Decision ID: 2d889848-67ee-4cb1-a57d-d09140220865
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Mattias Dolder, Schwager Mätzler Schneider,
Poststrasse 23, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ leidet an einer angeborenen Schwerhörigkeit und bezieht von der
Invalidenversicherung (spätestens) seit 1973 eine Hörgeräteversorgung (IV-act. 4, 10
und 22). Sie hat eine zweijährige Bürolehre absolviert (ohne Abschluss, vgl. IV-act. 41-4
und 75-2) und war zuletzt in den Jahren 2001 bis 2004 als Mitarbeiterin ("Brötli Frau") in
der Bäckerei Konditorei B._ (IV-act. 54-2), und von 2004 bis 2005 als Reinigungskraft
für Büroräumlichkeiten bei C._ GmbH (IV-act. 53), Teilzeit tätig.
A.b Am 21. August 2006 meldete sich die Versicherte wegen mehreren Diskushernien
und deswegen erfolgten Operationen bei der IV-Stelle zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 41). Dr. med. D._, Wirbelsäulenchirurgie FMH,
bestätigte die Diskushernie-Operationen (Dezember 2003, November 2005, Januar
2006) und diagnostizierte bei der Versicherten ein chronisches lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom (Bericht vom 5. September 2006; IV-act. 55-1 ff).
A.c Die IV-Stelle klärte daraufhin die persönlichen und beruflichen Verhältnisse der
Versicherten ab (vgl. IV-act. 43 ff), holte weitere Arztberichte ein (IV-act. 62, 66, 70 und
72) und führte am 8. Mai 2007 eine Haushaltsabklärung durch (IV-act. 75). Sie
veranlasste zudem beim Medizinischen Gutachterzentrum St. Gallen (MGSG) ein
psychiatrisches (IV-act. 81-10 ff) und orthopädisches Gutachten (IV-act. 81-1 ff). Nach
erfolgtem Vorbescheidsverfahren (IV-act. 85, 87, 94 und 104) wies die IV-Stelle mit
Verfügung vom 30. Juni 2008 einen Rentenanspruch ab (IV-act. 106).
A.d Die Versicherte erhob dagegen am 23. Juli 2008 beim Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen Beschwerde (IV-act. 111-2 ff). Das Gericht hiess die Beschwerde
gut und wies die IV-Stelle an, ein polydisziplinäres Gutachten einzuholen. Zudem stellte
das Gericht fest, bei der Bemessung einer allfälligen Invalidität sei von der Annahme
auszugehen, dass die Versicherte als Gesunde eine Teilzeittätigkeit von 80% anstreben
und die verbleibende Zeit für den Haushalt verwenden würde (Urteil des
Versicherungsgerichts St. Gallen vom 16. März 2010, IV 2008/320; IV-act. 138).
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Inzwischen war die Versicherte noch zweimal an der Lendenwirbelsäule operiert
worden (Oktober 2006 und Oktober 2008).
A.e Die IV-Stelle beauftragte daraufhin das Ärztliche Begutachtungsinstitut GmbH
(ABI), Basel, mit einer polydisziplinären (namentlich psychiatrischen, neurologischen,
orthopädischen und rheumatologischen) Begutachtung (IV-act. 143). Das ABI führte am
7. Juli 2010 eine internistisch-allgemeinmedizinische, psychiatrische und
rheumatologische Untersuchung durch und diagnostizierte chronische lumbo- und
zervikospondylogene Schmerzsyndrome sowie eine mittelgradige Schwerhörigkeit
beidseits. Die Gutachter attestierten der Versicherten für körperlich schwere und
mittelschwere Tätigkeiten seit Dezember 2003 eine volle Arbeitsunfähigkeit. Bis zur
Operation im Oktober 2008 sei auf die gutachterliche Einschätzung der MGSG
abzustellen. Nach der Rückenoperation im Oktober 2008 habe für sechs Monate keine
Arbeitsfähigkeit bestanden. Seit Mai 2009 bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 70% in
leidensangepasster Tätigkeit. Das Pensum könne vollschichtig umgesetzt werden mit
erhöhtem Pausenbedarf von 15 Minuten pro Stunde und leicht reduziertem
Rendement. In der häuslichen Tätigkeit liege eine Arbeitsunfähigkeit von 40% vor,
wegen der höheren körperlichen Belastung (Gutachten vom 31. August 2010; IV-act.
159-2 ff). Gestützt auf das ABI-Gutachten stellte die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von
32% fest und wies das Rentengesuch nach erfolgtem Vorbescheidsverfahren (IV-act.
166, 168-1) erneut ab (Verfügung vom 16. Dezember 2010; IV-act. 174).
A.f Die Versicherte erhob gegen die Verfügung Beschwerde und beantragte die
Rückweisung des Verfahrens zur Einholung eines neuen polydisziplinären Gutachtens
(Beschwerde vom 10. Januar 2011; IV-act. 178-2 ff). Das Versicherungsgericht hiess
die Beschwerde in dem Sinne gut, als es die IV-Stelle anwies, bei der Begutachterstelle
ergänzende orthopädische/neurologische Abklärungen, verbunden mit einer neuen
interdisziplinären Gesamtbeurteilung, einzuholen (Urteil des Versicherungsgerichts St.
Gallen vom 17. Dezember 2012, IV 2011/17; IV-act. 199).
B.
B.a Mit Schreiben vom 21. Februar 2013 teilte die Versicherte der IV-Stelle mit, dass
sie sich einem neuerlichen operativen Eingriff unterziehen werde, wobei ihr drei
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Halswirbelprothesen eingesetzt würden. Die Operation sei für den 25. März 2013
vorgesehen (IV-act. 204). Die IV-Stelle wartete daraufhin die Ergebnisse der Operation
ab, bevor sie das neue Gutachten in Auftrag gab.
B.b Als sich der postoperative Gesundheitszustand der Versicherten wieder stabilisiert
hatte (IV-act. 211-8 ff und 212-5), beauftragte die IV-Stelle das ABI am 28. Juni 2013
mit der ergänzenden Begutachtung (IV-act. 220). Das ABI unterzog die Versicherte
einer allgemeininternistischen, psychiatrischen, orthopädischen, neurologischen und
otorhinolaryngologischen Untersuchung. Im Gutachten vom 25. November 2013
stellten die Gutachter in der Gesamtbeurteilung fest, der Gesundheitszustand habe
sich seit dem letzten Gutachten schleichend verschlechtert. Mindestens ab September
2013 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50% auch in leichten, adaptierten Tätigkeiten
und im Haushalt. Vorübergehend sei die Arbeitsfähigkeit postoperativ vom März 2013
bis September 2013 vollständig aufgehoben gewesen (IV-act. 226-36 ff). Am 27.
November 2013 zeigte die Versicherte der IV-Stelle an, dass sie sich bei Dr. med.
E._, Fachärztin für Neurologie FMH, in eine stationäre Schmerztherapie begeben
habe und reichte einen Arztbericht vom 12. November 2013 ein (IV-act. 223 f).
B.c Nach erfolgtem Vorbescheid vom 6. Februar 2014 (IV-act. 232) und dagegen er
hobenem Einwand vom 10. März 2014 (IV-act. 234) ermittelte die IV-Stelle einen
Invaliditätsgrad von 100% bzw. 50% und sprach der Versicherten mit Verfügungen
vom 17. April 2014 ab 1. März 2013 eine ganze Rente und ab 1. Dezember 2013 eine
halbe Rente zu (IV-act. 246).
C.
C.a Mit Eingabe vom 19. Mai 2014 erhebt die Beschwerdeführerin gegen die
Verfügungen vom 17. April 2014 Beschwerde und beantragt, diese seien aufzuheben,
soweit ihr keine ganze Invalidenrente zugesprochen werde. Es sei ihr ab wann
rechtens, spätestens aber ab dem 1. November 2011, eine ganze Invalidenrente
zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen;
unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Beschwerdeführerin bestreitet im
Wesentlichen die Beweistauglichkeit des ABI-Gutachtens vom 25. November 2013,
behauptet einen früheren Rentenbeginn, macht die fehlende Verwertbarkeit der
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Restarbeitsfähigkeit geltend und beanstandet die Bemessung des Invaliditätsgrades
(act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 19. August 2014 trägt die Beschwerdegegnerin vor,
dass das ABI-Gutachten die Anforderungen der Rechtsprechung erfülle. Auf das
Gutachten könne daher abgestellt werden. Der Invaliditätsgrad sei dagegen grosszügig
bemessen worden (act. G 4).
C.c Mit Replik vom 30. September 2014 hält die Beschwerdeführerin an ihren
Ausführungen fest und reicht einen aktuellen Arztbericht von Dr. D._ vom 12.
September 2014 (act. G 8.1) ins Recht (act. G 8). Die Beschwerdegegnerin erklärt
dagegen, auf eine Duplik zu verzichten (Schreiben vom 14. Oktober 2014; act. G 10).

Considerations:
Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist einerseits, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
höhere als die ab 1. Dezember 2013 zugesprochene halbe Invalidenrente hat und
andererseits der Zeitpunkt des Rentenbeginns (1. März 2013).
2.
2.1 Am 1. Januar 2004 sind die neuen Normen der 4. IV-Revision, am 1. Januar 2008
sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen und am 1. Januar 2012
jene der IV-Revision 6a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20), der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) in Kraft getreten. In materiell-rechtlicher Hinsicht gilt der allgemeine
übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu
legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt
gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt
verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die
angefochtenen Rentenverfügungen sind am 17. April 2013 ergangen (IV-act. 246),
wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten
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Bestimmungen der 4. , 5. und 6a IV-Revision begonnen hat (Anmeldung vom
21. August 2006, IV-act.1). Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine
Dauerleistung betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend
den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007
bzw. bis 31. Dezember 2011 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab
1. Januar 2012 auf die neuen Normen der 6a IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-
Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04,
E. 1). Nachfolgend werden die seit 1. Januar 2012 gültigen Bestimmungen des ATSG
und IVG wiedergegeben, soweit nicht ausdrücklich auf die altrechtlichen
Bestimmungen verwiesen wird.
2.2 Nach der Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts ist die
richterliche Überprüfung einer Verwaltungsverfügung grundsätzlich auf den Zeitraum
bis zum Erlass dieser Verfügung beschränkt; nachträgliche Sachverhalts- und
Rechtsänderungen werden nicht berücksichtigt (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 28. August 2003, I 596/02, E. 1.1). Die angefochtenen
Verfügungen sind am 17. April 2014 (IV-act. 246) ergangen. In der vorliegenden
Angelegenheit ist daher einzig der bis zum 17. April 2014 eingetretene Sachverhalt zu
beurteilen.
3.
3.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.2 Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, die a.) ihre Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können; b.)
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während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) sind; und c.) nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht ein
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente,
wenn sie mindestens zu 50 %, oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40
% invalid ist.
3.3 Bei Teilerwerbstätigen (bzw. bei Personen, die ohne die Behinderung teilerwerbs
tätig wären) bemisst sich die Invalidität für den nichterwerblichen Teil nach der
Einschränkung im bisherigen Aufgabenbereich (sogenannte 'gemischte Methode', Art.
28a Abs. 2 und 3 IVG). Für den Erwerbsbereich ist demgegenüber der Invaliditätsgrad
gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG auf Grund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen
(Art. 16 ATSG). Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre (sogenanntes Valideneinkommen).
3.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung bzw. das Gericht
auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute
zur Verfügung stellen. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeit die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren
sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 256 E. 4).
3.5 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
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Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind
(BGE 125 V 351 E. 3a).
4.
Zu prüfen ist zunächst, ob die vorliegende medizinische Aktenlage eine hinreichende
Grundlage für die Beurteilung eines allfälligen Rentenanspruches bietet.
4.1 Ausschlaggebende medizinische Grundlage für die Beurteilung des
Rentenanspruchs und zugleich hauptsächlicher Streitgegenstand bildet das (zweite)
ABI-Gutachten vom 25. November 2013 (IV-act. 226). Dieses basiert auf einer
allgemeininternistischen, psychiatrischen und nunmehr auch auf einer
otorhinolaryngologischen, orthopädischen und neurologischen Untersuchung. In der
Gesamtheit ergaben die Abklärungen folgende Diagnosen (mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit):
1.) Tetraspastik unklarer Aetiologie (ICD-10 G82.4), bei Verdacht auf frühkindliche
Schädigung, mit sensorineuraler Schwerhörigkeit und Dysarthrie (DD relativ blande
verlaufende multiple Sklerose, ICD-10 G 35);
2.) Chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5/Z98.8), mit/bei
Status nach interlaminärer Fensterung LWK5/SWK1 rechts mit Nukleotomie in
mikrochirurgischer Technik am 19.12.2003 (Neurochirurgie KSSG),
Status nach Isthmotomie L5, Wurzeldekompression und Nukleotomie LWK5/SWK 1
rechts am 16.11.2005 (Neurochirurgie KSSG),
Status nach interlaminärer Fenestration LWK4/5 rechts, Sequesterentfernung und
Zwischenwirbelraumausräumung am 18.1.2006 (Neurochirurgie KSSG),
Status nach Laminektomie LWK5 mit Ausräumung einer Rezidivhernie
LWK4/SWK1 beidseits und Transplantatfusion mit Eigenknochen LWK4/5 am
31.10.2006 (Dr. S. Oh),
Status nach Dekompression mit interkorporeller und dorsolateraler Spondylodese
LWK4-SWK1 am 17.10.2008 (Dr. D._),
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radiologisch kein Hinweis für Implantatlockerung oder Neurokompression (Röntgen
und MRI 5.9.2013);
3.) Chronisches zervikovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.2/Z98.8), mit/bei
Status nach ventraler Mikrodiskektomie, Foraminotomie sowie Implantation von
Bandscheibenprothesen HWK4/5/6/7 am 25.3.2012 (Dr. D._),
radiologisch regelrechter postoperativer Befund (Röntgen 25.4.2013);
4.) Pantonale, hochtonakzentuierte Schallempfindungsschwerhörigkeit beidseits (ICD-
10 H90.3) mit Zustand nach binauraler Hörgeräteversorgung.
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit stellten die ABI-Ärzte die Diagnosen einer
leichten depressiven Episode (ICD-10 F 32.0), eines Verdachts auf diabetische
Stoffwechsellage, einer latenten Hypothyreose, asymptomatisch, eines Status nach
CTS-Op 2001 und anamnestisch Status nach Kniearthroskopie wahrscheinlich rechts
vor mindestens zwanzig Jahren.
