Decision ID: b88175c2-2f18-50de-9a1e-0f78d1cc7108
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 19
74,
war von
Mai 2008 bis Mai 2009
i
n
der
Y._
als Arztgehilfin
tätig, wobei der letzte Arbeitstag
der
2
7.
November 2008
war (
Urk.
6/11
/2
)
.
Unter Hinweis auf Depressionen
meldete sich
die Versi
cherte
am
2
0.
Februar 2009
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisc
he und erwerbliche Situation ab und
zog das von
Dr.
med.
Z._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
am 10. März 2010 erstatte
te
psychiatrische
Gutachten
bei
(
Urk.
6/34
).
Nach ergangenem Vorbescheid (
Urk.
6/54)
sprach die IV-Stelle
der Versicherten
mit Verfügungen vom
4.
August 2011
bei einem Invaliditätsgrad von
100
%
eine
befristete ganze
Rente
von
1.
November 2009 bis 3
1.
März 2010 und bei einem Invaliditätsgrad von 60
%
eine unbefristete
Dreiviertelsrente
mit Wirkung ab
1.
April 201
1
zu (
Urk.
6/63-64)
.
1.2
Nach Eingang eines am 1
4.
Oktober 2013 ausgefüllten Revisionsfragebogens
(Urk. 6/71) holte die IV-Stelle ärztliche Berichte ein (
Urk.
6/73/5,
Urk.
6/74). Nach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/80-87) hob die IV-Stelle mit Ver
fügung vom
3.
Juli 2014 die
Verfügungen vom 4. August 2011
wiedererwä
gungs
weise
auf
und stellte die Rente auf das Ende des folgenden Monats ein
(Urk. 6/88 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
3.
September 2014
Beschwerde (
Urk.
1)
gegen die Ver
fügung vom
3.
Juli 2014
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben (S. 2
Ziff.
1
) und es sei
ihr
weiterhin ihre bisherige Rente
zuzusprechen (S. 2
Ziff.
2).
Die IV-Stelle beantra
gte mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
Oktober 2014
(
Urk.
5
)
die
teilweise Gutheissung
der Beschwerde
im Sinne einer Rückweisung zu wei
te
ren Abklärungen
.
Mit Replik vom 1
9.
November 2014 (
Urk.
10) hielt die Beschwerdeführ
erin an
ihren
Anträgen
fest
mit der Ergänzung, dass eventuell ergänzende neuropsy
cho
lo
gisch
e Abklärungen vorzunehmen seien
.
Mit Eingabe vom
8.
Januar 2015 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf das Ein
reichen einer Duplik (
Urk.
12), was der Beschwerdeführerin am 3
0.
Januar 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
13).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung
des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG)
. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
säch
lichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen
Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hin
weisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich
gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in
seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
des
gerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003
E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszu
stan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im
Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung
einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte
rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheent
scheid
, welch
e oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditätsbe
mess
ung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.4
Fehlen die in
Art.
17 ATSG genannten Voraussetzungen, so kann die
Renten
ver
fü
gung
lediglich nach den für die Wiedererwägung rechtskräftiger
Ver
wal
tungsverfügungen
geltenden Regeln abgeändert werden. Danach ist die Verwal
tung befugt, auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Ge
gen
stand
materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn sich diese als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von er
heblicher Be
deutung ist (
Art.
53
Abs.
2 ATSG; BGE 110 V 176 E. 2a, E. 1 mit Hinweisen).
Das Gericht kann eine zu Unrecht ergangene Revisionsverfügung gegebenen
falls
mit der substituierten Begründung schützen, dass die ursprüng
liche
Rentenver
fügung
zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erhebli
cher Bedeutung ist (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 128 V 272 E. 5b/
bb
; Urteile des Bundesgerichts
9C_121/2014,
vom
3.
September 2014, E. 3.2.2,
9C_762/2013
vom 2
4.
Juni 2014 E. 4.2 und
9C_562/2008 vom 3. November 2008 E. 2.2, je mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Einstellung der Rente damit, dass
ge
mäss medizinischen Abklärungen weder aus somatischen noch aus psychischen Gründen ein Sachverhalt beschrieben werde, welcher in der Art und Schwere die Voraussetzungen gemäss
Art.
