Decision ID: df60d6fc-5f56-4a3b-9a51-3e72c05e8d29
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 5. Dezember 2005 aufgrund der
Folgen eines Unfalls bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er hatte sich am 1. August 2005 bei
einem Treppensturz an beiden Händen verletzt und litt infolgedessen an
Bewegungseinschränkungen sowie Schmerzen. Der gelernte Elektromonteur hatte bis
April 2002 auf seinem Beruf beim Z._ gearbeitet. Bis zu seinem Unfall betrieb er
selbständige Projekte, war wenige Monate angestellt und ansonsten auf Stellensuche
(statt vieler: Schlussbericht BEFAS vom 27. November 2009, IV-act. 85-3). Um in einen
körperlich weniger anstrengenden Beruf zu wechseln, absolvierte der Versicherte mit
Unterstützung der IV am Zentrum für berufliche Weiterbildung den gewünschten
Lehrgang "Diplomierter Techniker HF Fachrichtung Mediatechnik 06-09", bestand
jedoch die Diplomprüfung nicht (vgl. zum Medizinischen IV-act. 21 - 28; zu den
beruflichen Massnahmen IV-act. 18, 29, 31, 60). Nach einem stationären Alkoholentzug
leitete die IV-Stelle zur Klärung der Möglichkeiten sowie vorhandenen Ressourcen eine
Abklärung bei einer beruflichen Abklärungsstelle der IV (nachfolgend: BEFAS) ein,
welche eine 100%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten ergab
und bei entsprechender Motivation des Versicherten eine Einarbeitung als sinnvollste
berufliche Massnahme empfahl (Schlussbericht BEFAS vom 27. November 2009, IV-
act. 85). Aufgrund erfolgloser Stellensuche und bei fraglicher Motivation des
Versicherten schloss die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen ab (Mitteilung vom 17.
Dezember 2009, IV-act. 89; Schlussbericht der beruflichen Eingliederung vom 7.
Dezember 2009, IV-act. 86) und verneinte auch einen Rentenanspruch (Vorbescheid
vom 21. Januar 2010, IV-act. 92; Verfügung vom 26. Februar 2010, IV-act. 93).
A.a.
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Am 3. Februar 2016 meldete sich der Versicherte aufgrund von seit einigen Jahren
bestehenden Depressionen sowie ADHS erneut zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle
des Kantons St. Gallen an (IV-act. 100). Der regionale ärztliche Dienst der IV-Stelle
(nachfolgend: RAD) stellte aufgrund der neuen medizinischen Unterlagen einen
veränderten Gesundheitszustand fest und erachtete medizinisch-theoretisch ein
Eingliederungspotential von 50 % für erkennbar (RAD-Stellungnahme vom 7. April
2016, IV-act. 108). Die IV-Stelle trat auf die Wiederanmeldung ein, schloss die
beruflichen Massnahmen nach Durchführung eines Assessmentgesprächs aufgrund
fehlender subjektiver Eingliederungsfähigkeit ab und stellte die weitere Bearbeitung des
Rentengesuchs nach Ablauf der sechsmonatigen Wartefrist in Aussicht
(Assessmentprotokoll vom 13. Mai 2016, IV-act. 114; Strategie-Protokoll vom 30. Mai
2016, IV-act. 115; Mitteilungen vom 3. Juni 2016, IV-act. 117 und vom 14. Juni 2016,
IV-act. 118).
A.b.
Nach diversen medizinischen Abklärungen sowie mehrfacher Prüfung der medi
zinischen Sachlage durch den RAD gab die IV-Stelle ein polydisziplinäres Gutachten in
Auftrag (vgl. IV-act. 123 - 150). Im Gutachten des Universitätsspitals Basel, klinische
Abteilung "asim Begutachtung", vom 24. Mai 2018 (nachfolgend: asim-Gutachten;
allgemeininternistische, psychiatrische, orthopädische, neurologische sowie
neuropsychologische Untersuchungen samt Ermittlung der Laborwerte sowie Röntgen
der HWS und Hände und MRI des Neurocraniums vom 28. Februar 2018, 1. März 2018
und 12. Februar 2018, IV-act. 152) wurde dem Versicherten führend aus
psychiatrischer Sicht eine um 30 % eingeschränkte Arbeitsfähigkeit für somatisch
sowie psychiatrisch adaptierte Tätigkeiten seit 2011 bestätigt bei den Diagnosen
(verkürzte Wiedergabe der Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit)
mässig bis fortgeschrittene Radiokarpalarthrose rechts (ICD 10 M19.13), Beschwerden
BWS bei mässiger mehrsegmentaler Osteochondrose (ICD 10 M42-14), chronische
depressive Symptomatik (ICD 10 F32.0), nicht näher bezeichnete Reaktion auf schwere
Belastung (ICD 10 F43.8) sowie Alkoholabhängigkeit mit gegenwärtigem
Substanzgebrauch (ICD 10 F10.42; asim-Gutachten, Konsensbeurteilung vom 24. Mai
2018, IV-act. 152-6).
A.c.
Am 23. Juli 2018 stellte die IV-Stelle darauf gestützt die Abweisung des Renten
gesuches bei einem IV-Grad von 29 %, ausgehend von einem Valideneinkommen von
A.d.
