Decision ID: 1970eca2-e61f-469d-acf6-678fe90a49ec
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_001
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: civil_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Mit Gesuch vom 14. Oktober 2022 an das Bezirksgericht Rheinfelden stell-
ten die Klägerin 1 folgende Anträge:
" Der jeweilige Arbeitgeber des Gesuchsgegners, zurzeit die Firma D. AG, Gewerbestrasse 24, 4123 Allschwil, respektive die jeweilige  sei superprovisorisch anzuweisen, unter Androhung der  im Unterlassungsfall, die Unterhaltsbeiträge zugunsten von A. von gegenwärtig Fr. 599.00 monatlich per sofort im Voraus auf das Konto von B. und A., [...], zu leisten.
B. stellt das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Es sei diese zu .
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Gesuchsgegners "
1.2.
Mit Verfügung vom 21. Oktober 2022 des Bezirksgerichtspräsidiums Rhein-
felden wurde die Arbeitgeberin des Beklagten, die D. AG, superprovisorisch
angewiesen, vom Lohn des Beklagten ab sofort monatlich und jeweils
gleichzeitig mit der Lohnzahlung einen Betrag von Fr. 599.00 direkt auf das
Bankkonto der Klägerin 2 zu überweisen. Gleichzeitig wurde dem Beklag-
ten das Gesuch zugestellt und ihm eine Frist zur Stellungnahme einge-
räumt. Der Beklagte liess sich innert Frist nicht vernehmen.
1.3.
Das Bezirksgerichtspräsidium Rheinfelden erliess am 16. November 2022
folgenden Entscheid:
" 1. Der jeweilige Arbeitgeber von C., zurzeit die D. AG, [...], respektive die jeweilige Arbeitslosenkasse wird, unter Androhung der Doppelzahlung im Unterlassungsfall, angewiesen, vom Lohn des Gesuchsgegners C. ab  monatlich und jeweils gleichzeitig mit der Lohnzahlung einen Betrag von Fr. 599.– direkt auf das Konto der Gesuchstellerinnen (...) zu . Die Forderung stützt sich auf Ziffer 3 (Konvention Ziffer 3) des Urteils des Richteramts Solothurn-Lebern vom 11. Dezember 2008 (SLZPR.2008.1070).
2. Die superprovisorische Verfügung vom 21. Oktober 2022 wird für die D. AG bestätigt, das heisst, dass die Anordnung gemäss Ziffer 1 vorstehend für die D. AG ab Erhalt der Verfügung am 24. Oktober 2022 gilt.
3. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege der Gesuchstellerin 2 wird abgewiesen.
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4. Die Entscheidgebühr von Fr. 960.– wird dem Gesuchsgegner auferlegt.
5. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen."
2.
Gegen diesen ihm am 28. November 2022 zugestellten Entscheid erhob
der Beklagte am 5. Dezember 2022 beim Obergericht des Kantons Aargau
Beschwerde und beantragte sinngemäss, dass ihm die vorinstanzliche Ent-
scheidgebühr nicht aufzuerlegen und ihm die unentgeltliche Rechtspflege
zu gewähren sei.

Considerations:
Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Der Kostenentscheid ist selbständig nur mit Beschwerde anfechtbar
(Art. 110 ZPO). Mit der Beschwerde können die unrichtige Rechtsanwen-
dung und die offensichtlich unrichtige Feststellung des Sachverhalts gel-
tend gemacht werden (Art. 320 ZPO). Neue Anträge, neue Tatsachenbe-
hauptungen und neue Beweismittel sind ausgeschlossen (Art. 326 Abs. 1
ZPO). Das Obergericht kann ohne Verhandlung aufgrund der Akten ent-
scheiden (Art. 327 Abs. 2 ZPO).
2.
2.1.
Mit seiner Beschwerde zeigt sich der Beklagte nicht einverstanden damit,
dass ihm die vorinstanzliche Entscheidgebühr von Fr. 960.00 auferlegt wor-
den ist.
2.2.
Im Verfahren betreffend Schuldneranweisung ist eine Kostenverlegung
nach Verursacherprinzip i.S.v. Art. 106 ZPO sachgerecht (vgl. JENNY, in:
Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schwei-
zerischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2016, N. 12 zu Art. 107 ZPO). Es
ist daher nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die gestützt auf § 8
VKD festgelegte Entscheidgebühr von Fr. 960.00 dem in der Sache unter-
legenen Beklagten auferlegt hat. Dies wird vom Beklagten auch nicht in
substantiierter Art und Weise in Frage gestellt.
2.3.
2.3.1.
