Decision ID: be287ddd-2510-4c4b-b3b7-6a051623bf23
Year: 2016
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abgeklärt, indem sie ihn nicht
aufgefordert habe, die Fragen im „Fragebogen Unfallbegriff“ detaillierter
zu beantworten, und indem sie keinen der beteiligten Schüler als Zeugen
befragt habe. Im Übrigen entsprach die Begründung im Wesentlichen
derjenigen der A._.
7. Mit Verfügung vom 12. April 2016 vereinigte die Instruktionsrichterin die
beiden Beschwerdeverfahren S 16 44 und S 16 46.
8. Die C._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin) beantragte in ihrer
Beschwerdeantwort vom 3. Mai 2016 die Abweisung der Beschwerden.
Sie hielt an der Begründung im Einspracheentscheid fest und ergänzte,
von einer Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes könne nicht die
Rede sein. Sie habe keinen Grund gehabt, den Versicherten um eine
dritte Sachverhaltsschilderung zu bitten oder Zeugen zu befragen, sei er
doch im Begleitschreiben zum „Fragebogen Unfallbegriff“ ausdrücklich auf
die Notwendigkeit einer vollständigen und genauen Beschreibung
hingewiesen worden. Bezüglich des Unfallbegriffs verwies die C._
auf verschiedene Entscheide, in welchen das Bundesgericht ähnliche
Vorgänge nicht als Unfälle qualifiziert hatte.
9. B._ (Schreiben vom 12. Mai 2016) und die A._ (Schreiben vom
24. Mai 2016) verzichteten auf eine Replik.
Auf die weiteren Ausführungen im Einspracheentscheid und in den
Rechtsschriften wird soweit erforderlich in den Erwägungen eingegangen.
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Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 6 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) kann die zuständige
Behörde im Interesse einer zweckmässigen Erledigung die Verfahren bei
getrennt eingereichten Eingaben zum gleichen Gegenstand vereinigen.
Voraussetzung für eine Verfahrensvereinigung ist, dass den Eingaben
derselbe Sachverhalt zugrunde liegt und sich die gleichen Rechtsfragen
stellen (BGE 128 V 124 E.19). Dies trifft vorliegend bei den beiden
Verfahren S 16 44 (Beschwerde der A._ [nachfolgend:
Beschwerdeführerin 1]) und S 16 46 (Beschwerde von B._
[nachfolgend: Beschwerdeführer 2]) zu, so dass sie von der
Instruktionsrichterin mit Verfügung vom 12. April 2016 im Rahmen des
Schriftenwechsels vereinigt wurden.
2. Anfechtungsobjekt ist der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin
vom 24. Februar 2016. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) in Verbindung mit Art. 56 Abs. 1
und Art. 58 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann gegen
Einspracheentscheide der Unfallversicherer beim Versicherungsgericht
desjenigen Kantons Beschwerde erhoben werden, in welchem die
versicherte Person oder der Beschwerde führende Dritte zur Zeit der
Beschwerdeführung Wohnsitz hat. Vorliegend hat der Beschwerdeführer
2 seinen Wohnsitz in X._ (GR), weshalb die örtliche Zuständigkeit
des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden gegeben ist. Dessen
sachliche und funktionelle Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 57 ATSG in
Verbindung mit Art. 49 Abs. 2 lit. a VRG. Gemäss Art. 59 ATSG ist zur
Beschwerde berechtigt, wer durch den angefochtenen
Einspracheentscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an
dessen Aufhebung oder Änderung hat. Diese Voraussetzung erfüllt die
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Beschwerdeführerin 1 als Krankenversicherung des Beschwerdeführers
2, da der Leistungsansprüche verneinende Einspracheentscheid
unmittelbar ihre prinzipielle Leistungspflicht aus der gesetzlichen
Grundversicherung begründet (BGE 134 V 153 E.5.3.1). Der
Beschwerdeführer 2 ist als formeller und materieller Adressat des
angefochtenen Entscheides ebenfalls zur Beschwerde legitimiert. Auf die
Beschwerden, welche zudem frist- und formgerecht eingereicht wurden,
ist deshalb einzutreten (Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG).
