Decision ID: 66475282-2175-4df7-a8a6-b158f09f739d
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 21. November 2015 in der Schweiz um
Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 26. November
2015 sowie der Anhörung vom 19. August 2016 machte er im Wesentlichen
Folgendes geltend:
Er sei (...) Ethnie und in Kabul geboren. Mit (...) Jahren sei seine Familie
nach Herat umgezogen. Nach Abschluss seiner Maturität habe er zwei
Jahre lang (...) in B._ studiert und jeweils bei seiner Tante oder
Grossmutter in Kabul übernachtet. Im Jahr 2015 habe eine kriminelle
Bande den Mann seiner Tante namens C._ (ein erfolgreicher Ge-
schäftsmann; nachfolgend C._) entführt und erst gegen Bezahlung
von Lösegeld einen Monat später wieder freigelassen. Er selbst, ein Onkel
sowie der Sohn der Tante hätten die Polizei über die Entführung informiert.
Später seien zwei Bandenmitglieder gefasst worden. In der Folge sei er
von der Bande immer wieder mit dem Tod bedroht und zu einer Geldzah-
lung aufgefordert worden. Als er einmal von der Universität nach Kabul un-
terwegs gewesen sei, sei auf sein Auto geschossen worden. Diesen Vorfall
habe er der Polizei gemeldet. Später seien weitere Verwandte in Kabul an-
gegriffen worden. Ein Onkel sei dabei getötet, einer entführt und ein Cousin
verletzt worden. Er habe Kabul deshalb verlassen und sei nach Herat zu-
rückgekehrt. Dort sei er weiterhin telefonisch bedroht worden, und ihm sei
mitgeteilt worden, dass sein Aufenthaltsort bekannt sei. Sein Vater habe
beim Sicherheitsdienst in Herat eine Anzeige erstattet. Dennoch habe er
weitere Drohanrufe erhalten und befürchtet, dass einer seiner Brüder ent-
führt würde. Da die Behörden ihm nicht geholfen hätten, habe er beschlos-
sen, das Land zu verlassen. In Herat habe er ein Visum für den Iran erhal-
ten und Afghanistan am (...) 2015 verlassen. Im Iran habe er erfahren, dass
ein (...) von ihm entführt worden sei und die Entführer mit den Taliban zu-
sammenarbeiten würden. Seine Familie sei einige Male telefonisch kon-
taktiert und nach ihm gefragt worden. Sein Vater habe ihm deshalb emp-
fohlen, weiterzureisen. Am 21. November 2015 sei er in die Schweiz ge-
langt.
Als Beweismittel reichte er folgende Unterlagen ein:
 Seinen Reisepass,
 seine Tazkira,
 sein Maturitätszeugnis der 12. Klasse,
 eine Bestätigung der Universität B._,
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 einen Ausdruck eines im Internet erschienenen Artikels der „Herat
Zeitung“, unter anderem betreffend seine Fluchtgründe (ohne Da-
tum und Autor),
 eine Kopie eines polizeilichen Schreibens bezüglich der Anzeigeer-
stattung durch seinen Vater.
B.
Mit Verfügung vom 24. Mai 2017 – eröffnet am 29. Mai 2017 – verneinte
die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte
sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie
deren Vollzug an.
C.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwal-
tungsgericht mit Eingabe vom 19. Juni 2017 Beschwerde und beantragte
die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids, die Anerkennung der
Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, eventualiter die Aus-
setzung des Wegweisungsvollzugs wegen Unzulässigkeit und die Gewäh-
rung der vorläufigen Aufnahme, subeventualiter die Rückweisung der Sa-
che an die Vorinstanz zur Neubeurteilung. In prozessualer Hinsicht er-
suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege inklusive Kos-
tenvorschussverzicht sowie um Beiordnung der vormaligen Rechtsvertre-
terin, MLaw Céline Benz-Desrochers, als amtliche Rechtsbeiständin.
Mit Beschwerdeergänzung vom 23. Juni 2017 bat der Beschwerdeführer,
die aktuelle Lage in Kabul zu berücksichtigen und den Wegweisungsvoll-
zug zufolge Unzumutbarkeit auszusetzen. Er reichte eine Schnellrecher-
che der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) ein.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 27. Juni 2017 teilte die damals zuständige In-
struktionsrichterin dem Beschwerdeführer mit, er dürfe den Ausgang des
Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig hiess sie die die Gesu-
che um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und unentgeltli-
chen Rechtsverbeiständung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses und ordnete dem Beschwerdeführer MLaw Céline Benz-
Desrochers als amtliche Rechtsbeiständin bei.