Der Beklagte bringt indessen vor, dass er nicht in der Lage sei, die vor-
instanzliche Entscheidgebühr zu bezahlen. Soweit der Beklagte damit be-
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antragt, ihm seien die festgesetzten Kosten zu erlassen, so ist das Ober-
gericht für Kostenerlassgesuche weder zuständig, noch ist der vorinstanz-
liche Entscheid rechtskräftig (vgl. § 33 Abs. 4 GOG). Die Beschwerde kann
demgegenüber auch dahingehend verstanden werden, dass rückwirkend
die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das vorinstanzliche
Verfahren verlangt wird.
2.3.2.
Eine Person hat Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn sie nicht
über die erforderlichen Mittel verfügt und zudem ihr Rechtsbegehren nicht
aussichtslos erscheint (Art. 117 ZPO). Aussichtslos sind Begehren, bei de-
nen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefah-
ren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dage-
gen gilt ein Begehren als nicht aussichtslos, wenn sich die Gewinnaussich-
ten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig
geringer sind als diese. Ob im Einzelfall genügende Erfolgsaussichten be-
stehen, beurteilt sich aufgrund einer vorläufigen und summarischen Prü-
fung der Prozessaussichten, wobei die Verhältnisse im Zeitpunkt der Ein-
reichung des Gesuchs massgebend sind (BGE 142 III 138 E. 5.1).
Die unentgeltliche Rechtspflege wird nie von Amtes wegen, sondern nur
auf Gesuch hin gewährt (vgl. Art. 119 Abs. 1 ZPO; WUFFLI/FUHRER, Hand-
buch unentgeltliche Rechtspflege im Zivilprozess, 2019, Rz. 763). Grund-
sätzlich beginnen die Wirkungen eines bewilligten Rechtspflegegesuchs ab
dem Zeitpunkt der Gesuchseinreichung, mithin ex nunc. Eine Ausnahme
von diesem Grundsatz kann angezeigt sein, wenn eine nicht anwaltlich ver-
tretene Person entgegen der gerichtlichen Aufklärungspflicht i.S.v. Art. 97
ZPO nicht über die unentgeltliche Rechtspflege aufklärt wurde, weshalb
diese erst verspätet ein Rechtspflegegesuch einreicht (WUFFLI/FUHRER,
a.a.O., Rz. 715 und 721).
2.3.3.
Die Vorinstanz hat dem Beklagten zusammen mit der Zustellung des Ge-
suchs der Klägerinnen um Schuldneranweisung Informationen zum Verfah-
ren zukommen lassen. Unter anderem hat sie den Beklagten vorgängig zu
ihrem Entscheid über die Möglichkeit der Einreichung eines Gesuchs um
unentgeltliche Rechtspflege informiert (act. 7). Trotz entsprechender Gele-
genheit hat sich der Beklagte im vorinstanzlichen Verfahren aber weder
zum Gesuch der Klägerinnen vernehmen lassen, noch hat er ein Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege gestellt. Mangels entsprechendem Gesuch
konnte die Vorinstanz ein solches nicht behandeln und hat dem Beklagten
folglich zu Recht die unentgeltliche Rechtspflege nicht gewährt. In Anbe-
tracht der durch die Vorinstanz erfolgten Aufklärung des Beklagten über die
unentgeltliche Rechtspflege besteht für eine ausnahmsweise rückwirkende
Gewährung derselben kein Anlass. Das vom Beklagten im vorliegenden
Beschwerdeverfahren gestellte Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für
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das vorinstanzliche Verfahren erfolgt verspätet, was dieser nach Gesagtem
selber zu verantworten hat. Nachdem der Beklagte im vorinstanzlichen Ver-
fahren auch keine Rechtsbegehren in der Sache gestellt hat, würde es dar-
über hinaus ohnehin an der für die Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege notwendigen Voraussetzung der Nichtaussichtslosigkeit der gestell-
ten Begehren i.S.v. Art. 117 lit. b ZPO fehlen. Die Beschwerde gegen die
vorinstanzliche Kostenverlegung erweist sich demnach als unbegründet
und ist abzuweisen.
3.
Da sich das Beschwerdebegehren des Beklagten nach den obigen Ausfüh-
rungen als offensichtlich aussichtslos erweist, ist sein Gesuch um unent-
geltliche Rechtspflege für das obergerichtliche Verfahren abzuweisen
(Art. 117 lit. b ZPO).
4.
Auf eine Zustellung der Beschwerde zur Stellungnahme an die Klägerinnen
wurde wegen offensichtlicher Unbegründetheit derselben verzichtet
(Art. 322 Abs. 1 ZPO).
5.
5.1.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beklagte die obergerichtliche
Entscheidgebühr zu tragen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Diese ist auf Fr. 500.00
festzusetzen (§ 11 Abs. 1 i.V.m. § 8 VKD).
5.2.
Den Klägerinnen ist im Beschwerdeverfahren kein Aufwand entstanden,
weshalb ihnen keine Parteientschädigung zuzusprechen ist.