Decision ID: 35c82145-3e20-4bc9-bc90-a8c498ccbb00
Year: 2016
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Die Klagen der Einwohner des Wohnquartiers B._ seien bei der Interessenabwägung zu berücksichtigen. Die Einwohner hätten sich effektiv über den Geruch des beschwerdeführerischen Betriebs beschwert und nicht über andere Landwirte, die ihr Land in der Nähe güllten oder misteten. Die klagenden Einwohner seien durch den Gestank in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Lüften und Aufenthalte im Freien rund ums Haus seien nicht möglich. Einige Einwohner hätten auf Ersuchen der Gemeinde eine Geruchserhebung gemacht, welche zeige, dass sie sich meistens stark beeinträchtigt sähen. Zudem seien zahlreiche telefonische Beschwerden bei der Gemeinde eingegangen. Die Interessen der zahlreichen Einwohner auf Wiedererhaltung der Wohnqualität überwögen die Interessen des Beschwerdeführers. Die Unterschriftensammlung zu Gunsten des Beschwerdeführers ändere daran nichts. Die Sachverhaltsfeststellungen hätten gezeigt, dass die Klagen der Einwohner objektiv begründet seien.
17. Das Amt für Raumentwicklung Graubünden (ARE) beantragte am
17. Februar 2015 die Abweisung der Beschwerde. Es sei nicht zu
beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin den Faktor Sauberkeit mit
1.2 berücksichtigt und das Baugesuch abgewiesen habe. Bei dieser
Sach- und Rechtslage könne offen bleiben, ob der Betrieb über die
nächsten 15 - 25 Jahre voraussichtlich wirtschaftlich rentabel und unter
geregelter Betriebsnachfolge geführt werden könne.
18. Mit Stellungnahme vom 24. Februar 2015 führte das Amt für Natur und
Umwelt (ANU) was folgt aus:
 Nach der Umnutzung im Jahr 1996 habe der Beschwerdeführer um das Jahr 2002 unter dem Auslauf der Schweine einen Kanal für Hofdünger erstellt und diesen oben mit einem Spaltenboden versehen. Dies sei dem Beschwerdeführer im vereinfachten Baubewilligungsverfahren von der Gemeinde bewilligt worden. Es sei nicht gänzlich klar, ob die Schweinehaltung nun vollumfänglich oder lediglich im Punkt von 450 Schweinen abgelehnt werden solle.
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 Betreffend Lüftung sei zu beachten, dass Auslauf und Abluftkamin zwei unterschiedliche Emissionsquellen seien. Dies berücksichtige die FAT/ART-Berechnung mit zwei unterschiedlichen Korrekturfaktoren für Stallsysteme und Lüftung. Durch die Erhöhung des Abluftkamins und das Anbringen der Jethauben werde die Entlüftung des Stalls wesentlich verbessert, womit hier ein Faktor 0.8 für die Lüftung zu erfolgen habe.
 Die Sauberkeit sei so, wie man sie erwarten dürfe, was anlässlich einer unangemeldeten Besichtigung überprüft worden sei. Der Faktor 1.0 sei gerechtfertigt. Der Vorbehalt der Anpassung der  bezüglich des Korrekturfaktors für die Sauberkeit wäre milder als die Abweisung des Baugesuches. Selbst wenn der Faktor für die Sauberkeit auf 1.2 zu setzen wäre, wäre die Schweinehaltung im Umfang von 276 Schweinen bewilligungsfähig und eine gänzliche Abweisung des Baugesuches nicht angemessen. Die Bewilligung könnte mit der Auflage erteilt werden, dass der Kot im Laufhof zweimal täglich abzustossen sei.
 Bis zum Vorliegen verlässlicher Winddaten sei eine Sonderbeurteilung für die Geländeform nicht angebracht.
 Es seien keine Gründe ersichtlich, um vom Revisionsentwurf vom 7. März 2005 zum FAT/ART-Bericht Nr. 476/95 abzuweichen. Die Übermässigkeit der Immissionen sei nicht erstellt.
19. In seiner Replik vom 26. Mai 2015 hielt der Beschwerdeführer
sinngemäss an seinen Anträgen fest. Die Replik befasst sich primär mit
einer
E-Mail von Rechtsanwalt lic. iur. Janett an den Bauamtschef vom 22. April
2015, worin es um eine Kompromisslösung gegangen wäre.
20. Am 11. Juni 2015 hielt das ARE duplicando an seinen Anträgen fest und
ergänzte die Argumentation wie folgt:
 Vorliegend sei es wiederholt zu Geruchsklagen von mehreren Personen gekommen. Dies sei ein gewichtiges Indiz für das Vorliegen von übermässigen Geruchsimmissionen. Auch Vertreter der Gemeinde hätten bei verschiedenen Augenscheinen eine übermässige Geruchsbelastung festgestellt. Somit sei die Einschätzung der Beschwerdegegnerin, wonach vorliegend schon die
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Haltung von 280 Mastschweinen übermässige Immissionen verursache, nicht zu beanstanden.
 Die beabsichtigte Umnutzung des fraglichen Stalls zum Zwecke einer ganzjährigen, bodenunabhängigen Haltung von 450 Mastschweinen sei weder zonenkonform noch seien die Kriterien zur Erteilung einer Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG erfüllt. Das Vorhaben sei weder der Erteilung einer ordentlichen Baubewilligung nach Art. 22 RPG noch einer Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG zugänglich.
21. Am 29. Juni 2015 hielt die Beschwerdegegnerin duplicando an ihren
Anträgen fest.
 Im Jahr 1996 sei es um eine innere Aufstockung, mithin eine Schweinehaltung neben dem traditionellen landwirtschaftlichen Gewerbe, gegangen. Heute gehe es um eine bodenunabhängige Produktion. Zudem könnte ein Vertrauensschutz nur dann in Frage kommen, wenn die zuständige Baubehörde und nicht der Leiter des Bauamtes damals verbindliche Zusagen gemacht hätte, was hier nicht der Fall sei.
 Positiv standortgebunden sei der Betrieb des Beschwerdeführers nicht. Hinsichtlich der negativen Standortgebundenheit sei zu berücksichtigen, dass nicht nur die Gemeinde X._, sondern auch die Nachbargemeinde Y._ grundsätzlich über geeignete Industrie- und Gewerbezonen verfüge. Der Beschwerdeführer hätte die Möglichkeit, in diesen Zonen unter Berücksichtigung der einschlägigen Immissionsbegrenzungen seinen Mastbetrieb zu realisieren.
22. Mit Schreiben vom 23. Juli 2015, welchem entsprechende Äusserungen
von Anwohnern beilagen, bestätigte die Beschwerdegegnerin, dass sich
an der erheblichen Geruchsbelästigung auch während des
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahrens nichts geändert habe.
23. In seiner Stellungnahme vom 31. Juli 2015 führte der Beschwerdeführer
im Wesentlichen aus, dass der beanstandete Gestank auf das
Ausbringen von Gülle anderer Landwirtschaftsbetriebe zurückzuführen
sei.
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24. Am 2. September 2015 nahmen die vormaligen Einsprecher auf
Aufforderung des Instruktionsrichters hin Stellung und beantragten die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führten sie im Wesentlichen
was folgt aus:
 Entgegen der Abstandsberechnung des Plantahofs könne der Geruchsabstand nicht problemlos eingehalten werden. Der Bericht habe die mangelnde Sauberkeit nicht genügend berücksichtigt. Ebenfalls ungenügend gewichtet worden sei die Lage des Betriebs am Fusse des Hanges kombiniert mit der vorherrschenden Windrichtung.
 Vorliegend sei eine Erhebung nach Art. 2 Abs. 5 lit. b LRV vorgenommen worden. Das Resultat sei eindeutig.
 Der beschwerdeführerische Betrieb sei bodenunabhängig. Die Mast erfolge ausschliesslich mit zugekauftem Futter. Der Betrieb sei nicht zonenkonform. Eine negative Standortgebundenheit liege nicht vor. Der Schweinemaststall könnte ohne Weiteres auch in einer Bauzone, d.h. in einer Industrie- und Gewerbezone, betrieben werden. Falls es einen geeigneten Standort in der Bauzone gebe, sei jener vorzuziehen. Dies sei nicht geprüft worden. Selbst, wenn die negative Standortgebundenheit im Grundsatz bejaht werden könnte, müsste sie für den bestehenden Standort verneint werden. Die Immissionen beträfen eine Bauzone in schwerwiegender Weise. Stehe in X._ kein Standort in einer Gewerbezone zur Verfügung, sondern nur ausserhalb der Bauzone, müsste dieser soweit von einer Bauzone entfernt sein, dass jegliche Immissionen auf Wohnzonen ausgeschlossen seien.
 Es sei eine Interessenabwägung vorzunehmen. Die Einwohner des Einfamilienhausquartiers hätten Anspruch auf immissionsfreies Wohnen. Der Beschwerdeführer betreibe seit Jahren eine illegale Schweinemast und vernachlässige die Hygienevorschriften. Alle Um- und Ausbauten in den letzten Jahren seien ohne Bewilligung ausgeführt worden. Die Interessenabwägung falle eindeutig zugunsten der Wohnqualität des benachbarten Quartiers und deren Bewohner aus.
25. Das ARE verzichtete am 11. September 2015 auf eine weitere
Stellungnahme.
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26. Die Beschwerdegegnerin führte in ihrer Stellungnahme vom
15. September 2015 noch aus, dass sie grundsätzlich die Auffassung der
vormaligen Einsprecher teile. Es treffe allerdings nicht zu, dass mangels
entsprechender Abklärungen nicht aktenkundig sei, ob in der Gemeinde
X._ eine Gewerbezone zur Verfügung stünde. Sowohl in der
Gemeinde X._ als auch in der Nachbargemeinde Y._ existierten
geeignete Industrie- und Gewerbezonen.
27. Am 16. September 2015 liess sich ANU zur Stellungnahme der
vormaligen Einsprecher vom 2. September 2015 vernehmen. Dabei führte
es aus, dass Aussagen zur Rechtmässigkeit der Immissionen nur
aufgrund einer gemeinsamen Auswertung der Geruchserhebungen und
der Windmessungen möglich seien. Solche seien bisher nicht
durchgeführt worden.
28. Am 6. Oktober 2015 nahm der Beschwerdeführer zur Eingabe der
vormaligen Einsprecher sowie zur diesbezüglichen Stellungnahme der
Beschwerdegegnerin Stellung. Dabei beantragte er die Bewilligung des
nachträglichen Baugesuches von 1996 für eine innere Aufstockung neu
mit Schweinen neben dem Milchvieh sowie der Umnutzung für
Schweinehaltung im bestehenden alten Stall ohne bauliche Massnahmen.
Ebenfalls zu bewilligen sei die innere Aufstockung aus dem Jahr 2006
und die Umnutzung des Milchviehstalls in Schweinehaltung ohne bauliche
Massnahmen.
 Der Abstand zur Bauzone sei für 520 Tiere vorhanden. Die Sauberkeit sei mit dem Faktor 1 richtig bewertet. Betreffend Wind und Lage sei der Faktor 1.2 hoch. Der Plantahof hätte lieber den Faktor 1.1 berücksichtigt, aber diese Abstufung gebe es nicht. Der Faktor 0.8 beim Kamin sei in Ordnung.
 Er habe im Jahr 1996 zur Viehwirtschaft eine innere Betriebsaufstockung mit Schweinemast vorgenommen. Anhand der Berechnungen habe er 280 Schweinemastplätze innen aufstocken
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können. Die Viehwirtschaft sei in der gleichen Grösse weiterbetrieben worden. Im Jahr 2006 habe er eine weitere innere Aufstockung vorgenommen, mit Aufstockung auf 520 Schweinemastplätze. Er habe das Land selber gemäht und das Heu verkauft. Dies sei zulässig, auch wenn er den Landwirtschaftsbetrieb dann etwas zurückgefahren habe. Er betreibe einen IP-Label-Schweinemastbetrieb mit integrierter Produktion nach ökologischen Richtlinien. Dieser Betrieb könne nur in der Landwirtschaftszone betrieben werden. Die Lage sei für einen Schweinemastbetrieb bestens geeignet. Das ARE habe ihm zwei Standorte für einen Schweinestallneubau in der Industriezone in X._ vorgeschlagen. Auf einer dieser Parzellen stehe das neu gebaute Einkaufszentrum und auf der anderen die Grossmetzgerei Spiess.
29. Am 8. Oktober 2015 zog der Beschwerdeführer das Baugesuch
betreffend die zwei Getreidefuttersilos zurück. Zudem führte er aus, dass
er das Schattennetz im Winter wegnehme. Temporäre Schattennetze
bräuchten keine Bewilligung. Im Jahr 1996 habe er für die Betonplatte
und den Tierauslauf sowie den Holzzaun eine Baubewilligung erhalten,
ebenso 2002 für den Güllenkanal. Eigentlich handle es sich hier nur noch
um eine innere Aufstockung ohne bauliche Massnahmen. Das bauliche
sei im einfachen Bauverfahren bewilligt worden. Die innere Aufstockung
sei nach Aussagen des Plantahofs schon mehrfach stillschweigend
bewilligt worden. Es handle sich hier nur um eine Weiterführung des
Betriebs. Nächstens montiere er noch die grossen luftdichten Blachen.
30. Mit Eingaben vom 7. und 10. Dezember 2015 edierte die
Beschwerdegegnerin auf Aufforderung des Instruktionsrichters noch die
öffentlich aufgelegten Baugesuchsbeilagen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften
sowie im angefochtenen Bau- und Einspracheentscheid vom 11.,
mitgeteilt am 13. November 2014, wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.
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Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. a) Gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) beurteilt das
Verwaltungsgericht Beschwerden gegen Entscheide von Gemeinden,
soweit diese nicht bei einer anderen Instanz angefochten werden können
oder nach kantonalem oder eidgenössischem Recht endgültig sind. Der
angefochtene kommunale Bau- und Einspracheentscheid vom 11.,
mitgeteilt am 13. November 2014, mit welchem die Beschwerdegegnerin
die Baubewilligung betreffend Umnutzung des Grossviehstalls in einen
Schweinehaltebetrieb verweigert und den Beschwerdeführer verpflichtet
hat, die zwischenzeitlich realisierte Montage der Beschattungsanlage
nach Rechtskraft des Bauentscheids innert Monatsfrist zurückzubauen, ist
weder endgültig noch kann er bei einer anderen Instanz angefochten
werden. Folglich stellt er ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein
Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Als
formeller und materieller Adressat des angefochtenen Entscheids ist der
Beschwerdeführer berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an
dessen Aufhebung auf (Art. 50 VRG). Auf die zudem frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit − unter Berücksichtigung
der nachfolgenden Erwägungen 1b − einzutreten.
b) Zunächst ist Vermerk davon zu nehmen, dass der Beschwerdeführer sein
Baugesuch betreffend Errichtung zweier Getreidefuttersilos am 8. Oktober
2015 zurückgezogen hat. Insoweit ist die Beschwerde somit
gegenstandslos geworden.
c) Hinsichtlich des Streitgegenstands des vorliegenden
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahrens gilt es sodann zu
beachten, dass das vom Beschwerdeführer am 26. September 2012
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eingereichte Baugesuch, deren Bestandteil die
Mindestabstandsberechnung auf der Grundlage von 522 Mastschweinen
gewesen ist und welches vom 5. bis 25. Oktober 2012 öffentlich
aufgelegen hat, nach dem Augenschein der Beschwerdegegnerin vom
12. März 2013 mit Vertretern des ARE und des ANU sowie dem
landwirtschaftlichen Betriebsberater bzw. spätestens mit der Einreichung
des beschwerdeführerischen Baugesuchs vom 12. Juli 2013 mit
öffentlicher Auflage vom 16. August bis 5. September 2013 obsolet
geworden ist, obschon das zweite Baugesuch vom 12. Juli 2013 von der
Beschwerdegegnerin als Projektänderungsgesuch zum ersten Gesuch
aus dem Jahr 2012 bezeichnet worden ist. Die Projektänderung vom
12. Juli 2013 − wenn es denn eine solche ist und es sich nicht um ein
neues Baugesuch handelt − sieht jedenfalls einen Tierhöchstbestand von
450 Schweinen vor. Dies im Gegensatz zum ursprünglichen Baugesuch
vom 26. September 2012, welches noch einen Bestand von 522
Schweinen vorsah. Baugesuchsunterlage des Projektänderungsgesuchs
bzw. des zweiten Baugesuchs vom 12. Juli 2013 bildet denn auch die
aktualisierte Abstandsberechnung des Plantahofs vom 6. August 2013,
welche basierend auf dem Höchstbestand von 450 Mastschweinen
erstellt wurde (im Gegensatz zur Berechnung des Plantahofs vom 9. Juli
2013, wo noch von 522 Mastschweinen ausgegangen wurde). Auch das
ANU hat in seiner internen Stellungnahme zuhanden des ARE vom
23. Januar 2014 den Vorschlag gemacht, den maximalen Tierbestand auf
450 Schweine zu begrenzen. Zudem hat der Beschwerdeführer in seiner
Beschwerdeschrift vom 12. Dezember 2014 explizit die Bewilligung des
Umnutzungsgesuchs vom Grossviehstall zum Schweinehaltebetrieb mit
den vom landwirtschaftlichen Betriebsberater errechneten 450 Schweinen
beantragt. Auf ein weitergehendes Bau- resp. Umnutzungsgesuch hat der
Beschwerdeführer − jedenfalls vor dem streitberufenen Gericht −
verzichtet. Streitgegenstand des vorliegenden verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahrens bildet dementsprechend die Frage, ob die
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Beschwerdegegnerin mit dem angefochtenen Bau- und
Einspracheentscheid vom 11., mitgeteilt am 13. November 2014, das
Umnutzungsgesuch des Beschwerdeführers vom Grossviehstall zum
Schweinemastbetrieb mit maximal 450 Schweinen mit den verbleibenden
beantragten baulichen Massnahmen (Neubau einer Beschattungsanlage
über dem Freilauf, Neubau einer Sprinkleranlage über dem
Schwemmkanal, Windnetze, Erhöhung der vorhandenen Abluftkamine auf
dem Stalldach) zu Recht abgelehnt hat. Nicht Streitgegenstand des
vorliegenden Verfahrens bildet demgegenüber das vom
Beschwerdeführer in seiner Replik vom 26. Mai 2015 im Sinne einer
Kompromisslösung erwähnte abgeänderte Baugesuch zur Haltung von
420 Schweinen während der Monate Oktober bis Mai, zumal der
Beschwerdeführer diesen Kompromissvorschlag in seiner Replik explizit
wieder zurückgezogen hat.
2. In beweisrechtlicher Hinsicht gilt es sodann festzuhalten, dass aufgrund
des Prozessausgangs des vorliegenden verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahrens auf die Durchführung eines Augenscheins
verzichtet werden kann, zumal sich der Sachverhalt hinreichend aus den
Akten ergibt und die relevanten Fragen ohne Durchführung eines
Augenscheins aufgrund der Akten beantwortet werden können.
3. a) Gemäss Art. 22 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Raumplanung
(RPG; SR 700) dürfen Bauten und Anlagen nur errichtet oder geändert
werden, wenn sie dem Zweck der Nutzungszone entsprechen und das
Land erschlossen ist. Die allgemeine Zonenkonformität von Bauten und
Anlagen in der Landwirtschaftszone, in welcher der
beschwerdeführerische Betrieb unstrittig liegt, beurteilt sich nach
Art. 16 ff. RPG i.V.m. Art. 34 ff. der Raumplanungsverordnung (RPV; SR
700.1). Danach sind Bauten und Anlagen in der Landwirtschaftszone −
unter Vorbehalt hier nicht interessierender Ausnahmen − zonenkonform,
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wenn sie im Hinblick auf einen landwirtschaftlichen oder gartenbaulichen
Verwendungszweck errichtet werden. Neben den eigentlichen
Ökonomiegebäuden sind unter gewissen Voraussetzungen auch
Wohnbauten zugelassen (vgl. Art. 16a Abs. 1 RPG i.V.m. Art. 34 Abs. 1
lit. a und b sowie Art. 34 Abs. 2 und 3 RPV). Solche Bauten und Anlagen
erweisen sich nur dann als zonenkonform, wenn sie der
bodenabhängigen Bewirtschaftung oder der inneren Aufstockung dienen
(Art. 16a Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 RPG sowie Art. 34 Abs. 1 RPV). Des
Weiteren ist gemäss Art. 34 Abs. 4 RPV erforderlich, dass die Baute oder
Anlage für die in Frage stehende Bewirtschaftung nötig ist (lit. a), der
Baute oder Anlage am vorgesehenen Standort keine überwiegenden
Interessen entgegenstehen (lit. b) und der Betrieb voraussichtlich
längerfristig bestehen kann (lit. c; vgl. WALDMANN/HÄNNI, Handkommentar
SHK zum Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Art. 16a Rz. 7).
Als bodenabhängig werden die Bewirtschaftungsformen bezeichnet, die
den Boden unmittelbar und im Wesentlichen unter natürlichen
Bedingungen ausschöpfen, wie der Acker- und Gemüsebau oder die
Milch- und Fleischproduktion. Die Tierhaltung erfolgt dann
bodenabhängig, wenn die Tiere im Wesentlichen auf der Grundlage der
auf dem Betrieb produzierten Futtermittel ernährt werden
(WALDMANN/HÄNNI, a.a.O., Art. 16a Rz. 16). Als bodenunabhängig gilt die
Bewirtschaftung demgegenüber, wenn kein hinreichend enger Bezug zum
natürlichen Boden besteht (vgl. Art. 37 Abs. 2 RPV betreffend den
Gemüse- und den produzierenden Gartenbau). Tierhaltung ist
bodenunabhängig, wenn sie ohne hinreichende eigene Futterbasis erfolgt
(WALDMANN/HÄNNI, a.a.O., Art. 16a Rz. 17; BGE 133 II 370 E.4.2).
Art. 16a Abs. 2 RPG (vgl. auch Art. 34 Abs. 1 RPV) lässt Bauten und
Anlagen, die einer solchen bodenunabhängigen Tierhaltung dienen, im
Umfang der inneren Aufstockung zu.
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Als zulässige innere Aufstockung im Bereich der Tierhaltung gilt die
Errichtung von Bauten und Anlagen, wenn der bodenunabhängige
gegenüber dem bodenabhängigen Betriebsteil eine untergeordnete Rolle
einnimmt. Für die Bestimmung des zulässigen Aufstockungspotenzials
bei der Tierhaltung sieht Art. 36 RPV zwei Methoden zur Auswahl vor.
Nach der ersten Methode misst sich das zulässige Mass an
bodenunabhängiger Produktion am Einkommen, und zwar am sog.
Deckungsbeitrag; dieser muss kleiner als 50 % des
Gesamtdeckungsbeitrags sein (Art. 36 Abs. 1 lit. a RPV). Als
Deckungsbeitrag bezeichnet man die Differenz zwischen Ertrag und
variablen Kosten eines Produktionszweigs. Alternativ zur Betrachtung des
Deckungsbeitrags kann die höchstzulässige Aufstockung aufgrund des
Trockensubstanzkriteriums beurteilt werden. Demnach muss das
Trockensubstanzpotenzial des Pflanzenbaus einem Anteil von
mindestens 70 % des Trockensubstanzbedarfs des Tierbestands
entsprechen (Art. 36 Abs. 1 lit. b RPV). Die Trockensubstanz ist derjenige
Teil des pflanzlichen Ausgangsprodukts, der bei vollständigem
Wasserentzug zurückbleibt. Nicht mehr erforderlich ist seit der
Teilrevision des RPG vom 4. Juli 2007, dass der Betrieb nur mit dem
Zusatzeinkommen voraussichtlich längerfristig bestehen kann (vgl.
WALDMANN/HÄNNI, a.a.O., Art. 16a Rz. 18 f.; HÄNNI, Planungs-, Bau- und
besonderes Umweltschutzrecht, 5. Aufl., Bern 2008, S. 178 f.)
b) Vorliegend verfügt der beschwerdeführerische Betrieb über keine
Futtermittelbasis für die beantragte Schweinehaltung. Der
Beschwerdeführer hat seinen Betrieb im Jahr 1996 unstrittig von einem
traditionellen landwirtschaftlichen Gewerbe (Rindviehhaltung) in die
Intensivtierhaltung, mithin einen Schweinemastbetrieb, umgestellt. Die
Mast der Schweine erfolgt gemäss unbestritten gebliebener Aussagen der
Beschwerdegegnerin (vgl. deren Vernehmlassung vom 6. Februar 2015
S. 2) sowie des ARE (vgl. deren Duplik vom 11. Juni 2015 S. 5) und der
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vormaligen Einsprecher (vgl. deren Stellungnahme vom 2. September
2015 S. 5) ausschliesslich durch zugekaufte, von Dritten produzierte
Futtermittel und dementsprechend vollständig bodenunabhängig. Der
Beschwerdeführer bestätigte in seiner Stellungnahme vom 6. Oktober
2015 denn auch, dass er sein landwirtschaftliches Land an Dritte
verpachtet habe und er seine Schweine ausschliesslich mit Getreide
füttere, wobei das Trockenfutter den Schweinen ad-libitum 24 Stunden
pro Tag zur freien Verfügung stehe. Zusätzlich werde auf Wunsch des
Kunden der Futterzusatz VevoVital in das Getreidefutter gemischt (vgl.
auch Beschwerdeschrift vom 12. Dezember 2014 S. 2). Beim Betrieb des
Beschwerdeführers handelt es sich demnach um einen vollständig
bodenunabhängigen Betrieb, weshalb auch die
Bewilligungsvoraussetzungen für eine innere Aufstockung im Sinne von
Art. 16a Abs. 2 RPG i.V.m. Art. 36 RPV nicht erfüllt sind.
Dementsprechend ist der beschwerdeführerische Betrieb in der
Landwirtschaftszone nicht zonenkonform. Vielmehr wäre die über eine
innere Aufstockung hinausgehende Umnutzung des traditionellen
landwirtschaftlichen Betriebs in einen Schweinemastbetrieb auf eine
Intensivlandwirtschaftszone im Sinne von Art. 16a Abs. 3 RPG
angewiesen. Parzelle 772, auf welcher der beschwerdeführerische
Betrieb angesiedelt ist, liegt aber gemäss Zonenplan der Gemeinde
X._ in der "gewöhnlichen" Landwirtschaftszone im Sinne von Art. 16
Abs. 1 RPG. Da dem Beschwerdeführer somit keine ordentliche
Baubewilligung nach Art. 22 i.V.m. Art. 16 ff. RPG erteilt werden kann, ist
im Folgenden zu prüfen, ob das beschwerdeführerische Gesuch vom
12. Juli 2013 aufgrund des Ausnahmebewilligungstatbestands von Art. 24
RPG bewilligungsfähig ist.
4. a) Eine Ausnahmebewilligung für Bauten und Anlagen ausserhalb der
Bauzonen nach Art. 24 RPG wird unter den Bedingungen erteilt, dass der
Zweck der Bauten und Anlagen einen Standort ausserhalb der Bauzonen
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erfordert (lit. a) und keine überwiegenden Interessen entgegenstehen
(lit. b). Diese beiden Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein (BGE
116 Ib 221 E.3). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes darf die
Standortgebundenheit nur dann bejaht werden, wenn eine Baute aus
technischen oder betriebswirtschaftlichen Gründen oder wegen der
Bodenbeschaffenheit auf einen Standort ausserhalb der Bauzone
angewiesen ist (sog. positive Standortgebundenheit) oder wenn ein Werk
wegen seiner Immissionen in Bauzonen ausgeschlossen ist (sog.
negative Standortgebundenheit). Dabei beurteilen sich die
Voraussetzungen nach objektiven Massstäben und es kann weder auf die
subjektiven Vorstellungen und Wünsche des Einzelnen noch auf die
persönliche Zweckmässigkeit oder Bequemlichkeit ankommen. Generell
sind bei der Beurteilung der Standortgebundenheit eines Vorhabens
strenge Anforderungen zu stellen, um der Zersiedelung der Landschaft
entgegenzuwirken (BGE 118 Ib 17 E.2b mit weiteren Hinweisen;
WALDMANN/HÄNNI, a.a.O., Art. 24 Rz. 8).
b) Dass der hier zur Diskussion stehende Schweinemastbetrieb, der − wie
vorstehend dargestellt (vgl. E.3b) − vollkommen bodenunabhängig
betrieben wird, aus technischen oder betriebswirtschaftlichen Gründen
oder wegen der Bodenbeschaffenheit auf einen Standort ausserhalb der
Bauzone angewiesen wäre, wird von keiner Seite geltend gemacht und ist
auch nicht einzusehen. Zu prüfen ist daher, ob der Schweinemastbetrieb
wegen seiner Immissionen in der Bauzone ausgeschlossen ist oder nicht
sinnvoll betrieben werden kann. Es ist dies die Frage nach der negativen
Standortgebundenheit des bestehenden Schweinemastbetriebs.
c) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes darf die negative
Standortgebundenheit nur sehr zurückhaltend angenommen werden,
etwa wenn ein Werk wegen seiner Immissionen in Bauzonen
ausgeschlossen ist (vgl. BGE 115 Ib 295 E.3c, 111 Ib 213 E.3b). Das
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Bundesgericht hat im nicht veröffentlichten Entscheid vom 21. März 1984
i.S. Hui die Meinung vertreten, für Tierheime sei die
Standortgebundenheit in der Regel zu bejahen, soweit sie
immissionsträchtig seien. Dieselbe Ansicht vertrat es auch in Bezug auf
die Behausungen von 60 Schlittenhunden (Urteil vom 16. Juni 1989, in
ZBl 91/1990 S. 188 E.5b); dabei erwog es, Voraussetzung für die
Standortgebundenheit sei, dass die geplante Nutzung sich in einer
Bauzone nicht verwirklichen lasse. Das Bundesgericht hielt sodann fest,
die Standortgebundenheit sei zu bejahen, wenn eine so intensive
Beeinträchtigung der allgemeinen Siedlungsnutzung durch das
Bauvorhaben erfolge, dass die betreffende Nutzung nicht oder nur unter
übermässig erschwerten Bedingungen ausgeübt werden könne. Diese
Voraussetzungen wurden für eine Papageienzucht sowie in zwei Fällen
auch für Pferdestallungen verneint (unveröffentlichte Urteile des
Bundesgerichtes vom 7. April 1989 i.S. Messer E.3, vom 22. Juni 1988
i.S. Gilardoni E.4 und vom 27. Februar 1989 i.S. Theiler E.3). Das
Bundesgericht hielt weiter fest, das Vorliegen einer Standortgebundenheit
dürfe nicht von den konkreten planerischen Gegebenheiten abhängig
gemacht werden. Es sei deshalb grundsätzlich auch ohne Belang, dass in
einer bestimmten Gemeinde offensichtlich kein Bedürfnis nach einer
neuen, reinen Gewerbe- oder Industriezone bestehe. Entscheidend sei
lediglich, ob sich ein Bauvorhaben in keiner entsprechenden Zone
verwirklichen lasse (unveröffentlichtes Urteil vom 10. Dezember 1987 i.S.
Bundesamt für Raumplanung c. Beyeler E.2). In BGE 115 Ib 301 E.3c
führt das Bundesgericht schliesslich aus, die Haltung von 80
Mutterschweinen zur jährlichen Produktion von 1400 bis 1700 Jagern in
einem vollklimatisierten, gegen aussen praktisch abgeschlossenen
hochmodernen Schweinestall könne nicht mit einem Tierheim verglichen
werden. Ein Schweinezuchtbetrieb müsse ganz allgemein den
Anforderungen der Umweltschutzgesetzgebung genügen. Die in diesem
Gesetz und den Verordnungen umschriebenen Vorschriften bezweckten,
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eine übermässige Beeinträchtigung der Umgebung zu verhindern (Art. 1
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Umweltschutz [USG; SR 814.01]).
Lästige Gerüche, beispielsweise aus Schweine- oder Geflügelhaltungen
oder aus der Silagelagerung, seien aufgrund von Art. 11 Abs. 2 USG so
weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und
wirtschaftlich tragbar sei. Eine erhebliche Störung der Bevölkerung in
ihrem Wohlbefinden sei zu vermeiden (Art. 15 lit. b USG).
Emissionsbegrenzungen baulicher und betrieblicher Art, insbesondere für
geruchsintensive Massentierhaltungen, könnten aufgrund von
Verordnungen oder nötigenfalls direkt gestützt auf Art. 12 USG
angeordnet werden. Es bestünden somit, vor allem bei UVP-pflichtigen
Anlagen, genügend rechtliche Möglichkeiten, um zu verhindern, dass von
einem Schweinezuchtbetrieb in einer Industrie- oder Gewerbezone eine
übermässige Belästigung der Umgebung bewirkt werde. Die Entsorgung
der bei der Tierproduktion entstehenden Abfälle wie z.B. der Jauche
könne für sich allein betrachtet die Standortgebundenheit nicht
begründen. Etwas offener wurde die Standortgebundenheit für einen
Schweinemastbetrieb in einem früheren Entscheid des Bundesgerichtes
beurteilt. Ausgehend vom Umstand, dass bei der Gestaltung der
Zonenpläne die Industriezonen nach den Bedürfnissen der
herkömmlichen Gewerbe- und Industriebetriebe ausgeschieden würden,
folgerte das Bundesgericht, die Besonderheiten der industriellen
Tierhaltung wie Geruchsimmissionen und landwirtschaftliche
Abfallverwertung liessen es zu, die Standortgebundenheit anzuerkennen
(unveröffentlichtes Urteil vom 4. Dezember 1985 i.S. Galli E.4a).
Allerdings waren im damaligen Zeitpunkt die Luftreinhalte-Verordnung
(LRV; SR 814.318.142.1) und die Lärmschutz-Verordnung (LSV; SR
814.41) noch nicht in Kraft (BGE 118 Ib 17 E.2c; vgl. auch
WALDMANN/HÄNNI, a.a.O., Art. 24 Rz. 8 ff.).
- 26 -
d) Ob ein Bauvorhaben in einer Bauzone verwirklicht werden kann,
entscheidet sich der bundesgerichtlichen Praxis entsprechend nach
regionalen Gesichtspunkten. Die Frage der (negativen)
Standortgebundenheit kann sich erst stellen, wenn für ein Bauvorhaben in
der Region keine geeignete Nutzungszone zur Verfügung steht (BGE
118 Ib 17 E.2d mit Hinweis auf die unveröffentlichten Urteile des
Bundesgerichtes vom 27. Juni 1990 i.S. Cotting E.4 und vom 27. Februar
1989 i.S. Theiler E.3c; WALDMANN/HÄNNI, a.a.O., Art. 24 Rz. 10).
e) Im vorliegenden verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren wurde
die Thematik der negativen Standortgebundenheit erstmals in der Duplik
des ARE vom 11. Juni 2015 aufgeworfen.
Das ARE hielt dafür, dass bei der Prüfung der Frage, ob sich der zur
Diskussion stehende Schweinemastbetrieb als negativ Standortgebunden
im Sinne der Rechtsprechung erweise, zu vergegenwärtigen sei, dass
sich gemäss geltendem Zonenplan der Gemeinde X._ die
nächstgelegene Industriezone respektive die nächstgelegene Gewerbe-
/Mischzone in einer Entfernung von ca. 1 km respektive 1.5 km vom
bestehenden Stallstandort befänden. Bereits daraus ergebe sich, dass
das Vorhaben nicht von vornherein als standortgebunden gelte. Eine
abschliessende Aussage darüber könne erst nach Prüfung der
Realisierbarkeit des Vorhabens in den aufgeführten und noch weiteren im
beschriebenen Umkreis zu untersuchenden Bauzonen bzw. aufgrund
einer Gesamtinteressenabwägung gemäss Art. 24 lit. b RPG getroffen
werden. Das Instrument der Ausnahmebewilligung diene hauptsächlich
der Durchsetzung des Anliegens zur Trennung von Bauzonen und
Nichtbauzonen. Daher dürften Ausnahmebewilligungen nur zurückhaltend
erteilt werden respektive bestehe auf deren Erteilung kein Anspruch. Das
Trennungsanliegen gebiete ferner auch, Präjudizien zu vermeiden,
welche das Zersiedlungsgebot unnötig in Frage stellen könnten. Mit
- 27 -
anderen Worten hätte der Beschwerdeführer selbst bei Annahme einer
negativen Standortgebundenheit seines Vorhabens keinen absoluten
Anspruch auf die Erteilung einer Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG
für den fraglichen Schweinemastbetrieb.
Die Beschwerdegegnerin führte in ihrer Duplik vom 29. Juni 2015 aus,
dass die Tatsache, dass der beschwerdeführerische Betrieb gegenüber
einer Bauzone einen bestimmten Abstand einhalten müsse, nicht
automatisch bedeute, dass der Mastbetrieb wegen seiner Immissionen in
Bauzonen nicht möglich und deshalb die negative Standortgebundenheit
am gewählten Ort gegeben wäre. Mit der Umweltgesetzgebung gebe es
genügend rechtliche Möglichkeiten, um zu verhindern, dass von einem
Schweinezuchtbetrieb in einer Industrie- oder Gewerbezone eine
übermässige Belästigung der Umgebung bewirkt werde. Entscheidend
sei, dass in einer Industrie- und Gewerbezone im Gegensatz zur
Wohnzone stärkere Emissionen in Kauf zu nehmen seien, weil dort
gemäss Art. 74 BG mässig störende (Wohn- und Gewerbezone 1 und 2)
bis stark störende Betriebe (Industriezone) zonenkonform seien. Die
Frage nach der negativen Standortgebundenheit stelle sich zudem
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung erst dann, wenn in der
Region keine geeignete Nutzungszone zur Verfügung stehe. Nicht nur die
Gemeinde X._, sondern auch die Nachbargemeinde Y._
verfügten über grundsätzlich geeignete Industrie- und Gewerbezonen.
Der Beschwerdeführer hätte folglich die grundsätzliche Möglichkeit, in
diesen Zonen unter Berücksichtigung der dort einschlägigen
Immissionsbegrenzungen seinen Mastbetrieb zu realisieren. Die
Mindestabstände müssten zudem gemäss FAT/ART-Bericht Nr. 476/95
nur gegenüber Wohnzonen, nicht aber in Industriezonen vollständig
eingehalten werden.
- 28 -
f) Wie gesehen, kann sich die Frage der (negativen) Standortgebundenheit
erst stellen, wenn für ein Bauvorhaben in der Region keine geeignete
Nutzungszone zur Verfügung steht. Vorliegend hat die
Beschwerdegegnerin die Prüfung, ob in der Region eine geeignete
Bauzone zur Realisierung des ersuchten Vorhabens vorhanden ist, bis
anhin nicht vorgenommen. Vielmehr hat sie sich damit begnügt, in ihrer
Duplik darauf hinzuweisen, dass nicht nur die Gemeinde X._,
sondern auch die Nachbargemeinde Y._ grundsätzlich über
geeignete Industrie- und Gewerbezonen verfügten. Eine eingehende
Prüfung der Realisierbarkeit des Vorhabens in einer geeigneten
Nutzungszone in der Region hat die Beschwerdegegnerin indes nicht
vorgenommen. Da dem Baugesuch des Beschwerdeführers vom 12. Juli
2013 − bei heute vorliegender Aktenlage − nur die allenfalls fehlende
(negative) Standortgebundenheit, nicht aber umweltrechtliche
Bestimmungen entgegenstehen (vgl. dazu nachstehend E.5 f.), haben die
erwähnten Abklärungen, mithin die eingehende Prüfung der
Realisierbarkeit des Vorhabens in geeigneten Nutzungszonen in der
Region, seitens der Beschwerdegegnerin zwingend stattzufinden. Wenn
sich eine Gemeinde nämlich − wie vorliegend − auf den Standpunkt stellt,
die negative Standortgebundenheit sei nicht gegeben, weil in der
Bauzone geeignete Standorte zur Verfügung stünden, hat sie diese auch
zu bezeichnen und nachzuweisen, dass diese Standorte für das zur
Diskussion stehende Projekt auch geeignet sind. Dabei gilt es einerseits
zu beachten, dass das Bundesgericht den Radius zur Prüfung von
Alternativstandorten für Schweinemastbetriebe in BGE 118 Ib 17 E.2d auf
10 km erstreckt hat. Anderseits müssen in einer Industrie- oder
Gewerbezone respektive in einer Gewerbe-Mischzone die Abstände
weniger ausgedehnt sein. Indessen gilt es zu berücksichtigen, dass
solche Zonen, in denen ein höheres Mass an Geruchsimmissionen
zumutbar ist, wiederum nahe bei reinen Wohnzonen liegen könnten,
gegenüber denen der Mindestabstand vollumfänglich einzuhalten ist (vgl.
- 29 -
FAT/ART-Bericht Nr. 476/95, Mindestabstände von Tierhaltungsanlagen
[abrufbar unter www.blw.admin.ch › Themen › Nachhaltigkeit › Ökologie ›
Luft; zuletzt besucht am 4. April 2016], Ziff. 2.3 S. 6 und S. 16).
5. Streitig und zu prüfen sind des Weiteren die Einhaltung der
umweltrechtlichen Bestimmungen des USG und der LRV in Bezug auf die
geltend gemachten Geruchsbelästigungen. Während die
Beschwerdegegnerin, das ARE sowie die vormaligen Einsprecher der
Auffassung sind, die aufgrund der umweltrechtlichen Bestimmungen
erfolgten Berechnungen des Plantahofs respektive des ANU trügen den
Verhältnissen vor Ort nicht ausreichend Rechnung und die
Korrekturfaktoren seien nicht richtig festgesetzt worden, stellen sich der
Beschwerdeführer und das ANU gestützt auf die Abstandsberechnung
des Plantahofs vom 6. August 2013 auf den Standpunkt, dass das
Vorhaben unter dem Aspekt des Umweltrechts bewilligungsfähig sei.
a) Das Umweltschutzgesetz soll unter anderem Menschen gegen schädliche
oder lästige Einwirkungen schützen (Art. 1 Abs. 1 USG). Im Sinn der
Vorsorge sind Einwirkungen, die schädlich oder lästig werden könnten,
frühzeitig zu begrenzen (Art. 1 Abs. 2 USG). Zu diesen Einwirkungen
gehören Luftverunreinigungen, die durch den Bau und Betrieb von
Anlagen oder den Umgang mit Stoffen, Organismen oder Abfällen erzeugt
werden (Art. 7 Abs. 1 USG). Dabei handelt es sich um Veränderungen
des natürlichen Zustands der Luft, namentlich durch Geruch (Art. 7 Abs. 3
USG). Luftverunreinigungen werden beim Austritt aus Anlagen als
Emissionen, am Ort ihres Einwirkens als Immissionen bezeichnet (Art. 7
Abs. 2 USG).
b) Übermässig sind Geruchsimmissionen dann, wenn aufgrund einer
Erhebung feststeht, dass sie einen wesentlichen Teil der Bevölkerung in
ihrem Wohlbefinden erheblich stören (Art. 2 Abs. 5 lit. b LRV). Sie werden
- 30 -
durch Massnahmen bei der Quelle begrenzt (Emissionsbegrenzungen;
Art. 11 Abs. 1 USG). Nach Art. 11 Abs. 2 USG sind in einer ersten Stufe
Emissionen im Rahmen der Vorsorge unabhängig von der bestehenden
Umweltbelastung so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich
möglich und wirtschaftlich tragbar ist. Wenn feststeht oder zu erwarten ist,
dass die Einwirkungen unter Berücksichtigung der bestehenden
Umweltbelastung schädlich oder lästig werden, sind die
Emissionsbegrenzungen gemäss Art. 11 Abs. 3 USG in einer zweiten
Stufe zu verschärfen. Der Abgrenzung zwischen nicht übermässigen und
übermässigen (das heisst schädlichen beziehungsweise lästigen)
Einwirkungen und damit zwischen den beiden Stufen des zweistufigen
Schutzkonzepts dienen die Immissionsgrenzwerte (Art. 13 Abs. 1 USG).
Die in Art. 11 Abs. 2 und 3 USG enthaltenen Bestimmungen gelten
sowohl für neue als auch für bestehende Anlagen (vgl. GRIFFEL/RAUSCH,
Kommentar zum Umweltschutzgesetz, Ergänzungsband zur 2. Auflage,
Zürich/Basel/Genf 2011, Art. 11 Rz. 2). Laut Art. 12 Abs. 1 USG werden
Emissionen eingeschränkt durch den Erlass von Emissionsgrenzwerten
(lit. a), Bau- und Ausrüstungsvorschriften (lit. b), Verkehrs- oder
Betriebsvorschriften (lit. c), Vorschriften über die Wärmeisolation von
Gebäuden (lit. d) sowie Vorschriften über Brenn- und Treibstoffe (lit. e).
Diese Aufzählung hat abschliessenden Charakter (BGE 126 II 300 E.4b).
Auf Verordnungsstufe enthält die Luftreinhalte-Verordnung Vorschriften
zur Emissionsbegrenzung bei neuen stationären Anlagen (Art. 3 ff. LRV)
und bei bestehenden stationären Anlagen (Art. 7 ff. LRV).
c) Beim beschwerdeführerischen Schweinemastbetrieb handelt es sich um
eine stationäre Anlage im Sinne von Art. 2 Abs. 1 LRV, dessen Betrieb
unter anderem Geruchsstoff-Emissionen erzeugt. Neue stationäre
Anlagen müssen so ausgerüstet und betrieben werden, dass sie die im
Anhang 1 LRV und allenfalls die in den Anhängen 2 bis 4 festgelegten
Emissionsbegrenzungen einhalten (Art. 3 LRV). Für Tierhaltungsanlagen
- 31 -
gelten die speziellen Anforderungen nach Art. 3 Abs. 2 lit. a LRV und
Anhang 2 Ziff. 512 LRV. Bei der Errichtung derartiger Anlagen müssen
die nach den anerkannten Regeln der Tierhaltung erforderlichen
Mindestabstände zu bewohnten Zonen eingehalten werden. Als solche
Distanzen gelten nach Anhang 2 Ziff. 512 LRV insbesondere die gemäss
den Empfehlungen der Argoscope Reckenholz-Tänikon (ART)
berechneten Abstände. Einschlägig ist der FAT/ART-Bericht Nr. 476/95
über Mindestabstände von Tierhaltungsanlagen. Im vorliegenden Fall hat
der Plantahof ebenfalls den Revisionsentwurf vom 7. März 2005 zum
FAT/ART-Bericht Nr. 476/95 berücksichtigt.
d) Die Mindestabstandsvorschrift stellt eine Massnahme zur vorsorglichen
Emissionsbegrenzung im Sinn von Art. 3 LRV dar (vgl. MAURER,
Lufthygienerechtliche Mindestabstände von Tierhaltungsanlagen, in URP
2003, S. 297 ff., S. 305). Die FAT/ART-Richtlinien befassen sich mit der
vorsorglichen Emissionsbegrenzung, dienen aber auch als Hilfsmittel zur
Beurteilung, ob eine Tierhaltungsanlage übermässige Emissionen bewirkt
(BGE 126 II 43 E.4a). Dies ist zu erwarten, wenn der halbe
Mindestabstand unterschritten wird. Von dieser Faustregel ist
auszugehen, solange nicht aufgrund genauerer Abklärungen etwas
anderes zu erwarten ist. Wird der Mindestabstand um mehr als 50 %
unterschritten, so ist von übermässigen Immissionen auszugehen (vgl.
BOSONNET, Luftreinhaltung in der Landwirtschaft: Mehr als die
Bekämpfung der Gerüche, in URP 2002, S. 565 ff., S. 581 Fn. 49).
e) Die Berechnung des Mindestabstands gemäss FAT/ART-Bericht ist zwar
schematisch und vermag nicht allen Einzelheiten Rechnung zu tragen.
Aus Gründen der Rechtssicherheit und der Praktikabilität darf der Gesetz-
beziehungsweise Verordnungsgeber jedoch bis zu einem gewissen Grad
Normen schaffen, welche auf eher grobe, dafür leicht handhabbare
Kriterien abstellen und damit einen gewissen Schematismus und Verlust
- 32 -
an Einzelfallgerechtigkeit mit sich bringen können. Ansonsten müsste, da
insbesondere in ländlichen Gebieten der Schweiz die Topografie selten
eben ist, im Rahmen zahlreicher Baubewilligungsverfahren
Sonderbeurteilungen durchgeführt werden. Dies entspricht nicht dem Sinn
und Zweck der Mindestabstandsregelung nach FAT/ART-Bericht, welcher
eine Sonderbeurteilung nur bei Vorliegen besonderer Verhältnisse, mithin
in Ausnahmefällen, verlangt. Zudem liegen bereits die Mindestabstände
gemäss FAT/ART-Bericht Nr. 476/95 (vgl. Ziff. 2 S. 3) jeweils rund 30 -
90 % über der Geruchsschwellenentfernung (= Entfernung, in welcher die
Qualität des Geruchs in 50 % der Darbietungen erkannt wird) bei
zirkulärer, gleichmässiger Geruchsausbreitung.
f) Nach dem FAT/ART-Bericht Nr. 476/95 (Ziff. 2.1 S. 3) bzw. dem
Revisionsentwurf vom 7. März 2005 zum FAT/ART-Bericht Nr. 476/95
(Ziff. 4 S. 7) wird der Mindestabstand in einem dreistufigen Verfahren
errechnet. Zuerst wird die Geruchsbelastung nach Tierart (fg) ermittelt
und daraus der Normabstand errechnet, der schliesslich mit mehreren
Korrekturfaktoren (fk) multipliziert wird. Zu den Korrekturfaktoren zählen
die Topografie (f1), die Höhenlage (f2), das Stallsystem (f3), die Lüftung
(f4), die Hofdüngerproduktion (f5), die Sauberkeit hinsichtlich Tiere, Stall,
Futterzubereitung und -lagerung (f6), die Fütterung (f7), die
Geruchsreduzierung im Bereich der Abluft (f8) und die
Geruchsreduzierung bei der Güllelagerung (f9). Der Abstand muss
zwischen dem Emissionspunkt (Ausgangspunkt) und dem
nächstgelegenen Wohnhaus (Empfangspunkt) gemessen werden (vgl.
AUCH MAURER, a.a.O., S. 303 und 319).
6. a) Vorliegend sind sich die Parteien insofern einig, als die
Mindestabstandsberechnung für Tierhaltungsanlagen nach den Vorgaben
des Revisionsentwurfs vom 7. März 2005 zum FAT/ART-Bericht
Nr. 476/95 und nicht nach dem FAT/ART-Bericht Nr. 476/95 zu
- 33 -
berechnen ist, zumal der Bericht aus dem Jahr 1995 noch auf
geschlossenen Ställen mit Zwangslüftung basiert und für Stallsysteme mit
Auslauf − wie demjenigen des Beschwerdeführers − kein verlässliches
Bild mehr liefert. Das Bundesgericht hat denn auch bestätigt, dass
insbesondere bei einer Schweinemast die Vorgaben des revidierten
Berichts berücksichtigt werden sollten (vgl. BGE 133 II 370 E.6.2). Die
Abstandsberechnung des Plantahofs vom 6. August 2013 erfolgte denn
auch anhand des Revisionsentwurfs vom 7. März 2005 zum FAT/ART-
Bericht Nr. 476/95. Gemäss Stellungnahme des ANU im vorliegenden
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren vom 24. Februar 2015 ist
dieses Vorgehen konsistent mit den Empfehlungen der FAT/ART, welche
für Schweinehaltungsbetriebe den Revisionsentwurf und nicht den
ursprünglichen Bericht aus dem Jahr 1995 zur Anwendung empfiehlt (vgl.
auch KECK/KOUTNY/SCHMIDLIN/HILTY, Nutztiere - Geruch von
Schweineställen mit Auslauf und freier Lüftung, in: AGRARForschung 12
[2], S. 84 ff.).
b) Das fachkundige ANU stützt für seine Stellungnahme auf die FAT/ART-
Abstandsberechnung des Plantahofs vom 6. August 2013 ab, wonach die
Abstandsvorschriften mit einem maximalen Bestand von 450
Mastschweinen problemlos eingehalten seien. Das ANU argumentiert,
dass gemäss Art. 3 Abs. 2 lit. a i.V.m. Anhang 2 Ziff. 512 LRV die nach
den anerkannten Regeln der Tierhaltung erforderlichen Mindestabstände
zu bewohnten Zonen eingehalten werden müssten. Als solche Regeln
gälten insbesondere die Empfehlungen der FAT/ART. Die FAT/ART-
Richtlinien stellten eine rechtsgleiche Behandlung sicher. Vorliegend
seien keine Gründe ersichtlich, um von diesen Richtlinien abzuweichen.
Demgegenüber beanstandet die Beschwerdegegnerin die starre
Anwendung der FAT/ART-Richtlinien. Diese bildeten wohl eine
Grundlage; für Spezialfälle wie dem vorliegenden könnten sie indes nicht
starr und in absoluter Weise angewandt werden. Vielmehr müsse in
- 34 -
Fällen wie dem vorliegenden eine Sonderbeurteilung erfolgen. Wie
nachfolgend dargestellt vermögen die von der Beschwerdegegnerin
gemachten Änderungen der Korrekturfaktoren Lüftung, Sauberkeit und
Topografie indes nicht zu überzeugen.
aa) Gemäss FAT/ART-Abstandsberechnung des Plantahofs vom 6. August
2013 wird der Korrekturfaktor Lüftung dank der verlängerten Abluftkamine
und der zusätzlichen Ausstattung mit Jethauben, wodurch die Abluft in
höhere Luftschichten gebracht wird, mit dem Faktor 0.8 berücksichtigt.
Die Beschwerdegegnerin rügt, dass der Faktor für die Lüftung 1.1 (freie
Lüftung) betragen müsste. Die erhöhten Abluftkamine seien für die
Geruchsimmissionen völlig irrelevant. Die Schweine könnten sich
jederzeit frei bewegen, weshalb nicht davon auszugehen sei, dass die
Schweine zu 50 % im Stall bzw. zu 50 % im Auslauf misteten und
urinierten. Vielmehr sei von der maximal möglichen Emission
auszugehen, nämlich, dass alle Schweine im Freilauf urinierten und
misteten. Dies entspreche dem natürlichen Verhalten von Schweinen. Die
Emissionen verhielten sich zudem nicht linear zur Anzahl der Tiere.
Deshalb sei ohnehin vom höheren Faktor 1.1 auszugehen. Der
Beschwerdeführer übersehe, dass der Freilauf der Tiere das
Hauptproblem bzw. die Hauptemissionsquelle darstelle.
Das ANU weist in seiner Stellungnahme vom 24. Februar 2015 zu Recht
darauf hin, dass Auslauf und Abluftkamin zwei unterschiedliche
Emissionsquellen sind. Dies berücksichtigt die FAT/ART-Berechnung mit
zwei unterschiedlichen Korrekturfaktoren für Stallsystem (f3) und Lüftung
(f4; vgl. Revisionsentwurf vom 7. März 2005 zum FAT/ART-Bericht
Nr. 476/95 Ziff. 4.3 S. 10). Für das Stallsystem beträgt der Faktor
unbestrittenermassen 1.15, weil es sich beim beschwerdeführerischen
Stall um einen Schweinestall mit Auslauf handelt. Für solche beträgt der
- 35 -
Korrekturfaktor − unabhängig davon, ob es sich um einen Stall mit
Zwangsentlüftung oder mit freier Lüftung handelt − stets 1.15. Sodann
erscheinen die Ausführungen des ANU, wonach die Art der Stalllüftung
für die Gesamtemission der Geruchsstoffe eine wesentliche Rolle spiele
und durch die Erhöhung des Abluftkamins bzw. durch das Anbringen von
Jethauben die Entlüftung des Stalls wesentlich verbessert werde, als
nachvollziehbar und schlüssig. Der Revisionsentwurf vom 7. März 2005
zum FAT/ART-Bericht Nr. 476/95 sieht für Kamine, welche − wie
vorliegend − mehr als 1.5 m über den höchsten Dachpunkt des Gebäudes
hinausragen, denn auch einen Faktor von 0.8 für die Lüftung vor. Dies im
Gegensatz zu Kaminen, welche weniger als 1.5 m über den höchsten
Dachpunkt des Gebäudes hinausragen, für welche ein Faktor von 1.0
einzusetzen ist. Demnach wurde für den Korrekturfaktor Lüftung zu Recht
ein Faktor von 0.8 eingesetzt. Die gegenteilige Auffassung der
Beschwerdegegnerin, wonach für die Lüftung ein Faktor von 1.1 zu
berücksichtigen sei, verfängt nicht. Es ist denn auch eine durch nichts
belegte Annahme der Beschwerdegegnerin sowie der vormaligen
Einsprecher, dass es dem natürlichen Verhalten von Schweinen
entspreche, dass sie nur im Aussenbereich urinierten und misteten und
praktisch nur der offene Laufhof Immissionsquelle sei.
bb) Der Korrekturfaktor Sauberkeit hinsichtlich Tier, Stall und
Futterzubereitung bzw. -lagerung wird gemäss aktualisierter FAT/ART-
Abstandsberechnung des Plantahofs vom 6. August 2013 mit dem Faktor
1.0 (= gut bis zufriedenstellend) berücksichtigt.
Diesbezüglich rügt die Beschwerdegegnerin, dass mehrmalige Kontrollen
ergeben hätten, dass die Hygienemassnahmen mangelhaft bis schlecht
seien. Gegenüber geschlossenen Ställen mit Zwangslüftung reichten die
Abstände für Ausläufe, vor allem in der Schweinehaltung, nicht aus. Der
Verschmutzungsgrad des Auslaufs zeige bei Schweinen die grösste
- 36 -
Variation in der Geruchsstoffkonzentration. Verschmutzungsgrad und
Reinigungshäufigkeit sowie -qualität von Ausläufen seien für die
Geruchsfreisetzung relevant. Obschon der Beschwerdeführer mehrfach
zugesichert habe, dass er den Auslauf sauber halten werde, habe er sich
nicht daran gehalten. Es sei deshalb auch nicht angezeigt, im Sinne einer
milderen Massnahme lediglich nochmals eine Auflage betreffend
Sauberkeit zu verfügen. Damit würde das Ziel der Massnahme nicht
erreicht werden. Auch weil der Verschmutzungsgrad von Ausläufen eine
der zentralen und intensiven Emissionsquellen sei, sei eine Auflage nicht
gerechtfertigt. Aufgrund der angetroffenen Verhältnisse sei der Faktor 1.2
für mangelhafte bis schlechte Sauberkeit anzuwenden. Auch mit der
Reduktion des Tierbestands auf 280 Schweine seien die Reaktionen aus
der Bevölkerung nicht zurückgegangen. Dies sei auch aus der Kurve des
Normabstands ersichtlich, indem sich dieser erst ab einer
Geruchsbelastung von 40 und tiefer merklich reduziere. Hier werde aber
von einer Geruchsbelastung von 90 ausgegangen.
Mit dem von der Beschwerdegegnerin erwähnten Normabstand gemäss
Revisionsentwurf vom 7. März 2005 zum FAT/ART-Bericht Nr. 476/95
allein kann hier nicht operiert werden. Wie gesehen wird der
Mindestabstand in einem dreistufigen Verfahren berechnet. Zuerst wird
die Geruchsbelastung nach Tierart ermittelt und daraus der Normabstand
errechnet, der schliesslich mit mehreren Korrekturfaktoren multipliziert
wird (vgl. vorstehend E.5f). Folglich wird aber der Normabstand vor der
Festsetzung der Korrekturfaktoren berechnet, weshalb dieser nicht
aussagekräftig sein kann (vgl. Revisionsentwurf vom 7. März 2005 zum
FAT/ART-Bericht Nr. 476/95 Ziff. 4.2 S. 9). Ebenfalls nichts zu ihren
Gunsten abzuleiten vermag die Beschwerdegegnerin aus ihrer
Behauptung, wonach die Reaktionen aus der Bevölkerung auch mit der
Reduktion des Tierbestands auf 280 Schweine nicht zurückgegangen
seien, zumal diese Behauptung nicht belegt ist. Vielmehr zeigen die vom
- 37 -
Beschwerdeführer eingereichten Unterschriftensammlungen von
Anwohnern des Wohnquartiers B._, dass sich auch viele Anwohner
des Quartiers durch die Schweinehaltung in ihrer Wohnqualität nicht
beeinträchtigt fühlen (vgl. insbesondere die Beilagen 7 und 8 des
Beschwerdeführers, zusammen mit dem zuletzt vom diesem
eingereichten Plan mit Angaben der Liegenschaften der vormaligen
Einsprecher und der "Nichtgestörten"). Hinsichtlich Sauberkeit räumt das
ANU in seiner Stellungnahme vom 24. Februar 2015 ein, dass der
Beschwerdeführer in der Vergangenheit zwar gewisse Probleme mit der
Sauberkeit gehabt habe, welche mittlerweile jedoch hätten behoben
werden können. Die Sauberkeit sei so, wie man sie erwarten dürfe,
wovon man sich anlässlich von unangemeldeten Besichtigungen habe
überzeugen können. Unter diesen Voraussetzungen sei ein Faktor 1.0 für
die Sauberkeit gerechtfertigt. Ein Faktor von 1.2 wäre aus Sicht des ANU
nur dann statthaft, wenn nachgewiesen wäre, dass sich der
Verschmutzungsgrad wieder dauerhaft und erheblich verschlechtere.
Dieser Nachweis könne nur mittels unangemeldeter
Stichprobenkontrollen geführt werden. Dabei sei eine einmalige
Verschlechterung des Verschmutzungsgrads noch kein Grund, den
Faktor zu erhöhen; mehrmaliges Nichtbeachten der
Reinigungsvorschriften dagegen schon. Die Konsequenz einer Erhöhung
des Sauberkeitsfaktors wäre die Reduktion des Tierbestands auf 276
Schweine bei einem Abstand von 150 m zur nächstgelegenen bewohnten
Zone. Vor diesem Hintergrund beantragte das ANU die Anpassung der
BAB-Bewilligung bezüglich des Korrekturfaktors Sauberkeit, indem
ausdrücklich vorbehalten werden sollte, dass Stichprobenprüfungen
vorgenommen würden und bei zweimaliger Mahnung infolge mangelnder
Sauberkeit eine Anpassung des Korrekturfaktors erfolgte mit der
Konsequenz, dass sich der Tierbestand bei einem Abstand von 150 m auf
276 Schweine reduzieren würde. Diesen Ausführungen des ANU vermag
sich das streitberufene Gericht anzuschliessen. Wie das ANU zu Recht
- 38 -
ausführt, wäre ein Faktor von 1.2 einzig dann gerechtfertigt, wenn die
Sauberkeit mangelhaft bis schlecht wäre (vgl. Revisionsentwurf vom
7. März 2005 zum FAT/ART-Bericht Nr. 476/95 Ziff. 4.3 S. 10). Solange
aber von der Beschwerdegegnerin nicht nachgewiesen ist, dass die
Sauberkeit auf dem Betrieb des Beschwerdeführers tatsächlich
mangelhaft bis schlecht ist, erweist sich der vom Plantahof bzw. dem
ANU berücksichtigte Korrekturfaktor von 1.0 für die Sauberkeit als
angemessen und korrekt. Wie der Plantahof in seiner internen
Stellungnahme vom 30. September 2013 zuhanden des ANU zu Recht
festgehalten hat, wäre es in der Tat unstatthaft, bereits im Voraus
anzunehmen, dass der Beschwerdeführer die Vorgaben hinsichtlich
Sauberkeit nicht einhalten werde. Auch wenn in der Vergangenheit die
Sauberkeit auf dem beschwerdeführerischen Betrieb nicht immer optimal
war, kann nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass dies
auch künftig so sein wird. Dies zumal der Betrieb des Beschwerdeführers
gemäss Bericht der C._ AG vom 9. Juli 2014 von verschiedenen
Personen betreut wird. Jedenfalls muss der Beschwerdeführer die
Chance erhalten, seinen Betrieb ordentlich zu betreiben. Bei
Nichteinhaltung der branchenüblichen Regeln der Ordnung und
Sauberkeit wäre es der Beschwerdegegnerin selbstverständlich
freigestellt, den Korrekturfaktor Sauberkeit nachträglich auf 1.2 zu
erhöhen mit der Konsequenz, dass der Beschwerdeführer den
Tierbestand reduzieren müsste.
cc) Schliesslich wendet die Beschwerdegegnerin noch ein, die FAT/ART-
Abstandsberechnung des Plantahofs vom 6. August 2013 berücksichtige
die besonderen topografischen Verhältnisse wie die Hauptwindrichtung
von West nach Ost in Richtung des Wohnquartiers sowie die im Tal
anzutreffende Inversionslage nicht ausreichend. Deswegen sei der mit 1.2
berücksichtigte Korrekturfaktor Geländeform auf 1.4 zu erhöhen.
- 39 -
Für Betriebe am Hang oder am Rand eines Hanges, in einem engen Tal
oder in einem Talkessel sieht der Revisionsentwurf vom 7. März 2005
zum FAT/ART-Bericht Nr. 476/95 einen Faktor von 1.2 vor (vgl. Ziff. 4.3
S. 10). Ein Faktor von 1.4 kommt gemäss FAT/ART-Revisionsbericht nur
zur Anwendung, wenn in einem engen Tal (Talbreite höchstens dreifache
Taltiefe) durch Kanalisierung Talauf- und -abwind entsteht (vgl. Ziff. 7.1
S. 18). Eine weitere Erhöhung des Korrekturfaktors Geländeform kommt
beim Vorhandensein lokaler Kaltluftabflüsse in Betracht (vgl. Ziff.7.2 - 7.4
S. 19 ff.). Für den Betriebsstandort des Beschwerdeführers existieren
keine verlässlichen Windmessungen. Das ANU schlug deshalb dem ARE
bzw. der Beschwerdegegnerin bereits in seiner Stellungnahme vom
23. Januar 2014 vor, eine Windmessung am Standort des
beschwerdeführerischen Betriebs zu errichten, um den Korrekturfaktor für
die Geländeform zu überprüfen. Dabei anerbot sich das ANU, die realen
Windverhältnisse zu messen und den Korrekturfaktor für die Geländeform
definitiv festzusetzen. Die entsprechenden Windmessungen wurden aber
offenbar vor Erlass der angefochtenen Verfügung nicht vorgenommen;
jedenfalls sind keine Ergebnisse von Windmessungen für den
Betriebsstandort des Beschwerdeführers aktenkundig. Solange aber
keine präzisen Daten vorliegen, erscheint die Ansicht des fachkundigen
ANU, wonach der Faktor 1.2 für die Geländeform eher den realen
Windverhältnissen entspreche als ein Faktor 1.4, als vertretbar. Bei dieser
Sachlage ist eine Sonderbeurteilung auch diesbezüglich nicht angezeigt,
zumal eine solche nur bei Vorliegen besonderer Verhältnisse angezeigt
wäre (vgl. vorstehend E.5e).
c) Nach dem Gesagten ist die FAT/ART-Abstandsberechnung des
Plantahofs vom 6. August 2013 bzw. die vom Plantahof angewandten
Korrekturfaktoren nicht zu beanstanden. Die angewandten
Korrekturfaktoren sind sachlich begründet und nachvollziehbar, weshalb
von Seiten des streitberufenen Gerichtes keine Veranlassung besteht,
- 40 -
diese abzuändern. Daran vermag die Tatsache, dass die entsprechende
Berechnung vom Beschwerdeführer in Auftrag gegeben wurde, nichts zu
ändern, zumal von der Beschwerdegegnerin weder dargetan wurde noch
ersichtlich ist, weswegen deshalb nicht darauf abgestellt werden könnte.
Unter umweltrechtlichen Aspekten erweist sich das
beschwerdeführerische Gesuch vom 12. Juli 2013 mit einem
Tierhöchstbestand von 450 Schweinen somit als rechtens. Sollte die
Beschwerdegegnerin an ihrer Auffassung festhalten, wonach die
Abstandsberechnung des Plantahofs vom 6. August 2013 die besonderen
totografischen Verhältnisse nicht ausreichend berücksichtige, hätte sie die
vom ANU vorgeschlagenen Windmessungen am Standort des
beschwerdeführerischen Betriebs vorzunehmen und den entsprechenden
Korrekturfaktor allenfalls − je nach Ergebnis der Windmessungen −
anzupassen.
7. a) Zu prüfen bleibt, ob dem beschwerdeführerischen Bauvorhaben
überwiegende Interessen im Sinne von Art. 24 lit. b RPG entgegenstehen.
In materieller Hinsicht verlangt Art. 24 lit. b RPG, dass alle sich
widerstreitenden räumlichen Interessen − seien sie öffentlicher oder
privater Natur − ermittelt, gegeneinander abgewogen und mit
sachgerechten Erwägungen gewichtet werden (vgl. Art. 3 RPV; BGE
116 Ib 228 E.3b mit Hinweisen). Soweit einzelne Aspekte der allgemeinen
Interessenabwägung durch positives Verfassungs- und Gesetzesrecht
geregelt werden, sind Bauvorhaben vorweg nach diesen Sondernormen
zu prüfen. Zu berücksichtigen sind alle Vorschriften, deren sachlicher,
räumlicher, zeitlicher und persönlicher Geltungsbereich betroffen ist. Dazu
zählen unter anderem die Immissionsschutzgesetzgebung des USG und
seiner Ausführungsvorschriften. Neben den raumplanerischen und
umweltschutzrechtlichen Gesichtspunkten sind auch solche des
Tierschutzes einzubeziehen (vgl. BGE 118 Ib 17 E.3d, 117 Ib 28 E.3).
Lenkender Massstab der Interessenabwägung bilden namentlich die Ziele
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und Grundsätze der Raumplanung gemäss Art. 1 und 3 RPG. Danach ist
unter anderem darauf zu achten, dass Wohngebiete vor schädlichen oder
lästigen Einwirkungen wie Luftverschmutzung, Lärm und Erschütterungen
möglichst verschont werden (Art. 3 Abs. 3 lit. b RPG). Bei einem
konkreten Bauvorhaben verlangt der Grundsatz der umfassenden
Interessenabwägung, dass nicht der erstbeste Standort oder die erstbeste
Ausführungsvariante gewählt, sondern nach Alternativen gesucht wird,
mit welchen die Auswirkungen auf die Umwelt so weit begrenzt werden
können, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich
tragbar ist (vgl. BGE 115 Ib 508 E.6b mit weiteren Hinweisen). Die
Auswahl verschiedener Alternativstandorte bildet indes auch bereits
Gegenstand der Überprüfung der Standortgebundenheit eines Vorhabens
(vgl. vorstehend E.4). Im Sinne des Verhältnismässigkeitsprinzips muss
anlässlich der Interessenabwägung auch geprüft werden, ob die
Verweigerung der Ausnahmebewilligung zum Schutz der entsprechenden
Interessen auch zweckerforderlich ist. Unter Umständen können nämlich
mildere Massnahmen wie entsprechende Auflagen oder Bedingungen
genügen. In formeller Hinsicht verlangt Art. 24 lit. b RPG schliesslich,
dass die Interessenabwägung durch die nämliche Behörde vorgenommen
wird; mithin dürfen die für die Interessenabwägung massgebende
Einzelfragen nicht separaten Verfahren vorbehalten werden (vgl.
WALDMANN/HÄNNI, a.a.O., Art. . 24 Rz. 22 f.).
b) Die Beschwerdegegnerin macht geltend, sie könne, nebst den
baurechtlichen Eckwerten, auch weitere Gesichtspunkte in die
Interessenabwägung einbeziehen. So seien auch die Bestimmungen der
LRV zu beachten. Geruchsemissionen seien übermässig, wenn sie einen
wesentlichen Teil der Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden erheblich
störten. Die Voraussetzungen für das Vorhandensein übermässiger
Einwirkungen und erheblicher Störungen sei gegeben, wenn
Geruchsklagen von mehreren Personen über den Zeitraum von mehreren
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Jahren eingingen, der Aufenthalt im Freien verunmöglicht sei, die
Tierhaltungsanlage eine mangelnde Sauberkeit aufweise und besondere
topografische Verhältnisse (Wind) erfüllt seien. Bei Tierhaltungen in
offenen Ställen sei es nur beschränkt möglich, technische Massnahmen
zur Geruchsminderung zu realisieren. Zwar nehme die LRV auf die
FAT/ART-Richtlinien Bezug. Diese hätten jedoch, im Gegensatz zur LRV,
keinen Gesetzescharakter. Die Mindestabstandsvorschriften seien nicht
starr anzuwenden. Aufgrund der Vorgeschichte und der
zwischenzeitlichen Erkenntnisse sei davon auszugehen, dass die
gesetzlich geforderten umweltrechtlichen Ziele (Art. 1 und Art. 11 Abs. 2
USG) bei der vorgesehenen bzw. vorgenommenen Umnutzung nicht
erreicht werden könnten. Es liege auch kein umweltschutzrechtlicher
Bagatellfall vor, bei welchen die Geruchsimmissionen ohne Weiteres
hinzunehmen wären. Die bisherigen Schwierigkeiten bezüglich Sauberkeit
und die Erfahrungen im Umgang mit Behörden und Nachbarschaft liessen
darauf schliessen, dass bei der alleinigen Betriebsführung die
Praktikabilität nicht ausreichend gegeben sei. Die Betreuung gemäss
Bericht der C._ AG habe keine Verbesserungen bewirkt. Das
öffentliche Interesse hinsichtlich Anwohnerschutz vor lästigen
Einwirkungen überwiege. Daraus folge, dass sich der Standort für die
Schweinehaltung nicht eigne.
c) Die Beschwerdegegnerin beruft sich sinngemäss darauf, dass die
Praktikabilität der Massnahmen zur Verhinderung der Entstehung von
Emissionen nicht gegeben sei, der Betriebsstandort sich für die
Schweinehaltung nicht eigne und das öffentliche Interesse hinsichtlich
Schutz der Anwohner vor lästigen Einwirkungen das private Interesse des
Beschwerdeführers an der Weiterführung seines Betriebs überwiege.
Dieser Auffassung vermag sich das streitberufene Gericht nicht
anzuschliessen. Zunächst kann es, entgegen den
beschwerdegegnerischen Ausführungen, nicht als erstellt gelten, dass die
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Übermässigkeit der Immissionen aufgrund verschiedener Indizien erstellt
sei, weil ein wesentlicher Teil der Bevölkerung erheblich gestört werde.
Gemäss LRV dürfen Immissionen nicht übermässig sein. Anspruch auf
völlige Immissionsfreiheit besteht dagegen nicht. Auch wenn sich der
FAT/ART-Bericht 476/95 in erster Linie mit der vorsorglichen
Emissionsbegrenzung befasst, kann dieser auch als Hilfsmittel zur
Beantwortung der Frage beigezogen werden, ob eine Tierhaltungsanlage
voraussichtlich übermässige Immissionen verursacht (BGE 126 II 43
E.4a). Dies ist dann zu erwarten, wenn der halbe Mindestabstand
unterschritten ist (vgl. FAT/ART-Bericht Nr. 476/95 Ziff. 3. S. 7), was hier
eindeutig nicht der Fall ist. Von dieser Faustregel ist auszugehen, solange
nicht aufgrund genauerer Abklärungen etwas anderes zu erwarten ist (vgl.
Urteile des Bundesgerichtes 1A.85/2006 vom 26. Januar 2007 E.3.3,
1A.58/2001 vom 12. November 2001 E.2d). Auch nach dem
Revisionsentwurf vom 7. März 2005 zum FAT/ART-Bericht Nr. 476/95
können übermässige Geruchsimmissionen in der Regel erst dann nicht
ausgeschlossen werden, wenn die Mindestabstände unterschritten sind
(vgl. Ziff. 1 S. 5). Dies ist hier nicht der Fall, wie die FAT/ART-
Abstandsberechnung des Plantahofs vom 6. August 2013 zeigt (vgl. dazu
vorstehend E.6). Für allfällige Änderungen der Korrekturfaktoren fehlen
genaue und systematische Untersuchungen (insbesondere bezüglich
Windverhältnisse), welche eine Abweichung von der Faustregel
rechtfertigen. Zwar trifft es zu, dass es bezüglich des
beschwerdeführerischen Betriebs zu Geruchsklagen von Anwohnern
gekommen ist und dass die Gemeindevertreter anlässlich verschiedener
Begehungen eine hohe Geruchsbelastung festgestellt haben. Zudem
liegen auch Geruchserhebungsprotokolle von einzelnen Anwohnern bei
den Akten. Indessen zeigen aber die bei den Akten liegenden
Unterschriftensammlungen von Anwohnern des Wohnquartiers B._
zu Gunsten des Beschwerdeführers, dass sich auch viele Anwohner des
Quartiers durch die Schweinehaltung in ihrer Wohnqualität nicht
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beeinträchtigt fühlen (vgl. die Beilagen 7 und 8 des Beschwerdeführers).
Gemäss Art. 2 Abs. 5 lit. b LRV gelten Immissionen − sofern für einen
Schadstoff, wie vorliegend, keine Immissionsgrenzwerte bestehen − als
übermässig, wenn aufgrund einer Erhebung feststeht, dass sie einen
wesentlichen Teil der Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden erheblich
stören. Sollte die Beschwerdegegnerin somit am Vorwurf der
übermässigen Immissionen festhalten, wird sie nicht darum
herumkommen, weitere Untersuchungen in diese Richtung anzustellen.
Solange die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten sind, ist indes
davon auszugehen, dass das Interesse des Beschwerdeführers an der
Weiterführung seines Schweinemastbetriebs, welchen er im Übrigen
unstrittig seit dem Jahr 1996 betreibt, gegenüber dem öffentlichen
Interesse hinsichtlich Anwohnerschutz vor lästigen Einwirkungen
überwiegt. Erwähnt sei an dieser Stelle noch, dass nach der
bundesgerichtlichen Praxis der Anspruch der Behörden auf
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands im Bereich des Baurechts
aus Gründen der Rechtssicherheit grundsätzlich nach 30 Jahren verwirkt
(vgl. BGE 107 Ia 121; vgl. auch PVG 2007 Nr. 37).
8. Explizit nicht geprüft haben die Beschwerdegegnerin (vgl. angefochtener
Bau- und Einspracheentscheid vom 11., mitgeteilt am 13. November
2014, Ziff. 5) und das ARE (vgl. deren Vernehmlassung vom 16. Februar
2015 Ziff. 2) die Frage, ob der Betrieb des Beschwerdeführers über die
nächsten 15 - 25 Jahre voraussichtlich wirtschaftlich rentabel und unter
geregelter Betriebsnachfolge, d.h. existenzsichernd im Sinne von Art. 34
Abs. 4 lit. c RPV, geführt werden kann. Sollte die Beschwerdegegnerin
Zweifel daran haben, hätte sie auch diese Prüfung noch vorzunehmen,
zumal auch eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG offenkundig nur
erteilt werden kann, wenn der Betrieb voraussichtlich längerfristig
bestehen kann.
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9. a) Zusammenfassend lässt sich nach dem vorstehend Gesagten festhalten,
dass es sich beim beschwerdeführerischen Schweinemastbetrieb um
einen vollständig bodenunabhängigen Betrieb handelt, welcher in der
Landwirtschaftszone nicht zonenkonform ist. Entsprechend sind die
Voraussetzungen für die Erteilung einer ordentlichen Baubewilligung nach
Art. 22 i.V.m. Art. 16 ff. RPG nicht gegeben. Ob das
beschwerdeführerische Gesuch vom 12. Juli 2013 aufgrund des
Ausnahmebewilligungstatbestands von Art. 24 RPG bewilligungsfähig ist,
lässt sich nicht abschliessend beurteilen, da die Beschwerdegegnerin die
negative Standortgebundenheit und damit die Frage, ob in der Region ein
geeigneter Alternativstandort in der Bauzone zur Realisierung des
ersuchten Vorhabens vorhanden ist, nicht geprüft hat. Sollte die
Beschwerdegegnerin überdies an ihrer Auffassung festhalten, wonach die
beantragte Umnutzung des Grossviehstalls in einen Schweinemastbetrieb
entgegen der Abstandsberechnung des Plantahofs vom 6. August 2013
auch unter umweltrechtlichen Aspekten nicht bewilligungsfähig sei, hätte
sie die vom ANU vorgeschlagenen Windmessungen am Standort des
beschwerdeführerischen Betriebs vorzunehmen und allenfalls − je nach
Ergebnis der Windmessungen − den entsprechenden Korrekturfaktor
anzupassen. Überdies wird die Beschwerdegegnerin zur Prüfung der
Frage, ob sich durch den beschwerdeführerischen Betrieb ein
wesentlicher Teil der Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden erheblich
gestört fühlt, eine Erhebung im Sinne von Art. 2 Abs. 5 lit. b LRV
durchzuführen haben, sofern sie am Vorwurf der übermässigen
Immissionen festhalten sollte. Und schliesslich wäre im Bestreitungsfall
von der Beschwerdegegnerin auch noch die Frage zu prüfen, ob der
Schweinemastbetrieb des Beschwerdeführers voraussichtlich längerfristig
bestehen kann. Demnach erweist sich die Beschwerde als begründet und
ist, soweit sie nicht infolge Rückzug des Baugesuchs gegenstandslos
geworden ist (vgl. vorstehend E.1b), gutzuheissen. Der angefochtene
Bau- und Einspracheentscheid vom 11., mitgeteilt am 13. November
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2014, ist aufzuheben. Die Sache ist im Sinne der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zur erneuten Prüfung und Entscheidung gemäss
Art. 87 Abs. 3 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden
(KRG; BR 801.100; Überweisung an das ARE oder Abweisung)
zurückzuweisen.
b) Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind die Gerichtskosten
gestützt auf Art. 73 Abs. 1 VRG vollumfänglich der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen. Eine aussergerichtliche Entschädigung ist dem
Beschwerdeführer nicht zuzusprechen. Dieser hat zwar Anwälte
beauftragt; jedoch haben sich diese am vorliegenden
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren kaum beteiligt. Zudem hat
der Beschwerdeführer auch keine Parteientschädigung beantragt und die
von ihm beauftragten Anwälte haben − trotz Aufforderung vom 30. Juni
2015 − auch keine Honorarnote eingereicht.