Decision ID: b80d4bbd-3d43-49ae-9396-451dc189e508
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1987, meldete sich am 1
5.
Dezember 2014 bei der Inva
liden
versicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2). Die Sozialversiche
rungs
an
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, teilte ihr am 1
3.
Juli 2015 mit, dass aufgrund ihres Gesundheitszustandes keine beruflichen Massnahmen möglich seien (
Urk.
7/2
9
). Sie holte in der Folge unter anderem ein psychiatrisches Gut
achten ein, das am 2
4.
Oktober 2016 erstattet wurde (
Urk.
7/43).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/45-46) verneinte sie mit Ver
fügung vom 1
0.
März 2017 einen Rentenanspruch (
Urk.
7/51 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 2
6.
April 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
0.
März 2017 (
Urk.
2) und beantragte (
Urk.
1 S. 2 oben), diese sei aufzuheben (
Ziff.
1) und die IV-Stelle sei zu verpflichten, ihr die gesetzlichen Leistungen auszurichte
n, insbesondere ihr bis zur Wiedereingliederung eine ganze Rente aus
zurichten und Eingliederungsmassnahmen zu gewähren (
Ziff.
2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 3
1.
Mai 2017 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
8.
Juni 2017 wurden antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S.
oben
Ziff.
4) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt (
Urk.
8).
Die Beschwerdeführerin reichte am
7.
September 2017 eine Replik ein (
Urk.
10), die Beschwerdegegnerin verzichtete am 1
1.
Oktober 2017 auf Duplik (
Urk.
13).
Am
5.
März 2018 nahm die Beschwerdeführerin aufforderungsgemäss (vgl.
Urk.
16) zur mit BGE 143 V 409 und 143 V 418 geänderten Rechtsprechung Stellung (
Urk.
20). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 1
0.
April 2018 darauf, dazu Stellung zu nehmen (
Urk.
23), was der Beschwerdeführerin am 1
8.
April 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
24).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE
140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016
E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indika
toren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsver
mögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapier
barkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweis
würdi
gung mitein
zubeziehen (BGE
143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die
funktionellen
Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heit
li
chen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindika
toren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbe
lastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderung eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im kon
kre
ten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten – allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung anhand der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 5.2.2 und 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «
funktioneller Schweregrad
»
(E. 4.3)
-
Komplex «
Gesundheitsschädigung
»
(E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «
Persönlichkeit
»
(Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «
Sozialer Kontext
»
(E. 4.3.3)
-
Kategorie «
Konsistenz
»
(Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.6
Verlauf und Ausgang von Therapien stellen wichtige Schweregradindikatoren dar. Es ist Aufgabe des medizinischen Sachverständigen, nachvollziehbar aufzu
zeigen, weshalb trotz (leichter bis) mittelschwerer Depression und an sich guter Therapierbarkeit der Störung im Einzelfall funktionelle Leistungsein
schränkun
gen resultieren, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (BGE 143 V 409 E.
4.5.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E.
5.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, es sei mit einer weiteren Verbesserung
d
es Gesundheitszustandes
der Beschwerde
führerin
zu rechnen. Gemäss dem eingeholten Gutachten sei von einem weiteren Abbau der Vermeidungshaltung, der Förderung der sozialen Fer
tig
keiten und einer Wiederherstellung der vollen Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt auszugehen (S. 1 unten). Im Gutachten sei nachvollziehbar erläutert, dass nicht von einer Persönlichkeitsstörung, sondern
von
höchstens akzentuier
ten Persönlichkeitszügen auszugehen sei.
Diesen fehle es aus juristischer Sicht an der erforderlichen Erheblichkeit (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), im Gutachten sei (auch) eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F40.1) diagnos
tiziert worden, welcher die Beschwerdegegnerin zu Unrecht keinen Krankheits
wert zuzuschreiben scheine (S. 13 f.
Ziff.
21 f.). Zudem habe die Beschwerde
geg
n
erin trotz entsprechendem Antrag (vgl.
