Decision ID: 1c65c047-9214-4624-8509-9d845110b581
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1982 geborene
X._
, Mutter zweier Söhne (geboren
2006 und 2008
), ohne
Berufsaus
bildung, war seit dem Jahr 2010 Hausfrau
. Am 1
4
.
Februar 2017
(Eingangsdatum)
meldete
sich die Versicherte
unter Beilage diverser Arztberichte mit Hinweis auf
ein p
anvertebrales Syndrom
, Fibro
myalgie und
Verdacht auf
eine
Schmerzverarbeitungsstörung bei psychoso
zialer Belastungssituation bei
der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 11/
1 und
Urk.
11/
2).
Zur Abklärung der medizinischen und erwerblichen Verhältnisse
holte die IV
Stelle zunächst Berichte der beha
ndelnden Ärzte ein (
Urk.
11/11 und Urk.
11/12)
und zog
einen Auszug aus dem individuellen Konto
bei
(Urk.
11/14)
.
Am 2
4.
März 2017
teilte die IV-Stelle
der Versicherten
mit, dass aufgrund ihres Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen Ein
gliede
rungs
massnahmen angezeigt seien (Urk.
11/15).
Am 2
1.
April 2017 fand eine orthopädisch-rheu
matologische Untersuchung beim R
egionalen Ärztlichen Dienst
(RAD)
statt (Urk.
11/
17
).
Nachdem
die
Versicherte
mit
Einwänden
vom
4.
Juni bzw.
13
.
Juli
2017 (
Urk.
11/21
und Urk.
11/23
)
gegen den
einen Rentenspruch verneinenden
Vorbescheid
vom 3. Mai 2017 vorgebracht
hatte
(Urk. 11/19)
, dass
eine
umfassende
psychiatrische
Abklärung fehle, zog die IV-
Stelle
einen
psychiatrischen
Bericht
der
behandelnden Ärztin
bei
(
Urk.
11/27).
Anschliessend wurde die
Versicherte
durch
das
Z._
polydisziplinär (inter
nistisch,
rheumatologisch,
neuro
logisch, psychiatrisch
) begutachte
t (
Exper
tise vom 2.
März 2018 [
Urk.
11/43
]
)
,
w
orauf
hin die IV-Stelle
nach
der
Stellung
nahme der
Versicherten
vom 15.
Juni 2018
(
Urk.
11/47)
mit
Verfügu
ng vom 3.
September 2018
einen Rentenanspruch
verneinte
(Urk.
2 [=
11/49
]
).
2.
Dagegen erhob die
Versicherte
am
3.
Oktober 2018 Beschwerde und bean
tragte, die Verfügung vom
3.
September 2018 sei aufzuheben
und die Sache sei zur rechtsgenüglichen Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen.
In pro
zessualer Hinsicht ersuchte die
Beschwerdeführerin
um
unentgeltliche
Pro
zess
führung (
Urk.
1)
. Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
November 2018 bean
tragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10), was
der Beschwerdeführerin
am 1
3.
November 2018 zu
r
Kenntnis gebracht wurde (Urk.
12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG])
gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG
).
1.2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK
1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutach
tens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Unter
suchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegeben
en
falls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nen
falls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen,
dass nach
der medizinischen Beur
teilung
(Einsicht in die medizinischen
Akte
n
,
medizinischer Untersuch durch
den
RAD)
keine erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigung ausgewiesen sei
. Auch aus dem
interdisziplinären
Gutachten vom
2.
März 2018
, welches aufgrund des Einwandes der Beschwerdeführerin vom
4.
Juni 2017 eingeholt worden sei,
gehe keine Diagnose hervor, welche sich auf
die Leistungsfähigkeit auswirke. Auf das Gutachten sei abzustellen, da es formell und inhaltlich den gestellten Anforde
rungen entspreche (
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellt
e
sich demgegenüber auf den Standpunkt, das ein
geholte Gutachten
entspreche
insbesond
e
re
bezüglich der Schlüssigkeit nicht
den
rechtsprechungsgemässen Anforderungen an
ein
beweistaugliche
s
ärztliche
s
Gut
achten
(
Urk.
1 Rz.14 ff.)
. Auf
grund der multiplen Mängeln müsse daher
ein Ob
er
gu
tachten
eingeholt werden
, welches sich
speziell
mit der Überwindbarkeit
in Bezug auf die somatoformen S
chmerzstörungen auseinandersetz
en würde (Urk.
1
Rz
. 22)
.
Darüber hinaus
werde die Beschwerdeführerin
durch die IV-Stelle als zu 100
%
im Haushalt
tätig
qualifiziert. Jedoch werde sie
durch die
Sozialen Dienste der
A._
unterstützt und
würde
ohne gesundheitliche Ein
schränkungen
verpflichtet werden
,
einer Erwerbstätigkeit nach
zu
gehen
, was die
IV-Stelle bei ihrer Beurteilung entsprechend
b
erücksichtigen
müss
e
(
Urk.
1
Rz
.
23).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung vom
3.
Septem
ber 2018
im Wesentlichen auf das interdisziplinäre Gutachten vom
2.
März 2018
ab (Urk. 11/
43
). Darin werden die bis zur Begutachtung de
r Beschwerdeführerin
aktenkundigen medizinischen Berichte zusammengefasst (Urk. 11/
43
/
3-
11
), wes
halb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erfor
derlich, wird in den nachfolgenden Erwägungen aber darauf Bezug genommen.
3.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Innere Medizin,
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Rheumatologie,
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Neurologie,
und
m
ed.
pract
.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
hielten
in ihrem Gutachten vom
2.
März 2018
keine
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
fest. Ohne
Relevanz
für die Arbeitsfähigkeit beurteilten sie fol
gende Diagnosen
(
Urk.
11/43
/
41):
-
Chronifiziertes Ganzkörperschmerzsyndrom ohne anatomisches Korrelat
-
Haltungsinsuffizienz mit protrahierten Schultern und Hyperkyphose
-
Kontaktanlässe mit Bezug auf die soziale Umgebung (ICD-10: Z 60), Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung (mangelnde Spra
ch
kenntnisse)
-
Kontaktanlässe mit Bezug auf die Ausbildung (ICD-10: Z 55), geringes Schulbildu
ngsniveau, mangelnde Ausbildung
-
Kontaktanlässe mit Bezug auf die
wirtschaftliche
Lage (ICD-10 Z 59),
Abhängigkeit
vom Sozialamt
In der interdisziplinären Zusammenfassung führten die Gutachter aus, dass sich aus
allgemein-internistischer Sicht ein Bild einer leicht übergewichtigen und
dekonditionierten
Beschwerdeführerin
in gutem Allgemeinzustand
zeige
, wobei d
er internistische Status völlig unauffällig
sei
.
Im Rahmen der rheumatologischen Untersuchung habe sich
eine Schmerzhaftigkeit gezeigt.
Die Wirbelsäule zeige
jedoch
freie Beweglichkeit
und der
Gelenkstatus im Bereich der peripheren
sowie
der stammnahen Gelenke vollumfängliche Funktion
.
Auch präsentiere d
er Neurostatus
keine pathologischen Befunde. Somit könne ein
entzündlich-rheuma
ti
sches Geschehen ausgeschlossen
werden
. Die diversen schmerzhaften Trigger- und Kontrollpunkte seien Ausdruck des diagnostizie
rten Ganzkörper
schmerz
syn
droms
.
Aus neurologischer Sicht
präsentiere sich
die Unter
suchung ebenfalls völlig unauffällig. In der Anamnese werde ein gene
ralisiertes diffuses Schmerz
syndrom beklagt. Radikuläre Schmerzaus
strahlungen oder auf eine neurologische Erkrankung hinweisende Beschwerden seien
jedoch
nicht berichtet worden.
Auch seien keinerlei fachneurol
o
g
ische Beurteilungen aktenkundig.
In der MRT der Lendenwirbelsäule vom März 2015 seien leichte degenerative LWS
Verände
rungen, aber keine Wurzelkompressionen und keine spinale Enge beschrieben worden.
Somit bestehe aus fachneurologischer Sicht keine Diagnose (
Urk.
11/43
/
45).
Aus psychiatrischer Sicht
seien die Äusserungen der
Beschwer
deführerin
völlig vage und ungenau geblieben.
Sie
habe
keinerlei Daten und zeit
liche Zusammenhänge angeben
können
. Selbst die Geburtsdaten ihrer Kinder
habe sie nicht exakt gewusst
und
auch nicht auszurechnen
vermocht
. Die von der
Beschwerdeführerin
demonstrierten kognitiven Beeinträchtigungen könnten in diesem Umfang nicht nachvollzogen werden. Die auffällige Affektivität mit völligem Desinteresse, affektloser Unmotiviertheit entspräche d
er schon ab 2010 beschriebenen
«
Schmerzverarb
eitungsstörung
»
mit einem grundsätzlich dysfunk
tionalen Verhalten, maladaptiven Kognition
en
in Fo
rm gedanklicher Einengung auf da
s Schmerzerleben und einer rigiden Attribution der Ursachen auf organi
sche Faktoren.
