Decision ID: f2ccd1e6-1ab5-47fb-95dd-4947bf152e51
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die A._ AG (Adresse gemäss Rubrum) verfügt über eine Bewil-
ligung der Oberzolldirektion (OZD) zum Bezug von vorläufig abgabenbe-
freiten flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) im Rahmen des Ver-
pflichtungsverfahrens gemäss Art. 21 der Verordnung vom
12. November 1997 über die Lenkungsabgabe auf flüchtigen organischen
Verbindungen (VOCV, SR 814.018).
A.b Am 23. Juni 2021 überwies das Amt für Umwelt des Kantons (Kanton)
(AfU [Kanton]) der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) die vorgeprüfte
VOC-Bilanz der A._ AG für das Geschäftsjahr 2019. In seinem
Überweisungsschreiben hielt das AfU (Kanton) fest, dass der A._
AG vorbehältlich der Prüfung durch die EZV (insbesondere Ziffern 2, 13
[Ausfuhren] und 14 [Weitergabe im Inland]) eine Nachzahlung von
Fr. 145'588.70 in Rechnung gestellt werden könne. Dieser Betrag ent-
spricht der Selbstdeklaration der A._ AG.
A.c Im Rahmen der formellen Prüfung der Bilanz stellte die EZV, Direk-
tionsbereich Grundlagen, Sektion VOC, Automobilsteuer, Rückerstattun-
gen (Sektion VAR) neun im IT-System «New Computerized Transit Sys-
tem» (nachfolgend: NCTS) erstellte Ausfuhrveranlagungsverfügungen für
das Jahr 2019 fest, bei denen der verlangte Veranlagungscode (VC) 25
fehlte (Akten der Vorinstanz [Akt. Vi] Nr. 3).
A.d Mit E-Mail vom 26. Juli 2021 gewährte die EZV der A._ AG das
rechtliche Gehör. Nebst den neun besagten Ausfuhrveranlagungsverfü-
gungen unterbreitete die EZV noch weitere, nicht die Ausfuhr betreffende
Unstimmigkeiten zur Stellungnahme vor, die jedoch im weiteren Mailaus-
tausch mit der EZV bereinigt werden konnten (Akt. Vi Nr. 5).
A.e Am 20. August 2021 sendete die Sektion VAR der A._ AG die
korrigierte Version der Bilanz 2019 (Akt. Vi Nr. 6). Aus dieser ging hervor,
dass die EZV die neun im Recht stehenden Ausfuhrveranlagungsverfügun-
gen nicht als Ausfuhrnachweise akzeptierte und eine um die entsprechen-
den VOC-Mengen erhöhte Nachzahlung zu verfügen beabsichtigte. Die
Sektion VAR gewährte der A._ AG eine kurze – unbenutzt abgelau-
fene – Frist bis 25. August 2021 für eine allfällige Stellungnahme.
A.f Am 3. September 2021 verfügte die EZV gegenüber der A._ AG
die Nachzahlung von Fr. 316’101.80.
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Seite 3
B.
B.a Gegen diese Verfügung vom 3. September 2021 lässt die A._
AG (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 7. Oktober 2021 beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde erheben und unter Kosten- und Entschä-
digungsfolge zulasten der EZV eine Herabsetzung der Lenkungsabgabe-
forderung im Umfang von Fr. 170’607.90 beantragen. Zur Begründung
macht die Beschwerdeführerin insbesondere geltend, die gesetzlichen An-
forderungen gemäss Art. 35a Abs. 3 Bst. b des Bundesgesetzes vom
7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG, SR
814.01) für eine VOC-Abgabebefreiung sei erfüllt. Die tatsächlich erfolgte
Ausfuhr könne zweifelsfrei belegt werden. Die vorliegenden Ausfuhrveran-
lagungsverfügungen ohne VC 25 würden zwar nicht dem Wortlaut von
Ziff. 3.2.1.1 der Richtlinie 67 der EZV entsprechen. Allerdings handle es
sich bei dieser Richtlinie lediglich um eine publizierte Arbeitsrichtlinie bzw.
Verwaltungspraxis, die in der Normenhierarchie klar unter dem Gesetz ein-
zureihen sei. Diese Richtlinie verlange zudem einen Vermerk in der Zollan-
meldung, der inhaltlich dem vorliegenden Sachverhalt nicht einmal gerecht
werde. Es gehe hier nicht um eine Rückerstattung, sondern um eine Auf-
rechterhaltung einer Abgabenbefreiung.
B.b Die EZV (nachfolgend: Vorinstanz) schliesst in ihrer Vernehmlassung
vom 25. November 2021 auf kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde.
B.c Mit unaufgefordert eingereichter Replik vom 23. Dezember 2021 hält
die Beschwerdeführerin an ihrer Darstellung fest.
B.d Per 1. Januar 2022 wird die EZV in «Bundesamt für Zoll und Grenzsi-
cherheit» (BAZG) umbenannt (siehe Rubrum).
B.e Mit Verfügung vom 8. Juni 2022 sendet das Bundesverwaltungsgericht
den Verfahrensbeteiligten die Richtlinie 67 der EZV vom 1. Januar 2018 zu
und gibt ihnen die Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen, ob diese Fas-
sung der Richtlinie auf die vorliegend relevanten Ausfuhren im Jahr 2019
zur Anwendung komme.
B.f Mit Eingabe vom 13. Juni 2022 teilt die Vorinstanz mit, betreffend das
Jahr 2019 seien die folgenden drei Versionen der Richtlinie 67 massge-
bend: Version vom 1. Januar 2018, vom 1. Mai 2019 und vom 1. Dezember
2019.
B.g Die Beschwerdeführerin legt in ihrer Eingabe vom 17. Juni 2022 dar,
sie sei nicht in der Lage, zu bestätigen, dass die Fassung der Richtlinie 67
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vom 1. Januar 2018 für die in Rede stehenden Ausfuhren im Jahr 2019 zur
Anwendung komme, weil eine eigentliche «Historie» bzw. ein Archiv älterer
Fassungen für den externen Benutzer auf der Webseite der Vorinstanz
nicht verfügbar sei.
B.h Mit Verfügung vom 20. Juni 2022 stellt das Bundesverwaltungsgericht
die Eingaben der Verfahrensbeteiligten vom 13. bzw. 17. Juni 2022 wech-
selseitig zu.
Auf die detaillierten Vorbringen der Verfahrensbeteiligten sowie die einge-
reichten Unterlagen wird, soweit entscheidwesentlich, im Rahmen der fol-
genden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 des Bundesgeset-
zes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht (Verwaltungs-
gerichtsgesetz, VGG, SR 173.32) Beschwerden gegen Verfügungen nach
Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungs-
verfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG
gegeben ist. Eine solche liegt nicht vor. Das BAZG (bis 31. Dezember 2021
EZV; Sachverhalt, Bst. B.d) ist eine Behörde im Sinn von Art. 33 VGG. Das
Bundesverwaltungsgericht ist daher für die Beurteilung der vorliegenden
Beschwerde zuständig.
Soweit das VGG nichts anderes bestimmt, richtet sich gemäss dessen
Art. 37 das Verfahren nach dem VwVG.
Die Beschwerdeführerin ist durch den angefochtenen Entscheid berührt
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung (vgl. Art. 48
VwVG).
Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (vgl. Art. 50 Abs. 1
und Art. 52 VwVG) ist einzutreten.
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Ent-
scheid grundsätzlich in vollem Umfang. Die Beschwerdeführerin kann ne-
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ben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) auch die un-
richtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
haltes (Art. 49 Bst. b VwVG) sowie die Unangemessenheit rügen (Art. 49
Bst. c VwVG; vgl. ANDRÉ MOSER et al., Prozessieren vor dem Bundesver-
waltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.149).
2.2
2.2.1 Die Beweiswürdigung endet mit dem richterlichen Entscheid darüber,
ob eine rechtserhebliche Tatsache als erwiesen zu gelten hat oder nicht.
Der Beweis ist erbracht, wenn das Gericht gestützt auf die freie Beweis-
würdigung zur Überzeugung gelangt ist, dass sich der rechtserhebliche
Sachumstand verwirklicht hat (vgl. statt vieler: BGE 130 III 321 E. 3.2;
Urteile des BVGer A-5198/2016 vom 5. April 2017 E. 2.2.1, A-279/2014
vom 17. November 2014 E. 2.7.1; MOSER et al., a.a.O., N. 3.141).
2.2.2 Gelangt das Gericht nicht zu diesem Ergebnis, kommen die Beweis-
lastregeln zur Anwendung; es ist zu Ungunsten desjenigen zu urteilen, der
die Beweislast trägt (statt vieler: Urteil des BVGer A-5198/2016 vom
5. April 2017 E. 2.2.2). Die Abgabebehörde trägt die Beweislast für Tatsa-
chen, welche die Abgabepflicht als solche begründen oder die Abgabefor-
derung erhöhen, d.h. die Beweislast für die abgabebegründenden und
-mehrenden Tatsachen. Demgegenüber ist der Abgabepflichtige für die ab-
gabeaufhebenden und -mindernden Tatsachen, d.h. für solche Tatsachen,
welche eine Abgabebefreiung oder Abgabebegünstigung bewirken, be-
weisbelastet (statt vieler: Urteile des BVGer A-1469/2006 vom 7. Mai 2008
E. 1.4, A-1373/2006 vom 16. November 2007 E. 2.1). Eine vom Abgabe-
pflichtigen zu beweisende Tatsache stellt etwa die abgabebefreite Verwen-
dung dar, d.h. beispielsweise der Export der VOC im Rahmen des sog.
Verpflichtungsverfahrens (vgl. Urteil des BVGer A-5198/2016 vom 5. April
2017 E. 2.2.2; siehe dazu E. 3.1).
2.3
2.3.1 Die von den Verwaltungsbehörden veröffentlichten Broschüren,
Kreisschreiben und Merkblätter stellen lediglich Verwaltungsverordnungen
dar, das heisst generelle Dienstanweisungen, die sich an nachgeordnete
Behörden oder Personen wenden und worin die Verwaltungen ihre Sicht-
weise darlegen. Sie dienen der Sicherstellung einer einheitlichen, gleich-
mässigen und sachrichtigen Praxis des Gesetzesvollzugs (BVGE
2010/33 E. 3.3.1; MARTIN KOCHER, in: Zweifel/Beusch/Glauser/Robinson
[Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über
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die Mehrwertsteuer, 2015, Art. 65 N 31; MICHAEL BEUSCH, Was Kreis-
schreiben dürfen und was nicht, in: Der Schweizer Treuhänder 2005,
S. 613 ff.). Als solche sind sie für die als eigentliche Adressaten figurieren-
den Verwaltungsbehörden verbindlich, wenn sie nicht klarerweise einen
verfassungs- oder gesetzeswidrigen Inhalt aufweisen (Urteile des BVGer
A-5601/2019 vom 6. Mai 2020 E. 1.7.1, A-2204/2018 vom 16. Dezember
2019 E. 3.2, A-6253/2018 vom 10. Dezember 2019 E. 2.6.1; MICHAEL
BEUSCH, in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen
Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer [DBG], 3. Aufl.
2017, Art. 102 N 15 ff.; zum Ganzen: Urteil des BVGer A-4911/2021 vom
3. März 2022 E. 2.6.1).
2.3.2 Nicht verbindlich sind Verwaltungsverordnungen dagegen für die
Justizbehörden, deren Aufgabe es ist, die Einhaltung von Verfassung und
Gesetz im Einzelfall zu überprüfen (vgl. BGE 145 II 2 E. 4.3; vgl. MOSER et
al., a.a.O., Rz. 2.173 f.). Die Gerichtsbehörden sollen Verwaltungsverord-
nungen bei ihrer Entscheidung allerdings mitberücksichtigen, sofern diese
eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der an-
wendbaren gesetzlichen Bestimmungen darstellen. Dies gilt umso mehr,
als es nicht Aufgabe der Gerichte ist, als Zweitinterpreten des der Verwal-
tungsverordnung zugrunde liegenden Erlasses eigene Zweckmässigkeits-
überlegungen an die Stelle des Vollzugskonzepts der zuständigen Behörde
zu setzen (vgl. BGE 146 I 105 E. 4.1, 146 II 359 E. 5.3, 141 V 139 E. 6.3.1;
BVGE 2010/33 E. 3.3.1, 2007/41 E. 3.3; Urteil des BVGer A-4911/2021
vom 3. März 2022 E. 2.6.2).
2.4 Nach dem Grundsatz der Gesetzmässigkeit bedarf jedes staatliche
Handeln einer gesetzlichen Grundlage (Art. 5 Abs. 1 der Bundesverfas-
sung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV,
SR 101]). Inhaltlich verlangt das Legalitätsprinzip, dass staatliches Han-
deln insbesondere auf einem generell-abstrakten Rechtssatz von hinrei-
chender Normstufe und genügender Bestimmtheit beruht (vgl. dazu an-
stelle vieler: Urteil des BVGer A-882/2016 vom 6. April 2017 E. 2.1.1). Be-
sondere Bedeutung kommt dem Legalitätsprinzip im Abgaberecht zu: So
muss die Ausgestaltung der öffentlichen Abgaben nach Art. 164 Abs. 1
Bst. d und Art. 127 Abs. 1 BV sowie gemäss der Rechtsprechung des Bun-
desgerichts in ihren Grundzügen durch ein Gesetz im formellen Sinn fest-
gelegt werden. Zu den in den Grundzügen im Gesetz selbst zu regelnden
Elementen gehören der Kreis der Abgabepflichtigen, der Gegenstand der
Abgabe und deren Bemessung (BGE 138 V 32 E. 3.1.1, 136 II 149 E. 5.1,
135 I 130 E. 7.2). Dies gilt auch für die VOC-Abgabe (vgl. Urteil des BVGer
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A-4357/2010 vom 5. Mai 2011 E. 2.1; MICHAEL BEUSCH, Lenkungsabgaben
im Strassenverkehr, 1999, S. 138 f.; THOMAS KAPPELER, Verfassungsrecht-
liche Rahmenbedingungen umweltpolitisch motivierter Lenkungsabgaben,
2000, S. 76 f.).
2.5 Das verfassungsmässige Gebot der Verhältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2
BV) verlangt, dass staatliche Hoheitsakte für das Erreichen eines im über-
geordneten Interesse liegenden Zieles geeignet, notwendig und dem Be-
troffenen zumutbar sind. Ein staatliches Handeln ist namentlich dann un-
verhältnismässig, wenn eine ebenso geeignete mildere Anordnung für den
angestrebten Erfolg ausreicht (vgl. BGE 126 I 122 E. 5b). Für Verhältnis-
mässigkeitsüberlegungen verbleibt jedoch immer dann kein Raum, wenn
eine Norm zwar als streng erscheinen mag, aber vom Bundesgesetzgeber
so gewollt ist und innerhalb des diesem eröffneten Regelungsermessens
liegt (Urteil des BGer 2C_703/2009 und 2C_22/2010 vom 21. September
2010 E. 4.4.2). Denn die rechtsanwendenden Behörden dürfen aufgrund
des sog. Anwendungsgebotes von Art. 190 BV von einer klar formulierten
Vorschrift des Bundesgesetzgebers, deren Wortlaut dem Sinn und Zweck
der Regelung entspricht, nicht abweichen (BGE 140 II 194 E. 5.8.2, 131 II
217 E. 2.3).
3.
3.1 Wer VOC einführt oder wer als Hersteller solche Stoffe in Verkehr bringt
oder selbst verwendet, hat dem Bund grundsätzlich eine Lenkungsabgabe
zu entrichten (Art. 35a Abs. 1 USG, Art. 35c Abs. 1 Bst. a USG. Zum Begriff
der abgabepflichtigen VOC vgl. Art. 1 f. VOCV sowie Urteil des BVGer
A-5198/2016 vom 5. April 2017 E. 3.1.3).
Nach Art. 35a Abs. 3 USG von der Abgabe befreit sind VOC, die als Treib-
oder Brennstoffe verwendet (Bst. a), durch- oder ausgeführt (Bst. b) oder
so verwendet oder behandelt werden, dass die Verbindungen nicht in die
Umwelt gelangen können (Bst. c).
3.2 Gemäss den Vorschriften über das «Verpflichtungsverfahren» in
Art. 21-22b VOCV können die abgabepflichtigen Personen die OZD um die
Erteilung einer Bewilligung zum Bezug von vorläufig abgabebefreiten VOC
nachsuchen. Die OZD kann die Bewilligung erteilen, wenn die entspre-
chenden (ausschliesslich objektiven) Voraussetzungen erfüllt sind
(vgl. Art. 21 VOCV; zum Hintergrund des Verpflichtungsverfahrens vgl. Ur-
teil des BVGer A-5198/2016 vom 5. April 2017 E. 3.1.5 f.).
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Seite 8
Bewilligungsinhaber müssen die VOC-Bilanz spätestens sechs Monate
nach Abschluss des Geschäftsjahres bei der kantonalen Behörde einrei-
chen (Art. 22 Abs. 1 VOCV). Die Abgabe für VOC, die so verwendet wur-
den, dass sie nicht von der Abgabe befreit sind, ist nachzubezahlen (Art. 22
Abs. 2 VOCV).
3.3 Auf das Verpflichtungsverfahren kommt, soweit die Ein- oder Ausfuhr
betroffen ist, die Zollgesetzgebung sinngemäss zur Anwendung (vgl.
Art. 35c Abs. 3 Satz 2 USG, Art. 3 VOCV und Urteil des BVGer
A-5198/2016 vom 5. April 2017 E. 4.3 und 4.4.1 ff. [mit Hinweisen zur Ge-
setz- und Verfassungsmässigkeit der letzteren Bestimmung]).
3.4 Ziff. 3.2.1.1 der Richtlinie 67 «Lenkungsabgabe auf flüchtigen organi-
schen Verbindungen [VOC]» der Vorinstanz lautet in den Fassungen vom
1. Januar 2018, 1. Mai 2019 und 1. Dezember 2019 inhaltlich identisch:
Will der Versender die Rückerstattung der Lenkungsabgabe geltend machen, müssen in
der Zollanmeldung folgende Angaben vermerkt werden (gilt auch für Versender mit einer
Bewilligung für das Verpflichtungsverfahren gemäss Art. 21 VOCV):
(...)