4.2
4.2.1 Aus psychiatrischer Sicht konnte der begutachtende (ABI-) Facharzt Dr. med.
F._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, bei der Beschwerdeführerin keine
Krankheit mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit feststellen. Es bestünden zwar
verminderte Freudeempfindungsfähigkeit, erhöhte Ermüdbarkeit, Appetitverminderung,
Schuldgefühle und Schlafstörungen. Dies führe zu einer leichten depressiven Episode,
die aber in ihrem Schweregrad keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. Bei der
Beschwerdeführerin liege zudem eine chronische Schmerzproblematik mit
Rückenschmerzen und somatischen Korrelaten vor. Dies müsse aus somatischer Sicht
beurteilt werden. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung könne jedenfalls nicht
diagnostiziert werden.
4.2.2 Die Beschwerdeführerin berichte ferner über Konzentrationsschwierigkeiten
(wegen ihrer Schmerzen). Im Untersuchungsgespräch habe sie sich aber (trotz
Schmerzen) konzentrieren können; die Anamneseerhebung sei möglich gewesen und
sie habe auch ihre Lebensdaten angeben können. Sie könne zudem kurze Strecken
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selber mit dem Auto fahren. Das spreche gegen eine deutliche Konzentrationsstörung.
Die Beschwerdeführerin erhalte zudem ein Antidepressivum verordnet, das im
Medikamentenspiegel aber nicht nachweisbar sei.
4.2.3 Insgesamt liege bei der Beschwerdeführerin ein chronischer Verlauf vor, aber
auch eine deutlich ausgeprägte Krankheits- und Behinderungsüberzeugung. Vielleicht
bestünden bei ihr etwas auffällige Persönlichkeitszüge mit einer eher nach aussen
gerichteten Beschwerdedarstellung. Diese reiche aber für die Achse-II-Diagnose einer
Persönlichkeitsstörung nicht. Dagegen spreche vor allem auch der Verlauf mit vor der
Erkrankung normaler Sozialisation und voller Leistungsfähigkeit. Im Ergebnis bestehe
aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit; die leichte
depressive Episode wirke sich nicht einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit aus. Der
Beschwerdeführerin könne aus psychiatrischer Sicht zugemutet werden, einer ihrer
körperlichen Einschränkung angepassten Tätigkeit ganztags und ohne
Leistungseinschränkung nachzugehen.
4.2.4 Hinsichtlich des Verlaufs kam der psychiatrische Gutachter zum Schluss, es
könne rückwirkend auf das erste ABI-Gutachten abgestellt werden. Dort war noch
keine psychiatrische Diagnose gestellt worden (IV-act. 159-18, ebensowenig im
bidisziplinären Gutachten durch Dr. G._, IV-act. 81-16). Mittlerweile bestehe aber
eine leichte depressive Episode. Sollte es im Verlauf zu einer Verschlechterung der
Depression kommen, sollte auch eine fachärztliche psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung erfolgen. Ausserdem müsste mit der
Beschwerdeführerin die regelmässige Medikamenteneinnahme besprochen werden. Es
mache keinen Sinn, Lyrica und Cipralex zu verordnen, wenn sie diese nicht
regelmässig einnehme. Allenfalls könnte die zusätzliche Einnahme eines sedierenden
und schmerzmodulierenden Antidepressivums, auch in niedriger Dosierung, hilfreich
sein.
4.3
4.3.1 In somatischer Hinsicht bestätigt die orthopädische Untersuchung, dass die
klinischen und radiologischen Befunde die von der Beschwerdeführerin geklagten
Leiden der zervikalen und lumbalen Wirbelsäule begründen. Der Gutachter hielt auch
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fest, dass die Beschwerdeführerin bei der Untersuchung ausgezeichnet kooperiert
habe, weshalb die ausführliche Untersuchung im Stehen, Gehen, Sitzen und Liegen
problemlos habe durchgeführt werden können. Gemäss Gutachter kam es seit dem
ersten ABI-Gutachten auf rein orthopädischer Ebene insgesamt nicht zu einer
Veränderung der Arbeitsfähigkeit. Es scheine aber eine erhebliche neurologische
Problematik zu bestehen. Nach den am 15. November 2011 und 25. März 2013
vorgenommenen Eingriffen könne vorübergehend von einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit für körperlich leichte Tätigkeiten von längstens 6 Monaten
ausgegangen werden. Anschliessend sei wiederum von einer Arbeitsfähigkeit von 70%
auszugehen, wie bereits der frühere Gutachter Dr. H._ ausgeführt habe.
Demgegenüber sei die Beurteilung von Dr. D._ vom 28. Mai 2013 widersprüchlich
und nicht nachvollziehbar, wenn dieser einerseits den Einsatz als Putzfrau bis auf
Weiteres für nicht mehr möglich, andererseits aber für 4.5 Stunden täglich doch
zumutbar halte.
4.3.2 Dr. med. I._, Facharzt für Neurologie, hält in seiner Beurteilung eingangs fest,
dass die Anamnese der Beschwerdeführerin von "unglaublich vielen" operativen
Wirbelsäuleneingriffen geprägt sei - insgesamt sei die Beschwerdeführerin in den
letzten zehn Jahren sechs Operationen an der LWS und einer Operation an der HWS
unterzogen worden. Diese Eingriffe und die weiterhin bestehenden (zervikalen und
lumbalen) Schmerzen stünden ganz im Vordergrund. In der Untersuchung findet der
Neurologe eine leichte rechts- und beinbetonte Tetraspastik, womit auch die diskrete
Hypästhesie im Gesichtsbereich in Zusammenhang stehen könnte. Er diskutiert
ausführlich die Aetiologie der Tetraspastik: Ursache könnte eine frühkindliche
Hirnschädigung im Rahmen der Frühgeburt sein, zusammen mit der sensorineuralen
Schwerhörigkeit und leichten Dysarthrie, allenfalls auch lediglich im Sinn einer
Vorschädigung mit späterer Verschlechterung; oder es könnte, wie schon Dr. J._
vermutet habe, in Richtung einer Encephalomyelitis disseminata gehen, was von Dr.
J._ allerdings bei unauffälligem MRI des Schädels ausgeschieden worden sei. Es
könnte auch eine funktionelle Komponente haben (differenzialdiagnostisch
somatoforme Schmerzstörung); dagegen würden die vielen Operationen sprechen.
Aufgrund des degenerativen HWS-Syndroms sei auch eine zervikale Myelopathie zu
berücksichtigen, welche allerdings die sehr lebhaften Armeigenreflexe nicht erklären
würde. Unabhängig der unklaren Aetiologie sei aber die Tetraspastik funktionell
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relevant. Bezüglich der rechtsbetonten Fussheberschwäche dürfte es sich um eine
unglückliche Kombination einer peripher radikulären sowie zentralen Läsion handeln.
Der Neurologe hielt schliesslich eine Vielzahl von Leistungseinschränkungen und
Ausschlüssen bezüglich der Arbeitsfähigkeit fest. Alle Tätigkeiten mit schwerem Heben
und Tragen oder in Zwangshaltungen könnten nicht verrichtet werden (was auch
orthopädischerseits festzulegen sei). Aufgrund der spastischen Gangstörung könnten
Tätigkeiten mit Anforderungen an das Gleichgewichtsvermögen oder überwiegend im
Stehen oder Gehen durchgeführte Arbeiten nicht ausgeführt werden. Arbeiten, welche
eine beidhändige, besondere Anforderung an die Feinmotorik stellten, seien nicht
möglich. Die Schwerhörigkeit und die Dysarthrie (Sprechstörung) würden Arbeiten mit
Publikumsverkehr einschränken. Für mögliche Tätigkeiten sei bei einer 8-stündigen
Präsenz nur mit einer Leistung von 5-6 Stunden einer gesunden Person zu rechnen.
Gesamthaft sei die Arbeitsfähigkeit auf 50% eingeschränkt. Der Beginn der
neurologischen Einschränkung sei schwierig festzustellen; einerseits sei eine
Verschlechterung der Befunde aufgrund der Unterlagen zu 2007 und 2008
festzustellen, anderseits verlaufe die Verschlechterung offenbar schleichend.
Behelfsmässig werde als Beginn der März 2013 angesetzt, der Zeitpunkt der HWS-
Operation. Sollte eine weitere Verschlechterung sich ergeben, sollte nochmals der
Versuch einer Ursachenabklärung erfolgen. Mit einer Besserung sei nicht zu rechnen,
im günstigsten Fall bleibe der Zustand stationär.
4.3.3 Dr. med. K._, FMH Otorhinolaryngologie, stellt schliesslich fest, dass der
Hörverlust der Beschwerdeführerin nach dem Social Index 50% rechts und 64% links
betrage. Mit der Hörgeräteversorgung werde aber eine deutliche Besserung erreicht.
Dennoch sei die Beschwerdeführerin im Rahmen von Gesprächen mit mehreren
Personen oder unter gesteigertem Umgebungsgeräuschpegel weiterhin auditiv
eingeschränkt, so dass sie intermittierend sogar auf Lippenlesen angewiesen sei. In
auditiv angepassten Tätigkeiten sei sie aber aus otorhinolaryngologischer Sicht nicht
eingeschränkt.
4.4 Insgesamt beruht das ABI-Gutachten auf umfassenden Untersuchungen. Die von
der Beschwerdeführerin geklagten Leiden werden sowohl in den somatischen und
psychiatrischen Teilgutachten als auch im Gesamtgutachten berücksichtigt. Die
Gutachter berücksichtigen zudem ausführlich die Anamnese und die Vorakten. So sind
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die zahlreichen medizinischen Akten einzeln aufgelistet, wichtige Vorakten werden
inhaltlich zusammengefasst und in den Teilgutachten auch gewürdigt. Die
Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar begründet. Es besteht kein Anlass, die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von insgesamt 50% in Zweifel zu ziehen, wie es die
Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort erstmals tut (act. G 4 Rz 5). Selbst
wenn die Beschwerdeführerin während einer 8-stündigen Präsenz eine Leistung von
5-6 Stunden erbringen kann, wie der Neurologe anführt, so bedeutet das nicht ohne
Weiteres eine Arbeitsfähigkeit von knapp 70%. Die neurologischen Einschränkungen
gehen erheblich weiter, als bereits aufgrund der orthopädischen Befunde zu schliessen
ist, wovon offensichtlich sowohl der orthopädische Gutachter wie der neurologische
Gutachter ausgehen. Die Einschätzung von 50% Arbeitsunfähigkeit insgesamt - unter
Berücksichtigung des vermehrten Pausenbedarfs und der eingeschränkten
neurologischen Leistungsfähigkeit - gibt zu keinen Zweifeln Anlass. Im Rahmen dieses
Gutachtens wird sodann der Verlauf des Gesundheitszustands dargestellt und
gewürdigt. Danach ist es spätestens seit der letzten HWS-Operation im März 2013 zu
einer nicht mehr bloss vorübergehenden, sondern anhaltenden Verschlechterung
gekommen, während die früheren Beurteilungen weiterhin als gültig erachtet werden
(IV-act. 226-37).
4.5
4.5.1 Die Beschwerdeführerin beanstandet, das ABI-Gutachten nehme zum Arztbericht
von Dr. L._ (vom 21. Mai 2013; IV-act. 211-1 ff) inhaltlich keine Stellung. Der Bericht
von Dr. L._ wird im ABI-Gutachten als wichtiges Vordokument angeführt und die
Kernaussagen zusammengefasst (IV-act. 226-11). Es darf daher davon ausgegangen
werden, dass die Ausführungen von Dr. L._ im ABI-Gutachten beachtet wurden. So
wird die von Dr. L._ aufgeworfene Problematik der Wirbelsäule insbesondere im
orthopädischen Teilgutachten (S. 37 und 27 des ABI-Gutachtens) eingehend
untersucht und beurteilt. Insoweit wird der Standpunkt von Dr. L._ im Gutachten
berücksichtigt, auch wenn er dort nicht (mehr) namentlich erwähnt wird.
4.5.2 Die wesentliche Diskrepanz zwischen dem ABI-Gutachten und dem Bericht von
Dr. L._ liegt in der unterschiedlichen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit. Während
die ABI-Ärzte insgesamt eine Arbeitsunfähigkeit von 50% attestieren, hält Dr. L._ an
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einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit fest. Im Gegensatz zum ABI-Gutachten ist der
Bericht von Dr. L._ sehr kurz und rudimentär gehalten. Eine eingehende Begründung
zur Einschätzung der Arbeitsfähigkeit fehlt. Seine Einschätzung der vollständigen
Arbeitsunfähigkeit wird zudem von keinem anderen Arzt geteilt. Schliesslich gilt es zu
berücksichtigen, dass ein den Beweisanforderungen grundsätzlich genügendes
medizinisches Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a und b S. 352) nicht in Frage gestellt
werden kann und kein Anlass zu weiteren Abklärungen besteht, wenn und sobald die
behandelnden Ärzte nachher zu einer unterschiedlichen Beurteilung gelangen oder an
vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten, ohne dass dafür
objektive Gesichtspunkte aufgezeigt werden, die geeignet sind, zu einer anderen
Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juli 2009, 9C_830/2007, E.
4.3).
4.6
4.6.1 Keine grundsätzlich neuen erheblichen Befunde enthält sodann der Arztbericht
von Dr. E._ vom 12. November 2013. Diese berichtete, dass sich die
Beschwerdeführerin bei ihr zu einer stationären Schmerztherapie begeben habe. Die
Beschwerdeführerin klage über einen konstanten Schmerz tief lumbal mit Ausstrahlung
Richtung Gesäss und zum Teil auch die Oberschenkelrückseite entlang maximal zur
Wade. Es sei daher vom 1. bis 6. November 2013 eine stationäre Schmerztherapie mit
Einlage eines Katheters auf Lendenwirbelhöhle durchgeführt worden. Zu einer
Schmerzbesserung sei es nicht gekommen. Im Verlauf (der Behandlung) habe die
Beschwerdeführerin ausgeprägte Zitterattacken im Bereich der Beine entwickelt, so
dass sie vorübergehend nicht gehfähig gewesen sei. Aktuell sei sie aber wieder
selbständig gehfähig. Die Zitterattacken interpretiere sie (die Neurologin) als
dissoziative Symptomatik. Die Befunde der klinisch-neurologischen Untersuchung
(ausgesprochen lebhaftes Reflexniveau inklusiv unerschöpflichem ASR-Klonus, aber
Fehlen von Pyramidenzeichen) könnten auch zu einer Myelopathie zervikal passen.
