Decision ID: c50f4b72-b528-4f87-a60c-93ee5eb052bf
Year: 2014
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
des Sachverhalts liege in verschiedenen Ausprägungen bzw. Versionen
vor. Im konkreten Fall sei davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin in der Hocke Reinigungsarbeiten verrichtet habe, aus
dieser Körperposition aufgestanden sei und dabei einen einschiessenden
Schmerz im Knie rechts verspürt habe. Es sei dabei irrelevant, ob die
Beschwerdeführerin schnell oder langsam aufgestanden sei und das Knie
an der Leiter angeschlagen habe. Auch sei es nicht überwiegend
wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin beim Aufstehen aus der
Hocke gestolpert sei. Immerhin sei man sich einig, dass kein Unfall im
Sinne von Art. 4 ATSG vorliege. Das Aufstehen aus der Hocke stelle
keine gesteigerte Gefahrenlage, sondern einen gewohnten
Bewegungsablauf dar. Die Schlussfolgerung von Dr. med. D._ –
welcher die Beschwerdeführerin nicht persönlich untersucht habe (nur
Aktenbeurteilung) – sei aus medizinischer Perspektive erfolgt, unter
Ausserachtlassung der rechtlichen Folgen der Beweislosigkeit. Ein
unfallähnliches oder sinnfälliges Ereignis sei nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
6. In der (freigestellten) Replik und der anschliessenden Duplik wurden
keine neuen (wesentlichen) Gesichtspunkte mehr vorgebracht; vielmehr
vertieften die Parteien darin nur nochmals ihre gegensätzlichen
Standpunkte.
- 5 -
Auf die weiteren Vorbringen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der
Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt ist vorliegend der Entscheid vom 12. Dezember 2013,
worin die Beschwerdegegnerin festhielt, dass die Beschwerdeführerin
keinen Anspruch auf Leistungen aus der Unfallversicherung habe, weil
die am 11. Juli 2013 bei Reinigungsarbeiten erlittene Knieverletzung
(Menikusläsion rechts) weder ein Unfall noch ein unfallähnliches Ereignis
darstelle. Strittig und zu klären ist, ob diese Leistungsverweigerung zu
Recht erfolgte und auf welchen Ereignisablauf im konkreten Fall
abzustellen ist.
2. a) Nach Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird der Unfallbegriff wie
folgt definiert: „Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.“ Laut
Art. 6 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20; lex specialis zum ATSG) kann der Bundesrat
Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalls ähnlich sind, in die
Versicherung einbeziehen. In Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) wird zu den unfallähnlichen
Körperschädigungen was folgt bestimmt:
- 6 -
Folgende, abschliessend aufgeführte Körperschädigungen sind, sofern
sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration
zurückzuführen sind, auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung
Unfällen gleichgestellt:
a. Knochenbrüche; b. Verrenkungen von Gelenken; c. Meniskusrisse; d. Muskelrisse; e. Muskelzerrungen; f. Sehnenrisse; g. Bandläsionen; h. Trommelfellverletzungen.
b) Bei unfallähnlichen Körperschädigungen nach Art. 9 Abs. 2 UVV müssen
zur Begründung der Leistungspflicht des Unfallversicherers – mit
Ausnahme der Ungewöhnlichkeit – die übrigen Tatbestandsmerkmale des
Unfalls erfüllt sein (vgl. RUMO-JUNGO/HOLZER, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum UVG, 4. Aufl., Zürich 2012, Art. 6 S. 80 ff.).