E.
Mit Schreiben vom 11. Juli 2017 reichte die Rechtsvertreterin eine Kosten-
note ein.
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Seite 4
F.
Am 20. Mai 2019 reichte der Beschwerdeführer eine ergänzende Eingabe
ein. Darin nahm er Bezug auf sein Rechtsbegehren um Gewährung der
vorläufigen Aufnahme infolge Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs und äusserte sich zur allgemeinen Verschlechte-
rung der Sicherheits- und wirtschaftlichen Lage in Herat, B._ und
Kabul. Seine Familie sei dadurch in grosse finanzielle Schwierigkeiten ge-
raten und könne ihn nicht mehr unterstützen. Da er aus einer «Familie mit
Ausbildung» komme, gehöre er einer Risikogruppe an und müsse mit Ent-
führung und Lösegelderpressung seitens krimineller Banden und zuneh-
mend auch seitens regierungsfeindlicher Gruppierungen rechnen. Seine
Asylgründe seien daher plausibel sowie glaubhaft und er wäre bei einer
Rückkehr stark gefährdet. Seine Rückkehr nach Afghanistan sei unter die-
sen Umständen nicht zumutbar.
G.
Mit Schreiben vom 31. Oktober 2019 und 26. November 2020 erkundigte
sich der Beschwerdeführer über den Stand seines Beschwerdeverfahrens
und bat um Angabe eines ungefähren Urteilszeitpunkts. Diese Anfragen
wurden vom Bundesverwaltungsgericht mit Schreiben vom 5. November
2019 und 1. Dezember 2020 beantwortet.
H.
Mit Eingabe vom 9. März 2021 zeigte die rubrizierte Rechtsvertreterin unter
Vorlage einer entsprechenden Vollmacht die Vertretung des Beschwerde-
führers im vorliegenden Beschwerdeverfahren an, da die vormalige
Rechtsvertreterin nicht mehr bei der Beratungsstelle für Asylsuchende ar-
beite. Weiter bat sie um Angabe des ungefähren Urteilszeitpunkts.
I.
Mit Schreiben vom 28. April 2021 nahm der aufgrund des Austrittes der
bisherigen Instruktionsrichterin neu zuständige Instruktionsrichter zunächst
Bezug auf den Mandatswechsel und forderte die rubrizierte Rechtsvertre-
terin auf, dem Gericht ein begründetes Gesuch um Mandatswechsel nach-
zureichen. Hinsichtlich des Verfahrensstands verwies er – nebst den
Schreiben vom 5. November 2019 und 1. Dezember 2020 – auf die auf-
grund der COVID-19-Pandemie verbundenen organisatorischen Heraus-
forderungen und die vorliegend zusätzliche Verzögerung aufgrund zu ko-
ordinierender Rechtsfragen.
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Seite 5
J.
Am 10. September 2021 reichte die vormalige Rechtsvertreterin ein be-
gründetes Gesuch um Mandatswechsel nach.
K.
Mit Zwischenverfügung vom 13. Oktober 2021 entliess der Instruktionsrich-
ter MLaw Céline Benz-Desrochers aus ihrem Amt als unentgeltliche
Rechtsbeiständin und ordnete dem Beschwerdeführer die rubrizierte
Rechtsvertreterin neu als amtliche Rechtsbeiständin bei.
L.
Mit Verfügung vom 16. Februar 2022 hob das SEM im Rahmen des mit
Zwischenverfügung vom 10. Januar 2022 eingeleiteten Schriftenwechsels
in teilweiser Wiedererwägung der angefochtenen Verfügung deren Ziffern
3 bis 5 auf, stellte die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs fest und
verfügte die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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Seite 6
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Mit Verfügung der Vorinstanz vom 16. Februar 2022 wurden die Dispositiv-
ziffern 3 bis 5 (recte: 4 und 5) der angefochtenen Verfügung aufgehoben
und der Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen. In Bezug auf die Dispositiv-
ziffern 4 und 5 ist die Beschwerde somit gegenstandslos geworden. Ge-
genstand des vorliegenden Verfahrens bleibt somit die Prüfung der Flücht-
lingseigenschaft, die Gewährung des Asyls sowie die verfügte Wegwei-
sung (Dispositivziffern 1, 2 und 3 der angefochtenen Verfügung).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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Seite 7
5.
5.1 Zur Begründung des Asylentscheids befand die Vorinstanz die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers als den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit
nicht genügend, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Seine
Ausführungen zur geltend gemachten Bedrohungslage seien vage, nicht
substanziiert und ohne Realitätskennzeichen ausgefallen. Zufolge der Aus-
nahmesituation wäre zu erwarten gewesen, dass er die vorgebrachten Er-
eignisse erlebnisgeprägt und mit individuellen Elementen geschildert hätte.
Seine Vorbringen hätten jeglichen persönlichen Bezug, Gedankengänge
und inhaltliche Besonderheiten vermissen lassen. Auf Nachfrage habe er
praktisch keine Informationen zu den angeblich erhaltenen Drohanrufen,
den Personen der zwei gefassten Bandenmitglieder oder zur Anzahl der
Drohanrufe geben können. Seine Schilderungen zum Vorfall mit dem Auto
seien nicht substanziiert, unpersönlich und oberflächlich ausgefallen. Ihnen
hätten die Lebendigkeit, die Wiedergabe von persönlichen Eindrücken und
Emotionen sowie die Schilderung von Details gefehlt. Zudem habe er den
Ablauf der Ereignisse nicht so schildern können, dass sich ein inhaltlich
und chronologisch nachvollziehbares Bild der Geschehnisse ergeben
habe. Es werde nicht ersichtlich, wie die Drohanrufe gegen ihn in die Rei-
henfolge der übrigen Ereignisse (Entführung von C._, Information
der Polizei, Festnahme der zwei Entführer und Freilassung von
C._) einzuordnen seien. Seine widersprüchlichen Angaben ver-
stärkten den Eindruck, dass er das Geschilderte nicht selbst erlebt habe
respektive sich die Ereignisse nicht in der dargestellten Art ereignet hätten.
Die eingereichten Beweismittel vermöchten an dieser Einschätzung nichts
zu ändern. Beim undatierten Zeitungsartikel und der Kopie des polizeili-
chen Schreibens könne es sich um Gefälligkeitsschreiben handeln. So-
dann würden Dokumente keiner materiellen Prüfung unterzogen, wenn sie
erfahrungsgemäss käuflich leicht erhältlich seien oder wenn unterschiedli-
che formale und inhaltliche Kriterien bei der Ausstellung eine schlüssige
Überprüfung des Dokuments verunmöglichten. Auf eine eingehende Wür-
digung werde deshalb verzichtet.
5.2 Diesen Erwägungen entgegnet der Beschwerdeführer, die Vorinstanz
habe die angeblichen Widersprüche in seinen Ausführungen nicht aufge-
führt. Es könne deshalb nicht genau eruiert werden, was ihm vorgeworfen
werde. Der Sachverhalt sei komplex und die Vorinstanz hätte weitere Fra-
gen stellen oder von ihm ein Schema verlangen müssen, wenn sie ihn nicht
verstanden habe. Sie könne ihm nicht ohne Begründung vorwerfen, er
habe das Geschilderte nicht selbst erlebt oder die Ereignisse hätten sich in
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wesentlichen Teilen nicht so ereignet, wie er sie dargestellt habe. Die Dro-
hungen am Telefon habe er ziemlich genau wiedergegeben. Zufolge der
Komplexität der gesamten Situation könne nicht erwartet werden, dass er
sich an jedes einzelne Wort der drohenden Personen oder den Zeitpunkt
der Telefonate erinnere. Den wesentlichen Inhalt und den Vorfall mit dem
Auto habe er schlüssig, detailliert und ohne Widersprüche dargelegt. Er
habe diesen Vorfall dreimal geschildert, weshalb keine persönlichen Emo-
tionen erwartet werden könnten. Die Vorinstanz habe ihn sodann nicht
nach seinen persönlichen Emotionen gefragt. Weiter habe sie zu bewei-
sen, dass die Kopie des Polizeiberichts von Herat gefälscht sei. Eine Prü-
fung dieses Dokuments habe sie nicht vorgenommen. Die Behauptung, der
Bericht sei nicht authentisch, sei nicht nachvollziehbar. Seine Asylgründe
seien detailliert, chronologisch und schlüssig ausgefallen. Der Schutzwille
seines Heimatstaates sei nicht vorhanden. Er werde bedroht, weil die be-
sagten Personen ihn als schuldig an der Festnahme von zwei Mitgliedern
der Entführerbande betrachteten. Diese Leute seien mächtig und würden
mit den Taliban arbeiten. Er habe deshalb sein Studium abbrechen müs-
sen. Die Vorinstanz habe keine Gesamtabwägung aller relevanten Um-
stände vorgenommen und die Sache sei deshalb eventualiter an diese zu-
rückzuweisen. Zudem habe sie ihre Abklärungs- und Begründungspflicht
verletzt.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht eine ungenügende
Feststellung des Sachverhalts, eine Verletzung der Abklärungspflicht sowie
der Begründungspflicht. Die Argumente der Vorinstanz gegen die Glaub-
haftigkeit seiner Vorbringen seien nicht nachvollziehbar, insbesondere
habe sie nicht dargelegt, inwiefern Widersprüche bestünden. Überdies
habe sie keine Prüfung des eingereichten Polizeiberichts vorgenommen
und in nicht nachvollziehbarer Weise behauptet, dieser sei nicht authen-
tisch. Es sei an der Vorinstanz zu beweisen, dass der Bericht gefälscht sei.
Diese Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls eine Kassation der an-
gefochtenen Verfügung bewirken könnten.
6.2 Das Verwaltungs-, beziehungsweise Asylverfahren wird vom Untersu-
chungsgrundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Die Behörde
hat von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechts-
erheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwendigen
Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzuklären
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und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Unrichtig ist die Sachver-
haltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger
oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvoll-
ständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz Untersu-
chungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat,
oder wenn nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sachumstände be-
rücksichtigt wurden. Die Behörde ist jedoch nicht verpflichtet, zu jedem
Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zu-
sätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie auf-
grund der Aktenlage als angezeigt erscheinen. Alle erheblichen Parteivor-
bringen sind sodann zu prüfen und zu würdigen, wobei sich das Ergebnis
der Würdigung in der Entscheidbegründung niederzuschlagen hat (vgl.
Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 35 Abs. 1 VwVG).
6.3 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung ausführlich darge-
legt, weshalb sie die Vorbringen des Beschwerdeführers als unglaubhaft
erachtete. Dabei verwies sie stets auf die exakten Protokollstellen, auf wel-
che mit dem jeweiligen Argument Bezug genommen wurde. Es trifft zwar
zu, dass – wie vom Beschwerdeführer vorgebracht – die erwähnten «wi-
dersprüchlichen Angaben» hinsichtlich der Reihenfolge der Ereignisse
nicht explizit angeführt wurden. Diese ergeben sich jedoch aus der Lektüre
der Protokollstellen, auf welche die Vorinstanz diesbezüglich verwies. Die
vorinstanzliche Begründung ist daher ohne Weiteres nachvollziehbar.
Hinsichtlich des Polizeiberichts ist sodann festzustellen, dass die Vor-
instanz zwar mit knapper, aber nachvollziehbarer und damit rechtsgenü-
gender Begründung von einer eingehenden Prüfung respektive Würdigung
dieses Beweismittels absah. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers
stellte sie nicht in abschliessender Weise die mangelnde Authentizität die-
ses Beweismittels fest, sondern verzichtete aufgrund des generell geringen
Beweiswerts solcher Dokumente auf eine eingehende Würdigung, zumal
sie seine Vorbringen für unglaubhaft befunden hat. Aus dem von ihm er-
wähnten BVGE 2011/37 vermag der Beschwerdeführer nichts zu seinen
Gunsten abzuleiten, zumal der diesem Entscheid zugrunde liegende Sach-
verhalt mit dem vorliegenden nicht vergleichbar ist.
Der Beschwerdeführer begründet seine Rüge der Verletzung der Abklä-
rungspflicht seitens der Vorinstanz im Wesentlichen mit einer – seiner An-
sicht nach – falschen Würdigung seiner Vorbringen. Dies betrifft allerdings
nicht die Frage nach der formellen, sondern der materiellen Richtigkeit des
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angefochtenen Entscheids und ist nachfolgend zu prüfen. Mangels Sub-
stanziierung seitens des Beschwerdeführers ist hierauf an dieser Stelle
nicht weiter einzugehen.