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B.
Fr. 65'753.- sowie einem Invalideneinkommen von Fr. 46'703.-, in Aussicht (IV-
act. 156). Infolge des durch die vom Versicherten inzwischen beauftragte
Rechtsanwältin, M.A. HSG in Law, K. Herzog, erhobenen Einwands holte die IV-Stelle
einen weiteren Arztbericht, eine RAD- sowie eine Rechtsdienst-Stellungnahme ein und
teilte mit zweiter Anhörung mit, dass sie am bisherigen Entscheid festhalte (vgl.
Einwandschreiben vom 2. Oktober 2018, IV-act. 166; Bericht Dr. B._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 10. September 2019, IV-act. 181; RAD-
Stellungnahme vom 23. September 2019, IV-act. 183; Stellungnahme Rechtsdienst
vom 12. Dezember 2019, IV-act. 185; zweite Anhörung vom 12. Dezember 2019, IV-
act. 184). Nach weiterer Stellungnahme vom 9. Januar 2020 wies die IV-Stelle den
Rentenanspruch bei einem IV-Grad von 34 % (Valideneinkommen Fr. 70'631.-,
Invalideneinkommen Fr. 46'762.-) mit Verfügung vom 15. Januar 2020 ab (IV-act. 187).
Am 10. Februar 2020 lässt der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer),
weiterhin vertreten durch Rechtsanwältin Herzog, Beschwerde erheben und beantragt
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Zusprache der gesetzlichen
Leistungen, die Gewährung unentgeltlicher Rechtspflege sowie Rechtsverbeiständung,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Anders
als die Gutachter attestiere der behandelnde Psychiater Dr. B._ dem
Beschwerdeführer lediglich eine 50%ige Arbeitsfähigkeit auf dem zweiten
Arbeitsmarkt, wozu die Gutachter auf Aufforderung des Gerichts hin Stellung nehmen
zu hätten. Weiter errechnet er unter Ermittlung eines höheres Valideneinkommens
(basierend auf der angenommenen Weiterentwicklung des gemäss IK-Auszug als
Elektromonteur / PC-LAN-Supporter erzielten Lohnes) sowie eines (bei einer
Arbeitsfähigkeit von 70%, unter Berücksichtigung eines 20%igen Tabellenlohnabzuges)
niedrigeren Invalideneinkommens einen IV-Grad von 58,5 %, was einen Anspruch auf
eine halbe Rente ergebe (act. G 1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragt am 6. März 2020 die Abweisung der
Beschwerde und verweist auf die volle Beweiskraft des asim-Gutachtens. In der vom
psychiatrischen Gutachter erhobenen Anamnese sei ersichtlich, dass der Gutachter
über das von Dr. B._ wiedergegebene Gesamtbild des Beschwerdeführers informiert
B.b.
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Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die
Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Considerations:
Erwägungen
1.
gewesen sei. Die Kenntnisgabe dieses Berichts an den Gutachter würde am
Sachverhalt nichts ändern. Dr. B._ habe denselben Sachverhalt bezüglich Diagnosen
und Arbeitsfähigkeitsschätzung anders eingeschätzt (act. G 4).
Die Verfahrensleitung bewilligt am 19. März 2020 die unentgeltliche Rechtspflege
(Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsver
beiständung; act. G 5).
B.c.
In der Replik vom 14. April 2020 wird an der Beschwerde festgehalten. Ergänzend
macht der Beschwerdeführer geltend, die Anamnese im Gutachten lese sich wie ein
Lebenslauf. Dr. B._ hingegen gehe detailliert auf einschneidende Erlebnisse ein,
weswegen sich die beiden Anamnesen im Detaillierungsgrad deutlich unterscheiden
und die Einschätzungen nicht auf demselben Sachverhalt beruhen würden. Das
Valideneinkommen sei unter falschen Annahmen berechnet worden (act. G 8).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 30. April 2020 auf eine Duplik (act. G 10).B.e.
Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
1.1.
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Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 141 V 281 E. 3.2;
Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016, 8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist
zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden objektiviert werden können und sich
auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken (vgl. BGE 143 V 418 E. 6). Für
somatisch unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und
gleichgestellte Diagnosen), psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen
und Abhängigkeitserkrankungen ist der Beweis nach dem strukturierten Verfahren
mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 143 V 418 E. 7.2; BGE 141 V 281 E. 3.5
und E. 4.2). Der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte
Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der
massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein
stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für
die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143 V 418, E. 6 a.E.).
1.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4).
1.4.
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Das Gericht hat seinen
Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
1.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/18
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Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b,
BGE 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen).
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen).
1.6.
Auf ein im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholtes Gutachten ist recht
sprechungsgemäss abzustellen, wenn nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit
der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4, BGE 135 V 469 E. 4.4; Urteile des
Bundesgerichts vom 15. Juli 2020, 8C_335/2020, E. 4.1, und vom 13. Februar 2019,
8C_801/2018, E. 4.3). Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung entspricht es
einer Erfahrungstatsache, dass behandelnde Arztpersonen mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten
aussagen, weshalb ihre Angaben zurückhaltend zu werten sind (vgl. Urteil des Bundes
gerichts vom 22. Februar 2021, 9C_683/2020, E. 5.1.2, mit Hinweisen). Dabei handelt
es sich um eine Richtlinie, die als solche mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) vereinbar ist. Bei der Abschätzung des
Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen
allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte beachtet
werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner
stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die
einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde
Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die
unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen
(Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten
fachmedizinischen Experten anderseits nicht zu, ein Administrativ- oder
Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu
nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen.
Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil
die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation
entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder
ungewürdigt geblieben sind (Entscheid des Bundesgerichts vom 27. Mai 2008,
9C_24/2008, E. 2.3.2 mit Hinweisen). Zudem ist auch dem Umstand, dass die ärztliche
Beurteilung von der Natur der Sache her unausweichlich Ermessenszüge trägt,
1.7.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/18
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2.
Rechnung zu tragen (Entscheid des Bundesgerichts vom 23. Januar 2019,
9C_804/2018, E. 2.2 mit Hinweisen).
Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16
ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Dieser legt fest, dass für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der
Invalidität durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte (Invalideneinkommen) in Beziehung gesetzt wird zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
1.8.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich für ihren Entscheid in medizinischer Hinsicht
auf die Ergebnisse des asim-Gutachtens sowie die Einschätzung des RAD und geht
von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit aus. Der Beschwerdeführer macht geltend, Dr.
B._ attestiere ihm lediglich eine 50%ige Arbeitsfähigkeit auf dem zweiten
Arbeitsmarkt.
2.1.
Der Beschwerdeführer wurde internistisch, psychiatrisch, orthopädisch,
neurologisch sowie neuropsychologisch gutachterlich untersucht. Die Gutachter
setzten sich mit den Angaben des Beschwerdeführers wie mit den Vorakten
auseinander. Die geklagten Beschwerden wurden berücksichtigt. Die medizinischen
Beurteilungen sind begründet, nachvollziehbar und einleuchtend, sodass das
Gutachten für die streitigen Belange umfassend ist und grundsätzlich Beweiswert
erlangt. Auch erlaubt das Gutachten eine schlüssige Beurteilung im Lichte der
massgeblichen Indikatoren. Es wurden Aussagen zu Konsistenz und Plausibilität
gemacht und die Fähigkeiten, Ressourcen sowie Belastungen des Beschwerdeführers
gewürdigt (IV-act. 152). Nicht bestritten hat der Beschwerdeführer die Feststellungen
sowie Schlussfolgerungen der internistischen, orthopädischen, neurologischen sowie
neuropsychologischen Teilgutachten. Es liegen auch keine inhaltlichen Anhaltspunkte
dafür vor, dass diese nicht beweistauglich sein sollten, weswegen es damit sein
Bewenden hat. Die Beweistauglichkeit des psychiatrischen Teilgutachtens ist jedoch
genauer zu prüfen (IV-act. 152-84 ff.).
2.2.
2.3.
Beschwerdeweise wird ausgeführt, gegenüber Dr. B._ habe sich der
Beschwerdeführer seit Behandlungsbeginn zunächst wiederkehrend bagatellisierend,
2.3.1.
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ambivalent und bei wenig innerer Teilnahme gezeigt. Erst im weiteren Verlauf habe er
sich geöffnet und nachvollziehbar seine Ratlosigkeit gegenüber den eigenen Defiziten
beschrieben. Es stelle sich die Frage, ob der psychiatrische Gutachter überhaupt aus
reichend Einblick in die Persönlichkeit des Beschwerdeführers erhalten habe, um eine
umfassende Beurteilung des psychischen Zustandes abzugeben. Er beantragt, eine
Stellungahme des Gutachters zu den Ausführungen von Dr. B._ einzuholen (act. G 1
und 8).
Nicht nur dem psychiatrischen Teilgutachten, sondern auch den anderen Teil
gutachten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer gegenüber den Gutachtens
personen ausführlich zu seiner Lebensgeschichte Auskunft gegeben hat
(internistisches Gutachten, IV-act. 152-40 ff.; neurologisches Gutachten, IV-act. 152-49
ff.; neuropsychologisches Gutachten, IV-act. 152-59 ff.; psychiatrisches Gutachten, IV-
act. 152-87 ff.). Er machte umfassende Angaben zu allen seine Entwicklung
betreffenden Aspekten wie Kindheit, familiäre Strukturen, Beziehungen,
Entwicklungsschritte, Ausbildung sowie seiner Befindlichkeit. Einzig im orthopädischen
Gutachten finden sich naturgemäss weniger Angaben (IV-act. 152-76). Auch wenn der
psychiatrische Gutachter die einzelnen Vorkommnisse nicht detaillierter beschrieben
oder kommentiert hat, ist davon auszugehen, dass er deren Tragweite und
Auswirkungen auf die Psyche des Beschwerdeführers als psychiatrisch
Sachverständiger korrekt gewürdigt hat. Insofern spielt es keine Rolle, dass sich die
Anamnese wie ein Lebenslauf liest und Eckpunkte in chronologischer Reihenfolge
wiedergegeben wurden (wie dies der Beschwerdeführer in der Replik bemängelte, act.