Besondere Bedeutung kommt hierbei der Voraussetzung des äusseren
Ereignisses zu, d.h. eines ausserhalb des Körpers liegenden, objektiv
feststellbaren, sinnfälligen, eben unfallähnlichen Vorfalles (BGE 129 V
466 E.2.2). Die schädigende äussere Einwirkung kann in einer
körpereigenen Bewegung bestehen (BGE 129 V 466 E.4.1). Das
Auftreten von Schmerzen als solches ist kein äusserer (schädigender)
Faktor im Sinne der Rechtsprechung, weshalb dieser nicht gegeben ist,
wenn die versicherte Person nur das (erstmalige) Auftreten von
Schmerzen in zeitlicher Hinsicht anzugeben vermag (BGE 129 V 466
E.4.2.1). Nicht erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schädigenden
Faktors auch, wenn das erstmalige Auftreten von Schmerzen mit einer
blossen Lebensverrichtung einhergeht, welche die versicherte Person zu
beschreiben in der Lage ist. Vielmehr ist gemäss Rechtsprechung für die
Bejahung eines äusseren auf den menschlichen Körper schädigend
einwirkenden Faktors stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses
- 7 -
gesteigertes Gefährdungspotential innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn
die zum einschiessenden Schmerz führende Tätigkeit im Rahmen einer
allgemeinen gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies
etwa für viele sportliche Betätigungen zutreffen kann. Der äussere Faktor
mit erheblichem Schädigungspotential ist sodann auch zu bejahen, wenn
die in Frage stehende Lebensverrichtung einer mehr als physiologisch
normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des Körpers,
insbesondere seiner Gliedmassen, gleichkommt. Deshalb fallen
einschiessende Schmerzen als Symptome einer Schädigung nach Art. 9
Abs. 2 UVV ausser Betracht, wenn sie allein bei der Vornahme einer
alltäglichen Lebensverrichtung auftreten, ohne dass hierzu ein davon
unterscheidbares äusseres Moment hineinspielt. Wer also lediglich beim
Aufstehen, Absitzen, Abliegen, der Bewegung im Raum, Handreichungen
usw. einen einschiessenden Schmerz erleidet, welcher sich als Symptom
einer Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV herausstellt, kann sich nicht auf
das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung berufen. Die
physiologische Beanspruchung des Skelettes, der Gelenke, Muskeln,
Sehnen und Bänder stellt keinen äusseren Faktor dar, dem ein zwar nicht
ungewöhnliches, jedoch gegenüber dem normalen Gebrauch der
Körperteile gesteigertes Gefährdungspotential innewohnen muss (BGE
129 V 466 E.4.2.2). Für die Bejahung eines äusseren Faktors braucht es
zusammenfassend demzufolge ein gesteigertes Schädigungspotential,
sei es zufolge einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch
Hinzutreten eines zur Unkontrolliertheit der Vornahme der alltäglichen
Lebensverrichtung führenden Faktors (BGE 129 V 466 E.4.3 mit
Aufzählung von Beispielen; bestätigt im Urteil des Bundesgerichts
8C_772/2009 vom 7. Mai 2010 E.3.2, und U 60/04 vom 2. Dezember
2004 E.2.3). Der Auslösungsfaktor kann also auch alltäglich und diskret
sein. Es muss sich indessen um ein plötzliches Ereignis handeln, wie eine
heftige Bewegung oder das plötzliche Aufstehen aus der Hocke. Dabei
- 8 -
kommt es beim Begriffsmerkmal der Plötzlichkeit im Rahmen der
unfallähnlichen Körperschädigung nicht so sehr auf die Dauer einer
schädigenden Einwirkung an, als vielmehr auf ihre Einmaligkeit (vgl. Urteil
des Bundesgerichts U 223/05 vom 27. Oktober 2005 E.4.2). Nach
unfallmedizinischer Erfahrung werden Meniskusverletzungen am
häufigsten durch sog. körpereigene Traumen in Form einer
unkontrollierten Drehbewegung bei gebeugtem Kniegelenk oder beim
Aufstehen aus der Hocke verursacht. Solche körpereigene Traumen
erfüllen die Begriffsmerkmale der zwar nicht ungewöhnlichen, aber
plötzlichen und äusseren schädigenden Einwirkung (vgl. Urteil des
Bundesgerichts U 5/02 vom 21. Oktober 2002 E.2.2 mit Hinweis auf
ALFRED BÜHLER, Meniskusläsionen und soziale Unfallversicherung in:
Schweizerische Ärztezeitung 2001 Nr. 44 S. 2339 ff., speziell S. 2341;
vgl. auch SZS 1996 S. 81 ff.). Unter Umständen kann der medizinische
Befund einen Beweis dafür bilden, dass eine Schädigung auf eine
ungewöhnliche äussere Einwirkung, also auf ein Unfallereignis,
zurückzuführen ist. Der mangelnde Nachweis eines Unfalls lässt sich
selten durch medizinische Feststellungen ersetzen. Sie dienen aber
mitunter als Indizien und Anhaltspunkte im Beweis für oder gegen das
Vorliegen eines Unfalles (Urteil des Bundesgerichts 8C_709/2010 vom
31. Januar 2011 E.2.2; BGE 103 V 175, RKUV 2003 Nr. U 485 S. 253
E.5).
