Decision ID: 87dfbfff-ce22-5d10-9842-6c746739e299
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin verliess Eritrea gemäss eigenen Angaben zusam-
men mit ihrer Grossmutter B._ (Beschwerdeführerin im Verfahren
E-241/2020), ihrer Mutter C._ und ihrem damals minderjährigen
Bruder D._ (Beschwerdeführende im Verfahren E-236/2020) sowie
ihren weiteren Geschwistern E._ (Beschwerdeführer im Verfahren
E-242/2020) und F._ (Beschwerdeführerin im Verfahren
E-234/2020) am 20. Dezember 2014 illegal in Richtung Sudan. Von dort
aus reiste sie ein Jahr später via Libyen nach Europa und gelangte am 3.
Mai 2016 in die Schweiz, wo sie am 16. Mai 2016 im damaligen Empfangs-
und Verfahrenszentrum G._ um Asyl nachsuchte. Am 26. Mai 2016
wurde sie summarisch zu ihrer Person befragt (BzP; Protokoll in den SEM-
Akten A10/11) und am 5. Oktober 2018 vertieft zu ihren Asylgründen ange-
hört (Anhörung; Protokoll in den SEM-Akten A27/12).
B.
Im Rahmen der Befragungen machte die Beschwerdeführerin geltend, An-
fang 2009 sei ihr Vater zu Hause festgenommen worden. Im (...) 2014 habe
die Familie erfahren, dass ihr Vater gestorben sein soll. Anlässlich der da-
rauffolgenden Trauertage sei die Polizei zu ihnen nach Hause gekommen,
habe ihre Mutter festgenommen und während einer Woche inhaftiert.
Nachdem sie wieder freigelassen worden sei, seien Männer in Abwesen-
heit der Mutter bei ihnen zu Hause vorbeigekommen und hätten sie und
ihre Geschwister danach gefragt, wer sie über den Tod ihres Vaters infor-
miert habe. Die Männer hätten sie und ihre Grossmutter auch geschlagen.
Kurz darauf habe die ganze Familie das Land verlassen.
C.
C.a Mit Verfügung vom 28. November 2018 – eröffnet am 29. November
2018 – stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlings-
eigenschaft zufolge Unglaubhaftigkeit der Fluchtgründe nicht, lehnte ihr
Asylgesuch ab und ordnete ihre Wegweisung aus der Schweiz sowie den
Vollzug an. Zudem hielt es fest, es sei nicht glaubhaft, dass die Beschwer-
deführerin in Eritrea sozialisiert worden sei, und aufgrund der damit einher-
gehenden Verletzung der Mitwirkungspflicht sei eine sinnvolle Prüfung der
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nicht möglich.
C.b Mit gleichentags datierten vier weiteren Verfügungen stellte das SEM
auch betreffend die Grossmutter, die Mutter und die Geschwister der Be-
schwerdeführerin fest, sie erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte
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ihre Asylgesuche ab und ordnete ihre Wegweisung aus der Schweiz sowie
den Vollzug an. Die Asylgründe sämtlicher Familienmitglieder – welche
sich alle auf die Vorbringen der Mutter der Beschwerdeführerin stützten –
erachtete das SEM als unglaubhaft. Zudem stellte es auch hinsichtlich der
Geschwister E._ und F._ der Beschwerdeführerin fest, es
sei ebenfalls nicht von der Sozialisierung in Eritrea auszugehen.
D.
D.a Gegen die Verfügung vom 28. November 2018 erhob die Beschwerde-
führerin durch ihren Rechtsvertreter am 28. Dezember 2018 Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht. Ihre Grossmutter, ihre Mutter und ihre
Geschwister machten gleichentags ebenfalls Beschwerden beim Bundes-
verwaltungsgericht anhängig.
D.b Mit Urteil in den vereinigten Verfahren E-7427/2017, E-7430/2018 und
E-7432/2018 vom 11. Juli 2019 hiess das Bundesverwaltungsgericht die
Beschwerden der Beschwerdeführerin und ihrer Geschwister E._
und F._ gut und wies die Sache zur Neubeurteilung und neuem Ent-
scheid an das SEM zurück. Zur Begründung führte das Gericht im Wesent-
lichen aus, die Annahmen der Vorinstanz betreffend die festgestellte Mit-
wirkungspflichtverletzung seien nicht hinreichend nachvollziehbar und die
in Frage gestellte Sozialisierung sei mit dem Untersuchungsgrundsatz und
dem Anspruch auf rechtliches Gehör nicht vereinbar. Mithin sei die Herkunft
durch das SEM mit geeigneten Mitteln weiter abzuklären.
