Decision ID: 42ded8a1-fc0a-530a-acc5-ad955bf66ad1
Year: 2012
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge Marokko am
9. Februar 2012 verliess und nach Italien reiste, wo er, weil er seinen
Pass verloren habe, am Flughafen fünf Tage lang festgehalten und
schliesslich mit der Aufforderung, Italien zu verlassen, freigelassen wor-
den sei,
dass er am 15. Februar 2012 in die Schweiz einreiste, wo er gleichentags
um Asyl nachsuchte,
dass er am 29. Februar 2012 summarisch befragt wurde und zur Begrün-
dung seines Asylgesuches angab, er habe Marokko aus wirtschaftlichen
Gründen verlassen,
dass dem Beschwerdeführer anlässlich dieser Kurzbefragung das rechtli-
che Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid (Art. 34 Abs. 2
Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]) sowie ei-
ner damit verbundenen Wegweisung nach Italien gewährt wurde,
dass er dazu ausführte, er habe in Italien viele Leute gesehen, um die
man sich nicht kümmere, auch wenn die italienischen Behörden für Asyl-
gesuche zuständig seien, würden sie nichts machen, er kenne nieman-
den in Italien und er sei am Flughafen schlecht behandelt worden,
dass das BFM am 8. März 2012 mit einem Informationsersuchen nach
Art. 21 der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar
2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des
Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehöri-
gen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin-II-
VO) an die italienischen Behörden gelangte, welches unbeantwortet
blieb,
dass das BFM am 15. Mai 2012 ein Ersuchen um Aufnahme des Be-
schwerdeführers nach Art. 10 Abs. 1 Dublin-II-VO an die zuständige italie-
nische Behörde sandte, welches ebenfalls unbeantwortet blieb,
dass das BFM mit Verfügung vom 17. Juli 2012 – eröffnet am 23. Juli
2012 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch
nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Italien anordnete
und den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag
nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen,
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dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den
Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändi-
gung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Be-
schwerdeführer verfügte,
dass es dabei zur Begründung im Wesentlichen ausführte, der Beschwer-
deführer habe zu Protokoll gegeben, dass er am 9. Februar 2012 mit sei-
nem Reisepass ohne Visum über die Türkei nach Rom gereist sei, wo er
am Flughafen seinen Reisepass verloren habe, weshalb er festgenom-
men, während fünf Tagen festgehalten und dann mit der Aufforderung,
Italien zu verlassen, freigelassen worden sei,
dass die Behörden Italiens innerhalb der festgelegten Frist zum Übernah-
meersuchen keine Stellung genommen hätten, womit gemäss dem Ab-
kommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenos-
senschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und
Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines
in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags (Dublin-
Assoziierungsabkommen, SR 0.142.392.689) und unter Anwendung von
Art. 18 Abs. 7 Dublin-II-VO die Zuständigkeit am 16. Juli 2012 an Italien
übergegangen sei,
dass der Beschwerdeführer anlässlich der Gewährung des rechtlichen
Gehörs am 29. Februar 2012 geltend gemacht habe, er habe in Italien
viele Leute gesehen, um die man sich nicht kümmere und auch wenn die
italienischen Behörden für das Asylverfahren zuständig seien, erhalte
man nichts,
dass diese Ausführungen die Zuständigkeit Italiens nicht zu widerlegen
vermöchten,
dass der Beschwerdeführer die Möglichkeit habe, nach seiner Rückkehr
nach Italien dort ein Asylgesuch einzureichen,
dass gestützt auf die Dublin-II-VO Italien für die Durchführung des Asyl-
und Wegweisungsverfahrens zuständig sei und es den zuständigen italie-
nischen Behörden obliege, den Aufenthaltsstatus des Beschwerdeführers
zu regeln oder gegebenenfalls die Wegweisung ins Heimatland anzuord-
nen,
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dass keine Hinweise vorlägen, dass Italien seinen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nicht nachkommen und das Wegweisungsverfahren nicht
korrekt durchführen würde,
dass der Vollzug der Wegweisung zulässig sei,
dass der Beschwerdeführer anlässlich der Gewährung des rechtlichen
Gehörs am 29. Februar 2012 geltend gemacht habe, er sei am Flughafen
in Rom schlecht behandelt worden,
dass aber Italien die Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) ratifiziert habe
und deshalb davon ausgegangen werden könne, der Beschwerdeführer
könne wegen Verletzung seiner Rechte und Freiheiten durch die italieni-
schen Behörden Beschwerde bei einer zuständigen nationalen Instanz
einlegen,
dass weder die in Italien herrschende Situation noch andere Gründe ge-
gen die Zumutbarkeit der Wegweisung sprächen,
dass sein Vorbringen anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs
am 29. Februar 2012, wonach er in Italien niemanden kenne, nicht gegen
die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Italien spräche,
dass der Vollzug der Wegweisung schliesslich möglich sei,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 25. Juli 2012 gegen diesen
Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und dabei
sinngemäss die Aufhebung der Verfügung und das Eintreten auf sein
Asylgesuch beantragte,
dass er dabei zur Begründung ausführte, er brauche noch sechs Wochen,
um seine Dokumente zu beschaffen und einzureichen,
dass die vorinstanzlichen Akten am 27. Juli 2012 beim Bundesverwal-
tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),
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Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Verwaltungsverfah-
rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM
entscheidet, ausser – was vorliegend nicht der Fall ist – bei Vorliegen ei-
nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerde-
führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 – 33 des Ver-
waltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG,
SR 173.110]),
dass sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das VGG oder
das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 AsylG),
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die
Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass der Beschwerdeführer seine Eingabe nicht in einer Amtssprache
des Bundes verfasst hat, sich seiner englischsprachigen Eingabe jedoch
Begehren und eine Begründung entnehmen lassen (Art. 52 Abs. 1
VwVG), weshalb auf eine Rückweisung der Beschwerde zwecks Überset-
zung aus prozessökonomischen Gründen zu verzichten ist,
dass der Beschwerdeführer seine Eingabe fristgerecht eingereicht hat
(Art. 108 Abs. 2 AsylG) und er zur Beschwerdeführung legitimiert ist
(Art. 48 Abs. 1 VwVG), weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist,
dass sich die vorliegende Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – als
offensichtlich unbegründet erweist, weshalb darüber in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise
einer zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG),
dass gleichzeitig auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Ent-
scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG),
dass sich das vorliegende Verfahren auf einen Nichteintretensentscheid
gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG bezieht, womit einzig zu prüfen ist, ob
das BFM zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist und die Weg-
weisung aus der Schweiz nach Italien angeordnet hat,
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dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durchfüh-
rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig
ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),
dass vorliegend verschiedene Indizien im Sinne von Art. 18 Abs. 3 Bst. b
Dublin-II-VO (Aussagen des Beschwerdeführers) dafür bestehen, dass
sich der Beschwerdeführer vor seiner Einreise in die Schweiz in Italien
aufgehalten hatte,
dass bei dieser Sachlage Italien für die Prüfung des Asylantrages zustän-
dig ist, zumal von Italien das Ersuchen des BFM um eine Aufnahme des
Beschwerdeführers nach Art. 10 Abs. 1 Dublin-II-VO innert der vorliegend
massgeblichen Frist von zwei Monaten nicht beantwortet wurde, womit
Italien seine Zuständigkeit gemäss Dubliner Verfahrensregelung aufgrund
der sogenannten Verfristung akzeptiert hat (vgl. dazu Art. 18 Abs. 7 Dub-
lin-II-VO),
dass damit die Grundlage für einen Nichteintretensentscheid in Anwen-
dung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG gegeben ist,
dass sich der Beschwerdeführer zwar gegen eine Rückkehr nach Italien