8 ATSG erfülle
. Die Einschränkung und Üb
er
lastung am Arbeitsplatz würden
keinen Gesundheitsschaden dar
stellen
, da die Beschwerden therapierbar seien und keine dauerhafte Einschränkung be
wirkten
. Aktuell sei auch von keiner Verschlechterung des Gesundheitszustan
des auszu
gehen
(
Urk.
2 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort machte die Beschwerdegegnerin sodann geltend, die da
ma
lige
Rentenzusprache
erweise sich als zweifellos unrichtig.
Die RAD-Stel
lung
nahme finde keine Stütze in den damaligen medizinischen Unterlagen. Weshalb
damals von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen worden sei, könne nicht
nachvollzogen werden
(
Urk.
5)
.
2.2
Die Beschwerde
führ
erin machte demgegenüber geltend,
die IV-Rente sei ihr nicht
zu Unrecht zugesprochen worden. Es habe damals ein
rentenanspruchsbe
grün
dender
Gesundheitszustand vorgelegen und auch heute bestehe immer noch eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Es sei ihr deshalb weiterhin eine Rente aus
zurichten (
Urk.
1 S. 3
,
Urk.
10 S. 5
, S. 11
f.
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob
die Verfügung vom
4.
August 2011 zu Recht we
gen zweifelloser Unrichtigkeit wiedererwägungsweise aufgehoben wurde.
3.
3.1
Der erstmaligen
Leistungszusprache
lagen folgende medizinische Berichte zu Grunde:
3.2
Die Ärzte des
A._
berichteten am 3
1.
Dezember 2008
(
Urk.
6/10/11-13)
und nannten als Diagnose eine mittelgra
dige depressive Episode
(
ICD-10 F32.1) sowie eine stressbedingte, teilweise
buli
mische
Anorexia
nervosa
(ICD-10 F50.0). Sie führten aus, es bestehe seit dem 2
3.
November 2008 bis heute eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
3.3
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, be
rich
tete am 1
6.
März 2009 (
Urk.
6/10/6-
7
) und nannte
folgende
Diagnose
n (S. 1):
mittelschwere depressive Episode
Verdacht auf stressbedingte, teilweise
bulimische
Anorexia
nervosa
Eisenmangel
anamnestisch seit 1998 Essstörungen
im Kind
e
salter
Dyskalkulie
und Teilleistungsschwächen
Sie führte aus,
es bestehe seit dem 2
4.
November 2008 bis auf weiteres eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit (S. 2
Ziff.
1.6
). Es lägen wahrscheinlich immer noch Teilleistungsschwächen vor. Die Beschwerdeführerin müsste erneut neuropsy
chologisch evaluiert werden (S. 2
Ziff.
1.7
).
Schnelles Arbeiten und mehrere Auf
gaben in kurzer Folge seien für die Beschwerdeführerin sehr schwierig. Die aktu
elle Arbeit sei der Beschwerdeführerin eher nicht mehr zumutbar (S. 2
Ziff.
1.7).
3.4
Die Ärzte des
A._
berichteten am 2
4.
März 2009 (
Urk.
6/13/9-15)
über die acht
wöchige Rehabilitationsbehandlung der Beschwerdeführerin
und nannten als Di
agnose
eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) sowie eine
stressbe
dingte
, teilweise
bulimische
Anorexia
nervosa
(ICD-10 F50.0).
Sie führten aus,
dass aus Sicht der
Beschwerdeführerin
die Beschwerden mit den Belastungen an der Arbeitsstelle zusammenhängen würden. Die gegenwärtige Leistungsfähigkeit dürfte den Anforderungen im Beruf nicht entsprechen (S.
2 oben).
Die Beschwerdeführerin sei mittelgradig gebessert, aber weiterhin
zu 100
%
arbeitsunfähig
aus der tagesklinischen Rehabilitation entlassen worden. Die Depression habe reduziert werden können und das
bulimische
Essverhalten habe sich zu einem grossen Teil normalisiert. Prognostisch günstig seien die Mo
tivation, der grosse Wille und die
Reflektionsfähigkeit
. Ungünstig hingegen die Unsicherheit, die grossen Selbstansprüche und die geringe Belastbarkeit.