D.c Nachdem das Bundesverwaltungsgericht das SEM im Verfahren der
Grossmutter, der Mutter und des damals minderjährigen Bruders
D._ unter Hinweis auf das erwähnte Urteil einlud, eine Vernehmlas-
sung einzureichen, hob dieses auch die Verfügungen vom 28. November
2018 betreffend diese Familienmitglieder der Beschwerdeführerin mit Ver-
fügungen vom 8. August 2019 auf und nahm die erstinstanzlichen Verfah-
ren wieder auf. Das Bundesverwaltungsgericht schrieb die Beschwerde-
verfahren daraufhin mit Urteilen vom 14. August 2019 zufolge Gegen-
standslosigkeit ab.
E.
E.a Im Laufe des wiederaufgenommenen Asylverfahrens führte das SEM
Lingua-Analysen durch, die ergaben, dass die Beschwerdeführerin und
ihre Geschwister definitiv in Eritrea sozialisiert worden seien (vgl. betref-
fend die Beschwerdeführerin A57/8).
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Seite 4
E.b Mit Verfügung vom 12. Dezember 2019 stellte das SEM erneut fest,
die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft zufolge Unglaub-
haftigkeit der Fluchtgründe nicht, lehnte das Asylgesuch ab und ordnete
die Wegweisung aus der Schweiz an (Dispositivziffern 1–3). Den Vollzug
der Wegweisung erachtete es jedoch als unzumutbar, weshalb es die Be-
schwerdeführerin vorläufig in der Schweiz aufnahm (Dispositivziffern 4–6).
E.c Mit drei weiteren Verfügungen vom 12. Dezember 2019 betreffend die
Grossmutter, die Mutter und den Bruder D._ sowie ihre volljährige
Schwester F._ verneinte das SEM das Bestehen der Flüchtlingsei-
genschaft, wies die Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung an,
schob deren Vollzug jedoch ebenfalls zu Gunsten einer vorläufigen Auf-
nahme in der Schweiz auf. Betreffend den volljährigen Bruder E._
stellte das SEM die Flüchtlingseigenschaft zufolge subjektiver Nachflucht-
gründe fest, wies das Asylgesuch ab, ordnete die Wegweisung an und
nahm ihn als Flüchtling vorläufig in der Schweiz auf.
F.
F.a Die Beschwerdeführerin erhob gegen die Verfügung vom 12. Dezem-
ber 2019 mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 13. Januar 2020 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragte, die Verfügung
des SEM sei betreffend die Dispositivziffern 1–3 aufzuheben, es sei ihre
Flüchtlingseigenschaft festzustellen und die Vorinstanz anzuweisen, ihr
Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen
und die vorläufige Aufnahme als Flüchtling anzuordnen, subeventualiter sei
die Vorinstanz anzuweisen, die vorläufige Aufnahme wegen Unzulässigkeit
des Wegweisungsvollzugs anzuordnen. In prozessualer Hinsicht ersuchte
die Beschwerdeführerin um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses, Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Beiord-
nung ihres Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand. Ferner bean-
tragte sie die koordinierte Behandlung ihres Beschwerdeverfahrens mit
den weiteren Verfahren ihrer Familie.
Zum Beweis ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin einen Mitglie-
derausweis und ein Bestätigungsschreiben des H._ vom 4. Januar
2020 zu den Akten.
F.b Auch die Grossmutter, die Mutter und die volljährigen Geschwister der
Beschwerdeführerin gelangten mit vier separaten Beschwerden an das
Bundesverwaltungsgericht und beantragten insbesondere – soweit nicht
bereits geschehen – die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die
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Gewährung von Asyl. Die Verfahren werden unter den Verfahrensnummern
E-241/2020 (B._), E-236/2020 (C._ und D._), E-
242/2020 (E._) und E-234/2020 (F._) geführt.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 12. Februar 2020 hiess die Instruktionsrichte-
rin das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung – unter Vorbehalt einer
nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse – sowie das Ge-
such um Beiordnung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung gut und setzte
den mandatierte Rechtsvertreter als amtlichen Rechtsbeistand ein. Zudem
lud sie die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.
H.
Das SEM führte mit Vernehmlassung vom 20. Februar 2020 im Wesentli-
chen aus, die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsa-
chen oder Beweismittel, welche eine Änderung seines Standpunktes recht-
fertigen könnten.
I.
Am 24. März 2020 reichte die Beschwerdeführerin eine Replik ein. Über-
dies gab sie als weiteres Beweismittel betreffend ihr exilpolitisches Enga-
gement ein Schreiben des I._ vom 10. Februar 2020 zu den Akten.
J.
Mit Eingabe vom 22. Dezember 2021 teilte die Beschwerdeführerin dem
Gericht mit, sie habe am 20. September 2021 ein siebenmonatiges Prakti-
kum begonnen. Sie legte der Eingabe eine Anstellungsverfügung bei.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – end-
gültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 2016
3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das alte Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie
ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und
aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
diese ist – mit der nachfolgenden Ausnahme – einzutreten.
1.4 Nach konstanter Praxis des Bundesverwaltungsgerichts sind die Be-
dingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung (Unzuläs-
sigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit) alternativer Natur. Sobald eine
von ihnen erfüllt ist, ist der Wegweisungsvollzug als undurchführbar zu be-
trachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Bestim-
mungen der vorläufigen Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4).
Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung die vorläufige Auf-
nahme der Beschwerdeführerin zufolge Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs angeordnet. Hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs respek-
tive der Anordnung der Ersatzmassnahme der vorläufigen Aufnahme ist die
Beschwerdeführerin nach dem Gesagten nicht beschwert, weshalb auf den
diesbezüglichen Antrag nicht einzutreten ist.
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Seite 7
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich vorliegend nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Aufgrund des engen sachlichen und persönlichen Zusammenhangs wird
das vorliegende Verfahren mit den Beschwerdeverfahren betreffend die
Grossmutter, die Mutter und die Geschwister der Beschwerdeführerin
(E-241/2020, E-236/2020, E-234/2020, E-242/2020) antragsgemäss koor-
diniert behandelt.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält (Art. 7 AsylG).
4.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – insbesondere durch politische Exil-
aktivitäten – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht
sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG gel-
tend. Begründeter Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung besteht dann,
wenn der Heimat- oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit
von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei
einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt würde
(vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1). Dabei muss hinreichend Anlass zur Annahme
bestehen, die Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
und in absehbarer Zukunft verwirklichen – eine bloss entfernte Möglichkeit
künftiger Verfolgung genügt nicht (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2). Subjektive
Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von
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Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des
Asyls. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe
nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig auf-
genommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
5.
5.1 Das SEM begründet die angefochtene Verfügung insbesondere damit,
dass sich die Ausreisegründe der Beschwerdeführerin ausschliesslich auf
diejenigen ihrer Mutter stützen würden. Da deren Asylgründe jedoch als
unglaubhaft erachtet würden, werde den Vorbringen der Beschwerdefüh-
rerin die Grundlage entzogen. Überdies seien ihre Aussagen widersprüch-
lich und oberflächlich ausgefallen. So habe sie bei der BzP angegeben, sie
selber habe keine Probleme mit den Behörden gehabt (A10 Ziff. 7.02). Bei
der Anhörung habe sie hingegen vorgebracht, nach der Entlassung ihrer
Mutter aus der Haft seien unbekannte Männer zu ihnen nach Hause ge-
kommen und hätten die Beschwerdeführerin und ihre Geschwister ge-
schlagen (A27 F49, 55). Ferner habe sie die geltend gemachte Verhaftung
ihrer Mutter oberflächlich beschrieben (ebd. F46 ff.). Der Mangel an Sub-
stanz in ihren Schilderungen vermittle nicht den Eindruck, dass sie das Ge-
schilderte selbst erlebt habe. Demzufolge seien ihre Asylvorbringen als un-
glaubhaft einzustufen.
5.2 Diesen Erwägungen hält die Beschwerdeführerin im Wesentlichen ent-
gegen, sie und ihre Geschwister hätten das für die Flucht ausschlagge-
bende Ereignis – die Verhaftung, Folterung und Vergewaltigung ihrer Mut-
ter – bereits bei der BzP geltend gemacht, obwohl diese nicht der Abklä-
rung der Fluchtgründe diene, sondern summarischen Charakter habe.
Dass sie einzelne Aussagen erst im späteren Verlauf des Verfahrens ge-
macht hätten, mache diese nicht unglaubhaft. Zudem sei nicht unüblich,
dass traumatische Erlebnisse von Betroffenen unter Umständen erst an
der Anhörung geschildert würden. Die Hausdurchsuchung sei ein äusserst
traumatisches Ereignis im Leben der noch sehr jungen Kinder gewesen
und die diesbezüglichen Ausführungen daher keineswegs als nachgescho-
ben zu qualifizieren. Die Schilderungen seien überdies von Realkennzei-
chen geprägt (vgl. betreffend die Beschwerdeführerin A27 F66). Sie und
ihre Schwester F._ hätten bei ihren Anhörungen während der Schil-
derung der Festnahme ihrer Mutter mit ihren Emotionen gekämpft und im-
mer wieder geweint (vgl. A27 F46; A26 F44 [F._]), was auch die
Hilfswerkvertretung festgehalten habe. Zudem hätten alle Kinder den Tag
der Festnahme ihrer Mutter konsistent geschildert. Die Beschwerdeführe-
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Seite 9
rin und ihre Geschwister seien vor ihrer Ausreise Opfer staatlicher Repres-
salien aufgrund von Familienangehörigen geworden. Im Falle einer Rück-
kehr nach Eritrea würden ihr mit erheblicher Wahrscheinlichkeit und in ab-
sehbarer Zukunft weitere Repressalien drohen.