Urk.
3/9) bisher keine Eingliederungs
massnahmen in die Wege geleitet (S. 14
Ziff.
23).
In der Stellung
nahme vom
5.
März 2018 äusserte sie sich unter anderem zu einzelnen der nunmehr massge
benden Standardindikatoren (
Urk.
20).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, wie es sich mit dem Gesundheitszustand, der Arbeits
fähigkeit und einem allfälligen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verhält.
Ein allfälliger Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen ist nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung. Soweit diesbezüglich Anträge gestellt wurden,
kann
nicht auf die Beschwerde ein
ge
treten
werden
.
3.
3.1
Vom
6.
bis
9.
Januar 2011 weilte die Beschwerdeführerin in der
Y._
, worüber am
2.
Februar 2011 berichtet wurde (
Urk.
3/5). Dabei wurden folgende Diagnosen genannt (S. 1
Ziff.
1):
-
Anpassungsstörung (ICD-10 F43.23)
-
Persönlichkeitsakzentuierung mit emotional-instabilen und
histrioni
schen
Zügen (ICD-10 Z73.1), Differentialdiagnose (DD) kombinierte Per
sönlichkeitsstörung
Die Beschwerdeführerin sei zur Krisenintervention aufgenommen worden und habe sich innerhalb kurzer Zeit deutlich entlastet gezeigt (S. 2
Ziff.
5). Es werde eine engmaschige psychiatrisch-psychotherapeutische Weiterbehandlung vor
zugs
weise im Rahmen eines ambulanten Settings empfohlen (S. 3
Ziff.
6).
3.2
Vom 10. November bis 30. Dezember 2014
weilte
die Beschwerdeführerin
i
m
Z._
, Privatklink für Psychiatrie und Psychotherapie,
worüber am 1
2.
Februar 2015 berichtet wurde (
Urk.
7/26). Dabei wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt (
Ziff.
1.1):
-
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
abhängige Persön
lichkeitsstörung (ICD-10 F60.7)
Es wurde eine Arbeitsunfähigkeit als Verkäuferin von 100
%
seit 1
0.
November 2014 attestiert (
Ziff.
1.6).
Die Prognose hinsichtlich einer langfristigen (zumindest teilweisen) Arbeitsfähig
keit sei günstig, jedoch sei mit einer l
ängeren Rehabilitationsphase zu
rechnen (
Ziff.
1.4 vor
Ziff.
1.5).
Der Zustand der Patientin habe sich im Verlauf der
Hospitalisation
leicht ver
bes
sert. Innerhalb der nächsten 6 Monate s
e
i mit einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin zu rechnen, langfristig erscheine eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
als möglich (S. 1
lit
. b).
3.3
Dr.
med.
A._
, Fachärztin
für Psychiatrie und Psychotherapie,
und
dipl.
psych.
B._
, Fachpsychologin SPV und FSP, führten in ihrem
am 10. Juli 2015 eingegangene
n
Bericht (Urk. 7/28)
aus, die Beschwerdeführerin habe sich von Oktober 2010 bis Februar 2013, von Juni bis August 2014 und nunmehr seit März 2015 in Behandlung befunden (
Ziff.
1.2). Sie nannten
die
gleichen
Diagnosen
wie die im Austrittsbericht des
Z._
(vor
stehend E. 3.1) genannten (
Ziff.
1.1) und attestierten eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom 12. Mai bis 30. Juni 2015
(
Ziff.
1.6)
.
I
n einem weiteren
Bericht vom 24. Juni 2016 (Urk. 7/33) nannten
sie nunmehr folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
-
posttraumatische Belastungsstörung
(komplex / chronisch
;
ICD-10 F43.1)
-
generalisierte Angststörung
(ICD-10 F
41
.1)
-
Depression (ICD-10 F32.1)
Zum Befund führten sie aus, d
ie Diagnose der generalisierten Angststörung stehe im Vordergrund
, und erwähnten
ein starkes Vermeidungsverhalten
, vor al
lem
eine
Angst vor sozialen Kontakten (
Ziff.
