Decision ID: 3b614509-123d-4896-8a02-4c570abec771
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1951 geborene
X._
, Dipl. Phys. ETH und Dr. sc. nat. Chemie, war vom 15. März 1993 bis am 31. Juli 1997 bei
Y._
als Filialleiterin der Niederlassung
Z._
mit einem Arbeitspensum von 90 % angestellt und dadurch obligatorisch bei der
Suva
gegen die Folgen von Unfällen sowie Berufskrankheiten dreissig Tage über das Ende des Arbeitsvertragsverhältnisses hinaus versichert. Am 9.
August 1997 um circa 15.35 Uhr
ereignete sich
ein Verkehrsunfall
, bei welchem sich die Versicherte
, welche
a
ls Fahrradfahrerin unterwegs gewesen war,
diverse Verletzungen zuzog.
Ein Motorfahrzeug hatte ein Stoppsignal
missachtet
, wodurch es zur Kollision mit der Versicherten kam. Diese wurde
beim Aufprall über die Motorhaube des Motorf
ahrzeugs geschleudert
(
vgl.
Unfallmeldung UVG der
Y._
vom 25. August 1997 [Urk. 10/1], Telefonnotiz vom 27. August 1997 [Urk. 10/2], Unfallmeldung UVG für arbeitslose Personen vom 10.
September 1997 [Urk. 10/3],
Einvernah
meprotokolle
der Stadtpolizei Zürich vom
9. und 16. August 1997 [Urk. 10/828
S.
172
-187
], Bericht vom 18. April 2002 über die kreisärztliche Unters
uchung vom 17. April 2002 [Urk.
10/140]).
Im posttraumatischen Verlauf traten
gemäss Angaben der Versicherten
insbesondere
Nacken- und
Kopfschmerzen, Schwindel, ein
e erhöhte Ermüdbarkeit,
Konzentrationsstörungen und andere Störungen der intellektuellen Leistungsfähigkeit
auf
. Der behandelnde Arzt attestierte
ihr
ab dem 5. September 1997
eine 50%ige Arbeitsunfäh
igkeit (Bericht von Dr. med. A._
, Spezialarzt für Neurologie FMH, vom 17. Dezember 1997 [Urk. 10/24 S. 1]). Am 1. April 1998 trat die Versicherte bei
der B._
in
C._
eine Stelle als Sicherheitsingenieurin a
n;
statt wie
ursprünglich
vereinbart
(
100 %
) lediglich zu 50 % aufgrund
ihre
r
Kopf- und Rück
en
schmerzen (
Urk. 3/9-11,
Urk. 10/28 S. 3 und Urk. 10/39
). Es
folgten Untersuchungen betref
fend die Halswirbelsäule (HWS), da eine Diskushernie auf der Höhe C6/C7 fest
gestellt worden war und eine Operationsindikation geprüft wurde (vgl. statt vieler den Bericht vom 30. Oktober 2000 über die gleichentags durchgeführte kreisärzt
liche Untersuchung [Urk. 10/102] sowie den Bericht von PD Dr. med.
D._
vom 7. Dezember 2000 [Urk. 10/107]). Die Diskushernie wurde darauf zurückgeführt, dass es beim Unfall vom 9.
August 1997
zu einer Stauchung der Halswirbelsäule (HWS) gekommen sei
n müsse
.
In der Folge wurde die Versicherte dreimal an der Halswirbelsäule operiert, am 5. September 2001 (
Bericht
des
E._
vom 27
. September 2001 [Urk. 10/132]), am 30. August 2004 (Be
richt des
E._
vom 17. September 2004 [Urk. 10/241] mit da
zugehörigem Operationsbericht [Urk. 10/243]) und am 9. Mai 2007
(Operations
bericht des
F._
vom 10. Mai 2007 [Urk. 10/417]). Am 4. April 2008
fand eine kreisärztliche Abschlussuntersuchung statt (
vgl. den Bericht vom 4. April 2008 [
Urk. 10/499
]
). Am 21. Juli 2009 beurteilte der Kreis
arzt der Suva den Integritä
tsschaden und schätzte die Integritätseinbusse auf
ge
samthaft 32 % (Urk. 10/614). Mit Verfügung vom 14. Oktober 2009 sprach die Suva der Versicherten ab dem 1. Dezember 2008
eine Invalidenrente der Unfall
versicherung
, ausgehend von einer 50%igen Erwerbsunfähigkeit und einem ver
sicherten Jahresverdienst von Fr. 117'317.-
-, sowie eine Integritätsentschädi
gung, ausgehend von einer Integritätseinbusse von 32 %, zu (Urk. 10/624). Dagegen erhob die Versicherte zunächs
t
selbst Einsprache (Urk. 10/625
; vgl. auch Urk. 10/627
sowie Urk. 10/630 ff.). Mit Eingabe vom 13. November 2009 liess sie
zudem
durch ihren Rechtsvertreter Einsprache erheben (Urk. 10/638), welch
e
r
die Einsprache
mit Eingabe vom 9. Februar 201
0 ergänzend begründet
e
(Urk. 10/650).
Mit Entscheid vom 25. Mai 2018 hiess die Suva die Einsprache der Versicherten teilweise gut und setzte den versicherten Jahresverdienst auf Fr. 122'866.-- fest. Im Üb
rigen wies sie
die Einsprache
ab, soweit
sie
auf diese
eintrat (Urk. 2 [=
Urk. 10/86
8
]
).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 26. Juni 2018 Beschwerde und beantragte, der angefochtene Entscheid sei au
fzuheben, soweit damit keine 50
% respektive Fr. 4'095.55 zuzüglich Teuerungszulage von Fr. 118.75 übersteigende Invalidenrente sowie keine 32 % übersteigende Integritätsentschädigung zuge
sprochen worden sei. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwer
deführerin die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine höhere Rente (Invali
ditätsgrad von 62 % bei einem versicherten Verdienst von Fr. 126'000.--) und eine 32 % übersteigende Integritätsentschädigung (50 %) zuzusprechen
,
und die rückwirkend auszurichtenden Leistungen seien entsprechend Art. 26 ATSG zu verzinsen. Die Beschwerdegegnerin sei sodann zu verpflichten, auch nach dem Verrentungszeitpunkt (1. Dezember 2008) entsprechend den Vorgaben von Art. 21 ATSG die Heilbehandlungskosten zu übernehmen (Urk. 1 S. 2).
Sodann
wurde beantragt, es sei sicherzustellen, dass nur ein einziges, vollständiges, den Anforderungen von Art. 46 ATSG genügendes Dossier geführt und
einverlangt
werde
. D
er Beschwerdeführerin sei Gelegenheit einzuräumen, zu diesem Dossier Stellung zu nehmen (Urk. 1 S. 2).
Mit Verfügung vom 29. Jun
i 2018 wurde der Beschwerdegegnerin Frist angesetzt, um die Beschwerdeantwort sowie die vollständigen, chronologisch geordneten und durchgängig (fortlaufend) paginierten Akten
betreffend das Unfallereignis
vom 9. August 1997 sowie das dazugehörige vollständige Aktenverzeichnis ein
zureichen (Urk. 5).
Mit Beschwerdeantwort vom 27. August 2018 (Urk. 8) beantragte die Beschwer
degegnerin, der Beschwerdeführerin sei nach Androhung einer
reformatio
in
peius
der Anspruch auf Ausrichtung einer Invalidenrente ab dem 1. Dezember 2008 sowie der Anspruch auf eine Integritätsentschädigung abzusprechen. Im Übrigen sei die Beschwerde abzuweisen, soweit auf diese
einzutreten sei
. Eventu
aliter sei die Beschwerde abzuweisen und der
Einspracheentscheid
vom 25. Mai 2018 sei zu bestätigen, soweit darauf
einzutreten sei
.
Mit
Replik vom 10. Dezember 2018 (Urk. 16) hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest und beantragte die Abweisung der von der Beschwerdegeg
nerin mit der Beschwerdeantwort gestellten Anträge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte die Beschwerdeführerin, die Beschwerdegegnerin sei zu ver
pflichten, ein vollständiges, chronologisch geordnetes Dossier sämtlicher Akten im Zusammenhang mit dem Unfall vom 9. Juli 1997 zu erstellen und dem Gericht einzureichen (inklusive einem Verzeichnis, in welchem alle einzelnen Aktenstücke genannt würden)
. D
ieses
Dossier
sei der Beschwerdeführerin zur ab
schliessenden Stellungnahme zu unterbreiten (Urk. 16 S. 2).
