Decision ID: 25b40ebb-f076-4c71-905f-cd3373db2cc6
Year: 2012
Language: de
Court: BL_KG
Chamber: BL_KG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A. Mit Entscheid der Dreierkammer des Bezirksgerichts Arlesheim vom 13. September 2011
wurde die von den Ehegatten A._ und B._ geschlossene Ehe geschieden (Ziff. 1). Die
elterliche Sorge über die Tochter wurde der Mutter zugeteilt (Ziff. 2) und festgehalten, dass sich
die Parteien über das Besuchs- und Ferienrecht des Vaters direkt einigen (Ziff. 3). Der Kläger
wurde verpflichtet, der Beklagten an den Unterhalt der Tochter monatliche und vorauszahlbare
Unterhaltsbeiträge von CHF 650.-- zu bezahlen (Ziff. 4), welche indexiert wurden (Ziff. 6). Es
wurde festgestellt, dass beide Parteien auf nacheheliche Unterhaltsbeiträge verzichten (Ziff. 5).
Weiter wurde festgehalten, dass die Austrittsleistungen der beruflichen Vorsorge der Beklagten
im Verhältnis 50:50 zu teilen sind. Die gebundene Vorsorge Säule 3a des Klägers wurde geteilt
und die Versicherung angewiesen, den Betrag von CHF 9'779.60 auf ein entsprechendes Vor-
sorgekonto der Beklagten zu überweisen; sodann wurden die Parteien als güterrechtlich ausei-
nandergesetzt erklärt (Ziff. 8). Die Gerichtskosten wurden den Parteien je hälftig auferlegt und
jede Partei hatte für ihre eigenen Parteikosten aufzukommen. Zufolge Bewilligung der unent-
geltlichen Prozessführung für beide Parteien gingen die Gerichtkosten zu Lasten des Staates
und die Parteivertreter wurden aus der Gerichtskasse bezahlt (Ziff. 9).
B. Mit Eingabe vom 9. Dezember 2011 hat die Ehefrau Berufung gegen diesen Entscheid
erhoben. Sie beantragte, es sei Ziffer 4 des Entscheids des Bezirksgerichts Arlesheim vom
13. September 2011 aufzuheben und der Kläger und Berufungsbeklagte zu verurteilen, der Be-
klagten und Berufungsklägerin an den Unterhalt der Tochter mit Wirkung ab Rechtskraft des
Urteils monatliche und vorauszahlbare Unterhaltsbeiträge (jeweils zuzüglich Kinderzulagen) von
mindestens CHF 1'000.-- bis zur Mündigkeit der Tochter zu bezahlen. Die Art. 277 Abs. 2 und
286 Abs. 3 ZGB seien vorzubehalten. Weiter sei Ziffer 7 des Scheidungsurteils aufzuheben und
auf die Aufteilung der Austrittsleistungen der beruflichen Vorsorge der Beklagten und Beru-
fungsklägerin gemäss Art. 123 Abs. 2 ZGB zu verzichten. Für das Berufungsverfahren bean-
tragte sie die unentgeltliche Prozessführung sowie die Kosten- und Entschädigungsfolge zu
Lasten des Klägers und Berufungsbeklagten.
C. Die Präsidentin der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft hat mit
Verfügung vom 14. Dezember 2011 der Berufungsklägerin die unentgeltliche Rechtspflege be-
willigt.
D. Mit Berufungsantwort vom 10. Januar 2012 beantragte der Kläger und Berufungsbeklagte
es sei die Berufung abzuweisen und das Scheidungsurteil der Vorinstanz vom 13. September
2011 in allen Punkten zu bestätigen. Weiter beantragte er ebenfalls die Bewilligung der unent-
geltlichen Rechtspflege; unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Ehefrau.
E. Mit Verfügung vom 16. Januar 2012 wurde der Schriftenwechsel geschlossen, die Partei-
en zur Hauptverhandlung vorgeladen und dem Berufungsbeklagten die unentgeltliche Rechts-
pflege für das Berufungsverfahren ebenfalls bewilligt.
