Decision ID: 9133eb7f-85c4-4d35-8dba-5723d4218d02
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1994,
absolvierte eine Lehre als Detailhandelsassistent EBA
bei Y._
(
Urk.
6/
15
;
Urk.
6/18/3 «Arbeitssituation»
)
, als er sich
im Urlaub in Serbien
im
Mai 2012 eine tiefe Schnittverletzung im Bereich des rechten
ulnaren
Unterarmes und Ellenbogengelenkes mit vollständiger Durchtrennung des
Nervus
ulnaris
zuzog (etwa
Urk.
6/11/1)
. In der Folge wurde er mehrfach operiert (etwa
Urk.
6/33/3
und 6/85/1 f.
).
1.2
Mit
Formular vom 31. August 2012
meldete
sich der Versicherte
bei der
Sozial
versicherungsanstal
t des Kantons Zürich,
IV-Stelle, zum Leistungsbezug an
(
Urk.
6/5).
Diese
verneinte am 2
9.
November 2012 wie auch am
2
5.
Juni 2013
jeweils
einen
Anspruch auf berufliche Massnahmen bei noch
andauernder Reha
bilitation der Hand bzw. noch nicht beurteilbarem Belastungsprofil
(
Urk.
6/17
und 6/24).
Derweilen wurde
der Lehrvertrag nach Arbeitsversuchen seitens der Arbeitgeberin
per 3
1.
Juli 2013 aufgelöst (
Urk.
6/18/4-6 und 6/28/2 f.)
.
Nachdem sich der Versicherte am 1
3.
Januar 2014 erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug angemeldet hatte,
leistete
diese
für die Zeit ab
1.
November 2015
Kostengu
tsprache für ein dreimonatiges
Belastbarkeitstraining
(
Urk.
6/98)
und
anschliessend für ein
sechsmonatiges Aufbautraining (
Urk.
6/106)
sowie
für
ein
sechsmonatiges Arbeitstraining
(
Urk.
6/117). Die Trainings wurden
von der Stif
tung
Z._
durchgeführt
(
Urk.
6/105
,
6/113
,
6/115
,
6/124
und 6/132
)
.
Von Februar 2017 bis August 2018
absolvierte
der Versicherte mit Unterstützung der
Invalidenversicherung
(
Urk.
6/135)
und
b
erufsbegleitend
zum
weitergeführten
Arbeitstraining bei
der Stiftung
Z._
(
Urk.
6/148
, 6/155
,
6/158
,
6/167
und 6/173 f.
)
eine
A
usbildung an der
A._
(
Urk.
6/134)
. Er bestand das
Bürofachdiplom
VSH (
Urk.
6/
170
)
und nach einem weiteren Semester das Handelsdiplom VSH (U
rk.
6/201/
6
).
Mangels Praxiserfahrung im ersten Arbeitsmarkt
folgte
n
ein
Arbeitstraining
und
eine berufspraktische Vorbereitung
im geschützten Rahmen
bei
der
B._
(
Urk.
6/193
;
Urk.
6/201/2
).
Diese übernahm
a
uch das von der Invalidenversicherung
anschliessend
verfügte
Coaching im Zusammenhang mit
einem
Arbei
tsversuch bei der C._
GmbH
im ersten Arbeitsmarkt
(
Urk.
6/194
;
Urk.
6/206
)
. Den Arbeitsversuch brach
der V
ersicherte
nach wenigen Tagen
ab
(
Urk.
6/201/10
). Die berufliche Eingliederung wurde
daher
per 2
7.
Mai 2019 abgeschlossen und die seit Beginn der Eingliederungsmassnahmen bezo
ge
nen Taggelder (vgl. Urk. 6/103, 6/108, 6/120, 6/141, 6/165, 6/176, 6/180, 6/187 und 6/197) per
jenem Datum
eingestellt (U
rk.
6/203).
Per
1.
April 2020
trat
der
Versicherte eine 20%
ige Teilzeitstelle als Verkäufer im Tankstellenshop seiner Geschwister an (
Urk.
6/235 f.).
1.3
Zur Abklärung des Rentenanspruchs holte die IV-Stelle
unterdessen
e
in
internis
tisches,
psychiatrisches, neurologisches und handchirurgisches Gutachten ein, das am 3
1.
Dezember 2019 von der D._, Universitätsspital E._
(nachfolgend:
D._
) erstattet wurde (
Urk.
6/229).
Dieses legte sie dem Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD)
zur Prüfung vor (
Urk.
6/231/9 f.). Mit Vorbescheid vom
6.
März 2020 stellte die IV-Stelle dem Versicherte die Verneinung eines Renten
anspruchs in Aussicht (
Urk.
6/232)
, wogegen er Einwand erhob
(
Urk.
6/241; Be
gründung
Urk.
6/242). Am 1
2.
Mai 2020 verfügte die IV-Stelle wie angekündigt (
Urk.
2).
2.
Gegen die
se
Verfügung erhob der Versicherte mit Eingabe vom 1
5.
Juni
2020, vertreten durch Rechtsanwalt Baumann, Beschwerde (
Urk.
1). Darin beantragte er, der Entscheid sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen auszurichten; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der IV-Stelle (
Urk.
1 S. 2). Diese schloss mit Beschwerdeantwort vom 3
1.
Juli 2020 auf Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
5). Die Beschwerdeantwort wurde dem Versicherten mit Verfügung vom
4.
August 2020 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkom
mensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
1.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215
E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
In diesem Zusammenhang
entschied das Bundesgericht
mit BGE 143 V 418
, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeits
fähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Dieses
definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungs
hin
dernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspo
ten
tialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungs
vermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Aner
kennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen An
spruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewie
sen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete ver
sicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E
. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog
im angefochtenen Entscheid
, bei guter Ge
sund
heit würde der Beschwerdeführer
vollzeitig
als Detailhandelsassistent arbeiten und
jährlich
F
r.
62'085.--
verdienen
. Seit Abschluss der beruflichen Massnahmen
sei er
zu 75
% in
einer körperlich leichte
n
Tätigkeit
ohne Einsatz der rechten Hand
arbeitsfähig
.
Dabei
bestünden
eine verminderte Leistungsfähigkeit und ein vermehrter Pausenbedarf.
Damit könne er ein Jahreseinkommen von F
r.
55'782.75 erzielen
.
Es
bestehe
somit
kein Rentenanspruch.
Die psychischen Faktoren seien ohne
längerdauernden Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
Der
Be
schwerdeführer
habe
b
eim Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt eine Depression entwickelt. Diese sei reaktiv und therapeutisch behandelbar. Zudem fänden sich im Gutachten Hinweise auf eine Symptomausweitung, eine Selbstlimitation
sowie
einen sekundären
Krankheitsgewinn (
Urk.
2).
Dem fügte
sie
in der Beschwerde
antwort
nichts hinzu
(
Urk.
5).
2.2
Der Beschwerdeführer hielt indessen dafür, es sei vollumfänglich auf das psy
chiatrische Teilgutachten abzustellen, wonach aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
bestehe. Es lägen keine triftigen Gründe vor, die es erlauben würden, davon abzuweichen. Eine allfällige Behandelbarkeit spreche
nicht gegen eine längerdauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und die übr
i
gen
Punkte seien von den Gutachtern bereits fachmedizinisch gewürdigt worden
bzw.
in
ihre Beurteilung der Arbeitsfähigkeit eingeflossen. Überdies sei aus nicht nachvollziehbaren Gründen auf einen leidensbedingten Abzug verzichtet worden. Ihm stehe mindestens eine halbe Rente zu (
Urk.
1).
3.
3.1
In der
Konsensbeurteilung vom 3
1.
Dezember 2019
führten die
D._
-
Gutachter
zu den somatischen Beschwerden
aus
,
die spezifische Behandlung der rechten oberen Extremität sei mit dem let
zten operativen Eingriff vom 7.
November 2014 abgeschlossen worden. D
er Handchirurg
Dr.
med.
F._
habe im Gutachten vom 1
0.
Juli 2015 zuhanden der Unfallversicherung eine Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tätigkeit von 75
%
als möglich
festgehalten
.
Aus rein somatischer Sicht habe sich an di
eser Einschätzung
nicht
s
Relevantes verändert – mit Sicherheit habe sich keine Verschlechterung ergeben
(Urk.
6/229/12 f.)
.
Die damals for
mu
lierten funktionellen Einschränkungen an der rechten dominanten Hand seien aktuell weiterhin gültig (
Urk.
6/229/10).
Die Kopfschmerzen seien aus neurolo
gischer Sicht nicht einschränkend (
Urk.
6/229/8).
Aus neurologischer und handchirurgischer Sicht
seien
mittelschwere bis schwere körperliche Tätigkeiten mit entsprechender Beanspruchung der rechten Hand un
ge
eignet. Tätigkeiten mit langem Heben oder Halten von Gegenständen und ein
seitiges, länger andauerndes Arbeiten mit der rechten Hand seien zu
vermeiden. Leichte,
angepasste
Tätigkeiten seien
indessen
auch im Hinblick darauf zumutbar, dass der Beschwerdeführer
im Rahmen der «Berufsmassnahmen»
Tätigkeiten mit einer Tastatur/Maus am Computer linkss
eitig erfolgreich erlernt habe. Da er pri
mär auf seine
a
dominante
linke Hand angewiesen sei, müsse von einem ver
lang
samten Arbeitstempo ausgegangen werden. Insgesamt bestünden eine ver
min
der
te
Leistungsfähigkeit und ein vermehrter Pausenbedarf. Aufgrund der Restsymp
to
me des komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CRPS) Typ 2 führe ein zu hohes Arbeitspensum respektive ein deutlicher Leistungsdruck zu einer Zunahme der
Schmerzen (
Urk.
6/229/12).
Die somatischen Einschränkungen seien bleibend, umso
wichtiger sei der Erhalt der jetzigen Funktion, weshalb eine erneute
Physio
/
Ergo
therapie und gegebenenfalls schmerztherapeutische Evaluation empfehlens
wert seien (
Urk.
6/223/13).
3.2
Zu den psychischen Beschwerden
hielten die
D._
-Gutachter fest, d
urch den be
handelnden Psychiater D
r.
med.
G._
werde dem Beschwerdeführer seit dem 2
0.
März 2019 eine
volle
Arbeitsunfähigkeit attestiert. Die von
ihm
gestellte Diagnose einer Posttraumatischen Belastungsstörung
(PTBS)
könne weder zum Zeitpunkt der Krankschreibung noch aktuell plausibel nachvollzogen werden. Gleichzeitig sei die rezidivierende depressive Störun
g
(von ihm)
als leicht bis
mitt
el
schwere Episode ohne somatisches Syndrom eingestuft worden. Aktuell liege
eine mittelschwere Depression vor. Man gehe zwar davon aus, dass mit Eintritt in den ersten A
rbeitsmarkt, der die effektiv vorhandenen Defizite deutlicher in den Vordergrund gerückt habe,
eine depressive Verschlechterung eingetreten sei
. Eine volle
Arbeitsunfähigkeit sei jedoch nicht begründbar. Aufgrund des aktu
ellen Befundes gehe man von einer
solchen
von 50
% aus, wobei der Verbleib im Arbeitsprozess mit gleichzeitige
n
psychotherapeutischen Sitzungen
auch prog
nos
tisch
wesentlich besser
sei (Urk. 6/229/13)
.
Aus psychiatrischer Sicht bestehe derzeit
also
eine weitere Verlangsamung. Der Beschwerdeführer sei in funktioneller Hinsicht in erster Linie eingeschränkt durch eine verminderte Flexibilität und Umstellungsfähigkeit; er zeige sich wenig flexi
bel hinsichtlich neuer Anforderungen oder zeitlicher Einteilung. Im Weiteren sei durch das depressive Zustandsbild die Durchhaltefähigkeit eingeschränkt; der
Beschwerdeführer benötige regelmässige Pausen und wäre zeitlich bezüglich einer
ganztäg
igen
Tätigkeit überfordert. Geeignet seien deshalb Tätigkeiten, die klar
strukturiert seien
(
Urk.
6/229/12)
.
Eine konsequente antidepressive medikamen
töse
Therapie finde of
fenbar nicht statt. Man empfehle den Einsatz eines zusätz
lichen Antidepressivums bei Weiterführung der bisherigen psychiatrischen Mass
nahmen sowie eine intensive störungsspezifische psychotherapeutische Behand
lung. In diesem Zusammenhang sei eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten und nach Möglichkeit im Verlauf der Behandlung anzustreben. Eine Neubeurteilung soll
t
e in zwei Jahren erfolgen (Urk.
6/229/14).
3.3
Die
D._
-
Gutachter kamen
dementsprechend
zum Schluss, d
ie A
rbeits- bzw.
Leis
tungsfähigkeit betrag
e
(aus polydisziplinärer Sicht)
50
%
seit
März 2019
,
als während der Integrationsmassnahme bei der
B._
eine
Pensumsreduktion
habe erfolgen müssen, nachdem eine Steigerung des Pensums auf 75
%
wegen Überforderung nicht gelungen sei
. Die umgeschulte Tätigkeit im kaufmännischen Bereich sei insgesamt sicher angepasst. Der Beschwerdeführer berichte, vor alle
m
Interessen im Bereich Buchhaltung entwickelt zu haben. Eine solche Tätigkeit
(eigenes Arbeitstempo,
Backoffice
, klar strukturiert etc.) könnte optimal adaptiert sein
(
Urk.
6/229/12).
3.4
Dem fügten sie hinzu, aus den Eingliederungsprotokollen ergäben sich aus soma
tischer Sicht keine Aspekte, die auf eine relevant veränderte Situation im Ver
gleich zum handchirurgischen Gutachten aus dem Jahr 2015
schliessen
liessen
.
Ebenso wenig ergäben sich daraus Hinweise auf eine relevante Einschränkung
aus
psychiatrischer Sicht
. Allerdings werde eine gewisse Überforderung wiederholt thematisiert, ohne dass diese bis
zur Krankschreibung ab
März 2019 zu einer psych
iatrischen
Behandlung geführt habe. Zur psychischen Dekompensation sei es primär im Rahmen des Übergangs aus der «Berufsmassnahme» in die reale Arbeitswelt gekommen. Daraus sei vermutlich der Schluss zu ziehen, dass im Rahmen der primär empfohlenen Hilfe bei der Stellenvermittlung eine begleitende und auf das Ziel Integration im Arbeitsmarkt fokussierende psychotherapeutische Unterstützung sinnvoll sei, um weitere Dekompensationen zu vermeiden und die sicher vorhandenen Ressourcen des Beschwerdeführers
, der in der «Berufsmass
nahme» motiviert mitgearbeitet habe, zu stützen (
Urk.
6/229/14).
4.
4.1
Keinen Anlass zu Diskussionen zwischen den Parteien gaben
die internistische
,
handchirurgische und
neurologische
Beurteilung im
D._
-Gutachten
. Es ist un
bestritten, dass der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht die Tätigkeit als Detailhandelsassistent seit dem Unfall nicht mehr ausüben kann und
er auch in seiner Arbeitsfähigkeit
in angepassten Tätigkeiten seit Abschluss der Einglie
de
rungsmassnahmen
(
und damit Einstellung der Taggelder der I
nvaliden
versi
che
rung)
am 2
7.
M
ai 2019 um 25
%
eingeschränkt ist.
Gemäss Gutachten ist das somatische Grundleiden seit mindestens dem Jahr 2015 stabil und als bleibende Einschränkung zu b
etrachten (vgl.
Urk.
6/229/13).
4.2
Die Gutachter des
D._
bestätigten somit die Einschätzung des auf Handchirurgie spezialisierte
n
Dr.
med.
F._
im
vom Unfallversicherer
in Auftrag gegebenen
Gutachten vom 1
0.
Juli
201
5. Dr.
F._
erläuterte
damals
, die Versorgung in Serbien sei nicht adäquat gewesen.
Er
st
am 1
2.
Juli 2012 sei eine aufwändige Nervenrekonstruktion erfolgt. Es habe sich ein mit sämtlichen Charakteristiken geprägter, intensiver neuropathischer Schmerz entwickelt.
Bei völlig fehlende
n
senso
-motorischen
Reinnervationszeichen
ein Jahr
danach
sei eine mehrfache Seh
nen
transpos
i
tion zur Verbesserung der
G
reifkräfte von Daumen, Ring- und
Kleinfinger
bei
ulnarer
Krallenhand durchgeführt worden.
Das Ausbleiben einer befriedigenden
Reinnervation
habe zu
einem weiteren
Eingriff (
Neurolyse
, De
ckung mittels «
neurowrap
» und Fettgewebe)
am
7.
November 2014 geführt
.
Erst danach sei es schon nach ca. 4,5 Monaten zu einer deutlichen Verbesserung der Schmerzsituation gekommen, die
aber
lediglich 1,5 Monate angedauert
habe
und danach zur vorangehenden Intensität zurückgekehrt sei
(
Urk.
6/92/20)
.
Mit schmerzspezifischer, medikamentöser Therapie könne es gelingen, den Schme
rz
pegel zu senken, aber kaum ihn zu beseitigen
.
E
in neuropathischer Schmerz im Sinne eines CRPS Typ II mit Funktionsdefizit
werde bleiben
.
Es be
stehe ein erhebliches funktionelles Defizit d
es gesamten rechten A
rmes, welcher
kaum einsatzfähig
sei
. Der Beschwerdeführer müsse weitgehend als
Einhänder
links betrachtet werden. Bis auf die Schmerzintensität,
di
e kaum zu objektivieren sei, könnten die geklagten Beschwerden weitgehend objektiviert und medizinisch erklärt werden. Der Beschwerdeführer mache nicht den Eindruck
eines Simu
lanten und neige
auch nicht zur Aggravation seiner Beschwerden. Auf
die teils verdeckt durchgeführten Test habe er stets adäquat reagiert
(Urk. 6/92/
21
)
.
Bezogen auf ein Pensum von 100
%
werde
die zumutbare Leistung in einer Ver
weistätigkeit auf 75
%
geschätzt
. Zumutbar seien nur noch vereinzelte und ein
fachste Zangen
-
und Schüsselgriffe zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger wie das Halten kleiner Gegenstände (Papier, Stift, Natel und leichte Akten) im Sinne vereinzelter zudienender Griffe, das vereinzelte Anheben von Gewichten von maximal 1 bis 2 kg auf Tischhöhe und das vereinzelte Anheben von Gewich
ten bis maximal 1 kg bis Brust- und Kopfhöhe, aber nicht darüber hinaus. Zu vermeiden seien eine Hitze- oder Kälteexposition. Die psychische Belastbarkeit,
die
Konzentrationsfähigkeit und
die
Aufmerksamkeit seien kaum merklich einge
schränkt, solange keine zentral wirksamen Schmerzmittel eingenommen werden müssten. Heftige Schmerzschübe könnten die Aufmerksamkeit und Konzentra
tionsfähigkeit
jedoch
vorübergehend beeinträchtigen (
Urk.
6/92/23 f.).
4.3
Eine
höher
gradige
, insbesondere schmerzbedingte Einschränkung der Arbeits
fähig
keit
in einer körperlich angepassten Tätigkeit
lässt sich auch anhand der
Berichte der Fachleute der beruflichen Eingliederung
nicht plausibilisieren.
Im Abschlussbericht vom 28. Februar 2018 führte die Stiftung
Z._
noch aus,
um die Schmerzen im rechten Arm zu reduzieren, habe der Beschwerdeführer Pausen eingeschaltet, was indessen nicht die erhoffte Entlastung gebracht habe. Ebenso wenig habe eine konventionelle
Einhandtastatur
den gewünschten Effekt gezeigt. Schliesslich habe sich der Beschwerdeführer in Zusammenarb
eit mit der H._
AG für eine spezielle
Einhandtastatur
entschieden und damit intensiv trainiert. Dies funktioniere gut und er berichte immer weniger über Schmerzen
im Arm (
Urk.
6
/167/4).
Als Gründe für die
wiederholten krank
heits
bedingten Ausfallzeiten
wurden indessen
Inf
ekte
, Magenproble
me
und Nieren
steine
genannt
, wobei die Darmspiegelung wie auch die Nachuntersuchung nichts Problematisches
ergeben hätten. Ebenso wurden
psychische Belastungen
ange
führt, unt
er anderem Sch
la
fprobleme
und Kopfschmerzen (
Urk.
6/167/5)
.
Dem
letzten Abschlussbericht
der Stiftung
Z._
vom
3.
Juli 2018 ist zu ent
nehmen, dass der Beschwerdeführer die
Einhandtastatur
regelmässig verwende
,
trainingshalber aber auch immer wieder mit beiden Händen zu schreiben
ver
suche
. Dieser Wechsel scheine ihm gut zu gelingen, zumal er praktisch nie über Schmerzen in der Hand geklagt habe. Inwiefern die Schreibgeschwindigkeit ge
nüge, werde sich in der Praxis zeigen (
Urk.
6/174/3). Regelmässig vom Arbeits
training abgemeldet hatte sich der Beschwerdeführer
wiederum
aus psychischen Gründen respektive wegen Kopfschmerzen, Nierensteinen sowie Fieber und Hals
schmerzen (vgl.
Urk.
6/174/4
; vgl. dazu ferner
Urk.
6/173/3
).
Im
Bericht der
B._
zur berufspraktischen Vorbereitung vom
2.
Mai 2019
sind
Beschwerden bezüglich
der rechten oberen E
xtremität
überhaupt kein Thema mehr
(vgl.
Urk.
6/193)
.
4.4
Es bleibt anzumerken, dass
R
entenleistungen erst dann auszurichten
sind
, wenn keine zumutbaren Eingliederungsmassnahmen mehr in Betracht fallen. Der in der
Invalidenversicherung geltende Grundsatz "Eingliederung vor Rente" bewirkt, dass
die Rente hinter einer Eingliederungsmassnahme bzw. dem damit verbundenen Taggeld zurücktritt (so
Art.
28
Abs.
1
lit
. a IVG). Ein Rentenanspruch kann erst
nach Beendigung der Eingliederungsmassnahmen entstehen, und zwar selbst dann
, wenn diese nur einen Teilerfolg brachten oder scheiterten. Vor diesem Zeitpunkt
ist eine Invalidenrente, gegebenenfalls auch rückwirkend, nur zuzusprechen, wenn
die versicherte Person nicht oder noch nicht eingliederungsfähig ist
(Urteil des Bundesgerichts 9C_689/2019 vom 20. Dezember 2019 E. 3.1 mit Hinweisen).
Wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers
aus somatischer Sicht nach
durchgeführter
Eingliederung verhält, ist
nach dem vorstehend Gesagten
rechtsgenüglich
ab
geklärt
. Ausgesch
l
ossen ist die Zusprechung einer Rente für den
vorgängigen
Zeitraum, während
d
em
er
Taggelder der Invalidenversicherung
bezog (vgl.
Art.
29
Abs.
2 IVG)
.
5.
5.1
Zwischen den Parteien in erster Linie strittig ist,
ob die Beschwerdegegnerin ein
invalidenversicherungsrechtlich relevantes psychisches Leiden zu Recht verneinte
, obschon dem Beschwerdeführer gutachterlich aus psychiatrischer (und infolge
dessen auch aus polydisziplinärer) Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
atte
stiert wurde.
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren
im Rahme des strukturierten Beweis
verfahrens
(BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systemati
siert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
Kategorie «funktioneller Schwere
grad» (E. 4.3) mit den Komplexen «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1; Ausprägung der diagnoserelevanten
Befunde und Symptome [E. 4.3.1.1]; Behandlungs- und
Eingliederungserfolg oder -resistenz [E. 4.3.1.2]; Komorbiditäten [E. 4.3.1.3]), «Per
sönlichkeit» (Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psy
chi
sche Funktionen [E. 4.3.2]) und «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3) sowie Kategorie «Konsi
stenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens [E. 4.4]) mit den Faktoren
gleich
mässige
Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebens
bereichen (E. 4.4.1) und behandlungs- und
eingliederungsanamnestisch ausge
wie
sener Lei
dens
druck (E. 4.4.2).
Beweisrechtlich entscheidend ist
dabei
der ver
haltensbe
zo
gene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4;
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4)
.
5.
2
Wie der Beschwerdeführer zutreffend darlegte, befasste sich das Bundesgericht in
BGE 145 V 361 ausführlich mit der Überprüfbarkeit der medizinischen
Arbeits
fähigkeitseinschätzung
durch die rechtsanwendenden Stellen. Dabei kam es in E.
4.3 des genannten BGE zu folgendem Schluss
:
In allen Fällen ist durch den Versicherungsträger und im Beschwerdefall durch das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeits
un
fähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweis
themen) hinreichend und nachvollziehbar begründet haben. Dazu ist erforderlich,
dass die Sachverständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden medizi
nisch
-psychiatrischen Gutachtensteil (mit Aktenauszug, Anamnese, Befunden, Diagno
sen usw.), d.h. sie haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kom
pe
tenz fallenden erhobenen medizinisch-psychiatrischen Ergebnisse fachgerech
ter klinischer Prüfung und Exploration. Ärztlicherseits ist also
substanziiert
darzu
legen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in quali
ta
tiver, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen (BGE 143 V
418 E.
6). Am Beispiel rezidivierender depressiver Entwicklungen leichten bis mittleren Grades veranschaulicht, die in der invalidenversicherungsrechtlichen Invaliditätsprüfung sehr oft im Vordergrund stehen, bedeutet dies: Es genügt nicht, dass der medizinisch-psychiatrische Sachverständige vom diagnostizierten depressiven Geschehen direkt auf eine Arbeitsunfähigkeit, welchen Grades auch immer, schliesst; vielmehr hat er darzutun, dass, inwiefern und inwieweit wegen der von ihm erhobenen Befunde (Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Antriebs
schwäche, Müdigkeit, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, vermin
derte Anpassungsfähigkeit usw.) die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit ein
ge
schränkt ist, und zwar - zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- und Kontroll
zwecken - unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der rentenansprechenden Person. Kommen die Experten dieser Auf
gabe unter Berücksichtigung der durch BGE 141 V 281 normierten Beweisthemen überzeugend nach, wird die medizinisch-psychiatrische Folgenabschätzung auch aus der juristischen Sicht des Rechtsanwenders - Durchführungsstelle oder Ge
richt - Bestand haben. Andernfalls liegt ein triftiger Grund vor, der rechtlich ein Abweichen davon gebietet (
Urteil des Bundesgerichts
9C_473/2019 vom
25.
Februar 2020 E. 4.3.2 mit Hinweis)
.
5.3
Im Hinblick auf die Argumentation der Beschwerdegegnerin gilt es ferner zu beachten
, dass nach
der Rechtsprechung eine stark ausgeprägte und verfestigte subjektive Krankheitsüberzeugung mit entsprechendem dysfunktionalem Verhal
ten, Selbstlimitierung, sekundärem Krankheitsgewinn und
Dekonditionierung
keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG und
Art.
7
Abs.
2 ATSG dar
stellt
. Ein Rentenanspruch fällt sodann ausser Betracht, soweit eine attestierte Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähn
lichen Erscheinung beruht oder direkte Folge psychosozialer und soziokultureller Belastungsfaktoren ist
(
Urteil des Bundesgerichts 9C_473/2019 vom 25. Februar 2020 E. 4.2.2 mit diversen Hinweisen).
Soweit die betreffenden Anzeichen
jedoch
lediglich neben einer ausgewiesenen verselbstständigten Gesundheitsschädigung auftreten, sind deren Auswirkungen im Umfang der Aggravation zu bereinigen
.
Diesfalls
ist zu prüfen, ob aus rechtlicher Sicht von der ärztlichen Arbeitsfähig
keitsschätzung abzuweichen ist, was davon abhängt,
ob gutachterlich die nor
mativen Rahmenbedingungen eingehalten wurden und ob bzw. in welchem Um
fang die gutachterlichen Feststellungen an
hand der rechtserheblichen Indika
toren auf eine Arbeitsunfähigkeit
schliessen
lassen
(
vgl. dazu
Urteil des Bundesgerichts 9C_524/2020 vom 2
3.
November 2020 E. 4.3
und 5.3 f.
).
6.
6.1
Wie von der Beschwerdegegnerin dargetan, wies die begutachtende Psychiaterin des
D._
,
Dr.
med.
I._
,
darauf hin, dass der Beschwerdeführer teilweise
Inkonsistenzen aufweise, seine Antworten bzw. Schilderung der Beschwerde
sym
p
tomatik teilweise vage oder bestimmte Fragen (etwa nach der Krankheit des Vater
s) unbeantwortet geblieben seien, er eine (Tendenz zur) Schonhaltung und eine her
abgesetzte Motivation zeige
und letztlich
von einem deutlichen sekun
dären Kran
k
heitsgewinn, teilweise vermutlich mit einer Selbstlimitation und ten
denzieller Symptomausweitung auszugehen sei (vg
l.
Urk.
6/229/53 und 6/229/55).
Diese
vorsichtig formulierten, wenig substantiierten
Ausführungen
vermögen
in Anbe
tracht der
weiteren
gutachterlichen Feststellung
en
, dass die Kardinalsymptome einer Depression ausgewiesen seien
und ca. mittelgradige Einschränkungen in Bezug auf die Flexibilität, Umstellung- und Durchhaltefähigkeit bestünden (vgl.
Urk.
6/22
9/54),
noch keine
rentenausschliessende
Aggravation zu begründen
(vgl. E. 5.3)
.
In der Konsensbeurteilung
stellten die
D._
-
Gutachter
denn auch klar, dass sich insgesamt keine
grösseren
Inkonsistenzen ergeben hätten. Leichte Symptomaus
gestaltungen im Rahmen des neurologischen Gutachtens könnten im Rahmen der psychiatrischen Diagnosen und
d
er spürbaren Verunsicherung (vage, teils etwas ausweichende Antworten) bezüglich seiner Zukunft gut eingeordnet werden. Die Fokussierung auf die Defizite erkläre man primär im Rahmen der depressiven E
rkrankung. Die diagnostische Sicherheit der gestellten Diagnosen sei zur Genüge gegeben (Urk. 6/229/11).
6.2
In ihrem Teilgutachten erörterte
Dr.
I._
alsdann
, weshalb si
e
den Be
schwerdeführer aus psychiatrischer Sicht
seit dem Frühjahr 2019
als zu 50
%
arbeitsfähig bei einer Präsenz von 80
%
beurteilte (vgl.
Urk.
6/229/55 unten). Sie führte aus, aktuell imponiere
dieser
depressiv. Er
berichte
über eine Energie- und Hoffnungslosigkeit. Im Kontakt imponiere er wenig auslenkbar, teilweise auch
dysphorisch
gestimmt. Die affektive Schwingungsfähigkeit sei deutlich herab
ge
setzt. Es sei vom Vorliegen eines depressiven Zustandsbilds auszugehen, das als mittelgradige depressive Episode einzustufen sei. Die Kardinalsymptome einer Depression seien mit dem depressiven Grundaffekt und den Schlafstörungen grundsätzlich ausgewiesen. Der Beschwerdeführer sei in funktioneller Hinsicht in Bezug auf die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit wie auch die Durchhalte
fähigkeit ca. mittelgradig eingeschränkt (
Urk.
6/229/54
).
Indiziert sei eine ange
passte Tätigkeit, welche Büroarbeiten beinhalte, klar strukturiert sei und dem Aus
bildungsniveau entspreche (
Urk.
6/229/56).
Ergänzend ist ihrem
Untersu
chungs
befund zu entnehmen, der Beschwerdeführer
wirke
psychomot
orisch tendenziell
verlangsamt
und
sei
verstärkt ermüdbar
gewesen
(vgl.
Urk.
6/229/53).
Ein
Zu
sam
menhang zwischen den erhobenen Befunden, den festgestellten funktionellen Einschränkungen und der attestierten teilweisen Arbeitsunfähigkeit ist
somit hinreichend nachvollziehbar
dargetan
.
6.3
Ein
die Arbeitsfähigkeit beeinflussendes Leiden
bestätigte auch
Dr.
G._
. Er
diagnostizierte
im
Bericht vom 27.
April
2019
zusätzlich zur
rezidivierenden depressiven Störung,
seit Februar 2019
leichte bis mittelschwere Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F33.10
),
allerdings auch
eine
seit
Behand
lungs
be
ginn
bestehende
PTBS (ICD-10: F.43.1
)
.
Im
jüngst er
h
obenen
Psychost
atus erwähn
te
er
–
ähnlich wie Dr.
I._
–
eine affektarme, deprimierte und gereizte Grundstimmung; im formalen Denken beurteile er den Beschwerdeführer als adä
quat.
Zusätzlich
notiert e
r,
Konzentration und Aufmerksamkeit
seien reduziert.
Der Beschwerdeführer vermeide Themen, die ihn an den Unfall erinnern würden. Er
sei ängstlich und innerlich unruhig
,
gebe Kopfdruck,
Armschmerzen
sowie nächtliches Schwitzen an.
Er
schlussfolgerte
, e
s bestünden psychische Einschrän
kungen
:
eine sehr niedrige
Belastbarkeit, mangelnde Konzentration und ein ver
langsamte
s
Tempo
. Eine Prognose zur Arbeitsfähigkeit
erachtete er als
schwierig
(vgl.
Urk.
6/196/4 f.)
.
Nur die
B._
könne
die Frage be
ant
worten
, wie viele Stunden
pro Tag
der Beschwerdeführer derzeit
arbeiten
könne (vgl.
Urk.
6/196/
5
f.).
Eine volle Arbeits
un
fähigkeit
attestierte er
ihm
v
om
1.
bis
3.
November 2017 und
vom
2
0.
bis 2
4.
März 2019 (vgl. Urk.
6/196/
2
)
.
Zum Krankheitsverlauf
führte
Dr.
G._
aus
, der Beschwerdeführer habe den Unfall und dessen Folgen als traumatisch erlebt. Er sei bereits nach der ersten Operation durch depressive Verstimmungen aufgefallen. Nach jeder Operation habe er länger und stärker Schmerzen verspürt als erwartet, was zu einer weiteren Resignation geführt habe. Der Beschwerdeführer habe den Verlust der Hand
funk
tion nicht akzeptieren können und sich
schliesslich
in psychiatrische Behandlung begeben, dort aber unverstanden gefühlt. Nach Beginn der Eingliederung habe er sich im Januar 2016 in seiner Praxis angemeldet. Im Erstgespräch habe er einen niedergeschlagenen Eindruck gemacht, sich wortkarg und zurückhaltend gezeigt.
Trotzdem
sei er motiviert gewesen
,
an den beruflichen
Massnahmen
teilzuneh
men. Er habe
geäussert
, dabei viel Unterstützung zu benötigen
. D
ie Operationen und Therapien
habe er
als Kampf erlebt, der ih
n
viel Energie
gekostet
habe
. Er habe
sich stark gestresst
gefühlt
und
sei
im Kontakt zu anderen empfindlich und misstrauisch
gewesen
. Beklagt habe er Schmerzen im Arm. In der Folge habe
er
in Abhängigkeit von psychischer und geistiger Anstrengung Kopfschmerzen
entwickelt
, die der Neurologe
als Cluster-Kopfschmerzen verstanden und
Topira
mat
verordnet
habe
. Hierauf habe
e
r
Nierensteine entwickelt
, die ihn zusätzlich geplagt hätten (
vgl.
Urk.
6/196/3).
6.4
6.4.1
Für
die Bestimmung des Rentenanspruchs grundsätzlich unabhängig von der Dia
gnose und unbesehen der Ätiologie ausschlaggebend
ist
, ob und in welchem
Aus
mass
eine Beeinträchtigung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit vorliegt
(
etwa Urteil des Bundesgerichts
8C_41/2019
v
om
9.
Mai 2019
E. 7.3).
6.4.2
Dr.
I._
und
Dr.
G._
sind sich insoweit
einig,
dass
seitens des Beschwerdeführers ein erheblich vermindertes Rendement besteht.
Die
D._
-Gut
achter gingen
davon aus, der Beschwerdeführer
benötige aufgrund der psychi
schen Einschränkungen
regelmässig
Pausen
(vgl.
Urk.
6/229/11), weshalb er
bei einer zumutbaren Präsenz von 80
%
nur
eine Leistung von 50
%
(
bezogen
auf ein Vollzeitpensum)
zu erbringen vermöge
.
Diese Einschätzung
entspricht in Etwa
der Beurteilung der Stiftung
Z._
im letzten Abschlussbericht vom
3.
Juli 2018, wonach der Beschwerdeführer mittelfristig unter Berücksichtigung des schulischen Leistungsvermögens ein Arbeitspensum von 5 bis 6 Stunden pro Tag zu leisten im Stande sein sollte, wobei sein
e
Leistungsfähigkeit bezüglich eines vollen Pensums bei
angepasster
Tätigkeit auf ca. 50
%
geschätzt werde (vgl.
Urk.
6/174/2
; erläuternd
Urk.
6/178/7 unten
).
Ebenso schätzte
die
B._
die Leistungsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt
im Bericht vom
3.
Mai 2019 – also noch
vor
dem
A
rbeitsversuch
–
auf leicht unterhalb 100 % bei einem durchschnittlichen Arbeitspensum von 50 bis 75
%
(vgl.
Urk.
6/1
93/2).
Dr.
G._
äusserte
sich nach dem
in E. 6.3
Ausgeführten
nicht
konkret
zur Arbeit
sfähigkeit
.
Es ist nicht ersichtlich, worauf die
Feststellung der
D._
-Gut
achter
beruht
,
Dr.
G._
habe de
m Beschwerdeführer seit dem 20.
März 2019 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (U
rk.
6/229/13).
6.4.3
Eine
anhaltende Arbeitsunfähigkeit
wurde
dem Beschwerdeführer
von der Allge
meinmedizinerin
Dr.
med. J._
bescheinigt
. Sie begründete diese
in ihrem Bericht vom 2
5.
Juni 2019 mit reduzierter Kraft, Bewegung und Sensibilität des rechten Unterarms sowie einer reduzierten psychischen Belastbarkeit
bei mittel
schwerer depressiver Symptomatik
(vgl.
Urk.
6/212
). Ihrer Beurteilung
sind somit
keine neuen Aspekte zu entnehmen, weshalb dieser in Anbetracht der vorlie
gen
den fachärztlichen Einschätzungen sowie der Erfahrungstatsache,
dass
behan
deln
de
Arztpersonen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc)
,
keine
Bedeutung beizumessen
ist
.
Daran ändert der Abschlussbericht der
B._
vom
3.
Juni
2019 nichts, wonach die Belastbarkeit und gesundheitliche Stabilität des Beschwer
deführers zurzeit ungenügend für einen Einsatz im freien Arbeitsmarkt sei (vgl.
Urk.
6/206/1 unten). So ergibt sich aus der Begründung, dass der Beschwerde
füh
rer an seinem ersten Arbeitsplatz im ersten Arbeitsmarkt mit der Arbeit
an sich wie auch
der Einführung unzufrieden war und ihm eine
Ansprechperson fehlte, weshalb er Kopfschmerzen entwickelte.
Für einen
vom Case Manager vor
geschla
genen
Austausch mit der A
rbeitgeberin war
er
nicht bereit
(vgl.
Urk.
6/206/2).
Darüber hinaus
gab es vorgängig Schwierigkeiten bei der
B._
(vgl.
Urk.
6/229/47 oben
und 6/201/8
).
Aus einem unter ungünstigen Be
dingungen während wenigen Tagen durchgeführten A
rbeits
versuch
kann nicht
auf eine voll
e
Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt geschlossen werden
. Beim Beschwerdeführer bestehen
zudem
auszuklammernde Faktoren, wie eine
gewisse
Schonhaltung
und
Motivationsschwierigkeiten
(vgl.
E.
6.1; ferner Urk.
6/18/5 unten,
Urk.
6/28/3 oben
und
Urk.
6/173/3
). Dabei wurde
seinen Be
dürf
nissen und Wünschen
im geschützten Rahmen
jeweils umgehend
bestmög
lich
entsprochen
(vgl. etwa
Urk.
6/193/4
und 6/201/5
unten
).
Er
wird sich daran gewöhnen müssen, dass dies im ersten Arbeitsmarkt
(
trotz eines zu erwartenden sozialen Entgegenkommens seitens potentieller Arbeitgeber
)
nicht mehr im selben
Ausmass
der Fall sein wird.
6.4.4
Im Übrigen bieten
Dr.
G._
s Angaben
keinen hinreichenden Anhalt für eine
aktuell
relevante PTBS
im Frühjahr 201
9.
Das
Bundesgericht
äusserte
sich
in seinem Urteil 9C_636/2013
vom 2
5.
Februar 2014
E. 4.3.2 unter Bezugnahme auf die ICD-Klassifikation
sowohl
zum Auslöser
als auch
den typischen Merkmalen einer PTBS.
Dr.
G._
begründete
die PTBS
soweit ersichtlich
vorderhand mit einer Resignation infolge des ungünstigen Heilungsverlaufs mit auch Aus
bildung eines CRPS und der v
erbliebenen, massiven
Beeinträchtigung der Hand
funktion
. Der
ressourcenhemmende
n
Wirkung
dieser Belastungen trug auch
Dr.
I._
Rechnung (vgl.
Urk.
6/229/55)
, damit ist jedoch noch kein
Ereignis
respektive noch keine
Situation
mit
aussergewöhnlicher
Bedrohung oder
von
katastrophenartigem
Ausmass
dargetan
,
das
respektive
die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde
.
Ansonsten erwähnte
Dr.
G._
einzig
, dass der Beschwerdeführer Themen betreffend den Unfall vermeide. Gegenüber
Dr.
I._
berichtete der Beschwerdeführer
ferner
über Alb
träume, über deren Inhalt er aber nicht sprechen wollte. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass
die Gutachterin
zum Schluss kam, es seien
keine posttrau
matischen S
ymptome auszumachen.
Darüber hinaus betonte das Bundesgericht
im genannten
Urteil
, dass eine PTBS nur b
ei wenigen Patienten über viele Jahre einen chronischen
Verlauf
nehme
und
dann
in eine andauernde Persön
lichkeits
änderung über
gehe. S
trukturelle Defizite im Sinne einer eigentlichen Persönlich
keitsproblematik
sind in den vorliegenden ärztlichen Beurteilungen
mehrere
Jahre nach dem Unfall
indessen kein Thema.
6.5
6.5.1
E
s bleibt
zu prüfen, ob sich
Dr.
I._
bei de
r medizinisch hinreichend nachvollziehbar begründeten
Arbeitsfähigkeitseinschätzung an die normativen
Rahmenbedingen gehalten hat bzw. ob und in welchem Umfang sich eine Arbeitsunfähigkeit anhand der rechtserheblichen Indikatoren bestätigen lässt.
6.5.2
Aufgrund des diagnoseinhärenten Schweregrades einer (bis) mittelschweren de
pressiven Episode, wie sie nach einhelliger Auffassung der Ärzte vorliegt, ist von einer mittelschweren Ausprägung der diagnoserelevanten B
efunde und Sympto
me auszugehen.
Bezüglich des Indikators „Behandlungs- und Eingliederungserfolg
/
-resistenz“ ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
mit
enger Begleitung
durch
die
beruf
lichen Fachleute
,
regelmässiger
psychotherapeutischer Therapie und teilweiser Einnahme von Psychopharmaka
im Stande war, das Handelsdiplom zu erlangen
(vgl.
Urk.
6/201/6)
. Hierfür wurde die
angestrebte
stabile
Steigerung des Arbeits
pensums
wiederholt
zurückgestellt und ebenso das Sammeln praktischer Arbeits
er
fahrung. Darüber hinaus profitierte
e
r vom Umstand, dass
er einen Teil der Prü
fungen
im Rahmen des A
rbeitstrainings abgelegt hatte. Bei hohen
Anforde
rungen
(wie Wechsel der beruflichen Fachleute,
anstehender
Multicheck,
Beginn der Schule, Arbeitsversuch) und psychosoziale
n
Belastungen
(
gesundheitliche Prob
leme
des Vaters
, Tod der
Grossmutter
, Thematisierung
einer weiteren O
peration)
zeigte er
vermehrt
S
chlafstörungen, Kopfschmerzen,
Magenbeschwerden,
depres
sive Symptome
oder
eine Schmerzzunahme
, die auch zu weiteren medizinischen Abklärungen führten (insbesondere
Urk.
6/129).
Ferner
wurden
von
der Haus
ärztin immer wieder Infekte festgestellt
und litt der Beschwerde
führer auch
an Nierensteinen
.
Infolgedessen wies
er
während der gesamten Eingliederung erheb
lic
he Fehlzeiten auf
(vgl.
Urk.
6/105/4, 6/113/3 f., 6/115/4 f., 6/132/4-6,
6/167
,
6/174/2, 6/174/4
,
6/193/4 und 6/206/2;
ergänzend
Urk.
7/137/5 unten und
Urk.
6/196/3).
Die
Bilanz der
bisherige
n
psychiatrischen
Behandlung und
berufli
che
n
Eingliederung
ist somit
durchzogen
.
Dennoch
ist
der Beschwerdeführer
letzt
lich
beruflich
weiter
gekommen un
d
konnte
er
seine psychische Widerstands
fähigkeit verbessern
, ohne die therapeutischen Optionen (
vorab
eine konsequente
psychopharmakologische Therapie) auszuschöpfen
.
Soweit der RAD gar eine teil
weise Therapieresistenz postulierte, so
äusserte
er sich weder zum Umfang noch den Gründen derselben (vgl.
Urk.
6/231/10 unten).
Als relevante Komorbidität besteht eine dauerhafte Beeinträchtigung der domi
nanten oberen Extremität
(vgl. E. 4)
, für die sich der Beschwerdefü
hrer schämt (vgl.
Urk.
6/48/1) und mit
gewissen
objektiven
Anhaltspunkten für ein CRPS
(vgl.
Urk.
6/229/75
und 6/92/17)
, dessen Ausprägung
von der psychischen Verfassung des B
eschwerdeführers
abhängt
(vgl. E. 3.2).
6.5.3
Der Beschwerdeführer zeigt zwar die mehrfach erwähnten, ungünstigen Verhal
tensweisen wie
Schonhaltung und
fehlende Motivation
, wobei auch monetäre Interessen die Bereitschaft zur Teilnahmen an
Massnahmen
beeinflusst haben dürften
(vgl. etwa
Urk.
6/48/2 oben
, Urk.
6/49/4
und
Urk.
6/119/4
).
Eine krank
heitswertige Persönlichkeitsstörung oder auch nur akzentuierte Persönlichkeits
anteile, die eine Änderung des eigenen Verhalten
massgeblich
erschweren wür
den, stehen de
mgegenüber nicht zur Diskussion.
6.5.4
Schliesslich
bestimmt auch
der soziale Kontext
mit
, wie sich die (kausal allein
massgeblichen
) Auswirkungen der Gesundheitsbeeinträchtigung konkret mani
fes
tieren.
Dabei gilt unverändert, dass ein invalidisierender psychischer Gesund
heitsschaden nur gegeben sein kann, wenn das klinische Beschwerdebild nicht einzig in psychosozialen und soziokulturellen Umständen seine Erklärung findet, sondern davon psychiatrisch unterscheidbare Befunde umfasst (Urteil des Bun
des
gerichts 9C_732/2
017 vom 5. März 2018 E. 4.3.1).
Nach dem zum
Komplex „Gesundheitsschädigung“ Ausgeführten
ist den Gutach
tern zu folgen, die davon ausgingen,
es liege eine depressive Entwicklung „im Rahmen der verzögerten Heilung und der bisher
frustranen
Arbeitsbemühungen“ vor (vgl.
Urk.
6/229/55) bzw.
mit dem Eintritt in den ersten Arbeitsmarkt
sei
eine depressive „Verschlechterung“
eingetreten
(vgl.
Urk.
6/229/13
)
. Es trifft
zwar
im Sinne der Argumentation der Beschwerdegegnerin
zu, dass
der Beschwerdeführer vor alle
m
in der Konfrontation mit der realen Arbeitswelt und den dortigen An
forderungen die eigenen Einschränkungen deutlicher und auch belastender als vor
her erlebte (vgl.
Urk.
6/229/8)
; er war jedoch während der Durchführung der
Ein
gliederungsmassnahmen
stets psychisch beeinträchtigt und
wurde
nie in einem
Ausmass
belastet, dass ohne weiteres auf eine
höhergradige
als die atte
stierte Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt
schliessen
lassen würde.
Zudem empfahlen die Gutachter eine Steigerung des Arbeitspensums
„
nach Möglichkeit
“
im Verlauf der Behandlung sowie eine Neubeurteilung in zwei Jahren (vgl.
Urk.
6/229/14),
was gegen eine nur kurz
fristig
e
Reaktion auf ein aktuelles Ereignis spricht.
Nach eigenen Angaben hat sich d
er
Freundeskreis des Beschwerdeführers nach dem Unfall reduziert (
Urk.
6/48/1) und
im Zeitpunkt der Begutachtung verbrachte er praktisch
den ganzen Tag zuhause.
Er wohnt
wieder
mit
seinen Eltern
zusam
men
(vgl.
Urk.
6/229/52)
,
nachdem er im März 2014 erklärt hatte, zwischen
zeit
lich bei seiner Schwester untergekommen zu sein und seine Verlobte in die Schweiz holen zu wollen
(vgl.
Urk.
6/48/2
und 6/49/4
).
Eltern und Geschwister übernehmen
sodann
den H
aushalt, helfen ihm ab und zu (vgl.
Urk.
6/229/52) und beschäftigen ihn
inzwischen
zu 20
%
im eigenen Tankstellenshop (vgl.
Urk.
6/236). Die Kontakte des Beschwerdeführers beschränken sich somit
im Wesentlichen
auf
seine
Familie,
deren Unterstützung
eigentlich
eine Ressource darstellt, in ihrem Umfang jedoch
ressourcenhemmend wirkt
(auch
Urk.
6/58)
.
6.5.5
Mit Blick auf eine
gleichmässige
Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer
nach dem Unfall das
Fussballspielen
aufgab aus Angst vor Körperkontakt und weiteren Verletzungen. Er zog sich auch sozial zurück, weil er sich für seine Hand schämte (vgl.
Urk.
6/48/1).
In der
D._
-Begutachtung im November 2019 gab er ferner an,
zwischen
8 und 10 Uhr
a
ufzustehen
und
anschliessen
d
Bewerbungen
zu schrei
ben
, wozu er Zeitungsinserate bzw. da
s
Internet durchsuche
.
Das Mittagessen bereite er selbst oder die Mutter zu.
Er mache praktisch den ganzen
Tag nichts, sondern sei weitgehend zuhause.
Oft treffe er sich mit seinem Bruder, habe sich im Vergleich zu früher aber eher zurückgezogen. Abends
schaue er
fern, ab und an
Fussball
, oder
game
im Internet.
Er informiere sich anhand des Handys. Er könne keine Haushaltsarbeiten machen. Die Mutter und die Geschwister würden ihm ab und zu helfen
. Gegen 22 Uhr gehe er zu Bett und könne nicht immer gleich gut schlafen
(vgl.
Urk.
6/229/52
und 6/229/46
). Im Frühjahr 2020 teilte er mit, eine Tätigkeit im Umfang von 20
%
im Tankstellenshop seiner Geschwister aufzunehmen (vgl.
Urk.
6/236). Es sei angefügt, dass der Beschwerdeführer bereits während der Eingliederung betonte, dass er eine Tagesstruktur benötige, um nicht in ein Loch zu fallen (vgl.
Urk.
6/201/8).
Es erweist sich letztlich
als schwierig, zwischen den Auswirkungen der körperlich und der psychischen bedingten Ein
schränkung im Alltag des Beschwerdeführers zu unterscheiden. Zumindest sind keine Aktivitäten auszumachen, welche mit einem mittelschweren psychischen Leiden unvereinbar scheinen.
Es verbleibt
als zweiter
Gesichtspunkt
der Kategorie „Konsistenz“ der
behand
lungs
- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesen Leidensdruck.
Aus psychia
trischer Sicht wurde empfohlen, e
ine
konsequente
Therapie mit einem Antide
pressivum
durchzuführen (vgl. E. 3.2).
Dr.
G._
erläuterte, der Beschwer
deführer habe sich bei früheren Behandlern nicht ganz verstanden gefühl
t, weil ihm verschiedene Antidepr
essiva verschrieben worden seien, die er nicht ver
tra
gen habe. Die aktuelle Medikation gab er im April 2019 mit
Escitalopram
10 mg und
Trittico
50 mg an (vgl.
Urk.
6/193/3). In der
D._
-Begutachtung führte der Beschwerdeführer
aus
,
2/3 einer Tablette
Trittico
150 mg einzunehmen. Andere Medikamente seien ebenfalls versucht worden, doch er habe diese nicht vertragen
(vgl.
Urk.
6/229/52 unten)
. Welche Medikamente wann, wie lange und mit wel
chen Nebenwirkungen eingesetzt wurden, ist nicht bekannt. Zumindest besteht eine langjährige engmaschige psychiatrische Begleitung
(einmal wöchentlich)
und es wurde wiederholt
eine
medikamentöse
Therapie versucht. Die Behand
lungsoption wurden somit nicht vollständig ausgeschöpft, aber ein Leidensdruck ist durchaus spürbar. Gleiches gilt nach dem in E. 6.5.2 Ausgeführten trotz in Normalzeit absolviertem Handelsdiplom auch aus eingliederungsanamnestischer Sicht
(auch nach Ausklammerung der Selbstlimitierung)
.
6.6
Eine
vorerst noch
mittelgradig
eingeschränkte Arbeitsfähigkeit
auf dem
ersten
Arbeitsmarkt
, der dem Beschwerdeführer
deutlich mehr
abverlangt als die bis
herigen Eingliederungsmassnahmen,
ist damit insgesamt nachvollziehbar. Es ist Aufgabe des medizinischen Sachverständigen, nachvollziehbar aufzuzeigen, wes
halb trotz mittelschwerer Depression und an sich guter Therapierbarkeit der Störung im Einzelfall funktionelle Leistungseinschränkungen resultieren, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (BGE 143 V 409 E. 4.5.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1).
Dr.
I._
legte entsprechende
psychisch bedingte Einschränkungen dar,
di
e sich eing
lie
derungsanamnestisch und behandlungsanamnestisch
bestätigen lassen und
nicht bloss als reaktiv auf den Arbeitsversuch zu werten sind
, wovon die Beschwer
de
gegnerin ausgeht
.
Soweit
Dr.
I._
dabei
eine teilweise
Selbstlimitation
in Betracht zog
, klammerte sie diese bei ihrer Arbeitsfähigkeitseinschätzung aus. Mit der
bestehende
n
Komorbidität und
dem
ungünstige
n
psychosoziale
n
Umfeld
bestehen ferner massgebliche ressourcenhemmende Belastungen, auch wenn der bisherige Eingliederungserfolg
durchaus
auf ein abrufbares Ressourcenpotential schliessen lässt
(vgl.
Urk.
6/229)
.
Damit ist die 50
%
festgelegte medizinische Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten aus juristischer Sicht zu bestätigen
(vgl. auch die «weiteren Hinweise» des RAD,
Urk.
6/231/10 unten)
.
7.
7.1
Der Beschwerdeführer
verlangte ferner
einen leidensbedingten Abzug
bei der Festsetzung des
Invalideneinkommen
s
, ohne diesen näher zu substantiieren
(vgl.
Urk.
1 S. 4)
.
Das medizinische Anforderungs- und Belastungsprofil stellt eine zum zeitlich zumutbaren Arbeitspensum hinzutretende qualitative bzw. quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit dar, wodurch in erster Linie das Spektrum der erwerblichen Tätigkeiten (weiter) eingegrenzt wird, welche unter Berücksich
ti
gung der Fähigkeiten, Ausbildung und Berufserfahrung der versicherten Person
realistischerweise
noch in Frage kommen.
Davon zu unterscheiden ist - bei Ermittlung des Invalideneinkommens auf der Grundlage von statistischen Durchschnittswerten - die Frage, ob im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person ihre gesundheitlich bedingte
Resta
rbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unter
durchschnittlichem erwerblichen Erfolg verwerten kann. Lediglich wenn auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt unter Berücksichtigung solcher - personen- oder arbeitsplatzbezogener - Einschränkungen (etwa: Art und Ausmass der Be
hinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie) kein genügend breites Spektrum an zumutbaren Verweistätigkeiten besteht, recht
fertigt sich allenfalls ein (zusätzlicher) Abzug vom Tabellenlohn
.
Zu beachten ist, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (Urteil des Bundesgerichts 9C_833/2017 vom 2
0.
April 2018 E. 2.1 und 2.2 mit diversen Hinweisen).
7.2
Bei
faktischer
Einhändigkeit
bzw. Beschränkungen der dominanten Hand
erachtet das Bundesgericht
einen leidensbedingten Abzug
von 20 bis 25
%
als grund
sätzlich möglich, hat einen leidensbedingten Abzug aber auch schon verschie
dentlich verneint (vgl.
Urteil
e des Bundesgerichts
8C_495/2019 vom 11. Dezem
ber 2019
E. 3.2 und E. 4.2.2
,
8C_174/2019 vom 9. Juli 2019 E. 5.1.2 und E. 5.2.2
und
8C_151/2020 vom 15.
Juli 2020 E. 6.1)
.
Vorliegend wurde das
Invali
den
einkommen
a
nhand der vom Beschwerdeführer absolvierten, seinem somatischen Leiden angepassten Ausbildung festgelegt
. Im Z
uge derselben erlernte er
auch
den Umgang mit einer
Einhandtastatur
. Die dennoch verbliebene
Leistungs
min
derung
von 25 %
in einer entsprechenden Tätigkeit
wurde
mit einem
zumutbaren Arbeitspensum
von 75
%
berücksichtigt.
7.3
Eine psychisch bedingt verstärkte Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter und Arbeits
kollegen kann nach der Gerichtspraxis in der Regel nicht als eigenstän
diger Abzugsgrund anerkannt werden, ebenso wenig etwa das Risiko von ver
mehrten gesundheitlichen Absenzen, ein grösserer Betreuungsaufwand oder weni
ger Flexibilität, was das Leisten von Überstunden etwa bei Verhinderung eines
Mitarbeiters anbetrifft (Urteil
des Bundesgerichts 9C_
266/2017
vom
29
.
Mai
201
8
E.
3.4.
2
; vgl. auch Urteil 9C_233/2018 vom 11. April 2019 E. 3.2 mit Hin
weisen
).
Beim Beschwerdeführer wurde
beim Belastungsprofil
eine Verlangsa
mung bzw. ein erhöhter Pausenbedarf berücksichtigt und die Arbeitsfähigkeit
infolge
der psychischen
Beeinträchtigung
auf 50
%
bei einer Präsenz von 80
%
geschätzt.
Es darf deshalb davon ausgegangen werden
, dass es dem Beschwerdeführer – bei Ausklammerung der Selbstlimitation und den allgemein üblichen krankheitsbe
dingten Ausfällen (z.B. Grippe) – möglich sein sollte, keine relevanten Fehlzeiten mehr aufzuweisen.
Im Übrigen geht
ein neuer Arbeitsplatz stets mit ein
er Eingewöhnungsphase ein
her
,
weshalb
auch ein allfälliger Anpassungsaufwand keinen Tabellenlohnabzug zu rechtfertigen
vermag
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_226/2020 vom 13. August 2020 E. 5.2 mit Hinweisen).
7.4
Laut der gestützt auf die LSE 2018 erstellten Tabelle zu den nach Beschäfti
gun
gs
grad, Geschlecht und beruflicher Stellung differenzierten monatlichen Durch
schnittslöhnen rechtfertigt e
in Beschäftigungsgrad von 50-74
% bei Männern
–
bei
vorliegend
anzustrebender
,
absehbarer Steigerung des Arbeitspensums
–
auf der untersten Stufe der beruflichen Stellung (ohne Kaderfunktion) keinen zusätz
lichen Tabellenlohnabzug. Denn auf dieser Ebene besteht bei Männern zwischen dem Durchschnittslohn bei einem Teilzeitpensum von 50-74
%
proportional be
zogen auf ein 100
%
-Pensum (Fr.
5’897.--) und dem Durchschnittslohn bei einem Vollzeitpensum (
Fr.
6'144.--) zwar eine Differenz von
Fr.
247.-- oder 4.02
%
. Daraus ergibt sich jedoch noch keine überproportionale
Lohneinbusse
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 2
2.
März 2017 E. 3.2 und 8C_12/2017 vom 2
8.
Februar 2017 E. 5.5.2).
8.
Zusammenfassend ist
somit vollumfänglich
auf das
D._
-Gutachten abzustellen. Die aus
psychiatrischer
Sicht attestierte Arbeitsfähigkeit
von 50
%
vermag auch im Rahmen eines strukturierten Beweisverfahrens – und damit aus Sicht des Rechtsanwenders – hinreichend zu überzeugen.
Bei ansonsten unbestrittenen Berechnungsgrundlagen
(vgl. dazu
Urk.
6/230)
steht
dem
Valideneinkommen
von
Fr.
62‘085.00
folglich
ein Invalideneinkommen von
Fr.
37‘188.50
bei einer Arbei
ts-
bzw. Leistungsfähigkeit von vorerst
50
%
gegenüber
.
Ein zusätzlicher leidens
bedingter Abzug rechtfertigt sich nicht.
Es resultiert eine
Erwerbseinbusse
von
Fr.
24‘896.50,
was einem Invaliditätsgrad von
40,1
%
und damit einer
Viertels
rente
ab
Einstellung der Taggelder der Invalidenversicherung
(vgl.
Urk.
6/204/1)
entspricht
.
Dies führt
zu einer
Gutheissung
der Beschwerde.
Es sei angemerkt, dass aufgrund der vorliegenden Akten davon auszugehen ist, dass der Be
schwer
deführer bei zureichenden Bemühungen in nicht allzu ferner Zukunft ein
renten
ausschliessendes
Einkommen erzielen können sollte, weshalb eine baldige Über
prüfung des Rentenanspruchs angezeigt ist.
9.
9.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand unabhängig vom Streitwert i
m Rahmen von
Fr.
200.-- bis Fr.
1‘000.-- festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.
--
festzusetzen. Diese sind der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
.
9.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens bemessen.
In
Anbetracht des
Umfangs und Substanti
ierungsgrades der Beschwerdeschrift ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung von
Fr.
1
‘
8
00.-- (inkl.
MWSt.
und Barauslagen) zu bezahlen.