Veranlagung mit NCTS Export
 Veranlagungscode 25 (nur in der Fassung vom 1. Januar 2018 folgt hier: «bedeutet:
Rückerstattung / Befreiung der Lenkungsabgabe wird geltend gemacht»);
 VOC Menge in kg.
Mit Angabe des Veranlagungscodes 25 wird automatisch eine Kopie der Veranlagungsver-
fügung Ausfuhr (VVA) mit dem Vermerk «mit Rückerstattung der Lenkungsabgabe VOC»
generiert. Diese Kopie dient dem Versender als Nachweis für den Rückerstattungsantrag
an die EZV.
4.
4.1 Das Zollverfahren ist (wie gemäss Art. 13 VOCV das Verfahren der Er-
hebung der VOC-Abgabe [vgl. dazu HANSJÖRG SEILER, in: Vereinigung für
Umweltrecht/Helen Keller [Hrsg.], Kommentar zum Umweltschutzgesetz,
2. Aufl. 1999, Art. 35c N 21]) vom Selbstdeklarationsprinzip bestimmt
(Art. 18 in Verbindung mit Art. 25 des Zollgesetzes vom 18. März 2005 [ZG,
SR 631.0]). Zollrechtlich werden an die zollanmeldepflichtige Person hin-
sichtlich ihrer Sorgfaltspflichten hohe Anforderungen gestellt. Ihr obliegt die
Verantwortung für eine ordnungsgemässe – d.h. vollständige und richtige
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Seite 9
– Zollanmeldung ihrer grenzüberschreitenden Warenbewegungen (vgl.
statt vieler: Urteil des BGer 2C_32/2001 vom 7. April 2011 E. 4.2; Urteile
des BVGer A-5127/2011 vom 19. Oktober 2012 E. 2.1.2, A-5887/2009 vom
22. Juli 2011 E. 2.2).
Die Zollanmeldung, welche die Grundlage der Zollveranlagung bildet
(vgl. Art. 18 Abs. 1 ZG), kann auch elektronisch erfolgen (Art. 28 Abs. 1
Bst. a ZG). Gemäss Art. 28 Abs. 2 ZG in Verbindung mit Art. 6 Abs. 1 der
Zollverordnung der EZV (Eidgenössische Zollverwaltung) vom 4. April
2007 (ZV-EZV, SR 631.013; ab 1. Januar 2022: Zollverordnung des BAZG
[Sachverhalt, Bst. B.d]) erfolgt die Zollanmeldung elektronisch, sofern
diese Verordnung nicht eine andere Form vorsieht. Die elektronische Zoll-
anmeldung erfolgt entweder über das System «e-dec», das System
«NCTS» (Art. 6 Abs. 2 Bst. a ZV-EZV) oder die Internetapplikation «e-dec
web» (Art. 6 Abs. 2 Bst. b ZV-EZV).
Bei elektronischer Abwicklung des Veranlagungsverfahrens kommt den
zollpflichtigen Personen dann eine erhöhte Sorgfaltspflicht zu, wenn die
Veranlagung hauptsächlich oder ausschliesslich auf ihren Angaben beruht
(vgl. Urteil des BGer 2C_745/2015 vom 23. Oktober 2017 E. 3.3.3).
4.2 Gemäss Art. 32 Abs. 1 ZG kann die Zollstelle umfassend oder stichpro-
benweise prüfen, ob die Zollanmeldung formell richtig und vollständig ist
und ob die erforderlichen Beweisdokumente vorliegen. Die formelle Prü-
fung der Deklaration ist somit nicht obligatorisch (Botschaft des Bundesra-
tes vom 15. Dezember 2003 über ein neues Zollgesetz ZG [nachfolgend:
Botschaft ZG], BBl 2004 567 ff., 616 f.). Werden formelle Fehler oder Un-
vollständigkeiten festgestellt, weist die Zollstelle die Zollanmeldung zur Be-
richtigung oder Ergänzung zurück. Stellt sie offensichtliche Fehler fest, so
berichtigt sie diese im Einvernehmen mit der anmeldepflichtigen Person
(Art. 32 Abs. 2 ZG). Allerdings kann die anmeldepflichtige Person keine
Rechte daraus ableiten, wenn die Zollstelle einen vorhandenen Mangel
nicht festgestellt und die Zollanmeldung nicht zurückgewiesen hat (Art. 32
Abs. 3 ZG).
Bei der elektronischen Zollanmeldung umfasst die summarische Prüfung
eine Prüfung der Plausibilität der von der anmeldepflichtigen Person über-
mittelten Zollanmeldung durch das elektronische Datenverarbeitungssys-
tem der Zollverwaltung (Art. 84 Bst. a der Zollverordnung vom 1. November
2006 [ZV, SR 631.01]) sowie die automatische Zurückweisung der Zollan-
meldung, wenn das Datenverarbeitungssystem Fehler feststellt (Art. 84
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Bst. b ZV). Allerdings sind die Möglichkeiten des elektronischen Systems
beschränkt: So kann es beispielsweise weder prüfen, ob die zugeführte
Ware mit der Zollanmeldung übereinstimmt, noch ob die erforderlichen Be-
gleitdokumente vorhanden sind und übereinstimmen (vgl. Botschaft ZG,
BBl 2004, 616; PATRICK RAEDERSDORF, in: Kocher/Clavadetscher [Hrsg.],
Zollgesetz [ZG], 2009 [nachfolgend: Kommentar ZG], Art. 32 N. 7).
4.3 Laut Art. 16 Satz 1 ZV-EZV in Verbindung mit Art. 33 Abs. 2 ZG gilt die
elektronische Zollanmeldung als angenommen, wenn sie die summarische
Prüfung des EDV-Systems der EZV erfolgreich durchlaufen hat. Das EDV-
System fügt der elektronischen Zollanmeldung Annahmedatum und An-
nahmezeit hinzu (Art. 16 Satz 2 ZV-EZV).