5.3
5.3.1 Die Beschwerdeführerin stützt sich bei der Begründung ihres Asylge-
suchs massgeblich auf die Verhaftung ihrer Mutter und die darauffolgenden
Ereignisse. Auch ihre Geschwister beziehen sich in ihren Asylgesuchen im
Wesentlichen auf die angeblichen Probleme der Mutter. Die Vorinstanz
kam im Verfahren der Mutter zum Schluss, dass ihre Fluchtgründe nicht
glaubhaft seien, da sie sich mehrfach widersprochen und unsubstanziierte
sowie stereotype Angaben gemacht habe. Die Mutter hatte gegen die Ver-
fügung ebenfalls Beschwerde erhoben, die Beschwerdeverfahren der Mut-
ter C._ und des Bruders D._ (E-236/2020) wie auch der
Grossmutter B._ (E-241/2020) werden indes mit heutigen Datums
als gegenstandslos geworden abgeschrieben, da alle drei Personen unbe-
kannten Aufenthaltes sind. Demzufolge ist die erstinstanzliche Verfügung
der Mutter, in welcher die Unglaubhaftigkeit ihrer Vorbringen festgestellt
wurde, in Rechtskraft erwachsen. Das SEM hat somit im vorliegenden Ver-
fahren zu Recht festgehalten, dass den Vorbringen der Beschwerdeführe-
rin grundsätzlich bereits die Grundlage entzogen ist.
5.3.2
5.3.2.1 Des Weiteren hat das Gericht die Akten der Familienangehörigen
antragsgemäss beigezogen und festgestellt, dass sich diverse Ungereimt-
heiten und Widersprüche aus den verschiedenen Anhörungsprotokollen er-
geben. Nach Prüfung der Akten der Beschwerdeführerin und ihrer Fami-
lienangehörigen, insbesondere ihrer Mutter, kommt das Bundesverwal-
tungsgericht zum Schluss, dass die Einwände der Beschwerdeführerin
nichts bewirken und die Feststellung des SEM, die geltend gemachten
Asylgründe seien unglaubhaft, zutrifft.
5.3.2.2 Zunächst gelangt auch das Gericht nach Durchsicht des Anhö-
rungsprotokolls der Mutter zum Schluss, dass die Schilderungen zu ihren
Ausreisegründen teilweise stereotyp und wenig substanziiert ausfielen
(A23), selbst wenn auch gewisse Realkennzeichen auszumachen sind.
Besonders ins Gewicht fallen jedoch die folgenden inkonsistenten Aussa-
gen: Zunächst gaben die Mutter und die Schwester (F._) der Be-
schwerdeführerin bei der BzP an, gemeinsam mit der Mutter seien auch
der Schwiegervater und der Schwager der Mutter festgenommen worden
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(N [...], A8 Ziff. 7.02 [C._]; A9 Ziff. 7.01 [F._]). Die Mutter
sprach diesbezüglich von einer Haftdauer von einer Woche, F._ von
«ca. 2 Wochen». Bei den Anhörungen machten sie nurmehr die Inhaftie-
rung der Mutter während einer Woche und eine spätere Festnahme von
deren Schwiegervater geltend (A21 F60, 149 f. [C._], A26 F44, F87
ff. [F._], auch zum Folgenden); F._ gab zudem im Gegen-
satz zu ihrer Mutter an, auch ihr Onkel sei nach ihrer Ausreise inhaftiert
worden. Zur Erklärung führten beide Verständigungsschwierigkeiten mit
dem Dolmetscher der BzP an (A21 F162 ff., A26 F87). Dieser Einwand
vermag jedoch nichts zu bewirken, da beide angaben, ihr Arabisch sei ne-
ben der Muttersprache Tigre genügend für die Befragung, aus den Proto-
kollen keinerlei Verständigungsschwierigkeiten ersichtlich sind und beide
die Richtigkeit ihre Angaben unterschriftlich bestätigten (A8 Ziff. 1.17, S.
10, A9 Ziff. 1.17, S. 8). Ferner gab F._ zu Protokoll, sie habe auf
Geheiss des Dolmetschers bei der BzP den Zeitrahmen von zwei Wochen
angegeben, obwohl sie es nicht gewusst habe. Dies überzeugt nicht, da
sie bei der BzP gar nicht nach der Zeitspanne der Inhaftierung gefragt wor-
den war, sondern diese spontan nannte (vgl. A9 Ziff. 7.01).
5.3.2.3 Eine weitere beachtliche Ungereimtheit findet sich in den Aussagen
des Bruders (E._) der Beschwerdeführerin, der bei der BzP noch
geltend machte, seine Mutter sei erst einen Tag nach Kenntnisnahme vom
Tod ihres Ehemannes festgenommen worden (vgl. N [...], A6 Ziff. 7.02),
während die Mutter ihrerseits ausführte, noch am selben Tag festgenom-
men worden zu sein (A9 Ziff. 7.02, A23 F72). E._ erklärte seine
Aussage bei der Anhörung unbehelflich damit, dass im Gespräch manch-
mal Dinge gemischt würden (vgl. N [...], A17 F154). Des Weiteren ist auf-
fällig, dass weder die Mutter noch die Beschwerdeführerin und ihre Ge-
schwister bei der BzP den Vorfall nach der Haftentlassung erwähnten, bei
der sämtliche Kinder erstmals direkt durch zwei Beamte behelligt, das
heisst befragt und geschlagen worden seien. Vielmehr verneinten alle aus-
drücklich, dass sie Probleme gehabt hätten, insbesondere hätten sie keine
persönlichen Probleme mit den Behörden gehabt (gehabt (A8 Ziff. 7.02 f.,
A9 Ziff. 7.01, A10 Ziff. 7.01; N [...], A6 Ziff. 7.01 f.[E._]). Erst bei der
Anhörung berichteten sie von einem solchen Vorfall, bei dem ihnen gegen-
über psychische und physische Gewalt (Schläge und Drohungen) ausge-
übt worden sein soll. Da es sich dabei um für die Beschwerdeführerin und
ihre Geschwister zentrale Ereignisse handelte, die die Ausreise auslösten,
lässt sich dieses Versäumnis nicht mit dem summarischen Charakter der
BzP erklären. Nicht nachvollziehbar ist überdies, weshalb die Mutter den
Behörden selbst unter den geltend gemachten prekären Haftbedingungen
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und Misshandlungen nicht mitteilte, wie sie vom Tod ihres Mannes erfahren
habe. Sie gibt diesbezüglich an, sie sei beim Gespräch ihres Schwiegerva-
ters mit dessen Bekanntem nicht dabei gewesen; erst zu Hause habe ihr
Schwiegervater sie informiert. Sie habe aber der Polizei nicht sagen kön-
nen, dass ihr Schwiegervater sie informiert habe (A21 F60). Dies erscheint
realitätsfremd, nachdem ihr klar sein musste, dass der ursprüngliche Infor-
mant gefragt war. E._ gab in diesem Zusammenhang ebenso wenig
verständlich an, die Beamten hätten seinem Grossvater bei einem seiner
Besuche auf dem Polizeiposten gesagt, sie wollten wissen, wer die Mutter
über den Tod ihres Mannes informiert habe (N [...], A17 F91). Nachdem
dieser die Information gehabt hatte, hätte er diese preisgeben können, statt
die Mutter weiter leiden zu lassen. E._ führte diesbezüglich aus, die
Regierung habe aber nur seine Mutter und nicht seinen Grossvater nach
dem Mann gefragt (dort F130). Auch die Mutter brachte vor, ihr Schwieger-
vater habe die Beamten angefleht, sie freizulassen, weil sie ja nichts ge-
wusst habe (A21 F124). Obgleich die eritreischen Behörden willkürlich
agieren, erweist sich die geschilderte Verfolgung in dieser Form nebst den
dargelegten Widersprüchen als nicht nachvollziehbar.
5.3.3 Nachdem sich die Beschwerdeführerin zur Begründung ihres Asylge-
suchs auf die Verhaftung ihrer Mutter und darauffolgende Ereignisse stützt,
ist eine sie betreffende erlittene oder drohende Verfolgung ebenfalls nicht
glaubhaft gemacht. Daran vermögen auch die starken Emotionen, die die
Beschwerdeführerin bei der Anhörung zeigte, nichts zu ändern; insbeson-
dere vermögen sie die in den Befragungen ihrer Mutter und ihrer Geschwis-
ter festgestellten Inkonsistenzen nicht zu erklären. Auch unter Berücksich-
tigung des jungen Alters – obschon der Bruder E._ immerhin schon
fast (...) Jahre alt war – und einer emotionalen Betroffenheit wäre zu er-
warten gewesen, dass die Geschwister zumindest ansatzweise auch auf
ihre persönlich erlittenen Behelligungen hingewiesen hätten, insbesondere
da dies – wie oben erwähnt – schliesslich das fluchtauslösende Ereignis
gewesen sei. Dass sie dies gerade alle nicht getan haben, stützt die Ein-
schätzung, die geltend gemachten Ausreisegründe seien nicht glaubhaft.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin keine Asyl-
gründe glaubhaft gemacht hat. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch somit zu
Recht abgewiesen.