1.3
).
Die bisherige Tätigkeit könnte momentan während 2-4 Stunden pro Tag ausgeübt werden (
Ziff.
2.1).
Für Mass
nahmen der Wiedereingliederung bestehe eine Belastbarkeit von zwei Stunden pro Tag
, langsam steigend
(
Ziff.
4.2
).
3.4
Med.
pract
.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
therapie, Oberärztin, Tagesklinik
D._
,
E._
, führte in ihrem Bericht vom 2
2.
Juli 2016 (
Urk.
7/37) aus, die Beschwerdeführerin habe sich dort vom
8.
März bis
4.
April 2016 in teilstationä
rer Behandlung befunden (
Ziff.
1.2). Sie nannte folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
-
posttraumatische Belastungsstörung (komplex / chronisch), bestehend seit der Jugend (ICD-10 F43.1)
-
sozialphobische Entwicklung als Reaktion auf die traumatischen Ereig
nisse (ICD-10 F40.1)
-
kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen mit abhängigen und vermeidenden Zügen, bestehend seit der Adoleszenz (ICD-10 F61)
Sie führte unter anderem aus, die Patientin leide vor allem unter sozialphobischen oder ängstlich vermeidenden Symptomen, die sie im zwischenmenschlichen Kon
takt einschränkten (
Ziff.
1.7), und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % während der Behandlungszeit vom
8.
März bis
4.
April 2016 (
Ziff.
1.6).
3.5
Dr. med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete a
m 24. Oktober 2016
ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk. 7/43).
Er stützte sich auf die ihm überlassenen Akten (S. 2 ff.), die Angaben der
Beschwerdeführerin (S. 4 ff.) und die von
ihm
anlässlich der Exploration vom 13.
Oktober 2016 (S. 1 Mitte) erhobenen Befunde (S. 8 f.).
Er nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 9 Ziff.
5.1):
-
mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10 F32.11)
-
v
orbestehende generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1
)
Der Gutachter führte unter anderem aus, die Beschwerdeführerin sei
während der Pubertät vom eigenen Vater sexuell belästigt
worden
, wobei es nicht zum Aus
bruch einer symptomatischen
posttraumatischen Belastungsstörung
gekommen sei. 1
6-jährig
sei sie über ihren Partner
in die Pornobranche
gekommen
.
Aus Sicht des Gutachters sei es w
ährend der fünfjährigen Tätigkeit und mehrerer
Retrau
matisierungen
bei
ihr
zu einer zunehmenden Ausschöpfung
der „Verdrängungs
kapazität"
gekommen
, was initial zu einer Akzentuierung
einer
generalisierten
Ängstlichkeit mit de
n
dafür typischen Sorgen, Anspannungen, motorischen Spannungen und
vegetativen
Ü
bererregbarkeit mit einer Vielzahl von psychoso
matischen Beschwerden, Gereiztheit
und vorüber
gehenden Störungen der Impuls
kontrolle
geführt habe. Bereits im Oktober 2010 habe sie eine psychiatrisch-psy
chotherapeutische Behandlung aufgenommen (S. 10 Mitte).
Ab November 2014 sei ihr Zustand sowohl aktenmässig als auch anamnestisch geprägt
gewesen
durch eine ausgeprägt reduzierte psychische Belastbarkeit mit starken Stimmungsschwankungen, intermittierenden Störungen der Impulskon
trolle und einem eine Zeitlang fast vollständigen Verlust der Tagesstruktur. Die therapeutische Aufarbeitung einer Vielzahl traumatischer Lebensereignisse sei aus seiner Sicht ursächlich für den protrahierten Verlauf der depressiven Symp
tomatik anzunehmen (S. 10).