Leider habe die Beschwerdeführerin das vorhandene Bildmaterial trotz Aufforderung
nicht mitgebracht und sie (die Neurologin) habe auch keine Kenntnis der klinischen
Befunde vor und nach der Operation an der Halswirbelsäule. Die Weiterbetreuung sei in
der Klinik M._ geplant. Bei Status nach sechs Eingriffen an der lumbalen Wirbelsäule
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und persistierenden chronischen Rückenschmerzen könne von einem Status nach
Failed back surgery ausgegangen werden (IV-act. 224).
4.6.2 Die RAD-Ärztin N._ hielt dazu fest, die Zitterattacke und die anschliessende
Behinderung der Gehfähigkeit hätten sich wieder normalisiert und seien deshalb nicht
mehr relevant. Der klinische Befund der Neurologin decke sich im Übrigen mit jenem im
neurologischen Gutachten. Ausserdem habe die Neurologin die Myelopathie nicht
ausschliessen können, weil ihr kein Bildmaterial zur Verfügung gestellt worden sei.
Unter diesen Umständen dränge sich eine Rückfrage beim neurologischen Gutachter
nicht auf (IV-act. 228). Da nach dieser plausiblen Einschätzung praktisch unveränderte
Befunde gegeben sind, erscheint eine weitere Abklärung nicht erforderlich. Dabei mag
offen bleiben, ob eine zervikale Myelopathie bereits ausgeschlossen werden kann. Der
neurologische Gutachter hat bezüglich der unklaren Aetiologie der Tetraspastik erklärt,
dass eine weitere Ursachenforschung bei einer Progredienz der Beschwerden
nochmals anzustreben wäre. Eine relevante Verschlechterung behauptet auch die
Beschwerdeführerin nicht; sie hat einzig geltend gemacht, die Beurteilung durch das
ABI sei zu optimistisch, weil darin keine Zitterattacken berücksichtigt seien. Letzteres
mag zutreffen, indessen behauptet weder die Beschwerdeführerin noch ist medizinisch
belegt, dass solche Attacken regelmässig aufgetreten seien bzw. auftreten würden.
4.7 Die Beschwerdeführerin reicht reichhaltiges Informationsmaterial ein, worin u.a. die
Nebenwirkungen der von ihr eingenommenen Medikamente aufgezählt werden. Die
Beschwerdeführerin verkennt dabei, dass diese Nebenwirkungen nicht zwangsläufig
bei jedem Konsum eintreten. Entscheidend ist einzig, wie der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin insgesamt ist bzw. wie die Ärzte diesen beurteilen. Die Einnahme
der zahlreichen Medikamente war den ABI-Ärzten bei ihrer Beurteilung bekannt; das
Gutachten führt die einzelnen Medikamente und die Tagesdosen einzeln auf (IV-act.
226-16). Schliesslich ist es fraglich, wieweit die Beschwerdeführerin ihre Medikamente
einnimmt. So wird im ABI-Gutachten darauf hingewiesen, dass die Blutuntersuchung
bei der Beschwerdeführerin das ihr verordnete Antidepressivum (Cipralex) und das
Medikament Lyrica nicht habe nachweisen können (IV-act. 226-21 f, 37).
4.8 Der Rüge der Beschwerdeführerin, wonach die Frage, welche Bedeutung dem
Schmerz im Zusammenhang mit der Arbeitsfähigkeit zukomme, nicht beantwortet
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worden sei, kann nicht gefolgt werden. Das ABI-Gutachten diagnostiziert u.a. ein
chronisches lumbovertebrales und zervikovertebrales Schmerzsyndrom, dessen
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit es sodann beurteilt. Auch ansonsten wird zu den
Schmerzen im Gutachten verschiedentlich Stellung genommen (S.21, 27 und 31). Zwar
wäre es namentlich mit Blick auf die E. 3.3 im Urteil des Versicherungsgerichts vom 16.
März 2010 wünschenswert gewesen, dass die Gutachter die Schmerzproblematik
zusammen mit dem Schmerzmittelkonsum ausführlicher erörtert hätten. Allein aus
diesem Grund ist aber keine ergänzende Abklärung angezeigt, zumal die
Verschlechterung im Wesentlichen auf die neurologischen Beschwerden zurückgeführt
wird.
4.9 Schliesslich enthalten auch die Berichte der Klinik O._ vom 24. April 2014 (IV-act.
247-1 ff) und von Dr. D._ vom 11. März 2014 (IV-act. 238) und vom 12. September
2013 (act. G 8.1) keine neuen Angaben oder Erkenntnisse, die am ABI-Gutachten
Zweifel wecken würden. Damit ergibt sich, dass das ABI-Gutachten vom 25. November
2013 den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige
medizinische Entscheidungsgrundlage entspricht und grundsätzlich eine zuverlässige
Beurteilungsgrundlage darstellt, so dass darauf abzustellen ist. Für weitere
medizinische Abklärungen besteht - entgegen dem Antrag der Beschwerdeführerin -
kein Anlass.
5.
Zu prüfen bleibt damit die Auswirkung der im ABI-Gutachten festgestellten
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bzw. der Invaliditätsgrad. Dabei steht nunmehr
unbestrittenermassen fest, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall zu 80%
erwerbstätig und zu 20% im Haushalt tätig wäre (vgl. Urteil vom 16. März 2010, E. 4.2,
IV-act. 138-13), die Invalidität damit nach der sog. gemischten Methode zu bestimmen
ist. Für den Erwerbsbereich ist ein Einkommensvergleich vorzunehmen (vgl. E. 3.3). Die
Beschwerdegegnerin berücksichtigte bei der Bestimmung des Validen- sowie des
Invalideneinkommens dieselbe Lohngrundlage (IV-act. 246-4). Aus den Akten ergeben
sich keine Hinweise, welche gegen diese Vorgehensweise sprechen würden. Das
Bundesgericht nimmt in derartigen Fällen, wo zur Bestimmung des Validen- und
Invalideneinkommens dieselbe Vergleichsgrösse herangezogen wird, einen
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Prozentvergleich vor. Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung des Abzugs vom Tabellenlohn (Urteil des
Bundesgerichts vom 9. März 2007, I 697/05, E. 5.4 mit Hinweis). Nach der
Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt werden, um
dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu
verwerten in der Lage sind. Dabei hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen - auch von invaliditätsfremden Faktoren - des konkreten Einzelfalles ab
(namentlich leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad). Diese Faktoren sind nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft auf maximal 25% zu schätzen (BGE 126 V 79
E. 5b, bestätigt in AHI 2002 S. 62 und BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen).
Schliesslich ist die Invalidität im Bereich Haushalt aufgrund der gutachterlichen
Einschätzungen zu bemessen, zumal die Beschwerdegegnerin auf eine (erneute)
Abklärung der Verhältnisse an Ort und Stelle verzichtet hat.
5.1 Im ABI-Gutachten vom 25. November 2013 wird unter Hinweis auf das erste
Gutachten vom 31. August 2010 festgehalten, bei der Beschwerdeführerin bestehe seit
(Dezember) 2003 für körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten eine
(vollständige) Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 226-37 und IV-act. 159-27). Für körperlich
leichte, adaptierte Tätigkeiten sei bis zur Operation im Oktober 2008 auf die
gutachterliche Einschätzung der MGSG abzustellen (75% Arbeitsfähigkeit in adaptierter
Tätigkeit, 30% Arbeitsunfähigkeit im Haushalt ab Beurteilungszeitpunkt). Nach der
Operation im Oktober 2008 habe für 6 Monate vollständige Arbeitsunfähigkeit
vorgelegen. Danach sei adaptiert von einer leicht höheren Arbeitsunfähigkeit von 30%
auszugehen, während im Haushalt mit teilweise mittelschwerer körperlicher Belastung,
jedoch Möglichkeit zu vermehrten Pausen und selbständigem Einteilen des Pensums
eine Einschränkung von 40% bestehe (IV-act. 159-27). Diese Einschätzung wurde im
ABI-Gutachten vom 25. November 2013 ausdrücklich bestätigt (IV-act. 226-37). In der
Gesamtbeurteilung wird sodann festgehalten, dass nach der Operation im März 2013
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bis September 2013 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe. Seither sei
für adaptierte Tätigkeiten und im Haushalt eine Arbeitsunfähigkeit von 50% gegeben.
5.1.1 Daraufhin sprach die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin ab 1. März
2013 eine ganze Rente und ab 1. Dezember 2013 eine halbe Rente zu. Einerseits ging
sie (ohne Begründung) davon aus, dass die Wartezeit am 1. Mai 2009 eröffnet worden
sei; andererseits hielt sie fest, die Beschwerdeführerin sei seit Dezember 2003 in ihrer
angestammten Tätigkeit als Mitarbeiterin Bäckerei und Reinigungsangestellte nicht
mehr arbeitsfähig (IV-act. 246-3).
5.1.2 Die Beschwerdeführerin beantragt "ab wann rechtens", spätestens ab 1.
November 2011 eine ganze Rente. Gemäss ABI-Gutachten habe eine halbjährige
vollständige Arbeitsunfähigkeit auch ab Mitte November 2011 bestanden. Zudem wäre
eine allfällige Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt angesichts der
Vielfalt ihrer Einschränkungen nicht verwertbar. Zumindest wäre ein Leidensabzug von
25% angebracht (act. G 1).
5.2 Nachfolgend zu prüfen ist zunächst der Rentenanspruch im zeitlichen Verlauf,
nachdem sich die Beschwerdeführerin im August 2006 bei der Invalidenversicherung
angemeldet hat, bislang keine rechtskräftige Verfügung vorliegt und zuvor wie auch
seither verschiedene Operationen durchgeführt wurden, die jeweils für längere Zeit zu
vollständiger Arbeitsunfähigkeit geführt haben. So wurden in den ABI-Gutachten
explizit für die Wirbelsäulenoperationen im Oktober 2008, im November 2011 und im
März 2013 postoperativ für längstens je sechs Monate eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit bestätigt (IV-act. 159-27, 226-37 und 27). Wie die
Beschwerdeführerin zu Recht geltend macht, gilt dies auch für die Operation vom
November 2011, nachdem der Orthopäde Dr. O._ explizit für diese Operation eine
postoperative Rehabilitationsphase von längstens sechs Monaten angenommen hatte
(IV-act. 226-27). Dass schliesslich in der Gesamtbeurteilung nur die Operation vom
März 2013 genannt wird, muss auf einem Versehen beruhen, findet sich doch in der
Gesamtbeurteilung keine andere Einschätzung (IV-act. 226-37). Was die Zeit vor der
Operation im Oktober 2008 betrifft, wird im ersten ABI-Gutachten erklärt, dass der
zeitliche Verlauf retrospektiv nicht festgelegt werden könne. Es müsse aber
angenommen werden, dass während den perioperativen Phasen jeweils "sicher eine
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volle Arbeitsunfähigkeit" auch für geeignete Tätigkeiten bestanden habe, von jeweils
unterschiedlicher Dauer (IV-act. 159-24). Darüber hinaus wird in diesem Gutachten die
Beurteilung durch die MGSG bis zur Operation im Oktober 2008 bestätigt (IV-act.
159-27). Im Gutachten der MGSG vom 7. Januar 2008 wird festgehalten, dass die
Beschwerdeführerin vom 15. Dezember 2003 bis 30. Juni 2004 und "vom 26.05. bis auf
weiteres 100%" in der angestammten Tätigkeit arbeitsunfähig gewesen sei (IV-act.
81-7). Damit dürfte Dr. P._ Bezug auf die echtzeitlichen Atteste von Dr. L._ Bezug
genommen haben. Dieser hatte nämlich am 19. Dezember 2006 die
Beschwerdeentwicklung seit Juni 2003 ausführlich geschildert. Danach war die
Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit vom 15. Dezember 2003 bis 30.
Juni 2004 und erst wieder ab 26. Mai 2005 zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 62-1). Ab
"Juni 2004" formulierten die ABI-Gutachter bzw. der Orthopäde Dr. P._ (IV-act. 81-8)
quantitative und qualitative Einschränkungen für die angestammte und adaptierte
Tätigkeit. Im Licht der ABI-Gutachten lässt sich diese Beurteilung nur so verstehen,
dass ab Juni 2004 grundsätzlich eine adaptierte Tätigkeit von (jedenfalls) 75%
zumutbar gewesen wäre (im Haushalt Einschränkung von 30%) und dass ab 26. Mai
2005 sowie postoperativ nach den (weiteren vergleichbaren) Wirbelsäulenoperationen
vom 16. November 2005, 18. Januar 2006 und 31. Oktober 2006 - aufgrund der
Beurteilungen in den ABI-Gutachten jeweils für längstens 6 Monate - von einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist. Der Hinweis in den ABI-Gutachten,
wonach für die angestammte Tätigkeit (verstanden als körperlich schwere bzw.
mittelschwere Tätigkeit) bereits ab Dezember 2003 durchgehend von einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei (IV-act. 159-27, vgl. auch IV-act.
226-37), dürfte insoweit einem Versehen zuzuschreiben sein, zumal die ABI-Gutachter
die Beurteilung des Orthopäden P._ bis zur Operation im Oktober 2008 für zutreffend
halten und zusätzlich auf früher attestierte Arbeitsunfähigkeiten verweisen (IV-act.
159-27). Schliesslich war die Beschwerdeführerin bis Juni 2005 auch noch
erwerbstätig, wenn auch im bescheidenen Umfang (vgl. IV-act. 54-2 und 53), so dass
eine durchgehende, vollständige Arbeitsunfähigkeit seit Dezember 2003 nicht plausibel
erscheint.
5.3 Zusammenfassend ist bezüglich der angestammten Tätigkeit eine
ununterbrochene, andauernde 100% Arbeitsunfähigkeit seit 26. Mai 2005 anzunehmen.