6.
6.1 Mit Referenzurteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 stützte das Bun-
desverwaltungsgericht nach einer ausführlichen Quellenanalyse (a.a.O.,
E. 4.6–4.11) die Praxisänderung des SEM, wonach eine illegale Ausreise
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Seite 12
aus Eritrea für sich genommen nicht mehr zur Flüchtlingseigenschaft führt.
Ein auf asylrelevante Motive gestütztes erhebliches Risiko einer Bestra-
fung bei einer Rückkehr sei nur dann anzunehmen, wenn nebst der illega-
len Ausreise weitere Faktoren hinzuträten, welche die asylsuchende Per-
son in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige Person er-
scheinen liessen (a.a.O., E. 5.1). Das Bundesverwaltungsgericht hielt in
diesem Urteil darüber hinaus fest, dass die Möglichkeit einer Einziehung in
den Nationaldienst nach der Rückkehr asylrechtlich nicht von Relevanz sei,
weil es sich dabei nicht um eine Massnahme handle, die aus asylrechtlich
beachtlichen Motiven (vgl. Art. 3 Abs. 1 AsylG) erfolge (a.a.O., E. 5.1, zu-
letzt bestätigt mit Urteil des BVGer D-6035/2019 vom 16. April 2021
E. 4.4.5).
6.2
6.2.1 Hinsichtlich der Beschwerdeführerin hält das SEM im angefochtenen
Entscheid fest, es seien ausser der illegalen Ausreise keine Anknüpfungs-
punkte ersichtlich, die diese in den Augen des eritreischen Regimes als
missliebige Person erscheinen lassen könnte.
6.2.2 Die Beschwerdeführerin wendet ein, diese Rechtsprechung sei vor
dem Hintergrund der im Urteil erwähnten Länderinformationen nicht nach-
vollziehbar. Zudem lägen entgegen der Ansicht der Vorinstanz erschwe-
rende Faktoren vor. Ihr drohe ebenso wie ihrem Bruder E._ , der
als Flüchtling anerkannt worden sei, der Einzug in den Nationaldienst, dem
sie sich durch die Flucht entzogen habe. Sie habe nach der Festnahme
ihres Vaters im Jahr 2009 die Schule abgebrochen und im Rahmen des
Besuchs der Beamten zu Hause bereits Behördenkontakt gehabt. Der län-
gere Auslandsaufenthalt verschärfe das Risiko einer Verfolgung. Ferner sei
sie seit (...) 2016 Mitglied der Jugendbewegung H._. Sie nehme
regelmässig an Sitzungen der Organisation und an öffentlichen Veranstal-
tungen teil. Dafür schreibe sie auch Plakate für Demonstrationen und ma-
che bei Freunden und Bekannten Werbung für geplante Anlässe. Somit
habe sie sich exilpolitisch exponiert und sei mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit nicht nur ins Blickfeld des eritreischen Regimes gera-
ten, sondern auch von der eritreischen Vertretung in der Schweiz als Op-
positionelle namentlich identifiziert worden.
6.2.3 In der Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, die Beschwerdefüh-
rerin sei zum Zeitpunkt der Ausreise aus Eritrea im Gegensatz zu ihrem
Bruder E._ noch minderjährig gewesen. Mithin habe sie Eritrea vor
Erreichung des Dienstalters verlassen und sei daher nicht als Refraktärin
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zu betrachten. Hinsichtlich der exilpolitischen Aktivitäten sei festzuhalten,
dass kein Anlass zur Annahme bestehe, dass die Beschwerdeführerin vor
dem Verlassen ihres Heimatstaates als regimefeindliche Person ins Blick-
feld der eritreischen Behörden geraten oder dort in irgendeiner Form als
Regimegegnerin oder politische Aktivistin registriert worden wäre. Demzu-
folge sei auch nicht davon auszugehen, dass sie nach ihrer Ankunft in der
Schweiz unter spezieller Beobachtung seitens der eritreischen Behörden
gestanden habe. Dem Bestätigungsschreiben und dem Mitgliedsausweis
des H._ seien keine Aktivitäten zu entnehmen, mit denen sich die
Beschwerdeführerin exilpolitisch exponiert hätte. Es bestünden keinerlei
Hinweise auf Tätigkeiten, mit denen sie die Aufmerksamkeit der eritrei-
schen Sicherheitsbehörden auf sich gezogen hätte und im Weiteren vom
eritreischen Regime als konkrete Bedrohung wahrgenommen würde.