6.4 Insgesamt hat die Vorinstanz in rechtsgenügender und nachvollziehba-
rer Weise dargelegt, auf welche Überlegungen sie sich in ihrem Entscheid
stützte. Eine zureichende Anfechtung des vorinstanzlichen Entscheids war
dem Beschwerdeführer damit ohne Weiteres möglich. Eine Verletzung for-
meller Verfahrensvorschriften ist zu verneinen. Eine Rückweisung der Sa-
che an die Vorinstanz fällt damit nicht in Betracht. Ob die Begründung der
Vorinstanz in materieller Hinsicht zutreffend ist, ist nachfolgend zu prüfen.
7.
7.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-
gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des
Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der
gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder
nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesent-
liche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung einer Verfolgung ist eine
die eigenen Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesentlichen wider-
spruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse.
Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung
ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision
und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Er-
lebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten
oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftma-
chung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstim-
mung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und
Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder
gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdar-
stellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftma-
chung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar
möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und
überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung
sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
7.2 Nach Prüfung der Akten ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass die
Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen von Art. 7 AsylG an
das Glaubhaftmachen der Flüchtlingseigenschaft insgesamt nicht zu genü-
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gen vermögen. Der Beschwerdeführer vermag mit seiner Beschwerdeein-
gabe den vorinstanzlichen Erwägungen nichts Stichhaltiges zu entgegnen.
Zur Vermeidung von Wiederholungen kann daher mit den nachfolgenden
Ausführungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz gemäss
der angefochtenen Verfügung (vgl. a.a.O. Ziff. II.2) und obiger Zusammen-
fassung (E. 5.1) verwiesen werden.
7.3
7.3.1 Zunächst fällt auf, dass im Erzählstil des Beschwerdeführers augen-
scheinliche Strukturbrüche festzustellen sind. Lediglich eingangs der An-
hörung vermochte er in der freien Wiedergabe der Asylgründe ausführlich
und mit einzelnen Realkennzeichen seine Fluchtgründe darzulegen. Dies
betrifft jedoch nur jene Aspekte, von welchen im Voraus angenommen wer-
den durfte, dass diese im Rahmen einer Anhörung thematisiert werden.
Schilderungen zu diesen Geschehnissen hätten daher im Hinblick auf eine
Anhörung problemlos vorbereitet werden können. Währenddem der Be-
schwerdeführer den Grund für seine Ausreise aus dem Heimatland in einer
einzigen sehr langen Antwort zur gestellten Eingangsfrage (vgl. vorinstanz-
liche Akten A14 F 49) ausführt, zeichnet sich sein nachfolgendes Aussage-
verhalten in Kontrast hierzu dadurch aus, dass er auf Fragen und Nachfra-
gen zumeist nur noch kurz, oberflächlich, ausweichend und auffallend ohne
Realkennzeichen antwortete. So erwähnte er beispielsweise im freien Be-
richt hinsichtlich des Vorfalls mit dem Auto zwar den Ort des Vorfalls, die
Marke sowie die Farbe des anderen Fahrzeugs sowie dass sie «richtig
Angst» gehabt hätten (vgl. A14 F49, S. 7). Auf die spätere Bitte der befra-
genden Person, diesen Vorfall nochmals genau zu schildern, antwortete er
jedoch nur kurz und ohne jegliche Details, obwohl es sich dabei um ein
einschneidendes Erlebnis handeln würde (vgl. A14 F69). Weitere Einzel-
heiten und insbesondere persönliche Eindrücke fehlen in seinen Schilde-
rungen, welche damit insgesamt äusserst oberflächlich blieben. Dieser auf-
fallende Bruch in der Aussagequalität stellt für sich bereits ein Indiz für ei-
nen konstruierten Sachverhalt dar.
7.3.2 Hinzu kommt, dass sich die Aussagequalität auch dadurch auszeich-
net, dass die Schilderungen Widersprüche, Unstimmigkeiten und Logikbrü-
che aufweisen und stellenweise auch nur wenig lebensnah erscheinen.
Hierzu kann beispielhaft aufgeführt werden, dass der geschilderte Ablauf,
wie und weshalb es angeblich zu Drohanrufen gekommen sei, als wenig
realitätsnah einzustufen ist. Der Beschwerdeführer gab an, über mehrere
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Monate hinweg von Unbekannten telefonisch bedroht und hierbei beharr-
lich zu Geldzahlungen aufgefordert worden zu sein. Trotz unzähliger erhal-
tener Anrufe vermochte der Beschwerdeführer jedoch keinerlei klare Anga-
ben zum Inhalt und Ablauf dieser Anrufe zu machen (vgl. A14, F58, F63,
F68). Seine Schilderungen zeichnen sich hierbei nicht nur durch Substanz-
losigkeit aus, sondern lassen sich im Übrigen auch mit seinen sonstigen
Darstellungen nicht in Einklang bringen. Soweit der Beschwerdeführer bei-
spielsweise vorbrachte, die ihm unbekannten Anrufer (vgl. A14 F59 ff., F84)
wüssten «alles genau über ihn» (vgl. A14 F49, F93), ist nicht nachvollzieh-
bar, weshalb er dann nicht in der Lage war, den Inhalt der vielen Telefon-
gespräche auch nur annähernd substanziell darzulegen. Bemerkenswert
erscheint ferner, dass diese Personen, welche angeblich umfassendes
Wissen über seine Aktivitäten und sein Leben hätten, ihn niemals zu
Hause, an seinem Arbeitsplatz oder an einem anderen Ort, an dem er sich
gemeinhin aufhielt, aufgesucht und bedroht hätten, sondern sich stattdes-
sen monatelang bloss immer wieder telefonisch bei ihm gemeldet hätten,
ohne hierbei ihre Vorgehensweise irgendwie zu ändern oder ihre Forde-
rungen überhaupt je klar zu konkretisieren.
Weiter ist auch die angebliche Verhaltensweise der Anrufer mit einer ech-
ten Bedrohungssituation kaum in Einklang zu bringen. Die Anrufer, die über
Monate hinweg Geld verlangt haben sollen, hätten in der ganzen Zeit nie
ein Ultimatum für die Bezahlung gesetzt. Vielmehr hätten diese sich ein-
fach damit begnügt, ihn über rund (...) Monate hinweg – manchmal sogar
mehrmals täglich – zu bedrohen (vgl. A14 F62-68, F84). Dies ist nicht
nachvollziehbar, zumal diese Leute angeblich über jeden seiner Schritte
informiert gewesen seien (vgl. A14 F49, F74, F86, F93).
Auch der Grund, weshalb er überhaupt Zielscheibe dieser Personen ge-
worden sei, erscheint wenig schlüssig. Der Beschwerdeführer brachte
hierzu vor, dass diese Personen sich angeblich daran gestört hätten, dass
er die Polizei aufgesucht und mehrere Anzeigen erstattet habe (vgl. A14
F74). Deshalb sei es schliesslich zu Drohanrufen und zu Geldforderungen
gekommen. Hierbei erscheint jedoch kaum verständlich, weshalb die an-
geblichen Anrufer vom ihm nicht etwa den Rückzug dieser Anzeigen oder
einen Widerruf seiner bei der Polizei getätigten Aussagen, sondern ledig-
lich monatelang eine nicht näher spezifizierte Zahlung eines Geldbetrags
gefordert haben sollten. Auch dieses Geschehen wirkt wenig realitätsnah.
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Seite 13
Wie das SEM zu Recht festhielt, sind auch hinsichtlich der zeitlichen Ein-
ordnung der Drohungen Widersprüche festzustellen. So erwähnte der Be-
schwerdeführer im freien Bericht zunächst, sie (er, sein Cousin und sein
Onkel) seien in der Zeit, in der sie verschiedene Polizeiposten infolge der
Entführung von C._ aufgesucht hätten, immer wieder von den Ent-
führern angerufen und bedroht worden (vgl. A14 F49). Später antwortete
er in Widerspruch hierzu auf mehrmalige entsprechende Nachfragen, dass
er den ersten Drohanruf erst rund eine Woche nach der Mitteilung der Po-
lizei über die Festnahme der Entführer erhalten habe (vgl. A14 F57, F94).
Soweit der Beschwerdeführer schliesslich behauptet, bei den Leuten, die
ihn bedroht hätten, handle es sich um mächtige Personen mit Kontakt zu
den Taliban (vgl. A14 F81), steht diese Aussage in Widerspruch zu seinen
übrigen Angaben. Mehrfach hat der Beschwerdeführer auf konkrete Nach-
frage zur Identität dieser Personen zu Protokoll gegeben, keinerlei Kennt-
nis zu haben, wer diese Personen überhaupt seien (vgl. A14 F 59 [«Ich
schwöre, dass wir nicht wissen, wer diese Personen waren. Sie waren uns
unbekannte Personen»]; F84 [«Ich kenne diese Personen nicht. Ich habe
sie nie gesehen. Weil ich sie nicht kenne, weiss ich nicht, ob ich sie schon
mal gesehen habe oder nicht. Ich möchte damit sagen, dass ich nie direkt
persönlich bedroht worden bin»). Wenn der Beschwerdeführer über keiner-
lei Kenntnis der Personen verfügt, welche ihn angeblich bedroht hätten,
kann er offenkundig auch keinerlei Kenntnis darüber haben, ob diese Per-
sonen mächtig sind oder über welche Kontakte diese verfügen.
Auch die übrigen Schilderungen des Beschwerdeführers weisen Wider-
sprüche auf. So gab er beispielsweise an, dass das Auto, aus welchem
geschossen worden sei, ihnen entgegengekommen sei (vgl. A14 F69
[«Dort kam uns ein Auto entgegen»]). Wenig später erwähnte er abwei-
chend hiervon, dieses Fahrzeug sei ebenfalls Richtung Kabul unterwegs
gewesen, und dessen Insassen hätten auf ihn und seine Mitfahrer ge-
schossen, als das Auto auf gleicher Höhe gewesen sei (vgl. A14 F83).
Diese Schilderungen sind offensichtlich nicht vereinbar. Die Frage, aus
welcher Richtung ein Fahrzeug gekommen ist (in Fahrtrichtung oder in Ge-
genrichtung) aus dem geschossen wurde, ist ein zentraler Aspekt innerhalb
eines Geschehensablaufs. Dass ein Betroffener, der einen solchen Vorfall
effektiv selber erlebt haben will, sich nicht daran erinnern kann, aus wel-
cher Fahrtrichtung das angreifende Auto gekommen ist, erscheint daher
wenig lebensnah.
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Letztlich erweisen sich auch die Angaben, welche Auswirkungen seine
Ausreise auf seine Familie gehabt habe, als inkonsistent. Während der Be-
schwerdeführer zum einen angab, die anhaltenden Bedrohungen seien für
seine Familie dermassen belastend, dass seine Familie vermutlich alsbald
das Land verlassen müsse (vgl. A14 F88), brachte er wenig später hierzu
vor, dass ausser ein paar Anrufen, in denen sich die Unbekannten nach
seinem Aufenthalt erkundigt hätten, seine Familie keinerlei weitere Prob-
leme gehabt habe. Die Situation der Familie sei bloss schwierig, weil er so
weit weg von ihnen lebe (vgl. A14 F91 f.).
7.3.3 In einer Gesamtwürdigung erscheinen die Ausführungen des Be-
schwerdeführers zu seiner persönlichen Bedrohung als unglaubhaft.
7.4 Ergänzend ist festzuhalten, dass in der vom Beschwerdeführer geltend
gemachten Verfolgung kein flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv im Sinne
von Art. 3 AsylG zu erkennen sein dürfte. Seinen Angaben zufolge erfolg-
ten die angebliche Entführung von C._ und die anschliessenden
Drohungen in der kriminellen Absicht der Entführerbande, sich finanzielle
Vorteile zu verschaffen. Damit wären selbst bei Wahrunterstellung der Vor-
bringen die Voraussetzungen zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft
nicht erfüllt.
7.5 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abge-
lehnt.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
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sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen, soweit sie nicht gegenstandslos geworden ist.
10.