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Für adaptierte Tätigkeiten und im Haushalt ist von folgenden Einschränkungen (AUF)
auszugehen:
100% AUF ab 15. Dezember 2003 bis Ende Mai 2004 (Operation 20.12.2003
KSSG, Gutachten MGSG)
ab 26. Mai 2005 bis 18. Juli 2006 (Operationen 16.11.2005 und 18.1.2006
KSSG + max. 6 Monate)
ab 31. Oktober 2006 bis 30. April 2007 (Operation 31.10.2006 Dr. Oh +
max. 6 Monate)
ab 17. Oktober 2008 bis 30. April 2009 (Operation 17.10.2008
Dr. D._, ABI-Gutachten 2010)
ab 15. November 2011 bis 31. Mai 2012 (Operation 15.11.2011
Dr. D._, ABI-Gutachten 2013)
ab 25. März 2013 bis 30. August 2013 (Operation 25.3.2013 Dr. D._,
ABI-Gutachten 2013)
25%/30% AUF ab 1. Juni 2004 (Gutachten MGSG)
ab 19. Juli 2006
ab 1. Mai 2007 bis 16. Oktober 2008
30%/40% AUF ab 1. Mai 2009 bis 14. November 2011 (ABI-Gutachten 2010)
ab 1. Juni 2012 bis 24. März 2013
50% AUF seit 1. September 2013 (ABI-Gutachten 2013)
5.4
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5.4.1 Der Rentenanspruch entsteht frühestens und nach Ablauf eines sog. Wartejahres
(Art. 28 Abs. 1 lit. b und c IVG). Die Wartezeit gilt als eröffnet, sobald eine
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20% vorliegt (AHI 1998 S. 124 E. 3c). Massgebend
ist dabei die Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf (vgl. die Bundesgerichtsentscheide
i/S H. vom 21. Oktober 2013, 8C_174 und 178/13, und i/S P. vom 27. Dezember 2007,
9C_684/07). Auch vor der Anmeldung liegende Zeiten von Arbeitsunfähigkeit sind zu
berücksichtigen (vgl. BGE 121 V 264 E. 6). Bezüglich Rentenbeginn war bis 31.
Dezember 2007 die Regelung von Art. 48 IVG in Kraft. Danach wurden die Leistungen
regelmässig für die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate ausgerichtet, wenn
sich eine versicherte Person mehr als 12 Monate nach Entstehen des Anspruchs
angemeldet hatte (Art. 48 Abs. 2 aIVG).
5.4.2 Bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente
ist nach der Rechtsprechung nebst der Revisionsbestimmung des Art. 17 Abs. 1 ATSG
die Bestimmung über die Änderung des Leistungsanspruchs bei einer Verbesserung
der Erwerbsfähigkeit (Art. 88a Abs. 1 IVV) analog anzuwenden (Urteil des
Bundesgerichts vom 10. Februar 2012, 8C_670/2011, E. 5.1 mit weiteren Hinweisen).
Danach ist eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, zu berücksichtigen, sobald diese ohne wesentliche
Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird
(Abs. 1). Eine Verschlechterung dieser Fähigkeiten ist ebenfalls zu berücksichtigen,
sobald sie ohne wesentlichen Unterbruch drei Monate gedauert hat (Abs. 2).
Schliesslich regelt Art. 29 IVV das Wiederaufleben der Invalidität nach Aufhebung
einer Rente. Danach ist keine neue Wartezeit zu bestehen, wenn eine Rente in den
folgenden drei Jahren wegen einer auf dasselbe Leiden zurückzuführenden
Arbeitsunfähigkeit erneut ein rentenbegründendes Ausmass erreicht.
5.5
5.5.1 Wie ausgeführt ist aufgrund der gutachterlichen Beurteilung bzw. gestützt auf das
echtzeitliche Attest von Dr. L._ davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin seit
dem 26. Mai 2005 in der angestammten Tätigkeit bleibend zu 100% arbeitsunfähig ist.
Somit wurde das Wartejahr im Mai 2005 eröffnet und ist im Mai 2006 abgelaufen.
Damals war die Beschwerdeführerin auch in adaptierter Tätigkeit zu 100%
bis
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arbeitsunfähig, und zwar bis 18. Juli 2006 (6 Monate nach der Operation vom 18.
Januar 2006). Am 31. Oktober 2006 wurde die Beschwerdeführerin erneut operiert und
blieb bis 30. April 2007 vollständig arbeitsunfähig. Unbestrittenermassen ist ein ganzer
Rentenanspruch gegeben, soweit die Beschwerdeführerin in adaptierter Tätigkeit
während längerer Zeit vollständig arbeitsunfähig war, beträgt doch der Erwerbsanteil
80%. Unter Berücksichtigung von Art. 88a Abs. 1 IVV und mit Blick auf die
Vorauszahlungspflicht von Rentenleistungen für den ganzen Kalendermonat (Art. 19
Abs. 3 ATSG) ist demnach ein Anspruch auf eine ganze Rente vom 1. Mai 2006 bis 31.
Juli 2007 gegeben.
5.5.2 Danach bis zur Operation vom 17. Oktober 2008 ist im Erwerbsbereich von einer
Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit von 75% und im Aufgabenbereich von 70%
auszugehen (vgl. E. 5.3). Diese Einschränkungen begründen keinen Rentenanspruch.
Gemäss den beiden ABI-Gutachten ist die Beschwerdeführerin in einer angepassten
Tätigkeit auf vermehrte Pausen angewiesen (pro Stunde 15 Minuten) und verfügte
darüber hinaus über ein leicht vermindertes Rendement. Mithin wirkte sich die
gesundheitliche Einschränkung auch im Teilpensum von 80% gleicher Massen wie bei
einem 100% Pensum aus (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 20. Dezember 2013,
8C_428/2013, E 4.3). Damit ist im Erwerbsbereich ohne Tabellenlohnabzug eine
Teilinvalidität von 20% gegeben (25% x 80%). Ein Tabellenlohnabzug ist zwar
angesichts der zahlreichen und verschiedenartigen Einschränkungen (leichte Tätigkeit,
Schwerhörigkeit, Dysarthrie, neurologische Defizite) offensichtlich ausgewiesen. Mehr
als 20% ist indessen auch mit Blick auf das Alter der Beschwerdeführerin und ihren
bisherigen Werdegang nicht anzunehmen. Wird ein Abzug von maximal 20%
berücksichtigt, so ergibt sich im Erwerbsbereich eine Teilinvalidität von 32% (80% -
[75%x80%x0.8]). Dazu kommt die Einschränkung im Haushalt von 6% (30%x20%),
insgesamt somit maximal 38%. Mithin besteht keine rentenbegründende Invalidität
mehr ab 1. August 2007.
5.5.3 Am 17. Oktober 2008 wurde die Beschwerdeführerin ein weiteres Mal an der
Wirbelsäule operiert. Bis 30. April 2009 ist gemäss den ABI-Gutachtern erneut von
einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Das bedeutet, dass die Invalidität
im Sinne von Art. 29 IVV wieder auflebt (vgl. auch Rz 4011 des vom Bundesamt für
Sozialversicherung herausgegebenen Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit
bis
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in der IV, in der ab 1. Januar 2008 geltenden Fassung) und unter Berücksichtigung von
Art. 88a Abs. 1 IVV vom 1. Oktober 2008 bis 31. Juli 2009 erneut ein Anspruch auf eine
ganze Rente besteht.