4.4
4.4.1 Durch die Annahme der Zollanmeldung wird diese für die anmelde-
pflichtige Person verbindlich (Art. 33 Abs. 1 ZG). Dieser Grundsatz der Ver-
bindlichkeit der angenommenen Zollanmeldung stellt einen Eckpfeiler des
schweizerischen Zollrechts dar (Botschaft ZG, BBl 2004, 584, 617; RA-
EDERSDORF, Kommentar ZG, Art. 33 N. 2; zu den Schranken dieses Grund-
satzes siehe sogleich E. 4.4.2).
4.4.2 Der Grundsatz der Verbindlichkeit (bzw. Unabänderlichkeit) der an-
genommenen Zollanmeldung (vgl. E. 4.4.1) gilt jedoch nicht absolut. Eine
Berichtigung der Zollanmeldung ist unter gewissen Voraussetzungen ge-
mäss Art. 34 ZG möglich (vgl. zum Ganzen: Urteil des BVGer A-8199/2015
vom 6. Oktober 2016 E. 2.3).
Ist die Veranlagungsverfügung bereits ergangen, kann die anmeldepflich-
tige Person der Zollstelle innerhalb einer Frist von 30 Tagen ab dem Zeit-
punkt, in dem die Waren den Gewahrsam der Zollverwaltung verlassen ha-
ben, ein Gesuch um Änderung der Veranlagung einreichen, wobei gleich-
zeitig eine berichtigte Zollanmeldung eingereicht werden muss (Art. 34
Abs. 3 ZG; zu den Voraussetzungen, unter welchen die Zollstelle einem
solchen Gesuch stattgibt, vgl. Art. 34 Abs. 4 ZG, Art. 89 ZV und Urteil des
BVGer A-1746/2016 vom 17. Januar 2017 E. 2.2.5 mit Hinweisen).
4.4.3 Sodann kann gegen Verfügungen der Zollstellen bei den Zollkreisdi-
rektionen Beschwerde geführt werden (Art. 116 Abs. 1 ZG). Die Frist für die
erste Beschwerde gegen die Veranlagung beträgt dabei 60 Tage ab dem
Ausstellen der Veranlagungsverfügung (Art. 116 Abs. 3 ZG).
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Seite 11
4.5 Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Urteil A-201/2015 vom
29. Juni 2015 (in E. 1.2.3) erkannt, dass bei der Ausfuhr gestützt auf das
System «NCTS/Ausfuhr» seitens der Zollverwaltung «hoheitlich gene-
rierte» Ausfuhrzollausweise grundsätzlich als Veranlagungsverfügungen
gelten. Zwar hat das Bundesgericht diesen Entscheid aus anderen Grün-
den aufgehoben (vgl. Urteil des BGer 2C_745/2015 vom 23. Oktober
2017), doch können die darin gemachten Ausführungen zur Qualifikation
der Ausfuhrzollausweise als Veranlagungsverfügungen nach wie vor Gel-
tung beanspruchen. Das Bundesgericht hat nämlich bei der Aufhebung des
bundesverwaltungsgerichtlichen Entscheids ausdrücklich offen gelassen,
welche Rechtsnatur den Zollausweisen zukommt (vgl. E. 3.3.2 des ge-
nannten Urteiles des Bundesgerichtes; zum Ganzen: Urteil des BVGer
A-1123/2017 vom 6. Dezember 2017 E. 4.5).
5.
5.1 Im vorliegenden Fall ist die Höhe der von der Beschwerdeführerin zu
entrichtenden VOC-Abgabe strittig. Die Vorinstanz nahm eine Korrektur in
Ziffer 13 der VOC-Bilanz für das Jahr 2019 vor. Die Beschwerdeführerin
hatte unter dieser Ziffer 13 abgabenbefreite Ausfuhren in einer Gesamt-
menge von 2’807’696.70 kg VOC deklariert. Die EZV hat im Rahmen der
Prüfung dieser VOC-Bilanz jedoch nur 2'750’827.40 kg als von der Len-
kungsabgabe auf VOC befreite Ausfuhren akzeptiert. Die Differenz zur
Selbstdeklaration beträgt somit rund 56'896 kg bzw. eine Abgabe von
Fr. 170'607.60.
Vor diesem Hintergrund ist zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die Be-
freiung von der VOC-Abgabe infolge Ausfuhr in Bezug auf die 56'896 kg
VOC erfüllt sind. Es handelt sich hierbei um neun Ausfuhren in der Zeit vom
15. April bis 5. Dezember 2019.
5.2 In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten, dass die Deklaration der in
Frage stehenden neun Ausfuhren über das System NCTS erfolgte und die
Beschwerdeführerin statt den VC 25 (Rückerstattung / Befreiung der Len-
kungsabgabe wird geltend gemacht; vgl. E. 3.4 und E. 7.1.2) den VC 21
(Normalveranlagung) gewählt hatte. Als Vermerk hat sie zudem Folgendes
angegeben: «Antrag auf Rückerstattung der Lenkungsabgabe wird geltend
gemacht», was dem VC 25 entspricht.
5.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in einem weitgehend ähnlich
gelagerten Fall im rechtskräftigen Urteil A-1123/2017 vom 6. Dezember
2017 einlässlich zur Rechtsrelevanz des VC 25 geäussert. Auch dort ging
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es um die Nacherhebung aufgrund mangelhafter Ausfuhrveranlagungsver-
fügungen im IT-System NCTS ohne VC 25 im Verpflichtungsverfahren. Das
Bundesverwaltungsgericht kam für den hier interessierenden Zusammen-
hang zum Schluss, dass das Verpflichtungsverfahren für eine über das
System NCTS vorgenommene formell korrekte Zollausfuhrdeklaration die
Verwendung des VC 25 voraussetze. Diesem Urteil des BVGer
A-1123/2017 vom 6. Dezember 2017 (nachfolgend auch: Referenzurteil)
kommt insoweit für das vorliegende Verfahren Grundsatzcharakter zu.
6.
Im Folgenden ist auf die konkreten Rügen der Beschwerdeführerin unter
Berücksichtigung des Referenzurteils einzugehen, wobei an den betreffen-
den Erwägungen für den vorliegenden Fall vollumfänglich festzuhalten ist.