F. Zur heutigen Hauptverhandlung erscheinen beide Parteien je mit ihren Rechtsvertretern.
Eingangs werden die Parteien befragt und anschliessend die Plädoyers gehalten. Beide Partei-
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en halten an den bereits in den Rechtsschriften dargelegten Rechtsbegehren und Ausführun-
gen fest. Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften und Plädoyers sowie die Parteibefragung

Considerations:
wird - soweit erforderlich - in den Erwägungen eingegangen. Der Einfachheit halber werden die
Parteien im Folgenden mit Ehefrau und Ehemann bezeichnet.
Erwägungen
1.1 Gemäss Art. 405 Abs. 1 der am 1. Januar 2011 in Kraft getretenen Schweizerischen
Zivilprozessordnung (ZPO) ist für die Beurteilung von Rechtsmitteln dasjenige Recht anwend-
bar, das bei der Eröffnung des angefochtenen Entscheids in Kraft war. Das in casu angefochte-
ne Urteil der Dreierkammer des Bezirksgerichts Arlesheim vom 13. September 2011 wurde der
Berufungsklägerin nach Inkrafttreten der neuen ZPO eröffnet, so dass auf das vorliegende
Rechtsmittelverfahren die Bestimmungen der ZPO zur Anwendung gelangen.
1.2 Erstinstanzliche Endentscheide - wie der vorliegende - sind gemäss Art. 308 Abs. 1 lit. a
ZPO mit Berufung anfechtbar, wobei in vermögensrechtlichen Angelegenheiten die Berufung
nur zulässig ist, wenn der Streitwert der zuletzt aufrecht erhaltenen Rechtsbegehren mindes-
tens CHF 10'000.-- (Art. 308 Abs. 2 ZPO) beträgt. Vorliegend ist dieser Streitwert erreicht. Die
Berufung ist gemäss Art. 311 Abs. 1 ZPO innert 30 Tagen seit Zustellung des begründeten Ent-
scheides beziehungsweise seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegründung schrift-
lich und begründet einzureichen. Diese Frist wurde gewahrt. Da auch die übrigen Formalien
erfüllt sind, ist auf die Berufung grundsätzlich einzutreten. Zuständig für die Beurteilung der Be-
rufung ist gemäss § 6 Abs. 1 lit. d EG ZPO die Dreierkammer der Abteilung Zivilrecht des Kan-
tonsgerichts.
2. Im Zusammenhang mit dem Unterhaltsbeitrag für die Tochter beantragt die Ehefrau, es
sei Art. 286 Abs. 3 ZGB vorzubehalten, dies weil mit einem Unterhaltsbeitrag von CHF 1'000.--
die ausserordentliche Bedürfnisse nicht gedeckt werden könnten. Der Ehemann bringt diesbe-
züglich vor, es stehe bereits im Gesetz, dass beim festgelegten Kinderunterhalt die ausseror-
dentlichen Bedürfnisse gemäss Art. 286 Abs. 3 ZGB jeweils vorbehalten seien; dies müsse
nicht ausdrücklich im Urteil erwähnt werden.
Art. 286 Abs. 3 ZGB sieht vor, dass bei nicht vorgesehenen ausserordentlichen Bedürfnissen
des Kindes das Gericht die Eltern zur Leistung eines besonderen Beitrags verpflichten kann.
Dieser Vorbehalt für ausserordentliche Beiträge ist im Gesetz enthalten und braucht daher nicht
zusätzlich im Urteil erwähnt zu werden. Die Ehefrau macht zudem keine aktuell anstehenden
ausserordentlichen Bedürfnisse der Tochter geltend. Es besteht daher kein Rechtsschutzinte-
resse, diesen Vorbehalt in das Urteil aufzunehmen. Auf diesen Punkt der Rechtsbegehren ist
daher nicht einzutreten.
3. Mit der Berufungsbeilage 2 (Ausdruck aus dem Lohnrechner) reichte die Ehefrau eine
neue Beilage ein, welche bei der Vorinstanz noch nicht vorlag. Diese wurde hinsichtlich der Be-
rechnung des Kindesunterhaltsbeitrags vorgelegt. Bei Kinderbelangen in familienrechtlichen
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Angelegenheiten erforscht das Gericht den Sachverhalt von Amtes wegen (Art. 296 Abs. 1
ZPO). Diese neu eingereichte Beilage ist daher zuzulassen und unterliegt nicht der Noven-
beschränkung von Art. 317 Abs. 1 ZPO (PETER REETZ/SARAH HILBER, in: Thomas Sutter-
Somm//Franz Hasenböhler/Christoph Leuenberger, Kommentar zur Schweizerischen Zivilpro-
zessordnung, Zürich/Basel/Genf 2010, Art. 317 N 14).
4.1 Die Vorinstanz hat den Kinderunterhaltsbeitrag auf monatlich CHF 650.-- festgelegt. In
Erwägung 6 der Urteilsbegründung führt sie die Voraussetzungen für die Anrechnung eines
hypothetischen Einkommens des Unterhaltsschuldners aus. Sie geht weiter auf die Einkom-
mensverhältnisse des Ehemannes in der Vergangenheit und der Gegenwart sowie seine Ar-
beitsbemühungen ein. Die Vorinstanz gelangt dann zum Schluss, es sei dem Ehemann ein
hypothetisches Einkommen von CHF 5'000.-- anzurechnen. Sie berücksichtigt dabei, dass der
Ehemann - trotz intensiver Arbeitssuche in den Jahren 2007 und 2009 - bis anhin Mühe resp.
keine Möglichkeit gehabt habe, mit seinem Beruf als Schriftenmaler eine Anstellung in der Gra-
fikbranche zu finden, so dass allenfalls ein Ausweichen auf eine andere Tätigkeit mit minderem
Lohnniveau in Betracht gezogen werden müsse. Von diesem hypothetischen Einkommen hat
die Vorinstanz 13% als Kinderunterhaltsbeitrag festgelegt. Dabei hat sie den Umstand berück-
sichtigt, dass der Ehemann zusätzlich noch für den bei ihm wohnenden volljährigen und in Aus-
bildung stehenden Sohn aufkommen müsse, für welchen die Ehefrau keine Unterhaltsbeiträge
bezahle. Ausgehend von einer Beteiligung für zwei Kinder am Pflichtigeneinkommen von 25-
27% resultiere für ein Kind ein Unterhaltsbeitrag zwischen 12.5% und 13.5%, wobei in casu
eine Partizipation von 13% angewendet werde. Bei einem hypothetischen Einkommen von
CHF 5'000.-- ergebe sich ein Kinderunterhaltsbeitrag von CHF 650.--.
4.2 Die Ehefrau beantragt einen Kinderunterhaltsbeitrag von CHF 1'000.--. Sie geht mit der
Vorinstanz einig, dass ein hypothetisches Einkommen einzurechnen sei. Der 44-jährige Ehe-
mann sei ausgebildeter Schriftenmaler und Siebdrucker. Gemäss www.lohnrechner.ch resultie-
re mit dem Anstellungsprofil des Ehemannes (Verlags- und Druckgewerbe, 44 Jahre alt, 24
Dienstjahre, Berufslehre, Herstellung und Bearbeitung, unteres Kader sowie selbständige Arbei-
ten) ein monatlicher Bruttolohn von CHF 8'690.--. Dies entspreche netto CHF 7'821.--. Selbst
wenn der Kinderunterhaltsbeitrag nur mit einer Partizipation von 13% berechnet werde, müsse
dieser mindestens CHF 1'000.-- betragen.
4.3 Der Ehemann macht in der Berufungsantwort geltend, es könne ihm kein hypothetisches
Einkommen angerechnet werden, schon gar keines, welches über CHF 5'000.-- pro Monat lie-
ge. Er verdiene nur CHF 2'500.-- pro Monat und werde zudem von der Sozialhilfe unterstützt.
Die Vorinstanz sei zu Unrecht davon ausgegangen, er könne bei mehr Anstrengung eine An-
stellung im Bereich Grafik / Druck finden und dabei ca. CHF 5'000.-- pro Monat verdienen. Er
sei bereits vor der Trennung selbständig gewesen, zuerst zusammen mit seinem Partner mit
der Firma C._ und danach alleine mit eigener Firma bzw. als Freelancer. Er sei ausgebilde-
ter Schriftenmaler und nicht Grafiker. Er habe sich im Zuge des Eheschutzverfahrens sehr um
eine Anstellung bemüht aber leider keine gefunden. Die letzten fünf Jahre hätten klar gezeigt,
dass er selbst bei gutem Willen und ihm zuzumutender Anstrengung keine Anstellung im grafi-
schen Bereich bzw. Druckbereich finde. Hauptgrund seien die fehlenden Abschlüsse und Zeug-
nisse. Die Ausbildung zum Schriftenmaler gebe es heute gar nicht mehr. Zudem sei der Beruf
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des Grafikers stark im Wandel und ohne Ausbildung am Computer finde man keine Anstellung.
Er könne nicht in der grafischen Branche bzw. in der Druckbranche unterkommen. Realistisch
seien allenfalls Stellen als Hilfsarbeiter oder in artfremden Berufen wie Magaziner, Chauffeur,
Kellner etc. Die Ehefrau habe im Lohnrechner nicht die richtigen Daten eingegeben. Zunächst
stimme die Branche "Verlags- und Druckgewerbe" nicht, da er dort keine Anstellung finde. Er
habe auch keine verwertbare Berufslehre und keine 24 Dienstjahre. Auch die Einstufung als
Kader sei absurd; er habe nie Führungsfunktionen ausgeübt. Die Eingaben im Lohnrechner
seien daher völlig falsch und ein hypothetisches Einkommen von CHF 7'821.-- werde bestritten.
4.4 Das Kantonsgericht geht mit der Vorinstanz einig, dass dem Ehemann ein hypotheti-
sches Einkommen anzurechnen ist. Es kann hierfür auf die Erwägungen Ziffer 6 der vorinstanz-
lichen Urteilsbegründung verwiesen werden, welcher sich das Kantonsgericht anschliesst. Zu-
dem hat der Ehemann weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben, sondern vielmehr
beantragt, es sei das vorinstanzliche Scheidungsurteil in allen Punkten zu bestätigen, womit er
die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens implizit anerkannt hat. Der Ehemann ist
gelernter Schriften- und Reklamemaler und hat zusätzlich eine verkürzte Lehre als Siebdrucker
gemacht, wie er in der heutigen Parteibefragung ausführte. Beide Berufe sind im heutigen digi-
talen Zeitalter nicht mehr gesucht; eventuell gibt es noch Nischen im Kunstbereich, wo jedoch
nur vereinzelte Arbeitsstellen vorhanden sein dürften. Der Ehemann hat sich im Jahre 2007
intensiv um die Arbeitssuche bemüht, stellte diese aber 2008 praktisch ein. Im Jahre 2009 ver-
suchte er wiederum bis im September eine Stelle auf unselbständiger Basis zu finden. Trotz
dieser Bemühungen ist es dem Ehemann nicht gelungen, im grafischen Gewerbe eine Anstel-
lung zu finden. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass das tatsächlich nicht möglich
ist. Der Ehemann muss deshalb ausserhalb des grafischen Gewerbes nach Stellen suchen. Es
stellt sich die Frage, welches Einkommen er daraus erzielen kann. Die von der Ehefrau im
Lohnrechner eingegebenen Parameter lassen sich angesichts der Qualifikationen des Ehe-
mannes und der Tatsache, dass er ausserhalb des grafischen Gewerbes nach Arbeitsstellen
suchen muss, nicht halten. Weiter ist erschwerend zu berücksichtigen, dass der Ehemann
schon länger nicht mehr in einem Arbeitsverhältnis in unselbständiger Anstellung stand. Es gibt
verschiedene Lohnrechner; nebst dem von der Ehefrau benutzten Lohnrechner
(www.lohnrechner.ch) gibt es auch die schweizerische Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes
für Statistik sowie den Lohnrechner "Salarium" des Bundes. Für die Berechnung des Lohnes
sind die einzugebenden Parameter ausschlaggebend. Wird entsprechend den vorigen Ausfüh-
rungen von Hilfsarbeiten in erfahrungsfremden Branchen wie beispielsweise Baugewerbe oder
Verlagswesen ausgegangen, resultieren Löhne von knapp unter CHF 5'000.-- bis ca.
CHF 5'300.--. Das von der Vorinstanz angerechnete hypothetische Einkommen von
CHF 5'000.-- ist daher angemessen. Ein höheres Einkommen lässt sich nicht schlüssig anneh-
men. Selbst wenn davon ausgegangen wird, dass die Lohnrechner zu theoretisch sind und an
der Realität vorbei gehen bzw. der vom Ehemann erzielbare Lohn allenfalls tiefer sein könnte,
ist zu beachten, dass der Ehemann keine Berufung und auch keine Anschlussberufung erhoben
hat. Er hat somit das von der Vorinstanz eingesetzte hypothetische Einkommen zumindest im-
plizit akzeptiert, so dass dieses, welches auf Annahmen beruht und daher letztlich nie genau
vorausgesehen werden kann, auch aus diesem Grund zu belassen bzw. nicht herabzusetzen
ist. Dies gilt umso mehr, als das Einkommen von CHF 5'000.-- angesichts der Arbeitserfahrun-
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gen des Ehemannes auch für branchenfremde Arbeitsstellen im Rahmen liegt. Auch die vo-
rinstanzlich angewendete Methode der Berechnung des Unterhaltsbeitrages mit 13% des hypo-
thetischen Einkommens ist sachlich begründet und angemessen. Diese Berechnungsweise wird
zudem auch von den Parteien nicht moniert. Gestützt auf diese Ausführungen ist der Entscheid
der Vorinstanz betreffend Kinderunterhaltsbeitrag nicht zu beanstanden und die Berufung in
diesem Punkt abzuweisen.
5.1 Die Vorinstanz hat in Ziffer 7 des Scheidungsurteils entschieden, dass die Austrittsleis-
tungen der beruflichen Vorsorge der Ehefrau im Verhältnis 50:50 zu teilen seien. Die Vorinstanz
führt dazu aus, das Teilungsverhältnis werde entsprechend dem Grundsatz der hälftigen Tei-
lung von Art. 122 ZGB auf 50:50 festgelegt. Eine offensichtliche Unbilligkeit nach Art. 123 Abs.
2 ZGB, welche die Teilung ausschliessen könnte, sei nicht ersichtlich.
5.2 Die Ehefrau moniert diesbezüglich, sie habe bereits anlässlich der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung vom 13. September 2011 beantragt und begründet, weshalb auf die Teilung
ihrer Austrittsleistungen zu verzichten sei. Die Vorinstanz gehe darauf mit keinem Wort ein. Sie
habe eine sie betreffende Gutschriftsanzeige bezüglich Einzahlung Pensionskasse eingereicht
sowie einen Strafbefehl, womit der Ehemann wegen mehrfacher Vernachlässigung von Unter-
haltspflichten schuldig erklärt und verurteilt worden sei. Der Ehemann habe eine Gutschriftsan-
zeige betreffend Auszahlung Pensionskassenguthaben für Selbständige eingereicht. Aus die-
sen Unterlagen ergebe sich, dass es im Sinne von Art. 123 Abs. 2 ZGB unbillig wäre, wenn die
Ehefrau ihre Austrittsleistungen von rund CHF 17'000.-- mit dem Ehemann teilen müsste, wäh-
rend er sich seine schon vor längerer Zeit habe auszahlen lassen und sich zudem seit Jahr und
Tag davor drücke, die in den vorangegangenen Eheschutzverfahren festgesetzten Kinderunter-
haltsbeiträge zu bezahlen.
5.3 Der Ehemann bringt vor, es gebe keinen Grund, die Teilung des Pensionskassengutha-
bens der Ehefrau abzulehnen. Eine Ablehnung der Teilung sei nur möglich, wenn dies zu einer
offensichtlichen Unbilligkeit angesichts der güterrechtlichen Auseinandersetzung oder der wirt-
schaftlichen Verhältnisse nach der Scheidung führen würde. Der Ehemann habe weder Vermö-
gen noch eine eigene Altersvorsorge. Beide Ehegatten hätten bereits Vorbezüge ihrer Pensi-
onskassenguthaben gemacht, um damit selbständige Erwerbstätigkeiten zu finanzieren. Die
Teilung sei sachgerecht und angemessen, da der Ehemann mit Scheidungsurteil auch dazu
verpflichtet worden sei, sein Guthaben der Säule 3a von CHF 19'559.20 mit der Ehefrau hälftig
zu teilen.
5.4 Gemäss Art. 123 Abs. 2 ZGB kann das Gericht die Teilung der Austrittsleistung der be-
ruflichen Vorsorge ganz oder teilweise verweigern, wenn sie aufgrund der güterrechtlichen
Auseinandersetzung oder der wirtschaftlichen Verhältnisse nach der Scheidung offensichtlich
unbillig wäre. Der Ausgleich der während der Ehe geäufneten Vorsorgeguthaben findet grund-
sätzlich voraussetzungslos statt. Die Ausnahmen ergeben sich aus dem Art. 123 ZGB und - in
beschränktem Umfang - aus dem Verbot des offenbaren Rechtsmissbrauchs (BGE 136 III 455,
E. 4.1). Für weitere Verweigerungsgründe bleibt kein Raum (BGE 136 III 449, E. 4.5.1). Die hier
zur Diskussion stehende Bestimmung von Art. 123 Abs. 2 ZGB ist restriktiv anzuwenden, um
das Prinzip der hälftigen Teilung der Vorsorgeguthaben nicht auszuhöhlen (BGE 136 III 449,
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E. 4.4.1). Die Verweigerung wegen Rechtsmissbrauch ist nur mit grosser Zurückhaltung anzu-
wenden (BGE 136 III 449, E. 4.5.1).
Der Ehemann hat weder Vermögen noch gehört er einer Pensionskasse an. Als selbständig
Erwerbender hat er lediglich eine gebundene Vorsorge der Säule 3a im Betrage von
CHF 19'559.20, welche er gemäss Ziffer 8 des Scheidungsurteils ebenfalls mit der Ehefrau tei-
len muss. Es ist daher nicht ersichtlich, inwiefern die Teilung der Vorsorgeguthaben der Ehefrau
aufgrund der güterrechtlichen Auseinandersetzung oder der wirtschaftlichen Verhältnisse nach
der Scheidung offensichtlich unbillig sein soll, zumal die Teilung aufgrund der ebenfalls ange-
ordneten Teilung der gebundenen Säule 3a des Ehemannes zu keinem krassen Missverhältnis
in der Vorsorge führt, sondern vielmehr beide Ehegatten gleich gestellt werden. Aber selbst ein
allgemeines Ungleichgewicht in den finanziellen Kapazitäten würde keinen Ausschluss rechtfer-
tigen (KATERINA BAUMANN/MARGARETA LAUTERBURG, in: Ingeborg Schwenzer (Hrsg.), Fam-
Komm Scheidung, 2. Aufl., Bern 2011, Art. 123 N 60). Die Ehefrau bringt denn dazu auch keine
Argumente vor.
Zu prüfen bleibt damit nur, ob die Teilung wegen Rechtsmissbrauch zu verweigern ist. Dies ist
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur mit grosser Zurückhaltung anzuwenden. Die
Ehefrau bringt nicht substantiiert vor, worin der Rechtsmissbrauch oder eine qualifizierte Unbil-
ligkeit bestehen soll. Der Einwand der Ehefrau, der Ehemann habe sich seine Austrittsleistung
schon vor längerer Zeit auszahlen lassen, kann die Teilung nicht verhindern, da darin kein
Rechtsmissbrauch ersichtlich ist. Dies gilt umso mehr, als sich auch die Ehefrau Austrittsleis-
tungen in der Vergangenheit hat auszahlen lassen. Dass der Ehemann die in den vorangegan-
genen Eheschutzverfahren festgesetzten Kinderunterhaltsbeiträge nicht bezahlt hat, vermag die
Teilung ebenfalls nicht zu verhindern, da es sich dabei nicht um eine schwere Straftat handelt.
Der Vorsorgeausgleich ist zudem ein selbständiges Rechtsinstitut und kann nicht mit anderen
Forderungen oder Unterhaltsschulden verrechnet werden (BAUMANN/LAUTERBURG, a.a.o, Art.
123 N 58 und 61). Auch unter diesem Aspekt kann die ausgebliebene Bezahlung der Kinderun-
terhaltsbeiträge die Teilung nicht verhindern. Die Berufung ist daher auch in diesem Punkt ab-
zuweisen.
6. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Prozesskosten des Berufungsver-
fahrens der Ehefrau und Berufungsklägerin aufzuerlegen. Da ihr die unentgeltliche Rechtspfle-
ge bewilligt wurde, geht die Entscheidgebühr von CHF 2'000.-- in Anwendung von Art. 122 Abs.
1 lit. b ZPO zulasten des Kantons und ihr Rechtsvertreter wird vom Kanton angemessen ent-
schädigt (Art. 122 Abs. 1 lit. a ZPO). Der vom Anwalt der Ehefrau geltend gemachte Aufwand
von 11 Stunden (ohne Hauptverhandlung) à CHF 180.-- zuzüglich Auslagen von CHF 67.-- und
Mehrwertsteuer scheint angemessen. Für die Hauptverhandlung werden zusätzlich zwei Stun-
den à CHF 180.-- eingesetzt. Somit resultiert ein Honorar von CHF 2'599.55 (13 Std. à CHF
180.-- = CHF 2'340.--, Auslagen CHF 67.--, Mehrwertsteuer 8% auf CHF 2407.-- =
CHF 192.55), welches dem Rechtsvertreter der Ehefrau aus der Gerichtskasse ausbezahlt wird.
Die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege befreit die Ehefrau jedoch nicht von der Be-
zahlung einer Parteientschädigung an die Gegenpartei (Art. 118 Abs. 3 ZPO). Vielmehr hat die
unterliegende unentgeltlich prozessführende Partei der Gegenpartei die Parteientschädigung zu
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bezahlen (Art. 122 Abs. 1 lit. d ZPO). Der Rechtsvertreter des Ehemannes macht einen Auf-
wand von 14.8 Std. à CHF 180.-- zuzüglich Auslagen von CHF 53.-- und Mehrwertsteuer gel-
tend, total ausmachend CHF 2'934.35. Dieses Honorar ist vollumfänglich zuzulassen und die
Ehefrau/Berufungsklägerin somit zu verpflichten, dem Ehemann/Berufungsbeklagten eine Par-
teientschädigung von CHF 2'934.35 zu bezahlen.
Im vorliegenden Fall wurde auch dem obsiegenden Ehemann die unentgeltliche Rechtspflege
für das Berufungsverfahren bewilligt. Obsiegt die unentgeltliche prozessführende Partei und ist
die Parteientschädigung bei der Gegenpartei nicht oder voraussichtlich nicht einbringlich, so
wird die unentgeltliche Rechtsbeiständin oder der unentgeltliche Rechtsbeistand vom Kanton
angemessen entschädigt (Art. 122 Abs. 2 ZPO). Alleine die Tatsache, dass der Ehefrau die
unentgeltliche Prozessführung bewilligt wurde, bedeutet noch nicht, dass die Parteientschädi-
gung bei ihr nicht oder voraussichtlich nicht einbringlich ist, da das betreibungsrechtliche Exis-
tenzminimum nicht dem prozessualen Existenzminimum entspricht. Zudem ist für die Bezahlung
der Parteientschädigung auch allfälliges Vermögen anzutasten, welches vorhanden ist, jedoch
als Notgroschen der Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege nicht entgegenstand. Die
Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung für die unterliegende Ehefrau führt somit nicht
automatisch zur Bezahlung des unentgeltlichen Rechtsbeistands des Ehemannes aus der
Staatskasse. Im vorliegenden Fall kann die Zahlungsfähigkeit der Ehefrau mangels aktueller
Unterlagen zu ihrem Einkommen und Vermögen nicht geprüft werden. Die neuste Lohnabrech-
nung datiert vom Mai 2011; aktuellere Unterlagen liegen nicht vor. Zum Vermögen liegt nur die
Steuerveranlagung 2009 und somit ebenfalls kein aktueller Beleg vor. Die Einbringlichkeit kann
daher nicht geprüft werden. Folglich wird der Rechtsbeistand des Ehemannes derzeit auch
nicht aus der Staatskasse entschädigt.
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