5.5.4 Danach bis zur nächsten Operation im November 2011 ist gemäss ABI-Gutachten
eine leicht höhere Arbeitsunfähigkeit von 30% im Erwerb und eine Einschränkung im
Aufgabenbereich von 40% gegeben. Damit ergibt sich bei einem Tabellenlohnabzug
von 20% nachfolgende Rechnung: Der Prozentvergleich ergibt eine Teilinvalidität von
35% (80%- [70%x80%x0.8]. Zusammen mit der Einschränkung im Aufgabenbereich
von 8% (40%x20%) resultiert eine Gesamtinvalidität von 43%. Ab 1. August 2009 ist
damit ein Anspruch auf eine Viertelsrente gegeben.
5.6 Ab 15. November 2011 bis 31. Mai 2012 besteht erneut eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit; vom 1. Juni 2012 bis zur Operation vom 25. März 2013 ist erneut
von einer Arbeitsunfähigkeit von 30% im Erwerb und einer Einschränkung im Haushalt
von 40% auszugehen. Entsprechend Art. 88a Abs. 1 IVV ist damit ein Anspruch auf
eine ganze Rente ab 1. März 2012 bis 31. August 2012 und anschliessend ab 1.
September 2012 erneut der Anspruch auf eine Viertelsrente gegeben.
5.7 Gemäss ABI-Gutachten ist vom 25. März 2013 bis 31. August 2013 wiederum von
einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen und seit 1. September 2013 von
einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit im Erwerb und 50%igen Einschränkung im Haushalt.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, diese (bestrittene) Restarbeitsfähigkeit von
50% sei angesichts der vielen Einschränkungen auf dem hypothetischen Arbeitsmarkt
nicht mehr verwertbar. Soweit sie dabei Zitterattacken mit Gehunsicherheit behauptet,
fehlen medizinische Grundlagen, wonach solche Attacken regelmässig vorkommen
(vgl. vorne E. 4.6.2). Hingegen trifft es zu, dass der neurologische Gutachter von einer
Vielzahl von Leistungseinschränkungen und Ausschlüssen spricht (IV-act. 226-31).
Indessen werden in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung keine übermässigen
Anforderungen an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und
Verdienstaussichten gestellt (vgl. BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob eine
Arbeitsfähigkeit noch realistischerweise verwertbar ist, hängt von den persönlichen und
beruflichen Gegebenheiten ab. Wird das letzte Gutachten vom 25. November 2013 als
massgebender Zeitpunkt erachtet (vgl. BGE 138 V 457 E. 3.3 f.), so war die
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Beschwerdeführerin damals _ Jahre alt. Bis zur Pensionierung lag vor ihr noch eine
relativ lange Zeitspanne von mehr als _ Jahren. Nachdem die Beschwerdeführerin
keinen Beruf erlernt hat, entfällt für sie auch ein erheblicher Umstellungs- und
Einarbeitungsaufwand. Wohl bestehen sowohl in orthopädischer Hinsicht wie in
neurologischer Hinsicht erhebliche Einschränkungen. So hielt der orthopädische
Gutachter entsprechend dem Vorgutachten einen vermehrten Pausenbedarf bei
ganztägigem Einsatz von 15 Minuten pro Stunde und leicht reduziertem Rendement in
einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit für gegeben (IV-act. 159-27 und 226-27).
Der neurologische Gutachter schloss Tätigkeiten mit Anforderungen an das
Gleichgewichtsvermögen oder überwiegend im Stehen oder Gehen ausgeübte
Tätigkeiten aus. Auch Arbeiten, welche beidhändige besondere Anforderungen an die
Feinmotorik stellen, seien unmöglich. Die Schwerhörigkeit und die Dysarthrie
schränkten Tätigkeiten mit Publikumsverkehr ein (IV-act. 226-31). Dass diese
insgesamt zwar erheblichen Einschränkungen, die teils in die
Arbeitsfähigkeitsschätzung eingeflossen sind, darüber hinaus jede Hilfstätigkeit als
realistischerweise nicht mehr verwertbar machen würden, ist dennoch nicht
anzunehmen. Immerhin dürften leichte Kontroll- bzw. leichte Hilfstätigkeiten in Industrie
und Gewerbe möglich bleiben.
5.8 Ist grundsätzlich von der Verwertbarkeit der 50%igen Restarbeitsfähigkeit
auszugehen, so bleibt die entsprechende Invalidität im Rahmen der gemischten
Methode zu bemessen. Weiterhin ist auch ein Tabellenlohnabzug von (maximal) 20%
zu berücksichtigen, sind doch die insgesamt erheblichen Einschränkungen teilweise in
die Arbeitsfähigkeit eingeflossen und können nicht nochmals reduzierend
berücksichtigt werden. Die 50%ige Einschränkung führt bei einem Tabellenlohnabzug
von 20% zu einer Teilinvalidität im Erwerb von 48% (80% - [50%x80%x0.8] und zu
einer Teilinvalidität im Haushalt von 10% (50%x20%), d.h. zu einer Gesamtinvalidität
von 58%. Unter Berücksichtigung von Art. 88a Abs. 1 IVV ist somit (um drei Monate
verzögert) ein Anspruch auf eine ganze Rente vom 1. Juli 2013 bis 30. November 2013
gegeben und seit 1. Dezember 2013 der verfügte Anspruch auf eine halbe Rente.
6.
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6.1 Die Beschwerde ist damit teilweise gutzuheissen und der Beschwerdeführerin ist
vom 1. Mai 2006 bis 31. Juli 2007 und vom 1. Oktober 2008 bis 31. Juli 2009 eine
ganze Rente, vom 1. August 2009 bis 29. Februar 2012 eine Viertelsrente, vom 1. März
2012 bis 31. August 2012 erneut eine ganze Rente, vom 1. September 2012 bis 30.
Juni 2013 eine Viertelsrente, vom 1. Juli 2013 bis 30. November 2013 wiederum eine
ganze Rente zuzusprechen. Seit 1. Dezember 2013 besteht der (verfügte) Anspruch auf
eine halbe Rente. Die Sache ist zur Festsetzung und Ausrichtung der geschuldeten
Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.2
6.2.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Praxisgemäss ist die Gerichtsgebühr für
das vorliegende Verfahren auf Fr. 600.-- festzulegen. Da die Beschwerde einzig für
rückliegende Zeiten gutzuheissen ist, rechtfertigt es sich, die Gerichtskosten hälftig auf
die Parteien zu verlegen. Vom geleisteten Kostenvorschuss ist damit der
Beschwerdeführerin der Betrag von Fr. 300.-- zurückzuerstatten.
6.2.2 Da die Beschwerdeführerin teilweise obsiegt, hat sie einen reduzierten Anspruch
auf eine Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen und
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht pauschal Fr.
1'000.-- bis Fr. 12'000.-- (Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO; sGS 963.75). Der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin hat keine Kostennote eingereicht. Aufgrund der Bedeutung der
Streitsache und dem Aufwand wäre bei vollständigem Obsiegen eine
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
gesprochen worden. Aufgrund des teilweisen Obsiegens ist ihr damit eine
Parteientschädigung von Fr. 1'750.-- zuzusprechen. Eine Entschädigung wegen
Mehraufwand wegen unsorgfältiger Aktenführung ist aus denselben Gründen wie im
Rückweisungsurteil vom 17. Dezember 2012 nicht ausgewiesen, auch wenn
einzuräumen ist, dass die Aktenführung der Beschwerdegegnerin zusammen mit dem
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nicht aussagekräftigen Aktenverzeichnis zu bemängeln ist, wie die Beschwerdeführerin
zu Recht festhält (Beschwerde S. 10).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP