Decision ID: 30edbf17-16ad-4efb-b260-648dcbe23b2d
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: der Beschwerdeführer) suchte am 16. April
2022 in der Schweiz um Asyl nach.
A.b Am 22. April 2022 mandatierte er die ihm im Bundesasylzentrum
(BAZ) der Region (...) zugewiesene Rechtsvertretung.
A.c Das Staatssekretariat für Migration (SEM) führte am 9. Mai 2022 eine
Erstbefragung für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (EB UMA)
durch und am 10. Juni 2022 fand die Anhörung nach Art. 29 des Asylge-
setzes vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) statt.
Anlässlich der Befragungen gab der Beschwerdeführer zu seinem persön-
lichen Hintergrund an, er sei afghanischer Staatsangehöriger paschtuni-
scher Ethnie aus dem Dorf B._ (Distrikt C._, Provinz
D._), wo er von Geburt bis zur Ausreise zusammen mit seinen El-
tern und seinen Geschwistern gelebt und (...) Jahre lang die Schule be-
sucht habe.
Zur Begründung seines Asylgesuchs führte er in der EB UMA zunächst
aus, er sei aufgrund der allgemeinen Lage aus Afghanistan ausgereist. Der
letzten Regierung sei es nicht gelungen, das Land sicher zu machen. Die
Schulen seien von den Taliban geschlossen worden und es habe keine
Arbeit mehr gegeben, welche man hätte ausüben können. Im Rahmen des
rechtlichen Gehörs zum medizinischen Sachverhalt machte er keinerlei
Beschwerden geltend. Nach einer Pause brachte er vor, er habe verges-
sen zu erwähnten, dass die Taliban in die Schule gekommen seien und ihn
aufgefordert hätten, die Schule zu beenden und sich ihnen anzuschliessen.
Sie hätten ihn auch unzählige Male mitgenommen und ihm den Umgang
mit Waffen gezeigt. Einmal sei er gebeten worden, sie bei Gefechten zu
unterstützen. Auch Mädchen seien aufgefordert worden, mitzukämpfen. Er
habe sich deswegen täglich bei seinen Eltern beschwert und nicht mehr so
leben wollen. Am (...) oder (...) 2021 sei er schliesslich aus Afghanistan
ausgereist und via Pakistan, Iran, Türkei, Bulgarien, Serbien, Slowenien,
Kroatien sowie Italien in die Schweiz gelangt.
Anlässlich der Anhörung führte er aus, die Taliban hätten ihn wiederholt
aufgefordert, die Schule abzubrechen und mit ihnen in den Dschihad zu
ziehen. Da er sich dagegen gewehrt habe, sei er unter Zwang und durch
Gewaltanwendung mitgenommen und festgehalten worden. Sie hätten ihm
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gezeigt, wie man Waffen auseinanderbaut, reinigt, zusammenbaut und
auch wie man damit schiesst. Er sei auch gezwungen worden, zweimal an
Gefechten teilzunehmen, wobei er Kalaschnikow-Magazine habe auffüllen
müssen. Als die Taliban seine Schule in die Luft gesprengt hätten, hätten
seine Eltern entschieden, dass er das Land verlassen müsse. Des Weite-
ren brachte der Beschwerdeführer vor, auf seiner Flucht habe er sich bei
Stürzen in Serbien und Bulgarien schwere (...) zugezogen, weshalb er sich
seither nicht mehr alles merken könne.
A.d Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens reichte der Beschwerdefüh-
rer zum Nachweis seiner Identität und zur Untermauerung seiner Vorbrin-
gen ein Foto eines Impfausweises zu den Akten, welcher wegen seiner
Unleserlichkeit jedoch nicht entgegengenommen wurde. Weitere Beweis-
mittel wurden nicht ins Recht gelegt.
B.
B.a Das SEM unterbreitete dem Beschwerdeführer respektive dessen
Rechtsvertreterin am 20. Juni 2022 den Entwurf des Asylentscheids zur
Stellungnahme.
B.b Tags darauf reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme ein.
C.
Mit am selben Tag eröffneter Verfügung vom 22. Juni 2022 stellte die Vor-
instanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht
(Dispositivziffer 1), lehnte sein Asylgesuch ab (Dispositivziffer 2) und ver-
fügte die Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3). Gleichzeitig
ordnete sie infolge der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs seine
vorläufige Aufnahme in der Schweiz an (Dispositivziffern 4 und 5). Sodann
wurde er – verbunden mit der Feststellung einer allfälligen Beschwerde ge-
gen die Kantonszuweisung komme keine aufschiebende Wirkung zu – dem
Kanton E._, welcher mit der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme
beauftragt wurde, zugewiesen (Dispositivziffern 6 und 7). Ferner ordnete
das SEM die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Akten-
verzeichnis an den Beschwerdeführer an (Dispositivziffer 8).
D.
D.a Gegen den Asylentscheid des SEM erhob der Beschwerdeführer mit
Eingabe vom 18. Juli 2022 (Datum des Poststempels) Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht und beantragte in materieller Hinsicht, die Ver-
fügung vom 22. Juni 2022 sei in den Dispositivziffern 1–3 aufzuheben, er
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sei als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei in der Schweiz Asyl zu gewäh-
ren. Eventualiter seien die Dispositivziffern 1–3 der angefochtenen Verfü-
gung aufzuheben und festzustellen, dass das rechtliche Gehör verletzt
worden sei, weshalb eine neue Anhörung zu den Asylgründen anzusetzen
sei. Subeventualiter sei die Verfügung des SEM in den Dispositivziffern 1–
3 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung und um Befreiung von der Kostenvor-
schusspflicht.
Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung des SEM, eine Emp-
fangsbestätigung vom 22. Juni 2022, eine Vollmacht vom 22. April 2022,
das Aktenverzeichnis des Dossiers N (...), ein Auszug einer Aktennotiz be-
treffend des Vorgesprächs der EB UMA vom 3. Mai 2022, eine Einwilli-
gungserklärung zur Entbindung von der Schweigepflicht vom 24. Juni 2022
sowie der Leitfaden zum Aufgaben- und Rollenverständnis in der Zusam-
menarbeit zwischen dem SEM und der unentgeltlichen Rechtvertretung im
Bundesasylzentrum vom Januar 2019 bei.
D.b Mit Schreiben vom 19. Juli 2022 bestätigte das Gericht den Eingang
der Beschwerde. Gleichentags lagen dem Gericht die vorinstanzlichen Ak-
ten in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht (VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge-
setzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG;
SR 172.021). Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist
daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachge-
biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vor-
liegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der
Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 der Verordnung über Massnahmen im Asylbe-
reich im Zusammenhang mit dem Covonarvirus vom 1. April 2020 [Covid-
19-Verordnung Asyl; SR 142.318], Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1
VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2.
Das vorliegende Verfahren beschränkt sich mangels Anfechtung der Dis-
positivziffer 6 (Kantonszuweisung) auf die Fragen der Flüchtlingseigen-
schaft, des Asyls und der Wegweisung. Der Wegweisungsvollzug ist nicht
mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Beschwerdeführer mit Verfü-
gung vom 22. Juni 2022 wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs vorläufig aufgenommen hat.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/
26 E. 5).
4.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriften-
wechsel verzichtet.
5.
5.1 In der Beschwerde wurde die Verletzung des rechtlichen Gehörs ge-
rügt, da die Anhörung des Beschwerdeführers nicht kindgerecht im Sinne
von BVGE 2014/30 erfolgt sei. Diese formelle Rüge ist vorab zu prüfen, da
sie unter Umständen geeignet sein könnte, eine Kassation der erstinstanz-
lichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2).
5.2
5.2.1 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) und Art. 29 VwVG
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Dieses umfasst insbe-
sondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines solchen Ent-
scheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht
in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden
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und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder
sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist,
den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliche Gehör umfasst
als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen
sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung
bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1 und 144 I 11 E. 5.3 sowie BVGE
2009/35 E. 6.4.1 m.H.).
5.2.2 Gemäss Art. 7 Abs. 5 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999
(AsylV 1; SR 142.311) haben Personen, die minderjährige asylsuchende
Personen anhören, den besonderen Aspekten der Minderjährigkeit Rech-
nung zu tragen. Wie das Bundesverwaltungsgericht in BVGE 2014/30 fest-
gestellt hat, sind bei der Anhörung eines minderjährigen Asylsuchenden
spezifische Faktoren zu berücksichtigen: Alter, Reifegrad, Komplexität der
Vorbringen, besondere verfahrensrechtliche Anforderungen hinsichtlich
des Beweiswerts der Vorbringen. Das SEM hat Massnahmen zu treffen,
damit sich das Kind wohl fühlt (vgl. a.a.O. E. 2.3.2). Zudem sind speziell
bei unbegleiteten Minderjährigen besondere Anforderungen an die Form
der Fragestellung und an den Rhythmus der Befragung zu knüpfen, wobei
die vom Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen
(UNHCR) formulierten Direktiven und Empfehlungen insbesondere bei der
Anhörung von unbegleiteten Minderjährigen heranzuziehen sind (vgl.
a.a.O. E. 2.3.3). Insbesondere hat das SEM bei der Befragung von Minder-
jährigen für eine bereits zu Beginn der Anhörung entspannte Atmosphäre
zu sorgen und ein Klima des Vertrauens zu schaffen, das wiederum dem
Kind ermöglichen soll, sich frei über das Erlebte auszudrücken (vgl. a.a.O.
E. 2.3.3.2).
5.3 Die vorliegend interessierende Anhörung fand im Beisein der zugewie-
senen Rechtsvertretung des Beschwerdeführers statt, mithin derjenigen
Person, die die Rolle der Vertrauensperson übernommen hat, und dauerte
von 13:38 Uhr bis 17:13 Uhr, wobei von 14:20 Uhr bis 14:40 Uhr, auf ent-
sprechenden Antrag des Rechtsvertreters von 15:20 Uhr bis 15:40 Uhr so-
wie vor der Rückübersetzung von 16:15 Uhr bis 16:33 Uhr Pausen ge-
macht wurden (vgl. SEM-Akte [...]-15/15 [nachfolgend: SEM-Akte 15/15].
Der Beschwerdeführer erhielt dabei Gelegenheit, seine Asylgründe vorzu-
tragen. Ausserdem hatte er am Schluss der Anhörung die Möglichkeit noch
weitere, bisher unerwähnt gebliebene Gründe zu nennen, wobei er angab,
alles gesagt zu haben (vgl. SEM-Akte 15/15, F120). Schliesslich bestätigte
er die Richtigkeit und Vollständigkeit des Protokolls anlässlich der Rück-
übersetzung ohne weitere Bemerkungen mit seiner Unterschrift (vgl. SEM-
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Akte 15/15, S. 15). Folglich ist davon auszugehen, dass er sämtliche ihm
wesentlich erscheinende Fluchtgründe vollständig darlegen konnte. Aus
dem Anhörungsprotokoll lässt sich auch nicht schliessen, der Beschwer-
deführer wäre nicht in der Lage oder eingeschränkt gewesen, der Anhö-
rung beziehungsweise dem Befragungstempo zu folgen. Im Übrigen ist die
Dauer einer Anhörung nicht massgebend, solange der relevante Sachver-
halt in genügender Weise erstellt werden konnte. Aus dem Protokoll geht
sodann hervor, dass die Befragung mit der Vorstellung der anwesenden
Personen, der Aufklärung über die Verfahrenspflichten der asylsuchenden
Person sowie der Erläuterung des Ablaufs des Interviews begann, wobei
der Befrager eine altersgerechte Sprache wählte (vgl. SEM-Akte 15/15,
S. 1 f. und F2). Der Beschwerdeführer wurde explizit darauf hingewiesen,
dass es wichtig sei, dass er sich wohl fühle und er wurde aufgefordert, sich
zu melden, wenn er etwas nicht verstehe, wenn er eine Pause einlegen
möchte oder wenn sonst irgendetwas sei, weswegen er sich nicht wohl-
fühle (vgl. SEM-Akte 15/15, F2). Danach erkundigte sich der Befrager nach
seinem gegenwärtigen Befinden und stellte ihm einfache Fragen zu seiner
Freizeitgestaltung sowie seiner aktuellen Familiensituation (vgl. SEM-
Akte 15/15, F3–F25). Damit wurde ab Beginn der Anhörung eine ange-
nehme, offene und vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre im Sinne der
Rechtsprechung geschaffen (vgl. BVGE 2014/30 E. 2.3.3.2 f.). In einem
weiteren Abschnitt der Anhörung wurde dem Beschwerdeführer die Mög-
lichkeit gegeben, seine Gesuchsgründe in der freien Rede darzulegen,
ohne dass er dabei unterbrochen wurde (vgl. SEM-Akte 15/15, F26 f.). An-
schliessend wurden ihm zu Einzelheiten der von ihm vorgebrachten Asyl-
gründe (insbesondere Mitnahmen und Festhalten durch die Taliban, Um-
gang mit Waffen, Erlebnisse während den Gefechten) einfach und offen
formulierte Fragen gestellt (vgl. SEM-Akte 15/15, F28 ff.). Zwar äusserte
der Befrager anlässlich der Anhörung wiederholt offen seine Skepsis an
den Schilderungen des Beschwerdeführers, forderte ihn mehrfach auf, die
Wahrheit zu sagen und sprach Widersprüche direkt an (vgl. SEM-
Akte 15/15, F74 f., F81, F83 und F92). Diese Bemerkungen erscheinen un-
angebracht, wenig zielführend und zeugen von wenig Empathie, denn im
Rahmen der Asylanhörung ist es sachlich nicht geboten, den mündlich vor-
getragenen Sachverhalt auf die Glaubhaftigkeit hin einzuschätzen. Aus
dem Protokoll geht jedoch gleichzeitig hervor, dass der Befrager stets be-
müht war, dem Beschwerdeführer in altersgerechter Weise aufzuzeigen,
was von ihm erwartet wird. So bat er ihn beispielsweise wiederholt konkre-
ter von den Erlebnissen bei den Gefechten sowie seinen dabei erfahrenen
Gefühlen und Eindrücken zu erzählen (vgl. SEM-Akte 15/15, F86–91). Des
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Weiteren ging er auch auf die Einwände und Anregungen der Rechtsver-
tretung des Beschwerdeführers ein. Als der Rechtsvertreter den Befrager
nach der zweiten Pause darauf hinwies, dass sein Mandant nicht verstan-
den habe, was damit gemeint sei, wenn er aufgefordert werde, ausführli-
chere und detaillierte Angaben zu machen, vergewisserte er sich, ob ihm
dies in der Zwischenzeit habe erklärt werden können (vgl. SEM-Akte 15/15,
F93 ff.) und gab ihm anschliessend nochmals die Gelegenheit, von der
zwei Tage andauernden Festhaltung durch die Taliban zu erzählen (vgl.
SEM-Akte 15/15, F97 ff.). Auch als der Rechtsvertreter den Antrag stellte,
es sei eine weitere Befragung durchzuführen, um auf die Glaubhaftigkeits-
elemente zurückzukommen, erkundigte sich der Sachbearbeiter des SEM,
welche Teile der Geschichte nochmals detaillierter befragt werden müssten
und stellte dem Beschwerdeführer daraufhin – auf Wunsch der Rechtsver-
tretung – weitere Fragen zu seiner Teilnahme an den Gefechtshandlungen
(vgl. SEM-Akte 15/15, F109, und F111–115). Sodann ist es nicht der Vor-
instanz anzulasten, wenn der Beschwerdeführer auf die bezüglich seiner
Asylvorbringen offen formulierten Fragen lediglich einsilbig und wenig aus-
führlich antwortete, zumal auch keine Hinweise ersichtlich sind, dass es
ihm schwergefallen wäre, über gewisse Sachverhalte zu sprechen. Beim
Beschwerdeführer handelt es sich denn auch um einen zum damaligen
Zeitpunkt (...)-jährigen Jugendlichen, welcher anlässlich der Befragung of-
fensichtlich urteilsfähig war. Gemäss BVGE 2014/30 E. 2.3.2 sind spezifi-
sche Faktoren, wie gerade das Alter und der Reifegrad des UMA, bei der
Anhörung zu berücksichtigen. Die Anhörung des Beschwerdeführers
musste sich jedoch nicht im gleichen Masse von derjenigen einer erwach-
senen Person unterscheiden, wie dies im Falle des in BVGE 2014/30 zu
beurteilenden und damals erst (...) Beschwerdeführers der Fall gewesen
war.
Insgesamt wurde nach Auffassung des Gerichts dem Alter des Beschwer-
deführers bei der Anhörung – auch dank der Interventionen der zugewie-
senen Rechtsvertretung – im Ergebnis ausreichend Rechnung getragen,
weshalb keine Gehörsverletzung vorliegt und somit auch keine ernsthaften
Zweifel an der Verwertbarkeit der protokollierten Aussagen bestehen. Die
Auswirkungen der Minderjährigkeit auf die Beurteilung der Glaubhaftigkeit
des Beschwerdeführers bildet sodann Gegenstand der materiellen Beur-
teilung.
5.4 Nach dem Gesagten erweisen sich die formellen Rügen als unbegrün-
det, weshalb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfügung aus
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formellen Gründen aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung und An-
setzung einer weiteren Anhörung an die Vorinstanz zurückzuwiesen. Die
entsprechenden Anträge (Rechtsbegehren 2 und 3) sind dementspre-
chend abzuweisen.
6.
6.1 Im vorliegend zu beurteilenden Fall ist umstritten, ob die Vorinstanz zu
Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein
Asylgesuch abgelehnt hat.
6.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; frauenspezifischen Flucht-
gründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.3 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe-
nen Person auch auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Re-
flexverfolgung vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der
Reflexverfolgung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von
Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet
befürchten muss (zum Begriff der Reflexverfolgung vgl. BVGE 2007/19
E. 3.3 m.w.H.). Die erlittene Verfolgung beziehungsweise die begründete
Furcht vor zukünftiger (Reflex-)Verfolgung muss ferner sachlich und zeit-
lich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und
grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein.
6.4 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält (Art. 7 Abs. 1 und 2 AsylG). Unglaubhaft sind insbesondere Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-
dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf
gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3
AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das
http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/19
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Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt
und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
beispielsweise BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). Bei dem bei der Glaubhaf-
tigkeitsbeurteilung anzusetzenden Massstab ist auf die Minderjährigkeit
der asylsuchenden Person Rücksicht zu nehmen (vgl. Entscheidungen und
Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004
Nr. 34 E. 4.4; vgl. hierzu auch Urteil des BVGer E-4538/2021 vom 21. Juni
2022 E. 5.2 m.w.H.).
7.
7.1 In ihrer abweisenden Verfügung hielt die Vorinstanz fest, es werde nicht
bezweifelt, dass der Beschwerdeführer in einem Konfliktgebiet aufgewach-
sen sei und infolgedessen wahrscheinlich Kampfhandlungen zwischen af-
ghanischen Sicherheitskräften und den Taliban mitbekommen habe. Wei-
ter sei auch bekannt, dass die Taliban versucht hätten, Minderjährige für
Kampfhandlungen zu vereinnahmen. Dennoch habe er mit seinen wider-
sprüchlichen, nachgeschobenen und unsubstantiierten Schilderungen
nicht glaubhaft darlegen können, dass er das Ziel solcher Bestrebungen
geworden sei. Weiter wäre zu erwarten gewesen, dass ihm die Ausreise-
gründe aus Afghanistan in der EB UMA nicht so einfach entfallen würden,
zumal es sich dabei um einschneidende Ereignisse handle. Gewisse Pro-
tokollstellen würden zudem eindeutig darauf hinweisen, dass er augen-
scheinlich erst nach einer Pause im Beisein beziehungsweise auf Instruk-
tion seiner Rechtsvertretung bewusst neue und sehr widersprüchliche zu-
sätzliche Sachverhaltselemente zu Protokoll gegeben habe. Als ihm in der
Anhörung vorgehalten worden sei, dass es unglaubhaft sei, dass er ver-
gessen haben wolle, aus Afghanistan ausgereist zu sein, weil er einen Mo-
nat vor seiner Ausreise zwei Tage lang zwangsweise von den Taliban ver-
schleppt und zu Kampfhandlungen gezwungen worden sei, habe er ange-
geben, dass er seine Ausreisegründe anlässlich des Vorgesprächs seinem
Rechtsvertreter geschildert habe. Unter diesem Umstand erscheine es je-
doch noch unglaubhafter, dass er seine Ausreisegründe während dieser
kurzen Zeit in der Schweiz vergessen haben will. Alsdann hätten auch die
Aussagen in der Anhörung die bereits bestehenden Zweifel nicht beseiti-
gen können, da die Rekrutierung durch die Taliban ebenso widersprüchlich
und sogar übersteigert zu denen in der EB-UMA ausgefallen seien. So
habe er plötzlich vorgebracht, die Taliban hätten ihn einen Monat vor seiner
Ausreise gegen seinen Willen und unter Gewaltanwendung mitgenommen
und zwei Tage lang festgehalten. Ausserdem hätten sie ihn auch gezwun-
gen, an Gefechten teilzunehmen. In der EB UMA habe er demgegenüber
lediglich angegeben, dass er von den Taliban gebeten worden sei, sich an
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Gefechten zu beteiligen und dass er dann davor geflohen sei. Als er auf
diese Unterschiede angesprochen worden sei, habe er geltend gemacht,
sich in Bulgarien (...) zu haben und seither massive (...) zu haben, weshalb
er sich nicht mehr erinnern könne. Angesichts dessen, dass er in der EB
UMA angegeben habe, keinerlei gesundheitliche Beschwerden zu haben,
müsse diese Erklärung als reine Schutzbehauptung qualifiziert werden.
Trotz mehrmaliger Aufforderung von den zwei Tagen in Geiselhaft bei den
Taliban sowie von den Erlebnissen während den Gefechten, zu deren Teil-
nahme er gezwungen worden sein soll, zu erzählen, seien seine Schilde-
rungen knapp, unpersönlich und unsubstantiiert ausgefallen. Auch Fragen
zum erzwungenen Erlernen des Waffengebrauchs habe er nur knapp und
vage beantwortet. Selbst unter Berücksichtigung seines jugendlichen Al-
ters wäre zu erwarten gewesen, dass er persönlich gefärbte und differen-
zierte Aussagen hätte machen können. Demgegenüber hätten in all seinen
Darstellungen typische Merkmale wie Detailreichtum, die Beschreibung
von Emotionen und Gedankengängen, die räumliche und zeitliche Ver-
knüpfung der erzählten Ereignisse sowie die Schilderung von nebensäch-
lichen und ausgefallenen Einzelheiten, die normalerweise die Erzählung
von tatsächlich erlebten Begebenheiten prägen würden, gefehlt. Aufgrund
seiner Schilderungen sei eher davon auszugehen, dass er die Kampfhand-
lungen zwischen afghanischen Sicherheitskräften und den Taliban nur pas-
siv als Kind miterlebt respektive sie von Drittpersonen erfahren und aus-
wendig gelernt habe. Ferner erstaune auch seine Äusserung anlässlich der
EB UMA, wonach auch Mädchen von den Taliban zum Mitkämpfen aufge-
fordert worden seien und schliesslich mute auch das von ihm vorgebrachte
Verhalten der Taliban, ihn bereits im Alter von (...) bis (...) Jahren für den
Dschihad rekrutieren zu wollen, zumindest fraglich, wenn nicht eher reali-
tätsfremd an. Insgesamt würden die Vorbringen des Beschwerdeführers
den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand-
halten. Es sei davon auszugehen, dass sich seine Vorbringen auf einen
rein konstruierten Sachverhalt abstützen würden. Selbst wenn seine Aus-
sagen glaubhaft wären, seien keine Hinweise auf Eigenschaften, die ge-
mäss Art. 3 AsylG geschützt werden würden, ersichtlich. Das Interesse der
Taliban an seiner Person habe offensichtlich einzig auf der Tatsache ge-
gründet, dass er ein männlicher Schüler respektive ein junger Knabe ge-
wesen und somit für Rekrutierungsversuche der Taliban generell in Be-
tracht gekommen sei. Entgegen der in der Stellungnahme zum Entscheid-
entwurf vertretenen Auffassung gehöre er auch aufgrund seines jungen Al-
ters und seines männlichen Geschlechts nicht einer neu konstruierten so-
zialen Gruppe gemäss Art. 3 Abs. 1 AsylG an. Eine Weigerung, für die Ta-
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liban tätig zu werden respektive mögliche Konsequenzen, welche er zu tra-
gen hätte, seien zudem nicht unter dem Aspekt der Erfüllung der Flücht-
lingseigenschaft zu prüfen; diese seien vielmehr im Hinblick auf die Beur-
teilung der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzuges relevant. Ferner habe
er am Ende der Anhörung angegeben, dass er heute bei einer Rückkehr
nach Afghanistan nichts mehr zu befürchten habe, denn seit der Macht-
übernahme würden die Taliban weder junge Männer mitnehmen noch Män-
ner zwingen, lange Bärte zu tragen und jeder könne machen, was er wolle.
Soweit in der Stellungnahme zum Entscheidentwurf diesbezüglich argu-
mentiert worden sei, die Antwort des Beschwerdeführers sei auf das
schlechte Anhörungsklima zurückzuführen, sei einzuwenden, dass die ent-
sprechende Frage aus dem Kontext gerissen worden sei, um das verfolgte
Narrativ zu fördern und weder als böswillig noch als suggestiv zu bezeich-
nen sei. Insgesamt würden die – ohnehin unglaubhaften, nachgeschobe-
nen und widersprüchlichen – Vorbringen selbst bei Wahrunterstellung den
Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht
standhalten.
7.2 In der Rechtsmitteleingabe machte der Beschwerdeführer im Wesent-
lichen geltend, als männliches Kind aus einer bestimmten Dorfgemein-
schaft sei er Teil einer sozialen Gruppe im Sinne von Art. 3 AsylG i.V.m.
Art. 1 Bst. A Ziff. 2 des Abkommens über die Rechtsstellung der Flücht-
linge vom 28. Juli 1951 (FK; SR 0.142.30). Soweit die Vorinstanz be-
haupte, diese soziale Gruppe sei von seiner Rechtsvertretung neu konstru-
iert worden, sei entgegen zu halten, dass das Bundesverwaltungsgericht
im Urteil E-5072/2018 vom 17. Dezember 2020 Alter, Geschlecht und
Wohnort als einschlägige Merkmale einer bestimmten sozialen Gruppe be-
funden habe. Seine Kindseigenschaft, sein Geschlecht und sein Herkunfts-
ort würden unabänderliche Merkmale im Sinne der Definition der Zugehö-
rigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe gemäss Art. 3 AsylG darstel-
len. Zudem scheine das SEM mit der Argumentation, wonach männliche
Knaben unter (...) Jahren in Afghanistan mehr als siebeneinhalb Millionen
ethnisch, religiös und betreffend die soziale Zugehörigkeit markant unter-
schiedlichen Individuen angehören würden, die Prüfung der Zugehörigkeit
zu einer sozialen Gruppe mit der Frage einer Kollektivverfolgung zu ver-
mengen, wo die Grösse der Gruppe zur Verurteilung der Verfolgungsdichte
relevant sein könne. Ausserdem weiche es von der anerkannten Definition
des UNHCR einer bestimmten sozialen Gruppe ab, wenn es seine Zuge-
hörigkeit zu einer sozialen Gruppe deshalb verneine, weil sich die Indivi-
duen der Gruppe ethnisch, religiös und betreffend die soziale Zugehörig-
keit markant unterscheiden würden. Unter Bezugnahme auf die Urteile des
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Bundesverwaltungsgerichts E-5072/2018 vom 17. Dezember 2020 und
D-2284/2021 vom 21. August 2021 liege seiner Verfolgung durch die Tali-
ban ein asylrelevantes Verfolgungsmotiv zugrunde, denn die illegitime
Zwangsrekrutierung des Beschwerdeführers durch die Taliban knüpfe an
die unabänderlichen Merkmale des Geschlechts, des Alters beziehungs-
weise der Kindseigenschaft und des Wohnorts respektive der Zugehörig-
keit zu einer Dorfgemeinschaft an. Abgesehen von der asylrelevanten Ver-
folgung aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe liege fer-
ner auch politisch motivierte Verfolgung aufgrund einer unterstellten politi-
schen Gesinnung i.S.v. Art. 3 AsylG vor, denn mit seiner Flucht habe er
sich den Taliban entzogen, weshalb er ein einschlägiges Risikoprofil habe.
Aufgrund seiner Refraktion respektive seiner Desertion werde ihm eine ver-
pönte politische Anschauung unterstellt. Damit liege der ihm drohenden
Strafe im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan ein asylrelevantes Verfol-
gungsmotiv zugrunde und er habe eine begründete Furcht vor zukünftiger
Verfolgung. Der afghanische Staat sei aus offenkundigen Gründen seit der
Machtübernahme der Taliban nicht schutzfähig und es bestünden auch
keine innerstaatlichen Fluchtmöglichkeiten. Weiter habe die Vorinstanz
seine individuellen Fähigkeiten, namentlich seine Minderjährigkeit, seine
niedrige Bildung sowie seine Reife nicht berücksichtigt. Hinsichtlich des
Vorwurfs, wonach er von seiner Rechtsvertretung zur Falschaussage in-
struiert worden sei, handle es sich um besonders schwerwiegende Vor-
würfe, welche jedoch mit der Aktennotiz zum Vorbereitungsgespräch vom
3. Mai 2022, wobei er seine Asylgründe und insbesondere seine persönli-
chen Probleme mit den Taliban summarisch besprochen habe, widerlegt
werden könne. Bezüglich der vermeintlichen Widersprüche zwischen der
EB UMA und der Anhörung betreffend die Teilnahme an Gefechten sei zu
berücksichtigen, dass die Erstbefragung eine summarische Befragung sei.
Überdies ergebe sich aus dem Kontext der Schilderungen, dass diesbe-
züglich gar kein Widerspruch bestehe. Sodann habe er den Ladevorgang
einer Pistole mit erhöhtem Detailierungsgrad beschrieben und seine Er-
zählungen betreffend den Umgang mit Waffen würden diverse Realkenn-
zeichen zeigen. Ferner seien auch seine Schilderungen betreffend die
zweitägige Festhaltung durch die Taliban detailreich ausgefallen. Demge-
genüber habe sich die Vorinstanz bei ihrer Begründung, inwiefern seine
Ausführungen persönlicher und detaillierter hätten ausfallen sollen, auf die
Paraphrasierung seiner Aussagen beschränkt. Insgesamt seien seine Vor-
bringen als glaubhaft zu erachten, weshalb er als Flüchtling anzuerkennen
und ihm Asyl zu gewähren sei.
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8.
8.1 In der EB UMA brachte der Beschwerdeführer zu seinen Gesuchsgrün-
den zunächst vor, er sei wegen der allgemein schlechten Lage in Afghanis-
tan ausgereist. Da die Situation bekannt sei, müsse er wohl nicht viel dazu
erzählen. So seien die Schulen von den Taliban geschlossen worden und
es gebe keine Arbeiten, die man ausüben könne. Eine Besserung sei nicht
in Sicht. Auf explizite Nachfrage des Befragers, ob es noch andere Gründe
gebe, weshalb er sein Heimatland verlassen habe, gab er an, selber keine
anderen Probleme gehabt zu haben (vgl. SEM-Akte [...]-11/11 [nachfol-
gend: SEM-Akte 11/11], Ziff. 7.01). Angesichts dessen, dass er die Taliban
mit keinem Wort erwähnte, erstaunt, dass er nach der Pause und nachdem
der Rechtsvertreter offenbar dem Befrager mitgeteilt hat, dass er noch et-
was erzählen möchte, vorbrachte, die Taliban hätten ihn ab der dritten
Klasse immer wieder von der Schule mitgenommen und ihm den Umgang
mit Waffen gezeigt. Letztmals sei er im Zeitpunkt als die Taliban bekannt
gegeben hätten, dass sie sämtliche Schulen schliessen würden, von ihnen
mitgenommen worden. Er sei auch darum gebeten worden, sie bei Gefech-
ten zu unterstützen (vgl. SEM-Akte 11/11, Ziff. 9.01). Auf die Frage, wes-
halb er diese Ereignisse nicht erwähnt habe, als er nach seinen Ausreise-
gründen gefragt worden sei, antwortet er, er habe es vergessen (vgl. SEM-
Akte 11/11, Ziff. 9.01). Vor diesem Hintergrund entsteht der Eindruck, dass
die Mitnahmen durch die Taliban in der vorgebrachten Art und Weise nach-
geschoben wurde, womit auch erste Zweifel an der Glaubhaftigkeit der
Kernvorbringen des Beschwerdeführers aufkommen. Daran ändert auch
der Umstand nichts, dass er seine Probleme mit den Taliban offenbar im
Vorgespräch mit seinem Rechtsvertreter erwähnte (vgl. SEM-Akte 15/15,
F75 und BVGer-Akte 1, S. 17 sowie Beilage 3). Zudem wäre zu erwarten
gewesen, dass der Rechtsvertreter, welcher die Möglichkeit erhielt, dem
Beschwerdeführer Ergänzungsfragen zu dessen Gesuchsgründen zu stel-
len, das Gespräch auf die Taliban gelenkt hätte, stattdessen erkundigte er
sich nach den persönlichen Problemen des Beschwerdeführers, dessen
Vater und anderen Familienmitgliedern mit Personen in Afghanistan (vgl.
SEM-Akte 11/11, Ziff. 7.02). Des Weiteren lässt seine Antwort auf die Frage
seines Rechtsvertreters anlässlich der Anhörung, weshalb er nicht nach
Afghanistan zurückkehren wolle, darauf schliessen, dass er seine Heimat
aufgrund der Lebensbedingungen und nicht wegen der Zwangsrekrutie-
rung durch die Taliban verlassen hat. So erklärte er, in Afghanistan sei alles
vorbei und es gebe dort keine Zukunft mehr. Er sei denn auch hierherge-
kommen, damit er sich weiter eine Zukunft aufbauen könne (vgl. SEM-
Akte 15/15, F107).
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8.2 Sodann vermögen die Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach
er von den Taliban zwangsrekrutiert worden sei, selbst unter gebührender
Berücksichtigung der Minderjährigkeit, nicht zu überzeugen. Zu dieser Ein-
schätzung führt zunächst, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage
war, nähere Angaben zur letzten Festnahme durch die Taliban zu machen.
Auch auf entsprechende Nachfragen gab er lediglich an, sie (die Taliban)
seien etwa einen Monat vor seiner Ausreise in seine Schule gekommen
und hätten ihn und zwei weitere Schüler mitgenommen. Sie hätten sie zwei
Tage lang festgehalten und ihnen währenddessen den Umgang mit Waffen
gezeigt. Sie seien motiviert worden, gute Männer und gute Taliban zu wer-
den (vgl. SEM-Akte 15/15, F26, F30 f., F33–35 und F52 f.). Soweit er vor-
brachte, er habe massive (...) und könne sich an nichts mehr erinnern (vgl.
SEM-Akte 15/15, F34), ist – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – ein-
zuwenden, dass er diese in der EB UMA mit keinem Wort erwähnte, son-
dern angab, keinerlei Beschwerden zu haben (vgl. SEM-Akte 11/11, Ziff.
8.02). Darüber hinaus reichte der rechtlich vertretene Beschwerdeführer
bis heute keine entsprechenden Arztberichte ein, um solche Verletzungen
zu belegen, und stellte solche auch nicht in Aussicht, obwohl es ihm im
Rahmen seiner Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG obliegen würde,
entsprechende Dokumente zu beschaffen. Die vorgebrachten Erinne-
rungsschwierigkeiten sind daher als nachgeschobene Schutzbehauptun-
gen zu werten. Zwar schilderte er seine Entführung im weiteren Verlauf der
Anhörung während diesen zwei Tagen vergleichsweise detailliert (vgl.
SEM-Akte 15/15, F97 ff.). Indessen fällt auf, dass seine Aussagen keinerlei
Emotionen im Sinne von persönlichen Eindrücken oder Gefühlen, welche
auf ein persönliches Erleben schliessen lassen würden, zu entnehmen
sind. Auffallend stereotyp und vage gehalten sind auch seine Darstellun-
gen zum erzwungene Erlernen des Waffengebrauchs durch die Taliban
(vgl. SEM-Akte 15/15, F36–51). Die Einwendungen in der Beschwerde,
wonach seine Beschreibung des Ladevorgangs einer Pistole einen erhöh-
ten Detailierungsgrad aufweise und die Schilderung der Laufreinigung ein
originelles Detail enthalte, eignen sich nicht, um zu einer anderen Ansicht
zu gelangen. Ferner ist – entgegen der in der Rechtsmittelschrift vertrete-
nen Ansicht (vgl. dort Ziff. 3.1.5, S. 17) – aus dem Kontext der Ausführun-
gen des Beschwerdeführers in der EB UMA nicht klar zu entnehmen, dass
er selbst an Gefechten teilgenommen hat (vgl. SEM-Akte 11/11, Ziff. 9.01).
Zur Vermeidung von Wiederholungen kann diesbezüglich auf die Ausfüh-
rungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. dort E. II,
Ziff. 2, S. 6). Weiter ist auch der Versuch, diesen Widerspruch mit dem
summarischen Charakter der EB UMA zu erklären, offensichtlich unbehilf-
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lich, zumal der Widerspruch ein Kernvorbringen betrifft. Obwohl der Be-
schwerdeführer während der Anhörung immer wieder angehalten wurde,
ausführlicher von den Gefechten zu erzählen, beschränkten sich seine Ant-
worten auf einzelne Sätze und blieben oberflächlich und wenig konkret (vgl.
SEM-Akte 15/15, F86–91). Es wäre anzunehmen gewesen, dass er über
ein solch einschneidendes Ereignis, welches ihn letztlich auch zur Ausreise
aus seinem Heimatland bewegt haben soll, ausführlicher hätten berichten
können. Mit Blick auf die Rekrutierungspraxis der Taliban lässt sich
schliesslich festhalten, dass diese einerseits einen stärkeren Fokus auf die
Rekrutierung von Personen mit militärischer Erfahrung legten und somit
generell die Zahl der rekrutierten Minderjährigen abnahm und die Rekru-
tierten in der Regel nicht jünger als 15 Jahre alt waren (vgl. dazu Country
of Origin Information Centre [Landinfo], Report Afghanistan: Recruitment
to Taliban, 29. Juni 2017, <https://landinfo.no/wp-content/uploads/2018/
03/Afghanistan-Recruitment-to-Taliban-29062017.pdf>, letztmals abgeru-
fen am 29. August 2022; vgl. ferner Urteil des BVGer E-4538/2021 vom
21. Juni 2022 E. 7.3). Der Beschwerdeführer war im Zeitpunkt der behaup-
teten, erstmaligen Rekrutierung erst (...) Jahre alt (vgl. SEM-Akte 15/15,
F29) und damit deutlich jünger, als die in der Regel durch die Taliban rekru-
tierten Minderjährigen.
Insgesamt sind die Ausführungen des Beschwerdeführers hinsichtlich der
geltend gemachten drohenden Zwangsrekrutierung als nicht glaubhaft zu
erachten, da seine Antworten – wie dargelegt und trotz seines jungen Al-
ters – nicht besonders detailliert ausgefallen sind, sich auf die Schilderung
reiner Handlungsabläufe beschränkten und wenig persönliche Beobach-
tungen beinhalteten. Das SEM hat im Ergebnis somit hinreichend, nach-
vollziehbar sowie zutreffend begründet, dass sich aufgrund des gesamten
Aussageverhaltens des Beschwerdeführers das ausgeprägte Bild einer
konstruierten Verfolgungssituation ergibt.
8.3 Nach dem Gesagten ist den Vorbringen, es drohe dem Beschwerde-
führer bei seiner (hypothetischen) Rückkehr von Seiten der Taliban eine
Bestrafung wegen Refraktion, die Grundlage entzogen. Daher fällt die
Frage, ob ein Verfolgungsmotiv besteht, vorliegend ausser Betracht. Auf
die diesbezüglichen Ausführungen in der Beschwerde ist daher nicht weiter
einzugehen. Ergänzend ist anzumerken, dass sich aus den vorliegenden
Akten keine Anhaltspunkte ergeben, wonach der Beschwerdeführer im Fo-
kus der Taliban stehen könnte, weil er sich den Rekrutierungsversuchen
entzogen hat. So machte er jedenfalls nicht geltend, dass ihn die Taliban
nach seiner Ausreise bei seiner Familie gesucht oder seine Angehörigen
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unter Druck gesetzt hätten. Weiter ist nicht davon auszugehen, dass die
Taliban aktuell noch ein Interesse an einer Zwangsrekrutierung des Be-
schwerdeführers hätten, zumal auf Beschwerdeebene nicht geltend ge-
macht wurde, Minderjährige wären auch nach der Machtübernahme durch
die Taliban regelmässig von Zwangsrekrutierungen bedroht. Schliesslich
sind den Akten weder Hinweise auf eine mögliche Reflexverfolgung noch
auf andere Anknüpfungspunkte zu entnehmen, die zu einer Gefährdung
führen könnten. Dementsprechend ist keine objektiv begründete Furcht vor
zukünftiger Verfolgung zu erkennen, weshalb die Asylrelevanz ohnehin zu
verneinen wäre.
8.4 Soweit der Beschwerdeführer auf die allgemeine Lage in Afghanistan,
die Machtübernahme durch die Taliban im August 2021 und die damit ver-
bundene Verschlechterung der Sicherheitslage verweist, ist festzustellen,
dass diese Nachteile keine gezielten, individuellen Verfolgungshandlungen
darstellen und daher grundsätzlich nicht asylrelevant sind; der allgemeinen
Gefährdungssituation wurde bereits mit der Anordnung der vorläufigen Auf-
nahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung ge-
tragen.
8.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus Afghanistan asyl-
rechtlich relevanter Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt ge-
wesen zu sein oder eine solche im Falle einer Rückkehr in objektiv begrün-
deter Weise befürchten zu müssen. Auf Beschwerdeebene wurde nichts
Stichhaltiges entgegengehalten und es wurden keine Beweismittel einge-
reicht, die an dieser Einschätzung etwas zu ändern vermöchten. Die Vor-
instanz hat demzufolge zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und
sein Asylgesuch abgelehnt.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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9.3 Die Wegweisungsvollzugshindernisse (Unzulässigkeit, Unzumutbar-
keit und Unmöglichkeit; vgl. Art. 83 Abs. 2–4 AIG) sind alternativer Natur:
Sobald eines von ihnen erfüllt ist, ist der Wegweisungsvollzug als undurch-
führbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss
den Bestimmungen der vorläufigen Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE
2011/24 E. 10.2 und 2009/51 E. 5.4, je m.w.H.). Da der Beschwerdeführer
mit Verfügung des SEM vom 22. Juni 2022 wegen gegenwärtiger Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen wurde (vgl.
Dispositivziffer 4 der angefochtenen Verfügung), erübrigen sich praxisge-
mäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegwei-
sungsvollzugs.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen,
soweit darauf einzutreten ist.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Da seine Begeh-
ren nicht zum Vornherein als aussichtlos betrachtet werden konnten und
weiterhin von der Mittelosigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist, ist
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss
Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen. Es sind keine Verfahrenskosten zu er-
heben.
11.2 Mit dem vorliegenden Urteil ist der Antrag auf Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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