Innert der der Beschwerdegegnerin angesetzten Frist zur Einreichung der Duplik
(Urk. 20)
liess die Beschwerdeführerin
dem Gericht eine Kopie ihrer Eingabe an die Suva vom 11. März 2019 samt Beilagen zukommen (Urk. 21-22). Mit Schrei
ben vom 17. März 2019 teilte sie sodann mit, sie habe ihrem Rechtsvertreter das Mandat umgehend entzogen. Sie bitte zudem darum, da sie nicht mehr anwaltlich vertreten sei,
vorläufig keine weiteren Verfahrensschritte anzuordnen
(Urk. 23-24). Ihr Rechtsvertreter teilte mit Schreiben vom 19. März 2019 ebenfalls mit, das Mandatsverhältnis sei per sofort beendet worden und er vertrete die Beschwerde
führerin nicht mehr (Urk. 25).
Am 8. April 2019 teilte die Beschwerdeführerin dem Gericht mit, dass sie bis zum 30. April 2019 weitere Unterlagen einreichen wolle (Urk. 27; vgl. auch die Schrei
ben der damals zuständigen Gerichtsschreiberin vom 28. März 2019 [Urk. 26] und vom 11. April 2019 [Urk. 28]). Am 17. April 2019 ersuchte der neue Rechtsver
treter der
Beschwerdeführerin um Zustellung der Akten und um eine angemes
sene Frist zur allfälligen Ergänzung der Replik (Urk. 30). In der Folge
wurde
der Beschwerdeführerin
eine Frist zur Ergänzung der Replik
angesetzt
(
Verfügung vom 24. April 2019 [
Urk. 33
]
). Innert angesetzter Frist teilte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin die Beendigung des Mandatsverhältnisses mit (Schreiben vom 17. Mai 2019 [Urk. 37]) und die Beschwerdeführerin reichte mit Eingabe vom 17. Mai 2019 «Ergänzungen zur Replik vom 10. Dezember 2018» ein (Urk. 38
-
39). Am 22. Mai 2019 ging sodann die Duplik der Beschwerdegegnerin samt Beilagen ein (Urk. 40-41). Am 23. Ma
i 2019 (Poststempel) reichte die Beschwerdeführerin
eine weitere Eingabe samt B
eilagen zu den Akten (Urk. 42-43). Mit Verfügung vom 25. Juni 2019 wurde der Beschwerdegegnerin unter Zustellung der Urk. 38
39 und Urk. 42-43 Frist zur Ergänzung der Duplik angesetzt (Urk. 44).
Mit Ein
gabe vom 3.
Juli
2019 (Poststempel) ersuchte die Beschwerdeführerin
um Akten
einsicht (Urk. 45). Am 4. Juli 2019
ergänzte
die Beschwerdegegnerin
ihre Duplik (Urk. 48). Diese Ergänzung wurde
der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 16. Juli 2019 zu
r Kenntnisnahme zugestellt
(Urk. 49). Mit Eingabe vom 15. Au
gust 2019 und Vollmacht vom 14. August 2019 wies sich ein neuer Anwalt als Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin aus (Urk. 50-51). Auch diesem Rechtsver
treter entzog die Beschwerdeführerin das Mandat nach kurzer Zeit wieder (vgl. Urk. 54/1 und Urk. 55). Sie reichte sodann weitere Eingaben inklusive Beilagen ein (Urk. 53-54, Urk. 56-57).
In der Folge ersuchte sie darum,
dass keine weiteren Verfahrensschritte vorgenommen würden
, dies unter Hinweis auf Arbeitsunfä
higkeitszeugnisse
(Urk. 58-61). Mit Eingabe vom 31.
März
2020 machte sie sodann geltend, sie sei aus gesundheitlichen Gründen bis Ende April 2020
pro
zess
- und verhandlungsunfähig. Sie gehöre zudem der Risikogruppe von Covid-19 an (Urk. 62-63).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der vorliegend zu beurteilende Unfall ereignete sich am
9.
August 1997
. Zu die
sem Zeitpunkt waren das Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 und die Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 bereits in Kraft getreten (per
1. Januar 1984)
.
Der Zeitpunkt des Fallabschlusses und damit die Entstehung eines Anspruchs auf eine Invali
denrente und eine Integritätsentschädigung
fielen
– unbestrittenermassen – in das Jahr 2008, a
ls
das
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversi
cherungsrechts (ATSG)
bereits in Kraft stand
(Inkrafttreten per 1. Januar 2003)
.
W
enn keine laufenden Leistungen im Sinne der übergangsrechtlic
hen Ausnah
mebestimmung des Art.
8
2 Abs. 1
ATSG, sondern Dauerleistungen im Streit stehen, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt worden ist,
ist der Leistungs
anspruch –
den allgemeinen intertem
poralrechtlichen Regeln folgend – für die Zeit bis 31.
Dezember 2002 auf Grund der bisherigen Rechtslage und ab diesem Zeitpunkt nach
den neuen Normen des auf den 1.
Januar 2003 in Kraft getretenen ATSG und dessen Ausführungsverordnungen zu
beurteilen
(vgl. insbesondere die Urteile des ehemaligen eidgenössischen Versicherungsgerichts
U 208/04 vom 13. Oktober 2004 E. 2.2 sowie U 209/06 vom 22. November 2006 E. 1, je mit wei
teren Hinweisen).
Es finden daher die im Jahr 2008
gültig gewesenen Normen
(welche
bis
am 31.
Dezember 2016
unverändert in Geltung standen)
auf den vorliegenden Fall Anwendung.
Die per
1. Januar 2017 geänderten Bestimmungen des
UVG
und der
UVV
gelangen gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln und gemäss den Übergangsbestimmungen des UVG nicht zur Anwendung.
1.2
1.2.1
Ist die versicherte Person infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art.
8 ATSG), so hat sie gemäss Art. 18 Abs.
1 UVG Anspruch auf eine Inva
lidenrente. Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Er
werbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG; vgl. BGE 130 V 121).
Nach Art. 18 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung des Invaliditäts
grades in Sonderfällen. Er kann dabei auch von Art. 16 ATSG abweichen.
1.2.2
Aufgrund der Einheitlichkeit des Invaliditätsbe
griffs (Art. 8 ATSG) in der Invaliden- und Unfallversicherung hat die Schätzung der Invalidität mit Bezug auf den gleichen Gesundheitsschaden in beiden Berei
chen prinzipiell denselben Invaliditätsgrad zu ergeben, soweit nicht die unter
schiedliche gesetzliche Regelung oder Rechtspraxis in den einzelnen Versiche
rungszweigen zu einer abweichenden Invaliditätsbemessung
führen. Bereits abgeschlossene Invaliditätsfestlegungen sind
mitzuberücksichtigen
. Es besteht jedoch keine Bindungswirkung der Invaliditätsschätzung des einen Versicherers für den jeweils anderen Sozialversicherungszweig (Urteil des Bundesgerichts 8C_543/2011 vom 25. August 2011 E. 3 mit Hinweisen auf
BGE 133 V 549
E. 6,
119 V 468
E. 2b).
1.2.3
Als Grundlage für die Bemessung der Rente gilt der innerhalb eines Jahres vor
dem Unfall bezogene Lohn (Art. 15 Abs.
2 UVG). Hat der Versicherte im Jahre vor dem Unfall unter anderem wegen Arbeitslosigkeit einen verminderten Lohn bezogen, so wird der versicherte Verdienst nach dem Lohn festgesetzt, den der Versicherte ohne Arbei
tslosigkeit erzielt hätte (vgl. Art. 24 Abs. 1 UVV; vgl. auch das
Urteil des Bundesgerichts 8C_549/2007 vom 30. Mai 2008 E. 8.1
).
Beginnt die Rente mehr als fünf Jahre nach dem Unfall, so ist der Lohn massgebend, den der Versicherte ohne den Unfall im Jahre vor dem Rentenbeginn bezogen hätte, sofern er höher ist als der letzte vor dem Unfall erzielte Lohn
(vgl. Art. 24 Abs. 2 UVV)
.
1.2.4
Zur Ermittlung des
Valideneinkommens
ist entscheidend, was die versicherte Per
son im Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die
bisherige Tätigkeit ohne Gesund
heitsschaden fort
gesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 129 V 222 E. 4.3.1 S. 224 mit Hinweisen).
1.2.5
Soll bei der Festsetzung des
Valideneinkommens
eine berufliche Weiterentwick
lung, welche die versicherte Person norma
lerweise vollzogen hätte, mitbe
rück
sichtigt werden, so müssen praxisgemäss konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie einen beruflichen Aufstieg u
nd ein entsprechend höheres Ein
kommen tatsächlich realisiert hätte, wenn sie nicht invalid geworden w
äre. B
losse Ab
sichtserklärungen der versicherten Person genügen nicht. Vielmehr muss die Absicht, beruflich weiterzukommen, bereits im Zeitpunkt des Unfalls durch kon
krete Schritte wie Kursbesuche, Aufnahme eines Studiums, Ablegung von Prü
fungen usw. kundgetan worden sein (SVR 2010
UV Nr. 13 S. 51, 8C_550/2009 E.
4.1 mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Bei der Prüfung der mutmasslichen beruflichen Entwicklung können unter Umständen aus einer besonderen berufli
chen Qualifizierung im Invaliditätsfall Rückschlüsse auf die hypothetische Ent
wicklung gezogen werden, zu der es ohne Eintritt des (unfallbedingten) Gesund
heitsschadens gekommen wäre. Nach der
Rechtsprechung ist eine solche Annahme unter anderem dann zulässig, wenn die angestammte Tätigkeit auch nach dem Unfall weitergeführt werden kann. Indessen darf aus einer erfolgrei
chen Invalidenkarriere in einem neuen Tätigkeitsbereich nicht ohne Weiteres ab
geleitet werden, die versicherte Person hätte ohne Invalidität eine vergleichbare Position auch im angestammten Tätigkeitsgebiet erreicht (RKUV 2005 Nr. U 554 S. 315, U 340/0
4; Urteile des Bundesgerichts U 183/02 vom 26.
Mai 2
003 E. 6.2; 8C_557/2010 vom 15. Dezember 2010 E.
3.3.).
1.2.6
Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerb
lichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – be
sonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und er
scheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invaliden
lohn (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301).
1.3
Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die ver
sicherte Person Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geis
tigen oder psychischen Integrität erleidet.
Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchst
betrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entspre
chend der Schwere des Integritätsschadens abge
stuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädi
gung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens minde
stens in gleichem Umfang be
steht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhanges 3. Fallen mehrere körperliche oder geistige Integritätsschäden aus ei
nem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträchtigung fest
gesetzt (Abs. 3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 25. Mai 2018 im Wesentlichen, in der kreisärztlichen Beurteilung vom 4. April 2008 sei von einem recht stabilen Niveau
des Gesundheitszustands der Beschwer
deführerin
ausgegangen worden. Der Kreisarzt habe die verbliebene Arbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin in ihrer damals ausgeführten beruflichen Tätigkeit auf 50 % geschätzt. Die seit langem bestehende Arbeitsfähigkeit bei einem halben Pensum sei definitiv.
Auf diese Einschätzung sei abzustellen; sie stehe überdies im Einklang mit dem seitens der Beschwerdeführerin über Jahre effektiv erbrach
ten beruflichen Arbeitspensum
(Urk. 2 S. 6 f.
und S. 9 f.
)
.
Ein Einkommensver
gleich sei nicht erforderlich, da die generelle Erwerbsfähigkeit auf dem ausgegli
chenen Arbeitsmarkt mit der speziellen Arbeitsfähigkeit im bisher angestammten Beruf übereinstimme. Der Invaliditätsgrad betrage somit 50 % (Urk. 2 S. 10). Der versicherte Jahresverdienst vor dem Unfall habe Fr. 117'240.40 betragen. Unter Berücksichtigung eines zusätzlich anrechenbaren Lohnanspruchs von Fr. 5'625.60 zufolge Überstundenvergütung sei der versicherte Verdienst auf Fr. 122'866.-- festzusetzen (Urk. 2 S. 11-13). Die Integritätsentschädigung sei bei einer Integritätseinbusse von 32 % beziehungsweise einem Betrag von Fr. 31'104.-- korrekt bemessen worden.
Eine sehr starke schmerzhafte Funktions
einschränkung der Wirbelsäule sei gemäss Anhang 3 zur UVV mit einer Integri
tätsentschädigung von 50 % zu entgelten. Der Kreisarzt habe den Integritätsscha
den aufgrund des Befunds an der Halswirbelsäule auf 15 % veranschlagt und aufgrund der neuropsychologischen Störungen auf zusätzliche 20 %. Die Addi
tion beider Werte ergebe 35 %. Nach der Gesamtwürdigung des kompletten Beschwerdebildes habe der Kreisarzt die Integritätseinbusse in nachvollziehbarer Weise auf 32 % geschätzt (Urk. 2 S. 15).
2.2
Demgegenüber wandte die Beschwerdeführerin ein, die Beschwerdegegnerin habe
die Vorschriften zur Aktenführung gemäss
Art. 46 ATSG verletzt (Urk. 1 S. 3-
5
).
Gegen den Zeitpunkt des Fallabschlusses werde nichts mehr eingewendet
;
glück
licherweise habe sich die instabile Situation
an der HWS
nicht weiter verschlech
tert
(Urk. 1 S. 23
Rz
. 59). Die Beschwerdegegnerin habe den Invaliditätsgrad jedoch nicht korrekt ermittelt. Es lägen keine identischen Grundlagen für die Bemessung des Validen- und des Invalideneinkommens vor, weshalb kein Prozent
vergleich zulässig sei.
Das Invalideneinkommen betrage Fr. 82'880.-- bei einem 50 %-Pensum. Das
Valideneinkommen
sei unter Berücksichtigung einer Karrie
reentwicklung ohne den stattgehabten Unfall zu ermitteln und auf Fr. 217'600.
- festzusetzen (Urk. 1 S. 24 ff.).
Der Invaliditätsgrad betrage somit 62 % (Urk. 1 S. 33
Rz
. 81). Zur Ermittlung des
versicherten Verdienstes
sei der Lohn, welchen die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall bei ihrer Tätigkeit bei der
B._
im Jahr 2007/2008 erzielt hätte, beizuziehen (Urk. 1 S. 34
Rz
. 83 f.). Der versicherte Verdienst hätte somit Fr. 126'000.-- (Urk. 1 S. 35 f.
Rz
. 86 f.) betragen. Davon abgesehen würde bei korrekter Berechnung des versicherten Verdienstes auf der Grundlage des bei der
Y._
erzielten Einkommens ebenfalls ein Fr. 126'000.-- übersteigender Betrag resultieren. So oder so sei der maximal versicherte Lohn im Jahr 2008 von Fr. 126'000.-- erreicht worden (Urk. 1 S.
36 ff.
Rz
. 88-94). Die Integritätsentschädigung sei ohne Berücksichtigung der
Syringomyelie
(Höhlen
bildung im Rückenmark), der Diskushernie C4/5, der
Diskusprotrusion
en
C3/4 und C7/Th1
sowie der schweren
atlantodentale
n
Arthrose
errechnet worden (Urk. 1 S. 42 ff.). Es sei ein Anspruch auf 50 % für die Wirbelsäulenbeschwerden ausgewiesen (Urk. 1 S. 53
Rz
. 105).
Die Beschwerde
führerin benötige sodann immer noch regelmässig medizinische Behandlungen und Therapien (Urk. 1 S. 53
Rz
. 106).
2.3
In der Beschwerdeantwort vom 27. August 2018
räumte
die Beschwerdegegnerin
ein, dass die Aktenführung nicht optimal
gewesen
sei. Gründe dafür
seien mög
licherweise
die relativ lange Zeitdauer zwischen Unfall und Berentung, der Wech
sel von der
Papierdossierführung
zur elektronischen
Dossierführung
, das Neben
einander verschiedener Unfallereignisse, aber auch die erhebliche Anzahl persönlicher Eingaben durch die Beschwerdeführerin sowi
e die vielen Anwalts
wechsel der Beschwerdeführerin
. Weiter führte die Beschwerdegegnerin aus,
auf
grund einer erneuten Überprüfung des Falles im Beschwerdeverfahren gelange sie zum Schluss, weder die Ausrichtung einer Invalidenrente der Unfallversiche
rung noch einer Integritätsentschädigung sei gerechtfertigt.
Es sei eine
reformatio
in
peius
angezeigt
(Urk. 8 S. 4)
. Aktenkundig
sei, dass
die Beschwerdeführerin durchgehend über Beschwerden geklagt
habe
. Diese hätten jedoch keinem soma
tischen Korrelat zugeordnet werden können.
Gestützt auf die medizinischen Un
terlagen seien in neurologischer Hinsicht keine objektivierbaren unfallbedingten Einschränkungen aufgrund des Unfalls vom 9. August 1997 in
rechtsgenüglicher
Weise ausgewiesen (Urk. 8 S. 5-7).
Die Befunde an der HWS seien rein degenera
tiv bedingt und ohne Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (Urk. 8 S. 7 ff.). Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten kognitiven Einschränkungen seien
nicht glaubhaft
. Es seien auch keine objektivierbaren neurologischen Befunde erhoben worden. Dass die Beschwerdeführerin praktisch alle medizinischen Be
richte anders interpretiert haben wolle, würden ihre aktenkundigen Eingaben x
fach belegen
(Urk. 8 S. 10).