Auf
grund der Schwere der Problematik sei eine Weiterbehandlung der Beschwerde
führerin dringend indiziert
(S. 4 unten)
.
3.5
Die Ärzte des
A._
berichteten erneut am 2
7.
März 2009 (
Urk.
6/13/6-8
), nannten die bekannten Diagnosen und führten aus, die Beschwerdeführerin sei nach wie vor zu 100
%
arbeitsunfähig. Die psychischen Beeinträchtigungen hätten sich je
doch reduziert. Die Belastbarkeit und die Konzentrationsfähigkeit seien aber im
mer noch sehr gering.
Die Beschwerdeführerin könne den beruflichen Anforde
rungen nicht entsprechen. Sie fühle sich schnell überfordert, was zur psychischen Destabilisierung führe und psychosomatische Reaktionen hervorrufe.
Ohne grosse Belastungssituationen sei eine weitere Stabilisierung auf längere Sicht möglich und somit eine Leistungssteigerung zu erwarten. Da die Beschwerdeführerin sehr stressanfällig sei und sich schnell unter Druck fühle, müsse eine
behinderungsan
gepasste
Tätigkeit in Betracht gezogen werden. Die Ausübung ihres Berufs als medizinische Praxisassistentin beziehungsweise Arztsekretärin sei daher in Frage gestellt (S. 1 oben).
3.6
Prof.
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, nahm am 1
1.
Febru
ar 2010
Stellung (
Urk.
6/32/3-4) und führte aus,
laut psychiatrischer Standort
bestimmung vom 1
1.
Februar 2010 verhindere bei der Beschwerdeführe
rin ein chro
nischer psychischer Gesundheitsschaden von Krankheitswert (ICD-10 F60.31 mit F50.1) seit November 2008 die volle Ausschöpfung der funktionellen Leis
tungsfähigkeit für beruflich zu verwertende Tätigkeiten. Im Vordergrund des verhaltenseinschränkenden Beschwerdebildes stünden Identitätsprobleme, ver
bun
den mit Erschöpfungskrisen, Minderwertigkeitsgefühlen und depressiv ge
tönten Verstimmungen. Die Beschwerdeführerin sei gut in der Lage, einen
eigen
strukturierten
Tagesablauf einzuhalten und beteilige sich bei ausgeprägter Leis
tungsmotivation aktiv am ärztlich eingeleiteten lege
artis
durchgeführten
Be
handlungsprozess
, der ambulant und bei Bedarf stationär durchgeführ
t werde. Aus versiche
r
ungsmedizinischer Warte bestehe vor dem Hintergrund des festge
stellten Gesundheitsschadens ein deutliches Integrationspotential der Beschwer
deführerin bei einer medizintheoretisch zu postulierenden Restarbeitsfähigkeit von 60
%
eines Pensums von 100
%
für angestammte und angepasste beruflich zu verwertende Tätigkeiten in leidensangepasster Arbeitssituation
.
3.7
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete sein psychiatrisches Gutachten
zuhanden der Krankentaggeldversicherung der Beschwerdeführerin
am 1
0.
März 2010 (
Urk.
6/34) gestützt auf
die Akten
, d
ie Ex
ploration der Beschwerdeführerin
sowie ein Telefongespräch mit dem behandeln
den Psychologen
des
A._
.
Er nannte folgende Diagnose
(
S. 5
Ziff.
4):
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), welche mittlerweile weit
gehend in Remission gelangt sei
Er führte aus,
zusammengefasst sei der Befund mit einer mittelschweren Depres
sion vereinbar, wobei die objektiv feststellbare Symptomatik jetzt bereits wieder weitgehend abgeklungen sei. Das klinische Bild sei allerdings weiterhin durch leichte Einbussen im Sinne von Teillei
s
tungsstörungen geprägt (S. 5
Ziff.
3). Das Krankheitsbild sei vor dem Hintergrund der umschriebenen Entwicklungsstörun
gen der schulischen Fertigkeiten (ICD-10 F81.3) zu sehen. Die Ursache des letzt
genannten Störungsbildes sei laut anamnestischen Angaben eine Asphyxie (S. 5
Ziff.