Trotz dieses dysfunktionalen Krankheitsverhaltens
sei
sie in der Lage, ihren Haushalt zu führen.
D
ie diagnostizierten Kriterien für eine
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung gemäss IDC-10: F45.4
seien
nicht erfüllt
(Urk.
11/43
/
46).
Im Einzelnen
führte die psychiatrische Gutachterin
noch
weiter
aus,
dass eine
rezidivierende depressive Störung oder eine depressive Symptoma
tik im Rahmen der Begutachtung nicht bestätigt werden könne. Die
Beschwerde
führerin
sei bis anhin psychisch gesund (Urk. 11/43
/
37).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, d
ie Beschwerdeführerin
sei
in ihrem Aufgabenbereich voll arbeitsfähig
. Rein medizinisch-theoretisch könne die
Beschwerdeführerin
auch eine 100%-
ige
Tätigkeit als Hilfsarbeiterin
,
z.B. in einem Lager, in der Küche oder in einer Fabrik ohne die Notwendigkeit deutscher Sprachkenntnisse ausüben (Urk.
11/43
/
48).
4.
4.1
Das polydisziplinäre Gutachten der MEDAS
F._
vom 2. März 2018
(Urk. 11/43) beruht
auf
den
umfassenden fachärztlichen
allgemeininternistischen, rheumatologischen,
neurologischen
und
psychiatrischen
Untersuchungen und wurde in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) verfasst
(Urk. 11/43
/
S.
3 ff.). D
ie vorhandenen Arztberichte
wurden
sorgfältig
gewürdigt (Urk. 11/43 S.
12 ff.; vgl.
Urk. 11/43
S.
21 ff., 11/43 S. 25; Urk. 11/43
S.
36 f.).
Die Gutachter haben detaillierte Befunde und hieraus begründete Diagnosen erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten
der Beschwerdeführerin
ausführlich
auseinandergesetzt. Zudem haben sie die medi
zinischen Zustände und Zusammen
hänge einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolgerungen
nachvollziehbar begründet. Das
Gutachten
erfüllt
daher die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweistaugliche ärztliche
Ent
schei
dungs
grundlagen (vgl. E.
1.3
).
4.2
Die Beschwerdeführerin führte hiergegen aus, dass die Gutachter die Befunde zwar erhoben, allerdings nicht richtig gewürdigt hätten.
4.2.1
So macht
e
sie unter anderem geltend,
die Gutachter seien der Meinung, es läge keine Somatisierungsstörung vor, da das Kriterium der multiplen, wiederholt auf
tretenden und häufig wechselnden körperli
chen Symptome nicht erfüllt sei
,
obwohl
der RAD-B
e
richt und
diverse
Berichte des Kantonspitals
G._
Schilderungen der Beschwerdeführerin
festhielten
,
nach welchen
sie
über diverse Symptome und Schmerzen an unterschiedlichen Körperstellen klage
(Urk.
1
Rz
.
1
5)
.
Dem ist entgegenzuhalten,
dass in Anbetracht der sich mit Bezug auf Schmer
zen naturgemäss ergebenden Beweisschwierigkeiten die subjektiven Sch
m
erzan
gaben der
Beschwerdeführerin
für die Begründung einer teilweisen Invalidität allein nicht
aus
reichen
. Es m
uss
vielmehr
im Rahmen der sozialver
s
icherungs
rech
t
l
ichen Leistungsprüfung verlangt werden, dass die Sch
m
erz
angaben durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig
feststellbare
Befunde hinreichend
erklärbar
sind
(
BGE 130 V 352 E.
2.2.2)
.
Vorliegend stellte
die
psychiatrische Gutachter
in
denn auch
ausführlich
und
nachvollziehbar
dar
, dass die diagnosti
schen Kriterien für eine anhaltende somatoforme Schmerz
störung oder eine chro
nische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren nicht erfüllt
sind
(
Urk.
11/43
/
37
-38
).
Darüber hinaus sind die multiplen, wiederholt auftreten
den und häufig wechselnden körperlichen Schmerzen nur eine Voraussetzung
,
um eine chronische Schmerzstörung diagnostizieren zu können. Unter anderem müsste auch ein psychischer Faktor
gegeben sein
(
143 V 418 E. 5.21 und 5.2.2)
, was gemäss dem Gutachten
nicht der Fall ist (
Urk.
11/43
/
37
-38
,
Urk.
11/43/
47
-48
).
Zudem
klagte
die
Beschwerde
führerin
in der Gesamtbetrachtung der Krank
heitsgeschichte grund
sätzlich stets über starke Nacken- und Rückenschmerzen, die in andere
Bereiche ausstrahl
t
en
(
Urk.
11/1
)
.
Nach
der Anmeldung zum Leistungsbezug
schilderte
sie dann
vor allem
Schmerzen
am ganzen Körper,
wobei ihre
Berichterstattung
bezüglich der
damit verbundenen
Schmerzlokalisa
tion
an den einzelnen Körperteilen
variierte
(Urk.
11/17
/
1
, 11/27
/
2, 11/
43
S.
17, 22
, 26, 29
)
.
4.2.2
D
es Weiteren
brachte
die Beschwerdeführerin vor,
dass die
Kriterien für eine
anhaltend
e
somatoforme Schmerzstörung
gemäss den Gutachtern auch
aufgrund der fehlenden
Schmerzintensität nicht
erfüllt seien
,
obwohl die Beschwerde
führerin anlässlich der Begutachtung angab,
die Intensität der Beschwerden betrügen auf einer Schmerzskala
von 1-10 die Stufe
7 sowie
9.
Zudem würden
im Bericht des Röntgeninstituts
H._
vom 1
2.
März 2015 die Schmerzen als
massivst
und medikamentös fast therapieresistent beschri
e
ben
(
Urk.
1
Rz
.
16).
Die Gut
achter führ
t
en diesbezüglich aus, dass die
Schmerzangaben
während der Untersuchung
hinsichtlich der
Qualität und Quantität
insgesamt
sehr ungenau und wenig differenziert
geblieben seien
(Urk.
11/43
/
53
)
.
Der rheumatologische Gutachter hielt
darüber hinaus
fest, da
ss
in Diskrepanz zu den massiv beklagten Beschwerden
doch ein seh
r geringer Leidensdruck bestehe
.
Die
Beschwerde
führe
rin
habe ihre Beschwerden lachend lokalisieren können
(
Urk.
11/43
/
22). Hinzu kommt, dass
a
bgestützt auf die Angaben der
Beschwerdeführerin
zum Tagesab
lauf davon ausgegangen werden
kann
,
dass sie
trotz ihren Schmerzen
in der Lage
ist
, wichtige Funktionen im Haushalt wahr zu nehmen
und sie es auch
vermag
Freundinnen, Cousins und Cousinen zu treffen (
Urk.
11/
43
/
15 und
Urk.
11/43/
32
)
.
Damit ist
,
entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin
,
mit überwiegender Wa
hrscheinlichkeit erstellt, dass sie nicht an andauernden quälenden
Schmerzen leiden kann
.
4.2.3
Z
udem führte die Beschwerdeführerin aus, die Gutachter widerspr
ächen
sich, indem sie
einerseits
festhielten
, dass verschiedene psychosoziale Belastungen festgestellt würden, die
se
jedoch keine Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit
hätten
(Punkt 6.3)
.
Andererseits d
ann im Rahmen der diagnostischen
Kriterien
für eine somatoform
e S
c
h
merzstörung
(Punkt 7.2)
festhielten
, dass keine
schweren
psychosozialen
Belastungen
hätten
identifiziert werden können. Diese
aber dann doch
die S
chwer
e
aufweise
n würden,
diagnostisch
überhaupt
erwähnt zu werden
(Urk.
1
Rz
. 19)
. Die Gutachter hielten zu diesem Punkt schlüssig fest
, dass wohl verschiedene psychosoziale Belastungen
vorlägen
, diese aber Teil eines normalen
Lebensverlaufs
seien.
Damit
erklärten sie nachvollziehbar, dass
dies
e
beschriebenen psychosozialen Belastungen vorliegend
eben keine Relevanz ent
falten
(
Urk.
11/43
/
37)
.
4.2.4
Schliesslich hielt die Beschwerdeführerin fest, es sei ihr
der Vorwurf eines d
y
s
fun
k
tionalen und selbstlimitierenden Verhaltens gem
acht worden, da sie nicht in der Lage
gewesen sei
, das Alter
ihrer
Kinder mittel
s des Geburtsjahrs errechnen
zu können
, o
bschon
die
Gutachter
über ihre vierjährige Schulbildung im Bilde gewesen seien
(
Urk.