ausspricht, aufgrund der Akten jedoch keine Gründe ersichtlich sind, wel-
che in rechtserheblicher Weise gegen die vom BFM angeordnete Über-
stellung nach Italien sprechen würden,
dass Italien Signatarstaat sowohl des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention, SR 0.142.30)
als auch der EMRK ist und keine konkreten Hinweise darauf bestehen,
Italien würde sich im Falle des Beschwerdeführers nicht an seine völker-
rechtlichen Verpflichtungen halten,
dass der Beschwerdeführer zwar geltend macht, die italienischen Behör-
den seien zwar für das Asylverfahren zuständig, man erhalte aber nichts
von ihnen,
dass sich das italienische Asylsystem aufgrund der jüngsten Entwicklun-
gen im nordafrikanischen Raum verbunden mit erhöhtem Zustrom von
Asylsuchenden mit erheblichen Kapazitätsproblemen konfrontiert sieht,
dass Italien indes verpflichtet ist, über das Asylgesuch des Beschwerde-
führers zu befinden, und nach dem Gesagten keine konkreten Hinweise
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dafür bestehen, der italienische Staat würde den Zugang zu einem funkti-
onierenden Asylverfahren generell nicht gewährleisten, wie auch kein An-
lass zur Annahme besteht, Italien würde sich nicht an das völkerrechtliche
Refoulementverbot und die einschlägigen Normen der EMRK halten,
dass der Beschwerdeführer im Weiteren zwar anführt, man kümmere sich
in Italien nicht um die Leute, er kenne dort niemanden und er sei am
Flughafen schlecht behandelt worden,
dass Asylsuchende in Italien bei der Unterkunft, der Arbeit und dem Zu-
gang zur medizinischen Infrastruktur zwar gewissen Schwierigkeiten aus-
gesetzt sein können, wobei sich bereits vorbestandene Kapazitätsproble-
me in der jüngsten Zeit akzentuiert haben dürften,
dass jedoch auch unter Berücksichtigung dieser Umstände kein konkreter
Anlass zur Annahme besteht, der Beschwerdeführer – soweit ersichtlich
ein gesunder Mann, welcher sein Auskommen bisher selbständig bestrit-
ten hat – gerate nach der Rückführung in Italien in eine existenzielle Not-
lage, zumal neben staatlichen Behörden auch private Hilfsorganisationen
Dublin-Rückkehrende unterstützen,
dass Italien an die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003
zur Festlegung von Mindestnormen für die Aufnahme von Asylsuchenden
in den Mitgliedstaaten (Aufnahmerichtlinie) gebunden ist und demnach
dafür besorgt sein muss, den Asylsuchenden ein menschenwürdiges Le-
ben zu ermöglichen,
dass die Beschwerdebegehren an dem Gesagten nichts zu ändern ver-
mögen, zumal der Beschwerdeführer lediglich ausführt, er brauche noch
Zeit, um seine Dokumente zu beschaffen und einzureichen, eine Nachrei-
chung von Dokumenten an der Zuständigkeit Italiens jedoch nichts än-
dern würde,
dass nach vorstehenden Erwägungen der Nichteintretensentscheid des
BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. Bst. d AsylG zu bestätigen ist, zumal
kein Grund für einen Selbsteintritt auf das Asylgesuch (im Sinne von
Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO) ersichtlich ist,
dass die Anordnung der Wegweisung nach Italien der Systematik des
Dublin-Verfahrens entspricht und von daher im Einklang mit der Bestim-
mung von Art. 44 Abs. 1 AsylG steht,
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dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens – bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren in den für die Behandlung des Asylgesuches zuständi-
gen Staat handelt – systembedingt kein Raum bleibt für eine Ersatzmass-
nahme für den Wegweisungsvollzug (im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG
i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über
die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]), mithin eine ent-
sprechende Prüfung soweit notwendig vielmehr bereits im Rahmen des
Nichteintretensentscheides stattfinden muss (vgl. dazu oben;
BVGE 2010/45 E.10),
dass in diesem Sinne das BFM den Vollzug der Wegweisung nach Italien
zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärte,
dass nach den vorstehenden Erwägungen die angefochtene Verfügung
zu bestätigen und die eingereichte Beschwerde als offensichtlich unbe-
gründet abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen sind (vgl. dazu Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie Art. 1-3
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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