Dass die
zum Zeitpunkt des Unfalls arbeitslose Beschwerdeführerin ohne den Unfall ein viel höheres Einkommen erzielt hätte, lasse sich anhand der Akten nicht ansatzweise belegen. Aus dem
G._
-Gutachten, welches im Auftrag der IV-Stelle erstellt worden sei, lasse sich für das vorliegende Verfahren nicht allzu viel ableiten, da nicht zwischen unfallkausalen und degenerativen Einschränkungen unterschieden werde. Trotzdem sei darauf hinzuweisen, dass die Gutachter zum Schluss gelangt seien,
es lägen sicher oder überwiegend wahrscheinlich keine unfallkausalen Diagnosen mit behinderungs
relevantem Effekt vor (Urk. 8 S. 14).
2.4
Replicando
liess
die Beschwerdeführerin
ausführen,
die von der Beschwerdegeg
nerin eingereichten Verfahrensakten s
eien unvollständig
(Urk. 16 S. 5-18).
Des Weiteren werfe ihr
die Beschwerdegegnerin
in der Beschwerdeantwort sinnge
mäss ein strafbares Verhalten vor, indem sie sich seit 1998 darauf konzentriert habe, eine medizinisch nicht mehr gerechtfertigte Arbeitsunfähigkeit von 50 %
aufrechtzuerhalten
(Urk. 16 S. 21 f.).
Dies werde jedoch bestritten.
Die in der Be
schwerdeantwort gemachten Ausführungen der Beschwerdegegnerin, wonach keine unfallbedingten Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vorlägen, sowie die zu diesem Schluss führenden Bemerkungen träfen allesa
mt nicht zu (Urk. 16 S. 26 ff.; vgl. auch
Urk. 38
ff.
).
2.5
In der Duplik vom 22. Mai 2019
(Urk. 40) sowie deren Ergänzung vom 4. Juli 2019 (Urk. 48)
hielt die Beschwerdegegnerin
an ihren
Anträgen
fest
.
3.
3.1
Die Aktenführungspflicht der Verwaltung stellt das Gegenstück zum
-
Bestandteil des rechtlichen Gehörs na
ch Art. 29 Abs.
2 der Bundesverfassung (BV) bilden
den
Akteneinsichtsrecht der versicherten Person dar, indem die Wahrnehmung des Akteneinsichtsrechts durch die versicherte Person eine Aktenführungspflicht der Verwaltung voraussetzt. Grundlage eines effektiven Akteneinsichtsrechts ist eine geordnete und übersichtliche Aktenführung. Der verfassungsmässige Anspruch auf eine geordnete und übersichtliche Aktenführung verpflichtet die Behörden und Gerichte, die Vollständigkeit der im Verfahren eingebrachten und erstellten Akten sicherzustellen. In Art. 46 ATSG wurde die Aktenführungspflicht für die dem ATSG unterworfenen Versicherungsträger auf Gesetzesstufe konkretisiert. Danach sind für jedes Sozialversicherungsverfahren alle Unterlagen systematisch zu erfassen, die massgeblich sein können. Das Gesetz enthält somit keine spezi
fischen Anforderungen
an die Art und Weise, wie die Akten zu führen, paginie
ren, indexieren etc. sind. Indem der Gesetzgeber bewusst eine offene Umschrei
bung gewählt hat, trägt er den Entwicklungen der Erfassungs
möglichkeiten Rechnung. Damit reicht das Spektrum der Aktenführung von der physischen Er
fassung der schriftlichen Akten in einem Aktendossier bis hin zu IT-gestützten Aktenregistrierungssystemen. Eine systematische Aktenführung ist jedoch unbe
sehen ihrer jeweiligen technischen Umsetzung stets nach fest
gelegten, sachge
rechten und zweckmässigen Kriterien vorzunehmen, da nur auf diese Weise die Wirksamkeit des Akteneinsichtsrechts gewährleistet werden kann. Sie hat dabei den Nachweis der Verwaltungstätigkeit sowohl mit Blick auf die Sachverhaltsab
klärung wie auch bezüglich des Wegs der
Entscheidfindung
jederzeit auf nach
vollziehbare Weise zu ermöglichen und zu gewährleisten. Welche Aufgaben im Einzelnen zur sorgfältigen Aktenführung gehören, wurde
insbesondere mit Blick auf Art.
12
des
Bundesgesetz
es
über das Verwaltungs
verfahren
(
VwVG
)
, welche Norm den behördlichen Untersuchungs
grundsatz statuiert, zu dessen Teilaspekten die Aktenf
ührungspflicht gehört, und Art.
26
VwVG
, worin der
Anspruch auf Akteneinsicht
festgehalten wird, näher definiert. Die entsprechende
Ausgestal
tung findet über Art.
55 Abs.
1 in Verbindung mit Art.
46 ATSG auch auf das Verfahren vor den Versicherungsträgern nach ATSG Anwendung. Sie beinhaltet zum einen die Pflicht der Vollständigkeit der geführten Akten. Die Behörde hat alles in den Akten festzuhalten, was zur Sache gehört und
entscheidwesentlich
sein kann. Ferner sind die Unterlagen von Beginn weg in chronologischer Rei
henfolge abzulegen; bei Vorliegen eines Gesuchs um Akteneinsicht und spätes
tens im Zeitpunkt des Entscheids ist das Dossier zudem durchgehend zu paginie
ren. Sodann ist in der Regel ein Aktenverzeichnis zu erstellen, welches eine chronologische Auflistung sämtlicher in einem Verfahren gemachter Eingaben zu enthalten hat. Es besteht im Detail aus einer Laufnummer, der Anzahl Seiten jedes erfassten Dokumentes, dem Eingangsdatum des Dokumentes, einer Dokumenten-ID sowie einer kurzen Beschreibung der Dokumentart oder dessen Inhalts
(Urteil des Bundesgerichts
8C_319/2010
vom 15. Dezember 2010 E. 2.2.1-2.2.2 mit wei
teren Hinweisen)
.
3.2
Ein
Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf Einverleibung nicht relevanter Akten
stücke besteht
nicht,
und die Entfernung von Dubletten
durch die Beschwerde
gegnerin ist zulässig
.
Unter dem Titel der Verletzung von Art. 46 ATSG kann nicht gerügt werden, Akten von Dritten seien nicht beigezogen worden.
3.3
Die Beschwerdegegnerin
reichte
mit der Beschwerdeantwort vom 27. August 2018 (Urk. 8) ein chronologisch geordnetes
und nummeriertes
Dossier der Akten betreffend den Unfall vom 9. Juli 1997 inklusive Verzeichnis, in welchem alle einzelnen Aktenstücke genannt werden,
ein
(Urk. 10/1-880). Das polydisziplinäre Gutachten der
G._
vom 14. Januar 2014 wurde sodann separat eingereicht (Urk. 9).
Wie in der Beschwerde vom 26. Juni 2018 beantragt (Urk. 1 S. 2-5)
,
wur
den
dem
Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin
die genannten Akten mit Ver
fügung vom 4. September 2018 bei Ansetzung des zweiten Schriftenwechsels zur Einsichtnahme zugestellt (Urk. 12). Mit Verf
ügung vom 24. April 2019 wurde
sodann auch dem in der Folge neu mandatierten Rechtsanwalt
Einsicht in die Akten gewährt
(Urk. 33).
Damit wurde den prozessualen Anträgen der Beschwerdefüh
rerin, es sei von der Beschwerdegegnerin
ein nach den Vorgaben von Art.
46 ATSG geführtes (einziges und vollständiges) Dossier
einzuverlangen
und es sei der Beschwerdeführerin die Möglichkeit zur
Stellungnahme einzu
räumen (Urk. 1 S.
2 Antrag Ziff. 4 und 5), entsprochen.
3.4
Es ist nicht ersichtlich, dass die Aktenführungspflicht verletzt worden wäre, obschon die Beschwerdegegnerin einräumte, die Aktenführung sei nicht optimal verlaufen. Davon abgesehen legte die Beschwerdeführerin nicht dar, inwiefern sich eine allfällige Verletzung von Art. 46 ATSG auf den angefochtenen Ent
scheid
für sie negativ
ausgewirkt hätte
, denn sie wandte nichts gegen die Annahme einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ein. Es ist auch nicht ersichtlich, inwie
fern im bereinigten Aktendossier, welches im Beschwerdeverfahren eingereicht wurde, relevante Unterlagen für die Beurteilung der Beschwerde fehlen würden.
4.
4.1
Dass
die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid von einer 50%igen Arbeits
un
fähigkeit der Besc
hwerdeführerin ausg
ing
, erweist sich als grosszügig
, zumal
sich
in den Akten
Anhaltspunkte
für eine geringere A
rbeitsunfähigkeit finden
lassen, was nachfolgend darzulegen ist.
4
.2
4.2.1
Im polydisziplinären Gutachten der
G._
vom 14. Januar 2014 (Urk. 9 S. 57 f.) wurde der Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten sowie der erlernten Tä
tigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert bei einem Pensum und einem Ren
dement von 100 %. Aus somatischer Sicht bestehe eine leichtgradige Bewegungs
einschränkung der
HWS
auf dem Boden der stattgehabten spinalen Eingriffe. Eine assoziierte
Affektion
radikulärer
oder
–
das Rückenmark betreffend
–
neuraler Str
ukturen sei angesichts der
erhobenen Befunde nicht wahrscheinlich und auch aktenkundig nicht bildmorphologisch oder anhand sicherer klinischer neuraler Läsionsbefunde hinreichend wahrscheinlich belegt worden. Hinweise für eine in
ternistische Erkrankung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünden nicht. Eine psychiatrische Erkrankung sei nicht evident. Eine neuropsychologische Stö
rung mit biolo
gisch plausiblem Muster sei
nicht zu erheben
. Vielmehr sprächen die
Daten – trotz mangelhafter Mitarbeitsbereitschaft
der Beschwerdeführerin
– für das Vorliegen einer hohen Intelligenzleistung, was auch der klinischen Ge
samtpräsentation entspreche. Für die anamnestisc
h reklamierten Beschwerden lasse
sich allenfalls im Bereich der Halswirbelsäulenbeweglichkeit ein partielles Korrelat
finden
, das bei geringer Ausprägung allenfalls geeignet sei, die Arbeits
fähigkeit medizinisch-theoretisch zu beeinflussen (Ausschluss schwerer körperli
cher Arbeit und von Tätigkeiten mit häufiger Überkopf
arbeit). Die Gutachter hiel
ten ferner
fest, dass sich alle vorgängig beurteilenden Arztpersonen, welche der Beschwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit in der angestammten T
ätigkeit attes
tiert hätten,
im Wesentlichen auf die anamnestischen Klagen gestützt hätten, ohne dabei das weitgehende Fehlen objektivierender Störungsbefunde und die rege Alltagsaktivität hinreichend zu berücksichtigen. Die bei der Begutachtung anamnestisch geschilderten, multiplen sozialen und anderen Aktivitäten seien mit einer erheblichen Einschränkung der physischen und geistigen Belastbarkeit nicht vereinbar. Selbst bei einer jemals stattgehabten Commotio cerebri sei eine hierauf fussende dauerhafte kognitive Beeinträchtigung (wie bislang aktenkundig und von der Beschwerdeführerin anamnestisch reklamiert) nicht wahrscheinlich. Die diesbezüglich gut gesicherte Evidenzlage der wissenschaftlichen Medizin spreche gegen einen derartigen Kausalbezug (Urk. 9 S. 59).
Die Beschwerdegegnerin stellte im angefochtenen Entscheid
zwar
nicht auf das
G._
-Gutachten, welches im Auftrag der Inva
lidenversicherung erstellt wor
den war
, ab. Es kann daher darauf verzichtet werden, über
dessen
Beweiskraft abschliessend zu befinden, denn auch im Beschwerdeverfahren dient es nicht als Beurteilungsgrundlage.
Dennoch
lässt es den Rückschluss zu, dass die Festsetzung der Arbeitsfähigkeit auf 50 % im angefochtenen Entscheid grosszügig ist.
Der von der Beschwerdeführerin
im Beschwerdeverfahren
vorgetragenen Kritik am Gutachten ist
sodann
grundsätzlich entgegenzuhalten, dass es zur Aufgabe der Gutachter gehört, den Befund anhand der Klinik zu überprüfen und dessen
Auswirkungen bei der Untersuchung und im Alltag substantiiert darzulegen. Dazu gehören insbesondere auch Angaben zum beobachteten Verhalten, Feststel
lungen über die Konsistenz der gemachten Angaben, wie auch Hinweise, welche zur Annahme von Aggravation führen (Urteil des Bundesgerichts 8C_282/2012 vom 11. Mai 2012 E. 5).
4.2.2
Des Weiteren
wirft das hohe sportliche Aktivitätsniveau der Beschwerdeführerin angesichts der stets betonten Einschränkung
en
Fragen auf. Im Jahr 2000 war die Beschwerdeführerin im Stande, Wanderungen mit einer Dauer von bis zu vier Stunden zu unternehmen (vgl. den Bericht über die kreisärztliche Untersuchung vom 30. Oktober 2000 [Urk. 10/102]). Gemäss Bericht von Prof.
H._
vom 17. Juli 2001 nahm die Beschwerdeführerin
gar
an Volkstanzaktivitäten teil (Urk. 10/119). Im Bericht vom 14. April 2003 über die kreisärztliche Untersu
chung vom 11. April 2003 wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin sei sport
lich wieder recht aktiv, mache Krafttraining, absolviere
Vitaparcours
mit Mar
schieren zwischen den Posten und gehe langlaufen (ein Rennen habe sie bislang vermieden, da dies etwas unangenehm sei). Vom alpinen Skifahren sei ihr wegen der
Spondylodese
zervikal abgeraten worden (Urk. 10/132 S. 2). Weiter ist belegt, dass die Beschwerdeführerin im Herbst 2005
Skaten (Ski) war und dabei
stürzte (Urk. 10/440 S. 3). Im November 2007
unternahm sie eine
Wanderung mit 350 bis 400 Metern Höhendifferenz (Urk. 10/475). Im Jahr 2009 rutschte sie beim Schneeschuhlaufen ab und verletzte sich das Knie (Urk. 10/604), im Jahr 2010 legte sie auf Langlaufskiern eine Strecke von 10 km zurück (Urk. 10/651). Weiter gab sie im Jahr 2012 an, sie gehe im Sommer fast täglich schwimmen, fahre Velo, laufe und mache allgemeines Fitnesstraining (Urk. 10/804 S. 4).
4.2.3
Schliesslich st
eht eine
Meldepflicht
verletzung
der Beschwerdeführerin gegenüber der Beschwerdegegnerin (vgl. Art. 31 Abs. 1 ATSG;
Ueli
Kieser
, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., 2015, N 8 zu Art. 31)
im Raum.
Anlass für die
se
Annahme bietet
die
von der Beschwe
rdeführerin im Beschwerdeverfahren eingereichte fir
meninterne
E-Mail
der
B._
vom 8. Februar 2007 (
Urk. 43/4)
. Aus dieser ergibt sich, dass die
B._
– mit Einwilligung der Beschwerdeführerin – «aus
versiche
rungstechnischen Gründen
» (Zitat
!
) 400 Stunden Jahresarbeitszeit (JAZ)
in
ein
Ferienguthaben
umwandelte
mit der Möglichkeit eines entsprechenden früheren Austri
ttsdatums bei der Pensionierung
.
Damit wurde
verschleiert, dass die Be
schwerdeführerin
in früheren Jahren
ein Arbeitspensum vo
n mehr als 50 % geleistet hatte:
Die 400 JAZ-Stunden entstanden
in den Jahren 1999 bis 2001 (Urk. 42 S. 8) und
wurden demgemäss während 32
Monaten geleistet (1999 bis Ende August 2001 [am 5. September 2001 wurde die Beschwerdeführerin operiert [Urk. 10/132]; die neue Stelle in
I._
trat sie am 10. Dezember 2001 an [Urk. 10/138 S. 1]), was in der genannten Zeitperiode einer zusätzlichen Arbeits
zeit zum bestehenden 50 %-Pensum von mindestens 12.5 Stunden pro Woche (bei der Ausklammerung von Ferien) entsprach.
Es ist daher davon auszugehen
, dass die Beschwerdeführerin von Januar 1999 bis Ende August 2001 ein Arbeits
pensum von
mindestens 75 Prozent erfüllte.
Bei d
en
besagten
«Überstunden»
konnte es sich nicht
um Arbeit
szeit mit reduzier
ter Effizienz, wie von der Beschwerdeführerin angegeben,
gehandelt haben
, denn dann
wäre ihr ein
Soziallohn entrichtet
worden
. Dass
dem nicht so war, brachte die Beschwerdeführerin
hingegen
selbst vor
(
vgl.
Urk. 1 S. 24
Rz
. 64).
Auch erscheint nicht glaubhaft, dass
der Beschwerdeführerin die im Jahr 2012 erfolgte Auszahlung des – nach ihren Angaben viel zu hohen – Ferienguthabens erst sie
ben Jahre später, im Jahr 2019, wieder in den Sinn gekommen sein soll (vgl.
Urk. 24/3 sowie Urk. 9/229 des beim hiesigen Gericht gleichzeitig hängigen Ver
fahrens der Beschwerdegegnerin gegen die IV-Stelle Zürich [IV.2019.00456]), widmete
sie
sich ihren Angelegenheiten doch mit einer kaum vergleichbaren Akribie, was die unzähligen Eingaben an
die Beschwerdegegnerin belegen
.
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin setzte den Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin gestützt auf einen Prozentvergleich fest und ging bei einer 50%igen Arbeits
un
fähigkeit
im angestammten Beruf von
einem
ebensolchen
Invaliditätsgrad aus (Urk. 2 S. 10).
Die
Beschwerdeführerin
rügte, ein Prozentvergleich sei nicht zu
lässig, da für die Ermittlung des Validen- und des Invalideneinkommens nicht dieselben Bemessungsgrundlagen herangezogen werden dürften. Für den Zeit
raum vom 1. Dezember 2007 bis 30. November 2008 habe die Beschwerdeführe
rin bei der
B._
einen Verdienst von Fr. 76'939.-- (Basislohn) zuzüglich Fr. 5'941.-- (Boni) erzielt, was ein Invalideneinkommen von insgesamt Fr. 82'880.-- ergebe (bei einem 50 %-Pensum). Für die Ermittlung des
Validen
einkommens
könne jedoch nicht auf das effektiv erzielte Einkommen bei der
B._
abgestellt werden, weil die Beschwerdeführerin ohne den Unfall vom 9. August 1997 eine Karriereentwicklung durchgemacht hätte (Urk. 1 S. 25). Stattdessen habe sie aufgrund des Unfalls eine Degradierung hinnehmen müssen, welche in mehreren Schritten erfolgt sei
(Urk. 1
S. 26 ff.). Die Beschwerdeführerin hätte ohne den Unfall bei der
B._
ein Einkommen von mindestens Fr. 180'000.-
- (Basislohn) zuzüglich Fr. 21'600.-- (Boni) zuzüglich Fr. 6'000.-- (Prokura), also Fr. 207'600.-- erzielt, und zwar einzig aufgrund der Stelle, welche sie am 1. April 1998 angetreten habe, von der sie später jedoch wegen des Unfalls schrittweise degradiert worden sei. Unter Berücksichtigung einer Karriereent
wicklung mit einer Steigerung des Lohns von mindestens Fr. 10'000.-
- resultiere ein
Valideneinkommen
von Fr. 217'600.
--
(Urk. 1 S. 31
)
.
5
.2
Von einer verpassten Karriereentwicklung ist nicht auszugehen. Die Beschwerde
führerin war im Zeitpunkt des Unfalls vom 9. August 1997 arbeitslos. Ihre Stelle bei der
Y._
war ihr per 31. Juli 1997 gekündigt worden, was unbestritten ist (Urk. 10/2 f. bzw. Urk. 10/523 und Urk. 10/525, Urk. 10/9 S. 3 bzw. Urk. 10/518 S. 3). Nach dem Unfall bewarb sie sich auf mehrere Stellen in ihrem angestamm
ten Tätigkeitsbereich, darunter auch bei der
B._
(Urk. 3/8). Den ursprünglich vorgesehenen Schritt in die Selbständigkeit verwarf sie aus verschiedenen (nicht angegebenen) Gründen wieder (Urk. 10/17 S. 3). Letztlich entschied sie sich für die Stelle bei der
B._
, welche sie dann aber nicht in einem Vollzeitpensum
wie ursprünglich vereinbart
, sondern in einem
(vertraglich vereinbarten)
50 %
Pen
sum
(Urk. 3/8-11 und
Urk. 10/64) antrat (das effektive Arbeitspensum betrug anfänglich jedoch mindestens 75 % [E.
4.2.3
]). Zunächst ist festzuhalten, dass der Lohn bei der
B._
bei Stellenantritt in einem 50 %-Pensum (Gesamteinkommen von jährlich Fr. 62’650.-- ohne Berücksichtigung von allfälligen Familienzulagen und Kinder-/Ausbildungszulagen) exakt der Hälfte des Lohnes für ein 100 %
Pen
sum (Gesamteinkommen von jährlich Fr. 125’300.-- ohne Berück
sichtigung von allfälligen Familienzulagen und Kinder-/Ausbildungszulagen) entsprach (Urk. 3/9 und Urk. 3/11). Die Lohnentwicklung (wiederum ohne Berücksichtigung von allfälligen Familienzulagen und Kinder-/Ausbildungs
zulagen) gestaltete sich sodann wie folgt: Fr. 63'194.-- im Jahr 1999, Fr. 61’420.
- im Jahr 2000, Fr. 54'660.65 (zuzüglich Unfallgeld im Betrag von Fr. 11'652.60) im Jahr 2001, Fr. 67'927.30 (zuzüglich Unfallgeld im Betrag von Fr. 5'594.55) im Jahr 2002, Fr. 69'223.05 (zuzüglich Unfallgeld im Betrag von Fr. 1'055.95) im Jahr 2003, Fr. 69'897.45 (zuzüglich Unfallgeld im Betrag von Fr. 1'828.80) im Jahr 2004, Fr. 74'934.05 (zuzüglich Unfallgeld im Betrag von Fr. 3'126.--) im Jahr 2005, Fr. 74'779.-- im Jahr 2006, Fr. 63'767.65.-- (zuzüglich Unfallgeld im Betrag von Fr. 11'466.--) im Jahr 2007 und Fr. 82'130.-
- im Jahr 2008 (Urk. 10/579; vgl. sodann Urk. 10/507). Bereits aus diesen Zahlen ist ersichtlich, dass es trotz wie
derholter Abwesenheiten und trotz
Teilzeitpensum zu einer Einkommenssteige
rung kam. Dass es ohne den Unfall zu einer höheren Einkommenssteigerung gekommen wäre, erschliesst sich jedoch nicht; aus der Invalidenkarriere können nicht ohne Weiteres Rückschlüsse auf eine hypothetische
Validenkarriere
gezo
gen werden.
In einer E-Mail vom 23. April 2004 von Seiten der
B._
an die Beschwerdegeg
nerin wurde
zudem
angegeben, die Beschwerdeführerin würde auch bei einer 100%igen Anstellung, unter Berücksichtigung ihrer Ausbildung als Verfahrensin
genieurin (ETH-Abschluss) ein vergleichbares Einkommen erzielen. Es sei nicht davon auszugehen, dass sie ohne den Gesundheitsschaden ein anderes Einkom
men erzielen würde (Urk. 10/213). Dies
darf so stehen gelassen werden, auch wenn die
Beschwerdeführerin
einwandte
, die Einschätzung des Arbeitgebers vom 23. April 2004 sei nur schon deshalb falsch, weil sie seit dem 1. September 2002 nicht mehr in der Funktion als (leitende) Verfahrensingenieurin gearbeitet habe, sondern nur noch in der tiefer klassierten Funktion als S+U-Spezialistin bezie
hungsweise als Spezialistin Arbeitssic
herheit (Urk. 16 S. 46
Rz
. 121). Dieser Umstand
kann
nicht in den Zusammenhang mit Unfallfolgen gebracht werden
. Die Beschwerdeführerin erf
uhr darüber hinaus keine Lohnreduktion, und aus dem
Verbleib in der Funktionsklasse 13 (vgl. Urk. 3/51)
lässt sich
ebenfalls
nichts ab
leiten
. Dass
J._
der Beschwerdeführerin im Jahr 2008 in einer überge
ordneten Funktion vorgesetzt wurde, obwohl er ursprünglich zu ihrer Entlastung eingestellt worden sei (Urk
. 1 S. 27), belegt auch
nicht, dass dies aus
im Zusam
menhang mit dem Unfall
stehenden Gründen geschehen sein soll
.
Nicht
bloss Aspekte wie Ausbildung und Qualifikation
fliessen
in die Entscheidung über
eine Beförderung
mit ein
, sondern auch sogenannte Soft Skills, dies insbesondere dann, wenn es um die Leitung eines Teams geht.
Zwischen der
Beschwerdeführe
rin
und ihren Arbeitgeberinnen
kam es jedoch
wiederholt zu
Differenzen oder
Auseinandersetzungen
(vgl. Urk. 42 S. 8 f.
betreffend die
B._
oder
Urk. 3/58 S. 4 ff.
betreffend die
Y._
)
.
Auch schien die Chemie zwischen der Beschwerde
führerin und ihrem Chef bei der
B._
«bei Weitem» nicht gestimmt zu haben (
E-
Mail der Beschwerdeführerin vom 26. November 2008
[
Urk. 10/536
]
).
Sämtliche Vorbringen der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit einer hypothetischen Karriereentwicklung im Gesundheitsfall erweisen sich daher als rein spekulativ und
als
nicht stichhaltig.
5.3
Demgemäss
erweist sich
der Invaliditätsgrad von 50 %
,
ausgehend von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 %
,
al
s äusserst grosszügig bemessen.
6.
6.1
Die Beschwerdegegnerin errechnete einen
indexierten Lohn
von insgesamt Fr. 117'240.40 (Fr. 115'200.40
[Fr. 7'530.-- Monatslohn bei zwölf Auszahlungen plus Fr. 7'830.-- Gratifikation plus Indexierung]
nebst Fr. 2'040.
--
Ausbildungs
zulagen) und berücksichtigte zusätzlich Fr. 5'625.60
(indexierte Überstundenver
gütung). Den versicherten Verdienst
im Jahr vor dem Unfall
setzte sie auf Fr. 122'866.-- fest (Urk. 2 S. 11-13). Sie erwog unter anderem
(vgl. Urk. 2 S. 12 f.)
,
i
nwieweit die Beschwerdeführerin im Jahre vor dem Unfall vom 9. Au
gust 1
996 bis zum 8. August 1997 und allenfalls in welchem Ausmass Überstun
den erbracht habe, sei teilweise Gegenstand eines arbeitsrechtlichen Verfahrens vor dem Bezirksgericht
K._
gewesen. Die Beschwerdeführerin habe gemäs
s Klageschrift vom 3. Juni 1998 von ihrer bisherigen Arbeitgeberin
eine Summe im Umfang von total Fr. 44'062.40 (Fr. 16'964.50 missbräuchliche Kündigung, Fr. 21'320.40 Überstunden/Ferien, Fr. 5000.-- Genugtuung und Fr. 777.50 Nebenforderung) gefordert (vgl. Urk. 3/58 S. 27). Die Forderung betreffend Über
stunden habe sich auf den Zeitraum vom 1. Januar 1997 bis zum Datum der Kündigung des Arbeitsverhältnisses
a
uf den 31. Juli 1997 beschränkt. Vergleichs
weise hätten sich die Parteien auf eine pa
uschale Zahlung von Fr. 13'500.--
zu
gunsten der Besc
hwerdeführerin einigen können. W
ie sich dieser Betrag genau zusammensetze, sei nicht ausgewiesen. Es sei damit auch nicht erstellt, ob über
haupt ein Anteil wegen geleisteter Überstunden enthalten sei oder ob es sich um Entgelte für die missbräuchliche Kündigung, Ferien, Genugtuung oder für die Nebenforderung handle.
Im
Vergleich zwischen den Gehalts-Abrechnungen August und Dezember 1996
sei
ausgewiesen, dass die Beschwerdeführerin damals 127.5 Überstunden geleistet habe. Davon sei gemäss Klageschrift vom 3. Juni 1998 mit Hinweis auf das Reglement der Arbeitgeberin ein Abzug von 50 Stunden vorzunehmen, womit ein Überstundensaldo von 77.5 Stunden verbleibe. Bei ei
nem Stundenansatz von Fr. 61.87 errechne sich ein anrechenbarer Lohnanspruch von Fr. 4'794.95 (Fr. 61.87 multipliziert mit 77.5 Stunden). Unter Berücksichti
gung der Nominallohnentwicklung ergebe sich ein Betrag von Fr. 5'625.
60.
6.2
Die Beschwerdeführerin w
andte
primär
ein,
zur Bemessung des versicherten Verdiensts gelange Art. 24 Abs. 2 UVV zur Anwendung, weshalb der Lohn zu berücksichtigen sei, welchen sie
im Jahr 2008
bei
B._
erzielt habe (Urk. 1 S. 34
36). Selbst wenn nicht dieser Lohn heranzuziehen sei, habe die Beschwerdegeg
nerin den versicherten Verdienst
im Jahr vor dem Unfall falsch ermittelt. Sie habe für die Periode
von August 1996 bis Dezember 1996 50
Überstunden zu Unrecht nicht einbezogen. Dies entspreche einem indexierten Betrag von Fr. 3'629.42. Es resultiere somit ein versicherter Verdienst von Fr. 126'496.--.
Auch den anre
chenbaren Feriensaldo von 110 Stunden habe die Beschwerdegegnerin nicht berücksichtigt. Es komme somit noch ein indexierter Betrag von Fr. 7'984.70 hinzu. Der maximal versicherte Lohn im Jahr 2008 von Fr. 126'000.-- sei damit erreicht worden (Urk. 1 S. 36-41).
6.3
Die Beschwerdeführerin verkennt, dass Art. 24 Abs. 2 UVV die Anpassung des versicherten Verdienstes an die normale Lohnentwicklung im angestammten Tä
tigkeitsbereich bezweckt. Es wird nicht jeder Bezug zur G
rundr
egel von Abs. 15 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 22 Abs. 4 UVV aufgehoben. Vielmehr ist bei der Festsetzung des versicherten Verdienstes beim angestammten Arbeitsverhält
nis anzuknüpfen. Arbeitsverhältnisse, die erst nach dem Unfallereignis angetreten werden, fallen damit ausser Betracht.
Berufliche Veränderungen oder Karriere
schritte zwischen dem Eintritt des versicherten Ereignisses und der Rentenfestset
zung sind
ebenfalls
unbeachtlich (BGE 127 V 165 E. 3b; vgl. auch die Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2012 und
8C_790/2012
vom 23.
März 2013
E. 3.3.1
). Damit ist der Lohn der Beschwerdeführerin, welchen sie im Jahr 2008 bei der
B._
erzielte, zur Ermittlung des versicherten Verdienstes nicht heranzuziehen.
6.4
Des Weiteren ist
– entgegen der Auffassung
der Beschwerdeführerin –
eine Ab
geltung von im Unfallzeitpunkt noch nicht bezogenen Ferien
nicht zum versi
cherten Verdienst hinzuzurechnen (Urteil des ehemaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 469/05 vom 2. Februar 2006 E. 4.3).
6.5
Betreffend die
Entschädigung von Überstunden
ist der Beschwerdegegnerin zu
zustimmen: Wenn sich die Beschwerdeführerin
und ihre ehemalige
Arbeitgeberin
in der
Arbeitsstreitigkeit v
ergleichsweise auf
eine pauschale Zahlung von Fr. 13'500.--
zugunsten der Beschwerdeführerin
einigten
(vgl. den Beschluss des Bezirksgerichts
K._
vom 2. Dezember 1999 [Urk. 10/740 S. 54-60])
, ist da
mit nicht ausgewiesen, wie sich dieser Betrag genau zusammensetzte.
Ergänzend ist Folgendes anzufügen:
Aus der Gehalts-Abrechnung
der Beschwer
deführerin vom 21. August 1996 (rund ein Jahr vor dem Unfall)
ergibt sich ein
Überzeit-Saldo von 112 Stunden (Urk. 10/101 S. 2), aus der Gehalts-Abrechnung vom 20. März 1997 und vom
28. März 1997 (drei Tage nach der Kündigung und Freistellung der Beschwerdeführerin [vgl. Urk. 3/58 S. 13])
ein solcher von 204.25 Stunden (Urk. 10/101 S. 9-10). Nach der Freistellung wurden keine weiteren
Überstunden geleistet, das Arbeitsverhältnis endete per Ende Juli 1997.
Die Be
schwerdeführerin leistete im Jahr vor dem Unfall somit maximal
92.25
Überstun
den. Werden davon 18.75 Stunden abgezogen (50 Überstunden x 0.9 / 12 x 5), wie dies von der Beschwerdeführerin gemäss Reglement der ehemaligen Arbeit
geberin beantragt wurde (Urk. 1 S. 39
Rz
. 90.3), ergibt sich ein Übe
rstunden-Saldo von 73.5 Stunden. Damit
ist
der von der Beschwerdegegnerin errechnete Saldo nicht zu beanstanden.
Dass auch die verfallenen
18.75 Überstunden zum versicherten Verdienst hinzuzurechnen wären, wie von der Beschwerdeführerin geltend gemacht
wird
(Urk. 1 S.
39
Rz
. 90.4), trifft nicht zu.
6.6
Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin den versicherten Verdienst auf Fr. 122'866.-- fest
setzte
.
7.
7.1
Die Beschwerdegegnerin sprach der Beschwerdeführerin eine Integritätsentschä
digung von Fr. 31'104.--, ausgehend von einer Integritätseinbusse von 32 %, zu. Dabei stützte sie sich auf die kreisärztliche Beurteilung von Dr.
L._
vom 21. Juli
2009 (Urk. 2 S. 13-16 und Urk. 10/614).
7.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend, die Beschwerdegegnerin habe fälschli
cherweise nicht sämtliche unfallkausalen Gesundheitsschäden
, welche zusätzlich zur Schmerzrelevanz ein beachtliches vorhersehbares Verschlechterungspotenzial besässen, in ihre
Beurteilung miteinbezogen. Unberücksichtigt geblieben seien die
Syringomyelie
, die Diskushernie C4/5 mit Kontakt zum
Myelon
, die
Diskusprotru
sion
auf der Höhe C3/4 im Segment direkt neben der Diskushernie C4/5, die
Dis
kusprotrusion
C7/Th1 im Nachbarsegment direkt unterhalb der Fusion CS-7 sowie die schwere
atlantodentale
Arthrose
(Urk. 1 S. 42 ff.)
.
7.3
Gemäss Art.
36 Abs.
4 UVV sind voraussehbare Verschlimmerungen des
Integri
tätsschadens angemessen zu berücksichtigen, und Revisionen der
Integritätsent
schädigung sind nur im Ausnahmefall möglich, wenn die Verschlimmerung
insbesondere nicht voraussehbar war. Eine voraussehbare Verschlimmerung liegt vor,
wenn im Zeitpunkt der Festsetzung der Integritätsentschädigung eine Ver
schlimmerung als
wahrscheinlich prognostiziert und damit auch geschätzt wer
den kann. Die blosse
Möglichkeit einer Verschlimmerung des Integritätsschadens genügt hingegen nicht
(Urteil des Bundesgerichts
8C_32/2010
vom 6.
September 2010
E. 2.6.2).
7.4
7.4.1
Der Kreisarzt berücksichtig
t
e die
erhobenen
Befunde
an der HWS umfassend und in grosszügiger Weise. Er hielt fest, an der HWS bestehe
heute eine
Spondyl
odese
von C5 bis C7 (
diese sei
in mehreren Schritten durchgeführt
worden
)
, die Band
scheibe
C4/5 zeige
eine Diskushernie
, die ventral das
Myelon
berühre, dorsal bleibe
ein
Liquorsaum
erhalten, k
ritische Raumverhältnisse bestünden nicht. Auch sei
die Bandscheibe ordentlich hydriert geblieben, d.h. nicht massiv dege
nerativ verändert trotz den hoch in der Deckplatte von C5 liegenden Schrauben der
Spondylodese
. Diese Aussage dürfe gestützt auf das
Upright
-MRI vom 9. Januar 2009
gemacht werden.
Die Ausrichtung der Halswirbelsäule sei korrekt. Der Befund erkläre eine etwas eingeschränkte Beweglichkeit der HWS, auch rezidivierende muskuläre Verspannungen.
Unter Heranziehung der Tabelle
7,
Inte
gritätsentschädigung gemäss UVG, Integritätsschaden bei Wirbelsäulen
affekti
onen,
schätzte der Kreisarzt die Integritätseinbusse
betreffend die HWS
auf 15 %
(Urk. 10/614)
.
7.4.2
Das Argument der Beschwerdeführerin, die nicht berücksichtigten Gesundheits
schäden besässen ein beachtliches vorhersehbares Verschlechterungspotenzial,
erweist sich als nicht stichhaltig
. Eine
im Zeitpunkt der Festsetzung der Integri
tätsentschädigung als wahrscheinlich vorhersehbare Verschlimmerung der von der Beschwerdeführerin genannten Gesundheitsschäden bestand nicht.
Eine
Syringomyelie
auf der Höhe Th3/4 wurde im Bericht der
M._
vom 14. November 2007
beispielsweise
bloss
nebenbefundlich
erwähnt. Der behandelnde Neurologe gelangte zum Schluss, aus neurologischer Sicht zeige sich ein unauffälliger klinischer Befund. Die Beschwerden seien primär
myofaszial
bei muskulärer
Dekonditionierung
bedingt (Urk. 3/33).
Die schmale Syrinx
blieb in der Folge stationär, was sich aus dem Bericht des
N._
vom 21. Dezember 2011 ergibt. Im selben Bericht wurde sodann das Vorliegen einer Nervenwurzelkompression, einer Spinalkanalstenose oder einer Myelopathie ver
neint (Urk. 3/64).
Damit rechtfertigt sich auch die Berücksichtigung der übrigen von der Beschwerdeführerin aufgezählten Diagnosen nicht.
Eine Verschlimme
rung trat nicht ein
, was auch
im Einklang mit den
von den Gutachtern des
G._
erhobenen
neurologischen und orthopädischen
Befund
en
steht (Urk. 9 S. 30 und S. 34 sowie Urk. 9 S. 37-41).
Dass
die Beschwerdeführerin auf den Bericht von Dr. m
ed. O._
, Fach
arzt FMH für Neurologie, vom 6. Dezember 2012 verweist (Urk. 1 S. 51),
lässt sich indes nicht nachvollziehen. Sie selbst brach die
Behandlung
bei ihm
ab, weil
sie
mit
seiner
Einschätzung nicht einverstanden war.
Er soll ihr am 29. Oktober 2012
auf die Frage der Unfallkausalität der
Syringomyelie
zu ihrem Erstaunen mitge
teilt
haben
, dass es sich bei den Befunden nicht um eine
Syringomyelie
handle, sondern lediglich um einen nichtssagenden Scheinbefund beziehungsweise um Artefakte. Er werde dies noch durch einen Radiologen der
P._
bestä
tigen lassen.
Aufgrund dessen
gelangte
die Beschwerdeführerin
zum Schluss, dass die von Dr.
O._
geplante radiologische Neubeurteilung nicht zu vertrauens
würdigen neuen Resultaten führe,
sondern nur zu unnötigen Kosten
(vgl.
Urk.
10/
801 S. 2-3).
Dr.
O._
hielt in seinem Bericht vom 6. Dezember 2012 schliesslich selbst fest,
für eine fundierte Beurteilung hätten am Schluss noch diverse frühere Berichte gefehlt. Nachdem sich die Beschwerdeführerin unerwar
tet entschieden habe, die Untersuchung abzubrechen, könne er mangels der erwähnten weiteren Berichte nur unvollständig Stellung nehmen (Urk. 10/805 S. 3).
7.4.3
Die Integritätsentschädigung bestimmt sich bei Wirbelsäulenaffektionen nach der Funktionseinschränkung. Die pathologisch-anatomischen Veränderungen (Rönt
gen-Bild) haben eine untergeordnete Rolle zu spielen
(vgl. die Tabelle 7 der Suva zur Integritätsentschädigung gemäss UVG
,
Integritätsschaden bei Wirbelsäulen
affektionen),
was die Beschwerdeführerin zu verkennen scheint.
Ein Abstellen auf die
Schmerzfunktionsskala der Kolonne ++
und auf die
Position
1
, oberste Zeile
,
Einbusse 5-10
%
, erscheint angemessen
. Der Zuschlag gemäss Position 4 auf
grund eines
Status nach drei Eingriffen
erweist sich sodann als grosszügig. Die
Schätzung der Integritätseinbusse
betreffend die HWS
auf 15
%
ist damit nach
vollziehbar
.
Es bestehen keinerlei Anhaltspunk
te dafür, dass die ‘mögliche
Ver
schlechterung der
Syringomyelie
im Bereich einer sehr starken schmerzhaften Funktionseinschränkung von 50 %
liegen werde
’
(vgl. Urk. 1 S. 52
Rz
. 105).
Eine Syrinx, welche festgestellt wurde, kann zum einen nicht mit einer
Syringomyelie
gleichgesetzt werden. Zum anderen reicht eine blosse
Möglichkeit einer Ver
schlimmerung
nicht aus (E. 7.3).
Immerhin gab die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde selbst an, glücklicherweise habe sich die instabile Situation der HWS
Problematik nicht weiter verschlechtert, weshalb sie gegen den Zeitpunkt des Rentenbeginns sowie der Zusprechung der Integritätsentschädigung keine Ein
wände mehr erhebe (Urk. 1 S. 23).
7
.5
Dass die Beschwerdegegnerin im Zusammenhang mit der HWS von einer Integritätseinbusse von 15 % ausging, ist nicht zu beanstanden. Eine starke Funk
tionseinschränkung der HWS liegt nicht vor. Auch d
ie von der Beschwerdegeg
nerin festgesetzte Integritätsentschädigung von insgesamt 32 % ist
nachvollzieh
bar
.
8.
Die Frage, ob
weitere Heilbehandlungen gemäss Art. 21 UVG
geschuldet seien, war nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung.
Auf den entsprechenden Antrag betreffend die Übernahme von Heilbehandlungskosten gemäss Art. 21 UVG ist daher nicht einzutreten. Nicht einzutreten ist auch auf die Anträge zur Aufnahme bestimmter Dokumente ins Dossier der Beschwerdegegnerin (
Arzt
zeugnis von Dr.
A._
vom 14. April 1998,
Unfallscheine, Taggeldabrechnun
gen
und
Abrechnungen der Heilbehandlungen
) und zur Vernichtung der elektro
nischen
Dossiers sowie auf einen allfälligen Antrag im Zusammenhang mit einer angeblich von Seiten der Beschwerdegegnerin begangenen Urkundenfälschung im Amt.
9
.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist, soweit auf sie einzutreten ist.