G 8). Ebenso wenig ist von Belang, dass die psychiatrische Untersuchung 135 Minuten
gedauert habe, wohingegen Dr. B._ seine Feststellungen nach über einem Jahr
Behandlungsdauer getroffen habe. Daraus kann nicht abgeleitet werden, dass die
Diagnosen sowie die Arbeitsfähigkeitsschätzung des behandelnden Arztes zutreffender
sind als jene eines psychiatrischen Gutachters. Eine Begutachtung ist naturgemäss auf
einen relativ kurzen Zeitraum begrenzt. Gemäss der Rechtsprechung des
Bundesgerichts kommt es nicht auf die Dauer der persönlichen Untersuchung an,
sondern darauf, ob das Gutachten inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 19. Mai 2020, 8C_767/2019, E. 3.4 mit Hinweis).
2.3.2.
Gegenüber Dr. B._, bei welchem der Beschwerdeführer im August 2018 -
somit gut ein halbes Jahr nach der Begutachtung - die Behandlung aufgenommen
hatte, hat er zudem grundsätzlich dieselben Angaben wie beim psychiatrischen
Gutachter gemacht (Bericht vom 10. September 2019, IV-act. 181-2 ff.). Dr. B._
wertete die verfestigten emotional somatisierten, kognitiven und verhaltensauffälligen
2.3.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/18
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Muster als Charakteristika einer Persönlichkeitsstörung, welche der Beschwerdeführer
zeitweise selbst zu behandeln versucht habe. Im Laufe der Gespräche sei dem
Beschwerdeführer deutlicher geworden, dass er den Umgang mit Alkohol nicht im Griff
habe, entgegen dem was er gegen aussen dargestellt und sich selbst vorgemacht
habe. Die Adhoc-Situation in der Querschnittuntersuchung des erhobenen
neuropsychologischen Tests könne die Relevanz und Dynamik der Lebens- und
Alltagsdimension des Beschwerdeführers zu wenig abbilden, sodass die
persönlichkeitsbezogene psychische Beeinträchtigung unterschätzt werde (IV-act.
181-5). Bei den Diagnosen rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode, sowie neurotische Persönlichkeitsstörung (verkürzt
wiedergegeben) erachtet Dr. B._ den Beschwerdeführer in adaptierter Tätigkeit ohne
Zeitdruck, in wohlwollender, nicht entwertender Umgebung seit dem 29. August 2018
zu 50 % (vier Stunden von Montag bis Freitag) für den zweiten Arbeitsmarkt
arbeitsfähig (IV-act. 181-6 f). Genauere Adaptionskriterien nennt er nicht, ebenso wenig
gibt er an, weshalb lediglich der zweite Arbeitsmarkt in Frage kommen sollte.
Der psychiatrische Gutachter hielt als Diagnosen eine chronische depressive
Symptomatik mit aktuell leicht depressiver Episode, eine nicht näher bezeichnete
Reaktion auf schwere Belastung sowie Alkoholabhängigkeit mit gegenwärtigem
Substanzgebrauch sowie eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
(verkürzt wiedergegeben) fest. Der Beschwerdeführer sei dekonditioniert und habe das
Vertrauen in seine beruflichen Fähigkeiten verloren. Für den Wiedereinstieg sei er auf
eine initial unterstützende und wohlwollende Umgebung angewiesen, die mit seiner
eingeschränkten und der unter Druck eingeschränkten Umgänglichkeit umgehen
könne, ohne ihn zu entwerten. Durch die leichte depressive Störung, die diskrete
psychotraumatologische Symptomatik und die Aufmerksamkeits- und
Hyperaktivitätsstörung bestehe eine qualitative Einschränkung der Leistungsfähigkeit
aus psychiatrischer Sicht. Der Beschwerdeführer brauche mehr Support und eine klar
strukturierte Arbeit. Aus psychiatrischer Sicht ergäben sich keine Hinweise für eine
Einschränkung in der zeitlichen Leistungsfähigkeit. Durch die verschiedenen
Einschränkungen bestehe insgesamt eine etwa 30%ige Reduktion der
Leistungsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht (IV-act. 152-101 f.).
2.3.4.
Davon abgesehen, dass für die vorliegende Beurteilung ohnehin nicht die
Diagnosestellung massgeblich ist, sondern lediglich die funktionellen Auswirkungen der
gesundheitlichen Einschränkungen zu berücksichtigen sind, machen beide Ärzte in
weiten Teilen übereinstimmende Angaben. In Berücksichtigung der unterschiedlichen
Natur von Begutachtungs- und Behandlungsauftrag sowie des der medizinischen
2.3.5.
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3.
Einschätzung inhärenten Ermessensspielraums ist die Arbeitsfähigkeitsschätzung des
Gutachters ohne weiteres überzeugend und es besteht kein Anlass, jener des
behandelnden Arztes den Vorzug zu geben. Auch ergeben sich keinerlei Anhaltspunkte
dafür, dass vom psychiatrischen Gutachter wichtige Aspekte unerkannt oder
ungewürdigt geblieben wären. Die Alkoholproblematik wurde als sekundär qualifiziert
(IV-act. 152 - 102) und als Gesundheitsschaden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
mitberücksichtigt (IV-act. 152 - 97), weshalb die Änderung der Rechtsprechung
betreffend Suchtleiden gemäss BGE 145 V 215 auf die Beweiskraft der vorliegenden
Arbeitsfähigkeitsschätzung keinen Einfluss hat.