Eine komplexe posttraumatische
Belastungsstörung trete als eine verzögerte Reaktion auf ein belastendes Ereignis innerhalb von sechs Monaten nach einem Trauma mit de
n
dafür typischen aufdrängenden Erinnerungen, emotionale
r
Stumpfheit, Gleichgültigkeit anderen Menschen gegenüber und Teilnahmslosig
keit der Umgebung gegenüber,
Anhedonie
und Vermeidungshaltung, insbeson
dere Vermeidung von Situationen, die Erinnerungen an ein Trauma wachrufen könnten, auf. Bei der Explorandin
seien
nach den sexuellen Übergriffen ihres Vaters aktenmässig keine
dieser Symptome dokumentiert und
seien
auch anam
nestisch anlässlich der
aktuellen
Exploration
n
icht zu erheben, womit keine komplexe posttraumatische Belastungsstörung
beziehungsweise nach ICD-10 keine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastungen bestätigt werden könne (S. 10 f.).
Eine Persönlichkeitsstörung werde charakterisiert durch ein anhaltend auffälliges Verhaltensmuster bezüglich Kognitionen, Wahrnehmungen und sozialer Interak
tionen, anhaltende Störungen der Impuls- und Affektkontrolle und durch ein deutlich eingeschränktes Leistungsniveau. Die Explorandin habe bis 2011 trotz ihrer verdrängten traumatischen Ereignisse eine konstante Arbeitsleistung erbracht, konstante zwischenmenschliche Beziehungen gepflegt. Auch eine anhaltende Störung der Impuls- oder Affektkontrolle sei nicht festzustellen, womit höchstens von akzentuierten ängstlichen und in Drucksituationen von emotional-instabilen Persönlichkeitszügen ausgegangen werden könne (S. 11).
Die psychische Instabilität der Explorandin sei damit aus Sicht des Gutachters auf die therapeutische Verarbeitung der traumatischen Lebensereignisse zurückzu
führen, wobei die therapeutischen Fortschritte von der Explorandin bereits wahr
genommen worden seien und vom Gutachter anlässlich der aktuellen Exploration hätten bestätigt werden können. Gegenwärtig könne bei ihr in diagnostischer Hinsicht von einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischen Sympto
men bei vorbestehender und gegenwärtig teilremittierter generalisierter Angst
störung ausgegangen werden (S. 11 Mitte).
Trotz einer festgestellten Verbesserung des psychischen Zustandes könne ihr immer noch keine verwertbare Arbeitsfähigkeit auf dem freien Wirtschaftsmarkt attestiert werden. Deswegen benötige sie ergänzend zu den bereits etablierten und fachgerechten therapeutischen Massnahmen berufli
c
he
Massnahmen im Sinne eines Belastbarkeitstrainings mit anschliessendem Arbeitstraining
für je drei Monate
.
Unter einer Kombination der vorgeschlagenen therapeutischen und beruflichen
Massnahmen
sei
mit einer weiteren Verbesserung der psychophysi
schen Leistungsfähigkeit, mit einem weiteren Abbau der Vermeidungshaltung sowie Förderung
ihrer sozialen Fertigkeiten und Wiederher
stellung der vollen Arbeitsfähigkeit auf dem freien
Wirtschaftsmarkt auszugehen. Damit
sei
eine ins
gesamt sehr günstige
Prognose sowohl in Bezug auf den Krankheitsverlauf als auch in Bezug auf die Wiederherstellung
und Erhaltung der vollen Arbeitsfähig
keit anzunehmen
(S
.
11 vor
Ziff.
7).
Der protrahierte Krankheitsverlauf und die psychische Instabilität der Exploran
din seit November 2014 trotz fachgerechter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung seien auf die Bearbeitung beziehungsweise Wahrnehmung der trau
matischen Lebensereignisse zurückzuführen, wobei sich bereits eine Beruhigung beziehungsweise anhaltende Verbesserung des psychischen Zustandes sowohl subjektiv als auch objektiv angebahnt habe. Trotz dieser diagnostischen Differen
zen zu einzelnen früheren Beurteilungen könne die attestierte 100%ige Arbeits
unfähigkeit als absolut plausibel angenommen werden (S. 13
Ziff.
8.6).
Basierend auf dem Mini-ICF-APP führte er aus, bei der Explorandin könne von schweren Beeinträchtigungen der Anpassung an Regeln und Routine, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Anwendung fachlicher Kompetenzen, Entscheidungs
fähigkeit, Durchhaltefähigkeit, Selbstbehauptungsfähigkeit und Gruppenfähigkeit ausgegangen werden (S. 9 oben).
Aus psychiatrischer Sicht könne von einer in der Längsschnittbeurteilung anhal
tenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit seit November 2014 ausgegangen werden (S. 11
Ziff.
7.2).
Auch in anderen (adaptierten) Tätigkeiten betrage die Arbeitsunfähigkeit 100
%
(S. 11
Ziff.
7.3). D
ie - bis zirka 2009 ausgeübten (vgl.
Urk.
7/26 S. 2 unten) -
Tätigkeiten in der Erotikbranche
seien
der Explorandin medizinisch nicht mehr zuzumuten.
Nach der Symptomrückbildung
könne
sie aber die Tätigkeit als Ver
käuferin ohne
Einschränkungen ausführen. Auch sämtliche
ihrem Bildungs
niveau entsprechenden
Verweistätigkeiten
könne sie
nach
erfolgten
beruflichen Massnahmen ausüben
(S. 12
Ziff.
7.4)
.
Die bisherige Therapie sei, bei sehr guter Kooperation
der Explorandin, fachge
recht durchgeführt worden und habe bereits zu einer Verbesserung ihres psychi
schen Zustandes geführt. Unter den bereits etablierten therapeutischen Mass
nahmen sei mit einer weiteren Verbesserung des psychischen Zustandes und der Arbeitsfähigkeit zu rechnen (S. 12
Ziff.
8.1)
.
Seit November 2014 sei aufgrund der psychischen Instabilität der Explorandin keine berufliche Eingliederung durchgeführt
worden
.
Eine berufliche Eingliede
rung im Sinne eines Belastbarkeitstrainings (initial
zirka
drei bis vier Stunden pro Tag)
könne
jederzeit in die Wege geleitet werden.
Bei protrahiertem Krankhe
i
ts
verlauf
beziehungsweise
nach längerer Arbeitsunfähigkeit benötig
e
die Exploran
din initial während drei Monaten ein Beschäftigungsprogramm (beginnend
mit
zirka
drei bis vier Stunden täglich) mit anschliessendem Arbeitstraining
während
zirka
drei Monaten.
Unter der Kombination von medizinischen und den vorge
schlagenen beruflichen
Massnahmen
sei
innerhalb von sechs Monaten mit der Wiederherstellung einer
vollen Arbeitsfähigkeit auf dem freien Wirtschaftsmarkt zu rechnen
(S. 12
Ziff.
8.2)
.
Aufgrund der psychischen Instabilität der Exploran
din seien e
ine berufliche Eingliederung
beziehungsweise Eingl
iederungsmass
nahmen erst nach einem Belastbarkeits
training mit
anschliessendem Arbeits
training möglich
(S. 13
Ziff.
8.2.5)
.
Es sei von einer sehr günstigen Prognose bezüglich Wiederherstellung und Erhal
tung der vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen (S. 13
Ziff.
8.3).
Die Konsistenz betreffend führte der Gutachter aus, die erhobenen Unter
su
chungs
befunde stimmten mit den anamnestischen Angaben bezüglich Aktivi
täts
niveaus der Explorandin überein. Das Ausmass der geschilderten psychischen Beschwerden stimme mit der Inanspruchnahme der therapeutischen Massnahmen überein. Die Angaben der Explorandin wichen nicht erheblich von der Aktenlage ab. Bei der Anamneseerhebung seien keine Widersprüchlichkeiten festzustellen. Das Verhalten der Explorandin während der Testdurchführung sei konsistent gewesen und die Testergebnisse stimmten mit den objektiven Befunden überein (S. 13
Ziff.
