Decision ID: 94696cc0-74c6-4b56-ac21-6eb75eb84eb8
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der am (...) 1966 geborene, in Deutschland wohnhafte A._
(nachfolgend: Versicherter oder Beschwerdeführer) war in den Jahren
2011–2016 bei verschiedenen Arbeitgebern in der Schweiz erwerbstätig
und leistete Beiträge an die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (AHV/IV; vgl. Akten der IVSTA [IVSTA-act.] 18,
45.7). Der Versicherte verfügte über eine Grenzgängerbewilligung (IVSTA-
act. 26) und war zuletzt bei der B._ AG mit Sitz in der Schweiz als
Trockenbauer in einem Vollzeitpensum tätig (IVSTA-act. 23 S. 2 ff.). Am
18. August 2016 erlitt er beim Herabsteigen von einer Leiter auf einer Bau-
stelle einen Unfall. Dabei zog er sich eine Vorfusskontusion rechts sowie
eine Ellbogenkontusion rechts zu und wurde in der Folge arbeitsunfähig
(vgl. IVSTA-act. 16.58, 16.64, 28, 32.144). Das Arbeitsverhältnis wurde auf
den 31. Dezember 2017 aus gesundheitlichen Gründen gekündigt (IVSTA-
act. 32.143).
A.b Am 9. Mai 2017 meldete sich der Versicherte bei der IV-Stelle des Kan-
tons C._ zum Bezug von Leistungen der schweizerischen Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) an. Als gesundheitli-
che Beeinträchtigungen gab er eine Aussenbandruptur am rechten Fuss
und ein Sudeck infolge des Arbeitsunfalles am 18. August 2016 an (IVSTA-
act. 1).
A.c Die Suva sprach dem Versicherten mit Verfügung vom 29. November
2018 für die verbliebenen Restfolgen des Unfalls vom 18. August 2016 am
rechten Fuss ab 1. November 2018 eine Rente bei einer Erwerbsunfähig-
keit von 30 % und eine Integritätsentschädigung von 25 % zu (IVSTA-
act. 46). Die vom Versicherten dagegen erhobene Einsprache wies die
Suva mit Entscheid vom 4. November 2019 ab (vgl. IVSTA-act. 87).
A.d Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens sprach die IV-Stelle
für Versicherte im Ausland (nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz) dem Ver-
sicherten mit Verfügung vom 27. November 2019 rückwirkend eine vom
1. November 2017 bis 31. Januar 2019 befristete ganze Invalidenrente
samt zugehöriger Kinderrente zu (IVSTA-act. 50, 52, 56, 93).
A.e Das Sozialversicherungsgericht des Kantons C._ hob mit Urteil
vom 12. August 2020 den Einspracheentscheid der Suva vom 4. Novem-
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ber 2019 auf und wies die Sache zur Einholung eines versicherungsexter-
nen medizinischen Gutachtens und anschliessenden Neuverfügung an die
Suva zurück (IVSTA-act. 111.334).
B.
B.a Gegen die Verfügung der IVSTA vom 27. November 2019 erhob der
Versicherte mit Eingabe vom 8. Januar 2020 Beschwerde beim Bundes-
verwaltungsgericht. Er beantragte die Gewährung einer angemessenen
Rente der Invalidenversicherung über den 31. Januar 2019 hinaus (Akten
des Bundesverwaltunsgerichts [BVGer-act.] 1).
B.b Der Beschwerdeführer wurde mit Zwischenverfügung vom 9. Januar
2020 aufgefordert, einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– bis
zum 10. Februar 2020 zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen
(BVGer-act. 2). Der einverlangte Kostenvorschuss ging am 16. Januar
2020 in der Gerichtskasse ein (BVGer-act. 4).
B.c Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 10. März 2020 un-
ter Verweis auf die bei der IV-Stelle des Kantons C._ eingeholten
Stellungnahme vom 6. März 2020 die Abweisung der Beschwerde (BVGer-
act. 6).
B.d Der Beschwerdeführer hielt mit Replik vom 11. Juni 2020 an seinen
Rechtsbegehren vollumfänglich fest (BVGer-act. 10).
B.e Die Vorinstanz hielt mit Duplik vom 10. Juli 2020 und unter Hinweis auf
die bei der IV-Stelle des Kantons C._ eingeholten Stellungnahme
vom 8. Juli 2020 ebenfalls an ihrem Antrag fest (BVGer-act. 15).
B.f Mit Instruktionsverfügung vom 17. Juli 2020 wurde der Schriftenwech-
sel unter Vorbehalt weiterer Instruktionsmassnahmen per 29. Juli 2020 ab-
geschlossen (BVGer-act. 16).
C.
C.a Auf entsprechende Anfrage des Bundesverwaltungsgerichts reichte
die IV-Stelle des Kantons C._ am 17. Februar 2021 die Vorakten
(Stand 17. Februar 2021) in elektronischer Form ein (BVGer-act. 18). Dar-
aus erhellte, dass die Suva eine Begutachtung des Versicherten bei der
D._ plante (Akten der Vorinstanz [act.] 113).
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C.b In der Folge wurde den Verfahrensbeteiligten mit Instruktionsverfü-
gung vom 14. April 2021 Gelegenheit gegeben, vor dem Hintergrund der
geplanten Begutachtung zu einer allfälligen Sistierung des Verfahrens Stel-
lung zu nehmen. Zudem wurde der Beschwerdeführer darauf hingewiesen,
dass das Beweisergebnis unter Berücksichtigung des ausstehenden Gut-
achtens sowie allfälliger weiterer ergänzenden medizinischen Abklärungen
völlig offen sei und nicht ausgeschlossen werden könne, dass die ange-
fochtene Verfügung aufgehoben oder zu Ungunsten des Beschwerdefüh-
rers abgeändert werden könnte. Entsprechend wurde dem Beschwerde-
führer Gelegenheit gegeben, sich bis zum 14. Mai 2021 zur Möglichkeit der
reformatio in peius zu äussern und allenfalls seine Beschwerde zurückzu-
ziehen, andernfalls das Beschwerdeverfahren fortgesetzt werde (BVGer-
act. 19).
C.c Der Beschwerdeführer hielt mit Eingabe vom 10. Mai 2021 an seiner
Beschwerde fest (BVGer-act. 21).
C.d Mit Zwischenverfügung vom 20. Mai 2021 wurde das Verfahren im Ein-
verständnis mit den Parteien (vgl. BVGer-act. 20 f.) bis zum Vorliegen des
genannten Gutachtens sistiert (BVGer-act. 22).
C.e Von Seiten des Beschwerdeführers wurden mit Eingabe vom 23. De-
zember 2021 eine Kopie seiner Stellungnahme vom 30. November 2021
zuhanden der Suva sowie eine Kopie des Gutachtens der D._ vom
23. September 2021 eingereicht (BVGer-act. 28).
C.f Die Sistierung des Verfahrens wurde mit Instruktionsverfügung vom
10. Januar 2022 aufgehoben (BVGer-act. 29).
C.g Mit Zwischenverfügung vom 3. Februar 2022 wurde das Gesuch der
Vorinstanz um erneute Sistierung des Verfahrens abgewiesen (BVGer-
act. 30 f.).
C.h Der Beschwerdeführer reichte mit unaufgeforderter Eingabe vom
17. Februar 2020 das Gutachten des Medizinischen Dienstes E._
vom 5. Januar 2022 ein (BVGer-act. 33).
C.i Die Vorinstanz hielt mit Schlussbemerkungen vom 25. Februar 2022
und unter Hinweis auf die bei der IV-Stelle des Kantons C._ einge-
holten Stellungnahme vom 23. Februar 2022 an ihrem Antrag auf Abwei-
sung der Beschwerde fest (BVGer-act. 35).
C-111/2020
Seite 5
C.j Auf entsprechende Aufforderung des Instruktionsrichters vom 4. März
2020 hin (BVGer-act. 36) reichte die Vorinstanz mit ergänzender Stellung-
nahme vom 27. April 2022 die bei der IV-Stelle des Kantons C._
und dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) eingeholten Stellungnahmen
vom 26. bzw. 20. April 2022 ein (BVGer-act. 42).
C.k Am 1. Juni 2022 reichte der Beschwerdeführer Schlussbemerkungen
ein (BVGer-act. 44).
C.l Mit Instruktionsverfügung vom 3. Juni 2020 wurde der Schriftenwechsel
unter Vorbehalt weiterer Instruktionsmassnahmen per 13. Juni 2022 erneut
abgeschlossen (BVGer-act. 45).
D.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften ist – soweit
erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht hat seine Zuständigkeit von Amtes wegen
zu prüfen (Art. 7 Abs. 1 VwVG). Es ist zur Behandlung der vorliegenden
Beschwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG [SR 831.20]). Der Beschwerdeführer ist durch die angefochtene Ver-
fügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung,
womit er zur Erhebung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59 ATSG
[SR 830.1]). Der Kostenvorschuss wurde rechtzeitig geleistet, sodass auf
die – unter Berücksichtigung des Fristenstillstands vom 18. Dezember bis
und mit dem 2. Januar (Art. 22a Abs. 1 Bst. c VwVG) – frist- und formge-
recht eingereichte Beschwerde vom 8. Januar 2020 einzutreten ist (Art. 60
Abs. 1 ATSG; Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Wie in der Zuständigkeitsregelung des Art. 40 Abs. 2 IVV (SR 831.201)
vorgesehen, hat die kantonale IV-Stelle, in deren Tätigkeitsgebiet der Be-
schwerdeführer als Grenzgänger eine Erwerbstätigkeit ausgeübt hat, das
Leistungsbegehren entgegengenommen und geprüft, während die Vor-
instanz die angefochtene Verfügung vom 27. November 2019 erlassen hat.
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Seite 6
2.2 Wird nur die Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefoch-
ten, wird damit die gerichtliche Überprüfungsbefugnis nicht in dem Sinne
eingeschränkt, dass unbestritten gebliebene Bezugszeiten von der Beur-
teilung ausgeklammert bleiben (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.2 und E. 2.3, 125
V 413 E. 2d). Folglich bildet die Verfügung, mit der die Vorinstanz dem Be-
schwerdeführer rückwirkend eine vom 1. November 2017 bis 31. Januar
2019 befristete ganze Invalidenrente samt zugehöriger Kinderrente zuge-
sprochen hat, entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (vgl. BVGer-
act. 21) insgesamt – und nicht nur die Zeitspanne ab 1. Februar 2019 –
das Anfechtungsobjekt und damit die Begrenzung des Streitgegenstandes
des vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1).
Streitig und vom Bundesverwaltungsgericht zu prüfen ist der (weiterge-
hende) Anspruch des Beschwerdeführers auf eine schweizerische Invali-
denrente im Rahmen einer Erstanmeldung.
3.
3.1 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 143 V 446 E. 3.3; 139 V 335 E. 6.2; 138 V 475 E. 3.1).
Am 1. Januar 2022 ist das revidierte Bundesgesetz über die Invalidenver-
sicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten (Weiterentwicklung der IV
[WEIV]; Änderung vom 19. Juni 2020, AS 2021 705, BBI 2017 2535). Die
dem hier angefochtenen Urteil zugrunde liegende Verfügung erging vor
dem 1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertempo-
ralen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler:
BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 129 V 354 E. 1 m.H.) sind daher die Bestimmun-
gen des IVG und diejenigen der Verordnung über die Invalidenversiche-
rung (IVV; SR 831.201) in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen
Fassung anwendbar (Urteil des BGer 8C_103/2022 vom 10. Mai 2022
E. 2.1).
3.2 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 27. November 2019) eingetretenen Sachver-
halt ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1; 130 V 445 E. 1.2). Tatsachen, die jenen
Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand ei-
ner neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b; Urteil des
BGer 8C_136/2017 vom 7. August 2017 E. 3). Immerhin sind indes Tatsa-
chen, die sich erst später verwirklichen, soweit zu berücksichtigen, als sie
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Seite 7
mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und ge-
eignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Verfügungserlasses zu beein-
flussen (BGE 121 V 362 E. 1b; Urteile des BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai
2008 E. 2.3.1; 8C_95/2017 vom 15. Mai 2017 E. 5.1).
3.3 Der Beschwerdeführer ist deutscher Staatsangehöriger, war während
mehrerer Jahre in der Schweiz erwerbstätig und wohnt aktuell in Deutsch-
land. Damit gelangen das Freizügigkeitsabkommen vom 21. Juni 1999
(FZA, SR 0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemeinschaft zur Koor-
dinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II des FZA,
insbesondere die für die Schweiz am 1. April 2012 in Kraft getretenen Ver-
ordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR 0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009 (SR
0.831.109.268.11), zur Anwendung. Seit dem 1. Januar 2015 sind auch die
durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und
Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in den Beziehungen zwischen der
Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten anwendbar. Das Vorliegen einer an-
spruchserheblichen Invalidität beurteilt sich indes auch im Anwendungsbe-
reich des FZA und der Koordinierungsvorschriften nach schweizerischem
Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des BGer 9C_573/2012 vom
16. Januar 2013 E. 4).
4.
4.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
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Seite 8
4.2 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben-
bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (Bst. a), während ei-
nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (Bst. b) und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. c).
4.3 Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf
eine Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindes-
tens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens 70 % auf eine
ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als
50 %, so werden die entsprechenden Renten nur an Versicherte ausbe-
zahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG)
in der Schweiz haben (Art. 29 Abs. 4 IVG). Diese Einschränkung gilt jedoch
nicht für die Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates der EU und der
Schweiz, sofern sie in einem Mitgliedstaat der EU Wohnsitz haben (Art. 7
VO [EG] 883/2004; vgl. BGE 130 V 253 E. 2.3 und E. 3.1).
4.4 Die Bemessung der Invalidität erfolgt bei erwerbstätigen Versicherten
in der Regel nach der Einkommensvergleichsmethode (Art. 28a Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 16 ATSG), bei nichterwerbstätigen Versicherten durch einen Be-
tätigungsvergleich nach der spezifischen Methode (Art. 28a Abs. 2 IVG
i.V.m. Art. 27 IVV [SR 831.201]) und bei teilerwerbstätigen Versicherten mit
einem Aufgabenbereich nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3
IVG und Art. 27bis IVV i.V.m. Art. 28a Abs. 1 und 2 IVG; Art. 16 ATSG und
Art. 27 IVV).
4.5 Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens
nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsan-
spruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die
Vollendung des 18. Altersjahrs folgt (zum Verhältnis zwischen Art. 28
Abs. 1 und Art. 29 Abs. 1 IVG vgl. BGE 142 V 547 E. 3.2).
4.6 Bei der rückwirkenden Zusprechung einer abgestuften und/oder befris-
teten Rente sind die Revisionsbestimmungen (Art. 17 Abs. 1 ATSG;
Art. 88a Abs. 1 IVV) analog anwendbar, weil noch vor Erlass der ersten
Rentenverfügung eine anspruchsbeeinflussende Änderung eingetreten ist
mit der Folge, dass dann gleichzeitig die Änderung mitberücksichtigt wird
(vgl. Urteile des BGer 8C_87/2009 vom 16. Juni 2009 E. 2.2; 8C_71/2017
vom 20. April 2017 E. 3 m.H.). Revisionsbegründend kann unter anderem
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Seite 9
eine Änderung des Gesundheitszustandes oder der erwerblichen Auswir-
kungen sein (BGE 141 V 9 E. 2.3). Ist eine anspruchserhebliche Änderung
des Sachverhalts nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt,
bleibt es nach dem Grundsatz der materiellen Beweislast beim bisherigen
Rechtszustand (vgl. Urteil des BGer 9C_273/2014 vom 16. Juni 2014
E. 3.1.1 m.H.). Die Frage, ob eine erhebliche, d.h. mit Bezug auf den Inva-
liditätsgrad rentenwirksame Änderung der tatsächlichen Verhältnisse ein-
getreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im
Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung bestanden hat, mit demje-
nigen im Zeitpunkt der streitigen Revisionsverfügung (BGE 130 V 343
E. 3.5.2; vgl. auch BGE 133 V 108). Wird rückwirkend eine abgestufte oder
befristete Rente zugesprochen, sind einerseits der Zeitpunkt des Renten-
beginns und anderseits der in Anwendung der Dreimonatsfrist von Art. 88a
Abs. 1 IVV festzusetzende Zeitpunkt der Rentenherabsetzung oder -auf-
hebung die massgebenden Vergleichszeitpunkte (Urteil des BGer
8C_87/2009 vom 16. Juni 2009 E. 2.2). Dabei unterliegen auch die unbe-
stritten gebliebenen Rentenbezugszeiten der richterlichen Prüfung (vgl.
BGE 125 V 413 E. 2d).
4.7 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützen sich die Verwaltung
und – im Beschwerdefall – das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen
und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen
sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und
dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tä-
tigkeiten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Hinsichtlich des Beweis-
wertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Be-
lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen-
hänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss-
folgerungen der Expertinnen und Experten begründet sind (BGE 134 V 231
E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Eine begutachtende medizinische Fachperson
muss über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen (Urteil des
BGer 9C_555/2017 vom 22. November 2017 E. 3.1 mit Hinweisen).
4.8 Geht es um psychische Erkrankungen, namentlich eine anhaltende so-
matoforme Schmerzstörung, ein damit vergleichbares psychosomatisches
Leiden (vgl. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen leicht- bis
mittelgradiger Natur (BGE 143 V 409), sind für die Beurteilung der Arbeits-
fähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich, die – unter Berücksichti-
gung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und
C-111/2020
Seite 10
Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tat-
sächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281
E. 2, E. 3.4–3.6 und 4.1; 143 V 418 E. 6 ff.).
5.
Zum Gesundheitszustand bzw. zur Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Be-
schwerdeführers lässt sich den vorliegenden medizinischen Akten im We-
sentlichen das Folgende entnehmen:
5.1 Der Beschwerdeführer rutschte am 18. August 2016 während der Ar-
beit von einer Leiter und stürzte auf den rechten Ellenbogen sowie den
rechten Fuss. Gleichentags sowie am 22. August 2016 stellte er sich in der
Notfallstation des Spitals F._ vor. Dabei wurden eine Vorfusskontu-
sion rechts sowie eine Ellbogenkontusion rechts festgestellt (IVSTA-
act. 16.64, 28).
5.2 Mittels Unfallscheine UVG wurden dem Beschwerdeführer folgende Ar-
beitsunfähigkeiten attestiert: 100 % vom 18. August 2016 bis 5. September
2016, 0 % vom 6. September 2016 bis 7. November 2016 und 100 % vom
8. November 2016 bis 4. Dezember 2018 (vgl. IVSTA-act. 16.67, 32.134,
45.250).
5.3 Am 21. November 2016 nahm Dr. med. G._, Facharzt für Chi-
rurgie, eine Arthroskopie des rechten oberen Sprunggelenkes (OSG) vor.
Der Eingriff verlief komplikationsfrei (IVSTA-act. 16.45; 16.46).
5.4 Gemäss kreisärztlicher Untersuchung vom 14. März 2017 von Dr. med.
H._, Facharzt für Chirurgie, bestehe beim Beschwerdeführer ein
Zustand nach OSG-Distorsion rechts mit fibulotalarer Bandläsion. Eine Ar-
beitsfähigkeit sei aufgrund des CRPS (complex regional pain syndrome)
weiterhin nicht gegeben und der Beschwerdeführer bleibe voll arbeitsunfä-
hig. Er empfahl den Beginn einer medikamentösen Behandlung (IVSTA-
act. 1 S. 11 ff., 4).
5.5 Im Bericht des Spitals I._, Orthopädie und Traumatologie, vom
31. Juli 2017 wurde ein CRPS des rechten Fusses als Diagnose genannt.
Klinisch bestehe eine Verschlechterung der objektiven Befunde mit weiter
eingeschränkter Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks sowie der Ze-
hen (IVSTA-act. 32.139 S. 4 f.).
5.6 Gemäss Bericht des Spitals I._, Anästhesie, vom 11. Septem-
ber 2017 sei aufgrund anhaltender Schmerzen zur weiteren Behandlung
C-111/2020
Seite 11
des CRPS eine medikamentöse neuromodulatorische Therapie indiziert
(IVSTA-act. 65 S. 18 ff.).
5.7 Laut Bericht vom 4. Dezember 2017 absolvierte der Beschwerdeführer
in der Klinik J._ Orthopädie einen stationären Aufenthalt vom 6. No-
vember bis 2. Dezember 2017. Der Befund bei Entlassung wurde wie folgt
umschrieben: An zwei Gehhilfen mobilisierter Patient mit noch deutlich
rechtsseitig hinkendem Gangbild; unveränderte Schwellung des gesamten
rechten Fusses ohne Hyperhidrose; erschwerte Gangarten können mit
dem rechten Fuss nicht vorgeführt werden. Im psychischen Befund wurde
eine stabile Stimmungslage und Neigung zur Gereiztheit vermerkt. Ein kon-
kreter Plan zur beruflichen Wiedereingliederung könne derzeit nicht fest-
gelegt werden, da die Ausbehandlung der CRPS-Symptomatik des rechten
Fusses noch nicht absehbar sei. Bei Wiedererreichen einer ausreichenden
Belastbarkeit des rechten Fusses sei eher eine berufliche Umorientierung
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt mit Zuweisung leidensgerechter Tätig-
keit mit möglichst hohem Sitzanteil realistischer. Die Entlassung erfolgte
als arbeitsunfähig (IVSTA-act. 32.144 S. 15 ff.).
5.8 Am 2. Januar 2018 wurde im Spital I._ bei Nennung der
schmerzbezogenen Diagnosen CRPS des rechten Fusses und arterielle
Hypertonie die erste interventionelle Therapie (lumbale Sympathikolyse)
vorgenommen (IVSTA-act. 32.155).
5.9 Bei der kreisärztlichen Untersuchung vom 21. März 2018 habe noch
das Vollbild eines CRPS am rechten Sprunggelenk mit erheblicher Be-
schwerdepersistenz, deutlicher Schwellung und aufgehobener Beweglich-
keit im oberen und unteren Sprunggelenk sowie im Bereich der Zehen
rechts bestanden. Die bisherige CRPS-Therapie werde fortgeführt. Insge-
samt bestehe in Bezug auf die Unfallfolgen noch keine stabile Situation
hinsichtlich der Leistungsfähigkeit. Im Hinblick auf die psychisch belas-
tende Gesamtsituation wäre ein Arbeitstraining im Umfang von zunächst
20 % Leistung mit überwiegend sitzender Tätigkeit zum Wiederaufbau der
Tagesstruktur wünschenswert (IVSTA-act. 35.172).
5.10 Anlässlich der interdisziplinären Schmerzkonferenz vom 16. Mai 2018
am Spital I._ wurden die Beschwerden im Bereich des rechten Fus-
ses weiterhin im Sinne eines CRPS (Typ I) gesehen (Bericht vom 22. Mai
2018, IVSTA-act. 42.196).
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Seite 12
5.11 Der Beschwerdeführer befand sich vom 2.–23. Juli 2018 erneut in sta-
tionärer Behandlung in der Klinik J._ Orthopädie. Gemäss Entlass-
bericht vom 23. Juli 2018 sei unter Würdigung des bisherigen Verlaufs und
der klinisch radiologischen Ergebnisse ein Verharrungszustand bei chroni-
scher Schmerzsymptomatik durch CRPS I des rechten Fusses eingetre-
ten. Das Erreichen einer Erwerbsfähigkeit oder Arbeitsfähigkeit sei nicht
absehbar (IVSTA-act. 42.208; vgl. auch Bericht vom 31. Juli 2018, IVSTA-
act. 65 S. 35 ff.).
5.12 Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 19. September 2018
stellte die Kreisärztin Dr. med. K._, Fachärztin für Chirurgie, ein
CRPS am rechten Sprunggelenk mit erheblicher Beschwerdepersistenz,
deutlicher Schwellneigung und aufgehobener Beweglichkeit im oberen und
unteren Sprunggelenk sowie im Bereich der Zehen rechts fest. Zur Erhal-
tung des Gesundheitszustandes sei die Fortführung der Physiotherapie so-
wie der Analgetika-Therapie und der Ketamin-Infusionen erforderlich. Zu-
mutbar sei leichte Arbeit, überwiegend sitzend mit der Möglichkeit zum Po-
sitionswechsel (Gehen und Stehen) sowie ohne Zwangshaltung der be-
troffenen Extremität. Vereinzelt dürften Gewichte von 10 bis 15 kg angeho-
ben und kurzfristig getragen werden. Eine dauerhafte Gewichtsbelastung
sei nicht zumutbar. Nicht zumutbar sei ebenfalls dauerhafte und repetitive
Fortbewegung auf unebenem und abschüssigem Gelände sowie auf Trep-
pen. Nicht zumutbar seien repetitive und dauerhafte Tätigkeiten im Knien
oder Kauern. Die Fähigkeit auf Leitern und Gerüsten zu arbeiten sei nicht
gegeben. Nicht zumutbar seien repetitive und dauerhafte Schlag- und Vib-
rationsbelastungen (IVSTA-act. 42.222).
5.13 In der Ergänzung vom 12. Oktober 2018 zur kreisärztlichen Untersu-
chung vom 19. September 2018 hielt Kreisärztin Dr. med. K._ fest,
dass gemäss Angaben des Beschwerdeführers er bislang keine Socken
oder festes Schuhwerk tragen könne. Zur Untersuchung sei er barfuss und
mit lockeren Sandaletten erschienen. Darüber hinaus habe der Beschwer-
deführer angegeben, dass er unter Einnahme der Medikamente Konzent-
rationsstörungen verspüre. Sodann könne er maximal 40 Meter ohne
Pause laufen, ohne dass er starke Schmerzen verspüre. Schliesslich sei
das Zumutbarkeitsprofil für eine angepasste ganztätige Tätigkeit dahinge-
hend zu ergänzen, dass diese durch zusätzliche Pausen unterbrochen
werden sollte. Sinnvoll erscheine eine Verlängerung der Mittagspause um
ca. eine Stunde, um die Hochlagerung und Entlastung des betroffenen
Fusses zu ermöglichen. Zusätzlich seien Pausen im Umfang von ca. 30 Mi-
nuten am Vor- und am Nachmittag notwendig (IVSTA-act. 44.240).