6.1
6.1.1 Laut Beschwerdeführerin ist der VC 25 nicht zwingend notwendig, da
die entsprechende Vorschrift der Vorinstanz in der Richtlinie 67 nur eine
Verwaltungspraxis ausdrücke und trotz Fehlens des VC 25 die gesetzli-
chen Anforderungen an eine Befreiung von der Abgabe nach Art. 35a
Abs. 3 Bst. USG erfüllt seien.
6.1.2 Die Vorinstanz verweist auf das Referenzurteil, worin das Bundesver-
waltungsgericht in einem Fall mit identischem Sachverhalt die Notwendig-
keit des VC 25 in der Ausfuhrveranlagungsverfügung ausdrücklich bestä-
tigt habe, da bei der Verwendung eines falschen Codes das IT-System
NCTS zum Zeitpunkt der Prüfung der Ausfuhrzollanmeldung nicht erken-
nen könne, dass eine VOC-abgabenbefreite Ausfuhrsendung angemeldet
und dadurch eine Kontrolle der Berechtigung der Inanspruchnahme der
VOC-Befreiung anlässlich der Ausfuhrabfertigung verunmöglicht werde.
6.1.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat, worauf die Vorinstanz zu Recht
hinweist, im Referenzurteil in E. 5.3.3 aus der Ordnung des Veranlagungs-
verfahrens und der in diesem Verfahren vorgesehenen Pflichtenverteilung
gemäss dem Selbstdeklarationsprinzip sowie der sinngemässen Anwend-
barkeit der Zollgesetzgebung abgeleitet, dass eine formell korrekte Zoll-
ausfuhrdeklaration (auch) zwingendes Erfordernis für die Befreiung von
ausgeführten VOC im Sinne von Art. 35a Abs. 3 Bst. b USG bilde. Der
Nachweis des Exportes von VOC könne nur dann als ordnungsgemäss
erbracht gelten, wenn den Zollbehörden anlässlich der Ausfuhrabfertigung
Gelegenheit geboten werde, die Berechtigung der Inanspruchnahme der
VOC-Abgabebefreiung zu kontrollieren. Diese Kontrolle sei jedoch nur
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möglich, wenn in der Ausfuhrzolldeklaration klar auf die Geltendmachung
der Befreiung von der VOC-Abgabe hingewiesen werde. Diese Erwägun-
gen des Bundesverwaltungsgerichts sind vorliegend uneingeschränkt
massgebend, weshalb sich diesbezüglich Weiterungen erübrigen.
6.1.4 Im Weiteren ist die Richtlinie 67 der Vorinstanz zweifellos als Verwal-
tungsverordnung (E. 2.3) zu qualifizieren. Sie erwähnt u.a. den «NCTS Ex-
port». Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil mit eingehen-
der Begründung in E. 5.4 festgehalten, dass das damals anwendbare
Merkblatt in Ziff. 3 für das Verpflichtungsverfahren mit Bezug auf eine über
das System NCTS vorgenommene formell korrekte Zollausfuhrdeklaration
die Verwendung des VC 25 voraussetze. Diese Regelung in einer Verwal-
tungsverordnung erscheine als zulässige und den Verhältnissen des kon-
kreten Falles gerecht werdende Konkretisierung der gesetzlich der anmel-
depflichtigen Person auferlegten Sorgfaltspflicht. Diese Erwägung muss
auch für die im vorliegenden Fall anwendbare Ziff. 3.2.1.1 der Richtlinie 67
gelten (E. 3.4), setzt sie doch gleichermassen wie Ziff. 3 des erwähnten
Merkblatts die Verwendung des VC 25 voraus. Anzufügen bleibt, dass die
Massgeblichkeit der Applikationen NCTS und e-dec nicht nur in Verwal-
tungsverordnungen, sondern wie dargelegt (E. 4.1) auch auf Stufe Amts-
verordnung geregelt ist (Art. 6 Abs. 2 Bst. a ZV-EZV [NCTS und e-dec];
Art. 6 Abs. 2 Bst. b ZV-EZV [«e-dec web»]). Auch hier erkennt das Bundes-
verwaltungsgericht keine Unvereinbarkeit mit übergeordnetem Recht.
7.
Im Folgenden ist unter verschiedenen Gesichtspunkten die Verhältnismäs-
sigkeit der VOC-Abgabeforderung der Vorinstanz zu prüfen.
7.1
7.1.1 Gemäss Beschwerdeführerin ist das Beharren auf VC 25 sehr forma-
listisch, zumal dieser in objektiver Hinsicht im vorliegenden Fall gar nicht
zutreffe, da es keine Rückerstattung gebe, sondern eine Aufrechterhaltung
einer Abgabenbefreiung. Im Unterschied zum hier zu beurteilenden Sach-
verhalt sei zudem bei den Ausfuhren, auf welche sich das Referenzurteil
beziehe, kein Vermerk «Antrag auf Rückerstattung der Lenkungsabgabe
werde geltend gemacht» in den Ausfuhrzollanmeldungen angebracht wor-
den. Lediglich die Eigenmasse, die VOC-Menge und die VOC-Befreiungs-
Nummer seien dort deklariert worden. Das möge als Rückerstattungsan-
trag womöglich tatsächlich nicht eindeutig genug sein. Vorliegend sei aber
ein klarer, unmissverständlicher Textvermerk angebracht, womit der vorlie-
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gende Sachverhalt mit besagtem Urteil nicht vergleichbar sei. Die Be-
schwerdeführerin moniert überdies, das seit über 20 Jahren bestehende
System NCTS sei veraltet. In moderneren IT-Anwendungen wie e-dec sei
es heute kein Problem mehr, textbasierte Selektionskriterien für die Sper-
rung oder Freigabe von Sendungen zu definieren. Dass das System NCTS
diesbezüglich nur codebasiert filtern könne und sich demnach nicht auf ei-
nem heute üblichen Stand (Text- und Schlagwortsuche) befinde, könne
nicht der zollbeteiligten Person angelastet werden. Die Vorinstanz habe es
in der Hand, diese veraltete NCTS-Applikation für das Ausfuhrverfahren
ausser Betrieb zu setzen und konsequent auf e-dec umzustellen.
7.1.2 Die Vorinstanz macht geltend, gemäss Ziffer 2.5.2 der Richtlinie
25-02 («Erläuterungen zu aussenhandelsstatistischen Erhebungsmerkma-
len»; nachfolgend: Richtlinie 25-02) sei mit dem VC 25 in der Ausfuhrver-
anlagungsverfügung IT-System NCTS der Text «Rückerstattung der Len-
kungsabgabe auf VOC wird geltend gemacht» verbunden. Insofern sei die
Ansicht der Beschwerdeführerin zutreffend, dass der VC 25 bei formalisti-
scher Betrachtung objektiv nicht zutreffe. Im Verpflichtungsverfahren wür-
den die VOC vorläufig abgabebefreit bezogen und eine Abgabe, die nicht
erhoben werde, könne auch nicht rückerstattet werden. Die Umschreibung
des VC 25 sei indessen sinngemäss zu interpretieren («Befreiung» statt
«Rückerstattung»).
Massgebend – weil das elektronische System nur numerische «Werte» in
den definierten Rubriken der elektronischen Veranlagungsverfügung erfas-
sen könne – sei einzig der numerische VC 25. Das System erkenne nicht
den (alphanumerischen) Text, welcher dem VC 25 hinterlegt sei. Wenn das
System den VC 25 aber nicht erkennen könne, führe dies in der Folge
dazu, dass spezifische Kontrollen betreffend eine allfällige VOC-Abgabe-
befreiung infolge Ausfuhr nicht durchgeführt werden könnten, und zwar
auch dann, wenn – wie vorliegend – in den Ausfuhrdeklarationen die Pro-
dukte, deren Eigenmasse in kg, die VOC-Mengen in kg und die VOC-Be-
freiungsnummer angegeben seien.
7.1.3 Zwar ist die zitierte Umschreibung des VC 25 im Verpflichtungsver-
fahren in der Richtlinie 25-02, welche nur die «Rückerstattung» und nicht
auch die ebenfalls mögliche «Befreiung» erwähnt, suboptimal formuliert.
Indessen ist in der vorliegend einschlägigen Richtlinie 67, Ziff. 3.2.1.1, klar
erwähnt, dass die verlangten Angaben, d.h. insbesondere VC 25, auch für
«Versender mit einer Bewilligung für das Verpflichtungsverfahren» gelten
(E. 3.4). Gemäss der einschlägigen Verwaltungsverordnung ist es damit
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klar, dass der VC 25 bei der Geltendmachung der Befreiung der Lenkungs-
abgabe im Verpflichtungsverfahren anzubringen ist. Das Verpflichtungsver-
fahren ermöglicht den diesbezüglichen Bewilligungsinhabern, ohne Rück-
erstattungsverfahren und damit ohne Kapitalbindung von der Abgabenbe-
freiung zu profitieren. Mit Erteilung der entsprechenden Bewilligung ist aber
auch die Pflicht verbunden, die entsprechenden Regeln einzuhalten. Die
Angabe des VC 25 ist zwingend erforderlich, weil das System ansonsten
keine spezifische Kontrolle veranlassen kann. Der von der Beschwerde-
führerin angebrachte Textvermerk vermag den erforderlichen VC 25 nicht
zu ersetzen.
Wohl scheint im Lichte der Ausführungen der Vorinstanz die Applikation
«e-dec» gegenüber der Applikation «NCTS» benutzerfreundlicher zu sein.
Vorliegend sind für das Bundesverwaltungsgericht jedoch keine Gründe
gegeben, welche aus rechtlicher Sicht eine sofortige Modifikation der älte-
ren Applikation «NCTS» bzw. deren Nichtanwendung notwendig machen
würden. Die (gegenwärtigen) funktionellen Unebenheiten sowie das Opti-
mierungspotenzial rund um die Applikationen «NCTS» und «e-dec» im
Rahmen der der Vorinstanz zustehenden Vollzugsautonomie hinzuneh-
men.
7.2
7.2.1
7.2.1.1 Die Nacherhebung ist gemäss Beschwerdeführerin unverhältnis-
mässig bzw. überspitzt formalistisch, da die Voraussetzung nach USG
(nachgewiesene Ausfuhr) erfüllt sei und es sich nur um einen Arbeitsfehler
handle. Eine falsch eingegebene Zahl in einem Abfertigungscode indessen
werde mangels eines gleichzeitig dazu generierten Textes nicht ohne Wei-
teres erkennbar. Werde ein solcher Fehler nicht erkannt, weil ein veraltetes
System nicht in der Lage sei, einen entsprechenden Textzusatz zu gene-
rieren, nütze auch die Berichtigungsfrist gemäss Art. 34 ZG nichts.
7.2.1.2 Die Vorinstanz hält dagegen, dass das Bundesverwaltungsgericht
den Vorwurf der Unverhältnismässigkeit im Referenzurteil in E. 5.4 ent-
schieden verneint habe, da schliesslich auch bei einer Verwendung des
falschen Codes im EDV-System grundsätzlich die Möglichkeit einer Berich-
tigung nach Art. 34 ZG bestehe. Der Umstand, dass auch im vorliegenden
Fall nicht von dieser Berichtigungsmöglichkeit Gebrauch gemacht worden
sei, habe sich die Beschwerdeführerin selbst zuzuschreiben. Aus diesem
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Grund verfange auch ihr Einwand nicht, der streitbetroffene Abgabennach-
bezug sei angesichts des kleinen Formfehlers und der Höhe der Nachfor-
derung unverhältnismässig.
7.2.1.3 Wie bereits das Bundesverwaltungsgericht im Referenzurteil fest-
gehalten hat, besteht bei der Verwendung eines falschen Codes im EDV-
System grundsätzlich die Möglichkeit einer Berichtigung nach Art. 34 ZG
(vgl. Referenzurteil E. 5.4). Die Beschwerdeführerin hatte den VC 25 an-
zuwenden und die Verantwortung für die ordnungsgemässe Zollanmel-
dung trägt sie selber. Weil sie von der Berichtigungsmöglichkeit (E. 4.4.2)
kein Gebrauch gemacht hatte, konnte der begangene formelle Fehler nicht
mehr berichtigt werden. Dies ist als Konsequenz der im vorliegend ein-
schlägigen Bereich der elektronischen Ausfuhrdeklaration geltenden,
schon auf bundesgesetzlicher Ebene angelegten Formstrenge hinzuneh-
men (vgl. Referenzurteil E. 5.4).