c) Umstritten und zu beantworten ist hier, ob die Beschwerdegegnerin für
die Folgen der am 11. Juli 2013 erlittenen Knieverletzung
leistungspflichtig ist. Die Parteien sind sich darin einig, dass der genannte
Vorfall nicht als Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG zu qualifizieren ist. Bis
zuletzt strittig ist hingegen geblieben, ob eine unfallähnliche
Körperschädigung vorliegt und die Beschwerdegegnerin somit gestützt
auf Art. 6 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 UVV zur
- 9 -
Gewährung von Versicherungsleistungen verpflichtet gewesen wäre.
Aufgrund der vorhandenen medizinischen Akten ist dazu erstellt (vgl.
MRI-Bericht vom 16. Juli 2013; beschwerdegegnerisches Aktorum [Bg-
act.] 5) und auch allseits anerkannt, dass sich die Beschwerdeführerin am
11. Juli 2013 einen Meniskusriss (Papageienschnabelriss der Pars
intermedia/Übergang Hinterhorn Aussenmeniskus) und damit eben eine
Verletzung nach Art. 9 Abs. 2 lit. c UVV zugezogen hat. Umstritten und zu
klären ist damit aber, ob ein unfallähnliches Ereignis vorliegt. Um diese
Rechtsfrage schlüssig beantworten zu können, muss auf die
Schilderungen zum genauen Ereignishergang Bezug genommen werden,
wobei dafür – nach gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichts (vgl.
statt vieler: BGE 121 V 45 E.2a sowie Urteil des Bundesgerichts
8C_50/2012 vom 1. März 2012 E.5.1 m.w.H.) – grundsätzlich auf die
Aussagen der ersten Stunde der versicherten Person bzw. der allfälligen
Leistungsempfängerin abzustellen ist.
d) Die Beschwerdegegnerin argumentierte dazu, dass die
Beschwerdeführerin den Sachverhalt in verschiedenen Ausprägungen
geschildert habe. Jedenfalls sei davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin in der Hocke gereinigt habe, dann aufgestanden sei
und beim Aufstehen einen Schmerz im Knie verspürt habe. Dabei seien
die Angaben widersprüchlich geblieben, ob das Aufstehen „schnell“ oder
„langsam“ erfolgt sei, ob sie gestolpert sei und ob sie das Knie an der
Leiter angeschlagen habe. Folgende Unterlagen und Berichte sind zum
fraglichen Geschehensablauf vom 11. Juli 2013 im konkreten Fall
aktenkundig:
 Aus der Schadensmeldung vom 19. Juli 2013 geht hervor: Die Beschwerdeführerin war mit Reinigungsarbeiten beschäftigt. Sie reinigte in der Hocke und stand dann schnell auf. Dabei verspürte sie einen Schmerz im Knie (Bg-act.1).
- 10 -
 Im Abklärungsbericht des Kantonsspitals Graubünden vom 19. Juli, eingegangen am 12. August 2013 steht: Beim Aufstehen aus der Hocke nahm die Beschwerdeführerin einen akuten Gelenkschmerz im rechtsseitigen Kniegelenk wahr (Bg-act.4).
 Im Fragebogen vom 26. Juli 2013 äusserte sich die Beschwerdeführerin wie folgt: „Ich reinigte in der Hocke eine Leiter. Mit Aufstehen merkte ich ein Ziehen und stolperte mit dem rechten Knie aussen zur Leiter“. Zur Ursache des Ereignisses gab sie an: “Wurde gerufen, dass ich im unteren Stock weiter machen soll. Daher das schnelle Aufstehen" (Bg-act.2).
 Im Arztzeugnis vom 6. August 2013 (Dr. med. B._) wird festgehalten: Die Beschwerdeführerin verspürte beim Hinknien und Aufrichten einen einschiessenden Knieschmerz (Bg-act.3).
 Am 6. September 2013 hielt derselbe Arzt (Dr. med. B._) weiter fest: Die Patientin erzählt, dass sie am Vortag beim Hinknien einen einschiessenden Schmerz am rechten Knie verspürte. In der Folge konnte sie dieses Knie nicht mehr frei bewegen, da es stark schmerzte (Bg-act.6).