C-111/2020
Seite 13
5.14 Im Pflegegutachten vom 20. Dezember 2018 des medizinischen
Dienstes der Krankenversicherungen L._ wurde insgesamt ein gu-
ter Allgemeinzustand festgestellt. Zur Mobilität wurde festgehalten, dass
das Beugen des rechten Sprunggelenks nicht möglich sei. Im Wohnbereich
gehe der Beschwerdeführer ohne Hilfsmittel und halte sich bei Bedarf an
Möbeln fest. Ausserhalb benutze er Gehstöcke. Das Gangbild sei ausrei-
chend sicher und das Treppengehen könne mühsam alleine bewältigt wer-
den. In kognitiver Hinsicht wurde insbesondere festgehalten, dass die Kon-
zentration des Beschwerdeführers und teilweise die Merkfähigkeit beein-
trächtigt sei. Es wurde vermutet, dass der Grund hierfür bei der Schmerz-
mitteleinnahme liege. Verhaltensauffälligkeiten oder psychische Problem-
lagen seien nicht vorhanden. Im Ergebnis bestehe kein Pflegegrad (IVSTA-
act. 73.9 S. 5 und 11).
5.15 Dem Verlaufsbericht vom 11. Februar 2019 des Spitals I._ ist
zu entnehmen, dass auch nach 1.5 Jahren multimodaler Behandlung und
zwei mehrwöchigen Rehabilitationsaufenthalten von einer zufriedenstel-
lenden Symptomkontrolle keine Rede sei. Die Klinik bestehe aus dauerhaf-
ten, beidseitigen Schmerzen im Bereich des oberen Sprunggelenks, rechts
mehr als links, und episodenhafter Schwellung, Rötung und Überwärmung
beider Füsse. Eine Episode könne zwischen 1 Tag und 1 Woche dauern.
Der rechte Fuss werde vom Beschwerdeführer kaum belastet. Er sei an
Unterarmgehstützen mobil. In medikamentöser Hinsicht wird insbesondere
angemerkt, dass Palexia abends einen guten analgetischen Effekt habe;
die Einnahme über den Tag werde vom Patienten nicht toleriert, da sie
starke Müdigkeit bewirke (IVSTA-act. 71.286).
5.16 Gemäss Arztbericht vom 25. März 2019 von Dr. med. G._ sei
der Beschwerdeführer für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Trocken-
bauer/Maurer seit 21. November 2016 zu 100 % arbeitsunfähig. Die Belas-
tungsfähigkeit des rechten Beines sei eingeschränkt. Die bisherige Tätig-
keit sei aus medizinischer Sicht nicht zumutbar. Hingegen erscheine eine
sitzende Tätigkeit ganztags möglich. Konzentrationsvermögen, Auffas-
sungsvermögen, Anpassungsfähigkeit, (psychische) Belastbarkeit und
Fahrtauglichkeit seien uneingeschränkt. Der Beschwerdeführer sei auf
Gehstöcke angewiesen. Die Angaben würden seit Januar 2017 gelten (IV-
STA-act. 65 S. 2 ff.).
5.17 Gemäss Arztbericht vom 17. April 2019 von Dr. med. M._ sei
der Beschwerdeführer auf lange Sicht zu 100 % arbeitsunfähig. Er gehe
mit Mühe an zwei Gehstöcken. Ohne Stöcke habe er nach wenigen Metern
C-111/2020
Seite 14
Schmerzen. Die bisherige Tätigkeit sei nicht möglich. Eine sitzende Tätig-
keit von zum Beispiel vier Stunden täglich sei vorstellbar. Das Konzentrati-
onsvermögen sei je nach Dosis der Schmerzmittel (un)eingeschränkt. Das
Auffassungsvermögen sei uneingeschränkt. Die Belastbarkeit sei einge-
schränkt. Die Fahrtauglichkeit wird verneint (IVSTA-act. 67 S. 2 ff.).
5.18 Mit Stellungnahme vom 26. Juni 2019 erachtete der RAD die Abklä-
rung von allfälligen somatischen und psychischen unfallfremden Faktoren
als erforderlich und empfahl eine rheumatologisch-psychiatrische Begut-
achtung (IVSTA-act. 78).
5.19 Kreisärztin Dr. med. K._ führte in ihrer ärztlichen Beurteilung
vom 2. Juli 2019 hinsichtlich der Medikation insbesondere aus, der Be-
schwerdeführer nehme derzeit 2x1 Tablette Lyrica 150 mg ein. Die Ein-
nahme von Lyrica erfolge bereits seit längerer Zeit und es ergebe sich
keine generelle Empfehlung zur Einschränkung hinsichtlich des Führens
eines Fahrzeugs oder sicherheitsrelevanter Maschinen. Palexia 50 mg
würde einmal täglich am Abend eingenommen. Die Wirkdauer betrage ca.
zwölf Stunden, sodass über Tag nicht von einer relevanten Einschränkung
durch die Medikamenteneinnahme ausgegangen werden müsse. Die Ap-
plikation von Lidocain/Ketamin-Infusionen erfolge ca. alle vier bis fünf Wo-
chen. Die unmittelbare Wirkdauer werde je nach Form der Einnahme mit
30 Minuten bis ca. 3 Stunden angegeben. Es sei daher nicht von einer dau-
erhaften Beeinträchtigung auszugehen. Insgesamt bleibe jedoch festzuhal-
ten, dass das Führen eines Fahrzeugs aufgrund der Kombination verschie-
dener Wirkstoffe in Einzelfällen beeinträchtigt sein könne. Im vorliegenden
Fall sei jedoch schon aufgrund der massiven Bewegungseinschränkungen
sowie der erheblichen Schmerzzustände das Führen eines Fahrzeugs
oder die Bedienung sicherheitsrelevanter Maschinen durch den Beschwer-
deführer nicht möglich. Dieser Tatsache werde im Zumutbarkeitsprofil
dadurch Rechnung getragen, dass eine Zwangshaltung des rechten Fus-
ses als nicht zumutbar beurteilt werde (IVSTA-act. 80.301).
5.20 Die Vorinstanz veranlasste eine rheumatologisch-psychiatrische Be-
gutachtung. Der Beschwerdeführer wurde am 17. Oktober 2019 durch
Dr. med. N._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und am
18. Oktober 2019 durch Dr. med. O._, Facharzt für Rheumatologie
und für Innere Medizin, untersucht. Das bidisziplinäre Gutachten datiert
vom 23. Oktober 2019 (IVSTA-act. 84 f.). In der interdisziplinären Gesamt-
beurteilung wurden folgende Diagnosen genannt (IVSTA-act. 85 S. 55):
C-111/2020
Seite 15
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
– Complex regional pain syndrome des rechten Fusses (Synonym:
CRPS, Morbus Sudeck, Algodystrophie) mit/bei
- Status nach Distorsion rechtes oberes Sprunggelenk mit Teilruptur
des dorsalen Kapselbandapparates am 18.08.2016
- Status nach Arthroskopie rechts OSG mit Peroneus-Lappenplastik
posteriorer Kapselbandapparat am 21.11.2016
– Mitbeteiligung des linken Fusses i.S. eines CRPS bei whs. Überstei-
gerter Reaktion des sympathischen Nervensystems
– Keine psychiatrischen Diagnosen
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
– Angabe von zeitweilig belastungsabhängigen Handgelenkschmerzen
beidseits im Rahmen einer Überbelastung bei Gebrauch von zwei Ame-
rikaner-Stöcken
- Klinisch und radiologisch unauffälliger Befund der Handgelenke
– Angabe von zeitweilig mechanisch anmutenden Beschwerden im Be-
reich der LWS ohne eigentliches Lumbovertebralsyndrom mit/bei
- Fehlform (Hohlrundrücken mit ausgeprägtem Hohlkreuz)
- altersentsprechenden degenerativen Veränderungen der LWS
(Röntgen LWS 18.10.2019)
– Adipositas WHO Grad II (182 cm, 120.1 kg, BMI 36.2 kg/m2)
– Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion (ICD-10 F43.21)
– St. n. OP wegen CTS beidseits 2015 und 2016
– St. n. mehreren OP wegen Analfistel ca. 2003, ca. 2004, ca. 2015
– St. n. Tonsillektomie ca. 1978
– St. n. Appendektomie ca. 1975
– St. n. OP Leistenbruch beidseits ca. 1973
Der Beschwerdeführer habe als Trockenbauer, ähnlich einem Gipser oder
Maurer, gearbeitet. Dabei habe es sich um eine körperlich mittelschwere
bis schwere Arbeit gehandelt. Aus rheumatologischer Sicht bestehe in der
bisherigen Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 0 %. Hingegen bestehe in ei-
ner angepassten, leichten und fussschonenden Tätigkeit ab 1. November
2018 eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Es seien jedoch zusätzlich Pausen
notwendig, so am Vormittag und Nachmittag jeweils 30 Minuten und über
Mittag zusätzlich zur normalen Mittagspause ca. 1 Stunde um die notwen-
dige Zeit zur Hochlagerung und Entlastung der Füsse zu ermöglichen. Aus
psychiatrischer Sicht bestehe sowohl in der bisherigen als auch in einer
angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (IVSTA-act. 85
S. 41, 58).
C-111/2020
Seite 16
5.21 Der RAD-Orthopäde Dr. med. P._ erachtete in seiner Beurtei-
lung vom 7. November 2019 das bidisziplinäre Gutachten sowohl in psy-
chiatrischer als auch rheumatologischer Hinsicht als umfassend und in sich
schlüssig (IV-act. 88).
5.22 Nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 27. November 2019
kamen folgende medizinischen Dokumente hinzu:
5.22.1 Der Beschwerdeführer reichte zusammen mit seiner Beschwerde
vom 8. Januar 2020 das zuhanden der Deutschen Rentenversicherung er-
stellte orthopädische Gutachten vom 11. Oktober 2019 von Dr. Q._
ein. Als Diagnosen führte Dr. Q._ an: Zustand nach Distorsion OSG
rechts; schmerzhafte Steife des rechten OSG; Zustand nach CRPS rechter
Fuss; Zustand nach Peronäuslappenplastik rechts. Als Nebendiagnose
nannte er Adipositas. Zum jetzigen Zeitpunkt bestehe das unerfreuliche
Endstadium eines CRPS. Der rechte Fuss sei umfangvermehrt, die Be-
weglichkeit des rechten OSG und USG sowie der Zehen sei schmerzhaft
aufgehoben, sodass ein Schonhinken mit der Notwendigkeit der Gehstock-
benutzung beidseits und reduzierter Gehstrecke resultiere. Der Beschwer-
deführer sei überdies nicht in der Lage, die Hockstellung einzunehmen und
sich hinzuknien. Damit bestehe insgesamt eine erhebliche Einschränkung
der Alltagsfähigkeit. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Trockenbauer sei
als schwer zu klassifizieren. Sie sei aufgrund der nachvollziehbaren
Schmerzen und der schmerzhaften Bewegungsunfähigkeit des rechten
OSG und USG nicht mehr leidensgerecht, sodass der Beschwerdeführer
diese Tätigkeit nur noch unter 3 Stunden arbeitstäglich ausüben könne. Auf
dem allgemeinen Arbeitsmarkt sei eine leichte Tätigkeit ausschliesslich im
Sitzen vollschichtig möglich, wobei qualitative Einschränkungen bestehen
würden: keine Tätigkeiten in der Hockstellung und im Knien, nicht auf Lei-
tern und Gerüsten und nicht auf unebenem Gelände. Allerdings sei eine
Einschränkung der Wegefähigkeit offensichtlich. Der Beschwerdeführer
könne keine 4x500 Meter arbeitstäglich zu Fuss bewältigen. Das Führen
eines Kraftfahrzeugs sei nicht möglich, da Gaspedal und Bremse nicht be-
tätigt werden könnten. Die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel sei eben-
falls nicht möglich wegen der notwendigen Benutzung zweier Unterarm-
gehstöcke aufgrund der schmerzhaft bestehenden Unsicherheit mit einer
mangelnden Stabilisierungsfähigkeit des rechten Beines. Im Schlussblatt
mit sozialmedizinischer Beurteilung des Leistungsvermögens hielt
Dr. Q._ fest, eine angepasste Tätigkeit sei im Umfang von 6 Stun-
den (und mehr) möglich. Hingegen sei die letzte berufliche Tätigkeit als
C-111/2020
Seite 17
Trockenbauer nur noch im Umfang von unter 3 Stunden möglich (BVGer-
act. 1 Beilage 11 S. 7 ff.).
5.22.2 Mit Bericht vom 19. Februar 2020 hielt der RAD-Orthopäde Dr. med.
P._ unter Berücksichtigung des Gutachtens von Dr. Q._
vom 11. Oktober 2019 an der bisherigen Beurteilung fest (IV-act. 98).
5.22.3 Das sozialmedizinische Gutachten vom 19. Dezember 2019 des
Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung L._ wurde im Zu-
sammenhang mit der vom Beschwerdeführer beantragten Kostenüber-
nahme für den Off-label-use von Lidocain/Ketamin-Infusionen durch die
deutsche Krankenversicherung erstellt. Eine Leistungspflicht wurde ver-
neint, jedoch wurde dem Beschwerdeführer eine überbrückende Kosten-
übernahme in Aussicht gestellt (BVGer-act. 10 Beilage 1).
5.22.4 Gemäss Kurzbericht vom 4. Mai 2020 des Spitals I._ erhalte
der Beschwerdeführer im Rahmen der Schmerztherapie des CRPS mit teil-
weisem Erfolg Lidocain/Ketamin-Infusionen. Da es sich bei den verwende-
ten Medikamenten um potente Analgetika handle, sei er am Tag der Infu-
sion nicht in der Lage ein Fahrzeug zu führen und auch nicht arbeitsfähig
(BVGer-act. 10 Beilage 2).
5.22.5 Die Suva veranlasste im Rahmen ihres Verfahrens eine bidiszipli-
näre Begutachtung bei der D._. Der Beschwerdeführer wurde am
22. Juni 2021 durch Dr. med. R._, Facharzt für Orthopädische Chi-
rurgie und Traumatologie, und am 23. Juni 2021 durch med. pract.
S._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, untersucht. Das
Gutachten datiert vom 23. September 2021. Laut zusammenfassender Be-
urteilung liege nach wie vor ein chronisches CRPS am rechten Fuss vor.
Bei fehlender neurologischer Komponente handle es sich um ein CRPS I.
Infolgedessen seien leichte sitzende Tätigkeiten noch zumutbar. Aus ortho-
pädischer Sicht eingeschränkt zumutbar seien gelegentliche kurzzeitige
gehende Tätigkeiten, gelegentliches Treppen-Steigen und gelegentliches
Heben und Tragen von Lasten bis 15 kg. Nicht zumutbar seien Tätigkeiten
im Knien oder Kauern, Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, Gehen auf un-
ebenem und abschüssigem Gelände sowie Arbeiten mit Betätigung von
Pedalen mit dem rechten Fuss. Unter Berücksichtigen dieser Einschrän-
kungen bestehe aus orthopädischer Sicht eine vollzeitige Arbeitsfähigkeit.
Zusätzliche Pausen seien nicht erforderlich. Dass der Versicherte am rech-
ten Fuss weder Socken noch geschlossene Schuhe trage, sei aus ortho-
pädischer Sicht nicht nachvollziehbar. Es handle sich um eine willkürliche
C-111/2020
Seite 18
Selbstlimitierung der alltäglichen Mobilität und Einsetzbarkeit im Arbeits-
prozess. Aus psychiatrischer Sicht lasse sich eine Dysthymia diagnostizie-
ren, jedoch ohne Krankheitswert im versicherungsmedizinischen Sinne
und damit ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Die Einnahme des
Schmerzmittels Novamin sei aus orthopädischer Sicht nachvollziehbar.
Hingegen sei die Einnahme der zentral wirksamen Medikamente zur Be-
kämpfung von Schmerz und Angst (Palexia und Pregabalin) weder aus or-
thopädischer noch aus psychiatrischer Sicht indiziert. Ebensowenig sei aus
orthopädischer Sicht der Gebrauch eines Gehstockes indiziert (vgl. BVGer-
act. 28 Beilage 2 Hauptgutachten S. 14 ff.).
5.22.6 Mit Eingabe vom 17. Februar 2022 reichte der Beschwerdeführer
schliesslich das Gutachten zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit vom
5. Januar 2022 des Medizinischen Dienstes E._ ein, wonach beim
Beschwerdeführer seit 1. Dezember 2021 ein Pflegegrad 1 vorliege
(BVGer-act. 33 Beilage).
6.
Die Vorinstanz hat insbesondere gestützt auf das rheumatologisch-psychi-
atrische Gutachten vom 23. Oktober 2019 (vgl. E. 5.20 vorstehend) erwo-
gen, dass der Beschwerdeführer seit August 2016 ununterbrochen und in
erheblichem Ausmass arbeitsunfähig sei. Ab November 2018 bestehe für
die bisherige Tätigkeit weiterhin keine Arbeitsfähigkeit. Aus spezialärztli-
cher Sicht seien jedoch andere, leichte, überwiegend sitzende Tätigkeiten
ganztags und unter Berücksichtigung des negativen orthopädischen Leis-
tungsprofils sowie zusätzlicher Pausen zumutbar. In der Folge hat sie dem
Beschwerdeführer rückwirkend eine vom 1. November 2017 bis 31. Januar
2019 befristete ganze Rente zugesprochen.
6.1 Der Beschwerdeführer räumt ein, es bestehe bei ihm unbestrittener-
massen keine eigentliche psychiatrische Erkrankung, auch wenn die stän-
dige Schmerzbelastung und Schmerzmedikation sein Leiden beeinflusse.
Diesem Umstand sei nach richtiger Einschätzung im Rahmen eines zu-
sätzlichen Leidensabzuges Rechnung zu tragen (BVGer-act. 1 S. 7). Als-
dann macht er geltend, im körperlichen Bereich sei die vorinstanzliche me-
dizinische Einschätzung ungenügend, denn der Einfluss der wegen der
Schmerzzustände einzunehmenden Medikamente auf die Leistungsfähig-
keit sei nicht in seriöser Weise abgeklärt und beurteilt worden (BVGer-
act. 1 S. 8). Infolge Einstellung der SUVA-Leistungen sei die Ketaminbe-
handlung in der Schweiz weggefallen, sodass der Beschwerdeführer eine
Dosis Palexia auch am Morgen einnehmen müsse. Dies mache ihn derart
C-111/2020
Seite 19
schläfrig, dass er weder fahrfähig noch arbeitsfähig sei. Ob diese Selbst-
einschätzung nachvollziehbar und medizinisch korrekt sei, sei konkret nie
überprüft worden. Sodann sei die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel
aufgrund eines unsicheren Standes nicht möglich (BVGer-act. 1 S. 9). Im
Übrigen sei eine allenfalls noch eingeschränkte Arbeitsfähigkeit auf dem
Arbeitsmarkt gar nicht verwertbar (BVGer-act. 1 S. 9 f.). Was die Invalidi-
tätsbemessung nach dem 1. Februar 2019 anbelange, werde der festge-
stellte Invaliditätsgrad von 9 % bestritten, da der erhöhte Pausenbedarf
nicht berücksichtigt worden sei. Überdies ergebe sich bei Berücksichtigung
des von der Vorinstanz anerkannten Leidensabzugs ein Invalidiätsgrad von
30 %, was im Hinblick auf eine allenfalls später einzuleitende Revision kor-
rekt festzuhalten sei (BVGer-act. 1 S. 10). Schliesslich habe sich keine Ver-
besserung des Gesundheitszustands ergeben, sodass kein Revisions-
grund im Sinne von Art. 17 ATSG vorliege, der eine Rentenaufhebung im
Februar 2019 rechtfertige (BVGer-act. 1 S. 10 f.).
Replikweise teilt der Beschwerdeführer mit, dass die Ketamininfusionen
vorläufig von der deutschen Krankenversicherung übernommen und wie-
der einmal im Monat in der Schweiz durchgeführt würden. An solchen Ta-
gen sei er zu keinerlei Tätigkeit fähig (BVGer-act. 10 S. 2 f.). Sodann macht
er geltend, die Allodynie am rechten Fuss sei im Gutachten nicht ausrei-
chend berücksichtigt worden. Obwohl Techniken bekannt seien, um den
Grad der Allodynie zu messen, seien keine entsprechenden Abklärungen
vorgenommen worden (BVGer-act. 10 S. 3). Schliesslich weist der Be-
schwerdeführer in Bezug auf die Wegefähigkeit darauf hin, dass die Ver-
wendung eines Rollstuhls in öffentlichen Verkehrsmitteln stark einge-
schränkt und unrealistisch sei (BVGer-act. 10 S. 4).
6.2 Hinsichtlich des Einflusses der einzunehmenden Schmermittel entgeg-
net die Vorinstanz, dass es sich hierbei um eine Selbsteinschätzung des
Beschwerdeführers handle, welche sich nicht auf eine fachärztliche Ein-
schätzung stützen lasse. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer auf-
grund seiner Allodynie und der Schwellung des rechten Fusse keine So-
cken und/oder gedeckte Schuhe tragen könne, sei dem rheumatologischen
Gutachter bekannt gewesen und bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
mitberücksichtigt worden. Dass sich der rheumatologische Gutachter nicht
zur Wegefähigkeit mittels öffentlichem Verkehr geäussert habe, vermöge
den Beweiswert des Gutachtens nicht in Zweifel zu ziehen. Solche Ein-
schränkungen ergaben sich im Vorfeld der Begutachtung weder aus den
Akten noch wurden sie vom Beschwerdeführer geltend gemacht. Die We-
gefähigkeit bewirke daher keine Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit.
C-111/2020
Seite 20
Nach der Gerichtspraxis sei davon auszugehen, dass im Rahmen des aus-
geglichenen Arbeitsmarktes Nischenarbeitsplätze existieren, welche dem
erhöhten Pausenbedarf des Beschwerdeführers hinreichend Rechnung
tragen würden. Unter Berücksichtigung des erhöhten Pausenbedarfs und
eines leidensbedingten Abzuges von 15 % resultiere ein Invaliditätsgrad
von 30 %. Schliesslich sei die Rentenbefristung bis zum 31. Januar 2019
zu Recht erfolgt (BVGer-act. 6 Beilage).
7.
Unbestritten und aufgrund der vorliegenden Akten nicht zu beanstanden
ist, dass der Beschwerdeführer insbesondere aufgrund seiner Beschwer-
den am rechten Fuss seine bisherige Tätigkeit als Trockenbauer nicht mehr
ausüben kann. Umstritten und zu überprüfen ist die vorinstanzliche Fest-
stellung, wonach sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
verbessert habe und ihm infolgedessen ab November 2018 eine ange-
passte Tätigkeit zumutbar sei. Ausgangspunkt dieser Prüfung bildet das
von der Vorinstanz eingeholte bidisziplinäre Gutachten vom 23. Oktober
2019.
7.1 Das rheumatologisch-psychiatrische Gutachten wurde durch entspre-
chend qualifizierte Fachärzte erstellt. Es beruht auf allseitigen Untersu-
chungen und wurde in Kenntnis der Vorakten sowie unter Berücksichtigung
der vom Beschwerdeführer angegebenen Beschwerden abgegeben. Im
Weiteren wurden die jeweils festgestellten Untersuchungsbefunde ange-
führt und die gestellten Diagnosen begründet. Schliesslich enthält das Gut-
achten auch eine interdisziplinäre Gesamtbeurteilung (Konsensbeurtei-
lung). Insgesamt erfüllt das bidisziplinäre Gutachten vom 23. Oktober 2019
die formellen Kriterien für eine beweiswertige medizinische Expertise.
7.2 In psychiatrischer Hinsicht wurden keine Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit festgestellt, was vom Beschwerdeführer auch nicht in
Frage gestellt wird. Der psychiatrische Gutachter führte insbesondere aus,
der Beschwerdeführer sei belastet durch die chronischen Schmerzen, die
ungewisse berufliche und finanzielle Zukunft. Er habe aber eine gute Be-
ziehung mit seiner Ehefrau und seinen Kindern sowie seinem Enkelkind
und werde von der Familie tatkräftig unterstützt. Er leiste leichtere Arbeiten
im Haushalt und nehme regelmässig an einem Stammtisch teil. Bei der
psychiatrischen Untersuchung seien keine Hinweise auf ausgeprägte mit-
telgradige oder schwere depressive Verstimmungen feststellbar gewesen.
Weiter hielt der psychiatrische Gutachter fest, der Beschwerdeführer fühle
sich aufgrund der psychosozialen Belastungen durch seine Beschwerden
C-111/2020
Seite 21
mehr beeinträchtigt, als dass es den somatischen Befunden entspreche.
Diese psychische Überlagerung der geklagten Beschwerden sei jedoch
geringgradig ausgeprägt. Der Beschwerdeführer sei im Alltag und im Um-
gang mit seinen Beschwerden durch die leichten depressiven Verstimmun-
gen kaum beeinträchtigt. Eine Schmerzstörung liege nicht vor. Aus psychi-
atrischer Sicht könne weder in der bisherigen noch in einer angepassten
Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit attestiert werden (IVSTA-act. 85 S. 55,
57 f.). Insgesamt erscheint die Einschätzung anhand der erhobenen Be-
funde als schlüssig und nachvollziehbar. Überdies entspricht sie im We-
sentlichen auch den Ergebnissen des durch die Suva nachträglich einge-
holten Gutachtens der D._ vom 23. September 2021. Schliesslich
ist anzufügen, dass es sich bei dem im Vordergrund stehenden CRPS um
einen körperlichen Gesundheitsschaden handelt (vgl. Urteil des BGer
8C_11/2022 vom 18. März 2022 E. 6.1.1).
7.3 In rheumatologischer Hinsicht hielt der Gutachter fest, die Hauptprob-
lematik bestehe im CRPS betreffend den rechten Fuss und das rechte
OSG, weniger betreffend den linken Fuss. Die Budapest-Kriterien seien er-
füllt. Es finde sich eine massive Schwellung des rechten OSG und des
rechten Fusses, links etwas weniger. Beide Füsse seien kalt, dies auch
gemessen, es bestehe eine Farbveränderung in Richtung rot bis schliess-
lich blau, distal des rechten OSG rechts ausgeprägter als am linken Fuss.
Des Weiteren bestünden Zeichen einer möglichen chronisch-venösen In-
suffizienz mit zum Teil Hyperpigmentierung beidseits. Klinisch bestehe
auch eine Allodynie des gesamten rechten Fusses. Links bestehe keine
Allodynie. Eine Haaranomalie könne nicht diagnostiziert werden, da die be-
troffenen Areale haarfrei seien. Anamnestisch habe ein vermehrtes Haar-
wachstum rechts bestanden, dies habe sich aber bis heute normalisiert und
in letzter Zeit seien die Haare ausgefallen. Das Nagelwachstum sei nicht
beurteilbar, gemäss eigenen Angaben hat sich hier eine schneller wach-
sende Nagelsituation auf der rechten Seite wieder normalisiert. Zusam-
menfassend bestehe ein CRPS des rechten Fusses, wobei aufgrund der
Klinik ebenfalls eine Mitbeteiligung des linken Fusses vorhanden sei. Dies
sei insofern nur erklärbar, als dass hier der Sympathikus, welcher beim
Krankheitsgeschehen mitbeteiligt sei, gewissermassen «überschiessend»
reagiere. Ein eigentliches Lumbovertebralsyndrom bestehe nicht. Die
Handgelenksbeschwerden beidseits seien auf eine Überlastung durch das
Laufen an den Amerikanerstöcken zurückzuführen. In Bezug auf die Ar-
beitsfähigkeit würden sich keine über das CRPS hinausgehenden Faktoren
finden, welche einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Als Trocken-
C-111/2020
Seite 22
bauer, ähnlich der Tätigkeit eines Gipsers und als Maurer bestehe eine Ar-
beitsfähigkeit von 0 %. In einer fussschonenden vorwiegend sitzenden Tä-
tigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 % bezogen auf ein Ganz-
tagspensum. Heute bestünden keine unfallfremden Faktoren, welche eine
zusätzliche Einschränkung über die Unfallfolgen hinaus bewirken würden
(IVSTA-act. 85 S. 45 ff., 54 f.). Das negative Leistungsbild wird im Detail
wie folgt umschrieben: Der Beschwerdeführer könne überwiegend nur sit-
zende Tätigkeit tätigen, nicht dauernd nur gehen, dauernd nur stehen, nicht
auf unebenem Boden gehen. Er könne sich nicht repetitiv bücken, nicht
kniend oder kauernd arbeiten. Die Gehstrecke sei auf 10 Minuten am Stück
begrenzt, wobei er auf den Gebrauch von zwei Amerikanerstöcken ange-
wiesen sei. Er könne diese Gehstrecke nicht repetitiv gehen. Das Bestei-
gen von Leitern oder Gerüsten sei nicht möglich, dauerndes Treppenstei-
gen sei nicht möglich. Schlag- oder Vibrationsbelastungen seien nicht zu-
mutbar. Ein Bedienen von Pedalen mit den Füssen sei nicht möglich. Es
seien zusätzlich Pausen notwendig, so am Vormittag und Nachmittag je-
weils 30 Minuten und über Mittag zusätzlich zur normalen Mittagspause ca.
1 Stunde um die notwendige Zeit zur Hochlagerung und Entlastung der
Füsse zu ermöglichen. Aufgrund der Akten sei seit 1. November 2018 (Fall-
abschluss der Suva am 31. Oktober 2018) von einer Arbeitsfähigkeit von
100 % in einer angepassten Tätigkeit auszugehen (IVSTA-act. 85 S. 40 f.).
7.4 Die Schlussfolgerungen des rheumatologischen Gutachters sind an-
hand der erhobenen Befunde nachvollziehbar und entsprechen weitge-
hend den Vorakten, zu welchen der Gutachter auch im Einzelnen Stellung
genommen hat (vgl. IVSTA-act. 85 S. 47 f.). Die gutachterliche Einschät-
zung der Leistungsfähigkeit betreffend eine angepasste Tätigkeit steht so-
dann sowohl im Einklang mit dem von der Kreisärztin im September 2018
formulierten Leistungsprofil als auch mit demjenigen von Dr. med.
G._, welcher dem Beschwerdeführer eine sitzende Tätigkeit ganz-
tags bereits ab Januar 2017 zumutet. Ferner wird dem Beschwerdeführer
auch im Gutachten von Dr. Q._ vom 11. Oktober 2019 sowie im
Gutachten der D._ vom 23. September 2021 eine vollzeitige Ar-
beitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit attestiert. Einzig Dr. med.
M._ attestiert dem Beschwerdeführer eine geringere Leistungsfä-
higkeit in einer angepassten Tätigkeit. Zu Recht hat der Gutachter aber
darauf hingewiesen, dass dieser Bericht weder einen Körperstatus noch
eine Begründung enthält, womit er nicht geeignet ist, Zweifel an der gut-
achterlichen Einschätzung zu erwecken.
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7.5 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, der Einfluss der einzu-
nehmenden Medikamente auf seine Leistungsfähigkeit sei nicht seriös ab-
geklärt worden, ist festzuhalten, dass im bidisziplinären Gutachten vom
23. Oktober 2019 die Medikation des Beschwerdeführers aufgeführt ist und
die Gutachter somit ihre Beurteilung in Kenntnis derselben abgegeben ha-
ben (IVSTA-act. 85 S. 30). Ausserdem ist davon auszugehen, dass Fach-
ärzte in ihrem jeweiligen Fachgebiet auch die Wirkung und Nebenwirkung
von Medikamenten beurteilen können (vgl. IVSTA-act. 111.345). Anlässlich
der psychiatrischen Untersuchung gab der Beschwerdeführer Konzentrati-
onsprobleme an. Der Gutachter konnte jedoch keine Zeichen von Konzent-
rationsschwäche feststellen. Der Beschwerdeführer habe gut auf die ge-
stellten Fragen eingehen können. Die Merkfähigkeit und die Gedächtnis-
leistungen seien intakt gewesen. Es würden keine kognitiven Einschrän-
kungen bestehen (IVSTA-act. 84 S. 18 und 23). Den Akten ist sodann zu
entnehmen, dass der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben ab No-
vember 2018 morgens eine zusätzliche Dosis des Analgetikums Palexia
eingenommen hat. Im Verlaufsbericht des Spitals I._ vom 11. Feb-
ruar 2019 wurde dann aber festgehalten, dass die Einnahme von Palexia
am Tag eine starke Müdigkeit bewirke. Entsprechend wurde dieses Medi-
kament nur noch zur Einnahme am Abend – wie bisher – aufgelistet (IV-
STA-act. 71.286). Dr. med. G._ beurteilte in seinem Bericht vom
25. März 2019 das Konzentrations- und Auffassungsvermögen als unein-
geschränkt (IVSTA-act. 65 S. 6). Dagegen erachtete Dr. med. M._
in seinem Bericht vom 17. April 2019 das Konzentrationsvermögen als je
nach Dosis der Schmerzmittel (un)eingeschränkt, wobei diese Relativie-
rung mangels zusätzlicher Angaben nicht nachvollzogen werden kann (IV-
STA-act. 67 S. 6). Im Weiteren ergeben sich aus dem orthopädischen Gut-
achten von Dr. Q._ vom 11. Oktober 2019 ebenfalls keine Anhalts-
punkte für allfällige Konzentrationsprobleme. Aus dem Umstand, dass der
Beschwerdeführer an den Tagen, an denen er Lidocain-/Ketamin-Infusio-
nen erhält, nicht arbeitsfähig ist, vermag er nichts zu seinen Gunsten ab-
zuleiten, zumal diese Infusionen lediglich alle paar Wochen durchgeführt
werden. Nichts anderes ergibt sich aus dem Gutachten der D._ vom
23. September 2021, in welchem die Gutachter gar zum Schluss gekom-
men sind, dass namentlich die analgetische, zentral wirksame Medikation
nicht (mehr) indiziert sei (vgl. BVGer-act. 28 Beilage 2 Hauptgutachten
S. 16).
7.6 Der Beschwerdeführer bestreitet sodann die Verwertbarkeit der gut-
achterlich festgestellten verbleibenden Leistungsfähigkeit. Er macht na-
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mentlich geltend, aufgrund seiner spezifischen Probleme (fehlende Wege-
fähigkeit, erforderliche Pausen für Hochlagerung des nackten und unförmi-
gen Fusses, über 50 Jahre alt), sei er keinem Arbeitgeber des schweizeri-
schen Arbeitsmarktes zumutbar.
7.6.1 Nach der Rechtsprechung hängt die Möglichkeit einer versicherten
Person, das verbliebene Leistungsvermögen auf dem allgemeinen ausge-
glichenen Arbeitsmarkt zu verwerten von den konkreten Umständen des
Einzelfalls ab. Massgebend sind die Art und Beschaffenheit des Gesund-
heitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einar-
beitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch die Persönlichkeits-
struktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, berufli-
cher Werdegang oder die Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem an-
gestammten Bereich. Beim ausgeglichenen Arbeitsmarkt handelt es sich
um eine theoretische Grösse, so dass nicht leichthin angenommen werden
kann, die verbliebene Leistungsfähigkeit sei unverwertbar. Er umfasst auch
sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei
denen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen des Arbeitgebers
rechnen können. Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist insbeson-
dere dann anzunehmen, wenn die zumutbare Tätigkeit in nur so einge-
schränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt
praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkom-
men eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden
einer entsprechenden Stelle daher zum Vornherein als ausgeschlossen er-
scheint (Urteile des BGer 9C_21/2022 vom 15. Juni 2022 E. 2.3.1;
8C_416/2020 vom 2. Dezember 2020 E. 4).
7.6.2 Aufgrund des gutachterlich formulierten Leistungsprofils muss die an-
gepasste Tätigkeit im Wesentlichen fussschonend sein. Der eingeschränk-
ten Wegefähigkeit kann mit einer vorwiegend sitzenden Tätigkeit Rech-
nung getragen werden. Auch das Hochlagern des Fusses erscheint bei ei-
ner vorwiegend sitzenden Tätigkeit ohne weiteres möglich. Nach der allge-
meinen Lebenserfahrung ist auch Personen mit eingeschränkter Mobilität
die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel möglich und zumutbar. Der Be-
schwerdeführer ist folglich nicht derart eingeschränkt, dass auf dem aus-
geglichenen Arbeitsmarkt keine entsprechenden Tätigkeiten mehr zur Ver-
fügung stehen würde. Das Alter bleibt sodann als invaliditätsfremder Faktor
grundsätzlich unberücksichtigt. Hinzu kommt, dass dem zum Verfügungs-
zeitpunkt 53-jährigen Beschwerdeführer noch eine beachtliche Aktivitäts-
dauer verbleibt. Hilfsarbeiten werden ausserdem altersunabhängig nach-
gefragt (Urteil des BGer 9C_284/2018 vom 17. Juli 2018 E. 2.2.3).
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7.7 Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz da-
von ausgegangen ist, der Beschwerdeführer sei in einer angepassten Tä-
tigkeit und unter Berücksichtigung des gutachterlich angeführten Leis-
tungsprofils seit November 2018 wieder vollschichtig arbeitsfähig, wobei
die verbleibende Leistungsfähigkeit auch verwertbar ist.
8.
Nachfolgend ist die Invalidität zu bemessen und der daraus resultierende
Invaliditätsgrad zu bestimmen.
8.1 Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16
ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG (in der bis zum 31. Dezember
2021 geltenden Fassung) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu be-
stimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person
nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Be-
handlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut-
bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invali-
deneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkom-
men). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen,
dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig mög-
lichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich
aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allge-
meine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2; Ur-
teil des BGer 8C_536/2017 vom 5. März 2018 E. 5.1). Für den Einkom-
mensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothetischen) Be-
ginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invaliden-
einkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige renten-
wirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungser-
lass zu berücksichtigen sind (BGE 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2; Urteil des
BGer 8C_61/2018 vom 23. März 2018 E. 6.2). Für die Bemessung der In-
validität einer im Ausland wohnhaften versicherten Person sind Validen-
und Invalideneinkommen grundsätzlich bezogen auf denselben Arbeits-
markt zu ermitteln (BGE 137 V 20 E. 5.2.3.2; Urteil des BGer 8C_300/2015
vom 10. November 2015 E. 7.1).
8.2 Für den Zeitraum seit dem Unfall im August 2016 bis Oktober 2018 ist
von einer umfassenden Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Unter diesen Um-
ständen kann auf die genaue ziffernmässige Berechnung von Validen- und
Invalideneinkommen verzichtet werden, zumal sich unabhängig davon
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eine erwerbliche Einbusse von 100 % ergibt. Der Rentenanspruch des Be-
schwerdeführers ist unter Berücksichtigung des Wartejahres im Sinn von
Art. 28 Abs. 1 Bst. b IVG sowie der Frist von sechs Monaten ab Rentenan-
meldung vom 9. Mai 2017 (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG) im November 2017
entstanden. Demzufolge hat der Beschwerdeführer ab dem 1. November
2017 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung.
8.3 Ab November 2018 ist dem Beschwerdeführer eine angepasste Tätig-
keit vollumfänglich zumutbar.
8.3.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist nach der Rechtspre-
chung entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest-
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in
der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empi-
rischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesund-
heitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen von diesem Erfah-
rungssatz müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein
(BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 134 V 322 E. 4.1; Urteil des BGer 8C_897/2017
vom 14. Mai 2018 E. 3.1). Die B._ AG hat dem Beschwerdeführer
aus gesundheitlichen Gründen per 31. Dezember 2017 gekündigt (IVSTA-
act. 32.143). Somit ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
ohne Gesundheitsschaden dort weitergearbeitet hätte. Die Vorinstanz
stützt sich auf den durch die Suva anhand der Lohnunterlagen des letzten
Arbeitgebers berechneten jährlichen Validenlohn von brutto Fr. 62'720.–
([Stundenlohn Fr. 26.70 + Zuschlag 13. Monatslohn Fr. 2.54] x 41.25 Wo-
chenstunden x 52 Wochen; vgl. IVSTA-act. 11, 23, 46 S. 3, 87, 93 S. 11).
Diese Berechnung ist nicht bestritten und grundsätzlich auch nicht zu be-
anstanden. Da vorliegend das hypothetische Valideneinkommen im Jahr
2018 massgebend ist, ist jedoch das auf den Stundenlohn für 2016 basie-
rende Jahreseinkommen an die Nominallohnentwicklung anzupassen. Für
das Jahr 2018 resultiert (gemäss Tabelle des Bundesamtes für Statistik,
T1.1.10, Nominallohnindex Männer, 2011–2021, Indes [Basis 2010 = 100])
ein Valideneinkommen von Fr. 63'322.50 (Fr. 62'720.–: 104.1 [Index Män-
ner Total 2016] x 105.1 [Index Männer Total 2018]).
8.3.2 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der be-
ruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Per-
son konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit
aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben
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sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in
zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen
aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt
grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein
solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil
die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder
jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenom-
men hat, so können insbesondere Tabellenlöhne gemäss LSE herangezo-
gen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3 mit Hinweis; Urteil des BGer
9C_422/2017 vom 17. Mai 2017 E. 4.1), wobei grundsätzlich immer die ak-
tuellsten statistischen Daten zu verwenden sind (BGE 143 V 295 E. 2.3).
Die Vorinstanz hat folglich zu Recht auf die Tabellenlöhne der LSE 2016
abgestellt. Aufgrund der grossen Anzahl an einfachen und repetitiven Tä-
tigkeiten im Bereich der Produktion und Dienstleistungen kann davon aus-
gegangen werden, dass einige dieser Tätigkeiten an die Einschränkung
des Beschwerdeführers angepasst sind. Der Totalwert für Männer im pri-
vaten Sektor beläuft sich auf monatlich brutto Fr. 5'340.– bei einer wö-
chentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden. Unter Umrechnung dieses stan-
dardisierten monatlichen Einkommens auf die betriebsübliche wöchentli-
che Arbeitszeit von 41.6 Stunden im Jahr 2018 sowie unter Anpassung an
die Nominallohnentwicklung ergibt sich ein Einkommen von Fr. 5'606.95
monatlich (Fr. 5'553.60 : 104.1 [Index Männer Total 2016] x 105.1 [Index
Männer Total 2018]) bzw. Fr. 67'283.40 jährlich. Da aus medizinischer Sicht
zusätzliche Pausen von täglich zwei Stunden notwendig sind, rechtfertigt
sich unbestrittenermassen eine entsprechende Reduktion des Jahresein-
kommens auf Fr. 51'109.50 (Fr. 67'283.40 : 41.6 Stunden x 31.6 Stunden).
Schliesslich ist der von der Vorinstanz gewährte leidensbedingte Abzug
von 15 % vor dem Hintergrund, dass dem zusätzlichen Pausenbedarf be-
reits mit einer Reduktion des hypothetischen Lohnes Rechnung getragen
worden ist und mit Blick auf die restriktive bundesgerichtliche Rechtspre-
chung als grosszügig zu beurteilen. Damit beträgt das hypothetische Inva-
lideneinkommen Fr. 43'443.–.
8.3.3 Die Gegenüberstellung von Validen- und Invalideneinkommen ergibt
eine Einkommenseinbusse von Fr. 19'879.50 (Fr. 63'322.50 - Fr. 43'443.–)
und damit einen nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrad von 31 %.
Folglich hat der Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der Dreimonats-
frist gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV ab 1. Februar 2019 keinen Rentenan-
spruch mehr.
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9.
Aus dem Dargelegten folgt, dass die Beschwerde abzuweisen ist.
10.
10.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis und 2
IVG), wobei die Verfahrenskosten gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG in der Re-
gel der unterliegenden Partei auferlegt werden. Entsprechend dem Aus-
gang des Verfahrens sind die auf Fr. 800.– festzusetzenden Verfahrens-
kosten dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der geleis-
tete Kostenvorschuss von Fr. 800.– ist zur Bezahlung der Verfahrenskos-
ten zu verwenden.
10.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr er-
wachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen
(Art. 64 Abs. 1 VwVG). Dem unterliegenden Beschwerdeführer ist keine
Parteientschädigung zuzusprechen. Als Bundesbehörde hat die obsie-
gende Vorinstanz keinen Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 7 Abs. 3
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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