1
Rz
. 21
).
Die
psychiatrisch
e Gutachter
in
führte ausführlich in
ihrem
Befund aus,
die
Angaben
der
Beschwerdeführerin
seien
insgesamt sehr vage und es
fehle auch
die Anstrengungsbereitschaft, wichtige Daten auszu
rech
nen oder herzuleiten
.
Sie
könne
wichtige biografische Daten und deren zeitliche Einordnung nicht angeben, da sie diese vergessen oder nicht auszu
rechnen
ver
mochte
. Zudem wirke sie
völlig
desinteressiert
, affektlos, gelangweilt, unmotiviert
und
ohne Introspektionsfähi
g
keit
(
Urk.
11/43
/
33). Aus diesem Befund
leitete
sie
schliesslich die Beurteilung
her
, die
Beschwerdeführerin
habe viele wichtige Daten
nicht angeben können
, da sie diese vergessen
habe,
und sie diese
auf
Auf
forderung
hin
auch nicht auszurechnen
vermochte
. Die kognitiven Fähigkeiten würden jedoch im Gegensatz dazu im Alltag nicht
eingeschränkt
ersche
i
nen, sie könne offenbar auch den Haushalt alleine
bewältigen
(
Urk.
11/43
/
34
-35
).
Zudem wurde weiter festgehalten, die auffällige Affektivität mit völligem Desinteresse, affektloser Unmotiviertheit entspreche der schon ab 2010 beschriebenen
«
Schmerzverarbeitungsstörung
»
mit einem grundsätzlich dys
funktionalen Ver
halten, maladaptiven Kognition
en
in Form gedankliche
r
Ein
engung auf das Schmerzerleben und einer rigiden Attribution der Ursachen auf organische Fak
toren (
Urk.
11/43
/
37).
Demnach wurde,
entgegen
den
Aus
führungen der Beschwerdeführerin
,
ihr Verhalten aus verschiedenen Gründen
als dysfunktional und selbstlimitierend beschrieben
.
4.3
Zusammenfassend ist das Gutachten vom
2.
März 2018
voll beweiskräftig.
Von weiteren Abklärungen, wie von der Beschwerdeführerin gefordert, sind keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweis
würdigung (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen)
zu verzichten ist
.
Daran vermag
auch
der
Bericht
von
Dr.
S._
der
I._
vom
1
5.
August 2017
nichts
zu
ändern
(vgl.
Urk.
11/43
/
8 [
=
Urk.
11/27]
)
.
Diese
r
lässt vielmehr die Verschiedenheit von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag (BGE
137 V 210 E. 1.2.4, 124 I 170 E. 4) zu Tage treten
und
die Erfahrungs
tatsa
che, dass behandelnde Ärzte
und
Ärztinnen mitunter im Hinblick auf ihre auf
tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen
und
Patienten aussagen (BGE
135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E.
3b/cc).
5.
5.1
Gestützt auf die gutachterlichen Ausführungen
mag die Beschwerdeführerin
aus somatischer Sicht
wohl an Schmerzen leiden, jedoch
liegt kein
invalidisierender Gesundheitsschaden vor
. Somit erübrigt
sich die Durchführung eines struktu
rier
ten Beweisverfahrens nach BGE 1
41 V 281 (vgl. BGE 141 V 281 E.
2.2.2, Urteil des Bundesgericht 9C_899/2014 vom 2
9.
Juni 2015 E. 4.4).
5.2
Aus demselben Grunde kann
, e
ntgegen den Ausführungen der Beschwerde
führe
rin
(
Urk.
1
Rz
. 23)
, auch
offengelassen werden
, ob die Beschwerdeführerin
neben der Hausarbeit zusätzlich einer
Erwerbstätigkeit nachgehen
könnte
bzw. würde
.
5
.
3
Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
3.
September 2018
ist deshalb zu Recht ergangen. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
6
.
6
.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig
und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Diese Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt (Urk.
9
/
5 und 6
). Antragsgemäss (Urk. 1) ist de
r
Beschwerdeführer
in
deshalb die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen.
6
.2
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unab
h
ängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt.
Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von Fr.
6
00.-- als angemessen. Ausgangsgemäss ist diese de
r
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen, zufolge Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung jedo
ch einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
6
.
3
Die Beschwerdeführerin
ist zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet, sobald
sie
dazu in der Lage ist (§ 16 Abs. 4
GSVGer
).