Auch die RAD-Psychiaterin kam zum Schluss, dass der Behandler den gleichen
Sachverhalt unter andere Diagnosen codiert habe und die Arbeitsfähigkeit niedriger
eingeschätzt habe. Im Gutachten seien sowohl die schwierigen Umstände der Kindheit
und Jugend erfasst, als auch die depressiven Phasen, die Alkoholproblematik, und die
psychotraumatologische Symptomatik enthalten. Diese seien nachvollziehbar und
plausibel dargestellt, so dass weiterhin auf das Gutachten und dessen Einschätzung
der Arbeits- und Leistungsfähigkeit abgestellt werden könne (IV-act. 183).
2.3.6.
Insgesamt besteht gemäss Gesagtem kein Anlass von den gutachterlichen
Feststellungen abzuweichen, ebenso wenig sind weitere Abklärungen sowie die
beantragte Rückfrage an den Gutachter angezeigt. Es ist auf die psychiatrisch bzw.
interdisziplinär festgestellte Arbeitsfähigkeit von 70% für alle adaptierten Tätigkeiten
auszugehen, geltend ab der in psychiatrischer Hinsicht seit 2011 in Erscheinung
getretenen Arbeitsunfähigkeit bzw. Verschlechterung des Gesundheitszustandes.
2.4.
Die Beschwerdegegnerin hat eine erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades
gemäss Art. 87 Abs. 2 und 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR
831.201) als glaubhaft gemacht erachtet, indem sie auf das Gesuch vom 3. Februar
2016 (IV-act. 100) eingetreten ist und schliesslich eine Begutachtung angeordnet hat.
Nachdem im Rahmen der ersten IV-Anmeldung 2005 kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ermittelt worden ist und damals kein
Rentenanspruch entstanden war (vgl. abweisende Verfügung vom 26. Februar 2010,
IV-act. 93), hat die vor der zweiten IV-Anmeldung im Februar 2016 anzunehmende
Verschlechterung als neuer Versicherungsfall zu gelten (vgl. BGE 142 V 550 f. E. 3.1 f.;
Urteil des Bundesgerichts vom 18. Februar 2016, 9C_942/2015, E. 3.3.3). Die einjährige
Wartezeit ist somit erneut zu bestehen und Art. 29 IVV (Anrechnung früher
bestandener Wartezeiten bei Wiederaufleben der Invalidität infolge des gleichen
3.1.
bis
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/18
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4.
Leidens) ist nicht anwendbar (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juli 2013,
9C_677/2012, E. 2.3).
Der Beginn der Einschränkungen ist in somatischer Hinsicht auf den
Unfallzeitpunkt am 1. August 2005 zu legen. Mit den Verletzungen an beiden Händen
entstand für die erlernte Tätigkeit als Elektromonteur eine bleibende Arbeitsunfähigkeit
(statt vieler Zitatstellen: asim-Gutachten, IV-act. 152-9). In psychiatrischer Hinsicht
finden sich in den nach der Erstanmeldung Ende 2005 produzierten Akten, bis auf
einen zu einem stationär erfolgten Alkoholentzug im Jahr 2009 in der Klinik Wattwil,
keine Berichte von Behandlungen oder Arbeitsunfähigkeitsatteste. Gemäss seinen
eigenen Angaben hat der Beschwerdeführer die Alkoholentzugstherapie damals eher
vorbeugend gemacht mit dem Ziel, massvoll zu trinken (Schlussbericht Befas
Appisberg vom 27. September 2009, IV-act. 85-3). Die im Rahmen des zweiten IV-
Gesuchs beauftragten asim-Gutachter gingen in der Konsensbeurteilung davon aus,
dass sich der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit dem Jahr
2011 verschlechtert habe (IV-act. 152-10).
3.2.
Der Beschwerdeführer wurde für seinen früheren Beruf als Elektromonteur aus
somatischer Sicht seit 2005 unstrittig als vollständig arbeitsunfähig (asim-Gutachten,
Konsensbeurteilung vom 24. Mai 2018, IV-act. 152-9) und aus psychiatrischer Sicht für
sämtliche Tätigkeiten seit 2011 zu 30% arbeitsunfähig betrachtet (IV-act. 152-10). Für
die erforderliche durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von 40 % über die Dauer von
einem Jahr ist nach wie vor (auch) von der Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf
auszugehen (BGE 130 V 98 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 13. April 2007, I
943/06, E. 5.1.3; BGE 104 V 143 E. 2.a). Der Beginn des Wartejahres ist auf den Eintritt
der Verschlechterung des Gesundheitszustandes auf 2011 zu legen. Frühestmöglicher
Rentenbeginn ist folglich unter Berücksichtigung der Anmeldung vom 3. Februar 2016
(IV-act. 100) sowie des bereits seit langem abgelaufenen Wartejahres folglich der 1.
August 2016. Dementsprechend sind für den Einkommensvergleich die Zahlen für das
Jahr 2016 massgebend.
3.3.
Die Beschwerdegegnerin hat bei einem Valideneinkommen von Fr. 70'631.- sowie
einem Invalideneinkommen von Fr. 46'704.-- einen IV-Grad von 24% ermittelt
(Stellungnahme Rechtsdienst vom 12. Dezember 2019, IV-act. 185; angefochtene
Verfügung, IV-act. 187). Ursprünglich hatte sie das der früheren Verfügung vom 26.
Februar 2010 zugrundeliegende Einkommen von Fr. 62'871.-- (Fr. 36'200.-- / 8 x 13)
der Lohnentwicklung angepasst, auf das Jahr 2015 aufgerechnet und einen Betrag von
4.1.
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Fr. 65'753.-- für das Valideneinkommen eingesetzt. Im Rahmen des Einwandverfahrens
hat sie aufgrund Fehlens zuverlässiger Einkommenszahlen (entsprechend dem damals
gestellten Eventualantrag) auf die Tabellenlöhne der Lohnstrukturerhebung 2016, TA1,
Kompetenzniveau 2, zurückgegriffen (Monatslohn Männer Kompetenzniveau 2, Fr.
5'646.-- / 40 x 41.7 x 12 = Fr. 70'631.--). Für das Invalideneinkommen hat sie auf das
Kompetenzniveau 1 abgestellt (Fr. 66'719.--) und das Pensum von 70 %
berücksichtigt.
Nach seiner Lehre als Elektromonteur (Abschluss 1991) hatte der
Beschwerdeführer bis ins Jahr 1996 verschiedene Anstellungen als Servicemonteur,
Servicetechniker, technischer Mitarbeiter und ähnliche Stellen inne. Dazwischen war er
teilweise arbeitslos und absolvierte verschiedene Ausbildungen und Kurse. Von
September 1997 bis April 2002 arbeitete er beim Z._ als Elektromonteur und
absolvierte berufsbegleitend eine Ausbildung zum PC/LAN-Supporter, die er am 14.
Januar 2002 erfolgreich abschloss (IV-act 102-2). In diesem Bereich versuchte er, eine
selbständige Tätigkeit aufzubauen. Eine entsprechende Buchung auf dem individuellen
Konto (IK) ist für Juni bis Dezember 2005 ersichtlich. Seit Mai 2002 rechnete er
Beiträge als Arbeitsloser ab. Zwischendurch war er von Mai bis Dezember 2003 bei der
C._ GmbH angestellt (IK-Auszüge, IV-act. 9 und 106; Schlussbericht Befas
Appisberg vom 27. November 2009, IV-act. 85-2 f.).
4.2.
Nach der durch die Beschwerdegegnerin unterstützten beruflichen Massnahme in
Form einer Umschulung zum Mediatechniker (welche der Beschwerdeführer während
drei Jahren absolvierte, jedoch mangels des erforderlichen Notenschnitts an der
Prüfung nicht erfolgreich abschliessen konnte) ging die Beschwerdegegnerin davon
aus, dass der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % erwerbsfähig
sei und lediglich einer Einarbeitung bedürfe. Unter der Annahme, dass der
Beschwerdeführer mindestens sein früheres Einkommen erzielen könne, wurde ein
Rentenanspruch bei einem IV-Grad von 2 % abgewiesen (IV-act. 90 und 93). Dies in
Beachtung der Tatsache, dass der Beschwerdeführer bereits vor dem Unfall von 2005
im Jahr 2002 eine berufsbegleitende Ausbildung als PC-LAN-Supporter abgeschlossen
und im Rahmen der Umschulung zum Mediatechniker zumindest die Schule besucht
hatte (vgl. Diplom SIZ, IV-act. 102-2; Verfügung vom 26. Februar 2010, IV-act. 93;
Schlussbericht der beruflichen Eingliederung vom 7. Dezember 2009, IV-act. 86).
4.3.
4.4.
Der Beschwerdeführer führt an, ohne das Unfallereignis vom 1. August 2005
sowie ohne psychische Einschränkungen würde er heute weiterhin als Elektromonteur/
4.4.1.
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PC-LAN-Supporter arbeiten. Laut IK-Auszug seien die Einkommen jährlich
angestiegen. Ausgehend vom letzten Einkommen gemäss IK-Auszug von Fr. 78'433.--
für das Jahr 2003 "bei Beginn der Einschränkungen", angepasst an die
Lohnentwicklung, ergebe sich für das Jahr 2016 ein Valideneinkommen von Fr.
89'868.--. Der Beschwerdeführer rechnet die im Jahr 2002 in den ersten zwei Monaten
noch erhaltenen Lohnzahlungen auf ein ganzes Jahr auf. Für das Jahr 2003 rechnet er
den angegebenen Lohn von Fr. 6'000.-- auf ein Jahr auf. So simuliert er eine
kontinuierliche Lohnsteigerung seit 1996 (act. G 1 Rz 37 und G 8 Rz 14 f.).
Fraglich ist nun, ob tatsächlich davon auszugehen ist, dass der
Beschwerdeführer als Gesunder seine innegehabte Tätigkeit als Elektromonteur
weitergeführt hätte. Der Beginn der Einschränkungen ist entgegen den Ausführungen
des Beschwerdeführers nicht in das Jahr 2003, sondern in das Jahr 2005 zu legen. Zu
diesem Zeitpunkt war der Beschwerdeführer bereits drei Jahre lang arbeitslos
gewesen, bis auf die einige Monate dauernde Anstellung bei der C._ GmbH.