8.4.3).
3.6
Die leitende Ärztin der Frauenklinik,
G._
, nannte in ihrem
Bericht vom 25. April 2017 (Urk. 7/52
=
Urk. 3/7)
folgende Diagnosen (S. 1):
-
rezidivierend Herpes
genitalis
und
labialis
(Erstdiagnose 2003)
-
psychosoziale Stresssituation
-
Raynaud-Symptomatik
seit einigen Monaten
-
Hashimoto-Thyreoidit
i
s
3.7
Vom
20.
Juni bis 1
9.
Dezember 2017 absolvierte die Beschwerdeführerin ein Qua
li
fi
zierungsprogramm zur beruflichen und sozialen Integration bei der
H._
in einem Umfang von 40
%
(vgl.
Urk.
11/2).
In einem Zwischenbericht vom 1
9.
Dezember 2017 (
Urk.
21/1) wurde ausgeführt, die Präsenzquote habe rund 60
%
betragen (S. 2 Mitte).
4.
4.1
Der Gutachter
Dr.
F._
begründete, unter Bezugnahme auf die
diagnose
rele
vanten Befunde
, die von ihm gestellten Diagnosen einlässlich und setzte sich zudem ebenso sorgfältig mit früher gestellten Diagnosen auseinander.
Der - ten
denziell erfolgreiche -
Behandlungs
verlauf
ist sorgfältig nachgezeichnet, ebenso das bisherige Ausbleiben von
Eingliederungs
massnahmen. Sodann äusserte sich der Gutachter zur
Persönlichkeitsdiagnostik
und insbesondere den
persönliche
n
Res
sourcen
, wie auch zum sozialen
Kontext
. Schliesslich nahm
er ausdrücklich und begründet zum Aspekt der Konsistenz Stellung.
Die gutachterliche Beurteilung, wenn gleich vor der diesbezüglichen Recht
spre
chungs
änderung erstattet, umfasste das ganze Leistungsprofil mit sowohl nega
tiven als auch positiven Anteilen und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeits
unfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde.
Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob sich der
Gutachter an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungs
ver
mögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt ha
t
(BGE
141 V 281 E. 5.2.2), ist demnach klar zu bejahen. Die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grund
lage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit nachweisen.
Somit ist hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit auf das Gutachten abzustellen
.
4.2
Im Rahmen der Beweiswürdigung ist von der Rechtsanwendung zu prüfen, ob bei der medizinischen Einschätzung ausschliesslich funktionelle Ausfälle berück
sich
tigt wurden und ob die Zumutbarkeitsbeurteilung auf einer objekti
vier
ten Grund
lage erfolgte; es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Mass
gabe des strukturierte
n Beweisverfahrens stattfinden
(BGE 141 V 281 E. 6).
Umso weniger angezeigt ist die Methode, wonach eine
als solche bezeichne
te Fachexpertin (unbekannter Qualifikation) gezielt Passagen aus einem Gutachten heraussucht, die belegen sollen, dass die versicherte Person in einem Umfang über Ressourcen verfüge, das den Schluss erlaube, es liege keine Arbeitsfähigkeit im gutachterlich attestierten Ausmass vor.
4.3
Im Gutachten (
Urk.
7/43) wurde von November 2014 bis und mit Zeitpunkt des Gutachtens (Oktober 2016) eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestätigt. Sodann wurde eine günstige Prognose abgegeben, die allerdings zwei Voraussetzungen für eine mögliche Verbesserung der Arbeitsfähigkeit nannte, nämlich eine fort
gesetzte medizinische Behandlung (S. 12
Ziff.
7.4) und die Durchführung näher bezeichneter Eingliederungsmassnahmen (S. 12
Ziff.
8.2).