 Die Beschwerdeführerin hielt in ihrem Schreiben vom 6. September 2013 an die Beschwerdegegnerin noch wörtlich fest: „Am 11. Juli 2013 verspürte ich mit Putzen einer Leiter im rechten Knie, auf der äusseren Seite ein Ziehen. Mit aus der Hocke aufstehen (langsam), kam ich ins Stolpern und knallte mit dem rechten Knie an die Leiter. Von da an tat’s richtig weh [..]. Also wer kann mir garantieren, dass der Meniskus schon mit Aufstehen kaputt war und nicht erst als ich zur Leiter knallte“ (Bg-act.9).
 In ihrer Einsprache vom 17. September 2013 schilderte die Beschwerdeführerin den fraglichen Geschehensablauf wie folgt: „Das Unfallereignis liegt darin, dass die Beschwerdeführerin beim langsamen Aufstehen aus der Hocke ins Stolpern geriet und mit dem rechten Knie an einer Leiter aufschlug“ (Bg-act.12).
 Mit Einspracheergänzung vom 21. Oktober 2013 wurde noch angefügt:“... In der der Beschwerdegegnerin am 29. Juli 2013 zugegangenen detaillierten Beschreibung des Hergangs erläutert die Beschwerdeführerin, dass nach ihr gerufen wurde, da sie im unteren Stock weiter arbeiten solle. Aus diesem Grund stand sie nach längerem Verharren in der Hocke plötzlich und schnell auf“ (Bg-act. 16).
- 11 -
 Der konsultierte Chefarzt für Chirurgie, Dr. med. D._, hielt am 11. Oktober 2013 fest:“... Die Versicherte schilderte, dass sie beim Reinigen die Aufforderung bekommen hätte, den Arbeitsplatz zu wechseln. Sie hätte zu diesem Zeitpunkt in der Hocke eine Leiter gereinigt. Sie wäre aufgrund der Aufforderung ad hoc den Arbeitsplatz zu wechseln sofort aufgestanden und hätte in diesem Moment schon ein Ziehen bemerkt. Sie wäre zusätzlich gestolpert, mit dem rechten Knie aussen zur Leiter.“ In der zusammenfassenden Beurteilung wurde angeführt: “Die in der Hocke arbeitende Versicherte wurde aufgefordert die Räumlichkeiten zu wechseln, was sie veranlasste schnell aufzustehen, dies aber unsicher, so dass sie zur Leiter hin stolperte und dort anstiess“(Bg-act.16 S. 3-5).
Aufgrund der ärztlichen Feststellungen des Vertrauensarztes Dr. med.
C._ in der Aktennotiz vom 12. September 2013 (Bg-act.10) und dem
Chirurgen Dr. med. D._ vom 11. Oktober 2013 (Bg-act.16 S. 3) ist
aus medizinischer Sicht aber übereinstimmend erstellt, dass die
Menikusverletzung am Knie rechts nicht vom Aufprall an die Leiter
stammen kann.
e) Folgt man der Maxime der „Aussage der ersten Stunde“, worauf sich im
Übrigen auch die Beschwerdegegnerin beruft, so ist gestützt auf die
Angaben im Fragebogen vom 26. Juli 2013 davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin in der Hocke eine Leiter gereinigt hat und beim
Aufstehen aus der Hocke – nachdem sie gerufen wurde, an einem andern
Ort weiterzumachen – einen Schmerz im Knie verspürt hat, deswegen
gestolpert ist und dabei das rechte Knie an der Leiter angeschlagen hat.
Richtig ist aber, dass widersprüchliche Angaben darüber gemacht
wurden, ob schnell (oben Bg-act.2) oder langsam (oben Bg-act.9 und Bg-
act. 12) aus der Hocke aufgestanden wurde. Dem Grundsatz der
erhöhten Gewichtung der Angaben der ersten Stunde folgend ist hier
somit von einem schnellen (und plötzlichen, sofortigen und damit
ruckartigen) Aufstehen aus der Hocke auszugehen (vgl. dazu oben Bg-
act.16 und Bg-act.16 S. 3-5). Die spätere Aussage der
Beschwerdeführerin, dass sie „langsam“ aus der Hocke aufgestanden sei,
- 12 -
erfolgte nach der Mitteilung der Beschwerdegegnerin vom 26. August
2013, worin der Beschwerdeführerin eröffnet wurde, dass sie keinen
Anspruch auf Versicherungsleistungen habe, da weder ein Unfall (Fehlen
eines ungewöhnlichen äusseren Faktors) noch eine unfallähnliche
Körperschädigung (kein unfallähnliches Ereignis, da Aufstehen aus Hocke
normale alltägliche Bewegung) zu bejahen seien, und diese späteren
Angaben der Beschwerdeführerin offensichtlich in der Annahme erfolgten,
der Menikusriss sei (erst) beim Aufprall an die Leiter nach dem Stolpern
entstanden. Dass das Anschlagen an die Leiter aber nicht die Ursache für
die Knieverletzung rechts sein kann, wurde von den beiden konsultierten
Ärzten Dres. med. C._ und D._ bereits einhellig und
überzeugend dargetan (Bg-act.10; Bg-act.16 S. 3). Die später gemachten
Selbstangaben der Beschwerdeführerin (Bg-act.9; Bg-act.12) dürften
daher hauptsächlich von versicherungsrechtlichen Überlegungen
beeinflusst worden sein, weshalb darauf beweisrechtlich nicht abstellt
werden kann.
f) Im konkreten Fall verneint die Beschwerdegegnerin – unter Hinweis auf
die Urteile des Bundesgerichts 8C_282/2013 vom 27. Mai 2013 und
8C_772/2009 vom 7. Mai 2010 - das Vorliegen einer gesteigerten
Gefahrenlage und begründet damit auch das Fehlen einer unfallähnlichen
Körperschädigung für die Bejahung eines Versicherungsanspruchs aus
UVG. Es ändere sich dabei nichts daran, dass die Bewegung am 11. Juli
2013 angeblich schnell ausgeführt worden sei. Das Aufstehen aus der
Hocke im Rahmen von Reinigungsarbeiten stelle ein gewohnter
Bewegungsablauf dar. Eine gesteigerte Gefahrenlage könne darin nicht
erblickt werden. Es lägen zudem keine Anhaltspunkte vor, dass die
Aufstehbewegung reflexartig und/oder unkontrolliert erfolgt sei. Vielmehr
sei die Beschwerdeführerin aufgestanden, als sie gerufen worden sei, ihre
Arbeit in einem andern Stockwerk auszuführen. Das Anschlagen an der
- 13 -
Leiter sei ursächlich auf den einschiessenden Schmerz beim Aufstehen
zurückzuführen. Die dazu gegenteiligen Äusserungen von Dr. med.
D._ seien rechtlich ohne Bedeutung. Umgekehrt hält die
Beschwerdeführerin alle Merkmale für die Bejahung einer unfallähnlichen
Körperschädigung für gegeben. Der Geschehensablauf beim Aufstehen
sei programmwidrig gewesen. Eine gesteigerte Gefahrenlage liege zwar
nicht vor, aber es gehe auch nicht um ein normal abgelaufenes
Aufstehen, sondern um ein Aufstehen mit Stolpern, Gleichgewichtsverlust
und Anschlagen an eine Leiter. Zumindest ein Teil des fraglichen
Ereignisablaufs sei unkontrolliert erfolgt, was durch das Anschlagen an
der Leiter belegt werde. Die fachärztliche Beurteilung von Dr. med.
D._ vom 11. Oktober 2013 sei ein starkes Indiz für das Vorliegen
eines Unfalls.
g) In Würdigung der soeben geschilderten (gegenläufigen) Ereignisabläufe
und der dazu vorne in E.2d detailliert aufgeführten Dokumente und Akten
ist das Gericht zur Überzeugung gelangt, dass es sich hier mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit um ein unfallähnliches Ereignis
handelt. Laut unfallmedizinischer Erfahrung werden
Meniskusverletzungen am häufigsten durch sog. körpereigene Traumen
in Form einer unkontrollierten Drehbewegung bei gebeugtem Kniegelenk -
trifft hier nicht zu – oder beim Aufstehen aus der Hocke – trifft hier zu –
verursacht (vgl. dazu vorne E.2b). Dass die Beschwerdeführerin gemäss
ihren Schilderungen beim Aufstehen aus der Hocke stolperte, deutet –
entgegen der Darstellung der Beschwerdegegnerin in deren Duplik – in
der Tat auf ein unkontrolliertes und unkoordiniertes Aufstehen hin.
Sodann finden sich in den Aussagen der Beschwerdeführerin auch keine
Hinweise, dass ein „schnelles“ Aufstehen aus der Hocke für sie zum
alltäglichen Bewegungsablauf bzw. zu ihren normalen
Lebensverrichtungen gehören würde (anders die von der
- 14 -
Beschwerdegegnerin zitierten Urteile des Bundesgerichts 8C_772/2009
E.3.3 und auch 8C_282/2013 E.3.1). Nach dem Wissen und den
Erkenntnissen des streitberufenen Gerichts werden Reinigungsarbeiten in
der Regel denn auch nicht in der Hocke (also in zusammengekauerter
Körperposition), sondern üblicherweise eher in leicht gebückter
Körperstellung ausgeführt. Hinzu kommt weiter, dass die fachärztliche
Beurteilung vom 21. Oktober 2013 von Dr. med. D._ nicht
unbeachtet bleiben darf (vgl. erneut Bg-act.16 S. 3-5). Die
Beschwerdegegnerin weist in diesem Zusammenhang zwar zu Recht auf
die höchstrichterliche Rechtsprechung hin, wonach der mangelnde
Nachweis eines Unfalls sich nur selten durch medizinische Feststellungen
ersetzen lasse (vgl. dazu vorne E.2b in fine und dort bereits zitierte
Rechtsprechung). Ebenso klar hat das Bundesgericht aber schon
entschieden, dass medizinische Feststellungen mitunter als Indizien im
Beweis für oder gegen das Vorliegen eines Unfalls dienen (vgl. vorne
erneut E.2b in fine). Gerade dieser Fall liegt aufgrund der zuverlässigen
und einleuchtenden Beurteilung über die Herkunft der Knieschmerzen bei
der heute (erst) 26-jährigen Beschwerdeführerin durch Dr. med. D._
vom 11. Oktober 2013 vor, indem dort resümiert wird: Die Art und
Schwere der Verletzung könnten nur durch ein sinnfälliges Ereignis
entstanden sein, weil bei einer erst 25-jährigen Versicherten eine
derartige Knieverletzung kaum möglich sei. Ausserdem hätten die am
Heilungsprozess beteiligten Ärzte weder auf den [Röntgen-] Bildern noch
bei der Operation Anzeichen einer degenerativen [alters- und
abnützungsbedingten] Knieveränderung festgestellt (Bg-act.16). Nach
dem besagten Facharzt für Chirurgie handelt es sich beim hier zur
Diskussion gestellten Vorfall vom 11. Juli 2013 also um ein klassisches
Ereignis mit klassischen Symptomen eines akut ausgelösten
Meniskusrisses und folglich nicht um ein gewöhnliches Hochkommen aus
der Hocke. Seiner Meinung ist es demnach zu einem unkoordinierten
- 15 -
Aufstehen aus der Hocke gekommen mit entsprechend unkalkulierbarem
bzw. programmwidrigem Bewegungsablauf der dafür benutzten
Körpergliedmassen. Dieser Ereignishergang habe zum akuten Riss des
lateralen Meniskus geführt. Es liege damit ein Körperschaden vor, der
nicht krankheitsbedingt sei, sondern sich ausschliesslich mit der
erwähnten (schnellen/plötzlichen/sofortigen und damit ruckartigen)
Bewegung beim Hochkommen aus der Kauerstellung erklären lasse.
Typischerweise sei es aufgrund des Meniskusrisses zu
Bewegungsschmerzen – quasi zur Blockierung des rechten Kniegelenks
– und auch zu einem reaktiven Gelenkerguss am betreffenden Knie
gekommen. Überdies müsste noch einmal betont werden, dass die
Beschwerdeführerin nicht von sich aus die Körperstellung gewechselt
habe, sondern von aussen gerufen worden sei, wobei es dann zur
unkoordinierten Streckung des Kniegelenks und zum anschliessenden
Stolpern gekommen sei. Zusammengefasst lässt sich somit festhalten,
dass die medizinische Faktenlage ergeben hat, dass das Ereignis vom
11. Juli 2013 ursächlich für den lateralen Meniskusriss verantwortlich ist
und ausgeschlossen werden kann, dass das Knieproblem rechts
krankheitsbedingt entstanden ist oder durch degenerative Veränderungen
herbeigeführt wurde. Diese Befunde und Erkenntnisse müssen sich im
Resultat auch unfallrechtlich zu Gunsten der Beschwerdeführerin
auswirken.
h) Die Feststellung der Beschwerdegegnerin, wonach Dr. med. D._ die
Beschwerdeführerin gar nicht selbst und persönlich untersucht habe, ist
zwar korrekt. Allerdings ergeben sich aus dem MRI-Bericht vom 16. Juli
2013 (Bg-act.5) nicht die geringsten Hinweise auf degenerative
Veränderungen im rechten Kniebereich und zudem haben Dr. med.
D._ für seine Beurteilung bereits alle wichtigen medizinischen Akten
vorgelegen, weshalb es am fraglichen Aktengutachten von Dr. med.
- 16 -
D._ inhaltlich nichts zu bemängeln, zu ergänzen oder gar zu
korrigieren gibt. Reinen Aktengutachten kommt nämlich ebenfalls voller
Beweiswert zu, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im
Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich
feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (vgl. dazu die Urteile des
Bundesgerichts 8C_641/2011 vom 22. Dezember 2011 E.3.2.2 und
8C_723/2010 vom 25. März 2011 E.4.1). Die Beschwerdegegnerin stösst
folglich auch mit diesem Argument ins Leere, da das Aktengutachten von
Dr. med. D._ diese Vorgaben erfüllt.
i) Insgesamt ist das Gericht damit zum Schluss gelangt, dass der von der
Beschwerdeführerin geschilderte Bewegungsablauf – welcher fachärztlich
bestätigt der Anlass für den erlittenen Meniskusriss war – ein objektives,
sinnfälliges Ereignis gemäss Art. 9 Abs. 2 UVV darstellt, womit die
Beschwerdegegnerin für die Folgen des Ereignisses vom 11. Juli 2013
leistungspflichtig ist und damit den Anspruch auf Leistungen aus dem
UVG zu Unrecht verweigert hat. Die Beschwerde vom 14. Januar 2014 ist
infolgedessen gutzuheissen, der angefochtene Entscheid vom 12.
Dezember 2013 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu
verpflichten, der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen gemäss
UVG für das Ereignis vom 11. Juli 2013 zu erbringen.
3. a) Laut Art. 61 lit. a ATSG ist das kantonale Beschwerdeverfahren in
Sozialversicherungssachen – ausser bei leichtsinniger oder mutwilliger
Prozessführung – kostenlos, weshalb hier keine Gerichtskosten erhoben
werden.
b) Der obsiegenden und fachkundig vertretenen Beschwerdeführerin steht
gemäss Art. 61 lit. g ATSG aber noch eine angemessene
Parteientschädigung zu, wobei das Gericht – gestützt auf den Antrag der
- 17 -
Beschwerdeführerin auf ermessensweise Festlegung einer
Entschädigung durch die Gerichtsinstanz – vorliegend eine
Pauschalentschädigung von insgesamt Fr. 1‘500.-- (inkl. MWST) für
gerechtfertigt und ausgewiesen erachtet. Anzumerken bleibt einzig noch,
dass die Entschädigung bei der Vertretung durch eine
Rechtsschutzversicherung nicht derjenigen von freiberuflich tätigen
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten laut Art. 3 der Verordnung über
die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
(Honorarverordnung [HV]; BR 310.250) zwischen Fr. 210.-- und Fr. 270.--
pro Stunde entspricht, sondern praxisgemäss bei solchen Institutionen ein
tieferer Stundenansatz von Fr. 160.-- gilt (PVG 2010 Nr. 31).
c) Die privaten Gutachterkosten (Dr. med. D._) in der Höhe von Fr.
600.--, deren Kostenübernahme die Beschwerdeführerin in der
Beschwerde (vgl. Rechtsbegehren; Ziff. 4 im Sachverhalt) ausdrücklich
beantragt hat, gehen ebenfalls zulasten der Beschwerdegegnerin, weil
jenes Gutachten für die Streitentscheidung – aus medizinischer Sicht -
unerlässlich und nötig war, um den von der Beschwerdegegnerin
dargestellten Sachverhalt und die daraus abgeleitete Verneinung eines
Leistungsanspruchs zu widerlegen (vgl. dazu die Urteile des
Bundesgerichts 8C_1005/2012 vom 4. Februar 2013 E.5.2, 9C_237/2014
vom 13. Juni 2014 E.4 und 9C_178/2010 vom 14. April 2010 E.1 und E.2;
überdies Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU]
S 09 127 vom 2. Februar 2010 E.3b).