10.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung
sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen
(Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer ist mit sei-
nem Begehren um Asylgewährung und um Feststellung der Flüchtlingsei-
genschaft unterlegen. Bezüglich der Anordnung des Wegweisungsvollzugs
hat er zufolge der teilweisen Wiedererwägung der Verfügung durch das
SEM obsiegt. Praxisgemäss bedeutet dies ein hälftiges Obsiegen. Bei die-
sem Ausgang des Verfahrens wären die ermässigten Verfahrenskosten
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Zwischen-
verfügung vom 27. Juni 2017 wurde das mit der Beschwerde gestellte Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1
VwVG) gutgeheissen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
(Art. 64 Abs. 3 VwVG) verzichtet, nachdem die Begehren als nicht von
vornherein aussichtslos bezeichnet worden waren und die Bedürftigkeit be-
legt war. Die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege erfolgt praxis-
gemäss unter dem Vorbehalt einer nachträglichen Verbesserung der finan-
ziellen Verhältnisse. Aus dem ZEMIS ergibt sich nun, dass der Beschwer-
deführer seit dem (...) 2020 als (...) erwerbstätig ist, womit zum heutigen
Zeitpunkt nicht mehr von seiner Bedürftigkeit auszugehen ist. Die Ziffer 2
des Dispositivs der Zwischenverfügung vom 27. Juni 2017 ist deshalb wie-
dererwägungsweise in diesem Punkt aufzuheben und der Antrag auf Be-
willigung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG
mit Wirkung ex nunc abzuweisen (vgl. BGE 122 I 322 E. 2c; Entscheidun-
gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [E-
MARK] 2000 Nr. 6 E. 9).
Die hälftigen Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 375.– sind somit dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen.
10.2 Mit Zwischenverfügung vom 27. Juni 2017 wurde auch das Gesuch
um amtliche Rechtsverbeiständung im Sinne von aArt. 110a Abs. 1 AsylG
gutgeheissen und die vormalige Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbei-
ständin eingesetzt. Mit Zwischenverfügung vom 13. Oktober 2021 wurde
sie aus ihrem Mandat entlassen und an ihrer Stelle neu die rubrizierte
Rechtsvertreterin eingesetzt. Nachdem die Voraussetzungen von Art. 65
Abs. 1 VwVG nicht mehr erfüllt sind und der entsprechende Entscheid vom
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27. Juni 2017 wiedererwägungsweise aufgehoben wurde, mangelt es auch
an den Voraussetzungen für die Bestellung eines Anwaltes im Sinne von
aArt. 110a AsylG. Folglich wäre die Ziffer 3 des Dispositivs der Zwischen-
verfügung vom 27. Juni 2017 ebenfalls wiedererwägungsweise aufzuhe-
ben und das Gesuch um Beiordnung einer unentgeltlichen Rechtsvertre-
tung mit Wirkung für die Zukunft (vgl. KAYSER/ALTMANN, in: Kommentar
zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2019, Rz. 51
zu Art. 65) abzuweisen. Da das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem
Urteil jedoch abgeschlossen wird, erübrigt sich ein solcher Widerruf (vgl.
Urteil des BVGer D-2294/2019 vom 5. Juni 2020, E. 12.2.).
10.3 Soweit der Beschwerdeführer – zur Hälfte – unterliegt, ist der Rechts-
vertretung für ihre Aufwendungen im Beschwerdeverfahren ein amtliches
Honorar zu Lasten der Gerichtskasse auszurichten. Soweit der Beschwer-
deführer – ebenfalls zur Hälfte – obsiegt, ist ihm zu Lasten des SEM eine
reduzierte Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG;
Art. 15 und Art. 5 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]).
Der mit Kostennote vom 11. Juli 2017 für die Beschwerdeerhebung ausge-
wiesene Zeitaufwand von sieben Stunden erscheint zu hoch und ist um
zwei Stunden zu kürzen. Unter Berücksichtigung der weiteren Eingaben
bis zum Mandatswechsel vom 13. Oktober 2021 ist ein Aufwand von ins-
gesamt acht Stunden als angemessen zu veranschlagen. Für die einzige
Eingabe der rubrizierten Rechtsvertreterin ist ein Aufwand von einer halben
Stunde als angemessen zu veranschlagen.
Mangels anderer Hinweise ist von einer Abtretung des Honorars der vor-
maligen Rechtsvertreterin an die rubrizierte amtliche Rechtsbeiständin
auszugehen, zumal beide bei der Bündner Beratungsstelle für Asylsu-
chende tätig waren respektive sind.
In Anwendung der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE)
und gestützt auf die Entschädigungspraxis des Gerichts ist demnach zu
Lasten des SEM eine Parteientschädigung von Fr. 637.50 sowie zu Lasten
der Gerichtskasse ein amtliches Honorar in gleicher Höhe (jeweils inklusive
Auslagen) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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