3. a) Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre
Leistungspflicht zu Recht verneint hat, indem sie das Ereignis vom 20.
Oktober 2015 weder als Unfall noch als unfallähnliche Körperschädigung
qualifiziert hat. Gemäss Art. 6 Abs.1 UVG werden die
Versicherungsleistungen in der Regel bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt. Ein Unfall ist gemäss
Art. 4 ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung
eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper,
die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Einem Unfall gleichgestellt sind
gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG und Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) die unfallähnlichen
Körperschädigungen. Bei Knochenbrüchen, Verrenkungen von Gelenken,
Meniskusrissen, Muskelrissen, Muskelzerrungen, Sehnenrissen,
Bandläsionen und Trommelfellverletzungen besteht ein Anspruch auf
Leistungen der Unfallversicherung auch dann, wenn sie ohne
ungewöhnliche äussere Einwirkung aufgetreten sind, sofern sie nicht
eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen
sind.
b) Der Beschwerdeführer 2 hat bei dem streitigen Vorfall am 20. Oktober
2015 gemäss dem Arztzeugnis von Dr. med. D._ vom 13. November
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2015 (Akten der Beschwerdegegnerin [Bg-act.] 6) eine AC-
Gelenksluxation Typ Tossy III rechts erlitten. Dieses Verletzungsbild
umfasst eine Verrenkung des Schultereckgelenks, also der Verbindung
zwischen dem äusseren Ende des Schlüsselbeins und dem oberen Ende
des Schulterblatts, und eine Komplettruptur der gesamten
schulterstabilisierenden Bandstrukturen
(https://de.wikipedia.org/wiki/Schultereckgelenksverrenkung; besucht am
21. November 2016). Diese Verletzung stellt eine so genannte
Listenverletzung gemäss Art. 9 Abs. 2 UVV dar, umfasst sie doch die
Verrenkung eines Gelenkes (lit. b) und Bandläsionen (lit. g).
c) Im Folgenden muss nicht untersucht werden, ob ein Unfall im Sinne von
Art. 4 ATSG vorliegt, sondern es genügt zu prüfen, ob die
Voraussetzungen für eine unfallähnliche Körperschädigung im Sinne von
Art. 9 Abs. 2 UVV erfüllt sind, was, wie nachfolgend aufzuzeigen sein
wird, zu bejahen ist. Bei der unfallähnlichen Körperschädigung müssen
vier Tatbestandsmerkmale gegeben sein, nämlich Körperverletzung,
Plötzlichkeit, fehlende Absicht und äussere Einwirkung, und es muss ein
Kausalzusammenhang bestehen zwischen der Körperschädigung und
dem unfallähnlichen Ereignis. Anders als beim Unfall ist bei der
unfallähnlichen Körperschädigung nicht erforderlich, dass die äussere
Einwirkung ungewöhnlich ist (BGE 134 V 72 E.2.3, 129 V 466 E.2.2).
d) Vorliegend steht fest, dass sich der Beschwerdeführer 2 am 20. Oktober
2015 im Turnunterricht an der Schulter verletzt hat, und dass er sich
unmittelbar nach dem Vorfall auf der Notfallaufnahme des
Universitätsspitals Zürich behandeln liess. Die Tatbestandsmerkmale der
Körperverletzung, der Plötzlichkeit und der fehlenden Absicht sind
unbestrittenermassen gegeben. Streitig und zu prüfen ist das
Tatbestandsmerkmal der äusseren Einwirkung.
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4. a) Die Parteien sind sich über den Ablauf des Vorfalls vom 20. Oktober 2015
nicht einig. Es ist deshalb zunächst zu klären, von welchem Sachverhalt
auszugehen ist. Dabei darf das Gericht eine Tatsache nur dann als
bewiesen annehmen, wenn es von ihrem Bestehen überzeugt ist.
Während im Zivil- und Strafverfahren die richterliche Überzeugung
grundsätzlich auf dem vollen Beweis gründet, haben Sozialversicherer
und Richter im Sozialversicherungsrecht ihren Entscheid üblicherweise
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen
(BGE 141 V 216 E.5.2). Im Sozialversicherungsrecht ist mit anderen
Worten jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste zu würdigen ist. Nach der
Rechtsprechung hat die versicherte Person die einzelnen Umstände des
als Unfall gemeldeten Ereignisses glaubhaft zu machen. Unvollständige,
ungenaue oder widersprüchliche Angaben zum Geschehensablauf
können die Verneinung der Leistungspflicht der Unfallversicherung zur
Folge haben. Im Streitfall hat das Sozialversicherungsgericht zu
entscheiden, ob die einzelnen Tatbestandsmerkmale einer
unfallähnlichen Körperschädigung oder eines Unfalles gegeben sind.
Hierzu hat es im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes die
notwendigen Beweise zu erheben (Urteile des Bundesgerichts
8C_358/2016 vom 28. September 2016 E.3.4 und 8C_50/2012 vom 1.
März 2012 E.5.1). Bei sich widersprechenden Angaben über den
Unfallhergang ist die Beweismaxime zu beachten, wonach die spontanen
"Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener und
zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst
von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer
Art beeinflusst sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung
im Laufe der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die sie kurz nach dem
Unfall gemacht hat, meistens grösseres Gewicht zu als jenen nach
Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des Versicherers (BGE 130 V 117
E.2.2.7, 121 V 45 E.2a).
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b) In den Akten finden sich zum Ablauf des Geschehens am 20. Oktober
2015 folgende zeitnahe Aussagen: Schadenmeldung vom 23. Oktober 2015 (Bg-act.1):
 Sachverhalt: Demonstration einer Landung mit Abrollen über Schulter/Rücken; beim
Abrollen Schlag auf Schulter
Fragebogen zur Ergänzung der Schadenmeldung vom 27. Oktober 2015 (Bg-act. 3):
 Bei welcher Arbeit und unter welchen Umständen haben sie Beschwerden erlitten?
Turnunterricht. Demonstration einer Landung mit Abrollen über Schulter
 Wann haben Sie zum ersten Mal Schmerzen gespürt? Beim Unfall (Schlag auf
Acromion)
 Handelte es sich um eine für Sie öfters vorkommende Tätigkeit? Ist sie unter
normalen Umständen vor sich gegangen? Oder hat sich dabei etwas
Ausserordentliches ereignet (Schlag, Sturz, Ausrutschen, usw.)? Wenn ja,
beschreiben Sie uns genau was vorgegangen ist. Antwort: „-„
Arztbericht von Dr. med. D._, Klinik für Unfallchirurgie USZ vom 13. November
2015 (Bg-act. 6):
 Angaben des Patienten: Sei beim Abrollen im Turnunterricht (als Lehrer) auf die
rechte Schulter gestürzt.
Nachdem die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht mit Verfügung
vom 8. Dezember 2015 verneint hatte, schilderte der Beschwerdeführer 2
den Vorfall in seiner Einsprache vom 17. Dezember 2015 (Bg-act. 9) wie
folgt:  Wie bereits erwähnt ereignete sich der Vorfall bei der Demonstration einer Landung
im Turnunterricht. Bei einem Sprung über einen Schwedenkasten bin ich mit zu viel
Schwung und voller Wucht auf die Schulter gestürzt, wodurch ich einen heftigen
Schlag auf das Acromion erlitt. (...) Der Vorfall ereignete sich insofern nicht unter
normalen Bedingungen, als dass ich die Demonstration ohne Matten durchführte
und die Landung wie oben erwähnt nicht wunschgemäss verlief.
c) Die Beschwerdegegnerin hat diese Angaben in dem Sinne interpretiert,
dass die Schmerzen bei einer „ganz normalen Demonstration eines
Turnlehrers“ aufgetreten seien, und dass der erwähnte „Schlag“ nicht die
Ursache sondern die Art der Schmerzen schildere. Dem kann nicht
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gefolgt werden. Der Beschwerdeführer 2 umschrieb den fraglichen
Vorgang in der Schadenmeldung (Bg-act. 1) und im Fragebogen (Bg-act.