7.2.2 Nach dem Gesagten verfängt der Einwand der Beschwerdeführerin
nicht, der streitbetroffene Abgabennachbezug sei angesichts des kleinen
Formfehlers und der Höhe der Nachforderung unverhältnismässig.
8.
8.1 Im Weiteren sind sich die Parteien uneinig über die rechtliche Bedeu-
tung der bisherigen Praxis der Vorinstanz bei Versehen betreffend Abferti-
gungscodes für das vorliegende Verfahren.
8.1.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, Versehen betreffend Abferti-
gungscodes seien in der Vergangenheit nicht in dieser Strenge behandelt
worden, da – wie das (in der Beschwerde näher erläuterte) Beispiel der
VOC-Bilanz 2018 zeige – auch Ausfuhrveranlagungsverfügungen ohne
VC 25 anerkannt worden seien. Auch für die zurückliegenden Jahre
2013-2016 lägen Ausfuhrveranlagungsverfügungen ohne VC 25 vor, wel-
che von der EZV ebenfalls nicht beanstandet worden seien.
8.1.2 Die Vorinstanz ist demgegenüber der Ansicht, dass die Bilanzen der
Beschwerdeführerin jeweils grosse Menge (im siebenstelligen Kilogramm-
Bereich) ausgeführter VOC umfassen würden. Bei den Bilanzen der Be-
schwerdeführerin seien das jeweils mehrere hundert NCTS-Ausfuhrveran-
lagungsverfügungen. Aufgrund dieser grossen Anzahl könnten diese nicht
alle überprüft werden, sondern es erfolge ressourcenbedingt in der Regel
lediglich eine Stichprobenkontrolle. Es seien tatsächlich frühere fehlerbe-
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haftete Ausfuhrveranlagungen der Beschwerdeführerin festgestellt wor-
den, welche allerdings durch das AfU (Kanton) nicht beanstandet worden
seien. Daraus und gestützt auf Art. 32 Abs. 3 ZG könne die Beschwerde-
führerin jedoch keinerlei Rechte ableiten oder daraus folgern, dass die EZV
auch effektiv festgestellte mangelhafte Ausfuhrveranlagungsverfügungen
akzeptiere.
8.1.3 Wie bereits gezeigt, kann die Zollstelle umfassend oder stichproben-
weise prüfen, ob die Zollanmeldung formell richtig und vollständig ist und
ob die erforderlichen Beweisdokumente vorliegen. Zudem kann die anmel-
depflichtige Person keine Rechte daraus ableiten, wenn die Zollstelle einen
vorhandenen Mangel nicht festgestellt und die Zollanmeldung nicht zurück-
gewiesen hat (E. 4.2). Bei der elektronischen Zollanmeldung ist zudem (le-
diglich) eine summarische Prüfung vorgesehen, die eine Prüfung der Plau-
sibilität der von der anmeldepflichtigen Person übermittelten Zollanmel-
dung durch das elektronische Datenverarbeitungssystem der Zollverwal-
tung sowie die automatische Zurückweisung der Zollanmeldung, wenn das
Datenverarbeitungssystem Fehler feststellt, beinhaltet (E. 4.2). Somit ist
der Vorinstanz ein gewisser risikobasierter Pragmatismus für die Erfüllung
ihrer gesetzlichen Kontrollaufgaben im Bereich der VOC-Veranlagung
ohne Weiteres zuzugestehen. Die vorhandenen Akten und die Schilderun-
gen der Vorinstanz als Entgegnung auf die Rüge der Beschwerdeführerin
lassen für das Bundesverwaltungsgericht jedenfalls nicht den Schluss zu,
die Vorinstanz würde ihr Ermessen in rechtsfehlerhafter Weise ausüben.
8.2 Schliesslich ist unter den Parteien die Rolle der Eidgenössischen Fi-
nanzkontrolle (EFK) streitig.
8.2.1 Laut Beschwerdeführerin ist es nicht so, dass die Mängel in den Vor-
jahren von der EZV nicht entdeckt worden seien. Vielmehr seien sie nicht
beanstandet worden, weil pragmatisch kontrolliert worden sei. Den Anstoss
für die Verschärfung habe gemäss mündlicher Auskunft der Vorinstanz die
EFK gegeben.
8.2.2 Die Vorinstanz erwidert, aufgrund risikobasierter Faktoren (Rücker-
stattungen Mineralölsteuer und CO2-Abgabe, VOC-Rückerstattungen etc.)
werde die Sektion VAR in regelmässigen Abständen durch die EFK geprüft.
Vorliegend bedeute die korrekte Umsetzung der rechtlichen Bestimmun-
gen, dass bei der formellen Kontrolle festgestellte Ausfuhrveranlagungs-
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verfügungen ohne VC 25 (bzw. im IT-System «e-dec» ohne den Rücker-
stattungstyp 1) konsequent zurückgewiesen würden. Ebendieses Vorge-
hen sei vom Bundesverwaltungsgericht bis anhin bestätigt worden.
8.2.3 Ob und inwieweit die Praxis der Vorinstanz durch eine Intervention
der EFK beeinflusst wird, braucht das Bundesverwaltungsgericht vorlie-
gend nicht zu beurteilen. Entscheidend ist, ob die angefochtene Veranla-
gungsverfügung vom 3. September 2021 rechtskonform ist oder nicht. Wie
bereits erkannt, kann das Bundesverwaltungsgericht im vorliegenden Fall
kein rechtswidriges Vorgehen der Vorinstanz feststellen.
9.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Verfügung der Vorinstanz vom
3. September 2021 zu Recht erfolgte. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin die Verfahrenskosten zu tra-
gen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind auf Fr. 5'000.- festzusetzen (Art. 2
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe einbezahlte Kostenvor-
schuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. Eine Par-
teientschädigung ist nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).
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