Die Beschwerdegegnerin hat in der Folge in beiderlei Hinsicht nichts unter
nommen. Weder hat sie
die Fortsetzung der medizinischen Behandlung ange
mahnt, noch ist sie der gutachterlichen Empfehlung betreffend Eingliede
rungs
massnahmen gefolgt.
Vielmehr hat sie sich auf den Standpunkt gestellt, es liege gar kein anspruchs
re
levanter Gesundheitsschaden mit dauerhafter Einschränkung der Arbeits
fähigkeit vor (
Urk.
7/44 S. 6). Diese - wiederum von der als solche
r
bezeichneten Fachex
pertin abgegebene -
Beurteilung
ist nicht nachvollziehbar, dies angesichts von fachärztlich und gutachterlich bestätigten Diagnosen und einer über rund zwei Jahren anhaltenden vollständigen Arbeitsunfähigkeit. Dass die Prognose als günstig beurteilt wurde, ist nicht hinreichend, um der gutachterlich festgestellten Beeinträchtigung die Erheblichkeit abzusprechen.
Die im Gutachten gestellte Prognose sagt nichts darüber aus, ob im Verfügungs
zeitpunkt (März 2017) die Arbeitsfähigkeit effektiv verbessert war, und bejahen
denfalls in welchem Umfang.
Wie es sich damit verhält, kann nicht bestimmt werden, denn die Beschwerde
gegnerin hat diesbezüglich vor Verfügungserlass keine weiteren Abklärungen veranlasst.
4.4
Die von der Beschwerdegegnerin angeführten Gründe, ein
en Rentenanspruch zu verneinen, erweisen sich damit als nicht stichhaltig. Dementsprechend ist die angefochtene Verfügung aufzuheben.
Die Sache ist - mit der Feststellung, d
ass bei gutachterlich be
s
tätigten, anspruchs
relevanten
Diagnose
n
eine volle Arbeitsunfähigkeit
von November 2014 bis Oktober 2016 ausgewiesen ist - an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie einen allfälligen Rentenanspruch prüfe. Zweckmässigerweise wird sie sich zudem mit den gutachterlich empfohlenen Eingliedermassnahmen befassen, über die noch nicht verfügt wurde.
In diesem Sinn ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
800.-- festzusetzen und aus
gangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Der unentgeltliche Rechtsvertreter hat am 2
6.
Oktober 2017 (
Urk.
15) und
5.
März 2018 (
Urk.
20 S. 8 f.
Ziff.
14) für seine Bemühungen (28.3 + 7.8 =) 36.1 Stunden und Auslagen von
Fr.
60.-- (
Arztbericht) und 3
%
des Honorars in Rechnung gestellt. Fakturiert wurden unter andere
m
15.8 Stunden für das Verfassen der Beschwerde, 4.5 Stunden für das Verfassen der Replik und 7.8 Stunden im Zusammenhang mit der ergänzenden Stellungnahme vom
5.
März 201
8.
5.3
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer) wird - auch im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung - namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
5.4
Der vom unentgeltlichen Rechtsvertreter geltende gemachte Aufwand (vor
ste
hend E. 5.2) ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen, sondern ist als nachgerade übersetzt zu bezeichnen.
Im Zeitpunkt des Verfügungserlasses umfasste das Dossier der Beschwerde
gegne
rin lediglich 51 Aktenstücke. Die Beschwerdeschrift hat einen Umfang von brutto 17 Seiten, die Replik einen solchen von 5 Seiten, die ergänzende Stellungnahme einen solchen von 8 Seiten.
Angesichts de
s
dafür erforderlichen Aufwandes und der in vergleichbaren Fällen ausgerichteten Entschädigung sind total 14 entschädigungsberechtigte Stunden anzurechnen, womit sich die Entschädigung beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
gerundet
Fr.
3'500.-- (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) beläuft.
In diesem Umfang hat die Beschwerdegegnerin den unentgeltlichen Rechtsver
treter zu entschädigen.