3) mit dem Begriff „Landung“. Dieser Begriff impliziert, dass das Abrollen
nicht aus der Hocke erfolgte, sondern dass ein Sprung vorausging, kann
man doch nur dann „landen“, wenn man zuvor keinen Bodenkontakt
hatte. Es ist deshalb davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer 2
einen Sprung vorwärts gemacht hat mit dem Ziel, den Schwung
kontrolliert durch ein Abrollen über die Schulter und den Rücken
abzufedern. Ob er dabei, wie in der Einsprache vom 17. Dezember 2015
(Bg-act. 9) behauptet, über einen Schwedenkasten gesprungen ist, oder
ob er den Sprung ohne Hindernis ausgeführt hat, kann offen gelassen
werden. Der Beschwerdeführer 2 spricht sodann sowohl in der
Schadenmeldung als auch im Fragebogen von einem „Schlag“ auf die
Schulter beziehungsweise auf das Akromion (Schultereckgelenk).
Aufgrund der Umstände ist dieser „Schlag“ als heftiger Aufprall der
Schulter auf dem Boden zu verstehen. Allem Anschein nach hat der
Beschwerdeführer 2 den Sprung und die Abrollbewegung nicht gut
koordiniert, so dass er mit der Schulter in einer ungünstigen Position auf
dem Boden aufschlug. Dass der Beschwerdeführer 2 diesen Ablauf in der
Schadenmeldung (Bg-act. 1) und im Fragebogen (Bg-act. 3) nicht als
„Sturz“ bezeichnete, ist nachvollziehbar. Ein Sturz umfasst im üblichen
Sprachgebrauch zwei Elemente, einerseits ein unbeabsichtigtes, durch
ein Missgeschick ausgelöstes Fallen und andererseits einen
unkontrollierten Aufprall. Vorliegend fehlt der Aspekt des unbeabsichtigten
Fallens, war der Sprung doch in Erwartung einer kontrollierten Landung
gewollt. Dass der Beschwerdeführer 2 den Vorfall dann später in der
Einsprache als Sturz umschrieb, und Dr. med. D._ in ihrem
Arztbericht vom 26. Oktober 2015 (Bg-act. 6) einen Sturz erwähnte, steht
nicht in unlösbarem Widerspruch mit den Aussagen der ersten Stunde,
war doch bei der missglückten Landung der Aspekt des unkontrollierten
Aufpralls, mithin der Hauptaspekt eines Sturzes, gegeben. Somit vermag
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der Beschwerdeführer 2 den Geschehensablauf in genügender Weise
glaubhaft zu machen, und es ist nachfolgend davon auszugehen, dass
sich der Beschwerdeführer 2 bei einer missglückten Landung durch ein
Aufschlagen der Schulter am Boden verletzte, ohne dass ein eigentlicher
Sturz vorlag.
d) Gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG nimmt der Versicherungsträger die
notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die
erforderlichen Auskünfte ein. Damit weist das Gesetz dem
Versicherungsträger die Aufgabe zu, den rechtserheblichen Sachverhalt
nach dem Untersuchungsgrundsatz abzuklären, so dass gestützt darauf
über den Leistungsanspruch mindestens mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann (BGE 137 V
210 E.1.2.1; KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, 2015, Rz. 20 zu Art.
43). Dieser Abklärungspflicht ist die Beschwerdegegnerin entgegen der
Ansicht des Beschwerdeführers 2 nachgekommen. Nachdem der
Sachverhalt in der Schadenmeldung nur grob geschildert war, holte die
Beschwerdegegnerin mit dem Fragebogen weitere Informationen ein. Im
Begleitschreiben vom 26. Oktober 2015 (Bg-act. 3bis) wies sie den
Beschwerdeführer 2 darauf hin, dass der Fragebogen vollständig
auszufüllen sei und dass es darum gehe, das Ereignis vom 20. Oktober
2015 genauer zu beschreiben. Auch aus dem Fragebogen selbst war klar
ersichtlich, dass es in den Fragen 1 bis 5 um die Präzisierung des
Sachverhaltes ging. Obwohl die Antworten des Beschwerdeführers 2 eher
knapp ausfielen, ergab sich insgesamt ein kohärentes Bild. Da der
Beschwerdeführer 2 die klar und verständlich formulierte Frage nach
ausserordentlichen Umständen mit der Antwort „-„ verneint hatte, durfte
die Beschwerdegegnerin ohne Weiteres davon ausgehen, dass der
Ablauf der Turnübung nicht durch ein Ausrutschen oder etwas Ähnliches
gestört worden war. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers 2 war
die Beschwerdegegnerin deshalb nicht verpflichtet, nochmals bei ihm
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nachzufragen oder die in der Turnstunde anwesenden Schüler als
Zeugen zu befragen.
5. a) Es kann nun geprüft werden, ob die missglückte Landung des
Beschwerdeführers 2 nach einem Sprung als unfallähnliche
Körperschädigung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV zu qualifizieren ist,
beziehungsweise ob vorliegend nebst den unbestrittenen Aspekten auch
das Tatbestandsmerkmal der äusseren Einwirkung gegeben ist. Nach der
Rechtsprechung besteht die äussere Einwirkung bei einer unfallähnlichen
Körperschädigung in einem ausserhalb des Körpers liegenden, objektiv
feststellbaren, sinnfälligen, eben unfallähnlichen Vorfall (BGE 135 V 194
E.3.1, 129 V 466 E.2.2). Die äussere Einwirkung ist das Gegenstück zur
inneren Ursache, welche den Krankheitsbegriff konstituiert (BGE 134 V
72 E.4.1.1). Typischerweise besteht der äussere Faktor in einem
Geschehen, das von aussen auf die geschädigte Person einwirkt. Nach
der Rechtsprechung kann der äussere Faktor aber auch in einer
körpereigenen Bewegung bestehen (BGE 129 V 466 E.4.1). Dabei ist
entweder ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes
Gefährdungspotenzial innewohnt, beziehungsweise bei dem eine mehr
als physiologisch normale Beanspruchung des Körpers auftritt. Oder es
kann eine alltägliche Lebensverrichtung sein, bei welcher ein von dieser
Verrichtung unterscheidbares äusseres Moment hineinspielt, welches die
alltägliche Lebensverrichtung zu einem gewissen Mass unkontrollierbar
macht (BGE 129 V 466 E.4.2.2, Urteil des Bundesgerichts 8C_40/2014
vom 8. Mai 2014 E.2.2.3). Nach der Rechtsprechung ist bei sportlichen
Aktivitäten in der Regel von einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage
auszugehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_40/2014 vom 8. Mai 2014
E.2.2.3). Allerdings genügt die sportliche Aktivität allein nicht für die
Bejahung des hinsichtlich des äusseren Faktors erforderlichen
gesteigerten Gefahrenpotenzials. Zu beurteilen ist zudem, ob der im
konkreten Fall zur Diskussion stehende Bewegungsablauf mit einer mehr
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als physiologisch normalen und psychologisch beherrschten
Beanspruchung des Körpers, insbesondere der Gliedmassen, verbunden
war (Urteil des Bundesgerichts 8C_147/2014 vom 16. Juli 2014 E.3.3).
b) Vorliegend ist die Verletzung bei einer Turnübung, mithin also bei einer
sportlichen Aktivität aufgetreten. Beim Turnen geht die Beanspruchung
des Körpers bei den meisten Übungen deutlich über diejenige bei
alltäglichen Lebensverrichtungen hinaus. Eine Turnübung stellt in Sachen
Beweglichkeit, Koordination und Kraft in der Regel deutlich höhere
Anforderungen als Alltagsbewegungen wie zum Beispiel Gehen, Sitzen
oder Treppensteigen. Gegenüber der alltäglichen körperlichen Belastung
wohnt dem Turnen eine erhöhte Verletzungsgefahr inne. Dies zeigt sich
anschaulich an der vorliegend zur Debatte stehenden Übung des
Abrollens am Boden über die Schulter und den Rücken nach einem
Sprung. Beim Aufprall auf dem Boden treten nämlich beträchtliche Kräfte
auf, welche der Körper nur bei einem korrekten Ablauf der Übung auf eine
unschädliche Weise absorbieren kann. Stimmt die Position bei der
Landung nicht, so treten Kräfte auf, welche die physiologisch normale und
psychologisch beherrschte Beanspruchung des Körpers übersteigen, weil
das Abrollen nach einem Sprung zwangsläufig mit einer beträchtlichen
Geschwindigkeit erfolgt. Die gesteigerte Gefahrenlage resultiert aus dem
anspruchsvollen, nicht alltäglichen Bewegungsablauf. Sie besteht
grundsätzlich unabhängig davon, ob die Landung auf einer Matte oder auf
dem Turnhallenboden erfolgt, wobei die Verletzungsgefahr ohne Matte
natürlich grösser ist. Ob der Beschwerdeführer die Turnübung tatsächlich
ohne Matte durchgeführt hat, wie in der Einsprache behauptet (Bg-act. 9),
kann deshalb offen bleiben. Nicht von Bedeutung ist sodann die Frage,
wie häufig der Betroffene den entsprechenden Bewegungsablauf
ausführt, wird doch nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ein
Bewegungsablauf mit erhöhtem Gefährdungspotenzial allein durch
häufige Ausübung nicht zu einer gewohnten Lebensverrichtung (Urteil des
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Bundesgerichts 8C_147/2014 vom 16. Juli 2014 E.3.6). In diesem
Zusammenhang sei der Vollständigkeit halber darauf hingewiesen, dass
der Beschwerdeführer 2 vor dem Ereignis vom 20. Oktober 2015 nur
unregelmässig und jeweils nur mit sehr kleinem Pensum Sport
unterrichtet hatte, so dass für ihn ein Sprung mit Abrollen wohl ohnehin
keine häufig ausgeübte Tätigkeit war. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin ist deshalb vorliegend das Einwirken eines
äusseren Faktors zu bejahen.
c) Dieses Ergebnis steht in Übereinstimmung mit der Praxis des
Bundesgerichts. So wurde das Einwirken eines äusseren Faktors bejaht
bei einem von einer Fitness-Instruktorin ausgeführten Squat-Jump
(Sprung aus der Hocke ohne Ausholbewegung mit den Armen; Urteil des
Bundesgerichts 8C_40/2014 vom 8. Mai 2014), bei einem Radschlag
(Urteil des Bundesgerichts 8C_620/2015 vom 21. November 2014), bei
einer Partnerübung im Rahmen eines Selbstverteidigungstrainings (Urteil
des Bundesgerichts 8C_147/2014 vom 16. Juli 2014), beim einbeinigen
Hüpfen und Schlagen der Knie in die Hände des Trainers beim
Fitnesstraining (Urteil des Bundesgerichts 8C_295/2015 vom 8.
September 2015), bei einem Zweikampf beim Fussball (Urteil des
Bundesgerichts 8C_186/2011 vom 26. Juli 2011), beim Skifahren im
Tiefschnee (Urteil des Bundesgerichts 8C_843/2015 vom 26. Februar
2016), beim Skifahren auf der Piste (Urteil des Bundesgerichts
8C_610/2015 vom 11. Januar 2016), beim Fangen eines Balles im
Rahmen eines Netzballturniers (Urteil des Bundesgerichts 8C_532/2007
vom 9. Juni 2008), beim Herabspringen aus einer Höhe von rund 60 cm
(Urteil des Bundesgerichts 8C_158/2007 vom 13. November 2007) und
beim Carving-Skifahren durch einen Skilehrer (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 223/05 vom 27. Oktober
2005).
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d) Die von der Beschwerdegegnerin ins Feld geführten
Bundesgerichtsurteile stehen der Qualifikation des Ereignisses vom 20.
Oktober 2015 als unfallähnliche Körperschädigung nicht entgegen. Die
Urteile 8C_189/2010 vom 9. Juli 2010 und U 322/02 vom 7. Oktober 2003
beschlagen die Frage, ob ein Unfall im Rechtssinne vorlag, mithin die
Frage, ob der einwirkende äussere Faktor ungewöhnlich gewesen war.
Diese Frage stellt sich bei einer unfallähnlichen Körperschädigung, wie
sie vorliegend Thema ist, nicht (vgl. vorne E.3). Und in den Urteilen U
98/01 vom 28. Juni 2002 und U 134/00 vom 21. September 2001 geht es
zwar um eine unfallähnliche Körperschädigung, aber nicht um das
vorliegend streitige Tatbestandsmerkmal des äusseren Faktors, sondern
um die Frage, ob eine Listenverletzung gemäss Art. 9 Abs. 2 UVV
gegeben war.
e) Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Ereignis vom 20.
Oktober 2015 entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin als
unfallähnliche Körperschädigung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 lit. b und g
UVV zu qualifizieren ist. Der Kausalzusammenhang zwischen diesem
Ereignis und der dabei aufgetretenen Schulterverletzung ist von ärztlicher
Seite mit genügender Beweiskraft bestätigt. Im Ärztlichen Zeugnis des
Universitätsspitals Zürich vom 26. Oktober 2015 (Bg-act. 6) wurde
angegeben, es lägen ausschliesslich Unfallfolgen vor. Und Dr. med.
E._, der Vertrauensarzt der Beschwerdeführerin 1, führte in seiner
Beurteilung vom 5. Februar 2016 (Akten der Beschwerdeführerin 1 [Bf1-
act.] 15) aus, eine AC-Gelenksluxation sei eine häufige Verletzungsform,
deren Ursache typischerweise Stürze auf die Schulter seien. Der vom
Beschwerdeführer 2 geschilderte Unfallmechanismus passe zu der
Diagnose. In den Akten finden sich sodann keinerlei Hinweise auf eine
Krankheit, was nicht weiter überrascht, da eine Verrenkung des
Schultereckgelenks mit vollständiger Ruptur der schulterstabilisierenden
Bandstrukturen als Folge einer Krankheit schwer vorstellbar ist. Die
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Beschwerdegegnerin hat somit in Zusammenhang mit dem Ereignis vom
20. Oktober 2015 die gesetzlichen Versicherungsleistungen zu erbringen.
6. a) Der angefochtene Einspracheentscheid erweist sich damit als
rechtswidrig und die dagegen erhobenen Beschwerden sind
gutzuheissen.
b) Gemäss Art. 61 lit. a ATSG ist das kantonale Beschwerdeverfahren in
Sozialversicherungssachen - ausser bei leichtsinniger oder mutwilliger
Prozessführung - kostenlos, weshalb vorliegend keine Kosten erhoben
werden.
c) Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende
Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom
Versiche-rungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers 2
macht mit Honorarnote vom 12. Mai 2016 einen Betrag von total Fr.
1‘940.40 (inkl. MWST) geltend. Sie geht dabei von einem Aufwand von 8
Stunden und 10 Minuten bei einem Stundenansatz von Fr. 220.-- aus,
was nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerdegegnerin hat den
Beschwerdeführer 2 demnach mit Fr. 1‘940.40 (inkl. MWST) zu
entschädigen.
d) Der Beschwerdeführerin 1 steht kein Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten zu (Art. 61 lit. g ATSG e contrario).