Decision ID: 760df139-3492-45d7-abab-bb3da4df9aff
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 10. Oktober 2022 auf dem Luftweg von
Dänemark in die Schweiz gereist ist und gleichentags im Bundesasylzent-
rum (BAZ) der Region B._ ein Asylgesuch stellte,
dass der Beschwerdeführer anlässlich der Personalienaufnahme vom
13. Oktober 2022 und des persönlichen Gesprächs vom 9. November
2022 gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist
(nachfolgend: Dublin-III-VO) geltend machte, er sei iranischer Staatsange-
höriger kurdischer Ethnie, er würde seit 28 Jahren in Dänemark leben, wo
er Asyl erhalten habe und auch seine Ehefrau sowie seine drei Kinder
wohnhaft seien,
dass er sein Asylgesuch damit begründete, die dänischen Behörden hätten
versucht, ihn zu töten, indem man ihn an einen Ort gebracht hätte, an wel-
chem Angehörige der Islamischen Republik Iran anwesend gewesen
seien,
dass er ausserdem von seinem Arzt und seinem Zahnarzt bedroht worden
sei,
dass er sich aber nicht an die dänische Polizei gewandt habe, da diese mit
seinen Verfolgern verbündet wäre,
dass das SEM am 10. November 2022 die dänischen Behörden um Rück-
übernahme des Beschwerdeführers gestützt auf die Rückführungsrichtlinie
Nr. 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom
16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den Mit-
gliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger
(Rückführungsrichtlinie) sowie das bilaterale Rückübernahmeabkommen
zwischen Dänemark und der Schweiz und das Europäische Abkommen zur
Übernahme der Verantwortung für Flüchtlinge (SR 142.305) ersuchte,
dass die dänischen Behörden dem Rückübernahmeersuchen gleichentags
– am 10. November 2022 – zustimmten,
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dass das SEM dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am 16. No-
vember 2022 den ablehnenden Entscheidentwurf zur Stellungnahme un-
terbreitete,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 17. November 2022 erklärte,
er sei mit dem Entscheidentwurf nicht einverstanden,
dass das SEM mit Verfügung vom 18. November 2022 in Anwendung von
Art. 31a Abs. 1 Bst. a Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)
auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat, seine Wegwei-
sung aus der Schweiz verfügte und den Vollzug anordnete,
dass der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am 18. November 2022
sein Mandat niederlegte,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 21. November 2022 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhob, und darin sinngemäss
beantragte, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und es sei ein
nationales Asylverfahren durchzuführen; eventualiter sei die Vorinstanz an-
zuweisen, eine vorläufige Aufnahme wegen der Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs anzuordnen,
dass er in formeller Hinsicht um Erteilung der aufschiebenden Wirkung, die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses ersuchte,
dass er in materieller Hinsicht geltend machte, er sei in Dänemark seitens
der Behörden und von Privatpersonen ständiger Diskriminierung ausge-
setzt gewesen, und sein Arzt habe ihm Medikamente verschrieben, obwohl
er – der Beschwerdeführer – psychisch gesund sei,
dass das Bundesverwaltungsgericht mit Schreiben vom 22. November
2022 den Eingang der Beschwerde bestätigte, und gleichentags die vor-
instanzlichen Akten in elektronischer Form vorgelegen haben (vgl. Art. 109
Abs. 3 AsylG),
und das Bundesverwaltungsgericht erwägt,
dass es auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Ver-
fügungen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet, ausser bei Vorliegen eines
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Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh-
rende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht
vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet,
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5),
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen,
die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die
Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht
eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.),
dass die Vorinstanz hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Weg-
weisungsvollzugs eine materielle Prüfung vorgenommen hat, weshalb das
Bundesverwaltungsgericht diese Punkte insoweit ohne Einschränkung
prüft,
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt wird, um ein solches Rechtsmittel handelt,
weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
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dass gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf ein Asylgesuch nicht einge-
treten wird, wenn die asylsuchende Person in einen sicheren Drittstaat
nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren kann, in welchem sie sich
vorher aufgehalten hat,
dass der Bundesrat Staaten, in denen nach seinen Feststellungen effekti-
ver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht,
als sichere Drittstaaten bezeichnet (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG),
dass durch den Beschluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007
sämtliche Länder der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Frei-
handelsassoziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet wurden,
dass das SEM in der angefochtenen Verfügung feststellte, Dänemark sei
ein sicherer Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG, der Be-
schwerdeführer sei dort als Flüchtling anerkannt und die dänischen Behör-
den hätten sich am 10. November 2022 bereit erklärt, ihn wiederaufzuneh-
men,
dass Dänemark dem Beschwerdeführer somit internationalen Schutz ge-
währe, weshalb kein Rechtsschutzinteresse im Sinne von Art. 25 Abs. 2
VwVG bestehe, und daher auf das Asylgesuch nicht einzutreten sei,
dass daher die Wegweisung zu verfügen und der Vollzug anzuordnen sei,
zumal keine Vollzugshindernisse vorliegen würden,
dass dem Beschwerdeführer aufgrund der durch die dänischen Behörden
festgestellten Flüchtlingseigenschaft und der Erteilung einer (verlängerba-
ren) Aufenthaltsbewilligung in Dänemark Flüchtlingsschutz gewährt wor-
den ist, weshalb er nach Dänemark zurückkehren kann, ohne eine Rück-
schiebung in Verletzung des Non-Refoulement-Gebotes befürchten zu
müssen,
dass sich die dänischen Behörden am 10. November 2022 bereit erklärt
haben, den Beschwerdeführer zurückzunehmen,
dass das SEM demzufolge zu Recht ein schutzwürdiges Interesse des Be-
schwerdeführers an der Feststellung der Flüchtlingseigenschaft in der
Schweiz verneint hat und gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG zu Recht
auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,
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dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat
(Art. 44 AsylG), vorliegend insbesondere der Kanton keine Aufenthaltsbe-
willigung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen
besteht (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.), weshalb die
verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen
steht und demnach vom Staatssekretariat ebenfalls zu Recht angeordnet
wurde,
dass das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim-
mungen über die vorläufige Aufnahme regelt, wenn der Vollzug der Weg-
weisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]),
dass beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft gilt, das heisst, sie sind zu
beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.),
dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrechtliche
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des
Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AIG),
dass keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]),
dass, nachdem der Beschwerdeführer in Dänemark als Flüchtling Asyl er-
halten hat, kein Anlass zur Annahme besteht, es drohe ihm eine Verletzung
des in Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) verankerten Grundsatzes der
Nichtrückschiebung,
dass Dänemark Signatarstaat der EMRK und des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist und es
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keine Anhaltspunkte gibt, wonach Dänemark seine aus diesen Konventio-
nen entstehenden völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht einhalten würde,
dass Dänemark ferner an die Richtlinie 2011/95/EU (Richtlinie des Euro-
päischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2011 über Normen
für die Anerkennung von Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen als
Personen mit Anspruch auf internationalen Schutz, für einen einheitlichen
Status für Flüchtlinge oder für Personen mit Anrecht auf subsidiären Schutz
und für den Inhalt des zu gewährenden Schutzes) gebunden ist,
dass es dem Beschwerdeführer obliegt, bei den zuständigen dänischen
Behörden seine Rechte geltend zu machen, nötigenfalls auf dem Rechts-
weg,
dass der Vollzug der Wegweisung zulässig ist,
dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar
erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen
wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage kon-
kret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AIG),
dass weder die allgemeine Lage in Dänemark noch individuelle Gründe auf
eine konkrete Gefährdung des Beschwerdeführers im Falle einer Rückkehr
schliessen lassen, weshalb der Vollzug der Wegweisung vorliegend zumut-
bar ist,
dass auch die weiteren Ausführungen des Beschwerdeführers diese Ein-
schätzung nicht zu entkräften vermögen,
dass der Beschwerdeführer schliesslich über ein gültiges dänisches Rei-
sedokument verfügt, weshalb der Vollzug der Wegweisung nach Dänemark
auch möglich ist (Art. 83 Abs. 2 AIG),
dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechts-
erheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1
AsylG) und – soweit überprüfbar – angemessen ist, weshalb die Be-
schwerde abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG), da sich
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die Rechtsbegehren zum vornherein als aussichtslos erweisen und das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege abzuweisen ist,
dass die Anträge um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Be-
schwerde und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses mit
dem Entscheid in der Hauptsache gegenstandslos werden.
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Considerations: