Decision ID: 33f3e335-e2c0-42b1-9b8f-7361f2cb5d12
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1964
g
eborene
X._
schloss
nach der Primarschule
keine Berufsaus
bildung ab
.
Seit 1989 lebt sie in der Schweiz, ist verheiratet und Mutter von zwei 1981 und 1984 geborenen Söhnen (Urk. 10/1).
Sie
arbeitete zuletzt
vollzeitlich
vom
Dezember 2001
bis Ende
Dezember
2002 als Küchengehilfin im Restaurant
Z._
in Zürich
(Urk. 10/6/1)
.
Am 28. April 2003 meldete sie sich unter Hin
weis auf eine psychosomatische Störung bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 10/1).
Diese klärte die erwerblichen (Urk. 10/6, Urk. 10/7) und medizinischen (Urk. 10/3, Urk. 10/4, Urk. 10/5, Urk. 10/12, Urk. 10/13) Verhältnisse ab
und
liess
die Versicherte durch Dr. med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychother
apie, begutachten
(
Gut
achten
vom 27. September 2003;
Urk. 10/15).
Ausgehend von einer
1
00%igen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher
Tätigkeit
(
vgl. Feststellungsblatt für den Beschluss,
Urk. 10/16), sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 2
5
. Novem
ber 2003 (Urk. 10/19)
mit Wirkung ab dem
1.
März 2003
eine ganze Invaliden
rente zu.
1.2
Im Oktober 2005 führte die IV-Stelle ein erstes Revisionsverfahren durch (Urk. 10/21). Dabei holte sie einen Bericht der
behandelnden Psychiaterin
Dr.
med.
B._
ein (Urk. 10/22). Mit Mitteilung vom 2. Dezember
2005 (Urk. 10/24)
bestätigte
die IV-Stelle
die
ganze Invalidenrente.
Anfang 2011 leitete die IV-Stelle erneut von Amtes wegen eine Renten
über
prüfung ein (Urk. 10/29).
Sie
holte einen
A
uszug
aus dem individuellen Konto der Versicherten
(Urk. 10/31)
,
einen Hausarztbericht (Urk. 10/32) und
wiederum
einen
Bericht der behandelnden Psychiaterin
(Urk. 10/33)
ein.
Am
10. Mai 2011 (Urk. 10/35)
teilte sie der Versicherten mit, dass sie weiterhin Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente
habe
.
1.3
Im
Juli 2016 eröffnete die IV-Stelle
ein
drittes Revisionsverfahren (Urk. 10/37).
Nach Einholung eines weiteren Berichts
der
behandelnden
Psychiaterin
(Urk. 10/43)
liess
sie
die Versicherte durch Dr. med.
C._
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie, begutachten
(Gutachten vom 25. Januar 2017; Urk. 10/53
).
Der
Regionale Ärztliche Dienst (RAD) und de
r
interne Rechtsdienst
nahmen zum Gutachten Stellung
(Ur
k. 10/55/5
-7).
Gestützt auf ihre Abklärungen, insbesondere
gestützt auf
die interne Beurteilung des Rechtsdienstes (Urk. 10/55/6-7),
ging die IV-Stelle
aufgrund eines
aggrava
torischen
Verhaltens
der Versicherten
in
der gutachterlichen Untersuchung von
einem
Revisionsgrund
und von einer Verbesserung des Gesundheitszustandes
aus
.
Vor diesem Hintergrund
stellte
sie
der Versicherten
m
it
Vorbescheid vom 14. März 2017 (Urk. 10/56) die
Aufhebung
der Invalidenrente in Aussicht
.
Dagegen liess die Versicherte,
vertreten durch M
ilosav
Milo
v
anovic
,
am 24. April 2017 Einwand (Urk. 10/61) erheben und
unter anderem
einen Bericht der
behandelnden
Psy
chiaterin
vom 1
7.
März 2017
(Urk. 10/60
/1-2
)
einreichen
.
Mit Verfügung vom 22. August 2017 (Urk.
2)
stellte die IV-Stelle die bisherige ganze Rente
im ange
kündigten Sinne
auf Ende des der Zustellung folgenden Monats ein und ent
zog einer
allfälligen
Beschwerde die aufschiebende Wirkung.
2.
Hiergegen liess die
Versicherte
mit Eingabe vom 23. September 2017 (Urk. 1) Be
schwerde erheben mit den Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei auf
zu
heben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr die ganze Invaliden
rente weiterhin auszurichten. Eventuell sei
die Sache mit der
Feststellung, dass sie weiterhin Anrecht auf eine ganze Invalidenrente habe,
zu
weiteren Abklä
rungen
an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen
. Sodann ersuchte sie um Be
wil
ligung der unentgeltlichen
Prozessführung (Urk. 1). Die IV-Stelle schloss am 31. Oktober 2017 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9), was der Versicherten am 8. November 2017 unter gleichzeitiger Bewilligung der unentgeltlichen Pro
zess
führung zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 11).
Mit Gerichtsverfügung vom 25. September 2018 (Urk. 1
3
) wurde die
Personal
vorsorge der
Y._
beigeladen.
Diese reichte innert Frist keine Stel
lungnahme ein
(vgl. Urk. 14)
.
Auf
die
Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Akten
wird, soweit erfor
derlich, in den Erwägungen eingegange
n.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
1.
3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.