4). Die der Beschwerdeführerin attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100
%
als Arztgehilfin sei aus psychiatrischer Sicht dem Krankheitsbild und dessen bisheri
ger Ausprägung angemessen gewesen. Mit Blick auf die sich weitgehend in Re
mission befindliche Depression
sei davon auszugehen, dass inzwischen wieder eine Arbeitsfähigkeit bestehe.
Allerdings sei aufgrund der beschriebenen
Teilleis
tungsstörungen
eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in den Beruf als
Arztge
hilfin
unrealistisch. Eine Arbeitsfähigkeit in einer alternativen Tätigkeit sei zu 100
%
möglich (S. 5
Ziff.
5
, S. 6
Ziff.
6
).
3.8
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, nahm am
2.
Februar 2011 Stellung (
Urk.
6/53
/2
) und führte aus,
es könne aus psychiatrischer Sicht davon ausgegangen werden, dass eine 60%ige Arbeitsfähig
keit in angepasster Tätigkeit seit dem 1
0.
März 2010 bestehe. Eine Neubeurteilung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit durch eine RAD-Untersuchung sei in einem Jahr wieder vorzunehmen.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich beim Erlass der angefochtenen Verfü
gung vom 3. Juli 2014 (Urk. 2) auf folgende Berichte:
4.2
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 3
0.
Oktober 2013 (
Urk.
6/74/6-
9) und nannte folgende Diagnose mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 1
Ziff.
1.1):
anamnestisch depressive Episoden
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nann
te er nicht ul
zeröse Dyspepsien. Die Beschwerdeführerin sei vom 1
9.
bis 2
1.
Dezember 2012 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen
(S. 2
Ziff.
1.6)
.
Psychiatrisch habe er die Be
schwerdeführerin nicht behandelt, weshalb diesbezüglich keine Angaben mög
lich seien (S. 2
Ziff.
1.4).
4
.
3
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am
1
7.
April
2014 (
Urk.
6/82/5-8) und
nannte folgende Diagnosen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 3
Ziff.
1.1):
andauernde Persönlichkeitsveränderung nach psychischer Erkrankung (ICD-10 F62.1)
Entwicklungsstörungen schulischer Fähigkeiten (ICD-10 F81.3), wahr
scheinlich aufgrund einer
partalen
Asphyxie
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er einen Status
nach mittelgradiger Depression (ICD-10 F32.1), remittiert, sowie
einen
Status nach
Burn-Out. Er führte aus,
eine Arbeitsfähigkeit im früheren Beruf als
Arzt
gehilfin
sei nicht mehr gegeben. In einem geschützten Rahmen weise die Beschwerdeführerin eine Beschäftigungsfähigkeit von 60
%
auf. Die Einschrän
kungen und Defizite hätten sich über Jahre als stabil erwiesen, weshalb auf län
gere Sicht mit keiner Steigerung der Arbeitsfähigkeit oder der
Beschäftigungs
fähigkeit
zu rechnen sei (S. 1 f.).
5.
5.1
D
ie Beschwerdegegnerin
berief sich
zur Begründung ihrer
V
erfügung vom
3
.
Jul
i
201
4
(Urk.
2) auf die
zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Verfü
gung
en
vom
4
.
August
20
11
(vgl. vorstehend E. 1.
4
).
D
ie
Beschwerdegegnerin kann
auf formell
rechtskräftige Verfügungen
zurück
kommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von
er
heblicher Bedeutung ist.
Zweifellose Unrichtigkeit im
wiedererwägungsrechtli
chen
Sinn liegt vor, wenn die Verfügung aufgrund falscher oder unzutreffender
Rechtsregeln erlassen oder wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder un
rich
t
ig angewendet wurden. Zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen
Ren
ten
ver
fügung
kann auch bei unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts gegeben sein. Darunter fällt insbesondere eine unvollständige
Sach
verhaltsabklärung
aufgrund einer klaren Verletzung des
Untersuchungs
grundsatzes
(Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61
lit
. c ATSG).
Die Wiedererwägung im Sinne dieser Bestimmung dient
somit
der Korrektur einer anfänglich unrichti
gen Rechtsanwendung
einschliess
lich
unrichtiger Feststellung im Sinne
der Wür
digung des Sachverhalts.
Eine auf keiner nachvollziehbaren ärztlichen Einschät
zung der
mass
geb
lichen
Arbeitsfähigkeit beruhende Invaliditätsbemessung ist nicht rechtskonform
und die entsprechende Verfügung zweifellos unrichtig im
wiedererwägungs
recht
lichen
Si
nne (Urteil des Bundesgerichts
8C_947/2010 vom
1.
April 2011 E.
2.2.1 mit weiteren Hinweisen).
Auch
k
lar unzutreffende An
nahmen, die für die
Diag
nosestellung
von entscheidender Bedeutung sind, kön
nen in gleicher Weise wie das Fehlen einer nachvollziehbaren fachärztlichen Einschätzung der Arbeits
fähig
keit eine Leistungszusprechung als zweifellos un
richtig im
wiedererwä
gungs
rechtlichen
Sinn erscheinen lassen (
Urteil des Bun
des
gerichts
9C_86/2013
vom 3
0.
April 2013
mit Hinweisen).
5.2
Die Rentenverfügung vom
4
.
August
20
11
(Urk.
6
/
63-64
) erging wie bereits aus
ge
führt
insbesondere
gestützt auf
die RAD-Beurteilung
en
von
P
r
of
.
C._
(vgl.
vorstehend E. 3.6) und
Dr.
D._
(vgl. vorstehend E. 3.8).
Deren Beweiskraft ist jedoch nicht ohne weiteres als zwei
felhaft zu bezeichnen, zumal
der Bericht von RAD-Arzt Prof.
C._
ausführlich gehalten
ist,
und
RAD-Arzt
Dr.
D._
im Wissen um die
an
derweitige
Beurteilung von
Dr.
Z._
von einer Restarbeitsfähigkeit von
ledig
lich
60
%
ausging
und dies
mit der Diagnose eines chronischen psychischen Gesundheitsschadens mit
Krank
heitswert
begründete
.
Diese Einschätzungen er
scheinen nicht als offensichtl
ich falsch, insbesondere da
auch
Dr.
Z._
die der Beschwerdeführerin attestierte Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht dem Krankheitsbild und dessen bisheriger Ausprägung als angemessen betrachtete (vgl. vorstehend E. 3.7).
Ausserdem ist es nachvollziehbar, dass bei einem schwankenden
Krankheits
verlauf
die ärztlichen Einschätzungen unterschiedlich ausfallen können und einer stärkeren Ermessensausübung unterliegen. Der von der
Beschwerde
geg
ne
rin
angerufene Wiedererwägungsgrund liegt hier im Be
reich materieller
An
spruchsvoraussetzungen
, deren Beurteilung notwendiger
weise Ermessenszüge auf
weist.
Erscheint die Beur
tei
lung einzelner Schritte bei der Feststellung
einer
Anspruchsvoraussetzung
wie der
Arbeitsunfähigkeits
schätzung
vor dem Hinter
grund der Sach- und Rechts
lage, wie sie sich im Zeit
punkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung dar
boten, als vertretbar, schei
det die Annahme zweifel
loser Unrichtigkeit aus. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfü
gung - denkbar (SVR
2010 IV Nr. 5 S.
10, Urteil des Bundesgerichts 8C_1012/2008 vom 1
7.
August 2009
E. 2.2 mit Hinweisen
).
Ein so eindeutiger Schluss kann vorliegend nicht gezogen werden; die
Zu
sprache
einer befristeten ganzen Rente sowie einer unbefristeten
Dreiviertelsrente
er
scheint in Anbetracht der damaligen Sachlage als ver
tret
bar.
Eine wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung
en
vom
4.
August 2011 ist somit nicht möglich.
6.
6.1
Zu prüfen ist eine revisionsweise Änderung des Invaliditätsgrades der Be
schwerdeführerin.
Im Rahmen des Revisionsverfahrens gingen die Berichte von Dr.
E._
und Dr.
F._
ein (vgl. vorstehend E. 4.2 und 4.3). Diese Berichte sind nicht geeignet,
um eine allfällige Verschlechterung oder Verbesserung des Gesundheits
zu
stande
s und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu beurteilen: Dr.
E._
wies darauf hin, dass er als Facharzt für Allgemeine Innere Medizin die psychische Be
einträchtigung der Beschwerdeführerin nicht behandle und deshalb keine An
gaben machen könne. Dr.
F._
ging fälschlicherweise davon aus, dass Dr.
Z._
eine Rest-Arbeitsfähigkeit von 60 % - korrekt wäre 100 %; vgl. vor
stehend E. 3.7 - attestiert habe (vgl. Urk. 6/82 S. 1). Zudem legte Dr.
F._
nicht nachvollziehbar dar, weshalb sich nun eine andauernde
Persönlichkeits
veränderung
eingestellt haben soll, und wie sich die zusätzlich diagnostizierte Entwicklungsstörung schulischer Fähigkeiten mit der Ausbildung der Beschwer
de
führerin als diplomierte Arztgehilfin (vgl. Urk. 6/2/2) vereinbaren lässt. Es kann
jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin weiterhin an
einer invalidisierenden psychischen Erkrankung leidet. Darüber geben jedoch die
vorliegenden Arztberichte zu wenig Aufschluss, was auch die
Beschwerde
geg
ne
rin
feststellte (vgl. Urk. 5).
6.2
Da
somit
aktuelle
verlässliche
ärztliche Einschätzungen
zu
Diagnosen und
einer
Restarbeitsfähig
keit
in einer den Beschwer
den optimal angepassten Tätigkeit
wie auch in der angestammten Tätigkeit
fehlen, mangelt es vorlie
gend an einer zuver
lässigen Beurteilung
sgrundlage für die Entwicklung des Gesundheitszu
stan
des und d
er Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin seit 20
11
. Den Akten sind je
do
ch An
haltspunkte zu entnehmen, wonach die mittelgradige Depression mitt
lerweile remittie
rt sei (vgl. vorstehend E.
4.3), was allenfalls eine Verände
rung in Bezug auf die Auswirkungen der Krankheit der Beschwerdeführerin be
deuten kann. Zu beachten bleibt ausserdem, dass s
elbst
bei Vorhandensein exa
kt
der
selben Diagnosen wie bei der ursprünglichen
Rentenzusprache
, dies eine
Ren
tenrevision
nicht grundsätzlich
ausschliessen
würde, da jede wesentliche Än
derung in den tatsächlichen Verhältnissen, welche geeignet ist, den
Invaliditäts
grad
und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen, Anlass zur Rentenrevision gibt (BGE 125 V 368 E. 2, BGE 105 V 29 mit weiteren Hinweisen).
Invaliden
ver
sicherungsrechtlich
erheblich ist einzig, ob und in welchem
Mass
eine Be
ein
trächtigung der Erwerbsfähigkeit - und zwar unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie - ausgewiesen ist (Urteil des Bun
desge
richts I 815/05 vom
5.
Februar 2007 E. 7.2.2 mit weiteren Hinweisen).
6.3
Da sich die vorliegenden Abklärungen für die abschliessende Beurteilung des
Leistungsanspruchs in Bezug auf den medizinischen Sachverhalt als unzuläng
lich
erweisen, ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach entsprechender Begutachtung der Beschwerdeführerin eine
Gesamt
beurtei
lung
ihrer Arbeitsfähigkeit vornehme und über den Rentenanspruch neu verfüge
.
Ob dabei, wie von der Beschwerdeführerin beantragt (vgl. Urk. 10 S. 12 Ziff. 4),
eine neuropsychologische Abklärung durchzuführen ist, wird von den beauf
trag
ten Fachpersonen zu entscheiden sein.
6
.
4
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass die ange
fochtene Verfügung vom
3
.
Juli
201
4
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
7
.
7
.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss d
er Beschwerdegegnerin aufzuer
le
gen.
7
.2
Praxisgemäss wird die Rückweisung einem Ob
siegen gleichgestellt, womit der
an
waltlich vertretenen Beschwerdeführer
in
eine Prozessentschädigung zusteht, die
beim praxisgemäss Ansatz von Fr.
170
.-- pro Stunde (zuzüglich Mehrwert
steuer)
für bis Ende 2014 angefallenen Aufwand
ermessensweise auf Fr.
1‘600
.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzuset
zen ist.