Ebenfalls dagegen spricht die Erwerbsbiographie über einen grösseren Zeitraum
hinweg betrachtet. Konkretere Angaben zu den Anstellungen, insbesondere
Arbeitgeberberichte oder Arbeitszeugnisse, liegen nicht vor. Hinzu kommt, dass das
erste IV-Verfahren anfangs 2010 abgeschlossen wurde, nachdem der
Beschwerdeführer mit der Absolvierung der Weiterbildung (zwar ohne genügenden
Notendurchschnitt an der Abschlussprüfung um das Diplom zu erhalten) gemäss
Beschwerdegegnerin in die Lage versetzt worden war, in einer den Einschränkungen
an den Händen Rechnung tragenden Tätigkeit zumindest das frühere Einkommen zu
erzielen. Eine passende Stelle konnte anschliessend leider nicht gefunden werden und
der psychische Gesundheitszustand verschlechterte sich. Ob dies Folge oder Ursache
der Arbeitslosigkeit war und/oder ob der Alkoholkonsum mit hineinspielte, kann
retrospektiv nicht ermittelt werden. Demnach ist eigentlich danach zu fragen, welche
Tätigkeit der Beschwerdeführer ohne den zweiten Gesundheitsschaden ausüben
würde. Nachdem er jedoch die Ausbildung nicht erfolgreich abschliessen und auch
keine Anstellung als Media-Techniker oder in einem ähnlichen Bereich finden konnte,
rechtfertigt es sich weder, auf den höchsten je erzielten Lohn beim Z._ noch auf
jenen der kurzen Anstellung bei der C._ GmbH abzustellen. Insgesamt erscheint
jedoch sachgerecht, das Einkommensniveau bei der mehrere Jahre (fünf Jahre und
acht Monate) innegehabten, gelernten Tätigkeit als Elektromonteur anzusiedeln. Dabei
ist auf die Zahlen des IK abzustellen und vorab das Einkommen jedes Jahres gemäss
dem Nominallohnindex aufzurechnen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 13. Oktober
2015, 8C_233/2015, E. 3.4), was einen Durchschnitt von Fr. 86'197.-- ergibt (1996: Fr.
4.4.2.
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68'502.-- [4 Monate: Fr. 22'843.-- / 4 x 12] / 1811 x 2239 = Fr. 84'691.--; 1997:
71'039.-- / 1818 x 2239 = Fr. 87'490.--; 1998: 72'955.-- / 1832 x 2239 = Fr. 89'163.--;
1999: Fr. 73'229.-- / 1835 x 2239 = Fr. 89'351.--; 2000: 74'253.-- / 1856 x 2239 = Fr.
89'576.--; 2001: Fr. 65'336.-- / 1902 x 2239 = Fr. 76'912.--).
4.5.
Für das Invalideneinkommen ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerde
führer sein früheres Lohnniveau halten könnte. In seiner erlernten Tätigkeit als
Elektromonteur mit seinem früher erzielten Lohn als Fachkraft ist er gänzlich
arbeitsunfähig. Die berufsbegleitende Weiterbildung als PC/LAN-Supporter schloss er
erst 2002 - also bereits nach Beendigung der Anstellung beim Z._ - ab. Er konnte die
erworbenen Kenntnisse folglich weder schon dort noch anschliessend wirklich
umsetzen. Der Versuch, sich in diesem Bereich selbständig zu machen, war nicht von
Dauer. Die angestellte Tätigkeit bei der C._ GmbH bestand nur wenige Monate (vgl.
IK-Auszug vom 4. April 2016, IV-act. 106-2). Auch das im Rahmen der Ausbildung zum
Mediatechniker erlernte Fachwissen konnte der Beschwerdeführer nie bei einer
entsprechenden Anstellung anwenden. Davon, dass er bei zwar unzweifelhaft
vorhandenen Fachkenntnissen in den Bereichen Elektrik/Elektronik sowie im
Computerbereich bei der Kombination seiner somatischen und psychiatrischen
Einschränkungen einen Tabellenlohn des Kompetenzniveaus 2 erzielen könnte, ist in
Anbetracht seiner Erwerbsbiographie demnach nicht auszugehen. Es ist somit, wie
sowohl Beschwerdegegnerin als auch Beschwerdeführer dies tun, auf die
Tabellenlöhne, Kompetenzniveau 1, abzustellen. Für das Jahr 2016 ist ein Betrag von
Fr. 66'803.-- massgeblich (vgl. Informationsstelle AHV/IV, IV-Textausgabe 2019,
Anhang 2, Lohnentwicklung, S. 228).
4.5.1.
Während die Beschwerdegegnerin keinen Tabellenlohnabzug gewährt hat, hält
der Beschwerdeführer aufgrund der Kombination von körperlichen sowie psychischen
Einschränkungen, die zudem phasenweise auftreten könnten, und aufgrund des damit
verbundenen erheblichen Nachteils gegenüber gesunden Hilfsarbeitern, einen Abzug
von 20 % für angemessen (act. G 1 Rz 44). Mit dem Abzug vom Tabellenlohn nach
BGE 126 V 75 soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und
berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre,
Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die
Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die
verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. dazu
BGE 134 V 64 E. 4.2.1) nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten
4.5.2.
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kann (BGE 135 V 297 E. 5.2). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist
unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V
322 E. 5.2; 126 V 75 E. 5b/bb-cc). Allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen
Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen dürfen nicht zusätzlich in
die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten
Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen (BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweis). Die
Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem
Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich
leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75
E. 5a/bb; SVR 2019 UV Nr. 43 S. 164, 8C_560/2018 E. 5.3.1 i.f.).
Unter Zusammenschau sämtlicher Befunde kann der Beschwerdeführer laut
interdisziplinärer Konsensbeurteilung der asim-Gutachter eine körperlich leichte
Tätigkeit, ohne repetitive Bewegungen mit Rotationen und Vibrationsbelastung des
rechten Handgelenks, ohne absturzgefährdete Positionen auf Leitern und Gerüsten,
ohne vornübergebeugten Oberkörper und ohne Rotation um die Körperachse zu 100%
ausüben. Dies gelte auch retrospektiv mit Ausnahme der perioperativen Phase (IV-
act. 152-9). Aufgrund der psychiatrisch bedingten Einschränkungen besteht insgesamt
eine 30%ige Einschränkung der Leistungsfähigkeit, so dass gesamthaft eine 70%ige
Gesamtarbeitsfähigkeit resultiert und zwar bestehend seit dem Jahr 2011. Jeweils im
Rahmen der stationären Entzugsbehandlungen sei die Arbeitsfähigkeit kurzfristig
komplett aufgehoben gewesen (IV-act. 152-9 f.). Gemäss psychiatrischem
Teilgutachten ist der Beschwerdeführer durch die leichte depressive Störung, die
diskrete psychotraumatologische Symptomatik und die Aufmerksamkeitsdefizit- /
Hyperaktivitätsstörung in der Leistungsfähigkeit qualitativ eingeschränkt. Er brauche
mehr Support und eine klar strukturierte Arbeit. Aus psychiatrischer Sicht würden sich
keine Hinweise für eine Einschränkung der zeitlichen Leistungsfähigkeit ergeben. Durch
die verschiedenen Einschränkungen bestehe insgesamt eine etwa 30%ige Reduktion
der Leistungsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht (IV-act. 152-102).
4.5.3.
Die körperlichen Adaptionskriterien allein sind für leichte Hilfsarbeitertätigkeiten
aller Art nicht massgeblich einschränkend und es sind viele Tätigkeiten denkbar, die
das Adaptionsprofil ohne weiteres erfüllen, so dass der Beschwerdeführer aufgrund
des genügend breiten Spektrums an Verweistätigkeiten keine zusätzliche
Lohneinbusse - beim wie vorstehend erläuterten, schon tiefen anwendbaren
Lohnniveau - hinnehmen müsste (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 8. Oktober 2019,
9C_447/2019, E. 4.3.2 und vom 29. Mai 2018, 9C_266/2017, E. 3.4.3 mit Hinweis). Die
4.5.4.
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5.
Einschränkungen in psychiatrischer Hinsicht haben laut psychiatrischem Gutachter
keine zeitliche Komponente, jedoch benötige der Beschwerdeführer mehr Support und
eine klar strukturierte Arbeit. Letzteres Erfordernis dürfte bei einer Hilfsarbeitertätigkeit
naturgemäss zu einem grossen Teil bereits sichergestellt sein. Dasselbe gilt teilweise
für den erhöhten Supportbedarf. Insgesamt wurde dies bei der um 30 % reduzierten
Leistungsfähigkeit bereits berücksichtigt. Somit bestehen keine Anhaltspunkte dafür,
dass der Beschwerdeführer bei einem Hilfsarbeiterlohn im Umfang von 70% noch
weitere Lohneinbussen hinnehmen müsste. Auch kann er ganztags anwesend sein.
Allein die Tatsache, dass der psychische Gesundheitszustand Schwankungen
unterworfen sein kann, rechtfertigt keinen Abzug vom Tabellenlohn. Ein solcher kommt
nur bei eigentlichen Krankheitsschüben in Betracht (Urteil des Bundesgerichts vom 22.
Mai 2018, 9C_266/2017, E. 4.2 mit Hinweisen).
Bei einem Valideneinkommen von Fr. 86'390.-- sowie einem Invalideneinkommen
von Fr. 46'762.-- (Fr. 66'803.-- x 0.7) ergibt sich ein IV-Grad von 45,87 bzw. 46 % (zum
Runden: BGE 130 V 121) und somit ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
4.6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, die angefochtene
Verfügung vom 15. Januar 2020 aufzuheben und dem Beschwerdeführer eine
Viertelsrente, beginnend am 1. August 2016, zuzusprechen. Die Sache ist zur
Festsetzung Ausrichtung der Rentenleistung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
5.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint angemessen. Ausgangsgemäss ist diese der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
5.2.
bis
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Die
Rechtsvertreterin hat am 8. Mai 2020 eine Honorarnote über Fr. 3'771.85 (Honorar Fr.
3'367.50, Barauslagen Fr. 134.70, Mehrwertsteuer Fr. 269.65) eingereicht. Dies
5.3.
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