen und eine
Operation deshalb nicht vorbehaltlos empfehlen konnte. Ebenso wenig äusserte
Dr. F._ sich zu den Erkenntnissen der Kreisärztin. Diese hielt unter anderem fest, die
Beschwerdeführerin habe sich während der Untersuchung psychisch auffällig
verhalten. Insgesamt habe dem Ausmass der subjektiven Einschränkungen etwas die
Authentizität gefehlt. Die erhobenen Umfangmasse hätten keine Atrophie im Bereich
des rechten Arms gezeigt, welche eigentlich vorliegen müsste, wenn der rechte Arm
tatsächlich so geschont werde, wie die Beschwerdeführerin dies während der
Untersuchung vorgezeigt habe. Des Weiteren seien die erhobenen Befunde bezüglich
Kraftmessung mittels Handdynamometer und Pinchkraftmessung nicht
nachvollziehbar, denn die Rotatorenmanschette habe nichts mit der Hand- bzw.
Pinchkraft zu tun. Die Beschwerdeführerin habe keine Leistung erbracht, sodass die
Frage nach der Motivation/Mitarbeit gestellt werden müsse (Suva-act. 94-6). Dr. F._
stellte in ihrer Untersuchung wie die Kreisärztin und Dr. G._ fest, es liege keine
5.5.
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pathologische Umfangsdifferenz an den Extremitäten vor (IV-act. 82-10; vgl. auch IV-
act. 82-16 mit IV-act. 67-106), ohne jedoch zu erklären, weshalb bei der
Beschwerdeführerin trotz angeblich weitgehender Schonung keine Atrophie im Bereich
des rechten Arms eingetreten ist.
Dr. J._ hielt in seinem psychiatrischen Gutachten zuhanden des
Krankentaggeldversicherers unter anderem fest, der Wert des Validierungstests liege
weit oberhalb des Cut-Off, einer nicht-authentischen Beschwerdepräsentation
entsprechend. Der Laborbefund zeige für die der Beschwerdeführerin verordnete
Medikation Werte weit unterhalb der therapeutischen Konzentration, teilweise sogar
unterhalb der Nachweisbarkeitsgrenze. Auffallend sei das inkonstante Nutzen der
rechten oberen Extremität. Über die Alltagsbewältigung habe die Beschwerdeführerin
trotz konsequenten Nachfragens keine reliablen Angaben gemacht. Sie habe
geäussert, sich bewegen und dabei die Arme mitschwingen lassen, lindere die
Schmerzen, und habe das auch demonstriert. Sie fahre mit dem Auto zum Einkaufen.
Die klinische Feststellung der fehlenden Authentizität der Beschwerdepräsentation sei
mit dem Ergebnis des Validierungstests konform. Die Beschwerdeführerin identifiziere
sich stark mit der Krankenrolle. Überwiegend wahrscheinlich handle es sich bei dem
von ihr präsentierten grob nicht authentischen Bild um ein instrumentelles Verhalten
nach negativem Entscheid des Unfallversicherers (Suva-act. 180-4 und 180-12 ff.). Eine
interdisziplinäre Konsensbeurteilung von Dr. F._ und Dr. J._ wäre deshalb für den
Beweiswert von Dr. F._s Gutachten von Bedeutung gewesen, weil in deren Rahmen
die von Dr. J._ festgestellten Inkonsistenzen auch im Gutachten Dr. F._s bei der
Frage nach der Authentizität der Beschwerdepräsentation hätten berücksichtigt
werden müssen.
5.6.
Auffällig ist sodann, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung von
Dr. J._ zuerst klagte, sie könne unmöglich zum Labor gehen, danach behauptete, sie
habe die Wegbeschreibung zum Labor verlegt, schliesslich aber doch zur Labor
untersuchung ging (vgl. Suva-act. 180-10 f.), wohingegen sie gegenüber Prof. E._
eine Blutentnahme mit der Begründung verweigerte, sie habe Angst vor Kanülen (vgl.
IV-act. 67-92), und gegenüber Dr. G._ angab, sie nehme die Schmerzmedikation
nicht regelmässig, nur bei Bedarf (vgl. IV-act. 67-90 und 67-123). Daher und aufgrund
der im Rahmen der Begutachtung bei Dr. J._ erstellten Laborwerte ist davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin die Medikation nicht wie verordnet einnimmt
bzw. eingenommen hat. Nachdem nicht nur Dr. J._, sondern auch die Kreisärztin,
Prof. E._ und Dr. G._ bei der Beschwerdeführerin ein auffälliges Verhalten (nicht
authentisch wirkend/theatralisch/verdeutlichend/aggravierend) festgestellt haben und
5.7.
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6.
Dr. F._ sich zu den ihr bekannten Vorakten diesbezüglich nicht äusserte, kann auf
ihre nicht weiter begründete Einschätzung, wonach sie keine Auffälligkeiten festgestellt
habe, nicht abgestellt werden.
Während Dr. F._ keine Rücksicht auf die Erkenntnisse der – ihr offenbar nicht
bekannten – psychiatrischen Gutachten von Dr. J._ und Prof. E._ nahm und sich
auch nicht mit den Bedenken von Dr. H._, wonach die von der Beschwerdeführerin
demonstrierten Schmerzen nicht allein auf die Cuff Arthropathie zurückgeführt werden
könnten, auseinandersetzte, fand zwischen Dr. G._ und Prof. E._ eine 90-minütige
Konsensbesprechung statt, sodass Dr. G._ mit der Beurteilung von Prof. E._
vertraut war. Zudem äusserte Dr. G._ sich ausführlich zur Einschätzung der
Kreisärztin und von Dr. H._. Er hielt namentlich fest, die Beurteilung von Dr. H._ sei
ein Widerspruch in sich. Einerseits gebe Dr. H._ offen an, dass sie Zweifel an der
Schmerzbewältigung habe, da die Schmerzen mit einer Cuff Arthropathie alleine
schwer zu erklären seien, sprich, dass die Schmerzen auf orthopädischem Fachgebiet
nur bedingt zu erklären seien. Andererseits sage sie, dass eine massive schmerzhafte
Situation bei strukturell beginnender Cuff Arthropathie mit deutlicher
Funktionseinschränkung vorliege und die Beschwerdeführerin für jegliche körperliche
Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig sei. Nach eingehendem Studium der Aktenlage, der
vorliegenden radiologischen Bildgebung sowie insbesondere aufgrund seiner heutigen
klinischen Untersuchung könne er – Dr. G._ – diese versicherungsmedizinische
Einschätzung von Dr. H._ nicht teilen (IV-act. 67-135).
5.8.
Nach dem Gesagten ergeben sich aus der Begutachtung von Dr. F._ keine
konkreten Indizien, welche gegen die Zuverlässigkeit des IME-Gutachtens sprechen
würden. Folglich ist darauf abzustellen und die Beschwerdeführerin ist demnach als zu
100 % arbeitsfähig in einer adaptierten Tätigkeit anzusehen. Der Sachverhalt erweist
sich folglich als rechtsgenüglich abgeklärt, weshalb entgegen des Eventualantrags der
Beschwerdeführerin von weiteren Abklärungen, insbesondere einem Obergutachten,
abgesehen werden kann.
5.9.
Selbst wenn die gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin,
namentlich die Notwendigkeit einer schulteradaptierten Tätigkeit und die Vermutung,
dass auch eine adaptierte Tätigkeit von einem gewissen Grad an Schmerzen begleitet
sein dürfte, mit einem Tabellenlohnabzug auf Seiten des Invalideneinkommens
berücksichtigt würde, ergäbe sich beim Einkommensvergleich ein
6.1.
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