6.2.4 In der Replik bringt die Beschwerdeführerin vor, das Bundesverwal-
tungsgericht habe im Urteil D-2311/2016 vom 17. August 2017 (als Refe-
renzurteil publiziert) festgehalten, bei Personen, die Eritrea vor Vollendung
des 18. Altersjahres verlassen hätten, sei davon auszugehen, dass sie bei
einer Rückkehr zum Nationaldienst eingezogen würden. Dabei könne auch
nicht ausgeschlossen werden, dass sie aussergerichtlich und willkürlich
bestraft würden, weil sie sich nicht für den Dienst bereitgehalten hätten
(a.a.O., E. 13.2). Die Beschwerdeführerin befinde sich heute im militär-
dienstpflichtigen Alter, habe die Schule abgebrochen und dieser Abbruch
sei den zuständigen Behörden auch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
gemeldet worden. Ihr Fall sei vergleichbar mit der Konstellation im Verfah-
ren E-1523/2018 (Urteil vom 28. November 2019, dort insb. E. 8.7), bei
dem bei einer minderjährigen Schulabbrecherin, die wegen der Desertion
ihres Vaters inhaftiert worden sei, illegal ausgereist sei und deren in der
Schweiz lebenden Brüder von den eritreischen Behörden als Regimegeg-
ner angeschaut worden sei, zusätzliche Faktoren im Sinne der Rechtspre-
chung bejaht worden seien. Überdies würden die eritreischen Behörden –
für die Geburtsdaten und Altersangaben nicht dieselbe Wichtigkeit hätten
wie dies in Europa der Fall sei – sicherlich nicht zwischen den Geschwis-
tern E._, F._ und der Beschwerdeführerin unterscheiden,
von denen bei der Ausreise einer knapp volljährig und die anderen noch
minderjährig gewesen seien. Vielmehr seien alle Geschwister Teil einer Fa-
milie von Regimegegnern und bei einer Rückkehr nun im militärfähigen Al-
ter. Das Schreiben des I._ vom 10. Februar 2020, das die Flucht-
gründe der Familie bestätige und die Beschwerdeführerin als aktives Mit-
glied des H._ ausweise, belege sodann die Gefährdung aufgrund
ihres exilpolitischen Engagements.
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6.3 Die von der Beschwerdeführerin geübte Kritik an der Praxis des Bun-
desverwaltungsgerichts vermag die gefestigte und koordinierte Rechtspre-
chung nicht in Frage zu stellen. Sodann ist die Gefahr einer drohenden
Reflexverfolgung nicht glaubhaft gemacht (vgl. vorne E. 5.3) und kann
demnach auch nicht zu einer Profilschärfung führen. Soweit die Beschwer-
deführerin geltend macht, im Falle einer Rückkehr in den Nationaldienst
eingezogen zu werden, erweist sich dies als flüchtlingsrechtlich nicht rele-
vant (vgl. vorne E. 6). Das zitierte Referenzurteil D-2311/2016 vom 17. Au-
gust 2017 bestätigt dies (dort E. 6.3), wirft hingegen die Frage nach den
Folgen der drohenden Einziehung bei der Rückkehr in Bezug auf die Zu-
lässigkeit des Wegweisungsvollzugs auf (E. 13). Da die Beschwerdeführe-
rin vorläufig in der Schweiz aufgenommen wurde, erübrigen sich weitere
Ausführungen dazu. Die Vorinstanz nahm betreffend den Bruder
(E._) der Beschwerdeführerin einen zusätzlichen Faktor aufgrund
der illegalen Ausreise im militärdienstpflichtigen Alter von fast (...) Jahren
an. Demgegenüber reiste die Beschwerdeführerin selbst bereits im Alter
von (...) Jahren und damit einige Jahre vor Beginn der Dienstpflicht aus
Eritrea aus, womit dieser zusätzliche Faktor, anders als bei ihrem Bruder,
im Zeitpunkt der Ausreise nicht vorlag. Auch wenn davon auszugehen ist,
dass der Schulabbruch von den eritreischen Behörden zur Kenntnis ge-
nommen wurde, sind bei der Beschwerdeführerin, anders als im zitierten
Verfahren E-1523/2018, keine deshalb erlittenen Nachteile glaubhaft ge-
macht. Auch ist nach Einschätzung des Gerichts nicht davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin in den Augen der eritreischen Behörden als
missliebige Person eingestuft wird, zumal – abgesehen von der Ausreise
des Bruders nach Erreichen des dienstpflichtigen Alters – bei der Familie
keine weiteren Anhaltspunkte vorliegen, welche sie als Regimegegner er-
scheinen lassen würde. Die Beschwerdeführerin war denn auch bis zur
Ausreise jederzeit an der bereits vor dem Schulabbruch bekannten Ad-
resse anzutreffen. Die längere Auslandsabwesenheit begründet die Flücht-
lingseigenschaft ebenfalls nicht.
Das exilpolitische Engagement der Beschwerdeführerin beschränkt sich
schliesslich auf die regelmässige Teilnahme an Sitzungen und öffentlichen
Veranstaltungen sowie das Werben für diese Anlässe. Dies lässt nicht auf
einen exponierten Aktivismus schliessen, aufgrund dessen sie von den erit-
reischen Behörden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als ernsthafte
Regimekritikerin eingestuft würde. Es vermag demnach weder für sich al-
leine noch als zusätzlicher Anknüpfungspunkt zur illegalen Ausreise die
Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin zu begründen. Sie erfüllt
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damit die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG auch unter dem As-
pekt subjektiver Nachfluchtgründe nicht.
7.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin keine erlit-
tene oder drohende asyl- oder flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung
glaubhaft gemacht haben. Die Vorinstanz hat somit zu Recht das Bestehen
der Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgewiesen.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung hin-
sichtlich Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt
richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde
ist daher abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
10.2 Mit Zwischenverfügung vom 12. Februar 2020 wurde ihr Gesuch um
unentgeltliche Prozessführung – unter Vorbehalt einer nachträglichen Ver-
änderung der finanziellen Verhältnisse – gutgeheissen und auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses verzichtet. Mit Eingabe vom 22. Dezember
2021 reichte die Beschwerdeführerin einen Praktikumsvertrag für die
Dauer vom 20. September 2021 bis am 20. April 2022 ein, gemäss wel-
chem sie einen monatlichen Bruttolohn von Fr. 1200.– erhält. Damit ist die
Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin weiterhin gegeben und es ist nicht
von einer wesentlichen Änderung der finanziellen Verhältnisse auszuge-
hen. Es werden daher keine Verfahrenskosten erhoben.
10.3 Nachdem der rubrizierte Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin mit
Zwischenverfügung vom 12. Februar 2020 als amtlicher Rechtsbeistand
beigeordnet worden ist, ist er im Weiteren unbesehen des Ausgangs des
Verfahrens für den entstandenen Aufwand zu entschädigen, soweit dieser
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sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 VGKE). Das Bun-
desverwaltungsgericht geht bei amtlicher Vertretung in der Regel von ei-
nem Stundenansatz zwischen Fr. 200.– bis Fr. 220.– für anwaltliche Ver-
treterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Die
Frage des notwendigen zeitlichen Aufwandes ist vorliegend vor dem Hin-
tergrund der Konstellation der gesamten Familie, deren Verfahren antrags-
gemäss koordiniert behandelt worden sind, zu betrachten. So sind die Be-
schwerden in mehreren Punkten identisch und Sachverhaltsdarstellungen
hängen zusammen. Im Verfahren betreffend die Mutter und den jüngsten
Bruder der Beschwerdeführerin wird dem rubrizierten Rechtsvertreter eine
Parteientschädigung von Fr. 1445.– zugesprochen (vgl. Abschreibungsent-
scheid E-236/2020), in den Verfahren betreffend die übrigen Geschwister
eine solche von Fr. 704.– (vgl. das Urteil E-242/2020 E. 9.4) und
Fr. 669.– (Urteil E-234/2020 E. 10.3) und in jenem betreffend die Gross-
mutter eine solche von Fr. 361.– (vgl. Abschreibungsentscheid E-
241/2020). Für die vorliegende Beschwerde veranschlagt der Rechtsver-
treter gemäss der am 22. Dezember 2021 eingereichten Kostennote einen
Aufwand von 2.9 Stunden zuzüglich Auslagen in Höhe von Fr. 16.40, was
angemessen ist. Der ausgewiesene Stundenansatz von Fr. 300.– ist für die
amtliche Rechtsverbeiständung auf Fr. 220.– zu reduzieren. Dem Rechts-
vertreter der Beschwerdeführerin ist somit ein Honorar von gerundet Fr.
705.– (inklusive Mehrwertsteuerzuschlag) zulasten des Bundesverwal-
tungsgerichts auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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