4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers
oder einer Rentenbe
züge
rin
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswir
kungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächli
cher Hinsicht umfassend (
«
allseiti
g
»
) zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche Änderung des Invali
di
täts
grades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs
(bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_297/2016 vom
7.
April 2017 E. 2.2, nicht publiziert in: BGE 143 V 77, aber in SVR 2017 IV Nr. 51 S. 152). Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (
Art.
49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Renten
revision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
auf dem Weg der blossen Mitteilung (
Art.
51 ATSG), ist im
darauf folgenden
Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 2
9.
März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.
5
Das Sozialver
sicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen
einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledi
gen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, waru
m
es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Un
tersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhal
ten der untersuchten Person auseinandersetzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinan
dersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolge
rungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der
Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversiche
rung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in:
Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gut
achten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
Bei einer Rentenrevision im Besonderen hat die Feststellung einer revisionsbe
gründenden Veränderung durch die Gegenüberstellung eines vergangenen und des aktuellen Zustandes zu erfolgen. Gegenstand des Beweises ist somit das Vor
handensein einer
entscheiderheblichen
Differenz in den - den medizinischen Gut
achten zu entnehmenden - Tatsachen. Die Feststellung des aktuellen gesund
heit
lichen Befundes und seiner funktionellen Auswirkungen ist zwar Ausgangspunkt der Beurteilung. Sie erfolgt aber nicht unabhängig, sondern wird nur
entscheid
wesentlich
,
soweit sie tatsächlich einen Unterschied zum früheren Zustand wiedergibt. Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstellten Gutachtens hängt folglich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema - erhebliche Änderung(en) des Sachverhaltes also - bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollständigen, nachvollziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Rentenberechtigung beweisend wäre,
mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer früheren abweichende) ärztliche Einschätzung nicht hinrei
chend darüber ausspricht, inwiefern eine effektive Veränderung des Gesundheits
zustandes stattgefunden hat. Vorbehalten bleiben Sachlagen, in denen es evident ist, dass sich die gesundheitlichen Ver
hältnisse verändert haben (Urteil des Bun
des
gerichts 8C_889/2015 vom 29. September 2016 E.
3.2 mit diversen Hin
weisen).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
hat
die ganze Invalidenrente mit der Begründung
aufgehoben,
die Beschwerdeführerin habe durch
Aggravation und Simulation
eine korrekte Abklärung ihres Gesundheitszustandes verhindert, weshalb
nicht auf das Gutachten von
Dr.
C._
abgestellt werden könne.
Es sei
von einer
B
esserung des Gesundheitszustandes auszugehen
.
Die Einstellung der Invaliden
rente sei da
her
gerechtfertigt.
Daran würden die Einwände der Beschwerde
füh
rerin nichts ändern, weil es für die
geltend
gemachten schweren Beeinträch
ti
gungen und fehlenden Ressourcen in den objektiven medizinischen Befunden kein
Korrelat gebe. Der psychiatrische Gutachter habe
wegen
der schweren Aggra
vation der
Beschwerdeführerin denn auch keine Möglichkeit gehabt, die tatsäch
lichen Ressourcen zu ermitteln
(Urk. 2).
2.2
Demgegenüber l
ässt
die Beschwerdeführerin vorbringen, gestützt auf das psy
chia
trische Gutachten von Dr.
C._
vom 25. Januar 2017
sei
keine Verän
derung des Gesundheitszustandes ersichtlich
. Folglich liege
kein Revisionsgrund vor. Ausserdem könne
aus diversen Gründen nicht
auf d
a
s Gutachten abgestellt werden
. Es sei voller Widersprüche
,
und
die gutachterliche Abklärung
sei
unvollständig
.
Bevor
die Rente
unter dem Gesichtspunkt der Aggravation
aufge
hoben werden
könne, müsse eine stationäre Abklärung der Simulations- und Aggravationsfrage
durchgeführt werden
. Ferner habe die Beschwerdegegnerin zu
Unrecht die Abklärung der somatischen Gesundheitssituation unterlassen
. Es
seien
daher
weitere Abklärungen
erforderlich
(Urk. 1).
3.
Die Verfügung vom 2
5.
November 200
3
, mit der der Beschwerdeführerin ab dem
1.
März 2003 eine ganze Invalidenrente zugesprochen worden war, basierte im Wesentlichen auf dem Gutachten von
Dr.
A._
vom 2
7.
September 2003 (
Urk.
10/15). Der ersten revisionsweisen Rentenbestätigung mit der Mitteilung vom
2.
Dezember 2005 lag ein Verlaufsbericht der behandelnden Psychiaterin
Dr.
B._
vom 1
4.
November 2005 (
Urk.
10/22) zu Grunde. Im zweiten Revi
sionsverfahren, das die IV-Stelle Anfang 2011 einleitete, holte sie nebst einem
IK-
Auszug
, aus dem sich ergab, dass die Beschwerdeführerin zwischenzeitlich keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen war (
Urk.
10/31),
einen Kurzbericht des Hausarztes
Dr.
med.
D._
, Arzt für Innere Medizin, vom 2
2.
März 2011 (
Urk.
10/32) und erneut einen Bericht der behandelnden Psychiaterin vom 1
4.
April 2011 ein (
Urk.
10/33).
Damit hat
auch
im zweiten Revisionsverfahren
k
eine
umfassende
Sachverhaltsabklärung
mit
Beweiswürdigung
stattgefunden, die nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts als zeitliche Vergleichsbasis für
die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung der Verhältnisse
dienen könnte
(
vgl. das
Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
Für die Prüfung der Rechtmässigkeit der rentenaufhebenden Verfügung sind daher die
Verhältnisse
i
m Zeitpunkt
der
rentenzusprechende
n
Verfügung
vom 2
5. November
2003 (Urk. 10/19)
mit
jenen
im Zeitpunkt
der angefochtenen Ver
fügung
vom 22. August 2017
zu vergleichen
.
4.
4.1
4.1.1
Die
Rentenzusprache
vom 2
5.
November 2003
beruhte
in medizinischer Hinsicht
auf dem Hausarztbericht von Dr.
D._
vom 1
9.
Mai 2003
(Urk. 10/3/3), auf dem
Bericht der behandelnden Psychiaterin Dr.
B._
vom 2
4.
Juni
2003
(Urk.
10/13) und
auf dem psychiatrischen Gutachten von Dr.
A._
vom 27. September 2003 (Urk. 10/15).
Dr.
D._
hatte berichtet
, dass die Beschwerdeführerin aus organischen Gründen voll arbeitsfähig sei. Sie habe sich jedoch immer wieder aus psychischen Gründen kra
nkschreiben lassen (Urk. 10/3
).
Dr.
B._
, welche die Beschwerdeführerin seit September 2002 ambulant behandelt,
nannte im Bericht vom 2
4.
Juni 2003 (
Urk.
10/13)
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einerseits eine mit Angst und depressiven Symptomen gemischte Reaktion als Folge einer schweren Belastung in der Familie
wegen
der Trennung des Sohnes
von seiner Partnerin
(ICD-10 F43.22), und anderseits eine Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0).
Die
Beschwerde
füh
rerin
klage
über seit zwei Jahren bestehende
multiple, wiederholt auftretende und wechselnde körperliche Beschwerden
, die schon
zu mehreren Untersuchungen geführt h
ätten
. Diagnostisch hätten aber keine körperlichen Erkrankungen fest
gestellt werden können. Sie habe Symptome an ver
schiedenen Körperteilen ge
zeigt;
a
m ehesten habe sie unter gastrointestinalen Beschwerden
und
Schmerzen im Brustbereich
gelitten. Anfänglich habe sie auch berichtet, dass sie im Vorfeld der Behandlung unter akustischen und optischen Halluzinationen gelitten habe (Urk. 10/13/2).
Es sei daher
vorerst eine
neuroleptische
Behandlung mit
Atypika
und
Antidepressiva
eingeleitet
worden. Die Beschwerdeführerin habe dann ange
geben, dass sie sich durch die Medikamente schlecht fühle. Sie habe immer wieder andere Medikamente gewünscht. Zudem sei sie in Jugoslawien zu verschiedenen Ärzten gegangen, da sie unter grosser Angst gelitten habe, an einer schweren körperlichen Krankheit zu leiden. Die körperlichen Symptome hätten im Zu
sam
menhang mit ihrer familiären Situation gestanden und sich immer wieder ver
stärkt, wenn die Beschwerdeführerin Probleme mit
dem
älteren Sohn gehabt habe. Sie könne sic
h von dessen
Problemen nicht abgrenzen, da der Sohn
damit
immer wieder zu den Eltern komme. Auseinandersetzungen mit der Schwiegertochter würden den Alltag prägen, weshalb sie nie zur Ruhe komme
(Urk. 10/13/2)
.
Die
zu Beginn der Behandlung
geklagten
psychotischen Symptome
seien dank der
neuroleptische
n
Behandlung
in den Hintergrund getreten.
Bezüglich der de
pressiven
und der
somatischen Beschwerden könne bis jetzt insgesamt keine Bes
serung
festgestellt werden
. Die Beschwerdeführerin klage nach wie vor über Angst
und Panikattacken, Schlafstörungen und depressive Symptome. Sie sei zurzeit zu 70 % arbeitsunfähig. Berufliche Massnahmen seien angezeigt (Urk. 10/13/2).
4.
1.2
Im psychiatrischen Gutachten vom 27. September 2003 (Urk. 10/15) hielt Dr.
A._
als Diagnosen
eine somatoforme autonome Funktionsstörung (ICD-10 F45.3), die von dissoziativen Störungen (ICD-10 F44.7) begleitet sei, und depres
sive Reaktionen (anamnestisch und aktenmässig) leichten Grades
,
vermutlich in Regression begriffen (ICD-10 F32.01)
,
fest (Urk. 10/15/4).
Die Beschwerdeführerin
habe
an
gegeben
,
s
eit
etwa zehn Tagen
fühle sie sich
wieder nicht mehr wohl. Sie bekomme dann jeweils wie einen Strom im rechten Arm
, habe danach ein Schwächegefühl, werde blass, ohnmächtig
und zittere am ganzen Körper. Nebst solchen Anfällen habe sie Magenprobleme, Blähungen und Übelkeit. Auch mit dem Herz stimme etwas nicht (Urk. 10/15/3). Dr.
A._
erklärte unter dem Titel Untersuchungsbefund, die Beschwerdeführerin habe leb
haft
um
hergeblickt und ihn
freundlich lächelnd
angeschaut.
Dann habe sie ange
fangen
,
sich zu bemitleiden, indem sie gesagt habe, dass sie noch zu jung
sei für eine schwere Krankheit
. Es sei jammerschade, dass sie nicht arbeiten könne. Salbungsvoll habe sie von einem guten Verhältnis am Arbeitsplatz und von einem verständnisvollen Chef erzählt. Danach habe sie versucht
,
die Entstehung der Krank
heit als
etwas
völlig
Unerklärliches
darzustellen
, indem sie von einer guten Ehebeziehung, einem einfühlsamen verständnisvollen Mann und hilfsbereiten Kindern berichtet habe.
Auf
wiederholt ge
stellte
Fragen über allfällige Probleme und Belastungen habe sie stets eine negative Antwort gegeben. Bei der Anam
nese
erhebung habe sie zunächst Unwahrheiten angegeben,
beispielsweise
dass die beiden Kinder ledig seien und einer Arbeit nach
gingen
. Von der Heirat ihres Sohnes und dessen Eheproblemen habe sie nichts gesagt. Die Beschwerdeführerin sei zunächst auch nicht gewillt gewesen
,
ihre Probleme mit den Schwiegereltern zu gestehen.
S
timmungsmässig
sei die Beschwerdeführerin
grössten
t
eils wenig auffällig er
schie
nen.
Sie
habe zwar von einer Tendenz berichtet
, stundenlang zu weinen
.
Diese Tendenz sei
jedoch nicht zum Vorschein gekommen. Im Gegensatz dazu sei insbe
sondere die Tendenz
,
zu dramatisieren und die Krankheit als lebensgefährlich darzustellen
,
aufgefallen.
Sie habe von «geplatzten Nerven» gesprochen, um ihre Unb
e
h
a
ndelbarkeit, die Unmöglichkeit zur Restaurierung und damit die schlechte Prognose zu unterstreichen
(Urk. 10/15/4).
In seiner Beurteilung meinte Dr.
A._
,
er
sehe den Grund für die Entstehung der
Krankheit
weniger in den Eheproblemen des Sohnes, die
eher nur der auslösende Faktor gewesen zu sei
e
n. Die Ursache liege wohl tiefer zurück in der konfliktreichen Vergangenheit. Mit 16 1⁄2 Jahren habe
d
ie
Beschwerdeführerin
einen um ein Jahr älteren Landsmann geheiratet. Während der Mann in der Schweiz gearbeitet habe, sei sie bei seinen Eltern geblieben. Die Beziehung habe nicht harmo
n
iert, und
sie sei dann
ins Elternhaus zurückgegangen.
Die Krankheit habe sich erstmals in einem
dissoziativen Anfall
manifestiert, e
inem dramatisch aussehenden Ereignis,
das
sich in verschiedener Intensität mehr
mals wiederholt habe. Im weiteren Verlauf sei es zu einer ausgedehnten Somatisierung
gekommen
mit Funktionsstörungen im Magen-Darm-Trakt
und
im kardiovaskulären Bereich. Die behandelnden Ärzte hätten neben den Somatisie
rungsstörungen auch eine depressive Störung registriert, die entsprechend ange
gangen worden sei. Bei der jetzigen psychiatrischen Exploration lasse sic
h diese
kaum noch feststellen.
Im Vordergrund
stünden
dissoziative Störungen und soma
tofo
rme autonome Funktionsstörungen
, die als solche bedeutend schwerer zu behandeln seien (Urk. 10/15/4-5).
Zur Arbeitsfähigkeit
führte
Dr.
A._
aus
, dass sich die Beschwerdeführerin völlig arbeitsunfähig fühle. Sie
habe erklärt
, dass sie nicht einmal im Stande sei
,
Haushalt
s
arbeiten zu
verrichten
.
Es handle sich um eine extreme Selbstli
mi
tie
rung, die von der Familie unbewusst aufrechterhalten werde. Man müsse sich in psychiatrischer Hinsicht der Selbstbeurteilung der Beschwerdeführerin leider an
schliessen. Sie sei vorerst als voll arb
eitsunfähig zu betrachten. Sie sollte
in eine Rehabilitationsklinik ein
gewiesen werden, wo sie
aktiviert, ein bisschen kondi
tioniert und allmählich von ihren Ängsten und ihrer Fixierung auf den Körper befreit werden könn
t
e. Nach Abschluss der Behandlung in dieser Klinik sei anfangs eine 50%ige Arbeitsfähigkeit mit der Tendenz zur Steigerung vorstellbar (Urk. 10/15/6).
Gestützt darauf sprach die IV-Stelle der Beschwerdeführerin eine ganze Inva
li
den
rente zu.
4.2
Im ersten Revisionsverfahren berichtete
die behandelnde Psychiaterin Dr.
B._
am 2
0.
Oktober 2005
, bis jetzt sei keine grosse Veränderung des psychischen Zustandsbildes eingetreten. Die Beschwerdeführerin klage nach wie vor über Angst und Panikattacken, Schlafstörungen und depressive Symptome. Der ältere Sohn sei für die Familie eine grosse Belastung. Er sei wegen Fr. 60'000.-
-
betrieben worden.
Die somatischen Probleme der Beschwerdeführerin
nähmen
mit der Belastung in der Familie immer mehr zu. Sie
fühle
sich durch ihren Sohn bedroht und habe Angst, dass die ganze Familie aus der Schweiz ausgeschafft werde. Sie fühle sich durch die Polizei verfolgt und beobachtet, verbringe die Zeit zu Hause eingeschlossen und jammere wegen ihre
s
Unglück
s
. Sie sei unfähig, mit anderen Menschen
Kontakt auf
zunehmen. Sie lebe einsam und isoliert, in einer inneren Abkapselung. Sie habe keine Kraft, Beziehungskonflikte und Spannun
gen anzusprechen. Sie stehe ständig in ungelösten Situationen. Bezüglich der Arbeitsunfähigkeit sei bis jetzt keine Änderung e
ingetreten
(Urk. 10/22).
4.3
Im
Rahmen des zweiten Revisionsverfahren erklärte der Hausarzt
Dr.
D._
auf Anfrage der IV-Stelle am
22. März 2011
,
aus
internmedizinischen
Gründen bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
, die Beschwerdeführerin sei aus psychi
schen
Grün
den arbeitsunfähig geschrieben
(Urk. 10/32).
Im Bericht vom
14. April 2011 diagnostizierte Dr.
B._
eine rezidivierende depressive Störung
, gegenwärtig schwere Episode,
ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2).
Die Beschwerdeführerin
habe schwere Aufmerksamkeits-,
Auf
fassungs
- und Konzentrationsstörungen
und
leichte mnestische Störungen. Der Gedankengang sei auf die jetzige Lebenssituation,
die
finanzielle Not, Verar
mungs
angst
und Versag
en
sgefühle eingeengt. Hinzu kämen die Somatisie
rungs
störung und eine schwerste Art der Migräne, welche die Beschwerdeführerin einschränk
ten
.
Der psychische Zustand habe sich seit
einem Jahr deutlich
v
er
schlechter
t, ebenso die somatische
Symptomatik, vor allem
wegen der schweren
Migräne (Urk. 10/33).
4
.
4
4.4.1
Mit undatiertem Bericht vom September 2016 (
vgl. im Aktenverzeichnis das
Dok
-
Eing
.-Datum vom 2. September 20
16
)
, den die IV-Stelle im dritten Revisions
verfahren eingeholt hatte,
bestätigte
Dr
.
B._
die schwere rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.2) und erwähnte neu eine generalisierte Angst
störung (ICD-10 F41.1). Der Gesundheitszustand habe sich verschlechtert, auch
wenn sich das psychische
Zustandsbild
nicht wesentlich verändert habe.
N
ach wie vor
stehe
die depressive Symptomatik im Vordergrund. Ausserdem sei eine generalisierte Angstsymptomatik vorhanden, welche sich durch Unsicherheit,
Ver
zweiflung, Misstrauen, Stimmungsinstabilität, verschiedene somatische Beschwer
den, soziale Isolierung,
negativistische
Gedanken und Angst vo
r de
m Sterben manifestiere. Die Beschwerdeführerin habe berichtet, wie sie sich verfolgt fühle und von Unbekannten
fo
tografiert worden sei, was sie «verrückt mache»
. Sie sei überzeugt
,
verfolgt zu werden. Sie habe gemeint, dass man ihr trotz ver
schiedener Krankheiten und ständiger Behandlung nichts glaube. Hinzu komme, dass sich die Beschwerdeführerin seit Jahren wegen Schmerzen ständig von ver
schiedenen Ärzten untersuchen lasse. Sie suche auch bei verschiedenen Thera
peu
ten Hilfe. Im April 2008 sei
ihr
ein
Mamma
-K
noten
entfernt worden
. Im August 2011 habe
sie sich einer
erneute
n
Operation der Brustknoten
unterzogen.
Weitere Therapien seien aus Angst abgebrochen worden. Weitere Abklärungen
hätten
wegen gastrointestinale
r
Beschwerden,
wegen
Schilddrüsenknoten
und wegen
anderen körperlichen Beschwerden
stattgefunden
. Sie sei als Hilfsar
bei
terin nach wie vor zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 10/43).
4.4.2
Im psychiatrischen Gutachten vom 25. Januar 2017 (Urk. 10/53) bestätigte Dr.
C._
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
schwerst
gradig
ausgeprägte Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0)
und eine rezi
divierende depressive Erkrankung,
gegenwärtig
schwergradig
und
ohne somati
sches Syndrom (ICD-10 F33.10). Neu nannte er die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie (ICD-10 F20.0
,
Urk.
10/53/21
).
Bei der Überprüfung der kognitiven Strukturen habe die Beschwerdeführerin eine Mitarbeit grösstenteils abgelehnt. Würde man auf ihre Angaben abstellen, läge eine
schwerstgradige
demenzielle Erkrankung vor, was im Widerspruch zu ihrem Alltag stehe: sie könne das Haus selbständig verlassen und finde selber nach Hause zurück, sie könne im Restaurant selber bestellen und finde sich zu Hause vollständig zurecht.
Es bestehe
somit eine erhebliche Diskrepanz zwischen ihrer Darstellung der kognitiven Fähigkeiten und der Gesamtsituation. Bei der Kon
frontation mit den somatischen Befunden (und damit mit der Tatsache, dass
somatisch keine Erkrankung vorliegt) habe die Beschwerdeführerin teilweise wahn
haft gewirkt, sie habe eine
unkorrigierbare
Vorstellung der eigenen Erkrankungen (
Urk.
10/53/7).
Die Symptome würden teilweise überzeichnet und grotesk anmu
tend dargestellt (
Urk.
10/53/8). Es bestünden erhebliche Hinweise auf Aggra
va
tion der Symptome (
Urk.
10/53/9).
Zudem bestünden erhebliche invaliditäts
fremde Faktoren. So könne die Beschwerdeführerin, obwohl sie seit 1989 in der Schweiz lebt, immer noch nicht ausreichend Deutsch und habe nur ein sehr niedriges Bildungsniveau (
Urk.
10/53/12)
.
Für die weitere Abklärung nahm
Dr.
C._
ein so genanntes Mini-ICF-Rating für Aktivitäts- und Partizipationsbeeinträchtigungen bei psychischen Erk
ran
kungen vor, das in fast alle
n Bereich
en
schwerst
e
Beeinträchtigungen ergab (
Urk.
10/53/10-12
), vom Gutachter indes nicht weiter interpretiert wurde.
Bei der Abklärung der sozialen Belastungen
gab
Dr.
C._
an, dass die Beschwerdeführerin das Vorhandensein sozialer Belastungen verneine, obwohl diese offenkundig vorlägen.
Es komme hier einerseits zu erheblichen Dissimu
lationen bis hin zur Angabe falscher Tatsachen, anderseits sei dies auch im Sinne eines Abwehrmechanismus zu interpretieren (
Urk.
10/53/19).
In der Erläuterung der Diagnosen führte
Dr.
C._
au
s
, die Beschwerde
füh
rerin biete mit den geklagten Beschwerden, den umfangreichen Abklärungen und Behandlungen bis hin zu verschiedenen Operationen, die auf ihr Verlangen durch
geführt worden seien,
schwerstgradige
Symptomatiken
für die Somatisie
rungsstörung. Typisch sei auch die Verschiedenartigkeit der Beschwerden. Es liege
eine
schwerstgradige
Somatisierungsstörung vor (
Urk.
10/53/22-23).
Die Symp
tome einer depressiven Störung seien in der Untersuchung mindestens teilweise angegeben worden. Jedoch müssten diesbezüglich die massiven Hinweise auf Simulation in Betracht gezogen werden. Gestützt auf die Angaben der Beschwer
de
führerin sei von einer rezidivierenden depressiven Störung mit überwiegend
schwerstgradigen
depressiven Symptomen auszugehen (
Urk.
10/53/23). Auch die Diagnose der paranoiden Schizophrenie basiere auf den Angaben der Beschwer
de
führerin und auf jenen der behandelnden Ärztin.
Die Beschwerdeführerin habe am Ende der Untersuchung plötzlich angegeben, sie höre manchmal Stimmen und Menschen, die die Treppe hinauf- und hinunterliefen. Gleiches lasse sich dem Bericht von
Dr.
B._
entnehmen (
Urk.
10/53/24).
Insgesamt sei
eine erhebliche
Komorbidität mit anderen, schweren psychischen Erkrankungen aus
gewiesen
. Neben der somatoformen Störung lägen eine schwere depressive Störung und sogar eine psychotische Symptomatik vor. Folge man den Angaben der Beschwerdeführerin, hätten die Symptome in den letzten Jahren zu
ge
nommen. Es handle sich um einen mehrjährigen dauerhaften Krankheits
ver
lauf mit ständig wieder auftretenden somatischen Nebenbefunden schwerster Art, wie beispielsweise die geforderten Operationen. E
inerseits
komme
es
zu einer
fehlerhaften Konfliktbewältigung mit Krankheitszeichen, indem sich
die
Beschwer
deführerin
endlich sicher und versorgt fühle, und die Familie ihr das Leben ermög
liche, das sie sich immer gewünscht habe. Anderseits finde sich ein erheb
licher innerpsychischer Konflikt: die Beschwerdeführerin erlebe schwierige, demü
tigende Situationen mit den Schwiegereltern, sie versuche, sich ein neues Leben ausserhalb dieser Struktur aufzubauen, wobei sich der Ehemann nicht loyal verhalte, sondern auf den Hof seiner
Eltern zurück
gekehrt sei
. Die Beschwerde
führerin selber negiere diesen Konflikt, was typisch für die somatoforme Störung sei (
Urk.
10/53/24-25).
Es handle sich um eine
schwerstgradig
verfestigte Symptomatik. Die Beschwer
deführerin sehe nur ihr eigenes Rentenbegehren, sie habe keinerlei Therapie
mo
tivation (
Urk.
10/53/25).
Aktuell und aufgrund der Akten sei
seit 2003
von einer vollständigen Arbeits
unfähigkeit auszugehen (
Urk.
10/53/31). Zur besseren Abklärung der Arbeits
fäh
ig
keit führte der Gutachter ein
weiter
es
Mini-ICF-Rating durch, das ebenfalls in praktisch allen Bereiche schwere Beeinträchtigungen ergab. Gestützt darauf schlussfolgerte der Gutachter, die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer Anga
ben in sämtlichen Tätigkeit
en
vollständig arbeitsunfähig. Es fänden sich zwar erhebliche Diskrepanzen, aber die dokumentierte psychiatrische Symptomatik erlaube keine Arbeitsfähigkeitsbescheinigung. Die Beschwerdeführerin habe wie
der
holt angegeben, sie könne keinerlei Haushaltstätigkeit
verrichten
oder sonst eine relevante Tätigkeit ausüben. Bereits einfache Tätigkeiten erschöpften sie der
art, dass sie sie nicht ausüben könne. Das Gleich
e
gelte für einfache Frei
zeit
aktivitäten
. Es müsse auf die Angaben der Beschwerdeführerin abgestellt werden. Jedoch sei auf die schwere Aggravation hinzuweisen, und diese sollte bei der Entscheidung über die Invalidenrente berücksichtigt werden (
Urk.
10/53/31-34).
4.5
Die IV-Stelle unterbreitete das Gutachten PD DR. med.
E._
vom RAD, der am
2.
Februar 2017 dazu Stellung nahm.
Er hielt dafür, dass auf das Gutachten auch in seinen Schlussfolgerungen abgestellt werden könne, erachtet
e
die Auferlegung einer Schadenminderungspflicht als nicht angezeigt und empfahl eine Neubeur
teilung im Routineintervall (
Urk.
10/55/5).
5.
5.1
Das von der IV-Stelle im Juli 2016 eingeleitete und mit der angefochtenen Verfügung vom 2
2.
August 2017 beendete Revisionsverfahren basiert nicht auf der Schlussbestimmung a zur
6.
IV-Revision vo
m
1.
Januar 2012, wonach Ren
ten, die bei
pathogenetisch-äthiologisch
unklaren
syndromal
en
Beschwerde
bil
dern ohne nachweisbare organische Grundlage gesprochen wurden, innerhalb von drei Jahren zu überprüfen sind. Es handelt sich um eine Revision nach
Art.
17 ATSG, die voraussetzt, dass eine erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades ein
getreten ist.
Sodann ist darauf hinzuweisen, dass die Änderung der Rechtspre
chung zu den
somatoformen Schmerzstörungen keinen Revisionsgrund darstellt (BGE 141 V 585 E.5).
5.2
Eine Besserung des Gesundheitszustands im Zeitraum zwischen der Rentenzu
spr
echung
am
2
5.
November
2003
und der angefochtenen Verfügung vom
2
2.
August 2017
ist nicht erkennbar und wird von der IV-Stelle auch nicht be
hauptet. Die IV-Stelle begründet die Rentenaufhebung vielmehr damit, dass sich aus dem Gutachten von
Dr.
C._
eine deutliche Diskrepanz zwischen der Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin und der Fremdwahrnehmung ergebe. Aus
diesem Grund sei das Gutachten, das nur auf die Aussagen der Beschwer
de
führerin abstelle, unbrauchbar. Zudem ergebe sich aus dem Gutachten, dass die Beschwerdeführerin
aggraviere
und simuliere. Sie habe damit eine korrekte Ab
klä
rung verhindert, weshalb von einer Besserung des Gesundheitszustands auszu
gehen
sei (
Urk.
2).
5.3
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
liegt
regelmässig
dann kein versi
cherter Gesundheitsschaden vor, wenn die Leistungseinschränkung auf Aggrava
tion oder einer ähnlichen Konstellation beruht. Dies trifft namentlich zu, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen oder Ein
schränkungen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; inten
sive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird, de
monstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirke
n oder wenn schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psycho
soziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist
blosses
verdeutlichendes Verhalten hin
(
BGE 141 V 281
E. 2.2.1).
Eine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beruhende Leistungs
einschränkung vermag einen versicherten Gesundheitsschaden nicht leichthin
auszuschliessen
, sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte für eine klar als solche ausgewiesene Aggravation eindeutig überwiegen und die Grenzen eines
bloss
verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das
aggra
va
torische
Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen wäre (
Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 6.1 mit Hinweis auf
SVR 2017 IV Nr. 21 S. 56 E. 4.3 mit Hinweis,
und Urteil des Bundesgerichts
9C_154/2016
vom 1
9.
Oktober 2016
).
5.4
5.4.1
Dr.
C._
erwähnte im Gutachten vom 2
5.
Januar 2017 verschiedenste Zeichen von erheblicher Aggravation, Simulation und Dissimulation. Insbeson
dere bei der Überprüfung der kognitiven Strukturen
habe
sich eine markante Dis
krepanz zwischen der Darstellung der Einschränkungen, die auf eine fortge
schrittene Demenz
schliessen
lassen würden, und dem
weitgehend
normalen Zurechtkommen der Beschwerdeführerin im Alltag
gezeigt
. Die
Schilderung
der Symptome
habe
teilweise grotesk
gewirkt
,
und Fakten seien verfälscht dargestellt worden.
Dr.
C._
schloss auf einen erheblichen Krankheitsgewinn: die Be
schwer
deführerin habe erreicht, was sie schon immer gewollt habe, indem sie nicht arbeiten müsse und von der Familie umsorgt werde. Psychosoziale belas
tende Faktoren seien
verharmlost
oder negiert worden. Wiederholt wies
Dr.
C._
mit aller Deutlichkeit darauf hin, die von der Beschwerdeführerin gezeigte Aggravation und
die
Simulation seien bei der Würdigung durch die IV-Stelle zu berücksichtigen.
Im Ergebnis
stellte er
jedoch
ausschli
esslich
auf die Angaben der
Beschwerdeführerin ab und attestierte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Hinweise auf Aggravation und die falsche Darstellung von Tatsachen, mit der die Beschwerdeführerin von den tatsächlichen Ursachen ihrer gesundheitlichen Störung habe ablenken wollen, hatte bereits
Dr.
A._
im Gutachten vom 2
7.
Septem
ber 2003 erwähnt (
Urk.
10/15). Auch hatte die Beschwerdeführerin bereits vor der Behandlung durch
Dr.
B._
von akustischen und optischen Halluzinationen berichtet (Bericht von
Dr.
B._
vom 2
4.
Juni 2003;
Urk.
10/13). Insoweit hat sich also auch
das
Verhalten der Beschwerdeführerin zwischen der ersten Begutachtung im Jahr 2003 und der zweiten Begutachtung Ende 2016 nicht wesentlich geändert, wenn auch das
Ausmass
der Übertreibung
und Vortäuschung zugenommen haben mag.
Jedenfalls kann nicht gesagt werden
, im Zeitpunkt der Rentenzusprechung habe die Beschwerdeführerin ihre Be
schwer
den glaubhaft und nachvollziehbar geschildert,
und erst
bei der Begut
achtung durch
Dr.
C._
seien Aggravation und Simulation im Vordergrund gestanden. Aus dem Verhalten der Beschwerdeführerin kann daher kein Revi
sions
grund abgeleitet werden.
5.4.2
Der Gutachter
Dr.
C._
hat sich nicht mit der Frage auseinandergesetzt, inwieweit
die
Beschwerdeführerin ihr Verhalten bewusst
einsetzt
und inwieweit es auf eine verselbständigte psychische Krankheit zurückzuführen ist. Für die zweite Variante bestehen erhebliche Anhaltspunkte.
I
nsbesondere der Umstand, dass sie sich
trotz des an den Tag gelegten Selbstmitleids
wiederholt oper
ativen Eingriffen unterzog, spricht nicht für eine oberflächliche bewusste Vortäuschung von Krankheitsbildern.
Dr.
C._
wies zwar wiederholt
mit aller Deutlichkeit darauf hin, die Aggra
vation und
die
Simulation seien bei der Würdigung durch die IV-Stelle zu berück
sichtigen. Trotzdem stellte er
– wie es bereits
Dr.
A._
getan hatte
–
aus
schliesslich
auf die Angaben der Beschwerdeführerin ab und attestierte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Dieser Umstand sprich
t
ebenfalls nicht gegen eine verselbständigte psychische Krankheit
.
Zusammenfassend kann daher – auch wenn in somatischer Hinsicht keine die Arbeitsfähigkeit einschränkenden Befunde vorliegen –
aufgrund des psychischen
Gesundheitszustandes
nicht auf eine
rentenausschliessende
Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit geschlossen werden.
Auch u
nter dem Titel von
Art.
17 ATSG lässt
sich
die Rentenaufhebung somit nicht bestätigen.
5.4.3
Soweit die Beschwerdegegnerin auf eine Umkehr der Beweislast (
Urk.
10/55/7)
schliesst
und die Rentenaufhebung
sinngemäss
mit einer Verletzung der Mitwir
kungspflicht
gemäss
Art.
43
Abs.
3 ATSG begründet, ist darauf hinzuweisen, dass eine derartige Schlussfolgerung – jedenf
alls im Revisionsverfahren – die
Durch
führung eines Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
voraussetzt. Ein solches Ver
fahren wurde hier
unbestrittenermassen
nicht durchgeführt, s
o dass die Aufhe
bung der Rente
a
u
ch unter diesem Gesichtspunkt nicht standhält.
5.5
Zu prüfen bleibt, ob die angefochtene
Revisionsverfügung mit der substituierten Begründung
zu schützen ist,
dass die ursprüngliche Rentenverfügung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 125 V 368 E.
2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 128 V 272 E. 5b/
bb
; Urteile des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 3.2.2, 9C_762/2013 vom 2
4.
Juni 2014 E. 4.2 und 9C_562/2008 vom 3. November 2008 E. 2.2 je mit Hinweisen
Die IV-Stelle hatte damals im Wesentlichen auf das Gutachten
von
Dr.
A._
vom 2
7.
September 2003 (
Urk.
10/15) abgestellt, in dem zwar die Aggravation und die Falschangaben geschildert worden waren und eine extreme Selbstli
mi
tierung beschrieben worden war, das in der Schlussfolgerung aber «im Wissen, dass es kontraproduktiv ist, bei dieser Störung eine volle Dispens der Arbeit zu bewilligen» auf die Ang
a
ben der Beschwerdeführerin abstellte und – mindestens vorläufig - eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte.
Unter Berücksichtigung
, dass es sich dabei um eine Ermessenseinschätzung handelte
(vgl.
dazu das
Urteil
des Bundesgerichts 9C_421/2010 vom 1. Juli 2010 E. 3 mit Hinweisen)
, kann nic
ht von einer
offensichtliche
n
Unrichtigkeit der ursprünglichen Verfügung
ausge
gangen werden.
5.6
Gestützt auf das Gutachten von
Dr.
C._
und die übrigen medizinischen Akten lässt sich die Rentenaufhebung
somit
nicht bestätigen. Damit erübrigt es sich, auf die Rügen der Beschwerdeführerin gegen das Gutachten von
Dr.
C._
einzugehen.
In
Gutheissung
der Beschwerde ist die Verfügung vom 2
2.
August 2017 aufzu
heben.
6
.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kosten
pflich
tig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Zudem hat d
ie
vertretene Beschwerdeführer
in Anspruch auf eine Prozessent
schä
digung. Diese ist ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens zu be
mes
sen (§ 34 Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht). In
Würdi
gung dieser Kriterien
resultiert ei
ne Prozessentschädigung von Fr.
8
00.--
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer).